Darmstädter Tagblatt 1914


R 37., Freitag, den 6. Februar.

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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Reichstagſetzte geſtern die Etatsberatung
fort.
Die Budgetkommiſſion des Reichstags hat
bei der Beratung des Marineetats die angeforder=
ten
134 neuen Stellen, nämlich 1 Vizeadmiral,
8 Kapitäne z. S., 15 Fregatten= oder Korvettenkapi=
täne
, 32 Kapitänleutnants, 78 Oberleutnants und Leut=
nants
z. S und die Zulagen für 6 penſionierte Offi=
ziere
genehmigt.
Der Reichstagsabgeordnete von Halem (Reichspartei)
hat ſein Mandat niedergelegt.
Der Präſident der Republik Portugal hat Bernardino
Machado mit der Neubildungdes Kabinetts
beauftragt.
Nach Berichten des Gouverneurs ſind bei den Ueber=
ſchwemmungen
im Staate Bahia mehr als
1000 Perſonen umgekommen.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7 und 8.

Deutſchsengliſche Beziehungen
und Rüſtungsfrage.

OD In der Budgetkommiſſion des Reichs=
tages
hat ſich Staatsſekretär v. Jagow, wie mitgeteilt,
eingehend über die fortſchreitende Beſſerung unſeres Ver=
hältniſſes
zu England geäußert, das als ein recht gutes
bezeichnet werden könne. Die Mitteilungen wurden mit
Befriedigung, aber doch mit Zurückhaltung aufgenommen,
weil das Mißtrauen gegenüber der britiſchen Politik noch
nicht völlig geſchwunben ſei. Auch ein Vertreter der Fort=
ſchrittlichen
Volkspartei, der gute Beziehungen mit Eng=
land
beſonders wichtig ſind, ſteht der Entwickelung des
deutſch=engliſchen Verhältniſſes erklärtermaßen mit einer
gewiſſen Kühle gegenüber. Dieſe Vorſicht des Reichs=
tages
, die nicht ausſchließt, daß Störungen der fortſchrei=
tenden
deutſch=engliſchen Annäherung vermieden werden,
iſt durchaus zu begrüßen. Nicht minder dankenswert aber
erſcheint es, daß mit größerer Beſtimmtheit als bisher
die ſtarke deutſche Flottenrüſtung als Ur=
ſache
der deutſch=engliſchen Entſpannung
bezeichnet wurde. Wenn es ein volksparteilicher Redner
war, der zuerſt hierauf hinwies, ſo wird der Wert dieſer
Feſtſtellung dadurch inſofern erhöht, als einem Volkspar=
teiler
nicht der Vorwurf gemacht werden kann, als vorein=
genommener
Rüſtungsfanatiker geurteilt zu haben. Die
ausdrückliche Beſtätigung dieſes Urteils durch Staats=
ſekretär
v. Tirpitz verliert deswegen nicht an ihrem
Gewicht. Daß die Sozialdemokratie als grundſätzliche
und praktiſche Gegnerin der Flottenrüſtung, die nach ihrer
Anſicht die dauernde Verſchlechterung unſerer Beziehungen
zu England mit ſich bringen mußte, ſich durch jene Feſt=
ſtellungen
ſchwer getroffen fühlte, verriet die Ausflucht
ihres Redners: die Erklärungen des Staatsſekretärs von
Tirpitz ſeien nichtsſagend.
Würde dieſe Ausflucht ſchon dann lächerlich geweſen
ſein, wenn ſie ſich nur auf das erſte Eingreifen des
Staatsſekretärs in die Debatte beſchränkt hätte, ſo er=
ſcheint
ſie angeſichts ſeiner am Beginn der Sitzung ab=
gegebenen
Erklärung vollends als eine leere Redensart.
Denn der Staatsſekretär hat hierbei die überaus wichtigen
Mitteilungen gemacht, daß 1. das von England angebotene
Verhältnis 16:10 für uns auch heute noch annehmbar
ſei, daß 2. der Feierjahrsgedanke nicht verwirklicht werden
könne, daß 3. poſitive Vorſchläge an uns bis jetzt nicht
herangetreten ſeien, und daß 4. die Marineetats verſchie=
dener
Mächte in den letzten Jahren viel ſtärker angewach=
ſen
wären, als bei uns. Widerſpruch gegen den Stand=
punkt
des Staatsſekretärs iſt von keiner einzigen bürger=
lichen
Partei erhoben werden. Nur die Sozialdemokratie
hält den vom engliſchen Marineminiſter ſelbſt inzwiſchen
längſt preisgegebenen Feierjahrsgedanken für disku=
tabel
; alle übrigen Parteien lehnen ihn ebenſo ab, wie
ſie begründete Zweifel an der Durchführbarkeit der
Rüſtungsbeſchränkung mittels Verhandlungen hegen.
Darüber ſind ſich die bürgerlichen Parteien im Laufe der
Zeit ſo klar geworden, daß ihre Einmütigkeit vollſtändig
iſt. Und die ſelbſt vom ſozialdemokratiſchen Korreferenten
anerkannte Tatſache, nicht die deutſche Marineverwaltung
habe zur Steigerung des Deplacements und des Kalibers
gedrängt, ſpricht für die unerläßliche Notwendigkeit un=
ſeres
Aufwandes für den Flottenbau. Wie tief der Reichs=
tag
hiervon überzeugt iſt, heweiſt der Verlauf der Sitzung,
die bereits mit der Bewilligung des Gehalts für den
Staatsſekretär endete.

Der Zufall wollte, daß an demſelben Tage auch eine
Flottenrede Sir E. Greys bekannt wurde. Ohne irgend
welche Spitzen gegen Deutſchland hat der engliſche Mi=
niſter
des Aeußern die Fortſetzung der engliſchen Flotten=
rüſtung
angekündigt. Das wird niemand überraſchen.
Aber Sir E. Grey befand ſich in ungleich ſchlechterer Lage
als Staatsſekretär von Tirpitz, als er ſeinerſeits auf die
Frage der Steigerung des Deplacements zu ſprechen kam.
Die Verantwortung hierfür, d. h. für den Uebergang zum
Bau von Dreadnoughts, trägt England ganz allein. Suchte
Sir E. Grey die Laſt dieſer Verantwortung durch die Be=
hauptung
zu verringern: andere Mächte würden England
zuvorgekommen ſein, falls letzteres nicht eingegriffen
hätte , ſo fehlt hierfür jeder Beweis. Es wird von der
Beurteilung dieſer Angabe Sir E. Greys durch die eng=
liſche
Preſſe abhängen, ob von deutſcher Seite darauf noch
näher einzugehen iſt.
Der Daily Chronicle ſchreibt: Die Erklärungen, die
in der Budgetkommiſſion des Reichstags
von dem deutſchen Staatsſekretär des Auswärtigen Amtes
und vom Großadmiral v. Tirpitz abgegeben wurden,
beſtätigen den Eindruck einer ſteten Beſſerung in den
engliſch=deutſchen Beziehungen. Ihre Worte zeugen von
dem großen Fortſchritt gegenüber der Spannung, die vor
dem Abſchluß der Marokkokriſe herrſchte. Dieſe Beſſerung
iſt um ſo weniger gebrechlich, als ſie allmählich entſtand
und ſich mehr auf geſchäftliche als auf gefühlsmäßige
Grundlagen ſtützt, und wir glauben, daß ſie, wenn nichts
dazu kommt und kein vorzeitiger Verſuch gemacht
wird, ſie zu übertreiben, automatiſch fortdauern
und ſich erweitern werden zum Vorteil beider Nationen.
Die Daily News ſchreiben: Dieſe Beſſerung in den
deutſch=engliſchen Beziehungen iſt ſehr willkommen, und
es iſt kein Grund vorhanden, daß ſie ſich nicht vertiefen
und von Dauer werden ſollte.

Ein Sinken der Fleiſchpreiſe?

* Ueber die Geſtaltung der Fleiſchpreiſe
für die nächſten Monate bieten die für das erſte
Halbjahr 1914 abgeſchloſſenen Lieferungsbedingungen für
die Militärverwaltung, die jetzt bekannt gegeben werden,
im Vergleich zu denen des letzten Halbjahres 1913 inter=
eſſante
Aufſchlüſſe, da nur Fleiſch guter Beſchaffenheit
von geſunden und in gutem Nährzuſtande befindlichen
Tieren zur Ablieferung gelangt, das durchſchnittlich nicht
beſſer in den Fleiſcherläden geführt wird, und da ferner
ſehr ſcharfe Lieferungsbedingungen geſtellt, ſowie eine
eingehende Prüfung ausgeübt wird. Die Preiſe verſtehen
ſich für ein Kilogramm frei Ausgabeſtelle der betreffen=
den
Garniſon. Ein Vergleich mit den Fleiſchpreiſen bei
den Militärlieferungen im letzten Halbjahr 1913 ergibt,
daß die neu vereinbarten Preiſe im großen und ganzen
für die für die Volkswirtſchaft in erſter Linie in Betracht
kommenden Hauptfleiſcharten geſunken ſind, ſo daß man
hieraus entnehmen kann, daß im allgemeinen mit ſin=
kenden
Fleiſchpreiſen für die nächſten Mo=
nate
gerechnet werden kann. Die niedrigſten
vereinbarten Preiſe für Ochſenfleiſch ſind von 1,24 auf
1,15 zurückgegangen. In weitaus den meiſten der 26
Garniſonen, deren Preiſe feſtgeſtellt ſind, iſt demgemäß
der Preis gefallen (in Berlin z. B. von 1,55 auf 1,49). Nur
einzelne Garniſonen haben eine Preisſteigerung aufzu=
weiſen
. Hierzu gehören vor allem Stettin, Magdeburg,
Düſſeldorf, Aachen, Kaſſel und Frankfurt a. M. Ganz
ähnlich verhält es ſich mit dem Kuhfleiſch, deſſen nie=
drigſte
Preiſe von 1,18 auf 1,09 zurückgegangen ſind. Die
ebengenannten Garniſonen haben aber auch bei dieſer
Fleiſchſorte eine Steigerung aufzuweiſen.
Von beſonderer Wichtigkeit iſt die Geſtaltung der
Schweinefleiſchpreiſe, die zwiſchen 1,70 und 1,09
ſchwanken, während der niedrigſte Preis ſich im zweiten
Halbjahr 1913 auf 1,16 ſtellte. Sämtliche Garniſonen
haben einen Rückgang in der Preisvereinbarung aufzu=
weiſen
, mit Ausnahme von Düſſeldorf und Kaſſel. Auch
das Hammelfleiſch iſt im niedrigſten Preiſe von 1,48 im
zweiten Halbjahr 1913 auf 1,39 geſunken. Nur in Magde=, Münſter i. W, Aachen und Kaſſel ſind höhere Preiſe
bei den neuen Militärlieferungen vereinbart worden. Die
niedrigſten Preiſe für Kalbſleiſch (1,25 gegenüber 1,30 der
vorletzten Militärlieferungen) zeigen auch einen allgemei=
nen
Rückgang in dieſer Fleiſchart. Die genannten Gar=
niſonen
, ſowie Halle a. S. und Köln weiſen dagegen
einen Preisunterſchied nach oben auf. Ganz auffallend iſt

der Preisrückgang beim geräucherten Speck. Legt man
den Maßſtab des Anziehens der Preiſe zugrunde, ſo ſind
jetzt als teuerſte Garniſonen nach den neuen Preisfeſt=
ſetzungen
in erſter Linie Münſter, Düſſeldorf, Aachen,
Frankfurt a. M., Kaſſel und auch Magdeburg anzuſehen.
Als billigſte dagegen Brandenburg, Königsberg, Ber=
lin
Schleswig, Poſen und Altona.

Deutſches Reich.

Sozialpolitiſche Vorlagen. Für dieſe
Tagung des Reichstags wurden noch zwei ſozialpolitiſche
Vorlagen erwartet: die Novelle zur Gewerbeordnung
über das Gaſt= und Schankwirtſchaftsgewerbe und das
Reichstheatergeſetz. Wie mitgeteilt wird, beſindet ſich die
erſtere Vorlage bereits ſeit Monaten im Bundesrat, und
die Beratungen in den Ausſchüſſen nähern ſich jetzt ihrem
Ende. Der Entwurf zum Reichstheatergeſetz jedoch iſt noch
nicht völlig fertiggeſtellt, ſo daß er dem Bundesrat noch
nicht zugehen konnte. Unter dieſen Umſtänden erſcheint
es ſehr zweifelhaft, ob er überhaupt in dieſer Tagung noch
an den Reichstag gelangen wird, denn eine Erledigung
por der ſommerlichen Vertagung erſcheint ganz ausge=
ſchloſſen
.
Zum Kapitel: Deutſche Militär=
miſſion
, wird der Poſt aus diplomatiſchen Kreiſen
mitgeteilt: Das Verhältnis zwiſchen Deutſchland und
Rußland hat ſich verſchlechtert. Die Zeit des Potsdamer
Abkommens liegt weit zurück. Aber Deutſchland iſt doch
nur der Ofenſchirm, den Rußland wegſtoßen will. Seine
Hauptgegnerſchaft gilt der Türkei. Wie die ruſſiſche Re=
gierung
die deutſche Militärmiſſion beiſeite zu ſchieben
verſucht hat, das war inſofern noch beſonders unfein gegen
Deutſchland gehandelt, als Kokowtzow hier in Berlin ſich
um die Frage, ob dieſe Miſſion Rußland unangenehm ſei,
ziemlich herumgedrückt hat. Erſt ſpäter hat er ſeine Bom=
ben
gegen ſie geſchleudert. Nicht um Deutſchland zu ver=
letzen
, ſondern um der Türkei eine Erneuerung ihres Hee=
res
möglichſt zu erſchweren. In Berlin hat man nur den
Fehler gemacht, ſich das ruſſiſche Dreinreden nicht ebenſo
zu verbitten, wie das England getan hat. Das Peters=
burger
Kabinett nämlich fragte vorübergehend in London
an, ob das engliſche Kabinett nicht geneigt ſei, die Schwie=
rigkeit
aus dem Wege zu ſchaffen, die darin beſtünde, daß
man nun gegen die deutſche Militärmiſſion anginge und
die engliſche Marinemiſſion ihren bevorzugten Platz doch
behaupte. Man ließ durchblicken, daß man auch hier gern
eine Einſchränkung der Befugniſſe des Chefs der Marine=
miſſion
ſehe. In London verſteht man jedoch in dieſen
Dingen keinen Spaß.
Aus Elſaß=Lothringen. Generalleutnant
Freiherr von Richthofen, bisher Kommandeur der Garde=
kavallerie
=Diviſion, iſt in gleicher Eigenſchaft zur 6. Di=
viſion
in Brandenburg an der Havel verſetzt worden. Mit
der Führung der Gardekavallerie=Diviſion wurde Gene=
ralmajor
von Pelet=Narbonne beauftragt, bisher Kom=
mandeur
der 30. Kavallerie=Brigade in Straßburg, der
Vorſitzende im Kriegsgericht gegen Oberſt von Reuter.
Der neue Gouverneur von Metz, Generalleutnant von
Lindenau, iſt aus der Infanterie hervorgegangen, war
längere Zeit im Generalſtabe, wo er zuletzt die Stelle des
Abteilungschefs innehatte. Er wurde dann Kommandeur
des Infanterie=Regiments Kaiſer Wilhelm (2. Großher=
zoglich
Heſſiſches) Nr. 116 in Gießen, der 76. Infanterie=
Brigade in Erfurt und ſchließlich der 16. Diviſion, in wel=
cher
Stellung er am 27. Januar 1911 zum Generalleut=
nant
befördert iſt. Zum Kommandeur des Inkanterie=
Regiments Nr. 99, anſtelle des nach Frankfurt an der Oder
verſetzten Oberſten von Reuter, iſt der Kommandeur der
Danziger Kriegsſchule, Oberſtleutnant Gündell, ernannt
worden.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Tiroler Landtag. In der Sitzung des Tirolet
Landtags begannen die italieniſchen liberalen Abgeord=
neten
, die gegen hundert Dringlichkeitsanträge eingereicht
hatten, um die Erledigung der Fleimstal=Bahnvorlage zu
verhindern, mit der ſchärfſten Obſtruktion. Es wurden
ſtundenlange italieniſche Dauerreden zur Geſchäftsordnung
gehalten. Auf deutſcher Seite will man durch eine mehr=
tägige
Sitzung die Obſtruktion niederringen.
Italien.
Kriegskoſten. Der Bericht über die Ausgaben
anläßlich der Beſetzung Libyens, der Aegäiſchen Inſeln
und der internationalen Ereigniſſe, der der Kammer vor=

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. Februar 1914.

Nummer 37.

gelegt worden iſt, führt an: Die Ausgaben beliefen ſich
auf. 1 149757564 Lire, davon entfallen 903891 Lire auf
die Cyrenaika und Tripolis, 21857809 Lire auf die Be=
ſetzung
der Aegäiſchen Inſeln und 3351121 Lire auf Al=
banien
. Etwa 50 Millionen wurden an die Verwaltung
der türkiſchen Staatsſchuld gemäß dem Vertrage von Lau=
fanne
gezahlt.

Portugal.

Während der Kundgebungen vor dem
Palaſte des Präſidenten begab ſich eine Abord=
nung
der Demonſtranten in den Palaſt, um dem Präſi=
denten
die Forderungen vorzutragen. Der Präſident er=
klärte
, daß er der Regierung die Wünſche der Abordnung
mitteilen werde, die, wie er annehme, die Wünſche des
ganzen portugieſiſchen Volkes ſeien. Die Demonſtranten
vor dem Palaſt brachen daraufhin in Beifallskundgebun=
gen
aus und zerſtreuten ſich in voller Ordnung, wobei ſie
abwechſelnd internationale und nationale Lieder ſangen.
Rußland.
Das Geſetz, betreffend den Verkauf
geiſtiger Getränke. Der Reichsrat ſetzte die Be=
ratung
des Geſetzentwurfs, betreffend die Regelung des
Verkaufes geiſtiger Getränke, fort. Mit 77 gegen 43. Stim=
men
wurde ein Artikel angenommen, der den Müttern
und großjährigen weiblichen Familienoberhäuptern
Stimmrecht in den Verſammlungen der Landgemeinden
verleiht, die über den Verkauf geiſtiger Getränke be=
ſtimmen
.
Venizelos Beſuch in Petersburg. Vor
ſeiner Abreiſe aus Petersburg erklärte der griechiſche Mi=
niſterpräſident
Venizelos dem Vertreter der Petersburger
Telegraphenagentur, er ſei von den Ergebniſſen ſeines
Beſuches in Petersburg ſehr befriedigt. Der liebenswür=
dige
Empfang durch den Kaiſer, die wohlwollende Haltung
der politiſchen Kreiſe und die Unterſtützung, die er in der
öffentlichen Meinung Rußlands fand, hätten ihn von dem
unerſchütterlichen guten Willen Rußlands gegenüber Grie
chenland überzeugt. Venizelos betonte anerkennend die
Unterſtützung, die Rußland in der Frage der Aegäiſchen
Inſeln Griechenland geleiſtet hätte, und gedachte der
moraliſchen Stütze, die Griechenland ſchon im Jahre 1867
bei Rußland in der kretiſchen Frage gefunden habe.
Vereinigte Staaten.
Die Einwanderungsbill iſt vom Reprä=
ſentantenhauſe
angenommen worden. Die Bill enthält
eine Klauſel, die für die Einwanderer den Nachweis der
Schulbildung vorſchreibt, aber alle Amendements über
den Ausſchluß von Aſiaten beſeitigt.
Afrika.
Das ſüdafrikaniſche Parlament war ſtarl
beſetzt und in großer Erregung, als ſich Miniſter Smuts
erhob, um das Vorgehen der Regierung zu verteidigen.
Nachdem er 3½ Stunden geſprochen hatte, wurde die
Sitzung vertagt. Smuts verſuchte zu beweiſen, daß die
Bewegung in Südafrika von Anfang bis zu Ende kein ge=
wöhnlicher
Streik geweſen ſei, ſondern eine ſyndikaliſtiſche
Verfchwörung höchſt vorgeſchrittenen Charakters.

* Kürzlich waren in der Preſſe Mitteilungen über
die höchſten Beiträge für den Wehrbeitrag
enthalten. U. a. war auch der Wehrbeitrag der Frau
Berta Krupp von Bohlen=Halbach als der höchſte hin=
geſtellt
worden, der in Deutſchland gezahlt wird. Wie
mitgeteilt wird, dürfte der Betrag, den die Firma Krupp
für den einmaligen Wehrbeitrag zahlt, ſich auf etwa ſechs
Millionen Mark belaufen. Es mag bei dieſer An=
gabe
beſonders intereſſieren, daß dieſe Summe gleichzeitig
etwa dem Reinertrag entſpricht, den die Firma aus Ge=
ſchützbeſtellungen
bezieht, die ihr aus Anlaß der Durch=
führung
der neuen Militärvorlage erwachſen. In der
ſozialdemokratiſchen Preſſe war ſtets in bekannter Weiſe
darauf hingewieſen worden, daß die Wehrvorlage
namentlich auch auf Drängen Krupps eingebracht worden
wäre. Man erſieht aus den obigen Angaben, wie wenig
zutreffend eine ſolche Unterſtellung iſt. Tatſächlich ſind

in der neuen Heeresvorlage gar keine Geſchützbeſtellungen
beträchtlichen Umfanges vorgeſehen.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 6. Februar.
* Vom Hofe. Ihre Königl. Hoheit die Groß=
herzogin
empfingen lt. Darmſt. Ztg. am Mittwoch
vormittag 10½ Uhr im Neuen Palais Freifrau von
Rabenau, Witwe des Oberſtallmeiſters, und den
Miniſterialrat Dr. Kratz.
* Titelverleihung. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
haben dem Chordirektor am Großh. Hoftheater
Robert Preuß den Titel Hofchordirektor verliehen.
* Ordensverleihung. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
haben der Barbara Bitzenbauer in Boden=
heim
, Oberin der Barmherzigen Schweſtern daſelbſt, aus
Anlaß ihres 50jährigen Dienſtjubiläums die Goldene Ver=
dienſtmedaille
des Ludewigs=Ordens verliehen.
* In den Ruheſtand verſetzt wurde der Gefangenwär=
ter
am Haftlokal in Nidda Ludwig Diehlmann au
ſein Nachſuchen, unter Anerkennung ſeiner langjährigen
treuen Dienſte, mit Wirkung vom Dienſtantritt ſeines
Nachfolgers.
* Ernannt wurde der Steueraufſeheraſpirant Ge=
fangenaufſeher
am Provinzialarreſthaus in Gießen Wil=
helm
Adam, zurzeit in Mainz, vom 6. Februar lfd. Js
an zum Steueraufſeher.
* Das Großh. Regierungsblatt Nr. 4 vom
5. Februar hat folgenden Inhalt: 1. Bekanntmachung,
die Ausführung der Prüfungsordnung für Aerzte vom
28. Mai 1901 betreffend. 2. Bekanntmachung, die Heſſiſche
Landeshypothekenbank betreffend.
-g. Strafkammer I. Der Fuhrknecht Philipp Bonn
von hier war vom Schöffengericht zu 40 Mark Geld=
ſtrafe
event. 20 Tagen Haft wegen Tierquälerei
verurteilt worden. Er hatte im Juni vorigen Jahres eine
mit Sand beladene Zweiſpännerfuhre von der Station
Roſenhöhe nach einem Bauplatz an der Ecke der Darm=
und Heidenreichſtraße zu bringen, und der Wagen hatte
ſich in dem Erdreich feſtgefahren. Bonn verſuchte nun
durch unbarmherziges Einſchlagen auf die Pferde, den
Wagen weiter zu bringen, was jedoch erſt nach dem Frei=
machen
der Räder, Erleichtern des Wagens uſw. möglich
war. Der Angeklagte verfolgte Berufung mit der An=
gabe
, das eine Pferd ſei überaus ſtörriſch geweſen, wes=
halb
er vielleicht in ſeinem Unwillen etwas zu weit ge=
gangen
ſei. Die Strafkammer ermäßigte die Strafe auf
25 Mark Geldſtrafe event. 10 Tage Haft. Der
46jährige Erdarbeiter Damoſo Solſanola aus Udino
in Italien wurde wegen Verbrechens nach § 176 Abſ. 3
des Strafgeſetzbuches zu 1 Jahr Gefängnis abzüglich
6 Wochen der Unterſuchungshaft verurteilt.
-g. Kriegsgericht. Der Musketier Franz Reiß von
Heldenbergen vom Infanterie=Regiment Nr. 116 hatte
ſich geſtern vor dem Kriegsgericht der 25. Diviſion wegen
einer vor dem Dienſteintritt begangenen Körperverletzung
zu verantworten. Er war im Sommer vorigen Jahres
in einer Frankfurter Wagenbauanſtalt tätig und hierbei
mit einem Arbeitskollegen in Streit geraten, als dieſer
den von ihm gerade benutzten Schweißapparat nicht her=
geben
wollte. In ſeiner Erregung ſchlug der Angeklagte
mit einem ſchweren Schmiedehammer ſeinen Gegner auf
den Kopf. Durch den Schlag wurde auch das Auge in
Mitleidenſchaft gezogen, und der Perletzte war etwa ſechs
Wochen lang erwerbsunfähig. Das Gericht erkannte auf
20 Mark Geldſtrafe event. 4 Tage Gefängnis.
Vom Hoftheater. Heute Freitag gelangt die Poſſe
Filmzauber im D=Abonnement zur Aufführung.
Die Vorſtellung beginnt um 7½ Uhr. Am Samstag geht
als Volksvorſtellung zu ermäßigten Preiſen Lehärs Ope=
rette
Die luſtige Witwe in Szene. Der Vorverkauf findet
im Verkehrsbureau ſtatt. Am Sonntag nachmittag wird
nach längerer Pauſe das Presber=Kadelburgſche Luſtſpiel
Der dunkle Punkt wieder im Spielplan erſcheinen.
Sonntag abend abſolviert Mme. Charles Cahier
ein einmaliges Gaſtſpiel in der Neuinſzenierung von
Samfon und Dalila die Hofkapellmeiſter de Haan muſi=
kaliſch
leitet. Die berühmte Künſtlerin, die gegenwärtig
auf ihrer Tournee durch Deutſchland begriffen iſt, die ihr
die größten Triumphe bringt, konnte nur für einen Abend
verpflichtet werden, da ſie am nächſten Tag bereits wieder
in München ſingen muß. Das Intereſſe für das Gaſtſpiel
Cahier iſt ganz ungewöhnlich und ſpricht für die außer=
ordentliche
Beliebtheit, deren ſich die gefeierte Altiſtin
hier erfreut. Der Vorverkauf wird täglich an der Hof=
theater
=Tageskaſſe und im Bureau des Verkehrs=Vereins
fortgeſetzt.
* Techniſche Hochſchule. Auf eine 25jährige Tätig=
keit
als akademiſcher Lehrer kann am 9. Februar der
Vertreter der Mathematik an der Techniſchen Hochſchule,
Geh. Hofrat Profeſſor Dr. Friedrich Dingeldey,

zurückblicken. Proſeſoer Wingelbep, ein geborener Darm=
ſtädter
, ſteht im 55. Lebensjahre. 1885 promovierte er in
Leipzig, war hierauf als Gymnaſiallehrer in Darmſtadt,
von 188789 als Lehrer, von 188992 als Dirigent an
der höheren Bürgerſchule zu Groß=Gerau bei Darmſtadt
tätig, habititierte ſich am 9. Februar 1889 an der Darm=
ſtädter
Hochſchule, erhielt 1892 einen Lehrauftrag für
Mathematik und zwei Jahre ſpäter die Ernennung zum
Ordinarius.
H. K. Die Frage des Lehrlingsweſens in weiblichen
Handwerksbetrieben wird in den vecſchiedenen Kammer=
bezirken
des Deutſchen Reiches zurzeit noch nicht einheit=
lich
gehandhabt. Hierdurch entſtehen öfters Schwierig=
keiten
, die beſonders dann zu unliebſamen Auseinander=
ſetzungen
führen, wenn beiſpielsweiſe die Dauer der Lehr=
zeit
, die Höchſtzahl der Lehrlinge, die Beſchäftigung von
nur zum eigenen Gebrauch lernenden Mädchen in den ein=
zelnen
Kammerbezirken verſchiedenartig feſtgelegt iſt. Die
Durchführung der Vorſchriften, die eine Geſundung der
Verhältniſſe in weiblichen Handwerkszweigen bringen und
vor allem die ordnungsmäßige Heranbildung eines
leiſtungsfähigen Nachwuchſes gewährleiſten ſoll, wird
durch die verſchiedenartige Regelung einzelner grund=
legender
Fragen ganz erheblich erſchwert. Hierzu kom=
men
noch die Klagen des reellen Gewerbes über das Ueber=
handnehmen
ſogenannter Unterrichtsanſtalten, die in vie=
len
Fällen gar nicht in der Lage ſind eine ordnungsmäßige
Ausbildung zu gewährleiſten. Auch wird immer wieder
ſeitens der Vereinigungen erwerbstätiger Frauen nach=
drücklichſt
der weitere Ausbau bereits beſtehender Vor=
ſchriften
gefordert. Die Intereſſenvertretung des Hand=
werks
konnte ſich daher dieſer Unſtimmigkeit und den be=
rechtigten
Forderungen nicht länger verſchließen und hät
das weibliche Lehrlingsweſen zur Beratung auf die
Tagesordnung der Sitzung der Kommiſſion für Gewerbe=
recht
des Deutſchen Handwerks= und Gewerbekammertags
im November vorigen Jahres geſetzt. Dort wurde be=
ſchloſſen
, eine Spezialkommiſſion aus den Kammern Darm=
ſtadt
, Berlin und Hamburg zu bilden, die das geſamte
Material ſichten und Vorſchläge zur einheitlichen Regelung
der einzelnen Fragen des weiblichen Lehrlingsweſens
ſtellen ſoll. Die mit dem Vorſitz betraute Handwerkskam=
mer
zu Darmſtadt hat nunmehr eine eingehende Abhand=
lung
darüber gefertigt und zu den grundlegenden Punk=
ten
einheitliche Vorſchläge aufgeſtellt, die den beiden ande=
ren
Kammern zur Stellungnahme überwieſen wurden.
Demnächſt tritt dieſe Spezialkommiſſion zu einer Beratung
der einzelnen Anträge zuſammen; die Kommiſſion für Ge=
werberecht
übernimmt alsdann die Weiterbearbeitung und
Vorbereitung für den diesjährigen Handwerks= und Ge=
werbekammertag
.
* Das Feſt ihrer Silbernen Hochzeit feiern am Sonn=
tag
, den 8. Februar, die Eheleute Ferdinand Fröhlich
und Frau, Marie geb. Horſtkotte, hier, Waldſtraße 3I:
* Die ruſſiſche Kapelle auf der Mathildenhöhe wird
einer umfaſſenden Renovation unterzogen. Ein mächtiges
Gerüſt aus neuem Holze umgibt das Gotteshaus. Die
Hauptkuppel iſt durch eine Bretterſtube mit Fenſtern voll=
ſtändig
umgeben. Die Reparaturen erſtrecken ſich auf die
Vergoldung der Kuppeln des Daches und die Moſaik.
* Der Kriegerverein Darmſtadt hielt Mittwoch abend
bei guter Beteiligung von ſeiten der Kameraden ſeine
Hauptverſammlung im Vereinslokal, Turnhalle am
Woogsplatz, ab. Der 1. Vorſitzende, Herr Hauptmann a. D.
Waldecker, eröffnete pünktlich um ½9 Uhr die Verſamm=
lung
mit Begrüßung. Er warf einen Rückblick auf das
vergangene Jahr, dabei die Erinnerungefeiern an das
Jahr 1813 erwähnend, welche ihren Höhepunkt am 18. Ok=
tober
erreichten in den Gedenkfeiern an die Schlacht bei
Leipzig 1813. Ferner gedachte er des 25jährigen Regie=
rungsjubiläums
unſeres Kaiſers, dabei dem Wunſch Aus=
druck
gebend, daß er noch lange ſegensreich wirkend an der
Spitze des Deutſchen Reiches uns erhalten bleiben möge.
Mit einem dreifachen Hoch auf Se. Maj. den Kaiſer und
den Landesfürſten erneuerte die Verſammlung den Treu=
ſchwur
. Sodann kam das Protokoll der letzten Monats=
verſammlung
zur Verleſung und wurde genehmigt. Der
1. Vorſitzende erſtattete Bericht über die Tätigkeit des Vor=
ſtandes
im abgelaufenen Monat und ehrte die Verſamm=
lung
das Andenken der ſeit der letzten Verſammlung ver=
ſtorbenen
Kameraden durch Erheben von den Sitzen. Der
durch den 1. Schriftführer, Kam. Junge, verfaßte Jahres=
bericht
lag im Druck vor, ſo daß von einer mündlichm
Wiedergabe abgeſehen werden konnte. Desgleichen lag
der vom Rechner, Kamerad Bruchhäuſer, ausgearbeitete
Rechnungsabſchluß im Druck vor. Der Bericht zeigte eine
günſtige finanzielle Lage des Vereins. Dem Rechner
wurde auf Antrag der Rechnungsprüfungskommiſſion
Entlaſtung erteilt. Sowohl dem 1. Schriftführer als auch
dem erſten Rechner, ſowie dem Geſamtvorſtand ſprach der
1. Vorſitzende ſeinen perſönlichen und auch den Dank der
Verſammlung für ihre Mühewaltung im abgelaufenen
Vereinsjahr aus. Zu dem nächſten Punkt der Tagesord=

Der ruſſiſchsjapaniſche Krieg.
Zum 10jährigen Gedenktag ſeines Beginnes (6. Febr. 1904)
Von Otto Meiſenberg.
Nachdruck verboten).

Der ruſſiſch=japaniſche Krieg, der über Jahr und Tag
dauerte, weckt an dem Tage, da er vor einem Dezennium
lange von beiden Seiten vorbereitet und doch plötzlich
eröffnet zum. Entſetzen der ganzen ziviliſierten Welt be=
gonnen
wurde, Erinnerungen an blutige Zeiten.
Man wußte damals, als vor zehn Jahren die Feind=
ſeligkeiten
eröffnet wurden, daß es einen fürchterlichen
Kampf zwiſchen zwei Welten geben würde, ein blutiges
Schlagen, bei dem zwei gewaltige Nationen ihre letzten
Kräfte herausholen würden. Und doch ahnte man nicht,
daß ein ſo langer und entſetzlicher Krieg entſtehen könne,
bei dem mit völligſter Rückſichtsloſigkeit Hunderttauſende
von Menſchenopfern wieder und wieder von beiden Seiten
in den Kampf geführt wurden, als ob da zwei Nationen
von ſchier unerſchöpflicher Kraft ſich gegenüberſtänden.
Man hat auch ſchon früher große und lange Kriege ge=
habt
, aber damals hatte man noch nicht jene raffinierten
Mittel moderner Kriegstechnik, und es dauerte Jahre, ehe
ſolche Maſſen Mars zum Opfer gebracht wurden, im
Männer mordenden Streite, wie ſie hier mit Hilfe der
modernſten Mittel in wenigen Wochen geopfert wurden.
Das kriegs= und ſchlachtenerprobte Volk der Ruſſen
das ein halbes Jahrhundert etwa zuvor Beweiſe von gro=
ßer
Tapferkeit abgelegt hatte, ſtand einem Volke gegen=
über
, das in der modernen Kriegsführung völlig unerfah=
ren
und unerprobt war, und wenn man auch von dieſem
Vrlke der Japaner wußte, daß es mit allen Mitteln be=
ſtrebt
geweſen, moderne Kultur in ſich aufzunehmen, daß
es wie kein anderes Volk der Erde überall zu lernen ſich
bemüht hatte, daß es ſeine Söhne in die ganze Welt aus=
geſchickt
hatte, um bei anderen Völkern, was es nur

Wiſſenswertes gibt, abzuſehen und abzulauſchen, ſo ſagte
man ſich doch damals, daß Kriegstüchtigkeit nicht am grü=
nen
Tiſche gelernt und abgeſehen werden kann, und daß
Tapferkeit und Kraft nirgends in der Welt erlauſcht zu
werden vermögen.
Andererſeits freilich mußte man ſich ſagen, daß der
moderne Krieg weniger auf die Tapferkeit und Kraft der
Krieger allein geſtellt ſei, ſondern mehr auf die Klugheit
der Strategen, auf die ſorgfältige Vorbereitung der
Kriegsmittel und Schlachtenführung, die aber auch immer=
hin
praktiſch erprobt ſein wollen.
Nun, die Japaner haben mit ihren, völlig nach deut=
ſchem
Muſter eingerichteten und gebildeten Heeren dem
ruſſiſchen Gegner tüchtig zu ſchaffen gemacht. Wie einſt
die affenartige Geſchwindigkeit der Preußen im Kriege
gerühmt wurde, ſo erregte auch die Gewandtheit und
Flinkheit der Japaner ſtaunende Bewunderung. Und wie
im deutſch=franzöſiſchen Kriege die ſorgfältige Vorberei=
tung
der Schlachtenführung den Deutſchen zum Siege ver=
holfen
, ſo zeigten ſich auch die Japaner in dem gewaltigen
Kriege der Aufgabe gewachſen, indem ſie ſich als jahre=
lang
für dieſen Krieg gerüſtet zeigten, ehe ſie ihn endlich
begannen.
Monatelang waren die Verhandlungen zwiſchen
Petersburg und Tokio hin= und hergegangen um die
Mandſchurei, die ja eigentlich nur den augenblicklichen
Vorwand bildete für die gewaltige Kraftprobe der zwei
Nationen, die bei ihren beiderſeitigen Ausdehnungsbeſtre=
bungen
im fernen Oſten doch einmal eine gewaltſame
Löſung der Frage, welche die ſtärkere ſei, herbeiführen
mußten.
Auf beiden Seiten waren die Rüſtungen und Vor=
bereitungen
ſchon jahrelang betrieben worden, und als
Japan auf ſeine letzte Note im Januar 1904 keine genü=
gende
Antwort erhielt, begann es ohne förmliche Kriegs=
erklärung
die Feindſeligkeiten am 6. Februar, indem es
ſeine Geſchwader durch den Kanal von Lau=tie=ſchan gen
Port Arthur entſandte.

In der Nacht vom 8. zum 9. Februar ging dann ein
Geſchwader ohne weiteres auf die auf der Außenrede von
Port Arthur liegenden ruſſiſchen Kriegsſchiffe zum An=
griff
über und ſetzte drei davon, die Linienſchiffe Retwi=
ſan
und Zeſarewitſch, ſowie den Kreuzer Pallado
durch Torpedos außer Gefecht.
Ebenfalls am 9. Februar wurden ſodann die ruſſi=
ſchen
Schiffe Warjag und Korejez nach einem Gefecht
mit Begleitſchiffen eines japaniſchen Transportgeſchwa=
ders
von ihren eigenen Kommandanten im Hafen von
Tſchemulpo in Korea in die Luft geſprengt und verſenkt,
um ſie nicht in die Hände der bedeutend überlegenen Ja=
paner
fallen zu laſſen.
Für die Japaner mußte es ſich zunächſt darum han=
deln
, ihr Landheer von den Inſeln übers Meer zu
ſchaffen, und um dies zu ermöglichen, um ein Landheer
von rund 250000 Mann über die See zu bringen, ſind ſo
gewaltige Transportflotten nötig, daß ſie gegen die An=
griffe
feindlicher Kriegsſchiffe ſchwer zu ſchützen ſind.
Daher war Japans Beſtreben darauf gerichtet ge=
weſen
, von den ruſſiſchen Seeſtreitkräften, von denen ſich
bei Ausbruch des Krieges das ſtärkſte Geſchwader in Port
Arthur befand, ſo viel wie möglich lahm zu legen. So war
auf Port Arthur zunächſt der Angriff gerichtet geweſen.
Sie hatten am Hafeneingang Minen gelegt, die den ruſſi=
ſchen
Schiffen die Ausfahrt unmöglich oder wenigſtens
gefährlich machen ſollten, und ferner verſuchten ſie, mit
Zement gefüllte Schiffe in der Einfahrtſtraße zum Sinken
zu bringen. Letztere Verſuche mißlangen vollſtändig, da
dieſe Schiffe durch ruſſiſches Feuer und Torpedos, ehe ſie
die Einfahrt erreichten, zum Sinken gebracht wurden. Da=
gegen
erwies ſich das Legen von Minen ſo wirkſam, daß
es den Ruſſen die Aus= und Einfahrt ſehr erſchwerte und
ihnen auch Verluſte an Schiffen zufügte, die bei dem Ma=
növrieren
auf der Außenrede auf die Minen ſtießen.
So war der gewaltige Völkerkrieg eröffnet, der über
ein Jahr lang die ganze Welt in Spannung hielt

[ ][  ][ ]

Nummer 37.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. Februar 1914.

Seite 3.

nung: Lieferung des Heſſiſchen Kamerad an ſämtliche Ver=
einsmitglieder
auch im kommenden Jahre, erklärte ſich die
Verſammlung einſtimmig bereit. Bei der nun erfolgenden
Neuwahl des Vorſtandes gab es inſofern kleine Aende=
rungen
, als der 1. Vorſitzende, Herr Hauptmann a. D
Waldecker, wieder gewählt wurde, aber anſtelle des ſeit=
herigen
Vorſitzenden, Herrn Oberbürgermeiſter
Schäfer, welcher aus Geſundheitsrückſichten eine Wieder=
wahl
ablehnte, Herr Hauptmann d. R. von Olberg ge=
wählt
wurde und anſtelle des ſeitherigen 3. Vorſitzenden,
Herrn Feldwebel i. P. Wenzlau, welcher eine Wiederwahl
ablehnte, Herr Miniſterialreviſor Bruchhäuſer ernannt
wurde. Der übrige Vorſtand wurde in ſeiner ſeitherigen
Zuſammenſtellung einſtimmig wiedergewählt. Die Rech=
nungsprüfungskommiſſion
beſteht für das kommende Jahr
aus den Kameraden Engeroff, Silz und Roth. Ins
Schiedsgericht wurden gewählt die Kameraden Gg. Roth,
Bernh. Engeroff, K. F. Bender ſen., Hch. Dörr und Wilh.
Küchler; als Erſatzmänner die Kameraden Aug. Engel
Chr. Chriſt und Hch. Delp. Zum Fahnenträger wurde
wieder Kamerad Schaub, als Erſatzmann Kamerad Eifert
und als Fahnenbegleiter die Kameraden Heppenheimer,
Karn und Mink gewählt. Es erfolgten aus der Verſamm=
lung
keine weiteren Anfragen und ſchloß der Vorſitzende
nach erfolgter Bücherausgabe mit einem dreifachen Hoch
auf das weitere Blühen und die gedeihliche Weiterentwick=
lung
des Vereins die in ſo kameradſchaftlicher Weiſe ver=
laufene
Hauptverſammlung.
* Im Deutſchen Techniker=Verband, Zweigverwaltung
Darmſtadt, hielt am Mittwoch abend in der Aula der
Landes=Baugewerkſchule Herr techn. Reviſor und Stadi=
verordneter
Hammann einen Vortrag über das
Bauernhaus. Ausgehend von der Siedelung des
Germanen etwa zurzeit der Völkerwanderung wurde die
Entwickelung des Bauernhauſes und deſſen verſchiedene
Typen beſchrieben und durch Lichtbilder erläutert. Die
ſächſiſche, frieſiſche, weſtgermaniſche, nordiſche, oſtgermaniſche,
fränkiſch=oberdeutſche Bauart, und die Eigenarten der ein=
zelnen
Anlagen wurden im Bild vorgeführt, ebenſo die
einzelnen Abarten, als wendiſche und alemanniſche Hof=
anlage
uſw. Es wurde nachgewieſen, daß die Bauern=
häuſer
in Polen, Süd=Rußland und Ungarn den Stempel
deutſcher Kultur tragen, und daß recht wohl auch von einer
germaniſchen Bauart geſprochen werden kann. Die vor=
geführten
Aufnahmen einiger noch vorhandenen alten
Bauernhöfe aus dem Odenwald zeigten ſchon von außen
die ruhige Behaglichkeit und Zufriedenheit ſeiner Bewoh=
ner
und den himmelweiten Unterſchied zu den modernen
Anlagen und beſonders zu den unheimlichen ameri=
kaniſchen
Wolkenkratzern.
* Naturwiſſenſchaftlicher Verein zu Darmſtadt. Am
Dienstag, den 10. Februar, abends findet die 290.
Sitzung im Fürſtenſaal ſtatt. Bergrat Köbrich ſpricht
über Bilder aus dem Vogelsberger Eiſenerzbergbau
Dr. med. Vix: Vorführung einiger Vegetations= und
Völkertypen aus Deutſch=Oſtafrika (Mit Lichtbildern.)
Der Jahresbericht 1913 (34. Vereinsjahr) iſt im Druck er=
ſchienen
.
* Allg. Deutſcher Franenverein (Ortsgr. Darm=
ſtadt
.) Man ſchreibt uns: Mit beſonderer Freude und
Genugtuung erfüllt es den veranſtaltenden Verein, daß es
ihm gelungen iſt, als Redner für den nächſten Vortrag:
Die Frau im Mittelalter als den vierten in
der Folge: Die Stellung der Frau im Wandel der Zei=
ten
Herrn Geheimen Hofrat Dr. H. Finke, oedentlicher
Profeſſor der Geſchichte zu Freiburg i. Br., zu gewinnen.
Iſt doch dieſer feinſinnige Gelehrte als Forſcher auf dem
Gebiete der Geſchichte weit über die Grenzen der Univer=
ſität
hinaus, an der er lehrt, rühmlichſt bekannt, und ſind
doch ſeine Arbeiten ſpeziell über das Leben und die Stel=
lung
der Frau im Mittelalter in der wiſſenſchaftlichen
Welt längſt nach Gebühr gewertet. Auch für ſolche Hörer,
die den erſten Vorträgen nicht beiwohnten, dürfte deshalb
der Beſuch dieſes Abends als intereſſant und gewinn=
bringend
empfohlen ſein. Daß auch Damen und Herren,
die dem Verein nicht angehören, willkommen ſind, bemer=
ken
wir hier auf eine diesbezügliche Anfrage hin, noch=
mals
beſonders. Der Vortrag findet am Dienstag, den
10. Februar, abends 8 Uhr, im Saale des Mozartvereins
(Schulſtraße), ſtatt. (Näheres ſiehe Anzeige.)
Die Raumnot im Oberwaldhaus. Wie wir ver=
nehmen
, hat der Stadtverordnete Lindt bei der ſtädtiſchen
Verwaltung beantragt, der Stadtverordneten= Verſamm=
lung
eine Vorlage zu unterbreiten die der im Oberwald=
hauſe
beſtehenden Raumnot abzuhelfen geeignet iſt.
St. Ausſtellung. Im Erker und Laden der Kunſt=
handlung
Hergt in der Schützenſtraße hat ein junger
Darmſtädter Schulmann und Künſtler, R. Eckert, eine
Kollektion von Oelgemälden und Rötelzeichnungen aus=
geſtellt
, die die Beachtung der Kunſtfreunde verdient.
Der Vorwurf iſt meiſt Motiven aus der heimatlichen

Landſchaft entnommen, und die Auswahl zeigt, daß der
Künſtler deren Schönheiten wohl kennt und ſie mit ſicherem
Blick erfaßt. Die Oelbilder ſind in impreſſioniſtiſch be=
einflußter
Technik gemalt und im künſtleriſchen Werte ſehr
verſchieden. Das Kolorit, friſch und farbenreich, führt
in einigen zur Härte, in anderen mangelt die Heraus=
arbeitung
des perſpektiviſchen Blickes, es fehlen der Duft
und die Luft und die Charakteriſierung von Sonne und
Schatten. Die Auffaſſung erſcheint gar zu ſachlich. Sehr
gut hingegen und die beregten Mängel glücklich vermei=
dend
ſind z. B. ein Motiv aus der Lahngegend und ein
ſolches aus dem Balkhäuſertal. Dieſe Bilder beweiſen
daß der junge Künſtler, dem vielleicht noch der ſtärkende
Einfluß einer tüchtigen Schule zu wünſchen iſt, ein Talent
beſitzt, das für die Zukunft zu Hoffnungen berechtigt. Vie
mehr noch zeigen das die Rötelzeichnungen Eckerts. Aus
ihnen, durchweg reife, ſichere und flotte Arbeiten, ſpricht
das Vorhandenſein außerordentlich guter zeichneriſcher
Unterlagen, die immer die Vorbedingung künſtleriſchen
Schaffens bleiben werden. Sie ſind auch ausdruckskräf=
tiger
als die Oelbilder. Die zeichneriſche Begabung des
Künſtlers iſt auch erſt die Urſache, daß die Arbeiten, in
denen er ins Detail ſich vertieft, ohne kleinlich zu werden,
beſſer und charakteriſtiſcher ſind. Jedenfalls, wie geſagt,
ſind dieſe Proben eines jungen Talents ſehr beachtens=
wert
.
* Turngemeinde. Samstag, den 7. Februar, abends
81.1 Uhr. findet, wie bereits gemeldet, der einzige
große Gala=Familien=Maskenball der Turngemeinde ſtatt.
Selbſtverſtändlich wird ſich wieder ein ungezwungene3
fröhliches Maskentreiben entwickeln. Wunderbar herge=
richtete
Lauben, Wintergärten, Sektkeller und Chambres
ſeparées ſind in großartiger Ausſtattung zu haben, ſo daß
ſelbſt dem Anſpruchsvollſten Rechnung getragen iſt. Auch
ein echt Münchener Biergarten mit feſcher Bedienung hat
Platz gefunden, und den kleinen Turnſaal wird Reſtau=
rateur
Schnellbacher in ein feines Wiener Café verwan=
deln
. Zwei Muſikkapellen werden abwechſelnd ihre
Weiſen ertönen laſſen, und noch viele große effektvolle
Ueberraſchungen werden geboten. Um einem großen An=
drang
vorzubeugen, werden nur eine beſtimmte Anzahl
von Eintrittskarten ausgegeben, weshalb es ſich empfiehlt,
ſich bei Zeiten eine ſolche zu verſchaffen. Der Kartenver=
kauf
hat bereits gut eingeſetzt. (Siehe Anzeige.)
* Hotel Heß. Man ſchreibt uns: Großer Tango=
Nachmittag. Schon in den erſten Nachmittagsſtunden
füllten ſich ſämtliche Parterre=Lokalitäten und alles drängte
ſich, um Zeuge der Ereigniſſe des Tages zu ſein. Nachdem
um 4 Uhr die verſtärkte Hauskapelle einige wirklich ſchön
vorgetragene Konzertſtücke hören ließ, zeigten ſich gegen
5 Uhr Miß Day und Mr. Knight. Das ganze Publikum
ſah geſpannt den graziöſen Bewegungen dieſes preisge=
krönten
Tango=Tänzerpaares zu. Schon nach dem erſten
Tanz wurde den Künſtlern unaufhörlicher Applaus ge=
ſpendet
und ſie verſtanden ſich gerne zu einer Zugabe. So
konnte man den ganzen Nachmittag ſeine Freude daran
haben, zuzuſehen, wie die vielumſtrittenen Modetänze, wie
Tango, One=ſtep, Maxixe, Ragtime ſeitens des Publikums
großen Anklang fanden. Beim Verabſchieden des Künſt=
lerpaares
verſicherte dieſes, nächſten Mittwoch beſtimmt
wieder hier ihre vielumſchwärmte Kunſt zu zeigen.
* Hotel Traube. Wie alljährlich, findet am 23. Februar
(Roſenmontag), der ſo beliebte Rheiniſche Karne=
val
in ſämtlichen Räumen des Hotels zur Traube ſtatt.
Herr Hoflieferant Adolf Reuter wird dieſes Jahr ganz be=
ſondere
Anſtrengungen machen, daß das Feſt alle Teil=
nehmer
befriedigt und dieſelben einen vergnügten ange=
nehmen
Abend verleben werden. Beſtellungen für Tiſche
bittet man rechtzeitig aufzugeben. Alles nähere in der am
Samstag erſcheinenden Anzeige und den Plakaten.
* Unfall. In der Viktoriaſtraße wollte ein Schul=
junge
von 11 Jahren einen leerſtehenden Bierwagen weg=
ziehen
. Dabei rutſchte er auf der eisglatten Straße aus
und biß ſich beim Fallen ein ſo großes Loch in die Zunge,
daß die Wunde vom Arzt vernäht werden mußte.

Verband Mitteldeutſcher Induſtrieller.

* Am Mittwoch abend hielt die Ortsgruppe Darm=
ſtadt
des Verbandes Mitteldeutſcher Induſtrieller eine
Induſtriellenverſammlung ab, in der Herr Dr. Andres=
Frankfurt a. M., Syndikus des Verbandes Mitteldeutſcher
Induſtrieller, einen Vortrag hielt über: Wirtſchaftspoli=
tiſche
Tagesfragen. Zu Beginn ſeiner Ausführungen gab
der Redner einen Rückblick auf das verfloſſene Geſchäfts=
jahr
, in dem die Hochkonjunktur durch eine Stagnation
und ein Zurückebben der Konjunktur abgelöſt
wurde. Durch ſolche kriſeßhafte Zuſtände
wird die vorzugsweiſe aus kleinen und
mittleren Betrieben ſich zuſammenſetzende
verarbeitende Induſtrie weſentlich härter
getroffen, wie die großen Betriebe der Schwerinduſtrie.

Denn einmal verſigen dieſe Beiriebe über eine ausgezeich
nete Kartellierung, die Prodüktion und Abſatz im Ein=
klang
hält, ferner iſt aber auch die Kapitalbeſchaffung für
die kleinen Betriebe weſentlich ſchwerer, wie für die großen
Betriebe, da unſere heutigen Großbanken, die in erſter
Linie den Geldmarkt der Induſtrie decken, naturgemäß die
großen und ſehr gut fundierten Unternehmungen bevor=
zugen
vor den kleineren Unternehmungen. Die immer
mehr fortſchreitende Vertruſtung des Bank=
gewerbes
mag ihr Gutes haben für die Sparer, für
die aus kleinen und mittleren Betrieben
beſtehende Induſtrie aber iſt ſie nicht vor=
teilhaft
, denn dieſe iſt zum großen Teile auf private
Bankiers angewieſen; aber dieſe Privatbankiers verſchwin=
den
immer mehr, ihre Geſchäfte werden aufgekauft von
Großbanken und in Depoſitenkaſſen der Banken umgewan=
delt
. Da der gegenwärtige kriſenhafte Zuſtand in erſter
Linie in der Verſteifung des Kapitalmarktes ſeinen Grund
hat, ſo iſt dieſes Moment für die verarbeitende Induſtrie
von ganz beſonderer Bedeutung. Die verarbeitende In=
duſtrie
, die unter der Lebensmittelteuerung ganz beſonders
ſchwer zu leiden hat und deren Gewinnergebniſſe ſchon
während der Zeit der Hochkonjunktur nicht im Einklang
mit dem Umſatz des Geſchäftes ſtanden, hat die Zeit der
Hochkonjunktur nicht für ihre Konſolidierung wie die
Schwerinduſtrie benutzen können; ſie verſuchte deshalb
ganz beſonders durch die Förderung des Aus=
fuhrgeſchäftes
den Umſatz und damit wieder das
Gewinnergebnis zu ſteigern, und um deswillen nimmt ſie
ganz beſonderes Intereſſe an der künftigen Geſtaltung
unſerer Außenhandelspolitik. Aus dieſem Grunde hat ſie
auch mit großem Befremden die Annäherung des
Zentralverbandes Deutſcher Induſtrieller
an den Bund der Landwirte aufgenom=
men
, da ſie befürchten muß, durch dieſe enge
Liierung werde die Schwerinduſtrie genötigt ſein,
den Wünſchen des Großagrartums bei der Ge=
ſtaltung
unſerer Außenhandelspolitik Rechnung zu tragen,
während die verarbeitende Induſtrie auf das ſchwerſte
durch eine abermalige Verteuerung der Lebenshaltung der
arbeitenden Bevölkerung geſchädigt würde. Eingehend
erörterte alsdann der Redner das Problem des Schutzes
der Arbeitswilligen im Anſchluß an die Erörte=
rungen
des Induſtrierates des Hanſabundes und die Er=
klärung
des Reichskanzlers in der Sitzung des Reichstags
vom 10. Dezember 1913. Auch der Verband Mitteldeutſcher
Induſtrieller hält ein geſetzliches Verbot des
Streikpoſtenſtehens für nicht im Intereſſe der In=
duſtrie
liegend, da ein derartiges allgemeines Verbot von
den freien Gewerkſchaften und der ihnen naheſtehenden
Sozialdemokratie als ein Ausnahmegeſetz gegen die Arbei=
terſchaft
gebrandmarkt würde und dieſen Organiſationen
Stoff zur Agitation gäbe, was zweifellos das Verhältnis
zwiſchen Arbeitnehmer und Arbeitgeber noch mehr ver=
gifte
, wie dies leider jetzt ſchon der Fall iſt. Dazu komme,
daß der Reichstag niemals ſeine Zuſtimmung zu einem
geſetzlichen Verbot des Streikpoſtenſtehens geben würde,
ſo daß das Aufſtellen einer derartigen Forderung ſeitens
einer Induſtriellen=Organiſation lediglich die Bedeutung
einer Kundgebung haben könnte, die der Induſtrie mehr
ſchaden wie nützen würde. Der Verband hielt es daher
für zweckmäßig und ausreichend, das Streikpoſtenſtehen im
Wege der Verordnung jeweils dann zu verbieten,
wenn dies zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit
und Ordnung geboten erſcheint. Derartige Verordnungen
ſind nach der Judikatur des Reichsgerichts zuläſſig, wenn
ſie nicht lediglich ein Verbot des Streikpoſtenſtehens zum
Gegenſtand haben, ſondern allgemein im Intereſſe der
Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit, Ord=
nung
und Bequemlichkeit des Verkehrs erlaſſen ſind. Zum
Erlaß derartiger Verordnungen hat erfreulicherweiſe der
preußiſche Miniſter des Innern die Regierungspräſidenten
angeregt, und es wäre zu hoffen, daß auch das heſſiſche
Miniſterium dieſem Beiſpiel folgen würde. Der vielfach
beklagte Mangel an einem ausreichenden Schutz der Ar=
beitswilligen
liege nicht ſo ſehr an unſerer Geſetzgebung,
wie an einer unzureichenden Anwendung der Geſetze. Um
deswillen ſei es erfreulich, daß jetzt auch die Reichsregie=
rung
dazu übergegangen ſei, die Erfahrungen bei Lohn=
bewegungen
in einer Denkſchrift zuſammenzuſtellen, die,
wie der Reichskanzler ſagte, wertvolle Fingerzeige geben
werde für die Handhabung der beſtehenden Geſetze Zu
fordern ſei ferner vor allem eine Haftbarmachung der
Gewerkſchaften mit ihrem Vermögen für die Tätigkeit der
Gewerkſchaftsbeamten, was ganz von ſelbſt dazu führen
werde, daß alsdann die Lohnbewegungen ſich in ruhigeren
Forderungen abwickelten, wie bisher.
Im zweiten Teil ſeiner Ausführungen behandelte der
Redner die Reform der Patentgeſetzgebung,
ſoweit ſie von ſozialpolitiſcher Bedeutung iſt. Er legte
dar, daß ſich die Induſtrie wohl damit einverſtanden er=
klären
könne, wenn der Name des Erfinders in der Patent=

Feuilleton.

* Beſtrafte Neugier. Die Deutſche Preſſe, das Organ
des Reichsverbands der deutſchen Preſſe, erzählt das fol=
gende
Stückchen aus der Tagespraxis: In einer großen
deutſchen Stadt war das Publikum mit einem Verkehrs=
inſtitut
nicht ſonderlich zufrieden; man äußert ſich daher
häufig recht deutlich darüber in der Preſſe. Der Zuſchrif=
ten
wurden immer mehr, und ſchließlich regte ſich in der
Bruſt des Verkehrsgewaltigen der Verdacht, daß die Ein=
ſendungen
von einer gewiſſen Stelle ausgingen. Zu gern
hätte er den Namen eines Einſenders erfahren, der ihm
beſonders verdächtig erſchien. Daß er auf direktem Weg,
von der Redaktion nichts erfahren konnte, wußte der neu=
gierige
Herr allmählich auch, alſo mußte der indirekte Weg
verſucht werden, Aber wie? Nach langem Nachſinnen
klingelte er ſeinem Boy, drückte ihm 10 Pfg. in die Hand
und ließ ſich von ihm Briefbogen und Umſchläge mög=
lichſt
ſchlichte beſorgen. Dann ſetzte er ſich hin und
ſchrieb den folgenden Brief: Sehr geehrte Redaktion! In
Ihrer Nr. F finde ich eine Einſendung über die Zuſtände
auf der Y=Linie der Z=Bahn A.=G. Der Einſender hat
vollkommen das Richtige getroffen, auch ich habe unter
dieſen Uebelſtänden zu leiden und möchte gern mit an=
deren
Gleichgeſinnten eine Aktion gegen die Z=Bahn A.=G
einleiten. Sie würden mich zu großem Danke verpflichten,
wenn Sie den Herrn Einſender veranlaßten, unter A. B.
1003 ſeine Adreſſe hauptpoſtlagernd aufzugeben. Ich würde
denn ohne weitere Beläſtigung Ihrer Redaktion Gelegen=
heit
haben, mit einem Gleichgeſinnten direkt in Korreſpon=
denz
zu treten, um der Z=Bahn A.=G. zu zeigen, daß ſich
das Publikum nicht alles gefallen läßt. Mit ausgezeich=
neter
Hochachtung Ihr ergebenſter Abonnent Arnold Kra=
walski
, Hegelſtraße 45/1. Der Gewaltige ließ den Brief,
ſehr mit ſich zufrieden, in den Briefkaſten fallen und begab
ſich nach zweimal 24 Stunden nach dem Hauptpoſtamt; es
wurde ihm auch ein Brief ausgeliefert, aber ſein Geſicht
wurde etwas lang, als er den lakoniſchen Inhalt des Brie=
fes
las: Sehr geehrter Herr Abonnent! Auch wie kennen

das Sprichwort: Mit Speck fängt man Mäuſe. Hoch=
achtungsvoll
! Die Redaktion der . . . Zeitung.
** Amerikaniſche Kirchenreklame und ihre Erfolge. Die
Vorkämpfer des Gedankens, unter Ausſchaltung aller ver=
alteten
Vorurteile den geſamten Apparat modernſter
amerikaniſcher Reklamekunſt in den Dienſt der Kirche zu
ſtellen, feiern jetzt in Brooklyn, Chikago und einer ganzen
Reihe anderer amerikaniſcher Städte ihre Triumphe; die
Erfahrung hat ihnen recht gegeben, trotz aller Anfeindun=
gen
iſt der erſte Verſuch auf der ganzen Linie von einem
überraſchenden Erfolge gekrönt worden. Vor drei Wochen
beſchloſſen die Vorkämpfer dieſer modernen amerikaniſchen
Kirchenreklame die Propagierung eines Kirchgehſonn=
tages
. In den Städten und Stadtteilen wurden Arbeits=
komitees
eingeſetzt, und nun machte man ſich ans Werk,
Stimmung für einen mäſſenhaften Kirchenbeſuch zu er=
zeugen
. Man begann mit kleinen, ſehr geſchickt abgefaß=
ten
Zeitungsnotizen, die die Sehenswürdigkeiten, Annehm=
lichkeiten
und geiſtigen Erbauungsmöglichkeiten der ein=
zelnen
Kirchen und Kapellen ins rechte Licht rückten, man
ſpekulierte auf die Neugier jener, die ſonſt am Sonntag
Vormittag gewöhnlich daheim bleiben. Inſerate wurden
aufgegeben: und in geſchickter Steigerung ſchwoll dann
dieſe Kirchenreklame zu einer Hochflut an. Wenn der Bür=
ger
morgens ſeine tägliche Milchflaſche in Empfang nahm
klebte an ihr eine Einladung zur Teilnahme an dem gro=
ßen
Kirchgehſonntag wenn der Bäcker das Brot ablie=
ferte
, tauchte dieſelbe Einladung wieder auf, in den Stra=
ßen
und in den Hauptverkehrszentren verteilte man die
geſchickt abgefaßten Aufforderungen. Und dann kam der
entſcheidende letzte Schlag: zwei Tage vor dem großen
Kirchgehſonntag trug die Poſt Hunderttauſenden von Men=
ſchen
eine beſondere Einladung ins Haus. Die Zeitungen
räumten dem Verſuche lange Betrachtungen und Berichte
ein, Reklamewagen und Reklameumzüge zogen durch die
Straßen, ja ſelbſt das Telephon und den Telegraphen=
draht
ſetzte man in größtem Stile in Tätigkeit, um ſäu=
mige
Kirchgänger zu erreichen, zu mahnen und anzufeuern.
Was mit einer derartigen Rieſenreklame bei dem ameri=
aniſchen
Publikum zu erreichen iſt, zeigte der letzte Sonn=

tag, der große Kirchgehſonntag. In Brooklyn, wo der
Kirchenbeſuch ſonſt nicht ganz 300000 Menſchen erreicht.
wohnten über eine halbe Million der Sonntagsandacht
bei; in Chikago zogen am letzten Sonntag wohl 1½ Mil=
lionen
Beſucher in die Gotteshäuſer, während ſonſt die
Armee der Kirchenbeſucher kaum ½ Million erreicht. Und
ähnlich erging es den meiſten anderen Städten: überall
wurde eine gewaltige Zunahme des Kirchenbeſuches feſt=
geſtellt
. Mit freudiger Genugtuung ſahen die Prediger
die Bänke bis zu dem letzten Platz gefüllt, und der erzielte
Erfolg hat dazu geführt, daß man nun beſchloß, im Ok=
tober
regelmäßig einen großen nationalen Kirchgehtag ab=
zuhalten
und zu einer dauernd wiederkehrenden Inſtitution
zu machen. Echt amerikaniſch!
C K. Der Vogel auf der Backe. Die Modedamen von
Petersburg haben eine neue Form des Schmuckes ge=
ſchaffen
, dem man vielleicht die Schönheit, aber ſicherlich
nicht die Originallität abſprechen kann. Die Schönen laſſen
ſich auf dem Geſicht kleine Malereien anbringen, und die beſte
Fläche für dieſe bunte Dekoration bieten natürlich die
Wangen. So ſieht man denn auf roſigen Backen Vögel,
Blumen, Früchte und Ornamente aller Art. Der Daily
Micror, der einige Proben dieſer eigenartigen Schmuck=
form
in Photographien zeigt, hebt hervor, daß beſonders
bunte erotiſche Vögel ſich recht reizvoll auf den Geſichtern
ausnehmen; doch dürfte der Kurioſitätwert der Mode wohl
größer ſein als der äſthetiſche.
* Franzöſiſch im Straßburger Kaiſerpalaſt. Dem Hei=
delberger
Tageblatt wird von einem Leſer geſchrieben:
Als ich vor kurzem in Straßburg weilte, beſuchte ich auch
den dortigen Kaiſerpalaſt. Wie erſtaunte ich da, als
der Hausmeiſter des Palaſtes, der den Beſuchern den Pa=
laſt
zeigte, die Sehenswürdigkeiten einmal in ſchlechtem,
abgeriſſenem Deutſch, dann aber in fließendem Franzöſiſch
erklärte. Dazu kam noch, daß er die deutſche Erklärung
in ein paar Worten abtat, während er die franzöſiſche bis
ins kleinſte gab. Und dies alles in einem deutſchen Kai=
ſerpalaſt
. Beim Abſchied ſagte der Hausmeiſter nur:
Bon jour, messieurs!

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Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. Februar 1914.

Nummer 37.

urkunde und in den Veröffentlichungen des Patentamtes
genannt werde, wenn auch mitunter ſich Unzuträglichkeiten
ergeben könnten, falls mehrere und viele bei einer Er=
findung
mitgewirkt haben. Auch beſtünden keine Bedenken
dagegen, daß man im Geſetz eine Entſchädigung für die
Erfindung eines Angeſtellten vorſähe, die auf das Unter=
nehmen
übergehe, weil der Angeſtellte die Erfindung auf
Grund ſeiner beruflichen Tätigkeit gemacht hat. Denn jeder
Angeſtellte, der eine brauchbare Erfindung gemacht habe,
werde ſelbſtverſtändlich ſchon heute entſchädigt, da jeder
Leiter eines Unternehmens alles daran ſetzen werde, dem
Betrieb einen tüchtigen Kopf zu erhalten. Es müßte nur
im Geſetz Vorſorge getroffen werden, daß nicht das Unter=
nehmertum
von vermeintlichen Erfindern, deren es, wie
jeder Kenner der Verhältniſſe weiß, in der Praxis ſehr
viele gibt, mit ungerechtfertigten Entſchädigungsanſprü=
hen
beläſtigt werde. Um deswillen ſei die Faſſung des
Paragraphen 10 des Entwurfes nicht annehmbar, die eine
Entſchädigung dem Angeſtellten ſchon dann gewähren
wolle, wenn das Patent erteilt iſt, ohne Rückſicht darauf,
ob es in der Praxis ſich verwertbar erweiſe oder nicht. Wie
ſehr aber die Geſetzgebung genötigt ſei, auf dieſe Verhält=
niſſe
in der Praxis Rückſicht zu nehmen, ergebe ſich aus
einer in dem letzten Jahre von dem Patentamt aufgemach=
ten
Statiſtik. Daraus gehe hervor, daß nur 45 Prozent
der angemeldeten Erfindungen die Prüfung des Patent=
amtes
auf Neuheit beſtünden und eingetragen würden, daß
alſo 55 Prozent der Anmeldungen vermeintliche Erfindun=
gen
ſind. Von den tatſächlich erteilten Patenten hätten
überdies 83 Prozent keine längere Dauer wie zwei Jahre
gehabt, ſeien alſo praktiſch nicht verwertbar geweſen. Ein=
gehend
behandelte der Redner auch die noch über den Ent=
wurf
hinausgehenden Forderungen der techniſchen Ange=
ſtellten
=Organiſationen und erklärte insbeſondere, daß es
vollkommen undurchführbar ſei, wenn man im Geſetz eine
Gewinnbeteiligung des Angeſtellten an der Erfindung feſt=
ſetzen
wollte.
Zum Schluß ſeiner Betrachtungen gab Dr. Andres
dem Wunſche Ausdruck, daß der Geſetzgeber auf die Be=
dürfniſſe
der Induſtrie gebührend Rückſicht nehmen und
insbeſondere auf ſozialpolitiſchem Gebiete die Frage der
Leiſtungs= und Konkurrenzfähigkeit unſerer Induſtrie im
Auge behalten möge.
Die Ausführungen des Redners wurden von den auf=
merkſamen
Zuhörern ſehr beifällig aufgenommen. An
den Vortrag ſchloß ſich eine lebhafte Diskuſſion, an
der ſich insbeſondere die Herren Dröll=Langen. Dr. Hu=
man
, Müller und Dr. Röhm=Darmſtadt beteiligten und in
der auf einzelne im Vortrag behandelte Punkte noch be=
ſonders
eingegangen wurde. Um halb 12 Uhr fand die
Verſammlung ihr Ende.

Kunſtnotizen.

Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
Inſtrumental=Verein. Mittwoch, den
11. Februar, abends 8¼ Uhr, wird nun der Inſtrumental=
Verein ſeinen im Dezember vorigen Jahres ausgefallenen
Bach=Reger=Abend veranſtalten. Das Konzert
findet wieder im großen Saale des Saalbaues ſtatt. Das
Programm wird bei der großen Bach=Reger=Gemeinde,
die erfreulicherweiſe in Darmſtadt beſteht, ſicher das größte
Intereſſe erwecken. Eingeleitet wird das Konzert mit
Bachs herrlicher Orcheſter=Suite in D=dur mit der berühm=
ten
Air, der das ſelten gehörte Konzert in C=dur für zwei
Klaviere folgt. Das 4. Brandenburgiſche Konzert für
Solovioline, 2 Flöten und Streich=Orcheſter, das als dritte
Nummer verzeichnet iſt, erlebt in Darmſtadt ſeine Erſt=
aufführung
. Schon dieſe Tatſache wird eine große An=
ziehungskraft
ausüben, gehört doch das Werk zu den
ſchönſten der 6 ſoggnannten Brandenburgiſchen Konzerte
des Altmeiſters Die Schlußnummer des Programms:
Introduktion, Paſſacaglia und Fuge für 2 Klaviere von
Max Reger, iſt wohl eines der hervorragendſten Wecke
des genialen Komponiſten. Als Soliſten wurden für den
Abend gewonnen: Fräulein Luiſe Mock und Fräulein
Margaret Kapp von hier, die als Schülerinnen des Direk=
tors
Willy Hutter bei der Reger=Abteilung der letzten
Hauptprüfung der Akademie für Tonkunſt mit dem Reger=
ſchen
Werke einen durchſchlagenden Erfolg zu verzeichnen
hatten und ſich größter Anerkennung unſeres kunſtſinnigen
Landesfürſten, der Preſſe und des Publikums erfreuen
durften. Karten zu dieſem intereſſanten Abend ſind in der
Hofmuſikalienhandlung von Heinrich Arnold, Wilhel=
minenſtraße
9 (Telephon 2560), zu haben.

* Traiſa, 5. Febr. (Bürgermeiſterwahl.) Die=
ſes
Jahr findet in Traiſa die Bürgermeiſterwahl ſtatt. Es
wird ſchon eine ganze Reihe Kandidaten genannt: Hein=
rich
Rindfrey, Schloſſermeiſter; Peter Brehm, Beigeord=
neter
; Wendel Beißler III., Bauunternehmer; Jean Krä=
mer
, Bautechniker; Friedrich Kilian, Kaufmann; Karl
Dehnert, Kaufmann; Friedrich Becker, Weißbindermeiſter.
Bürgermeiſter Walter iſt ſchon 27 Jahre Bürgermeiſter
von Traiſa und wird natürlich auch kandidieren.
K. Gundernhauſen, 5. Fehr. ( Ortsſchulvor=
ſtand
.) Herr Likörfabrikant L. Palmy II. wurde, nach=
dem
Herr Heuhändler J. Dreieicher abgelehnt hatte, in
den hieſigen Ortsſchulvorſtand gewählt. Zu begrüßen iſt
es, daß Herr Palmy das verantwortungsvolle Amt über=
nommen
hat zumal er ſchon ohne dies neue Amt mit
geiſtiger Arbeit überhäuft iſt.
* Weiterſtadt, 5. Febr. (Geflügelausſtellung.)
Der Geflügelzuchtverein Weiterſtadt hält Sonntag, den
8. Februar, ſeine diesjährige Lokalausſtellung im Gaſt=
haus
Zum weißen Schwanen ab. Der Verein kann
auf ſein zehnjähriges Beſtehen zurückblicken.
* Weiterſtadt, 5. Febr. (Im Silberkranz.) Milch=
händler
Adam Petri IV. und deſſen Ehefrau, Margaretho
geb. Hamm, feiern am 7. Februar das Feſt der Silbernen
Hochzeit.
K Erzhauſen, 5. Febr. (Einbruch.) Bei einem
hieſigen Wirte, der mit ſeiner Frau zur Abendunterhaltung
gegangen war, iſt während ſeiner Abweſenheit einge=
brochen
worden. Die Diebe haben Zigarren, Kognak,
Würſte und Schinken mitgenommen. An Geld fiel ihnen
nur das eingenommene Milchgeld in die Hände.
F Büttelborn, 4. Febr. (Fliegerlandung.
Heute nachmittag überflog ein Flieger vom Griesheimer
Uebungsplatz in ſehr geringer Höhe unſeren Ort. In=
folge
der eintretenden Dunkelheit und des dichten Nebels
kam der Flieger aus der Flugrichtung und mußte notwen=
digerweiſe
auf den Wieſen am Landgraben landen. Trotz
der ziemlich weiten Entfernung vom Dorfe eilte die halbe
Einwohnerſchaft nach der Landungsſtelle. Der Flieger
heißt Keller und ſtammt von der Darmſtädter Uebungs=
ſtation
.
Offenbach, 5. Febr. (Die Anſchuldigungen
gegen die Stadtverwalt ung.) Das äußere Zei=
chen
der geſtrigen außerordentlichen Stadtverordnetenſitz=
ung
, die der Herr Oberbürgermeiſter als dringlich einbe=
rufen
hatte, brachte in Erwartung der kommenden

Dinge ein ungewohntes Bild: beide Tribünen des Stadt=
parlamentes
im Saale der Städtiſchen Oberrealſchule
waren dicht gefüllt. Den einzigen Punkt der Tagesord=
nung
bildeten die Anſchuldigungen des ſozial=
demokratiſchen
Stadtverordneten Rechts=
anwalt
Dr. Katz, die dieſer in der letzten Sitzung er=
hoben
hatte. Stadtverordneter Ulrich als Referent führte
etwa folgendes aus: Am vorigen Donnerstag hat Stadt=
verordneter
Dr. Katz in mehrfacher Richtung Beſchwerden
über die Verwaltung vorgebracht. Er hat ſich zunächſt
darüber beſchwert, daß die von ihm bereits früher ge=
wünſchte
Aufſtellung über die Beamten und deren Beſchäf=
tigung
in den einzelnen Abteilungen nicht erfolgt ſei.
Weiter hat er Klage darüber erhoben, daß die Dezernen=
ten
in den Sitzungen häufig ungenügend informiert
ſeien und erſt durch ihre Oberſekretäre über den Akten=
inhalt
in Kenntnis gsſetzt werden würden. Drittens hat
er behauptet, daß nach einer ihm von glaubwürdiger Seite
zugegangenen Mitteilung und auch nach ſeiner perſön=
lichen
Anſicht zu viel Beamte im ſtädtiſchen Verſicherungs=
amt
beſchäftigt würden, während dieſe Arbeiten von weit
weniger Beamten verrichtet werden könnten. Der Rechts=
und Finanzausſchuß haben beſchloſſen, die Angelegenheit
zur eingehenden Prüfung dem Kontrollausſchuß, der ſich
aus Mitgliedern aller Parteirichtungen zuſammenſetzt, zu
überweiſen, in der Erwartung, daß Dr. Katz ſeine Anſchul=
digungen
ſchriftlich niederlegen wird. Auf dieſe Weiſe ſind
wir in der Lage, den ewigen Erzählungen, die in der Stadt
kurſieren, ein Ende zu machen. Danach ergreift Stadtver=
ordneter
Dr. Katz das Wort, um nochmals unter Auf=
rechterhaltung
ſeiner Behauptungen ſeine Stellung zu
präziſieren. Er habe ſein Stadtverordnetenmandat von
der Richtung aufgefaßt, daß er als Stadtverordneter ein=
mal
die Pflicht habe, mitzuarbeiten und mitzuwirken und
zweitens Anregungen, ſei es fördernder oder kritiſcher Art,
entgegenzunehmen. Er habe nicht nur Gelegenheit gehabt
zur Mitarbeit, ſondern auch Kritik zu üben an manchen
Verhältniſſen, die ſich nicht gegen die Perſon, ſondern
gegen das Syſtem, die Organiſation gerichtet haben.
Aus dieſer Erwägung heraus habe er die Aufſtellung eines
Beamtenverzeichniſſes und deren Beſchäftigung gefordert.
Dieſen Wunſch habe er in der letzten Sitzung nochmals
vorgebracht, weil er bisher unerfüllt geblieben iſt. Nach
dieſer Richtung hin werde er der Verwaltung Reform=
vorſchläge
unterbreiten. Er werde auch die Beſchwerden
in Form eines Schriftſtückes niederlegen unter Angabe vom
weiteren Beamten als Zeugen, die den gleichen Stand=
punkt
vertreten. Es müſſe völlige Klarheit geſchaffen wer=
den
, damit endlich ein rechtskräftiges Urteil in dieſer
Sache herbeigeführt werde. Danach wurde die Angelegen=
heit
einſtimmig dem Kontrollausſchuß zur eingehenden
Prüfung überwieſen.
Neu=Iſenburg, 5. Febr. (Vom Auto über=
fahren
.) Geſtern nachmittag überfuhr auf der Frank=
furterſtraße
ein Laſtautomobil einer Kolonialwarenfirma
aus Frankſurt das achtjährige Töchterchen des Metzger=
meiſters
Wirth. Durch das Schutzblech des Autos wurde
dem Mädchen der Schädel eingedrückt; der Tod
trat auf der Stelle ein. Der 25jährige Chauffeur Seibert,
der das Automobil lenkte, beſtreitet jede Schuld er be=
hauptet
, daß ihm das Kind unverhofft über den Weg ge=
laufen
ſei. Die Unterſuchung iſt im Gange; morgen findet
eine Beſichtigung der Unfallſtelle ſtatt.
Heppenheim a. d. B., 5. Febr. (Rechner Höhn
ausgeliefert.) Der nach umfangreichen Veruntreu=
ungen
zum Nachteil der hieſigen Spar= und Kreditkaſſe
ſeit langem flüchtige frühere Rechner Höhn iſt nun=
mehr
ſeitens Amerikas ausgeliefert worden und be=
reits
im Unterſuchungsgefängnis Darmſtadt eingetroffen.
A Beerfelden, 4. Febr. (Waſſerverſorgung.)
Da unſer ſeitheriger Waſſerlieferant, Herr Brauereibeſitzer
Breimer, nur bis nächſtes Jahr noch die Waſſerleitung
aus ſeinem Brunnen ſpeiſt, muß ſich die Gemeinde nach
einer anderen Verſorgungsmöglichkeit umſehen. An
Waſſer fehlts ja nicht, es gilt nur die Frage: wie kommt
man am billigſten zum geſundeſten Waſſer? Hauptſächlich
zwei Projekte kommen in Betracht: die Verſorgung von
ſogenannten Kitzlochbrunnen aus in nächſter Nähe des
Städtchens, oder der Bezug von Gammelsbach. Schon
einige Zeit beobachtet die Kulturinſpektion die Waſſer=
verhältniſſe
in Gammelsbach, um deren Stärke feſtzu=
ſtellen
. Geſtern nun fand eine ganz dieſem Zweck gewid=
mete
Gemeinderatsſitzung ſtatt, der auch die Herren Kreis=
rat
Dr. Kranzbühler=Erbach, ſowie Baurat Wallot und
Techniker Chriſt=Darmſtadt anwohnten. Die Projekte
wurden gründlich beſprochen, ein endgültiger Beſchluß
wurde jedoch nicht gefaßt. (Miſſion) Der letzte
Sonntag ſtand für das hieſige Kirchſpiel im Zeichen der
Miſſion. Herr Miſſionar Groh predigte im Frühgottes=
dienſt
; mittags war Kindergottesdienſt und abends Licht=
bildervortrag
. Gar ſpannend und anſchaulich wußte Red=
ner
das Leben und Treiben der Schwarzen an der Gold=
küſte
wie in ihrem Hinterlande zu ſchildern, das er in
langjähriger Miſſionstätigkeit kennen lernte. Sicherlich
hat dieſer Miſſionsſonntag der Miſſion neue Freunde ge=
wonnen
und das Intereſſe für die Miſſion in weiteren
Kreiſen geweckt.
Mainz, 5. Febr. (Die ſtädtiſche Betriebs=
rechnung
) 1912/13 beziffert die Einnahmen mit 11,28
Millionen, die Ausgaben mit 10,52 Millionen Mark. Als
Reinüberſchuß bleiben 609106 Mark. (Nebel.) Heute
vormittag lagerte über dem geſamten Mittelrheingebiet
wieder eine beſonders dichte Nebeldecke, die die Schiffahrt
brachlegte. Auch iſt ſeit geſtern wieder ein ſtarker Tem=
peraturſturz
eingetreten. Die tiefſte Temperatur betrug
heute nacht minus 8 Grad. Der Waſſerſtand geht weiter
zurück, und zwar der des Rheins bei Mainz von geſtern
63 auf heute 49 und des Mains bei Koſtheim von 17 au
13 Zentimeter über dem Normalpegel.
Mainz, 5. Febr. (Stadtverordnetenſitzung.)
Zu der Bewilligung von Mitteln zur Beſchäftigung
von Arbeitsloſen und zur Gewährung von Arbeits=
loſenunterſtützung
iſt eine Kreditbereitſtellung von 20000
Mark erforderlich. Seither wurden bei der Stadtgärtnerei
140 Arbeitsloſe beſchäftigt, was aber jetzt nicht mehr mög=
lich
iſt. Der Antrag wird ohne Debatte angenommen.
Dann werden nach Vorſchlag des Stadtv. Heerdt aus dem
Reſervefonds für Hochwaſſerbeſchädigte in Höhe
von 6800 Mark der Betrag von 2000 Mark bewilligt als
Beihilfe für die durch die Sturmflut geſchädig=
ten
Bewohner an der Oſtſee. Bei dem Geſuch des
Mainzer Karnevalvereins um Gewährung einer
Beihilfe in Höhe von 3000 Mark zur Veranſtaltung eines
koſtümierten Zuges erklärt Stadtv. Wolf=Mombach,
daß die Sozialdemokraten dieſe Forderung ablehnen müß=
ten
, da der Karneval nur noch durch Unterſtützung der
Stadt hochgehalten werden könne, und da die Vorteile der
Stadt nicht dem aufgewandten Zuſchuß entſprächen. Der
von dem Stadtverordneten Heerdt vertretene Antrag
wird angenommen. Ein vorliegendes Geſuch des
Karnevalklubs um Unterſtützung für eine Damenſitzung
wird mit der Begründung abgelehnt, daß zwar die Stadt
Zuſchüſſe gewähre für Veranſtaltungen, aus denen die
ganze Stadt Vorteile hätte, aber nicht für eine einzelne

Veranſtaltung eines einzelnen Vereins. Dem Karneval=
klub
wurde als Vergünſtigung die Halle zu 110 Mark über=
laſſen
.
Bingen, 5. Febr. (Zu einer intereſſanten
Entſcheidung) kam es in der Kreisausſchußſitzung.
Gelegentlich einer Verhandlung des Gemeinderats der
benachbarten Gemeinde Büdesheim wollte der Ge=
meinderat
Schmitt den Sitzungsſaal nicht verlaſſen, öb=
wohl
eine ihn betreffende Angelegenheit zur Beſprechung
kam. Trotz wiederholter Aufforderung ſeitens des Bür=
germeiſters
Braden wollte der Gemeindevertreter in dem
Zuhörerraum bleiben. Nach längerer Auseinanderſezung
perſönlicher Art erhob der Bürgermeiſter Klage gegen den
Gemeindevertreter, der auch bei der Verhandlung auf dem
Standpunkte verharrte, daß er berechtigt ſei, der Verhand=
lung
im Zuhörerraum beizuwohnen. Der Kreisausſchuß
pflichtete der Anſicht des Bürgermeiſters zu und verurteilte
den Gemeinderat Schmitt zu 10 Mark Geldſtrafe und den
Koſten. (Aus Furcht vor Strafe in den Tod.)
Der aus Saarbrücken ſtammende Schloſſerlehrling Guſtav
Schlaf verübte in dem Steinbruch am Kempter Eck einen
Selbſtmordverſuch. Der Schuß iſt lebensgefährlich. Der
erſt 18jährige Burſche hat ſeinem Meiſter in Saarbrücken
6 Mark unterſchlagen. Er wurde in das hieſige Hoſpital
gebracht. Sein Zuſtand iſt hoffnungslos (Die
Sprengarbeiten) wurden heute eingeſtellt, weil ſie
infolge des neu eingetretenen Froſtwetters faſt erfolglos
ſind. Die Pioniermannſchaften ſind wieder in ihre Gar=
niſon
Kaſtel zurückgekehrt.
* Gießen, 5. Febr. (Familiendrama.) Heute
nacht ereignete ſich hier ein ſchreckliches Familiendrama.
Der 32 Jahre alte Kutſcher Lehmann, der ſeit einiger
Zeit mit ſeiner Frau in Streitigkeiten lebte, ermordete
ſeine Frau und ſeine vier Kinder, indem er ihnen mit
einem Beil den Schädel einſchlug und dann die Kehle
durchſchnitt. Nach der Tat warf er ſich vor einen Eiſen=
bahnzug
, es wurden ihm jedoch nur die Beine abgefahren.
Er wurde in die Klinik übergeführt, wo er jedoch üm
6 Uhr früh ſeinen Verletzungen erlag.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 4. Febr. Heute fand der
erſte diesjährige große Hofball bei dem Kaiſerpaar
im Weißen Saale und in den anderen Prunkräumen des
Königlichen Schloſſes ſtatt. Der Kaiſer trug die ſchwarze
Uniform der Leibhuſaren, die Kaiſerin hatte eine blaß=
meergrüne
Schlepprobe mit Silberſtickerei angelegt. Der
Kaiſer begrüßte zuerſt die Gemahlinen der Botſchafter und
die anderen Damen des diplomatiſchen Korps, ſodann die
Botſchafter. Die Kaiſerin wandte ſich Frau von Bethmann
Hollweg und den Fürſtinnen zu, darauf den Damen und
Herren der Diplomatie. Beim Ball wechſelten Rundtänze
mit Lanciers und den alten Tänzen Menuett à la reine‟,
Gapotte der Kaiſerin Alte Frangaiſe und Prinzen=
gavotte‟
. Die jüngeren Prinzen beteiligten ſich am Tanze.
In den erſten Karrees der Lanciers ſah man die Kron=
prinzeſſin
und andere Prinzeſſinnen und Prinzen. Bei
der Gavotte der Kaiſerin tanzte der Kronprinz in einem
Karree der Leibhuſaren mit. Der Senior der deutſchen
Aerzteſchaft, Geh. Sanitätsrat Körte, iſt heute im Alter
von 97 Jahren an Altersſchwäche geſtorben. Der Ver=
ein
Berliner Buchdruckereibeſitzer gab geſtern
im Hotel Kaiſerhof zu Ehren ſeines bisherigen Vor=
ſitzenden
, Geh. Kommerzienrats Büxenſtein Ein
Diner, an dem faſt ſämtliche dem Verein angeſchloſſene
Buchdruckereibeſitzer Berlins teilnahmen. Von allen
Zweigvereinen des Deutſchen Buchdruckervereins liefen
Telegramme ein, in denen mit warmen Worten dem Be=
dauern
über den Rücktritt des hochverdienten Vorſitzenden
Ausdruck gegeben wurde. Der Verein Berliner Buch=
druckereibeſitzer
hat Geheimerat Büxenſtein zum Ehren=
vorſitzenden
ernannt. Eine von dem Deutſch=
nationallen
Handlungsgehilfenvierband
einberufene Verſammlung, in der es ſich um die
Wahlen zum Kaufmannsgericht handelte, wies unter den
etwa 2000 Anweſenden mehrere hundert Sozialdemokraten
auf. Der Führer der Handlungsgehilfen, Thomas, griff
die Sozialdemokraten ſcharf an. Als dieſe dann ſprechen
wollten, erhob ſich ein wüſter Lärm. Wie das Berliner
Tageblatt erfährt, wurden die ſozialdemokratiſchen Ver=
ſammlungsbeſucher
aus dem Saal gedrängt und dabei ſei
es zu einer lebhaften Prügelei gekommen. Der Zu=
ſtand
der beiden verunglückten Zentrums=
abgeordneten
Hebel und Pütz hat ſich verhältnis=
mäßig
raſch gebeſſert. Auch der am ſchwerſten Verletzte
Pfarrer Hebel iſt nunmehr außer Lebensgefahr. Das
Schwurgericht des Landgerichts I verurteilte heute den
Kellner Franz Roſt wegen des Ueberfalls auf den.
Geldbriefträger Hoffmann, der am 4. Dezem=
ber
1912 im Hauſe Alt=Moabit 54 ausgeführt worden war,
zu vier Jahren Zuchthaus. Der zweite Beteiligte, der
Diener Freiholz, iſt ſchon im April vorigen Jahres vom
Schwurgericht wegen der gleichen Tat zu vier Jahren
Zuchthaus verurteilt worden. Gegen Roſt konnte damals
nicht verhandelt werden, weil er vorübergehend in Geiſtes=
krankheit
verfallen war. Inzwiſchen iſt er aber verhand=
lungsfähig
geworden.
5. Febr. In der Sitzung des Zentralaus=,
ſchuſſſes der Reiſchsbank führte Präſident
v. Havenſtein aus, daß der Status vom 31. Januar weſent=
lich
größere Anſprüche an die Reichsbank zeige, als es in
der gleichen Zeit in den Vorjahren der Fall geweſen ſei.
Hervorzuheben ſei namentlich die bedeutende Verringerung
der fremden Gelder. Dies hänge aber wohl mit der Ein=
zahlung
auf die neue preußiſche Anleihe zuſammen. Nach
dem Zwiſchenausweis vom 3. Februar hat der Metall=
beſtand
um eine Million zugenommen gegenüber einer
Abnahme von 18 Millionen Mark im Vorjahre. Wechſel
und Lombard hätten um 28 Millionen abgenommen gegen
24 Millionen Mark im Vorjahre. Die Schatzanweiſungen
hätten um 7 Millionen zugenommen gegen 2 Millionen des
Vorjahres. Bei den fremden Geldern hätte ſich eine Ver=
mehrung
um 14 Millionen gegen eine Abnahme von 34
Millionen ergeben. Die ſteuerfreie Notenreſerve habe am
3. ds. Mts. 187 Millionen betragen gegen einem ſteuer=
pflichtigen
Notenumlauf von 222 Millionen am gleichen
Tage im Vorjahre, ſo daß ſich für dieſes Jahr eine Beſſe=
rung
um 409 Millionen ergäbe. Die Entwicklung auf dem
internationalen und auf dem heimiſchen Geldmarkte ſei
weiterhin günſtig geweſen. Die Geldflüſſigkeit habe zu=
genommen
. Der Privatdiskont hielt ſich auf drei Prozent.
Der Stand der Deviſenkurſe ſei günſtig. Das Reichsbank=
direktorium
hätte infolgedeſſen beſchloſſen. den Diskont um
ein halbes Prozent herabzuſetzen. Frau Eliſabeth
Wentzel=Heckmann iſt heute früh geſtorben. Auf
dem Königsplatz ſtieß heute vormittag das Automobil
des Generaldirektors Bergmann mit einem Schlächterauto=
mobil
zuſammen. Der Chauffeur und der Mitfahrer
des letzteren wurden erheblich verletzt. Das Automobil
des Herrn Bergmann wurde beſchädigt, doch blieben er und
ſein Chauffeur unverletzt. Zu dem Unfall der

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Nummer 37.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. Februar 1914.

Seite 5.

Reichstagsabgeordneten wird gemeldet, daß
das Befinden des Pfarrers Hebel leider noch zu Be=
ſorgniſſen
Anlaß gibt. Indeſſen haben die beiden
Verunglückten die Nacht gut verbracht, ſo daß die Aerzte
hoffen, auch Hebel am Leben zu erhalten. Heute mittag
wurde Hebel durchleuchtet, um die inneren Verletzungen
feſtzuſtellen.
Frankfurt, 3. Febr. (Eine geſtörte Parſifal=
Vorſtellung.) Während der geſtrigen Parſifal= Auf=
führung
im Opernhaus, verſagte bei der großen Ver=
wandlungsſzene
plötzlich die Maſchinerie der Wan=
deldekoration
. Der Orcheſterleiter mußte abbrechen und
der Vorhang fallen. Erſt nach Beſeitigung der Störung,
die im Publikum keine geringe Aufregung hervorrief, zu=
mal
ſie noch durch laute Rufe von der Bühne her verſtärlt
wurde, konnte die Vorſtellung fortgeſetzt werden in der
Weiſe, daß die ganze Verwandlungsizene wiederholt
wurde.
Höchſt a. M., 5. Febr (Durch eine Gasexplo=
ſion
) kam geſtern abend gegen 8 Uhr in dem benach=
barten
Nied der 17 Jahre alte Bureaugehilfe Ernſt Pfriem
ums Leben; einige andere Perſonen erlitten leichtere
Brandwunden Die Exploſion war dadurch entſtanden,
daß aus einem defekten Leitungsrohr auf der Straße Gas
ausſtrömte, welches ſich in einem Kanal ſammelte. Pfriem
wollte der Urſache des Gasgeruches nachgehen und kam da=
bei
mit einem brennenden Streichholz an den Kanaldeckel,
worauf ſofort die Exploſion erfolgte.
Stuttgart, 5. Febr. (Der Maſſenmörder Wag=
ner
.) Wie der Schwäbiſche Merkur aus Heilbronn er=
fährt
, war für das Heilbronner Gericht bei ſeiner Beurtei=
lung
des Maſſenmörders Wagner insbeſondere
eine Selbſtbiographie maßgebend, die Wagner ſchon vor
fünf Jahren begonnen hat und die die Auffaſſung des
Gerichtsbeſchluſſes, daß es ſich um einen Geiſteskranken
handle, beſtätigt. Wagner iſt heute früh nach der Irren=
anſtalt
Winnental gebracht worden. Hoffentlich
wird er dort gut bewacht, da ein Entweichen des gemein=
gefährlichen
Irrſinnigen eine große Gefahr für andere
Menſchen bedeuten würde.
Karlsruhe, 5. Febr. (Die Prinzeſſin Wilhelm
von Baden) hatte eine leidliche Nacht. Die Beſſerung
von geſtern wird als eine anhaltende bezeichnet.
Langenbrand, 5. Febr. (Ertrunken.) Während der
Mittagspauſe wollten geſtern zwei in der Fabrik Breit=
wieſe
beſchäftigte 18 Jahre alte Mädchen von hier an dem
oberhalb der Fabrik gelegenen, etwa zwei Meter tiefen
Kanal das Randeis abſtoßen, glitten aber ab, ſtürzten in
den Kanal und wurden von der Strömung fortgeriſſen.
Trotzdem die beiden am Wehr wieder herausgezogen
wurden, blieben die ſofort angeſtellten Wiederbelebungs=
verſuche
erfolglos.
Eſſen (Ruhr), 5. Febr. (Beim Fußballſpiel er=
ſtochen
.) Hier erſtach während eines Streites beim
Fußballſpiel ein 13jähriger Schüler einen 11jährigen
Kameraden mit einem Taſchenmeſſer.
Hannover, 5. Febr. (Kanaliſation.) Das Bür=
gervorſteherkollegium
beſchäftigte ſich geſtern mit den
Plänen für die Ausführung der Kanaliſation der nordöſt=
lichen
Vororte und für das Induſtriegelände am Nord=
hafen
und ſtimmte dem Antrage zu, für dieſe Projekte
8 Millionenen Mark zu bewilligen.
Breslau, 5. Febr. (Unfall.) In der Wohnung eines
Artillerieſergeanten ſtürzte nach dem Einſchütten neuen
Brennmaterials der Stubenofen ein und begrub die Frau
und ihr elf Monate altes Kind unter den Trümmern. Die
Nachbarn befreiten die Verſchütteten, die ſchwere Brand=
wunden
erlitten hatten, und löſchten den Brand. Die
Wohnung wurde vollſtändig zerſtört. Offenbar war in
die Kohlen eine Sprengpatrone geraten.
Wien, 5. Febr. (Erdbeben und Grubenkata=
ſtrophen
.) Der Leiter der Laibacher Erdbebenwarte,
Beler, erklärt, zweifellos ſeien die Grubenkataſtrophe auf
Zeche Miniſter Achenbach bei Dortmund, die Einſtürze
bei Beuthen in Oberſchleſien und auf Zeche Fürſt Leopold
bei Dorſten durch die ſeit einer Woche in ganz Europa
herrſchende ſtarke Bodenunruhe und durch die außeror=
dentlichen
ſtarken Fernbebenausläufer vom 30. Januar
ausgelöſt worden. Die Laibacher Warte habe am 30. Ja=
nuar
, vormittags, kataſtrophale Fernbeben angezeigt. Das
Grubenunglück auf Zeche Miniſter Achenbach wäre viel=
leicht
verhütet worden, wenn an dieſem Tage, an dem der
Warnungsruf noch rechtzeitig laut wurde, in den Berg=
bauen
die vorgeſchriebenen Vorſichtsmaßregeln verdoppelt
worden wären.
Paris, 5. Febr. (Feuer im Bahnhof.) Aus
Lunéville wird gemeldet, daß im Lampendepot des
dortigen Bahnhofes, wo der Benzinvorrat des Flug=
zeuges
der deutſchen Militärflieger untergebracht worden
war, geſtern abend ein Feuer ausgebrochen ſei. Der
Brand konnte erſt nach einer Stunde gelöſcht werden
Das Lampendepot und das anſtoßende Poſtbureau wur=
den
vollſtändig zerſtört, die Briefſäcke konnten gerettet
werden.
Nantes, 5. Febr. (Scharlachepidemie.) Unter
der hieſigen Garniſon iſt eine heftige Scharlach=
epidemie
ausgebrochen. An 200 Perſonen liegen im
Militärhoſpital, das durch Baracken vergrößert werden
mußte, krank danieder. Auch in Tours ſollen mehrere
hundert Soldaten an Typhus und Maſern erkrankt ſein.
Madrid, 5. Febr. (Dementi.) Der Miniſterpräſident
erklärt das im Auslande verbreitete Gerücht, daß auf
König Alfons in Sevilla ein Attentat verübt worden
ſei, für vollkommen unbegründet.
London, 5. Febr. (Schiffsbrand.) Der Daily
Telegraph meldet aus Sydney vom 4. Febr.: Hier iſt
aus Neuſeeland die Nachricht von einem Brande des
Schiffes Moa auf der Fahrt von Wellington nach
Port Wanganni, 5 Meilen von Wanganni, eingetroffen.
Das Schiff hatte eine Ladung Benzin und Ceroſen an
Bord. Das Feuer entſtand augenſcheinlich durch eine
Exploſion durch die ein Mann getötet wurde. In
unglaublich kurzer Zeit ſtand das Schiff vom Bug bis
zum Heck in Flammen, die am Maſt hoch aufloderten.
Die Mannſchaften konnten keine Boote flott machen, des=
halb
warfen die Matroſen Holz und Güter ins Meer und
ſprangen nach. Der Dampfer Arapawa kam zu Hilfe,
doch konnte er wegen der fürchterlichen Hitze nicht auf mehr
als 100 Meter herankommen. Die Lage war ſehr gefähr=
lich
, da auch die Arapawa Benzin und Ceroſen an Bord
hatte. Mit den Rettungsbooten gelang es jedoch, die
Mannſchaft der Moa zu retten. Nach einer zweiten
Exploſion iſt die Moa inzwiſchen geſunken
Stockholm, 5. Febr. (Neue Kabellinie.) Die
deutſche Reichspoſtverwaltung hat der ſchwediſchen Tele=
graphendirektion
den Vorſchlag unterbreitet, zwei neue
Doppelkabel zwiſchen Rügen und Trelleborg zum Anſchluß
an das geſamte deutſche Telephonnetz zu legen. Die
Koſten der Linie werden auf rund eine Million ver=
anſchlagt
.
Johannesburg, 5. Febr. (Revolutionäre Be=
wegung
.) Die Enthüllungen, die der Daily Chronicle

bereits während des Beginns des Johannesburger Ar=
beiterſtreiks
über das Vorhandenſein einer revolutionären
Bewegung unter den Arbeitern Südafrikas gemacht hat,
ſcheinen jetzt ſelbſt aus dem Arbeiterlager beſtätigt zu wer=
den
. Der Transvaal=Chronicle, ein Blatt, das die Ar=
beiterintereſſen
während der ganzen Kriſe ſtark vertreten
hat, erklärt heute, daß General Smouts, einer der be=
kannteſten
Grubenführer, den Beweis erbringen will, daß
während des Streiks ein Teil der Arbeiterſchaft daran
gedacht hat, die Regierung zu ſtürzen und eventuell mit
Waffengewalt eine ſüdafrikaniſche Arbeiter=Republik auf
ſyndikaliſtiſcher Grundlage zu errichten. Die Regierung
ſcheine dieſem Plane beizeiten auf den Grund gekommen
zu ſein, der den Hauptanſtoß zu ihrem Entſchluß der De=
portation
der Arbeiterführer gebildet habe. Am 19. Ja=
nuar
ſoll General Smouts bereits dem Biſchof von Pre=
toria
erklärt haben, daß der Syndikalismus auf alle Fälle
eine vernichtende Niederlage erleiden müſſe.

Parlamentariſches.

Der Hauptvoranſchlag im Finanzausſchuß der Zweiten
Kammer.
St. Der Finanzausſchuß beriet in ſeiner heutigen
Sitzung, der wiederum die drei Miniſter und die Re=
gierungskommiſſare
beiwohnten, zunächſt das Kapitel 75a,
Landwirtſchaft. Seitens der Antragſteller wurde
die Erhöhung des Staatszuſchuſſes von 53000 Mark ver=
treten
. Die Regierung legte dazu die Rechnung des Jah=
res
1912 vor und legte dar, daß auf Grund dieſer Rech=
nungsergebniſſe
es richtig ſei, wenn die Landwirtſchafts=
kammer
in ihren Ausgaben etwas zurückhaltender vor=
gehen
würde. Für das Jahr 1914 ſtünden der Landwirt=
ſchaft
zur Verfügung an Umlagen 33000 Mark mehr als
1913, und es ſei durch die Möglichkeit von Erſparniſſen
nicht gerechtfertigt, der weiteren Anforderung von 53000
Mark zuzuſtimmen. Die Antragſteller wieſen auf neue
Aufgaben hin, die der Landwirtſchaft zufallen würden,
wie auf die Förderung der Leiſtungszucht, der Pflanzen=
zucht
und Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten uſw, die
mehr Mittel erforderlich machten. Auch das wurde von
der Regierung bemängelt, daß entgegen der geſetzlichen
Beſtimmung 50000 Mark ſeitens der Landwirtſchaftskam=
mer
bei der Genoſſenſchaftsbank angelegt worden ſeien,
welcher Betrag doch jetzt zur Hälfte verloren iſt. Eine
Abſtimmung über das Kapitel fand zunächſt nicht ſtatt.
Bei dem Kapitel Oberverſicherungsamt
rechtfertigt die Regierung die Anforderung einer neuen
Stelle durch überaus große Inanſpruchnahme dieſes Am=
tes
, deſſen Zuſtändigkeit eine ganz andere ſei als die der
früheren Schiedsgerichte.
Bei dem Kapitel Juſtiz wurde die Frage der Be=
ſetzung
der ſieben Stellen, die ſeither durch Aſſeſſoren ver=
waltet
worden ſind, an den Amtsgerichten Offenbach, Gie=
ßen
, Mainz. Darmſtadt I und II. Friedberg und Bad
Nauheim, ſowie die definitive Beſetzung zweier Staats=
anwaltsſtellen
in Darmſtadt und Gießen verhandelt. Die
Juſtizverwaltung bezeichnet von dieſen Stellen die bei
der Staatsanwaltſchaft in Darmſtadt ſowie bei den Amts=
gerichten
in Offenbach und Bad Nauheim als ſolche, deren
dauerndes Bedürfnis ſich in der letzten Zeit ergeben habe
und das auch ſicherlich andauern würde. Bei den übrigen
Stellen könnte die Juſtizverwaltung das Bedürfnis nicht
in dem Umfange anerkennen, daß neue Stellen geſchaffen
werden ſollten, insbeſondere da auch die Zweite Kammer
in den früheren Jahren beſondere Anträge auf Beſchrän=
kung
der Richterſtellen geſtellt und dem dadurch beſonders
Ausdruck gegeben habe, daß im Jahre 1911 15 Amts=
richterſtellen
nur auf den Inhaber bewilligt wurden. Nach
den Verhandlungen in dem Vereinfachungsausſchuß habe
man damals Amtsrichterſtellen in Wald=Michelbach, Ul=
richſtein
, Schotten, Niederolm und Wörrſtadt eingehen
laſſen. Aus dem Ausſchuß wurde darauf hingewieſen, daß
dieſe Maßnahmen durchaus dankenswert geweſen ſeien,
daß ſie aber, wenn das Bedürfnis nach neuen Stellen an
anderen Plätzen ſich herausgeſtellt habe, nicht ſchematiſch
angewendet werden dürfen. Ueberdies ſei auch die Re=
gierung
reichsgeſetzlich gebunden, richterliche Stellen nur
durch Richter, nicht durch Aſſeſſoren verwalten zu laſſen.
Die einzelnen Stellen wurden dann mit der Regierung
durchgeſprochen und die Verhältniſſe dargelegt. Eine
weitere Anregung, die Beihilfe für Juriſten zur Teil=
nahme
an Vorträgen und Vorleſungen über wiſſenſchaft=
liche
oder induſtrielle Themata von 2000 auf 4000 Mark
zu erhöhen, wurde ſeitens der Juſtizverwaltung begrüßt
und die Anregung aufgenommen.
Fortſetzung der Beratung Freitag.

St. Der Vierte (Petitions=) Ausſchuß hielt
am Donnerstag ebenfalls eine Sitzung ab, in der im
weſentlichen nur die in der vorigen Sitzung beſchloſſenen
Berichte entgegengenommen und genehmigt wurden. Die
Vorſtellung der Orts= und Polizeidiener, die einheitliche
Regelung ihrer Uniformen uſw. gleich den Forſtwarten
betreffend, wurde nach dem Rekerat des Abg. Stöpler für
erledigt erklärt, weil den Wünſchen durch die neue Land=
gemeindeordnung
meiſt bereits entſprochen worden iſt.
Auch die Vorſtellung des Aerztlichen Kreisvereins, be=
treffend
das Unfallkrankenhaus in Oberheſſen, wurde für
erledigt erklärt, weil der Plan inzwiſchen ja fallen ge=
laſſen
wurde, ebenſo der Antrag Leun, die Kraftfahrzeuge
betreffend, und die Vorſtellung der Bauaſpiranten, die
Privatbeamtenverſicherung betreffend, die durch die Ver=
handlungen
in der Zweiten Kammer erledigt iſt. Dem
Antrage des Abg. Kredel, betreffend das Verbot des Fi=
ſchens
im Neckar zur Nachtzeit, ſoll entſprochen werden
Einer Vorſtellung der Frau Söldner, betreffend Ent=
laſſung
ihres Sohnes aus der Irrenanſtalt, iſt bereits
entſprochen, ebenſo dem Antrage Senßfelder, die Nota=
riatsſtelle
in Groß=Gerau betreffend. Zu einer Anzahl
weiterer Vorſtellungen ſoll noch neues Material beige=
bracht
werden. Nächſte Sitzung am nächſten Donnerstag.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 5. Febr. Präſident Dr. Kaempf er=
öffnet
die Sitzung um 1 Uhr 15 Min. Die zweite Leſung
des Etats des
Reichsamts des Innern
wird fortgeſetzt, und zwar mit der Beſprechung der An=
träge
, betreffend Anwendung des Reichsvereinsgeſetzes
Abg. Dr. Junck (natl.): Die diesjährige Reichsvereins=
geſetzdebatte
iſt mit Ausnahme der Behandlung durch die
Polen im weſentlichen milder geweſen gegen früher. Wenn
auch die Ausführung des Geſetzes durch die preußiſchen
Behörden zu wünſchen übrig läßt, ſo haben wir doch abſo=
lut
keinen Anlaß, den Sprachenparagraphen aufzuheben.
In der Oſtmarkenpolitik wollen wir kein Zurückweichen.
Wenn die Polen unter ſich ſind, müſſen ſie zugeben, daß
das Reichsvereinsgeſetz weit milder iſt, als eine etwaige
preußiſche Vereinsgeſetzgebung ausgefallen ſein würde.
Auch die Polen ſollten dankbar ſein und nicht immer un=

dankbar. (Heiterkeit bei den Polen.) Es iſt nicht darüber
zu ſtreiten, daß die Arbeiter=Turnvereine ſozialdemokratiſch
ſind, wenn auch rein turneriſch genommen es keinen ſozial=
demokratiſchen
Aufſchwung gibt. (Heiterkeit.) Wenn auch
die freien Gewerkſchaften ebenfalls Tendenzen verfolgen.
welche mit der Sozialdemokratie an ſich nichts zu tun
haben, ſo kann man doch nicht leugnen, daß ſie ſozialdemo=
kratiſche
Organiſationen ſind. Das haben Bebel und =
melburg
klar ausgeſprochen. Abgeſehen von dem Ton,
war aber auch das Gleis der Debatte ein anderes. Früher
ſprach man von Mißgriffen der Verwaltungsbehörden,
heute werden der Juſtiz Vorwürfe gemacht. Ich gebe zu,
daß im Falle Amundſen ein ſo hoher Regierungsbeamter
wie der Regierungspräſident es im kleinen Finger haben
mußte, daß ſich das Verbot einem ſo großen Gelehrten
gegenüber nicht aufrecht erhalten laſſe. Ich beſtreite keines=
wegs
, daß Fehlgriffe vorgekommen ſind. Dieſe ſind aber
nur in geringem Umfange erfolgt. Keinesfalls darf man
ſo weit gehen, von Rechtsbruch und Rechtsbeugung zu
ſprechen. Mißgriffe des Gerichts können wir beſeitigen,
indem wir für eine ausreichende Rechtſprechung ſorgen da=
durch
, daß wir eine gemeinſame höhere Inſtanz ſchaffen.
Eine Aenderung des Geſetzes tut nicht not. Die proleta=
riſche
Jugendbewegung halten wir inſofern für verfehlt,
als ſie in gar zu frühem Alter ihre Mitglieder in die Fra=
gen
der Politik einführen will. Es gibt ſo viele ſchöne
Sachen: die Natur, unſere Geſchichte, die Fürſten ( Heiter=
keit
bei den Sozialdemokraten), daß man Belehrungs=
gegenſtände
reichlich für die Jugend hat und ſie von der
Politik ruhig noch fernhalten kann. Dabei gebe ich zu, daß
wohl ein berechtigtes Intereſſe vorhanden iſt, die Arbeiter=
kinder
frühzeitiger in wirtſchaftspolitiſche Fragen einzu=
führen
. Immerhin iſt es nicht erforderlich ſie vor dem 18.
Lebensjahr mit dieſen Dingen zu beſchäftigen. Zugegeben
werde noch, daß namentlich die ſüddeutſchen Behörden
das Geſetz durchaus loyal angewandt haben. Im Falle
des Polizeipräſidenten v. Jagow iſt der Reichstag ſicher=
lich
nicht kompetent. Die Organiſation der Schutzmann=
ſchaft
wollte Pflege königstreuer Geſinnung, Förderung
des Standesanſehens, Ehrung der Jubilare und verſtor=
bener
Kameraden und Hilfe für Witwen und Waiſen be=
zwecken
. Dienſtliche Angelegenheiten ſollten ausgeſchloſſen
ſein. Da iſt die Stellungnahme des Polizeipräſidenten
allerdings kaum zu verſtehen. Es ſcheint faſt, als ob er
ſich gegen die Koalition als ſolche wendet, und das ſollte
nicht zuläſſig ſein. Es wäre bedauerlich, wenn eine Feind=
ſchaft
gegen den Gedanken der Koalition bei den Behör=
den
ſich feſtſetzte. Die Koalitionsbewegung läßt ſich nicht
aufhalten. Das Vereinsgeſetz als ſolches betrachten wir
als eine große Errungenſchaft und hoffen, daß es immer
mehr und mehr ſich einbürgert. Eine ſchikanöſe Anwend=
ung
ſchädiat die Autorität des Staates. Die unterbreiteten
Anträge lehnen wir ab. (Beifall bei den National=
liberalen
.)
Abg. Dr. Müller=Meiningen (Fortſchr. Vpt.): Die
konſervativen Redner ließen durchblicken, daß ſie das Ver=
einsgeſetz
am liebſten aufgeben würden. Dabei machen
ſie einen frommen Augenaufſchlag nach der Prinz Albrecht=
Straße hin. Wir freuen uns dagegen, daß wir damals
das Geſetz gemacht haben, und würden heute genau ſo han=
deln
. (Zwiſchenrufe bei den Soz.) Die Sozialdemokratie
genießt doch die größten Vorteile des Geſetzes. Die Aus=
führungsbeſtimmungen
ſind gut, nur pfeifen einzelne Be=
hörde
der Einzelſtaaten, namentlich Preußens, auf die
einzelnen Beſtimmungen des Geſetzes. Wir wollen aber
eine Vorwärtsentwickelung namentlich hinſichtlich der Be=
ſeitigung
mißbräuchlicher Anwendung des Geſetzes durch
Gerichte oder Verwaltungen. Dazu gehört auch der Miß=
brauch
der Polizeiſtunde, der Mißbrauch in der Auswahl
der Zeitungen bei Bekanntmachung der Verſammlungen.
(Sehr richtia!) Auch wenden wir uns gegen den Miß=
brauch
des Diſziplinarrechts und die mißbräuchliche Herein=
ziehung
von landesrechtlichen polizeilichen Beſtimmungen,
ſowie dagegen, daß junge Leute von 14 Jahren in politi=
ſchen
und konfeſſionellen Fanatismus hineingezogen wer=
den
. Eine gute Fortbildungsſchule und turneriſche und
ſportliche Uebungen ſind für ſie viel beſſer. Das Zentrum
und die Sozialdemokratie will Gift und Gegengift der
Weltanſchauung einander gegenüberſtellen. Auf dieſe Weiſe
wird die deutſche Jugend ſchließlich zum Verſuchskanin=
chen
. (Sehr gut!) Wenn in die Jungdeutſchlandbewegung
auch eine politiſche Richtung hineingetragen wird, das
wäre genau ſo zu verurteilen, wie bei den übrigen Jugend=
organiſationen
. Ein Skandal wäre es aber geradezu,
wenn Jugendliche, wie hier behauptet wurde, als Spitzel
benutzt würden. Ein Vergleich zwiſchen der Abſicht der
Berliner Schutzleute, die ſich zu einem nichtpolitiſchen Ver=
eine
zuſammenſchließen, und den Londoner Poliziſten, wie
es der Herr Regierungsvertreter getan hat, läßt ſich nicht
ziehen. Die Londoner Poliziſten wollten ſich an die Ge=
werkſchaften
anſchließen, um das Streikrecht zu erkämpfen.
Die Berliner Schutzleute wollten dagegen einen harmloſen
Verein gründen, der ſeinen Patriotismus gleich bei ſeiner
erſten Sitzung bekundete. Mit drei Hurras auf den deut=
ſchen
Kaiſer wurde die Sitzung eröffnet und mit drei
Hurras auf den König von Preußen geſchloſſen. Mehr
kann man doch nicht tun. (Große Heiterkeit.) Die praktiſche
Bedeutung des Sprachenparagraphen iſt für uns gleich
null. Praktiſcher als die Beſeitigung dieſes Paragraphen
wäre eine klare authentiſche Auslegung des Textes des
Geſetzes in dieſer Frage. Dem könnten wir zuſtimmen.
Die Behauptung, daß der Vortrag Amundſens in Flens=
burg
in norwegiſcher Sprache der Agitation diente, iſt
irrig. Es handelte ſich lediglich um eine Geſchäftsfrage
der Geſellſchaft, die den Vortrag Amundſens in Flensburg
in die Wege leitete, da dort Tauſende von Dänen wohnen.
Von der Blamage des dortigen Regierungspräſidenten
deſſen Verbot erſt durch den preußiſchen Miniſter oder wo=
möglich
eine noch höherſtehende Perſönlichkeit rückgängig
gemacht werden mußte, will ich gar nicht reden. Der
Paragraph 12 des Vereinsgeſetzes ſpricht vom Verbot
fremdſprachiger Verhandlungen, alſo einer gegenſeitigen
Ausſprache, nicht aber eines einſeitigen fremdſprachigen
Vortrages. Das Oberverwaltungsgericht hat anders uint=
ſchieden
, als die Konſervativen hier empfohlen haben, und
dabei gehört Graf Weſtarp doch dieſem Gericht an. (Zuruf
des Grafen Weſtarp: War ein anderer Senat! Heiterkeit.)
Dann bedauere ich nicht, daß Graf Weſtarp dieſem ver=
nünftigen
Senat nicht angehört hat.
(Vizepräſident Dove: Ich bitte, nicht auf Privatver=
hältniſſe
eines Abgeordneten einzugehen.)
Müller=Meiningen (fortfahrend): Die Auslegung des
Sprachenparagraphen führt ſchließlich zum Verbot von
Theater= und Konzertaufführungen, wie ein Fall in Flens=
burg
zeigt, wo die harmloſeſten Vorträge (Zuruf: Vor=
ſingen
! Heiterkeit) verboten wurden. Eine ſolche Nadel=
ſtichpolitik
iſt eine politiſche Torheit und mißkreditiert unſer
Anſehen im Auslande. Daß das Geſetz an ſich gut iſt. be=
weiſt
, daß aus Süddeutſchland keine einzige weſentliche
Klage gekommen iſt. Es liegt lediglich an der ſchlimmen
Auslegung des Geſetzes in Oſtelbien. Wir ſind bereit,
mitzuarbeiten, damit die ruſſiſchen Verwaltungsmaximen,
die ſich durch die mißbräuchliche Auslegung des Reichs=
vereinsgeſetzes
kund tun, von Deutſchlands Grund und

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Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. Februar 1914.

Nummer 37.

Boden verſchwinden, zum Segen des Reiches und Preu=
ßens
ſelbſt. (Beifall bei den Freiſinnigen.)
Abg. Delſor (Elſ.): Wir haben beſonderen Anlaß
zum Mißtrauen, weil die elſaß=lothringiſche Regierung
auf Drängen von Berlin aus eine Vorlage gemacht hat,
durch die uns das Vereinsrecht und die Preßfreiheit be=
ſchnitten
wurden. Die Grenzbevölkerung verſteht nicht ſo
viel Deutſch, um einem politiſchen Vortrag folgen zu kön=
nen
. Jeder Gendarm muß, will er ſich verſtändlich machen
franzöſiſch ſich mit dieſen Grenzbewohnern unterhalten.
Dabei ſind die Leute durchaus loyal. In Zabern war der
oft genannte Redakteur ein Altdeutſcher, der kein Wort
Franzöſiſch verſteht. Die Beteiligung der Jugendlichen an
der Politik iſt eine dringende Forderung. Politik iſt ein
Geſchenk unſerer edlen Bürgerkunde, und Bürgerkunde iſt
Gegenſtand des Fortbildungsſchulunterrichts. Ich hoffe
daß die Zeit nicht fern iſt, wo das Recht auch über dieſes
Geſetz ſiegt. (Beifall bei den Elſ.)
Abg. Hanſſen (Däne): Ich bitte Sie, die Reſolu=
tionen
in allen ihren Teilen anzunehmen. Leider haven
ſich in Nord=Schleswig die Beſchwerden über die Hand=
habung
des Vereinsgeſetzes ſehr gehäuft. Nicht verein=
zelte
Erſcheinungen ſind es, ſondern ein konſequent durch=
geführtes
Syſtem tritt zutage. Unter dieſem Geſichtswinkel
iſt auch das Verbot gegen Roald Amundſen zu beurteilen.
Dieſer Fall dürfte auch weiteren Kreiſen des deutſchen
Volkes die Augen geöffnet haben. Daß eine däniſche Heer=
ſchau
beabſichtigt ſei, glaubt kein Menſch. Es handelte ſich
für die Konzertagentur lediglich darum, die Einnahmen zu
erhöhen. Der Sprachenparagraph fördert nur Haß und
Unwillen, ſchadet den Deutſchen im Auslande und nützt
dem Germaniſierungsverſuch nichts. Es iſt unzuläſſig,
daß die Polizeibehörde ſich in geſchloſſene Verſammlungen
eindrängt, angeblich, um zu konſtatieren, ob Jugendliche
an der Verſammlung teilnehmen.
Abg. Landsberg (Soz.): Jeder ſoll ſeine Mutter=
ſprache
lieben und die anderer achten. Der Sprachenpara=
graph
dient nur den weſtfäliſchen Großinduſtriellen. Die
militäriſchen Uebungen beim Jungdeutſchlandbund ſind
mehr als Unſinn. Die Polizei ſoll Dienerin des Rechts
ſein, ſtatt deſſen verfolgt ſie Geſinnungen. Abg. Grö=
ber
(Zentr.) ſtellt feſt, daß eine Notwendigkeit zur Revi=
ſion
des Vereinsgeſetzes gegeben ſei. Das Jagowſche Ver=
bot
der Koalition der Berliner Schutzmannſchaft iſt un=
haltbar
. Wenn man jugendlichen Perſonen die notwendige
Belehrung in wirtſchaftspolitiſchen Fragen vorenthält, ſo
ſollte man ſich ſchämen. Lorbeeren haben wir im Ausland
mit dem Vereinsgeſetz nicht geerntet.
Miniſterialdirektor Dr. Lewald: Hauptzweck bei
Schaffung des Reichsvereinsgeſetzes war die Verein=
heitlichung
der einzelſtaatlichen Vereins=
geſetze
. Daß einzelne Behörden auf die Beſtimmungen
des Geſetzes pfeifen, muß ich zurückweiſen. Das würde
bedeuten, daß dieſe Stellen bewußt rechtswidrig handeln.
Das iſt nicht der Fall, wenn auch einzelne Mißgriffe vor=
gekömmen
ſein mögen. Verhandlungen und Vorträge ſind
identiſch; auch ein Kongreß kann ohne Diskuſſion ver=
llaufen
, dabei bleibt es doch eine Verhandlung. Im Gegen=
ſatz
zu den ſozialdemokratiſchen Jugendvereinen treibt der
Jungdeutſchlandbund keine Politik. (Lachen bei den Soz.
Bravo! bei den Bürgerlichen.) Er will die Jungen zu
guten Deutſchen erziehen und ihnen Patriotismus beibrin=
gen
. Irgend welche Parteipolitik wird nicht getrieben
Der Erlaß des Berliner Polizeipräſidenten ſteht nicht in
Widerſpruch mit den Erklärungen der Regierung. Die
Schutzmannſchaft iſt militäriſch organiſiert und hat das
Recht des Waffengebrauchs. Deshalb iſt es nicht zu ver=
kennen
, daß in dieſem Falle beſondere Verhältniſſe vor=
liegen
, ſonſt müßte man auch den Gendarmen und dem
Militär das Koalitionsrecht geben. (Beifall rechts.)
Abg. v. Trampszynski (Pole): Es erfordert das Ehr=
gefühl
des Reichskanzlers, daß er dafür ſorgt, daß das
Vereinsgeſetz ſo ausgeführt wird, wie er es verſprochen
hat. Schikanen ſollen danach nicht vorkommen. Nach dem
Vörgehen des Grafen v. Schwerin aber muß man den Be=
ämten
jede Niedertracht zutrauen. (Glocke. Vizepräſident
Dr. Dove ruft den Redner wegen dieſes Ausdruckes zur
Ordnung.) Wir proteſtieren dagegen, daß Verſammlungen
polniſcher wirtſchaftlicher Vereine als öffentliche Verſamm=
lungen
betrachtet und dementſprechend von der Polizei
überwacht werden. Das alte preußiſche Verſammlungs=
recht
war für uns viel günſtiger, als das jetzige Reichsver=
einsgeſetz
. Hier iſt eine Aenderung dringend nötig. Der
Reichstag wird hoffentlich dafür ſorgen, daß dem Volke
ſein Recht wird und es in Zukunft keiner noch ſo feierlichen
Erklärung der Regierung Glauben ſchenkt. Abg. v. Me=
ding
(Welfe): Das Vereinsgeſetz iſt durchaus gut. Aber
auch wir leiden unter ſeiner Auslegung durch untere
Organe. Eine freiheitlichere Handhabung des Vereinsge=
ſetzes
wäre angezeigt. Abg. Fürſt Radziwill (Pole):
Nichts ſpricht mehr gegen das Vereinsgeſetz, ſpeziell gegen

den Sprachenparagraphen, als die Ausführungen des Re=
gierungsvertreters
. (Sehr richtig!) Auch vom Geſetz gilt
An ihren Früchten werdet Ihr ſie erkennen! In allernäch=
ſter
Zeit haben wir ein Jahrhundert=Jubiläum zu feiern,
nämlich das der Wiener Akte, in der die Teilung Polens
vorgenommen wurde. Damals kamen die Monarchen da=
rin
überein, den Polen vor allen Dingen die Mutterſprache
zu erhalten. Darüber hinaus ſollten auch internationale
Gemeinſchaften in ökonomiſcher Beziehung zugelaſſen wer=
den
. Es iſt ein beſchämendes Gefühl, daß jetzt nach 100
Jahren im deutſchen Reichstag nicht mehr ein Verſtändnis
für dasjenige beſteht, was die Monarchen damals als
richtig und gerecht anerkannt haben. Stimmen Sie unſerer
Reſolution zu in dem Bewußtſein, daß ſie nicht nur unſern
Intereſſen als nationale Minderheit, ſondern auch dem
Anſehen des Deutſchen Reiches im In= und Auslande, ſo=
weit
die Kultur reicht, gerecht werden und damit dem
Reiche einen Dienſt leiſten. (Lebhafter Beifall.)
Staatsſekretär Dr. Delbrück: Abg. v. Tramps=
zynski
hat geſagt, ich hätte mich an der Debatte nicht betei=
ligt
und dieſe Enthaltſamkeit gereiche mir zur Ehre, da die
Sache eine ſchlechte ſei. (Sehr gut!) Zur Vermeidung
von Mißverſtändniſſen ſtelle ich feſt, daß die Ausführungen
des Miniſterialdirektors Dr. Lewald mit mir vereinbart
ſind und meine volle Zuſtimmung finden. (Abg. Ledebour
ruft: Nie daran gezweifelt! Heiterkeit.) Die Debatte über
mein Reſſort hat derartige Dimenſionen angenommen, daß
es mir nicht mehr möglich iſt, um nicht meine ſonſtigen
Amtspflichten zu verletzen, mich ausſchließlich an den De=
batten
im Hauſe zu beteiligen. (Bravo! rechts.)
Abg. Dr. Müller=Meiningen (Fortſchr. Vpt.): Die
Polen wußten ganz genau, daß, wenn wir kein Reichsver=
einsgeſetz
haben würden, es zu einer Geſetzgebung gekom=
men
wäre in Preußen. In den ſüddeutſchen Staaten wird
das Geſetz anſtändig angewandt, wie es uns für das ganze
Reich zugeſagt worden iſt. Wenn der Abg. Gröber ſich über
die ſchlechte Geſetzgebung beſchwert, ſo erinnere ich ihn
daran, daß er der Vater von noch viel ſchlechteren Geſetzen
iſt, nämlich vom Diätengeſetz, und ich ſage, daß er über=
haupt
nicht die Fähigkeit hat, gute Geſetze zu machen. Die
Entrüſtungsreden, die hier gehalten worden ſind, ſind
nichts weiter, als Wiederholungen alter Reden. In ihrem
Herzen ſind die Sozialdemokraten recht froh, daß ſie das
Reichsvereinsgeſetz bekommen haben. (Widerſpruch bei
den Soz. Beifall rechts.)
Abg. Gröber (Zentr.): Ich lehne es ab, mir von Dr.
Müller=Meiningen ein Zeugnis über meine Fähigkeiten
ausſtellen zu laſſen. Wenn ein Geſetz ſeinen Zweck erreicht
hat und eine Wohltat für unbemittelte Volksvertreter
wurde, und welches vom freiheitlichen Standpunkte zu be=
grüßen
iſt, dann war es das Diätengeſetz, und wenn es ein
recht ſchlechtes und unfreiheitliches Geſetz gibt, ſo iſt es das
von Dr. Müller=Meiningen gemachte Reichsvereinsgeſetz.
(Große Heiterkeit.) Abg. Dr. Müller=Meiningen
(Fortſchr. Vpt.): Für ein Diätengeſetz ſind auch wir ge=
weſen
. Daß es aber in ſo miſerabler Weiſe ausgeführt
wurde, das iſt das Verdienſt des Abg. Gröber. (Sehr gut!
links.) Abg. Gröber (Ztr.): Und von dieſem miſerab=
len
Geſetz macht Dr. Müller=Meiningen jeden Monat den
angenehmſten Gebrauch. (Schallende Heiterkeit.)
Damit ſchließt die Debatte. Es folgen perſön=
liche
Bemerkungen. Das Gehalt des Staatsſekretärs wird
bewilligt. Die Abſtimmung über die Reſolutionen erfolgt
morgen.
Vizepräſident Dr. Paaſche teilt mit, daß der Abg.
v. Halem (Reichspt.) ſein Mandat niedergeleat
hat. Nächſte Sitzung Freitag 1 Uhr pünktlich: An=
fragen
, Wahlprüfungen, Fortſetzung der Etatsberatung.
Schluß gegen ¾7 Uhr.
* Berlin, 5. Febr. Der Direktor des Reichsſchatz=
amtes
, Herz, teilte in der heutigen Budgetkommiſ=
ſion
des Reichstages mit, daß die Vorarbei=
ten
zur Beſoldungsnopelle abgeſchloſſen ſeien.
Die Novelle werde bald an den Reichstag gelangen.
Darauf äußerte ſich der Staatsſekretär des Reichsmarine=
amtes
, v. Tirpitz, über die angeſchnittene Frage des
Verhältniſſes der aktiven Deckoffiziere zu privaten Ver=
einen
und betonte, daß in dieſen Vereinen auch politiſche
Fragen erörtert würden, und daß bei dieſer Sachlage die
Teilnahme von aktiven Deckoffizieren unter keinen Um=
ſtänden
geſtattet werden könnte. Er nahm Gelegenheit,
die Frontdienſtſtellen beſonders darauf hinzuweiſen.
* Berlin 5. Febr. Die Zentrumsfraktion
hat im Reichstage unter Bezugnahme auf den Automo=
bilunfall
der beiden Reichstagsabgeordneten Hebel
und Puetz eine Interpellation eingebracht, in der die
Staatsregierung gefragt wird, welche Maßnahmen ſie zu
ergreifen gedenkt, um der zunehmenden Gefahr entgegen=
zuwirken
, die durch den ſteigenden Verkehr, insbeſondere

durch die Automobile, für die Bevölkerung herbeigeführt
wird.

Heer und Flotte.
* Berlin, 5. Febr. Das Militärwochenblatt mel=
det
: General der Infanterie und Gouverneur von Metz
von Oven iſt in Genehmigung ſeines Abſchiedsgeſuches
unter gleichzeitiger Stellung à la suite des Grenadier=
regiments
Nr. 12 in Frankfurt a. d. Oder zur Dispoſition
geſtellt; der Kommandeur der 16. Diviſion in Trier, Gene=
ralleutnant
von Lindenau iſt zum Gouverneur von
Metz ernannt worden. Der Kommandeur der 20. Infan=
terie
=Brigade in Poſen Generalmajor Fuchs, iſt unter
Beförderung zum Generalleutnant zum Kommandeur der
16. Diviſion ernannt worden. Freiherr von der Horſt,
Kommandeur des Infanterie=Regiments Nr. 59, iſt mit der
Führung der 20. Infanterie=Brigade in Poſen beauftragt
worden. Der Kommandeur der 6. Diviſion von Ferſter,
iſt in Genehmigung ſeines Abſchiedsgeſuches zur Dispo=
ſition
geſtellt worden. Der Kommandeur der Garde=
Kavallerie=Diviſion, Freiherr von Richthofen iſt in
gleicher Eigenſchaft zur 6. Diviſion verſetzt worden. Der
Kommandeur der 30. Kavallerie=Brigade in Straßburg,
von Pelet=Narbonne iſt mit der Führung der
Garde=Kavallerie=Diviſion beauftragt worden, von
Zieten, Oberſt, mit dem Range eines Brigadekomman=
deurs
und Chef des Generalſtabes des 11. Armeekorps
zum Kommandeur der 30. Kavallerie=Brigade in Straß=
burg
ernannt worden. von Sauberzweig, bisher
Kommandeur des Grenadier=Regiments Nr. 12, iſt zu=
nächſt
zu den Offizieren von der Armee verſetzt und ſo=
dann
unter Verleihung des Ranges eines Brigade=Komt.
mandeurs unter Verſetzung zum Generalſtabe bei der
Armee zum Chef des Generalſtabes des 11. Armeekorps er=
nannt
worden. Generalmajor Sieger, Präſident der
Artillerie=Prüfungskommiſſion. und von Werner In=
ſpekteur
der Eiſenbahntruppen, zu Generalleutnants be=
fördert
. Außer der bereits gemeldeten Verſetzung des
Oberſten von Reuter und des Leutnants von
Forſtner vom Infanterie=Regiment Nr. 99 und der Be=
auftragung
des Oberſten Quendell, Kommandeur der
Kriegsſchule in Danzig, mit der Führung des Infanterie=
Regiments Nr. 99, meldet das Militärwochenblatt die Ver=
ſetzung
des Oberſtleutnants Sonntag von dieſem Re=
giment
, beauftragt mit der Führung des Infanterie= Regi=
ments
Nr. 59. Herzog Johann Albrecht von Meck=
lenburg
, General der Kavallerie und à la suite des
Leibhuſaren=Regiments auch à la suite der Schutztruppe
für Deutſch=Oſtafrika geſtellt.

Luftfahrt.

* Chartres, 4. Febr. Der Flieger Gareix ſtellte
einen neuen Weltrskord für den Flug mit 5 Paſſagieren
auf, indem er mit ihnen bis zu einer Höhe von 2250 Meter
aufſtieg.
* Paris, 5. Febr. Der Flieger Gareix brauchte zu
ſeinem neuen Weltrekörd mit 5 Paſſagieren beim Aufſtieg
zu der erreichten Höhe von 2250 Metern 36 Minuten und
er landete aus dieſer Höhe im Gleitflug in
16 Minuten. Der Erbauer des neuen Apparates heißt
Paul Schmitt.
* Verſailles, 5. Febr. Der Flieger Reals, der
heute nachmittag auf einem Doppeldecker über dem Flug=
platz
von Villacoublay Flugverſuche machte, iſt aus
200 Meter Höhe abgeſtürzt. Die Leiche iſt ſchrech
lich verſtümmelt.
* London, 5. Febr. Der junge amerikaniſche Millionär
Rodmann Wannemaker hat angekündigt, daß er den
Atlantiſchen Ozean in einem eigens von ihm und
Mr. Curtis erbauten Luftſchiffe zu überfliegen
gedenke.

Landwirtſchaftliches.

Schlachtviehmarkt Darmſtadt. Schweines
markt am 4. Fehr. Auftrieb durch Händler 161 Schweine.
Preiſe für 50 Sg. Schlachtgewicht: 1. Qualität 68 Mark,
2. Qualität 67 Mark, 3. Qualität 67 Mark. Marktverlauf:
lebhaft, geräumt. Schweinemarkt am 5. Februar. Auf=
trieb
durch Händler 144 Schweine. Preiſe für 50 Kg=
Schlachtgewicht: 1. Qualität 68 Mark, 2. Qualität 67
Mark, 3. Qualität 67 Mark. Marktverlauf: mäßig. Ueber=
ſtand
. Kälbermarkt am 5. Februar. Auftrieb durch
Händler 136 Kälber. Preiſe für 50 Kg. Lebendgewicht:
1. Qualität 62 Mark, 2. Qualität 56 Mark, 3. Qualität
46 Mark. Marktverlauf: rege.
* Berlin, 5. Febr. Das preußiſ che Landes=
ökonomiekollegium
, das im Feſtſaale des Abge=

Großherzogliches Hoftheater.

Donnerstag, 5. Februar.
Figaros Hochzeit.
W-l. Als Graf Almaviva ſetzte heute Herr Kirchberg=
van
Eyck ſein Gaſtſpiel fort. Wir hatten nach ſeinem
erſten, ſehr erfolgreichen Gaſtſpiel als Rigoletto die Frage
unentſchieden gelaſſen, ob er ſich für jugendliche, dem lyri=
ſchen
Fache angehörige Partien ebenſo gut eignen würde.
Die des Grafen Almaviva iſt nicht wie die des Rigoletto
auf ſtimmliche Effekte berechnet, durch die ein Sänger ſich
den Erfolg ſichert, ſie erfordert vielmehr einen fertigen
und intelligenten Sänger, der ſich in den Charakter und
den Stil der wunderbaren Mozartſchen Muſik eingelebt hat
und ſie ganz beherrſcht. Dies kann man nun von dem Gaſt
freilich nicht behaupten; es hatte vielmehr den Anſchein,
als ob er die Partie zum erſten Male ſänge, woraus ſich
auch wohl ſeine Befangenheit und Unſicherheit in Spiel
und Geſang erklären mögen. Erſt im dritten Akte ging er
ſtimmlich und geſanglich aus ſich heraus. Herr Kirchberg=
van
Eyck iſt noch ein junger Künſtler und muß ſich noch
vervollkommnen. Dazu würde ihm hier gute Gelegenheit
geboten werden, und da er hervorragende Mittel beſitzt
und ihm nach der Leiſtung des erſten Abends die künſtleri=
ſchen
Qualitäten nicht abzuſprechen ſind, iſt zu erwarten,
daß er ſich bei eifrigem Streben zu einem bevorzugten
Vertreter des Baritonfaches heranbilden wird.
Von einigen Unſicherheiten im Dialog abgeſehen, waren
die Leiſtungen unſeres Enſembles, über die wir uns heute
kurz faſſen müſſen, erfreulicher Art. Mit beſtrickender
Schönheit des Tones ſang Frl. Geyersbach die Partie
der Gräfin; als ſichere Beherrſcherin des Mozartſchen Ge=
ſangsſtiles
bewährte ſich Frau Kallenſee in der
Partie der Suſanne, was in gleicher Weiſe von Frau
Beling=Schäfer gilt, die den Pagen reizend ver
körperte. Herrn Stephanis Figaro iſt als vortreff=
liche
Leiſtung bekannt. Die kleineren Partien waren ent=
ſprechend
beſetzt. Das Publikum ſpendete ſowohl nach ein=

zelnen Geſangsnummern, als auch nach den Aktſchlüſſen
reichen Beifall.

Konzerte.

mm. Ein eigenes Konzert (d. h., ein ſolches, das nicht
von einem unſerer Konzertvereine veranſtaltet war), unter=
nahmen
geſtern im Traubeſaal die beiden Künſtler Ida
Baur=Engelhaaf, eine ſehr muſikaliſch begabte
Sopraniſtin, und der bereits über das gewöhnliche Niveau
des Könnens hinausgewachſene junge Geiger Willem
de Boer der ſeine Violine, ein gutes klangvolles In=
ſtrument
, ſehr ſicher zu handhaben weiß. Die Stücke von
Cyrill Scott konnten durchweg vollkommen befriedigen, be=
ſonders
in Ausdruck und Empfindung, die beiden Prä=
ludien
, davon namentlich das Poéme érotique. Auch in
den Paganini=Variationen (i palpiti) zeigte er ſich nahezu
als vollendeten Beherrſcher der Technik des ſpringenden
Bogens und des Pizzikato der linken Hand. Nur im Flageo=
lettſpiel
ſind ſeine Studien nicht ganz abgeſchloſſen:
ebenſo ließ der Vortrag der Fuge doch noch manchen
Wunſch offen. Abgeſehen von dem Mitbewegen des Kör=
pers
war in ihr wenig mehr als ein techniſch allerdings
tadelloſes metronomartiges Spiel zu erkennen. Selbſt
empfunden hat der junge Mann weder die Form noch den
Inhalt der Fuge, die Bach ſelbſt ſehr geſchätzt haben muß,
da er ſie (in die Tonart D=Moll transponiert) für ein
Taſteninſtrument prächtig und reicher ausgearbeitet fünf=
ſtimmig
übertrug. Von einem Geiger mit ſo vorzüglicher
Technik und Fähigkeit dürfte man alſo eigentlich eine in=
dividuelle
Wiedergabe, ſelbſtändige Wahl paſſender
Stricharten und mehr dynamiſche Gegenſätze erwarten.
Freilich iſt bei vielen Lehrern das Verſtändnis für Fugen=
lehre
ſehr gering und die wenigſten verſtehen die Expo=
ſition
des Tonſatzes für den Vortrag auszunützen, wozu
noch ein halb pietätvolles Vorurteil kommt, als dürfe man
Bach nicht modern auffaſſen und phraſieren. Zu Bachs
Zeit ſetzte man von einem Geiger unbedingt Einſicht in die
Form und die Fähigkeit voraus, auch ohne die Bogen
richtig einzuteilen, Perioden und Motive zu überblicken

und ein Stück formvollendet auszuführen. Der Vortrag
der beiden Präludien für Solovioline zeigte übrigens, daß
Herr de Boer Bach recht gut verſtehen kann und daß es
ihm leicht gelingen dürfte, auch in der berührten Sache zu
wirklicher Meiſterſchaft zu gelangen, wenn ſie ſich nur auf
ſie konzentriert. In Herrn Chr. G. Eckel aus Frankfurk
a. M., der auch die Lieder meiſterhaft begleitete, hatte er
einen vorzüglichen Partner.
Ueber die muſikaliſche Qualität von Ida Baur
wurde oben bereits Anerkennendes geſchrieben. Sie
würde eine vollendete Künſtlerin genannt werden müſſen,
wenn der Stimme in der Höhe nicht die Anſtrengung an=
zuhören
wäre. Eine leichte Indispoſition konnte ja mit=
gewirkt
haben, aber die Tonbildung iſt dennoch nicht ganz
einwandfrei, ebenſo wie eine im Laufe des Abends ſich
immer ſtörender bemerkbar machende Sprachſchwierigkeit
(ſcharfes B‟). Wenn es der Dame gelingt, dieſe kleinen
Uebel zu beſeitigen, woran nicht zu zweifeln iſt, wird ſie
überall den beſten Erfolg haben. Schon die Wahl der
Lieder ſtellt dem gediegenen Empfinden der Künſtlerin das
beſte Zeugnis aus. Gellerts von Beethoven in Tönen ge=
ſetztes
Lob des Schöpfers in der Natur (die Himmel
rühmen) und die prächtigen Schumannlieder, von denen
ſie die herzergreifende Klage der in Kriegszeiten um Mann
und Habe gekommenen Hochländerwitwe mit ſehr gutem,
wahrem und natürlichem Ausdruck ſang, ſicherten ihr be=
reits
zu Anfang des Abends den Erfolg.
In 4 Brahmsliedern, von denen wir das erſte (Auf
dem Kirchhof), beſonders nennen und weiteren 5 Liedern
von Max Schillings, Richard Strauß und Max Reger
(Maiennacht, und zwei Mäuschen), zeigte ſie ihr vorge=
ſchrittenes
Können und ihr beſonderes Talent für humori=
ſtiſche
und neckiſche Vorträge, die ihr (ſie iſt ja wohl Rhein=
länderin
) im Blut liegen. Einen weiteren Beweis für
ieſe letztere Eigenſchaft, die nicht geringe dramatiſche
Begabung vorausgeſetzt, lieferte das mit köſtlichem Humor
zugegebene Nußknackerlied.
Sämtliche Mitwirkende dürfen mit Befriedigung an
den gelungenen Konzertabend zurückdenken.

[ ][  ][ ]

Nummer 37.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. Februar 1914.

Seite 7.

ordnetenhauſes zu ſeiner diesjährigen Sitzung zuſammen=
trat
, wurde von dem Vorſitzenden, Grafen Schwerin=
Löwitz, mit einem dreifachen Kaiſerhoch eröffnet. Land=
wirtſchaftsminiſter
Freiherr von Schorlemer=Lieiſer be=
grüßte
das Kollegium namens der Staatsregierung und
ſeiner Verwaltung und führte u. a. folgendes aus: Die
letzte verhältnismäßig gute Ernte und die Vermehrung
des Viehbeſtandes die eine Herabminderung der Fleiſch=
preiſe
zur Folge hatte, iſt der deutſchen Wirtſchaftspolitik
zu danken. Dies gibt auch einen Fingerzeig für die Not=
wendigkeit
der Beſtrebungen der deutſchen Landwirte, die
Viehproduktion möglichſt zu ſteigern. Ich bin überzeugt.
die preußiſchen Landwirte entziehen ſich dieſer Pflicht
nicht, ſondern ſetzen die Steigerung der Viehproduktion
unvermindert fort. Die Freihändler werden allmählich
einſehen, daß die Getreidepreiſe nicht durch den Zoll, ſon=
dern
durch die Welternte beſtimmt werden. Der Miniſter
äußerte den Wunſch, daß die Verhandlungen zur Hebung
und Förderung der deutſchen Landwirtſchaft beitragen
möchten.

Handel und Verkehr.

* Berlin, 5. Febr. Die Deutſche Reichsbank
hat den Diskont von 4½ auf 4 Prozent und den Lom=
bardzinsfuß
von 5½ auf 5 Prozent herabgeſetzt.
* Dresden, 5. Febr. Die Sächſiſche Bank
ſetzte den Diskont von 4½ auf 4 und den Lombardzinsfuß
von 5½ auf 5 Prozent herab.

Vém Balkan.

* Rom, 5. Febr. Die Agenzia Stefani meldet aus
Durazzo: Es beſtätigt ſich, daß Eſſad Paſcha von
der internationalen Kontrollkommiſſion den offiziellen
Auftrag erhalten hat, die Führung der albaneſiſchen
Delegation zu übernehmen, die nach Deutſchland
reiſen ſoll, um dem Prinzen zu Wied die Krone Albaniens
anzubieten. Eſſad Paſcha reiſt am 12. Februar ab.
* Athen, 5. Febr. Aus Koritza wird authentiſch
gemeldet: Die zur Vertreibung der Albaneſen
entſandten Truppen rückten mit den heiligen Bataillonen
bis vor Vokuf und Ochrida vor, die von albaneſiſchen
Banden beſetzt ſind. Nach einem heftigen Kampfe ge=
lang
es den Griechen, die Albaneſen zurückzuſchlagen, die
große Verluſte hatten. Die Ortſchaft Kaſſaraka im Ak=
tionszentrum
der Albaneſen wurde von den Griechen bom=
bardiert
, worauf ſich die Albaneſen zu regelloſer Flucht
wandten. Vier griechiſche Soldaten wurden verletzt. Die
Griechen ſetzten ihren Vormarſch fort, wobei ſie das Ge=
lände
von dem Feinde ſäuberten. Die heiligen Bataillone
von Koritza kämpften tapfer an der Seite der grie=
chiſchen
Truppen. Meldungen aus Kliſſura beſagen,
daß ſich bei dem Dorfe Zappovo zwiſchen Albaneſen
und griechiſchen Truppen ein Kampf entſponnen hat,
deſſen Ausgang noch unbekannt iſt.
* Sofia, 5. Febr. Die diplomatiſchen Ver=
treter
Bulgariens im Auslande wurden beauftragt
den Kabinetten die Verſicherung zu geben, daß die bulgari=
ſche
Regierung von den freundlichſten Geſin=
nungen
beſeelt ſei. Alle Gerüchte über Bünd
niſſe Bulgariens mit anderen Staaten
ſeien unbegründet. Das gegenwärtige Kabinett und
die öffentliche Meinung Bulgariens haben den feſten
Willen, alle Bemühungen auf die kulturelle und wirt=
ſchaftliche
Konſolidierung Bulgariens zu richten. Gleich=
zeitig
werden die Vertreter Bulgariens darlegen, daß
infolge der Haltung des Athener Kabinetts, das Ver=
ſprechen
, die eingekerkerten bulgariſchen Staatsangehöri=
gen
freizulaſſen, nicht zu erfüllen, die Aufnahme der diplo=
matiſchen
Beziehungen zwiſchen Griechenland und Bul=
garien
noch immer nicht erfolgen könne.

Zur Lage in Mexiko.

* Köln, 5. Febr. Der Präſident der Republik
Mexiko General Huerta telegraphiert der Kölniſchen
Zeitung: Ich habe telegraphiſch an alle Korpskomman=
deure
, Diviſionäre, Staatsgouverneure und Bezirkspräſi=
denten
folgende Weiſungen gerichtet: Da die Regierung
der Republik die militäriſchen Maßregeln gegen die Störer
der Ordnung einleitete, die ohne irgend welche Rückſicht
das Eigentum des mexikaniſchen Volkes ſowohl wie das
der Fremden in den Staaten Sonaloa, Chibuahua, Du=
rango
und Tamaulipas verbrennen und zerſtören, ſo wer
den Sie alle wie die Ihnen unterſtellten Truppenbefehls
haber angewieſen, die größte Sorgfalt aufzuwenden, da=
mit
die Mexikaner wie die Fremden ohne irgend welchen
Unterſchied die größtmögliche Sicherheit für ihr Leben und
Eigentum genießen. Wenn ſich anläßlich der militäriſchen
Maßregeln die Notwendigkeit ergeben ſollte, den Familien,
die in Ihrem Kampfbereich wohnen, Sicherheit zu brin=
gen
, ſo ſind Sie berechtigt, aller zur Durchführung ſowohl
der militäriſchen Maßnahmen, wie die zur Sicherſtellung
der Bevölkerung dienlichen Vorkehrungen zu treffen. Den
Empfang dieſer Weiſung wollen Sie mir beſtätigen. gez.
Huerta.

Beſtechungen jäpaniſcher Marine=
offiziere
.

* Tokio 5. Febr. Die Beſchuldigungen umfang=
reicher
Beſtechungen, die im Anſchluß an den Prozeß
Richter in Berlin gegen hohe Marineoffiziere und
Beamte erhoben worden ſind, riefen in dem Volke furcht=
bare
Entrüſtung hervor. Es ſind zahlreiche Maſſen=
verſammlungen
abgehalten worden. Aber die Angaben
ſind alle unbeſtimmt. In verantwortlichen Kreiſen geht
die allgemeine Tendenz dahin, mit dem Urteil zurückzu=
halten
, ausgenommen ſeitens eines Teiles der Oppoſition,
welche beſtändig der Regierung in dem Landtage zuſetzt,
indem ſie unbewieſene Anklagen gegen verſchiedene Per=
ſönlichkeiten
und den erſten Miniſter vorbringt, ebenſo
gegen Admirale und andere Offiziere, Vertreter euro=
pärſcher
Firmen und den Korreſpondenten des Reuterſchen
Bureaus Pooley. Die Polizei und die Staatsanwaltſchaft
werden durch die furchtbare Erregung des Volkes zur
äußerſten Tätigkeit angeſpornt. Der Tokioter Vertreter
der Siemens und Schuckert=Werke Herrmann iſt ins Ge=
fängnis
gebracht worden. Das Ergebnis der Vorunter=
ſuchung
ſteht noch aus. Die hieſigen Vertreter hervor=
ragender
auswärtiger Firmen erhielten die Aufforderung,
als Zeugen zu erſcheinen. Der Marineminiſter erklärte,
daß die Unterſuchung fortſchreite. Er ſchone weder hoch
noch niedrig; doch habe er volles Vertrauen zu der Inte=
geität
der Marine im ganzen. Ueberdies wächſt beſtändig
der Glaube, daß die Wahrheit noch nicht enthüllt worden
iſt, und daß die von dem Richter benutzten Briefe gefälſcht
geweſen ſein könnten. Auch ſcheint es jetzt ſicher, daß die
Regierung gezwungen werden ſoll, den Flottenetat und
das Budget im allgemeinen herabzuſetzen. Die Beweg=
ung
im Volke für die Steuerherabſetzung, beſonders die
Abſchaffung der Geſchäftsſteuer, vermehrt die Verworren=
beit
der Lage,

* Tokio 5. Febr. Die vereinigten Oppo=
ſitionsparteien
der Kokuminto und Doſchikai haben
beſchloſſen, am nächſten Samstag eine Reſolution einzu=
bringen
, durch welche der Regierung ein Miß
trauensvotum ausgeſprochen wird. Dieſe Reſo
lution gründet ſich auf die jüngſten in Verbindung mit der
Marine erhobenen Beſchuldigungen der Beſtech
ung und auf das Ausbleiben einer Reduzierung der
Steuern. Die Seixukei=Partei, welche die Regierung unter=
ſtützt
, hat eine Mehrheit von 33 Stimmen über alle
andere Parteien. Dieſe Mehrheit wird wahrſcheinlich auf=
recht
erhalten werden.
Darmſtadt, 6. Februar.
O) Oeffentliche Verſammlung des Darmſtädter Haus=
beſitzer
=Vereins (E. V.). Die auf geſtern abend von dem
Hausbeſitzer=Verein Darmſtadt in den
Kaiſerſaal einberufene öffentliche Verſamm=
lung
zu einem Vortrag des 1. Vorſitzenden, Herrn
A. von Heſſert über: Die Beſteuerung des
Ertragswerts und gemeinen Werts und
deren Folgen für den Hausbeſitz war von
den Mitgliedern und Intereſſenten außerordentlich zahl=
reich
beſucht. Erſchienen waren ferner die Herren
Staatsrat Dr. Becker und Dr. Beſt, Oberregierungsrat
Dr. Hölzinger, Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing,
ſowie viele Stadtverordnete. Namens des Hausbeſitzer=
vereins
begrüßte der Syndikus des Vereins, Herr Rechts=
anwalt
Dr. Bopp die Verſammlung und die Vertreter
der Regierung und der Gemeinde und wies darauf hin,
wie ſchwer heute der Darmſtädter Hausbeſitzerſtand unter
der Steuerlaſt leide. Nicht nur die 2. Hypothek iſt heute
ein Schmerzenskind geworden, ſondern auch die 1. Hypo=
thek
werde nur noch mit Vorſicht auf Hausbeſitz gegeben.
Auch ſtaatliche Inſtitute leiden unter dieſer Kalamität und
haben um Stundung der 1. Hypothek gebeten. Die Schätz=
ungen
der Ortsgerichte und der Finanzämter müſſen von
Grund auf gereglt und anders organiſiert werden. Wenn
man die oberflächlichen und hohen Schätzungen des jetzigen
Hausbeſitzes betrachte, ſo glaube man ſich um 120 Jahren
zurückverſetzt in die Zeit der franzöſiſchen Revolution und
der Aſſignate. Auch die Belaſtung des Hausbeſitzes durch
die Brandverſicherungskammer erfolge in ungerechter
Weiſe. Hier müſſe entſchieden reformiert werden, da das
Prinzip der Leiſtung und Gegenleiſtung nur noch auf dem
Papier ſtehe. Der Darmſtädter Haus= und Grundheſitz
müſſe von innen heraus wieder geſunden, und die Forde=
rung
, daß mit der Weiterausdehnung der Stadt Halt ge=
macht
wird, müſſe dringend und laut erhoben werden
Herr v. Heſſert beleuchtete hierauf in eingehender und
ſehr inſtruktiver Weiſe, welche hohe Steuerlaſt heute auf
dem Haus= und Grundbeſitz ruhe. Der Hausbeſitz iſt zur=
zeit
mit 20 Prozent höher beſteuert als jede andere Gruppe
der Steuerzahler, und Staat und Gemeinde ſehen in dem
Hausbeſitzer nur noch die melkende Kuh. Dazu kommen
noch eine Reihe anderer Abgaben wie Kanalgebühren,
Brandverſicherung, Beſitzwechſel= und Wertzuwachsſteuer,
die den Haus= und Grundbeſitz ſchwer belaſten und dem
Ruin entgegenführen. Eingehend beſprach der Redner die
Beſteuerungsarten des Haus= und Grundbeſitzes nach dem
gemeinen Wert und zeigte an Beiſpielen in überzeugender
Weiſe, wie dieſe Art der Beſteuerung den Hausbeſitzer
ſchwer und ungerecht trifft. Staat und Gemeinde könne
er nicht eindringlich genug zurufen: Schützt den Haus=
beſitzerſtand
, damit er nicht ganz ruiniert werde! (Bravo!
Redner fordert eine gründliche Reform des Steuer= und
Einſchätzungsweſens, damit für alle Steuerzahler mit
gleichem Maße gemeſſen werde. Er wendet ſich ferner
gegen die Hypothekenbanken und fordert eine Erhöhung
der Hypothekengrenze. Der Heſſiſche Hausbeſitzer=Verband
werde mit ſeinen Wünſchen und Vorſchlägen für die
Steuerbelaſtung an Regierung und Kammer herantreten
und es ſei zu hoffen, daß die anweſenden Regierungs=
vertreter
mit Eifer an die Prüfung dieſer wichtigen Materie
herantreten werden. (Langanhaltender Beifall.) Mit
einer Reihe inſtruktiver Lichtbilder zeigte der Vortragende
die ſteuerliche Wirkung des gemeinen Wertes und Er=
tragswertes
bei einem Eigenheim, einer 4 Häuſerarupp=
und bei 114 Häuſern in Darmſtadt und wies hiermit
zahlenmäßig nach, daß der jetzige Beſteuerungsmodus von
Haus= und Grundbeſitz in Stadt und Gemeinde dringend
reformbedürftig iſt. Eine Debatte über den Vortrag fand
nicht ſtatt. Herr Rechtsanwalt Dr. Bopp ſprach Herrn
von Heſſert den Dank der Verſammlung für ſeine
intereſſanten und lehrreichen Darlegungen aus. Mit
Dankesworten an die Verſammlung wurde dieſelbe um
10 Uhr geſchloſſen.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 5. Febr. Auf das von dem Präſidenten der
Kaiſer=Wilhelm=Geſellſchaft, Harnack, an den Kaiſer
als Protektor der Geſellſchaft gerichtete Glückwunſch=
ſchreiben
iſt folgendes Antworttelegramm einge=
gangen
: Meinen wärmſten Dank für Ihre freundlichen
Wünſche zu meinem Geburtstage. Ich bin ſtolz auf die
bisherigen ſchönen Erfolge der unter Ihrer Leitung ſich
kraftvoll entwickelten Geſellſchaft zur Förderung der Wiſ=
ſenſchaften
. Ich hoffe auf eine glückliche Durchführung
unſerer weit geſteckten Ziele.
* Berlin, 5. Febr. Der Bundesrat ſtimmte der
Vorlage zu, betreffend Aenderung der Beſtimmungen über
die Sammlung der Saatenſtand=Anbau= und Ernte=
Nachrichten und überwies den Geſetzentwurf zur Aende=
rung
des Geſetzes betreffend die gemeinſamen Rechte der
Beſitzer an Schuldverſchreibungen, ſowie die Vorlage be=
treffend
Aenderung der Beſtimmungen über die Seeſchiff=
fahrtsſtatiſtik
den zuſtändigen Ausſchüſſen. Ueber die Be=
ſetzung
der Stelle des Senatspräſidenten beim Reichs=
gericht
und der=Stelle eines Reichsgerichtsrats wurde Be=
ſchluß
gefaßt. Der Kameruner Schiffahrtsgeſellſchaft wurde
die Rechtsfähigkeit verliehen. Die Vorlage betr. die Prä=
gung
von 220 Millionen Mark Silbermünzen wurde an=
genommen
.
* Berlin, 5. Febr. Unter dem Vorſitz des General=
direktors
Ballin=Hamburg fand heute im Hotel Eſplanade
in Berlin eine Beſprechung von Vertretern der zentralen
Organiſationen der Induſtrie und des Handels ſtatt, die
eine grundſätzliche Uebereinſtimmung über die Begrün
dung einer deutſchen Geſellſchaft für den
Welthandel ergab, welche ſich die Aufgabe ſtellt, die
Beſtrebungen zur Förderung der deutſchen Auslandsinter=
eſſen
zuſammenzufaſſen. Die Begründung der Geſellſchaft
iſt für den 26. Februar in Berlin in Ausſicht genommen.
* Straßburg, 5. Febr. Wie das W. T. B. zuverläſſig
erfährt. ſind bis jetzt lediglich die bei der Staatsanwalt=
ſchaft
in Zabern anhängigen Beleidigungsklagen
von Militärperſonen zurückgezogen worden,
vorausſichtlich wohl deshalb, weil nach völliger Klärung
des Sachverhalts eine erneute Aufrollung aller einzelnen

Fragen nicht im Intereſſe einer anzuſtrebenden Verſtändi=
gung
und Beruhigung liegen kann. Ob auch eine Zurück=
ziehung
der Klage gegen die Redakteure Kaeſtle vom El=
ſäſſer
und Deviller von der Straßburger Neuen Zei=
tung
erfolgt, wegen des Wortlauts der Aeußerung des
Leutnant von Forſtner in der Inſtruktionsſtunde über die
franzöſiſche Fremdenlegion, iſt, wie man hört, noch nicht
entſchieden.
* Höchſt a. M., 5. Febr. Die wirtſchaftliche
Kriſe übt ihre Rückwirkung auch auf die hieſige Me=
tallinduſtrie
aus. Während in Frankfurt bei den
dort beſchäftigten Arbeitern bis jetzt etwa 400000 Arbeits=
tunden
ausfielen, wodurch ein Lohnausfall von etwa
200000 Mark entſtand, hat man in der hieſigen Metall=
induſtrie
die Arbeitszeit auf fünf Wochentage
beſchränkt und auch an dieſen Tagen wird der Be=
trieb
nur in beſchränktem Maße aufrecht erhalten.
* Metz, 5. Febr. Die in Frankreich gelan=
deten
Offizierflieger haben ſich heute morgen zum
Dienſt gemeldet.
* Stuttgart, 5. Febr. Der Abgeordnete Dr. Eiſele
hat bezüglich der Ueberführung des Maſſenmörders Wag=
ner
folgende kleine Anfrage an den Juſtizminiſter gerichtet:
Die von der Strafkammer des Königl. Landgerichts Heil=
bronn
am 3. Februar 1914 beſchloſſene Außerverfolgſetzung
des Maſſenmörders Wagner von Degerloch, hat im Be=
zirk
Vaihingen, insbeſondere in der Gemeinde Mühlhauſen
a. d. Enz, eine lebhafte Beunruhigung in der Richtung
hervorgerufen, daß infolge einer möglicherweiſe eintreten=
den
Beſſerung des Geiſteszuſtandes Wagners, deſſen Ent=
laſſung
aus der Irrenanſtalt und damit eine abermalige
Bedrohung Mühlhauſens künftig in Frage kommen könnte.
Iſt der Herr Miniſter der Juſtiz bereit, dieſe Beunruhi=
gung
durch amtliche Veröffentlichung der in Betracht kom=
menden
Teile der pſychiatriſchen Gutachten zuzuſtimmen?
Ich begnüge mich mit einer ſchriftlichen Beantwortung der
Anfrage. Dr. Eiſele.
* Karlsruhe, 5. Febr. Dem Hofbericht zufolge wurde
heute über das Befinden der Prinzeſſin Wil=
helm
von Baden folgendes Bulletin ausgegeben:
In dem Befinden der Frau Prinzeſſin hat die geſtern nach=
mittag
ſich wieder eingeſtellte Beſſerung ſtandgehalten und
iſt bisher auch nicht wieder durch Schwächeanfälle geſtört
worden.
* Kiel, 5. Febr. Der kleine Kreuzer Roſtock iſt
unter das Kommando des Fregattenkapitäns Thile von
Trotha in Dienſt geſtellt worden.
* Schleswig, 5. Febr. Anläßlich der Gedenkfeier
zur Erinnerung an die vor 50 Jahren erfolgte Be=
freiung
der Stadt von däniſcher Herrſchaft
prangt Schleswig in prächtigem Blumen= und Flaggen=
ſchmuck
. Bisher ſind etwa 20 Deputationen preußiſcher
und öſterreichiſcher Regimenter hier eingetroffen und feſt=
lich
empfangen worden. Der Zuzug der Feſtteilnehmer
von Nah und Fern iſt ein ganz gewaltiger. Die Militär=
deputationen
waren heute mittag Gäſte des Offizierkorps
des Huſarenregiments Kaiſer Franz Joſef von Oeſterreich=
Nr. 16.
* Königsberg, i. Pr., 5. Febr. Die milde, mit Nieder=
ſchlägen
verbundene Witterug der letzten Tage hat im
Flußgebiete der Memel und deren Ausläufe erneutes
Hochwaſſer hervorgerufen, was nach den vorliegen=
den
Nachrichten namentlich in den Kreiſen Memel und
Heydekrug großen Umfang angenomen und viel
Schaden verurſacht hat. Mehrfach wird über Eis=
verſtopfungen
in den Flußläufen berichtet, die den Abfluß
des Waſſers verhindern, ſo daß dieſes die Wieſen und
Felder in weitem Umkreiſe überflutet und in die Häuſer
der Anlieger eingedrungen iſt. Eisbrecher ſind tätig, um
die Stopfungen zu beſeitigen. Die Winterſaaten in den
betroffenen Gebieten dürften teilweiſe vernichtet ſein.
* Peſt, 5. Febr. In der Sitzung des Gerichts=
hofes
von Marmaros=Sziget, der über den
Ruthenenprozeß verhandelte, wurde Graf Bo=
brinsky
einem eingehenden Zeugenverhör unterzogen.
Bobrinsky gab an, daß er mit den Ruthenen ſowohl in
Oeſterreich als auch in Ungarn als Präſident des ruſſiſch=
galiziſchen
Vereins in Verbindung geſtanden habe und
ihnen Bücher zuwendete, Gelder jedoch nicht. Die von
ihm veröffentlichten Broſchüren und ſeine Agitationsreden
hätten den Zweck, die Einheit der Ruſſen und der in
Oeſterreich=Ungarn lebenden Ruthenen nachzuweiſen. Auch
habe er in Rußland Intereſſe für die Ruthenen der Mon=
archie
und deren Zuſtände erwecken wollen. Politiſche
Abſichten leiteten ihn nicht, an Losreißung dachte er nie.
Der Präſident ordnete die Verleſung der Broſchüre Bo=
brinskys
und eines in der Times erſchienenen Artikels
desſelben Verfaſſers an, in dem Bobrinsky die angeblichen
Verfolgungen, denen Ruthenen in Ungarn wegen ihres
Uebertritts vom römiſch=katholiſchen zum Orthodoxen=
glauben
ausgeſetzt ſeien, in den leidenſchaftlichſten Aus=
drücken
ſchildert.
* Paris, 5. Febr. In den Wandelgängen der
Kammer verlautet, daß ein Mitglied der Nationaliſten=
gruppe
beabſichtigt, den Marineminiſter Monis über die
angeblich betreffs der Zuſammenſetzung der Mit=
telmeerflotte
und der Durchführung des Flotten=
programms
geplanten Veränderungen zu interpellieren.
Der nationaliſtiſche Deputierte Danielou kündigt an, daß
er den Marineminiſter über die von ihm verfügte Wieder=
ausrüſtung
eines Teiles der Küſtenbefeſtigungen von
Rochefort und der Girondemündung interpellieren
wolle. Dieſe Befeſtigungswerke ſollten infolge eines von
einer fachmänniſchen Kommiſſion abgegebenen Gutachtens
anfgelaſſen werden. Die Kammer nahm den Geſetz=
entwurf
an, der eine Begünſtigung der zeitweiligen
zollfreien Einfuhr der Automobilchaſſis ausländiſchen Ur=
ſprunges
zugeſteht, die eine franzöſiſche Karoſſerie erhalten
ſollen.
* Paris, 5. Febr. Im Juſtizpalaſt überfiel der
Maler Dreyfus=Gonzalez, der vor einigen Jahren
den Namen eines Grafen von Premio Real angenommen
hat, den Deputierten und ehemaligen Miniſter des Aeu=
ßern
Cruppi und mißhandelte ihn. Der Angreifer,
der von mehreren Advokaten feſtgenommen wurde, erklärte
auf dem Polizeikommiſſariat, er haben ſich an Cruppe rächen
wollen, weil derſelbe ihn durch ſein Vorgehen als Rechts=
anwalt
in einem Erbſchaftsprozeß mit ſeiner Mutter ent=
zweit
habe.
* Paris, 5. Febr. Wie aus Udſchda gemeldet wird,
iſt der Befehlshaber der franzöſiſchen Beſatzungstruppen
in Oſtmarokko, General Girardot, an Lungenentzünd=
ung
im Alter von 59 Jahren geſtorben.
* Bukareſt, 5. Febr. In Filipesci bei Moreni, wo
große Mengen von Petroleum gewonnen werden, er=
folgte
heute plötzlich eine Eruption ſtark
ſalzhaltigen ſiedenden Waſſers. Das Waſſer
ſprudelte mit einem gewaltigen in einem Umkreis von 10
Kilometern vernehmbarem Getöſe zu bedeutender Höhe
empor. Rings um die Mündung dieſes Geyſers hat ſich
eine etwa 500 Meter breite Salzkruſte abgelagert.
* Petersburg, 5. Febr. Der Unteroffizier der Reſerve
akwew wurde wegen Auslieferung von Ge=

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. Februar 1914.

Nummer 37.

heimſtücken an die öſterreichiſch=ungariſche Regierung
zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt.
* Stockholm, 5. Febr. In der Frage der direkten
Telephonverbindung zwiſchen Deutſch=
land
und Schweden wurde kürzlich ſeitens Deutſch=
lands
ein Vorſchlag eingebracht, betr. Auslegung des
Kabels von einem Punkte der deutſchen Küſte, wahrſchein=
lich
bei Saßnitz oder Arcona oder nördlich Zingſt nach
Trelleborg. Das Kabel würde mit dem deutſchen Fern=
ſprechnetz
verbunden und neue für den telephoniſchen Ver=
kehr
mit Schweden beſtimmte Leitungen von Stralſund
nach Berlin und Hamburg gebaut werden. Der ſchwedi=
ſchen
Telegraphenverwaltung wunde dabei ſeitens des
deutſchen Reichspoſtamtes mitgeteilt, daß eine ſolche neue
Verbindung mit lebhafter Genugtuung in den induſtriellen
und Handelskreiſen begrüßt werden würde.
* Port=au=Prince, 5. Febr. Das ſtändige Senats=
komitee
hat den Kongreß einberufen, damit er zur Wahl
desneuen Präſidenten ſchreite. Es iſt jedoch zwei=
felhaft
, ob die Rebellen unter den gegenwärtigen Ver=
hältniſſen
den gewählten Präſidenten anerkennen.
* Buenos=Aires, 5. Febr. Der Präſident Saenz
Pena erſuchte den Senat um eine Verlängerung
des Urlaubs bis zur völligen Geneſung. Dem Ver=
nehmen
nach unterbreitete das Kabinett dem Vizepräſi=
denten
Plaza ſein Rücktrittsgeſuch.

Beim Filmen von Löwen zerfleiſcht.

* Mairobi (Oſtafrika), 5. Febr. Zu dem tödlichen
Unfall des Deutſchen Fritz Schindler gelegentlich
einer Kinematographenaufnahme werden noch folgende
Einzelheiten gemeldet: Schindler befand ſich mit der Ex=
pedition
Rainey in der Nähe des Naiwaſchaſees, um
Aufnahmen von einem Löwen zu machen, der ſich, von
Hunden geſtellt, in einem Buſch verbarg. Schindler ritt
nun, um den Löwen zur Kamera zu treiben, hinter den
Buſch. Plötzlich bemerkte Rainey, wie der Löwe mit ge=
ſpitzten
Ohren den Kopf wandte. Er ſtieß deshalb einen
Warnungsruf aus. Gleich darauf fielen Schüſſe. Der
Löwe, unverwundet, ſtürzte auf Rainey zu, machte kehrt
und verfolgte die flüchtenden Eingeborenen. Mit einem
wohlgezielten Schuß erlegte ihn Rainey. Dieſer drang
dann in den Buſch und fand Schindler mit ſchweren Biß=
wunden
am Unterleib, aber bei Bewußtſein. Nachdem
ihm die erſte Hilfe zuteil geworden war, wurde der Ver=
letzte
im Sonderzuge nach Mairobi gebracht, wo die Ver=
letzungen
als tödlich erkannt wurden. Eine hinzutretende
Blutvergiftung endigte das Leben Schindlers, der bis zum
letzten Augenblick mutig aushielt.

Eine deutſche Strafexpedition.

* Berlin, 5. Febr. Die Strafexpedition gegen
den Häuptling Gabola in Nguku, in deſſen Dorf am 12.
Oktober Oberleutnant von Raven getötet und Bezirks=
richter
Seger verwundet worden waren, iſt nach einer
ſoeben aus Kamerun angekommenen drahtlichen Meldung
erfolgreich beendet. Der Häuptling iſt, nachdem
die Schutztruppe, unterſtützt von einer Abteilung der Poli=
zei
, am 18. Dezember ſein Dorf erobert hatte, geflohen.
Durch die ſofort aufgenommene Verfolgung gelang es, die
Macht des unbotmäßigen Häuptlings, deſſen die franzöſi=
ſche
Herrſchaft nicht Herr werden konnte, zu brechen. Der
Mörder des Oberleutnants von Raven iſt gefallen. Die
anderen Häuptlinge, die, ermutigt durch das Vorgehen des
unbotmäßigen Häuptlings und den Tod von Ravens, auf=
ſtändiſch
geworden waren, boten den Frieden an.

Die Unruhen in Peru.

* Lima, 5. Febr. Der Kongreß, der geſtern abend
zu einer außerordentlichen Seſſion zuſammentrat, beſchloß,
eine Regierungskommiſſion zu ernennen,
welche die Geſchäfte bis zu den nächſten Wahlen führen
ſoll. Oberſt Benavides wurde zum Vorſitzenden der Kom=
miſſion
gewählt. Die Marine hat das neue Regime an=
erkannt
.

Wetter.

Ausſichten in Heſſen für Freitag, 6. Februar:
Keine weſentliche Aenderung, vielfach heiter, Dunſt und
Nebel, tagsüber mild, nachts Froſt.

In jedem Heim, wo Kinder ſind erweiſt ſich
(Californiſcher Feigen=Syrup)
von außerordentlichem Nutzen.
Tareſig Viele ihrer kleinen Beſchwerden
werden durch ſeinen Gebrauch in prompter und doch
milder, unſchädlicher Weiſe behoben, wobei der an=
genehme
Geſchmack dieſes natürlichen Abführmittels
ſehr zuſtatten kommt.
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Der Geſamtauflage unſeres heutigen Blattes
liegt ein Spezial=Angebot Weiße Woche‟
im Mainzer Warenhaus Guggenheim & Marx,
Darmſtadt, bei, worauf wir unſere Leſer hinweiſen. (3691

Die vorzügliche Wirkung
Häusliche Schwitzkuren. von Heißluft=Schwitzbädern
bei den verſchiedenſten Krankheiten iſt bekannt. Trotzdem
konnte dieſe heilſame Methode bisher nicht recht aus dem
Kreis der Krankenhäuſer, Sanatorien und öffentlichen
Badeanſtalten ins große Publikum dringen. Es fehlte
nämlich an billigen Gelegenheiten zu ſolchen Schwitzkuren,
es fehlte ein brauchbarer Apparat für den häuslichen Ge=
brauch
. Mit der Konſtruktion des durch zwei deutſche
Reichspatente geſchützten Kreuz=Thermalbades hat ſich
die Sachlage geändert. Unſerer heutigen Nummer liegt
ein Proſpekt der Firma Kreuzverſand, Berlin N. W.,
Unter den Linden 56, bei, aus welchem unſere Leſer
erſehen können, daß das Kreuz=Thermalbad wirklich das
Ideal eines derartigen Heimbades darſtellt. (I,3712

Dampfernachrichten.

Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Adolph Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: Barcelona über Rotterdam nach Phila=
delphia
und Baltimore, 31. Jan. 10 Uhr 45 Min. abends
Cuxhaven paſſiert. Bolivia von Port Arthur kom=
mend
, 31. Jan. von Ponta Delgada. Bosnia von
Baltimore kommend, 31. Jan. 5 Uhr 15 Min. nachm, in
Hamburg. Fürſt Bismarck von Boſton kommend
1. Febr. 3 Uhr 30 Min. nachm. in Hambura. Graf
Walderſee‟ 31. Jan. 4 Uhr morgens von Neu=York nach
Hamburg. Hornſund von Neu=York kommend,
2. Febr. 2 Uhr morgens in Hamburg. Kaiſerin Auauſte
Victoria nach Neu=York, 31. Jan. 8 Uhr 10 Min.
morgens Scilly paſſiert. Pennſylvania nach Neu=
York, 1. Febr. 11 Uhr morgens Cuxhaven paſſiert.
Pretoria‟ 1. Febr. 8 Uhr morgens in Neu=York.
Weſtindien, Mexiko: Antonina nach Mexiko, 1. Febr.
in Havanna. Bavaria nach Havanna und Mexiko,
31. Jan. 12 Uhr nachts von Havre. Dania 31. Jan.
von Pto. Mexiko. Frankenwald über Malaga nach
Havanna und Mexiko, 1. Febr. 1 Uhr nachm. Gibraltar
weſtwärts paſſiert. Georgia nach Weſtindien, 31. Jan.
9 Uhr abends Dover paſſieri. Ypiranga 1. Febr. von
Veracruz, ausgehend. Oſtaſien: Aleſia 30. Jan.
8 Uhr abends Gibraltar paſſiert, ausgehend. Altmark
31. Jan. 4 Uhr morgens Gibraltar paſſiert, heimkehrend.
Arabia nach Antwerpen, 1. Febr. 12 Uhr 50 Min.
mittags Cuxhaven paſſiert. Verſchiedene Fahrten:
Cleveland‟ Orient= und Indienfahrt, 1. Febr. 7 Uhr
morgens in Algier. Ekbatana von Perſien kommend,
31. Jan. 4 Uhr 45 Min. nachm. in Hamburg. Lome
31. Jan. in Sekondi.

Gottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde

Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 6. Februar:
Vorabendgottesdienſt 5 Uhr 30 Min.
Samstag, den 7. Februar:
Morgengottesdienſt 9 Uhr. Nachmittags Jugendgottes=
und Predigt 4 Uhr. Sabbatausgang 6 Uhr 15 Min.
Gottesdienſt an den Wochentagen:
Morgens 7 Uhr 15 Min. Abends 6 Uhr 30 Min.

Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religions=
geſellſchaft
.

Samstag, den 7. Februar:
Vorabend 4 Uhr 50 Min. Morgens 8 Uhr. Nachmittags
4 Uhr. Sabbatausgang 6 Uhr 15 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 8. Februar, an
Morgens 6 Uhr 45 Min. Nachmittags 5 Uhr.

Die Geburt einer gesunden
Tochter

zeigen hocherfreut an

Hoffriseut Willy Hermes
und Frau Josefine
geb. Bieger.

Darmstadt, 4. Februar 1914.
(*3005

Tageskalender.
Freitag, 6. Februar.

Großh. Hoftheater Anfang 7½ Uhr, Ende 10½
Uhr (Ab. D): Filmzauber.
Vortrag von Frl. Dr. Schirrmacher um 8¼ Uhr im
Fürſtenſaal (Verein für Frauenſtimmrecht).
Konzerte: Hotel Heß um 3 Uhr. Bürgerkeller um
8 Uhr.
Nachtlaufen mit Konzert: Woog von 811 Uhr.
Eisbahn Klappacherſtraße.

Verſteigerungskalender,
Samstag, 7. Februar.

Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr in der
Turnhalle am Woogsplatz.
Nutz= und Brennholz=Verſteigerung um
9 Uhr im Büttelborner Gemeindewald (Zuſammenkunft
auf der Chauſſee nach Darmſtadt am Eingang des
Waldes).
Jagdverpachtungen: um 11½ Uhr im Gaſthaus
Zum Deutſchen Kaiſer zu Bensheim, um 2½ Uhr
im Rathaus zu Spachbrücken.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: Max Streeſe; für den Inſeratenteil,
Inſeratbeilagen und Mitteilungen aus dem Geſchäfts=
leben
: Carl Friedrich Romacker, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren.
Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträg=
liche
werden nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte
werden nicht zurückgeſandt.

Erhülflich bei H. Brunner, I.
K &
Adoff Bender, Jacob Nohl, Franz Schulz, Heinrich Schwarz, Darmstadt.
(VII,226

[ ][  ][ ]

Nummer 37.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. Februar

Seite 9.

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aus der Papierbranche, 28 Jahre,
verheiratet, mit la Zeugniſſen und
Referenz., ſucht z. 1. April dauernde
Stellung als Stütze des Chefs
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Gefl. Anerbieten unter P 86 an
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die Exped.

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Berliner, in nur großen Büros
tätig geweſen, ſehr gute Zeugniſſ,
ſucht per ſofort Stellung. (*3027
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Heidelbergerſtr. 61, 1. St. (*2862df

Suche anſt. Dienſtmädch. f. alles,
Sod. unabh. Frau, die bürgerl
Koch. verſt., v. morg. 83 Uhr mitt.
Zu erfragen in der Exped.(*2881df

Reinl. Frau wöchentl. 2 ma
vormittags geſucht.
(*2973
Wilhelmſtraße 23, I.

vormittags
Frau od. Mädchen 1 Stunde
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Fleißiges, ſolides
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das etwas kochen kann, ſofort für
mittleren Haushalt geſucht
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Hausarbeit geſucht. Noch eine
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erwünſcht. Riedeſelſtraße 23, II.

Zum 1. Mär
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nach auswärts (Biſch, Lothr)
ein in Küche und Hausarbeit er=
fahrenes
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Mädchen
geſ. Dasſ. muß aute Zeugn. beſitzen.
Off. unt. C 77 an die Exp. erb.

Geſucht
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von morgens 8 bis nachmittags
3 Uhr. Nur ſolche, die auf dauernde
Stell. reflektieren, wollen ſich mel=
den
Hobrechtſtr. 1, part. (*2812mdf

Junge
ſofort
faubere Läuffra
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Zu melden von 9 bis 12 Uhr.
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geſucht. Aliceſtraße 6.
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Unabh. zuv. Lauffr. od. Mädch.
vm. einige Std. u. nachm. z. Spülen
geſucht. Taunusſtr. 1, I. (*2971fs

Geſucht ſchulentlaſſ. jüngeres
Mädchen v. anſtänd. Eltern tags=
über
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*2979f) Dieburgerſtr. 17, 2. Et.

Ungbhäng. reinl. Frau oder
Mädchen für Hausarbeit von
8 Uhr bis über mittag möglichſt
ſofort geſucht.
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Heidenreichſtraße 21, part.

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ganze Tage ſofort geſucht
Moosbergſtr. 71, 2. St. (*30281s

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welche kochen können zu einem
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Ludwigſtraße 8.
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Dingeldein, gewerbsmäßige Stel=
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Telephon 531.
(*3054

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geſ. Eliſabethenſtr. 70, part. (*3057

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. Februar 1914.

Nummer 37.

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[ ][  ][ ]

Nummer 37.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. Februar 1914.

Seite 11.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde! In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher. 1 Pinſcher, 1 Jagdhund, 1 Rottweiler ( zuge=
laufen
). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=
Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten
Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt. (3708

Bekanntmachung.

Die nachſtehende Polizeiverordnung bringen wir erneut zur
allgemeinen Kenntnis.
(3695fg
Darmſtadt, den 4. Februar 1914.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Polizeiverordnung

für die Stadt Darmſtadt, die Beaufſichtigung der Hunde betreffend.
Auf Grund des Artikels 56 Abſatz 2 Ziffer 1 des Geſetzes
betreffend die Städteordnung für das Großherzogtum Heſſen, vom
13. Juni 1874 wird nach Anhörung der Stadtverordneten=Verſammlung
der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt mit Genehmigung des
Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 16. März 1909, zu
Nr. M. d. J. II 1247, die nachſtehende Polizeivererdnung für den
Gemeindebezirk Darmſtadt erlaſſen:
§ 1. Innerhalb der Stadt müſſen auf öffentlichen Straßen
und Plätzen, ſowie an Orten, wo Menſchen zu verkehren pflegen,
1. biſſige Hunde mit einem das Beißen verhindernden Maulkorb
verſehen ſein und an einer kurzen Leine geführt werden,
2. Hunde dersnachſtehenden Raſſen:
a) Bernhardiner,
b) Neufundländer,
c) Leonberger,
d) Doggen (Deutſche, Ulmer, Däniſche und Bulldoggen),
e) Barſoys (große ruſſiſche Windhunde),
k) Maſtiffs
und alle aus Kreuzungen dieſer Raſſen hervorgegangenen Hunde
an einer kurzen Leine geführt werden.
§ 2. Alle Hunde ſind an der Leine zu führen
1. in den dem Publikum geöffneten Großherzoglichen Hofgärten,
2. in den Anlagen weſtlich der früheren Main=Neckar=Bahn,
3. in den neuen Bahnhofsanlagen zwiſchen Allee, Stirn= und
Dornheimer Weg,
4. in den Bahnhöfen,
5. in Wirtſchaften und Wirtsgärten.
§ 3. Die Begleiter von Hunden haben dafür Sorge zu tragen,
daß dieſe in den öffentlichen Anlagen, in denen ſich Raſenplatze,
Blumenbeete oder Gebüſchanpflanzungen befinden, nicht außerhalb
der Wege umherlaufen.
§ 4. Außerhalb der Stadt müſſen alle biſſigen Hunde mit
einem das Beißen verhindernden Maulkorb verſehen ſein.
§ 5. Kranke Hunde und läufige Hündinnen müſſen auf der
Straße und an Orten, wo Menſchen zu verkehren pflegen, ſtets an
der Leine geführt werden.
Mit anſteckender Krankheit, insbeſondere Hautkrankheit behaftete
Hunde, müſſen zu Hauſe eingehalten werden.
§ 6. Es iſt verboten, zur Nachtzeit, d. h. in der Zeit von
10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens, Hunde ohne Aufſicht auf der
Straße frei umherlaufen zu laſſen.
§ 7. Das Mitbringen von Hunden auf Friedhöfe, den Wochen=
markt
und die Meſſe, ſowie in öffentliche Dienſtgebäude, in die
Badehäuſer oder an die Badeplätze des Woogs, zu öffentlichen Feier=
lichkeiten
und in Räume, in denen Nahrungs= oder Genußmittel
feilgeboten werden, iſt verboten.
§ 8. Die Beſitzer und Begleiter von Hunden haben die erforder=
lichen
Maßregeln zu treffen, damit die Ruhe nicht durch andauerndes
Gebell oder Geheul ihrer Hunde geſtört wird, und insbeſondere das
Anbellen von Perſonen, Zug= und Reittieren durch ihre Hunde zu
verhindern.
§ 9. Das Polizeiamt kann den Aufenthalt bösartiger, biſſiger
und kranker Hunde auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen
ganz verbieten.
§ 10. Für jeden Hund, der in das nach § 1 der Verordnung
vom 4. November 1899, die Hundeſteuer betreffend, von der Großh.
Bürgermeiſterei zu führende Hunderegiſter eingetragen iſt, erhält der
Beſitzer des Hundes eine Blechmarke mit einer Nummer, die der
Hund, ſolange er ſich außerhalb eines Hauſes, geſchloſſenen Grund=
ſtücks
oder ſonſtigen umſchloſſenen Raumes befindet, ſtets am Hals=
band
zu tragen hat.
§ 11. Wer den vorſtehenden Beſtimmungen zuwiderhandelt oder
die ihm darin auferlegten Verbindlichkeiten nicht erfüllt, wird, inſoweit
nicht andere Strafbeſtimmungen zur Anwendung zu kommen haben
auf Antrag des Großh. Polizeiamts mit Geldſtrafe bis zu 30 Mark
beſtraft.
§ 12. Die Polizeibehörde hat ferner das Recht, alle Hunde,
die entgegen den Beſtimmungen dieſer Polizeiverordnung nicht an=
geleint
oder nicht mit einem das Beißen verhindernden Maulkorb oder
nicht mit der in § 10 vorgeſchriebenen Blechmarke verſehen ſind, durch
den Hundefänger einfangen zu laſſen, falls der Beſitzer nicht zur
Stelle iſt und den Hund in Gewahrſam nimmt.
Desgleichen können alle Hunde eingefangen werden, die an den
in § 7 genannten Orten, in öffentlichen Anlagen außerhalb der Wege
oder zur Nachtzeit ohne Aufſicht frei umherlaufen.
§ 13. Die eingefangenen Hunde werden in Verwahrung und=
Pflege genommen und 5 Tage lang zur Auslöſung durch den Beſitzer
bereit gehalten.
Die Herausgabe erfolgt an die Perſonen, die ſich als empfangs=
berechtigt
ausweiſen, gegen Erſtattung des Betrags der von dem
Polizeiamt als Entſchädigung für die durch das Einfangen und die
Verpflegung der Hunde der Polizeikaſſe erwachſenen baren Auslagen
feſtgeſetzt wird.
Hunde, welche die in § 10 vorgeſchriebene Blechmarke mit
Nummer tragen, ſind den Eigentümern innerhalb 24 Stunden nach
dem Einfangen gegen Erſtattung einer beſonderen Gebühr in Höhe
von 50 Pfennig zuzuführen.
Hunde, die innerhalb der 5tägigen Friſt nicht ausgelöſt ſind,
werden entweder zu Gunſten der Polizeikaſſe veräußert oder getötet.
§ 14. Durch die Beſtimmungen des § 12 wird das wegen
Uebertretung der Vorſchriften dieſer oder der in § 10 erwähnten
Verordnung einzuleitende Strafverfahren nicht berührt.
§ 15. Die Polizeiverordnung vom 4. Auguſt 1891, die Beauf=
ſichtigung
der Hunde betreffend, wird aufgehoben.
Die Polizeiverordnung für den Kreis Darmſtadt vom 29. No=
vember
1911, das Fahren mit Hunden betreffend, wird durch die
Vorſchriften dieſer Polizeiverordnung nicht berührt.
§ 16. Dieſe Polizeiverordnung tritt am 15. April 1909 in Kraft.
Darmſtadt, den 24. März 1909.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.

Beleuchtung von Einfahrten,
Höfen, Treppen, Fluren uſw.

Wir weiſen wiederholt auf die den Eigentümern von Grund
ſtücken obliegende Verpflichtung hin, die Toreinfahrten, Höfe,
Hausflure, Gänge und Treppen, ſofern und ſolange ſie jeder=
mann
zugänglich ſind, während der Dunkelheit ſo ausreichend
zu beleuchten, daß für die daſelbſt verkehrenden Perſonen keine
Gefahr beſteht.
Dieſe Verpflichtung liegt namentlich auch den Inhabern von
Fabriken, gewerblichen Anſtalten und Arbeitsſtätten, von Ver=
gnügungs
=, Verſammlungs= und Schankſtätten (den letzteren ins=
beſondere
auch hinſichtlich der Bedürfnisanſtalten) ob.
Pflichtwidrige Unterlaſſung der Beleuchtung begründet, falls
hierdurch jemand zu Schaden kommt, die Entſchädigungspflicht, ſo=
wie
die ſtrafrechtliche Verantwortlichkeit.

Die Verpflichtung kann durch Vertrag auf Hausverwalter,
Mieter uſw. übertragen werden. Dies ſetzt jedoch die überein=
ſtimmende
Willenserklärung beider Parteien, des Vermieters und
des Mieters, voraus. Eine einſeitige Erklärung des Vermieters (als
ſolche iſt auch der ohne vorherige Verſtändigung mit dem Mieter er=
folgende
Aushang einer Hausordnung zu zählen) kann die oben=
genannte
Verpflichtung für die Mieter nicht begründen
Darmſtadt, den 4. Februar 1914.
(3791fg
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Beſichtigung von Mietwohnungen und Feuerſtätten.

Die Wohnungs= und Feuerſtättenbeſichtigung findet gegen=
wärtig
im erſten Polizei=Revier ſtatt.
(3591mdf
Darmſtadt, den 29. Januar 1914.
Das Baupolizeiamt.
Steinberger.

Abgabe von Waſſer für Neubauten.

Die Anmeldungen zum Waſſerbezug für Neubauten erfolgen
vielfach ſo ſpät, daß beim Beginn der Bauarbeiten der Anſchluß an
die Leitung nicht hergeſtellt iſt. Da die Abgabe von Waſſer aus
dem nächſtliegenden Straßenhydranten für den Unternehmer mit
Umſtänden und Koſten verbunden iſt, wird des öfteren verſucht
entgegen der Beſtimmung des §7 der Waſſerbezugsſatzungen, Waſſer
aus einem Nachbargrundſtück zu entnehmen.
(3721ff
Einem Antrag auf Einführung der Waſſerleitung in Neu=
bauten
kann nur dann rechtzeitig entſprochen werden, wenn dieſer
bei der Waſſerwerksverwaltung frühzeitig vor Beginn der Bau=
arbeiten
geſtellt worden iſt. Es empfiehlt ſich, gleichzeitig mit der
Abgabe des Baugeſuchs an die Baupolizei auch den Antrag auf
Waſſerzuführung bei der Waſſerwerksverwaltung einzureichen.
Darmſtadt, den 3. Februar 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Ekert.

Lieferung

des Bedarfs an Schuhen für die Stadtarmen (Erwachſene und
Schulkinder) für das Verwaltungsjahr 1914.
Die Lieferung des Bedarfs an Schuhen für die Stadtarmen
(Erwachſene und Schulkinder) für das Verwaltungsjahr 1914 ſoll im
Wege der öffentlichen Verdingung vergeben werden. Die Anzahl der
zu liefernden Schuhe für den genannten Zeitraum iſt auf etwa 25 Paar
Männer= und Frauenſchuhe und etwa 400 Paar Kinderſchuhe in ver=
ſchiedenen
Größen veranſchlagt. Die Bedingungen für die Anfertigung
und Lieferung der Schuhe ſind während der üblichen Geſchäftsſtun=
den
im Stadthaus, Zimmer Nr. 20, Probeſchuhe bei der Verwaltung
des Pfründnerhauſes, Frankfurter Straße 35, einzuſehen.
Lieferungsluſtige wollen ihre Angebote, mit entſprechender Auf=
ſchrift
verſehen,
Samstag, am 14. Februar 1914,
vormittags zwiſchen 10 und 11 Uhr,
in den im unteren linken Hausflur des Stadthauſes aufgehängten
Kaſten für Verdingungsangebote einlegen.
Darmſtadt, den 3. Februar 1914.
(3692fo
Städtiſches Armen= und Fürſorgeamt Darmſtadt.
Krapp.

Jagd=Verpachtung.

Samstag, 7. Februar 1914, vormittags ½12 Uhr
wird im Saale des Gaſthauſes Zum deutſchen Kaiſer (Ludwig
Hutmacher) zu Bensheim die 2067 Hektar betragende Bensheimer
Gemeindejagd unter den vorgeſchriebenen Bedingungen auf weitere
neun Jahre verpachtet. Die Jagd umfaßt 7 Bezirke und beſteht aus
Feld=, Wieſen, Weinberge= und Waldjagd, als Waldjagd kommt
insbeſondere der in ca. ½ Stunde erreichbare Niederwald (mit Reh=
wild
), ferner Märkerwald (Rehe) und Felsberg (Rehe) in Betracht.
Zur Erteilung näherer Auskunft ſind wir gerne bereit.
Bensheim, den 14. Januar 1914.
(3180sf
Der Bürgermeiſter
Dr. Löslein.

Jagdverpachtung.

Samstag, den 7. Februar I. Js., nachm. 2½ Uhr,
wird in dem Rathaus in Spachbrücken die Gemeindefeldjagd in der
Gemarkung Spachbrücken auf weitere ſechs Jahre öffentlich verpachtet.
Bemerkt wird, daß der Jagdbezirk von der Station Zeilhard
der Odenwaldbahn nur einige Minuten entfernt iſt und die Halte=
ſtelle
Spachbrücken der Bahn Offenbach-Reinheim in der Ge=
markung
liegt.
Spachbrücken, den 29. Januar 1914.
(3295gf
Großh. Bürgermeiſterei Spachbrücken.
J. V.: Illert, Beigeordneter.

Stamm=und Derbſtangen=Verſteigerung.

Montag, den 9. Februar, vormittags 10 Uhr, werden im
Schaafheimer Gemeindewald, Diſtrikt Eichwaldsheeg, Neuwäldchen
und Lopps verſteigert;
93 Eichen=Stämme, 2558 cm Durchmeſſer = 54,83 fm
4 Buchen=Stämme 2,52 fm,
17 Kiefern=
24,22
12 Lärchen=
2,32
23 Fichten=
5,92
31 Eichen=Derbſtangen = 1,96
35 Buchen=
1,55
2,48
42 Fichten=
Zuſammenkunft auf der Kreisſtraße Schaafheim-Schlierbach
am Holzſchlag.
Dienstag, den 10. Februar, vormittags 10 Uhr, werden im
Diſtrikt Lache und Herrnteſch verſteigert:
8 Lärchen=Stämme
1,35 fm,
65 Fichten=
14,33
1163 Fichten=Derbſtangen 35,34
2130 Fichten=Reisſtangen 12,46
Zuſammenkunft am Zimmerplatz.
Schaafheim, am 2. Februar 1914.
(3698fs
Großh. Bürgermeiſterei Schaafheim.
Hanck.

Rheinſand=Lieferung.

Die Lieferung von 1400 cbm
Rheinſand ſoll vergeben werden.
Lieferungs=Bedingungen liegen
bei uns, Zimmer Nr. 4, zur Ein=
ſicht
offen. Auch werden dort die
Angebotſcheine abgegeben.
Angebote ſind bis
Dienstag, 17. Februar I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu=
(3519md
reichen.
Darmſtadt, 3. Februar 1914.
Tiefbauamt.
Keller,

Die Holz=Verſteigerungen

vom 2. und 3. Februar 1914 ſind
genehmigt. Abgabe der Abfuhr=
ſcheine
vom 10. Februar ab. Ueber=
weiſung
am 11. Februar 1914.
Ober=Ramſtadt, 4. Februar 1914.
Großherzogliche Oberförſterei
Ober=Ramſtadt.
Hoffmann. (3710

ſchönes Helgemälde ( Land=
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Die Fuhrleiſtungen

zu den Unterhaltungsarbeiten des
Tiefbauamts im Verwaltungsjahr
1914 ſollen in 4 Loſen getrennt
vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Be=
dingungen
liegen bei uns, Zim=
mer
Nr. 4, zur Einſicht offen. Auch
werden dort die Angebotſcheine ab=
gegeben
.
Angebote ſind bis
Dienstag, 17. Februar I. Js.
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu
reichen.
(3518md
Darmſtadt, 3. Februar 1914.
Tiefbauamt.
Keller.

Schulgeld=Erhebung.

Das Schulgeld für das Großh.
Realgymnaſium, die Großh.
Liebigs=und die Großh. Ludwigs=
Oberrealſchule, die Vorſchule der
Großh. Gymnaſien, die Vik=
toriaſchule
und das Lehrerinnen=
ſeminar
, die Eleonoren= und
Frauenſchule, ſowie die Mittel=
ſchulen
für das I. Kalender=
vierteljahr
1914 iſt bei Mei=
dung
des Beitreibungsverfahrens
bis Ende lfd. Mts. an den
Werktagen, vormittags von 8½ bis
2½ Uhr, hierher zu entrichten.
Darmſtadt, 3. Februar 1914.
Die Stadtkaſſe.
Koch. (3707a

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Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. Februar 1914.

Nummer 37.

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3739a

Anmeldung ſchulpflichtiger Kinder zur Aufnahme
in die Mittel= und Stadtſchulen.

An die Eltern, Pflegeeltern und Vormünder von Kindern, die
bis zum 31. März d. Js. einſchl. das 6. Lebensjahr zurückgelegt
haben werden, ergeht hiermit die Aufforderung, dieſe Kinder, ſoweit
ſie nicht in anderen Schulen eintreten, rechtzeitig zur Aufnahme in
die Mittel= oder Stadtſchulen anzumelden.
Bei der Anmeldung iſt Nachweis über das Alter der Kinder
und der Impfſchein oder eine Beſcheinigung über die Befreiung von
der Impfung vorzulegen.
Auf Wunſch der Eltern oder deren Stellvertreter können aus=
nahmsweiſe
auch geiſtig und leiblich reife Kinder in die Schule auf=
genommen
werden, die erſt bis zum 30. September d. Js. das
6. Lebensjahr vollenden. Die Aufnahme jüngerer Kinder iſt
unzuläſſig.
Es wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß diejenigen
Kinder, die bei Vollendung des 14. Lebensjahres die Schule nicht
volle 8 Jahre beſucht haben, bis zur vollſtändigen Erfüllung ihrer
Schulpflicht in der Schule zurückgehalten werden.
Die Nichtanmeldung in dem vorgeſchriebenen Termin kann bei
den Mittelſchulen zur Folge haben, daß die Aufnahme unmöglich iſt.
Die Anmeldungen haben zu erfolgen:
Dienstag, 10. Februar d. J., vormittags von 8½ bis 12 Uhr
und nachmittags von 2 bis 4 Uhr, und zwar:
für die Knaben=Mittelſchule I im Schulhaus in der Friedrichsſtraße,
I
. Viktoriaſtraße,
Mädchen=
Hermannsſtraße
Mittelſchule II
am Ballonplatz,
Stadtknabenſchule I
in der Müllerſtraße,
Ludwigshöhſtr.,
III
Rundeturmſtr.,
Stadtmädchenſchule I
Emilsſtraße,
Beſſungerſtraße,
III ,
Lagerhausſtr.
Bezirksſchule IV
Der Bezirk der Mittelſchule II, in die Knaben und Mädchen
aufgenommen werden, wird begrenzt durch die Rheinſtraße, den Pa=
radeplatz
, die Alöxanderſtraße und die Dieburger Straße, mit Aus=
ſchluß
der Grenzſtraßen und Plätze.
Die Aufnahme der Kinder in die Stadtſchulen findet nach der
unten abgedruckten Bezirkseinteilung ſtatt. Den Hauptlehrern der
verſchiedenen Gruppen der Stadtknaben= und Mädchenſchulen bleibt
überlaſſen, je nach Bedürfnis wegen der Ueberweiſung von Kindern
aus einer Schulgruppe in eine andere ſich zu verſtändigen.
Darmſtadt, den 23. Januar 1914.
Der Vorſitzende der Schulvorſtände.
Dr. Gläſſing, Oberbürgermeiſter.

Bezirks=Einteilung

für die Stadtknaben= und Stadtmädchenſchulen.
Bezirk I (Stadtknabenſchule I und Stadtmädchenſchule I)
umfaßt den Stadtteil zwiſchen der Heinrichsſtraße, Eſchollbrücker
Straße und Holzhofallee einerſeits und der Allee, Rheinſtraße, Wil=
helminen
=, Zeughaus=, Hochſchul=, Magdalenen=. Alexander=, Hein=
heimer
= und Gutenbergſtraße andererſeits.
Von den Grenzſtraßen gehören zu dem Bezirk die Rhein=,
Wilhelminen=, Alexander=, Heinheimer= und Gutenbergſtraße, ſowie
die Nordſeite der Heinrichſtraße.
Bezirk II (Stadtknabenſchule II und Stadtmädchenſchule II)
umfaßt den nördlichen Stadtteil, begrenzt von der Frankfurter=,
Wilhelminen=, Zeughaus=, Hochſchul=, Magdalenen=, Dieburger=,
Heinheimer= und Gutenbergſtraße, einſchließlich der Grenzſtraßen, mit
Ausnahme der betreffenden Strecken der Dieburger= und Heinheimer=
ſtraße
und der Gutenbergſtraße.
Bezirk III (Stadtknabenſchule III und Stadtmädchenſchule III)
umfaßt den Stadtteil ſüdlich von der Heinrichs=, Eſchollbrücker

Straße und Holzhofallee, einſchließlich der Südſeite der Heinrichs=
ſtraße
und der beiden anderen Grenzſtraßen (beiderſeitig).
Bezirk IV (Bezirksſchule IV in der Lagerhausſtraße)
umfaßt den nordweſtlichen Stadtteil, begrenzt von der Frankfurter=,
Wilhelminen= und Heinrichsſtraße weſtlich der Wilhelminenſtraße,
ohne die Grenzſtraßen.
(2865a

Authanme i dle beiden Gomhasien zu
Darmstadt.

Die Anmeldungen neu eintretender Schüler ſollen an einer
Stelle, und zwar bei der Großherzogl. Direktion des Neuen
Gymnaſiums (Lagerhausſtr. 7)
Freitag, den 20. Februar, von 912 Uhr,
unter Vorlage der erforderlichen Zeugniſſe (Geburtsſchein, Impfſchein,
Nachweis über den ſeitherigen Unterricht) erfolgen. Für die Schüler,
die Oſtern aus der erſten Klaſſe der Gymnaſialvorſchule in die Sexta
aufrücken, iſt dieſe Anmeldung nicht nötig.
Wenn die Eltern ſchriftliche Anmeldung vorziehen, wird ſie
bis Samstag, den 14. Februar erbeten.
Die Zuteilung wird nach Eingang aller Meldungen zwiſchen
(3743fdd
den beiden Direktionen vereinbart werden.
Darmſtadt, den 5. Februar 1914.
Die Großherzoglichen Direktionen
des Ludwig=Georgs=Gymnaſtumg:
des Neuen Gymnaſtumg:
Dr. Manaold.
Dr. Forhach.

Lieferung von Lernmitteln für Schulkinder.

Die Lieferung des Bedarfs an Schulbüchern, Schreib= und
Zeichenmaterialien ſowie an Materialien für den Handarbeits=
unterricht
(Leinen, Kretonne, Wolle uſw.) für das Schuljahr 1914/15
ſoll alsbald vergeben werden.
Bedingungen nebſt Verzeichnis der Materialien liegen im
Stadthaus, Zimmer Nr. 39, zur Einſicht offen.
Angebote, verſchloſſen und mit Aufſchrift verſehen, ſind nebſt
Muſter bis längſtens Mittwoch, den 11. Februar ds. Js., bei
mir einzureichen.
Darmſtadt, den 28. Januar 1914.
(3289sid
Der Oberbürgermeiſter: Dr. Gläſſing.

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60 Pf. b. M. 1. im Abonn.

Fleisch u. veget. Kost v.
50 Pf. bis 70 Pf. im Abonn.

Austelaut des berühnten
:: Wormser Weinmostes::

Kein Trinkzwang. (114
Damenzimmer.
Reform-Restaurant
4 Alexanderstrasse 4, 1. Stock.

Kurſe vom 5. Februar 1914.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

In Proz.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,00
3½ Deutſche Reichsanl. . 88,00
78,50
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
3½ do. Conſols 87,90
78,40
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . 98,00
92,70
do.
3½
84,30
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 97,25
86,10
do.
3½
77,20
do.
4 Hamburger Staatsanl. 97,60
4 Heſſ. Staatsanleihe 97,80
4 do. do. (unk. 1918) 97,40
85,70
do.
3½
76,00
do.
3 Sächſiſche Rente . . . . 78,30
4 Würtkemb. (unk. 1921) 98,20
do. v. 1875 93,60
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1½ Griechen v. 1887 . . 53,50
4 Italiener Rente . . . . 101,00
4½ Oeſterr. Silberrente 90,20
do. Goldrente . . . 91,80
4 do. einheitl. Rente . 85,10
3 Portug. unif. Serie I 62,10
3 do. unif. Serie III 65,00
3 do. Spezial . . . . 9,80
5 Rumänier v. 1903 . . 100,25
4 do. v. 1890
-
4 do. v. 1905 . . 86,00
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 88,75
4 do. v. 1902 . . . . 92,00
4½ do. v. 1905 . . . . 99,20
3½ Schweden
91,00
4 Serbier amort v. 1895 79,40
4 Türk. Admin. v. 1903 77,00
4 Türk. unifiz. v. 1903 86,00
4 Ungar. Goldrente . . . 87,00
4 do. Staatsrente . . 84,00

In Proz.
Zf.
5 Argentinier . . . . . . 99,90
do.
1 Chile Gold=Anleihe. 91,60
5 Chineſ. Staatsanleihe. 99,60
do.
92,20
. 92,30
½ Japaner . . . .
5 Innere Mexikaner . . . 68,00
do.
3
44,50
4 Gold=Mexikanerv. 1904 69,80
5 Gold=Mexikaner . . . . 84,30
3½ Buenos Aires Prov. 69,50
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
10 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
.
. . . 142,0
7 Nordd. Lloyd. . . . . 121,70
6½ Südd. Eiſenb.=Geſell. 128,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5½ Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 .
6 Baltimore und Ohio 98,00
7½ Schantungbahn . . . 134,00,
8 Luxemb. Prince Henri 160%
O Oeſt. Südbahn (Lomb.) 22,20
6 Pennſylvania R. R.
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger. . . 67,00
28 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik .
.594,75
14 Chem. Fabrik Gries=
heim

.. 271,00
30 Farbwerke Höchſt. . . 645,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 348,50
10 Cement Heidelberg. . 151,50
30 Chem. Werke Albert 453,00
15 Holzverkohl. Kon=
ſtanz
. . . . . . . 320,00
6 Lahmeyer . . . . . . . 125,00

In Pro.
Stbld.
8 Schuckert, Nürnberg . . 152,75
2 Siemens & Halske. . 221,50
5 Bergmann Electr. . . 127,50
11 Deutſch. Ueberſee Electr. 179,20
0 Gummi Peter . . . 88,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . . 380,50
9 Maſchinenf. Badenia 131,00
0 Wittener Stahlröhren 142,50
10 Steana Romana Petr. 153,00
15 Zellſtoff Waldhof . . 226,00
12.83 Bad. Zucker=Wag=
207,00
häuſel . .
0 Neue Boden=A. A.=Geſ. 95,50
0 Südd. Immobilien . 61,30
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 170,60
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 226,00
10 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 146,75
10 Gelſenkirchener . . . . 194½
11 Harpener . . . . . . . 185,50
18 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb . . . 246,00
3 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro .
.74,50
.164,75
8 Laurahütte
10 Kaliwerke Aſchersleben 156,25
Weſteregeln 200,00
13
5 South Weſt Africa . 123,50
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 84,50
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 90,75
4 Franz=Joſefs=Bahn . . 88,50
3 Prag=Duxer . . . . . . 73,90
5 Oeſterr. Staatsbahn . 104,20
4 Oeſterr. Staatsbahn . 90,60
do.
77,30
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,00
4. Oeſt. Südb. (Lomb.) . .

Zupw
st.
2¾/10 Oeſt. Südb. (Lomb.) 53,40
. 77,50
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn 88,20
4 Ruſſ. Südweſt . . . . . 87,50
4½ Moskau=Kaſan . . .
do.
87,60
4 Wladichawchas . . . . 88,50
4 Rjäſan Koslow . . . .
3 Portugieſ. Eiſenb. . . . 68,50
86,50
do.
4½
2¼/10 Livorneſer . . . . . 71,50
3 Salonique=Monaſtir. . 62,70
4 Bagdadbahn . . . . . . 79,40
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 91,90
4 Miſſouri=Paciſic . . .
4 Northern=Pacific .
95,50
4 Southern=Pacific . . . 92,50
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 101,00
5 Tehuantepec . . . . .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 190,50
7½ Bergiſch=Märkiſche
Bank . . . . . . . 146,50
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 165,00
6½ Darmſtädter Bank . 122,90
12½ Deutſche Bank . . . 258,20
6 Deutſche Vereinsbank . 122,30
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 119,00
10 Diskonto=Kommandit 195,20
8½ Dresdener Bank . . 158,90
10 Frankf. Hypoth.=B. 218,00
6½ Mitteld. Kreditbank 121,00
7 Nationalb. f. Deutſchl. 120,25
7 Pfälziſche Bank . . . 128,00
6.95 Reichsbank . . . .
7 Rhein. Kreditbank . . . 132,00
5 A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 106½
7½ Wiener Bankverein . 140,10
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 94,8

In Pos.
3t.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . 85,69
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 1519, 2126 84,00
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 26,50
do.
85,50
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 97,40
84,50
31
do.
4 Hefſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16 . . . . 96,60
S. 14, 15, 17, 24/26
,
1823 .
36,60
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68 . . . 84,50
S. 35
84,50
S. 911.
84,50
4 Meininger Hyp.=Bank 95,60
85,50
do.
3½
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 94,10
3½ do. (unk. 1914) . . 85,50
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 96,90
do.
3½
87,80
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . . . . 95,00
3½ do.
4 Frankfurt.
95,90
3½ do.
96,50
4 Gießen
94,60
3½ do.
4 Heidelberg
94,00
3½ do.
86,00
4 Karlsruhe.
95,60
3½ do.
86,50
4 Magdeburg
4 Mainz
95,20
3½ do.
4 Mannheim
95,60
3½ do.
88,00
4 München
96,60
3½ Nauheim
84,60
Nürnberg .
95,40
31
do.
86,00
4 Offenbach

In Prg.
3½ Offenbach . . . . . . 85,75
4 Wiesbaden . . . . .
3½ do.
4 Worms .
3½ do.
4 Liſſabonner v. 1888 . 74,50
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner 100 141,00
3 Holl. Komm. . fl. 100 119,00
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 143,00
4 Oeſterr. 1860er Loſe .
3 Oldenburger . .
. 128,40
2½ Raab=Grazer fl. 150 111,20
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7 34,50
Braunſchweiger Tlr. 20 203,00.
Freiburger .
.Fs. 15 90,00
Fs. 45
Mailänder .
do.
Fs. 10 39,50
Meininger . .
ſl. 7 34,00
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100
do. v. 1858 fl. 100
Ungar. Staats . . fl. 100 439,80
Venediger . . . . Js. 30 73,40
Türkiſche . . . . Fs. 400 171,40
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns ..
20,42
20 Francs=Stücke . . . . 16,23
Amerikaniſche Noten . . . 4,19½,
Engliſche Noten . .
20,46
Franzöſiſche Noten .
81,40
Holländiſche Noten . . . . 169,50
Italieniſche Noten . . . . 81,05
Oeſterr.=Ungariſche Noten 85,25
Ruſſiſche Noten . . . . . 215,00
Schweizer Noten . . . . . 81,25
Reichsbank=Diskonto
Reichsbank=Lombard Zsf. 5%

[ ][  ][ ]

Nummer 37.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. Februar 1914.

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Das Tippfräulein.
Roman von Gertrud Stokmans.
(Nachdruck verboten).
27

Der junge Offizier ahnte nicht, welchen Sturm er in
der Bruſt ſeines Kameraden entfachte. Hans Hermann
war ganz außer ſich. Von dem Zuſammentreffen mit
Wardenburg ſtand in Gabis Briefen kein Wort, und daß
man ſie insgeheim beobachtet, ahnte ſie ſelber wohl nicht.
Sie mußte fort von Hellborn, je eher, je lieber, und ſo=
lbald
der Dienſt vorbei war, eilte er ſofort zu Fräulein
Flott, um ihre Abreiſe zu beſchleunigen.
Dort erfuhr er, was ihn mit ſteigernder Beſorgnis
erfüllte. Gabi beſchwor ſchriftlich ihren Schützling, immer
wieder, bis auf weiteres in Berlin zu bleiben, und ihr die
Stellung auf Hellborn vorläufig zu belaſſen. Die Ereig=
miſſe
erwieſen ſich ſtärker als ſie. Man bedürfe ihrer noch
im Schloß und ihre eigenen Wünſche feſſelten ſie an den
bis dahin unbekannien Ort.
Fräulein Flott war ihrer Mutter wegen froh, noch
bleiben zu können, andererſeits fürchtete ſie aber die Un=
annehmlichkeiten
, welche den Gartenhauſens aus dieſer
wunderlichen Stellvertretung erwachſen konnten, und
wünſchte ſehnlichſt, Gabi abzulöſen, um einer plötzlichen
Entdeckung vorzubeugen. Daß die Gefahr einer ſolchen
rvirklich nahe lag, erfuhr ſie durch einen Beſuch, von dem
ſie Hans Hermann ſogleich berichtete.
Ja, ſagte Fräulein Flott erregt, denken Sie nur, Herr
Graf, geſtern kam eine Exzellenz von Soundſo, den Namen
Habe ich vergeſſen, zu mir. Ich dachte, die fremde Dame
habe einen Auftrag für mich, und freute mich auf die neue
Arbeit, aber ſie begann ſogleich von ihrer Freundin,
der Gräfin Toeſſenſtein, zu ſprechen und als ich den Namen
Hellborn hörte, dachte ich mir gleich, daß es ſich um die

Gräfin Gabi handle. Sie meinte denn auch, ich ſei für
die Stellvertreterin, die ich dem Baron Haſſelmann ge=
ſandt
habe, doch gewiſſermaßen verantwortlich und ſolle
ihr genaue Auskunft geben über das Vorleben und die
Privatverhältniſſe von Fräulein Schacht. Das konnte ich
der Wahrheit gemäß doch nicht tun? Ich faßte mich alſo
kurz und meinte, ich hätte von dem jungen Mädchen nur
Gutes gehört und von ihr ſelbſt den beſten Eindruck emp=
fangen
. Der Herr Baron ſchiene jedoch auch mit ihr und
ihren Leiſtungen vollkommen zufrieden zu ſein. Das ge=
nügte
der Abgeſandten der Gräfin Treſſenſtein aber nicht.
Sie wollte wiſſen, wer und was ihre Eltern waren, in
welchem Alter und an welcher Krankheit ſie geſtorben ſeien,
welche Stellungen die Brüder des jungen Mädchens be=
kleideten
, und ob ſie ſchon einmal verlobt geweſen ſei. Ich
antwortete ausweichend, ſo gut es ging, und gab ihr zu
verſtehen, daß die Privatangelegenheiten einer ſolchen
Angeſtellten im allgemeinen einer Kontrolle nicht unter=
ſtänden
, aber mir war gar nicht wohl dabei. Dann fragte ſie
nach Fräulein Schachts Berliner Adreſſe, und als ich ſagte,
ich könne mich im Augenblick derſelben nicht mehr ent=
ſinnen
, wuchs ihr Mißtrauen. Sie erklärte, in einigen
Tagen wiederkommen zu wollen, und ſagte, man könne ſich
im Notfalle ja an ein Privatdetektivbureau wenden, da
werde man jede gewünſchte Auskunft erlangen.
Hans Hermann runzelte die Stirn und murmelte:
Eine verdammte Geſchichte. Dann fragte er ſchnell:
Wünſchte die Exzellenz nicht, daß Sie Gabi möglichſt bald
ablöſen ſollten?
Gewiß, entgegnete Fräulein Flott, ſie wollte ſogar
ganz genau wiſſen, wann ich käme, aher ich war ja un=
ſicher
, weil Gräfin Gabi mir gerade wieder die Weiſung
gegeben hatte, vorläufig Hellborn fernzubleiben. So wies
ich denn auf die Krankheit meiner Mutter hin und machte

alles von dem nächſten Ausſpruch des Arztes abhängig.
Ich muß geſtehen, dieſer Beſuch hat mich ſehr erſchreckt.
Ich war froh, als ich wieder allein war.
Haben Sie meiner Schweſter darüber geſchrieben?
fragte Hans Hermann.
Nein, war die Antwort, ich wollte es gerade heute
tun und Gräfin Gabi auf die Gefahr eines längeren Ver=
weilens
hinweiſen.
Der junge Offizier machte eine Bewegung der Ab=
wehr
. Dann meinte er:
Laſſen Sie es nur, Fräulein Flott. Schriftliche Bit=
ten
und Vorſtellungen nützen bei meiner Schweſter nichts.
Die Sache muß anders angefaßt werden. Bereiten Sie
alles zur Abreiſe vor, und überlaſſen Sie uns alles Wei=
tere
. Wir werden Sie rechtzeitig benachrichtigen.
Fräulein Flott ſeufzte tief, als die Tür ſich hinter
Gabis Bruder ſchloß. Sie war die unſchuldige Urſache
dieſer Verwicklungen und Schwierigkeiten, und der Ge=
danke
, daß die Gartenhauſens ihr deshalb zürnten, quälte
ſie heute mehr denn je. Ihr einfaches, arbeitsreiches Leben
hatte bisher keine Konflikte gekannt, und ſie bereute es bit=
ter
, Gräfin Gabis zwingendem und verlockendem Vorſchlag
gefolgt zu ſein.
Gleich nach dieſem Beſuch telephonierte Hans Her=
mann
nach allen Himmelsrichtungen, um ſich mit ſeinen
Brüdern zu verſtändigen, und hatte die Genugtuung, ſie
noch an demſelben Tage alle zu einer Familienberatung
zuſammenzuführen. Er unterbreitete ihnen die ſchlimmen
Nachrichten, und ſeine Erregung teilte ſich ihnen mit.
Wiederholt wurde alles, was Hellboen betraf, erwogen
und beſprochen und ſchließlich ein Entſchluß gefaßt, der
den gordiſchen Knoten in der bekannten Art löſen ſollte,
aber nur dazu beitrug, Gabis Angelegenheiten noch mehr
zu verwirren.

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. Februar 1914.

Nummer 37.

Große, ſüße
Voll-Brot
enthält, im Gegenſatz zu denSetiskulsokkdren
gewöhnlichen Brot, alle wert=
vollen
Beſtandteile der Korn=
frucht
, die durch eine lange
Srungen

Backzeit zu vollſter Aus=
nützung
erſchloſſen werden.
Voll=Brot
wird von zahlreichen Aerzten
u. Hygienikern gegen Darm=
trägheit
, Verdauungsſtörun=
gen
, Blinddarmentzündung,
Zuckerkrankheit, Fettleibigkeit,
Bleichſucht, Zahnkrankheiten
u. a. empfohlen.
Nachſtehend Auswahl her=
vorragender
Erzeugniſſe, Ab=
wechslung
iſt wichtig, man
ſoll nicht immer dieſelbe Sorte
(2631a
Brot eſſen.
Weſtf. Bauernbrot . 55 Pf.
wie Pumpernickel,
ca. 5 Pfund . . 80
Weſtf. Pumpernickel 32
Sanitasbrot, Rogg.,
35 und 65
Weizen,
35 und 65
Vollweizenbrot,
hefefrei . 30 und 50
Eiſenkraftbrot . . 30
Nußſchrotbrot . . 35
Bananenbrot. . . 35
Früchtebrot . . . 35
Delikataß= Früchte=
brot
. . 25 und 50
Simonsbrot 30 u. 60
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I.
Der Oberinſpektor, Herr von Wardenburg, war nach
Breslau zum Maſchinenmarkt gefahren und eher zurück=
gekehrt
, als er vorausgeſetzt hatte. Nun fand er auf dem
Bahnhofe der Hauptlinie keine Abholung vor. Man er=
wartete
ihn erſt am nächſten Mittag, und er mußte ſich ent=
ſchließen
, die acht Kilometer zu Fuß zu gehen. Das
ſchreckte ihn nicht. Nach dem Sonnenbrand auf dem Aus=
ſtellungsplatz
und der ſtaubigen Hitze im Kupee war es
ihm eine Wonne und Wohltat, mit ſtarken Schritten in die
erfriſchende Abendkühle hineinzuwandern und den herr=
lichen
Duft einzuatmen, welcher von friſchgemähten Wieſen
und reifenden Kornfeldern zu ihm herüberwehte.
Es war bereits neun Uhr. Das Abendrot, das wie
eine feurige Lohe den ganzen Himmel überſtrahlt hatte,
verblaßte und verſchwand allmählich, und auf der roſigen
Spur kam ſchnell und leiſe die Dämmerung herbei, ſenkte
ihre zarten Schleier auf die Erde hinab und umhüllte die
Seele des einſamen Wanderers mit einer weichen, linden,
ruhevollen Stimmung, die er ſonſt kaum kannte und
duldete.
Er dachte weder an die neuen Maſchinen, die er ge=
kauft
, noch an die wirtſchaftlichen Aufgaben, die er zu löſen
hatte. Seine Vorſtellung beſchäftigte ſich ausſchließlich
mit der Gräfin Gabi, der er einige Tage ferngeblieben
war, und neben ihrem Bild tauchte wieder das Bild ihres
jugendlichen Begleiters des Grafen Dietrich v. Treſſen=
ſtein
, auf, der ihn neuerdings ins Vertrauen gezogen
hatte und ihm auf gemeinſchaftlichen Wegen von dem
reizenden Tippfräulein vorſchwärmte. Die Bitterkeit,
welche Wardenburg ſonſt in bezug auf Gabi beherrſchte,

Geee een
und der Wunſch, wieder einmal mit ſeiner einſtigen Braut
zuſammen zu ſein, ſtieg als lebhaftes Verlangen in ſeinem
Herzen empor. Dazu geſellte ſich ein leiſes Angſtgefühl,
und der Gedanke, ſie könne vielleicht in dieſen Tagen ge=
rade
abgereiſt ſein, verfolgte und peinigte ihn mehr und
mehr.
Da, mit einem Male, als er um die Waldecke bog,
ſtand Gabi mitten auf der Landſtraße vor ihm, aber nicht
in Geſellſchaft des Grafen, ſondern allein und offenbar
angenehm überraſcht, ihn zu ſehen. Er traute ſeinen
Augen kaum, und in ſeine Freude miſchte ſich ein ſtarkes
Befremden; ehe er jedoch eine Frage tun konnte, kam
ſchon die Aufklärung, und freimütig zu ihm aufblickend,
ſagte ſie munter:
Ich habe wieder einmal eine Dummheit gemacht,
nämlich eine Entdeckungsreiſe auf eigene Fauſt, die mich
ſchon lange lockte, und mich dabei ganz gründlich verirrt.
Im Walde wars einfach wundervoll, aber auf dem Rück=
weg
ſchlug ich eine falſche Richtung ein und kam am ver=
kehrten
Ende wieder heraus. Dieſe langen Waldſchneiſen
gleichen ſich wie ein Ei dem anderen. Nun weiß ich, offen
geſtanden, nicht, wo ich bin, und es iſt ein wahrer Segen,
daß Sie als rettender Engel erſcheinen, um mich auf den
rechten Weg zu weiſen.
Vom Engel habe ich herzlich wenig an mir, ſagte er
lächelnd, und Ihnen die Direktive geben? Ja, Gräfin,
wenn ich das könnte! Heute freilich iſt es nicht ſchwer, und
folgen mir unter dem Druck einer Force majeure, aber
gewöhnlich verſchmähen Sie meinen Rat und wählen ab=
ſichtlich
einen Weg, welcher in die Irre führt,

Sie ging auf ſeinen verſteckten Vorwurf nicht ein,
ſchritt gelaſſen neben ihm an der Waldgrenze entlang und
ſagte dann ſcherzend:
Sie ſind gar nicht ſo ſtreng, wie Sie ſcheinen, Herr
v. Wardenburg, und auch nicht ganz ſo konſequent. So
lehnten Sie es, zum Beiſpiel, neulich mit großer Schroff=
heit
ab, mein Geheimnis hüten und ſchützen zu wollen, und
dann haben Sie der Baroneſſe doch geſagt, Fräulein
Schachts Aehnlichkeit mit der Gräfin Gartenhauſen, die
Sie zuerſt leider verraten hatten, ſei nur im erſten Augen=
blick
ſo frappierend geweſen und verlöre ſich mit der Zeit
mehr und mehr. Ich weiß, wie peinlich es Ihnen iſt, eine
Unwahrheit zu ſagen, und bedanke mich herzlich für das
gebrachte Opfer.
Es blieb mir ja nichts anderes übrig, murrte er, ich
mußte den Verdacht, den ich unbeſonnenerweiſe ſelbſt aus=
geſprochen
hatte, doch ſchleunigſt wieder von ihnen ab=
lenken
, aber gern habe ich es nicht gelan, das ſteht feſt.
Die Tatſache genügt, meinte ſie lächelnd, und fragte
dann: Wie weit iſt es noch bis Hellborn?
Fünf Kilometer, Gräfin.
Na, das iſt an und für ſich nicht weit, aber ich bin ſeit
drei bis vier Stunden unterwegs und ſchrecklich müde.
Können wir den Weg nicht etwas abkürzen?
Nein, leider nicht, war die Antwort, wir kommen jedoch
bald an eine Holzung, wo hier und da noch ein gefällter
Baumſtamm liegt und einen natürlichen Sitz bietet. Da
können wir uns niederlaſſen und ausruhen.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 37.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. Februar 1914.

Seite 15.

Sport, Spiel und Turnen.

Turnſport in der Darmſtädter Turngemeinde. Man
ſchreibt uns: Einem Zuge der Zeit folgend, hat ſich eine
ſtattliche Anzahl Turner der Turngemeinde Darmſtadt
zuſammengefunden und eine Abteilung für Turnſport ge=
gründet
. Dieſe wird ſich vorwiegend mit der Pflege der.
volkstümlichen (leichtathletiſchen) Uebungen befaſſen, ohne
aber dem Geräteturnen zu entſagen. Letzteres muß bei=
behalten
werden, da es einen kräftigen Oberkörper bildet,
der eine Vorbedingung für eine erfolgreiche Betätigung in
den volkstümlichen Uebungen bedeutet. Die genannte Ab=
teilung
verfolgt auch den Zweck, den körperlichen Veran=
lagungen
der Turner mehr gerecht zu werden. Es iſt
zwar das Ideal eines Turners, allſeitig durchgebildet zu
ſein, aber nur wenigen iſt die Vorbedingung, dieſes Ideal
zu erreichen, beſchieden. Während dem einen die in hohem
Grade erforderliche Geſchmeidigkeit der Glieder und der
Wagemut fehlt, um einen Erfolg im Kunſtturnen zu er=
zielen
, ſo beſitzt der andere nicht die entſprechende Körver=
größe
und den robnſten Knochenbau, die ihm einen Erfolg
in den volkstümlichen Uebungen ſichern. Da ſolche einſeitig
veranlagten Leute durch die hohen Anforderungen, welche
die Deutſche Turnerſchaft in bezug auf allſeitige Körper=
ausbildung
ſtellt, im turneriſchen Wettkampfe ſchlechte Er=
fahrungen
machten, und ins ſportliche Lager ſich hinüber=
gezogen
fühlten, wo auch dem einſeitig ausgebildeten oder
veranlagten Manne die Siegespalme winkt, wird die neu=
gegründete
Abteilung hier ausgleichend wirken. Die Ent=
wicklung
derſelben iſt durch das Vorhandenſein von gutem
Material unter den Turnern der Turngemeinde geſichert.
Jedem Turner und jungen Manne, der vorwiegend Inter=
eſſe
für leichtathletiſche Uebungen zeigt, iſt alſo Gelegenheit
geboten, dieſes in der Turngemeinde Darmſtadt unter Lei=
tung
von guten, allſeitig durchgebildeten Kräften in die Tat
umzuſetzen. Da die Turngeneinde Darmſtadt über eine
große Halle mit Lohboden verfügt, können Wurfübungen
und Springen auch in der jetzigen Jahreszeit geübt wer=
den
. Die Angehörigen der Abteilung geben ſich ſchon mit
Fleiß der Sache hin, ſo daß vorausſichtlich zu dem in die=
ſem
Frühjahr von dem Frankfurter Verband für Turn=
ſport
geplanten praktiſchen Sportlehrerkurſus nach den
Methoden des Olympia=Trainers Dr. Kränzlein eine An=
zahl
Leute geſtellt werden kann, denen man die Beſcheinig=
ung
Mit Erfolg teilgenommen nicht vorenthalten wird.
Kraſtfahrer=Abteilung im Gau IX des D. R.=B.
Am Samstag tagten im Reſtaurant Fauſt zu Frankfurt
die Kraftfahrer des Gaues IX des Deutſchen Radfahrer=
Bundes und beſchloſſen zur Hebung und Förderung des
Sports und der Gefelligkeit, die Gründung einer Kraft=
fahrerabteilung
des Gaues IX im D. R.=B. unter dieſer
Bezeichnung. Alle Anweſenden erkläkten hierzu ihren Bei=
tritt
. Als Vorſitzender dieſer Abteilung wurde der Kraft=
fahrwart
des Gaues 12, Herr Heinr. Beck, gewählt.
Die übrigen Vorſtandsämter verteilen ſich wie folgt: Stell=
vertretender
Vorſitzender Herr E. Beihge, Schriftführer
derr M. Link, Kaſſierer Herr G. Hoptiſch und Fahrwart
Herr E. Kellner. Dem Vorſtand wurde die Ausarbeitung
der Statuten übertragen. Allen bis zum 1. März eintreten=

den Migliedern wird das Eintritsgeld erlaſſn. Nach
Schluß dieſer Tagung wurde die Preisverteilung der vom
Gau I2. des D. R.=B. veranſtalteten Sandplacken= Berg=
prüfungsfahrt
vorgenommen und den Preisträgern die
wertvollen Ehrenpreiſe überreicht, und zwar dem Sieger
K. Bauer=Darmſtadt der goldene Bundespokal; 2. Platz
M. Link=Frankfurt, 3. Platz O. Paul=Frankfurt, 4. Platz
E. Häußler=Frankfurt.
* Sportliche Erfolge im Gau IX des Deutſchen Rad=
fahrer
=Bundes. Laut amtlicher Bekanntgabe der Ergeb=
niſſe
der Wetbewerbe im Einer=Streckenfahren auf der
Landſtraße über 165 Kilometer hat der Gau IX des
D R.=B. weitaus die beſten Reſultate zu verzeichnen: W.
Zimmermann=Darmſtadt, Fries=Frankfurt, K. Möſer=
Frankfurt ſtehen mit 5 Stunden 7 Min. an erſter Stelle,
und erhalten die goldene Bundesmedaille; W.
Keiper= Frankfurt mit 5 Stunden 33 Min. erhält die gol=
dene
Bundeskrawattennadel.

Handel und Verkehr.

Poſtſcheckverkehr. Der zwiſchen den Poſt=
ſcheckämtern
in Berlin, Breslau, Cöln, Frankfurt (Main),
Hamburg, Hannover, Karlsruhe (Baden) und Leipzig und
den Abrechnungsſtellen der Reichsbank beſtehende bargeld=
loſe
Zahlungsausgleich weiſt für das Jahr 1913 recht er=
freuliche
Ergebniſſe auf. Die Einlieferungen in den Ab=
rechnungsverkehr
umfaßten über 536 000 Schecks im Be=
trage
von rund 4,7 Milliarden Mark. Im geſamten Poſt=
ſcheckverkehr
ſind im Jahre 1913 rein buchmäßig, alſo
namentlich durch Ueberweiſung von Konto zu Konto, rund
21,3 Milliarden Mark beglichen worden, d. ſ. über 59 v. H.
des Geſamtumſatzes.

Stimmen aus dem Publikum.

(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung: für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 bes
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Zum Krankenverſicherungs=Beitrag
der Dienſtboten!
Von verſchiedenen Hausfrauen wird neuerdings dieſe
ſehr wichtige Frage angeregt, ſo auch in der letzten Num=
mer
dieſes Blattes, zu gleicher Zeit mit dem Wunſche, daß
eine allgemeine Hausfrauen=Verſammlung doch auch
unter Zuziehung der Hausmänner, da dieſe in der Mehr=
zahl
die Haushaltungsgeldſpender doch ſind! ſtattfinden
möge zur Beſprechung der Beitragspflicht der Dienſtboten.
Jeder rechtlich Denkende wird mit Freuden zugeben müſ=
ſen
, daß ſchon längſt die Geſetzgebung den Weg beſchritten
hat, der arbeitenden Klaſſe ſomit auch unſeren Dienſt=
boten
des Lebens Daſein inſofern erleichtern zu helfen,
als man ihre geleiſtete Arbeit mehr anerkennt und ihnen
behillich iſt, ſich ihre Gefundheit und körperliche Kraft auch
zu erhalten. Andererſeits iſt es aber auch völlig falſch von
den arbeitenden Klaſſen, wenn dieſe nun denken, daß neben
den ſteigenden Löhnen, die ſie beziehen, ſie nun gar keine
Pflicht mehr haben ſollten, in gewiſſem Maße auch etwas

für ſich ſelbſt mit ſoigen zu heiſen! Seiher ſchrieb das
Geſetz für die arbeitenden Klaſſen alſo auch unſeren
Dienſtboten ja auch eine gewiſſe Beitragsleiſtung zur
Krankenkaſſe vor, und wenn es viele Haushaltungen gab,
die, zugunſten ihrer Dienſtboten und um einem etwaigen
Wechſel zu entgehen, auf deren Beitrag verzichteten, ſo war
dies, ſtreng genommen, nicht recht. Das Geſetz hat eine
Gleichmäßigkeit vorgeſchrieben, und dieſe ſollte auch all=
gemein
gehalten werden allgemein zugunſten aller
Haushaltungen! Nun ſind die Krankenkaſſenbeiträge mit
den neu in Kraft getretenen Beſtimmungen leider nicht un=
erheblich
zum Teil geſtiegen warum? Und ſo tritt nun
an alle Haushaltungen die Frage heran, ſollen wir unſere
Dienſtboten reſp. deren Lohn mit dem geſetzlichen ½ be=
laſten
, oder wollen wir den ganzen Beitrag übernehmen
und ſomit gewiſſermaßen eine Lohnerhöhung eintreten
laſſen? Dies wird der heikle Punkt ſein, bei dem es ſich
bei den Hausfrauen und Hausmännern! drehen
wird; denn es könnte unter Umſtänden die Kündigung
von ſeiten eines Dienſtboten eintreten, den man lange
Jahre hat und den man nicht gerne wiſſen möchte. An=
dererſeits
müßten hier aber auch dier Dienſtboten ſelbſt
ernſtlich mit ſich zu Rate gehen und ſich nicht durch andere
namentlich Verdingbureaus aufhetzen laſſen, und ſich
ſelbſt fragen, ob es für ſie wirlich ein ſo großer Vorteil
wäre, aus einem Hauſe, in dem ſie ſich ſeit Jahren wohl
fühlen und wo ſie eine gute Behandlung genießen, wegen
einiger Märkchen die Stelle zu wechſeln. Dieſe ganze Frage
alſo etwaiger Dienſtbotenwechſel der meiſtens für
beide Teile keine große Vorteile bringt, würde aber hin=
fällig
, ſobald unter ſämtlichen Haushaltungen ohne jede
Ausnahme! eine Einigkeit herrſchen wird, Einigkeit in
dem Punkte, daß den Dienſtboten unbedingt das
geſetzliche ½ vom Lohn in Abzug gebracht wird11 Die
arbeitenden Klaſſen müſſen auch ſelbſt anerkennen, daß der
betreffende Beitrag in erſter Linie ihnen ſelbſt doch, in
Krankheitsfällen zugute kommt. Aber Einigkeit muß
unter den Haushaltungen herrſchen; Einigkeit allein macht
ſtark. Sich ruhig der Gewalt beugen, iſt ein Zeichen be=
ſchämender
Schwäche.
Ein Hausherr.

Literariſches.

Apollinaris=Sportkalender 1914 gibt
in der bekannten und allſeitig beifällig bemerkten
Form für das Jahr 1914 eine reichhaltige, eingehend aus=
gearbeitete
und zuverläſſig durchgeführte Zuſammenſtellung
der bedeutenden ſportlichen Ereigniſſe, ſowie eine inter=
eſſante
Aufzeichnung der beſonderen feſtlichen Veranſtalt=
ungen
. Der Zeit vorauseilend, dem Leſer wiſſenswert,
der Sportſache dienen iſt die Idee, die der Herausgabe
der Apollinaris=Sportkalenders zugrunde liegt. Nach der
nunmehr erfolgten Ausgabe des dritten Jahrganges des
Apollinaris=Sportkalenders iſt zuzugeben, daß die Heraus=
geber
die ſich geſtellte Aufgabe in glücklicher Weiſe gelöſt
und in äußerſt gediegener Aufmachung durchgeführt haben.
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bietet und eine Ergänzung des mehr feuilletoniſtiſch gehaltenen Illuſtrierten Unterhaltungsblattes darſtellt.

[ ][  ][ ]

Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. Februar 1914.

Nummer 37.

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Turnhalle zugefügte Beleidigung mit Bedauern zurück, da ich mich
üherzeugt habe, daß beſagte Beſchuldigung völlig haltlos iſt.
Darmſtadt, den 5. Februar 1914.
Georg Hofmann.
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[ ][  ][ ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. Februar 1914

Nummer 3

Vorträge.

In einer gut beſuchten Verſammlung der Bezirks=
gruppe
Darmſtadt des Vereins Recht und Wirt=
ſchaft
ſprach Herr Aſſeſſor Dr. Eiſe über den Schutz
der Arbeitswilligen unter beſonderer Be=
rückſichtung
des Streikpoſtenſtehens und
unter Hinweis auf die ausländiſche Geſetz=
gebung‟
Nach einer kurzen Schilderung der beſtehen=
den
Mißſtände gab der Redner eine Darſtellung des gel=
tenden
Rechts. Es wurden die Paragraphen 152 und 153
der Gewerbeordnung, ſowie die Paragraphen 240, 241
und 253 des St.=G.=B. beſprochen. Während in Deutſch=
land
das Streikpoſtenſtehen nicht verboten iſt, finden ſich
z. B. in Oeſterreich, Italien, Belgien, Schweiz ( Solo=
thurn
und Zürich), Schweden, Holland und England zum
Teil ſehr ſcharfe Strafbeſtimmungen, die allerdings kaum
je Anwendung finden. Bei einem etwaigen Verbot des
Streikpoſtenſtehens müßte auch der wirtſchaftliche Boy=
kott
durch Unternehmerverbände unter Strafe geſtellt wer=
den
. Im großen und ganzen erſcheint es juriſtiſch ſehr
ſchwer, ein Verbot des Streikpoſtenſtehens praktiſch durch=
zuführen
. Nach Lage der Dinge würde es am zweck=
mäßigſten
ſein, von einem derartigen Verbot Abſtand zu
nehmen und allenthalben Straßenpolizeiverordnungen auf
Grund des § 366, 10 des Str.=G.=B. zu erlaſſen und alle
Inſtanzen, einſchließlich der Schutzleute, über ihr Verhal=
ten
, ihre Verpflichtungen und Befugniſſe bei Ausbruch
eines Streiks und gegenüber Streikpoſten zu belehren.
Durch geeignete Weiſungen ſeitens der Zentralinſtanzen

würde vordengend gewirt werden können, falls die Po=
lizei
von Anfang an mit der erforderlichen Umſicht vor=
geht
. Der Ruf nach Verleihung der Rechtsfähigkeit an
alle Berufsvereine erſcheint unzweckmäßig. Zu erwägen
wäre, ob man dem Berufsverein die geſetzliche Haftung
für rechtswidrige Handlungen ſeiner Mitglieder, z. B. für
Bruch des Tarifvertrags, auferlegen und etwa beſtimmen
kann, daß der Berufsverein ſo lange haftet, als er nicht
beweiſt, daß die Handlung ohne oder gegen ſeinen Willen
geſchah. Geboten erſcheint weiter die Schaffung eines
Koalitionsrechts durch Beſeitigung der Paragraphen
152, 2 und 153 der Gewerbeordnung und Anwendung der
allgemeinen Rechtsnormen auf die Arbeitervereine unter
Einführung eines Berufsvereinsregiſters und der allge=
meinen
Anwendung des § 31 des B. G.=B. (Haftung des
Vereins) auf die Berufsvereine. Auch eine zweckentſpre=
chende
Neufaſſung der Paragraphen 240, ſowie 241 und
253 des Str.=G.=B. würde in Erwägung zu ziehen und
eine Aenderung der Strafprozeßordnung dahin ins Auge
zu faſſen ſein, daß alle Streikſtraftaten zu einer ſchnelleren
Aburteilung gelangen können. Zum Schluß betonte der
Redner noch, daß die Unternehmer Weſentliches durch
Selbſthilfe (Zuſammenſchluß zu Organiſationen und zu
Streikverſicherungsverbänden) erreichen könnten.
Im Anſchluß an dieſe juriſtiſchen Ausführungen legte
Herr Handelskammerſyndikus Dr. Human dar, wie ſich
Handel und Induſtrie bisher zu der Frage des Schutzes
der Arbeitswilligen geſtellt hätten. Es ſtehen ſich hier
zwei Anſichten ſcharf gegenüber, indem ein Teil der In=
duſtrie
(hauptſächlich Zentralverband Deutſcher Indu=
ſtrieller
) für ein ſcharfes Vorgehen durch Verbot des

Streitpoſtenſiehens eintrit. Ein anderer Teit, wie hauble
ſächlich die im Deutſchen Handelstag zuſammengeſchloſſe=
nen
Handelskammern und der Bund der Induſtriellen,
ſind für ein derartiges ſcharfes Vorgehen nicht zu haben.
Auch der Hanſa=Bund befürwortet in erſter Linie beſſere
Anwendung der gegenwärtig bereits beſtehenden Geſetze
durch die Polizeibehörden. Nicht zu leugnen iſt, daß ſei=
tens
der Gewerkſchaften ein beträchtlicher Terrorismus
ausgeübt wird, ſo daß bedrängte Arbeitswillige kaum je=
mals
den Mut zu beſonderen Strafanträgen finden. Es
liegt bei Verſchärfung der Beſtimmungen der Paragraphen
240 und 241 Str.=G.=B., Bedrohung und Nötigung, die
Gefahr vor, daß hierdurch nicht nur die ſtreikenden Ar=
beiter
, ſondern auch die ausſperrenden Unternehmer= Orga=
niſationen
betroffen werden, welche bei Ausſperrung nicht
nur die Unternehmer ſelbſt, ſondern auch die Zwiſchen=
meiſter
, Heimarbeiter uſw. überwachen müſſen. Endlich iſt
zu bemerken, daß ein Verbot des Streikpoſtenſtehens wahr=
ſcheinlich
noch nicht eine endgültige Beſſerung der gegen=
wärtigen
Zuſtände bedeuten würde, da dann noch die Ver=
fehmung
der Streikbrecher beſtehen bleiben würde, welche
in Arbeiterkreiſen ſicherlich ſtark gefürchtet wird. Vom
Unternehmerſtandpunkt aus erſcheint neben zielbewußter
Beihilfe der Polizeiorgane bei Streiks der Zuſammen=
ſchluß
in machtvolle Arbeitgeberverbände ſehr zweck=
mäßig
, da dann von Macht zu Macht verhandelt und man=
cher
Streik verhindert werden kann. Hieran anſchlie=
ßend
ſprachen noch verſchiedene Herren in der Diskuſſion,
und zum Schluß machte Herr Oberlandesgerichtsrat Lang
noch einige Mitteilungen über in Ausſicht genommenen
Beſichtigungen und weitere Vorträge.

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Nummer 37.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. Februar 1914.

Seite 19.

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Seite 20

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. Februar 1914.

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11. Wanderung
Sonntag, den 8. Febr. 1914.
Ziel: Wald=
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Michelbach.
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Freitag, den 6. Februar 1914.
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Poſſe mit Geſang und Tanz in
4 Bildern von Rudolph Bernauer
und Rudolph Schanzer. Muſik
von Walter Kollo und Willy
Bredſchneider.
Spielleiter: Bruno Harprecht.
Muſikal. Leiter: Erich Kleiber.
Perſonen:
Erſtes Bild.
Franz und Fränze‟
Adalb. Muſenfett Br. Harprecht
FränzePapendieck Käthe Gothe
Max Rademacher Frz. Schneider
Wanda Hammer=
ſchmidt

. Hede Schaub
Eufemia Breit= (Minna Müller=
ſprecher
. . .Rudolph
Anaſtaſius .
. Paul Peterſen
v. Klemczinski Rich. Jürgas
Maria Geſtieulata Charlotte Pils
Erſtes
Element. Feiſtle
Louiſe Kümmel
Zweites
Hrittes 1 Tipp= Lydia Riethof
Viertes ſfräulein Evelyn Moore
L. Sturmfels
Fünftes
Sechſtes
Zweites Bild.
Napoleon
und die Müllerstochter.
Friedrich Auguſt
Käſebier
Adolf Jordan
Cordula, ſ. Frau Sofie Doſtal
Adalbert Muſen=
fett

. Br. Harprecht
Fränze Papendieck Käthe Gothe
Max Rademacher Frz. Schneider
Wanda Hammer=
ſchmidt
.
. Hede Schaub
Maria Geſticulata Charlotte Pils
Eufemia Breit= 1 Minna Müller=
ſprecher

Rudolph
Anaſtaſius .
. Paul Peterſen
Thomas Rind=
fleiſch

. Adolf Klotz
(In der Filmaufnahme: Die Völ=
kerſchlacht
bei Leipzig.)
Napoleon( Muſen=
fett
) . . . . . Br. Harvrecht.

Müllerstochter
(Fränze)
. Käthe Gothe
Marketenderin 1 Minna Müller=
(Eufemia) . . 1 Rudolph
Der meldende
Offizier.
Heinrich Geyer
Der Spion .
Fr. Jachtmann
Drittes Bild:
Hab’n wir uns nicht ſchon
mal kennen gelernt?
Geheimrat Papen=
dieck
.
Heinrich Hacker
Fränze, ſ. Tocht. Käthe Gothe
Adalb. Muſenfett Br. Harprecht
Friedrich Auguſt
Käſebier . . . Adolf Jordan
Wanda Hammer=
ſchmidt

Hede Schaub
Max Rademacher Frz. Schneider
v. Klemczinski Richard Jürg.=
Eufemia Breit=1 Minna Mülle
Rudolph
ſprecher .
Viertes Bild:
Otto der Faule.
Adalb. Muſenfett Br. Harpreck
FränzePapendieck Käthe Gotk.
Friedrich Auguſt
. Adolf Jor
Käſebier
Cordula Käſebier Sofie Doſtal
Max Rademacher Frz. Schneide:
Wanda Hammer=
. Hede Schaub
ſchmidt .

ſprecher
Thomas Rind=
fleiſch

Anna, Stuben=

v. Klemezinski Rich. Jürgas
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Rudolph
. Adolf Klotz
mädchen . . EllenWidmann
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4.20 , 14.20, Reihe 3.40 ,
Parterre: 1.5. Reihe 2.90 ,
6.8. Reihe 2.35 , Proſzeniums=
loge
6.20 , Mittelloge 6.20 ,
Balkonloge 5.20 , 1. Rang 4.70 ,
2. Rang: 1.6. Reihe 2.70 , 7. u.
8. Reihe 2.15 , 1. Galerie 1.35 ,
2. Galerie 0.75 .
Kartenverkauf: an der Tages=
kaſſe
im Hoftheater von 9½1½
Uhr und eine Stunde vor Beginn
der Vorſtellung; im Verkehrsbüro
von 81 Uhr und von 2½ Uhr
bis kurz vor Beginn der Vor=
ſtellung
. (Im Verkehrsbüro wer=
den
auch telephoniſch Kartenbe=
ſtellungen
entgegengenommen.
Telephon Nr. 1582.)
Anrfang 7½ Uhr. Ende 10½ Uhr.
Worverkauf f. die Vorſtellungen:
Samsgag, 7. Febr. Außer Ab.
5. Volks vorſtellung zu ermäßigten
Pit Wt. Die luſtige Witwe.
Anfäſig 7½ Uhr. Vorverkauf bis
einſchl. Samstag, 7. Febr., im Ver=
kehrsbüro
(Ernſt=Ludwigsplatz).
Verkauf der etwa noch vorhand.
Karten am Tage der Vorſtellung
Eva Unger ſauch an der Tageskaſſe im Hof=
theater
zu den übl. Kaſſeſtunden.
Sonntag, 8. Febr. Nachm. 2½
Uhr. Auß. Ab. 26. Volksvorſtell.
zu ermäß. Preiſen. Neu einſtud.;
Der dunkle Punkt. Vor=
verkauf
bis einſchl. Samstag, den
7. Febr., nur im Verkehrsbüro,
Ernſt=Ludwigsplatz. Verkauf der
etwa noch vorh. Karten am Tage
der Vorſtell. auch an der Tageskaſſe
im Hoftheater vorm. von 11 Uhr
ab. Abends 7 Uhr. Auß. Ab.
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Charles Cahier. Neu einſtud. u.
neu inſzeniert: Samſon und
Dalila‟ Dalila: Mad. Charles
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Montag, 9 Febr. Außer Ab.
X. Sonder=Vorſtellung. Die
ſpaniſche Fliege. Anfang
8 Uhr. (Zu dieſer Vorſtellung
findet kein Kartenverkauf ſtatt.)

[ ][  ][ ]

[ ][  ][ ]

[ ][  ][ ]

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Markt
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Baehdrackerei Asten Hsserieh, Sarmsiadt

[ ][  ][ ]

Nachdruck auch auszugsweiſe verboten!

Rafyz
che Bäder,

Die, diesem Aufsatz beigegebenen Eilder
sind die ersten Photographien vom Innern
eines türkischen Bades, welche überhaupt
eistieren. Trolzdem der Verfusser größere
Geldgeschenke anbot, ist es erst jetzt, mit
Hilfe einheimischer Araber, gelungen, diese
Bilder aufzunehmen.
Ofls ich mit meinem kollegen, dem deutſchen
Arzt, das erſtemal durch die Straßen von
Basrah wanderte, fielen mir in der drängenden
Dolksmenge eine Anzahl verkrüppelter Leute auf
Ich glaubte deshalb, es müßten wohl viel körpe=
lich
Minderwertige unter den Orientalen ſein. Dr
Kollege aber lachte mich aus. Und ich ükr=
zeugte
mich ſpäter ſelbſt davon, daß kein Jolk
der Erde ſich einer dauerhafteren Geſudheit
erfreut, wie dieſe Menſchen.
Wenn uns Europäern die Kranken affallen,
ſo kommt es daher, daß ſie ſich, um z betteln
und die mitleidige Seele zu rühren, an en meiſt=
begangenen
plätzen herumtreiben und immer
wieder dort auftauchen. Sie machen an Geſchäft
aus ihrem Gebreſte und täuſchen de Statiſtik.

ie ich dann mit der Pſyche ds Dolkes und
des Landes vertrauter wurd, kam es über
rnich wie eine Erleuchtung. Ich lerite nämlich den
Aoran, die mohämmedaniſche Bibel als ein Geſund=
heitsbuch
ſchätzen, wie es der geſheiteſte Sanitäts=
profeſſor
von heute nicht beſſerſerfinden könnte.
Der Koran verbietet den Geruß des Schweine=
leiſches
, den Alkohol. Er kenſt eine Menge von
Oflanzen, Kiſchen und Dingen, die den Gläubigen
beerſagt ſind. Alle dieſe Objeke ſind mit weiſem
Dorbehalt aus der Liſte der eraubten Gegenſtände
geſtrichen. Das Schweinefleiſck iſt zu fett und wird
ſchlecht vertragen. Der Alkolpl wirkt bekanntlich
im dem heißen Klima doppelt ſchädlich auf die
Nerven und das Körperſyſten.

ider Antelener geine ſeinten ohne Tunilenahme von
Seife und Pinsel urter den Achseln.

Von einem deutſchen Arzt.
Auch ie anderen Vorſchriften für die hygiene
des Maſchen ſind im Koran ſchön und deutlich im
Geweide religiöſer Geſetze beſchrieben. So wird
dieseſeitigung unreiner Stoffe, wie Blut, Eiter,
Enremente und anderer hinderlicher Dinge, zum
eligiöſen Werke, denn die Reinheit ſlaharaſſteht
bei den Pflichten des Jslam an erſter Stelle.
Auf dieſe Weiſe wird eine wahre Desinfektion
erzielt, die bei dem warmen Ulima und bei dem
Naturell des Orientalen doppelt notwendig iſt.

Non dieſen Heilmitteln, in welchen ſich
Religion und hygiene ſeltſam ver=
quicken
, iſt das wichtigſte aber das tür=
kiſche
Bad. Der Koran ſagt:
Das Bad gehört zu den Pflichten des
Moslim. 6e
Ich ſprach einmal mit einem hohen
türkiſchen Beamten darüber. Er ſagte:
Siehe, mein Freund, du willſt wiſſen,
was mich geſund erhält, was mich friſch
und nimmermüde macht. höre zu, was
dir Mohammed ibn halef ſagt: Wenn du
krank biſt oder dein Bruder, was tuſt du,
oder was tut er? Du ſelbſt biſt ein Arzt. Bademädchen friedigt zu ſein.
Aber du wirſt, wenn du dich ſchwach aus dem Harem Jetzt zur hauptſache, dem Schwitzraum
fühlſt, zu einem anderen hakim (Arzt) 1 (ach einem alten
gehen. So tun alle deine Landsleute.
Was aber tue ich? Und was tuen alle
unſere Glaubensbrüder? Wir wandern in das
Bad. Und wenn das Bad nimmer hilft, ſo, ſage
ich dir, kann auch der Arzt nimmer helfen. Du
kannſt mir glauben:
Das Bad iſt das beſte Mittel gegen den böſen
Geiſt der Krankheit.

5

In mir regte ſich der Geiſt der Wiſſenſchaft
und ich wollte widerſprechen. Er machte eine
milde handbewegung, eine freundliche Geſte und
erwiderte: Hakim aleman (deutſcher Arzt), du
mußt mit mir ins Bad gehen. Du ſollſt ſeinen
Segen ſelbſt erkennen.
In dieſer Einladung lag ein höchſt ehrenvoller
Beweis ſeines Vertrauens. Denn man ſieht den
Beſuch von Weſteuropäern in den Badeanſtalten
nicht gerne. Die Muſelmanen ſind mißtrauiſch
und fürchten, daß ſich die Andersgläubigen über
ihre handlungen luſtig machen könnten.
Das Bad, in welches er mich führte, lag in
2einer von den ſchmalen, fenſterloſen Gaſſen,
wie ſie für die orientaliſche Stadt typiſch ſind.
Auf dem Portal war kein Firmenſchild, noch eine
ſonſtige Inſchrift. Die Einheimiſchen erkennen
die Bäder nur daran, daß der Eingang mit
dunkelgrüner Oelfarbe geſtrichen iſt.
Ein hoher, fenſterloſer Raum mit einer großen
Kuppel nahm uns auf. Die bunten, runden Glas=
ſcheiben
in der Kuppel verbreiteten ein magiſches
Dämmerlicht. Aus einem breiten Marmorbecken
plätſcherte in der Mitte ein Springbrunnen. Rings=
herum
an den Wänden in kliſchen mit weichen
Polſtern pflegten die Gläubigen der Ruhe. Hier iſt
der Ort, wo man nach dem Bade ſeinem keff‟
Gehrüder Aner, Mannhein.

nachhängt. kekk iſt der orientaliſche Ausdruck
für das ſüße Nichtstun, d. h. man ſtiert ins Blaue
und denkt an allerlei und garnichts. Der eine
raucht ſeine Sigarette, der andere eine gurgelnde
Waſſerpfeife (nargileh). Ein alter, graubärtiger
pilger erzählt Märchen. Daß der Kaffee dabei
nicht fehlt, verſteht ſich im Orient von ſelber.
hier wird auch der körper maſſiert, wenn er
aus dem durchgreifenden Bade kommt. Der Aus=
geſchwitzte
legt ſich auf den Rücken und der Bade=
diener
reibt mit einem handtuch aus grober Sack=
leinwand
, freundlich grinſend, den Leib nach allen
Regeln durch, ſo daß ſich die geſchwundene Epi=
dermis
nur ſo wie mürber Brotteig ablöſt. haare
und hautfetzen gehen brav bei dieſer etwas rauhen
Prozedue f 6 en. Ader das erf. eut den Türken, denn
auch die haare auf dem körper ſind
etwas Unreines und es iſt deshalb ver=
dienſtlich
, ſie zu beſeitigen.
Gun wird man wie ein gewickelter
*e packen einem weiteren Sohne des
Islams überliefert, der uns mit Seife und
groben handtüchern abreibt. Zum Schluß
kommt noch eine beſondere Spezialität
des orientaliſchen Maſſeurs, nämlich das
Ausziehen ſämtlicher Gelenke, ſo daß ſie
knacken. Meine Nachbarn, welche dieſe
Drozedur an ſich vornehmen ließen,
ſchienen davon ſehr beglückt und be=
ſelbſt
. Wir haben die Badetoilette an=
gelegt
, beſtehend aus handtuch, um den
Kopf turbanartig zu winden, Lenden=
tuch
und einem Badelappen. Eigenartige Holz=
pantinen
ſchützen die nackten Füße. Denn auf
dem glühheißen Boden, der von unten geheizt
iſt, könnten wir ohne ſie nicht auftreten.

Mein erster Besuch im türkischen Bad:
Es ist eine stark begehrte Handlung, sich alle Finger, und
zwar einen nach dem andern, aus den Gelenken ziehen zu
lassen. Das hierbei entstehende Knacken befriedigt den Kunden
in sichtlicher Weise.

des Sultans.
Originalbild.)

[ ][  ][ ]

Mein erster Beauch im türkischen Bad: Ein Blick in er

as türkiſche Bad iſt ein Heißluftbad. Manche
Reiſende haben es allerdings als Dampfbad
geſchildert. Dieſer Irrtum ſtammt daher, daß in
dem heißluftraum ſich ein Springbrunnen befindet,
deſſen Waſſer in der heißen Atmoſphäre verdampft,
weshalb der Springbrunnen in eine Dampfwolke
gehüllt erſcheint.
Die Temperatur beträgt hier wenigſtens 50
Grad Celſius. Man legt ſich auf eine hölzerne
pritſche, welche mit dickem Filz belegt wird, und
wartet in gedankenloſem, halbſchlummerartigem
hindämmern den Ausbruch des Schweißes ab.
Rein türkiſcher Freund hat alles mit ernſtem
Schweigen über ſich ergehen laſſen und ich tue
desgleichen. Zuweilen lächelt er mich freundlich
an, weil er weiß, wie ſehr nich die Sache
intereſſiert und weil er aus meinen Mienen ſieht,
daß es mir da garnicht ſchlecht gefällt.
Wir ſehen die würdigen alten Moslim mit den
raſierten Köpfen ſich hinſtrecken, triefend von ge=
ſundem
Schweiß, und elaſtiſch wie die Jünglinge.
Dort wird gerade der Kammerdiener des Deziers
eingeſeift und gerieben, daß ſeine wertvolle haut
ſich rötet wie ein Krebs in ſiedendem Waſſer. Aber
er lacht breit und behaglich und verlangt nach mehr.

Dun fängt auch bei uns der Schweiß an zu
e ſtrömen. Wer es nicht mitgemacht hat, weiß
nicht, wie angenehm das Gefühl iſt. Es entbehrt
jedes unangenehmen Beigeſchmackes, wenn man
ſo ſagen darf. Allmählich merkt man, wie man
leichter wird. Natürlich nicht nur phyſiſch, ſondern
auch ſeeliſch. Man fühlt ſich befreit, als wenn
maſſen von Schlacken und Abfall mit dem rinnen=
den
Fluſſe des Waſſers aus dem Leibe entſtrömten.
Nachdem wir uns etwa eine Stunde der Reinigung
von innen heraus hingegeben haben, laſſen wir
die oben beſchriebenen prozeduren vornehmen, die
maſſage, die Gelenkausknackung, und legen uns
dann ruhig hin, um das wundervolle Gefühl der
radikalen Säuberung auszukoſten. Da gibt es nur
zufriedene Geſichter, keine gequälten. Alle machen
den Eindruck von Befreiten und Erlöſten. Denn:
Das Bad hilft gegen alles.

ar es die angenehme Stimmung, in die das
Bad jedermann verſetzt, oder war es der
ſichere Eindruck, daß alles, was ſich hier abſpielte,
das reife Produkt der Erfahrungen einer alten
Nation iſt, jedenfalls fühlte ich meine Skepfis
immer mehr ſchwinden. Rein Freund erzählte mir
nun von wahren Wunderheilungen, welche er im
Bade beobachtet hatte. Einer, der von einem
tollen hund gebiſſen wurde, heilte ſich durch ſyſte=
matiſche
Schwitzbäder (ein Fall den man übrigens
auch in der mediziniſchen Literatur finden kann).
Ein anderer wurde mit einer ſchweren Lungen=
entzündung
ins Bad getragen und dort energiſch
ausgeſchwitzt. Alle Reime ſchienen wie durch ein
Wunder kraftlos gemacht und er genas. Ich über=
zeugte
mich ſpäter ſelbſt von derartigen Wiekungen.
Ich ſah Rheumatiker durch ſolche Schwitzpro=
zeduren
auffallend ſchnell geneſen. Sie weigerten
ſich medizin einzunehmen und ich verſuchte es
wohl oder übel mit dem Schwitzen. Der Erfolg
gab den Worten meines Freundes recht.
hautkrankheiten waren bei regelmäßigem
Schwitzen geheilt. Sogar Syphilis verſchwand bei
dem fortgeſetzten Gebrauch der türkiſchen Bäder,
und Fettſucht, ebenſo die dort verhältnismäßig
eltene Gicht. Das und viele andere Fälle aus
der praxis lehrten mich den Wert des früher
etwas von oben herab betrachteten Schwitzbades
für die Behandlung von Krankheiten ſchätzen.

uf welche Weiſe ſind nun dieſe heilſamen
Wirkungen des türkiſchen Bades zu erklären?
Der Aufenthalt in der heißen Luft erzeugt eine
allgemeine Ueberhitzung des Blutes. Wenn man
nach einem halbſtündigen Bad mit dem Lieber=
thermometer
unterſucht, ſo findet man Tempera=
turen
zwiſchen 38 und 59, ja bis 40 Grad. Dieſe

Die Holzpantinen mit Fußbrettches für den Schwitzraum.

Erwärmung iſt dem Lieber ähnlich wie ein Ei
dem andern. Das Hieber aber iſt, darüber beſteht
heute kein eweifel mehr, ein Dorgang, der not=
wendig
iſt, un die ganze Raſchinerie des Körpers
zur höchſten Läſtung im Kampfe gegen die Krank=
heit
anzuſpornen. Wenn man nün bedenkt, daß.
im Heißluftbad dieſe Erwärmung künſtlich nach
geahmt wird, ſo begreift man leicht, welche unge=
heure
Beihilfe nan dadurch dem körper leiſtet.
Dieſes künſtliche Fieber vermehrt die Quantität
und Schärfe der vm Organismus gebildeten Ab=
wehrſtoffe
. Könnn doch überhaupt die meiſten
Bakterien die Erlöhung der Temperatur nicht
vertragen. Sie ſtelben ſchon ab oder verlieren=
ihre
Dirulenz (Gitigkeit), ſobald ſich die Eigen=
wärme
nur um Bruhteile von Graden erhöht.
Das türkiſche Bad leiſtet gründliche Arbeit, wie
man ſieht. Und zwar in erſter Linie als mächtiger
Bundesgenoſſe des Körers im Kampfe mit ſeinen
Feinden und weiterhm dadurch, daß es durch
zwei Millionen Schweßßdrüſen die Schlacken, die
Abfälle und abgetöteten Keime herausſchwemmt.

er dieſe Ergebniſſe der neuen und neueſten
Wgorſchungen kenn, der wird einſehen, daß
ſich die Orientalen nicht umſonſt ſo leidenſchaftlich
dem Schwitzbad ergeber. Ein Inſtinkt leitet die
menſchen ebenſo im Oten wie im Weſten und
führt ſie auch ohne Belehrung meiſt zu dem, was
ihnen gut und heilſam iſt.
mein Lreund Mohammed ibn halef hat ein
Stück europäiſchen Dünkels aus mir vertrieben und
mir einen neuen Weg gewieſen, der zu Nutz und
Frommen der leidenden Menſchheit zu verbreitern
und auszubauen iſt. mögen andere Methoden
daneben beſtehen, aber ohne die Schwitztherapie
kann ich mir eine richtige Doktortätigkeit nicht
mehr vorſtellen. Und darum empfehle ich allen,
die geſund bleiben wollen, ſolche Erfahrungen nicht
gering zu ſchätzen, kommen ſie, woher ſie wollen:
Gehet hin und tuet es den Grientalen gleich.

[ ][  ][ ]

Nun wird der Heizapparat, ein
Außen‟-Heizer, der durch ein Rohr
mit der Kabine in Verbindung steht,
an Ort und Stelle gebracht.

Alles ist bereit zum Bade. Wir brau-
chen
kein Billet an der Kasse ab-
zugeben
, kein Diener wartet auf den
Backschisch. Keine fremden Men-
schen
stören unser Behagen.

Kaum drei Minuten sind unter den
Vorbereitungen verflossen. Selbst
für den Ungesuldigen eine kurze Zeit.
Nun hinein zur Türe, daß nichts von
der köstlichen Wärme entweiche.

Um die Temperatur nach Gutdünken
zu regulieren, braucht der Badende
nur den Regulator (auf dem Bilde
mit einem Pfeil bezeichnet) zu ölfnen
oder zu schließen.

ner Bau dieſes betriebsſicheren Außenhei=
zers
bedeutet einen ungeheuren Fortſchritt
in der Konſtruktion von heim=Schwitzbädern
in Derdienſt, welches das kaiſ. Datent=
mmt
durch Erteilung von zwei Deutſchen
eichs=Datenten anerkannt hat. Jetzt erſt
itt jede Gefahr für den Badenden ausge=
ſtſhloſſen
.
Fünftes Kennzeichen:
Absolute Gefahrlosigkeit.

Ein einfacher Stuhl ſteht im kabinett, der
heizer iſt angezündet. Die Tür ſteht offen
und ladet zum Eintritt in die wohlige
warme Luft ein. Dieſe Tür wird durch die
vordere Wand gebildet und läßt ſich von
innen aus öffnen und ſchließen. Für ängſt=
liche
Perſonen hat es etwas Beruhigendes,
das Schwitzſtüblein ungehindert, ohne
Beihilfe, jederzeit verlaſſen zu können.
Sechstes Kennzeichen:
Ein- und Austritt ohne fremde Beihilfe.

Die warme Luft fließt in vollem Strom in
unſer türkiſches Sanatorium. Wer ſchon an=
dere
Apparate benützte, wird überraſcht
ſein über das Fehlen von jeglichem Geruch,
welcher bisher als unerläßliche Beigabe
zum heißluftbad gehörte. Die köſtliche Rein=
heit
der heißluft verdanken wir dem pat
Heizapparat. Seine Flamme iſt durchſichtig
blau und abſolut geruchlos.
Siebentes Kennzeichen:
Reine, geruchlose Heißluft.

Die Möglichkeit, die Temperaturen zu be=
herrſchen
, öffnet neue Bahnen für die Be=
nützung
von türkiſchen Bädern. heute iſt
die unregulierbare Schwitzkabine nicht
mehr zeitgemäß. Das regulierbare‟ Kreuz=
Chermalbad, welches jedem Winke ſeines
Beſitzers gehorcht, iſt an ihre Stelle getreten.

Achtes Kennzeichen:
Präzise Regulierung der Temperatur.

Ein Kreuz-Thermalbad besitzen, heißt:
Unabhängig sein von der Bade-
anstalt
, von Zeit und Witterung.
Das mödernste türkische Bad, zu
jeder Stunde bereit im eigenen Heim.

Suſammengelegt findet es überall platz.
Whne Mühe kann man das Kreuz=Thermal=
Had, wie das Bild zeigt, leicht transpor=
tieren
. Die Kabine iſt ſolid gebaut. Ein
Sräftiges Gerüſt aus Stahlrahmen, flach zu=
ammenlegbar
und darüber die Bekleidung
aus einem abwaſchbaren, präparierten
Stoff von unverwüſtlicher Dauerhaftigkeit.
I Erstes Kennzeichen:
Solide Arbeit, bestes Material.

Ein Griff, das flache Paket entfaltet
sich. Die Wände klappen ausein-
ander
, und die Kabine, ein massives
und stabiles Werk, steht in voller
Größe da.

So wenig Raum das Kreuz=Thermalbad
zuſammengelegt braucht, aufgeſtellt bietet
es überreichlich platz. Sein Beſitzer kann
ſchon ſehr korpulent und groß ſein, ohne
daß es ihm in dem türkiſchen Sanatorium
zu eng wird. Denn die Dimenſionen ſind
alle reichlich bemeſſen.
Zweites Kennzeichen:
Reichliche Dimensionen.

Nun wird das Brennmaterial in den
Heizapparat gefüllt. Ganz gewöhn-
licher
Brennspiritus, wie er billig
überall zu haben ist.

Es iſt das Merkmal dieſes gut konſtruierten
Heizapparates (2 D. R. p.), daß er den
Brennſtoff mit größtem Nutzeffekt verwer=
tet
. Und daß er in bezug auf die Spiritus=
qualität
nicht empfindlich iſt. Für ein aus=
giebiges
Bad braucht man nicht ganz einen
Drittelliter, ſo daß die einmaligen Nur=
koſten
kaum 15 Pfennig ausmachen.
Drittes Kennzeichen:
Billiger, fast kostenloser Betrieb.

Nehmen wir an, es soll ein Dampf-
bad
statt des Heißluftbades bereitet
werden. Zu diesem Zwecke braucht
man nur Wasser bis zum Teilstrich
des konischen Behälters einzufüllen.

Im feuchten Raum gibt es aber keine Der=
dunſtung
und deshalb keine Schweißent=
wicklung
. Der ſcheinbare Schweiß iſt nur
Waſſerdampf, der ſich auf der haut nieder=
geſchlagen
hat. Deshalb ſind Dampfbäder
weniger zu empfehlen. Einzig die trockene
Heißluft fördert die Schweißproduktion und
belaſtet die inneren Organe nicht.
Viertes Kennzeichen:
Einrichtung für Heißluft- und Dampfbäder.

Wen es nach einem Trunk Wasser
gelüstet, der mag ungehindert das
Glas zur Hand nehmen. Im Kreuz-
Thermalbad hat man volle Aktions-
freiheit
.

ſer Badende hat das Gefühl der ungetrüb=
tein
, abſoluten Behaglichkeit. Der ganze
körper iſt gleichmäßig warm und wird
ſvan der wohligen heißluft in angenehmſter
Weiſe umſpült. Nur beim Kreuz= Thermal=
bbod
iſt der Genuß ein ſo ungetrübter. Bei
üheren konſtruktionen blieb der Un
eil=körper froſtig=kalt.
Neuntes Kennzeichen:
Gleichmäßige Verteilung der Wärme.

Das vorstehende Bild zeigt, wie
man das Kreuz-Thermalbad für
Halbbäder gebraucht, und zwar unter
Benützung des Bauchschildes‟

Um die Anwendung des geſetzlich geſchütz=
ten
Bauchſchildes zu zeigen, iſt auf dem
Bild die Türe zurückgeſchlagen, während ſie
in Wirklichkeit geſchloſſen ſein muß. Das
Bauchſchild kann der höhe nach verſtellt
werden, ſo daß der körper bis zur hüfte,
bis zum Nabel oder bis zur Bruſt der
warmen Luft ausgeſetzt werden kann.
Zehntes Kennzeichen:
Vorzüglich verwendbar für Halbbäder.

Manchmal erweist sich auch die
Heißluftbehandlung des Kopfes als
nützlich und notwendig. Auch für
diesen Fall ist durch die Kopf-
maske
vorgesorgt.

Damit man nicht die heiße Luft einatmen
muß, ſondern ſtets friſche Luft einſaugt, hat
die geſetzl. geſch. Ropfmaske innen ein Alu=
minium
Mundſtück. Dieſes ſteht durch ein
Rohr mit der freien Luft in. Derbindung
Die Aerzte verordnen Kopfſchwitzbäder bei
Jahnſchmerzen, Rheumatismus und Neural=
gie
des Geſichtes und bei hautunreinheiten.
Elftes Kennzeichen:
opfschwitzbäder mit Frischluft-Atmung.

Den Schluß macht die Dusche mit
nachfolgender Frottierung. Der Ge-
danke
daran entlockt dem Neuling
schon ein Frösteln, der Kenner aber
weiß sie nach Gebühr zu schätzen.

Gaytererd1er

urſp rauſ. An vieſem Grunofers unſerer veurſchen Macht und

Man kann ſich im Kreuz=Thermalbad duſchen
ſoviel man will. Der waſſerdichte Teppich=
ſchoner
nimmt alle Feuchtigkeit auf. Ich
ſchritt als ein erfriſchter Rieſe durch ein
Dolk von Swergen ſo beſchreibt ein
Schriftſteller ſeine Gefühle nach dem erſten
Schwitzbad. Wer je das Kreuz=Chermalbad
benützte, der wird dieſe Empfindung eines
urkräftigen Behagens beſtätigen.
Zwölftes Kennzeichen:
ldeales Hausbad, das alle Vorzüge vereinigt.

[ ][  ]

Wer ſich für den Heilwert
häuslicher Schwitzkuren
intereſſiert, beſtelle unverzüglich

Neue Gesundheitsbrevier

Dieſes Werk eines erfahrenen praktiſchen
Arztes, welches die neueſten Ergebniſſe
ernſter mediziniſcher Sorſchung bringt,
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Enthält im geſonderten Anhang die Beſchreibung des
Kreuz=Thermalbades mit Preiſen undBezugsbedingungen).

Aus dem Inhalt des Neuen Gesundheitsbrevier‟.
Das Schwitzbad zu allen Zeiten.
Die Gicht.
egnet sei, wer das Bad erfand! Der alte Die Alten und die Gicht Warum in England so
t vom Frauenstifte Hall Der Philosoph Pope viele Gichtiker sind? Mehr Männer als Frauen
Am malavischen Archipel Die Schwilzhütte Der Patient und seine Schilderung Wie die
Südamerika Der göttliche Sänger Homer Anfälle kuriert wurden Immer mehr Harnsäure
alte Rom Die Leidenschaft unserer Ahnen Dr. A. Frey und die Gicht Ein Vortrag Prof.
ls Volksheilstätte in Finnland In Rußland Colombos Der englische Arzt Dr. Brereton.
er Orient Das neue Heimbad.
Erkältungskatarrhe.
Lahmann’s und Haig’s Theorie Bakterien und
In der ärztlichen Praxis.
pf- oder Heibluftbad? Die Haut als dritte kein Ende Die Influenza Kleine Ursachen,
e Schweißdrüsen als Giftretorten Bak- große Wirkungen Schwitzbäder und Influenza
Der Nasenkatarrh Die Wege der Krankheit
1 im Schweiß Das Behagen als Maßstal)
lt die Temperatur eine Rolle? Zielbewußte Strafarbeiten für versäumte Wärme Schwitz-
itzkuren
Neue Ergebnisse und Erklärungen, bäder und ihre amtliche Verordnung.
Neuralgien.
s Reinigungs- und Erquickungsbad.
Gesichtsreißen Der verzweifelte Patient Wa
ur und Reinlichkeit Ein Vollbad von innen die Praxis lehrt Was ist lschias? Das wich-
us
Physiologie und Wohlbehagen Ein tigste Symptom Eine sachgemäße Kur.
rambus aufs Schwitzbad Ob türkische
Fettleibigkeit.
r schwächen ? Ein Zitat Moltke’s Und
Erkältungsgefahr? Wie ein Praktiker urteilt? Speck als Vorratskammer Dick und Blutarm
Und was weiter? Hungerkur Bantig-Methode
Als Vorbeugungsmittel.
Ebstein-Kur Durst Positive‟ Entfettung
Lahmann’s Meinung An der Haut sitzt das Wie es die englischen Jockeys machen Er-
n
Das zweite Herz Warum haben wir fahrungen und Versuche.
degenerierte Haut? Der alte Prießnitz und
Blutarmut und Bleichsucht.
e Prognosen Das Innere Training‟
Sauerstoflgier Wärmehunger Die bleich-
um
die Japaner sich nicht erkälten.
süchtige Lehrerin Eisen oder nicht ? Warum
Erwärmung ? Ein erfreulicher Erfolg Was
Der Rheumatismus.
Orien Seine Verbreitung ist ungeheuer Ein die Fachärzte sagen?
reicher Fall Eine schnelle Kur Alte. Er-
ingen
Rückfälle Wandernde Schmerzen Krankheiten des Herzens und des
Gefäßapparates.
vorbeugen? Kleidung und Klima Die
nservierte Erkältung‟ Das Schwitzfieber. Die Herzanstrengung sinkt im Schwitzbad Die

Arterienkur Das Gefäßherz Zwei Praktike
und ihre Meinung Ein weiterer Fall Einges
bildete Herzkranke Langsame Uebung.
Unterleibsleiden.
Ansteckende Katarrhe Heißluft stillt die Schmer
zen Darmkatarrhe Hämorrhoiden Vorzei
chen und Symptome Gute Ratschläge Nieren
leiden Chronische Entzündung Die Reserves
niere Wassersucht Prof. Colombo Leber
krankheiten und Gallensteine Schmerzlinderung
Ausgleich der gestörten Funktion.
Zuckerkrankheit.
Die indischen Aerzte Warum die luden, mehr
an Zuckerkrankheit leiden Der, anlnungslose Natien
Warum Ge-
Weitere Krankheitszeichen-
schwüre
? Stoffwechselheizung Die Nieren
Hautkrankheiten.
Das Schwitzbad als Hautbad Der Rotlauf Die
Inkubationszeit Ein Fall aus der Praxis Wie
sich die Theorie bestätigte.
Nervenkrankheiten.
Stoffwechsel und Nervosität Schlaflosigkeit
Kopfschmerz als Krankheitszeichen Die dre
Patientinnen als Beispiel.
Das Kreuz-Thermalbad.
Warum häusliche Schwitzkuren Technische Pros
bleme Die Lösung Wie das Kreuz-Thermale
bad aussieht Konstruktion und Vorzüge Pas
tentierte Neuerungen Einrich ungen für Teilbäder
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Künstliches Fieber?
Rufus von Ephesus Gott hat den Menschen für
rasche Reaktion gebaut Was ist chronische Krank-
heit
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Die heißen Quellen von Noboribetsu in Japan
Heißluftbad das souveräne Mittel Die Bakterien
vertragen die Hitze nicht Das Endergebnis

Albtrennen, in ein Couvert ſtecken
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