Einzelnummer 10 Pfennige
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4a wscenkich 7mallgem Erſcheinen monatlich Mk. 2.30
tei Haus einſchl. Boienlohn und Transportkoſten.
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holt M. 2.—. Poſtbezugsprels Mk. 2.40 einſchl.
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Zezugspreiſes. Beſiellungen und Abbefiellungen durch
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſta
Wöchentliche illuftrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſt
Nummer 283 Samstag, den 14. September 1935. 197. Jahrgans
Der Reichsparteitag zu Nürnberg.
Appell der 100 000 politiſchen Leiter vor dem Führer.
Die politiſchen Soldaken angekreken!”
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1 1 mm
ger Ver=
Aer an
be=
lleine An=
Aam breite
melgen die
Zur Zeit iſt
Banklonio
DNB. Nürnberg, 13. September.
Bei leichtbewölktem, aber noch freundlichem Himmel traten
u Nachmittag des Freitag 100 000 politiſche Leiter zum Appell
Schel Aſor ihrem Führer an. Wieder waren die Haupt= und die Neben=
RuA tbünen, die ſich um das gewaltige Viereck ziehen, von
Zehn=
auſenden von Beſuchern beſetzt, während auf dem Feld in 24 tie=
Aa en Säulen die politiſchen Soldaten des Führers in 12er Reihen
mt Spielmanns= und Muſikzügen an der Spitze aufmarſchiert
yaren. Kurz nach 5 Uhr traf, mit Jubel empfangen, der Führer
ufder Zeppelinwieſe ein und fuhr um das Feld herum, um dann
uf der der Haupttribüne gegenüberliegenden Seite, begleitet von
den Reichs= und Gauleitern und Hauptamtsleitern der Reichs=
Aetung, die ihn vor der Mittelſtraße erwartet hatten, durch die
Pueite Straße zum Führerturm auf der Haupttribüne zu gehen,
während das hellbraune Heer der politiſchen Leiter Front zur
Mittelſtraße genommen hatte. Als der Führer den Turm der
Haupttribüne erreicht hatte begrüßten ihn die politiſchen
Solda=
en mit einem dreifachen Sieg=Heil, in das die mehr als 150 000
Zuſchauer begeiſtert einſtimmten.
Unter den Klängen des Hohenfriedberger Marſches zog dann
ier die Treppe der Gegentribüne der Wald der 20 000 Fahnen in
nun breiten Gruppen in die zwiſchen den einzelnen Säulen
frei=
glaſſenen Gaſſen ein. Der Anblick des großen Fahnenwaldes
zwi=
gen den braunen Marſchſäulen und der mit Menſchen beſäten
uAucklu / Zuſchauertribüne vor der grünen Kuliſſe des Stadtwaldes riß die
Maſſen zu ſpontanen Beifallsſtürmen hin.
Dr. Ley
initt nun neben den Führer auf das Podium und ſpricht kurze
Vorte des Gedenkens für die Gefallenen der Bewegung, für die
Soten des großen Krieges und für die Opfer der Arbeit. Das
Sied vom guten Kameraden erklingt unter leiſem und dann immer
nehr anſchwellendem Trommelwirbel. Die Fahnen ſenkten ſich,
die Hunderttauſende erheben ſich von ihren Plätzen und weihen
en Toten einige Minuten ſtiller Andacht.
Dann meldet Dr. Ley dem Führer die aus allen deutſchen
Hauen erſchienenen politiſchen Leiter:
Mein Führer!
Hier ſind Männer aus allen deutſchen Gauen, aus dem
Nor=
en und Süden, dem Weſten und Oſten. Hier ſind Männer aus
illen Berufen und Schichten und Klaſſen, der Arbeiter neben dem
Sauern, der Künſtler neben dem Handwerker. Hier ſind Männer
luus Deutſchland, geeint durch Sie mein Führer. Durch Ihren
Hlauben ſind dieſe Männer fanatiſch durchpulſt, und dieſe Männer
örten vor einem Jahr Ihren Befehl, der da lautete: „So wollen
vir an dieſem Abend auf dieſem weiten Feld uns und dem Volke
uas Gelöbnis geben, an uns ſelber weiter zu arbeiten, damit wir
is beſſer machen, damit das Volk in uns ſeine wahre Führung
ehe!”
Mein Führer! Das haben dieſe Männer und wir alle getan.
Wir haben gearbeitet und gekämpft dieſes Jahr. Und dieſe
Män=
eer und wir alle, draußen die Millionen, die in dieſer feierlichen
Stunde dieſen Appell miterleben, erwarten Ihre Befehle für das
Jarhr und die Parole, die Sie uns geben werden.
Nach den Worten des Reichsorganiſationsleiters Dr. Ley
vendet ſich der Führer unter atemloſer Stille an ſeine alten
ind jungen Mitkämpfer aus der politiſchen Organiſation.
(Die Rede des Führers lag bei Redaktionsſchluß noch nicht
vr. Anm. d. Schriftltg.)
Schon nach den erſten Sätzen ſeiner zu Herzen gehenden Worte
ſrauſen dem Führer ſtürmiſche Heilrufe entgegen, die ſich über
as ganze rieſenhafte Zelt wie eine gewaltige Woge ergießen. Als
r am Schluß ſeiner Rede der wiedererſtandenen Wehrmacht
ge=
ſenkt, die nicht geſchaffen ſei, um anderen die Freiheit zu nehmen,
ondern um die deutſche Freiheit zu ſchützen, erhebt ſich ein
unbe=
chreiblicher Sturm der Zuſtimmung.
Dr. Ley gibt den Empfindungen der Hunderttauſende
Aus=
rruck, als er ruft: „Deutſchland iſt Adolf Hitler und Adolf Hitler
ſt Deutſchland. Adolf Hitler Siegheil!”
Die überwältigenden Beweiſe der Verehrung begleiten den
führer, bis er aus dem Geſichtskreis ſeiner treuen Mithelfer
ent=
chwindet.
Die Berakungen des Parkeikongreſſes.
DNB. Nürnberg, 13. September.
Am Freitag vormittag nahm der Parteikongreß des
Reichs=
urteitages der Freiheit in Anweſenheit des Führers ſeinen
fortgang. Auch dieſe Kongreßtagung ſtand im Zeichen der
darſtellung des nationalſozialiſtiſchen Aufbaues, insbeſondere in
er Sozial= und Finanzpolitik im Gegenſatz zum chaotiſchen
WVeltbolſchewismus. In einer glänzenden und wiederholt von
rauſendem Beifall unterbrochenen Rede riß Reichsleiter Dr.
Boebbels dem Kommunismus die Maske vom Geſicht und
ent=
üllte die nackte jüdiſche Fratze dieſer gefährlichſten
Weltkrank=
eit. In der wieder bis auf den letzten Platz beſetzten Kongreß=
Alle fielen diesmal beſonders die Abordnungen der
Werk=
charen der Deutſchen Arbeitsfront in ihrer ſchmucken dunkel=
Nauen Tracht auf, die an den Seiten Aufſtellung genommen
Atten. Nach dem Einzug der Standarten und der Freiſchütz=
Luvertüre erteilte Reichsleiter Bormann als erſtem Redner.
as Wort.
Dr. Goebbels
Laute Heilrufe brauſten Dr. Goebbels entgegen, als er das
ſe dnerpult betrat. Mit fieberhafter Spannung folgte der
Kon=
reß ſeiner großen Rede. Stürmiſche Pfuirufe gaben der
Empö=
ſſung der Maſſen Ausdruck, als Dr. Goebbels einige beſonders
Rrauenhafte Schandtaten des Kommunismus in Deutſchland und
aller Welt mit ſcharfen Worten geißelte. Sein ungeſchminktes
Der Arbeitsdienſt marſchiert
auf der Zeppelinwieſe am Führer vorüber. (Scherl=Bilderdſt.=M.)
und in allen Einzelzügen durch unwiderlegbares
Tatſachenmate=
rial belegtes Bild über den Weltbolſchewismus löſte immer
wieder nachhaltigſte Zuſtimmung aus, insbeſondere bei den
überaus treffenden Formulierungen des Redners: „Die
bolſche=
wiſtiſche Internationale iſt die jüdiſche Internationale, iſt
Ver=
brechen unter politiſcher Maske!” — Am Schluß ſeiner Rede
brauſten minutenlange Heilrufe empor, als er der genialen Tat
des Führers gedachte, der die bolſchewiſtiſche Gefahr für immer
vom deutſchen Volke gebannt und gleichzeitig einen feſten Wall
gegen ihr ſchleichendes Gift aufgerichtet hat.
Als nächſter Redner gab
Reichsorganiſakionsleiter Dr. Ley
einen Rechenſchaftsbericht über die Leiſtungen der Deutſchen
Arbeitsfront.
Nach der leidenſchaftlichen Anklagerede gegen den
Bolſche=
wismus kündet der Tätigkeitsbericht des
Reichsorganiſations=
leiters Dr. Ley mit ſeinen ſachlichen und nüchternen
Zahlen=
angaben von den ungeheuren Leiſtungen, die die Deutſche
Ar=
beitsfront in nationalſozialiſtiſchem Geiſte in allen ihren
Zwei=
gen für alle ſchaffenden Deutſchen durchgeführt hat. Mit
ehr=
licher Bewunderung für die Erfolge des Werkes der Deutſchen
Arbeitsfront nahm der Kongreß dieſe Rechenſchaftslegung auf.
Insbeſondere die Darlegung der Leiſtungen der NS=
Gemein=
ſchaft „Kraft durch Freude” und des Werkes des Amtes „
Schön=
heit der Arbeit” fand ſtärkſten Beifall.
Im Anſchluß an den Tätigkeitsbericht legte Dr. Ley ein
überaus eindrucksvolles perſönliches Bekenntnis zum deutſchen
Arbeiter ab. Er ſprach über das Kapital an Vertrauen, durch
das der deutſche Arbeiter wieder zu ſeinem Volke gefunden habe.
Ich kann daher nur das Eine ſagen: der Bolſchewismus
mag in der Welt reden, was er will, den deutſchen Arbeiter
be=
kommt er niemals wieder.” Langanhaltender Beifall folgte
dieſer Erklärung, der ſich noch vervielfachte, als der Führer ihm
dankend die Hand reichte.
Als letzter Redner ſprach ſodann der
Haupkamksleiker der NS-Volkswohlfahrt, Hilgenfeldt
über die Leiſtungen des Winterhilfswerks und der NSV.
Auch der Bericht des Hauptamtsleiters Hilgenfeldt ſprach
für ſich durch die ungemein eindrucksvollen Zahlen, die er über
die Leiſtungen des Winterhilfswerkes nennen konnte. Der ganze
Kongreß ſchloß ſich durch lebhaften Beifall nachdrücklichſt ſeinem
Dank an die Millionen unbekannten Sammler der NSV an,
denen neben dem Opfergeiſt des deutſchen Volkes in erſter Linie
das erfolgreiche Wirken des Winterhilfswerkes zu danken iſt.
Durch die kurze Skizzierung der ſkandalöſen Geſundheits= und
Wohlfahrtsverhältniſſe in Rußland wurde die Bedeutung der
Leiſtungen der NSV noch unterſtrichen. Das Verſprechen
Hilgen=
feldts, daß die NSV auch im Winter 1935/36 ſich wiederum
mit allen Kräften in den Dienſt des Winterhilfswerkes ſtellen
werde, wurde mit beſonders ſtarkem Beifall aufgenommen.
Der Führer dankte nach jedem Vortrag dem Redner unter
dem Beifall des Kongreſſes durch einen Händedruck.
Reichsleiter Bormann vertagte gegen 13 Uhr 30 den Kongreß
auf Samstag nachmittag 15 Uhr
*
Franzöſiſche Chronik.
„Aktionen für Abeſſinien” — Laval als „Fasciſt”.
„Reflation” als Wunderkur.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
* Paris, 13. September.
Die Proteſtverſammlungen und Meetings, die alle „im
Dienſte des Weltfriedens” — ſo ſagt man wenigſtens — ſtehen,
löſen einander ab. Sie ſind wieder zahlreicher geworden,
nach=
dem der Petroleumgeruch der Rickettaffäre ſich verzog.
Teil=
nehmer aus allen Ländern geben in allen möglichen Sprachen
ihrer Entrüſtung über die italieniſchen Koloniſierungsabſichten
in Oſtafrika kund. Sie ſchrecken dabei auch nicht immer vor einer
Einmiſchung in die franzöſiſche Außen= beziehungsweiſe
Innen=
politik zurück. Das pflegt einmal bei ſolchen Gelegenheiten
zu unterlaufen. Es läßt ſich nicht ſagen, daß darüber jedermann
in Paris entzückt iſt; die Rechtspreſſe am wenigſten. Sie rächt
ſich, indem ſie die verſchiedenen Kundgebungen nach Möglichkeit
totſchweigt.
So kommt es, daß ein großer Teil der franzöſiſchen
Oeffent=
lichkeit von den Ausmaßen und der Bedeutung dieſer ganzen
Bewegung kaum etwas erfährt. Und man kann dabei doch ganz
intereſſante Feſtſtellungen machen. Vor allem: der überwiegend
angelſächſiſche Charakter der geſamten Aktion iſt augenfällig. In
manchen Augenblicken könnte man glauben, daß die geſamte
engliſche Linke nach Paris emigrierte. Die Zahl der engliſchen
„Anführer” iſt groß. Wenn es ſo weiter geht wird Paris über
maugelnden Fremdenverkehr nicht zu klagen haben.
Man darf aber nicht denken, daß bei all den
Veranſtaltun=
gen die Sympathien für Abeſſinien ausſchlaggebend ſind. Die
Negierungsform und die innenpolitiſchen Verhältniſſe auf den
Hochebenen in Oſtafrika ſind nicht ſo geartet, als daß die Linke
ſich rückhaltslos für Abeſſinien begeiſtern könnte. Und ſelbſt mit
der Verurteilung der Kolonialpolitik und ihren
Expanſionsbe=
dürfniſſen würde man es nicht ſo ſtreng nehmen, was man will,
iſt die Verurteilung des italieniſchen Fascismus. Dieſer
Ge=
ſichtspunkt überwiegt jedenfalls bei der Mehrheit. Daß auch
andere Intereſſen mitſpielen, iſt ſelbſtverſtändlich.
Für die Regierung Laval iſt dieſe Situation wenig
ange=
nehm. Ihre italophile Politik und ihre Sparverordnungen
wer=
den unter einen Hut genommen, und Laval wird einfach
„Fasciſt” genannt und als ſolcher bekämpft. Man kann ruhig
die Frage beiſeite laſſen, ob das berechtigt iſt oder nicht.
Be=
deutſam iſt, daß die Oppoſition gegen ihn immer ſtärker wird.
Wenn Frankreich in Genf von Italien abſchwenkt, ſo wird das
als eine Niederlage der Außenpolitik Lavals bezeichnet. Die
Shmpathien Moskaus — man geniert ſich dort bekanntlich nicht,
in die Angelegenheiten „befreundeter” Staaten einzugreifen
ſoll ſich Laval verſcherzt haben.
Der innenpolitiſche Auftakt kommt nach der Ferienzeit des
Parlaments nicht aus Paris, ſondern ziemlich weit her, aus
Südfrankreich, aus dem Var=Departement. Dort fand ein lokaler
Kongreß der radikalſozialiſtiſchen Partei ſtatt, bei dem es ziemlich
lebhaft zuging. Das wäre an ſich nicht ſo wichtig, wenn die
politiſche Welt Frankreichs nicht in der Erwartung des
allge=
meinen Kongreſſes der Radikalſozialiſten ſtehen würde. Alle
An=
zeichen deuten darauf, daß der lokale Kongreß im Süden als
Vorſpiel des großen Kongreſſes, der Anfang Oktober ſtattfindet,
angeſehen werden kann.
Die Stimmung in den Linkskreiſen könnte man geradezu
„frühlinghaft” nennen, wenn wir nicht im Herbſt ſtünden. Man
hat eine Art Verjüngungskur durchgemacht und nicht umſonſt.
Die Nadikalen ſehen die Welt mit verjüngten Augen und
opti=
miſtiſch an. Und zwar nicht nur ihre innenpolitiſchen
Aus=
ſichten, ſondern auch die Wirtſchaftsfragen. Ein neues
Schlag=
wort iſt entſtanden, die „Reflation‟. Es fand überall großen
Widerhall. Was Reflation bedeutet, das weiß zwar nicht der
erſte Beſte, aber es iſt ein Fremdwort und leicht auszuſprechen;
zwei wichtige Elemente des Erfolges. „Neflation” iſt das
Gegenteil von allem, was Lavals Finanz= und Wirtſchaftspolitik
iſt, Reflation iſt keine Sparpolitik und keine Deflation, ohne
Iuflation zu ſein. Die erſte Maßnahme wäre der Ankauf von
Staatsrenten mit der Hilfe der Goldvorräte der Bank von
Frankreich. Das würde die Kurſe in die Höhe treiben und die
Börſe und damit die Wirtſchaft beleben. Die ſchwebende Schuld
wäre kleiner, folglich könnte man den Banknotenumlauf ſteigern
was eine Belebung des Verkehrs nach ſich ziehen würde. Auch
die Beamtengehälter ſollten wieder erhöht werden. Die ganze
Operation würde notwendigerweiſe die Zukunft etwas belaſten,
aber die Zukunft beurteilt man jetzt roſig. Die
Weltwirtſchafts=
kriſe nähert ſich nach dieſer Auffaſſung ihrem Ende.
Es iſt intereſſant, wie ſtark die Rooſeveltſchen Ideen bei den
franzöſiſchen Radikalen wirken. Oder, wenn man noch genauer
ſein will: man könnte von einem beginnenden neuen
Amerika=
nismus ſprechen. Die große Finanzpolitik hat auch ihren Anteil
daran. Die Europareiſe des Präſidenten des Federal Reſerve
Board, die Erklärungen von Sir Joſiah Stamp, eines der
Direktoren der Bank von England, das Herannahen der
eng=
liſchen Wahlen, das ſind alles Faktoren, die hier den Beginn
des großen Stabiliſierungswerkes vorausahnen laſſen.
Der um ſich greifende Optimismus bringt es mit ſich, daß
man links wieder ſtark nach den Regierungshebeln trachtet. Und
zwar nicht nur in Anbetracht der kommenden Kammerwahlen;
die Linke, die ſo oft unter ungünſtigen Bedingungen die
Re=
gierung übernahm, möchte diesmal „die gute Konjunktur” nicht
vorübergehen laſſen.
Laval würde dieſem Vorſtoß zum Opfer fallen, auch als
Außenminiſter. Um die Regierungsbildung wäre man auch nicht
bange, angeblich würden die Marxiſten bereit ſein, eine
bürger=
liche Linksregierung tatſächlich zu unterſtützen.
Es iſt wahr, im Süden iſt man hitzig und ſieht die Dinge
oft anders als ſie tatſächlich ſind. Die Tatſache bleibt aber,
daß Lavals Volkstümlichkeit nicht allzu groß iſt und die kühnſten
Auguren der Innenpolitik bereits die Frage erwägen, ob er bei
dem Radikalen=Kongreß oder bei der Eröffnung der Kammer
ſtürzen wird. Man könnte zu all dem höchſtens bemerken, daß
Laval ſelbſt ein Meiſter der Innenpolitik iſt und bei all dem
noch ein Wort mitzureden haben wird.
Seite 2 — Nr. 253
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Beutſce und ſowfelafſiſce Tauerngonn.
Reichsbauernführer W. Darré
vor dem Parkeikongreß.
Reichsleiter Darré hielt laut NSK. auf dem
Partei=
kongreß eine Rede, in der er, nachdem er auf die verzweifelte
Lage der Landwirtſchaft in der Zeit vor der Machtübernahme
verwieſen hatte, u. a. ausführte: Als der Nationalſozialismus
im Jahre 1933 die Verantwortung im landwirtſchaftlichen Sektor
unſerer Wirtſchaft übernahm, wurde, ohne zu zögern, eine
gründ=
liche Reform eingeleitet, welche einen hoffnungsvollen
Geſun=
dungsprozeß der deutſchen Landwirtſchaft bewirkt hat. Bereits in
den beiden erſten Jahren konnte die NSDAP die
Wieder=
belebung der bäuerlichen Kultur in die Tat umſetzen. Aber auch
die Eingliederung der Landarbeiter in die berufsſtändiſche
Glie=
derung der deutſchen Landwirtſchaft iſt bereits weiteſtgehend
verwirklicht.
Reichsleiter Darré wies ferner auf das Reichserbhofgeſetz
und die Einrichtung der Erbhofgerichte hin und betonte
beſon=
ders, daß auch die übrigen Punkte des Agrarprogramms reſtlos
oder bereits weiteſtgehend erfüllt worden ſeien. Selbſt die
For=
derung des Agrarprogramms auf Senkung der Zinſenlaſt habe
erfüllt werden können.
Reichsleiter Darré fuhr fort: Die Vorausſetzung für das
Gelingen dieſer Reform in der Landwirtſchaft war die
Durch=
ſetzung des Willens der Führung bis in die letzten Gliederungen
des Landvolkes, alſo bis in die einzelnen Bauernhöfe hinein.
Ein geeignetes Inſtrument war auf dem berufsſtändiſchen
Ge=
biet aber nur zu ſchaffen, wenn vorher einige Hunderte von
Organiſationen entfernt wurden. An ihre Stelle kam eine nach
einheitlichen Geſichtspunkten aufgebaute Einheitsorganiſation
des Landvolkes,
der Reichsnährſtand.
Die innere Gliederung des Reichsnährſtandes erfolgte nach
einfachen Gedankengängen.
Mit dieſer Organiſation des Reichsnährſtandes war es
möglich zu arbeiten und vor allen Dingen ſofort den
Krebs=
ſchaden aller Volkswirtſchaften, die Börſenſpekulation,
im Lebensmittelhandel zu zerſchlagen. Unſere
Maßnahmen haben inzwiſchen ihre hiſtoriſche Rechtfertigung
ge=
funden. Der Zerſtörung der deutſchen Landwirtſchaft iſt nicht
nur Einhalt getan worden, ſondern die deutſche Landwirtſchaft
iſt heute wieder geſund.
Die Aufgabe lautete für uns: Wie meiſtern wir
das Problem des landwirtſchaftlichen Abſatzmarktes,
daß die wirtſchaftliche Geſundung der landwirtſchaftlichen
Be=
triebe wiederhergeſtellt wird, ohne dabei den Konſumenten bei
der zu erwartenden Deviſenlage vor unmögliche
Preisſteigerun=
gen zu ſtellen. Dieſe Aufgabe konnte aber nur in der einen
Richtung zu meiſtern ſein, daß man einmal die Warenbewegung
auf dem Lebensmittelmarkte der Spekulation entzog, ſie
organi=
ſierte und dadurch unter Aufſicht ſtellte und zum anderen, daß
man die Warenbewegung auf dem kürzeſten Wege vom
Er=
zeuger über die Be= und Verarbeiter zum Verbraucher leitete.
Die Schlüſſelſtellung, um ſowohl die für die Ernährung
notwendige Geſundung der landwirtſchaftlichen Produktion
her=
beizuführen, als auch dem Konſumenten einen ausreichenden
Schutz zukommen zu kaſſen, lag alſo auf dem Gebiet der
Rege=
lung der Märkte. So kamen wir zur Marktordnung. Der
Land=
wirt hat auf ſolche Weiſe die Stetigkeit ſeines Abſatzes geſichert,
und ſein Volk hat die Gewähr einer geſicherten
Ernährungs=
wirtſchaft. Es iſt im übrigen gar nicht wahr, daß die
Markt=
ordnung der Privatinitiative des landwirtſchaftlichen Erzeugers
Abbruch tue.
Die Marktordnung bedeutet eine unter ſtaatlicher Aufſicht
ſtehende Regelung und Ordnung der Lebensmittelverteilung.
Unſere nationalſozialiſtiſche Marktordnung enthält ſich
grundſätz=
lich eines Eingriffes in die Privatinitiative auf dem Hofe.
Dem Konſumenten gegenüber liegt der Schutz darin, daß die
Regelung der Märkte geſtattet, auch wirklich die Lebensmittel
dorthin zu dirigieren, wo ſie benötigt werden, um damit die
Preispolitik der Regierung überhaupt erſt zu garantieren.
So hat die NSDAP in einer eigentümlichen Syntheſe von
Individualismus in der Produktion und einer planmäßig
ge=
ordneten Verteilung der Lebensmittel gegenüber den
Konſumen=
ten nicht nur in knapp zwei Jahren die deutſche Landwirtſchaft
der Geſundung entgegengeführt, ſondern auch unmittelbar dem
deutſchen Volksgenoſſen im Lager der Konſumenten die
Nah=
rung zu erſchwinglichen Preiſen geſichert.
Wie ſehr dieſe Dinge tatſächlich eine Frage des Prinzips
ſind, nach welchem regierungsſeitig gearbeitet wird, beweiſt uns
heute in
einem kraſſen Gegenbeiſpiel die Sowjetunion.
Denn die Sowjetunion geht an die Probleme der Lebensmittel=
verſorgung des ruſſiſchen Volkes von einem genau
entgegen=
geſetzten Standpunkt aus heran, wie der Nationalſozialismus.
Der Nationalſozialismus iſt bauernfreundlich, der Bolſchewismus
iſt grundſätzlich bauernfeindlich und zerſtört ſein Bauerntum
planmäßig; der Nationalſozialismus fordert die bäuerliche
Wirt=
ſchaft, der Bolſchewismus verſucht die Produktionsgebräuche der
Induſtrie auf das Landvolk zu übertragen, indem es ſog.
Kol=
lektivwirtſchaften, d. h. ſtaatliche oder halbſtaatliche Rieſengüter
an die Stelle der bäuerlichen Wirtſchaften ſetzt. Auf dem Gebiet
des Lebensmittelhandels ſchaltet der „Nationalſozialismus
Wucher und Spekulation aus und beſchränkt ſich im übrigen auf
die Kontrolle ſowohl bezüglich der Verſorgung der Bevölkerung,
als auch bezüglich der Preiſe; die ſowjetruſſiſche Regierung
da=
gegen hat den Lebensmittelhandel verſtaatlicht, um ihn zu einer
phantaſtiſch ergiebigen Einnahmequelle für den Staat
auszu=
bauen, d. h. der Bolſchewismus erhebt den Lebensmittelwucher
zum Staatsprinzip. Was iſt nun das Ergebnis der
bolſche=
wiſtiſchen Methode? Dieſe Frage iſt einfach zu beantworten und
lautet: Hunger, Hunger und abermals Hunger. Erſt ſeit einem
Jahr hat der ruſſiſche Arbeiter überhaupt die Möglichkeit,
zu=
ſätzliche Lebensmittel im ſtaatlichen Geſchäft zu kaufen. Bis
dahin war er auf ſeine kümmerliche Lebensmittelration
ange=
wieſen und mußte, um dieſe zu erhalten, einen Teil ſeiner freien
Zeit mit Schlangeſtehen vor den Lebensmittelgeſchäften
ver=
bringen.
Will man aber die troſtloſe Lage des ruſſiſchen Arbeiters
richtig ſchildern, dann muß man die Zahl der Arbeitsſtunden in
ein Verhältnis zur Menge der verzehrten Lebensmittel bringen:
um ſich 10 Kilogramm Schwarzbrot kaufen zu können, muß der
ruſſiſche Arbeiter bei durchſchnittlichem Lohn 12½ Stunden
ar=
beiten, der deutſche Arbeiter dagegen nur 4 bis 5 Stunden. Für
1 Kilogramm Rindfleiſch muß der ruſſiſche Arbeiter den Lohn
von 15 Arbeitsſtunden hergeben; für 1 Kilogramm Wurſt muß
er den Lohn von 9 Arbeitsſtunden aufwenden, für 1 Kilogramm
Butter gar 32 Arbeitsſtunden; 1 Liter Milch koſtet 2
Arbeits=
ſtunden, 1 Mandel Eier 14 Arbeitsſtunden und für einen
Zentner Kartoffeln muß der ruſſiſche Arbeiter 60 Arbeitsſtunden
aufbringen.
Der Staat hat die Produktionsmittel verſtaatlicht, d. h. z. B.,
daß ihm alle landwirtſchaftlichen Maſchinen gehören. Nun hat
der Bolſchewismus die bäuerliche Wirtſchaft zerſtört und an ihre
Stelle rieſige Kollektivgüter geſetzt; dieſe Rieſengüter können mit
Handarbeit gar nicht bearbeitet werden, brauchen alſo Maſchinen.
Die Maſchinen müſſen die in der Kollektive eines Rieſengutes
zufammengefaßten Landarbeiter ſich vom ruſſiſchen Staate
aus=
leihen, und zwar zu Leihſätzen, die höher ſind als ſie es im
zariſtiſchen Rußland je waren. Hier übt der Staat alſo eine
Zinsknechtſchaft aus, wie ſie grauſamer nicht gedacht werden
kann. Hier zeigt ſich deutlich der Widerſinn der bolſchewiſtiſchen
Wirtſchaftspolitik, die vom Sozialismus redet, aber den
Kapi=
talismus brutal handhabt. Nun muß die Kollektive grundſätzlich
die Hälfte der Ernte an den Staat abliefern. Theoretiſch bezahlt
der Sowjetſtaat die Ernte zwar, rechnet aber die Leihgebühr für
die Maſchinen dagegen auf, ſo daß er praktiſch die abgelieferte
Ernte nicht bezahlt. Wenn trotzdem die Rechnung nicht ſo
auf=
geht, zahlt der ruſſiſche Staat dem Kollektivbauern für 100 Kg.
abgeliefertes Getreide nur ſo viel, daß dieſer ſich im ſtaatlichen
Laden gerade 6 Kg. Brot dafür kaufen kann; in Deutſchland
er=
hält der Bauer für 100 Kg. Getreide 80 Kg. Brot. Wenn nun
in Rußland Mißernten, die bei ſolcher Wirtſchaft eigentlich an
der Tagesordnung ſind, die Regierung veranlaſſen, mehr als die
Hälfte der Ernte einzutreiben, oder wenn die dem
Kollektivland=
arbeiter verbleibende Hälfte der Ernte nicht ausreicht, um ſich
und ſeine Familie zu ernähren, dann ſind dieſe armen
Men=
ſchen gezwungen, zu verſuchen, in den ſtaatlichen Läden etwas
Lebensmittel zu kaufen, wo ſie, vorausgeſetzt, ſie haben
über=
haupt die Mittel dazu, dem brutalſten ſtaatlichen
Lebensmittel=
wucher ausgeſetzt ſind. Das Ergebnis des bolſchewiſtiſchen
Prin=
zips auf dem Gebiet der Lebensmittelverſorgung iſt alſo:
Preis=
gabe des Bauern! Als Folge: Zuſammenbruch der
landwirt=
ſchaftlichen Produktion, daraus folgert die Unterernährung des
Geſamtvolkes.
Während alſo Rußland von der Sozialiſierung des Bodens
und der landwirtſchaftlichen Produktion ſpricht, ſchafft es
Hungersnot und einen Staatskapitalismus wie er grauſamer
nicht gedacht werden kann. Wir dagegen bejahen die
Privat=
initiative bejahen das Eigentumsrecht der bäuerlichen Arbeit
und ſchaffen praktiſchen Sozialismus durch Sicherung der
Er=
nährung des Volkes vermittels einer Ordnung des
Lebens=
mittelmarktes.
Der Nationalſozialismus baute in zwei Jahren eine faſt
völlig vernichtete Landwirtſchaft wieder auf und ſicherte trotz
großer ſonſtiger Schwierigkeiten die Ernährung des Volkes
aus=
reichend, der Bolſchewismus brachte es fertig, ein reiches
Agrar=
land, welches früher ſeinen Ueberſchuß noch ausführte, reſtlos
zu zerſtören und in 18 Jahren ſeiner Regierungszeit die
chroniſche Hungersnot in immer größer werdendem Umfange
ge=
wiſſermaßen ſtaatlich zu ſtabiliſieren.
* Das Auge, das alles ſiehl.
Von Arthur von Riha.
Wir beſitzen es von Geburt an, können es aber ohne
Hilfs=
mittel nicht gebrauchen, weil unſer Auge von früheſter Jugend
an ſo auf ganz beſtimmte Nüancen zwiſchen Rot und Violett
eingewöhnt iſt, daß wir die darüber hinausgehenden Farbtöne
nur durch die Brille der Ultra=Lampe ſehen. Bekanntlich können
wir das gewöhnliche Licht durch ein Prisma in die ſieben
Regen=
bogenfarben zerſtreuen. Dabei werden die ultravioletten Strahlen
ſtärker gebrochen als die violetten, weshalb ſie der „Trägheit”
unſeres Blickes entgehen Sie ſind uns daher „unſichtbar”. Wir
nehmen ſie erſt mit Hilfe der Ultra=Lampe wahr, die uns über
die rotvioletten Grenzen des Spektrums in eine anders
ge=
färbte, alſo für uns völlig veränderte Sehwelt führt. Unter der
Strahlenwirkung der ultravioletten Lampe erſcheinen uns alle
Dinge neuartig; Licht und Schatten treten in ungewohnter Weiſe
vor; die Farben ſind intenſiver oder blaſſer und ſie wechſeln
miteinander ab. Plötzlich verſchwinden manche Farben und an
ihrer Stelle tauchen andere auf, die ſich unſerm freien Auge
entzogen. Dieſer Vorgang iſt es, der ein ſicheres Mittel zur
Entlarvung von Fälſchungen gibt, die dem freien Auge
ver=
borgen bleiben. So ſtrahlen beiſpielsweiſe ſelbſt die dunkelſten
echten Zähne im ultravioletten Licht immer blendend weiß im
dunkelblauviolett gewordenen Geſicht, wogegen auch die
herr=
lichſten falſchen Zähne eine ſtumpf=dunkle Farbtönung erhalten.
Dieſe Farbumformungen erklären ſich dadurch daß jede
Materie das ultraviolette Licht zwar gerade ſo zurückſtrahlt oder
verſchluckt, wie es im gewöhnlichen Licht geſchieht, wobei jedoch
mehr Strahlen zurückgeworfen oder verſchluckt werden.
Außer=
dem erhält eine Reihe von Stoffen im ultravioletten Licht eine
Eigenfarbe, die ſogenannte Fluroreſzenz. zu Deutſch das
Selbſt=
leuchten, wie wir es beiſpielsweiſe mit freiem Auge beim
Fluß=
ſpat, Phosphor oder Chinin beobachten können. Die Eigenfarbe
eines fluoreſzierenden Stoffes entzieht ſich belichtet durch die
Lichtfülle unſerm Sehvermögen. Wir müſſen ſolche Stoffe durch
ein lichtverſchluckendes Schwarzglas oder im Dunkeln betrachten,
wenn wir die fluroreſzierende Eigenfarbe ſehen wollen.
Da=
gegen kann das ſtärkere Zurückwerfen oder Verſchlucken
ultra=
violetten Selbſtleuchtens auch durch das Schwarzglas nicht
wahr=
genommen werden, weil der ultraviolette Strahl aus dem ein=
gangs genannten Grunde unſerm Auge unſichtbar bleibt. Wir
bedürfen hier der bewährteſten optiſchen Hilfskraft, der
Photo=
platte, die für ultraviolette Strahlen noch empfindlicher als für
gewöhnliche Lichtſtrahlen iſt.
Dieſe Eigenart der Ultraviolettſtrahlen hat ihnen eine
weit=
gehende Verwendung in der wiſſenſchaftlichen Forſchung und
in der Induſtrie geſichert. In der Induſtrie werden Rohſtoffe
und Fertigfabrikate in Ultra=Beſtrahlung auf Reinheit und
Unverfälſchtheit geprüft. Man erkennt, ob ein Wein aus reinem
Traubenſaft, aus einer Vermengung von Trauben= und Obſtſaft
oder gar anderswie im Keller des Weinpanſchers entſtanden
iſt. Bei Geweben kann Gleichartigkeit oder Verſchiedenheit der
Faſern feſtgeſtellt werden. Verborgene Flecke werden geſehen.
Unterſchiede und Ungleichmäßigkeiten im verwendeten Farbſtoff
werden erkannt. Man erſieht ſogar, wie weit der Farbſtoff in
die Faſern eingedrungen iſt. Kunſtſeide iſt ohne weiteres von
echter Seide unterſcheidbar. Echte Edelſteine und Perlen von
den chemiſch gleichartigen Kunſterzeugniſſen weil
Verſchieden=
heiten in der Selbſtleuchtſtärke vorhanden ſind, je nachdem ob
die Natur oder Menſchenkunſt den künſtlichen Edelſtein oder die
künſtliche Perle ſchuf. Denn in der Natur „wächſt” kein
Edel=
ſtein und keine Perle ſo regelmäßig, wie der Kunſtedelſtein in
der Retorte oder wie die Kunſtperle um den eingeführten
Reiz=
kern auf der japaniſchen Zuchtauſternbank. Durch die
unregel=
mäßige Struktur entſteht im Ultralicht eine andere Licht= und
Schattenverteilung wie bei regelmäßiger Anordnung der Atome.
Aehnlich dient die Ultralampe zu Prüfungen in Gerbereien,
Farben= und Lackfabriken Zuckerraffinierien, Brauereien,
Brenn=
ſtoff= und Gummi=Induſtrien.
Ungemein wertvolle Dienſte leiſtet die Ultralampe in der
Kriminaliſtik. Unſichtbare Tinten werden ſichtbar.
Finger=
abdrücke und Blutſpuren ſind ſelbſt auf Stoffen zu ſehen, die
bereits gründlich gewaſchen wurden und im gewöhnlichen Licht
„ganz rein” erſcheinen. Falſchpapier=Banknote und echte
Bank=
note ſind ſofort zu unterſcheiden, weil die verſchiedene
Zu=
ſammenſetzung des äußerlich „gleich” erſcheinenden Papiers im
Ultraſtrahl auch die verſchiedene Farbtöne zeigt. Selbſt, wenn
der Banknotenfälſcher ſich das echte Notenpapier und die echte
Druckflüfſigkeit verſchafft, verrät ihn doch in Ultra=Beſtrahlung
die Verſchiedenheit der Stwektur im Material der Druckſchrift,
weil jede Druckmaſchine beim Aufdrucken der Druckflüſſigkeit
durch ihre Eigenart eine beſtimmte Atomanordnung hervorruft.
Samstag, 14. September 1935
Lugung der Auslandsorgantfatton
der NSDAP.
Die in Deutſchland anweſenden politiſchen Leiter de
NSDAP aus dem Auslande, die Vertreter der Reichsdeutſcher;
in allen Teilen der Welt, ſind nach Abſchluß der Erlange=
Tagung nunmehr Teilnehmer am Reichsparteitag 1935 und fam
den ſich am Freitag nochmals zu einer großen Tagung de
Auslandsorganiſation in Nürnberg im Appollotheater zuſammern
Dieſe Tagung erhielt ihre Bedeutung dadurch, daß der Führe:
und der Stellvertreter des Führers das Wort ergriffen.
Der Führer, ſprach von der Notwendigkeit für dii
reichsdeutſchen Mitglieder der NSDAP. im Auslande, ſich aus
draußen in der Welt als ein lebendiges Mitglied in der deum
ſchen Volksgemeinſchaft zu fühlen. Dazu gebe der Nationall
ſozialismus, der ſich gleichſam als Inkarnation des deutſchert
Weſens in dieſen Tagen in Nürnberg zeige, die Möglichkeirt
Was ſie hier in Nürnberg zu ſehen Gelegenheit hätten, das
ſe=
ſo groß und für die deutſche Zukunft ſo bedeutend daß jede
einzelne deutſche Reichsangehörige und Volksgenoſſe im Auss
lande eine tiefe innere Befriedigung empfinden könne Angehöf
riger einer ſolchen Gemeinſchaft zu ſein.
Der Führer ſchloß ſeine mit toſendem Beifall immer
wiede=
unterbrochene Anſprache mit einem zu Herzen gehenden Appenl
an die Auslandsdeutſchen, ſich im Auslande zu dieſem deutſchem
Volkstum und ſeinen Verpflichtungen durchzuringen, ganz gleich
wo der Einzelne ſeine Arbeit leiſte.
Auf dem Frauenkongreß
des Reichsparteitages ſprach am Freitag abend in der Luitpold= die Reichsfrauenführerin Frau Scholtz=Klink, nach der aus
der Führer, wieder ſtürmiſch gefeiert, das Wort zu einer
rich=
tunggebenden Anſprache nahm.
Hochſchulftudium weiter rückgängig.
Ndz. Die vom Reichserziehungsminiſterium herausgegeben
Deutſche Hochſchulſtatiſtik iſt jetzt für das Winterhalbjahr 1934/32
erſchienen und enthält auch bereits intereſſantes Zahlenmateria.
über die Entwicklung des Hochſchulſtudiums im Sommerhalbjah-
1935. (Verlag von Struppe u. Winckler, Berlin 1935.) Wie ſicht
aus einem Vorwort von Miniſterialdirektor Prof. Dr. Vahlern
ergibt, wird der Schwerpunkt diesmal auf die Unterſuchung
einiger wichtiger Spezialfragen gelegt, zu denen der ſtudentiſche
Arbeitsdienſt, die Beteiligung der Kinder von Erbhofbauern am
Hochſchulſtudium und die Entwicklung der preußiſchen Hochſchulem
für Lehrerbildung gehören. Die Ergebniſſe der letzteren
Unter=
ſuchung zeigten erfreulicherweiſe, daß die weſentliche Aufgabe, di
der Miniſter den neuen Lehrerbildungsſtätten geſtellt habe,
näm=
lich die Hinwendung zum Lande, ihrer Erfüllung nahe ſei
Ueber das Studium an den deutſchen wiſſenſchaftlichen
Hoch=
ſchulen im Winter 1934/35 ſtellt Oberregierungsrat Dr. Kelle;
feſt, daß die Abnahme des Andranges zum Hochſchulſtudium noch
größer war, als ſie zuletzt geſchätzt wurde, was im Hinblick au.
die Notwendigkeit der Entlaſtung des akademiſchen Arbeitsmark
tes nur mit Freuden begrüßt werden könne. Die Abnahme des
Studium ſei weniger auf die Verminderung der Abiturienten
zahlen, als vielmehr darauf zurückzuführen, daß der Prozentſatz
der ſich von den Abiturienten dem Studium zuwende, erheblich
geſunken ſei. In dieſem Sommer habe ſich die Bewegung der vor
hergehenden Semeſter gradlinig fortgeſetzt. Auch im Sommer
ſemeſter 1935 zeige ſich im allgemeinen ein Rückgang, von den
nur wenige Hochſchulgattungen ausgenommen ſeien. Die Statiſtik
ergibt im einzelnen, daß die Neuzugänge im Winterſemeſter
1934/35 nur 7934 betrugen gegenüber noch mehr als 14000 im
Sommer=
ſemeſter 1933. Für das Sommerſemeſter 1935 werden etwa 7000
Neuzugänge gemeldet. Die Geſamtzahl der an den deutſchen Hoch
ſchulen immatrikulierten Studenten, die im Sommerſemeſter 1933
faſt 116 000 betrug, ging im Winterſemeſter 1934/35 auf 89 000
zurück und im Sommerſemeſter 1935 auf 77 000. Der Rück
gang gegenüber 1933 beträgt nicht weniger als
33,41 Prozent, bei den Univerſitäten allein ſo
gar 38, 27 Prozent. Unter den Univerſitäten iſt der Rück
gang am ſtärkſten in Kiel mit 50,43 Prozent, in Erlangen mi
50,09 Prozent, in Greifswald mit 49,86 Prozent, in Marburg
mit 49,31 Prozent, in Leipzig mit 49,59 Prozent, in Gießen
mit 49, 25 Prozent und in Roſtock mit 48,59 Prozent. Eine
ſtarke Zunahme des Studiums haben im weſentlichen nur die
Hochſchulen für Lehrerbildung zu verzeichnen.
Wegen einer Reihe von Verfehlungen gegen die
Deviſen=
beſtimmungen wurden vom Frankfurter Schöffengericht der 42
jäh=
rige Pater Prior Alois Bongard vom Kloſter Jakobsberg (Kreis
Bingen) zu 3½ Jahren Zuchthaus und 55 000 Mark Geldſtrafe,
der 53jährige Pater Wilhelm Lauenroth vom Kloſter Arnſtein
(Kreis Limburg) zu 2½ Jahren Zuchthaus und 14 000 Mk.
Geld=
ſtrafe und der 31jährige Autoverleiher Wilhelm Oehrlein aus
Hechtsheim zu 1 Jahr Gefängnis und 4000 Mk. Geldſtrafe
ver=
urteilt. Außerdem wurden den beiden Paters die bürgerliches,
Ehrenrechte auf drei Jahre aberkannt.
Nach dem Geſagten bedarf es wohl keiner weiteren
Er=
klärung, wie einfach bei Bildfälſchungen durch Ultra=Beſtrahlung
das Unterſcheiden der verſchiedenen Mal=Epochen iſt, aus denen
die verwendete Farbe ſtammt.
Falſches Münzgeld wird in gleicher Weiſe an der
ver=
ſchiedenen Ultra=Durchläfſigkeit der verſchiedenen Metalle
er=
kannt. Bei Fälſchungen von Bildern oder alten
Kunſtgegen=
ſtänden zeigen die zur Herſtellung und zum Bemalen benützten
Stoffe ihr wahres Geſicht. Intereſſant war beiſpielsweiſe ein
viel umſtrittener Fall, der ein angebliches Gemälde von Franz
Hals betraf. Das Bild war auf Holz gemalt und durch einen
hölzernen Lattenroſt verſteift, der mit dem Bildbrett durch Leim
und Stiftnägelchen verbunden war. Im Ultraſtahl war ohne
weiteres feſtzuſtellen, daß die Nägelchen maſchinenmäßig
fabri=
zierte Drahtſtiftchen waren, die erſt ſeit Beginn des neunzehnten
Jahrhunderts hergeſtellt werden können. Da Hals im
ſieb=
zehnten Jahrhundert lebte und das Bild über die Nagelköpfe‟
gemalt wurde, war auch die Fälſchung offenbar.
Für die Naturforſchung dient die Ultra=Beſtrahlung bei den
Unterſuchungen unter dem Mikroſkop. Die Zellgewebe der
kleinſten Infuſorien werden da deutlich ſichtbar. Die Struktur
und der Aufbau dieſer Kleintierwelt iſt überhaupt nur im
Ultraſtrahl feſtſtellbar, vor dem unbeſtechlichen Auge, das eben
alles ſieht.
* Unnühe Edelſteine.
Totenſtille am Amſterdamer Diamantenmarkt. — Als der
Culli=
nan geſpalten wurde .. . — Erinnerung an eine große Senſation.
Ein Bericht aus Amſterdam von F. M. Huebner.
Amſterdam, das Weltzentrum für den Handel in rohen und
geſchliffenen Edelſteinen, hat heute ein ganz anderes Ausſehen
als vor 1926, dem Jahre, da bei den hauptſächlichen Abnehmern
von Diamanten, in den Vereinigten Staaten, der große,
welter=
ſchütternde Vermögenskrach begann. Von den 8000 Arbeitern, die
in Amſterdam als Edelſteinſchleifer, Spalter und Former
beſchäf=
tigt ſind, laufen nach dem letzten amtlichen Ausweis 4314
erwerbs=
los umher. Sie drängen ſich des Mittags vor dem Gebäude ihrer
Berufsorganiſation auf dem Franſche Laan, die Hände in den
Hoſentaſchen, die Wangen bleich und hohl, ſchweigend oder
*
M. 60
ehrlein P
dſtrafe
rgerlichk
Saustag, 14. September 1935
Darmſtädter Tagsiatt / Heſſiiche Neueſte Nachrichten
Toodtenalonhe.
samstag: Das ungeheuerliche Urteil des New Yorker
Polizei=
richters Brodſki, der die wegen des Ueberfalles auf die
„Bremen” und wegen der Schändung der Reichsflagge
an=
geklagten Kommuniſten freiſpricht und dabei die deutſche
Flagge ſchwer beleidigt, erregt ſchärfſten Widerſpruch in
Deutſchland und in der Welt. Die Reichsregierung erhebt
for=
mellen Proteſt in Waſhington.
Mit einem Vorbeimarſch vor dem Führer enden die
Heide=Manöver des 6. Armeekorps.
sonntag: Der Führer empfängt den neuen italieniſchen
Bot=
ſchafter Ottolico zur Uebergabe ſeines
Beglaubigungs=
ſchreibens.
Bei den polniſchen Seimwahlen gab es einige
Zuſam=
menſtöße, wobei 3 Perſonen getötet wurden.
Das Schweizer Volk lehnt mit großer Mehrheit die
Totalreviſion der Bundesverfaſſung ab.
Aontag: Der Völkerbund tritt zu ſeiner 16. Tagung zuſammen.
Der abeſſiniſche Kronrat erklärt ſich zu weiteren
Zugeſtänd=
niſſen an den Völkerbund bereit und lehnt ein Mandat ab.
Der Gouverneur von Louiſiana, Senator Huey Long,
er=
liegt einem Attentat.
öcenstag: In Nürnberg wird der Parteitag der Freiheit
er=
öffnet. Das Neichsſchwert wird dem Führer als Geſchenk der
Stadt Nürnberg überreicht.
Reichserziehungsminiſter Ruſt ordnet die Einrichtung
von jüdiſchen Schulen ab Oſtern 1936 an.
Mittwoch: Vor dem Parteikongreß wird die große Proklamation
des Führers verleſen, der allen Kräften, die das Aufbauwerk
des neuen Deutſchlands ſtören oder ſchädigen wollen,
rück=
ſichtsloſen Kampf anſagt. Inmitten einer unruhigen Welt
will ſich Deutſchland der friedlichen Aufbauarbeit im Innern
und nach außen widmen. — In einem feierlichen Akt vollzieht
ſich die Grundſteinlegung zur neuen Kongreßhalle. — Der
vom Führer geſtiftete Preis der NSDAP. für Kunſt und
Wiſſenſchaft wird an den Dichter Hanns Johſt und an den
Raſſenforſcher Dr. Hans Günther vergeben.
In Genf erklärt der engliſche Außenminiſter, daß
Eng=
land am Völkerbundspakt feſthalte und Reviſionsfragen nur
auf friedlichem Wege gelöſt werden können.
Donnerstag: Beim Reichsparteitag nimmt der Führer den Appell
der 54 000 Arbeitsdienſtmänner ab. Der Reichstag wird für
Sonntag abend 9 Uhr zu einer Sitzung nach Nürnberg
ein=
berufen, um eine Erklärung der Reichsregierung
entgegen=
zunehmen.
Die Rede des engliſchen Außenminiſters in Genf löſt in
Italien ſcharfe Angriffe aus.
Freitag: In Nürnberg fand der Appell von 100 000 politiſchen
Leitern vor dem Führer ſtatt, der auch vor der
Auslands=
organiſation und den Frauen das Wort ergriff.
In Genf erklärt der franzöſiſche Miniſterpräſident zum
Abeſſinien=Konflikt, daß Frankreich ebenſo wie England am
Völkerbundsſtatut feſthalten wolle. Die Vereinigten Staaten
von Nordamerika erinnern die Signatarſtaaten an den
Kriegsverzicht im Kellogg=Pakt.
Die Signatarmächte der Memelkonvention erheben
Vor=
ſtellungen in Kowno, um eine ordnungsgemäße Wahl im
Memelgebiet zu veranlaſſen.
Nr. 253 — Seite 3
„Der letzte Verſuch des Rates
Appell Lavals an Muſſolini. — Frankreich wird mit England an den Verpflichkungen des
Völkerbunds=
paktes feſthalten. — Amerikas Ruf an die Kellogg-Signakarmächke.
DNB. Genf, 13. September.
Unter ſtarkem Andrang der Vertreter des Publikums und
der Preſſe nahm die Völkerbundsverſammlung Freitag
vor=
mittag die Erklärung des franzöſiſchen Miniſterpräſidenten Laval
entgegen. Die knappen aber deutlichen Ausführungen wurden
immer wieder von ſtarkem Beifall der Delegierten unterbrochen.
Laval begann mit der Feſtſtellung, daß Frankreich dem
Pakt treu bleibe und ſich ſeinen Verpflichtungen nicht entziehen
könne. Seine vorbehaltloſe Zuſtimmung zu den
Völkerbunds=
grundſätzen entſpreche der Begeiſterung ebenſo wie der
nüchter=
nen Ueberlegung. Es ſei vorgekommen, daß man in Genf
Enttäuſchungen erlebt habe, trotzdem ſei der franzöſiſche Glaube
an den Völkerbund nicht ſchwächer geworden. Die franzöſiſche
Delegation habe alles getan, um die moraliſche Autorität des
Völkerbundes zu ſtärken. Vom Genfer Protokoll im Jahre 1924
bis zur Abrüſtungskonferenz habe ſie den Gedanken, der
kollek=
tiven Sicherheit immer verteidigt. Der Pakt ſei für Frankreich
das internationale Recht. Die franzöſiſche Politik ſei gänzlich
auf den Völkerbund gegründet. Alle Verträge Frankreichs
führ=
ten über Genf oder nach Genf: Locarno, die Verträge mit der
Fleinen Entente, mit Sowjetrußland und die römiſchen
Ab=
kommen. Alle Schwächung des Völkerbundes treffe Frankreich
ſelbſt. Die Rede Hoares habe ein vorbehaltloſes Bekenntnis
Englands zum kollektiven Sicherheitsſyſtem gebracht. Kein Land
habe mit mehr Befriedigung als Frankreich dieſe Erklärung
entgegengenommen. Die engliſch=franzöſiſche Solidarität in der
Uebernahme gemeinſamer Verantwortung werde für den
Völker=
bund Epoche machen.
Laval betonte ſodann die Notwendigkeit einer engen
Zu=
ſammenarbeit mit England zur Aufrechterhaltung des Friedens
und erinnerte an das Communiqué vom 3. Februar deſſen
Verwirklichung ſeinerzeit auf Schwierigkeiten geſtoßen ſei Sollte
ſich jetzt der ſchöne Traum verwirklichen? Frankreich fürchte den
Krieg nicht, aber es haſſe ihn. Es ſei ein Land, das trotz ſeiner
militäriſchen Tugenden von wirklichem Friedenswillen beſeelt
ſei. Frankreich wende ſich gegen niemand, es wolle den Frieden
unter Mitarbeit aller.
Laval kam dann nochmals auf das Abkommen vom 7.
Januar zurück und erklärte, er habe damals mit Muſſolini nicht
nur im Intereſſe der beiden Staaten, ſondern auch im Intereſſe
des Weltfriedens alles geregelt, was zwiſchen den beiden Staaten
geſtanden habe. Er habe nichts verſäumt, um dieſe
Einigungs=
politik zwiſchen Frankreich und Italien immer wirkſamer zu
geſtalten. In Streſa habe er bei Muſſolini denſelben Willen
feſtſtellen können, dem Frieden zu dienen. Er wiſſe, daß
Muſſo=
lini bereit ſei, an dieſer Zuſammenarbeit feſtzuhalten. Unter
Hin=
weis auf den gegenwärtigen Konflikt erklärte er, er habe keine
Mühe geſcheut, um verſöhnend zu wirken. Der Rat unternehme
jetzt einen letzten Verſuch. Die Aufgabe ſei ſchwer, aber noch
ſei nicht alle Hoffnung geſchwunden, eine Löſung zu finden, die
Neue dentſche Milikärakkachés.
Für den diplomatiſchen Dienſt ſind eine Reihe neuer Militärattachés ernannt worden. Unſer Bild zeigt von links: Oberſt Moritz
von Faber du Faur, Militärattaché in Belgrad; Oberſtleutnant Horſt Röſſing für die Geſandtſchaften in Helſingfors, Riga,
Reval, Stockholm, Oslo und Kopenhagen; Oberſt Bogislav v. Studnitz, Militärattaché in Warſchau, und Oberſt Erich Fride=
(Scherl=Bilderdienſt=M.)
rici, Militärattaché für Budapeſt und Sofia.
ſchwatzend. Wovon ſchwatzen ſie? Von den zurückliegenden
glück=
lichen Zeiten voller Tätigkeit und Einkommen, von ihren
Er=
linnerungen ..
Die Steine ſind heute, wenn nicht wert= ſo doch nutzlos
ge=
worden. Nicht einmal die große Ware, die in der Induſtrie zum
Glasſchneiden, für Uhrengehäuſe, für Schleifzwecke verwendet
wird, iſt jetzt geſucht. Man ſpürt es in den wenigen
Großſchleife=
reien, wo der Betrieb mehr der Arbeiter als der
Auftragsbewälti=
aung wegen noch in Gang gehalten wird. Die meiſten Säle, wo
ſich in guten Zeiten die Schleifſpulen zu hunderten drehten, ſtehen
en tvölkert, die Spulen ſind gegen die Verſtaubung mit Tuchhüllen
überdeckt, die Rollgardinen an den Fenſtern ſind herabgelaſſen.
In einem dieſer rieſigen Säle ſah ich an ſeinem Werkplatze
einen einzigen Arbeiter, einen alten Mann, der liebevoll einen
Stein einkittete zwiſchen den Schraubſtock ſpannte und dann den
kreiſelnden Diamantbohrer zur Bearbeitung anſetzte. Der
Arbei=
ter ſtand bei der Firma ſeit 35 Jahren im Dienſt. In dieſem
Ge=
werbe ſteht es nämlich anders als in ſonſtigen Induſtrien; man
ſchickt hier in Kriſiszeiten nicht die alten Arbeiter weg um die
Jungen zu bewahren, ſondern verfährt umgekehrt. Denn im
Dia=
nantarbeiterfach, das eine vieljährige Ausbildung erfordert,
lommt es wie beim Diamanthandel in erſter Linie auf
Kenner=
ſchaft und Arbeitserfahrung an.
Die meiſte Könnerſchaft und Erfahrung erfordert das Spalten
der Steine, das man in Holland „Kloofen” nennt. Es iſt eine
Ver=
richtung, die von Anfang bis zum Ende mit der Hand geſchieht,
wogegen bekanntlich alle übrigen Zweige der Diamantbearbeitung:
Schneiden (Sägen), Schleifen und Formen heute maſchinell
ausge=
ührt werden. Doch kommt das Spalten jetzt, wo keine Nachfrage
herrſcht, ſo gut wie gar nicht mehr vor. Man kann der Tätigkeit
nicht zuſchauen, ſie iſt zu einer Erinnerung und Sage geworden,
nan muß ſich darüber von anderen erzählen laſſen.
A. Aſher, Mitbeſitzer der beſtausgerüſteten Amſterdamer
Groß=
ſchleiferei, hat unlängſt erzählt, wie er. fünfundzwanzig Jahre
üurück, den Cullinan „kloofte‟. Der Cullinan, ein Stein, der in
den Yellow=Grounds von Südamerika gefunden war, iſt mit ſeinem
Gewichte von 3024½4 Karat der größte Diamant, der jemals unter
Menſchen von Hand zu Hand gegangen iſt. Er wurde ſeinerzeit
durch den Eigentümer, die Südafrikaniſche Union, dem König von
England Eduard III., zum Geſchenk gemacht. In ſeiner
fauſt=
roßen Rohform war er ungeeignet, irgendwie als Schmuckſtück zu
dienen; aus dem elementaren Diamantklumpen mußte ein, die
Einne beſtrickender Brillant erſt künſtlich hergeſtellt werden. Die
Die Träger der nengeſchaffenen Preiſe
und Wiſſenſchaft.
Auf der Kulturkundgebung des Parteitages verkündete Alfred
Roſenberg, daß der Dichter Hanns Johſt (rechts) den neu
ge=
ſchaffenen Preis für Kunſt der NSDAP. vom Führer erhalten hat.
Den Preis für Wiſſenſchaft erhielt der Raſſenforſcher Prof. Dr.
Hans F. K. Günther (links). (Scherl=Bilderdienſt=M.)
Aufgabe fiel der Firma Aſher zu; der Stein wurde, in London
A. Aſher durch König Eduard perſönlich ausgehändigt. Begleitet
von einem Trupp Geheimpoliziſten brachte A. Aſher ſelber den
Stein von London zu Schiff über den Kanal in die Amſterdamer
Werkſtätte.
Hier ſtellte ſich bei einer näheren Unterſuchung heraus, daß
der Klumpen in der Mitte eine ſchwärzliche Trübung, eine
ſoge=
nannte „zwarte vlieg” enthielt; dieſer Schönheitsfehler beſtimmte
den Plan, nach dem der Stein zu zerſchlagen war. Der Schlag
mußte mitten durch die dickſte Stelle hindurchgehen. Diamant iſt
die berechtigte italieniſche Erwartung befriedigen könnte und mit
der Achtung vor der Souveränität eines anderen
Völkerbundsmit=
gliedes vereinbar ſei. Zwiſchen England und Frankreich
be=
ſtände in dem Streben nach dieſer Löſung keinerlei Uneinigkeit.
Laval ſchloß: Wir ſind alle durch eine Solidarität
verbun=
den, die unſere Pflicht feſtlegt. Unſere Verpflichtungen ſtehen im
Völkerbundspakt: Frankreich wird ſich ihnen nicht entziehen.
Sehr entſchieden und durch ihre offene Sprache beſonders
ein=
drucksvoll war die Rede des ſüdafrikaniſchen
Vertre=
ters, der den Beſorgniſſen ſeines Landes angeſichts der
Kriegs=
gefahr Ausdruck gab. Er erklärte, daß es ſich um eine dreifache
Gefahr handele: die Eingeborenenvölker Afrikas würden
aufge=
reizt und militariſiert, die Stellung der Weißen auf dieſem
Kon=
tinent werde bedroht und das angreifende Land ſtürze ſich ſelbſt
in ein Abenteuer. Wenn man ein Verbrechen gegen den letzten
noch beſtehenden ſelbſtändigen Staat Afrikas begehe, ſo ſei zu
be=
fürchten, daß Afrika wie bisher in ſeiner langen dunklen
Ge=
ſchichte nichts vergeſſen und nichts vergeben werde.
Un die „Jrak=Löſung”.
Als „vorläufig allerletzter Vermittlungsvorſchlag” iſt den
Ita=
lienern von England und Frankreich ein Angebot unterbreitet
worden, das Italien ein militäriſches und wirtſchaftliches
Pro=
tektorat über Abeſſinien zugeſtehen ſoll etwa nach der Art, wie
England früher den Irak betreute. Der Vergleich ſtimmt aber nicht
ganz, denn der Irak war, als er 1920 gegründet wurde, der
Sou=
veränität des Völkerbundes unterſtellt. Im Namen des
Völker=
bundes übte England ein Mandat aus, das urſprünglich auf 20
Jahre berechnet war. Aber ſchon 5 Jahre ſpäter kam eine
Ver=
faſſung zuſtande, worin der Irak ſeine Souveränität für ſich ſelbſt
beanſpruchte. England hat daraus die Folgen gezogen, hat ein
Bündnis abgeſchloſſen und 1932 die Aufnahme des Irak in den
Völkerbund durchgeſetzt. Das Mandat iſt alſo damals nur von
kur=
zer Dauer geweſen, wurde zudem verliehen über einen erſt in der
Bildung begriffenen Staat und verſchwand raſch wieder,
aller=
dings nicht ohne daß England es verſtand, ſich für eine Reihe von
Jahren noch Lufthäfen zu ſichern und auf 25 Jahre ein
Militär=
bündnis mit dem Irak abzuſchließen.
Um Abeſſinien liegen die Dinge gerade umgekehrt. Es ſoll
von einem Mitglied des Völkerbundes zu einem Mandat
degra=
diert werden, ſoll große Teile ſeines territorialen Beſtandes opfern,
ſoll eine internationale Polizei und internationale Inſtruktions= ernennen und darüber hinaus den Italienern weitgehende
wirtſchaftliche Konzeſſionen überlaſſen.
Es mag dahingeſtellt bleiben, wie weit der Negus mit ſolchen
Plänen einverſtanden iſt. Nach ſeiner bisherigen Haltung lehnt
er alle Eingriffe in ſeine Souveränität ab. Aber auch für Italien
wäre dieſe Löſung ſehr unbefriedigend, weil es immer nur in
Begleitung Englands und Frankreichs auftreten könnte und
zu=
dem die Vorausſetzung für das Inkrafttreten dieſer Löſung, die
Zurückziehung faſt der geſamten italieniſchen Truppen in
Somali=
land und Erytrea wäre. Italien müßte ſeine Truppen
demobili=
ſieren, um dafür unangreifbare Grenzbezirke und wirtſchaftliche
Vorrechte zu bekommen. Aehnliche Angebote hat Muſſolini bisher
abgelehnt, weil ſie ihm zu gering erſchienen.
Die Lage hat ſich allerdings inſofern verſchoben, als der
fran=
zöſiſche Miniſterpräſident Laval am Freitag endgültig für
Eng=
land optierte. Er hat ſich dazu bekannt, daß ſich Frankreich ſeinen
Verpflichtungen nicht entziehen werde, die ihm aus dem
Völker=
bundsvertrag obliegen, worin grundſätzlich das Zugeſtändnis
ent=
halten iſt, daß, wenn Italien in Abeſſinien einbricht, Frankreich
auch für einen engliſchen Antrag auf Verhängung von
Sank=
tionen ſtimmen würde. Aber dazwiſchen liegen doch noch viele
Möglichkeiten. Frankreich wird auch dabei ſeine Schaukelpolitik
noch fortſetzen und als Freund Italiens alles zu verhindern ſuchen,
was Italien wehtun könnte, wenn nicht — und hier liegt
vermut=
lich der Schlüſſel zur Erkenntnis der inneren Zuſammenhänge —
England den von Laval geforderten Preis zahlt und Frankreich
in ſeinen mitteleuropäiſchen Plänen bis zum Aeußerſten
unter=
ſtützt. Laval hat in aller Oeffentlichkeit das Genfer Protokoll
wie=
der aufmarſchieren laſſen und den Engländern damit gewinkt, daß
die franzöſiſche Treue bedingt wäre durch ein großes Programm,
das ſich um den Donau= und um den Oſtpakt herumgruppiert.
All=
zuviel bedeutet alſo die Feſtlegung Frankreich auf die Seite
Eng=
lands und die Abkehr von Italien in der praktiſchen Entwicklung
noch nicht. Vor allem iſt das Problem Abeſſinien damit ſeiner
Lö=
ſung nach der friedlichen Seite um keinen Schritt näher gebracht,
die Kriſe im Völkerbund iſt nicht behoben, der Friede iſt nicht
ge=
ſichert, nach wie vor beſteht die Gefahr, daß Italien die Luſt am
Zuſehen in dem Genfer Spiel verliert und nach dem Ende der
Regenzeit zur Selbſthilfe ſchreitet.
die feſteſte Materie, die man auf der Welt kennt. Einen
Diaman=
ten zu zerſchlagen, ſetzte ein Wiſſen darüber voraus, welches die
Wuchsgeſetze des Steins und welches ſozuſagen ſeine ſchwächſten
Stellen ſind. Nach langwierigen Unterſuchungen hatten die Brüder
Aſher dem Stein ſeine gebrechlichen Seiten abgelauſcht und in
zweitägiger Arbeit war dort, wo die Zerklüftung vorgenommen
werden ſollte eine Rille („kerf”) in den Stein eingekerbt worden,
eine Rille zu dem Zwecke, dem eingeſetzten Spaltmeſſer das
Ab=
gleiten zu verwehren.
Dem Spaltvorgang wohnten zahlreiche Zeugen, auch ſolche
der engliſchen Obrigkeit, bei. Sie bezeugten ſchriftlich, daß die
Kerbe „die erforderliche Tiefe Breite und Länge beſaß und genau
nach dem Wachstumsbau des Steins angebracht war, ſo daß nichts
mehr getan zu werden brauchte als das Verrichten des
Hammer=
ſchlags‟. Durch dieſe Erklärung war der Kloffer für die,
jen=
ſeits aller Berechnung liegende Möglichkeit gedeckt, daß der Schlag
ein unerwünſchtes Ergebnis haben ſollte.
A. Aſher hatte vor Aufregung die Nacht zuvor kein Auge
zu=
getan. „Als ich aber einmal vor dem Steine ſtand, ſo erzählte
er, und das erſte Meſſer in die Hand nahm, ſowie den enormen,
mehrere Kilo wiegenden Spalthammer, da war meine Nervoſität
wie durch Zauberſchlag von mir gewichen. Ich hatte das Gefühl:
„Ich ſitze im Kahn, alſo losgefahren! Schlag drauflos, was auch
geſchehen möge! Ich ließ alſo den Hammer für eine kleine Weile
leicht auf dem Rücken des Meſſers ruhen, ein winziger
Probe=
ſchlag, dann mit aller meiner Kraft: Bumm! Und das Meſſer
zerſplitterte in Stücke. Ein anderes Meſſer! Es lagen deren
nämlich gebräuchlicherweiſe etwa zwanzig bereit. Mit noch
grö=
ßerer Kraft ſchmetterte ich aufs neue den Hammer nieder. Ein
leichtes knirſchendes Geräuſch: wie ein Stück Spiegelglas brach
der Rieſendiamant auseinander.”
Auch die Hälften des Steins ſind in der gleichen Weiſe noch
mehrmals geſpalten worden; im ganzen wurden aus dem
urſprünglichen Diamantklumpen neun einzelne Brillanten
her=
geſtellt. Das Schleifen des Hauptſtückes allein nahm neun ganze
Monate in Anſpruch. Dann überbrachte A. Aſher ſeine
Werk=
ſtücke perſönlich Eduard III., der ſie in Gegenwart ſeiner
Gemah=
lin Alexandra auf Schloß Windſor in Empfang nahm. Von
die=
ſen und anderen Erinnerungen unterhalten ſich heute die
Werk=
leute, die Fabrikherren, die Händler; ſie ſind, wo der Handel ſtill
liegt, wo die Ware nutzlos ward, das Wertvollſte was ihnen übrig
A.
blieb.
Seite 4 — Nr. 253
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Samstag, 14. September 19355
Aengland kann Hunen Michr aufganien
Mafſonne Auer ſeine Auefimen Plane.
DNB. Paris, 13. September.
Ein Mitarbeiter der politiſch=literariſchen Wochenzeitſchrift
„Gringoire” hatte Gelegenheit, ſich vor wenigen Tagen mit dem
Duce über die augenblickliche Lage unter beſonderer
Berückſich=
tigung der Haltung Englands zum italieniſch=abeſſiniſchen
Streit=
fall zu unterhalten. Man habe den Eindruck ſo ſchreibt er, als
ob Muſſolini ſeine Pläne erſt nach ſehr reiflicher Ueberlegung
gefaßt habe, und als ob ihn jetzt nichts mehr von ſeinem
Vor=
haben abhalten könne. Er ſei ſehr gerührt von der Sympathie,
die ihm die franzöſiſche Oeffentlichkeit entgegenbringe, und die
ſeiner Auffaſſung nach der Ausdruck von Intelligenz und
geſun=
dem Menſchenverſtand ſei. Die Franzoſen, ſo habe Muſſolini ihm
erklärt, verſtänden in ihrer großen Mehrheit ſeine Abſichten und
hießen ſie gut. Italien habe mehr als jedes andere Land
Kolo=
nien nötig. Es hätte bereits ſofort nach dem Kriege neue
Kolo=
nialgebiete erhalten ſollen; aber ungerechterweiſe habe es keine
bekommen. Abeſſinien, das ſich wie ein Keil zwiſchen
die beiden afrikaniſchen Beſitzungen Italiens,
Eritrea und Somaliland, einſchiebe, ſtelle das
berufene Ausdehnungsgebiet für Italien dar.
Auf die Frage des Berichterſtatters, wie die
Meinungsver=
ſchiedenheiten zwiſchen Italien und England zuſtande gekommen
ſeien, erwiderte der Duce, er habe die Londoner
Regie=
rung ſeit langem von ſeinen Plänen
unterrich=
tet. In einer Note vom 29. Januar habe er der engliſchen
Re=
gierung dieſe Pläne in allen ihren Einzelheiten dargelegt und
ſeither in aller Oeffentlichkeit die für ihre Verwirklichung
not=
wendigen Maßnahmen ergriffen. England habe alſo bis ins
ein=
zelne alles gekannt, was Italien vorzunehmen beabſichtigt habe,
und es wäre für die Londoner Regierung ein Leichtes geweſen,
ſchon vor Monaten ihre Einwände geltend zu machen.
Der Berichterſtatter ſchreibt dann weiter, daß er eine
hoch=
geſtellte italieniſche Perſönlichkeit, die täglich mit Muſſolini
zu=
ſammen ſei und daher die Anſichten des Duce genau kenne,
ge=
fragt hat, warum die engliſche Regierung ſo lange gebraucht habe,
um ihren Standpunkt darzulegen. Von dieſer Seite ſei ihm
fol=
gende Erklärung gegeben worden: England wünſche
ein=
mal nicht, daß Italien ſein Kolonialreich vergrößere, beſonders
aber nicht in Abeſſinien, weil dies ein Teil Afrikas
ſei, den es ſich ſelbſt vorbehalten habe. Hierüber
ſeien ſich alle engliſchen Kreiſe einig. Schon ſeit langem habe ſich
keinerlei koloniale Vergrößerung vollziehen können, ohne daß
England ſeine Zuſtimmung gegeben oder vielmehr „verkauft”,
habe. Dies ſei ein unumſtößlicher Grundſatz der engliſchen
Diplo=
matie, der im Laufe der Jahre nur eine einzige Ausnahme
ge=
kannt habe, als nämlich Frankreich unter Karl X. die Eroberung
Algeriens in Angriff nahm. Zum erſtenmal müſſe
Eng=
land jetzt merken, daß es ſeinem Widerſtand nicht
gelinge und nicht gelingen werde, Italien
auf=
zuhalten. Daher komme die Unzufriedenheit und Verärgerung.
Es mißfalle England, daß Frankreich und Italien, die ſeit langem
im Mittelmeer Rivalen waren, nach der Regelung ihrer
Mei=
nungsverſchiedenheiten ſich auch in der abeſſiniſchen Frage
ge=
einigt hätten.
Der Berichterſtatter erklärt dann, daß er nach ſeiner
Unter=
redung mit Muſſolini den feſten Eindruck habe, daß Italien
aufalle Fälle und mit eigener Kraft ſeine Pläne
in Abeſſinien durchführen werde. Je mehr man ſich
mit dieſem Gedanken vertraut mache, um ſo mehr Enttäuſchungen
und um ſo mehr Zeitverluſt werde man ſich erſparen. Selbſt eine
Art Völkerbundsmandat werde Muſſolini heute nicht mehr
ge=
nügen. Gewiſſe Zugeſtändniſſe, die er vor einigen Monaten noch
angenommen hätte, ſeien heute ungenügend. Der Duce habe ſeine
Aufmerkſamkeit auf die Unkoſten gelenkt, die die
Vorberei=
tungen bereits verurſacht hätten, und er wolle auf keinen Fall,
daß dieſe Ausgaben „unproduktiv” blieben. Er habe Muſſolini
die Frage vorgelegt, ob er nach einem erſten und entſcheidenden
militäriſchen Erfolg in Abeſſinien bereit ſein würde, mit den
übrigen intereſſierten Mächte über die zukünftige politiſche
Ge=
ſtaltung Abeſſiniens zu verhandeln. Der Duce ſcheine bis zu einer
gewiſſen Grenze dazu bereit zu ſein. Sollte England aber
gleich zu Beginn den italieniſchen Plänen
ent=
ſchloſſenen Widerſtand entgegenſetzen, ſo müſſe
man die ſchlimmſten Verwicklungen, um nicht zu
ſagen, Kataſtrophen erwarten.
Der Berichterſtatter ſelbſt kommt ſodann zu der
Schlußfol=
derung, die für Frankreich beſtimmt iſt, Italien gehöre zu den
ſtärkſten Militärmächten Europas, und Frankreich dürfe und
könne ſich nicht, mit ihm überwerfen, weil es ſich dann ſofort
„Deutſchland zuwenden” würde. Er habe den feſten Eindruck, daß
Italien entſchloſſen ſein Ziel verfolgen werde, ſelbſt auf die
Ge=
fahr hin, mit England in einen Krieg verwickelt zu werden.
Bemerkenswerke italieniſche Warnungen
EP. Rom, 13. September.
Die Abendpreſſe warnt Frankreich eindringlich davor ſich
der Völkerbundspolitik Englands anzuſchließen. Die „Sera”
meint, im Falle einer „deutſchen Gefahr” ſei
Frank=
reich beſſer geſchützt, wenn es Italien zum
Freunde habe, als England, da die Hilfe Italiens
entſcheidender wäre, während ihm England nur eine
vorübergehende Hilfe leiſten könne. Selbſt wenn Frankreich mait
Unterſtützung Englands Deutſchland und Italien zuſammen die
Stirn bieten müſſe, würde es wie eine Nuß zerquetſcht. Dieſe
Todesgefahr habe Fraukreich vermeiden wollen, als es ſich
für die Annäherung an Italien entſchloß. Wenn Frankreich alle
Für und Wider in Erwägung ziehe, babe Frankreich allen Grund,
die Erpreſſung Englands zurückzuweiſen. Italien verlange von
Frankreich keine Unterſtützung und keine Opfer, ſondern nur,
daß es nicht dazu beitrage, daß der Völkerbund von der
gegen=
über Japan und Deutſchland befolgten Richtlinie abweiche.
Die „Stampa” ſchreibt, ſelbſt nur wirtſchaftliche Sanktionen
des Völkerbundes würden den Krieg gegen jene zur Folge
haben, die ſie anzuwenden wagten, womit die Kataſtrophe und
der Zuſammenbruch der europäiſchen Ziviliſation unvermeidlich
wäre.
Einberufung der Signakare des Kellogg=Paktes?
DNB. Paris, 12. Sept.
Der Genfer Sonderberichterſtatter des „Excelſior” glaubt aus
ſicherer Quelle zu wiſſen, daß der amerikaniſche Senator James
Pope, der ſich augenblicklich in Europa aufhält und
gewiſſer=
maßen als der Beobachter Rooſevelts angeſprochen werden könne,
an Staatsſekretär Hull telegraphiert habe, um ihm die
Einberu=
fung einer Tagung der Signatarmächte des Kellogg=Paktes zu
empfehlen. Zweck dieſer Tagung ſoll ſein, dem Völkerbund bei
ſeinem Bemühen für eine friedliche Regelung des italieniſch=
abeſ=
ſiniſchen Streitfalles zu unterſtützen.
Nach einer Meldung des „Daily Telegraph” aus Dſchibuti
hat der dortige italieniſche Konſul den 14
belgi=
ſchen Offizieren, die ſich zur Zeit auf der Durchreiſe nach
Addis Abeba befinden, um die abeſſiniſchen Reſerviſten
auszu=
bilden, mitgeteilt, daß im Falle eines Krieges jeder
Euro=
päer, der mit der Waffe in der Hand gegen Italien
kämpfe und dabei betroffen würde, kurzerhand erſchoſſen
würde.
Amerika forderk Anwendung des
Kellogg=Pakkes.
Erklärungen Hulls zum iktalieniſch=abefſiniſchen
Konflikt.
DNB. Waſhington, 13. September.
Staatsſekretär Hull gab folgende Erklärung ab:
Angeſichts des tiefen Intereſſes der Regierung der
Vereinig=
ten Staaten und der weitverbreiteten Beſorgnis des
amerikani=
ſchen Volkes wegen der kürzlichen politiſchen Entwicklungen, die
anſcheinend eine ernſte Bedrohung des Weltfriedens darſtellen,
halte ich es für wünſchenswert, diejenigen Schritte nochmals
auf=
zuzählen, welche die Regierung der Vereinigten Staaten
unter=
nommen hat, um auf jedem möglichen praktiſchen Wege zu einer
friedlichen Beilegung des gegenwärtigen italieniſch=abeſſiniſchen
Konfliktes beizutragen.
Regierung und Volk der Vereinigten Staaten wünſchen
Frie=
den. Wir ſind der Anſicht, daß internationale Streitfragen auf
friedlichem Wege geregelt werden können und müſſen. Wir haben
zuſammen mit 62 anderen Nationen, darunter Italien und
Abeſſi=
nien, einen Vertrag unterſchrieben, in dem die
Unterzeichner=
länder den Krieg als Inſtrument nationaler Politik verurteilen
und ſich untereinander verpflichtet haben, ihre Streitfragen
aus=
ſchließlich durch friedfertige Mittel zu regeln.
Unter den gegenwärtigen Weltverhältniſſen kann eine
An=
drohung von Feindſeligkeiten irgendwo nur eine Bedrohung der
politiſchen, wirtſchaftlichen, rechtlichen und ſozialen Intereſſen
aller Nationen ſein. Ein bewaffneter Konflikt in irgendeinem
Weltteil kann nur unerwünſchte und widrige Folgeerſcheinungen
in allen anderen Weltteilen auslöſen. Alle Nationen haben das
Recht, zu verlangen, daß alle Fragen zwiſchen irgendwelchen
Na=
tionen ihre Löſung auf friedliche Weiſe finden.
Mit dieſem Willen gegenüber allen Nationen fordert die
Re=
gierung der Vereinigten Staaten ſolche Länder, welche
bewaff=
nete Feindſeligkeiten in Erwägung ziehen, auf, die Erklärung und
den Pakt von Paris endlich zu berückſichtigen, den Pakt, den alle
Unterzeichnermächte zu dem Zweck unterſchrieben haben, den
Frie=
den ſicherzuſtellen und der Welt die unberechenbaren Verluſte
und menſchlichen Leiden zu erſparen, die ein Krieg unausbleiblich
als Begleiterſcheinung oder zur Folge hat.
Die Garankiemächke rühren ſich.
Aus London wird bekannt, daß die Vertreter Frankreichs,
Englands und Italiens in Kowno Vorſtellungen erhoben haben,
„um eine ordnungsmäßige Durchführung der bevorſtehenden
Wahlen im Memelgebiet ſicherzuſtellen”. Leider erfährt man
nicht, welcher Natur dieſe Vorſtellungen geweſen ſind, ob man
ſich alſo lediglich damit begnügt hat, „die Aufmerkſamkeit der
Kownoer Regierung auf die Vorgänge im Memelgebiet zu
len=
ken” oder ob man ganz beſtimmte poſitive Forderungen geſtellt
und daran für die Erfüllung kurzfriſtige Termine geknüpft hat.
Derartige Forderungen können natürlich nur darin beſtehen, daß
Litauen reſtlos auf den Boden der Memelkonvention zurückgeht
und alles rückgängig gemacht wird, was zur Zerſchlagung und
der Beſeitigung der Rechte der Memelländer unternommen
wor=
den iſt. Solange wir nicht wiſſen, was in Kowno geſpielt worden
iſt, müſſen wir die diplomatiſchen Vorſtellungen der Garantie,
mächte allen bisherigen an die Seite ſtellen und was in der
Ver=
gangenheit geſchah, ſah nicht nach Entſchloſſenheit der
Memel=
garanten aus, wirkte auf Litauen vielmehr ermutigend, ſeinen
Kurs der Rechtsbrüche zu verſchärfen.:
*
Von der Oſtſee
zum Schwarzen und Kaſpiſchen Meer.
Die Ereigniſſe im Fernen Oſten haben die Machthaber der
Sowjetunion doch unverkennbar beeindruckt. Wie es ſcheint,
glauben ſie nicht daran, daß ſie im Ernſtfall ihren Hafen
Wladi=
woſtok, die Tür nach dem Pazifiſchen Ozean, gegen Japan oder
Mandſchukuo werden lange halten können. Wie die
Inſpektions=
reiſe des Kaiſers der Mandſchurei nach Charbin beweiſt, gehen
die Stabiliſierungsmaßnahmen dort ihren ununterbrochenen, von
Japan vorgezeichneten Gang.
So wird es verſtändlich, daß man ſich im Kreml Gedanken
macht, neue Ausgänge nach den Weltmeeren zu finden, die
mög=
lichſt das ganze Jahr über eisfrei ſind, und die ſchon
vor=
handenen Wege zu verbeſſern. So hat denn der Rat der
Volks=
kommiſſare, wie „Daily Telegraph” meldet, ſoeben ein rieſiges
Programm zum Ausbau des ruſſiſchen Kanalſyſtems zwiſchen
Oſtſee und Wolga beſchloſſen. Dadurch ſoll die Oſtſee (
Peters=
burg) und das Weiße Meer (Archangelſk=Onega) mit dem
Schwarzen und dem Kaſpiſchen Meer durch ein großes Netz von
Waſſerwegen verbunden werden. Die Endſtationen im Süden
würden dann vorausſichtlich Roſtow am Don (Odeſſa in nächſter
Nachbarſchaft) im Schwarzen Meer und Aſtrachan an der Wolga
ſowie Baku im Kaſpiſchen Meer, ſein. Auf dieſem Waſſerweg,
der auch für kleinere Ozeandampfer und Kriegsſchiffe
paſſier=
bar ſein ſoll, würde das ganze Rußland vor dem Ural eine
große Verkehrsader erhalten, deren ſtrategiſche und wirtſchaftliche
Bedeutung nicht zu verkennen iſt, vorausgeſetzt, daß ſie
ge=
ſchaffen wird. Denn von ruſſiſchen „Jahresplänen” und ihren
Erfolgen gehen ſeltſame Mären.
O
Vom Tage.
Die Reichstagsſitzung, die am Sonntag um 21 Uhr in
Nürn=
berg ſtattfindet, wird auf alle deutſchen Sender übertragen.
Die Nachwahl im engliſchen Wahlkreis Dumfries endete mit
einem Sieg des nationalliberalen Kandidaten, der 16 271
Stim=
men auf ſich vereinigte, während der Kandidat der
Arbeiter=
partei 10 697 Stimmen erhielt. Die Wahlbeteiligung betrug nur
59 Prozent.
Der „Matin” meldet, daß aus Gründen ſtrategiſcher Vorſicht,
nämlich um die nahe an der Oſtgrenze ſtationierten franzöſiſchen
Bombengeſchwader nicht plötzlichen Angriffen auszuſetzen, das 21.
Bombengeſchwader am 1. Dezember von Nancy nach Bordeaux
verlegt werden wird. Aus dem gleichen Grund ſei bereits das in
Metz ſtationiert geweſene 11, ſchwere Bombengeſchwader nach
Toulouſe verlegt worden.
Die Beiſetzung des ermordeten Senators von Louiſiana, Huey
Long, fand am Donnerstag in Baton Rouge im Staate Louiſiana
ſtatt. Mehrere tauſend Perſonen nahmen an der Feier teil, die
vollkommen ruhig verlief. Der Sarg wurde verläufig in einer
Gruft des Parlamentsgebäudes des Staates beigeſetzt.
Nach einer Meldung aus Baton Rouge iſt der „König von
Louiſiana, Senator Huey Long, wie die Unterſuchung ergeben
hat, einer regelrechten Verſchwörung zum Opfer gefallen. Der
Attentäter Weiß war Mitglied einer terroriſtiſchen Guppe und
wurde durch das Los zu ſeiner Tat beſtimmt.
Die mexikaniſche Kammer hat in Zuſammenhang mit der
Schießerei in den Wandelgängen, bei denen ein Abgeordneter
ge=
tötet und mehrere andere verletzt worden ſind, die Immunität
von 17 Abgeordneten der Rechten aufgehoben. Die Urheber des
blutigen Zwiſchenfalls, vor allem der Rechtsabgeordnete Juan
Benet, der den Abgeordneten Valadez erſchoſſen haben ſoll,
wer=
den vor dem Oberſten Gericht abgeurteilt.
7 Kamele und 45 Schafe.
Polikik in Arabien.
Die Welt iſt in Unruhe. Im Nahen und Fernen Oſten g.ir
es. Wird Wein oder Blut deſtilliert?
Links und rechts vom Schiff, das nach dem Süden ſteuse
liegt Land in ſengender Sonnenglut. Port Said iſt paſſieel
der Suezkanal nahm es auf mit ſeinem ſchleuſenloſen Weg. Qau
Rote Meer ſchlägt die Paſſagiere in ſeinen erſtickenden Brodeen
links braune Geſichter, vor Arabiens Wüſten und heilich
Stätten.
Darf es, wenn zur „rechten Hand” nicht alles in Ordnun
iſt, ſo wie es London wünſcht — weil Rom eigene Träum
hegte und nun verwirklichen will — auf der linken Seite nid
Rivalitäten geben in einer Zone, die England als die ſe in
anſieht? Nein.
Aber das Arabien der ewigen Dynaſtienkämpfe, wie ſie aud
Europa jahrhundertelang niederhielten, lebt heute noch. Wau
geſchieht?
Der große Wahabitenkönig Ibn Saud hat ſeinen Soon
und Thronfolger „zur Aufklärung” nach Europa geſandt. Eurc
iſt immerhin intereſſant. Nun kehrte Emir Saud junior zurru
Aber nicht direkt. Nein, er machte Station. Ausgerechnet
der Hauptſtadt des Todfeindes ſeines Vaters, in Ammann, re
Hauptſtadt Transjordaniens.
Zwiſchen den beiden Familien des letzten Sohnes E
Exkönigs von Mekka, des Emirs von Abdallah von Trams
jordanien, und Ibn Saud, dem großen Wahabitenkönig, herrſct,
tiefſte perſönliche und politiſche Feindſchaft. Nun macht Ɨe/
Kronprinz von Saudinien, begleitet vom Außenminiſter, eir
Beſuch im Hauſe der Haſchimiden. Höchſt pikant. Aber Eng
land denkt über Familienrache in Arabien hinaus. Der Beſ=u
kam zuſtande, nach den Regeln der arabiſchen Höflichkeit. Wo ſe
es allerdings kleine Regiefehler gab.
Der Thronfolger von Jeruſalem, wo er Gaſt des engliſckh
Hohen Kommiſſars war, trat alſo den Ausflug nach Traxrs
jordanien an. Vorſichtshalber in Begleitung von hohen eny
liſchen und arabiſchen Beamten, und zum Schutze gegen b.
Freunde mit 5 Panzerwagen. Alles ging glatt. An der Jordan
brücke, an der Grenze, wartete der Thronfolger von Traus
jordanien mit einem großen Gefolge von Beamten, Politikeen
und Beduinenführern. Emir Saud jr.’s Wagen wurde, eskorti r.
von britiſchen Beduinen, nach Ammann geleitet, das feſtlich ve
ſchmückt war. Mit allen Zeichen größter Herzlichkeit empfi
Emir Abdallah den Sohn ſeines Todfeindes. In Genf hä
nicht mehr Frieden und Freundſchaft herrſchen könnmi
Telegramme wurden gewechſelt, wie ſich das unter ZeitgenoffiIR
gehört. Ein wunderbares Schwert wurde dem Gaſt, getruu
der arabiſchen Sitte, überreicht. Und dann begab man ſich zun
großen Liebesmahl in die Zelte, die neben dem Palaſt a-f
gebaut waren.
Es gab zwar vor der Suppe noch einen kleinen „Zwiſchar
fall”, da der Herr amerikaniſche Geſandte, wohl in Unkenntr.4
der Sitten und Bräuche unter den Söhnen und Töchtern E
Landes, ſeine Gattin mitgebracht hatte. Mylady durfte natürſt
lich nach beduiniſchem und vor allem nach dem hundertprozen
tigen Geſetz der Wahabiten an einer Männergeſellſchaft unmögl.d
teilnehmen und ſo mußte Miß USA. eine Weile allein bleibm
Auch die ſonſt übliche Muſik, da ſie ja in dieſem Falle niy
„rein religiöſen Zwecken” diente, mußte verſtummen. Das Liebas
mahl ſelbſt war in den vorgeſchriebenen großen Keſſeln zu
bereitet worden. Zu dieſem Zweck hatte man ſich die 2½4
Men=
großen und 1½ Meter tiefen Keſſel aus Aegypten kommen laſſu
Die Speiſenkarte wies natürlich alle Leckerbiſſen der arabiſchen
Küche auf. Sieben Kamele, 45 Schafe und unzählbare Hühmr
hauchten ihre Seele in dieſen Rieſenkochtöpfen aus. Der Schlagr
des Menüs waren drei Kamele, gefüllt mit je einem Schaf,
deſſen Bauch Hühner mit Reis und Mandeln geſtopft as
Füllſel lecker mundeten. So etwas hat ſelbſt Europa noch ni
gekoſtet.
Nach dem Mahl und dem heißen arabiſchen Kaffee zeigtn
das Grenzkorps mit ſeinen Kamelreitern und die arabiſo
Legion Reiterkunſtſtücke hervoragender Art, allein 1000 Beduinn
ritten eine prächtige „Fantaſia” zu der „Tauſend und ein
Nacht” noch ein farbloſes Gedicht geweſen wäre.
Allerdings — für die Eingeweihten — gab es eine klei!
betrübliche Ueberraſchung. An Stelle des Emirs begleitete nu
ſein Sohn den Gaſt, denn der König ſelbſt könne ja nc)
arabiſcher Sitte nicht einem rangtieferen Gaſt die königlicht
Ehren erweiſen. Vielleicht haben ſich die beiden Thronfolge
um ſo beſſer verſtanden, denn beim Gegenbeſuch könnte es
genau ſo kommen.
Der Gaſt der ja in der guten diplomatiſchen Schule ſein=
Vater allerlei gelernt hat, machte jedenfalls keinerlei gegen
teilige Bemerkungen, auch nicht, als am Tage vorher eind
ſyriſche Delegation mitteilen ließ, daß ſie ihn aus „höherer Ge
walt” nicht begrüßen könne. Man ſprach dann vom Wette
worüber Fremde, die die heimiſchen Wetterzeichen nicht gena‟
kennen, immer anregend plaudern können.
Aber dieſe Kleinigkeiten ſchaden nicht und die lecker
Kamele mit den gefüllten Schafen und mandelgeſtopften Hühre
beim Gaſtmahl haben wohl mit ihrem (aufgegebenen) Geiſt eine
guten Sache gedient, nämlich der Verſöhnung de
beiden größten Herrſcherhäuſer Arabiens. Den
man darf ſolche Geſchehniſſe nicht geringer werten, als ſie in
Foreign Office in London und um das Rote Meer ſelbſt eit
geſchätzt werden. Korrekturen der Zeit ſind natürlich mögliy
O
Die kommende Friedensrichter=Ordnung.
Ndx. Im Rahmen der Veröffentlichung des Reichsjuſtizmini
ſteriums über die geplante Neugeſtaltung des Strafverfahren
und Strafvollzuges berichtet Miniſterialdirektor Schäfer u.
über die Einführung eines friedensrichterlichen Verfahrens. Fü.
die Aburteilung geringfügiger ſtrafgeſetzwidriger Störungen de
nachbarlichen Rechtsfriedens ſtelle die geltende Strafprozeßord
nung nur das Privatklageverfahren zur Verfügung. Danebe
gebe es noch das landesrechtlich geregelte Schiedsmannverfahren
das aber an dem Fehlen wirkſamer Zwangsmittel kranke.
Hieſe=
klaffe eine Lücke, deren Ausfüllung das neue Verfahrensreo,
bringen müſſe. Die Löſung ſei nicht in der Richtung eines Aus
baues des Privatklageverfahrens zu ſuchen, da es mit der Grund
haltung eines autoritären Strafrechts überhaupt ſchwer rereinbin
ſei, das Recht zur Erhebung einer kriminellen Klage einer Pn.
vatperſon zu geben. Da andererſeits der Staatsanwalt nicht mit
Bagatellſachen belaſtet werden dürfe, ſoll die Löſung durch ein
Friedensrichterordnung gefunden werden, die die amtliche Straf
prozeßkommiſſion bereits ausgearbeitet hat. Wenn der Staatz
anwalt bei gewiſſen geringfügigen Störungen des nachbarliche
Rechtsfriedens, alſo in erſter Linie bei leichten Bele
digungen und Körperverletzungen, ferner bei Haus,
friedensbruch, Sachbeſchädigung uſw. eine ſtrafrecht
liche Ahndung nicht für geboten erachte, ſtehe dem Verletzten dei
Weg der Anrufung des örtlichen Schiedsmannes offen. Dieſen
liege wie bisher der Verſuch des gütlichen Ausgleichs ob mit den
Maßgabe, daß der Verletzte bei Nichtgelingen dieſes
Ausgleich=
den Friedensrichter anrufen könne. Dieſer von der Juſtizverwal
tung an jedem Amtsgerichtsſitz zu beſtellende Friedensrichter ſond
entweder der Amtsrichter oder ein anderer geeigneter Beamten
ſein. Er kann nötigenfalls einen Friedensſpruch fällen, in demn
er die Friedensſtörung feſtſtellt und auf gewiſſe ihm zur Verd
fügung ſtehende nicht=kriminelle Zwangsmittel, wi
Abbitte, Widerruf. Friedensbürgſchaft,
Frie=
densbuße uſw. erkennt. Sein Spruch iſt vollſtreckbar und un
anfechtbar.
Samstag, 14. September 1935
au
Bedt
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 253 — Seite 5
Aus der Landeshauptſtadt
Darmſtadt, 14 September 1935
Lehrausſtellung „Bolk und Wirtſchaft”
vom 14. Sepkember bis 13. Okkober 1935
in der ſtädtiſchen Feſthalle.
Die Ausſtellungsleitung hat bei der Zuſammenſtellung des
achrenausſchuſſes ſich von dem Gedanken leiten laſſen, daß die
Aus=
ſellung „Volk und Wirtſchaft” eine weit über den lokalen Rahmen
b nausgehende Angelegenheit ſei. Da dieſe Ausſtellung im ganzen
Ahein=Mainiſchen Wirtſchaftsgebiet nur in Darmſtadt gezeigt
nird, haben ſich die Oberbürgermeiſter der umliegenden größeren
Städte gern bereit erklärt, in den Ehrenausſchuß einzutreten.
1. a. gehören dem Ehrenausſchuß ebenfalls an: Der Vorſitzende
des Deutſchen Gemeindetages. Oberbürgermeiſter Fiehler=
Mün=
gen, der Rektor der Techniſchen Hochſchule Darmſtadt. Hübener,
und der Rektor der Heſſiſchen Landesuniverſität Pfahler. Des
geiteren hat ſeine Zuſage in den Ehrenausſchuß einzutreten
ge=
ſgeben: Profeſſor Dr. Karl Lüer, Präſident des Rhein=Mainiſchen
UInduſtrie= und Handelstages, Dr. W. Niecz, Vorſitzender des
Lan=
desverkehrsverbandes Rhein=Main e. V., Dr. P. Scholz. Gau
Heſ=
ſeaz=Naſſau des Nat.=Soz. Bundes deutſcher Techniker, ferner
ar. Karl Merck, Darmſtadt. Direktor Mar Nuß, Darmſtadt.
Direk=
tur Roeder, Darmſtadt, außerdem der Provinzialdirektor der
Pro=
nnz Starkenburg, Kreisdirektor Dr. Jann; der Kreiswart der
NS.=Gemeinſchaft „Kraft durch Freude”, Schreiner; und die
Ober=
hirgermeiſter der Städte Mainz, Worms. Ludwigshafen a. Rh.,
Frankfurt a. M. Hanau, Offenbach. Wiesbaden, Heidelberg und
Nannheim.
der Schluß der Garkenbau=Ausftellung
15. September 1935.
Die Darmſtädter ſind mit Recht ſtolz auf ihre Orangerie.
Tort werden aber nicht nur die zum Teil weit über zweihundert
Jahre alten, ſeinerzeit von Sardinien bezogenen Orangenbäume
als wertvolles Erbe vergangener Kulturabſchnitte gehegt,
ſon=
dern auch noch andere ſeltene wintergrüne Gewächſe betreut.
Be=
ſinders lenkt in dieſen Tagen ein etwa vier Meter hoher Baum
die Aufmerkſamkeit des Pflanzenfreundes auf ſich. Er hat, wie
ale die ehrwürdigen alten Kübelpflanzen, um die uns viele
Fremde beneiden, im Rahmen der Jubiläums=Gartenſchau
Ver=
nendung gefunden und iſt nach dem Betreten des
Blattgewächs=
gartens gleich linkerhand im dritten Kaſten zu finden und leicht
daran zu erkennen, daß der Fuß des 1.40 Meter hohen
elefanten=
grauen, glatten Stammes mit Tüchern umwickelt iſt. An den
Verzweigungen der manchmal geradezu ſpiralig gedrehten Aeſte
ſtzt liguſterblattförmiges Laub. Beſonders auffällig ſind eben
de zahlreichen Blütenſtände, die in unſerem Klima nur in
be=
unders heißen Sommern erſcheinen. So ſtand unſer Baum, der
den Namen Lagerſtroemia Indica leſitzt, 1911 in Blüte; auch
1921 ſoll er geblüht haben. Unſere Lagerſtroemia iſt zwar in
Oſt=
dien bis Nordoſt=Auſtralien zu Hauſe, wird aber in allen
wär=
neren Ländern bis ins Mittelmeergebiet und an den
oberitalie=
niſchen Seen im Freien als Zierpflanze gezogen. Sie wurde von
dem Botaniker Linné nach ſeinem Freunde Magnus v.
Lager=
ſröm, dem 1696 in Stockholm geborenen Direktor der Oſtindiſchen
Kompanie benannt. Wir beſitzen in unſerer einheimiſchen
Pflan=
znwelt eine nahe Verwandte die allerdings nie baumartige
ſorm annimmt, ſondern als 30 bis 200 Zentimeter=Staude
wäh=
tend des Sommers unſere naſſen Wieſen ſchmückt und ls
beſon=
dere Zierde am Rande von Gewäſſern auffällt. Es iſt der Blut=
Peiderich mit ſeinen langen Blütenſtänden aller purpurroter
Blüten, die in Form und Farbe auffallend den Lagerſtroemia=
Blüten ähnlich ſehen.
Da der Orangeriegarten von Montag, dem 16. September,
05 auf mehrere Wochen wegen gartentechniſcher Arbeiten
ge=
ſchloſſen bleiben muß, empfiehlt es ſich, die zwei letzten Tage noch
zur Beſichtigung zu benutzen.
Wochenſpielplan des Heſſiſchen Landesthegkers.
GROSSES HAUS.
Eröffnung der Spielzeit 1935/36.
14. Sept. Anfang 19.30 Uhr. Ende 22,00 Uhr. Hauptmiete B.
1 Vorſtellung. Erſtaufführung: Prinz von Preußen.
Schauſpiel von Hans Schwarz. Sonntag.
15. Sept. Anfang 18.00 Uhr. Ende 21.00 Uhr. Außer Miete.
Zu ermäßigten Preiſen: Die Tänzerin Fanny
Elßler. Operette von Johann Strauß. In Vorbereitung:
Gyges und ſein Ring.
Der Barbier von Bagdad KLEINES HAUS.
Sonntag.
15. Sept.
Anfang 18.00 Uhr, Ende nach 20,00 Uhr. Außer
Miete. Einmaliges Gaſtſpiel der Engliſh Players:
Richard of Bordeaux. A play by Gordon Daviot.
Heſſiſches Landestheater. Im Großen Haus des Heſſiſchen
Landestheaters findet heute abend als erſte Schauſpielvorſtellung
der neuen Spielzeit die Erſtaufführung des „Prinz von Preußen”
att. Dieſes Werk des jungen deutſchen Dichters Hans Schwarz,
der als Dramatiker zuerſt mit einem Schauſpiel „Rebell von
Eng=
land” im Vorjahr hervorgetreten, vorher aber als Herausgeber
der Werke Moeller van den Brucks ſehr bekannt geworden iſt,
wurde von Generalintendant Franz Everth und Max Fritzſche
am Heſſiſchen Landestheater inſzeniert. Die Titelrolle, den
Prin=
zen Louis Ferdinand von Preußen, der in der Schlacht bei
Saal=
ſeld als Führer der preußiſchen Vorhut den Heldentod erlitt,
wielt Jochen Poelzig. Neben ihm ſind in Hauptkollen die Damen
Schultze=Weſtrum und Trumpp, ſowie die Herren, Lohkamp,
Nemetz, Weſtermann und Xandry beſchäftigt. In der Aufführung
wird die Bühnenmuſik verwendet, die Marc Lothar nach
zeitge=
nöſſiſchen Motiven, vor allem Kompoſitionen des Prinzen Louis
Ferdinand ſelbſt, geſchrieben hat.
Die Vorſtellungen des Heſſiſchen Landestheaters morgen,
Sonntag, 15. September, beginnen im Hinblick auf die zu
erwar=
tende Reichstagsrede des Führers bereits um 18 Uhr. Im
Gro=
ßen Haus kommt dabei, wie der Spielplan vorſieht, die Operette
„Die Tänzerin Fanny Elßler” (als Vorſtellung zu ermäßigten
Preiſen), im Kleinen Haus, Richard of Bordeaux” als Gaſtſpiel
der Engliſh Players zur Aufführung. Die beiden Vorſtellungen
werden rechtzeitig vor Beginn der Rede des Führers beendet ſein.
Von der Rede ſelbſt findet eine Uebertragung in den
Zuſchauer=
taum des Großen Hauſes ſtatt, zu der alle Beſucher der
genann=
ten Abendvorſtellungen Zutritt haben. (Vergleiche auch die
Be=
kanntmachung des Landestheaters im Anzeigenteil unſerer
heu=
tigen Ausgabe.)
Vereins= und lokale Beranſtalkungen.
(Ohne Verantwortung der Schriftleitung.)
Alt=Darmſtadt fährt nicht am 15., ſondern am 29. d. M.
nach Oppenheim.
Kam. Vereinigung ehem. Heſſ. Garde=Drag. 23,
Hauptgruppe Darmſtadt. Die Kameraden, die am Stiftungsfeſt
der Leib=Dragoner Mainz teilnehmen, treffen ſich in dunklem
An=
zug und Mütze Sonntag, den 15. d. M., 13.45 Uhr, im
Haupt=
bahnhof. Fahrt wird vergütet.
Die ſetzte Woche
Hu, war das kalt zu Anfang dieſer Woche! Bis faſt auf
null Grad war das Queckſilber nachts plötzlich abgeſackt. Selbſt
der immer runder werdende Mond guckte ganz erſtaunt auf dieſen
lieblos=ſtörenden Einbruch der Kälte in unſere noch auf Moll
geſtellten Nachſommergefühle. Wie man ſo hört, waren dem
Queckſilberſturz entſprechend auch die Fernſprecher der
Kohlen=
händler am ſtärkſten beſetzt in dieſen Tagen. Na, ſchaden kann’s
ja nicht, wenn wir unſere Kohlen ſchon haben: brauchen wir ſie
jetzt nicht, brauchen wir ſie eben ein andermal. Allerdings: von
uns aus geſehen, kann das andermal” ruhig noch etwas auf ſich
warten laſſen. Und allem Anſchein nach ſoll uns von „höherer
Stelle” aus ja auch noch eine (hoffentlich nicht zu kurze) Friſt
gegeben werden. Ob das der Vollmond geſchafft hat oder wer
ſonſt immer, kann uns gleich bleiben; die Hauptſache iſt; wer hat,
der hat! Und ſo haben wir ſie denn jetzt, die mit Recht ſo
gerühm=
ten ſchönen Herbſttage und wer Zeit dazu hat, der ſoll ſie noch
tüchtig ausnützen. Ueber Mangel an Gelegenheit brauchen wir
Darmſtädter uns wahrhaftig nicht zu beſchweren. Ob mit Auto
oder Fahrrad, zu Fuß oder mit Kinderwagen: feierlich einladend
wartet unſer ſchöner Wald und hat für den, der ſie zu finden weiß,
noch die letzten ſchwarzglänzenden Brombeeren und die
duf=
tigen Pilze für manch ſchmackhaftes Eſſen. Drum noch einmal
tüchtig hinaus in Wald und Flur, wer weiß, wielange das
Wet=
ter . . . Aber nein, die Unke iſt ein garſtiges Tier (dieſe
wenig=
ſtens), und ſo wollen wir ſie lieber in Ruhe laſſen. Wir werden’s
ja ſchon ſehen und erleben.
Allerdings: was den rauhen Nächten und dem Winter
recht=
zeitig aus dem Weg gehen will, das iſt ſchon fort; die Käfer in
der Erde und die Zugvögel nach dem Süden. (Hoffentlich
ſind unſere Störche nicht gerade nach Abeſſinien geraden, denn
dort wird ihnen auch der Völkerbund nicht helfen können, und
wir brauchen ſie doch ſelbſt ſo nötig im Frühjahr.) Aber wenn
uns auch viele verlaſſen haben: unſere treue Schar vom
Lan=
destheater iſt wieder eingetroffen, und recht viele neue
Kräfte ſind ſogar dabei. Dieſe Neuen haben wir inzwiſchen
auf=
geſucht und ein bißchen nach „Nam und Art” ausgefragt, um ſie
unſeren Leſern vorſtellen zu können. Hoffentlich hat dieſe
Vor=
ſtellung recht viele Leſer aus nah und fern angeregt, ſich nun auch
die Vorſtellungen im Theater anzuſehen und die Vorgeſtellten in
ihrem beruflichen Wirken näher kennen zu lernen. Den Auftakt
hat Kapellmeiſter Friderich am Dienstag mit „Der fliegende
Holländer” gegeben. Er — dieſer Auftakt — war gut und läßt
weiterhin Schönes und künſtleriſch Wertvolles erhoffen. Heute
abend wird ſich das Schauſpiel mit der Erſtaufführung „Prinz
von Preußen” von Hans Schwarz vorſtellen. Und nun heran,
wer ſeine Miete noch nicht erneuert oder noch garnicht gewählt
hat; wir haben als Darmſtädter einen anerkannt guten Ruf als
Theaterſtadt zu wahren und hochzuhalten. Daß das geſchehen
kann, hängt viel davon ab, ob wir der Theaterleitung und den
Künſtlern durch regen und regelmäßigen Beſuch die nötige
Reſo=
nanz geben.
„Aus dem Privatleben eines Elefanten” oder „Frau Wirtin,
bitte noch ein Bier!”, könnte man die Beobachtung nennen, die
wir da mit dem ſtadtbekannten, immer wieder
verſchwindenmüſ=
ſenden Zauberelefanten Toto gemacht haben. Daß er
gern Bier trinkt, haben wir ja zu unſerem Ergötzen draußen im
Orpheum ſelbſt geſehen. Aber daß er, um dieſer männlichen
Lei=
denſchaft zu fröhnen, ſogar eine hieſige Wirtſchaft aufgeſucht hat,
dürfte doch den Wenigſten bekannt ſein. Und doch iſt es ſo. Hatte
ihn da eines Tages eine Wirtin in der Alexanderſtraße auf
ſei=
nem Weg zum Marſtall ein ſchönes Glas ſchäumendes Bier
angeboten. Toto hatte dankend akzeptiert und ſich wohlweißlich
dieſes elefantenfreundliche Lokal gemerkt. Als er am nächſten
Tage wieder vorbeikam, trompetete er vernehmlich, zog alle vier
Bremſen und veranlaßte ſeinen Wärter, dieſes Bremſen zu
reſpek=
tieren. Was auch geſchah. Und was dem feuchtfröhlichen Jumbo
wieder ein Glas Bier einbrachte. Nun aber dachte der ſchlaue
Toto wohl, daß da drinnen hinter der Tür doch ſicherlich noch
mehr von dem guten Stoff zu haben ſein müſſe, und kurz
ent=
ſchloſſen bog er daher am folgenden Tag vom Tugendpfad der
Alexanderſtraße ab, ſchwenkte auf den Eingang des Lokals zu und
begehrte Einlaß. Das wäre alles ſchön und gut geweſen und das
Wirtslokal hätte damit beſtimmt einen nicht alltäglichen Gaſt
gehabt; aber nun zeigte ſich, daß die Tür unbegreiflicherweiſe
garnicht für Elefanten gebaut war. Für ſolchen Wirtshausgänger
mußte man alſo ſchon das große Tor öffnen, und dort hielt er
denn auch ſeinen viel belachten Einzug, genehmigte ſich ſeinen
Schoppen im Hof, bedankte ſich höflichſt und zog, als müßte das
ſo ſein, mit ſeiner ewig gleichen Ruhe und Gemütlichkeit
ab. Nun kann man nur geſpannt ſein, ob er ſich, wenn er
wie=
der mal nach Darmſtadt kommt, noch an dieſes Lokal erinnert.
Zuzutrauen wäre ihm das bei ſeiner Klugheit wohl.
Ausſtellungen zu Beginn und Ausſtellungen zu Ende
der Woche. Wenn das ſo weiter geht, werden wir Darmſtädter
und was ſo um uns herum wohnt, noch „gebüldet” und gelehrt
und künſtleriſch=blumig kultiviert, daß wir der deutſchen „
Metro=
pole der Intellijenz” noch erfolgreichſt Konkurrenz machen.
Hof=
fen wir, daß man auch ganz oben das endlich bemerkt und uns
einen Ehrennamen oder Ehren=Stadt=Titel verleiht. Wir
erlau=
ben uns beſcheiden anregend vorzuſchlagen etwa Stadt der Kultur
oder Stadt der Leibesühungen oder mehr noch, Hauptſtadt
des Segelfluges. Denn das laſſen wir uns nicht nehmen,
die Geburtsſtadt des Segelfluges iſt Darmſtadt. Und wenn wir
jetzt täglich leſen von einſtmals ungeahnten, ja ſelbſt von den
Kühnſten nicht gehofften Erfolgen eines Heini Dittmar oder einer
Hanna Reitſch, oder wie die berühmten Namen alle heißen, dann
wollen wir uns gern und mit Stolz daran erinnern, daß es
Darmſtädter Gymnaſiaſten waren. Darmſtädter Studenten, die
zuerſt den Gedanken faßten, zu fliegen ohne Motor, den eine
wahnſinnig gewordene eingebildete „Sieger=Entente” uns glaubte
verbieten zu können. Und daß die erſten Weltrekorde — wenn es
auch nur einige 80 Meter und einige Sekunden waren — im
Fliegen ohne motoriſche Kraft eben von dieſen Darmſtädter
Gym=
naſiaſten aufgeſtellt wurden, die ja ſchließlich auch — das wollen
wir am wenigſten vergeſſen — die erſten Opfer bringen
muß=
ten als Pioniere des Segelfluges. Und Heini Dittmar
reklamieren wir beſonders für Darmſtadt. Wer etwas von
die=
ſem ſeltenen. Jungen” erfahren will, was er noch nicht weiß, oder
von ſeinen Erfolgen, von ſeiner vorbildlichen Beſcheidenheit und
Kameradſchaft, der leſe das nette Buch „Ein Junge — drei
Weltrekorde”, das P. C. Doernfeldt ihm ſchrieb. —
Aber ich wollte ja zunächſt noch von unſeren Ausſtellungen
berichten: Da haben wir am Sonntag zum Abſchluß der
Garten=
bau=Jubiläumsſchau noch die Deutſche Dahlienſchau
er=
öffnet. Das war vielleicht eine Farbenpracht im Prinz=Emils=
Garten. Sie übertraf alle Erwartungen. Wirklich ein
glänzen=
des Zeugnis für deutſchen Gärtnerfleiß und deutſche Blumen=
Zucht=Kunſt. Ein Traum und ein Märchen von Farbenpracht
und ſtrahlender Schönheit auch in der tauſendfältig variierenden
Form der herrlichen Blüten. Die wenn noch duften würden!!
Was übrigens unſerem berichterſtattenden Fräulein entgangen
iſt, die Eröffnung der Dahlienſchau erhielt noch einen beſonderen
Reiz durch die Mitwirkung des „Sphären=Muſikers” Jörg
Mager. Vom Prinz=Emils=Schlößchen iſt ja der Name dieſes
genialen Erfinders nicht mehr zu trennen. Ein Leſer teilt mir
mit, daß Jörg Mager die Eröffnung mit Muſikklängen auf
ſeinem Partiturophon” einleitete, „dieſem ſeltſamen Inſtrument,
das vielleicht berufen iſt, das ganze Muſikweſen auf eine andere
Baſis zu ſetzen. — Im Vordergrunde wohlgepflegte Grasflächen
mit uralten Bäumen, terraſſenförmig anſteigend, breiten ſich im
blühendſten Farbenſchmuck ſtehende Dahlienbeete aus
abgeſchloſ=
ſen durch das im ſtrahlenden Weiß ſtehende Prinz=Emil=
Schlöß=
chen. Die breiten Flügeltüren ſtehen weit offen, und aus ihnen
quollen Töne und Harmonien, die die kundigen Hände des raſtlos
ſchaffenden Magiers Jörg Mager hervorzauberten. Wer einmal
dieſer Muſik gelauſcht hat, wird den Zauber nie vergeſſen.”
Dann die Opelſonderſchau, die ja mehr eine private
Ange=
legenheit dieſer Firma iſt, die aber ſehr ſtarkes Intereſſe fand und
heute die neue große Volk= und Wirtſchafts=Ausſtellung,
von der an anderer Stelle heute und morgen ausführlich zu leſen
iſt. Von ihrer Bedeutung und Eigenart habe ich an dieſer Stelle
ſchon geſprochen. Sie iſt wirklich intereſſant und lehrreich, und was
für uns beſonders wichtig ſie wird im ganzen rhein=mainiſchen
Wirtſchaftsgebiet nur in Darmſtadt gezeigt, worauf beſonders
unſere auswärtigen Leſer hingewieſen ſeien.
Um übrigens noch einmal auf die kalten Nächte der Woche
zurückzukommen: Aus der Gegend von und um Mainz wurde
ge=
meldet, daß man am Montag in Gärtnereien am Rhein ſchon
Eisbildungen feſtgeſtellt habe. Daran glaube ich offen
ge=
ſtanden nicht. Aber ich weiß, daß man auf dem Heimweg von
Winzer= und Weinfeſten in der Frühe eines Montags ſo manches
ſieht, was eigentlich nicht da iſt. Meiſtens ſind’s ja weiße Mäuſe,
aber warum ſollen es nicht auch mal Eisbildungen ſein. Die
letz=
ten Wirkungen des guten 1934ers ſind ja noch nicht reſtlos erprobt
und feſtgeſtellt. — Ich weiß das wie geſagt. Aber aus
Erfahrun=
gen, die lange zurückliegen. — Ach ja!! — Heute brauch man mich
nicht zu beneiden, wie Freunde es taten, wenn der Beruf mich
zum Bergſträßer Winzerfeſt nach Bensheim beordert. Wenn man
berichten muß und dazu noch den Heimweg am Steuer ſitzen muß,
muß man verflucht vorſichtig ſein mit dem 34er Bergſträßer, der
ſo wundervoll mild gold=ölig über die Zunge durch die Kehle
rinnt. Man darf gerade ſo einmal koſten und muß das Genießen
und Zechen leider den anderen überlaſſen. Es iſt eine verdammt
heikle Angelegenheit mit der bei etwaigem Zuſammenſtoß
drohen=
den „Blutprobe‟. Wer kann wiſſen, wieviel Prozent Alkohol etwa
noch aus Tagen der ſchönen Jugendzeit her im Blut
zurückgeblie=
ben ſind! — Anſonſten aber war es ſchön in Benſem, und der
Aus=
klang heute und morgen wird dem Beginn nicht nachſtehen.
Außerdem gab es in der Woche eine Anzahl
Wieder=
ſehensfeiern. Die 4. Kompagnie unſerer 115er traf ſich in
Darmſtadt, und die ehemaligen Kriegsgefangenen kamen in Groß=
Umſtadt zuſammen. Es iſt ſchon etwas Großes um Kameradſchaft,
die im Stahlgewitter des Krieges geſchloſſen oder im
gemein=
ſamen Ertragen des Leidens hinter Stacheldraht. Ich möchte die
letzteren noch einmal auf das herrliche Buch von Kröger „Das
vergeſſene Dorf” hinweiſen. Es iſt eines der beſten und ſtärkſten
Bücher der Weltkriegsgeſchichte und ein Denkmal der
Kamerad=
ſchaft, wie es ein zweites nicht gibt.
Eine Erfahrung eigener Art mußten zahlreiche Darmſtädter
letzten Sonntag machen, die der Einladung der
Reichsbahndirek=
tion Mainz zu einer Fahrt ins Blaue folgten. Sie wurden
nach einigen Umwegen nach — Darmſtadt gefahren. Das gab
zwar zuerſt etwas Enttäuſchung, dann aber doch allgemein
lächelnde Befriedigung. Es iſt ja doch ſo, daß man manchem
Darm=
ſtädter die Schönheiten und Sehenswürdigkeiten ſeiner Vaterſtadt
erſt zwangsweiſe zeigen muß. Täglich geht er ſonſt achtlos an
ihnen vorüber.
Maximilian.
Evangeliſcher Sängerbund Darmſtadk.
Auf das am morgigen Sonntag. 15. September in unſerer
Stadt tagende Kreistreffen des Evangeliſchen Sängerbunds
werden alle Freunde chriſtlicher Muſik herzlich eingeladen. Das
Kreistreffen beginnt mit einer öffentlichen
Kundge=
bung vormittags 11.30 Uhr, auf dem Paradeplatz, wo
über 300 Sänger aus den verſchiedenſten Chören der Umgebung
ihre Lieder der Oeffentlichkeit zu Gehör bringen werden. Der
Poſaunenchor der Stadtmiſſion wird hierbei mitwirken. Die
Lei=
tung liegt in Händen des Bundeswartes Hennes aus
Elber=
feld. Die öffentliche Kundgebung iſt mit einer bibliſchen
An=
ſprache verbunden.
Am Sonntagnachmittag, um 3.00 Uhr, wird in der
Stadt=
kirche, das eigentliche Kreisgeſangsfeſt gehalten
Hier=
bei werden Männer=, Frauen= und gemiſchte Chöre zum Vortrag
kommen. Feſtanſprache von Herrn Pfarrer Stein=Frankfurt
a. M., Soliſtin Frl. Arnold=Uelversheim. Programme zum
Preiſe von 30 Pfg. ſind außer am Kircheingang zu haben in der
Buchhandlung der Stadtmiſſion, Mühlſtraße 24. Der Eintritt iſt
frei für jedermann.
Billiger Sonderzug nach München und Oberbayern.
Nach München. Berchtesgaden und Oberbayern fährt zum
Schluß der diesjährigen Reiſezeit die Reichsbahndirektion Mainz
ihren beliebten um 60 Prozent ermäßigten Verwaltungsſonderzug.
Der Hauptzug fährt am 28. September nach München und am
30. September weiter nach Berchtesgaden. Jeder kann 8 Tage
nach eigenem Geſchmack reiſen, ſo lautet die Parole. Und in der
Tat: Wer München kennt und nicht zu dem Oktoberfeſt nach
Mün=
chen will, der kann ſofort am Tage der Ankunft mit verbilligter
Fahrkarte weiter ins Gebirge fahren. Bad Tölz, Herrſching am
Ammerſee. Prien am Chiemſee, Oberau mit Ettal und Linderhof,
Kochel, Traunſtein, Brannenburg, Schlierſee, Bayriſch Zell,
Gar=
miſch=Partenkirchen Mittenwald und Murnau ſind die
End=
punkte der Strecken, auf denen der Reiſeteilnehmer frei wählen
kann.
Und billig ſind jetzt im Herbſt die Preiſe für Unterkunft und
Verpflegung. Ueber alles Wiſſenswerte unterrichtet neben den auf
allen Bahnhöfen ausgehängten Plakaten ein ausführliches von
der Reichsbahndirektion Mainz herausgegebenes Programm, das
in den nächſten Tagen bei den Fahrkartenausgaben und MER.=
Büros koſtenlos zu erhalten iſt. Wer ſich alſo gut und billig
er=
holen will, der fährt mit dem Bayriſchen Sonderzug der
Reichs=
bahndirektion Mainz vom 28. September bis 5. Oktober in die
Ferne.
Pfarramt II der evangeliſchen Martinsgemeinde=Weſt.
Wegen Erkrankung Herrn Pfarrers Dr. Bergér muß die auf
Montag, 16. Sept, abends 8 Uhr, im Gemeindehaus,
Liebfrauen=
ſtraße 6, anberaumte Gemeindeverſammlung bis auf
weiteres verſchoben werden.
Um ein gefundes und ſtarkes Deutſchland zu ſchaffen.
muf uiere 7ugend gef erdenl.
Herrn Jakob Keßler, Pallaswieſenſtraße 90, zu ſeinem
40jährigen Arbeitsjubiläum.
Dem Buchhalter Peter Hofmann in Pfungſtadt zu
ſeinem 25jährigen Dienſtjubiläum bei der Firma Eiſenwerk
Eber=
ſtadt Adolf Rieſterer.
9
Besüthen Me TondiieliSoerle
die große Schau in der Städtischen Festhalle vom 14. September bis 13. Oktober 1935
Fünfzehn Gruppen: u. a. Nahrung, Kleidung, Wohnung, Haushalt,
Rohstoffwirtschaft, Wirtschaftsentwicklung o Geöffnet von 9 bis 19 Uhr
Eintritt
30 Pfg.
Kinder und Organisationen
Ermäßigung
819
Seite 6 — Nr. 253
Das die Sichipielheger bringen.
Union=Theater: „Die ſpaniſche Tänzerin”.
Nach dem Roman „La Femme et le Pantin” von Pierre
Louys, bearbeitet von John Dos Paſſos iſt dieſer Film
ent=
ſtanden, deſſen vielgeſtaltene und reich bewegte Handlung durch
die Regie Joſef von Sternbergs in einer Fülle von
feſſeln=
den und intereſſanten Bildfolgen eine ganz eigene Note bekam.
Drehbuchdichter, Regiſſeur, Photograph und Komponiſt und eine
ganze Reihe von Künſtlern und charakteriſtiſchen Typen haben
da=
ran gearbeitet, Marlene Dietrich in den Mittelpunkt dieſes Films
zu ſtellen. So in den Mittelpunkt, daß der Anſchein erweckt wird,
als ſei der Film nur geſchaffen worden, um dem Vamp Marlene
Dietrich Gelegenheit zur reſtloſen Entfaltung aller ihrer
darſtel=
leriſchen Eigenſchaften und Möglichkeiten zu geben. Sie iſt eine
Schlange und eine Taube. Sie iſt ein Eisblock und von großem
ſüdlichen Temperament. Sie hat einen Augenaufſchlag, der es
be=
greiflich erſcheinen läßt, daß Gouverneure und ſonſtige Größen ſich
ihretwegen duellieren. Sie hat eine Art zu küſſen, zu tanzen, ihre
Chanſons zu ſingen, (wer erinnert ſich nicht an ihr „Ich bin von
Kopf bis Fuß auf Liebe eingeſtellt”), daß man auch verſtehen kann,
wenn Heißblütige ſich ihretwegen ruinieren. Schließlich aber
macht Marlene Dietrich es auch glaubhaft, daß ſie wirklich nur
einen lieben kann, nachdem ſie den letzten Liebhaber, der den
Einen und Wirklichen beinahe erſchoß über die Grenze
abge=
ſchoben. — Sicher, man kann von dieſem ſpaniſchen Film, der
anglo=amerikaniſch geſprochen und deutſch überſetzt wird, halten
was man will. die Schauſpielkunſt der Marlene Dietrich bleibt
bewundernswert. Bewundernswert iſt ihre Art die
unglaublich=
ſten und gewagteſten Koſtüme zu tragen und in jeder Bewegung,
in jeder Geſte, in jedem Lächeln und in jedem Weinen und in
jedem Augenaufſchlag eine neue Saite ihrer Gefühlsſkala
anzu=
ſchlagen. Außerdem feſſelt an dieſem Film die unglaubliche Fülle
der Bildſzenen, wechſelnd zwiſchen verſchwenderiſchem, bunteſt
be=
wegtem Karnevaltreiben und moraliſcher Bürgerlichkeit, wechſelnd
zwiſchen Salon und Vorſtadtvarieté, zwiſchen düſteren und un=
Marlene Dietrich und Edward Everett Horton
in einer Szene des neuen Paramount-Films
„Die spanische Tänzerin”.
heimlichen Kneipen und herrlichen Landſchaftsbildern, kurz, die
ganze vielſeitige Milieuzeichnung. Das einzig unwahrſcheinliche
bleibt zum Schluß der ſpaniſch=franzöſiſche Expreßzug, der etwa
dem Odenwälder Lieschen gleicht. — Auf jeden Fall ein
intereſ=
ſanter Film, in dem Lionel Atwill und Ceſar Romero die
beiden Bevorzugten der Tänzerin Concha, eben der Marlene
Diet=
rich ſind, während einige andere zu mehr komiſchen Rollen
ver=
urteilt bleiben. Eine echt amerikaniſch=ſpaniſche Angelegenheit.
Die Wochenſchau bringt eine Reihe neuer Bilder aus
jüng=
ſtem Weltgeſchehen, das Beiprogramm einen überwältigend
komi=
ſchen Zeichentrickfilm und einen ſehr ſchönen Kulturfilm, der einen
Einblick in die komplizierte Gewinnung des Kaffees von der
Pflanzung bis zur fertigen Verarbeitung in einer ganz modernen
Fabrik in Hamburg zeigt.
AN
— Das Union=Theater zeigt den neuen Marlene=Dietrich=
Großfilm „Die ſpaniſche Tänzerin”
— Die Helia=Lichtſpiele bringen ſechs bekannte Komiker in
einem Film „Der Himmel auf Erden” mit Hans Moſer,
Herm. Thimig, H. Rühmann, Theo Lingen, Lizzi Holzſchuh, Adele
Sandrock. Jugendliche ſind zugelaſſen.
— Die Palaſt=Lichtſpiele bringen Brigitte Helm und R.
For=
ſter in „Die Gräfin von Monte Chriſto”. Ferner:
Lucie Engliſch und M. Wiemann.
— Belida zeigt nur drei Tage: Anni Ondra in „Frl.
Hoff=
manns Erzählungen”.
— Reſi=Theater zeigt heute letztmalig in Neuaufführung den
herrlichen Großfilm „Maskerade” mit Paula Weſſely. Adolf
Wohl=
brück, Olga Tſchechowa.
NS. Gemeinſchaft „Kraft durch Freude‟.
Achtung! Theatermieten! Verfolgen Sie die
Bekanntmachun=
gen an dieſer Stelle ab morgen!
Führungen. Wir weiſen wieder auf die beiden Führungen
am Sonntag, den 15. September hin. 10 Uhr: Beſuch der
Kunſt=
ſchau „Deutſche Meiſter”, Eintritt 25 Pfg., Erwerbsloſe 10 Pfg.
Treffpunkt 9.45 Uhr Mathildenhöhe. — 11 Uhr: Beſuch des
Por=
zellanmuſeums. Eintritt 30 Pfg. Treffpunkt 10.45 Uhr
Schloß=
gartenplatz.
Ausſtellung „Volk und Wirtſchaft‟. Die koſtenloſe Führung
für die Orts= und direkt unterſtellten Betriebswarte findet am
Sonntag vormittag 10.30 Uhr ſtatt. Treffpunkt: 10.20 Uhr vor
der Feſthalle.
Sportkurſe K.d.F. — Heute, Samstag, findet ſtatt:
Tennis. Ort: Hochſchul=Stadion. Zeit: 14.30—16 Uhr.
Ver=
ſäumte bzw. ausgefallene Stunden können Samstag von 16 bis
17.30 Uhr auf dem Hochſchul=Stadion nachgeholt werden.
Treibt im Winter Tennisſport in der Halle. Meldet Euch
recht=
zeitig zu den Hallen=Tenniskurſen der NSG. „Kraft durch Freude‟.
Sonntagsdienſt und Nachtdienſt in den Apotheken Darmſtadts am
15. Sept. Es verſehen den Sonntagsdienſt und in der daran ſich
an=
ſchließenden Woche den Nachtdienſt: Apotheke am Juſtizpalaſt,
Bismarckſtraße 9 Einhornapotheke, Kirchſtraße 10½ Der
Nachtdienſt wechſelt am Samstag abend, ſo daß die Apotheke,
welche den Sonntagsdienſt hat, ſchon in der vorhergehenden Nacht
den Nachtdienſt verſieht.
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Samstag, 14. September 1935 5
VO J.=Ausſtellung „Volk und Wirtſchaft”
Die Ausſtellung in der Feſthalle ein Spiegel des käglichen Lebens. — Die Zuſammenhänge der Volks= und ihre Einwirkungen auf die Gemeinſchaft.
** Heute wird in der Feſthalle die Ausſtellung „Volk und
Wirtſchaft” eröffnet, die vom Verein deutſcher Ingenieure,
der Landesſtelle Heſſen=Naſſau, des Reichsminiſteriums für
Volks=
aufklärung und Propaganda und der Stadt Darmſtadt
veran=
ſtaltet wird. Die Ausſtellung, die bewußt eine rechniſche
Lehr=
ſchau darſtellt, vermittelt dank ihrer klaren und anſchaulichen
Aufbauform, einen Einblick in die wirtſchaftlichen
Zuſammen=
hänge, der jedem einzelnen Beſchauer zur wertvollen
Bereiche=
rung ſeines Wiſſens dient Die Ausſtellung „Volk und
Wirt=
ſchaft”, die übrigens im Rhein=Main=Gebiet nur in Darmſtadt
gezeigt wird, hat in den Städten, in der ſie bereits zur Schau
ſtand — in Berlin, Breslau und Zwickau — lebhafte Beachtung
hervorgerufen. Auch in Darmſtadt iſt ein ſtarker Beſuch zu
er=
warten, ja es iſt zu hoffen, daß ſich jeder denkende Volksgenoſſe
in ſeinem eigenen Intereſſe dieſe Ausſtellung anſieht.
Bereits geſtern war der Preſſe Gelegenheit zu einer
Vor=
beſichtigung gegeben. Verkehrsdirektor Hanns Fiſcher wies in
ſeiner Begrüßung darauf hin, daß dieſe ausgeſprochene Lehrſchau
dem Beſchauer die Bindungen zwiſchen Volk und Wirtſchaft vor
Augen führen wolle. Alle amtlichen Stellen unterſtreichen
nach=
drücklich den Wert dieſer Ausſtellung. Pg. Fiſcher übermittelte
die Grüße des Herrn Oberbürgermeiſters und Kreisleiters
Wam=
boldt, der in ſeinem Vorwort zum Ausſtellungsführer u. a. ſagt:
„Die Zuſammenhänge der Volkswirtſchaft und ihre
Einwirkun=
gen auf die Gemeinſchaft zu erkennen, iſt heute nicht mehr
Son=
derrecht einer Volksſchicht, ſondern muß das Ziel aller
Volks=
genoſſen ſein. Die Ausſtellung Volk und Wirtſchaft” iſt derart
überſichtlich und leicht verſtändlich, daß jeder reiche Anregungen
mit nach Hauſe nehmen wird. Alle verantwortungsbewußten
Volksgenoſſen werden daher die Lehrausſtellung beſuchen und ſich
dadurch die Wiſſensgrundlage ſchaffen, die für das Verſtehen
wirtſchaftlicher Maßnahmen und Zuſammenhänge erforderlich iſt.”
Dipl.=Ing. Biberger, erläuterte darauf bei einer
Führung durch die Ausſtellung
die 10 einzelnen Gruppen, deren Inhalt in großen Zügen
folgen=
der iſt:
Die Erde mit ihren Schätzen und der Menſch
iſt die erſte Gruppe, in welcher die Lehrausſtellung die
Grund=
lagen der Wirtſchaft überhaupt zeigt. Vor allem wird das
Mine=
ralreich, das Pflanzen= und Tierreich — aus denen der Menſch
die Stoffe nimmt, die er zur Befriedigung ſeiner Bedürfniſſe
benötigt — dargeſtellt und die Natur als Hilfsquelle der
Wirt=
ſchaft vorgezeigt. Weiter wird gezeigt die Landwirtſchaft als
Le=
bensraum des Menſchen. — Die geopolitiſchen Geſichtspunkte
werden u. a. durch Darſtellungen über die Kennzeichen der
Kon=
tinente, Kennzeichen Europas und Kennzeichens Deutſchlands
klargelegt. Hierbei iſt bemerkenswert, daß Deutſchland ein
Tau=
ſendſtel der geſamten Erdoberfläche, aber 1zo der Landoberfläche
und ſy der Bevölkerung der Erde innehat.
Die Entwicklung des Wirtſchaftslebens
— die nächſtfolgende Gruppe — gibt in ſymbolhaften
Darſtellun=
gen einen chronologiſchen Ueberblick vom Beginn des
Wirtſchaf=
tens bis zur heutigen arbeitsteiligen Wirtſchaft. Es iſt zu
er=
kennen, wie Geiſt und Bewußtſein mit Notwendigkeit das
Phä=
nomen der Wirtſchaft hervorgerufen haben und Technik und
Wirtſchaft am Anfang gleichſam eins waren. Immer mehr
wer=
den Verfahren zur Verbeſſerung der Lebenslage erſonnen.
Wenn aufgebaut wird und neuen Grundſätzen zum Leben
ver=
holfen werden ſoll, die die Volkswirtſchaft beherrſchen müſſen, ſo
iſt die Kenntnis von den zuletzt verfloſſenen Zeitaltern
Voraus=
ſetzung. Die Ausſtellung zeigt deshalb nicht nur wie es iſt, ſondern
auch wie es war.
Ein Blick in den Wirtſchaftszuſtand in Deutſchland um 1800,
dem Zeitpunkt vor Verbreitung der Dampfmaſchine, der
Elektri=
zität als Kraftuelle — einer Zeit alſo, die noch beſonders
gekenn=
zeichnet iſt durch die muskelgebundene Wirtſchaft — gibt
Auf=
ſchlüſſe, die zum Verſtändnis der heutigen volkwirtſchaftlichen
Vor=
gänge weſentlich beitragen.
Die wichtigſten Fortſchritte in der Naturwiſſenſchaft
und Technik
ſeit 1800 iſt die direkt angegliederte Gruppe; denn „nur aus
Ver=
gangenem und Gegenwärtigem zugleich” baut ſich die Zukunft auf.
Die ungeheuren Fortſchritte und die wohltätige Auswirkung des
auf dem Gebiet der Naturwiſſenſchaft und Technik Erzielten —
ſei es in der Landbewirtſchaftung, der Geſundheitspflege oder der
Energieausnutzung uſw. — werden erläutert.
Ein Ehrenraum mit den Plaſtiken unſerer Größten gibt zu
Stolz und Erhebung des Beſchauers einen Ueberblick über die
ge=
waltigen Schöpfungen und Errungenſchaften, die entſprungen ſind
aus deutſcher Energie und Tatkraft, Gedankentiefe und
Gründlich=
keit, Beharrlichkeit und Fleiß.
Das deutſche Volk von heute
bezeichnet ſich die Gruppe, welche die „Allgemeine Einführung” in
die volkswirtſchaftlichen Vorgänge mit einer Ueberſicht über die
Struktur unſeres Volkes beſchließt.
In weiterem Sinne iſt dies die Gruppe, die den Schlüſſel
dar=
ſtellt zu der folgenden zweiten Hauptabteilung.
Der Menſch und ſein Bedarf.
Wirtſchaften heißt nicht nur Geldbewegung und
Geldver=
dienen, ſondern vor allem Einſatz der nationalen Kräfte zur
Dek=
kung des nationalen Bedarfs. Die Wirtſchaft hat ihren Urſprung
in der Bedürfnisdeckung. Und unter den Bedürfniſſen ſind die
wichtigſten die drei Urbedürfniſſe: Nahrung, Kleidung und
Woh=
nung. Um dieſe Bedürfnisdeckung baut ſich der im Laufe der
Jahr=
hunderte immer komplizierter werdende Wirtſchaftsapparat auf.
So vermittelt die Ausſtellung die Einſicht in die
Notwendig=
keiten, denen die nationale Regierung genügen muß, um die
Grundbedürfniſſe der Volksgenoſſen an
Nahrung, Kleidung und Wohnung
zu befriedigen. Die körperliche und geiſtige Ausbildung ſind den
wichtigſten Bedürfniſſen zuzuzählen, da nur der ertüchtigte und
geſunde Körper und Geiſt zur hervorragenden Erhöhung der
Lei=
ſtung eines Volkes beitragen.
Das Wachſen der Bedürfniſſe — ſoweit ſie dem Menſchen zu
ſeiner körperlichen und geiſtigen Vervollkommnung dienen — iſt ein
auch in volkswirtſchaftlicher Hinſicht wirkungsvoller Faktor. Wie
ſegensreich eine vernünftige Erhöhung der Bedürfniſſe ſich auf
die Geſamtwirtſchaft auswirkt zeigen die Beiſpiele von
Bedürf=
nisſteigerung an Hand der Ernährung, der Kleidung, der
Woh=
nung, der Uhr, des Rundfunks, des Autos uſw.
Die Lehrausſtellung gibt weiter einen Ueberblick über die wii,
tigſten Rohſtoffe zur
Güterherſtellung,
ſowie über den Verbrauch und die Eigengewinnung. Klar führrn
dieſe Darſtellungen die landwirtſchaftliche und induſtrielle E.
zeugung in ihrer Eigenart und ihrem Aufbau unter beſonder
Beziehung auf die nationale Rohſtoffwirtſchaft vor Augen und weitt
wie wichtig die Stärkung des Binnenmarktes und wie bedeutungs
voll ein geſundes Gleichgewicht zwiſchen Induſtrie und Landwii
ſchaft iſt.
In der Gruppe Handel und V=rkehr werden dem We
ſucher umfaſſende Erläuterungen, vor allem über die Einrichtum
gen, die für wirtſchaftliches Tun notwendig ſind — wie Gesd
Währung Kredit, Zoll, Buchführung, Bankweſen und dergleichen
vermittelt. Sie werden in ihren eigentlichen Zweckbeſtimmungot
aufgezeigt, und wo es zum beſſeren Verſtändnis beitrug, in hiſtü./
riſcher Entwicklung veranſchaulicht. Anſchließend daran wird das
Weſen und die Eigenart der für die Bewegung der Menſchen
Güter und Nachrichten zur Verfügung ſtehenden Einrichtunga.
vorgeführt.
Die beſondere Gruppe
Wirtſchaftlichkeit im Haushalt
trägt der Tatſache Rechnung, daß der Haushalt einen außerorde:
lich bedeutſamen wirtſchaftlichen Faktor darſtellt. In die
Gruppe werden Handhaben gegeben, um eine Verbeſſerung 29
Haushalts und eine Erleichterung und Verbilligung der Hau=/
haltsarbeit zu ermöglichen. Die Hausfrau erhält hierdurch we.
volle Anregungen und Fingerzeige.
Den Abſchluß und die Zuſammenfaſſung alles Vorhergehe=:
den findet die Lehrausſtellung in der letzten Gruppe:
„Nakionalſozialismus bauk auf!”
Es werden darin die volkswirtſchaftlichen Maßnahmen der
W=
gierung zur Neugeſtaltung und Stärkung der deutſchen Wirtſch (
vor Augen geführt. Eine Darſtellungsreihe „So war es”
fün=
über zu einer Darſtellungsſerie, die die wichtigſten Maßnahm
der nationalſozialiſtiſchen Regierung allgemein verſtändlich zeiit
und zwar: 1. Die Familie nordiſchen Blutes im Mittelpunkt 4/
Aufbauarbeit; 2. Die Bannung der Maſſenarbeitsloſigkeit du 4
die Regierung; 3. Die Bauernpolitik; 4. Die Förderung Lu
Eigenproduktion wichtiger Rohſtoffe: 5. Unterſtützung der mitt
ſtändiſchen Betriebe; 6. Geſetzesmaßnahmen zur Geſundung Qu
Gemeindewirtſchaft; „7. Politiſche Gleichſchaltung.
Der Ausſtellung angegliedert iſt eine Sonderſchau
d-
ſtädtiſchen Betriebe. Sie zeigt Gas= und Waſſergerä
für Küche und Haus. für Induſtrie und Handwerk. In der Mi.
brennt das Wahrzeichen der Städtiſchen Betriebe, der Gasvoge=
Intereſſant ſind Einzelheiten dieſer Schau. z. B. die Feſtſtellung
daß das Darmſtädter Waſſerwerk jährlich 33mal ſoviel Wafſ;
unser=
fördert, wie der Große Woog faßt. Die Einzelheiten dieſer Sch.!
wurden von Baurat Glöckler erläutert.
Die Führung durch die reiche Sonderſchau der He=4Unch
hatte Dipl.=Ing. Adams übernommen. — Hier werden elekt.i!
ſche Geräte aller Art für Induſtrie, Gewerbe, Landwirtſchaft w
Haushalt gezeigt. Zimmer= und Badeeinrichtungen führen prock
tiſch in die Verwendungsmöglichkeit der Elektrizität ein. Di
elektriſche Küche liefert Proben ihrer Erzeugung. Statiſtiken ud
anderes Anſchauungsmaterial gibt weitere wertvolle. Aufk
rungen.
Uan
Schließlich iſt der Ausſtellung noch die Sondergrup
derNS. Frauenſchaft. Abteilung Hauswirtſcha”” liſt de
Volkswirtſchaft (Hausfrauenbund und Alice=Eleonorel” laderten
ſchule und Städtiſche Haushaltungsſchule) angeſchloſſen. Es w.‟
den alle die Frau beſonders intereſſierenden Fragen auch n
Vorträgen, die während der Ausſtellung nachmittags gehalt=n
werden, berührt. Kurze Erläuterungen zu der Schau gab Frou/
Kloos — Kaffee= und Kuchenerfriſchungen können hier er
genommen werden.
Darmſtädter Firmen haben zur Ergänzung der Ausſtellu e
verſchiedene Gegenſtände zur Verfügung geſtellt. Es iſt zu hoffall
daß die wertvolle Lehrausſtellung „Volk und Wirtſchaft” 1e/
Beachtung weiteſter Kreiſe findet.
Aerztlicher Sonnkagsdienſt.
Bezirksteinteilung.
Bezirk 1: umgrenzt durch die Heinrichſtraße, Peter=Gemeindc
Straße, Zeughausſtraße, Alexanderſtraße und Dei
burger Straße.
Bezirk 2: nordweſtlicher Stadtteil, begrenzt durch Holzhofalle
Eſchollbrücker Straße, Heinrichſtraße, Peter=Gemen
der=Straße, Zeughausſtraße, Alexanderſtraße uu
Dieburger Straße.
Bezirk 3: Beſſungen, ſüdlich der Holzhofallee, Eſchollbrück)
Straße und Heinrichſtraße.
Der Sonntagsdienſt reicht von Samstag mittags 14 Uhr E
Sonntags nachts 24 Uhr.
Der Arzt ſoll am Wochenende nicht ohne dringenden Gruin
beanſprucht werden, denn er bedarf dieſer Freizeit zur Ruhe u.
Fortbildung, um die Leiſtungsfähigkeit in ſeinem Beruf zu ſtil
gern. Man verlange daher die Hilfe des Arztes nur in wi!
lichen Notfällen — zuerſt die Hilfe des Hausarztes —, nur
ſeiner Abweſenheit die Hilfe des Arztes vom Sonntagsdienſt.
Sonntagsdienſt hat am Sonntag, den 15. September 1935:
Bezirk 1: Dr. med. Jung. Ludwigsplatz 1, Telephon 4068
Bezirk 2: Dr. med. Riemenſchneider. Otto=Wolfskeil
Straße 32, Telephon 2955.
Bezirk 3: Dr. med. Dörr=Aſal, Heinrichſtr. 62, Telephon 348
Sonnkagsdienſt der Zahnärzke.
Auf Anordnung des Reichsverbandes der Zahnärzte Deutſh
lands wird ab 1. September 1935 der Sonntagsdienſt eingeführll
Der zahnärztliche Sonntagsdienſt beginnt Samstag
nachmitta=
um 18 Uhr und endigt Sonntag nachts um 24 Uhr. Die Zake
kranken ſollen jedoch in erſter Linie verſuchen, ihren Haus=Zaknl
arzt zu erreichen und erſt, wenn dieſer nicht da iſt, ſich an de
Zahnarzt des Sonntagsdienſtes zu wenden. Die Tätigkeit del
Sonntagsdienſtes verſteht ſich lediglich auf Schmerz=Beſeitigurs
Weitere Behandlung übernimmt ſpäterhin, der jeweilig behe)
delnde Arzt des Betreffenden.
Den zahnärztlichen Sonntagsdienſt verſieht am 15. Septemkel
Dr. Ettling, Wilhelm=Gläſſing=Str. 5, Tel. 3888.
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Samstag, 14. September 1935
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 253 — Seite 7
Wegweiſer durch die
Deutſche Dahlienſchau.
Gar mancher Beſucher der
Dahlien=
ſchau im Prinz=Emil=Garten überſieht
auf ſeinem Rundgang die Wegweiſer,
die zu der ausgedehnten Schau der
Schnittdahlien auf der
Nord=
ſtite des Gartens führen. Der
Rund=
gang beginnt gleich rechts hinter dem
Cingang von der Heidelbergerſtraße
aus. wo auf drei langgeſtreckten
Bee=
ten die Neuheiten ſtehen. Durch die
kleine Allee gelangt man dann
gerade=
aus zum Terraſſenhügel vor dem
Schlößchen, weiter unterhalb des
Hü=
gels zu dem Mignon=Dahlien=Rondell
inmitten der Raſenfläche. Von dort
führt der Weg über die Hauptallce
hinweg in nördlicher Richtung gegen
die Mauer an der Hermannſtraße, wo
die Schnittdahlien nicht mehr
über=
ſehen werden können. Unſer Plan
von der Geſamtſchau mag die Lage
noch näher veranſchaulichen.
Dahlienschau 1935
im FinzEmil-Garfen zu
Darmstadt
Radio=Fachkräfte geſucht.
Der Arbeitseinſatz der Angeſtellten im Auguſt gefeſtigt.
Die Stellenvermittlung der Deutſchen Arbeitsfront kann
auch im Monat Auguſt eine weitere Feſtigung des Arbeitseinſatzes
der Angeſtellten melden. Der Ausgang der Rundfunkausſtellung
bewirkte eine rege Nachfrage nach Fachkräften aus der Radio=
Induſtrie. Trotz des durch den Kündigungstermin im Auguſt
be=
dingten erhöhten Zuganges an neuen Bewerbern iſt der
Be=
werberbeſtand weiter zurückgegangen. Die Zahl der
Beſetzungs=
aufträge entſpricht dem Ergebnis des Vormonats. Das
Vermitt=
lungsergebnis ging dagegen, wie alljährlich, infolge der
Urlaubs=
zeit etwas zurück. Die Auslandsſtellenvermittlung vermittelte
einige erfahrene Export=Kaufleute mit guten Sprachkenntniſſen
nich Afrika und Braſilien. Die Vorbereitungen für die
Unter=
bringung der demnächſt ausſcheidenden Arbeitsdienſtkameraden
werden weiter gefördert.
In der Kaufmannsgehilfen=Vermittlung
wur=
den beſonders angefordert: Kontoriſten Buchhalter. Deutſche
Korreſpondenten, Expedienten und Verkäufer. Die Nachfrage
nach Reiſenden war etwas lebhafter, als in den Vormonaten.
An guten Verkäufern und Dekorateuren, beſonders für
Lebens=
mittel, Textilien und Drogen, iſt laufend ſtarker Bedarf. Leider
ſteht das gebotene Gehalt oft in keinem Verhältnis zu den
ge=
forderten Leiſtungen. Aufnahmefähig waren: Eiſeninduſtrie,
Baugewerbe und damit verbundene Zweige (Straßenbau.
Auto=
bahn), Maſchinenbau, Werften, Papier= und papierverarbeitende
Induſtrie, Kraftwagen= und Karoſſeriebau=Induſtrie, chemiſche
Induſtrie.
Die Behördenſtellenvermittlung hatte, beſonders
m Platz Berlin, Aufträge der Sozialverſicherungsträger
vorlie=
gen. Aufnahmefähig waren Gemeindeverwaltungen, Sparkaſſen.
die Partei und ihre Untergliederungen.
In der Land=, Forſt= und Milchwirtſchaft herrſchte
bei ſehr ſtarkem Mangel an jüngeren ledigen Molkerei=,
Gärtne=
rei=, Rechnungs= und Melkergehilfen und Milchkontrollangeſtellten.
nur wenig Nachfrage nach älteren und verheirateten Kräften.
Die Arbeitseinſatzmöglichkeit für Jäger und Förſter hat ſich etwas
gebeſſert. Verheiratete Gutsangeſtellte waren nach wie vor ſchwer
unterzubringen. Mangel beſteht dagegen an gut ausgebildeten
Geflügelzüchtern, Schäfer= und Schweinemeiſtern.
In der Techniker=Vermittlung wurden tüchtige
Konſtrukteure von der Maſchinen=, Automobil= und
Arbeits=
maſchinen=Induſtrie, als auch für Apparate, Inſtrumente und
Vor=
richtungen angefordert. Die Nachfrage nach Betriebstechnikern
war lebhaft. Der Mangel an geeigneten Fachkräften im Schiffs=
und Schiffsmaſchinenbau beſteht fort. Geſucht ſind nach wie vor
Vermeſſungstechniker aller Kategorien. Gute Einſatzmöglichkeiten
beſtanden im Hoch= und Tiefbau, insbeſondere für
Waſſerbautech=
niker, tüchtige Bauleiter mit Erfahrung im neuzeitlichen
Straßen=
bau, ſowie Diplom=Ingenieure für Kanal= und Brückenbau.
Gün=
ſtige Einſatzmöglichkeiten beſtanden für Elektro=Ingenieure.
Er=
heblicher Bedarf lag an tüchtigen techniſchen Zeichnern vor.
Bei den Werkmeiſtern beſtanden Einſatzmöglichkeiten für
tüchtige Kalkulatoren im Apparatebau und Vorrichtungsbau,
ſo=
wie in der Blechbearbeitung. Aufnahmefähig für Spezialkräfte
war die chemiſche und Glasinduſtrie, die Hütten= und Maſchinen=
Induſtrie, ſowie teilweiſe auch die Textil=Induſtrie. Im Bauweſen
wurden Maurerpoliere und Schachtmeiſter, die auf Großbauſtellen
im Waſſerbau gearbeitet haben, ſowie Beton= und Hochbau=
Poliere angefordert. Bedarf lag auch für Werkmeiſter für
Revi=
ſionen vor. Mangel beſtand an Steinmetzwerkmeiſtern für Granit,
ſowie Werkmeiſtern für ſchwere Hämmer.
In der Stellenvermittlung für ſeemänniſche
Ange=
ſtellte ging erfreulicher Weiſe die Zahl der ſtellenloſen
Bewer=
ber weiter zurück. Die für Landſtellungen umgeſchulten
Schiffs=
ingenieure konnten reſtlos eingeſetzt werden.
Bei den weiblichen kaufmänniſchen
Angeſtell=
ten hielt im ganzen Reich einheitlich der Bedarf an guten
Steno=
typiſtinnen — teilweiſe mit Sprachkenntniſſen — an. Ebenſo
wur=
den Schuh= und Putzverkäuferinnen, auch Direktricen aus der
Wäſchebranche, verlangt. Die Nachfrage nach Wirtinnen,
Haus=
haltspflegerinnen und Geflügelzüchterinnen konnte nicht befriedigt
werden. Für die Kindergärtnerinnen, auch ältere Kräfte, war die
Vermittlungstätigkeit gut. Staatliche Geſundheitsämter
verlang=
ten Volkspflegerinnen (Geſundheitsfürſorgerinnen).
Aus Heſſen.
Zum 7. Bergſträßer Winzerfeſt.
Am vergangenen Sonntag gab der Herr von Rodenſtein dem
Teſt ſein beſonderes Gepräge. Die Romantik längſt vergangener
Zeiten hatte ſeinen Einzug gehalten. Inzwiſchen ſind aber die
Bergſträßer und die vielen tauſend Beſucher wieder zur
Wirklich=
keit zurückverſetzt worden. Der köſtliche, edle und raſſige „
Berg=
ſträßer” hat das nötige dazu getan. Und zur Gegenwart gehört
auch unſere kleine Jugend. Dieſe ſoll am kommenden Sonntag zu
ihrem Recht gelangen. Alle Kinder, nicht nur der Bergſtraße
ſondern auch von weiterher, ſind aufgerufen, am großen Feſtzug
der Kinder teikzunehmen. Unter Anführung der beliebten
hiſtori=
ſchen Bürgerwehr wird ſich ein fröhlicher und jauchzender Zug
jungen Blutes durch die Straßen der Stadt Bensheim wälzen.
Alle werden mit leuchtenden Luftballons bewaffnet ſein, die dann
an einem beſtimmten Platz in die Luft gelaſſen werden. Der
Bal=
lon, der am weiteſten fliegt, wird mit einem Preis ausgezeichnet.
Dem glücklichen kleinen Gewinner winkt alſo ein ſehr wertvoller
Gegenſtand. Gleichzeitig werden von der Feſtleitung zur Werbung
für den Bergſträßer Wein fünf große Ballons von je zwei Meter
Höhe in die weite Welt geſchickt.
Während die Großen ſich dann im reizenden Winzerdorf auf
dem Marktplatz oder in einem der vielen Lokale der Stadt an dem
herrlichen 1934er laben dürfen, können ſich die Kleinen auf den
Karuſſells oder in den Schaubuden auf dem Vergnügungspark
er=
götzen.
Am kommenden Sonntag wird die Stadt Bensheim
an der weinſeligen Bergſtraße die Stadt der fröhlichen Kinder
ſein, Die jauchzende Jugend ſoll das ſchöne Feſt der Bergſtraße
be=
ſchließen.
Ak. Nieder=Ramſtadt. 13. Sept. Baulandumlegung in
der Gewann. In der Röde‟. Die ſeiner Zeit von den in Frage
kommenden Grundſtücksbeſitzern beantragte freiwillige
Bauland=
umlegung im Gewann „In der Röde” im Villenviertel Trautheim
gat nunmehr die Genehmigung der Landesregierung gefunden.
In aller Kürze kommen die Unterlagen, Pläne über die
Neuein=
teilung der Bauplätze uſw. zur Offenlage. Damit iſt nun wieder
ein weiteres Baugebiet baureif gemacht worden und die
Erfah=
rung hat gelehrt, daß dieſes Gebiet auch bereits ſchon eine Anzahl
Bauliebhaber gefunden hat. Einige Häuſer ſind bereits erſtellt
und im Laufe der nächſten Jahre werden wohl alle Bauplätze
ver=
kauft ſein. Die geringen, durch das Umlegungsverfahren
entſtehen=
den Koſten werden ſich gut bezahlt machen.
Dd. Traiſa, 13. Sept. Die ſpätſommerliche:
land=
wirtſchaftlichen Arbeiten, wie die Grummeternte und
das letzte Kleeheumachen, ſind durch das ſchöne Wetter der letzten
Tage faſt beendet. Der Ertrag war durch die Regenfälle der
vor=
ausgegangenen Wochen ſehr begünſtigt worden, ſo daß er als gut
zu bezeichnen iſt. Das Dreſchen des Getreides auf den
Bauern=
höfen iſt auch die Woche beendigt worden.
G. Ober=Ramſtadt, 13. Sept. Die Bezüge der Klein= und
Sozialrentner für Monat September kommen am Samstag, den
14. Sept., von 10—12 Uhr bei der Gemeindekaſſe zur Auszahlung.
Groß=Umſtadt, 13. Sept. Die Vorarbeiten für den
alt=
bekannten Umſtädter Markt (Pferde= Fohlen= und
Zucht=
viehſchau mit Prämiierung) am 21. Sept. ſind im vollen Gange.
Von den Veranſtaltungen ſind beſonders die Weinproben im
alt=
hiſtoriſchen Rathaus (nachmittags 3, 4,30 und 6 Uhr) zu nennen.
Die Groß=Umſtädter Winzerſchaft wird 2.) ausgeſuchte naturreine
Weine zur Probe ſtellen — vom Beſten das Beſte — die Zeugnis
ablegen werden von dem hohen Stand des Groß=Umſtädter
Wein=
baues. Dem Kenner und Genießer iſt anſchließend Gelegenheit
gegeben, im großen Weinzelt vor dem Rathaus die Koſtproben
weiter zu führen.
Fd. Spachbrücken, 13. Sept. Verſammlung der DAF.
Im Saale von Gg. Bernh. Schröder hielt die DAF. dieſer Tage
eine Verſammlung ab. Nach kurzer Begrüßung durch den
Orts=
walter Göckel ſprach der Kreiswalter zum erſten Male in unſerer
Gemeinde und fand eine dankbare Zuhörerſchaft. Kreiswalter Pg.
Kehl ſprach in längeren Ausführungen und für jedermann
ver=
ſtändlich über den organiſatoriſchen Aufbau der DAF., über
Pflichten und Rechte der in der DAF. zuſammengefaßten
Volks=
genoſſen ſowie über die NS.=Gemeinſchaft „Kraft durch Freude‟
Pe. Reichelsheim, 13. Sept. Das Kirchweihfeſt war
in=
folge des ſchonen Wetters gut beſucht von „Kerwebummlern” aus
der ganzen Umgegend. Trotzdem kamen die verſchiedenen
Verkaufs=
buden, ſowie Schießbude, Ringwerfer und Karuſſells nicht auf
ihre Rechnung, während die Gaſtwirte wieder einmal „gut”
ab=
ſchnitten. — Der Ferkelmarkt war faſt mit der doppelten
Zahl Tiere beſchickt, wie das vorletzte Mal. Ebenſo groß war aber
auch die Zahl der erſchienenen Käufer, ſo daß bei angemeſſenen
Preiſen ein guter Abſatz erzielt werden konnte. — Das
Poſt=
amt hatte auf Veranlaſſung der Gemeindevertretung während
der Sommermonate einen dreifachen Abgang der Poſtſachen
einge=
richtet und eine zweimalige Beſtellung vro Tag. Da der
Kur=
betrieb, der in dieſem Jahre wieder mit „genugend” bezeichnet
werden muß, ſeinem Ende entgegengeht, fällt ab 15. September
dieſe Vergünſtigung ſeitens des Poſtamtes wieder weg, was aber
die Geſchäftswelt und auch alle übrigen Einwohner ſehr bedauern,
denn in einem Ort mit 2000 Einwohnern wäre es geboten, die Poſt
zweimal am Tage zuzuſtellen. Vielleicht wäre es dem Poſtamt
doch möglich, die Beförderung und die Zuſtellung der Poſtſachen
ſo zu belaſſen, wie ſeither.
Aus dem Gerichtsſaal.
Aw. Bis in den Abend verhandelt die Große
Strafkam=
mer am Freitag gegen den früheren Landwirtſchaftsrat Dr.
Karl Sch. aus Dieburg Sch. hatte nach dem Tode ſeines
Schwieger=
vaters, der wie ſein Vater ſeit Jahrzehnten die Verwaltung der
v. F.ſchen Güter im Dieburger Kreis inne hatte, dieſe Verwaltung
im Jahre 1929 übernommen. Und zwar hatte er ſich verpflichtet,
dieſe Verwaltung vier Jahre lang umſonſt zu übernehmen, da ſein
Schwager vor Jahren, als er ebenfalls die Verwaltung zeitweiſe
inne hatte. Unterſchlagungen gemacht hatte und ſo noch eine
For=
derung an die Familie der Frau des Angeklagten beſtand. Die
derzeitige Beſitzerin der Güter war eine wirtſchaftlich vollkommen
unbewanderte über 60jährige Baroneſſe, deren Freundſchaft für
die Familie ſeiner Frau der Angeklagte in der ſchmählichſten
Weiſe ausnützte. Die Rückbuchung des Darlehens ſtellte der
Ange=
klugte Sch. unter Ausgaben ſtatt unter Einnahmen, ebenſo einen
anderen Betrag, den er dem Vermögen der Baroneſſe entnommen
hatte, ſo daß er dieſe geſamten Beträge nun doppelt erhielt.
Der Angeklagte hat heute die Dreiſtigkeit, zu behaupten, er —
als Landwirtſchaftsrat — verſtehe ſo wenig von Buchhaltung, daß
er die Beträge eben aus Verſehen auf die verkehrte Seite gebucht
habe. Seine perſönlichen Ausgaben, die recht beträchtlich waren,
trug der Angeklagte ohne weiteres in die F.ſchen Bücher ein. So
ließ er ſich einen Wintergarten für über 2000 RM. anbauen und
ſchenkte ſeiner Frau einen wertvollen Schmuck und als er 1933
entlaſſen wurde, machte er ſich keinerlei Skrupel daraus, die Raten
für ſein noch nicht fertigbezahltes Auto ebenfalls aus dem Fſchen
Vermögen zu begleichen. Dabei ſtand die Verwaltung
außer=
ordentlich ſchlecht. Das geſamte Barvermögen und Wertpapiere
war ſo gut wie verloren durch die Inflation, ſo daß ſtändia
Be=
ſitzungen verkauft werden mußten, um nur den Unterhalt der
Baroneſſe beſtreiten zu können. Als 1932 ein Verwandter der alten
Dame Verdacht ſchöpfte und ſich von ihr eine Einwilligung zur
Kontrolle der Bücher holte, verſtand es der Angeklagte mit ſeiner
Familie, die Dame wieder derartig zu umgarnen, daß ſie die
Er=
laubnis zur Kontrolle zurückzog und ihm ſogar eine Urkunde
unterſchrieb, in der ſie beſtätigte, daß die geſamten Buchungen der
letzten drei Jahre von ihr anerkannt und nicht mehr zu prüfen
oder gar zu beanſtanden ſeien. Als der Verwandte der Baroneſſe
aber 1934 tatſächlich eine Reviſion durchſetzte, widerſetzte ſich der
Angeklagte zunächſt mit allen Mitteln. Er behauvtete, es ſei ein
unglaubliches Mißtrauensvotum und mit ſeiner Ehre
unverträg=
lich, und er könne ſich das nicht gefallen laſſen. Als ihm aber
ſchließlich das Waſſer bis an den Hals ſtand, machte er die größte
Dummheit; er vernichtete ſämtliche Bücher und Belege der
ver=
gangenen fünf Jahre: ſo daß keinerlei Nachprüfungen mehr
mög=
lich waren. Dann ſtellte er vollkommen neu Bücher auf, die er dem
Reviſor vorlegte, und in denen die Falſchbuchungen enthalten
waren. Der Geſamtſchaden beträgt mindeſtens 30—40 000 RM.
nach den eigenen Angaben des Angeklagten. Das Gericht
verur=
teilt nach eingehender Vernehmung des Angeklagten und der
Zeu=
gen, Dr. Sch. wegen fortgeſetzter Untreue und wegen
Urkunden=
vernichtung zu einer Gefängnisſtrafe von zwei
Jah=
ren und neun Monaten und zu einer Geldſtrafe von
500 RM. Das Gericht erkennt dem Angeklagten gleichzeitig die
bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von
drei Jahren ab. Der Angeklagte war ſeit November vorigen
Jahres in Unterſuchungshaft, die ihm aber erſt vom Tag ſeines
Geſtändniſſes, im März dieſes Jahres, ab angerechnet werden
kann. Auch die Geldſtrafe gilt durch die Unterſuchungshaft als
verbüßt.” —
* Fehlheim, 12. Sept. Beim Obſternten fiel der 63
jäh=
rige Johann Dreißigacker vom Baum und zog ſich ſchwere innere
Verletzungen zu. Kurz nach ſeiner Ueberführung ins Darmſtädter
Stadtkrankenhaus erlag er ſeinen Verletzungen.
Hirſchhorn, 12. Sept. Waſſerſtand des Neckars am
11. September: 1.48 Meter. am 12. September: 1,48 Meter.
Gernsheim. 12. Sept. Waſſerſtand des Rheins
am 12. September: 0,26 Meter, am 13. September: 0.13 Meter.
Aus Rheinheſſen.
Mainz, 13. Sept. Großes Schadenfeuer in Mainz.
Aus bisher noch ungeklärter Urſache entſtand in einer mit
Brenn=
holz angefüllten Manſarde des mehrere hundert Jahre alten
Hau=
ſes „Zum Butterhof” in der Mittleren Bleiche ein Brand, der ſich
außerſt raſch ausdehnte und auf ein Nachbarhaus überzugreifen
drohte. Durch das tatkräftige Eingreifen der Feuerwehr konnte
das Feuer lokaliſiert werden. — Am Freitag früh entſtand in
einem Druckereibetrieb in der Schillerſtraße ein Schadenfeuer, das
um ſo gefährlicher war, als dort große Mengen Druckpapiere
lagerten. Die Feuerwehr mußte ſich durch eine ſchwere Eiſentür
Eintritt verſchaffen und konnte die Flammen nach 1
½ſtündi=
gen Bemühungen löſchen.
Reichsſender Frankfurt
Frankfurt: Samstag, 14. September
6.00: Choral, Morgenſpruch, Gymnaſtik. 6.30: Breslau:
Fröhlich klingt’s zur Morgenſtunde. In der Pauſe
7.00: Nachr. 8.00: Waſſerſtand, Zeit, Wetter. 8.10:
Stuttgart: Gymnaſtik. 8.30: Sendepauſe. 9.00: Nur
Frankfurt: Nachr. 9.15: Nur Frankfurt: Konzert. 9.45:
Nürnberg: Reichsſendung: Kundgebung der Hitlerjugend
im Stadion. 11.00: Funkſtille. 11.40: Programm,
Wirtſchaftsmeldungen, Wetter. 11.45: Bauernfunk.
12.00: Stuttgart: Buntes Wochenende. 13.00: Zeit,
Nach=
richten; anſchl.: Nachr. aus dem Sendebezirk. 13.15:
Stuttgart: Buntes Wochenende. (Fortſ.). 14.00: Zeit,
Nachr., Wetter. 14.10: Mitten im Werktag: Sozial= und
Wirtſchaftsdienſt in bunter Folge. 15.00: Aus der
Wunderwelt der Natur. Am Mikrofon: Wilh. Platt.
15.15: Jugendfunk: Vom Laſtenträger zum Schienenzepp.
Eine kulturgeſchichtliche Hörfolge.
16.00: Köln: Der rohe Samstag=Nachmittag. 18.00:
Jugendfunk: Jungmädel beſuchen einen Erbhof. 18.20:
Stegreifſendung. 18.30: Wir ſchalten ein! Das
Mikro=
phon unterwegs. 18.40: Reichsſender Saarbrücken: Die
Sorge für die Bergarbeiter. Ausgleich der Feierſchichten.
18.55: Nürnberg: Reichsſendung: Ausſchnitte aus dem
Volksfeſt im Stadion. 20.30: Unterhaltungskonzert.
22.00: Zeit, Nachr. 22.15: Nachr. aus dem Sendebezirk,
Sport, Wetter. 22.30: Leipzig: Tanzmuſik zum
Wochen=
ende. 24.00: Nachtmuſik.
OMidtiun daudaunnn
Sonnabend, 14. September.
Reichsſendung: 18.55: Nürnberg: Ausſchnitte aus den
Volksfeſt im Stadion.
Leipzig: 20.30: Deutſche Tänze, geſpielt vom Funkorch.
Stuttgart: 20.30: Romanze. Funkſpiel mit Muſik.
Hamburg: 21.00: Die Alpenhütte. Oper v. K. Kreutzer,
Wien: 19.15: Caglioſtro in Wien. Operette.
Laibach: 20.00: Bunter Abend.
Prag: 20.00: Blaskonzert.
London: 20.00: Konzert aus der Queens Hall.
Mailand: 20.40: Konzertabend.
Toulouſe: 21.00: Operettenmelodien.
Straßburg: 22.40: Tanzmuſik a. d. Cabeau,
Oa-naf uun voil uen padr kockin
MAGGI-BUz, saun i/48 khutie —
uud sos Pilnn shrekt vind Gilert!
Tomatenſalat 8 feſte Tomaten, kleine Zwiebel, 2 Eßlöffel Ol. /Eßlöffel Eſſig, Salz,
für 4 Perſonen. Pfeffer, 1 Teelöffel gehackte Peterſilie, 1 Teelöffel Maggi’s Würze.
Die Tomaten in Scheiben ſchneiden. Die Zwiebel ſowie die Peterſilie ſehr fein hacken.
Zur Soße: Das Ol. in einer Schale mit der Gabel ſchlagen, dabei den Eſſig
hinein=
tropfen laſſen; nach Salz, Pfeffer und Maggi’s Würze abſchmecken. zuletzt Zwiebel und
Peterſilie darunter geben. Die Tomatenſcheiben mit der Soße vermengen und ziehen
laſſen. Maggi’s Würze verleiht dem Salat beſonderen Wohlgeſchmack.
RZE
MAGer we
Hurt dax daß siske
4
Me
Seite 8 — Nr. 253
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Samstag, 14. September 19355
Eiechliche Kaceichten.
Evangeliſche Gemeinden.
1. Gottesdienſte.
Samstag, 14. September.
Schloßkirche. Abends 8,15 Uhr: Abendandacht. Pfarrer W. Köhler.
Johanneskirche. Abends 8 Uhr: Chriſtenlehre des Nordbezirks im Gemeindehaus.
Pfarrer Köhler; für den Südbezirk in der Kirche. Pfarrer Weinberger.
Beſſunger Kirche (Betrusgemeinde). Abends 7,80 Uhr: Chriſtenlehre für den
Oſt=
bezirk. Pfarrer Weiß.
Stiftskirche, Abends 8 Uhr: Wochenſchlußgottesdienſt.
13. Sonntag nach Trinitatis, 15. September.
Stadtkirche, (Kollekte für den Kindergottesdienſt der Markusgemeinde.) Vorm.
10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Kornmann. — Vorm. 11,15 Uhr: Kindergottesdienſt
der Markusgemeinde. Pfarrer Kornmann. — Nachm. 8 Uhr: Geſangsfeier des Evang,
Sängerbundes, Kreisverband Südheſſen=Nordbaden. Pfarrer Stein, Frankfurt=Seckbach.
Im Chor der Stadtkirche findet an jedem Wochentag eine liturgiſche Abendandacht
ſtatt. Beginn 6,45 Uhr. — Die Stadtkirche iſt wochentags von 9—5 Uhr zu ſtiller Andacht
geöffnet. Eingang Norbſeite.
Stadtkapelle. Vorm. 8,30 Uhr: Morgenandacht. Pfarrer Kornmann. — Vorm.
10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Heß. — Vorm. 11,15 Uhr: Kindergottesdienſt der
Kaplaneigemeinde. Pfarrer Heß.
Mittwoch, 18. September, abends 8 Uhr: Bibelſtunde. Pfarrer W. Köhler.
Schloßkirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Wolf.
Martinskirche. Vorm. 7 Uhr: Frühgottesdienſt. Pfarrer Beringer. — Vorm.
10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Köhler. — Vorm. 11 Uhr: Kindergottesdienſt der
Martinsgemeinde Oſt. Pfarrer Köhler.
Kapeiie des Städt. Altersheims, Vorm. 10 Uhr: Gottesdienſt. Pfarrer Beringer.
Johanneskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer H. Köhler. — Vorm.
11,15 Uhr: Kindergottesdienſt Pfarrer H. Köhler.
Die Johanneskirche iſt wochentags von 7—7 Uhr zu ſtiller Andacht gebffnet. Eingang
Liebigſtraße.
Paul=Gerhardt=Haus (Gemeindehaus der Waldkolonie). Vorm. 10 Uhr:
Haupt=
gottesdienſt. Pfarraſſiſtent North. — Vorm. 11,15 Uhr: Kindergottesdienſt.
Pfarr=
aſſiſtent North.
Beſſunger Kirche (Betrusgemeinde). Vorm. 10 Uhr: Eröffnungsgottesdienſt für
den Konfirmandenunterricht des Oſtbezirks. Pfarrer Weiß. — Vorm. 11,15 Uhr:
Kinder=
gottesdienſt für beide Bezirke. Pfarrer Weiß.
Die Beſſunger Kirche iſt wochentags von 7—7 Uhr zu ſtiller Andacht gebffnet. Eingang
Haupttüre.
Pauluskirche Vorm. 8,30 Uhr: Chriſtenlehre (Weſtbezirk, zum letzenmal). Pfarrer
A. Müller. — Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer A. Müller. — Vorm. 11,15 Uhr:
Kindergottesdienſt. Pfarrer A. Müller.
Die Pauluskirche iſt wochentags von 8—6 Uhr zu ſtiller Andacht geöffnet. Eingang
Haupttüre.
Stiftskirche. Vorm. 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Lenz. — Vorm. 11.15 Uhr:
Kindergottesdienſt.
Mittwoch, 18. September, abends 8 Uhr: Betſtunde.
Amtshandlungen an Auswärtigen: Pfarrer W. Köhler, Wenckſtraße 29, Tel. 2449.
2. Veranſtaltungen.
Stadtgemeinde. Gemeindehaus (Kiesſtr. 17). Montag, 16. Sept.: Evangeliſcher
Jugendabend der Stadtgemeinde. — Mittwoch, 18. Sept.: Kirchenchor der Stadtkapelle
und Schloßkirche. — Freitag, 20. Sept.: Kirchenchor der Stadtkirche.
Schloßgemeinde. Sonntag, 15. Sept., abends 8 Uhr: Gemeindeabend der
Frauen=
hilfe im Gemeindehaus, Kiesſtraße 17-
Martinsgemeinde. Gemeindehaus (Liebfrauenſtraße 6). Montag, 16. Sept.,
abends 8 Uhr: Jungenabend Weſt. — Mittwoch, 18. Sept., nachm. 2 Uhr: Handarbeits=
und Strickſchule. — Freitag, 20. Sept., abends 8 Uhr: Mädchenabend Weſt. — Samstag,
21. Sept., nachm. 2 Uhr: Handarbeits= und Strickſchule.
Martinsſtift (Müllerſtraße 28). Dienstag, 17. Sept., abends 8 Uhr: Kirchenchor. —
Donnerstag, 19. Sept., abends 8 Uhr: Mädchenabend Oſt.
Saal der Kleinkinderſchule (Mauerſtraße 5). Donnerstag, 19. Sept., abends
8 Uhr: Poſaunenchor. — Freitag, 20. Sept., abends 8 Uhr: Jungenabend Oſt.
Johannesgemeinde. Gemeindehaus (Kahlertſtraße 26). Mittwoch, 18. Sept.,
nachm. 2 Uhr: Strickſchule. — Abends 8 Uhr: Kurrende. — Donnerstag, 19. Sept.,
abends 8,15 Uhr: Alterenkreis. — Freitag, 20. Sept., abends 8,15 Uhr: Evang.
Mädchen=
kreis. — Samstag, 21. Sept., abends 8,15 Uhr: Kirchenchor.
Paul=Gerhardt=Haus (Gemeindehaus der Waldkolonie). Montag, 16. Sept., abends
8,30 Uhr: Kirchenchor. — Mittwoch, 18. Sept., nachm. 3 Uhr: Strickſchule.
Petrusgemeinde. Gemeindehaus (Eichwieſenſtraße 8). Montag, 16. Sept.,
abends 8,15 Uhr: Mädchenkreis. — Abends 8,15 Uhr: Monatsverſammlung der
Männer=
vereinigung mit Vortrag von Pfarrer Weiß über „Mannhaftes Chriſtentum”,
Dienstag, 17. Sept., abends 8,15 Uhr: Kirchenchor. — Mittwoch, 18. Sept., nachm.
2 Uhr: Chorſchule. — Nachm. 2—4 Uhr: Strickſchule in der Mädchenſchule. — Abends
8 Uhr: Poſaunenchor. — Freitag, 20. Sept., abends 8,15 Uhr: Kirchenchor.
Paulusgemeinde, Gemeindeſaal unter der Kirche. Montag, 16. Sept., abends
8 Uhr: Mädchenkreis. — 8,15 Uhr: Jungmütterabend. — Freitag, 20. Sept., abends
8 Uhre Kirchenchor.
Eliſabethenſtift (Erbacher Straße 25). Ev. Sonntagsverein: Sonntag, 15. Sept.,
nachm. 4 Uhr: Vereinsſtunden.
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24). Sonntag: Sängerfeſt des Evang. Sängerbundes.
Vorm. 8 Uhr: Gebetsſtunde. — 11,30 Uhr: Offentliche Kundgebung auf dem
Parade=
platz (Mitwirkung der Chöre.) — Nachm. 3 Uhr: Feier in der Stadtkirche. Feſtanſprache:
Herr Pfarrer Stein, Frankfurt a. M. und Bundeswart Hennes, Elberfeld. — Montag,
nachm. 4 Uhr: Miſſionsarbeitsſtunde. — Abends 8,30 Uhr: Poſaunenchor. — Dienstag,
nachm. 4 Uhr: Frauenbibelſtunde. — Abends 8,30 Uhr: Blaukrenz=Bibelſtunde. Herr
Weimer. — Mittwoch, abends 8,30 Uhr: Gemiſchter Chor. — Donnerstag, abends
8,30 Uhr: Familienabend. — Freitag, abends 8,30 Uhr: Bibelſtunde in der Beſſunger
Mädchenſchule, Herr Bringmann. — Samstag, abends 6 Uhr: Eiſenbahnervereinigung.
Jugendbund für E. C. (Mühlſtraße 24). Sonntag, abends 8 Uhr: Gebetsſtunde für
funge Mädchen. — 8,30 Uhr: Jugendbundſtunde für junge Mädchen und
Jungmänner=
verſammlung. — Montag, abends 7,30 Uhr: F. K. für junge Mädchen. — Dienstag,
abends 8,30 Uhr: Mädchenkreis. — Mittwoch, nachm. 3 Uhr: Kinderſtunde für Mädchen.
Donnerstag, nachm. 5,15 Uhr: E. C.=Jungſchar für Knaben. — Freitag, abends 8 Uhr:
Gebetsſtunde für junge Männer. — 8,30 Uhr: Jugendbundſtunde für junge Männer.
Heimabende für ortsfremde junge Mädchen: Freundinnenheim, Sandſtraße 24,
Jeden Donnerstag, abends 8,15—10 Uhr: Zuſammenkunft. — Jeden zweiten und vierten
Mittwoch im Monat: Nähen und Zuſchneiden.
3. Gemeindeämter.
Ev. Wohlfahrtsdienſt, Hügelſtr. 6. Tel. 2205. Jugendfürſorge, Allgemeine
Fürſorge, Gefangenen= und Wandererfürſorge, Sprechſtunden täglich von 10—12 Uhr. —
Rechtsauskunftsſtelle für alle Rechtsfragen, einſchließlich Eheberatung und Mietrecht.
Sprechſtunden täglich von 11—12 Uhr, ausgenommen Mittwoch und Samstag.
Trinkerfürſorgeſtelle. Sprechſtunden von Montag bis Freitag, nachm. 5—6 Uhr.
Evang. Gemeindeamt, Kiesſtraße 17 (jetzt nur im Vorderhauſe, eine Treppe);
Einnahmeſtelle für das Kirchnotgeld täglich 8—12 Uhr. Kirchenſteuerangelegenheiten
werden nur im Landeskirchenamt, Mackenſenſtraße 40 (Ecke Neckarſtraße), Zimmer 7,
bearbeitet.
Diakonenſtation für männliche Krankenpflege: Heidelberger Straße 21, Tel. 2883.
Diakoniſſenſtationen: Gemeindehaus, Kiesſtraße 17; Martinsſtift, Müllerſtraße 28;
Gemeindehaus, Liebfrauenſtraße 8: Gemeindehaus, Kahlertſtraße 28; Paul=Gerhamt
Haus, Damaſchkeplatz 1; Gemeindehaus, Eichwieſenſtraße 8; neben der Pauluskiro=ce
Ohlyſtraße.
Privatpflegeſtation des Heſſiſchen Diakonievereins: Freiligrathſtraße 8, Tel. 225
Auswärtige Gemeinden.
Evang. Gemeinde Roßdorf. Sonntag, den 15. September, vormittags 9½ dür
Hauptgottesdienſt. 10¾ Uhr: Kindergottesdienſt. — Freitag: Jungmädchenades
Evang. Gemeinde Eberſtadt. Samstag: Chriſtenlehre der Mädchen. — Sonnn
Vorm. 9,30 Uhr: Hauptgottesdienſt. Lieder: 164, 173. Predigt: 1. Kor. 16, 9. Miſſio=g
Michel. — Vorm. 11 Uhr: Kindergottesdienſt. — Mittwoch: Kirchenchor. — Samstt
Chriſtenlehre der Buben.
Provinzialpflegeanſtalt. Sonntag: Nachm. 1,30 Uhr: Gottesdienſt. Lieder: 251,mg
Evang. Gemeinde Griesheim. 8 Uhr: Chriſtenlehre für die männliche Juges
9.30 Uhr: Predigtgottesdienſt. — 10,30 Uhr: Kindergottesdienſt.—8,30 Uhr: Bibelſtumne
Friedenskirche. 9,30 Uhr: Predigtgottesdienſt. — 10,30 Uhr: Kindergottesdie=
Evang. Gemeinde Nieder=Namſtadt. Sonntag, 15. Sept., vorm. 9,30 Uhr: Hauut
gottesdienſt. Vorm. 10,30 Uhr: Chriſtenlehre. — Dienstag: Jungmädchenverein.
Mittwoch: Kirchenchor.
Evang. Kirche Ober=Ramſtadt. Sonntag, 15. Sept. 1935; 9,30 Uhr: Gottesdie —5
Eröffnungsgottesdienſt für die Konfirmandenſtunden. — Kollelte. — 10.30 mm=
Chriſtenlehre. — Montag: Poſaunenchor. — Dienstag: Bibelſtunde. — Mittwer;
Kirchenchor. — Donnerstag: Frauenverein. Helferinnen im Pfarrhaus. — Freitt;
Poſaunenchor.
Evang. Gemeinde Traiſa. Sonntag, 15. Sept., 9,30 Uhr: Gottesdienſt. Pfarrer i. .
Paul. 10,30 Uhr: Kindergottesdienſt der Gr. 13 Uhr: Kindergottesdienſt der Kl.
Donnerstaa, 20,30 Uhr: Frauenſingabend.
Vereinigung evangeliſcher Freikirchen Deutſchlands.
Sonſtige Gemeinſchaften.
Methodiſten=Gemeinde (evang. Freikirche), Wendelſtadtſtraße 38. Sonntag, vonn
11 Uhr: Sonntagsſchule. Abends 8 Uhr: Predigtgottesdienſt. Prediger Kohlhammer.
Mittwoch, abends 8 Uhr: Bibelſtunde. — Freitag, abends 8 Uhr: Frauenmiſſionsveres:
Gemeinde gläubig getaufter Chriſten (Baptiſten), Mauerſtraße 17. Sonnt
vorm. 9,30 Uhr: Bibelandacht. Vorm. 10,30 Uhr: Sonntagsſchule. Abends 8.15 u/.
Predigt. Prediger Schneider. — Mittwoch, abends 8,30 Uhr: Bibel=Gebetſtunde.
Chriſtliche Gemeinſchaft Darmſtadt (Mollerſtraße 40). Sonntag, 15. Sept., vom
9,30 Uhr; Andacht. Prediger Kruſt. Abends 8 Uhr: Evangeliumsverkündigung,
Dienstag, 17. Sept., abends 8,15 Uhr: Bibelſtunde, Prediger Kruſt.
Chriſtlich=wiſſenſchaftliche=Vereinigung (Christian Science Society) in Darmſtant
Aula der Adolf=Hitler=Bauſchule, Neckarſtraße 3. Gottesdienſte jeden Sonntag, vom:
10 Uhr und jeben Mittwoch, abends 8,15 Uhr. Thema am 15. Sept. 1935: Subſtauz
Goldener Text: Hebraer 10:34.
Evangeliſche Gemeinſchaft, Schulſtraße 9. Sonntag, vorm. 10 Uhr:
Predigtgottu=
dienſt. Prediger Veihelmann. Vorm. 11 Uhr: Sonntagsſchule. Abends 8 Uhr; Gott
dienſt. — Montag, abends 8,30 Uhr: Singſtunde. — Mittwoch, abends 8,15 Uhr: Bikx,
und Gebetsſtunde.
Evang. Gemeinde Reichelsheim i. Odw. Sonntag, den 15. September, vor
8.45 Uhr: Chriſtenlehre männl. Jugend I. Pfarrei. 9,30 Uhr: Hauptgottesdiemt
Pfr. Munk. 10.45 Uhr: Kindergottesdienſt. Pfr. Munk. — Montag, den 16.
S-
tember, abends 8 Uhr (Gem.=Haus): Frauenhilfe. — Mittwoch, den 18.
Septembw=
abends 8.30 Uhr (Gem.=Haus): Wochen=Andacht. Pfr. Munk. — Freitag. Ot
20. September, abends 8 Uhr: Vorbereitung des Kinder=Gottesdienſtes. 8.30 U-h
Kirchenchor.
Die Chriſtengemeinſchaft, Heidelberger Straße 14. Sonntag, 15. Sept., 10 urh
Menſchenweihehandlung mit Predigt. — Mittwoch, 18. Sept., früh 7,45 Uhr:
Menſcheti=
weihehandlung. — Donnerstag, 19. Sept., 10 Uhr: Menſchenweihehandlung.
Statt Karten
Die Verlobung ihrer Tochter Ilſe mit
Herrn Schriftleiter Fritz Kraus geben
bekannt
Miniſierialrat i. R.
Paul Hechler und Frau
Marie, geb. Kritzler
Meine Verlobung mit Fräulei Dr. phil.
Ilſe Hechler zeige ich hiermit an
Fritz Kraus
Schriftleiter
bei der Frankfurter Zeitung
Darmſtadt, Ohlyſir, zr / September 7935 / Frankfurt a. M., Schumannſtr. 33
8170
Todes=Anzeige.
Heute nacht entſchlief ſanft nach kurzer Krankheit mein
guter Mann, unſer treuſorgender Vater, Schwiegervater,
Großvater, Schwager und Onkel
Chriſtian Göckel
Ober=Studiendirektor i. R.
im Alter von 25 Jahren.
Minna Göckel, geb. Nöll
Hedwig Weiß, geb. Göckel
Fritz Weiß, Pfarrer
Dr. Martha Dahlke, geb Göckel
Fritz Dahlke, Diplom=Kaufmann
Elſe Schuchmann, geb. Göckel
Dr. Hans Schuchmann, Studienrat
und 8 Enkel.
Darmſiadt, München, Steinach, 13. September 1935.
Hügelſtraße 67.
Die Beerdigung findet auf dem alten Friedhof, Montag, 16. Sept.,
nachmittags 3 Uhr, ſtatt.
Von Beilleidsbeſuchen bitten wir abſehen zu wollen. (8204
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unſeren lieben Vater,
Großvater, Urgroßvater, Bruder, Schwager und Onkel
Herrn Ludwig SchantzI.
Bäckermeiſter i. R.
im 83. Lebensjahre zu ſich zu nehmen in ſein
himm=
liſches Reich.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Gundernhauſen, Ffm./Höchſt, den 13. September 1935.
Die Beerdigung fndet Sonntag, den 15. September 1935,
(8208
nachmittags 3 Uhr ſtatt.
Dankſagung.
Allen, die uns anläßlich des Heimganges
unſrer lieben Entſchlafenen
Frau Julie Kiſſel
geb. Schlößmann
ſchriftlich und mündlich, durch Kranzſpenden
und durch Teilnahme an der Beerdigung
ihr Beileid bekundeten, ſagen wir auf dieſem
Wege unſeren herzlichen Dank. Zugleich
dan=
ken wir von Herzen den Schweſtern für ihre
aufopfernde Pflege und ganz beſonders Herrn
Dekan Müller für ſeine wahrhaft troſtreichen
Worte.
8189
Darmſtadt, den 13. September 1935.
Im Namen der trauernd Hinterbliebenen:
Karl Kiſſel, Oberſekretär i. R.
Eheſuchenden
verhilft taktvoll
z.
Lebenskamera=
den der Deutſche
Briefbund.
Heidelberg=
Doſſenheim.
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Unſere frühere Mitarbeiterin
iſt am 12. d8. Mts. im Alter von
67 Jahren entſchlafen. Im Jahre 1897
in die Dienſte der Firma getreten,
wurde ſie im Mai 1925 nach faſt 28, treuer Pflichterfüllung in
den Ruheſtand verſetzt. Das Andenken
der Verſtorbenen, die ſich ſtets als
liebenswürdige und zuvorkommende
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Allen denjenigen, die durch gütige Spenden oder
freundlich geleiſtete Hilfe zu dem guten
Ge=
lingen unſeres
Kinderfeſtes
beigetragen haben, bitten wir hiermit unſeren
herzlichſten Dank entgegennehmen zu wollen.
Es iſt uns nicht möglich, jedem Einzelnen
dieſen unſern Dank auszuſprechen.
Der Landes= und der Ortsverein
der Freundinnen junger Mädchen
Biite, aas gair far Bie
wenn Sie heute noch keinen Radio-
Apparat besitzen. — Wollen Sie
wirk-
lich immer, wenn ein bedeutendes
Ereignis bevorsteht, erst einen
Be-
kannten bitten bei ihm mithören zu
dürfen? Ist es nicht richtiger, wenn
Sie jetzt sich und Ihrer Familie die
Freude machen und sich selbst einen
Apparat ins Haus nehmen. Die Geräte
sind heute so gut, die Bedienung ist
s0 leicht, Sie sollten sich ernstlich mit
dem Gedanken betassen. Auch in
der Zahlungsweise kommt man Ihnen
weitgehenst entgegen. Erkundigen
Sie sich doch bitte einmal bei
Radio-Bossler, am Ludwigsplatz.
Sie werden sehen, daß Sie dort gut und
mit viel Sachkenntnis beraten werden.
W
Samstag, 14. September 1935
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Andre Spada, der letzte Bandit
Liebe, Leben und Cod des letzten Banditen von Korſika
Von HansO. Müller.
Es iſt ein harmloſer junger Burſche mit einem einfältigen
z ſicht, der in der Mitte des Lagers ſteht und mit einem
zwolver in der Hand herumfuchtelt.
„Maledetto! Was will dieſer verdammte Burſche hier?”
rällt Rialto ſeine Leute an.
„Ein Verrückter!”
„Er behauptet wir ſeien ſeine Gefangenen!"
„Wir ſollen unſere Waffen fortwerfen und uns von ihm
Feln laſſen!”
„Er ſagt, das Lager gehöre von heute ab ihm .. .!"
„ und wir hätten ihm zu gehorchen!”
„.. und er wäre ab heute unſer Hauptmann!”
So ruft man Rialto von allen Seiten zu.
Rialtos Geſicht wird noch ein wenig röter. Die Adern
Arvellen ihm auf der Stirn an.
Er drängt ſich vor und ſteht zornig vor André Spada, der
hu freundlich anlächelt.
„Du Bürſchlein, ich werde dich ein wenig über das Knie
egen!” tobte Rialto.
André Spada lächelt noch immer.
Dann ſagt er „. .. Du biſt doch kein Selbſtmörder, Rialto!”
„Meinſt du, daß wir mit einem einzigen Burſchen, wie du
s biſt, nicht fertig werden?” ruft Rialto ſpöttiſch aus.
Spada nickt mit dem Kopf. „Das wäre möglich, aber nicht
ut meinen Leuten. Ihr ſeid von meiner Bande umzingelt und
vnn ihr nicht unverzüglich alle eure Waffen hier vor mir auf
inen Haufen zuſammenwerft, ſo wird nicht ein einziger den
ſeauttigen Abend erleben
Es ſind nicht allein die Worte, die Rialto irritieren. Es iſt
zelmehr die ungeheure Selbſtſicherheit dieſes Burſchen, was
Malto frappiert.
So kann nur jemand ſprechen, der entweder toll iſt oder ſich
büllig ſicher fühlt.
Toll aber ſcheint dieſer Burſche nicht zu ſein.
„Deine Leute? Zum Teufel, wo ſind denn deine Leute ...
uft Rialto aus.
„Dort und dort und dort ſeht ihr die Gewehrläufe . . .
it ſind auf eure Herzen gerichtet . . . Niemand von euch wird
ſebendig entkommen, wenn ihr mir nicht gehorcht und eure Waf=
Pin vor mir auf den Boden werft." ruft André Spada aus.
Bei ſeinen Worten hat Spada auf das dichte Gebüſch gezeigt,
ws das Lager umgibt und nun erkennt Rialto und ſeine Bande
ſit Entſetzen überall Gewehrläufe, die aus dem Buſch
heraus=
ſchauen und auf ſie gerichtet ſind.
Spadas Sieg!
Die Schützen ſind unſichtbar. Sie ſind im tiefen Buſch
ver=
tickt und man ſieht nur ihre Gewehrläufe.
Und jetzt zeigt ſich zum erſten Male, daß Rialto wohl ein
Mann der Fauſt, aber nicht ein Mann des Hirns iſt. Er beſitzt
ucht eine Spur von Geiſtesgegenwart.
Er blickt entſetzt auf die Gewehrläufe ringsum und ruft
hntſetzt aus „Himmliſche Mutter Gottes, wir ſind verloren . . .!"
„Eure Waffen nieder oder ich gebe den Befehl, ſofort zu
Nchießen und dann iſt es mit euch allen aus.
Wirklich iſt der alte Rialto, der erſte, der ſeine Piſtole
Undre Spada vor die Füße wirft.
Und dann folgen ihm alle Leute ſeiner Bande. Sie ſehen
einen anderen Ausweg. Die Feinde ſind ſo gut im Buſch
ver=
teckt, daß ſie ſicher alle vorher niedergeſtreckt werden, ehe ſie ſie
rreichen würden. Es hat keinen Zweck, einen ſinnloſen Kampf
u führen.
Als die Waffen vor Spadas Füßen liegen, befiehlt er
einigen der Banditen, ihre Kameraden zu feſſeln.
André Spada ſtößt auf Widerſtand und erſt, als er ſchwört,
den erſten Ungehorſamen ſofort niederzuſchießen, befolgt man
einen Befehl.
Die letzten Burſchen feſſelt Spada ſelbſt.
Und dann lacht Spada . . . Er lacht ſo laut und wild, daß
die gefeſſelten Banditen glauben. Spada ſei nun wirklich toll
zeworden. Aber André Spada iſt nicht toll.
Er läuft jetzt zu den Büſchen, aus denen die Gewehrläufe
dervorſchauen.
Er zieht die Gewehre heraus. Hiet und dort und dort. ..
Ueberall Gewehre, aber nirgends Menſchen an dieſen
Ge=
wehren.
Spada hat Gewehre aber keine Banditen.
In der dunklen Nacht hat er die Gewehre geſchickt in den
Büiſchen angebracht gehabt.
So geſchickt, daß jeder einen Schützen hinter dieſen
Ge=
wehren vermuten mußte.
André Spada lacht und lacht . .
Rialto und ſeine Leute ſchäumen vor Wut.
Sie fluchen und ſchimpfen und jammern.
Aber ſie können nur die Zunge bewegen. Ihre Hände
ſind=
gefeſſelt, und Zungen, wenn ſie auch noch ſo beweglich ſind,
können nicht töten. Das weiß André Spada und ſeine Laune
iſt vorzüglich.
Inzwiſchen haben Moſſo und ſeine Leute die Spur André
Spadas gefunden.
Sie führt direkt in Rialtos Lager.
Späher werden ausgeſchickt und ſie finden Seltſames.
Moſſo will nicht glauben, was ſeine Späher ihm berichten.
Er eilt mit ſeinen Leuten in Rialtos Lager und er bleibt
wie erſtarrt ſtehen, als er das ſeltſame Bild ſieht, das dieſes
Lager jetzt bietet.
Inmitten des Lagers ſitzt André Spada auf einem Sattel
und dreht ſich Zigaretten.
Ringsum fein ſäuberlich in Reih und Glied gelegt mehr
als dreißig Banditen. Gefeſſelt und mit Stricken umwunden.
Die Banditen Rialtos.
Rialto ſelber liegt vor den Reihen der Banditen allein.
Spada hat gedacht, daß auch in dieſer Situation der
Haupt=
mann ſeinen Leuten als Anführer gelten muß.
André Spada ſteht auf, als Moſſo mit ſeinen Leuten dies
ſeltſame Lager ſtürmt.
Er lächelt ſpöttiſch.
„Habe ich meine Wette gewonnen, Moſſo?” fragt er.
Moſſo ſteigt das Blut zu Kopf.
Es ſieht einen Augenblick aus, als wolle ſich Moſſo auf
Spada ſtürzen und ihn mit den Fäuſten niederſchlagen.
Aber die unausbleibliche Piſtole in André Spadas Hano
warnt ihn rechtzeitig vor dieſem Schritt.
Auch die Stimmung ſeiner Leute iſt ihm nicht günſtig.
Moſſos Leute jubeln und ſchreien vor Freude.
Ein einziger Mann hat die gefährliche Rialto=Bande
um=
gelegt.
„Ein Hoch auf André Spada!”
„Ein Hoch auf den Hauptmann André Spada!”
Sie heben André Spada auf ihre Schultern und tragen ihn
im Jubel durch das von ihm eroberte Banditenlager.
Um Moſſo kümmert ſich keiner mehr.
Moſſo ſteht blaß und haßerfüllt eine Weile da. Er weiß,
Laß dies das Ende ſeiner Macht iſt.
Sein Blick fällt auf Rialto.
Wit dem iſt es auch zu Ende, denkt er. Auch eine geſtürzte
Größe".
Er tritt haſtig auf den gefeſſelten Rialto zu und
durch=
ſchneidet ſeine Feſſeln.
Eine haſtig geflüſterte Unterredung zwiſchen den beiden und
dann verſchwinden die beiden im Buſch.
Hier haben ſie ausgeſpielt, ſie werden verſuchen, in
irgend=
einer anderen Gegend dieſer von Banditen verſeuchten Inſel
eine neue Bande zuſammenzubringen.
Die ehemaligen Anhänger Rialtos ſchwören von nun ab treu
bis in den Tod zu André Spada zu ſtehen. Moſſos Leute ſtehen
von ſelbſt zu ihrem neuen Chef.
Teufel, iſt das ein Kerl!
Mit dieſem Führer wird man die ganze Inſel erobern. Ein
Banditenkönigreich gründen. In Saus und Braus leben. Eine
herrliche Zukunft tut ſich für ſie alle auf.
Moſſo hat ſich geirrt.
Mariana liebt keinen toten, ſondern einen ſehr lebendigen
André Spada. Seine Küſſe ſind auch nicht kalt.
Nein, das kann Mariana an dieſem Abend nach André
Spadas großem Sieg nicht ſagen.
Mariana iſt ſehr glücklich und ſtolz auf André Spada
den zukünftigen General aller korſiſchen Banditen.
Schlau wie ein Zuchs!
Die Träume André Spadas beginnen ſich allmählich zu
er=
füllen. Es gelingt ihm wirklich, die meiſten Räuberbanden
dieſer Inſel unter ſeinem Befehl zu vereinen.
Er iſt ein kleiner Napoleon der Banditen.
Klug, verſchlagen und liſtenreich, wie ſelten jemand
ge=
lingen ihm Beutezüge, wie bisher nie einem anderen Banditen.
In der erſten Zeit dieſer großen Banditenlaufbahn verſucht
er auch möglichſt wenig Blut zu vergießen.
Er arbeitet mehr mit Liſt, als mit Kugel und Meſſer.
Seine Pläne ſind nicht ohne Humor erdacht und die ſpäter
bei ihm ausbrechende Grauſamkeit und Mordluſt iſt noch von
Gefühlen der Menſchlichkeit verdeckt.
In dem kleinen aber reichen Weindorf Abrilio rüſtet man
ſich zum Feſt der Weinleſe.
Es iſt ein beſonders gutes Weinjahr geweſen und außerdem
hat man vor einigen Tagen ein ſehr gutes Geſchäft gemacht.
Der reiche Kaufmann Alfieri, der einen großen Weinhandel
beſitzt, iſt vor einigen Tagen in Avrilio geweſen und hat viele
Fäſſer Wein in dieſem Dorfe eingekauft. Ja, Alfieri, der größte
Weinhändler Ajjaccios.
Er iſt leutſelig von Haus zu Haus gegangen, hat mit den
Bauern geplaudert und hat überall Wein gekauft.
Nun liegen dieſe Fäſſer im großen Keller des
Bürger=
meiſters und ſollen in dieſen Tagen von Alfieri abgeholt werden.
Aber keine Freude iſt ungetrübt.
Eines Morgens erwachen die guten Bauern dieſes Dorfes
und ſehen überall an den Häuſern, an den Zäunen, ja ſelbſt
am Aushängebrett der Bürgermeiſterei einen großen blutroten
Zettel kleben.
Als ſie ihn leſen, bekommen die Bauern faſt einen
Wut=
anfall, und der Bürgermeiſter Emilio Cantu iſt einem
Schlag=
anfall ſehr nahe, als er einen der roten Zettel geleſen hat.
Uebrigens iſt Wut und Aufregung begreiflich.
Auf jedem dieſer Zettel ſteht der kurze aber unſympathiſche
Befehl, noch am gleichen Abend 50 000 Franes an einer
ein=
ſamen Stelle am Kreuzweg vor dem Dorfe niederzulegen,
andernfalls man ſich dieſen Betrag eben mit Gewalt aus Aprilio
holen würde. Unterzeichnet iſt dieſer ſeltſame Befehl mit dem
Namen André Spada.
André Spada ſteht zwar noch um dieſe Zeit am Anfang
ſeines Ruhmes, aber immerhin . . . man weiß ſchon, wer André
Spada iſt.
Ein gefürchteter und verwegener Banditenhauptmann, der
ſchon mehr als einen Ueberfall auf harmloſe Dörfer
aus=
geführt hat.
Trotzdem .. . man denkt nicht daran, dieſen Betrag zu
zahlen.
Man iſt ma noch nicht ganz toll geworden!
In Aprilio gibt es eine Menge wehrhafter und mutiger
Männer und dieſer Herr Bandit ſoll nur ruhig kommen und
das Geld holen.
Man wird ihn und ſeine Banditen mit blutigen Köpfen
nach Hauſe ſchicken.
Die 50 000 Franes werden alſo nicht an der einſamen Stelle
am Kreuzweg niedergelegt.
Nein, man lacht nur in der Schenke über den eingebildeten
Wahnwitz dieſes André Spada.
Der Sänger des Dorfes macht ſogar ein Spottgedicht auf
dieſen André, das in den Worten endet: . . . André, komm du
kleiner Wicht / Mehr als Hiebe gibt es nicht!”
Von dieſem Spottgedicht iſt das ganze Dorf begeiſtert und
ſingt es am Morgen und am Abend.
Aber ſchon zwei Tage ſpäter hat der „kleine Wicht” es
mög=
lich gemacht, im Dorf neue Zettel anſchlagen zu laſſen.
In dieſer neuen Ankündigung tut er den Bewohnern des
Dorfes nur kund und zu wiſſen, daß er am Freitag dieſer
Woche zwiſchen 4 und 6 Uhr am Nachmittag ſich das Geld „mit
guten Zinſen” zu holen gedenke. Er bäte mit den nötigen Ehren
und Gunſtbezeugungen empfangen zu werden.
Das iſt natürlich der Höhepunkt aller Frechheit.
Total übergeſchnappt muß der Burſch ja ſein.
Ah, man wird ihm ſchon die nötigen Ehrenbezeugungen
erweiſen, aber mit gutem geſchliffenen Stahl und ein wenig
Blei zwiſchen die frechen Rippen.
Avrilio zu überfallen, kann nur einem Tollhäusler einfallen.
Avrilio liegt in einem Tal und hat den Vorteil, daß von
den Bergen nur 3 Zufahrtsſtraßen ins Tal hinunterführen.
Eine dieſer Zufahrtsſtraßen muß man benützen, denn auf
andere Weiſe iſt es unmöglich, ins Tal zu gelangen.
Man braucht alſo nur dieſe Zufahrtsſtraßen abzuriegeln und
ein Ueberfall iſt ganz unmöglich.
An dieſem Freitag, den man ſpäter in der Geſchichte des
Dorfes als den „ſchwarzen” Freitag bezeichnen wird, ſind nun
die meiſten Männer und Burſchen, ja ſogar zum Teil die
Frauen bewaffnet aufgebrochen, um die Zufahrtsſtraßen
ab=
zuriegeln.
Man hat richtige Schanzen an dieſen Straßen errichtet und
keine Maus kann ungeſehen die Straße paſſieren und den Weg
ins Dorf nehmen.
Ueberliſtel.
Trotzdem man glaubt, daß André Spada wahrſcheinlich nur
geblufft hat, herrſcht doch eine große Aufregung unter den
Ver=
teidigern des Dorfes. Allmählich hat ſich faſt das ganze Dorf an
dieſen Zufahrtsſtraßen eingefunden und wartet erregt auf die
Dinge, die da kommen ſollen.
Aber es kommen keine Dinge.
Nur der große Weinhändler Alfieri aus Ajjaccio erſcheint
mit zwei Wagen voll leeren Fäſſern, um dieſe Fäſſer gegen die
gekauften vollen Weinfäſſer auszukauſchen, wie ausgemacht war.
Das iſt natürlich ſehr peinlich, daß Alfieri gerade an dieſem
Tage kommen muß.
Nr. 253 — Seite 9
Man gedachte, ihm ein kleines Dorffeſt zu geben, und jetzt iſt
man wegen dieſes verfluchten Burſchen Spada hier gefeſſelt.
Aber das Intereſſe an André Spada iſt in dieſem Augenblick
größer, als das Intereſſe an Alfieri.
Alfieri und ſeine beiden Kutſcher werden förmlich wie
Zitronen ausgequetſcht, ob ſie nichts von Andre Spada und ſeiner
Bande geſehen hätten. Alfieri will ſich krank lachen, als er von
den Ankündigungen André Spadas hört.
„Ihr ſeid Narren!” ruft er lachend aus „... der Kerl denkt
doch gar nicht daran, zu kommen. Er will euch doch nur zum Beſten
halten. Kommt doch mit ins Dorf hinunter und macht euch hier
nicht lächerlich. . . !
Aber die Bauern wollen ihre Poſten nicht aufgeben.
Dieſer André Spada hat ſchon tolle Dinge fertiggebracht.
Beſſer iſt beſſer! Alſo bleiben die Bewohner des Dorfes alle
auf ihren Poſten.
Kopfſchüttelnd fährt Alfieri ins Dorf hinunter.
Alfieri fährt vor dem Hauſe des Bürgermeiſters vor und er
ſchüttelt noch einmal mit dem Kopf, als er ſieht, daß das ganze
Dorf wie ausgeſtorben iſt.
Nur der alte Bürgermeiſter mit zwei ebenſo alten Knechten
iſt in der Bürgermeiſterei.
Alfieri wird von dem Bürgermeiſter ins Zimmer geführt.
„Sie wollen den Wein holen?” fragt der Bürgermeiſter und
macht eine Verbeugung.
Alfieri lacht laut auf: „Den Wein? Nein, mein Geld, und
zwar mit guten Zinſen!"
„Wieſo? Wir bekommen doch Geld von Ihnen für den Wein,
Herr Alfieri. Sie ſcherzen!“
Alfieri aber antwortet noch immer lachend „Das Gedicht war
nicht ſchlecht, Bürgermeiſter, aber ich ſchlage doch folgenden
Schluß=
text vor:
„André Spada, der große Held,
Holte mutig ſich ſein Geld!”
Canku fällt in Ohnmacht.
Der Bürgermeiſter begreift immer noch nichts.
„Was meinen Sie damit?” fragt er erſtaunt.
„Halten Sie Spada wirklich für einen kleinen Wicht?” meint
Alfieri und ſieht den Bürgermeiſter mit einem Blick an, daß dem
allmählich ein wenig unheimlich zumute wird.
„Was wollen Sie eigentlich von mir?” ruft der Bürgermeiſter
aus und konzentriert ſich langſam zum Fenſter.
Draußen im Hof ſind ſeine Knechte.
Vielleicht iſt es beſſer, man ruft ſie, denkt der Dorfgewaltige.
„Ich ſagte ſchon einmal, daß ich nur mein Geld will. . . .
50 000 Francs, allerdings jetzt mit guten Zinſen, denn Ihr
Un=
gehorſam muß beſtraft werden!“ .."
Jetzt geht dem Bürgermeiſter ein Licht auf.
Er ruft entgeiſtert: „Sie ſind . . ."
„Ja, ich bin André Spada!”
Mit einem Satz iſt der Bürgermeiſter am Fenſter und reißt
es auf: „Zu Hilfe! Zu Hilfe!”
Aber die weiteren Hilferufe bleiben ihm vor Schrecken im
Halſe ſtecken.
Er ſieht den Wagen mit den Weinfäſſern im Hofe ſtehen.
Aber dieſe Weinfäſſer werden jetzt erſchreckend lebendig. Die
Deckel fliegen von den Fäſſern und aus jedem Faß kriecht ein
ſchwerbewaffneter Mann.
Das ſind die Banditen Andrs Spadas!”
„Die meiſten Bewohner des Dorfes bewachen ja weit draußen
vorm Dorf die Straßen. Ich glaube, mit dem Reſt hier im Dorf
werden wir leicht fertig werden ...” ſagt André Spada freundlich
und bietet dem zitternden Bürgermeiſter höflich eine Zigarette an.
Man kann es dem Bürgermeiſter Cantu nicht verdenken, daß
er es ablehnt, dieſe Zigarette zu rauchen.
Halb ohnmächtig ſinkt der Bürgermeiſter auf einem Stuhl
zuſammen.
Die Dorfbewohner, die die ſüdliche Zufahrtſtraße bewachen.
ſind ſehr erſtaunt, als ſie ſchon ſehr ſchnell Alfieri mit ſeinem
Wa=
gen zurückkehren ſehen.
„Habt Ihr den Wein ſchon aufgeladen, Alfieri?‟
„Ja, wir ſind tüchtig, nicht wahr?! Aber wie tüchtig wir
waren, werdet ihr erſt ſpäter einſehen!” ſagt Alfieri, und ſeine
beiden Fuhrknechte, die oben auf den Fäſſern hocken, lachen laui.
Die Dorfbewohner verſtehen weder den Sinn dieſer Worte
noch das laute Lachen recht, aber dieſer Alfieri iſt ein guter
Kunde, und ſo lachen ſie mit.
„Wäre es nicht beſſer, Ihr bliebet noch im Dorf?! Auf der
Landſtraße könntet Ihr immerhin dieſem André Spada und ſeiren.
Leuten in die Arme laufen. Ihr wäret ſicher ein guter Biſſen
für André Spada. ..” ſagt einer der jungen Burſchen warnend
zu Alfieri.
Alfieri ſchlägt mit der Hand auf eines der Fäſſer und ruft
aus: „O, ich habe keine Furcht. Ich würde in jedes dieſer Fäſſer
einen Banditen ſtecken, und was würde wohl mit ihm geſchehen?”
„Er würde im Wein erſaufen!” ſagte lachend der junge
Warner.
Lange noch hören die Dorfbewohner das Lachen Alfieris und
ſeiner Leute, die jetzt im flotten Trab die Landſtraße
hinunter=
fahren und ihnen noch ein wenig zuwinken.
„Ein wagemutiger Burſche dieſer Alfieri!” ſagt man, als er
verſchwunden iſt.
Aber es dauert nicht lange und ein alter Mann kommt
atem=
los vom Dorfe gelaufen.
„Ueberfall! Diebſtahl! O, dieſer Schurke. . . !” ſchreit der alte
Mann ſchon von weitem.
Und dann erzählt er, daß dieſer Alfieri in Wirklichkeit André
Spada geweſen ſei, der das Dorf reſtlos ausgeraubt habe.
Alles, was an Geld und Wertgegenſtänden im Dorf geweſen
ſei, habe er mit ſeinen Leuten geſtohlen.
„Die Banditen und all unſer Vermögen ſteckte in den Fäſſern,
und ihr Narren habt ihn ungehindert paſſieren laſſen...” ſchreit
ſchließlich weinend der alte Mann.
Einige Augenblicke herrſcht völlige Verblüffung.
Aber dann ſchreit man: „Ihm nach . . . er kann noch nicht
ſehr weit ſein ... wir werden dieſen Hund totſchlagen, wo wir
ihn faſſen.”
Eine wilde Jagd entbrennt.
Aber André Spada iſt mit ſeinen Leuten wie vom Erdboden
verſchwunden. Von André Spada keine Spur.
Nur den Wagen mit den leeren Fäſſern findet man ſchließlich
auf der Landſtraße.
Nein, es iſt nicht klug, die Kontributionen, die André Spada
einzelnen Dörfern auflegt, nicht zu zahlen.
Die Dorfbewohner erkennen dies nur leider erſt viel zu ſpät.
Eines nachts werden die Bewohner eines Dorfes durch die
markerſchütternden Schreie „Feurio! Feurio! Das Nachbardorf
brennt. . Das Nachbardorf brennt. . ." aus ihren ſchönſten
Träu=
men geriſſen.
Erſchreckt eilen die Dorfbewohner auf die Straße.
Wirklich, im Süden, wo ihr Nachbardorf Cuonzo liegt, glüht
der Himmel rot. Es muß ſich um eine große Feuersbrunſt handeln.
„Himmel, muß das ein Feuer ſein!“
„Wir müſſen ſofort Hilfe bringen!"
„Alarm! Alarm!”
Schon läuten die Glocken des Dorfes.
Es muß ſofort dem Nachbardorf Hilfe gebracht werden.
Alles was laufen kann, macht ſich bereit, dem Nachbarn zu
helfen.
Man holte die Gäule aus dem Stall.
Schon raſen vollbeſetzte Wagen durch die Nacht, der
Brand=
ſtätte zu.
(Fortſetzung folgt nächſten Samstag.)
Seite 10 — Nr. 253
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Samstag, 14. September 19353
PKUNDE
über die Gzundſteinlegring
Zur Kongrefihalle der Nationalſosialiſtiſchen
Deutſchen Arbeiterportei m Nürnberg.
15 Tole, 9 Schwerverlekzte.
London. In dem North=Gawber=Bergwerk
bei Barnsley ereignete ſich eine ſchwere Exploſion.
15 Bergleute wurden getötet und neun ſehr ſchwer
verletzt.
Die Exploſion erfolgte in einer Tiefe von 135
Metern in einem Augenblick, als 160 Mann an
der Arbeit waren. Bei einem ſofort durchgeführten
Namensaufruf wurde feſtgeſtellt, daß 38 Mann
fehlten. Um 21 Uhr waren mehrere verletzte und
fünf getötete Bergleute zu Tage gebracht. Die
Tatſache, daß die Exploſion in einem Stollen von
weniger als einem Meter Höhe erfolgte, geſtaltete
die Rettungsarbeiten beſonders ſchwierig. Die
Hilfsmannſchaften mußten mit den Tragbaren auf
dem Stollenboden entlangkriechen, um die
Ver=
letzten zu erreichen. Der Rückweg mit den
Gebor=
genen war noch ſchwieriger.
Der Kanarienvogel als Lebensretter.
Reſc kongrrfihalie der Uatiorafſo,iakilluſehen deuctſchendroe
terparte aef dem Reich,sparteitaggstände zu Mütrnberg verdandt
ihrsENTSTEHUNG dem Wainſche uns Willen descrnen
arers des Deutſchen Reiches, des Führers und Reichskanzlers
ADOLF HITLER
ihre FORM undGESTALTUNG entſprechens den
Areueguungen dcs Führers dem Archileken Proſeſſor
Lud=
wig Auff in Nürnderg
ihrr ERRICTTUNG der auf Annegung der Stadt
Hürn-
berg geſchaffenen und unter Leihung des Reichsminiſters
Kerrl ſtchenden Körperſchaßt des Oſſentlichen Kechtes
„Iepecsverband Reichsparteitag Nürnberg‟
den Grundſtein zu dieſer Kongreßhalle legte heuke, am eiſten
Septerader des 5i Jahres der nationalſozialiſtiſchen Repoluki.
on uund im neunzchnhunder/fürfunddreißigſten chriſtlicher
Zeitzechmaung der Führer und Keichsbamler Adelf Hider.
Möge es dieſem gewalligen Vau,deſſen Grundſtem wähnend
des ſicdten Eeichsparteitages der Ntokionalſezialiſtiſchen Deuk.
ſchen Arbsiterpartei, des Parteitages DER FREIHEIT ge.
legt wurbe, dereinſt bsfchieden ſein, auf Jahrtauſende hinass
dem Parteikengreß der NSDAF eine Stäüte zu bieten und damit
DEM DEUTSCHEMVOLKE zu dienen.
Zu der
Grund=
ſteinlegung der
Kongreßhalle.
Links:
Die Urkunde der
Grundſteinlegung.
Kaſſel. Daß ein kleiner Kanarienvogel die
Urſache der Rettung zweier Perſonen vom Gastod
wird, dürfte wohl einzig daſtehen.
In der Kölniſchen Allee hatte ein älteres
Ehe=
paar nicht wahrgenommen, daß der Gashahn aus
Verſehen geöffnet worden war. Plötzlich bemerkte
der Mann, daß ſein Kanarienvogel leblos von
der Stange fiel. Er trug den Vogel auf den
Bal=
kon und verſpürte nun durch die friſche
Luftzu=
fuhr einen ſtarken Gasgeruch. Beim Betreten der
Küche lag ſeine Frau bereits ohnmächtig auf dem
Fußboden. An der friſchen Luft erholten ſich die
beiden alten Leute bald wieder, jedoch mußten ſie
ſich in ärztliche Behandlung begeben.
Es lebe die Kolonalſoziakſiſche deutſche Arbeiterpartei!
Cs lebe Deufſchland!
Es lebe Adoff hitter! Sieg-Gcil!
Hürnberg, f1. Hepteunber 1935.
Zweoverdand Beichsparteitag lürrnberg:
Dieſe Urkunde wurde vom
Führer und
Reichskanz=
ler bei der
Grundſtein=
legung für die
Kongreß=
halle in den Stein
ver=
ſenkt. Die Kongreßhalle
wird der größte Bau des
Dritten Reiches ſein.
(Weltbild=M.)
Huua aui
Das Handwerk in der Zunfttracht bei der Grundſteinlegum).
Bei der Grundſteinlegung für die neue Kongreßhalle dir
NSDAP. wirkten auch Reichshandwerksmeiſter Schmidt und
Reichswniſter.
verſchiedene andere Meiſter mit. Die Handwerker war=n
in ihren Zunfttrachten erſchienen. Reichshandwerksmeiſt-
Schmidt trug dazu die Kette des Reichshandwerksmeiſter.
(Scherl=Bilderdienſt=M.)
Weſterwälder Kleinbahn-Jdyl.
Weſterburg. Ein heiteres Reiſeerlebnis
hatten dieſer Tage die Reiſenden des Zuges
Weſterburg—Montabaur. Kaum hatte der Zug
die Station Herſchbach verlaſſen, als er auch ſchon
wieder hielt. Man ſah den Lokomotivführer von
der Maſchine ſpringen und einer Tongrube
zu=
eilen, die bis oben mit Waſſer gefüllt war. In
dem naſſen Element ſchwamm eine Ziege
verzwei=
felt hin und her. Vermutlich ſah ſie in dem
her=
beieilenden Mann ihren Retter, denn ſie wandte
ſich ihm zu. Durch Locken und Zurufe leitete der
Lokomotivführer ihre Bahn. Als ſie in ſeiner Nähe
angekommen war, zog er ſie mit Hilfe eines
her=
beigeeilten Bahnbeamten aus dem Waſſer und
übergab ſie dem Eigentümer. — Das Tier hatte
ſich in ſeinem Freiheitsdrang, losgeriſſen und war
der Tongrube zu nahe gekommen. Der
Lokomotiv=
führer, deſſen Tat freudige Zuſtimmung und
Be=
geiſterung bei den Reiſenden auslöſte, beſtieg nach
dieſer Unterbrechung ſchnell wieder ſeine Maſchine
und erreichte auch ohne Verſpätung die nächſte
Station.
Eine lebensgefährliche „Mahnung”.
Ndz. Budapeſt. Auf eigenartige Weiſe hat
ein Streckenwächter in Fünfkirchen bei ſeinem Chef
eine Mahnung anzubringen verſucht, eine
Mah=
nung, die den Direktor der Staatsbahn=
Geſchäfts=
leitung in Fünfkirchen beinahe das Leben gekoſtet
hätte. Ueber das Gleis der Bahnlinie, die der
Direktor in ſeinem Schienenauto paſſierte, war in
Kopfhöhe ein dicker Draht geſpannt, der, wenn
der Führer des Schienenautos den Wagen nicht
rechtzeitig gebremſt hätte, die Inſaſſen des Autos
köpfen mußte. Die Aufklärung des Attentats führte
zur Verhaftung des Streckenwächters Kovacs, der
erklärte, er habe keineswegs eine Mordabſicht
ge=
habt, ſondern lediglich den Direktor darauf
auf=
merkſam machen wollen, daß er ſeit 10 Jahren
ver=
geblich auf ſeine Beförderung warte.
Die Kaiſerkrone im Bauernwagen
Die ſeltſamen Schickſalsfahrten der deutſchen Reichskleinodien. — Wie Nürnberg die Reichsinſignien
zurückgewann. — Der Brandenburger Kurfürſt holte ſie aus Böhmen.
Aus 1000jähriger Geſchichte.
(Nachdruck, auch auszugsweiſe, verboten.)
Die Stadt Nürnberg überreichte dem
Führer und Reichskanzler als Ehrengabe
eine koſtbare Nachbildung des
tauſend=
jährigen Reichsſchwertes. Aus dieſem
Anlaß berichten wir hier aus der
tau=
ſendjährigen Geſchichte der
Reichs=
kleinodien.
Weite Fahrten durch Europas Gaue haben des
Deutſchen Reiches Kroninſignien im Lauf von
mehr als 1000 Jahren erlebt. Recht abenteuerlich
verliefen die Schickſale aller jener Einzelſtücke, die
heute unter dem Begriff „Reichskleinodien” eine
Einheit bilden.
Die entführte Mikgift.
Peking. Das hat Peking zweifellos noch
gefehlt. Jetzt fangen zu allen
Banditenentführun=
gen die jungen Leute, die die nötige Mitgift zur
Ehelichung der Dame ihres Herzens nicht
auf=
bringen, an, ſich ſelbſt zu entführen. Sie
verſchwin=
den irgendwo in den Bergen und ſchicken dann
einen Boten mit dem entſprechenden
Erpreſſer=
brief an den Papa. Viele Väter haben gezahlt.
Nachher mag ihnen ein Seifenſieder aufgegangen
ſein, woher der Sohn das Heiratsgeld nahm, wenn
er kurz nach der Rückkehr aus der „Entführung”
ſich trauen ließ.
Manche Väter aber zahlten nicht, ſondern
ſchick=
ten die Polizei. Die überlegt ſich nun, was ſie mit
den Selbſtentführern beginnen ſoll.
50. Geburkskag Ind Seidels.
Aus purem Golde...
Faſt zwei Dutzend Einzelteile kamen im
Ver=
laufe der Kaiſerzeit des erſten Reiches
zuſam=
men, Stücke weltlicher wie geiſtlicher Art. Viele
Jahrhunderte vergingen, bis ſich dem älteſten
Reichskleinod, dem „Schwert Karls des Großen”
die Kaiſerkrone und der Reichsapfel, dann die
bei=
den Reichsſzepter, nämlich das goldene und das
ſilberne, ſowie das Mauritiusſchwert und
Krö=
nungsmantel, Kaiſerſchuhe und Reichshandſchuhe
hinzugeſellten.
Kaiſerkrone und Königskrone, Reichsapfel und
Szepter, Schwerter und Schwertgurt beſtehen teils
aus purem Golde, teil aus reinſtem Silber. Die
Kaiſerkrone und der Reichsapfel ſind dicht mit
Edelſteinen beſetzt, ebenſo ſchmückten die
Gold=
ſchmiede den Knauf des Reichsſchwertes reich mit
Diamanten aus orientaliſchen Handelsgütern. Im
Reichsſchwert und an der Kaiſerkrone haben die
anerkannteſten Meiſter ihrer Zunft ein halbes
Jahr lang gearbeitet.
Man zählt zu den Reichskleinodien außer den
eigentlichen Inſignien der Macht und Herrlichkeit
der Reichseinheit noch einige Gegenſtände
geiſt=
licher Art hinzu. Mit der „Heiligen Lanze” wurde
von einem römiſchen Legionär die Bruſt Chriſti
geöffnet. Fünf Dornen ſollen aus der Dornenkrone
Chriſti ſtammen. Das Reichsevangeliar und die
Burſa des Stephanus wurden erſt ſpäter auf
Be=
treiben der Kirche den Reichskleinodien
hinzuge=
rechnet.
Im Bauernwagen verſteckt.
Mehrere Male mußten die geſamten
Reichs=
kleinodien ſchon vor Eroberern in Sicherheit
ge=
bracht werden. Im Frühjahr 1424 wurden Krone,
Szepter, Reichsapfel und Schwerter von deutſchen
Rittern aus der Burg Karlſtein zurückgebracht
nach Nürnberg.
Seit dem Jahre 1069 befanden ſich die bis
da=
hin vorhandenen koſtbaren Stücke, darunter das
Reichsſchwert, auf der Burg Harzburg bei Goslar.
Dann wechſelten ſie zuſammen mit den Fahrten
der Kaiſer mehrmals den Unterbringungsort. Vom
Jahre 1350 an lagen die Kleinodien in ſicherem
Gewahrſam des Burgherrn auf dem Karlſtein. Im
Jahre 1422 verſuchten ſlawiſche Heerhaufen im
Sturm auf den Karlſtein „von dem Schatz des
Reiches Beſitz zu ergreifen. Die Kronenwächter
auf der Burg ſchlugen den Sturm der Böhmen
zu=
rück. Sie wandten ſich aber an den Kaiſer
Sigis=
mund um Entſatz und Hilfe.
Kaiſer und Reich gaben dem Nürnberger
Stadt=
rat auf, die Reichsinſignien nach Nürnberg zu
holen, wo ſie „auf ewige Zeiten” bleiben ſollten.
Die Nürnberger ſtellten unter dem Oberbefehl des
Kurfürſten Friedrich von Brandenburg 260 Ritter
und Wehrmänner zuſammen. In der Schlacht am
Karlſtein beſiegte Friedrich die Böhmen, eroberte
ihre Wurfmaſchinen, Rammklötze und
Sturmlei=
tern. Das Feldlager der Huſſiten wurde verbrannt.
Die Reichskleinodien waren in Sicherheit. Noch
kurze Zeit blieben die Kroninſignien auf dem
Karlſtein, dann in Ofen.
Im Frühjahr 1424 erhielten die Nürnberger
Ratsherren Sigmund Stromer und Sebald
Pfin=
zig den Auftrag, die Reichskleinodien nach
Nürn=
berg zu ſchaffen. Unter ſicherer Bedeckung wurden
die wertvollen Stücke als „Kaufmannsgut” im
Planwagen herbeigebracht. Die Fuhrleute wußten
nicht, was ſie für koſtbares Gut unter den Kiſten
und Säcken auf dem Wagen hatten.
Vor den Franzoſen gerettet.
Faſt 400 Jahre befanden ſich alle
Reichskleino=
dien nun in der Schatzkammer der Kirche auf dem
heutigen Hans=Sachs=Platz in Nürnberg.
Als in Frankreich gegen Ende des 18.
Jahr=
hunderts die Revolution ausbrach und die Köpfe
des Bürgertums in den Sand rollten, drohte
Kriegsgefahr. Die Reichskleinodien wurden im
Jahre 1796 von Nürnberg bei Nacht und Nebel
weggeſchafft. Ein Bauer wurde mit ſeinem
Fuhr=
werk gemietet, um „einen Sack voll Familiengut”
zu transportieren. Unter Kartoffeln wurden die
koſtbaren Stücke verborgen. Wieder begann eine
Irrfahrt durch viele Städte. Im Jahre 1818
wur=
den die Inſignien der Wiener Hofburg zur
Ver=
wahrung übergeben. Die Habsburger gaben den
Schatz jedoch nicht mehr heraus. Sie behandelten
die Reichskleinodien unrechtmäßig als Teil des
Habsburgiſchen Hofſchatzes.
Was wir als Reichskleinodien in Deutſchland
haben, ſind bis auf ganz wenige Originalſtücke die
Nachbildungen.
H—g.
Chronik des Tages.
Die bekannte deutſche Dichterin Ina Seidel
begeht am 15. September ihren 50. Geburtstag.
Die Dichterin, deren Werke viele Freunde
gefun=
den haben, iſt Mitglied der Preußiſchen Akademie
der Künſte.
(Scherl=Bilderdienſt=M.)
Auf der Fahrt von Frankfurt nach Vilbel
wurde der Arbeiter Dahmer unweit der Kiesgrube
bei Vilbel mit ſeinem Fahrrad von einem Auto
erfaßt, zu Boden geſchleudert und ſo ſchwer
ver=
letzt, daß er bald darauf verſtarb.
Im Steinbruch Winterhauſen ereignete ſich ein
ſchwerer Unfall, dem ein Menſchenleben zum Opfer
fiel. Durch plötzlich herabſtürzende Geſteinsmaſſen
wurde der 40 Jahre alte Steinbrucharbeiter
Hel=
ler aus Ochſenfurt ſo ſchwer verletzt, daß er
als=
bald verſtarb. Ein anderer Arbeiter erlitt
Quet=
ſchungen am ganzen Körper, einem dritten
wur=
den mehrere Finger abgequetſcht.
Bei der Inſel Leukas ſtrandete am Freitag
der Perſonendampfer „Poppi”, der vollbeſetzt war.
Unter den Fahrgäſten brach eine Panik aus, es
konnten aber alle gerettet werden. Zwei
Ber=
gungsdampfer liefen zur Hilfeleiſtung aus.
In der an der Nordoſtküſte Japans gelegenen
Stadt Niigata wütete in der Nacht zum Freitag
ein gewaltiges Feuer. Die Hauptgeſchäftsſtraße der
Stadt, in der ſich ein Bankhaus, die Sparkaſſe, die
Fiſchbörſe, ein Theater und das Polizeipräſidium
befanden, wurde völlig zerſtört. Das Rieſenfeuer
konnte noch nicht gelöſcht werden.
Ein neuer „Prophel” über Afrika.
Empangeni (Natal). Anfangs lachte man
über Shembe, den Negerpropheten, heute weiß
man, daß er ſeine 50 000 Anhänger hinter ſich hat.
Wie eine wilde Jagd zieht er durch Natal, bald
betend, bald predigend, bald Siedlungen
grün=
dend. Man hat die Weißen gewarnt, ſich in ſeinen
Weg zu ſtellen, denn er haßt ſie mit dem ganzen
Fanatismus ſeiner afrikaniſchen Urwüchſigkeit.
Bei Inanda traf ein alter Pflanzer mit ihm
zuſammen. Einer ſeiner Negerdiener war von
einer Schlange gebiſſen worden. Statt nun zum
nächſten Arzt zu laufen, rannte der Eingeborene
zu Shembe. Denn dieſer ſagte von ſich, daß er
alle, aber auch alle Krankheiten heilen könnte.
Der Schwarze ſtarb natürlich. Der Farmer
konnte ſich nicht halten, ging hin und machte
Shembe bitterſte Vorwürfe. Ein paar Tage
ſpä=
ter hat der Farmer eiligſt ſeinen Beſitz bei Inanda
geräumt und iſt zur Küſte entflohen. Shembe hatte
ſeinen Anhängern geſagt, daß in ihm einer der
großen Götter beleidigt worden ſei. Und deshalb
wollte man ſich an dem Farmer rächen. Seitdem
hütet man ſich vor Shembe. Er iſt eine Macht
ge=
worden in Natal.
Wochenrückschau.
Der Führer und Reichskanzler verlieh an
Montag einer Anzahl Volksgenoſſen, die ſ7
bei, dem Brand auf der Berliner Funkausſt 4
lung um die Errettung von Menſchen C.i=
Lebensgefahr verdient gemacht hatten, beſcn
dere Auszeichnungen. Hierbei betonte Reicksl
miniſter Dr. Frick gelegentlich der feierlichu
Ueberreichung dieſer Auszeichnungen, daß beiſ
allem großen Unglück, das oft über die Menſchur
komme, die Hilfsbereitſchaft aller Volksgenoſſit
erhebend ſei. Das habe ſich auch bei dem Brard
unglück in der Funkausſtellung gezeigt, wo al
Männer der zur Hilfeleiſtung eingeſetzten Form
tionen ſich bemühten, unter Einſetzung ihres
eig=
nen Lebens zu helfen und zu retten, was zu r.
ten war. — Er ſprach aber auch die Mahnu/
aus, auf größtmöglichſte Vorſicht bedacht zu ſen
damit künftighin Unglücksfälle, die oft nur au
kleine Unachtſamkeiten zurückzuführen ſind, ve
mieden werden. Wie berechtigt dieſe Mahnung 5.
beweiſen ſchon allein immer wieder die
Verkehu=
unfälle, die allwöchentlich viele Menſchen geſur
heitlich ſchädigen. An der Kreuzung Babenhäu ſu
Landſtraße—Sprendlinger Landſtraße ſtießen z.
am Mittwoch zwei Autos zuſammen, wobei ſiebn
Perſonen, darunter ein dreijähriges Kind, ſchwe
verletzt wurden.
Aus der Chronik der letzten Woche iſt fernn
feſtzuhalten: In der Nacht zum Dienstag gere
ein 60 Meter langer und 25 Meter hoher mit Ce
treide gefüllter Speicher des Landwirtſchaftlichſ
Ein= und Verkaufsvereins Greifswald in Brau
und wurde ſamt Inhalt reſtlos vernichtet. Auf de
elektriſchen Kleinbahn Venedig-Padua ſtieß
zwei Züge zuſammen, wobei 7 Perſonen getöe (— Hur
und 31 verletzt wurden. — Am Mittwoch wurde‟
drei deutſche Ballonfahrer nach der Tſchechoſlong 13ſahl
kei abgetrieben und dort zur Landung gezwunge.
Nach mehrſtündigem Verhör wurden ſie, da es ſt
bei der Ballonfahrt um ein rein ſportliches Unta
nehmen handelte, freigelaſſen und die Ballone nu
Deutſchland zurückbefördert. — In Frankfurt a. 9
wurden am Mittwoch und Donnerstag eing
Fälle von epidemiſcher Kinderlähmung feſtgeſtel
Anlaß zu Beſorgnis beſteht nicht. — In Kaſel
wurden etwa 20 Perſonen ins Krankenhaus ei
geliefert, die nach dem Genuß von rohem Hod
fleiſch erkrankt waren. Alle Perſonen befinden ſ
heute auf dem Wege der Beſſerung. Die Unta
ſuchung über die Urſache dieſer Vergiftung iſt ni
nicht abgeſchloſſen.
Schließlich ſei im Rahmen einer Wochenric
ſchau noch mitgeteilt, daß geſtern die Meldung vo
einer deutſchen Segelflieger=Expedition kam. d
ſich unter Leitung eines unſerer beſten Segelf1i0
gerkapitän, Wolf Hirth, am 17. d. Mts. von B
lin nach Japan begeben wird, um in der Nähe vo
Tokio japaniſche Motörflieger und fortgeſchritten
Segelflieger weiterzubilden.
Enkdeckung eines Muſikgenies
in der Todeszelle.
cha
Aber
Ndlz. Sidney. In der Zelle der zum Ta
verurteilten Mörder des Gefängniſſes von
Gal=
bourn (Neu Südwales) hat man ein Muſikgen
entdeckt. Es iſt ein gewiſſer Clarke, der wege
Giftmordes an ſeiner Ehefrau demnächſt
hin=
richtet werden ſoll. Er ſitzt im Gefängnis ud
einem ſtummen Piano und komponiert Walz
In den letzten Wochen ſollen drei entzückende Wr
zer auf dieſe Weiſe entſtanden ſein. Clarke wun
als ein gebrochener Mann in die Zelle eingeliefer
er war teilnahmslos für alles, bis man ihm d0
Möglichkeit zum Muſizieren gab. Er begann u
nächſt, ſich ſelbſt zu unterrichten; als die Gefänd
nisbehörde entdeckte, daß der Gefangene große
Talent beſaß, gab man ihm dazu auch noch weiten
Möglichkeiten. Die Fortſchritte, die er macht
waren ganz überaſchend. Der Leiter des Gefäng
niſſes ließ ihm deshalb ein Klavier ohne Saite
in die Zelle ſtellen, und jetzt ſitzt der Gefange
Tag und Nacht vor ſeinem Inſtrument und ſpie
Melodien, die zunächſt niemand hört, die aber
ſeiner Einbildungskraft aufblühen. Lehrer de
ſtaatlichen Konſervatoriums für Muſik, denen di
Noten=Niederſchriften von Clarke vorgelegt wu
den, haben den Mann für ein außerordentliche
Muſikgenie erklärt.
Samstag, 14. September 1935
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 253 — Seite 11
Nach 17 Jahren vor den Geſchworenen.
Originelle Schlafgelegenheiten auf der „Tannenberg”
Monſier Sarrazin verkauft Parfüms. — Von dem ehemaligen Mitverbrecher verraten.
Panama liefert einen Mörder aus.
chau
olksgnd
(M. P.) Die Schatten eines Kriminaldramas,
ues ſich vor mehr als 17 Jahren abgeſpielt hat,
verden in dieſen Tagen vor dem Tribunal des
ſrriſer Schwurgerichts aufleben. Am 24. April
118 wurden die Einwohner des Pariſer
Vor=
uices La Villette durch ein ſchweres Verbrechen
y Aufregung verſetzt. Die reiche Beſitzerin eines
noßen Fleiſcherladens war in ihrer Wohnung
rmordert aufgefunden worden. Im Zimmer
hierſchte wüſtete Unordnung, und alles deutete
uxauf hin, daß der Mordtat ein verzweifelter
äumpf zwiſchen dem Opfer und dem Mörder
vor=
ugegangen war. Neben der unglücklichen Frau
agen ein Paar Gummihandſchuhe, ein Stock und
ine leere Taſche. In dieſer hatte die Ermordete
urz vor ihrem Tode einen Betrag von 100 000
ous ganze Geld war verſchwunden, und auch von
dien Mörder fehlte jede Spur.
Zwei „harmloſe Spaziergänger”.
Es begann nun eine aufregende Jagd mit
ak jenen dramatiſchen Phaſen, die der Aufklärung
leies großen Kriminalfalles vorangehen. Der
Portier und ein Wohnungsnachbar des Opfers
bikundeten vor der Polizei, daß ſie gegen ſechs
ihr abends zwei unbekannte Männer in der Nähe
dis Tatortes geſehen hätten. Durch intenſive
Nachforſchungen ſtellte die Polizei feſt, daß es ſich
oirmutlich um zwei Männer namens Jean
Sar=
ich auch als Mörder in Betracht kamen. Der
iesztgenannte konnte feſtgenommen werden,
wäh=
rend Sarrazin ſich ſeiner Verhaftung durch
recht=
etige Flucht entzog.
In der Hauptverhandlung, durch die der Mord
gfühnt werden ſollte, ſtellte ſich dann heraus,
üfter des Verbrechens war. Dieſer Mann hatte
eine abenteuerliche Vergangenheit hinter ſich. Als ſelbſt zog es wohlweislich vor, nach dieſem „
Lie=
elemaliger Bagnoſträfling war er nach
Frank=
reich geflohen und hatte unter einem fremden
Namen bei der ermordeten Fleiſcherin eine An=
Fſtllung bekommen. Obwohl er allen Grund
ge=
habt hätte, ſeiner Wohltäterin dankbar zu ſein, eintragen würde.
hckte er den Mordplan aus. Nach der Tat teil=
10 000 Francs. Sie wußten allerdings nicht, daß
ſich im gleichen Raum in einem unverſchloſſenen
der Kriminalpolizei unverſehrt vorgefunden.
René Jean und ſein Komplice wurden zu
lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt. Das
Urteil gegen Tiſſier lautete auf Tod durch die
Guillotine, wurde aber dann im Gnadenwege in
ebenslängliches Bagno umgewandelt.
Begegnung nach 16 Jahren.
Schickſals, das ſchließlich nach 17 Jahren der Ge= ben. Die Tatſache, daß Sarrazin ſeit ſeiner
An=
rechtigkeit zum endgültigen Sieg verhelfen ſollte, kunft in Panama ein durchaus untadeliges Leben
Der Mörder Tiſſier wurde nach Guyana
depor=
tiert und verlebte dort 16 bittere Jahre als
Der Hund, der ſork ſolle..
(T) Kowno. In Litauen hat ſich kürzlich
folgende rührende Begebenheit zugetragen: Ein
Bauer aus der Jurburger Gegend wollte ſeinen
altgewordenen Wolfshund abſchaffen. Aber er
brachte es nicht übers Herz, das Tier zu erſchießen.
Deshalb befahl er ſeinem zwölfjährigen Jungen,
den Hund im Kahn über den Memelſtrom
mitzu=
nehmen und ihn am jenſeitigen Ufer an einen
Pfahl gebunden, ſeinem Schickſal zu überlaſſen:
— — vielleicht, daß ſich dann irgendwer ſeiner
an=
nehmen würde.
Aber der Kahn war leck, und auf der
Rück=
fahrt ſchlug er voll Waſſer, ſo daß der Junge in
den Strom fiel und voller Todesangſt um Hilfe
ſchrie. Entſetzt rang der Vater am Ufer die Hände,
osne helfen zu können. In dieſem Augenblick riß
der Hund ſich mit gewaltiger Anſtrengung von
dem Pfahl los, jagte in den Fluß, packte den ſchon
untergehenden Knaben und brachte ihn ſicher ans
Land.
Der Bauer wird den treuen Lebensretter nicht
nehr fortgeben!
Paris, im September. Bagnoſträfling. Im Vorjahre gelang es ihm, aus
der Hölle von Guyana zu flüchten und ſich bis
nach Panama durchzuſchlagen. Als er eines Tages
hungrig und abgeriſſen durch die Straßen der
Stadt ſchlenderte, kam ihm ein Mann entgegen,
deſſen Geſicht und Gang Tiſſier auf den erſten
Blick erkannte. Es war Jean Sarrazin!
Tiſſier war über dieſe Begegnung natürlich
ſehr erfreut. Sein ehemaliger Komplice nahm
dieſes Zuſammentreffen allerdings mit höchſt
ge=
miſchten Gefühlen auf. Erſt aus dem Munde
Tiſ=
ſiers erfuhr er, daß man ihn in ſeiner
Abweſen=
heit zum Tode verurteilt hatte. Sarrazin dachte
mit heimlichem Grauſen an dieſe Zeit zurück. Er
war ſeither ſchon längſt ein wohlbeſtallter
Bür=
ger geworden, und ſeine zahlreichen Bekannten
und Geſchäftsfreunde hielten ihn für einen durch=
Rtancs aus ihrem Geſchäft nach Hauſe gebracht, aus ehrenwerten Mann. Sarrazin hatte ſich mit
den 30 000 Francs, die ihm als Anteil an der
Beute verblieben waren, in Panama ein großes
Parfümeriegeſchäft eröffnet. Es ging ihm recht
gut, und er brachte es im Laufe der Jahre zu
einem großen Vermögen. Er war auch längſt
verheiratet, und ſeine Kinder kannten ihn als
liebevollen Familienvater. Kurz und gut:
Sarra=
zin hatte allen Grund, die Erinnerung an die
trübe Zeit ſeiner Jugend nicht wieder aufleben
zu laſſen.
Kampf um den Tod.
Vielleicht wäre das Geheimnis des „ehrſamen”,
ſrizin und Pierre Tiſſier handelte, die wahrſchein= Kaufmannes in Panama niemals gelüftet
wor=
den, wenn er nicht in ſeinem Beſtreben, ſich von
dem ehemaligen Genoſſen aus der Unterwelt zu
diſtanzieren, Tiſſier ein wenig von oben herab
behandelt hätte. Als dieſer ſah, daß ſein einſtiger
Freund nicht geneigt war, ihm mit einer
größe=
ren Spende aus der Verlegenheit zu helfen, ſchrieb
diß ein gewiſſer Rens Jean der eigentliche An= er in ſeiner Wut einen Brief an die Poliei, in
dem er Sarrazins Vergangenheit enthüllte. Er
besdienſt” an ſeinem Freund aus der Stadt zu
verſchwinden. Im Stillen mochte er wohl gehofft
haben, daß ihm ſeine Anzeige außer einer Be= der däniſchen Hauptſtadt eingetroffen. Er wohnt
gnadigung auch eine anſehnliche Ergreiferprämie
Sarrazin wurde ſofort in Haft genommen und lobung mit der Dänin Aſtrid Funder erzählt. Die
ten ſich Mörder und Anſtifter die Beute von auf Erſuchen der franzöſiſchen Behörden ausge= beiden trafen ſich vor mehreren Jahren auf dem
liefert. Er mochte wohl ſein künftiges Schickſal
vorausgeahnt haben, als er von Frau und Kin= junge Kopenhagenerin als Telegrafiſtin arbeitete.
Kaſten ein Betrag von weiteren 150 000 Francs dern Abſchied nahm. „Ich weiß nicht, ob wir uns Der amerikaniſche Kollege war Teilnehmer an
in Silber befand. Dieſes Geld wurde auch von noch einmal im Leben wiederſehen”, erklärte er
unter Tränen.
de Flandre unmittelbar beteiligt geweſen zu ſein.
Er behauptet, lediglich Schmiere geſtanden zu ſeine Station, und es dauerte nicht lange, da trat
haben, wobei er der Meinung geweſen ſei, daß er — dienſtlich — mit der „Disko” in
Verbin=
es ſich nur um einen Einbruchsdiebſtahl handelte, dung. Es wurden Berichte ausgetauſcht. Eines
dürfte ſchwer ſein, nach 17 Jahren alle Schuld= fen an der Grönlandküſte in Aufregung: von der
Und hier beginnt das ſonderbare Spiel des beweiſe und Belaſtungszeugen wieder
aufzutrei=
geführt hat, dürfte jedenfalls zu ſeinen Gunſten
ſprechen.
Torero ohne Aufkrag.
Warſchau. Toreros in den Straßen von
Warſchau ſcheinen keine Seltenheit mehr zu ſein.
Vor einiger Zeit lenkte ein Chauffeur einen
Stier mit ſeiner ſchönen roten Chauffeurjacke von
einer Menſchenmenge ab, der der Stier nachſetzte.
Vor ein paar Tagen begegnete ein Holzarbeiter
auf der Straße einem nicht weniger raſenden
Stier.
Der Holzarbeiter war der Auffaſſung, daß hier
eine Gefahr vorliege, ſprung von der Straßenbahn
herunter, nahm den Stier bei den Hörnern und
— drehte ihm das Genick um. Als er ſich — ſtolz
ob ſeiner Kraft und ſeiner Heldentat — feiern
ließ, kam keuchend der Beſitzer des Stieres herbei,
wies nach, daß es ſich hier um einen prämiierten
Zuchtbullen handle, deſſen Gefährlichkeit
keines=
wegs erwieſen ſei.
Nun ſoll der Holzarbeiter, der dem Stier das
Genick zerbrach, 10 000 Zloty Schadenerſatz zahlen.
Jedenfalls iſt er auf dieſe Summe verklagt. Aber
der Held des Tages rechnet damit, daß es noch
Richter in Warſchau gibt. . .
früſel.
in von Genf über P
Der neue Schnelldampfer „Tannenberg” für den Seedienſt Oſtpreußen wurde durch
Reichsverkehrs=
miniſter Eltz von Rübenach feierlich in Dienſt geſtellt. Von der neuzeitlichen und originellen
Aus=
ſtattung dieſes Schiffes geben dieſe Bilder einen guten Eindruck. Links ſieht man die Betten der
Wandererhalle für größere Vereine und Gruppen bis zu 1000 Mann. Rechts ſieht man Notbetten
auf einem Umgang des Schiffes, die heruntergeklappt werden können und eine Neuheit darſtellen.
(Weltbild=M.)
Liebe auf der kurzen Welle.
(B) Kopenhagen. Der amerikaniſche
Radio=
telegrafiſt Paul Oscanyan, der den
amerikaniſch=
norwegiſchen Piloten Solberg auf dem Flug
Amerika-Norwegen begleitete, iſt zu Beſuch in
bei ſeinen Schwiegereltern, und aus dieſem
An=
laß wird wieder die ſchöne Geſchichte ſeiner
Ver=
däniſchen Grönlandſchiff „Disko”, auf dem die
der „Grönland=Expedition Hobb”. Telegrafiſt und
Telegrafiſtin ſahen aufeinander mit Wohlgefal=
Sarrazin leugnet, an dem Mord in der Rue len, ohne indes ein Wort miteinander zu
ſpre=
chen. Auf Grönland errichtete dann Oscanyan
Die Richter werden kein leichtes Amt haben. Es Tages gerieten alle Telegrafiſten auf den Schif=
Station im Eiſe war gefunkt worden: „Liebſt Du
mich?” und „Disko” hatte geantwortet: „Ja,
natürlich‟. Der Amerikaner arbeitete auf einem
Kurzwellenſender, während das Grönlandſchiff
auf langer Welle antwortete. Alle
Grönland=
telegrafiſten hatten alſo, wie man verſtehen wird,
fieberhaft zu tun, um die weitere Korreſpondenz
zwiſchen den beiden zu verfolgen, da immer auf
andere Wellen umgewechſelt werden mußte. Wie
der Telegrafiſt des Schulſchiffes „Hans Egede‟
ſpäter dem Amerikaner mitteilte, war es
furcht=
bar anſtrengend, jeden Tag in ſolchem Tempo
die Spulen auszuwechſeln. Aber es ſoll ſich
ge=
lohnt haben.
Das glückliche Paar wohnt jetzt in Richmond
in Virginia, wo Oscanyan bei der Eaſtern Air=
Linie angeſtellt iſt.
Aimées Stimme - unerkräglich.
Los Angeles. Die von einem Skandal zum
anderen dahinlebende amerikaniſche
Sektengrün=
derin und Prophetin Aimée McPherſon hat ſich
beſtimmt in all ihrer Berühmtheit nicht träumen
laſſen, daß ſie eines Tages im Mittelpunkt eines
Polizeiverfahrens wegen öffentlicher Ruheſtörung
ſtünde. Aber die Nachbarn jenes Tempels, den ſie
mit den Almoſen ihrer Jünger erbaute, haben
eine Beſchwerde eingeleitet:
Die Stimme der Aimée ſei unerträglich. Ob ſie
ſinge oder ſpreche — man höre ſie auf mindeſtens
500 Meter in aller Deutlichkeit durch die Lüfte
ſchrillen. Dem einen Nachbarn nahm dieſe Stimme
die Ruhe des Mittagsſchlafes, dem anderen den
Frieden bei der Zeitungslektüre. Selbſt in die
Ohren geſteckte Watte vermochte den Lärm kaum
zu dämpfen. So wird alſo in Kürze gegen Aimse
ein Sing= oder Schreiverbot erlaſſen werden
denn was zu laut iſt, iſt zu laut..
„Wir ſchwatzen Frauen kämpfen mit!“
Ein Geſpräch mit der abeſſiniſchen Prinzeſſin Heßla Tamanja. — Von der Zither zur Piſtole.
Kaiſerin Taitu, das große Vorbild.
(Nachdruck, auch auszugsweiſe, verboten.)
New York, im Auguſt.
Vor einigen Tagen erfuhr man, daß als in Abeſſinien.
die bisher in Amerika lebende
abeſſi=
niſche Prinzeſſin Heßla Tamanja ihre
Rückreiſe nach ihrem Heimatland
an=
tritt. Sie gab unſerem R.M.=
Mitar=
beiter ein außerordentlich intereſſantes
Interview über die Ausſichten eines
teil und ganz beſonders aber über die
ſem Kampf ſpielen würde.
Von der Zikher ...
Man wußte bisher nur von ihr, daß ſie auf
einem Konſervatorium in New York das
Zither=
ſpiel nach allen Regeln der modernen Muſikkunſt
erlernte. Wer näher mit ihr in Berührung kam,
der erfuhr weiterhin, daß ſie mit einem
hart=
näckigen Eifer vier Sprachen zu gleicher Zeit
(ernte und ſo den größten Teil des pünktlich aus
der Heimat eintreffenden Schecks für
Unterrichts=
ſtunden opferte.
In jüngſter Zeit ließ der Lerneifer nach, denn
Prinzeſſin Heßla Tamanja, die aus einem
ur=
alten abeſſiniſchen Hauſe ſtammt, eine Baſe des
Kaiſers Haile Selaſſie iſt und ſich ſelbſt als
Nach=
fahrin der Königin von Saba betrachtet, übte
ſich viel eifriger im Schießen mit einer Piſtole,
denn im Schlagen der Zither. Bis man nun vor
ein paar Tagen hörte, daß ſie ihre Papiere in
Ordnung gebracht habe und im Begriff ſtehe, nach
Abeſſinien zurückzukehren.
... zur Piſfole.
Drei ſonderbare Spoi ter trafen ſoeben in Paris ein. Sie Oefinden ſich mit ihren Rollſchuh=Skiern
auf einer Reiſe von Genf über Paris nach Brüſſel. Offenbar wollen ſie dieſe neuartigen Fußroller
volkstümlich machen. Sie können damit verhältnismäßig hohe Geſchwindigkeiten erreichen.
(Scherl=Bilderdienſt=M.)
Unterrichtete Kreiſe in New York haben aus
dieſer Abreiſe mancherlei Schlüſſe zu ziehen
ge=
wußt. Denn urſprünglich war vorgeſehen, daß
die Prinzeſſin, doch mindeſtens drei Jahre in
Amerika bezw. Europa ſtudieren ſollte. Man
mußte mithin ihre Reiſe als einen Platzwechſel
vom Stadion der ſchönen Künſte zum Kampfplatz
in Abeſſinien anſehen.
Dieſe abeſſiniſche Prinzeſſin gab bei dem
In=
terview, das ſie bereitwilligſt gewährte, mit dem
ganzen Feuer ihres oſtafrikaniſchen Blutes
Aus=
kunft über alles, was hier wiſſenswert erſchien.
„Alles, was ſchwarz und braun iſt . . ."
„Kommt es zum Aeußerſten — dann wird die
Welt eine größe Ueberraſchung erleben. Denn in
dieſem Krieg wird alles mitkämpfen, was ſchwarz
oder braun iſt. An vielen Stellen der Erde wird
zur gleichen Minute der Kampf aufflackern. Nir=
gendwo aber wird er hartnäckiger geführt werden
Und keiner wird leidenſchaftlicher mitkämpfen
als gerade die abeſſiniſchen Frauen. Sie laſſen
dann ihre häuslichen Pflichten ruhen, — treten
von heute auf morgen aus der Stille ihrer
Häu=
ſer und Höfe in das Leben, in den Kampf
hin=
künftigen Krieges im ſchwarzen Erd= aus. Sie nehmen erſt die Krankenpflege und den
Transport der Nahrungsmittel und der Muni=
Rolle, die die abeſſiniſche Frau in die= tion auf ſich. Aber wenn es ſchlimmer kommt,
werden ſie in jene Lücken eintreten, die der Tod
ihres Gatten oder Bruders in die Kampfreihen
geriſſen hat.
„Wie einſt die Kaiſerin Taitu . . ."
„Wir Frauen können nicht zurückſtehen in
die=
ſem Kampf. Wir haben ein leuchtendes Beiſpiel
für das Verhalten der Frauen in einem
abeſſini=
ſchen Krieg: Damals — vor 40 Jahren — zog
die Kaiſerin Taitu, die vierte Gattin Meneliks II.,
mit hinaus in den Kampf. Sie war mutiger als
zehn Krieger zuſammen. Sie ſtand in der
vor=
derſten Front. — Damals haben die Gegner
an=
fangs geſpottet. Doch dann haben ſie Taitu wie
einen böſen Geiſt gefürchtet.
Doch damals war alles noch einfach. Der jetzige
Krieg wird anders geführk werden. Ich habe
Briefe aus der Heimat hier: Man hat in den
Bergen Waffenlager. Man hat Unterſtände gegen
das Gas gebaut. Man hat Körbe mit
Giftkräu=
tern bereitgeſtellt und wird damit alle Flüſſe
und Brunnen vergiften. Zehn Mann genügen,
um einen Hohlweg, um einen Paß in unſeren
hohen gebirgigen Ländern zu ſperren. Und wo
die zehn Mann nicht zur Stelle ſind, da werden
zehn Frauen das gleiche tun. Das Beiſpiel der
Taitu wird uns führen. Die Frau im
abeſſini=
ſchen Krieg wird dieſem Kampf das beſondere
Geſicht geben.”
Und andere Prophezeiungen ..."
Die Augen der Prinzeſſin leuchten. Es iſt, als
ob Blitze der Leidenſchaft aus ihnen zuckten. Sie
ſpricht weiter von den Kampfausſichten
Abeſſi=
niens, von dem Mut der Frauen, von Tauſenden
gefangener Giftſchlangen, die man den Italienern
in die Lager ſchicken will, von wildgemachten
Herden, die man ihnen entgegentreibt.
Das Bild, das ſie entwirft, beweiſt den
Kampf=
willen eines Volkes, das ſich bedroht fühlt. Die
Prinzeſſin zweifelt nicht daran, daß es zu dieſer
letzten, zu dieſer größten Entſcheidung kommen
wird. Deshalb fährt ſie in dieſen Tagen über
, vertauſcht die Zither mit der Piſtole.
Seite 12 — Nr. 253
*Die vernichtete Abdankungsurkunde
Kaiſer Karls.
Von Alfred Strobel.
Die verſtärkte Tätigkeit der öſterreichiſchen Legitimiſten und
die überraſchende Aufhebung der ſogenannten „Habsburger=
Ge=
ſetze” durch die Wiener Regierung haben in den letzten Wochen im
Donauraum, ja in ganz Mitteleuropa eine Unruhe
hervorgeru=
fen, die deutlich zeigt, wie ſtark und vielgeſtaltig die Widerſtände
gegen jeden habsburgiſchen Reſtaurationsverſuch ſind. Die
Ge=
ſichtspunkte, von denen auch dieſe Ereigniſſe betrachtet werden
können, ſind dabei recht verſchiedenartig. So hat zum Beiſpiel
die von der Regierung Schuſchnigg durchgeführte Aufhebung der
„Habsburger=Geſetze”, die die Landesverweiſung und die
Ver=
mögensbeſchlagnahme betrafen, über ihren zweifelloſen politiſchen
und propagandiſtiſchen Sinn hinaus auch eine unabſtreitbare
juri=
diſche und ſtaatsrechtliche Seite. Der Beginn der Aufrollung der
ganzen mit den Vorgängen im November 1919
zuſammenhängen=
den Rechtsfragen iſt gemacht, und es dürfte nicht wundernehmen,
wenn in abſehbarer Zeit auch die Verfaſſungsmäßigkeit und
Legalität des Ueberganges von der Monarchie zur Republik in
Oeſterreich von legitimiſtiſch=klerikaler Seite beſtritten werden
ſollte. Zumal ja, wie wir ſehen werden, die heute noch für ihre
Familienintereſſen ſo aktiv tätige Exkaiſerin Zita ſchon in den
entſcheidenden Stunden im Jahre 1919 den Standpunkt vertreten
hat, daß „ein Herrſcher niemals abdanken kann”.
Nun will es das Schickſal, daß gerade das wichtigſte
Doku=
ment: die vom letzten Kaiſer von Oeſterreich am 11. November
1919 im Schloſſe Schönbrunn unterzeichnete Verzichtsurkunde,
heute nicht mehr vorhanden iſt! Ihre Geſchichte von der
Ent=
ſtehung bis zur Vernichtung iſt ſo eigenartig, daß es eigentlich gar
nicht ihrer weltpolitiſchen Bedeutung bedürfte, um ihr Schickſal
intereſſanter zu machen als das vieler anderer Urkunden, die neue
Kapitel in der Geſchichte der Staaten und Völker einleiten. Schon die
Geſchichte ihres Zuſtandekommens iſt von ebenſo großem
hiſtoriſch=
politiſchen Intereſſe, wie ihre heute wieder ſo aktuell gewordene
rechtliche Bedeutung. Der letzte Verſuch Kaiſer Karls, ſich nach
dem beginnenden Zerfall der großen alten Monarchie wenigſtens
im kleinen, neu entſtehenden Staate Deutſch=Oeſterreich noch als
Herrſcher zu halten, war bald zum Scheitern verurteilt, trotzdem
auf Erſuchen Karls der Fürſterzbiſchof von Wien, Kardinal Piffl,
alles verſuchte, um die chriſtlich=ſoziale Partei für die
Beibehal=
tung des monarchiſtiſchen Syſtems zu gewinnen und damit für die
Löſung der Frage der künftigen Staatsform im Sinne der
Habs=
burger eine Mehrheit in der eben gebildeten „Deutſch=
öſterreichi=
ſchen Nationalverſammlung” zu ſchaffen. Die Zeit des
Habsbur=
ger=Reiches war abgelaufen, und ſo konnten in jenen
entſcheiden=
den Tagen auch die Chriſtlich=Sozialen nichts anderes mehr tun,
als die Vermittlungsaktion des Kardinals mit dem Erſuchen zu
beantworten, der Monarch möge freiwillig ſeine Rechte
zurück=
ſtellen und die Entſcheidung über die künftige Staatsform dem
Volke überlaſſen. Da der Kaiſer hierzu aber zunächſt nicht bereit
war, mußte bald ein ſtärkerer Druck auf ihn ausgeübt werden,
zumal die neugebildete deutſch=öſterreichiſche Regierung, an deren
Spitze Staatskanzler Dr. Renner ſtand, ſich auf den Boden der
Legalität ſtellte und vor der geplanten Ausrufung der Republik,
die, wie es in der erſten proviſoriſcher Verfaſſung hieß, als „
Be=
ſtandteil des Deutſchen Reiches” gedacht war, unbedingt vorher
die formelle Abdankung des bisherigen Herrſchers haben wollte.
Nun hatte Oeſterreich damals eigentlich zwei Regierungen: das
letzte kaiſerliche großöſterreichiſche Kabinett mit Dr. Lammaſch
als Miniſterpräſidenten und die erwähnte neue Regierung Deutſch=
Oeſterreichs unter Dr. Renner. Die erſte war zwar legal, hatte
aber praktiſch gar keine Macht mehr, die zweite dagegen
repräſen=
tierte einen Staat, der verfaſſungsrechtlich noch gar nicht gebildet
war. Um nun dieſe unmögliche Lage möglichſt raſch zu klären,
entwarf Dr. Renner den Wortlaut eines Abdankungsmanifeſtes
Karls und übergab den Entwurf dem kaiſerlichen
Miniſterpräſi=
denten Dr. Lammaſch, damit dieſer den Kaiſer bewege, ihn
anzu=
nehmen und zu unterzeichnen. Lammaſch und ſeine Berater
waren verzweifelt; ſie wußten, daß Karl ſich bisher geſträubt
hatte, freiwillig abzudanken, daß aber auch der Lauf der Dinge
von niemanden mehr aufgehalten werden könne. Da trat Dr.
Seipel, der in der Regierung Lammaſch Miniſter für ſoziale
Für=
ſorge war, aber auch in der Chriſtlich=Sozialen Partei ſchon ſtar=
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
ken Einfluß hatte, mit einem Vermittlungsvorſchlag hervor: der
Kaiſer ſolle keine Abdankungsurkunde unterſchreiben, ſondern nur
den „Verzicht auf jeden Anteil an den Regierungsgeſchäften”
er=
klären. Lammaſch entwarf den Wortlaut einer ſolchen Erklärung,
und in Begleitung ſeines Innenminiſters von Gayer meldete er
ſich am Vormittag des 11. November in Schönbrunn zur Audienz.
Erregt, ſo daß er kaum einen Satz zu Ende ſprechen konnte, legte
der ſchon bejahrte Miniſterpräſident dem Kaiſer den Wortlaut
der Verzichterklärung zur Unterſchrift vor. Der Monarch ſträubte
ſich und blieb auch unſchlüſſig, als Lammaſch ihm mitteilte, daß
keine Zeit verloren werden dürfe, weil das Manuſkript des
Mani=
feſtes noch vor Mittag in der Staatsdruckerei ſein müſſe.
Karl zog ſich zurück, um ſich in dieſer entſcheidenden Stunde
mit ſeiner Frau zu beraten. Und nun folgte jene bedeutſame
Ausſprache zwiſchen dem Herrſcherpaar, die der einzige Zeuge,
Hauptmann Karl Werkmann, der Sekretär des Kaiſers,
außer=
ordentlich plaſtiſch geſchildert hat: Glühend vor Erregung, ſo
ſchreibt Werkmann, wehrte Zita die Zumutung einer
Verzicht=
erklärung ab. „Niemals kann ein Herrſcher abdanken”
wieder=
holte ſie immer wieder. „Er kann abgeſetzt werden, gut, das ſt
Gewalt. Sie verpflichtet ihn nicht zur Anerkennung, daß er ſeine
Rechte verloren habe. Er kann ſie verfolgen, je nach Zeit und
Umſtänden — aber abdanken — nie, nie! Lieber falle ich mit dir
hier, dann wird Otto kommen. Und wenn wir alle fallen ſollten
— noch gibt es andere Habsburger
Etliche Male ſtörte der Flügeladjutant des Kaiſers, Graf
Ledochowſki, die Unterredung des Kaiſerpaares mit dem
dring=
lichen Hinweis, daß die Miniſter auf die ſofortige Antwort
war=
teten. Auch Innenminiſter Gayer erſchien im Zimmer, ohne daß
ſein Anklopfen gehört worden wäre, und verlangte dringend die
Entſcheidung. Obgleich auch Hauptmann Werkmann für die
Un=
terzeichnung eintrat, widerſetzte ſich Zita immer noch in der
lei=
denſchaftlichen Form dem geforderten Schritte — allerdings
um=
ſonſt; denn ſchließlich nahm der Kaiſer doch einen Bleiſtift und
unterzeichnete mit ihm den in Maſchinenſchrift niedergelegten
Ent=
wurf. Er hatte aber nicht mehr die Kraft, ihn ſelbſt ſeinem
letz=
ten Miniſterpräſidenten zu übergeben, ſondern ſchickte ihn durch
ſeinen Sekretär in das Vorzimmer mit der Weiſung, daß das
Manifeſt nun veröffentlicht werden könne. Und kurz darauf las
man in den Straßen Wiens ſchon große Anſchläge, die von der
entſcheidenden Wendung im Schickſal Oeſterreichs Mitteilung
machten
Das ſo heiß umkämpfte Dokument ſollte aber ein recht
ſelt=
ſames Schickſal erfahren. Im Verzeichnis der Akten des
Miniſter=
rates wurde es unter der Zahl 11 070 und mit dem Datum vom
11. November 1919 eingetragen. Der Vermerk lautet: „
Abdan=
kung Sr. Majeſtät des Kaiſers Karl I. A. h. Manifeſt betreffend
den a. h. Verzicht auf den Anteil an den Staatsgeſchäften.
Erledi=
gung a. a. 12. November.”
Dieſes „a. a.” heißt, daß die Uurkunde „ad acta”, alſo zu den
Akten, gelegt werden ſolle. Seltſamerweiſe wurde ſie aber nicht
bei den Miniſterratsakten im Archiv hinterlegt, ſondern in einer
eiſernen Kaſſe aufbewahrt. Dort lag ſie nun vergeſſen und
un=
beachtet, bis ſie nach einigen Jahren durch einen Zufall
aufgefun=
den wurde. Man entſchied nun, daß das geſchichtlich ſo wichtige
Dokument dem Haus=, Hof= und Staatsarchiv einverleibt werden
ſolle. Doch auch dort blieb es nur wenige Jahre; denn eines
Tages wurden alle auf die Verfaſſung und die innere Politik
be=
zugnehmenden Akten dem Archiv des Miniſteriums des Innern
überwieſen, das ſie aber wegen Platzmangels im eigenen Gebäude
in den rieſigen Kellerräumen des Wiener Juſtizpalaſtes
depo=
nierte. Dann kam der tragiſche 15. Juli 1927, an dem der
ſchreck=
liche rote Aufruhr durch die Straßen Wiens brauſte und
unmittel=
bar neben dem Parlament der große Bau des Juſtizpalaſtes in
Flammen aufging. Unter den Tauſenden und Zehntauſenden von
Akten, die dabei verbrannten und verkohlten, befand ſich auch das
Schriftſtück 11070 aus dem Miniſterratspräſidium — die
Thron=
verzichterklärung des letzten Kaiſers der Habsburger=Monarchie,
die Geburtsurkunde des neuerrichteten deutſchen Staates
Oeſter=
reich!
Aber in der an Zufällen ſo reichen, und trotzdem ſo kurzen
Geſchichte dieſes Schriftſtückes gibt es noch einen Zufall:
Irgend=
wo in einem Prager Regierungsarchiv befindet ſich ſeine
Photo=
graphie! Als nämlich die Tſchechen auf Grund der
Beſtimmun=
gen des Vertrages von Saint Germain von allen für ihren Staat
wichtigen Akten Abſchriften herſtellen ließen, kam ihnen im Haus=,
Hof= und Staatsarchiv auch dieſe Verzichtsurkunde des Kaiſers
Karl zu Geſicht. Sie ließen im Jahre 1924 für ihr Staatsarchiv
eine Lichtbildaufnahme anfertigen. So iſt wenigſtens das Bild
4 Auf neuen Straßen durch die
altertümliche Republik Andorra.
Von Adolf Ziegler.
Winzig, nur 482 Quadratkilometer groß, weltfern, von
Ge=
heimnis umwittert, ſo kam Andorra, ein politiſches Kurioſum des
Mittelalters, durch Jahrhunderte kaum verändert, bis in unſere
Zeit. Zähe Bergbauern kataloniſcher Art und Sprache, etwa
6000 an der Zahl, bewohnen die Hochmulden, Täler und
Berg=
traßen des kleinen Ländchens, das ſchwer zugängliche gewaltige
Gebirgsgürtel hoher und höchſter Gipfel der Pyrenäen
um=
ſchließen. Dank dieſer natürlichen Hinderniſſe und dem
trotzig=
konſervativen, leidenſchaftlichen Unabhängigkeitsſinn ſeiner
robu=
ſten Bewohner konnte ſich Andorra ſeine relative Unabhängigkeit
bis heute bewahren. Der erſte Lehnsvertrag von 1278 und die
Reformbeſchlüſſe von 1866 ſind die beiden wichtigſten geſchichtlichen
Ereigniſſe. Die älteſte Urkunde verlegt die Staatsgründung in
die karolingiſche Zeit. Ob ſie wirklich Karl der Große oder einer
ſeiner Söhne vollziehen ließ, iſt ſehr zweifelhaft, denn die
Ur=
kunden ſind apokryph. Sicher iſt dagegen, daß fränkiſche Soldaten
das Land im 8. Jahrhundert eroberten. Als ſich allerorts der
Feudalismus organiſierte, eigneten ſich mächtige Herren der
Nach=
barſchaft, vornehmlich die Grafen von Urgel und die von Foix,
Rechte und Landbeſitz in Andorra an. Von den Grafen von Urgel
kamen dieſe mehr oder weniger uſurpierten Lehnsrechte an die
Biſchöfe von La Seo de Urgel (Spanien) und von den Grafen
von Foix an die Krone von Frankreich (Heinrich IV.). Andorra
iſt daher weniger „Republik” als „erbliches Fürſtentum”. In
dem Dualismus der mit Sonderrechten und =pflichten
ausgeſtat=
teten Lehnsherrſchaft der beiden „Co=princes” (Mitfürſten), des
Biſchofs von Urgel und des Präſidenten von Frankreich, den der
Präfekt von Perpignan vertritt, offenbart ſich eine eigenartige,
im Mittelalter nicht ſeltene Staatsform, die gewiſſe Freiheiten
des Volkes und deſſen landwirtſchaftlichen und paſtoralen
Ge=
meinſchaftsweſens mit den feudalen Vorrechten der beiden
Lehns=
herren in Einklang brachte. Heute noch können die beiden
Co=
princes im Einverſtändnis miteinander nationale und
inter=
nationale Entſcheidungen für Andorra treffen, ohne die
Andor=
raner befragen zu müſſen. Die innere Staatsverwaltung beſorgt
ein „Generalrat” 24, von den allein wählbaren „caps de Casa‟
(Familienoberhäupter), auf 4 Jahre gewählte Räte, denen ein
Syndikus (nebſt Vize=Syndikus) vorſitzt. Poſt, Münzrecht,
Poli=
zei (8 Schutzleute in Khakiuniform und ein Unteroffizier)
unter=
ſtehen aber den Co=princes. Ebenſo ſind für das Gerichtsweſen
nicht der Generalrat, ſondern zwei Landvögte (Vegueros)
zuſtän=
dig, die jeweils von den beiden Co=princes berufen werden.
Der Generalrat hält ſeine Sitzungen in „Andorra=la=Vieja‟,
ab, in der „Casa de la Vall” einem feſtungsartigen düſteren Bau
aus dem 16. Jahrhundert. Hier bewahrt man auch noch alte
Werkzeuge mittelalterlicher Gerichtsbarkeit auf: Kette, Halseiſen
uſw. Bemerkenswert iſt eine eiſerne „Knebelmaſchine‟. Ein zum
Tode Verurteilter bekam ſie um den Hals gelegt. Durch Zudrehen
wurde er erdroſſelt. Dieſe ſchauerliche Vollſtreckung ſoll vor 80
Jahren zum letzten Male ſtattgefunden haben. Heute iſt für
Ge=
fängnisſtrafen, Zwangsarbeit uſw. Frankreich zuſtändig.
Ver=
brecher werden der franzöſiſchen Gendarmerie übergeben,
Militär beſitzt Andorra nicht. Alle „caps de casa” (
Fami=
lienoberhäupter) müſſen aber zu Hauſe ein Gewehr und Munition
in gutem Zuſtande bereithalten, um jederzeit dem Aufruf der
Landesverteidigung folgen zu können. Sie unterſtehen in jedem
Bezirk einem Hauptmann, die Hauptleute den Landvögten. Der
Generalrat hat keine militäriſche Befehlsgewalt.
Der Maler, Geologe, ethnographiſch oder ſonſtwie intereſſierte
Schriftſteller, der noch vor 3 Jahren nach Andorra reiſen wollte,
nußte ſich in L’Hoſpitalet, dem letzten franzöſiſchen, 1436 Meter
hoch gelegenen Grenzſtädtchen ein Maultier mieten, um auf
be=
ſchwerlichen ſteinigen Pfaden über den 2407 Meter hohen, viele
Monate tief verſchneiten Envalira=Paß, der Waſſerſcheide des
Atlantiſchen Ozeans und des Mittelmeers, durch die Dörfer
Sol=
deu, Canillo, Encamp, Las Escaldas uſw. nach achtſtündigem
Ritt nach der 1070 Meter hoch gelegenen „Hauptſtadt” der
Repu=
blik, nach „Andorra=la=Vieja”, einem überraſchend primitiven
Bergdorf von 700 Einwohnern, zu gelangen, das geſchützt vor
Lawinen und Steinſchlag kühn und romantiſch auf einen in das
herrliche Tal vorgeſchobenen Felſenwall gebaut iſt.
Mit dieſer geheimnisvollen Wetlabgeſchiedenheit war es mit
einem Schlage vorbei, als 1932 die neue prachtvolle Autoſtraße
eröffnet wurde. 5 bis 7 Meter breit, ungefähr 45 Kilometer
lang, durchquert ſie diagonal Andorra von Nordweſt (Pas de la
Casa) nach Südoſt (Arcabell), dem Lauf des Valirafluſſes
fol=
gend, und verbindet den lichten franzöſiſchen Badeort Ax=les=
Ther=
mes (Toulouſe) mit dem altersgrauen Biſchofsſitz La Seo de
Urgel (Barcelona). Dieſe Fahrt vermittelt Ausblicke voller
lieb=
licher Wunder und herber Herrlichkeit. In der Talſenke neben
der Bahnlinie des Departement Ariege liegen Steine maſſenhaft.
Die Bauern haben ſie auf den Fluren überall zu Haufen
ge=
ſchichtet und Rebſtöcke darauf gepflanzt. Die Trauben reifen gut
in der von den Kalkſteinen am Tage aufgeſogenen und dann
nach=
haltig ausſtrahlenden Sonnenhitze. Um den Envalirapaß werden
auf mageren Bergweiden große Herden roſtbrauner Kühe ſichtbar,
und von den Wolken über freien Gebirgskonturen heben ſich im
Gegenlicht weidend ziehende Pferde prachtvoll ab.
Wenn man durch das ſolange abgeſchloſſene Ländchen
wan=
dert, überraſcht die Primitivität der Siedlungen. Die Häuſer
ſind aus dicken Schieferbrocken gebaut. Sie genügen
allereinfach=
ſter anſpruchsloſeſter Zweckmäßigkeit. An Türen, Fenſtern,
Ge=
ſimſen, Scheunen und in den Innenräumen keine ſchmückende
Zu=
tat, nirgends leuchtet eine heitere Farbe, nirgends ſpielt eine
originelle Form, die künſtleriſchen Sinn verriete. Und dennoch
wirken dieſe armſeligen braunblauen, winkelig gebauten Dörfer
und Weiler, die hoch über den Hängeterraſſen der Gemüſegärten,
Tabakspflanzen und Getreidefelder an den Berghalden kleben,
überaus romantiſch, weil ſie ſich ausnehmen wie ein organiſcher
Beſtandteil dieſer ſchönen, durch ihre Höhenunterſchiede ſo
ab=
wechſlungsreich geſtalteten, häufig großartigen Landſchaft. Dieſe
urſprüngliche Einfachheit iſt noch allerorts. Es iſt Erntezeit.
Goldene Garben prangen auf den an den Berghängen
terraſſen=
artig übereinandergelegten ſchmalen Feldern. Vor offenen
Scheunen am Weg oder auf den Tennen wird gedroſchen nach
uralter Art. Ein Bauer treibt den ſchwarzen Wallach im Trab
über die draußen hoch geſchichteten Garben. Innen driſcht eine
Magd mit dem Dreſchbalken, den zwei Kühe im Kreisgang über
die prallen Aehren ſchleifen. Die Heugabeln ſamt den Zinken ſind
aus einem Stück, aus einem geeignet verzweigten Kiefernaſt,
ge=
fertigt. Ein paar Schweine jagen grunzend durch die win=
Ende der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts waren dic
Landräte in Preußen meiſt Großgrundbeſitzer des Kreiſes, den
ſie zu verwalten hatten. Das war den Großgrundbeſitzern nichtt
inangenehm, denn ſie hatten eigentlich keinen Vorgeſetzten:;
Regierungs= und Oberpräſident waren ihnen nicht im Wege,
denn etwaige Beſchwerden gingen der Feſtſtellung halber an den
Landrat zurück und ſeiner Darſtellung wurde geglaubt, wenm;
auch die Bevölkerung des Kreiſes anderer Meinung war. Daßß
der Landrat ſeine Standesgenoſſen bevorzugte, fand man
bei=
nahe ſelbſtverſtändlich, denn mit ihnen ſtand er ja in
geſellſchaft=
lichem Verkehr. Im übrigen — was die Angelegenheit dem
Bauern betraf — das überließ der Landrat ſtets dem
Kreis=
ſekretär oder Kreisausſchußſekretär. Er kam gewöhnlich nur am
einem oder zwei Tagen für ein paar Stunden nach der
Kreis=
ſtadt, ließ ſich in beſonderen Fällen von den Sekretären unter= und unterſchrieb dann, ohne ſie zu leſen, die zahlreichem:
Schriftſtücke.
So war es auch im Kreiſe Pr. E. Da wurde ein neuem
Schreiber, Fritz Kaulbars im Landratsamt eingeſtellt. Das wam
ein übermütiger junger Burſche, der bei allen luſtigen Streicher
bald der Anführer wurde. Als er ſich mit den Gepflogenheiter
der Behörde vertraut gemacht hatte, wettete er eines Tages
mi-
einigen anderen jungen Leuten um zwei Achtel Bier, daß den
Landrat ſein eigenes Todesurteil unterſchreiben würde. Seing
Gegenpartner hatten das beſtritten, denn ſie meinten, der Land= ſehe ſich doch wohl die Schriftſtücke, die er
unterſchreibe=
wenigſtens äußerlich an. Fritz Kaulbars aber hhatte die Gewohn= des Landrats und des Kreisſekretärs in der kurzen Zeirt
ſeines Dienſtes viel genauer beobachtet als die anderen.
Er wußte, daß der Landrat, wenn er am Mittwoch oden
Samstag um zehn Uhr auf dem Landratsamt erſchien, ſich
zu=
nächſt die beiden Sekretäre kommen ließ und deren
Vorträge=
über die wichtigſten Ereigniſſe entgegennahm. Dann, bis halb
12 Uhr mittags, wurden die wichtigſten Perſönlichkeiten empfangem.
und zuletzt in einer halben Stunde die Unterſchriften vollzogen,
die ſo gelegt werden mußten, daß nur der Raum für die=
Unterſchrift frei blieb. Da konnten dann etwa 50 bis 100
Unter-
ſchriften geleiſtet werden.
Fritz Kaulbars verfaßte nun eine Urkunde, in der der
Land=
rat im Namen des Königs zum Tode verurteilt wurde weger,
Vernachläſſigung ſeiner Pflichten, Parteilichkeit bei Streitſacher,
zwiſchen Großgrundbeſitzern und Bauern und wegen
unbegrenz=
ter Faulheit. Sein bisheriges Gehalt — es waren 2000 Tales
jährlich — mußte er vor ſeinem Tode zurückzahlen.
Darunter noch durch einen Strich getrennt ſtand dann:
„Das Urteil iſt gerecht. Ich erkenne es an.”
Der Landrat.
Kaulbars hatte da3 Urteil kalligraphiſch ſchön geſchrieben
dann mußte er es unter die zur Unterſchrift bereit liegender
Schriftſtücke einſchmuggeln. Das war nicht ganz einfach, dodld
als der Kreisſekretär einen Augenblick hinausgerufen wurde
gelang auch das. Der Kreisſekretär brachte um 12 Uhr dia
Unterſchriften zurück und gab ſie den Schreibern zum Kuvertieren.
Damals war es noch nicht allgemein üblich, Kuverts zuu
verwenden, die amtlichen Schreiben wurden auf der freiem
Seite adreſſiert und mit Mundlack zugeklebt. Das dauerte alſch
eine Weile. Da der Landrat pünktlich um 12 Uhr das
Land=
ratsamt wieder verließ und der Kreisſekretär ſich als Erholung
für die Strapazen einen Frühſchoppen gönnte, waren dia
Schreiber allein und Kaulbars holte triumphierend das
Todes=
urteil unter den Schreiben heraus.
Er hatte die Wette gewonnen, die ihm zwei Achtel Biex
eintrug, die er aber ganz fröhlich mit den Unterlegenen teilte,
Es war ein fideler Abend und das Todesurteil mit der An
erkennung des Landrats hat er lange aufbewahrt.
er M
blls no
t Rhein=?
mi wieder
uandere
Dire zu
bue nicht
beläichte
zer erſol
zu dem
kelige Straße, die zum Regierungsgebäude führt. In einem Ho
gibt ein Lehrer einem Dutzend Kinder Unterricht.
Mit dem Verkehr hielten aber Technik und Hygiene der Neu
zeit raſch Einzug in dieſen ſtillen Tälern. In Encamp, San Julia
de Loria, Andorra=la=Vieja und beſonders in Las Escaldas ſin.)
gute Gaſthäuſer und Hotels. Das „Hoſtal Valira” in Las Escak
das z. B. iſt ein prächtiger Granitbau, geſchmackvoll nach ſüH
ſpaniſchem Vorbild ausgeſtattet. Die Halle iſt mit gelb=blaue
„azuleſos” ausgekachelt. Inmitten plätſchert ein kleiner Spring
brunnen. Die Fenſterbögen, Gitter uſw. ſind mauriſch beeinfluß
Beleuchtung und Zimmereinrichtungen ſind neuzeitlich. In La=
Escaldas iſt auh das größte Elektrizitätswerk, 30 000 PS. Waſſer
fallhöhe 500 Meter vom Angolaſterſee bis zum Werk. Der Ver
gleich von dem, was vor kurzem noch war, mit dem, was ſchon ge
worden iſt, iſt kraß! Das kleine Ländchen hat es gut. Es be
kommt alles gleich in neuzeitlichſter, anderwärts erprobter Güte
Die Bevölkerung von Andorra lebt über 52 Dörfer und Wei
ler verſtreut, die in 6 Pfarreien eingeteilt ſind. Inmitten dieſe
großartigen Landſchaften ſind die alten einfachen Kirchen da
Schönſte. Mit ihren von den Jahrhunderten patinierten Türme
ragen ſie, das maleriſche Bild eigenartig beſeelend, weithin ſich1
bar in den Himmel. In dieſen Kirchen ſcheint ſich auch die gans
bisherige höhere Kultur von Andorra zu erſchöpfen, was in de‟
primitiven religiöſen Bevölkerung und in dem jahrhundertelan
mächtigen biſchöflichen Einfluß ſeine Erklärung finden mag. Heut
iſt dieſer Einfluß etwas im Schwinden.
In Ordino, einem in einem Hochtal (1304 Meter) romantiſc
gelegenen großen Dorf waren wir Gaſt von Dr. Areny de Plati
dolit, einem Naturwiſſenſchaftler, der uns dort das „Naturwiſſern
ſchaftliche Muſeum” zeigte, das er gerade baut. In den Halle;
und unfertigen Sälen ſtanden überall Kiſten und Sendunge‟
herum mit den Anſchriften Hamburger Firmen der Dermoplaſtr:
Die Andorraner leben von Landwirtſchaft (Getreide, Taba
etwas Ohſtbau uſw.) und beſonders von Viehzucht. Man ſiek)
große Herden, von Schafen, Rindern und Pferden, die in der
Sommermonaten im Freien auf den Bergweiden verbleibe:
Schmuggel war früher noch mehr als heute eine beliebte und eir
trägliche Beſchäftigung mancher Andorraner. Man ſchmuggelte
beſonders Tabak und Alkohol. Im Weltkrieg waren es 6jährige und
ältere Maultiere, die die Schmuggler mittels fingierter Papiere fu
Andorra kauften, da die Ausfuhr in Spanien nach Frankreig
ja verboten war. In Andorra noch ein fingierter Zwiſchenver
kauf und dann bei Nacht und Nebel über die franzöſiſche
Grens=
nach Toulouſe, wo die Heeresverwaltung die Maultiere zu hohe!
Preiſen kaufte. Die Schmuggler bekamen ſogar noch eine Aus'
fuhrerlaubnis für die gleiche Anzahl junger Maultiere, die 1
Frankreich angekauft werden durften. Dieſe billigen Fohlen ver
kauften die Andorraner dann wieder in Spanien und machtel
glänzende Geſchäfte.
Heute finden viele junge unternehmungsluſtige Andorraner
in dem aufblühenden Verkehrs= und Hotelweſen lohnende Beſcha.”
tigung. Das Land hat zahlreiche heilkräftige Thermalqueller
(Schwefel, Eiſen uſw.) ſowie Eiſen= und Erzlager. Auch de
Jäger, Bergſteiger und Skiläufer bietet es hervorragende
Mog=
lichkeiten. Nach deutſchen Waren wurde häufig gefragt. Hier
dürften Gelegenheiten ſein, manches Geſchäft abzuſchließen. Dei
Schleier des Geheimniſſes liegt ja nicht mehr über der „kleinel
Republik Andorra”, dafür iſt aber eine Fahrt oder Wanderuri!
von Toulouſe nach Barcelona durch dieſes herrliche hochgebirgis
Ländchen eine ebenſo ſchöne wie bequeme Angelegenheit geworden
Samstag, 14. September 1935
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 253 — Seite 13
Sttdbadt ldAttt!
Darmſtädter Langlauf=Tradikion.
Heiner Haag hat den deutſchen Rekord über 10 000 Meter nach
orrmſtadt geholt. Es iſt dies meines Wiſſens der erſte Rekord
uf dem Gebiet der Leichtathletik, der ſich — von einem „
ge=
pachſenen” Darmſtädter energiſch am Schopf gefaßt — in
dermſtadt heimiſch niedergelaſſen hat. Für wielange? Das weiß
nrn nicht. Rekorde leben heutzutage in beſtändiger Lebensgefahr,
uch wenn ſie noch ſo ſtabil erſcheinen. Aber daß gerade eine
Beſt=
eſtung im Langſtreckenlauf nach Darmſtadt gefallen iſt, kommt
ſicht ſo von ungefähr, faſt könnte man ſagen; das hat man kommen
eſen. Denn der Mittel= und Langſtreckenlauf weiſt in Darmſtadt
ine Linie auf, er iſt nicht von heute auf morgen das geworden,
ors er iſt, er hat Tradition. So ſind ſeine Erfolge nicht
erraſchender Zufall, ſondern das Ergebnis einer langjährigen,
eonderen Vorliebe des Darmſtädter Leichtathleten gerade für
ſie ſe Uebung und einer — dieſer Vorliebe entſprechenden —
ſyſte=
netiſchen Pflege.
Gewiß: im Sport wächſt nichts von ſelbſt. Vor jede wirklich
ucke Leiſtung ſind dem Sportsmann (außer der ſelbſtverſtändlichen
örperlichen Veranlagung) das Studium der techniſchen Beſon=
ſerheiten einer Uebung, das zweckentſprechende Training, der
INut zu gelegentlichen Mißerfolgen und der Wille zur
erſönlichen Vollkommenheit geſetzt. Ohne die Erfüllung
ieſer vier Vorausſetzungen kein wirklicher Erfolg! Und doch ſteht
hren — in beſonders günſtigen Fällen — noch ein anderes
Mo=
nent außerordentlich wirkſam zur Seite, und dieſes andere
Mo=
nent iſt eben die Tradition.
Was iſt Tradition im Sport? Man könnte ſagen: eine ganz
condere Art von Luft, die immer wieder von neuem anregt;
ünre Sumnme von gleichgerichtetem Geſchehen, das zur Nacheiferung
ockt; eine Ueberlieferung, die verpflichtet und alles in allem
o, ein Boden, auf dem die beſondere Leiſtung weit beſſer
ge=
ſeht, als auf ſportlichem Flach= und Brachland. Die Tradition
üht an, ſie lockt die Jüngſten ſchon heraus, ſie treibt die
Befähig=
en vorwärts, ſie ſchafft Leiſtungen, die Vorbild werden, und ſelbſt
venn ſie erloſchen ſcheint, kann ein einziger ſtarker Hauch ſie
wie=
der anfachen.
Eine ſolche Tradition aber auf dem leichtathletiſchen
Ge=
ſet der Mittel= und Langſtrecke, gibt es in
Darm=
irdt, und Heiner Haag hat einen neuen wichtigen und
erfreu=
ichen Punkt darin markiert.
Für den Sporterfahrenen wird das ohne weiteres verſtändlich
ein; er weiß, daß die Schwimmer aus Magdeburg und
Göp=
ungen kommen (auch Darmſtadt hat eine Schwimmer=Tradition;
nenn ſie auch in den letzten Jahren nur dünn weiterlief, ſo ſind
uch hoffnungsvolle junge Kräfte zum Weitertragen vorhanden.)
Er weiß auch, daß die Fußballer nicht in Darmſtadt, aber in
Karlsruhe, in Nürnberg und Fürth, etwa noch in Mannheim,
Ber=
in, Hamburg und im Weſten zu Hauſe ſind (wo Fußball in neuerer
Zeit ſonſt noch hochkam, läßt ſich die Spur meiſt auf dieſe Quellen
urückführen); er weiß weiter, daß man Sprinter, alſo
Kurz=
treckenläufer, wieder nicht hier, ſondern etwa in Frankfurt, in
er Köln=Düſſeldorfer=Duisburger Gegend, in München oder
äuttgart ſuchen muß; er nennt als Traditionsſtädte des
Hand=
alls noch immer Fürth. Darmſtadt, Berlin und zwei oder drei
In Rhein=Ruhr=Gebiet, weil er weiß, daß in dieſen Städten
im=
ner wieder Handballer heranwachſen, werden, was man von
en anderen, in denen ſich plötzlich einige Militär= und
Polizeiver=
ine zu beſonders ſtolzer Höhe aufgeſchwungen haben, heute noch
ange nicht ſagen kann; und ſchließlich wirft er einen Blick auf die
beſchichte der Darmſtädter Leichtathletik und erinnert ſich
— wenn er weit genug zurückdenken kann — einiger Namen
hie=
iger erfolgreicher Mittel= und Langſtreckenläufer, aus denen ſich
is zu dem Namen Haag herüber jene Kette fügt, die wir
Tra=
ſition nennen. Und gerade dieſe Tradition, weil ſie jetzt zu einem
olch ſchönen Erfolg hinführte, iſt wohl wert, daß man ſie einmal
— ihre markanteſten Punkte hervorkehrend — in kurzen Strichen
Isziert.
Die erſten Darmſtädter „Langſtreckler” waren die Geher der
ympig 1898 und des Darmſtädter Sportclubs 05. Man ſah ſie
n den Jahren 1906, 1907, 1908, bis etwa gegen 1912. Ihre
Strecken gingen von 3 über 5 bis zu 10 15. 25 und 50 Kilometer;
lebungsgelände waren die Straßen nach Weiterſtadt und
Gräfen=
zauſen, nach Griesheim-Büttelborn und nach Eberſtadt. Die
nößeren Wettgehen führten den Namen „Rund um Darmſtadt”.
Nre Luſt am Geben hatte die große Veranſtaltung der Deutſchen
Sportbehörde für Leichtathletik mit ihrem 100=Kilometer=
Meiſter=
chaftsgehen auf der Strecke Frankfurt—Mainz—Darmſtadt—
Frank=
urt hierher gebracht. Zuſchauer des damals ziemlich lebhaften
Darmſtädter Gehſports waren aueßr einer kleinen Zahl von
An=
ungern recht verdutzt und kopfſchüttelnd dreiſchauende Bürger.
das Kopfſchütteln hielt allerdings den Gang der Entwicklung nicht
uf. Als die Olympia um 1909 nach der Beſſunger Rennbahn
Verſiedelte, lockte der nahe Wald zu abendlichen Läufen; die
Schwierigkeit des Geländes half mit der Zeit eine ziemlich
anſehn=
ſiche Zahl durchtrainierter Waldläufer heranbilden, und ſo holen
denn auch gleich nach dem Krieg unſere Darmſtädter Leichtathleten
die neugeſchaffene Waldlaufmeiſterſchaft des Gaues
Süd=
weſt Jahr für Jahr nach Darmſtadt. (Als Kurioſum ſei vermerkt,
darß in der erſten Zeit luſtwandelnde Spaziergänger ſogar die
Po=
liei auf das ſonderbare Treiben dieſer Waldläufer aufmerkſam
gemacht hatten.)
Inzwiſchen hatten die Palmgarten=Sportfeſte
drü=
ben in Frankfurt ihre Wirkung auf unſere Darmſtädter
Leicht=
athleten nicht verfehlt. Zu der Luſt an der Bewegung kam immer
ſtärker das Streben nach Leiſtung. Langſam ſchoben ſich die
wirklich Leiſtungsfähigen vor, und bald haben wir in Darmſtadt
eine hervorragende 3 mal 1000=Meter=Staffel mit den Brüdern
Hans und Joſef Schröck und v. Neufville (Olympia) und
einen beachtenswerten Langſtreckler in Georg Merkel vom
Sportklub. Die Staffel hatte bis in die Kriegszeit hinein außer
Straßburg und Berlin keine Gegner, die ihr gefährlich werden
konnten, und blieb mit ihrer beſten Leiſtung ron 8 Minuten 10
Se=
kunden nur mit 3 Sekunden hinter dem von den Straßburgern
CCharventier, Perſon und Amberger) aufgeſtellten deutſchen
Re=
kord. Von ihren einzelnen Läufern war Joſef Schröck der
erfolg=
reichſte; er war von 1911 bis 1914 Inhaber der
Verbandsmeiſter=
ſchaft über 800 und 1500 Meter im Frankfurter Bezirk wurde 1912
und 1913 jeweils Zweiter im 800=Meter=Lauf bei den Süddeutſchen
Neiſterſchaften (1913 durch Sturz auf der aufgeweichten Bahn
ſtark zurückgeworfen), errang ſich 1913 die Olympia=
Prüfungs=
medaille und wurde auf Grund ſeiner Leiſtungen für den Olympia=
Ausbildungskurſus in Berlin beſtimmt. (Die Olympiade ſollte
1916 in Berlin abgehalten werden; der Krieg hat ſie verhindert.)
Hans Schröck hatte ſich als Einzelläufer mehr der Langſtrecke
zu=
gewandt und erreichte 1912 bei den Süddeutſchen Meiſterſchaften
den 2. Platz im 3000=Meter=Hindernislauf.
Der erſte eigentliche Langſtreckler, Georg Merkel, wurde im
Jahre 1912 über 3000 Meter Verbandsmeiſter des Frankfurter
Verbandes. Seine beſte Zeit — obwohl er die vorhergegangene
Nacht durcharbeiten mußte! — lief er im gleichen Jahr bei den
Süddeutſchen Meiſterſchaften in Stuttgart mit 8 Minuten 56
Se=
lunden. (Die Meiſterſchaft ging mit 852 an Stoiher=Nürnberg.)
1913 beteiligt er ſich an den Ausſcheidungskämpfen über 7500
Me=
ter in Frankfurt läuft unter 26 Minuten, erhält die Olympia=
Prüfungsmedaille und wird für den Ausbildungskurſus in Berlin
beſtimmt. (Die Schwierigkeiten bei allen dieſen Läufen müſſen weit
höher eingeſetzt werden als heute; vielfach wurde noch auf
Gras=
plätzen gelaufen.)
Der Krieg unterbricht dieſe Entwicklung auf längere Zeit.
Dann tauchen mit Jans (400 Meter), und beſonders mit
Her=
mann Engelbardt (800 Meter) neue Namen auf. Engelhardt
erzielt auf den Olympiſchen Spielen in Amſterdam (1928) den
3. Platz im 800=Meter=Lauf. Die unterbrochene Linie iſt wieder
aufgenommen, der erſte Erfolg internationaler Wertung erreicht.
Neuer Nachwuchs drängt in Darmſtadt inzwiſchen vor Creter,
Blind, Held und Haag ſchaffen 1935 eine deutſche Jahres=
Beſtleiſtung über 4 mal 1500 Meter, auch dem „Ausländer”
Schilgen bekommt die Darmſtädter Luft vorzüglich, ſo daß er
von Darmſtadt aus erfolgreich in die Süddeutſche die Deutſche
und die Studenten=Meiſterſchaft (Studenten=Olympiade) eingreift.
Neben den Sportvereinlern läuft ſich Fornoff von der
Turn=
gemeinde 46 gut ein; nicht vergeſſen ſeien Heinz Lindner.
Heiner Habich, die „Alten Kämpen”: Creter und Blind ſind
heute immer mit an der Spitze, und Haag endlich holt ſich die
Deutſche Meiſterſchaft und gleich darauf den deutſchen Rekord über
10 000 Meter. Starker Nachwuchs eifert nach.
Das iſt der Stand von heute. Die aufgezeichnete
Entwicklungs=
linie läßt hoffen, daß wir ihn halten oder gar noch verbeſſern
können. Mehr vielleiſtt, als der durchſchnittliche Sportbeobachter
glaubt, trägt die Tradition in einer Sportart zugleich deren
Er=
folge, und Sache jeder guten Vereinsleitung iſt es, dieſe Tradition
zu achten und denen, die ſie weiterzuführen berufen ſind, die Wege
zu ebnen.
D.
Das Sporkprogramm des Sporkvereins 1898.
Auch im 2. Verbandsſpiel müſſen die Fußballer im Ried
an=
treten. Diesmal iſt die gefährliche Mannſchaft von Olympia
Lam=
pertheim ihr Gegner. Wenn die 98er die gleich gute
Mannſchafts=
leiſtung wie in Pfiffligheim bieten, natürlich verbunden mit einer
größeren Stoßkraft der Stürmerreihe, dann dürfte es gar nicht
unmöglich ſein, daß ſie die Lampertheimer Klippe erfolgreich
umgehen Die unteren Fußballmannſchaften ſtehen vollzählig im
Kampf. Reſerve= und 2a=Mannſchaft in Ober=Ramſtadt gegen die
1 und 2. Elf der dortigen TSG. 2b=Mannſchaft gegen 3. Eberſtadt,
Stadion 1.30 Uhr, und Junioren gegen 3. SV. Merck, Stadion
10,30 Uhr.
Die Handball=Liga iſt ſpielfrei.
Die Reſervemannſchaft ſpielt um 3 Uhr auf dem Stadion
gegen die 1. Mannſchaft des MTV. Urberach. Nach dieſem Spiel
gemütliches Zuſammenſein mit den Gäſten. Die Handballſchüler
ſpielen um 2 Uhr auf dem Stadion gegen Polizei. Sämtliche
Mit=
glieder der Handballjugendabteilung treffen ſich am Sonntag
vor=
mittag 10 Uhr auf dem Stadion zu einer Beſprechung. Paßbilder
für den neuen Ausweis des Reichsbundes ſind mitzubringen.
Polizeiſporkverein Darmſtadt.
Die Fußballmannſchaft des Vereins begibt ſich am
Sonn=
tag zu dem Bezirksklaſſen=Neuling Sportverein Münſter.
Die Elf der Landespoliziſten iſt durch die Niederlage der
Egels=
bacher gewarnt, und wird hoffentlich das Treffen um die Punkte
von vornherein ernſt nehmen. Nur mit dem nötigen Geiſt kann
die Mannſchaft des Polizei=SV. in Münſter etwas werden, oder
ſie kommt genau ſo unter die Räder, wie die ſonſt ſehr gute Elf
aus Egelsbach. Das Treffen beginnt in Anbetracht der Münſterer
Kirchweih ſchon um 14 Uhr. Um 12.15 Uhr treffen ſich die
Liga=
reſerven beider Vereine. Die Ligamannſchaft hat einige
Umände=
rungen erfahren, die ſich hoffentlich bewähren, Aufſtellung:
Sauer: Muth Göbel; W. Kaſpar, Dumont. Kaufmann: Blank,
Keck, Balſer, Harter, L. Pfeiffer.
Die Ringermannſchaft weilt heute als Gaſt in Nieder=
Ramſtadt. Die Darmſtädter Vorortler ſind in dieſem Jahre zur
Gau=Liga aufgerückt und werden beſtimmt auf eigener Matte
einen ſehr gefährlichen Gegner abgeben. Auch dort ſind nur Punkte
zu holen, wenn die Spieler gleich zu Beginn mit Ernſt bei der
Sache ſind.
Reichsbahn=TSV. Darmſtadt, Fußballabteilung.
Een Af eeine erehe eiee e eiche eie
Stoll 1. Stromberger trifft ſich um 14 Uhr am Rot=Weiß=Platz
(Rheinſtraße). Die 2. Mannſchaft mit Göbel, Schmidt 2, Borger,
Stoll 2. Schmidt 1, Frieß 3, Beutel, Dörſam, Rexroth.
Netter=
mann, Gerbig begeben ſich zur Spielvereinigung Arheilgen.
Treff=
punkt 13.45 Uhr am Gaswerk.
Jahn 1875 Darmſtadt — Opel Rüſſelsheim komb.
Am Sonntag vormittag 11 Uhr empfangen die 1875er eine
komb. Mannſchaft von Opel Rüſſelsheim. In der Opelelf wirken
u. a. die Zuwachsſpieler, die für die erſte Elf noch nicht
verbands=
ſpielberechtigt ſind, mit. Jeder Fußballintereſſent weiß, daß Opel
verſchiedene bekannte Spieler erhalten hat, die Gewähr geben,
ein ſchönes und anſtändiges Fußballſpiel zu zeigen. Für die
1875er iſt dieſes Spiel gegen Opel die letzte Kraftprobe vor den
Meiſterſchaftsſpielen. Die ehemaligen Eintrachtler treten erſtmals
in veränderter Mannſchaft an, und haben zu beweiſen, ob ſich dieſe
Aufſtellung für die Zukunft bewährt. Vorher: 9.30 Uhr, ſpielt
1875 Jahn 2. — TSG. 1846 3. — Am Nachmittag um 2 Uhr findet
das Schülerſpiel gegen Germania Eberſtadt auf dem Platze am
Ziegelbuſch ſtatt.
Turn= und Sportgemeinde 1877 Ober=Ramſtadt.
Der Sonntag iſt ein Groß=Kampftag auf dem Sportplatz
Schorsberg! Die Fußballer der TSG. Ober=Ramſtadt
emp=
fangen die ſtarke Reſerve von 98 Darmſtadt zum
Freundſchafts=
ſpiel. Es iſt mit einem ſehr ſpannenden Spiele zu rechnen, deſſen
Ausgang vollkommen offen iſt. Spielanfang: 4 Uhr. — 2.
Mann=
ſchaften: 1.30 Uhr
Die Handballer der TSG. Ober=Ramſtadt haben den
ſpielſtarken Turnverein Groß=Zimmern im Freundſchaftsſpiele zu
Gaſt. Die Gäſte gehören der Bezirksklaſſe an und ſtellen eine ſehr
ſtarke Elf, die in ihrer Klaſſe immer mit an führender Stelle ſteht.
Die Fußballer ſowie die Handballer der TSG. ſtehen vor
ſchweren Aufgaben, beide müſſen ihr ganzes Können einſetzen,
wenn ſie in Ehren beſtehen wollen. Spielanfang des
Handball=
ſpiels 3 Uhr.
FC. Union Wixhauſen — Kickers Offenbach Reſ.
Dde SaScerit eite Din dier Waiſce Duede euſe
Neuerwerbungen der Kickers mit, die für die erſte Mannſchaft
noch nicht ſpielberechtigt ſind. Weiter ſpielen die ſeitherigen
Liga=
ſpieler Wenzel, Stein, Jäger in der Mannſchaft. Dieſe hat erſt
von 14 Tagen den Bezirksklaſſevertreter FV. Sprendlingen auf
deſſen Platz einwandfrei beſiegt, und am letzten Sonntag mußte
die Reſerpe von Phönix Ludwigshafen mit 4:1 die
Ueberlegen=
heit der Offenbacher anerkennen. Da auch die Union=Mannſchaft
ihre Spielſtärke unter Beweis ſtellen will, wird es zu einem
ſpannenden Kampfe kommen.
TSG. 46 — Handballabteilung.
Zu dem Spiel unſerer 1. Mannſchaften in Griesheim fahren
wir mit Rad. Die Abfahrtzeiten ſind folgende: Reſerve um 1 Uhr
an der Brücke 1. Mannſchaft um 2 Uhr an der Griesheimer Brücke.
Die Spielzeiten der unteren Mannſchaften ſind; vormittags:
3. Mannſchaft hier Wogswieſe gegen 2. TV. Griesheim. 11 Uhr;
Jgd=Mannſchaft hier Woogswieſe gegen Jad. Germ Pfungſtadt,
9 Uhr: Schüler=Mannſchaft hier Woogswieſe gegen Schüler Germ.
Pfungſtadt, 10 Uhr. — Zu den ſchweren Spielen am Nachmittag
in Griesheim erwarten wir von allen unſeren Freunden rege
Be=
teiligung, nur durch eine gute Unterſtützung können wir der
Mannſchaft ihr Vertrauen ſtärken.
Turngemeinde Beſſungen 1865.
Zum Abſchluß der diesjährigen Wettkämpfe kommen am
Sonntag, 15. September, die internen Vereinsmeiſterſchaften im
Volkstümlichen Turnen auf unſerem Platze an der
Heidelberger=
ſtraße zum Austrag. Wie in den vergangenen Jahren ſo wird auch
das d esmalige Vereinsſportfeſt durchgeführt. Turner und
Turne=
rinnen, ob Hand= oder Fußballer, Schüler oder Schülerinnen, alle
ſtehen in den 7 Klaſſen in Mehrkämpfen bereit, ihre eigenen
Kräfte und Leiſtungen zu prüfen.
In Anbetracht der am gleichen Tage ſtattfindenden Beſſunger
Kerb werden alle Kämpfe am Vormittag zum Abſchluß gebracht.
Wir erwarten daher von allen Kämpfern und Kampfrichtern, daß
ſie pünktlich um 8.15 Uhr in ihren Riegen angetreten ſind.
Diet=
wart Krüger wird vor Beginn eine kurze Morgenfeier halten.
Nachmittags um 16 Uhr ſpielt unſere 1. Handballiugend und
um 17 Uhr die 1. Mannſchaft gegen die gleichen Mannſchaften
vom Turnverein Seeheim. Ein Beſuch dieſer Spiele dürfte ſich
empfehlen.
TSG. 46 Darmſtadt, Hockey=Abt.
Am kommenden Sonntag begibt ſich die 1. Herren=Elf der
Hockey=Abteilung der TSG. 46 Darmſtadt nach Frankfurt zu ihrem
dritten Spiel. Gegner iſt die 1. Herrenmannſchaft des bekannten
und ſehr ſpielſtarken J. G. Sportvereins Frankfurt. Durch die
Teilnahme einiger Spieler am Reichsparteitag wird die
Darm=
ſtädter Elf durch Spieler der 2. Mannſchaft ergänzt, ſelbſt der
be=
währte Torwächter Merkel muß diesmal erſetzt werden.
Pom Taurt der Wann
Der Große Preis von Monza, das größte
Automobil=
rennen Italiens, geſtaltet ſich zu einem neuen Triumph der
deut=
ſchen Rennwagen. Hans Stuck auf Auto=Union gewann vor
Nuvo=
lari auf dem neuen Alfa=Romeo, während der Stallgefährte des
Siegers Bernd Roſemeyer den ehrenvollen dritten Platz belegen
konnte. Für die Schwere des Rennens zeugt es, daß von 16
ge=
ſtarteten Wagen 12 Teilnehmer, darunter auch die mit
Brems=
ſchwierigkeiten kämpfende Mercedes=Mannſchaft, ausſchieden.
Die klaſſiſche Fernfahrt Baſel—Cleve die als
Geſamt=
ſieger Wiertz=Klein=Auheim ſah, wurde auch in dieſem Jahre
wie=
der eine überlegene Beute der Deutſchen. Den zweiten Platz
be=
legten die Schweizer vor den Dänen.
Seine außerordentliche Beſtändigkeit ſtellte der Berliner
Poliziſt Wöllcke erneut unter Beweis, indem er den deutſchen
Rekord im Kugelſtoßen neuerlich auf 16,32 Meter verbeſſerte.
eine Leiſtung, die bisher nur von zwei Amerikanern überboten
wurde.
Am vergangenen Sonntag begannen in Deutſchland die
Fuß=
ball= und Handball=Meiſterſchaftsrunden, die den
Sport=
anhängern gleich einige ordentliche Ueberraſchungen beſcherten.
Zum Wochenende verzeichnen wir u. a. an wichtigen
Ereigniſſen den Zweifrontenkampf im Fußball gegen Polen in
Breslau und Eſtland in Stettin, den 10. Leichtathletikländerkampf
gegen Frankreich in Paris und den Abſchluß der 17.
Internatio=
nalen Motorrad=Sechstagefahrt bei der augenblicklich nur noch die
deutſchen Teilnehmer ſtrafpunktfrei ſind.
Großer Jugendklubkampf in Darmſtadt.
SV. 1898 — JG. Frankfurt — TSG. 46 Darmſtadt im Kampf.
Die Jungleichtathleten beenden am Sonntag die Saiſon und
treffen ſich in Darmſtadt noch einmal in Großkämpfen zu einem
würdigen Abſchluß. Der SV. 1898 empfängt ſeine Kameraden und
Freunde vom JG.=Sportverein Frankfurt, die in dieſem Jahre
damit zum zweiten Mal gegen die Lilienträger antreten, und
gleichzeitig wird auch die Jugend der TSG. 46 Darmſtadt am
Böllenfalltor zu Gaſte ſein, um einen weſentlichen Teil der
Uebun=
gen dieſes Klubkampfes mitzubeſtreiten. Das Programm dieſes
Klubkampfes iſt beſonders umfangreich und bei dem Können der
einzelnen Jungleichtatleten ſind ſpannende Kämpfe und ſicher ganz
ausgezeichnete Leiſtungen zu erwarten, ſind doch gerade die
Frank=
furter Jungen in dieſem Jahr derart erfolgreich geweſen, daß ſie
vermutlich diesmal in der Vereinsbeſtenliſte Deutſchlands an
erſter Stelle ſtehen werden! Der Endſieg wird daher auch ſicherlich
den auswärtigen Gäſten nicht zu nehmen ſein, wer aber weiß, daß
auch unſere einheimiſchen Jungleichtathleten ganz ausgezeichnete
Leiſtungen aufweiſen der wird ſich ob der zu erwartenden ritterlichen
Kämpfe beſtimmt nicht abhalten laſſen, dieſen feinen
Jugendklub=
kampf zu beſuchen.
Beachtlich iſt an dieſem Klubkampf, daß ſowohl der SV. 98
als auch der JG.=SV. je Einzelübung drei Teilnehmer ſtellen, von
denen jeder wiederum nur höchſtens drei Uebungen beſtreiten darf.
Der Klubkampf erhält dadurch alſo eine derart breite Baſis, wie
ſie ſelten in Deutſchland zu finden iſt, ohne daß die Leiſtungshöhe
beträchtlich ſinkt, eine Tatſache, die den beiden Vereinen ein
aus=
gezeichnetes Zeugnis ausſtellt. Erfreulich iſt, daß die TSG. 46,
deren Abteilung im Aufbau begriffen iſt, die Gelegenheit
mitzu=
ſtreiten wahrnimmt, ſo daß wir alſo am Sonntag vormittag auf
dem Platz am Böllenfalltor einen Großkampf der
Jungleichtath=
leten erleben werden, der jeden Beſucher begeiſtern wird. Der
Kampf beginnt um 9.30 Uhr pünktlich mit dem Aufmarſch der drei
Kampfmannſchaften und am Nachmittag werden vorausſichtlich
vor dem Handballſpiel bzw. in deſſen Pauſe die Staffelkämpfe
ſteigen. Wir hoffen, daß dieſe letzte Großveranſtaltung unſerer
Jugend viele Zuſchauer gewinnt. Das meiſt prachtvolle Können
unſeres Nachwuchſes wird alle reſtlos zufriedenſtellen.
Der Leichtathletik=A.H.=Klubkampf SV. 98 — Merck Darmſtadt
der heute mittag ſtattfinden ſollte, wird auf Wunſch der Gäſte auf
einen anderen Termin verlegt.
Heiner Haag ſtartet in Paris.
Nach einer kurzen Erholungspauſe, die Haag nach den vielen
zermürbenden internationalen Gefechten nötig hatte, ſtartet er in
Paris in der deutſchen Nationalmannſchaft über 5000 Meter.
Viel=
leicht gelingt es dem ehrgeizigen Lilienträger, daß er im Kampf
mit dem jungen Franzoſen Rochard, der ſchon 14,45 Min. (!)
ge=
laufen iſt, weiter an die 15 Min=Grenze heronzukommen oder
gar zu unterbieten. Wie dem auch ſei, wir ſind gewiß, daß er
ſein Vaterland, ſeine Heimatſtadt und ſeinen Verein mit dem ihm
eigenen ehrgeizigen Streben vertreten wird.
Creter. Blind und Löwel ſtarten in Mainz
in der Mannſchaft des Gaues Südweſt gegen die Repräſentativen
des Gaues Nordheſſen. Auch bei ihnen dürfen wir vorausſetzen,
daß ſie an ihre bisher erzielten Leiſtungen anknüpfen und dem
Gau Südweſt zum Siege verhelfen.
Radfahren.
5. Wanderfahrt des Bezirks 3 im Gau 13. Südweſt.
Der Bezirk 3 veranſtaltet am 22. September 1935 eine letzte
diesjährige Wanderfahrt. In den Odenwald zu dem ſchönen Schloß
Lichtenberg ſoll diesmal die Fahrt führen. Wir richten deshalb
an alle Kameraden die dringende Bitte, vollzählig bei dieſer
letz=
ten Tour zu erſcheinen. Wir wollen unſeren Kameraden im
Oden=
wald durch eine große Beteiligung zeigen, daß der Wanderſport
einer der Hauptſtützen des Bezirkes und des Gaues iſt. Die Fahrt
iſt für das geſamte Bezirksgebiet, alſo für alle Kreiſe maßgebend.
Die Wertung findet mittags von 1—3 Uhr im Burgſaal des
Schloſſes Lichtenberg ſtatt. Gleichzeitig machen wir darauf
auf=
merkſam, daß die Wertungskarten mit Lichtbild verſehen ſein
müſ=
ſen, da dieſelben an dieſem Tage eingezogen werden. Ebenfalls
muß jeder Teilnehmer ſein Meldegeld für die gefahrenen Touren
entrichtet haben.
Ein Steherkampf Deutſchland — Frankreich
wird am Sonntag in Paris ausgetragen. Metze, Krewer, Möller
und der aus Amerika heimgekehrte Carpus werden die deutſchen
Intereſſen vertreten.
Vierke Ekappe der Hechskagefahrf.
In Oberſtdorf waren am Donnerstag die Straßen dicht
bevölkert, alles wartete geſpannt auf das Eintreffen der erſten
Fahrer, unter denen ſich ja auch der deutſche National=
Seiten=
wagen befand. Inzwiſchen war nämlich bekannt geworden, daß
Kraus und ſein Beifahrer Müller trotz ihrer wirklich nicht zu
leicht zu nehmenden Verletzungen in Titiſee pünktlich geſtartet
waren. Bis zum Bodenſee, als, die erſte Bergprüfung bereits
hinter ihnen lag, hatten ſie ſich wacker gehalten und waren noch
immer rechtzeitig an den Zeitkontrollen eingetroffen. Obgleich
ſie die körperlichen Strapazen ſtark mitgenommen hatten, machten
beide einen guten —indruck.
Wekkerbericht
des Reichswetterdienſtes, Ausgabeort Frankfurt a. M.
In der allgemeinen Südweſt=Strömung werden feuchtwarme
Luftmaſſen über unſer Gebiet hinweg verfrachtet, die vielfach zur
Schauertätigkeit führen. Mit Druckanſtieg folgt dann wieder
Auf=
heiterung, doch behält das Wetter im ganzen einen wechſelvollen,
ziemlich warmen und nicht unfreundlichen Verlauf.
Ausſichten für Samstag: Zunächſt noch vielfach aufgeheitert, ſpäter
eintretende Trübung und verſtärkte Neigung zum Niederſchlag.
Bei auffriſchenden ſüdweſtlichen Winden ziemlich warm.
Ausſichten für Sonntag: Im weſentlichen Fortdauer der nicht ganz
regenſicheren Witterung mit der Jahreszeit entſprechenden
Temperatur.
Nummer 253
DarmſtädterCagblatte
Samstag, 14. Sepfember
eſNeueſte Nachrchten
Baumwolle — Amerikas große Sorge.
Im Zuſammenſpiel der Weltwirtſchaft von heute ſtellt
Baum=
wolle zwar nicht mehr wie in der Frühzeit des Kapitalismus den
„König” der Rohſtoffe dar („cotton is king”), aber ihre
grund=
legende Bedeutung für die Textilinduſtrien der Erde und damit
für den Welthandel iſt doch noch unbeſtritten, und daher beſitzt
die Baumwollpolitik der U. S. A., die bis in die
allerletzten Jahre hinein das anerkannte
Mo=
nopol des Baumwollanbaues in den Händen
hatten, das beſondere Intereſſe aller Induſtrieländer. Nicht
zuletzt Deutſchlands, in deſſen Einfuhr Baumwolle
im=
mer noch ne ben Wolle den wichtigſten Poſten bildet.
Als Rooſevelt im Jahre 1933 ſein Amt antrat, wurde
die Baumwollfrage in den U. S.A. noch als reines Marktproblem
behandelt, deſſen Schwierigkeiten — Ueberproduktion und
Ver=
brauchsrückgang — man durch entſprechende Stützungskäufe bei
den Farmern zu überwinden hoffte. Unmittelbar nach ſeinem
Regierungsantritt griff Rooſevelt in dieſe offenbar erfolgloſe
Politik ein, indem er die Steigerung der Baumwollpreiſe neben
der Entwertung des Dollars, die auch noch anderen Zwecken
diente, hauptſächlich durch die Verringerung der
Anbau=
fläche im Rahmen des Farmhilfsgeſetzes zu erreichen ſuchte.
Von zwei Millionen Baumwollfarmern beteiligten ſich 430 000
freiwillig an der Aktion und pflügten 10 Millionen Acres der
ſchon in der Blüte ſtehenden Ausſaat um, in der Erwartung, auf
dieſe Weiſe eine Ernteverminderung um 3 Millionen Ballen zu
erzielen. Als Entſchädigung erhielten die Farmer je nach
Wahl eine Barabfindung oder die Option auf eine ihrer
Ernte=
verminderung entſprechende Baumwollmenge aus
Regierungs=
beſtänden. Die Koſten dieſer Politik ober zahlte die
baumwoll=
verarbeitende Induſtrie in Form einer
Baumwollver=
brauchsſteuer von 4,2 Cents je lb., was ſich bald in der
Verteuerung der Baumwollwaren und in einem Rückgang ihres
Konſums bemerkbar machte; letzten Endes alſo doch wieder die
Farmer traf.
Allein trotz der Anbauverminderung nahm die Ernte 1933/34
wieder zu: die Farmer hatten begreiflicherweiſe nur die
ertrags=
ärmeren Felder unbebaut gelaſſen, dafür aber die beſſeren Böden
um ſo ſintenſiver bewirtſchaftet, was in den ſtark erhöhten Acre=
Erträgen klar zum Ausdruck kommt. — Die Anbauverringerung
wurde indes auch für die folgende Kampagne, und zwar um 40
Prozent (gegenüber 1928—32) beſchloſſen. Den beteiligten
Farmern wurde, eine Erntebevorſchuſſung von
12 Cents je lb. zugeſagt. Dieſe Maßregel erwies ſich in der
Folgezeit für die geſamte amerikaniſche Volkswirtſchaft als
be=
ſonders verderblich, da die Bevorſchuſſung” einer Uebernahme in
die Regierungsbeſtände gleichkam und den Farmern damit
jeg=
licher Anreiz zum Verkauf genommen wurde: allein von 1933/34
auf 1934/35 ging infolgedeſſen, die amerikaniſche
Baumwollausfuhr um 3 1 Millionen Ballen
zu=
rück, während gleichzeitig die übrigen Baumwolländer der Erde
— vor allem die ſogenannten Exoten (d. h. alle
baumwollerzeu=
genden Länder außer Aegypten, Indien und den U. S.A.) — ihre
Baumwollerzeugung aufs kräftigſte förderten und tatſächlich auf
dieſe Weiſe die bisherige Monopolſtellung der USA.
erſchütterten: 1934/35 betrug der Anteil der U.S.A. an der
Baumwoll=Welterzeugung mit 9730 Mill. Ballen nur noch 43 Proz.
gegen 19 135 Millionen Ballen oder 64 Prozent im Jahre 1926=
1927. Im April 1934 kam das ſogenannte Bankheadgeſetz
zuſtande, das die bisherige Freiwilligkeit der Farmer an der
Baumwollaktion beſeitigte, alſo Zwangswirtſchaft einführte und
im übrigen nicht mehr auf die Anbaufläche, ſondern auf die Ernte
ſelbſt abgeſtellt war. Dieſe wurde auf 10,46 Millionen Ballen
feſtgeſetzt, eine Menge, die indes infolge der bekannten
Trocken=
heitskataſtrophe 1934 nicht einmal erreicht wurde. Da
Lagerab=
bau, Inlandskonſum und Baumwollexport inzwiſchen nicht die
gewünſchte Entwicklung genommen hatten, ſetzte man die
Reſtrik=
tionspolitik auch für die Kampagne 1935/36 fort, ohne allerdings
die Einzelheiten feſtzulegen, woraus ſich allmählich eine
uner=
trägliche Unſicherheit der Lage ergab.
Das Kernübel der bisherigen Regelung war
die Bevorſchuſſung der Farmerbeſtände zu 12 Cents durch den
Staat, die zu den bereits erörterten ſchädlichen Folgen führte.
Hier hat Rooſevelt denn auch, wie der Draht vor einigen Tagen
aus Waſhington meldete, eingegriffen und die Beleihungsgrenze
auf 9 Cents je lb. herabgeſetzt, wobei man den Farmern die
Verſicherung gab, daß man ihnen den Unterſchied zwiſchen dem
erzielten Preiſe und dem Soll=Preiſe, von 12 Cents vergüten
würde. Die Bedeutung der Neuregelung beruht vor allem auf
der Tatſache, daß die Farmer nunmehr wieder zum Verkauf ihrer
Beſtände gezwungen ſind, falls ſie nicht große Verluſte in Kauf
nehmen wollen. Die merkliche Baiſſe auf den Baumwollmärkten
in den letzten Tagen beruht auf dieſer Erwartung.
Allein, wenn Rooſevelt glaubt, damit das Mittel gefunden
zu haben, um der U.S. A.=Baumwolle ihre frühere
Monopolſtel=
lung zurückzuerobern, ſo ſchätzt er die handelspolitiſchen
Momente, die zur Verdrängung der U.S.A.=Baumwolle
bei=
getragen haben, zu gering ein: So lange die U. S. A. ſich
hartnäckig weigern, von ihren
Baumwollkun=
den auch ihrerſeits Waren in entſprechenden
Mengen abzunehmen — was ihnen die halbe Welt ſeit
Jahren klarzumachen ſucht — ſind dieſe, wie Deutſchland,
Italien, Polen uſw. gezwungen, ſich an die
an=
deren, immer leiſtungsfähiger werdenden
Baum=
wollproduzenten der Welt zu wenden, bei denen
ſie unter Umſtänden, auf dem Kompenſationswege ihren Bedarf
decken können — Daher wird auch die neueſte Wendung der
amerikaniſchen Baumwollpolitik, die zudem auf ſeiten des Senats
auf Schwierigkeiten ſtoßen dürfte, keine radikale Beſſerung
brin=
gen können.
Enkwicklung und Ausſichten
der deutſchen Nahrungs= und Zukkermikkeleinfuhr.
Vor einem Jahre ſchien es infolge der Dürre und der dadurch
hervorgerufenen Ernteausfälle notwendig zu ſein, die geringere
inländiſche Erzeugung an Nahrungs= und Futtermitteln durch
er=
höhte Bezüge aus dem Ausland zu ergänzen. Angeſichts der
De=
viſenſchwierigkeiten hätte dies zu ſehr unerfreulichen Folgen
füh=
ren können. Wie das Inſtitut für Konjunkturforſchung in einem
zuſammenfaſſenden Bericht über den deutſchen Außenhandel mit
Nahrungs= und Futtermitteln feſtſtellt, iſt es dem
Reichsnähr=
ſtand jedoch gelungen, durch eine ſtraffe Marktregelung die
aus=
reichende Vevſorgung mit landwirtſchaftlichen Erzeugniſſen ſiche=, ohne in weſentlich größerem Umfang als zuvor auf
Er=
zeugniſſe des Auslandes zurückgreifen zu müſſen. Trotz der
er=
wähnten Ernteſchwierigkeiten iſt die Mehreinfuhr an
Nahrungs= und Futtermitteln vom
Wirtſchafts=
jahr 1933/34 mit 1320 Mill. RM. nur auf 1406
Mill. RM. im Wirtſchaftsjahr 193435 geſtiegen.
Die in dieſen Ziffern zum Ausdruck kommende Leiſtung der
deut=
ſchen Landwirtſchaft wird man um ſo eher würdigen, wenn man
bedenkt, daß noch im Jahre 1927 der Einfuhrüberſchuß an
Nah=
rungs= und Futtermitteln 4,25 Milliarden RM. betrug. Schon
bis zum Jahre 1934 hatte er dann eine Verminderung um 74
v.H. erfahren. Eine weitere Verminderung ſtößt auf
Schwierig=
keiten, weil man in Betracht ziehen muß, daß viele Erzeugniſſe
auf deutſchem Boden nicht erzeugt werden können. Gliedert man
die Einfuhrwaren nach dieſen Geſichtspunkten, ſo iſt der
Einfuhr=
überſchuß an Erzeugniſſen, die auch im Inland herſtellbar ſind,
um 81 v. H. geſunken, während die übrigen Erzeugniſſe, wie
Süd=
früchte, Kaffee, Tee uſw. nur einen Rückgang um 55 v. H.
ver=
zeichnen. Die Gliederung der Einfuhr nach Warenmengen
ergibt, da ſeit 1928 alle Einfuhrpreiſe ganz erheblich
zurückgegan=
gen ſind, ein anderes Bild. Der Einfuhrüberſchuß an Nahrungs=
und Futtermitteln iſt in der Zeit von 1927 bis 1934 der Menge
nach nur um 38 v. H. geſunken. Dabei ſind die im Inland
her=
ſtellbaren Erzeugniſſe erheblich ſtärker, nämlich um 60 v.H.
zu=
rückgegangen, während die nicht im Inland erzeugbaren Waren
ſogar um 13 v.H. zugenommen haben und nur wenig unter dem
Höchſtſtand vom Jahre 1930 liegen.
Wie das Inſtitut für Koniunkturforſchung weiter feſtſtellt,
ſind die Ausſichten im Laufe des Wirtſchaftsjahres 1935=
1936 mit einem geringeren Deviſenbetrag auszukommen, ſoweit
ſich dies im Augenblick überſehen läßt, durchaus günſtig.
Einmal iſt mit einer größeren Ernte an Brot= und
Futter=
getreide ſowie vor allem auch an Heu und anderen Futtermitteln
als im Vorjahr zu rechnen. Ferner iſt der Ertrag der
Weide erheblich beſſer, und endlich dürften durch gute
Fort=
ſchritte in der rationellen Verwertung, der
an=
fallenden Erzeugniſſe beträchtliche Einſparungen zu erzielen ſein.
Dies gilt um ſo eher, als die Marktordnung weiter verbeſſert,
die Kühlanlagen erweitert und vervollkommnet und insbeſondere
die Silowirtſchaft gerade in dieſem Jahre durch ſtaatlihe
Zu=
ſchüſſe erheblich ausgedehnt werden konnte.
Günſige Forkenkwicklung
der größeren Schulze=Delitzſchen Volksbanken.
Produkkenmärkke.
Mainzer Getreidemarkt vom 13. Sept. Es notierten: Weizen
W. 19 20,60, Roggen R. 18 16,90 frei Mühle; Futterhafer H. 14
15 80. Futtergerſte G. 11 16,70 ab Station Erzeugerpreis. Brau=
und Induſtriegerſte 19,75—21,00, Malzkeime 17,75—18,25,
Wei=
zenkleie W. 19 11,13, Roggenkleie R. 18 10,40 Mühlenpreis.
Bier=
treber 19—19 50, Soyaſchrot und Trockenſchnitzel nicht notiert.
Tendenz: In Brotgetreide mangelnde Aufnahmefähigkeit; Brau=
und Induſtriegerſte feſt; Kleie, Biertreber und Schnitzel fehlt
je=
des Angebot. Uebrige Futterartikel ruhig.
Frankfurter Eiergroßhandelspreiſe vom 13. Sept. An dem
Frankfurter Eiergroßmarkt war die Marktlage weiter ruhig. Die
Preiſe ſind der neuen Verordnung angepaßt worden. Es war wenig
Weſtware am Markt, dafür erfolgten größere Anlieferungen in
Oſtware. Es notierten (in Pfg. pro Stück frei Frankfurt a. M.,
Großhandelsverkaufspreiſe an den Kleinhandel): Deutſche
Mar=
keneier S.=Kl. 12,25—12,50, Kl. a) 11,50—11,75, b) 10,75—11.
c) 9,75—10, d) 9—9,25; Holländer S. 11,25—11,50. a) 10.50—
10,75, b) 10—10,25, c) 9,25—9,50; Jugoſlawen und Bulgaren
Kl. a) 10.50—10,75. b) 10—10,25: Originalware 9,75—10:
Deut=
ſche Markenkühlhauseier S. 10,25, a) 9,50—9,75, b) 9.25—9.50,
C) 875—9 d) 8,25—8,50.
Frankfurter Buttergroßhandelspreiſe vom 13. Sept. An dem
Buttergroßmarkt war die Marktlage im großen und ganzen
un=
verändert. Die Zufuhren waren ſaiſonbedingt etwas geringer.
Die Preiſe blieben hier unverändert gegenüber der letzten Woche.
Es notierten pro 50 Kilo frei Frankfurt a. M. (
Großhandelsver=
kaufspreiſe an den Kleinhandel) in RM.: Deutſche Markenbutter
144—145, feine deutſche Molkereibutter 142—143, deutſche
Mol=
kereibutter 140. Landbutter 125, Kochbutter 115—120, holländiſche
Butter 144—146.
Vom Deutſchen Genoſſenſchaftsverband e. V., Berlin wird
uns u. a. geſchrieben: Im Rahmen der Zweimonatsbilanzſtatiſtik
werden durch das Statiſtiſche Reichsamt, für Anfang Juli
inter=
eſſante Entwicklungsziffern der größeren deutſchen
Volks=
banken bekannt. Sie umfaſſen rund 60 Prozent der Ergebniſſe
aller Volksbanken. Allein die Geſchäftsguthaben und Reſerven
belaufen ſich auf 152 Millionen RM. gegenüber 857 Mill. RM.
Fremdkapital. Das Eigenkapital (ohne Berückſichtigung des
Haft=
ſummenzuſchlags) beträgt damit über 18 Prozent der fremden
Mittel. Es zeigt ſich darin, daß die gewerblichen
Kreditgenoſſen=
ſchaften, die ſtets auf eigene Kapitalbildung größten Wert gelegt
haben, den zu erfüllenden Vorſchriften des Reichskreditgeſetzes
recht nahekommen. Insgeſamt weiſen dieſe größeren
Kreditge=
noſſenſchaften für 923 Mill. RM. Spar= und andere Einlagen auf.
Es ſind von ihnen 842 (Anfang März 800) Mill. RM. Kredite
dem deutſchen Mittelſtand zur Verfügung geſtellt worden.
Beacht=
lich neben der tatſächlich neuen Kreditgewährung iſt ihre
er=
höhte Kreditbereitſchaft. Unberückſichtigt der 70 Mill.
RM. Wertpapiere ſtehen den Genoſſenſchaften rd. 200 Mill. RM.
flüſſige Mittel, davon 185 Mill. RM. Bankguthaben, zur
Ver=
fügung.
Deutſche Seeſchiffahrk als Deviſenbringer.
233 Millionen RM. Deviſenüberſchuß im Jahre 1934
Soeben wird die erfreuliche Tatſache bekannt, daß die deut=
ſche Seeſchiffahrt durch ihre internationalen
Dienſt=
leiſtungen der deutſchen Wirtſchaft im vergangenen Jahre
Devi=
ſen im Geſamtwerte von 233 Mill. RM erwirtſchaftet hat. Dem
Ausgaben im Ausland in Höhe von 193 Millionen ſtanden
Ein=
nahmen aus dem Auslande von 426 Millionen gegenüber. Der
daraus reſultierende Deviſenüberſchuß von 233
Mil-
lionen iſt gegenüber, dem Ergebnis des Jahres
1933 um rund 40 Millionen größer, was um ſo be= iſt, als die Tonnage der deutſchen Schiffahrt
in=
folge von Abwrackaktionen und Auslandsverkäufen 1934 um über
200 000 Tonnen kleiner war als 1933. Zieht man im übrigen eine=
Bilanz der letzten ſechs Jahre, ſo ergibt ſich, daß die Seeſchiffahrtt
in dieſer Zeit weit über zwei Milliarden an Deviſen eingefahrem
hat. Wenn es ſich hierbei auch nicht um Gewinne der Reedereiem
handelt, ſondern nur um Zahlungsüberſchüſſe, ſo ſtehen dem
Reich=
doch im vollen Betrage dieſer Zahlungsüberſchüſſe zuſätzlich
er=
wirtſchaftete Deviſen zur Verfügung. Was das bedeutet, zeigtt
eine Gegenüberſtellung von Außenhandel und Schiffahrt im
Rah=
men der Zahlungsbilanz; im vergangenen Jahr brachte der
Außenhandel ein Deviſenminus von 284 Millionen Mark, die
Schiffahrt dagegen ein Deviſenplus von 233 Millionen. Es iſt
der Schiffahrt alſo nahezu gelungen, den Paſſivſaldo im
Außen=
handel auszugleichen, was angeſichts unſerer Deviſenarmut
einer=
ſeits und dem Zwang zur Einfuhr von Rohſtoffen andererſeits
von unſchätzbarem Wert iſt. Die Schiffahrt iſt ſomit zur Zeitt
unſer wichtigſter Deviſenbringer.
Berliner und Rhein=Main-Börſe.
Die Berliner Börſe war nach den vorangegangenem
Befeſtigungen für Aktien durchweg ſchwächer. Das Publikum
hielt ſich faſt vollkommen vom Geſchäft zurück, und die in den
letz=
ten Tagen beobachteten Sperrmarkkäufe fanden heute keine
Fort=
ſetzung, ſo daß ſich faſt allgemein Abſchwächungen von ½—1
Pros=
zent ergaben. Auch die Kuliſſe nahm Glattſtellungen vor. Die
Einberufung des Reichstages wurde an der Börſe allgemein leb= beſprochen. Am Rentenmarkt waren die Kurſe faſt durchweg
unverändert. Am Aktienmarkt waren Montanwerte einheitlich=
½—1 Prozent gedrückt. Kaliaktien bröckelten bei kleinſten
Um=
ſätzen ab. Farben ſetzten 8 Prozent niedriger ein und verlorem
ſpäter weitere ½ Prozent. Bau=, Textil= und Kunſtſeidenwerte
lagen ſehr ſtill. Auch Papier= und Zellſtoffaktien lagen unten
Druck, obwohl das lauſende Jahr als ein Rekordjahr der Zellſtoff=
und Papiererzeugung bezeichnet wird. Im Verlauf bröckelten die
Aktienkurſe weiter ab. Im Gegenſatz zum Aktienmarkt warem
Renten gehalten.
*
An der Rhein=Mainiſchen Börſe erhöhte ſich die
Geſchäftsſtille. Die wenigen Kundſchaftsaufträge der letzten Tage
nahmen eher ab, ſo daß die Kurſe ſchon aus dieſen
markttechni=
ſchen Gründen an faſt ſämtlichen Märkten zurückgingen.
Beſon=
dere wirtſchaftliche Anregungen außer den bisher recht günſtigem
Ergebniſſen der Anleihezeichnung lagen nicht vor.
Montanwerte=
waren eher angeboten. JG. Farben bröckelten um 1½ Prozent
ab, Metallgeſellſchaft um ½ Prozent. Auch der Rentenmarkt lag
ohne Anregung und ſehr ſtill: Altbeſitz gaben ½ Prozent nach.
Im weiteren Verlaufe blieb die Börſe ſehr ſtill und ohne
kurs=
mäßige Erholung. Pfandbriefe wieder unverändert bei wenig:
Umſatz.
Die Abendbörſe verharrte in Zurückhaltung und
war=
ſo gut wie geſchäftslos. Soweit Kurſe zu hören waren,
beweg=
ten ſie ſich ungefähr auf dem ſchwachen Mittagsſchluß.
iene N=
Lenufe
Kleine Wirkſchaftsnachrichten.
Auf der jetzt beendeten Leipziger Herbſtmeſſe waren 73
öſter=
reichiſche Ausſteller gegen 37 zur Herbſtmeſſe des Vorjahres
ver=
treten. Auch die Zahl der öſterreichiſchen Einkäufer, die im
Vor=
jahr 259 ausmachte, hat ſich faſt verdoppelt.
Der DHD. erfährt, daß keine Verſuche zur Gründung eines
internationalen Raſierklingenkartells unternommen worden ſind.
Die Bemühungen, innerhalb der deutſchen Raſierklingeninduſtrie
ſind vielmehr nach wie vor lediglich darauf gerichtet, zu einer
Ordnung des deutſchen Marktes zu kommen. 80 Prozent des
deutſchen Geſamterzeugung haben ſich bereits mit der Errichtung
des geplanten Raſierklingenkartells einverſtanden erklärt.
Berliner Kursbericht
vom 13. Sepiember 1935
Deviſenmarkt
vom 13. September 1935
Verl. Handels=Geſ.,
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Ban=
Hapag.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bahr. Motorenw.
C. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdöl
Neft
91.—
91.—
15 75
17.625
39.—
123.125
113.—
118.—
156.75
129.375
109.50
Miete eee
F. G. Farben
Geſ.f.elektr. Untem.
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen und
Köln=Neueſſen
Vereinigte Glanzſt.
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöchnerwerke
Koksw. Chem. Fabr.
Mannesm. Röhr
Maſch.=Bau=Untn.
Ne
154.75
126.375
113.25
95.—
93.50
134.—
92.375
115.625
87.685
72.75
Ween ue
Rütgerswerke
Salzdetfurth Ka
Weſtdte. Kaufhof.
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Alka!i
Agsb.=Nnrb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch. 1
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke
Rg
115.25
185.25
27.—
81.25
129.875
90.—
10.50
50.125
127.50
129.50
136.50
Aegypten
Argentinien
Belgien.
Braſilien
Bulgarien
Canada.
Dänemart
Danzig
England
Eſtland
Finnland
Frankreich
Griechenlant
Holland.
3sland.
1ägypt. *
1 Pap. Peſe
100 Belga
1 Milreis
100 Leva
teangs. Doll.
100 Kronen
100 Gulden
12.Sto.
100 eſtl. Kr.
100 finn.Mk
100 Franken
100 Drachm.
100 Gulden
100 isl. Kr.
Geld Brieſ
12.s65
0.569
1.92
1.139
3.045
2.476
54.78
8.52
12.265
88.43
5.409
16.375
2.353
167.731
55.14
2.5os
0.672
42.00
3.141
3.053
2.480
54.99
16.92
12.295
68.57
5.415
16.415
2.357
168.07
55 28
Italiei.
Japan
Jugoflawien
Lettland.
Norwegen
Seſterreich
Portuggl.
Schweden
Schweiz
Spanien
Tſchechoſtowal
Türkei.
Ungarn
Uruguay
Ver. Staaten
Währung
100 Lire.
Yen
100 Dina=
100 Lats
100 Kronen
100 Schilline
100 Eseudos
100 Kronen
100 Francs
100 Peſetas
100 Tſch.=Kr
türk. 4
100 Pengb
1 Goldpeio
Dollar.
GeldBrie
20.30 ſa0.34
0.7211
5.664
80.32 ſ
Si.s1 fs
48.95
11.12
63.26 6
80.34 s
33.34 3
10.27
1.270
1.039
2.498
Surmſtädter and Kationatbant Surmttadt, Mittüte orr Arescher Bunz
Frankfurter Kursbericht vom 13. September 1935.
1o91
2.45
ine
„ Gr.IIp. 1934 1103‟
„ „ 1935 1
1988
1937 1
„ 1938
Gruppe 1... 1107.3
5% Dtſch. Reichsanl.
5½%Intern.,5. 50 10277
4½ BBaden, v.27
4½ %Bayern v.27
4½%Heſſen v. 28
v. 29
4½2 % Preuß. v. 28
4½% Sachſen v. 27
4½%Thüringen 27
6% Dt. Reichsbahn=
Schätze ......"
19o Dt. Reichspoſt=
Schätze ..
4½%n:.......
Dtſch. Anl. Ausl.
4P Ablöſung
Deutſche
Schutzge=
bietsanleihe.
4½%Bad.=Baden
4½%Berlin v. 24
4½%Darmſtadt ..
4½%Dresden v. 26
4½%Frankfurt 26
4½% Heidelbergss
½ Mainz. ..
½ %Mannheim2?
4½%München v. 29
4½ %Wiesbaden 28
10n.5
108.9
1087,
107.9
100
95.4
97.5
97"
96.25
95
108
97.1
95.9
100.3
100.15
110.75
10.25
90
95
92.5
89
91.5
92.5
49%beſ. Landhyp)
Komm.=Obl. . ..
4½% Prß. Landes=
Pfb.=Anſt. G.Pf.
4½% „ Goldoblig.
½%0 Landeskom.=
Bl. Girozentr. f.
Heſſ. Gldobl. R.11
4½% desgl. R. 12
4½%0 Kaſſ.
Landes=
kreditk. Goldpfb.
4½% Naſſ.
Landes=
bant Goldpfb.
5½% „ Lig.-Obl.
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.-Anl.
*Ausl. Ser.
FAusl. Ser.II
Dt. Komm. Samm.
Abl. (Neubeſitz).
4½ %Berl. Hyp. B.
5½ „Lig.=Pfbr. ..
4½% Frkf. Hyp.=B
5½%0 „ Lig.-Pfbr
4½% Goldoblig.
4½%Frlft. Pfbr. B.
5½% „ Lig.=Pfr.
4½%Mein. Hhp. B.
5½% „ Lig.=Pfbr.
4½% Pfälz. Hhyp. B
5½% — Lig.=Pfbr.
4½½Heſſ. Landesb
4½9 Goldobl.
5½% Heſſ.
Landes=
hyp.=Bk. Liquid. 11
96.5
93.5
4½%Rh. Hyp.=Bk.
5½% „ Lig.=Pfr.
4½,% „ Goldobl.
4½ % Südb. Boden=
Cred.=Bank ....!
5½% —Lig.=Pfbr.
4½% Württ. Hyp.
6% Daimler=Benz
6%Dt. Linol. Werke
6% Klöckhnerwerfel
96.25
97
94.75
93.75
96.25
96.5
100.5
115
130.5
19.5
96
102
96.75
100.5
93
96.75
100.5
96.5
101.2
97.25
1607,
96.75
100.75
94.75
105
102
1011,
Mate 7e
8% Mitteld. Stahl
5%NeckarAl. G.v. 23
5%0 Rhein=Main=
Donau v. 23..
2SalzmanncCo.
2Ver. Stahlwerke
„ RM.=Anl.
43%
4½%
6%Voigt. & Häffner
J. G. FarbenBonds
5%Bosn. L. E. B.
50ſo
L. Inveſt.
5%Bulg. Tab. v. 02
4½20 Oſt. Schätze
4%Oſt. Goldrente.
5%vereinh. Rumän
4½0
42Türk. 1.Bagdadl
II.Bagdad
4½%üngarm. 1913
4½
1914
Goldr.
1910
48
4½Budp. Stadtanl.
4½Liſſabon.
42oStockholm
Aktien.
Accumulat.=Fabr
Alg. Kunſtzide Unie
A. E. G.:..
...."
AndregeNoris Bahn
Aſchaffbg, Brauerei
Zellſtoff.
Bad. Maſchinenfbr.
Bemberg! J. P...
Berl. Kraft u. Licht.
Brauhaus Nürnbg
101
103
99.75
99.5
102.25
102
126.5
13
12.5
8.5
6.25
8.85
E.2
11.5
9.3
9.4
60.5
57
111
173.5
58
381,
14
Buderus Eiſen.—
Cement Heidelberg
Karlſtadt
J. G. Chemie, Baſe!
Chem.WerkeAllbe 11
Chade (A=C) ..
Contin. Gummiw.
Contin.=Linoleum.
Daimler=Benz =
Dt. Atl Telegr.
„ Erdöl.
Dt. Gold=u.
Silber=
ſcheide=Anſtalt.
Linoleum ....!
Dortm. Ritterbräu
Dyckerhoffé Widm.
Eichbaum=Werger.
Elektr. Lieferg.=Ge
„ Licht u. Kraf
Enzinger Union ..
EſchweilerBergwerk
Eßling. Maſchinen.
Export=Malzfabrit,
Faber & Schleicher.
Fahr Gebrüder.
F.G. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Zetter)
Feltc Guillegume
Frankfurter Hof.. .
Beſ.f.eleltr. untern.
Goldſchmidt, Th.
Gritzner=Kahſer.
Grün & Bilfinger.
147
106.25
286
158
Hafenmühle Frkft.
Hanauer Hofbräuh.
Hanfwerke Füſſen.
Larpener Bergbau
Henninger Kempf
HilpertArmaturfrb.
Hindrichs=Aufferm.
Hochtief Eſen ....
bolzmann. Phil
Ves
116.5
98.2.
113.5
109,
2a0
51.5
94.5
118
96
112.25
132.5
262
86.5
160
65
128
154.5
84.5
12n
109
33,2
192
102
131
91
112.75
123
112
12.5
Zlſe Berab. Stamm!
Genüſſel=
Junghans ...
Kali=Chemie..
„ Aſchersleben
Kiein, Schanzlin
Klöchnerwverle.
Knorr C. H..
Konſerven Braut
Lahmener & Co.
Laurahütte
Lech, Augsburg
Lolomf. KraußcCo.
Löwenbr. Münch.
Maintr.=W. Höchſt
Mainz=Akt.=Br.
Mannesm.=Röhren
Mansfeld. Bergb.
Metallgeſ. Frankf.
Miag, Mühlenbau.
Moenus ....
Motoren Darmſtad
Neckarwer! Eßling.
Sdenw. Hartſtein.
Parl= u. Bürgerbr.
Rh. Braunjohlen..
Elettr. Stamn
Stahlwverke ..!.
Riebeck Montan
Roeder, Gebr
Rütgerswer:e
Satzdetfurth Kau.
Salzw. Heilbronn.
Schöfferhof=Bind..
Schramm, Lackfabr
Schuckert, Elektr.
Schwartz, Storchen
Siemens & Halske.
Reinigerwerkel
Südb. Zucker=A. 6.
Tellus Bergbau.
Thür. Liefer.=Geſ.”
129.5
84
1341,
31
927,
186.5
74
20
104.5
10:
208
80
87.25
118.5
94
85.75
109
115
221.5
A4
110.75
103.75
107.5
172
78.5
124,
175.5
Oueue
Ber, Stahlwerte ..
Ver. Ultramarin.
Weſtdte. Kaufhof.
Weſteregeln Kali.
Zellſto fiWaldhof.
Alig. Dt. Cred 17)
Badiſche Bant...
Br. 1. Brauinduſtr.
Bayer. Hyp. u. W.
Berl. Handelge .
„ Hypothetbl.
Comm. u. Privatbt.
Dt. Ban u. Disc.
Dt. Eff. u. Wechte!.
Dresdner Ban 1.
Fran 1). Bant.
Hyp.=Bank
Men. Hyp.=Bar
Pfälz. Hyp.=Ban1
Reichsbant=An ).
Rhein. Hyp.=Bani.
Vereinsb. Hambur
Würt: Notenban1.
A.-G.I.Verlclzen
Allg. Lokalb. Krafin
7%0 Dt. ReichsbVzg
Hapag
Lübeck=Blichne:
Nordd. Lloyd
Südd. Eiſenb. Gei.
Allianz= u. Stutia.
Verſicherung.
Verein. Verf
Frankona Rück-u. M
Mannh. Verſick
Otavi Mizen ....
SchentungHandelsl
8u.5
141
26.75
113.25
n8
128,5
1125
90.75
114
135.5
87.5
35.5
87
182.5
135.5
112,5
K
122.5
1241
82.5
127
[ ← ][ ][ → ]Frmstag, 14. September 1935
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
9
Nr. 253 — Seite 15
Nat SNlad
Roman von Maria Oberlin
u600 Menſchen verloren in ein paar Stunden das Leben.
0 Menſchen aus allen Ländern, aus allen Kreiſen und Geſell= unſcheinbar ausſehenden Mann gegenüber.
insſchichten, 1600 frohe und heitere, vor ein paar Stunden noch
ſennde und tanzende Menſchen erſtarrten vor Kälte, ertranken
wenigen Minuten in den eiſigen Fluten.
Rur 700 Gerettete barg die „Carpathia”.
F00 Glückliche, die dem furchtbaren Tod entronnen waren! ſein hageres Geſicht.
Mit ſtarren, vor Grauen entſetzt geöffneten Augen hockte Thea
ef am Boden und brütete vor ſich hin.
Halb ohnmächtig vor Schwäche und Anſtrengung ſchleppte ſie
ziſchen den Geretteten hin und her, um eine Spur von
Fro=
zu entdecken. Nichts. Er befand ſich nicht an Bord der „
Car=
ſchia”. Sie hatte alle Matroſen befragt, die auf der Suche nach
hiffbrüchigen waren, niemand wußte von ihm. Nur ein hünen= Bennet u. Co?”
ſſter Matroſe der „Titanic” kannte ihn und erzählte von dem
gernſamen Rettungsverſuch, zu dem Frobus die Anregung
ge=
er hatte.
„Aber wiſſen Sie denn weiter nichts, als daß er mit Ihnen abgegriffenes Wachstuchheftchen eintrug.
ſummen vom Schiff ging?‟ Der Mann ſchüttelte den Kopf.
Je=
datte aus Leibeskräften geſchwommen und die Möglichkeit ge= nuten können wir draußen ſein!"
ſtanderen geachtet.
Wie vernichtet fuhr Thea bei dieſer Nachricht zurück. War es
ſtanderen Hunderte, ja Tauſende? Alles ſprach dafür, es mußte zurück.
ſſein. Aber ſie konnte und wollte es nicht glauben. Sie hörte
ſyt auf die feierlichen Worte des Gottesdienſtes, der gleich nach wollen? Morgen oder übermorgen mit der „Titanic”!
Rettung an Bord der „Carpathia” ſtattfand. Mit brennenden
igen ſtarrte ſie hinaus aufs Meer, das glatt und ruhig wie ein
ſegel dalag, als ſei nicht vor wenigen Stunden die furchtbarſte irgendwas gehört?”
er Schiffskataſtrophen hier geſchehen.
Noch immer lag Meta Dirkſen in dumpfer, ſchwerer Ohnmacht.
Wie ſollte ſie ihr das Entſetzliche ſagen? Sie fühlte ſich dieſer
au ſeltſam verbunden und verwandt.
Gab es denn nicht, noch einen Weg der Rettung für ihn?
ynte er nicht doch ſein Schickſal ſelbſt gemeiſtert haben?
ren gellten, wollte ſie hoffen, warten, vertrauen. Vielleicht
fän=
die neu ausziehenden Rettungsmannſchaften der „Carpathia‟,
Fe Spur.
*
Ein friſcher, klarer Vorfrühlingstag.
Ueber New York brach der 15. April 1912 an.
In der City brandete der Lärm der Weltſtadt beſonders ſtark,
ſeng gedämpft hinauf bis in das Büro der Bürger u. Mail
zer=Etagen im fünften Stock einnahmen.
Copyright by Prometheus-Verlag, Gröbenzell bei München
(Nachdruck verboten)
Im Privatbüro ſaß Miſter Leo Bürger ſen, einem kleinen,
Das verſchlagene Fuchsgeſicht des Mannes zog ſich jetzt in
freundlichere Falten.
„Alſo, die Heirat Ihres Sohnes iſt perfekt?‟
Der alte Bürger nickte. Ein zufriedenes Lächeln zog über
„Vollkommen perfekt, Miſter Green. Sie haben ja die Briefe
geleſen. Eine Heirat aus Pietät und Vernunft — und für uns
das große Geſchäft.”
Der alte Geldmakler ſchmunzelte.
„Buſineß iſt Buſineß, Miſter Bürger!”
„So iſt’s! Alſo . . . Sie erledigen unſere Forderungen bei
Der andere nickte.
„Zu den gleichen Bedingungen?” Wieder ein kurzes Nicken,
eine ſchnell hingeworfene Notiz, die der Geldmakler in ein kleines,
„Wollen Sie mit uns frühſtücken, Green? In ein paar Mi=
Der kleine Makler, gefürchteter und doch geehrter
Zwiſchen=
ſpt, in die Nähe der Boote zu kommen, keiner hatte auf die Spur träger und Vermittler der New Yorker Börſe, ſchüttelte dankend
den Kopf — „Geſchäfte! Geſchäfte!”
Als die doppelt gepolſterte Tür des Privatbüros hinter dem
ſin möglich, konnte er ertrunken ſein, elend untergegangen, wie Händler zufiel, ging Miſter Bürger ſen, noch einmal zu ihm
„Uebrigens kommt mein Sohn bald! Wenn Sie ihn ſprechen
Das kleine Fuchsgeſicht legte ſich in nachdenkliche Falten.
„Titanic”? „Titanic”? Donnerwetter! Davon habe ich doch
„Ach, richtig! Kleine Havarie auf See, was?"
„Havarie? Keine Ahnung! Davon weiß ich nichts!”
„Ich hörte es im Vorbeigehen von White von der Cunard=
Linie! Na, ’s wird nichts Beſonderes ſein, rufen Sie mal an!”
„Schön, wird gemacht! Wiederſehen, Green!”
Als der Makler gegangen war, diesmal endgültig, atmete
Obwohl ihr noch die Todesſchreie der Ertrinkenden in den Bürger auf. Ekelhaft, dieſer alte Schleicher, mit ſeinem
hinter=
hältigen Grinſen. Gut, daß man bald nicht mehr auf die Bande
angewieſen war! Ein Glück, daß der Junge die Sache in die Hand
genommen hatte und den Betrieb wieder ſanieren würde. Es
war auch die höchſte Zeit, der Junge hatte ja ein Heidengeld
ver=
braucht! Dazu dieſer Verluſt mit den ſüdamerikaniſchen
Getreide=
feldern, die verfehlten Spekulationen!
Ach ſo, ja! „Titanic”. Wann kam das Schiff eigentlich? Na,
Mary würde es wiſſen, aber immerhin vielleicht war wegen der
(yp., deren große Geſchäftsräume eine der rieſigen Wolken= kleinen Havarie auf See mit ein paar Stunden Verſpätung zu
rechnen.
Er griff nach dem Hörer und ließ ſich mit der Cunard=Linie
verbinden. Seltſam, wie ausweichend der Beamte war! Eine
Havarie! Ja, vielleicht, aber unbedeutend! Sicherlich
unbedeu=
tend. Man wüßte darüber nichts. Und die Ankunft der „
Tita=
nic”? Ja, es läge noch keine endgültige Mitteilung vor!
Es war inzwiſchen Nachmittag geworden.
Leo Bürger verließ ſein Büro. Alſo, Mary konnte ja dann
wohl ihre Empfangsfeierlichkeiten für die neue Schwiegertochter
verſchieben. Na, ſie würde das verſtehen!“
Er rieb ſich befriedigt die Hände.
Beim Souper ſaßen ſich die beiden Gatten ſchweigend
gegen=
über.
Frau Mary Bürger, eine elegante Vierzigerin mit dem
Be=
nehmen und der Kleidung einer Dreißigerin, zuckte bei ſeiner
Mit=
teilung die Achſeln.
„Vielleicht ein Tag Verſpätung”, meinte ſie gleichgültig.
„Schade, ich hatte mich auf Leo ſehr gefreut. Ich denke, er wird
aber früh genug zurück ſein, um die Geſellſchaft bei Kennedys
mit=
zumachen?"
Bürger ſen, zuckte unbehaglich die Schultern. Sein hageres,
ſpitzes Geſicht trug einen ärgerlichen Ausdruck.
„Als wenn es jetzt nichts anderes gäbe, als deinen
Geſell=
ſchaftskram”, ſagte er betont.
„Vergiß doch nicht, das Wichtigſte iſt ſie, Leos Braut, die
kleine, ſentimentale Deutſche!”
Wieder ein Achſelzucken.
„Bitte!” ſagte der Mann jetzt heftig, „ich verlange, daß du
ihr vorſichtig begegneſt! Ihr Vermögen muß uns alle retten!
Ver=
giß das nicht!”
Mary Bürger wurde nun doch aufmerkſam.
„Was, ſo ſchlimm ſteht es?"
„Na ja, es wird noch alles gut werden . . . aber wenn wir
die Hilfe nicht bekämen, dann wüßte ich tatſächlich nicht, was
wer=
den ſollte, jetzt ſind wir endgültig ſo weit . . . die letzten
Speku=
lationen . . . eine verdammte Geſchichte . ..
Sie warf den Kopf zurück.
„Daß du aber nie vernünftig disponieren kannſt!“
Immer dasſelbe Thema. Schließlich gereiztes Schweigen.
Als ſeine Frau gegangen war, blieb Leo Bürger ſen, eine
Weile in Nachdenken verſunken ſitzen.
Er hatte der Schwiegertochter gegenüber ein etwas
unbehag=
liches Gefühl, er allein. Seine Frauen und Leo na ja, das
waren Amerikaner, wie ſie ſein ſollten — ihnen beiden galt das
Geſchäft alles.
(Fortſetzung folgt.)
Hauptſchriftleiter: Rudolf Mauve.
Stellvertr. Hauptſchriftleiter: Max Streeſe.
Verantwortlich für Politik: Rudolf Mauve; für den Schlußdienſt: J. V. Karl
Böhmannzfür den lokalen Teil: Mar Streeſe; für das FeuilletoniV. Max Streeſe,
für „Gegenwart‟; Dr. Herbert Nette; für „Reich und Ausland‟: Dr. C. 6. Quetſch;
für den Handel: Dr. C. 6. Qu etſch: für den Sport: Karl Böhmann;
Anzeigen=
leiter: Willy Kuhle ſämtlich in Darmſtadt. D. A. VIII. 85. 19040. Pl. 5. Druck und
Verlag: Darmſtädter Tagblatt, Eliſabeth Wittich, Zeitungsverlag u. =Druckerei.
Darmſtadt, Rheinſtr. 23.
Für unverlangte Beiträge wird Gewähr der Rückſendung nicht übernommen.
Sprechſtunden der Schriftleitung: Vormittags 12—1 Uhr, nachmittags 6—7 Uhr;
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
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Je größer Ihr Umſatz iſt, um ſo mehr können Sie
auch für Werbung ausgeben, um ſo größer können
ſelbſtverſtändlich auch Ihre Anzeigen ſein. Aber
wich=
tiger als die Größe der Anzeigen iſt die Häufigkeit
ihres Erſcheinens, und es iſt oftmals richtiger, aus
einer großen Anzeige drei kleine zu machen, als ſich
auf dieſe eine gelegentliche Anzeige zu beſchränken,
wenn es für drei große nicht reicht. Auch kleine
An=
zeigen ſind erfolgreiche Kundenbringer und auch für
kleine und kleinſte Anzeigen gibt es unzählige
Er=
folgsbeweiſe. Aus dieſem Grunde iſt es auch falſch
zu glauben, daß man nicht inſerieren kann, wenn
im Anfang die Mittel für große Anzeigen, ſo wie ſie
vielleicht die Konkurrenz benutzt, fehlen. Klein
an=
fangen, das iſt die richtige Parole, denn alle haben
ſchließlich einmal klein angefangen und aus kleinen
Anzeigen werden von ſelbſt größere, weil mit dem
Erfolg auch Umſatz und Werbefonds wachſen.
Beachten Sie bitte die weiteren Ratſchläge!
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Vorſiellungen (im Großen Haus „Fanny Elßler?, im Kleinen Haus
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morgen, Sonntag, 15. September
auf 18 Uhr verlegt. Beide Vorſtellungen ſind rechtzeitig
vor der Führerrede beendet.
Von der Rede des Führers ſelbſt findet um 21 Uhr eine Uebertragung
in den Zuſchauerraum des Großen Hauſes ſiatt, zu der die Beſucher
der Abend=Vorſtellungen Zutritt haben.
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Wir zeigen jetzt die neue Mode! Und vom
Stott bis zum Mantel, vom Kleid bis zum
Hand-
schuh, zum Hut und zum Schal — — unsere
ganze Herbst-Auswahl steht diesmal unter dem
bedeutungsvollen Leitspruch: „Nicht Mode,
nur um der Mode willen — — sondern Mode,
die schöner macht!‟ — Bitte sehen Sie sich alles
bei uns an. Unsere schöne Herbst-Auswahl
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