Einzelnummer 10 Pfennige
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”; Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 88
193. Jahrgang
Samstag, den 29. März 1930.
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(4 Dollar — 420 Marh. — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streit uſw., erliſcht
jede Verpfſchtung auf Erfüllung der
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aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bel
Konkurs oder gerichtlicher Beltreibung fällt ſeder
Rabat weg. Banſtonio Deutſche Bani und Dame
ſädter und Nationalbank.
Sie Bemühungen um das neue Kabinett.
Dr. Brüning vom Reichspräſidenken beaufkragk. — Keine koalikionsmäßige Bindung. — Bildung eines
Uinderheitskabinetts zur Erledigung der ſtaatsnolwendigen Aufgaben. — Die Sozialdemokraken verſagen
ihre Mikarbeit. — Bekeiligung Schieles am neuen Kabinekk?
Kanzler war und inzwiſchen auch zum Reichspräſidenten
gebe=
ten wurde, hat auf die beiden Fragen Antwort verlangt,
Die Bilanz des erſten Tages.
welches agrariſche Reformprogramm im Rah=
Das Kabinett Brüning im Werden.
Berlin, 28. März.
Der Reichspräſident empfing am Freitag
vormit=
den Reichstagsabgeordneten Dr. Brüning
Unp erteilte ihm den Auftrag zur Neubildung der
Reichsregie=
ung. Hierbei brachte der Reichspräſident zum Ausdruck, daß es
yn angeſichts der Schwierigkeiten der
parla=
ientariſchen Lage nicht zweckmäßig erſcheine, die
ünftige Reichsregierung auf einer
koalitions=
täßigen: Bildung aufzubauen. Dr. Brüning
iat den ihm in dieſer Form erteilten Auftrag
n genvmmen. Außerdem empfing der Reichspräſident am
freitag vormittag den Reichstagspräfidenten Lvebe zu einer
Be=
wechung der durch den Geſamtrücktritt der Reichsregierung
ent=
andenen politiſchen Lage.
* Dr. Brüning hat ſich ſofort an die Arbeit gemacht,
in=
ſen er ſich in das Kanzlerzimmer des Reichstages ſetzte und
ſir, entfernt von dem Sammelpunkt menſchlicher Eitelkeiten in
er Wandelhalle, in ununterbrochener Folge die
Fraktions=
ührer, wie auch die einzelnen Abgeordneten,
ie er für die Bildung eines Kabinetts in Ausſicht
neh=
nen will, empfangen. Den Reigen eröffneten die
5ozialdemokraten Dr. Breitſcheid und der verfloſſene
ſanzler Müller, es war aber wohl mehr eine Formſache, wenn
* den Sozialdemokraten einen Sitz im Kabinett anbot und
hier=
ür Herrn Severing in Ausſicht nahm. Er konnte nicht im
Zwei=
el darüber ſein, daß das Günſtigſte, was er von den
Sozial=
mokraten zu erwarten hat, wohlwollende Neutralität iſt.
Wenn man in den Abendſtunden die Bilanz des
Ta=
s zieht, dann iſt zunächſt feſtzuſtellen, daß es Dr. Brüning
licht gelungen, iſt, am erſten Tage bereits das
kabinett zuſtande zu bringen. Das war aber auch
aam zu erwarten, weil die perſönlichen und zeitlichen Umſtände
ſafür reichlich ungünſtig lagen. Immerhin klärt ſich das Bild
ſach bereits einigermaßen. Auf den Gedanken, neue
parlamen=
griſche Kräfte in ſein Kabinett zu nehmen, hat Dr. Brüning
eerzichtet. Er will die alten Mitarbeiter, ſoweit ſie
iich ihm zur Verfügung ſtellen, wieder
auf=
nehmen. Damit iſt ein großer Teil der
Mini=
terien bereits beſetzt, wenn auch in einzelnen Fällen
interne Umgruppierungen erfolgen. Wenn die
So=
ſialdemokraten ſich verfagen, dann iſt ſelbſtverſtändlich, daß der
ſüriftige Kanzler ſeine Koalition nach rechts hin zu
er=
weitern ſucht. Er hat ſich deshalb an die
Volkskonſer=
dativen, an die Wirtſchaftspartei und an den agra=
Eſchen Führer Schiele gewandt und von ihnen
wenig=
ſtens bedingte Zuſagen bekommen. Profeſſor Bredt
oon der Wirtſchaftspartei iſt bereit, in das Kabinett einzutreten,
henn Herr Schiel das Ernährungsminiſterium übernimmt —
die Kandidatur des heſſiſchen Zentrumsabgeordneten Dr. Bockius
ſir das Juſtizminiſterium, die vorübergehend im Vordergrund
ſtrnd, iſt wieder unter den Tiſch gefallen —, während der
Volks=
kumſervative Treviranus die Leitung der
Reichs=
kanzlei als Staatsſekretär innehaben ſoll. Herr Dr.
Birth dürfte neben dem Miniſterium der
beſetz=
ten Gebiete auch das Innenminiſterium
überneh=
ſen, während Herr v. Gugrard vermutlich ausſcheidet. Man hat
ihm zwar das Verkehrsminiſterium zugeſagt, das aber
derr Stegerwald behalten ſoll, nachdem er das
Arbeits=
häniſterium abgelehut hat. Der Demokrat Dr. Dietrich,
der bisherige Ernährungsminiſter, iſt von Dr. Brüning
beſon=
ders herzlich um ſeine weitere Mitarbeit gebeten worden und
hird vermutlich in das Wirtſchaftsminiſterium hinein=
Ahen, während die übrigen Miniſterien ihre alten Inhaber
be=
hulten.
Es bleiben zwei Schwierigkeiken,
die in den Namen Schiele und Dr. Curtius zuſammengefaßt
ſid. Herr Dr. Curtius iſt am Donnerstag abend. aus Lo=
Carno abgereiſi und wird am Samstag früh in Berlin
awartet. Es iſt für die Volkspartei eine ſelbſtverſtändliche
Chrenpflicht, daß ſie auf der Beibehaltung ihrer beiden
Mitglie=
der im Kabinett entſcheidendes Gewicht legt. Das hat der Frak=
Wonsvorſitzende Dr. Scholz dem neuen Kanzler gegenüber
zum Ausdruck gebracht. Herrn Scholz ſelbſt iſt das Amt des
Lizekanzlers angeboten worden, doch hat er ſich ſeine
Entſcheidung vorbehalten, bis Klarheit darüber beſteht, daß die
sherigen Miniſter Curtius und Moldenhauer im
leuen Kabinett eine ihren Wünſchen entſprechende Stellung
er=
halten. Das wird erſt am Samstag morgen, nach einer
Aus=
wrache zwiſchen dem Nanzler und Dr. Curtius möglich ſein.
s iſt bekannt, daß die Rede Dr. Brünings als Vorſitzender der
entrumsfraktion zu den Young=Geſetzen im Reichstag eine
emlich ſcharfe Kritik an der Außenpolitik enthielt, und es wäre
Mmerhin denkbar, daß eine Zuſammenarbeit zwiſchen den
bei=
den Männern nicht möglich iſt. Hier ſetzt auch das Problem
Schiele ein. Herr Schiele, der wiederholt bei dem neuen
men des neuen Kabinetts möglich iſt, und wie
vor allem die künftige Oſtpolitik, die für den
deutſchen Bauern entſcheidend iſt, ſich geſtalten
Reichstagsabgeordneter Dr. Brüning.
Der am Freitag vormittag vom Reichspräſidenten mit der
Kabi=
nettsbildung beauftragte Führer der Zentrumsfraktion des
Reichs=
tages Dr. Heinrich Brüning iſt am 26. November 1885 in Münſter
in Weſtfalen geboren. Er beſuchte die Univerſitäten München,
Straßburg und Bonn, wo er Geſchichte, Philoſophie und
Staats=
wiſſenſchaften ſtudierte. Im Jahre 1911 machte er das
Staats=
examen für das höhere Lehramt, 1915 das Doktorexamen. In den
Jahren 1911 und 1913 unternahm er Studienreiſen in England
und Frankreich. Am Kriege nahm er von 1915 bis 1918 teil.
Dr. Brüning iſt Inhaber des Eiſernen Kreuzes 1 und 2. Klaſſe.
1919 trat er als Referent in das preußiſche Wohlfahrtsminiſterium
ein. Seit 1921 iſt er Geſchäftsführer des Deutſchen
Gewerkſchafts=
bundes. In den Reichstag wurde er 1924 als Vertreter des
7. Wahlkreiſes (Breslau) gewählt.
würde. Auch darüber ſoll am Samstag vormittag
weiterge=
ſprochen werden, ſo daß theoretiſch Herr Dr. Brüning die
Mög=
lichkeit hätte, am Samstag mittag dem Reichspräſidenten ſein
neues Kabinett vorzuſtellen. Wenn aber das Kabinett ſteht, iſt
es immer noch ſchwierig, über ſeine weiteren Abſichten Klarheit
zu gewinnen.
Die Ausſichken des neuen Kabinelts beim
parlamenkariſchen Skark.
Der Kanzler beabſichtigt, ſich am Dienstag mit einer
kur=
zen Erklärung im Reichstag vorzuſtellen und rechnet darauf, daß
die Sozialdemokraten nicht Oppoſition um jeden Preis, ſondern
ihm bei der Erledigung der
Staatsnotwendigkei=
ten keine Schwierigkeiten machen werden. Dazu gehört
der neue Etat. Dazu gehört aber auch die
Finanzre=
form mit den neuen Steuergeſetzen. Bei der
Rege=
lung der Arbeitsloſenreform wird natürlich ſofort der
geſchloſſene Widerſtand der Sozialdemokraten einſetzen.
Zwei=
felhaft iſt dagegen, ob die Deutſchnationalen aus dem
Ein=
tritt des Miniſters Schiele in das Kabinett —
was vermutlich ſei en Austritt aus der deutſchnationalen
Frak=
tion bedeuten würde — irgendwelche Folgerung in ihrer
Einſtel=
lung zu dem neuen Kabinett zu ziehen bereit ſind. Ein
Billi=
gungsantrag hätte kaum Ausſicht auf Annahme, wenn nicht die
Sozialdemokraten in ſehr hohem Maße abkommandieren.
Da=
gegen wäre immerhin denkbar, daß die von der äußerſten
Rechten und von der äußerſten Linken eingebrachten
Mißtrauensvoten mit wechſelnden Mehrheiten abgelehnt
oder durch Stimmenthaltung der Sozialdemokraten und eines
Teiles der Deutſchnationalen unſchädlich gemacht würden. Damit
werde der parlamentariſche Start des neuen
Ka=
binetts geſichert, deſſen Baſis aber immerhin außerordentlich
ſchmal iſt. Man wird als ſicher annehmen dürfen, daß Dr.
Brü=
uing vom Reichspräſidenten die Vollmacht zur
Auflö=
ſung des Reichstags und zur Anwendung des
Artikels 48 erbeten und erhalten hat. Es iſt aber ebenſo
ſelbſtverſtändlich, daß er von dieſen beiden
Machtmit=
teln nur imäußerſten Notfall Gebrauch machen
wird, daß er alſo verſuchen wird, ob die Drohung allein nicht
ſchon genügt, die notwendigen Geſetze im Reichstag
durchzu=
drücken, womit dann der Entſcheidungskampf bis nach der
Oſter=
pauſe verſchoben würde. Inzwiſchen hätte das Kabinett
Gele=
genheit, durch praktiſche Arbeit zu zeigen, was es leiſten kann.
Nochmals „Zalſche Wege der heſſiſchen
Zlnanzpolikit.
Von Bürgermeiſter Dr. Niepoth, M. d. L., Schlitz.
Auf meinen Aufſatz in Nr. 78 des „Darmſtädter Tagblatts”,
hat der Herr Finanzminiſter geantwortet. Leider haben mich
ſeine Ausführungen aber nicht davon überzeugen können, daß
es die richtigen Wege ſind, die zu gehen er ſich anſchickt.
Zu=
nächſt: an der pſychologiſchen Seite des Problems geht er völlig
ſtillſchweigend vorüber. Ein Finanzminiſter, der der
Bevölke=
rung Opfer auferlegen will, muß auch von den
Regierungspar=
teien „Opfer” verlangen, d. h. er muß mindeſtens dann ſein
Veto einlegen, wenn die traditionellen Rechte der
Koalition auf Stellenbeſetzungen ſeine Maßnahmen auch ſachlich
ſchwer zu ſchädigen geeignet ſind.
Sachlich hatte ich die finanzielle Notlage des heſſiſchen
Staates auf drei Haupturſachen zurückgeführt und gefordert:
1. Dezentraliſation der Aufgaben von den Miniſterien an
die Lokalbehörden und damit verbunden Verkleinerung des
Beamtenkörpers der Zentralſtellen. Dieſe meine Forderung iſt
nicht nur volkstümlich — wie der Herr Finanzminiſter
meint —, ſondern auch ſachlich wohl begründet. Ich
weiß z. B., daß man einem neuernannten Miniſterialrat das
Betätigungsfeld direkt zuſammenſuchen mußte, da ſich jeder
ſeiner Kollegen aus begreiflichen Erwägungen wehrte, irgend
eines der ihm zugeteilten Referate abzugeben. Millionen ſind
allerdings bei dieſem Abbau nicht zu ſparen, das wird
zuge=
geben, darauf kommt es aber auch gar nicht an. Die Hauptſache
iſt, daß an der richtigen, nicht an der falſchen Stelle angefangen
wird. Und dann die Berufung auf den Reichsſparkommiſſar.
Gewiß hat dieſer den Aufbau der heſſiſchen Verwaltung für
ge=
ſund und im großen und ganzen für richtig erachtet. Das hat
ihn aber nicht abgehalten, auch bei den Miniſterien einſchneidende
Sparmaßnahmen zu fordern. Ich denke dabei an die von ihm
verlangte Zuſammenlegung der Miniſterien, Abbau der
Staats=
ratsſtellen beim Miniſterium der Juſtiz und beim Miniſterium
für Arbeit und Wirtſchaft. Dieſe Beiſpiele zeigen wohl zur
Ge=
nüge, daß man den Sparkommiſſar wohl als Kronzeuge für,
aber nicht gegen meine Anſicht benennen dürfte.
2. Beſchränkung der Beamtenſtellen auf ſolche, die zur
Er=
füllung ſtaatlicher Hoheitsaufgaben notwendig ſind. Wenn ſich
ſchon dieſe meine Auffaſſung „in manchem mit der der
Regie=
rung deckt”, ſo muß um ſo mehr bedauert werden, daß man
nicht die notwendigen Folgerungen zog, als meine Fraktion bei
Beratung des Kapitels Heil= und Pflegeanſtalten ihre
grundſätz=
liche Auffaſſung in einem entſprechenden Antrag niederlegte. An
der Notwendigkeit, unſerer Forderung grundſätzlich und
unver=
züglich nachzukommen, ändert auch die Tatſache nichts, daß man
damit naturgemäß keine ſofortigen größeren Erſparniſſe erzielen
kann. Der Finanzminiſter muß auch an die Zukunft denken und
eine Gefahrenquelle für die Finanzen des Landes im
frühſt=
möglichen Zeitpunkt zu beſeitigen ſuchen, und das beſonders,
wenn in dem Gutachten des Sparkommiſſars errechnet wird, daß
der Penſionsetat, der heute zirka 16 Mill. RM. beträgt, bis zum
Jahr 1946 auf 22 bis 27 Mill. angewachſen ſein dürfte.
3. Rückgängigmachung früherer Fehler der ſtaatlichen
Finanz=
politik, die darin beſtanden, daß ſich der Staat mit Aufgaben
belaſtete, die über ſeine finanzielle Leiſtungsfähigkeit
hinaus=
gingen. Ich muß allerdings geſtehen, daß die Art und Weiſe,
wie der Herr Finanzminiſter ſich mit dieſer meiner
Grundfor=
derung auseinanderſetzt, im Intereſſe der heſſiſchen Finanzen,
an deren Geſundung ihm doch genau ſo gelegen iſt wie mir,
außerordentlich betrübend iſt. Es kommt doch wirklich erſt in
zweiter Linie darauf an, welche Parteien den damaligen
Regie=
rungsvorſchlägen zugeſtimmt haben. Die Hauptſache bleibt doch,
welche Parteien die begangenen Fehler erkannt haben und
be=
ſtrebt waren, ſie wieder gut zu machen. Und da kann ich für die
Deurſche Volkspartei und auch für mich das Recht in Anſpruch
nehmen, ſeit fünf Jahren auf die Fehler des Syſtems
hin=
gewieſen zu haben. Leider ſind unſere Anträge bei den
Regie=
rungsparteien, auch bei dem damaligen Herrn, Finanzminiſter,
auf keine Gegenliebe geſtoßen, im Gegenteil, die Worte „vom
Läppchen ins Tüchelchen wickeln”, die damals vom
Regierungs=
tiſch aus gebraucht wurden, zeigen beſſer als alles andere, daß
die Einſicht fehlte. Leider ſcheint es heute nicht anders zu ſein.
Ich habe gelegentlich einem Beamten des Finanzminiſteriums
gegenüber geäußert, daß ich die Heranziehung der Gemeinden
mit 200 RM. je Schulſtelle zu den perſönlichen Volksſchullaſten
für durchaus unvertretbar hielte, denn die Gemeinden ſeien bei
der Feſtſetzung der Zahl der Stellen, bei dem Ausbau der
Fort=
bildungsſchule uſw. nicht gefragt worden. Die Gemeinden aber
mit einem mehrfachen des 200=RM.=Betrages — allerdings
unter Ueberweiſung der notwendigen
Steuer=
quellen — zu belaſten, halte ich für durchaus notwendig,
denn nur dann wären ſie an den vorgeſchlagenen und
vorzu=
ſchlagenden Erſparnismaßnahmen intereſſiert. Ob bei einer
ver=
ſtärkten Heranziehung der Gemeinden in der
Vergangen=
heit die Einrichtung der Sonderklaſſen, der Ausbau der
Fort=
bildungsſchule in allen Gemeinden im jetzigen Umfang erfolgt
wäre, wie dies in der Tat geſchehen iſt, weiß ich nicht. Ich weiß
aber, daß man alsdann heute nicht nötig hätte, Sparmaßnahmen
an der normalen achtklaſſigen Volksſchule in Erwägung zu
ziehen und die Gefahr heraufzubeſchwören, das Fundament aller
Erziehung zu untergraben oder wenigſtens zu ſchwächen.
Auf weitere Einzelheiten in den Ausführungen des Herrn
Finanzminiſters will ich nicht eingehen, insbeſondere will ich die
Auswertung der in der Zeitſchrift „Wirtſchaft und Statiſtik”
veröffertlichten Zahlen des innerſtaatlichen Finanz= und
Laſten=
ausgleichs einer ſpäteren Veröffentlichung vorbehalten.
Zuſam=
menfaſſend aber muß noch geſagt werden: Niemand wird die
Schwer, der dem Herrn Finanzminiſter bevorſtehenden Aufgabe
verkennen, niemand wird verkennen, daß der Geſamtheit ſchwere
Opfer auferlegt werden müſſen, niemand wird auch daran
zwei=
feln, daß der Ausgleich des Budgets und die von jedem
Ein=
ſichtsvollen geforderte Senkung untragbarer Steuerlaſten nicht
von heute auf morgen zu erreichen iſt. Aber zweierlei muß doch
Seite 2
Samstag, den 29. März 1930
Nummer 88
verlangt werden: Klarheit über die Fehler, die zu der jetzigen
finanziellen Notlage führten und der unbedingte Wille, ſie zu
beſeitigen, Ob wir allerdings nach der Stellungnahme des Herrn
Finanzminiſters, dem dieſer Wille ganz gewiß nicht abgeſprochen.
werden ſoll, die Hoffnung und die Gewißheit haben dürfen, daß
nunmehr die notwendigen Vorausſetzungen zur Geſundung der
heſſiſchen Finanzen gegeben ſind, das möchte ich der
Oeffentlich=
keit zur Beurteilung überlaſſen.
Die Kabinektsbildung.
Die unvermeidlichen Schwierigkeiten.
Dr. Brüning hat ſeine Bemühungen in der zehnten
Abend=
ſtunde abgebrochen, nachdem er noch eine längere Beſprechung
mit dem früheren Reichsernährungsminiſter Schiele gehabt
hatte, der vorher vom Reichspräſidenten empfangen worden und
auch bei dem deutſchnationalen Führer Hugenberg war. Die
Deutſchnationalen wollen offenbar Herrn Schiele
keine Schwierigkeiten machen, wenn er als
Perſon in das Kabinett geht. Die
agrarpoli=
tiſchen und allgemeinpolitiſchen Forderungen
aber, die er anmeldet, machen eine längere
Un=
terhaltung mit dem Außenminiſter Dr. Curtius
notwendig, der am Samstag in Berlin eintrifft. Dr.
Brü=
ning hat ſich auf eine gefährliche Ebene drängen laſſen, indem er
nun doch wieder über Programmpunkte verhandelt. Sein
Er=
folg iſt alſo noch mit mancherlei „Wenn und Aber” belaſtet.
Ge=
lingt es ihm, dieſe Schwierigkeiten zu beheben, dann würde
die Kabinelksliſte
etwa folgendermaßen ausſehen:
Kanzler: Dr. Brüning (Zentrum),
Vizekanzler: Dr. Scholz (D. V. P.),
Außenminiſter: Dr. Curtius (D. V. P.),
Finanzminiſter: Dr. Moldenhauer (D. V. P.),
Ernährung und Wirtſchaft: Schiele (deutſchnat.),
Wirtſchaft: Dr. Dietrich (Demokr.),
Wehrminiſter: Gröner,
Juſtiz: Dr. Bredt (Wirtſch.=Partei),
Poſt: Schätzl (Bayer. V.=P.),
Verkehr: Dr. Stegerwald (Zentrum),
Inneres und beſ. Gebiete: Dr. Wirth (Zentr.).
Das Arbeitsminiſterium bleibt vorläufig noch
offen. Unklar iſt auch noch die Stellung der
Volkskonſervativen, da Herr Treviranus eine
Mitarbeit im Kabinett vorläufig ablehnt, wenn Dr.
Curtius zurückkommt.
Die Selbſtausſchalkung der Sozialdemokraken.
Der ſozialdemokratiſche Parteiausſchuß iſt am Freitag im
Reichstag zuſammengetreten und hat über die politiſche
Lage beraten. Ueber die außerordentlich lebhafte Ausſprache
wurde im Reichstag ſehr viel erzählt. Rein tatſächlich iſt das
Verhalten der Fraktion ſchließlich gegen 6 oder 7 Stimmen
ge=
billigt worden. Wir glauben aber zu wiſſen, daß trotzdem der
Führung ziemlich kräftig zugeſetzt wurde, weil ſie ſich von den
Gewerkſchaftlern im entſcheidenden Augenblick die Leitung aus
der Hand nehmen ließ. Die große Mehrheit des
Parteiausſchuſ=
ſes war von dieſer Selbſtausſchaltung nicht gerade begeiſtert.
Beginnende Frühjahrsenklaſtung auf dem
Arbeitsmarkk.
Wie die Reichsanſtalt für Arbeitsvermittlnug und
Arbeitsloſenver=
ſicherung mitteilt, hat ſich die Zahl der Hauptunterſtützungsempfänger
in der Arbeitsloſenverſicherung in der erſten Märzhälfte 1930 um über
120 000 Perſonen auf den Stand von 2 258 000 am 15. März verringert.
Dieſe Verringerung in der Inanſpruchnahme der
Arbeitsloſenverſiche=
rung beweiſt den Beginn der üblichen Frühjahrsentſpannung auf dem
Arbeitsmarkte der äußeren Berufe. Dagegen hat die Zahl der
Haupt=
unterſtützungsempfänger in der Kriſenunterſtützung noch um etwa 9000
auf 286000 Perſonen am 15. März 1930 zugenommen. Die Zahl der
Notſtandsarbeiter konnte um 6500 auf 25000 Perſonen am 15. März
1930 erhöht werden. Die Geſamtzahl der Arbeitsloſen bei den
Arbeits=
ämtern, die bekanntlich höher iſt als die der Unterſtützungsempfänger,
be=
trug am 15. März rund 3 278 000 Perſonen. Dieſe Ziffer hat
gegen=
über dem Höchſtſtand am 28. Februar 1930 um rund 88 000 abgenommen
Zürſt Bismarcks Abſchied von Berlin.
Perſönliche Erinnerungen an die 40. Wiederkehr des 29. März.
Von Paul Lindenberg.
Vom Tage.
Der Deutſche Metallarbeiter=Verband, der
Chriſt=
liche Metallarbeiter=Verband und der Gewerkverein
Deut=
ſcher Mä tallarbeiter (Hirſch=Dunker) ſind übereingekommen,
dem Arbeitgeberverband für den Bezirk der Nordweſtlichen Gruppe des
Vereins Deutſcher Eiſen= und Stahlinduſtrieller den Rahmentarif
für die Metallinduſtrie der rund 230 000 Arbeiter umfaßt,
zum 30. April zu kündigen.
Seitens der ärztlichen Spitzenverbände in Preußen
iſt anläßlich der Abſtimmung im preußiſchen Landtag über die
Aus=
dehnung der Gewerbeſteuer auf die freien Berufe der Beſchluß
ge=
faßt worden, die Verträge mit den Krankenkaſſen zu
kündigen.
Die deutſch=franzöſiſchen Saarverhandlungen
waren in letzter Zeit ſtauk ins Stocken geraten. Die Führer der
beider=
ſeitigen Abordnungen haben den Blättern zufolge in einer Unterredung
vom Donnerstag beſchloſſen, die Verhandlungen nunmehr im
be=
ſchleunigten Tempo fortzuführen.
Reichsbankpräſident Dr. Luther iſt aus Paris kommend
in London eingetroffen. Der Reichsbankpräſident wird während ſeines
Londoner Aufenthaltes mit dem Gouverneur der Bank von England,
Montagu Norman, mehrere Beſprechungen haben.
Der franzöſiſche Senat hat zum Schluß ſeiner heutigen
Nachmittagsſitzung das Budget des Kriegsminiſteriums
durch Handerheben angenommen,
Die Annahme der Kohlenbill der engliſchen
Re=
gierung in dritter Leſung iſt auf Grund eines neuen Beſchlufſes der
Liberalen Partei, auf weitere Zuſatzanträge zu den weſentlichſten Punkten
der Bill zu verzichten, geſichert.
Das iriſche Kabinett Cosgrabe iſt nach ſeiner
Nieder=
lage bei der Abſtimmung über das Alterspenſionsgeſetz
zurückge=
treten.
Der Große Fasciſtenrat hat ſich mit weiteren
Maß=
nahmen zur Fasciſierung der Schulen befaßt. Alle
Stu=
denten der italieniſchen Unſvevſitäten werden künftig im
Fasciſti=
ſchen Akademikerbund vereinigt.
Der Jahrhundertfeier der griechiſchen
Unab=
hängigkeit iſt in der italieniſchen Kammer von
meh=
reren Abgeordneten, darunter Decio Garibaldi, in feſtlichen
An=
ſprachen gedacht worden. Muſſolini verſicherte, die Regierung
ſchließe ſich voll und ganz dieſen Reden an.
Eine Maſſenverſammlung gegen die
Religions=
verfolgungen in Rußland, die von 2500 Katholiken,
Prote=
ſtanten und Juden beſucht war, fand in der New Yorker
Me=
tropolitan Opera ſtatt.
Endlich hatten wir unſer Ziel erreicht, mit Drängen, Stoßen,
Schieben, mit freundlichen Entſchuldigungsworten und einigen
weniger freundlichen Rippenſtößen, mein langer Freund —
da=
mals Privatdozent und heute eine berühmte Leuchte der
Wiſſen=
ſchaft — und ich. Aber nun waren wir angelangt in der
Wilhelm=
ſtraße, uns dicht am Fahrdamm unſere Plätze erobernd. Welch”
ein ergreifender Anblick, dieſe gewaltigen Menſchenmaſſen, die
weithin die ſonſt ſo ſtille Diplomatenſtraße füllten, Kopf an
Kopf, in ganz merkwürdiger Ruhe. Kaum können die
Schutz=
männer eine ſchmale Fahrſtraße freihalten; immer wieder
ſchie=
ben ſich die langen, lebenden Ketten vor, mühſam von den
Trägern der Pickelhaube zurückgehalten. Es waren nicht die
Maſſen, die ſich ſonſt lärmend und ſchauluſtig zu feſtlichen
Ver=
anſtaltungen einfinden; die beſten Bürgerkreiſe waren vertreten,
auch viele Frauen darunter, in ſo manchen Mienen ſpiegelten
ſich Zorn und Grimm, ſo manches verhaltene Wort vernahm
man: „Unerhört!“ — „Sollen wir uns das gefallen laſſen?” —
„Den Mann läßt man ziehen!“
Hell und warm ſtrahlte die Frühlingsſonne hernieder, als
ob auch ſie mit ihrem goldenen Schimmer dem ſcheidenden
Kanzler den Abſchied von der Reichshauptſtadt, zu deren Größe
und Blüte er ſo viel beigetragen, ſchwer machen wollte.
Lang=
ſam vergeht die Zeit, die fünfte Stunde iſt nah, nirgends
Unge=
duld, nirgends die ſonſtigen krittelnden, witzelnden unmutigen
Bemerkungen, nur eine immer wachſende innere Erregung ſpürt
man mehr, als wie man ſie hört. Plötzlich einzelne Rufe: „Er
wird gleich erſcheinen!” In die auf dem Ehrenhofe
des Reichskanzler=Palais haltenden Wagen kommt Bewegung,
der erſte fährt am Haupteingang vor. Da gibts kein Halten in
der Menge. Im Nu iſt der Damm überflutet, dicht werden wir
an das eiſerne Gitter gepreßt. Und nun ein brauſendes, immer
von neuem ertönendes und von den fernen Menſchenmengen
ſtürmiſch aufgenommenes Hochrufen.
Fürſt Bismarck in ſeiner Küraſſieruniform mit gelben
Aufſchlägen, die Mütze auf dem Haupt, iſt aus dem Haus
ge=
treten. Als er in den offenen Wagen ſteigt, wendet er ſich noch
einmal zu der Stätte ſeines langen, ruhmvollen Wirkens um,
Aufrecht, in voller, maſſiger Größe, allen ſichtbar, ſteht er da,
dann läßt er ſich nieder, neben ihm ſein Sohn Herbert in
dunk=
lem Anzuge.
Langſam rollt der Wagen hinaus, der keinerlei Abzeichen
trägt. Und nun immer wieder und wie der donnernde Hochrufe
Die Pſerde ſchienen zu ſcheuen, der Kutſcher ha te jie je
Nachkrag zum neuen Miniſter=
Penſionsgeſek.
Die Penſionsanſprüche der zurückgekrekenen Miniſter.
* Berlin, 28. März. (Priv.=Tel.)
Am 18. März hat der Reichstag das neue
Reichs=
miniſterpenſionsgeſetz verabſchiedet, das allerdings im
Reichsgeſetzblatt noch nicht veröffentlicht worden iſt. Bei der
Ausarbeitung dieſes Geſetzes iſt aber bereits eine beſondere
Regelung für die zurzeit amtierenden Miniſter
getroffen worden. In § 26 iſt vorgeſehen, daß die
Regie=
rung, die zurzeit der Verabſchiedung des neuen Geſetzes
noch im Amte iſt, weder an die alte, noch an die
neue Regelung gebunden iſt, vielmehr kann
je=
des Mitglied der zurückgetretenen Regierung ſich die
günſtigſte Beſtimmung ausſuchen. Die
Mitglie=
der der neuen Regierung werden, wenn ſie einmal
nicht mehr im Amte ſind, nur ein Uebergangsgeld
er=
halten. Es wird für die gleiche Anzahl von Monaten
ge=
zahlt, für die der Berechtigte ohne Unterbrechung Amtsbezüge
erhalten hat, mindeſtens jedoch ſechs Monate und höchſtens fünf
Jahre. Miniſter, die nach ihrem Ausſcheiden aus der
Miniſter=
ſtellung das 50. Lebensjahr vollendet haben, erhalten für die
dop=
pelte Zahl von Monaten bzw. Jahren Uebergangsgeld. Das
Uebergangsgeld beträgt für die erſten drei Monate den vollen
Betrag des Miniſtergehalts und für die ſpätere Zeit 50 Prozent
des Gehalts. Eine Penſionierung iſt nur vorgeſehen, wenn ein
Kabinettsmitglied ohne eigenes Verſchulden in Ausübung ſeines
Amtes eine Geſundheitsſchädigung erleidet, die ſeine Geſundheit
weſentlich und dauernd beeinträchtigt. In ſolchen Fällen kann
der Reichspräſident eine Ruherente bis zu 35 Prozent des
früheren Gehaltes bewilligen. Anſprüche aus einer früheren
Beamtentätigkeit können nicht geltend gemacht werden, da nach
dem neuen Geſetz Miniſter, die aus der Beamtenlaufbahn
her=
vorgegangen ſind, vor Antritt ihres neuen Amtes aus dem
Beamtendienſt ausſcheiden müſſen.
Der Kampf um den Youngplan
in Frankreich.
Lebhafte Auseinanderſehung um den Begriff der
„Handlungsfreiheit”.
EP. Paris, 28. März.
In der franzöſiſchen Kammer ſetzte am Freitag die allge
meine Ausſprache über den Geſetzentwurf zur Ratifizierung der
Haager Abkommen ein. Zuerſt erklärte ſich Oberſt Fabry
Gruppe Maginot, für die Ratifizierung. Auch der Räumung des
Rheinlandes ſtimmten ſeine Freunde zu, vorausgeſetzt, daß da
mit nicht die Sicherheit Frankreichs beeinträchtigt würde
Louis Dubois dagegen, von der Gruppe Marin, ſtellte feſt
daß der Young=Plan Deutſchland rieſige Vorteile einräume,
wäh=
rend Frankreich ebenſo ungeheure Zugeſtändniſſe machen müſſe Fiſſ
Darauf ergiff der ehemalige Miniſterpräſident Herriot das Gn
Wort. Zunächſt ſtellte er ſeſt, daß die gegenwärtige Regierung
die Politik zu Ende geführt hätte, wegen der er und ſeine
Freunde in den Jahren 1920 bis 1924 von der gegenwärtigen M
Mehrheit ſtändig aufs heftigſte angegriffen worden ſeien. Die
Regierung ſolle dann aber auch den Mut aufbringen, für ihre
Politik die volle Verantwortung auf ſich zu nehmen. Herrios /M2
behauptete dann, daß die in dem Londoner Abkommen aufrecht I
erhaltene Handlungsfreiheit Frankreichs durch die
Haager Abkommen nicht mehr in dem gleichen Maße gewährt
ſei. Der einzige Gebrauch den Frankreich im üb= EchM
rigen von dieſer Handlungsfreiheit machen könne,
be=
deute den Krieg.
Er entſpann ſich daraufhin eine lebhafte
Auseinan=
derſetzung zwiſchen Herriot und Tardieu über
die Auslegung der Handlungsfreiheit
Frank=
reichs. Dieſe Ausführungen waren auf der Preſſetribüne
lqum zu verſtehen. Allem Anſchein nach vertrat Herriot den
Standpunkt, daß der auf die Handlungsfreiheit bezügliche
Arti=
kel jede feindſelige Handlung gegenüber Deutſchland einſchließe,
tvogegen Tardieu die Anſicht äußerte, daß eben durch dieſen Ar
tikel Deutſchland erklärt habe, keine Sanktionsmaßnahmen
ingendwelcher Art als feindſelige Handlung zu betrachten.
Her=
riot ſchloß mit dem Bedauern, daß der Haager Text keine
Be=
zugnahme auf den Artikel 13 des Völkerbundspaktes enthalte.
In der Nachmittagsſitzung der Kammer unterſuchte der
Vor=
ſitzende der Außenpolitiſchen Kommiſſion, Paul=Boncour,
die politiſche Seite der durch die Abkommen aufgeworfenen
Pro=
bleme. Unter Bezugnahme auf die heute früh von Herriot
ab=
gegebenen Erklärungen in der Sanktionenfrage führte Paul=
Boncour aus, daß die Handlungsfreiheit, die die
Gläu=
bigermächte nach Feſtellung eines deutſchen Verſtoßes durch
den Haager Gerichtshof erlangten, nur im Rahmen der
beſtehenden Verträge, alſo des Kellogg= und des
Völkerbundspakts, zu verſtehen ſei. Der Ausdruck
oiw
„Handlungsfreiheit” bedeute demnach lediglich,
daß Frankreich vor den Völkerbund gehen
könne. Das in dem Haager Abkommen feſtgelegte Verfahren JJſche
verzögere nur die Anrufung des Völkerbundes.
Der radikale Abgeordnete Bergerie bezeichnete den Young=
Plan im ganzen als annehmbar, unter dem Vorbehalt, daß man
ſich bemühe, eine Ermäßigung der interalliierten Schulden und
gleichzeitig der deutſchen Annuitäten zu erlangen.
Ein Zwiſchending zwiſchen Konſulkakippakt und
milikäriſchem Bündnis ſoll geſucht werden.
Die Tatſache, daß die Verhandlungen auf der Londoner
Flottenkonferenz ſich zurzeit weit mehr auf politiſchem, als auf
techniſchem Gebiet bewegen, iſt geſtern abend durch eine
Ankün=
digung der „Central News” und der „Preß Aſſociation”
beſtä=
tigt worden, in der die Einſetzung eines beſonderen
Ausſchuſſes zur Prüfung rein politiſcher
Fragen bekanntgegeben wurde. Dieſer Ausſchuß, der aus dem
ſtändigen Vertreter des Foreign Office, Sir Robert Vanſittard,
dem franzöſiſchen Hauptſachverſtändigen Maſſigli und zwei
wei=
teren Mitgliedern des engliſchen Auswärtigen Amts beſteht, ſoll
eine Formel zu finden ſuchen, die die
franzöſi=
ſchen Sicherheitsbedürfniſſe erfüllt, aber
gleichzeitig keine weiteren militäriſchen
Ver=
pflichtungen für England enthalten würde.
Der vorgeſchlagene Pakt ſoll ſich durchaus im Rahmen des
Völkerbundsſtatutes halten und etwas mehr
wie ein bloßer Konſultatippakt, aber weniger
als ein militäriſches Bündnis ſein.
feſt in der Gewalt. Alles flutet heran, berittene Schutzleute
ſuchen den Weg zu bahnen, zunächſt ganz vergeblich, bloß
ſchrittweiſe geht’s vorwärts. — Ein ungufhörlicher
Blumen=
regen ergießt ſich über das Gefährt. „Hierbleiben!“
„Wiederkommen!“ — ſo umhallen zahlloſe Rufe den
Fürſten, der immer wieder grüßt und ſichtlich tief bewegt iſt;
eine ſolch’ große und: volkstümliche Huldigung hatte er von den
Berlinern nicht erwartet. Endlich können die Pferde etwas in
Trab gebracht werden, neben und hinter dem Wagen haſtet alles
mit, auch ich mit meinem Freunde, und ſtets von neuem ertönen
die Hochrufe. Wie Taubenſchwärme flattern die Taſchentücher,
aus allen Fenſtern und von allen Balkonen, ſelbſt die Dächer
ſind beſetzt. An der Ecke der Linden ein neuer Halt. Man will
die Pferde ausſpannen, Graf Herbert wehrt mit einer
Hand=
bewegung ab; wieder geht’s faſt ſchrittweiſe vorwärts, über den
Pariſer Platz, unter einem neuen Blumenregen, dann durch
das Brandenburger Tor, deſſen erzenes Siegesgeſpann oben wie
von glühendem Feuer flimmernd erfüllt zu ſein ſcheint. Und
überall ſich zuſammenballende, heranhaſtende, rufende,
tücher=
ſchwenkende Menſchenmaſſen, die den nachfolgenden Wagen das
Weiterkommen erſchweren.
Jenſeits des Tores finden wir eine offene Droſchke erſter
Klaſſe. Mit einem Sprung hinein: „Vorwärts, Kutſcher! Zum
Lehrter Bahnhof! — 1s gibt ein gutes Trinkgeld!" Hü, hü!
Hott, hott! Die Roſinante fällt ſogar in eine Art Galopp, und
wir langen faſt gleichzeitig mit dem Fürſten vor dem Bahnhof
an. Auch hier wieder eine ungeheure Menge, die mit ſtürmiſchen
Rufen den Fürſten begrüßt. Vor dem Eingang zum
Königs=
zimmer, vor dem Gardeküraſſiere Wache halten, macht der Wagen
Halt, kaum kann der Fürſt ausſteigen. Man will ihn auf den
Schultern tragen, aber mehrere hohe Offiziere, unter ihnen der
dem Fürſten eng befreundete General Graf Lehndorff,
verhin=
dern dies und geleiten den Kanzler in das Innere des
Bahn=
hofos. Jetzt rollen auch die anderen Wagen heran, in dem
einen Fürſtin Johanna mit Graf Wilhelm, in dem andern
Pro=
feſſor Schweninger. Noch einmal tritt Fürſt Bismarck heraus,
um die Seinen zu empfangen. Hoch reckt er ſich auf, die Linke
auf den Pallaſch geſtützt, mit der Rechten grüßend zu der Menge
winkend, deren Hüte und Mützen in die Höhe fliegen: „Hoch
Fürſt Bismarck hoch! Hierbleiben! — Auf
Wiederſehn!” So brauſt und brandet es tauſendfach
her=
an. Eine ungeheure Symphonie der Treue, der Dankbarkeit, der
Wehmut! Jetzt erſt ſcheint man zu empfinden, bis ins tiefſte
Herz, was man an dieſem einen, dieſem einzigen Manne gehabt!
Wir waren in einen Warteſaal geſtürmt; die Türen zum
Bahnſteige ſind geſchloſſen. Nur wer Fahrkarten hat, wird
hin=
ausgelaſſen. Ach was, Fahrkarten, nichts davon! Die Fenſter
aufgeriſſen und mit raſchem Satz hinaus. Wir hatten Glück und
waren auf den rechten Bahnſteig gelangt, auf dem der
Sonder=
hält. Ein ſtattliche Zahl hoher Offiziere und Beamten
iſt hier anweſend, teils mit ihren Damen, die ſämtlich
Blumen=
ſpenden in den Händen halten, während koſtbare andere
Blumen=
gebinde in den Salonwagen getragen werden; beſonders iſt mir
in Erinnerung ein großes florüberzogenes Veilchenkiſſen, auf
dem ſich ein von ſchwarzem Schleier umhüllter Erdball erhob,
Fremde Diplomaten treffen ein, der engliſche, franzöſiſche,
ruſ=
ſiſche, öſterreichiſche und italieniſche Botſchafter; ſie bilden eine
beſondere Gruppe, ebenſo eine ſolche unſere Staatsminiſter, eine
andere die Generäle der Berliner und Potsdamer Garniſon,
unter ihnen General von Hahnke und Freiherr von Meerfcheidt=
Hülleſſen.
Kommandorufe: „Achtung! Präſentiert das
Ge=
wehr! — Klirren von Sporen und Säbeln; wie aus Erz
ge=
goſſen ſteht die Ehrenwache der Küraſſiere. Fürſt Bismarck
iſt aus dem Fürſtenzimmer getreten. Er begrüßt
die Erſchienenen, manchen die Hand reichend, dann mit ſchweren
Schritten die Eskadron abſchreitend. Langſam wendet er ſich zu
ſeinem Wagen, in welchem bereits ſeine Angehörigen Platz
ge=
nommen haben, bleibt vor demſelben ſtehen. Dieſen und jenen
ſeiner Vertauten zieht er noch in ein kurzes Geſpräch, beim
Er=
dröhnen der Hochs und Hurras, die ihr gewaltiges Echo in der
hochgewölbten Bahnhofshalle finden. Sein Geſicht iſt blaß,
zu=
weilen zuckt’s in demſelben.
Die Abfahrtzeit iſt gekommen. Der Fürſt erſcheint an dem
herabgelaſſenen Fenſter ſeines Wagens, man ſieht ihm ſeine
Be=
wegung an, trotzdem die Mienen ernſt, faſt verſonnen bleiben.
Eine durchdringende Stimme erhebt ſich „Auf
Wieder=
ſehen!” Und hundert=, nein tauſendfach wird dies
aufgenom=
men: „Auf Wiederſehen!” — Es iſt, als ob der Fürſt wie
ver=
neinend das Haupt bewegt, dann legt er für einen Augenblick
den Finger auf den Mund; möglich, daß er ſich bei dem Jubel
nicht mehr verſtändkich machen konnte. Wollte er vielleicht
ſpre=
chen — plötzliche Stille, die ebenſo plötzlich unterbrochen wird
durch einen hellen Ruf: „Der Begründer des Deutſchen
Reiches, Fürſt Bismarck, lebe hoch!“ — Die Arme
recken ſich empor, die Tücher werden geſchwenkt, alles ſtimmt
brau=
ſend ein.
Schriller Glockenklang. Das Abfahrtszeichen. Die
Ehren=
wache präſentiert, die Muſik ſpielt, überhallt von dröhnenden
Hochs und erneuten Rufen „Auf Wiederſehen! Auf
Wiederſehen!“ Der Zug ruckt an, bedächtig rollen die
Räder, Fürſt Bismarck beugt ſich heraus und winkt
Abſchieds=
grüße. In vielen Augen blinken Tränen, man hört leiſes
Schluchzen. Und nun zunächſt von wenigen, dann von allen
ſtur=
miſch geſungen: „Die Wacht am Rhein” Unter ihren ſieghaften
Klängen verläßt der Zug, der Deutſchlands großen Heros und
des Reiches Einiger trägt, die Bahnhofshalle, verläßt Berlin,
deſſen Chronik noch nie zuvor eine ſolch” unvergeßlich=
denkwur=
dige Stunde zu verzeichnen gehabt!
Nummer 88
Samstag, den 29. März 1930
Die Landtagswahlen bis 1931 berſchoben.
Verfaſſungsänderungen mit 52.: 10 Stimmen angenommen. — Der Landbund ermöglicht die
Verlänge=
u9 der gegenwärligen Landkagsperiode. — Herabſehung der Landtagsmandake mit einfacher Mehrheif.
Seite 3
Finanzgeſek auf 3 Monake erſtreckk.
ebung der Immunikät des komm. Abg. Sumpf.
* Das Plenum des Heſſiſchen Landtags war geſtern zu einer
ningigen Sitzung zuſammengetreten, um das am 1. April
ab=
ſaſende Finanzgeſetz auf weitere drei Monate zu erſtrecken.
ſgen dieſe ſtaatspolitiſche Notwendigkeit erhob ſich denn auch
in Einwand. Lebhaft wurde es erſt bei dem Uebergang der
hſſſchen Kraftwerke und Braunkohlengruben Wölfersheim an
Preußiſche Elektrizitätsgeſellſchaft. Finanzminiſter
Kirn=
heger ſtellte wiederholt feſt, daß hier der heſſiſche Staat keine
ſilionen verlor, wie das behauptet wurde, ſondern ſein
inve=
ſietes Kapital in Aktien der Preußen=Elektra zurückerhalten
bbe und zudem aus den beträchtlichen Verpflichtungen der
(frag entlaſſen wurde. Heſſen ſei mit einem blauen Auge
da=
ungekommen, da ſich die erhofften Ueberſchüſſe nicht erzielen
Ißen, aber in Zukunft neben den Vorteilen für Oberheſſen eine
ihrliche Rente von 250 000 bis 300 000 RM. für die Staatskaſſe
erwarten ſei gegenüber den bisherigen 30 000 RM.
Die folgende Debatte über die Vorgänge bei den Opelwerken
„d die deswegen geforderte Aufhebung der Immunität des
Imznuniſtiſchen Abgeordneten Sumpf wurde gegen 1 Uhr
unter=
kochen, um die Ausſchußberatungen über die geplanten
Verfaſ=
ingsänderungen zu beenden.
In der Nachmittagsſitzung ſchien das Endergebnis zweifel=
If., und beſorgte Blicke zählten andauernd die Köpfe der
Abge=
d ieten, weil ſonſt die ebenſo plötzlich wie leiſe unterbreiteten
faſſungsänderungen zu einer — Volksbefragung hätten
ihren können. Aber der Regie der Koalitionsparteien gelang
die notwendige Zahl der Abgeordneten in den Saal, bzw.
hiaus zu bewegen, ſo daß auf den Kopf die Achtzehntel=
Mehr=
erreicht wurde. Alle Bemühungen der Volkspartei, eine
ar antie zu erreichen, daß für den gegenwärtigen Landtag die
islaturperiode im Herbſt ablaufen und Neuwahlen
notwen=
würden, ſcheiterte an der Haltung des Landbundes und
ger Splittergruppen, denen vor den Neuwahlen bangt,
eshalb ſie gern der Verlängerung der Lebensdauer die=
Landtages um ein Jahr zuſtimmten. In Zukunft
es alſo möglich, Verfaſſungsänderungen mit einer
weidrittel=Mehrheit durchzudrücken, was in Verfolg der
Spar=
aßnahmen aus dem Gutachten des Reichsſparkommiſſars
mehr=
ſich notwendig werden kann. Der Landbund hat die
Koalitions=
uteien von ſchweren Sorgen und Aengſten befreit, und die ihm
wedachte „Belohnung” wird wohl über kurz oder lang in die
rcheinung treten. Sicher iſt, daß die im Herbſt erforderlich
Neweſenen Neuwahlen nicht ſteigen und die heſſiſchen Wähler der
ühe enthoben ſind, ſchon in dieſem Jahre über die Worte und
laten der Parteien zu Gericht zu ſitzen.
Die Nok=Sihung.
Präſident Delp eröffnete um 10,20 Uhr das im Saal und auf den
E bünen gut beſetzte Haus. Staatspräſident Adelung, ſolwie die Miniſter
Aienberger, Leuſchner und Korell ſind anweſend.
Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt der Präſident des
ver=
debenen ſozialdemokratiſchen Abg. Schaub, zu deſſen Ehren ſich die
ibg. von den Sitzen erheben. An den Platz des Verſtopbenen tritt
Ge=
ekſchaftsſekretär Leber=Heidesheim. Der Präſident gedachte dann
Bjährigen parlamentariſchen Tätigkeit des früheren Staatspräſiden=
Ulrich, der zurzeit im Reichstag iſt.
Kommuniſten, Deutſche Volkspartei und Volksrechtpartei beantragen
Abſetzung des Geſetzentwurfes über die geplanten Aenderungen der
8rfaſſung. Doch wird das Verlangen gegen die Antragſteller abgelehnt.
Die vom Finanzausſchuß mit qualifizierter Mehrheit genehmigten
8arlagen über die Unterbringung der Finanzämter in Worms
und die Waſſevverſorgung des Hofgutes Häuſerhof werden zur
Renntnis genommen.
Es folgt die Beratung des Geſetzentwurnfes
das Finanzgeſekz
ſx die erſten drei Monate des neuen Rechnungsjahres 1930 zu erſtrecken.
Orgegen erheben nur die Kommuniſten Widerſpruch. Das Geſetz wird
n erſter und zweiter Leſung gegen Landbund, Kommuniſten und eine
eutſchnationale Stimme verabſchiedet.
Die heſſiſchen Kraftwerke Wölfersheim
und die dazu gehörigen Braunkohlengruben (Hefrag) ſind am 1. Januar
1930 an die Preußen=Elektra übergegangen. Darüber erſtattet zunächſt
Abg. Lux eingehend Bericht.
Abg. Dr. Werner (wild) erhebt Einſpruch dagegen, daß es ihm
unmöglich gemacht wurde, an den Ausſchußberatungen teilzunehmen.
Die Regierungsparteien erteilten ſich mit dieſer Vorlage Selbſtentlaſtung
von einer für Heſſen koſtſpielig ausgegangenen falſchen Aktion des
ehe=
maligen Finanzminiſters Henrich.
Finanzminiſter Kirnberger erklärt, daß dem Vorredner
auf die entſprechende Anfrage bereits am 3. Februar die Antwort der
Regierung zugegangen ſei. Ein ſinanzieller Verluſt iſt für die
Staats=
kaſſe nicht eingetreten. Früher haben die in den Werken inveſtierten
Kapitalien eine Rente von etwa 30 000 Mark abgeworfen, jetzt rechnen
wir aus unſerer Aktienbeteiligung an Preußen=Glektva mit einer Rendite
von 250—300 000 Mark jährlich. Die bei der Schaffung der Werke
ge=
hegten Erwartungen ſind durch die anders verlaufene Entwicklung nicht
eingetroffen. Zinserhöhung, beträchtliche Einlaufsſchwierigkeiten und die
größere Produktionskapazität gegenüber einer beſchränkten
Abſatzmög=
lichkeit gaben den Dingen einen anderen Gang. Da wir vor der Tatſache
ſtanden, entweder neue Kapitalien zu inbeſtieren bei ungeſicherten
zu=
künftigen Abſatzverhältniſſen oder einen Anſchluß an die umklammernde
und kapitalſtarke Preußen=Elektra zu ſuchen, haben wir uns nach
ein=
gehender Ueberlegung zu dem Abkommen mit der Preag entſchloſſen.
Wir erblicken darin für Oberheſſen einen Gewinn, dem ein ſo bedeutendes
Werk erhalten bleibt. Auch für die Beamten, die von der Preag
über=
nommen werden, ſind keinerlei Schädigungen zu erwarten.
Abg. Dr. Niepoth (D.V.P.) weiſt in einer längeren Betrachtung
darauf hin, daß die oberheſſiſchen Braunkohlenwerke ſtets ein
Schmer=
zenskind des Staates waven. Der Landtag habe ſeinerzeit einſtimmig
die Auffaſſung vertreten, daß im Einklang mit den mehrfachen
Gut=
achten kompetenter Sachverſtändiger die Stromerzeugung aus den
ober=
heſſiſchen Braunkohlen nützlich und gewinnbringend für das Land ſein
werde. Der deutſchnationale Abg. Kindt habe das Geſchäft ſogar ohne
Frankfurt ſür Heſſen allem machen wollen. Später ſeien jedoch die
Stromerzeugungskoſten zu hoch geworden und bei der Verteuerung des
Geldes und entſprechenden Abſchreibungen ſei die erhoffte Rente
aus=
geblieben. Nach dem Gang der Entwicklung laſſe ſich der Abſchluß mit
der Preog rechtfertigen. Er glaube nicht, daß dieſe von der im Vertrag
enthaltenen Möglichkeit, das Kraftwerk ſtillzulegew, ohne dringendſte Not
Gebrauch machen werde, da die von der Preax inbeſtierten Kapitalien
zu hoch ſeien. Die zur Zeit von der Preag erhobenen Forderungen
gegenüber den oberheſſiſchen Abnehmern müßten, um zu einem Abſchluß
gelangen zu können, ermäßigt werden.
Abg. Lux (Soz.) unterſtreicht die Ausführungen des Vorredners
und erklärt die Zuſtimmung ſeiner Partei aus Rüchſichtnahme auf die
Zuhunſt Oberheſſens und ſeiner Bevölkerung. Leider ſei man ſeinerzeit
durck die Gutachten der Sachverſtändigen und den Gang der
Elektrizi=
tätswirtſchaft in den gehegten Evwartungen getäuſcht worden.
Finanzminiſter Kirnberger ſtellt nochmals feſt, daß dem heſſſiſchen
Staat keine Millionen verloren gegangen ſeien. Die iweſtierten
Ka=
pitalien haben wir in Aktien der Preag zurückerhalten. Auch an den
hohen Bankſchulden, die die Hefrag aufnehmen mußte, iſt Heſſen nicht
mehr beteiligt. Wir haben ſchon dem Ausſchuß jede gewüünſchte Auskunft
gegeben, denn an der ganzen Sache iſt nichts, was verſchwiegen werden
müßte odev ſollte.
Nach Erklärungen der Abg. Dr. Werner, Böhm und Lux wird dem
Hefrag=Preag=Vertrag gegen Kommuniſten und
Deutſchnatio=
wale zugeſtimmt.
Ohne Debatte werden Regierungsvoplagen über die Lieferung von
elektriſchem Strom und Badewaſſer an das Kerckhoff=Inſtitut
in Bad=Nauheim Erinnerungen zur Rechnungsablage 1925 und
das Geſetz über den Betrieb von Aufgügen verabſchiedet.
Abn. S chäl erſtattet hierauf Bericht über die Ausſchußverhandlung.
dig einſtimmig die
Aufhebung der Immunikät des Abg. Sumpf
wegen deſſen „hervorragender Beteiligung an dem Vorgängen” in den
Opelwerken zu Rüſſelsheim (Landfriedensbrruch als Mädelsführer,
Hausfriedensbruch) engeben hatte. — Gleichzeitig erklärt er die
Zu=
ſtimmung der Zentrumsfraktion zur Aufhebung der Immunität.
Abg. Vonderſchmidt (Kom.) polemiſiert gegen die Vorlage
und „den von der Regierung unterſtützten Lügenfeldzug der Preſſe gegen
die Kommuniſten”, weswegen er zur Ordnung gerufen wird. Die
Trieb=
feder des Parlamentes zu dieſem Vorgehen ſei die blaſſe Angſt um den
Profit.
Innenminäſter Leuſchner wendet ſich mit ſcharfen Worten
gegen die Darlegungen des Vorredners and erklärt, der Abg. Sumpf
iſt nicht gerufen worden. Er iſt in die Opelwerke widerrechtlich
ein=
gedrungen. In Rüſſelsheim iſt die Polizei mit dem Aufen: „Die am
Mord bezahlten Horden der Polizei kommen!” empfangen worden. Das
Verhalten, der Polizei war ausgezeichnet und tadellos. Es iſt kein
Gummiknügpel, kein Seitengewehr, kein Karabiner gebraucht worden.
Es kam mir darauf an, nicht das gmerikaniſche Kapital in Rüſſelsheim
zu ſchüitzen, ſondern 7000 Arbeitern Beſchäftigung und Brot zu ſichern
und ſie gegen wenige Elemente zu ſchützen, deren armſelige Ideen nur
noch pathologiſch betrachtet werden können. Die 7000 Opelarbeiter waren
danbbar dafür, daß der republikaniſche Staat ſeine Machtmittel
aus=
nützte, um wenigen hirnverbrannten Menſchen ihre Grenzen zu zeigen.
Ich werde den ſyndikaliſtiſchen Beſtrebungen, die nur dem Fascismus
Vorſchub leiſten, mit aller Energie entgegentreten.
Abg. Hammann (Kom.) ruft mit ſeiner Polemik gegen den
Innen=
miniſter die Sozialdemokraten und den Welikapitalismus wiederholt
ſtürmiſche Hinweiſe auf die gegenwärtigen Vorgänge in Rußland hervor.
Um 1 Uhr anterbricht Präſident Delbp die Sitzung, um dem
Geſetz=
gebungs= und Finanzausſchuß Gelegenheit zur Beratung zu geben.
Nach Wiederaufnahme der Sitzung um 2 Uhr folgen kleine Anfragen,
auf die wir morgen zurückkommen.
den Geſehenkwurf zur Aenderung der Verfaſſung
haben wir anläßlich der Ausſchußberatung bereits ausführlich
wieder=
gegeben. Abg. Kaul erſtattet darüber eingehend Bericht. Gegen
Kom=
muniſten und Volkspartei wird die Dringlichkeit der Vorlage beſchloſſen.
In der erſten Leſung erklärt
Abg. Wolf=V. R.P., die Zuſtimmung ſeiner Freunde mit der
Vorlage. Seine urſprünglichen Bedenken, daß mit der Aenderung die
kleinen Parteien benachteiligt werden könnten, ſeien nach beruhigenden
Erklärungen von zuſtändiger Seite gewichen.
Abg. Galm=Komm.=Opp. wendet ſich gegen eine Verlängerung
der Lebensdauer des Landtags und daher gegen die Vorlage. Die
Her=
abſetzung der Abgeordnetenziffer und die Aufhebung des Landtages
fin=
det ſeinen Beifall.
Abg. Dr. Niepoth=Volkspartei lehnt die Durchpeitſchung dieſer
Verfaſſungsänderung ab. Um ſo eigenartiger ſei die heutige Haltung
des Landbundes, der einer ſolchen Vorlage zuſtimme, obwohl nicht
feſt=
ſtehe, worin ſpäter die Sparmaßnahmen der Regierung beſtehen. Die
Vorlage will die Verfaffungsänderungen erleichtern. Uns iſt die
Ver=
faſſung nicht ſo ſakroſankt, das wir keine Aenderungen zugeſtehen
wür=
den. Wir ſtimmen zu, daß man die Achtzehntel=Mehrheit in eine
Drei=
viertel=Mehrheit umwandelt. Wir ſtimmen auch zu, daß ſich der
Land=
tag ſelbſt auflöſen kann. Bedenklicher iſt der Vorſchlag, daß die Zahl
der Abgeordneten nicht mehr mit dem Verfaſſungsſchutz umkleidet ſein
ſoll. Wir halten nicht an 70 Abgeordneten feſt, wir werden einer
Ver=
ringerung zuſtimmen, aber nach meiner Meinung iſt die Zahl der
Ab=
geordneten eine Beſtimmung, die nicht jede Regierungsmehrheit etwa
vor Torſchluß ihrer jeweiligen Legislaturperiode oder vor Neuwahlen
beſtimmen ſoll. Wir ſind daher für Verfaffungsſchutz bei der Zahl der
Landtagsmandate. Was die Frage der Legislaturperiode betrifft, ſo
haben wir früher ſchon Anträge auf Verlängerung derſelben geſtellt.
Die Regierung hat aber eine ſolche Vorlage nicht eingebracht, weil die
ſtärkſte Fraktion, die Sozialdemokraten, ihre Bereitwilligkeit dazu
ver=
ſagten. Wir freyen uns daher, daß heute auch die Sozialdemokraten
der Meinung ſind, eine Verlängerung der Legislaturperiode liege nur
im Intereſſe des Staates. Abg. Kaul hat erklärt, die Verlängerung
be=
treffe den gegenwärtigen Landtag noch nicht. Aber beſeitigt man jetzt
zunächſt die erſchwerende Beſtimmung des Artikels 13, dann iſt mit einer
ZweidrittelMehrheit die jetzige Legislaturperiode ohne weiteres
ver=
längert. Dieſe theoretiſche Möglichkeit beſteht. Ich habe daher im
Aus=
ſchuß geſagt, bitte, geben Sie mir eine lohale Erklärung ab, daß derartige
Dinge nicht beſprochen und beabſichtigt ſind. Wir hahen dieſe Erklärung
nicht bekommen. Der Herr Innenminiſter lächelt. Ich ſchließe daraus,
daß bereits gewiſſe Abmachungen getroffen ſind dahingehend, daß nach
dem Inkrafttreten dieſes Geſetzes mit Zweidrittel=Mehrheit die Laufbahn
dieſes Landtages verlängert werden ſoll. So ſehr wir grundſätzlich der
Verlängerung zuſtimmen, ſo ſehr bekämpfen wir die Verlängerung des
gegenwärtigen Landtages. Da die Sozialdemokraten uns die lohale
Er=
klärung, daß nicht in vier Wochen mit der dann möglichen Zweidrittel=
Mehrheit — wenn wir jetzt der Verfaſſungsänderung zuſtimmen — doch
der Landtag verlängert wird, nicht gegeben haben, beantragten wir, einen
entſprechenden Zuſatz in die Vorlage aufzunehmen. Der Ausſchuß
hat dieſes Verlangen abgelehnt und uns daher gezwungen, die
Vorlage abzulehnen.
Abg, von der Schmidt=Komm, lehnt die Vorlage ab.
Abg. Dr. Müller=Landbund gibt eine kurze Erklärung ab, daß
ſeine Fraktion der Vorlage zuſtimme. Nach ſeiner Meinung ſeien die
Kombinationen des Vorredners unbegründet. (Heiterkeit.)
Da ſich von den übvigen Parteien niemand zu Worte meldet, iſt die
Beratung geſchloſſen. Die Einzelabſtimmung ergibt die Annahme der
Regierungsvorlage mit einigen techniſchen Aenderungen. Der
volks=
parteiliche Antrag, die vierjährige Legislaturperiode gilt nicht für den
gegenwärtigen Landtag, wird gegen 10 Stimmen abgelehnt. In der
erſten und zweiten Leſung wird das Geſetz dann mit 52:10 Stimmen
angenommen. Vizepräſident Blank ſtellt feſt, daß die notwendige acht
Zehntel=Mehrheit damit erreicht und das Geſetz angenommen iſt.
Dagegen ſtimmten 6 Volksparteiler, 3 Kommuniſten und Abg.
Böhm=
dntl., während zwei weiteve deutſchnationale Abgeordnete in der
Nach=
mitagsſitzung nicht mehr erſchienen waren.
Das Haus ſetzt dann die Ausſprache über die Opelvorgänge fort.
Abg. Reuter=Soz. geht mit den kommuniſtiſchen Führern deswegen
ſcharf ins Gericht. Noch ſchonungsloſer geißelt
Abg. Galm=Komm. Opp. das Verhalten der Kommuniſten. Es
ſei doch eine Verwilderung der politiſchen Sitten, wenn die
Kommuni=
ſten in ihrer Preſſe von einer „kleinen Revolution bei Opel” ſchrieben,
während jetzt der Abg. Sumpf in ſeiner Verteidigungsſchrift das Ganze
als einen „kleinen Spaziergang” darſtelle und für ſeine Handlungen
nicht einſtehen wolle. Solchen „Führern” gingen alle
Führereigenſchaf=
ten ab, und derartige Putſche ſchädigten nur das Vorwärtsdringen der
Arbeiterſchaft.
Berliner Premieren.
avk. Die Städtiſche Oper hat ihren großen „Schlager”
gefunden! Es mag paradox klingen, und doch iſt dem leider ſo:
Un Zeitalter der merkantiliſierten Künſte müſſen auch die
Opern=
lornponiſten und Operndirektionen zuſehen, daß ſie mit
ſchlag=
kräftigen Werken „Geſchäfte” machen. Ob nun darunter die
bielbeſungene „Reinheit der Kunſt” leidet, oder nicht, ſpielt keine
Yolle. So ſchrieb jetzt auch Max Brand, ein wirklicher Könner
unter den heutigen Opernmeiſtern, eine durch und durch verjazzte,
3um größten Teil auf techniſche Tricks, Ausſtattungseffekte und
de rgleichen mehr aufgebaute, ſogenannte „modiſche” Oper. Man
nuß ſich immer wieder fragen, ob dieſe Art die Muſikdrama=
Inierung des Zeitgeiſtes, ob ſie entwicklungsfähiges Zeittheater
171? Ob es ſich nicht lediglich um eine vorübergehende Mode
Yandelt. Immer wieder denkt man an die große
Ausſtattungs=
wer von anno dazumal, an Meyerbeer und ſeine Nachläufer,
De das große Publikum im Fluge eroberten. So daß ſelbſt
9ottbegnadete, geniale Komponiſten wie Roſſini arbeitunluſtig
burden, da ſie die neue Meyerbeerſche Richtung für die einzig
Mögliche Richtung hielten. Und der Schlußeffekt? Heute, kaum
neachs Jahrzehnte nach dem Tode des erfolgreichen Machers, kräht
kein muſikaliſcher Hahn nach Meyerbeer. Seine Werke, dereinſt
echlager in wortwörtlichſtem Sinne, haben höchſtens nur noch in
ezug auf die muſikhiſtoriſche Entwicklung der Opernliteratur
14 nigen Wert; als muſikaliſche „Meiſterwerke” warf man ſie längſt
zm Plunder einer überwundenen Opernepoche. Es gibt nichts
mirklich Neues unter der Sonne, und alles wiederholt ſich nicht
uir in der Welt, ſondern auch in der Muſikgeſchichte. Wer könnte
ain beurteilen, ob Max Brand, ein begabter Mann, gut daran
tat, in ſeinem neuen Opus: „Maſchiniſt Hopkins”
moder=
häſierte Meherbeer=Wege zu wandeln. Man ſtellt feſt, daß die
Ober eine überaus beifällige Aufnahme erfuhr, regiſtriert, daß
Brand um einen Schritt weiter gegangen ſei als Piscator, indem
ex nicht nur Menſchen maſchiniſiert, ſondern ſogar Maſchinen
rechen läßt, und gibt objektiv zu, daß ihm an einigen wenigen
Stellen ſogar wirkliche Muſik gelang, die ſowohl durch die
ur=
tngene Erfindung als auch durch die orcheſtrale Geſtaltung
auf=
orchen läßt. Man ſchließt demnach mit dem frommen Wunſch,
eie Opernhäuſer mögen mit dem neuen Opus der deutſchen
Muſikliteratur gute Geſchäfte zeitigen, und Max Brand möge
Lelegentlich nur mit Muſik ohne modiſches Beiwerk aufwerten.
Er gehört zu den wenigen, die es vielleicht könnten . . . Die
Beſamtaufmachung der Ausſtattungsoper war ſchlechthin
vor=
wildlich.
Alfred Neumanns dramatiſierte Novelle „Haus
Danieli” vermochte nicht zu intereſſieren, der Beifall galt
allein der famoſen Darſtellung im Leſſing=Theat=
Kortner ſpielt einen fanatiſchen jüdiſchen Hofbankier, die Dor
meiſterhaft eine Großherzogin, die wohl den Mann, nicht aber
das Kind liebt, für das ſich der Bankier zuguterletzt ſelbſt opfert.
Ein wenig delikates, zeitfremdes Thema; Schwamm darüber.
Auch das Luſtſpiel von Frederick Londsdale „Sex
Appeal” fiel recht dünn aus. Altes Thema, alte Konflikte,
alte Situationen. Keine Spur von Originalität. Das ganze
Stückchen des erfolgreichen Engländers nicht der Rede wert.
Aber: Eine Aufführung im Deutſchen Künſtlertheater,
die man geſehen haben muß; an der Spitze Baſſermann.
Wogegen eine gelungene, amüſante Perſiflage „Die liebe
Feindin” von A. P. Antoine in den Kammerſpielen.
Drei Tote erzählen ſich um Mitternacht auf dem Kirchhof ihre
Erlebniſſe mit derſelben Frau. Eine freche Traveſtie mit
welt=
anſchaulichen Zwiſchenklängen. Sauberes Theater in guter
Ser=
vierung.
Ein nicht minder heiterer Luſtſpielerfolg: „Er” von Alfred
Savoir in der Tribüne. Der Held: Ein Irrſinniger, der
ſich einbildet, der liebe Gott zu ſein, entflieht der Anſtalt und
bleibt Sieger über die „Geſunden”. Er: Conrad Veidt.
Unwider=
ſtehlich ſuggeſtiv.
Ferner liefen: Miſter Shakeſpeare mit „Liebes Leid und
Luſt” im Staatstheater, Herr Wedekind mit ſeinem „Bismarck”
im Deutſchen Volkstheater und Monſieur Adam mit dem „
Poſtil=
lon von Lonjumeau” im der großen Oper. Entſtehungsjahre:
etwa 1600, 1837 und 1916: Heute ſchreibt man 1930. Und die
Hauptſaiſon neigt ſich ihrem wenig ruhmreichen Ende zu .
* Eine „Geſchichte des Kunſtgewerbes aller Zeiken
und Völker”.?
Wir beſitzen bereits eine im Bibliographiſchen Inſtitut in ſchon
zweiter Auflage erſchienene 6bändige „Geſchichte der Kunſt aller Zeiten
und Völker”, die bewundernswerte Lebensarbeit K. Woermanns. Der
überwältigende Stoff zwang den Herausgeber zur Beſchränkung. Der
Gerätekunſt konnte in dieſem univerſalen Werk nur inſoweit Raum
gewährt werden, als ſich kunſthandwerkliches Schaffen deckte mit dem
Geſamtumfang der künſtleriſchen Produktion einer ethnographiſchen
Individualität, wie in der altgermaniſchen Zierkunſt, oder
kunſtgewerb=
liche Denkmäler als ſtilgeſchichtlich wichtige Träger von Bildnerei und
Malerei der Hochkulturen nicht umgangen werden konnten. So ſtellt
ſich dieſe neue „Geſchichte des Kunſtgewerbes aller Zeiten und Völker”
der weit verbreiteten Woermannfchen Kunſtgeſchichte als
notwen=
diges Ergänzungswerk zur Seite, und die zwei bis jetzt
vor=
liegenden Bände rechtfertigen unſer Vertrauen auf die
Ein=
löſung des im Buchtitel ausgeſtellten Wechſels auf die
Heraus=
gabe einer Weltgeſchichte des Kunſtgewerbes, die bis jetzt
in der Tat gefehlt hat. Die vor 20 Jahren erſchienene, von Lehnert
redigierte „Illuſtrierte Geſchichte des Kunſtgewerbes” ſoll damit
keines=
vegs ad geta gelegt werden; ihr wiſſenſchaftlicher Wert iſt ein blei=
Herausgeber: Th. Boſſert. Verlag: E. Wasmuth.
bender. Aber dieſes zu ſeiner Zeit grundlegende Sammelwerk iſt
einer=
ſeits gänzlich vergriffen und im illuſtrierten Teil zu dürftig,
anderer=
ſeits wird man darin kein einziges Wort und Bild finden von den
kunſthandwerklichen Leiſtungen der Vorgeſchichte, der Naturvölker und
jener bedeutſamen Gruppe der Volkskunſt, die Naumann mit dem
Begriff „primitives Gemeinſchaftsgut” knapp und zutreffend
umſchrie=
ben hat. Entſcheidendes aber über die Urelemente und Urtriebe
künſt=
leriſchen Geſtaltens, im beſonderen über Urſprung, Sinn und
Entwicklung ornamentaler Formen, die nicht immer in nur
ſchmückender Abſicht entſtanden ſind, läßt ſich nur unter
Ein=
beziehung der kunſthandwerklichen Fertigkeiten der Naturvölker
ausſagen. Und erſt in den letzten Jahrzehnten einſetzende
Mit=
arbeit der Ethnographie an einer Ausdeutung primitiver
Ornamen=
tik — es ſei nur das monumentale Werk Karls von den
Stei=
nen: „Die Marqueſaner und ihre Kunſt” genannt — legt das
Fun=
dament einer Kunſtgeſchichte des Menſchen, „aller Zeiten und Völker”,
und einer elementaren, weil aus elementaren Denkmälern gewonnenen
Anſchauungs= oder Geſtaltphiloſophie, die uns vielleicht erſt das ſo heiß
umſtrittene „Kunſtgewerbe” unſerer eigenen Zeit verſtehen läßt. Auch
die kunſtgewerblichen Denkmäler der exotiſchen Hochkulturen, beſonders
Altamerikas, die in ihrer noch ſymboliſchen, ideographiſchen
Bilder=
ſprache eine weltgeſchichtliche Brücke zwiſchen ſogenannter Stilkunſt und
primitiver Kunſt und Volkskunſt ſchlagen laſſen, fehlen in Lehnerts
„Geſchichte des Kunſtgewerbes”. In dieſer nunmehr univerſalen
Zu=
ſammenſchau liegt die generelle, in den Namen der Mitarbeiter die
ſpezialwiſſenſchaftliche Bedeutung der „Geſchichte des Kunſtgewerbes
aller Zeiten und Völker”
Zwei Bände ſind bis jetzt erſchienen. Ihr Inhalt: Kunſtgewerbe
der Vorgeſchichte, einſchließlich der Völkerwanderungszeit, der
Natur=
völker und der altamerikaniſchen Hochkulturen. Die Ausſtattung mit
ein= und mehrfarbigen Raſter= und Lichtdrucken von plaſtiſcher
Greif=
barkeit iſt glücklicherweiſe ſo angelegt, daß kein Wort des Textes in
Anſchauungsloſigkeit leerläuft. In geradezu monographiſcher
Frei=
giebigkeit iſt beſonders der Beitrag „Boroffka, Kunſtgewerbe der
Skythen” illuſtriert. Kein Denkmal von Rang fehlt. Nicht nur der
europäiſchen und aſiatiſchen Kunſtgeſchichte, ſondern jedem künſtleriſch
Geſtaltenden wird hier ein Tor in ein Neuland geöffnet. Man kann
nur wünſchen, daß uns in einem ſpäteren Band in gleicher glänzender
Illuſtration auch noch Proben jener von den ruſſiſchen Archäologen
ein=
geheimſten, überwältigend reichen Ernte helleniſch=ſkythiſcher
Gold=
ſchmiedekunſt aus ſüdruſſiſchen Grabhügeln vorgelegt werden, ſchon
deshalb, weil von dieſem Zentrum einer einſt hochentwickelten
Volks=
kultur nicht nur eine entſcheidende Befruchtung altgermaniſcher und
chineſiſcher Ornamentik ausging, ſondern auch weit ſpäter noch über
Byzanz Wege bis zu unſerer deutſchen Volkskunſt führten.
Anders wünſchen könnte man ſich die Stoffverteilung in den bis
jetzt erſchienenen zwei Bänden. Druckfertige Verfügbarkeit der
ein=
zelnen Beiträge dürfte wohl etwas dieſe kaleidoſkopartige Dispoſition
verſchuldet haben. Aber vielleicht lockt gerade ſolche bunte Abwechſlung
unbefangene Leſer und Betrachter umſomehr zum Blättern in dieſen
zwei Bänden. Noch werden ſich viele im Bann des ſich ſchon
zerſetzen=
den Kolportage=Begriffs „Sachlichkeit” abhalten laſſen, dieſe neue
Ge=
ſchichte des Kunſtgewerbes aufzuſchlagen. Aber wenn erſt einmal dieſes
Schlagwort als ſchon ſeit alters beſtehender Jubegriff und als
Selbſtver=
ſtändlichkeit jeglicher im Sinn A. Dürers „gut getanen Arbeit”, der
menſchlichen Hand entlardt iſt, wird die Stunde der Anerkennung da
ſein für Verleger und Herausgeber der „Geſchichte des Kunſtgewerbes
E. Zeh.
aller Zeiten und Vö
Seite 4
Samstag, den 29. März 1930
Nummer 88
Innenminiſter Leuſchner ſchließt ſich dieſer Abbürſtung
rechtgläubigen Kommuniſten an. Abg. Zinnkann=Soz, ſtellt
neut feſt, daß der komm. Abg. Hammann bei, den Unruhen in
Worms, als die Polizei erſchien, in die „12 Apoſtel” flüchtete.
wo er von der Polizei herausgeholt worden ſei. Die Immunität des
Abg. Sumpf wird eggen 3 komm. Stimmen zur Strafverfolgung
auf=
gehoben.
Zum Schluß genehmigt das Haus noch den Ankauf von den
Ge=
bäuden Ncckarſtraße 15 und Eliſabethenſtraße 60 und
62 zum Preiſe von 140 000 RM., die teils zur Unterbringung der
Rech=
nungskammer, teils zu Dienſtwohnungen benutzt werden ſollen.
Schluß der Beratungen gegen 4 Uhr.
Nach dem Plan des Aelteſtenrates ſoll der Finanzausſchuß ſeine
Beratungen ſo fördern, daß er vor Oſtern noch fertig wird. Das
Plenum ſoll dann am Dienstag, den 6. Mai, zuſammentreten und
mit einer Pfingſtpauſe bis zum 1. Juli ſeine Arbeiten beſchließen.
Der Reichskag verkagk.
Berabſchiedung des Nokekaks für 1930.
Zweite Beralung des Gaſtſtälkengeſehes.
Berlin, B8. März=
Der Reichstag verabſchiedete in ſeiner Freitags=Sitzung zunächſt den
Notetat für 1930. Das Wort dazu nahm nur der kommuniſtiſche
Abgeordnete Torgler, der die Gelegenheit benutzte, um unter
Hinweis auf die gegenwärtige Regierungskriſe den Sozialdemokraten
einige Bosheiten zu ſagen.
In der Fortſetzung der zweiten Beratung des Gaſtſtättengeſetzes
nahm ein Sachverſtändiger, der Präſident des Deutſchen
Gaſtwirtever=
bandes, Emil Köſter von der Wirtſchaftspartei, das Wort,
Er erinnerte an die früheren Verſuche, den Bedürfnisnachweis für
die Schankkonzeſſion einzuführen. Gegen dieſen Verſuch habe ſich
be=
reits der frühere Reichspräſident Ebert, der damals Gaſtwirt und
Mit=
glied der Bremer Bürgerſchaft war, gewendet. Gbert, der bis zu
ſei=
nem Tode Mitglied des Deutſchen Gaſtwirteverbandes war, habe
da=
mals in der Bürgerſchaft eine ſehr kluge Rede gegen die Einführung
des Bedürfnisnachweiſes gehalten. Jeder weiß, daß der
Branntwein=
konſum in Deutſchland ſehr zurückgegangen iſt. Ob der Alkohohl
ſchäd=
lich iſt, das können gerade die Abſtinenten nicht beurteilen, denn hier
geht Probieren über Studieren. (Heiterkeit.) Im Ausſchuß waren ſo
viele der geſchätzten weiblichen Mitglieder, daß wir weniger
volkswirt=
ſchaftlich als bevölterungspolitiſch gearbeitet haben. (Schallende
Hei=
terkeit, die den Redner zunächſt übertönt.) Wer Kaffee, Tee oder
Scho=
kolade trinkt, ſündigt eigentlich viel mehr, denn ſein Geld fließt ins
Ausland, während das Geld, das man für Wein und Bier ausgibt,
im Vaterlande bleibt. Das Geſetz verbietet die Alkoholabgabe an
Be=
trunkene. Das iſt leicht geſagt; aber wie ſtellt man feſt, wann jemand
betrunken iſt? Der Beteiligte hält ſich immer für nüchtern und die
anderen für betrunken! (Heiterkeit.) Ein Begriff, den man nicht defi=
nieren kann, gehört nicht in ein Geſetz hinein. Die Polizeiſtunde
ſollte ganz verſchwinden. Die Frauen treten insbeſondere
dafür ein, daß auf dieſe Weiſe die Männer früh ins Bett geſchickt
wer=
den. Ich ſchätze dieſes Gefühl der Mütterlichkeit, aber es wird hier
angewendet am ungeeigneten Objekt. Der Junge, der ſich nicht ſchnell
genug vom Schürzenband der Mutter löſt, wird nie ein ganzer Kerk!
(Sehr gut!) Die Polizeiſtunde bringt den Gaſtwirt in die
Notwendig=
keit, ſich mit den unteren Polizeiorganen gutzuſtellen. Beſonders
be=
denklich iſt die frühe Polizeiſtunde für Tanzluſtbarkeiten. Der Tanz
iſt immer noch die vornehmſte Form, die beiden Geſchlechter
zuſammen=
zubringen. (Große Heiterkeit.) Eine ſchematiſche Regelung der
Sperr=
ſtunde iſt ungerecht. Am Rhein werden die Leute ſchnell fröhlich, bei
uns an der Waſſerkante dauert es zwei Stunden. (Heiterkeit.) Es iſt
doch bedenklich, gerade dann, wenn ſie fröhlich geworden ſind, die jungen
Leute in die Nacht hinauszuſchicken. In meiner Jugend tanzten wir
ſelten, aber dann bis 5 Uhr früh. Das hat niemals Schaden
ansge=
richtet, denn morgens um 6 Uhr ſieht das kleine Mädchen nicht mehr
ſo verführeriſch aus. (Große Heiterkeit.) — Die Redezeit iſt abgelaufen.
Viele Abgeordnete rufen: „Weiterreden!” Aber der Redner verläßt
das Rednerpult.
Abg. Bickes (D. V.P.) wies darauf hin, daß das Geſetz auch
volls=
geſundheitliche und ethiſche Ziele habe. Es ſolle ein brauchbares
Mit=
tel im Kampf gegen den Mißbrauch geiſtiger Getränke und zum Schutze
der Jugend vor den Gefahren des Alkoholmißbrauchs ſein. Zu
be=
grüßen ſei das Verbot des Branntweinausſchankes auf Turn=, Spiel=
und Sportplätzen. — Im Gegenſatz zum Abg. Köſter beleuchtete Abg.
Kahl (.VP.)
die ernſe Seie des Problens.
den Zuſammenhang zwiſchen Alkoholismus und Verbrechen. Für ihn
hat das ganze Geſetz nicht eine einzige heitere Seite. Der große Ernſt
des Problems ergebe ſich aus dem engen Zuſammenhang zwiſchen dem
Akoholismus und Verbrechen. Dieſer Zuſammenhang ſei viel ſtärker,
als jemals durch die Statiſtik feſtgeſtellt werden könne. Die Zeit, ne
Trunkenheit einfach als mildernder Umſtand gegolien habe, ſei zum
Glück vorüber. Mit vollem Recht habe der Ausſchuß im neuen
Straf=
geſetzentwurf die Beſtimmungen über Trunkenheitsverbrechen ſehr
ſcharf gefaßt. Wenn vorhin geſagt wurde, es habe ſich nicht viel
ver=
ſchlimmert, ſo muß ich erwidern: Verbeſſert hat ſich gar nichts. Die
Schwierigkeit der Feſtſtellung des Zuſtandes der Trunkenheit iſt gar
nicht vorhanden. Dieſer Zuſtand, läßt ſich leicht erkennen bei einem
geſunden Verſtand des Nüchternen, der das zu beurteilen hat. Zwiſchen
Sinneserregung und Sinnesverwirrung wiſſen die Juriſten fehr genau
zu unterſcheiden. Ihm tut der Wirt leid, der nicht imſtande iſt, zu
erkennen, wann ein Gaſt betrunken iſt. Vom Standpunkt der
materiel=
len Gerechtigkeit aus hat er die größten Bedenken gegen die
Beſtim=
mung, wonach die Schankkonzeſſion verſagt werden foll, „wenn
Tat=
ſachen die Annahme rechtfertigen, daß der Antragſteller die
Vorſchrif=
ten über die Beſchäftigung von Arbeitern und Angeſtellten nicht
ein=
halten wird, insbeſondere, wenn der Antragſteller wegen Verſtoßes
gegen die Vorſchriften erheblich vorbeſtraft iſt‟ Es handelt ſich bei
dieſer Beſtimmung um eine unnatürliche Verbindung von zwei
Rechts=
gebieten, die nichts miteinander zu tun haben.
Die Beratung konnte heute noch nicht zu Ende geführt werden und
es ſcheint faſt, als drohe auch der neuen, der fünften Vorlage eines
Lohnſenkungsvereinbarung zwiſchen Skahlwerk
Beſe ud der Beſegſchif.
Gaſtſtättengeſetzes die gleiche Gefahr, an der ihre Vorgängerinnen 4
ſcheitert ſind. Bisher blieben dieſe Vorlagen immer unerledigt, wiu
inzwiſchen ſchwere politiſche Kriſen ausgebrochen waren. — Am Samd
tag und Montag finden Plenarſitzungen nicht ſtatt, weil man warckt,
will, bis die neue Negierung zuſtandegekommen iſt.
Präſident Loebe, dem der Zeitpunkt für die Anberaumung 7.
nächſten Sitzung überlaſſen worden iſt, hofft, daß ſich ſchon am Dienz
tag nächſter Woche die neue Regierung vorſtellen kann.
Zwiſchen dem weſtfäliſchen Stahlwerk Becker und deff
Belegſchaft iſt eine Vereinbarung getroffen worden, wons
Lohnreduzierungen ermöglicht werden, um das Werk finanzi
wieder flott zu machen. Bekanntlich ſollte eine große Anzahl bur
Angeſtellten und Arbeitern infolge Unrentabilität des Betrien)ku
zur Entlaſſung kommen, um die drohende Arbeitsloſigkeit zu0
vermeiden, waren ſie ſelbſt mit Anträgen auf Lohnherabſetzung=n
an das Unternehmen herangetreten. Dieſe vernünftige Ao
machung ſichert der Mehrzahl der Arbeiter und Angeſtellten f.4
die Zukunft Beſchäftigung, doch kann die Vereinbarung erſt
Kraft treten, wenn die Gewerkſchaften ihre Zuſtimmung ertent
haben. Es ſieht nun ſo aus, als ob ſie aber die denkbar ſchwe
ſten Hinderniſſe aufrichten und nichts unverſucht laſſen, um dal
Reichsarbeitsminiſter zu veranlaſſen, auch von ſich aus einzru
greifen und die Durchführung des Abkommens zu durchkreuze
Sie haben in der Vergangenheit einen ähnlichen Fall ſchon ein
mal erledigt, nur weil ſie damals nicht ſofort eingeſchaltet wun
den und weil Unternehmer und Arbeiterſchaft einen Vertrag gul kwm.
geſchloſſen hatten, der wohl wirtſchaftlichen Notwendigkeiten enu
ſprach, aber nicht gewerkſchaftlichen Prinzipien und einigen g
ſetzlichen Beſtimmungen. Im Arbeitsminiſterium hat man his
her zu dem Fall noch nicht Stellung genommen. Artikel 163 de
Reichsverfaſſung auferlegt jedem Deutſchen die ſittliche
Pflich=
ſich zu betätigen, und verlangt, daß ihm die Möglichkeit
gegebe=
werde, durch wirtſchaftliche Arbeit ſeinen Unterhalt zu erwerben
Wir haben hier ein Beiſpiel, wie ſich Arbeiter und Angeſtellu
ihre Arbeitsmöglichkeit erhalten wollen und dabei lediglich dil
Vernunft ſppechen laſſen. Daraus geht aber hervor, daß d7.
gewerkſchaftliche Lohnpolitik nicht immer richtige Wege gegange
iſt, was ihr in dieſem Falle bezeugt würde. Das wollen aber di
Gewerkſchaften ſich nicht beſtätigen laſſen. Darum ihre Empfins
lichkeit, darum ihr Sturm gegen, das Abkommen Becker=Stal
und Belegſchaft. Wir würden es bedauern, wenn die Gewerl
ſchaften erreichen würden, daß die Belegſchaft des Werkes
Becke=
der Arbeitsloſenfürſorge überwieſen werden muß, anſtatt daß di.
arbeitswilligen Arbeiter und Angeſtellten im Produktionsproze:,
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[ ← ][ ][ → ]ſammer 88
Samstag, den 29. März 1930
Seite 5
eshar ſktadk.
Darmſtadt, den 29. März.
ſns Anlaß des am 15. Juni 1930 ſtattfindenden 600jährigen
Stadt=
irms der Stadt Darmſtadt veranſtalten der Heſſiſche
Automobil=
iS. V. (A. v. D.), der Darmſtädter Automobil=Club E. V. (ADAC.),
ndeutſche Touring=Club, Ortsgruppe Darmſtadt, und der Starken=
Kyei Automobil=Club E. V. (ADAC.), in Verbindung mit der
Stadt=
wutung in der Zeit vom 13. bis 15. Juni 1930 eine große nationale
6 Sſhrt nach Darmſtadt, und zwar eine ſolche mit und eine ſolche
MSpitzenwertung. Viele rührige Hände ſind bereits heute ſchon mit
WVorbereitungen dieſer Fahrt, die in ganz großem Umfang
ſtattfin=
ſnh-, beſchäftigt. Die Ausſchreibung iſt in Vorbereitung und wird in
üe erſcheinen. Dieſelbe wird außer an etwa 8000 Einzelfahrer auch
näritliche deutſchen Automobil= und Motorrad=Clubs verſandt
wer=
zm Nach Erſcheinen iſt dieſelbe außerdem auf Wunſch, koſtenlos von
höeſchäftsſtelle des Organiſationsausſchuſſes, Darmſtadt, Rheinſtr. 36
6nsrecher 888), erhältlich. Die Stadtverwaltung und die Veranſtalter
wer alles aufbieten, um den Teilnehmern an der Fahrt den
Aufent=
ir dem ſchönen Darmſtadt ſo angenehm wie möglich zu geſtalten.
*Ernennung. Durch Entſchließung des Herrn Miniſters für
Kul=
urd Bildungsweſen wurde der Studienreferendar Anton Bayer
ſGhießen zum Studienaſſeſſor ernannt.
In den Ruheſtand verſetzt wurden: am 24. März der ordentliche
Hfiſſſor in der Philoſophiſchen Fakultät der Landesuniverſität Gießen
Sofrat Profeſſor Dr. Walter Koenig zu Gießen auf ſein
Nach=
ſet mit Wirkung vom 1 April 1930 an; der Rektor an der
Volks=
ſale zu Hauſen im Kreiſe Offenbach Franz Aloys Guthier auf
ſei Machſuchen vom 1. Mai 1930 ab. — Auf Grund des 8 1 des
Ge=
ſhuis über die Altersgrenze der Staatsbeamten vom 2. Juli bzw. 19.
derrber 1923 tritt mit Wirkung vom 1. April 1930 in den Ruheſtand
iaſte Lehrer und Oberinſpektor Georg Keller bei der Anſtalt
(Seiſtesſchwache „Aliceſtift” bei Darmſtadt. — Auf Grund des 8 1
Beſetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten vom 2. Juli
19. Dezember 1923 in der Faſſung des Geſetzes vom 8. Oktober
(Reg.=Bl. S. 249) tritt am 1. Mai 1930 in den Ruheſtand der
ſisrneiſter Ludwig Schäfer am Gymnaſium in Mainz.
— Hohes Alter. Am Montag, den 31. März, feiert Herr Konrad
ſin tius, Schuhmachermeiſter, hier, Ludwigsplatz 3, in ſeltener Friſche
Feſt ſeines 80. Geburtstages.
— Schloßmuſeum. Das Schloßmuſeum hat in der letzten Zeit einen
ſcskenswerten Zuwachs der Beſucherzahl zu verzeichnen! Viele
5möe kommen eigens nach Darmſtadt, um ſich die prachtvollen Räume,
z eichen Uniform=Sammlungen und vor allen Dingen das größte
4ri werk Darmſtadts, die „Holbeinſche Madonna”, anzuſehen. Es iſt
ſei ganz unbegreiflich, daß es immer noch Tauſende von
Darmſtäd=
mwibt, die das Schloßmuſeum mit ſeinen hochintereſſanten Räumen
ell ſeinen vielſeitigen Schätzen noch nicht kennen, ja, die nicht einmal
Holbeinſche Madonna” geſehen haben. Dieſen ſei geſagt, daß ſich
Hei einſetzender wärmerer Jahreszeit die beſte Gelegenheit bietet,
5 Schloßmuſeum zu beſuchen und das ſeit Jahren Verſäumte nachzu=
1e/1. Von Montag, den 31. März an, iſt das Schloßmuſeum wieder
„Perktagen auch nachmittags geöffnet. Führungen finden ſtatt: Sonn=
43 11 und 11,30 Uhr vormittags, wochentags: 11 und 11,30 Uhr
vor=
angs und 3 und 3,30 Uhr nachmittags. Die Kaſſe iſt jeweils von
5 bis 11,45 Uhr vormittags und von 2,45 bis 3,45 Uhr geöffnet.
ddieſer Zeit kann die Madonna auch getrennt von den Führungen
be=
fürt werden.
Heſſiſches Landestheater. „Ein Walzertraum”, die
volks=
inliche Operette von Oskar Straus, gelangt heute, Samstag, zum letz=
Male als Volksvorſtellung im Großen Haus zur Auf=
Nrang.
„Der Kaiſer von Amerika”, die erfolgreiche politiſche
Ko=
die von Bernard Shaw, wird heute, Samstag, und morgen, Sonntag,
der in den Spielplan des Kleinen Hauſes aufgenommen.
Die Meiſterſinger von Nürnberg” gelangen morgen,
iutag, unter müſikaliſcher Leitung von Dr. Karl Böhm zur
Wieder=
ührung. In den Hauptrollen: Biſchoff, Grahl, Herrmann, Kuhn,
2a, Stoſch, Jacobs. (Taufchgutſcheine nur von getauſchten Sonntags=
Laner=Opern gültig.)
3mal Offenbach‟. Die Erſtaufführung der im Kleinen Haus
Aorbereitung befindlichen 3 komiſchen Opern von Jaques Offenbach
infolge Erkrankung eines Hauptdarſtellers auf Samstag, den
Aoril, verſchoben werden.
— Bücherſtube A. Bodenheimer. Der Vortrag Dr. Arth. Feiler
ſiet. „Sowjetrußland im 13. Jahr der Revolution” findet im großen
(al des Saalbaues ſtatt am Montag um 8 Uhr 15 Min. pünktlich.
— Freunde der Darmſtädter Realanſtalten. Am nächſten Dienstag,
r 1. April, abends 8.15 Uhr, veranſtaltet die Ludwigsoberrealſchule
drch ihre V. D.A.=Gruppe einen Werbeabend fürs Deutſchtum im
Aus=
hd. Unſere geſchätzten Mitglieder und ihre Damen ſind hierzu herz=
Iſt in den Feſtſaal der Schule eingeladen. Die Darbietungen des
ſores und des Orcheſters unter der Leitung des Herrn
Muſikober=
hrers Pfaff verſprechen eine Weiheſtunde. In einer Anſprache wird
herſtudienrat Dr. Tempel die Aufgabe des Vereins für das
Deutſch=
m im Ausland erläutern. Herr O. Scherkamp ſingt Lieder von
zutart und Schumann. Die Vortragsfolge wird gegen Erſtattung von
Pfg. verteilt. Der Reinertrag dient als Spende zum 50. Jahresfeſt
* Deutſchen Schulvereins.
— Liedertafelkonzert am Montag, den 14. April d. J., abends, im
ſoßen Haus des Hefſiſchen Landestheaters. Frauen= und Männerchöre
in der Hauptſache a capella — von Bruno Stürmer und Joh. Brahms
lden die Vortragsfolge und geben einen Ausſchnitt aus dem choriſchen
ſchaffen der beiden Meiſter. Joh. Brahms ſchenkte der Chorliteratur
ſiasella nicht viel, dafür aber wahre Perlen. Hauptſächlich die
Männer=
ſue werden leider viel zu wenig beachtet, jedenfalls ihrer Eigenheit
an. Wer ſie aber einmal ſtudiert, bekommt einen Eindruck von ihrem
her künſtleriſchen Wert. Ein ganz eigenartiger Reiz liegt in den
arnonien, mithin in den Unterſtimmen, die durchaus ſelbſtändig
ge=
hit ſind. Der zur Aufführung kommende Zyklus, das einzige Werk,
S er für Männerchor a capella geſchrieben hat, iſt in der verfloſſenen
chwarz=Rot=Gold=Periode entſtanden. Es iſt heute wieder zum größten
eil aktuell. Hier wird es zum erſtenmal geſchloſſen aufgeführt. An
kuuenchören kommen die drei geiſtlichen Geſänge und die fünf Lieder
Harfenbegleitung und zwei Waldhörnern zur Aufführung. Bruno
türmer iſt ein längſt anerkannter Zeitgenoſſe. Sein Schaffen iſt von
* gegenwärtigen Strömung beeinflußt. Da er aber Praktiker iſt,
lebbt er im Rahmen des Möglichen. Kühn ſind oft ſeine Harmonien,
ſe den Werken eine ſtark perſönliche Note und einen äußerſt männlich
m, faſt herben Charakter geben. Das zykliſche Werk „Ring” für
keuuenchor iſt ganz modern gebaut und ſtellt die höchſten Anforderungen
Die Ausführenden. Die ganze Vortragsfolge bietet für Muſiker und
tmikliebhaber intereſſante und wirklich gute Chormuſik, ſo daß der
Euuch des Konzertes nur zu empfehlen iſt.
— Deutſchnationaler Handlungsgehilfenverband und Bund der
hafmannsjugend im D. 6.V. Am Sonntag, 30. März, unternehmen die
bläilfenabteilung und die Jugendgruppe eine Wanderung. Die
Ge=
enmitglieder treffen ſich mit Familie um 8,30 Uhr auf dem
Rieger=
a5, Ecke Wenckſtraße. Die Wanderung führt von hier aus durch den
ſark zum Einſiedel. Der Bund der Kaufmannsjugend trifft ſich um
Uhr an der Perſiluhr, Ecke Neckar= und Rheinſtraße. Die Wanderung
Jugendabteilung führt an die Bergſtraße. Für beide Wanderungen
2 uckſackverpflegung vorgeſehen.
uunloerfammadg oes Seinchensmkioneverens erg.
Der Heſſiſche Diakonievereine. V. hielt geſtern
nach=
mittag ſeine ſehr ſtark beſuchte Hauptverſammlung in ſeinem
Heimathauſe in der Freiligrathſtraße ab. Oberkirchenrat Dr. Horre
begrüßte herzlich die Mitglieder. Es wurde der im Jahre 1929
ver=
ſtorbenen Vereinsangehörigen ehrend gedacht, und zwar: Pfarrer
Reimann=Hanau a. M., Finanzrat Spamer=Darmſtadt, Frau Lehrer
Cbert, Groß=Umſtadt, Wachtmeiſter Heinrich Köppel=Babenhauſen,
Fräulein Eliſe Jöckel=Grünberg, und beſonders warm die Diakonie=
Schweſter Lotti Diekmann, die ihre ganze Kraft in den Dienſt des
Heſſiſchen Diakonievereins geſtellt hatte. — Der Jahresbericht ergab
einen ſehr günſtigen Stand. Heute könne man das Heimathaus, das
vor wenigen Jahren erworben wurde, aus dem Vereinsleben nicht mehr
hinausdenken. Der Wunſch einer eigenen Krankenpflegeſchule ſei zwar
heute noch kühn, aber man dürfe mit ſeither Erreichtem zufrieden ſein.
Im Jahr 1929 war das Haus faſt bis auf den letzten Platz beſetzt; die
Wohn= und Unterrichtsräume erwieſen ſich als faſt zu eng — was an
ſich ſehr erfreulich ſei —, ſo daß man bei weiterem Anwachſen der
Arbeit ſich wohl oder übel zu einer anderen Unterbringungsmöglichkeit
für Schülerinnen und Schweſtern umſehen müſſe. Das Haus wurde im
vergangenen Jahre gern von Schweſtern zu kürzerem oder längerem
Aufenthalt aufgeſucht. Das Heimathaus habe ſich für die
Schweſtern=
ſchaft im abgelaufenen Jahre als Mittelpunkt für ihre
Zuſammen=
künfte erwieſen. Im vergangenen Sommer hat die Wohlfahrts= und
Pfarrgehilfinnenſchule ihr erſtes Examen abgelegt. Der Prüfung der
Wohlfahrtspflegerinnen, bei der die Staatsregierung vertreten war,
unterzogen ſich elf Schülerinnen, die alle mit Erfolg beſtanden; ein
Beweis, daß in der Schule gründlich und ſorgfältig gearbeitet wurde.
Daraufhin wurde der Schule die ſtaatliche Anerkennung verliehen. Die
Schülerinnen, die alſo hier die Prüfung beſtanden haben, erhalten auch
in den übrigen deutſchen Staaten Anerkennung, da eine Vereinbarung
in bezug auf gegenſeitige Anerkennung der Wohlfahrtspflegerinnen
zwiſchen Heſſen, Preußen und den meiſten deutſchen Staaten beſteht.
Damit iſt der Schule die Grundlage für weitere erfolgreiche Arbeit
gegeben. Dasſelbe gilt für die Pfarrgehilfinnenſchule, an der die
Prü=
fung in Anweſenheit eines Vertreters der oberſten Kirchenbehörde
ſtatt=
fand. In dem weiteren Geſchäftsbericht wurde auf die Arbeit in den
heſſiſchen Gemeinden, auf das Mathildenheim zu Worms, auf die
Heil=
ſtätte Waldhof=Egershauſen, auf das Landkrankenhaus zu Hanau
ein=
gegangen und die Arbeiten des Heſſiſchen Diakonievereins und die
er=
freulichen Fortſchritte hervorgehoben.
Der Geſchäftsbericht wurde beifällig aufgenommen. Die
Rech=
nungsablage erſtattete Pfarrer D. Guyot. Ein verbleibendes
Reſtguthaben wird auf neue Rechnung vorgetragen. Der Voranſchlag
balaneiert auf der Einnahme= und Ausgabeſeite mit 174 42133 RM.
Herr Oberkirchenrat Dr. Horre dankt der Leitung der Anſtalt,
insbeſondere auch Herrn Pfarrer Guyot und Frau Oberin Kropp für
die umſichtige Betriebsführung, durch die die Einnahmen und
Aus=
gaben günſtig geſtaltet wurden. Er betont, die Rechnung für 1928 ſei
geprüft und für richtig befunden worden; eine Prüfung der Rechnung
für 1929 iſt noch nicht erfolgt. Die Entlaſtung für 19B8 wurde erteilt
und der Voranſchlag genehmigt. — Man bewege ſich auf aufſteigender
Linie; auch der Wirkungskreis des Heſſiſchen Diakonievereins werde
erweitert. Enge Zuſammenarbeit zwiſchen öffentlicher und privater
Fürſorge ſei außerordentlich weſentlich und unerläßlich.
Nach der nichtöffentlichen Sitzung eröffnete Oberkirchenrat Dr.
Horre
die öffenkliche Verſammlung
mit herzlichen Begrüßungsworten. Er gab ſeiner Freude Ausdruck,
daß die Teilnahme ſo ſtark ſei. Beſonders dankte er den Vertretern der
Landeskirchenregierung für ihr Intereſſe; das ſei durch den Beſuch der
Hauptverſammlung bewieſen. Er hieß die Herren Oberkirchenrat Dr.
Büchler, Obertirchenrat Müller und den Präſidenten des
Landeskirchen=
tags, Archivdirektor Dr. Herrmann, herzlich willkommen; weiter als
Vertreter der Regierung die Miniſterialräte Diehl, Linkenheld,
Ober=
regierungsrat Dr. Krebs uſw. Zwiſchen Staat und Kirche beſtehe ein
gutes Verhältnis. Eine Zuſammenarbeit auf mannigfachen Gebieten
ſei notwendig. Der heutige Staat ſei bewußt ein Fürſorgeſtaat, und
die Anweſenheit der Behördenvertreter dürfe als äußeres Zeichen
ver=
trauensvoller Zuſammenarbeit aufgefaßt werden. — Im Mittelpunkte
der öffentlichen Verſammlung ſtand ein Vortrag des Herrn
Oberregie=
rungsrats Dr. Krebs über
das Recht auf Erziehung.
Der Referent gab zunächſt einen Ueberblick über die geſetzlichen
Grundlagen für die Erziehung und behandelte im einzelnen die
ein=
ſchlägigen Punkte. Zum Schluß faßte der Referent ſeine
Ausführun=
gen dahin zuſammen: Dreierlei ſollte unter dem Geſichtswinkel des
Nechts auf Erziehung beleuchtet werden: Die möglichen Konflikte
zwi=
ſchen Elternrecht und Kindesrecht. Sie ſind im Grunde nur ein
Kon=
flikt zwiſchen vermeintlichem Elternrecht und wahrem Intereſſe des
Kindes, oder zwiſchen wirklichem Elternrecht und der vermeintlichen
Verletzung der Anſprüche des Kindes. Die Schwierigkeiten der Praxis
liegen darin, daß es keine Eltern gibt, die eine ſchlechterdings idegle
Erziehung gewährleiſten können, und daß das Urteil über die Frage,
wann öffentliche Jugendhilfe oder Exſatzerziehung dem Kinde beſſer
dienen können, wie eine mit Fehlern behaftete Elternerziehung von
ſehr vielen Zufälligkeiten abhängen könne. Dieſes Urteil iſt bedingt
durch die Weltanſchauung der entſcheidenden Perſonen, durch ihre
Ur=
teilsfähigkeit und vor allem durch die Urteilsfähigkeit der
Vertrauens=
perſonen des Jugendamtes. Hieraus folgt die große Verantwortung,
die die freie Wohlfahrt bei der Beſchaffung, Bewertung und
Darſtel=
lung der urteilsbeſtimmenden Tatſachen trägt.
Als zweites ſcheint daher die Stellung der freien Wohlfahrtspflege
als Mittler zwiſchen Elternhaus und Behörde zur Vermeidung
unnöti=
ger Konflikte über das Recht zur Erziehung beſonders bedeutungsvoll.
Die freie Wohlfahrt wird ihre Hilfskräfte auf dieſes Problem immer
wieder aufmerkſam machen, ihnen die ſchwerwiegenden Folgen zeigen,
ſie zu lebensnaher, wahrhaft menſchlicher, gütig verſtehender
Würdi=
gung der Tatſachen und Verhältniſſe heranbilden müſſen. Sie wird ſich
andererſeits frei von Sentimentalität und Leichtgläubigkeit halten
mrüſſen.
Als drittes ſcheint wichtig, die richtige Stellung zu der Frage nach
der Priorität der Verpflichtung zwiſchen Familie und Staat zu
ge=
winnen. Man wird unterſtreichen können, was Ramſay Maedonald
in ſeinem Buche über Sozialismus und Religion ſagt: „Die Familie
befindet ſich teils auf dem Gebiete des Privatrechts, teils auf dem der
öffentlichen Verantwortlichkeit”. Man wird aber ablehnen eine
For=
mulierung, die aus der Tatſache der Familiengefährdung, wie ſie die
Induſtrialiſierung gebracht hat, folgern will, die Auffaſſung Peſtalozzis
von der Familie als dem Keim der Erziehung ſei überholt. Sie habe
infolge der Geſellſchaftsumſchichtung im Zeitalter der Maſchine ihre
Bedeutung verloren. Der Keim der Erziehung müſſe in eine höhere
geſellſchaftliche Einheit verlegt werden, in den Staat. Demgegenüber
kann man auch einem anderen Wort von Macdonald folgen: „Das Recht
der Mütter und Kinder wird von der Familie eingelöſt, nicht von dem
Stagt”. Unſere Zeit krankt daran, daß alle Lebensfragen überwiegend
von der Seite des Anſpruchs, nicht von der Seite der Pflicht gegenüber
der Geſamtheit aus betrachtet werden. Nur, wenn der Familie
nicht leichthin eine Verantwortung, die ſie ſelbſt bei vollem Einſatz
ihrer Kräfte tragen kann, abgenommen wird, wird ſie befähigt
bleiben, ihr Recht auf Erziehung im ſozialen Sinne des Dienſtes für
die Geſamtentwicklung zu üben. Deshalb darf öffentliche Fürſorge
immer nur die Hilfe zur Selbſthilfe und die Stützung der
Erziehungs=
berechtigten, nie ſeine endgültige Ausſchaltung als letztes Ziel im
Auge haben. Nur dann wird ſie richtungweiſend bleiben im Sinne
des Artikels 163 der Reichsverfaſſung: Jeder Deutſche hat unbeſchadet
ſeiner perſönlichen Freiheit, die ſittliche Pflicht, ſeine geiſtigen und
körperlichen Kräfte ſo zu betätigen, wie es das Wohl der Geſamtheit
erfordert.
Oberkirchenrat Dr. Horre gibt dem lebhaften Dank der
Ver=
ſammlung für die klaren und erſchöpfenden Ausführungen nochmals
Ausdruck und ſchloß dann die Hauptvexſammlung mit herzlichen Dan=
**
kesworten an die Anweſenden für das große Intereſſe.
— Petrusgemeinde — Männer=Vereinigung. Wie große Anziehung
eine Unterhaltung über die edle Kunſt der Malerei auszuüben vermag,
hat der vor einigen Wochen im Gemeindehaus gehaltene Vortrag von
Herrn Pfarrer Köhler bewieſen über das Thema: „Rudolf Schäfer
und ſein Werk‟. Es mag nun beſonders reizvoll ſein, im Anſchluß
und Vergleich damit einen ſo berufenen Redner wie Herrn
Zeichen=
lehrer Eckert, bekannt durch ſeine eigenartigen Aquarelle, ſprechen
zu hören über: „Ludwig Richter, den Maler deutſcher
Inner=
lichkeit‟ Dabei wird ſich, insbeſondere auch an Hand der Lichtbilder,
die gezeigt werden ſollen, feſtſtellen laſſen, inwieweit die Anſicht vieler,
Schäfer fuße auf Ludwig Richter, berechtigt iſt. Mögen deshalb elle
die zahlreichen Beſucher des Pfr. Köhlerſchen Vortrags, und noch viele
andere, Gemeindeglieder und Gäſte, Männer, Frauen und Jugendliche,
am Donnerstag, den 3. April, abends 8.15 Uhr, zu der
Monatsver=
ſammlung der Männer=Vereinigung erſcheinen. Alle ſollen willkommen
ſein. Ein genußreicher Abend kann ihnen in Ausſicht geſtellt werden.
— Evangel. Jugendgemeinſchaft Darmſtadt. Am Sonntag, den 30.
d. M., findet abends um 8.15 Uhr, in der Schloßkirche ein
Paſſions=
jugendgottesdienſt ſtatt. Wir laden dazu alle Mitglieder, wie die
ge=
ſamte evangeliſche Jugend ein. Die Predigt hält Herr Pfarrer Köhler,
die liturgiſche Ausgeſtaltung hat das E. C. übernommen.
— Ev. Jugendbünde der Petrusgemeinde. Im gemeinſamen
Ver=
einsabend am Montag, den 31. März, abends 8,15 Uhr, im
Gemeinde=
haus, Eichwieſenſtraße 8, wird Alfons Schultes ſprechen über „
Erleb=
niſſe und Erkenntniſſe meiner Belgienfahrt‟. Der in unſerer Gemeinde
wohlbekannte Redner hat gerade eine große Vortragsreiſe durch Belgien,
Frankreich und die Schweiz hinter ſich. Zu dieſem Vortrag werden
außer unſeren Mitgliedern auch die Glieder der Jugendgemeinde und
die Freunde von Alfons Schultes recht herzlich eingeladen. Der
Ein=
tritt iſt frei.
Mei
Prasser-Haftee fisch geröstet Bohulstr. 10 s
— „Der Mann, der ſeinen Namen änderte!‟ Dieſes neueſte Bühnen=
Kriminalſtück Edgar Wallgce’s gelangt in Darmſtadt erſtmalig am
Dienstag, 1. April, durch die Berliner Spezial=(Senſations= und
Lach=,Bühne (Direktion Paul Herm und Otto Albrecht) zur
Auf=
führung. Atemraubende Spannung bis zur letzten Szene, aufregende
Situationen, völlige Irreführung des Zuſchauers hinſichtlich des
Ver=
laufs der Handlungen kennzeichnen die ſtarke kriminaliſtiſche Begabung
in den Edgar Wallaceſchen Werken. Brachte „Der Hexer” in dieſer
Hinſicht große Ueberraſchungen und ſtärkſte Bewunderung, ſo übertrifft
Der Mann, der ſeinen Namen änderte”, das erſtere Werk noch um ein
Bedeutendes. Das neue Stück erlebte in Berlin mehrere 100
Aufführun=
gen, was wiederum das bekannte Motto Wallaceſcher Werke beſtätigt,
das da heißt: „Es iſt unmöglich, von Edgar Wallgce nicht gefeſſelt
zu ſein!“
— Volksbühne. Das am 4. April von der Volksbühne geplante
gonzert muß wegen Erkrankung von Fräulein Roſe Landwehr auf
den 9. Mai verlegt werden. An den Umtauſch der Karten, der
umgehend vorgenommen werden muß, ſei nochmals erinnert. — Dr.
Arthur, Feiler, Chef=Handelsredakteur der Frankfurter Zeitung,
ſpricht Montag, den 31. März, im Saalbau über „Sowjetrußland im
13. Jahr der Revolution”. Mitglieder der Volksbühne erhalten 25
Pro=
zent Preisermäßigung für numerierte Plätze gegen Vorzeigen ihrer
Mitgliedskarte in der Bücherſtube Alfred Bodenheimer.
— Mozartverein. Das von Kapellmeiſter Rehbock zuſammengeſtellte
intereſſante Programm des am 8. April ſtattfindenden Konzerts zerfällt
in drei Abteilungen: Nordiſche Lieder, Slawiſche Lieder,
Deutſche Lieder. Der Reiz des Vergleichs erhöht den Genuß
die=
ſer erwählten Liederfolge. In dieſen Rahmen fügen ſich die Soliſten des
Abends, Anny von Stoſch und Hans Grahl. Auch im
Konzert=
ſaal wiſſen die beiden gefeierten Bühnenkünſtler Vollendetes zu
bieten. S. Anzeige.
29, März
20—22.30 Uhr
Ein Walzertraum
Preiſe 1.00—4 00 Mk.
Volksvorſtellung. 15—17 Uhr
der Poſtillon v. Lonjumean
Heſſenlandmiete 1 9
Preiſe 1 20—6 00 Mk.
20—22.15 Uhr
Der Kaiſer von Amerika
Zuſatzmiete VI 10
Preiſe 1.50—7.50 Sonntag,
30. März 17.30—22.30 Uhr
Die Meiſterſinger
von Nürnberg
A 19
Preiſe 1.20—12.00 Mr. 15—17 Uhr
Lady Fanny und die
Dienſtbotenfrage
Heſſenlandmiete 119
Preiſe 1.20—6.00 Mk.
20—22 15 Uhr
Der Kaiſer von Amerika
Zuſatzmiete 1I 10
Preiſe 1.50—7.50 Mk. Montag;
31. März
Keine Vorſtellung 20.—22 Uhr
Operetten=Abend mit Jazz=
Lrcheſter
Müller=Wiſchin/Bunſel
Preiſe 1, 2, 3 Mark Dienstag,
1. April 20—23 Uhr
Die Affäre Dreyfus
F9 Darmſt. Volksb. Gr. 1.4
Preiſe 1.00—10.00 Mk. Keine Vorſtellung 2. April 20—32 Uhr
Mittwoch, Die Südpolexpedition des
Kapitän Scott
AG
Preiſe 1—10 Mk. Keine Vorſtellung Donnerstag,
3. April 19.30—22 Uhr
Schwanda
E 20. T. Gr. 7 u. 8
Preiſe 1.00—10.00 Mk. 20—23 Uhr
Zweiter Konzert=Abend
der Geſangsſchule
Maria Franke.
Preiſe 1,00, 2.00, 3.00 Mk. [ ← ][ ][ → ]
Seite 6
Samstag, den 29. März 1930
Nummer
Straßenneubenennungen in Darmſtadt.
In Verfolg des Beſchluſſes des Stadtrats vom 13. März, nach
dem die neu vorgeſchlagenen Straßennamen den Mitgliedern des
Stadt=
rats zunächſt bekanntgegeben werden ſollen, wurden die vom Bau=
Aus=
ſchuß gutgeheißenen Vorſchläge der Verwaltung dem Stadtrat
bekannt=
gegeben. Danach werden folgende Straßenbenennungen
ge=
nehmigt:
1. In der Gartenvorſtadt am Alfred=Meſſel=Weg.
Straße A. „Amheiligen Kreuz”, nach der dortigen
Gewann=
bezeichnung: Straße 4. I. „Mozartweg”, nach dem gleichnamigen
Komponiſten; Straße B. „Graupnerweg”, nach dem
gleichnami=
gen Komponiſten; B. I. „Wernerweg”, zum Gedächtnis an Herrn
von Werner, dem Eigentümer und Erbauer der Villa am
Breitwieſen=
berg; „Straße C. „Negerweg”, nach dem Komponiſten Profeſſor
Max Reger; Straße D. „Meyerbeerweg”, nach dem
gleichnami=
gen Komponiſten; „Straße E. „Wildmauerweg”, nach einer alten
Gewvannbezeichnung: „Straße F. „In den Rödern”, nach der
dor=
tigen Gewannbezeichnung: „Straße G. „Schilbachweg”, Hof= und
Theatermaler in Darmſtadt im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts;
Straße H „Brunnerweg”, zum Gedächtnis an den verſtorbenen
hieſigen Maler Georg Brunner, der der Stadt eine wohltätige
Stif=
tung zur Ausbildung talentvoller armer Kinder vermacht hat; Straße
J. „An der Spitzeichwieſe” nach der dortigen
Gewannbezeich=
nung; Straße K. „Löwenſternweg”, Straße I. „
Rodingh=
weg”, beide bedeutende hieſige Maler; Straße M. „
Ziegelbuſch=
weg”, alte Feldwegbezeichnung; Straße 8. „Baderweg”, nach
dem bekannten Darmſtädter Maler.
2. Baublock am Schlachthof.
3. Ehemals Buchenröderſches Gelände, zwiſchen Eſchollbrücker
Straße und Stadtallee.
Straße A. „Im Höllchen”, nach der dortigen
Gewannbezeich=
nung; Straße B. „Am Weinweg”, nach der alten
Straßenbezeich=
nung der Eſchollbrücker Straße; Stadtallee — „Schepp=Allee”,
wie die alte volkstümliche Bezeichnung lautet.
4. Straße vor den Artilleriewagenhäuſern.
„Kattreinſtraße” nach Mayor Ludwig Kattrein, dem
Erſtür=
mer des Schloſſes Chambord (9. 12.. 1870).
5. Straßen am Südbahnhof.
Straße 4.: „GHaardtring”; Straße B.: „Wormſer Str.”;
Straße C.: „Oppenheimer Straße”; Straße D.: „Alzeyzer
Straße”, Straße E.: ,Binger Straße‟
Die zwiſchen den Straßen A. bis D. vorgeſehene Anlage: „Karl=
Legien=Anlage”.
6. Gebiet ſüdlich der Landskronſtraße.
Straße 4. „Frankenſteinſtraße‟, Straße B. „
Kiesberg=
ſtraße”, Straße C. „Ludwigshöhſtraße”, Straße D. „
Oran=
gerieſtraße”, Straße E. „Klappacher Straße” — ſüdliche
Fortſetzung bereits vorhandener Straßen; Straße F. „
Borden=
bergſtraße, nach dem gleichnamigen Hügel im Waldgebiet im
Sü=
den der Stadt.
Anlage ſüdlich des Gebietes in der Landskron—,Starkenburger
Anlage.
7. Gebiet am Steinberg.
1. Verlängerte Oſannſtraße ſüdlich der Jahnſtraße: „
Fichte=
ſtraße”, nach dem berühmten deutſchen Philoſophen zur Zeit Goethes.
2. die die Idiotenanſtalt von Oſt nach Weſt durchziehende Straße:
„Helfrich Peter Sturtz=Weg”, nach dem hieſigen Schriftſteller
und Kunſtkritiker, Freund Klopſtocks und Leſſings; 3. Oeſtliche
Paral=
lelſtraße zur Fichteſtraße: „Hölderlinweg”, nach dem
bedeuten=
den Dichter zu Anfang des 19. Jahrhunderts; 4. Oeſtliche
Parallel=
ſtraße zum Hölderlinweg auf der Weſtſeite des Wäldchens am
Stein=
berg: „Claudiusweg”, zum Gedächtnis an den 1776/1777 in
Darmſtadt wohnenden Dichter Matthias Claudius; 5. Südliche
Pa=
rallelſtraße zum Steinbergweg zwiſchen Fichteſtraße und Claudiusweg:
„Kehrwieſenweg” nach der gleichnamigen Gewann; 6. Straße
längs der Oſtſeite des iſraelitiſchen Friedhofs: „Im Weidenborn”
nach einer alten Gewannbezeichnung; 7. Fortſetzung der Seekatzſtraße
bis zur Nieder=Ramſtädter Straße: „Seekatzſtraße”.
1. Projektierte Ringſtraße zwiſchen Oſtbahnhof und Gabelsberger
Straße: „Odenwaldring”; 2. Fortſetzung des Odenwaldrings
von der Gabelsberger Straße ab in ſüdöſtlicher Richtung: „
Schwarz=
waldring”; „Straße B. zwiſchen Gabelsberger Straße und
Noß=
dörfer Straße: „Waldmühlenweg”, nach einer alten
Flur=
bezeichnung.
Der ſüdöſtliche Zipfel des Alexandrawegs einſchließlich dem
ſchma=
len Treppenſtück zwiſchen Ernſt=Ludwig=Haus und Haus Philipp Roeder
(die Straße alſo zwiſchen Olbrichweg und Prinz=Chriſtiansweg):
„Mathildenhöhweg”.
— D. H. V. Für ihren Vortragsabend über das Thema „Deutſche
Geſchichte als Grundlage der Gegenwartspolitik” hatte die Ortsgruppe
Darmſtadt des Deutſchnationalen Handlungsgehilfen=Verbandes als
Vor=
tragenden abermals Herrn Dr. Klein=Buchſchlag gewonnen. — Dr.
Klein=Buchſchlag ſprach über „Die ſchwarz=rot=goldene Bewegung von
1817 bis 1848‟. Der Redner verſtand es, den zahlreich erſchienenen
Kollegen ein klares Bild der Entſtehung und Entwicklung der
ſchwarz=
rot=goldenen Bewegung zu verſchaffen. Er ſchilderte, wie aus dem
Ver=
trauen auf den von Friedrich dem Großen errichteten Staat das
preu=
ßiſche Volk durch den Niedergang 1806/07 zur Erhebung und zum
Frei=
heitskampfe erwachte. Durch die hierdurch bedingte neue Anteilnahme
am Staatsleben entſtand der Wunſch des Volkes nach Einigung des
Deutſchen Reiches. Aus dieſem Wunſche heraus erwuchs aus der
deut=
ſchen Burſchenſchaft die ſchwarz=rot=goldene Bewegung. Es handelte ſich
bei der Gründung anläßlich des Wartburgfeſtes 1817 um eine Bewegung,
die die Einigung der deutſchen Länder mit dem Ziel der Abwehr evtl.
ſpäterer franzöſiſcher Angriffe erſtrebte. Alſo eine rein nationale
Be=
wegung! Erſt durch das Ringen um Einfluß auf die Regierung
dran=
gen ſpäter kosmopolitiſche Elemente in die urſprünglich nationale
Be=
wegung ein, und ſo ſehen wir die ſchwarz=rot=goldene Fahne 1848 bei
der Revolution, die doch auch eigentlich eine nationale Revolution war,
in der Hand der Umſtürzler. Dr. Klein=Buchſchlag zeigte dann zum
Schluß die Entdeckung Bismarcks durch Friedrich Wilhelm den Vierten
und ſchilderte die Entſtehung der Farben ſchwarz=weiß=rot unter
Bis=
marck. — Der Vorſitzende der hieſigen Ortsgruppe des D.H.V., Kollege
Herold, dankte dem verdienten Redner im Namen der Anweſenden, die
den Ausführungen des Herrn Dr. Klein=Buchſchlag aufmerkſam gefolgt
waren.
— Ganghofer=Thoma=Bühne — Abſchieds=Vorſtellungen. Heute,
Samstag, ſowie Sonntag und Montag, abends 8,15 Uhr, geben die
Tegernſeer Gäſte ihre letzten Vorſtellungen, und zwar gelangt die luſtige
Bauern=Nobität „Das ſündige Dorf” von Max Neal, in
Erſtauf=
führung zur Darbietung. — Näheres iſt aus heutiger Anzeige im
Inſeratenteil erſichtlich.
— Buchhaltungskurſus, veranſtaltet von der Vereinigung des
Einzelhandels von Darmſtadt und Umgebung e. V. Mit Rückſicht auf die
befondere Bedeutung, die in den Einzelhandelsbetrieben einer
ordnungs=
gemäßen Buchführung, vor allem wegen der Auswirkung auf die
Steuer=
veranlagung zukommt, ſah ſich die Vereinigung des Einzelhandels
ver=
anlaßt, einen Buchführungskurſus für ihre Mitglieder zu veranſtalten,
Herr Direktor Dr. Zeiger von der höheren Handelsſchule hatte ſich
freundlichſt bereit erklärt, die Durchführung dieſes Kurſus zu
überneh=
men. Der etwa 12 Abende umfaſſende und gut beſuchte Unterricht nahm
nunmehr am 25. März ſein Ende. Herr Direktor Dr. Zeiger hat es
hierbei vorzüglich verſtanden, die Teilnehmer in die wichtigſten
moder=
nen Buchführungsprobleme einzuführen und mit den weſentlichſten
Buchhaltungsfyſtemen, insbeſondere auch mit der
Durchſchreibebuchfüh=
rung vertraut zu machen. Es iſt hierbei ganz beſonders hervorzuheben,
daß Herr Direktor Dr. Zeiger ſtets bemüht war, den Stoff nicht nur
theoretiſch an ſeine Zuhörer heran zu tragen, ſondern in Form einer
Arbeitsgemeinſchaft die Teilnehmer dauernd an Hand von vortrefflichen
Uebungsbeiſpielen alle Buchungen ſelbſt vornehmen zu laſſen. Vor
allem wurde auch Wert auf die gründliche Durcharbeitung der
Abſchluß=
technik gelegt. Die Vereinigung des Einzelhandels iſt überzeugt, durch
die Abhaltung des Buchhaltungskurſes einem dringenden Bedürfnis
ihrer Mitglieder entſprochen zu haben, und es wird beabſichtigt, daß der
Kurſus bei genügender Teilnehmerzahl im Laufe des Jahres ſeine
Wiederholung findet.
— Wanderklub „Falke‟ 1916, Darmſtadt. Die Schnitzeljagd, auch
der zum Fenſter hereingrüßende Sonnenſchein ließen das Aufſtehen
ebenſo leicht wie die Bahnfahrt nach Zwingenberg a. d. B. kurz
er=
ſcheinen. Hier in Zwingenberg ſollte die Sache, aus der die von den
noch jngendlichen Füchſen Brummer, Heeb und Schnur angedrohte
ſportliche Leiſtung erſter Ordnung wurde, losgehen. Die berühmte
Dreiteilung der Fährte ſollte uns gleich in Zwingenberg erfreuen,
denn während ein Teil der Jäger über Auerbach-Not Gottes—Schloß
nach Balkhauſen kam, folgte eine zweite Gruope den Schnitzeln in
Rich=
tung Alsbacher Schloß, um ſich dann am Melibokus mit der dritten,
direkt dorthin führenden Spur zu vereinigen. Dieſe nun größte Gruppe
lief ſich hier beinahe tot, ſoll ſogar bis zu dreimal auf den Melibokus
gelotſt worden ſein und kam dadurch bis zu 2 Stunden ſpäter zur
Frühſtücksraſt nach Balkhauſen. Weiter ging’s auf verſchiedenen,
be=
ſtimmt nicht bequemen Wegen zum Felsberg, und ſchon hatten wir die
zweite größere Falle, in die nun die meiſten, wie dies ſo üblich iſt,
wie mit verſchloſſenen Augen hineinliefen. Dieſe Finte führte zum
Teufelſtein und Bohrſtein. Die Ueberzeugung, daß der andere doch
der richtige Weg ſein mußte, war teuer erkauft. Weiter alſo, rechter
Hand des Felſenmeers abwärts nach Reichenbach (immer noch keine
Mittagsraſt), dann wieder aufwärts auf die Höhe, die mit vielen
Schwveißtropfen teuer, aber immerhin erkämpft wurde. Der Kampf
ſollte auch nicht umſonſt ſein, da hier, oberhalb Gronau, im dichteſten
Walde die ſofort ausgehobenen Fuchsneſter angelegt waren. Nach
kur=
zer Raſt ging’s dann abwärts nach Gronau, wo in der Dorfmühle das
Mittagsmahl bereitgehalten wurde. Zum Schluß marſchierten wir
dann mit Geſang und im Marſchſchritt über Zell—Bensheim nach
Auerbach, vereinigten uns dort mit einigen Verſprengten und fuhren
gemeinſam heim.
Aus dem Gerichksſaal.
Aw. Ein Fachſchriftſteller für Kraftfahrweſen aus Berlin=
Char=
lottenburg hat in einer Nürnberger und in einer Braunſchweiger
Zei=
tung einen Artikel unter dem Titel „Vom ſchwarzen Meer zum deutſchen
Rhein” veröffentlicht. In dem Teil, wo er das heſſiſche Gebiet ſchildert,
iſt das heſſiſche Straßenweſen kritiſiert, und gegen den Dezernenten des
heſſiſchen Straßenweſens ſind Ausdrücke gebraucht, die beleidigend ſind.
Der Autor ſandte dem heſſiſchen Miniſter des Innern dieſen Teil des
Artikels rot angeſtrichen und brauchte in einem Begleitſchreiben ähnliche
Aeußerungen; in den heſſiſchen Straßen ſeien Schlaglöcher, die Zuſtände
ſeien ſchlimmer als in Rumänien, der Dezernent ſei jedenfalls unfähig,
ſein Amt zu verwalten uſw. Der Miniſter des Innern ſtellte
Strafan=
trag. In der Freitag=Sitzung des Bezirksſchöffengerichts war der
Dezer=
nent als Zeuge und Nebenkläger anweſend. Der Angeklagte war von
dem Erſcheinen entbunden und durch ſeinen Verteidiger vertreten. Nach
den Angaben des Dezernenten hat der Artikel mit ſachlicher Kritik nichts
zu tun, er iſt rein perſönlicher Natur, und iſt auf einen Konflikt
zurück=
zuführen, den der Autor früher einmal mit ihm hatte. Das
Bezirks=
ſchöffengericht machte folgenden Vergleichsvorſchlag: Der Angeklagte ſoll
die Beleidigungen mit Bedauern zurücknehmen, er ſoll gleichzeitig
ver=
ſichern, daß er künftighin keine perſönliche Kritik mehr üben wird.
Außerdem ſoll er eine Buße von 300 Mark bezahlen, und der Vergleich
ſoll in der Allgemeinen Automobilzeitung veröffentlicht werden. Der
Dezernent will dem Miniſter den Vorſchlag vorlegen und befürworten,
Der Verteidiger des Angeklagten verſpricht dies ebenfalls. Für den Fall,
daß der Vergleich nicht angenommen wird, beantragt der Vertreter der
Staatsanwaltſchaft tauſend Mark Geldſtrafe oder 100 Tage Gefängnis
und die Publikationsbefugnis in den betreffenden Blättern. Die
Ent=
ſcheidung fällt in acht Tagen.
Fadtes
Nülelt
die wundervolle goldklare Haarwaschseife
für jedes Haar, auch als Shampoon
Fin 30 Oennig-
— Darmſtädter Automobil=Club e. V. Wir machen hiermit unſere
Clubmitglieder auf die am Sonntag den 30. März, in Mainz
ſtatt=
findende Fuchsjagd, veranſtaltet vom Mainzer Automobil=Club (ADAC.)
aufmerkſam und bitten die Mitglieder nebſt Gäſten, ſich pünktlich 7.15
Uhr am Theaterplatz einzufinden, da die Abfahrt präziſe 7.30 Uhr
er=
folgt. Gleichzeirig weiſen wir auf den Clubabend mit Damen am
Dienstag, den 1. April, in Seeheim hin. Abfahrt am Theaterplatz um
20 Uhr. Zu dem in Hanau am 6. April d. J. ſtattfindenden Frühjahrs=
Gautag iſt es im Intereſſe unſeres Clubs eine ſelbſtverſtändliche Pflicht,
daß ſich unſere Mitglieder recht zahlreich mit ihren Fahrzeugen
beteili=
gen. Abfahrt pünktlich 7.30 Uhr am Theaterplatz.
— Die Austragung der füddeutſchen Friſeurgehilfen=Meiſterſchaft in
Darmſtadt. Der Damenfriſeur= und Perückenmacher=Gehilfenverein 05
hat anläßlich ſeines 25jährigen Stiftungsfeſtes keine Mittel geſcheut und
die Austragung der höchſten Ehre, die ein ſüddeutſcher Friſeurgehilfe
er=
langen kann, nach Darmſtadt gelegt. Künſtler des Friſeurberufes treten
am Sonntag mit nahmhaften Darmſtädter Kollegen in Konkurrenz. Weit
über 1000 Mark an Preiſen ſpornen die Teilnehmer an, ihr Beſtes zu
zeigen. Es wird gezeigt an 60—70 Damen, die Mode und Farbe 1930=
31. Friſiert wird: Friſur 1, die Tages= und Straßenfriſur; Frifur 2:
die große Geſellſchaftsfriſur in Form von Perücke, für große Bälle und
Reunion. Für Unterhaltung und Tanz iſt das Darmſtädter
Männer=
quartett ſowie das Stadt=Orcheſter gevonnen worden. Kein
Darm=
ſtädter ſollte eine ſo bedeutende Gelegenheit, die um 3,30 Uhr in der
Woogsturnhalle beginnt, verſäumen.
E Lohnſteuererſtattung. Das Finanzamt macht darauf
aufmerk=
ſam, daß am Montag, den 31. März, die Friſt für Einreichung der
An=
träge auf Erſtattung von Lohnſteuer 1929 abläuft. Derartige Anträge
können geſtellt werden, wenn im Jahre 1929 infolge Verdienſtausfalls
die ſteuerfreien Beträge nicht voll gutgebracht werden konnten, oder
wenn beſondere wirtſchaftliche Verhältniſſe im Jahre 1929 vorgelegen
haben, wodurch die ſteuerliche Leiſtungsfähigkeit weſentlich
beeinträch=
tigt war. Nach dem 31. März 1930 eingehende Anträge müſſen als
nicht mehr zuläſſig abgelehnt werden.
Straßenſperre. Wegen Rohrverlegungsarbeiten wird die
Karls=
ſtraße zwiſchen Heinrichs= und Annaſtraße vom 31. März 1930 bis auf
weiteres für Fahrzeuge aller Art geſperrt. Umleitung erfolgt durch die
Heinrich=, Wilhelminen=, Annaſtraße. — Geſperrt ſind aus gleichem
Grunde die Artillerieſtraße und die Eſchollbrückerſtraße zwiſchen
Hinden=
burg= und Heidelbergerſtraße.
Aus den Darnſtädker Eichtfſviellhegkern.
Helia.
„Die ſeltſame Vergangenheit der Thea
Carto=
iſt ein ausgezeichneter deutſcher Kriminalfilm, dem die Regie Ern
Laemmles inſofern zu ſtarkem Erfolg verhalf, als ſie die Handlmu
gut und in geſchickter Berechnung der einzelnen Szenen abrollen Ic
ſich vor allem frei hält von Uebertreibungen, unter denen ähnliche Filln
ausländiſcher Produktion gar zu oft leiden. Die Schilderung der
Fi=
fabel wirkt wie eine durch die Bildfolgen verlebendigte ſehr gute 7ſ,.
zählung. Sie ſchildert das Leben einer unſchuldig ſchuldig gewordem M.
Die bildhübſche Thea Carter, die Gattin eines bekannten Großinduſti/ ma½
len hat eine „Vergangenheit‟. Sie iſt aber unſchuldig zu dieſem dun grätz Roe
len Punkt gekommen. Aus Not ging ſie einſt zur Bühne, wurde 277 MEug
zerin, wurde von einem Tanzkollegen geliebt. Er machte ihr ein Freu we
ſchaftsgeſchenk und wurde in dem Augenblick, da er mit ihr zuſamm T. Wil
ein Varieté=Engagement antreten wollte, wegen Einbruchs verhaf:
Trotz ſeiner Beteuerung, daß Thea unſchuldig, daß ihr die Herkunft Nleſl”
Aaaele
Schmuckſtückes nicht bekannt, wurde ſie verhaftet, konnte aber entflieh, —r606,
Nach Jahren kehrte ſie als Gattin des Direktors Carter nach Berlin
i„pereit
rück, wird von dem Polizeirat wieder erkannt, nach allerhand drant==weh
tiſchen Zwiſchenfällen aber wird der Polizei ihre Unſchuld bekannt u.
ſie kann ihr Leben auf der Höhe der Geſellſchaft weiterführen. T)
alles wird ausgezeichnet geſchildert und in ſehr guten Darſtellungen vo= Amſt
lebendigt. Zu dieſen guten Darſtellern zählt neben June Marloces
als Verkörperin der Titelrolle, Olaf Fönß (Direktor Carter), Hermaun). Aürz
Valentin als Polizeirat Kroll, Ernſt Stahl=Nachbaur, S.ee.
milla von Hollay und Charles Charlia. — Heitere und unt:
haltende Beifilme bereichern angenehm das Programm.
,Bſhfitz eints
ggek Mit
wficht ſt
— Straßenſperrungen, auf die der Automobiliſt nicht vorbereitet ri /msweis M.
bereiten immer Aerger und Verdruß. Man hat ſich vor Antritt S. mten Und
Neiſe berechnet, zu einer gewiſſen Zeit am Ziel zu ſein und ſieht F./ bemächt
plötzlich vor einem Umleitungsweg. Programm, Verabredungen könnz whr Geleß
nicht mehr durchgeführt und eingehalten werden. Die offizielle Straße. Mun gi0l
ſperrkarte „Start”, die alle 14 Tage erſcheint, orientiert den Kraftfahru r Eherſt
vor Antritt ſeiner Reiſe über die Wegeſperrungen, ſie ſpart ihm Ze=
Geld und Aerger. Die Karte, eingeteilt in Nord=, Süd= und Oſtkar-, uelich geo
hrrnzierung 1
kann im Abonnement und einzeln von der Startag=Verlags=Aktengeſe= zeMontag, d
ſchaft, Berlin W 9, Linkſtr. 38, bezogen werden.
ag der Plän=
— Ein Flugzeug auf der Bahnſtrecke Frankfurt a. M.—Darmſta u midem Bauel
durch Brand vernichtet. Anfang November 1929 wurde von eines ue nicht zug
Segelflieger Gg. H. aus H. ein Sportflugzeu g, das er ſelkk Aifhäfts
gebaut hatte, angeblich um dieſes auf dem Flugplatz in Frankfurt a. T m Jchre 1930
einzufliegen, auf die Eiſenbahn verladen und nach Frankfurt a. M.
ve=
frachtet. In Frankfurt wurde es dann unter verſchiedenen Vorwände= / 0. Lnei
nicht ausgeladen, ſondern nach Darmſtadt weiterverfrachtet. Auf dieſeaufnne
Transport wurde die Maſchine auf Station Arheilgen, als der 3., ſa.9 04 2.
gerade ſtand, durch Brand vollſtändig vernichtet. — Nach dem Starr ſt Me
der Ermittelungen durch die Darmſtädter Kriminalpolizei kann angy mßr de
nommen werden, daß der Eigentümer gemeinſchaftlich mit einem Bru mitud herd
der von ihm das Flugzeug auf die Bahn gebracht hat, um es, wie gr Wi Pfſlug),
ſchehen, zu vernichten, in der Abſicht, die Reichsbahnbehörde ſchadert W Frau
erſatzpflichtig zu machen. Zurzeit kann weiteres nicht geſagt, werdem ſiu. hie
Die Unterſuchung iſt noch im Gange. Die Gebrüder H. wurden iüſhie die M
Unterſuchungshaft genommen.
Manfardeneinbrecher am Werk. Am 26. März in der Mittags” ſ he Kon
zeit wurde in einem Hauſe am Lucasweg ein Manſardeneinbruch ber” nach Gießen
übt und zum Nachteil von zwei Dienſtmädchen Geldbeträge in Höhx Mirrfamil
von 45 RM. geſtohlen. — Am gleichen Tage nachmittags wurde -üſh ein lla
einem Hauſe der Wilhelminenſtraße in das Dienſtmädchenzimmer eim mitügkeit
gebrochen und neben einer goldenen Damenarmbanduhr eine dunkell 0e Rachnu
blaue Lederhandtaſche, eine Paar dunkelbraune Nappahandſchuhe un ſtia beleuch
drei Stück Seife geſtohlen. Nach polizeilichen Feſtſtellungen wurden: hull brack
beide Diebſtähle von ein und demſelben Täter ausgeführt. Der Täte; Roſichem g
wird wie folgt beſchrieben: 25—26 Jahre alt, etwa 1,75 Meter großs Einn
geſetzte Statur, volles, friſches und blaſſes Geſicht, trug dunklen Mante
und ſchwarzen ſteifen Hut.
Erne
—Diebſtahl einer Kaffette. Am 22. März vormittags wurde einem ich ih
eilon
Verwalter in der Zeughausſtraße aus einer Kommode eine Kaſſette mitt=
120 Mark Inhalt geſtohlen. Der Täter, ein Maurer Ph. E. öffneis
die Zugangstüre mit einem Nachſchlüſſel. E. konnte am gleichen
Tog=
feſtgenommen werden, ging aber flüchtig. Er wurde aber am 2ᛋ
in Wiesbaden erneut feſtgenommen.
Wäſchediebſtahl. In der Nacht vom 11. auf 12. März wurden.!
von dem Balkon eines Hauſes in der hinteren Kranichſteiner Straßen
verſchiedene Wäſcheſtücke, hauptſächlich Herrenunterhoſen, von bis jetze
unbekannten Tätern entwendet.
Diebſtahl in einem Verkaufskiosk. In der Nacht vom 18. auffſ
19. März wurde von bis jetzt unbekannten Tätern ein Verkaufshäus= in der unteren Frankfurter Straße erbrochen und daraus Eßwarei
in geringer Menge, hauptſächlich Lebkuchen, Pfefferminz und Makronen,
entwendet. Perſonen, welche in den beiden vorgenannten Fälleny
irgendwelche Wahrnehmungen gemacht haben, werden gebeten, dies ders
Kriminalpolizei, Hügelſtraße 31/33, Zimmer 29, mitzuteilen.
D Fahrraddiebſtähle: Am 14. März aus der Torhalle Ballol= Nr. 7 ein Herrenfahrrad, Marke und Fabriknummer unbekannt;
ſchwarzer Rahmen, ſchwarze Felgen, Klotzpedale. — Am 18. März aus” ien
der Toreinfahrt Heinrichſtraße 68 ein Damenfahrrad, Marke Opel==
Blitz. — Am 20. März vor dem Hauſe Grafenſtraße 24 ein Herren=, Marke Preſto, Fabriknummer 317 096. — Am gleichen!
Tage aus dem Hofe Kranichſteiner Straße 60½ ein Herrenfahrrad,
Marke Dürkopp; ſchwarzer Rahmen, vorne gelbe und hinten Lener
ſchwarze Felgen; elektriſche Beleuchtung. — Am 21. März aus dem
Hausflur Bahnhofsplatz Nr. 23 ein Herrenfahrrad, Marke
Wan=
derer; Fabriknummer 171 041. — Am 23. März an der Ecke Darm=
und Beckſtraße ein Herrenfahrrad, Marke Trumpf=Aß;
Fabril=
nummer 30 850 (Rennmaſchine) — Am 24. März vor der Volksbank
(Hügelſtraße 16) ein Herrenfahrrad, Marke Opel; Fabriknummer
761 185. — Am gleichen Tage aus dem Hauſe Annaſtraße 1 ein
Herren=
fahrrad, Marke Wanderer; ſchwarzer Rahmen, Nickelfelgen. —
An demſelben Tage vor der Wirtſchaft Kowalski (Ecke Pallaswieſen=
und Pareusſtraße) ein Herrenfahrrad, Marke Dürkopp; ſchwatzer
Nahmen, ſchwarze Felgen, graue Bereifung. — Am 21. März Ecke
Gervinus= und Darmſtraße von einem Fahrrad ein Dynamo, Mark
Berko. — Am 21. März vor dem Hauſe Schwanenſtraße 79 wurden
von zwei Motorrädern aus den Satteltaſchen verſchiedene
Werk=
zeuge entwendet. Desgleichen am 22. März in der Torhalle
Viktoria=
ſtraße 22 aus einem Motorrad. — Sachdienliche Anbaltsukt bitter
man auf Zimmer 26 bei dem Polizeiamt, Hüigelſtraße 31/33 zur Sprache
zu bringen.
ſtimm
ir e
Patze
Ausfü
Deutsche
Lokale Veranſtaltungen.
Die hierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu beirachih
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Krliſt.
— In einer Sonntagsfeier der Freireligiöſen
Ge=
meinde am 30. März, 10.30 Uhr vorm., im Mozartſaal (Schulſtraßze)
ſpricht Pfarrer Taesler=Frankfurt a. M. Für ſeine zahlreichen
Freunde in unſerer Stadt ſicher eine willkommene Nachricht. Muſſt
und Geſang umrahmen die Feier. Anſchließend Lebensweihen.
Jeder=
mann iſt freundlichſt eingeladen. (Siehe Anzeige.)
— Samstag und Sonntag gehen wir alle zum gut
beſuch=
ten Tanzabend ins Hotel „Prinz Heinrich‟. Der Beſuch wird beſtens
empfohlen.
Tageskalender für Samstag, den 29. März 1930.
Heſſ. Landestheater Großes Haus, 20 Uhr: „Ein Walzel”
traum”. — Kleines Haus 15 Uhr, T9: „Der Poſtillon von
Lon=
jumeau” 20 Uhr, VT 10: „Der Kaiſer von Amerika”. — Orpheum
20,15 Uhr: „Das ſündige Dorf” — Konzerte: Schloßteller,
Theater=Reſtaurant, Reichshof. Zur goldenen Krone Neſtaurau”
Hottes, Alte Poſt, Brauerei Schul, Tropfſtein, Zur ſchönen Ausſichte
Sportplatz=Reſtaurant, Alter Ratskeller. — Kinoworſtellun”
gen: Union=Theater, Helia=Lichtſpiele, Palaſt=Lichtſpiele.
Gesunde Nerven
erfordert heutzutage der Exiſtenzkampf. Wer deshalb an einem
Nerven=
leiden, wie z. B. Nervenſchwäche, Schlafloſigkeit, Angſtzuſtänden,
Glieder=
zittern, Kopfſchmerzen und Schwindelanfällen, Mut= und Energieloſigkeit
ſeide; und verhindern will, daß ſie ſich verſchlimmern, der trinke
Phllipps=
burger He=beria=Nerven=Tee. Infolge ſeiner nervenberuhigenden
Eigen=
ſchaften und ſeines bohen Gehalts an blut= u. nervenſtärkenden
Aufbau=
ſtoffen iſt dieſer Tee ein bewährtes Diät= und Heilgetränk bei Nervenleiden.
Er verleiht Energie, Schaffenskraft und Lebensfriſche. Viele Dank=
ſchreiben beſtätigen uns das, z. B.: „Litt an ſehr ſtarker Nervoſität,
Schlafloſigkeit und Hämmern in den Gliedern und Schläfen. Seitdem ich
Herbaria=Nerventee trinke, bin ich ein ganz anderer Menſch geworden
und fühle mich wie neu geboren. gez. LudwigBorſky, Nikiſch=Schacht.”
„Meine Nervenkopfſchmerzen ſind nach Gebrauch eines Pakets Herbaria=
Nerventee vollſtändig verſchwunden. gez. N. Reinehr, Trier.
Kur 6—12 Pakete. Paket RM. 3.— und Porto; ab 3 Paketen
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Durch=
führung der Kur im Büro, in der Fabrik, auf der Reiſe uſw. unmöglich,
dann nehmen Sie unſere Herbaria=Kräuter=Nervon=Kapſeln Nr. 80:
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Fummer 88
Samstag, den 29. März 1930
Seite 7
Aus Heſſen.
Ln. Arheilgen, 28. März. Badeanſtalt. Wie man hört, ging
9 Tiefelſche Baugelände an der Darmſtädterſtraße durch Kauf in den
Bitz des Maſſeurs Wilhelm Andreas über und iſt beabſichtigt, daſelbſt
eir rnoderne Badeanſtalt ſpeziell für Heilbäder zu errichten. Ein
Ge=
ſu Hetreffend Anſchluß an das Kanalnetz liegt bereits dem hieſigen
Dsvorſtande vor. — Jubiläum. Wie ſchon mitgeteilt, begeht der
hüuge Kirchengeſangverein, einer der älteſten Vereine Heſſens, im
MH. J. ſein 50jähriges Jubiläum. Aus dieſem Anlaß iſt eine
Auffüh=
eg des Oratoriums „Huß” in Ausſicht genommen. Die Proben haben
ſeits begonnen und wird die Begleitung von der hieſigen
Orcheſter=
minigung übernommen. Das Ganze ſteht unter der Leitung des
Diri=
wer des Kirchengeſangvereins, Herrn Chriſtian Weber.
E. Wixhauſen, 28. März. Die Generalverſammlung der Spar= und
dele henskaſſe findet heute, Samstag, den 29. März, abends, im Saale
Gaſthauſes „Zur Krone” ſtatt. Der Jahresumſatz betrug
Reichs=
ner 952 629,30. Die Zahl der Mitglieder betrug am Anfang 1929: 152.
Gigetreten ſind 18 Mitglieder, abgegangen ſind 2 durch Tod. Die
Mit=
yieer haben 175 Geſchäftsanteile.
J. Griesheim, B. März. Orcheſter=Konzert. Das
Phil=
mnoniſche Orcheſter tritt nach längerer Pauſe wieder mit einem großen
geichkonzert an die Oeffentlichkeit. Für das Konzert am Sonntag, den
Mkärz d. J. iſt diesmal der „Rheingauer Hof” (früher Kaiſerſaal)
werſehen, der wegen ſeiner günſtigen akuſtiſchen Verhältniſſe in
Sänger=
m Muſikerkreiſen geſchätzt wird. Da die Veranſtaltungen des Orcheſters
füſtets eines ausgezeichneten Beſuches erfreuten, ſo wird auch diesmal
yer mit einer hohen Beſucherzahl gerechnet werden müſſen. Es
mfiehlt ſich, von dem Vorverkauf Gebrauch zu machen, da der
Ein=
mspreis hier nur 50 Pfg. beträgt. Welchen Ruf das Orcheſter in der
mzn Umgegend genießt, geht daraus hervor, daß es gebeten worden
ſt demnächſt bei einem Geſangskonzert in Büttelborn mitzuwirken, bei
mher Gelegenheit größere Chorwerke mit Orcheſterbegleitung zur
Auf=
fürung gelangen.
F. Eberſtadt, 28. März. Baudarlehen. Alle Bauluſtigen, die
tlich gewillt ſind, im Jahre 1930 ein Wohnhaus zu bauen und die
hanzierung nachweiſen können, fordert die Bürgermeiſterei auf, ſich
MMontag, den 31. März 1930, auf dem Gemeinde=Bauamt unter
Vor=
ge der Pläng und Unterlagen zu melden. Auch Bauluſtige, die bereits
udem Bauen begonnen haben, denen aber das verbilligte Baudarlehen
ſwh nicht zugeſagt iſt, ſollen ſich an dem genannten Tage melden. —
ſchäftsjubiläum. Das bekannte Warenhaus Max Kahn kann
nJahre 1930 auf ſein 40jähriges Beſtehen zurückblicken.
G. Ober=Ramſtadt, 25. März. Zweigverein des
Alice=
fauenvereins, Hauptverſammlung. Vom
Hauptvor=
ſieid aus Darmſtadt waren hierzu erſchienen Frau Profeſſor Kellner
u die Oberfürſorgeſchweſter Frl. Beſt. Frau Rektor Hofmann
be=
gßte die zahlreich Erſchienenen und beſonders die Damen vom
Haupt=
mſtand herzlichſt und teilte mit, daß Frau Oberin des Alicehoſpitals
m Pflugh durch Ueberbürdung mit Krankenſchweſternprüfungsarbeiten
w Frau Exz. von Ewald durch Krankheit am Erſcheinen verhindert
En. Hierauf erſtattete Rektor i. R. Hofmann den Rechenſchaftsbericht
ütr die vorjährige Tätigkeit des nunmehr 14jährigen
Alicefrauenver=
es, der durch die Kriegs= und Berufsſchule gelaufen ſei und heute
kon=
ſtimert werden ſolle. Unter Aſſiſtenz des Herrn Pfarrers Nürnberger
nde Konfirmation ſpäter auch vollzogen wovden. Das Scheiden der
uch Gießen verzogenen Pfarrfamilie Waas und der Erſatz durch die
Pirrfawilie Nürnberger wurde gebührend in die Erinnerung gerufen
u ein klares Bild von der überaus ſegensreichen vorjährigen Ver=
Astätigkeit entworfen. Krankenſchweſter Marie Hofferbert erſtattee
M Rechnungsablage, welche die überaus rege Jahresarbeit des Vereins
ſGn beleuchtete, und es wurde ihr Entlaſtung erteilt. Die
Vorſtands=
uhl brachte einmütigem Wunſche gemäß keine Erneuerung. Bei
vor=
hlichem Kaffee und Kuchen in reichem Ausmaße konnte die prächtige
Eimmung nicht abflauen, zumal Frau Sofie Jakoby und ihre
Haus=
unter Helene durch prächtig zum Vortrag gebrachte Geſänge ſchönſte
Airze hinzugaben, und die Frauen Marg. Rückert und Eliſe Neubert
uich ihre muſikaliſch=theatraliſche Aufführung mit Klavierbegleitung
Lachsmuskeln der Hörer gehörig in Tätigkeit ſetzten. In die alten
Alfslieder „Im ſchönſten Wieſengrunde” und „Am Brunnen vor dem
Tre” ſtimmten die Anweſenden kräftig ein.
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— Nieder=Ramſtadt=Traiſa, 26. März. Die Ortsgruppe Nieder=
Ramſtadt=Traiſa im Deutſchnationalen Handlungsgehilfen=Verband
(DHV.) macht ihre Mitglieder und Freunde darauf aufmerkſam, daß der
geplante Spaziergang am Sonntag, den 30. März, ſtattfindet. Treffen
morgens 7,30 Uhr Traiſa am neuen Kriegerdenkmal. Rückkehr gegen
mittag. — Die nächſte Monatsverſammlung findet am Donnerstag, den
3. April, zu Nieder=Ramſtadt im Gaſthaus „Zum Löwen” (Beſ. F.
Ben=
der) ſtatt. — Der Vorſtand bittet, recht zahlreich zu erſcheinen.
f. Roßdorf, B8. März. Gemeinderatsbericht. Die von der
Gemeinderatsfraktion des Bürgervereins eingebrachten vier Anträge,
nämlich: Bürgſchaft der Bezirksſparkaſſe Reinheim gegenüber der
Ge=
meinde für eine Holzgeldſchuld, Arbeiten in der Gemeinde und deren
Beaufſichtigung, beſchleunigte Aufſtellung des Voranſchlags für Wf. 1930,
und Ausführung der Gemeinderatsbeſchlüſſe wurden umfangreich
be=
gründet und fanden nach ausgiebiger Diskuſſion ihre Erledigung.
Das in Submiſſion ausgeſchriebene Röllerholz, und zwar 65 MM. 1. Kl.
und 233 Rm. 2. Kl., wird den Heinrich Steinmetz Eheleuten dahier zum
Angebotspreis von 14,40 Mk. pro Rm. 1. Kl. und 12,50 Mk. pro Rm.
2. Kl. zugeſchlagen. — Nach längerem Für und Wider wurde der
An=
trag des Lehvers Buß um Genehmigung zur Einrichtung eines
Bade=
zimmers in ſeiner Dienſtwohnung auf eigene Koſten abgelehnt. — Die
Milchabſatzgenoſſenſchaft e. G. m. b. H., Roßdorf, beabſichtigt, im
Kel=
ler der Kleinkinderſchule eine Milchkühlanlage zu errichten. Dem
Ge=
bäudeeigentümer (evang. Kirchengemeinde) wird auf Antrag die
Geneh=
migung eines Kanalanſchluſſes erteilt. — Der Verpachvung einiger
Grundſtücke (Kleingärten) wird die Genehmigung erteilt. — Nochmals
wurde der Bericht der Baukommiſſion über die ſtattgefundene
Beſich=
tigung der Hoftoranſchlüſſe uſw. in der Darmſtädter Straße gehört. Man
entſchloß ſich zur teilweiſen Uebernahme der den Gebäudeeigentümern
entſtandenen Herſtellungsboſten. — Die Fuhrleiſtungen für Rj. 1930
wur=
den auf Grund der ſtattgefundenen Submiſſion wie folgt zugeſchlagen:
Zweiſpännerfuhren im Dorf und Feld an Georg Heinrich Nicolay 3. zu
2,20 Mk. pro Stunde, Einſpännerfuhren im Wald dem Franz Becker zu
1,24 Mk. pro Stunde. Leichenwagen dem Georg Konrad Schmunk zu
8 Mk. pro Fuhre, Schlammwagen dem Georg Friedrich Lorenz zu
2.50 Mk. pro Stunde. Den vorgeſchlagenen Abänderungen der
Flucht=
linien in der Jahn= und Wingertſtraße wird zugeſtimmt. — Das Geſuch
der Marie Sauerwein um Gewährung einer monatlichen Vergüſtung für
Krankenpflege in der Gemeinde verfällt nach lebhafter Disbuſſion der
Ablehnung. — Wegen Uebernahme von Krankenhausboſten auf die
Gemeinde für ein Kind der Barbara Kraft entſvanm ſſich ebenfalls eine
lebhafte Ausſprache: die Sache fand in gebeimer Sitzung ihre Erledigung.
— Dem Probinzialverband der Starkenburger Reit= und Fahrbereine
wird zu ſeinem Sternritt am Sonntag, 30. März, der Sportplatz
über=
laſſen unter der Bedingung, daß etwaige Schäden von dem Reiterwerein
zu erſetzen ſind. Die einzelnen Reitabteilungen treffen um 11 Uhr
vormittags in Roßdorf ein und verſammeln ſich auf dem Sportplatz; es
dürfte mit etwa 160 Reitern zu rechnen ſein. — Von der Klageerhebung
der Brandverſicherungsanſtalt gegen die Gemeinde wird Kenntnis
ge=
geben. Es handelt ſich um Schadenerſatzleiſtung anläßlich des Unfalls
des Feuerwehrmanns Friedrich Stauth, den die Gemeinde abgelehnt hat.
Schluß der Sitzung nach Mitternacht.
Al. Höchſt i. Odw., 28. März. Auflöſungdes Amtsgerichts
Höchſt i. Odw.? Die vom Reichsſparkommiſſar u. a. geplante
Auftei=
lung des Amtsgerichts Höchſt veranlaßte die Gemeindeverwaltung, gegen
die Sparmaßnahmen der Regierung Stellung zu nehmen. Zu dieſem
Zwecke wurde eine Proteſtverſammlung einberufen, an der ſich faſt alle
Gemeindevertreter des Amtsgerichtsbezirkes Höchſt beteiligten.
Bürger=
meiſter Wolf eröffnete die gut beſuchte Verſammlung und gab bekannt,
daß geplant ſei, das hieſige Amtsgericht in die Amtsgerichte Michelſtadt
und Groß=Umſtadt aufzuteilen. Faſt ſämtliche Gemeindevertreter
pro=
teſtierten in längeren oder kürzeren Ausführungen in ſchärfſter Weiſe
gegen dieſen Plan. Zum Schluß wurde eine Entſchließung dahinggehend
gefaßt, daß alle Gemeindevertreter des Amtsgerichtsbezirks Höchſt
ein=
ſtimmig der Anſicht ſind, daß eine Aufteilung dieſes Gerichtsbezirks nicht
im Interefſe der Allgemeinheit liegt.
m. Raubach i. O., 28. März. Totenfeier. Da der hier tödlich
verunglückte Lehrer Koch in ſeiner Heimat Billings beerdigt werden
wird, ſo fand vorgeſtern hier eine Trauerfeier ſtatt. Im Schulſaal des
Schulhauſes lag die Leiche aufgebahrt. Da waren außer dem
tiefgebeug=
ten Vater die Schulkinder und deren Eltern und die Lehrer der
Um=
gegend. Nicht nur Verwandte und Freunde, vielmehr alle Anweſenden
waren von der Tragik dieſes Falles überwältigt, und Herr Pfarver
Knodt=Beerfelden verſtand es, dem Ausdruck zu verleihen, was aller
Herzen bewegte.
Das Hornbacher Schulidyll.
1. Von der Bergſtraße, 25. März. Lehrer Becker hat mit ſeiner
Hornbacher Spielſchar an den letzten Tagen je einen bunten Abend in
Weinheim und Rimbach gegeben und beide Male einen ganz
außevordentlichen Erfolg davongetragen. Ein lieblicher Kranz friſcher
Lieder umrankt die einzelnen Theaterſtücke, wie „Die Zundelbrüder” und
„Das Kälberbrüten” In der Szene am Brunnen werden am Schluſſe
verleumderiſchen Weibern die Mäuler wir Heftpflaſter zugeklebt. Auch
eine Eiſenbahn mit Stationsvorſtand, Heizer, Schaffner und „allem, was
dazu gehört”, einſchließlich Fahrgäſten, führen die Hornbacher zum
grenzenloſen Erſtaunen der Zuſchauer vor, und dabei benehmen ſich
die Dreikäſehochs immer wie die Alten und ſprechen ſo vernünftig und
unvernünftig wie die großen Leute, die ſie auf der Bühne darſtellen.
Ein tiefer pädagogiſcher Sinn lugt aus allen Stücken, die ſie mit
kind=
licher Meiſterſchaft aufführen, hervor, und es iſt leicht einzuſehen, daß
auf dieſe Weiſe buchſtäblich ſpielend gewiſſe erzieheriſche Grundſätze
in Fleiſch und Blut der Hornbacher Jugend übergehen — machhaltiger
und ficherer, als ob ihnen ſtundenlange Vorträge über Gut und Böſe
gehalten werden würden. Worin liegt das Geheimnis für den einzig
daſtehenden Erfolg der Hornbacher Spielſchar, die überall, wo ſie
auf=
tritt, mit Jubel empfangen und überall zum Wiederkommen dringlich
eingeladen wird? Die Urſache iſt zweifellos die Erziehungsmethode des
Hormbacher Einklaſſenſyſtems. Es gibt für die Kinder keine innere
Hem=
mungen, weil alles, was ſie tun und lernen, von Herzen kommt, d. h.
ſie tun nur das, woran ſie Gefallen finden. Die Kunſt beſteht nur
darin, ſie an alle dem Gefallen finden zu laſſen, was dem Geiſte und
der Ausbildung förderlich iſt. Die Kinder lernen mit leuchtenden
Augen und ſpielen mit leuchtenden Augen, und vollbringen in ihrer
Art Leiſtungen, die beim Kinde ganz exſtaunlich ſind. Die Vorbedingung
iſt freilich, daß eine Perſönlichkeit von pädagogiſchem Weitblick
dahinter=
ſteht, ein Mann wie der Lehrer Becker, der ſich in Hornbach ſeit num
14 Jahren ſeiner erzieheriſchen Aufgabe mit ſeltener Hingabe und
ent=
ſchiedenem Weitblick hingibt, und der in ſeinem Berufe in dem Oertchen
eine ebenſo hohe Freude empfindet, wie ſeine Spielſchar an den
Er=
folgen, die ihr überall in ſo reichem Maße beſchieden ſind. Wenn aus
Kinderaugen ihm Dank entgegenſtrahlt, ſo iſt ihm das vollwertiger Lohn
für das ſtändige Einſetzen der geiſtigen Kraft und hohen
Verantwort=
lichkeit, die gerade ſein Syſtem am meiſten erfordert. Das Geheimnis
dieſes Syſtems ſehe ich darin, daß Lehrer Becker ſeine Zöglinge zum
Denben und zu geiſtiger Selbſtändigkeit erzieht, aber alles Leuen zu
einer rein freiwilligen Sache macht, der ſich das Kind gewiſſermaßen aus
Vergnügen zuwendet, und nur inſoferne daran Spaß empfindet. Und
doch wie unglaublich ſchnell dabei der jugendliche Geiſt das
Wiſſensnot=
wendige erfaßt und die Grundlagen des Wiſſens in ſich aufnimmt,
da=
für gibt es in der Hornbacher Schule gerade die meiſten und durchweg
ſehr erfreulichen Belege. Die diesjährige Sommerreiſe der Hornbachen
Spielſchar wird ſich der Schweiz zuwenden. Man wird das St.
Gott=
hardgebiet und das Berner Oberland ſowie den Vierwaldſtätter See
beſuchen. Erinnerungen an Wilhelm Tell werden aufgefriſcht werden,
wie überhaupt mit den alljährlichen Fernreiſen ein tiefer pädagogiſcher
Zweck verfolgt würd. Die Mittel dazu werden durch die Aufführungen
der „bunten Abende” aufgebracht. Eine Anregung möchte ich bei dieſer
Gelegenheit ausſprechen. Wie wäre es, Herr Lehrer Becker, wenn Sie
dahin Ihr Augenmerk lenken wollten, gelegentlich in einem
Kinder=
film Spiel und Arbeit auf die Leinwand zu bringen? Dann könnte
einmal das kleine Hornbach eine Weltberühmtheit werden, wozu z. B.
M. Kadiſch.
die Ufa wahrſcheinlich gerne verhelfen würde.
I. Von der Bergſtraße, 28. März. Der Verkauf der
Maſchinenfabrik „Badenia” Ueber das Ergebnis der
drei=
einhalbſtündigen Sitzung des Bürgerausſchuſſes in Weinheim a. d. .B.,
die unter Ausſchluß der Oeffentlichkeit tagte, wird folgendes
Kommuni=
qué herausgegeben: Das Angebot Dr. Kalmanowſky wurde abgelehnt;
das Angebot der Weinheimer Firma Keller u. Co. wurde mit Zuſätzen
angenommen. Während bei dem Antrage Kalmanowſky es ſich um die
Uebereignung von rund 91000 Quadratmeter handelte, betrifft das
An=
gebot Keller nur eine Fläche von 25 000 Quadratmeter und umfaßt die
zur Fortführung des Badenia=Betriebes erforderlichen Gebäulichkeiten
und Maſchinen. Die Reſtfläche, welche beim Angebot Keller der Stadt
verbleibt, umfaßt einſchließlich Holzwerk und Holzplatz rund 91000
Quadratmeter.
— Gernsheim, 28. März. Waſſerſtand des Rheins am
27. März: +0,01 Meter; am 28. März: 0,01 Meter.
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Seite 8
Samstag, den 29. März 1930
Nummer 88
Bn. Langſtadt, 7. März, Liederkonzert des
Arbeitergeſang=
vereins „Vorwärts”. Einleitend wurden die beiden Chöre „
Freund=
ſchaft” (dreiſtimmiger Kanon von Beethoven) und „Gruß an die
Sanges=
brüder” von Grieg wirkungsvoll zum Vortrag gebracht. Für die im
zweiten Teil des Programms vorgeſehenen gemeinſchaftlichen
Geſangs=
darbietungen hatte ſich der Arbeitergeſangverein „Bruderkette” aus
Sickenhofen zur Verfügung geſtellt. Der gemeinſame Vortrag der beiden
Uthmannſchen Chöre. Der junge Barde” und „Tord Foleſon” darf wohl
als Höhepunkt des Abends angeſehen werden. Die in die einzelnen
Programmnummern eingeſtreuten Muſikvorträge (Klavier und Violine)
wurden von den Herren Eiſenhauer und Feller ausgeführt und Werke
von Beethoven Mozart, Schubert, Gluck zu Gehör gebracht.
Ai Vielbrunn, 28. März. Werbeabend. Ein von Herrn Albert
Heß von der Werbeabteilung der „Heag” gehaltener Vortrag über „Der
elektriſche Haushalt” war von etwa 400 Perſonen beſucht, ein
untrüg=
liches Kennzeichen, welch reges Intereſſe man an den vorteilbringenden
Leiſtungen der Elektrizität und den neueſten elektriſchen Geräten und
Maſchinen nimmt. Gar nicht zu reden vom elektriſchen Licht, was ja
nachgerade ſchon als etwas ganz Selbſtverſtändliches, zum täglichen Leben
Gehörendes betrachtet wird, war dieſer zahlreiche Beſuch ein glänzender
Beweis des unaufhaltſamen Siegeszuges der Elektrizität in Haushalt,
Landwirtſchaft und Gewerbe. Die verſchiedenartigen elektriſchen Geräte
und ihre Verwendung wurden erſt im Film, dann praktiſch vorgeführt
durch Probekochen, =braten und =backen, anſchließend wurden vorzügliche
Koſtproben verteilt, ebenſo waren die erſtaunlichen Wirkungen von
Staub=
ſauger, Fön uſw. zu bewundern. Herr Heß erläuterte in
humorgewürz=
tem, intereſſanten Vortrag ausführlich und leicht verſtändlich alles
hier=
über Wiſſenswerte, ferner die günſtigen Kaufsbedingungen und den
zehnprozentigen Rabatt bei ſofortiger Beſtellung, ſowie die verſchiedenen
Strompreiſe und erklärte ſich weiterhin zur koſtenloſen Erteilung von
Rar und Auskunft bereit. Ebenſo widmete er nach erfolgter
Freiver=
loſung den glücklichen Gewinnern oder Gewinnerinnen bei Ueberreichung
des Gewinnes je einen mit Gewinner und Gewinn im Einklang
ſtehen=
den, humordurchdrungenen Geleitſpruch. Am folgenden Tag war
elek=
triſche Sprechſtunde, wobei Beſtellungen erfolgen konnten.
m. Beerfelden, 28. März. Vom Odenwaldklub. Man iſt
ge=
wohnt, in der hieſigen Ortsgruppe des Odenwaldklubs ſtets genußreiche
und gemütliche Stunden zu erleben, und unter dieſem Zeichen ſtand auch
wieder der Lichtbildervortrag des Herrn Dipl.=Ing. Pfeifer=Birkenau,
den dieſer kürzlich im Kaffee Sattler bot. Der Vorführende ſteht noch
in beſtem Gedenken durch ſeine Darbietungen über den nördlichen
Schwarzwald, und ſo folgte man ihm diesmal gern durch die
Schön=
heiten des ſüdlichen Schwarzwald. Nach der Bahnfahrt durch die
Rhein=
ebene bis Freiburg begann hier die Wanderung und führte durch das
„Himmelreich” in das „Höllental” und weiter nach der Höhe zum Titiſee,
dabei darf der Beſuch der Ravennaſchlucht nicht vergeſſen werden; nun
beginnt der Aufſtieg zu dem 1500 Meter hohen Feldberg, von deſſen
Gipfel man eine wunderbare Ausſicht genießt über die Täler und Höhen
des Schwarzwaldes und der angrenzenden Gebiete bis zu den
ſchnee=
bedeckten Häuptern der Alpen. Von dem Schönen, das die einzelnen
Bilder boten, wäre noch viel zu erzählen, und gewiß wurde bei allen
Schauenden der Wunſch rege, das alles, einmal in Wirklichkeit genießen
zu dürfen. Die in den Vortrag eingelegten Pauſen wurden mit frohen
Wandergeſängen und ernſter und neckiſcher Unterhaltung ausgefüllt.
Was der Vortragende Zündendes über Heimatliebe und Naturgenuß
einzuflechten verſtand, das trug gewiß Früchte bei der Wanderung am
Sonntag. Sie führte durch das Gammelsbachtal, Rauchel nach
Rothen=
berg; dieſelbe forderte zu Vergleichen zwiſchen dem im Bild Geſehenen
und den heimatlichen Schönheiten heraus, und man freute ſich in dem
Gedanken, auch im Odenwald wunderſchöne Gebirgspartien zu haben.
Cf. Birkenau, 27. März. Gemeinderatsſitzung. Ein
Schuld=
ſchein über 5000 Mark für Umbau des Stiefſchen Anweſens wurde vom
Gemeinderat genehmigt und unterſchrieben. Für das Stiefſche Anweſen
wurde die vom Bürgermeiſter aufgeſtellte Hausordnung genehmigt. —
Wäkrend der Frühjahrsſaatzeit ſollen die Tauben 14 Tage lang
einge=
ſperrt bleiben. — Einen Antrag auf käufliche Erwerbung eines
Allmend=
grundſtückes will der Gemeinderat erſt bei Wechſel des Allmends näher
treten. — Ein Antrag der Freien Sport= und Sängervereinigung auf
Fertigſtellung des Fußgängerüberganges unterhalb der Eiſenbahnbrücke
wurde zurückgeſtellt, da zunächſt einmal von fachmänniſcher Seite der
derzeitige Zuſtand der Brücke überprüft und ein Koſtenvoranſchlag
auf=
geſtellt werden ſoll. — Der Gemeinderat genehmigt die letzte
Brenn=
holzverſteigerung. — Waſſerverſorgung. Neuerlich
vorgenom=
mene Quellenmeſſungen haben eine bedeutend weitere Abnahme der
Quellen ergeben. Während die Quellen im September 1928 noch 276
Kubikmeter pro Tag lieferten, lieferten dieſelben im September 1929 nur
noch 168,4 Kubikmeter und ſind jetzt bei der am 23. d. M.
vorgenom=
menen Meſſung auf 125 Kubikmeter zurückgegangen. Auf Grund dieſer
Feſtſtellungen dürfte ſich die Waſſerverſorgung auch in dieſem Sommer
wiederum äußerſt ungünſtig geſtalten, und es wird Aufgabe der
Ge=
meinde ſein müſſen, rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen, daß der
kata=
ſtrophale Waſſermangel des letzten Sommers dieſes Jahr nicht in
glei=
chem Maße wieder eintritt. Die Errichtung einer weiteren Pumpſtation
dürfte das zweckmäßigſte ſein.
Bt. Auerbach, 27. März. Der Alice=Frauenverein
ver=
anſtaltet am Freitag abend um 8 Uhr einen Familienabend, an dem
für eine abwechſlungsreiche Unterhaltung Vorſorge getroffen iſt. Ein
Frauenchor unter der Leitung von Frau Riedlinger wird einige Lieder
vortragen. Zwei Odenwälder Damen ſowie Fräulein Annelene Müller
werden Tänze vorführen. Kinder vom 2. Schuljahr der hieſigen
Volks=
ſchule, aus der Klaſſe von Fräulein Zinober, führen ein Theaterſtück
auf, einen Teil aus dem Märchenſpiel „Goldtöchterchens Traum”. Unter
der Leitung von Herrn Rektor Meyer bringt ein Doppelquartett, aus
Schulentlaſſenen zuſammengeſtellt, einige Vorträge. —
Eltern=
abend. Zur Abhaltung der in einer der letzten Gemeinderatsſitzungen
beſprochenen Elternabende ſind nunmehr die Vorbereitungen ſoweit
getroffen, daß bereits am Sonntag, den 30. März, im großen Saale des
Hotels Weigold der erſte Elternabend veranſtaltet wird. Im
Mittel=
punkt des Abends ſteht ein Vortrag des Herrn Zahnarztes Julius
Ebinger über Schulzahnpflege. Herr Lehrer Bauer ſpricht anſchließend
über den Schulabbau. Die Vorträge werden umrahmt von Liedern,
Gedichtvorträgen und muſikaliſchen Vorträgen des
Mundharmonika=
orcheſters der Schule, deſſen Leitung Herr Lehrer Well in Händen hat.
Der Eintritt zu dem Abend iſt frei.
— Zwingenberg a. d. B., 28. März. Nun wird unſere neue
Ju=
gendherberge, das „Carl=Ulrich=Heim”, bald im Glanze
ihrer Weiheſtunde ſtehen. Am 6. April ſoll die feierliche
Ein=
weihung ſtattfinden. Tauſende von nah und fern werden zum Feſte
erwartet. Vor allem werden die Vertreter der Behörden uſw. hier ſehen,
was für die Jugend geſchafft werden kann und muß. Denn dann erſt
bleiben die vielen Worte von der Sorge um die Jugend als unſeres
Vol=
kes Zukunft nicht nur Worte, ſondern ſie werden Wirklichkeit. Die
Zwin=
genberger freuen und rüſten ſich ſchon, um die Gäſte feſtlich zu
empfan=
gen. Auch die Obſt=, Mandel= und Pfirſichbäume legen ihre ſchönſten
Feſtkleider an, ſo daß ſie am Tage der Weihe wohl im herrlichen
Blüten=
ſchmuck ſtehen werden. Und um die Hänge des „Malchen” und in den
Weinbergen und Gärten wird eitel Glanz und Duft ſein. Sehr viel
Jugendliche haben bereits gebeten, ihre Quartiere von 1928 (
Grundſtein=
legung) wieder beziehen zu dürfen. (Es ſcheint ihnen darin gut gefallen
zu haben. Die Schriftl.) — Am Samstag abend wird ein Freudenfeuer
abgebrannt, ein Stern=Fackelzug durch das alte Städtchen und
den Höhenweg am „Malchen” entlang ziehen, und auf dem großen Platz
hinter der neuen Jugendherberge wird von 100 Buben und Mädels ein
ſogenannter Geeſtländer Fackelreigen getanzt werden. Sonntags in
der Frühe werden Poſaunenbläſer den Tag verkünden, eine Morgenfeier
im Steinbruch, Feſtgottesdienſte in beiden Kirchen und dann um 11.15
Uhr die Einweihung ſtattfinden. Nachmittags iſt großes Volks= und
Jugendfeſt mit Theateraufführungen, Kinderbeluſtigungen und allerlei
Schnick=Schmack. Jugendgruppen aller Richtungen aus dem ganzen Lande
haben ihre Mitwirkung zugeſagt. Die Maggi=Geſellſchaft wird
die vorzügliche Maggi=Suppe und die Firma Kathreiner ihren
guten Kaffee unentgeltlich verabreichen! Alle, alle können miteſſen und
ſollen ſatt werden. (Teller, Löffel und Becher mitbringen!)
Vielleicht kommt ſogar ein Flugzeug der Trumpf=
Schokoladen=
fabrik mit ſehr viel Schokolade! Und es wird viel Freude ſein an dieſem
Tage in und um Zwingenberg herum nicht nur in den Herzen derer, die
das Werk ermöglichten nud ſchafften, ſondern vor allem wird unſere
Jugend einen Sonnentag erleben. Und nun kommt in
hel=
len Haufen und bringt große Freude und recht viel
Sonne mit!
S. Bensheim, 28. März. Bürgermeiſterverſammlung.
Für die regelmäßig wiederkehrende Bürgermeiſterverſammlung war als
Tagungsort Bensheim gewählt. Die Verſammlung fand im Hotel
Deut=
ſches Haus ſtatt. Die Kreisverwaltung hatte eine reiche Tagesordnung
zuſammengeſtellt, zu deren Erledigung die Vor= und Nachmittagsſtunden
in Anſpruch genommen werden mußten. Die meiſten Tagespunkte waren
amtlicher Natr und für die Oeffentlichkeit nicht von Intereſſe. Wegen
der Errichtung von Bauſparkonten bei den öffentlichen Sparkaſſen hielt
Herr Regierungsrat a. D. Dr. Pabſt=Frankfurt a. M. einen
intereſſan=
ten Vortrag. Thema: Wie kommt man zu einem Eigenheim?” Es
wurde an Hand vieler Beiſpiele gezeigt, wie man durch kollektives
Bau=
ſparen ſich die Baumittel beſchaffen kann. Der Vortrag wurde mit
ſicht=
lich großem Intereſſe verfolgt. Unter den vielen anderen Punkten ſoll
noch der Punkt: Beſeitigung von Reklameſchildern, erwähnt werden. Die
Aufſtellung derartiger Schilder innerhalb des Kreiſes hat einen Umfang
angenommen, der nun die Durchführung der beſtehenden
Polizeiverord=
nung nötig macht. Die Beſeitigung der Schilder muß auch deshalb
durch=
geführt werden, weil die Aufſtellung dieſer Reklameſchilder die Beachtung
der polizeilichen Verkehrsſchilder weſentlich erſchwert. Als Tagungsort
für die nächſte Bürgermeiſterverſammlung, die im Monat Mai
ſtatt=
finden ſoll, wurde Schlierbach beſtimmt.
W. Heppenheim, B8. März. Tagung der Reichszentrale
für Heiwatdienſt. Die Landesabteilung Heſſen der Reichszentrale
für Heimatdienſt veranſtaltete unter Leitung von Herrn Dr. Steuber, bei
etwa 150 Beſuchern im „Hotel Halber Mond” einen „Staatsbürgerlichen
Bildungstag”. Privatdozent Dr. Neumark, Frankfurt a. M., ging in
ſeinem Vortrag von einer Erörterung der Gründe aus, die für die
Reviſion der Repavationsverpflichtungen maßgebend waren. Er zeigte
u. a., daß der Dawesplan ſeinem Weſen nach vur eine vorläufige Löſung
darſtellte, insbeſondere fehlte bei einzelnen Leiſtungen eine zeitliche
Be=
friſtung, auch ſtand die Höhe der Zahlungew mit Rüfchſicht auf den
ſoge=
nannten Wohlſtandsindex, der ſchon für 1930 zu der Yormalannuität von
2,5 Milliardem RMM. weſentliche Zuſchläge gebracht hätte, die bei der
fehlerhaftem Konſtruktion des Inder namentlich ab 1935 eine beträchtliche
Höhe erreicht hätten. Zum neuen Plan üübergehend betonte er den engen
Zuſammenhang der interalliierten Schulden und der deutſchen
Repara=
tionsberpflichtung. Dieſe iſt unter dem Youngplan ſo eingerichtet, daß
die Annuitäten unſeren Gläubigern geſtatten, wit Hilfe der deutſchen
Zahlungen ihren Verbflichtungen aus dem interalliierten
Schuldenah=
kommen gegenüber der 1. S.A. nachzukommen. Nach weiteren
einſchlä=
gigen intereſſanten Ausführungen meinte er zu den Aufgabem der
inter=
nationalen Bank, daß ſie ſich erſt eine Zeitlang im der Praxis bewähren
müßte, ehe man ein endgüiltiges Urteil über ihre Bedeutung ſpeziell für
die Reparation abgeben könne. Der Redner ſtellte die Hauptvoxteile und
Hauptnachkeile der neuen Regelung einander gegenüber. Unter den
erſteren nannte er namentlich den Fortfall des Wohlſtandsinder, die
Er=
mäßigung der Jahresleiſtungen um durchſchnittlich etwa 0,5 Milliarden
MDT., jährlich gegenüber dem Daweshlan, die Beſeitigung der läſtigen
politiſchen Kontrollen (Generglagent, Kommiſſare. Reparationskommiſſion
uſw.) ſowie die vorzeitige Befreiung des Rheinlandes. Aſs Nachteil
erſchien ihm vor allem die immer noch enorme Höhe der Verpflichtungen.
die eine ſpätere Rebiſion als wahrſcheinlich bezeichnen läßt. Beachtlich
ſei auch, daß wie der Youngblan ſſo auch die intevalliierten
Sckulden=
abbommen eine 59jährige Laufzeit haben, daß aber noch niemals ein
bolitiſches Finanzabbommen 2 Generationen üiherdauert habe. Außerdem
kann Deutſchland aus einer nicht unwahrſcheinlichen ſpäteren
Ermäßi=
gung der amerikaniſchen Forderungen gegenüber den alliierten Mächten
Nutzen ziehen. — Oberſtudiendirektor Dr. Weimer=Offenbach hielt den
zweiten Vortrag über: „Die weltvolitiſche Kräfteberteilung und
Pan=
euroba.‟ Seinen hochintereſſanten Ausführungen folgten eine Reihe von
Vorſchlägem. die zur Bildung von Mittel= und Paneuroba führen können.
er wies auf die Schwierigkeiten, die ſich dieſen Plänen entgegenſtellten,
hin, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Staaten Europas, wenn
auch zunächſt in einer Zollunion” ſich zuſammenſchließen werden, ſonſt
liegt die Gefahr mahe, daß ſie zu einer „Wirtſchaftsprovinz” der
Ver=
einigten Staaten herabſinken. Ee folgte der dritte Vortrag vom Dr.
König=Gießen über das Thema: „Paneurova und das europäiſche
Natio=
nalſozialiſtenproblem‟ Die außerordentlich wertvollen vorgetragenen
Gedanken fanden reichen Beifall der Verſammlung und löſten eine
leb=
hafte Ausſprache aus. err Regierungsrat Schneider dankte dem
Hei=
matdienſt für die anregenden und glänzenden Darbietungen mit dem
Munſche, doch den Kreis Geppenheim noch mehr als bisher zu beſuchen.
Erdbeerpſlanzen
gut bewurzelt,
Rotkäppchen, Sieger,
Flandern,
Hohenzol=
lern, abzugeben.
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Ein 2½ Jahr altes
Mfrieſſches
Mchchaf
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verkaufen. (5006b
K. Kindsvogel,
Neuſtadt i. O.
Beiladung
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Sonderrängebot zu Ostern!
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Cm. Wallerſtädten, 98. März, Liederabend. Der Mämen
geſangverein „Teutonia” veranſtaltete einen Liederabend, der eine ſtark=
Anziehung, auch auf auswärtige Kreiſe, ausgeübt hat. Die Vortrags,
folge war von dem Dirigenten, Lehrer Köppler, gut zuſammengeſtellt.
Man hörte u. a. „Wach auf, du deutſches Land” von Seifert, „
Glocken=
lied” von Spitteler=E. Lendwai, „Schenkenbachs Reiterlied”, von
Weber uſw. Ganz ausgezeichnet zum Vortrag kamen „Waldandacht:
von Drewes=Franz Abt und „Es, es, es und es” von Seifert,
inhalt=
lich ſehr fein erfaßt und dementſprechend ausgewertet. Auch der
neu=
gegründete Mädchenchor beteiligte ſich mit einigen ſchönen Liedern.
Er=
wähnung verdienen auch die Flötenvorträge, die mit Klavierbegleitung
den Kenner erfreuten. — Gemeinderatsſitzung. Auf der
Tagesordnung der letzten Gemeinderatsſitzung ſtand ein Antrag des
Herrn Gerhardt, betr. Jagdnachlaß. Nach eingehender
Ausſprach=
wurde der Antrag mit 9 gegen 5 Stimmen abgelehnt. Der Antrag
des Schulvorſtandes wurde zurückgeſtellt. Ein weiterer Antrag, der
ein Geſuch an den Kreisausſchuß wegen Verlegung des Landgrabens
betrifft, wurde in der angegebenen Formulierung abgelehnt. Nachdem
noch die Neuregelung des Waſſergeldes beſchloſſen und die Inkraft
tretung auf den 1. April feſtgeſetzt worden war, wurden in
nichtöffent=
licher Sitzung einige Unterſtützungsangelegenheiten erledigt. —
Schul=
ſparkaſſe. Aus der Schulſparkaſſe konnten an die zu Oſtern zur
Entlaſſung kommenden Kinder Sparguthaben von insgeſamt 1000 Marl
ausbezahlt werden. Im vorigen Jahre waren es 2000 Mark.
Cy. Stockſtadt, 27. März. Die erſten Zugvögel ſind wieder
an den Altrhein zurückgekehrt. Insbeſondere ſieht man bereits viele
Fiſchreiher, die ihre alten Horſte in den bekannten Fiſchreiherkolonien
auf dem „Kühkopf” wieder aufgeſucht haben.
Bm. Bürſtadt, 27. März. Glockenweihe. Die hieſige evan,
geliſche Gemeinde begeht am kommenden Sonntag das Feſt ihrer
Glockenweihe. Den Weihegottesdienſt verſieht am Sonntag vormittag
10 Uhr Herr Pfarrer Volp, Hofheim, unter Mitwirkung des hieſigen
Kirchengeſangvereins und des Poſaunenchors Hofheim. Ab 2 Uhr
nachmittags iſt Nachfeier. Die auswärtigen Vereine und
Glaubens=
genoſſen, werden am Bahnhof abgeholt; daſelbſt Aufſtellung zum
Feſt=
zug durch verſchiedene Ortsſtraßen. Während der Dauer des Zuges
läuten die neuen Glocken. Am Rathaus teilt ſich der Zug in zwei
Teile, der erſte Teil begibt ſich in den Saal „Zu den 3 Haſen” (Val,
Heiſer), während der zweite Teil zum Saal von Hch. Bub marſchiert,
An auswärtigen Vereinen beteiligen ſich: die Poſaunenchöre „Feſte,
Burg” Worms, Lampertheim, Worms=Pfiffligheim und Hofheim, die
Kirchengeſangvereine Hofheim, Lampertheim und Groß=Rohrheim nebſt
zwei Jungfrauenvereinen aus Worms. In den Sälen werden
ver=
ſchiedene Geiſtliche Anſprachen halten ſowie Muſik= und Liedervorträg
ſtattfinden. Zur Deckung der Unkoſten werden Lebensmittel, Back=
und Zuckerwaren durch hieſige Gemeindemitglieder verkauft.
Bn. Hirſchhorn, 98. März. Aufnahmeprüfung anderObev
realſchule Ebexbach. Am letzten Dienstag fand an der
Ober=
realſchule zu Gberbach a. Neckar die Aufnahmeprüfung der
neuuangemel=
deten Schülerinnen und Schüler ſtatt, der ſich 31 Schüllerinnen und
Schüler aus Eberbach und Umgebung, darunter auch 4 Schüler aus
Hirſch=
horn, unterzogen. Von dieſen konnten 29 für beſtanden erklärt werdem
darunter auch die 4 Hirſchhorner, während 2 die Prüfung nicht beſtanden.
Der Schulbeginn an der Oberrealſchule iſt auf Dienstag, den 6. Mai
1930, feſtigeſetzt.
— Hirſchhorn, 28. März. Waſſerſtand des Neckars am
27. März: 0,92 Meter; am 28. März: 0,90 Meter.
Aa. Wimpfen, 28. März. Einweihung des Kurmittelé
hauſes. Wie zuverläſſig verlautet, findet die Einweihung des Kurs
mittelhauſes ohne größere Feierlichkeiten am Mittwoch, den 30. April)
ſtatt. Es findet lediglich im Kurgarten eine akademiſche Feier ſtatt.”
Abends ſoll im Mathildenbad ſeitens der Kurverwaltung ein Buntes
Abend abgehalten werden.
Ck. Groß=Gerau, 27. März. Der Gemeinderat hielt eine
öffentliche Sitzung ab. Der Antrag der Verwaltung auf Bewilligung
der dritten Rate der Winterbeihilfe wurde angenommen. Die
Auszah=
lung der dritten Rate ſoll wie vorher bei der erſten und zweiten Rata
nach Prüfung der Fälle durch die Fürſorgekommiſſion und Zuſtimmung
der Finanzkommiſſion erfolgen. — Ein kurzfriſtiges Darlehen über
200 000 Mark wurde am 5. März 1930 fällig. Die Landeskommunalbank
iſt bereit, das Darlehen bis 6. September 1930 gegen 9,5 Prozent Zinſen
zu verlängern. Die Finanzkommiſſion beantragt Zuſtimmung, die vom
Gemeinderat nicht verſagt wurde. — Ein Ermächtigungsbeſchluß des
Gemeinderats für den vorläufigen Etat 1930 wurde einſtimmig gefaßt. —
Für die auf Lebenszeit und Widerruf angeſtellten Beamten kommt ah.
1. April 1930 die Bezahlung der Krankenkaſſenbeiträge der Gemeinde
in Wegfall. Das gleiche gilt für den Bürgermeiſter. Für die Angeſtell4
ten übernimmt der Gemeinderat den geſamten Krankenkaſſenbeitrag.
Da=
für fließt das Krankengeld im Erkrankungsfalle in die Gemeindekaſſe.
Die Beiträge zur Verſicherungsanſtalt für gemeindliche Beamte wird in
Zukunft nur für die Beamten getragen. Alle übrigen haben den Beitrag
ſelbſt zu entrichten. — Für die Anſchaffung eines Karteiſchrankes mit
Karten und Schreibmaſchinenſtuhl für die ſtädtiſchen Betriebe wurde die
Ermächtigung erteilt. — Für die Vergebung von Gemeindearbeiten
ſollen bis zum 15. April Richtlinien vorgelegt werden. — Die Gräber
auf dem Vorderteil des alten Friedhofes (rechte Seite) ſollen aufgerufen
werden. — Ueber das Bauvorhaben der Hegemag ſoll in einer am
Frei=
tag ſtattfindenden Sitzung beſchloſſen werden. — Unter Verſchiedenes
wurden zwei Ackerabgaben genehmigt.
Aafe
ziſe
M1
m. Aus dem Lande, 28. März. Von der Schule. Die Schrift
frage in der Schule iſt nun zu einem vorläufigen Abſchluß gelangt durch
den Erlaß des Heſſ. Miniſteriums für Kultus und Bildungsweſen über
den Schreibunterricht, nach dem mit Beginn des Schuljahres 1930/31 in
ſämtlichen Schulen im erſten Schuljahr mit der Sütterlinſchrift zu
be=
ginnen iſt. Die Vorbereitungen hierzu liegen ja ſchon einige Jahre
zu=
rück, da es geſtattet war, die neue Schreibart probeweiſe einzuführen.
Die oberen Jahrgänge der Schüler dürfen die alte Schreibart
beibehal=
ten, evtl. kann eine Umſtellung zwanglos erfolgen. Die Ausgangsformen
der Sütterlinſchrift ſollen nicht als Zwangsformen für die ganze
Schul=
zeit gelten, die neue Schreibweiſe ſoll vielmehr entgegen der bisherigen
Methode auf eine mehr perſönliche Handſchrift hinarbeiten. Im
Ver=
laufe der Schulzeit können daher auch andere wertvolle neue Schriften
und Schriftformen herangezogen werden, beiſpielsweiſe die Offenbacher
Schrift (Kochſchrift). — Die Oſterferien beginnen in dieſem Jahre mit
dem 6. April; das neue Schuljahr nimmt für Volks= und
Fortbildungs=
ſchule Montag, den 28. April, ſeinen Anfang.
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Hochzeitsturm, die
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liche Hausmarke . . . . jeizt 3.50
Ul. St. 1980
Wasch-Kunstseide, verstärkt
jetzt 1.15
„Er-Ka‟, Agfe-Feinseide
jetzt 1.95
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jetzt 2.75
Bembergseide, vornehme Oualität ..
„. jetzt 3,25
„Asra”, feinste Bembergseide, mit farb. Vorstoß,
meine Hausmarke . .
... . jetzt 2.75
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Samstag, den 29. März 1930
Seite 9
Stait Karten.
erlobung meiner
chter Elfriede Koppen
mitserrn Gerichtsreferendar
Blunder Beringer zeige ich
Mhemit an.
Frau Poſidirektor
L. Schimpff
Meine Verlobung mit
Fräu=
lein Elfriede Koppen, Tochter
des verſtorbenen prakt Arztes
Herrn Dr. med. Karl Koppen
und ſeiner verſtorbenen Frau
Gemahlin Hertha geb. Eimer
gebe ich hierdurch bekannt.
Alexander Beringer
Gerichtsreferendar
Auiſa
Mu
März 1930
Darmſiadt
Heinheimerſtr. 41
Statt Karten.
fe am Sonntag, den 30. März, nachmittags
Uhr, in der Martinskirche ſiattfindende Trauung
beehren ſich anzuzeigen
Wilhelm Puder und Frau
Auguſte, geb. Schäfer
Libfrauenſtr. 31
Blumenthalſtr. 111
Todes=Anzeige.
Heute früh 7 Uhr verſchied nach ſchwerem
Leiden mein lieber Gatte, unſer guter Vater
lund Großvater
Obparter Oebllhard Schafer
Oberpoſtſchaffner a. W.
im 61. Lebensjahr.
In tiefem Schmerz:
Eliſabeth Schäfer
Familie Wilhelm Schäfer,
Oberpoſiſekretär. (5151
Michelſtadt i. Odw., den 28. März 1930.
Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. März
1930, 14 Uhr, vom Hauſe Schäfergaſſe 1 aus ſtatt.
Heute verſchied nach kurzer Krankheit plötzlich
und unerwartet meine innigſigeliebte Frau,
unſere liebe Mutter, Großmutter, Schweſter,
Schwägerin und Tante
Srau Mane Sihad
geb. Kahn
im Alter von 66 Jahren.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Nathan Schack.
Babenhauſen, Frankfurt a. M., Darmſtadt,
Groß=Umſtadt, den 28. März 1930.
Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. März um
13 Uhr in Babenhauſen ſiatt.
Statt beſonderer Anzeige.
Geſiern Abend entſchlief ſanft unſere
ge=
liebte, gute Mutter, Schweſier,
Schwieger=
mutter und Großmutter
grau Lulfe Arapp
geb. Schuchard
im 89. Lebensjahr.
Dr. Heinrich Trapp, Regierungsrat
Adolf Trapp
Anna Bran, geb. Trapp
Robert Trapp, Fregattenkapitän a. D.
Lina Freifrau Schäffer v. Bernſtein,
geb. Schuchard
Jeſſie Trapp, geb. Unwin
Edith Trapp, geb. Bonte
Dr. Friedrich Bran
(5167
und 9 Enkelkinder.
Darmſtadt, Ringſtr. 108, Wiesbaden, London,
Ettlingen (Baden), den 28. März 1930.
Die Einäſcherung findet auf Wunſch der Verſtorbenen
in der Stille ſtatt.
Es wird gebeten, von Beileidsbeſuchen abzuſehen.
Karl Hellermann
Gretel Hellermann
geb. Häußler
Vermählte
Darmſtadt, Schachtſtraße 6.
Kirchl Trauung am 30. März, nachm.
2½ Uhr in der Stadtkapelle. (*
Philipp Bickelhaupt
Mina Bickelhaupt
geb. Grein
Vermählte
Arheilgerſtr. 92
Taunusſtr. 49
Kirchl. Trauung am 29. März, nachm.
4 Uhr, in der Martinskirche.
Todes-Anzeige.
Am Donnerstag, den 27. März
entſchlief ſanft nach kurzem Leiden
mein herzensguter Mann, unſer
treuſorgender Vater, Schwiegervater,
Großvater, Bruder, Schwager und
Onkel
Jakob Wurthele
im 68. Lebensjahre.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Karoline Würthele
geb. Greiling.
Darmſtadt, den 29. März 1930.
Beſſungerſtr. 39. (B. 5181
Die Beerdigung findet in allerStille
ſtatt.
Von Blumenſpenden bittet man
abzuſehen.
Allen, die uns bei unſerem
herben Verluſt ſo liebevolle
Teilnahme bekundeten dankt
herzlich im Namen der
Hin=
terbliebenen.
Bina Hamm.
Dankſagung.
Für alle die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme,
die uns anläßlich des Heimganges unſeres lieben
Entſchlafenen in ſo reichem Maße zuteil wurden,
ſagen wir auf dieſem Wege unſeren
tiefge=
fühlten Dank
Im Namen der Hinterbliebenen:
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 88
Samstag, den 29. März 1930
Seite 11
11. Rhön=Segelflug=Wettbewerb.
rankfurt a. M. Der diesjährige 11.
Rhön=
rlflug=Wettbowerb, den die Rhön=Roſſitten=
Geſell=
ſr wieder als internationalen Wettbewerb
aus=
äbt, wird vorausſichtlich in der Zeit vom 9. bis
Auguſt 1930 auf der Waſſerkuppe ſtattfinden.
öer Zeitpunkt iſt mit Rüchſicht auf den
Euro=
nſchen Rundflug, welcher am 7. Auguſt beendet ſein
ad, etwas ſpäter gelegt als im vergangenen Jahr.
Wettbewerb kann auch in dieſem Jahre aus
griziellen Gründen nur als Wettbewerb für
Fort=
ſchrittene abgehalten werden; doch ſind auch
An=
ſtenungsprämien für die Schulung von
Jung=
ſetern in Ausſicht genommen. Es iſt damit zu
rech=
w daß die Ausſchreibung des Wettbewerbs im
ſongt März veröffentlicht werden wird.
Ueberfallen und niedergeſtochen.
Srankfurt a. M. Erſt jetzt wird bekannt, daß
ſn 29. Februar 1930 gegen 21—22 Uhr auf der
Mör=
derlandſtraße der Galvaniſeur Karl Latſch von
ſei unbekannten Männern überfallen und ſeiner
atſchaft von 1,75 Mark ſowie ſeiner Papiere
be=
uöt wurde. Der Ueberfallene erhielt zirka zehn
aſerſtiche in das Geſicht und auf den Kopf, worauf
blutüberſtrömt zuſammenbrach. Durch Perſonen,
ſſe bisher unbekannt geblieben ſind, wurde der
ch=ververletzte in das ſtädtiſche Krankenhaus
ein=
ei=fert. Der Verletzte, der der Meinung war, daß
ſr. Fall bereits vom Krankenhaus zur Anzeige
ge=
mmen ſei, erſtattete erſt nach ſeiner Entlaſſung bei
ſur Polizei Anzeige, der bisher von dem Ueberfall
ars bekannt geworden war. In der Zwiſchenzeit
Aſt einer der Täter die Papiere des Latſch
miß=
taicht, beim Arbeitsamt abſtempeln laſſen und beim
änſorgeamt, Kreisſtelle 6, die fällige Unterſtützung
hoben. Er wird wie folgt beſchrieben: 28—30 Jahre
½. 1,75 groß, kräftig, bartlos, volles Geſicht, trug
taunen Sportmantel und braunen weichen Hut.
ſeehr iſt über die Täter, bzw. über die Perſon, die
e Unterſtützung erhob, nicht bekannt. Durch eine
ir zufällige ordnungsmäßige Maßnahme des
Für=
hrgeamtes am 17. März, alſo zu einer Zeit, als an
9— Amtsſtellen von dem Ueberfall noch nichts
be=
ſſnrit war, hat es der vermutliche Täter vorgezogen,
eim Fürſorgeamt nicht mehr vorzuſprechen.
Die Eſchborner Wildereraffäre vor dem
Schwurgericht.
Frankfurt a. M. Donnerstag vormittag
be=
an vor dem Schwurgericht der Prozeß gegen den
awloſſer Auguſt Weber aus Bommerheim, den
Satt=
r Leonhard Reuſch aus Oberurſel und den Arbeiter
ſto Hofmann aus Bad Homburg, die der
gemein=
hrftlichen Wilderei, Weber auch des Totſchlags
an=
elagt ſind. Das Gericht kam nach über dreiſtündiger
Rratung zu folgendem Urteil, das das von der
5taatsanwaltſchaft beantragte Strafmaß, die gegen
Bber auf Körperverletzung mit tödlichem Ausgang
ſidiert hatte, um das Dreifache überſteigt: Weber
oed wegen Totſchlags in Tateinheit mit
Jagdver=
ſhen und Vergehen gegen das Schußwafſengeſetz zu
iner Gefängnisſtrafe von vier Jahren und einem
Nonat, Reuſch wegen Jagdvergehnes zu zwei
Mo=
ſren fünf Tagen Gefängnis, Hofmann wegen
Bei=
fife zu 20 Mark Geldſtrafe verurteilt. Gegen Weber
wrde im Hinblick auf die Höhe der erkannten Strafe
5ftbefehl erlaſſen. Dem Reuſch billigte das Gericht
Bewährungsfriſt zu. — In der Urteilsbegründung
vies der Vorſitzende darauf hin, daß die Tat nahe an
en 8 214 (Totſchlag unter erſchwerenden Umſtänden)
genzt, für den im Geſetz 10 Jahre Zuchthaus
vor=
eehen ſind. Als einzig mildernden Umſtand habe
s Gericht die Tatſache der bisherigen
Unbeſcholten=
nit des Angeklagten anſehen können, von dem es
mgenommen habe, daß er lediglich im Augenblick
der Tat ſeine perſönlichen Intereſſen über ein
frem=
des Leben geſetzt habe. Es müſſe aber mit den
Mit=
eim des Geſetzes darauf gehalten werden, daß in
unſerem Vaterland nicht balkaniſche Zuſtände
ein=
räßen, und daß es Gemeingut bleibt, das Leben
urſeres Nächſten wie das eigene Leben zu werten.
Fünf Perſonen von einem Löwen ſchwer
verletzt.
Kitzingen (Regierungsbezirk Unterfranken). In
dem zurzeit hier gaſtierenden Zirkus Fiſcher ereigncte
ſich Donnerstag abend ein furchtbares Unglück. In
der Menagerie brach beim Umſetzen der Tiere ein
VSwe aus. Bei dem Verſuch, ihn wieder
einzu=
fungen, wurden fünf Perſonen von dem Löwen ſchwer
verletzt. Sie wurden ſämtlich dem Krankenhaus
zu=
geführt. Zwei der Verletzten, die Dompteure Heinrich
und Leo, haben ſo ſchwere Bißwunden erhalten, daß
an ihrem Aufkommen gezweifelt wird.
Vergiftetes Frühſtücksbrot.
Berlin. Aus Elſterwerda wird dem „L.=A.”
gemeldet: Auf dem Donnerstag=Markt brach der
Fiehhändler Löſche aus Groß=Thiemig beim
Früh=
ſtüjck unter Zuckungen zuſammen. Er verſchied nach
e ner Viertelſtunde. Die ſofort aufgenommene
Unter=
ſnchung ergab, daß der Butter auf einer Schnitte Gift
beigemengt war. Der Staatsanwalt hat daraufhin
e Verhaftung der Ehefrau Löſche und ſeines
frühe=
ten Geſchäftsfreundes, eines 65 Jahre alten Vieh=
Käindlers Weber aus Ortrand, angeordnet. Der
Ver=
daacht richtet ſich in erſter Linie gegen Weber, der übel
beleumdet und mehrfach vorbeſtraft iſt und ſeit
e niger Zeit mit Löſche in Feindſchaft lebte. Es
be=
ſeeht die Vermutung, daß Weber Löſche beiſeite
ſehaffen wollte, um deſſen Beſitztum in die Hände zu
bekommen. Das Ehepaar Löſche ſtand im Alter von
23 bzw. 29 Jahren und hatte zwei Kinder.
Jakubowſki=Prozeß.
Schönberg. Im weiteren Verlauf der
Zeugen=
wernehmungen im Jakubowſki=Prozeß beſchäftigte
ian ſich noch einmal mit der belaſtenden Ausfage
des Zeugen Meher. Die Mutter des Zeugen, der
Hekanntlich als einziger den Jakubowſki belaſtet hatte,
Heſtätigte die Erklärungen ihres Sohnes über Jaku=
Sowſkis Aeußerungen im Strelitzer Gefängnis. Von
Sen 20 Mark Belohnung, die Jakubowſki angeblich
Oem Kreutzfeldt für Ausführung der Tat verſprochen
Saben will, will ihr Sohn ihr nichts geſagt haben.
DDamit war die Zeugenvernehmung in Schönberg
be=
eendet. Nach 1 Uhr wurde die Verhandlung
ge=
iſchloſſen. Die Sitzung wird vorausſichtlich am
Mon=
tag in Neu=Strelitz im Gelben Saal des Schloſſes
fortgeſetzt werden.
Erſtes Funkbild von der Ankunft der
11
Der deutſche Botſchafter in Amerika von Prittwitz (rechts) beglückwünſcht den Kapitän der „Europa”,
Kommodore Johnſon, zu ſeiner Rekordfahrt.
Ein neuer Triumph menſchlichen Geiſkes!
Marconi zündet in Genua die Lichter von Sidney an.
Oben links: Marconis Experimentieryacht „Elektra”, von der aus Marconi 3000 Lampen in dem
16000 Kilometer entfernten Sidney entzündete. — Unten links: Die Funkſtation an Bord der
„Elektra”. — Rechts: Marcheſe Guglielmo Marconi, der Pionier der Funkentelegraphie, dem die
neue ſenſationelle Großtat glückte.
„Do. I” unkernimmt
ankik Zlug.
„Do. X”, das größte Flugboot der Welt. — Rechts: Dr. Dornier, der Chefkonſtrukteur,
der gegenwärtig in Amerika weilt.
Noch in dieſem Sommer ſoll das Flugboot „Do. K” zu ſeinem erſten Transatlantikflug ſtarten.
Zurzeit werden am Bodenſee Vorbereitungen zu einem Probeflug über das Mittelmeer getroffen.
Abreiſe Dr. Wegener=Graz nach Kopenhagen.
Profeſſor Dr. Alfred Wegener=Graz, der Leiter
der deutſchen Inland=Eisexpedition nach Grönland
1930/31 Berlin, iſt Freitag morgen von hier nach
Kopenhagen gereiſt. Dort wwird ſich die aus etwa 20
Teilnehmern beſtehende Expedition zuſammenfinden
und am 1. April mit dem däniſchen Dampfer „Disko”
nach Grönland abreiſen. Die Expedition iſt von der
Notgemeinſchaft der deutſchen Wiſſenſchaft, der
be=
ſondere Mittel durch den Stifter=Verband der
Not=
gemeinſchaft zur Verfügung geſtellt worden waren,
ausgerüſtet worden. Sie wird während 1½ Jahren
auf drei verſchiedenen Stationen auf dem
grönlän=
diſchen Inland=Eis verweilen und bedeutſome
mete=
orologiſche, gerologiſche und geophyſikaliſche
Forſchun=
gen durchzuführen haben. Es handelt ſich um die
größte deutſche arktiſche Unternehmung ſeit etwva 20
Jahren. Außer Profeſſor Alfred Wegener, der als
Vater der Verſchiebungstheorie der Kontinente und
als Grönlandforſcher bekannt iſt, gehören der
Ex=
pedition folgende Teilnehmer an: Regievungsrat Dr.
Georgi von der Deutſchen Seewarte in Hamburg,
Dr. Fritz Löwe, Dr. Holzapfel und Dr. Kopp,
ſämt=
lich vom preußiſchen geronautiſchen Obſervatorium,
Studienrat Dr. Ernſt Sorge=Berlin, Dr. W. Eicken
vom Geodätiſchen Inſtitut Potsdam, Diplomingenieur
Schiff von der Deutſchen Verſuchsanſtalt für
Luft=
fahrt Berlin und Ingenieur Herdemerten. Der
dä=
niſchen Regierung, die der Expedition ein
weitgehen=
des Entgegenkommen zeigt, gebührt beſonderer Dank.
Schweres Autounglück.
Witten. Ein Bergarbeitertransportauto, das
mit 14 Bergleuten und zwei Frauen beſetzt war, fuhr
infolge Verſagens der Handbremſe Donnerstag
nach=
mittag gegen einen Maſt der elektriſchen
Hochſpan=
mungsleitung. Das Auto ſchlug um und begrub
ſämt=
liche Inſaſſen unter ſich. Eine Frau fand hierbei den
Tod. Die übrigen Inſaſſen des Autos trugen mehr
„oder weniger ſchwere Verletzungen davon. Die Schuld
an dem Unglück trifft den Chauffeur.
Studienflüge für die Luftverbindung
Berlin—Sevilla.
Paris. Wie Havas aus La Coruna meldet, iſt
dort von Southampton kommend das von dem
Pi=
loten Otto Bertram geſteuerte deutſche
Waſſerflug=
zeug angekommen, das nach Sevilla weiterfliegen
wird, um die Flugverhältniſſe auf der demnächſt in
Betrieb. zu nehmenden Strecke Berlin—Sevilla zu
ſtudieren.
Fünf Todesopfer der Gasvergiftungen in einem
franzöſiſchen Altersheim.
Paris. Vor einigen Tagen hatten in einem
Atersheim in der Nähe von Angers durch
aus=
ſtrömende Kohlegaſe mehrere Inſaſſen Vergiftungen
erlitten. Einer war bereits an den Folgen der
Ver=
giftungen geſtorben. Bis Donnerstag ſind weitere
vier Perſonen den Vergiftungen erlegen, ſo daß die
Zahl der Todesopfer jetzt fünf beträgt.
Meſſerduell zwiſchen zwei Schweſtern.
London. Wie aus Mexiko gemeldet wird,
foch=
ten dort zwei Schſeſtern, die beide den gleichen
Mann lieben, ein Duell mit Meſſern aus. Beide
Frauen wurden ſo ſchwer vrletzt, daß ſie in
bedenk=
lichem Zuſtande ins Krankenhaus geſchafft werden
mußten.
Im Schneeſturm geſtrandrt.
Kopenhagen. Nach Meldungen aus
Reyt=
javik iſt ein Fiſchkutter von den Farbern in der Nacht
zum Donnerstag an der Südküſte Islands im
Schnee=
ſturm geſtrandet. Acht Mann der Beſatzung ſind
ertrunken, während ſich 18 retten konnten. Einer der
Geretteten ſtarb ſoſort, nachdem er an Land
ge=
bracht war, während ein anderer noch in
Lebens=
gefahr ſchwebt. Das Schiff wurde gänzlich wrack.
Großartiger Empfang Eckeners in Amerika.
New York. Amerika hat, Dr. Eckener einen
großartigen Gmpfang bereitet. In Waſhington wurde
er vom Präſidenten Hoover und anderen
Regie=
rungsmitgliedern empfangen. Alle zeigten dem Plan
eines kransatlantiſchen Zeppelin=Verkehrs größtes
Intereſſe. Baltimore ſoll auf amerikaniſcher Seite
der Hauptſtützpunkt dieſes Zeppelinverkehrs werden.
Am Donnerstag nachmittag wurde Dr. Eckener in
feierlicher Weiſe die Goldene Medaille der
Geogra=
phiſchen Geſellſchaft überreicht, womit dieſe
Auszeich=
nung zum erſten Male einem Deutſchen zuteil
ge=
worden iſt.
Der Schmugglerkönig von Brooklyn ermordet.
NewYork. Ein unrühmlich bekannter
Ange=
höriger der New Yorker Unterwelt namens Giuſeppe
Paranowich, der wegen ſeiner verkrüppelten Hand
den Spitznamen „Krallenhand” führte, hat am
Frei=
tag den Tod gefunden. Drei Mitglieder einer
Schmugglerbande lauerten ihm im italieniſchen
Viertel auf und ſtreckten ihn mit ſechs
Revolver=
ſchüſſen nieder. Er galt als der größte Schmuggler
in Roh=Alkohol in Brooklyn. Eine Beſonderheit
von ihm war, daß er ſtets ſehr elegant gekleidet
ging. Seine Krawattenperle ſoll einen Wert von
10000 Mark gehabt haben. Während ſeiner „
Lauf=
bahn” war der Tote dreimal wegen Mordes
ange=
klagt geweſen, aber jedesmal freigeſprochen worden.
Einer dieſer Fälle war der des ſogenannten „
Ton=
nenmordes” im Jahre 1918, wo ein Mann mit
drei=
undzwanzig Meſſenſtichen tot in einer Tonne
auf=
gefunden worden war.
Wieder eine Zuchthausrevolte in Amerika.
Wieder iſt in den Vereinigten Staaten eine
Zucht=
hausrevolte ausgebrochen. 800 Zuchthäusler
meuter=
ten am Donnerstag in der ſtaatlichen Strafanſtalt
Jefferſon=Stadt im Staate Miſſouri. Die
Zucht=
häusler haben zwölf Wärter im Eßraum
eingeſchloſ=
ſen. Angeſtellte Vermittlungsverſuche ſcheiterten, ſo
daß Militär herbeigeholt werden mußte. Man nimmt
an, daß die Meuterer nicht anders als mit
Waffen=
gewalt und Tränengasbomben werden bekämpft
wer=
den können.
Zu der Revolte wird uns noch gemeldet: Im
Zuchthaus von Jefferſon=City, wo erſt vorgeſtern
mehrere hundert Sträflinge gemeutert hatten, kam es
Donnerstag wiederum zu einer Meuterei. Etwa 600
Sträſlinge weigerten ſich, in den verſchiedenen
Fa=
briken zu arbeiten. Nachmittags mußten etwa 800
Sträflinge unter Anwendung von Guwmiknüppeln
und Tränengasbomben aus der Speiſehalle
heraus=
getrieben und nach den Zellen abgeführt werden.
Etwa 20 Sträſlinge wurden bei dem Zuſammenſtoß
mit den Aufſehern, die von einer Kompagnie
Staatsmiliz unterſtützt wurden, verletzt.
Seite 12
Briefe aus Rußland.
Immer wieder kommen in den letzten Monaten Notſchreie
aus Rußland. Der ruſſiſche Kommunismus ſteht in einer
wirt=
ſchaftlichen Kriſe, deren Gründe in dieſer Zeitung wiederholt
dar=
gelegt wurden. Das bolſchewiſtiſche Experiment, auf Koſten der
Bauernſchaft durchgeführt, ſaugt dieſe rüſſiſche Bauernſchaft aufs
ärgſte aus. Es handelt ſich hier um einen mit abſoluter
Notwendigkeit ſich aus dem kommuniſtiſchen
Syſtem ergebenden Prozeß (vgl. Tagblatt vom 19.
Fe=
bruar: „Das ruſſiſche Problem”). Für den Einſichtigen war es
von vornherein klar, daß das Experiment irgendwann zum
Extremen führen mußte. Rußland befindet ſich heute dort, wo
ſich im Jahre 1793 die franzöſiſche Revolution befand: im Innern
die Schreckensherrſchaft, 1a terreur eines Robespierre=Stalin.
Nach außen die levée en masse, zunächſt in Rußland in Form
einer verſtärkten bolſchewiſtiſchen Auslandspropaganda. Die
ruſ=
ſiſchen Machthaber haben eingeſehen, daß der Prozeß der
Kol=
lektiviſierung der Landwirtſchaft ſich eben doch nicht in dem
Um=
fang fortſetzen läßt, wie ſie das gerne geſehen hättei. Es wurde
abgeblaſen. Daß es ſich hier um eine endgültige Entſcheidung
handelt, kann nur der meinen, der den Prozeß des
Bolſchewis=
mus nicht voll erfaßt hat. Gibt der Bolſchewismus die
Kollek=
tiviſierung auf, dann gibt er ſich damit ſelbſt auf. — Auf der
andern Seite ſehen wir die Bedrückung „Andersgläubiger”, eine
ausgeprägte Intoleranz gegen alles, was nicht auf dem Boden
des Bolſchewismus ſteht: gegen nichtſozialiſtiſche Gelehrte, die
ſchon vor Jahren haben fliehen müſſen; neuerlich beſonders
ver=
ſtärkt gegen die Kirche. — All dieſe Dinge erlebt Weſteuropa aus
der Entfernung mit, gewiſſermaßen vom ſichern Port. Nun kommen
die Briefe aus Rußland, aus denen hier einige Abſchnitte
mit=
geteilt werden. Briefe von deutſchen Mennoniten und Quäkern
an deutſche Mennoniten und Quäker, von dieſen in einem kleinen
Auszug in Flugſchriftform herausgegeben. Nur einiges ſoll
aus ihnen zitiert werden. Ohne weitere Kommentare, die
viel=
leicht hie und da ſachlich aufklären könnten, die aber den friſchen
Eindruck verwiſchen möchten.
Aus der Krim.
2. 1. 1930. „Verloren ſind wir in Rußland. O Gott, möchte
ich ſagen, warum ſo greulich, ſo grob in unſerm Lande, ſo
un=
gerecht? Es iſt zu ſchlimm, man treibt einen nach den
andern ohne ein Stück Brot auf die Straße. Tauſende ſitzen im
Gefängnis. Es iſt für Euch unglaublich, ich betone noch einmal:
unglaublich. Ja ſolche, die im Herbſt noch nicht an
Aus=
wanderung dachten, lechzen jetzt danach, ganz gleich wohin, wenn
auch nur einen Meter über die Grenze. Alle, nicht
nur wir Deutſchen, auch Armenier, Ruſſen, Kirgiſen, Juden und
Tataren, alle auf dem Lande. Es ſind hier im Süden keine
drei Prozent, die nicht hinaus möchten. Wer ſtimmlos iſt, wird
auf die Straße getrieben, fort von Haus und Hof und den
Tieren".
5. 2. 1930. „Wenn man das, was hier vorgeht, vor drei
Monaten geſagt hätte, dann hätte ich geſagt, wir werden alle
wahnſinnig. Kein Vergleich mit dem Terror in
Moskau, denn hier herrſcht nur Willkür der
Ruchloſen. Stimmrecht wird faſt jedem genommen, und das
Samstag, den 29. März 1930
bedeutet, ob arm oder reich, ob die Frau nahe an der Geburt
oder ein halbes Dutzend kleiner Kinder da, auf die Straße
ge=
trieben, ohne Brot, ohne Geld, ja ſelbſt faſt ohne Kleider ...
Goldene Zähne werden aus dem Munde geriſſen, daß das Blut
fließt, nicht etwa von Aerzten, ſondern von Hirtenknaben mit
der Kneifzange! Die Frau von A. K. iſt auch vertrieben, ſie
bekam zwei kleine Brötchen mit. Sie wurde gerade vom
Mit=
tagstiſch vertrieben, die Banditen ſetzten ſich daran und aßen die
Suppe aus, während ſie einer hinaustrieb. Nun verſetzt Euch
in dieſe Lage: kein Geld, keine Kleider, der Mann im Gefängnis,
unſchuldig, niemand darf ſolche Vertriebene
auf=
nehmen, bei Todesſtrafe
5. 2. 1930. „Trommelt dort an alle Türen, ſeht ob ihr nicht
Menſchenherzen erweichen könnt, uns zu helfen, denn wenn es
noch lange dauert, ſind wir verloren. Die Menſchen
ver=
zweifeln, viele werden wahnſinnig und ſuchen
den Tod.”
Aus dem Kaukaſus.
29. 1. 1930. „Es ſind auch hier ſchon etliche vollbeladene
Züge vorübergefahren mit Gefangenen, umgeben von ſtarker
Wache. Und wenn Sie ſie fragen: wohin, ſo lautet die Antwort:
in die Gefängniſſe als die Kulaken und Stimmloſen, und dann
wohl weiter nach den Eisbergen im hohen Norden, um dort
das Leben auszuhauchen . . . Br. H. wurde ſchon vor drei
Monaten auf 6 Jahre eingeſperrt, die Diakonen H. S. und L.
ebenſo. Auch unſere Brüder ſind geflüchtet, wohin wiſſen wir
nicht. Br. W. iſt ſchon längere Zeit nicht mehr hier. Auch E. S.
iſt geflohen, wußte aber nicht wohin. J. E. hält ſich verſteckt,
J. B. und W. irren umher in der Fremde, wie verſcheuchte Rehe
im Wald . . ."
Aus Samara.
25. 2. 1930. „In unſerm Gebiet ſind eine Menge Leute, 500
Perſonen katholiſcher Konfeſſion in eine Kirche getrieben und
daſelbſt bei 40 Grad erfroren . . .
Aus der Ukraine.
„.. Alle, die nicht in die Kollektive gehen, werden als
Feinde betrachtet und aufs grauſamſte mißhandelt. Nachts
wer=
den die Leute überfallen, ein Strick wird ihnen um den Hals
gelegt, und dann müſſen ſie hinter dem Wagen herlaufen, bis
ſie alles verſprechen, was man von ihnen verlangt. Man hat in
alten Zeiten nicht grauſamer ſein können. So alſo entpuppt
ſich die friedliebende Diktatur? Die kranke Frau
eines Bauern, die ſchon monatelang das Bett hütete, wurde
mit=
ſamt den andern bei 25 Grad Froſt auf die Straße geſetzt. Das
iſt die berühmte Humanität unſeres Neubaus? . . .
Himmel=
ſchreiendes Elend überall, vergrämte Geſichter, fahle Geſichter,
Tränen über Tränen . . . Tauſende ſchauen nach dem Weſten
um Hilfe aus . . . Die Hoffnung iſt noch nicht ganz geſunken.
Ach könntet ihr alle die Hände und Händchen ſehen, die ſich
hilfeſuchend ausſtrecken, blaß, verarmt, verkümmert . . . . Ich
habe nun riskiert, die wahre Sachlage zu ſchildern, viele
ſchreiben nicht mehr aus Furcht...
3. 2. 1930. „Die in Moskau Feſtgenommenen hat man
grau=
ſam mißhandelt, geſchlagen, gedämpft uſw. Wir leben jetzt hier
ohne Arbeit, denn keiner darf uns annehmen. Brot bekommt
man nur auf Karten, wir haben kein ſolches Brotbüchlein, aber
Nummer 88
die nicht alles Brot brauchen, geben uns aus Mitleid. Wir war= nur, daß die Regierung uns herausläßt.
28. 2. 1930. „Wenn es nicht anders möglich
iſt=
hier wegzukommen, würden wir ſchon gerne
auf=
den Knien bis zur Grenze kriechen. (!) . . .
Jakob=
ſitzt ſchon ſeit 11 Tagen im Kronauer Gefängnis, dafür, daß wir
in Moskau waren, um herauszukommen aus dieſem Lande ..
Wer nicht von zu Hauſe Geld oder Eſſen bekommt, muß dort:
verhungern, ſie bekommen nur kaltes Waſſer ..
Aus dem Gefängnis.
24. 1. 1930. „Liebe Frau und Kinder! Ich weiß noch nicht
wie ich tvohl dieſen Brief befördern werde, aber ich weiß, wie
ſchwer es für mich ſelbſt iſt, wenn man gar nichts von ſeinen
Lieben erfahren kann und ſo wage ich es. Als wir von O. nach
dem Gefängnis getrieben wurden, eine Strecke von 8½ Werſt
(zirka 9½ Kilometer D. H.) geſchah dies in einem Tempo, daß
ich nicht Schritt halten konnte, denn der Hunger hatte mich
vor=
her geſchwächt, da ſchlug mich ein Konwoi mit dem Säbel derart
auf den Rücken, daß ich faſt umfiel, und dann noch zweimal mit
der Fauſt. Darauf nahmen mich zwei Brüder unter die Arme,
ſo daß ich hinkam. Wir ſind in ſtrenger Haft, ganz abgeſchloſſen
von der Außenwelt. Wir ſind hier 24 Deutſche. Zuerſt waren
wir in einer kleinen Kammer mit 145 Mann zuſammen, die meiſten
faſt ganz nackt mit organiſierten Dieben und Mördern zuſammen,
Jetzt bin ich mit 155 Mann in einem ſehr engen Raum. Es wird nie
geheizt, aber es iſt ſo heiß und dumpf, daß ſie mehrere
Fenſter=
ſcheiben eingeſchlagen haben und faſt nackt und barfuß ſind,
Man kann ſich faſt nicht umdrehen und die Menſchen fluchen
und ſchimpfen wie ich es im Leben noch nicht gehört habe. Es
läßt ſich dies alles nicht beſchreiben. Betet alle für uns, daß
Gott ſich über uns erbarmen möchte und uns hinaushelfe. Ich
ſehne mich ſo nach Euch, daß ich mein Lager oft mit Tränen
netze . . . Soll ich wirklich meine letzten Tage im Kerker
be=
ſchließen? Ich habe kein Brot mehr, habe zwar etwas
aus=
geliehen, aber an ſolche, die ſelbſt nichts haben. Ob ich noch
einmal im trauten Familienkreiſe ſein werde? . . .
*
Es ſind hier nur einige Briefauszüge mitgeteilt, wie ſie z. T.
in einem kleinen Flugblatt der Quäker enthalten ſind (
Sper=
rungen vom Herausgeber). Sicher iſt, daß ſich die ruſſiſchen
Ge=
walthaber mit beſonderer Vorliebe gegen die Deutſchen wenden
deren Siedlungen noch immer ihren Neid erregen. Sicher wohl
auch, daß gerade die proteſtantiſchen Sekten beſonders zu leiden
haben werden. Intereſſant vor allem der eine Satz: Kein
Ver=
gleich mit dem Terror in Moskau, denn hier herrſcht nur
Will=
kür der Ruchloſen. — Gewiß wächſt die Bewegung den Macht
habern des Kreml über den Kopf. Vielleicht ſagen ſie: win
haben es nicht gewollt. Und man mag dem Einzelnen auch
dieſe Pontius=Pilatus=Gebärde glauben. Denn, was ſich dort
drüben vollzieht, iſt eben durchaus die Konſequenz eines
ver=
fehlten Syſtems, das mit allen Mitteln zu halten man jetzt
ver=
ſucht. Es iſt die Frage, wie lange es gelingt, dieſen Leichnam
— genannt: die Kommuniſtiſche Internationale; die
Bolſche=
wiſierung Rußlands uſw. — zu galvaniſieren. Das alles ſind
politiſche Erwägungen. Sie vermögen nicht das menſchlich
Er=
greifende der wiedergegebenen Briefe einfacher deutſcher Bauern
irgendwie zu verwiſchen.
sch.
Der Erfolg der ersten Tage war
groß. Viele erkannten die
gebote-
nen Vorteile und kauften. Dadurch,
daß täglich neue grolle
Waren-
mengen bei uns eintreffen, hält die
Kraft der Leistungen an. Es ist die
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Kaſtanienallee 71.
(4659a)
Bentlader
mit einer Einlage von 6—10 Mille
gegen mehrfache Sicherheit
A
Sucht.
Gefl. Angebote unter N. 117 an die Ge
ſchäftsſtell= dieſes Blattes.
Mummer 88
Samstag, den 29. März 1930
Opoll, Spler und Tarnen.
Die Zeit der Waldläufe iſt angebrochen. An den nächſten
füintagen werden innerhalb der Gaue der D. T. die Beſten
luserleſen, die zur Teilnahme an den Kreiswaldläufen
berech=
gt. und noch zur höheren Ehre, der Beteiligung an dem D.T., berufen ſind. Dieſe Ausleſe wird der Main—Rhein=Gau
m kommenden Sonntag in Gorxheim bei Weinheim
vor=
ſehmen. Wenn auch manche Vorausſage nicht eintreffen mag,
kann doch, gemeſſen an früheren Erfolgen, ein Vergleich
an=
eſtellt werden. Unter 56 Teilnehmern der Jugendklaſſe,
ſie ſich am Ablauf einfinden werden, ſind, durch den Ausfall
ſicher, die in eine höhere Leiſtungsklaſſe übertreten mußten, neue
kamen, aufgetaucht, deren Leiſtungen man nun abwarten muß.
frimerhin befindet ſich in der Jugendklaſſe noch ein Stamm
erer, die im verfloſſenen Jahre anſehnliche Erfolge buchten.
uter ihnen ragen Hanſtein, Nieder=Ramſtadt, und Fiſcher,
urngemeinde Darmſtadt, der vierte und ſechſte Sieger vom
beiswaldlauf, hervor; Becker, Goddelau, der an dritter Stelle
m Gau ſtand, wird ſicherlich ernſter Anwärter auf den erſten
slatz ſein. Sehr umſtritten werden Sieg und Plätze im
Mann=
chaftskampf der Jugendklaſſe ſein. In erſter Linie ſind hier zu
einen: Nieder=Ramſtadt, Griesheim und die Darmſtädter
Ver=
ine. Langen hat einen guten Lehrmeiſter und wird ſich nicht ſo
ſeicht abfertigen laſſen. Hüttenfeld, Pfungſtadt und
Groß=
rau ſind Neulinge, aber auch ſolche haben ſchon des öfteren
ngenehm enttäuſcht.
Ein völlig verändertes Geſicht trägt diesmal die
Teilnehmer=
iſte der B=Klaſſe. Gute Kräfte fallen hier diesmal aus, was
ſieſonders bei der Darmſtädter Turngeſellſchaft auffällig iſt. Ob
er ihr der Nachwuchs in dieſer Klaſſe den vorjährigen Erfolg
viederholen kann, muß abgewartet werden. Hauptgegner ſind
ſier ohne Zweifel Gorxheim und Langen. Auf das Abſchneiden
n Seifert und Sieß, Beſſungen=Darmſtadt, erſterer Gau= und
Freis=Waldlauf=Sieger vom verfloſſenen Jahr, wird man
all=
fernein geſpannt ſein dürfen. Streb, Neu=Iſenburg, und
Schnei=
ar, T.=Geſ. Darmſtadt, werden nichts unverſucht laſſen,
Platz=
prbeſſerungen anzuſtreben. Turngemeinde und Turngeſellſchaft
Darmſtadt ſowie Hüttenfeld als dritter im Bunde, machen ſich
di Mannſchaftsſieg gegenſeitig ſtreitig.
Der Kampf in der A=Klaſſe wird, wie immer, ſeine
be=
orideren Reize bieten. In der Mittelſtufe ſollte es Schneider,
Aalldorf (Tgſ.), nicht ſchwer fallen, das Rennen für ſich zu
ent=
cheiden — aber Gorxheim und Birkenau haben auch Läufer zur
Ztelle. Es iſt ſchade, daß Turngeſellſchaft Ober=Ramſtadt mit
enem guten Läufermaterial am Rennen nicht teilnimmt. Wenn
nan ſchon Namen nennt, ſo ſoll auch Haag, Tgſ. Darmſtadt,
uls Hoffnungsſtern nicht vergeſſen werden, denn es iſt
immer=
hin beachtlich, wenn man von der Jugendklaſſe gleich eine Klaſſe
zwei Stufen) überſpringt und es riskiert, in der A=Klaſſe
anzu=
ieten. Die Oberſtufe der A=Klaſſe ſieht den Kampf zwiſchen
Fornoff, Tgſ. Darmſtadt (Gaubeſter und Kreismeiſter 1929) und
ſeinem Vereinskollegen Aßmuth vor. Aber auch andere wollen
diesmal mit dem Erſtgenannten abrechnen und ihn vom Platz
vrdrängen. Wem wird es gelingen? Ganz offen iſt der
Aus=
gang des Kampfes um den Mannſchaftsſieg der A=Klaſſe, doch
uchnet man nicht ganz zu Unrecht den Sieg der Turngeſellſchaft
Darmſtadt zu, wenn nicht andere Umſtände es anders beſtimmen,
An beſonderen Reizen wird es dem diesjährigen Gau=Waldlauſ
der Main—Rhein=Gau=Turner nicht fehlen, denn er zeigt das
beſte Läufermaterial aus den Vereinen, die den Langſtreckenlauf
als eine der wichtigſten Leibesübungen betreiben. Die
Vorbe=
reitungen des Turnvereins Gorxheim zum Waldlauf ſichern eine
glatte Abwicklung der Kämpfe zu.
Turngeſellſchaft 1875 Darmſtadt.
Zu dem am Sonntag in Gorxheim ſtattfindenden Gau=Waldlauf
mieldete die T. Geſ. 75 14 Läufer, Abfahrt der Teilnehmer 10.20 Uhr ab
Hauptbahnhof. Außerdem iſt den Vereinsmitgliedern noch
Gelegen=
heit gegeben, ſich an der Wanderung zu beteiligen, die noch frühzeitg zu
Beginn des Laufes eintrifft.
Bei ſchönem Wetter wurde vor 250 000 Zuſchauern geſtern in
Ain=
tree bei Liverpool das Grand National=Hindernisrennen, die ſchwerſte
Hindernisprüfung der Welt, gelaufen. Von den 41 geſtarteten
Pfer=
den konnten nur fünf glatt über die Bahn kommen, Knapper Sieger
wurde um Halslänge „Shaun Goilin”, als Zweiter ging „Mellerays
Bell” durchs Ziel, dem mit anderthalb Längen „Sir Lindſay” folgte.
Freie Turngemeinde Darmſkadt —Oberroden.
Darmſtadt nutzt den verbandsſpielfreien Sonntag durch
Verpflich=
tung eines ſtarken Gegners gut aus. Wieder einmal will die erſte
Mannſchaft ihre Kräfte mit einer Kreisklaſſenmannſchaft wie Ober=
Roden meſſen. Der Gaſt hat ſeine ausgezeichnete Verfaſſung in vielen
Spielen ſchon wiederholt unter Beweis geſtellt. Die Mannſchaft iſt in
allen Teilen gut beſetzt. Darmſtadt ſelbſt iſt zurzeit in beſter Form,
ſo daß zu erwarten iſt, daß ſie ſich auch bei dieſem Treffen gut aus der
Affäre zieht. Das Spiel findet nachmittags 3 Uhr auf dem Sportplatz
„Müllersteich” ſtatt. — Zweite Mannſchaft und erſte Jugend haben in
den gleichen Mannſchaften von Mörfelden Gegner gefunden (
Serien=
ſpiele).
Eintracht — Union Wixhauſen.
Die erſte Handballmannſchaft empfängt vormittags 11 Uhr die
gleiche von Union Wixhauſen. Auch bei den Handballern iſt eine kleine
Formverbeſſerung zu bemerken. Leider muß Eintracht mit Erſatz
an=
treten. — Die erſte Jugend begibt ſich nach Dieburg, um gegen die
dor=
tage Haſſia=1. Jugendmannſchaft ein Wettſpiel auszutragen.
Rof-Weiß, V. ſ.R. — Bikkoria Griesheim.
Am kommenden Sonntag müſſen die Pechvögel des Rot=Weiß V.f.R.
zum zweitletzten Verbandsſpiel in Grieshem antreten. Obwohl ein
Punktgewinn für keine Mannſchaft mehr einen Vorteil bringt, wird
ſich dennoch ein intereſſantes Spiel abwickeln, welches einen durchaus
offenen Ausweg hat. Rot=Weiß V.f.R. tritt zu dieſem Treffen wieder
mit vollſtändiger Aufſtellung an. Die Mannſchaft ſowie deren
An=
hänger treffen ſich um 1.45 Uhr an der Halteſtelle der Straßenbahn
(Monument).
Da nun auch die Erſatzliga ſowie die 1. Jugend der Rot=Weißen
von der Viktoria Griesheim zu Privatſpielen an dieſem Tag verpflichtet
wurden, erhält das Ganze das Gepräge eines Klubkampfes beider
Vereine.
V. f. R. Wiesbaden=Dotzheim — Freie Tgde. Darmſtadt.
Mit erſter und zweiter Mannſchaft fährt morgen die Fußball=
Ab=
teilung der Freien Turngemeinde nach Dotzheim. Dotzheim gibt auf
eigenem Platze einen gefährlichen Gegner ab, ſo daß die Darmſtädter
ſich ſchon mächtig ſtrecken müſſen, wenn ſie ihren Vorſpielſieg
wieder=
holen wollen.
F. C. Eintracht-Lengfeld.
Am kommenden Sonntag begibt ſich die 1. und 2.
Fußballmann=
ſchaft nach Lengefdl. Eintracht und Lengfeld ſtanden von jeher in guten
ſportlichen Beziehungen. Eintracht konnte immer als knapper Sieger
von Lengfeld heimkehren. Auch diesmal?
Traiſa-Königſtädten.
Traiſa empfängt am Sonntag Königſtädten mit zwei Mannſchaften
zu einem Freundſchaftsſpiel. Königſtädten ſpielt eine Klaſſe höher,
ſo=
mit einen guten Fußball, und nimmt im fünften Bezirk eine leitende
Stelle ein Traiſa hat im Vorſpiel eine Niederlage mit nach Hauſe
nehmen müſſen, dürfte aber — denn das beweiſen die in den letzten
Spielen aufgeſtellten Reſultate — inzwiſchen viel gelernt haben, ſo daß
ein ſpannendes Spiel zu erwarten ſein dürfte. Das Spiel der
Jugend=
mannſchaft beginnt um 2 Uhr, das der 1. Mannſchaft um 3 Uhr. Traiſa
ſpielt am Sonntag wieder mit kompletter Mannſchaft.
* Zußball im Kreis Skarkenburg.
Das Programm der Kreisliga am 30. März.
Das Programm der Kreisliga unſeres Kreiſes ſieht für den
kom=
menden Sonntag nur fünf Verbands=Spiele vor; das für dieſen Tag
vorgeſehne Treffen Münſter—Pfungſtadt wurde auf den 6. April
ver=
legt, da Pfungſtadt bei der Terminfeſtlegung bereits für dieſen
ur=
ſprünglich freien Termin ein Privatſpiel abgeſchloſſen hatte. So ſehen
wir folgende Begegnungen:
F. C. 03 Egelsbach — Viktoria Walldorf.
Union Darmſtadt — Sportvereinigung 04 Arheilgen.
Polizei Darmſtadt — Germania Oberroden.
Sportverein Mörfelden—Fußballverein Sprendlingen.
Viktoria Griesheim — Rotweiß V.f.R. Darmſtadt.
Das bedeutendſte Spiel iſt das in Egelsbach. Der Meiſteranwärter
Viktoria Urberach ſteht ſozuſagen. „Gewehr bei Fuß”, und muß
abwar=
ten, wie es ſeinem Walldorfer Rivalen in Egelsbach geht. Schon der
Verluſt nur eines Punktes für Walldorf genügt, um Urberach Meiſter
werden zu laſſen. Man verſteht alſo jetzt die Spannung, die um dies
Spiel webt. Für Walldorf iſt die Sache ſehr hart. Einmal iſt es in
Egelsbach ſehr ſchwer, zu gewinnen (auch Urberach büßte dort einen
Punkt ein!); zum anderen dürfte die Gaſtmannſchaft auch gegen den
geſamten Urberacher Anhang zu kämpfen haben, deſſen Erſcheinen in
Egelsbach natürlich „Ehrenſache” iſt. Nur routinierte Mannſchaften
vermögen dieſe „Stimmungen” außerhalb der Barrieren zu überwinden,
und es iſt möglich, daß Walldorf daran ſcheitert. An ſich wäre ein
knapper Walldorfer Sieg der richtige Tip; aber es kann auch anders
(VI. 182
Seite 13
kommen. — Das Treffen auf der Darmſtädter Radrennbahn ſollte einen
knappen Sieg der Beſſunger bringen. Schade, daß die „Jonier” immer
ſo ſpät erſt in Schwung kommen; die Mannſchaft hätte bei ihrem
Kön=
nen ebenfalls im engeren Meiſterſchaftswettbewerb liegen können. —
Das Spiel auf dem Polizeiſportplatz halten wir für offen im Ausgang
bzw. auch einen knappen Polizeiſieg für möglich. Derſelbe Tip gilt für
die Begegnung in Mörfelden, wo aber ein Erfolg des Platzvereins
noch eher zu erwarten iſt. Im Treffen der beiden Tabellenletzten darf
man wohl mit einem Griesheimer Erfolg rechnen, es ſei denn, die
Not=Weißen warten mit einer ganz großen Leiſtung auf.
Von den punktſpielfreien Mannſchaften meldet Germania 03
Pfungſtadt den Beſuch des F. S. V. 06 Heuſenſtamm.
Der Aufſtiegskampf unſerer drei A=Meiſter wird mit
der Begegnung Haſſia Dieburg—S. V. 1911 Neu=Iſenburg
fortgeſetzt. Dieburg hat die beſſeren Gewinnchancen, darf aber den
Gegner nicht unterſchätzen.
Geſchäftliches.
Die Firma J. Rehfeld, Ludwigsſtraße 15, beginnt heute mit
einer großen Sonder=Verkaufsveranſtaltung, um immer wieder den
Be=
weis anzutreten, wie billig Sie bei der Firma kaufen könnem und dazu
noch in den nächſten Tagen prachtvolle Geſchenke. Beachten Sie bitte
das heutige Inſerat der Firma J. Rehfeld.
Wekkerbericht.
Mit dem Rückgang des hohen Druckes gewinnt die neue
Atlantik=
ſtörung langſam Einfluß auf die Wetterlage, welche durch ihre Südſeite
milde Luft nach Deutſchland bringt. Nur öſtlich der Oder herrſcht
durch den Rückſeiteneinfluß der abziehenden Polenſtörung noch kühles
Wetter, während im Weſten die heutigen Morgentemperaturen
durch=
weg ſchon über 5 Grad lagen. Die Störung verurſacht zunächſt
wei=
ter mildes, meiſt wolkiges und dunſtiges Wetter, jedoch ſind verbreitete
Niederſchläge vorerſt nicht zu erwarten.
Ausſichten für Samstag, den 29. März: Dunſtig und bewölkt, nur
ver=
einzelt geringe Niederſchläge.
Ausſichten für Sonntag, den 30. März: Wieder etwas kühler, wolkig
und aufheiternd.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Samstag, 29. März. 11.15: Schulfunk. O 12.45: Schallplatten
zur Demonſtration der Störquellen. o 13: Schallplatten. o 14.15:
Stuttgart: Jugendſtunde. O 16: Konzert. Fall: Theatermarſch aus
Das Puppenmädel”, — Suppe: Ouv. zu „Dichter und Bauer”. —
Strauß: Morgenblätter. — Puccini: Butterfly. — Maſſenet:
Me=
ditation aus Thais. — Lehar: Potp. aus „Der Zarewitſch” —
Lehar: Zigeunerliebe. — May: Ich hab eine kleine braune
Man=
doline. — Strauß: Indigo. o 17.30: Geſchäftsf. Gierth: Wozu
Jugendherbergsverband und Herbergsnachweis? e 18.05: Der
Straßenbahnſchaffner. 18.35: Stunde der Arbeit. o 19.05:
Spaniſch. o 19.30: Stuttgart: Kleine Klavierſtücke von Claude
Debuſſy. o 20: Stuttgart: Balduins Hochzeit. Luſtſpiel in drei
Akten von W. Krag. O 21.15: Operettenkonzert. Supvé: Ouv.
zu „Leichte Kavallerie‟ — Gungl: Träume auf dem Ozean. —
Zeller: Potp. aus Der Vogelhändler”. — Strauß: Seid
um=
ſchlungen Millionen; Potp. aus „Der Zigeunerbaron” — Offenbach:
Ouv. zu „Orpheus in der Unterwelt”. o 22.45: Stuttgarts
Tanzmuſik auf Schallplatten mit Kabaretteinlagen.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Sonnabend, 29. März. 12: Künſtleriſche
Dar=
bietungen für Schulen. O 14.30: Kinderbaſtelſtunde. o 15: Reg.=
und Schulrat Eckhardt: Beſeitigung oder Veredlung der einklaſſigen
Schulen? O 15.45: Louiſe Diel: Was die verheiratete Frau über die
berufstätige denkt und umgekehrt. 16: Dr. Lehmann: Beziehung
der Charakterologie zur pädagogiſchen Wiſſenſchaft. O 16.30:
Ham=
burg: Konzert. O 17.30: Carmen Hertz: Eine Frau reiſt allein durch
das aſiatiſche Rußland. O 17.55: Lic. Dr. Hartmam: Religiöſe
Spannungen i Arbeiterleben. O 18.20: M. v. Ardenne: Guter und
ſchlechter Empfang im Rundfunk. O 18.40: Franzöſiſch für Anfänger,
O 19.05: Stille Stunde: „Welt im Aufbruch” 20: München=
Streiflichter. Morena: Streiflichter, Potp. — Lanner: Peſther. —
Rhode: Vom Rhein zur Donau. — Wilhelm Bauer ſingt drei
Loewe=Balladen. — Morena: Marſch=Potpourri. — Kaeßmayer:
Volkslieder in humoriſtiſcher Bearbeitung für Streichorcheſter. —
Balfe: Die Zigeunerin. Ouv. — „Der Heiratsantrag.” Luſtſpiel
in einem Akt von A. Tſchechow. — Sinfoniſche Jazzmuſik. O
An=
ſchl.: Zeit, Wetter. O Danach: Tanzmuſik.
Größte Auswahl
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Fachmännische
Ernst-Ludwigstr. 14
Zedienung
Tel. 2140 (350a
Hauptſchriftlettung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Politlk und Wirtſchaft: Rudolf Mauve: für Feuilleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Böhmannz
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdlenſt: Andreas Bauer;; fürt
„Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Nette:
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteilungen: Willy Kuhle:
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantſe der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 20 Seiten
2
eine lustige
Reportage über ländliche
Geschehnisse von Max Neal
KLeINSte FTelSe: 30 Pfg. Dis N. 2.50.
Hl 3e
W. 3. 50.0 3., 5. 0raraan
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RR
Seite 14
Samstag, den 29. März 1930
Nummer 88
Heute und folgende Tage
großen Ertolges halber verſängent:
90
Heute und folgende Tage
Der gr. deutsche Gesellschaftsfiln
Die seltsame
In Erstaufführung!
EMIL TANNINGS
m stärksten Film der je gedreht wurde
Ein neuer großer Tarzanfilm vor
tabelhafter Spannung nach
dem weltberühmten Roman
von Edgar Rice Burrughs
Vergangenheit
Tarzans
neue
der Ihes Carter
Dschungel-
Aus dem Leben einer
an-
tändigen Frau.
Ein dramatischer Stoff voller
Spannung u. mit kriminellem
Einschlag.
Regie: Ernst Lämmle.
Mit: Olaf Foens, JuneMarlowe,
Stahl-Nachbaur, Olga Engl,
. Vallentin, Inge Landgut,
Elga Brink, Camilla v. Hollay
usw.
Bsſcnten
Mit Frank Merrin
und Natalle Kingston
Die Presse schreibt:
Der Film entließ begierige Zu-
schauer, die geblendet u. verwirrt
on dem Abenteuer aus einem
underen Weltteil die Straße
be-
traten. Man sah Löwen, Tiger,
Elefanten, Hyänen. Leoparden,
Nilpferde u. andere
Dschungelbe-
wohner, die mit Tarzan ums Leben
kämpfen.
Beierearamm.
Dazu das lustige
Beiprogramm
Anfang 3½ Uhr
Anfang 3½ Uhr
Der Patriot
Das Ende des Zaren Paul von Rußland
Regie: EBNST LUBITSCH
der Meisterregisseur
Weitere Hauptrollen: Florence Vidor,
die „Dame des Films‟, Lewis Stone, der
einste Charakterspieler des Welt-Films
Ra
Anfang 3½ Uhr
II. Nationales Preisfrisieren
des D. P. G. V. 05 Darmstadt
am Sonntag, den 30, März, 15 Uhr (3 Uhr), in der
Woogsturnhalle, Festsaald. Turngemeinde 1846
Anläßlich des 25jährigen Stiftungsfestes
im Rahmen der 600Jahrfeier d. Stadt Darmstadt
Annähernd 1000 Mk. Geld- und Ehrenpreise. Am Preisfrisieren nehmen
ca. 30 namhafte Kollegen aus allen StädtenSüd- und Westdeutschlands teil.
Gezeigtwerden: 1. Tagesfrisuren imStile d. neuen Frühjahrs-u. Sommermode
2. Perücken, gr. Fantasie (Gesellsch.-bzw. Abendtrisuren)
Die verehrte Einwohnerschaft Darmstadts und
Umgebg. wird zu diesem Fest herzi. eingeladen
Damen-Priseur- I. Perückenmacher-Gehillen-Verein Darmstadt
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Hessisches
Landestheater
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29. März 1930
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Der Postillon von Lonjumeau
Komische Oper. Preise 1.20—6 Mk-
Der Kaiser von Amerika
Komödie.
Preise 1.50 —7.50 Mk-
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Seite 16
Samstag, den 29. März 1930
Nummer 83
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Bericht der versönlich haftenden Gesellschafter für das Jahr 1929.
Gleichsam dem Zuge der Zeit nach Konzentration folgend,
hat das Jahr 1929 für Deutschland alle Krisenmöglichkeiten,
die für ein Land und seine Wirtschaft bestehen, in seine
kurze Zeitspanne zusammengedrängt. Es brachte uns die
Autrollung bedeutsamer innen- und außenpolitischer
Pro-
bleme, die unsere politische und wirtschaftliche Entwicklung
wiederholt in große Gefahren und Schwierigkeiten führte.
Die Auspitzung der Verhältnisse auf den internationalen
Geld- und Kapitalmärkten erzwang ferner einen
unaufhalt-
zamen Niedergang, ja teilweise einen hemmungslosen
Zu-
zammenbruch an den großen Weltbörsen, und schließlich
lösten die durch die verfehlte Wirtschafts- und Finanzpolitik
von Reich und Kommunen erforderlich gewordenen
Maß-
nahmen zur Saniorung der öffentlichen Finanzen eine weit
um sich greifende Vertrauenskrise im Lande aus, die durch
zahlreiche Zusammenbrüche in der bereits schwer
kämpfen-
den Prinatwirtschaft eine verhängnisvolle Verschärfung
erfuhr.
Der Zustand tiefgehender Depression hält auch im
Augen-
bliek der Nioderschrift dieses Berichtes an, Denken und
Handeln im Wirtschakts- und ölfentlichen Leben
beherr-
schend. trotzdem in der Zwischenzeit gewichtige Ursachen
der Krise beseitigt oder ihre allmähliche Entfernung durch
die seither beschrittenen Wege der Gesundung erkennbar sind
Dieser seelische Zustand eines großen Volkes ist eine der
be-
denklichsten Folgen des Krisenjahres 1929, und man muß
sich mit ihm vielleicht noch mehr beschäftigen, als mit den
materiellen Verschiebungen, die dieses Jahr zur Folge gehabt
hat. Das deutsche Volk kann sein hartes Schicksal nicht
meistern, wenn die starken, in ihm ruhenden Kräfte mit
ihrem Reichtum an schöpferischen und konstruktiven Ideen
von einem lähmenden Pessimismus, von einer hoffnungslosen
Resignation zerstört werden. Es darf zu den großen
materiel-
len Verlusten, die der Verlauf des alten Jahres wieder so
deutlich erkennbar gemacht hat, nicht auch noch das
Haupt-
aktivum einbüßen, das ihm bisher den Wiederaufbau aus
den vernichtenden Wirkungen des verlorenen Krieges
er-
möglicht hat, nämlich den zukunftsfrohen Willen zur Arbeit.
Dieser Arbeitswille wird auch über die Enttäuschungen des
Jahres 1929 hinweg wieder zum lebenerweckenden Faktor
unserer Entwicklung werden, wenn wir den Glauben an uns
selbst, an die gesunde Struktur unseres Volks- und
Wirt-
schaftskörpers nicht verlieren, Aus diesem Glauben müssen
wir die Energien schöpfen, die wir jetzt mehr als je
gebrau-
chen, nachdem das vergangene Jahr in außenpolitischer
Hinsicht die große Hoffnung begraben hat, die wir an die
Überleitung des Dawesplanes zu einer neuen, grundlegenden
vertraglichen Regelung der Beziehungen Deutschlands zu
den Partnern dieses Planes geknüpft hatten.
Der in diesem Augenblick zum Bestandteil unserer
zu-
künftigen Lebensgrundlagen werdende Toungplan ist der
Gegenstand heftigsten innen- und außenpolitischen Streites
gewesen. Auch bei der Schaflung dieses Planes hat man zu
menis die einem derartigen Vertragswerk notwendigen
menschlichen und seelischen Voraussetzungen
berücksich-
tigt und hat sich im Kampf zwischen Ermünschtem und
Er-
reichbarem zu stark in rein materielle Porderungen verloren,
die nicht das letzte Ziel in der Welt- und
Menschheitsent-
wicklung, in dem internationalen Zusammenhang und
Zu-
zammenklang der Wohlfahrt eines Landes mit derjenigen
der übrigen Länder darstellen können und dürfen, Vielleicht
hat dieser zähe Kampf um das Materielle direkt und indirekt
der Welt viel größere Verluste gebracht, als bei einer
rück-
sichtsvolleren Einstellung zu den Leistungsmöglichkeiten
eines mit großen Schmierigkeiten ringenden Volkes
rech-
nerisch für die Weltwirtschaft sonst jemals eingetreten
wären.
Auch bei dem Aufbau des Toungplanes ist, wie häufig
bei den Problemen der Gegenwart, die Lösung durch
poli=
tische Kräfte komplintert worden. Die Pariser
Verhand-
lungen haben sogar zeitweilig währungstechnische
Befürch-
tungen ausgelöst, die uns seit langem als Schreckgespenst
unter dom Begrift Transfer-Krisis des Dawesplanes
vor-
schwebten und die die Ursache waren, daß wir uns zu früh
an den Verhandlungstisch gesetzt haben. Gerade diese
außerhalb der eigentlichen wirtschaftlichen oder finanziellen
Entwicklung stehenden Einklüsse haben die Krisis des Jahres
1929 teils eingeleitet, teils im enpfindlicher Weise verschärft.
Niemand in Deutschland kann mit der schließlich gefundenen
Lösung zufrieden sein. Dennoch wird sich das deutsche Volk
uneingeschränkt zu den Worten seines Reichspräsidenten
bekennen und den angenommenen Toungplan als eine
Grund-
lage unserer bestehenden Verhältnisse hinnehmen miüssen.
Wir dürfen uns jetzt nicht in einen uferlosen innerpolitischen
Kampk, der vielfach in parteipolitische Zerrissenheit
aus-
geartet ist, verlieren, sondern müssen mit entschlossener
Energie eine einheitliche Zielsetzung für die Ausgestaltung
unseres nationalen Lebens anstreben.
Die Annalme des Toungplanes legt uns als erstes die
Verpklichtung auf, alle Vorbereitungen und Maßnahmen zu
trelfen, um uns der Welt und uns selbst gegenüber das
Zeug-
nis ausstellen zu können, daß wir alles getan haben, was Staats-
und Wirtschaftsführung, was der Wille und die
Leistungs-
fähigkeit eines Volkes zu vollbeingen vermögen. Der
Toung-
plan wird in jedem Falle erhebliche Folgen für die Struktur
der Weltwirtschaft auslösen, die ihren Ausgang nehmen
werden gleichermaßen sowoll von einer regelmäßigen
Er-
füllung der Verpflichtungen, als auch, falls sich deren
Un-
möglichkeit erweist, von der Nichterfüllung des Planes.
Deutschland muß schon vom gegenwärtigen Augenblick
ab dafür sorgen, der Welt zwingend die Überzeugung zu
verschaffen, daß es die Folgerungen aus der einmal
voll-
zogenen Unterzeichnung des Toungplanes zieht, indem es die
innerpolitischen und innerwirtschaftlichen Reformgedanken
zur Tat werden läßt, die wir zwar in früheren Jahren schon
oft gedacht und ausgesprochen haben, die aber erst das Jahr
1929 in der ganzen Tragik seiner Entwicklung zur
Aus-
führung reif gemacht lat. Nachdem wir dann nach eigenem
und nach dem Urteil der Welt unsere Pflicht bis zu den letzten
Möglichkeiten erfüllt haben, sollten wir lernen zu warten.
Im Leben des Einzelnen und noch mehr im Leben eines
Volkes ist die Politik des Wartens häufig viel mehr ein
er-
folgversprechender Paktor als eine fortdauernde Aktivität,
dP. zu geeigneter Zeit darum gewiß nicht versäumt zu werden
braucht.
Die Periode der vielen Worte und Diskussionen über das,
was geschehen müßte, sollte endgültig zu Ende sein. Jeder
verantwortliche Wirtschaftler empfindet denn auch ein
inneres Widerstreben, immer wieder diejenigen Forderungen
und Notwendigkeiten zu wiederholen, die aus den strengen
und unnachgiebigen Gesetzen der Wirtschaft in
selbstver-
ständlicher Konseguenz erwachsen. Wir dürfen uns nicht
länger von den großen Zielen und Aufgaben unseres
staat-
lichen und wirtschaftlichen Wiederaufbaus durch einen
Kampf um doktrinäre Verschiedenartigkeiten in den
Partei-
programmen abbringen lassen. Wir müssen die große
Ver-
antwortung empfinden, die uns gerade das Jahr 1929 durch
die Aufdeckung der krisenhaften Zustände bei uns klar zum
Bewußtsein geführt hat und die wir mit der Übernahme der
Verpflichtungen aus dem Toungplan auch dem Auslande
gegenüber auf uns genommen haben. Wir müssen aus dem
gefährlichen Labyrinth herauskommen, in das uns der Wider-
Streit zwischen politischen Wünschen und Forderungen einer
rerolutionären Zeitopoche und den begrenzten Möglichkeiten
einer wirtschaftlichen Umgruppierung, deren Durchführung
Ruhe und Ordnung erfordert, gebracht hat. Das können wir
aber nur, wenn wir die tiefen und wahren Ursachen der Krisis
im offenen Bekennen zugeben und die Kraft finden, uns zu
vereinigen, um eine neue gesunde Finanzwirtschaft als
Grund-
lage unserer zukünktigen Entwicklung aufzubauen.
Die Entwicklung des vergangenen Jahres hat in dieser
TIinsicht die Selbsterkenntnis erheblich gefördert und damit
die Wege zur Gesundung vorgezeichnet. Die auf dem Gebiete
der öffentlichen Finanzen vorgenommenen
Sanierungsmaß-
nahmen sind zmar vielſach umstritten worden, aber das
zu-
nächst eingeleitete Notprogramm hat in Zusammemhang
mit den Steuermaßnahmen, rein finanzpolitisch gesehen
vor-
ers- wenigstens die Behebung der bestehenden Pinanznöte
in Ausstclt gestellt. Wir werden jedoch nach der
finanz-
politischen Sanierung ſerner dio volkswirtschaftliche
Auf-
gabe zu erfüllen haben, die Ausgabeuseite im Staatshaushalt
in das notwendige und natürliche Abhängigkeitsverhältnis
von den durch die Privat- und öffentliche Wirtschaft
auf-
zubringenden Einnahmen zu setzen. Wir köunen in unserem
kapitglarmen Lande Mittel, dio zunächst noch für lange Zeit
dom Ausbau unsores vollswirtschaftlichen 4pparates dienen
müssen, nicht don Verbrauch zuführen. Wir werden auch
nicht davor zurückschrecken dürfen, eine Reform in der
sozialen Belastung, die insbesondere in der
Arbeitslosenver-
sicherung verankert ist, in Angriff zu nehmen. Eine
volks-
wirtscllaftlich schr wichtige Aufgabe der kommenden
Finanz-
reform wird weiterhin darin liggen, die Steuerlasten so zu
verteilen, daß für eine steigende Kapitalbildung Raum
ge-
schaffen wird.
Mehr und mehr wächst die Einsicht, daß wir die
privat-
wirtschaftlichen Grundlagen unseres Landes völlig zerstören,
wenn wir kortſahren, parteipolitisch bedingten Staatlichen
und sosialen Wünschen, unbekümmert um die Kräfte und
Einnahmemöglichkeiten der Wirtschaft, ein williges Ohr zu
leihen. Man darf die Ausbreitung dieser Erkenntnis, die auch
die arbeitenden Massen zu erfüllen beginnt, als ein günstiges
Vorzeichen für das Gelingen kommender Reformen auffassen.
In diesem Zusammenhang verdient die Tatsache
Hervor-
hebung, daß vor kurzem die gesamte Arbeiterschaft des
Stahlwerkes Beeker von sich aus an die Werksleitung mit
dem Angebot herangetreten ist, mit einer 10—15 %igen
Lohnsenkung einverstanden zu sein, um s0 das große Werk
vor der Stillegung zu bewahren, und es muß als ein
erfreu-
liches Symptom verbucht werden, wenn z. B. im
November-
heft 1929 der „Soxialistischen Monatsheite” in einem Artikel
„Kapitalbildung” folgende Sätze veröffentlicht murden:
„Wer arm ist, kann nur durch Sparen und Arbeiten wieder
zu Wohlstand gelangen, nicht aber durch gesteigerten
Güter-
verbrauch. Diese Binsenwahrheit muß man leider gegenüber
manchen Volkswirtschaftslehrern in unseren eigenen Reihen
heute ausdrücklich betonen . . . Diese Vermehrung des
Kapitals muß keine Vermehrung des Priratkapitals sein.
Diese ganze Betrachtung ist überhaupt unabhängig von der
Wirtschaftsform, Sie gilt für eine sozialistische Wirtschaft
so gut wie für die kapitalistische. Auch die sozialistische
Gesellschaft muß ja „Kapital bilden”, d. h. genügende
Rück-
lagen zur Portführung und Erweiterung der Produktion.
machen. Auch in ihr gibt es einen Widerstreit zwischen den
Menschen der Gegenwart, die möglichst viel verbrauchen
und den Mensclten der Zukunft, die sparen und die
Produk-
tion verbessern und erhöhen wollen. Das ist auch heute die
große Frage. Der Sozialist hat alle Veranlassung, die Lage
zu sehen, wie Sie ist und sich auf die Seite der Arbeit für
die Zukunft zu stellen.” Wenn sich auf der Grundlage
solcher Erkenntnis eine Zusammenarbeit zwischen
Arbeit-
geber und Arbeitnehmer erreichen ließe, würden wir die Basis
gewinnen, die den menschlichen Ausgleich in dem Gegensatz
von Arbeit und Kapital herbeizuführen vermöchte, an dem
jeder Einzelne von uns das gleiche Interesse hat.
Das Sanerungsprogramm für die Reichsfinanzen trägt
dem Gedanken der Kapitalbildung wenigstens insolern
Rechnung, als es sich nicht nur auf die weitere Erfassung von
Einkommen aufbaut, sondern auch den Weg der indirekten
Steuern durch Schaffung bzw. Erhöhung von
Verbrauchs-
steuern beschreitet. Die zu starke direkte Belastung unseres
Wirtschaftsapparates beeinflußt die Unternehmungslust in
ungünstigem Sinne und bedarf dringend des Abbaues. Die
Folgen des übermäßig angespannten Druckes von Steuern
und sozialen Ausgaben und der Erstarrung eines Lohnsvstems
das durch tarifmäßige und staatliche Bestimmungen
re-
guliert wird, mußten gerade in Zeiten eines konjunkturellen
Abstieges schart hervortreten, da sie den für den Unternehmer
notwendigen Spielraum für die Rentabilität zu selr
verrin-
gern oder günzlich beseitigen, Die produktionstechntsche
Zusammenfassung von Betrieben nahm infolgedessen eine
weitere Ausdehnung an, und der Konzentrationsprozeß ging
vielfach über das Maß des Erstrebenswerten hinaus. Die
Zu-
sammenschlüsse des letzten Jahres sind häufig weniger von
dem im Beginn der Rationalisierung herrschenden und im
Allgemeininteresse liegenden Motiv bestimmt, die
Leistungs-
fähligkeit und die Produktirität durch die stärkere
wirt-
schaftliche Aktionsfähigkeit zu erhöhen, als daß sie der
ge-
wissermaßen aus der Notwehr geborenen Tendenz ihr
Da-
sein verdanken, durch Ausammenlegungen über die damit
ermöglichte Verringerung der Belegschaften im inneren
Betriebe zu Ersparnissen zu kommen. So erzeugt im
irr-
tümlichen Kreislauf der Widerspruch und der Widersinn
einer sosial sein wollenden Politik zwangsläufig eine der
schlimmsten und bedauerlichsten unsozialen Erscheinungen
unserer Zeit.
In bedenklicher Weise ist durch diese Entwicklung auch
die Unmöglichkeit für mittlere und kleinere Betriebe
ge-
steigert worden, sich den zeitgemäßen technischen
Fort-
schritten anzupassen und die Forderungen des Konsums mit
den Notwendigkeiten der Rentabilität zu verbinden.
Zahl-
reiche Zusammenbrüche des vorigen Jahres sind auf diesen
Lauf der Dinge zurückzuführen. Daneben kann nicht
ver-
kannt werden, daß die Privatwirtschaft vielfach zu spät
versucht hat, sich den Wandlungen unserer Zeit anzupassen
und eigene Wege zur Sparsamkeit zu finden. Das Jahr 1929
hat eine lange und bedeutsame Verlustliste der Wirtschaft
gezeitigt, und es sind dabei Schäden aufgedeckt worden, die
in ihrer psrchologisclen und moralischen Auswirkung viel
bedenklicher sind als die eigentlichen materiellen Verluste.
Es ist, von diesem Gesichtspunkte aus gesehen, erfreulich,
daß das alte Jahr dureh die Intensität der Krise eine schnelle
und durchgreifende Trennung vou gesunden und ungesunden
Unternehmungen bewirkt lat.
Die Sicherstellung der wirtschaftliclten Entwicklung
mit Kapital und Geld ist selten solchen Widerständen
be-
gegnet wie im Fergungenen Jalre, Trotzdem der
Nieder-
gang der Konjunktur bereits im Jahre 1928 deutlich
hervor-
trat und trotz der unentwegt rückläufigen Bewegung sowohl
an den Elfektenmürkten wie an den Warenmärkten, brachte
das Jalr 1929 eine Starke Anspannung der Geld- und
Kapi-
talmärkte. Man dauf freiliell nicht vergessen, welch
außer-
gewöhnliche Erscheinungen und Ereiguisse hierfür
verant-
mortlieh gemacht werden müssen.
Die inländischen Ernissionen gingen in diesem Jahre um
48%o unter die des Vorjahres zurück und betrugen nur noch
rund 1,5 Dlilliarden Mark. Noch schärfer war der Rückgang
der Gesamtsumme an im Auslande emittierten Anleihen,
die mit nur 344 Millionen Mark nicht ganz 25%0 der
Vorjahrs-
höhe erreichten. Der Rückgang des Betrages der 4
ktien-
emissionen, die eine Summe von zirka 800 Millionen RM.
ausmachten, betrug ungefähr 30%, wird aber in
Wirklich-
keit noch höher sein, da ein Teil dieser Emissionen noch nicht
fest placiert sein dürkte. Dabei ist zu berücksichtigen, daß
der weitaus größte Teil der Emissionen, besonders der im
Auslande vorgenommenen, in das erste Vierteljahr fällt,
während späterhin die Emissionsmöglichkeit, namentlich
an den ausländischen Märkten, so gut wie vollständig in
Fortfall kam. Die aus diesem unzulänglichen Kapitalimport
und aus der mangelnden Kapitalbildung für Deutschland
erwachsende Situation hat die kritischen Verhältnisse stark
verschärft, und die unverändert hervortretende Nachfrage
nach Überbrückungskrediten seitens der Länder und
Kom-
munen hat im Ausammenhang mit den deprimierenden Zu-
Sammenbrüchen in der Privatwirtschaft den nervösen
Zu-
stand während der Krisis zeitweilig zu einerfast unerträglichen
Atmosphäre des Mlißtrauens gesteigert.
Auch die Spartätitgkeit ist hierdurch beeinflußt worden.
Wenn die Summe der Spareinlagen Ende 1929 mit etmas über
9 Milljarden zwar noch befriedigen kann, so liegt doch der
Zugang in diesem Jahre um 11.,6 %o unter dem des Vorjahres.
Die WHerschüsse der Einzahlungen über die Auszahlungen
ohne Berücksichtigung der Zins- und
Aufwertungsgutschrif-
ten sind im Jahre 1929 um 26,5%0 hinter denen des Jahres
1928 zurückgeblieben. Diesen Umstand wird man zu einem
großen Teil mit den beunruhigenden Vorgüngen während
der Pariser und später auch während der Haager
Verhand-
lungen in Ausammenhang bringen miüssen: Sie ließen
viel-
fach den Wunsch nach ausländischen Kapitalanlagen
ent-
stehen, wie überhaupt das Jahr 1929 durch eine erhöhte
Neigung zur Kapitalklucht der deutschen Wirtschaft
er-
hebliche Summen entrogen hat. In diesem Zusammenhang
muß die Forderung erhoben werden, daß unsere Finanz- und
Wirtschaftspolitik Methoden verfolgt, die einer Fortsetzung
der Kapitalflucht vorbeugen und die den in den letzten
Jahren abgewanderten Geldern die Rückkehr in die von
Eigenkapital zu stark entblößte heimische Wirtschaft
zweck-
mäßig erscheinen lassen. Die Verhinderung der
Kapital-
sklucht — auch dieses hat die Entwicklung des Jahres 1929
gezeigt — kann jedoch nur erreicht werden, menn das
Ver=
trauen zur Zukunft Deutschlands, zur gesunden
privatwirt-
schaftlichen Entfaltung seiner Kräfte wiederkehrt. Inwieweit
die staatliche Auforität dazu beitragen muß, ist hier bereits
ebenso wie in vielen anderen Publikationen aus der Wirt;
schaft hinlänglich dargelegt worden.
richtigen Weise für produktive Zwecke zur Verbessen
unserer Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt verid
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Die Foreierung des Exportes darf freilich auf die Eiuf
nicht unter dem Druck eines nicht entwicklungsfähigen!
Jandsmarktes erfolgen, denn die großen Produktionsstsil fe
unserer Industrie bedürſen eines sicheren Rückgriffes u fü.0
einen eigenen, großen Absatzmarkt im Inland. Eine M
Entwicklung des Baumarktes ist hierfür eine der unerläßlägt esi !t
Voraussetzungen. Die noch immer bestehende Zwangs nil Fa vtel
schaft im Wohnungsbau sollte jetzt endlich beseitigt wertg j14tie u
um die priratwirtschaftlichen Kräfte für die auf diesem 9 gr iaiü
biet liegenden großen Aufgaben und Möglichkeiten zur knil fuim 4. 0.
Entwicklung gelangen zu lassen. Die immer wieder berig fir zuben
Befürchtung, daß diese Beseitigung noch nicht möglich / bztzuch !1
können wir nicht teilen. Die Erfahrung lehrt, daß die 1u zwin vaf,
hebung staatlicher Zwangsmaßnahmen die privatwirtschuf ar dgefil
liche Initiative belebt und damit die wirtschaftliche Entwil guuchen
lung in gesunder Weise fördert. Die bestgtwitle Besserungtif sauud !
dem Kapitalmarkt dürfte die Möglichle Abieten, die Mf rau Mü
hebung der Wohnungszwangswirtschaft herbeizuführen.
Die weitere Verschärfung der Krisis unserer Landri
schaft im Jahre 1929 hat gerade die Entwicklung des
lüindischen Marktes ungünstig beeinflußt. Die Überwinau
dieser Krisis bleibt nach wie vor ein Problem der Zukrof
dessen Lösung nicht leicht sein wird und nur dureh
sustematische Belandlung der einzelnen Aufgaben diu
gesamten Fragenkomplexes in einer langen Zeitspanne /
folgen kann. mobei der Schwerpunkt bei der intensiven
handlung einer agrarischen Veredlungswirtschaft liegen 4
Wir werden auf diese Weise auch zu der notwendigen Senkl
des Importes an Agrarprodukten und damit auch von dr0
Seite her zu großen Ersparnissen kommen, die die Kaufkn
der Bevölkerung günstig beeinflussen werden. Die gerd
Konsumfähigkeit unseres inneren Marktes ist eindring!
gegen Ende des Jahres hervorgetreten, als seine Belebu
nicht einmal durch die Tatsache bewirkt werden konnte, A
die großen Verbände in der Eisenindustrie für 10 Jahre
besonders festgefügten Formen zustande gekommen ward ! W
Das kann aber die große Bedeutung und Tragweite die Ihweinefleiſ
Ereignisses nicht herabmindern, das die Gewährleistung 1
eine ruhige und statige Entwicklung dieser ausschlaggeben /
Industrie in sich birgt.
Es wird vielfach darüber gestritten, ob nicht für unsd
konjunkturelle Entwicklung der näclisten Zukunft eine grM N.4.-Liefet
Gefahr in der Möglichkeit von Dumping-Preisen liege, die u 515 Pe.
Amerika infolge der schlechten Wirtschaftsverhältnisse al in zu r
tiert werden könnten. Es ist nicht zu erwarten, daß das rei Win
Es ist nicht anzunehmen, daß das Kapital mit dem Erfolg
dieser Flucht ins Ausland immer zufrieden gewesen ist,
brachte uns der Herbst des vergangenen Jahres doch den
großen und in seinem Ausmaße überraschenden
Zusammen-
bruch der amerikanischen Börsen und eine fortgesetzte Ver-
Hlauung aller internationalen Börsenplätze. Die Verklechtung
des internationalen Geld- und Kapitalmarktes trat in der
Krisenentwicklung des vergangenen Jahres in besonders
krasser Weise hervor. Nicht allein für die im Auslande in
Etlekten angelegten deutschen Kapitalien entstanden
er-
hebliche Verluste, sondern der starke Rückfluß dentscher
Effekten aus ausländischem Besitz steigerte die rückläufige
Bewegung auch an unseren Börsen in bedenklichem
Um-
fange.
Der überraschend schnell sich vollziehende
Zusammen-
bruch des amerikanischen Kursgebäudes hat uns zwar
mancherlei Schädigungen und Schwierigkeiten gebracht,
im Grunde genommen ist er jedoch in seinen tieleren
Wir-
kungen von günstigen Folgeerscheinungen für uns begleitet.
Er hat endlich eine vernunftgemäße Rückbildung zu den
natürlichen Verhältnissen und Beziehungen am
internatio-
nalen Geldmarkt bewirkt und hat das kredit- und
kapital-
suchende Deutschland vor allem von der gefährlichen
Konkurrenz befreit, die ihm durch die unnatürlich hohen
Geldsätze am New Torker Geldmarkt bereitet wurden. Es ist
interessant, sich zu vergegenwärtigen, in welchem Tempo
sich die rückläufige Bewegung der Zinssätze, ausgehend von
Amerika, vollzogen hat. Von Anfang November 1929 bis
jetzt ging New Vork mit dem Diskontsatz von 6 auf 31/,%0
Tondon von 61l= auf 3½,%o, Berlin von 71, auf 5%0 zurück.
Das Freiwerden der Geld- und Kapitalbeträge in A4merika
murde noch gesteigert durch die Rückwirkungen des
Börsen-
zusammenbruchs auf die industrielle Konjunktur. Die
Ver-
flüssigung des Geldmarktes hält bis zur Stunde unvermindert
an und wird unterstützt durch die gleichfalls ungünstige
Konjunkturlage in Europa, die insbesondere auch in
Deutsch-
land nunmehr ein Nachlassen der Kreditansprüche bewirkt,
während bis Ende 1929 die unverändert zahlreichen
kurz-
fristigen Geldanſorderungen, insbesondere der öffentlichen
Wirtschaft, die Zinssätze übertrieben hoch hielten.
Die Besserung der Geldmarktlage wird begünstigt durch
die Anderungen, die sich in der Stellung Frankreichs auf
dem internationalen Geld- und Kapitalmarkt vorbereiten.
Frankreich hat bisher, teils aus Gründen der Organisation
seines Kreditmarktes, teils infolge einer besonderen Politik,
nicht in dem Umfange Kapital esportiert, in dem ihm das
seine stark aktive Zahlungsbilanz gestattet hätte. Dioe Folge
war eine außerordentliche Geldflüssigkeit und ein sehr fester
Frankenkurs, der über den oberen Goldpunkt hinausstieg
und dadureh die umfangreiche Einfuhr von Gold auslöste.
Für den internationalen Geldmarkt brachte dieser
Tatbe-
stand recht unangenehme Störungen mit sich. Auf die
Dauer ist ein solcher Zustand jedoch nicht möglich, und die
französische Zahlungsbilanz muß sich durch eine erhöhte
Kapitalausfuhr entlasten, wenn nicht durch eine von dem
anhaltenden Goldzustrom bedingte
Zahlungsmittelvermeh-
rung zwangsläufig Preissteigerungen hervorgerufen werden
sollen, die eine Verschlechterung der französischen
Waren-
bilanz verursachen würden.
Diese Vorgänge am internationalen Geldmarkt werden in
Verbindung mit der rückläufigen industriellen Konjunktur
in Amerika und mit der unverändert schlechten
Konjunktur-
lage in Buropa — mit Ausnahme von Frankreich — auch
allmählich zu einer wesentlichen Veränderung der
Kapital-
märkte führen, die zur Befriedigung der deutschen
Kapital-
anforderungen hinreichende Möglichkeiten bieten dürften.
Es ist nach dieser Richtung hin bemerkenswert, daß schon
jetzt, also vor der Emission der Tounganleihe, eine Anzahl
von kleineren Anleihen im Auslande abgeschlossen werden
konnte, und daß vor kurzem auch in Amerika zum ersten
Male wieder eine große Anleihe von 20 Millionen Dollar
mit vollem Erfolg aufgelegt werden konnte, die das Rheinisch-
Westfälische Elektriaitätswerk A.-G. erhielt.
Wenn auch der deutsche Kapitalmarkt bisher noch nicht
genügend erstarkt ist, so enthalten die bisher betrachteten
Tatsachen doch auch für ihn eine günstige Prognose für die
nächste Zukunft. Gerade in letzter Zeit ist auch eine
kurs-
mäßige Aufbesserung aller deutschen Rentenwerte im In-
und Auslande erfolgt, und die unnatürliche und unberechtigte
Spanne zwischen unseren im Auslande notierten
festverzins-
lichen Werten gegenüber ausländischen gleichrangigen
Wer-
ten beginnt sieh zu vermindern. Die notwendige
Entwick-
lung des inländischen Rentenmarktes würde wesentlich
ge-
fördert werden, wenn es, was nach den Ankündigungen des
Finanzministers zu erwarten ist, zur endlichen Beseitigung
der Kapitalertragssteuer käme. Man wird bei der Aufgabe
dieser Steuer ebensowenig einen Unterschied zwischen neuen
und alten Emissionen machen dürfen, wie man auf die Dauer
auch nicht darauf wird verzichten können, die
Dividenden-
werte in die Befreiung von der Kapitalertragssteuer
einzu-
beziehen. Es ist für uns von ganz besonderer Wichtigkeit,
daß bei Beteiligungen des Auslandes an deutschen Werten
eine möglichst hohe Kapitalisierung der Rente eintritt, um
die Gefalr eines zu billigen Verkaufes von Substanz, die
infolge der niedrigen Bewertung unserer Aktienwerte
nalle-
liegt, nicht noch ohne Not zu vergrößern.
Wenn man es unternimmt, die Ursachen und vor allem
die Wirkungen der starken Depression des Jähres 1929
ob-
jektin zu würdigen, muß man auch diese vorläufig
unaufhalt-
same Verbesserung des internationalen Geld- und
Kapital-
marktes in ihrer Rückwirkung auf die
Entwicklungsmöglich-
keiten der deutschen Wirtschaft in Betracht ziehen. Ein
der-
artiger Uberbliek über den Ablauf des alten Jahres in
wirt-
schaftlicher und politischer Hinsicht läßt erkennen, daß
Deutschland in der politischen Ubergangszeit zum
Foung-
plan und der damit verbundenen, in währungstechnischer
und finanzieller Hinsicht sehr kritischen Situation
außer-
ordentliche Leistungen vollbracht hat, indem es sich ohne
Rückgriffsmöglichkeiten auf den inländischen oder
auslän-
dischen Kapitalmarkt durch eine schwere Krisis
durch-
gerungen hat. Diese Tatsache bietet Veranlassung genug,
menn man auch auf Grund der Erlebnisse des Jahres 1929
für die Atmosphäre allgemeinen Mißtrauens und starker
Mutlosigkeit Verständnis haben kann, ihr dennoch heute
überzeugt entgegenzutreten.
Die produktionstechnischen und betriebstechnischen
Grundlagen der deutschen Industrie sind gesund. In diesem
Zusammenhang verdient auch die günstige Entwieklung
der Zahlen der Handelsbilanz Erwähung. Deutschland wurde
in diesem Jahr zum zweitgrößten Exporteur der Welt. Das
muß man um so höher bewerten, als es sich dabei nicht um
eine Verschleuderung vorhandener Vorräte, Sondern zum
allergrößten Teil um Ausfuhr der Fertigwaren-Industrie
handelt, die damit ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem
Welt-
markt trotz aller Zollschranken bewiesen hat. Der
Expott-
überschuß dieses Jahres ist freilich zu einem Teil auch
da-
durch hervorgerufen, daß der Kapitalimport und damit die
Wareneinfuhr zurüekgegangen ist. Immerhin zeigen die
Handelsbilanzen der letzten Jahre die Stetige
Fortentwick-
lung unserer Ausfuhr, die vom Jahre 1926 bis zum Jahre 1929
annähernd um 3 Milliarden Reichsmark gestiegen ist. Es ist
auch bemerkenswert, daß der Anteil an der Weltausfuhr seit
dem Jahre 1924 gleichmäßig gestiegen ist, nämlich von 6,5
Milliarden — 6,1% im J hre 1924 auf 6,5 Milljarden — 11,2%0
im ersten Halbjahr 1929 und 3,5 Milliarden — 12,0 %0 im
dritten Vierteljahr 1929. Der Auteil der deutschen Ausfuhr
an der Weltauskuhr betrug demgegenüber im Jahre 1913
13.6%- Es ist notwendig, daß wir auf diesem Wege unsere
Leistungsfähigkeit und unsere eigene Kapitalbildung stärken.
Wir werden damit auch den Beweis erhringen, daß unsere
erhebliche Auslandsverschuldung im ganzen geschen in der
Amerika, das seine Wirtschaftsentwicklung so logisch a)
konseauent durchführt, volkswirtschaftliche Verluste,
durch solche Maßnahmen eintreten, zulassen wird. Jea)
falls muß man aber feststellen, daß die etmaigen Schäden,
uns von hier drohen könnten, überkompensiert werden du d
das zu erwartende reichliche Einfließen von Kapital, auf
wir seit dem Jahre 1928 warten.
Es ist eine Konseguenz ihrer natürlichen Aufgaben, aA nuwertig
die Banken in Zeiten wie den gegenwärtigen mehr als and / v. A. Scht
Unternehmungen den Rückwirkungen aller KrisenerschKEgelsbach,
nungen und ungünstigen Rreignisse ausgesetzt sind. 80 1Mdungen 405
auch die Entwicklung an den Börsenmärkten ihr Eingreit
iu besonderer Weise notwendig gemacht. Die Banken Nam/ Wler=Liefe
zwar außerstande, den kursmäßigen Entwertungsprozeß 4
zuhalten, haben aber Aoch in der schwierigen Periode, in aillt PS.,
verla
die Effekten vom In- und Auslande gleichzeitig in verstärkt /.
Maße angeboten wurden, durch eine intensive einzelne ud ſcl. Führer
allgemeine Interventionstätigkeit eine hemmend wirkerd zu verk. ev
Kursregulierung vornehmen können. Trotzdem blieb 4 Teilzahl
Börse unter dem Einfluß der Vertrauenskrise und cs M
Atmosphäre von Depression und Vervosität, und es hat sill 20l. 0
allmählich ein Kursniveau sowohl in den festverzinslickd Aus den Amt
Werten als in den Aktien gut fundierter Unternehmung!
herausgebildet, das selbst unter Berücksichtigung der viel d Mukmſtadt un
konjunkturellen Schwierigkeiten eine objektive und
sac-
liche Begründung nicht mehr finden kann. Die verändertal
Geld- und Kapitalmarktverhältnisse des In- und Auslanc Hefunde
können auk die Dauer nicht ohne Einkluß auf die Kur mt Inhalt,
gestaltung auch der deutschen Werte bleiben, zumal Cid Lamenuhr
technischen Verhältnisse der Börse gute Voraussetzungal nariſche
dafür bieten. Von wesentlicher Bedeutung wird es dabei au d
sein, inmieneit es nun endlich gelingen wird, eine Reform 94
den gegenwärtigen Bedürfnissen nicht mehr gerechtwerder).
den Börsenorganisationen auf breitester Grundlage durciech
zuführen. Daran hat auch das Priratbankiergewerbe eil Air ma
hervorragendes Interesse, das. als Mittler zwischen den Grof/ erkſam,
banken und dem Privatpublikum auf das Effektengeschärl vorhande
angewiesen, im vergangenen Jahre in schwere Bedrängre) nachungt
geraten ist. Es ist volkswirtschaftlich notwendig, dem Prifa”) lnnen die
bankier alle Erleichterungen zur Erstarkung und Entwic!
lung seiner Kräfte und Möglichkeiten zu gewähren. Di/ Müoſtun
Bönsen-Organisationen müssen ganz besonders auf die Ent
laltung der indiriduellen Möglichkeiten und Fähigkeite.! Der Alt
Bedacht nehmen, die in erster Linie für den geschäftlichet! Mterirdiſt
Radius des Privatbankierstandes ausschlaggebend sind. Vol
besonderer Einwirkung für ein besseres Funktionieren unserd
Effekten-Märkte würde auch die Verwirklichung der Absiex! / bin, Gri
des Finanzministers sein, die Börsenumsatzsteuer zu erf kim Tele
müßigen und die steuerlichen Grundlagen zu schaffen, um d.1 / Jon heute
Bildung von Holding- und Trust-Gesellschaften zu ermög
lichen, die jetzt fast nur im Auslande bestehen.
Wir haben schon erwähnt, daß es die Erfüllung der
natü-
lichten Aufgaben der Banken mit sich bringt, daß sie 3.
Krisenzeiten ein besonderes Maß von Verantwortung un
Risiko tragen. A4n die Schärfe ihrer Kritik im Kreditgesehäk!
aber auch an ilre Hilfsbereitschaft gegenüher der öffentliche
und priraten Wirtschaft werden und sind besonders im ab
gelaufenen Jaltre hoheAnforderungen gestellt, zumal die Ent
nicklung der allgemeinen Verhältnisse, vor allem abe‟
während der Pariser Konferenz den Banken eine ständig
hohe Bereitschaft zur Pflicht machten. Die diesjährige Bilan
und Gewinn- und Verlustrechnung unseres Institutes gib
ein Spiegelbildl der Wirtschaftsverhältnise des Berichts
jahres.
Das hohe Niveau der internationalen Zinssätze, verbunder
mit der Deutschland zugewiesenen Rolle als ständiger Geld
nehmer, zeigen ihre Wirkung in dem Ertrag des Zinsen
kontos, das durch die obige Situation ungünstig beeinfluß
wurde und nur eine bescheidene Erhöhung gegenüber dem
Vorjahre erfahren konnte. Trotz einer Steigerung des Um
satzes von rund 220 Milliarden im Jahre 1928 auf rund
245 Millijarden auf einer Seite des Haupthuches im
Berichts-
jahre zeigt das Provisionskonto einen stärkeren
Rück-
gang, der in erster Linie dem völligen Darniederliegen de3
Effektengeschäftes zur Last gelegt werden muß.
Unser Handlungsunkostenkonto zeigt für das
ab-
gelaufene Jahr eine Erhöhung um rund RM. 600 000.—
Diese Steigerung ist auf die tarifmäßige Zahlung höherer
Beamtengehälter zurückzuführen. Von den Unkosten
ent-
fallen auf versönliche Ausgaben 79,33%0 der Gesamtunkosten
(exklusive Steuern gerechnet), während sich der Prozentsatz
bei Hinzuzichung der Stouern auf 70,32%0 ermäßigt.
4n Steuern hatten wir für 1929 RM. 7268 751.25 zu
zahlen gegen RM. 10037441.28 im Jahre 1928. Der
herab-
geminderte Betrag erklärt sich dadurch, daß wir durch zu
hohe Vorauszahlungen für frühere Jahre in diesem Jahr eimn
Guthaben bei der Steuer gegen unsere letztjährigen
Ver-
pklichtungen zur Aufrechnung gebracht haben.
Den Pensionskond für Beamte haben wir auch in
diesem Jahre wiederum mit RM. 1000000— bedacht, 80
daß dieser Fond damit auf RM. 6000 000.— angewachsen ist-
Für Wohlfahrtseinrichtungen, Pensionen usw. wandten
wir auch im vergangenen Jahre niederum rund Rll. 6000000
auf, während wir der Pensionskasse für unsere vom
gesett-
lichen Versicherungszang nicht erfaßten Beamten RM. 323000
überwiesen.
Wir beschäktigen zurzeit mit rund 7300 Beamten etwa die
gleiche Anzahl wie in den beiden letzten Jahren.
Die Hahl unserer Filialen und Depositenkassen hat sich
weiterhin nicht nennenswert verändert. Wir unterhalten
gegenwärtig 108 (110) Filialen und 53 (52) Berliner 80mid
48 (47) auswrärtige Depositenkassen.
1or
ung 23.
[ ← ][ ][ → ]Nummer
Pie lnternationale Bank te 4msterdam pird unter
eisetzung ihrer bewährteh Reservepolitik eine Dividende
n. 2% zur Verteilung bringen. Sie hat ihre zufriedenstellende
ſtteicklung im abgelaufenen Jahre ungestört fortsetzen
ſan en und insbesondere keinerlei Einbußen durch ihre Be-
Ei ung am deutschen Kreditgeschäft zu beklagen.
Die Deutsch-Südamerikanische Bank konnte wie
f-orjahre 6% Dividende zur Ausschüttung bringen,
trotz-
mi das Geschäft speziell in Südamerika durch die dortige
„Ferneine Wirtschaftslage fühlbar erschwert wurde.
rie Deutsche Orientbank erfreut sich einer
orga-
dien Fortentwicklung und Ausdehnung ihrer
Geschäfts-
bi hungen im nahen Orient und wird dieselbe Dividende
Wfür das Jahr 1928 (5%) zur Verteilung vorgeschlagen.
Die Danziger Bank für Handel und Gewerbe hat
recht günstiger Fortentwicklung ihre Dividende von 10%
ril auf das erhöhte Kapital aufrecht erhalten.
Die Merkurbank in Wien wird wie im Vorjahre die
Ver-
j. bung einer Dividende von 6% in Vorschlag bringen.
Unsere Kommanditen haben unter Berücksichtigung
schwierigen Verhältnisse im Kredit- und
Effekten-
schäft noch zufriedenstellend gearbeitet.
Die für das Jahr 1929 aus dem Konto „Dauernde
Be-
uu gungen” zu erwartenden Einnahmen werden wir erst
enäichsten Jahre zur Verrechnung bringen.
Die Steigerung des Konsortial- und Effektenkontos
rdet ihre natürliche Begründung in dem, was wir in unserem
richt über die Entwicklung der Börsenlage und die den
inken daraus erwachsenden Pflichten gesagt haben. Nicht
rder Markt der Dividendenwerte erforderte das Eingreifen
e kursregulierenden Institute, auch die Verfassung des
Locenmarktes zwang die Banken zu umfangreichen Auf-
rhmen im Verein mit den an den festverzinslichen Werten
rmittelbar interessierten Instanzen. In den Bilanzzahlen
beiden Konten sind, gerechnet mit dem buchmäßigen
Jarte, für insgesamt rund RM. 17 000 000.— festverzinsliche
ſerte enthalten, In den Beständen der Konten liegen auch
fi den niedrigsten Tageskursen erhebliche Reserven.
Wir waren im Jahre 1929 wiederum an einer Reihe bedeut-
er Transaktionen und Gemeinschaftsgeschäfte beteiligt.
sondere Erwähnung hierbei verdienen der die Gummi-
züustrie ausschlaggebend beeinflussende Zusammenschluß
er Continental Gummiwerke A. G. Hannover mit der Peters
lion A. G. und der Gummiwerke Titan B. Pollack A. G.
ſür haben ferner die Sanierung der Adlerwerke vorm.
seinrich Klever A. G., die mit einer Kapitalerhöhung
ver-
unden war, gemeinschaftlich mit ausländischen Freunden
archgeführt und sind bei der Zusammenfassung in der
autschen Schwachstromindustrie, die zur Gründung der
andard Elel itäts A. G. führte, mitwirkend tätig
ge-
esen. Wir ha, weiterhin die Verhandlungen für den als
für die Deutsche Waggonindustrie von besonderer Bedeutung
anzusehenden Kredit von RM. 100 Mill. geführt, den wir
zusammen mit den übrigen deutschen, an der
Waggon-
industrie interessierten Banken, der Deutschen
Wagenbau-
vereinigung zur Verfügung stellten und ihr so die
Durch-
führung der großen, von der Reichsbahn zu erteilenden
Auf-
träge ermöglichten.
Im einzelnen nennen wir folgende Gemeinschaftsgeschäfte:
I. Fusionen.
Aktiengesellschaft für Verkehrswesen /
Deutsche Eisenbahn-Gesellschaft Actien-Gesellschaft
Brandenburgische Elektricitäts-, Gas- und Wasserwerke
Aktiengesellschaft
Continentale Wasser- und Gaswerke Aktiengesellschaft
Continental Eummi-Werke Aktiengesellschaft
Peters Union Aktiengesellschaft
Gummiwerke Titan B. Polack Aktiengesellschaft
Gesellschaft für elektrische Unternehmungen /
Ludw. Loewe & Co. Aktiengesellschaft
Guatemala Plantagen-Gesellschaft in Hamburg
Osung Rochela Plantagen-Gesellschaft in Hamburg
Hüttenwerke C. Wilh. Kayser & Co.-Niederschöneweide
Aktiengesellschaft
Hüttenwerk Niederschöneweide Aktiengesellschaft
Kattowitzer Aktien-Gesellschaft für Bergbau und
Eisen-
hüttenbetrieb
Bismarckhütte
Huta Silesia Spolka Akerina
Preußische Pfandhrief-Bank
Preußische Hypotheken-Actien-Bank
II. Neue Aktien und Vorzugsaktien.
Adlerwerke vorm. Heinrich Klever Aktiengesellschaft
Aktiebolaget Kreuger & Foll
Aktiengesellschaft für Verkehrswesen
Allgemeine Baugesellschaft Lenz & Co. (Kolonial-Gesellschaft)
Allgemeine Elektrieitäts-Gesellschaft
Baverische Aktienbierbrauerei Aschaffenburg
J. P. Bemberg Aktien-Gesellschaft
Brandenburgische Elektricitäts-, Gas- und Wasserwerke
Aktiengesellschaft
Büttner-Werke Aktiengesellschaft
Consolidirte Alkaliwerke
F. Dippe, Maschinenfabrik Aktiengesellschaft
H. Fuchs Waggonfabrik Aktiengesellschaft
Gesellschaft für elektrische Unternehmungen — Ludw. Loewe
& Co. Aktiengesellschaft
Gödecke & Co. Chemische Fabrik Aktiengesellschaft
Kaliwerke Aschersleben
Kaliwerke Salzdetfurth Aktiengesellschaft
Rudolph Karstadt Aktiengesellschaft
Samstag, den 29. März 1930
Seite 17
Maugnnene A
Lederer-Bräu Aktiengesellschaft
Mindener Schleppschifffahrts-Gesellschaft
Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft
Reis- und Handels-Aktiengesellschaft
Rheinische Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und
Brikettfabrikation
Rheinisch-WestfälischesElektrizitätswerkAktien-Gesellschaft
Societe Financiere de Transports et dEntreprises Industrielles
(Sofina)
III. Staats- und Gemeinde-Anleihen und
Obligationen industrieller Gesellschaften.
7% Deutsche Reichsanleihe von 1929
Deutsche Reichsschatzanweisungen
8% Hannoversche Provinzanleihe von 1929 Reihe 18
8% Gold-Hypothekenpfandbriefe — Reihe 10 — der
Landes-
kreditkasse zu Kassel
8%0 Anleihe der Stadt Aachen von 1929
8%6 Anleihe der Stadt Bonn von 1929
8% Anleihe der Stadt Kassel von 1929
8% Anleihe der Stadt Königsberg i. Pr. von 1929
8%6 Anleihe der Stadt Leipzig von 1929
8%0 Anleihe der Baverischen Landeshauptstadt München
von 1929
8% Schatzanweisungen der Stadt Berlin von 1929
8% Schatzanweisungen der Landeshauptstadt Dresden von
1929
8% Schatzanweisungen der Stadt Frankfurt afll.
8%0 Schatzanweisungen der Stadt Köln von 1929
7% Goldanleihe von 1929 des königlich rumänischen
Mono-
vol-Instituts
5% Teilschuldverschreibungen mit Zusatzverzinsung der
Aktiebolaget Kreuger & Toll.
Zu den einzelnen Positionen der Bilanz und der Gewinn-
und Verlustrechnung bemerken wir folgendes:
Die Nostroguthaben bei Banken und Bankfirmen
be-
stehen zu rund 83% (81:/,%) aus Auslandguthaben. Die
Vor-
schüsse auf Waren und Warenverschiffungen haben eine
Steigerung um rund 40% erfahren. Die Positionen Reports
und Lombards sind etwas gestiegen und enthalten auch in
diesem Jahre nur hörsenmäßige, gegen Wertpapiere gedeckte
Vorschüsse.
Die Debitoren setzen sich der Größe der im Einzelnen
gewährten Kredite nach wie folgt zusammen:
Kredite bis unter RM. 5 000 — 58%
10 000 — 69%
15 000 — 75%
50 000 — 890/,
„ 100 000 — 9470
Es ergibt sich hieraus, da0 mir uns in hohem Maße gerade
auch kleinen und mittleren Kreditsuchern zur Verfügung
ge-
stellt haben.
Die gleiche Statistik bezügl. der Kreditoren ergibt
folgen-
des Bild:
Kreditoren bis unter RM. 5 000 — 86%
10 000 — 92%
15 000 — 949
50 000 — 96%
„ 100 000 — 98%
„ „ „ 500 000 — 99%
Von unseren Bürgschaften sind RM. 56231 851.46 in
deutscher Währung und RM. 27459 567.10 in fremder
Währung geleistet.
Das Konto Bankgebäude, das, wie bisher, unverändert
weitergeführt ist, enthält 138 (141) eigene Grundstücke, von
denen 111 (114) lediglich Bankzwecken und 27 (27) auch
anderen Zwecken dienen.
Von der Gesamtsumme der Gläubiger in laufender
Rech-
nung entfallen 34% auf ausländische Guthaben, wovon
27% (24,6) in ausländischer und 7% (8) in Markwährung
unterhalten werden.
Die ausländischen in fremder Valuta gebuchten
Kredi-
toren sind durch eigene Derisenforderungen aus den ersten
fünf Posten der Bilanx zu rund 631/,% (62%) gedeckt.
Unter vorsichtiger Bewertung aller Aktiven ergibt sich
laut Gewinn- und Verlustkonto unter Einrechnung des
Ge-
winnvortrages per 1928 in Höhe von. . . . . . RM. 3030349.20
ein Bruttogewinn von. . . . . . . . . . . . . . . . . . RM. 75 773942.02
Nach Absetzung
der
Handlungsun-
kosten mit .... .. RM. 56 706 018.60
der Steuern mit . . .. RM. 7268751.25
insgesamt: RM. 63974 769.85
verbleibt ein Reingewinn von ........ ... RM. 11 799172.17
dessen Verteilung wir wie folgt vorschlagen:
12% Diridende .... RM. 7200000.—
Tantieme des
Auf-
sichtsrats ... .. . . RM. 480000.—
Zuwendung an den
Pensionsfonds für
Beamte .. . . . . . . . RM. 1000000.—
insgesamft: RU. 8680 000.—
so daß als Vortrag auf neue Rechnung
RM. 3119172,17
verbleiben.
Darmstädter und Nationalbank
Dr. Beheim-Schwarzbach.
Kommanditgesellschaft auf Aktien
Bodenheimer.
Goldschmidt.
Dr. Rosin.
Dr. Strube.
(5188
Frei=chlachthof bank.
beute v. 8—11 u. v.
Uhr ab: Rind= u.
ſchweinefleiſch (259a PaRad
neues Modell mit
Beiwagen z. verkauf
Näh. Geſchſt. Gen Hauf
2 Tonnen=M. A.N.=
Laſtwagen, w. neu,
ſofort für 2200 ℳ
zu verkauf. Nehme
Liefer= o. Perſonen=
wagen in Zahlung.
Heinrich Baumunk,
Kraftfutterwerk.
Ober=Ramſtadt. (* (Benz=Gaggenau)
euwertig, preiswt.
v. A. Schneider II
gelsbach. Telefon
Langen 466. (ms
Adler=Lieferwagen,
14 PS., überholt,
ehr zuverläſſig, ge=
hl. Führerſitz, bill. zu verk. ev. Tauſch.
eilzahlung geſtatt.
täh. Geſchäftsſt. (*
Aus den Amtsverkündigungen des Kreisamts Hühnermiſt
zu kaufen geſ. Ang. u. N. 104 Geſchſt. (
darmſtadt und den Bekanntmachungen des
Gefunden: 1 graulederne Handtaſche
nit Inhalt, grauer Damenhut, 1 goldene Damenuhr mit Lederarmband, 1 Zwanzig=
narkſchein, 1. Hankoffer mit Inhalt, eine
Vollknäuel fgrau), 1 Schlüſſel, 1 braunes
Schreibmäppchen,
vorhanden ſind, die in früheren Bekannt=
Polizeiamts Darmſtadt.
Perlenkette, 1 brauner Glacéhandſchuh, ein
Wir machen wiederholt darauf auf
nerkſam, daß auch noch Fundgegenſtände
machungen verzeichnet ſind. Intereſſenten
lönnen die Fundgegenſtände während der
Büroſtunden auf Zimmer 1 beſichtigen.
Der Plan über die Herſtellung einer
unterirdiſchen Telegraphenlinie an der
Landſtraße von Darmſtadt über
Büttel=
born, Groß=Gerau nach Mainz liegt bei
dem Telegraphenbauamt in Darmſtadt
von heute ab 4 Wochen aus. (5130
Mainz, 28. März 1930.
Telegraphenbauamt.
Beranmrmacang.
Bilälics 3. Ne d H eft
fahren eröffnet worden.
Konkursver=
walter: Rechtsanwalt E. Langenbach in
Darmſtadt, Ernſt=Ludwigſtraße 19.
Kon=
kursforderungsanmeldungen ſowie
offe=
ner Arreſt und Anzeigepflicht bis zum
23. April 1930; erſte
Gläubigerverſamm=
lung 23. April 1930 vormittags 11 Uhr
Zimmer 202, und allgemeiner
Prüfungs=
termin 21. Mai 1930, vormitt. 11 Uhr,
Zimmer 202 vor dem unterzeichneten
(5191
Gericht.
Darmſtadt, den 24. März 1930.
Heſſiſches Amtsgericht I.
Kauft deutsche Stoffe
Sie brauchen für Ihren Anzug, für den Uberzieher,
für die Hose keine englischen Stoffe zu kaufen.
Deutsche Ware ist ebenso gut und preiswert!
Kauft am Platze
Sie sollten nicht bei unbekannten
Stoffhausie-
rern kaufen. Es ist auch nicht vorteilhaft, nach
kleinen Musterabschnitten zu kaufen, da sie die
Güte der Ware nur schwer beurteilen können.
Kauft bei Kalbfuss
lch führe nur gute deutsche Fabrikate in allen
Preislagen und in großer Auswahl. Alle
Neu-
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Darmſtädker und Rakionalbank K. G. 0. A., Berlin.
Der Auſſichtsrat der Davmſtädter und Nationalbank K. G. a. A.,
Berlin, ſchlägt der Generalverſammlung die Verteilung einer Dividende
von wieder 12 Prozent auf das Aktienkapital von 60 (60) Mill MM.
vor. Im einzelnen erbrachten Einnahmen aus Proviſionen (alle
Zahlen=
angaben in Möill. MM.) 38,04 (41,02), aus Zinſen 34,70 (34,32). Efſekten=
und Konſortialgewinne (i. V. 5,0) ſind diesmal nicht ausgewieſen.
Dem=
gegenüber erforderten Verwaltungskoſten 56,71 (56,18) und Steuern mit
7.27 (10,04) rund 2,75 weniger als im Vorjahre. Der Gewinn ſtellt ſich
einſchließlich des Gewinnvortrages von 3,08 (2,59) auf 11,80 (16,71), iſt
alſo um rund 5,0 geringer als im Vorjahre. Dem Penſionsfonds ſür
Beamte wwird 1,0 (1,0) zugeführt und 3,12 (3,03) werden auf neue
Rech=
nung vorgetragen. Im Vorjahre wurden noch der beſonderen Reſerve
5,0 zugeführt.
Aus der Bilanz iſt herorzuheben, daß die Kreditoren um rund
300,0 von 2082,6 i. V. auf 2383,6 zugenommen haben, und zwar die
ſeitens der Kundſchaft bei Dritten benutzten Kredite von 205,2 auf 337,3,
die ſonſtigen Kreditoren von 1580,6 auf 1863,0, während die Banken=
Kreditoren von 296,9 auf 183,3 abgenommen haben. Akzepte erhöhten
ſich um rund 10,0 von 80,5 auf 90,2. Das Verrechnungskonto der
Zen=
trale mit den Zweigſtellen erſcheint mit 11,44 (13,81) und der
Penſions=
fonds für Beaute mit 5,0 (4,0). Demgegenüber ſtiegen die Debitoren
um 127,5 von 889,2 auf 1016,7; hiervon waren gedeckt durch
börſen=
gängige Wertpapiere 288,9 (245,8), durch ſonſtige Sicherheiten 520,9
(466,5) und ungedeckt 227,0 (176,9). Schecks, Wechſel und unverzinsliche
Schatzamweiſungen nahmen um 48,5 von 556,9 auf 605,3, Reports und
Lombards um 22,3 von 138,7 auf 161,0 und Vorſchüſſe auf Waren um
111,2 von 266,4 auf 377,6 zu. Insgeſamt ſind alſo die Warenvorſchüſſe,
Debitoren und Reports und Lombards um 261,0 gegnüber dem
Vor=
jahre geſtiegen. Andererſeits ſind die Noſtro=Guthaben von 270,1 auf
257,7 und die Guthaben bei Notenbanken von 69,3 auf 54,2
zurückge=
gangen, Kaſſe, fremde Geldſorten uſw. ſtehen mit 25,4 (23,1) zu Buche,
eigene Wertpapiere höher mit 38,0 (25,0) und ebenſo
Konſortialbeteili=
gungen mit 37,0 (25,0), während die dauernden Beteiligungen mit
24,0 und Bankgebäude mit unverändert 25,0 aufgeführt ſind. Von den
38,0 eigenen Wertpapieren entfallen 1,2 (1,3) auf Anleihen und
verzins=
liche Schatzanweiſungen des Reichs und der Länder, 2,3 (2,2) auf ſonſtige
bei der Reichsbank beleihbare Wertpapiere, 32,6 (19,8) auf ſonſtige
börſengängige Werppapiere, 2,0 (1,7) auf ſonſtige Wertvapiere. Die Avale
beliefen ſich auf beidem Seiten der Bilanz auf 83,7 (75,5).
Das Verhältnis der leicht greifbaren Mittel, wozu die Bank außer
Kaſſe, Guthaben bei Notenbanken, Schecks Wechſel und unverzinslichen
Schatzanweiſungen, Noſtro=Guthaben, auch Revorts und Lombards ſowie
Warenvorſchüſſe rechnet, (1481,2) zu den Verbindlichkeiten (2473,7) ergibt
eine Liquidität von 59,87 Prozent (i. V. 61,23 Prozent).
Chr. Adt. Kupferberg u. Co., Kom.=Geſ. a. A., Mainz. Das
Ge=
ſchäftsjahr, welches für die ganze deutſche Schaumweininduſtrie
ungün=
ſtig war, ſchließt mit einem mengenmäßig größeren Beſtande, wobei die
Bewertung des Sektes zu den ſeit Jahren üblichen Einheitsſätzen erfolgt
ſei. Die Unkoſten konnten zwar eingeſchränkt werden, doch waren die
Bankzinſen höher, ſo daß nur ein Neingewinn von rund 5000 (69 000)
RM. verbleibt. Eine Dividende kann wiederum nicht verteilt werden.
Die Bilanz zeigt (alles in Mill. RM.) A.=K. 2,5, Reſerve 0.92, fremde
Gelder 2,84 (2,90), andererſeits Immobilien 0,72 (0,72), Maſchinen 0,22
(0,18), Wechſel und Bank 0,26 (0,25), Debitoren 2,59 (3,52), Wertpapiere
0,012 (0,055). Im Geſchäftsbericht wurde ausgeführt, daß ein
hochwer=
tiger Markenartikel, der auf gute Kaufkraft der Verbraucher angewieſen.
ſei, naturgemäß beſonders unter der Ungunſt der Zeit leide. Für 1930
laſſe ſich kaum ein hoffnungsvolleres Bild entrollen. (G.=V. 29. 3.).
Pfälziſche Hypothekenbank, Ludwigshafen a. Rh. In der G.=V.
waren 4 642500 RM. St.A. und ſämtliche 5000 RM. V.A. vertreten.
Die Reqularien mit 6 Prozent Dividende auf V.A., 10 Prozent auf alte
und 6,25 Prozent auf neue Stammattien, wurden einſtimmig genehmigt,
die ausſcheidenden A.=R.=Mitglieder wiedergewählt. In der G.=V. wurde
über das laufende Geſchäftsjahr auch mitgeteilt, daß bei dem Inſtitut
die Nachfrage nach Pfandbriefen fehr lebhaft geweſen ſei. Es hätten
ſich in zunehmendem Maße Zweifel geltend gemacht, in welchem
Um=
fange noch ein legitimer Bedarf vorliege und man habe infolgedeſſen
ſeit mehreren Tagen Zurückhaltung bei der Abgabe geübt. Die
Weiter=
entwicklung laſſe ſich zurzeit noch nicht vorausſehen. Es wird heute
viel von dem 7prozentigen Pfandbrieftyp geſprochen. Es ſcheint freilich,
als ob eine ſolche Annahme zu früh iſt, doch ſind die Ausſichten nicht
ungünſtig, befonders, wenn es Tatſache wird, daß der Abbau der
Kapi=
talertragsſteuer bei feſtverzinslichen Werten erfolgt. Der tatſächliche
Zugang an Großhypotheken betrage 18 Prozent des Geſamtzuganges.
Gold=Kommunal=Schuldverſchreibungen der Landesbank der
Rhein=
provinz. Nachdem der am 27. März angebotene Abſchnitt von 5 000 000
RM. bereits vollſtändig vergriffen iſt, ſtellt die Landesbank der
Rhein=
provinz laut Anzeige in vorliegender Nummer weitere 5 000 000
RM. reichsmündelſichere und
reichsbanklombard=
fähige Gold=Kommunal=Schuldverſchreibungen
der Landesbank der Rheinprovinz, 4. Ausgabe, zum Kurſe von 96
Pro=
zent zum Verkauf. Die Einzelheiten der Anleihe ſind aus der Anzeige
erſichtlich.
Einigung im tſchechiſchen Braunkohlenkonflikt. Der ſeit ſieben
Jah=
ren beſtehende Bruderzwiſt im Hauſe Petſchek, der ſich infolge der
über=
ragenden Kohlenintereſſen beider Gruppen des Hauſes Petſchek auf dem
Kohlenmaukt des In= und Auslandes zu Ungunſten der anderen Kohlen=
Broduzenten zu einem ſcharfen Preiswettbewerb ausgewirkt hat, ſteht
vor der Beilegung. Auf die Initiative des Arbeitsminiſteriums ſind die
tſchechiſchen Braunkohlenproduzenten, darunter die beiden Petſcheks und
die Firma Weinmann, zu Beratungen zuſammengetreten, um durch
Bil=
dung eines Preis= und Abſatzſyndikates die Verhältniſſe auf dem
Kohlen=
markt zu ſanieren. Vorläufig wurden feſte Bindungen bezüiglich der
Einhaltung von Einheitspreiſen eingegangen, doch wird auch über eine
Kontingentierung der Ausfuhr und feſte Ausfuhrrichtpreiſe verbandelt.
— Da insbeſondere Jgnaz Petſchek in Auſſia im oftelbiſchen
Braun=
kohlenſyndikat die Mehrheit beſitzt, iſt anzunehmen, daß ſich die
Eini=
gung in der Tſchechoflowakei auch auf die Produktionspolitik der
deut=
ſchen Braunkohlenwerke auswirken wird.
Produkkenberichke.
Frankfurker und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 28. März.
In den erſten Stunden bes heutigen Vormittags war man ſehr
peſſimiſtiſch; denn der plötzliche und nicht gerade erwartete Rücktritt des
Reichskabinetts wirkte deprimierend und man hatte nach dieſem Vorfall
mit einer ſchwachen Börſe gerechnet. Doch war der Beginn des heutigen
Marktes wider Erwarten eher freundlich. Man hofft, daß die
Neubil=
dung des Kabinettes nicht lange auf ſich warten laſſen wird und man
verſpricht ſich nach dem Zuſtandekommen der neuen Regierung größere
Vorteile. Das Geſchäft blieb aber an allen Märkten ſehr gering, da
nicht verkannt werden darf, daß durch die plötzliche Umgeſtaltung der
Situation die Spekulation ſich eine größere Zurückhaltung auferlegte.
Aber auch der geringe Auftragseingang blieb nicht ohne Einwirkung auf
die Geſchäftsentwicklung. Die meiſten Auslandsbörſen lagen
uneinheit=
lich und auch der noch nicht überwundene Zahltag drückte etwas auf die
Stimmung, doch wird von letzterem keine Schwierigkeit erwartet, da der
Geldmarkt trotz der Ultimoanſpannung immer noch unverändert günſtig
liegt. Erſtnotierungen kamen nur wenige zuſtande. Gegenüber der
etwas gebeſſerten geſtrigen Abendbörſe ergaben ſich vereinzelt kleine
Ab=
bröckelungen. Nur am Elektromarkt waren Siemens mit minns 2
Pro=
zent etwas ſtärker gedrückt. Schuckert eröffneten gut behauptet. Auch
heute fanden Renten nur wenig Beachtung. Türken und Anatolier auf
die Unterbrechung der Sanierungsverhandlungen ſchwächer.
Im Verlaufe ſchrumpfte das Geſchäft faſt vollkommen ein. Die
Spekulation verhielt ſich abwartend. Unter dem Druck der Geſchäftsſtille
gaben die Kurſe zumeiſt um Bruchteile eines Prozentes nach. Gegen
Schluß der Börſe machte ſich für A.=G. für Verkehrsweſen und Conti
Gummi größeres Intereſſe bemerkbar bei Geſinnen bis zu 4 Prozent.
Hiervon ausgehend wurde die Stimmung allgemein etwas freundlicher
und die meiſten Werte konnten bis zu 1 Prozent anziehen. Am
Geld=
markt war Tagesgeld mit 6 Prozent etwas angeſpannter. Am
Debiſen=
markt nannte man Mark gegen Dollar 4.1877½, gegen Pfunde 20.3750,
London-Kabel 4,8652½, Paris 124,27; Mailand 92,81; Madrid 39,10;
Schweiz 25,13; Holland 12,122/g.
Infolge des geringen Ordereinganges verkehrte die Abendbörſe
in ſtiller Haltung. Die Tendenz war jedoch freundlich, und gegenüber
den Berliner Schlußkurſen traten zumeiſt Erhöhungen um Bruchteile
eines Prozentes ein. Auf Deckungen der Spekulation traten einige
Werte etwas mehr in den Vordergrund. Vor allem waren Spenska
mit plus 4 Mark geſucht. A.G. für Verkehrsweſen ſetzten ihre
Auf=
wärtsbewegung um 1,5 Prozent fort. J.G. Farben zirka 1 Prozent
feſter. Im Verlauf hielt die freundliche Stimmung an, bei weiteren
kleinen Beſſerungen.
Berlin, 28. März.
Der trotz der langen Kriſe geſtern abend etwas überraſchende
Rück=
tritt der Reichsregierung bewirkte vormittags eine ſtarke Zurückhaltung
der Spekulation. Die Stimmung an der Vorbörſe war aber durchaus
nicht peſſimiſtiſch, wenn man auch etwas ſchwächere Kurſe nennen hörte.
Die Börſe beurteilt die Wirkung des Regierungswechſels auf das
Wirt=
ſchaftsleben keineswegs ungünſtig. Im übrigen glaubt man, daß durch
die in letzter Zeit zu beobachtende Aktivität des Reichspräſidenten eine
längere Regierungskriſe und die damit verbundene Unſicherheitsperiode
vermieden werden wird. Da auch das Ausland feſtere Börſen meldete
und für einige deutſche Spezialwerte anhaltendes Intereſſe bekundete,
kam es zu Beginn des offiziellen Verkehrs vielfach zu Beſſerungen,
zu=
mal auch die Stimmung der Börſe durch das Fehlen von
Verkaufs=
limiten recht günſtig beeinflußt wurde. Im Verlaufe erhielt ſich
zu=
nächſt die freundliche Grundſtimmung; Licht u. Kraft und Geffürel, für
die ſich auf die bekannten Elektro=Truſt=Kombinationen etwas
Auslands=
intereſſe zeigte, konnten bis zu 1,5 Prozent gewinnen. Weniger günſtige
Momente, wie der erneute Rückgang der Ruhrkohlenförderung und die
Nichtbeſtätigung der Kunſtſeidenkonvention fanden heute weniger
Beach=
tung. Schantungbahn gewannen im Verlaufe 3 Prozent, während
Sie=
gen=Solingen weiter ſchwach lagen. Später ließ das Geſchäft nach, und
es wurde an den Hauptmärkten 1 bis 2 Prozent ſchwächer.
Ferkelmarkt in Groß=Gerau. Auftrieb 613 Stück. Ferkel koſteten 30
bis 45 Mark. Nächſter Ferkelmarkt findet am Mittwoch, den 9. April,
vormittags 8.30 Uhr, auf dem Marktplatz hier ſtatt.
Preußen=Elekkra.
Berliner Kursbericht
vom 28. März 1930
Der Geſchäftsbericht der Preußiſchen Elektrizitäts=A. G.
ſchil=
dert die Fortſchritte, die bei der Vereinheitlichung der bisher noch
vielfach zerſplitterten Stromperteilung im geſamten
Verſorgungs=
gebiet unter Führung des Unternehmens erzielt wurden. Die
Geſellſchaft habe mittels Zuſammenfaſſung einer größeren Anzahl
bisher ſelbſtändiger kleinerer Verſorgungsbetriebe neue, den
Er=
forderniſſen rationeller Betriebsführung auch räumlich angepaßte
Verteilungsgruppen (Stromverſorgungsgeſellſchaften) geſchaffen,
U. a. wurde der Stromlieferungsvertrag mit der Stadt Frankfurt
a. M. durch ein neues Abkommen dahin erweitert, daß der von
Frankfurt hinausgehende Strombedarf von der Geſellſchaft
ge=
liefert wird. Auf Grund des neuen Abkommens mit Frankfurt
erwarb die Geſellſchaft die Kuxe der Braunkohlengewerkſchaft
Friedrich in Hungen und 50 Prozent des Aktienkapitals der
Braunkohlenſchwelkraftwerk. Heſſen=Frankfurt A.G. (Hefrag) in
Wölfersheim. Gleichzeitig übernahm die Stadt Frankfurt einen
größeren Aktienanteil der Geſellſchaft. Zu Beginn des laufenden
Geſchäftsjahres wurden aus dem Beſitz des heſſiſchen Staates die
reſttlichen 50 Prozent Hefrag=Aktien, ſowie die
Kohlen=
baſis des Schwelkraftwerkes übernommen, während Heſſen eine
Aktienbeteiligung an der Geſellſchaft erhielt. Die Beteiligung an
der Weſtpreußiſchen Ueberlandwerk G. m. b. H. iſt in
Marien=
werder verſtärkt worden. Ferner wurden 4 Mill. RM.
Vorzugs=
aktien der A.G. Obere Saale erworben, ſowie von der
Ueberland=
werk und Straßenbahn Hannover A. G. die Mehrheit des
Aktien=
kapitals der Einſenwerk Weſerhütte A. G.
Das Neubauprogramm wurde im Berichtsjahre gefördert. Die
Erweiterung des Kraftwerks Borken um 30 000 Kilowatt wurde
fertiggeſtellt und in Betrieb genommen. Das Waſſerkraftwerk
Affoldern kam am 1. September 1929 in Betrieb. Die Arbeiten
am Speicherkraftwerk Bringhauſen ſind gut fortgeſchritten. Die
für eine Spannung von 220 Kilowatt gebaute Leitung Borken=
Lehrte iſt fertiggeſtellt und in Betrieb genommen worden. Die
Stromabgabe ſtieg im Jahre 1929 gegenüber dem Vorjahre von
537,7 Mill. Kilowattſtunden auf 646,2 Mill. Kilowattſtunden, alſo
um 20,17 Prozent. Hiervon entfallen auf die Abgabe der
Nord=
weſtdeutſchen Kraftwerke A. G. 175,6 Mill. Kilowattſtunden.
Die Generalverſammlung genehmigte 6 (5) Prozent
Divi=
dende. Aus dem Aufſichtsrat ausgeſchieden iſt Miniſter Dr.
Waen=
tig. In den Aufſichtsrat neugewählt wurden: Miniſterialdirektor
Dr. Ernſt, Stadtrat Aſch=Frankfurt, Stadtrat Schmude=Frankfurt
a. M., Miniſter Kirnberger=Darmſtadt, Miniſter
Leuſch=
ner=Darmſtadt, Landrat v. Pappenheim=Kaſſel, Landrat Kracht=
Heide. Miniſterialdirektor Dr. Rauch=Weimar u. Direktor Kirchner=
Frankfurt a. M.
Kleine Wirkſchaftsnachrichken.
Die Ausfuhr von Metallhalbzeug aus Aluminium, Blei, Zinn und
ihren Legierungen ſtellte ſich im Februar 1930 auf 7665 Tonnen im
Werte von 14 459 000 RM. gegen 8634,2 Tonnen im Werte von 16 408
RM. im Januar 1930 und 7512,9 Tonnen im Werte von 13 285 RM. im
Februar 1929.
Die deutſche Produktion von Original=Hüttennweichblei
einſchließ=
lich kleiner Mengen Hartblei ſtellte ſich, wie der Geſamtausſchuß zur
Wahrung der Intereſſen der deutſchen Metallwirtſchaft, Berlin, auf
Grund der Berechnungen des ſtatiſtiſchen Büros der Metallgeſellſchaft
A.G., Frankfurt a. M., mitteilt, im Februar 1930 auf 9791 Tonnen
gegen 9999 Tonnen im Monat Jannuar 1930.
Vom 1. April 1930 ab wird die Großmarkthalle in Frankfurt a. M.
zum Einbringen von Marktwaren Dienstags und Freitags um 5 Uhr,
an den übrigen Tagen um 5.30 Uhr geöffnet. Die Einfahrtstore werden
um 6 Uhr gefchloſſen,Der Verkauf beginnt um 6.30 Uhr und endigt
um 15 Uhr.
Der Weinheimer Bürgerausſchuß beſchäftigte ſich geſtern in geheimer
Sitzung mit der Frage des Verkaufs der Maſchinenfabrik Badenia. Das
Angebot Dr. Malmanowſkys, das namens einer engliſchen Geſellſchaft
abgegeben worden war, wurde abgelehnt, dagegen das Angebot der
Weinheimer Firma Keller u. Co. mit Zuſätzen angenommen.
Die ſüddeutſche Mühlenvereinigung hat den Preis für Weizenmehl
Spezial 0 um weitere 50 Pfg. erhöht, nachdem er erſt geſtern auf 40
Mark feſtgeſetzt worden war.
Deviſenmarkt
vom 28. März 1930
ſeer kranke
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Evel
d dem
ue dabe
Ra H
Danatbank
Deutſche Ban1u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Ban
Hapag
Hanſa Dampfſch
Nordd. Lloyd
E. G.
Bahr. Motorenw.
P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti Gummi
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Deutſche Erdö!
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J. G. Farben
Gelſenk. Bergw.
Geſ. f.elektr. Untern.
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Rütgerswerfe
Salzdetfurth Ko
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtof
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Alkali
ſAgsb.=Nrnb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
Herm. Poege
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Wanderer=Werke
GeldBrief
10.523/ 10.543/Schweiz
108 Spanien
2.476/Danzig
3.21 Japan
C43/Rio de Janeirt
8. 20/Jugoſlawien
2.25/Portuga! 100 Escudos
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2.66lKonſtantinopelll türk. s
.389/Kairo
393/Kanada
915lüruguay
„475/sland
„975/Tallinn (Eſtl.)
4159Riga
Brie
81.155
1.90
81.59
2.072
0.489
7.407
18.77
5.435
Frankfurter Kursbericht vom 28. März 1930.
Berliner Produktenbericht vom 28. März. Nach ſtetigem
Vormit=
tagsverkehr zeigte der Börſenbeginn ein feſteres Bild. Angeſichts der
durch den Rücktritt des Reichskabinettes geſchaffenen Unſicherheit und
infolge der uneinheitlichen Auslandsmeldungen hielt ſich das Geſchäft
allerdings in engen Grenzen. Das erſthändige Angebot von
Inlands=
brot= und Futtergetreide war minimal. Weizen war im Prompt= und
Lieferungsgeſchäft gut behauptet, Roggen konnte ſeinen Preisſtand um
1 bis 2 Mark beſſer. Die Cifofferten lauteten für nordamerikaniſche
Provinienzen etwas entgegenkommender, Plataweizen war ziemlich
be=
trächtlich im Preiſe erhöht, was mit einer Beſſerung der Deviſe in
Zu=
ſammenhang gebracht wurde. Weizen= und Roggenmehle haben bei gut
behaupteten Preiſen kleines Konſumgeſchäft. Hafer bei knappem
An=
gebot und anhaltender Deckungsnachfrage etwa 2 Mark feſter. Gerſte
bleibt in guten Brau= und Futterqualitäten geſucht.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 28. März:
Getreide: Weizen, März 107½, Mai 110, Juli 107½,
Sep=
tember 109½; Mais, März 87½, Mai 84½, Juli 85½, September
86½; Hafer, März 42½, Mai 44½, Juli 43½, September 4278;
Roggen, März 60½, Mai 63½, Juli 68½, September 7278.
Schmalz: März 10,175, Mai 10,30, Juli 10,55, Sept. 10,725.
Leichte Schweine 9,75—10,50, ſchwere Schweine 9,35—10,00;
Schweinezufuhren Chicago 20000, im Weſten 90 000.
Chicago Baumwolle: Mai 15,56, Juli 15,64.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 28. März:
Schmalz: Prima Weſtern 10,50; Talg, extra loſe 67.
Getreide: Weizen, Rotwinter n. Ernte 126½, Hartwinter n.
Ernte 112: Mais 93½; Mehl 5,65—585; Getreidefracht nach
England 1,6—2,3 sh, nach dem Kontinent 8—9 C.
Kakao: Tendenz ſtetig, Umſätze 32, loco 8½; April 8.,52, Mai
8.70, Juni 8.83, Juli 8.98, September 9.25, Oktober 9.27, Dez. 9.20.
7% Dtſch. Reichsanl.
6O
6% Baden ......"
8% Bayern ......
6‟
88 Heſſen v. 2
v. 2
620 Preuß.
Staats=
anl. . . . . . ... ...
8% Sachſen ....."
...
7% Thüringen ....
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. + *
Ablöſungsanl. ..
Dtſche. Anl. Ablö.
ſungsſch. (Neub.
Deutſche
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8% Baden=Baden
6O Berlin... . .."
8% Darmſtadtv. 2/
v. 28
700 Frankf. g. A
8% Mainz......
8% Mannheim. . .
8% Nürnberg ....
8% Heſſ. Landesbk.
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Pfbr.. . . . . . . . . .
8½ Preuß. Lds.=
Pfbr.=Anſt. Gold=
Pfbr. . . . . . . . . .
8% „ „ Goldobl.
8% Darmſt. Komm.
Landesbk. Goldobl.
8
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tredi Goldpfbr.
Naſſ. Landesbk.
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4½%
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97.75
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87.5
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6% Daimler Benz
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7½ Ver. Stahlwerke
89 Boigtc Häffner
98
82.75
97.5
83.15
97.5
84.75
97.5
83‟=
977.5
84.35
97.5
85.75
96
81.25
84.5
97.75
98
82
97.5
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167.9
94
129.5
110
56
182.5
68.5
39
189
156
115
93
102-
185
54.5
332
155
252.5
69.5
100.5
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31
200
fummer 88
Samstag, den 29. März 1930
Seite 19
lärker ufb der Tou.
Roman von Hans Schulze.
Nachdruck verboten.
In einem heißen Schluchzen ſank ſie plötzlich wieder in die
zurück, ihr ganzer Körper bebte in verhaltener Erregung.
so ſaß ſie lange, ganz der Erinnerung an den grauſigen
Zu=
ſchmenſtoß hingegeben, die auf einmal wieder wie eine ſengende
Fſleune aus dem Heimlichſten ihres Herzens in ihr
aufgewach=
ſeſnvar.
1Das iſt der Tatbeſtand des verhängnisvollen Abends”, fuhr
fiſe ndlich, wie aus einer Betäubung erwacend, fort. „Aus
düier Stimmung heraus verließ ich ſpäter das Haus und fuhr
gung Schlachtenſee. Weil ich Schutz und Hilfe ſuchte und ſie am
euſt bei dem Mann zu finden glaubte, an dem mein ganzes
He hing. In &e acenſee habe ich dann ſtundenlang vor der
Wir Hartkort geſtanden und auf Dr. Steinhoff gewartet. Doch
vitenebens. Eſt viel ſpäter fiel mir ein, daß er ſeinen erſten
garuen Bühnenſieg wohl mit ſeinen Freunden feiern und in
diler Nacht vielleicht gar nicht nach Hauſe kommen würde. Da
hlal ich mich endlich auf einen Stein an der Chauſſee geſetzt und
mun) wohl vor Erſchöpfung eingeſchlafen ſein. Denn als ich
er=
hate, ſchien bereits hell die Sonne. Mühſam ſchleppte ich mich
burs zum Bahnhof Schlachtenſee und fand hier ein Auto, das mich
umu Zehlendorf brachte. Eine Stunde ſpäter erreichte mich dann
diia die Nachricht vom Tode meines Gatten!"
Von neuem erſtickten ihr die Tränen die Stimme.
Der Vorſitzende hatte den Kopf in die Hand geſtützt, ſein
hülges Geſicht war tiefernſt.
„Haben Sie Ihre Nerven jetzt wieder ſo weit in der Gewalt,
Giaf ich mit Ihrer Vernehmung fortfahren bann?” unterbrach
eſſendlich das laſtende Schweigen.
Evelyn nickte wortlos.
Die Zähne ſchlugen ihr wie im Fieberfroſt aufeinander, doch
miAnſpannung aller Willenskraft zwang ſie ſich zu äußerlicher
Beſerrſchtheit.
„Sie haben Ihrem Diener angegeben” ſagte der Richter, „daß
auffallend ſpätes Verlaſſen des Hauſes einem Beſuch bei
„her kranken Mutter gegolten habe und dieſe Angabe auch bei
„het erſten Vernehmung in Moabit aufrechterhalten!“
Evelyn fuhr ſich mit dem Taſchentuch über die brennenden
Auen.
„Das war im Falle unſeres Dieners eine berechtigte Notlüge
dem Herrn Unterſuchungsrichter gegenüber ein Fehler. Ich
Hit dabei aber auch die allgemeinen Umſtände berückſichtigen
zu völlen. Ich ſtand zum erſten Male vor Gericht, ich wußte
„unicht, worauf die Fragen dieſes ganzen Verhörs überhaupt
hinzielten, welche Bedeutung meiner Ausſage beigemeſſen wurde.
Ich wollte bei Gott nichts verſchweigen oder beſchönigen. Doch
eine wohl leicht begreifliche Scheu hielt mich davon ab, einem
mir bis dahin völlig fremden Herrn meine tiefſten
Herzens=
geheimniſſe zu offenbaren. Auch wenn ich mich ſelbſt damit
be=
laſtete!"
„Das bedauere ich nachträglich in Ihrem Intereſſe, gnädige
Frau! Denn gerade Ihr Verhalten vor dem Herrn
Unter=
ſuchungsrichter im Zuſammenhang mit Ihren plötzlich
auf=
gedeckten Beziehungen zu Dr. Steinhoff war in der Hauptſache
der Grund für Ihre Verhaftung!”
Ein Gerichtsdiener hatte inzwiſchen einen großen Lageplan
der Villa Karr vor dem Richtertiſch aufgeſtellt, und der
Vor=
ſitzende erläuterte den Geſchworenen daran die für die
Beurtei=
lung der Tat in Betracht kommenden Oertlichkeiten.
Dann wurde als erſter Zeuge Herr Direktor v. Ribinſki
aufgerufen, der wie gwöhnlich mit übertriebener Eleganz
ge=
kleidet in einem hechtgrauen Cutaway und gleichfarbigem
Zylin=
der erſchienen war und die Eidesformel kurz und ſchneidig wie
auf dem Kaſernenhof nachſprach.
Er fühlte ſich ſichtlich als Mittelpunkt der ganzen
Verhand=
lung und verfehlte nicht, immer wieder in reklamehafter Weiſe
auf die aufklärende Tätigkeit ſeines ausgezeichneten Inſtituts
hinzuweiſen, ſo daß der Vorſitzende den taktloſen Indiskretionen
ſeiner überſchäumenden Beredſamkeit kaum Einhalt zu tun
ver=
mochte.
Als nächſter Zeuge kam der Kammerdiener Karrs an die
Reihe, der im ganzen ſeine Angaben aus der Vorunterſuchung
wiederholte und auf eine Frage von Evelyns Anwalt ausdrücklich
beſtätigte, daß zwiſchen den Eheleuten Karr nach dem Abendeſſen
noch eine ſehr ſtürmiſche Ausſprache ſtattgefunden und er die
er=
regte Stimme des Herrn bis ins Souterrain gehört habe.
Eine längere Auseinanderſetzung entſpann ſich dann über die
Frage, wann Evelyn die Villa verlaſſen habe und er ſelbſt im
Auftrag Karrs nach Schlachtenſee gefahren ſei.
Den letzten Zeitpunkt konnte der in ſeinen Ausſagen ſehr
überlegte alte Mann faſt auf die Minute genau angeben; denn
als er durch den Park zum Auto gegangen ſei, habe es vom
Kaiſerpavillon gerade ein Uhr geſchlagen, und der Chauffeur habe
noch geſcholten, daß man ihm jetzt nicht mal mehr nach
Mitter=
nacht ſeine Ruhe gönne.
In Schlachtenſee habe er ziemlich lange warten müſſen, bis
ihm endlich geöffnet worden ſei; er ſchätze die Dauer der beiden
Fahrten einſchließlich des Aufenthalts vor der Villa Hartkort
auf etwa eine Stunde, ſo daß er gegen zwei Uhr nach Wannſee
zurückgekommen ſein dürfte.
Wann die gnädige Frau aus dem Hauſe gegangen ſei,
ver=
möge er dagegen nicht mit ſolcher Beſtimmtheit zu ſagen.
Geheimrat Prof, Dr. med. H.
führt trotz seiner 64 Jahre noch die schwierigsten Operationen mit
sicherer Hand aus, obwohl ihn seine Praxis von früh bis spät und
häufis noch des Nachts in Anspruch nimmt. Seine Patienten rühmen
die wundervoll beruhigende Wirkung, die von seiner starken
Per-
sönlichkeit ausgeht.
Wie oſt hat er in seiner Praxis den Rat gegeben: „Machen Sie
es wie ich, trinken Sie Kaffee Hag, er rest an aber nicht auf und schont
Herz und Nerven. Mir ist dieser prächtige Bohnenkaſtee ein
unent-
behrlicher Helſer geworden - für meine Patienten vie für mich.”
Die Herrſchaften ſeien erſt gegen elf Uhr aus dem Theater
zurückgebehrt und das Abendeſſen habe kaum zwanzig Minuten
gedauert, da die gnädige Frau überhaupt nichts angerührt habe.
Dann habe ſie ſich mit dem Herrn Generaldirektor in ſein
Arbeitszimmer zurückgezogen, und es könne wohl kurz vor
Mitter=
nacht geweſen ſein, als ſie zum Ausgang fertig noch einmal durch
die Diele gekommen ſei.
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mehr als et. „Kunsislück” erklärt ihm
dieser, „meine Frau wirtschaftelzmit „Res!”
und wir entlbehren troizdem nichts.”
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Ia Mainzer Salat=Sellerie . . . 40—5
Ia Mainzer Gemüſe=Lauch . . Stück 1.
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Ia Bayr Merrettich.
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ſatz, 6=ſitzig.
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12/40 PS Steyr m. Aufſatz, 6=ſitz.
Adler=Phaeton.
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8/24 PS . S. U.=Phaeton.
4/24 PS Amilcar=Phaeton,
ferner eine Anzahl Fahrzeuge
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ſchloſſen, von RM. 500.— an
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Tel. Senckenberg 32 957/58.
Die Sterbekaſſe des Deutſchen Wer.
meiſter=Verbandes V. a. G. zu Düſſeldo
zahlt 17% Aufwertung auf alle Ford
rungen, die auf Grund des
Aufwertung=
geſetzes an ſie zu ſtellen ſind. Die
B=
träge werden in bar zur Auszahlum
gebracht. Soweit die Verſicherten
no=
leben und Mitglied des Deutſchen
Wer=
meiſter=Verbandes ſind, war eine Ar
meldung der Anſprüche nicht erforden
lich; ſie ſind inzwiſchen ſämtlich erledis.
worden. Dagegen müſſen diejenigen fr..
her Verſicherten der Sterbekaſſe, die nac
dem 15. Juni 1922 ihre Mitgliedſchan
in der Sterbekaſſe ſowohl als auch in
Deutſchen Werkmeiſter=Verband
aufge-
geben haben, ihre Forderung bei de
Geſchäftsſtelle der Sterbekaſſe in
Düſſel=
dorf anmelden. Soweit dies bisher nich.
geſchehen, wird noch einmal dazu auf
gefordert. Dasſelbe trifft zu fur die
Hinterbliebenen von Verſicherten, diek
nach obigem Datum (15. 6. 1922)
geſtorz=
ben ſind. Auch hier muß der
Anſpruck=
auf Aufwertung ſchriftlich eingereiche
werden. Die Friſt zur Entgegennahms
von Anmeldungen wird unwiderruflick.
bis zum 31. Dezember 1930 feſtgeſetze-
Nach dieſ. Datum werden Aufwertungs
Forderungen gegen die Sterbekaſſe des
Deutſchen Werkmeiſter=Verbandes nich
(TV.519S
mehr anerkannt.
In meinem
Total-Ausverkauf
wegen Geschäftsaufgabe
stoße ich meine
Restbestände
zu jedem annehmbaren Preise ab.
LUPVIG NETA
Karlstraße 20 Eingang durch die Torhalle