Einzelnummer 15 Pfennitze
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Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 209
Sonntag, den 30. Juli 1933.
196. Jahrgang
27 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſtadt 23 Reichspfg.
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Banklonto Deutſche Bank und Darmſtädter und
Nationalbank.
Magel einſcelmng gegen Beuſcinne.
Der Ankrag der deutſchen Regierung auf Erlaß einer einſtweiligen Berfügung gegen die Anwendung der
polniſchen Agrargeſekgebung auf die deutſchen Minderheiten in Poſen und Pommerellen abgelehnk.
Schukloſe deutſche Minderheik.
Das „Rooſevelk=Erperimenk”.
Haager Freibrief für willkürliche Zerſchlagung
Abfällige franzöſiſche Krikik.
Von unſerem d.=Korreſpondenten.
deutſchen Grundbeſihes durch Polen.
TU. Haag, 29. Juli.
Der Ständige Internationale Gerichtshof hat am Samstag
vormittag in öffentlicher Sitzung ſeine Entſcheidung auf den
An=
trag der deutſchen Regierung wegen Erlaß einer einſtweiligen
Verfügung in der Angelegenheit der Anwendung der polniſchen
Agrargeſetzgebung auf die deutſchen Minderheiten in den
Woje=
wodſchaften Poſen und Pommerellen bekanntgegeben. Mit acht
gegen vier Stimmen hat der Gerichtshof den deutſchen Antrag
ab=
gelehnt. Die zu der Minderheit gehörenden Richter Schücking,
Rolin=Jacquemins, Anzilotti und van Eyſenag haben dem Spruch
ihre abweichende Meinung beigefügt.
Die Begründung der Haager Enkſcheidung
und die Gukachten der Spruchminderheit.
Bei ihrer Entſcheidung hat ſich die Mehrheit des Gerichtshofs
von dem Geſichtspunkt leiten laſſen, daß der Antrag auf Erlaß
der einſtweiligen Verfügung ſich im Rahmen der Klage halten
müſſe. Der deutſche Antrag gehe jedoch zum Teil über die Klage
hinaus inſofern, als von der polniſchen Regierung verlangt werde,
daß ſie nicht nur auf die Durchführung der in der Klage
erwähn=
ten Fälle der Enteignung verzichte, ſondern ſich auch jeglicher
weiterer Enteignungen enthalte.
Demgegenüber ſtellt der italieniſche Richter Anzilotti in
ſei=
nem abweichenden Gutachten feſt, daß es ſich um das Schulbeiſpiel
für den Erlaß einer einſtweiligen Verfügung handele. Aehnlich
hat ſich auch das belgiſche Mitglied des Gerichtshofes, Baron
Ro=
lin=Jaquemins, ausgeſprochen. Ein ſehr ausführliches
abweichen=
des Gutachten iſt von dem holländiſchen Richter Jonkheer van
Eyſenag und dem deutſchen Richter Profeſſor Schücking
ausgear=
beitet worden, die erklären, daß ſie ſich nicht mit der Entſcheidung
der Mehrheit einverſtanden erklären könnten. Sie bringen zum
Ausdruck, daß der deutſche Antrag völlig mit dem Vorſchlag, der
ſeinerzeit vom Völkerbundsrat zur Behandlung dieſer
Angelegen=
heit eingeſetzten Juriſtenkommiſſion übereinſtimme, der Vertreter
Englands, Italiens und Japans angehörten. Die beiden Richter
bezeichnen es ferner als bedauerlich, daß der Gerichtshof die
An=
gelegenheit zu formal behandelt hat und nicht auf die näheren
Umſtände eingegangen ſei. Ferner bedauern ſie, daß der
Gerichts=
hof keinen Gebrauch von ſeinem Recht gemacht habe, ex olkiceio eine
einſtweilige Verfügung zu erlaſſen. Ferner kommt in dem
Gut=
achten zum Ausdruck, daß die Formulierung der Entſcheidung
dar=
auf ſchließen laſſe, daß der deutſche Antrag eine falſche Auslegung
gefunden habe.
* Die Entſcheidung des Haager Gerichtshofes bedeutet für die
Angehörigen der deutſchen Minderheit in Weſtpolen, daß der
Prozeß der Landaufteilung und Enteignung zunächſt ungeſtört
fortgeſetzt werden kann. Gerade in den letzten Monaten haben die
Polen das Agrargeſetz wieder mit voller Wucht gegen die
deut=
ſchen Landbeſitzer angewandt. Sie haben ohne Rückſicht auf die
bevorſtehende Ernte Parzellierungen vorgenommen.
Infolgedeſſen hatte ſich die Reichsregierung gezwungen
ge=
ſehen, den Haager Gerichtshof anzurufen, zumal auch jetzt wieder
Die Beobachtung gemacht worden iſt, daß das Agrargeſetz am
pol=
niſchen Landbeſitz ſo gut wie ſpurlos vorübergegangen iſt. Der
deutſche Antrag bezweckte lediglich, den Polen auf Grund einer
einſtweiligen Verfügung die Anwendung dieſes Geſetzes auf die
deutſche Minderheit in Poſen und Pommerellen zu unterſagen.
Damit ſollte einer endgültigen Entſcheidung in der Hauptſache
nicht vorgegriffen werden. Man wollte lediglich verhindern, daß
nun im Geſchwindeſchritt vollendete Tatſachen geſchaffen würden.
Die Polen haben auch ein ſehr ſchlechtes Gewiſſen gehabt. Sie
waren davon überzeugt, daß die Reichsregierung im Haag einen
Erfolg davontragen würde. Infolgedeſſen verſuchten ſie, ihre
be=
kannte Taktik der Verſchleppung und Hinzögerung anzuwenden.
Zur erſten Verhandlung ſind ſie überhaupt nicht erſchienen. Bei
der zweiten Verhandlung ſchnitten ſie denkbar ſchlecht ab.
Trotz=
dem hat ſich die Mehrheit der Richter dahin entſchieden, den
deut=
chen Antrag zurückzuweiſen. Sie haben lediglich an der Form
Anſtoß genommen. Damit haben ſie aber den Polen von neuem
freien Spielraum gegeben.
Wir bedauern es außerordentlich, daß die Richter, die für
dieſe Entſcheidung verantwortlich zeichnen, an Aeußerlichkeiten
Anſtoß genommen haben, obwohl es für das Anſehen des Haager
Gerichtshofes weſentlich vorteilhafter geweſen wäre, wenn ſie auf
den Hilferuf der deutſchen Bauern gehört und eine
einſtweilige Verfügung gegen Polen erlaſſen hätten. Damit wäre
durchaus keine grundſätzliche Entſcheidung gegen Polen gefällt
worden. Es wäre aber erreicht, daß der Zerſchlagung des
deutſchen Grundbeſitzes in Weſtpolen bis zur
endgül=
tigen Klärung Einhalt geboten worden wäre. Wir nehmen aber
an, daß die Entſcheidung des Haager Gerichtshofs
von der Reichsregierung nicht ſtillſchweigend
bingenommen wird. Auf ihrer Seite ſtehen einige bekannte
ausländiſche Richter, die ihre abweichende Meinung ſchriftlich
miedergelegt haben,
Paris, 29. Juli.
Mit leidenſchaftlichem Intereſſe verfolgt die öffentliche
Meinung in Paris die Entwicklung in Amerika. Die Preſſe
ereifert ſich in Beweiſen, daß das „Experiment Rooſevelt”
ver=
ſagen muß, und auch namhafte Männer der Politik und der
Wirtſchaft geben dieſer Meinung Ausdruck. Dabei iſt man noch
nicht einmal darüber einig, worin eigentlich das Experiment
Rooſevelt beſteht. Die einen erblicken darin eine radikale
Ab=
kehr von den Methoden der freien kapitaliſtiſchen Wirtſchaft,
die anderen behaupten wieder, daß hinter der Politik des
amerikaniſchen Präſidenten keine feſtgelegte. Doktrin ſtehe; es
handele ſich dabei nur um eine Reihe von rein empiriſtiſchen
Maßnahmen — immer nur den Notwendigkeiten des
Augen=
blicks angepaßt. Ein ſolches Vorgehen ſoll auch der Tradition
der amerikaniſchen Politik mehr entſprechen. Eines ſteht ſchon
heute feſt, die Befürchtungen, die man in der erſten Zeit an
die Entwertung des Dollars knüpfte, haben ſich bis jetzt als
unbegründet erwieſen. Es gibt in der USA. keine Inflation,
die ſich mit europäiſchen Vorbildern vergleichen ließe. Auch die
Welle des amerikaniſchen Schleuderexportes, die man hier
be=
fürchtete, iſt ausgeblieben. Nichtsdeſtoweniger iſt man in Paris
ſehr weit davon entfernt, mit der Lage zufrieden zu ſein. Die
Regelung der interalliierten Schulden, die Stabiliſierung der
Währungen, die Neugeſtaltung der internationalen
Handels=
beziehungen; all dieſe franzöſiſchen Wünſche ſcheinen der
Ver=
wirklichung nicht nahe. Der Grundſatz, daß vor den allgemeinen
Löſungen die nationalen verwirklicht werden müſſen, triumphiert.
Wenn in Amerika die Politik Rooſevelts triumphiert, dann
ſind all die wirtſchaftlichen und finanziellen Konzeptionen, die
Frankreich in London vertrat, in Zweifel geſtellt. Es iſt wahr,
daß Amerika ſeine ſpeziellen Probleme hat; nichtsdeſtoweniger
gibt es auch in Europa eine äußerſt ſtarke Richtung, die der
amerikaniſchen verwandt iſt. Frankreich könnte mit ſeinen ſtarr
konſervativen Wirtſchafts= und Finanzmethoden einer
gefähr=
lichen Iſolierung verfallen. Am Quai d’Orſay wollte man ſchon
während der Londoner Konferenz krampfhaft eine Zuſpitzung
des Verhältniſſes mit den angloſächſiſchen Mächten vermeiden,
allerdings ohne beſonderen Erfolg. Jetzt warnt man davor, die
amerikaniſche Oeffentlichkeit durch die vielen ſcharfen Kritiken
gegen die Rooſeveltſchen Methoden zu verſtimmen. Man fürchtet,
daß Frankreich durch ſeine ſtarre Goldpolitik die angloſächſiſche
Welt gegen ſich zuſammenſchmieden könnte. Dieſe Bedenken
widerſprechen bis zu einem gewiſſen Grade den kontinentalen
Konzeptionen Frankreichs. Dieſe ſind aber noch nicht aufgegeben
und man hofft zum Beiſpiel nach wie vor, auf die Konferenz.
von Streſa zurückgreifen zu können.
Verbok gleichzeitiger Mikgliedſchaft
bei Hiklerjugend und konfeſſienellen Berbänden.
UNB. Berlin, 29. Juli.
Der Jugendführer des Deutſchen Reichs gibt bekannt:
Die gleichzeitige Mitgliedſchaft von Hitlerjungen und
Mit=
gliedern des Bundes Deutſcher Mädel in konfeſſionellen
Jugend=
organiſationen führt zu ſtändigen Unzuträglichkeiten, da ſich die
konfeſſionellen Organiſationen nicht auf ihren eigentlichen
kirch=
lichen Aufgabenkreis beſchränken. Ich verbiete daher mit
ſofor=
tiger Wirkung die gleichzeitige Mitgliedſchaft der Mitglieder der
nationalſozialiſtiſchen Jugendorganiſationen. Ich behalte mir
ausdrücklich vor, meine Maßnahmen abzuändern, wenn ſich die
konfeſſionellen Jugendorganiſationen auf ihren eigentlichen Auf=
(gez): Baldur v. Schirach,
gabenkreis beſchränken.
Jugendführer des Deutſchen Reichs.
Auslegungsgrundfähe
zu Arkikel 31 des Reichskonkordakes.
WTB. Berlin, 29. Juli.
Die Reichsregierung geht bei der Anwendung des Artikels 31
von folgenden Geſichtspunkten aus:
Die katholiſchen Organiſationen und Verbände, die in
Ab=
ſatz 1 aufgeführt ſind, ſollen ihr Eigenleben völlig in ſich leben
können. Der Staat hat uhnen gegenüber keine weitergehenden
Einmiſchungsbefugniſſe, (ls ſie ſich aus der allgemeinen
Treue=
pflicht der Staatsbürger gegenüber dem Staat an ſich ergeben.
Die katholiſchen Organiſationen, die in Abſatz II
auf=
geführt ſind, können, müſſen aber nicht, in ſämtliche Verbände
(Dachorganiſationen) eingeordnet werden. Die Einordnung
darf nicht ihr vereins= und verbandsmäßiges Eigentum und
Eigenleben ausſchließen. Die Mitglieder der katholiſchen
Orga=
rechtlichen Nachteil in Schule und
niſationen dürfen iras
nicht erfahren. /
Staat aus ihrer
Außenpolikiſche Amſchau.
Von
Profeſſor Dr. Otto Hoetzſch.
Drei Erklärungen beleuchten die völlige Stagnation der
Konferenzverhandlungen, den Stillſtand der großen
inter=
nationalen Probleme. Was Henderſon über ſeine
Be=
ſprechungen mitgeteilt hat, gibt wenigſtens etwas Klarheit über
Frankreichs Abſichten. Es fordert danach die Umwandtung der
Armeen in Milizheere und die Verteilung der
Abrüſtungs=
regelung auf zwei Zeitabſchnitte von je vier Jahren. Im erſten
ſoll die Reichswehr abgeſchafft und die Stärke der kurzdienenden
Heere herabgeſetzt werden mit gleichzeitiger ſcharfer
internatio=
naler Kontrolle. Erſt im zweiten Abſchnitt will Frankreich dann
an einige Abrüſtungsſchritte herangehen. Kurz: das bietet gar
keine Ausſicht auf Erfolg der Abrüſtungsverhandlungen.
Dann: Rooſevelt beſchloß, alle
Kriegsſchulden=
verhandlungen bis zur Beendigung ſeines
Wirtſchafts=
programms auszuſetzen, da eine Kriegsſchuldenregelung wegen
der Dollarſchwankungen unmöglich ſei. Dieſer Grund iſt an
ſich richtig. Das legt aber die Kriegsſchuldenverhandlung lahm
und überläßt dieſe große Frage — ſich ſelbſt. Das heißt, daß
die, die bisher ſchon nichts gezahlt haben, darin fortfahren
werden und die anderen ſich vermutlich dem dann anſchließen.
Zuletzt: die Weltwirtſchaftskonferenz ging am 27. Juli wie
ſchon oft geſagt, ergebnislos zu Ende. Und die Erklärung dabei,
die wir meinen, war der amerikaniſche Vorſchlag, den
ſo=
genannten Zollwaffenſtillſtand auch während der
Ver=
tagung der Konferenz in Geltung zu laſſen. Aber in der
Er=
klärung ſteht der Satz, daß die amerikaniſche Regierung ſich
vor=
behalte, während der weiteren Zukunft ihre Haltung in den
einzelnen Fragen zu modifizieren, Amerika blieb ſich alſo auch
hier treu in der widerſpruchsvollen Haltung, Vorſchläge zu
machen und dann nicht einmal ſelbſt dazu zu ſtehen. Der
Vor=
ſchlag felbſt hat keine wirkliche Bedeutung.
Das iſt im ganzen ein Bild völliger Stagnation und
Troſtloſigkeit. Der einzige wirkliche Erfolg der
Welt=
wirtſchaftskonferenz iſt die Silberkonvention, die für
vier Jahre abgeſchloſſen haben Indien, Spanien und China,
die gewaltige Silbervorräte haben, und Auſtralien. Canada,
Amerika, Mexiko und Peru, die die Hauptproduktionsländer für
Silber ſind. Ein Silberland, Bolivien, hat ſich auch trotzdem
nicht angeſchloſſen. Das Abkommen ſucht den Markt vor
Ueber=
ſchwemmung mit einem unkontrollierbaren großen Angebot zu
ſchützen und dadurch den Silberpreis ſtabil zu halten. Es
enthält ſich aber eigentlicher Experimente in dem Sinn, daß
das Silber wieder Währungsmetall neben dem Golde werde.
Nun ſteht England vor ſchwerwiegenden Erwägungen!
Der Gedanke Macdonalds, durch die Weltwirtſchaftskonferenz
aus den Schwierigkeiten herauszukommen, iſt geſcheitert. Wohin
weiſt England der Weg in der Preis=, Kredit= und namentlich
Währungspolitik? Was man darüber an Diskuſſionen in
eng=
liſchen Zeitungen lieſt, zeigt nur die glatte Ratloſigkeit und die
Differenzen zwiſchen dem Mutterlande und den großen Kolonien,
die auch in einer ſehr ſcharfen feindſeligen Erörterung des
Unterhauſes gegen die bekannten Beſchlüſſe der Ottawa=Konferenz
zum Ausdruck kamen. Am Scheidewege ſteht England, ratlos
und nach Amerika hinblickend, wo man, d. h. der Präſident,
nun allerdings entſchloſſen vorwärts geht.” Für England
be=
deutet das das Sinken des Dollars (etwa 3.— RM. jetzt ſtatt
4,20 RM.), alſo amerikaniſchen Vorſprung auf dem Weltmarkte,
alſo engliſches Streben, das Pfund an den Dollar
heran=
zubringen, d. h. es weiter ſinken zu laſſen. Wohin ſoll das
für England führen, wenn man eben nicht eine eigene
konſtruk=
tive Politik dazu verſucht, wie Amerika das tut?
Immermehr zieht das ungeheure amerikaniſche
Expe=
riment die Aufmerkſamkeit der Welt auf ſich. Die
Entwick=
lung des Dollars hatte zu einem Steigen der Warenpreiſe und
der Wertpapierkurſe geführt. Dem folgte ein ganz ſchwerer
Umſchlag: am 19. und 20. Juli erlebte Amerika einen Sturz
der Warenpreiſe und Aktienkurſe von größtem
Umfang. Die Aktien büßten 1ᛋ bis ¼ ihres Kurswertes ein,
auf dem Getreidegebiet war der Sturz ſo groß, daß die
Ge=
treidebörſen in Chicago und Canſas=City vorübergehend
ge=
ſchloſſen werden mußten. Der Vorgang zeigte (was natürlich iſt),
die ſchwere Zwiſchenzeit, die Amerika jetzt durchmachen muß,
Er ſteigert den Peſſimismus in der Beurteilung der
Rooſe=
veltſchen Wirtſchaftspolitik, der freilich an vielen Stellen „
Zweck=
peſſimismus” iſt. Und was am wichtigſten iſt, er treibt den
Präſidenten und ſeinen Kreis weiter und weiter, was auch in
der Logik der ganzen Politik, wie ſie nun einmal angelegt
worden iſt, liegt. Wenn Rooſevelt die Politik durchführen will,
Preiſe und Löhne zu erhöhen und dadurch ſteigende
Maſſen=
kaufkraft zu ſchaffen und dadurch wieder die Kriſe zu
über=
winden, und wenn er offenbar Preiſe und Löhne etwa im
gleichen Takt ſteigern will, ſo führt das zu einer ſtärkeren
Regelung der ganzen Produktion durch den Staat.
Das iſt jetzt im weiteren geſchehen und vom Präſidenten
in einer Rundfunkrede vom 24. Juli ausführlich erläutert
worden. Eine Zwangsverordnung, der ſog. Blankett=Code, legt
verkürzte Arbeitswoche und Erhöhung der Grundlöhne in allen
Induſtrien feſt. Demgemäß wurde am 27. Juli jedem
Unter=
nehmer der Entwurf eines Vertrages überſandt, den er
unter=
ſchreiben ſoll und der am 1. Auguſt in Kraft tritt. Das iſt ein
Normenvertrag, den der Unternehmer mit dem Staat abſchließt
und der beſtimmt: die Stundenzahl in der Arbeitswoche, den
Einheitsſatz des Arbeitslohnes, Nichterhöhung der Warenpreiſe
über den Stand vom 1. Juli hinaus. So ſoll die Arbeit
ge=
ſtreckt, durch Lohnerhöhung die Kaufkraft erhöht und die
Arbeits=
loſigkeit (12 Millionen Arbeitsloſe) gemindert werden. Am
erſten Montag im September ſoll ein amerikaniſcher „Tag der
Arbeit” eine Ueberſicht darüber geben. Der Abſchluß des
Ver=
trages iſt nicht Zwang, aber patriotiſche Pflicht. Dazu hat
Rooſevelt ſelbſt den Propaganda=Feldzug durch jene Rede
er=
öffnet. Wer den Vertrag abſchließt, wird in eine Ehrenliſte
ein=
getragen und erhält ein Abzeichen mit der Inſchrift: „Wir tun
das unſrige (wo do our part)“
So iſt alſo jenes Geſetz „zum Wiederaufbau der nationalen
Induſtrie”, das ſchon die Möglichkeit zu Eingriffen gab durch
dieſen „Einheitscode” über Minimallöhne und verkürzte
Arbeits=
zeit ergänzt. Der Verpflichtung des Unternehmers entſpricht
der Aufruf ay die Arheiter, nicht in Lohnkämpfe einzutreten.
Seite 2 — Nr. 209
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Sonntag, 30. Juli 1933
Das iſt im ganzen eine höchſt intereſſante, ſehr verwickelte
Regelung mit der die große Offenſive gegen die
Arbeits=
loſigkeit in vollen Gang gebracht iſt.
Daß ſie im Lande nicht überall Zuſtimmung findet, iſt
er=
klärlich. Aber ſie iſt beherrſcht durch die Einheitlichkeit des
Planes und des Willens. Mit Recht ſagte Rooſevelt, daß alle
ſeine Verordnungen ſeit dem 3. April „wohlgeordnete und
zu=
ſammenhängende Teile eines logiſchen Ganzen” ſeien. Er ſcheut
durchaus nicht, gegen alle amerikaniſche Ueberlieferung — die
Ausdehnung der Staatstätigkeit in dieſem ungeheuren Umfang.
Aber ſowie man etwas eindringt in ſeinen Zuſammenhang,
erkennt man, daß das durchaus nicht ſozialiſtiſch iſt, ſondern der
Einzelinitiative, dem Entſchluß des Einzelnen das Feld frei
läßt, nur durchaus in dem Sinn, den die deutſche
Formu=
lierung: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz” ausdrückt.
So iſt auch Amerika mitten drin in einer revolutionären
Umgeſtaltung. Große Widerſtände ſind dagegen, vor allem
geiſtiger, gedanklicher Art, und hitzig mögen die Debatten auch
in Rooſevelts engſtem Kreiſe ſein. Aber man hat den Eindruck,
daß der Präſident bei allen Unbeſtimmtheiten im einzelnen ſich
über die Geſamtrichtung ſeiner Politik und ſeines Willens,
völlig klar iſt. Darin liegt die Bedeutung jener
Rundfunk=
rede, mit der ein neues Stadium des Kampfes gegen die Kriſe
begann, und ſeiner Politik, in der ſowohl
ſtaatsplanwirtſchaft=
liche, wie ſtändiſche und korporative Grundgedanken
zuſammen=
klingen, wenn man will durcheinander gehen. Mit
erfrifchen=
der Offenheit und Beſtimmtheit ſchüttelt der Präſident die „
Wirt=
ſchaftsſachverſtändigen ab, die ihre Definition der
Wirtſchafts=
geſetze alle fünf oder zehn Jahre ändern”
Amerika ſucht ſo auch nach neuer Form und neuem Geiſt
in der Ordnung ſeiner Wirtſchaftsdinge und im Kampf mit der
Wirtſchaftskriſe. Da hat ihm niemand von draußen
herein=
zureden, ſo wenig wir uns in unſere Arbeit hereinreden laſſen.
Für die Welt im Sinne der Weltpolitik und Weltwirtſchaft
be=
deutet alles das freilich, daß Amerika ſeine eigenen Wege
geht, daß es ſich, ohne völlig mit der Welt draußen zu brechen,
von ihr abwendet. Wir haben nie mit der Kritik an Amerikas
Haltung zur Welt in den letzten fünfzehn Jahren
zurück=
gehalten. Aber wenn Präſident Rooſevelt jetzt ſo energiſch dieſen
Weg geht, mit den Folgen für die internationalen
Zuſammen=
hänge, ſo ſind die Mächte ſchuld daran, die eine wirkliche
inter=
nationale Zuſammenarbeit in dem von Deutſchland geforderten
Sinne entweder wie namentlich Frankreich, direkt verhinderten
oder, wie England, zu fördern nicht klar und kräftig genug
waren!
Gnadenbeweiſe für Wirkſchaftsvergehen
aus nicht gelvitjuchtigen „otiven.
WTB. Berlin, 29. Juli.
Wie der Amtliche Preußiſche Preſſedienſt mitteilt, hat der
preußiſche Miniſterpräſident Göring auf Grund
vorhergehen=
der Erörterungen an den preußiſchen Juſtizminiſter Kerrl ein
Schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt:
Die Beobachtung des Wirtſchaftslebens hat ergeben, daß in
der Zeit vor der Uebernahme der Macht im Staate durch den
Nationalſozialismus in Kreiſen der Wirtſchaft Handlungen
be=
gangen worden ſind, die zwar gegen die Geſetze verſtießen, ohne
jedoch aus ſelbſtſüchtigen Motiven heraus begangen zu ſein.
Eine unnachſichtige Verfolgung derartiger Straftaten würde
vielfach Perſonen treffen, die, vom Geiſte der
nationalſozialiſti=
ſchen Revolution erfaßt, jetzt bereit ſind, am Aufbau der
Wirt=
ſchaft mitzuarbeiten. Würden ſie aber aus ihrer Tätigkeit
her=
ausgeriſſen werden, ſo würde dadurch die Fortführung des
Be=
triebes gefährdet ſein und zahlreiche Volksgenoſſen würden um
ihre Arbeitsſtelle kommen. Deshalb erſcheint es am Platze, in
derartigen Fällen von der Verfolgung des Strafanſpruchs
abzu=
ſehen.
Weiter iſt es verſtändlich, daß auch bis zur Machtergreifung
durch den Nationalſozialismus und darüber hinaus bis zur
Ver=
kündung des Arbeitsprogramms des nationalſozialiſtiſchen
Staa=
tes am Tage der Nationalen Arbeit am 1. Mai 1933 vielfach
Straftaten begangen wurden, die ihre Erklärung in der
unver=
ſchuldeten Notlage des Täters oder ſeiner Angehörigen infolge
Verluſtes der Arbeitsſtätte oder Zuſammenbruches des eigenen
Wirtſchaftsbetriebes finden.
Nachdem nun jetzt infolge des Vordringens der
national=
ſozialiſtiſchen Offenſive zur Vernichtung der Arbeitsloſigkeit neue
Hoffnung bei Millionen Volksgenoſſen eingezogen iſt, will ich in
jedem Falle einer aus Not und zur Abwehr dringender Not
be=
gangenen Straftat prüfen, ob ich durch Niederſchlagung der
Strafverfolgung oder gnadenweiſen Erlaß einer anerkannten
Strafe dem Täter die Möglichkeit geben kann, aufrechten
Haup=
tes an dem Kampf gegen das Wirtſchaftselend teilzunehmen.
Auf Grund der mir in dem Erlaß des Herrn Reichskanzlers vom
25. 4. 1933 erteilten Ermächtigung betraue ich den preußiſchen
Juſtizminiſter, das Gnadenrecht auch hinſichtlich der noch nicht
rechtskräftig entſchiedenen gerichtlich oder ſonſt anhängigen
Straf=
verfahren der oben gekennzeichneten Arten auszuüben.
Vom Tage.
Zur Vorbereitung der Entſchließung der Reichsregierung über
das von dem preußiſchen Staatsminiſterium vorgelegte Geſetz zur
Gewährleiſtung des Rechtsfriedens hat das Reichsjuſtizminiſterium
die beteiligten Reichsreſſorts und die Landesjuſtizverwaltungen
auf Mittwoch, 2. Auguſt, zu einer Ausſprache eingeladen.
Der Reichsjuſtizminiſter hat den Direktor beim
Reichspatent=
amt im Ruheſtand, Geh. Reg.=Rat Dr. Harting, vorübergehend mit
der Wahrnehmung der Geſchäfte des Präſidenten des
Reichspatent=
amtes beauftragt.
Der Reichsfinanzminiſter hat vom Reichsverband deutſcher
Dentiſten e. V. ein Schreiben erhalten, in dem ihm von der
Ver=
fügung ſeiner Führer Kenntnis gegeben wird, derzufolge ab ſofort
von ſeinen Krankenkaſſenabrechnungen der Reichsverbandsmitglieder
1 Prozent einbehalten und für die Spende zur Förderung der
nationalen Arbeit abgeführt wird.
Zur ordnungsmäßigen Durchführung der
Kleinrentnerfür=
ſorge iſt ein weiterer Betrag von vier Millionen RM.
bereitge=
ſtellt worden, der nach dem bisherigen Schlüſſel auf die Länder
verteilt wurde.
Der Kreditausſchuß der Deutſchen Rentenbankkreditanſtalt hat
in dieſer Woche wieder Darlehensanträge von insgeſamt 6.5 Mill.
Reichsmark bewilligt.
Im Zuge der Zuſammenfaſſung der kommunalen
Spitzenver=
bände im Reich und ihrer Unterverbände, in den Ländern und
Provinzen iſt in dieſen Tagen der Oſtpreußiſche Gemeindetag
ge=
bildet worden. Er hat in ſich aufgenommen den Oſtpreußiſchen
Städtetag, den Oſtpreußiſchen Landkreistag und den
Oſtpreußi=
ſchen Landgemeindeverband. Ferner gehört ihm der
Provinzial=
verband Oſtpreußen an.
Im Anſchluß an die Nachricht, daß aus Erſparnisgründen in
dieſem Jahre die Manöver des Reichsheeres ausfallen und
ledig=
lich Truppenübungen in kleineren Verbänden ſtattfinden, teilt das
Reichswehrminiſterium mit, daß auch die diesjährigen
Herbſtver=
bandsübungen der Reichsmarine aus den gleichen Gründen
einge=
ſchränkt ſind.
Heiſt wie Mor nndern!
Die Arbeitsloſenziffer fällt! Wer dankt nicht beim Leſen
dieſer Worte dem Führer des deutſchen Volkes für das
groß=
artig angelegte Arbeitsbeſchaffungswerk, das ſchon jetzt die erſten
Früchte zeigt. Noch liegt die Arbeitskraft von Millionen
Volks=
genoſſen brach und wartet für die Wiedergeſundung der
natio=
nalen Wirtſchaft eingeſetzt zu werden. Wenn ſich auch ſchon
viele Hände neuerdings wieder regen, ſo müſſen doch alle
gang=
baren Wege beſchritten werden, um die Arbeitsloſigkeit noch
weiter einzudämmen. Eines der vielen eingeſetzten Mittel iſt
auch die große Arbeitsbeſchaffungs=Lotterie. Die Gewinne der
Lotterie ermöglichen es dem glücklichen Gewinner, die Mark
wieder umzuſetzen und dadurch Volksgenoſſen zu Arbeit und
Brot zurückzuführen. Aber auch die, denen das Glück nicht hold
war, haben das erhebende Bewußtſein, daß ihr Einſatz nicht
verloren iſt, ſondern reſtlos dem großen Werk der
Arbeits=
beſchaffung zugute kommt. Es iſt daher nationale Pflicht eines
jeden Deutſchen, an der Arbeitsbeſchaffung mitzuwirken durch
Kauf von Loſen, die in allen durch Plakate kenntlich gemachten
Geſchäften erhältlich ſind.
Kommiſſariſche Bürgermeiſter und Beigeordnete.
Das Perſonalamt des Heſſiſchen Staatsminiſteriums gibt
be=
kannt: „Die nachſtehenden Bürgermeiſter und Beigeordneten
wurden kommiſſariſch in ihr Amt eingeſetzt:
Zellhauſen: Albert Nofz, an Stelle des Bürgermeiſters
Reuter.
Klein=Welzheim: Fritz Thomſon, an Stelle des
Bürger=
meiſters Seebacher.
Groß=Steinheim: Fritz Henninger;uan Stelle des
Bei=
geordneten Pfeiffer in Groß=Steinheim.
Weißkirchen: Wilhelm Schwarz; für die zurzeit
ver=
waiſte Beigeordnetenſtelle.
Wembach=Hahn: Georg Buß, an Stelle des
zurück=
getretenen Bürgermeiſters Bonin.
Nieder=Modau: Georg Beyer 6., an Stelle des
Bürger=
meiſters Schuchmann.
Oberroden: Otto Wörner, an Stelle des zurückgetretenen
Bürgermeiſters Köhl.
Klein=Zimmern: Adam Rudolph, an Stelle des
zurück=
getretenen Beigeordneten Danz.
Eppertshauſen: Delwet Plakſchek, an Stelle des
zurück=
getretenen Beigeordneten Gruber 4.
Schlierbach: Ph. Roth, an Stelle des zurückgetretenen
Beigeordneten Breitwieſer.
Hering; Landwirt Gg. Hr. Illert, an Stelle des
zurück=
getretenen Bürgermeiſters Reeg.
Ulfa: Heinrich Hofmann 3., an Stelle des
Beigeordne=
ten Georg Ludwig 3.
Meſſel: Simon Fröhner, an Stelle des ausſcheidenden
kommiſſariſchen Bürgermeiſters Heß.
Berkach: Philipp Hauff 2., an Stelle des zurückgetretenen
Beigeordneten Philipp Friehl.
*
Erſte Anwendung des Vier=Mächke=
Puttes.
Die Ratifizierung des kürzlich unterzeichneten
Viermächtepak=
tes iſt durch die übrigen Vertragspartner zwar noch nicht erfolgt.
Die Vertragsbaſis zwiſchen den vier Mächten iſt jedoch
geſchaf=
fen. Das hat auch den Präſidenten der Abrüſtungskonferenz.
Henderſon, veranlaßt, ſich während ſeines Beſuchs in den
ver=
ſchiedenen europäiſchen Hauptſtädten für eine baldige
Anwen=
dung dieſes Paktes einzuſetzen. Inzwiſchen hat die
italieniſch=
ungariſche Ausſprache in Rom ſtattgefunden, die ſich um alle
An=
gelegenheiten drehte, wie ſie durch die Friedensverträge im
Donauraum entſtanden ſind. Es ſtellt ſich jetzt mehr und mehr
heraus, daß dem Beſuch des ungariſchen Miniſterpräſidenten
Gömbös in Rom doch eine ganz beſondere Bedeutung zukommt.
Gömbös hat ſich während ſeiner Rückreiſe über die römiſche
Bi=
lanz außerordentlich zufrieden ausgeſprochen. Er hat u. a.
feſtge=
ſtelld”, daß Muſſolini beſtrebt ſein werde, die drei anderen
Mächte des Viererpakts für eine Löſung des Donau= bzw. des
Balkan=Problems im Wege der Aufrollung und Bereinigung der
politiſchen Fragen dieſes Raums, alſo der Gleichberechtigung und
der Reviſion der Verträge zu gewinnen.
Gömbös hat hier unzweifelhaft ein Fernziel klar umriſſen,
das während der römiſchen Beſprechungen geſteckt wurde. Es
liegt natürlich auf der Hand, daß nicht von heute auf morgen
von Rom her in Paris, London und Berlin Einladungen
abge=
geben werden, zu einer Vierer=Beſprechung über den Donauraum
zuſammenzutreten. Dieſe Angelegenheit wird einer ſehr
ſorgfäl=
tigen, diplomatiſchen Vorbereitung bedürfen, die ſich aber im
Rahmen der von dem Viererpakt gezogenen Grenzen bewegen
wird.
Von Konferenzen will Muſſolini nichts wiſſen. Er hat ſich
eben erſt in einem Zeitungsartikel gegen die Organiſierung von
Konferenzen ausgeſprochen, hat aber auch zugegeben, daß die
Zuſammenarbeit der vier Mächte Weſteuropas nicht immer leicht
ſein werde. Aber Muſſolini als Schöpfer des Viererpakts und als
Freund verſchiedener Staaten auf dem Balkan und im
Donau=
raum, wird ſicherlich dieſen Pakt benutzen, um die Löſungen
an=
zuſtreben, nach denen allgemein gerufen wird. Der römiſche
Pakt gibt eine Handhabe dafür:
Im Artikel 4 des Viermächtepakts beſtätigen ſich die
Ver=
tragsſtaaten den Willen, ſich über wirtſchaftliche Fragen
Euro=
pas zu verſtändigen. Die wirtſchaftliche Not der Völker auf
bei=
den Seiten der Donau hat in der Vergangenheit zu einer
Un=
zahl von Anregungen geführt, aus denen aber niemals etwas
wurde. Selbſt die Deutſch=Oeſterreichiſche Zollunion, die als
Ueberwindung der wirtſchaftlichen Schwierigkeiten wenigſtens
eines Donauſtaates gedacht war, iſt nicht zuſtande gekommen. Sie
iſt am Widerſtand Frankreichs und ſeiner Verbündeten
geſchei=
tert. Jetzt ſind Italien, Frankreich und England zu einer
ver=
traglichen Einheit zuſammengefaßt. Es iſt nunmehr möglich,
auf diplomatiſchem Wege Dinge zu behandeln, die bisher ſtets
eine große Aufregung hervorgerufen haben, weil ſich jedesmal
die eine oder andere Gruppe benachteiligt fühlte. Gömbös hat
aber während ſeines Beſuches in Rom zum Ausdruck gebracht,
daß an der Reviſion des Vertrags von Trianon nicht
vorüberge=
gangen werden könne. Auch Muſſolini hat von jeher den
Stand=
punkt vertreten, daß die Reviſion der Friedensverträge fällig ſei.
Etwaige Viermächtebeſprechungen der näheren Zukunft werden
auch das Problem der Friedensverträge mit einbeziehen müſſen,
weil dieſe Verträge die Quelle der mitteleuropäiſchen
Wirtſchafts=
not bilden.
Die Konferenz in Rom wird jedenfalls der Ausgangspunkt
für eine neue Betätigung der ungariſchen Diplomatie ſein,
wo=
bei nur zu hoffen und zu wünſchen iſt, daß endlich die Vernunft
zu ihrem Recht kommt. Wenn ſich allerdings der Standpunkt des
rumäniſchen Juſtizminiſters durchſetzt, wonach die Reviſion eine
Machtfrage ſei und den Krieg bedeute, dann wird der
wirtſchaft=
liche Zerfall der Donau= und Balkanſtaaten nicht aufzuhalten
ſein. Aber der Viermächtepakt iſt ja gerade deswegen
geſchaf=
fen worden, um in vertraulicher und unauffälliger Ausſprache
Wege zu finden, die friedliche Löſungen vorhandener Konflikte
und reibungsloſe Ueberwindung beſtehender Schwierigkeiten
er=
bringen.
Das württembergiſche Kultusminiſterium hat angeordnek, daß
die Schüler und Schülerinnen den Lehrern und Lehrerinnen
künf=
tig in der Schule den Hitlergruß zu erweiſen haben, der von dem
Lehrern und Lehrerinnen in gleicher Weiſe zu erwidern iſt.
Die javaniſche Admiralität teilte mit, daß ein Geſchwader
der javaniſchen Flotte in Erwiderung der letzten amerikaniſchen
Flottenbeſuche im September San Franzisko und andere
ameri=
kaniſche Häfen beſuchen wird.
Nach einer halbamtlichen Mitteilung hat das javaniſche
Ka=
binett nach einem Bericht des Außenminiſters über die Beſetzung
mehrerer Inſelgruppen durch Frankreich den Außenminiſter
er=
mächtigt, bei der franzöſiſchen Regierung Einſpruch zu erheben.
Der Text der Note wird nicht veröffentlicht.
*
eine deie Heveriehang von Bersng
zueiſiels
Von Dr. Herbert Nette.
Einer Beſprechung der Uebertragungen aus Vergils Aenei
die Goetz von Preczow im Verlag Die Runde Berlin v.
legt, ſei eine allgemeine Ueberlegung vorangeſtellt.
Es gibt, wenn wir von körperlichen Gegenſtänden abſehe
kein Wort einer Sprache, das ſein genau entſprechendes Gege
ſtück in einer anderen Sprache hat. Darin iſt die Problemat
alles Ueberſetzens beſchloſſen. Zu ihrer Löſung bieten ſich zw
Möglichkeiten an, die dritte der ſogenannten freien Bearbeitu
iſt, wenn es ſich um eine Dichtung handelt, meiſtens eine Fre
heit. Entweder der Ueberſetzer „verdeutſcht”, er ſucht Wort un
Geiſt des Fremden durch die Wahl möglichſt analoger
Ausdrü=
herüberzuholen. Das iſt die naive oder aber die geniale Art, den
es geht auf eine Ueberwältigung und iſt eigentlich nur geree
fertigt, wenn, wie etwa bei Luther, eine geniale Kraft der
N=
ſchöpfung am Werke iſt.
Die zweite Möglichkeit iſt die ehrfürchtige. Hier wird d
eigene Sprache zu jener fremden hinübergebogen, ihr angegliche
es wird ihr abgerungen, was ſie an ſprachlichen Elementen de
Engliſchen, Griechiſchen, Indiſchen uſw. als Möglichkeiten enthäl
Die deutſche Sprache hat ſich fähig erwieſen, den Sprachgeiſt fa
aller Kulturſprachen nachſchaffend ſich anzueignen; ſo ſind. Ke
Eugen Neumanns Ueberſetzungen von Buddhos Reden ein groß
Beiſpiel, bis zu welchem Grade unſere Sprache noch das Indiſ
nachzuſprechen, nachzufühlen und nachzudenken imſtande iſt.
Goetz von Preczows Uebertragungen aus der Aeneis gehör
im weſentlichen in dieſe Reihe. Sie ſtreben weitgehend zur Ide
tität mit dem Original, insbeſondere wird alles Maleriſche u
Lyriſche bis in den Klang hinein vermieden. Wenn ſie in a
deren Beziehungen offenſichtlich von der philologiſchen
Genau=
keit abweichen, ſo hängt das mit der beſonderen Schwierigke
Vergil zu überſetzen, zuſammen.
Vergil läßt mit Bewußtſein in ſeiner Sprache häufig Hom
anklingen, auch manche Vorgänger in der lateiniſchen Kunſtpoe
insbeſondere Ennius. Das hat zu dem Irrtum geführt, die Aene
ſei traditionelle Hofdichtung. Man ſetzte die übernommenen Fo
men ohne weiteres dem Kern der Dichtung gleich, ſtatt zu
ſeh=
daß Motivwahl, Versmaß und die übrigen Kunſtmittel hier wir
lich nur als Mittel benutzt werden, daß aber die eigentliche die
ſteriſche Subſtanz von weſentlich anderem Geiſte iſt. Daß Ve=
ſich der hergebrachten Formen und nicht ſelten geläufiger
Alltags=
worte bedienen konnte, liegt darin begründet, daß in ſolchen
Wor=
ten die älteren Gehalte und Wertungen zu ſeiner Zeit noch
ſpür=
bar waren und gleichſam mit aufgerufen wurden. Das läßt ſich
deutſch nicht wiedergeben, da im Deutſchen die mitſchwingenden
„Obertöne, die Bindungen, die jedes Wort mit einer Reihe
an=
derer verknüpft, andere ſind.
Preczow verſucht nun, wieder auf die Urſprünglichkeit und
Eigenart des dichteriſchen Genius zurückzugreifen. Geht die
Ueber=
tragung von Voß in ihrer gefeilten Glätte auf die Wiedergabe
des Auguſteich=Höfiſchen, ſo wird hier der Klang einer alten Sage
erweckt. In dieſer Hinſicht ſcheint mir das Aeußerſte geleiſtet zu
ſein. Man verſpürt das Imperiale der Sprache, das bei Vergil
aus jeder Zeile ſpricht und von dem man glauben konnte, daß
es nur engliſch wiederzugeben ſei. Daß auf dieſe Weiſe etwas von
dem magiſchen Geſamtton der Originals lebendig wird, iſt das
größte Lob, das man hier ausſprechen kann und rechtfertigt wohl,
daß häufig feierliche, emphatiſche, geſteigerte Ausdrücke gebraucht
werden, wo bei Vergil viel nüchternere einfachere Worte ſtehen.
Jene ältere, bei Vergil mitſchwingende Schicht wäre anders wohl
nicht herauszuholen geweſen. In dieſer Hinſicht alſo wäre die
Ueberſetzung die beſte überhaupt — aber es iſt ein Haken dabei.
Das Streben zur Identität mit dem Original und zum reinen
Hexameter hemmt zu ſehr die unmittelbare Strömung und dieſe
iſt notwendig, damit der Rhythmus uns die Quantitäten erſetzt,
wir alſo unſeren Hexameter unmittelbar richtig leſen. Dazu
kommt dann noch, daß hier an ſich ſchwere Silben, ohne daß der
Rhythmus vehementer wird, von Senkungen getragen werden
ſollen. Es mangelt alſo für dieſe Art Vers das dynamiſche
Prin=
zip, ohne das unſere Sprache ihn nicht hergibt. Damit bleibt es
dann doch zu ſehr Verſuch, wenn auch als Verſuch vielleicht
bedeu=
tender als Voß, der — und nicht nur, weil er das Ganze der Aeneis
gibt — die größere Leiſtung aufzuweiſen hat und trotz allem auch
weiterhin unerſetzlich bleibt.
Doch wird ein Beiſpiel mehr als lange Betrachtungen
ſagen und zugleich die Möglichkeit zu Vergleich und eigenem
Urteil geben. Dem Einwand der Schwerverſtändlichkeit muß
dabei entgegengehalten werden, daß eine Dichtung verlangen
kann, wieder und wieder geleſen zu werden, bis man ſie ganz
durchdrungen. — Wir wählen die Stelle, da Dido, aus Gram und
Verzweiflung, daß Aeneas ſie verläßt, ſich den Tod gibt. Die Verſe
(TV, 641—666) lauten bei Preczow:
Aber in haſt und wild vorm ungeheuren beginnen
Dido rollt den blick der wie blut und die bebenden wangen
Sind von malen geſtreift, ſonſt blaß vorm kommenden tode
Skürzt ſie zurück ins innere haus und klimmt da die tokle
Hoch hinauf zum ragenden ſtoß und zieht das geſchenkte
Dardanerſchwert, ſie bat es nicht zu ſolchem behufe.
Wie die Iliſche tracht ſie jezt erſchaute und das liebe
Ruhbett hielt ſie kurz und verweilt und weinte und ſann noch
Ließ ſich zum lager dann hin und rief das wort das ihr leztes
„Holde pfänder ſolang der gott und das ſchickſal es zuließ
Faſſet in euch meinen geiſt und gebt mir löſung vom kummerl
Richtig hab ich gelebt, den lauf vollbracht den Fortung
Mir beſchied und ich geh ein hohes bild zu den untern.
Rächend den mann hab ich den feindlichen bruder gezüchtigt
Und die herrliche ſtadt mir erbaut, meine mauern geſehen
Selig, ach beſeligt zu ſehr, wenn nimmer das eine
Wenn kein Dardaner=kiel meinen ſtrand mir jemals berührte!?
Riefs, dann preßt ſie ins polſter den mund und ſagt noch „ſo.
ſterb ich
Ungerächt aber gern, ſo freut mich der weg zu den dunklen.
Schöpfe nun hoch im meer dieſe glut mit blicken der kalte
Dardaner, nehm er mit aus meinem tode die drohung!“
Spricht dieſes wort und da ſie noch ſpricht da ſehn ſie vom erze
Schon durchbohrt und gefällt ihre fraun und ſchäumend von blutes
Strom das ſchwert, die hand überträuft, da ſchallts durch die hohen
Atrien, bacchiſch raſt die ſtadterſchütternde Fama.
Die Auswahl der Uebertragungen, die Preczow gibt, iſt ſo
ge=
troffen, daß ſie die mächtigſten Bilder und die tiefſten
Beſchwö=
rungen der Dichtung enthält. An die Schilderung des
Schiff=
bruchs, der Aeneas und ſeine Gefährten von der ſiziliſchen Küſte
nach Lybien verſchlägt, reihen ſich die Szenen vom Untergang
Trojas, die Verſe von Didos Liebe und Tod, die Bilder von den
Leichenſpielen, die Aeneas zur Feier des Todestages ſeines Vaters
Anchiſes mit Wettkämpfen und Schlachtſpielen veranſtaltet. Es
folgen Abſchnitte von Aeneas Gang in die Unterwelt, aus dem
berühmten ſechſten Buch, dem Vergil ſeinen mittelalterlichen Ruf
als Zauberer und die Führerrolle in Dantes Göttlicher Komödie
verdankt. Aus dem neunten Buch der Heldentod der beiden
Jüng=
linge Niſus und Euryalus und endlich die Entſcheidung der
Zwei=
kampf zwiſchen Aeneas und Turnus und die düſteren Verſe, mit
denen die Dichtung ſchwer aushallt: „Da löſen ſich ihm im Froſte
die Glieder / Flüchtet mit dumpfem Geſtöhn und erzürnt ſein Geiſt
zu den Dunklen.”
*
Man hat Homer mit Vergil verglichen. In Wirklichkeit ſind
ſie ſo verſchieden wie die Welt des Jünglings von der des
Man=
nes. Das liegt nicht nur an der Nüchternheit der lateiniſchen
Sprache im Gegenſatz zur Sinnlichkeit der griechiſchen. Ueber
Homers Welt liegt noch der Glanz eines jugendlichen Zeitalters=
Sonntag, 30. Juli 1933
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 209 — Seite 3
Zuſammenarbeit von Behörden und Wirtſchaft. — Bildung eines Arbeitsausſchuſſes zur Durchführung und
Ueberwachung der Arbeitsbeſchaffungsmaßnahmen im rhein-mainiſchen Wirtſchaftsgebiet.
gegeben werden. Ein weiteres Projekt im Betrag von etwa
Zum erſten Mule Zujämimenärdelt 170 000 RM. iſt auf Grund des Geſetzes zur Verminderung der
des Freiſtaakes Heſſen mit den Regierungsbezirken
Wiesbaden und Kaſſel.
Frankfurt a. M., 29. Juli.
Der Kampf gegen die Arbeitsloſigkeit, der im ganzen Reich
mit Erfolg aufgenommen iſt, wird vom Rhein=Mainiſchen
Wirt=
ſachftsgebiet in großzügigſter Weiſe und mit neuen Grundlagen
durchgeführt. Gauleiter, Reichsſtatthalter Sprenger, und dem
Treuhänder der Arbeit, Handelskammerpräſident Dr. Luer=
Frankfurt a. M., iſt es durch die Zuſammenarbeit aller an der
Arbeitsbeſchaffung intereſſierten Stellen gelungen, am Samstag
einen Arbeitsausſchuß zur Durchführung und
Ueberwachung der
Arbeitsbeſchaffungsmaß=
nahmen im Rhein=Mainiſchen
Wirtſchaftsge=
biet zu bilden, der ſich aus Vertretern der praktiſchen
Wirt=
ſchaft und der Behörden zuſammenſetzt. Ueberall herrſchte
Ueber=
einſtimmung darin, daß die praktiſche Notwendigkeit der
Ankur=
belung der Wirtſchaft in breiteſter Front durch Zuſammenarbeit
von Behörden und Wirtſchaft vorliegt, wodurch eine ſchlagartige
Abkürzung des ganzen Verfahrens ermöglicht wird. Zum
er=
ſten Male arbeiten die Regierungsbezirke
Wiesbaden und Kaſſel und der Freiſtaat
Heſſen zuſammen, wodurch eine reibungsloſe
Durchführung der beiden Programmpunkte der
Behördenaufträge und der privaten
Arbeits=
beſchaffung, die im weſentlichen eine Frage der
Kredit=
beſchaffung, alſo der Liquiditätsbeihilfe für die Banken des
Be=
zirks iſt, gewährleiſtet iſt.
Der Treuhänder der Arbeit und Präſident der Frankfurter
Handelskammer Dr. Luer, dem neben dem Gauleiter Sprenger
die Initiative der großangelegten Arbeitsſchlacht zu danken iſt,
bezeichnet die öffentliche Arbeitsbeſchaffung nur
als einen Teil des Geſamtplanes und hob die
Notwen=
digkeit der Ausdehnung zur privaten Arbeitsbeſchaffung hervor.
Dabei iſt die enge Zuſammenarbeit zwiſchen Behörden und
Wirt=
ſchaft erforderlich. Das Reichsarbeitsminiſterium hat
ſich bereit erklärt, durch einen beſonderen Erlaß
bindende Anweiſungen über die Einſetzung des
Arbeitsbeſchaffungsausſchuſſes zunächſt im
rhein=mainiſchen Wirtſchaftsgebiet zu geben
und beſtimmte Vollmachten zu erteilen. Der Ausſchuß zur
För=
derung der öffentlichen und privaten Arbeitsbeſchaffung wird bei
der Reichsregierung um ein entſprechendes Kontingent für die
Arbeitsbeſchaffung nachſuchen und die zuſtändigen Inſtanzen bei
der Aufteilung der Kontingente auf die einzelnen Bezirke des
rhein=mainiſchen Wirtſchaftsgebietes unterſtützen. Er wird
fer=
ner die Arbeitsbeſchaffungsprojekte nachprüfen, auf die enge
Zu=
ſammenarbeit der Gemeinden untereinander hinwirken, die
Trä=
ger der Arbeit für die Heranziehung geeigneter Firmen beraten
und ſchließlich die Auswirkungen der
Arbeitsbeſchaffungsmaß=
nahmen beobachten.”
Skraßenbau=Arbeitsbeſchaffung der Provinz
Oberheſſen.
„Im Verlauf der letzten 12 Monate hat die Provinz
Ober=
heſſen auf ihrem etwa 2300 Kilometer langen Provinzſtraßennetz
ein bedeutendes Arbeitsbeſchaffungsprogramm durchgeführt Auf
etwa 1800 Kilometer Straßen wurden 32 000 Kubikmeter
Klein=
ſchlag und 10 500 Kubikmeter Bindematerial, mit einem
Koſten=
aufwand von 275 000 RM. verarbeitet. Für die Unterhaltung
tvon etwa 270 Kilometer Straßen mit Oberflächenbehandlung
wwurde Material mit einem Koſtenaufwand von 350 000 RM.
ver=
wendet. Für Straßenbefeſtigungen und Straßenregulierungen in
fallen Teilen der Provinz Oberheſſen wurden 1 284 000 RM.
ver=
ausgabt. Mit dieſen Geldmitteln in Höhe von zuſammen rund
—1 900 000 RM. wurden zu Neubefeſtigungen der Straßen rund
—17. Kilometer Kleinpflaſter, rund 15 Kilometer Aſphalt=Beton
ind rund 6 Kilometer Zementſchrott beſchaffen. Bis zum 1.
Ok=
ſtober d. J. ſollen weiterhin Straßenbauarbeiten im Geſamtbetrag
won rund 200 000 RM. ausgeführt werden; ferner ſind auf
Grund des ſogenannten Gereke=Programms Straßenbauarbeiten
für einen Geſamtbetrag von 182 000 RM. beantragt. Die Aus=
Führung dieſer Arbeiten hängt aber davon ab, daß die Geldmit=
Eel von der Geſellſchaft für öffentliche Arbeiten als Darlehen her=
Die feſtliche Beſchwingtheit eines naiven Heroismus, für den die
Heroen halbe Götter, und die Götter nur geſteigerte Sterbliche
ſind. Ueber Aeneas waltet das Fatum, dem ſich auch der Held
mur beugen kann. Die Aeneis iſt das größte Führerepos der Welt=
Dichtung, in ihrer Mitte ſteht der Staat, und der Führer iſt hier
Ser große Menſch, der ſich keine Macht anmaßt, ſondern von der
ganzen Schwere ſeiner Sendung erfüllt faſt demütig dem Schickſal
Folgt und ſeinen Befehl ausführt: die Gründung des Staates.
Man hat Vergil mit Recht den Vater des Abendlandes genannt,
er iſt es auch in dem Sinne, daß er um den ſchickſalsmäßigen
Ge=
genſatz zu Aſien weiß; ſieht er doch die ſcheußlichen Götter
Aegyp=
rens anrennen gegen Venus und Apollo.
Vielleicht iſt es nicht ohne tiefere Bedeutung, daß der
Ver=
ſuch, die Aeneis neu aufzuſchließen und lebendig zu machen in
nſere Tage fällt. Sie iſt die größte Dichtung römiſchen Geiſtes
and es iſt der Urſprung des Abendlandes, in den ſie uns einweiht.
— Stadttheater Gießen.
„Wo die Lerche ſingl.”
Operette in 3 Akten von Dr. A. M. Willner und Heinz Reichert,
Muſik von Franz Lehar.
Die Gießener Künſtler haben mit ihrer Operettenaufführung
„Wo die Lerche ſingt” wiederum einen vollen Erfolg. Die
ſlotte einſchmeichelnden Leharſchen Melodien, die von dem
Or=
ceſter unter der muſikaliſchen Leitung von Fritz Cujé
hervor=
tagend geſpielt wurden, ziehen ſich durch die ganze entzückende
Operette, die wir in Darmſtadt unſeres Wiſſens — wenigſtens in
den letzten Jahren — noch nicht ſahen.
Das Stadttheater Gießen verfügt über ein Enſemble, das alle
Erforderniſſe in Spiel und Geſang aufs beſte erfüllt. So verſteht
es ſich, daß die Aufführungen für jeden Beſucher wahre Genüſſe
breten, daß das Publikum gern folgt, und durch ſpontanen Beifall
ſeine Freude über die vorzüglichen Darbietungen Ausdruck gibt.
An erſter Stelle iſt die Trägerin der Hauptrolle, Lieſel
Be=
ling, zu nennen; in ihr iſt ein naiv temperamentvolles
unga=
riſches Bauernmädel verkörpert, wie es treffender und reizender
ſchwer gedacht werden kann. Die charmante Künſtlerin ſpielt mit
entzückendem Liebreiz und einer vollendeten Mimik, und vor allem
mit herzerfriſchender Natürlichkeit, dabei beherrſcht ſie durchaus
ge=
ſanglich wie tänzeriſch ihre Rolle. Im=Alfred Fierment und
Arbeitsloſigkeit in Bearbeitung und wird aber nur durchführbar
ſein, wenn aus Reichsmitteln die erforderliche finanzielle Hilfe
gewährt wird.
Oſtpreußen frei von Arbeitsloſen bis auf die Skädte
Königsberg und Elbing.
TU. Königsberg, 30. Juli.
Die Preſſeſtelle des Oberpräſidiums teilt mit:
Am heutigen Sonntag, den 30. Juli, iſt mit Ausnahme der
Städte Königsberg und Elbing die ganze Provinz Oſtpreußen frei
von Arbeitsloſen. Auch in den beiden genannten Städten ſchreitet
der umfaſſend angeſetzte Kampfplan gegen die Erwerbsloſigkeit
rüſtig und erfolgreich vorwärts. Das Ziel, das am 26. Juli
feſt=
geſetzt worden war, iſt demnach ſchon einige Tage vorher erreicht
worden.
Wann wird Reichszuſchuß für Inſtandſehung
von Gebäuden gewährk?
Für die Inſtandſetzungs= und Umbauarbeiten von
Ge=
bäuden, die Teilung von Wohnungen uſw. ſind vom Reich, wie
gemeldet, wieder 50 Millionen RM. bereitgeſtellt worden. Die
zuſtändigen Stellen haben nun auch erneut Beſtimmungen
dar=
über herausgegeben, wann und wie dieſe Reichszuſchüſſe gewährt
werden. Danach müſſen die Arbeiten ſpäteſtens vor dem
1. September 1933 begonnen und am 1. März 1934 vollende:
ſein. Arbeiten, die in Schwarzarbeit ausgeführt ſind, dürfen
nicht berückſichtigt werden. Betriebe, die aus Arbeitsmangel
ſtillgelegt und abgemeldet ſind, ſind zugelaſſen, ſoweit ſie ihre
neue Eintragung in die Handwerksrolle oder das
Handels=
regiſter bewirkt haben. Der Reichszuſchuß wird in einer
Summe nach Fertigſtellung der Arbeiten ausgezahlt.
Aus=
ländiſchen Grundſtückseigentümern darf ein Zuſchuß nur
ge=
währt werden, ſoweit die vorhandenen Mittel durch die
Berück=
ſichtigung begründeter Anträge deutſcher Hausbeſitzer nicht in
Anſpruch genommen werden. Dieſe Einſchränkung gilt aber
nicht für ausländiſche Grundſtückseigentümer ausländiſcher
Ab=
ſtammung. Reichszuſchuß wird nur gewährt, wenn die Koſten
für das einzelne Grundſtück mindeſtens 100 RM. betragen, der
Reichszuſchuß beträgt ein Fünftel der Koſten.
Als größere Inſtandſetzungsarbeiten, für die der
Reichs=
zuſchuß ein Fünftel beträgt, gelten u. a. Erneuerung der
Dach=
rinnen, Abflußrohre, Umdecken des Dachs, Abputz oder Anſtrich
des Hauſes im Aeußeren, Neuanſtrich des Treppenhauſes, völlige
Inſtandſetzung einer leeren Wohnung, Erneuerung der Heiz=
und Beleuchtungsanlagen ſowie Beſeitigung von Hausſchwamm.
Für die Teilung von Wohnungen und den Umbau ſonſtiger
Räume zu Wohnungen kann gleichfalls ein Reichszuſchuß
ge=
währt werden, und zwar unter der Vorausſetzung, daß jeoe
Teilwohnung für ſich abgeſchloſſen ſein muß. Sie muß eine
eigene Küche, die erforderlichen Nebenräume und, wo die
Mög=
lichkeit dazu gegeben iſt, einen eigenen Zugang haben. Der
Reichszuſchuß beträgt in dieſen Fällen 50 v. H. der Koſten, im
Höchſtfalle 600 RM. für jede Teilwohnung.
Tilgungsrenken für Erbſchaftsſteuerſchulden
auf 5 Prozenk herabgeſetzt.
Der Reichsfinanzminiſter hat angeordnet, daß der im § 38
Ab=
ſatz 2 des Erbſchaftsſteuergeſetzes vorgeſehene Zinsſatz, der für die
Bemeſſung der Tilgungsrenten von Erbſchaftsſteuerſchulden gilt,
von 8 auf 5 Prozent herabgeſetzt wird. Die Verordnung tritt am
1. Oktober 1933 in Kraft.
Es handelt ſich dabei um Erbſchaftsſteuerſchulden, die im
Zu=
ſammenhang mit dem erblichen Uebergang von Grundbeſitz
ent=
ſtehen. Wenn der Erbe nicht gewillt oder nicht im Stande iſt, die
Erbſchaftsſteuer auf dem ererbten Grundbeſitz ſofort in voller Höhe
zu begleichen, ſo kann er beantragen, daß eine Tilgungsrente
ein=
getragen werde, die ihm die allmähliche Abtragung der
Erbſchafts=
ſteuerſchuld geſtattet. Dieſe Tilgungsrente war bisher mit 8
Pro=
zent pro Jahr zu verzinſen. Der Zinsſatz iſt nun auf 5 Prozent
ermäßigt worden. Die Tilgungsrente, die auf den Antrag des
Erb=
ſchaftsſteuerſchuldners eingetragen wird, umfaßt mit der
Erb=
ſchaftsſteuer zugleich den Zinsſatz, ſo daß der Steuerſchuldner
Steuer und Zinſen in einer Einheitsrate abtragen kann.
Paul Wrede hat ſie zwei Partner, die beide charakteriſtiſch und
echt auftreten. Alfred Fierment als Städter, als bedeutender
Ma=
ler, weiß das kleine Bauerndirndl in ſchmeichleriſcher Werbung
für ſich zu gewinnen, er weiß alle Herzensregungen verſtändlich
zu geben und verliert ſelbſt an Sympathie nicht, als er ſeine
„kleine Lerche” aufgibt, die nun halb lachenden, halb weinenden
Auges ihren Bauernburſchen wieder findet, der ſtark typiſch und
friſch von Paul Wrede verkörpert wird.
In der Rolle der Sängerin Vilma gaſtierte Erna
Schiefer=
decker. Die junge Künſtlerin meiſterte ihre ſchwierige Aufgabe
mit außerordentlichem Geſchick und gab der kapriziöſen Braut aus
der Stadt, die um das Herz des verlorenen Geliebten erfolgreich
wirbt, jene menſchliche Wärme, die verſtändlich und verſöhnend
wirkt. Alle Künſtler verfügen über ausgezeichnetes Stimmaterial.
Eine Figur, die durch ihre originelle Komik die Lacher auf
ihrer Seite hatte, ſtellte Heinrich Hüb als alter Bauer und
Groß=
vater, auch Adrian Willy Droſt als Baron und Anny Born
als Dienſtmagd verſtanden es ebenſo wie die übrigen Darſteller
ganz vorzüglich, ſich in den ihnen gegebenen Rahmen einzufügen und
der Aufführung zum Erfolg zu verhelfen.
Für die Regie zeichnete Paul Wrede verantwortlich. Ihm
gebührt für die meiſterhafte Erfaſſung des Ganzen ganz beſondere
Anerkennung. Die Milieuzeichnung iſt alt und iſt der flotten,
meiſt launigen Handlung ein wirkungsvoller Rahmen. Die von
Ewald Bäulke einſtudierten Tänze gefielen ſo gut, daß ſie
wie=
derholt werden mußten.
Die Operette wird ſo liebenswürdig und graziös geſpielt, daß
ſie alle Beſucher für Stunden in Bann ſchlägt und Stimmung und
R
gute Laune verbreitet.
Wolfgang Langewieſche: Das amerikaniſche Abenteuer. Ein
deutſcher Werkſtudent in U. S.A. (Kart. 4 RM., Leinen 5,50
RM. 1933. J. Engelhorns Nachf., Stuttgart.)
Amerika! So reich iſt dieſes Land, ſo unerſchöpflich vielfältig
an Dingen und Menſchen, daß es für jeden, der nur zu ſehen und
zu beobachten verſteht, immer wieder etwas Neues aufzuweiſen
hat. So iſt auch dies Buch des jungen deutſchen Werkſtudenten
Wolfgang Langewieſche eine Entdeckerreiſe in das noch wenig
beſchriebene Amerika des Alltags und der Weltkriſe; eine
Ent=
deckerreiſe des modernen jungen Menſchen von heute, der nicht
aus Vergnügen vagabundiert, ſondern aus Not, aber in der Not
mit Vergnügen, und der alles Neue, alle Tätigkeit und Arbeit in
den Dienſt des Vorwärtskomitzens ſtellt. Man hat heutzutage
keine Zeit mehr zum „Schlendern”, ſondern muß ſich hart
durch=
ſchlagen, um die Zeit auszunutzen. Man gewinnt Einblicke in die
verſchiedenſten Berufe und Tätigkeiten, in die amerikaniſche Seele,
Geiſtesart und Denkweiſe, wie ſie nur einer geben kann, der in ſie
eingetaucht iſt, Seine, Berichte ſind voller Humor, originell. knapp
Aalionale Feierſtunde in Skukkgark.
Reichsminiſter Dr. Goebbels über die Bermählung
der Kraft und des Geiſtes.
Stuttgart, 29. Juli.
Im Rahmen des 15. Deutſchen Turnfeſtes wurde am
Sams=
tag abend in Stuttgart eine nationale Feierſtunde veranſtaltet,
die über alle deutſchen Sender übertragen wurde. Nach dem
Führer der Deutſchen Turnerſchaft von Tſchammer und Oſten
betrat von Beifallsſtürmen umjubelt Reichsminiſter Dr. Goebbels
die Rednertribüne. In ſeiner Anſprache zog er zunächſt einen
Vergleich zwiſchen dem ruhigen Bayreuth und dem lebhaft
wimmelnden Stuttgart. Beides leuchtende Beiſpiele der
Viel=
geſtaltigkeit deutſchen Lebens und Wirkens. Seele und Körper
des deutſchen Volkes ſeien bis auf den Tod krank geweſen, nicht
allein durch den Weltkrieg. Völker gingen, betonte Dr. Goebbels,
nicht an verlorenen Kriegen zugrunde. Nicht die Niederlage
Deutſchlands ſei die Urſache für den Zuſammenbruch geweſen.
Aber viel ſchlimmer als die Feinde, die uns zur Unterſchrift
zwangen, ſei der innere Feind geweſen, die innere
Zerriſſen=
heit, die die Nation zum Tummelplatz einer land= und
art=
fremden Raſſe machte. Zur gleichen Zeit aber, fuhr Dr. Goebbels
fort, da der Marxismus ſich auf der Höhe ſeiner Machtwende
befand, erhob ſich auch wieder der unſterbliche deutſche
Lebens=
wille aus Not und Gefahr, und meldete ſeinen Anſpruch auf
die Zukunft an. Wir wußten, daß es Kampf geben würde, daß
wir nur geſunden könnten, wenn Körper und Geiſt wieder eins
würden. Geſund an Seele und Kraft wird das
deutſche Volk unter einer zielbewußten
Füh=
rung den Weg finden in Ehre, Arbeit und Brot.
Der Geiſt bleibt kraftlos, wenn er ſich nicht mit der Kraft
vermählt. Vielleicht die übelſte Erbſchaft der alten Vorkriegs= und
Nachkriegszeit ſei der Kampf des Geiſtes gegen die Kraft, bei der
die Nation machtlos und ohnmächtig ein Spielball in den Händen
der anderen Völker war. Die Sehnſucht eines Bayreuther Meiſtes
war es, der deutſchen Nation den Geiſt zu geben, und die
Sehn=
ſucht Jahns, die deutſche Kraft zuſammenzuballen. Hätte ihre Zeit
ſie verſtanden, ſo wäre Deutſchland der Angelpunkt der Welt
ge=
worden. Wir wären heute die Nation aller Nationen. Vielleicht iſt
die Zeit für dieſe Männer nicht reif geweſen. Vielleicht war es
notwendig, daß wir durch die Hölle des Krieges und
durch das Fegefeuer des Marxismus
hindurch=
gehen mußten, um endlich zur Einheit des Volkes
zu kommen, zur Vereinigung von Geiſt und Kraft.
Es gibt nicht mehr Preußen, Bayern und Württemberg, es
gibt keine Mainlinie mehr, nicht mehr Bürger oder Proletarier,
ſondern 66 Millionen antworten heute: Wir ſind deutſch (
ſtürmi=
ſcher Beifall). Vor zwei Jahren hat man über den Genius eines
Richard Wagner noch geſpottet und heute geht der Einiger des
deutſchen Volkes nach Bayreuth, um ihm zu huldigen. Noch nie
hat es in Deutſchland eine Regierung gegeben,
die nicht nur die Straße, ſondern auch die
Intel=
ligenz zu mobiliſieren verſtand.
Miniſter Göbbels entbot dann die Grüße der Reichsregierung
der deutſchen Turnerſchaft, ihrer Bewegung, die das Gefühl der
Gemeinſchaft und Kameradſchaftlichkeit ſtets hochgehalten habe.
Ihre Kraft ſei nie eine leere Demonſtration geweſen — heute
weniger als vorher. Jetzt, da man wiſſe, daß an der Spitze des
Volkes eine Regierung ſtehe, die alle turneriſchen
Tu=
genden und die Kraft hochſchätze.
Noch ſtehe man uns im Ausland verſtändnislos
gegenüber. Das ſei aber kein Grund, den Mut ſinken zu laſſen,
denn vor fünf Jahren habe man ſelbſt in Deutſchland die
Be=
wegung noch nicht verſtanden. In einigen wenigen Jahren werde
Deutſchland den eiſernen Boykott, den die Welt um uns gelegt
habe, geſprengt haben. Allerdings werden wir mit unſerer Not
nicht betteln gehen, ſondern mit ihr ſelbſt fertig werden. Wir
haben die Abſicht, betonte der Reichsminiſter, unſere Arme ſelbſt
zu rühren und dem Schickſal entgegen zu treten. Wenn Kraft
und Geiſt ſich vereinigen, wenn Fauſt und Stirn
zuſammenſtehen, werden wir auch Herr der Nöre,
werden wir die Welt durch unſere Leiſtungen
überzeugen. Kaum wird die Welt auf die Dauer an unſeren
Anſtrengungen achtlos vorübergehen können.
Große Arbeit liegt vor uns und wir machen uns keine
Illu=
ſionen. Wir ſehen den harten Zeiten ins Auge. Deshalb wird die
Reichsregierung das Arbeitsproblem löſen. In ſechs Monaten
iſt es bereits gelungen, für zwei Millionen Deutſche wieder
Ar=
beit zu ſchaffen. Die Probleme unſerer Zeit ſind Probleme des
Mutes. Deshalb fordert die Reichsregierung die deutſchen Männer
und Frauen auf, fortzuarbeiten an der Stählung des Körpers
und des Geiſtes und mitzuwirken am Aufbau des Vaterlandes.
Wir haben, ſo rief Miniſter Dr. Goebbels aus, der
deut=
ſchen Zwietracht den Dolch mitten ins Herz geſtoßen. Wir
haben aus Klaſſen und Ständen wieder ein Volk geſchmiedet
und ich glaube, es iſt nicht unerheblich, wenn ich Sie bitte, in
dieſer feierlichen Nachtſtunde ihre Gedanken hinüberwandern zu
laſſen nach Bayreuth zu jenem Mann, der dieſes hiſtoriſche
und bildhaft, immer intereſſant durch ſeine Einſtellung als
Stu=
dent der Soziologie, erfriſchend durch die Jugendlichkeit, erholſam
in ihrer Natürlichkeit.
* Im Schatten des 2. November. Ein Roman von Rob. Mimra.
(Verlag „Das Bergland=Buch” Graz.)
Ein gutes und ſtarkes Buch. Eines, dem ein bevorzugter Platz
gebührt in der langen Reihe der Kriegs= und Nachkriegsliteratur.
Weil es, trotzdem der Autor die Dinge ſeines und ſeiner
Kamera=
den Erleben real und klar ſieht, ein lebensbejahendes, mutiges
Buch iſt. Ein Oeſterreicher, ein Frontkämpfer ſchrieb es, der den
furchtbaren Zuſammenbruch ſchmerzvollſt erlebte und das Geſchick
ſeiner Mitkämpfer verfolgte durch Jahre und dann — trotz allem
— den Blick von Salzburg weiterſchweifen läßt nach Norden,
„weit, weit, leuchtet fruchtbar Land: Deutſchland! Dein
Vaterland!"
Di. St.
Joſé Ortega y Gaſſet: Ueber die Liebe. Deutſche Verlagsanſtalt,
Stuttgart.
Dieſe „Meditationen” über die Liebe, wie der Verfaſſer ſie
bezeichnet, kommen in Wirklichkeit nicht aus der Verſenkung eines
geſammelten Geiſtes in ſeinen Gegenſtand, ſie enthalten wohl
manche Nachdenklichkeiten, aber was ſie kennzeichnet, iſt die
Ele=
ganz und die ſpieleriſche Leichtigkeit eines geiſtreichen Eſſayiſten,
deſſen Denken mehr anregend als ſchöpferiſch iſt. Mit
liebens=
würdiger Geſchmeidigkeit wendet dieſer Spanier ſein Thema ſo,
daß immer neue intereſſante Seiten daran aufblitzen, und halb
Weltmann, halb Philoſoph, weiß er Kluges und mitunter ſelbſt
Schweres zu ſagen, ohne zu ermüden. Eine ſehr anregende
Lek=
türe für geiſtig erwachſene Leſer, die Leckerbiſſen dieſer Art zu
ſchätzen und zu verdauen verſtehen.
v.
Der Photobaſtler. Eine Anleitung zum Bau von Photozubehör
und Photohilfsgeräten. (Franckhſche Verlagshandlung,
Stutt=
gart. Preis kart. 2 RM.)
Dem Photoamateur, dem es nicht nur aufs Knipſen ankommt,
ſondern der auch ſelber entwickeln. Abzüge machen, womöglich
ver=
größern will, macht es Spaß, ſich auch die Hilfsmittel und das
Gerät hierfür ſelber zu baſteln. Eine ausführliche Anleitung für
den Bau von Photozubehör und Photohilfsgeräten gibt das von
der Schriftleitung „Baſteln und Bauen” herausgegebene Buch
„Der Photobaſtler”. Es gibt Anleitungen für den Selbſtbau einer
Dunkelkammer, einer Dunkelkammerlampe, eines
Kopierappara=
tes eines Vergrößerungsapparates; zeigt, wie man einen
ver=
ſtellbaren Trockenſtänder für Photographien, ein Beſchneidepult,
Photoalben ſelbſt herſtellt und vieles andere mehr.
— Theaterverlag Alberr Langen / Georg Müller gegründet.
Nachdem die Deutſche Bühne” die alleinige deutſche
Theater=
beſucherorganiſation geworden iſt und der Bühnenvolksbund ſich
durch Konkurs aufgelöſt hat, iſt der Bühnenvolksbundverlag durch
Kauf an den Münchener Verlag Albert Langen / Georg Müller
übergegangen. Nach Löſchung des bisherigen Namens wurde der
Theaterverlag Albert Langen/Georg Müller G.m.b.H. Berlin,
neu gegründet. Alleiniger Geſchäftsführer des Theaterverlages
Albert Langen/Georg Müller iſt:Dr. Ferdinand Junghans.
Seite 4 — Nr. 209
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Werk vollbrachte, der uns wieder zur Volkswerdung
zurück=
geführt hat, und der uns den Weg zeigt zu neuer deutſcher
Kraft und zu neuer deutſcher Ehre. Es iſt ein frohes
Bewußi=
ſein, feſtſtellen zu können, daß die Ketten zu fallen beginnen,
daß die Schmach weicht. Wir erheben uns ſtärker und größer
als je zuvor. Wir reichen uns die Hände und
wollen gemeinſam die Zukunft gewinnen.
Dr. Goebbels erklärte, er wiſſe, wie furchtbar die Not noch
auf jedem einzelnen laſte, aber er könne von der jetzigen
Regierung geſtehen, daß ſie alles tue, was menſchenmöglich ſei,
um dieſe Not zu lindern. Deshalb könne er auch von den
An=
weſenden fordern, nicht zu verzweifeln. Das Reich ſei wieder
geeint in einem Willen. Wieder ſei das Volk eine Ballung von
Kraft und Energie, von Stolz und Zukunftswillen.
Der Miniſter ſchloß: Reicht Euch die Hände, denn
wir marſchieren in die Zukunft hinein. In dieſer
mitternächtlichen Stunde ſenden wir unſere Grüße nach
Neu=
deck, an den großen greiſen Sachwalter der deutſchen Nation.
Wir ſenden unſere Grüße nach Bayreuth an den ſtrahlenden
Fahnenträger des deutſchen Volkes. Wir ſehen in dieſen beiden
Männern ſymboliſiert unſere Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft, und bringen unſere Sehnſucht nach dem freien Reich
und unſeren Glauben an die Ehre und Größe unſeres Volkes
zum Ausdruck, indem wir rufen: Das Reich, der
Generalfeld=
marſchall und Reichspräſident, ſein Bannerträger, der Kanzler
des Volkes: Sieg=Heil!
In das dreifache Sieg=Heil ſtimmte die Menge begeiſter:
ein. Das gemeinſam geſungene Deutſchlandlied und das Horſt=
Weſſel=Lied beendeten die nationale Feierſtunde.
Reichskanzler Hikler beglückwünſcht Muſſolini.
WTB. Berlin, 29. Juli.
Reichskanzler Adolf Hitler hat an Seine Exzellenz Herrn
Miniſterpräſidenten Muſſolini das folgende Telegramm gerichtet:
„Euer Exzellenz bitte ich, heute meine herzlichſten
Glück=
wünſche entgegennehmen zu wollen. Das ganze deutſche Volk
ermißt an dieſem Tage dankbar die großen Verdienſte, die Euer
Exzellenz ſich durch Ihre bewunderungswürdige Tätigkeit um
die Feſtigung des europäiſchen Friedens erworben haben. Möge
Sie die Vorſehung auch in Zukunft Ihrer hohen Miſſion er=
Adolf Hitler.”
halten.
Neuregelung des Bürgerrechls
in Vorbereikung.
Reichsangehörigkeit, Reichsbürgerrecht und
nakionale Minderheiken.
TU. Berlin, 29. Juli.
Die Regelung künftiger Neuerungen der deutſchen
Geſetz=
gebung über Reichsangehörigkeit und Reichsbürgerrecht hat
mannigfache Erörterungen hervorgerufen. Namentlich beſchäftigt
man ſich mit der Frage, ob die Angehörigen der nationalen
Minderheiten etwa ſchlechter geſtellt werden ſollen, als die
übrigen Reichsangehörigen und ob ſie von einem
Reichsbürger=
recht ausgeſchloſſen bleiben ſollen.
Da die neuen Geſetze erſt in der Vorbereitung begriffen
ſind, ſteht ihre Ausgeſtaltung im Einzelnen noch nicht feſt, doch
kann wohl geſagt werden, daß eine etwaige Entſcheidung auf
dem Gebiete der Reichsangehörigkeit und des
Reichsbürger=
rechts den ſchon bisher von der nationalen Regierung
beſchrit=
tenen Weg der Raſſengeſetzgebung fortſetzen wird. Ein Anlaß
zur Beunruhigung iſt für die Angehörigen der
nationalen Minderheiten nicht gegeben.
Durchführungsbeſtimmungen zur Enkziehung
der deutſchen Staaksangehörigkeit.
Der Reichsinnenminiſter hat nunmehr
Durchführungs=
beſtimmungen zu dem Geſetz über den Widerruf von
Ein=
bürgerungen und die Aberkennung der deutſchen
Staats=
angehörigkeit erlaſſen, und zwar im Einvernehmen mit dem
Auswärtigen Amt und dem Reichsfinanzminiſterium. Danach
wird die Frage, ob eine Einbürgerung als nicht erwünſcht
an=
zuſehen iſt, nach völkiſch=nationalen Grundſätzen beurteilt. Im
Vordergrund ſtehen die raſſiſchen, ſtaatsbürgerlichen und
kul=
turellen Geſichtspunkte für eine den Belangen von Reich und
Einbürgerung. Tatſachen aus der Zeit vor der Einbürgerung
ſind ebenſo zu berückſichtigen wie ſolche, die in die Zeit nach
der Einbürgerung fallen. Danach, ſo beſtimmt die Durch=
Sonntag, 30. Juli 1933.
führungsverordnung, kommen für den Widerruf der
Ein=
bürgerung insbeſondere in Betracht Oſtjuden, ſoweit ſie nicht
auf deutſcher Seite im Weltkrieg an der Front gekämpft oder ſich
um die deutſchen Belange beſonders verdient gemacht haben,
und ferner Perſonen, die ſich eines ſchweren Vergehens oder
eines Verbrechens ſchuldig gemacht oder ſich ſonſtwie in einer
dem Wohl von Staat und Volk abträglichen Weiſe verhalten
haben.
Der Widerruf ſoll im allgemeinen nicht ausgeſprochen
wer=
den gegenüber ſolchen Eingebürgerten, die vor dem 9.
Novem=
ber 1918 die deutſche Staatsangehörigkeit beſaßen und ſie auf
Grund des Verſailler Diktats verloren haben. Die Gründe für
den Widerruf werden nicht mitgeteilt. Der Widerruf kann auch
nicht mit Rechtsmitteln angefochten werden. Sehr bedeutſam iſt
noch, daß als ein der Treuepflicht gegen Reich und Volk
wider=
ſprechendes Verhalten angeſehen wird, wenn ein Deutſcher der
feindſeligen Propaganda gegen Deutſchland Vorſchub geleiſtet
oder das deutſche Anſehen oder die Maßnahmen der nationalen
Regierung herabzuwürdigen geſucht hat. Deutſche, die alſo
Greuelpropaganda getrieben haben, haben mit der Aberkennung
der Staatsangehörigkeit zu rechnen.
Drei Verkeidiger
für die Reichstags=Brandſtifker beſtelll.
Von zuſtändiger Stelle wird uns zu der
Reichstagsbrano=
ſtiftung folgendes mitgeteilt:
Nach den Beſtimmung der Strafprozeßordnung iſt in Sachen,
die vor dem Reichsgericht zu behandeln ſind, einem
Ange=
ſchuldigten, der noch keinen Verteidiger gewählt hat, ein
Ver=
teidiger von Amts wegen zu beſtellen. Da die Angeſchuldigten
bisher noch keinen Wahlverteidiger haben und die Zuſtellung
der Anklageſchrift, wie gemeldet, bevorſteht, hat ihnen der
Präſi=
dent des vierten Strafſenats des Reichsgerichtes ſchon jetzt
Ver=
teidiger von Amts wegen beigeordnet. Die Auswahl der
Ver=
teidiger hat nach den geſetzlichen Vorſchriften aus der Zahl der
am Sitz des Reichsgerichtes in Leipzig wohnhaften
Rechts=
anwälte zu erfolgen. Mit Rückſicht auf die Bedeutung der Sache
hat der Vorſitzende des Gerichts zwei der beim Reichsgericht
zugelaſſenen Rechtsanwälte ausgewählt, nämlich die Rechts=
Volk zuträgliche Vermehrung der deutſchen Bevölkerung durch anwälte Dr. Seufferth und Dr. Huber, die infolge ihrer
Be=
tätigung in Straffachen beſonders geeignet erſcheinen außerdem
iſt Rechtsanwalt Dr. Teichert beſtellt worden, der gleichfalls als
beſonders tüchtiger Strafverteidiger bekannt iſt.
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Mit=
tageſſen. Führungen uſw. 6.70 RM.
Sonntag, den 6. Auguſt 1933: Abfahrt
8 Uhr Oppenheim — Münſter a. St.
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Ausführung der Fahrten nur bei ge=
(9384
rügender Beteiligung.
Sonntag, 30. Juli 1933
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 209 — Seite 5
Aus der Landeshauptſtadt
Darmſtadt, den 30. Juli 1933.
Bekannkmachungen des Perſonalamkes.
Entlaſſen wurde am 17. Juli 1933 mit Wirkung vom 24. Juni
1933 auf Grund des Reichsgeſetzes vom 7. April 1933 der
Ver=
waltungsoberſekretär Philipp Zell zu Oppenheim.
Miniſterialabteilung für Bildungsweſen, Kultus, Kunſt
und Volkstum.
Erledigt ſind: eine Schulſtelle für einen evangeliſchen
Leh=
rer oder eine evangeliſche Lehrerin an der Volksſchule in
Brei=
tenbrunn, Kreis Erbach i. O. Dienſtwohnung iſt vorhanden
und ſofort beziehbar; eine Lehrerſtelle für einen katholiſchen
Lehrer an der Volksſchule in Ockenheim, Kreis Bingen.
Dienſt=
wohnung wird frei; eine Lehrerſtelle für einen katholiſchen Lehrer
an der Volksſchule in Bingen=Büdesheim. Dienſtwohnung
wird frei; die Lehrerſtelle für einen evangeliſchen Lehrer an der
Volksſchule in Hebſtahl, Kreis Erbach i. O. Dienſtwohnung iſt
vorhanden und ſofort beziehbar; eine Lehrerſtelle für einen
evan=
geliſchen Lehrer an der Volksſchule in Falken=Geſäß, Kreis
Erbach Dienſtwohnung iſt vorhanden, aber zur Zeit nicht frei; die
Lehrerſtelle für einen evangeliſchen Lehrer an der Volksſchule in
Horrweiler, Kreis Bingen. Dienſtwohnung iſt frei; die
Schulſtelle für einen evangeliſchen Lehrer an der Volksſchule zu
Bobenhauſen 2., Kreis Schotten.
Parkeiuniformen bei Gerichksverhandlungen.
Reichsſtatthalter und Gauleiter Sprenger gibt
be=
kannt:
„Es iſt häufig die Beobachtung gemacht worden, daß
Ange=
hörige der Partei zu gerichtlichen Terminen in Uniform
er=
ſcheinen. Abgeſehen davon, daß dies Hervorheben der
Zugehörig=
keit zur NSDAP. bei Gerichtsterminen als Beeinfluſſung auf den
Ausgang des gegen den Betreffenden anhängigen Verfahrens
ge=
wertet werden kann, iſt dies dann als parteiſchädigend
anzu=
ſehen, wenn es ſich um Straf= oder Alimentationsſachen handelt.
Ich ordne daher ab ſofort an: Bei Gerichtsterminen dürfen
Parteigenoſſen, die in eine Strafſache verwickelt ſind, nicht
Par=
teiuniform oder Abzeichen tragen. Ausnahmen ſind nur in rein
politiſchen Fällen mit ausdrücklicher Genehmigung der
vorgeſetz=
ten Dienſtſtelle geſtattet. Zuwiderhandelnde werden
unnachſicht=
lich beſtraft und ſind ſofort dem zuſtändigen Ortsgruppenleiter
zur Meldung zu bringen.”
Nächſte Handwerker=Schulungskage in Darmſtadt.
Der nächſte Handwerker=Schulungstag für die
Organiſa=
tionsführer aus Starkenburg, iſt am Mittwoch,
den 2. Auguſt d. J., zu den gewohnten Stunden, von 10 bis
12 Uhr vormittags und 2 bis 4 Uhr nachmittags, im Städtiſchen
Saalbau zu Darmſtadt.
Tags zuvor, alſo am Dienstag, den 1. Auguſt, iſt
gleichfalls im Städtiſchen Saalbau und zu den gleichen Stunden
der Schulungstag für die handwerklichen Geſellen und
Jungmeiſter der Provinz Starkenburg.
Die Induſtrie= und Handelskammer Darmſtadt teilt uns
mit: Von den Abiturienten des Jahrgangs 1933 ſind etwa
10 500, darunter 1500 Abiturientinnen, in das freiwillige
Werks=
halbjahr gegangen, das im September bzw. Oktober dieſes
Jahres endet. Angeſichts der Ueberfüllung der akademiſchen
Be=
rufe iſt es dringend erwünſcht, daß möglichſt viele dieſer
Abitu=
rienten im praktiſchen Berufsleben untergebracht werden. Es
wird daher gebeten, alle in Handel und Induſtrie freien oder
frei werdenden Lehrlingsſtellen, die für Abiturienten geeignet
ſind, der Induſtrie= und Handelskammer
Darm=
ſtadt, Wilhelminenſtr. 32½ (Fernruf 368), baldigſt zu
melden.
Amtsvorſteher=Beſprechungen im Bezirk der
Oberpoſt=
direktion Darmſtadt. Im Verlauf der vergangenen Woche nahm
der neue Leiter der Oberpoſtdirektion Darmſtadt, Herr Obe=)
öſt=
rat Jacobi, Gelegenheit, mit den Poſtamtsvorſtehern der drei
heſſiſchen Provinzen in Darmſtadt, Mainz und Gießen
gemein=
ſame Beſprechungen abzuhalten. Herr Oberpoſtrat Jacobi
eröff=
nete die Tagungen mit einem kurzen Rückblick auf die große
Zeit=
wwende und wies auf die Aufgaben und Pflichten der Berufs=
Beamten im Dritten Reich hin. Gegenſtand der Erörterungen
war vor allem die Durchführung des Geſetzes zur
Wiederherſtel=
lung des Berufsbeamtentums, ferner wichtige Angelegenheiten
des Betriebs= und Verwaltungsdienſtes. Der Leiter der
Ober=
woſtdirektion faßte die Ergebniſſe der Beſprechungen zum Schluß
Buſammen und beendete die Tagungen mit einem Treugelöbnis
für den Herrn Reichspräſidenten v. Hindenburg und den Volks=
Tanzler Adolf Hitler.
— Tippen oder Zehnfingerblindſchreiben? Die Frage, welcher
Schreibweiſe der Vorzug zu geben iſt, entſcheidet ſich ohne
wei=
eres für das Zehnfingerblindſchreiben, wie es vom
Gabels=
bergerſchen Stenographenverein, in ſeiner eigenen
Schule. Ballonplatz 7, gelehrt wird. Es verſteht ſich von ſelbſt,
daß die Kursteilnehmer auch mit der Behandlung der
Schreib=
nnaſchine vertraut gemacht werden. Mit dem Unterricht kann
jiederzeit begonnen werden. Wir empfehlen den Leſern die
Be=
achtung der heutigen Anzeige des Vereins.
Der Saiſonſchluß=Verkauf.
Hat der Vereraucher ein Intereſſe an den Saiſonſchluß=Verkäufen?
Die günſtige Gelegenheit der Käufer
zugleich auch Dienſt an der Volkswirtſchaft.
Es naht die zweite große Verkaufs=Periode des Jahres! Der
deutſche Konſument kann ſich darüber freuen, daß er mit ſeinem
Budget, das durch die Nöte der Zeit vielfach ſchmal geworden iſt.
mit dem man ſcharf rechnen muß, um „durchzukommen”, feſt auf
zwei Abſchnitte im Jahre vertrauen kann, zu denen er beſonders
wohlfeil kauft!
Allerdings ſind noch immer weite Schichten des Publikums in
dem Irrtum befangen, als ſetze man ihm in den
Saiſonverkaufs=
perioden Waren vor, die zwar im Preiſe herabgeſetzt, die dafür
aber auch an Qualität oder Gebrauchswert minderwertig ſind.
Das iſt natürlich nicht richtig, denn kein Haus, das Wert auf
guten Ruf und auf treue Dauerkundſchaft legt, darf es wagen,
dieſer Ladenhüter vorzuſetzen, auch in der Zeit der Saiſonſchluß=
Verkäufe nicht, abgeſehen davon, daß dieſe Begriffe in der Zeit
wirtſchaftlicher Zweckmäßigkeit überhaupt keinen Tatſachen=
Hinter=
grund mehr haben.
Der Saiſonſchluß=Verkauf beruht vielmehr auf einer ganz
realen wirtſchaftlichen Tatſache:
Jeder Kaufmann, der die Vorſicht mehr nach der Seite des
Dienſtes an ſeinen Kunden als nach ſeinem eigenen Vorteil
aus=
balanciert, deckt ſich mit ſeinen Artikel reichlich genug ein, um der
denkbar großmöglichen Nachfrage genügen zu können. Infolgedeſſen
wird es in Zeiten ſchwacher Konjunktur, in der wir uns noch
dauernd befinden, ſehr wahrſcheinlich ſein, daß gewiſſe Vorräte
bleiben, mit denen aber geräumt werden muß, um Waren für die
kommenden Herbſt= und Winter=Saiſonabſchnitte hereinnehmen zu
können.
Gewiſſermaßen iſt es alſo nicht der Kaufmann, der den
Kun=
den im Saiſonſchluß=Verkauf übervorteilt; ſondern der Käufer
zieht Vorteil aus einer gewiſſen finanziellen Notlage des „
Saiſon=
ſchluß=Verkäufers”.
Es iſt auch nicht zu befürchten, daß einem im „Saiſonſchluß=
Verkauf” ein bald unmodern werdendes Zeug „aufgeſchwätzt” wird.
Gerade um die jetzige Zeit dauert es länger, als zu irgend einem
anderen Abſchnitte des Jahres, bis die neue Saiſon beginnt, die
„Zwiſchen=Saiſon” fällt im Eingang vom Sommer zum Herbſt ſo
gut wie ganz aus, weil jeder danach ſtrebt, den entſchwindenden
Sommer ſo lange wie möglich feſtzuhalten, auch in den
Aeußer=
lichkeiten der Kleidung.
Im übrigen aber: man braucht viel für den Herbſt und den
Winter, an Kleidung und für die Ausſtattung der Wohnung uſw.
Ferner gibt es zwiſchen den Moden, die auszugleichen
eben=
falls eine der Aufgaben des Saiſonſchluß=Verkaufes iſt,
Grenz=
gebiete, die namentlich Frauen mit feinem Verſtändnis und
Fin=
gerſpitzengefühl erkennen. Der „nicht mehr ganz moderne”, aber
billig erſtandene Artikel kann leicht von geſchickten Frauenhänden
zu einem „ganz modernen” umgewandelt werden. So ſchaltet der
Saiſonſchluß=Verkauf auch das „private” Publikum in den großen
Wirtſchaftsprozeß ein.
Eins noch iſt zu bemerken: Gewiß iſt wohl nirgends mehr
Geldüberfluß. Deſſen ungeachtet aber müſſen die dringenden
Bedürfniſſe des täglichen Lebens beſtritten werden.
Sparen iſt gut. Und wir ſind weit entfernt davon, etwa
leicht=
fertigem Geldausgeben irgendwie das Wort zu reden. Sparen aber
muß und ſoll man zur rechten Zeit und am rechten Ort. Wer Geld
erübrigt hat, um es verzinslich anzulegen, ſoll das erſt dann tun.
wenn er ſeine und ſeiner Familie Bedürfniſſe reſtlos gedeckt und
dabei auch vielleicht ein wenig an die Zukunft gedacht hat.
Kau=
fen bringt Geld ins Rollen und rollendes Geld
dient unter allen Umſtänden der geſamten
Volks=
wirtſchaft. Wer ſo nach ſeinen Kräften der Volkswirtſchaft im
allgemeinen dient, hat auch ſelbſt direkt und indirekt vielleicht
größere Vorteile von dem ausgegebenen Geld, als es die Zinſen
bedeuten würden. Unter Führung des Reichskanzlers hat ein
ge=
waltiger Kamof gegen die Arbeitsloſigkeit eingeſetzt.
Wer irgendwie kaufen kann, möge dabei nicht nur an ſich und ſeine
Bedürfniſſe denken, ſondern vor allen Dingen auch daran, daßer
mit jedem, noch ſo beſcheidenen Einkauf hilft,
den gigantiſchen Kampf gegen die
Arbeitsloſig=
keit zum Siege zuführen.
Tierſchuh im Sommer!
1. Kanarien= und andere Vögel ſetze nicht den unmittelbaren
Sonnenſtrahlen aus. Gold= und anderen Fiſchen gib genügend
Raum und halte ſie im Halbdunkel.
2. Bei Fahrradausflügen laſſe deinen Hund zu Hauſe. Laſſe
deinen Hund nicht hinter der Straßenbahn nachlaufen.
3. Pferde und andere Tiere, die warten müſſen, ſtelle an einen
ſchattigen Ort. Zum Schutze vor quälenden Inſekten reibe deine
Pferde mit Bremſenöl, Abguß von Nußblättern uſw. tüchtig ein.
Verſieh das Pferd mit Ohrenklappen und Netzen, damit nicht durch
Inſektenſtiche dem Tiere große Schmerzen und dir noch größerer
Schaden erwachſe. Stutze deinem Pferde den Schweif nicht, es iſt
das nur eine Modetorheit. Der Schweif iſt das natürliche Mittel
zur Abwehr der Inſektenplage. Waſche deinem Pferde nach jeder
größeren Fahrt Augen und Nüſtern mit einem mit reinem
Waſ=
ſer befeuchteten ſauberen Schwamm.
4. Verwehre deinen Tieren niemals den Durſt zu löſchen.
Sorge durch ſtändige Waſſerbereitſchaft dafür, daß Kanarienvögel,
Hühner, Hunde, beſonders Kettenhunde, nie die Qualen des
Durſtes erleiden müſſen.
5. Laß den Kettenhund, beſonders bei großer Hitze, einige
Stunden frei,
Mein Saiſon=Schluß=Verkauf
bietet Ihnen die größten Einkaufsvorteile in
Damen=, Herrenwäſche. Bett=, Tiſch=, Küchenwäſche.
(9327
Waſche= Sauer, Ludwigsplatz!
— Die Arbeitsgemeinſchaft der Deutſchen Reichspoſt —
Ver=
kehrsverein Darmſtadt (M.E.R.=Vertretung) und Heſſ.
Eiſenbahn=A.=G. (Heag) hat für die nächſte Woche
wie=
derum einige recht hübſche Ausflugsfahrten vorgeſehen. Die
Deutſche Reichspoſt plant außerdem eine Dreitagesfahrt nach
Würzburg, Nürnberg, Bayreuth, Bamberg (Frankiſche Schweiz),
die ganz beſonders zu empfehlen iſt. (Siehe Anzeige.)
Starke Verminderung der Bierproduktion in Heſſen.
Er=
freulicherweiſe übertraf zwar die Biererzeugung im erſten
Vier=
tel dieſes Jahres den Ausſtoß der gleichen Zeit des Vorjahres,
doch blieb die Biererzeugung Heſſens im Rechnungsjahr 1932/33
um über 13 Prozent zurück (im Reichsdurchſchnitt nur um 9,5
Prozent). Mit 491 000 Hektolitern lieferte Heſſen 1½ Prozent
der deutſchen Biererzeugung.
Gleichſchalkung der Kaninchenzuchk.
Der Geſchäftsführer der Agrarpolitiſchen Abteilung der
Gau=
leitung der NSDAP., Pg. Schmidt, teilt mit, daß das Amt für
Agrarpolitik bei der Reichsleitung der NSDAP. den Pg. Karl
Vetter, M.d.L., Berlin, beauftragt hat, einen Zuſammenſchluß
aller Kaninchenzüchter im Reiche durchzuführen. Zu dieſem Zweck
hat er den Pg. Guſtav Eckhardt in Heppenheim a. d. Wieſe in
Heſſen für die Kaninchen= und Geflügelzucht als ſeinen Vertreter
eingeſetzt. Nachdem er durch Pg. Eckhardt mit der Durchführung
der Gleichſchaltung in der Kaninchenzucht in Heſſen beauftragt
wurde, weiſt Pg. Schmitt darauf hin, daß am
Sonntag, den 6. Auguſt, 10 Uhr vormittags,
in Darmſtadt, Rheinſtraße 101, im Rummelbräu, die
Ernen=
nung des Gauführers für den Reichsverband Deutſcher
Kaninchen=
züchter, Gau Heſſen, von ihm durchgeführt wird. Er bittet, zu
ver=
anlaſſen, daß zu dieſer feierlichen Handlung alle
Kreisverbands=
mitglieder geſchloſſen, wenn möglich in Uniform, erſcheinen.
Bezugnehmend auf eine Beſprechung, ſollen die
Kreisvorſitzen=
den des ehemaligen Landesverbandes die Vorſchläge für die neuen
Kreisführer machen, da dieſe am gleichen Tage vom Gauführer
er=
nannt werden. Er bittet deswegen, poſtwendend, bis ſpäteſtens
1. Auguſt, den neuen Kreisführer mit ſeinen Fachberatern, wie er
von dort gewünſcht wird, an die Adreſſe:
Polizeiverwaltungsſekre=
tär Georg Kraus, Darmſtadt, Eſchollbrücker Straße 24,
mitzutei=
len. Der Geſchäftsführer Pg. Schmitt macht heute ſchon darauf
aufmerkſam, daß der Führer des Kreiſes 100prozentiger
National=
ſozialiſt ſein muß. Im übrigen wird auf die vom Reichsverband
Deutſcher Kaninchenzüchter herausgegebenen Bedingungen
hinge=
wieſen.
Die Ernennung des Gauleiters wird am 6. Auguſt im großen
Saale des Rummelbräu, Rheinſtraße 101. zwei Minuten von dem
Hauptbahnhof Darmſtadt, um 10 Uhr pünktlich beginnend
vor=
genommen. Nachmittags wird über Aufbau und Organiſation
geſprochen.
Der Geſchäftsführer erwartet von allen Kreisführern, daß ſie
ihre Pflicht tun und dazu beitragen helfen, daß die Gleichſchaltung
der Kaninchenzüchter in Heſſen einen Maſſenaufmarſch gibt und
dabei kein heſſiſcher Züchter fehlen darf, denn Erſcheinen iſt
natio=
nale Pflicht.
Der Inhaber des „Rummelbräu”. Pg. Heidenreich wird den
Züchtern ein Mittageſſen gut und reichlich für 0,80 Mk.
verabrei=
chen. Sollte Mittageſſen gewünſcht werden, ſo iſt dieſes
zahlen=
mäßig in dem Antwortſchreiben aufzuführen.
Gäſte und Parteigenoſſen ſind herzlichſt willkommen. Pg.
Eck=
hardt hat ſein Erſcheinen zugeſagt. Zahlreiches und pünktliches
Erſcheinen wird erwartet.
Wacht auf ihr Kaninchenzüchter von Stadt und Land,
Reicht euch geſchloſſen nun die Hand!
Ob reich, ob arm, dies bleibt ſich gleich
Für eure Zucht und ’s Dritte Reich.
TRBEK
Lai en eie.
keine minderwertige Ware, sondern
Beginn 31. Jull
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[ ← ][ ][ → ]Seite 6 — Nr. 209
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Sonntag, 30. Juli 1933
BuRRUS!
Nochmals der Woog.
Motto: Alleweil, alleweil,
do kimmt de Schutzmann Heil!
Manchmal hat man ſo die verrückte Idee, ſich auszudenken,
was Goethe wohl ſagen würde, wenn er plötzlich in eine moderne
Großſtadt käme und Elektriſche, Autos, Telephon, Radio,
Flug=
betrieb uſw. ſähe. So ähnlich geht es mir jetzt, wenn ich in
die=
ſen heißen Tagen den Betrieb am Woog ſehe und denke an den
guten Woogs=Schutzmann Heil von einſtmals. Ja, was der wohl
ſagen würde? Was er wohl zu den Heinerbuben und
Heiner=
mädchen auf der Wieſe am Freibad ſagen würde? Oder haben
Sie ſich das, verehrte Leſerin und verehrter Leſer, noch nicht
an=
geſehen? Dann haben Sie entſchieden etwas verſäumt.
Wann=
ſee und Heringsdorf und das Arheilger Mühlchen ſind auch nicht
grad nichts, aber der Betrieb am Woog, der wartet geradezu auf
den Reporter und Photographen für ein Illuſtriertes Blatt. Vom
Säugling bis zum Schulentlaſſenen ſind alle Kaliber vertreten,
laſſen ſich röſten und dann auf der andern Seite braten,
purzel=
bäumen und ſaltomortalen, ſtricken und ſtopfen und flicken (
Ver=
zeihung, das tun die dazugehörigen Mütter), kurzum, das ganze
ſchulpflichtige Darmſtadt vom Bangertsviertel bis nach
Lappings=
hauſen iſt losgelaſſen und genießt trotz Hitze und Geldmangel
auf die ſchönſte Art ſeine Ferien. Ich bin nun mal ſo ein Kerl.
daß ich daran meine helle Freude habe. Gott ſeiDank, denke ich, wenn
jetzt die Darmſtädter, die auch in den heißeſten Ferien zu Hauſe
bleiben müſſen, die Bilder in den Illuſtrierten ſehen (ſiehe oben:
Wannſee, Heringsdorf uſw.), dann können ſie ſagen: Haben wir
auch! Jawohl, haben wir auch! Brauner als braun können
die dort auch nicht ſein, und unſere Sonne iſt noch obendrein ein
paar hundert Kilometer ſüdlicher. Und näſſer als im Woog kann
man auch im Müggel= und Havelſee und wie dieſe Berliner
Er=
findungen alle heißen, nicht werden. Ich könnte mir denken, daß
auswärtige Gemeinden nun darangehen, ihre Kinder=Ferien=
Sonderzüge nach Darmſtadt an den Woog zu ſchicken. Und jetzt:
Gut Naß, ihr Buben und Mädchen hüpft und taucht und
ſtram=
pelt und ſpritzt! Wer weiß, wie lange dieſe Sonne noch Dienſt
tut.
*
Zer Lunofeiebensorach in ainvenſeis
vor dem Sondergericht.
Am Freitag begann vor dem Sondergericht, unter dem
Vorſitz von Landgerichtsdirektor Weiß, der große
Landfrie=
densbruchprozeß, der die Vorgänge am 26. Februar 1933
in Lindenfels zum Verhandlungsgegenſtand hat, und in den
16 Männer aus Lindenfels, Kommuniſten und Marxiſten oder
Sympathiſierende, als Angeklagte verwickelt ſind. Der Angeklagte
Both iſt in das Saargebiet verſchwunden. Es ſitzen ſomit
15 Angeklagte auf der Anklagebank. Davon ſind 9 wegen
ſchweren Landfriedensbruchs angeklagt, weil ſie gewalttätig
ge=
weſen ſein ſollen; bei einem Angeklagten, Ludwig Büchler,
lautet die Anklage auch auf Totſchlag, denn er ſoll den bei dem
Landfriedensbruch ums Leben gekommenen, Hitlerjungen
Crößmann aus Pfungſtadt erſtochen haben. Zwei weitere
Angeklagte, Joſef Büchler und Johs Maurer, ſind wegen
verſuchten Totſchlags beſchuldigt, weil ihre Gewalttätigkeit beim
Landfriedensbruch in tödlicher Abſicht erfolgt ſein ſoll.
Am erſten Verhandlungstag kamen die Angeklagten zu
Wort. Ihre Ausſagen ergaben als Geſamtes ein ſehr einſeitiges
Bild der Vorkommniſſe, und die einzelnen Angeklagten
verſuch=
ten für ihre Perſon zu retten, was zu retten ſein könnte,
beſon=
ders der Angeklagte Ludwig Büchler, der behauptete an jenem
Tag und überhaupt in der letzten Zeit ein Meſſer nicht getragen
zu haben. Der Stich war den Bekundungen des Bensheimer
Kreisarztes zufolge unbedingt tödlich; er durchſtach den
Herz=
beutel und drang in die große Bruſtſchlagader, ſo daß eine
inner=
liche Verblutung die Folge war. Ludwig Büchler iſt wegen
ge=
fährlicher Körperverletzung vorbeſtraft er ſoll auch ſeine eigene
Mutter einmal mit dem Meſſer geſtochen haben.
Die Vernehmung der erſten Zeugen am Samstag verſchob
dann ſehr weſentlich das am erſten Tag gewonnene Bild, aber es
iſt eine ſichere Belaſtung des Angeklagten Ludwig Büchler noch
nicht erfolgt, es iſt überhaupt erſt ſehr wenig Ueberſicht gegeben
über die Art der Vorkommniſſe. Man wird abwarten müſſen,
was die Beweisaufnahme insgeſamt ergibt und wie der
Geſamt=
tatbeſtand juriſtiſch gewürdigt wird — erſt dann wird es Sinn
haben, ausführlich zu berichten. Die Verhandlung wird mit
wei=
teren Zeugenvernehmungen am Montag fortgeſetzt und dürfte
kaum vor Dienstag abend zum Abſchluß kommen.
— Sonntags= und Nachtdienſt in den Apotheken. Es verſehen
den Sonntagsdienſt und in der daran ſich anſchließenden Woche den
Nachtdienſt vom 30. Juli bis 5. Auguſt: die Merckſche
Apo=
theke, Rheinſtraße 9, und die Beſſunger Apotheke,
Witt=
mannſtraße 1. Der Nachtdienſt wechſelt am Samstag abend, ſo daß
die Apotheke, welche den Sonntagsdienſt hat, ſchon in der
vorher=
gehenden Nacht den Nachtdienſt verſieht.
Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher Erkran
kung ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der
Hausar=
zu rufen. Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am Sonntag
den 30. Juli 1933, folgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit
Dr. med. Degen, Klappacher Straße 1. Telephon 366; Dr. me
Grode, Hoffmannſtraße 7 Telephon 1419; Dr. med. Lewan
dowſk i, Stiftsſtraße 7, Telephon 1978.
*Alt=Beſſungen im Wandel der Geſchichte.
„All=Darmſtadk”, Berein für Orksgeſchichke und Heimakkunde. — 401. Beranſtallung.
Bei der diesmaligen Veranſtaltung, die wieder ſtark unter
dem Zeichen der Ortsgeſchichte ſtand, berichtete der Vorſitzende.
Herr Philipv Weber, über „Alt=Beſſungen im Wandel der
Geſchichte‟. Der Vortragende führte u. a. etwa folgendes aus:
Die Urgeſchichte dieſes Ortes liegt ziemlich, in Dunkel gehüllt,
vieles iſt hin und her zerſtreut, das eine weiß der Darmſtädter,
daß „zu Urzeiten in Beſſungen „Lapping” hauſten, mit denen er
auf dem Kriegsfuß lebte‟. Auf Sanddünen mag die älteſte
An=
ſiedlung Beſſungens gelegen haben, verſchiedene Waſſerläufe, die
ſich einſt in das Urmeer ergoſſen, laſſen dies erdgeſchichtlich
nach=
weiſen. So z. B. die Glattbach, die dem eingegangenen Dorf
Klappach den Namen gegeben hat. Vorgeſchichtliche Funde
wurden gemacht beim Ausſchachten eines Neubaus, wobei zwei
geſchliffene Steinbeile und ein Steinmeißel, Werkzeuge von
Ur=
bewohnern, zutage gefördert wurden. 1874 und 1875 wurden im
Bezirk Dietherſchlag Funde gemacht, die der Hallſtattzeit
ange=
hören. Sieben Grabhügel wurden geöffnet, in denen 2 Schwerter,
1 Meſſer und eine Anzahl Urnenſcherben gefunden, die im
Landesmuſeum aufbewahrt ſind. Mitten in Beſſungen, auf dem
ſogenannten „Vollhardsberg”, zwiſchen der heutigen Beſſunger=
und Sandbergſtraße, wurden 1860, als die ehemalige Kaſerne dort
abgetragen wurde, 15 Grabſtätten aufgedeckt, woman die Skelette.
teils in ſitzender, teils in gekauerter Stellung vorfand; als
Bei=
gaben fand man Perlen von Bernſtein, Ton und Glas, die teils
Hals= und Bruſtſchmuck geweſen ſein mögen. Ferner fand man
dabei Tongefäße, einen verzierten Kamm und eine tuſchierte
Ge=
wandnadel. Außerdem ein Schwert von Bronce, Lanzenſpitzen
und drei Waffen, die auf fränkiſchen Urſprung deuten, das
ein=
ſchneidige Hiebmeſſer, der fränkiſche Skramax, dann die Wurfaxt,
die ſogenannte Francika, und die Wurflanze, der Angnon, alles
ſeltene Fundſtücke, von denen nur noch von dem fränkiſchen
Fried=
hof bei der Windmühle, und eine aus Rheinheſſen ſtammend, im
Landesmuſeum vorhanden ſind.
Beſſungen tritt zuerſt im Jahre 1002 in den Urkunden auf.
Am 10. Juni 1002 ſchenkte Kaiſer Heinrich II. (1002—1024) dem
Biſchof Burchard von Worms den Wildbann, d. h. die
ausſchließ=
liche Jagdgerechtigkeit in dem Reichsforſt Forehahi, der die
heu=
tige Bergſtraße und einen Teil des Riedes umfaßt, und wovon
der Jägersburger= und der Lorſcher Wald heute noch geringe
Ueberreſte ſind. In der Urkunde wird Beſſungen als Mittelpunkt
einer gleichnamigen Grafſchaft erwähnt. Beſſungen, oder 1313
Beſſingen, 1453 Biſſingen, iſt nach einem fränkiſchen Edelen mit
Namen Bezo oder Bazo benannt.
Die Grafſchaft (Cent) Beſſungen gehörte zum Oberrheingau.
kam mit dem Dominialgut Groß=Gerau am 28. Juni 1153 an das
Bistum Würzburg, von dem es die Grafen von Katzenelnbogen
zu Lehen trugen. Einſt die Muttergemeinde von Darmſtadt, kam
aber, als Darmſtadt 1330 Stadt= und Marktgerechtigkeit erhielt und
der kirchliche Mittelpunkt war, in eine gewiſſe Abhängigkeit von
der Tochtergemeinde. Schon 1002 wird die Kirche zu Beſſungen
erwähnt und zur Pfarrei erhoben, die mit beträchtlichen
Ein=
künften verſehen war, ſo daß Graf Wilhelm II. von
Katzeneln=
bogen ſeinen Bruder Diether zu dieſer im Jahre 1339
präſen=
tierte. Bei der Reformation erhielt Beſſungen wieder einen
Pfarrer, der durch den Altar der 10 000 Märtyrer zu Darmſtadt
beſoldet und fundiert wurde. Der Redner ging des weiteren auf
die Geſchichte der Kirche, die verſchiedenen Bauperioden, wie 1574
bis 1578 unter Pfarrer Abraham Motzerus, durch Baumeiſter
Jakob Keſſelhut, den Erbauer des alten Darmſtädter Rathauſes,
auf die Reſtaurierung 1884, ſowie auf den Umbau durch Profeſſor
Pützer 1909 eingehend ein: ſchilderte dann Nöte, die im 30
jäh=
rigen Krieg über Beſſungen und ſeine Bewohner hereinbrachen,
wobei vermeldet wird, daß die Summe des erlittenen Schadens
an Häuſern, Frucht, Wein uſw. 16 639 Rth. betrug, und daß in
der Zeit des großen Sterbens 1622 viele Beſſunger dahinſtarben,
darunter auch Pfarrer Martinus 1635. Als nach dieſen Zeiten
des Krieges, der Peſt und der Hungersnot, die geflüchteten
Beſ=
ſunger 1638 wieder anfingen ſich in ihrem Ort einzurichten, waren
nur noch an Ortsbürgern und Beiſaſſen etliche 30 übrig geblieben.
Abergkauben und Hexenweſen, Begleiterſcheinungen jener Zeit,
wurden beleuchtet. Das Gerichtsweſen, mit dem Beſſunger
Gal=
gen, auf der Höhe des Galgenberges, bei der heutigen Villa
Wolfskehl, ſowie der Richtplatz auf dem Schießberg, oder dem
ſo=
genannten „Riedeſelsberg”, hinter der heutigen kath. Kirche, und
die alte Richtſtätte hinter dem „alten Schießhaus”, die auch als
„die Richtſtätte auf dem Zimmerplatz vorm Beſſunger Tor”
ge=
nannt wird, beſprach der Redner in großen Umriſſen und
er=
wähnte dabei, daß faſt alle Nach= oder Scharfrichter in Beſſungen
ihren Sitz hatten. So wird ein Scharfrichter Gg. Molter, geſt.
1732, der an die Kirche verſchiedene Stiftungen machte und deſſen
Grabſtein im Kirchenaufgang eingemauert iſt, ferner eine
Scharf=
richter=Familie Schönbein, von der das Richtſchwert im
Stadt=
muſeum ſtammt, genannt.
Des weiteren berichtete der Redner über die Beſſungen
Wal=
dungen und deren geſchichtliche Stätten, wie den Herrgottsberg
als Wallfahrtsſtätte und als Platz der „Empfindſamen” zu den
Zeiten Goethes und Mercks u. a. Den Moosberg, die
Ludwigs=
höhe mit ihrer Geſchichte, die Marienhöhe, Wilbrandshöhe (
Küh=
ruhe), das alte Böllenfalltor, über Claudius im Beſſunger Wald.
Dann über die Beſſunger Gärten mit ihrer Geſchichte, den
Oran=
geriegarten, einſtmaliges Fürſtl. Lehensgut, mit ſeinem ſchönen
Orangeriehaus, erbaut 1719 von Louis Remy de la Foſſe, und nach
dem Brande 1776 neu erbaut von Joh. Martin Schuknecht, dem
Erbauer des ehemaligen Darmſtädter Zeughauſes, den von Karl
Friedr. von Moſer angelegten „Prinz=Emil=Garten”, die „Krafts=
Ruhe”, ehemaliger Steinberg, den ſchönen Martinspfad. Dann
ging er auf die alten Beſſunger Häuſer ein, wie z. B. das erſte
Beſſunger Rathaus 1738. Ecke Beſſunger= und Jahnſtraße, heute
Bäckerei Bangert: das 1765 errichtete Beſſunger Rathaus an der
Ludwigshöhſtraße, mit der Inſchrift: „Domus veris gonſiliis
ſacrata.” „Dieſes Haus iſt gerechten Ratſchlüſſen geweiht.” Anno
1765. Das Haus Ludwigshöhſtraße 55, heute Bäcker Caſtritius,
ſchon 1735 erwähnt. Die alte Hofreite Beſſunger Straße 66, aus
1738 ſtammend, über den ehemaligen Parforcehof aus 1708, deſſen
Ueberreſte noch die Häuſer Beſſunger Straße 88 und am
Forſt=
meiſterplatz bilden, und der eine reiche Geſchichte hat.
Landwirt=
ſchaft und die Anfänge der Induſtrie und des alten Handwerks
und die alten Beſſunger Familien zog der Redner in den Bereich
ſeiner Beſprechung. Hierbei ſei beſonders die Samenklenganſtalt
von Keller und die Anfänge der Seidenraupenzucht durch
Kauf=
mann Karl Netz auf dem alten Schießhaus erwähnt. Die alten
Beſſunger Wirtſchaften, wie das hiſtoriſche Chauſſeehaus, der
Fel=
ſenkeller von Balz auf dem kleinen Herdweg, heutige
Martin=
ſtraße, „Guntrum”, der alte Ochſen, der längſt verſchwundene
„Halbe Mond”, die alte „Sonne” und vor allem die „Guenz”,
heutiger Frankenſteiner Hof. Geburtshaus des Darmſtädter
Lokal=
hiſtorikers Ernſt Beck. Alte Straßennamen wurden nicht
ver=
geſſen. Auch die Originale ſtiegen aus der Vergangenheit herauf,
wie der „Maler” Kaſpar Bert, ein geborener Beſſunger, Georg
Preſſon, mit dem Spitznamen „der Ocker”; die Gebrüder Hindel,
„das Ramge” Franz Hindel, und der „Kapuziner” Karl Hindel,
der Oktroierheber Jung, bekannt unter dem Namen der „
Pro=
feſſor Liebig”, beſonders bekannt als Züchter von „Schneegänſen”,
der hiſtoriſche Ortsdiener Beck mit ſeiner Schelle. Die Wohllaute
der „Beſſunger Mutterſprache” wurden erläutert. Auch die gute
alte Beſſunger Kirchweih wurde nicht vergeſſen, mit dem „
Kerwe=
platz an der Brunnebitt”, und als Spezialität der Zwiebel=, Käs=
und Streuſelkuchen, die Gikkelcher, der Kalbsniernbraten oder
auch Kordelbraten genannt, die Bratwürſte und der
unvermeid=
liche „Kerwewei‟
Mit der hiſtoriſchen Tatſache der Eingemeindung am 1. April
1888, wo die alte Beſſunger Geſchichte aufhörte, und wo der
Beſ=
ſunger Bürgermeiſter Bert, an einem Tag „8000 Lapping an
Darmſtadt verkaufte”, wie ſich der Volksmund ausdrückte, ließ der
Redner ſeinen groß angelegten Vortrag ausklingen, der mit
herz=
lichem Beifall belohnt wurde, und an die ſich die Dankesworte
des 2. Vorſitzenden, Herrn Wilh. Kaminsky. anſchloſſen.
Anſchließend hielt Herr cand, phil. Landmann ein kurzes
Referat über „Die nationale Bedeutung der Heimatkunde”, das,
von ſtarkem Heimatgefühl getragen, ein Hohelied auf die
Bedeu=
tung der Heimatpflege bildete und bei den Hörern ein ſtarkes
Echo hinterließ Mit dem Gelöbnis, weiter mitzubauen unter dem
Einſatz aller Kräfte am Aufbau eines glücklichen Vaterlandes,
in dem ſich heimatfrohe Menſchen finden und ſich glücklich fühlen
und einem freudig aufgenommenen dreifachen „Siegheil!” auf
den treuen Ekkehart unſeres Volkes, unſeren Reichspräſidenten
von Hindenburg, auf unſeren unentwegten,
arbeitsfreudi=
gen Volkskanzler Adolf Hitler und auf unſer deutſches Volk
und unſere liebe Heimat, ließ Herr Philipp Weber dieſe
Kund=
gebung ausklingen.
Nächſte Veranſtaltung am Donnerstag, den 10. Auguſt:
Be=
richtsabend über „Ernſte und heitere Begebenheiten aus dem
alten Darmſtadt”
Polzeiberichl.
— Verhütetes Sittlichkeitsverbrechen. Ein 11jähriges Mädchen
aus Köln, das zu Beſuch bei Verwandten in Darmſtadt weilt,
wurde verſchiedentlich von einem 28jährigen verheirateten
Arbei=
ter aus der Altſtadt am Woog angeſprochen und beläſtigt. Am
Samstag vormittag nahm der Unmenſch das Mädchen auf ſein
Fahrrad mit in den Wald, wo er ſich mehrfach unſittlich an ihr
verging. Spaziergänger beobachteten die beiden und verhinderten
durch rechtzeitiges Eingreifen das Aeußerſte. Als der Unhold
ſpä=
ter von dem Notrufkommando auf der Woogspolizeiwache abgeholt
wurde, konnte er nur mit Mühe vor Tätlichkeiten des
aufgebrach=
ten Publikums bewahrt werden. Dieſer Fall zeigt wieder, daß ein
harmoniſches Zuſammenarbeiten des Publikums und der Preſſe
gemeinſam mit der Polizei ſtets zum Erfolg führt und auf dieſe
Weiſe dem Verbrechertum die Wurzel ausgeriſſen wird.
Vorſicht beim Baden. Im Damenbad des Aoogs ſchlug beim
Springen in das Kinderbad ein 7jähriges Mädchen mit dem
Un=
terkiefer auf der Umzäunung auf und biß ſich die Zunge durch.
Das Kind wurde in das Eliſabethenſtift überführt.
Ertrunken. Bei Bingen fiel der 55jährige Schiffer Johann
Wegner aus Niederheim von dem fahrenden Rheinſchiff „Sonneck”
und ertrank im Rhein. Die Leiche konnte noch nicht gefunden
werden.
Vermißt. Seit 21. Juli 1933 wird der 64jährige
Stellwerks=
aufſeher Adam Schrodt aus Dieburg vermißt. Beſchreibung:
1.,60 Meter groß, geſetzt, rundes braunes Geſicht, abſtehende Ohren,
am Arm Hufeiſen=, Zangen= und Pferdekopf=Tätowierungen.
Be=
kleidung: Blaue Schirmmütze, faſt neuer brauner Anzug, weißer
Pullover ſchwarze Schnürſchuhe. Er iſt infolge Arterienverkalkung
geiſtesgeſtört und hat ſchon öfters Selbſtmordabſichten geäußert.
Er iſt deshalb feſtzuhalten.
Feſtgenommener Einbrecher. Am 22. 7. 1933 wurde in
Frank=
furt a. M. der Gärtner Rudolf Liebener wegen Einbruchsverſuchs
feſtgenommen. Trotz dringenden Verdachtes konnte ihm die
Frank=
furter Kriminalpolizei keine weitere Straftaten nachweiſen. Der
Darmſtädter Kriminalpolizei, die ſich für dieſen Fall intereſſierte,
gelang es, ihm zwei Einbruchsdiebſtähle nachzuweiſen. Sein
Ver=
hängnis waren ein geſtohlenes Opernglas, das eine Darmſtädter
Dame als ihr Eigentum wiedererkannte und hinterlaſſene
Finger=
abdrücke von einem Einbruchsdiebſtahl in der Schuknechtſtraße. Da
damals in Darmſtadt zu gleicher Zeit eine ganze Reihe
Einbruchs=
diebſtähle ausgeführt wurden, die nach ihrer Art wohl ebenfalls
auf das Konto des Liebener zu buchen ſind, werden weitere
Er=
mittlungen angeſtellt und wohl auch reſtlos die Diebſtähle
aufge=
klärt werden. Perſonen, die über den Täter ſachdienliche
Mittei=
lungen machen können, werden gebeten, auf der Kriminalpolizei
vorzuſprechen.
lass die Senne inbein Heim
Machmit MMialles rein.
2187/336
Zum Aufwaschen, Spülen, Reinigen für Geschirr und alles Hausgerät! Hergestellt-in den Persilwerken.
[ ← ][ ][ → ]Sonntag, 30. Juli 1933
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Zayrt ins Biage
mit dem Dampfer „Rheingold”.
Um es gleich beizeiten feſtzuſtellen, es handelt ſich bei dem
Folgenden nicht etwa um eine ins Lokale abgerutſchte Fortſetzung
unſeres Romans, ſondern um ein veritables Erlebnis ohne
Pointe. — Von irgendwoher alſo iſt dir eine Karte für eine
Fahrt ins Blaue auf den Schreibtiſch geflogen. Eine Krankheit,
auf die dein Chef ſofort hereinfällt, haſt du ſchnell erfunden, wenn
du nicht gerade Urlaub haſt, und weil es ſich um eine Fahrt auf
dem ſchönen Rhein handelt, ſtiefelſt du des morgens zur
feſt=
geſetzten Stunde zur Anlegeſtelle des Dampfers. So, denkſt du,
da wären wir, endlich, endlich einmal abſeits von aller
Büro=
luft, und nun ſoll dich keiner mehr aus der Ruhe bringen. Einen
netten Platz haſt du ſchnell gefunden, einen Platz, von dem aus
du, ohne dir den Hals zu verrenken, einen hübſchen Blick in die
Gegend haſt und gleichzeitig dabei ſo ein kleines Bißchen vor dich
hindöſen kannſt, denn deine Ruhe willſt du ja auf alle Fälle
ha=
ben. So ſitzt du denn nun da und haſt den Kopf leicht auf die
Reeling geneigt, blinzelſt ein wenig in die Sonne, blinzelſt ein
wenig nach den Wellen, die leiſe unter dir plätſchern, und wenn
du nicht gar zu faul biſt, kannſt du ſehen, wie drüben am Ufer
mit viel Geduld ein Fiſcher auf Beute lauert.
Weil du ein Genießer biſt, haſt du auf dem Weg zu deinem
Platz feſtgeſtellt, daß du auf der Fahrt an Durſt nicht zugrunde
zu gehen brauchſt, und der nette Ober, dem du deine Wünſche zu
erkennen gibſt, bringt dir den Beweis, daß dich dein ſcharfes Auge
nicht getäuſcht hat. Du biſt wunſchlos glücklich, und der flotte
Marſch, zu dem die Bordkapelle ſoeben anhebt, kann deine
Zu=
friedenheit nur ſteigern. Unterdeſſen hat dich der Dampfer, du
haſt es eigentlich nicht recht wahrgenommen, ſchon ein Stück den
Rhein hinabgetragen. Du warſt vielleicht ein bißchen enttäuſcht.
weil du dir mehr Betrieb bei einer ſolchen Fahrt gewunſcht
hätteſt, dabei haſt du vergeſſen, daß in Biebrich, ein wenig
rhein=
abwärts, noch eine Halteſtelle vorgeſehen iſt, und ehe du aus
deinem Träumen recht erwacht biſt, flutet es an dir vorbei, es
hebt ein Stuhlrücken und Tiſcheverſchieben an, und um dein
ruhiges Plätzchen müßte dir ſchon faſt angſt werden.
Aber bald hat jeder den Platz, der ihm behagt, und nichts
iſt eigentlich da, was dich in deinem halb Träumen halb Döſen
noch ſtören könnte. Oder? . .. Nun, es iſt ein bißchen Leben in
die Bude gekommen, ein fröhlich Hin und Her hat begonnen, dort
in der Ecke wird leiſe gelacht, und ohne daß du es dir recht
ge=
ſtehen willſt, ſtellſt du Betrachtungen über die Farbenfrohheit der
letzten Damenmode an, findeſt du in aller Stille da ein Hütchen
beſonders reizend, dort biſt du entzückt von dem zarten Geflecht
eines niedlichen Opankenpaares, in dem zu allem Ueberfluß ein
Mädel ſteht, ein Mädel! — — Du wirſt dir langſam klar, daß
es mit der geplanten Beſchaulichkeit Eſſig iſt, und der Kapitän
hätte es eigentlich gar nicht notig, zum Tanz noch einmal
be=
ſonders aufzufordern.
Denn nun hebt ein Leben an, ein jubilierendes Treiben auf
dem Schiff, dem du dich nicht entziehen kannſt und wohl kaum zu
entziehen wünſchſt. Ferienſtimmung, rheiniſche Fröhlichkeit üben
ihren Zauber, dem alle verfallen, dem man jetzt einmal wieder
ſich ganz hingibt. Wer nicht mit dem Photoapparat nach
roman=
tiſchen Objekten am Ufer jagt oder mit dem Feldſtecher den Reiz
der Landſchaft beſonders intenſiv genießt, der hat ſich bald mit
einer fröhlichen Gruppe zuſammengetan, um beim Wein und dem
Geſang neuer und alter rheiniſcher Lieder ſich die Zeit zu
ver=
kürzen, während die jüngeren Semeſter mit viel Hingebung ſich
nach den Klängen der Muſik paarweiſe bewegen. So iſt alles
eitel Frohſinn und Laune, und oben am Himmel lacht die Sonne,
der eine friſche Briſe ihre an Land ſo drückend empfundene Glut
genommen hat.
Daß auch die Spannung nicht fehle, wie das zu einer
waſch=
echten „Fahrt ins Blaue” gehört, wandern durch die nun ſchon
zu einer großen Familie gewordene Teilnehmerſchaft kleine
blaue Zettel, auf die jeder, mit der ihm angeborenen Findigkeit
das Ziel der Fahrt eintragen kann. — Nun, das Ergebnis war
reichlich mäßig. Zweimal mußte die Frage geſtellt werden, weil
der erſte Verſuch überhaupt ergebnislos verlaufen war, und als
ſchließlich das Reſultat des zweiten Ganges verkündet wurde, da
ſtellte ſich heraus, daß, alles in allem, einer der Glückliche war,
dem der Veranſtalter den anſehnlichen Preis überreichen konnte.
Man kann nicht ſagen, daß das von übermäßig vorhandenem
Scharfſinn der Teilnehmer ſpricht, aber dem Kapitän mu’ ein
Kompliment gemacht werden. Denn abgeſehen davon, daß er das
Ziel ſo raffiniert gewählt hatte, ganz davon abgeſehen. Dieſes
Hirzenach iſt wirklich ein ſchönes Fleckchen Erde an dem doch
mit landſchaftlichen Kleinoden geſegneten deutſchen Rhein. Und
wie wurde die Reiſegeſellſchaft von den guten Hirzenachern mit
Böllerſchüſſen empfangen, wie hatte alt und jung alles
aufge=
boten, um den Gäſten den Aufenthalt ſo angenehm wie möglich
zu machen. Die entzückenden Winzerinnen, die freundlichen
Kin=
der und dann dieſes Weinchen, dieſes Weinchen. Daß auch am
Ziel nicht wenig getanzt und geſungen wurde, verſteht ſich von
ſelbſt. Ich kenne zwei ältere gemütliche Herren und einen jungen,
die ſaßen noch im trauten Kreiſe, als ſchon die Ketten des
Damp=
fers raſſelten, und die Trennung aus dieſem Dörfchen iſt den
dreien ſicher ſchwer gefallen, und den vielen andern wirds ähnlich
gegangen ſein. Es könnte hier noch viel erzählt werden von der
Heimfahrt und ihren ſtillen Freuden, von fröhlichem Becherklang und
harmloſem Getändel, von hübſchen rheiniſchen Mädels und von all
den Schönheiten des Rheins und ſeiner burgengekrönten Berge. Geh
einmal hin, fahr einmal ins Blaue, und du wirſt, wie der
Chro=
niſt, noch oft ein wenig vom Rhein und ſeinen Freuden träumen.
Die Rheiniſche Perſonenſchiffahrt Aug.
Fried=
rich in Mainz, die dieſe Fahrten mit ihrem bequemen
Damp=
fer „Rheingold veranſtaltet, verſteht es, ihren Freunden etwas
zu bieten.
Aus den Darmſtädter Lichtſpieliheatern.
Helia.
„Congorilla”,
Dieſer Afrika=Film iſt einer der anſtändigſten, ſchönſten und
intereſſanteſten Expeditionsfilme, der ſeit langem zu ſehen war.
Der Amerikaner Johnſon und ſeine Frau haben dieſe Expedition
in unbekannte Gebiete Afrikas unternommen, und zwar zum
erſtenmal mit der Tonfilmkamera. Ihr Hauptziel waren die
Alumbongoberge, das am ſtärkſten bevölkerte Gorillagebiet
Afri=
kas und weiter der Sitz der Pygmäen, der Negerzwerge, im Buſch
des belgiſchen Kongo.
Das Forſcherehepaar, ſelbſtverſtändlich mit einer ſtarken
Kara=
wane von Trägern und Führern, mit Automobilen uſw.
ausge=
rüſtet, hat im Gegenſatz zu vielen anderen, die afrikaniſche
Ge=
biete heimſuchten, keinen Wert darauf gelegt. Tiere in Mengen
zu erlegen oder zu fangen. Dieſen beiden lag nur daran, bisher
Unbekanntes, Unerforſchtes mit der Tonfilmapparatur zu
er=
legen . Das iſt ihnen im reichſten Maße gelungen. Außer den
bei=
den Hauptzielen der Expedition ſchildert der Film in einer Fülle
ganz vorzüglich gelungener Bilderſzenen aus den Tierparadieſen
der Steppe Afrikas. Man ſieht Tauſende von Zebras, zahlloſe
Giraffen, Antilopen und anderes Getier. Flußfahrten geben die
Möglichkeit. Nashörner und Flußpferde, auch rieſige Krokodile
filmiſch aufzunehmen und an irgend einem rieſigen See ſind
Mil=
lionen von Flamingos zu ſehen, in ſo dichten Völkern, daß ſie ſich
kaum zum Flug erheben können, und daß es ans Wunderbare
grenzt, wie dieſe Vögel ihre Nahrung in dem verhältnismäßig
kleinen Gebiet finden können.
Das Intereſſanteſte jedoch, und im Film am breiteſten
geſchil=
dert, iſt der Aufenthalt unter den Pygmäen, und nachdem unter
den Gorillas, deren Familienleben nie zuvor in freier Wildbahn
mit der Tonkamera ſo anſchaulich feſtgehalten werden konnte. Als
Ganzes ein Film, der zu dem wiſſenſchaftlich Wertvollſten und
In=
tereſſanteſten gehört, was bisher durch den Film erſchloſſen wurde.
Das intereſſante Werk Johnſons, „Congorilla”", erſchien im
Verlag Brockhaus und iſt bereits vor einiger Zeit von uns
beſprochen worden.
Promenaden=Konzert. Der Muſikzug der Standarte 115.
unter Leitung von Willy Schlupp. ſpielt heute, Sonntag den
30. Juli 1933, von 11 bis 12 Uhr im Platanenhain (
Künſt=
lerkolonie) nach folgendem Programm: 1. „An die Gewehre‟,
Marſch, Lehnhardt. 2. Ouvertüre zur Oper „Precioſa” Weber.
3. Hydrophaten, Walzer Gungl, 4. Die türkiſche Scharwache,
Soloſtück. Michaelis. 5. Große Fantaſie aus der Oper „Der
flie=
gende Holländer”, Wagner. 6. Hoch Habsburg. Marſch, Kral.
— Das Union=Theater zeigt nur noch heute und morgen den
Tonfilm „Ein Lied geht um die Welt”, der dem populären
Rund=
funktenor Joſef Schmidt Gelegenheit gibt, ſeine herrliche Stimme
hören zu laſſen. Dazu das bekannt gute Beiprogramm. Jugendliche
haben Zutritt.
Die Palaſt=Lichtſpiele bringen nur noch heute und morgen
in Neuaufführung Otto Gebühr (als Friedrich der Große), Lil
Da=
gover und Hans Stüwe in dem Groß=Tonfilm „Die Tänzerin von
Sansſouci” (Die Ballerina des Königs).
— Die Beſſunger Lichtſpiele (Heidelberger Str. 89) bringen
heute und morgen noch „Bomben auf Monte Carlo” mit Hans
Albers und Heinz Rühmann. Als Beifilm einen echten Ken
Maynard=Senſationstonfilm. Der Held von Californien”. Heute
um 2 Uhr Jugend=Sondervorſtellung.
— Ferienfahrten Jeder möchte einmal eine Reiſe im Autobus
unternehmen. Die Heſſiſche Autobus=Verkehrs=Geſellſchaft in
Darm=
ſtadt, nur Adolf=Hitler=Platz 1. neben Merck hat dieſen Wünſchen
Rechnung getragen und auch für die nächſte Woche eine Reihe
bil=
liger Autobusfahrten erwählt. Das Reiſeprogramm finden Sie in
der heutigen Zeitung.
— Volksküche, Mackenſenſtraße 18. Um all den vielen
Wün=
ſchen gerecht zu werden, iſt die Volksküche auch am Sonntag, von
12 bis 2 Uhr, geöffnet, und es gibt hier ein gut ſchmeckendes
Sonntagseſſen.
Lokale Veranſtallungen.
Heſſiſcher Hof. Heute ab 20 Uhr: Vom Rhein zur
Donau. Muſikzug der Standarte Nr. 143. Leitung
Obermuſik=
meiſter Matthias Weber. (Siehe Inſerat.)
— Schuls Felſenkeller. Gartenkonzert,
Stimmungs=
abend.
— Städt. Saalbau. Heute, Sonntag, abends 8 Uhr:
Gar=
tenkonzert und Tanz im Freien, bei ungünſtiger Witterung im
großen Saal. (Siehe heutige Anzeige.)
—Im Herrngarten=Caféſpielt am Sonntag ab 11 Uhr
die ganze Stahlhelmkapelle ein Promenadenkonzert. Das
Nach=
mittags= und Abendkonzert wird ebenfalls von der
Stahlhelm=
kapelle ausgeführt.
Tageskalender für Sonntag, den 30. Juli 1933.
Union: „Ein Lied geht um die Welt”, Helia: „Congorilla”.
Palaſt: „Die Tänzerin von Sansſouci” — Beſſunger
Licht=
ſpiele: Bomben auf Monte Carlo” und „Der Held von
Cali=
fornien”. — Schuls Felſenkeller: Großes Streichkonzert. —
Beſſunger Turnhalle, 19 Uhr: Großes Gartenkonzert. —
Rum=
melbräu, 20 Uhr: Großes Gartenkonzert. — Städt. Saalbau,
20 Uhr: Großes Konzert mit Tanzeinlagen. — Konzerte:
Gaſt=
ſtätte Knauf. Sportplatzreſtaurant am Böllenfalltor. Hotel zur
Poſt, Herrngarten=Café, Reſtaurant Bender, Ludwigshöhe,
4 Uhr: Konzert.
Nr. 209 — Seite 7
die Senſe rauſcht!
EPH. Der Schnitter ſchreitet durch das Feld. Wo der Strich
ſeiner Senſe durch die Halme zieht, da fällt die goldene Aehre.
Wo noch vor Wochen grüne Hälmchen hoffnungsfroh die Köpfchen
der Sonne entgegenſtreckten, wo geſtern noch reifes, vollkräftiges
Leben ſein Lied im Sommerwinde ſang, da ſtarren heute ſterbende
Stoppeln. Und in wenig Tagen wird die braune Ackerſcholle
wie=
der bereit ſein, von neuem zu empfangen und Leben zu gebären,
das wiederum dazu beſtimmt iſt, zu blühen und zu reifen und zu
ſterben, im ewigen Kreislauf der Natur. „Was entſteht, iſt wert,
daß es zugrunde geht”.
Alle Kreatur iſt dieſem harten Geſetz unterworfen. Wir
be=
obachten es mit Trauer, wenn wir in dieſen Tagen der höchſten
Reife das Verblühen in Feld und Garten wahrnehmen, wenn wir
in dem warmen Wind, der über die Stoppeln weht, ſchon einen
leiſen Herbſteshauch zu ſpüren meinen. Und wir erkennen ſeine
Wahrheit mit Bitterkeit, wenn wir oder einer der Unſeren aus
dem Beruf geriſſen werden, zwangsweiſe in den Ruheſtand
ver=
ſetzt; volle Kraft wird zur Untätigkeit verurteilt, um einer
jünge=
ren Platz zu machen. Und es fällt uns ſchwer, uns darein zu fügen.
Aber es muß ſein. Und das iſt ja das tröſtliche: Alles
ſterbende Leben macht anderm, neu erwachtem
Platz. Mehr noch: Es gibt ihm Lebenskraft und
Le=
bensmöglichkeit. Die Aehre fällt, um anderen das Leben
zu ſchenken: der kommenden Saat und den Tauſenden, die des
täg=
lichen Brots bedürfen. Die Blume verblüht, aber im Verblühen
legt ſie ihre ganze Schönheit in den Samen, aus dem im nächſten
Jahre die kommende entſteht. Die Eltern opfern ſich für ihre
Kinder, daß aus ihnen etwas werde. Mann und Frau geben
ein=
ander perſönliche Opfer. Selbſtüberwindung, Treue, Ausdauer,
wo dieſe fehlen, fehlt alles. Der Platz, den du in der Fabrik, auf
dem Büro oder ſonſt irgendwo räumſt, wird von einem andern
eingenommen, der noch mehr zu leiſten und hinzugeben hat.
Leben baut ſich auf Opfer auf. Wo auch immer in der Welt
ſtarkes Leben ſich regt, da wird es entfacht von Menſchen, die ſich
dabei opferten. Darum iſt das Leben der großen Bahnbrecher,
der Gottgeſandten, deren Namen ſpäter in der Geſchichte leuchten,
an deren Wirken und Schaffen Kind und Kindeskinder ſich
ſtär=
ken, von deren Daſein wir uns nähren, immer ein Opferleben.
Eine bedenkliche Wahrheit, wenn wir ſie mit rein irdiſchen
Augen anſehen. Und wir tun das meiſt. Darum ſchwindet unſere
Opferfähigkeit auch ſo oft, und wir möchten zwar, daß andere ſich
für uns opfern, weichen aber ſelbſt dem Opfer aus. Ihre
Bitter=
keit verliert ſie für uns, wenn wir unſeren Blick klar und hell
über dieſe irdiſche Welt hinausgehen laſſen in eine höhere Welt,
in der der lebte, deſſen Leben ganz und gar ein Opfer geweſen iſt,
von dem Millionen zu allen Zeiten gelebt haben. Er hat die
Berechtigung alles Daſeins an die Bedingung geknüpft: „Wer
ſein Leben erhalten will, der wird es verlieren. Wer aber ſein
Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden.” (Matth.
Gombel=Gräfenhauſen.
16. 25.)
E. Wixhauſen, 29. Juli. Gemeinderat. Die
Wieſenver=
pachtung im Hahnfang wurde genehmigt. Der Erlös beträgt 260
RM. Zu Viehſchätzern wurden ernannt die Landwirte Gg. Pfaff
und Ph. Zängerle, als Erſatzleute Jak. Becker und K. Lotz. Um
den überhandnehmenden Felddiebſtählen vorzubeugen, faßte der
Gemeinderat den Beſchluß, die Namen von allen Perſonen, welche
beim Felddiebſtahl angetroffen werden, in Zukunft eine Woche
lang auf den Ortstafeln zu veröffentlichen. Im
Wiederholungs=
falle müſſen die Betreffenden ihr Vergehen durch die Ortsſchelle
ſelbſt bekanntmachen.
Aa. Braunshardt, 29. Juli. Als Ehrenfeldſchützen
wur=
den Jakob Grimm, Ludwig Nickel und Michael Schmidt 5. und als
Feldgeſchworene Adam Bender 6. und Johann Gg. Petry
verpflichtet.
J. Griesheim, 29. Juli. Fliegergruppe Griesheim.
Das erſte ſelbſtgebaute Segelflugzeug der Fliegergruppe
Gries=
heim des Flugſportvereins Heſſen=Darmſtadt e. V. geht ſeiner
Vollendung entgegen. Um allen Griesheimern Gelegenheit zu
geben, die erſte Bauleiſtung ihrer jungen Fliegergruppe zu
beſich=
tigen, wird die Maſchine am Sonntag, den 6. Auguſt, im Saale
„Zur Traube” ausgeſtellt. Es wird für manchen außerordentlich
intereſſant und lehrreich ſein, ſich einmal anzuſehen, welches
un=
geheure Maß von Arbeit Genauigkeit und Sorgfalt dazu gehört,
um ein Flugzeug einwandfrei fertigzuſtellen, beſonders wenn man
bedenkt, daß dieſe Leiſtung von jungen Flugſportbegeiſterten aller
möglichen Berufe vollbracht worden iſt. — Deutſches
Turn=
feſt. Die 30 Teilnehmer der Turnerſchaft am Deutſchen Turnfeſt
fuhren am Mittwoch vormittag mit einem Sonderzug nach
Stutt=
gart. Bei den am Donnerstag ausgetragenen Wettkämpfen
konn=
ten die Turner Philipp Schneider, Heinrich Widmaier und Willi
Schaffner nach einem hier eingegangenen Telegramm
Turnfeſt=
ſieger werden.
G. Ober=Ramſtadt, 29. Juli. Die neue
Kirchengemeinde=
vertretung, die ohne Wahl zuſtande kam, trat auf
Ein=
ladung des Pfarramtes im Saal „Zum Löwen" zu ihrer erſten
Sitzung zuſammen. Herr Pfarrer Nürnberger begrüßte die
Erſchienenen herzlich und ging in kurzen Ausführungen auf die
jüngſten Ereigniſſe auf kirchenpolitiſchem Gebiet ein. Die neue
Zeit ſuche neue Formen und der Grundſatz „Glaube und Volk
ge=
hören zuſammen” müſſe Gemeingut aller werden zum Segen
unſerer Kirche und unſeres Volkes. Unter dieſem Geſichtspunkte
ſtand auch die Verpflichtung der Kirchengemeindevertreter. Zu
der Wahl von 12 Kirchenvorſtehern war beim Pfarramt ein
Vor=
ſchlag eingegangen, der den Wahlberechtigten mitgeteilt wurde.
Darauf wurden in geheimer Wahl die Kirchenvorſteher gewählt.
Cp. Dieburg, 29, Juli. Dienſtjubiläum. Am 1. Auguſt
kann S. Köflerſein 25jähr. Dienſtjubiläum als Hausmeiſter des
Gymnaſiums und der Oberrealſchule begehen.
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[ ← ][ ][ → ]Seite 8 — Nr. 209
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Sonntag, 30. Juli 1933
Die zweite Wekkerkakaſkrophe
innerhalb einer Woche.
Wolkenbruchartiger Regen. — Dreimal Hagelſchlag an einem
Nachmittag. — Großer Schaden in Feld und Garten, weiterer
Schaden an Wegen und Straßen.
m. Beerfelden, 29. Juli.
Geſtern nachmittag gingen über der hieſigen Gegend mehrere
Gewitter nieder, die in ihrer Geſamtwirkung das Unwetter, das
uns vom 22. auf 23. d. M. heimſuchte, noch bedeutend übertrafen.
Vor den Waſſermaſſen mußte man wieder Haustiere in Sicherheit
bringen, wieder waren Gebäude in ihren unteren Räumen mit
Waſſer gefüllt oder bedroht, da das Ereignis bei Tag eintrat,
konnte man ſich des andrängenden Waſſers beſſer erwehren, auch
hatte der Waſſerſchrecken diesmal an Bedeutung verloren. Mit dem
erſten Wolkenbruch war ein etwa halbſtündiger Hagelſchlaa
ver=
bunden, mit Schloßen bis Taubeneigröße und ſo zahlreich, daß
man nachher da und dort eine Schneedecke zu ſehen glaubte.
Trotz=
dem war der bis jetzt angerichtete Schaden noch begrenzt, da der
Hagel nur einen kleineren Strich der Gemarkung getroffen hatte.
Nach etwa einer halben Stunde folgte neuer wolkenbruchartiger
Regen mit mäßigem Hagelſchlag. Nach wiederum einiger Zeit
ſetzte das Unwetter zum drittenmal ein, diesmal aber mit
Hagel=
ſchloßen, die einzelne Fenſterſcheiben zertrümmerten, die in den
Gärtnereien an den Glasfenſtern ganz erheblichen Schaden
anrich=
teten und die hauptſächlich in den Gärten und auf den Feldern
ſehr übel hauſten. Die Blätter der Obſtbäume, der Kartoffeln und
der Hackfrüchte wurden zu Boden geſchlagen, und beſonders das
Sommergetreide wurde ſchlimm zugerichtet.
Straßen und Wege ſind jetzt noch gründlicher ausgewaſchen.
Die Ausbeſſerungsarbeiten an dem Trottoir und der Pflaſterung
waren ſchon energiſch in Angriff genommen, nun iſt der
angefah=
rene Sand wieder weggeſchwemmt und was gepflaſtert war, iſt
aufs neue ausgewaſchen.
Von den gegenwärtig Lebenden kann ſich niemand ſolcher
Un=
wetter und ſolchen Hagelſchadens erinnern. Während beim letzten
Mal nur die Gemarkungen von Gammelsbach und dem
Sens=
bacher Tal in Mitleidenſchaft gezogen waren, erſtreckten ſich die
geſtrigen Unwetter über eine größere Landſtrecke. In Hetzbach ſei
an einem Hauſe ein Erdrutſch eingetreten. Auf der Strecke nach
Airlenbach wurde an einer Stelle die Straße durch
Ausſchwem=
men beſchädigt, doch alsbald wieder hergeſtellt.
Ci. Erbach, 29. Juli. Neuer
Kreisfeuerwehrinſpek=
tor. Als Kreisfeuerwehrinſpektor wurde Herr Schreinermeiſter
Eberhard, Müller, der bewährte Kommandant der hieſigen
Freiwilligen Feuerwehr, verpflichtet. — Feuerwerk auf
dem Wieſenmarkt. Die hieſige Stadtverwaltung
veran=
ſtaltete in Gemeinſchaft mit der Geſchäftswelt anläßlich des
Wie=
ſenmarktes ein großes Brillantfeuerwerk, das außerordentlich
viele Zuſchauer von hier und der Umgebung herbeigelockt hatte.
Beſonders freudig begzüßt wurde das dargeſtellte Hakenkreuz. —
Landwirtſchaftliche Zuchterfolge. Die diesjährigen
Stutenkörungen in Starkenburg zeigten, daß die Nachzucht für
Pferde im Odenwald durchaus befriedigend iſt. Eine ganze
An=
zahl Orte des Kreiſes weiſen recht gute Ergebniſſe auf; hier in
Erbach wurden acht Kaltblut= und ſechs Warmblutſtuten neu
an=
gekört.
Cf. Birkenau. 29. Juli. Feierder Fünfzigjährigen=
Im Saale „Zum deutſchen Kaiſer” hatten die Fünfzigjährigen
Birkenaus und Umgebung eine ſchöne Feier. Aus nah und fern
waren die Altersgenoſſen zuſammengekommen. Herr
Gendarmerie=
hauptwachtmeiſter Konrad begrüßte die Erſchienenen mit
herz=
lichen Worten. Ein beſonderer Gruß galt Frau Eva Müller, geb.
Schwöbel, die nach 24jähriger Abweſenheit in Amerika
gegen=
wärtig zu Beſuch hier weilt und auch gerne der Einladung ihrer
ehemaligen Schul= und Alterskameraden Folge geleiſtet hatte.
Herr Hauptwachtmeiſter Konrad gab einen Rückblick über die
ver=
floſſenen, oft recht ſtürmiſchen Jahre und gedachte auch derer, die
nicht mehr im Kreis der Altersgenoſſen weilen können. Mit einem
begeiſtert aufgenommenen Sieg=Heiliſchloß ſeine Anſprache. Bei
gemeinſamem Eſſen, angeregter Unterhaltung gingen die Stunden
in rechtem, geſelligem Geiſte dahin, bis der erſte Hahnenſchrei zum
Aufbruch mahnte.
Dk. Waldmichelbach. 29. Juli. Motorradunglück. Der
Fabrikarbeiter Johann Jöſt=Gadern rannte am Donnerstag abend
auf der Kreidacher Höhe mit ſeinem Motorrad mit dem Laſtwagen
des Fuhrunternehmers Stein=Siedelsbrunn zuſammen. Der
Fah=
rer erlitt einen komplizierten Beinbruch ſowie mehrere
Hautver=
letzungen und wurde in das Krankenhaus nach Heidelberg
ge=
bracht. Die Schuldfrage iſt noch nicht geklärt. Wie man hört,
waren beide Fahrer nicht im Beſitze eines Führerſcheines.
— Gernsheim, 29. Juli. Waſſerſtand des Rheins
(Pegel) am 28. d. M.: 1.47 Meter, am 29. d. M.: 1,36 Meter —
jeweils morgens 5,30 Uhr.
Aus den Gemeinderatssitzungen.
Cd. Michelſtadt, 29. Juli. Gemeinderat. Zur
Verabſchie=
dung des Voranſchlages für das Rechnungsjahr 1933 wies
Bür=
germeiſter Dr. Leber darauf hin, daß ja in einer ganzen Reihe
von Sitzungen der Voranſchlag durchgearbeitet worden ſei, ſo daß
es ſich erübrige, den geſamten Voranſchlag nochmals zur
Ver=
leſung zu bringen. — Er gab dann die weſentlichſten Punkte
dar=
aus bekannt. — Der Voranſchlag ſchließt in Einnahme und
Aus=
gabe mit RM. 393 469 ab und iſt ausgeglichen. — Ein Vergleich
mit dem Voranſchlag von 1932 zeigt die intereſſante Tatſache, daß
im Jahre 1932 mit einem Fehlbetrage von RM. 85 000 gerechnet
wurde. Die allgemeine Verwaltung erforderte 1932 den Betrag
von RM. 31885, im Voranſchlag für 1933 ſind hierfür RM.
29 609 vorgeſehen. — Die Perſonalausgaben betrugen im
Voran=
ſchlag für 1932 RM. 66 768, für 1933 wurden RM. 49 104 für
dieſen Zweck eingeſetzt, alſo eine Senkung um RM. 17 000. Für
Schuldentilgung wurden RM. 14917 vorgemerkt, 1932 war eine
Schuldentilgung nicht möglich. Der durch Umlagen zu deckende
Betrag ſtellt ſich auf RM. 128 074,56 und wurden folgende
Steuer=
ausſchlagsſätze beſchloſſen: auf Gebäude und Bauplätze 47,2, land=
und forſtwirtſchaftliche Grundſtücke 88,7, vom Gewerbekapital
96,6, vom Gewerbeertrag 317, alles in Pfennigen pro 100 RM.
Steuerkavital. Die Sätze für die Sondergebäudeſteuer ſind
fol=
gende: Gebäude im Werte bis zu RM. 7000 40, über 7000 RM.
Wert 34,93. Beide Sätze gelten als Pfennige pro 1 RM.
ſtaat=
liches Sondergebändeſteuerſoll, und gehen an dieſen letzten beiden
Sätzen noch 20 Prozent als Steuerſenkung ab. — Der Voranſchlag
der Stadt wurde einſchließlich der Steuerausſchlagsſätze
angenom=
men. — Die Voranſchläge des ſtädtiſchen Elektrizitätswerkes, des
ſtädtiſchen Waſſerwerkes, des Krankenhauſes und des Stadions
ſind in Einnahme und Ausgabe ausgeglichen und wurden
ange=
nommen. Ebenſo der Waldwirtſchaftsplan, der vom Forſtamt
Michelſtadt dem Rat zur Beſchlußfaſſung vorgelegt wurde und
das Fällen von 3200 Feſtmetern Holz vorſieht. Ein
Konzeſſions=
geſuch zum Betriebe einer Conditorei und Café ohne
Alkohol=
ausſchank am Marktplatze wurde genehmigt. — Das Geſuch des
Turnvereins e. V.., die Jahnſtraße in Friedrich=Ludwig=Jahn=
Straße umzubenennen, wurde abgelehnt, da der Rat der Anſicht
iſt, daß jedermann weiß, daß dieſe Straße nach dem Turnvater
Jahn benannt iſt. Zu Viehſchätzern für Viehverluſte wurden
be=
ſtimmt: Adam Schänberger und Ludwig Meyer, als deren
Stell=
vertreter Wilhelm Schäfer und Gg. Pfaff. — Ein Sammelantrag,
den die Erwerbsloſen durch ihren Ausſchuß eingebracht hatten,
wurde wie folgt erledigt: Die Forderung, das Pachtgeld für
ſtäd=
tiſches Gelände auf den Friedensſatz zurückzuführen, wurde in der
Form berückſichtigt, daß, wer von den Pächtern ſeinen
Pachtgeld=
verpflichtungen bis 1. September nachgekommen iſt, einen Nachlaß
von 10 Prozent erhält. Weiter hatten die Erwerbsloſen
bean=
tragt, das Waſſergeld für die Erwerbsloſen ſtatt wie bisher um
25 Prozent, jetzt um 50 Prozent zu ſenken. Dieſer Betrag ſoll
dann in Raten von 0,50 RM. bei Unterſtützungsauszahlung von
einem ſtädtiſchen Beamten in Empfang genommen werden.
Kom=
men nicht alle Erwerbsloſen dieſer Regelung nach, dann iſt dieſe
Ermäßigung hinfällig. — Ueber den nächſten Antrag, den
Ein=
tritt für Kinder von Erwerbsloſen im Stadion auf 0.10 RM. zu
ermäßigen, ging die Verwaltung ſogar noch hinaus und machte
den Vorſchlag, den ſchulpflichtigen Kindern von Erwerbsloſen an
den Tagen, an denen Erwerbsloſe freien Eintritt haben, das
gleiche auch dieſen Kindern zu gewähren. Weiterhin erklärt ſich
der Rat damit einverſtanden, daß bis auf Widerruf, der
Verwal=
tungs=Aſſiſtent Schmucker die Vertretung der Erwerbsloſen vor
dem Spruchausſchuß übernimmt.
Ay. König i. Odw. (Stahlbad), 29. Juli.
Gemeinde=
rat. Die Kanalgebühren für das Rechnungsjahr 1933 werden in
denſelben Sätzen wie 1932 erhoben. Nach Prüfung der finanziellen
Seite ſollen auf Grund des Geſetzes zur Verminderung der
Ar=
beitsloſigkeit der Bau eines Hochbehälters für die Waſſerleitung
ſowie einer Verbindungsleitung nach der Kimbacher= und
Berg=
gartenſtraße und Renovierung des alten Schulhauſes in Angriff
genommen werden. Nach einer Mitteilung des Sonderkommiſſars
für den heſſiſchen Fremdenverkehr ſoll die Reichsbahndirektion
Mainz bereit ſein, den Bahnhofsplatz inſtand zu ſetzen. Die
Bahn=
verwaltung erſucht jedoch um einen Zuſchuß der Gemeinde.
Er=
mittelungen ſollen in dieſer Hinſicht von der Gemeindeverwaltung
angeſtellt werden. Ausnahmsweiſe ſoll in dieſem Jahre der
ſo=
genannte Mühlbach, deſſen Reinigung dem dortigen
Mühlenbe=
ſitzer obliegt, auf Koſten der Gemeinde gründlich gereinigt werden.
Ck. Goddelau, 29. Juli. Gemeinderatsſitzung. Der
Ankauf von Ziegenböcken wird genehmigt. Tagegelder für
Ge=
meindebeamte bzw. Gemeindevertreter ſollen aus
Erſparnisgrün=
den in Wegfall kommen. Dagegen ſollen nur noch die Fahrt= und
Barauslagen vergütet werden. Dem Antrag der Bezirksſparkaſſe
Groß=Gerau zwecks Uebernahme der Bürgſchaft für einen hieſigen
Gewerbetreibenden ſtimmt der Rat zu. Die
Inſtandſetzungsarbei=
ten in der Schulwohnung ſollen nach eingeholten Offerten ver=
*Heuhupfer=Geheimniſſe.
verſehen. An der Innenſeite der anderen Flügeldecke iſt der „
Spie=
gel”, eine ſehr dünnhäutige Stelle mit einer ſcharfen Chittinkante.
Beobachkungen im Wieſengras.
Das Heupferd braucht alſo nur ſeine beiden Flügeldecken zu heben
Von Paul Eivver.
Es iſt nicht meine Abſicht, von den Plagen zu erzählen, die
durch Wanderheuſchrecken über Feld und Flur kommen. Darüber
gibt es genaue Berichte von Augenzeugen, von Naturforſchern.
die jahrelang Studien an Ort und Stelle unternommen haben.
In früheren Jahrhunderten iſt auch Deutſchland wiederholt von
Wanderheuſchrecken heimgeſucht worden; ſie kamen aus der Gegend
des Schwarzen Meeres über Polen und Galizien nach Schleſien
und Brandenburg, zogen ſogar über den Kanal hinweg nach
Eng=
land. Im nieverſagenden, klaſſiſchen „Tierleben” Alfred Brehms
fand ich einen Vers, der urſprünglich aus einer Chronik von 1569
ſtammt:
Gros Heuſchrekken aus Littaw zogen,
Durch Polen in die Schleſi flogen,
Von dannen in das Land zu Meißen,
Die Kräuter freſſen und zerbeißen.
Aber ſo grauenvoll die Maſſen der Wanderheuſchrecken ſind,
ſo anheimelnd iſt das Gezirp eines einzelnen „Heuhupfers”, der
irgendwo ſich vergnügt, indes wir Menſchen träumend auf einer
Wieſe liegen. Während der Jahre meiner Waldwanderungen habe
ich in Oſtpreußen und hoch oben auf den Matten der Bayeriſchen
Alpen immer wieder mit Intereſſe und Behagen das Leben der
grünen, bräunlichen und olivfarbenen, großen und kleinen
Heu=
pferdchen beobachtet. Weil ich mich ganz reglos verhielt, ſind ſie
mir oft über den Körper gelaufen, auf die Hand, ins Geſicht
ge=
ſprungen: ich habe aus übermäßiger Nähe den rammbockartigen,
abgeplatteten Kopf ſo verzerrt geſehen, daß meine Phantaſie mir
ein gepanzertes Rieſenungetüm vorgaukelte mit gefährlichen
Stoß=
ſtangen, die doch in Wirklichkeit nur harmlos bewegliche,
aller=
dings ſehr lange Fühler waren.
„Ich verſuchte, in die Geheimniſſe der merkwürdig großen
Faſ=
ſetten=Augen einzudringen, beſtaunte den Mechanismus der
lan=
gen, dreigliedrigen Füße und überzeugte mich ſchließlich auch durch
das eigene Erlebnis vom „Muſizieren” dieſer Inſekten. Mir
ſcheint, es fei falſch, zu ſagen, daß die Heuſchrecken „ſingen” oder
„zirpen”; ich finde, ſie ſpielen Cello, wenn nicht gar den
Kontra=
baß. Ihr Regiſter iſt gar nicht klein: man hört Schnarren, Wetzen,
ſchrilles und manchmal auch ſeltſam melodiſches, einſchmeichelndes
Tönen, wenn man ſich vollkommen ſtill verhält. Bei jedem
weſens=
fremden Geräuſch der Umwelt verſtummen die Muſikanten.
Aber wie entſtehen jene Töne? Auf dem einen Flügel iſt eine
breite Ader ſtark verdickt und mit Querleiſten, aus Chittinmaſſe
und gegenſeitig zu reiben, dann gleitet wie ein Geigenbogen die
Schrillader über jene Chittinkante, und alsdann entſtehen dort.
ebenſo wie auf dem dünnen Spiegel, die tönenden Schwingungen.
Bei der Wanderheuſchrecke liegt der Vergleich mit einem
Brummbaß=Spieler noch näher. Da ſtreichen nämlich die verdickten
Schenkel des dritten Beinpaares an den Flügeldecken hin und her,
die Innenſeite der Schenkel iſt fein gezähnt: und weil die
Flügel=
decken ja trocken und ganz ſtarr ſind, wirken ſie als vorzügliche
Reſonanzböden, ſobald der gezähnte Fiedelbogen darüber fährt.
Das Liegen auf ſommerlich beſonnter Wieſe iſt nicht nur ein
faulenzeriſcher Genuß, ein weltvergeſſenes Träumen; der
Natur=
freund bekommt auf ſolche Weiſe Belehrung in Hülle und Fülle.
Eben noch lief ein niedlich kleiner Heuhupfer über meine
Bruſt, empfand es wohl als ſchwere Arbeit, über die aufgeknöpfte
Vorderkante meines Hemdes zu klettern, ſo daß ich gar den Atem
anhielt, um das Tier nicht noch zu ſtören. Plötzlich, ganz ohne das
geringſte Anzeichen, ſchnellte der grünbraune Burſche ſenkrecht
hoch, war einfach verſchwunden, weggewiſcht im Blau des
Luft=
meers über mir. „Das iſt unmöglich! Zaubern kannſt du doch
nicht; irgendwo mußt du ſtecken!” ſagte ich und richtete mich auf,
um die Springſchrecke zu ſuchen.
Weil ich weiß, welch tolle Sprungmuskulatur dieſe ſchlanken
Inſekten haben, forſchte ich im Umkreis von etwa zwei Metern,
ohne jedoch mein Heupferd wieder zu finden. Es muß ſich wie eine
Raumſchiffrakete himmelwärts geſchoſſen haben, wird fern von
mir auf Fallſchirmflügeln gelandet ſein, ſo phantaſierte ich,
neid=
erfüllt ob dieſer Geſchicklichkeit.
Aber da ich zugleich weiterſuchte am Boden, wich jäh mein
Traumbild einer viel rauheren Wirklichkeit. Wohl war die Schrecke
mit einem erſtaunlich weiten Sprung ins Gras gehüpft, hatte durch
ihre Schutzfärbung mich täuſchen können, jedoch nicht den
Raub=
käfer, der ſie beim Landen mordgierig packte. Die beiden Tiere
hielten ſich wechſelſeitig mit ihren Kiefern feſt, zerrten nach links
und rechts, und ich war eben im Begriff, dem Heupferdchen zu
Hilfe zu kommen, als es ſich unter Zurücklaſſung ſeines linken
Vor=
derbeins ſelbſt befreite.
Ja, der Heuhupfer tat einen gewaltigen Satz, ſchnippte an
meiner Naſe vorbei, und der dunkle Käfer hielt zwiſchen ſeinen
Freßzangen einſam das dünne, gewiß wenig nahrhafte
Inſek=
tenbein.
Wir wollen hoffen, daß dem mutigen kleinen Kerl das
ge=
opferte Glied raſch wieder nachwachſen wird, daß er nicht allzu
lange auf nur fünf Füßen durch den Sommer hüpfen muß.
geben werden. Allgemein ſollen die Arbeiten ſo vergeben werden,
daß ſämtliche Handwerker nach Summenausgleich berückſichtigt
werden ſollen. Die Gemeindeſteuern für das Rechnungsjahr 1933=
34 werden auf die vorjährigen Sätze feſtgeſetzt und ſind in drei
Raten zahlbar. Die Auszahlung von Prämienzuſchüſſen für den
Groß=Gerauer Ziegenmarkt wird abgelehnt. Der ſeit Jahren von
der NSDAP. geforderten Pachtermäßigung für
Gemeindegrund=
ſtücke, Wieſen und Torflöcher wird entſprochen. Die
Ermäßigun=
gen erſtrecken ſich auf 33½½, Prozent für Torflöcher, 25 Prozent für
Wieſen und 20 Prozent für Gemeindegrundſtücke, ausgehend vom
Urſprungspachtpreis. Einem Antrag der Freiwilligen Feuerwehr
zwecks Ankauf von Uniformſtücken wird entſprochen. Zum Schluß
erfolgte die Feſtſetzung der Wohnungsmiete für
Gemeindewohnun=
gen. Außerdem wurden die Schätzer für die Reichsviehſeuche
be=
ſtimmt. Die für die Schule angekauften Bildniſſe der beiden
Füh=
rer. Hindenburg und Hitler, ſollen eingerahmt werden. In der
anſchließenden nichtöffentlichen Sitzun=
Steuerangelegenheiten behandelt.
wurden faſt durchweg
Der Bauer und ſeine Zeitung.
Auch in den arbeitsreichen Sommermonaten kann der Bauer
und auch der Gewerbetreibende ohne ſeine Zeitung nicht
auskom=
men, denn er muß ſich heute genau ſo wie früher nach vielem
um=
ſehen, was in der Welt um ihn vorgeht. Unwiſſenheit ſchützt ihn
ja nicht. Auch im Sommer iſt auf amtliche Bekanntmachungen
und Verordnungen zu achten. Die Zeitung ſtellt günſtige Kaufs=
und Verkaufsangebote, ſie berichtet über die Verhältniſſe in der
Wirtſchaft ſowie über den Stand und die Preiſe der Feldfrüchte
und der ſonſtigen Erzeugniſſe auf dem Gebiet der
landwirtſchaft=
lichen Produktion. Alle dieſe Informationen und Hinweiſe ſowie
eine Reihe von Belehrungen findet man im Heimatblatt, das ſeit
vielen Jahren der tägliche Gaſt im Hauſe iſt. Es wäre ein ſehr
verhängnisvoller Irrtum in den Sommermonaten die Zeitung
ab=
zubeſtellen. Wenn der Bauer auch in den Sommermonaten nicht
ſo viel Zeit zum Leſen übrig hat wie im Herbſt und Winter, ſo
viel Zeit muß er aber finden, um ſich durch ſeine Zeitung
wenig=
ſtens mit dem vertraut zu machen, was ihn und ſeine Verhältniſſe
betrifft.
Hitler=Ehrung im Vogelsberg
in Gegenwark des heſſiſchen Miniſterpräſidenken.
WSN. Ulrichſtein, 28. Juli. Hier wurde unter Teilnahme der
Mitglieder der NSDAP., der SA., der Hitlerjugend, der Schulen
und der Frauenſchaften aus der ganzen Umgegend in feierlicher
Weiſe ein Platz der Stadt als Adolf=Hitler=Platz geweiht. Zur
Freude der Bevölkerung war der heſſiſche Miniſterpräſident Prof.
Dr. Werner der Einladung zu der Feier gefolgt. Nach Anſprachen
von Tierarzt Meiski, der für die Stadt und für die NSDAP. von
Ulrichſtein ſprach und beſonders herzlich den Miniſterpräſidenten
begrüßte, ferner des NSBO.=Leiters Bartholomäus=Gießen hielt
der Ortspfarrer Trapp die Weiherede, in der er dem Führer und
Volkskanzler Adolf Hitler als dem großen Heros und Führer
unſe=
res Volkes in eindrucksvollen Worten huldigte und alle
deutſch=
geſinnten Volksgenoſſen aufforderte, mit unverbrüchlicher Treue
hinter dem großen Führer und Kanzler bei der Vollbringung
ſei=
nes Werkes, zu ſtehen. Ein Treugelöbnis zum Dritten Reich
wurde durch begeiſterte Sieg=Heil=Rufe auf den Reichspräſidenten,
den Führer und Volkskanzler Adolf Hitler und den
Miniſterpräſi=
denten Dr. Werner bekräftigt. Hierauf ſprach Miniſterpräſident
Dr. Werner, der ſeine beſondere Genugtuung über die ſchöne
Her=
richtung des Hitler=Platzes ausdrückte. Er betonte weiter daß ſich
unter der Führung des Kanzlers die deutſche Seele von allem
los=
ringe was ihr weſensfremd ſei. Ueberall in Deutſchland gehe es
aufwärts und werde Arbeit und Brot geſchaffen. Für den
Vogelsberg ſei ebenfalls ſchon manches geſchehen; die
national=
ſozialiſtiſche Regierung werde aber auch weiterhin dafür ſorgen,
daß dem Vogelsberg die Treue zur nationalen E hebung mit
glei=
cher Treue vergolten werde. Die wahre deutſche Volksgemeinſchaft
ſei jetzt erreicht und werde immerdar weiter vertieſt werden. Die
Anſprache des Miniſterpräſidenten ſchloß mit begeiſtert
aufgenom=
menen Sieg=Heil=Rufen auf den Reichspräſidenten und
Reichs=
kanzler. Die Schlußanſprache hielt Bürgermeiſter Geiß=
Ulrich=
ſtein.
Deutſcher Imkerkag in Bad=Nauheim.
Bad=Nauheim, 29. Juli.
Der Deutſche Imkerbund hat für ſeine „Deutſche Imkertagung”
die etwa eine Woche dauert, Bad=Nauheim auserwählt, um durch
eine Beleuchtung von der mediziniſchen Seite her die
Heilwirkun=
gen des Honigs und ſeine volkswirtſchaftliche und geſundheitliche
fördernde Bedeutung zu unterſtreichen. Nach den vorbereitenden
Sitzungen wurde die Tagung durch die Eröffnung einer großen
bienenwirtſchaftlichen Ausſtellung begonnen. Die vielſeitige und
ſehr groß angelegte Ausſtellung, die aus allen Teilen des Reiches
beſchickt iſt, zeigt, neben den für den Imker wichtigſten neueſten
Arbeitswerkzeugen aller Art die vielfache Verwendungsmöglichkeit
des Honigs als Volksnahrung und Heilmittel. — Beim Feſtakt
der Eröffnung der Ausſtellung ſprach zunächſt der Vorſitzende des
Naſſauiſchen Vereins für Bienenzucht Lehrer Wenig=
Oberſeel=
bach, der auf die Arbeit des Imkers für Volk und Vaterland
hin=
wies, die der Imker verrichtet, indem er weite Kreiſe der
Bevölke=
rung wieder in Verbindung mit der Heimaterde bringt und durch
die Zucht große Werte für die Volkswirtſchaft erarbeitet, die im
Jahre etwa 40 Millionen Mark an Werten für Honig und Wachs
betragen und dem Obſtbau und der Samenzucht aus der
beſtäuben=
den Tätigkeit der Bienen einen Wert von rund 400 Millionen Mk.
zuführen. Die Bienenzucht iſt die Wohltäterin unſeres Volkes.
Nutznießer der Bienen aber ſind nicht die Imker, ſondern die
All=
gemeinheit.
Aus Mainz und Rheinheſſen.
— Mainz, 29. Juli. Zivilrenten. Die Invaliden= und
Unfallrenten für Auguſt werden beim Poſtamt 1 (Bahnhofſtr. 2)
am Dienstag, den 1. Auguſt, gezahlt. Kaſſenſtunden 7.30 bis
12.30 und 15.00 bis 18.00 Uhr.
Be. Mainz, 29. Juli. Geländete Opfer des Rheins.
Am Freitag vormittag gelang es, zwei Opfer des Rheins an der,
Spitze der Ingelheimer Au und am Schloßtor im Rhein zu länden.
Im erſten Falle handelte es ſich um den 9jährigen Schüler Friedr.
Degen aus Mainz=Bretzenheim, der am Dienstag im Mombacher
Floßhafen, und um den 18jährigen Dentiſtpraktikanten Sattler
von hier, der am Montag bei einer Schwimmprüfung in einer
Rheinbadeanſtalt extrunken iſt. Außerdem wurde am
Freitag=
nachmittag an der Spitze der Ingelheimer Aue die Leiche des am
Dienstagabend beim Baden im offenen Rhein ertrunkenen 21
jäh=
rigen Kochs Gries aus Köln=Mühlheim, zuletzt auf dem
Schnell=
dampfer „Mainz” bedienſtet, geländet.
Vom Stahlhelm.
Der Stahlhelm B.d.F., Ortsgruppe Reinheim.
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AStahlhelmt Nächſter Pflichtabend: Dienstag, den 1. Auguſt,
abends 21 (9) Uhr, im Gaſthaus „Zum Schwanen”,
Reinheim. Erſcheinen aller Mitglieder iſt Pflicht. Wer am
Er=
ſcheinen verhindert iſt, hat ſich ſchriftlich unter Angabe der Gründe
bei mir zu entſchuldigen. — Sportdienſt jeden Freitag, ab abends
20.30 (8.30) Uhr im Hof des Gaſthauſes „Zum Schwanen”.
Hier=
zu haben alle aktiven Kameraden pünktlich zu erſcheinen.
(gez.) Stifel, Ortsgruppenführer.
Sonntag, 30. Juli 1933
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[ ← ][ ][ → ]Seite 10 — Nr. 209
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Sonntag, 30. Juli 1933
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Für die anläßlich unſerer Vermählung
erwieſenen Aufmerkſamkeiten und
Glückwünſche ſagen wir hierdurch
unſe=
ren herzlichſten Dank
Philipp Barth und Frau
Anni, geb. Müller.
Darmſtadt, Juli 1933.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme bei dem Hinſcheiden
meines lieben Gatten und Vaters
ſagen wir auf dieſem Wege,
be=
ſonders Herrn Pfarrer Weiß für
die tröſtenden Worte, ſowie dem
Orth’ſchen Männerchor für den
er=
hebenden Grabgeſang und
Kranz=
ſpenden, ebenſo dem
Karneval=
verein Beſſungen und allen, die
ihm das letzte Geleit gaben, unſeren
herzlichſten Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Liſa Eckers, geb. Schmitt
und Kinder. 9392
Statt Karten.
Dankſagung.
Für die herzliche Teilnahme, ſowie für die zahlreichen
Kranz= und Blumenſpenden beim Heimgang unſerer
lieben unvergeßlichen Mutter und Schwiegermutter
Mrau Hürn Daltet Bor.
geb. Lehrian
ſagen wir innigſten Dank. Ganz beſonders danken wir
Herrn Pfarrer Paul für ſeine überaus troſtreichen Worte
am Grabe. Auch dem Gewerbeverein Traiſa und
Frauen=
verein Traiſa aufrichtigen Dank für die
Kranznieder=
legungen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Martha Walter
Marie Walter
Johanna Walter
Philipp Walter
Fritz Hörr.
Traiſa, den 29. Juli 1933.
„Heſſiſcher Hof.”
Gott hat es in ſeinem unerforſchlichen Ratſchluß gefallen,
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durch einen tragiſchen Unglücksfall zu ſich zu nehmen.
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Seite 12 — Nr. 209
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Sonntag, 30. Jukk 1933
Hindenburg=Trophäe für das
inker=
nakionale Reitkurnier in Aachen.
Dieſer monumentale Pokal wurde von dem
Aachener Dom=Goldſchmied Bernhard. Witte
fertiggeſtellt und vom Reichspräſidenten für den
Kampf der Nationen im Aachener Reitturnier
geſtiftet. Der 57 Zentimeter hohe Pokal iſt
da=
mit ein Gegenſtück zu der „Coppa Muſſolini”
ge=
worden, die in dieſem Jahr endgültig von den
deutſchen Offiziersreitern gewonnen wurde.
Weihe eines Ehrenmals
für das Infankerie-Regk. v. Lühow
(1. Rhein.) Nr. 25 in Aachen.
Am 6. Auguſt 1933 wird an des Reiches
äußerſter Weſtgrenze, auf geſchichtlich
denkwür=
digem Boden ein Ehrenmal geweiht werden
zum ewigen Gedenken an alle, die im
Welt=
kriege in den Reihen des Inf.=Regiments v.
Lützow (1. Rhein.) Nr. 25 den Heldentod
ſtar=
ben. In der einſtigen freien Reichsſtadt Aachen
wurde der Marienturm, errichtet im Jahre
1512/13, zu einer Ehrenhalle umgebaut. Im
In=
nern iſt ein ſargartiges Grabmal aus dunklem
Aachener Marmor mit dem Bildnis eines
feld=
grauen Kriegers aufgeſtellt, das zum
unaus=
löſchlichen Gedenken unſerer Toten von einem
ewig lodernden Flammenzeichen aus einer
Bron=
zeſchale beſtrahlt wird.
Zu dieſem ruhmreichen Regiment haben auch
viele Heſſenſöhne in Beziehung geſtanden. 137
Offiziere und 3637 Unteroffiziere und
Mann=
ſchaften ſtarben im Weltkrieg den Tod fürs
Vaterland.
In tiefer Dankbarkeit und unwandelbarer
Treue zu den Toten ſcharen ſich die ehemaligen
Angehörigen des ſtolzen Regiments v. Lützow
zuſammen, um am Tage der Erſtürmung der
Feſte Lüttich, der erſten Waffentat des
Regi=
ments und der erſten toten Helden die
Gedächt=
nisſtätte zu weihen. — Es ergeht daher der Ruf
an alle Lützower im Vaterlande, wenn ſie nicht
an der Weiheſtunde teilnehmen können, an
die=
tem Tage ein ſtilles Gedenken dem ſiegreichen
alten Regiment und ſeinen Helden zu widmen.
Dem Inf.=Regt. v. Lützow ein Horridoh!
Das Balbo=Geſchwader kommt nicht nach Berlin.
Mailand. In einer Unterredung mit
einem Preſſevertreter über den Rückflug des
Balbo=Geſchwaders erklärte General Balbo u. a.,
er hoffe, mit ſeinem Geſchwader die Nordſtrecke
Neufundland—Irland fliegen zu können, da ſich
in Valentia in Irland ein ſicherer Hafen zum
Waſſern befände, während die Hafenfrage auf
den Azoren Schwierigkeiten bereiten würde. Die
Bewältigung der Nordſtrecke würde ihn auch
mit beſonderem Stolz erfüllen, da ſie das erſte
Mal von Waſſerflugzeugen beflogen werden
würde. Balbo erklärte weiter, daß er den
ge=
planten Flug nach den europäiſchen Ländern
nicht durchführen werde, da die ſich zwangsläufig
ergebenden Schwierigkeiten allzuſtarke
Anforde=
rungen an die Kräfte ſeiner Leute ſtellen
wür=
den. Das Geſchwader ſoll vielmehr von Irland
aus über den Golf von Biscaya und Bordeaux
nach Berre bei Marſeille fliegen und dort eine
letzte Zwiſchenwaſſerung vornehmen.
Den Niagara durchſchwommen.
Der 18jährige Amerikaner William Condrat
durchſchwamm als Erſter die Niagara=Fälle von
der amerikaniſchen nach der kanadiſchen Seite.
Bei der Ankunft wurde er jedoch in Haft
ge=
nommen, da nach einer Polizeivorſchrift das
Schwimmen im Niagara=Fall verboten iſt.
Henry Ford,
einer der allererſten und all die Jahrzehnte
hin=
durch erfolgreichſten Automobil=Konſtrukteure
der Welt, wurde am 30. Juli 1863 in Deaborn
(Michigan=USA.) geboren. Durch ſeinen
Aus=
bau des Produktions=Prozeſſes am laufenden
Band und durch die ſtrenge Durchführung des
Taylor=Syſtems gilt er vielen
Wirtſchafts=
führern als Vorbild. Auch heute noch kann er
zu den reichſten Männern der Welt gezählt
werden. Viele Millionen dieſes Reichtums
fließen alljährlich wohltätigen Zwecken zu.
Der dreitägige Deutſchland=Rundflug 1933, der am 24. Auguſt beginnen wird.
Der Start an jedem Tag iſt in Berlin, von wo aus die drei Flugzeug=Klaſſen jeweils verſchieder
Strecken zurückzulegen haben. Von den 135 Fliegern, die ihre Nennungen abgegeben haben, müſſ
35 zurückgewieſen werden, da die Ausſchreibung aus rechniſchen Gründen eine Anzahl von
100 Flugzeugen zuläßt.
Reich und Ausland.
„Der gegenwärkige Lukher.”
Wittenbergs Ausſtellung zum Lutherjahr.
In der Lutherhalle zu Wittenberg, dem
be=
rühmten reformationsgeſchichtlichen Muſeum im
Wohnhauſe Luthers, iſt jetzt die anläßlich des
450. Geburtstages des Reformators veranſtairete
Sonderausſtellung „Der gegenwärtige Luther”
eröffnet worden. Bilder, Plaſtiken und
Medail=
len, Bücher und Schriften erläutern die
Be=
deutung Luthers für die Gegenwart. Neben
Ori=
ginalausgaben der Schriften Luthers zu Fragen,
die heute wieder aktuell ſind — wie z. B. zur
Frage Kirche, Obrigkeit und Staat oder zur
Ehefrage — zeigt die Ausſtellung moderne
Lutherausgaben von der bisher 75bändigen
Weimarer Lutherausgabe bis zur kleinſten
Ein=
zelſchrift. In der Abteilung „Das moderne
Lutherbild” ſieht man u. a. den Bronzekopf des
Bildhauers Trumph und Corinths berühmtes
Bild „Luther als Bekenner”, Luthers Weſen und
Geſtalt, vom geſchriebenen Wort bis zur
künſt=
leriſchen Auffaſſung und Anſchauung in Bild,
Buch, Filmſtreifen und Lichtbild wird
veran=
ſchaulicht. Die eigentliche Lutherfeier
Witten=
bergs mit Gottesdienſten, Markt= und
Schloß=
feſtſpielen, Feierſtunden im Refektorium und
einem Feſtzug findet im September in Ve=
bin=
dung mit der 50=Jahrfeier der im vorigen Jahre
großzügig ausgeſtalteten Lutherhalle ſtatt.
Schweres Unwetker im Erzgebirge.
Ernte faſt völlig vernichtet.
Chemnitz. Das ſchwere Unwetter, das am
Freitag abend über dem Erzgebirge niederging,
hat großen Schaden angerichtet. Die Ernte iſt
faſt ganz vernichtet. Hagelſchlag zertrümmerte
zahlreiche Fenſterſcheiben. Der Hagel lag
ſtellen=
weiſe ſo dicht, daß die Gegend wie eine
Winter=
landſchaft ausſah. Die Verkehrswege ſind durch
Wolkenbrüche teilweiſe unpaſſierbar geworden.
Auch die Waldungen wurden ſtark verwüſtet.
Der Fernſprechverkehr erlitt beträchtliche
Stö=
rungen. Vielfach wurden Dächer abgedeckt. Die
Feuerwehr und SA. leiſtete an gefährlichen
Stellen Hilfe.
Schweres Unwetter über Hofgaſtein.
Salzburg. Ueber Hofgaſtein ging in der
vergangenen Nacht während eines Gewitters
ein ſchwerer Wolkenbruch und Hagelſchlag
nie=
der. Die Bäche führten große Waſſermaſſen.
Baumſtämme, Felsblöcke und Hausrat wurden
mitgeriſſen. Viele Brücken wurden zerſtört,
ſie=
ben Bauerngehöfte, deren Bewohner flüchten
mußten, wurden ſchwer beſchädigt.
Ein halbes Dorf eingeäſcherk.
Stettin. Freitag mittag brach in einer
Scheune eines Landwirts in Amalienhof (Kreis
Kammin) Feuer aus, das infolge des
herrſchen=
den Windes raſch um ſich griff und das halbe
Dorf in Aſche legte. Die Feuerwehren ſtanden
dem großen Brand machtlos gegenüber.
Vier Perſonen erkrunken.
Aſchaffenburg. Beim Baden im Main
ertrank ein zehnjähriger Junge. Er ging
ver=
ſchiedene Male unter, doch glaubten die übrigen
Badegäſte, der Junge mache Tauchübungen. Als
man ihn ſpäter aus dem Waſſer zog, waren
Wie=
derbelebungsverſuche ohne Erfolg. —
Vermut=
lich an den Folgen eines Herzſchlages ertrank
der 63jährige Garteninſpektor Chriſtian
Reuth=
lingshöfer, der ſich noch kurz zuvor mit den
Badegäſten über den tragiſchen Tod des
zehn=
jährigen Jungen unterhalten hatte. — In dem
benachbarten Rottenberg badete der 19jährige
Max Steigerwald in erhitztem Zuſtand in einem
See, der ſich in einem Kalkſteinbruch gebildet
hatte. Auch hier blieben
Wiederbelebungsver=
ſuche ohne Erfolg. — In Mainflingen ſtürzte
ein 5jähriger Junge beim Spielen am Mainufer
ins Waſſer und ertrank.
Aufo=König Ford 70 Jahre alk.
Der Miniſterpräſident ſchreitet die Front der ihn begrüßenden Verbände ab.
Er begab ſich dann zu dem internationalen Reit= und Fahrturnier, um dort der im Großen Preis
der Nationen ſiegreichen Offiziersreitermannſchaft den neugeſtifteten Hindenburgpokal zu überreichen.
Millionen pilgern zum Heiligen Rock in Trier.
Links oben: Biſchof Dr. Bornewaſſer und das Trierer Domkapitel bei einem Empfang
auswär=
tiger Pilgerſcharen an der Schwelle des Domes. — Links unten: Jeden Morgen werden
Ge=
brechliche und Altersſchwache durch Sanitäter und SA.=Leute zur Verehrung der heiligen Reliquie
gebracht. — Rechts: Das Ziel der Pilger und das Wahrzeichen der alten Biſchofsſtadt, der Dom,
der die Reliquie birgt. Auf ihm weht eine große Chriſtusfahne. Im Vordergrund das Marktkreuz
aus der Römerzeit.
Sonntag, 30. Juli 1933
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 209 — Seite 13
Sienerelelierangen firerfasveſchaffängen
Der Sinn des Geſehes: Wirkſchaftsbelebung durch Erſatbeſchaffung. — Die wirtſchaftliche Bedeukung
der Skeuerfreiheik für Erſakbeſchaffungen.
Amkliche Erläukerungen zum Geſek.
Vom Reichsfinanzminiſterium werden „Erläuterungen zum
Geſetz über Steuerfreiheit für Erſatzbeſchaffungen” veröffentlicht.
Dieſe Erläuterungen ſind für alle diejenigen, die mithelfen
wol=
len am Wiederaufbau unſerer Volkswirtſchaft, an der
Zurückfüh=
rung der Arbeitsloſen in Arbeit und Brot gemäß dem großen
Ziele des Führers von ganz beſonderer Bedeutung. Die
Erläute=
rungen, die die Unterſchrift des Staatsſekretärs Pg. Reinhardt
tragen, und die in der Reichsdruckerei gedruckt worden ſind, ſind
in acht Abſchnitte gegliedert. Für die Allgemeinheit von
beſonde=
rem Intereſſe dürften die Abſchnitte I (Begründung des Geſetzes),
IV (auf welche Gegenſtände erſtreckt ſich die Steuerfreiheit?) ſein.
Die Erläuterungen ſind im allgemeinverſtändlichen Stil
geſchrie=
ben, ſo daß jedem die Lektüre wertvoll und möglich ſein dürfte.
Es heißt in den genannten Abſchnitten u. a.:
Die Begründung des Geſehzes.
Die Aufnahme e der deutſchen Volkswirtſchaft an neuen Maſchinen betrug (in Preiſen von 1933): im Jahre 1913: 2 650 Millionen RM., 1928: 2655 1929: 2440 1930: 1860 1931: 1280 1932: 765 Dieſe Käufe ſind bis auf einen kleinen Reſt bei inländiſchen
Maſchinenfabriken getätigt worden. Der kleine Reſt entfällt auf
die Einfuhr von Maſchinen aus dem Ausland. Die Geſamtumſätze
der deutſchen Maſchineninduſtrie ſind größer als die Aufnahme
der deutſchen Volkswirtſchaft an neuen Maſchinen; denn die
deutſche Maſchineninduſtrie führt auch deutſche Maſchinen in
fremde Volkswirtſchaften aus. Die Amſätze der deutſchen
Maſchi=
neninduſtrie betrugen (in Preiſen von 1933) in Millionen RM.:
im Inland: im Ausland: insgeſamt:
Aus dieſen Zahlen ergibt ſich der bedeutende
Rückgang der Umſähe in der deutſchen
Maſchineninduſtrie.
Der Rückgang entfällt im weſentlichen auf die Inlandsumſätze.
Die Inlandsumſätze ſind von 2480 Millionen Reichsmark im Jahr
1928 auf 720 Millionen Reichsmark im Jahr 1932 zurückgegangen.
Dieſer Rückgang beträgt 71,0 vom Hundert. Die Auslandsumſätze
ſind von 1025 Millionen Reichsmark im Jahr 1928 auf 720
Mil=
lionen Reichsmark im Jahr 1932 zurückgegangen. Das ſind 29,8
vom Hundert. Der Rückgang des Geſamtumſatzes von 3505
Mil=
lionen Reichsmark im Jahr 1928 auf 1440 Millionen Reichsmark
im Jahr 1932 beträgt 58,9 vom Hundert.
Die Lage der deutſchen Maſchineninduſtrie hat ſich am erſten
Halbjahr 1933 weiter verſchlechtert. Es iſt zwar der Eingang an
Inlandsaufträgen gegenüber dem zweiten Halbjahr 1932 um 11
vom Hundert geſtiegen, der Eingang an Auslandsaufträgen iſt
jedoch um mehr als 40 vom Hundert zurückgegangen. Die Zunahme
an Inlandsaufträgen hat nicht ausgereicht, um den Rückgang an
Auslandsaufträgen auszugleichen. Der geſamte Auftragseingang
weiſt infolgedeſſen einen Rückgang von 13 vom Hundert auf.
Die Enkwicklung der Umſähe in der
Maſchinen=
induſtrie iſtenicht ohne Einwirkung auf die Zahl der
Beſchäftigken in dieſer Induſtrie.
Dieſe betrug im Maſchinenbau:
im Jahre 1913: 600 000 Mann.
1928: 660 000
1932: 280 000
im Juni 1933: 250 000
Es ſind demnach von 1928 bis Juni 1933 410 000 Arbeiter
und Angeſtellte im Maſchinenbau arbeitslos geworden.
In die Entwicklung der Beſchäftigtenzahl muß auch die Zahl
derjenigen Volksgenoſſen einbezogen werden, die in den
Vorindu=
ſtrien des deutſchen Maſchinenbaues für den deutſchen
Maſchinen=
bau beſchäftigt werden. Die Vorinduſtrien ſind diejenigen, die den
Maſchinenbau mit Rohſtoffen und Hilfsſtoffen beliefern. In dieſen
Vorinduſtrien des deutſchen Maſchinenbaues betrug die Zahl der
für den deutſchen Maſchinenbau beſchäftigten Arbeiter und
Ange=
ſtellten:
im Jahre 1913: 180 000 Mann
„ „ 1928: 198 000 „
„ „ 1932: 84000
im Juni 1933: 75 000
In den Vorinduſtrien des deutſchen Maſchinenbaues ſind
dem=
nach von 1928 bis Juni 1933 123 000 Arbeiter und Angeſtellte
ar=
beitslos geworden.
Wenn wir dann an den Güterverkehr und an den Handel
den=
ken, die von dem Rückgang der Umſätze in der Maſchineninduſtrie
betroffen ſind, und an den Rückgang des Verbrauchs der aus der
Arbeit ausgeſchiedenen Arbeiter und Angeſtellten, ſo kommen wir
auf rund 550 000 Volksgenoſſen, deren gegenwärtige
Arbeitsloſig=
keit auf den Rückgang der Aufträge in der deutſchen
Maſchinen=
induſtrie zurückzuführen iſt.
Die dargeſtellke Enkwicklung iſt nichk ohne Einwirkung
auf die Finanzen des Reiches, der Länder
und Gemeinden geweſen.
Das Aufkommen an Steuern und Sozialbeiträgen iſt
zurück=
gegangen, weil Umſätze, Einkommen und Verbrauch
zurückgegan=
gen ſind, und der Finanzbedarf für die Arbeitsloſenfürſorge iſt
geſtiegen, weil die Zahl der Arbeitsloſen geſtiegen iſt. Der
Aus=
fall an Steuern und Sozialbeiträgen infolge des Rückganges der
Umſätze in der Maſchineninduſtrie beträgt heute mindeſtens rund
400 Millionen RM. jährlich gegenüber dem Jahre 1928. Der
Finanzbedarf für die Unterſtützung von 550 000 Arbeitsloſen
be=
trägt 275 Millionen RM. Die geſamte Verſchlechterung der Lage
der öffentlichen Haushalte infolge des Rückganges der
Maſchinen=
induſtrie beträgt demnach 675 Millionen RM., davon 400
Millio=
nen RM. Rückgang auf der Einnahmenſeite und 275 Millionen
RM. Mehrbedarf auf der Ausgabenſeite.
Von den Umſätzen in der Maſchineninduſtrie ſind bisher rund
70 v. H. auf Erſatzbeſchaffungen und 30 v. H. auf neue Betriebe
und Betriebserweiterungen entfallen. Der Verein Deutſcher
Ma=
ſchinenbau=Anſtalten gibt den Wert des normalen Erſatzbedarfs
der deutſchen Wirtſchaft in heutigen Preiſen mit 1,9 Milliarden
RM. jährlich an, und zwar:
1600 Millionen RM. Maſchinenerſatz, ohne Landmaſchinen
und Lokomotiven,
210 Millionen RM. Landmaſchinen,
90 Millionen RM. Lokomotivenerſatz.
Der Betrag der Erſatzbeſchaffungen hat jedoch im Jahre 1932
nur rund 535 Millionen Reichsmark, im Jahre 1931 nur rund
900 Millionen Reichsmark und im Jahre 1930 rund 1302
Millio=
nen Reichsmark und im Jahre 1929 rund 1708 Millionen
Reichs=
markt betragen.
Wenn die deutſche Wirtſchaft auf den Stand beiſpielsweiſe
von 1928 gebracht würde, ſo würde der Betrag für jährliche
Erſatz=
beſchaffungen an Maſchinen gegenüber dem Bedarf von 1932
zwangsläufig um 1325 Millionen Reichsmark ſteigen.
Die Reichsregierung Adolf Hitler iſt entſchloſſen, die deutſche
Wirtſchaft ſo ſchnell wie möglich auf die Höhe zu bringen. Die
zwangsläufige Folge davon wird ein erhöhter Verbrauch an
Ma=
ſchinen, eine Erhöhung des Maſchinenumſatzes, die Zurückführung
von mindeſtens 550 000 Arbeitern und Angeſtellten in die
Pro=
duktion und eine Verbeſſerung der öffentlichen Finanzen um etwa
675 Millionen Reichsmark jährlich ſein.
Es hat bisher an dem Glauben an eine baldige
Wiederbe=
lebung der deutſchen Wirtſchaft gefehlt. Das Geſetz zur
Verminde=
rung der Arbeitsloſigkeit vom 1. Juni 1933, das Geſetz über
Steuererleichterungen vom 15. Juli 1933 und andere Maßnahmen
der Reichsregierung Adolf Hitler ſind darauf abgeſtellt, Glauben
an eine baldige Belebung der deutſchen Wirtſchaft zu erwecken und
die Unternehmungsluſt anzuregen.
Es iſt ſicher, daß in Auswirkung der verſchiedenen geſetzlichen
Maßnahmen die Nachfrage nach Gütern jeglicher Art in den
näch=
ſten Monaten bedeutend ſteigen wird, und daß infolgedeſſen die
Belegſchaftsziffern erhöht und viele Maſchinen erneuert werden
müſſen. Die Unternehmer anzuregen, rechtzeitig vorzuſorgen und
auf dieſe Weiſe auch von ſich aus unmittelbar zur Belebung der
Wirtſchaft beizutragen, das iſt der Zweck der Geſetze über Steuer=
freiheit für Erſatzbeſchaffung vom 1. Juni 1933 und über
Steuer=
erleichterungen vom 15. Juli 1933.
Auf welche Gegenſtände erfkreckt ſich die
Stenerfreiheik?
Die Steuerfreiheit erſtreckt ſich dem Geſetz gemäß auf „
Maſchi=
nen, Geräte und ähnliche Gegenſtände des gewerblichen oder
land=
wirtſchaftlichen Anlagekapitals”. Unter „ähnlichen” Gegenſtänden
in dieſem Sinne ſind „ſonſtige‟ Gegenſtände des gewerblichen oder
landwirtſchaftlichen Anlagekapitals gemeint. Die Steuerfreiheit
erſtreckt ſich auf alle beweglichen, körperlichen Gegenſtände (
Mo=
bilien) des Anlagekapitals, einerlei, ob ſie ſelbſtändige
Gegen=
ſtände oder Teile von ſelbſtändigen Gegenſtänden ſind.
Ausge=
nommen von der Steuerfreiheit für Erſatzbeſchaffungen ſind:
1. alle unbeweglichen Gegenſtände des Anlagekapitals, alſo
Ge=
bäude, bauliche Anlagen (z. B. Maſchinenhallen) und
Grund=
ſtücke (Immobilien),
2. von den beweglichen Gegenſtänden des Anlagekapitals die
Tiere (lebendes Inventar),
3. alle Rechte (Patente uſw.).
Als bewegliche Gegenſtände im Sinn des Geſetzes gelten
auch alle Maſchinen, Geräte uſw., die mit dem Grund und
Boden oder mit dem Gebäude ſo feſt verbunden ſind, daß ſie
nach den Vorſchriften des bürgerlichen Rechts als weſentliche
Beſtandteile des Grundſtücks oder des Gebäudes anzuſehen ſind.
Als Gegenſtände im Sinn des Geſetzes kommen zum
Bei=
ſpiel die folgenden in betracht:
1. Maſchinen, Keſſel, Apparate, Werkzeuge und mechaniſche
Vorrichtungen jeglicher Art, ohne Rückſicht darauf, ob ſie der
Erzeugung, der Bearbeitung oder der Verwaltung dienen.
Zu den Gegenſtänden, die der Erzeugung oder der
Bear=
beitung dienen, gehören nicht nur Fabrikationsmaſchinen
uſw. ſondern ſelbſtverſtändlich auch landwirtſchaftliche
Maſchinen und Vorrichtungen, wie z. B. Düngemaſchinen,
Sämaſchinen, Pflanzmaſchinen, Erntemaſchinen,
Dreſch=
maſchinen, Milchentrahmmaſchinen und dergleichen. Zu den
Maſchinen und mechaniſchen Vorrichtungen, die der
Ve=
waltung dienen, gehören beiſpielsweiſe Schreibmaſchinen,
Rechenmaſchinen, Regiſtrierkaſſen uſw.
2. Beim Druckereigewerbe auch Buchdrucklettern. Meſſinglinien
und dergleichen.
3. Zugmaſchinen, Traktoren einſchl. Anhängewagen.
4. Fahrzeuge aller Art, zum Fahren auf Schienen oder nicht,
in Verbindung mit Antriebmaſchinen oder nicht, zum
Bei=
ſpiel Laſtkraftwagen, Perſonenkraftwagen, Krafträder,
Fahr=
räder und dergleichen.
5. Röntgenapparate. Diathermieapparate, Sauerſtoffapparate,
Anlagen für mediziniſche Bäder und dergleichen.
6. Fernſprechanlagen, Rundfunkapparate, Klaviere und
Spiek=
werke.
7. Alle Einrichtungsgegenſtände in Büroräumen,
Verkaufs=
räumen, Lagerräumen und Ausſtellungsräumen, zum
Bei=
ſpiel: Schränke, Tiſche, Stühle und Regale aller Art, Teppiche,
Fußbodenbelag, Einrichtungsgegenſtäinde für Unterkunfts=
und Erholungsräume von Angeſtellten und Arbeitern.
8. Alle in ein Schiff eingebauten Maſchinen, Geräte uſw. und
alles dem Schiff dienende Inventar. Das Schiff als ſolches
gilt nicht als bewegliches Anlagekapital im Sinn des G=; es ſteht den Gebäuden und baulichen Anlagen gleich.
9. Backöfen, Röſtöfen, Heizungsanbagen, Entlüftungsanlagen
und ähnliche Anlagen.
10. Feuerlöſchapparate und ähnliche Einrichtungen.
Die Abgrenzung der Maſchinen, Geräte und ähnlichen
Gegen=
ſtänden des beweglichen Anlagekapitals von den Gebäuden und
baulichen Anlagen, die nicht als Erſatzgegenſtände im Sinn des
Geſetzes in Betracht kommen, wird nicht immer leicht ſein. Alles,
was das Ergebnis von Hochbaugrbeiten und Tiefbauarbeiten
iſt, wird grundſätzlich nicht als beweglicher Gegenſtand des
Anlagekapitals anzuſehen ſein. Hier iſt insbeſondere an
Maſchinengebäude, Bürogebäude, Drainageanlagen, Wegeanlagen
und dergleichen gedacht. Alle dieſe ſind nicht
Anlagegegen=
ſtände im Sinn des Geſetzes. Oft wird ein Gegenſtand des
Anlagekapitals zum Teil das Ergebnis von Hochbau und
Tief=
bau, zum Teil das Ergebnis der Maſchineninduſtrie oder
der=
gleichen ſein, ſo zum Beiſpiel bei ortsfeſten Maſchinen (
Dampf=
keſſeln u. dgl.) bei Perſonenaufzügen und bei Laſtaufzügen, die
mit dem Grund und Boden oder mit dem Gebäude ſo feſt
ver=
bunden ſind, daß ſie als weſentliche Beſtandteile des
Grund=
ſtücks anzuſehen ſind. Hier erſtreckt ſich die Steuerfreiheit nur
auf die eigentlichen Maſchinen einſchließkich etwaiger
Montage=
koſten. Soweit darüber hinaus Hochbauten und Tiefbauten für
die Aufſtellung erforderlich geworden ſind, finden die
Vor=
ſchriften des Geſetzes über Steuerfreiheit für Erſatzbeſchaffungen
nicht Anwendung. Die dafür entſtandenen Koſten müſſen, ſoweit
ſie nicht als laufende Betriebsausgaben voll abgeſetzt werden
können, aktiviert und im Abſchreibungsverfahren auf die Jahre
der Nutzung verteilt werden. Bei der Gelegenheit ſei
aller=
dings auf § 1 des Geſetzes über Steuererleichterungen vom
15. Juli 1933 (Steuerermäßigung für Inſtandſetzungen und
Ergänzungen an Betriebsgebäuden) hingewieſen, wonach auch
Inſtandſetzungen und Ergänzungen an Betriebsgebäuden
ſteuer=
lich begünſtigt ſind.
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Seite 14 — Nr. 209
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Sonntag, 30. Juli 1933
Bilder vom Deutſchen Turnfeſt in Stuttgart.
Blick auf das herrliche Schwimmſtadion während eines Waſſerballkampfes.
Wolf Hirth erfreute die Turnerſchar durch einen ſchönen Segelflug über dem Cannſtatter Waſen
und landete dann mitten auf der Feſtwieſe.
Der geſunde Bau der Deutſchen Turnerſchaft.
Programmaliſche Rede des Reichsſporkführers und Führers der Deutſchen Turnerſchaft v. Tſchammer=Oſten.
Der Samskag. — Abſchluß der Wekkkämpfe.
im Rahmen der deukſchen Sporkbewegung.
Der Reichsſportführer v. Tſchammer und Oſten hielt auf dem
Deutſchen Turnertag ſeine bereits angekündigte programmatiſche
Rede. Nachdem er dem bisherigen Führer der Deutſchen
Turner=
ſchaft, Dr. Edmund Neuendorff, für die von ihm geleiſtete Arbeit
gedankt hatte, führte er u. a. aus
Ich übernehme in der Deutſchen Turnerſchaft, darüber iſt
wohl kein Zweifel, einen vollendeten Bau. Der Bau iſt gut und
geſund, und wird ſo bleiben. Es iſt müßig, ihn in ſeinen
Funda=
menten verändern zu wollen. So ein herrliches Menſchenmaterial,
wie wir es in der DT. haben, werden wir Nationalſozialiſten
be=
glückt annehmen, um mit der DT. den Weg gemeinſam zu gehen.
Die bisherige Arbeit der DT. war ja meiſt den beſtehenden
Ver=
hältniſſen angepaßt. Heute iſt dus nicht mehr ſo; denn die D—.
ſteht im Staat. Damit erhebt natürlich auch der
National=
ſozialismus Anſpruch auf Führung in vollem Umfange.
Was obliegt der DT. nun für eine Aufgabe, um ihren
Orga=
nismus ſo in den Rahmen der deutſchen Sportbewegung
hinein=
zubringen, daß ihre eigenen Aufgaben erhalten bleiben? Im
Rahmen des Reichsſportführerringes hat die DT. ihre Stelle. Es
handelt ſich darum, daß wir von Etappe zu Etappe eine Gliederung
der Sportverbände in den großen Rahmen der Fachverbände ſo
vornehmen, daß jeder Fachverband leitend und führend iſt und
richtunggebend in Organiſation. Aufbau und Leitung der
betrei=
fenden Leibesübungen und Wettkämpfe bleibt. Das iſt das große
Zugeſtändnis, das die DT. an die Fachverbände zu machen hat.
Die DT. erhebt nun mit Recht Anſpruch darauf, in den
Fachver=
bänden mitzuführen. Man darf nicht immer von Morgen ſprechen,
ſondern muß an das große Ganze denken. Man muß ſich von der
Vereinspolitik, von der egozentriſchen Einſtellung freimachen,
dar=
über hinauswachſen!
Der Kalk muß jetzt verſchwinden. Das verlangt die Jugend
einfach.
Der Weg der 2. T. iſt vorgezeichnet.
Mit 1½ Millionen Menſchen darf nicht Schindluder
getrie=
ben werden. Die DT. hat vor allem höchſte ideelle Volksaufgaben
zu löſen. Wir wollen das ganze Volk in die nationalſozialiſtiſche
Bewegung holen. Ich will Männer haben, die freudig
mitar=
beiten. Ich kenne keine Prinzipienreiterei. „Ich will ſie zum
SA.=Geiſt Adolf Hitlers heranziehen und das deutſche
Sport=
leben ſo geſtalten, daß wir es in Zukunft als konſolidiert
an=
ſehen können.
Wenn heute viele Turnbrüder noch gegen den „
internatio=
nalen Sport” zu Felde ziehen, ſo muß ich ihnen ſagen: Wir
trei=
ben den internationalen Sport doch nicht um eines gewiſſen
ſportlichen Anſehens willen. Wir haben auf dem Gebiet der
in=
ternationalen Politik nicht allzuviel Aktippoſten. Einer aber iſt
der Sport. Wir wollen ganz ſtraffe Organiſierung und die
deutſche Jugend nicht zur Spitzenleiſtung im Rekordſyſtem, zum
Kampfemſatz erziehen.
Die Aufgaben für die nächſten Wochen und
Monate ſind etwa folgende: Ich werde mir in der DT. einen
Kreis von Mitarbeitern zuſammenziehen, mit dem ich ſchaffen
kann. Schon die hervorragende Leitung des Deutſchen
Turn=
feſtes verbürgt dafür, daß ganz hervorragende Kräfte vorhanden
ſind. Fexner will ich mit einem engen Kreis von Führern der
DT. und des Deutſchen Turnerbundes einen Zuſammenſchluß auf
Gedeih und Verderb herbeiführen. Meine Herren vom
Turner=
bund! Sie waren Vorkämpfer unſerer nationalſozialiſtiſchen
Ge=
danken. DT. und Turnerbund, gebt euch nun die Hand und zeigt
euch als deutſche Brüder. Dann muß es gehen!
Weikere Enkſcheidungen am Freitag abend.
Im Laufe des Freitagabends fielen in Stuttgart noch in
verſchiedenen Wettbewerben weitere Entſcheidungen. Außerdem
gab es in der Hauptkampfbahn vor 50 000 begeiſterten Zuſchauern
eine Anzahl von Sondervorführungen der
verſchie=
denſten turneriſchen Uebungen und Bewegungsformen. Die
Dunkelheit war bereits längſt hereingebrochen, als zum Schluß
noch die Muſterſchule Hannover, unter Leitung von Carl Loges,
in die Kampfbahn trat. Hier ſah man Gipfelleiſtungen von
tur=
neriſchen, rhythmiſchen und tänzeriſchen Darbietungen. Den
Ab=
ſchluß bildete die Uraufführung des Sprech= und Bewegungschors
Aufbruch” von Rudolf Bach. Als die letzten Worte des
Chores verklungen waren, ſtimmte die Menge ſpontan das
Deutſchlandlied an.
In der Stadthalle fand zur gleichen Zeit eine volksdeutſche
Kundgebung der Grenz= und Auslandsdeutſchen ſtatt, bei der auch
Reichsaußenminiſter von Neurath das Wort ergriff.
Ueber die Bewertung des Gauturnens, an dem
bekanntlich 42 000 Turner und 15 000 Turnerinnen teilnahmen,
hört man, daß alle Gaue mit dem Prädikat „Sehr gut”
aus=
gezeignet worden ſind.
In den ſpäten Abendſtunden wurden auch die Kämpfe im
Florettfechten abgeſchloſſen. Gegen Mitternacht wurden
die folgenden Ergebniſſe mitgeteilt: Florettfechten der Turner:
1. Heim TV. Offenbach, 8 Siege; 2 Kolbinger=München, 7Siege;
3. Thomſon=Offenbach, 6 Siege; 4. Wollermann=Hannover, 4 Siege;
5. Jakob=Frankfurt, 3 Siege. — Florettfechten der Turnerinnen:
Olga Oelkers, TV. Offenbach, 8 Siege; 2. Ella Haß, TV.
Offenbach, 7 Siege; 3. J. Jüngſt, TG. Bürgel b. Offenbach,
6 Siege; 4. Heyer=Köln; 5. Oslob=Leipzig.
Die Ruderregatta des Akademiſchen Turner=Bunds auf
dem Neckar erbrachte folgende Sieger; Zweiter Vierer: ATV.
Berlin; 2. Gig=Vierer: Schwaben Heilbronn; 1. Vierer: Ulmer
RG. Donau; 1. Einer: Steinle=Cannſtatt; Gig.=Vierer:
Schwa=
ben Heilbronn; Ermunterungs=Vierer: Kurmark Berlin;
Gefal=
lenen=Gedächtnis=Achter: 1. Ulmer RG. Donau, 2. Cannſtadt.
Der letzte Wettkampftag des Deutſchen Turnfeſtes begann
bei ſtrahlend blauem Himmel. In den Mittagsſtunden zogen
dann allerdings Gewitter herauf, jedoch gab es nur leichte
Nie=
derſchläge, ſo daß die Wettkampftätigkeit nur unweſentlich
be=
einflußt wurde. Von früh um 6 Uhr ab bis in die ſpäten
Abendſtunden hinein kämpften noch einmal auf allen Bahnen
Tauſende von Turnern um den ſchlichten Eichenkranz der den
Turnfeſtſieger auszeichnet. Schlag auf Schlag fielen allenthalben
die Entſcheidungen. Manche gute Leiſtung konnte verzeichnet
werden. Zwiſchendurch gab es auch wieder eine Anzahl von
Son=
der=Vorführungen. So begeiſterten ſich am Vormittag 30 000
Zu=
ſchauer in der Hauptkampfbahn an dem Turnen der
Schwei=
zer aus Zürich und St. Gallen. Weiter ſind zu erwähnen das
Singen und Tanzen der Jugend auf den verſchiedenen Plätzen
der Stadt; das Turnen der württembergiſchen Schutzpolizei, die
„Vorführungen der Wehrmacht”, durch den Lehrgang für
Leibes=
übungen in Wünsdorf und Mürwyk ſowie ſchließlich die „
Na=
tionale Feierſtunde‟ Ein Rieſenheer von Turnern und
Turnerinnen aller Gaue marſchierte zu dieſer Feierſtunde hinter
einem Wald von Bannern auf der Feſtwieſe auf. Machtvoll
er=
tönte das gemeinſame Lied „Turner auf zum Streite”, Packend
waren die verſchiedenen Anſprachen, von denen die des
Reichs=
miniſters Göbbels jubelnden Widerhall fand. Dem
Deutſchlandlied ſchloß ſich ein erhebendes Gelöbnis der Maſſen
zu Volk und Vaterland an.
Weitere Enkſcheidungskämpfe in Skukkgark.
Handballendſpiel: ATG. Gera ſchlägt CSV. Eßlingen 4:3. nach
Verlängerung.
Fauſtballendſpiel: TG. Schweinfurt beſiegt Hamburg=
Rothen=
burgort 42:21 (20:10), Titelverteidiger Lichtluftbad in der
Vorentſcheidung gegen Rothenburgort ausgeſchieden.
Waſſerballendſpiel: „TG. Mühlhauſen gegen Turnclub Hannover
8:5 (3:2).
Schlagballendſpiel (Turner): Gutheil=Arbergen ſchlägt (38:7)
Johann Weſterbauer=Hagen 47:30.
Tennisendſpiel: Herreneinzel: Wille=Stuttgart gegen
Mer=
tus=Hindenburg 6:3 (8:6).
Dameneinzel: Maria
Wacker=Dresden gegen Lotte Wiſtinghauſen=Naumburg 6:2
6:0 — Herrendoppel: Wille-Baumann (Stuttgart)
gegen Held—Schröter (Anhalt) 6:3, 6:2. —
Damendop=
pel; Wiſtinghauſen—Hahn (Naumburg) gegen John—Noth
(Anhalt) 2:6, 6:1, 6:1. — Gemiſchtdoppel; Wacker—
Rudolph gegen Roloff-Preußer (Köln) 6:2, 4:6, 6:4
Säbelfechten=Entſcheidung: 1. Hain=Offenbach 8 Siege: 2. Wahl,
CV. 60, Frankfurt a. M., 7 Siege; 3. Eſſer=Düſſeldorf.
Siege der Darmſtädter Turner und Turnerinnen.
Wannemacher, Tgeſ. 1875 Darmſtadt: 18.
Sie=
gerin, beſte Turnerin des Main=Rhein=Bezirks.
Weitere Erfolge der Darmſtädter: Die Turner der
Turn=
gemeinde 1846 errangen folgende Punkte und ſind
dem=
nach Sieger: Fiedler 195. Blumenſchein 195. Kam 180, Schwinn
170. Alle turnten Zwölf=Kampf. Die Turnerinnen Schönner
und Hartmann errangen im Volkstümlichen Fünf=Kampf 72.
bzw. 74 Punkte. Rieble von der Turngemeinde errang die
Min=
deſtzahl 75.
Rundfunk=Programme.
Handball.
Sp.V. 98 — Haſſia Bingen.
Auf das heute um 3 Uhr auf dem Stadion am Böllenfalltor
ſtattfindende Handballſpiel obiger Mannſchaften ſei hiermit
noch=
mals ganz beſonders hingewieſen. Haſſia Bingen verfügt über
eine ſehr ſpielſtarke Handballmannſchaft, die in ſämtlichen
Mann=
ſchaftsteilen mit überaus guten Spielern beſetzt iſt. Ganz beſonders
iſt jedoch die Stürmerreihe hervorzuheben, da jeder einzelne einen
geſunden und genauen Torſchuß anzuwenden in der Lage iſt. Die
98er haben in ihrem letzten Spiel gegen die hieſige Polizei
er=
wieſen, daß auch ſie ihre Spielſtärke wieder gehoben haben. Man
darf daher auf den Ausgang des Spieles ſohr geſpannt ſein und
den Zuſchauern den Beſuch dieſes Spieles beſonders empfehlen.
Vorher ſpielt die 3. der 98er gegen die 1. Mannſchaft des
Sport=
vereins Weiterſtadt.
Ringen.
Polizeiſportverein — Stadtſtaffel Köln.
Auf das heute vormittag, um 10 Uhr, auf dem
Polizeiſport=
platz, ſtattfindende Treffen obiger Mannſchaften ſei nochmals
hingewieſen. Ueber die Mannſchaftsaufſtellung iſt ja bereits das
Weſentlichſte geſagt. Feſt ſteht, daß man in dieſem Treffen ganz
ausgezeichnete Kämpfe zu ſehen bekommt. Weiterhin ſteht feſt,
daß die Darmſtädter Mannſchaft alles daranſetzen wird, um ſich
ehrenvoll aus der Affäre zu ziehen. Daß es keine leichte Aufgabe
iſt, dürfte jedem Kenner klar ſein, denn die bekannten Größen
der Stadtmannſchaft wiſſen auch zu kämpfen. Geſpannt darf man
beſonders auf das Abſchneiden von Siebert gegen ſeinen
Lehr=
meiſter, den mehrfachen Deutſchen Meiſter Müller ſein. Die
Ein=
trittspreiſe ſind äußerſt niedrig gehalten, es koſtet für alle
uni=
formierten Poliziſten, ſowie SS. SA. und Stahlhelm 20 Pfg.,
für die übrigen 40 Pfg. Außerdem ſtehen bequeme Sitzplätze
auf der Tribüne zum Preiſe von 50 Pfg. zur Verfügung. Falls
es regnen ſollte, iſt Vorſorge getroffen, daß die Veranſtaltung in
der Polizeiſporthalle, Eſchollbrücker Struße 24, ſtattfinden kann.
63 Meldungen ſind bisher für den 14. Nationalen Rhön=
Segelflug=Wettbewerb beim Deutſchen Luftſportverband
einge=
gangen; davon wurden 54 zugelaſſen.
Zwiſchenſender: Kaſſel (219), Trier (259,3)
Gleichbleibende Werktags=Vortragsfolge. 6.00 u. 6.30: Gymnaſtik.
7: Nachrichten, Wetter. o 8.15: Waſſerſtand. o 11:
Werbe=
konzert. O 11.45: Zeit, Nachrichten, Vortragsanſage,
Wirtſchafts=
meldungen. 13.15: Nachrichten, Wetter. o 14: Nachrichten. o 15:
Gießener Wetterbericht Anſchl.: Obſervatorium Aachen: Wetter
für Eifel= und Moſelgebiet (Sa. 15.20). 0 15.10: Zeit
Wirtſchafts=
meldungen (Sa. 15.25): O 16.25 (Mi. 16.30) und 17.45:
Wirt=
ſchaftsmeldungen 6 18.50 (Sa. 18.25): Zeit, Programm, Wetter,
Wirtſchaftsmeldungen.
Frankfurt: Sonntag, 30. Juli
6.15: Hamburg: Hafenkonzert. Ein Seemannsgruß aus dem
burger Hafen. Die Glocken vom Großen Michel.
8.15: Waſſerſtand. Wetter.
8.30: Saarbrücken: Katholiſche Morgenfeier.
9.20: 15. Deutſches Turnfeſt Stuttgart 1933: Feſtzug der 150 000.
10.00: Stunde des Chorgeſangs. Ausf.: Männergeſangverein „
Lie=
derkranz”, Andernach. Ltg.: Johannes Brahm.
11.00: Das neue Menſchenaffenhaus im Frankfurter Zoo u. ſeine
Bewohner. Sprecher: Direktor Dr. Priemel u. Wilh. Platt
11.20: Heiligtumsfahrt nach Trier. Hörbericht.
11.40: Der Wille zur Macht. Friedrich Hielſcher: Zum 35.
Todes=
tag Bismards.
12.00: Mittagskonzert des Südfunkorcheſters. Ltg.: Ferd. Droſt.
13.00: Mittagskonzert. Ausf.: Das Peter=Quartett.
14.00: Zehnminutendienſt der Landwirtſchaftskammer Wiesbaden:
Rundgang durch die Maſchinenſchau der DLG. 1933 Berlin.
14.10: Stunde des Landes. Dr. Fabian: Zweckmäßige Erntegeräte
und Erntemaſchinen. — Dr. Karl Schlitt: Stoppelſruchtbau
und Gründüngung im Bauernbetrieb.
15.00: Kaſperleſtunde: Kaſperle in Indien.
16.00: Konzert des Städt. Kurorcheſters, Wiesbaden.
18.00: Sportbericht mit Bericht über die Frankfurter Regatta, die
erſtmalig aut d. neuen Strecke Stauſtufe Griesheim ſtattfindet
18.30: 15. Deutſches Turnfeſt Stuttgart 1933: Das hohe Lied
des deutſchen Turnertums. Höhepunkt und Ausklang des
15. Deutſchen Turnfeſtes
20.00: Vom Deutſchlandſender: Tanzabend.
22.20: Zeit. Nachrichten, Wetter, Sport.”
22.45: Berlin: Tanzmuſit der Kapelle Oskar Joſt.
Königswuſterhauſen.
Deutſchlandſender: Gleichbleibende Werktags=Vortragsfolge: 5.45:
Wetter für die Landwirtſchaft. o 6: Gymnaſtik. o 6.15: Wetter
für die Landwirtſchaft, Wiederholung der wichtigſten
Abendnachrich=
ten o 6.20: Tagesſpruch, Morgenchoral. — Anſchl.: Frühkonzert
O 835: Gymnaſtik für die Frau. o 10: Neueſte Nachrichten. o
11.15: Deutſcher Seewetterbericht. 12: Wetter für den Landwirt.
— Anſchl.: Konzert. — Wiederholung des Wetterberichts. o
12.55: Zeitzeichen der Deutſchen Seewarte. o 13 45: Nachrichten
14: Konzert e 15.30: Wetter Börſe. o 18.50: Wetter für
die Landwirtſchaft — Kurzbericht des Drahtloſen Dienſtes. o
22.45: Deutſcher Seewetterbericht.
6.00:
6.15
8.00
8.55:
11.00:
11.15:
11.30:
12.00:
12.55:
13.00:
14.00:
15.00:
15.30;
16.00:
17.25:
18.25:
20.00:
22.00:
22.45
23.00:
Deutſchlandſender: Sonntag, 30. Juli
Wiederholung der wichtigſten Abendnachrichten; Tagesſpruch;
Berlin: Funkgymnaſtik.
Morgenchoral. — Anſchl.: Hamburger Hafenkonzert.
Stunde der Scholle.
Aus der Erlöſerkirche: Morgenfeier. — Die Glocken der
Erlöſerkirche. — 9.30: Ruſſiſcher Berliner Kirchenchor ſingt
Kirchen= und Volkslieder. — 10.05: Berlin: Wetter.
Joſeph Goebbels: Aus: „Michäel, ein deutſches Tagebuch.”
Deutſcher Seewetterbericht.
Zur Unterhaltung: Im Dorfkrug.
Mittags=Ständchen. Muſikzug der SS.=Standarte 44.
Zeitzeichen der Deutſche Seewarte.
Leipzig: „Mittagskonzert. Das Sinfonieorcheſter.
Bremen= Stunde d. Hitlerjugend: Jungbauerntreffen t. Jever
Kindertheater= Bange machen gilt nicht. Hörſpiel.
Wie Bayreuth wurde und was Bayreuth iſt. Ein Aufriß.
von Hans Lebede.
Bad Altheide: Konzert des oberſchleſiſchen
Landestheater=
orcheſters. Ltg.: Albin Eſchrich.
Das Waldbauernbübl. Eine Hörfolge aus den Werken
Peter Roſeggers von Erich Fortner.
Stuttgart: 15. Deutſches Turnfeſt in Stuttgart 1933: Das
hohe Lied des deutſchen Turnertums. Höhepunkt und
Aus=
klang des 15. Deutſchen Turnfeſtes.
Unterhaltungs= u. Tanzmuſik. Orcheſter Dransmann.
Wetter=, Tages= und Sportnachrichten.
Deutſcher Seewetterbericht.
Berlin= Tonzmuſik. Kapelle Oscar Jooſt.
Weiterbericht.
Durch die nördliche Störungstätigkeit wird jetzt auch unſer
Gebiet berührt, ſo daß ozeaniſche Luft zum Eindringen kommt.
Sie wird etwas Abkühlung bringen, außerdem den
Witterungs=
charakter veränderlich geſtalten und zu vereinzelten Niederſchlägen
führen.
Ausſichten für Sonntag: Leicht wechſelnd wolkig, mit
Aufhei=
terung, etwas kühler, zeitweiſe Niederſchläge, teils gewitterhaften
Art, um Weſten drehende Winde.
Ausſichten für Montag: Noch wechſelnd wolkig, mit
Aufheite=
rung, meiſt trocken, kühl, weſtliche Winde.
Hauptſchriftleitung: J. V.: Max Streeſe
Verantwortlich ür Politſk: J. V.: Andreas Bauer: für Feuilleton, Reich urd
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: J. V.: Dr. C. H. Queiſchy
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer
für „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort: Ur Herbert Neite:
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mittelungen: Willy Kuhle;
Druck und Verlag: L. C. Witiſch — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkrivte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen
Die heutige Nummer hat 26 Geiten.
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Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Sonntag, 30. Juli 1933
Nr. 209 — Seite 15
TatiIS TSaade
Original-Roman
von
Hans Hirthammer
38
Nachdruck verbot
„Nun ja!” begann er endlich zögernd. „Es mag ganz gut ſein,
wenn du jetzt ſchon aus meinem Munde die Wahrheit erfährſt.
— Prenner iſt wohl die längſte Zeit hier herumgeſtiegen!“
„Iſt das dein Ernſt?‟
„Allerdings! — Aber was ich dir jetzt ſage, iſt für keine
frem=
den Ohren beſtimmt. Nun, Prenner iſt ein Halunke. Ein Glück,
daß ich ihm rechtzeitig auf die Schliche kam, ſonſt wäre wohl die
Fabrik zum Teufel gegangen.”
Paul Märckl war vor Schreck und Erſtaunen ganz blaß
ge=
worden. Er dachte an Frau Jenny. Jener Nachmittag, als er ſie
von der Bank nach Hauſe gefahren hatte, fiel ihm wieder ein.
„Tja, mein braver Kompagnon hat ſich als ein ganz
geriſſe=
ner Betrüger entpuppt. Ich bin in der letzten Zeit — mein
Ver=
dachk beſtand ſchon ſeit Monaten — beträchtlichen Unterſchlagungen
auf die Spur gekommen. Er hat ſeinen Geſchäftsanteil bis auf den
letzten Heller verſpekuliert, und jetzt ſollte durch ein raffiniertes
Betrugsmanöver auch mein Geld an die Reihe kommen. Ein
Teil des Betriebskapitals ſcheint ſchon verloren zu ſein, doch
hoffe ich, daß wir uns noch etwas davon erholen können.”
„Das — iſt ja entſetzlich!” ſtotterte Märckl. „Aber was wird
nun mit Herrn Prenner geſchehen?”
Buſſe lächelte ſarkaſtiſch. „Die Beweiſe für ſeine Verfehlungen
werden bald geſammelt ſein. Mein Anwalt wird ſie dann für die
Anklage zuſammenſtellen.”
„Aber — wenn Prenner Wind bekommt und ſich vorher aus
dem Staub macht?”
„Dafür iſt es zu ſpät! Zwar ſcheint er bis jetzt von dem
Bevorſtehenden keine Ahnung zu haben, aber ſelbſt wenn er
Ver=
dacht ſchöpfte — ich habe dafür geſorgt, daß er uns nicht
ent=
wiſchen kann. Die Polizei iſt unterrichtet und hat Prenner unter
Beobachtung geſtellt. In dem Augenblick, da er die Stadt verlaſſen
wollte, würde er verhaftet werden.”
„Mein Gott!” flüſterte Märckl. „Welch ein Glück, daß Frau
Jenny von dieſen ſchrecklichen Dingen verſchont bleibt! Wenn ſie
dieſe Nachricht erfährt —
„Na — und?” wunderte ſich Buſſe. „Sie kann ſich doch in ihrer
Lage nichts Beſſeres wünſchen. Prenner hätte nie in die
Schei=
dung gewilligt, wahrſcheinlich, weil er ſich der Frau für weitere
Manöver bedienen wollte. Nun aber, nach ſeiner Verurteilung,
dürfte Frau Prenners Scheidungsklage keinen Schwierigkeiten
mehr begegnen.”
Märckl ſchien das eben Gehörte immer noch nicht faſſen zu
können. „Es iſt ſchrecklich!” ſagte er und ſchüttelte den Kopf.
„Was ich dir ſagte, bleibt natürlich vorläufig unter uns —
Und nun laß dich nicht länger von deiner Arbeit abhalten! Und
vergiß nicht, deiner Mutter zu ſchreiben!“
Mit der Arbeit hatte es an dieſem Tag freilich ſeine
Schwie=
rigkeiten. Märckl mußte ſich ſehr zuſammen nehmen, um ſeine
Ver=
ſtörtheit nicht zu verraten.
Jennys Schickſal ging ihm nicht aus dem Kopf. Seit er
da=
mals das Geld zurückerhalten hatte, war keine Nachricht mehr
von ihr gekommen.
Wo mochte Sie ſein? Hatte ſie wirklich kein Wort mehr für
ihm? Sie mußte doch wiſſen, wie ſehr er um ſie litt. Wie eine
Ab=
ſage war ihm die nüchterne Anweiſung erſchienen. Kein Wort des
Grußes auf dem Poſtabſchnitt!
Und nun ſtand ihr dieſe neue Erſchütterung bevor. Wie gern
hätte er ihr geſchrieben und ſie ſeiner unwandelbaren Zuneigung
verſichert!
Paul Märckl atmete auf, als endlich die Stunde des
Feier=
abends ſchlug. Während er in die Villa hinüberging, fiel ihm ein,
daß es ſich ja in Zukunft hier angenehmer leben würde. Zwar
hatte er keinen Grund gehabt, Prenner auszuweichen, aber die
Be=
gegnungen im Hauſe, das ſtändige Aneinandervorbeigehen war
peinlich geweſen.
Vor der Freitreppe traf Märckl einen jungen Mann in
ver=
ſtaubtem Overall. Er lehnte eben ſein Motorrad an die Wand.
Märckl mußte unwillkürlich lächeln. Das war wohl dieſer
ulkige Berliner Zeitungsmenſch, der Lieſe Bergius für ein
Dienſt=
mädchen hielt! Sie hatte es, ihm vor ein paar Tagen erzählt.
Er wollte an dem Fremden vorbei ins Haus gehen, doch
Hilde=
brand hielt ihn an.
„Einen Momang, junger Mann — können Sie mir ſagen —
ich möchte gerne Fräulein Bergius ſprechen.”
„Ich werde ſofort nach ihr ſehen!” verſprach Paul Märckl
liebenswürdig.
Er ging ins Haus und traf Lieſe auf ihrem Zimmer, in die
Lektüre eines Buches vertieft.
„Hallo, Fräulein Lieſe! Sie bekommen Beſuch! Ein netter
junger Herr möchte Sie ſprechen!“
„Machen Sie keine Witze!” ſtotterte Lieſe.
Märckl lachte. „Wenn ich’s Ihnen ſage! Er ſteht drunten an
der Haustüre, hat ein Motorrad bei ſich und ſpricht preußiſchen
Dialekt.”
Lieſe hätte vor Ueberraſchung faſt das Buch fallen laſſen. Sie
ſprang auf und eilte die Treppe hinab. Aber ſtatt das Haus zu
verlaſſen, ſchwenkte ſie in die Küche ein, wo Anne ſich eben mit
dem Oeffnen einer Oelſardinenbüchſe abquälte.
„Schnell, Anne, borgen Sie mir mal für ein paar Augenblicke
Ihre Schürze und Ihr ſchönes weißes Häubchen!“
Anne machte runde Augen. Einfälle hatte das Fräulein
manchmal! Einfälle!
Us Lieſe die diegſinächdlichen Inſianien angelegt hate, rat
ſie aus dem Haus.
Hildebrand wollte ihr gleich einen Kuß geben, aber ſie hielt
ihm beſchwörend die Hand vor den Mund.
„Sei doch vorſichtig! Ich könnte meine Stellung verlieren! —
Alſo wirklich, Hans, du biſt es! Ich hatte keine Ahnung, daß du
dich wieder hier in der Gegend herumtreibſt!“
„Es iſt aber doch ſo, wie du ſiehſt! Heute nachmittag bin ich
wieder in Nürnberg eingetroffen. Haſt du auch alle meine
An=
ſichtskarten bekommen?”
„Natürlich! Vielen Dank, du! Aber ich dachte, du wollteſt von
Köln gleich nach Berlin zurück?”
„Wollte ich auch! Aber — na ja, auf einmal packte mich die
Sehnſucht nach dir! Da entſchloß ich mich kurzerhand, den Umweg
über Nürnberg zu nehmen. Morgen muß ich weiter, aber — den
heutigen Abend mußt du mir ſchenken.”
„Du haſt leicht reden! Ich muß doch erſt ſehen, ob ich Ausgang
bekommen kann.”
„Wenn nicht, dann brennſt du einfach durch! Soviel muß ich
dir ſchon wert ſein!“
Lieſe lächelte.
„Und was iſt inzwiſchen aus deiner gnädigen Frau
gewor=
den?” forſchte er nach einer Weile. „Mein Freund fiebert danach,
zu erfahren, ob ſie ſich immer noch in jenem oberfränkiſchen
Kur=
ort aufhält.”
„Nein, dort iſt ſie längſt nicht mehr. Dein Freund ſcheint eine
beſondere Anziehungskraft auf ſie auszuüben. Du kannſt ſie
be=
ſuchen, wenn du wieder zu Hauſe biſt!“
Hildebrand riß die Augen auf. „Wieſo? Iſt ſie etwa in —
„Jawohl, in Berlin!” nickte Lieſe. „Kurfürſtenſtraße 17,
Pen=
ſion „Flora‟. Da ſtaunſt du, was!”
Allerdings, da ſtaunte Hildebrand. Jenny Prenner in
Ber=
lin! Dieſe Nachricht würde Wendrich eine Flaſche Sekt extra koſten.
„Ja — was macht ſie denn dort?” fragte er neugierig weiter.
Lieſe hob die Schultern. „Das weiß ich nicht. Sie hat mir
nur die Adreſſe mitgeteilt, weil ich ihr einige Sachen ſenden
mußte!"
Man vereinbarte einen Treffpunkt für den Abend. Dann
ſchwang ſich Hildebrand auf ſein Motorrad, um ſchnurſtracks zum
Poſtamt zu fahren. Dort gab er ſchleunigſt die koſtbare Depeſche
an Wendrich auf.
Lieſe Bergius war gedankenvoll ins Haus zurückgegangen.
Daß Hildebrand noch einmal nach Nürnberg kommen würde, hatte
ſie nicht erwartet. Es ſchien alſo doch ziemlich ernſt mit ihm zu
ſtehen!
Und ſie? — Ja, auch ſie mußte ſich geſtehen, daß es ihm
ge=
lungen war, ſich einen entſcheidenden Platz in ihrem Herzen zu
er=
obern. Und das nicht etwa erſt, ſeit er ihr jenes Geſtändnis
ab=
gelegt hatte. Sie hätte ihn auch geliebt, wenn er kein Redakteur
geweſen wäre, wenn er nicht die Anſtellung an dem großen
Ver=
lagshaus gehabt hätte. —
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[ ← ][ ][ → ]Sonntag, 30. Juli 1933
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 209 — Seite 17
DerHniit!
NTan deuſc!
Pauelmatit
Der Reichsminiſter für Ernährung und Landwirtſchaft, ſeine Mitarbeiter und Ziele
ſtand unter den Hakenkreuzfahnen des neuen Deutſchlands agrarpolitiſchen Apparates. Mit dieſem herausgebildeten
vereinigte.
Führerkorps iſt Darré dann in jenen denkwürdigen Herbſt=
Der Name Darre iſt heute jedem Landbewohner zu wahlkampf 1930 eingetreten. Und von dieſem Augenblick an
einem unumſtößlichen, glaubensſtarken Begriff geworden. macht ſich auch ein immer mehr anſteigender Einſatz im
Darré, wie eine ganze Anzahl nationalſozialiſtiſcher „Kampf um Stimme und Seele des deutſchen Bauerntums
Unterführer, Auslandsdeutſcher — er iſt 1895 in Argentinien bemerkbar. Immer mehr drang Darré mit ſeiner
entſchloſ=
geboren — hat als junger Diplomlandwirt ſeinen ſo einfluß= ſenen Gefolgſchaft in den Landbund, in die
Landwirtſchafts=
reichen Aufſtieg ohne die geringſten Beziehungen zu
maß=
gebenden Stellen gemacht. Seine klarliegende völkiſche
Ein=
ſtellung erſchwerte ihm oft genug dieſen Aufſtieg. Als ihn
andersdenkende, politiſch einflußreiche Stellen durch ein
amtliches Angebot” nach Südamerika loswerden wollten.
lehnte er entſchloſſen ab und verſuchte, ſich als unbekannter
Schriftſteller weiter durchzukämpfen. Aus dieſer Zeit ſtammt
ſein erſtes Werk „Das Bauerntum als Lebensquell der
nor=
diſchen Raſſe”, das mit Entſchiedenheit an Hand
wiſſenſchaft=
licher Studien die Bedeutung der nordiſchen Raſſe für das
deutſche Volkstum beweiſt. Als 1930 ſein Buch „Neuadel
aus Blut und Boden” erſchien, das aus wiſſenſchaftlicher
Er=
kenntnis wertvolle Schlüſſe auf praktiſche Beſtrebungen, auf
Volksgedanken und ſtaatspolitiſche Folgerungen zieht, hatte
Darre bereits die Aufmerkſamkeit beſtimmter Kreiſe auf ſich
gezogen.
Da bringt es der Zufall, daß er im gleichen Jahr Adolf
Hitler kennenlernt, der damals noch hart um die Ziele ſeiner
Idee ringen mußte. Am Schluſſe eines ſehr eingehenden
Ge=
ſpräches bittet Hitler Darre, in der ſicheren Erkennens, um
eine äußerſt wertvolle Kraft bereichert zu ſein, ſeinem Ruf
nach München Folge zu leiſten.
Links: Herbert Backe, Reichskommiſſar z. b. V. im Reichs
Als völlig unbekannter Politiker trat Darre dann ſeinen ernährungsminiſterium. — Rechts: Wilhelm Meinberg, der
Dienſt in der Reichsleitung an, um im Rahmen der natio= als geſchäftsführender Präſident des Reichslandbundes zu
nalſozialiſtiſchen Bewegung das deutſche Bauerntum zu or= den engſten Mikarbeitern des Reichsminiſters gehört.
ganiſieren. Gegen jede Erwartung beſtand das Reſultat
ſei=
ner Aufgabe nicht darin, den beſtehenden landwirtſchaftlichen kammern und weiteren Berufsverbände ein. Die ſtärkſten
Organiſationen einen neuen nationalſozialiſtiſchen Verein und ſicherſten Bataillone im Kampf für ſeine Idee erhielt
gegenüberzuſtellen, ſondern es gipfelte vielmehr in der Schaf= Adolf Hitler durch ſeinen agrarpolitiſchen Berater Darré.
fung einer neuen bäuerlichen Führerſchicht innerhalb des Die Kampfentſchloſſenheit, mit vollem Einſatz jedes einzelnen,
war in erſter Linie
ausſchlag=
gebend und mitentſcheidend
für die endgültige
Macht=
übernahme am 30. Jan. 1933.
Die Ernennung Darres
zum
Reichsernährungsmini=
ſter, der nun mit der
Füh=
rung der amtlichen
Agar=
politik zugleich auch die
Führung des geſamten
Bau=
ernſtandes übernommen hat,
wird eine entſcheidende, alle
Grundfeſten erfaſſende
Wandlung in der deutſchen
Agrarpolitik bringen. Seine
Berufung an
verantwort=
liche Stelle, die den
Vor=
wärtsſchauenden keineswegs
überraſchend kam, iſt das
Reſultat der zwangsläufigen
Neugeſtaltung des Staates
im Sinne der nationalen
Erhebung. Sie iſt — und
das beweiſt erſt vollkommen,
was Darre für das deutſche
Bauerntum bedeutet — ſeit
Beginn der deutſchen
Revo=
lution immer wieder
ſtür=
miſch gefordert worden.
Dar=
res Ernennung kann
des=
halb ſchon als eine der be=
Reichsbauernführer Darre ſpricht anläßlich ſeiner Ernennung zum Reichsminiſter für deutendſten Etappen im
Ernährung und Landwiriſchaft vor ſeinen Mitarbeitern. In der vorderen Reihe von Rahmen der
nationalſoziali=
links nach rechts, Stabsleiter Dr. Hermann Reiſchle, der ſoeben eine Broſchüre über ſtiſchen Revolution bezeichnet
Darre veröffenklichte; Gufsbeſitzer Slawik, der neuernannte Landesbauernführer für werden, denn damit hat ſie
Oberſchleſien; Bauernhofbeſitzer Huber, der neuernannke Landesbauernführer für auch in der amtlichen
Wirt=
ſchaftspolitik den Grundſatz
Baden, Miniſter Darre, ganz rechts ſein perſönlicher Adiukank von Zeppelin.
die Totalität realiſiert.
Darres Politik, die Wahl ſeiner Mitarbeiter wird eine
Bauernpolitik im wahrſten Sinne des Wortes
brin=
gen, ſein Name allein bürgt für das Programm.
Mit vollem Recht darf der deutſche Bauernſtand
ver=
trauensvoll auf ſeinen Reichsminiſter blicken, deſſen Weg im
Sinne ſeines Führers Adolf Hitler unter der Parole gehen
wird, daß die Erhaltung des deutſchen Bauerntums von nun
an unumſtößliche Tatſache iſt.
Links: Im Arbeitszimmer des Miniſters. Von links nach
rechts: Harro von Zeppelin, der perſönliche Adjukank;
Her=
bert Backe, M. d. L., Reichskommiſſar z. b. V.; Reichsminiſter
R. Walther Darré und Reichslandbundführer Wilhelm
Meinberg. — Unken: Der Reichsernährungsminiſter mit
ſeinem Adzukanken im Arbeitszimmer des
Reichsernährungs=
miniſteriums.
In ſeiner großen Rede auf der letzten Vollverſammlung
des Deutſchen Landwirtſchaftsrates hat Reichskanzler Adolf
Hitler ſehr treffend darauf hingewieſen, daß die hinter uns
liegende Erhebung überhaupt nicht durchführbar geweſen
wäre, wenn uns der ſtändige, beſtimmte Prozentſatz unſeres
Landvolkes dabei gefehlt hätte. Das bedeutet: untrennbar
iſt der Begriff Heimat und Bauerntum, Blut und
Scholle. Die tiefſte und geſündeſte Wurzel des
heimat=
lichen Bodens, ſein urſprünglichſter Quell iſt und bleibt das
Bauerntum, und ohne ſeine ſegensreiche Einwirkung und
Mitwirkung ſind Aufbau, Geſundung und Fortbeſtehen eines
Staates undenkbar.
Mit jenem prägnanten Hinweis hat der Kanzler nicht
nur tiefe Verbundenheit mit dem deutſchen Bauerntum
er=
neut dargelegt, ſondern er
hat zugleich einem ſeiner
nächſten Mitarbeiter ſeinem
agrarpolitiſchen Berater
dem Reichsbauernführer und
jetzigem
Reichsernährungs=
miniſter „R. Walther
Darre, die langverdiente
* Anerkennung in einem ganz
beſonderen Maße zuteil
wer=
den laſſen. Niemand anders
als Darre war es, der mit
einem kleinen Trupp
Men=
ſchen die nationalſozialiſtiſche
Revolution auf dem Lande
organiſierte und den Bauern=
Harro von Zeppelin, der
perſönliche Adjukank des
Reichsernährungsminiſſers.
Seite 18 — Nr. 209
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
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Aus einem Geſpräch
mit Wolfgang von Gronau
General Italo Balbo der italieniſche Luftfahrtminiſter,
deſſen Geſchwaderflug die Welt berechtigt in Erſtaunen verſetzt,
hat an den deutſchen Weltflieger Wolfgang von Gronau
ein Celegramm gerichtet, in dem er ihn als den Pionier
de=
zeichnet, der den nördlichen Weg von Europa nach Amerika
erſchloſſen hat. Dieſe ehrliche Würdigung eines führender
Fliegerkameraden einer befreundeten Nation iſt neben dem
per=
ſönlichen Dank für von Gronau eine Anerkenntnis der
Pionier=
arbeit der deutſchen Fliegerei überhaupt.
„Was wollen Sie wiſſen?‟ Das ſind die erſten Worte, kurz,
ſachlich und zielſtrebig, die der weltberühmte Flieger ſpricht, und
ſie charakteriſieren zugleich ſeine ganze Art. Ich will wiſſen,
was es auf ſich hat, wenn eine ſchlichte Seitungsnotiz von
„monatelangen, jahrelangen Vorbereitungen für einen
Welt=
flug” berichtet, möchte erfahren, wie ſolche Flugleiſtungen, die
Sie, Herr von Gronau, durchführten, eigentlich möglich wurden,
und welche Arbeit bis zu ihrem Gelingen nötig war. Urd da
kommt man auf die Ausbildung des Seefliegers zu ſprechen und
im beſonderen auf die gründliche Vorbereitung und Schulung
der Seeflieger in der Seefliegerſchule, einer beſonderen
Abteilung der Deutſchen Verkehrsfliegerſchule in
Warne=
münde, deren Leitung der berühmte Flieger Wolfgang von
Gronau hat.
Und Wolfgang von Gronau erzählt. Die Schüler, die zu uns
kommen, ſind ausgeſuchte Leute, die meiſt ein gutes Stück
Praxis in Motorenkunde und allem, was dazu gehört, hinter
ſich haben. Der Lehrgang, der rund vier Jahre in Anſpruch
nimmt, gliedert ſich in der Hauptſache in drei Ceile: in die
An=
fangsſtudien, bei denen der Lehrer im Flugzeug die Hauptrolle
ſpielt und ſeine Schüler über alles Wiſſensnötige unterrichtet,
in den Fortgeſchrittenen=Kurſus, bei dem der künftige Pilot
ſelbſt fliegen darf und der Lehrer ſozuſagen vom Boden aus
unterrichtet, und drittens in die theoretiſche Ausbildung, die
allerdings auch innerhalb der beiden Etappen vor ſich geht, als
geſonderte Gruppe aber die Aufgabe hat, den Schüler mit dem
geſamten Gebiet, mit dem Wiſſen und Können um das
See=
fliegen vertraut zu machen. Darunter fallen Kartenkunde,
Luft=
navigation, Wetterkunde und all die Spezialfächer über
Ge=
brauch der Inſtrumente uſw. Der Seeflieger muß in erſter Linie
auch Seemann ſein. Die praktiſche Ausbildung fordert deshalb
breiteſten Naum für die Aneignung ſeemänniſcher Fähigkeiten.
Unſere Schüler müſſen ſich in erſter Linie ſeemänniſch betätigen.
Das Flugboot iſt ja ſchließlich ein Seefahrzeug. Da muß man
ſegeln können, muß die Seeſtraßenordnung kennen, mit dem
Kompaß arbeiten. Nach intenſiver Ausbildung in den erſten
Grundbedingungen für ſeemänniſche Cüchtigkeit, die ein halbes
Jahr in Anſpruch nimmt, folgt ein weiteres halbes Jahr der
Ausbildung auf einem Segelſchulſchiff. Den Winter nimmt die
theoretiſche Ausbildung in Anſpruch, und unter ſie fällt in erſter
Linie die Ausbildung als Funker. Die praktiſche Betätigung
als Sunker iſt ebenſo wichtig wie das Fliegenkönnen. Ohne die
reſtloſe Beherrſchung der Funkentelegraphie iſt ein Seeflieger
ſuichts. Notlandungen, mit denen mit noch nicht ganz hundert=
prozentiger Sicherheit gerechnet werden muß, ſind alles andere,
als die Vorſilbe „Not” ausdrückt. Sie gehören dazu, und ſie
ſind ordungsgemäß durchzuführen, dafür muß eben jene
ſee=
männiſche Ausbildung Gewähr leiſten. Was in der Fliegerei
noch nicht gelöſt iſt, iſt die Landung im Nebel. Hier hilft
nur die Kenntnis und der Gebrauch der Funkinſtrumente. Wir
ſind, um ein Beiſpiel dafür zu nennen, auf unſerem Fluge im
Jahre 1931 von Grönland abgeflogen und in ſolch dichten Nebel
gekommen, daß wir das Waſſer nicht wieder geſehen haben.
Wir ſind trotzdem geflogen, weil die Bucht von Cartwright —
wo jetzt auch Balbo gelandet iſt — als nebelfrei gemeldet wurde.
Der Flug war ein abſolutes Beiſpiel funkentelegraphiſcher
Or=
tung. Und um die ſeemänniſche Cüchtigkeit, von der ich als
unerläßliche Vorbodingung für den künftigen Seeflieger ſprach,
unter Beweis zu ſtellen, könnte ich folgendes praktiſche
Bei=
ſpiel geben. Wir mußten auf unſerem Flug im Golf von
Ben=
galen vor der Birmaküſte landen. Ein Manöver, das bei
hohem Seegang keineswegs einfach war. Hier hieß es in erſter
Linie ſeemänniſch arbeiten. Die zweite Aufgabe nach dem
Niedergang auf das Waſſer war die Suche nach
funkentele-
graphiſcher Verbindung. Wir ſetzten uns auf Kurzwelle mit
Manila in Verbindung, erwiſchten dann ſchließlich auf
Lang=
weſte einen Dampfer, den wir funkentelegraphiſch zu unſerem
Landungsort dirigierten und der uns dann ſchließlich bis
Nangoon ſchleppte. Das ſind ein paar praktiſche Beiſpiele.
Auf meinen Flügen nehme ich mir die beſten Schüler der Schule
mit. Vor größere Aufgaben geſtellt, ſollen ſie hier in der
Praxis beweiſen, was ſie in der Schule gelernt haben. Die
Abſolventen der vierjährigen Ausbildung treten ihren Dienſt
in der Lufthanſa an, führen u. a. die Katapultflugzeuge.
Erin=
nert ſei an das Flugzeugſtationsſchiff „Weſtfalen” Sie tragen
daz bei, dem Seefliegen eine immer größere und wichtigere
Volle, ein ſtändiges Aufwärts zu ſichern. In dieſem
Zuſam=
menhang nach der Bedeutung des Geſchwaderfluges von
Balbo befragt, erklärt der Weltflieger von Gronau, daß dieſe
Leiſtung, das Führen eines ganzen Geſchwaders über den
Ozean, die zweite Etappe für das Seefliegen im
Weltverkehr bedeute. Er beglückwünſcht Balbo zu
ſei=
nem Unternehmen, zeigt mit Freude auf ein Bild mit ſeiner
eigenhändigen Unterſchrift, das neben dem Hermann Görings
hängt. Dann eilt er mit ſichtlicher Anteilnahme zu einer rieſigen
Karte, die an der Wand hängt, zeigt auf die Häfen, in denen
er ſelbſt gelandet iſt. Man fühlt, welch geheimes
Zuſammen=
arbeiten hier vor ſich geht, welch gemeinſames Siel hier erſtrebt
wird: Beherrſchung der Luft über See und Land trotz Nebel
und Sturm. Die Größe der Aufgabe, die Intenſität der Arbeit,
die in ſeiner Schule der kommenden Sliegergeneration gilt, iſt
der Garant für die ſtetige Entwicklung der deutſchen
See=
fliegerei, ohne deren Pionierarbeit — wie neidlos zugegeben
wird — Leiſtungen wie die eines Balbo gar nicht möglich
geweſen wären.
Unſere Bilder.
Oben: Wolfgang von Gronau bei einer
Beſichti=
gung ſeiner Schüler. Mitte: Am Startwagen wird
der Startſchuß für ein aufſtiegbereites
Waſſerflug=
zeug gegeben. Der Karren enthält alle
Signaliſie=
rungsgeräte. Links unten: 1) Das
Waſſerflug=
zeug fertig zum Aufſtieg; 2) Feierabend bei den
Ozeanfliegern. Das Flugzeug wird eingeholt. Der
Landungsſtrand iſt ein paar Meter aſphaltiert, damit
man die Maſchine leichter an das Ufer ziehen kann.
Unten rechts: Vor dem Start zum Uebungsflug
werden ſchnell noch eimige Erfahrungen ausgetauſcht.
Meiſt liegen ſie etwas ſchläfrig da mit dem
Doppelband ihrer Schienenſtränge, für halbe
Stunden ganz menſchenleer. Im kleinen
Sta=
tionsgebäude ticken die Signalapparate, oder
der Beamte ſteht am Fernſprecher und meldet
den Kaufleuten und Gaſtwirten der Umgegend,
welche Frachtſtücke für ſie eingetroffen ſind. Er
kann ſich Seit nehmen und perſönliche
Bemer=
kungen den Catſachen hinzufügen, er kommt
noch rechtzeitig an ſein kleines Schiebefenſter
zur Abgabe der Karten. Dann trappt es im
Vorraum von ſchweren Schritten, Männer und
Frauen ſchieben ſich heran. Cragkörbe auf dem
Rücken, Körbe am Arm, in wollener Kleidung
und rundem Hut oder dem dunklen Kopftuch der
Lauſitzer Bäuerin. Junge Leute führen ihr Nad
heran und plaudern mit Mädchen; Kinder ſehen
verfroren, aus ihren Umhüllungen. Sie alle
kommen reichlich früh und haben, ehe der Sug
einläuft, viel Seit zum Austauſch ihrer
Erleb=
niſſe. So geht ein Neden und Lachen hin und
her; jenſeits der Geleiſe, im Garten des
Sta=
tionsvorſtehers gackern die Hühner dazwiſchen.
Die Mittagsſonne belebt ſie trotz der
Früh=
lingsſchärfe der Luft. Voll
Unternehmungs=
geiſt flattern ſie über das Gitter und beginnen
im Walde umher zu picken, der Hahn ſtreicht
wichtig um ſie herum, in ſeinem goldrot
ſchil=
lernden Kleide wie ein Märchenvogel
anzu=
ſehen.
Durch den Kiefernſchlag läuft eine Schneiſe,
ein langer ſchmaler Weg, der am Ende blau
verdämmert. Er zieht die Blicke in ſich hinein;
man bekommt Sehnſucht, als müßte da am
Ende dieſes Weges eine Erfüllung ſtehen. Von
den Menſchen auf dem kleinen Bahnſteige
frei=
lich kommt wohl niemand auf ſolche Gedanken,
ſie wurzeln alle zu feſt im Leben, haben genug
zu tun mit ſeinen Wirklichkeiten, ob nun als
Eierverkäuferinnen oder Viebhändler, als
Spitzenhändlerinnen oder ſelbſtändige Bauern.
Auf ihren Geſichtern liegt Sriſche von der Eile
des Weges und in den warmen Wagen vierter
Klaſſe werden ſie in ein träges Hindämmern
ſinken, denn die Luft in dieſen Abteilen iſt
ſchwer und vereinigt die Düfte von Apfelſinen,
ländlich belegten Broten und vielgetragenen
Kleidern. Man liebt es nicht, hier unnötig oft
die Fenſter zu öffnen. Es kommt vor, daß auf
einer der kleinen Stationen mit höflichem Gruß
ein Mann einſteigt, ſich ſcheinbar harmlos unter
die Reiſenden miſcht und dann unverſehens
einen Koffer öffnet und mit lauten Worten
Hedwig
Forſtreuter
ſeine Ware anpreiſt: Pfefferminz, Bonbons
oder Früchte. Meiſt findet er Abnehmer unter
den ſo jäh Ueberfallenen und kann ſeine
Gro=
ſchen einſammeln.
In den Sommermonaten drängen ſich die
Gaben von Wald und Land in die Bahn.
Kin=
der mit Beerenkörben laufen durch die Sperre,
große Laſten von Pilzen werden verladen, wie
ſie in den Wäldern ringsum gedeihen. Dann
riecht es feucht und friſch nach Pfifferlingen
und Steinpilzen, nach Morcheln, Heidel= und
Preißelbeeren. Auch Waldmeiſterſträuße und
die blutroten Walderdbeeren, kühl in Blätter
verpackt, fahren von den kleinen Stationen nach
der Großſtadt hinein. So flutet der Lebensſtrom
ununterbrochenen Austauſches zwiſchen Stadt
und Land. Das Land gibt die Sriſchen von
Milch, Butter und Eiern, gibt die Geheimniſſe
ſeiner Wälder, die Strenge der Pilze und die
Süße der Beeren, gibt Cannengrün und jetzt
im Frühling die zartliche Weichheit der
Wei=
denkätzchen, das ſeine Goldgetropf der Haſeln
und die rötlichen feſteren Erlenkätzchen. Als
Gegengabe fließt Geld zurück, Geld zu
Klei=
dern, zum Kauf von Saatgut und Dünger und
auch zur bunten Kurzweil der Kinos und
Canz=
böden.
Die Reiſenden, die in Eilzügen
vorüberſau=
ſen, nehmen fälſchlich den Eindruck der
Welt=
verlorenheit von dieſen kleinen Dörfern und
Stationen mit. Wohl ſehen ſie verträumt und
öde aus mit ihren verſtreuten
Menſchengrup=
pen, mit den ſeltenen Gutswagen oder Autos
an der Sperre. Doch die Verträumtheit iſt
nur der Dinge Kleid und Sier. Unter ihr atmet
ein Leben, in ſeiner Art reicher und
eigenwüch-
ſiger als das Creiben der Stadt. Noch immer
läuten abends um ſechs die alten
Seldſteinkir=
chen den Abendgruß; es gibt noch weißhaarige
Bauern, die Dorfüberlieferungen berichten, und
Frauen, die Kräuter kennen und ſammeln, die
ſich bücken nach Kamille und
Cauſendgülden-
kraut, nach Salbei und Wolfsmilch.
Der Bahnhofsbeamte, der die Karten
ver=
kauft, meiſt derſelbe, der ſie an der Sperre auch
knipſt, neckt die Frauen mit ihrer Drudenweis=
heit, wenn ſie mit
den
Kräuterbün=
deln zum Apotheker
fahren, wie er faſt
alle Einſteigenden
der kleinen Station
kennt und weiß, zu
welchen
Beſorgun=
gen ſie die Stadt
aufſuchen. Er hebt
den Frauen die
Körbe an und hilft
alten Leuten bei
den Abteilſtufen.
Er iſt nicht der
zu=
rückhaltende
Be=
amte, ſondern ein
Menſch, der einen
kleinen
Wirkungs=
kreis bedächtig und
geruhſam ausfüllt.
Deshalb weht ſo
eine Luft von einſt,
ein Hauch vergangener Gemütlichkeit über die
Steige der Landbahnhöfe, mögen ſie nun in der
Lauſitz oder in der Mark, in Chüringen, Bayern
oder in der Rheinprovinz liegen. Man iſt
ent=
ſpannt, man hat Seit.
Selbſt die Uhren der Stationsgebäude
ſchei=
nen einen anderen Ausdruck zu tragen als
Großſtadtuhren: ſie zeigen ein breites,
beruhi=
gendes Lächeln. Nührt es daher, daß ſie unter
freiem Himmel hängen? Nur das
überſprin=
gende Dach des Stationshauſes ſchützt ſie ein
wenig. Licht und Wind hönnen ungehindert zu
ihnen heran, kein rußbeſtäubtes dunkelndes
Glasdach wie auf Großſtadtbahnhöfen ſpannt
ſich über ihnen. So kann die ländliche Station
ſich von der Sonne beſtrahlen laſſen und mit
dem Monde Swieſprache halten, der groß und
gelbſeiden über dem Walde ſteht. Vielleicht hat
ſie von ihm das ruhige Lächeln übernommen
und gibt es weiter an die Wartenden, die zu
ihr aufblicken.
„„HEIN
DENKENDER HUNDN
Jemand hak herausgefunden, daß „Lumpi” in
Wirklichkeit gar nicht leſen kaun, und nun
ſind ſeine „Frauchen” böſe .. . ."
Lange Seit hat man den Cieren jeglichen
Verſtand abgeſprochen.
Das war eine falſche Anſicht.
Seit zwanzig Jahren aber tauchen wiederum
Pferde oder Hunde bei dem oder jenem
Cier=
liebhaber auf, die halbe Genies ſein ſollen.
Be=
ſonders in der Nechenkunſt glänzen ſie und
übertreffen darin manchen Oberprimaner.
Ein ſolcher „denkender Hund” befindet, ſich
zur Seit in Weimar und hört auf den gar nicht
gelehrten Namen „Lumpi‟. Er iſt ein keines-
Miente
Der Weg zum Forſthaus
Von Wilhelm Michel.
Hinten im Waldtal, wo die Buchen tief auf
den Fahrweg hinabhängen, ſchlüpft der Pfad
ſchief in die Laubmaſſen hinein. Die ſchlagen
ſogleich hinter mir zuſammen, und unter den
Füßen ſpüre ich den anſteigenden Berg. In
hal=
ber Höhe kommt Kühle und Feuchte vom Boden
her; ein triefendes, bemooſtes Steinbecken am
Weg, darin gefangen die Quelle, dunkeläugig,
eiskühles Wallen, Blinken und Sickern. Die
Bank daneben deutet auf den Menſchen, der
ſeit Urzeiten gern die Geſellſchaft der Quellen
ſucht. Von oben herunter reißt die Schlucht jäh
uns Cal; Felſen zackig übereinander, ein
Wild=
bachbett, durch das jetzt nur grüngoldenes Licht
von der Höhe herabſtrömt. An der
Wegbie=
gung hebt drüben überm Cal die alte Burg den
Curm, eine ſchwarze Fahne oben am Maſt,
dar=
auf ein hohes gelbes Kreuz. Wie kommt ſie
hierher? Cief im Cal, neben dem Bach, ein dick
überwachſenes Mauerviereck, mit Grabkreuzen
gefüllt. Swei Lebensbäume ſtehen am Eingang,
mitten im heißen Sommernachmittag von
ſam=
tener, ſchlafſchwerer Nacht umhangen. Sie ſind
weit umher der dunkelſte Punkt.
Der Hochwald beginnt. Aber gleich reißt er
jäh wieder ab, und da hängt überall auf der
weiten Wölbung der Bergflanke blühendes
Heidekraut in dicken Büſchen; ganze Ballen
von geſträubten Niſpen, überſummt von Bienen
und Hummeln. Sonne iſt hier: Hitze und Süden.
Swiſchen den lila Polſterbänken der blühenden
Heide ſtehen die Farnſtauden, ſchon gebräunt
und vergilbt; aber überall zwiſchen quillt das
Saftgrün der jungen Kiefern.
Wie hoch bin ich ſchon oben! Das Fuhrwerk
im Cal iſt ſchon Nieſenſpielzeug geworden. In
die leeren Mauern der Burg ſehe ich mit
ſtei=
lem Winkel hinein. Von hier oben gehört ſie
ſchon zu den Caldingen. Nur das gelbe Kreuz
von der ſchwarzen Fahne blickt noch ernſt
her=
auf. Sonderbar ernſt. Die Fahne hängt ganz ſtill.
Hier oben aber geht Luft. Oſtwind läuft
ge=
duckt unter der Sonne einher, voll von der
Kühle aller Wälder, die er überflogen hat. Setzt
er einmal aus, dann iſt brütende Hitze,
Bienen=
ſummen und ſtillſtehende Seit. Aber gleich fährt
er lebendig wieder auf, männlich wie Luft aus
Selſen oder Domen, frei wie wehende
Him=
melsbläue. Er führt ein Wort mit ſich, das
heißt: Hohes Jahr — und bald iſt Herbſt.
Hier iſt die freie Höhe, und möſchtig darüber
die Wolken. Die Bäume ſtehen als rieſige
Schildwachen am neuen Abgrund.: Das Cal
hin=
ter mir iſt verſunken. Hier wäichſt das andere
Land heran, die andere Schau; die Berge, von
denen der Oſtwind kommt; das andere Cal; die
Wälder der Serne. Was haben ſie zu ſagen
und zu ſchenken?
Ich muß auf einem altgn Baumſtumpf Platz
nehmen; ich muß den Blick voll auf die fernen
Höhenlinien richten und den Oſtwind gewähren
laſſen, der in breiten, gebauſchten Stößen
daher-
kommt. Ich muß denken. Auch die Eidechſen
halten manchmal ſtill; die Bäume verſinken
manchmal in ein Schwengen und ſehen dann aus,
als lebten ſie mehr mit einer Innenkraft als
mit Sweigen und Laukwerk. Aber was ich hier
Denken nenne, das denke nicht ich. Der Wind
und die Ferne denken s mir zu. Die Gräſer um
mich, die Steine, die rdten Sederröschen denken
mit. Es bedenkt die Natur ihr Daſein, ihr
Heimweh und ihr GlüX.
Wenn es ein Wort gäbe, um dieſes
Beieinan=
der von Frieden und wunderbarer Friedloſigkeit
zu benennen! Ich habe Stunden gehabt, da ich
in das Leben eines Baumes geiſtig
hinüberge=
blickt habe wie ein ſehr armer Menſch in ein
Haus voll Wohlleben und Nuhe. Von Kind an
habe ich gemerkt, daß die Natur fortwährend
dem Menſchen etwas verſpricht. Es gibt Wege,
die um Bergecken führen mit einem ſo
beſtimm-
ten, planvollen Zug, daß man im Augenblick
weiß: hinter dieſer Biegung führen ſie
gerades=
wegs in das Glück. Durſtig überſieht man Cäler
und Höhen und weiß dabei: irgendwo in dieſem
Wald iſt der feſtliche Ort, wo das Leben ſich
erfüllt, die Stelle der Bedeutung und des
Aben-
teuers. Es hat alles, was man in der
Land=
ſchaft an Formen antrifft, einen
architektoni-
ſchen, einen behauſenden Sinn. Es wohnt
etwas in den Cannenſchatten, unter den Felſen.
Es geht etwas auf dieſen vielen ſinnbegabten
Wegen. Aber ſtill und ungreifbar geht es
im=
mer vor dem Wanderer her, keuſch tritt es in
die unſcheinbare Geſtalt der Naturdinge zurück.
Iſt das ein Sliehen?
Das Verſprochene hat ſich nie gezeigt. Aber
vielleicht habe ich es längſt gefunden, ohne es zu
wiſſen? Könnte das Seſtliche, das mir die Natur
verſprach, ſich nicht in dieſes Heimweh
ver=
kleidet haben, das tief und klar jetzt in mir
atmet? Die Höhe, die ſchöne Ferne, das Blicken
und Nuhen, dieſes einfache, gereinigte Fühlen
der Welt — hat nicht hier ein Glück die Hand
nit der Hand eines Schmerzes verſchränkt?
Atmen ſie nicht ruhig im gleichen Cakt mit mir
und dem Oſtwind? Iſt dies hier oben nicht
Heimwehſtunde und Seierſtunde zugleich?
Die Frage bebt mit einem glockenhaften
Schwingen durch die Seele. Ich halte mich, ſtill
wegs ſchöner, kurzhaariger Foxterrier,
grob=
knochig, aber — wie ſchon geſagt — verteufelt
klug. Seine Beſitzerinnen und Bewunderinnen
ſind zwei Damen. In der Seitſchrift für
Hunde=
forſchung beſchreibt Guſtav Kramer einen
Be=
ſuch bei Lumpi.
Guſtav Kramer gehört zu den Leuten, die
dem Gedankenreichtum der Hunde und Pferde
überaus zweifelnd gegenüberſtehen. Er ſagt
ſich: Wie äußert ſich denn das Denken dieſer
Ciere? Doch dadurch, daß ſie geſtellte Frager
beantworten. Und auf welche Weiſe
beantwor=
ten ſie dieſe Fragen? In einer ſehr
komplizier=
ten Weiſe. Nämlich durch eine Art
Morſe=
zeichen. Sie klopfen mit den Pfoten das
Alpha=
bet, oder ſie bellen es. Für das A alſo einmal
klopfen oder einmal bellen, für B zweimal
klop=
fen oder zweimal bellen uſw., bis zu 6 — 25mal
klopfen oder 25mal bellen.
Man kann ſich vorſtellen, wie ſo ein Hund
aufpaſſen muß, wenn er nur das einfache Wort
„Hundekuchen” klopfen ſoll.
Es iſt ſelbſtverſtändli.h, daß Lumpi leſen kann.
Denn viele Fragen ſtellt man ihm ſchriftlich.
Kramer bezweifelt, daß die Leſelunſt des
Hun=
des ſehr groß ſein kann. Denn Verſuche haben
gezeigt, daß der Hund höchſtens Dreieck,
Qua=
drat und Kreis voneinander unterſcheidet.
Wie ſollte er die komplizierten Siguren der
25 großen, 25 kleinen Buchſtaben=und der neun
Sahlen im kleinen Druck unterſcheiden können?
Unmöglich!
Aehnlich iſt es mit den gehörten Worten.
Selbſt wenn er Worte voneinander
unterſchei=
den kann, ſo gehört doch ſchon ein
Menſchen=
hirn (das der Hund ja nicht hat!) dazu, um der
Sinn der zu einem Satze aneinandergereihter
Worte zu verſtehen. Kurz, Kramer kam zu
dem Schluß, daß die richtigen Antworter
des Hundes dadurch entſtehen, daß er zu
klopfen oder bellen aufhört, wenn er
be=
merkt, daß ſein Herr es wünſcht.
Damit iſt nicht geſagt, daß der Herr ſchwindelt.
Sondern jedesmal, wenn die gewünſchte
Klopf=
zahl da iſt, tritt eine Entſpannung in der
Hal=
tung des Herrn ein, die für Menſchen vielleicht
nicht wahrnehmbar iſt, wohl aber für den Hund
Man hat die Bruſt des Fragenden mit einen
ganz feinen Negiſtrierapparat verbunden und
konnte daraus deutlich feſtſtellen, daß bei der
gewünſchten Sahl der Hebel des Apparates
einen deutlichen Ausſchlag gab, daß alſo eine
Entſpannung eintrat.
Es kam alſo darauf an, dem Hunde Fragen
zu ſtellen, die keiner der Anweſenden kennt.
Noch beſſer wäre es, wenn man den Fragenden
täuſchen könnte, etwa ſo: Man ſchreibt auf eint
durchſichtige Karte zwei Sahlen. Die eine Sahl
wird ſichtbar, wenn man auf die Karte ſieht
Die andere Sahl wird ſichtbar, wenn man die
Karte gegen das Licht hält und durch die Karte
lieht.
Dieſen Crick wandte Kramer bei ſeinem
Be=
ſuche der beiden Damen an. Er ſetzte die
Da=
men ſo, daß ſie gegen das Licht ſahen, alſo die
Karte im Durchblick laſen, den Hund ſo, daß er
mit dem Nücken gegen das Licht ſaß, alſo die
Karte im Daraufblick ſah. Die Damen wußten
nichts von dieſem Crick. Und was geſchah?
Als auf einer Karte für die Damen bei
der Durchſicht acht Punkte erſchienen,
für den Hund bei der Daraufſicht aber
nur vier, klopfte der Hund dennoch . . . 8.
Und das nächſte Mal klopfte er gar 34 (wie
es die Damen ſahen), während er, wenn er hätte
leſen können, nur vier hätte klopfen
ſollen.
Jetzt merkten die Damen, worauf es ankam.
verſchafften ſich gleichfalls die Daraufſicht der
Karten, und nun war der denkende Hund
wie=
der ein tadellos denkender Hund
Alles klappte!
Das war ein ſchöner Beweis, gegen den wohl
nicht viel zu ſagen iſt. Als Kramer die Damen
um die Erlaubnis eines zweiten Beſuches bat,
wurde ſie ihm verweigert . .."
A. H.
und laſſe ſie ausklingen, damit keine Störung
zurückbleibt. Dann ſtehe ich auf und gehe
lang=
ſam weiter, bis nach einigen Schritten wieder
das rechte Cempo da iſt für den Abſtieg in das
hochüberbuſchte, wipfelvolle Cal.
Da gibt es ſchmale Creppchen und Strecken
begraſter Fahrwege, dann wieder
Cannen=
dickicht mit glattem, benadeltem Boden. In
düſtere Halden ſchwingt der Pfad ein, nach den
Bergkehren ſchwingt er wieder aus. Die hohen
Ulmen und Buchen vom Calgrund wachſen
her=
an. Ein Brückchen führt über den Quellbach
zur Sohle, ans Forſthaus.
Das ſteckt tief hinten am Calende. Ein Acker=
und Wieſengrund liegt darum her, ein Quell
dabei, eine Nuhebank und ein Ciſch am begraſten
Abhang. Ein winziges Gärtchen ſchmiegt ſich
ans Haus, und darin iſt hinterm morſchen
Lat=
tenzaun ein Wuchern von Malven, Fingerhut
und Kaiſerkronen, die hier ſelig und
ſommer=
lang leben unter Waldrauſchen und
eingeſchla=
fener Seit.
Es iſt ein ſtillruhender Zuſtand, aufgebaut in
ausdrucksvollen Bildern. Aber ich bin in dieſem
Bild der dichteriſch Vorübergehende. „Cief
unten, da iſt ein Garten / Da wohnt eine ſchöne
Frau” ſingt ein Lied von Eichendorff — aber
die Spielleute ziehen am Garten vorbei, in die
unbekannte Welt. Dieſe Situation baut
Eichen=
dorff öfters auf: eine ruhende Szenerie, wo
hinter Gittern und Hecken die Zeit lächelnd
ver=
weilt, und draußen einer, der romantiſch
vor=
überwandert. Da geht dann die Sehnſucht hin
und her: der in der Nuhe lebt, hört draußen
das Poſthorn, wie es die Menſchen weit und
breit in die Welt verlockt; der vorübergeht,
weiß den Frieden oder die „ſchöne Frau” oder
die untreue Geliebte hinter den Hecken bei den
Es gibt Gegenſtände, Dinge der
Vergangen=
heit, die mir ſo deutlich ſind, daß ich nur die
Hugen, zu ſchließen brauche, um ihr Geſicht,
ihren Geruch und ihr Gefühl vollkommen zu
er=
leben. Habe ich ſie nicht tauſendmal betrachtet
und betaſtet auf dem Boden? Es war heiß dort
und ſchwül unter den Dachziegeln. Ich ſtemmte
die Dachluken auf, aber trotzdem gab es wenig
Licht. Wie Gefängnisgitter waren die Latten
der Swiſchenwände. Cief tauchte ich ein in die
Bäuche halbzertrümmerter Kiſten, zerriß mir
die Hände an ſtarrenden Nägeln und leckte das
Blut ab. Immer hatte ich Angſt, es käme wer
die Creppe herauf.
Seltſame Dinge fand ich:
Immer ſtand der Apoll von Belvedere mir
im Weg und klang hohl. Staub lag auf ſeinen
Locken und auf ſeinen Schultern aus Gips, und
wenn ich ihn wegſchob, zart, doch ablehnend,
dann bröckelte er etwas.
Da war das Geſtell des Damenrades. Auf
dem Kopf ſtand es aufgeſtützt auf Lenkſtange
und Sattel. Höchſt untechniſch waren die
aus=
gebogenen, verlöteten Stangen ſeines Nahmens
und bedeckt mit goldenen Noſenranken. Es trug
ein Netz über ſeinem Hinterteil, aus bunten
Wollfäden geknotet, mit Glasperlen darin und
oben mit Karabinerhaken in das durchlöcherte
Schutzblech eingehakt; es klapperten die
Häk=
chen. „Du ſteifbeiniges Geſtell”, redete ich es
an, griff ihm in die Speichen des Vorderrades,
gab ihnen Schwung — und es drehte ſich und
drehte ſich leiſe ſchwirrend mir im Rücken, und
klirrend glitt das Kettchen der Ventilklappe an
leiner Speiche auf und ab. Von Seit zu Seit
lah ich mich um: es kreiſt immer noch.
Da waren die Cennisſchläger meiner Eltern.
Ich faßte einen am Griff, und mein Geſicht
ver=
zog ſich breit: Was waren das für Dinger! Wie
Schmetterlingsnetze; oben kreisrund und
über-
gewichtig und unten ein dünnes Stöckchen dran.
Und ſo ſah es ja auch immer aus, wenn ſie
Cennis ſpielten, die Alten: als ob ſie
Schmet=
terlinge haſchen wollten in der Luft.
Die Keulen, das war ihr anderer Sport.
Häßliche Dinger wie Hühnerſchenkel, oben fett
und unten dürr und knochig, mit einem kleinen
Knauf. Nußbaum, poliert. In halberhobenen
Händen ließen ſie die Dinger kreiſen, als ob ſie
damit ſchmeißen wollten, aber ſie ſchmiſſen nie.
Wenn ſie ſteif ſich verbeugten oder zurück, dann
keuchten ſie ſtark. Sie ſtemmten die Hände in
die Hüften und ſahen zum äußerſten entſchloſſen
aus: Kniebeuge.
Da waren ihre Moden: in langen,
ſtoffbe=
ſpannten Käſten die Hutnadeln. Köpfe aus
far=
bigem Glas, aus Selluloid und Jett, aus
lackier-
tem Blech, aus allem, was unecht war. Da
waren Streifen von gelbem Siſchbein, gelöchert
und geſchlitzt: ich bog ſie, ließ ſie wegſpringen
wie Flöhe. Das nähten ſich die Frauen um den
Hals, damit die Kragen ihrer geſpickten Bluſen
aufrecht ſtünden.
Speckige kleine Dinger wie Sähne mit vier
Wurzeln: Kragenblätter, daß die harten
Nän=
der ſich nicht ſcheuerten, viel zwerghaft=
gelen=
kiges Metall, ſchnappende und klappernde
Stückchen, vergoldetes Meſſing, eingelegt mit
Perlmutt: das Arſenal der Kragenknöpfe. Ich
wurde kribblig, zerknitterte mir die Singer, wenn
ſch ſie ausprobierte. Da waren alte,
blau=
gebrannte Brennſcheren und die ledernen
Schwänzchen der Lockenwickler, Ballhandſchuhe
wie beſtickte Naupen, ſchlaff, lang, auf ſamtene
Kiſſen gebreitet.
Da waren Hüte aus vertrockneten
Möwen=
leibern mit gläſernen Augen und andere aus
faltigem Samt mit Agraffen und Reiherfedern.
Schlaff hingen die ſeidenen Futter nach unten.
Da waren die Inſtrumente ihrer
Krankhei=
ten: patentierte Wärmeflaſchen,
Sinkblech=
käſten, weiß oxydiert, innen mit Salz gefüllt.
Ein Inhalationsapparat mit grünem
Blech=
erhitzer, Cabletten von Crockenſpiritus ſeltſame
Glaskolben, gewinkelte Nöhren und
Abzweig=
hähne, Gebrauchsanweiſung mit Bildern:
Querſchnitte durch Menſchen mit edelgeformten
Naſen, und Buchſtaben an Luftröhren und
Lungen mit a, b, e. Es waren Mann und Frau,
die ſich im Bilde gegenüberſaßen, und heiter
lächelnd ſogen ſie durch den Querſchnitt ihrer
Lippen aus gläſernen Kolben krauſe. Wolken
heilender Dämpfe ein.
Ich fand meſſingne Kugeln mit Schraubſtiften.
die Knäufe von Betten. Umſponnene
Sofa=
troddeln brach ich auf und rippelte die Säden
und fand im Innern gedrechſelte Hohlkörper
aus Holz. Ich fand geſchweifte Beine
zerbro=
chener Möbel, geſchnitzt und unten mit eiſernen
Nollen verſchraubt; allerlei Haken und
Sier=
nägel für Bilder.
Eine unbeſchreibliche Art von ſchleichendem
Cod ging von den Dingen aus. Sie quollen von
Atmoſphäre. Ich ſpürte im Nücken den Blick
der Schneiderpuppe: ſtaubiger Numpf aus
Pappe, ſtraff überſpannt mit ſchwarzem Alpaka
über üppigen Formen, oben ſo glatt geköpft.
Und ich fühlte, es müßte etwas geſchehen,
mich wiederherzuſtellen, und ich ſetzte die Puppe
in das Damenrad und obenauf den Apoll und
auf den Apoll den Caffethut mit
Straußen=
federn und beſteckte ihn mit allen Hutnadeln,
als Arme und Hände gab ich dem Popanz
Cen=
nisſchläger an die Lenkſtange. Apoll lächelte.
Und ich ging fort. Heinrich Hauſer.
Sei paul Begener
BACNARKSHLER
zu Hauſe
Ein Beſuch bei dem berühmten Schauſpieler
und Kunſtſammler.
Paul Wegeners Berliner Heim liegt in einer
der ſtillen Seitenſtraßen der Innenſtadt. Wenn
man klingelt, dann ertönt freudiges bzw.
zor=
niges Hundegebell. Das iſt „Ceufel”, der graue
Scotch-Cerrier. Und wenn dann die Cüre
auf=
gemacht wird, ſteht „Ceufel” da mit geſträubten
Borſten und funkelnden Augen, immer bereit,
mit ſeinem kleinen Leib das Eigentum ſeines
Herrchens zu verteidigen. Und hinter „Ceufel”.
hockt unendlich vornehm und unnahbar „Kiki”,
die Katze, auf ſammetweichen Pfoten. Zwei
unzertrennliche Sreunde — nicht wegzudenken
aus dieſer Wohnung voller Schätze und
Ge=
heimniſſe.
Paul Wegeners Heim iſt ein Muſeum
oſt=
aſiatiſcher Kunſt, denn der Hausherr iſt nicht
nur ein großer Künſtler, ſondern er gilt in
Fachkreiſen als einer der beſten Kenner und
Sammler öſtlicher Kunſt; ſeine Buddhaſammlung
iſt wohl die ſchönſte, die es in Privatbeſitz gibt.
Mit Andacht und Ehrfurcht, die jeder Laie
vor Dingen hat, von denen er nichts verſteht,
von denen er nur weiß, daß ſie ſchrecklich
koſt=
bar ſind, will man ſich zuerſt die ſagenhaften
Buddhas und Kwannons anſehen — aber das
gibt es nicht! Sunächſt kommt die Gegenwart
zu ihrem Necht.
„Bitte, hier links die Ahnengalerie — ſelbſt
zuſammengeſtellt!‟ Da hängen die Bilder der
Samilie Wegener. Ueberall die
charakteriſti=
ſchen Geſichtszüge: die breite hohe Stirn, die
hervortretenden Backenknochen. Und da Paul
Wegener ſelber, wie er leibt und lebt, in der
Nolle eines älteren Herrn mit dem typiſchen
Franſenbart der ſiebenziger Jahre. Aber es
ſtellt ſich heraus, daß es Paul Wegeners Vater
iſt, der Nittergutsbeſitzer auf Biſchdorf in Oſt=
Springbrunnen wohnen, und ihm brennt es in
der Bruſt.
In beiden zugleich iſt des Dichters Herz. Er
iſt der Wohnende und der Wandernde. Er
trägt das Fernweh und das Heimweh mit ſich.
Denn Dichter ſein heißt, das Allerbeharrendſte
und Allerbewegteſte in einem Griffe faſſen
wollen.
Der Dichter geht durch alle Cäler und über
alle Höhen, weil von ihm vor allen anderen
ge=
ſagt iſt: Unſer Herz iſt unruhig, bis daß es ruhet
in dir.
Die Hausſuchung
VVon O. G. Foerſter.
Es war in den Unglückstagen der polniſchen
Revolution im Poſener Land. In den Frieden
des kleinen deutſchen Anſiedlerdörfchens drang
dumpfer Geſchützdonner der manchmal näher
kam und dann wieder in fernes Grollen
über=
ging.
Michael Heitmann ſaß mit ſeiner Frau und
ſeinen Kindern am Veſpertiſch. Fritz und Karl,
die beiden Söhne, fehlten. Sie kämpften im
Grenzſchutz um ihre Heimat. Anna, die Magd,
trug Kaffeekanne, Caſſen und Brot herein. Da
wurde die Haustür aufgeriſſen, daß ſie mit einem
donnernden Krach gegen den Pfoſten ſchlug.
ein ſtürmender Schritt dröhnte im Flur, und ein
entſetzter Nuf brach die Stille: „Sie kommen!”
Auf der Schwelle ſtand Grete Nogall,
Mi=
chaels Schweſter, des Dorfſchulzen Frau.
Atem=
los von dem wilden Lauf und der tödlichen
Angſt, begann ſie zu erzählen, was im Dorf
ge=
ſchab. „Die Polen ſind da . . . Soldaten mit
Bajonetten und Maſchinengewehren! Sie
durchſuchen alle Häuſer nach Waffen. Beim
Lehrer haben ſie einen Nevolver gefunden. ..
Jetzt wollen ſie ihn erſchießen . . . Gleich werden
ſie hier ſein. Michael, haſt du nicht auch . "
Aber es war ſchon zu ſpät. Pferdegetrappel
ſchallte auf dem Hof. Kommandos in polniſcher
Sprache und lautes Stimmengewirr, und jetzt —
ein donnernder Schlag an die Haustür, der die
Menſchen im Simmer in die Höhe fahren ließ.
Aus der Ciſchlade zog Michael einen kleinen,
ſchwarzen Nevolver. „O Gott! Michael!” rief
die Frau ſchreckerfüllt, „wirf ihn fort, nur
ſchnell, durchs Fenſter, ſchnell fort!” Und alle
liefen zum Fenſter, um es eilig aufzureißen. Nur
Michael blieb an dem Ciſche ſtehen. Vor dem
Fenſter aber ſtand mit aufgepflanztem
Seiten=
gewehr ein polniſcher Soldat, der die Frauen
höhniſch anſtierte. Es war zu ſpät. Von einem
krachenden Fußtritt ſprang die Stubentür auf.
Ein polniſcher Offizier und ein Dutzend
Sol=
daten drängten ins Simmer, wild und
aben=
teuerlich in ihren abgeriſſenen deutſchen
Infan=
terieuniformen. Piſtolen und Handgranaten am
Gürtel, die vierzipfelige Konfederatka auf den
Köpfen. Die Kinder begannen zu weinen und
lugten mit entſetzten Blicken hinter den Frauen
ſervor.
„Sie haben Waffen im Haus!” herrſchte der
Offizier den Bauern an. „Wir wiſſen, daß Sie
einen öſterreichiſchen Armeerevolver beſitzen,
liefern ſie ihn ſofort aus!” Michael ſtand ruhig
neben ſeinem Ciſch. Der Nevolver war aus
lei=
ner Hand verſchwunden. Er hat ihn in der
Bruſttaſche, dachte die angſtbebende Frau.
Aber Michael antwortete ruhig: „Sie müſſen
ſich irren, ich habe keinen Nevolver in meinem
Hauſe.” „Sie lügen!” brüllte der Offizier den
Deutſchen an. „Aber, wie Sie wollen. Wir
werden Ihr Haus durchſuchen. Finden wir eine
Waffe, ſo werden Sie an Ort und Stelle
er=
ſchoſſen!”
Der Offizier erteilte ſeinen Leuten Befehle in
polniſcher Sprache. In mehreren Gruppen
drangen die Soldaten in die Näume des Hauſes
ein. Im Wohnzimmer zogen ſie alle Laden und
Schiebkäſten aus Ciſch und Kommode und
ſchüt=
teten den Inhalt auf den Fußboden. Im
Schlaf=
zimmer riſſen ſie Kleider und Wäſche aus
dem Schrank und durchwühlten ſie mit ihren
ſchmutzigen Fingern. Betten und Decken
ſchleu=
derten ſie auf die Dielen und traten auf ihnen
herum, um verborgene Waffen zu finden. Ja,
in den Baukäſten und Puppenſtuben der
Kin=
der vermuteten ſie Nevolver und Patronen. Als
die Soldaten nach einſtündigem Suchen in das
Wohnzimmer zurückkehrten, bot das ganze
Haus ein Bild der Serſtörung. Der Hausrat,
in liebevoller Pflege in Ordnung und
Sauber=
keit gehalten, lag verſtreut und zertrümmert au
dem Boden. Das weiße Leinen der Betten und
Wäſcheſtücke war beſchmutzt, zerriſſen und
zer=
treten. Scherben von Cöpfen und Cellern lagen
vor dem Küchenſchrank.
Aber einen Nevolver hatten ſie nicht
gefun=
den. Frau Heitmann ſah mit verzweifelter Angſt
auf ihren Mann. Wo war der Nevolver?
Wenn ſie ihn durchſuchten . . .! Kaum war
die=
ſer Gedanke in ihr aufgetaucht, da rief der
Offi=
zier: „Ihr könnt uns nichts weismachen! Den
Armeerevolver habt ihr, das weiß ich genau.
Alſo werdet Ihr nun ſelbſt durchſucht werden!“
Nun iſt alles zu End”, dachte die Frau, nun
finden ſie ihn. Und dann werden ſie Michgel
töten ...! Voll fürchterlicher Angſt ſah ſie
ihren Mann an, aber der . . . war es eine
Cäu-
ſchung? Nein, er lächelte ihr beruhigend und
preußen. Da das Geburtshaus, die Großeltern,
die Urgroßeltern — man ſieht ein urdeutſches,
oſtpreußiſches Bauerngeſchlecht. An der
ande=
ren Wand aus rötlichem Con ein Kopf Paul
Wegeners, meiſterhaft von Barlach modelliert.
Im Herrenzimmer die berühmte
Buddha=
ſammlung. Drei, vier übermannshohe Siguren,
zahlloſe kleinere. Die, die man als Laie für die
primitivſten hält, ſind natürlich die älteſten und
koſtbarſten. Im Eßzimmer iſt die Wand über
dem Kamin mit alten ruſſiſchen Heiligenbildern
(Skonen) behängt. „Der Grundſtein zu dieſer
Sammlung wurde in Numänien gelegt. Wir
kamen nach dem Krieg als erſte deutſche
Schau=
ſpielertruppe dorthin, um für deutſche Kunſt zu
werben.” Wegener ſpielte dort den Othello”
Die Numänen waren aber mit der
Gagenzah=
lung ſehr bummelig, und als ſie wieder einmal
drei Cage lang keinen Geldſchein geſehen
hat=
ten, beſchloß er, ſich einfach als Mohr nicht
ſchwarz zu ſchminken. Er ſaß fertig angezogen
— aber blütenweiß im Geſicht — in ſeiner
Gar=
derobe und hatte mit Schminkſtift auf den
Spie=
gel geſchrieben: Nix Geld — nix ſchwarz!
Wegener=escu.‟ Die rumäniſchen Nachnamen
enden mit dem „escu”. Plötzlich ging es dann
ſehr ſchnell mit der Gagenzahlung.
Wenn man Wegener nach ſeiner erſten Nolle
fragt, dann bekommt man eine ſehr
merkwür=
dige Antwort: „Die Maria Stuart — auf
oſt=
preußiſch!” Slammend vor Begeiſterung hat er
ſchon als Schüler Cheater geſpielt. Dieſe
Lei=
denſchaft hat übrigens ſein Sohn Peter — aus
der Ehe mit der bekannten Schauſpielerin Lyda
Salmonova — von ihm geerbt, denn Peter
Wegener, jetzt noch Schüler in einem
Landſchul=
heim, ſpielt auch heute ſchon leidenſchaftlich in
verſchiedenen Sprachen gern Cheater, am
lieb=
ſten mit einem ſelbſtgefertigten Puppentheater,
deſſen Dramen er ſelbſt verfaßt. Ein
ſpannen-
des Stück war „frei nach Hans Sachs und
Ed=
gar Wallace” geſchrieben.
Bevor Paul Wegener Schauſpieler wurde,
hat er zwei Semeſter lang Jura ſtudiert, um
aber dann fluchtartig dieſes trockene Gebiet zu
verlaſſen. Sein größter künſtleriſcher Wunſch
iſt, einmal den Bismarck zu ſpielen — aber bis
jetzt hat er noch kein Bismarck=Drama
gefun=
den, das ihm zuſagt.
Wegener iſt leider mr ſelten in dieſer
ſchö=
nen, geheimnisvollen Wohnung am Karlsbad in
Berlin, weil er meiſtens auf Gaſtſpielreiſen iſt.
Aber wenn er in Berlin iſt, dann iſt dieſes
ſchöne Heim das gaſtlichſte Haus, das man ſich
denken kann!
„Kiki” und „Ceufel” begleiten einen zur
Haustür, Buddhas und Kwannons ſchauen
einem nach, über allem aber herrſcht die
Per=
ſönlichkeit des Hausherrn: Paul Wegener!
ihre ſtumme Frage leiſe verneinend zu. — Nun
begann die Durchſuchung aller
Anwe=
ſenden. Michael kam zuerſt daran. Er zog
ruhig ſeine Oberkleider aus, die Soldaten
durch=
wühlten ſie, taſteten den Körper des Bauern
mit rohen Fäuſten ſorgfältig ab und — fanden
nichts. Ein erlöſendes Aufatmen ging durch die
Deutſchen. Aber die Polen gaben ſich noch nicht
zufrieden. Ein polniſches Dienſtmädchen aus
dem Dorfe wurde gerufen und durchſuchte die
Frauen und Kinder. Ohne Erfolg..
„Sie ſehen, meine Herren,” ſprach Michael
Heitmann, „ich habe wirklich keinen Nevolver.
Sie müſſen ſich geirrt haben.‟ Der polniſche
Offizier blickte ihn finſter an. „Wahrſcheinlich
haben Sie die Waffe ſchon vorher fortgebracht,”
ſagte er, „und das war Ihr Glück. Im anderen
Falle hätten wir Sie an die Wand geſtellt.”
„Sie werden eine Erfriſchung nötig haben
nach all der Arbeit”, ſagte Michael hohnvoll zu
dem Offizier. „Wollen Sie eine Caſſe Kaffee
trinken? Er wird freilich kalt geworden ſein
inzwiſchen... „Ich brauche Ihren Kaffee
nicht,” ſchrie der Pole wütend, „ich nehme
über=
haupt nichts von euch deutſchen Hunden!” Und
mit einem Sußtritt einen umgeſtürzten Stuhl zur
Seite ſchleudernd, ſchritt er hinaus, gefolgt von
ſeinen Soldaten. Draußen ſprangen ſie auf die
Pferde und ritten davon.
Michael ſah ihnen eine Weile nach. Als ſie
hinter dem Wäldchen am Ende des Dorfes
ver=
ſchwunden waren, ging er an den Ciſch, wo ihn
die Seinen mit Fragen und Nufen beſtürmten,
hob die Kaffeekanne vom Ciſch und goß den
Inhalt zum Fenſter hinaus. Dann aber faßte er
in die leere Kanne und zog den öſterreichiſchen
Armeerevolver hervor. „Morgen werden wis
ihn vergraben”, ſagte er nachdenklich azz
Sunndags=Noochmiddags=Bedrachdunge
Fortſetzung.
Wann mer awwer däß net will, nemlich daß
mer in ſeim eichene Bajes —
Hochgebirchs=
durn macht in die Dachgaub, odder im Eßzimmer
e Spritzdur an die blaue Adria, odder im
Bad=
zimmer e Baderaas an die Nord= odder Oſtſee,
wie ich ſe am letztemol ausfiehrlich beſchriwwe
hab; alſo wann mer ſo kaa nowele Ammbitzione
hott, ſundern wann mer als „Heimurlauwer”
ſein Urlaab ſo recht gemiedlich un broffiolich in
Darmſtadt verläwe will, ohne große Umſtend
un Koſte — alſo nix leichter als däß! — Dann
unſer Städtche nimmts in dem Fall mit jeder
mittlere odder beſſere Fremdeſtadt uff. Ohne
Eichelob.
No un was ſo die wärkliche Fremde ſin,
die wiſſe däß aach zu ſchätze. Un wann mer emol
auswärdiche Beſuch hott, un fiehrt=en ſo erum,
dann is der des Lowes voll, und ſchwätzt in de
heechſte Teen, daß mer ſällwert a' iwwers
an=
neremol ſchamrötlich wärd. Dann nemlich, als
Fremder guckt mer alles mit ganz annere Aage
a, wie als Eiheimiſcher. Däß is e ald Subb.
Un däßhalb ſoll mer ſich in ſeim Urlaab afach
ſo ſtelle, als weer mer äwenfalls fremd hier, un
hett ärdra e weit Raas hierher gemacht. Un je
weider als mer ſich vorkimmt, daß mer
her=
kemt, däſto fremder kann mer ſich vorkumme;
S kimmt in dem Fall uffe paar hunnert
Killo=
meder gornet a.
Wann mer’s recht nowel gäwe will, kann
mer ſogar mit Sack un Pack uff e Ordſchaft laafe,
nooch Ewerſcht, Grieſem, Ohrhällje, Meſſel,
Roß=
dorf, Nidde=Ramſtadt odder Draaſe, un kann
dann mit ſeim „Reiſegepäck” per Audo odder
Eiſebahl widder her fohrn. Ja mer kann ſogar
ſei Sprooch verſtelle, un kann ſo dhu, als kemt
mer net bloß als auswärdicher, ſundern ſogar als
auslendiſcher Fremder hierher,
meints=
wäje aus Dribbsdrill, Schimmeldewubbdich odder
Watzekneil. Mer kann aach in alle Sprooche der
Wäld mit de hieſiche Eigeborene redde, un mer
kann gewiß ſei, daß ſe aam die Antwort net
ſchuldich bleiwe — — —. Un wann mer ſogar
ſo en richdiche Heiner uff ſchinneeſiſch
freeckt: „Tſchorſch=tſcheint=die=Tſchunn=tſchunn?”
— dann gibt der aam äwenfalls im reinſte
Schinneeſiſch Antwort, un ſeeckt: „Tſcha, die=
Tſchunn=tſcheint=tſchunn=langstſchunn!”
Alſo wie geſagt, mer muß ſich in ſeim Urlaab
bloß eiredde, mer kemt als auswärdicher
Frem=
der zum erſtemol nooch Darmſtadt — der Erfolch
is verbliffend! — Dann nemlich, wann mer ſo
Johr aus, Johr ei blindlings ſein dagdägliche
Drott macht, do hott mer for nir e Aag; mer
waaß, wo däß ſteht, und däß, awwer mer
guckt’s net a. Wann mer ſich awwer als
Frem=
der verſtellt, un bedracht ſich beiſpielmeßich s
„Mullement”, do kimmt aam däß gleich noch emol
ſo hoch vor, un ka zehe Gail halte aam ab,
aach emol enuff zu mache, un ſich die Gäjend
vun owwe zu beſchachtele. Mer kimmt ſich dann
vor, wie uffm „Eifeltorm”, Freilich, der
Eifel=
torm is zwar noch e bische heecher, wie’s
Mulle=
ment, dofor is awwer aach Baries noch e bische
greeßer wie Darmſtadt, un do gleicht ſich’s
wid=
der aus. Der Effäckt is jedenfalls deſällwe, un
im Nodfall kann mer jo verkehrt dorchs
Färnrohr gucke
Jedenfalls, en Blick vum Mullement owwe
runner geniecht, um aam endgildich devo zu
iw=
werzeiche, daß a for allemol mit der ſchäwiche un
erunnerſetzend gemaante Behaubdung
uffge=
raumt muß wärrn, Darmſtadt dhet am
Darm=
bach lieje. Kaa Wort devo is wohr. Darmſtadt
hott noch nie am Darmbach geläje; un wanns
for Johr un Dag emol an=eme Bach geläje hott,
ſo liggts heit druff. Jedenfalls därf der
Darmbach kaan Aſpruch druff erhewe, daß er mit
Darmſtadt ärchendwie in Verbindung gebrocht
wärrn kann. Domit will ich nir gäje unſern
„Darm” an ſich geſagt hawwe. Däß Blätzje, wo
er entſpringt, is aans vun de lauſchichſte
Blätzjer de Wäld; en Gang an ſeine Ufern
ent=
lang, ſo am Schnampelwähk her, e Gedicht;
außerdem ſpeißt er unſer ſtädtiſch Seebad, unſern
große Woog, wofor mer m net genuch dankbar
ſei kenne. Sunſt awwer, wie geſagt, is es e klag
unbedeident Bächelche, däß wo mit unſerm
groß=
ſtädtiſche und hochvornehme Darmſtadt in
Wärk=
lichkeid noch net emol dem Nome nooch was zu
dhu hott.
Des weideren wärd mer vum Mullement owwe
runner feſtſtelle kenne, daß unſer Darmſtadt die
geborene Gaddeſtadtis. — ’s hott zwar emol
e Zeit gäwwe, wo mer unſerm Städtche den
Nimmbuß rauwe wollt. Däß warn die Johrn,
wo mer ſich kaum noch dorch die Stadt gedraut
hott, aus Angſt, es fliggt aam e Art ins Gnick.
Däß warn die Johrn, wo alles Heil bloß noch
vun de Arſchidäckte kumme ſollt. Gott, wann ich
noch an den „Kambf um de Balleegadde” denk
— was kenne die mir heit ſo dankbar ſei, daß ich
domals die ganz Stadt uffgewiegelt hab, gäje
däß, un noch ſo e paar, größewahnſinniche
„Brojäckte‟ — Schweije mer devo, s glaabt’s
aam heit doch niemand mehr.
Jedenfalls, Darmſtadt is drotzdem e
Gadde=
ſtadt gebliwwe, un an ſcheene Gärde un Alage,
wo mer ſich morjends als auswärdicher
Frem=
der in ſeim Urlaab drinn ergeh kann, un kann
ſei Brot eſſe, is kaan Mangel. Beiſpielsmeßich
unſer Kinſtler=Kollonnie — e „
Schmuck=
käſtche” — ewich ſchee, un herrlich wie am erſte
Dag. Ich glaab, „fremder” kann mer ſich als
Darmſtädter uff de ganze runde Wäld net
vor=
kumme; ganze Morjende kann mer do owwe
zu=
bringe, un wärds net mied.
Hott mer dann ſo ärjendwo geſäſſe dann
macht mer, wie in jede annere Fremdeſtadt,
aach gärn emol in Ruh en Gang dorch die
Ge=
ſchäftsſtroße un betracht ſich die Läde. Un
aach do wärd mer widder die Erfahrung mache,
daß aam als auswärdicher Fremder uff aamol
alles viel billicher, ſchenner un beſſer vorkimmt.
wie als Eiheimiſcher. Däß is emol ſo.
Aus=
wärts is es aam drum aach immer viel
kaafi=
cher zu Mut. No un wann mer drum däß
Ur=
laabs=Mitbringſel als ei geborener Fremder in
Darmſtadt kaaft, kanns im Notfall
wenich=
ſtens noochher aach widder umgedauſcht wärrn.
Däß is aach was wert.
No un dann nadierlich unſer
Sähenswär=
dichkeide, unſer Muſeumme: s Landes=,
Schloß=, Borzellaan=, Jagd=, Stadt=Muſeum. He,
is däß valleicht nir?
Awwer freilich, wanns däß alles
woanner=
ſter zu ſähe geb, do kennt mer ſich net genuch
dhu, un kennt devo verzehle. Dodebei is unſer
Landes=Muſeum bekanntlich aans vun de
beſt=
beſuchteſte Muſeumme in Deitſchland; unſer
Schloßmuſeum behärbärcht unnerallerhandannern
Märkwärdich= un Koſtbarkeide die bedeidenſt
Uniform=Sammlung, die ’sgibt, bloß dem
Haupt=
mann vun Köp-Kapernaum ſei fehlt —
S Borzelaan=Muſeum is e Kawinäddſtick for ſich;
es Jagd=Muſeum uffem Kranichſtaa ſucht
ſeines=
gleichen; un weer ſich for unſer Stadtgeſchichte
indräſſiert, find im Stadtmuſeum, war er ſucht,
ja do is ſogar, ſo hab ich mer ſoge loſſe, en
ald=
ehrwirdicher Räjeſchärm zu ſähe, vun dem
be=
haubt wärd, der hett ere Darmſtädterin
ge=
heert, die zufellich emol do nei gerote weer —
Wie dem aach ſei, ſo viel is bombeſicher, un
däß ſteht bickelfeſt, wann mer ſich vornimmt,
mer weer genzlich fremd hier, do macht mer die
Aaage ganz annerſter uff, mer ſieht mehr als
ſunſt, un manches kimmt aam ganz nei vor.
Wie zum Beiſpiel s Mullement, an dem mer
irmol dra vabei laaft, ohne e Aag dro zu
henke. Ja, neilich hab ich ſogar an gefrogt, der
wo do dagdäglich dro vabei geht, ob er mer net
ſage kennt, ſeid wann die Kette drum erum
ewäck weern — er hott’s wärklich net gewißt.
— No alſo —
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm; s gebt e Loch in
meine lokahle Kronik als Stadtſchreiwern, wann
ich net des großen Dags gedenke dhet, an dem
mir uff unſerm Rodhaus aus de ſogenannte
„kommiſſariſche” widder in normale
Ver=
hältniſſe eniwwer gewäxelt weern; des Dags,
der wo uns uff aan Schlag drei neie
Borje=
maaſter beſcheert hott. — Alſo, for die nechſte
zwölf Johr ſin mer emol vorlaifig ei gedeckt;
noochher ſieht mer jo weider,
Jedenfalls, daß es grad drei ſin, däß is
ſicher e gud Ohmen, dann mer ſeegt net
um=
ſunſt: „Alle gude Dinge ſin drei!” — Un wann
mer aach in Bezugnahm uff die Dädichkeid
vun dene Herrn vunere „Dreifaldichkeit”
redde kann, ſo kann mer in Bezugnahm uff däß
große Ziel zu gleicher Zeit aach vun=ere „
Drei=
ahnichkeid” redde, un kann ſage: „Wo aan
Wille is, do is aach aan Wähk!” — Un dodro
hott’s bekanntlich gehabert in all dene Johrn
doher. Wer’s waaß, wärds wiſſe —
Schwamm driwwer!.
Daß es aach in de neie Zeit net leicht is,
Borjemaaſter zu ſei, däß brauch mer net
beſun=
ners zu betone. Ganz im Gäjedaal. Awwer die
ſchwere Birde trägt ſich doch leichter, wann mer
ſich die Pflichte gäjeſeidich net ſchwer macht,
Net uffm Stadthaus, nett uffm Rodhaus, un
net in de Bäjerſchaft! — Die Gewähr awwer
därfe mer jedenfalls hawwe, daß net mehr
gäjeenanner, ſundern mitenanner gearweit
wärd. Un däß is ſchun ſehr viel wert.
Un ſo mecht aach ich unſere drei neie
Stadt=
owwerhaibter mein beſte Glickwunſch ausſpräche,
un mecht aus ganzem Härze hoffe un winſche,
daß=en e erfolch= un ſägensreich Dädichkeid
be=
ſchiede ſei mecht zum Wohl un Beſte vun
un=
ſere liewe un ſcheene Vadderſtadt, dem
Klaanod unner de deitſche Städte, wie
un=
ſer neier Herr Owwerowwer bei ſeine
Adritts=
redd ſo ſchee geſagt hott
Dem Heſſe=Verein in Saarbricke dank ich for
den härzliche Schreiwebrief un die freundliche
Eiladung: ich wärd=er bei nechſter Geläjenheit
gärn Folche leiſte. — Awwer nooch Ameriga —
do muß ich mei Kumme noch e bißche verſchiewe.
No, valleicht nimmt mich emol ſo e
Ozean=
fliecher mit, als blinder Paſſaſchier, odder als
„Glicksviech” — s muß ſo ſchließlich nei
allemol e Katz ſei ..."
vom 31. Juli bis 6. Auguſt.
Mitgeteilt vom Hausfrauenbund Darmſtadt.
Montag: Kaltſchale, Pfannkuchen, mit Reſten
von Hammelbraten gefüllt, Salat.
Dienstag: Erbſenſuppe (grüne), Tomaten,
mit Pilzen gefüllt auf Reisrand.
Mittwoch: Tomatenſuppe (Reſte), gebackene
Leber, Kartoffelbrei, rot: Rüben=Salat.
Donnerstag: Haferſuppe,
Schweinekotelet=
ten mit Kartoffeln und Gurkenſalat.
Freitag: Blumenkohlſuppe, Matjesheringe,
grüne Bohnen, Kartoffeln.
Samstag: Gemüſeſuppe Kirſchenmichel*)
mit ſauren Kirſchen und Pumpernickel.
Sonntag: Apfelweinkaltſchale. Wiener
Roſt=
braten, Gemüſe=Salat, Kartoffeln,
Aprikoſen=
ereme.
*) Kirſchenmichel. 1 Pfd. Pumpernickel
in Milch einweichen und durch die Hackmaſchine
drehen 100 Gr. Butter mit 4 Eigelb, Zucker
nach Geſchmack, ſchaumig rühren, bittere
Man=
deln (5—6 Stück), fein ſchneiden, unter das
Brot miſchen, 2 Pfd. entſteinte Kirſchen und den
feſten Schnee darunter ziehen. Iſt der Teig
zu flüſſig, mit geriebenem Zwieback dicken. Etwa
1 Stunde backen.
Badeteppiche aus verbrauchten
Frottier=Badetüchern. Da bei ihnen
zumeiſt die Mitte ſchadhaft wird, die trotz
vielfachen Stopfens und Ausbeſſerns nicht
mehr zu retten iſt, ſo ſollte man dieſe einfach
herausſchneiden und die noch tadelloſen
Rän=
der des Tuches einfach aneinanderfügen.
Er=
geben dieſe noch nicht die notwendige Breite,
ſo kann man durch Zwiſchenſetzen von etwa
handbreiten Streifen farbigen Frotteeſtoffes
dieſe ergänzen. Die fingerbreit als Rollſaum
umgenähten oder mit farbiger Wollborte
ein=
gefaßten Ränder ſichern den Badeteppich vor
dem Ausfranſen. Sowohl gut auffaugend,
wie auch ſchnelltrocknend, läßt er ſich bei
Be=
darf ſehr ſchnell waſchen.
Schach=Nummer 530.
Aufgabe 728.
G. Guidelli.
(Good Companions, 1917.)
Weiß zieht und ſetzt in zwei Zügen matt.
Prüfſtellung: Kk8 Ta5, e4 Le3, 15 8d4, 12 Be2, e6, d2,
h3; Ke5Tf1 Bd5, e6, 83, g5.
Aufgabe 729.
K. E. Nord in Bro.
(1. Preis, Schackvärlden, II. 1933.)
Weiß: Ket Det Te2 (3 Steine);
Schwarz: Ka1 Ba3, Bb2 Be5 (t Steinel.
Matt in drei Zügen.
Löſungen der Aufgaben 726 und 727.
726. W. Pauly. 1. Na1—a41 L.e3 2. Tf14 Tg1
3. Taf2— 4. Kd2— 5. Tka 1, der gegenſeitige Platzwechſel
der Türme iſt erreicht! 5. . . . 2 oKel l.:124 7. Kratztk.
Ein glänzender Pſeudo=Rundlauf.
727. 6. ban Beek. Satzmatte: 4. . ..lia 5 a3, :05 2. 8:a5,
a3, Lebtr. Löſung: 1. Da4.-—a11 L:a5. a3, e5 2.Bb4,
a3, b3c. Ein Zugwechſelſtück mit 3 geänderten Matten.
Schachliteratur:
Deutſche Schachblätter, Zeitſchrfft des Großdeutſchen
Schach=
bundes. Hauptſchriftleiter W Frhr. v. Holzhauſen.
Schach=
verlag Hans Hedewigs Nachfl, Curt Ronniger, Leivzig C 1,
Deutſche Schachzentrale, Viekteljährlich 6 Hefte für M. 2,40.
Am 9. Juli 1933 iſt der Deutſche Schachbund aufgelöſt und
der Goßdeutſche Schachbund neu gegründet worden. Die
Deutſchen Schachblätter wurden als Bundesorgan weiter
aner=
fannt, ſie ſollen die Schachzeitung für alle Schachſpieler werden.
Das ſoeben erſchienene Heft iſt mit einem Bildnis von
Reichs=
miniſter Dr. Goebbels geſchmückt. Außerordentlich feſſelnd leſen
ſich der Aufruf vom Bundesleiter, Miniſterialdirektor O. Zander
und die intereſſanten Berichte von E. Poſt und Alfred
Brinck=
mann. Das Heft enthält außerdem 18 hervorragend gloſſierte
Partien des Turniers um die Meiſterſchaft von Deutſchland,
an dem 18 deutſche Meiſter teilnahmen und aus dem
Bogol=
jubow als Sieger hervorging. Die Aufnahme des Abonnements,
die jederzeit erfolgen kann, iſt jedem ernſthaften Schachfreund
zu empſehlen. Der Bezug jann bei jedem Poſtamt biw,
Brieſ=
träger, bei jeder Buchhandlung oder beim obigen Verlag der
Deutſchen Schachblätter in Leipzig aufgenommen werden.
Viererlei.
Mit d ein Fluß in Deutſchlands Gauen,
Mit b vom Spieler ſehr geſchätzt.
Mit g war er ein Menſchenfreſſer,
Mit p ſie Aug und Ohr ergötzt.
Carl Deubel.
Drei Buchſtabenſcherze.
1. Liſt. — 2. Eilt. — 3. Spiel.
Carl Deubel.
Auflöſung der Rätſel aus Nr. 30.
Kreuzworträtſel.
Beim Friſeur.
„Haben Sie mich nicht auch das letzte Mal
bedient?”
„Nein, ganz ausgeſchloſſen, ich bin erſt ein
halbes Jahr hier.”
Dasſelbe, Sacha Guftry, der berühmte
Dra=
matiker und Schauſpieler, erzählt von einem
Fremden, der in einem eleganten Pariſer Lokal
für ein beſcheidenes Eſſen 200 Francs zahlen
ſollte. Natürlich war er wütend und ſagte zu
dem Kellner: „Hier iſt das Geld, aber bitte ſagen
ſie dem Beſitzer, daß ich es gemein finde, daß er
einen Kollegen ſo behandelt.” — Der Kellner
richtete die Botſchaft aus, und der Beſitzer trat
nun etwas verlegen an den Gaſt heran und
ent=
diate ſich: „Es tut mir leid, aber ich wußte
natürlich nicht, daß Sie auch ein Reſtaurant
haben.” — Der andere tat erſtaunt. „Aber mein.
Herr, was denken Sie?” rief er, „ich bin doch
kein Gaſtwirt, ich bin ein Räuber!”
Beſſer nicht! Dein Aufſatz iſt unter aller
Kanone”, ſagte der Lehrer ſtreng. „Ich werde
mich leider gezwungen ſehen, deinem Vater
da=
von Mitteilung zu machen.” — Ach, tun Sie
das lieber nicht”, meinte Hänschen kleinlaut. „Er
hat ihn ſelbſt gemacht.”
Muſik.
Baß. Raab. Ahab. Haß, Mara, Saar.
„Brahms”.
Gleichung.
a-Ar. h—Tiſch, (—(Rſock, d-E(n)ns,
eAlat, t ——Artiſchockenſalat.
Druck, Verlag u. Kliſchees.: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 23. — Verantwortl. für die Redaktion: Dr. H. Nette, Darmſtadt. Fernſpr. 1, 2389—2392. — Alle Rechte vorbehalten. Nachdr. verboten.
[ ← ][ ][ → ] Crumpfe der Mode
ſind die „geteilten Rleider”
denn die laſſen den Bluſengedanken in
geſchmack=
vollſter Art wieder aufleben; wie es ſcheint, der
modebefliſſenen Frau ſehr zu Danke, die dieſe
„Teilung” der Figur ſehr zu ſchätzen weiß, weil
die Geſtalt auf deſe Weiſe oben abſichtlich
ver=
kürzt, in der Rokpartie aber ſtark verlängert
wird, wodurch der Eindruck der „Geſtrecktheit”,
und Schlankheit in hohem Maße unterſtrichen
wird.
Natürlich iſt die Zweiteilung nur vorgetäuſcht,
denn tatſächlich werden alle dieſe Kleider in
einem gearbeifet, weil nur dann die Paßform
nichts zu wünſchm übrig läßt.
Die neue Zweiteilungsmode findet auf allen
Gebieten Verwen)ung, und es iſt ganz erſtaunlich,
zu verfolgen, wie raſch ein neuer Gedanke wie
dieſer ſich einzubirgern vermag und wie einig
ſich die führenden Modekünſtler gerade in
die=
ſem Falle darin ſnd, daß es richtig ſei, ihn in
den Vordergrund zu rücken.
Vom einfachen Gebrauchskleide bis zur
abend=
lichen Mode kann man der kleidſamen
Zuſam=
menſtellung von „Nock und Bluſe” begegnen, ſieht
dabei immer wiedc Neues und Eigenartiges, ſo
daß man ſich in kemem Falle in ſeinen
Erwar=
tungen getäuſcht ſchen dürfte.
Wiewohl es gehgentlich ganz primitive
Ge=
webe ſind, die für dieſen Zweck Verarbeitung
finden, iſt die erziehe Wirkung doch eine
außer=
ordentlich feſſelnde.
Wenn wir das zueite Modell unſerer Gruppe
betrachten, erkennen wir darin — zu einem
Kleide vereinigt — ſeinen durch die Mitte
ge=
knöpften, naturfarbnen Leinenrock und eine
eigenartige, vielfarbg geſtreifte
Flügelärmel=
bluſe, eine Aufmachug alſo, die ſicherlich nicht
nur für heiße Tage n der Stadt, ſondern auch
für die Urlaubszeit, beſonders aber für den
ſonntäglichen Badeauflug mit vollſter Berech= danken auch in Elt ausgeſprochener
Kaſak=
gung außerordentlic beliebt zu werden ver= formen wiederfin Es ſcheint hier in erſter
ſpricht und daher iᛋ keinem Kleiderſchranke. Linie der hochſomlichen Reiſekleidung
vorbe=
fehlen ſollte, um ſo weliger, als ſie mit ganz ge= halten zu ein, deeuen Gedanken auszubauen,
ringen Mitteln zuſamnenzuſtellen iſt, was ja in denn es entſteheier zahlloſe Entwürfe ...
der heutigen Zeit ein ihr weſentliches Moment, einer netter undenartiger als der andere.
darſtellt.
„Geteilte” Kleider ſnd aber nicht nur in die= Gewebe iſt hier der Tagesordnung, womit
ſer Form gebräuchlich, ſa man den gleichen Ge= aber nicht nur e neue Erſparnismöglichkeit
Die Zuſammellung ganz verſchiedenartiger
gefunden iſt, ſondern auch eine ideenreiche Mode
ins Treffen geführt wird, die es unſeren Frauen
möglich macht, vorhandene Reſte richtig und
ge=
ſchmackvoll zu verwerten; endlich alſo ein
Ge=
ſchenk, das Frau Mode ihren Jüngerinnen bietet,
auf deren ſchmale Brieftaſche ſie ſonſt wahrhaftig
wenig Rückſicht nimmt. Die neue Reiſekleidung
erweiſt ſich nicht nur in der eben beſprochenen
Zu=
ſammenſtellung der Gewebe, ſondern auch in der
Die „offen/” Umhülle
gehört zweifellos zu def meiſtbeachteten
modi=
ſchen Errungenſchaften ds Sommers und findet
den ungeteilten Beifall (ler Modebefliſſenen.
Dies iſt derau erklären, daß ſich bei nicht
übereinanderſchenden Umhüllen natürlich
eine ſehr bedeide Erſparnis an Stoff oder
Seide ergibt; gerade in der heutigen Zeit
von Wichtigkeſt!) und daß ein derartiges
Stück auch füt Augenblick inſofern das Rich=
Uebrigens ſcheinen ſich die fürenden Mode= als es leicht, graziös und auch für einen
häuſer darin vollkommen einig z’ ſein, daß hier „en Sommertag genügend warm iſt,
wäh=
eine erfolgreiche Linie entſtanden ſ”, und betonen eine normal verſchloſſene Umhülle unter
da er bei ihren Vorführungen der Gedanken der „Umſtanden viel zu ſchwer wäre!
zer der praktiſchen wäre noch die künſt=
„offenen” Umhülle immer wieder
Sicherlich handelt es ſich hier m keine jener ſe Seite dieſer Mode zu erörtern, damit wir
Moden, die willkürlich geſchaffen wrden und nur ellen konnen, ob auch unſerem
Schönheits=
als Laune eines oder des anderen Künſtlers zu bollauf Rechnung getragen werde.
werten ſind, ſondern um einen Stil, der ſich 2 ſelbſt die ſtrengſten Kritiker müſſen
ge=
den gegebenen Verhältniſſen anpßt, auch auf , daß die offenen Umhüllen etwas nicht
All=
die Anforderungen, die die warn Jahreszeitiches an ſich haben, daß ſie der Mode ganz
Möglichkeiten geben und damit eine höchſt
an die Aufmachung ſtellt, Rückſichtnimmt
beachtenswerte Umſtellung auf dieſem Gebiete
nach ſich ziehen dürften.
Selbſtverſtändlich handelt es ſich bei den
Um=
hüllen, von denen heute die Rede ſein ſoll,
kei=
neswegs um Stücke, die nach einem beſtimmten
Schema gearbeitet ſind, ſondern um Schöpfungen,
die Eigenwillen und modiſche Kultur verraten,
alſo keineswegs einförmig wirken und in
unge=
zählten Formen hervortreten, ſo daß für
Ab=
wechſlung reichlich geſorgt ſein wird.
Da aber die neue Linie, von der wir heute
ſprechen wollen, eigentlich nur an Hand von
Skizzen zu erfaſſen iſt, haben wir in unſerer
Gruppe einige für dieſe Richtung bezeichnende
Stücke dargeſtellt.
Man ſieht ſchon auf den erſten Blick, daß heuer
nicht nur offene Mäntel, ſondern auch
Drei=
viertelumhüllen, lange Jacken, ja
ſogar kurze Bolero=Jäckchen in den
Vor=
dergrund treten werden, ſo daß für jeden
Ge=
ſchmack reichlichſt geſorgt iſt!
Das kurze, kaum bis zum Gürtel reichende
Jäckchen macht bekanntlich, wenn es über einem
„geteilten” (nämlich aus Rock u. Bluſe
zuſammen=
geſetzten) Kleide getragen wird, ſehr jugendlich.
Durch den oben geknöpften, unten aber
aufſprin=
genden, alſo weit offen ſtehenden Schnitt wird
dieſer Eindruck noch erheblich geſteigert, was
unſere erſte Zeichnung zu beweiſen vermag.
Schon ſeit einiger Zeit ſchätzt man die dunkle
Umhülle zu hellen Kleidern, ſo daß dieſe
er=
probte Wirkung nun auch für die offenen als Seiden ſind!
Dreiviertel=Mäntel verwertet wird.
Als Beiſpiel bringen wir im Mittelbilde ein
lichtes, mit länglichen Knöpfen verſchloſſenes
Kleid, mit halblanger, offenſtehender, dunkler
Umhülle, die mit der hellen Seide des Kleides
aufgefüttert wird und in Geſtalt eines
gleich=
mäßig breiten Roll=Aufſchlages neue modiſche
Wirkungen anſtrebt. Eine ſolche Umhülle kann
lich auch auf der hellen Seite zu tragen iſt, ſo daß
die dunkle Innenſeite dann eine vollkommen
ver=
änderte Wirkung bietet.
Beſonders ſchön nehmen ſich die offenen Sei= meierſtil in betonter Art zur Geltung.
den=Mäntel aus, die heuer eine große Rolle
ſpielen und durch kleidſame Cape=Schnitte be= Madeirahut die einzig richtige Ergänzung.
reichert werden.
Der Verſchluß eines offen zu tragenden
Man=
tels beſteht aus nichts anderem als aus einem
einfachen „eingepreßten” Knopf.
Das Buntſeidenkleid, das nach wie vor die
Sommermode beherrſcht, kommt unter einem
Mantel dieſer Art natürlich viel vorteilhafter
zur Geltung als unter einer vollkommen
ver=
ſchloſſenen Umhülle, wodurch die friſche, freudige
Art unſerer Mode ganz erheblich gefördert wird. dung, die die ſoeben erſchienene neueſte Num=
Da die offenen Mäntel immer ganz loſe fallen,
alſo die Umriſſe der Geſtalt „verwiſchen”, bieten
ſie den Vorteil, auch nicht ganz tadelloſe (ja ſogar. Welt” gezeigten Modelle iſt durchdacht und für
etwas unterſetzte) Geſtalten ſehr günſtig zu
kleiden.
Wahl der Farben als eigenartig und
geſchmack=
voll. Im allgemeinen werden Rock und Umhülle
in der gleichen Grundſchattierung gehalten, alſo
zueinander abgetönt; man denke etwa an einen
in Sandfarbe und Braun ſchräggeſtreiften Rock
und einen Pelerinen=Halbmantel in dazu
paſ=
ſender Grundſchattierung (letztes Bild), arbeitet
jedoch — des Gegenſatzes wegen — den
Kaſak=
oberteil eines ſolchen Reiſekleides in einer
leb=
haften Farbe, was gerade bei ſolchen Stücken gut
iſt, wenn die Aufmachung nicht „farblos” und
matt erſcheinen ſoll. In unſerem Falle alſo würde
man zu dem braun=ſandfarbenen
Schrägſtreifen=
gewebe etwa einen dunkelgrünen oder
korn=
blumblauen, vielleicht auch einen mohnroten
Oberteil wählen, müßte ſich hier aber für einen
locker gewebten, grobporigen Stoff entſcheiden,
der der „Hundstagshitze”, deren wir ja immer
gewärtig ſein müſſen und die auf Reiſen
beſon=
ders unangenehm empfunden wird, Rechnung
trägt.
Daß die nachmittägliche Aufmachung an der
Mode des „geteilten” Kleides nicht achtlos
vor=
übergeht, iſt ſelbſtverſtändlich, denn unſere Damen
ſind ſich darin einig, daß gerade hier aus
eigen=
artigem Schnitt und ſchöner Seide ſehr reizvolle
Wirkungen zu holen ſeien.
Ein dunkler, ſchiefgeſchnittener, alſo leicht
glockig fallender Seidenrock mit einem
Bunt=
ſeidenoberteil mit kurzen Bauſchärmeln und
einem Ueberjäckchen, deſſen Aermel etwas kürzer
ſind als die des Oberteiles, läßt ein
Kleidungs=
ſtück entſtehen, das man häufig und ſehr gerne
tragen wird.
Natürlich folgt man auch bei der
Geſellſchafts=
kleidung „größeren Stils” dem neuen „
Teilungs=
gedanken”. Beſonders beachtenswert ſind hier die
ſogenannten „Sonnenfalten”=Röcke und die
hel=
len, eng zum Halſe abſchließenden, mit
Halb=
ärmeln verſehenen Spitzenoberteile, wobei durch
einen breiten, ſeitlich gebundenen
Lackſeiden=
gürtel eine geſchmackvolle Verbindung hergeſtellt
wird.
Ein breitrandiger Hut in der Farbe der
Spitze, mit dem Lackſtoff des Gürtels geputzt, iſt
maleriſch und gerade ſeiner bildhaften
Schlicht=
heit wegen überaus vornehm (Bild 3).
Soll es uns dann wundern, wenn die neue
Mode des „geteilten” Kleides, deren Schöpfungen
von allen Fachleuten als wahre Mode=„Trümpfe‟
bezeichnet werden, einen durchſchlagenden Erfolg
erringt?
Willy Ungar.
Das Wiederkommen dieſes eigentlich von der
Biedermeierzeit geſchaffenen Materials wird
ſicherlich unſeren Damen, die für modiſche
Fein=
heiten Verſtändnis haben, Freude bereiten, um
ſo mehr, als die letztmodernen Madeiraſtoffe
ganz beſonders eigenartig ſind, da es ſich faſt
ausnahmslos um Waſchgewebe handelt, die in
dieſer Stick=Technik natürlich bedeutend ſtilvoller
Meiſt wird zwar die Madeiraſtickerei, in der
Farbe des Grundmaterials gebracht, mitunter
aber randet man die Lochroſetten in abſtechender
Tönung, ſo daß rot= oder blau=gekantete
Loch=
ſtickereien auf weißem Grunde oder grün=
gekan=
tete auf beigefarbenem Materiale uſw.
keines=
wegs ſelten ſind.
Je ſchlichter die Machart eines ſolchen
Klei=
derart ausgearbeitet werden, daß ſie gelegent= des iſt, deſto beſſer kommt die Beſonderheit des
Materials zur Geltung.
Der Einheitlichkeit der Geſamtwirkung wegen
bringt man die Anlehnung an den Bieder=
Zu einem ſolchen Kleide iſt der breitrandige
(Bild.)
Willy Ungar.
Wenn Sie auch nicht verreiſen, ſo werden
Sie doch der Stadt entfliehen und am Waſſer
oder irgendwo im Freien Erholung und
Ent=
ſpannung ſuchen. Wichtig iſt, daß Sie dabei
be=
quem und doch zugleich kleidſam und modiſch
richtig angezogen ſind. Wählen Sie unter den
vielen Modellen für Strand= und
Gartenklei=
mer der „Eleganten Welt” zeigt, das für
Sie Geeignete. „Jedes der in der „Eleganten
ſeinen beſonderen Zweck in allen Einzelheiten
ſinnvoll ausgeſtaltet.
Nummer 209
Sonntag, 30. Juli
Die Kreditlage der Landwirtſchaft.
Die Geſamklage im Wirtſchaftsjahr 1931/32 infolge des Rückganges der Reinerkräge verſchlechterk.
Ekwa die Hälfkte aller unkerſuchken Bekriebe Berluſtbekriebe. — Zinſendienſt verſchlingk
eiwa 14,5 Prozenk der baren Birtſchaftseinnahmen.
Eine Beröffenklichung
der Deulſchen Renkenbank=Kredikanſtalk.
Wie in den vergangenen Jahren veröffentlicht die Deutſche
Rentenbank Kreditanſtalt eine gemeinſam mit dem Deutſchen
Land=
wirtſchaftsrat vorgenommene Unterſuchung über die Kreditlage
der deutſchen Landwirtſchaft. Aus der Unterſuchung ergibt ſich,
daß ſich im Wirtſchaftsjahr 1931/32 bei etwa gleichbleibender
Ver=
ſchuldung und wenig veränderter Zinslaſt die Geſamtlage der
Landwirtſchaft infolge des Rückganges der Reinerträge
verſchlech=
tert hat. Die Verſchuldung war am 1. Juli 1932 — bezogen auf
den Einheitswert von 1931 — am höchſten in Norddeutſchland mit
80 Prozent und in Oſtpreußen mit 79 Prozent. Im gewogenen
Durchſchnitt iſt Oſtdeutſchland mit zirka 70 Proz. und
Weſtdeutſch=
land mit zirka 40 Prozent verſchuldet. Der Anteil der Betriebe,
bei denen die Verſchuldung geſtiegen iſt, liegt in Oſtdeutſchland
höher als der entſprechende Anteil der Betriebe mit geſunkener
Verſchuldung. In Weſtdeutſchland iſt dagegen die Tendenz eines
Sinkens der Verſchuldung ſtärker. — Etwa die Hälfte aller
unter=
ſuchten Betriebe ſind von vornherein Verluſtbetriebe; ein
erhebli=
cher Teil hat wohl einen Reinertrag erzielt, der aber kleiner iſt
als der aufzubringende Zinſendienſt. In dieſer Betrachtung
er=
gibt ſich beim Vergleich, der Größenklaſſen ein verhältnismäßig
günſtiges Bild in Oſtdeutſchland für die Betriebe von 5—20 Hektar
und in Weſtdeutſchland für die Betriebe von 50—100 Hektar, ſowie
für die kleineren Betriebe. Im Durchſchnitt von ganz Deutſchland
beanſpruchte der Zinſendienſt im Wirtſchaftsjahre 1931/32 etwa
14,5 Prozent der baren Wirtſchaftseinnahmen.
10,47 Milliarden Sparkaſſen=Einlagen Ende Juni.
Die Sparkaſſeneinlagen bei den deutſchen Sparkaſſen beliefen
ſich Ende Juni 1933 auf RM. 10 467.3 Millionen, und ſind ſomit
gegenüber Ultimo Mai, wo ſie 10 477,7 Mill. RM. betrugen, faſt
unverändert. Der Berichtsmonat ergibt eine kleine Abnahme der
Einlagen um RM. 10.45 Mill. gegenüber einer Zunahme von RM.
19.13 Millionen im Mai. — Im einzelnen betrugen die
Einzah=
lungen RM. 381,79 (422,77) RM., davon aus Aufwertung 3,65
(7,63) und aus Zinsgutſchriften 8,17 (5,59) Mill. während ſich
an=
dererſeits die Auszahlungen auf RM. 393,74 (405,25) Mill.
ſtell=
ten. — Die Depoſiten= Giro= und Kontokorrenteinlagen betrugen
Ende Juni RM. 1109,76 Millionen gegenüber RM. 1125,79 Mill.
Ende Mai 1933.
Die inkernakionalen Skickſtoffverhandlungen
abgeſchloſſen.
Die internationalen Stickſtoffverhandlungen, die in der
vori=
gen Woche in Oſtende ſtattfanden, ſind in Paris fortgeſetzt und
ab=
geſchloſſen worden. Ueber das Ergebnis wurde eine Mitteilung
veröffentlicht, in der es heißt, daß es nicht möglich geweſen ſei, die
auseinandergehenden Intereſſen der europäiſchen Induſtrie
einer=
ſeits und die der chileniſchen Induſtrie andererſeitss miteinander
in Einklang zu bringen. Die augenblicklich beſtehenden
Verein=
barungen zwiſchen den europäiſchen Induſtrien würden dadurch
nicht berührt.
Produkienmärkke.
i. Wochenbericht des Obſt= und Gemüſe=Großmarktes
Wein=
heim (Bergſtraße). Die abgelaufene Woche brachte eine
ver=
ſtärkte Anfuhr von Pfirſichen, Pflaumen, Zwetſchen Mirabellen
und Frühbirnen. In geringeren Mengen wurden
Johannisbee=
ren, Stachelbeeren, Sauerkirſchen und Frühäpfel zugeführt. Die
tägliche Anfuhr betrug 200 Zentner. Der Abſatz vollzog ſich glatt.
Der Markt war allabendlich geräumt. Preiſe am Wochenende:
Pfirſiche 13—25 Pfg. pro Pfund, Pflaumen 10—13, Zwetſchen 16
bis 22. Mirabellen 16—21, Frühbirnen 1. Sorte 10—20. 2. Sorte
6—10, Johannisbeeren 9—11, Sauerkirſchen 17 und Frühäpfel 10
—16 Pfg. das Pfund. Für die kommende Woche wird mit der
Anfuhr von Bleibirnen — ſchöne, faſt fleckenloſe Ware — und
von Bühler Frühzwetſchen (deren Ernte gut iſt) gerechnet. Auch
in der abgelaufenen Woche wurden bis zu 12 Waggons Pfirſiche,
Aprikoſen, Birnen, Pflaumen nach Norddeutſchland, in das
Ruhr=
gebiet und Rheinland verſandt. Mehrere Waggons rollten in
24 Stunden bis Oſtpreußen.
Frankfurter Eiergroßhandelspreiſe. Die Stimmung blieb zwar
zuverſichtlich, der näherrückende Ultimo hat auf den Abſatz aber
einen ſehr nachhaltigen Einfluß genommen, ſo daß die ſeither nur
ſchwache Geſchäftstätigkeit faſt zum Erliegen kam; es wurden nur
Käufe für den notwendigſten Bedarf vorgenommen. Die Zufuhren
in deutſchen Eiern blieben knapp, für Ausländer waren ſie
genü=
gend. Für deutſche Friſcheier verlangte man 7,5—9,75, für
deut=
ſche Landeier etwa 8—8,5 und für holländiſche Friſcheier 8—9,5 Pf.
pro Stück franko Frankfurt.
Frankfurter Buttergroßhandelspreiſe. Obwohl die Erzeugung
in deutſcher und holländiſcher Butter infolge der heißen Witterung
ſehr knapp iſt, überſchreitet ſie immer noch erheblich den Bedarf.
der neben der Reiſe= und Ferienzeit in den Städten ſtark verringert
iſt und auch durch das bevorſtehende Monatsende eine merkliche
Einſchränkung erfahren hat. Die Stimmung blieb indeſſen
anhal=
tend feſt, für deutſche Butter verlangte man unverändert 128—130
RM., während holländiſche Butter mit 130—135 um 2—3 RM.
höher lag. Spitzenqualitäten waren ſtark vernachläſſigt, während
billige Sorten ſeitens des Handels ſtark geſucht blieben, die aber
nicht annähernd im benötigten Umfang beſchafft werden können,
wobei auch der Eigenbedarf auf dem Lande während der Erntezeit
mitſprechen dürfte.
Mainzer Produktenbericht vom 28. Juli. Großhandelspreiſe
pro 100 Kilo loko Mainz in RM.: Weizen 76 Kilo=
Hektoliterge=
wicht 19,25—19,50: Roggen rheinheſſ. 16,50—17: Hafer 15— 15,50:
Wintergerſte 15,50—15,75: Malzkeime 11—11,25; ſüdd
Weizen=
mehl Spezial Null 30,25; Roggenmehl 60prozent. nordd. 23,50—
24,00, desgl. ſüdd. 24,50; feine Weizenkleie 8,40; grobe
Weizen=
kleie 8,90: Roggenkleie 8,75—9,50; Weizenfuttermehl 11:
Bier=
treber 13,50—13.60; Soyaſchrot 15,00. einſchl. Monopolabgabe;
Trockenſchnitzel 7,75. Tendenz: Getreide neuer Ernte in kleinen
Mengen angeboten. Preiſe gedrückt. Tendenz abwartend.
Fut=
termittel etwas feſter.
Berliner Produktenbericht vom 29. Juli. Die Haltung im
Berliner Getreidehandel wird ſchwächer. Das Angebot in
Brot=
getreide kommt als ſelbſtverſtändliche Folge der dringenden
Feld=
arbeiten im Augenblick nur zögernd, die Unternehmungsluſt auf
der anderen Seite aber iſt gleichzeitig gering, ſo daß nur ſelten
im freien Verkehr Geſchäfte vermittelt werden. Der
Hauptabneh=
mer bleiht zur Zeit die Staatliche Stelle für Getreide und
Futter=
mittel. Im Durchſchnitt ſpricht man deshalb das Kursniveau für
Weizen= und Roggenlieferung auf Vortagsſchlußſtand Brief. —
Neuer Weizen ab märkiſchen Stationen ſoll mit 174—176 Mark
gehandelt ſein. Futtermittel tendieren ruhig aber gut ſtetig.
Gu=
ter Hafer bleibt bevorzugt, mittlerer iſt billiger zu haben, aber
ohne Intereſſe. Von Kleie wird Roggenkleie mehr angeboten.
Diehmärkke.
j. Weinheimer Schweinemarkt vom 29. Juli. Amtliche
Preis=
notierungen. Zugeführt waren 438 Stück, verkauft wurden 246
Tiere, und zwar Milchſchweine das Stück zu 6—9 Mk., Läufer
das Stück zu 12—26 Mk. Marktverlauf: mittel.
Frankfurker Effektenbärſe.
Am Wochenſchluß war die Frankfurtey Börſe äußerſt
ruhig. Da es ſchon in den letzten Tagen am Intekeſſe des
Publi=
kums mangelte, war auch geſtern die Stimmung äußerſt
zurück=
haltend im Gegenſatz zu anderen Samstagsbörſen, bei denen
manches Berliner Geſchäft zur Abwicklung gelangte. Die Kurſe
zeigten gegenüber dem vorgeſtrigen Schluß faſt keine
Verände=
rungen; ein Zeichen für die innere Feſtigkeit der Werte. Etwas
Intereſſe war am Rentenmarkt vorhanden, Altbeſitzanleihe zogen
im Verlaufe um 0.25 Prozent an; ſpäte Schuldbücher wurden
mit 79 (78½) aus dem Markt genommen. Neubeſitzanleihe und
Schutzgebiete lagen gut behauptet. Von Induſtrieobligationen
waren Stahlvereinbonds eine Kleinigkeit ſchwächer. Am
Aktien=
markt iſt das Kursbild ziemlich einheitlich. Beſſerungen und
Kursverluſte gleichen ſich faſt aus. Am Chemiemarkt waren
Far=
ben ſchon zu Anfang 0,25 Prozent leichter, Rütgers dagegen zogen
um 0,75 Prozent an. Scheideanſtalt, Erdöl und Goldſchmidt
un=
verändert. Von Montanwerten zeigten Buderus, Gelſenkirchen,
Harpener, Mansfeld, Rheinſtahl und Rheinbraun gegenüber dem
vorgeſtrigen Schluß keine Veränderungen. Klöckner waren 0,5,
Mannesmann 0,75 Proz. gebeſſert. Nur die Stahlvereinsgruppe
etwas ſchwächer. Phönix und Stahlverein je 0.25 Prozent
niedri=
ger. Am Elektromarkt zeigten Schuckert 1.25 Prozent
Kursſteige=
rung. Daneben Lahmeyer 0,75, Siemens 0,5 Prozent
freund=
licher. AEG. lagen auch heute weiter widerſtandsfähig. Etwas
ſchwächer lagen Geſfürel um 0.,75, Bekula 0,5, Licht u. Kraft 0,25
Prozent. Transportwerte ruhig. AG. für Verkehr zogen um
0,75, Hapag um 0,25 Prozent an. Reichsbahnvorzüge
unver=
ändert, dagegen Lloyd ½ Prozent leichter. Zellſtoffwerte neigten
nach unten. Waldhof 1,5 Prozent ſchwächer. Kunſtſeidewerte
etwas gefragt. Bemberg 1,5 Prozent freundlicher, ebenſo auch
Zement Heidelberg um 0,5, Metallgeſellſchaft um 0.25 Prozent
Nur Conti Gummi gaben 1 Prozent nach. Der Pfandbriefmarkt
ruhig und ohne weſentliche Veränderungen. Im weiteren
Ver=
lauf blieb die Börſe weiter freundlich.
Berliner Börſen=Freiverkehr.
Am börſenfreien Samstag ruhte der Geſchäftsverkehr in
Wert=
papieren auch zwiſchen den Bankbureaus vollſtändig. Am
Deviſen=
markt iſt der Dollar mit 4,52 für London Kabel — was einer
Reichsmarkparität von 3,09 RM. entſpricht, wieder etwas
ſchwä=
cher. Das engliſche Pfund hat ſich international eine Kleinigkeit
befeſtigt. London—Amſterdam hört man mit 8,27 London
Zü=
rich mit 17,25 und London—Paris mit 75,31. Im Berliner
Geld=
verkehr iſt der Satz für Tagesgeld noch etwas ſchlechter; er beträgt
4,75—438 Prozent.
Die Säuberungsakkion im Kohlenhandel.
Nach dem Generalabkommen, das der Zentralverband der
Kohlenhändler Deutſchlands e. V. dieſer Tage mit den
Kohlenſyn=
dikaten abgeſchloſſen hat, haben die Syndikate bekanntlich das
Recht ihrerſeits Ergänzungen für das vom Zentralverband
anzu=
legende Regiſter des Kohlen=Groß= und =Kleinhandels zu fordern.
Nach der Stellungnahme der Syndikate wird das
Kohlenhandels=
regiſter endgültig geſchloſſen werden. Wie der Zentralverband der
Kohlenhändler Deutſchlands mitteilt, ſteht bereits jetzt feſt, daß
eine große Anzahl von Kohlenhändlern die Händlerkarte nicht
er=
halten wird. Mit Ausnahme derjenigen Fälle, in denen gegen
die Verweigerung der Kohlenhändlerkarte ſeitens der Syndikate
Einſpruch erhoben wird, wird von ſeiten des
Kohlenhändlerver=
bandes jeweils ein Sperrverfahren vor dem Kartellgericht
einge=
leitet werden. Zur Durchführung der Sperranträge müſſen die
Landesverbände dem Zentralverband die Gründe angeben,
wes=
halb die Sperre gegen den betreffenden Händler durchgeführt
wer=
den ſoll: der Zentralverband hat zu dieſem Zweck den
Landesver=
bänden Fragebogen übermittelt, die in jedem einzelnen Falle
aus=
gefüllt werden müſſen. Als Gründe für die Beantragung der
Sperre gelten: Mangelnde kauf= oder fachmänniſche Eignung
Un=
zuverläſſigkeit, insbeſondere Beſcholtenheit. Mangel an zum
Platz=
handelsbetrieb erforderlichen Einrichtungen und Mangel des
Bedürfniſſes für die Eröffnung eines neuen
Kohlenhandels=
geſchäfts.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Die Inderziffer der Großhandelspreiſe vom 26. Juli. Die vom
Statiſtiſchen Reichsamt für den 26. Juli berechnete Indexziffer der
Großhandelspreiſe ſtellt ſich auf 94,2. Sie iſt gegenüber der
Vor=
woche (94,0) um 0.2 Prozent geſtiegen. Die Indexziffern der
Hautgruppen lauten: Agrarſtoffe 87,1 (plus 0,7) Proz., induſtrielle
Rohſtoffe und Halbwaren 90,0 (min. 0.3) Proz. und induſtrielle
Fertigwaren 113,2 (plus 02) Proz., hiervon Produktionsmittel
unv. 114,0. Konſumguter 112,6 (plus 0,4) Prozent.
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk
Darm=
ſtadt. Neue Konkurſe. Darmſtadt: Kfm. Karl Mayer,
Kai=
ſerlich Perſiſcher Generalkonſul, z. Zt. in Teheran. Af. 9. 8., GlV.
9. 8. Prft. 13 9. Gießen: Friedrich Wilhelm Schmidt. Af 3 8.
GlV. und Prft. 10 8. — Beendete Konkurſe. Groß=
Um=
ſtadt: Johs. Sturmfels 1., Kl.=Umſtadt.
Die Lage am Geld= und Deviſenmarkke.
Die Verfaſſung am Tagesgeldmarkt war in der ganzen
ver=
gangenen Woche ſehr leicht, an verſchiedenen Tagen blieben
bedeu=
tende Ueberſtände. Die Flüſſigkeit des Marktes iſt wohl auf
um=
faſſende Vorbereitungen zum Ultimo zurückzuführen Erſt am
Frei=
tag trat eine leichte Verknappung ein, und der Satz wurde auf
3,5 Prozent erhöht. Auch der Samstag brachte nur eine geringe,
weitere Anſpannung, in deren Auswirkung der Satz auf 3,75
Pro=
zent ſtieg. In Privatdiskonten war das Geſchäft recht lebhaft;
naturgemäß war, aber das Angebot etwas größer als die
Auf=
nahmefähigkeit. Die Umſätze in Reichswerten haben nachgelaſſen,
während ſich noch Intereſſe für Reichsſchatzanweiſungen zeigte,
waren Reichsſchatzwechſel wenig gefragt. Die Siiuation und die
Sätze am Termingeldmarkt blieben unverändert, das Angebot in
Warenwechſeln erfuhr eine kleine Verſtärkung, /s wurden etwa
4 Prozent verlangt.
Der internationale Deviſenmarkt ſtand im Zichen einer
kräf=
tigen Erholung des Dollars gegen ſämtliche eurwäiſchen Deviſen,
die unter dem Eindruck einer Meldung einſetzte, daß die
amerika=
niſche Regierung ihre inflationiſtiſchen Maßmahmen einſtellen
werde. Der ſcharfen Aufwärtsbewegung folgte am Freitag ein
kleiner Rückſchlag, als ſich jene Meldung als unrſchtig herausſtellte.
Am ſtärkſten wirkte ſich dieſe Erholung gegenübir dem Pfund aus.
das nur auf Grund faſt ſtändiger Interventlonen ſeinen Kurs
knapp behaupten konnte. Die Norddeviſen paßten ſich wie ſeit
längerer Zeit der Pfundbewegung an. Auch der franzöſiſche Fr.
tendierte ſcharf nach unten und erholte ſich am Freitag in Relation
zur Dollarabſchwächung um eine Kleinigkeit. Schweizer Franken
und Gulden lagen gegen den Dollar zwar ſchwächer, aber konnten
gegen den franzöſiſchen Fr. ihren bereits in der Vorwoche
gemelde=
ten höheren Kursſtand behaupten. Der Kurs der Lira ſchwankte
etwas, ſie war aber im ganzen gehalten. Die Peſeta liegt zur
Zeit leicht unter Druck. Die Reichsmark war international nach
einer raſch vorübergehenden kleinen Abſchwächung weiter feſt, ihre
Auslandsparität liegt nach wie vor über der Inlandsparität.
Günſtige Amſakenkwicklung im Texkik Einzelhandel.
Der Umſatz im Textileinzelhandel iſt, wie „Die Textilwoche‟
erfährt, im Juni 1933 nach den ſtatiſtiſchei Erhebungen des
Reichsbundes des Textileinzelhandels wertmäzig auf 101,8 Proz.
des Umſatzes im Juni des Vorjahres geſtiegen. Schaltet man
die Preisveränderungen aus, ſo ergibt ſich bei Umrechnung über
den Lebenshaltungsindex (Gruppe Bekleidun) ſogar eine
Um=
ſatzziffer von 107,9 Proz., bei Umrechnung über den
Großhandels=
index für Textilien eine ſolche von 107 Prizent. Die günſtige
Entwicklung der Umſätze dürfte zu einem Teil darauf
zurückzu=
führen ſein, daß in dieſem Jahre die letzter Tage des
Pfingſt=
geſchäfts in den Juni fielen. Aber auch ir der Reihe der von
Saiſonſchwankungen bereinigten Monatsziffrn zeigt die Kurve
ſowohl der wert= als der mengenmäßigen Umſätze, deren
Auf=
wärtsbewegung im Mai eine Unterbrechung erfahren hatte,
wie=
der eine ſteigende Tendenz. Der gleichzeiig ermittelte Umſatz
im ganzen erſten Halbjahr 1933 belief ſich dem Werte nach
durch=
ſchnittlich auf 92,2 Prozent des Umſatzes im erſten Halbjahr 1932.
Der hierin zum Ausdruck kommende Unſatzrückgang reſultiert
aus den Ergebniſſen des erſten Vierteljahes, die noch recht
un=
günſtig geweſen waren.
Die deutſche Kohlenprodukkionim Juni 1933.
Im Juni 1933 wurden im Deutſchen keich (ohne Saargebiet)
8 544 132 (Juni 1932: 8 291 391) To. Stenkohlen und 10 218 230
(10 447 198) To. Braunkohlen gefördert. die Koksproduktion ſtieg
auf 1 704 412 (1 572 152) To. Aus Steikohlen wurden 325 293
(323 695) To. Preßkohlen, aus Braunkohen 2 658 259 (2 813 821)
To. hergeſtellt.
In den erſten ſechs Monaten wurden m Vergleich zur
entſpre=
chenden Vorjahreszeit (in Mill. To.) 52,3 (50,32) Steinkohlen und
59,72 (58,15) Braunkohlen gefördert. De Koksproduktion hat ſich
von 9.46 auf 10,0 erhöht. Aus Steinkolen wurden 2,07 (2.06),
aus Braunkohlen 14,21 (14,13) Preßkohen hergeſtellt.
Kleine Wirtſchaftsnchrichken.
Die in der Tagespreſſe verbreitete Nachricht über die
Frei=
gabe des Verkaufs von Kupferblechen uſw. durch das
Kupfer=
blechſyndikat am 1. Auguſt trifft nicht zu. Der weitere Beſtand
des Syndikats und ſeine Arbeit in derbisherigen Form ſind für
die nächſten Monate geſichert, bis die Verhandlungen über die
beabſichtigte, langfriſtige Regelung abeſchloſſen ſein werden.
Die Herren Warburg u. Co Haiburg und die DD.=Bank,
Filiale Hamburg, haben den Antrag geſtellt, RM. 12,81 Mill.
Stammaktien der Phil. Holzmann W., Frankfurt a. M., zum
Handel und zur Notiz an der Hambuger Börſe zuzulaſſen.
300 000 Lſtrl. Gold wurden zum Sreiſe von 123/8 s pro Unze
ſein verkauft. Davon gingen 100 000 Lſtrl. nach dem Kontinent.
während der Käufer des Reſtbetrags ungenannt blieb. Die Bank
von England hat ihren Beſtand an Brgeld um 2339 Lſtrl. erhöht.
Vom Ackerbauamt in Waſhingdn ſind die Verhandlungen
über die Annahme des Zuckerkontinentierungs=Abkommens auf
den 10. Auguſt angeſetzt. Der vorlufige Plan ſah bekanntlich
vor den amerikaniſchen Eigenbedarf, der auf 6,35 Millionen To.
geſchätzt wird, wie folgt zu decken: 1 5.5 000 To. durch die heimiſche
Rübenzuckerproduktion, 310 000 To durch die heimiſche
Rohr=
zuckerproduktion, 1 700 000 To. durch Kuba, 956 000 To. durch die
Philippinen, 975 000 To. durch Hwai und 875 000 To. durch
Portorico.
Burmſtädter und Hartionatoane Surmfraßr, Bihane dir äressher Buur
Frankfurter Kursbericht vom 29. Juli 1933.
D
„ Gr. IIp. 1934
... 1935
„. „ 1936
„ „ „ 1937
„ 19381
Gruppe!
6% Dtſch. Reichsanl
„ v. 27
6%
5½% Intern.,v. 30
62Baden. , v. 27
63 Bahern.. v. 27
6% Heſſen... v. 29
6% Preuß. St. v. 281.
6% Sachſen.. v. 27
6% Thüringenv. 23
Dtſch. Anl.
Auslo=
ſungsſch. 4½.
Ab=
löſungsanl.. . . .
Dtſche. Anl. Ablö.
jungsſch. (Neub.)
Deutſche
Schutzge=
bietsanleihe ....
6% Baden=Baden.
62Berlin. . . b. 24
6% Darmſtadt ...
6% Dresden. .v. 26
6%0 Frankfurt a. M.
Schätze v. 29
v. 26
6% Mainz...
6%Mannheimv. 27
6% München v. 29
6% Wiesbaden v. 28
6% Heſſ. Landesbl.
6% „ Goldoblig.
5½% Heſſ. Landes=
Hyp.=Bk.=Liquid.
gl.
91:
84,
86),
771
86
98.5
83‟),
81.05
82:),
84.25
25
101.25
*
71-/,
77.75
11.15
6.7
60
59.5
57.25
58.5
55
64
G7I.
80.5
85
43% beſſ. Landes.)
Hyp.=Bk. Liqu.
Kom. Obl. . . ..
6% Preuß. Landes=
Pfd.=Anſt. G. Pf.
6% „ Goldoblig.
6% Landeskomm.=
Bk. Girozentr. für
HeſſGlbobl. R. 11
6% „ „ R. 12/
16%½ Kaſſeler Land. Goldpfbr.
6%Naſſ. Landesbk.
5½% „ Liqu. Obl.
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.- Anl.
*AuslSer I
„AuslSerIf
Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Neubeſitz).
6% Berl. Hyp. Bt.
5½%0 — Lig.=Pfbr.
6% Frkf. Hyp.=Bk.
5½% „ Lig. Pfbr.
Golboblig.
% Frkf. Pfbr.=Bl.
. Lig.=Pfbr.
Mein. Hyp.=Bk.
Lig. Pfbr
% Pfälz. Hhp.=Bk.
%o „ Lig. Pfbr.
6% Rhein. Hyp. Bk.
½% „Lig. Pfbr.
Goldoblig.
Südd. Bod.=
Cred.=Bank ....
1 5½% — Lig. Pfbr
6% Württ. Hhp.=B.
84.75
72.5
80.5
80.5
84.9
68.5
89
10
82.5
Na
84.55
67.5
81.75
85.75
82.5
85.25
85.5
85.25
84
85.75
77.5
87
85.
86.5
D
7 Dt. Linol=Werke
6% Mainkrw. v. 26
6% Mitteld. Stahl
6% Salzmann u. Co
6% Ver.Stahlwerke
6% Boigt u. Häffner
J. 6. Farben Bonds
5% Bosn. L.E.B.
L. Inveſt.
2 Bulg. Tab. v. 02
4½% Oſt. Schätze
4% Oſt. Goldrente/ 11.5
5% vereinh. Rumän
4½%
4%
4%0 Türk. Admin.
147 „ 1. Bagdad
4% „Zollan!.
4½%ungarn 1913
14½% „ 1914
Goldr.
14%
1910
148
4½ Budp. Stadtan!
42 Liſſabon.
42 Stockholm
Aktien.
Ria. Kunſtziide Unie
A. E. 6. ........
AndregeNoris Bahn! 93
Aſchaffbg. Brauerei
. Zelſtoff
Bemberg, J. P...
Berl. Kraft u. Licht
Buderus Eiſen.
Eement Heidelberg/ 8:
Karlſtadt.
MKali Chemie —.
Aſchersleben.
elein, Schanzlin
elöcknerwerke ...
Knorr C. 5.....
Lahmeher & Co.,
Laurahütte ....
Lech, Augsburg.
Löwenbr. Müng.
Mainkr.=W. Hchſt
Mainz. Akt. Br..
Mannesm. Röken
Mansfeld Bero.
Metallgeſ. Fra kf..
Miag. Mühlenau.
MotorenDarmtadil
Reckarwert Cſing.
Obeubedar
Rhönix Berghu..
Reiniger, Gebert.
Rh. Braunkolen.
Elektr. Samm
„ Stahlwete
Riebea Montn
Roeder, Geb
Rütgersweri
SalzbetfurtkKan.
Salzw. Heilronn
Schöfferhofsind.
Schramm, ackfbr.
Schuckert, Cektr.
Schwartz, Ktorchen
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Sonntag, 30. Juli 1933
Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Nr. 209 — Seite 25
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