Darmstädter Tagblatt 1932


23. Oktober 1932

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Einzelnummer 15 Pfennige

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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
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Döchentlich 2maligem Erſcheinen vom 1. Oktober
1. Ottober 2. Reichsmark und 20 Pfennig
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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſkrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit / verſehenen Original=Aufſätze und eigenev Nachrichten nur mit Quellenangabe Darmſi. Tagbl. geſiattet.
Nummer 295
Sonntag, den 23. Oktober 1932. 195. Jahrgang

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Rabatt weg. Banlkonto Deutſche Bank und Darme
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Druſche Dentagenefſenſcaftgräffe

Reorganiſakion der Preußiſchen Zenkralgenoſſenſchaftskaſſe. Skellung unker Reichsaufſichk.
Ziel der Akkion: Erhaltung der lebensfähigen Genoſſenſchaften.
Eine Vierkelmilliarde
Gerüchke um Papen und Schleicher.
* Berlin, 22. Oktober. (Priv.=Tel.)
zur Rakionaliſierung des landwirtſchafklichen
Die Gerüchte über allerhand Quertreibereien gegen das Kabi=
nett
und im Kabinett haben die Regierung veranlaßt, mit
Genoſſenſchaftsweſens.
allem Nachdruck zu erklären, daß innerhalb des Kabinettes völ=

Berlin, 22. Oktober.
2ie Verluſte, die bei den Genoſſenſchaften, insbeſondere auch
eiden landwirtſchaftlichen, infolge der allgemeinen Wirtſchafts=
Mlaufgetreten ſind, haben es mit ſich gebracht, im Einver=
ehen
mit der preußiſchen Staatsregierung der Reorganiſation
7d APreußiſchen Zentralgenoſſenſchaftskaſſe, des bedeutendſten ge=
nönſchaftlichen
Zentralkreditinſtituts, näherzutreten. Reich und
Aßen werden für die Durchführung des notwendigen Abſchrei=
bmsbedarfes
erhebliche Mittel zur Verfügung ſtellen. Die
Außiſche Zentralgenoſſenſchaftskaſſe wird der Aufſicht des Reichs
umiſtellt werden und in Zukunft die Bezeichnung Deutſche
3 ra lgenoſſenſchaftskaſſe führen. Ihr Kapital wird rund
1MMillionen RM. betragen, zu denen noch 20 Millionen an
Reſiven hinzutreten. Das Reich und Preußen werden an dieſem
Kmtal mit je 42,5 Millionen RM. beteiligt ſein. Es iſt vor=
goher
, daß hiervon je 2,5 Millionen RM. an die Deutſche Ren=
mte
munkkreditanſtalt übertragen werden. Die über die neuen
m Kmtalbeteiligungen des Reiches und Preußens hinausgehenden
PEeige der bisherigen Stammeinlagen bei der Preußiſchen Zen=
tunenoſſenſchaftskaſſe
werden zur Deckung von Verluſten im
Hdzwrtſchaftlichen Genoſſenſchaftsweſen und von Verluſten an
lezortſchaftlichen Außenſtänden ſolcher gewerblichen Genoſſen=
ſoluen
verwendet, die mit der Deutſchen Zentralgenoſſenſchafts=
kelNinr
Geſchäftsverkehr ſtehen; ſie belaufen ſich auf rund 40 Mil=
liim
RM. Zu dem gleichen Zweck werden 10 Millionen RM.
Rven von der Deutſchen Zentralgenoſſenſchaftskaſſe zur Ver=
fülmg
geſtellt. Außerdem werden Reich und Preußen für Zwecke
dagſerluſtbereinigung und der Rationaliſierung des landwirt=
Yaulichen Genoſſenſchaftsweſens Beträge bis zur Höhe von ins=
geht
200 Millionen RM. zur Verfügung ſtellen. Die Be=
ße
ſind für das geſamte Reichsgebiet be=
ſtſhm
t. Ziel der Aktion iſt, die lebensfähigen Genoſſenſchaften
zu5 ehalten. Auf das Reich entfallen rund 127 Millionen RM.,
diten den Reichshaushaltsplänen der Jahre 1936 bis 1938 be=
reiſteſſellt
und für die zunächſt Schatzanweiſungen zur Verfügung
gaitt werden.
Die Deutſche Zentralgenoſſenſchaftskaſſe wird in Zukunft der
ſicht des Reichsminiſters der Finanzen un=
Piehen. Neben dem Direktorium werden ein Ausſchuß und
hauptverſammlung gebildet.
Die Reichsregierung wird ermächtigt, in Aenderung und
gaiuung des Genoſſenſchaftsgeſetzes gewiſſe näher umriſſene
ſimmungen über Reviſion, Bilanzen und
Merſtatut der Genoeſſenſchaften zu erlaſſen,
unhm. Intereſſe der Geſunderhaltung des Genoſſenſchaftsweſens
eigſey irkſame Reviſion und eine ſachgemäße Aufſtellung
dei ſahresabſchluſſes der Genoſſenſchaften ſicherzuſtellen.
VSchließlich wird das Reich zur Stützung von ge=
wAblichen
Kreditgenoſſenſchaften und Bauge=
nühſemſchaften
bis zum Geſamtbetrage von rund
MMillionen Reichsmark Garantien überneh=
michund
jeweils bis zur Höhe von einem Drittel dieſes Betrags
Mst! in den Rechnungsjahren 1932, 1933 und 1934 zur Ver=
füing
ſtellen.
dweike Oſthilfe-Enkſchuldungs=Berordnung.
Berlin, 22. Oktober.
Oe heute unterzeichnete Zweite Entſchuldungsverordnung,
W dicer beſchleunigten Durchführung der Entſchuldungsverfahren
innſſchilfegebiet dient und die Vorausſetzungen für eine erhöhte
Bahindung der Gläubiger ſchafft, enthält außerdem noch eine
Büſmnung zur Erleichterung von Schwierigkeiten der nicht=
garſerſchaftlichen
Gläubiger aus Warenlieferungen gegenüber
Uſieentſchuldungsbetrieben. Die Verordnung ſieht die Eintra=
W50 von Uebergangshypotheken vor, die zunächſt weder verzinſt,
nacg tilgt werden. Nach drei Jahren wird je nach der Lage der
LtAnf rtſchaft über ihren Fortbeſtand entſchieden.
Braktiſche kommungle Arbeitsbeſchaffung.
UNB. Berlin, 22. Oktober.
e Preſſeſtelle des Deutſchen Städtetages teilt mit, daß der
Ene Vorſtand des Deutſchen Städtetages ſich ſoeben nach ein=
Be2er praktiſcher Vorbereitung abſchließend mit der Frage
*2 kommunalen Arbeitsbeſchaffungsprogramms beſchäftigt hat.
De us ſetzung des kommunalen Arbeitsbeſchaffungsprogramms
Oen Städtetag daß die Finanzierung auf einem volkswirt=
i
ich einwandfreien Wege durchgeführt wird, der alle Experi=
S auf währungspolitiſchem Gebiete vermeidet. Die Hergabe
ingedeckten zinsloſen Krediten größten Ausmaßes, wie ſie
DAneerer Seite vorgeſchlagen worden iſt, kann deshalb nicht in
Sye kommen. Es wäre auch mit den Regeln einer geſunden
Sllzwirtſchaft unvereinbar, die laufenden durch die Erwerbs=
ü
, entſtandenen Laſten durch eine Kreditausweitung ſchein=
Ntweſeitigen und damit die wirkliche Lage nur zu verſchleiern,
Trt ſie gründlich zu bereinigen. Der Städtetag hat der
Mſregierung gegenüber ſeine bereits früher erhobene Forde=
DAwiederholt, daß für die kommunalen Betriebe und für die
Duu-ale Arbeitsfürſorge im Rahmen des Regierungsprogramms
SFautſcheine zur Verfügung geſtellt werden.

lige Einigkeit über die für die nächſte Zukunft beabſichtigten
Maßnahmen beſtehe und daß niemand im Kabinett daran denke,
an dem jetzigen Kurs etwas zu ändern. Eine Abwehr, die aller=
dings
von den üblichen Schattenſeiten aller Dementis nicht ganz
frei iſt, denn von einer vollſtändigen Einheit im Kabinett zu
ſprechen, iſt doch wohl eine kleine Uebertreibung. Es iſt ja nach=
gerade
ein öffentliches Geheimnis, daß wegen der Kontingente,
um nur ein Beiſpiel zu nennen, zwiſchen dem Ernährungsminiſte=
rium
und dem Wirtſchaftsminiſterium ſehr lebhafte Meinungs=
verſchiedenheiten
beſtehen oder mindeſtens beſtanden haben, und
daß es auch ſonſt nicht immer ganz leicht geweſen iſt, die einheit=
liche
Linie zu finden.
Was mit dieſer Erklärung aber geſagt werden ſoll, iſt wohl
vor allem, daß irgendwelche Perſonalveränderun=
gen
, vor den Wahlen nicht zu erwarten ſind. Es iſt
anzunehmen, daß General v. Schleicher, der ſich augenblicklich in
Badenweiler aufhält, von ſich aus das Berliner Dementi noch
unterſtützen wird. Denn er hat auch diesmal bei den Gerüchten
wieder eine beſondere Rolle geſpielt. Schon am Tage vor der Auf=
löſung
des Reichstages wurde ihm nachgeſagt, daß er mit Natſoz.
und Zentrum getechtelmechtelt hätte, und er war gezwungen, die
politiſchen Schlußfolgerungen, die daraus gezogen wurden, öffent=
lich
in Abrede zu ſtellen. Auch diesmal haben die Gerüchte, ſoweit
ſie rein politiſcher Art ſind, ſich hauptſächlich um ihn gelagert
und andeuten wollen, daß er in der Beurteilung der Lage von
dem Kanzler weſentlich abweiche, indem er auch jetzt noch die
Brücken zu den Natſoz, und die Querverbindungen zu den Ge=
werkſchaften
aufrechterhalten wolle, Herr v. Schleicher iſt dadurch
in den Mittelpunkt des Geredes gerückt, daß dieſe Behauptungen
von einer Berliner Zeitung ausgingen, die, wie allgemein an=
genommen
wird, von ihm geſtützt worden iſt. Wenn alſo gerade
von dieſer Seite jetzt in einer beſtimmten Richtung gearbeitet
wurde, dann lag der Verdacht nahe, daß Herr v. Schleicher da=
hinter
ſtehe, womit ihm aber wohl Unrecht getan wird. Denn auch
Herr v. Schleicher wird ſich darüber klar ſein, daß, nachdem ein=
mal
die Wahlen ausgeſchrieben ſind, jede Ueberlegung über die
Entwicklung der Zukunft erſt von dem Ergebnis der Wahlen ihren
Ausgangspunkt nehmen kann.
Eine Erklärung des Reichswehrminiſters.
Freiburg i. Br., 22. Oktober.
Von dem in Badenweiler weilenden Reichswehrminiſter von
Schleicher geht dem WTB.=Freiburg folgende Erklärung zu: In
Berlin wird die Nachricht verbreitet, daß ich meinen Aufenthalt
in Badenweiler zu politiſchen Beſprechungen benutze, die den
Beſtand des jetzigen Kabinetts gefährden könnten. Eine geradezu
abſurde Idee! Abgeſehen davon, daß ich mit dem mir befreunde=
ten
Reichskanzler von Papen ſachlich und politiſch völlig über=
einſtimme
, habe ich während meines Aufenthaltes in Badenweiler
noch keine politiſche Perſönlichkeit größeren oder kleineren For=
mats
geſehen oder geſprochen und gedenke das auch in Zukunft
nicht zu tun. (gez.) v. Schleicher.
Francois-Poncei krikt nicht zurück.
UNB. Berlin, 22. Oktober.
Der franzöſiſche Botſchafter in Berlin, Fransois=Poncet, hat
geſtern nach ſeiner Rückkehr aus Paris einen Vertreter des Bör=
ſenkuriers
empfangen, dem er erklärte, daß er nicht daran denke,
zu demiſſionieren. Der Botſchafter wandte ſich gegen die Gerüchte,
daß er durch de Herbette aus Madrid erſetzt werden ſolle. Er
habe bei ſeinem Beſuch in Paris mit dem Präſidenten geſprochen.
Auf eine weitere Frage, daß man den Botſchafter als zu deutſch=
freundlich
bezeichnet habe, erklärte Frangois=Poncet: davon
weiß ich auch nichts, gar nichts! Die diplomatiſchen Gepflogen=
heiten
auf der ganzen Welt gipfeln in dem oberſten Grundſatz,
ſtets ein freundſchaftliches Verhältnis mit der Regierung aufrecht
zu erhalten, bei der man eben akkreditiert iſt. Wenn man dieſes
Land beſonders liebt, oder wenigſtens ſehr viel für es übrig hat,
dann iſt es nur gut für beide Teile!.
Nolverordnung gegen Aukodiebſtähle.
Das Reichsgeſetzblatt veröffentlicht heute eine Verordnung
des Reichspräſidenten gegen unbefugten Gebrauch von Kraftfahr=
zeugen
und=Fahrrädern vom 20. Oktober 1932.
Auf Grund des Artikels 48 Abſatz 2 der Reichsverfaſſung wird
verordnet:
8 1.
Wer ein Kraftfahrzeug oder ein =Fahrrad gegen den Willen
des Berechtigten in Gebrauch nimmt, wird, ſofern die Tat nicht
nach anderen Vorſchriften mit ſchwererer Strafe bedroht iſt, mit
Gefängnis bis zu drei Jahren beſtraft. Der Verſuch
iſt ſtrafbar. Die Verfolgung tritt nur auf Antrag ein. Die Zu=
rücknahme
des Antrags iſt zuläſſig. Wer die Tat gegen ſeinen
Ehegatten oder gegen einen Verwandten abſteigender Linie be=
geht
, iſt ſtraffrei. Kraftfahrzeuge im Sinne dieſer Verordnung
ſind die Fahrzeuge, die durch Maſchinenkraft bewegt werden,
Landkraftfahrzeuge nur inſoweit, als ſie nicht an Bahngleiſe ge=
bunden
ſind.
F 2.
Dieſe Verordnung tritt am 1. November 1932 in Kraft.

Außenpolikiſche Umſchau.
Von
Prof. Dr. Otto Hoetzſch.

Sang= und klanglos iſt die (13.) Völkerbundsver=
ſammlung
zu Ende gegangen. Weſentliches konnte überhaupt
nicht zuſtande kommen, weil ja die drei großen Völkerbunds=
themen
: Abrüſtung, Weltwirtſchaftskriſe, fernöſtlicher Konflikt
von der Erörterung ausgeſchloſſen waren. Daß die Exiſtenzfrage
des Bundes geſtellt iſt, haben wir oft geſagt. Sie wird beſtimmt
nach dem weiteren. Monate in Anſpruch nehmenden Ablauf
jener drei großen Probleme. Inzwiſchen ſind wir noch im Völ=
kerbund
, haben dort mitzuarbeiten und es iſt daher auch für uns
wichtig, worum jetzt in Genf geſtritten worden iſt, zumal an
der Frage, an der Deutſchland ſeit je ein lebhaftes Intereſſe
genommen hat, der Frage nämlich nach der Reorgani=
ſation
des Sekretariats und der Verteilung der Macht,
die durch dieſes ausgeübt wird.
Zunächſt: auch der Völkerbund iſt finanziell in übler
Lage. Sein Haushalt iſt mit 33,4 Millionen Goldfranken für
das neue Jahr feſtgeſetzt, davon nicht weniger als die Hälfte für
das Völkerbundsſekretariat. Aber nur 11 von 65 Mitgliedern
haben voll bezahlt. Frankreich, das den meiſten Vorteil vom
Bunde hat, iſt im Rückſtande, desgleichen Italien, Japan, ſämt=
liche
Südamerikaner, engliſche Kolonien, die Schweiz ſogar,
die Balkanſtaaten, Polen, China. Deutſchland hat mit Recht noch
keinen Pfennig bezahlt: in ſeiner Deviſenlage iſt es nicht im
Stande, zwei Millionen Goldfranken zu transferieren und ſein
Angebot, in Mark zu bezahlen, iſt nicht angenommen worden.
Daher bleibt ſein Beitrag in der Schwebe.
Vor allem aber handelte es ſich um die ſog. Reorgani=
ſation
des Völkerbundsſekretariats. Der Rücktritt
Sir Erie Drummonds ſpäteſtens zum 30. Juni nächſten Jahres
war nur äußerer Anlaß zur Behandlung eines Problems, das
längſt wichtig und ſchwierig war: die Beherrſchung des Sekre=
tariats
durch Engländer und Franzoſen, neben denen die ande=
ren
Nationen, vor allem Deutſchland und die kleinen Staaten
nicht aufkamen, hat längſt Anlaß zu lebhaften Erörterungen
gegeben. Die Löſung jetzt iſt im deutſchen Sinn nicht voll be=
friedigend
. Der Nachfolger Drummonds iſt der Franzoſe Avenol.
Der Wunſch des Sekretariats iſt alſo durchgeſetzt, daß, nachdem
in der Leitung des internationalen Arbeitsamts auf den ver=
ſtorbenen
Thomas der Engländer gefolgt war, dafür der Nach=
folger
Drummonds ein Franzoſe werden müſſe. Generalſekretär
und Vertreter, alſo bisher Drummond und Avenol, haben die
Untergeneralſekretäre, unter denen ein Deutſcher iſt, nicht recht
aufkommen laſſen. Deutſchlands Wunſch, die Vertretung des
neuen Generalſekretärs unter den Untergeneralſekretären wech=
ſeln
zu laſſen, konnte nicht durchgeſetzt werden, und den Streit
zwiſchen Groß= und Kleinſtaaten hat man ſo geregelt, daß zwei
ſtellvertretende Generalſekretäre beſtimmt wurden, einer ein
Italiener, der andere der Vertreter eines Kleinſtaates ein Nor=
weger
. Das iſt die oberſte Leitung des Sekretariats. Mithin ſind
die Untergeneralſekretäre wiederum einen Schritt zurückgedrängt.
Das ſind vier, unter denen Deutſchland jetzt den Poſten für die
Wirtſchaft ſtatt der kulturellen Fragen erhält. Er ſoll von dem
bisherigen Staatsſekretär Tendelenburg eingenommen werden.
Dagegen iſt Deutſchlands Vorſchlag durchgedrungen, daß keine
Macht mehr als zwei hohe Beamte im Generalſekretariat haben:
dürfe, was übrigens auch noch Schwierigkeiten beim Ablauf der
Verträge machen wird. Der Generalſekretär wird auf zehn
Jahre, die Stellvertreter auf acht, die Untergeneralſekretäre auf
ſieben Jahre gewählt. Es handelt ſich alſo um eine Entſchei=
dung
auf weite Friſt für uns nicht gleichgültig, weil zunächſt
der Völkerbund noch beſteht, Deutſchland darin iſt und allen
Anlaß hat, ſehr entſchieden dort mitzuarbeiten.
Der ausſcheidende Generalſekretär der erſte und bis=
her
einzige des Völkerbundes, war ein Engländer. Er hat das
Sekretariat mit den Erfahrungen der engliſchen Kriegsorgani=
ſation
vorzüglich organiſiert, aber ſo den Völkerbund, ohne es
zu wollen, zu einem Inſtrument Frankreichs gemacht. Das
hat jeder gemerkt, der in dieſen Jahren nach Genf kam. Ebenſo
war jedermann zweifelhaft, ob Drummond innerlich an der Idee
des Völkerbundes hing oder ob er ſeine Aufgabe rein geſchäft=
lich
=diplomatiſch faßte. So hat er ſie ſicherlich ausgezeichnet er=
füllt
, damit allerdings auch ein großes Teil der Schuld auf ſich
gezogen, daß der Völkerbund in den letzten Jahren nie zu Ent=
ſcheidungen
kam, immer nur manöverierte und daß bis zum
Ueberdruß und Widerwillen die ganze Geſchäftsführung im rein
Formalen aufging, d. h. die Vertagung in irgendeiner Form bei
allem die Hauptſache wurde. Der Nachfolger iſt ein Franzoſe.
Das ſagt genug und vielleicht iſt es ſo gut, weil die Lage nu
für die deutſchen Vertreter im Völkerbunde damit ganz klar
wird. Ihre Aufgabe iſt, ſo wenig das der ferner Stehende weiß,
ebenſo ſchwer, wie für Deutſchland unbedingt notwendig. Es
ſei nur an die Verbindung erinnert, die von ihnen abhängt für
die ganze Abrüſtungsfrage, für die Einſtellung Deutſchlands
überhaupt zu der Kriſe, in der der Völkerbund ſteht, die aber
noch eine ganze Weile dauern wird.
Unter ſeine Aufgaben fällt die Weltwirtſchaftskon=
ferenz
: Für ſie ſchafft eine begründete Tatſache Ottawa.
Dieſer Name bedeutet heute ein großes Vertragswerk innerhalb
des Britiſchen Weltreiches, 12 Einzelabkommen, davon ſieben
zwiſchen dem Mutterland und den Kolonien, und fünf unter
den Kolonien ſelbſt, die im ganzen Tauſende von Zollpoſitionen
enthalten und verändern. Was bedeutet das für die Handels=
politik
der Welt, für die Kunden Englands, darunter auch
Deutſchland! Die Kolonien haben es ſchon zumeiſt in Kraft
geſetzt, das engliſche Unterhaus, das in dieſer Woche am 18.
ſeine Sitzungen wieder begann, hat das Vertragswerk ratifiziert.
Damit iſt für die Weltwirtſchaftskonferenz eine vollendete Tat=
ſache
geſchaffen: ein großer Schritt vorwärts in dem Beſtreben
des Weltreichs, ſich wirtſchaftlich zuſammenzuſchließen, die
Binnenzölle in ihm abzubauen auf der Grundlage der Zuge=
ſtändniſſe
des Mutterlandes auf dem Lebensmittelgebiet unter
Zugeſtändniſſen der Kolonien auf dem Induſtriegebiet. Es iſt
ein erſter Schritt. Vielen in England geht er noch nicht weit
genug, vielen iſt er ſehr bedenklich, und jedermann weiß, daß
einmal die Kolonien ſchon ſehr weit in der Entwicklung ihrer
Induſtrie ſich auch gegen das Mutterland abſchließen möchten
und zum andern, daß das Mutterland gar nicht in ſo hohem Maße
am Induſtrieaustauſch mit den Kolonien intereſſiert iſt, daß
in der übrigen Welt ſehr wichtige Kunden für England leben.
Aber ein erſter Schritt und eine vollendete Tatſache iſt da
wie will demgegenüber, bei dem Abſchluß Rußlands und dem

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Seite 2 Nr. 295

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Hochſchutzzoll Amerikas, die Weltwirtſchaftskonferenz die Er=
ſtarrung
der Handelspolitik löſen, in die Europa verfallen iſt?
Auch unter dieſem Geſichtspunkt iſt die heute in Deutſchland ſo
leidenſchaftlich umſtrittene Frage der Autarkie zu betrachten!
Wir kümmern uns um viel Gebiete der Welt draußen gar
nicht und mit einem Mal wird ihre Bedeutung überraſchend,
vielleicht unangenehm klar! So iſt jetzt Spanien. Ein Jahr
iſt es Republik. Es hat ſich ſeine Verfaſſung unter dem 9.
Dezember 1931 gegeben. Es hat eben, am 9. September, eine ſehr
weitgehende Agrarreform, d. h. Landenteignung des großen Be=
ſitzes
durchgeführt. Es hat die kataloniſche Frage, den Gegenſatz
der beiden Teile Spaniens gelöſt in einem bundesſtaatlichen
Statut. Es kämpft wirtſchaftlich, aber es hat ſich politiſch un=
zweifelhaft
befeſtigt. Es war völlig auf ſich bezogen. In Genf
oder an anderen Stellen der großen Politik hörte man von
ihm nichts. Dabei iſt es ein Staat von zwanzig Millionen
Einwohnern, der außerdem die rund 100 Millionen ſpaniſch
ſprechenden Menſchen auf der Erde mindeſtens geiſtig führt. Und
nun fährt, am 31. Oktober, Herriot nach Madrid!
Eine engliſche Zeitung berichtete, er wolle Spanien mit dem
Vorſchlag locken, das Land für das internationale Völkerbund=
depot
von ſchweren Waffen zu werden, das Frankreich vor=
ſchlägt
, weil es ſo weit von Deutſchland entfernt ſei. Der
Beſuch hat ernſtere Zwecke. Nämlich abgeſehen von nord=
afrikaniſchen
und Mittelmeerfragen, die zwiſchen Frankreich und
Spanien von Wichtigkeit ſind : Spanien jetzt einzube=
ziehen
, in den franzöſiſchen Sicherheitsplan
überhaupt, Italien aus ſeinem Bündnis mit dem Spanien des
König Alfons und Primos herauszudrängen und es in die
Reihe der franzöſiſchen Trabanten in Genf einzufügen. Damit
würde Spanien aus ſeiner Neutralität herausgelockt, die es
während des Krieges und nach dem Kriege immer aufrichtig
bewahrt hat. Herriot rechnet natürlich darauf, daß im Gegen=
ſatz
zu einer Monarchie, der man deutſchfreundliche Neigungen
zuſchrieb, eine parlamentariſch=demokratiſche Republik Spanien
viel leichter Frankreich mit dem Herzen zufallen wird. Daneben
vergeſſe man nicht, daß auch längſt ſchon vorhanden iſt: der
Einfluß Frankreichs auf die Vertretung der ſüdamerikani=
ſchen
Staaten in Genf, weil ja dieſe Vertreter alle zugleich die
Geſandten ihrer Staaten in Paris ſind. Wieder ein Zeichen für
die Konſequenz, die Unermüdlichkeit der franzöſiſchen Politik,
auch Herriots ſelbſt und die Frage; hat wohl die deutſche aus=
wärtige
Politik und Vertretung in Spanien in der zurückliegen=
den
Zeit alles getan, um dieſen Gefahren begegnen zu können?
Die Erfahrungen bei der Abrüſtungskonferenz haben das nicht
bewieſen!
Nun die Abrüſtung ſelbſt. Herriot war in London, ver=
abredet
wurde die von Macdonald geplante Konferenz der vier
Mächte nicht in London, ſondern in Genf, weiter nichts. Eine
Verſtändigung zwiſchen Macdonald und Herriot über Frank=
reichs
konſtruktiven Plan, d. h. Frankreichs Garantie= und
Sicherheitswünſche ſind in keiner Weiſe zuſtande gekommen.
Macdonald hat ſich bemüht, Deutſchland nun nach Genf zu be=
kommen
. Dieſes hat abgelehnt. Darüber iſt Macdonald ver=
ſtimmt
, hat das auch auffällig ſcharf am Tag vor dem Wieder=
zuſammentritt
des Parlaments ausgeſprochen. Er arbeitet weiter
um eine ſolche Konferenz, die nun aber, ſoweit Deutſchland in
Frage kommt, vor den deutſchen Reichstagswahlen nicht mehr
möglich ſein wird. Der Hauptausſchuß der Abrüſtungskonferenz,
der eine Art Konferenz im kleinen darſtellt, hat Henderſon nun=
mehr
erſt auf die Woche nach dem 21. November einberufen.
Das die Lage. Dazu noch zwei Striche: Italien hat je=
weils
ſofort dem engliſch=franzöſiſchen Wunſche zugeſtimmt, und
Polen fordert mit zunehmender Schärfe, zur Erörterung
herangezogen zu werden, zieht dazu Artikel 164 des Verſailler
Vertrages heran, ſucht Frankreich klar zu machen, daß es ſich,
wenn es ſeine Verbündeten neben ſich hätte, in viel günſtigerer
Lage befände. Das dürfte auch Frankreichs Meinung und
weiterhin Abſicht ſein.
Deutſchlands grundſätzlicher Standpunkt iſt klar, unbeſtreit=
bar
und hat große moraliſche Kraft. Aber der deutſche Außen=
miniſter
weiß ſicher noch beſſer als wir, daß Grundſatz und
Taktik nicht ein und dasſelbe ſind, daß die deutſche Außen=
politik
in dieſer Lebensfrage, in der ſie alle Deutſchen hinter ſich
hat, auf einem ſehr ſchmalen Pfad zu gehen hat, bei der Stellung
Frankreichs und ſeiner Verbündeten, England, Italien, und daß
es ohne irgendwelche Verbündete iſt, auf die man ſich wirklich
verlaſſen kann. Er weiß noch beſſer als wir, daß man auf die
Dauer lediglich mit dem Nein, mit der Ablehnung, ſo gut ſie
begründet iſt, nicht weiter kommt, daß poſitivem Vorſchlag der
andern Seite ein ſolcher von unſerer Seite entgegengeſtellt wer=
den
muß. Stärkſte diplomatiſche Kunſt iſt nötig, damit in dieſem
Kampfe unſer Schiff zum Ziele geſteuert werde!

Am Dienskag Urkeil in Leipzig.

Vom Hauptbüro des Reichsgerichts wird amtlich mitgeteilt:
In den Klageſachen zwiſchen Preußen, Bayern ſowie Baden und
dem Reich iſt Termin zur Verkündung der Entſcheidung auf
Dienstag, den 25. Oktober, 12 Uhr mittags anberaumt. Die
Sitzung findet wiederum im Hauptſaale des Reichsgerichts ſtatt.

Jena, 22. Oktober.
Zur Eröffnung der diesjährigen Wirtſchaftstagung des Deut=
ſchen
Studentenwerks und aller deutſchen Hochſchul= Wirtſchafts=
körper
waren am Freitag abend in Jena über zweihundert Do=
zenten
und Studenten aus dem ganzen Reich verſammelt. Der
Vorſitzende Profeſſor Dr. Tellmann konnte ſchon zu Anfang der
Arbeitsbeſprechungen Vertreter des Reiches und der Länder und
eine Reihe bekannter Rektoren, unter ihnen den neuen Rektor
der Univerſität Berlin, Profeſſor Dr. Kohlrauſch, begrüßen. Er
verband damit den ganz beſonderen Dank an das Reich für das in
den Etatsmitteln zum Ausdruck gebrachte Verſtändnis der aka=
demiſchen
Not und für das Vertrauen zum Deutſchen Studenten=
werk
. Die Grüße der Reichsregierung enthielten die mit ganz be=
ſonderem
Beifall aufgenommene Verſicherung, daß der Arbeit
in der akademiſchen Jugend weiterhin die beſondere Betreuung
der Reichsſtellen gehört. Der Tagung, die erſt nach dreijähriger
Pauſe wieder ſtattfinden konnte, kommt durch den Druck der Hoch=
ſchulüberfüllung
und der Erſchwerung der Wirtſchafts= und Für=
ſorgearbeit
erhöhte Bedeutung zu. In den Beratungen wurde
gleich zu Anfang die ſchpierige Frage der Studentenheime und
=Speiſungen, die einen Monatsumſatz von 600 000 Mark haben
und täglich 30 000 Eſſen an Studenten ausgeben, beſprochen. Ueber
die Werksarbeit und erwerbsſchaffenden Studentenbetriebe wurde
aus der großſtädtiſchen Arbeit heraus ein ſehr lehrreicher Ber=
liner
Bericht gegeben. Beſondere Teilnahme galt den Beſprechun=
gen
über die akademiſche Mitarbeit an den Wirtſchaftskörpern.
Das Ergebnis läßt ſich auf den Nenner bringen, daß die Wirt=
ſchafts
= und Fürſorgearbeit unter verantwortlicher Einſchaltung
ſtudentiſcher Kräfte gemeinſam mit den Dozenten weiter verfolgt
werden ſoll.

Verlegung der bolſchewiſtiſchen Propagandazenkral

TU. Stockholm, 22. Oktober!
Wie Svenſka Tagbladet erfährt, ſoll die Zentrale der
ſchewiſtiſchen Auslandspropaganda, die bisher in Berlin lag,
Stockholm verlegt werden. In Moskau ſei man zu der Sch
folgerung gekommen, daß die Zentrale nach einem ſicherer
ſcheinenden Ort verlegt werden müſſe, wie z. B. Stockholm.
Umſtand, der auch dafür ſpricht, iſt, daß die rüſſiſche Hande
abordnung, die bei der Geſandtſchaft untergebracht iſt, in Schr
den Exterritorialität genießt. Um Einreiſerlaubnis für ruſſiſ
Handelsvertreter nach Stockholm iſt in der letzten Zeit viel m
geſucht worden. Man hat verſucht, dies damit zu begründen.
die Einwanderer Angeſtellte des Naphtha=Syndikats ſeien.

letzter Zeit iſt eine große Anzahl Inſpektoren und Kont

leure dieſer Oelgeſellſchaft nach Schweden gekommen.

Vom Tage.

Die Deutſchnationalen haben für den Wahlkreis Heſſen=
Darmſtadt u. a. aufgeſtellt: Dr. Alfred Hugenberg, Landwirt
Lahr, Ober=Hilbersheim; Dr. Meesmann=Gießen, Schneidermei=
ſter
L. Bauer, Darmſtadt: Landwirt J. P. Arras, Ober=Oſtern;
Pfarrer O. Schell, Pfiffligheim: Hausfrau Theodore Lejeune,
Bad=Nauheim, Feuerwehrmann H. Hoffmann, Worms; Landwirt
G. Knecht, Mittel=Gründau; Amtsgerichtsrat. A. Böhm, Bad=
Nauheim.

Die Volksrechtspartei hat für Heſſen=Darmſtadt u. a. aufge=
ſtellt
: Oberſchulrat Bauer, Stuttgart; Bankbeamter H. Lorenz.
Gießen; Frau Weſtphal, Offenbach; Juſtizrat A. Lindt, Darm=
ſtadt
.

Die Liſte der Staatspartei für Heſſen=Darmſtadt enthält an=
fangs
folgende Namen: Dr. Weiner. Offenbach; Kaufmann
Chriſt, Mainz; Gewerkſchaftsbeamter Meſchkat, Worms; Bank=
beamter
Gabriel, Offenbach; Fabrikant Heyl. Butzbach.

Das Heſſiſche Geſamtminiſterium hat in einem Rundſchreiben
an ſämtliche Behörden den Staatsbeamten verboten, außerhalb
der Ausübung ihres Dienſtes in Dienſtkleidung an politiſchen

Veranſtaltungen jeder Art teilzunehmen. Falls Zweifel darüber
beſtehen, ob eine Veranſtaltung politiſch iſt, ſo iſt eine Entſchei=
dung
der vorgeſetzten Dienſtſtelle einzuholen.

Der Zentralverband deutſcher Haus= und Grundbeſitzerver=
eine
hat ſich erneut an die Reichsregierung mit dem Appell ge=
wandt
, die im Gang befindlichen neuen Prüfungen beſchleunigt in
poſitivem Sinne für die Einbeziehung der Hauszinsſteuer in das
Syſtem der Steuergutſcheine zum Abſchluß zu bringen.

In Caſtrop wurden am Samstag abend etwa 50 National=
ſozialiſten
von zirka 80 bis 100 Kommuniſten mit Repolverſchüſ=
ſen
und Steinwürfen überfallen, worauf die Angreifer flüchte=
ten
. Vier Nationalſozialiſten wurden ſchwer verletzt.

Angehörige der S.P.D. überfielen im Südoſten Berlins einen
Trupp Nationalſozialiſten. Es entwickelte ſich eine Schlägerei,
bei der zwei Nationalſozialiſten durch Meſſerſtiche verletzt wur=
den
. Fünf S.P.D.=Leute und ſieben Nationalſozialiſten wurden
zwangsgeſtellt. In Berlin=Lichtenberg kam es zwiſchen zwei
Klebekolonnen zu einer Schießerei, bei der jedoch niemand ver=
letzt
wurde.

Das Schwurgericht Hamburg verurteilte mehrere Kommu=
niſten
wegen der ſchweren politiſchen Zuſammenſtöße am Tage der
Reichspräſidentenwahl, bei denen zwei Nationalſozialiſten getötet
worden waren. Der Hauptangeklagte Fricke erhielt wegen voll=
endeten
Totſchlags neun Jahre Zuchthaus. Gegen zwei weitere
Angeklagte wurde auf 5 und 2½ Jahre Zuchthaus erkannt. Die
übrigen Strafen bewegen ſich zwiſchen drei Monaten und drei
Jahren Gefängnis.
Eine der erſten Amtshandlungen des neuen deutſchen Bot=
ſchafters
in London, v. Hoeſch, wird die Ueberreichung der
Goethe=Medaille an den engliſchen Miniſterpräſidenten Macdo=
nald
ſein.

Wahlaufruf der Skaatsparkei.
Berlin, 22. Oktobe
Die Leitung der Deutſchen Staatspartei wendet ſich mit ein
längeren Aufruf an die Wählerſchaft, in dem es u. a. he
Wir wenden uns gegen die undeutſchen Diktaturgelüſte
gegen die rückſchrittlichen Pläne auf Ausſchaltung des Volkes
der Volksvertretung. Eine wirkliche Reichsreform, die den Dual
mus zwiſchen Preußen und Reich beſeitigt, die Reichsrat
Reichswirtſchaftsrat zu organiſcher Einheit und Mitbeſtimmt
in der Geſetzgebung verbindet, und eine Wahlreform, die den an
nymen Schemetismus der Liſten durch die klare Verantwort
der Perſönlichkeit erſetzt, und die das Wahlalter heraufſetzt, wur
ſtets von uns angeſtrebt. Wir bekennen uns zum Privateigent
zum Leiſtungsgedanken und zur freiſchaffenden Unternehmern
ſönlichkeit. Die Wirtſchaft braucht Ruhe vor der Politik. Soll
deutſche Unternehmer wieder zu Kräften kommen, ſoll die
lebung der Wirtſchaft die Not der Arbeitsloſen überwinden, ſo
eine fühlbare Laſtenſenkung erforderlich. Die Kontingentspolit
und alle Autarkiebeſtrebungen ſabotieren das Regierungs=
gramm
zur Ankurbelung der Wirtſchaft in gleichem Maße
politiſche Experimente. Wir treten für eine Lohn= und Sos/
politik ein, die den Reallohn erhöht, dem Schwachen Schutz
und dem Frieden der Wirtſchaft dient.

Auskrikt des Präſidenken der Bremer Bürgerſche
aus der NSDAP.

Der nationalſozialiſtiſche Präſident der Bremer Bürgerſcht
Rechtsanwalt Dr. Backhaus, hat ſein Amt als Präſident niede
gelegt, auf ſein Bürgerſchaftsmandat verzichtet und gleichze
ſeine Parteimitgliedſchaft aufgegeben. In einem Brief an A
Hitler begründet er dieſen Schritt mit der einſeitigen Einſtell
der NSDAP., ihrem Haß gegen Andersdenkende und ihrer
kämpfung der um die Errettung des Vaterlandes bemühten Reid
regierung.
Terrorakie im Landgerichtsbezirk Görlikz aufgekläßa:
hiler
19 Perſonen verhaftet.
Ne
Breslau, 22. Oktobe
In der Nacht vom 9. zum 10. Auguſt ſind in verſchiede
Orten des Landgerichtsbezirks Görlitz Terrorakte verübt Iv
den, die zum Teil mit Sprengſtoff und Schußwaffen ausgefüm
wurden. In einzelnen Fällen händelt es ſich um Gewalt AAo einne
ſchwererer Natur. Lediglich beſonders glücklichen Umſtänden Wmde gehe
es zuzuſchreiben, daß nur in einem einzigen Falle ein Me ſſ xn Wunſck
ums Leben gekommen iſt. Bisher ſind 17 Fälle aufgeklärt mott der Bouern
den, darunter zwei Anſchläge mit Handgranaten auf ei eMengsloſer
Reichsbannerführer und auf das Büro der SPD. in Pen ic Politik nort
Revolveranſchläge auf das Verkehrslokal der NSDAP. Flverw
Sohra, der Piſtolenanſchlag auf den Gärtnereibeſitzer Becker 19 tiſchen A
Sohra, der Revolveranſchlag auf das Verkehrslokal der NSD2 Pſh=
in
Tiefenfurt, ein zweiter mißglückter Anſchlag in Tiefenhms
gegen den Sägewerkbeſitzer Halbhaus und ſchließlich der ScM cn Minde
in das Fenſter des SA.=Mannes Heines. Ferner wurden 700
verſchiedenen Wohnungen und Geſchäften in Alt=Kohlf En,
Rauſcha, Kieslingwalde und Sohrneuendorf die Fenſterſchei ei
eingeſchlagen. Die Betroffenen gehören zum Teil den Lir
parteien an, einer dem Chriſtlich=Sozialen Volksdienſt, eirng.
ſind Mitglieder der SPD. Die Ermittlungen über die weite=
Anſchläge ſind im Gange. Wie die Juſtizpreſſeſtelle mitte
hat es den Anſchein, als ob die an SA=Heimen und Angeh3
gen der NSDAP. verübten Terrorakten der Ablenkung dienn eien.
ſollten. Insgeſamt ſind 19 Angehörige der SA. in Haft genr!
men worden.

der Zluger in der Gradtammet.
Berühmke Inſtrumenke und ihre Schickſale.


Von Dr. Herbert Schmidt=Lamberg.
16mal Original=Mozart=Spinett.
Der bekannte Muſikmäzen Friedrich Schallinger in Wien
erzählte uns einmal, daß ihm in ſeinem Leben nicht weniger als
16 verſchiedene Spinette angeboten worden ſeien zum Kauf, jedes=
mal
mit dem Hinweis, daß es ſich in dieſem Falle beſtimmt um
das Originalinſtrument Mozarts handele. Dabei
wurden recht hohe Preiſe verlangt, denn eben Friedrich Schallin=
ger
ſollte für die ſechzehn Inſtrumente zuſammen nicht weniger als
435 000 Mark bezahlen. Als er nach Ablehnung eines beſonders
eifrigen Händlers, der ihm ſogar ſchon zwei verſchiedene Origi=
nal
=Inſtrumente Mozarts verkaufen wollte, dieſen fragte, was er
nun mit ſeiner Ware gemacht habe, lächelte ihn dieſer überlegen
an und ſagte, daß er die Inſtrumente ſelbſtverſtändlich an kunſt=
begeiſterte
Amerikaner zu einem Ueberpreis abgegeben habe.
Der Rajah auf der Geigenjagd.
In der Tat gehen viele ſolcher antiquierten Inſtrumente nach
Ueberſee, wo jetzt auch Südafrikaner, Chineſen und Japaner in
den Ring der Käufer dieſer Gebiete eingetreten ſind. So iſt eine
Paganini=Geige, auf der der Künſtler kurz vor ſeinem
Tode noch ein paar Bogenſtriche machte, in London neulich für
einen Preis vno 6300 Pfund Sterling nach Schanghai an einen
Privatmann verkauft worden. Obwohl die Angehörigen der Gel=
ben
Raſſe von europäiſcher Muſik ſo gut wie gar nichts verſtehen,
iſt doch der Sinn ihrer gebildeten Schichten und des guten Bürgers
darauf gerichtet, durch den Erwerb berühmter Inſtrumente ſich
einen guten Namen zu machen. Intereſſant iſt, daß ein Exot, ein
indiſcher Rajah, Kjardaman v. Pujnaſtansk, faſt drei Jahre Jagd
auf eine Geige von Bach machte, allerdings nicht des großen
Johann Sebaſtian Bach, ſondern ſeines unglücklichen Sohnes
Friedemann. Der Rajah hatte eine Ueberſetzung des Buches
Friedemann Bach geleſen und dabei eine Fußnote gefunden,
daß die Geige dieſes Unglücklichen in Wien bei einer Privatſamm=
lung
zu finden ſei. Er kam deswegen nach Wien, wo er aber fand,
daß die Geige bereits ins Ausland verkauft war. Kjardaman war
ſelbſt faſt 20 Monate auf der Jagd durch 14 Länder, ſchließlich er=
ſtand
er ausgerechnet in Kairo eine Geige, von der er ſelbſt zum
mindeſten überzeugt iſt, daß ſie die Geige des Friedemann Bach
ſei. Sie koſtete ihm etwas mehr als 90 000 Mark Anſchaffungs=
preis
und faſt 200 000 Mark für die dreijährige Jagd zu Waſſer
und zu Lande.

Puccinis Meiſterinſtrument.
Ein merkwürdiges, einziges Schickſal hat bekanntlich der Flü=
gel
gefunden, an dem Puccini ſeine Meiſterwerke komponierte. Auf
ſeinen Wunſch wurde der Meiſter nämlich in einem Gewölbe ſeiner
Villa beigeſetzt, und dieſes Gewölbe wird auf der einen Seite
durch den Flügel zum Teil als Wand abgeſchloſſen. So iſt auch
der Verſtorbene für immer in der unmittelbaren Nähe ſeines ge=
liebten
Inſtruments, und kein noch ſo großer Geldbetrag der Erde
kann dieſen Flügel von ſeinem Platze wegbewegen. Das Inſtru=
ment
wird alle vier Wochen genau geſtimmt und durch=
geſpielt
, ſo daß der Stimmer in das Gewölbe gehen und dort
ſeine Arbeit verrichten muß. Man kann ſich denken, daß eine
Reihe von Beauftragten vor dieſer Verrichtung im letzten Augen=
blick
zurückkehrten, und es iſt außerdem ein eigenartiges, von
Seltſamkeit und Schauer nicht freies Gefühl, wenn man den Flü=
gel
erklingen hört, der von der Grabſtätte des großen Komponiſten
aus in Töne verſetzt wird.
Wo blieb das Klavier Ludwigs II.?
Wir wiſſen, daß der unglückliche König Ludwig II. von
Bayern ein guter und phantaſievoller Klaviervirtuoſe war, deſſen
Spielſtärke beſonders in der Melodramatiſierung beruhte, ohne
daß er aber eigentliche Kompoſitionen herausgebracht hat. Sein
Lieblingsinſtrument war ein altes, italieniſches Inſtrument, das
er noch am Abend vor ſeinem Gang ins Waſſer ſpielte. Und es
war um ſo ſonderbarer, daß der Reſonanzboden dieſes Inſtruments
am ſelben Abend, als der König geſtorben war vollkommen zer=
platzte
, ſo daß das Inſtrument nicht mehr brauchbar war. Noch
merkwürdiger berührt es, daß aus dem verlaſſenen Schloſſe, vor
deſſen Beſuch die Nachfolger des Toten ſcheinbar zurückſchreckten,
gerade dieſes Inſtrument eines Tages geſtohlen
wurde. Niemand hatte den Diebſtahl beobachtet, niemand konnte
auch nur entfernt angeben, wer etwa an dieſem Inſtrument In=
tereſſe
hätte haben können da es doch ziemlich wertlos geworden
war durch die Beſchädigung. Erſt als ſich Freunde des Toten
daran erinnerten, wie merkwürdig doch das Zuſammentreffen der
Zerſtörung des Inſtrumentes mit dem Tode des Königs eigentlich
geweſen war, erſt dann fanden ſich zahlreiche Intereſſenten, die
gerne erfahren wollten, wo das Inſtrument geblieben war. Ob=
wohl
von der königlichen Familie niemand an den Nachforſchun=
gen
ſich beteiligte, wurde bald ganz Europa und ſpäter die halbe
Welt abgeſucht nach einem alten, ſpielunfähigen Klavier, das ſich
im übrigen niemals wieder gefunden hat.
Der Raub der Stradivari.
Aus einer Sammlung in die andere ging eine Stradi=
vari
=Geige aus dem Jahre 1782, an der eine beſondere Lei=
mung
und Zuſammenfügung von Boden und Geigendeckel zum

erſten Male ausprobiert worden war. Dieſe Geige wurde a7
einem Kunſthändler Antonini aus Milano geſtohlen, der da
einen ähnlichen Trick aufwendete, wie der Dieb der Mona=2500Im
im Pariſer Louvre. Er erſchien in der Tracht eines Zimmerm g70les
nes und gab an, in der Wohnung der Eſtralla Stradivari, S0t ien
dieſe Geige beſaß, Ausbeſſerungen vornehmen zu müſſen. K-8hu,f
darauf war er mit dem koſtbaren Fund unbeobachtet verſchw F50 ksſ
den. Als die Polizei ihn verhaftete, ſaß er gerade vor ei 7200, M
Sammlung von etwa 80 Geigen, Gitarren, Breſ=
ſchen
uſw., die alle in der Geſchichte der alten italieniſchen ſ0
ſtrumente eine gewiſſe Rolle geſpielt hatten. Antonini hatte /beohM

320 000 Goldlire, die er von ſeinem wohlhabenden Vater gee2 hſcin

hatte, für ſeine Leidenſchaft als Inſtrumentenſammler aufgewpil Mlich
det, und da er jetzt kein Geld mehr beſaß, um die Inſtrumente, F.80dams
fen zu können, ſo ſtahl er ſie einfach unter Anwendung aller m.Rehie
Bt in
lichen Tricks.

Die Glücksgeige des Blinden.
0
Es muß auch daran erinnert werden, daß die zweitälte Fauhiein
Amati=Geige in einem Pariſer Vorort bei einem blins ſheiie
Geigenſpieler gefunden wurde, der damit von Hof zu Hof zog 120n
durch Geigenſpiel und dünnen Geſang ſein Brot zu erwerben D7
ſuchte. Er hatte die Geige von einem jungen Muſikanten aus w.
Kaffeehaus für billiges Geld erworben, und er war der einzn.
der im Laufe von faſt 200 Jahren dahinter kam, daß es mit dien
Inſtrument etwas Beſonderes auf ſich haben müßte. Einem
kannten Kunſthändler vertraute er ſich an; und der Erfolg w.
daß er eine Stunde ſpäter um faſt 100 000 Goldfrank,
reicher den Laden des Kunſthändlers verließ. Das feine Ohr ½
Blinden hatte die Augenkraft und das Erkenntnisvermögen vie"
Muſiker übertroffen, die nach dem Auftauchen dieſer Amati=Ge..
dieſe ſchon geſpielt und beſeſſen hatten. Es ſetzte natürlich alshe
eine Hochflut von Angeboten alter Geigen in ganz Europa..)
denn das merkwürdige Schickſal berühmter Inſtrumente feu.=
=G4
ſtets die Beſitzer von Inſtrumenten, die nur die Eigenſchall
ſitzen, alt zu ſein, an, ihren Inſtrumenten irgendeine Geſchie I
anzudichten.

Zwiſchen Südſee und Eismeer Maleriſche Naturaufnahl.
mit Geſchichten von Jack London. Heſſe & Becker Verlaß,
zig. 4,80 RM.
Die Erzählerkunſt Jack Londons iſt, ſo bekannt, daß ie
ſie wirklich nicht hervorheben muß. Seine zahlreichen Einzelval
wurden faſt alle hier beſprochen. Die ſchönſten Erzählungen De
ſen nun zu einem Sammelband vereinigt und mit Aufna9l.

aus allen Weltgegenden illuſtriert. Das Meer und die Sie.
der paradieſiſche Strand der Südſee und die Gletſcher ie
Eine ſchä-
lands
werden in Bildern und Text feſtgehalten.

Neuerſcheinung.

Dr. W.

[ ][  ][ ]

Ein großſlawiſcher Balkankraum.
Won unſerem ſtändigen Berichterſtatter.
In dieſen Tagen beginnt in Bukareſt die dritte
Konferenz der Balkanſtaaten, an der Bulgarien
nicht mehr teilnimmt. Aus dieſem Grunde dürften
die nachſtehenden Ausführungen ein beſonderes In=
tereſſe
beanſpruchen.
Die Schriftleitg.
W.E.B. Sofia, Ende Oktober 1932.
Sinige bulgariſche Politiker, von denen man weiß, daß ſie,
ßegenſatz zur vorherrſchenden Meinung ihrer Landsleute, eine
Mächerung an Belgrad ſuchen, haben vor kurzem literariſche Ver=
ſisb
allons aufſteigen laſſen, die alsbald durch heftiges Schrap=
häeter
der Sofioter Preſſe vom politiſchen Himmel herunter=
Ai- und zerfetzt wurden. Die Gedankengänge dieſer Politiker
zwſen an die Einigung der ſüdſlawiſchen Raſſen im Königreich
füllewien an und ſind der Anſicht, daß dieſe Einigung auch auf
)ulgariſche Volk ausgedehnt werden ſoll, um ſo zu einem
ſen Slawenreich des Südens, alſo Jugoſlawien, zu
uingen. Ein Staat alſo, der etwa 20 Millionen Einwohner und

ſomntag, 23. Oktober 1932

Fmiiellos hat ſtets bei den Slawen der Traum des Zuſammen=
Aiſſes eine Rolle geſpielt. Trotzdem haben Polen, Tſchechen, Ser=
wKroaten
und Slowenen 1918 nicht daran gedacht, einen Block
Filden und hüten auch heute eiferſüchtig ihre volle Unabhängig=
ADaß Serben, Kroaten und Slowenen unter Schwierigkeiten,
r Ende nicht abzuſehen iſt, ſich in einem Staat vereinigt haben,
zum großen Teil darauf zurück, daß das harte Herrenvolk der
keren den beiden anderen Partnern ſeinen Willen aufzwang.
bweil man den Werdegang des benachbarten ſüdſlawiſchen
hſigreiches in Sofia genau kennt, ſo iſt man überzeugt, daß ein
Firgrales Jugoſlawien, von Laibach bis zum Schwarzen Meere
giend, in Belgrad nur in der Form einer ſerbiſchen Hegemonie
cdie übrigen Slawenſtämme gedacht iſt. Im Herzen der Bul=
han
aber lebt der Traum des Großbulgarien, das vor dem Frie=
Aavon San Stefano 1878 auf dem Papiere beſtand, weiter: die
Zeie rumäniſche Dobrudſcha, die türkiſchen und griechiſchen Teile
rzkens, ganz Makedonien und das Gebiet vom Pirot bis Niſch
heren dazu. Vielleicht wird Bulgarien im Laufe der Zeit und
Umr dem Druck politiſcher Notwendigkeiten ſich mit gewiſſen Ge=
fieverluſten
abfinden. Keinesfallsaber wird das bul=
eiſche Volk auf Makedonien verzichten. Dafür
ſchon die Propaganda des Wortes und der Tat der 700 000
ey ſtarken makedoniſchen Emigranten in Bulgarien, die ver=
üe ihres weitgehenden Einfluſſes auf die Politik des Landes
weals zulaſſen wird, daß Bulgarien ſich mit Belgrad ohne vor=
eit
Löſung der makedoniſchen Frage einigt.
Der Vorſtoß zugunſten des integralen Jugoſlawien hat,
en der faſt einſtimmigen Ablehnung in der Preſſe, noch eine
ufanartet kalte Beurteilung in der heute ſehr ſtarken Bauern=
win=; gefunden, die bis vor kurzem noch als die Trägerin der ſüd=
iſtm’ſchen
Verſtändigung galt. Seitdem der Bauernbund in der
Aaeungskoalition ſitzt, hat dieſe Verſtändigungspolitik, die man
mügewiſſem Recht oft als eine viel zu weitgehende Abhängigkeit
vmBelgrad empfand, eine entſchiedene Schwenkung durchgemacht.
ſrBauernminiſter, die als Oppoſitionäre im Geruche fanatiſcher
AlAehTablikaner ſtanden, ſind Royaliſten geworden, die Slawenver=
btſetung
hat einem Nationalismus Platz gemacht, der den der
Ugrannten nationaliſtiſchen Parteien übertrifft.
Bei dem Gegenſatz, der zwiſchen Belgrad-Paris und Rom
erſchits udem Balkan herrſcht, iſt es nur natürlich, daß Italien den
verüh ümungsumſchwung, der im Bauernbund eingetreten iſt, be=
auzuchr
½. Hier ſei an die Rundreiſe des italieniſchen Ackerbauminiſters
Gem2s gbo erinnert, der ausdrücklich dem bäuerlichen Bulgarien galt,
mſtänn u=anr die geheim gehaltene Reiſe Dimoffs nach Rom, die offen=
em
sbudem Wunſch entſprang, die Italiener davon zu überzeugen,
ſigellin de wder Bauernbund nicht mehr das iſt, was er früher war: be=
uf
d ſtungsloſer Anhänger der Verbrüderung der Balkanſlawen.
in /2 Politik normaler, wenn nicht gar guter Beziehungen zu dem
S2AEhverwandten Jugoſlawien iſt von Stamboliſky an von allen
ber Bab Untiſchen Außenminiſtern betrieben worden. Lorbeeren hat
er92/ ur dafür geerntet, dagegen hat Bulgarien manchen Fußtritt
n Tſd’ Sregers einſtecken müſſen, von einer Beſſerſtellung der bul=
chdi
zahen Minderheiten in Südſlawien gar nicht zu reden. Es muß
wu m Beſtreben der neuen Machthaber in Bulgarien, der Demo=
Alt=R=Erun und des Bauernbundes, liegen, einen außenpolitiſchen
iſtenſeR zu ſuchen, der etwas mehr Erfolgsausſichten bietet als der
den PIA nach Belgrad. Man wird gewiß nicht mit fliegenden Fahnen
ſienſt 6usrörniſche Lager rücken, dafür ſind die Bulgaren zu vorſichtig
die Bhuywirtſchaftlich nicht unabhängig genug. Belgrad die kalte
NSüter zu zeigen, die Rechte der Minderheiten nachhaltiger zu
Achemeten, ſich dabei auf die Reviſionsſtaaten zu ſtützen, die Ket=
ſteyer
Reparationen und Diktate zwar nicht zu ſprengen, aber
Bi5 ſeilen auf dieſem Wege darf die bulgariſche Regierung

Cöffnungsfeier der Volkshochſchule Darmſtadk.

Mit einem intereſſanten Kammermuſikabend begann die
wWeozhochſchule Darmſtadt ihre Winterarbeit. Nach einleitenden
div Weiten des Vorſitzenden, der über die Bedeutung der Volkshoch=
ſchſt
ſprach und ſeiner Freude darüber Ausdruck gab, daß die

W=ußhochſchularbeit trotz der Schwere der Zeit gleich hoch geſchätzt
wwaich daß die Teilnehmerzahl nicht abgenommen hat, ſpielten
EM Mann und Oskar Kleinberg drei wertvolle
Witn onaten. Erna Mann ſtellte ſich kürzlich in einem ausge=
zcſtee
verlaufenen, eigenen Konzert dem Publikum als Pia=

mit wor und zeigte auch jetzt die gleichen Vorzüge eines tech=
mMausgezeichneten
Spiels, großer Muſikalität und bedeut=
aw
Feinfühligkeit. Oskar Kleinberg trat in früheren Jahren
mrmals an die Oeffentlichkeit und zeigte ſich ſtets als Geiger
vach großem Können und feiner Empfindung. Beide jungen
Küſtier hatten ihre Aufgabe ſehr ernſt genommen und die Sona=
tanucht
nur techniſch vorzüglich ſtudiert, ſondern auch ſich ſo
apſhunder eingeſpielt, daß man das Empfinden hatte, daß die
Deke wie von einem Willen beſeelt waren. Vor allem fanden
wandie dynamiſche Ausarbeitung ſehr ſorgfältig und gut abge=
waitt
.
Iöuerſt erklang eine Sonate des alten Salzburger Geigers
DM J. Biber, der in der Generation vor Bach wohl der glän=
jShle
Vertreter deutſcher Violinkunſt war, und der ſogar für
leintnſtleriſches Wirken vom Kaiſer in Wien geadelt wurde.
D/Sonate vertritt den Typus der alten feierlichen Kirchen=
ſwe
und in den langſamen Sätzen zeigt Biber viel warmes
Smin den, er ſchwelgt in Doppelgriffen und liebt es, in den
roſin Teilen ernſthaft zu fugieren, wobei der Violine auch
me ſ ach zweiſtimmiges Spiel zufällt. Fühlte man auch am An=
ſchAbei
Herrn Kleinberg eine gewiſſe Aufregung, die ſich in der
De ſchſ tät der Bogenführung kund tat, ſo war dies ſehr bald
uewunden, ſo daß die Kompoſition ausgezeichnet wiedergege=
Dee har, wobei Erna Mann mit ſtilſicherer Zurückhaltung den
DeE tenden Charakter der Klavierſtimme beobachtete. Ueber ein
Dellumdert ſpäter iſt Beethovens 4=Moll=Violinſonate, Opus 23,
EhAusen, bei der Violine und Klavier gleichberechtigt neben=
SAder ſtehen, ſich oftmals die Themen und Motive zuſpielen
Wmz der Form der klaſſiſchen Sonate folgen. Hier glückten
DeEDens die Eckſätze vorzüglich, während uns Herr Kleinberg
DeT ungſamen Mittelſatz nicht ganz ſeinem Gehalt nach auszu=
ſacen
ſchien. Zuletzt hörten wir die große Sonate in F=Dur
Dohin ton Dvorak, ein Werk, das ſichtlich von dem Ueberſchwang
De imsſcher Kammermuſik beeinflußt iſt und auch deren orche=
ſthuin
Klang teilt. Hier fühlte ſich Herr Kleinberg ganz be=
ſoſſurs
in ſeinem Element und ſpielte mit großem Temperament
UAp achtvollem Klang. Daß Erna Mann ſich überall dem

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
mit Erfolgen rechnen und mit der Zuſtimmung des ganzen Vol=
kes
. Auch die Intereſſen des monarchiſchen Bulgariens verlangen
es, eine Außenpolitik zu führen, die einen großſerbiſchen Kurs auf
dem ſlawiſchen Balkan nicht fördert. Ein integrales Jugoſlawien
iſt nicht denkbar als Monarchie entweder muß der Belgrader
Thron oder der in Sofia verſchwinden, oder, was wahrſcheinlicher
iſt, alle beide. Wie die Dinge liegen, wird das bulgariſche Volk
niemals auf ſeine Dynaſtie verzichten, um dafür die ſerbiſche Hege=
monie
in einem Bundesſtaat einzutauſchen. Es iſt bezeichnend,
daß der Sofioter Hof mit ſeinem Mißfallen über die unzeitgemäßen
Erörterungen des Anſchlußproblems nicht hinter dem Berg gehal=
ten
hat, denn die bulgariſchen Politiker, die für dieſen Anſchluß
eintreten, müſſen ſich darüber klar ſein, daß die Verwirk=
lichungihrer
Pläne am Ende auf die Beſeitigung
zweier Balkandynaſtien, mindeſtens aber der
bulgariſchen hinausläuft. Allein das Anwachſen der
kommuniſtiſchen Bewegung, die im September der Reſidenzſtadt
Bulgariens einen Gemeinderat mit ſtarker kommuniſtiſcher Mehr=
heit
gebracht hat, verbietet politiſche Experimente, die eine Aen=
derung
der Staatsform nach ſich ziehen können.

Nr. 295 Seite 3

Boliſcher Mard in Hoſſt.
Am Donnerstag wurde in Sofia der aus Südſlawien ein=
gereiſte
Bulgare Mitoff erſchoſſen. Der Mörder Todor Petroff
hat ſich der Polizei ſelbſt geſtellt. Er erklärt ſeine Mordtat da=
mit
, daß Mitoff in der ſerbiſchen Grenzſtation Zaribrod Spio=
nage
gegen Bulgarien betrieben und die dort lebenden bulgari=
ſchen
Minderheiten verfolgt habe.
Todor Petroff ſtand vor einigen Monaten in Sofia im
Mittelpunkt der Affäre des ſüdſlawiſchen Militärattaches Oberſt
Schkekitſch, weil er angeblich von ſüdſlawiſchen Stellen gezwun=
gen
worden ſein ſoll, nach Bulgarien zu fahren, um angeſehene
Perſonen der weſtbulgariſchen Minderheitenorganiſation zu er=
morden
. Bei ſeiner damaligen Selbſtgeſtellung verriet Petroff
ſeinen Auftrag und gab an, daß er Waffen und Geld zur Aus=
führung
der Morde vom ſüdflawiſchen Oberſt Schkekitſch er=
halten
habe, der kurz nachher aus Sofia abberufen wurde. Den
Mord an Mitoff ſtellt Petroff als Rache für die ihm zuteil=
gewordene
Behandlung durch Südſlawen und abtrünnige
Landsleute jenſeits der Grenze hin.

Abrüſtungsberatungen verſanden.

Unkerausſchüſſe auf unbeſkimmke Zeik
verkagl.
EP. Genf, 22. Oktober.
Die techniſchen Beratungen über einzelne Abrüſtungsfragen,
wie die Heeresausgaben der verſchiedenen Län=
der
, die Kontrolle der Rüſtungsinduſtrie und des
Waffenhandels, die ſeit dem 19. September in Genf vor
ſich gingen, ſind faſt unbemerkt eingeſchlafen. Die Unterausſchüſſe
des Büros der Abrüſtungskonferenz, die ſich mit dieſen Fragen
beſchäftigten und den Boden für weitere Verhandlungen im All=
gemeinen
Ausſchuß der Konferenz vorbereiten ſollten, ſind in
keiner einzigen Frage zu einem Ergebnis gekommen.
Der Ausſchuß für die Heeresausgaben, der nur von der
Hälfte der Teilnehmerſtaaten der Konferenz
Angaben erhalten hatte, beſchloß, die Prüfung der ihm
vorliegenden, in vielen Fällen durchaus unzureichenden Angaben
zum Ende des Jahres mit einem Bericht an das Büro ab=
zuſchließen
.
Der Ausſchuß für die Kontrolle der Rüſtungsinduſtrie iſt nur
zu dem Beſchluß gelangt, einen Bericht anzufertigen, der die ſämt=
lichen
, ſehr weit auseinandergehenden Anſichten der verſchiedenen
Staaten darlegen ſoll. Beide Ausſchüſſe haben ſich mit dieſem
äußerſt mageren Ergebnis auf unbeſtimmte Zeit vertagt. Ange=
ſichts
dieſes Fehlſchlages, durch techniſche Beratungen die Konfe=
renz
wieder flott zu machen, fragt man ſich in Genf, ob es zweck=
mäßig
ſei, das Büro der Konferenz auf den 3. November einzu=
berufen
, da noch nicht eine einzige der in der Entſchließung vom
24. Juli aufgeſtellten Forderungen bisher auch nur im geringſten
gefördert worden iſt.
Franzöſiſche Sorgen.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
* Paris, 21. Oktober.
Die Frage des Budgetgleichgewichts drückt immer mehr und
mehr auf die Innenpolitik. Die Regierung muß ſich mit der
Finanzkommiſſion über das Budgetprojekt und über die Aus=
gleichung
des Defizits einigen. All das, was man bisher über ihre
Pläne hören konnte, war nicht dazu geignet, einen guten Eindruck
hervorzurufen. Weder die Kammer, noch die Privatwirtſchaft
ſind zufrieden, die Stimmung in den Wandelgängen der Kammer
iſt ausgeſprochen ſchlecht.
Man hat ſich ſcheinbar ſchon damit abgegeben, daß alle nicht
permanenten Ausgaben, alſo das Inveſtitionsprogramm der
Plan der nationalen Ausrüſtung nicht in dem Budget figu=
rieren
wird. Dazu muß die Kammer allerdings noch eine Anleihe
von vorerſt vier Milliarden votieren; dieſe Anleihe iſt für den
Staatshaushalt ein Teil davon iſt bereits verbraucht für
das Beſtehen der Induſtrie und auch für die Politik der Regie=
rung
eine conditio sine qua non‟. Die Tatſache des Defizits
bleibt aber noch immer. Man hat ſich nicht entſchließen können,
die Kriegspenſionen anzutaſten, was ein ſchwerer Fehler war; ſo
unpopulär dieſe Maßnahme auch geweſen wäre. Die Erſpärungen
ſind ungenügend, ſelbſt wenn man die optimiſtiſche Darſtellungs=
weiſe
der Regierung als Baſis voll akzeptiert. Es bleibt die Tat=
ſache
, daß man aus dem Steuerzahler noch mehr herauspreſſen
muß. Man erläßt zwar keine neuen Steuern, aber die alten wer=

den ſo arrangiert, daß ſie wenigſtens auf dem Papier mehr
Ertrag bringen ſollen. Es wird die Anwendung der Umſatzſteuer
auf das Transportweſen erwähnt, damit wären mit einem Schlage
zwei Fliegen getroffen. Denn neben dem direkten Nutzen für den
Fiskus wäre auch den Eiſenbahnen geholfen. Bedenklich iſt nur,
daß jede Transportſteuer die Teuerung automatiſch erhöht. Eine
ähnlich ſchlechte Wirkung iſt auch von der Umgeſtaltung der Ein=
kommenſteuer
zu erwarten, nur in einer anderen Richtung.
Es iſt unleugbar, daß die Regierung eine äußerſt ſchwere
Lage vorfand, dennoch iſt die Kammer von ihrer bisherigen
Finanzpolitik ſehr wenig erbaut. Es iſt kein Geheimnis, daß auch
innerhalb des Kabinetts Meinungsverſchiedenheiten vorhanden
waren.
Die ſchlechte Stimmung in den Wirtſchaftskreiſen iſt aber nicht
allein auf die finanzpolitiſche Unſicherheit zurückzuführen, ſondern
auch auf die Schwankungen der engliſchen Währung. Der Glaube
iſt allgemein, daß eine wirkliche Geſundung der Weltwirtſchaft nur
durch die Stabiliſierung der engliſchen Währung möglich ſei. In
dieſer Richtung war für Paris die neuerliche Baiſſe des Pfundes
eine bittere Enttäuſchung.
Was will Herriok in Madrid?
Ein Schachzug gegen Ikalien.
TU. Paris, 22. Oktober.
Sichere Informationen beſagen, daß bei dem bevorſtehenden
Beſuch Herriots in Madrid von franzöſiſcher Seite vor allem zwei
Fragen behandelt werden ſollen. Die erſte iſt die erneute Bitte
Frankreichs um das Durchfahrtsrecht ſeiner Truppen im Kriegs=
falle
aus Nordafrika durch Spanien nach Frankreich, da die Mit=
telmeerlinie
MarſeilleAlgier durch Italien ſtändig bedroht ſei
und der engliſche Schutz im Mittelmeer als fraglich angeſehen
wird. Im Zuſammenhang damit ſteht die zweite, die Tanger=
bzw
. Gibraltarfrage. Praktiſch beherrſcht heute nicht mehr Eng=
land
, ſondern Spanien die Gibraltarpoſition. Frankreich verlegt
ſeine Einſchiffungsbaſis jetzt nach Caſablanca, wo Hafenerweite=
rungen
vorgenommen worden ſind. Auch die Bahn von Algier
um Oran nach Caſablanca iſt jetzt als Vollbahn ausgebaut.
Frankreich verlangt, daß Spanien die Straße von Gibraltar im
Kriegsfalle vor italieniſchem Zugriff unbedingt neutral hält, da=
mit
die franzöſiſche Transport=Verbindung Caſablanca Mutter=
land
aufrechterhalten bleiben kann.
Das belgiſche Kabinekk gebildek.
Neuwahlen im November.
TU. Brüſſel, 22. Oktober.
Nach langwierigen Verhandlungen iſt am Samstag nachmit=
tag
ein belgiſches Uebergangskabinett zuſtande gekommen. Die
Miniſterſitze verteilen ſich wie folgt: Miniſterpräſident und
Landwirtſchaft: Graf de Broqueville (Katholik), Aeußeres:
Hymans (Liberal); Inneres: Poullot (Chriſtlicher Demokrat),
Finanzen: Jaſpar (Katholik), nationale Verteidigung: Theunis
(Katholik). Montag oder Dienstag findet der erſte Kabinetts=
rat
ſtatt, in dem ſofort der Beſchluß zur Auflöſung von Kammer
und Senat gefaßt werden wird. Die Neuwahlen ſollen
am 20. und 27. November ſtattfinden.

Charakter der Kompoſitionen aufs beſte anzupaſſen verſtand,
braucht kaum erwähnt zu werden; an manchen Stellen, auch im
Beethoven kam das gelegentlich vor, gab ſie zu viel Ton und ver=
deckte
faſt die Geige. Auch würden wir ihr empfehlen, ſich beim
Kammermuſikſpielen die Seiten umblättern zu laſſen, es könnte
zu leicht ſonſt ein Verſehen vorkommen. Dies wurde ja ſehr
glücklich vermieden, aber manchmal ſchwebt der Hörer in Angſt,
ob auch das Umblättern tadellos funktioniert. Im Geſamtein=
druck
war das Konzert ſehr gelungen, ſehr friſch und ſehr ſorg=
fältig
vorbereitet, und die zahlreichen Zuhörer, die den Mozart=
Saal füllten, hielten nicht mit dem wohlverdienten und herzlichen
P.N.
Beifall zurück.

Neue Schallplakten.

Aus der Elektrola=Produktion liegen vier Platten weit
über den Durchſchnitt. Fritzi Maſſary, die ewig Junge, ſingt
zum Orcheſter Hans Schindler aus der Oskar=Straus=Operette
Eine Frau, die weiß, was ſie will das Chanſon gleichen Titels
in bewundernswerter temperamentvoller Friſche, und aus der=
ſelben
Operette den Slowfox Jede Frau hat irgend eine Sehn=
ſucht
(E. G. 2605). Und die Comedian=Harmoniſts,
die ja immer noch unerreicht ſind, vermehren den Schatz ihrer ein=
zigartigen
Geſangsplatten um eine mit Schlagern aus dem neuen
Tonfilm Derblonde Traum (2607). In künſtleriſcher Hin=
ſicht
aber weit höher noch bewerte ich die beiden großen Platten
mit klaſſiſcher Muſik. Wundervoll rein und voll mit feinſter
Nuancierung ſingen die beiden Margareten Teſchemacher und
Kloſe mit Willy Domgraf=Faßbender (Begleitung Or=
cheſter
der Staatsoper Berlin) das Terzett aus Hoffmanns
Erzählungen Antonia, Himmel, ſo höre! und die beiden
genannten Künſtlerinnen die Bacarole Schöne Nacht du. Liebes=
nacht‟
(D. B. 4410) Auf D. B. 4408 ſingt Marcel Wittriſch
aus Carmen. Hier an dem Herzen treu geborgen und aus
Die Boheme Wie eiskalt iſt dein Händchen. Auch hierzu
ſpielt das Orcheſter der Staatsoper unter Generalmuſikdirektor
Orthmann. Die beiden Platten ſind von einer Klangſchönheit,
die kaum zu übertreffen iſt.
Unter den Neuerſcheinungen der Grammophon
(Die Stimme ſeines Herrn) iſt bemerkenswert das
umfangreiche Repertoire an Künſtlerplatten. Das Philharmoniſche
Orcheſter Berlin ſpielt unter Leitung von Franz Schreker die
Peer Gynt=Suite Nr. 1 auf 2 doppelſeitigen Platten auf
Nr. 24 627 und 24 628. Schreker erſcheint auch hier wieder als ein
feinfühliger Ausdeuter der unvergänglichen Schönheit dieſer Par=
titur
. Das gleiche Orcheſter ſpielt unter Leitung von Alois
Melichar die Suite, Ballett von Popy ungekürzt auf 2 Platten=
ſeiten
, 27 288. Adele Kern hat mit ihrer ſelten ſchönen Stimme
den unvergänglichen Strauß=Walzer. An der ſchönen blauen Do=
nau
und Valſe Caprice von Rubinſtein auf die Platte gebannt.
(Nr. 27 287.) Auch Alfred Piccaver, der große Tenor der

Wiener Staatsoper, erſcheint mit 2 italieniſch geſungenen Arien
André Chenier. Gleich einem Frühlingsabend und Requiem
Schuldvoll tönt dir meine Klage‟ (Nr. 27 289), während Heinrich
Rehkemper, der gewaltige Bariton des Konzertſaales mit
beſonders gefühlvollem Ausdruck 2 Wolfſche Lieder Der Ratten=
fänger
und Auftrag zu Gehör bringt. (23 149.) Unter den
Original=Tonfilm=Aufnahmen erſcheinen verſchiedene Tonfilm=
Größen wie Dolly Haas und Paul Hörbiger zum erſten
Male auf dieſer Weltmarke. Dolly Haas ſingt aus dem Ton=
film
Scampolo den Schlager Ach, wie iſt das Leben ſchön ſo
nett und reizend, daß man ihr auch wirklich glaubt, daß das
Leben ſchön iſt. (24 764.) Paul Hörbiger, der mit ſeiner
draſtiſchen Komik immer erfolgreiche Filmſtar, ſingt aus dem Ton=
film
Der blonde Traum. Alles verſtehen heißt alles verzeihen,
und Wir zahlen keine Miete mehr. (24 748.) Auch Fritz
Schulz iſt wieder da mit den beiden Hauptſchlagern aus dem
Tonfilm Sehnſucht 202 dem Parfümlied und dem Wiener
Lied die er auch hier wieder in ganz reizender Art auf die Platte
bringt (24 662.) Paul Hörbiger erſcheint übrigens noch
einmal mit Lee Parry auf einer Platte, und zwar ſingt er aus
dem Johann Strauß=Tonfilm das ihm beſonders liegende, wie
auf den Leib geſchriebene Lied Wenn der Menſch verliebt iſt
während Lee Parry ihren Walzer Die Fenſter auf, der Lenz
iſt da entzückend zum Vortrag bringt. (24 765.) Curt Bois,
der lebhafte queckſilbrige Vortragskünſtler, ſingt aus Holländers
Revue Höchſte Eiſenbahn den Foxtrott Reizend (24 762)
Und dann erſcheint noch Richard Fritz Wolf, der vom Mittel=
deutſchen
Rundfunk her bekannte Tenor mit 2 italieniſchen Volks=
liedern
Maria, Mari und. Meine Sonne (24 760), eine Platte,
die ſicherlich allen gefallen wird. Ein intereſſantes Stimmungs=
Potpourri mit Geſang, Jodler, Schuhplattler, Zither und anderen
Inſtrumental=Effekten, das ſich Ein Sommertag in den Alpen
nennt, iſt auf Nr. 24 742 erſchienen. Ilja Livſchakoff mit
ſeinem Tanz=Orcheſter hat unter Mitwirkung von Leo Monoſſon
das Potpourri Katharina auf die Platte gebracht (24 761) und
außerdem noch 2 Marſchlieder Die Potsdamer Linde und Die
Wache kommt, 2 beſonders ſchwungvolle Kompoſitionen (24 753).
Auch Jack Hylton iſt wieder mit internationalen Tanzſchla=
gern
vertreten. Beſonders hervorzuheben das Potpourri Jetzt
hört mal zu (24 750). Erſtmalig reiht ſich zu den prominenten
Tanzkapellen das Orcheſter Hermann von Stachow. Vier aus=
gezeichnete
Schlager ſind es, die auf 2 doppelſeitigen Platten er=
ſcheinen
: der Tango Warum (Conchita) und der Foxtrott Klei=
nes
Girl Nr. 24 752 und der Foxtrott Du. du. Dufl du, du und
der Slowfor Kleine Frau, was nun Nr. 24 763. Die populäre
Serie Grammophon=Braun=Etikett, alſo die Platte zu 1,50 RM.,
iſt in reichhaltiger Weiſe durch das neuerſcheinende Oktober= Ver=
zeichnis
ergänzt. Zum Schluß ſei noch auf einige internationale
Tanzſchlager aus dem Brunswick=Repertoire hingewieſen.
Das Duke Ellington=Tanzorcheſter wartet wieder mit
2 großen Schlagern auf, und zwar mit Swampy River und Faſt
And Burious Brunswick A. 9282. Das Guy=Lombardo=Tanz=
Orcheſter ſpielt Meine Liebe zu dir und Immer noch nicht ver=
liebt
auf Brunswick A. 9275 in gewohnter Weiſe.

[ ][  ][ ]

gut
TO
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ſchrift
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(IV14679)
Reelle Heiraten,
ſow. Einheirat ſtets
vorgemerkt Bureau
Frau G. Schuchmann
Darmſtadt. Stifts=
ſtraße
Nr. 46. (*
Dame, kfm. tät., 26
J.. nette Erſch., tüch=
tig
i. Haush. m. ſch.
kpl. Ausſt. u. ſpat.
Verm. w. Herrn b.
40 J (a. Witwer)
zw. Heir kenn. z. I.
Zuſchr. u. M. 122Gſt. *
Herr, 30 J.. ev..
Ld m. 7000 RM.
Erſp. u. ſpät Verm.
w. einf. geſ. Mädch
zw. Heir. kenn. z. I.
Off. mit Bild unt
M. 128 Geſchſt
Junggeſelle, 47 J..
ev etw. Vermög.,
wünſcht mit Mädel
oder Witwe ohne
Anhang von 3540
J. zwecks Heirat Le=
kannt
zu werden.
Etwas Vermög. er=
wünſcht
Ang. unt.
M. 177 Geſchſt. (*
Blondes Fräulein,
ſymp. Erſchein., 25
Jahre, evgl., Geſch.=
Tocht., m. Möb.= u
Wäſcheausſt. u. 3000
Mk. bar w. ſich mit
Geſchäftsm., a. lbſt.
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Karlsſtraße 101. (
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Mühlſtr. Tel. 3921.
(14732)

Fu

AOS
Seal-Kanin-Rollkragen,
Rf
auf Kunstseide gefüttert.
Lamm-Fell-Würger, auf
30
IItis gefärbt
Biberette-Rollkragen,
der braune Modepelz, große
Form
Nal. Amerik,Opossum
Rollkragen, schöne,
kleidsame Form

[ ][  ][ ]

Sonntag, 23. Oktober 1932

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 295 Seite 5

Aus der Landeshaupkſtadk.
Darmſtadt, den 23. Oktober 1932.
Ernkedank und Opferkag.
Ein rieſiger Erntekranz von vollen Ahren, durchwirkt von leuch=
msen
Sommerfeldblumen, grüßt heute alle die, die im Städti=
dern
Saalbau ſich zur Feier einfinden. Und aus der Fülle der
uieen, blühenden Gabe, die Aufforderung zum Lobpreis Gottes!
e: Bauer weiß, warum er nach einem Jahr der mühevollen
ſrieit vom Morgen bis zur ſinkenden Nacht, im Kampf mit
öckter und Unſaat, ſchließlich ſtill die Hände faltet und ſein
hnnk ſei Dir ſpricht. Wir, was wiſſen wir von Säen, Wachſen
n). Reifen in unſerem Leben? Wir ſind zu ehrfurchtlos gewor=
r
, es zu ſehen; wir ſind zu materiell geworden, es auch bei
zrs zu empfinden! Und weil wir es ſind, ſind wir ſo undank=
ſt
und ſo unzufrieden! Der Erntedankſonntag möchte uns
uvnen: Vergiß nicht, was er dir Gutes getan!
Erntedank und Opfergabe gehören zuſammen. Aus der Dank=
uEeit
entſpringt die hilfsbereite Liebe. Der Bauer
ingt ſein Opfer! Notgemeinſchaft und nachbarliches Mittragen
), ihm Selbſtverſtändlichkeiten! Was wir haben, iſt oft nicht
eir als ein beſcheidener, oft erzwungener Reſt ſolcher Gemein=
ſärtlicheit
und ſolchen Opferſinnes. Wir hören heute den Ruf
½ Tages! Er geht an alle Evangeliſchen unſerer Stadt! Die
b= iſt groß, ſehr groß! Wir müſſen helfen, wir, die wir auch
men durften, müſſen von dem, was Gott uns reichlicher gab.
6wir es verdient, denen geben, zu einem menſchenwürdigen
ben verhelfen, die hart am Rande eines ſolchen ſtehen! Tue
dirr, wozu ihn ſein Gewiſſen treibt! Tue jeder, was er verant=
uken
kann vor Gott! Nicht um menſchlicher Verpflichtungen
illen, ſondern um des Gehorſams gegen Gottes Gebot willen
ſiem wir zum Opfertag!
Wir beginnen um 4 Uhr, was nochmals, wegen anfäng=
anderer
Zeitfeſtſetzung deutlich betont ſei. Das Märchen=
d
beginnt um 8 Uhr. Der größte Teil der Karten iſt bereits
rlauft. Da aber noch erhebliche Nachfrage beſteht, haben wir
entſchloſſen, den Zutritt zu den Nebenräumen, in denen
Verkauf ſtattfindet, ohne Recht auf einen Platz im
ſaal gegen 1 Mark zu geſtatten. Dazu werden keine Kar=
ausgegeben
. Alle diejenigen, die nicht teilnehmen können
nochmals um eine Gabe auf Poſtſcheckkonto Frankfurt
M. 62 228 Evangeliſcher Bund. Darmſtadt, mit der Bezeich=
ms
Opfertag gebeten. Der großen Zahl der Darmſtädter
(ſchäftsleute aber, die in hingebender Weiſe uns unterſtützt,
hr, als wir es hoffen konnten, ſei auch hier aufs allerherz=
hie
gedankt. Dieſer Opfertag wird ein Ruhmesblatt des neu=
währten
evangeliſchen Gemeinſinnes in unſerer Satdt ſein. Der
eha der Treue aber ſei die Dankbarkeit der vielen, denen wir
hfen wöllen.

In den Ruheſtand verſetzt wurde am 13. Oktober 1932 die
chrerin an der Volksſchule zu Klein=Auheim (Kreis Offenbach)
Aria Rehling auf ihr Nachſuchen vom 1. Nov. 1932 an.
Hohes Alter. Herr Rendant Gg. Karl Weber, hier,
fimannſtraße 38, begeht am 25. Oktober in körperlicher und
gſie ger Friſche ſeinen 90. Geburtstag.
w. Rechnungsrat Adam Bernauer . Mit dem am 18. Okto=
im Ruheſtand ſeit 1. April 1927 verſtorbenen Beamten
eän Mann von uns gegangen, der im Dienſte des heſſiſchen
Hetes und heſſiſcher Gemeinden, in welch letzteren er ſchon nach
Güllung ſeiner Schulpflicht eingetreten war, lange Jahre über=
g
werdienſtlich gewirkt hat. Die, die ihn näher kannten, können
das beſtätigen was die Verwaltungsbehörde über ihn zum
4sdruck brachte: Bernauer iſt ein außerordentlich fleißiger, ge=
yſſenhafter
und zuverläſſiger Beamter der große Geſchäfts=
ſytniſſe
und reiche Erfahrung beſitzt. Wir fügen bei, daß er in
nim perſönlichen Auftreten ein ungemein beſcheidenes Weſen
aden Tag zu legen pflegte, was ſeine Perſönlichkeit im Ver=
ſr
nur noch ſympathiſcher erſcheinen ließ. Er ruhe in Frieden!
Die Städtiſche Gewerbeſchule Darmſtadt beginnt das Win=
thalbjahr
am 1. November. Die bewährte Schule bietet den
Auhadwerkern (Maurer, Zimmerer, Bauſchreiner, Dachdecker,
Zurnaler u. a.) wieder Gelegenheit, ſich im Tagesunterricht und
Eonderkurſen fachtheoretiſches Wiſſen anzueignen und im hand=
wrilichen
Können zu vervollkommnen. Anmeldungen ſind baldigſt
dewirken bei, der Direktion der Schule, Landgraf=Philipps=
Ange 6.
Hefſiſches Landeztheater.

Großes Haus Rrtag,
23. Ortober Anf. 18.30, Ende geg. 22 Uhr. Heſſenlandm ete 1V1
Inneuet Inſzenier. Wilhelm Tell Pr. 0.605 Mk MEag
21. Oktober Anl . 20 Ende ge g. *2 Uhr. Ertes Volkskonzert.
Mierk. f. 3 Volkskonferte 30-4. 50, E z.=Pr. 0 50-2. anstag.
25. Oktober 19 3022.45 Uhr E 6.
Preiſe 0.605 Mk.
Wilhelm Tell: Kleines Haus Ettag.
23. Oktober Anf. 2022 30 Uhr. Volksvorſt zu kleinen Preiſen
Der Waffenſchmied von Worms. Pr. 0.502.50.

Mtoch.
Anf. 20, Ende nach 22.15 Uhr.
26. Oktober /Jphigenie auf Tauris Preiſe 0 603.50 Mk.
Heute abend Wilhelm Tell in der Neuinſzenierung
Eitav Hartungs. Im Großen Haus findet heute abend 18.30 Uhr
erſte Aufführung der von Guſtav Hartung beſorgten Neu=
ſienierung
von Schillers Wilhelm Tell, mit Bühnenbildern
M Sigfrid Sebba, ſtatt. Die Titelrolle ſpielt Erwin Faber,
WEch nach einer Tätigkeit am Staatstheater München, Staats=
Iuter Berlin und am Deutſchen Künſtler=Theater, Berlin, dem
ligen Publikum in einer tragenden Rolle vorſtellen wird.
4tungs komiſche Oper Der Waffenſchmied von
wems wird heute abend im Kleinen Haus als Volksvor=
Aung zu kleinen Preiſen wiederholt. In den Hauptrollen ſind
Ahi-ftigt: Theo Herrmann, Regina Harre. Johannes Drath,
Ayeich Kuhn und Eugen Vogt. Die muſikaliſche Leitung hat
(tz Bohne.

Ddie drei Konzerte zu Preiſen von 1.50 bis 450 RM.
auch Einzelkarten zum 1. Konzert (Preiſe 0.50 bis
RM.) ausgegeben. Das Programm der Konzerte iſt auch
iſem Jahr ſehr abwechſlungsreich und volkstümlich geſtaltet.
Ey’legt die kleinen muſikaliſchen Formen und ergänzt auf dieſe
I, wirkſam die Vortragsfolge der neun großen Sinfoniekon=
Fe des Landesthegters, die in erſter Linie den großen muſika=
en
Formen, der Sinfonie und unter Mitwirkung von So=
an
erſten Ranges dem Inſtrumentalkonzert, gewidmet ſind.
Berſte Volkskonzert am Montag, 24 Oktober.
dem Inger Karen erſtmalig im Konzertſaal erſcheint,
Fi Dr. Schmidt=Iſſerſtedt. Die beiden weiteren Abende
gert Karl Maria Zwißler. Er bringt Ende Novem=
line
Folge der ſchönſten nationalen Tänze und Ende
Junr, zum Gedächtnis Richard Wagners, deſſen Fauſt=
eistüre
und Siegfried=Idyll, ſowie die fünf Weſendoncklieder;
letzte Programm wird ergänzt durch Webers Quvertüre zum
Zei chütz und Pfitzners Muſik zum Kätchen von Heilbronn,

Vom Leben und Schaffen Karl Hepps.
378. Veranſtaltung des Alk=Darmſtadk. Verein für Orksgeſchichke und Heimakkunde.

Einem Dichker und Künſtler
zur Erinnerung.
Vor einem zahlreichen, ſehr ſtark intereſſierten Zuhörerkreis
ſprach Herr Rechnungsrat W. Jungmann, über das Leben und
Schaffen unſeres verſtorbenen Mitbürgers, des Schriftſtellers
Karl Hepp, der 20 Jahre in unſerer Vaterſtadt wohnte und
wirkte.
Karl Hepp war kein Dichter der Lebensfreude, er hatte mehr
einen Zug zum Schwermütigen, aber durch all ſeine Werke geht
ein Zug von ſtarkem Gerechtigkeitsgefühl und Menſchenliebe. Eine
Perſönlichkeit, die neben der Literatur auch ſtark der Kunſt als
Maler lebte und auch auf dieſem Gebiete Bedeutendes ſchuf.
1841 als älteſter Sohn des Rektors Hepp in Koblenz geboren,
widmete er ſich dem Kaufmannsſtande und war dann langjähriger
Prokuriſt der Verlagsfirma Meyer in Leipzig, die durch ihre
Lexika weltbekannt geworden iſt.
1888 zog ſich Karl Hepp in das Privatleben zurück, wohnte
zuerſt in Aſchaffenburg und zog dann nach Darmſtadt, wo er 20
Jahre von der beſten Zeit ſeines Lebens verbrachte. Mit dem 71.
Lebensjahre wurde er abgerufen und fand auf unſerem Waldfried=
hof
ſeine letzte Ruheſtatt.
Von ſeinen Werken erſchienen im Druck: Weißdorn, ein
Band Gedichte. Mit dem Titel dieſes Buches vergleicht er das
Los des Dichters und ſchreibt als Leitwort darüber:
Verkrüppeln und verknorren. / Und aller Hulden blos,
Doch blühen und doch fruchten. / Das iſt das Los des Dichters,
Im neuen deutſchen Reich. / Drum ſei des Dichters Wappen,
Der Weißdornblütenzweig.
Weiter erſchienen von ihm im Druck: Salomo der König;
Renate‟: Die Federiche‟: Der Dämon des Kaiſers: Der
Prior von St Marco; Irrgang des Herzens: Gerald der Krä=
henhöfer
: Ein= und Ausfälle‟: Ein Band erzählender Dichtun=
gen
: Das Leben Schillers
Sein letztes Werk war: Paracelſus. Der Irrgang des Her=
zens
ein Schauſpiel in 5 Aufzügen, wurde auf unſerer Bühne des
damaligen Hoftheaters aufgeführt. Das Leben Schillers im hie=
ſigen
Saalbau. Der Prior von St. Marco ging zweimal über
unſere Bühne.
Für ein Preſſefeſt in Darmſtadt, wo man eine Hilfskaſſe zum
Beſten verarmter Journaliſten gründete, dichtete Karl Hepp einen

Prolog, der damals von Frau Enders=Kuhlmann geſpro=
chen
wurde.
Ein Schauſpiel in einem Aufzug: Goethe in Darmſtadt, ſpielt
am Herrgottsberg, um 1772. Perſonen darin ſind: Goethe, Joh.
Heinr. Merck Hofrat Leuchſenring, Karoline Flachsland, Frl. von
Ziegler und Frl. von Rouſillon.
An der Teufelsklaus auf dem Herrgottsberg läßt der Dich=
ter
Goethe ſprechen:
Der Fels ward mir um Edelſtein, Drum grub ich meinen
Namen jüngſt hinein. Hier häb ich Euch gewonnen und gefun=
den
, Hier ward ich Euch aufs herzlichſte verbunden, Und hier
in manchen Tages ſchönen Lauf. Ging mir der Freundſchaft
hellſte Sonne auf.
Anſchließend an die feine Zeichnung von dem Schaffen und
Leben des Dichters las Herr Jungmann aus dem Mantel des
Kalifen einer Dichtung, die ein orientaliſches Märchen als Hand=
lung
hat, einige Partien vor, die ſich ſtark an unſere heutige Zeit
anlehnen, und denen das Publikum mit geſpannter Aufmerkſam=
keit
folgte.
Starker Beifall wurde dem Redner für ſeine feinen Dar=
bietungen
von der Verſammlung zuteil, die Herr Jungmann, wie
er ſo fein ſagte, als Dank für den Dichter Karl Hepp entgegen=
nahm
.
Da Herr Schauſpieler Eduard Göbel leider durch Proben ver=
hindert
war, weiteres von den Dichtungen Karl Hepps zu leſen,
was aber nachgeholt werden ſoll, las Herr Jungmann im zweiten
Teil des Abends eine Reihe Dichtungen von Auguſt Wiede=
mann
, auch eine Perſönlichkeit, die eng mit dem Darmſtädter
Kunſt= und Theaterleben verbunden iſt, da er 20 Jahre an unſe=
rem
Hoftheater als Harfeniſt tätig war, aber auch durch ſeine
Dichtungen weit über unſere Stadt einen Ruf genoß.
Von Wiedemann wurden geleſen: Zwei kleine Gedichte‟
Das amerikaniſche Duell; Bernkaſtler Doktor: Das Gelübde‟
und Das muſikaliſche Talent. Auch dieſen Darbietungen folgte
lebhafter Beifall.
In ſeinen Schluß= und Dankesworten an den Redner betonte
der Vorſitzende Herr Ph. Weber, das es immer wieder unſere
vornehmſte Aufgabe bleiben müſſe, unſere Künſtler und Dichter
nicht zu vergeſſen, ſondern ſolche, die aus dem Gedächtnis der Mit=
welt
zu ſchwinden drohten, immer wieder aus der Verſenkung her=
aufſteigen
zu laſſen und lebendig zu machen, und der beſte Dank
ſei immer wieder der, ihre Werke zu leſen und andere daran
teilhaben zu laſſen.
Nächſter Vereinsabend am 3. November, wo Herr Oberſtudien=
rat
Pikert über Die Bedeutung der Familien=
namen
der Alt=Darmſtadt=Mitglieder ſpricht.

die Vogelwelt und ihr Schuk.
Ausſtellung der Vereinigung für Vogelſchutz und =liebhaberei
Darmſtadt und Umgebung.
Die Ausſtellung der Vereinigung für Vogelſchutz und = lieb=
haberei
ſoll vor allen Dingen die Natur= und Heimatfreunde mit
den wichtigſten Vertretern der Kleinvogelwelt, bekannt machen,
denn praktiſchen und wirklich wirkſamen Vogelſchutz kann nur der
mit Erfolg betreiben, der mit den Lebensbedingungen und Ge=
wohnheiten
der Vögel vertraut iſt.
Vogelſchutz iſt keine Liebhaberei weltfremder Träumer, die ſich
den Forderungen der Kultur entgegenſtemmen wollen, ſondern ein
Zweig der Volkswirtſchaft. Hier ſind nicht nur die Erwägungen
der Nützlichkeit der Vögel durch ihre Tätigkeit für die Land= und
Forſtwirtſchaft maßgebend, ſondern auch Dinge, die über dem
Materialismus ſtehen. Wie der ſchrankenloſen Ausbeutung der
Menſchenkräfte durch Arbeiterſchutzgeſetze Grenzen gezogen werden,
ſo muß auch die egoiſtiſche Ausheutung der Naturſchätze einge=
ſchränkt
werden. Es kann ſich ſelbſtverſtändlich nicht darum han=
deln
, bei der Bewirtſchaftung des Landes nur ideale Zwecke zu
berückſichtigen. Es muß ein Einklang zwiſchen Natur und Men=
ſchenwerk
herbeigeführt werden, um die Natur in einem Zuſtand
zu erhalten, aus dem unſer Volk Freude und Erholung ſchöpfen
kann. Hier gangbare Wege zu zeigen, iſt die Aufgabe der Ausſtel=
lung
auf der Künſtlerkolonie Die Vogelwelt und ihr Schutz in
der Zeit vom 29. Oktober bis 1. November d. J. Eine Reihe bil=
dender
Künſtler unſerer Heimat haben Bildwerke zur Verfügung
geſtellt, um den Beſuchern der Ausſtellung die Naturſchönheiten
der Umgebung vor Augen zu führen. Achten Sie auf die weiteren
Hinweiſe und Anzeigen in dieſer Zeitung.

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Die Jugendbünde der Johannes=Gemeinde veranſtalten heute
abend 8 Uhr im Gemeindehaus, Kahlertſtraße 26, anläßlich des
alljährlich ſtattfindenden Bundeswerbetages des BDJ. einen Ge=
meindeabend
, der ein Bild von der Arbeit der verſchiedenen Grup=
pen
geben ſoll. An dieſem Abend wird die Spielſchar das Spiel
Pechvogel und Glückskind von G. A. Treutler zur Aufführung
bringen.
Dr. Max Wauer hält in dieſem Semeſter an der Volks=
hochſchule
zwei Kurſe, und zwar ſpricht er am Dienstag jeder
Woche, von 20.15 bis 20.45 Uhr, über Deutſche Dichtung
von der Romantik bis zur Gegenwart und am
Freitag über Shakeſpeare. An beiden Abenden ſchließen
ſich Worten über Dichter und Werk Rezitationen an. Anmel=
dungen
für dieſe beiden Kurſe, die je acht Abende umfaſſen,
ſind an die Volkshochſchule, Neckarſtraße 3. Zimmer 25, zu richten.

Städt. Ratskeller und 8aalbau Caststätte
Besonders auserwählte Speisenfolge, Wlld und Geflügel
Fertige Platten von 80 Pfennig an
Im Ausschank das Bayerische Exportbier Slechen.
Süßer Traubenmost! (14770) ff. Aussckankweine.

Evangeliſcher Beamtenverein Heſſen. Unſere Mitglieder
werden auch an dieſer Stelle noch einmal auf den am Sonntag,
23. Oktober, ſtattfindenden, vom Evangeliſchen Bund veranſtalteten
Opfertag mit der Bitte um zahlreichen Beſuch aufmerkſam
gemacht.

Modeſchau und Ausſtellung der Darmſtädter
Reiſevereinigung.
Wie bereits bekannt, veranſtaltet die D.R.V. am kommenden
Samstag, den 29. Oktober 1932, nachmittags 3 Uhr, in der Ver=
einigten
Geſellſchaft, Neckarſtraße, eine Ausſtellung, an der ſich
eine Anzahl bekannter Firmen, Städte und Verkehrsvereine be=
teiligen
. Bereits um 15 Uhr beginnen eine Reihe Lichtbilder= Vor=
träge
von bekannten Rednern; Bad Kreuznach wird durch die
Kurverwaltung ſelbſt vertreten. Das Hapag=Reiſebüro des Speſſart=
bundes
Aſchaffenburg lädt ebenfalls zu ſeinem intereſſanten Licht=
bildervortrag
ein. Herr Sanitätsrat Hönlein aus Aſchaffenburg
wurde als Redner beſtellt. Auch dem ſchönen Tirol mit der
Andreas=Hofer=Stadt Innsbruck ein Gedenken: Bozen, Riva, Tor=
bole
und das geſamte Gardaſana=Gebiet werden in der Ausſtellung
vertreten ſein. Der Nachmittag wird für alle diejenigen Beſucher
intereſſant, die die beſtimmten Reiſegebiete ſchon befahren haben.
Und der Abend: Pünktlich 20,15 Uhr beginnt, die bekannte
Tanz=Kapelle Zahn. 2 Anſager ſorgen für die richtige Stimmung.
Seppl Sieber wird alles daran ſetzen, die Stimmung auf dem
Laufenden zu halten. Bolli, der muſikliſche Clown, wird das
Publikum beſonders intereſſieren.
Und die große Modeſchau für Damen: Schürmann, Schuhhaus
Speier, Taſchen=Hufnagel und Parfümerie Tillmann: für Herren:
die Firma Deuſter, Konfektionshaus, und Hut=Titze, in Sport=
ausrüſtungen
die Firma Sport=Kolb zeigen praktiſche Kleidung
für Reiſen und Wandern. Herr und Frau Glock zeigen die neueſten
Tanzſchöpfungen. Die Firma Bümmler bringt modernen Schmuck,
und eine beſondere Ueberraſchung bietet allen Beſuchern die Firma
Parfümerie=Tillmann. Selbſt die guten Leckerbiſſen der Konditorei
Schwarz werden beſondere Beachtung finden. Die geſamte Aus=
ſchmückung
des Saales hat in liebenswürdiger Weiſe die Gärt=
nerei
Hermann Schulz in Darmſtadt übernommen. Zahns Synco=
vators
ſpielen zum Tanz. Mehr wollen wir heute nicht ſagen, als
daß der Voverkauf bereits begonnen hat. Karten in der Geſchäfts=
ſtelle
D. R.V. bei Sport=Kolb, Wilhelminenſtraße, außerdem bei der
Firma Deuſter am Markt und Parfümerie=Tillmann in der Eliſa=
bethenſtraße
21. Näheres im heutigen Inſerat erſichtlich.
Weileres Hinken
des Erirages der Kraftfahrzeugſtensr.
Die abnorm große Zahl der Abmeldungen von Kraft=
fahrzeugen
hat ein ſtändiges Sinken des Ertrages der Pauſchal=
ſteuer
zur Folge. Die Mindererträge haben 1930 eingeſetzt, nach=
dem
die Regierung die Treibſtoffzölle erhöht und den Spritbei=
miſchungszwang
eingeführt hat. Im einzelnen entwickelte ſich
das Aufkommen folgendermaßen:
1931
19
16.14
im Monat Auguſt
Januar bis Auguſt 120.42 143.52
Der ſteuerlichen Ueberlaſtung ſucht der Kraftverkehr durch
Abwanderung zu kleineren Fahrzeugen auszuweichen. Die Steuer=
erhöhungen
haben infolgedeſſen in dieſem Jahre keinen Mehr=
ertrag
ergeben, ſondern im Gegenteil infolge der durch ſie ver=
urſachten
Schwächung des Kraftverkehrs auch ein Sinken der
fiskaliſchen Einnahmen zur Folge gehabt.
Der Freiſtaat Danzig hat die Kraftfahrſteuer auf die Hälfte
herabgeſetzt. Der Erfolg war überraſchend gut. Nicht nur, daß
am 1. September die Zahl der Meldungen der Fahrzeuge nicht
herunterging, ſie hat ſich vielmehr bis heute verdoppelt und iſt
weiter im Steigen.
Wie ſieht es in Heſſen aus? Beim Kreisamt Worms
kamen von 2300 Wagen 1931 zum Winter 220 zur Abmeldung.
1932 bis heute bereits 245; in den letzten Tagen wurden durch=
ſchnittlich
täglich 12 bis 15 Wagen abgemeldet.
Beim Kreisamt Mainz von 3585 Kraftfahrzeugen im
Jahre 1931 zum Winter 1036; bis heute, im Jahre 1932, bereits
420; in den letzten Tagen durchſchnittlich 20 Fahrzeuge täglich.
Beim Kreisamt Darmſtadt von 4000 Fahrzeugen 1931
zum Winter 956, im Jahre 1932 bis heute bereits 530, in den
letzten Tagen durchſchnittlich 18 Fahrzeuge täglich.
Eine ernſte Warnung für die Regierung und die verantwort=
lichen
Wirtſchaftsführer.

do, Ketet MENDE 1A8 2
Mehr als Sie von einem Gerät dieser Preislage erwarten können. Er ist mit allen Neuerungen
der Funktechnik ausgestattet, spielend leicht empfängt er alle maßgebenden Stationen Europas
also kein Ortsempfänger , und der eingebaute Selektionskreis ermöglicht die absolute
Ausschaltung des Ortssenders. Geeichte Skala. Alle diese Vorzüge und nicht zuletzt die fabel-
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Tonfülle und Klangschönheit des dynamischen Lautsprechers begeistern seine Besitzer.
Sein Preis? Sie werden es kaum glauben-erkostet einschließl. Röhren und dynam. Lautsprecher
nur RM. 148.-, für Gleichstrom RM. 155.- Mende, die führenden Radiowerke. Belegschaft mehr als 2000 Personen

NIAIN

[ ][  ][ ]

Seite 6 Nr. 205

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Sonntag, 23. Oktober 193

* Orpheum.
Eröffnungs=Varieté=Gaſtſpiel.
Der Winterſpielplan des Orpheums begann mit einem ab=
wechſlungsreichen
, unterhaltenden Varieté=Gaſtſpiel, das mehrere
ſehr amüſante Schlagernummern aufweiſt. Zahlreiche Beſucher
hatten ſich zu der Eröffnungsvorſtellung eingefunden und ſpen=
deten
lebhaften, dankbaren Beifall.
Eine Hauptattraktion war zweifellos der gymnaſtiſche Kraft=
akt
der Vier Manjas bzw. die Leiſtung der Zahn=
Equilibriſten der Vier Lindners. Die Akrobaten ver=
fügen
über Bärenkräfte und ſetzen die Zuſchauer mit ihren viel=
fältigen
Kraftvorführungen geradezu in Erſtaunen. Der
Bauchredner Paul Rochelli. mit ſeinem kleinen Liftboy, führt
ein originelles Eigenzwiegeſpräch, das Stürme der Heiterkeit
auslöſt. Man kann wirklich manchmal im Zweifel ſein, ob bei
der Puppe eine Sprechmaſchine eingebaut iſt, muß ſich aber dann
von dem echten Vorhandenſein des doppelſprachigen Menſchen
überzeugen laſſen Der Clown Maximilian iſt ein viel=
ſeitiger
Muſikkünſtler, der über gute Technik verfügt und zahl=
reiche
Inſtrumente beherrſcht. Hübſche Lieder (aus Wien und
Tonfilm=Schlager) bringt Lilly Kühn zu Gehör, und die
Spitzentänzerin Hedy Tolmay (vormals vom Neuen Operet=
ten
=Theater, Frankfurt a. M.) zeigte graziöſe Tanzleiſtungen, die
ein ſehr gutes Können verrieten.
Alles in allem iſt das Eröffnungsprogramm ſehr abwechſ=
lungsreich
und flott und beſchert einige angenehme und unter=
haltende
Stunden.

Ueber die Zubereitung und Herrichtung neuzeitlicher Fiſch=
gerichte
auf dem Gasherd hält das Städt. Gaswerk am Don=
nerstag
, den 27 d. M., abends, in ſeinem Vortragsſaal Eliſa=
bethenſtraße
25½, einen ausführlichen Vortrag mit praktiſchen
Erlauterungen der verſchiedenartigſten Fiſchgerichte. Kein Herd
iſt hierfür ſo geeignet, wie der Gasherd. Die raſche, ſaubere und
vor allen Dingen billige Arbeitsweiſe des Herdes macht ihn zum
Stolz einer jeden Hausfrau. Nur der Gasherd läßt ſich ſo fein
auf jeden gewünſchten Hitzegrad einſtellen. Das offene Flammen=
bild
bietet hierzu die beſte Möglichkeit, denn nur dadurch kann
man die Regulierung ſo vornehmen, daß keine Energie ver=
ſchwendet
wird. Vor allem aber zeigt das offene Flammenbild
ſtets ſofort an, wenn durch irgendwelche widrige Momente die
Energiequelle verſagen ſollte. Die offene Flamme bietet alſo der
Hausfrau unbedingte Gewähr für die einwandfreie Herſtellung
ihrer Gerichte. Der Vortrag iſt deshalb unbedingt empfehlens=
wert
, und wir verweiſen auch auf die heutige Anzeige.
Paoli Schwartz, der letzte deutſche Kriegsgefangene, ſpricht
am kommenden Mittwochabend, in der Turnhalle am Woogsplatz.
Der Vorverkauf hat bereits ſehr lebhaft eingeſetzt. Alles Nähere
ſiehe heutige Anzeige.
Dr. Daniel Greiner=Ausſtellung. Das Intereſſe für die
Daniel Greiner=Ausſtellung im ehemaligen Gewerbemuſeum,
Neckarſtraße 3, zeigt ſich beſonders in der überaus großen Be=
ſucherzahl
von mehr als 500 Beſuchern, die die Greiner=Ausſtellung
während der erſten Woche, in der ſie der Oeffentlichkeit zugängig
geworden iſt, aufzuweiſen hat. Auch der ſehr umfangreiche Katalog,
mit Intereſſantem von und über Dr. Greiner zu leſen, erfährt
eine ſehr rege Nachfrage. Die Ausſtellung iſt bei freiem Eintritt
geöffnet, täglich von 11 bis 1 Uhr vormittags und von 2 bis 5 Uhr
nachmittags, Sonntags von 10 bis 1 Uhr vormittags und von
2 bis 4 Uhr nachmittags.
Die Herbſtausſtellung der Freien Vereinigung Darmſtädter
Künſtler, in der Kunſthalle am Rheintor, hat ſeit ihrer Eröff=
nung
einen ſehr regen Beſuch. Die ausgeſtellten Werke finden
allgemeines Intereſſe; ſehr ſtark intereſſiert die Kollektion von
Paſtellbildniſſen von Prof. Hoelſcher, welcher Werke dieſer Art
in größerem Umfang in dieſer Schau zeigt. Heute, Sonntag, iſt
die Ausſtellung geöffnet von 101 Uhr. Auf den Führer durch
die Ausſtellung, in welchem auch die Preiſe der ausgeſtellten
Werke enthalten ſind, ſei nochmals hingewieſen.
Volksbühne. Die komiſche Oper Der Waffenſchmied von
Lortzing und das Schauſpiel Iphigenie auf Tauris von Goethe
werden in dieſer Spielzeit in keiner der Vorſtellungsreihen der
Volksbühne gegeben. Den Mitgliedern der Volksbühne wird
daher empfohlen, die grünen Gutſcheine für folgende Vorſtel=
lungen
einzulöſen: Der Waffenſchmied, heute, Sonntag, den
23. Oktober, und Iphigenie auf Tauris, Mittwoch, den 26. Okt.
Die Gutſcheine werden an der Tages= und Abendkaſſe entgegen=
genommen
. Auch die gelben und roten Gutſcheine haben für
dieſe Vorſtellungen Gültigkeit. Anmeldungen zur Volksbühne
können auch jetzt noch erfolgen.
Frauenortsgruppe des V. D. A. Die große Wohltätigkeits=
veranſtaltung
Fur Deutſche drinnen und draußen
die am Sonntag, den 30. Oktober, nachmittags 5 Uhr, beginnt,
genießt, wie immer die Mithilfe hervorragender Künſtlerinnen
und Künſtler, Lieblinge der Bühne und des Konzertſaals be=
ſtreiten
den erſten Teil. Die anſchließende Modeſchau, gewürzt
durch humorvolle Anſage, zeigt die hohen Leiſtungen eines erſten
Modehauſes. Der Meiſtertänzer Valenci aus München führt mit
ſeiner Partnerin in Vollendung alte und neue Tänze vor und
leitet den allgemeinen Tanz, bei dem das Stadtorcheſters unter
W. Schlupp die Ballmuſik ſtellt. Ueberraſchungen anderer Art
bleiben Geheimnis. (Siehe Anzeige.)
Frl. Ingeborg v. Selzam. Schülerin ihres Vaters, die ſchon
einige Male mit Erfolg bei muſikaliſchen Feiern des R. Wagner=
Verbandes deutſcher Frauen und in Wohltätigkeitskonzerten mit=
gewirkt
hat, wird am Montag, den 31. Oktober, abends 8 Uhr,
im Städtiſchen Saalbau (Gartenſaal) einen Liederabend veran=
ſtalten
, bei dem ſie Lieder von Schubert, Schumann. H. Wolf,
Pfitzner, R. Strauß zu Gehör bringen wird. Kapellmeiſter Karl
Hauf wird die Begleitung am Flügel übernehmen. (Siehe Anz.)
Varieté im Orpheum! Der geſtern abend mit großem Bei=
fall
aufgenommene Varieté=Spielplan wird heute. Sonntag,
und morgen, Montag, abends 8,15 Uhr, wiederholt. Heute
nachmittag 3.30 Uhr gelangt das Märchen Dornröschen in
neuer Ausſtattung und Einſtudierung zur Aufführung. (Näheres
ſiehe Anzeige.) Karten: Kiosk gegenüber Verkehrsbüro 91 Uhr;
Kiosk Paradeplatz von 17 Uhr; Orpheumskaſſe ab 11 Uhr vor=
mittags
. Telephon 389.
Bibelwoche der Stadtmiſſion. Mit dem geſtrigen Abend=
vortrag
fand der Bibelkurs des Herrn Paſtor Simſa in der
Stadtmiſſion ſeinen Abſchluß. Unter ſtarker Beteiligung und
großer Aufmerkſamkeit verlief dieſe Veranſtaltung in erfreulicher
Weiſe. Es war für die Zuhörer ein beſonderes Erlebnis, daß
das einfache, ſchlichte Evangelium von Chriſtus auch in der Ge=
genwart
an Kraft und Wirkung nicht verloren hat. Es war
dankenswert, daß der Redner beſonders die Grundwahrheiten der
Heiligen Schrift ſo ſtark ins Licht zu ſtellen vermochte. Mit
dankbarem Herzen ſchieden die Teilnehmer des Kurſes von der
ihnen liebgewordenen Stätte. Die Schlußverſammlungen der
Bibelwoche ſind am Sonntag, den 23. Oktober, nachmittags, durch
Herrn Stadtmiſſionsinſpektor Bringmann und abends durch
Herrn Pfarrer Köhler=Darmſtadt. Alle Teilnehmer der
Bibelwoche und ſonſtigen Freunde ſeien hierauf nochmals hin=
gewieſen
. Sonntag morgen iſt in gewohnter Weiſe Gebetsſtunde.
Auch die Schlußverſammlungen ſind frei für jedermann.
Der vom Kneipp=Verein Darmſtadt veranſtaltete Vortrag
des bekannten Arztes Dr. Bottenberg, Frankfurt, a. M., über
Ernährungskrankheiten und Ernäbrungskuren war bei ſehr
gutem Beſuch ein Beweis der Aktivität des jungen Vereins. Dr.
Bottenberg gab einen intereſſanten Ueberblick über die moderne
Ernährungslehre, warnte eindringlich vor den einſeitigen Ueber=
treibungen
mancher religiös oder weltanſchaulich fundierten Le=
bensreform
=Bewegungen, und verſtand es durch glücklich geformte
Nutzanwendungen und Ratſchläge die Zuhörer zu feſſeln. Wen die
Beſtrebungen des Kneipp=Vereins intereſſieren, der erhält auf der
Geſchäftsſtelle des Vereins bei Dipl.=Ing. E. P. Walk,
Am Herrenacker 14, II., bereitwillig Auskunft.

er preußiſche
p. Friſche Brötchen ab ½7 Uhr früh.
Miniſter für Handel und Gewerbe hat am 7. Oktober d. J. ver=
fügt
, daß offene Verkaufsſtellen ſchon von 6.15 Uhr morgens mit
Backwaren beliefert werden dürfen. Die Abgabe von Backwaren
an den Verbraucher unmittelbar iſt von 6.30 Uhr früh geſtattet.
Es iſt hierzu ortspolizeiliche Genehmigung erforderlich. (Und
Heſſen?
Die Deutſche Reichspoſt, in Arbeitsgemeinſchaft mit dem
Verkehrsverein Darmſtadt, als Vertreter des Mitteleuropäiſchen
Reiſebüros, hat für die kommende Woche einige hübſche Geſell=
ſchaftsfahrten
vorgeſehen. Sie gibt ihren Fahrgäſten Gelegen=
heit
, an den vorausſichtlich noch ſchönen Herbſttagen einige Stun=
den
die Pracht unſeres herrlichen Herbſtwaldes zu bewundern.
Für die heutige Fahrt nach dem Feldberg findet der Kartenver=
kauf
von 11 bis 13 Uhr, im Reiſebüro, Luiſenplatz 4, ſtatt. Alles
Nähere ſiebe heutige Anzeige.

Provinzialausſchuß.

p. 1. Klage des Heſſiſchen Bezirksfürſorgeverbands Stadt
Worms gegen den Bezirksfürſorgeverband Kreis Bens=
heim
, wegen Erſtattung von Fürſorgeaufwendungen für die
Familie Otto Engel und deren Uebernahme in eigene Fürſorge.
In Frage ſteht, ob die Hilfsbedürftigkeit der Familie E. in
Worms oder Auerbach hervorgetreten iſt. E. will an letztere Ge=
meinde
wegen Unterſtützung herangetreten ſein. In Worms hat
er Unterſtutzung bezogen, die mit Klage in Höhe von 583 RM.
begehrt wird. Der klägeriſche Verteter hält eine Abſchiebung
durch Auerbach für erwieſen was Bensheim beſtreitet. Das Er=
kenntnis
verurteilt Bensheim zur Zahlung, während es im üb=
rigen
die Klage abweiſt.
2. Klage des Bezirksfürſorgeverbands Stadt, Worm=
gegen
: 1. Bezirksfürſorgeverband Kreis Groß=Gerau und
2 den Landesfürſorgeverband Volksſtaat Heſſen, wegen
Erſatzes von Fürſorgeaufwendungen für die Familie Friedrich
Hetzel.
Stadt Worms behauptet fortgeſetzte Hilfsbedürftigkeit der
Familie, die von Leiſelheim nach Herrnsheim gezogen war, wo
der Ehemann eine Wirtſchaft übernehmen wollte, zu der die Ger=
maniabrauerei
in Wiesbaden das Bier liefern ſollte. Die end=
gültige
Konzeſſion wurde nicht erteilt. Nach Verlauf von 2½
Monaten meldete ſich der Ehemann als hilfsbedürftig; ſpäter
zog er nach Worms und von da nach Germersheim, weil er in
Worms keine Wohnung finden konnte. Nach kurzem Aufenthalt
in der Pfalz kam H. wieder nach Worms zurück. Der Bürger=
meiſtereiſekretär
von Gernsheim betont, H. habe dort über viel
Geld verfügt und unwirtſchaftlich verbraucht: in die Pfalz habe
H. eine Spritztour unternommen. Das Urteil weiſt die
Klage ab.
Die Berufung von fünf Einwohnern von Wattenheim wegen
Anforderung von Entwäſſerungskoſten war kurz vor der Sitzung
zurückgenommen worden.

Darmſtädter Wochenmarkt=Kleinhandelspreiſe vom 22. Okt.,
alles per Pfund oder Stück, in Rpfg.: Gemüſe: Erdkohlraben
810. Gelbe Rüben 68, Rote Rüben 810. Weiße Rüben
810. Schwarzwurzeln 2530. Spinat 812. Römiſchkohl 810,
Rotkraut 810. Weißkraut 45, Wirſing 68, Roſenkohl 2025,
Stangenbohnen 3540. Erbſen 3540. Zwiebeln 810, Knob=
lauch
6080, Tomaten 2540, Kaſtanien 30. Feldſalat, Lattich
5070. Endivienſalat 810 Kopfſalat 810. Salatgurken 25
bis 40. Blumenkohl 2570, Rettich 812. Meerrettich 6080.
Kartoffeln; Frühkartoffeln 34. Obſt: Tafeläpfel 15
bis 25, Wirtſchaftsäpfel 1020. Tafelbirnen 1525, Wirtſchafts=
birnen
1020, Zwetſchen 30, Quitten 1518, Trauben 2535.
Nüſſe 2035, Zitronen 510. Bananen 3040. Eßwaren;
Süßrahmbutter 160180 Landbutter 120130, Weichkäſe 2530,
Handkäſe 612. Eier, friſche 1012. Wild und Geflü=
gel
: Gänſe 100. Hühner 6080. Enten 100, Tauben 5070,
Ziegenlämmer 90100. Fleiſch= und Wurſtwaren:
Rindfleiſch, friſch 5670, Kalbfleiſch 70. Schweinefleiſch 7090,
Dörrfleiſch 110. Schinken 120. Wurſt 55140, Wurſtfett 50,
Schmalz. ausgelaſſen 70.
Die Heſſ. Autobus=Verkehrs=Geſellſchaft, Darmſtadt. Rhein=
ſtraße
5, Tel. 844, hat in Anbetracht der ſchönen Herbſttage noch
eine Reihe billiger Ausflugsfahrten für die kommende Woche ge=
wählt
. Vor Beginn der Winterfahrten bietet die Heſſ. Autobus=
Verkehrs=Geſellſchaft auf dem Gebiete des Rundfahrtweſens etwas
Neues, und zwar: mit dem Autobus eine Fahrt ins Blaue. Ueber=
raſchungen
ſind überall vorgeſehen, ſo daß jeder angenehm berührt
ſein wird, Kartenvorverkauf auch Sonntag von 1113 Uhr. (Siehe
heutiges Inſerat.)

Verkehrsunfall. Geſtern nachmittag, gegen 4 Uhr, ſtießen
in der Rheinſtraße ein Radfahrer und eine Radfahrerin zuſam=

men. Der Radfahrer wurde mit Verletzungen ins Städt. Kran=
kenhaus
gebracht.

3

(I. Dr.4007

Straßenbericht

für die Woche vom 23. bis 29. Oktober 1932.
Mitgeteilt vom Heſſiſchen Automobil=Club

Fernverkehrsſtraßen in Heſſen:
(5 HeldenbergenWindecken bis auf weiteres für allen Verkehr
geſperrt. Umleitung für den Durchgangsverkehr: Friedberg,
Vilbel, Bergen, Mainkur, Hanau; für den Lokalverkehr: Eichen,
Oſtheim, Windecken.
45 Ortsdurchfahrt Heldenbergen vom Abzweig nach Büdesheim
bis Abzweig nach Groß=Karben vom 26. Sept. bis auf weiteres
geſperrt. Umleitung: Ilbenſtadt Erbſtadt Eichen für den
Lokalverkehr; für den Durchgangsverkehr ſiehe vorſtehende
Sperre.
49 GießenFulda (zwiſchen Alsfeld und Renzendorf) vom 19. 9.
bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Eifa. Reinrod.
49 GießenFulda (zwiſchen Alsfeld und Romrod) vom 11. 10.
bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Zell, Angerod.

Hauptſtraßen in Heſſen:

HersfeldSelters (zwiſchen Hartmannshain und Gedern) vom 8.
9. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Richtung Hartmanns=
hain
Gedern über VolkartshainOber=Seemen. Richtung
Schotten über EichelſachſenGlashütten bzw. Burkhards
Sichenhauſen.
Altenſtadt-Lindheim vom 6. 9. bis auf weiteres geſperrt. Um=
leitung
: Rodenbach-Heegheim.
SeltersOrtenberg vom 19. 9. bis auf weiteres geſperrt. Um=
leitung
: Bleichenbach-Bergheim.
Ober=RamſtadtErnſthofen bis Klm. 21.0 vom 26. Sept. bis auf
weiteres geſperrt. Umleitung: Rodau; ab 4. Oktober Rohr=
bach
, Asbach.
Ober=Ingelheim nach dem Bahnhof vom 10. 10. bis auf weiteres
geſperrt. Umleitung: Grundſtraße in Ober= und Nieder= Ingel=
heim
.
OrtenbergLißberg bis zum Abzweig nach Eckartsborn vom 7.
10. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Bleichenbach- Berg=
heim
Uſenborn-Hirzenhain.
LauterbachSelters (Ortsdurchfahrt Herbſtein) vom 6. 10. bis auf
weiteres geſperrt. Umleitung: RixfeldStockhauſen Alten=
ſchlirf
bzw. Engelrod-LanzenhainIlbeshauſenAltenſchlirf.
Hirſchhorn-Langenthal Klm. 0,004,75 vom 17. Okt. bis auf wei=
teres
nur Werktags geſperrt. Umleitung: Finkenbach, Falken=
Geſäß, Olfen, Affolterbach.
BingenWörrſtadt von der Kreuzung der Straße Wolfsheim
Partenheim bis zum Abzweig nach Jugenheim vom 18. bis 27
Oktober geſperrt. Umleitung über Partenheim und Jugenheim.

Sonſtige Straßen in Heſſen:
GenſingenSprendlingen (Rheinheſſen) Hohe Straße vom 5. 9.
bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Planig, Boſenheim.
EberſtadtSeeheim-Jugenheim-Zwingenberg (alte Bergſtraße)
vom 8. 9. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Seeheimer
Tanne Bickenbach.
MainzHarxheim, Km. 4.08,2, vom 30. 8. bis auf weiteres ge=
ſperrt
. Umleitung: Mainz, Weiſenau. Laubenheim. Boden=
heim
. Nackenheim, Lörzweiler.
LanggönsHolzheim vom Abzweig Grüningen bis Holzheim vom
22. Sept. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Grüningen.
Nieder=WeiſelOſtheim vom 24. Okt. bis auf weiteres geſperrt.
Umleitung: Butzbach, Hoch=Weiſel.

Briefkaſten.

Jeder Anfroge iſt die letzte Dezugégulttung beizufügen. Anonnme Anfragen warden
nicht beantwortet, Die Deantwortung eriplgt ohne Rechteverbindlichkeit.

G. F. C 1. Das für Sie zuſtändige Arbeitsgericht Darmſtadt
wird zu prüfen haben, ob die unter dieſen Umſtänden betätigte
Kündigung als rechtlich zuläſſig zu gelten hat. 2. Ver=

neint das Gericht die Zuläſſigkeit der Kündigung, dann haben
Sie wohl einen Anſpruch auf Wiedereinſtellung. Wir erſuchen, die
Entſcheidung des Arbeitsgerichts, abgedruckt im Stadtblatt der
Frkf. Ztg. vom 11. d. M., nachzuleſen. 3. Doch wohl nur,
wenn ſich aus Ihrem Verhalten in ſchlüſſiger Weiſe erkennen
ließe, daß Sie auf Wiedereinſtellung keinen Wert legen. Es dürfte
ſich empfehlen, daß Sie die zu erhebende Klage bei der Ge=
ſchäftsſtelle
des Arbeitsgerichtes perſönlich anbringen.
Sch., hier. Sprechen Sie doch beim Referenten für Verkehrs=
weſen
im Heſſiſchen Innenminiſterium vor.

Bezirksjugendtagung des Jugendbundes
im Gewerkſchaftsbund der Angeſtellten (GDA.)

Der Bezirk Darmſtadt des GDA., der die Ortsgruppen
ſüdlichen Teil Heſſens umfaßt, hatte die Jugendbundmitg!
zur Bezirkstagung nach Grünſtadt in der Pfalz eingeladen.
reits wochenlang vorher wurde für dieſe Tagung gerüſtet
Vorbereitungen getroffen. Mit hellem Jubel wurde nun der

erſehnte Tag begrüßt. Auf großen Wagen ging es in Darn
ab. Unterwegs wurden noch die Ortsgruppen Auerbach. Bensh

Heppenheim, Worms, Oſthofen, Pfeddersheim uſw. hinzugen
men. Fröhliche Lieder verkürzten die Fahrt, ſo daß die kühle 2
terung nicht den geringſten Abbruch tun konnte. Die Aufnahn
Grünſtadt war überaus herzlich, da ſich die Jugend durch
ſtraffe Diſziplin bald alle Herzen eroberte.
Die Tagung ſelbſt nahm einen glänzenden Verlauf. Mit
lichen Worten begrüßte die Ortsgruppe Grünſtadt durch
Vertreter Herrn Höffner die Jugend aus Heſſen. Der
dungsobmann der Ortsgruppe Darmſtadt, Herr Ed. Götz,
dann über das Thema: Jugend im Gewerkſchaftsbund der An
ſtellten‟. Herr Götz wies darauf hin, daß die Jugend im C
bereit iſt, ihre ganze Kraft in den Dienſt des deutſchen Volke
ſtellen. Beſonders die Jugend müſſe ſich immer wieder auf
Worte beſinnen: Einigkeit macht ſtark, Uneinigkeit aber zerſtö
Echter Kameradſchaftsgeiſt müſſe gepflegt werden.
Dann berichtete Bezirksjugendobmann L. Schneid
Darmſtadt über die bisher geleiſtete und kommende Arbein
Winter 1932/33. Nicht rückwärts, ſondern vorwärts müſſe un
Arbeit geben. Mag auch die Kriſe noch ſo groß ſein, wir du
deshalb nicht ſtille ſtehen.
Die Ausſprache, die überaus lebhaft war, zeigte, daß die
Geiſt überall in der GDA.=Jugend den beſten Anklang fand.
Lied ſchloß die glänzend verlaufene Tagung, Anſchließend wu
Grünſtadt beſichtigt. Dann ging es an Weinbergen vorbei,
die ſchöne Pfalz nach Dürkheim. Dann ging es heimwärts.
Begeiſterung leuchtete aus allen Augen, und jeder Teilnehmer
kannte ſich erneut zu dem Willen des Bundes (GDA.), der
folgt lautet:
Wir wollen mithelfen, daß unſer Volk und unſere Jugend
der Wirrnis der Niederlage, der Bedrückung und Selbſtzer
ſchung wieder emporkomme. Wir wollen daran mitarbeiten in
wir unſeren Beruf als erſte und wichtigſte Lebensaufgabe
trachten, die unſer ganzes Leben erfüllen ſoll. Wir wollen
höchſten Leitſatz unſerer Berufsarbeit das Wohl der Geſamu
betrachten.
Wir wollen rein und geſund bleiben, geiſtig und körpei
um zu dieſer Arbeit fähig zu ſein
Wir wollen wurzeln im deutſchen Geiſt und Leben. Ve
nung und Vertrauen zu allen Volksteilen faſſen und erneuer
Wir wollen uns gegenſeitig fördern und aneifern daß
gebende Arbeit und reine Freuden uns über unſere Jugenn
hinweg, zu einem rechten Lebensziele führen.

Autoliſte Nr. 97. Soeben erſchienen, verzeichnet Auto
Nr. 97 alle Meldungen (Ab= und Zugänge) von Kraftfahrzet

jeder Art in den 18 Kreiſen des Volksſtaates Heſſen (Kennze
VS, VR, VO) für die Zeit vom 1. bis 15. Oktober, und zwa
folgender Reihenfolge: Name, Beruf. Wohnort des Krafti
zeugbeſitzers; Fahrzeugart, Hubraum in cem und PS (bei Laſtän
wagen: Eigengewicht in kg und PS); Fabrikat und Motor
mer. Fabrikneue Fahrzeuge ſind durch + kenntlick
macht. Die Meldungen ſind geordnet nach den drei Prov;
(VS. VR. VO) und Kreiſen, und innerhalb dieſer nach Fal
zeugarten. Abgemeldete Fahrzeuge werden beſonders
führt. Dieſe Meldungen ſind nur durch den Ver
L. C. Wittich in Darmſtadt erhältlich. Sie ſind unentbeh=
weil
ſie laufend neueſtes Adreſſenmaterial liefern. Die Au
liſten erſcheinen alle 14 Tage, alſo monatlich 2 Liſten. Die ſpäte:
am 8. eines jeden Monats ausgegebene Liſte enthält die
dungen vom 16.30. (31.) des voraufgegangenen Monats,
die ſpäteſtens am 23. eines Monats ausgegebene Liſte die 9
dungen vom 1. bis 15. des gleichen Monats. Bezugspxi
ſiehe Anzeige!
100 000=Mark=Gewinn gezogen. In der erſten Klaſſe
Preußiſch=Süddeutſchen Klaſſenlotterie fiel am Samstag frü
das Los Nr. 331 354 der Gewinn von 100 000 RM. Das
wird in der erſten Abteilung in Achteln in Württemberg
der zweiten Abteilung, ebenfalls in Achteln, in Berlin geſx
Das Union=Theater bringt bis auf Weiteres Greta Gu
als Mata Hari. Ihr Partner iſt Ramon Noparro, in weit
Hauptrollen ſind Lionel Barrymore und Lewis Stone beſchäf=
Regie führt George Fitzmaurice.
Die Helia=Lichtſpiele zeigen nur noch heute und mon
Paul Wegener in dem ſpannungsreichen, phantaſtiſchen Filmme
Unheimliche Geſchichten der unter Richard Oswalds Regie
Novellen von Edgar Allan Poe und Louis Stevenſon
ſtanden iſt.
In den Palaſt=Lichtſpielen ſieht man heute und folgen
Tage einen ſenſationellen Kriminaltonfilm aus der Unterm
einer amerikaniſchen Großſtadt Straßen der Weltſtadt‟. Dazu
erſtklaſſiges Beiprogramm.
Helia=Lichtſpiele. Im Rahmen einer der beliebten Fin
Morgenfeiern wird heute, Sonntag, vorm. 11, 15 Uhr, der ime
eſſante Kultur=Tonfilm Auf Tigerjagd in Indien wiederbl
Jugendliche haben Zutritt. Kleine Preiſe.
Reſi=Theater. Die entzückende Ufa=Tonfilm=Oper!
Ronny mit unſeren beiden großen Publikumslieblingen A=
Fritſch und Käthe von Nagy, läuft mit großem Erfolg im Ra
Dazu ein gutes Beiprogramm.
Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher
krankung ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der He=
arzt
zu rufen. Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind 1
Sonntag, den 23. Oktober, folgende Aerzte zu deſſen Vertrern
bereit: Dr. med. Draudt, Heinrichsſtr. 17. Telephon 25
Dr. med. Riemenſchneider. Otto=Wolfskehl=Straße
Telephon 2955: Dr. med. Schefers. Zimmerſtr. 8. Tel. 2u
Es verſehen den Sonntagsdienſt und in der daran ſich
ſchließenden Woche den Nachtdienſt vom 23. bis 29. Oktober
Apotheke am Juſtizpalaſt, Bismarckſtr. 9. und die Einhorne
tbeke, Kirchſtraße 10½.
Gemeinde gläubig getaufter Chriſten (Baptiſten). Maw
ſtraße 17. Gottesdienſt am Sonntag, den 23. Oktober: vorm.,
Uhr: Gebets=Andacht; vorm. 10 Uhr: Predigt; abends 8,15 M
Evangeliſation (nicht Erntefeſt, wie geſtern gemeldet).

Aus den Parkeien.

Die Deutſche Volkspartei macht auf die morgen abend
Saalbau ſtattfindende Vaterländiſche Kundgebu

aufmerkſam, in der der Parteiführer der Deutſchen Volkspar
Reichstagsabgeordneter Dingeldey, über das Thema

denburg oder Hitler ſprechen wird. Eine Kapelle ehemalſ*
Militärmuſiker unter Leitung von Obermuſikmeiſter Mickley
zertiert. Saalöffnung 7.30 Uhr, Beginn 8.15 Uhr. Nichim
glieder zahlen 30 Pfg. Eintritt, Karten ſind auf der Geſcha.
ſtelle der D.V.P., Zimmerſtraße 1 (Fernſprecher 3540), und,

der Abendkaſſe erhältlich. Auf die heutige Anzeige wird B

gewieſen.
Lokale Veranſtalkungen.

Das Sport=Café am Böllenfalltor, herrlich
Walde gelegen, weiſt auf ſeine Konzert=Veranſtaltungen, ſon
auf die jeden Mittwoch. Samstag und Sonntag ſtattfinden-
Heſellſchaftstanzabende hin, bei denen eine erſtklaſſige Kſye
mitwirkt.
Vereinskalender.
Vereinigung ehemal. 116er Darmſta‟
Montag, 24. Oktober, abends 815 Uhr, bei Kamerad 0he-
Fürſtenſaal, außerordentliche Mitglieder=Verſammlung,

Tageskalender für Sonntag, den 23. Oktober 1932.
belia=Lichtſpiele, vorm. 11.15 Uhr: Auf Tigerjagd in Indien

Union=Theater: Mata Hari; Helia=Lichtſpiele: Unheimiſe
Geſchichten; Palaſt=Lichtſpiele: Straßen der Weltſtadt

Reſi= Theater: Ronny Orpheum: Varieté=Spielplaſ=

Konzerte: Café Ernſt=Ludwig, Herrngarten=Café Bahnche
hotel, Bockshaut, Maintor, Alte Poſt, Hotel=Reſt. zur Pe
Sportplatzreſtaurant, Waldſchlößchen, Schillereck. Maxim,
bildenhöhſaal=Reſt. Reſt. Rebberger, Perkeo, Weinſtube Mc
ter Krauß. Cafs Jöſt. Schweizerhaus Eberſtadt. Ludwigshl.

Sportcafé am Böllenfalltor Fürſtenſaal, 16 Uhr: Lichiyt.
Vortrag Raſſe und Menſchenkenntnis.

[ ][  ][ ]

Sonntag, 23. Oktober 1932

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 295 Seite 7

Ans Heiſen.
Tödlicher Mokorradunfall.
An. Groß=Zimmern, 22. Okt. Heute mittag gegen 2,30 Uhr
tsignete ſich auf der Groß=Umſtädter Straße, an dem ſogenannten
forſter=Eck, ein ſchwerer Motorradunfall, der ein Todesopfer for=
urrte
. Der von Groß=Zimmern gebürtige 27jährige Wilhelm
u üſtenberger, verheiratet in Klein=Auheim, war mit ſeinem
otorrad unterwegs nach Groß=Zimmern. Beim Fahren verlor
ſeine Mütze. Als er ſein Motorrad abgeſtellt hatte, und ſeine
ütze holen wollte, lief er in ein des Weges kommendes Auto.
f= wurde ſchrecklich verſtümmelt und war auf der Stelle tot. Er
amiterläßt eine Frau und zwei Kinder. Wen die Schuld trifft,
n iſſen die polizeilichen Erhebungen ergeben.

Arheilgen, 22. Okt. Die auf den 30. und 31. Oktober vorver=
lente
Kirchweihe rückt in greifbare Nähe. Das aus der gan=
Ner Umgebung gern beſuchte Feſt wollte man trotz der Nöte der
1zit nicht miſſen, da auch das einheimiſche Gewerbe etwas Be=
erung
durch den ſtarken Zuſtrom von Kirchweihgäſten voraus=
St.
. Gräfenhauſen, 21. Okt. Bachſchau. Auf Veranlaſſung
es Kreisamtes Darmſtadt fand hier und in der Gemarkung
leoneppenhauſen eine Bachſchau ſtatt, die ſich in der Hauptſache
ur den Apfelbach und den Mühlbach erſtreckte. An der Bachſchau
acmen außer den Vertretern des Kreisamtes Darmſtadt Ver=
ünter
des Kulturbauamtes und der Gemeinden teil. Die Bach=
hru
wurde auch auf den Ohlebach ausgedehnt.
J. Griesheim, 22 Okt. Main=Rhein=Gau D. T. Die
Mirnerjugend des Main=Rhein=Gaues veranſtaltet am Sonntag.
ex 23. Oktober, in der Jugendherberge auf dem Sportplatz der
ᛋſirnerſchaft Griesheim ihr 4. Singtreffen. Die einzelnen Gruppen
kaffen ſchon am Samstag ein und übernachteten in der Jugend=
eberge
. Scharfſchießen. In der Zeit vom 7. bis 19. No=
ember
d. J. findet auf dem Gelände des ehemaligen Truppen=
Ahungsplatzes ein Scharfſchießen der Heſſiſchen Bereitſchaftspolizei
ſart. Die Schießübungen entfallen täglich auf die Zeit von vor=
uicktags
8 Uhr bis nachmittags 3 Uhr. Für die an das Abſper=
ungsgelände
angrenzenden Grundſtücksbeſitzer empfiehlt ſich des=
Falb eine rechtzeitige Aberntung bzw. Beſtellung ihrer Grundſtücke.
Weiterſtadt, 22. Okt. Aus Anlaß der Silberhochzeit
häres Mitgliedes Heinrich Bretſch, der ſowohl dem Vorſtand
ingehört, als auch Stabführer des Spielmannszuges iſt, ehrte
Iße Turngemeinde, e. V. das Jubelpaar durch Ueberreichung
nes Geſchenkes und muſikaliſche Darbietungen.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 22. Okt. Geſangverein Ein=
ſieacht
=Freundſchaft. Wie alljährlich, ſo auch in dieſem
aare wieder, veranſtaltet der Verein ein Herbſtkonzert.
zls Termin iſt Sonntag. 13. November, in Ausſicht genommen.
er Verein wartet diesmal mit einer Reihe neu einſtudierter
höre, in der Hauptſache Volkslieder auf. Als Soliſten ſind
ſiu onnen: der aus dem vorjährigen Konzert bekannte Baritoniſt
Ritzhaupt. Mitglied des Heſſiſchen Landestheaters ſo=
ſtie
Herr Wilk=Darmſtadt (Flöte). Die nächſte Probe findet
ſtumenden Dienstag abend ſtatt Gewerbeſchau. Die
atzten Sonntag hierorts veranſtaltete Gewerbeſchau hat auch ihr
ut es gehabt inſofern, als in manchen Artikeln ganz anſehnliche
arfabſchlüſſe getätigt wurden. Man hat erſehen, daß der hie=
öfe
Handwerker= und Gewerbeſtand in der Lage iſt, allen An=
fderungen
gerecht zu werden. Hoffentlich hält die Kaufluſt
er. Der Beweis iſt aber erbracht, daß mit der Gewerbeſchau
agh eine Ankurbelung der Wirtſchaft erreicht wurde.
G. Ober=Ramſtadt. 22. Oktober. Bautätigkeit. Trotz der
o. der Zeit hat ſich hier die Bautätigkeit in dieſem Jahre doch noch
hältnismäßig gut entwickelt. Es wurden 6 Wohnhäuſer und
Scheuer neu erbaut, dazu kommen noch zahlreiche An=, Auf= und
Anbauten.
f. Roßdorf, 20 Okt. Billiges Fleiſch für Arbeits=
o
e Wiederum ſind Mittel zur Verfügung geſtellt, durch die der
Usbedürftigen Bevölkerung für die nächſten Wochen der Bezug
friſchem Rind= oder Schweinefleiſch ermöglicht wird. Die Ver=
ligung
wird auf Grund eines von der Reichsregierung heraus=
gebenen
Bezugsſcheines gewährt und beträgt 20 Pfg. pro Pfd.
f. Meſſel, 22. Oktober. Goldene Hochzeit. Am Mon=
1ig. 24. d. M., begehen der Maurermeiſter i. R. Wilhelm Hick=
1. und ſeine Ehefrau Marie, geb. Wenchel in geiſtiger und
aperlicher Friſche das ſeltene Feſt der Goldenen Hochzeit.
r. Babenhauſen, 21, Oktober. Erſter heimatkund=
oer
Vortragsabend. Da in den verſchiedenſten Krei=
unſerer
Bevölkerung ein ausgeſprochen lebendiges Intereſſe
die ehrwürdige Geſchichte unſeres alten Städtchens beſteht,
Heabſichtigt, während des Winters in mehreren wiſſenſchaft=
Uhen Vorträgen Aufklärung über die geſchichtliche Bedeu=
linx
Babenhauſens zu geben. Den 1. Vortrag hat in liebens=
ſüdiger
Weiſe Herr Prof, Dr. W. M. Becker vom Heſſiſchen
haatsarchiv in Darmſtadt übernommen. Er ſpricht dieſen
amstag abend über das Thema Aus der Geſchichte von Baben=
üuen
.
Ax. Reichelsheim i. O., 22. Okt. Hohes Alter. Am
enstag, 25. Oktober, vollendet die Witwe Katharina Reeg,
Ghoxene Weis, ihr 80. Lebensjahr.
4s. Erbach. 22. Okt. Winterhilfe. Auch im Kreiſe Er=
IIa ſind nun überall Ortsausſchüſſe für die Winterhilfe gebildet,
daß in den nächſten Tagen mit den Hausſammlungen begonnen
leiden kann. Neben Geldſpenden werden vor allem Kleidungs=
Iae und Lebensmittel dringend benötigt. Die organiſatoriſchen
Aaxnahmen ſollen es ermöglichen, daß insbeſondere Lebensmittel
Nnell erfaßt und den Bedarfsorten rechtzeitig zugeführt wer=
ſr
können.
Kreidach i. Odw., 22. Okt. Hohes Alter. Am Montag,
N 24. Oktober, feiert Herr Peter Frei ſeinen 80. Geburtstag
breiſtiger und körperlicher Friſche.
Birkenau, 22. Okt. Unglücksfall. Im nahen Nieder=
ie
ersbach ereignete ſich ein ſchwerer Unfall. Ein Landwirt war
Init beſchäftigt, Dickrühen vom Felde abzufahren. Auf dem ab=
enden
Wege verſagte die Bremſe des Pferdefuhrwerks und der
n geriet durch das plötzliche Anrollen des Wagens unter den=
ben
, da die Pferde den Wagen nicht anhalten konnten. Der
nſdwirt trug erhelliche Verletzungen, insbeſondere verſchiedene
nuchenbrüche dauon und mußte mittels Sanitätsauto ſofort in
S Krankenhaus Weinheim überführt werden. Der Verunglückte
9 füber eine Stunde hilflos an der Unfallſtelle, bis er von eben=
: vom Felde heimkehrenden Angehörigen gefunden wurde.
O Reichenbach i. Odw., 22 Okt. Ernennung. Herr Lehrer
th von hier wurde vom Kultusminiſterium zum Rektor der
gen Volksſchule ernannt. Herr Rektor Orth iſt ſchon über zwei
Urzehnte in unſerer Gemeinde als Erzieher tätig. Hinden=
gfeier
. Dieſer Tage begingen die einzelnen Klaſſen der hie=
ten
Volksſchule im Lichtbildſaal des neuen Schulhauſes die Feier
85. Geburtstages des Reichspräſidenten Schneegänſe
te große Schar Schneegänſe überflog unſer Dorf Sie gelten
tauntlich als die Vorboten eines frühen Winters. Im Rah=
der
Arbeitsloſenbeſchäftigung durch die Gemeinde wird zur=
im
Oberdorf durch eine neue Floßanlage der Bürgerſteig
Fgerichtet.

Aus den Gemeinderatssitzungen-

J Griesheim, 22. Okt. Gemeinderatsbericht Die
iſraelitiſche Religionsgemeinde hatte gegen den Erlaß einer Orts=
ſatzung
über die Verbringung ſämtlicher Leichen in die Leichen=
halle
aus religiöſen Gründen Einſpruch erhoben. Die Angelegen=
heit
wurde nochmals an die Finanzkommiſſion zurückverwieſen.
Für die Neufeſtſetzung der Ortslöhne wurden folgende Vorſchläge
gemacht: a) für männliche Verſicherte über 21 Jahre 4.15 Mk., von
16 bis 21 Jahr 3,40 Mk., unter 16 Jahre 1,85 Mk., b) für weibliche
Verſicherte über 21 Jahre 2,90 Mk. von 16 bis 21 Jahre 2,30 Mk.,
unter 16 Jahre 1.40 Mk. Der jährliche Pachtpreis für den ver=
vachteten
Auguſt=Bebel=Platz wurde auf 17 Mk. herabgeſetzt. Eben=
ſo
wurden die Pachtpreiſe für mehrere Gemeindegrundſtücke den
Zeitverhältniſſen entſprechend ermäßigt Der Verein der Kinder=
freunde
hat um Ueberlaſſung eines Schulſaales nachgeſucht. Der
Gemeinderat, der der Ueberlaſſung zuſtimmt, beſchloß, den Antrag
dem Schulvorſtand mit Befürwortung zuzuleiten Nach einer
Verfügung des Kreisamtes Darmſtadt ſollte die Bürgerſteuer für
das Rechnungsjahr 1933 auf 500 v. H. des Landesſatzes erhöht
werden. Die angeregte Erhöhung wurde einſtimmig abgelehnt.
Mit der Abänderung von RM. in GM. in der nachträglichen
Vereinbarung vom 14. Dezember 1931 bezüglich des der Gemeinde
gewährten Meliorationskredites erklärte ſich der Gemeinderat ein=
verſtanden
. Die Empfänger von Gemeinde=Baudarlehen haben
um Erlaß der einprozentigen Tilgungsquoten nachgeſucht. Der
Gemeinderat hat die Verwaltung beauftragt, mit der Landes=
kommunalbank
in Darmſtadt Verhandlungen aufzunehmen, die die
Ausſetzung der eigenen Tilgungsverpflichtungen bezweckt.
Cp. Eſchollbrücken, 22. Okt. Der Gemeinderat hat be=
ſchloſſen
, die Bierſteuer in der ſeitherigen Weiſe weiter zu erheben.
Dagegen wurde die beantragte Erhöhung der Bürgerſteuer für
1933 auf 500 Prozent abgelehnt. Die Rechnung der Gemeinde=
ſparkaſſe
vom Rechnungsjahr 1931 wurde genehmigt. Bekanntlich
geht die Kaſſe in die Bezirksſparkaſſe Zwingenberg über Im
Einvernehmen mit dem Kirchenvorſtand werden die Ausbeſſe=
rungsarbeiten
am Turm und Dach der Kirche dem Dachdecker=
meiſter
Becker in Traiſa übertragen, Ausbeſſerungsarbeiten am
Rathaus und am Spritzenhaus ſowie in einer Lehrerwohnung
ſollen an hieſige Geſchäftsleute zur Vergebung gelangen.
* Traiſa, 23 Okt. Ratsbericht. Bevor der Rat in die Be=
ratung
über Erhebung der Bürgerſteuer eintritt, verlieſt Bürger=
meiſter
Scheerer eine Zuſammenſtellung der Rückſtände aller Ge=
meindegefälle
, aus dem Jahre 1931. Der Rat nimmt davon
Kenntnis und beauftragt den Bürgermeiſter, gemeinſam mit der
Finanzkommiſſion Stellung hierzu zu nehmen. Der Rat lehnt
entgegen der Verfügung des Kreisamtes die Erhebung der Bür=
gerſteuer
von 500 Prozent des Landesſteuerſatzes mit 7 gegen 5
Stimmen ab. Der ortsübliche Tagelohn, der auf Vorſchlag des
Oberverſicherungsamtes um 12 Prozent geſenkt werden ſoll, wird
um 10 Prozent herabgeſetzt. Als Wahlvorſtand hei der kommenden
Reichstagswahl wurden beſtimmt: Bürgermeiſter Scheerer. Bei=
geordneter
Brehm, die Räte Spieß 2., Spieß 3., Fr. Fiſcher, H.
Fiſcher und V. Mahr.
42. Neuſtadt i. O. m. Burg Breuberg (DJH.), 22. Okt. Rats=
ſitzung
. Der für das Jahr 1932/33 vorgelegte Gemeindevoran=
ſchlag
wurde genehmigt. Die Kreisſtraßenbaubehörde, hat in
vorbildlicher Weiſe das Kalken der Obſtbäume von Höchſt bis zur
Landesgrenze vorgenommen. Nun iſt die Zeit für den Obſtbaum=
züchter
gekommen, Klebringe anzulegen, um den Froſtſpanner zu
bekämpfen. Obſtbauverein Am nächſten Sonntag abend
findet im Gaſthauſe Zum Ochſen eine Verſammlung ſtatt, wo=
bei
ein intereſſanter Vortrag gehalten wird.
Ck Biebesheim, 22 Okt. Gemeinderatsſitzung. Die
Bürgerſteuer für das Rechnungsjahr 1933 wird nach dem Landes=
durchſchnittsſatz
von 500 Prozent abgelehnt Dem Beitritt der
Gemeinde in die hieſige Spar= und Darlehnskaſſe ſtimmt der
Rat zu.
4f. Neu Iſenburg. 22. Okt. Ausdem Gemeinderat. Der
Antrag der kommuniſtiſchen Fraktion, den Ausſchluß, der beiden
Kommuniſten Knös und Euler aufzuheben, wird abgelehnt.
Die Erhebung der Bürgerſteuer, in Höhe von 500 Prozent des
Landesſatzes lehnt der Gemeinderat ab. Die Gewerkſchaft heſſi=
ſcher
Gemeindebeamten hat vorgeſchlagen, die bei der Klage vor
dem Kreisausſchuß entſtandenen Koſten im Verhältnis 9:5 zwiſchen
ſich und der Gemeinde zu teilen; der Gemeinderat hat hiergegen
nichts einzwenden. Der Bürgermeiſter wird ermächtigt, wei=
tere
4400 Quadratmeter Waldgelände am Schwimmbad zur An=
lage
eines Autoparkrlatzes zu erwerben. Gegen die Beſetzung
der Rektorſtelle an der Berufsſchule durch den Berufsſchullehrer
Hill beſtehen ſeitens des Gemeinderats keine Bedenken.
Limesforſchung bei Neuſtadl.
43. Neuſtadt mit Burg, Breuberg. D. J. H. 21. Oktober.
Seit Jahrzehnten ſchon bemüht man ſich um die Feſtſtellung des
Standortes des römiſchen Kaſtells Arnheiten. Erſt kürzlich machte
Dr. Bingemer=Frankfurt a. M. im Auftrage der Reichs=
Limes=Forſchungsſtelle Verſuche in dieſer Art. Nicht weit von
Roſenbach, dort, wo der Weg nach dem Wolfenhof einbiegt, ſuchte
man Spuren des römiſchen Kaſtells (mit Bad). Dieſe Arbeit ſoll
im Laufe des November bei günſtiger Witterung, fortgeſetzt
werden. Ohne Zweifel ſteht feſt, daß die Römer großes In=
tereſſe
hatten, den Breuberg als ſtrategiſche Poſition auszunützen.
Daß das fragliche Kaſtell auf dem Breuberg geſtanden haben ſoll,
dürfte nach dem neuen Stande der Forſchungswiſſenſchaft ver=
neint
werden. Ebenſo dürfte man in der Hauptſache davon ab=
gekommen
ſein, das Kaſtell rechts der Mümling, bei dem Arnhei=
terhofgebiet
, zu ſuchen. Trotzdem wird man auch weiterhin dort
nicht untätig bleiben dürfen. Der weiteren Forſchung wird es
vorbehalten bleiben, die Richtigkeit der Annahme, daß das Kaſtell
an der Wurzel des Breuberges, alſo links der Mümling, in
der Gegend bei Roſenbach gelegen haben ſoll, durch fleißige
Grabarbeit zu beweiſen. Hoffentlich gelingt es einem glücklichen
Zufall, das Rätſel um das Kaſtell Arnheiten zu löſen.
42. Jugenheim a. d. B., 21. Oktbr. Bürgermeiſter P.
Burkhardt tritt am 1. Dezember in den Ruheſtand. Damit
ſcheidet ein Bürgermeiſter aus dem Dienſt, der ſich um Jugenheim
als Luftkurort beſonders große Verdienſte erworben hat. Burk=
hardt
kann auf eine 22jährige Amtszeit als Ortsoberhaupt zurück=
blicken
. Bereits in jungen Jahren wurde er in den Gemeinderat
gewählt. Im Jahre 1904 wurde er Beigeordneter. 1910 wurde er
dann als Nachfolger des Bürgermeiſters Rindfuß zum Leiter der
Geſchicke Jugenheims gewählt, auf welchem Poſten er beſonders in
der Kriegs= und Nachkriegszeit keinen leichten Stand hatte. Aber
unbeirrt trat er für die Belange Jugenheims ein. Sein letztes
größeres Verdienſt iſt unſtreitig der Bau eines Gemeindeſchwimm=
bades
, wie ſich überhaupt Bürgermeiſter Burkhardt ſtets für die
Intereſſen der ſporttreibenden Bevölkerung und Kurgäſte einſetzte.
Außerdem war er nicht nur Mitbegründer, ſondern ſogar 27 Jahre
lang Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Jugenheims. Auch
gehörte Bürgermeiſter Burkhardt lange Jahre mehreren Verwal=
tungskörperſchaften
an. Wenn er jetzt, im 72. Lebensjahr, aus
dem Dienſt ſcheidet, kann er es in dem Bewußtſein tun, ſtets im
Intereſſe ſeines Heimatortes tätig geweſen zu ſein, zumal er ſich
auch als Menſch größter Wertſchätzung erfreuen darf.

Bd. Hähnlein, 19. Oktober. In letzter Zeit macht ſich an der
Halteſtelle Hähnlein das Fehlen eines Telephonappara=
tes
recht unliebſam bemerkbar. Bis vor einiger Zeit konnten noch
mit der Bahn kommende Reiſende im Gaſthaus Zur Eiſenbahn
telephonieren; letzteres iſt aber jetzt geſchloſſen. Oft kommt es
vor, daß hauptſächlich nach Alsbach kommende Kurfremde gerne
per Auto in den etwas von der Bahn entfernt liegenden Ort fah=
ren
würden, wenn ſie ein Auto telephoniſch beſtellen könnten. Es
wäre deshalb ſehr angebracht, wenn die Poſtverwaltung in dem
Warteſaal einen Fernſprechautomaten aufſtellen würde, wogegen
die Bahnverwaltung ſicher nichts einzuwenden hat. Ganz ebenſo
verhält es ſich mit dem fehlenden Briefmarkenautomaten. Täglich
ſteigen zirka 250 Perſonen an der Halteſtelle ein oder aus, und
täglich werden die Bahnbeamten wegen Briefmarken angegangen.
Gernsheim, 22. Oktober. Waſſerſtand des Rheins
(Pegel) am 21. d. M.: 0,43 Meter, am 22. d. M.: 0,50 Meter,
jeweils morgens 5.30 Uhr.
e Bad=Wimpfen, 22. Okt. Ein frecher Einbruchsdieb=
ſtahl
. Im Laufe des vorgeſtrigen Nachmittags wurde in der
Wirtſchaft des Emil Wacker in Bad=Wimpfen am Berg eingebro=
chen
. Der bis jetzt noch unbekannte Täter muß mit den örtlichen
Verhältniſſen im Wackerſchen Hauſe vertraut geweſen ſein und auch
gewußt haben, daß die Frau Wacker allein zu Hauſe war. Wie die
Spuren anzeigen, drang der Täter vom Hinterhaus über einen
Lattenzaun in das Vorderhaus ein ſchlich ſich in das Wohnzimmer
des Wacker, das im erſten Stock gelegen iſt, erbrach hier zuerſt das
Vertikow, und als er kein Geld vorfand, den Kleiderſchrank, in dem
er die Celdkaſſette, in der der Schlüſſel ſteckte, vorfand. Der Täter
hat mit einer ziemlichen Sicherheit gearbeitet, und alle Türen
und Fächer wieder zugemacht. Damit der Diebſtahl nicht gleich
entdeckt werden ſollte, ließ er die im oberen Fach der Kaſſette be=
findlichen
60 RM. in Silbergeld liegen und nahm im unteren
Teil den weit größeren Betrag in Höhe von 320 RM. Wacker
hatte den Betrag noch nicht lange in der Wohnung aufbewahrt=
und wollte damit Wein ankaufen. Der Diebſtahl wurde erſt gegen
10 Uhr abends bemerkt. Die Polizei, die ſofort an dem Tatort
eintraf nahm die Ermittelungen nach dem Täter auf. Der ange=
ſetzte
Polizeihund der hieſigen Gendarmerieſtation verfolgte eine
gewiſſe Spur, ſo daß mit der Feſtſtellung des Täters gerechnet
werden kann.
Aus Mainz und Rheinheſſen.

* Main= 22 Okt Wahlverſammlung der D. N. V. P.
In einer Wahlkundgebung der Deutſchnationalen Volkspartei,
unter der Leitung von Rechtsanwalt Dr. Bodesheim, ſprach
Reichstagsabgeordneter Gok=Altona. Zum erſten Male ſeit
14 Jahren ſei der Verſuch unternommen worden, von dem par=
lamentariſch
=demokratiſchen Syſtem endgültig loszukommen. Jede
nationale Regierung brauche aber Rückhalt im Volke, der Ge=
meinſchaft
aller nationalen Kräfte. Der Sozialismus jeglicher
Schattierung könne dieſe Gemeinſchaft nicht ſchaffen, da er nur
Schichten kenne. Mit dem Aufruf, auf dem tragfähigen Funda=
ment
des alten Bismarckreiches ein neues Deutſchland in Bis=
marcks
Geiſt aufzubauen, beſchloß der Redner ſeine Ausführungen.
Selbſtmordverſuch im Unterſuchungsgefäng=
nis
. Der 32jährige Arbeiter A. Lochmann aus Met=
tenheim
, der wegen wiſſentlichen Meineids zu
drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, unternahm vor
ſeinem Abtransport in das Zuchthaus Marienſchloß einen Selbſt=
mordverſuch
. Er wurde ins Krankenhaus verbracht, wo die
Wunden vernäht wurden. Am Donnerstag, kurz nach 2 Uhr,
ſprang in Mainz=Koſtheim eine Frau vom Mainufer aus in das
Waſſer und ertrank. Sie wurde kurz darauf von dem Beſitzer
eines Motorbootes an der Maaraue geländet und auf den Städt.
Friedhof gebracht. Die Geländete wurde jetzt als die 44jährige
Frau eines Schreiners aus der Langgaſſe von ihren Angehörigen
anerkannt, die infolge Schwermuts in den Tod gegangen iſt.
Schwerer Unfall. Auf der Pariſer Straße wurde ein
42jähriger Fuhrmann aus Mainz=Koſtheim von einem Perſonen=
auto
von hinten angefahren und gegen ſeinen Wagen gedrückt.
Er erlitt ſchwere Kopf= und innere Verletzungen und mußte
dem Krankenhaus zugeführt werden.

Oberheſſen.

Gießen, 22. Okt. Oberforſtmeiſter Dr. Schütz hier
tritt auf Grund des Altersdienſtgeſetzes am 1. Dezember Ifd. Js.
in den Ruheſtand. Er ſtudierte an der Landesuniverſität Gießen
und beſtand im Herbſt 1889 die Fakultätsprüfung. Nach Able=
gung
der Staatsprüfung war er 6 Jahre Aſſiſtent bei der forſt=
lichen
Verſuchsanſtalt für Heſſen. Nach weiterer Verwendung als
Forſtaſſeſſor bei der Oberförſterei Beerfelden wurde er im Mai
1900 zum Oberförſter der Oberförſterei Ulrichſtein ernannt. Im
April 1913 wurde ihm die Oberförſterei Nidda und im Mai 1921
die Oberförſterei (jetzt Forſtamt) Gießen übertragen und er damit
zum Leiter des Lehrreviers des akademiſchen Forſtinſtituts be=
ſtellt
. Seine allſeits anerkannte, erfolgreiche forſtliche Tätigkeit
iſt der Ausfluß ſeiner wiſſenſchaftlichen Erkenntniſſe und ſeiner
langjährigen Erfahrungen. Dabei verſtand er es, ſich die Hoch=
ſchätzung
und Zuneigung ſowohl bei allen Kollegen wie auch bei
den Untergebenen und der Bevölkerung zu erwerben. Neben ſei=
nen
umfangreichen dienſtlichen Arbeiten fand er noch Zeit, auch
auf anderen Gebieten ſich zu betätigen. So gehörte er dem Vor=
ſtande
des Hubertus, des Vereins weidgerechter Jäger in Gießen
und Umgebung, an dem Vorſtande des Verkehrs= und Verſchöne=
rungsvereins
zu Gießen, der land= und forſtwirtſchaftlichen Depu=
tation
der Stadt Gießen u. a. Die Mitglieder der Forſtbezirks=
gruppe
Gießen und zahlreiche Gäſte, u. a. Landforſtmeiſter Dr.
Heſſe, die Profeſſoren der Landesuniverſität Dr. Vanſelow, Dr.
Baader, Dr. Reinhold und Dr. Köttgen veranſtalteten am Sams=
tag
, 15. Okt., eine ſchlichte Abſchiedsfeier im Heſſiſchen Hof in
Gießen.
I. Friedberg, 22. Okt. In der großen Kaiſerſtraße verkündet
reicher Flaggenſchmuck die Eröffnung des Friedberger
Herbſtpferdemarktes und der Deutſchen Woche‟.
Bereits Samstag mittag wird die feierliche Eröffnung vollzogen
durch Hiſſen der Marktfahne am Rathaus, Vorſpruch des Markt=
meiſters
, Eröffnungsrede des Bürgermeiſters, des Präſidenten der
Landwirtſchaftskammer und des Präſidenten der Induſtrie= und
Handelskammer. Die Aufführung des Marktſpiels ſchließt
ſich an. Im alten Polytechnikum wird die Gewerbeausſtellung er=
öffnet
. In der Bürgerſchaft, beſonders in der Geſchäftswelt, ſieht
man der Marktwoche mit großen Hoffnungen entgegen, man er=
wartet
aus der geſamten Wetterau und dem benachbarten Tau=
nusgebiet
einen ſtarken Beſuch. Den Glanzpunkt der Veranſtaltung
dürfte am nächſten Dienstag der Wetterauer Reitertag
unter Mitwirkung der 4. Kompagnie des Gießener Reichswehr=
bataillons
bilden.
h. Lich. 20. Okt. Die älteſte Frau unſerer Stadt,
die Prinzeſſin Marie zu Solms=Hohenſolms=Lich, blickt auf ein
Alter von 95 Jahren zurück. Die 300 Jahre alte Wet=
terfahne
unſeres Stadtturmes wurde in den letzten Tagen ab=
genommen
und erneuert. Man fand in dem Knopf ein Bleikäſt=
chen
mit geſchichtlichen Urkunden. Danach iſt die Wetterfahne in
den Jahren 1704, 1723, 1787 1850 1875 und 1892 renoviert wor=
den
. Ein weiteres Schriftſtück mit Zeugen der jetzigen Notzeit
wurde den Dokumenten beigefügt.

Czeriakabhe: Die Klinge schabt nicht sie vleitet!

(IV. 14617

W.
E. 2

E
E F & S O H N K A R 4 S R U H
O.L

[ ][  ][ ]

Seite 8 Nr. 295

Sofi Götz.
Max Mayer
Verlobte

Frankfurt a. M.-Eberbach a. N.
Gwinnerstraße 8
23. Oktober 1932

Darmstadt
Kaupstraße 54

Statt beſonderer Anzeige.

Heute entſchlief nach langem Teiden meine liebe Frau.
unſere treuforgende Mutter, Schwiegermutter, Groß=
mutter
, Schweſter, Schwägerin und Tante

Lina Spahn
Jean Bender
Verlobte
Nieder-Ramstadt
Oktober 1932.

geb. Hoffmann.
Für die trauernden Hinterbliebenen.
Ludwig Scheuring, Lehrer i. R.

Darmſtadi, München, Tangen, den 21. Oktober 1932.
Soderſtr. 5.

Die Beerdigung findet Montag, den 24. Oktober, nachmittags 3 Uhr,
auf dem Waldfriedhofe ſtatt.

Todes=Anzeige.

Am 19. Oktober entſchlief nach längerem
Teiden im 71. Lebensjahr mein lieber
Mann, unſer guter Vater, Schwiegervater,
Großvater, Schwager und Onkel

Todes=Anzeige.

Rechnungsrat
Adam vernauel

Dienstag Abend verſchied nach
längerem Leiden mein lieber
Mann, Sohn, Bruder, Schwager
und Onkel
Herr

Dankſagung.

Wilhelm Grünig.

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Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſiadt, den 19. Oktober 1932.

Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen

Die Beerdigung fand auf Wunſch des Ver=
ſtorbenen
in der Stille ſiatt.

Emma Grünig
geb. Fiſcher.

Dörnigheim b. Frankfurt, Darmſtadt,
den 18. Oktober 1932.

Die Beerdigung fand am Frei=
tag
auf dem Friedhof Nieder=
Ramſtadt ſtatt.

Philipp Brill und Frau
Emh. geb. Laudenheimer
Ludwig Ballin und Frau
Elſe, geb. Laudenheimer
Soſef Laudenheimer u. Frau
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Darmſtadt, Pforzheim,
Oktober 1932.
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erwartet
ſanft entſchlafen.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen.

Darmſtadt, Groß=Gerau, Leipzig, den 22. Oktober 1932.
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Die Beerdigung findet am Montag, den 24. Oktober, nachmittags 2 Uhr, von
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W15604

[ ][  ][ ]

Ein wichtiger Fund
im Schloßmuſeum zu Darmſtadt.

* Das Darmſtädtiſche
Geſangbuchlein von 16X7

im Landgräfinnenzimmer. Die unſtillbare Wißbegier der Eva
verlangte die Vitrine geöffnet; es könnten doch wichtige Geſang=
bicher
für meine Forſchung darunter ſein. Der Führer konnte
nicht öffnen; er hatte keinen Schlüſſel. Graf Hardenberg ſelbſt
war verreiſt. So kam ich damals nicht an das Buch; aber das
Format hatte mich ſtutzig gemacht. Ein paar Wochen ſpäter
machte es ſich, daß ich die Schätze der Vitrine unterſuchen konnte,
Mit 3 Abbildungen.1)
und groß war die Ueberraſchung; denn nun hielt ich
das Geſuchte in der Hand.
Von Dr. H. Bräuning=Oktavio.
Schon äußerlich betrachtet iſt das Geſangbuch von
Um die Jahrhundertwende entdeckte Prälat Diehl, damals 1677 ein Schmuckſtück unter den deutſchen Andachtsbüchern,
noch Pfarrer in Hirſchhorn, in der heſſiſchen Landesbibliothek, auf deſſen Beſitz das Schloßmuſeum mit Recht ſtolz ſein kann.)
in Darmſtadt eine Reihe von Geſangbüchern, denen man den

bei. Ferner übernimmt er altes Gut aus einigen dieſer

gaben vor 1668, (größtenteils auch in einer von mir jetzt afchaf‟
fundenen Ausgabe von 1657 enthalten), nämlich 88 Lie
ſo daß von den insgeſamt 331 Liedern ſeines Geſangbi
255 Lieder (3) altem heſſiſchen Gut angeht

Neu, d. h. erſtmalig im Darmſtädtiſchen Geſang
meit

Titeln nach ihre Bedeutung für die Geſchichte des heſſiſchen
Geſangbuchs nicht anſah. Diehl verglich in mühevoller Arbeit die

HRRRRR.
Neuveriniehrtes

Zeſan
Büchlein

RGeiſtlicher und bißhe=
gro
in denen Evangeliſchenig
Kirchen gebräuchlicher
Kirchen Lieder.
KAufs neue überſehen und:
R mit vielen geiſireichen Ge.
ſängen vermehret!
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3 reichen Geber=Beicht und Cem=
munion
= Büchleinf
Meiſtlich
D. Joh. Habermanns.s
8. Mit Fürkl. Heſ. Lands=Befrepung.
Darmſtatt!
Bev Henning Müllern/Annoisrr.

N im m 0
FRRRRRRRRS

1. Titelſeite. Originalgröße.

neun Büchlein miteinander und ſtellte feſt, daß ſie alle (1625
bis 1668) auf das im Jahre 1633, in Frankfurt gedruckte und
in Darmſtadt verlegte Geſangbuch Chriſtlicher Pſalmen und
Kirchen Lieder... für die Heſſiſche Kirchen der obern Graffſchafft
Catzen=Elnbogen ..." zurückgehen. Das früheſte heſſen=darm=

ſtädtiſche Geſangbuch, das man vor Diehls Fund
kannte, ſtammt aus dem Jahre 1724; als Diehl noch
die Geſangbücher von 1716 (in Gießen) und 1699 (in
Privatbeſitz; verſchollen) ausfindig machte, war die
Brücke zur Gegenwart geſchlagen; aber es klaffte
immer noch eine wichtige Lücke von 1668 bis
1699.
Obwohl es mir in den letzten Jahren glückte,
einige weitere Geſangbücher, deren Exiſtenz bisher un=
bekannt
war?), nachzuweiſen und Exemplare davon
aufzutreiben, nämlich ſolchen von 1687, 1698 (1699)
und 1701, wurde die Lücke zwar weſentlich verringert,
aber es fehlte noch immer ein wichtiges
Geſangbuch das von 1677. Baur hat es 1852 in
ſeinem Kirchenlied erwähnt und die Vorrede daraus
mitgeteilt. Nach ſeiner Angabe war es von dem Darm=
ſtädter
Superintendenten Balthaſar Mentzer heraus=
gegeben
. Seitdem blieb es verſchollen, obwohl ihm
wegen ſeiner Bedeutung für die Geſchichte des heſſi=
ſchen
Geſangbuchs immer wieder eifrig nachgeforſchr
wurde. Auch mir gelang es bis zum Jahre 1931 nicht,
ein Exemplar dieſer geſuchten Ausgabe aufzutrei=
ben
; weder war es in Baurs nachgelaſſener Bibliothet
in Lindenfels, die mir Herr Oberſtleutnant Baur de
Bétaz liebenswürdiger Weiſe zugänglich machte, noch
in den vielen großen und kleinen Bibliotheken Deutſch=
lands
, in denen ich an Ort und Stelle nachforſchte.
Jetzt endlich hat ſich das einzige Exem=
plar
dieſer Ausgabe gefunden; es ging
dabei merkwürdig genug zu.
Der Beſucher des 1924 eröffneten Schloß=
muſeums
in Darmſtadt wird in den Zimmern
der großen Landgräfin eine Vitrine mit einigen
Gebet= und Geſangbüchern bemerken. Bei wiederholten
Beſuchen, die mehr den Silhouetten der Landgräfin
galten, hatte ich die unter Glas wohlverwahrten Ge=
ſangbücher
als handwerkliche Schmuckſtücke bewundert;
aber bei der Prominenz von Forſchern, in nächſter
Nähe dieſer Schätze, kam mir gar nicht der Gedanke,
daß ſich das für die Forſchung wichtige und geſuchte
Geſangbuch von 1677 unter einer vielbewunderten
ſilbergetriebenen Hülle verbergen könnte.
Als ich dann im Herbſt 1931 zuſammen mit meiner
Frau das Muſeum in einer eingehenden Nachmittags=
führung
durchwanderte, kamen wir auch an die Vitrine

Daß Herr Prälat Diehl die Auffindung des Geſangbuches mi=
lebhafteſter
Freude und Anerkennung begrüßte, bedarf kaum
einer beſonderen Erwähnung.
Es ſtammt aus dem Beſitz der Töchter des Landgrafen
Georg III. von Vöhl und enthält beſtes Gut an deutſchen
Kirchenliedern in wundervoller Schale gefaßt. Mit einer Liebe
und Hingabe hat der Buchbinder Niklas Sparſchneider
aus Naumburg, der 1667 in Darmſtadt ſein Handwerk zu treiben
anfing, ein Meiſterſtück (Abb. 2 und 3) wie eine Selbſt=
verſtändlichkeit
in ſo ſorgfältiger Arbeit geliefert, daß wir es
nicht genug bewundern können. Die Zeichnung des ziſelierten
Goldſchnitts iſt ebenſo präzis und im einzelnen ſauber
durchgeführt, wie es die Arbeit des Silberſchmiedes, wahrſchein=
lich
Heidelberger Herkunft, iſt. Alles iſt in Bewegtheit und
Rhythmus der Form aufeinander abgeſtimmt und beweiſt für
die Zeit von 1677, alſo die Zeit eines erklärten Tief=
ſtands
und Niedergangs, eine handwerkliche Kultur
und Hingabe an das Werk, wie ſie uns nach unſerer Schulweis=
heit
kaum glaublich erſcheinen.
Der Silberſchmied hat feinſte Filigranarbeit im Stil des
Le Gascon, ins Metalliſche übertragen, geliefert. Verſchlungenes
Bandwerk aus 0,7 bis 1 Millimeter ſtarkem Vierkant= Silber=
ſtab
hält Ornamente (Spiralranken) aus zweifädigem gedrehtem
Silberdraht von 0,25 Millimeter Stärke zuſammen.
Aber auch der Drucker hat Ebenbürtiges geleiſtet! Es war
kein Unbekannter; denn Henning Müller, der von 1670
bis 1684 in Darmſtadt druckte und dann nach Gießen abzog,
gehört zu den Darmſtädter Druckern des 17. Jahrhunderts, die
ihre Kunſt verſtanden. Iſt doch auch das große Kantional,
gedruckt in zwei Farben, jenes geſuchte Prachtwerk in Groß=
Folio, das wir noch in einigen unſerer Kirchen finden, aus
ſeiner Offizin hervorgegangen! Das Geſangbüchlein in ſauberem,
gut lesbarem Druck, iſt faſt ohne Fehler gedruckt; das Regiſter
verzeichnet alle Lieder des Geſangbuchs und läßt nicht, wie das
ſonſt häufig genug vorkommt, manche aus. Es enthält auf 613
Seiten 331 Lieder.
Der Inhalt eines ſo alten Geſangbuches der
vor allem die Forſchung intereſſiert, iſt wichtig und inter=
eſſaut
genug, daß ich hier wenigſtens kurz darauf eingehe.)
Wilhelm Diehl hat für die ihm aus der Zeit von 1633
bis 1668 bekannt gewordenen neun heſſiſchen Geſangbücher
ein gemeinſames Gut von 185 alten Liedern ( eut=
halten
in der Ausgabe von 1633) nachgewieſen. Von dieſem
alten gemeinſamen Gut behält Mentzer 167 Lieder

ſtehen 76 Lieder. Von ihnen verſchwinden bei der näu/0 v0,
Geſangbuchredaktion von 1687 18 Lieder, die bis 1779 nicht ti
auftauchen (darunter zwei von Ludwig Oeler 1525, eins
Andreas Knöpken 1530, eins von Ludwig Helmbold 1594,
von Heinrich Mehzfart 1640, zwei von Joh. Riſt 1652).
Von den verbleibenden 58 neuen Liedern erhalten/efoll
15 bis 1698 1699, 1701 und 1717, während 43. Lieder (alſo
die Hälfte der von Mentzer neu aufgenommenen Lieder
1779, nämlich bis zum Erſcheinen des Landesgeſangbuchs
ſichertes Gut bleiben. Unter dieſen 58 neuen Lie
berückſichtigt Mentzer von den Dichtern der Notzeit Geſe
mit 1 Lied, Heermann mit 3 Liedern, Held mit 1 Lied,
burg mit 2 Liedern, Rinckhart mit 1 Lied, Riſt mit 6 Liedt
von den Dichtern der Blütezeit Joh. Frank mit 9 und PAAEH
Gerhard mit 11 Liedern. An altem Gut ſind daruſ eigeſehe

3. Buch von vorn mit geöffneten Schließen. Goldſchnit,

Mattheſius und Knöpken mit je 1 Lied. Auffällig iſt, daß
orthodoxe Mentzer ſogar ein Lied des Hauptvertreters fnöm a. M
älteren Pietismus, Phil. Jakob Speners (Nun iſt auferſtayf
vereinnimmt; es hielt ſich bis 1701 im Darmſtädtiſchen Geid
buch. Tat er es als feiner Diplomat im Darmſtädter Pietſt
ſtreit, als ihm die Heißſporne Winckler und Krd
mann das Leben ſauer machten?

heilalladrt

Das große Verdienſt der Ausg
Mentzers liegt darin, daß er getreu dem Charn
unſeres Heſſenvolkes altes Gut (255 Lieder vor
ſeines Geſangbuches) beibehielt (reſp. z. T. we
hereinnahm: 27 von 255 Liedern) und vorſichtig in
Auswahl von Neuem war. So kam es, daß
Ausgabe den Sturm der pietiſtiſchen Ausgaben
1698, 1699 und 1701 gut überſtand. Noch in
Darmſtädtiſchen Geſangbuch von 1768 (mit 350
dern), das bis 1779 im Brauch war, gehen über
d. h. zweidrittel aller Lieder auf die Mentze)
Redaktion zurück. Zur Kenntnis des Kirchenlied//
Heſſen von 16771779 iſt ſie, insbeſondere zur BA
wortung der Frage, ob ein Lied zum lebendi
Gut jener Zeit gehört oder nicht, unerläßlic,
Darüber hinaus vermittelt uns der Druck
Geſangbuchs von 1677 noch ein wichtiges Neu
Angebunden iſt nämlich eine Ausgabe des k en
nen Darmſtädtiſchen Catechismus
Jahr 16 71 (Darmſtadt, gedruckt von Henning cug
Mit dieſem Catechismusdruck iſt neben den biſß
bekannten Ausgaben von 1626 und 1661 die drittä/
Ausgabe unſeres Catechismus gefunden. Sie n
einander zu vergleichen, müßte den zunächſt Beruf!
Pflicht und Freude zugleich ſein.
Der Laie aber wird es ſich nicht entgehen loſ
im Schloßmuſeum das wertvolle Büchlein zu
wundern.

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Heft 11/12 der Heſſiſchen Chronik (1932) enthalter

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Fahrzeugs sind durch + kenntlich gemacht. Die Meldungen sind
geordnet nach den drei Provinzen (VS, VR, VO) und Kreisen,
und innerhalb dieser nach Fahrzeugarten. Abgemeldete
Fahrzeuge werden besonders geführt.
Die Autolisten sind unentbehrlich, weil sie laufend
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Sonntag, 23. Oktober

Seite 12 Nr. 295

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Ein Wagen aus dem Feſtzug mit einer rieſigen Attrappe des Graf Zeppelin,

Die Trümmer des völlig zerſtörten Perſonenwagens.

Die mexikaniſche Stadt Dorrean beging ihr 25jähriges Beſtehen jetzt mit einem großen Feſtzug,
bei dem auch das Luftſchiff Graf Zeppelin wenigſtens in einer Nachbildung nicht fehlen durfte.
Das Luftſchiff, das nun bereits zum 30. Male den Atlantiſchen Ozean überquerte, gehört auf den
amerikaniſchen Kontinenten zu den am meiſten bewunderten Symbolen des menſchlichen Fortſchritts.

Heiuf alld Ausland.
Schwerer Verkehrsunfall in Idſtein.
Mehrere Häuſer beſchädigt.
Idſtein (Taunus). Donnerstag nachmittag
geriet auf der Obergaſſe ein ſchwer mit Mehl
und Frucht beladener Laſtkraftwagen mit An=
hänger
ins Schleudern und rannte gegen die
Hausecke des Guſtav Rübſamenſchen Hauſes. Zu=
vor
hatte er auf der linken Torſeite am Hauſe
Nold Steinbrocken aus der Mauer geriſſen. Der
Anhänger blieb auf der anderen Straßenſeite
und grub tiefe Furchen in das Haus Grand=
pierre
, ebenſo der hintere Teil des Motor=
wagens
. An der Innenſeite der Küche des Rüb=
ſamenſchen
Hauſes ſind ſtarke Riſſe in der Wand.
Vom Fußboden wurden die Steinplatten hoch=
gehoben
, aus dem Küchenſchrank flogen Töpfe
heraus zur Erde, im Keller wurden Gefäße um=
geworfen
und zwei Frauen, die in der Küche
ſaßen, fielen durch die Wucht des Anpralls zu
Boden. Dadurch, daß zwei Mitfahrer des Laſt=
wagenzuges
kurz vor dem Unfall abſprangen,
hatte der Chauffeur auf ſeinem Sitz Bewegungs=
freiheit
und konnte ſich ſo zur Seite werfen, als
das Steuerrad gegen die Rückwand des Führer=
ſitzes
gedrückt wurde; er wäre ſonſt unweigerlich
totgedrückt worden. Raſch konnte er aus ſeiner=
etwas
eingeklemmten Lage befreit werden und
hat nur eine geringfügige Verletzung an der
einen Hand und am Bein davongetragen. Zur
Zeit des Unfalls kam der Glaſer Hack mit ſeinem
Fahrrad die Obergaſſe herunter, konnte es jedoch
wegen Verſagens der Bremſe nicht zum Stehen
bringen und rannte mit voller Wucht gegen den
Motorwagen. Mit einer ſchweren Gehirnerſchüt=
terung
mußte er vom Platz getragen werden.
Ein kleines Kind wurde bei dieſem zweiten Un=
fall
unter den Laſtwagen geſchleudert, ohne je=
doch
Schaden zu nehmen. Erſt nach vierſtündiger
Arbeit konnte die Obergaſſe wieder für den Ver=
kehr
freigemacht werden. Der Laſtkraftwagen ge=
hörte
der Firma Ludwig Stark in Frankfurt
a. M.=Griesheim.

Prof. Porger=Hannover geſtorben.
Hannover. In der Nacht zum Samstag
iſt der Senator und Stadtſchulrat Prof. Porger
geſtorben. Prof. Porger war viele Jahre Lehrer
und Erzieher der Prinzen Adalbert, Auguſt= Wil=
helm
, Oskar und Joachim von Preußen ſowie der
Prinzeſſin Viktoria Luiſe. Seit 1912 war er
Direktor der Städtiſchen Höheren Mädchenſchule
in Hannover und wurde im März 1926 zum Se=
nator
und Stadtſchulrat gewählt.
Raubmord im Berliner Weſten.
Berlin. Die Händlerin Auguſte Könicke
wurde geſtern mittag in ihrer Wohnung in der
Lutherſtraße im Bett gefeſſelt und erwürgt auf=
gefunden
. Nach den bisherigen Ermittlungen
der Mordkommiſſion der Kriminalpolizei ſcheint
es ſich um einen Raubmord zu handeln. Man
vermutet, daß der Ermordeten gehörige Gold=
pfandbriefe
geraubt worden ſind.
Tränengasbomben im Wuppertaler Theater.
Wuppertal. Bei der vorgeſtrigen Erſt=
aufführung
der Streitſchen Oper Salome im
Elberfelder Haus der Wuppertaler Bühne ver=
übten
unbekannte Täter einen Tränengasanſchlag
auf das bis auf den letzten Platz gefüllte The=
ater
. Kurz vor der Vorſtellung verbreitete ſich
eine Wolke von Tränengas im ganzen Zuſchauer=
raum
, die das Publikum zum fluchtartigen Ver=
laſſen
des Theaters zwang. Feuerwehr und Poli=
zei
wurden ſofort alarmiert, und es bedurfte an=
geſtrengter
Arbeit, um den Raum von den Gaſen
zu befreien. Die Vorſtellung konnte erſt mit
1½ſtündiger Verſpätung begonnen werden.
Einbruch beim Lordmayor von London.
London. Ein verwegener Einbruchsdieb=
ſtahl
wurde geſtern im Hauſe des neugewählten
Lordmayors von London, Sir Percy Greena=
way
, verübt. Während des Mittageſſens kletter=
ten
Diebe unbemerkt an einer Leitung in das
erſte Stockwerk und drangen in das Schlafzim=
mer
der Gattin des Lordmayors ein, wo ſie
Wertgegenſtände im Betrag von etwa 700 Pfund
mitnahmen. Erſt nachdem die Einbrecher be=
reits
längſt das Weite geſucht hatten, wurde der
Diebſtahl bemerkt.

Die 50. Rundreiſe

Bremen-New York-Bremen

des Llond=Schnelldampfers Europ4

Schnelldampfer Europa des Norddeutſh
Lloyd, der am 18. Oktober in Bremerhaven
traf, hat mit Beendigung dieſer Reiſe ſe
50. Rundreiſe Bremen-New York-Brei
vollendet. Genau ein halbes Jahr vorher koſ
ten wir die Vollendung der 50. Rundreiſe ſen
Schweſterſchiffes Bremen verzeichnen, die /r

16. Juli 1929 ihre Jungfernreiſe über den N

atlantik angetreten hatte. Nun hat alſo auch
Europa ihre erſten 50 Reiſen hinter ſich
bracht. Am 19. März 1930 in Dienſt geſtellt,
ſie ſeitdem, in der kurzen Zeit von etwas 1M Me
½ Jahren, 366 000 Seemeilen zurückgelegt. Guine in der
einer Kilometerzahl von 677 832 Kilometern U5on
einer rund 17maligen Umquerung des Erd nSule der
fanges entſpricht, und in dieſer Zeit 116 465 Aom
ſagiere über den Ozean befördert. Gleich=
Bremen gewann auch die Europa auf ih/
erſten Reiſe über den Atlantik das Bl.
Band, indem ſie mit einer Geſchwindigkeit =
27,91 Seemeilen die Meßſtrecke Bishop Rol
Ambroſe Channel Feuerſchiff in 4 Tagen=
Stunden 6 Minuten zurücklegte.

Tom Mir verunglückk.
Hollywood. Tom Mix iſt bei einer Fi.
aufnahme verunglückt. Sein Lieblingspferd Tuß
kam zu Fall und warf dabei den Reiter ſo n/.
glücklich aus dem Sattel, daß er unter das PFfuz
geriet und ſchwere Verletzungen erlitt. Er- erſt nach ſieben Stunden das Bewußtſyn
wieder.
Zuſammenſtoß zweier polniſcher Segelflugzel/M/5
Die Führer tot.

Warſchau. Vorgeſtern mittag ſind in W.
telpolen in der Nähe von Kielce zwei Segelfu4
ger in etwa 50 Meter Höhe von einer Windk/
erfaßt und gegeneinandergeſchleudert wordn
Die Segelflugzeuge ſtürzten zu Boden. Bef;
Flugzeugführer waren auf der Stelle tot.

Der Einbruch

in das Zikkauer Stadkmuſeum.

Der ausgeplünderte Glasſchrank (vorn linksL

in dem ſich die hiſtoriſchen Uhren befande!

In dem Stadtmuſeum von Zittau gelang bis!"
unermittelten Tätern die Entwendung ei
großen Anzahl kulturhiſtoriſch überaus bedei
ſamer Ausſtellungsgegenſtände, darunter He
wertvolle Sammlung von Uhren aus dem *
und 19. Jahrhundert.

Bei Temesvar (Weſtrumänien) ſprangen beim Paſſieren einer Weiche zwei Wagen eines Arbei
zuges aus den Schienen. Der Poſtwagen des Zuges rannte in einen Perſonenwagen hinein, deſ
Paſſagiere er geradezu räderte. 30 Arbeiter wurden getötet, zahlreiche weitere ſchwer verl
Der Unglückswagen war bereits über 70 Jahre alt!

Der Trauakt in der Si. Moritz=Kirche,
zu dem ſich 67 Fürſtlichkeiten aus ganz Europa eingefunden hatten.

Schwere Gefängnis= und Geldſtrafen

Zweibrücken. Das Amtsgericht Zwei=
brücken
verurteilte einen Fabrikarbeiter wegen
Schmuggels von Zigaretten und Tabak zu acht
Monaten Gefängnis und 96 000 Mark Geldſtrafe,
evtl. 92 Tagen Gefängnis, ferner zu 4288 und
290 Mark Werterſatz. In der gleichen Sache
wurde ein Kontrolleur zu 30 000 Mark Geld=
ſtrafe
evtl. 60 Tagen Gefängnis, ferner zu 4288
Mark Werterſatz evtl. 42 Tagen Gefängnis ver=
urteilt
, ferner ein Maurer zu fünf Monaten Ge=
fängnis
, 61000 Mark Geldſtrafe evtl. 122 Tagen
Gefängnis und weiter zu 4288, 192 und 783
Mark Werterſatz. Ein Reiſender, der die Ware
aus dem Saargebiet nach der Pfalz geſchmuggelt
hatte, erhielt vier Monate Gefängnis, 15 000
Mark Geldſtrafe und 783 Mark Werterſatz=
Strafe.
Zuſammenſtöße mit Schmugglerbanden.
Ein Toter, ein Schwerverletzter.
Aachen. In der Nacht zum Freitag wurde,
wie erſt jetzt bekannt wird, in der Nähe von
Ophoven eine achtköpfige Schmugglerbande von
Zollbeamten geſtellt, deren Haltrufe und War=
nungsſchüſſe
keine Beachtung fanden. Als die
Beamten ſcharf ſchoſſen, trafen ſie einen 16jähr.
Jungen aus Scharfenberg ins Herz, ſo daß er auf
der Stelle tot war. Man fand bei ihm 12 Pfund
Kaffee und kleine Mengen Tabak. Zwei weitere
Mitglieder der Bande wurden feſtgenommen.
Insgeſamt haben die Beamten etwa 80 Pfund
Kaffee und etwa 30 Pfund Tabak beſchlagnahmt.
Auf dem Gymnicher Weg konnten Zollbeamte
Freitag abend ebenfalls eine Schmugglerbande
von 30 Mann ſtellen, von denen die meiſten trotz
zahlreicher Warnungsſchüſſe die Flucht ergriffen.
Einer der Schmuggler, ein 30jähriger Mann,
wurde durch einen Schuß an der Schulter ſchwer
verletzt. Man fand bei ihm 1400 Zigaretten und
kleine Mengen anderer Waren. In Sief wurde
ein Berufsſchmuggler geſtellt. Man fand in ſeinem
Torniſter 600 Buch Zigarettenpapier und 1500
Zigaretten.

Bombenanſchlag auf Deutſche
in Spanien.
Wetzlar. Auf die Wohnung des aus Wetz=
lar
ſtammenden Direktors der Erzgruben der
Vereinigten Stahlwerke in Monforte de Lemos
in Spanien, Fritz Cloos, der zugleich auch das
Amt des Vizekonſuls bekleidet, wurde in der
Nacht zum 16. Oktober ein Bombenanſchlag ver=
übt
. Eine Bombe durchſchlug das Dach der Ga=
rage
und zerſtörte das Auto, eine zweite Bombe
explodierte über dem Fenſter einer Schlafſtube,
eine weitere Bombe fand man neben dem Haus.
Sie wog zwei Kilogramm und hätte, wenn ſie
zur Exploſion gekommen wäre, zweifellos einen
Teil des Hauſes in die Luft geriſſen. Perſonen
kamen glücklicherweiſe nicht zu ſchaden.

Schwere Zuchthausrevolte in New York.
Mit Maſchinengewehren und Tränengas
gegen Häftlinge.
New York. Im New Yorker Zuchthaus
in Walfare Island iſt es zu ſchweren Revolten
gekommen. Die Inſaſſen unternahmen mehrere
Ausbruchsverſuche, wobei bisher ein Zuchthäus=
ler
von Polizeibeamten getötet wurde. Die
Zuchthausdirektion wandte ſich mit der Bitte
um Hilfe, an das Polizeihauptquartier, von wo
ein größeres Polizeiaufgebot mit 50 Detektiven
hinbeordert wurde, um die Aufrührer mit Trä=
nengas
und Maſchinengewehren zu bekämpfen.
Es iſt zu weiteren ſchweren Kämpfen gekommen,
ſo daß noch größere Verſtärkungen angefordert
werden mußten. Die übrigen New Yorker Ge=
fängniſſe
werden ſcharf bewacht, da man vielfach
weitere Ausbruchsverſüche befürchtet.
Neue Goldlager in Südafrika?
Johannesburg. Im Anſchluß an die vor
drei Jahren am weſtlichen Rande des Goldge=
bietes
von Witwatersrand von dem deutſchen
Geologen Prof. Krahmann vorgenommenen geo=
phyſikaliſchen
Unterſuchungen haben ſich, wie die
Blätter melden, nunmehr die Vermutungen ſtark
verdichtet, daß ein größeres Goldlager im Zu=
ſammenhang
mit den bereits im Abbau befind=
lichen
Feldern vorhanden iſt.

Die Koburger Fürfkenhochzeik.

[ ][  ][ ]

Sonntag, 22. Oktober 1932

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 295 Seite 13

Spoct, Ohiel und Jucnen

Heuke 15 Uhr
Handball=Pokalkampf Süd-Weſt
auf dem Polizei=Platz.
Wie ſchon geſagt, treffen ſich obige Mannſchaften im Zwi=
errundenſpiel
um den D.S.B.=Pokal am heutigen Sonntag,
elhr, in Darmſtadt, auf dem Platz des Polizeiſportvereins.
h Vorrundenſpiel ſiegte Süddeutſchland in Hannover über=
err
gegen Norddeutſchland während Weſtdeutſchland ſpielfrei
.. Wenn auch Süddeutſchland in den letzten beiden Spielen
nn Weſtdeutſchland unterlag, ſo liegt diesmal doch ein Sieg
Süddeutſchen im Bereich der Möglichkeit, da das Spiel ge=
ermaßen
auf heimiſchem Platz ſtattfindet. Immerhin werden
Süddeutſchen ihr ganzes Können einſetzen müſſen, wenn ſie
gut eingeſpielte weſtdeutſche Elf niederringen wollen. Je=
gfalls
wird es zu einem ſelten großen Kampf kommen.
Die Mannſchaften ſtehen:
Leſt.:
Kreuzberg.
(Düren 03)
Biehl,
Koenen.
(Spfr. Siegen)
(V. f. L. Aachen)
Heinz,
Witte,
Korte,
(Spfr. Siegen) (Pol. Münſter) (Schw.=W. Barmen)
Tſchbach, Voſſenkeul. Siewers, Ortmanns, Klein.
ſigen 05) (Al.Aachen) (Pol.Dortm.) (Al.Aachen) (VfL. Aachen)
4eick.
Freund. Werner. Zacherl.
Pabsdorf.
(Sportverein 98, Darmſtadt) (Fürth) (Schwanheim)
Dittmar. Gebhardt,
Delp.
(98 D.)
(Fürth)
(98 D.)
Pfeiffer.
Walter.
(Polizei Darmſtadt)
Fürther,
(Sppg. Fürth).
Reichsbahn TV. Heppenheim.
Wir machen darauf aufmerkſam, daß das Handballſpiel
osbahn Heppenheim nicht um 10.30 Uhr, ſondern bereits
ſi 10 Uhr ſtattfindet.
Tifelennis-Inkereſſengemeinſchaft Darmſtadt
und Umgebung.
ger näheren Umgebung derart viel Anklang gefunden, ſo daß
ſtoſeſem Winter neben den im vorigen Jahre ſchon eifrig Tiſch=
enis
ſpielenden Vereinen Tennis= und Eisklub, SV 98 und TC.
98=Blau 7 weitere Vereine Aufnahme in der Intereſſen= Ge=
ſyn
chaft der Tiſchtennisvereine von Darmſtadt und Umgebung
r den lien konnten. Während in den vorigen Jahren ſämtliche Vereine
Nch welcher Spielſtärke, in einer Klaſſe ſpielten, iſt man dieſes
ſißſhr dazu übergegangen, die qualifizierteſten Mannſchaften des
eitks in einer beſonderen Klaſſe zuſammenzufaſſen. SV. 98
0 TC. Weiß=Blau ſpielen in dieſer 1. Klaſſe gegen die beſten
eine aus Frankfurt und Wiesbaden, während alle übrigen
eine in der 2. Klaſſe eine Verbandsrunde austragen, deren
ſppenbeſter im nächſten Jahre in die 1. Klaſſe aufſteigt. Die
es Elfgele der 2. Klaſſe beginnen bereits in dieſer Woche, und
16/zfma iſt geſpannt, wer ſich aus dem Gros der vielen gleichwertigen
Amſchaften als Beſter herausſchält. Nachſtehend die Terminliſte,
9 der ſich die Vereine zu richten haben.
3.29. Oktober; Ping=Pong Dieburg, Blau=Weiß TEC.,
Aukoidbällchen Polizei, Jüngl=V. Arheilgen Weiß=Blau ?.
7 98 2. Singer, Jung=Heſſen SV. 98 3. 30. Oktober bis
Kövember: Dieburg Blau=Weiß, TEC. Celluloid Pol.
rheilgen, Weiß=Blau SV. 98 2. Singer Jung=Heſſen,
298 3. Ping=Pong. 6.12. November: Ping=Pong
E, Blau=Weiß Pol. Celluloid Weiß=Blau, Arheilgen
zger. SV. 98 2. SV. 98 3., Jung=Heſſen Dieburg.
19. November: TEC. Arheilgen Pol. SV. 98 2., Weiß=
Jung=Heſſen, Singer Ping=Pong, SV. 98 3. Blau=
Dieburg Celluloid. 20.26. November: Arheilgen
98 3. SV 98 2 Dieburg, Jung=Heſſen TEC. Ping=
Pol., Blau=Weiß Weiß=Blau, Celluloid Singer.
ſovember bis 3. Dezember: SV. 98 3. Celluloid Dieburg
eilgen, TEC. SV. 98 2., Pol. Jung=Heſſen, Weiß=Blau
Em SV. 98 3. TEC. Pol., Weiß=Blau Singer, Celluloid
heilgen, SV. 98 2., Jung=Heſſen, Blau=Weiß Ping=
9a 11.17. Dezember: SV. 98 3 TEC., Pol. Singer,
F=Blau Dieburg, Celluloid SV. 98 2., Jung=Heſſen
Ma=Weiß, Arheilgen Ping=Pong. 18.27. Dezember: TEC.
Riß=Blau Dieburg Pol, Singer SV. 98 3., SV. 98 2
1Acülgen, Blau=Weiß Celluloid, Ping=Pong Jung=Heſſen.
o1., Singer Dieburg, TEC. Singer, Celluloid Jung=
Nn. Arheilgen Blau=Weiß, SV. 98 2. Ping=Pong
74. Januar 1933 Dieburg TEC., SV 98 3. Weiß=Blau,
f0 Auloid Ping=Pong, Jung=Heſſen Arheilgen, Blau=Weiß
nN5. 98 2.
Landgerichtsrat Dr. Mickel 50 Jahre.
Arn heutigen Sonntag begeht Landgerichtsrat Dr. Mickel=
Thntadt ſeinen 50. Geburtstag. Herr Dr. Mickel iſt einer der
näßtigen Männer, die nach dem Kriege das Sportleben in
Antadt zu neuem Leben erweckten. Aus Straßburg vertrieben,
Eer bald hier wieder in vorderſter Sportlinie. Im Jahre 1922
U 9mrhm er den Vorſitz des SV. 98, den er durch Gründung zahl=
hei
Abteilungen aus dem Schlafe weckte. Was Dr. Mickel in
echs Jahren ſeiner Amtsführung aus den 98ern gemacht hat,
Lemnnt; 1928 lehnte er aus geſundheitlichen Gründen eine
Rorwahl ab. Dem Verbandsgericht des Süddeutſchen Fuß=
Aund Leichtathletik=Verbandes gehört der Jubilar ſeit der 1924
ANuren Gründung bis heute an, im Bundesgericht des D.F.B.
Abe t er ſeit 1928.
M öge das Geburtstagskind noch lange ſeinen Freunden und
ſt hin geliebten Sport leben.
Ato von Porath ſchlug am Freitag abend in Berlin den ſchläge zu erwarten.
ſeihen Runde entſcheidend.
ſe runglückt iſt das come=Back Ludwig Haymanns, der am
Gias in Stuttgart durch den Berliner Walter eine Punktnie=
disige
einſtecken mußte.
dur Revanche herausgefordert hat der kanadiſche Neger
Liln Gains ſeinen Bezwinger Walter Neuſel=Bochum.
ſu ch Schweden hat jetzt ſeine Teilnahme bei den Interna=
tikhilem
F. J.S.=Meiſterſchaften in Junsbruck zugeſagt.

Sporkkalender.
Sonntag, den 23. Oktober 1932.
Handball.
15,00 Uhr, Polizei=Platz: Pokal=Zwiſchenrunde Süddeutſchland
Weſtdeutſchland.
10,00 Uhr, Dornheimer Weg: Reichsbahn TV. Heppenheim.
11,00 Uhr, Rheinallee: Rot=Weiß TSV. Braunshardt.
15,00 Uhr, Kranichſteinerſtraße: Tgeſ. 75 Tgde. Beſſungen.
Fußball.
11,00 Uhr, Polizeiplatz: Polizei Germania Oberroden.
11,00 Uhr, Dornheimer Weg: Reichsbahn SV. Groß=Gerau.
Hockey.
11,00 Uhr, Stadion: SV. 98 Tgde. 46 Worms.
Kraftſport.
10,00 Uhr, Eſchollbr. Str. 24: Polizei Aſchaffenburg=Damm.
Empfang der deutſchen Olympia=
keilnehmer
beim Reichspräſidenken.
Berlin, 22. Oktober.
Reichspräſident v. Hindenburg empfing am Samstag, in
Gegenwart des Reichsminiſters des Innern, des Vorſitzenden des
Reichsausſchuſſes für Leibesübungen, Staatsſekretär a. D. Dr.
Lewald, und des Generalſekretärs Dr. Diem, die bei den Olym=
piſchen
Spielen in Los Angeles beſonders ausgezeichneten
Sportsleute: Brendel (1. Sieger im Ringen Bantamgewicht),
Ismayer (1. Sieger im Gewichtsheben Mittelgewicht), Eller
(Schlagmann der ſiegreichen deutſchen Rudermannſchaft), Sper=
ling
(2. Sieger im Ringen Leichtgewicht), Campe (2. Sieger
im Boxen), Buhtz (2. Sieger im Doppelſkuller und 1. Sieger bei
der Henley=Regatta), Jonath (beſter Sprinter der weißen Raſſen),
Eberle (3. Sieger im Zehnkampf) und Schmid, dem das Olym=
piakomitee
eine goldene Medaille für ſeine beſonderen Verdienſte
im Bergſteigen zugeſprochen hat.
Der Herr Reichspräſident ſprach den Olympiaſiegern ſeine
Anerkennung und ſeine Glückwünſche aus und überreichte ihnen
Das Tiſchtennisſpiel hat im Laufe der Zeit in Darmſtadt und die von der Reichsregierung geſtiftete Ehrenplakette. An die
Anweſenden, als die Vertreter des ganzen deutſchen Sports rich=
tete
der Herr Reichspräſident die Mahnung, alle Kräfte anzu=
ſpannen
, damit bei den Olympiſchen Spielen in Berlin 1936,
denen er ſein Intereſſe und ſeine Förderung zuſagte, Deutſchland
mit Ehren beſtehen könne.
Leiter vermißte man bei dem Empfang den Olympiaſieger
Ismayr, die Berliner Ruderer Meyer, Hoeck, Spremberg und Neu=
mann
, die Münchener Boxer Schleinkofer und Ziglarſki und die
beiden Leichtathletinnen Tilly Fleiſcher und Ellen Braumüller.
Neun Wochen nach Beendigung der Olympiſchen Spiele in
Los Angeles und gut ſechs Wochen nach Rückkehr der deutſchen
Olympiakämpfer in die Heimat iſt nun alſo doch noch ein Emp=
fang
beim Reichspräſidenten zuſtande gekommen. Nachdem die
Heimkehr der Los Angeles=Fahrer ſich recht geräuſchlos vollzogen
hatte, dachte man an einen Empfang in der Wilhelmſtraße, wo=
zurzeit
der Reichspräſident reſidiert, kaum noch. Wir wiſſen nicht,
worauf die Verſpätung dieſes Empfanges zurückzuführen iſt, ſie
könnte aber ein Ausdruck der Zurückhaltung ſein, die das mäßige
Abſchneiden unſerer Expedition in Los Angeles auferlegen mußte.
Der kleinen Gruppe von Olympiakämpfern, die am Samstag
mittag bei Hindenburg war, iſt die Ehre des Empfanges durch
den Reichspräſidenten zu gönnen, denn ſie kann ja nichts dazu,
daß der Erfolg der Geſamtexpedition dermaßen ſchwach war.
Man bedauert es aber gleichzeitig, daß von den Gewinnern einer
Goldmedaille nur einer anweſend war, nämlich der Ringer Bren=
del
. Es fehlten u. a. die Berliner Ruderer vom ſiegreichen Vierer
öing=Pong, Singer Blau=Weiß. 410. Dezember: Die= und der Olympiaſieger Ismayr. Von Ismayr, der ſich am gleichen
Tage in Frankfurt aufhielt, hörten wir, daß ihn die Einladung
zu ſpät erreicht habe. Augenſcheinlich lagen alſo auch noch Regie=
fehler
vor.
Erfreulich bleibt an dieſem Ereignis, daß der Herr Reichs=
präſident
die Bedeutung der Olympiſchen Spiele 1936 in Berlin
anerkannte und daß er verſprach, dieſen Spielen ſeine Förderung
Dezember bis 7. Januar 1933: Pol. SV. 98 3., Weiß=Blau zu geben. Dieſe Feſtſtellung Hindenburgs und ſein Verſprechen
werden hoffentlich auch bei anderen Behörden ihre Wirkung nicht
verfehlen.
Aſton Villa führt nach den Spielen des Samstags immer
noch ungeſchlagen in der erſten Liga der engliſchen Berufs= Fuß=
ballſpieler
vor Arſenal.
Geſichert iſt die Durchführung des Fußball=Länderſpieles zwi=
ſchen
der Tſchechoſlowakei und Italien am 28. Oktober in Prag.
Erheblich verletzt wurde der mitteldeutſche Repräſentative
Helmchen, ſo daß er für einige Wochen außer Gefecht geſetzt iſt.
Der erſte Schnee wird vom Zugſpitzplatt gemeldet.

Wekkerberichk.

Ueber den Britiſchen Inſeln hat ſich der Luftdruck weiter ver=
tieft
und dort einen Wirbelkern entwickelt. Gleichzeitig erfolgte
über den Donauländern kräftiger Barometeranſtieg der ſeinen
Einfluß bis nach Süddeutſchland ausdehnte. Der Wirbel führt an
ſeiner Vorderſeite eine Staffel ſehr warmer Luft vor. Die Wech=
ſelhaftigkeit
der Witterung bleibt ſomit erhalten, außer Bewöl=
kung
tritt zeitweiſe Aufklaren ein, ferner ſind weitere Nieder=
SAzuopameiſter im Halbſchwergewicht Hein Müller=Köln in der Ausſichten für Sonntag, den 23. Oktober: Neblig=wolkig mit
Aufheiterung, anfänglich ſehr mild, dann kühler, zeitweiſe Nie=
derſchläge
.
Ausſichten für Montag, den 24. Oktober: Anhalten des wechſel=
haften
Wetters, mit Ausſichten auf weitere Niederſchläge.
Die heutige Nummer hat 22 Geiten.

Gewinnauszug
1. Klaſſe 40. Preußiſch=Süddeutſche Staats=Lotterie.
Ohne Gewähr
Nachdruck verboten

Auf jede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen I und II

21. Oktober 1932
1. Ziehungstag
In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 300 M.
gezogen
2 Gewinne zu 50000 M. 392208
2 Gewinne zu 10000 M. 133992
4 Gewinne zu 6000 M. 339295 379313
8 Gewinne zu 3000 M. 261440 257004 346573 380928
6 Gewinne zu 2000 M. 202377 361273 387824
22 Gewinne zu 1000 M. 35896 67247 77887, 95461 113765 141129
230686 342060 354463 373905 884616
32 Gewinne zu 800 M. 7440 11846 23465 53367 72829 78153
126478 137433 161586 267907 278561 322182 331760 350062 374078
374217
62 Gewinne zu 600 M. 39288 51282 51513 62777 85650 100425
113999 131963 134012-135343 127481 165782 186778 181589 189478
201230 218058 223311 038184 241788 D5B577 267227 271587 280395
281494 302204 321505 323563 326637 347493 361763
In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 300 M.
gezogen
2 Gewinne zu 10000 M. 389113
4 Gewinne zu 5000 M. 217127 318377
6 Gewinne zu 2000 M. 115814 237085 341420
36 Gewinne zu 1000 M. 7923 20902 50548 63994 91617 160943
250017 264978 078892 283109 283989 286825 307740 345202 346236
392798 394452 898463
48 Gewinne zu 800 M. 6169 19245 27340 31966 46185 51489 98646
106346 105774 123330 138048. 167617 187966 196306 243156 264878
277045 287988 320204 332845 346436 387986 389481 395854
44 Gewinne zu 500 M. 15173 18749 19626 54239 55443 56800
60735 96984 107463 154817 157740 162480 200883 211888 228914
253027 266567 279483 292320 320666 347651 391495
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Gleichbleibende Werktags=Vortragsfolge. 6: Wetter. Gymnaſtik.
6.30: Gymnaſtik. o 7: Wetter, Nachrichten. anſchl.: Konzert,
8: Waſſerſtand. o 11.45: Zeit, Programm, Nachrichten, Wirt=
ſchaftsmeldungen
, Wetter. o 12: Konzert. 13.15: Nachrichten,
Wetter. o 13.30: Konzert. o 14: Nachrichten. 14.10: Werbe=
konzert
, (Sa. 14.40). o 15: Gießener Wetterbericht (Sa. 15.20)
o 15.10: Zeit, Wirtſchaftsmeldungen (Sa. 15.25). o 16.50 u.
18.15 (Sa 18.20): Wirtſchaftsmeldungen. o 19.15: Zeit, Programm,
Wetter, Wirtſchaftsmeldungen.
Sonntag, 23. Ottober
6.15: Hamburger Hafenkonzert. Glocken vom Großen Michel.
8.15: Kaſſel: Evangeliſche Morgenfeier.
9.30: Stunde des Chorgeſangs. Männergeſangverein Rheinland
1864, Koblenz und ſein Knabenchor.
10.30: Das Inſtitut für Klimaforſchung in Trier. Hörbericht.
10.50: Dr. Schmidt: Warum ich Marineoffizier werden will.
11.30: Leipzig: Bachkantate: Was ſoll ich aus dir machen, Ephraim.
12.00: Bamberg: Der Dom zu Bamberg. Hörbericht.
12.35: Bamberg: Platzkonzert.
13.05: Schallplattenkonzert.
14.00: Zehnminutendienſt der Landwirtſchaftskammer Wiesbaden.
14.10: Dipl.=Landwirt Trinkaus: Die Bekämpfung der Tuberkuloſe
beim Rindviel im freiwilligen Tuberkuloſe= Bekämpfungs=
verfahren
.
Anſchl. Schulrat a. D. Fauſt: Der bäuerliche Lebensraum.
15.00: Stunde der Jugend: Kaſperltheater.
16.00: Kurhaus Wiesbaden: Konzert des Städt. Kurorcheſters.
18.00: Dr. Gebhardt: Graf Gobineau als Forſcher und Dichter
Zu ſeinem 50. Geburtstag.
18.25: Dreißig bunte Minuten.
18.55: Wetter für die Landwirtſchaft.
Anſchl. Sportnächrichten.
19.16: Bei uns zu Lande auf dem Lande. Gewonnenes Land im
Ried.
20.00: Langenberg: Untekhaltungskonzert des Funkorcheſters. Werte
von Humperdinck, Lißt, Tſchaikowſtky, Wagner u. a.
22.00: Wird noch bekanntgegeben.
22.20: Zeit, Nachrichten, Wetter, Sport.
22.45: München: Nachtkonzert. Leitung: E. Kloß.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Gleichbleibende Werktags=Vortragsfolge: 6.15:
Gymnaſtik. o 6.30: Wetter für die Landwirtſchaft. anſchl.:
Frühkonzert. 10: Neueſte Nachrichten. o 12: Wetter für den
Landwirt. anſchl.: Konzert. Wiederholung des Wetterberichts.
12.55: Nauener Zeit. 6 13.35: Nachrichten. 8 14: Konzert.
0 15.30: Wetter, Börſe. 2 18,55: Wetter für die Landwirtſchaft.

6.15:
6.35:
8.00,
Anſchl.
8.20:
8.55:
Anſchl.
10.05:
11.00:
11.30:
12.05:
12.35:
12.55:
14.00:
14.30:
15.00:
15.30:
15.50:
16.05:
17.30:
18.00:
18.30,
19.00:

19.50:
20.30:
22.15:
Anſchl.

Deutſche Welle; Sonntag, 23. Oktober
Funkaymnaſtik.
Hamburger Hafenkonzert.
Mitteilungen und praktiſche Winke für den Landwirt.
Wochenrückblick auf die Marktlage.
Dr. Matſchenz: Zeitgemäße Anſpannung im büuerlichen
Betriebe.
Morgenfeier.
Glockengeläut des Berliner Doms.
Wettervorherſage.
Karl Heinrich Waggerl lieſt aus ſeinem: Wieſen=Buch.
Leipzig: Bachkantate: Was ſoll ich aus dir machen, Ephraim.
Bamberg: Der Dom zu Bamberg. Ein Hörbericht.
Königsberg: Mittagskonzert des Opernhaus=Orcheſteis.
Nauener Zeitzeichen.
Dr. Kindt: Das Elternrecht in der Gegenwart.
Dr. Voigt: Die Lyrik der Gegenwart.
Dr. Wyneken: Jacob Böhme.
Orcheſterkonzert des Notſtandsorcheſters Berlin=Mitte.
Köln: Hockeyſpiel Brandenburg Weſtdeutſchland.
Fortſetzung des Orcheſterkonzertes.
H. Kyſer: Der Lebenskampf der Oſtmark.
Deutſche Volkslieder, zur Laute geſungen von Helga Thorn
und O. Beſemfelder.
H. v. Gleichen: Vom Reich der Deutſchen.
Königsberg: Schloßkonzert. Aus Königsbergs italieniſcher
Zeit. Einführende u. verbindende Worte: Prof. Dr. Müller=
Blattau.
Stunde des Landes.
Leipzig: Die Freunde von Salamanka. Singſpiel von Franz
Schubert. Einführende Worte: E. Gottlieb=Helmesberger.
Wetter=, Tages= und Sportnachrichten.
Tanzmuſik der Kapelle Egon Kaiſer.

Hauptſchriffleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Politik und Wiriſchaff: Rudolf Mauve; für Feuilleion, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe: für Sport; Karl Böhmann;
für den Handel: Dr. C. 5. Queiſch; ſür den Schlußdienſt: 1. V. Karl Böhmann;
ſür Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Netie;
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mittellungen: Willy Kuhle:
Druck und Verlag: C. C. Wittich ſämtlich in Darmſtad
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung n icht übernommen.

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[ ][  ][ ]

Nummer 293

Att
AatgbltA

Sonntag, den 23. Oktob.

Die Lage der engliſchen Stahl=Induſtrie.
Zweijährige Verlängerung der engliſchen Eiſen= und Stahlzölle.
zu verzeichnen waren. Nachdem ſich anfangs die Kurſe knapp
behaupten konnten, machte ſich nach den erſten Notierungen eine
Schukmaßnahmen für die Induſtrie.
Abſchwächung geltend, die ſich jedoch im Rahmen von etwa 0,5
1 Prozent hielt und nur auf wenige Spezialwerte übergriff. JG.
Farben eröffneten ½ Prozent niedriger und gingen dann um
Begründung der engliſchen Eiſenzoll=Verlängerung.
weitere 88 Proz. zurück. Auch Deutſche Erdöl verloren 0,5 Proz.,

Eine geſtern abend erſchienene Verfügung des engliſchen
Schatzamtes gibt die Verlängerung, der beſtehenden Eiſen= und
Stahlzölle auf weitere zwei Jahre ab 25. Oktober bekannt.
Dieſe Verlängerung iſt, wie in einem gleichzeitig veröffent=
lichten
Bericht des beratenden Einfuhrzollausſchuſſes betont wird,
nur an die Inkraftſetzung und den befriedigenden Fortſchritt
eines Reorganiſationsplanes der Induſtrie gebunden. Der Aus=
ſchuß
hebt in dem Bericht weiter hervor, daß die Einſtellung des
Dumpings in Eiſen und Stahl eine unerläßliche Vorbedingung
ſei und daß er weitere Schutzmaßnahmen erörtern würde, wenn
bei Fertigſtellung eines befriedigenden Reorganiſationsplans die
Verlängerung der Zölle nicht die gewünſchte Wirkung haben
ſollte. Schließlich wird der erſte Bericht des im Juli eingeſetzten
Landesausſchuſſes für die Reorganiſation der Induſtrie ver=
öffentlicht
, der die gegenwärtige Lage ſchildert und in großen
Zügen die zu erſtrebenden Maßnahmen darlegt. Der Bericht er=
wähnt
die erſten Wirkungen der Weltddepreſſion auf die Eiſen=
und Stahlinduſtrie in England und in der ganzen Welt und die

dei die Preiſe hrer Erportwerkäu Schitzöle hee die engliſche
Induſtrie infolge ihrer verhältnismäßig hohen Lohn= und Ar=
beitsſtandards
in außerordentlichem Grade durch den unwirt=
ſchaftlichen
Wettbewerb gelitten, der nicht nur eine Verminde=
rung
ihres Handels, eine Erhöhung der Produktionskoſten durch
Verringerung der Produktion, ſondern auch eine Erſchöpfung
ihrer Reſerven und den Auffchub notwendiger Verbeſſerungen
verurſachte. Die Maßnahmen der britiſchen Regierung hätten
den Circulus vitioſus umgekehrt, aber es würden noch große
anhaltende Anſtrengungen notwendig ſein, um die Induſtrie in
ihre alte Stellung zurückzubringen.

Der Ausſchuß führte drei Hauptziele an: 1. Der Bedarf der
Nation an Eiſen= und Stahlfabrikaten ſoll ſo weit als möglich
von der heimiſchen Induſtrie gedeckt werden. 2. Reorganiſation
der Induſtrie, um dieſes Ziel billigſter Koſten und gleichzeitiger
Ausdehnung des Handels zu erreichen. 3. Einſtellung des
ſchädlichen Wettbewerbs unter den heimiſchen Fabrikanten. Der
Ausſchuß iſt der Anſicht, daß bereits einiger Fortſchritt erzielt
worden ſei und daß guter Wille und Zuſammenarbeit in der In=
duſtrie
Ausſicht auf einen endgültigen Erfolg böten. Die Er=
höhung
der Produktion und die Verminderung der Betriebskoſten
iſt nach Anſicht des Ausſchuſſes wichtiger als die Erholung des
Preisniveaus, während die Abhängigkeit der Induſtrie von der
Ausfuhr eine genügende Garantie dafür biete, daß die Preispoli=
tik
nicht zum Schaden der Verbraucher von Rohmaterial durch=
geführt
werden könne.
Der Bericht verzeichnet mit Befriedigung, daß die Einfuhr
von Eiſen und Stahl im dritten Quartal des Jahres unter der
entſprechenden Ziffer des Vorjahrs liege.

Die Lage am Geld= und deviſenmarkk.

Während der ganzen vergangenen Woche lag am Geldmarkt
Tagesgeld ſehr leicht. Der Satz hielt ſich unverändert auf 3,5
Prozent. An einigen Tagen der Woche ergab ſich Ueberſtand, ob=
wohl
bereits am Vormittag der betreffenden Tage Ueberweiſun=
gen
nach Berlin ſtattgefunden hatten. Am Wechſelmarkt war
eine beſondere Nachfrage nach Privatdiskonten nicht feſtzuſtellen,
täglich war etwas Material angeboten. Der Umſatz in Reichs=
ſchatzwechſeln
und Reichsſchatzanweiſungen war recht mäßig.
Reichsſchatzwechſel per Januar 1933, deren Satz unverändert
blieb, ſind nunmehr ausverkauft. Eher Nachfrage herrſchte nach
Warenwechſeln, in denen kleine Umſätze bei etwa 4 Prozent ge=

tätigt wurden. Termingeld wurde größtenteils prolongiert, der
Satz belief ſich auf 4½4½ Prozent.

Am Deviſenmarkt war das wichtigſte Ereignis der Berichts=
woche
die plötzliche Abſchwächung des engliſchen Pfundes, die da=
durch
zu erklären iſt, daß die Interventionen mit Hilfe des Va=
lutaausgleichsfonds
zeitweilig eingeſtellt waren. Da die Ab=
ſchwächung
ziemlich kraſſe Formen annahm das Pfund erreichte
faſt ſeinen Rekord=Tiefſtand , ſetzten alsbald die Interventionen
wieder ein, und anſcheinend ſoll die engliſche Währung vorläufig
auf einem Stande von 3.40 Döllar gehalten werden. Die Ab=
wärtsbewegung
des Pfundes wurde von den Norddeviſen, wenn
auch nicht im ſelben Ausmaße, mitgemacht. Der franzöſiſche Fr.
befeſtigte ſich gegen Wochenende ſehr ſtark, die Gründe hierfür
ſind vorläufig nicht klar erkennbar. Der Dollar blieb ziemlich
ohne Bewegung. Eine noch immer ſehr feſte Tendenz zeigte die
Auslandsbewertung der Reichsmark; die Ueberbewertung über
die Inlandsparität erhöhte ſich in der abgelaufenen Woche von
1ſoo auf 2loo. In der ſchweizeriſchen und holländiſchen Wäh=
rung
ſind kaum Veränderungen eingetreten; ſie zeigten leicht ſtei=
gende
Tendenz. Infolge der Beilegung des Konfliktes mit Ita=
lien
wurden Lire wieder voll zugeteilt; der Kurs war unver=
ändert
. Jugoſlawiſche Dinare ſchwächten ſich, wahrſcheinlich im
Zuſammenhang mit den mazedoniſchen Unruhen, weiterhin merk=
lich
ab. In den übrigen Deviſen waren keine nennenswerten Be=
wegungen
feſtzuſtellen.

Berliner und Frankfurker Effekkenbörſe.

Das Geſchäft an der geſtrigen Berliner, Samstagsbörſe
war noch geringer, als an den Vortagen. Die Spekulation hielt
ſich außerordentlich ſtark zurück, und war eher geneigt, angeſichts
verſchiedener wenig günſtiger Momente kleine Glattſtellungen
vorzunehmen, während vom Publikum überhaupt nichts zu be=
obachten
war. Vor allem verſtimmte der ſchwache Verlauf der
vorgeſtrigen New Yorker Börſe, der als Beweis dafür angeſehen
wurde, daß die Situation dort auch noch nicht ſo optimiſtiſch be=
urteilt
werden darf. Im allgemeinen ergaben ſich Verluſte um
Bruchteile eines Prozentes, Deutſche Erdöl. Eintracht, Braun=
kohle
, Schuckert, B.E.W., Junghans Feldmühle und Muig waren
bis zirka 1,25 gedrückt, Siemens ſogar um 2 Prozent. Allgem.
Lokal= und Kraft, ſowie Hotelbetrieh büßten 25 Prozent ein.
Dagegen konnten ſich Akkumulatoren kräftig befeſtigen und zogen
um 3½ Proz. an A.E G. R.W.E., Rh. Braunkohlen und Chade=
aktien
konnten ſich leicht befeſtigen. Vereinigte Stahl lagen trotz
der Mitteilungen über die Beſſerung der Beſchäftigungslage und
Neueinſtellungen doch etwas ſchwächer. Deutſche Anleihen be=
haupteten
ſich gut, Altheſitz war ſogar 0.,5 Proz. höher, Reichs=
huldbuchforderungen
beſonders ſpäte Sichten, konnten ebenfalls
leicht anziehen. Der Pfandbriefmarkt war im großen und ganzen
gut gehalten, doch hielten ſich die Umſätze in allerengſtem Rah=
men
. Im Verlauf ſchrumpfte das Geſchäft noch ſtärker zuſammen,
und infolgedeſſen ergaben ſich kleine Rückgänge, während das
Gros der Papiere unverändert zum Anfang blieb. Am Berliner
Geldmarkt war Tagesgeld zwar in ſich weiter etwas leichter, doch
blieben die Sätze unverändert zum Vortag, alſo Tagesgeld 4,25
hzw. 4½ Proz. Monatsgeld 57 Proz. Die Vorſorge für den
Ultimo macht ſich weiter durch allmähliches Angebot von Privat=
diskonten
bemerkbar, während Reichswechſel und Reichsſchatz=
anweiſungen
ſo gut wie umſatzlos blieben.
*

Die Frankfurter Wochenſchlußbörſe ſtand überwiegend
unter dem Eindruck wenig befriedigender Momente, wie der Ab=
ſchwächung
an der vorgeſtrigen NewYorker Börſe, die weitgehend
durch die Norman=Rede hervorgerufen wurde. Weiter wirkte in
dieſer Richtung die Meldung über die neueſte Entwicklung der
Arbeitsloſigkeit in Deutſchland. Dieſe Einflüſſe beeinträchtigten
weitgehend die Unternehmungsluſt, ſo daß nur geringe Umſätze

während Scheideanſtalt 0.25 Proz. gewannen. Am Elektromarkt
ſchwächten ſich A.E.G. allmählich um bis zu 0,5 Proz. ab, auch
Bekula, gingen um 0.5 Prozent zurück, dagegen blieben Geſfürel
behauptet. Von den Montanwerten lagen Stahlverein und Man=
nesmann
je 0,5. Proz. niedriger. Gelſenkirchen gaben ſpäter um
1,5 Prozent nach. An den übrigen Marktgebieten herrſchte voll=
kommene
Stagnation. Im Verlaufe fanden kaum noch Umſätze
ſtatt und die Kurſe erfuhren keine nennenswerten Veränderun=
gen
. Lahmeyer lagen unter Berückſichtigung des Dividenden=
abſchlages
zunächſt 0.5 Proz, höher, verloren aber dann 1,5 Proz.
Die Börſe ſchloß in ſehr ſtiller Haltung. Am Rentenmarkt lagen
Goldpfandbriefe und Kommunal=Obligationen, etwas niedriger,
Liquidationspfandbriefe tendierten uneinheitlich. Größeres In=
tereſſe
zeigte ſich für Altbeſitzanleihe, die, angeblich auf Tauſch=
operationen
gegen Reichsſchuldbuchforderungen, 0,5 Prozent ge=
wannen
, dagegen ſcwächten ſich Neubeſitz und Schutzgebiete um
½ Proz. ab. Reichsbahn=Vorzugsaktien waren behauptet. Tages=
geld
unverändert 3,5 Prozent.

Die Arbeitsmarktlage in Heſſen
und Heſſen=Naſſau.

Ueber die Arbeitsmarktlage in Heſſen und Heſſen=Naſſau
richtet das Landesarbeitsamt Heſſen, Frankfurt am Main:
Die Zahl der Arbeitſuchenden ſtieg in der erſten Oktoberhälf
um 3531 auf 311 626. In der gleichen Zeit des Vorjahres ſetz
die jahreszeitliche Verſchlechterung des Arbeitsmarktes beren

ſtärker ein, die Zunahme betrug damals 5156, der Beſtand alle
dings nur 276 812. Das Arbeitsbeſchaffungsprogramm der Reichzu=h0ſ

Wirtſchaftliche Rundſchau.

Die Indexziffer der Großhandelspreiſe vom 19. Oktober. Die
vom Statiſtiſchen Reichsamt für den 19. Oktober 32 berechnete
Großhandelsindexziffer iſt mit 94,5 gegenüber der Vorwoche (94,6)
leicht zurückgegangen. Die Indexziffern der Hauptgrupven lau=
ten
: Agrarſtoffe 88 2 (minus 0,2 v. H.) Kolonialwaren 83 0 (min.
0,7 v. H.), induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren 88,4 (minus 0.1
v. H.), induſtrielle Fertigwaren 114,6 (min. 0,2 v. H.). Der Index
für Produktionsmittel beläuft ſich auf 116,9 (unverändert), der
für Konſumgüter auf 112,9 (min. 0.2 v. H.).
Kartoffeleinkäufe für Stärkefabriken, Die führenden gewerb=
lichen
Stärkefabriken haben ſich bereit erklärt, über den 20. Okt.
hinaus, zunächſt bis zum 31. Okt. d. J., für Kartoffeln, die zur

regierung und die Verordnung zur Belebung der Wirtſch aſt iſzülle
haben alſo anſcheinend bereits einen günſtigen Einfluß auf dör ſand
Entwicklung des Arbeitsmarktes ausgeübt inſofern, als ſie eſcheaſſt, einem
ſchnelles Steigen der Arbeitſuchendenziffer bis jetzt verhind eldeautüu
haben. Durch die Maßnahmen der Reichsregierung fanden n
den Schätzungen der Arbeitsämter in der Zeit vom 1.14. O
rund 2700 Perſonen zum Teil bei Notſtandsarbeiten (Straße
bauten), zum Teil in verſchiedenen Wirtſchaftszweigen, u. a.

Herſtellung von Kartoffelſtärkemehl für Backzwecke eingekauft
werden 9 Rpfg. je Stärkeprozent frei Fabrik einſchließlich Provi=

ſion bei neuen Käufen zu zahlen, ſofern ihnen die Kartoffeln zur
Lieferung November, Dezember, Januar angeboten werden und
ſoweit die Fabriken noch aufnahmefähig ſind.

Bießmärkke.

i. Weinheimer Schweinemarkt vom 22. Oktober. Zugeführt
waren 486 Tiere, verkauft wurden 374 Tiere, und zwar Milch=
ſchweine
das Stück zu 59 Mark, Läufer das Stück zu 1327 Mk.
Marktverlauf: gut.

Kleine Wirtſchaftsnachrichken.

Der Zentralverband der deutſchen Metallwalzwerks= und
Hütteninduſtrie teilt folgende Aenderung ſeiner Verkaufspreiſe
ab 21. Oktober mit: Kupfer: Bleche 83 (zuletzt 84), Rohre 112,25
(112,75), Drähte und Stangen 78,90 (79,40).
Die erſt vor kurzem gegründete Süddeutſche Herrenkleider=
fabrik
A. G., Frankfurt a. M., hat ihren Namen in Joſtra Herren=
kleiderfabrik
AG. abgeändert und ihren Sitz nach Aſchaffenburg
verlegt.
Nachdem die Mehlpreiſe der ſüddeutſchen Großmühlen bis=
her
an jedem Tage dieſer Woche um jedesmal 0.10 RM. pro Sack
ermäßigt wurde, iſt ſoeben nochmals eine Preisermäßigung um
denſelben Betrag eingetreten. Hiernach ſtellen ſich die Mehlpreiſe
der ſüddeutſchen Großmühlen für 100 Kilo ſüddeutſches Weizen=
mehl
Spezial Null auf 30,70 RM. und für Sondermahlung auf
31,70 RM. ab Mühlenſtation.
Die neu eingeführte Pariſer Nachbörſe wird ab 2. 11. 32.
mit Ausnahme der Samstage und Sonntage täglich von 14.45
bis 15.30 Uhr franzöſiſcher Zeit abgehalten. Gehandelt werden
lediglich folgende fünf Wertpapiere: Metropolitain. Canadian
Pacific, Central Mining, Rio Tinto und Royal Dutch 10er An=
teile
.
Die ſpaniſche Regierung hat beſchloſſen, den Diskontſatz von
6,5 auf 6 Prozent zu ermäßigen.

der Induſtrie der Steine und Erden, in der Tabakinduſtrie uſu
Beſchäftigung. Die Verſchlechterung des Geſamtarbeitsmarkusm
wurde verurſacht durch Entlaſſungen in den Saiſon=Außenberufyn
(Landwirtſchaft, Baugewerebe und Lohnarbeit wechſelnder Ar=
dun

auch die Zahl der arbeitſuchenden Angeſtellten ſtieg nicht un=
bauswand

heblich an, ferner wurden aus den meiſten Handwerkerberufn
ndrant
zahlreiche jugendliche Arbeitskräfte nach Beendigung der Lek=
zeit
entlaſſen. Die Induſtrie der Steine und Erden mit Arg
nahme der Ziegelinduſtrie, die Chemiſche Induſtrie, das Spindſ , ud die
ſtoffgewerbe, die Lederinduſtrie, das Nahrungs= und Genußm/Meichens hol
mitel= und das Bekleidungsgewerbe hatten zum Teil namha uech=uisſten Te
Abgänge zu verzeichnen. In der Arbeitsloſenverſicherung wu, g Muerwett
den Mitte Oktober 31 001 Perſonen unterſtützt, d. ſ. 1491 wenisihend, mochten
als. am 30. September 1932. Die Kriſenfürſorge zählte 60 Eſ reüuhum 3
Hauptunterſtützungsempfänger 2923 weniger als am Sticht/uie Erde
vorher. Die Zahl der Notſtandsarbeiter iſt in der Zeit vom
bis 30. September ganz erheblich geſtiegen, und zwar um 25
hier, durch
gleich rund 60 Prozent, auf 6671, einſchließlich 317 Wohlfahr=
Micten Einbru
erwerbsloſen.
m-dem Aſeha
Produkkenmärkke.
Ver iſt der
* Mainzer Produktenbericht vom Freitag, 21. Oktober. Grys/ Suogie da b
handelspreiſe per 100 Kilo loco Mainz in RM.: Weizen, 76 Ki giſt negzugehen,
Hektolitergewicht, 20,75, Roggen 16. Hafer 1415, Braugerſte Anäun zucken
bis 19,50. Induſtriegerſte 17,2517,50, Futtergerſte 1616.54 Bite, was
Malzkeime 1011, ſüdd. Weizenmehl Spezial Null 32,10, Roggc/, Ein Rieſe,
mehl 60proz. 2324, feine Weizenkleie 8,25, grobe Weizenkl
Ar ſelbſt über
9,25, Roggenkleie 88,50 Weizenfuttermehl 10.25, Biertreke
11,25, Erdnußkuchen 12,7513. Kokoskuchen 11,7515,50, Pal i groſchurt
kuchen 8,759 Rapskuchen 8,759, Soyaſchrot 10,7511 Tr.44 Humes, abe
kenſchnitzel 8,508,75 loſes Kleeheu 5. geb. Kleeheu 5,40. lo 94 h hin Mit
Wieſenheu 4 geb. Wieſenheu 4,20, Maſchinenſtroh 2,30, Dra=eat zund doch
preßſtroh 2,20. Tendenz: ſchwach.
eſtris ein, ich

jiedes

Frankfurter Eiergroßhandelspreiſe. Trotz fortgeſetzter Pre
erhöhungen war das Geſchäft in der abgelaufenen Woche ret

lebhaft, ſo daß die nur knapp vorhandenen Mengen glatt vos
kauft wurden. Es notierten in Pfg. pro Stück ab loco Frankfutz
a. M: Bulgaren 8,759. Jugoſlawen 8,759, Rumänen 775-
8,5, Polen 7,58,5, Holländer 913, Flandern 10,7511, deu Asuk mk
ſche Friſcheier 11,514, in= und ausländ. Mittel= und Schmuu Mährend;
eier 6,57.5. Kühlhauseier 7,59 Kalkeier 77,5 Pfg.
Frankfurter Buttergroßhandelspreiſe. Das Buttergeſchar
verlief auch in dieſer Woche unbefriedigend, da eine Belebu.
des Geſchäfts an der geringen Kaufkraft des Konſums ſcheiten,
Trotz großer Produktion hielten ſich die Forderungen für Aru
landsbutter auf unveränderter Höhe. Die Preiſe für deutſ
Butter blieben infolge der verhältnismäßig knappen Zufuhr Ue
hauptet. Die Verkaufspreiſe des Großhandels lauten (in 1 31
Tonnen); holländiſche Butter 124128, deutſche Butter 1201)
Reichsmark.
1. Obſtmarktbericht des Weinheimer Obſt= und Gemüſegro
marktes vom 21. Oktober. Es wurden pro Pfund folgende Pre
bezahlt: Nüſſe 2539, Kaſtanien 11, Quitten 711. Pfirſiche
bis 11. Aepfel 817, Birnen 619, Zwetſchen 16 18. Anfr
gut, Nachfrage gut.

Schließung des Berliner Produkkenmarkkes?

Berliner Kursbericht
vom 22. Okiober 1932

Eine für den 24. Oktober 1932 anberaumte Sitzung des .
ſenvorſtandes in Berlin, Abteilung Produktenbörſe, ſoll, wie w
erfahren, u. a. zu den in den letzten Tagen gegen den Berlin=
Produktenmarkt gerichteten Preſſeangriffen Stellung nehme=
und in dieſem Zuſammenhang die Frage der Schließung des 9u Ang
ſamten Produktenverkehrs erörtern.
Oeviſenmarkt
oconto Gefeafchüft vom 22. Oktober 1932

Mte
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Bant
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyzd
A. E. G.
Bahr. Motorenw.
C. P. Bemberg 52.125
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Leutſche Cont. Gasl 89.

Miee

75.

61.75
16.50
23.75
17.
1 32.
59.75
20.75
27.
101.

D
Setr. Lieſerung
J. G. Farben
Gelſ. Bergw.
Geſt.f.elektr. Untern.
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen u.
Köln=Neueſſen
Bhil. Holzmann
Kalt Aſchersleben
glöcknerwerke.
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Untn.
Oberſchleſ. Koksw.
Orenſtein & Koppel

Mie
65.50
93.625
37.75
69.875
71.50

35.125
54.
97.
31.75
50.
35.50
38.75
32.125

Mae
Rütgerswerle
Salzdetfurth Kalt
Leouh. Tieg
Verein. Stahlwer!
Weſteregeln Alkali 1
Agsb.=Nnrb. Maſch
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupſer
Hohenlohe=Werte
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Draht
Banderer=Werke

39.575
38.50
161.50
44.125
22.50
101.
36.
16.125
46.50
9.

67.50
277.
25.50

Helſinator?
Wien
Prag
Budapeſt
Sofig.
Holland
Oslo
Kopenhagen
Stocholm
London.
Buenos=Atres
New Yort

Belgien
Italien
Paris

Währung
100 finn. Mk.
100 Schiling
00 Tſch.Kr.
1o0 Bengs
100 Leva.
100 Gulden
100 Kronen
100 Kronen
100 Kronen
1 2. Sta.
1 Bav. Peio
Dollar
100 Belgo
00 Lire
100 Franes

Radde
6. 1941
51.95 s
12.465

3.057
169.73
71.98 I7
74.08
73,63
14.27
0.913
4.209
58.54
21.55
16.56

Rai
6.206
52.05
12.485

3.o6s
70.07
72.12
74.32
13.77
14.31
2.91
4.217
58.66
21.59
16.60

Schweiz
Spanien

Danzig
Japan
Rio de Fanerrolt
Jugoſlawien 1
Bortugal

Athen.
1
Iſtambu
Katro.

Kanada
Uruguan
Jsland.
Tallinn (Eſtl.)

Riao

Dürmnftädter ang Karionatonne Sürmfraut, umicte bei Aressker Bünz

Frankfurter Kursbericht vom 22. Oktober 1932.

Me
b2
5½%Intern.,
6%0 Baden....
6% Bayern...
6% Heſſen ...v. 29
6% Preuß. St. v. 28
69, Sachſen . v.27
6%0 Thüringen v. 27

Dtſche. Anl. Auslo=
ſungsſch
. 4= Ab=
löſungsanl
..
Ltſche. Anl. Ablö=
ungsſch
. (Neub.)

Deutſche Schutzge=
hietsanleihe

6% Baden=Baden
6% Berlin. . . . v. 24
6% Darmſtadt . . .
68 Dresden ..v. 26
62 Frankfurt a. M.
Schätze. v. 29
v. 26
68 Mainz ......
62 Mannheim v.27
6% München. v. 2
6% Wiesbaden v. 28

6% Heſt. Landesbl.
600
Golboblig.
5 ½% Heſi. Landes=
Hhp.=Bk.=Liquid.
4¾%. Kom.=Obl.
6 %0 Preuß. Landes=
Pfl.=Anſt. G. Pf.
65 Gelboblig.

69.5
75.75
63
101
68.25
62

48.5

6.2

5.1

69
56.5
53.75
58
60.5
55.5

73

79.7

72.5
63.5

5½ Landeskomm.=
Bk. Girozentr. fürl
HeſſGldobl. R.11
R.12
62 Kaſſeler Land. Goldpfbr.
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5½% Lig. Pfbr
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6% Südd. Bod.=
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5½% Lig. Pfbr
6% Württ. Hyv.=B.

6% Daimler=Benz
6% Dt. Linol. Werke
6% Mainkrw. b. 26
68 Mitteld. Stahl.
6%Ver. Stahlwerk

57.5

62.25
79.95

45.75
63

80.5
75.75
79.75
62.5
76.25
81.25
75
78.
78.5
83.5
75.5
80.25
65.25

80.25
82.75
79

57

n6
64
51

620 VoigtéHäfner
3. G. Farben Bonds

5% Bosn. L. 6.B.
2.Inveſt.
52 Bulg. Tab. v. 02
41/.% Sſt. Schätze
420 Oſt. Goldrente
5% vereinh. Rumän
4½%
4%
4% Türk. Admin.
4% 1. Bagdad
47o Zollanl.
4½% Ungarn 1913
1914
4½%
Goldr.
1910
42,

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10
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11.5

19
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55
32.1

54.5
1112.75
38.75
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168
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5unntag, 23. Oktober 1932

Darmſtädt
gblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 295 Seite 15

Außerordentlich, ſagte der eine offenbar extra aus Leipzig
hageeilte Inſpizient zum andern den eine Polizeihaupt=
mi
suniform ſchmückte, uff jäden Fall wärde ich ſofort ver=
wſſen
. . ." Danke gehorſamſt, Herr Stadtbaurat! der
Hyamann klappte die Hacken zuſammen, und beide entfernten
tmit größem,Nachdruck, ohne von den jungen Leuten Notiz
Ehmen.
Sehr zufrieden ſtrolchte Spoor durch den Keller. Das konnte
Sugenſchein nennen. Da war der Koksraum, wo die aus=
hichtete
Erde unter den Kohlenhaufen verborgen worden
= da ein ominöſer leere Keller, der zu unvermieteten Ge=
gtsräumen
an der Klingerſtraße gehörte, da die Gefahrzone,
üſtſchmale gangartige Platz unter dem Haupteingang des
aſes, einem Maſchinenraum ähnlich, mit Dutzenden von
brleitungen an Decke und Wänden, mit Meßuhren, Röhren,
8 Hein und einer großen Schalttafel, Strom=, Gas= und Waſſer=
zenale
einer beſſeren Mietskaſerne, eng von allem Material
umſo niedrig, daß man kaum aufrecht darin ſtehen konnte.
ünigehindert ging der junge Mann hinein. Die Arbeiter
hmn in dieſen Stunden ſo viele Kenntnis nehmende Herren
zuwHornbrillen und Pelzkragen an ſich vorbeiſtreifen laſſen,
ogſe kaum auffahen, als ſchon wieder einer an das Loch in
nbauswand herantrat, das ein Kiſtendeckel knapp verſchloß.
2woben drangen Licht und die Geräuſche der Straße, Scharren
mStimmen der Paſſanten, unter denen man ſich eben noch
b ud, und die nicht kühn genug waren, an den Startplatz des
wrechens vorzudringen. Denn hier hatten die Kerls den
ſühherigſten Teil ihres Weges begonnen, Leitungskabel, durch
rMauerwerk zu den Sammelrohren unter den Bürgerſteig
füchend, mochten ihnen den Weg gewieſen haben, hier hatten
ſür ehutſam Ziegel um Ziegel ausgebrochen, vorſichtig eine
Säufel Erde nach der anderen hereingeholt, hier hatten ſie
hhſam jedes kleinſte Dreck= und Mörtelklümpchen beſeitigt,
ſ humhier, durch dieſes unſcheinbare Loch hatten ſie ihre fan=
ſaſchen
Einbruchswerkzeuge hinausgeſchafft, in den Schacht
ſun: dem Aſphalt
Wer iſt der Herr da?
Fragte da vielleicht jemand? Es iſt noch viel zu früh,
hiu wegzugehen, oſtentativ wird die Mauer betrachtet. Die
Aunier zucken die Achſeln.
,Bitte, was ſuchen Sie hier?
Ein Rieſe, den weder Pelzkragen noch Brille beeindrucken,
dſcr ſelbſt über einen viel gewichtigeren ſchokoladenbraunen
Awaroſſabart verfügt, nähert ſich, gebückt ob der Niedrigkeit
disRaumes, aber energiſch.
Ich bin Mitarbeiter des Neuen Journals, erklärt Philipp
begrigend, doch nicht ganz ſicher, es fällt ihm gerade nichts
Beſres ein, ich wollte gerne einen kleinen Artikel ſchreiben..."

Bitte, bemühen Sie ſich hinaus! Der bärtige Bankbeamte,
gewöhnt, mit Leuten und Summen von ehrfurchtgebietender
Bedeutung umzuſpringen, und durch den welterſchütternden
Eklat heute keineswegs aus der äußeren Faſſung gebracht,
wendet ſich ſcharf zu ſeinem Begleiter. Ich habe Ihnen doch
befohlen, niemanden herunterzulaſſen! Was auch immer die
Leute erzählen niemand darf hinunter! Dann zu dem an=
geblichen
Mitarbeiter des Neuen Journals, der nochmals etwas
von ſeinem kleinen Artikel ſtottert, mit eiſigem Blick: Bitte,
bemühen Sie ſich hinauf!
Phil Spoor, ein wenig verlegen und ärgerlich über die un=
freundliche
Störung, begibt ſich gehorſam zur Treppe, Abſchied
nehmend von klotzigen Geheimniſſen und gefolgt von dem bär=
tigen
Erzengel, deſſen große Hand entſchieden hinausweiſt.
Phil beginnt, die Kellertreppe zu erſteigen, und in dieſem
Augenblick hätte ſich die kleine ſpitzbübiſche Unterbrechung des
Alltages mit Stellungsmarkt und ungeheiztem Zimmer von
ſelbſt erledigt, wäre nicht der Bankbeamte, den naſeweiſen Ein=
dringling
ſozuſagen ſchon außer Haus wähnend, an den Tatort
zurückgekehrt. Verſucht, nach Jungenart hinter ihm die Zunge
herauszuſtrecken, blickt Phil Spoor ſich noch einmal um in
dieſem Augenblick entſchied ſich, ohne daß er es merkte, ſein
Geſchick.
In der Ecke, links vom eigentlichen Kellerzugang, lag ein
Häuflein Erde, das die Verbrecher aus unbekannten Gründen
nicht im Koksraum untergeſtreut hatten, ſelbſtverſtändlich war
es von den Kriminalbeamten protokolliert worden, Phil hatte
ſogar in der Zeitung davon geleſen und auch beim Betreten des
Kellers darauf geachtet vielleicht war es doch noch nicht oder
nur flüchtig durchſucht worden, vielleicht auch rieſelten durch
Erſchütterungen von der Straße ſtändig Erdkörnchen von oben
nach unten, emſig und unmerklich wie die eines Stundenglaſes,
und gerade jetzt, unter dem oberflächlichen Blick eines Unbe=
fugten
, war der Moment erreicht, da der Erdhaufen ſein kleines
Geheimnis enthüllte.
Im Grau der Erde ſieht Phil etwas Helles Gelbſchimmern=
des
. Er ſtutzt. Ein wertloſes Papier? oder ſollte da ein Reſt=
chen
von der Beſcherung übriggeblieben ſein? Ohne Zaudern
flitzt er die Treppe hinunter, holt den auffallenden Gegenſtand
es iſt tatſächlich ein auffallender Gegenſtand mit ſpitzen
Fingern aus dem Dreckhaufen Schritte nähern ſich, keine
Zeit zum Anſchauen, zum Ueberlegen, impulſiv läßt er das
Dings in ſeine Manteltaſche gleiten, iſt auch ſchon wieder mit
drei Sätzen auf der Treppe, im Hof und durch den Keller des
Vorderhauſes auf dem Waterlooplatz, von kindiſchem Triumph
erfüllt und nicht im geringſten von der Erwägung, welche Wich=
tigkeit
für die Polizei und welche Folgen für ihn dieſer Fund
haben konnte.

Wenn man zuviel Kriminalromane lieſt
Da lag nun auf dem Antikmilieu von Frau Grebens rot=
plüſchener
Tiſchdecke der Fund aus dem Erdreich des ver=
brecheriſchen
Kellers, eingehend betrachtet von einem jungen
Mann, der mit Vorliebe Kriminalromane las, lag auf vier
flächig gemuſterten Tüchern, die ihn ſeltſam gefaltet umhüllt
hatten, gelben Stoffquadraten, hauchdünn und ſeidenartig, aver
feſt und kühl anzufühlen wie Leder. Ein Metallplättchen, ſatt=
gelb
, mattem Gold ähnlich, genau gemeſſen anderthalb Zenti=
meter
dick, vier breit und ſechs lang, bedeckt mit feinen ziſe=
lierten
, ineinander verſchlungenen Linien, Zeichen und Zeich=
nungen
, kurios geformt, wellig, uneben, aber doch nach einem
beſtimmten Rhythmus am Rande gekerbt, in der Mitte ein
einziger, von winzigen Krallen gehaltener Stein, dunkelſchim=
mernd
in ſeltſamem lebenerfüllten Blau, maſſiv das Ganze,
allein nicht vollſtändig, ſondern beſchädigt. Etwas war abge=
brochen
, die Hälfte oder ein Viertel, das plötzliche unvollſtändige
Ende alles Dargeſtellten deutete darauf hin. Die ſchräge Bruch=
ſtelle
war unregelmäßig gezackt und hatte haarſcharfe Spitzen,
an denen man die Haut blutig reißen konnte.
Phil, der ſich wer weiß was verſprochen hatte, war beinahe
enttäuſcht. Irgendein altmodiſcher Talisman mochte es ſein,
ein Amulett von nicht übermäßigem Wert, dem Safe einer
alten Privatiere entſtammend und beim Abtransport den Die=
ben
aus den übervollen Taſchen gerutſcht. Ueber die Zeichen
zerbrach er ſich nicht lange den Kopf. Vielleicht waren es Hiero=
glyphen
oder chineſiſche Buchſtaben, japaniſche, ruſſiſche, er
glaubte, ein lateiniſches e zu erkennen, mehrere Male e, oder
war es ein 1, hier ein th, es konnte auch etwas ganz anderes
ſein. Er hatte gute Augen, aber das Gewirr war zu groß,
Linien liefen hindurch, verſchlungen, gekreuzt, geknotet. Lange
konnte man nicht darauf hinſehen, und der blaue Stein, ſtrahlend
wie ein lebendiges Auge, irritierte auf die Dauer und ver=
urſachte
Unbehagen.
Immerhin eine verdammt intereſſante Sache! Wenn er das
Barba erzählen würde oder Johan oder dem dicken Spiro,
der niemals Romane las und ſich über Phils Phantaſtereien
luſtig zu machen pflegte! Bitte, würde er ſagen, ich bin nicht
an dem blöden Loch ſtehen geblieben, ich bin ins Haus ge=
gangen
, ein Stadtbaurat war noch da und ein Polizeihaupt=
mann
, und ein dicker Bankbeamter mit Förſterbart hat uns alles
erklärt, und als ich dann endlich hinaufging, fand ich dieſes
Dings da, das ſind kabaliſtiſche Linien, und der Stein iſt wahn=
ſinnig
wertvoll.
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Seite 16 Nr. 295

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[ ][  ][ ]

2z. Dktober 1932

familien wohnen auf dem Rhein.

Eine schwimmende Siedlung Wohnungen und Wohnungsmöglichkeiten mitten auf dem
Ri, das klingt beinahe phantastisch, zumindest aber abenteuerlich und romantisch. Doch
wer das eine noch das andere trifft zu: Das Neue und Ungewöhnliche, das den
direisenden hier begegnet und in Erstaunen versetzt und das unsere Bilder vermitteln, ist
uts weiter als das Resultat kalter, klarer Ueberlegung. Vielleicht kann man sogar noch einen
ſdritt weitergehen und behaupten: nichts weiter als eine aus der Not geborene Erfindung.
Genau so, wie man ausrangierte
Omnibusse, alte Eisenbahnwagen
und dergl. Wohnungzwecken nutz-
bar
machte, genau so hat man nach
anderen und noch billigeren Woh-
nungsmöglichkeiten
gesucht. Man
hat gesucht und gefunden, weil man
mußte, weil die Zeit es verlangte.
Die Verhältnisse unserer Zeit
haben auch zur Schaffung dieser
einzigartigen Siedelung
bei Bingen am Rhein Veranlas-
sung
gegeben. Trotzdem ihre Be-
wohner
schwer unter der Not der
Gegenwart leiden und ihre Behau-
sung
im wahrsten Sinne des Wortes
eben den Namen Notwohnung ver-
dient
, hat diese Wassersiedlung
einen rührend freundlichen und hei-
teren
Charakter.
Auch in früheren Zeiten waren
Wohnhäuser am Rhein zu finden,
aber sie dienten entweder der Er-
holung
wasserfreudiger Stadtbewoh-
ner
oder als Behausung der schwim-
menden
Händler des Rheins, die die
rheinischen Schiffer mit Lebensmit-
teln
usw. versorgten. Jetzt aber
wurde der Rhein als billig-
stesGrundstückentdeckt
. Bei
Bingen entstand eine ziemlich aus-
gedehnte
Wassersiedlung, in der
viele Familien, die die teuren Mieten
nicht bezahlen können und nicht
über genügende Kapitalien verfügen,
um sich auf dem Lande ein eigenes
Heim zu schaffen, eine, wenn auch
bescheidene, doch außerordentlich
Rlint kehr von der Landpartie.
DisFedervieh hat sich sehr rasch an die neuen Verhält- gesunde Wohnung fanden.

nitz gewöhnt.

Die ersten Häuser dieser Art wur-
den
auf Pontons erbaut, die von
den Besatzungstruppen zurückgelas-
sen
wurden. Dabei stellte sich gar
bald heraus, daß die zu entrichtende
Hafengebühr weitaus niedriger war
als die durch Hauszinssteuer, Pacht
usw. verursachten Spesen. Die Sied-
lung
dehnte ihre ursprünglichen
Grenzen aus und hat sich in kurzer
Zeit so vergrößert, daß man sie be-
reits
mit etwas Uebertreibung das
schwimmende Villenvier-
tel
nennt. Villen im üblichen Sinne
sind selbstverständlich diese Wohn-
schiffe
nicht, doch sie besitzen
einen der größten Vor-
teile
(und in dieser Beziehung
kann mit ihr keine andere Siedlung
konkurrieren); die denkbar beste
und gesündeste Luft.

Die schwimmende Siedlung hat
selbstverständlich ihre besonde-
ren
Lebensformen und Be-
dingungen
. Man fischt sich das
Essen meistens selber aus dem Was-
ser
, doch man begnügt sich nicht
mit der Fischnahrung, sondern hält
auch eine kleine Geflügelfarm. Es
ist ein reizendes Bild, wenn das
Kleintierzeug von seinem Landaus-
flug
in das Wasserheim zurückspa-
ziert
. Eine Brücke verbindet die
Häuser der schwimmenden Siedlung
mit dem Festland, und wenn einem
das Wohnen an einer Stelle nicht
mehr behagt, wird die Brücke ein-
fach
hochgezogen, und die Woh-
nungsveränderung
vollzieht sich in
einigen Minuten, man schwimmt
einfach weiter.

Garten oder Balkon
gleich, wie man es nennen mag, jedenfalls hat man hier immer gesunde Luft und
ständige Angelgelegenheit. Der Sprößling des Hauses ist hier gerade dabei, für das
nächste Mittagessen zu sorgen. Mama schält dazu schon die Kartoffeln.

Gesamtansicht einer Wassersiedlung.
Das Leben dieser einzigartigen Siedler spielt sich ganz auf solchen Wohnschiffen ab.
Auch Kleintiere, besonders Hühner, Gänse und Kaninchen, finden noch Unterkunft. Die
schwimmende Plattform vor dem Hauseingang, die ohne große Mühe je nach dem
Raumbedürfnis erweitert werden kann, dient ihnen als Hof‟,

Die Straße am Wasser-Villen-Viertel.
Von ihr führen selbstgezimmerte Brücken in die Wohnungen. Durch Wegnehmen oder
Hochziehen kann man sogar unerwünschtenBesuch fernhalten.

gibt es nicht.
Was aus dem Fenster fällt, muß man fischen.
aber gerade darin eine besondere Routine ent-
und außerdem zweckentsprechende Stangen be-
der
Schaden sehr schnell behoben.

[ ][  ][ ]

Land der Magie und Mysck
Von Georg Güntſche.

Schon in Alexandria, kaum daß ich den
Boden Aeguptens betreten hatte, begann es.
Im Häuſerſchatten der Anfouchi=Bucht kauerte
ein alter Nammal, ein Wahrſager, der mir für
2 Piaſter aus feinem Wüſtenſande die Sukunft
leſen wollte. Dreimal ſchrieb er waagrechte
und ſenkrechte Doppellinien in den Sand, dann
ließ er mir ſagen: ich ſei einer beſtimmten Per=
ſon
wegen nach Aegypten gekommen meine
Arbeiten würden erhofften Erfolg haben ich
täte beſſer, die Neiſe, die ich vorhabe, zu ver=
ſchieben
trotz Schwierigkeiten würde ich un=
verſehrt
zu meinen Angehörigen zurückkehren!

Das waren nicht nur präziſe Antworten auf
meine gedachten Fragen, ſondern ſie trafen
auch zu und ein. Meine Reiſe galt hauptſäch=
lich
Tut=ench=Amun, jenem zuletzt entdeckten
und vielgenannten Pharao der Erfolg mei=
ner
Arbeiten war ſehr befriedigend ich ver=
ſchob
damals meine Weiterreiſe nach Kairo
nicht und wurde auf dem Wege zum Bahnhof
von einem Auto überfahren (nicht ernſtlich,
aber für 8 Cage ausreichend) und auf der
Heimreiſe war unmittelbar hinter mir in
Aegypten Aufruhr, in der Adria Schiffszu=
ſammenſtoß
, in Italien Erdbeben.
Die koptiſchen Chriſten gelten als reine
Nachkommen der intellektuellen Oberſchicht
Altägyptens, Schrift und Sprache ſind die der
letzten Aegypter 300 n. Chr., ihren Prieſtern
ſagt man nach, daß ſie die alten magiſchen Ge=
heimlehren
bis auf den heutigen Cag bewahrt
haben. Der koptiſche Profeſſor Banoub Ab=
dou
von der Schule Näs=el-Cin in Alexan=
dria
, mein Freund, führte mich zu dieſen Prie=
ſtern
, ungemein feinen, ſtillen und liebenswür=
digen
Menſchen; er ſtellte mich auch dem grei=
ſen
Patriarchen Amba Joannes vor, einer Er=
ſcheinung
, wie wohl die Prieſterkönige vor=
geſchichtlicher
Hirtenvölke: ausſahen. Doch
wurde ich enttäuſcht, wenn ich irgendwelche
Funde in Magie und Myſtik bei ihnen erhofft
hatte es ſei denn, daß man tiefe Güte, all=
umfaſſende
Liebe und beinahe erſchütterndes
Verſtändnis und Verzeihen für alles Menſch=
liche
, was alles in tiefſchürfenden Geſprächen
von jenen asketiſchen Erlcheinungen im dunklen
Calar und ſchwarzen Curban ausſtrahlte, als
magiſche Offenbarungen nimmt was an ſich
richtig wäre. Sprach ich von magiſchen Din=
gen
, ſo ſchwiegen und lächelten ſie. Später
lernte ich bei dem deutſchen Konſularagenten in
Luxor, Mohareb Todrous, ſelbſt Kopte, einen
anderen hochgebildeten Kopten kennen. Wir
ſprachen über Cut=ench=Amun, wobei ich mit
keptiſchen Aeußerungen über ſchwarzmagiſche
Wirkungen nicht zurückhielt, auch entſchieden
die 20 geheimnisvollen Codesfälle, die den Ent=
deckern
und Beſuchern des Grabes angedichtet
wurden, in Abrede ſtellte. Darauf ſagte der

Kopte ſehr ernſt: Es ſtirbt immer nur bald der
erſte, der ein unentweihtes Pharaonengrab
betritt. Nur auf dringliches Bitten nannte
er einen koptiſchen Prieſter in Kairo als Quelle
ſeines Wiſſens; den Namen verſchwieg er.
Wenn Gerüchte über magiſche Wirkungen
von Mumien oft ins Groteske verzerrt-
ſich
in weiteſten Kreiſen verbreiten und ſogar
auf Aeguptologen von Ruf wirken konnten, ſo
iſt da wohl die Ueberlieferung ſchuld, daß das
Leben nicht mit dem Code endigte, ſondern der
Cote wie auf Erden weiterlebte im Jenſeits,
wenn man ihm nur die Bedingungen dazu ge=

währte. Das waren die Erhaltung des Kör=
pers
, indem man ihn mumifizierte, die Unantaſt=
barkeit
der Grabesruhe und ſchließlich ein
ſchönes Symbol, dem ſogar der Vollblutratio=
naliſt
beipflichten wird die Erhaltung des
Namens. (Auch wir ſprechen gern von uns
lieben Verſtorbenen, und ſolange ihr Namen
unvergeſſen bleibt, leben ſie im edleren oder
auch magiſchen Sinne unter uns fort.) Dann
erſt begannen Dinge und Körper zu leben, wenn
ein Name dafür geprägt war; wer dieſen Na=
men
wußte, erhielt damit Macht über bisher
Dunkles und Unbekanntes. (Crifft das nicht
auch für den Wiſſenſchaftler, den Arzt, für
alles Forſchen und Wiſſen heutigen Cages zu?)
Löſchte man aber ſteingemeißelte Namen, wie
das manche Pharaonen bei ihren Vorgängern
taten, ſo bedeutete das größten Schimpf und

unheilige Cat, die einer Verfluchung gleichkam
und den endgültigen (Jenſeits=) Cod des Be=
troffenen
zur Folge hatte.
Wenn ſchon Skeptiker, muß ich doch zugeben,
daß ich wiederholt unter Einwirkungen ſtand,
die ich nicht anders als magiſche bezeichnen
kann. Das war, als ich bei tötender Mittags=

ſonnenglut allein durch die Cotenſtadt der
Giſeh=Pyramiden ſtreifte, als ich das Steinbild
unter Glas des uralten Pharao Djoſer (2780
v. Chr.) im Muſeum zu Kairo photographierte
(der alte Aegypter ſah in der Statue den eigen=
lebenden
Erſatzkörper des Coten, eine Per=
ſonifikation
des Charakters. Alſo
wieder Symbol, denn erſtrebt der moderne
Bildhauer nicht dasſelbe?); weiter beim Durch=
reiten
des jeden Grüns und ſonſtigen Lebens
baren Bibän=el=Muläk, des Codestals der
Pharaonen bei Luxor, und ſchließlich im pracht=
vollen
Felſentempel von Abu Simbel in Unter=
nubien
, dieſem herrlichſten Werke altägypti=
ſcher
Wunderbauten, als ich ſtundenlang, wie
verzaubert, vor Nofretete, der jungfräulich=
liebreizenden
Gattin des Pharao Namſes II.,
ſtand und mich an ihrem rätſelhaft lebendigen
Lächeln nicht ſattſehen konnte.
Eine bedeutende Nolle ſpielte und ſpielt noch
im Leben des Aegupters der Ka, jenes ge=
heimnisvolle
, vielumſtrittene und in ſeiner We=
ſenheit
heute noch nicht einwandfrei ergründete
Weſen, für das man wohl die Erklärungen:
Schutzgeiſt, Genius, Doppelgänger, Aſtralleib,
Lebenskraft hat, die alle aber oft bei neuen
wichtigen Deutungen verſagen. Der Ka‟
wurde mit dem Menſchen geboren, er lebte nach
deſſen Code aber weiter, hatte die Mumie zu
ſchützen und ſie gegebenenfalls zu rächen. Wie
die Beduinen Aegyptens heute noch uralten
Sternendienſt üben, bei den ackerbautreibenden
Fellachen heute noch die Sonne als heilig gilt
wenn auch mehr, wieder Sumbol, im Sinne
der alles befruchtenden und ſchaffenden Kraft

Koptiſche Mönche.

ſo läßt auch der moderne Aegypter, ag er
immerhin katholiſcher Chriſt ſein und in Europa
ſtudiert haben, heute noch ſein Ka gelten.
Beweis dafür: das Nationaldenkmal Das
Erwachende Aegypten vor dem Hauptbahn=
hofe
in Kairo, wo neben der ſich aufrichtenden
Sphinx der Ka allerdings als ſumboliſierter
Engel, ſteht. Wir lachen darüber, aber glauben
wir nicht ſelbſt an eine undefinierbare Kraft in
uns, die wir gemeinhin mit Es umſchreiben?
Behaupten wir nicht oft überzeugt zu einem
Bekannten: Ich habe dich geſehen! und der
Betreffende war beſtimmt nicht an jenem Ort?
Sprechen auch wir nicht von einem Doppel=
gänger
und ſtutzt man dabei nicht unwillkürlich
und hat ein unbehagliches Gefühl? Woher
ſtammt der Glaube, daß man innerhalb Jahres=
friſt
ſtirbt, wenn man den eigenen Doppelgänger
ſieht? Etwa nur von Phantaſten? Wo ſogar
ein Mann wie Stanley überzeugt bekannte:
Ich glaube, daß jeder Menſchen ſeinen zu ihm
gehörenden Begleiter hat, ein blitzſchnelles, ſelt=
ſames
Weſen, das ſich dem Gemüt nur auf ge=
heimnisvolle
Weiſe, durch Eingebungen im
Wachen oder Schlafe, mitteilt. Wir ſind zu
plump organiſiert, um die wahre Bedeutung
des Cräumens, eines Craumes oder Viſion oder
Vorherſehung verſtehen zu können und die
vahre Quelle einer Seelenwanderung und ihren
tiefen Sinn zu erraten.
Selbſtverſtändlich betätigt ſich auch der Er=
werbsſinn
beſonders Geſchäftstüchtiger auf

Koptiſches Kloſter in der Wüſte,

Der Hofbauer.
Von Ludwig Choma.
Wenn Sie ein beliebter Anwalt werden
wollen, ſo müſſen Sie vor allem beſtrebt ſein,
aus den umſtändlichen Erzählungen der kleinen
Leute das Weſentliche herauszufinden; dies
werden Sie am beſten durch ruhiges Suhören
erreichen. Ich habe nie begriffen, wie ein An=
walt
es über ſich bringen kann, grob zu ſein..."
Dieſe ſchönen Grundſätze ſtehen in dem
Briefe meines Freundes, der es nicht unter=
laſſen
kann, mir gute Lehren zu geben.
Sehr gut geſagt, mein Beſter! Wollen wir
weiter leſen. .. . Der Beruf des Anwaltes
hat noch etwas an ſich von dem edlen Verhält=
niſſe
des römiſchen Patronus zum hilfsbedürf-
tigen
Klienten..."
In dieſem Augenblick haut jemand mit dem
Stecken an meine Gangtüre und poltert mit den
Stiefeln dagegen. Die Haushälterin kennt ſich
gleich aus; das iſt wieder einer aus der Moos=
gegend
, wo ſie die elektriſchen Klingeln noch
nicht kennen.

Sie öffnet alſo. Ein paar unartikulierte
Laute, dann erſcheint im Cürrahmen ein Bauer,
der ausſieht wie alle und nach feuchtem Leder
riecht, ebenfalls wie alle. Suerſt wickelt er ſich
vom Halſe ein drei Meter langes wollenes
Cuch, legt es auf ein paar friſch beſchriebene
Bogen Papier, ſucht für ſeinen Gehſtock eine
paſſende Simmerecke und entfernt dann von
ſeinem Hut allen Schnee, welcher darauf lag,
indem er ihn heftig gegen meinen Schreibtiſch
hin ſchwingt.
6 Good, Herr Doktal. Ich hätt a Frag.
So? Setzen Sie ſich nieder und ſagen S‟
mir einmal zuerſt, wer Sie ſind.
Ja, der Hofbauer war i.
Waren Sie? Und wer ſind S‟ denn jetzt?
Ja, i war’s noc)?"
Nach einigem Frage= und Antwortſpiel ſind
wir ſo weit, daß ich weiß: er heißt Pius Neidl,
iſt der Hofbauer in Seidlfing, verheiratet und
katholiſch.
So, Hofbauer, was für einen Schmerz
haben wir denn?
Ja, indem daß er wegen Körperverletzung
angeklagt iſt, unſchuldig und von lauter mein=
eidigen
Seugen.

Hm! Sind S' ſchon einmal beſtraft wor=
den
?"
Nal., dös hoaßt bloß dreimal, aber auch
unſchuldig .. . Wie’s halt oft geht; die Leut
ſind ſchon einmal ſo ſchlecht heutzutag.
Hm! Hm! Nun erzählen S‟ mir einmal
kurz, was Ihnen paſſiert iſt.
Kurz! Ja freilich! Das geht nicht ſo ge=
ſchwind
.
Das geht alles der Reihe nach, Ordnung muß
ſein, und für was is denn der Advokat da?
Und ſo fängt er denn an. Wie er in der
Früh aufgeſtanden iſt und an nichts gedacht hat;
wie er dann ſchön langſam zum Wirt hinunter-
gegangen
iſt; wer ihm begegnet iſt und was ſie
geredet haben; wer beim Wirt ſchon da war,
und wie er eine Maß getrunken hat, und dann
noch eine und hernach wieder eine. Und wie er
immer noch an nichts gedacht hat. Daß dann
am anderen Ciſche der Pfeifergütler von Hugl=
fing
geſeſſen iſt, der miſerabelſte Menſch, ſeit=
dem
das Schlechtſein erfunden worden iſt. Mit
dem er ſchon vor fünf Jahren einen Prozeß
gehabt hat; wiſſen S', wegen dem Kirchenweg,
der eigentlich kein Kirchenweg gar nicht war,
weil er über ſeinen Grund geführt hat.

a
kan für gre
3 Oder ka
krit zu ichen
c der ko
wems
in vieri!

In hab vie

Straße in Kairo.
magiſchem Gebiete, wenn auch nur, um Oiil jpt ſolte md
Gläubigkeit derer, die ſich magiſchen Kräftel ihrwien Lümn
unterwerfen oder ſie ſuchen, auszubeuten. D
Agypter wiſſen wohl um die angeblich m
Cut=ench-Amun verbundene Magie, und ſie be
tätigen dieſes Wiſſen oft durch unverſchän-
Backſchiſchforderungen bei allen Dingen, 2
mit dem Pharao zuſammenhängen. Und n
Alexandria, 15. Nue Chérif Pacha, befind=
ſich
das Antiquitätengeſchäft von B. und 2
Cawa, die im Beſitz der Mumie einer Iſis=
prieſterin
ſind, richtiger: eines hölzernen, aller
dings echten Mumienſchreins. Daß die
Mumie magiſche Kräfte beſitze und elektriſck-
Schläge austeile, die einen Erwachſenen um
werfen, verſichern nicht nur das Journal 2
Geneve vom 30. Dezember 1929 und die Pa=
riſer
L’Olluſtration vom 15. März 1939
ſondern auch die beiden Griechen behauptete.
es, als ich mich nach ausſichtsloſem Kaufhandu
um eine Schmuckkette aus ihrem Laden wie=
der
entfernen wollte. Ich war begeiſter
wurde zu dem Mumienſarkophag im hintere.
Halbdunkel des Gewölbes geführt und mußt
nachdem meiner Kühnheit nochmals Verwar:
nung zuteil geworden war, ich aber auf
perſönliche Probe beſtand, der Mumie du
Hände auf die Hüften legen.
Monſieur Cawa mit der Uhr in der Hand
Denken Sie immer an die geheimnisvolll
Kraft der Mumie! Ehe eine Minute um iſ/
fallen Sie wie vom Blitz getroffen um."
Mir war nicht ganz geheuer zumute, dor-
machte
der Gedanke mich lächeln, daß ausge
Luden
rechnet in dieſem der Fremdenausbeutung die
nenden Verkaufslokal eine magiſche Wunde:
äußernde Mumie ſein ſollte.
Mr. Cawa: Eine halbe Minute u.n. Spü-
ren
Sie ſchon, wie es Sie in den Händer
kribbelt?
Nol
Pauſe. Dreiviertel Minuten um.
Noch nichts?
Nichts!
Allright! Er ſteckte die Uhr ein unc
ſtreifte meine Hände von den Hüften der /Allol
Mumie. Ihr eigenes Fluidum iſt ſtärker alss 2000
das der Mumie, da wirkt ſie nicht. (Dagegenu Mkile
ließ ſich nichts einwenden, ich lächelte höflichk! 2:5
Geſtern waren Lord und Lady X. da. Sieg /4
hätten ſehen ſollen, wie ſie gelähmt umfielchl- ſie nur die Mumie berührten! Das Se.
nitätsauto . . . und er ſchenkte mir zM1 uch
Photographien der Iſisprieſterin. Bitte.*
ſchreiben Sie in deutſchen Seitungen darüber!
bat er dabei mit dem frömmelnden Augenbline
zeln des Auguren.
Gern verſprach ich’s.

Jetzt kommt der alte Prozeß in die Erzäh-
lung
.
Hofbauer, geht es gar nicht ein biſſel kure
zer?
Nal 5 muaß ’s Eana gnau verzählen, d0
mit’s Eana auskennan . . ."
Alſo hül Ja, der alte Prozeß, und wie eAI
ihn verloren hat durch den Meineid vom Pfeie
fer. Wie er ihm das am kritiſchen Cage hel
nach hingerieben hat und wie ſie in das Streiteſk.
gekommen ſind.
Dann iſt der Pfeifer aufgeſtanden und hadl
geſagt: Hofbauer, hat er geſagt, jetzt kann iohe
nimmer anders, und dabei hat er ihm zwei 200l
den rechten Backen hingehauen.
So hat er’s gemacht die Erzählunce
bringt der Hofbauer jetzt hochdeutſch und ſeNe-
dramatiſch
ſo hat er’s gemacht."
Er wiſcht ſich mit der Hand über das Geſichle=
um
mir ſeine Watſchen recht zu veranſch0l
lichen.
Und dann hat ihm der Pfeifer links zpe‟
hingehauen ſo .."
Und dann hat er ihm unter das Kinn dreimtalt
geſtoßen der Hofbauer macht es ſo deutliche

4u

[ ][  ][ ]

leiner
wviſchenfall im Herbſt.
br Cilly Berber.
Trwarte Sie heute vier Uhr pünktlich am
nenſchlag, Kreuzweg zur Jagdhütte! Keine
tede, keine Unterſchrift ſo eine Frechheit!
eine abgrundtiefe Frechheit!
Saſt du was, Kind? fragt die Mutter bei
p freundlich.
Ich? Wieſo? antwortet Cilde patzig und
irt die Kompottſchüſſel ſo energiſch hin, daß
paar Spritzer auf das Ciſchtuch fliegen.
Vaters erſtauntes Kopfſchütteln und das be=
tigte
Lächeln der Herren Verwalter und
benen bemerkt Cilde nicht. Ein Brief, einfach
der Poſt. Wenn Vater ihn in die Hände
ſommen hätte! Und überhaupt ſo eine Su=
ntang
!
Natürlich Hans. Eben als friſchgebackener
Lplomlandwirt aus der Hauptſtadt gekommen,
pnun als Erbherr von Haindorff große No=
ſen
im Kopf. Kam gleich per Du an, wegen
ſachbarskindern und Jugendfreundſchaft!
ſchts zu machen, mein Lieber, bei Cilde Cimm,
uder nicht! Ob er noch nicht genug hatte von
Zurückweiſung, die Cilde für höflich, die
cern für grenzenlos unerzogen gehalten hat-
u
2. Oder kam der etwa, um ſie zur Nechen=
bift
zu ziehen?
, der konnte ja warten. Warten konnte
4 wenn’s ihm Spaß machte, dis Weihnach=
. In vierzig kleine Schnipſel zerriſſen fliegt
6 Aufforderung zum Stelldichein in den Pa=
pirkorb
.
Um halb vier hat Cilde einen Einfall. Viel=
ſteyt
ſollte man hingehen, um dieſem unver=
ſchiten
Lümmel noch ein bißchen gründlicher

gMeimung zu ſagen! Vielleicht ja ſogar
ſtrl Cilde ſtülpt den Silzhut auf die Locken,
ceit einen Gruß in Vaters Arbeitszimmer
ſtin und iſt ſchon verſchwunden.
ſie muß einen Umweg machen. Wenn die
1’ne auf dem Kartoffelacker erſt den Hans und
d un ſie vorbei hinauf zum Wald gehen ſehen
na, danke ſehr, da hätten wir ja das
Aute Geſchwätz. Nein, Verehrteſter, den
beillen tue ich Ihnen nicht!
s ſchlägt vom Kirchturm unten, als Cilde
anBaldrand ankommt. Sieben Minuten noch
EFum Dohnenſchlag. Cilde kommt ein bißchen
1FTennen. Unpünktlichkeit ſoll er ihr nicht
nuſagen.
Ja alſo, da wären wir jal Niemand zu ſehen!
Allo! ruft Cilde durch die hohle Hand.
Alla! macht ſpöttiſch und langgezogen die
9 uſe Cannenwand. Das iſt denn doch wohl

ſder hat ſie ſich geirrt? Hieß das etwa nicht
menſchlag? Hat er geſchrieben am Eichen=
h
*. Nein, da ſtand doch was von Kreuzweg
Pagdhütte. Aber es gibt viele Jagdhütten
ieſſem Nevier. Zu dumm, daß der Brief
Ien iſt! Man könnte ja ſchnell bis zum
ei bruch rennen Cilde rennt. Am Eichen=
wäſt
auch niemand. Cilde rennt zurück.

dicfi m die Sähne klappern ja, und dann
9Mer ihn bei den Haaren genommen und hat
lLuden Kopf an die Cüre hingedruckt und iſt
DM Und abgefahren damit, nämlich mit dem
KMi-
1h2 Merkwürdig! Und das hat ſich der
Geauer alles ruhig gefallen laſſen?
re ilich! Was willſt denn machen mit ſol=
Cl wüſte Leut?
9arin möcht’ ich aber doch ſchon wiſſen,
Deblal er, warum Sie wegen Körperverletzung
aullagt worden ſind? Da ſollten Sie doch
elAReirie Extrabelobigung kriegen wegen Ohrer
SAfertigkeit?
9,, das iſt aber die Schlechtigkeit! Der
Aſfa behaupt jetzt, daß ihm der Hofbauer
eigle MNaßkrug am Schädel zerſchlagen hat,
UnMar drei elendige Lumpen gefunden, die es
Deſwo ren wollen. Es iſt kein Wort davon
Dueh er hat bloß einen Maßkrug in der Hand
9e=½ der iſt aber ſelber zerbrochen; es wird
ehMwer daran hingekommen ſein.
Hofbauer kennt vier Leute, die beſtäti=
9alunden, daß Sie nichts geſehen haben...
Elaubte nun, annehmen zu dürfen, daß er
meemer Erzählung fertig ſei, und erklärte

Plötzlich fällt ein Schuß. Du lieber Gott, wer
ſchießt denn jetzt? Ob der Hans ſich vielleicht
ihretwegen erſchoſſen hat? Doch am Eichen=
bruch
?
Cilde ſpringt mit wilden Sätzen am Wald=
rand
hin und zurück. Lieber Hans, ach, lieber
Hans bloß nicht komm doch ſei doch
nicht mehr böſe ich bin ja ſo dumm
komm doch bloß! Cilde heult große, dicke
Cränen. Iſt ſeit vielen Jahren nicht dageweſen!
Als es fünf m Dorf ſchlägt, iſt Cilde ganz
ſicher, daß Hans tot iſt. Abgrundtief traurig iſt

ihr zumut. Neue iſt das Entſetzlichſte, was es
gibt, denkt Cilde.
Als ſie hinauf in ihr Simmerchen ſchleichen
will, klingen aus Vaters Simmer vergnügte
Stimmen. Komm herein, Cöchterchen, ruft
der alte Herr.
Snädiges Fräulein, ſagt einer mit todern-
ſtem
Geſicht. Und iſt der Hans. Hat in der
Swiſchenzeit ſchnell mal um ihre Hand angehal=
ten
.
Erſt viel zu ſpät, als ſie ſchon längſt verlobt
ſind, kommt die Cilde drauf, daß das denn doch
wohl die allergrößte Frechheit war

Der Kolonalgedanke lebt!
Ein Gang durch die Deutſche Kolonialſchule Witzenhauſen.

Die Deutſche Kolonialſchule in Witzenhauſen (Werra).
Das Hauptgebäude der Schule liegt direkt an der Werra. In ihm befindet ſich auch das
kolonialkundliche Archiv.

In dieſen Cagen feiert die Deutſche Kolonial=
geſellſchaft
den Gedenktag ihres 50jährigen
Beſtehens. Sie weckt damit die Erinnerung an
die Gründerzeit der deutſchen Kolonien und ruft
all die Hoffnungen ins Gedächtnis zurück, die
man damals an eine neue Kolonial=
epoche
knüpfte. Wenn wir dieſen Jubiläums=
tag
als Anlaß nehmen, uns rück= und auss4
ſchauend mit der kolonialen Frage und dem
kolonialen Gedanken im allgemeinen zu beſchäf-
tigen
, ſo können wir das nicht tun, ohne dabei
einer Anſtalt zu gedenken, die zu der Erreichung
des großen Sieles, kelonialen Lebensraum zu

ſchaffen, ſeit Jahren ſtill und intenſiv ihren Ceil
beigetragen hat. Das iſt die Deutſche
Kolonialſchule in Witzenhauſen
an der Werra.
Witzenhauſen iſt ein friedliches Landſtädtchen
mit einigen tauſend Einwohnern im Negierungs=
bezirk
Kaſſel. Es liegt am linken Ufer der
Werra, die nicht weit hinter Witzenhauſen
bei Hann.=Münden mit der Fulda zuſam=
men
die Weſer bildet. Seit dem Jahre 1899,
dem Gründerjahr der Kolonialſchule, die
damals noch Wilhelmshof hieß, iſt es ein

Auswandererziele der Kolonialſchule Witzenhauſen.
Dieſe Karte veranſchaulicht die Wanderungsziele und ziffern nach dem Kriege. Die Aus=
wanderungsziffer
nach Nord= und Südamerika iſt die gleiche geblieben, die nach Afrika hat ſich
etwas vermindert; dafür iſt als neues Zielland Holländiſch=Indien dazugekommen.

Begriff geworden: Witzenhauſen und die
Deutſche Kolonialſchule, das wurden Namen,
die die Nunde bald in Deutſchland machten,
und was noch wichtiger und dem eigentlichen
Siel der Anſtalt verbunden war von hier aus
traten ſchon in den neunziger Jahren die erſten
Abſolventen der Schule wohlvorbereitet den
Weg nach Ueberſee an.
Als Deutſchland noch Kolonien hatte, war
dieſe Kolonialſchule in Witzenhauſen ein wich=
tiger
Ausgangspunkt von geſchulten deutſchen
Koloniallandwirten, Pflanzern und Farmern.
Aber auch heute noch, wo Deutſchland keine
überſeeiſchen Beſitzungen mehr hat, erfüllt dieſe
Anſtalt genau noch ſo ihre große Aufgabe wie
in der Blütezeit des deutſchen Kolonialweſens.
Mehr noch, heute fällt ihr eine um ſo wichtigere
Miſſion zu. Sie entſendet tüchtige und zuver=
läſſige
junge Leute ins Ausland und gewinnt
für deutſchen Fleiß und deutſches Können den
alten Nuf wieder. Das Siel iſt ein zwei=
faches
: die Entlaſtung des deut=
ſchen
Arbeitsmarktes und die Wer=
bung
in fernen Erdteilen für die
deutſche Sache. Genau wie vor dem Kriege, ſo
ziehen auch heute noch die Schüler der Deutſchen
Kolonialſchule in der Hauptſache in die ehe=
maligen
deutſchen Kolonien, nach Südweſtafrika,
Kamerun und Cogo, aber auch nach Aſien,
Auſtralien, der Südſee, den Vereinigten Staa=
ten
und Südamerika, wo ſie Pioniere der über=
legenen
weißen Cechnik und Siviliſation ſind.
Ein Blick auf die Ueberſichtskarte zeigt uns
die wichtigſten und bevorzugteſten Sielgebiete.
Nach dem Kriege, in der Seit von 1919 bis
1931, verließen nicht weniger als 476 ehemalige
Studierende die Kolonialſchule. 476 Leute ver=
ſtreuten
ſich nach allen Ceilen der Welt, nicht,
wie es ſo oft geſchieht, aus Abenteuerei, ſon=
dern
ſich der zukünftigen Schwierigkeiten voll
bewußt und ausgerüſtet mit theoretiſchen und
praktiſchen Kenntniſſen zu ihrer Ueberwindung.
*
Der Beruf des kolonialen Landwirts ſtellt
in jeder Beziehung hohe Anforderungen an das
praktiſche und theoretiſche Können und auch an
den Charakter. Die Aufgabe der Deutſchen
Kolonialſchule iſt deshalb weiter geſteckt als
die anderer landwirtſchaftlicher Hochſchulen.
Sie legt beſonderen Wert auf die Aneignung
von praktiſchem Verſtändnis und Können. Crotz
der beſonderen Betonung der Jachkenntniſſe
wird aber auch die Allgemeinbildung nicht ver=
nachläſſigt
, die für einen Siedler ungeheuer
wichtig iſt. Die Hochſchule umfaßt einen großen
Komplex von landwirtſchaftlichen Gebäuden.
Ein Gutshof von etwa 1000 Morgen mit erſt=
klaſſigen
Milchvieh= und Schafherden, ein großer
Waldbeſtand, Baumſchulen, Obſtanlagen, Ge=
wächshäuſer
mit tropiſchen und ſubtropiſchen
Kulturplanzen, eine Molkerei mit Eisfabrik und
eine Curbinenmühle mit Elektrizitätserzeugung
ſtehen zu Studienzwecken zur Verfügung. Auch
in allen Handwerkerarbeiten werden die Sög=
linge
hier ausgebildet. Die Schule hat eine
eigene Schmiede, Stellmacherei, Ciſchlerei,
Maurerei und Sattlerei.
In der Schule werden junge Männer im
Alter von 17 bis 24 Jahren aufgenommen. Die
verlangte Vorbildung iſt mindeſtens die Ober=
ſekundareife
und eine ausreichende landwirt=
ſchaftliche
Lehrzeit. Junge Leute, die noch keine
landwirtſchaftliche Ausbildung genoſſen haben,
können auch ein Jahr als Praktikanten auf=
genommen
werden.
Es gibt zwei verſchiedene Geſichtspunkte der
Kolonialpolitik. Der ältere, machtpolitiſche,
dem allenfalls ſtrategiſche Bedeutung beizumeſ=
ſen
iſt, zielt auf Stützpunkte und Herrſchafts-
gebiete
bei fremden Völkern. Der zweite Ge=
ſichtspunkt
, der auch in dem Mandatsgedanken
des Völkerbundsſtatutes zum Ausdruck kommt,
bezweckt, zurückgebliebene Völker auf einen
höheren Lebensſtandard zu bringen und die
Steigerung der eigenen Nohſtoffprodukte dem
Mutterlande dienſtbar zu machen.
Dieſer zweite Geſichtspunkt iſt alſo aus=
ſchließlich
wirtſchäftlich orientiert. In ſeinem
Sinne beanſprucht Deutſchland Mitbeteiligung
an den Kolonialfragen der Großmächte und hält
ſeinen Anſpruch auf die von ihm ſelbſt erſchloſ=
ſenen
Gebiete in Ueberſee aufrecht. Man darf
erwarten, daß dieſe Anſprüche das notwendige
Echo finden.

ihm, daß ich ihn verteidigen wolle. Allein er
geht noch nicht. Jedesmal, wenn ich Abſchied
nehmen will und ſagte: Alſo, iſt ſchon recht,
Hofbauer, jetzt ſind wir fertig oder: B’hüt
Gott, Hofbauer, ſchauen S, daß S‟ gut heim=
kommen
, fangt er wieder an: Ja, Eſel ver=
dächtiger
hat der Pfeifer geſagt, und Du
ganz ſchlechter Kerl, und dann hat er geſagt:
Hofbauer, hat er geſagt, jetzt kann ich nimmer
anders, und hat ihm zwei hingehauen. Swei
auf den rechten Backen und zwei auf den lin=
ken
. Ob das in Bayern erlaubt iſt?.
Ich bekomme allmählich das Gefühl, als ob
mir einer die Haare einzeln ausriſſe oder Sähne
ausziehe.
Nein, das iſt in Bayern nicht erlaubt, Hof=
bauer
; aber ich habe jetzt keine Seit mehr,
Ihnen das zu erklären. Kommen Sie vor der
Verhandlung meinetwegen noch einmal her. Für
heute ſind wir fertig. Adieu!
Das verſteht er en ch und macht ſich zum
Aufbruch fertig.
nd ſolange ge=
Aber es hat noch
braucht, um drei Mele. n den Hals zu
wickeln, wie der Hofbauer, und noch nie hat

jemand ſeinen Stock ſolange von allen Seiten
betrachtet wie er.
Gott ſei Dank! Jetzt iſt der draußen, und ich
lehne mich erſchöpft i r Lehnſeſſel zurücke.
Aber was iſt denn das? Es klopft jemand?
Richtig! Es iſt der Hofbauer. Herr Dokta, i
hab no was vergeſſen. Moana S‟ (meinen Sie),
daß mir dös beim Gricht glabt (geglaubt)
werd?"
Was denn?
Ja, dös mit dem Maßkrug? Daß er von
ſelm zbrochen is?"
Nein, das wird Ihnen nicht geglaubt. Aber
Sie können’s ja probieren.
Ja, i wer mir’s überlegen. Adies, Herr
Dokta, i kimm bald wieda.
Diesmal geht er wirklich, und ich denke zwei
Cage weder an Pius Reidl, noch an Kaſtulus
Pfeifer. Am dritten Cag, ſo in der Frühe
gegen ſechs Uhr, bei ſtockfinſterer Nacht, läu=
tet
es. Ich hööre ſchwere Sußtritte, und dann
klopft es.
Herr Doktor, Sie möchten aufſtehen, ein
Bauer iſt da, der Sie ſprechen muß.

Na, wenn ſchon, dann ſchon!
Raus aus dem Bette, angekleidet und in die
Kanzlei.
Himmel, Herr . .. der Pius Neidel aus
Seidlfing!
R Good, Herr Dokta, i bin a bißl fruah
dran; aber i hab mir denkt, i muaß Sana glei
aufſucha, daß Eana net umaſonſt plagn. Wiſſen
S' i hab mir G’ſchicht überlegt; i laß mi
halt in Gott’s Namenn ſtrafa und tua net lang
rum. Sie brauchen mi net z verteidingen. Die
Bäuerin hat aa gſagt, es koſt g’rad mehra. . ."
Soo? Pius Reidel! ſchrei ich, Pius
Reidel! Wieviel Watſchen hat Ihnen der
Pfeifer hingehauen?
Ja, zwoa auf den rechten Backen, und nacha
zwoa auf den linken Backen und nacha . . ."
Halt! Macht bloß vier. Wenn Sie den
Kaſtulus Pfeifer wieder ſehen, dann ſagen Sie
ihm in meinem Auftrag, er ſei ein Ehrenmann,
aber eine Watſchen auf jeden Backen iſt er
Ihnen noch ſchuldig. Alle guten Dinge ſind
drei. Verſtehen Sie mich? Und jetzt marſch

[ ][  ][ ]

Sunndags=Noochmiddags=Bedrachdunge.

Nemlich was de dißjehrige neie Wei bedrifft,
alſo do hab ich mir ſage loſſe, daß ſe den uff
den Nome A kurweler gedaaft hedde
Do liggt nadierlich en diefer Sinn drinn,
un däß is net ſo, wie wann e nei Kindche ge=
daaft
wärd. Dann däß kimmt meiſtens zu=eme
Nome, un waaß net wie; un mit dem laaft’s
dann zeit ſeines Läwens erum, mitunner ſogar
zum Geſpött vun de ganze Verwand= un Be=
kanntſchaft
. Dann net wohr, wann beiſpiels=
meßich
ſo e Biebche im erſte Stolz uff den ſcheene
Nome Siegfried gedaaft wärd, un hott im
erwaxene Zuſtand dann e Fiſchur wie de Schar=
les
Schabblien, odder wann ſo e klaa Bobbelche
in de erſte Fraad uff den Nome Brinnhilde‟
gedaaft wärd, un im Laaf der Johrn wäxt’s
unner ſich wie e Gäälerieb, un krickt e Fiſchur
wien Korkſtobbe, alſo dann ſtimmts doch net
mit de Eddigeddierung. Dann warum? Weil
mer ſich unner me Nome immer aach äbbes vor=
ſtellt
. Un es is doch net bloß demit gedha, daß
däß Kind en Nome hott, ſundern er muß em
aach ſchee zu Geſicht ſteh..."
Noja, freilich, wann mer ſooo will, do laafe
jo in de heidiche Zeit viel mit eme Nome‟
erum, unner dem mer ſich aach allerhand vor=
ſtelle
kann, bloß nix Rechts. Un mancher un
manches is aabz heidichen Dags zu=eme Nome‟
kumme, und mer waaß net wie
Awwer beim neie Wei, alſo do hawwe ſe
mit dem Nome Alkurweler de Daume uff
de Nagel gedroffe!
Un ich kann mir jo aach ſpielend denke, wem
zu Ehrn ſe de Neunzeh hunnerdzwagundreißi=
cher
den ungeheier dräffende Nome Akurweler
gäwwe hawwe; denn ein Begriff muß bei dem
Worte ſein
Awwer ich behalt emol heit mei Weisheit
vorſichtshallwer for mich; vun wäje warum, un
iwwerhaubt un ſo. No un ſchließlich muß ich jo
aach net alles uff=em Bräſſendierdeller ſärwiern;
un de Brei mit m Leffel eneiſchebbe. Sundern
ich kann vun meine hochverehrliche Läſerſchaft
verlange, daß ſe jetzt, noochdem mer bald zehe
Johr mitenanner verkehrn, daß ſe geiſtich ſo weit
uff de Heeh is, daß ſe waaß, was ich ſage will,
wann ich Dibbelcher hie mach, odder Gedanke=
ſtrich
. Däß hott nemlich allemol ſei Bewand=
nis
. Odder glaabt aans valleicht, däß
weer bloß um damit die Seit raſcher voll wärd,
odder um damit’s e bische geiſtreicherer aus=
ſähe
dhet? . . . . . Ohnaa, däß hott ſchun ſei Sach,
un ich kemt ohne die dibblohmadiſche Hilfsmid=
del
heit gornet mehr mit; dann wann ich alle=
mol
mit meine Weisheit grad ſo erausblattſche
wollt, dann ſtind ich mit aam Baa dauernd im
Fättnäbbche, un kemt aus de Schnellrichterei
garnet mehr eraus. Alſo .....
Iwwrichens mecht ich aach jet entſcheide, ob
dem neie Wei, den wo mer alſo Akurweler

gedaaft hott, ob dem mit dere Bezeichnung Un=
recht
geſchähe is, odder net, ſundern ich mecht
härngäje bloß däß aane ſage, daß ich neilich
debei war, wie aaner, der woen verſucht hott.
ſei Geſicht zimmlich verzoge hott, un mit ſchei=
heilicher
Freundlichkeit ſeim Nachbar aach en
Schluck agebotte hott. Awwer der ſälle hott
äweſo froundlich abgewunke, un hott geſagt:
Liewer Herr, hott=er geſagt, der neie Wei
hotts in ſich, un wann mer den drinke hilft,
do dhut ſich däß Sprichwort, vun der gedaalte
Fraad, die wo zur dobbelte Fraad wärd, in’s
Gäjedaal verkehrn, un es muß haaße: Gedaalte
Fraad is dobbeltes Laad! Däßhalb drinke ſe
ihrn Akurweler nor allaans, awwer mei Mit=
gefiehl
is ihne ſicher.
Ganz uff meiner Seit hott do der annere
geſagt, un hott geſeiftzt, un bezahlt
Iwwrichens ſoll mer, gleich am Afang vum
Neunzehhunnerdzwagundreißicher, net des Ver=
draue
un die Hoffnung verliern, dann es
gibt immerhie e groß Azahl Weikenner, die wo
ſage, der Akurweler kennt, doch noch was
wärrn, mer mißt=em nor Zeit loſſe, un Zuk=
ker
gäwwe
Jedenfalls, ſo ſchlecht, daß mer glaabt mer
kennt Strimb mit ſtobbe, odder gar des Loch im
Staatsſeckel mit zuziehe, is er dann doch net,
der Akurweler‟. Dodefor wärd er awwer
deier! Jedenfalls, de Hallwe zu zwanzich
odder fimfunzwanzich Fennich, däß is aus
Noja, deß Kältern macht awwer aach diß
Johr mehr Arweit wie ſunſt. Dann es gibt
Lage, do ſin die Drauwe noch ſooo hadd, daß die
Kinner Bickelches mit ſpiele kenne. Mit=ere ge=
wehnliche
Drauwekwetſch bringe ſe ſe gornet
zum Uffblatze; ſundern ſie miſſe ſe deerſt uff em
Ammboß uffknäcke. Dann aam, der wo ſei
Drauwe ſo in die Källter geſchmiſſe, un age=
kurwelt
hott, dem is ſogar beim Leiern die Kur=
wel
abgebroche ....."
Aach hab ich mer verzehle loſſe, daß in ge=
wiſſe
Gäjende die bollidiſche Gäjener ſich gäje=
ſeits
mit Drauwe ſogar die Fenſterſcheiwe ei=
wärfe
; un ganer, ſo e raddekahler Hitzeblitz, der
hett ſogar in=ere Wärtſchaft, im bollidiſche Mag=
nungsausdauſch
, eme annere mit=eme Pärkel
Drauwe dermaße uff de Kobb gehaage, daß der
aus fimf Löcher geblut hott, un miteme Sani=
dhetswage
in’s Spidal gefiehrt is worrn
Ja, un was ſoll ich noch ſage, die Woch, do
kimmt uff aamol uffm Markblatz mei Endebär=
zelſen
doher geſprunge, un weil ich gemaant hab,
ich heer drummele, do hab ich zu=er geſagt: No,
wohie? Is ſchun widder en bollidiſche Um=
zug
, weil’s dzummelt!! un do ſeegt die:
Ach naa, ach naa, ich hab äwe zum Friehſtick e
Pund Drauwe gäſſe, un die meiſte hab ich ſo‟
enunner geſchluckt, weil ich Angſt hatt, vun wäje

meim Gebiß, jetzt rabbelts in meim Bauch bei
jedem Schritt, daß mer dadſächlich glaawe kennt,
s kemt e Säckzion Dammbuhr doher maſchiert.
Un drum will ich raſch zum Doktor, daß mer
äbbes degäje dhut. No ich hab=er bloß noch
den gude Rat gäwwe, ſie ſollt’s net widder
mache, wie neilich, ſunſt weer am End der Dok=
ter
im Stand, un dhet=ere im Vabeigeh aach
noch de Blinddarm erauszwicke.
Ja, ſo is däß mit dene hadde Drauwe, un ich
wort bloß druff, daß die Franzoſe, wann=en e
paar in die Hend falle, widder e groß Geſchrei
erhewe, un mache die Wäld verrickt, un ſage, mir
hedde dorch e geheim Erfindung aus Drauwe
Gewehrkugele gemacht, odder ſozuſage ware
loſſe. Noja, ich will’s net leichne, ſo e hadd
Draub, wann mer die in en alde Vorderlader
lade dhut, un dhut ſe aam uff hunnerd Meder
Abſtand an de Kobb ſchieße, der ſteiht netmehr
uff...."
Awwer ſei dem, wie em ſei, jedenfalls wolle
mer emol dem Akurweler, die needich Ruh
gönne, gäje’s Friehjohr naus, do ſieht mer dann
was aus=em worrn is; un wann er ſich jetzt val=
leicht
aach noch abſurd gebärtet, am End gibts
doch en gude Wei
Un in dem Sinn will ich, als Gleichnis, noch
e Stickche aus de ganz gude alde Zeit verzehle.
Nemlich vun damals, wo’s noch kaa Lagerbier
gäwwe hott, un wo die Brauer im Summer
Ebbelwei un Weil verzabbt hawwe. Alſo do=
mols
hott de alde Hannibal, däß haaßt, de
ganz, ganz alde! der hott im Herbſt, for de
kummende Summer, äwenfalls ſein Ebbelwei
gekältert. Un uff=en Rot vuneme gude Freund
hott ern emol mit Biern gemiſcht. No un wie
de Summer kumme is, un er hott ſein Ebbelwei
uff de Diſch gebrocht, hawwe ſe all die Nas ge=
runzelt
, un es Maul verzoge; er hott=en net ge=
ſchmeckt
, un mei Hanniball mußt ſchnell. e Faß
Ebbelwei aus Sachſehauſe kumme loſſe, daß er
ſei Gäſt net verlorn hott. De Summer druff
hott=ern ſeine Leit wid der hiegeſtellt. Awwer
ſie hawwen net gemeecht; er hott=en net ge=
ſchmeckt
. No un de dritte Summer do
hotten de Hanniball als Wei verkaaft, un
do hawwe ſen gedrunke, un hawwen bis iwwer
die Hutſchnur gelobt...
Meechlich, daß es mitem Akurweler aach
ſp is. Wie geſagt, mek därf ’s Verdraue un die
Hoffnung net verliern, un muß=em Zeit loſſe,
un Zucker gärzwg un ſo
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: For die diwerſe
Zuſchrifte vun die Woch beſten Dank allerſeiz;
äweſo for die zwaa Badekoſtiembilder, wovo
ich. nirdeſtodrotz, däß rickefreie for min=
denſtens
grad ſo a’ſtendich halt, wie däß
vorſchriftsmeßich zuene‟ .
Awwer mir wolle uns iwwer däß, was
mer unner Aſtand verſteht, net weider
ſtreide, dann wer aach nor owwerflächlich in
de ſogenannte Sidde= un Kullturgeſchichte e

bische Beſcheid waaß, der wärd doch zudh
miſſe, daß ſich des Aſtendiche nod
kaaner Mode ſo ſehr vun ſelbſt verſtann
wie bei der zimmlich unzimmberliche M
unſerer Dage. Un ich maan, mir v.
äldere Jahrgeng hedde gorkaan Grun.
dodriwwer zu moggiern, ſundern ſollt
nor an unſer Jugend erinnern, an 3
alder der Kiddebarrie, un der alleh
ausgepolſterte Gäjende, owwe un
hinne un vorne; an die Weſpetallje,
die ſteifgeſtärke Aſtandsunnerröck
die Mode war ſicher net aſtend
wie die heidich, dofor awwer erheblic
geſinder.
Iwwrichens, ich waaß jo net, in wo
Alter der Zwickelverordner ſteht, awm
muß do doch widder an de Herr vun Gu
denke, der wo in ſeine junge Johr, no
licherweis aach gärn gebad hott 0
am Dag unſchicklich geweſe weer!); ſe
als geſetzter Mann un Miniſter hott
Baderei dann aach zu de Verricktheide
Juchend gezehlt . ..
Awwer loſſe mer die moraliſche‟ Beru
dunge bei Seid, ſundern freie mer un
mer mit dere Zwickelverordnung der
widder emol zu=eme herzhafte un befren
Lache verholfe hott, däß is aach
wert! ..

Ach kennt mer doch aach des 40
notverordne! Un dem, der
ferdich breecht, dem wollte mer Hend und
kiſſe (wann ſe friſch gebad ſin.
Aans awwer hawwe unſer ſittliche
verordner doch iwwerſähe, nemlich
ungehöriche un fraglos unmoraliſche Tec
mechtel, däß wo ſich in aller Oeffe.
keit die Woch zugedrage hott, zwiſche
bekannte Greeße . Nemlich zwiſche
namens Jupitter, un einer nad
Venus.. . Un mich wunnerds bloßd
mer gäje die aſtronomiſche Unzucht kaa
zeinotverordnung erloſſe hott . .

Noochſtehend noch e klaa Gedicht, därr
zugange is: dobbelt geneht, helt beſſer:
Zu San Remo, an de Saubach,
In dem ſeſeene Labbingsland,
Js der Orrangſicherie=Gorte.
Alle Leit gor wohlvekcunt.
Herrlich leßt es ſich dort weile,
Unner Beem aus alter Zeit.
Kaaner wärd vorriwwer eile,
Den die Flora net erfreit.
Awends, wann die Lichter ſtrahle
Märchenhaft die Palme ſtehn,
Un die Deiche ſillwern glenze,
Ja dann is es wunnerſcheen.
Sälbſt im Herbſt do laaft mer ger!
Dorch däß ſcheene Parradies
Statt uff Umwähk in die Ferne,
Weil die Stadt ſo ſparſam is
Liewes Bienche, Dank ſei Dir,
Aus dem Herze ſchriebſte mir!
Aach e Neehdern, awt
e echt.

Küchenzettel vom 24.30. Oktober.
Mitgeteilt vom Hausfrauenbund Darmſtadt.
Montag: Ochſenſchwanzſuppe T, Haferflocken=
brätlinge
, Salat.
Dienstag: ganze Grünkernſuppe, Leberklöße
mit Sauerkraut und Kartoffelbrei.
Mittwoch: Ribeleſuppe, Käſeauflauf, Salat.
Donnerstag: Zwiebelſuppe, geh. Kalbs=
kotelette
, gelbe Rüben, Kartoffeln.
Freitag: Brotſuppe, Fiſch gegrillt mit Peter=
ſilientunke
, Kartoffeln.
Samstag: gebr. Grießſuppe, Suppenfleiſch
mit Meerrettichtunke, Preißelbeeren, Kar=
toffeln
.
Sonntag: klare Brühe mit Eierſtich, Huhn
im Reisrand, Kaperntunke, Schokoladen=
flammerie
mit Vanilletunke.

9. d4 Xe5
G-o
10. Ta4b34
188, he
11. 8b1d2
D68e8
Dieſes Bauernopfer iſt nicht verſtändlich. Warum nicht
11. .. d5, worauf Schwarz, anglog einer Partie Yates=Ajechin,
Haſtings 1922, nach 12. 6 xd6 S Kd8 13. Se4 14. 14. Bge5
8 Ze5 15.8 eh Dg5 Angriffsausſichten erongt hättes
12. 502 ge4
i5 Fe4
13. De2 ge4t
d745
um Spiel zu bekommen, gbt., Schwarz gleich noch einen
Bauer auf. Der Einſchritt 18. z.06 ließe das einſchnürende
e5 zu.
14. Ib3 8d5
Le815
15. be4-h4
Leß ges
18.105 3b3
Ta8bs
17. Sk3 ge5
Tbs267
1z.Nfi. ei.
Ib7b5
19. Sehf3
Deß88
z0, 68odt
Tb5b?

Der Turm ſoll nach=Aufzug des Be7 die 7. Reihe verteidigen.
21. b2b3
175g4
22. Je1-a3
ef
33 8f3eh
Tg4t5
24. 82 3g4
gſ.g5
Eine traurige Notwendigkeit. Offenbar iſt 24. . .Les wegen
25. 7adl. 24. loß oder 193 wegen 25. 8s8 t. untunlich.
Stellung nach dem 24. Zuge von Schwarz:

Nummer 490.
Partie Nr. 94.
Geſpielt in dem Turnier zu Paſadena, Auguſt 1932.
Spaniſch.
Weiß:
Schwarz:
Dr. Aljechin
6. Steiner
1.eßeS4.
e7H
2. 9s113
8b8es
aN
3. If115
4.1b5g4
8as. ig
Fft.-*
5.00
6. 693
Sfs 3e4
7. 0244
le54
.exd4 wäre wegen der Antwort 8. Tel nicht zu
empſehlen.
s. Dd1e2
f7f5
Nicht 8. ..05, denn es käme 9. 8 xeh mit der Doppel=
brohung
8eh Toß und 19. f8.

Silbenrätſel.
Aus den Silben ar, ar, ba, ben, de, dei, deln,
der, des, din, du. e, e, ei, ein, el en. fer, fern,
gin, he, heim, holz, horn, ku, lar, le, li, ling, ly.
ma, mo, na, nas, nik, o. ra, ri. rie ries, rohr,
ſam, ſe, ſe, ſie, ſit, ſter, ſtre ſtrut. täu, tich, til,
til, un, ve, weiß, wie, zi ſind 22 Wörter zu bil=
den
, deren erſte und dritte Buchſtaben beide von
oben nach unten geleſen, ein Wort Goethes er=
geben
. Die Wörter bedeuten: 1 Frauengeſtalt
aus Shakeſpeares Othello, 2. Rattengift,
3. Papagei, 4. Strauchgewächs, 5. Sonntag,
6. Entwicklungszuſtand der Inſekten. 7 Stadt in
der Rheinpfalz, 8. rieſiger Pflanzenfreſſer, 9. ſpa=
niſche
und portugieſiſche Provinz, 10. ſchwediſcher
Forſchungsreiſender, 11. Nutzholz. 12. linker
Nebenfluß der Saale, 13. Feldherr im Dreißig=
jährigen
Kriege, 14. ältere chriſtliche Sekte,
15. italieniſche Inſel im Mittelmeer. 16. Over
von R. Wagner 17. Wallfahrtsort in der
Schweiz, 18. Zauberwort aus 1001 Nacht,
19. wichtiger Nährſtoff. 20. edelſte deutſche Wein=
traube
, 21. optiſches Inſtrument, 22. Truppen=
gattung
.

Auflöſung der Rätſel aus Nr. 42.
Kreuzworträtſel.

B.ras-bel

Bei Annahme des Damenopfers würde das typiſche zwei=
gige
Matt 26. Srü. 4. 4Kg8 27. Shöct erfolgen.

28. Dh4h5
Mit 26. D Xg5 4Tg7 könnte Weiß noch ſeinen glatten Sieg
teſährden.
2S.
If5e6
27. 8e5471
Aufgegeben.
Nach 27. DTd7 28. D 8g5 4Kf7 29. Df6 4Kg8 genügt
ſchon das einfache 30. D Kc 4, um dem Schwarzen ſede Hoff=
ſnung
zu nehmen.
(Partie und Anmerkungen nach den Deutſchen Schachblättern.)

Nicht einmal im Traume iſt mir eingei!
dich für ſo dumm zu halten, daß du dein Es
nicht beſtehen könnteſt!
Da ſiehſt du wieder mal, Papa, daß
Jungen eurer Generation weit überlegen
Ich habe das z. B. ſchon lange gewußt.

Wenn er den Kopf
1 2 3 4 5 6 Froſch,
12 13 14 15 Wade.

durch das Fenſter ſteckt
7 8 9 10 11 Punkt,

Ihre Definition. Mama, was iſt MI
eigentlich Sparſamkeit? fragte der kleine 2
Sparſamkeit. erwiderte dieſe, iſt das
ein Mann predigt und eine Frau ausübt.
Pech. Na, das iſt noch Glück im Ungli
die Geſchichte wenigſtens vor einem Arsll!
paſſiert iſt ſagte der Kraftfahrer, der
Paſſanten angefahren hatte. Kann ich)
finden, ſtöhnte das Opfer, ich bin der 20
So ein bißchen Bildung. In einem am
niſchen Hotel ſieht der Portier einen Ga
Pyjama im Veſtibül herumſpazieren. In
ſem Aufzug dürfen Sie hier nicht erſche!
ſagt er zu ihm. Der andere ſchrickt zuſa.1d
und entſchuldigt ſich: Ich bin nämlich ſon
bul. Ganz egal, erklärt der Pförtner.
dürfen ſo nicht herumgehen, zu welcher Re1!9
Sie auch gehören mögen.

Druck, Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich Hafhjzchdruckerei, Rheinſtr. 23. Verantwortl, für die Redaktion: Dr. H. Nette, Darmſtadt. Fernſpr. 1, 23892392. Alle Rechte vorbehalten. Nachdr. verl

[ ][  ][ ]

Die neuen Modeſchöpfungen: Hochgeſchloſſen!
Längſt weiß man, daß eine Mode nicht will= verſchiedenſten Arten behandelt wird, und

lich geſchaffen wird, ſondern als Reſultat
er durchaus folgerichtigen Gedankenreihe
betrachten, iſt und immer ihre ganz be=
(inimten Hintergründe hat.
Wenn man bisher ſelbſt während der kal=
Jahreszeit für eine den Hals freilaſſende
ſode eintrat, ſo geſchah dies zweifellos, um
fportliche Note hervorzukehren und ſeine
12bhärtung zu beweiſen.

darum ein Kapitel, das ungeteilte Aufmerk=
ſamkeit
verdient.
Mit unſeren Skizzen treten wir als Bahn=
brecher
dieſer Mode hervor, die ſicherlich die
Schönheit und Eigenart der Frau zu unter=
ſtreichen
vermag und darum als abſolut er=
folgverſprechend
betrachtet werden muß.
Allenfalls iſt das hochgeſchloſſene Modell
auch ſchon der Neuheit der Silhouette wegen

brämung eines ſolchen Mantels wird man
gerne eine unmoderne, an ſich ſchon nicht mehr
verwendbare Pelzumhülle opfern, die in
dieſer Form neuerſtehen und Beifall ernten
wird (Figur 2). Ein derartiger ſchwarzer
Stoffmantel mit ſchwarzem Pelzwerk wird für
den Nachmittag ſicherlich ebenſo wie für den
Abend gerne getragen werden.
Auch die Abendmode legt auf Umrah=
mung
des Geſichtes größten Wert; ſie ſteht ab=
ſolut
im Zeichen der Straußfeder, die ja ſchon
unſere Mütter und Großmütter gerne trugen
und als koſtbaren Beſitz ſpäterhin jahrelang

Amun aber wendet ſich die Mode für die
hngende Saiſon vom bisher richtunggebend
weſfenen Stil ab und einer phantaſievolleren
ſſte zu, die in jedem kleinſten Detail be=
mt
wird; und da die Dame, die durch die
then Erfolge moderner Kosmetik gerade in
Letzten Jahren zweifellos ſehr verſchönt
ſue, nun allergrößten Wert darauf legi,
Glihr Geſicht zur Geltung zu bringen und
Di' wie bisher lediglich die Sportlichkeit und
viliertheit: kurzum die Schlankheit der
ſ alt zu betonen wünſcht, trägt die neue
de dieſem Wunſche abſolut Rechnung!
4 ſchöne Frau ſcheint alſo wenn man
ſagen darf wieder Mode zu werden,
füße Geſichtchen gewinnt wieder an
Awrert, während bekanntlich in den letzten
ünen ausſchließlich der intereſſante Frauen=
1 gerfolgreich war.
Aaas aber könnte das Geſicht beſſer zur
Nung bringen, als ein hochgeſchloſſenes
Aduungsſtück, das den Kopf in unvergleich=
ſer
. Weiſe umrahmt.
Aurf dieſen Umſtand iſt wohl auch die Tat=

ge zurückzuführen, daß alle Kreiſe auf die
e modiſche Anregung mit heller Begeiſte=
2 eingehen, und daß das hochgeſchloſſene
*d das eng zum Halſe abſchließende
unn, der Mantel mit hohem Kragen uſw.
Drordentliche Erfolge zu verzeichnen haben.
Nan bringt die hohen Kragen in den ver=
danſten
Materialien zur Geltung. Einer=
* (für Trotteurkleider) aus Seidenpiqué,
neil und einem etwas haarigen Angora=
der
ſich für Garnituren vorzüglich

het, andererſeits (für Koſtüme und Mäntel)
ſsell. Für den Abend wird die neue
nit Hilfe von Rüſchen und Halskrauſen
und zwar gibt es hier neben Fell=
die ſehr ſchick wirken, mancherlei
maleriſche Colliers aus Blüten oder
es hochgeſchloſſene Modell iſt allenfalls
wema, das in den großen Salons auf die

beachtenswert, da es ſich von allen bisherigen
Modeentwürfen ganz auffällig unterſcheidet.
Wir beginnen mit einem entzückenden
kleinen Stoffkleide, das auch als Trot=
teur
unter dem Pelz (wie das neue
Schlagwort lautet) in Frage kommt. Iſt es
nicht geradezu keuſch in ſeiner Jugendlich=
keit
und Abgeſchloſſenheit? Wie unkompliziert
und geſchmackvoll die aus bogenförmig= anſetzen=
den
Glockenkeilen gebildete Rockpartie, wie an=
ziehend
die ſpindelförmige, mit einem Bänd=
chen
unterbrochene Manſchette, wie kapriziös
der hohe, helle Cape=Kragen mit Leiſtchen und
Bandputz! (Vorletztes Bild.)
Nicht weniger anziehend: das Koſtüm=
Kleid, das wir im letzten Bild feſtgehalten
haben. Hier erkennt man deutlich daß die
Verbindung eines ſchlichten Stoffkleides mit
einem kurzen Jäckchen der allerletzten Mode
angehört, wobei die Originalität des Schnittes
in der Hauptſache auf die kleine Umhülle
verlegt wird. Ein derartiges, modernes
Complet kann ebenſogut in Stoff wie in
Samt ausgeführt werden. Ein neuer Ge=
danke
ſind die hier angedeuteten, raſch wieder
populär gewordenen Schinkenärmel und vor
allen Dingen: die mit Stoffbindbändern ge=
haltene
Halsſchleife aus Fell, die abnehmbar
iſt und demzufolge ſobald die Jacke ab=
gelegt
wird auch zum Kleide getragen wer=
den
kann und in dieſer Form ganz neue
Möglichkeiten bietet. Allerliebſt auch der Muff,
der ſo klein iſt, daß er gerade den beiden
Händen Raum gewährt.
Hochgeſchloſſen ſind auch die neueſten
Mäntel, und gar manche Dame wird die
kommende Mode nicht nur ihres Schicks wegen
anerkennen, ſondern auch die Tatſache zu
ſchätzen wiſſen, das hier endlich Garderobe=
ſtücke
entſtehen, die wohlig=warm halten! Ein
Pelzrevers, das in einen ſeitlich durch=
gezogenen
, hochverſchließbaren Streifenkragen
übergeht, iſt ſicherlich ſehr neuartig, ebenſo die
pluderigen Oberärmel aus Fell. Für die Ver=

im Schranke verwahrten. Nun kann man wie=
der
einmal feſtſtellen, welche Grazie und An=
mut
ſolche Federn ihrer Trägerin geben und
wie leicht es iſt, durch eine Straußfedernſtola
jedes abendliche Kleid in wirkungsvollſter Art
Willy Ungar.
zu ergänzen (Bild 1).
Stockflecke in der Wäſche und
ihre Behandlung. Sind durch feuchte
Lagerung im Wäſcheſchrank Stockflecke ent=
ſtanden
, ſo müſſen dieſe unverzüglich beſeitigt
werden, ehe ſie älter werden und ſich dadurch
ſo einfreſſen, daß das Gewebe an dieſen Stel=
len
Löcher erhält.
Sobald die Stockflecke noch blaß ausſehen,
dann kann man noch mit Erfolg ein ſcharfes
Seifenbad anwenden, lege das betr. Stück
hinein und laſſe es zirka ½ Stunde darin
liegen, um es dann herauszuwaſchen und mit
klarem Waſſer zu ſpülen. Bei ſtärkeren, alſo
dunkelfarbigen Stockflecken dagegen, betupfe
man dieſe mit Formalin oder einer Miſchung
von 1 Teelöffel Kochſalz und ebenſoviel
Salmiakpulver, die man mit Waſſer dickbreiig
anrührt.
Den Wäſcheſchrank dagegen ſpritze man nach
dem Ausräumen ſämtlicher Wäſche entweder
mit Formalin aus, oder aber räuchere ihn mit
Schwefeldämpfen, wodurch etwaige Pilz=
ſporen
(es handelt ſich hierbei um eine Art
Meltaupilze) abgetötet werden. Vor allem achte
man aber darauf, daß zwiſchen Schrank und
Wand immer ein gewiſſer Spielraum, alſo
ein Abſtand von zirka Zweifingerſtärke bleibt,
damit die Luft zwiſchen Wand und Schrank
zirkulieren kann. Außerdem verhüte man aber
auch, daß friſchgeplättete Wäſche unnachgetrock=
net
eingeſchichtet wird. Deshalb ſollte man alle
geplätteten Wäſcheſtücke vor dem Zuſammen=
legen
und Verwahren, erſt ausgebreitet, einige
Stunden liegen laſſen, damit nicht die Plätt=
wärme
in der Wäſche ſich im kühlen Wäſche=
ſchrank
in Feuchtigkeit verwandelt, die den
günſtigſten Boden für Stockflecke bildet. HI.

Allerlei Perlarbeiten für den
gutgedeckten Ciſch
haben ſich in allerletzter Zeit verblüffend raſch
eingebürgert. Es handelt ſich hier um aparte
kleine Kränze und Sträußchen, die aus Perlen
gebildet werden, die vielfach die Form von
allerlei Früchten (Birnen, Aepfeln, Pflaumen,
Kirſchen uſw.) haben.

Kleine Tuffs aus ſolchen Perlen, auf breit=
geflochtene
Baſtſtreifen montiert, kommen als
Serviettenringe in Verwendung, während
Girlanden in der gleichen Technik als
Tropfenfänger an der Teekanne oder an der
hohen Wein= oder Fruchtſaft=Flaſche verwertet
werden.
In ihrer Buntheit und Grazie ſchmücken
dieſe Arbeiten (die jede Dame leicht ſelbſt her=
ſtellen
kann, ſoferne ſie ſich die richtigen
Früchte=Perlen beſchafft) den Tiſch in reiz=
vollſter
Art, bilden das friſch=ſympathiſche
Moment des modernen Gedecks und werden
der Hausfrau und den Gäſten ſicherlich viel
Freude bereiten (Skizze). Willy Ungar.
Kopfkiſſen zum Ausbeſſern
ſchadhafter Bettbezüge.
An den Bettbezügen werden die Oberteile
ſchnell mürbe und ſchadhaft. Da nun der
übrige Bezug noch kräftig im Gewebe iſt, ſo
ſollte man nicht neuen Stoff zum Ausbeſſern
verwenden, ſondern ebenfalls abgewaſchenen
Und zwar eignet ſich am beſten dazu ein
gebrauchtes Kopfkiſſen, das man an den Beit=
bezug
nach Entfernen des mürben Stückes
anſteppt. Dann bringt man am neuen Anſatz
neue Knopflöcher an, ſchneidet die vorhandenen
weg und näht den Bezug unten quer herüber
zuſammen. Nun mit dem unteren Teil nach
oben gekehrt, in Gebrauch genommen, fällt die
ſtörende Naht dieſes Anſatzes nicht auf und
es wirkt wie ein neuer Bezug.
II.

Parallelen ..

Für Modebefliſſene gibt es im Augenblick
keinen netteren Zeitvertreib als alte Bilder zu
ſtudieren, bei denen man gar bald eine ſehr
intereſſante Uebereinſtimmung mit der heutigen
Moderichtung finden wird.
Sehen unſere Damen in ihren neueſten
Geſellſchaftskleidern nicht wirklich den Ritter=
damen
vergangener Jahrhunderte ähnlich und
deuten die neuen Kleider mit ihren eng=
anliegenden
Oberteilen, mit ihrem Prinzeß=
ſchnitt
(der ganz beſonders deutlich auf längſt
verfloſſene Epochen hindeutet) nicht wirklich

auf einen ganz erſtaunlichen Zuſammenhang
mit den Bildern, die man in den Ahnen=
galerien
unſerer Schlöſſer zu ſehen gewohnt iſt?
Man mag vielleicht gegen die neue Mode
manches einzuwenden haben: eines ſteht allen=
falls
feſt: daß es ſich um einen ganz beſonders
aparten Stil handelt, der richtig zur Gel=
tung
gebracht eine elegante Frau vorzüg=
lich
kleidet und bei aller Originalität doch
niemals aufdringlich wirkt (Skizze rechts).
Willy Ungar.

[ ][  ]

Seite 22 Nr. 295

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Sonntag, 23. Oktober 1932

Wohin am Sonntag?
Neues Schießhaus

bei Kaffee, Kuchen, Wein und Bier
Gute Unterhaltung. (7691a
Für gute Musik ist gesorgt.

Schweizerhaus
Beſitzer: W. Plank
Eberſtadt.
Angenehmes Familien=Kaffee
Heute Konzert

Vom Rhein zur Donau. (14804

ELIA Heute Sonntag vorm. 11.15 Uhr Film-Morgenfeler In Wiederholung MEL

Auf Tigeriagd in Indien

Nur noch heute u. morgen

Der Film für starke Nerven
PAUL WEGENER
Gretl. Bervd und Eng. Klöpfer in
dem phantastischen Tonfilm

Unheimliche

Geschichten

Hente und folgende Tage / Heute

Tolgende Tage

Der ganz große Erfolg!
Das Schicksal einer Tänzerin
und großen Spionin!

Beginn 2, 4, 6 und 8.20 Uhr.

don Sarfgalte!

der letzte deutſche Kriegsgefangene, ſpricht über ſeine
Erlebniſſe in den franzöſiſchen Strafkolonien. Ferner

Lichtbildervortrag

über Kriegsgefangene Deutſche in aller Welt
von dem ehemaligen Kriegsgefangenenen Ibrügger
am Mittwoch, den 26. Oktober 1932,
abends 8 Uhr, Turnhalle Woogsplatz.
Saalöffnung 7.15 Uhr.
(14759
Karten à 60 im Vorverkauf bei: Verkehrsverein,
Zigarrengeſchäft Hugo de Waal, Rheinſtr., Papierhandl.
Paul, Wendelſtadtſtr. 20, Gg. Roth, Weißwaren, Beſſun=
gerſtr
. 41, Zigarrengeſchäft Hädrich, Pankratiusſtraße 61,
Jung=Oſefenbach, Feinkoſt, Ecke Grüner Weg u. Herdweg,
ſowie Feinbäckerei Steinmann, Liebfrauenſtr. 103.

Luftkurort
Ludwigshöhe
Telephon 591
Heute nachmittag4 Uhr
KONZERT
ausgeführt vom Stadtorcheſter
Leitung: Konzertmeiſter Reitz
Eintritt frei! (14815) Eintritt frei!
Der Weg nach der Elektriſchen iſt beleuchtet

Frl. Sus. Rose
Tanzlehrerin

Darmstadt, Luisenstr. 10, II.
früh. Schül. v. Marg. Wigmann, d. Dr.
Hochs=Konſerv, und des Opernhauſes in
Frankfurt a. M.
Erteile Unterricht in sämtl. alten und
mod. Gesellschaftstänzen und Gymnastik.
Anmeld. z. d. im Oktober beginn. gut
bärgerl. Kursen u. kleinen Zirkel gef. erb.
Ungenierter Einzelunterricht zu jeder Zeit
Ermäßigte Preige.

Ausflugsfahrten der
Deutſchen Reichspoſt.
in Arbeitsgemeinſchaft mit dem Verkehrs=
verein
Darmſtadt als Vertreter des Mittel=
europäiſchen
Reiſebüros.
Abfahrtſtelle: Reiſebüro, Luiſenplatz 4.
Sonntag, 23. Oktober, Abfahrt 13.15 Uhr
Königſtein Großer Feldberg ( Kaffee=
pauſe
). Fahrpreis 3.60
Mittwoch, 26. Oktober, Abfahri 13.15 Uhr
Lichtenberg Lindenfels (Kaffeepauſe!
Schönb. Tal=Bensheim. Fahrpreis 2.50
Samstag, 29. Oktober. Abfahrt 13.15 Uhr
Reinheim Lengfeld Höchſt Neuſtadt
(Kaffeepauſeſ=Gr.=Umſtadt. Fahrpr. 2.50
Sonntag, 30. Oktober, Abfahrt 13.15 Uhr
RoßdorfReinheim HöchſtMichelſiadt
Vierſtöck (Kaffeepauſe) Gr.=Bieberau
Rodau Nohrbach. Fahrpreis 3.00
Ausführung der Fahrten nur bei genägender
Beteiligung. Auskunft und Kartenverkauf
(Sonntags nur von 11 bis 13 Uhr) Reiſe=
bäro
Luiſenplatz 4.
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zu besuchen.
Beginn: 2, 4, 6 u. 8.20 Uhr.
Sämtliche Vergünstigungen, Ehren-
und Freikarten aufgehoben.

Beginn: 1.30, letzte Vorst. 8.20 Uhr.

10Zemenkpfoſt.
billig abzugeben.
Ang. u. M. 210 Gſch

Wer tauſcht weißen
Herd geg. faſt neu.
Gasherd m. Backof.?
Ang. u. G.191 Gſch.

Hedutascha

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Am Flügel: Kapellmeister Karl Ha
Montag, 31. Okt. 1932, abends 8Ux,
im SAALBAU (Gartensa
Eintrittskarten; numeriert zu 1.50
unnumeriert zu 1. Mk. bei Ck
Arnold, am weißen Turm.

Der Konzertfügel Steinway & Son
ist aus dem Lager der Fa Ka
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