Darmstädter Tagblatt 1932


06. Oktober 1932

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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwarte, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 278
Donnerstag, den 6. Oktober 1932. 195. Jahrgang

im Kreiſe Darmſtadt 23 Reichspig.
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Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streſl uſw., erliſcht
ſede Verpſiſchtung auf Erfüllung der Anzeiger
ufträge und Leiſtung von Schadener
ſatz. B
(D
Konkurs oder gerſchtiſcher Beltrelbung
und Dame
Rabatt weg. Banklonto Deutſche 2
ſtädter und Nationalbank.

Frankreich ſabotiert die Konferenz.
England verzichkef auf die Weiterverfolgung des Konferenzplanes inſolge der ablehnenden Halkung
der franzöſiſchen Begierung.

*

Geſcheiterk!

Die Londoner Auffaſſung.

London, 5. Oktober
Der heute abend in unterrichteten britiſchen Kreiſen vorherr=
ſchende
Eindruck in der Frage einer Londoner Konferenz ſcheint da=
hin
zu gehen, daß infolge der ablehnenden Haltung der franzöſi=
ſchen
Regierung und des von deutſcher Seite eingenommenen
Standpunktes eine Beteiligung dieſer beiden Länder kaum in
elusſicht ſteht, und daß der Gedanke dieſer Konferenz daher wohl
rufgegeben werden muß.
Während bisher ſtets die Auffaſſung vertreten wurde, daß
ine Fortſetzung der Abrüſtungskonferenz ohne Beteiligung
Deutſchlands undenkbar ſei, äußert man jetzt die Anſicht, daß die
Arbeiten dieſer Konferenz unbedingt fortgeſetzt werden müſſen,
end daß ebenſo wie bei den Erörterungen des Abrüſtungsbüros
die deutſche Nichtbeteiligung in Kauf genommen werden müſſe.
Man hofft, daß der weitere Gang der Abrüſtungskonferenz eine
Tage ſchafft, die es Deutſchland ermöglicht, ſeine Mitarbeit am
Abrüſtungswerk mit ſeinen Wünſchen zu vereinen.
Das Zwiſchenſpiel der von London betriebenen Vorkonferenz
iſſt ſehr raſch zu Ende gegangen. Die engliſche Regierung läßt
län Communigus herausgeben, worin ſie zu erkennen gibt, daß
ſte auf die Weiterverfolgung des Konferenzgedankens zunächſt
verzichte, infolge der ablehnenden Haltung der franzöſiſchen
Regierung und des von deutſcher Seite eingenommenen Stand=
nunktes
.
Das iſt eine ſehr feine Unterſcheidung, die aber
och deutlich zu erkennen gibt, daß Macdonald die Verantwor=
ung
für den Mißerfolg ausſchließlich auf Frankreich ſchiebt.

mill
Deutſchlands guker Wille.

Die zurückhaltende Taktik, die in Berlin gegenüber der eng=
läſchen
Einladung verfolgt wurde, hat ſich als richtig erwieſen.
Vir haben die Einladung zur Kenntnis genommen und uns
mamit begnügt, zu bitten, daß uns nähere Mitteilungen über das
Thema der Konferenz gemacht werden follen. Dabei haben wir
rricht verlangt, daß die deutſche Gleichberechtigung anerkannt
würde ehe wir überhaupt auf die Konferenz gingen. Denn dann
wäre ja dieſe ganze offizielle Beſprechung überflüſſig geweſen.
WPir haben nur verlangt, daß alle Hinderniſſe, die einer An=
erkennung
der deutſchen Forderung auf der Konferenz ſelbſt im
Wege ſtänden, beſeitigt würden. Deutſchland hat den Vorſchlag
gemacht, daß die Konferenz da anfangen ſollte, wo die Genfer
Beratungen ſeinerzeit aufhörten, daß alſo alles, was inzwiſchen
geſchehen iſt
vornehmlich das franzöſiſche und das unfreund=
läche
engliſche Memorandum als nicht vorhanden betrachtet
würden.
Deutſchland iſt bis an die Grenzen des
Möglichen gegangen,
at ſich ſogar einer evtl. Erweiterung des Teil=
ehmerkreiſes
grundſätzlich nicht widerſetzt und wollte
ſſch damit abfinden, wenn auch Polen, die Tſchechoſlo=
wakei
und Belgien hinzugezogen würden, obwohl dann
aus der vertaulichen Ausſprache eine Art Vorkonferenz werden
mußte, deren Programm ſich dann erweiterte durch die von
Deutſchland aufgeworfene Frage, wie denn die anderen Staaten
ſich die praktiſche Seite ihrer Abrüſtung dächten.
Dieſes Problem iſt durch die ſtändige Bedrohung, der wir
non Polen her ausgeſetzt ſind, für uns von beſonderer Aktuali=
täit
. Macdonald konnte ſich jedenfalls über den guten Willen auf
deutſcher Seite nicht beklagen. In Paris hat er um ſo weniger
Gegenliebe gefunden. Herriot hat wohl nicht rundweg Nein
geſagt, weil er ſich die engliſchen Sympathien nicht verſcherzen
wollte. Aber er hat den ihm unangenehmen Konferenz=
edanken
mit ſo viel Hypotheken belaſtet, daß
ie Pariſer Haltung auf eine reine Sabotage
inauslief. Das iſt in England auch offenbar ſo empfunden
worden und hat ſeinen Niederſchlag in dem engliſchen Com=
muniqué
gefunden.
Forkſehung der Abrüſlungskonferenz
ohne Deutſchland.
Es entſteht nun die Frage, waswerden ſoll. Auch hier
iſtt aus dem engliſchen Communigué gegenüber der bisherigen Hal=
turng
eine ſtarke Unterſcheidung zu erkennen. Herr Henderſon hat
*s immer noch vermieden, die Arbeiten der Abrüſtungskonferenz
ſprtzuſetzen, weil er glaubte, daß es gelingen würde, Deutſchland
zurr Rückkehr an den Konferenztiſch zu bewegen. An die Ernſt=
heiftigkeit
des deutſchen Standpunktes hat offenbar niemand ſo
reicht geglaubt. Jeder hat gehofft, daß die deutſche Regierung wie=
der
einmal Angſt vor der eigenen Courage bekommen und ſich
mrit einem halben Zugeſtändnis begnügen würde. Die Engländer
eaben ſich inzwiſchen vom Gegenteil überzeugen müſſen. Wenn alſo
däe Konferenz nicht einfach auffliegen ſoll, bleibt Henderſon wei=
ter
nichts übrig, als weiter zu beraten ohne Deutſch=
land
. Die Engländer ſelbſt haben das Gefühl, daß dieſe Kon=
urenz
nur ein Torſo iſt. Ihre Rechnung geht vermutlich dahin,
daß ſie zwar allein nicht in der Lage ſind, Frankreich mürbe zu
machen, daß ſie indeſſen die Franzoſen auf der Konferenz ſelbſt in
die Zange nehmen und zur Nachgiebigkeit bewegen wollen.

England verlegk nun ſeine Vermitklung aus den
Kabinekken in die Abrüſtungskonferenz ſelbſt
und ſtellt ſeine Taktik darauf ein, die wiederbeginnenden Verhand=
lungen
ſo zu führen, daß Beſchlüſſe zuſtandekommen, die das Prin=
zip
der deutſchen Gleichberechtigung anerkennen. Dadurch würde
auch die Tür für eine weitere Beteiligung Deutſchlands an der
Konferenz geöffnet. Es wird ſich jetzt zeigen müſſen, ob Frankreich
den Konflikt auf die Spitze treiben und auch die Verantwortung
für das Scheitern der Abrüſtungskonferenz ſelbſt auf ſich nehmen
will oder ob Frankreich noch andere Trümpfe im Spiel hat
etwa durch Konzeſſionen im Fernen Oſten , um ſich die Unter=
ſtützung
anderer Großmächte für die Ablehnung deutſcher Forde=
rungen
zu ſichern.
Herriofs Bedingungen.
Zu der Unterredung zwiſchen Herriot und Sir John Simon
wird von der News Chronicle ergänzend gemeldet, daß der
franzöſiſche Miniſterpräſident zwar grundſätzlich den Vorſchlag
einer Konferenz angenommen, daran aber verſchiedene Bedingun=
gen
geknüpft habe:
1. Er würde eine Konferenz in Genf einer Zuſammenkunft in
London vorziehen.
2. Er wünſche, daß die kleineren Staaten ihre Zuſtimmung zu
der Konferenz geben ſollen.
3. Die Konferenz dürfe keine Entſcheidungen trefſen, ſondern
ſolle ſich auf den Entwurf von Entſchließungen und die Vor=
bereitung
von Löſungsvorſchlägen beſchränken, die von der
Abrüſtungskonferenz zu ratifizieren wären.
4. Deutſchland ſolle vor Einberufung der Konferenz eine Ga=
rantie
abgeben, daß es von jetzt an loyal und ehrlich mit
der Abrüſtungskonferenz zuſammenarbeiten will.
Dem Pariſer Korreſpondenten der Daily Mail zufolge hat
Herriot erklärt, daß Frankreich niemals einer Löſung zuſtimmen
könne, die darauf hinauslaufe, Deutſchland die rechtliche Erlaub=
nis
zur Wiederbewaffnung zu geben, oder durch Herabſetzung der
franzöſiſchen Rüſtungen eine theoretiſche Gleichheit zwiſchen der
franzöſiſchen und deutſchen Landmacht ſchaffen würde.
Der heutige Miniſterrat, der unter dem Vorſitz des Präſiden=
ten
der Republik im Elyſée=Palaſt ſtattfand, befaßte ſich außer mit
außenpolitiſchen Fragen auch mit der Verteilung der Getreide=
ernte
1932. Ueber die außenpolitiſchen Fragen nahm Miniſter=
präſident
Herriot das Wort zu einem eingehenden Bericht über
die Genfer Völkerbundsverhandlungen und die jüngſten Ab=
rüſtungsbeſprechungen
. Die Haltung des Miniſterpräſidenten, der
eine Hinzuziehung der drei kleinen Mächte Belgien, Polen und
der Tſchechoſlowakei zu der geplanten Fünfmächte=Konferenz an=
regte
, fand die Zuſtimmung der Miniſter.
Nach dem Miniſterrat hatte Herriot eine längere Beſprechung
mit ſeinem nächſten Mitarbeiter, dem Generalſekretär im Außen=
miniſterium
, Philippe Berthelot, der, von ſeiner Krankheit ge=
neſen
, ſeit dem 1. Oktober ſeinen Dienſt wieder aufgenommen hat.
Der geſtrige Beſuch des engliſchen Außenminiſters Sir John
Simon bei Herriot und die engliſchen Verſuche eine Fünferkonfe=
renz
zuſtande zu bringen, bildeten den Gegenſtand dieſer Be=
ſprechung
mit Berthelot, der ein Spezialiſt für engliſche Fragen iſt.
Die Arbeiten des Völkerbundes.
Was inzwiſchen in Genf noch an Beratungen über Abrüſtungs=
fragen
vor ſich geht, iſt nicht ſehr erfreulich; es trat dies vor allem
in den Beratungen des Sonderausſchuſſes des Büros der Ab=
rüſtungskonferenz
zutage, der ſich mit der Berechnung der Heeres=
ſtärken
befaßt. Man ſucht in dieſem Ausſchuß die an und für ſich
ſchon dehnbar genug gefaßten amerikaniſchen Berechnungsgrund=
lagen
noch mehr zu entſtellen, ſo daß ſchließlich überhaupt keine
greifbaren Handhaben für die Berechnung jeglicher Heeresſtärke
übrigbleiben. So verlangte der jugoſlawiſche Vertreter u. a. die
Berückſichtigung der Traditionen und des Alters des betreffenden
Staates bei dieſer Berechnung; von anderer Seite wurden auch
der ehtiſche Charakter der Landesbevölkerung und ſeine Außen=
politik
als Faktoren bei der Berechnung der Heeresſtärke heran=
gezogen
. (!)
Die Ausſchußberatungen der Vollverſammlung, mit denen die
letzten Tage ausgefüllt waren, haben bemerkenswerte Ergebniſſe
nicht zutage gefördert. Dies gilt auch hinſichtlich der Mitarbeit
der Frauen am Völkerbundswerk und der internationalen Rege=
lung
der Staatszugehörigkeit der Frau, Fragen, die vom Huma=
nitären
Ausſchuß behandelt wurden.
Auf wirtſchaftlichem Gebiet wurde die bisherige faſt voll=
ſtändige
Ergehnislofigkeit der Völkerbunds=
arbeiten
den Delegierten von dem holländiſchen Wirtſchaftler
Coliin in einem Ausſchuß nachdrücklich in Erinnerung gerufen.
Coliin wies darauf hin, daß in den ſechs Jahren, in denen er
praktiſch an den wirtſchaftlichen Arbeiten des Völkerbundes be=
teiligt
geweſen ſei, noch keines der abgeſchloſſenen Abkommen
in Kraft getreten iſt. Auch das viel geprieſene Ergebnis von Lau=
ſanne
ſtelle praktiſch nichts anderes dar, als ein Regiſtrieren der
durch die Politik der früheren Jahre eingetretenen Kataſtrophe.
Ebenſo verhalte es ſich übrigens auch mit Ottawa. Aus der Be=
handlung
der Beſchlüſſe von Streſa im Europa=Ausſchuß gehe her=
vor
, daß man dieſen Beſchlüſſen ein Begräbnis erſter Klaſſe be=
reiten
wolle. So bleibe nichts übrig, als neuerdings auf die Welt=
wirtſchaftskonferenz
von London zu hoffen.

* Tſchechoflowakei
und deutſche Aufaftaug.
Die von Deutſchland beanſpruchte Gleichberechtigung im tſchechl=
ſchen
Urteil. Lächerliche Angſtpſychoſe, die gefährlich
werden kann.
Von unſerem =Korreſpondenten.
Prag, Anfang Oktober.
Die jüngſte Entwicklung in Deutſchland wird von der
tſchechiſchen Preſſe nicht weniger aufmerkſam und mit nicht ge=
ringerer
Beſorgnis verfolgt wie von der franzöſiſchen, und bei
den engen Beziehungen, die zwiſchen dem Prager Hradſchin und
dem Quai d’Orſay beſtehen, iſt es leicht verſtändlich, daß in der
Tſchechoſlowakei in der gleichen Weiſe Stellung gegen das an=
gebliche
deutſche Aufrüſtungsbeſtreben genommen wird wie in
Frankreich. Die gleiche Preſſe, die noch anläßlich des Sokol=
kongreſſes
ſehr heldiſch von ſlawiſchen Armeen geſprochen hat,
die im Nacken Deutſchlands marſchieren dieſe Armee ſoll
aus Polen, Südſlawen, Belgiern, Lauſitzer Wenden, ruſſiſchen
Emigranten und Tſchechen beſtehen, die zuſammen mit den
Franzoſen gegen die germaniſchen Heere Hitlers marſchieren
würden , ſie hat ſozuſagen über Nacht ihre Selbſtſicherheit
verloren und wittert plötzlich Gefahr. Sie macht ſich erhebliche
Sorgen darüber, was Deutſchland eigentlich vorhabe und wohin
die Entwicklung im Reiche treibe. Das Ergebnis dieſes Grübelns
ſieht, aus den Darlegungen im tſchechiſchen Blätterwald in
großen Zügen zuſammengefaßt, etwa ſo aus:
Die von Deutſchland beanſpruchte Gleichberechtigung hinſicht=
lich
der Rüſtung ſei nichts anderes als die ſchon längſt beabſich=
tigte
Aufrüſtung des Reiches, die auf die Errichtung des größten
europäiſchen Heeres hinauslaufe. An den Fingern laſſe es ſich
abzählen, daß dadurch die Friedensverträge illuforiſch würden,
und ebenſo gewiß wäre es, daß Deutſchland, wenn es einmal
über ein ſtarkes, ſchlagkräftiges Heer verfüge, die Rückgabe von
Gebieten fordern würde, die nach den Beſtimmungen der Frie=
densverträge
vom Reich abgelöſt worden ſind. Vor allem ſeien
dies große Teile jenes Bodens, der aus deutſchem Beſitz in
polniſches Eigentum übergeleitet worden iſt, dann würde das
Reich einen Teil des belgiſchen Gebietes, ganz Lothringen,
Luxemburg und einen beträchtlichen Teil des Elfaß zurückfordern.
Damit ſeien indeſſen die Wünſche des Reiches noch nicht erfülli,
denn es ſtrebe auch den Anſchluß Oeſterreichs an Deutſchland
an und den eines ſogenannten ſudetendeutſchen Bundesſtaates,
d. h. der von Deutſchen bewohnten Randgebiete der Tſchecho=
ſlowakei
. Gewiß liege dies noch in weiter Ferne, aber es ſei
heute ſchon notwendig und geboten, alle Möglichkeiten ins Auge
zu faſſen und rechtzeitig Vorſorge zu treffen, damit die heran=
wachſende
Gefahr entſprechend paraliſiert werden könne. Hieran
ſei die Tſchechoflowakei deshalb beſonders intereſſiert, weil ſie
von Deutſchland, Oeſterreich und Ungarn umklammert iſt; Prag
liege nicht weit von der Reichsgrenze entfernt, und bei der be=
kannten
Schlagfertigkeit der deutſchen Truppen beſtehe im Falle
eines Krieges (!) die Gefahr, daß deutſche Soldaten in wenigen
Stunden in Prag, der Hauptſtadt der iſolierten Tſchechoſlowakei,
einmarſchieren könnten. (Die tſchechiſche Preſſe führt in dieſem
Zuſammenhang als Beiſpiel den überraſchenden Einfall der
deutſchen Truppen auf belgiſches Gebiet bei Ausbruch des Welt=
krieges
an.)
Für weite Kreiſe der tſchechiſchen Bevölkerung beſteht, wenn
man den Darlegungen der Prager Preſſe Glauben ſchenken will,
kein Zweifel, daß die Kriegsbereitſchaft Deutſchlands eine
feſtſtehende Tatſache iſt und daß ſeit langem insgeheim im Reiche
die Rüſtung betrieben werde. Es iſt in dieſer Preſſe häufig die
Nede von der Schwarzen Reichswehr, die, als reichlich ge=
heimnisvolle
Formation der deutſchen Armee, beſondere Beſorg=
nis
hervorzurufen ſcheint. Gleichermaßen ſteht es für dieſe Preſſe
feſt, daß die deutſche Technik, die Luftfahrt, die Gas= und Artil=
lerietechnik
es in erſter Linie auf Prag abgeſehen hätte. Und
ſo ſchließt eines der beſorgten Blätter ſeine Darlegungen über
die drohende deutſche Angriffsgefahr mit dem Ausruf: Sollen
uns die deutſchen Tanks erdrücken?! kein Wunder, daß ange=
ſichts
dieſer faſt täglich wiederkehrenden Schauermären die
tſchechiſche Oeffentlichkeit in jener Nervoſität erhalten bleibt, die
den Unmut über die hohe ſteuerliche Belaſtung aus dem Titel
der ſogenannten Landesverteidigung in den Hintergrund drängt.
Solcherart bereitet dem tſchechiſchen Heeresminiſter die Durch=
ſetzung
ſeiner Forderungen im Staatshaushalte keine Schwierig=
keiten
, kann die Aufrüſtung der Tſchechoſlowakei in erheblichem
Ausmaße fortgeſetzt werden; als Vorbild dient immer wieder
Frankreich, das, wie eines der bekannteſten tſchechiſchen Hetz=
blätter
, die Narodni Liſty unlängſt betonte, ſehr wohl wiſſe,
daß im benachbarten Deutſchland ſich ſo manches ereigne, gegen
das man ſich mit einer ſtarken Armee von vornherein wehren
müſſe. Dieſem Blatte genügte die bisher von der Tſchecho=
ſlowakei
durchgeführten Rüſtungen, bzw. die für die Weiterauf=
rüſtung
vorgeſehenen Maßnahmen noch nicht, weshalb es ſich in
Klageliedern darüber ergeht, daß man in der Tſchechoſlowakei
viel zu wenig um die Erhaltung der ſtaatlichen Sicherheit be=
ſorgt
ſei. Aus der gleichen Einſtellung heraus hat auch der
Miniſter für Nationalverteidigung, Viskovſky, bei einer jüngſt
von einem Kavallerieregiment gemeinſam mit dem Sokol und
der bäuerlichen Reiterei durchgeführten Uebung der Meinung
Ausdruck verliehen, das tſchechiſche Volk dürfe ſich durch die
Schlagworte von der Abrüſtung nicht täuſchen laſſen, ſolange
auf der anderen Seite keine Garantien gegeben und Taten
vorhanden ſind. Er ſei überzeugt, daß man nicht lange
abrüſten werde und daß auf verſchiedenen Seiten das Beſtreben
herrſche, nur die anderen und nicht ſich ſelbſt abzurüſten. Deſſen
müſſe ſich die Tſchechoſlowakei heute bewußt ſein. Wohl auch
darum weiſt das ordentliche Budget des Verteidigungsmini=
ſteriums
im Jahre der Abrüſtungskonferenz einen. Aufwand von
1 309 500 000 Kronen auf, wozu für den ſogenannten Aufrüſtungs=
fonds
noch 350 000 000 Kronen kommen, ſo daß der Geſamtauf=
wand
für das tſchechoflowakiſche Heer nahezu zwei Milliarden
Kronen beträgt. In dieſem Zuſammenhang ſeien einer Aufſtellung
Friedrich Bills in einem Prager Blatte nachſtehende intereſſante
Detgils entnommen; im Jahre 1931 betrug der Aufwand für
Militärnaturalien 287 975 700 Kronen, für 1932 betragen ſie
276 048 200. Die Differenz beträgt demnach 11 927 500. Bei einem
15prozentigen Preisrückgang wurden daher für Naturalien etwa

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Seite 2 Nr. 278

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

31 Millionen Kronen mehr al sim Vorjahre ausgegeben. Für
Militärattaches ſind präliminiert 3 077 800 Kronen, u. a. für den
Attache in Wien 450 900, in Paris 471 400. Die franzöſiſche
Militärmiſſion bezieht 1 348300, die vom Dichtergeneral Medel
geleitete Denkmalabteilung 2 593 200, die Studienreiſen der
Offiziere ins Ausland koſten 1051 500, die Militärpferde koſten
in dieſem Jahre 93 724 700, verſchoſſen werden bei Uebungen
76515 600 und das Pauſchal für Druckſorten und Dienſtvor=
ſchriften
beträgt 31 763 100 Kronen . . ."
Wenn bei ſolchen Rieſenſummen die Preſſe eines Landes,
das im Verhältnis zu ſeiner Größe (die Tſchechoſlowakei har
einen Bevölkerungsſtand von 13 Millionen Menſchen, darunter
dreieinhalb Millionen deutſche Einwohner), ſo phantaſtiſchen
Ausbau ſeiner militäriſchen Kräfte betreibt, ſich in dauernden
Angriffen gegen die Errichtung einer Verteidigungsformation im
benachbarten Deutſchen Reiche mit ſeinem Sechzigmillionenvolke
ergeht, ſo bedarf es keiner langatmigen Darlegungen, um die
Oeffentlichkeit die Wahrheit erkennen zu laſſen: dem Reiche wird
als Verbrechen, als Verſtoß gegen den Frieden und als Drohung
ausgelegt, was die Siegerſtaaten und ihre Anhängſel als ſelbſt=
verſtändliches
Recht für ſich in Anſpruch nehmen. Daß die
deutſchen Tanks, die den Frieden Europas in ſo verdammens=
werter
Weiſe bedrohen, Papp=Atrappen ſind, ficht die
Wächter an den Grenzen nicht an: das ſie erfüllende Mißtrauen
treibt die ſonderbarſten Blüten, und deswegen wird jede Fahnen=
parade
in Deutſchland, jedes Atrappen=Manöver weiterhin im
Mittelpunkt jener Betrachtungen der tſchechiſchen Preſſe ſtehen,
die darauf hinauslaufen, mit warnend erhobener Stimme der
Oeffentlichkeit und den Staatsmännern die Gefahren vor Augen
zu führen, denen die Tſchechoflowakei damit nahegebracht werden
könnte . .
Ob Wahnſinn oder Berechnung: dieſe ſtändige Aufputſchung
der Gemüter muß ſich jedenfalls eines Tages in gefährlichſter
Weiſe auswirken, und ſchon darum ſollten die geifernden Läſter=
mäuker
an der Moldau im geſamteuropäiſchen Intereſſe möglichſt
gründlich geſtopft werden!

Hoover im Wahlkampf.
Amerikas Präfidenk forderk Schukzölle und
Skenererleichterungen.
New York, 4. Oktober.
Präſident Hoover hielt am Dienstag in Des Moines im
Staate Jowa ſeine erſte Wahlrede. Dabei enthüllte er zum erſten
Male die Gefahren, in denen in den letzten Monaten der Dollar
war. Er erklärte, daß der Finanzminiſter ihn im Juli dahin
unterrichtet habe, daß bei gleichbleibender Nachfrage nur noch für
zwei Wochen Gold vorhanden ſei. Dank der unternommenen
Schritte ſei die Inflationsgefahr aber abgewendet worden. Die
Erfahrung lehre, daß eine einmal begonnene Inflation unauf=
haltſam
fortgehe. Jetzt ſei die Wirtſchaftsſchlacht gewonnen und
die Weltwirtſchaft in der Beſſerung begriffen.
Präſident Hoover entwickelte dann ſein Programm zur
Löſung des Kriegsſchuldenproblems. Alle Jahres=
zahlungen
aus dieſem Titel ſollten dazu verwandt werden, um die
Ausbreitung der ausländiſchen Abſatzmärkte für amerikaniſche
landwirtſchaftliche Produkte zu ſichern. Ich billige eine Annul=
lierung
dieſer Schulden nicht betonte Hoover , und vor allem
billige ich den Vorſchlag meiner Gegner nicht, den Zolltarif herab=
zuſetzen
, weil dann die Ueberſchwemmung unſeres Marktes durch
Auslandswaren unſere Arbeiter brotlos machen würde und un=
ſere
Farmer gezwungen wären, ihre Erzeugniſſe in den Scheunen
verfaulen zu laſſen. Die wirkliche Baſis für die Sicherheit
der amerikaniſchen Landwirtſchaft iſt ein Schutz=
zolltarif
für landwirtſchaftliche Erzeugniſſe.
Wo es zum Schutz der Landwirtſchaft nötig ſein ſollte, werden wir
dieſen Tarif ausdehnen.

Engliſch=iriſche Konferenz vereinbark.

Vorlänfig kein neuer Generalgouvernenr.
London, 5. Oktober.
In den heutigen Beſprechungen mit de Valera wurde beſchloſ=
ſen
, Verhandlungen zwiſchen den beiden Ländern, wenn möglich,
in London am 14. Oktober über die Landannuitäten und die ande=
ren
Finanzfragen zu eröffnen.
Wie aus Dublin gemeldet wird, übt der Präſident des Ober=
ſten
Gerichtshofes Kenedy gegenwärtig das Amt des General=
gouverneurs
aus. An zuſtändiger Stelle wird erklärt, die Regie=
rung
beabſichtige, die beiden Aemter für die Dauer zu ver=
ſchmelzen
.

Vom Tage.
In dem Prozeß gegen die Angriff=Redakteure Dr. Lippert
und Krauſe wegen Beleidigung des ehemaligen Polizeivizepräſi=
denten
Dr. Weiß und des ehemaligen Polizeipräſidenten Grzeſinski
verurteilte die 5. Große Strafkammer beim Berliner Landgericht I
Dr. Lippert wegen übler Nachrede und Beleidigung auf Grund
der ſtrafverſchärfenden Ehrenſchutzbeſtimmungen der Notverord=
nung
des Reichspräſidenten vom 8. Dezember 1931 zu 3 Monaten
Gefängnis und den Redakteur Krauſe zu 5 Monaten Gefängnis.
Den Beleidigten, ehemaligen Polizeivizepräſidenten Dr. Weiß und
ehemaligen Polizeipräſidenten Grzeſinski, wurde die Publikations=
befugnis
des Urteils im Angriff, ſowie vier weiteren Berliner
Tageszeitungen zugeſprochen.
Drei Breslauer Reichsbannerleute wurden wie die Bres=
lauer
Polizei meldet am Dienstagabend von mehreren Perſonen
unter dem Ruf Freiheit angegriffen. Ein Reichsbannermann
erhielt vier Meſſerſtiche in den Rücken. Die Täter entkamen un=
erkannt
. Einige Zeit ſpäter meldete ſich auf der Wache am Haupt=
bahnhof
ein Mann und gab an, unter dem Rufe Freiheit von
mehreren unbekannten Perſonen überfallen worden zu ſein. Er
hat mehrere ſchwere Meſferſtiche erhalten.
An der Univerſität Marburg haben ſich die nationalen Stu=
denten
zu einer überparteilichen Hindenburggruppe zuſammen
geſchloſſen. Es iſt zu hoffen, daß damit den vielen Zerſplitterun
gen im nationalen Lager auch unter der Studentenſchaft ein Ende
bereitet wird.
In der Aula der Techniſchen Hochſchule in Danzig=Langfuhr
wurde der von allen deutſchen Univerſitäten und Hochſchulen ſtark
beſchickte 7. Deutſche Hochſchultag eröffnet. Der Rektor der Dan=
ziger
Techniſchen Hochſchule, Profeſſor Dr. Otto Heuſer, begrüßte
die Erſchienenen.
Der deutſche Geſandte in Genf, Graf Lerchenfeld, hatte mit
dem belgiſchen Miniſterpräſidenten Renkin eine Beſprechung, die
die Krefelder Tagung und die Frage Eupen=Malmedy zum Gegen=
ſtand
hatte. Die Beſprechung dauerte eine halbe Stunde.
Im Oſten Londons kam es zu Arbeitsloſendemonſtrationen, die
zeitweiſe einen bedrohlichen Charakter annahmen. Mehr als 10 000
Arbeitsloſe darunter viele Frauen, umlagerten das Rathaus. Die
Gemeinderäte mußten von der Polizei durch die Hintertür nach
Hauſe geleitet werden. Polizei zu Fuß und zu Pferde ging wieder=
holt
mit Gummiknüppeln gegen die Menge.
Der Führer der braſilianiſchen Aufſtädiſchen. General Bert=
hold
Klinger, iſt verhaftet worden. Er traf unter militäriſcher Be=
wachung
in Rio de Janeiro ein, wo er ſofort ins Gefängnis ge=
bracht
wurde. Er wird vorausſichtlich vor ein Kriegsgericht geſtellt
werden.

Die Schlichkerbeſprechung.
Dem Reichsarbeitsminiſter berichteten am Mittwoch die
Schlichter über ihre Erfahrungen bei der Durchführung der Ver=
ordnung
zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegen=
heit
. Die allgemeine Meinung war, daß die ſtellenweiſe ſich er=
gebenden
Schwierigkeiten, die übrigens in der Oeffentlichkeit
üibertrieben wurden, keinen Anlaß geben, an der Verordnung
oder an den Weiſungen, die bisher den Schlichtern erteilt wor=
den
ſind, etwas zu ändern.
Da jetzt die Anwartſchaft auf die Beſchäftigungsprämie
wirkſam geworden iſt, rechnen die Schlichter mit zahlreichen Neu=
einſtellungen
von Arbeitern für die nächſte Zeit.

Weitere Arbeikereinſtellungen.
Die Rundfunkfabrik Lorenz AG. hat beſchloſſen,
800 Arbeiter einzuſtellen.
Die Deſſauer Zuckerraffinerie wird in der näch=
ſten
Woche 600 Arbeiter neu einſtellen.
Die Düſſeldorfer Hüttengeſellſchaft hat Reichs=
bahnaufträge
erhalten und wird vom 10. Oktober ab zunächſt 50
Arbeiter für mehrere Monate beſchäftigen.
Die Holzwarenfabrik Biſchof in Coswig hat in
den beiden vergangenen Wochen 175 Mann neu eingeſtellt.
Das Magdeburger Werk der Annaberg Stein=
gutfabrik
hat die Belegſchaft um 30 Prozent erhöht.
Die Textilinduſtrie Bleichroda im Harz nimmt
Einſtellungen vor. Da es an Fachkräften mangelt, werden dieſe
aus Thüringen und Schleſien herbeigeholt.
Die Mitteldeutſche Flaſchenfabrik Lebendorf
bei Halle will die Belegſchaft um 20 Prozent hinaufſetzen.
Die volksparkeiliche Kandidakenliſte für Heſſen.
Der Landesausſchuß der Deutſchen Volkspartei des Wahl=
kreiſes
Heſſen=Darmſtadt trat am Mittwoch in Frankfurt zu
einer Sitzung zuſammen und ſtellte für die Reichstagswahl fol=
genden
Wahlvorſchlag auf: 1. Rechtsanwalt Dingeldey=Berlin,
2. Bürgermeiſter Dr. Niepoth=Schlitz, 3. Lehrerin i. R. Frl. Birn=
baum
=Gießen, 4. Metzgermeiſter Becker=Offenbach, 5. Landwirt
Pfeiffer=Schwabenheim (Rheinh.), 6. Fabrikant Heyne, Regie=
rungsrat
a. D., Offenbach, 7. Polizeiverwaltungsſekretär Ahl=
Darmſtadt, 8. Städtiſcher Angeſtellter Heuſohn=Darmſtadt.

* Maxim Gorki.
Von Oſſip Dymow.
In dieſen Tagen wird Maxim Gorki in Rußland
geehrt wie kaum jemals vor ihm ein Schriftſteller
geehrt wurde. Er feiert das Jubiläum ſeiner 40 jäh=
rigen
Schriftſtellertätigkeit.
Es iſt allgemein wenig bekannt, daß Gorki in ſeiner Jugend
verſucht hat, Sänger zu werden. Zuſammen mit ſeinem Freunde,
der wie auch er ein armer Sohn ſeines Volkes war, ging er zu
dem Direktor einer Provinzoper und bat, geprüft zu werden.
Gorkis Leiſtung befriedigte und er wurde für den Chor ange=
nommen
. Sein Freund aber wurde abgewieſen: Keine Stimme,
kein muſikaliſches Gehör hoffnungslos.
Dieſer Freund war Schaljapin.
Gorki ſchon ein berühmter und beliebter Schriftſteller
beſuchte zuſammen mit Tſchechoff das Kunſt=Theater in Moskau.
Während der Pauſe begaben ſich beide an das Büfett und beſtell=
ten
Tee. Sie wurden erkannt und ſofort bildete ſich um ſie herum
eine vielköpfige Gruppe, welche hauptſächlich aus Studenten und
Studentinnen beſtand. Immer zahlreicher wurde die Menge, im=
mer
näher drängten ſich die jungen Leute. Gorki wurde böſe. Er
ſtand auf und ſchnaubte die Neugierigen an:
Was wollt Ihr von uns? Iſt Tſchechoff oder ich eine Ballett=
Tänzerin? Oder vielleicht ein toter Körper?
Jahrelang konnte man Gorki dieſen zornigen Ausbruch nicht
vergeſſen.
Der junge Dichter wurde einmal von ſeinen Kollegen auf
einer Art von Bankett gefeiert. Viele prominente und gut be=
kannte
Schriftſteller waren anweſend, die begeiſterte und feierliche
Reden zu Ehren Gorkis hielten. Dann kam die Reihe an ihn. zu
antworten. Er ſagte:
Ich begreife nicht, weshalb Ihr mich ſo lobt und als Schrift=
ſteller
feiert. Vielleicht deshalb weil das Sprichwort ſagt:
Wenn es keine Fiſche gibt, iſt der Krebs auch ein Fiſch ..."
Nach dem Tode Tſchechoffs blieb das Moskauer Kunſttheater
ſozuſagen ohne Leibdramatiker. Der Direktor des Hauſes Nemiro=
witſch
=Dantſchenko, welcher ſeinerzeit Tſchechoff verführt hatte,
begann dasſelbe bei Gorki zu verſuchen. Eine Zeitlang wollte der
Dichter nichts von der Bühne wiſſen. Der Direktor aber ſetzte ſeine
Quälereien fort, bis endlich Gorki das Nachtaſyl geſchrieben hat.
Ich entſinne mich der Premiere von Gorkis Kinder der
Sonne‟. Es war in Petersburg im Theater der bekannten Schau=

ſpielerin Komiſſarſchewſkaja, der ruſſiſchen Bergner. Damals war
ſchon der Bruch zwiſchen dem Dichter und der ruſſiſchen Intelligenz
ziemlich weit vorgetrieben. In einer Loge ſaß der Schriftſteller
Mereſchkowſky mit ſeiner Gattin. Dieſer pfiff dem Verfaſſer, als
er ſich auf der Bühne zeigte, demonſtrativ ins Geſicht. Gorki
kreuzte die Arme über der Bruſt und ſtand unbeweglich.

h4
* Der Himmelsphokograpy
Zum Tode des berühmten Aſtronomen Max Wolf,
Heidelberg.
(Der Entdecker von 100 Sternen. Der Begründer der Himmels=
photographie
. Wie man den Himmel photographiert. Die
Aſtronomiſche Welt=Zentrale‟.)
Der berühmte Heidelberger Aſtronom Profeſſor Max Wolf,
der jetzt im 71. Lebensjahre geſtorben iſt, iſt als der eigentliche
Begründer der Himmelsphotographie anzuſehen. Er war der
größte Meiſter auf dieſem Gebiete und hat mit Hilfe der licht
empfindlichen Platte mehr als 100 große und kleine Sterne ent=
deckt
. Beſonders die ſogenannten Planetoiden, die kleinen Sterne.
die hauptſächlich zwiſchen den beiden Planeten Mars und Ju=
piter
ſich bewegen, ſind erſt durch ſeine Arbeiten in ungeheuren
Mengen feſtgeſtellt worden. Max Wolf hat ſich nicht auf das
Fernrohr verlaſſen, um hier und da einmal einen Stern durch Zu=
fall
zu entdecken, ſondern er hat die photographiſche Platte zur
Hilfe genommen, die viel empfindlicher iſt als das menſchliche Auge
und darum auch mit viel größerer Sicherheit ſelbſt die kleinſten
Objekte feſthält. Schon por Wolf wurde die Sternphotographie in
kleinem Maßſtabe betrieben. Aber er hat ſie gewiſſermaßen orga=
niſiert
und ſyſtematiſiert, ſo daß er mit Recht als der Vater der
Sternphotographie angeſehen wird. Derartige photographiſche
Aufnahmen dauern viele Stunden lang. Die photographiſche
Platte wird beauftragt, die Vorgänge am Himmel zu beobachten
und feſtzuhalten. Die Planeten oder Wandelſterne machen ſich als
kleine Striche auf der Platte bemerkbar, da ſie ſich während der
Zeit der photographiſchen Aufnahme, die viele Stunden dauert
von ihrem Platz wegbewegen. Die Entdeckung des 9. großen Pla=
neten
im März des Jahres 1930 war die Krönung dieſer Stern=
photographie
, die neben Max Wolf auch von dem Amerikaner
Lowell, dem Begründer des Lowell=Obſervatoriums, mit großer
Kunſtfertigkeit gehandhabt wurde. So wurde der 9. Planet mit
Hilfe einer ſehr empfindlichen photographiſchen Platte und den
hervorragenden Apparaten des Lowell=Obſervatoriums entdeckt.
Max Wolf hatte derartige hervorragende Apparate nicht zur Ver=
fügung
. Um ſo bemerkenswerter iſt es, daß es ihm trotzdem ge=
lang
, mehr als 100 Himmelsobjekte zu entdecken. Es wird inter=
eſſieren
, zu erfahren, wie derartige Entdeckungen im Weltenall der
Wiſſenſchaft zugängig gemacht werden. Zu dieſem Zwecke gibt es

Donnerstag, 6. Ofrober 1932

der Landgemeinden.

Berlin, 5. Oktober.
Der Geſamtvorſtand des Verbandes der Preußiſchen Land=
gemeinden
trat im Reichswirtſchaftsrat in Berlin zu einer
Tagung zuſammen, in deren Mittelpunkt das Arbeitsbeſchaffungs=
programm
und die preußiſche Verwaltungsreform ſtanden. Nach
einem Referat des Präſidenten, Landrat a. D. Dr. Gereke=Preſſel,
und nach einer lebhaften Ausſprache, in der von allen Seiten auf
die durch die ſteigenden Wohlfahrtslaſten unhaltbare finanzielle
Lage der Gemeinden hingewieſen wurde, faßte der Vorſtand eine
Entſchließung zur Arbeitsbeſchaffung, in der es u. a. heißt, der
Hauptvorſtand des Verbandes der Preußiſchen Landgemeinden
ſtelle ſich erneut hinter das in der Oeffentlichkeit bekannte Ar=
beitsbeſchaffungsprogramm
der Landgemeinden.
Auch im Intereſſe der notleidenden Landwirtſchaft, dem
Hauptſteuerträger in den Agrargemeinden, müſſe durch ein um=
faſſendes
und durchdachtes Arbeitsbeſchaffungsprogramm die
Kaufkraft wieder geſteigert werden.
Die Reichswohlfahrtshilfe müſſe der ſteigenden Zahl der Er=
werbsloſen
angepaßt werden. Entgegen dem Sinne der Vor=
ſchriften
der Reichswohlfahrtshilfe vom 14. Juni ſeien kreisange=
hörige
Gemeinden nicht an der Reichswohlfahrtshilfe unmittelbar
beteiligt worden. Dies ſei beſchleunigt nachzuholen.
Weiterhin nahm der Vorſtand in einer Entſchließung zur
preußiſchen Verwaltungsreform Stellung, die beſagt, daß die
Landgemeinden gegen die von der kommiſſariſchen preußiſchen
Staatsregierung eingeleiteten Maßnahmen einer Verwaltungs=
reform
erneut Verwahrung einlegen müſſen, da ſie auf die Be=
lange
der ländlichen Selbſtverwaltung und der Landbevölkerung
keine Rückſicht nahmen. Die Landgemeinden und ihre Bevölke=
rung
erwarteten, daß ſie endlich als gleichberechtigt mit den
Städten anerkannt würden.
Schließlich wurde in einem Beſchluß betont, daß durch einen
Urantrag im Preußiſchen Landtag der bereits 1927 von allen
ländlichen Organiſationen einmütig abgelehnte Plan der Heran=
ziehung
des flachen Landes zu Gaſtſchulbeiträgen für die ſtädti=
ſchen
höheren Schulen wieder aufgegriffen worden ſei. Die An=
nahme
dieſes Planes würde eine neue Belaſtung der Landgemein=
den
bedeuten.

Von unſerer Berliner Schriftleitung.
In Berlin gehen wieder einmal Gerüchte um, daß der Reichs=
wirtſchaftsminiſter
Dr. Warmbold ſich mit Rücktrittsabſichten trage.
Eine Beſtätigung haben wir nicht erhalten können, halten die
Meldung auch ſachlich für unrichtig. Es iſt bekannt und des öfteren
mitgeteilt worden, daß Herr Warmbold eine Durchſetzung ſeiner
Forderungen durch die Drohung mit ſeinem Rücktritt zu erreichen
verſuchte. Diesmal liegen die Dinge doch etwas anders. Es iſt ja
ein öffentliches Geheimnis, daß zwiſchen dem
Ernährungsminiſter und dem Wirtſchaftsmi=
niſter
ſtarke Gegenſätze beſtehen. Herr Warmbold hat
befürchtet, daß die Kontingentsforderungen der Landwirtſchaft, die
Herr von Braun vertrat, die Verſuche zur Ankurbelung der Wirt=
ſchaft
im Keim erſticken könnten, und er hat ſich den agrariſchen
Wünſchen widerſetzt, ſo daß vorübergehend die Gefahr eines Rück=
tritts
des Ernährungsminiſters nahelag.
Auch nach der Münchener Rede des Ernährungsminiſters be=
ſtanden
die Gegenſätze weiter. Es hat ſich herausgeſtellt, daß feſte
Beſchlüſſe über die Höhe der Kontingente für
eine Reihe von landwirtſchaftlichen Verede=
lungsprodukten
noch nicht vorliegen, den deutſchen
Unterhändlern vielmehr nur Richtlinien mit beſtimmten Annähe=
rungswerten
mit auf den Weg gegeben worden ſind. Die end=
gültigen
Beſchlüſſe des Kabinetts ſollen erſt erfol=
gen
, wenn die Unterhändler von ihrer europäi=
ſchen
Rundreiſe zurückgekehrt ſind. Die Schwierig=
keiten
, die jetzt mit Italien und Holland entſtanden ſind, zeigen
deutlich, welche Gefahrenpunkte hier verborgen liegen. Die Land=
wirtſchaft
drängt begreiflicherweiſe darauf, daß die internationalen
Verhandlungen innerhalb der nächſten Wochen beendet werden, ſo
daß die Kontingente Mitte Oktober um eine Voreindeckung un=
möglich
zu machen wahrſcheinlich mit rückwirkender Kraft ab
1. Oktober in Kraft geſetzt werden. Ob wir aber mit den übrigen
Staaten ſo raſch einig werden, iſt einſtweilen noch eine offene
Frage, und ſolange bleiben auch die Gegenſätze im Kabinett noch
unausgetragen, und ſolange beſteht immer noch die Möglichkeit,
daß die Entwicklung zum Rücktritt des Wirtſchaftsminiſters oder
des Ernährungsminiſters führt.

in Kiel eine Aſtronomiſche Welt=Zentrale, wo alle derartigen
Nachrichten geſammelt werden. Nicht immer ſind die Entdeckungen
einwandfrei. Sie müſſen erſt nachgeprüft werden. Sehr wichtige
Aufgaben hat die aſtronomiſche Zentralſtelle in Kiel, der infolge
internationaler Vereinbarungen alle Mitteilungen über wichtige
aſtronomiſche Entdeckungen gemacht werden, woraufhin ſie ſie den
Sternwarten weitergibt. Es herrſcht alſo auch in dieſem wünder=
baren
Getriebe der Himmelserforſchung Ordnung, und das iſt not=
wendig
, damit nicht viele Arbeiten unnütz von mehreren Seiten
aus getan werden. Einer der bedeutſamſten Organiſatoren in die=
ſer
Beziehung war der vorſtorbene deutſche Aſtronom, deſſen Tod
der aſtronomiſchen Wiſſenſchaft einen großen Verluſt bedeutet.

* Moſella. Das Moſellied des Auſonius. Ueberſetzt und erklärt
von Walter John. Verlag der Paulinusdruckerei, G.m.b.H.,
Trier.
Ohne Zweifel gehört das Moſellied des lateiniſchen Dichters
Auſonius zu einem der intereſſanteſten Dokumente der Kultur=
geſchichte
. Es gehörte aber bis jetzt für den Nichtfachmann auch
u eines der unzugänglichſten. Das iſt zu verſtehen bei ſeiner
Schwierigkeit und bei der Menge der Kenntniſſe, die zu ſeinem
Verſtändnis notwendig ſind. Und ſchließlich, Auſonius gehört nicht
zu den lateiniſchen Autoren, deren Sprache für muſterhaft gilt:
wenn auch in ſeiner dekadenten, ſpätlateiniſchen Sprache hinter
den Barbarismen für den Begeiſterten verborgene Schönheiten
blühen. Daß vor 1500 Jahren ein Römer, in Gallien im heuti=
gen
Bordeaux geboren, ſeeliſch entwurzelt und zwiſchen über
lebten und aufbrechenden geiſtigen Einflüſſen, unſicher und ſkep=
tiſch
geworden, doch zu einer großen politiſchen Laufbahn berufen,
dem Zauber des Moſellandes unterliegt und es in vielen Hexa=
metern
verherrlicht, hat etwas unſagbar Rührendes an ſich. Schon
damals übte das herrliche Moſelland auf jeden eine unbezwing=
bare
Anziehungskraft aus, und ſeine Rolle hat ſich in den vielen
Jahrhunderten nur wenig geändert. So ſonderbar es klingt, das
Verſtändnis der damaligen Zeit gehört zu dem der heutigen, die
wir durchleben. Es war eine Wendezeit, als das innerlich morſch
römiſche Weltreich unter den unbezähmbaren Wellenſchlägen des
germaniſchen Anſturms zuſammenbrach und die erſten Konturer
des ſpäteren heiligen römiſchen Reichs deutſcher Nation unſichtbat
und untaſtbar, doch für den Ahnenden fühlbar, entſtanden. Wie
das Germanentum den von Rom geſchaffenen Rahmen ausfülli
und umgeſtaltet, bevor er von ihm zerbrochen und neugeſchaffen
wird, wie das noch rein äußerliche Chriſtentum ſich mit dem Geiſt
des Antiken vermiſcht, das iſt der geſchichtliche Hintergrund, deſſen
Verſtändnis für die Beurteilung der Moſella des Auſonius notig
iſt. Und darin beſteht das unſchätzbare Verdienſt Walter Johns.
daß er nicht nur das ſchwierige Gedicht glänzend überſetzte und
ein großes Wiſſensmaterial zuſammentrug und vermehrte, ſondern
Sein
uns auf unterhaltende Weiſe in jenes Zeitalter einführt.
Buch iſt für jeden Gebildeten anregend, blitzartig gewährt es Ein
blicke im Sinne modernſten Geſchehens, die ſcheinbare Sprödigkeit
des Stoffes iſt glänzend überwunden. Für den für Heimatkunde
Begeiſterten wird das Buch, auch wegen ſeiner ſchönen Ausſtau
d. p.
tung, ein willkommenes Geſchenk ſein.

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[ ][  ][ ]

Donnerstag, 6. Oktober 1932

Ein Luftfahrk= Skandal in Paris.
Franzöſiſche Verdächkigungen gegen die
Deutſche Lufthanſa. Gefälſchte Dokumenke.
Ein Skandal, mit politiſchem und internationalem Hinter=
grund
, der die größten Ausmaße anzunehmen verſpricht, iſt gegen=
wärtig
Pariſer Stadtgeſpräch. Im Mittelpunkt dieſer Angele=
genheit
ſteht die vor längerer Zeit zuſammengebrochene und gegen=
wärtig
in gerichtlicher Liquidierung befindliche größte franzö=
ſiſche
Luftfahrtgeſellſchaft, die Aéropoſtale, die den für das fran=
zöſiſche
Anſehen ſo wichtigen Flugdienſt nach Südamerika ver=
ſieht
; ferner der Verwaltungsratsvorſitzende der großen franzöſi=
ſchen
Motorenfabrik Gnöme et Rhöne und der franzöſiſchen Luft=
fahrtgeſellſchaft
C. J. D. N. A., Paul Louis Weiller; dann der
Direktor der Zivilluftfahrt im Luftfahrtminiſterium, Emmanuel
Chaumié, und die Deutſche Lufthanſa.
Vor einigen Monaten reichte man ſich in gewiſſen, ſehr hoch=
geſtellten
Kreiſen Dokumente von Hand zu Hand, die aber von
jedem, der ſie nur einigermaßen ernſt zu prüfen begann, als
äußerſt verdächtig, wenn nicht direkt als plumpe Fälſchungen er=
kannt
wurden. Dieſe Dokumente ſuchten zu beweiſen, daß die
Firma Gnöme et Rhöne von der Lufthanſa wieder flott gemacht
wurde und daß die Lufthanſa entſcheidenden Einfluß auf dieſe
Geſellſchaft gewann, ferner, daß die C. J. D. N. A. zuſammen
mit der Lufthanſa mit vornehmlich deutſchem Kapital ein Kon=
kurrenzunkernehmen
auf der ſüdamerikaniſchen Linie gründen
wollte. Direktor Chaumié ſei beſtochen worden man zeigte
ſich ſogar eine angebliche Quittung in Höhe von 250 000 Fran=
ken
herum , um dieſes Unternehmen kraft ſeiner maßgebenden
Stellung im Luftfahrtminiſterium zu begünſtigen. Die Doku=
mente
wurden Zeitungen angeboten; Tardieu bekam ſie bereits
zu Zeiten ſeiner Miniſterpräſidentſchaft zu leſen; auch Herriot
flogen ſie auf den Schreibtiſch. Denn, das iſt das Myſteriöſe an
der Geſchichte, niemand will wiſſen, woher ſie eigentlich ſtam=
men
, auch André Bouilloux=Lafont, der Direktor der Aéropoſtale
und Sohn, des Aufſichtsratsvorſitzenden derſelben Geſellſchaft, er=
hielt
ſie, wie er angab, aus unbekannten Händen. Kurz, die
Dokumente waren da, gaben zu Verdächtigungen, Schwätzereien,
Hiſtörchen und Denunziationen Anlaß; die Regierung, die in=
direkt
durch die Anklage gegen einen hohen Funktionär getrof=
ſen
wurde, ließ 11 von den 13 Dokumenten durch Schriftſach=
verſtändige
prüfen; das 12. und 13. Dokument waren ſofort als
Fälſchung erkannt worden. Aber auch bei den 11 anderen
Schriftſtücken ſchienen kaum Zweifel ihrer Unechtheit zu beſtehen.
Kurz, die Regierung warnte vor ungefähr 14 Tagen öffentlich
nor dieſen Dokumenten und erhob gleichzeitig gegen Unbekannt
wegen Urkundenfälſchung und Verwendung dieſer Fälſchungen
Klage. Nach langem Ueberlegen hat der Direktor der Aéro=
joſtale
den unter ſolchen Umſtänden ſehr gewagten Schritt unter=
tommen
, gegen die Herren Chaumié und Weiller Klage wegen
Beſtechung und Mitſchuld zu erheben.
Bei einigen der Dokumente, auf die Bouilloux=Lafont ſeine
Tnklage gründet, ſpringt die Fälſchung geradezu in die Augen.
So ſind zum Beiſpiel die über die Gründung der neuen Konkurrenz=
ſerma
angeblich ausgetauſchten Dokumente zwiſchen der Luft=
lanſa
und der C. J. D.N.A. im Namen der deutſchen Geſellſchaft
von einem Herrn Dr. Bohn und einem Kommerzienrat Wirth
umterzeichnet. Bei der Lufthanſa gibt es Herren dieſer Namen nicht.
Lußerdem ſoll die Lufthanſa 100 Aktien ihrer Geſellſchaft Direk=
tor
Chaumié als Beſtechungsgeld gegeben haben, der ſie wiederum
am die Gnöme et Rhöne für etwa 250 000 Franken verkauft haben
ſell. Die Aktien tragen die Nummern 275 341 bis 275 370 und
3n 4 601 bis 314 670. Nun hat die Lufthanſa ein Kapital von
25 Millionen RM., aufgeteilt in 1000=Mark=Aktien, die von 1
Ins 25 000 numeriert und ſämtlich in Händen der Regierung, kom=
rrunaler
Behörden und anderer öffentlicher Körperſchaften ſind.
Ein Verkauf von Aktien an Private wäre ohne Zuſtimmung des
Berwaltungsrats nicht möglich. Außerdem bedeutet der Beſitz ſol=
oger
Aktien keinen finanziellen Vorteil, denn die Lufthanſa hat
hiis jetzt keine Dividende verteilt. Ein anderes Dokument ſoll be=
roeiſen
, daß Gnöme et Rhöne ein Konto auf der Deutſchen Bank
nterhalten. Die Firma dementiert dies ganz energiſch. Die
DDeutſche Bank und Diskonto=Geſellſchaft übrigens ebenfalls. In
täeſen angeblichen Dokumenten, von denen das eine das Datum
dees 6. April 1931 und das andere des 5. April 1932 trägt, ſoll der
Töeweis erbracht ſein, daß Paul Louis Weiller, der Direktor von
(endme et Rhöne, 45 Millionen Franken als Anleihe unentgeltlich
von der Lufthanſa erhielt. Am 6. April 1931 befand ſich Weiller
j=doch in der franzöſiſchen Geſandtſchaft in Belgrad, konnte alſo
rächt gleichzeitig in Berlin ein Dokument unterzeichnen, und am
April 1932 in Cannes. Auf einem angeblichen Schriftſtück der
Brank Arnus findet man den Namen eines Monſieur Borgeaud,
der auf dieſer Bank unbekannt iſt. Die Schriftzüge des Direktors
Weiller ſind übrigens zum Teil ſehr grob nachgemacht worden. Ein
Deil der Geldtransaktionen ſoll über die holländiſche De Bank

* Heſſiſches Landeskheaker.
Kleines Haus. Mittwoch, 5. Oktober.
Geld ohne Arbeit.
Komödie von Colantuoni=Stemmle.
Ein tolles vierblättriges Neffen=Kleeblatt:
Hermann Gallinger: der ſtändig explodierende
Italiano, im bürgerlichen Leben Reiſender für Waſſerſpülungen.
2. Paul Maletzki: der trockene Beamte, früherer Büro=
vorſteher
mit dem Zwicker an der Schnur, ausgezeichnet in der
Nomik ſeines Mienenſpiels.
Hans Baumeiſter, der blöde Bauerntölpel, und
iSsließlich
4. Joſef Keim, der burſchikos laute Leutnant von der
ei emaligen Front.
Dieſes heitere Neffen=Quartett iſt es, das den Tanz um das
goldene Kalb, in dieſem Falle um das Lotterie=Los des
verſtorbenen Onkels, aufführt!
Ein ſchnurriger Onkel!. Er hatte das Loos in der Mailänder
Wohlfahrtslotterie gekauft. Auf das Los fiel drei Tage vor
ſtänem Tode der Haupttreffer mit einer Million. Er verriet
den Neffen wohl die Exiſtenz des Loſes, aber nicht den Ort,
uw es ſich befand! So ſetzte nach ſeinem Tode ein toller Wett=
laruf
nach dem Geld ohne Arbeit ein. Drei Aufzüge hindurch
nwirde nach dem Los geſucht. Bei Tag und Nacht. Das Haus
anf den Kopf geſtellt, das Grab aufgeſchaufelt. Bis, ja bis,
dech die Löſung ſei nicht verraten, um den künftigen Beſuchern
nicht die Spannung zu nehmen!
Denn das iſt ſchließlich die einzige Spannung, die die
Komödie, richtiger der Schwank von Alberto Colantuoni,
bietet. Etwas wenig an geiſtigem Gehalt für drei Aufzüge! Aber
immerhin luſtig gemacht und geſchickt von Robert Ado.f
S temmle überſetzt. Demſelben Stemmle, der als Verfaſſer
von Kampf um Kitſch dem friſchen Propaganda=Stück
ſir die Reformſchule, im vorigen Winter ſympathiſch bekannt
wrirde.
Dem beſcheidenen Gehalt des Schwankes half die überaus
flotte Inſzenierung von Hans Strohbach zu Leben. Die
Masken waren ausgezeichnet. Kein toter Punkt in der Dar=
ſte
llung! Stets luſtige wirkungsvolle Gruppen. Hübſch der
Büihnenrahmen von Elli Büttner.
Mit den Neffen tanzten um das Kalb: Käthe Gothe als
derrbhabſüchtige, mißtrauiſche Bäuerin, Franz Kutſchera als
verunglückter Student, Jenny Wiener in ihrer trockenen
Drolligkeit. Nett in der Charakteriſtik war ein ländlicher Advocato
ham Ernſ Ginsberg, ſympathiſch und feim im Swiel Arete

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Twentſche N. V. und die Pariſer Bank Jordan getätigt worden
ſein. In den Büchern beider Banken konnte nicht die geringſte
Spur dieſer Transaktionen entdeckt werden. Außerdem war der
Firmenbogen der holländiſchen Bank ganz falſch wiedergegeben,
und der Firmennamen der Pariſer Bank enthielt ebenfalls einen
orthographiſchen Fehler: es hieß Jordan ſtatt Jordaan.
So ſehen die Dokumente aus, deren ſich der Direktor der
Aéropoſtale bedient, deren verzweifelte Lage bekannt iſt
und deren Zuſammenbruch die Unterbilanz beläuft ſich
auf einige hundert Millionen Franken und wird letzten Endes
vom Staat getragen werden müſſen, der jetzt ſchon bedeutende

Nr. 278 Seite 3

Mittel zuſchießt auf die zum Teil recht unwirtſchaftliche ver=
ſchwenderiſche
Geſchäftsführung der Direktion zurückzuführen iſt.
Man weiß auch, daß der Direktor im Luftfahrt=Miniſterium, Chau=
mier
, eine vollſtändige Umorganiſation der Aéropoſtale die
das Ende der Dynaſtie Bouilloux=Lafont bedeuten würde for=
dert
, daß Paul Weiller in einem Gutachten auf dieſe unwirtſchaft=
liche
Geſchäftsführung der Aéropoſtale hingewieſen hat. Es iſt alſo
ein letzter Verſuch des Anklägers, ſeine finanzielle und ſoziale Lage
zu retten, die ihm bewogen hat, den gefährlichen Schritt zu unter=
nehmen
. Der Skandal iſt in aller Oeffentlichkeit bekannt. Ein
Vertuſchen iſt nicht mehr möglich.

Polizeibeamte und Nationalſozialismus.
Nakionalſozialiſten und Zenkrum beſchließen: Polizeibeamke dürfen Miiglied der NSDAP. werden, jedoch
keinerlei Kampforganiſakionen der Parkeien angehören. Die Regierung wird Schlachtſteuer einführen.

Polikiſche Maßregelungen von Beamken
ſollen aufgehoben werden.
* Faſt leer ſind die Zuſchauerränge, als am Mittwoch Präſi=
dent
Werner die Sitzung des Landtages eröffnet. Außer ge=
legentlichen
kleinen, wenn auch lärmenden Exploſionen der Par=
teien
ſind keine Senſationen mehr zu erwarten, denn die Mehrheit
der Abgeordneten hat ja am Dienstag beſchloſſen, zum Wohle des
Volkes beiſammen zu bleiben und nun ernſte, ſachliche Arbeit zu
verſuchen.
Und dieſe Abſicht ſcheint man durchführen zu wollen. Lang=
ſam
ſetzte am Mittwoch der Fluß der Reden ein, die zu hundert
Punkten der Tagesordnung nun einmal fällig ſind.
Die Kommuniſten ärgern die Natſoz, zunächſt mit dem ge=
ſchäftsordnungsmäßigen
Antrag, Geſuche von unwettergeſchädigten
Landwirten ſofort zur Beratung zu ſtellen. Doch, wenn auch etwas
wattiert, die Beratung wird verſchoben, bis man im Ausſchuß
einmal darüber geſeſſen hat.
In einer perſönlichen Erklärung verwahrt ſich Abg. Dr.
Barth=NS. gegen eine Bemerkung des Staatspräſidenten, der
am Dienstag Herrn Amtsrichter Barth wegen des Tragens der
Parteiuniform ſanft am Ohr gezupft hatte. Herr Barth verſichert,
er amtiere nur als Beauftragter ſeiner Partei und Wähler und
durch das Tragen der Uniform werde ſein Richterberuf und =amt
nicht berührt.
Staatspräſident Adelung erwidert, er halte es für
unklug, wenn ein Richter im Parteikleid öffentlich auftrete und
nicht die notwendige Rückſicht auf die Pſyche des Volkes aufbringe.
Zur Beratung ſteht dann eine Reihe von Anträgen der
Nationalſozialiſten, der Kommuniſten und des Zentrums. Es wird
verlangt, daß
Polizeibeamken die Mitgliedſchaft zur NSDAP.
erlaubi,
daß den Schülern der Beitritt zu den natſoz. Jugendorganiſatio=
nen
geſtattet, daß Maßregelungen von Beamten aus Anlaß ihrer
Zugehörigkeit zupolitiſchen Parteien aufgehobenwerden, daß Polizei=
beamte
an ihren Wohnungen keine Parteiabzeichen und =fahnen
anbringen, ſowie politiſchen Kampforganiſationen nicht angehören
dürfen. Außerdem wird das Verhalten einzelner Polizeibeamter
kritiſiert. Die Kommuniſten verlangen Erlaubnis zur politiſchen
Betätigung der Jugend in den Schulen und Einführung von pro=
letariſchen
Werken in die Schulbibliotheken.
Abg. Hammann=Komm. hält die politiſche Betätigung der
Schuljugend zum Sturze der beſtehenden Geſellſchafts= und Wirt=
ſchaftsform
für notwendig.
Abg. Jung=Natſoz.
bezeichnet es als Unverfrorenheit, daß der Polizeiminiſter im
Landtag zu erſcheinen wage (und wird vom Präſidenten zur Mäßi=
gung
gerufen). Der Redner verſpricht feierlichſt, daß ſeine Frak=
tion
nicht ruhen werde, bis Miniſter Leuſchner aus der Regierung
verſchwunden ſei. Das für Polizeibeamte beſtehende Verbot, Mit=
glied
der NSDAP. zu ſein, verſtoße gegen die Reichsverfaſſung.
Im Zeikalter des notoriſchen Verfaſſungsbruches eine nicht ver=
wunderliche
Tatſache‟. Die heſſiſche Polizei habe jede Objektivität
gegenüber dem Volke verloren und ſei zu einer Prätorianergarde
des Syſtems und Innenminiſters geworden. Nur Leute mit dem
roten Parkeibuch ſäßen in den oberen Polizeiſtellen. Der Redner
behandelt dann einzelne Fälle und erhebt gegen ſeinen heimiſchen
Wormſer Polizeidirektor Maſchmeyer Beſchuldigungen. Dieſer
Herr werde allmählich zu einem Skandal. Mehrfach habe der Be=
ſuch
von natſoz. Verſammlungen durch Familienangehörige für
die Regierung zum Anlaß gedient, Polizei= und Gendarmerie=

Jacobſen. Zum Schluſſe nicht ſtürmiſcher, aber immerhin
freundlicher Beifall.
Z.

Großes Haus. 5. Oktober.
die Bohéme.
Oper von G. Puccini, Text von Giacoſa und Illica.
Ueber die als zweite Werbevorſtellung der Volksbühne ge=
gebene
reichlich abgeſpielte Oper wäre wenig zu ſagen, wenn
ſich in ihr nicht Charlotte Kraus als Mimi vorgeſtellt
hätte. Sie beſitzt einen ſchön klingenden, in der Höhe ausgiebigen
Sopran von warmer Farbe, über deſſen Verwendungsfähigkeit
nach der heutigen hübſchen, mehr ins Soubrettenfach ſchlagen=
den
Leiſtung noch nicht geurteilt werden kann. Ihr Auftreten iſt
zurückhaltend, die Darſtellung wenig belebt, die Geſtaltung un=
perſönlich
. Die Entwicklung der anſcheinend noch jungen Künſt=
lerin
wird abzuwarten ſein.
Die übrige Beſetzung war die frühere, oft bewährte, mit
Ausnahme der Muſette durch Sanny Heilmann, der noch
die notwendige Koketterie fehlt, und des Bernard, dem Joſef
Sieber eine perſönliche Note verlieh.
Anſtelle des plötzlich erkrankten K., M. Zwißler ſprang
Kapellmeiſter Adler gewandt ein, und leitete etwas kühl, aber
v.HI.
überaus ſicher und ſchwungvoll.
* Erſtaufführung von Arnold Mendelsſohns Choral=
Kanlake Berzage nichk, du Häuflein klein
Der Kirchenchor der Johannesgemeinde hat ſich die Aufgabe
geſtellt, Arnold Mendelsſohns Kantate Verzage nicht du Häuf=
lein
klein im Hauptgottesdienſt am Sonntag, den 6. November,
zur Erſtaufführung in Darmſtadt zu bringen. Unſer allverehrter
Meiſter Arnold Mendelsſohn hat das Guſtav=Adolf=Feldlied an=
läßlich
der Jahrhundertfeier des Evangeliſchen Vereins der
Guſtav=Adolf=Stiftung als Unterlage zu ſeiner neuen Choral=
Kantate benutzt.
Mit Recht ſchreiben die Leipziger Neueſten Nachrichten über
eine Aufführung in der überfüllten Thomaskirche: Ein Werk,
das in ſeiner äußeren wie inneren Kultur den großen Könner
verrät. Alle Elemente der Arnold Mendelsſohnſchen Kunſt ſind
hier zu einem Ganzen von hinreißender Gewalt und Größe
vereinigt. Der Kirchenchor der Johannesgemeinde iſt mit der
Vorbereitung dieſes gewaltigen und herrlichen Werkes ſoweit
vorgeſchritten, daß wir dieſe Kantate vielleicht an einem Tag in
der Woche vor Sonntag, dem 6. November, in der Johannes=
kirche
allen Freunden und Verehrern der kirchlichen Muſik und
nicht zuletzt unſerem hochverehrten Kirchenmuſikmeiſter Arnold
Euſan Adam.
Mendelsſohn ſelbſt darbieten fönnen.

beamte zu verſetzen und zu maßregeln. Kreisdirektor Stammler
aus Alsſeld ſei an den Verwaltungsgerichtshof nach Darmſtadt
verſetzt worden, weil ein Beſucher ſeines Hauſes angeblich den
Hitlergruß ausgebracht. Die NSDAP. fordere politiſche Freiheit
für die Polizeibeamten, lehne jedoch ihre Betätigung in den
Kampforganiſationen, auch der SA. und SS., ab.
Abg. Heinſtadt=Zentr.,
der auf einen Zwiſchenruf erklärt, er ſpreche im Namen ſeiner
Fraktion, wirft dem Vorredner vor, daß ſeine Ausführungen
ſtaatspolitiſch ſchädlich ſeien und eine Verunglimpfung der heſſi=
ſchen
Polizei darſtellten. Die Polizei erfülle in ihrer übergroßen
Mehrheit objektiv und treu ihre ſchwere Pflicht. Aus einem Einzel=
fall
allgemeine Anklagen zu konſtruieren, gehe nicht an. Bezüglich
der Mitsliedſchaft von Polizeibeamten zur NSDAP. erkläre das
Zentrum: Nachdem der Herr Reichspräſident den Führer der
NSDAP. als würdig zur Uebernahme eines Miniſteramtes be=
funden
, nachdem der natſoz. Reichstagspräſident Goering den Eid
auf Verfaſſung und Volksrechte abgelegt, und nachdem die
NSDAP. in den letzten Monaten, wenn auch vielleicht nach ſchwe=
rem
inneren Kampf, ſich zur Demokratie und den parlamentari=
ſchen
Regeln bekannt habe, ſind wir zu einer ſorgfältigen Prü=
fung
unſerer Haltung bereit und werden der Aufhebung des Ver=
botes
zuſtimmen (Hört, hört!) Das Zentrum beantrage, daß allen
Beamten für Polizeibeamte, Richter und Staatsanwälte ver=
ſtehe
ſich das von ſelbſt verboten werde, Parteifahnen und = ab=
zeichen
an ihren Wohnungen zu zeigen und in Parteiuniform
öffentlich aufzutreten
Abg. Lorenz=Soz.
lehnt die natſoz. Anträge ab. Die Nationalſozialiſten dürften nicht
von Parteibuchbeamten bei anderen ſprechen, denn ihr oberſter
Führer ſei ſelbſt Parteibuch=Regierungsrat. Die Vorgänge in
Thüringen, Braunſchweig, Oldenburg und
Birkenfeld bezeugten
das ungeheuerliche Bonzen=Syſtem der NS.
DAP.
Namens der Regierung
erklärt Staatsrat Schwamb u. a.:
Es beſteht für die Regierung kein Anlaß, von ihrem Stand=
punkt
abzugehen, wonach dem Polizeibeamten die Teilnahme an
den Organiſationen der NSDAP. und der KPD. ſowie die Be=
tätigung
für ſie oder ihre Unterſtützung verboten iſt. Es kommt
hinzu, daß wie in dem gegen einen Polizeibeamten durchge=
führten
Dienſtſtrafverfahren unter Eid und dokumentariſch feſtge=
ſtellt
worden iſt die NSDAP. in Heſſen einen geheimen Nach=
richtendienſt
aufgezogen hat, in dem auch Polizeibeamte zur Be=
ſchaffung
vertraulichen Materials verwendet und damit zum ſchwer=
ſten
Bruch ihrer Dienſtpflichten verleitet worden ſind. Die Regie=
rung
hält es für ihre ernſte Pflicht, dieſen Zerſetzungsverſuchen
nachdrücklich entgegenzutreten und muß auch aus dieſem Grunde
an ihrem eingangs betonten Standpunkt feſthalten. Ich habe den
Auftrag, den gegen die heſſiſche Polizei erhobenen Vorwurf der
mangelnden Objektivität entſchieden zurückzuweiſen und zu er=
klären
, daß das, was zur Begründung dieſer Behauptung vorge=
bracht
worden iſt, in keiner Weiſe geeignet war, einen ſo ſchweren
und für die Polizeibeamten kränkenden Vorwurf zu rechtfertigen.
Ich habe feſtzuſtellen, daß die fachliche Befähigung und Erfah=
rung
des Polizeidirektors Maſchmeyer in Worms, der dieſer Tage
ſein 25jähriges Dienſtjubiläum feiern konnte, von allen objektiv
Urteilenden vorbehaltlos anerkannt wird. Das Kreisamt hat kei=
nen
Anlaß geſehen, gegen Polizeidirektor Maſchmeyer einzu=
ſchreiten
.
Staatspräſident Adelung
betont die Notwendigkeit, die Parteipolitik von der Schuljugend
fernzuhalten. Aus parteipolitiſchen Rückſichten ſeien keinerlei
Maßregelungen von Beamten erfolgt. Stets habe es ſich um
dienſtliche Verfehlungen gehandelt.

Uraufführung im Bremer Schauſpielhaus.
Sindbad: Die Heimkehr des Olympiaſiegers.
Eine köſtliche Satire auf das Drüber und Drunter unſerer
Tage. Sindbad geht mit Geiſt und Witz gegen die verlotterte
Moral der heutigen Geſellſchaft zu Felde und ſtellt ihr den auf=
rechten
Bergmann Tonding gegenüber, der als Ringer den Olym=
piapreis
holte und in die Schlingen eines geriſſenen Gauners
fällt. Er unterliegt dem Locken ſchöner Frauen und den Genüſſen
und Freuden überladener Feſttafeln; aber er bleibt nach dem
Wunſche des Verfaſſers innerlich rein, und geht aus allen An=
fechtungen
unbeſchädigt hervor. Der Freiſpruch vor Gericht iſt eine
Referenz vor der Ehrlichkeit des kleinen Mannes, der die Galerien
füllt, aber ſie wird mit Unmöglichkeiten in der Zeichnung der
übrigen Geſtalten erkauft. Auch ſonſt biegt Sindbad ſich alles ſo
zurecht, wie es ihm am beſten in ſeine Abſichten paßt. Das Publi=
kum
fühlte ſich glänzend unterhalten und dankte für jedes Scherz=
wort
und jedes Bonmot mitten in die Szene hinein. Wilhelm
Chmelnitzkys Regie unterſtrich mit Recht die harmlos=heitere
Seite des Stückes und milderte ſo die Angriffe auf das heutige
Rechts= und Geſchäftsleben. Hans Soehnkers Tonding war eine
vortreffliche Leiſtung. Der Beifall nach den einzelnen Akten und
am Schluſſe der Aufführung läßt zahlreiche Wiederholungen dieſes
Volksſtückes erwarten.
0. N.

Es fällt nicht leicht, den Inhalt der Oktober=Nummer von
Weſtermanns Monatsheften in wenigen Zeilen zu ſkizzieren, ſo
vielſeitig iſt dieſes Heft wieder ausgefallen. In einem Artikel
Heraus aus der Mechaniſierung wendet ſich Eugen Dieſel, der
Sohn des Dieſelmotor=Erfinders, dagegen, daß durch Mechaniſie=
rung
die Lebensſtröme Menſch und Arbeit nicht mehr finden, daß
die Mechaniſierung keine Lebensform bedeuten kann und mitſchul=
dig
iſt an den Kriſen der Gegenwart. Die Wende, die Abkehr hat
aber ſchon begonnen; ſie ruft nach lebendiger Ganzheit des Da=
ſeins
, dem auch die Technik untertan ſein muß. Dann folgt ein
Aufſatz von Richard Braungart über Georg Schrimpf, in dem die
Neue Sachlichkeit ihren lauterſten, geſundeſten und verantwor=
tungsvollſten
Vertreter gefunden hat. Gräfin Nora von Berol=
dingen
berichtet über ihre Erlebniſſe in Moskau. K. A. Petraſchk
plaudert über Fremdes Volk im Waſſerglas‟. Es iſt aber ſehr
intereſſant, dieſer Abhandlung über exotiſche Zierfiſche, lebend=
und eigebärende Warmwaſſerfiſche des Aquariums, ihre Zucht und
Brutpflege zu folgen. Die Urſachen der Grubenkataſtrophen er=
örtert
Nikolaus Rehbinder. Dann folgen Aufſätze von Prof. Dr.
Karſtädt: Eine Linie durch die deutſchen Landerziehungsheime‟,
und von Landſchaftsarchitekt Pepinski Heimatverbundenes Woh=
nen
. Weiter erſcheint in dem Heft der Roman von Max Halbe:
Die Elixiere des Glücks und ein Novelle, von Fritz Müller=
Partenkirchen: Die Brücke, ſowie eine Erzählung: Die Frau in
der Jakobinermütze von Hans=Eberhard von Beſſer. Die Kunſt=
beilagen
von Ambroſi. Franz Heckel, Oscar Graf, Franz Eichhorſt,
Hans Dieter w 4 Ind in ihren Wiedergaben vortrefflich.

[ ][  ][ ]

Seite 4 Nr. 278

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Donnerstag, 6. Oktober 1932

In der Abſtimmung

verhelfen Natſoz., Zentrum und Büggerliche dem natſoz. Antrag
zur Annahme, der beſagt:
Den heſſiſchen Polizeibeamten iſt erlaubt, alle Veranſtal=
tungen
der NSDAP. zu beſuchen und Mitglieder dieſer Partei
zu ſein.
Bei Enthaltung des Zentrums wird mit den Stimmen der
Natſoz. und der Bürgerlichen beſchloſſen:
Die Regierung wird erſucht, die Zugehörigkeit von Poli=
zeibeamten
zu politiſchen Kampforganiſationen zu verbieten.
Kampforganiſationen ſind: Kreuzſchar, Reichsbanner, Eiſerne
Front, nebſt Unterorganiſationen, Kampfbund gegen den Fas=
cismus
(Antifasciſtiſcher Kampfbund), Roter Frontkämpfer=
bund
, Jungdeutſcher Orden, Wehrwolf, Stahlhelm. Schwarze
Front, SA. und SS.
Annahme findet der natſoz. Antrag, die Regierung ſolle allen
Polizeibeamten aufgeben, an ihren Wohnungen keine Parteifah=
nen
und =abzeichen anzubringen.
Mit Mehrheit wird beſchloſſen, daß alle Maßregelungen, Geld=
ſtrafen
, Dienſtſtrafverfahren und Verſetzungen von Beamten aus
Anlaß ihrer Zugehörigkeit oder Betätigung bei beſtimmten poli=
tiſchen
Parteien und Organiſationen aufgehoben werden.
Abgelehnt werden die beantragte Erlaubnis für Schüler, den
natſoz. Jugendorganiſationen beizutreten, und die von den Kom=
muniſten
verlangte politiſche Betätigung der Schuljugend. Der
Zentrumsantrag allen Beamten Parteiuniform zu unterſagen,
findet keine Mehrheit.
Die Regierung wird ſchließlich noch erſucht, Verſetzungen von
Polizei= und Gendarmeriebeamten bis auf weiteres nur bei Todes=
fällen
eintreten zu laſſen.
Von der Regierung wird die Mitteilung gemacht, daß ſie be=
beabſichtige
,
die Schlachtſteuer einzuführen.

Vorher wolle man im Finanzausſchuß über die Frage noch einmal
ſprechen. (Hört, hört!)
Da weitere Abſtimmungen nicht mehr bevorſtehen, leeren ſich
langſam die Abgeordnetenreihen.

Abg. Claß=NS.
oft von Zwiſchenrufen unterbrochen, begründet den Antrag ſeiner
Fraktion, Beförderungen von Beamten aus politiſchen Gründen
ſollten bis auf weiteres unterbleiben, mit angeblichen Plänen der
Regierung, vor Toresſchluß noch Parteifreunde unterzubringen
Der Redner nennt Namen von Beamten und den einer Anwärte=
rin
, die durch beſondere Beziehungen weitergekommen ſeien.
Staatspräſident Adelung

weiſt die Ausführungen des Vorredners ſcharf zurück. Ohne den
Schatten eines Beweiſes, lediglich auf Zuträgereien hin, ſeien Be=
amte
von der Tribüne des Parlaments herabgewürdigt worden.
Von den ſechs Polizeidirektoren ſei nur einer Sozialdemokrat,
unter den 18 Provinzial= und Kreisdirektoren gebe es einen
Sozialdemokraten und einen Zentrumsmann. Die heſſiſche Re=
gierung
vertrete ganz klar und eindeutig den Standpunkt des
Berufsbeamtentums. Richtig ſei, daß nach dem Zuſammenbruch
auch Ernennungen aus rein politiſchen Gründen erfolgt ſeien

ſeien. Lediglich fachliche Geſichtspunkte leiteten das Juſtizmini=
ſterium
bei Notar=Ernennungen.
Abg. Dr. Niepoth=DVP.
erwidert dem Zentrumsredner, man könne nicht behaupten, Zen=
trumsleute
ſeien bei Stellenbeſetzungen ſchlecht weggekommen. Im
konſtitutionellen Staat vor dem Krieg hätten die Parteien keinen
Einfluß auf Beamtenernennungen beſeſſen. Das Zentrum, damals
im Regierungsblock, dürfe heute nicht ſagen, es ſei damals be=
nachteiligt
worden.
Nach weiteren Erklärungen der Abg. Heinſtadt=Zentr.,
Lorenz=Soz., Hauck=NS., Dr. Beſt=NS. und Storck=Soz.
weiſt Staatsrat Schwamb nach, daß die vorher erhobenen Ver
dächtigungen gegen eine Beamtenanwärterin falſch und leicht=
fertig
erhoben wurden. Schärfſte Verwahrung erhebe er gegen den
Verſuch, die Frauenehre von Beamtinnen herabzuſetzen.
Abg. Hammann=Komm. fordert dann

Abg. Heinſtadt=Zentr.
lehnt den natſoz. Antrag ab, der das Berufsbeamtentum ſchwer
ſchädigen müſſe. Wollten die Natſoz, ihren Antrag einmal ſelbſt
durchführen?
Abg. Dr. Beſt=NS

ſieht in den letzten 13 Jahren das Syſtem, den Staat als Beute
der Partei auszunützen. Der Antrag wolle lediglich Schiebungen
vor dem Regierungswechſel verhindern.

Abg. Storck=Soz.
polemiſiert gegen die natſoz. Redner, die ſchamhaft ihre eigene
Bonzenwirtſchaft und ihr Parteibuchſyſtem verſchwiegen.
Zwiſchen den Abg. Jung=NS. und Heinſtadt=Zentr.
entſpinnt ſich eine Auseinanderſetzung, da von Abg. Jung Bevor=
zugung
katholiſcher Notare behauptet wurde. Min.=Direktor Neu=
roth
teilt darauf mit, daß
ſeit 1926 20 Notare
beſtellt wurden, und zwar 6 Katholiken und 14 Nichtkatholiken
Unter den 63 Notaren Heſſens befänden ſich nur 6 jüdiſche Herren
Er wiſſe lediglich von zwei Notaren, daß ſie Sozialdemokraten

Neufeſtſetzung der Miniſtergehälter und =penſionen
unter ſcharfen Angriffen auf die Natſoz., die für Arbeiter und
Bauern nichts leiſteten, am Vortage jedoch für 12000 Mark=Ge
hälter und Penſionen geſtimmt hätten.
Abg. Zürtz=NS. erwidert, daß die Sowjetunion ihren aus=
ländiſchen
Spezialiſten Hunderttauſende zahle, während das ruſ=
ſiſche
Bauerntum ſterbe.
Die Abſtimmung, auch zu dem folgenden Antrag, wird zurück=
geſtellt
.
Abg. Dr. Beſt=NS. fordert

Einſtellung des Regierungsorgans Darmſtädter Zeitung,
die ein ſozialdemokratiſches Hetzblatt übelſter Sorte darſtelle.
Abg. Mauer=Komm. ſtimmt der Aufhebung der Zeitung
zu, evtl. ſolle ſie allen Abgeordneten wieder zugeſtellt werden
Abg. Heinſtadt=Zentr. betrachtet es als ſelbſtverſtändlich
daß eine Regierung ihrer Auffaſſung im eigenen Organ Ausdruck
geben könne.
Staatspräſident Adelung betont, die Zeitung erfordere
keine öffentlichen Mittel, ſondern bringe einen kleinen Ueberſchuß.
Nach weiteren Gegenerklärungen vertagt ſich das Haus um
=
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Donnerstag, 6. Oktober 1952

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 278 Seite 5

Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, den 6. Oktober 1932.
* Behördliche Nakurſchuh=Beſtrebungen.
* Eine der vornehmſten Pflichten jeden Naturfreundes und
Wanderers ſollte das Streben nach Erhaltung unſerer einheimi=
ſchen
ſeltenen Tier= und Pflanzenwelt ſein. Wo Unverſtand und
Uebermut die Eigenart der bodenſtändigen Flora und Fauna
bedrohen, da ſollten Lehrer und Erzieher ihre Ueberlegenheit an
Wiſſen und Einfluß einſetzen, der zweckloſen und naturfeindlichen
Vernichtung Einhalt zu bieten. Leider wird in dieſer Hinſicht
noch vieles verſäumt, und manche Sünde, am feinen Getriebe der
Natur begangen, läßt ſich nie wieder gut machen.
Alle im Sinne des Naturſchutzes erlaſſenen Beſtimmungen
aus dem Geſetz vom 14. Oktober 1931 und der auf Grund dieſes
Geſetzes erlaſſenen Bekanntmachung vom 11 Mai 1932 ſind ent=
halten
in einem Merkblatt für den Naturſchutz, das ſoeben vom
Kreisamt Darmſtadt herausgegeben wird.
Es findet ſich darin eine Aufſtellung aller im geſamten Ge=
biet
des Volksſtaats Heſſen geſchützten Tier= und Pflanzenarten.
ſowie Vorſchriften über das Beſchneiden und Roden von Hecken
und die Beſeitigung von Rohr und Schilf, ſoweit es den Inter=
eſſen
des Vogelſchutzes zuwiderläuft. Ein beſonderer Abſchnitt
enthält Richtlinien für das Feilhalten, den Erwerb uſw. der ge=
ſchützten
Tiere und Pflanzen. Die im Anhang zuſammengeſtell=
ten
Strafbeſtimmungen, die für vorſätzliche Zuwiderhandlung
Geldſtrafen bis zu 1000 RM. oder Haft vorſehen, zeigen, welche
Bedeutung die Regierung dem Naturſchutz zumißt.
Mögen alle, die es angeht, und jeder, der ſich dazu berufen
fühlt, an ſeinem Platze mitwirken, unſerem Lande Schätze zu er=
halten
, die, einmal vernichtet, nie zu erſetzen ſind.

Städt. Muſikdirektor Prof. Wilhelm Schmitt wurde bei der
diesjährigen Hauptverſammlung des Reichsverbandes Deutſcher
Tonkünſtler und Muſiklehrer in Hannover unter beſonderer An=
erkennung
ſeiner großen Verdienſte um den RDTM. einſtimmig
zum Mitglied des Elfer=Ausſchuſſes, der oberſten kulturpolitiſchen
Inſtanz des Verbandes, gewählt.
Hohes Alter. Altveteran Martin Münd, Emilſtraße 1,
hier, feiert Samstag, den 8. Oktober, in voller geiſtiger und kör=
perlicher
Rüſtigkeit ſeinen 83. Geburtstag.
Freie Literariſch=Künſtleriſche Geſellſchaft. 30 000 Kilo=
meter
hat Elly Beinhorn bei ihrem Flug durch die
Welt zurückgelegt; 18 Länder in den fünf Erdteilen hat ſie
überflogen. Von dieſen kühnen Flügen wird ſie in dem Vortrag
erzählen, den ſie auf Einladung der Freien Literariſch= Künſtle=
riſchen
Geſellſchaft am nächſten Samstag. 8. Oktober, 8 Uhr,
im Großen Saale des Städtiſchen Saalbaues hält. Ausgezeich=
nete
Lichtbilder zeigen die ſpannenden Situationen, in die
die Fliegerin geraten iſt. Durch ſtarken Beſuch ſollte
ganz Darmſtadt der kühnen Fliegerin ſeine
Huldigung darbringen! Vorverkauf und Neuanmeldung
von Mitgliedern bei Buchhandlung Bergſträßer ( Wilhelminen=
ſtraße
29). Mitglieder haben unentgeltlichen Zutritt. (Siehe
Anzeige.)
Markusgemeinde. Unſer Frauen=Verein kann in die=
ſem
Jahre auf eine reichgeſegnete Tätigkeit von 25 Jahren zurück=
blicken
. Dieſe Tätigkeit vollzieht ſich hauptſächlich in Liebesarbeit,
die in der Stille hilft und Gutes tut. Dadurch wird das Gefühl
der Gemeinſchaft und der Verantwortung geweckt und erhalten
Am nächſten Sonntag ſoll im Hauptgottesdienſt der Stadtkirche
dankbar der geleiſteten Frauen=Arbeit gedacht werden, und es iſt
zu hoffen, daß recht viele evangeliſche Frauen unſerer Gemeinde
an dieſem Gottesdienſt teilnehmen, der im übrigen als Gemeinde=
gottesdienſt
gehalten wird. Am Abend des gleichen Tages wird
ein Familienabend im Gemeindehaus (Kiesſtraße 17) ſtatt=
finden
, für den ſich ausgezeichnete muſikaliſche Kräfte zur Ver=
fügung
geſtellt haben. Pfarrer Vogel wird ſprechen über Som=
mertage
am Chiemſee, Geſchichtliches und Erlebtes. Teekarten
ſind bei Frau Luſt, Soderſtraße 55, ſowie im Gemeindehaus ( Kies=
ſtraße
17) zu haben und wegen der Platzfrage rechtzeitig zu löſen.

Heſſiſches Landestheater.

Gr Dernae
8. Oortober! Anf. 20, Ende 22.30 Uhr. Bühnenvolksbund, H1.
Wetter für morgen: veränderlich. Pr.0.504.50 Aaen Kte Anf. 20, Ende 22 30 Uhr E4.
Pr. 0.705.50
Madame Butterfch. Sansktag, g, Otober! 19.3022.30. Außer Miete.
Im weißen Rößl. Kleine Pr 0.503.00 Kleines Haus Darngeee
8. Ortober 2022 30 Uhr Außer Miete.
Der Waffenſchmied.
Kleine Pr. 0.502.50 Geftag . Otober 2022 Uhr. Zuſ.Miete IF 1. Zum erſten Male
wiederholt: Geld ohne Arbeit. Pr. 0.703 80

Heſſiſches Landestheater. Heute abend wird im Großen
Haus Eugen Gürſters Luſtſpiel. Wetter für morgen; ver=
änderlich
, das auch bei der Neueinſtudierung ungeteilten Bei=
all
fand, wiederholt. Eugen Gürſters Luſtſpiel wurde bisher von
32 deutſchen Bühnen zur Aufführung erworben. Im Kleinen
Haus wird außer Miete zu kleinen Preiſen (0,50 bis 2,50 RM.)
Lortzings komiſche Oper Der Waffenſchmied gegeben. In
den Hauptrollen: Graf von Liebenau: Johannes Drath. Adelhof:
Heinrich Kuhn. Stadinger: Theo Herrmann. Marie; Regina Harre,
Irmentraut: Anna Jacobs, Georg: Eugen Vogt. Muſikaliſche Lei=
tung
: Fritz Bohne.
Heſſiſches Landestheater. Wiederaufnahme Tannhäu=
ſer
Sonntag, den 9 Okt. unter muſikaliſcher Leitung von Dr.
Hans Schmidt=Iſſerſtedt. Die Titelpartie ſingt Kammerſänger
Enderlein, der zur Darſtellung einiger ſchwerer Heldenpar=
tien
in der laufenden Spielzeit in Ausſicht genommen iſt.
Einmaliges Gaſtſpiel des Frankfurter Kaba=
retts
Porza. Am Montag, dem 10. Okt., gaſtiert das Frank=
furter
Kabarett Porza, das mit ſeinem letzten Programm in
Frankfurt bei der geſamten Preſſe eine außergewöhnlich gute
Aufnahme fand, im Kleinen Haus des Heſſiſchen Landestheaters.
Der Vorverkauf beginnt heute.
Noch weitere Steigerung der Abonnentenzahl im Landes=
theater
. Die Generaldirektion konnte kürzlich mitteilen, daß die
Abonnentenziffer gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von
33 Prozent erreicht habe. Sie iſt in der erfreulichen Lage, die
Mitteilung herausgeben zu können, daß nunmehr eine Steigerung
um 40 Prozent erzielt iſt; damit ſcheint aber der Höchſtſtand noch
nicht erreicht zu ſein, denn es gehen noch weiter Abonnementsan=
meldungen
ein.

* Die Natur in der Beſſerungsanſtalt.
Nach 1½ Millionen Berſuchen: eine neue Lupine. Bon Krenzungen zwiſchen Himbeeren und Brombeeren
und anderen neuen Früchken. Tomaken im Schnee. Reben, die gegen Mehlkau und Reblaus immun ſind.
Karkoffeln, die nicht erfrieren können.

Von neuen Brüchten und Pflanzen.
Von E. Tſchauner.
Die Deutſche Beſſerungsanſtalt der Natur, das Kaiſer=
Wilhelm=Inſtitut für Züchtungsforſchung liegt 40
Kilometer entfernt von Berlin, in Dahmsdorf=Müncheberg. Es
wurde vor vier Jahren von dem weltberühmten Gelehrten. Prof
Dr. phil. et. med. et Dr. agr h. c. Erwin Baur, Profeſſor an
der landwirtſchaftlichen Hochſchule Berlin und Direktor des In=
ſtituts
für Vererbungsforſchung, gegründet und ſeitdem von ihm
geleitet. In dieſen vier Jahren iſt hier ein Gutsbetrieb von 1360
Morgen entſtanden, zu deſſen Ausbau Reich. Induſtrie, Landwirt=
ſchaft
und Banken beiſteuerten. Der Geſamtbetrieb, in dem unter
Profeſſor Baurs Leitung 12 wiſſenſchaftliche Mitarbeiter 12 Tech=
niker
und weit über hundert Arbeiter tätig ſind, zerfällt in drei
Abteilungen: in eine wiſſenſchaftliche Station mit Laboratorien,
Kühlräumen und Photoateliers, in einen wiſſenſchaftlichen Garten
mit zahlreichen Treibhäuſern und in ein Muſtergut mit Feldern,
Vieh, Dreſchmaſchinen und Gutshof.
Das Verſuchskaninchen der Pflanzenwelt iſt das Löwen=
maul
. an dem die Zuchtmethoden durch Einwirkung von Röntgen=
ſtrahlen
, Hitze Kälte Chemikalien uſw. ausprobiert werden Der
weitaus größere Teil der Verſuche erſtreckt ſich auf die Züchtung
neuer Raſſen durch Kreuzung von Raſſen, deren Eigenſchaften
bekannt ſind. Auf dieſe Weiſe iſt es gelungen, Pflanzen zu er=
zeugen
, die die gewünſchten Eigenſchaften beſitzen. Eines der letz=
ten
, bedeutenden Züchtungstriumphe iſt die Schaffung einer neuen
ſüßen Lupinenart. Bekanntlich wurden bisher gerade Kraftfutter=
mittel
in rieſigen Mengen eingeführt, da ſie bei uns fehlten. Un=
ſere
Lupine war bitter und giftig.
Eineinhalb Millionen Pflanzen wurden durchgeprüft,
bis die Süßlupine gefunden wurde,
die jetzt bereits auf hundert Morgen Land aufgezogen wird, und
die auch auf ſehr ſchlechtem Boden gedeiht. Wenn ſich das neue
Verfahren
das kürzlich verkauft wurde eingeführt haben
wird, werden wir jährlich zirka 300 Millionen Mark an Kraft=
futterimport
ſparen. 100 Millionen Mark zahlen wir alljährlich
für eingeführten Weizen an das Ausland, da gerade dieſe Ge=
treideart
bei uns beſonders bevorzugt wird und bisher bei uns
nicht gedieh. Auf drei Verſuchsäckern bietet ſich äußerlich kaum
erkennbar eine neue Weizenart Sandweizen genannt,
da er auch auf ſchlechtem Sandboden angepflanzt werden kann.
ſehr viel Trockenheit verträgt, und doch normale Körner trägt.
Aber auch mit einer neuen Kornſorte haben ſich Verſuche befaßt,
die eine Reife und Ernte bereits im Juni ermöglichen wollen.
Eine ausgedehnte Obſt= beſonders Apfelkultur iſt angelegt wor=
den
denn auch die 80 Millionen Mark, die jährlich ausländiſche
Aepfelrechnungen begleichen, ſollen künftig dem Lande erhalten
bleiben. 25 000 Sämlinge legen in Müncheberg den Grundſtock zu
künftigen Amerikanern und Tirolern zwiſchen Weichſel und
Rhein. Und mit ihnen werden ſich Früchte um die Gunſt des Pub=
likums
ſtreiten, die heute noch gar keinen Namen haben, und erſt
einmalig im Reich in den Verſuchsgärten des Inſtituts vorhan=
den
ſind:
Kreuzungen zwiſchen Himbeeren und Brombeeren, zwiſchen
ſchwakzen Johannisbeeren und Stachelbeeren, die Früchte
von wundervoll eigenartigem Geſchmack ergeben ſollen.

Erdbeeren, viel größer als die bisherigen mit Ananasaroma wer=
den
Wirklichkeit ſein. Tabakraucher werden Schäden nicht mehr
zu fürchten haben, denn man wird nikotinfreien Tabak ebenſo
ſelbſtverſtändlich ziehen, wie man heute in Müncheberg das erſte
geglückte Feld nikotinfreier Tabakpflanzen vorweiſt. Und würde
man nicht bei einem Rundgang durch die Felder, Beete, Kulturen
das Staunen faſt verlernen und die unglaubhafteſten Dinge ſich
verwirklichen ſehen, man möchte die Beete der
Tomatenſtauden mit gelben und roten Früchten, die auch im
Schnee im Freien ſtehen können.
und nicht erfrieren, für ein Spukbild aus einem Märchen halten.
Mit das Sonderlichſte an dieſem Inſtitut aber ſind die Mini=
atur
=Weinberge, die in ſeiner nächſten Umgebung künſtlich ange=
legt
worden ſind. Weinberge in der Mark! An ihnen wurde in
unendlich mühſeliger Weiſe ein Verſuch erprobt, der eine Neuge=
burt
des geſamten deutſchen Weinbaues zur Folge haben kann:
die neue Rebenart zu finden, die gegen die Todfeinde der
Rebe. Meltau und Reblaus, immun iſt.
Dreißig bis fünſzig Millionen Mark werden alljährlich zur Be=
kämpfung
dieſer beiden Rebenſchädlinge ausgegeben. Dieſe unge=
heuren
laufenden Ausgaben, die heute den Weinhau zu einem
großen Teil unrentabel machen kann die immune Rebe erſparen,
wenn die Arbeiten an dieſer Rebe, die auf eine halbe Million
Mark geſchätzt werden, finanziert und fertiggeſtellt ſein werden.
Bisher ſteht dem Inſtitut für dieſen Zweck aber nur ein Jahres=
fonds
von 45 000 Mark zur Verfügung.
Wie ſehr die praktiſche Auswirkung der Forſchungsarbeit im
Inſtitut durch Mangel an Geldmitteln, ſehr zum Schaden der
Wirtſchaft, beſchränkt iſt, beweiſt auch noch ein anderes Beiſpiel:
Deutſchland importiert jährlich für mehrere Millionen Mark
Frühkartoffeln, beſonders aus Holland. Hätten wir Frühkartof=
feln
, deren Laub etwa fünf Grad Kälte, alſo die üblichen Spät=,
April= und Mai=Fröſte aushält, könnte man 45 Wochen früher
Kartoffeln pflanzen und auch ernten; es würde ſich erübrigen,
welche einzuführen.
Mit 50 000 Mark glaubt Profeſſor Baur dieſe neue Kar=
toffelſorte
beſtimmt finden zu können. In Müncheberg wird
bereits eine ganz neuel, der Kartoffeln ähnliche Pflanze ge=
züchtet
, die Topinambur heißt,
und deren zwei Meter hohe Stauden ein ideales Grünfuttermittel
abgeben ſollen. Es fehlt an geldlichen Mitteln, trotzdem Münche=
berg
von allen Inſtituten der Kaiſer=Wilhelm=Geſellſchaft die
meiſten Zuſchüſſe erhält. Denn wenn auch vieles an der For=
ſchungsarbeit
und dem =Erfolg der Wiſſenſchaftler um Profeſſor
Baur, vor allem an den Entwicklungs= und Verwirklichungsmög=
lichkeiten
, die die Gegenwart hier für die Zukunft andeutet und
ahnen läßt, an Wunder erinnert, ſo gibt es doch zwiſchen beiden
einen Rieſenunterſchied: daß Wunder nie Geld gekoſtet haben und
daß hier die gleiche Wirkung mit ſehr viel Geld und Zeit er=
rungen
werden muß.
Auch andere Staaten, beſonders ſolche, die für Forſchung und
Wiſſenſchaft größere Summen aufwenden können, als wir, be=
ſitzen
ähnliche Inſtitute, mit denen das deutſche in Intereſſen=
gemeinſchaft
ſteht, wenn auch ſämtliche Ergebniſſe nur deutſchen
Intereſſen vorbehalten bleiben. Das größte, zwanzigmal ſo groß
als Müncheberg, befindet ſich in Rußland. Trotzdem dar ſich
Müncheberg rühmen, mit ſeinem Inſtitut mit an erſter Stelle der
Forſchungserfolge zu ſtehen!

Gie Schrt ius Blaue Hinein
iſt eine Neuerung, die von der Deutſchen Reichsbahn an den ver=
ſchiedenſten
Plätzen mit großem Beifall der Teilnehmer zur Durch=
führung
gebracht wurde. Das weſentliche hierbei iſt: Der Teil=
nehmer
löſt eine Fahrkarte zum Sonderzug ins Blaue hinein.
auf der lediglich der Fahrpreis angegeben iſt. Das Ziel wird erſt
mit der Ankunft am auserwählten Platz bekannt. Alſo lediglich
Verkehrstag, Abfahrzeit und Zeit der Rückunft ſowie der um 50
Prozent ermäßigte Fahrpreis für Hin= und Rückfahrt ſind in der
amtlichen Ankündigung enthalten.
Von der Reichsbahndirektion Mainz iſt als Abſchluß der dies=
jährigen
Reiſezeit mit Auflugſonderzügen ein ſolcher Zug in Aus=
ſicht
genommen, der ein dem Reiſenden unbekanntes Ziel hat.
Der 16. Oktober iſt als Reiſetag gewählt. Nach der Veranlagung
unſerer mittelrheiniſchen Bevölkerung wird die Sache ein Haupt=
ſpaß
mit Ueberraſchungen ſein. Es wird bei der Fahrt ins
Blaue hinein, die beſtimmt nicht etwa ins blaue Ländchen geht,
jeder Teilnehmer auf ſeine Rechnung kommen: Der Feinſchmecker
des Gaumens wird ſich genau ſo befriedigt fühlen wie derFreund
reicher Vergangenheitskultur und der Genießer unberührter ſchö=
ner
Landſchaft. Wer alſo angenehm überraſcht ſein will, wird
mitfahren ins Blaue hinein.

Erhältlich in den Buchhandlungen, Kiosken, Bahnhofs-
buchhandlung
und Geschäftsstelle, Rheinstraße 25.

Vortrag. Montag, den 10 Okt. abends 8 Uhr ſpricht
n Saale der Vereinigten Geſellſchaft der bekannte. Aſtrologe
Eugen Hammer aus Düſſeldorf über den Einfluß der Sterne auf
as Leben der Menſchen. (Näheres ſiehe Anzeige.)
Don=Koſaken=Chor. Es ſei nochmals auf das heute ſtatt=
ndende
einzige Konzert der Donkoſaken hingewieſen, als auf ein
Ereignis im Muſikleben unſerer Stadt, wie alle beſtätigen, die
dieſen Chor jemals erlebt haben. Der Kartenverkauf findet bis
achmittags 6 Uhr bei Bergſtraeßer, Wilhelminenſtraße, ſtatt,
väter an der Kaſſe des Saalbaus.

Verſeigerung von Herdbuch=Bulen des heſ. Fleck=
Neſchlages 1 uen derdai eien des vuerebeſen
Landſcheft 1 des deuiſchen Sieſchein Shages
in Darmſtadt.
Nachdem im vergangenen Jahre und in dieſem Frühjahr
die Bullen= und Eberverſteigerungen wegen Maul= und Klauen=
ſeuche
ausfallen mußten, veranſtaltete der Landwirtſchaftskammer=
Ausſchuß für die Provinz Starkenburg am 4. Oktober ds. Js.
wieder eine Verſteigerung auf dem Pferdemarktplatz in Darm=
tadt
. Zu dieſer Verſteigerung waren nur Herdbuch=Bullen und
Herdbuch=Eber zugelaſſen. Es wurden im ganzen 30 Bullen, zum
Teil mit ſehr guten Leiſtungsnachweiſen, und 15 Eber, ebenfalls
zum Teil mit guten Leiſtungsnachweiſen, ausgeboten. Unter den
vorgeſtellten Tieren befanden ſich einige recht gute, und im Durch=
ſchnitt
kann geſagt werden, daß die Qualität gut war. Die Preiſe
ſind jedoch gegenüber den auf früheren Verſteigerungen erzielten
faſt um die Hälfte zurückgegangen. Die beſten Bullen erzielten
Preiſe von 520. 500. 480. 390. RM. Im ganzen wurden
von den 30 vorgeſtellten Bullen 15 verkauft zum Durchſchnittspreis
von 373. RM. Von den 15 vorgeſtellten Ebern wurden 10 ver=
kauft
zum Durchſchnittspreis von 124
RM. Die beſten Eber
erzielten Preiſe von 160. 150. 140 130. RM. Während
der Abſatz, der bei den Bullen 50 Prozent der aufgetriebenen
Tiere und bei den Ebern 66 Prozent umfaßte, als befriedigend be=
zeichnet
werden kann, muß geſagt werden, daß die Preiſe für die
Züchter bei weitem nicht ausreichend ſind, um das Zuchtmaterial
ſo aufzuziehen, wie es in züchteriſcher Hinſicht erforderlich iſt.
Die Veranſtaltung hat ſich auch jetzt wieder gut bewährt, da
hier die Käufer und die Gemeinden beſonders günſtige Gelegenheit
haben, gutes Zuchtmaterial auszuſuchen, da ſie ſich vor der Ver=
ſteigerung
das geſamte Material eingehend in aller Ruhe betrach=
ten
können und über jedes Tier der Abſtammungsnachweis bzw.
Leiſtungsnachweis im Katalog in ausführlicher Weiſe angege=
ben
iſt.
Darmſtädter Turnerſchaft. Der für den 8. Oktober 1932 vor=
geſehene
Vortrag über Turner=Verſicherung muß umſtändehalber
auf den 15. Oktober 1932 verlegt werden.
Bühnenvolksbund. Heute findet im Großen Haus des Heſſ.
Landestheaters für unſere Miete II und die Wechſelmiete (14 Vor=
ſtellungen
) die erſte Vorſtellung ſtatt. Die Karten für die Miete K
(20 Vorſtellungen) werden ab heute in unſerer Geſchäftsſtelle aus=
gegeben
. Wir bitten die Abonnenten der Miete II. die ihre Karten
noch nicht abgeholt haben, dieſelben nunmehr im Laufe des Tages
in Empfang zu nehmen. Die erſte Vorſtellung für die Miete K
findet am kommenden Sonntag ſtatt.
Kinderſpeiſung der Heilsarmee. Trotz der wirtſchaftlichen
Lage iſt es der Heilsarmee hier in Darmſtadt möglich geweſen,
ſchon ſeit ſieben Wochen eine Kinderſpeiſung durchzuführen, an
der ſich zirka 150 Kinder beteiligen. Die Heilsarmee hofft, dies
Werk der Liebe auch den Winter über durchführen zu können.

Sttüdeebleloderdeätd der Tsetela
Nach freier Wahl erhält jeder Kunde dieſe pracht-
Die EXtra-cktober-Sentation: LagaderTade; vollen Zugabe-Hrtikel bis einſchließlich 15.Oktober:

Bei Einkäufen von über 10 Mk.:

Bei Einkäufen von über 20 Mk.:

2 gute Frottier-Handtücher oder 1 gutes Biber-Bettuch oder 6 Drell-Handtücher, geſäumt und gebändert
oder 1 Eutter-Damenſchlupfhoſe mit kunſtſ. Decke oder 6 Handarbeitsdecken oder 90 Pfg. in bar.
1 beſonders ſchweres Hohlſaum-Bettuch oder 1 Damaſt-Kaffeedecke, altgold, Gr. 130/160, echt indanthrenf.,
oder 1 reinwollener Herren-Pullover oder 1 hochfeines Herren-Krawattenhemd oder 1.80 in bar.

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Jacquard-Koltern, extra schwere Qualitäten, 4.95 3.50 2.25
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Darmstadt
Ludwigstr. 15

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Seite 6 Nr. 278

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Donnerstag, 6. Oktober 1932

Ruhe oder ich ſchieße.
Rachahmenswerke Maßnahmen gegen den Lärm zur Schonung der Nerven. Das Problem unſerer Zeil.

Es iſt durchaus nicht wahr, daß der Menſch ſich an alles ge=
wöhnt
. Er gewöhnt ſich z. B. nicht an den Lärm. und der lärm=
empfindliche
Menſch iſt der Menſch der Großſtadt. Wenn irgend=
einem
der Lärm buchſtäblich auf die Nerven geht, dann ihm,
der Tag und Nacht in der an= und abſchwellenden Brandung von
Geräuſchen lebt, die vor allem die rieſige Entwicklung des Ver=
kehrs
mit ſich bringt. Geht er über die Straße, ſo wird ſeine
Aufmerkſamkeit von allen Seiten her beanſprucht. Von allen
Seiten her warnen ihn Autohupen, Zeitungsverkäufer ſchreien
ihn an, und wenn es dunkel geworden iſt, fällt noch eine Menge
bunter Lichter über ihn her, die ihm die Vorzuge von Haarwaſſer,
Zigarettenmarken uſw. ſchildern. Der Menſch der Großſtadt iſt
auf dieſe Weiſe einer Fülle von Seh= und Hörreizen
ausgeſetzt, die eine gewiſſe Ueberempfindlichkeit gegen Lärm bei
ihm hervorrufen.
Glaubt er ſich dann endlich einmal ſicher in einem ſtillen
Zimmer ſeiner Wohnung, ſo läßt ihn der plötzlich einfallende

Takt eines Teppichklopfers erneut aus der Haut fahren. So iſt
es kürzlich einem Manne in New York gegangen, der endlich Ruhe

zu haben meinte, als an einem der Fenſter der gegenüberlie=
genden
Wohnung ein anderer begann Poſaune zu blaſen. Der
lärmgequälte Mann griff einfach zum Revolver und ſchoß ſeinen
frei=
ahnungsloſen
Peiniger nieder. Der Mann wurde
geſprochen.
Es iſt ärztlich feſtgeſtellt.

daß der Lärm die Leiſtungsfähigkeit des Menſchen herabſetzt, daß
geſundheitlich Schädigungen durch nächtlichen Lärm eintreten,
auch wenn der Geſtörte nicht davon wach wird. Seit Jahren be=
müht
man ſich daher, den Lärm zu bekämpfen. Es gibt bereits
Erfindungen, durch die ganze Zimmer und Wohnungen ſchall=
ſicher
abgedämpft werden können. Damit aber hört der Lärm
draußen nicht auf. Rom und Paris haben daher vorerſt ein=
mal
das Hupen der Kraftwagen und Motorräder für die Zeit
nach Mitternacht verboten. Nur Lichtſignale ſind geſtattet und
was man nicht für möglich hält es gibt keine Verkehrs=
kataſtrophe
. Das Beiſpiel wirkt ermunternd. Zwar in Berlin
wird noch unterſucht und experimentiert. Inzwiſchen iſt man in
Wiesbaden bereits zur Tat übergegangen, und zwar dies=

mal radikaler als in Rom und Paris. Man hat eine ganze
hupfreie Woche durchgeführt, und zwar keineswegs durch
Verbot des Hupens, ſondern durch die freundliche Ermahnung an
alle Autofahrer, die Hupe nur im Falle wirklicher Gefahr zu be=
nutzen
. Der Erfolg war überraſchend. Selbſt auswärtige Kur=
gäſte
, die der Lärm plagte, kamen nach Wiesbaden, um dort ein
paar ſchöne, ruhige Stunden zu verleben für die Stadt ſelbſt
keine ſchlechte Werbung, die um dieſes Erfolges willen fortgeſetzt
werden ſoll.
Angeſichts der praktiſchen Möglichkeit, den Lärm des Groß=
ſtadtverkehrs
durch die Ausſchaltung der Autohupe weſentlich zu
dämpfen, fragt man ſich, warum ſolche Maßnahmen nicht längſt
ſchon in allen größeren Städten durchgeführt werden. Was für
Wiesbaden noch ein Experiment geweſen iſt, gehört in London
bereits zu einer der angenehmſten Erfahrungen; dort beſteht ſeit
einiger Zeit ein Hupverbot mit Ausnahme für Fälle dringendſter
Gefahr
In Amerika ſind die nachweislich ſchlimmſten Lärmmacher,
die Motorräder, in den Städten nur der Polizei erlaubt.
Soweit ſind wir natürlich in Mitteleuropa noch nicht. Man bil=
det
erſt noch Ausſchüſſe, die dieſe Fragen umſtändlich unterſuchen.
Und wenn es wirklich einmal zu einem allgemeinen Hupverbot
kommen ſollte, ſo bleibt immer noch der übrige Lärm, der viel
ſchlimmer ſein kann, wie z. B. der des Teppichklopfens im Hofe
oder Lautſprechers am offenen Fenſter des Nachbarn oder wie
oben einer Trompete.
Uebrigens iſt das Problem nicht ein ſo allgemeines wie man
denkt. So hat z. B. in Nachahmung der europäiſch= abendländi=
ſchen
Ziviliſation auch die türkiſche Stadt Stambul, einen
Lärmbekämpfungsausſchuß eingeſetzt, bereits vor einem Jahre.
Aber niemand hat etwas von ſeiner Tätigkeit gemerkt. Der Stam=
buler
Lärmausſchuß hat keinen Lärm geſchlagen, denn die Türken
ſind ſeltſamerweiſe keineswegs lärmempfindlich und haben gegen das
Hupen gar nichts einzuwenden. Vielleicht erledigt ſich das Pro=
blem
in den nächſten Jahren auch in Europa in ähnlicher Weiſe.
wenn die beginnende Entſtädterung zu einer neuen Form
menſchlichen Zuſammenlebens geführt hat, die eine Lärm=
bekämpfung
überflüſſig macht, weil die Abnahme des Verkehrs
und auch die übrigen Symptome der weltwirtſchaftlichen Rückent=
wicklung
an ſich ſchon eine Verminderung auch des Großſtadtlärms
Dr. 0. K.
mit ſich bringen dürften.

Aus dem Gerichksſaal.

Aw. Das Amtsgericht verhandelte am Dienstag unter
anderem gegen einen Kohlenarbeiter von hier, der, als er
krank geſchrieben war und von der Ortskrankenkaſſe auch Kranken=
geld
, 3 RM. täglich erhielt, gleichzeitig gearbeitet hatte. Der An=
geklagte
verſucht ſich als dumm hinzuſtellen; er habe nicht ge=
wußt
, daß das nicht angehe. Das gelingt ihm indeß nicht recht, und
der Amtsrichter verurteilt ihn wegen Betrugs, da er bereits
vorbeſtraft iſt auf dieſem Gebiet, zu einem Monat Ge=
fängnis
.
Auch ein Fahrraddieb, ein arbeits= und wohnungsloſer Bord=
macher
ſteht wieder vor dem Richtertiſch. Der Mann war auf die
merkwürdige Idee gekommen, vom Gaſthaus zum Anker, in dem
er einige Glas Bier getrunken hatte, ein gut abgeſchloſſenes Fahr=
rad
auf dem Rücken mit fortzutragen. Da er in Darmſtadt un=
kundig
war, lief er zum Schloß und direkt einigen Schupos in die
Arme, deren Aufmerkſamkeit er natürlich in ſeinem ſeltſamen Auf=
zug
erregte. Er erhält wegen Diebſtahls im Rückfall
er hat ſchon des öfteren auf ähnliche Weiſe ſeine Liebe zu frem=
neun
Monate Gefängnis,
den Fahrrädern bewieſen
die er ſelbſtverſtändlich annimmt. Sechs Wochen Unterſuchungs=
haft
werden ihm angerechnet.
Es ſtehen dann drei junge Kerlchen ſechzehnjährig vor
dem Richter wegen Vergehens gegen das Preſſegeſetz,
und der erſte außerdem wegen unbefugten Waffentra=
gens
. Die drei hatten eines Abends vor den Wahlen, als ſie aus
der Bibelſtunde kamen, die glorreiche Idee, ihrer politiſchen Be=
geiſterung
dadurch Ausdruck zu geben, daß ſie Werbeplakate für die
Nationalſozialiſtiſche Partei an eine Hauswand klebten. Leider
hatten ſie das Pech, gleich geſchnappt zu werden. Der erſte Ange=
klagte
verſteht es ganz gut, ſein ängſtliches Bubenherz hinter mög=
lichſt
unbekümmerter Miene und geſchickten Reden zu verbergen.
Er habe zufällig die Plakate und eine Düte Dextrin bei ſich ge=
habt
. Das Kleben an ſich gibt er zu. Die Waffe beſteht aus einem
Schulterriemen mit beſonders ſchwerem Karabinerhaken den er nur
ganz verſehentlich in der Taſche gehabt haben will. Die beiden
anderen ſind weſentlich ſchüchterner und ſtiller. Der Vater des
einen meint auf die Frage des Richters die drei ſeien doch eigent=
lich
noch rechte Kindsköpp und deshalb milde zu beſtrafen. Die
zwei werden dann auch freigeſprochen, da ihnen eine Mit=
hilfe
nicht einwandfrei nachgewieſen werden konnte, und der erſte
erhält eine Geldſtrafe von insgeſamt 20 RM.

In den Helia=Lichtſpielen ſtartet heute der erſte Opern=
Tonfilm Die verkaufte Braut nach der berühmten
Oper von Friedrich Smetana. In dieſem Film wird verſucht, die
Oper für den Tonfilm zu erobern. Die beſten Kräfte ſtanden
zur Verwirklichung dieſes Verſuchs zur Verfügung.
Die Palaſt=Lichtſpiele bringen ab heute die Erſtaufführung
des neueſten Harry=Piel=Films Jonny ſtiehlt Europa.
In dieſem ſpannenden Senſationsfilm ſpielen auch zwei vier=
beinige
Stars nämlich die Wunderſtute Europa und der Wun=
derhund
Greif.
Im Union=Theater ſieht man heute unwiderruflich zum
letzten Male Guſtav Fröhlich und Liane Haid in der entzücken=
den
Tonfilm=Operette Ich will nicht wiſſen, wer du biſt.
Reſi=Theater. Johann Strauß unſterbliche Melodien,
luſtige, ſich überſtürzende Einfälle, glänzende Beſetzung, mit einem
Wort: ein Erlebnis! Die Fledermaus mit Anny Ondra. Georg
Alexander. Hans Junkermann. Ivan Petrovitſch, Karl Ettlinger,
Oskar
Sima. Dazu ein gutes Beiprogramm.
Orpheum. Samstag und Sonntag, den 8. und 9. Oktober,
gelangt das entzückende Luſtſpiel Der dunkle Punkt von
Guſtav Kadelburg und Rudolf Presber zur Aufführung. Dieſes
erfolgreiche Stück hat infolge ſeiner glänzenden und humorvollen

Handlung über 1000 Aufführungen erlebt. Bei billigſten Preiſen
ein äußerſt reizvoller Abend für alle Beſucher. Sonntag nach=

mittag Märchen=Aufführung: Das tapfere Schneider=
lein
, ein luſtiges Märchenſpiel für große und kleine Kinder.
Friſchfleiſchverbilligung als Winterhilfe. Die von der
Reichsregierung beſchloſſene Friſchfleiſchverbilligung für den bis=
herigen
Kreis von Arbeitsloſen und ſonſtigen Hilfsbedürftigen
ſieht eine Verbilligung von zwei Pfund friſchem Rind= oder
Schweinefleiſch je Monat um 20 Pfg. je Pfund vor. Der erſte Be=
zugsſchein
mit drei Abſchnitten für je ein Pfund Friſchfleiſch wird,
ſoweit es ſich bei den Ausgabeſtellen (Arbeitsämtern und Für=
ſorgebehörden
) irgend ermöglichen läßt, Mitte Oktober mit der
Weiſung zur Ausgabe gelangen, daß der erſte Abſchnitt bis zum
12. November, die beiden übrigen Abſchnitte für den ganzen
Monat November Gültigkeit haben.
Neue Wegbezeichnung nach Groß=Zimmern. Von vielen
Freunden des Waldes wurde immer wieder beklagt, daß die vor
etwa 35 Jahren zum erſtenmal angelegte Wegbezeichnung den
Witterungseinflüſſen zum Opfer fiel. Gerade jetzt, wo ſich der Wald
anſchickt, ſein prächtiges Herbſtkleid anzulegen, haben bewährte
Wanderer, die Odenwaldklübler Wilhelm Scharmann und Ludwig
Schrauth, auf Anregung des hieſigen Verſchönerungsvereins und
mit Genehmigung der in Betracht kommenden Forſtbehörden die
verſchwiegenen Wege und Pfade durch den herrlichen Wald mit
einem weißen 2 (im Kreis) neu markiert‟. Die Wegbezeichnung
beginnt am Brunnersweg in der Nähe der Bismarckseiche und
führt in etwa 3 Stunden bequem nach Groß=Zimmern. Friſch auf
nun zur fröhlichen Waldfahrt!

Turngeſellſchaft Darmſtadt 1875.. Bei herrlichem Wetter

fand die Geſellſchaftsfahrt der Turngeſellſchaft 1875 mit einem
Heag=Omnibus ſtatt. 32 Perſonen nahmen daran teil und er=
lebten
einige genußreiche Stunden. Vom Theaterplatz ging es
über Nieder=RamſtadtOber=Ramſtadt hinauf nach Rohrbach, in
ſchöner Fahrt weiter durch Rodau nach Lichtenberg. Ein kurzer
Aufenthalt, herrliche Fernblicke vom Schloß, und ſchon ratterte
der Motor wieder zur Weiterfahrt. Hinunter gings durch Nie=
dernhauſen
und in wunderſchöner Fahrt aufwärts nach Nonrod,
dem Endziel der Fahrt. Nach einem ausgezeichneten Mittagstiſch
bei Gaſtwirt Friedhof (Penſion Berg) ſammelte man ſich zu
einem Rundgang durch den nahen Wald mit dem Endziel Spitz=
ſtein‟
. Zwei Aufnahmen werden die Teilnehmer an die ſchönen
Stunden noch oftmals erinnern. Die Rückfahrt brachte die Teil=
nehmer
nach Groß=Bieberau, wo eine kurze Pauſe bei Schönber=
ger
eingelegt wurde, um dann über ReinheimSpachbrücken-
Roßdorf den Mauern Darmſtadts entgegenzuſteuern.
Vereinigung von Katzenfreunden und Tierſchutzverein. Die
Monatsverſammlung der Vereinigung findet am Donnerstag,
dem 6. Okt im Fürſtenſaal Grafenſtraße 18 ſtatt. Die Ver=
ſammlung
wird ſich mit der Frage des Katzenwürgens zu befaſſen
haben, da am Sonntag, dem 18. Sept. d. J.. in Biblis wiederum
lebende Katzen Jagdhunden vorgeworfen wurden. (Siehe geſtrige
Anzeige.)
Vom Gabelsbergerſchen Stenographenverein von 1861 werden
ab heute abend neue Kurſe in Kurzſchrift und Maſchinenſchrei=
ben
eingerichtet. Der Unterricht wird von geprüften Lehrern
erteilt, und die ausgezeichneten Erfolge, die ſtändig von den
Mitgliedern erzielt werden, ſprechen für die Gründlichkeit der
Ausbildung. Wir verweiſen auf die heutige Anzeige des Vereins.
Die Kraftpoſt DarmſtadtBrandau verkehrt wegen einer
durch Straßenbauarbeiten verurſachten Straßenſperre über Nie=
Ernſthofen.
der=Modau Rohrbach Rodau Asbach
Ober=Modau wird vorübergehend von der Kraftpoſt nicht be=
rührt
. Die Abfahrtszeiten am Abgangsort der Kraftpoſt wer=
den
wie bisher eingehalten werden, dagegen wird in der An=
kunft
am Zielort eine durch die Umleitung bedingte Verzögerung
eintreten.

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Nächſte Dampferabfahrten der HamburgAmerika=Linie
(Auſtral=Kosmos=Linien). Ohne Verbindlichkeit. Aenderungen vor=

behalten. Nach New York: D. Deutſchland ab Hamburg 5. 10.,
ab Cuxhaven 6. 10., D. New York ab Hamburg 12. 10., ab Cux=
haven
13. 10., D. Albert Ballin ab Hamburg 19. 10., ab Cux=
haven
20. 10., D. Hamburg ab Hamburg 26. 10., ab Cuxhaven
27. 10. Nach Boſton Philadelphia, Baltimore, Norfolk ( Gemein=
ſchaftsdienſt
Hapag=Lloyd): D. Wiegand ab Hamburg 6. 10., D.
Hannover am Hamburg 13. 10., ein Dampfer ab Hamburg 20. 10.
Nach der Weſtküſte Nordamerikas (Gemeinſchaftsdienſt Hapag
Lloyd): MS. Portland ab Hamburg 8. 10., MS. Los Angeles
ab Hamburg 19. 10. Nach Mittelamerika=Weſtindien (in Gemein=
ſchaft
mit dem Norddeutſchen Lloyd, Bremen, und der Reederei
H. C. Horn, Flensburg): D. Jonia ab Hamburg 8. 10. MS.
Orinoco ab Hamburg 22. 10., D. Kreta ab Hamburg 29. 10.
Nach der Weſtküſte Zentral=Amerikas (Gemeinſchaftsdienſt Hapag=
Lloyd): MS. Portland ab Hamburg 8. 10., D. Bitterfeld ab
Hamburg 11. 10., MS. Orinoco ab Hamburg 22. 10. Nach Uru=
guay
und Argentinien: D. Taunus ab Hamburg 22 10. D
General San Martin ab Hamburg 30 10. Nach Südbraſilien
(in Gemeinſchaft mit der Hamburg=Südamerikaniſchen Dampf=
ſchiffahrts
=Geſellſchaft und dem Norddeutſchen Lloyd): D. Tene=
rife
ab Hamburg 13. 10. Nach der Weſtküſte Südamerikas (in Ge=
meinſchaft
mit der Roland=Linie, Bremen, und Deutſche Dampf=
ſchiffahrts
=Geſ. Kosmos, Hamburg): MS. Oſiris ab Hamburg
4. 10.. D. Askania ab Hamburg 18. 10. Nach Oſtaſien ( Gemein=
ſchaftsdienſt
Hapa=Lloyd); D. Oldenburg ab Hamburg 8. 10.,
Aller ab Hamburg 15. 10., MS. Sauerland ab Hamburg
22. 10., D. Derfflinger ab Hamburg 29. 10. Nach Auſtralien ( Ge=
meinſchaftsdienſt
der Deutſch=Auſtraliſchen Dampfſchiffs=Geſellſchaft,
Aktiengeſellſchaft, Hamburg, des Norddeutſchen Lloyd, Bremen,
und der Reederei Alfred Holt u. Co., Liverpool): D. Main ab
Nach Süd=
Hamburg 13. 10., ein Dampfer ab Hamburg 22. 10.
afrika (Deutſch=Auſtraliſche Dampfſchiffs=Geſellſchaft, Aktiengeſell=
ſchaft
, Hamburg): D. Lüneburg ab Hamburg 8. 10. Mitgeteilt
durch Reiſebrüo der HamburgAmerika=Linie, Luiſenplatz 1,
Telephon 1308.

Tageskalender für Donnerstag, den 6. Oktober 1932.
Union=Theater: Ich will nicht wiſſen, wer du biſt; Helia= Licht=
ſpiele
: Die verkaufte Braut;
Palaſt=Lichtſpiele: Jonny
ſtiehlt Europa‟
Rhein=
Reſi=Theater: Die Fledermaus.
gauer Weinſtube: Winzerfeſt. Bockshaut: Winzerfeſt.

Aus Heſſen.
Cp. Pfungſtadt. 5 Okt. Hobes Alter. Gaſtwirt Michael
Diehl in der Sandſtraße beging heute ſeinen 87. Geburtstag.

Ak. Nieder=Ramſtadt, 4. Okt. Obſt= und Gartenbau=
verein
. In allernächſter Zeit rückt der Termin zur Anlegung
der Leimringe an den Obſtbäumen zur Bekämpfung des Froſt=
ſpanners
heran. Die Bürgermeiſterei hat auf Grund der Polizei=
verordnung
bereits darauf hingewieſen, daß die Obſtbaumbeſitzer
verpflichtet ſind, dieſe Bekämpfungsmaßnahmen anzuwenden. Es
liegt außerdem im Intereſſe der Baumbeſitzer ſelbſt, dies zu tun,
weil der Erfolg ſich beſtimmt bei der kommenden Ernte ſichtbar
macht. Material hält der Verein zum Selbſtkoſtenpreis zur Ver=
fügung
.
Nieder=RamſtadtTraiſa, 5. Okt. Die hieſige Ortsgruppe
des Deutſchnationalen Handlungsgehilfen=Verbandes veranſtaltet
am Samstag, dem 8. Okt., abends, zu Traiſa im Gaſthaus Zum
(Walter) einen intereſſanten Vortragsabenv.
Heſſiſchen Hof
Herr Lehrer Brunner=Traiſa hat ſich liebenswürdigerweiſe bereit
erklärt, im Rahmen der DHV.=Veranſtaltungen über Die Wun=
der
der Sternenwelt
Streifzüge durch das Weltall zu ſpre=
chen
. Gäſte ſind herzlich willkommen. Der Zutritt zu dieſer Ver=
anſtaltung
iſt koſtenlos.
A0. Altheim, 5. Okt. Kirchweihfeſt. Das Kirchweihfeſt
wird kommenden Sonntag, den 9.. und Montag, den 10. Oktober,
dahier abgehalten.
Babenhauſen, 4. Okt. Eine großzügig angelegte Uebung
hielt die Freiw. und Pflichtfeuerwehr in Verbindung
mit der Freiw. Sanitätskolonne im Beiſein des Herun
Kreisfeuerwehrinſpektors Rödler=Dieburg und des Herrn Bür=
germeiſters
Klein ab. Während verſchiedener Marſchübungen
auf dem Bismarckplatz ertönte plötzlich Feueralarm durch die laut
heulende Sirene. Im Schulhaus hinter der evangeliſchen Kirche
war Feuer ausgebrochen. Sanitäter waren alsbald dort, retteken
Schulkinder aus dem oberen Stockwerk und brachten ſie nach dem
in der Nähe eingerichteten Verbandsplatz. Die Aufgabe der Wehr
war, das Feuer auf ſeinen Herd zu beſchränken, vor allem ein
Uebergreifen auf die alten Nachbargebäude und die Stadtkirche
dicht daneben zu verhüten. Alle Mannſchaften, die Feuerwehr un=
ter
ihrem Kommandanten Heinlein und die Sanitätskolonne
unter dem ſtellv. Leiter Fengel, arbeiteten zur vollen Zufrie=
denheit
und ernteten in der Kritik verdientes Lob.
Ci. Erbach, 5. Oktober. Bibliſches Alter. Der gräfliche
Hofkutſcher i. R., Herr Egly, feierte geſtern ſeinen 81. Geburts=
tag
. Herr Egly war in ſeinem Dienſte beſonders als Meiſter des
vierſpännigen Fahrens bekannt.
Bn. Hirſchhorn, 4. Okt. Verſchiedenes. Einen Beſuch
nicht alltäglicher Art erhielt vorgeſtern nachmittag unſer Städt=
chen
. Ein kapitaler Zehnender Hirſch kam aus dem Wald am
Schloßberg in die Nähe der dortigen Häuſer, zertrümmerte einige
Gartenzäune, beſah ſich durch ein Fenſter eine menſchliche Woh=
nung
, worauf er, durch die Bewohner verſcheucht, in dem Schloß=
bergtunnel
verſchwand. Nach einer Weile kam er wieder zum
Vorſchein. Bis die inzwiſchen benachrichtigten Jäger zur Stelle
waren, hatte er in dem benachbarten Walde ſich in Sicherheit ge=
bracht
. Seit einigen Tagen ſteht im Garten von Herrn Joſef
Wimpfheimer ein blühender Zwetſchenbaum.
Bn. Hirſchhorn a. N., 5. Okt. Wer trägt die Schuld?
Bei dem Bau der hieſigen Stauſtufe ſind auch eine Anzahl Neben=
arbeiten
auszuführen, die von Fall zu Fall vergeben werden, wo=
bei
möglichſt anſäſſige Handwerker und Arbeitskräfte Berückſich=
tigung
finden ſollen. Es wurden auch ſchon eine Reihe ſolcher
Arbeiten von hieſigen Arbeitskräften ausgeführt, die meiſtens
vom Neckarbauamt vergeben wurden. Nun hatte die Provinzial=
direktion
Darmſtadt die an der Schwergewichtsmauer der Um=
gehungsſtraße
zu errichtende Brüſtung zu vergeben, und damit
wurde von der heſſiſchen Behörde ausgerechnet ein badi=
ſcher
Unternehmer aus dem benachbarten Eberbach bedacht. Wie
die hieſigen Handwerker verſichern, war denſelben über die Ver=
gebung
dieſer Arbeit keinerlei Mitteilung von den heſſiſchen Stel=
len
zugegangen. Die hieſigen Handwerker und Arbeiter führen
mit Recht ins Feld, daß ſie mit ihren Steuergroſchen die durch
den Bau der Brücke und Umgehungsſtraße bedeutende finanzielle
Belaſtung der Gemeinde zum großen Teil decken müſſen, infolge=
deſſen
auch bei der Vergebung von Arbeiten durch die heſſiſchen
Behörden in erſter Linie Berückſichtigung finden müßten.
Neckarſteinach, 3. Okt. Arbeitereinſtellung. Nach
Beendigung des Stauſtufenbaues wurde die Arbeitsloſig=
keit
in der Gemeinde immer fühlbarer. Um ſo mehr erfreut jetzt
die Tatſache, daß Anfang dieſer Woche auf Grund der Notverord=
nung
etwa 30 junge Leute in dem Lederwerk Neckaria
eingeſtellt werden.
e. Bad Wimpfen, 5. Okt. Beſitzwechſel. Die hieſige Avo=
theke
, Beſitzer Karl Zimmermann, ging durch Kauf an Er=
win
Schurer, Zachan in Pommern, über. Der Kaufpreis be=
trägt
62 000 RM. Der ſeitherige Beſitzer der hieſigen Apotheke er=
warb
ſich die Apotheke Schmid in Geißingen zu dem Kaufpreis
von 45 000 RM.
Bt. Auerbach, 4 Okt. Verlegungder Kirchweih. Nach
altem Herkommen findet die hieſige Kirchweih am erſten Sonntag
im Monat November ſtatt. Da aber am Sonntag, den 6. Novem=
ber
, die Reichstagswahl ſtattfindet, hat der Gemeinderat die Vor=
verlegung
der Kirchweih auf Sonntag, den 30., und Montag, den
31. Oktober, beſchloſſen Die Nachkirchweih findet Sonntag, den
13. November, ſtatt. Brotverſorgung der notleiden=
den
Stände. Nachdem eine Gruppe der hieſigen Erwerbsloſen
eine verbilligte Brotverſorgung für ſich in die Wege geleitet
hat, hat die Berufsgruppe der hieſigen Bäckermeiſter im Rahmen
des Ortsgewerbevereines eine Vereinbarung getroffen, wonach
unter Vermittlung der Bürgermeiſtereien eine verbilligte Brot=
veſorgung
für alle notleidenden Stände, Arbeitsloſe und Sozial=
rentner
, die aus der Gemeindekaſſe Unterſtützungen beziehen, mög=
lich
wird. Es wird den betreffenden Konſumenten auf Grund
einer Wochenkarte die zuſtehende Brotmenge, zum Preiſe von
60 Rpfg. der Laib Brot, verabreicht werden.
Bb. Auerbach, 5. Okt. Hier verſtarb eine der älteſten Auer=
bacherinnen
, Fräulein Johanna Genter, im 85. Lebensjahr.
Bb. Bensheim, 5. Okt. Straßenraub. In der Nachmit=
tagsſtunde
zwiſchen 1 und ½2 Uhr wurde in der etwas abſeits
gelegenen, zum Gaswerk führenden Dammſtraße einem jungen
Mädchen von einem vorbeifahrenden Radfahrer hinterrücks das
Handtäſchchen mit einem Inhalt von Schlüſſeln, 2,50 Mark Bar=
geld
, einigen Briefmarken, Taſchentuch und Toilettegegenſtänden
entriſſen. Der Räuber iſt bis jetzt noch nicht erkannt und gefaßt.
Gernsheim, 4. Okt. Am 6. Oktober verläßt Herr Dekan
Vogel Gernsheim, wo er 35 Jahre als Pfarrer und Seelſorger
der evangeliſchen Kirchengemeinde treu und gewiſſenhaft ſeines
Amtes waltete. Am vergangenen Sonntag fand der Abſchieds=
gottesdtenſt
ſtatt, in dem Herr Oberkirchenrat Dr. Müller=
Darmſtadt eine tiefſchürfende Predigt über 1. Cor., Kapitel 15,
Vers 57 und 58 hielt. Da Herr Dekan Vogel jegliche weitere Feier
abgelehnt hatte, wurde ihm als äußeres Zeichen des Dankes und
der Anerkennung ſeiner Kirchengemeinde, ein Bild der Kirche in
Aquarellmalerei, durch eine Abordnung überreicht. Im März
1897 wurde Herr Dekan Vogel als Pfarrverwalter nach Gerns=
heim
verſetzt. Außer ſeiner amtlichen Tätigkeit wartete ſeiner auch
eine andere Arbeit, der Bau der Kirche. Dieſer Arbeit hat er ſich
mit großem Eifer angenommen. Als Seelſorger fehlte Pfarrer
Vogel an keinem Krankenbette. Er war ein eifriger Förderer und
Mitarbeiter des ſo ſegensreich wirkenden evangeliſchen Frauen=
vereins
; ebenſo konnte ſich der evangeliſche Kirchengeſangverein
ſeiner Mitarbeit und Fürſorge erfreuen. Die beiden Abſchieds=
chöre
, die der Verein ſeinem eifrigen Förderer am Sonntag ſang,
mögen Herrn Dekan Vogel ſagen, daß er auch von dieſer Seite
aufrichtigen Dankes ſich erfreuen darf. Herr Dekan Vogel, der
übrigens auch Gründer des evangeliſchen Männervereins iſt, kann
mit dem Bewußtſein in den Ruheſtand treten, daß ſeine Mühe
und Arbeit nicht vergeblich geweſen iſt, und die evangeliſche Ge=
meinde
Gernsheim ihren erſten Pfarrer in dankbarer Erinnerung
behalten wird.
* Gernsheim, 5. Oktober. Waſſerſtand des Rheins am
Pegel in Gernsheim am 4. Oktober: 0,55 Meter; am 5. Oktober:
0,56 Meter.

[ ][  ][ ]

Donnerstag, 6. Oktober 1952

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 278 Seite 7

Eine ſeltſame Wiederbegegnung.
Elwas zum Nachdenken über die Tierſeelen. Ein Erlebnis in der Schönbrunner Menagerie.

Von Paul Eipper.
Gar vielerlei habe ich mit Affen erlebt, Tumulthaftes, Frohes
und Nachdenkliches. Ich mußte über Affen lachen, ſtand zuweilen
erſchüttert vor dem Krankenlager eines ſolchen Vierhänders;
ein winziges Pinſeläffchen gab mir Rätſel auf der Mandrill
erſchreckte mich, dem Gorilla brachte ich Tag um Tag Gruß und
Leckerbiſſen. Am meiſten aber beſchäftigten mich von jeher die
roſtroten Orang=Utans aus den Bergwäldern Sumatras. Und
mit einem von ihnen erlebte ich in der Schönbrunner Menagerie
eine erſchütternde Wiederſehensſtunde.
Siebzehn Monate waren ſeit meinem letzten Beſuch in Wien
vergangen: Ob mich wohl der Orang noch erkennen wird? Da=
mals
war er erkältet geweſen, hatte Leibſchmerzen und ſaß trau=
rig
in einer Ecke. Ich habe manche Stunde bei ihm geſtanden.
ſeine heiße Hand geſtreichelt.
Aber das Affenhaus iſt bereits geſchloſſen; zu lange bin ich
beim großen Nashorn geblieben, hatte nicht auf die Abenddäm=
merung
geachtet. A
il ich anderen Tags ſchon wieder weiter=
ahren
mußte, ging ich zum Verwaltungsgebäude und fragte den
Inſpektor, wie es den dem Orang ginge.
Wien iſt die Stadt der Liebenswürdigkeit. Fünf Minuten
ſpäter ſchloß der Inſpektor das Menſchenaffenhaus auf, ſchaltete
das Licht im Wärtergang ein und bedeutete mir, von rückwärts
um Käfig des Orangs zu gehen. Aber ich zog ihn am Aermel
Bitte, gehen Sie zunächſt allein in Sichtweite des Tie=
zurück
.
s. Ich komme unauffällig nach, möchte ſehen, was dann der
Drang macht.

Gedeckt durch ein paar Transportkiſten, konnte ich unbemerkt
beobachten, wie der Orang beim Näherkommen des Inſpektors
aufſchaute jedoch ruhig in ſeiner Schlafecke ſitzen blieb. Er kannte
dieſen Menſchen ja von alltäglichen und wohl auch allnächtlichen
Rundgängen, wußte, daß durch ihn keine Gefahr drohte, daß nach
ein paar freundlichen Worten der Mann wieder weitergehen
würde. Aber diesmal blieb der Inſpektor dicht vor dem Käfig
ſtehen, und plötzlich tauchte aus der Dunkelheit noch ein zweiter
Menſch auf, ſah unentwegt herüber zu dem Orang.
Drei= und vierhundert Sekunden vergingen ſo. Vielleicht auch
die doppelte Zahl. Ich ſtand, ohne mich zu bewegen, ohne zu
ſprechen, etwa fünfviertel Meter vom Gitter entfernt im ſchwa=
chen
Licht der Deckenlampe. Vielerlei Gedanken gingen mir durch
den Kopf. und die Stille des Großen Hauſes drückte ſchmerzhaft
aufs Gemüt. Iſt es nicht beſſer, fortzugehen, den Affen ſchla=
fen
zu laſſen? Wozu dieſes Experiment? Aber ich fühle den Blick
des Tieres die ganze Zeit körperlich auf meiner Haut.
Und dann geſchieht etwas. Geräuſchlos wickelt ſich der Orang=
Utan aus ſeiner Wolldecke, rutſcht vor bis an die Grenze ſeines
Spielraumes und ſchiebt die beiden langen Arme zwiſchen den
Stäben hindurch, ſtreckt ſie mir mit weit ausgeſpreizten Fin=
gern
entgegen. Jede Bewegung vollzog ſich in langſamer. Ge=
meſſenheit
; keine Miene veränderte ſich in dem Tiergeſicht; ſtumm
blieb auch der Mund. Aber die Augen ſagten daß wir uns nicht
fremd geworden waren. Ich trat an den Käfig heran. legte
meine beiden Hände in die großen, ſchwarzen Affenfinger, die ſich
feſt um meine Gelenke ſchloſſen
So ſehr und ſo oft ich mich ſeitdem auch beſonnen habe: ich
weiß von keiner innigeren Wiederbegegnung.

jeds

Aus den Gemeinderaksſihungen.
Cp Pfungſtadt, 5. Oktober. Gemeinderatsſitzung. Der
emeinderat beriet zunächſt die Voranſchläge des Städtiſchen Elek=
trizitätswerkes
und des Waſſerwerks. Der Antrag der kommu=
ſtiſchen
Gemeinderatsfraktion, die Strompreiſe entſprechend dem
Einkommen der Abnehmer ſtaffelweiſe zu ſenken und die Zähler=
miete
aufzuheben, wurde abgelehnt. Der Voranſchlag für das
Städtiſche Elektrizitätswerk, der für das Rechnungsjahr 1932 in
Einnahme und Ausgabe mit 106 428,62 RM. abſchließt, wurde an=
genommen
. Auch der Voranſchlag des Städtiſchen Waſſerwerks, der
in Einnahme und Ausgabe mit 30 558,25 RM. abſchließt, wurde ge=
ehmigt
. Die vom Kreisamt geforderte Erhöhung der Steueraus=
lagſätze
des Rechnungsjahres 1932 auf den Landesdurchſchnitts=
tzwurde
einſtimmig abgelehnt. Die Herſtellung eines Radfahrer=
weges
auf der öſtlichen Seite der Sandſchollenſchneiſe im Wege des
Freiwilligen Arbeitsdienſtes wird gegen die Stimmen der Kom=
nuniſten
genehmigt. Mit der notwendigen Erweiterung des
Friedhofes iſt der Gemeinderat einverſtanden, jedoch ſind zunächſt
noch keine Mittel vorhanden. Gemeinderat Brauer empfahl hierzu
den Vorverkauf von Erbbegräbniſſen. Der Ankauf von 18 Zwet=
chenbäumen
, 12 Apfelbäumen und neun Birnenbäumen wurde ge=
nehmigt
. Der Viehmarktplatz ſoll mit Kaſtanien oder Platanen
epflanzt werden. Die Baumanlagen in den Gemarkungsteilen
Weidäcker
und Oberrollern ſollen mit Leimringen verſehen
verden. Wohlfahrtserwerbsloſe ſollen eine Reinigung der Ent=
und Bewäſſerungsgräben vornehmen. Pfungſtadt hat gegen=
wärtig
739 Wohlfahrtserwerbsloſe, rund hundert Sozialrentner
und 30 Kleinrentner zu unterſtützen. Der Wohlfahrtsausſchuß
vurde erweitert. Der Haſſia=Jugend wurde die Mitbenutzung
des Sportplatzes am Grünen Steg bis auf Widerruf genehmigt.
4l. Höchſt i. Odw., 4. Okt. Der Voranſchlag der Gemeinde
Höchſt konnte in zwei nichtöffentlichen Sitzungen fertiggeſtellt wer=
Die von der Verwaltung vorgeſehene Kanalbenutzungs=
en

gebühr in Höhe von einem Drittel des Waſſergeldes (8000 Mk.).
wwie die Erhebung eines Deckgeldes wurden mit der Begrün=
dung
abgelehnt, daß es unverantwortlich ſei, bei den ſchon be=
ehenden
ſchlechten wirtſchaftlichen Verhältniſſen den Steuer=
ahlern
neue Laſten aufzubürden. Im übrigen fand der von der
erwaltung aufgeſtellte Voranſchlag mit 64 000 RM. in Ein=
nahme
und Ausgabe gegenüber 69 000 RM. im Vorjahre mit
Ausnahme von einigen kleinen Abſtrichen die Zuſtimmung des
Gemeinderats.
4r. Neuſtadt i. Odw., 5. Okt. Ratsſitzung.=Bei der Be=
ratung
über die Bürgerſteuer wurde in öffentlicher Sitzung be=
Wegen
chloſſen, die Bürgerſteuer für 1932/33 einzuführen.
Verpachtung der Winterſchafweide für 1932/33 wird der Beigeord=
rete
ermächtigt, mit dem Pächter Gruber zu verhandeln, um nach
Möglichkeit den Pachtpreis von 325 RM., wie im vorigen Jahre.
zu erreichen.
Cf. Birkenau, 3. Okt. Ratsſitzung. Von der Ablehnung
ves abgeänderten Straßenprojekts am Ortsausgang nach Reiſen
eurch das Miniſterium des Innern wurde dem Rat Kenntnis
egeben. Es ſoll mit dem Miniſterium anläßlich der nächſte Woche
wegen der Zahlung der Wohlfahrtsunterſtützung ſtattfindenden
Beſprechung, nochmals verhandelt werden. Aus ſteuertechniſchen
Hründen wurde der Antrag des Ortsgewerbevereins auf Herab=
etzung
der Gewerbeſteuerausſchlagsſätze um 50 Prozent abgelehnt.
Eine Ermäßigung ſoll in dem Maße eintreten, wie ein Rückgang
des Gewerbes dem Finanzamt nachgewieſen wird. Die Hilfs=
bedürftigen
ſollen auch in dieſem Winter nach Möglichkeit mit
Kartoffeln und Brennmaterial verſorgt werden. Der Antrag
er Erwerbsloſenkommiſſion, die Pflichtarbeiter tarifmäßig zu
bezahlen, wurde mit 7 gegen 5 Stimmen abgelehnt. Ein Antrag
der kommuniſtiſchen Fraktion, den Pflichtarbeitern eine Ver=
=ütung von 50 Pfg. Geſchirrgeld und 1 Mk. Sondervergütung pro
Tag zu gewähren, wurde mit 9 gegen 3 Stimmen angenommen.

* Ein Roller-Rekord.

e. Unſere Zeit der Höchſtleiſtungen iſt um einen Beitrag
eicher geworden, den zwei achtjährige Jungens aus Bad Wimpfen
eliefert haben. An einem ſchönen Nachmittag ſtellten ſie ſich auf
ihre Roller, jenes Spielzeug, um das die Alten die junge Gene=
hation
beneiden, und fuhren immer geradeaus über Heilbronn
rach Sontheim. Eine Strecke von zirka 18 Kilometer. Ihr Ziel
war anfänglich Weinsberg. Auf dem Wege nach Sontheim beſuch=
ten
ſie ihre Tante, die höchſt erfreut und im gleichen Atem entſetzt
die kleinen tapferen Jungens in Empfang nahm. Als ſie den
Eltern, die ſich nach ihrer Anſicht beunruhigten, telephoniſch Nach=
richt
über den Verbleib der Kinder gab, da konnte ſie die Feſt=
ſt
ellung machen, daß die Kinder von ihren Eltern noch nicht ein=
mal
vermißt wurden. Die Kinder wurden abends mit dem Auto
nach hier zurückgeholt.
Au. Klein=Gerau. 4. Okt. Die Einweihung der erſte
Eirchenglocke. Die Glocke wurde in der Glockengießerei Rin=
ker
im Weſterwald gegoſſen und kam am Freitag hier an. Sie
rägt die Inſchrift: Eine feſte Burg iſt unſer Gott‟. Die Glocke
wurde feſtlich, mit Blumen geſchmückt, durch die Straßen gefahren.
Der Poſaunenchor Groß=Gerau begleitete die Glocke, durch die
traßen und ſpielte feierliche Choräle. Ebenſo das Trommler=
umd
Pfeiferkorps des Turnvereins. An der Kirche begann dann
ne kurze Feier, zu der Pfarrer Pabſt=Worfelden ſprach. Als
Vertreter der Gemeinde ſprach dann Bürgermeiſter Bender.
Mit dem Choral Nun danket alle Gott und dem Vaterunſer be=
Hloß Pfarrer Pabſt die Feier mit herzlichen Dankesworten an
ale Mitwirkende.
Da. Egelsbach. 4. Okt. Die Arbeitsgemeinſchaft der Hunde=
juchtvereine
Egelsbach, Langen, Offenthal führte eine Dreſſur=
prüfung
durch. Von jedem Verein waren drei Hunde vorgeführt.
Aruf den Brühlwieſen wurde Suchen vorgenommen, worauf ſich
auf dem Dreſſurplatz am Steinweg noch Gehorſamsübungen und
Mannarbeit anſchloſſen. Die Hunde des Egelsbacher Vereins e
teichten unter der Wertung durch Herrn Kauſſer=Frankfurt die
höchſte Punktzahl, dann folgte Langen und zuletzt Offenthal.
By. Langen, 5. Okt. Jubiläen. Am 1. Oktober waren es
25 Jahre, daß Herr Reichsbahninſpektor Klink. Vorſteher der
Bahnmeiſterei Langen, in den bautechniſchen Dienſt der Reichs=
bahn
trat.
Herr Hausverwalter Fink an der hieſigen Real=
Herr
ſchule beging am 1. Oktober ſein 25jähriges Jubiläum.
Gottfried Lippert Prokuriſt der Firma Stempel in Frankfurt,
war am 1. Oktober 25 Jahre im Die zſte der Firma.

Kapelle auf der deutſchen Kriegsgräberſtätte
Liſſey, Dep. ſeuſe, Krankreich. Errichtet vom
Volksbund Deutſche Kriegsgräberfürſorge e.D.

i. Viernheim, 4. Okt. Die ſeit 1924 ſtillgelegte Fabrik
Moenania ſoll wieder ihrer Zweckbeſtimmung zugeführt wer=
den
. Herr Guſtav Riebelmann aus Friedlingen hat das Fabrik=
anweſen
erworben und plant vorerſt eine Raffinerie zur Gewin=
nung
von Oel für die Seifenfabrikation in Betrieb zu ſetzen. Die
Gemeinde hat weitgehende ſteuerliche Erleichterungen beſchloſſen,
um die Aufnahme der Arbeiten in jeder Hinſicht zu fördern.
Bm. Hofheim (Ried), 4. Okt. Freiw. Arbeitsdienſt.
Mit der Herſtellung eines Badeplatzes am Mühlgraben wurden
hier geſtern 20 junge Leute im Freiwilligen Arbeitsdienſt ein=
geſtellt
. Die Arbeiten werden längere Zeit in Anſpruch nehmen.
Vereinsjubiläum. Der hieſige Männergeſangverein Lie=
derkranz
(Leitung: Herr Lehrer Röder) feiert am 16. Oktober
in ſchlichter Weiſe ſein 25jähriges Beſtehen.
A-t Goddelau, 5 Okt. Odenwaldklub. Mit der zwölften
Wanderung endete das Wanderjahr 1932. Bei herrlichem Wetter
wurde die Wanderung in Griesheim begonnen. Wohl war ſie in
einer ebenen ſonſt reizloſen Gegend, aber die Führer Graulich und
Mölbeck hatten hierzu recht ſchöne Wege ausgewählt, die teils
durch Nadel= und Buchenwald führten. Gegen 12 Uhr gelangte
man in Weiterſtadt an, nachdem vorher das Braunshardter
ſchlößchen, heute Charitasheim, beſichtigt worden war. Nach der
Mittagsraſt bei Linnert in Weiterſtadt traten die Klübler den
Rückweg über den Gehaborner Hof an und kamen gegen halb 5
Uhr in Griesheim an, wo im Riedhof Schlußraſt war.
P. Rüſſelsheim, 5. Okt. Die nach den Plänen des Architekten
Profeſſor Meißner=Darmſtadt errichteten Friedhofsbauten;
Leichenhaus, Friedhofskapelle mit Glockenturm und Nebenräumen
werden am 15. Oktober durch eine einfache Feier ihrer Beſtim=
mung
übergeben. Von dieſem Tage ab wird das Leichenhaus auf
dem alten Friedhof nicht mehr benutzt.
Rüſſelsheim, 5. Okt. In einer im benachbarten Haßloch
abgehaltenen Sitzung des Landausſchuſſes im Arbeitsamtsbezirk
Mainz wurde der Antrag der Landbewerber des unteren Main=
gebietes
um Herabſetzung des Pachtzinſes um 25 Prozent für das
Pachtjahr 1932 beſchloſſen, dagegen eine Herabſetzung des Pacht=
zinſes
rückwirkend für das Jahr 1931 abgelehnt.

* Mord oder Tolſchlag in Planig (Rheinheſſen)?
Mainz, 5. Oktober. Der hübſch zwiſchen Genſingen=Horrweiler
und Kreuznach gelegene Weinort Planig (Rhh.) war, wie erſt jetzt
bekannt wird wiederum, wie ſchon öfters, in der Nacht vom
Sonntag auf Montag der Schauplatz eines grauſigen Verbrechens.
Am Montag vormittag machte die Ehefrau des Landwirts Hans
Emrich, die mit ihrer Familie in der ſogenannten Villa
wohnt, die Anzeige bei der dortigen Polizei, daß der ſeit kurzer
Zeit bei ihr in Logis wohnende 56jährige Arbeiter Schäfer tot
auf einer Matratze in ſeinem Zimmer liege. Der hinzugerufene
Arzt ſtellte feſt, daß der Tote anſceinend erwürgt war,
und benachrichtigte die Mainzer Staatsanwaltſchaft. Am Halſe
der Leiche des Schäfer wurden deutlich ſichtbare Würge=
male
feſtgeſtellt. Es wurden ſofort umfangreiche Vernehmungen
vorgenommen, die zur Verhaftung und Einlieferung des ebenfalls
ſeit einiger Zeit im Hauſe wohnenden 21jährigen Malers Go=
licke
in das Gefängnis Wöllſtein führten. Die Feſtſtellungen er=
gaben
, daß Schäfer, Golicke und Frau Emrich am Sonntag abend
in der Küche der Wohnung erhebliche Quantums Alkohol vertilgt
hatten. Anſcheinend muß G. auf Sch. eiferſüchtig geworden ſein,
denn es kam ſchon in der Küche zwiſchen den beiden zu einer Aus=
einanderſetzung
, worauf G. den Raum verließ und ſich angeblich
zu Bett begab. Kurz nach Mitternacht ſuchte auch der Schäfer ſein
Schlafzimmer auf, woſelbſt er am anderen Morgen von der Frau E.
tot aufgefunden wurde. Die Frau gab bei ihrer Vernehmung an,
daß der G. nach Mitternacht an ihrer Türe geklopft und gerufen
Die
habe: Den Kerl habe ich eben umgebracht
Frau hielt dieſe Aeußerung nicht für ernſt und ſchlief weiter. Der
G. erklärte bei ſeiner Vernehmung, daß er gegen Mitternacht durch
Hochheben eines Rolladens in das zu ebener Erde gelegene Schlaf=
zimmer
des Schäfer eingeſtiegen ſei und nachdem er mit ihm in
Streit geraten, ihn am Halſe gewürgt habe. Sch. ſei hingeſtürzt,
worauf er ihn auf die Matratze gelegt habe. Die Staatsanwalt=
ſchaft
iſt der Anſicht, daß die Möglichkeit beſteht, daß der Täter
in das Zimmer eingeſtiegen und den durch reichlichen Alkoholgenuß
widerſtandsloſen Schäfer im Schlaſe erwürgt hat. Sie iſt mit der
weiteren Aufklärung, ob Mord oder Totſchlag vorliegt, noch be=
ſchäftigt
.
* Mainz, 5. Okt Zum 1. Konzertmeiſter des Main=
zer
ſtädtiſchen Orcheſters wurde in der Sitzung des Ver=
waltungsausſchuſſes
für das ſtädtiſche Theater und Muſikange=
legenheiten
der ſeiherige 1. Geiger des ſtädtiſchen Orcheſters Han=
nover
, Herr Robert Peinemann, gewählt. Herr Peinemann
iſt 25 Jahre alt und war längere Zeit als Geiger in dem bekann=
ten
Havemann=Quartett tätig. Herr Siegfried Nürnber=
ger
=Bremen, der von 1929 bis 1931 als Schauſpieler dem Heſſi=
ſchen
Landestheater Darmſtadt angehörte, iſt von der Intendanz
des Mainzer Stadttheaters für ein Regie=Gaſtſviel auf Anſtellung
verpflichtet worden, und zwar wird er das Drama Katte von
Hermann Burte inſzenieren. Der als Schauſpieler und Spiel=
leiter
verpflichtete Herr Hans von Schwerin iſt auf ſeinen
Antrag hin ab 1. November von ſeinem Vertrag entbunden
worden.
Ac. Worms, 5. Okt. Schwerer Sturz bei einer
Fuchsjagd. Bei einer Fuchsjagd in Monsheim ereignete ſich
ein ſchwerer Sturz Beim Nehmen eines Hinderniſſes ſtürzte ein
ſehr wertvolles Pferd ſo unglücklich, daß es das Genick brach. Der
Reiter, Herr Dr. Lewin von hier, erlitt bei dem Unfall eine leichte
Gehirnerſchütterung.
Ab. Vendersheim (Rhh.), 5. Okt. Bürgermeiſterwahl.
Bei der hier ſtattgefundenen Bürgermeiſterwahl wurde Landwirt
Philipp Horſt 2. mit 115 Stimmen zum Bürgermeiſter gewählt.
Der Gegenkandidat Karl Schmitt erhielt 96 Stimmen.

Beikler mit Auko.

Gießen, 4. Okt. Anläßlich des Grenadiertages traf in einer
Gaſtwirtſchaft eines Nachbardorfes ein Kraftwagen ein, deſſen 3
Inſaſſen eine Dame und 2 Herren von hier zu Fuß nach
Gießen pilgerten, um wie ſich herausſtellte beim Grenadier=
tag
als Schwerkriegsbeſchädigte die Mildtätigkeit der Feſtgäſte
in Anſpruch zu nehmen. Die Frau ſang zu einer Gitarre, die
Männer heiſchten auf andere Weiſe Gaben. Um Mitternacht
kehrten ſie in ihr Quartier zurück und packten ganze Berge
Kupfer= und Nickelmünzen aus. Es wurde gut gegeſſen und ge=
trunken
, und am nächſten Morgen gings wieder nach Gießen zum
einträglichen Geſchäft. Wie ſie ſelbſt angaben, beſuchen ſie alle
größeren Veranſtaltungen und Märkte in Deutſchland. Sehn
Sie, das iſt ein Geſchäft.
Briefkaſten.
Jeder Anfrage iſf die ſetzte Bezugsqulttung beizufügen. Anonyme Anfragen werden
nicht beantwortet. Die Beantwortung erfolgt ohne Rechteverbindlichtet.
C., hier. Das Recht auf den Pflichtteil iſt ein bloßes For=
derungsrecht
auf Zahlung der Hälfte des Wertes des geſetz=
lichen
Erbteils bzw. des an dieſer Hälfte fehlenden Teils, iſt
alſo kein Erbrecht. Sind mehrere Erben eingeſetzt, ohne
daß die Erbteile beſtimmt ſind, ſo ſind ſie zu gleichen Tei=
len
eingeſetzt. Eine Ausnahme greift nur dann Platz, wenn
der Wille des Teſtierenden, den Umfang des Erbteils anders zu
beſtimmen, aus dem Teſtament ſelbſt hervorgeht.
F., hier. Nach § 3 3. 6 des Umſatzſteuergeſetzes vom 30. Jan.
1932 ſind Handlungsagenten und Makler, ſofern ſie Bücher führen
und die ſteuerpflichtigen Umſätze im Steuerabſchnitt ( Kalender=
jahr
) den Betrag von 18 000 RM. nicht überſteigen, von der
Steuer befreit. Sie werden deshalb wegen der Anforderung rekla=
mieren
müſſen.
R. J. 1. und 2. Eine allgemeine Regelung iſt in den
bezüglichen Verordnungen nicht erfolgt, und wird es immer auf
den Einzelfall ankommen. Zur Rückſprache wollen Sie vielleicht
gelegentlich auf der Schriftleitung an einem Werktag, vorm. 8.30
Uhr, vorſprechen und die Unterlagen mitbringen.

(I.K5.10790

W A L.

O R

Nachdenkliches uiben
BLAU PUNKT
Mein Herr redet heute sovielvon dem
dicken Formatobermich damit meint?

Nein, das nicht; aber der Herr hat wahrscheinlich die neue Zigarette Blaupunkt
entdeckt und überlegt, daß er endlich auch für 4 Pfennig eine Zigarette bekommen
kann, die lang und dick ist und ein fabelhaftes Aroma hat. Außerdem hat er dann
in jeder Zehner-Packung noch eine Wertmarke einen Blaupunkt‟. Für 50
Punkte gibt es entweder I0 Zigaretten oder I6 Stickereten gratis, ganz wie man will.
BlauPunkt
mit und ohne Mundstück
A s TO RIA G-MB H
*

[ ][  ][ ]

Seite 8 Nr. 278

*/Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Darmſtädter Te

Donnerstag, 6. Oktober 1932

Die Stadk ohne Arbeitsloſe.

Die Jeruſalemer müſſen Waſſerkaufen.

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hertliche
die 1ei
beginnen
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Links: Das Rathaus der Stadt Reppen bei Frankfurt an der Oder.
Rechts: Eine Tafel, die man anderswo wohl kaum noch antrifft: Arbeitskräfte werden geſucht.
Mitte unten: Der tüchtige Bürgermeiſter Czymmek von Reppen.

Das Städtchen Reppen bei Frankfurt an der Oder, das etwa 6000 Einwohner zählt, iſt in der
glücklichen Lage, keine Arbeitsloſen aufzuweiſen. Die ſtädtiſchen Körperſchaften verſtanden es durch
Hausarbeiten, Straßenbau und landwirtſchaftliche Kultivierungen jedem eingeſeſſenen Arbeit=
ſuchenden
Beſchäftigung zu verſchaffen.

Anſtehen zum Waſſerkauf. Vorn links ſind die Waſſerbehälter zu ſehen, die alle die gleiche
beſtimmte Größe haben müſſen.
Gegenwärtig herrſcht eine furchtbare Trockenperiode in der Hauptſtadt von Paläſtina, dieſem
von Natur waſſerarmen Lande. Nur einmal in der Woche haben die Bewohner von Jeruſalem
die Möglichkeit, Waſſer zu kaufen, und zwar jeder ein beſtimmtes Quantum, das er ſich dann
entſprechend einteilen muß.

em
huite,

jeder Hinſie
knis
ſeinen
mir
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Ge
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den
teie

Reich und Ausland.

Der Mord auf der Mainuferſktraße.

Frankfurt a. M. Die Polizei hat bis jetzt
den Raubmord an dem Brotkutſcher Wagner noch
nicht klären können. Einwandfrei feſtgeſtellt iſt,
daß die beiden jungen Leute, die verſchiedent=
lich
zur Zeit der Tat Kraftwagen anzuhalten
verſuchten, nicht als Täter in Frage kommen. Sie
ſind ermittelt worden und wollten lediglich, da
ſie in Bieber wohnen, einen gutmütigen Chauf=
feur
ſuchen, der ſie ein Stück Wegs mitnahm.
Das gelang ihnen auch ſpäter. Als Täter kommt
ein 1,70 Meter großer, mit Sportanzug und
Sportmütze bekleideter Mann in Frage. Um die
Mithilfe des Publikums wird dringend gebeten.
Die Kriminalpolizei fahndet jetzt nach ſehr wich=
tigen
Zeugen, und zwar nach dem Arbeiter und
Artiſten Joſef Förſter, am 24. Juli 1897 in
Gießen geboren, und nach dem Sattler Chriſtian
Ewald, am 12. Oktober 1900 in Frankfurt a. M.
geboren. Perſonen, die über den Aufenthalt der
beiden Genannten etwas ausſagen können, wer=
den
gebeten, ſich ſobald als möglich auf der Poli=
zei
zu melden.

Der neue Reichsrundfunkkommiſſar?

Jugendlicher wirft die Geliebte in den Main.
Frankfurt a. M. Die Polizei verhaftete
den 21jährigen kaufmänniſchen Angeſtellten
Robert Stubenrauch und ſeine beiden 17 und 18
Jahre alten Freunde, die im Dezember vorigen
Jahres die 19jährige Hausangeſtellte. Emma
Buſſe von einer Mainbrücke in den Main ge=
worfen
hatten, ſo daß das Mädchen ertrank. Man
glaubte ſeinerzeit, die Buſſe hätte Selbſtmord
verübt. Nunmehr ſtellt ſich aber heraus, daß
Stubenrauch, der mit dem Mädchen ein Ver=
hältnis
unterhalten hatte, es gemeinſam mit
ſeinen zwei Freunden nachts von der Main=
Neckar=Brücke in den Main geworfen hatte, um
ſich des Mädchens zu entledigen.

Verhükeke
Zuiderſee=Kakaſtrophe.

Prof. Dr. Schubotz,

der Leiter der Deutſchen. Welle, wird als der
Nachfolger von Dr. Scholz genannt, der von
ſeinem Poſten ſcheiden wird.

Eiſenbahnunfall bei Lüneburg.
Güterzug entgleiſt.

Achtet auf eure Kinder!
Herborn. In Ballersbach kam ein drei=
jähriger
Junge einem Kübel mit kochendem
Waſſer zu nahe und ſtürzte hinein. Das Kind
erlitt ſo ſchwere Brandwunden, daß der Tod
alsbald eintrat.

Der Heniorchef der Schokoladenfabrik
Stollwerck geſtorben.

Generalkonſul Dr. Carl Stollwerck,
der Seniorchef der weltberühmten Schokoladen=
fabrik
, iſt auf ſeinem oberbayeriſchen Landgut
geſtorben.

Lüneburg. Am Mittwoch gegen 4,30 Uhr
ereignete ſich in der Nähe des Rangierbahnhofes
Lüneburg ein Eiſenbahnunfall. Ein Güterzug,
der aus der Richtung Uelzen kam und mit einer
Geſchwindigkeit von 40 Stundenkilometern fuhr,
entgleiſte plötzlich. Sämtliche Wagen wurden
umgeriſſen und zum Teil völlig ineinanderge=
ſchoben
, ſo daß ein wüſter Trümmerhaufen ent=
ſtand
. Von dem Zugperſonal wurde niemand
verletzt, doch iſt der Materialſchaden ſehr groß.
Es wurde ſofort ein Hilfszug angefordert, der
mit den Aufräumungsarbeiten begann. Der Ver=
kehr
wurde umgeleitet. Die Urſache der Entglei=
ſung
liegt darin, daß die Achſe eines Benzol=
Tankwagens ſich heißgelaufen hatte. Dadurch
entſtand ein Achſenſchenkelbruch, der bei der gro=
ßen
Fahrtgeſchwindigkeit des Zuges zu der Ent=
gleiſung
führte. Ein Auslaufen des Benzoltanks,
wodurch ein Brand entſtanden wäre, konnte ver=
mieden
werden.

Durch Zufall ſind umfangreiche Bodenſen=
kungen
an den Schleuſen der neuen Abflußdeich=
werke
der Zuiderſee feſtgeſtellt worden, die, falls
ſie nicht rechtzeitig entdeckt worden wären, die
ganzen, mit einem Milliardenaufwand ausge=
führten
Arbeiten zur Trockenlegung eines Teils
des Zuiderſee gefährdet hätten. Es handelt ſich
um Unterſpülungen unter den Schleuſen in einer
Tiefe von zehn Metern. Die Unterſpülungen
werden durch die außerordentlich ſtarken Waſſer=
ſtrömungen
, die durch den Abfluß des Jjelſee=
Waſſers durch die Schleuſen in das Wattenmeer
entſtanden ſind, hervorgerufen. Glücklicher=
weiſe
wurden dieſe Unterſpülungen feſtgeſtellt,
bevor die Fundamente der Schleuſe in erhebliche
Mitleidenſchaft gezogen worden wären. Wären
die Schäden unbemerkt geblieben, dann wäre der
Einſturz der geſamten Schleuſenwerke die unab=
änderliche
Folge geweſen. Schleunigſt ſind jetzt
techniſche Maßnahmen getroffen worden, um wei=
teren
Unterſpülungen entgegenzuarbeiten. Aber
trotzdem wird es ſich nicht umgehen laſſen, daß
neue Dämme und wahrſcheinlich auch eine dritte
Schleuſe gebaut werden müſſen. Durch dieſen
Zwiſchenfall iſt natürlich die urſprünglich für
Montag geplante Freigabe eines weiteren Teils
des Abflußdeiches auf unbeſtimmte Zeit hinaus=
geſchoben
worden. Die Direktion der Zuiderſee=
Werke beſtätigt übrigens die Bodenſenkungen,
gibt jedoch gleichzeitig bekannt, daß kein Grund
zu irgendwelchen Beunruhigungen vorhanden ſei.

Landgerichtsdirektor Dr. Aſchaffenburg .

Frankfurt a. M. Der Vorſitzende des
Landesarbeitsgerichts Frankfurt a. M. und des
Bühnenſchiedsgerichts, Landgerichtsdirektor Dr.
Aſchaffenburg, iſt geſtern im Alter von 55 Jahren
plötzlich infolge eines Herzſchlages geſtorben. Mit
ihm iſt einer der angeſehenſten Frankfurter Ju=
riſten
dahingegangen. Als ſtellvertretender Vor=
ſitzender
des Schlichtungsausſchuſſes hat er es
ſtets verſtanden, die Intereſſen der Arbeitgeber
wie der Arbeitnehmer in verſöhnendem Geiſte
auszugleichen. Dr. Aſchaffenburg war auch gleich=
zeitig
Vorſitzender der Reichsdiſziplinarkammer
Frankfurt.

Durch ein Kopftuch tödlich verunglückt.
Blankenheim (Eifel). Auf der Provin=
ziallandſtraße
Plankenheim-Tondorf ereignete
ſich ein eigenartiger Verkehrsunfall. Einer Frau
aus Mülheim, die einem aus Richtung Tondorf
kommenden Perſonenwagen ausweichen wollte,
wurde durch den Sturm das Kopftuch ins Geſicht
geweht. Die Frau, die dadurch an der Sicht be=
hindert
war, lief vor den Wagen und wurde zu
Boden geworfen. Mit ſchweren inneren Ver=
letzungen
wurde ſie in ein Krankenhaus geſchafft,
wo ſie kurz nach ihrer Einlieferung ſtarb.

Bisher ſieben Todesopfer der Typhus=
Epidemie in der Kattowiher Kaſerne.

Kattowitz. Die vor einigen Tagen in
der Kattowitzer Kaſerne ausgebrochene Typhus=
epidemie
hat bisher ſieben Todesopfer gefordert.
Es liegen außerdem noch etwa 100 Soldaten
ſchwerkrank darnieder, an deren Aufkommen ge=
zweifelt
wird. Die zur Uebung einberufenen Re=
ſerviſten
wurden wieder heimgeſchickt, um eine
weitere Verbreitung der Seuche zu verhüten.

Großfeuer in einer Pappenfabrik.

Windiſcheſchenbach (Oberpfalz). In=
folge
Heißlaufens eines Lagers entſtand in der
Nacht zum Mittwoch in der Pappenfabrik Win=
diſcheſchenbach
ein Feuer, das in kurzer Zeit
einen derartigen Umfang annahm, daß die ge=
ſamte
Schleiferei, die Fabrikationsräume und
die Kartonnagenabteilung ſowie ein Teil der
Lagerbeſtände und des Rohmaterials ein Raub
der Flammen wurden. Der Schaden wird auf
über 300 000 RM. geſchätzt.

Fünfzehnjähriger erſchießt ſeine Baſe.
Roſtock. Zu einem furchtbaren Unglücksfall
kam es in einem Hauſe der Altſtadt. Ein bei
ſeinem Onkel zu Beſuch weilender 15jähriger
Junge eignete ſich den Revolver ſeines Onkels
an und ſpielte mit der Waffe. Plötzlich ging
ein Schuß los, der der daneben ſtehenden Baſe
des unglücklichen Schützen in den Kopf drang.
Das Mädchen war auf der Stelle tot.

Ein Toter, vier Verletzte bei einem Grubenunfall.
Kattowitz. Am Dienstag abend ereignete
ſich auf der Max=Grube in Michalkowitz ein
Grubenunfall. Durch Zubruchgehen einer Strecke
wurden fünf Bergleute verſchüttet, von denen
einer getötet wurde. Zwei Bergarbeiter wurden
ſchwer, die anderen leicht verletzt.

Beirngsprozeß gegen die Leiter des
größken amerikan. Elektro=Konzerns.

Dr. Inſull,

der Begründer und Seniorchef des nach ihm be=
nannten
amerikaniſchen Rieſen=Elektro=Konzerns
ſteht jetzt ebenſo wie ſein Bruder Martin weger
Diebſtahls und Unterſchlagung unter Anklage
Gegen ſeinen Konzern, der mit rund 2 Milliar
den Mark paſſiv iſt, wurde bereits im Frühjahz

dieſes Jahres die Konkurseröffnung beantragt,

Die neueſten Ausgrabungen:
in Herculannm.

Künſtleriſch ausgeführter Eingang zu einen
Patrizier=Haus in Herculanum, das im Jahre
79 n. Chr. zugleich mit Pompeji durch ein Erd=
beben
vollkommen zerſtört wurde. Die letzteif
Ausgrabungen durch die dort jetzt ganze Straßen)
züge freigelegt wurden, geben Zeugnis von den
Hochſtand der damaligen Kulturepoche.

ZurBereitung vorzüglicher Fleischbrühe nimmt man

[ ][  ][ ]

Zart und matt getönt sei der Teint!
Kein unschöner Glanz darf die Schönheit der Haut
beeinträchtigen. Verwenden Sie daher regelmälsig
Tag für Tag zur Pflege Ihres Teints Matt-Creme.
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Schönheits-Cremes gibt dem Teint rasch die begehrte
zart matte Tönung, die ihn stet= jugendtrisch und
makellos gebflest erscheinen lälst. Auch als Puder-
unterlage
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Donnerstag, 6. Oktober 1932

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 278 Seite 9

Ein Arzt im Uruatd.

Die Behandlungsmeihoden bei primikiven Menſchen. Ein Krankenhausbekrieb unker komplizierken
Verhälkniſſen. Aerzkliche und Miſſionskäkigkeik in fernem Erdkeil.

Im kropiſchen Afrika.
Von Albert Schweitzer.
Am Karfreitag nachmittag 1913 verließen meine Frau und
ich Günsbach; am Abend des 26. März ſchifften wir uns in
Bordeaux ein.
In Lambarene bereiteten uns die Miſſionare einen ſehr
herzlichen Empfang. Leider war es ihnen nicht möglich geweſen,
die kleine Wellblechbaräcke, in der ich meine äzrtliche Tätigkeit
beginnen ſollte, zu erſtellen. Sie hatten die nötigen Arbeiter
nicht zuſammengebracht. Der damals im Ogowegebiet eben auf=
blühende
Handel mit Ookoumeholz bot den Eingeborenen, die
einigermaßen anſtellig waren, eine beſſer bezahlte Beſchäftigung,
als ſie auf der Miſſionsſtation zu finden war. So mußte ich
als Konſultationsraum vorerſt einen alten Hühnerſtall neben
unſerem Haus benützen. Im Spätherbſt konnte ich dann die
8 Meter lange und 4 Meter breite, mit einem Blätterdach be=
deckte
Wellblechbaracke unten am Fluß beziehen, die einen kleinen
Konfultationsraum, einen ebenſolchen Operationsſaal und eine
noch kleinere Apotheke enthielt. Um dieſen Bau herum entſtanden
nach und nach eine Reihe von großen Bambushütten zur Unter=
bringung
der eingeborenen Kranken. Die Weißen fanden bei den
Miſſionaren und im Doktorhäuschen Aufnahme.
Gleich von den erſten Tagen an, ehe ich noch Zeit gefunden
hatte, die Medikamente und Inſtrumente auszupacken, war ich
von Kranken umlagert. Die auf Grund der Landkarte und der
Angaben von Herrn Miſſionar Morel, einem Elſäſſer, getroffene
Wahl Lambarenes als des Sitzes des Spitals erwies ſich in
jeder Hinſicht als richtig. Von 200 bis 300 Kilometern im Um=
kreis
konnten die Kranen in den Kanus auf dem Ogowe und
ſeinen Nebenflüſſen von ſtromaufwärts und ſtromabwärts zu
mir gebracht werden. Hauptſächlich hatte ich es mit Malaria,
Lepra, Schlafkrankheit, Dysenterie, Framböſia und phagedäniſchen
Geſchwüren zu tun. Ueberraſcht war ich von der Zahl der Fälle
von Pneumonie und Herzkrankheiten, die ich zu Geſicht bekam.
Auch in Urologie gab es viel zu tun. Für die Chirurgie kamen
0 vor allem Hernien und Elephantiaſistumoren in Betracht. Unter
den Eingeborenen Aequatorialafrikas ſind Hernien viel verbrei=
jeter
als bei uns Weißen. Iſt kein Arzt in der Gegend, ſo ſind
jährlich ſo und ſo viele arme Menſchen dazu verurteilt, an
eingeklemmten Hernien eines qualvollen Todes zu ſterben, von
dem ihnen eine rechtzeitig ausgeführte Operation hätte Rettung
bringen können. Mein erſter chirurgiſcher Eingriff galt einem
ſolchen Falle.
Gleich in den erſten Wochen hatte ich alſo Gelegenheit feſtzu=
ſtellen
, daß das körperliche Elend unter den Eingeborenen nicht
geringer, ſondern eher noch größer war, als ich angenommen
hatte. Wie froh war ich, allen Einwendungen zum Trotze meinen
Plan, als Arzt hierher zu kommen, ausgeführt zu haben!
Als ich Dr. Naſſau dem hochbetagten Gründer der Miſſions=
fration
Lambarene nach Amerika meldete, daß ſie jetzt wieder mit
einem Arzt beſetzt ſei, war ſeine Freude groß.
Sehr behindert war ich anfangs in meiner Tätigkeit dadurch,
daß es mir nicht gelang, alsbald Eingeborene zu finden, die
*) Aus dem vor einiger Zeit erſchienenen Werk Albert Schweit=
zers
, des berühmten Theologen, Kulturphiloſophen, Muſikers und
Arztes, der viele Jahre im Innerſten Afrikas als Urwalddoktor:
gewirkt hat, das den Titel führt Aus meinem Leben und Denken
ſWVerlag Felix Meiner, Leipzig), entnehmen wir über Schweitzers
errſte Tätigkeit in Afrika vorſtehende Abſchnitte.

ſich zu Dolmetſchern und Heilgehilfen eigneten. Der erſte, der
ſich als tauglich erwies, war ein ehemaliger Koch, Joſeph Azoa=
wani
mit Namen, der bei mir blieb, obwohl ich ihm nicht ſo
viel Bezahlung geben konnte als er in ſeinem früheren Berufe
gehabt hatte. Er erteilte mir ſehr wertvolle Ratſchläge für den
Umgang mit den Eingeborenen. Auf einen, der ihm als der
wichtigſte erſchien, konnte ich allerdings nicht eingehen. Er mutete
mir nämlich zu, die Kranken, die vorausſichtlich kaum zu retten
waren, abzuweiſen. Immer wieder hielt er mir das Beiſpiel
der Fetiſchmänner vor, die ſich mit ſolchen Fällen nicht abgaben,
um den Ruf ihrer Heilkunſt ſo wenig wie möglich in Gefahr zu
bringen.
In einem Punkte dieſer Frage kam ich aber dazu, ihm recht
zu geben. Bei den Primitiven darf man es nämlich nie unter=
nehmen
, dem Kranken und den Seinen noch Hoffnung machen
zu wollen, wenn eigentlich keine mehr vorhanden iſt. Tritt der
Tod ein, ohne gebührend vorausgeſagt worden zu ſein, ſo wird
daraus geſchloſſen, daß der Arzt nicht wußte, daß die Krankheit
dieſen Ausgang nehmen werde und ſie alſo nicht richtig erkannt
habe. Den eingeborenen Kranken muß man ſchonungslos die
Wahrheit ſagen. Sie wollen ſie erfahren und können ſie ertragen.
Der Tod iſt ihnen etwas Natürliches. Sie fürchten ihn nicht,
ſondern ſehen ihm ruhig entgegen. Kommt dann der Kranke
wider Erwarten mit dem Leben davon, ſo ſteht es um den Ruf
des Arztes nur um ſo beſſer. Er gilt dann als einer, der ſogar
zum Tode führende Krankheiten heilen kann.
Wacker half meine Frau, die als Krankenpflegerin ausgebil=
det
war, im Spital mit. Sie ſah nach den Schwerkranken, ver=
waltete
die Wäſche und die Verbandſtoffe, betätigte ſich in der
Apotheke, hielt die Inſtrumente in Ordnung und bereitete alles
für die Operation vor, bei denen ſie die Narkoſen übernahm,
während Joſeph als Aſſiſtent fungierte. Daß ſie es fertig
brachte, den komplizierten afrikaniſchen Haushalt zu führen und
daneben täglich noch einige Stunden für das Spital zu er=
übrigen
, war wirklich eine Leiſtung.
Um die Eingeborenen zu beſtimmen, ſich operieren zu laſſen,
brauchte ich keine große Ueberredungskunſt aufzuwenden. Einige
Jahre zuvor hatte ein auf der Durchreiſe in Lambarene weilender
Regierungsarzt namens Jauré=Guibert einige gelungene Opera=
tionen
ausgeführt, auf Grund deren nun auch meiner gar beſchei=
denen
Chirurgie Vertrauen entgegengebracht wurde. Glücklicher=
weiſe
verlore ich auch keinen meiner erſten Operierten.
Nach einigen Monaten hatte das Spital täglich etwa vierzig
Kranke zu beherbergen. Aber nicht nur für dieſe, ſondern auch für
die Begleiter, die ſie von ferne her im Kanu gebracht hatten, und
bei ihnen blieben, um ſie wieder nach Hauſe zu rudern, mußte ich
Unterkunft haben.
An der Arbeit, ſo groß ſie auch war, trug ich nicht ſo ſchwer
als an der Sorge und der Verantwortung, die ſie mit ſich brachte.
Ich gehöre leider zu den Aerzten, die das zu dem Berufe erforder=
liche
robuſte Temperament nicht beſitzen und ſich in ſtändiger
Sorge um das Ergehen ihrer Schwerkranken und Operierten ver=
zehren
. Vergebens habe ich mich zu dem Gleichmute zu erziehen
geſucht, der dem Arzte, bei aller Teilnahme mit dem Leiden ſeiner
Kranken, das erforderliche Haushalten mit ſeinen ſeeliſchen Kräf=
ten
ermöglicht.
Soweit es ſich durchführen ließ, verlangte ich von den ſchwar=
zen
Patienten, daß ſie ihre Dankbarkeit für die empfangene Hilfe
durch die Tat bekundeten. Immer wieder gab ich ihnen zu be=
denken
, daß ſie die Wohltat eines Spitals genöſſen, weil ſo viele
Menſchen in Europa Opfer dafür gebracht hätten, und daß ſie nun

ihrerſeits nach Kräften mithelfen müßten, es zu erhalten. So
brachte ich es nach und nach dazu, daß ich für die Medikamente
Geſchenke in Geld, Bananen, Hühnern und Eiern erhielt. Natür=
lich
entſprach das, was ſo einging, bei weitem nicht ihrem wirk=
lichen
Werte. Aber es trug doch etwas zum Unterhalt des Spitals=
bei
. Mit den geſchenkten Bananen konnte ich die Kranken, denen
die Lebensmittel ausgegangen waren, ernähren, und mit dem
Gelde Reis kaufen, wenn nicht genug Bananen zu haben waren.
Auch dachte ich, daß die Eingeborenen den Wert des Spitals beſſer
ſchätzen würden, wenn ſie ſelber nach Kräften zu ſeinem Unterhalte
beitragen müßten, als wenn ſie einfach alles umſonſt geboten
bekämen. In dieſer Meinung von der erzieheriſchen Bedeutung
des verlangten Geſchenkes bin ich dann durch die Erfahrung nur
beſtärkt worden. Natürlich wurde von den ganz Armen und den
Alten alt iſt bei den Primitiven gleichbedeutend mit arm
keine Gabe verlangt.
Die ganz Wilden hatten eine andere Auffaſſung vom Geſchenk.
Im Begriffe, das Spital als Geheilte zu verlaſſen, verlangten
ſie eines von mir, weil ich nun ihr Freund geworden wäre.
In dem Umgang mit den Primitiven kam ich naturgemäß
dazu, mir die vielverhandelte Frage vorzulegen, ob ſie einfach in
Traditionen gefangene oder wirklich ſelbſtändigen Denkens fähige
Weſen wären. Zu meinem Erſtaunen fand ich in Geſprächen, die
ich mit ihnen führte, daß ſie mit den elementaren Fragen nach
dem Sinn des Lebens und nach dem Weſen von Gut und Böſe
durchweg viel mehr beſchäftigt waren, als ich angenommen hatte.
Ich durfte an den Prüfungen der Täuflinge teilnehmen. Ge=
wöhnlich
ließ ich mir eine oder zwei alte Frauen zuweiſen, um
ihnen die ſchwere halbe Stunde möglichſt leicht zu machen. Als ich
einer braven Matrone bei einer ſolchen Prüfung einmal die Frage
ſtellte, ob der Herr Jeſus arm oder reich geweſen ſei, erwiderte
ſie: Frag’ doch nicht ſo dumm! Wenn Gott, der größte Häupt=
ling
, ſein Vater war, kann er doch nicht arm geweſen ſein.
Auch ſonſt antwortete ſie mit der Schlagfertigkeit des kana=
näiſchen
Weibes. Es half ihr aber nichts, daß der Profeſſor der
Theologie ihr die entſprechende gute Note gab. Der ſchwarze
Prediger, zu deſſen Sprengel ſie gehörte, ſetzte ihr nur deſto
ſchärfer zu. Er wollte ſie dafür büßen laſſen, daß ſie den
Katechumenen=Unterricht nicht allzu regelmäßig beſucht hatte.
Ihre trefflichen Antworten fanden keine Gnade vor ihm. Er
wollte diejenigen hören, die im Katechismus ſtanden. So fiel
ſie durch und mußte ſich nach ſechs Monaten wieder aufs neue
zur Taufprüfung ſtellen.
Am Predigen hatte ich eine große Freude. Die Worte Jeſu
und Pauli denen verkündigen zu dürfen, denen ſie etwas Neues
waren, erſchien mir als etwas Herrliches. Als Ueberſetzer
dienten mir die ſchwarzen Schullehrer der Miſſionsſtation, die
jeden meiner Sätze alsbald in der Sprache der Galoas oder der
Pabouins oder gar in beiden nacheinander wiedergaben.
Die wenige freie Zeit, über die ich im erſten Jahre zu
Lambarene verfügte, verwandte ich auf die Ausarbeitung der
drei letzten Bände der amerikaniſchen Ausgabe der Bachſchen
Orgelwerke. Zur Pflege des Orgelſpiels ſtand mir das herr=
liche
eigens für die Tropen gebaute Klavier mit Orgelpedal
zur Verfügung, das die Pariſer Bachgefellſchaft mir als ihrem
langjährigen Organiſten geſchenkt hatte. Anfangs fehlte es mir
aber an Mut zum Ueben. Ich hatte mich mit dem Gedanken
vertraut gemacht, daß das Wirken in Afrika das Ende meiner
Künſtlerlaufbahn bedeute, und glaubte, daß mir der Verzicht
leichter würde, wenn ich meine Finger und Füße einroſten ließe.
Eines Abends aber, als ich wehmütig eine Bachſche Orgelfuge
durchſpielte, überkam mich plötzlich der Gedanke, daß ich die
freien Stunden in Afrika gerade dazu benutzen könnte, mein
Spiel zu vervollkommnen und zu vertiefen. Alsbald faßte ich
den Plan, Kompoſitionen von Bach, Mendelsſohn, Widor, Ceſar
Franck und Max Reger nacheinander vorzunehmen, ſie bis in die
letzten Einzelheiten durchzuarbeiten und auswendig zu lernen,
gleichviel ob ich Wochen und Monate auf ein einziges Stück
verwenden müßte. Wie genoß ich es nun, ſo ohne zeitliche
Gebundenheit durch fällige Konzerte, in Muße und Ruhe zu
üben, wenn ich zeitweiſe auch nur eine halbe Stunde am Tage
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Donnerstag, 6. Oktober 1932

armſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nechrichten

Nr. 278 Seite 11

Sport, Spiel und Jurnen

Der Spork des Sonnkags.
Auch der zweite Oktoberſonntag bringt wieder ein recht reich=
haltiges
ſportliches Programm. Im Fußball genießt die Vor=
runde
um den Bundespokal allerdings nicht die Bedeutung der
ſüddeutſchen Verbandsſpiele, bei denen die Rückrunde beginnt.
Im
Fußball
läßt der DFB. die Vorrunde um ſeinen Pokalwettbewerb
ſpielen. Süddeutſchland trifft dabei in Leipzig auf den Mittel=
deutſchen
Verband. Beide Mannſchaften namentlich der Süden,
ſtellen eine recht ſchwache Mannſchaft. Für Süddeutſchland ſpie=
len
: Jakob=Regensburg; Eichhammer, Eckl (beide Regensburg);
dildebrandt=Ulm. Tiefel=Frankfurt, Graf=Böckingen; Fiſcher=
Pforzheim. Strauß=Stuttgart, Vollweiler=Ulm Münſtermann=
Aſchaffenburg und Merz=Pforzheim. In Gladbeck treffen ſich
Weſt= und Südoſtdeutſchland, und in Danzig ſpielt der Balten=
verband
gegen Brandenburg, während Norddeutſchland ſpielfrei
Auch die übrigen Verbände haben zum Teil nur ſchwache
Mannſchaften aufgeboten, womit ſie ſcheinbar ihr geringes Inter=
eſſe
an den Pokalſpielen dokumentieren wollen. In der ſüd=
deutſchen
Bezirksliga werden 30 Spiele ausgetragen,
ungefähr zur Hälfte zur Vor= und Rückrunde gehörend. In allen
Gruppen ſtehen wieder intereſſante Paarungen auf der Kart
Im einzelnen: Gruppe M
n: Eintracht FrankfurtVf.
Neu=Iſenburg, Sportfreunde
V. Frankfurt, Rot=Weiß Frank=
furt
-Hanau 93, Kickers OffenbachGermania Biebe
Union
NiederradVfB. Friedberg. Gruppe Heſſen; FSV. Mainz
05VfR. Bürſtadt. FVg. MombachFVg. Kaſtel, 1. FC. Lan=
gen
Alem./Ol Worms, Olympia LorſchVS. Wiesbaden. Wor=
matia
WormsViktoria Urberach. Gruppe Nordbayern:
FC. NürnbergFC. Bayreuth, Germania NürnbergSppgg.
Fürth. FV. Würzburg 04ASV. Nürnberg, Sppgg Erlangen
FC. Schweinfurt 05. Gruppe Südbayern; 1860 München
Schwaben Augsburg, Bayern München
Ulm. Gruppe
Württemberg:; Germania BrötzingenStuttgarter Kickers,
Stuttgarter SC.FC. Birkenfeld, Spfr. EßlingenVfB. Stutt=
gart
. Gruppe Baden: Phönix KarlsruheKarlsruher FV.,
Freiburger FC.VfB. Karlsruhe FV. RaſtattSppgg. Schram=
berg
. Gruppe Saar
FV. SaarbrückenBoruſſia Neunkir=
chen
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Saar 05 Saarbrücken. SV. VölklingenSportfreunde Saar=
brücken
. Gruppe Rhein; Spvgg, MundenheimGermania
Friedrichsfeld. Amicitia Viernheim-Phönix Ludwigshafen, VfR.
MannheimVfR. Kaiſerslautern, VfL. NeckarauSV. Waldhof,
Mannheim 08Sppgg. Sandhofen. Aus dem Reich verdient
noch ein Städteſpiel Dresden-Prag beſondere Erwähnung, weil
die Prager Mannſchaft dort einer tſchechiſchen Nationalelf gleich=
kommt
. Im Ausland gibt es zwei Länderſpiele, und zwar:
Dänemark gegen ſchottiſche Amateure in Kopenhagen und Jugo=
ſlawien
gegen Tſchechoſlowakei. Auch der
Handball
wartet in Süddeutſchland durch ſeine unüberſichtliche Gruppen=
einteilung
und Verwäſſerung der erſten Klaſſe mit einem großen
Programm auf, das zahlenmäßig ſogar das Fußballprogxamm er=
eicht
. Es ſpielen u a.:
Polizei Frankfurt
Eintracht Frankfurt, FSV. 2.e Main;
FrankfurtTSV. Langen, Rot=
Weiß FrankfurtPoſt Frankfurt, VfR. SchwanheimVfL. Sach=
ſenhauſen
Gruppe Heſ
Rot=Weiß DarmſtadtSV. 98
Darmſtadt Polizei DarmſtadtWormatia Worms Polizei Worms
TV. Königſtädten. Sppgg. ArheilgenTSV. Braunshardt.
Hockey.
Im Hockey gibt es in Frankfurt, München. Nürnberg, Mann=
heim
=und Heidelberg wieder zahlreiche Freundſchaftsſpiele. In
Berlin treffen ſich die Städtemannſchaften von Berlin und Frank=
furt
zum Rückſpiel.
Rugby.
Hier werden in den ſüddeutſchen Kreiſen die Verbandsſpiele
fortgeſetzt.
Radſport.
Nachdem am Freitag der Berliner Sportpalaſt ſeinen zweiten
Renntag veranſtaltet, warten am Wochenende weitere Winter=
bahnen
mit ihren Premieren auf.
Waſſerball.
Zum 16. Male wird am Sonntag ein deutſcher Waſſerball=
meiſter
ermittelt. In Leipzig treffen ſich die letzten Vier der
diesjährgien Spiele, d. h. die drei Sieger der Vorrunden und der
Titelverteidiger Hellas Magdeburg. In Turnierform ſpielt jede
Mannſchaft gegen jede nach Punkten den deutſchen Meiſter her=
aus
. Beteiligt ſind neben den Magdeburger Hellenen noch Mün=
chen
99, Weißenſee 96 und Poſeidon Köln.
Tennis.
Der Deutſche Tennisbund hat in ſeiner Terminliſte keine nen=
nenswerten
Veranſtaltungen mehr aufgeführt. In Mannheim
wird die Mannſchaftsmeiſterſchaft des Bezirks Baden=Pfalz=Saar
zwiſchen dem Tennisklub Mannheim und dem 1. Tennisklub Pforz=
heim
ausgetragen. Einige ausländiſche Turniere vervollſtändigen
das Programm im weißen Sport,
Pferdeſport.
Die deutſche Galoppſaiſon geht langſam zu Ende. Der Sonn=
tag
bringt noch Rennen in Frankfurt, Mülheim=Duisburg und
Leipzig. Das franzöſiſche Rennen des Tages wird in Paris ge=
ſtartet
. In Wien geht ein großes internationales Reitturnier in
Szene, an dem außer den Offizieren der Kavallerieſchule Hanno=
ver
noch deutſcherſeits Frau von Opel und A. Holſt teilnehmen.
Verſchiedenes.
Im Berliner Sportvalaſt folgt ſchon am Samstag die Pre=
miere
der Eishockey=Saiſon. Die durch den aus Amerika zurück=
gekehrten
Obranowſki verſtärkte Mannſchaft des B.S.V. ſpielt
gegen eine engliſche Auswahlmannſchaft. In den Pauſen zeigt die
europäiſche Kunſtlauf=Elite ihr Können. In Zürich tritt die
Fifa., der internationale Fußball=Verband, zu einer Tagung zu=
ſammen
, die desheb beſonders wichtig iſt, weil der Deutſche Fuß=
ball
=Bund dort für die Olympiſchen Spiele 1936 in Berlin die
Wiedereinrichtung eines Fußballturniers beantragt.
Golf=Senſationen bei der ſüddeutſchen Golfwoche.
Am Mittwoch gab es bei der ſüddeutſchen Golfwoche in Frank=
furt
a. M. Ueberraſchungen, wie ſie nicht nur im Golf, ſondern
überhaupt im deutſchen Sport nicht häufig anzutreffen ſein dürf=
ten
. Im Kampf um den Waldfried=Pokal ſchlug der 79jährige
Golf=Senior Grüder hintereinander O. L. Benzinger und deſ=
ſen
Sohn Kurt Benzinger, beide mit 1 auf. Auf der anderen
Seite gewann der talentierte Junior Forchheimer gegen den Eng=
länder
Richardſon mit 2 und 1, ſo daß alſo in der Schlußrunde
zwei Gegner aufeinandertreffen, zwiſchen denen ein Altersunter=
ſchied
von 63 Jahren beſteht. In den voraufgeangenen Runden
hatten Forchheimer Richard Merton mit 4 und 3, Richardſon Her=
bert
v. Ganz mit 7 und 5 und Kurt Benzinger den Mexikaner
Pani mit 2 und 1 geſchlagen. Im Preis von Goldſtein ſchlug Nora
Haag Frl. Hirſch auf dem 19. Grün und Frau Seeger, die den
Pokal verteidigt, mit 2 auf. Auf der anderen Seite gewann die
Züricherin Frau Franck durch 2 auf gegen Baronin v. Wangen=
heim
und mit dem gleichen Reſultat auch gegen die Engländerin
Richardſon, die vorher gegen Frl. Reinsmann mit 7 und
6 ge=
wonnen
hatte. Im Wettbewerb um den Taunuspreis haben
ſich R. Haas, Frau Herz. Frl. Mayer und Frau Feiſt=Belmont
für die Vorentſcheidung qualifiziert.

Zußballbund gibt Rechenſchaft.
Wenn im Etat des Deutſchen Fußball=Bundes eine Ausgabe
gerechtfertigt iſt, dann iſt es die für den Druck der kleinen Bro=
ſchüre
, die der DFB. alljährlich als Jahresbericht herausgibt.
Dieſe 60 bis 70 Seiten ſtarke Druckſchrift iſt zweifelsohne eines
der intereſſanteſten, aber auch wertvollſten Erzeugniſſe der ſport=
lichen
Literatur. Nicht nur deswegen, weil ſie vor einer breiteren
Oeffentlichkeit Rechenſchaft über die Verwaltung der größten deut=
ſchen
Sportorganiſation gibt, noch wertvoller wird ſie durch den
Einblick, den man, geſtützt auf offizielles Ziffern= und ſonſtiges
Tatſachenmaterial, in die Wege der allgemeinen ſportlichen Ent=
wicklung
nehmen kann. Wohltuend berührt dabei, daß ſich die
Mitarbeiter an dieſem Rechenſchaftsbericht faſt ausnahmslos von
der ſonſt bei dieſen Gelegenheiten üblichen Schönfärberei fernhalten.
Die Sprache ich nüchtern, und zuweilen ſcheut ſie ſogar die Kritik
an eigenen Angelegenheiten nicht. Die Kritik, die beiſpielsweiſe
Prof. Glaſer, der Spielausſchuß=Vorſitzende des DFB., in ſeinem
Bericht über die Länderſpiele wiederholt anſetzt, übertrifft an
Schärfe zuweilen das, was man in den gleichen Angelegenheiten
von den berufsmäßigen Sportkritikern geleſen hat. Intereſſant iſt
vor allem, daß Prof. Glaſer das Spielſyſtem der Ver=
bände
als eines der weſentlichſten Hinderniſſe auf dem Wege zu
einer Hebung unſerer Spielſtärke anſieht. Der alte Freiburger
Sportsmann ſpricht von der ſchädlichen Mittelmäßigkeit des gegen=
wärtigen
Verbandsſpiel=Betriebes und er wünſcht offenſichtlich eine
Zuſammenfaſſung der größeren und ſpielſtärkeren Vereine in
kleineren Spitzenklaſſen. Prof. Glaſer ſpricht gleichzeitig auch den
Verdacht aus, daß in der Maſſe der Vereine das Training nicht
ernſt genug genommen und nicht intenſiv genug betrieben würde.
Es ſoll den Statiſtikern überlaſſen bleiben, über das umfang=
reiche
und beachtenswerte Ziffernmaterial des Jahresberichts zu
ſprechen. Hier ſeien lediglich noch einige Kernfragen geſtreift.
Wir haben wiederholt ſchon davor gewarnt, die vielfach be=
merkbare
Abnahme der Zuſchauerziffern als ein Zei=
chen
der Fußballmüdigkeit zu betrachten. Wenn eine ſolche Ab=
nahme
zu verzeichnen iſt, dann ſind nachweislich andere Dinge da=
für
verantwortlich. In erſter Linie die Wirtſchaftslage,
dann aber auch die Tatſache, daß das gegenwärtige Spiel=
ſyſtem
der Verbände den Spielen immer mehr an Anziehungs=
kraft
raubt. Der Jahresbericht des DFB. bringt Zahlen, die ſehr
deutlich gegen das Vorhandenſein einer Fußballmüdigkeit ſprechen.
Die Mitgliederzahl des Bundes hat im letzten Jahr
die Million überſchritten. Gegen 1930/31 ſind 40 000
neue Mitglieder hinzugekommen, die Geſamtziffer ſteht
heute auf 1025 326. Der größte Unterverband iſt immer
noch der ſüddeutſche, deſſen Mitgliederzahl im letzten Jahr
um rund 14 000 auf 321 500 ſtieg. Bedeutend iſt auch die Zahl der
Vereine angewachſen. Sie kletterte von 7959 auf 8602. Daß die Zu=
ſchauerziffern
eher noch weiter ſteigen als fallen, wenn die Spiele
entſprechend intereſſant ſind, beweiſt die Tatſache, daß 1932 255 000
Menſchen den Endſpielen um die Deutſche Meiſterſchaft beiwohn=
ten
gegen 240 000 im Jahre 1931. Die Einnahmen bei dieſen Spie=
len
fielen allerdings trotz der größeren Kopfzahl um 30 000 RM.,
weil die Wirtſchaftslage eine allgemeine Senkung auch der Ein=
trittspreiſe
bei Fußballſpielen notwendig gemacht hatte.
In der DFB.=Broſchüre marſchieren aber auch Ziffernkolonnen
auf, die erneut den alten Vorwurf, im Fußball würden zwar ge=
waltige
Zuſchauermaſſen, aber nur 22 Aktive antreten, entkräften.
Der Bund hat im letzten Jahr rund 35000 Mann=
ſchaften
mit etwa 450 000 Aktiven beſchäftigt. Ueber
700 000 Spiele kamen zum Austrag; die ſportliche Betätigung
ſetzte ſich darüber hinaus aber auch in zahlloſen Sportkurſen und
dem ſtändigen Training der Aktiven fort. Rund 50 000 Bundes=
mitglieder
(darunter 10 000 Jugendliche) ſind Inhaber des Sport=
abzeichens
, das bekanntlich eine gewiſſe ſportliche Vielſeitigkeit
zur Vorausſetzung hat. Im Laufe der letzten drei Jahre hat ſich
die Zahl der Inhaber des Sportabzeichens nahezu verdoppelt.
434 Lehrer für allgemeinen Sport und 213 Fußballehrer waren in
den DFB.=Vereinen bei der Ausbildung der Aktiven tätig, um ein
vielfaches größer aber iſt die Ziffer der ehrenamtlichen Kräfte, die
ſich in den Vereinen um die Arbeit an der körperlichen Ertüchti=
gung
der Jugend mühte. Auch innerhalb der akademiſchen Jugend
hat der Fußball wieder an Popularität gewonnen. Im letzten Jahr
beſtanden 54 Fußballmannſchaften der Korporativen und außer=
dem
47 Univerſitätsmannſchaften.
700 Mannſchaften der Deutſchen Turnerſchaft (davon allein
330 in Süddeutſchland) haben als Gäſte an den Meiſterſchaftsſpielen
des Bundes teilgenommen. Der Jahresbericht leugnet aber trotz=
dem
nicht, daß aus dem Vertragsverhältnis zwiſchen
DFB. und DT. manche Schwierigkeiten erwachſen ſind, die oft
die Exiſtenz des Vertrages bedrohten; der Bund rät indeſſen ſeinen
Verbänden und Vereinen an, den beſten Willen zur Erhaltung des
Vertragsverhältniſſes aufzuwenden.
Mit einigem Erſtaunen erfährt man aus dem Jahresbericht,
daß in einer Reihe von ſüddeutſchen Ländern das Fußballſpiel an
den Schulen immer noch verboten iſt. Es zeigen ſich aber auch noch
andere Gebiete, auf denen ſich der Bund ein beſſeres Verſtändnis
für ſeine Beſtrebungen bei den ſtaatlichen und anderen öffentlichen
Körperſchaften wünſcht. Die Gemeinnützigkeit des Fuß=
ballſports
, die auch durch die dünne Oberſchicht der zum Be=
rufsſport
drängenden Kreiſe keineswegs in Frage geſtellt wird, hat
immer noch nicht die nötige Anerkennung gefunden.
Die Frage des Berufsſports, die Amateurkriſe iſt übrigens ein
heißer Brei, um den der Bund auch in ſeinem jüngſten Rechen=
ſchaftsbericht
herumgeht. Ein Problem, das dermaßen ſchwerwie=
gend
für den deutſchen Fußballſport iſt, bleibt unerwähnt. Das iſt
einer der wenigen Fehler, auf die man im diesjährigen Jahres=
B. G.
bericht des Bundes ſtößt.
SV. Lengfeld SC. Ober=Ramſtadt 0:2 (0:1).
Etwa 250 Zuſchauer waren Zeuge eines ſpannenden und ſehr
fairen Spieles, das von Klinger=Groß=Gerau vorzüglich geleitet
wurde. Ober=Ramſtadt wartete wieder mit recht guten Leiſtungen
auf, und war während des ganzen Spieles in techniſcher und tak=
tiſcher
Beziehung ſeinem Gegner überlegen. Lengfeld zeigte einen
vorbildlichen Eifer und recht gutes Können. In der gut einge=
ſpielten
Elf überragt die Verteidigung. 2. Mannſch. 5:0 Sieg
für Ober=Ramſtodt.
Am kommenden Sonntag, empfängt Ober=Ramſtadt den SV.
Roßdorf. Die Spiele zwiſchen beiden Vereinen ſind immer von
ganz beſonderem Reiz, denn es ſind ſtets heiße und harte Kämpfe.
die immer nach ſpannendem Spielverlaufe knappe Ergebniſſe
brachten. Auch in dieſer Begegnung wird es wieder zu einem ganz
großen Spiele kommen. Vorher 2. Mannſchaften.
Sppgg. Groß=Umſtadt SV. Schaafheim 0:4 (0:1).
Kreisſchiedsrichter=Obmann Leonhardt=Sprendlingen war
ſelbſt erſchienen und durch ſeine ausgezeichnete Leiſtung nahm
dieſes Spiel der Rivalen einen ſehr fairen, ruhigen Verlauf. Es
glich eher einem Freundſchaftstreffen als einem Punktekampf.

Beide Mannſchaften lieferten ſich ein jederzeit gleichwertiges
Spiel. Was die Gäſte an Technik voraushatten, erſetzte der Gaſt=
geber
durch großen Eifer. Das Toxverhältnis iſt allerdings etwas
zu hoch ausgefallen. Schaafheims Sturm entſchied das Treffen; er
zeigte vor allen Dingen mehr Entſchloſſenheit und Kampfwillen,
während ſich die Umſtädter die hohe Spielweiſe der Platzelf auf=
drängen
ließen und der Sturm dadurch nie zur Geltung kam. Die
Mannſchaften trennten ſich 3:1 für Umſtadt. Schön verlebte
Stunden in echter Sportkameradſchaft haben den Beweis er=
bracht
, daß es nur einer guten Leitung bedarf, um den Spielen
der Odenwaldvereine einen ſchönen Abſchluß zu ſichern.
Germania 03 PfungſtadtRot=Weiß Darmſtadt.
Am kommenden Sonntag iſt Rot=Weiß Darmſtadt Gaſt der
Pfungſtädter Germanen. Die Rot=Weißen haben in dieſem Jahre
bisher recht unglücklich gekämpft. Eine vorgenommene Umſtel=
lung
in der Mannſchaft ſcheint aber eine Beſſerung gebracht z
haben, denn am letzten Sonntag konnten die Darmſtädter geg
Viktoria Walldorf ein 1:1 erzielen, ein Reſultat, das allergrößte
Aufmerkſamkeit gefunden hat. Es ſcheint alſo, daß die Pfung=
ſtädter
am kommenden Sonntag mit härteſtem Widerſtand rech=
nen
müſſen. Wenn ſchließlich auch die Papierform für einen
Enderfolg der Pfungſtädter ſpricht, ſo wird dieſer aber nur durch
Hergabe aller Kräfte errungen werden können. Jedenfalls iſt
wieder ein recht intereſſanter Kampf zu erwarten, zumal die ge=
pflegte
Spielweiſe der Darmſtädter ſchon immer viel Beifall in
Pfungſtadt gefunden hat. Vorher treffen ſich die Reſerven.
Handball.
TV. Nieder=Ramſtadt.
Im weiteren Verlauf der Verbandsſpiele muß Nieder= Ram=
ſtadt
am Sonntag in Groß=Hauſen antreten. Beide Mann=
ſchaften
ſind ſich fremd. Nach den bisherigen Ergebniſſen von
Groß=Hauſen zu urteilen, hängen dort die Punkte ſehr hoch. Für
Nieder=Ramſtadt heißt es ſehr auf der Hut zu ſein, um keine un=
Zuletzt wünſchen wir noch
liebſame Ueberraſchung zu erleben.
den rechten Schiedsrichter. Beginn 3 Uhr, Autoabfahrt 1,30 Uhr
bei Fiſcher Schlachtenbummler erwünſcht.
2. Mſch.Tv.
Lorſch 2., hier, nachm. 1.45 Uhr (Verbandsſpiel).

Neuer Damenſchwimmrekord. 6 X 50 Mtr.=Crawl in 3:32,5 Min.
Anläßlich eines Klubkampfes zwiſchen dem 1 Magdeburger
Damen=Schwimmklub und dem SC. Rote Erde Hamm, den die
Magdeburgerinnen in ihrer Heimatſtadt im Geſamtergebnis 3:1
gewannen, gelang es den Damen des ſiegreichen Vereins, in der
X 50 Meter=Crawlſtaffel mit 3:32,5 Minuten einen neuen deut=
ſchen
Rekord zu ſchwimmen. Die Mannſchaft Wöhe, Mevis,
Rocke, Rockmann, Stegemann und Schulze blieb um über zwei
Sekunden unter dem alten Rekord der Charlottenburger Nixen.
Auszeichnung für Frau von Becker.
Die bekannte Turnierreiterin Frau von Becker hat nach Käthe
Franke und Irmgard von Opel nun ebenfalls das goldene Reiter=
abzeichen
für ihre hervorragenden Leiſtungen in Dreſſurprüfun=
gen
, Jagdſpringen und Geländeritten erhalten.

Geſchäftliches.

Ueberraſcht wird die Hausfrau, welche zum erſten Male
Maggi’s Würze verwendet und findet, daß ſchon wenige Tropfen
genügen, um ſchwache Suppen und Soßen augenblicklich tafelfertig
zu machen und um Gemüſen ſowie Salaten feinen, kräftigen Wohl=
geſchmack
zu verleihen. Es iſt deshalb auch nicht zu verwundern,
daß allſeitig Maggi’s Würze als das unübertreffliche Küchenhilfs=
mittel
geprieſen wird.
Gutes beſteht.
Die Wahrheit dieſes Wortes beweiſt auch das allen Haus=
frauen
bekannte Dr. Thompſon’s Schwanpulver in dem bekannten
roten Paket. Seit über 50 Jahren ſchon ſteht es im Dienſte der
ſparſamen Hausfrau. Noch immer hat ſich Schwanpulver für
Wäſche und Haushalt am beſten bewährt. Das neue Doppel=
Paket hilft beſonders ſparen. Zum Klarfpülen und Bleichen der
Wäſche empfiehlt ſich das gute Seifix, als Haushaltſeife die reine,
milde Schwan=Seife. ..
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Donnerstag, 6. Oktober
15.30: Stunde der Jugend.
1700: Köln: Nachmittagskonzert des Funkorcheſters. Soliſt: Otto
Bogner (Cello).
18.25: Stunde des Films.
19.00: Chorkonzert. Ausf.: Der Werléſche Kammerchor. Soliſten:
Phil. Göpelt (Bariton), G. Roßberger (Klavier).
19.30: Mandolinen=Konzert des Mandolinen=Orcheſters 1911 Bad
Kreuznach.
20.00: Konzert des Funkorcheſters.
21.00: Der Fall der Valerie C. Ein mediziniſches Lehrſtück von
Avicenna.
22.00: Engliſche Lieder. Ausf.: Eliſabeth Gibſon (Sopran). Am
Klavier: E. J. Kahn.
22.30: Zeit, Nachrichten. Wetter, Sport.
Königswuſterhaufen.
Deutſche Welle: Donnerstag, 6. Oktober
15.00: Muſikaliſche Kinderſtunde.
15.45: Elſe Frobenius: Dem Gedächtnis von Hedwig v. Bredow,
der Vorkämpferm kolonialer Frauenarbeit.
16.00: Schulrat Wolff: Schulreform im Angriff u. Verteidigung.
30: Berlin: Nachmittagskonzert.
16.3
Dr. Ing. Klinghardt: Neue Wege deutſch=türkiſcher Wirt=
17.3
ſchaftsbeziehungen.
18.00: Muſik im Leben. Mehrgeſpräch.
Boehmer: Der Honnefturm als Windkraftmaſchine.
18.30
19.00: Dr. v. d. Warth: Die Zukunft des Schweinemarktes.
19.25: Dr. Pechel: Wegweiſer durch die Zeit.
19.4
Zeitdienſt.
Leipzig: Horrido. Textfolge mit Muſik v. G. Herrmann.
00: Wetter=, Tages= und Sportnachrichten.
22.20: Wien: Unterhaltungsmuſik des Orcheſters Alois Doſtal.

Weiterbericht.

Durch eine kräftige Störung über Island wird der hohe
Druck der nur noch mit einem kleinen Kern über dem Feſtland
lagert, weiter abgebaut. Wenn er ſich auch vorerſt noch auf un=
ſere
Wetterlage auswirken wird, ſo führt doch die aufgleitende
Warmluft der Vorderſeite des Tiefs zu Nebel= und Wolkenbil=
dung
, ſpäterhin dürfte es auch zu Niederſchlägen kommen. Die
Temperaturen ſteigen dabei im Durchſchnitt etwas an.
Ausſichten für Donnerstag, den 6. Oktober: Neblig und bewölkt
mit vorübergehender Aufheiterung, im allgemeinen milder,
aufkommende Niederſchläge.
Ausſichten für Freitag, den 7. Oktober: Etwas wechſelhaftes Wet=
ter
mit vereinzelten Niederſchlägen.

Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
für Feuiſſeton, Reich und
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaff: Rudolf Ma
ſport: Karl Bohmanp;
Ausland und Heſſche Nachrichten: Max Streeſe; für S
6. Quetſch; für den Schlußdlenſt: Andreas Bauer; für
ſür den Handel: D
* Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Nett
Mr atg
für den Inſeratentell und geſchäftliche Mittellungen: Willy Kuhle;
Oruck und Verlag: L. C. Wlttich ſämilich in Darmſtiadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung n ich t Übernommen,

Die heutige Nummer hat 14 Geiten.

[ ][  ][ ]

Nummer 278

Donnerstag, den G. Oktober

Ein Bild von der Lage der Landwirtſchaft.
Bom Skand der diesjährigen Ernke. Kleine Nachfrage am Obſt= u. Gemüſemarkk bei anziehenden Preiſen.
Umſatztätigkeit unverändert ruhig. Die erholten Anfangskurſe
konnten ſich voll behaupten. Am Geldmarkt iſt Tagesgeld 3,25
Preoäkteanasfalt and Preisgeſtäntang. Prozent.

Frankfurter Obſt= und Gemüſemarkt. Am Markt für Obſt=
und Südfrüchte war die Anfuhr von Zwetſchen gut, die Nachfrage
bei erhöhten Preiſen nicht befriedigend. Die Aepfel= und
Birnenzufuhren waren ebenfalls gut zu nennen, die Nachfrage
befriedigend. Für Birnen konnten die Preiſe leicht anziehen,
während ſie für Aepfel unverändert lagen. Bei Gemüſe war
Ueberangebot von Rot= und Weißkohl vorhanden; auch in den
anderen Gemüſearten herrſchte ſtarkes Angebot. Die Tomaten=
Zufuhr läßt nach. Die Preiſe für Tomaten ſind geſtiegen; im
übrigen ſind die Preiſe kaum verändert. Bei den Molkereipro=
dukten
ſind die Eierpreiſe feſt, die Butterpreiſe rückläufig; ſonſt

die Preislage unverändert. Das Geſchäft iſt befriedigend.
notieren: Blumenkohl 1045, Kartoffeln gelbe 220230, desgl.
Salatkartoffeln 400500, Mäuschen 650700, Oberkohlrabi
5,
Kopfſalat 36. Meerrettich 3540, Pilze: Pfifferlinge 2225,
Steinpilze 2030, Römiſchkohl 5 Roſenkohl 1820, Rote Rüben
34, Rotkraut 23, Spinat 46, Schnittlauch 2025. Schwarz=
wurzeln
1825, Tomaten 1015 Weißkraut 1,52.5, Wirſing 2
bis 3, Zwiebeln 5,56,5, Tafeläpfel 1520, Wirtſchaftsäpfel 7
bis 10. Tafelbirnen 1823 Kochbirnen 510, Melonen 25 Pfir=
ſiche
1522, Walnüſſe 3035, Zwetſchen 1214.
Eier: Hollän=
der
8,511, deutſche Markeneier 8,5 bis 11 Pfg. Butter: Hollän=
der
127130, deutſche Molkereibutter 1a 123125. Landbutter
110 Margarine 4445, amerikan, Schweineſchmalz 4445
Käſe: Allgäuer Schweizerkäſe 110115, Limburger 4245, Roma=
dour
20proz.: 50, desgl. 40proz 80, Emmentaler 120125, Edamer
6365, Tilſiter 8590, Handkäſe 300350.
Frankfurter Produktenbericht vom 5. Oktober. Bei ſehr ge=
ringem
Beſuch war das Geſchäft klein. Die Preiſe bewegten ſich
auf der geſtrigen bzw. vorgeſtrigen Höhe. Es notierten: Weizen
216, Roggen (umſatzlos) Sommergerſte 180190, Hafer 142,50
bis 147,50, Weizenmehl ſüdd. Spezial Null 31,5032,65, desgl.
niederrhein. 31,5032,40, Roggenmehl 24.2525,25, Weizenkleie
7.90, Roggenkleie 8,00. Tendenz: ſtill. In Handelsklaſſenware
fanden Abſchlüſſe nicht ſtatt.
Vom Weinherbſt an der Bergſtraße. Der Rebenſtand iſt ſehr
verſchieden, doch darf man im allgemeinen mit einem verhältnis=
mäßig
guten Herbſt rechnen. Von den einzelnen Rebſorten haben
Spätburgunder wegen ihrer Empfindlichkeit am ſtärkſten gelitten,
während der Riesling= und Traminerbehang als gut zu bezeich=
nen
iſt im Vergleich zu anderen Weinbaugebieten. Insgeſamt
rechnet man mit einem Drittel= bis halben Herbſt.
Marktbericht des Obſt= und Gemüſegroßmarktes Weinheim
(Bergſtr.), am 3. Okt. Nüſſe 2137. Pfirſiche 527, Quitten 79,
Zwetſchen 9,8132, Birnen 517 Aepfel 6,516, Tomaten 6
bis 8, Bohnen 10 Pfg. pro Pfund. Anfuhr und Nachfrage gut.
Vom Lampertheimer Tabakmarkt. Die vier hieſigen Tabak=
bauvereine
haben beſchloſſen, ſofort mit dem Abhängen der Sand=
blätter
zu beginnen, die nunmehr ſeit ſechs Wochen am Dach hän=
gen
. Die Sandblätter wurden vom Wetter außerordentlich günſtig
beeinflußt, ſo daß nach Farbe und Geruch eine erſtklaſſige Quali=
tät
zuſtande gekommen iſt. Bereits in der vergangenen Woche
fanden durch Kaufintereſſenten Beſichtigungen ſtatt. Das Lam=
pertheimer
Sandblatt wird in dieſem Jahre ſehr gute Verkaufs=
ausſichten
haben.
Obſtpreiſe. In Limburg fand der erſte Obſtmarkt dieſes
Jahres ſtatt. Der Markt war namentlich aus dem Unterlahn=
und Weſterwaldgebiet ſtark beſchickt. Die Preisgeſtaltung wurde
einerſeits durch den verhältnismäßig geringen Ernteausfall dieſes
Jahres, andererſeits durch die Geldknappheit des Publikums be=
einflußt
. Gegenüber dem Vorjahr, wo allerdings eine Rekordernte
die Preiſe außergewöhnlich niedrig hielt, hatte ſich das Preis=
niveau
faſt verdoppelt. Für die gangbarſten Sorten Aepfel wur=
den
1216 Mark pro Zentner bezahlt. Für Birnen bezahlte man
1014 Mark, je nach Sorte.
Berliner Produktenbericht vom 5. Oktober. Die gleichen Fak=
toren
, die in der letzten Zeit maßgebend für die Preisgeſtaltung
am Produktenmarkt geweſen ſind, beeinträchtigten auch heute die
Unternehmungsluſt. Angeſichts der geringen Exportmöglichkeiten
und infolge des kaum gebeſſerten Mehlabſatzes hält ſich die Um=
ſatztätigkeit
in engſten Grenzen. Das inländiſche Offertenmaterial
iſt allerdings auch nur mäßig, und lediglich zu erhöhten Preiſen
zeigt ſich etwas mehr Verkaufsneigung. Roggen zur Waggonver=
ladung
findet bei der Staatlichen Geſellſchaft weiter Unterkunft,
auch Kahnware dürfte mit der üblichen Preisdifferenzierung ver=
elt
aufgenommen werden. Die Mühlen bekunden nur vor=
tige
Nachfrage, und auch in Weizen erfolgen zumeiſt nur Ab=
ſchlüſſe
, ſoweit noch Einlagerungsverpflichtungen zu erfüllen ſind.
Berliner und Frankfurker Effekkenbörſe.
Die Anſichten über die vorausſichtliche Geſtaltung der Börſen=
tendenz
waren geſtern vormittag bereits geteilt; feſt ſtand ledig=
lich
, daß die international zu beobachtende Zurückhaltung des
Publikums in Berlin ebenfalls anhalten werde. Die aus der
Wirtſchaft vorliegenden Nachrichten ſowie die politiſchen Meldun=
gen
wirken ſich auf die Haltung des Publikums kaum aus, nur
die Spekulation reagiert auf die vorliegenden Momente. Die E
öffnungsnotierungen lagen nicht ganz einheitlich; die Rückgänge
betrugen aber nur bis zu 0,75 Prozent, während die Beſſerungen
in Einzelfällen über dieſen Rahmen hinausgingen. So gewannen
Kunſtſeideaktien, die vom Auslande etwas gefragt waren, bis zu
Prozent. Elektr. Werke Schleſien zogen um 3 Prozent, Südd.
Zucker um 1,25 Proz. und Chadeaktien um 2,50 Mark an. Farben
waren auf dem gebeſſerten Stickſtoffbericht von Großbankſeite her
etwas ſtärker geſucht. Im Verlaufe bröckelten die Kurſe bei klei=
nem
Geſchäft zunächſt eher geringfügig ab. Später wurde das
Intereſſe für Aktien etwas größer, zumal bei der A.E. G. neue
Ruſſenaufträge eingegangen ſind und das Rheinland für Montane
etwas Nachfrage bekundete. Kunſtſeideaktien lagen weiter feſter;
Bemberg gewannen im Verlaufe mehr als 2 Prozent. Im übri=
gen
zogen die Kurſe durchſchnittlich um 0,5 Prozent, in Einzel=
fällen
um 1 Prozent an. Deutſche Anleihen lagen nicht ganz ein=
heitlich
; Altbeſitz waren feſter, Neubeſitz nur knapp behauptet.
Trotz vorliegender Verſtimmungen, die durch den anhaltenden
Druck der Wirtſchaftsverhandlungen mit dem Auslande vorliegen,
ſetzte die Frankfurter Börſe gut gehalten und überwiegend
ſogar befeſtigt ein. Die freundlichere Bewegung ging vom Kunſt=
ſeidemarkt
aus, in dem offenbar größere Deckungen vorgenommen
wurden Dadurch angeregt, zogen auch die übrigen Märkte etwas
an, wobei allgemein noch die feſte New Yorker Börſe ſowie einige
Hoffnungen angeſichts der engliſchen Kompromißverſuche eine ge=
wiſſe
Stütze bot. Auch die ſtraffere Handhabung für die Einhal=
tung
der Lieferfriſten, um ein Ausarten der Baiſſe=Spekulation
zu verhindern, zwang zu Eindeckungen. So lagen J.G. Farben=
induſtrie
zu Beginn 0,75 Prozent feſter. Von ſonſtigen Chemie=
werten
Scheideanſtalt 0,75, Deutſche Erdöl 0,25 Prozent höher.
Am Kunſtſeidemarkt waren Aku 0,5, Bemberg 3,5 Proz. freund=
licher
. Auch der Elektromarkt zeigte durchweg Kurserholungen.
Es gewannen A E.G. 0,25, Bekula 0,75 Schuckert, Siemens und
Lahmeyer je 1 Prozent. Geſfürel. und Felten unverändert, Licht
u. Kraft 0,75 Prozent höher. Montanaktien lagen uneinheitlich.
Rheinſtahl 0.5, Gelſenkirchen 0,25 Proz. feſter. Stahlverein, die
anfangs 8 Proz. gewannen, verloren davon jeder 0,5 Prozent:
Mannesmann 0,75 Prozent gedrückt. Transportwerte und Schiff=
fahrtsaktien
zeigten kaum veränderte Kurſe. Auch der große Markt
für Nebenwerte ſowie Frankfurter Lokalwerte ſetzte unverändert
ein. Nach etwa anderthalbjähriger Pauſe wurden Spinnerei Ett=
lingen
wieder notiert auf der Baſis von 24 Prozent. Am Anleihe=
markt
lagen Reichsanleihen durchweg freundlicher. Es zogen bei
allerdings noch geringen
mſätzen Altbeſitz 0,75. Neubeſitzanleihe
0,25 Prozent an. Späte Schuldbuchforderungen ½½ Prozent
erholt. Dagegen ſind Pfandbriefe noch nicht allgemein gebeſſert.
Während Rhein. Hyp. unverändert waren, kamen von Frankfurter
Hyp. noch Material heraus. Im Verlaufe der Börſe blieb die

An der Abendbörſe war das Geſchäft wieder ſehr klein,
doch war die Kursbildung zu Beginn eher freundlich. Anregend
wirkten die etwas freundlicheren Auslandsbörſen. Die freund=
lichere
Bewegung ging wieder vom Kunſtſeidemarkt aus, wo Aku
und Bemberg 0,50,75 Prozent anzogen. Auch Montanwerte
etwas gebeſſert. So gewannen Mannesmann ½, Stahlverein ½,
Rheinſtahl 0,5 Prozent. Am Elektromarkt zogen A. E. G., Siemens
und Bekule um 0,5 Prozent an. Von Renten waren Altbeſitz und
Neubeſitz behauptet; Schutzgebiete im Verlauf etwas niedriger.
Auch Pfandbriefe eher nachgebend. Im Verlauf bröckelten die
Kurſe wieder etwas ab. J.G. Farben ſchloſſen bei 95 nach 95½
Prozent.
Der deutſch=füdafrikaniſche Handelsverkrag
bleibk aufrechkerhalken.
Bei ſeiner geſtrigen Rückkehr aus Ottawa erklärte Finanz=
miniſter
Havenga in Kapſtadt, der Handelsvertrag mit Deutſch=
land
bleibe aufrechterhalten, jedoch habe infolge der Abmachungen
auf der Konferenz von Ottawa die ſüdafrikaniſche Regierung au
diplomatiſchem Wege Deutſchland eine Modifikation des Art. 8
vorgeſchlagen, die von der deutſchen Regierung angenommen wor=
den
ſei, obwohl bis zum Augenblick eine ſchriftliche Beſtätigung
noch ausſtehe.

Wirtſchaftliche Rundſchau.

Eine Erklärung des Berliner Börſenvorſtandes. In verſchie=
denen
Preſſeorganen iſt während der letzten Tage auf Mißſtände
hingewieſen worden, die ſich aus der verſpäteten Benennung der
Aufgabe bei Schein folgt Geſchäften ergeben. Demgegenüber
macht der Börſenvorſtand darauf aufmerkſam, daß die Folgen
einer ſolchen Verſpätung bereits in 8 10 der Bedingungen für
die Geſchäfte an der Berliner Wertpapierbörſe geregelt ſind, dem=
zufolge
der nichtſäumige Teil berechtigt iſt, unverzüglich zur
Zwangsregulierung zu ſchreiten, wenn die Aufgabe nicht bis zum
nächſten Börſentage, 11 Uhr vormittags, ſchriftlich gemeldet wird.
Kronenbrauerei Wiener A. G., vorm. Gebr. Wiener, Darm=
ſtadt
. Das Mitte vorigen Jahres in eine Aktiengeſellſchaft um=
gegründete
Unternehmen beruft zum 24. Okt, eine außerordent=
liche
GV. ein, die über die Herabſetzung des Grundkapitals in
leichterter Form von bisher 1 150 000 RM. auf nom. 360 000 RM.
durch Einziehung eigener Aktien und Zuſammenlegung der reſt=
lichen
Aktien im Verhältnis 3:1 Beſchluß faſſen ſoll. Der Buch=
gewinn
ſoll zur Deckung von Verluſten und zum Ausgleich von
Wertminderungen im Vermögen der Geſellſchaft Verwendung
finden. Das erſte Geſchäftsjahr als AG. wurde mit einem Rein=
gewinn
von rund 300 000 RM. abgeſchloſſen.
Bier= und Weinverbrauch in Heſſen. Im abgelaufenen Rech=
nungsjahr
1931/32 wurden in Heſſen nur noch 566 000 Hektoliter
Bier erzeugt gegen 857 000 in 1930/31, 1 150 000 in 1929/30 und
zwiſchen 970 000 und 1 078 000 Hektoliter in den vorhergehenden
Jahren. Sowohl im Vergleich zu 1930/31 wie 1929/30 hat Heſſen
den ſtärkſten Rückſchlag in der Biererzeugung aller deutſchen Ge=
bietsteile
erfahren. Der Rückgang ſtellt ſich gegenüber dem Vor=
jahr
auf 33 Prozent, gegenüber 1929 auf 50 Prozent (Reichsziffern
dagegen nur 23 bzw. 36 Prozent). Die Schärfe des Rückſchlags in
Heſſen rührt hauptſächlich daher, daß hier dem Bier große Konkur=
renz
durch Wein und Apfelwein erwächſt.

Viehmärkke.

Gießener Herbſtpferdemarkt. Der Herbſtpferdemarkt in Gießen
war ſpärlich beſchickt. Es waren 183 Pferde und 36 Fohlen auf=
getrieben
. Der Handel war ſchleppend, ſo daß Ueberſtand verblieb
s wurden für gute Tiere 1000 bis 1200 Mk., für Tiere geringerer
Qualität 500600 Mk. und für Schlachtpferde 50150 Mk. gefor=
dert
. Beſſer beſchickt war die mit dem Markt verbundene Prä=
miierung
, zu der gutes Tiermaterial aus dem weiteren Umkreis
Gießens aufgetrieben war. Beachtenswert für die Pferdezucht iſt,
daß die Warmblüter zunehmen, die der Landwirt infolge ihrer
beſſeren Wendigkeit den ſchweren Schlägen vorzieht. Für die Prä=
miierung
ſtanden wieder eine erhebliche Anzahl Barpreiſe zur
Verfügung.

Die Bewegung der Unkernehmungen.
Geſellſchaftsneugründungen und Auflöſungen
im Hepkember.
Nach Mitteilung des Statiſtiſchen Reichsamtes wurden im
September 193
8 Aktiengeſellſchaften mit zuſammen 1,4 Mill.
RM. Nominalkapital gegründet. Ferner wurden 22 Kapitale
erhöhungen um zuſammen 23 Millionen RM. vorgenommen und
123 Kapitalherabſetzungen um zuſammen 177 Mill. RM. 52 A.G.
mit einem Nominalkapital von 21 Millionen RM. wurden auf=
gelöſt
, darunter 7 wegen Konkurseröffnung. Der Kurswert der
gegen Barzahlung im September ausgegebenen Aktien betrug fünf
Millionen RM. Im September wurden des weiteren 273 Geſell=
ſchaften
m. b. H., 610 Einzelfirmen und Perſonalgeſellſchaften und
74 Genoſſenſchaften gegründet. Aufgelöſt wurden 499 Geſellſchaften
m.b.H. (darunter von Amts wegen gelöſcht), 1263 Einzelfirmen
und Perſonalgeſellſchaften (darunter 289 von Amts wegen ge=
löſcht
) und 123 Genoſſenſchaften.
Mekallnokierungen.
Die Metallnotierungen in Berlin für je 100 Kg. am 5. Okto=
ber
ſtellten ſich für Elektrolytkupfer, prompt eif Hamburg, Bremen
oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die Deutſche Elek=
trolytkupfernotiz
) auf 56,25 RM. Die Notierungen der Kom=
miſſion
des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe verſtehen
ſich ab Lager in Deutſchland für prompte Lieferung und Bezahlung)
ſtellten ſich für Original=Hüttenaluminium, 98 bis 99 Prozent, in
Blöcken. Walz= oder Drahtbarren, auf 160 RM., desgleichen in
Walz= oder Drahtbarren, 99 Prozent, auf 164 RM., Reinnickel,
bis 99 Prozent, auf 350 RM. Antimon=Regulus auf 3739
RM., Feinſilber (1 Kg. fein) auf 38,2541,50 RM.

Rleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die A.E.G hat in letzter Zeit wiederum einige größere Auf=
träge
aus Rußland hereingenommen. In der Hauptſache handelt
es ſich um Elektromotoren und =kompreſſoren, ſowie elektriſche An=
triebe
für Verladebrücken, Krane und Werkzeugmaſchinen Beſon=
ders
bemerkenswert iſt ein Auftrag von 5 Ausrüſtungen für Elek=
troöfen
zur Eiſen= und Stahlerzeugung.
Im vergangenen Jahr wurden in Heſſen=Naſſau 389 Konkurs=
verfahren
zu Ende geführt (1930: 345. 1929: 245) Neu eröffnet
wurden 707 Konkurſe. Insgeſamt betrugen die Maſſekoſten de
beendeten Konkurſe 862 000 RM., die Maſſeſchulden 1 128 000 RM.
und die Schuldenmaſſe 20 891 000 (darunter 1 192 000 RM. bevor=
rechtigte
).
die geſamte Teilungsmaſſe betrug demgegenüber nur
3 518 000 RM. oder 15,4 Prozent ſämtlicher Verbindlichkeiten (der
Reichsdurchſchnitt iſt 18,8 Prozent).
Die Süddeutſche Mühlenvereinigung hat den Preis für Wei=
zenmehl
herabgeſetzt um 0.10 RM. per 100 Kilo, ſo daß ſich der
Preis für Weizenmehl Spezial Null ſüdd. auf 31,40 RM. ſtellt.
In dem gerichtlichen Vergleichsverfahren der Keramiſchen
Werke Offſtein und Worms A. G., Worms, iſt jetzt der angenom=
mene
Zwangsvergleich beſtätigt und das Verfahren aufgehoben
worden.
Der G.V. der Brown Boveri u. Co. A.G., Mannheim, am 27.
Oktober, wird vorgeſchlagen werden, von dem 25 Millionen RM.
betragenden A.K. 1 Mill. RM. einzuziehen und den danach ver=
bleibenden
Verluſt von 7 911 300 RM. ohne Inanſpruchnahme des
geſetzlichen Reſervefonds (5 Mill. RM.) vorzutragen.
Da in der letzten o. G.V. der Rheiniſchen Handelsbank A. G.,
Mannheim, einige Formalitäten nicht gewahrt wurden, mußte
eine a.o. G.V. einberufen werden. In dieſer wurden die alten
statuten in ihrer alten Faſſung mit einer Ausnahme wieder in
Kraft geſetzt; es wurde beſchloſſen, den A. R.=Mitgliedern nur ihre
Speſen zu vergüten. Die Mitgliederzahl des Aufſichtsrats wurde
von 7 auf 5 herabgeſetzt.
Der Londoner Goldpreis beträgt am 5. Oktober für eine Unze
Feingold 119,4 Schilling gleich 86,8150 RM. für ein Gramm Fein=
gold
demnach 46,0398 Pence gleich 2,79 116 RM. Zu dieſem Preis
wurden 155 000 Pfund Sterling Gold verkauft; der Käufer blieb
unbekannt.
Nach Informationen ſind die internationalen Verſtändigungs=
verhandlungen
der Tafelglasinduſtrie zur Bereinigung der gegen=
ſeitigen
Exportſchwierigkeiten durch Abgrenzung der Märkte ſo=
wie
über den Verkauf tſchechoſlowakiſchen Glaſes in Deutſchland
ziemlich weit gediehen. Im Augenblick beſteht der ganze Fragen=
komplex
in einer Verſtändigung der belgiſch=tſchechoſlowakiſch=
Verhandlungen, wodurch anſchließend die Abſtimmung der Quoten
der deutſch=franzöſiſchen Glasinduſtrie erleichtert wird.

Berliner Kursbericht
vom 5. Oktober 1932

Deviſenmarkt
vom 5. Oktober 1932

Mee
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Banl
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordb. Llotzd
A. E. G.
Bahr. Motorenw.
C. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti. Gummt
Deutſche Cont. Gas

re
75.
61.75
17.125
28.125
17.50
32.25
61.50
53.50
20.75
28.50
103.25
31 89.375

Me
Elektr. Lieferung
F. G. Farben
Geſ. Bergw.
Geſ=f.elektr. Untern.
Harpener Bergbau
Goeſch Eiſen u.
Köln=Neueſſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
glöcknerwerke
Nannesm. Röhr
Naſch.=Bau=Unt
Oberſchleſ. Koksw.
Orenſtein & Koppel

Rate
66.
95.125
7.375
70.2:
73.25
36.50
57.25
33.50
8.12
33.50

Mee
Rütgerswerke
Salzdetfurth Kalt
Leonh. Tietz
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Akali
Agsb.=Nnrb. Maſch
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Werte
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke

Vae
40.50
166.
45.125
20.625
108.50
17.50
46.
10.
23.50
68.75
28.50
25.25

belſingfor.
Krt
nd
Lopenhagen
tockholm
Londor
uenos-Aires
New York
Zelgie
T=
Ftalien
Paris

Bährung
100 finn. M
1o0
ſchilling
ſch.
109
*
Na
0 Gulder
1o0 Kronen
100 Kronen
100 Kronen
1 2=Sta.
1 Pav. Peio
Dollar
100 Belgo.
100 Lir
100 Franes

GeldBrieft
6. 264
95

3.057 3.08
74.5
z39
8.3
21.58
15.48

*
1t.
21s8
16.52

Schweiz
Spanien
dan,

Wee
nbu
Nndo
rugne
Fslant
Tallinn (Eſtl.)
Rigo

Währung GeIbl Brief 0 Franken 81:10 Beſetas 00 Gulden 315 Den 01 olt Milreis 6. 0s 108 MSi
osl. 5i Mi teanad.Do11 Go 3= 00 isl. 4 65.6 100 eſtl. gr 10.59 z1 100 Lats 79.721 19.89

urmſtadter and Kartohaloant Suraftaot, Mihiute dei Aresoner Bunr
Frankfurter Kursbericht vom 5. Oktober 1932.

Wee
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½%Intern.,
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38 Heſſen b.
3% Preuß. St.v.
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8 Thüringen
Dtſche. Anl. Auslo=
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. (Neub.)
Deutſche Schutzge=
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. ...
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5½% Heſt. Lal
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3
35.5

53.5
6.5
5.275

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Ks

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65.2

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62.5

Viie Lau
Bk. Girozentr. für
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62 Kaſſeler Land.
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Dt. Komm.
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J. G. Farben Bonds
5% Bosn. L. E. B.
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Contin. 6.
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Dt. Gold= u. Silber
ſcheide=Anſtalt
Linolwerk. Berl.
Dortm. Ritterbräu
Dyckerhoffu. Widm
Eichbaum=Werger
z.=Geſ.
Elektr. 2
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Eßling. Maſchinen.
Faber & Schleicher
J. 6. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Fetter)
Felt. & Guilleaume
Frankfurter Hof ..
Gelſenk. Bergwerk
Geſ. f.elettr. Unter
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner=Kahſer ..
Grün & Bilfinger
Hafenmühle Frkft.
Hammerſen (Osn.)
Hanauer Hofbrauh
danfwerke Füſſen.
Harpener Bergba
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Hochtief Eſſen.
Holzmann, Phil.
Zlſe Bergb. Stamm
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....
Kali Chemie.
Aſchersleben.
glein, Schanzlin. .!

73

136
45.5

45
11.5

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V
5o.25

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33
10.75
67.5
57
96.5
14.75
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Mieee
C. K
Lahmeyer &Co.
hütte ...
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Löwenbr. Münch.
utz Gebr. Darmſt.
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Nansfeld Bergb.
Netallge). Franki.
MNiag. Mühlenbau.
Montecatini Maild.
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hönix Bergbau.
Reiniger. Gebbert
Rh. Braunkohlen
Elettr. Stamm
Stahlwerke ...
Riebeck Montan.
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Rütgerswerke ....
Salzdetfurth Kal
Salzw. Heilbronn.
Schöfferhof=B.
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Siem. Glasinduſtr
Siemens & Halske.
Südd. Zucker=A. G.
Tellus Bergbau
Thür. Liefer.=Geſ..
Tietz Leonhard ...
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Frankfurt a. H.

VARIETE

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ren 3 Schulpferden
hule im Wandel der Zeiten
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Donnerstag, 6. Oktober 1932

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 278 Seite 13

iſ.

Bonder Keld und viele Frauen.

Roman von Karl. Lütge. Copyright by Perlagpreſſe Tagesdienſt,Berlin W335

Die Zimmer ſind im Grand Palace reſerviert, Miß Macy.
Danke, Miß Eckſtein! Was haben Sie noch?"
Das Geſicht von Miß Eckſtein war entſtellt zur Fratze. Die
Augen glühten, der Mund bebte. Je, länger man ſie anſah, umſo
Un
erregter und verwirrter wurde die kleine eckige Geſellſchafterin.
Was iſt Ihnen denn, Miß Eckſtein.
Die Geſellſchafterin zückte das Taſchentuch, drückte es vor die
Augen und eilte hinweg wie ein geſcholtenes Kind.
Wie ſonderbar! Verſtehen Sie das? Zerwürfnis mit
Ihrem Trainer, Miſter Mühlinghaus, ſagten Sie nicht ſo? Ich
hoffe daß ich nicht ſchuld bin an dem Zerwürfnis?"
Der Schwimmer verneinte zu haſtig, als daß Miß Macy
tab
ſeiner Beteuerung hätte Glauben zu ſchenken vermögen.

Wo iſt Miſter Holtermann jetzt? Sie trennten ſich von ihm.
Muß er dabei ſein, wenn Sie mit dem Kanal kämpfen? Oder
iſt der Klub, dem Sie angehören, der einzige, mit deſſen Erlaub=
nis
Sie den Kanal bezwingen dürfen? Können Sie mit einem
anderen Trainer den Kampf neu aufnehmen? Einfach als Berufs=
ſportler
? Das wäre ein ſicherer Beginn! Der Profeſſional gilt
doch auch in Deutſchland, trotz des ſtarken Amateurſportes, der
dort getrieben wird. Warum nicht die berufliche Ausübung einer
24
wichtigen Sportart wenn der
Miß Macy brach ab. Miß Eckſtein kam zurück, entſchloſſen und
weniger erregt. Nur ihr Gang erſchien ſeltſam unſicher.
Sie beſchrieb um Ludwig Mühlinghaus einen auffälligen
Bogen beugte ſich entgegen aller konventionellen Sitte zum Oyr
von Miß Macy und flüſterte abgeriſſen:
Dieſer Herr iſt ein Mörder! Der Trainer, Miſter Holter=
mann
, iſt von ihm ermordet und beraubt worden!
Oh, was ſagen Sie
Miß Macy war entſetzt und ratlos. Ein ſolcher Fall wie
ſich hier betragen.
Das Grand Hotel ſagte mir es. Ich rief an, wegen der Ab=
beſtellung
der Zimmer, da hörte ich es.
Aus Miß Macys Geſicht war alle Farbe gewichen. Sie ſah
ratlos zu Miß Eckſtein auf. Der Blick ging dann taſtend über
die Gläſer und Blumen auf dem Tiſch zu dem verwunderlich
ruhig und anſcheinend ahnungslos ihr gegenüberſitzenden Lud=
wig
Mühlinghaus.
Sein offener, freier Blick vereinte ſich mit dem ihren zu
einer ſtummen Frage. In der Tiefe der leuchtenden, blauen
Augen ſuchte die Amerikanerin zu leſen. Sie fand nichts von
Entſetzen, Furcht oder Angſt. Und die hohe Stirn des Schwim=
mers
wurde nicht um einen Schatten einer ſo furchtbaren Schuld
getrübt.
Eine raſche Ueberlegung. Was tun? Es mußte etwas ge=
ſchehen
.
Bitte, Miß Eckſtein, rief ſie, veranlaſſen Sie, daß ein
Parkwächter ſofort den Wagen vorfährt. Ich beabſichtige, Miſter
Mühlinghaus heute nachmittag von Oſtende noch einiges zu
zeigen."

Miß Eckſtein lächelte außerordentlich befriedigt. Sie wich
dem forſchenden Blick des Sportsmannes flink aus. Mühling=
haus
wußte nicht, warum er nicht ärgerlich wurde bei dem ge=
heimnisvollen
Gewiſpere.
Er hörte kaum hin, was Miß Macy weiter ſagte:
Aber bitte, unternehmen Sie ſelbſt nichts, Miß Eckſtein!
Ich verlaſſe mich auf Sie! ſagte mit ſeltſamer Eindringlichkeit
Miß Macy zu ihrer ſelbſtbewußten Geſellſchafterin.
Miß Eckſtein hob den Kopf etwas, wandte ſich kurz und
ſchritt mit kleinen energiſchen Schritten durch die Gaſtſtätte.
Man rief den Kellner und zahlte.
Baronin Bodtfeld blickte auf, als der ſtahlblaue Wagen
gegenüber dem Kurhaus vorfuhr. Sie hatte die Geſellſchafterin
der jungen Dollarprinzeſſin am Wagen, drüben erkannt, und
ſpürte eine ſonderbare Eile. Nicht lange ſaßen ſie im Reſtaurant.
Die Baronin zahlte und ging. In der Nähe befand ſich ein
Taxiſtand; die Chauffeure lungerten herum.
Ein ſchneller Wagen, bitte, raſch!
Ein Chauffeur drängte ſich vor, riß die Mütze vom Kopf,
ſchwatzte aufdringlich.
Der ſchnellſte von Oſtende, Madame! Ich kenne jeden Weg.
Ich fahre ſchon fünfzehn Jahre.
Er öffnete den Wagenſchlag. Baronin Bodtfeld ſtieg ein. Sie
deutete auf den raſſigen ſtahlblauen Wagen.
Folgen Sie jenem Wagen dort; ſehen Sie, dem dort, in
den jetzt die Dame und der Herr einſteigen
Wird gemacht, Madame!
Die beiden Autos fuhren davon, dicht auf, mitunter bei
ſtarkem Verkehr getrennt, dann bald wieder unmittelbar hinter=
einander
. Die Baronin hatte den kleinen, aparten grünen Hut
tief ins Geſicht, über die ſtrengen Augenbrauen, gezogen.
Seltſam, der Wagen der Amerikanerin verließ die Bade=
ſtadt
. Wie töricht dieſe Verfolgung, romanhaft und unüberlegt.
Aber erregend.
Baronin Bodtfeld ſaß gebannt und erregt im Wagen.
Die Ebene öffnete ſich mit weiten, weißen Straßenarmen.
Sie ſahen aus wie Fangarme. Als zögen ſie jemand in ihren
Bann.
Sah das nicht wie Flucht aus!! Die Geſchwindigkeit war
ungewöhnlich, die großen Straßen blieben ſeitab. Um was ging
es bei dieſer Fahrt? Noch nie glaubte die Baronin ſo raſch ge=
fahren
und ſolch toll kreuz und quer verſchlungene Straßen ge=
raſt
zu ſein, als an dieſem Nachmittag.
Nicht minder wunderte ſich in dem ſtahlblauen Auto Ludwig
Mühlinghaus über das unſinnige Tempo. Miß Eckſtein ſaß nicht
mit im Wagen. Miß Macy ſchien ihm ſehr verändert gegen den
Vormittag. Sie hatte das friſche, jugendliche Geſicht ſtarr ver=
zogen
und blickte nur auf das weiße Band der endlos in die
Ferne gehenden Straße.

Dörfer hufchten vorüber, Wälder kamen und gingen. Kanäle
wurden überquert. Städte paſſiert. Ueberall drohten Windmüh=
len
. Menſchen ſtanden am Weg und ſchimpften über die rück=
ſichtslos
raſenden Autofahrer.
Wohin? fragte Mühlinghaus, als der Wagen vor einer
Bahnſchranke kurze Zeit halten mußte.
In Sicherheit antwortete Miß Mabel Macy kurz, ohne
den Kopf zu wenden.
In Sicherheit! Mühlinghaus ſaß mit zuſammengekniffenen
Lippen neben Miß Macy. Er ließ ſie ruhig gewähren.
In
Sicherheit! Das wäre gut.
Famos, Miß Macy lobte Mühlinghaus bei einer ſchwie=
rigen
Stelle der Landſtraße die junge Fahrerin.
Ich tue, was ich kann, antwortete ſie abweiſend.
Spätnachmittagslicht fiel ſchräg über die Straßen. Der
Abend rückte auf. Unſinnig tobte der Motor: weiter, weiter,
Man durchfuhr enge Gaſſen ärmlicher Fiſcherdörfer, kam durch
Badeorte, die ſchon holländiſch nett ausſahen. Windmühlen ſtan=
den
auf flachen Hügeln. Man konnte nicht mehr weit von der
holländiſchen Grenze ſein, als die erſten Schatten der Dämme=
rung
über die gepflaſterten breiten Straßen huſchten.
XIV.
Fiſcher fanden am Ufer, mit abgeftelltem Motor, das trei=
bende
Motorboot der beiden Deutſchen. Ein Körper lag leblos
ausgeſtreckt auf dem Boden. Möven kreiſchten wie unſinnig ums
Boot. Wer verſtand, was ſie ins helle Nachmittagslicht hinaus=
ſchrieen
??
Das iſt von den Deutſchen, den Schwimmern, ſagte der
eine der Fiſcher
Ja, die Beiden, die an den Kanal wollten, na ja, biel
Glück!
Sie drehten den lebloſen Körper um. Der Mann, der da
lag, trug einen verwilderten Spitzbart. Die Augen ſtanden weit
offen. Er regte ſich nicht. Am Boden war ein dunkler Fleck, und
zwei deutſche Banknoten lagen herum.
Der iſt tot, wißt ihr, ſagte ein Alter.
So, wohl möglich. Was es da gegeben haben wird?
Vielleicht Streit? Wer kann das wiſſen? Der da, der
ſagt darüber keinen Laut mehr
Sie ſchleppten das Motorboot zum Strand. Geſtern hatten
andere das Boot gefiſcht, weiter draußen, und da lag niemand
tot darin.
Einer der Leute ging ins Dorf und holte den Gendarmen
und den Maire herbei.
Das war eine verteufelte Sache. Einer tot im Boot, und
Geld lag herum. Nun, mochten ſie drin in Calais ſich um die
Sache kümmern.
Nach kaum einer Stunde erſchien die Kommiſſion im Dorf
in der Mairie, ſtrenge, vornehme, eilige Beamte, mit Photo=
apparat
, Arzt und Protokollführer. Sie fragten, photographier=
ten
das Boot mit der Leiche, und ſuchten die Fiſcherkneipe auf.
Die Fiſcher mußten erzählen. Viel wußten Sie nicht. Auch
die beiden Wirtsleute, bei denen die Deutſchen gewohnt hatten,
konnten nicht viel ausſagen.
(Fortſetzung folgt.)

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Donnerstag 2½½ Uhr spielen im Rundfunk
die Schumgnn-Jaxz-Sinfoniker und Hans Neumann spricht-

UV.13839

[ ][  ]

Seite 14 Nr. 278

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Donnerstag, 6. Oktober 1932

5

Heute Donnerstag Erstaufführung.

Das grobe musikalische Freignis des Jahres

HARRV PIEL

Der erste deutsche Opern-Tonfilm.
Die beiden bedentenden Stars der Berliner Staatsoper
DARMILA MOVOTNA
und
DOMGRAF-FASSBENDER

eröffnet heute Im PALABT‟ mit seinem
allerneuesten
Senzations-Tonfilm
die diesjährige Winter-Saison.
Ein glänzendes Drelgestirn der Sensatlonen!
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GREIF der klnge Schäferhund und
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Die
verkaufte Braut

Nach der berühmten komischen Oper
von Friedrich Smetana.
Die bunte Handlung, die herrliche Musik und die
schönsten Stimmen der deutschen Opernbühnen fügen
sich in heit. Spiel zu einem Opernfilm neuen großen Stils
Im erstklassigen Beiprogramm:
Die neueste Emelka-Tonwoche.
Jugendliche haben Zutritt.

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stiehlt Europa

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Der Kampf um den Großen Preis von Nixza.
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Dazu das erstklassige Beiprogramm.

Jugendliche haben Zutritt.

Beginn: 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr.

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Tonfilm-Operette
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wer Du bist

Die letzten 3 Vorstellungen:
3.45, 6.00 und B.20 Uhr.

Großes Haus 2023.30 Uhr
Hessisches
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6. Oktober

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Kleines Haus 2022.30 Uhr

Der Waffenschmied
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des Kabaretts

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Ziel gefahren. Wohin es geht?
Das erfährt der Teilnehmer erſt kur

vor dem Ziel. Was die Fahrt koſtet
ſagt die Fahrkarte: Von Darmſtad
Hbf. bis zum Ziel und zurück nur 3,5
RM. Abfahrt ab Darmſtadt Hbf. 7.44
Uhr, Rückkunft in Darmſtadt Hbf. 21.45
Uhr.
Alles Weitere beſagen, ſoweit
er Schleier vorher gelüftet wird, die
Aushänge auf den Bahnhöfen und bei
den Mitteleuropäiſchen Reiſebüros.
wie die Mitteilung im lokalen Teil der
Preſſe.
(TV138.
Mainz, den 30. September 1932
Reichsbahndirektion Mainz.

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2. Nationale Entwicklung une
versönliches Schicksal 1933.
3. Lichtbildhoroskope v. Hin-
denburg
v. Schleicher
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(13823
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