Darmstädter Tagblatt 1932


10. Januar 1932

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Einzelnummer 15 Mennige
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
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Frankfurt a. M. 1301.

Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche iUnſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämilicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe Darmſi. Tagbl. geſfattet.
Nummer 10
Sonntag, den 10. Januar 1932.
195. Jahrgang

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zeile
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1 Dollar 420 Mark. Im Falle, höherer
Gewalt wie Krieg, Aufruhr, Streil ufw., erliſcht
ſede Verpflichtung auf Erfüllung der Anzeigen=
aufträge
und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konhurs oder gerſchiſcher Beſtreibung fählk jeder
Rabatt weg. Banklonto Deuiſche Bank und Darme
ſtädter und Nationalbani.

Der engliſchen Regierung offiziell mitgekeilk. Ein Kanzler=Inkerview. Brünings Programm
für Lauſanne: Deulſchlands Lage macht ihm die Forkſekzung polikiſcher Zahlungen unmöglich.
Die Brüning-Erklärung hat in Paris wie eine Bombe eingeſchlagen.

Deutſchlands Alkimakum.
Schluß mit den Reparakionen!

London, 9. Januar.
Unter der Ueberſchrift Deutſchlands Ultimatum veröffent=
ſicht
ſoeben der Star ein Reutertelegramm aus Berlin über
ſeinen Beſuch des engliſchen Botſchafters, Sir Horace Rumbold,
weim Reichskanzler Dr. Brüning am Freitag nachmittag. Hier=
ſwei
verſtändigte der deutſche Kanzler den engliſchen Botſchafter
ſoavon, daß Deutſchland weder jetzt noch in der Zu=
unft
irgendwelche Reparationen zahlen könnte,
wenn das wirtſchaftliche Leben der Welt wieder belebt werden
ſolle. Die deutſche Abordnung müſſe auf der Lauſanner Kon=
ferenz
dringend für die vollſtändige Streichung der Reparationen
intreten.
Die Anſichten Dr. Brünings und ſeiner Kabinetts=
llegen
über die Reparationen ſeien wiederholt den aus=
ndiſchen
Diplomaten gegenüber erläutert worden. Auch die
Breſſe habe das der Oeffentlichkeit gegenüber getan. Man weiſe
in den zuſtändigen Kreiſen in Berlin darauf hin, daß das ge=
horgte
Geld, mit dem Deutſchland bisher ſeine Reparationen
xzahlt hätte, da es nicht für produktive Zwecke verwendet wor=
den
ſei, tot ſei. Das deutſche wirtſchaftliche Leben ſtehe jetzt am
Mande des vollſtändigen Zuſammenbruches. Dieſer würde
ſtrherlich ganz unvermeidlich werden, wenn ein Verſuch gemacht
meürde, wieder die Reparationslaſten Deutſchland aufzuerlegen.
Wenn Deutſchland dagegen von dieſer Laſt befreit würde, ſo
werde es in der Lage ſein, ſeine privaten Schulden zur ge=
nsbenen
Zeit zu bezahlen. Aber es könne unmöglich dieſe, und
diee Reparationen zuſammen zahlen.
In Berliner politiſchen Kreiſen wird beſtätigt, daß der
R eichskanzler Freitag nachmittag eine Unterhaltung mit dem
eingliſchen Botſchafter über die Reparationsfrage hatte. Der
Hanzler habe dabei darauf hingewieſen, daß Deutſchland nicht
dire Mittel habe, die Tributzahlungen fortzuſetzen, jedoch ſei dies
nicht in der prägnanten Form, wie ſie im Reuter=Telegramm
geſchildert werde, erfolgt.
Die deulſche Aborsnung für Lauſanne.
Berlin, 9. Januar.
Die britiſche Regierung hat den beteiligten Mächten als
eitpunkt für die Reparationskonferenz in Lauſanne nunmehr
den 25. Januar vorgeſchlagen. Die deutſche Regierung hat
du eſem Vorſchlag zugeſtimmt. Wie wir hören, wird die Füh=
rung
der deutſchen Abordnung Reichskanzler Brüning ſelbſt
uSernehmen. Außer ihm ſind als Delegierte der Vizekanzler
uid Reichsminiſter der Finanzen Dietrich ſowie der Reichs=
mirtſchaftsminiſter
Warmbold in Ausſicht genommen. Den
Seichskanzler wird der Staatsſekretär des Auswärtigen Amtes,
vwn Bülow, begleiten. Imübrigen wird ſich die Abordnung
taugs den zuſtändigen Sachbearbeitern der beteiligten Reichsſtellen
z1 ſammenſetzen.
Warun gehl Brüning nach Lauſanne?
Im Zuſammenhang mit der Veröffentlichung der Liſte der
deutſchen Delegation für die Reparationskonferenz in Lauſanne
epfing Reichskanzler Dr. Brüning heute den Chefredakteur des
ASTB. Dieſer wies darauf hin, daß dieſe amtliche Nachricht die
politiſche Oeffentlichkeit naturgemäß ſehr intereſſiere, und fragte,
welche Geſichtspunkte bei der Zuſammenſetzung der Delegation be=
achtet
worden ſeien.
Der Reichskanzler betonte einleitend, daß der bevorſtehen=
den
Reparationskonferenz in Lauſanne eine ſehr große Be=
deutung
zukomme. Er habe es daher nicht nur in ſeiner
Eigenſchaft als Reichsaußenminiſter ſondern auch als
Reichskanzler, dem nach der Verfaſſung die Beſtimmung
der Richtlinien der Politik zufalle, für ſeine Pflicht gehal=
ten
, trotz der Fülle ſeiner ſonſtigen Amtsgeſchäfte die Füh=
rung
der Delegation ſelbſt zu übernehmen.
Aßerdem würden die zuſtändigen Reſſortminiſter, Reichsfinanz=
mäniſter
Dietrich und Reichswirtſchaftsminſter Warmbold, teilneh=
men
. In ſeiner Begleitung werde ſich Staatsſekretär v. Bülow be=
finden
, da auf einer außenpolitiſch ſo bedeutſamen Konferenz
naturgemäß auch das Auswärtige Amt als ſolches maßgeblich ver=
treten
ſein müſſe. Gleichzeitig ſei aber Bedacht darauf genommen
worden, durch Zurücklaſſung von leitenden Beamten in Berlin,
o. der Staatsſekretäre des Reichsfinanzminiſteriums des Reichs=
rtſchaftsminiſteriums
und der Reichskanzlei die Arbeitsfähigkeit
S Reichskabinetts in Berlin, namentlich für etwaige Rückfragen
der Lauſanner Delegation, ſicherzuſtellen. Während der Dauer
der Konferenz werde die Reichsregierung in Berlin unter Lei=
ſtunng
des Reichswehr= und Reichsinnenminiſters Dr. h.c. Groener
tehen.
Der Chefredakteur fragte weiter, ob denn der Reichskanzler
ingeſichts der gegenwärtigen politiſchen Lage
eine längere eigene Abweſenheit von Berlin für
de rtretbar halte. Der Chefredakteur wies hierbei insbeſon=
dere
auf die am kommenden Dienstag ſtattfindende Sitzung des
Ae lteſtenrats des Reichstags hin, in der bekanntlich auf kommu=
rtiſchen
Antrag über
die Frage der etwaigen vorzeikigen Einberufung
des Reichskags
Beſchluß gefaßt werden ſolle. In ſeiner Antwort verkannte der
Reichskanzler dieſe Bedenken keineswegs, fügte aber hinzu, daß

ſeine Teilnahme an der Reparationskonferenz
aus dem eingangs erwähnten Grunde das abſo=
lut
Vordringliche ſei. Er halte es übrigens nach der bis=
herigen
Haltung des Aelteſtenrats eigentlich für ausgeſchloſſen,
daß ſich eine Mehrheit für ſofortige Einberufung des Reichstages
zur Behandlung reparationspolitiſcher Fragen finden könne.
Die Reichsregierung habe ſchon bei verſchiedenen Anläſſen
darauf hingewieſen, daß ſie keineswegs beabſichtige, den
Reichstag als maßgeblichſten Faktor der deutſchen Geſetz=
gebung
auf die Dauer auszuſchalten. Vielmehr habe ſie
ſelber bei der letzten Tagung des Reichstags auf den Be=
ſchluß
hingewirkt, für Ende Februar d. J. eine erneute
Tagung des Reichstags ins Auge zu faſſen. Die gleiche Hal=
tung
nehme die Reichsregierung auch zur Stunde noch ein.
Den Einberufungstermin nun aber etwa auf Mitte oder
Ende Januar legen zu wollen, ſei nach ſeiner Auffaſſung
geradezu unverſtändlich. In demſelben Augenblick, wo die
Reichsregierung ſich anſchicke, die wichtigſten vaterländiſchen
Intereſſen des ſchwer um ſeine Exiſtenz ringenden deutſchen
Volkes vor dem Auslande zu vertreten, wäre eine gleich=
zeitige
Beratung dieſer und der damit zuſammenhängenden
Fragen vor dem Plenum des Reichstags, eine völlige Un=
möglichkeit
.
Die Frage, ob er dieſe Ausführungen des Reichskanzlers der
Oeffentlichkeit mitteilen dürfe, bejahte der Reichskanzler aus=
drücklich
. Der Chefredakteur fügte hinzu, daß für dieſe Hal=
tung
der Reichsregierung bei dem größten Teil
der deutſchen politiſchen Oeffentlichkeit nach ſei=
ner
Auffaſſung durchaus Verſtändnis vorhanden ſei.
Wenn da und dort noch Zweifel vorhanden ſeien, ſo beruhten ſie
im weſentlichen darauf, daß
die Hallung der Reichsregierung
und der deutſchen delegalion in Lauſanne
noch nicht genügend klar umriſſen und in der Oeffentlichkeit be=
kannt
ſei. Der Reichskanzler unterdrückte ſein Erſtaunen über
dieſe Frage nicht und betonte, daß irgendein Zweifel an der Hal=
tung
der deutſchen Delegation in Lauſanne doch nicht gut möglich
ſei. Er brauche in dieſer Hinſicht nur auf die verſchiedenen deut=
ſchen
Verlautbarungen der letzten Zeit hinzuweiſen, wobei er die
amtlichen Aeußerungen anläßlich des Neujahrsfeſtes und ſeine
eigene Rundfunkrede vom 7. Dezember erwähnte.
Es gelte jetzt für die beteiligten Mächte, die Schlußfolge=
rungen
aus dem Bericht der Baſeler Sachverſtändigen zu
ziehen. Der Bericht habe noch einmal die gewaltigen
Dimenſionen der Weltkriſe aufgezeigt und vor allem die
verheerenden Folgen geſchildert, die dieſe Kriſe gerade für
Deutſchland mit ſich gebracht habe. Er führe der Welt die
bis an die äußerſte Grenze gehenden Maßnahmen vor
Augen, die in Deutſchland zur Bekämpfung der Kriſe er=
griffen
worden ſeien, und erkenne von ihnen an, daß ſie in
der modernen Geſetzgebung ohne Beiſpiel daſtänden. Zu=
gleich
beweiſe der Bericht aber, daß einſeitige deutſche Maß=
nahmen
nicht ausreichen könnten, daß vielmehr die Lage
Deutſchlands, die in weitem Maße die Urſache für die ſtei=
gende
finanzielle Lähmung der Welt ſei, gebieteriſch ein
gemeinſames Handeln der Regierungen, und zwar ein ſo=
ſofortiges
Handeln fordere. Dafür, wohin die Entſchließun=
gen
der Regierungen gehen müßten, gebe der Bericht, wenn
er auch auf formulierte Vorſchläge verzichte, doch ganz klar
die Richtlinien an. Er zeige die tatſächliche Zah=
lungsunfähigkeit
Deutſchlands, und zeige dar=
über
hinaus, in welchem engen urſächlichen Zuſammenhang
gerade die deutſchen Reparationszahlungen mit der ganzen
gegenwärtigen Lage ſtehen. Dabei ſtelle der Bericht aus=
drücklich
feſt, daß ſich die Vorausſetzungen, von denen ſeiner=
zeit
die Verfaſſer des Young=Plans ausgegangen ſeien,
grundlegend geändert hätten, Hiermit, ſo betonte der Herr
Reichskanzler, ſei im Grunde alles geſagt. Es liege klar
zutage, daß Deutſchlands Lage ihm die Fort=
ſetzung
politiſcher Zahlungen unmöglich
mache. Ebenſo klar ſei, daß jeder Verſuch, das Syſtem
ſolcher politiſcher Zahlungen aufrechtzuerhalten, nicht nur
für Deutſchland, ſondern für die ganze Welt zum Unheil
führen müſſe.
Bei dieſem Stande der Dinge ſei der Reichsregierung ein
Spielraum für Ueberlegungen, welchen Standpunkt ſie einzuneh=
men
habe, überhaupt nicht gegeben. Sie könne aufder be=
vorſtehenden
Konferenz nichts anderes tun, als
die gegebene Sachlage darzuſtellen und an die
anderen beteiligten Regierungen die Auffor=
derung
zu richten, daß ſie auch ihrerſeits dieſer
Sachlage Rechnung trügen und nicht nach Kom=
promißlöſungen
ſuchten, für die eine reale
Möglichkeit nicht mehr gegeben ſei. Abſchließend er=
klärte
der Reichskanzler, er glaube beſtimmt, daß es heute in kei=
nem
Lager mehr an der inneren Einſicht in die Notwendigkeit
der jetzt zu ziehenden Schlußfolgerungen fehle. Es komme nur
darauf an, auch den Mut zur Verwirklichung die=
ſer
Einſicht zu finden und, wie der Sachverſtändigen=
bericht
ſage, die Behandlung wirtſchaftlicher Pro=
bleme
nicht wieder durch politiſche Gedanken=

gänge beeinfluſſen zu laſſen. (Siehe Seite 2.)

* Die Woche.
Es iſt verſtändlich, daß an der Schwelle dieſes entſcheidungs=
ſchweren
Jahres in der deutſchen Oeffentlichkeit all die großen
ernſten Probleme von den verſchiedenſten Seiten aus zuſammen=
faſſend
erörtert worden ſind. Die politiſchen und wirtſchaftlichen
Ausſichten für die kommenden großen internationalen Kon=
ferenzen
, wie ſtark jeder Einzelne von uns an all dem inter=
eſſiert
iſt, die Not lehrt es uns jeden Tag. Aber es ſind nicht
nur die äußeren Zuſammenhänge, die unſer Schickſal als Volk
und Staat beſtimmen, ſondern wichtiger noch iſt die geiſtige
Struktur. Das deutſche Volk wird ſeinen Wiederaufſtieg nur
zu erkämpfen vermögen, wenn bei ihm die geiſtigen und ſitt=
lichen
Vorausſetzungen dafür vorhanden ſind. Man ſpricht bei
uns viel von deutſcher Weſenheit, von der Erhaltung der
Arteigenheit, vom deutſchen Charakter, deutſcher Kultur. Das
iſt ſehr richtig und gut. Wir müſſen uns auf uns ſelbſt be=
ſinnen
, damit wir leben können. Die Welle des Materialismus,
die im Zuſammenhang mit der naturwiſſenſchaftlichen Forſchung
das Abendland ein Jahrhundert lang überflutete, brachte gerade
für die deutſche Veranlagung beſondere Gefahren. Die Ratio
ſchuf einen luftleeren Raum, in dem die Seele nicht zu leben
vermochte, und ſo lockerten ſich die Wurzeln unſeres Seins
immer mehr, und der Grund, auf dem wir ſtehen, wurde immer
brüchiger. Weit über ein halbes Jahrhundert lang hat man
aus Unverſtändnis und auch aus Böswilligkeit verſucht, dem
deutſchen Volk alles zu verekeln was ſeinem Weſen entſpricht.
Daß das auch auf politiſchem Gebiet geſchah, geſchehen konnte,
iſt dabei nicht einmal das Entſcheidende. Viel deutlicher noch
und verhängnisvoller traten dieſe Erſcheinungen auf kulturellem
Gebiet zu Tage. Wir brauchen nur einmal nachzuleſen, wie
wenig zum Beiſpiel deutſche Kunſtgeſchichte noch um die Jahr=
hundertwende
über die ewigen Meiſterwerke mittelalterlicher deut=
ſcher
Kunſt zu ſagen wußte, und wie lange iſt es denn her, daß eben
dieſe Meiſterwerke von Deutſchen für roh und barbariſch er=
klärt
werden konnten. Braucht es noch mehr, um zu beweiſen,
wie weit wir uns von den Quellen unſeres Seins entferut
hatten? Unſelige deutſche Veranlagung, die ſchon in der alten Rede=
wendung
zum Ausdruck kommt: Das iſt nicht weit her, wenn
man etwas Minderwertiges bezeichnen wollte. Es iſt leider ſchon
richtig, es hat Zeiten gegeben, zu denen man die Naſe rümpfte
über das, was man ſelbſt beſaß, und ſtaunend bewunderte, was
von außen her zu uns kam."
Krieg und Nachkriegszeit haben manche Illuſion grauſam
zerſtört. Iſt es verwunderlich, daß nun eine Reaktion eingeſetzt
hat, eine Reaktion, die nach dem Geſetz des Pendelausſchlags
jetzt auf der anderen Seite über das Ziel hinausſchwingt? Jetzt
wollen wir alles umkehren; ſchlecht iſt alles Fremde, gut nur,
was wir ſelbſt beſitzen. Wir wollen uns auf uns ſelbſt beſinnen,
auf deutſche Weſenheit, Arteigenheit, deutſche Kultur. Wir
wollen und müſſen uns durchringen zu einem geſunden natio=
nalen
Bewußtſein, und wenn der Weg dazu nur durch Ueber=
treibungen
führt, ſo könnten wir das ſchließlich auch noch mit
in den Kauf nehmen. Was treibt denn heute Millionen in
das Lager der Nationalſozialiſten? Gewiß, zum guten Teil die
ſtändig wachſende wirtſchaftliche Not, für die man die alten
Parteien ob mit Recht oder Unrecht, mag dahin geſtellt
bleiben verantwortlich macht. Auch alle möglichen anderen
äußeren Gründe mögen dabei mitſprechen. Aber es wäre ſicher=
lich
ein arger Irrtum, wenn man den Nationalſozialismus kurzer
Hand als die Partei der Unzufriedenen abtun wollte. Was
Millionen den Nationalſozialismus ſympathiſch macht, iſt un=
ſtreitig
in erſter Linie das ſtarke in den Vordergrund rücken
aller nationalen Werte. Man begrüßt eine erwachende ſtarke
nationale Bewegung und kommt zur nationaſozialiſtiſchen
Partei.
In dieſer Entwicklung von der Beſvegung zur Partei liegt
die große Gefahr für unſer Volk. Das, was ſelbſtverſtändliches
Gemeingut des geſamten Volkes wieder werden ſoll und muß,
wenn anders wir nicht zu Grunde gehen wollen, ſollte niemals
zum Gegenſtand parteipolitiſchen Kampfes gemacht werden. Man
könnte dem vielleicht entgegenhalten, daß das nicht die Schuld
der nationalſozialiſtiſchen Bewegung ſei, ſondern die Schuld
derer, die lange Zeit internationalen Utopien nachgelaufen ſind,
und daß es ja noch nicht allzu lange her ſei, daß ein Mitglied
des deutſchen Reichstags erklären konnte, daß er kein Vaterland
kenne, das Deutſchland heiße. Aber eine ſolche Entgegnung
würde nicht ſtichhaltig ſein. Wenn man die großen Entwick=
lungen
der Vergangenheit und Gegenwart wirklich objektiv
werten will, wird man ohne weiteres erkennen, daß der Inter=
nationalismus
der Sozialdemokratie eben in einem anderen
Jahrhundert geboren wurde, daß man ſich programmatiſch
zwar auch heute noch nicht von dieſer Utopie abgekehrt, daß
aber unter dem Einfluß einer anderen Zeit weder Führer noch
Maſſen auf dem Boden dieſer überholten Gedankengänge ſtehen,
und daß es nur die Ueberbleibſel aus einer vergangenen Epoche
ſind, die in dieſer Beziehung gelegentlich die allgemeine
Empörung erregen. Wenn die nationale Selbſtbeſinnung, die
wir Gott ſei Dank überall feſtſtellen können, nur die Sache einer
Partei wäre, wäre es ſchlecht um uns beſtellt. Parteien ſind
dazu da, politiſche und wirtſchaftliche Gegenſätze innerhalb
eines Volkes zum Austrag zu bringen. Eine Partei würde alſo
ihren Sinn verlieren, wenn ſie das geſamte Volk umfaſſen
würde, da ſie ja dann eben nicht mehr Partei wäre. Das
nationale Bewußtſein aber muß das gemeinſame Gut des
ganzen Volkes ſein. Das Wertvollſte, was ein Volk beſitzt, das
Bewußtſein der unlöslichen Verbundenheit, gehört nicht in die
parteipolitiſche Kampfarena. Parteien entſtehen und vergehen,
ihre Lebensdauer iſt durch die Natur begrenzt. Daß die Par=
teien
der Vorkriegszeit, die zum größten Teil mit dem 9. No=
vember
1918 ihren eigentlichen Sinn verloren hatten, ſich auch
nach dem Zuſammenbruch erhalten wollten, mußte mit Natur=
notwendigkeit
zu den Zerſetzungserſcheinungen führen, die wir
während des letzten Jahrzehnts zu beobachten hatten. Bleiben
aber muß der Staat, das Volk und ſeine Kultur, bleiben das
nationale Bewußtſein. Ueber politiſche Methoden, über Wirt=
ſchaftsfragen
kann man verſchiedener Meinung ſein, kann man
ſtreiten. Ein Staat, in dem man ſich darüber ſtreitet, wer den
allein echten Ring wahren Nationalgefühls beſitzt, muß zu
Grunde gehen. Wir ſind ein Volk und wollen uns auch als
Volk fühlen, deſſen einzelne Glieder unlöslich miteinander
verknüpft ſind, unbeſchadet aller Meinungsverſchiedenheiten in

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Seite 2 Nr. 10

Einzelfragen. Dann werden wir auch den ernſten Entſcheidungen
der nächſten Zukunft mit ruhigem Selbſtbewußtſein entgegen=
ſehen
können.
In Lauſanne und Genf geht es nicht um Parteiintereſſen,
ſondern um die Lebensintereſſen des geſamten deutſchen Volkes.
Sie zu wahren vermag nur eine Führung, die ſich darauf der=
laſſen
kann, daß das geſamte Volk hinter ihr ſteht, wenn
es ſich darum handelt, fremde Zumutungen zurückzuweiſen.
Reichskanzler und Reichsinnenminiſter haben in dieſen Tagen
mit Herrn Hitler verhandelt, um eine gemeinſame Front des
geſamten deutſchen Volkes herzuſtellen. Die gemeinſame Front
dem Ausland gegenüber, die auch nach außen hin dokumentiert
woerden ſoll durch eine gemeinſame Front der überwältigenden
Mehrheit des deutſchen Volkes in der Reichspräſidentenwahl.
Die ehrwürdige Geſtalt Hindenburgs iſt nicht nur für uns
Deutſche die Verkörperung echteſten Deutſchtums, er iſt auch
für das geſamte Ausland ein Symbol, das Symbol des deut=
ſchen
Volkes, das einſt die ganze Welt geachtet hat. Wie ſich
Herr Hitler entſchieden hat oder entſcheiden wird, iſt bis zur
Stunde noch nicht bekannt. Wir hoffen für das deutſche Volk,
ſaß die Entſcheidung ſo ausfällt, wie ſie ausfallen muß, wenn
wir das Wohl unſeres Volkes allem anderen voranſtellen wollen.
M.

auf die Erklärung Brünings.
Die Pariſer Preſſe kobl.
EP. Paris, 10. Januar.
Die aus London kommende Nachricht, Reichskanzler Dr. Brü=
ning
habe dem engliſchen Botſchafter in Berlin erklärt, Deutſch=
land
könne keine Reparationen mehr bezahlen, hat trotz den ab=
ſchwächenden
Meldungen aus Berlin in Paris ungeheures Auf=
ſehen
und Erregung hervorgerufen. In rieſigen Lettern bringen
die Pariſer Abendblätter ihren Leſern die Botſchaft. Der In=
tranſigeant
glaubt, Reichskanzler Dr. Brüning habe damit eine
der Bedingungen Hitlers erfüllen wollen. Dieſe Erklärung der
deutſchen Zahlungsunfähigkeit, ſei inopportun im Hinblick auf die
bevorſtehende Reparationskonferenz, wie unerklärlich angeſichts
der Tatſache, daß Deutſchland durch das Hoover=Moratorium von
jeder Zahlungsfähigkeit befreit worden ſei. Das Blatt wirft die
Frage auf, was die Organiſatoren der Lauſanner Konferenz ge=
genüber
dieſer neuen Lage tun werden. Die Konferenz erſcheine
überflüſſig, da ſie nach dem Beſchluß Deutſchlands einem völligen
Fehlſchlag entgegen gehe.
Die Liberté überſchreibt ihren Bericht: Das Reich zer=
reißt
den Verſailler Vertrag und ſpricht von einem ſenſationel=
len
Theatercoup. In einem Leitartikel Briand geht der
Krieg kommt, in weniger als zehn Tagen hätten Reichspräſident
von Hindenburg und Reichskanzler Dr. Brüning erklärt, daß
Deutſchland den Youngplan verwerfe und jede Reparationszah=
lung
verweigere. Morgen werde es zweifellos mit der gleichen
Kühnheit und dem gleichen Zynismus verkünden, daß es alle an=
deren
Beſtimmungen des Verſailler Vertrags ablehne. Dieſe
brutale Verleugnung ſeiner Schuld durch Deutſchland folge dem
ſeliſamen Manöver der ,Depeche de Toulouſe in ſehr kurzen Ab=
ſtänden
. Was wird, ſo ruft das Blatt aus, Frankreich an
geſichts ſolcher fürchterlichen Zumutungen tun?
Auch das Journal des Debats ſtellt die Frage nach der
Bedeutung des deutſchen Schrittes am Vorabend der Reparations=
konferenz
. Entweder habe dieſer Schritt überhaupt keinen Sinn,
oder aber er beſitze die Tragweite einer politiſchen Geſte von
größtem Ernſt. In letzterem Falle müſſe er als eine offizielle
Verleugnung eines Teiles des Verſailler Vertrages aufgefaßt
werden. Man müſſe ſich unter Umſtänden am Vorabend der Ab=
rüſtungskonferenz
auf eine ähnliche Verleugnung der militäri=
ſchen
Klauſeln des Verſailler Vertrages gefaßt machen. Wie dem
auch ſei, die Erklärung Brünings erfordere Aufklärung. Immer=
hin
ſei es möglich, daß es ſich nicht gerade um eine offizielle Ab=
lehnung
ſeiner Verpflichtungen durch Deutſchland handele, ſon=
dern
um eine diplomatiſche Operation zur Vorbereitung der Lau=
ſanner
Konferenz. Klar ſei auf alle Fälle, daß Deutſchland ſich
anſchicke, den Verſailler Vertrag hinſichtlich der Reparationen als
auch der Abrüſtung zu zerſtören. Das müſſe verhindert werden.
Der Paris Soir bezeichnet die Reutermeldung als un=
laublich
, wenn ſie nicht alle Zeichen der Richtigkeit an ſich trüge.
Ein ſolches Vorgehen habe bisher nicht in der Art des Reichs=
kanzlers
Dr. Brüning gelegen. Wahrſcheinlich werde die engliſch=
franzöſiſche
Reparationspolitik dadurch einheitlicher geſtaltet wer=
den
und die Gläubiger Deutſchlands würden leichter zur Bildung
einer Einheitsfront gelangen.

der heſſiſchen Berfaſſung von 1820.
Von Oberlandesgerichtsrat Altendorf.
Unſer ſtädtiſcher Archivar Dr. Adolf Müller, deſſen un=
ermüdlicher
Tätigkeit wir ſchon ſo manche Aufklärung auf dem
Gebiete der heſſiſchen und namentlich der Darmſtädter Geſchichte
verdanken, hat wieder ein Stück heſſiſcher Vergangenheit bearbei=
tet
, das in unſerer Zeit deshalb beſonderes Intereſſe beanſpru=
ihen
darf, weil es die verfaſſungsrechtlichen Probleme aus dem
Anfaug des 19. Jahrhunderts behandelt, die in der Gegenwart
vielfach ihr Analogon finden. Jene Anfänge des deutſchen Par=
lamentarismus
berühren ſich inſofern mit dem gegenwärtigen
Höhepunkte des parlamentariſchen Syſtems, als jetzt eine rück=
läuſige
Bewvegung ſich Geltung zu verſchaffen ſucht, durch welche
die unbeſchränkte Herrſchaft der Volksvertretungen auf ein Maß
zurückgeführt werden ſoll, wie es etwa vor 100 Jahren die Für
ſten für zweckmäßig hielten. Es kann deshalb nur von Nutzen
ſein, wenn die gegenfätzlichen Auffaſſungen, wie ſie in der Eut=
ſiehungszeit
der Verfaſſungen hervortraten, jetzt wieder zum
Gegenſtand näherer Unterſuchungen gemacht werden, damit auch
hier die Geſchichte eine Lehrmeiſterin werden kann. Die neue
Schrift Dr. Adolf Müllers, die unter dem Titel dieſes Aufſatzes
von der Hiſtoriſchen Kommiſſion des Volksſtaates Heſſen heraus=
gegeben
wurde, darf deshalb warm empfohlen werden. Sie gibt
an der Hand urkundlicher Belege ein umfaſſendes Bild der heſſi=
ſchen
Verfaſſungskämpfe aus den Jahren 1815 bis 1820, führt in
die politiſchen Beſtrebungen jener Zeit und ihre diplomatiſche
Behandlung in anſchaulichſter Weiſe ein und ſtellt die führenden
Perſönlichkeiten auf Seiten der Regierung und des Volks in ein
charakteriſtiſches Licht. Sie hat gegenüber der im Jahre 1908 er=
ſchienenen
, den gleichen Gegenſtand behandelnden Arbeit von
Hans Andres Die Einführung des konſtitutionellen Syſtems im
Großherzogtum Heſſen, den großen Vorzug, daß ſie bisher ge=
heim
gehaltene Akten des heſſiſchen Staatsminiſteriums ſowie
berſchiedener außerheſſiſcher Staatsarchive und des Großherzog=
lichen
Hofarchivs benutzen konnte, die Andres nicht zur Ver=
fügung
ſtanden.
Im Folgenden ſei zur Anregung für den Leſer der Gang der
Betracht kommenden Ereigniſſe in großen Zügen angedeutet.
Die Landgrafſchaft Heſſen=Darmſtadt wurde unter dem
Schutze Napoleons I., nachdem eine Reihe von geiſtlichen und
weltlichen Herrſchaften aufgehoben waren, zum Großherzogtum
(roßherzog Ludwig I. benutzte die Erweiterung ſeiner Souverä=
nität
dazu, die beſtehenden Landſtände zu beſeitigen, und regierte
von 1206 bis 1820 abſolut. Man muß anerkennen, daß dieſes

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Vom Tage.
Der Reichspräſident hat dem Kaiſer von Japan anläßlich des
Mißlingens des auf ihn verübten Attentats telegraphiſche Glück=
wünſche
übermittelt, für die der Kaiſer mit herzlichen Worten ge=
dankt
hat.
Reichsbankpräſident Dr. Luther iſt zu den am Sonntag begin=
nenden
Beratungen der B. J.3. nach Baſel abgereiſt.
Eine Kundgebung der NSDAP. im Berliner Sportvalaſt
wurde kurz nach ihrem Beginn von dem überwachenden Polizei=
offizier
aufgelöſt, weil der Hauptredner. Dr. Goebbels heftige An=
griffe
gegen den Berliner Polizeivizepräſidenten Dr. Weiß richtete.
Die Verſammelten gingen nach Abſingen eines nationalſozialiſti=
ſchen
Kampfliedes in Ruhe auseinander.
Das Andere Deutſchland Wochenſchrift für entſchiedene
republikaniſche Politik, iſt wegen eines am 2. Januar erſchienenen
Artikels Antwort an die maßgebenden Kreiſe in Deutſchland
bis zum v. Februar verboten worden.
Wegen der Ausweiſungen von 70 Optantenfamilien aus dem
Korridorgebiet hat der deutſche Generalkonſul in Thorn bereits
Schrite bei dem Wojwoden unternommen und darüber nach Ber=
lin
berichtet.
Die Oeſterreichiſche Nationalbank wird ab 10. Januar die
Zahlungen aus dem Stillhalteabkommen einſtellen und eine Neu=
regelung
fordern.
Die britiſche Regierung hält es nicht für notwendig, in Tokio
eine Note entſprechend der amerikaniſchen überreichen zu laſſen,
dagegen iſt der Londoner japaniſche Botſchafter aufgefordert wor=
den
, eine Beſtätigung der kürzlich von amtlicher Seite in Tokio
abgegebenen Zuſicherungen zu erlangen.
Der Präſident des Handelsamtes in der letzten engliſchen Ar=
beiterregierung
. William Graham, iſt am Freitag abend an den
Folgen einer ſchweren Lungenentzündung geſtorben.
Nach Meldungen vom mandſchuriſchen Kriegsſchauplatz befin=
den
ſich die japaniſchen Truppen von Kirin aus auf dem Vor=
marſch
in Richtung auf Charbin. Ein japaniſches Militärflug=
zeug
habe zwei Bomben über Wuchangyuſhu, hundert Meilen ſüd=
ich
von Charbin, abgeworfen.
Das japaniſche Oberkommando teilt mit, daß die japaniſchen
Truppen am Samstag den Vormarſch auf Peking fortgeſetzt haben.
Die Städte Itſchau und Tſinſi wurden von den japaniſchen Trup=
pen
beſetzt.
Das japaniſche Kabinett trat unter dem Vorſitz des Premier=
migiſters
Inukai zu einer Sitzung zuſammen. Der Innenminiſter
und der Kriegsminiſter legten dem Premierminiſter ihre Rück=
trittsgeſuche
vor, da ſie das Attentat auf den Kaiſer nicht ver=
hindern
konnten. Das Kabinett beſchloß jedoch, die Rücktritts=
geſuche
der beiden Miniſter nicht zur Kenntnis zu nehmen und die
Regierungsgeſchäfte ohne Umbildung des Kabinetts weiterzu=
führen
.

Auch der franzöſiſche Fiuanzwiniſter ſtößt ins Horn.
Der franzöſiſche Finanzminiſter Flandin hat am Samstag
abend zu der Mitteilung des Reichskanzlers folgende Erklärung
abgegeben:
Falls die Aeußerungen, die man dem Reichskanzler Dr. Brü=
ning
zuſchreibt, richtig ſind, würde das bedeuten, daß die deutſche
Regierung den Beſtimmungen des Youngplans und dem Verſail=
ler
Vertrag ein Ende bereiten will. Man müſſe die offizielle Be=
ſtätigung
abwarten. Aber es ſei klar, daß kein Franzoſe die ein=
ſeitige
Aufkündigung freiwillig unterzeichneter Verträge anneh=
men
könne, eine Aufkündigung, die der Zerſtörung der heiligen
Rechte Frankreichs auf Reparationen gleichkommen würde. Der
Miniſter beſtritt dann die Richtigkeit der wiederholt von deutſcher
Seite veröffentlichten Ziffern, die beweiſen ſollen, daß die von
Deutſchland geleiſteten Reparationszahlungen bereits die im fran=
zöſiſchen
Kriegsgebiet angerichteten Schäden überſteige.
Waſhington und die Ablehnung weikerer Tribuſ=
Zahlungen durch Zeutſchland.
Wafhington, 9. Januar.
Die Ertlärung des Reichskanzlers an den engliſchen Bot=
ſchafter
, daß Deutſchland weitere Tributzahlungen nicht leiſten
könne, kommt den amerikaniſchen Regierungskreiſen nicht uner=
wartet
. Allerdings wurde angenommen, daß dieſe Miteilungen
in Lauſanne erfolgen würde. Stimſon lehnte jede Aeußerung
zu dieſer Angelegenheit ab. Als nächſte Entwicklung wird die
Einſtellung der Kriegsſchuldenzahlungen durch die Schuldner der
Vereinigten Staaten erwartet.
Die italieniſche Zelegakion für Lauſanne.
Rom, 9. Januar.
Die italieniſche Delegation für die Lauſanner Reparations=
konferenz
wird vom Finanzminiſter Mesconi geführt werden.
Ihr werden Profeſſor Beneduce und Dr. Pirelli, der Geſandte
Buci als Generalſekretär und eine Anzahl von Sachverſtändigen
und Sekretären angehören.

abſolute Regiment dem Lande Segnungen brachte, die mit den
alten Landſtänden nicht durchführbar geweſen wären: die Beſei=
tigung
der ſteuerlichen Vorrechte des Adels und gewiſſer Guts=
bezirke
, die Aufhebung der Leibeigenſchaft und der Fronden, die
Ablöfung der ſtaatlichen Zehntabgaben und dgl.
Nach dem Sturze Napoleons und der Neuordnung der deut=
ſchen
Angelegenheiten durch die Wiener Bundesakte, deren Art. 13
den deutſchen Staaten landſtändiſche Verfaſſungen zugeſichert
hatte, kam es überall in Deutſchland zu einer Gärung im Volk,
weil ſich die Durchführung des in Art. 13 gegebenen Verſprechens
verzögerte. Die Bewegung, die eine Beteiligung des Volks an
der Verfaſſung und Verwaltung des Staates verlangte, war
von hohem Schwung und edler Begeiſterung getragen. Es ent=
ſtanden
ſog. Deutſche Geſellſchaften, die ſich auch an heſſiſchen
Orten bildeten und die ihre politiſchen Forderungen aus der deut=
ſchen
Vergangenheit begründeten. Die Anhänger dieſer Geſell=
ſchaften
wurden wegen ihrer altdeutſchen Tracht, die ſie zu
tragen pflegten, im Volk die Schwarzen genannt.
Dieſe Bewegung im Volk benutzten die Standesherren, die
wegen der Beſeitigung der alten Landſtände gegen die Krone
aufgebracht waren, zu einem Vorſtoß gegen das abſolutiſtiſche
Regime. In einer Eingabe, von der ſich nur wenige Standes=
herren
ausſchloſſen, verlangten ſie die Zuſammenberufung der
alten Landſtäude, indem ſie über den unerhörten Steuerdruck
klagten, unter dem namentlich die ländliche Bevölkerung ſeufze.
Der Schritt der Standesherren fand nur in Teilen Oberbeſſens
Anklang, die Städte der Provinz Starkenburg, namentlich Darm=
ſtadt
, lehnten ihn ab.
Hier breitete ſich eine bürgerliche Beſvegung unfer der Füh=
rung
des Darmſtädter Hofgerichtsadvokaten Heinrich Karl Hof=
niann
aus, deren Kreis hochgemute, opferbereite Perſönlichkeiten
aus den Ständen der Gebildeten, Offiziere, Kaufleute und
Handwerker umfaßte und eine konſtitutionelle Verfaſſung er=
ſtrebte
. Dieſe Darmſtädter Schwarzen ſtanden auch hinter dem
Michelſtädter Juſtizkanzleirat Beck, der durch perſönliche Vor=
ſprache
bei den Frankfurter Bundestagsgeſandten auf die Er=
füllung
des Art. 13 der Bundesakte drang, aber auf eine höfliche
Zurückhaltung ſtieß und auf die Einleitung entſprechender Maß=
nahmen
in den Bundesſtaaten verwieſen wurde.
Ende 1817 trat die Mecklenburgiſche Regierung beim Bun=
destag
in Frankfurt für die Einlöſung des Verfaſſungsverſpre=
chens
ein. Das heſſiſche Kabinett v. Lichtenberg begrüßte zwar
dieſe Anregung, begründete jedoch die Verzögerung, die die An=
gelegenheit
in Heſſen erleiden müſſe, mit den Gebietsverände=
rungen
, die das Land durch die Wiener Kongreßakte erfahren
habe und die zunächſt eine Angleichung der verſchiedenartigen
Bezirke notwendig mache. Es kam demzufolge im Auguſt 1818
lediglich zur Wiedereinführung des früheren Departementrats in
Rheinheſſen, wodurch die Provinzen Starkenburg und Oberheſſen
üch zurückgeſetzt fühlten. Die Krone wurde mit Adreſſen be

Sonntag, 10. Januar 1932

Briand kritk zurück.
Lapal will ſelbſt das Außenminiſterium übernehmen.
Tardieu ſoll Kriegsminiſter werden.
Paris, 8. Januar.
Briand hat den Miniſterpräſidenten Laval, wie nunmehr be=
ſtätigt
wird, von ſeiner Rücktrittsabſicht in Kenntnis geſetzt. Maß=
gebend
ſollen Geſundheitsrückſichten ſein. Der Miniſterpräſident
hat ſich dieſem Entſchluß Briands, den Quai d’Orſay zu verlaſſen,
gefügt. Der Rücktritt Briands wird jedoch vorausſichtlich erſt am
nächſten Mittwoch bekannt gegeben werden, wenn der Miniſter=
präſident
den Geſamt=Rücktritt des Kabinetts dem Präſidenten der
Republik übergeben wird.
Ueber die Frage der Regierungsumbildung
herrſcht noch immer größte Unklarheit. Während die Preſſe ganz
allgemein mit einer Erweiterung der Regierungsgrundlage nach
links rechnet, mehren ſich in politiſchen Kreiſen die Stimmen, die
eine offizielle Beteiligung der bisher oppoſitionellen Links=
gruppen
an der Kabinettsbildung aus parteipolitiſchen und pſycho=
logiſchen
Gründen für äußerſt ſchwierig und daher unwahrſchein=
lich
halten. Viel eher ſei damit zu rechnen, daß Laval ſeine
Regierung durch Einzelperſönlichkeiten ergänze. Miniſterpräſi=
dent
Laval beabſichtige, ſelbſt das Außenminiſterium zu über=
nehmen
. Er hat dem Außenminiſter Briand den Poſten eines
Staatsminiſters ohne Portefeuille ſowie den Titel eines ſtän=
digen
Vertreters Frankreichs beim Völkerbund angeboten. Das
Kriegsminiſterium ſoll der bisherige Landwirtſchaftsminiſter
Tardieu übernehmen. Das Innenminiſterium erhält ein bis=
heriges
Regierungsmitglied, vielleicht Unterſtaatsſekretär. Ca=
thala
. Landwirtſchaftsminiſter ſoll ein Senator werden, womög=
lich
der ehemalige Landwirtſchaftsminiſter David.
Dieſe Umbeſetzungen kommen erſt dann in Frage, wenn La=
vals
Bemühungen für die Bildung eines Konzentrationskabinetts
auf breiter Grundlage durch Einbeziehung der Radikalen ge=
ſcheitert
ſein werden, woran kein Zweifel beſtehen kann.
Zwingende Schlußfolgerungen Prof. Keynes
zur Tribuffrage.
Hamburg, 9. Januar.
Im großen Saale des Ueberſeeklubs ſprach am Freitag
abend der engliſche Finanz= und Wirtſchaftsſachverſtändige
Feynes=Cambridge über Währungs= und Tributfragen. Keynes
führte u. a. aus: Ich bin der Anſicht, daß Großbritanniens Ab=
kehr
vom Goldſtandard ein Segen für die ganze Welt war.
Ich halte es für ſehr wahrſcheinlich, daß im Laufe dieſes Jahres
weitere Währungen ſich dem Vorgehen der Sterlinggruppe an=
ſchließen
werden. Insbeſondere Südafrika, Deutſchland und
die mitteleuropäiſchen Länder und möglicherweiſe auch Holland
m Schlepptau Java.
Eine wichtige Frage ergibt ſich aus der Scheidung der
Länder in zwei Gruppen, die ſich für oder gegen den Gold=
ſtandard
erklärt haben. Die Abkehr der einen Gruppe vom
Gold bedeutet den Anfang der Wiederherſtellung des wirtſchaft=
lichen
Gleichgewichts. Sie bedeutet die Mobiliſierung natürlicher
Kräfte, die im Laufe der Zeit beſtimmt die Stellung der beiden
führenden Gläubigergoldländer unterminieren und möglicher=
weiſe
zerſtören wird. Dieſer Prozeß wird bei Frankreich ſehr
bald in Erſcheinung treten. Ich möchte annehmen, daß Frank=
reichs
Gläubigerſtellung noch vor Ende 1932 untergraben ſein
wird. Bei den Vereinigten Staaten mag der Prozeß lang=
ſamer
vor ſich gehen. Tendenzmäßig aber handelt es ſich hier um
das gleiche. Es wird ſicherlich der Augenblick kommen, an
dem die laufende Freiſetzung von Gold aus Indien und aus
den Goldminen in Afrika den Aktivſaldo der Goldländer über=
treffen
wird.
Zur Tribut= und Kriegsſchuldenfrage erklärte Keyues fol=
gendes
: Im gewiſſen Sinne handelt es ſich hierbei nicht mehr
um eine Frage der praktiſchen Finanzpolitik, denn heute werden
weder Tribute noch Kriegsſchulden bezahlt und niemand kann
ſich vorſtellen, daß in der nächſten Zukunft irgendeine nennens=
werte
Summe gezahlt wird. Man hat heute die Wahl zwiſchen.
einer endgültigen Regelung durch einen großen Aft internativ=
naler
Verſöhnung und einer allgemeinen Zahlungseinſtellung
in einer Atmoſphäre internationaler Gegnerſchaft. Keyyes be=
tonte
mit Nachdruck: Kein verantwortlicher Menſch in England
wünſcht heute die Fortſetzung der Tribut= und Kriegsſchulden=
zahlungen
in irgendeiner Form. England alle Parteien
und alle Intereſſengruppen eingeſchloſſen tritt uneingeſchränkt
für völlige Aufhebung ein. Wir wiſſen jetzt, daß das ganze
Syftem von Gedanken und Entſcheidungen, deſſen Ausdruck dieſe
Verpflichtungen ſind, ein unheilvoller Irrtum war, einer der
ſchwerſten Irrtümer, die die internationale Staatskunſt je be=
ging
. Die Angelegenheit iſt in unſeren Augen, was ſie immer
hätte ſein können, verabſcheuenswert geworden.

ſtürmt. Dabei griffen die Darmſtädter Schwarzen eine Ange=
legenheit
auf, die das Volk in Aufregung verſetzte: es wurde
verbreitet, daß die Kontributionsgelder, die von den Franzoſen
bezahlt werden mußten, ihren Zwecken der Entſchädigung für
die Kriegslaſten entzogen und für perſönliche Bedürfniſſe des
Hofs verwendet würden. Der Großherzog hatte ein neues Opern=
haus
erbaut und zur Deckung der Baukoſten mangels anderer
Staatseinnahmen einen Teil der Kontributionsgelder veraus=
gabt
. Gießener Studenten, namentlich die Burſchenſchaft Ger=
mania
, ſchürten die Verfaſſungsbewegung und mußten gemaß=
regelt
werden. Die ehemals kurmainziſchen Orte der Bergſtraße
ſchickten ſich an, auf eigene Fauſt Provinziallandtage zu bilden.
Da gab die heſſiſche Regierung die Erklärung ab, daß ſpäteſtens
bis Mai 1820 ein Landtag berufen werden ſolle.
Die Agitation der Schwarzen wurde durch dieſe Erklärung
nicht abgeſchwächt. Im März 1819 traten die wilden Provinzial=
landſtände
in Zwingenberg zuſammen und forderten raſchere
Verwirklichung der Volkswünſche. Die Ermordung Kotzebues
durch Sand am 23. März 1819 hatte in Heſſen das Verbot aller
Verſammlungen von Gemeinde= und Amtsdeputierten und das
Einſchseiten gegen die politiſchen Umtriebe der Burſchenſchaft zur
Felge. Auf Betreiben des preußiſchen Geſandten v. Otterſtedt,
dem Prinz Emil und der Geh. Kabinettsſekretär Schleiermacher
zur Seite ſtanden, wurde im Juli 1819 der Kanzler der Uni=
verſität
Gießen v. Grolmann zum Mitglied des Staatsminiſte=
riums
ernannt und ſo v. Lichtenberg kaltgeſtellt.
Der neue Staatsminiſter hatte einen ſehr ſchweren Stand.
Die ſtaatlichen Kaſſen waren leer. Dazu zettelten die Schwar=
zen
einen Steuerſtreik an und behaupteten, die Zuſammen=
berufung
der Stäude bis Mai 1820 ſei nicht ernſt gemeint. Es
kam zu Ausſchreitungen, auch in Darmſtadt; in Michelſtadt und
Erbach mußte Militär zur Unterdrückung der Unruhen aufgebo=,
ten werden. H. K. Hofmann und andere Führer der Schwar=
zen
wurden verhaftet. Bei der Eröffnung des neuen Theaters
in Darmſtadt wurde der Hof mit Schweigen empfangen; in der
Nacht wurden Pasquille, an das Opernhaus angeſchlagen.
Im März 1820 legte die Regierung einen Verfaſſungsent=
wurf
vor. Darnach ſollte die 2. Kammer zuſammengeſetzt ſein
aus 6 adligen Grundbeſitzern, 10 Vertretern der Städte und
34 Abgeordneten der Landgemeinden, während zur 1. Kammer
außer den Prinzen des Großh. Hauſes die Standesherren, die
beiden Oberhirten der evangeliſchen und katholiſchen Kirche, der
Kanzler der Landesuniverſität und 10 von der Krone auf
Lebenszeit berufene ausgezeichnete Staatsbürger gehören ſoll=
ten
. In der Geſetzgebung ſollte der Landtag nur eine begut=
achtende
Tätigkeit ausüben.
Der Entwurf erfuhr die heftigſten Anfeindungen. Anonyme
Flugblätter machten den Fürſten und ſeine Miniſter lächerlich.
Aus der Wahl ging die Oppoſition ſiegreich hervor; in Darme

[ ][  ][ ]

Drig, 11. Januar 1432

Darmſtädter Tagblatt / Hefſiſche Neueſte Nachrichten

Sindenburgs zweite Präſidentſchaft
Meinnngsverſchiedenheiten bei den Parkeien der nakionalen Oppoſikion über die kakliſche Behandlung
der Anregung des Kanzlers. Hugenberg fühlk ſich zuräickgeſetzt. Dingelden
für Berlängerung der Amfszeit des Reichspräſidenken.

Hikler erneuk bei Brüning.
Enkſcheidung nicht vor Monkag nachmittag.
Von unſerer Berliner Schriftleitung.
Die Peſſimiſten haben wieder einmal recht behalten: Der
ſaanstag iſt vorüber gegangen, ohne daß dem Reichskanzler von
nationalen Oppoſition eine beſtimmte Mitteilung über ihre
ixſtellung zu dem Wunſch nach einer Verlängerung der Amts=
aurer
des Reichspräſidenten gemacht werden konnte. Die Dinge
au en ſich im Laufe des Samstag etwa folgendermaßen ab=
wielt
:
lieberraſchenderweiſe fand in den erſten Nachmittagsſtunden
Samstag eine neue Unterredung zwiſchen Herrn
ittler und Herrn Dr. Brüning ſtatt, zu der die Herren
rock und Treviranus hinzugezogen wurden. Beide Teile hatten
ch verpflichtet, über den Inhalt dieſer einſtünoigen Konferenz
dwlutes Stillſchweigen zu bewahren. Infolgedeſſen kann man
vermuten, daß Herr Hitler ſich vielleicht über das Ver=
uten
der preußiſchen Behörden beklagt hat, die eben
eine nationalſozialiſtiſche Zeitung auf
ben Tage verboten und eine nationalſozia=
ſriſche
Verſammlung aufgelöſt haben, während zur
ochen Zeit eine abſolut radikal eingeſtellte Reichsbanner=
ammlung
ruhig von ſtatten gehen konnte. Vielleicht hat Herr
Füller auch darauf aufmerkſam gemacht, daß ein derartiges Ver=
Fiicen der preußiſchen Behörden den Bemühungen des Kanzlers
fſat förderlich iſt. Es iſt aber auch ſehr gut möglich, daß er
ch. mit ihm nochmals über die künftige reparations=
öllitiſche
Richtung des Kabinetts Brüning
kuterhalten hat, um hieraus irgendwelche Formeln zu
hrrieden, damit ein etwaiges Ja der Nationalſozialiſten ihren
BAhlern mundgerecht gemacht werden kann.
Aber ſoweit iſt man zunächſt immer noch nicht. Die Ver=
eder
der nationalen Front, alſo die Herren Hugenlberg,
Bismarck, Hitler, Göring und Frick haben ſich dann zwei=
einhalb
Stunden unterhalten, ſind aber zu keiner Einigung
elommen. Sie wollen evtl. am Sonntag, nachdem Herr Hugen=
ei
beim Reichskanzler geweſen iſt, ihre Beſprechungen fort=
ten
und vielleicht auch noch bis zum Montag ausdehnen.
ſeſsenfalls wird man erſt am Montag abend wiſſen, wie di=
äonale
Oppoſition zu dem Vorſchlag des Reichskanzlers ſteht.
in weiteres Hinauszögern läßt ſich kaum noch ertragen. Die
buttſchnationale Reichstagsfraktion, die am Samstag von zwei
acht Uhr getagt hat, und die in den Abendſtunden ein Re=
rut
ihres Parteiführers entgegennahm, hat ſchließlich auch
Sitzung abgebrochen. Es iſt alſo alles nach wie vor
der Schwebe. Auffallend ſind die Meinungsver=
hifiedenheiten
bei den Parteien der nationalen
poſition über die taktiſche Behandlung der
regung des Kanzlers. Es iſt wohl ſo, daß Herr
genberg den Nationalſozialiſten und Herr
ſüler den Deutſchnationalen den Vortritt
ſen möchte. Zunächſt haben ſie nur um das Thema
zm geredet mit dem Ergebnis, daß eine Verſtimmung ſchließ=
auch
beim Reichspräſidenten übrig bleiben muß.
Iſt bis zum Montag eine Klärung nach der poſitiven Seite
vollzogen, dann wird der Kanzler ſämtliche Parteiführer
zug und nach empfangen. Er hat wohl unter der Hand er=
hren
daß ſich Herr Hugenberg etwas zurückge=
ſeist
gefühlt hat. Infolgedeſſen ſollte er noch am Sams=
abend
zu ihm kommen. Er hat aber abgeſagt und wird
ur am Sonntag beim Kanzler erſcheinen. Dafür war der
ücrer der Deutſchen Volkspartei, der Abg. Dingeldey, beim
anzler, und hat ſich für die Verlängerung der
mtsdauer des Reichspräſidenten ausge=
rochen
. Anfang der nächſten Woche werden dann die
ufigen Parteiführer vom Reichskanzler empfangen, damit dann
Schlußergebnis die Einheitsfront feſtgeſtellt werden kann.
geſichts der bisherigen Entwicklung der Dinge wird man
oſcl doch den Aelteſtenrat, der am Dienstag zuſammentreten
hhrte, um 24 Stunden verſchieben müſſen. Wenn auch die Ge=
ſtmatlage
reichlich undurchſichtig iſt, ſo glaubt man an amtlicher
ſit lle, die Hoffnung auf ein Gelingen der Aktion Dr. Brünings
oich immer nicht aufgeben zu müſſen.

Die Volksparkei
für die Erhaltung der Präſidenkſchaft Hindenburgs.
Berlin, 9. Januar.
Der Preſſedienſt der DVP. teilt mit: Reichskanzler Dr.
Brüning hat den Parteiführer der DVP., Reichstagsabgeord=
neten
Dingeldey, heute nachmittag 6 Uhr zu ſich gebeten, um mit
ihm die innen= und außenpolitiſche Situation zu beſprechen. Im
Verlaufe dieſer Unterredung erklärte Abg. Dingeldey, daß die
Deutſche Volkspartei ſelbſtverſtändlich die Erhaltung der Prä=
ſidentenſchaft
des Reichspräſidenten von Hindenburg als oberſtes
Ziel ihrer Ueberlegungen betrachte und dieſes Ziel allen tak=
tiſchen
Erwägungen unterordne.
Die Deutſchnakionalen und die Reichspräfidenkenftage
Die Deutſchnationale Volkspartei im Wahlkreis Berlin ver=
anſtaltete
am Freitag abend acht große Kundgebungen.
Im Nationalhof ſprach der Preſſechef der Deutſchnationalen
Volkspartei Broſius, der ſich vor allem mit den Erörterungen
über die Frage der Amtsverlängerung des Reichspräſidenten be=
ſchäftigte
. Er führte aus: Heute müſſe ſchon geſagt werden, wenn
die Regierung ihr Vorgehen damit begründe, daß ſie eine Reichs=
präſidentenwahl
wähiend der außenpolitiſchen Verhandlungen
vermeiden wolle, dann hätte ſie dieſen Schritt drei Monate früher
unternehmen ſollen, ehe die außenpolitiſchen Verhandlungen
ſchwebten. Heute müſſe ein ſolcher Schritt als eine Vertrauens=
kundgebung
für die Regierung Brüning angeſehen werden. Die
Regierung wiſſe aber ganz genau, daß die Deutſchnationalen und
die geſamte nationale Oppoſition dies Vertrauen zu ihr nicht
hätten. Die Regierung würde der Nation einen größeren Dienſt
erweiſen, wenn ſie noch vor der Konferenz von Lauſanne zurück=
treten
würde.
Die Ausführungen der Redner in den anderen Verſamm=
lungen
gipfelten in einer ſcharfen Polemik gegen die Notverord=
nungspolitik
der Reichsregierung und in der Forderung, daß bei
den kommenden Verhandlungen keine Zwiſchenlöſung ange=
nommen
werden dürfe.
Goebbels zur wiederwahl Hindenburgs.
Das Sekretariat von Dr. Goebbels übermittelt die folgende
Erklärung, die Dr. Goebbels in der oben erwähnten, von der Po=
lizei
aufgelöſten Kundgebung der NSDAP. zur Frage der Reichs=
präſidentenwahl
abgeben wollte: Die Nationalſozialiſtiſche
Deutſche Arbeiterpartei trägt keine Schuld daran, daß die ehr=
würdige
Perſon des Herrn Reichspräſidenten durch übereifrige
politiſche Geſchäftemacher in die öffentliche Diskuſſion hineinge=
zerrt
worden iſt. Schuld daran trägt nur die Berliner Aſphalt=
preſſe
, die ſich nicht ſcheute, den Herrn Reichspräſidenten zu einem
Spielball des öffentlichen Meinungskampfes zu machen. Die
nationalſozialiſtiſche Bewegung muß dafür jede Verantwortung
ablehnen. Ob die Amtszeit des Herrn Reichspräſidenten durch
den jetzt amtierenden Reichstag verlängert werden kann, iſt in
erſter Linie eine Frage der Verfaſſung und erſt in zweiter eine
der Politik. Die Reichsleitung der NSDAP. iſt dabei, zu prü=
fen
, inwieweit eine ſolche Amtsverlängerung auf Grund der Ver=
faſſung
möglich iſt, und ihre Beziehungen zu unterſuchen auf alle
daraus ſich möglicherweiſe ergebenden innen= und außenpolitiſchen
Konſequenzen. Adolf Hitler wird, bevor er zu einem endgültigen
Entſchluß kommt, mit den Führern der der nationalen Oppoſition
angeſchloſſenen Parteien und Verbänden zu einem Meinungs=
austauſch
zuſammenkommen. Darüber hinaus aber mögen alle
Nationalſozialiſten vollkommen beruhigt ſein. Der Entſchluß des
Führers wird in jeder Beziehung übereinſtimmen mit den Prin=
zipien
der Partei und mit dem uns allen als Ziel voranſchwe=
benden
Wohl des deutſchen Volkes. Wenn die nationalſoziali=
ſtiſche
Bewegung ſich in dieſer akuteſten Frage der deutſchen
Innenpolitik vor allem an die Verfaſſung hält, ſo kennzeichnet
auch das wieder den geraden orthodoxen Standpunkt der Legali=
tät
, den die nationalſozialiſtiſche Bewegung im Gegenſatz zu den
Parteien, die die Weimarer Verfaſſung erfunden und angenom=
men
haben, unentwegt einnimmt.

ſau=t wurden zwei Schwarze gewählt. Die Gewählten wei=
er
en ſich zum Teil, den Verfaſſungseid zu leiſten, ſolange nicht
weſentlichſten Volksrechte zugeſtanden ſeien, nämlich die Mit=
ink
ung bei der Geſetzgebung, die Bewilligung der Steuern und
e Aufſicht über deren Verwendung. Bei der Eröffnung des
aurdtags am 27. Juni 1820 blieben deshalb viele Bänke leer.
urch Neuwahlen gelang es vielfach, genehmere Kandidaten
uchzuſetzen. Im Landtag machte ſich unter Führung des Main=
Abgeordneten Floret eine gemäßigtere Richtung geltend.
ne September 1820 waren faſt alle Abgeordnete im Landtag
ichienen.
Da ereignete ſich das Unerwartete: die Regierung ließ am
Oktober 1820 erklären, ſie wolle ſich mit dem Landtag über
e neue Verfaſſung einigen und ſie noch vor Schluß der Tagung
hokkegen. Man war alſo von dem Grundſatz, der von Metternich
errochten wurde und an dem auch die heſſiſche Regierung bis=
feſtgehalten hatte, nämlich, daß eine Konſtitution nur durch
Willen des Fürſten verliehen, nicht aber mit den Ständen
ereinbart werden dürfe, vollſtändig abgegangen. Dieſer Um=
hwung
, der bei dem Volk die größte Begeiſterung und Genug=
ung
hervorrief, ging in der Hauptſache auf die perſönliche
ehckſchließung des Großherzogs zurück, der ſchon im Frühjahr
unn Nachgeben bereit war, da er ſich den liberalen Auffaſſun=
eu
ſeines Geh. Staatsrates Jaup nicht verſchließen konnte. Daß
uch der Miniſter v. Grolmann ſeine Haltung änderte, mag in
er Tatſache ſeinen Grund haben, daß er bei den zerrütteten
iranzverhältniſſen des Landes eine Auflöſung des Landtags
icht wagte und ſich zum Rücktritt vom Amte nicht entſchließen
eymite, wie es ſein Freund, der Geh. Staatsrat Hofmann, ge=
nieN
hatte. Er ließ ſich als Vorkämpfer der Volksrechte feiern
ue nahm die Vorwürfe des preußiſchen Geſandten v. Otter=
ſiedt
und des Prinzen Emil in Kauf. Allerdings mußte er bald
Miniſterium mit Du Thiel teilen.
Am 21. Dezember 1820 fand die feierliche Uebergabe der
Verfaſſungsurkunde ſtatt. Der Tag war für ganz Heſſen ein
teudentag.
Eröffnung der deutſchen Kunſtausſtellung in Oslo. In An=
eenheit
des Königs= und Kronprinzenpaares wurde heute
itag die hieſige deutſche Kunſtausſtellung in Kunſtuernes
us durch Miniſter Traedal eröffnet. Der deutſche Geſandte,
reiherr d. Weizſäcker, unterſtrich die Bedeutung und den Ein=
, den der große norwegiſche Maler Edvard Munch auf die
eu tſche Kunſt gehabt habe. Der Ehrenpräſident der Ausſtellung,
Nitiſter Traedal, betonte in ſeiner Anſprache die Freude über
en deutſchen Beſuch.
Unter Leitung des Kuſtos der Nationalgalerie in Berlia,
d. Thormaehlen, beſah ſich die königliche Familie mit großem
ſirtereſſe die Ausſtellung.

Heſſiſches Landeskheaker.
Kleines Haus. Samstag, den 9. Januar.
Meine Schweſter und ich
Muſikaliſches Luſtſpiel von Benatzky, Berr, Blum, Verneuil u. a.
Kleider machen Leute, Darſteller Rollen, Joſef Sieber
den Filoſel und den Höhepunkt der Aufführung!
Betritt Sieber ſein Schuhgeſchäft, ſo glaubt man im erſten
Augenblick, eine Nachahmung Pallenbergs zu ſehen. Raſch
aber erkennt man, daß die Darſtellungskunſt Siebers in ihrer
heutigen Form die Virtuoſität Pallenbergs an künſtleriſchem
Wert weitaus übertrifft.
Als Schuhhändler in dem kleinſtädtiſchen Nancy trägt
Sieber breite, auf die Stiefel fallende Hoſen, eine feſte Hals=
binde
, einen metallgeränderten Zwicker, der von der Naſe
rutſcht. Er ſtreckt den langen Hals, er verhaſpelt die Worte, er
denkt mit einem langen Bleiſtift, das ſo hart an ſeinen Kopf
wie an den Schreibtiſch ſchlägt.
Seine Komik iſt unübertrefflich. Er erfüllt jeden Satz, jedes
Wort, jeden Vorgang ſeiner Umgebung mit der Reaktion der
Gefühle, wie ſie den kleinſtädtiſchen Schuhhändler von Nancy
befallen. Er übertreibt nicht, er vergröbert nicht. Aber ſeine
Einfälle ſind grotesk, ſind überwältigend.
Seine Komik hat heute den außerordentlichen Reiz, daß ſie
noch urſprünglich iſt. Sie wird im Augenblick der Darſtellung
erzeugt. Sie iſt noch nicht wie z. B. bei Pallenberg
Virtuoſität mit dem Beigeſchmack der kühlen Routine. Das
Lied zu Dreien im Schuhgeſchäft (mit Gothe und Gallinger)
ſonſt oft Jahrmarkts=Klamauk wurde mit Sieber zum Gipfel
erſchütternder Komik. Es lohnt ſich, um Siebers willen ſich
das amüſante Luſtſpiel zum zweiten Mal anzuſehen.
Sybille Schmitz war eine ſchlanke, ſchmale, feine Prin=
zeſſin
. Leny Marenbach iſt das friſche, rheiniſche, mollige
Mädel. Mehr Schuhverkäuferin als Prinzeſſin, aber eine Ver=
käuferin
, die jedem Schuhhaus Glück bringen muß. Friſch,
liebenswürdig, voll Leben! Keine große Sängerin, jedoch eine
Geſtalt ſcharmanter Jugend.
Werner Hinz iſt vom vorigen Winter als übermütiger
Fleuriot bekannt. Er vereinigt mit feinem amüſanten Spiel
den Vorzug, daß er auch ſingen kann. Käthe Gothe, Gallinger,
Maletzki, Baumeiſter waren wie früher am Platze.
In der ausgezeichneten Inſzenierung von Renato Mordo
wirbelte die Aufführung in heiterſter Laune vorüber. Die nach
Mitternacht eintreffende Nachricht, daß R. Mordo infolge des
Zuſammenſtoßes mit Jutendant Hartung Darmſtadt verlaſſen
will, bedeutet einen bedauerlichen Verluſt für das
2.
Landestheater.

Nr. 10 Seite 3

Die Ankwork der Nakionalfozialiſten
auf die Gegenſorderungen des Zenkrums.
Die heſſiſche Landtagsfraktion der NSDAP. hat auf die be=
kannten
Gegenforderungen des heſſiſchen Zentrums geſtern, mit
einem Schreiben geantwortet, in dem eingangs darauf hingewie=
ſen
wird, daß das Antwortſchreiben des Zentrums auf die 12
Forderungen der NSDAP. es unterlaſſen habe, auf die Bedin=
gungen
überhaupt auch nur einzugehen und von der bisher durch
das Zentrum geübten Diffamierung der NSDAP. und ihrer Mit=
glieder
durch eine allgemein erſichtliche Mißbilligung abzurücken.
Weiter wird betont, daß das Zentrum verſucht habe, die 12
Punkte, die nach dem Wunſche der Nationalſozialiſten nur als
Ganzes anzunehmen wären, auf das Gebiet der politiſchen Ver=
handlungen
zu verſchieben. Das Zentrum hat ferner die For=
derung
aufgeſtellt, daß, wenn ſchon die Beſchränkung der letzten
Regierungsſpitze auf einen Staatspräſidenten nicht zu umgehen
ſei, dieſer dann parteipolitiſch unabhängig ſein müſſe. Das heſ=
ſiſche
Wahlergebnis habe aber gezeigt, daß das heſſiſche Volk nicht
gewillt ſei, daß jetzt ein Nichtnationalſozialiſt nicht nationalſoziali=
ſtiſche
Politik mache. Die Forderung eines nichtnationalſozialiſti=
ſchen
Staatspräſidenten ſei nur dann verſtändlich, wenn von
vornherein die Abſicht beſtehe, keine klare Haltung zu den von
der NSDAP. aufgeſtellten Einſparungsmaßnahmen einzunehmen.
Das Zentrum, heißt es in der Antwort dann weiter, weiſe
in ſeiner Antwort auch auf die Richtlinien der Deutſchen Zen=
trumspartei
hin. Das Programm des Zentrums intereſſiere die
NSDAP. jedoch nicht, ſondern nur die tatſächliche Politik des
Zentrums. Dreizehn Jahre lang habe das Zentrum in Gemein=
ſchaft
mit der Sozialdemokratie in Deutſchland regiert, habe dabei
aber nicht Feſtigung der geiſtigen und ſittlichen Volksgemeinſchaft
erzielt, ſondern eine vollſtändige Verelendung, nicht das chriſt=
lich
=deutſche Geiſteserbe geſchützt, ſondern die bolſchewiſtiſche Zer=
ſetzung
erreicht. Die NSDAP. verſtehe unter dem Eintreten für
eine chriſtlich=nationale Kultur= und Sozialpolitik und bei ihrem
Kampf gegen Schmutz und Schund und gegen die marxiſtiſche Kul=
turzerſetzung
etwas anderes, als das Zentrum bisher in ſeinem
Programm darunter verſtanden habe.
Beſondere Bedeutung wird dem Punkt 12 der Forderungen
der NSDAP beigemeſſen. Danach ſei Aufgabe des Vertreters des
Landes im Reichsrat nicht, die jeweilige Außenpolitik einer Re=
gierung
zu unterſtützen. Denn dazu brauche man dieſe Vertreter
nicht. Man könne ihrer dann auch entbehren. Ihre Aufgabe ſei
vielmehr im Gegenteil, die Vertreter der Intereſſen der Länder
zu ſein. Höchſtes Lebensintereſſe ſei, zu verhindern, daß nicht nur
das Reich, ſondern auch die Länder in den Strudel des Verderbens
hineingeriſſen würden. Die ablehnende Haltung des heſſiſchen Zen=
trums
zu den Forderungen der NSDAP. und damit zu deren Re=
gierungsübernahme
finden aber vielleicht ihre letzte Unterſtrei=
chung
durch die am 9. Dezember durch den Zentrumsminiſter Dr.
Stegerwald in Münſter gehaltene Rede, worin Herr Stegerwald
erklärt hat, daß zwiſchen Zentrum und Nationalſozialiſten kein
Paktieren möglich ſei, noch weniger ein gemeinſames politiſches
Programm.
Am Schluß der Antwort heißt es: Nach dieſer eindeutigen
Ablehnung ſowohl des heſſiſchen als auch des Reichszentrums er=
hält
die NSDAP ihre volle Handlungsfreiheit wieder. Es liegt
damit beim heſſiſchen Zentrum, ob ihm auch in Zukunft die Wah=
rung
der Parteiintereſſen wichtiger ſcheint als die Wahrnehmung
der Intereſſen des deutſchen Volkes.
Außenpolitiſche Sorderungen der Wirkſchaftsparkei.
Berlin, 9. Januar.
Die Reichstagsfraktion der Wirtſchaftspartei beſchloß, den
Fraktionsvorſtand zu beauftragen, dem Reichskanzler von einer
einmütigen Entſchließung der Fraktion Kenntnis zu geben, in
der es heißt:
Die Fraktion iſt der Auffaſſung, daß die Regierung auf
der Neparationskonferenz den Verſailler Vertragsmächten er=
klären
ſoll, daß Deutſchland keine Möglichkeit mehr
ſieht, politiſche Zahlungen zu leiſten. Die Unmög=
lichkeit
, ſolche Zahlungen zu leiſten, ergibt ſich aus der deutſchen
und der Weltwirtſchaftslage, ſowie daraus, daß die Vpraus=
ſetzungen
, unter denen der Verſailler Vertrag und die Young=
Abmachungen unterzeichnet wurden, nicht erfüllt bzw. grund=
legend
geändert ſind. Die moraliſche und rechtliche Möglichkeit,
weitere politiſche Zahlungen zu verweigern, ſieht die Wirtſchafts=
partei
vor allem auch darin, daß Deutſchlaud bereits wefentlich
mehr gezahlt hat, als zur Wiedergutmachung der durch den
Krieg entſtandenen Schäden insgeſamt aufzuwenden war. Unter
dieſen Umſtänden hat das deutſche Volk das Recht, von der Re=
gierung
zu verlangen, daß ſie ſich jeder proviſoriſchen Löſung
der Tributfrage auf das entſchiedenſte widerſetzt und jede Art
politiſcher Zahlungen für die Zukunft ablehnt. Nur ſo kann die
Grundlage zur Wiedergeſundung der deutſchen und der geſamten
Weltwirtſchaft geſchaffen werden.

Wo und wie in Deutſchland das Erdöl
aufgefunden wird.
Hierüber äußerte ſich in einem im Sitzungsſaal der Preußiſchen
Geologiſchen Landesanſtalt ſtattgefundenen, nach Inhalt und Form
ausgezeichneten Vortrage der Erdölſachbearbeiter dieſer Behörde,
Dr. A. Bentz. Der Vortrag fand vor dem nationalen Komitee
für die internationalen Bohrkongreſſe unter dem Vorſitz des Herrn
Präſidenten Kruſch ſtatt. Bentz gab einen ausgezeichneten Ueber=
blick
, uamentlich über die Vorkommen in Hannover und in
Thüringen. Es ergab ſich, daß in Deutſchland eine ſehr beträcht=
liche
Anzahl von Horizonten erdölführend ſein kann. Meiſtens iſt
die Erdölführung abhängig von den Porenvolumen der betreffen=
den
Schicht und ein Horizont, der ſich an einem Salzſtock als erdöl=
führend
erweiſt, kann in einem anderen Oelfeld unproduktiv ſein.
In welchen Schichten das Erdöl urſprünglich entſtanden iſt, kann
geute noch nicht mit Sicherheit entſchieden werden, wohl aber iſ
es durch exakte neue Aufſchlüſſe wahrſcheinlich, daß die Lagerſtätten
am Rande der hannoverſchen Salzſtöcke ſekundärer Entſtehung ſind
und das Oel aus dem Untergrund des Zechſteinſalzes ſtammt. Mit
ganz beſonderem Intereſſe wurden die Ausführungen über die
neueſten Erdölfunde in Thüringen verfolgt. Hier beſitzen wir die
ſtratigraphiſch am tiefſten liegenden Erdöl führenden Schichten
Deutſchlands, den Zechſteindolomit, von dem einige Forſcher an=
nehmen
, daß er das Muttergeſtein aller deutſchen Erdölvorkommen
ſei. So beſtechend dieſe Theorie auf den erſten Blick auch erſcheint,
weder der Vortragende ſelbſt noch die meiſten der zum Teil ſehr
ſachverſtändigen Diskuſſionsredner konnten ſich dieſer Anſicht rück=
haltlos
anſchließen. Das Ergebnis des Abends war die Einſicht,
daß die praktiſchen Methoden zur Auffindung der Lagerſtätten
des Erdöls am Rand von Salzſtöcken als bewährt beizubehalten
ſind und zur Erſchließung des Zechſteinöls zunächſt Gebiete mit
geſchloſſener Salzdecke wie Thüringen zu bevorzugen ſind.

Nirgends in der Weltliteratur iſt ein menſchliches Leben,
ganz und gar der Wirklichkeit entnommen, mit ſo erſchütternder
dramatiſcher Kraft und mit ſo hinreißendem dichteriſchen
Schwung dargeſtellt worden, wie in dem Roman Hölle im Hirn.
Nirgends gibt es wohl einen ſo großen Unglücklichen wie den
Maler Vincent van Gogh. Der Jammer wird nie enden waren
die letzten Worte des faſzinierenden Menſchen kein Satz zieht
wahrer und grauſamer den eindeutigen Abſchlußſtrich unter das
Leben des irrſinnigen Holländers als dieſer ſo qualvoll reſignie=
rende
. Und in vierzehn Kapiteln den vierzehn Stationen
eines Kreuzweges gleich, wovon jede Station ein lebensvolles,
blutendes Drama für ſich iſt gelingt es dem Dichter Leo
de Laforque, das Seelenleben des Handlungsträgers, Vincent
van Gogh in ſeinen tiefſten Tiefen zu ergründen und die eigen=
artigen
Probleme eines zerrütteten Hirns zu erhellen. ( Dom=
verlag
Berlin.)

[ ][  ][ ]

Seite 4 Nr. 10

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

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von Hochzeitskarmen für Goethes Eltern 1748, Oſſian und
Götz von Berlichingen; Briefgedicht Goethes an Merck; Ab=
und durchgereiſte Herrn Paſſagiers aus dem Darmſtädter
Tagblatt 1772, 1780, 1874 und 1815.
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Im Zeichen des Goethejahres läßt der Kalender die Tage Goethes
in Darmſtadt (ſeit 1772), das aus ſeinem Leben gar nicht
weggedacht werden kann, in Auszügen aus Briefendes Dichters
und ſeiner Zeitgenoſſen lebendig werden. Noch i Dichtung und
Wahrheit heißt es: Wie ſehr dieſer Kreis in Darmſtadt) mich be=
lebte
und förderte, wäre gar nicht auszuſprechen Glücklich ver=
bunden
ſind damit auch die Beziehungen der L. C. Wittich’ſchen
Hofbuchdruckerei zu Goethe. Außer vier kleineren vorweimariſchen
Schriften druckte dieſe Darmſtädter Offizin I773 die Erſtausgabe
des Götz von Berlichingen und die von Joh. Heinr. Merck be=
ſorgte
Oſſian=Ausgabe, zu der Goethe die Titelvignette radierte
1748 hatte ſie eine ſympathiſche Vorbegegnung mit Goethe, als
Goethes Großonkel, der Darmſtädter Oberſtlieutnant Fr. Chrn.
von Hoffmann ſei Glückwunſchkarmen zum 2o. Auguſt I748, dem
höchft vergnügten Goede= und Textoriſchen Hochzeitsfeſt bei ihr
Srucken ließ.
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[ ][  ][ ]

ſoüntag, 10. Januar 1932

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 10 Seite 5.

Aus der Landeshauptftadt.
Darmſtadt, den 10. Januar 1932.
TRe Fälle Mordo und Paryla durch Vergleich erledigt
Geſtern tagte im Verhandlungsraum des Staatskommiſſars=
Erhlichters in Frankfurt a. M. das Bühnenſchiedsgericht zur Er=
Sigung der bekannten Vorgänge am Heſſiſchen Landestheater.
2re Herren Renato Mordo und Paryla hatten das Schiedsgericht
gerufen, um gegen die friſtloſe Entlaſſung zu klagen. Den
Vorſitz führte Landesgerichtsdirektor Dr. Aſchaffenburg, als Bei=
in
er fungierten von ſeiten der Bühnengenoſſenſchaft die Herren
Schramm und Stern, von ſeiten des Bühnenvereins die Herren
Lrof. Thurnau=Frankfurt a. M. und Intendant Dr. Braſch=
6 eßen. Die Kläger vertrat Rechtsanwalt Dr. Roſenmeyer, die
Eeklagte (die heſſiſche Regierung) Juſtizrat Dr. Sinsheimer. Nach
irunſtündigen, faſt pauſenlos durchgeführten Verhandlungen
rurde auf Vorſchlag des Präſidenten folgender
Bergleich im Falle Mordo
n geſchloſſen:
1. Der Kläger erklärt: Ich entſinne mich nicht, die von
Zugen bekundeten Beleidigungen hinſichtlich des Herrn General=
nitendanten
Hartung begangen zu haben. Sollte ich ſie trotzdem
oine meine Abſicht in der Erregung begangen haben, ſo nehme
ſia; ſie mit dem Ausdruck tiefſten Bedauerns zurück.
2. Die Beklagte (Regierung) erklärt hierauf: Nach dieſer
Erklärung, die vom Kläger abgegeben worden iſt, wird die friſt=
se
Entlaſſung des Klägers zurückgenommen.
3 Nachdem dieſe Erklärung des Klägers abgegeben worden
ſi. bittet der Kläger (Mordo), da ſich beide Parteien auf Grund
drr Verhandlungen überzeugt haben, daß eine weitere gemein=
arne
Zuſammenarbeit nicht möglich iſt, um ſofortige Auflöſung
e nes Vertrages. Dieſe Vertragsauflöſung wird ihm auch von der
Eeklagten gewährt. Die Beklagte zahlt eine Abgangsentſchä=
gung
an den Kläger in Höhe von 3500 Mk. netto. Die Zahlung
a in einer Woche erfolgen.
4. Der Vorſitzende ſpricht Herrn Generalintendanten
5artung den perſönlichen Wunſch aus, daß er dem Kläger bis
ſnn 1. April 1932 noch eine Gaſtinſzenierung ohne Vergütung
am Heſſiſchen Landestheater gewähren ſoll. Generalintendant
srrtung nimmt von dieſem Wunſch Kenntnis und wird dem
6läger darüber einen Beſcheid zukommen laſſen. Jede Partei
ſtigt ihre außergerichtlichen Koſten. Der Streitwert wird auf
30 00 Mk. feſtgeſetzt.
Der Fall Paryla
nürd durch folgende Erklärung erledigt:
Der Kläger erklärt, daß er in keiner Weiſe die Abſicht gehabt
ſhübe, Herrn Generalintendant Hartung zu beleidigen. Hierauf
mſird die friſtloſe Entlaſſung zurückgenommen. Jede Partei trägt
inre außergerichtlichen Koſten. Doch trägt die Beklagte ( Regie=
rung
) zu den Koſten des Klägers 60 RM. bei.
Die Verhandlungen waren erſt gegen Mitternacht zu Ende.
Unterſtützungsempfänger. Die vom Wohlfahrts= und
Zuugendamt ſowie durch das Arbeitsamt an die Unterſtützungs=
erapfänger
im Laufe der nächſten Tage zur Ausgabe kommenden
Aerbilligungsſcheine zum Bezug von Kohlen und Braunkohlen=
bi
iketts werden bei ſämtlichen Darmſtädter Kohlenverkaufsſtellen
enngelöſt. Die Verbilligung beträgt pro Zentner 30 Pf. Der
znhaber eines Bezugsſcheins zahlt an den Kohlenhändler für die
Sorten 14 den jeweiligen Tagespreis, für Braunkohlenbriketts
dim mit dem Wohlfahrtsamt vereinbarten Preis, abzüglich 30 Pf.
ovo Zentner und überreicht für jeden Zentner einen Abſchnitt des
Bezugsſcheins für den betreffenden Monat Zur Ausgabe kom=
gen
: 1. Fettſchrot, 2. Fettnußohlen I und II, 3. Fettnußkohlen 111,
Eiformbriketts, 5. Braunkohlenbriketts.
Ausgabe von Gutſcheinen für Kohlen. Die im Rahmen
ve Winterhilfsmaßnahmen der Reichsregierung zur Verbilligung
onn Kohlen von dem Wohlfahrts= und Jugendamt zur. Ausgabe
iornmenden Gutſcheine können von den Kleinrentnern am Mitt=
wch
, dem 13. Januar 1932, nachmittags von 36 Uhr, an den
Kraſſeſchaltern des ſtädt. Gebäudes, Grafenſtraße 30, gegen Vor=
he
gung des Ausweiſes in Empfang genommen werden. Eine
Aogabe an einem anderen Tag kann nicht erfolgen. Es wird
deshalb nochmals beſonders darauf hingewieſen, daß diejenigen,
weelche an dieſem Tage ihren Schein nicht abholen, der Verbilli=
ſgung
verluſtig gehen.
Weihnachtsmeſſe in der Kunſthalle am Rheintor. Der In=
ber der Losnummer 102 der Tombola von der Weihnachtsmeſſe
dar heſſiſchen Künſtler in der Kunſthalle hat ſich bis heute noch
nicht gemeldet. Wir bitten den Inhaber, ſich in der Geſchäfts=
ſtü
lle des Reichsverbandes bildender Künſtler. Heinrichſtraße 1,
mit dem Los zu melden, da dieſes am 1. Februar d. J. verfällt,
Heſſiſches Landestheater.

Großes Haus. 1517 Uhr.
Schueeflock und Regentropf. Preiſe 0.301.80
Senntag, 10 Jan 19½= Ende geg. 22 Uhr. Heſſenlandmiete TV 6 u.
Dſtdt. Volksb. P (3 Vorſt) Gr. 1 bis 1V.
Tosca.
Preiſe 0 806. 40 Mk. Nontag, 11. Jan. Keine Vorſtellung. Dieenstag, 12. Jan. 19½2314 Uhr. 4 12. Die luſtige Witwe.
Preiſe 0.80 6.40 Mk. Kleines Haus. untag, 10. Jan. 19½. Ende geg 22 Uhr. T Gr. 1,2,3,4, 5, 6, 7u. 8
Preife 0.705.00 Mk.
Nina. Montag, 11. Jan. 20221g Uhr. Dſt. Volksb, C. (8. Porſt.) Gr. 1u. II
Michael Aramer. Preiſe 0 604.50 Mk. 2022½, Uhr. Außer Miete. Nina.
Renstag, 12 Jan. Preiſe 0.604 50 Mk.

Heſſiſches Landestheater. Heute nachmittig findet im
Moßen Haus eine der letzten Vorſtellungen von Schueeflock
urd Regentropf ein Winter= und Waſſermärchen von M.
A. Lenz. ſtatt. Abends 19.30 Uhr wird Puccinis Tosca
mfgeführt. Im Kleinen Haus geht Bruno Franks erfolgreiche
amödie Nina mit Beſſie Hoffart, Wexuer Hinz, Joſef Keim,
Siſabeth Ligeti und Hans Baumeiſter in Szene.
Das Programm des 5. Sinfoniekonzerts. Unter der muſi=
iſchen
Leitung von Dr. Hans Schmidt=Iſſerſtedt findet am
8 Januar das 5. Sinfoniekonzert des Heſſiſchen Landestheaters
tort. Nachdem die letzten Sinfoniekonzerte vorwiegend der reinen
cheſtermuſik gewidmet waren, wird diesmal der Cellovirtuoſe
Gaſparo Caſſado im Mittelpunkt des Konzerts ſtehen. Er
velt 2 Konzerte für Cello und Orcheſter: das von ihm ſelbſt für
KeAlo umgearbeitete Hornkonzert von W. A. Mozart und das
Dworakſche Cellokonzert in kI=Moll, eines der berühmteſten
Verke der neuen Celloliteratur. Das Orcheſter des Heſſiſchen Lan=
Stheaters ſpielt das Concerto Groſſo von Händel, das hier
um erſten Male aufgeführt wird, und die große ſinfoniſche Dich=
ung
Tod und Verklärung von Richard Strauß, die
eir langen Jahren nicht mehr im Rahmen der Sinfoniekonzerte
ſehört worden iſt. Das, aus der zweiten Schaffensperiode des
iomponiſten ſtammende Werk zählt zu den am meiſten geſchätzten
kondichtungen von Richard Strauß.
Das Programm der Woche. Die Premiere der Woche iſt
tich Käſtners., Leben indieſer Zeit Muſik von Edmund
Nick, am Mittwoch, den 13. Januar, im Kleinen Haus. Muſika=
iſche
Leitung: Karl Maria Zwißler; Regie: Kurt Hirſchfeld.
MEttwoch, den 13. Januar, wird im Großen Haus Anita Mitro=
die
vor Antritt ihres Urlaubs die Carmen ſingen. Für
ie ſen Abend gelten ermäßigte Preiſe. Samstag den 16. Jan.,
urd Figaros Hochzeit unter der muſikaliſchen Leitung
ari Karl Maxia Zwißler erſtmalig in dieſer Spielzeit gegeben.
Goethes Fauſt 1. Teil, iſt das nächſte Schauſpiel im
ſtoßen Haus. Paul Wegener wird den Mephiſto ſpielen. Die
ſtegie hat Guſtav Hartung.

Alf=Darmſtad

Kuuiositäten aus dem alten Darmstadt
Verein für Ortsgeſchichte und Heimalkunde. 351. Beranſtalfung.
Ablegung des Jahresberichtes.

Zu Beginn des neuen Arbeitsjahres hatte ſich der große
Alt=Darmſtadt=Kreis recht zahlreich im Fürſtenſaale zuſammen=
gefunden
.
Der Abend galt im erſten Teil zunächſt dem Geſchäftlichen.
Aus dem Bericht des Vorſitzenden, Herrn Philipp Weber,
klang heraus, daß auch das abgelaufene Jahr wieder ein arbeits=
reiches
geweſen iſt, und daß Alt=Darmſtadt, getreu ſei=
ner
Loſung: Für Volkstum und Heimat wieder verſucht hat,
den Heimatgedanken weiteren Kreiſen nahezubringen und für die
Heimat mit ihrer Geſchichte zu werben. Er gedachte einiger treuer
Mitarbeiter, die durch den Tod abgerufen worden ſind: Herrn
Gartenmeiſter Fritz Klein, Herrn Regierungsrat Reuter,
Herrn Buchhändler Ludwig Saeng und Herrn Dr. Wiß=
mann
. Unter dem Gelöbnis, daß das Gedächtnis der Heim=
gegangenen
in der Vereinsgeſchichte weiterlebe, erhob ſich die
Verſammlung zum ehrenden Gedächtnis von den Sitzen.
Mit 30 Veranſtaltungen, die ein Stück Heimatdienſt bedeu=
ten
, ſchloß das Vereinsjahr ab. Dieſe zergliedern ſich folgender=
maßen
: 8 Vorträge über Ortsgeſchichtliches und Heimatkundliches.
Es ſprachen folgende Herren: Herr Prälat 1. Dr. Diehl über=
Die älteſten Darmſtädter Pfarrhäuſer und ihre Bewohner
Herr Rudolf Anton über: Was uns die Gräber berühmter
Perſönlichkeiten auf dem Darmſtädter Friedhof erzählen, der=
ſelbe
über: Der Darmſtädter Marktplatz und ſeine Geſchichte‟,
Herr Bürgermeiſter Lerch über: Bubenleben im Wienerviertel
in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Herr Hugo
Stieſi (der Aeltere) über: Die Geſchichte des Feuerlöſchweſens
im alten Darmſtadt, derſelbe über: Das Darmſtadt des vori=
gen
Jahrhunderts, Herr Philipp Weber über: Was uns
eine Darmſtädter Straße (Kirchſtraße) erzählt, Herr Oberberg=
rat
Dr. Köbrich über: Bergbau und Bergleute in Darmſtadt
und ſeiner Umgebung.
Heimatkundliche Vorträge im allgemeinen fanden 3 ſtatt.
Herr Lehrer Burhenne aus Eberſtadt ſprach über: Das alte
Eberſtadt und ſeine Beziehungen zu Darmſtadt. Herr Pfarrer
Köhler über: Heimat, eine Gabe und eine Aufgabe‟. Herr
Reg.=Rat Reuter über: Unruhen in Heſſen im Jahre 1848
Ueber Volkskundliches 3 Vorträge. Herr Amtsgerichtsrat
Hans Otto Becker=Dieburg ſprach über: Frühling in
Kunſt. Kultur und Literatur, woran ſich eine Frühlingsfeier an=
ſchloß
, Herr Oberſchulrat Ritſert über Deutſche Redensarten.
Herr Philipp Weber über: Inſchriften an Haus und Gerät,
auf Leichenſteinen und Marterln
Ueber Kunſt und Kunſtgeſchichtliches Herr Profeſſor Adolf
Beyer über: Anekdoten, Ernſtes und Heiteres aus dem
Künſtlerleben.
Literariſche Abende 2. Herr Schauſpieler Eduard Göbel
las Bekanntes und Unbekanntes von Heimatſchriftſtellern, Herr
Schriftſteller Walter Schweter las ein neues Volksſtück
Das Schützefeſt
Vorträge über Perſönlichkeiten fanden 4 ſtatt. Herr Geh.
San.=Rat Dr. Hoffmann ſprach über: Neues und Altes von
Chriſtian Rink. Herr Georg Roeder über: Johann Konrad
Dippel:, Herr Geh. Rat Welcker über Seine Lebenserinne=
rungen
, Herr Philipp Weber aus Anlaß des 90. Geburts=
tages
der beiden Altmeiſter der Kunſt in Darmſtadt, Profeſſor
Hermann Müller und Profeſſor Heinr. Reinh. Kröh,
über: Das Leben und Schaffen der Künſtler
Führungen und geſellige Veranſtaltungen fanden 7 ſtatt:
Eine Führung durch die Hermann Müller= und Heinr. Kröh=
Ausſtellung in der Kunſthalle, eine durch die Ausſtellung der
4 Maler in der Kunſthalle unter Führung von Herrn Kunſt=
maler
Heinz Hohmann, eine Ortsbeſichtigung und Führung
in Dreieichenhain mit Teilnahme an den Burgfeſtſpielen,
am Himmelfahrtsvormittag der übliche Waldrundgang unter

Führung von Herrn Förſter Hermann Klipſtein, ein Alt=
Darmſtädter=Abend auf dem Heiligen Kreuz und einer auf

Schuls Felſenkeller, dann die beliebte Alt=Darmſtädter. Wald=
partie‟
. Mit der üblichen Alt=Darmſtädter Weihnachtsfeier
nahm das arbeitsreiche Jahr, das auch mit mancher ſchlichten
frohen Veranſtaltung gewürzt war, ſeinen Abſchluß.
Anſchließend gab der Protokoller, Herr Hugo Stieſi (der
ältere), einen anſchaulichen Bericht über Entwicklung und Wachs=
tum
des Vereins, der davon zeugte, daß Alt=Darmſtadt in einem
guten Wachstum vorwärts ſchreitet, und daß ſeine Arbeit und =
tigkeit
ein Programm bedeutet.
Der Kaſtenmeiſter, Herr Rudolf Anton, konnte trotz der
Zeitnöte über einen guten Abſchluß der Kaſſe berichten gleichzeitig
zeugte die Kaſſenführung von einem haushälteriſchen Wirtſchaften.
Herr Georg Roeder berichtet über die Bücherei und Ar=
chiv
und über die fleißige Sammelarbeit und warb in warmen
Worten für die Heimatzeitſchrift Volk und Scholle, dem ſich
Frau Dr. Düſterbehn in warmen Worten anſchloß. Anſchließend
an die Berichte, die mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurden,
dankte aus der Verſammlung heraus Herr Geh San.=Rat Dr.
Hoffmann dem Vorſtand und insbeſondere dem Vorſitzenden für die
unermüdliche Tätigkeit in herzlichen Worten und ſchlug die Wie=
derwahl
des Vorſtandes vor, was einſtimmig unter lebhaftem Bei=
fall
erfolgte.
Im 2. Teil des Abends berichtete Herr Philipp Weber
von allerlei Kurioſitäten aus dem alten Darmſtadt. Auf Grund
alter Stadtrechnungen aus dem Jahre 1635 gab er einen Ueber=
blick
über die Einnahmen und Ausgaben einer Stadt in den alten
Zeiten und zeigte, daß auch damals durch Kriegsnöte und großes
Sterben vielfach Not in der Stadt war und daß im Stadtſäckel auch
damals oft ſtarke Cbbe war. Die meiſten Einnahmen kamen in jener
Zeit von den Zuzugsgebühren, von Zinsgeldern aus der Gemeinde=
backſtube
. Bädeſtube, Laden im Rathaus, Schrannengeld und vor
allem von den Zapfgebühren für Wein und Bier, alſo auch in den
alten Zeiten ſchon Getränkeſteuern‟. Er berichtete über den Be=
amtenbeſtand
, über deren Gehälter, über Trunkmahlzeiten des
Rates, über Stadtratsſitzungen mit ihren Eigentümlichkeiten.
Straßenbeleuchtung. Ueber die Geſchichte des Wochenblättchens.
Ueber den Streit der Hausfrauen wegen des Einkreuzerweckes,
der mit dem Sieg der Darmſtädter Hausfrauen endete. Ueber den
bekannten Halbportionenſtreit, der eine Niederlage der Wirte
herbeiführte. Ueber den Darmſtädter Bierkrieg, in dem die Bür=
ger
den Sieg davontrugen. Ueber das erſte Bockbier, welches der
Brauereibeſitzer Ritſert herſtellte, und von dem in drei Tagen
60 Ohm bis auf die Nagelprobe geleert wurden. Vom Gaſthaus=
weſen
im alten.Darmſtadt. Von allerlei originellen Perſönlich=
keiten
, wie z. B. dem Hofprediger und Prinzenerzieher Georg
Wilhelm Peterſen, der unter dem Namen der Schloßkra=
nich
bekannt war. Ueber den Garde= und Stabstrompeter Fleck.
den originellen Gaſthalter des alten Darmſtädter Hofes Peter
Paul Wießner, den bekannten Schauſpieler Hanſtein und
den Herrngartenaufſeher Heppenheimer. Gar manche hei=
tere
Epiſode wußte der Redner zu berichten, und wurden die Aus=
führungen
mit lebhaftem Beifall aufgenommen, woran ſich noch eine
angeregte Ausſprache anſchloß, an der ſich die Herren Geh. Rat
Hoffmann, Apotheker Ramdohr, Dr. Dyrie und Louis
Geiſt beteiligten. Herr Major Morneweg, der als Gaſt aus
Münſter in Weſtfalen anweſend war, berichtete von der Tätigkeit
des dortigen Heimatvereins und der Heſſengruppe, die nun ihr
fünfjähriges Beſtehen in dieſem Monat begehen darf, was mit leb=
haftem
Beifall aufgenommen wurde. Nächſte Veranſtaltung am
21. Januar im Fürſtenſaal: Vortrag mit Lichtbildern, von
Herrn Profeſſor Adolf Beyer über das Leben und Schaffen
des Malers und Künſtlers Eugen Bracht.

Eine Erklärung zur Volksbank=
Angelegenheit.
Von Herrn Präſident Neumann von der Landesverſicherungs=
anſtalt
Heſſen wird uns zu der Erklärung von Herrn Rechts=
anwalt
Neuſchäffer in Nr. 7 unſeres Blattes folgendes mit=
geteilt
:
In der Erklärung des Herrn Rechtsanwalts Neuſchäffer in
der Nr. 7 Ihres Blattes, die ich erſt jetzt zur Kenntnis bekom=
men
habe, befindet ſich folgende Bemerkung:
Das andere Aufſichtsratsmitglied, das Vorſtand einer öffent=
lichen
Körperſchaft iſt, ſtellte zur Erledigung ſeiner evtl. Regreß=
pflichten
in Ausſicht der Volksbank zirka 250 000 Mark Hypothe=
ken
oder Grundſchulden zurückzugeben, die die Bank der öffent=
lichen
Körperſchaft als Sicherheiten für deren Anſprüche gege=
ben
hatte, oder der Volksbank in der Weiſe entgegenzukom=
men
, daß ſeine Körperſchaft bei der Quotenverteilung auf Grund
des Vergleichs hinter die anderen Gläubiger der Bank zurück=
treten
, und erſt nach Befriedigung der anderen Gläubiger
die für die Körperſchaft beſtimmten Quoten verlangen werde.
Zu dieſer nicht den Tatſachen entſprechenden Darſtellung habe
ich Nachſtehendes richtigzuſtellen:
In einer Mitte Dezember 1931 ſtattgefundenen Sitzung des
alten Aufſichtsrats mit dem Gläubigerausſchuß, an der Herr
Rechtsanwalt Neuſchäffer nicht teilgenommen hat, iſt die Frage
der Zuführung von Mitteln für die Bank beſprochen worden.
Dabei hat ein Mitglied des Gläubigerausſchuſſes ausgeführt, man
denke daran, daß die Landesverſicherungsanſtalt, die mit ihrer
Forderung doppelt geſichert ſei, einen Teil dieſer doppelten Siche=
rung
der Bank zurückgeben könnte, indem ſie von den in ihrem
Beſitz befindlichen Grundſchulden Hypotheken von der Volks=
bank
beſitzt die Landesverſicherungsanſtalt überhaupt nicht
etwa 200250 000 Mark der Bank wieder zur Verfügung ſtelle.
Die Landesverſicherungsanſtalt wäre dann immer noch etwa
1½fach gedeckt, aber die Bank bekäme Vermögenswerte in die
Hände, mit denen ſie arbeiten könne. Von mir wurde wohl=
wollende
Prüfung dieſer Anregung zugeſagt. Von derſelben Seite
wurde auch ausgeführt, daß es eine Erleichterung für die Bank
wäre, wenn die größeren Gläubiger mit ihren Rückzahlungs=
quoten
, die auf Grund des Vergleichsvorſchlags zu zahlen ſeien,
über die Rückzahlungstermine hinaus ſtillhalten würden. Da=
durch
würden die Anforderungen an die Bank, die gerade an die=
ſen
Zahlungsterminen außerordentlich groß ſeien, gemildert wer=
den
. Auch hier habe ich wohlwollende Prüfung zugeſagt. Die
Entſcheidung über beide Anregungen hat der Geſamtvorſtand der
Landesverſicherungsanſtalt zu treffen.
Bei den Vergleichsverhandlungen mit den Direktoren der
Bank über die Regreßanſprüche gegen die alten Aufſichtsratsmit=
glieder
, an denen übrigens Herr Rechtsanwalt Neuſchäffer gleich=
falls
nicht teilgenommen hat, ſind dieſe Fragen überhaupt nicht
Gegenſtand der Erörterung geweſen. Damit entfallen auch alle
von Herrn Rechtsanwalt Neuſchäffer gezogenen Schlußfolge=
rungen
.
Odenwaldklub. Für das 50. Stiftungsfeſt des Odenwald=
klubs
, das am 16. Januar, 20 Uhr, im Saalbau ſtattfindet, haben
ſich bekannte Künſtlerinnen und Künſtler bereitwillig zur Ver=
fügung
geſtellt. Genannt ſeien: Maria Kienzl, Ilſelore
Wöbke, Heinrich Kuhn. Hans, Baumeiſter
Eduard Göbel, Heinrich Gutkäſe. An ihre Darbietun=
gen
ſchließt ſich der Tanz an, zu dem das Stadtorcheſter unter
Leitung von W. Schlupp aufſpielt. Näheres ſagen die Anzeigen.
Martinsgemeinde. Am kommenden Montag, den 11. Jan.,
findet der 3. Gemeindeabend mit freier Ausſprache im Gemeinde=
haus
, Liebfrauenſtraße ſtatt. Im Rahmen der Vorträge über das
Weſen der Gottloſigkeit ſpricht Herr Pfarrer Beringer über Ehe
ohne Gott‟. Wer das Eheproblem als das Kernproblem des ſitt=
lichen
Lebens eines Volkes und unſeres Volkes anſieht, wird
dieſen Vortrag dankbar begrüßen. Aber auch alle andern, die ſich
über die Bedeutung dieſes Themas nicht klar ſind, werden zum
Beſuch eingeladen. Am kommenden Dienstag den 12. Januar,
iſt abermals ein hochintereſſanter Vortrag mit Lichtbildern am
gleichen Ort. Die Jugendvereine laden ein zu dem Vortrag des
Herrn Zeiherr van Büren über ſeine Erlebniſſe während der afri=
kaniſchen
Kriegsgefangenſchaft und ſeine Flucht durch Zentral=

afrika.

Die Ballonheiner ſingen wieder. Die Ballonſchule be=
reitet
ſoeben ihren dieswinterlichen Elternabend vor, der in der
Form eines Konzerts am 1 Februar, abends, im Städtiſchen
Saalbau ſtattfindet. Im Mittelpunkt der Veranſtaltung ſtehen
die geſanglichen Darbietungen des Knabenchors der Ballonſchule,
der durch ſeine Leiſtungen der kunſt= und ſangesfreudigen Oef=
fentlichkeit
von Darmſtadt längſt gut bekannt iſt. Der Chor wird
diesmal eine größere Zahl neu einſtudierter Lieder mit und ohne
Begleitung zu Gehör bringen. Neben dem Volkslied, das beſon=
dere
Pflege erfuhr, werden auch einige Proben von Chören im
polyphonen Satz geboten werden. Daneben wirkt wieder, wie in
früheren Jahren, ein freiwilliges Orcheſter aus Schülern höherer
Lehranſtalten und Studenten, die zum Teil früher die Ballon=
ſchule
beſucht haben, mit. Wir machen auf dieſe Veranſtaltung,
deren Reinertrag neben Schulzwecken auch der Unterſtützung der
Winterhilfe dienen ſoll, ſchon jetzt aufmerkſam. Karten können
durch die Leitung der Ballonſchule, ſowie durch die Ballonſchüler
bezogen werden.
Verteidige dich ſelbſt! nach der Methode Dſchiu=
Dſchitſu, der japaniſchen Angriffs= und Verteidigungskunſt
ohne Waffen. Das Amt für Leibesübungen gibt Damen
und Herren Gelegenheit, in neuen Kurſen ſich in der Selbſtver=
teidigung
auszubilden. Auch ältere Perſonen können, ohne kör=
perliche
Nachteile befürchten zu müſſen, an den Uebungen teil=
nehmen
. Durch geeignete Zweckübungen iſt gleichzeitig eine plan=
mäßige
Körperbildung damit verbunden. Die Kurſe erſtrecken ſich
auf fünf Abende zu je 1 Stunde und beginnen am Donners=
tag
, den 14. Januar, für Damen von 7½8½ Uhr für
Herren von 8½9½ Uhr abends, in der Turnhälle der Peſta=
lozziſchule
, Stiftsſtraße 32. Anmeldungen daſelbſt. (Siehe heutige
Anzeige.)
Verein für das Deutſchtum im Ausland. Die Fünfzigjahr=
feier
der Männergruppe, verſchönt durch die Darbietungen des
Mozart=Vereins und beſonders anziehend durch den Feſt=
redner
, Reichsminiſter Dr. Geßler, iſt allen Mitgliedern und
Freunden des Vereins, Damen und Herren, zugänglich und be=
ginnt
am Sonntag, pünktlich 20 Uhr, im Saalbau. Eintritt frei,
Evangeliſche Jugendgemeinſchaft. Die Jugendbünde der
Eva; geliſchen Jugendgemeinſchaft ſind vom Verein für das
Deutſ htum im Ausland (VDA.) zu dem Vortrag des Reichsmini=
ſters
D: Geßler über. Unſer Kampf um das deutſche Volkstum,
der anläßlich der 50=Jahrfeier der VDA.=Männergruppe Darm=
ſtadt
heute abend um 20 Uhr im Städtiſchen Saalbau ſtattfindet,
herzlich eingeladen. Der Eintritt iſt frei. Der Mozart=Verein
wird die Rede mit Darbietungen umrahmen.
Hiſtoriſiher Verein. Den erſten Vortrag im neuen Jahre
hält Montag, den 11. Januar, im Realgymnaſium, Herr Prof.
Dr. Friedrich 2ehn. aus Mainz, über Lorſch und Hirſau
(Vergl. Anzeige.) Zugleich wird den Mitgliedern mitgeteilt, daß
der Verein für das Deutſchtum im Ausland den Verein zu ſeinem
am Sonntag, 10. JJanuar, 20 Uhr, im Saalbau, ſtattfindenden
Abend eingeladen hat.
Muſikverein. Am Montag, dem 11. Januar, findet unter
Leitung von Herrn Kapellmeiſter Dr. Schmidt=Iſſerſtedt eine Ge=
ſamtprobe
ſtatt. Vollzähliges Erſcheinen iſt erwünſcht.
Autoliſten. Soeben iſt die Autoliſte Nr 78 erſchienen.
Dieſe verzeichnet alle Meldungen (Ab= und Zugänge) von
Kraftfahrzeugen jeder Art in den 18 Kreiſen des
Volksſtaates Heſſen (Kennzeichen VS. VR, VO) für die
Zeit vom 16.31. Dezember 1931. Die Autoliſten ent=
halten
die ſonſt nicht zugänglichen Meldungen in
folgender Reihenfolge: Name, Beruf. Wohnort des Kraftfahr=
zeugbeſitzers
; Fahrzeugart, Hubraum in cem und PS (bei Laſtkraft=
wagen
: Eigengewicht in kg und PS); Fabrikat und Motornum=
mer
Fabrikneue Fahrzeuge ſind durch * kenntlich ge=
macht
. Die Meldungen ſind geordnet nach den drei Provinzen
(VS. VP. V0) und Kreiſen, und innerhalb dieſer nach Fahr=
zeugarten
. Abgemeldete Fahrzeuge werden beſonders ge=
führt
. Die Autoliſten ſind unentbehrlich, weil ſie lau=
fend
neueſtes Adreſſenmaterial liefern. Sie erſcheinen
alle 14 Tage, alſo monatlich zwei Liſten. Die ſpäteſtens
am 8 eines jeden Monats ausgegebene Liſte enthält die Mel=
dungen
vom 16.30. (31.) des voraufgegangenen Monats, und
die ſpäteſtens am 23. eines Monats ausgegebene Liſte die Mel=
dungen
vom 1. bis 15 des gleichen Monats. Wegen des
Bezugsbreiſes vgl. Anzeige! Anfragen richte man an den
zuſtändigen Verlag L. C. Wittich in Darmſtadt.

[ ][  ][ ]

Seite 6 Nr. 10

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Eine mnſteriöſe Jahreszahl.

Spielereien und Geheimniſſe um 1932.

Tsp. Das hat natürlich mit dem berühmten Fermatſchen
Problem nichts zu tun, auf deſſen Löſung bekanntlich 100 000
Mark mit Zinſen und Zinſeszinſen bis zum Jahre 2007 ausge=
ſetzt
ſind. Aber vielleicht werden die Mathematiker doch Gele=
genheit
finden, ſich an geheimnisvollen Geſetzmäßigkeiten der
Jahreszahl 1932 den Kopf zu zerbrechen. Vielleicht iſt auch alles
Zufall. Aber der Laie hat zum mindeſten Gelegenheit, an dieſer
Zahl einige hübſche Spielereien auszuführen, ihre Seltſamkeiten
zu bewundern und wenn er ſo eingeſtellt iſt vielfache Vor=
bedeutungen
aus ihr herauszuleſen.
Alſo paſſen Sie mal auf:
Wilhelm Schulze iſt geboren im Jahre 1893
Seine Frau Lieſe Schulze, im Jahre 1894
1920
Geheiratet haben ſie im Jahre
39 Jahre alt
Schulze wird 1932
Seine Frau wird 1932 ....
38 Jahre alt
Sie ſind 1932 verheiratet . . . . . 12 Jahre

Sonntag, 10. Januar 1932

* Porläufiger Status und Vorſchlag zur Sanierung
der Vereinsbank Eberſtadt e. G. m. b. H.

Die Gläubiger ſollen kroß Bankverluft von 670000 RM. voll befriedigk werden.
aber Skundung, Zinsverzichk und Zinsnachlaß gewähren.

Die Summe dieſer Zahlen ergibt . . 5796
Nun teilen Sie dieſe Summenziffer 5796 durch 3. Das Er=
gebnis
iſt 1932, die Zahl unſeres Jahres. Sie werden das nicht
ſeltſam finden. Sie werden annehmen, die grundlegenden Zah=
len
ſeien ſo ausgeſucht, daß dies Ergebnis herauskommen müßte.
Da machen Sie den Verſuch an Ihren eigenen Zahlen und mit
allen Ihnen bekannten Daten aus Ihrer Familie. Sie werden
ſehen, daß jedesmal 1932 herauskommt. Alſo doch komiſch, nicht
wahr?
Mit dieſer harmloſen Spielerei iſt nun das Geheimnis unſe=
ter
Jahreszahl noch keineswegs beendet. Zunächſt einmal gibt
es in dieſer Größenordnung kaum eine andere Zahl, die ſich ſo
oftmals teilen läßt. Es ſind nicht weniger als 22 Zahlen, die
in 1932 aufgehen. Unſere Jahreszayl läßt ſich teilen durch 2. 3.
4. 6. 7. 12. 14. 21, 23. 28. 42. 46, 69. 84. 92, 138, 161. 276, 322,
483. 644 und 966. Wenn 1932 ſo beſonders oftmals teilbar iſt,
ſo hat es natürlich auf der anderen Seite ſeinen Grund darin,
daß ſich dieſe Jahreszahl aus einer beſonders hohen Jahl ron
Multiplikationsfaktoren beſtimmen läßt. 1932 iſt nämlich das
Multiplikationsergebnis von 2mal 2mal 3mal 7mal 23. Damit
ſind die eigentlichen mathematiſchen Beſonderheiten von 1932 er=
ſchöpft
. Wer aber weiter ſpielen möchte, dem ſind keine Grenzen
geſetzt. Der Zahlendeuter arbeitet gern mit Querſummen. Gegen=
über
der Querſumme von 1932 muß er allerdings etwas in Ver=
legenheit
geraten. Auf der einen Seite läßt ſich die Querſumme
15 durch die beiden Glücksziffern 3 und 5 dividieren. Anderer=
ſeits
aber entſpricht ſie der Querſumme von vielen Jahren, in
denen Mars das Jahr regierte. Die Jahreszahlen von 1914 und
1815 haben auch die Querſumme 15. Dazu kommt nun noch, daß
1932 aſtrologiſch wirklich im Zeichen des Mars ſteht. Es bleibt
alſo dem optimiſtiſchen oder peſſimiſtiſchen Temperament über=
laſſen
, ob man ſich an die glückbringenden Teilziffern oder an
die verhängnisvoll erſcheinenden Vergleichszahlen der Quer=
ſumme
halten will.

Der Bayreuther Bund der deutſchen Jugend veranſtaltet
am Samstag dem 16. Januar, 2030 Uhr im Muſikvereinsſaal.
Wilhelm=Gläſſing=Straße 24 gemeinſam mit dem Bühnenvolks=
hund
einen öffentlichen Vortragsabend, an dem Max Millem=
kovich
=Morold aus Wien über das Thema Richard Wag=
ner
und die Bühne der Gegenwart ſprechen wird. Der Vor=
tragende
, früher Leiter des Wiener Burgtheaters, hat ſich als
Schriftſteller u. a. durch Werke über Mozart., Hugo Wolf und
Anton Bruckner und nicht zuletzt durch das vor einiger Zeit er=
ſchienene
zweibändige Werk Wagners Kampf und Sieg einen
Namen gemacht und erſcheint daher zur Behandlung des in Aus=
ſicht
genommenen aktuellen Themas wohl berufen. Zur Deckung
der Unkoſten wird ein Beitrag von nur 50 Rpf. erhoben; Karten=
verkauf
bei Chriſtian Arnold am Weißen Turm.
Literariſch=Künſtleriſche Geſellſchaft. Kaſimir Ed=
ſchmid
, deſſen Reiſebücher nicht nur in Deutſchland, ſondern im
geſamten Ausland größtes Intereſſe erregen und in zahlreiche
fremde Sprachen überſetzt werden, wird bei dem Vortragsabend.
den er auf Einladung der Literariſch=Künſtleriſchen Geſellſchaft
am nächſten Donnerstag, dem 14. Januar, 8 Uhr, im Feſt=
ſaale
der Loge gibt, über ſeine jüngſten Reiſen durch
Afrika und Südamerika berichten. Er wird nicht nur
exotiſche Schilderungen geben, ſondern auf Grund eigener Ein=
drücke
die Stellung des Deutſchtums zur Welt beleuchten. Der
intereſſante Abend dürfte eine ſtarke Anziehungskraft ausüben.
(Siehe Anzeige.)
Hausfrauenbund. Nach der Weihnachtspauſe findet die
nächſte Mitgliederverſammlung am Dienstag, dem 12. Januar.
im Muſikſaal des Saalbaues ſtatt. Außer Vereinsnachrichten und
einigen Vorführungen ſollen in erſter Linie noch einmal die
Soziallaſten für die Hausangeſtellten zur Sprache kommen, da
alle Bemühungen, die Hausfrauen zu einer einheitlichen Rege=
lung
der Zahlung der verſchiedenen Verſicherungsbeiträge zu ver=
anlaſſen
und den Hausangeſtellten den geſetzlich zufallenden An=
teil
abzugeben, leider noch allzu oft ſcheitern. Wir bitten unſere
Mitglieder, ſich recht zahlreich beteiligen zu wollen, damit eine
lebhafte Ausſprache ermöglicht werden kann.
Gartenbauverein Darmſtadt E. V. Die diesjährige Haupt=
verſammlung
findet am nächſten Donnerstag abend im Fürſten=
ſaal
ſtatt. Nach dem geſchäftlichen Teil derſelben wird. Herr
Lehrer Reſch von Ober=Ramſtadt an Hand eigener Aufnahmen
die wichtigſten Obſtbaumſchädlinge beſprechen. Näheres im An=
zeigenteil
.
Orpheum. Auf die heutige Varieté= Volksvor=
ſtellung
des abwechſelungsreichen 1. Januar=Programms bei
allerkleinſten Eintritspreiſen ſei hierdurch beſonders hingewieſen.
(Siehe Anzeige.)
Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher Erkran=
kung
ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Haus=
arzt
zu rufen. Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am
Sonntag, dem 10. Januar 1932, folgende Aerzte zu deſſen Ver=
tretung
bereit: Dr. med Draudt, Heinrichſtr. 17, Tel. 2520;
Dr. med. Sachs, Hügelſtr. 41 Tel. 726; Frl. Dr. med. Vau=
bel
, Heinrichſtr. 100, Tel. 1645.
Es verſehen den Sonntagsdienſt und in der daran ſich ans
ſchließenden Woche den Nachtdienſt vom 10. bis 17. Januar die
Merckſche Apotheke, Rheinſtraße 9, und die Beſſunger Apotbeke,
Wittmannſtraße 1.

F. Eberſtadt, 9. Januar.
Geſtern abend fand im Saale Zum Bergſträßer Hof die ſehr
ſtark beſuchte
Gläubiger=Verſammlung

ſtatt. Nachdem der Verſammlungsleiter zunächſt noch einmal
die Urſachen und tieferen Gründe der Zahlungs=
einſtellung
der Vereinsbank Eberſtadt, e. G. m. b. H., kurz
ſkizziert hatte, gab er zu dem nunmehr fertiggeſtellten vorläufigen
Status der Bank per 23. Dezember 1931 einige Erläuterungen.
Die darin nachgewieſenen Verluſte bzw. Verluſt=
riſiken
belaufen ſich aufrund 670 000 RM. Nach der
Abſchreibung des vorhandenen Vermögens (Geſchäftsguthaben und
Reſerven) von rund 345 000 RM. iſt der Verluſt durch den in Aus=
ſicht
ſtehenden Sanierungskredit von 300 000 RM. bis auf einen
Reſt von 25 000 RM. gedeckt, den man durch die an den bisherigen
Vorſtand und Aufſichtsrat der Bank zu erhebenden Regreßanſprüche
hereinzubekommen glaubt. Allerdings ergebe ſich ſo erklärte
Redner zur Wiederflottmachung der Bank die Notwendigkeit,
den Geſchäftsanteil von 500 auf 1000 RM. zu erhöhen. Nach Durch=
führung
des beantragten Vergleichsverfahrens könne man den Ge=
ſchäftsanteil
wieder auf 500 RM. herabſetzen.
Der Verſammlungsleiter unterbreitete ſodann der Gläubiger=
verſammlung
folgenden

Bergleichsvorſchlag:

Die Gläubiger der Vereinsbank Eberſtadt e G. m. b. H.. in
Eberſtadt werden mit ihren Forderungen voll befriedigt. Sie ge=
währen
aber der Bank eine Stundung in der Weiſe, daß ihnen
20 Prozent,
am 15. Juli 1932
am 15. Dezember 1932
3
am 15. Juli 1933
am 15. Januar 1934 . . 30
ihrer Forderungen zur Auszahlung in den Geſchäftsräumen der
Vereinsbank Eberſtadt zur Verfügung geſtellt werden.
Die Gläubiger verzichten auf die ihnen für die Jahre 1931
und 1932 zuſtehenden Zinſen, und erhalten für das Jahr 1933
4 Prozent Zinſen auf den jeweils noch beſtehenden Forderungs=
betrag
. Dieſe Zinſen ſind gemeinſam mit den reſtlichen 30 Prozent
des Kapitalbetrags am 15. Januar 1934 fällig. Verzichtet der
Gläubiger auf Auszahlung der an den genannten Terminen fäl=
ligen
Forderungsbeträge, dann werden dieſe inſoweit von dem je=
weiligen
Fälligkeitstage ab zu dem höheren, allgemeinen Zinsſatze
verzinſt.
Zur Sicherſtellung des Vergleichs dienen die Haftſummen der
Mitglieder.
Auf die Anfrage aus der Verſammlung heraus, ob der Ver=
luſt
von 670 000 RM. eine endgültige, feſtſtehende Ziffer ſei, er=
klärte
der Verbandsreviſor Richter, dies ſei nicht der Fall.

Der effektive Verluſt betrage noch nicht einmal die Hälfte des ein=
geſetzten
Betrags. Man ſei bei der ſchwierigen Bewertung der zu
Buch ſtehenden Forderungen und Sicherheiten ſehr vorſichtig ge=
weſen
, ſo daß möglicherweiſe ſich die Verluſtziffer nach der gün=
ſtigeren
Seite hin verſchieben könne. Dies hänge davon ab, inwie=
weit
es gelinge, die zweifelhaften Forderungen hereinzubekom=
men
. aber auch davon, in welchem Maße es gelinge, das Vertrauen
der Sparer zurückzugewinnen. Ein Erlaß der abgeſchriebenen For=
derungen
, wie befürchtet werde, käme nicht in Frage, es würde
vielmehr der Verſuch gemacht werden, die geſamten Schuldbeträge
hereinzubekommen. Ebenſo aber, wie die Möglichkeit beſtände die
Verluſtziffer zu verringern, beſtehe natürlich auch die Möglichkeit,
daß noch weitere Verluſte zu den vorhandenen hinzutreten. Nie=
mand
könne das vorausſehen. Man habe deshalb die Verluſte in
Abſchreibungen und Rückſtellungen geteilt. Mit Recht wurde von
einem Sprecher darauf hingewieſen, daß eine etwa eintretende
Verluſtverringerung ſtille Reſerven darſtellen und die Bank ſtär=
ken
würde, was für die Mitglieder und Sparer von gleichgroßem
Vorteil ſei.
Auf eine weitere Anfrage aus der Verſammlung, was die
Folge wäre, wenn man dem Vergleichsvorſchlag
nicht zuſtimmen werde, erwiderte der Reviſions,
beamte daßdann nichts anderes übrig bliebe als
der Konkurs. Der Sanierungskredit von 300 000 RM. würde
dann ſelbſtverſtändlich wegfallen, weil dieſer nur unter der Be=
dingung
zugeſagt worden ſei, daß die Vereinsbank ſaniert und
fortgeführt werde und an ihre Spitze eine neue Verwaltung trete.
Eine weitere Folge wäre, daß die Mitglieder zu den Haftſummen
herangezogen würden und die Schuldner aufgefordert werden
müßten, ihre Schulden abzudecken. Das würde naturgemäß zu
weiteren Verluſten führen. Da dann auch noch die erheblichen
Koſten des Konkursverfahrens zu bezahlen wären, würden ſich von
ſelbſt auch für die Sparer Verluſte ergeben, die unter Umſtänden
4050 Prozent betragen könnten. Halte man den Ver=
gleichsvorſchlag
dagegen, ſo könne man nicht an=
ders
als dieſem zuzuſtimmen.
Bei der weiteren Ausſprache fanden ſich erfreulicherweiſe in
der überwiegenden Mehrzahl der Redner Stimmen, die ſich für
die Annahme des Vergleichsvorſchlags einſetzten, wenn auch dabei
noch manches herbe Wort der Kritik fiel, die ſich auf die bis=
herige
Verwaltung der Bank bezog.
Schließlich wurde der Vergleichsvorſchlag
einſtimmigangenommen unddie Zuſtimmungauf
den ausgelegten Formularen erklärt.
Die Wahl eines Gläubigerausſchuſſes vollzog ſich
raſch, nachdem hierzu aus der Verſammlung heraus, brauchbare
Vorſchläge gemacht worden waren. Es wurden gewählt: Georg
Roth 2. Glaſermeiſter. Wilhelm Hurſt. Heinrich Baldus,
Wilhelm Buſch und Alfred Fien. Außerdem wurde den beiden
Hauptgläubigern der Bank je ein Sitz im Ausſchuß eingeräumt.

Volkshochſchule. Am Montag, dem 11. Januar, beginnen
unſere Lehrgänge, die der Arbeitsplan anzeigt. Anmeldungen
zur Teilnahme werden täglich in der Geſchäftsſtelle. Mathilden=
platz
17 entgegengenommen. Die angegebene Hörgebühr, kann
auf Antrag geſtundet werden, muß aber vor Beendigung des
Lehrgangs bezahlt werden.

Stenographie und Maſchinenſchreiben. In ſeinen Unter=
richtsräumen
in der Ballonſchule führt der Gabelsberger Steno=
graphenverein
Montags. Dienstags, Donnerstags und Freitags
Diktatkurſe durch Morgen und am Dienstag beginnen, wie aus
dem Anzeigenteil erſichtlich in der Ballonſchule und Beſſunger
Knabenſchule wieder neue Anfängerlehrgänge, Unterricht im
Maſchinenſchreiben nach der Zehnfingerblindſchreibmethode findet
in Tageskurſen ſtatt.

D Tagesordnung zur Sitzung des Provinzialausſchuſſes am
16. Januar 1932 vormittags 9 Uhr: 1. Klage des Bezirksfür=
ſorgeverbandes
Stadt Darmſtadt gegen den Bezirksfürſorgever=
band
Kreis Dieburg wegen Erſatz von Anſtaltspflegekoſten für
Valentin Müller, 2. Berufung der Deutſch=Amerikaniſchen Petro=
leum
=Geſellſchaft zu Frankfurt a. M. gegen das Urteil des Kreis=
ausſchuſſes
Offenbach vom 16. September 1931 wegen Nichtertei=
lung
der Genehmigung zur Errichtung von zwei Kraftfahrzeug=
einſtellungsräumen
auf dem Grundſtück Frankfurter Straße 124
zu Offenbach a. M. 3. Klage des Franz May 1. zu Heppenheim
gegen die Entſcheidung des Kreisamts Heppenheim vom 27. Aug.
1931 wegen Nichterteilung der Erlaubnis zum Betriebe einer
Wandererherberge, 4. Klage des Wilhelm Nolte zu Hainſtadt,
Kreis Erbach, gegen die Entſcheidung des Kreisamts Erbach vom
21 Oktober 1931 wegen Nichterteilung der Erlaubnis zum Be=
triebe
einer Kafeewirtſchaft mit Wein= und Branntweinausſchank
in der Gemeinde Hainſtadt.

D Vom Wochenmarkt. Kleinhan elspreiſe vom 9. Januar
1932 für ein Pfund bzw. Stück in Reichspf.: Gemüſe: Kohl=
rabi
68. Erdkohlraben 68, zelbe Rüben 68, rote Rüben 8
bis 10, weiße Rüben 6. T. Schwarzwurzeln 2025, Spinat 12
bis 15, Rotkraut 8 10. Weißkraut 57. Wirſing 810. Grün=
kohl
810. Roſenkohl 1520. Zwiebeln 1012. Knoblauch 80.
Tomaten 4050. Kaſtanien 2530. Feldſalat 6070, Endivien=
ſalat
810. Kopfſalat 2530, Blumenkohl 4070. Rettich 5 bis
10. Meerrettich 6070 Kartoffeln: Spätkartoffeln 45.
Obſt: Tafeläpfel 1020. Wirtſchaftsäpfel 815. Trauben 40 bis
55. Nüſſe 3550, Apfelſinen 512. Zitronen 58. Bananen 30
bis 40. Eßwaren: Süßrahmbutter 140160. Landbutter 100
b’s 150, Weichkäſe 2530, Handkäſe 312. Eier, friſche 1415.
Wild und Geflügel: Gänſe 6080. Hühner 60100, Enten
90. Trauben 4050. Haſen 60120. Reh 50130. Fleiſch=
und Wurſtwaren: Rindfleiſch, friſch 5060. Kalbfleiſch 70,
Hammelfleiſch 60 Schweinefleiſch 7090. Wurſt 60120. Schmalz,
ausgelaſſen 7080.

Das Union=Theater bringt noch bis auf weiteres Hans
Albers, zurzeit Deutſchlands populärſter Schauſpieler, in dem
neueſten Richard Eichberg=Tonfilm Der Draufgänger, der
überall hellſte Begeiſterung hervorgerufen hat.

Das Helia=Theater zeigt nur noch heute und morgen Käthe
von Nagy und Heinz Rühmann in dem neuen amüſanten Ufg=
Luſtſpiel Meine Frau, die Hochſtaplerin.

In den Palaſt=Lichtſpielen läuft nur noch heute der deutſch=
ſprachige
Tonfilm. Wo die Wolga fließt, nach dem Roman von
Leo Tolſtoi.

Film=Morgenfeier. Im Rahmen einer Film=Morgenfeier
wird im Helia=Theater heute Sonntag, vormittags 1144 Uhr der
Hubert=Schonger=Film Der ſchaffende Rhein zum letzten Male
wiederholt. Jugendliche haben zu halben Preiſen Zutritt.

Lokale Beranſtalkungen.

Die bierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinwelſe auf Anzeig
im leinem Falle igendwie als Beſprechung oder Kritzil.

Vereinigte Kriegervereine ( Kriegerkame=
radſchaft
Haſſia), Samstag, den 23. Januar, findet im
Städtiſchen Saalbau ein Familienabend ſtatt. Die Feier iſt ver=
bunden
mit einer Reichsgründungsfeier, Kundgebung gegen die
Kriegsſchuldlüge, der deutſchen Forderung und Rechtsbegründung
auf Abrüſtung der anderen Staaten. Die Feier wird verſchönt
durch Darbietungen verſchiedener Art.

Im Reſtaurant Bürgerhof findet heute der erſte
Kappenabend unter Mitwirkung hekannter Humoriſten ſtatt. In
allen Räumen närriſche Muſik. (Siehe Anzeige.)

Ludwigshöhe. Sonntag nachmittag 4 Uhr Konzert.

D Delelesn ſche

Lichtſpieltheater: Union=Theater: Der Draufgänger;
Helia=Lichtſpiele: Meine Frau, die Hochſtaplerin;
Palaſt=Lichtſpiele: Wo die Wolga fließt; Helia=
Lichtſpiele vorm. 11.15 Uhr: Film=Morgenfeier Der
ſchaffende, Rhein. Reſtaurant Bender, Eliſabethenſtraße:
Künſtler=Konzert Hotel u. Reſt. Poſt, ab 19.30 Uhr: Geſell=
ſchaftsabend
. V. D. A. Saalbau, 20 Uhr: 50=Jahrfeier der
Männergr. Darmſtadt (Redner: Reichsminiſter Dr. Geßler)
Ludwigshöhe, nachm 4 Uhr: Konzert. Wanderklub Falkei

1 Wanderung (8 Uhr. Verkehrsbüro).

Konzerte: Café Oper,

Rheingauer Weinſtube. Cafs Ernſt Ludwig, Schloßkeller, Sport=
platz
=Café, am Böllenfalltor, Café Ganßmann. Alter Ratskeller:

Konzert u. Tanz. Perkeo. Reſt Rehberger; Kunſtlerkonzert,
Rummelbräu, Reſt Sitte: Künſtlerkonzert, Bürgerhof; Kappen=
Abend, Bismarckeck. Orpheum: Varieté Gebr. Gailer.

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[ ][  ][ ]

Sonntag, 10. Januar 1932

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 10 Seite 7

Aus Heſſen.

Dg. Arheilgen. 9. Jan. Hohes Alter. Frau Henriette
Schunk Witwe, Kleine Felchesgaſſe, kann am 11. Januar ihren
80. Geburtstag begehen. Beratungsſtunde. Am kom=
menden
Dienstag, den 12. d. M., nachmittags 3 Uhr, findet im
Rathauſe eine Beratungsſtunde der Mütter= und Säuglingsfür=
ſorge
ſtatt. Evangeliſcher Frauenverein Vor=
trag
. Die Wohlfahrtspflegerin des Evangeliſchen Wohlfahrts=
dienſtes
, Fräulein Fiſchmann, ſpricht am Dienstag abend über:
Bürgel. vom Arbeiter zum Aſtronomen.
Griesheim. 9. Jan. Nach einem Laſtauto geſchoſ=
Sen. Als das Laſtauto mit Anhängewagen eines hieſigen Auto=
Beſitzers, der ſich mit dem Transport von Gemüſeerzeugniſſen auf
Den Frankfurter und Offenbacher Markt befaßt, am Montag abend
Dich auf dem Heimwege befand und hinter Langen auf der Land=
ſtraße
nach Darmſtadt das Gehöft Baierseich paſſierte, wurde aus
einem im Führerſitz mit 3 Perſonen beſetzten Schnellaſtwagen ein
ſcharfer Schuß abgegeben, ohne jedoch zu treffen. Anſcheinend
watten die Täter die Abſicht, einen Autoreifen des hieſigen Laſt=
gutos
zu durchſchießen. Die ſofort verſtändigte Polizei konnte die
Täter bis jetzt noch nicht ermitteln. Geſtörte Diebe. Ge=
Stern früh gegen 5 Uhr wurde in einem hieſigen Metzgerladen ein
Einbruch verübt. Durch das Anſchlagen des Hundes und das Er=
wvachen
der Hausbewohner wurden die Diebe geſtört und ſuchten
ſichleunigſt und ohne etwas mitzunehmen unter dem Schutze der
MNacht das Weite.
Cp. Pfungſtadt. 9. Jan. Der evgl Kirchenvorſtand lädt
Su einer Vortragsreihe Was ſagt Jeſus von ſich ſelbſt? ein, die
SPfarrer Held aus Rettert in der kommenden Woche vom 11. bis
6. Januar, abends, in der Kirche hält.
Cp. Pfungſtadt, 9. Jan. Die Maul= und Klauenſeuche
äſt unter dem Rindviehbeſtand, des Landwirts Kramer in der
SRheinſtraße ausgebrochen. Der Faſelſtall bleibt bis auf weiteres
geſperrt. Das Seuchengehöft und der ganze Ort Pfungſtadt ſind
Sperrbezirk, während die übrige Gemarkung zum Beobachtungs=
gebiet
gehört.
N Eberſtadt, 9. Jan. Beratungsſtunde. Die Mutter= und
SSäuglingsfürſorge hält am Montag, den 11. Januar, nachmittags von
S bis 4 Uhr, in der Gutenbergſchule wieder eine Beratungsſtunde ab.
Ak. Nieder=Ramſtadt. 9. Jan Maul= und Klauenſeuche.
Die die Landwirtſchaft ſchwer ſchädigende Seuche hält nach wie
wor an und breitet ſich weiter aus. Die getroffenen Maßnahmen
rnüſſen rückſichtslos durchgeführt werden. Dazu gehört aber auch,
Daß die Viehbeſitzer alle verdächtigen Wahrnehmungen ſofort der
Bürgermeiſterei melden, damit die notwendigen Maßnahmen ge=
roffen
werden können. Holzhauerei. Im Laufe der kom=
rnenden
Woche werden die Holzhauerarbeiten im Gemeindewald
weendet, da das vorgeſehene Quantum aufgearbeitet iſt. Die erſte
Werſteigerung findet am nächſten Mittwoch an Ort und Stelle ſtatt.
Cg. Reinheim, 9. Jan. Schwerer Unglücksfall. Von einem
ichweren Unglück wurde die Familie des Poſtaſſiſtenten Ludw. Weber
won hier heimgeſucht. Der Sohn, welcher ſchon die Schreinerlehre be=
ndet
hat und in Darmſtadt ſich fortbildet, ſah, als er in der Nähe des
Uebergangs nach Spachbrücken war, den 11.16 Uhr hier nach Darmſtadt
inbgehenden Zug aufahren und ſprang kurz entſchloſſen über die Barriere,
ſoder öffnete dieſelbe, um auf den fahrenden Zug zu ſpringen. Er rutſchte
ſaus und wurde ein größeres Stück geſchleift und nachdem man ihn zu=
mächſt
nach Hauſe gebracht hatte, mit einer Gehirnerſchütterung ſofort
mach Darmſtadt ins Krankenhaus gebracht.
Ds. Fränkiſch=Crumbach, 9. Jan. Durch das lang anhaltende
Megenwetter der letzten Tage ſind wieder weite Strecken unſerer
Gemarkung überſchwemmt. Glücklicherweiſe iſt durch den Ankauf
ſees Waſſerrechts der Speckhardtſchen Mühle, ſeitens der Ge=
mieinde
und die dadurch bewirkte Beſeitigung der Wehranlage die
Dochwaſſergefahr für unſeren Ort behoben. Als der Landwirt
Leonhard Trietſch von Erlau ſeinen neu angekauften Hund von
er Kette losbinden wollte, ging dieſer auf ihn los, biß ihm beide
Hände durch und verletzte ihn noch ſchwer auf der Bruſt. Der
Urzt wurde ſofort zu Hilfe gezogen.
R. Pfaffen=Beerfurth i. Odw., 9. Jan. Der hieſige Geſang=
werein
Sängerluſt hielt in ſeinem Vereinslokal Zur Krone‟
ine diesjährige Generalverſammlung ab. Es lagen verſchiedene
Alustrittserklärungen vor insbeſondere trat der ſeitherige Diri=
gent
des Vereins. Herr Georg Gerbig, von ſeinem Amt zurück.
In dem weiteren Verlauf der Verſammlung kam es zwiſchen ein=
gelnen
Mitgliedern zu heftigen Auseinanderſetzungen, die lediglich
auf die Zurücktretung des Herrn Dirigenten zurückzuführen waren.
DW. Neunkirchen=Lützelbach (Kreis Dieburg), 9. Jan. Bür=
ermeiſterwahl
. Die beiden auf der Neunkircher Höhe ge=
legenen
Dörfer Lützelbach und Neunkirchen bilden einen Bürger=
meiſtereibezirk
. Herr Philipp Mayer, der Beſitzer des Gaſthau=
ſtes
Zum grünen Baum in Neunkirchen, iſt im Jahre 1925 unter
beftigen Wahlkämpfen zum Bürgermeiſter gewählt worden. Seine
ſechsjährige Dienſtzeit hat im Dezember 1931 ihr Ende erreicht.
Der Umſtand, daß dieſes Mal nur ein Wohlvorſchlag eingereicht
wurde, nämlich der Wahlvorſchlag Mayer, iſt der beſte Beweis
dafür, welch großer Beliebtheit ſich Herr Meyer als Bürger=
mneiſter
erfreut. Er gilt auf weitere neun Jahre als gewählt.
Winterhilfe. Die Sammlung für die Winterhilfe hat in
beiden Dörfern ein gutes Ergebnis gebracht.
Ct. Heubach i. Odw., 9. Jan. Turnvereins= Jahreshaupt=
erſammlung
. Mit Worten herzlicher Begrüßung dankte der erſte
A8orſitzende Ad. Luft für den ſtattlichen Beſuch. Lehrer Funk gab Be=
nächt
über die Vereinstätigkeit im abgelaufenen Geſchäftsjahr. Ehren=
morſitzender
Gruber hielt als Mitgründer des Vereins einen bis in die
Einzelheiten der Vereinsgeſchichte gehenden Vortrag. Den Turnbericht
231 gab Oberturnwart Wilhelm Adrian wieder. Bei der Rechnungs=
ablage
gab die Summe von faſt 1000 RM. einen Ueberblick, auf welch
ggſunder finanzieller Baſis der Verein ſteht. Dem ſcheidenden Rechner
ehrer Enders wurde Dank und Entlaſtung erteilt. Bei der Vorſtands=
neahl
wurde Bürgermeiſter Helmreich zum zweiten Vorſitzenden Peter
iſcher zum Rechner, Willi Schimpf zum Männerturnwart und Valentin
Ghrig zum Zeugwart gewählt. Die Wahl der Beiſitzer traf Turner Jak.
Wolf 6., Adam Grünewald, Gg. Wolff und Wilh. Jung, die eines
portwarts Johs. Fiſcher, eines Spielwarts Peter Zieres und W.
Mdrian. Zum Vereinsdiener wurde einſtimmig Jean Schimpf beſtimmt.
(iin ſehr guter Vortrag des Herrn Adrian behandelte das Thema Die
9..T. im Wandel der Zeiten. Im nächſten Punkt der Tagesordnung
murde das in dieſem Jahre hier ſtattfindende Gauturnfeſt erörtert, die
Alatzfrage entſchieden und die notwendigen Ausſchüſſe gebildet. Der Vor=
ſiszende
widmete dem nach Worms verſetzten Lehrer Enders einen Nach=
taf
. Er lud zu vollzähliger Beteiligung zu der am Sonntag mit Unter=
itzung
der Ortsgruppe des Odenwaldklubs ſtattfindenden Gauwinter=
nrnderung
nochmals ein.
Ce. Mümling=Grumbach, 9. Jan. Jahresbericht des Oden=
n
aldklubs. Der in der letzten Sitzung der Ortsgruppe des OWK.
van ſeiten des 1. Vorſitzenden vorgelegte Jahresabſchluß bot, trotz der
ernſten Zeiten, ein recht erfreuliches Bild. Die Mitgliederzahl hat ſich
nät rund 50 auf dem Stand der letzten Jahre gehalten. Den arbeitsloſen
ATubangehörigen iſt volle Beitragsfreiheit gewährt worden. Die übrigen
Teiträge konnten um 25 Proz. geſenkt werden. Dadurch wird es auch
drn Wenigerbemittelten möglich, dem Verein im neuen Jahre die Treue
halten. Unter dem Geſichtspunkt der größten Sparſamkeit wurde auch
r Wanderplan für 1982 aufgeſtellt. Von 52 Wanderern konnten 2,
runter 9 jugendliche, die goldene Nadel erringen; darunter befinden
ſich 8 die das Abzeichen zum fünftenmal, 4, die es zum viertenmal und 5,
de es zum drittenmal erwandert haben. Von den Jugendwanderern er=
hrIt
einer die Goldene zum viertenmal.
4i. Vielbrunn, 9. Jan. Miſſionsabend. Ueberaus ſtark
b ſucht war der geſtrige Miſſionsvortrag, den Herr Miſſionar
Tropſt Meyner von der Evangeliſch=lutheriſchen Miſſion zu Leip=
öig
im Saale des hieſigen Gemeindehauſes hielt. Eingeleitet wurde
derſelbe mit dem ſchönen Choral Wach auf du Geiſt der erſten
Zeichen, worauf nach einer Anſprache des Herrn Pfarrers Scriba
Derr Miſſionar Meyner anknüpfend an Jeſaia 44,3 Denn ich will
Maſſer gießen auf die Durſtigen und Ströme auf die Dürren die
iſſionsarbeit und ihre Erfolge in Indien ſchilderte. Es war ein
ſeites, lehrreiches Gebiet, das der Redner aufrollte, und mit wel=
ſie
m Intereſſe ſeinen Worten gelauſcht wurde, war an der laut=
den
Stille zu erkennen, die im Saal herrſchte. Wohl niemand
dertte den Beſuch dieſes Abends zu bereuen.
4r. Rothenberg (Höhenluftkurort), 9. Jan. Vorgeſtern abend fand
m Gaſthaus Zur Roſe eine nationalſozialiſtiſche Ver=
mmlung
ſtatt. Der Redner, ein Herr aus Darmſtadt, ſprach über
s Thema: Was wvollen wir im Landtag? Anweſend waren 45 Per=
ſiren
. Die Verſammlung berlief ohne Störung. Der Verkehrs=
rein
Nothenberg beabſichtigt, in allernächſter Zeit einen neuen
erbeproſpekt herauszugeben, der ſich in der Geſamtanſicht von dem
en Proſpekt weſeutlich unte ſcheiden wird. Eine weitere Verbeſſerung

Swilder gekennzeichnet hat. Den Fremden iſt durch dieſe Verbeſſe=
ung
ein langgehegter Wutſch erfüllt. Der Kriegerverein
ſusthenberg hat zur ſportlichen Betätigung der Jugend im Kleinkaliber=
ießen
heſchloſſen, einen Schießſtand zu erbauen.
Geenshein. 9. Jam Waſſerſtand des Rheins am
Dan 1.10 Meter, am 9 Jan. 1,56 Meter, morgens 5.30 Uhr.

Aus den Gemeindeparlamenten-

E. Wixhauſen, 9. Jan. Oeffentliche Gemeinderats=
ſitzung
Punkt 1: Reichsbeihilfe zur Erleichterung der Ge=
meinde
=Wohlfahrtslaſten. Es wurde in dieſer Sache ein 300proz.
Zuſchlag zur Bürgerſteuer von der ſozialdemokratiſchen Fraktion
beſchloſſen. Punkt 2: Annahme der Feingoldklauſel betreffs Ge=
meindeſchulden
. Nach einer längeren Ausſprache wurde dieſer
Punkt zurückgeſtellt. Punkt 3: Feſtſetzung der Steuerſtundungszin=
ſen
. Dieſelben wurden auf 5 Prozent feſtgeſetzt. Punkt 4: Berück=
ſichtigung
der Ernteſchäden 1931 bei der Einziehung der kommu=
nalen
Steuern. Dieſer Punkt wurde zurückgeſtellt.
A4n. Groß=Zimmern, 9. Jan. Gemeinderatsſitzung. Zu
der erſten Ratsſitzung im neuen Jahre waren außer dem Bürger=
meiſter
und Beigeordneten noch 11 Räte erſchienen. Zu Punkt
Mitteilungen gab der Bürgermeiſter bekannt, daß die einſtimmig
abgelehnte Getränkeſteuer vom Kreisamt nunmehr verfügt wor=
den
iſt. Der Gemeinde bleibt es überlaſſen, mit den Gaſtwirten
in Verhandlungen zu treten, um die für die Einführung derſelben
paſſende Form zu finden. Eine Herabſetzung der Bierſteuer kommt
für Groß=Zimmern als Notgemeinde nicht in Frage. Zu Punkt 2,
Ermäßigung der Pachten der Wald= und Feldjagd und Fiſcherei.
lagen drei Geſuche vor. Der Gemeinderat ſtimmte einer Ermäßi=
gung
um 25 Prozent zu unter dem Vorbehalt, daß auch dieſe Er=
mäßigung
auf alle, von der Gemeinde verpachteten Grundſtücke An=
wendung
und die Beſtätigung vom Kreisamt findet. Die Ge=
meinde
kann durch die Erniedrigung des Pachtpreiſes der Wald=
jagd
die Schafweide ab 1. 4. 32 wieder verpachten, außerdem dür=
fen
wieder Fichtenreiſer geſchnitten werden. Die Hundeſteuer
1932 wird in der Höhe des vorigen Jahres mit 18 Mk. erhoben.
Der Punkt Abtretung kommunaler Darlehen findet, da es ſich nur
um eine Formſache handelt, einſtimmige Annahme. Dagegen fin=
der
die Einführung der Goldklauſel in den Darlehensverträgen
der Landeskommunalbank Girozentrale Ablehnung. Bei der
Wahl eines Mitgliedes des evangeliſchen Schulvorſtandes werden
zwei Vorſchläge gemacht. Herr Phil. Buchsbaum wird mit 6 Stim=
men
gewählt. Die KPD. enthielt ſich hierbei der Stimme. Die
Viehwiegepreiſe werden auf Friedenspreis feſtgeſetzt. Das Verbot
des zweiten Leſeholztages wird aufgehoben. In dieſem Jahre ſoll
wieder, wie auch in anderen Gemeinden. Tarifholz ausgegeben
werden. Der Bürgermeiſter wird beauftragt, bis zur nächſten
Gemeinderatsſitzung eine Ueberprüfung dieſes Beſchluſſes vorzu=
nehmen
. Zu Punkt 5 lagen drei Anträge der KPD. vor: 1. Der
erneute Abbau der Wohlfahrtsunterſtützung wird abgelehnt. Die
ſeitherigen Sätze für Verheiratete ohne Kinder und mit einem
Kind bleiben beibehalten, findet einſtimmige Annahme. 2. Der
erneute Abbau der Holzhauerlöhne wird abgelehnt; der ſeitherige
Lohn wird weiterbezahlt, wird ebenfalls angenommen. 3. Mit
dem Miniſterium ſind Verhandlungen zu führen betr. Ausbezah=
lung
der beſchloſſenen Winterhilfe, was ebenfalls Annahme fin=
det
. Zur Delegation nach Darmſtadt werden Valentin Pullmann.
Hix und Beigeordneter Reinhard beſtimmt. Anſchließend fand
eine nichtöffentliche Sitzung ſtatt.
T. Klein=Zimmern, 9. Jan. Am vergangenen Mittwoch abend
fand im hieſigen Rathauſe eine öffentliche Gemeinderatsſitzung
ſtatt. Es wurde beſchloſſen, wegen der in der hieſigen Gemarkung

ſtattfindenden Feldbereinigungsarbeiten die Hohlen am Rappen
und die Kreuzhohl zu ſchleifen. Einen Koſtenanteil dieſer erfor=
derlichen
Schleifungen ſoll von der Gemeinde übernommen wer=
den
Ferner wurde beſchloſſen, den Pachtpreis der Gemeindefeld=
jagd
ſowie der Fiſcherei an der Gerſprenz für das Jahr 1931 um
15 Prozent zu ermäßigen. In anſchließender Sitzung fanden noch
einige Wohlfahrtsangelegenheiten und Friſtgeſuche Erledigung.
Cp. Eppertshauſen, 9. Jan. Der Gemeinderat beſchloß,
Maßnahmen zur Bekämpfung des unter den hieſigen Rindvieh=
beſtänden
ſtark verbreiteten Scheidekatarrhs zu treffen und in die=
ſer
Hinſicht zunächſt mit dem Vieharzt Fritſch zu verhandeln. Ge=
ſtundete
Steuerbeträge, die noch bis Mitte Januar entrichtet wer=
den
, werden nicht mit einem Zuſchlag belegt. Ein Beſchluß über
das Holzmachen und die Abgabe von Holz an Bedürftige wurde
bis zur nächſten Sitzung zurückgeſtellt. In der Erzberger=Straße
ſoll ein Fußweg angelegt werden. Die Hausmiete in den Ge=
meindewohnungen
erfährt eine Senkung um 10 Prozent.
Cp. Ober=Roden, 9. Jan. Der Gemeinderat genehmigte
die Waſſerbezugsordnung. Dem Brieftaubenverein wurde die Ver=
gnügungsſteuer
für eine Ausſtellung erlaſſen. Der Reinertrag der
verkauften Chriſtbäume belief ſich auf 174 RM. Gemeindejagd=
pächter
Hindelang hat die Pacht gekündigt. Eine Beſchlußfaſſung
über die Angelegenheit ſoll erſt in der nächſten Sitzung erfolgen.
Cp. Klein=Gerau, 9 Jan. Ratsſitzung. Da Beigeordneter
Veit aus Geſundheitsrückſichten zurückgetreten iſt, muß eine Neu=
wahl
zum Beigeordneten ſtattfinden. Der Rat hat jetzt beſchloſſen,
dieſe Wahl am Sonntag, den 14. Februar, abzuhalten. Zum Wahl=
leiter
wurde Landwirt Jakob Schuchmann beſtimmt. Die letzte
Gemeindeholzverſteigerung wurde genehmigt. Die Satzungen der
neugegründeten Freiwilligen Feuerwehr wurden mit einer kleinen
Abänderung genehmigt, wie man überhaupt zum Ausdruck brachte,
der Wehr nach Kräften zu helfen. Für Neuanſchaffungen muß je=
doch
ſtets die Zuſtimmung des Gemeinderats, eingeholt werden.
In geheimer Sitzung wurden Unterſtützungs= und Wohlfahrtsan=
gelegenheiten
behandelt.
g. Gernsheim, 9 Jan. Gemeinderatsbericht. Für die bei
der Landeskommnnalbank=Girozeutrale für Heſſen in Darmſtadt aufge=
nommenen
kurzfriſtigen Darlehen von 50 000 RM. und 3930 RM. ſoll von
der Gemeinde nunmehr eine von dem Bankinſtitut näher präziſierte Fein=
goldklaufel
treten. Nach eingehender Ausſprache kam der Gemeinderat
zu dem Beſchluß, die Abgabe der gewünſchten Erklärung abzulehnen.
Durch die anderweitige Ableitung des Reißelsgrabens in hieſiger Gemar=
kung
mußte auch Gelände von dem Allmendverband abgetreten werden.
Hierdurch wurde die Ortsbürgerin Frau Johanna Meiſter 1. Witwe ge=
ſchädigt
dadurch, daß von ihrem Allmendſtück einige hundert Quadrat=
meter
abgetreten werden mußten. Für den Verluſt wurden 4,40 RM.
als jährliche Vergütung aus der Gemeindekaſſe bewilligt. Die Bruchstei=
lung
der am 1. Jan. 1932 berſtorbenen Gemeindehebamme Anna Mauia
Adler wurde dem Schuldiener Adam Andreas Metz und das Kohlhofseck=
ſtück
des verſtorbenen Buchbindermeiſters Michae/ Hinz ſowie deſſen Nen=
bruchsrute
den Landwirten Nikolaus Frauz Fiſcher und Joſef Kiſſel da=
hier
überwieſen. Die Vergebung der Lieferung eines Waggous Gasöl
für das Städtiſche Elektrizitätswerk wurde der Verwaltung übertragen.

m. Beerfelden, 9. Jan. Der Vortrag des Herrn Dr. H. Lange=
Seth aus Hannover über Menſchliches Suchen in der Literatur der
Gegenwart erfreute ſich eines guten Beſuchs und fand bei den Anweſen=
den
eine ſehr beifällige Aufnahme. Die vom hieſigen Turnverein
D. T. vor einigen Wochen dargebotene Fröhliche Turnſtunde mit der
Schülerinnenabteilung war ſo gut beſucht und befriedigte die Jutereſſen=
ten
in ſolchem Maße, daß kommenden Sonntag eine Wiederholung auf
vielſeitigen Wunſch erfolgt.
Du. Jugenheim, 9. Jan. Unglücksfall. Das Ehepaar Opper
war heute vormittag mit einer Ladung Holz auf dem Heimweg.
Auf dem naſſen Waldweg kam der Wagen ins Gleiten und ſtürzte
um. Die Frau kam hierbei unter den Wagen zu liegen, und konnte
von ihrem Mann und mit Mühe und Hilfe anderer aus ihrer
Lage befreit werden. Die hieſige Sanitätskolonne leiſtete die erſte
Hilfe. Mit einem ſtark ſchmerzenden Knochenbruch am Fuß wurde
die Bedauernswerte nach Jugenheim transportiert. Oden=
waldklub
. Am Sonntag, den 10. 1. 32 unternimmt die Orts=
gruppe
eine Wanderung: HeiligenbergMarienhöhe-Kaiſerbuche
Talhof-Jugenheim. Ortsgewerbeverein. Am Mon=
tag
, den 11. 1. 32, Hauptverſammlung im Gaſthaus zum Anker.
Holzverſteigerung. Am Montag, den 11. 1. 32, hält die
Gemeinde Jugenheim ihre diesjährige Holzverſteigerung in der
Turnhalle ab.
W. Heppenheim a. d. B., 9. Jan. Eine Frau auf dem
Bürgerſteigumgefahren. Die Frau eines hieſigen Milch=
händlers
wurde, als ſie im Begriffe war, das Fabrikgebäude der
Selbſtrollerfabrik Widmer in der Mainſtraße zu verlaſſen, von
einem Motorradfahrer, der unbefugterweiſe auf dem Bügerſteig
fuhr, umgefahren und zog ſich erhebliche Verletzungen am Hinter=
kopfe
zu. Lage der Landwirtſchaft. Parellel mit dem
allgemeinen Preisrückgang landwirtſchaftlicher Produkte trat auch
ein merklicher Abſatzrückgang ein. Dieſer Umſtand verſchärfte noch
die an ſich ſchwierige Lage der landwirtſchaftlichen Bevölkerung in
den umliegenden Gemeinden. In erhöhtem Maße aber haben ſie
neben den allgemeinen Laſten noch für die im Hinblick auf die ver=
änderren
Preis= und Abſatzverhältniſſe als überhöht zu bezeich=
nenden
Pacht= und Wieſenzinſen aufzukommen. Verſchlangen ſchon
in guten Zeiten die Pachtzinſen einen weſentlichen Teil des Jah=
rescinkommens
, ſo fällt die Bezahlung jetzt den kleinen Landwir=
ten
beſonders ſchwer, weil die Pachtpreiſe nicht mehr im richtigen
Verhältnis mit den Ertragspreiſen ſtehen. Es wäre zu begrußen,
wenn Einzelverpächter, Kirchen, Gemeinden und Stiftungsverwal=
tungen
den veränderten Preisverhältniſſen Rechnung tragen und
in einer allgemeinen Pachtpreisſenkung die Führung übernehmen
würden.

Arztlich empfohlen
zum Schutz gegen
Grippe

S. Lampertheim, 8. Jan. Umfangreiche Vernehmun=
gen
und Verhaftungen durch die Landeskrimi=
nalpolizei
. Im November v. J. erfolgte bekanntlich auf von
Heppenheim nach Lorſch aus einer Verſammlung heimkehrende
Nationalſozialiſten nachts auf der Straße ein Ueberfall, wobei der
Nationalſozialiſt Joſt durch einen Schuß ſchwer verwundet wurde.
Vor kurzem wurden bereits fünf Kommuniſten von hier verhaftet,
die verdächtigt waren, an dem Ueberfall beteiligt geweſen zu ſein,
und nach Darmſtadt in Unterſuchungshaft verbracht. Durch die
Vernehmung derſelben hat ſich ergeben, das noch mehrere beteiligt
waren, ſo daß vorgeſtern morgen die Landeskriminalpolizei hier
erſchien, acht Verdächtige feſtnehmen und dem Unterſuchungsrich=
ter
vorführen konnte. Die Unterſuchung dauerte von nachmittags
3 Uhr bis in die ſpäten Abendſtunden und endete damit, daß ſechs
unter Haftbefehl geſtellt und ſofort dem Unterſuchungsgefängnis
in Darmſtadt zugeführt wurden Verſteigerung. Das hie=
ſige
Forſtamt verſteigerte vorgeſtern die ſtaatlichen Pachtäcker, ſo=
weit
die Pachtſummen hierfür nicht einbringlich waren. Gegen
alle Erwartung wurde eine große Zahl von Angeboten abgegeben,
da es ſich um die Pachtäcker des Boxheimer Hofes handelte. Die
Erlöſe waren ſehr verſchiedentlich, und die Liebhaber überboten
ſich derart, daß man von einer Preisſenkung und Geldnot nichts
merken konnte.
Dm. Wolfskehlen, 9. Jan. Hohes Alter, Heute Samstag,
den 9. Januar, feierte der älteſte Einwohner Wolfskehlens. Satt=
lermeiſter
Auguſt Wiener, ſeinen 87 Geburtstag. Der Bauern=
bund
, Ortsgruppe Wolfskehlen, hielt geſtern abend im Gaſthaus
Zum Schützenhof eine Verſammlung ab, wobei Herr Landwirt=
ſchaftslehrer
Dr. Bläſer von Alzey einen Vortrag hielt über die
derzeitige Verwendung des Düngers.
e. Bad Wimpfen, 9 Jan. Zur Ehrung der 25jährigen Vorſtand=
ſchaft
und 30jährigen Sängerſchaft von Lehrer Kubach hatte ſich im
Kurhotel Mathildenbad der Männergeſangverein Concordia eingefun=
den
. Vom Gau Unterer Neckar hatten ſich drei Vertreter eingefunden,
die dem Jubilar den Ehrenbrief des Deutſchen Sängerbundes überreich=
ten
. Auch von ſeiten der Sängerſchaft wurde dem Jubilar in Form wert=
voller
Geſchenke die ihm gebührende Ehre zuteil.
Af. Neu=Ifenburg, 9. Jan. Diebſtahl. Raſche Aufklärung fand
der Diebſtahl, bei dem an Silveſter einem hieſigen Gaſtwirt ein größerer
Geldbetrag entwendet wurde. Die Kriminalpolizei hat den Täter in der
Perſon eines hieſigen jungen Mannes ermittelt, und der Dieb hat ſeine
Tat ſchon eingeſtanden. Selbſtmord Ein 38 Jahre alter Arbeits=
loſer
hat ſeinem Leben in der Nähe der Kleingartenſiedlung Eichenbühl
durch Erhängen ein Ende gemacht.

Rheinheſſen.
4e Worms, 9. Jan. Verkehrsunfall. Auf der Chauſſee
nach Oſthofen kam es geſtern zu einem Verkehrsunfall. Ein Rad=
fahrer
, der in Richtung Oſthofen fuhr, wollte einem ihm ent=
gegenkommenden
Perſonenkraftwagen ausweichen. Jedoch durch
den aufgeweichten und ſchlammigen Boden geriet er ins Rutſchen.
Er wurde von dem Kotflügel des Autos erfaßt und derart heftig
zur Seite geſchleudert, daß er in weitem Bogen auf einen Acker
flog. Mit ſchweren Kopfverletzungen und Quetſchungen am linken
Oberſchenkel mußte er in das Wormſer Städtiſche Krankenhaus
verbracht werden.
4d. Wörrſtadt, 9. Jan. Durch den orkanartigen Sturm
in der Nacht zum Donnerstag wurde eine der ſchönften und älteſten
Effen umgeweht und mit den Wurzeln aus dem Boden geriſſen. Auch
an ſonſtigen, dem Wind beſonders ausgeſetzten Plätzen hat der Orkan
an Bäumen und Häuſern beträchtlichen Schaden angerichtet.

Briefkaſten.
Jeder Anfrage iſt die letzte Bezugsquittung beizufügen. Anonyme Anfragen werden
nicht beanwortet. Die Beantwortung erfolgt ohne Rechtsverbindlichkeit.
Hausfrieden‟. Es wird ſich weſentlich fragen, ob Ihnen für die in
Rede ſtehende Tätigkeit irgendein Entgelt oder ſonſt eine Vergünſtigung
zuteil wurde. Wenn dies nicht der Fall iſt, möchten wir einen Gefällig=
keitsdienſt
, der keine rechtsverbindliche Verpflichtung erzeugt annehmen,
Die Frage 1 iſt dahin zu beantworten, daß uach der Verkehrsſitte dieſe
Neinigung dem Mieter nicht obliegt, es ſei denn, er hätte ſie in binden=
der
Weiſe als vertragsmäßig zu gewähren dem Vermieter gegenüber
übernommen. Damit erledigt ſich auch die Frage 2.
R. 500. An ſich ja; aber das Reichsmietengeſetz gibt ja auch die Mög=
lichkeit
, ſich wegen Vornahme der Arbeiten an die Inſtandſetzungskom=
miſſion
(Städtiſches Hochbauamt) zu wenden.
G. K. 1. Nein. 2. Nein. 3. Nur Immobiliarkaufverträge, nicht
dagegen ſolche über bewegliche Sachen, z. B. Möbel, Waren ufw. 4. Iſt
hier vielleicht ein Schreibfehler unterlaufen? Es heißt: Der jeweils der=
bleibende
Neſtbetrag iſt mit 1 Prozent pro Monat zu verzinſen. Die
Notverordnung hat den § 247 BGB. wieder eingeführt, nachdem er (in
der Inflationszeit) durch Geſetz vom 3. März 1923 einſtweilen außer
Kraft geſetzt worden war. Da hier höhere Zinſen als 6 v. H. für das
Jahr vereinbart ſind, können Sie das Kapital unter Einhaltung einer
Kündigungsfriſt von 6 Monaten, die ab 1. Januar 1932 an läuft, kündi=
gen
. Eine andere Frage wäre allerdings ob der Zinsſatz nicht eine
Schranke im Verbot des Wuchers fände. Dann würde man dazu kom=
men
müſſen, die Zinsvereinbarung als nichtig zu betrachten; alsdann
kämen 4 Prozent als geſetzlicher Zinsſatz in Betracht.
B. G. Nach der Norverordnung vom 8. Dezember 1931 finden die
Beſtimmungen über Mietfenkung auf Untermietverhäliniſſe keine An=
wendung
. Aber im Anſchluß an die Durchführungsverordnung des
Neichsarbeitsminiſters und des Reichsjuſtizminiſters vom 15. Dezember
1931 iſt in Heſſen verfügt, daß die Mietſenkung auf Untermietverhält=
niſſe
dann Anwendung findet, wenn in den untervermieteten Näumen
eine eigene Wirtſchaft oder Haushaltung geführt wird. Die für den
Mieter (Untervermieter) erzielte Mietſenkung kommt nach dem Verhält=
nis
der Wohnfläche der untervermieteten Räume zu der dem Unierver=
mieter
zur anderweiten Verfügung verbliebenen Wohufläche dem Unter=
mieter
zugute.
P. K., D. Wenn der Kaufvertrag am 1. April 19 28 abgeſchloſſen
der Zinsſatz der Hypothek auf 7 Prozeut vereinbart und das Kapital
beiderſeits unkündbar bis 1938 feſtgelegt wurde, ſo wird dieſe Verein=
barung
unſeres Erachlens weder von der Notverordnung noch von der
Durchführungs= und Ergänzungsverordnung über Zinsſetzung auf dem
Kapitalmarkt betroffen. Die ſämtlichen Beſtimmungen des Vertrages
bleiben unberührt und gültig

Geſchäftliches.
Hamburg=Südamerikaniſche Dampf=
ſchiffahrts
=Geſellſchaft hat ſoeben die Proſpekte für
ihre außerordentlich billigen Mittelmeer=Reiſen im Jahre 1932
herausgebracht. Die Preiſe für dieſe Reiſen ſind gegen das Vor=
jahr
noch weiter herabgeſetzt. Mit Proſpekten und weiteren Aus=
künften
ſtehen die Hamburg=Süd, Hamburg 8, Poſtfach, ſowie die
bekannten Reiſebüros und Vertretungen zur Verfügung.

Preisausſchreiben. Die Firma Tritſch u. Heppen=
heimer
Texpiche, Tapeten, Linoleum, hat anläßlich, der Eröff=
nung
ihrer neuen Geſchäftsräume in der Grafenſtraße 23½
(früher Chape) ein Preisausſchreiben erlaſſen, das nunmehr ab=
geſchloſſen
iſt. Das Preisausſchreiben war dergeſtalt, daß von
verſchiedenen in beiden Schaufenſtern ausgeſtellten Plüſch=, Lino=
leum
= und Stragula=Teppichen jeweils der Schönſte zu benennen
war. Ueberraſchend viele Löſungen gingen ein, von denen 42
gleich waren und jeweils die richtigen Nummern, nämlich 2. 6
und 8 enthielten. Es ſtanden 5 Haupt= und 16 Troſtpreiſe im
Geſamtwerte von über 500 RM. zur Verfügung. Die Ausloſung
durch das Preisgericht ergab folgendes Reſultat: 1. Preis: Georg
Bergner, Kaufmann. Dreibrunnenſtraße 10: 2. Preis: Ad. Deit=
rich
. Lindenhofſtraße 7; 3. Preis: Gg. Fiſcher, Mühlſtraße 54;
4. Preis; W. Fiſcher, Mühlſtraße 54; 5. Preis: Willi Traut=
mann
. Wienerſtraße 90.

[ ][  ][ ]

Nachruf.
Heute morgen traf uns die Trauerkunde, daß unſer
Amtsgenoſſe,

O

EHHNT

Seite 8 Nr. 10

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Sonntag, 10. Januar 1332

Jeder macht Seins
Wer uns einmal im Inventur-
Ausverkauf besucht hat ist
davon überzeugt, daß wir das
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(837

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Heute entſchlief ſanft nach kurzem Leiden mein innigſtgeliebter,
herzensguter Mann und treuſorgender Vater, Bruder, Schwager
und Onkel
Nodert Telgmann
im Alter von 67 Jahren.
Die trauernd Hinterbliebenen:
Eliſabeth Bergmann, geb. Koch
Lucie Koepfe
Oberſtudienrat Dr. Karl Bergmann
und Familie.
Darmſtadt, Wilhelminenſtr. 19, den 9. Januar 1932. (835
Die Einäſcherung findet am Dienstag, den 12. Januar, vor=
mittags
11 Uhr, im Krematorium auf dem Waldfriedhof ſtatt.
Von Beileidsbeſuchen bitten wir Abſtand zu nehmen. 835

9

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Gottvater nahm heute meinen herzlieben Mann, unſern guten,
treuen Vater, meinen lieben Bruder
Friedrich Roth
Studienrat an der Eleonorenſchule
nach kurzer, ſchwerer Krankheit zu ſich in die ewige Heimat.
In tiefer Trauer:
Ruth Roth, geb Gerlach und Kinder
Dr. med. Hermann Roth und Familie, Lich (Oberh.)
und alle Angehörigen.
Darmſtadt, Gabelsbergerſtr. 29, den 8. Januar 1932.
Die Beerdigung findet am Montag den 11. Januar um ½3 Uhr
auf dem Friedhof an der Nieder=Ramſtädterſtraße ſtatt.
Von Beileidsbeſuchen bitten wir Abſtand zu nehmen. (836

Herr Studienrat
Friedrich Roin.
plötzlich verſchieden iſt. Er war nur 1½ Jahre an unſerer
Schule tätig, hat ſich während dieſer Zeit aber unſer aller
Achtung und Wertſchätzung erworben. Wir betrauern in dem
Verewigten einen Mitarbeiter von vornehmer Geſinnung,
die Schule verliert mit ihm einen gütigen Lehrer und
pflichtbewußten Erzieher. Wir werden ſein Andenken in
Ehren halten.
839
Darmſtadt, den 9. Januar 1932.
Direktion und Lehrkörper der Eleonorenſchule.

Statt Karten.
Gott der Herr nahm mir heute meinen herzensguten, heiß=
geliebten
Mann, unſeren liebevollen, ſiets treuſorgenden
Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel
Heintich Guner
Stadtoberſekretär.
In tiefſtem Leid:
Auguſte Gunkel, geb. Berſch
und Kinder.

Darmſtadt, den 8. Januar 1932.
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Beerdigung Montag nachmittag 3 Uhr auf dem alten Friedhof

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Bett), geb. Eberth
Kirchliche Trauung findet am 10. Januar um 2½ Uhr
in der Petruskirche statt.

Dankſagung.
Für die Beweiſe herzlicher Teilnahme
und die zahlreichen Kranzſpenden bei
dem Heimgang unſeres lieben Ent=
ſchlafenen

Peter Gräber
ſagen wir innigen Dank. Beſonders
danken wir Herrn Pfarrer Goethe für
ſeine tröſtenden Worte, dem Verein
ehem. 11Ter, dem Kriegerverein Graf
Haeſeler für die Kranznſederlegungen
und Stellung der Trauermuſik, ſowie
dem Eiſenbahner=, Odenwald= und
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Wochenbeitrag von Mk. 1.20 (für die ganze Familie)
Schutz. gegen Elend bei Krankheit und Unfällen.
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Heute mittag 12¾ Uhr wurde unſer lieber
Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager
und Onkel, Herr
Peter Nramer
Metzgermeiſter
von ſeinem langen, qualvollen Teiden im
Alter von 25 Jahren erlöſi.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Krämer und Frau
Dr. Phil. Krämer
Lina Krämer.
Darmſtadt, Karlſir 33,p., Helfingfors, Finnl.
Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag 2½ Uhr
vom Portale des alten Friedhofes Nd.=Ramſtädter=
(859
Straße aus ſtatt.

Heute Morgen gegen 3 Uhr wurde nach über
6jährigem Krankenlager meine liebe Frau,
unſere herzensgute Mutter, Schwieger= und
Großmutter
Mütte Sader
in ein beſſeres Jenſeits abgerufen.

Namens der trauernden Hinterbliebenen:
Emil Häcker.

Darmſiadt, 9. Januar 1932

Die Beerdigung findet in aller Stille ſiatt.
Von Beileidsbeſuchen und Blumenſpenden bitte ich
abzuſehen.
(834

[ ][  ][ ]

Nede
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68 Pfennig das Doppelpaket
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36 Pfennig das Normalpaket
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20 Pfennig das Paket
Sil Henkel’s Bleichmittel .
17 Pfennig das Paket
Ata Henkel’s Scheuerpulver (fein)
18 Pfennig die Streuflasche
Ats Henkel’s Scheuerpulver (grob).
13 Pfennig das Paket
Dixin Henkel’s Seifenpulver
23 Pfennig das Paket
Gutso Henkel’s Schnitzelseifenpulver.
17 Pfennig das Paket
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Seite 19 Nr. 10

2as Mannheimer Nglionaltheafer
in Gefahr.
Schwelendes Feuer entdeckt.
Mannheim. Einer Blättermeldung zu=
folge
, hätte das alte Nationaltheater in Mann=
heim
einer gleichen Brandkataſtrophe zum Opfer
fallen können, wie das Alte Schloß in Stuttgart.
Die Feuerwache bemerkte abends in der Nähe
der Uebungsbühne Brandgeruch. Zugleich wurde
feſtgeſtellt, daß aus verſchiedenen Stellen des Bo=
dens
Qualm drang. Da die Feuerwache den
Brandherd nicht feſtſtellen konnte, alarmierte ſie
die Berufsfeuerwehr, die ſofort mit zwei Löſch=
zügen
anrückte. An verſchiedenen Stellen des ge=
fährdeten
Teils des Theaters wurden die Böden
aufgebrochen. Nach langem Suchen wurde feſt=
geſtellt
, daß der Zwiſchenboden in einer Kabine
undicht war. Es waren zwei fauſtgroße Löcher
vorhanden, durch die der Rauch aus dem ſchwe=
lenden
Boden herausdrang. Nach einſtündiger
Tätigkeit der Feuerwehr war die Gefahr beſei=
tigt
. Ueber Nacht blieb eine Sicherheitswache
im Theater, und am Tage erfolgte eine gründ=
liche
Unterſuchung des ganzen Nationaltheaters.

Betrügereien mit geſtohlenen Schecks.
Frankfurt a. M. Im Büro einer hie=
ſigen
Kohlenhandlung erſchien vor einiger Zeit
ein angeblicher Poſtbeamter um die Telephon=
leitung
nachzuprüfen. Nachdem er ſeine Prü=
fung
beendet hatte, ließ er ſich eine ſchriftliche
Beſtätigung über ſeine Arbeit geben. Am
gleichen Tag erſchien der Poſtbeamte auch bei
dem Bruder des Kohlenhändlers, um die Tele=
phonleitung
zu prüfen. Dieſer Tage wurde der
Kohlenhändler nun von ſeiner Bank angerufen,
um feſtzuſtellen, ob ein auf ſein Konto gezogener
Scheck, der zur Einlöſung vorgelegt wurde, in
Oidnung ging. Nun ſtellte ſich heraus, zu welchem
Zweck der famoſe Telephonarbeiter bei dem
Kohlenhändler erſchienen war; er hatte in
einem unbewachten Augenblick einen Scheck ge=
ſtohlen
und nach der Vorlage auf der ihm erteil=
ten
Beſcheinigung die Unterſchrift gefälſcht. Lei=
der
wurde der Schwindler durch die lange
Wartezeit am Bankſchalter infolge der Rückfrage
gewarnt und zog es vor, ohne das Geld flüchtig
zu gehen.
Die Schießerei mit den Zimmerleuten
in der Frankfurter Altſtadt.
Frankfurt a. M. Der Polizei iſt es ge=
lungen
, zwei weitere Zimmerleute, die an der
Schießerei in der Bleidenſtraße beteiligt waren,
feſtzunehmen. Das Gericht hat gegen ſämtliche
Feſtgenommenen Haftbefehl erlaſſen.
Ein Oberkanonier bei einer Uebung ertrunken.
Fritzlar. Bei einer Nachtübung der hie=
ſigen
reitenden Batterie ereignete ſich ein Un=
glücksfall
, der den Tod des Oberkanoniers
Schwertgen zur Folge hatte. Eine vier Mann
ſtarke Patrouille, unter Führung eines Leut=
nants
, hatte die Aufgabe, die Eder zu durch=
queren
. Dabei ſtrauchelte das Pferd des Ober=
kanoniers
und geriet in tiefes Waſſer. Reiter
und Pferd trieben in der durch das Hochwaſſer
ſtark angeſchwollenen Eder ab. Den Oberkano=
nier
Schwertgen haben anſcheinend kurz vor Er=
reichung
des Ufers die Kräfte verlaſſen, denn
plötzlich verſank er in den Fluten. Das Pferd
erreichte das Ufer.
Dem Enkel in den Tod gefolgt.
Wuppertal. Beim Spielen iſt am Frei=
tag
nachmittag ein 12jähriger Junge aus Wup=
pertal
=Sonnborn, in die hochgehende Wupper
gefallen und ertrunken. Aus Schmerz über den
Verluſt ihres Enkelkindes hat ſich nun die Groß=
mutter
ebenfalls in die Wupper geſtürzt. Auch
ſie ertrank. Ihre Leiche konnte geborgen wer=
den
, während die Leiche des Kindes noch nicht
aufgefunden worden iſt.
Die Bergungsarbeiten auf Karſten=Zentrum.
Beuthen. Trotz raſtloſer Arbeit iſt es noch
nicht gelungen, an die Stelle, wo man die erſten
Toten zu finden erwartet heranzukommen. Die
Bergungsarbeiten geſtalten ſich weiter ſehr
ſchwierig. Die meiſten Schwierigkeiten bereitet
das Herausſägen der Klotzpfeiler und das immer
wieder nachrutſchende Geröll.
Deukſchlands Verkreter

für die olympiſchen Bobmeiſterſchaften

Die deutſche Viererbob=Mannſchaft
bei einer Trainingsfahrt.

(Am Steuer: Hauptmann Zahn.)
Unter Führung von Hauptmann Zahn wird ſich
am 15. Januar die deutſche Viererbob= Mann=
ſchaft
an Bord der Europa nach Amerika ein=
ſchiffen
, um an den olympiſchen Winterſpielen
in Lake Placid teilzunehmen.

Das eindrucksvolle Gefallenen=Ehrenmal von Saarbrücken,
das die Hauptſtadt des noch immer nicht mit Deutſchland wieder vereinten Saargebietes ihren
gefallenen Helden errichtet hat.

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Wehlar wirbk für das Goekhe=Jahr 1932.

Blick auf Wetzlar von der Lahn aus. Im Hintergrund: der Dom. Im Oval: eine Werbemarke
der Stadt Wetzlar, die den jungen Goethe und Charlotte Buff zeigt.
Im Mittelpunkt der Feiern anläßlich des 100. Todestages von Goethe wird auch die Stadt Wetzlar
ſtehen, wo Goethe als junger Referendar am Reichskammergericht weilte und Die Leiden des
jungen Werther ſchrieb.

Eine Sechzehnjährige führt eine Falſchmünzer=
Bande.
Beim Vertrieb falſcher Fünfmarkſtücke wurde
ein junges Mädchen die 16jährige Stefanie
Katarczynſki aus Sumt bei Oranienburg, feſt=
genommen
. Als die Beamten des Sonderdezer=
nats
weitere Ermittlungen anſtellten, ſtießen ſie
auf weitere Perſonen, die unter Führung der
Sechzehnjährigen Falſchgeld hergeſtellt und ver=
trieben
hatten. Außer dem Mädchen wurde deren
Verlobter, ein gewiſſer Alfred Bartel, der Bru=
der
des Mädchens, Leo K., ſowie die verheiratete
Schweſter, eine Frau Helene Krüger, verhaftet.
Die Bande, die nur aus Familienmitgliedern
beſteht, hatte für mehrere 100 Mark Falſchgeld
in Umlauf gebracht. Das Auftauchen wurde im
November entdeckt. Alfred Bartel war Anfang
1931 aus dem Gefängnis entlaſſen worden, wo
er eine einjährige Strafe wegen Falſchmünzerei
abgeſeſſen hatte. Die 16jährige Stefanie, in
ihrem Weſen ſehr frech und dreiſt hatte nach
der Verhaftung ihres Verlobten weitergearbeitet.
Zuſammen mit ihrer Schweſter hatte ſie in Kyritz
und auch anderswo verſucht, die falſchen Fünf=
markſtücke
anzubringen. Das Geſchäft blühte,
und, obwohl die Stücke ſchlecht waren, ſetzten ſie
doch z. B. in Küſtrin, an einem Tage 35 Stück
um, in Neuſtadt a. d. Doſſe 5 Stück.
Der Lübecker Tuberkuloſe=Prozeß.
Berlin. Die kommiſſariſche Vernehmung
des Prof. Dr. Friedberger wurde geſtern in
ſeiner Berliner Wohnung fortgeſetzt. Er be=
richtete
über ſeine Verſuche mit den Bazillen=
Kulturen.
Raubüberfall auf eine Bank.
Altona. In die Räume der Wedeler Kre=
ditbank
in Wedel drangen vorgeſtern drei Män=
ner
, bedrohten den Kaſſenbeamten mit Schuß=
waffen
und raubten 2800 RM. Die Täter ſind
entkommen.
Zwei Polizeibeamte wegen des Verdachts
der Untreue verhaftet.
Hagen. Am Freitag wurden zwei Verwal=
tungsbeamte
des Hagener Polizeipräſidiums
wegen des dringenden Verdachts der Untreue
verhaftet. Vor Jahresfriſt gingen in Hagen
Gerüchte um über Verfehlungen im Polizeiprä=
ſidium
. Es wurde ſeinerzeit verbreitet, in der
Kaſſe des Hagener Präſidiums fehlten etwa
150 000 Mark, zu deren Deckung Darlehen auf=
genommen
worden ſeien. Polizeipräſident Schö=
bel
ſtrengte damals gegen, die Urheber eines
Flugblattes, auf dem dieſe Behauptungen in
Frageform ſtanden, eine Beleidigungsklage an,
in der, da damals noch das Beweismaterial
fehlte, Drucker und Verfaſſer des Flugblattes zu
je 50 Mark Geldſtrafe verurteilt wurden. Die
Angelegenheit hat ſeitdem die Staatsanwaltſchaft
auf Anregung des Finanzamts beſchäftigt, das
durch Geſchäftsprüfungen Einblick in dieſe Ange=
legenheit
genommen hat. Polizeipräſident
Schöbel iſt ſeit mehreren Wochen erkrankt.

Saarbrücken errichkek den gefallenen Söhnen der Skadk ein Ehrenmal.

deutſchlands höchſtgelegene Kirche.

Die Kapelle auf dem Wendelſtein in Oberbayern
ſtellt den am höchſten gelegenen Kirchenbau
Deutſchlands dar. Sie befindet ſich in einer Höhe
von 1840 Metern über dem Meeresſpiegel.

Schweres Verkehrsunglück bei Sterkerade.
Sterkerade. Hier ereignete ſich geſtern
mittag ein ſchweres Verkehrsunglück. Ein hol=
ländiſcher
Lieferwagen, der in Richtung Ober=
hauſen
fuhr, fuhr einem Omnibus derart heftig
in die Flanke, daß dieſer umſchlug. Der Führer
des holländiſchen Autos wurde auf der Stelle ge=
tötet
, ſein Beifahrer ſchwer verletzt. Von den
Inſaſſen des umgeſtürzten Autobuſſes erlitt eine
Perſon ſchwere Verletzungen, während fünf an=
dere
mit leichteren Verletzungen davonkamen.
Das Urteil gegen die Ueberlebenden des Fracht=
Dampfers Venus.
Oslo. Die beiden Ueberlebenden des am
12. Dezember in den norwegiſchen Gewäſſern
untergegangenen Frachtdampfers Venus, der
1800 Kannen Spiritus an Bord hatte, ſind
geſtern, wegen Beteiligung am Alkoholſchmuggel
in drei verſchiedenen Fällen jeder zu 3000
Kronen verurteilt worden. Die Unterſuchungs=
haft
wird jedoch auf die Geldſtrafe angerechnet
werden. Die beiden Verurteilten, die Schiffs=
offiziere
Savage und Ehault, die engliſche
Staatsangehörige ſind, erklärten, auf Berufung
verzichten zu wollen, wenn ſie demnächſt in ihre
Heimat entlaſſen würden.

Sonntag, 10. Januar 1932

Die Flüſſe fallen.
Frankfurt a. M. Nach den geſiern vor=
mittag
vorliegenden Meldungen ſind Moſel,
Saar und Oberrhein im Fallen begriffen. Auch
die rechtsrheiniſchen Flüſſe ſcheinen ſich ziemlich
verausgabt zu haben. Trotzdem iſt ſeit vorgeſtern
auf dem Main die Schiffahrtsſperre verhängt,
weil die ſchiffbare Waſſerlinie überſchritten iſt,
Koblenz erwartet noch eine Flutwelle, die je=
doch
höchſtens einen halben Meter erreichen
dürfte. Dort, wie in Trier, ſteigt das Waſſer
ſtündlich noch um 1 Zentimeter, dagegen haben
Frankfurt, Saarbrücken und Waldshut fallende
Pegelſtände.
Das Hochwaſſer des Maines führte zu
eine Dammbruch am oberen Teil der Stauſtufe
Erlabrunn, wodurch die Bauſtelle überſchwemmt
wurde. Sämtliche Bagger, Greifer, Schwenk=
kräne
und Pumpenanlagen ragen nur noch
wenige Zentimeter aus dem Waſſer. Der Umſicht
der Bauleitung iſt es zu verdanken, daß die in
den Pumpenſchächten aufgeſtellten ſchweren
Elektromotoren noch rechtzeitig abmontiert und
in Sicherheit gebracht wurden.
Starkes Hochwaſſer der Kinzig
im Gelnhäuſer Gebiet.
Gelnhauſen. Das Hochwaſſer der letz=
ten
Tage hat ein außerordentlich ſtarkes An=
ſchwellen
der Kinzig mit ſich gebracht, das gegen=
wärtig
infolge der Schneeſchmelze auf den Ber=
gen
noch anhält. Das weite Kinzigtal zwiſchen
Hanau und Gelnhauſen gleicht einem großen
See. Die Verbindung der Reichsbahnſtation
Nieder=Rodenbach mit dem Orte Rückingen und
mit Langendiebach iſt unterbrochen. Für Geln=
hauſen
und ſeine ſeither jedem Hochwaſſer aus=
geſetzten
, tiefer gelegenen Stadtteile kann die
Kinzigregulierung auch in dieſem Falle wieder
als ein großes Glück bezeichnet werden, da ſonſt
erhebliche Schäden kaum vermeidbar wären.
Der dritte deichbruch an der olden=
burgiſch
=oſtfrieſiſchen Grenze.
Emden. An der oldenburgiſch=oſtfrieſiſchen
Grenze, von wo bereits der Bruch des nördlichen
und des ſüdlichen Deiches bei Auguſtfehn und
der Einſturz des Pumpwerkes bei Holtgaſt ein=
getreten
war, iſt am Samstag auch der dritte,
der weſtliche Deich, beim Pumpwerk Hengſtfor=
derfeld
gebrochen. Die Breite des Bruches betrug
ſofort etwa fünf Meter. An der Bruchſtelle er=
ſchienen
die Einwohner der Umgebung, um das
Waſſer mit Sandſäcken abzudämmen.
Die Bruchſtelle des am Freitag gebrochenen
nördlichen Deiches hat ſich auf etwa 30 Meter
erweitert. Hier waren die Abdämmungsarbeiten
mit Lebensgefahr verbunden, da das Waſſer an
der Arbeitsſtelle von etwa 25 Leuten wieder her=
einbrach
, die ſich erſt in letzter Minute durch das
Waſſer retten konnten. Es handelt ſich dabei
vor allem um die Abwäſſer der großen Moore
im Gebiet der Leda, eines Nebenfluſſes der
Ems. Die Abzugsgräben ſind durch die Schnee=
ſchmelze
und die anhaltenden Niederſchläge ſo
hoch angeſchwollen, daß ſie die normalen Entwäſ=
ſerungsarbeiten
nicht mehr leiſten können.
Hochwaſſer in Leningrad.
Leningrad. Ein Zyklon im Finniſchen
Meerbuſen verurſachte ein ſtarkes Steigen der
Newa, wodurch niedrig gelegene Teile von
Leningrad überſchwemmt wurden. Infolge der
Verkehrsmaßnahmen wurde aber nur unbe=
trächtlicher
Schaden angerichtet. Am Freitag
früh iſt das Hochwaſſer wieder zurückgegangen.

Abſturz einer Glocke.
Mailand. Während im liguriſchen Dorfe
Corana die Abendglocken läuteten, riß die zwölf
Zentner ſchwere große Glocke plötzlich ab, durch=
ſchlug
das Dach der Kirche und ſtürzte in das
Chor, wo zum Glück niemand anweſend war.
Strafexpedition gegen den Hadji von Turangzai.
Bombay. Eine Strafexpedition von Bow=
benwerferflugzeugen
wird gegen den Hadii von
Turangzai unternommen werden. Dieſer Rebel=
lenführer
hat an der indiſchen Nordweſtgrenze,
in der Nähe von Peſchawar 2500 Anhänger vei=
ſammelt
und hat durch räuberiſche Ueberfälle
das dortige Gebiet beunruhigt.

Schweres Straßen=Einſturzunglück
in Neapel.

Blick in die aufgeriſſene Via Nuova in Neapel=

in der durch einen Waſſerrohrbruch auf einer
erheblichen Breite das Fundament weggeſpülk
wurde. An beiden Straßenſeiten gerieten die
Häuſer dadurch ins Abſacken und mußten von
ihren Bewohnern ſchnellſtens geräumt werder=

[ ][  ][ ]

Sonntag, 10. Januar 1932

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Nr. 10 Seite 11

*
Römiſche Eindrücke.
Von unſerem =Korreſpondenten.
Rom, Anfang Januar 1932.
Man war längere Zeit von Rom abweſend. Der deutſche
Arrzt mußte den im Süden durch langjährigen Aufenthalt unge=
herſam
gewordenen Körpers des Nordländers unter die deutſche
upe nehmen, und das Gemüt bekam dabei wieder einmal eine
ruchte, echte Portion von Heimat zugeführt. Das tat gut.
Komiſch . . . Wo man doch im Auslande glaubt, daß es in
Trutſchland nur ſo drunter und drüber geht. . . . mehr drunter
uss drüber. Was man aber in Deutſchland, in Berlin und in
der Provinz, zu ſehen und zu hören bekam, das war zwar viel
mmer und Elend, aber man ſah und hörte auch viel Gutes
uund Friſches, was dem Auslandsdeutſchen Hoffnung und Freude
gb. So iſt es gekommen, daß man froheren Mutes zurückkehrte,
ass man ausgefahren war, und man möchte nur wünſchen, daß
Deutſchland ſelbſt etwas von dieſer Hoffnung auf beſſere Zei=
tm
, etwas von dieſem Mut in die Zukunft lebendig würde, wie
die Heimat trotz dieſer außerordentlich ſchwierigen Notver=
or
dnungswochen im Reichsdeutſchen aus dem Süden erweckt hat.
Man kommt unter dieſen Einflüſſen wieder in das alte Rom
ſurück, das im Verhältnis zu Deutſchland in Ruhe und Behagen
ſarlafen müßte, und man findet auch, daß es ſchläft. Aber mit
Rruhe und Behagen? . . . Nein, wahrlich nicht. Es war ja nicht
vzel los, als man im beginnenden Winter aus Rom wegfuhr.
Läe Fremden, die ſonſt der Herbſt brachte, waren bedenklich zu=
ſcnmengeſchrumpft
. Die Engländer hatte der Pfundſchwund
inöcht mehr über den Kanal gelaſſen, und die treueſten Winter=
girſte
des Südens, die Deutſchen mit ihnen die nicht unbe=
ſtüächtliche
Zahl der Schweizer waren weggeblieben. Die Deut=
ſic
en unter dem Druck der Valutaſchwierigkeiten und der Not=
va
rordnung, und die Schweizer, weil auch ihnen trotz guter Fran=
kem
und vielen Goldes die Gelder zum Reiſen bei ihren leeren
Hotels in der Schweiz fehlen.
Das Fiasko der für Italien wirtſchaftlich außerordentlich
pchtigen Fremdeninduſtrie, die aus Mangel an Fremden wie
ve viele Fabriken der Welt ſtillgelegt wird, laſtet ſchwer auf dem
ſnniſchen Leben. Keine Pilgerzüge, keine Romdeutſchen, keine Eng=
lauder
, die auf dem Wege nach Aegypten oder Sizilien in der
Erwigen Stadt Halt machen. Die Hotels ſtehen halbleer, die Ge=
ſchäfte
, in denen der Fremde kaufte, ſind ohne Käufer, ſogar im
Sraßenbild macht ſich der Mangel an Fremden durch die ſtark
voarminderte Zahl der Autos bemerkbar.
Rom war ſchon ſeit Jahr und Tag eine Stadt ohne rechten
Zug infolge der geſunkenen Kaufkraft der Beamtenbevölkerung
mit ihrer herabgeſetzten Beſoldung. Die miſerable wirtſchaftliche
LLuge drückte auf alle Zweige des täglichen Lebens. Aber früher
war doch immer noch ein gewiſſer Schick vorhanden, mit dem ſich
Hrauen und Männer in billigen Stoffen mit ein paar Bändern
ſotger Farben flott kleideten. Man ging mit der Mode. Aber
dieſem Winter gewinnt man den Eindruck, daß ſelbſt dieſe
wenigen Lire, die dazu notwendig waren, jetzt auch fehlen. Man
muuß noch beſcheidener ſein, als man ſchon war. So wirkt das
ſeüben auf den Straßen Roms noch provinzieller und weniger
häter, als es im letzten Herbſt war. Man hat den deutlichen
Eindruck, daß auch die römiſche Bevölkerung ſchwer unter der
nternationalen Lage zu leiden hat. Man ſieht es, man hört es
ogar, wenn der Römer auch unter dem nun einmal vorhandenen
Drruck mit der Aeußerung ſeiner Klagen vorſichtig iſt.
Auch das fasciſtiſche Regime konnte das Land nicht vor der
Gi=fahr des wirtſchaftlichen Zuſammenbruchs retten. Nur befin=
der
ſich Italien in einer grotesk glücklichen Lage: Es hat
rüjher nicht viel Kredit gehabt, alſo hat man ihm kein Geld
ruffgedrängt. Es iſt deshalb auch nicht wirtſchaftlich derart kurz=

Oeſſau im Kampf gegen die Hochwaſſerfluten.

Oben links: Mit Meßſtangen ausgerüſtete Reichswehrpoſten beobachten das Steigen der Fluten und halten die Leitung des
Hochwaſſerſchutzes durch Feldtelephone auf dem Laufenden. Rechts: Mit raſch herangeſchafften Sandſäcken und Weidenbündeln
wurde der aufs ſtärkſte beanſpruchte Muldedamm geſtützt. Unten links: Mit allen Hilfsgeräten für ihren anſtrengenden
Dienſt verſehen, rücken die unermüdlichen Nothelfer zum nächtlichen Wachdienſt im Ueberſchwemmungsgelände aus. Rechts:
Freiwillige Hilfsmannſchaften, die ſich aus Angehörigen von Verbänden der verſchiedenſten politiſchen Richtungen zuſammenſetzen,
beim Heranſchaffen von Sandſäcken an eine beſonders gefährdete Stelle.

friſtig verſchuldet, wie es Deutſchland iſt. Infolgedeſſen kann es
auch in dieſem Zeitpunkt internationaler Notlage nicht ſo be=
drängt
werden wie Deutſchland, das man mit Zutrauen über=
ſchüttete
. Wer keine Freunde hatte, die pumpten, braucht auch
nicht zur unrechten Zeit zurückzuzahlen. So kann mitten im Elend
mangelndes Vertrauen doch ſein Gutes haben.

Amkliche Winkerſporknachrichken.
Herausgegeben von der Heſſiſchen Oeffentlichen Wetterdienſtſtelle, am
Landwirtſchaftlichen Inſtitut der Univerſität Gießen am 9. Januar 1931.
Schwarzwald. Feldberg: Witterung: bewölkt; Temperatur:
3 Grad; Schneehöhe: 45 cm.; Neuſchnee: 35 em. Pulverſchnee;
Sportmöglichkeit: ſehr gut. Hornisgrinde: Bewölkt; 3
Grad; 90 cm.; 3145 em.; Pulverſchnee; ſehr gut. Ruheſtein:
Nebel; 2 Grad; 40 cm.; 610 cm.; Rauhreif; Ski gut, Rodel
mäßig.
Alpen. Garmiſch=Partenkirchen: Bewölkt; 0 Grad;
5 cm.; Schneedecke verharrſcht; mäßig. Hirſchberg: Bewölkt;
4 Grad; 45 cm.; 35 cm.; Pulverfchnee; gut.
Taunus Kl Feldberg: Nebel; 2 Grad; 15 em.; 15 em.;
Pappſchnee: Sti gut, Rodel mäßig.

Weiterberichl.
Der flache hohe Druck, der ſich im Laufe des geſtrigen Tages von der
Biskaya her bis nach England aufgebaut hat, wird durch die neue Stö=
rung
zwiſchen Island und Irland oſtwärts verdrängt. Infolgedeſſen
gelangen wir zunächſt unter den Einfluß hohen Druckes, wodurch trocke=
nes
und nur leicht wolkiges Wetter mit Nachtfroſt aufkommt. Mit dem
weiteren Vorſchreiten des neuen Tiefs dürfte die Beſſerung nur von
kurzer Dauer ſein, ſo daß mit Beginn der nächſten Woche wieder milderes
Wetter mit Niederſchlägen zu erwarten iſt.
Ausſichten für Sonntag, den 10. Januar: Leichter Nachtfroſt, morgens
dunſtig, ſonſt leicht wolkig mit Aufheiterung, zunächſt trocken.
Ausfichten für Montag, den 11. Januar: Eintrübung und meiſt bedeckt,
milder mit Niederſchlägen.

Haupiſchriftleltung: RudolfMauve
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaff: Rudolf Mauve; für Feuilleion, Reſch und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſei für Sport: Karl Böhmann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; füe
Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Nette;.
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteilungen: Willy Kuhle;
Druck und Verlag: L. C. Wittich ſämilich in Darmſſadt.
Für unverlangte Manuſtkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.

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[ ][  ][ ]

Seite 12 Nr. 10

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Saddf Salee Ta Sadttent

Amerika auch im Frauenſpork gerüfket.
Ein Wunder=,Baby. Gewaltige Fortſchritte im internationalen
Frauenſport. Deutſchlands breite Baſis.
Start und Ziel, der Monatsſchrift der D.S.B.
(Heft 12), entnehmen wir:
Während der Sommermonate wurde von der geplanten internationalen
Frauen=Leiſtungsſtatiſtik abgeſehen, da die wenigen vorliegenden auslän=
diſchen
Ergebniſſe in keinem Verhältnis zu den lückenloſen deutſchen
Rkeſultaten ſtanden. Das vorhandene einſeitige Material hätte im Hin=
blick
auf die Olympiſchen Spiele und deren knappes Frauenprogramm zu
falſchen Schlüſſen geführt. Zu Beginn des nächſten Jahres ſoll das
Verſäumte durch eine Zuſammenſtellung der weltbeſten Frauen 1931
nachgeholt werden.
Knapp fkizziert, iſt die Lage im internationalen Frauenſport wohl
folgende: Deutſchland verfügt bereits über einen
äußerſt breiten Leichtathletikbetrieb. Die 30 Beſtenliſte
iſt das zahlenmäßige Ergebnis. Weniger wirkt ſich dieſe Tatſache jedoch
auf die abſoluten Spitzenleiſtungen aus. Das zeigten bereits Amſterdam
und ſpäter die Länderkämpfe gegen England. Wenn auch techniſch aus=
gezeichnet
arbeitend, geraten unſere Frauen, was Kampfesenergie und
Nervenkraft anbelangt, ins Hintertreffen. Englands Frauen= Leicht=
athletik
ſteht gewiß auf einem viel ſchmäleren Fundament, doch ſind die
wenigen Spitzenkönnerinnen des Infelreiches entſchieden kampfveran=
lagter
. Ueber all das darf auch unſer verdienter Geſamtſieg in Prag
nicht hinwegtäuſchen. Aber Kanada und Nordamerika fehlten, zwei
Nationen, denen es 1928 trotz langer Reiſe gelungen war, unſere zahlen=
mäßig
viel ſtärkere Frauenvertretung zu überflügeln. Nordamerika
ſcheint auch für Los Angeles in der Frauenleichtathletik viel ſtärker ge=
riſtet
zu ſein, wie es oberflächlich geſehen, den Anſchein haben mag.
The Amateur Arhlete, die offizielle Monatsſchrift der Amateur
Athletie Union, weiſt uns auf ein Baby, das unter den Olympiſchen
Medaillen 1932 allerhand Unheil anrichten will. Mildred Didrikſon,
deren Name ſchon vor zwei Jahren im Zuſammenhang mit Speerwürfen
von über 40 Metern auftauchte, wird als die beſte weibliche Baſeball=
ſpielerin
der Vereinigten Staaten bezeichnet. Sie verſuchte ſich auch auf
dem Gebiete der Leichtathletik mit gewaltigem Erfolg. Bei den A.A.u.=
Frauen=Meiſterſchaften in Dallas holte ſie ſich im Baſeball= und Speer=
wurf
den Meiſtertitel. Im Juli 1931 erreichte ſie in Jerſey City über
die 80 Meter Hürden die hervorragende Zeit von 12,0 Sekunden, und
zwar ſowohl im Vor= wie im Endlauf. Von ihren vielen abſoluten Beſt=
leiſtungen
ſind neben dem 80=Meter=Hürden=Ergebnis am erwähnens=
werteſten
: Diskus über 42 Meter (!!), Speer 40 Meter, Hochſprung 1,62
Meter (!!).
Miß Didrikſon hat ſich für Los Angeles viel vorgenommen, bzw.
ihre Anhänger ſagen This is their dav. Ja man geht ſo weit, zu be=
haupten
, daß ſie ſämrliche Einzelkämpfe des Olympiſchen Programmes
gewinnen bzw. gute Plätze erreichen kann. Denn ſie lief auch die 100
Yards in 11 Sekunden, was umgerechnet für 100 Meter eine Zeit von
12 Sekunden ergeben würde.
Aber damit noch nicht genug. Um alle Fähigkeiten von Mildred
Babe‟ Didrikſon zu erkennen, muß man wiſſen, daß ſie auch eine aus=
gezeichnete
Schwimmerin iſt, im Golf nahezu 90 ſchlägt, gut Tennis
ſpielt und wir bitten etwas zurückzutreten eine geſchickte Boxe=
rin
iſt.
AuchimFrauenſport werden 1932die Olympiſchen
Trauben reichlich hoch hängen. Esiſt vorteilhafter,
ſich entſprechend einzuſtellen, um keine unange=
nehme
Enttäuſchung zu erleben.
W. k.

Zußball.

FC. Union Darmſtadt.
Die Liga=Mannſchaft begibt ſich heute zum Turn= und
Sportverein Meſſel, um das Winter= Nothilfe=
ſpiel
auszutragen. Abfahrt 1 Uhr Vereinshaus, Heidelberger=
ſtraße
89 mit Omnibus. Unkoſtenbeitrag 50 Pf. Auch die Son=
dermannſchaft
wurde zu einem Nothilfeſpiel nach Fehlheim bei
Bensheim verpflichtet. Abfahrt mit Omnibus ab Vereinshaus
1 Uhr. Unkoſtenbeitrag 80 Pf.

Karel Kozeluh/Martin Plaa errangen in Beau=
ville
bei Nizza mit einem 9:7, 6:8, 6:4. 6:4=Sieg gegen Ramillon/
A. Burke die Meiſterſchaft im Herren=Doppel der Cöte d’Azur.
Die Wienerin Landbeck verbeſſerte bei den Rahmen=
kämpfen
der Europameiſterſchaften im Eisſchnellaufen in Davos
den inoffiziellen Weltrekord im 500 Meter=Lauf auf 58,7 Sekunden.

Sporkkalender.

Winterhilfe=Spiele in Darmſtadt.
2.00 Uhr. Stadien: Polizei Mannheim Polizei Darmſtadt.
anſchl.: Stadtm. Frankfurt Stadtm. Darmſtadt.
Mannſchafts=Aufſtellungen in unſerer Samstags=
Ausgabe!
Fußball.
15.00 Uhr, Müllersteich: Fr. Tgde. Fr. T. Oberroden.
Kraftſport.
10.30 Uhr, Polizei=Hallen: Polizei Darmſtadt Frankfurt 86.

Handball.

Tv. Nieder=RamſtadtTgde. Weiterſtadt.
Heute Sonntag hat Nieder=Ramſtadt die Turngemeinde Wei=
terſtadt
zum fälligen Verbandsrückſpiel zu Gaſt. Die Gäſte ſtehen
wohl mit am Ende der Tabelle und werden daher nichts unver=
ſucht
laſſen, von demſelben wegzukommen. Auch für die Platz=
beſitzer
gilt es, noch Punkte zu erringen, denn noch iſt die end=
gültige
Frage um die Meiſterſchaft nicht geklärt. Der knappe
3:2=Sieg beim Vorſpiel in Weiterſtadt ſollte, allen noch gut in
Erinnerung ſein. Spielbeginn 3.15 Uhr.
Das Dorkmunder Sechs=Tage=Rennen läuft.
Dortmund ſchlägt Köln im Städtekampf der Amateure.
Von den in der bisherigen Saiſon in Europa und USA. ver=
anſtalteten
Sechstagerennen weiſt Dortmund die bei weitem
ſtärkſte Beſetzung auf. Da erfahrungsgemäß die 145= Stundenren=
nen
in der Weſtfalenhalle auch ziemlich einwandfrei verlaufen,
ſo iſt das große Intereſſe, mit dem man dieſem Rennen begeg=
net
. erklärlich. Der Auftakt des Rennens am Freitag war be=
reits
ſehr intereſſant. Die Vorrennen wurden vor 2500 Zu=
ſchauern
von den Amateuren beſtritten. Im Städtekampf Dort=
mund
Köln blieben die Weſtfalen mit 42:20 Punkten überlegen
ſiegreich. Die Dortmunder gewannen alle Wettbewerbe, und im
30=Kilometer=Mannſchaftsfahren belegten ſie ſogar die erſten vier
Plätze. CzieſinſkiSüß legten die 30 Kilometer in 41:53,4 Min.
und mit 9 Punkten zurück. Zweiter wurden BaikoCzukulla.
Die übrigen Paare folgten mit Rundenabſtand.
Pünktlich um 10 Uhr gingen die 13 Paare auf die 145 Stun=
denfahrt
. Vom Publikum beſonders lebhaft begrüßt wurden die
Mannſchaften SchönGöbel. PijnenburgPiet van Kempen,
CharlierDeneef. Rauſch-Hürtgen und Vopel-Korsmeier. Der
in dieſer Saiſon ſchon ſo häufig und ſchwer geſtürzte Berliner
Maczinſky erſchien mit einer Sturzkappe. Der Meiſterläufer Jo=
nath
=Bochum gab den Startſchuß ab.
Bis zur erſten Wertung wurde ein ſehr flottes Tempo ge=
fahren
. Den erſten Vorſtoß unternahm der Deputant Vopel,
aber das Feld ließ den Ausreißer nicht weg. Im Anſchluß daran
unternahm auch Linari einen Vorſtoß der jedoch ebenſo wenig
glückte. Mehr Erfolg hatten SchönGöbel, die nach dem erſten,
von Korsmeier gewonnenen Spurt einen günſtigen Moment er=
wiſchten
. Ehe ſich das Feld beſonnen hatte, waren SchönGöbel
bereits um eine halbe Bahnlänge vom Feld weg, und in einem
tollen Wirbel, der das ganze Feld auseinanderriß, gewannen
SchönGöbel ſchließlich ihre Runde, während ſich das übrige
Fahrerfeld wieder zuſammenzog. Inzwiſchen hatte ſich der Beſuch
auf über 5000 Perſonen verſtärkt.
*
Nach 19 Stunden führten im Dortmunder Sechstage=
renn
Kroll/Maidorn mit einer Runde vor Rauſch/Hürtgen, Dül=
berg/Tietz
. Charlier/Deneef Schön/Göbel, Vopel/Korsmeyer,
Manthey/Oszmella. Zwei Runden zurück folgten Linari/Dinale,
Piinenburg/P. van Kempen, Pützfeld/Meyer, Rieger/Schenk.
Wambſt/Broccardo, drei Runden zurück: Funda/Maczinſky.

Im Sechstagerennen in Milwaukee führten nach Ab=
lauf
der erſten 24 Stunden Stübecke /Shaller vor Peden/Parrott.
Die nächſten Paare folgten eine Runde und mehr zurück.
Mit 27:5 (8:5) Punkten gewann in Workington die
Rugby=Mannſchaft aus Südafrika gegen eine kombinierte Fünf=
zehn
der engliſchen Grafſchaften Cumberland und Yorkſhire.

Sonntag, 10. Januar 1332

Die beiden deutſchen Tennis=Berufsſpieler Nüßleig
und Najuch ſchlugen im Doppel mit 6:0. 9:7 6:3 das New Yorher
Paar Seller/Behr. Im weiteren Verlauf dieſes New Yorker Hal=
lentenniskampfes
gewann Nüßlein, gegen den ſpielſtarken Chi=
kagoer
Paree mit 6:3. 6:2, 6:3.
Abgeſagt und um eine Woche verlegt wurden die bayeri=
ſchen
Meiſterſchaften im Eiskunſtlaufen in Berchtesgaden und die
Skiläufe des Gaues Werdenfels in Oberammergau.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Gleichbleibendes Werktags=Programm. 6.15: Wetter, Gymnaſtik.
6.45: Gymnaſtik. o 7.15: Wetter. anſchl.: Frühkonzert,
7.55: Waſſerſtand. 12.00: Zeit und Wirtſchaftsmeldungen.
O 12.05: Konzert. O 12.40: Nachrichten, Wetter. O 12.55: Nauener
Zeitzeichen. o 13: Konzert (Fortſ.). o 13.50: Nachrichten. o 14:
Werbekonzert. o 14.45: Gießener Wetterbericht. 15.05: Zeit,
Wirtſchaftsmeldungen. O 17.0), 18.30, 19.30: Wirtſchaftsmeldungen.
Sonntag, 10. Januar.
7.00: Hamburg: Hafenkonzert. Glocken vom Großen Michel.
8.15: Kaſſel: Morgenfeier, veranſtaltet von der evang. Landeskirche,
Mitw.: Dr. theol. Eylenſtein, Lydia Credé (Alt), H. Möller, H.
Bachmann (Violine), Jungmädchenchor der Altſtädter Gemeinde,
10.30: Stunde des Chorgeſangs. Ausf.: Kaſſeler A=capella=Chor.
11.30: Leipzig: Bach=Kantate: Liebſter Immanuel, Herzog der From=
men
.
12.05: Königsberg: Mittagskonzert. Das Orcheſter des Opernhauſes
ſpielt Werke von Urbach, Fetras, Lincke, Eysler u. a.
14.00: Zehnminutendienſt der Landwirtſchaftskammer Wiesbaden.
14.10: Stunde des Ländes.
15.00: Stunde der Jugend.
15.50: Oberſchreiberhau: Hörbericht von der Deutſchen Viererbob=
meiſterſchaft
.
16.15: Wiesbaden: Konzert. Das Städt. Kurorcheſter ſpielt. Werke
von Offenbach, Bekker, Joſ. Strauß, Volkmann, Liſzt u. a.
18.00: Vortrag.
18.35: München: Der Löwe und die Maus. Verfaßt von den Kin=
dern
der Hohenzollernſchule. Muſik von K. W. Egk.
18.55: Die Dämmerſtunde.
19.20: Sportnachrichten.
19.30: Karlsruhe: Nikolai Lopatnikoft ſpielt eigene Klavierwerke.
20.00: Unterhaltungskonzert auf Schallplatten.
20.15: Berlin: Das Lied der Liebe. Operette von L. Herzer, Muſik
nach Joh. Strauß von W. Korngold.
23.15: Zeit, Wetter, Nachrichten, Sport.
23.35: Tanzmuſik des Tanz=Enſembles der Stuttgarter Philharmonie,
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Gleichbleibendes Werktags=Programm. 6.30:
Gymnaſtik. O 6.45: Wetter für die Landwirtſchaft O ca. 6.50:
Frühkonzert. o 10.35, 13.30: Nachrichten. O 12: Wetter für den
Landwirt. 6 12.05: Schallplatten bezw. Schulfunk. O 12.55: Nauener
Zeit. O 14: Konzert. O 15.30: Wetter, Börſe. O 18.55: Zeit,
Wetter für den Landwirt.
Deutſche Welle: Sonntag, 10. Januar.
6.45: Funk=Gymnaſtik.
7.00: Hamburger Hafenkonzert.
8.00: Mitteilungen und praktiſche Winke für den Landwirt.
8.15: Wochenrückblick auf die Marktlage.
8.25: Dipl.=Landwirte Deichmann u. Tröſcher: Beſuch des Wirt=
ſchaftsberaters
auf einem Bauernhof.
8.55: Morgenfeier.
Anſchl. Glockengeläut des Berliner Doms.
10.05: Wettervorherſage.
11.00: Aktuelle Stunde.
11.30: Leipzig: Bach=Kantate: Liebſter Immanuel, Herzog der From=
men
.
12.05: Königsberg: Mittagskonzert. Orcheſter des Opernhauſes.
14.00: Elternſtunde: Oberſchulrat Günther: Aus der Sprechſtunde
der Schulaufſichtsbehörde.
14.30: G. Schultze: Wie ſieht es in Südweſtafrika aus?
15.00: Wilhelm Lehmann lieſt aus eigenem Schaffen.
15.30: Oberſchreiberhau: Von der deutſchen Vierer=Bobmeiſterſchaft.
16.15: Orcheſterkonzert des Berliner Sinfonie=Orcheſters.
18.15: Dir Weitſch: Technik der Selbſtbildung.
18.45: Trio Es=dur op. 100 von Franz Schubert. Mitw.: Joſeph
Schwarz (Flügel), B. Schwarz (Violine). Prof. Graudan (Cello).
19.30: Staatsminiſter Dominicus: Die Fortſchritte des deutſchen
Fluglportes.
20,00: Sportnachrichten.
20.10: Perſonenverzeichnis zu nachfolgender Uebertragung.
20.15: Das Lied der Liebe. Operette von L. Hertzer. Muſik nach
Joh. Strauß von E. W. Korngold.
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[ ][  ][ ]

Sonntag, 10. Januär 1932

Darmſtät
gblatt / Heſſiſche Neueſte Nachtächten

Nr. 10 Seite 13

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[ ][  ][ ]

Nummer 10

Sonntag, den 10. Januar

Die Lage am Geld= und Oeviſenmarkt.
Gute Enklaſtung der Reichsbank. Verminderung der Gold= und deviſenbeſtände, aber leicht gebeſſerke
Deckungsauoke. Das Jahres=Ulkimo am Geldmarkk ohne Schwierigkeiten überwunden.
Unweſenkliche Verſchiebungen am Deviſenmarkk.

Der Ausweis der Reichsbank.
Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 7. Januar 1932 hat ſich in
der verfloſſenen Bankwoche die geſamte Kapitalanlage der Bank in Wech=
ſeln
und Schecks, Lombards und Effekten um 516,4 Mill. RM. auf 4130,8
Mill. RM. verringert. Im einzelnen haben die Beſtände an Handels=
wechſeln
und =ſchecks um B9,9 Mill. auf 3854 1 Mill. RM., die Be=
ſtände
an Reichsſchatzwechſeln um 80,9 auf 17,0 Mill. RM. und die Lom=
bardbeſtände
um 145,6 Mill. RM. auf 99,0 Mill. RM. abgenommen.
An Reichsbanknoten und Rentenbankſcheinen zuſammen ſind 208,9
Mill. RM. in die Kaſſen der Reichsbank zurückgefloſſen, und zwar hat
ſich der Umlauf an Reichsbanknoten um 200,2 Mill. auf 4575,6 Mill.
RM., derjenige von Rentenbankſcheinen um 8,7 Mill auf 413,3 Mill.
RM. verringert. Dementſprechend haben ſich die Beſtände der Reichs=
bank
an Rentenbankſcheinen auf 14,1 Mill. RM. erhöht. Die fremden
Gelder zeigen mit 417,2 Mill. RM. eine Abnahme um 337,7 Mill. RM.
Die Beſtände an Gold und deckungsfähigen Deviſen haben ſich um
14,9 Mill. auf 1141,3 Mill. RM. vermindert. Im einzelnen haben die
Goldbeſtände um 4,9 Mill. auf 979,0 Mill. RM. und die Beſtände an
heckungsfähigen Deviſen um 10,0 Mill auf 162,3 Mill. RM. abgenom=
men
. Die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Deviſen
beträgt 24,9 Prozent gegen 24,2 Prozent in der Vorwoche.
*
Wie man erwartet hatte, brachte der Jahresultimo dem Geldmarkt
nicht die geringſten Schwierigkeiten. Noch ſchneller als in Berlin trat
am Frankfurter Platze eine Entſpannung ein, ſo daß der Satz für
Tagesgeld bereits in den erſten Tagen des neuen Jahres von 7 auf
5½ Prozent zurückging. Für die nächſte Zeit erſcheint allerdings in An=
betracht
der Steuerfälligkeiten und der Gehaltsratenzahlungen eine leichte
Verſteifung nicht ausgeſchloſſen. Geld auf längere Sicht fand immer
noch relatib gute Nachfrage, obwohl das Intereſſe hierfür etwas nach=
gelaſſen
hat. Der Satz für Monatsgeld ſtellte ſich auf etwa 6½7 Pro=
zent
. In Privatdiskonten bleibt das Geſchäft außerordentlich ruhig.
Der Nachfrage ſtand kaum Angebot gegenüber, man bezahlte 67ls bis
7 Prozent. Auch der Markt für Warenwechſel blieb umſatzlos.
Am Deviſenmarkt brachte die erſte Woche des neuen Jahres keine
ſtarken Verſchiebungen. Hier und da zeigten ſich Schwankungen, doch
ergaben ſich per Saldo kaum Unterſchiede gegenüber der Vorwoche. Das
engliſche Pfund war anfangs etwas ſchwächer veranlagt, konnte ſich aber
ſpäter wieder erholen. Maßgebend für die Abſchwächung waren in
erſter Linie die Ereigniſſe in Britiſch=Indien. Die Norddeviſen, die
im Zuſammenhang mit dem Pfund im Kurſe nachgaben, tendierten gegen
Ende der Woche gut gehalten. Stärkerem Kursdruck unterlag zuweilen
der Dollar im Zuſammenhang mit den aus den Vereinigten Staaten ge=
meldeten
neuen Bankſchwierigkeiten. Der franzöſiſche Franken, der
Schweizer Franken und der holländiſche Gulden blieben gut behauptet.
Auch bei der Reichsmark, die zunächſt Neigung zu einer Abſchwächung
erkennen ließ, ſtellte ſich im Laufe der Woche eine Erholung ein.

Rege Umſakkäligkeil. Der Akkienmarkk bevorzugk.
Beginnende Hauſſeſpekulakion?
Zum Wochenſchluß entwickelte ſich das Geſchäft im telephoniſchen
Freiverkehr in Berlin bemerkenswert früh. Die Umſatztätigkeit war be=
ſonders
für einen Samstag ziemlich rege und erſtreckte ſich auf faſt alle
Marktgebiete. Es ſcheint ſich jetzt international eine Hauſſeſpekulation
zu bilden, die immer wieder an den einzelnen Plätzen einſchlafende Be=
wegungen
neu anfacht. Auch in New Yort konnte man vorgeſtern dieſe
Beobachtung machen. Nach ſchwächerer Eröffnung war der Schluß
wieder außerordentlich feſt. Politiſche Momente blieben eindruckslos.
Die Kriegsſtimmung im Oſten, die Vorgänge in Indien, die Schwierig=
keiten
des franzöſiſchen Kabinetts konnten das Publikum nicht von
neuen Anlagekäufen abhalten, wobei vielleicht die etwas hoffnungsvolle=
ren
Wirtſchaftsausſichten des bekannten engliſchen Nationalökonomen
John M. Keynes für das Jahr 1932, die er in Hamburg zum Ausdruck
brachte, mit eine Anregung gaben. Das Hauptintereſſe erſtreckte ſich
aber geſtern auf den Aktienmarkt. Während Pfandbriefe kursmäßig
wenig verändert eher angeboten waren, wurden Liquidationspfandbriefe
teilweiſe bis zu 1 Prozent höher geſucht. Auch Kommunglanleihen beſ=
ſerten
ſich abermals ½ bis 1 Prozent. Es befriedigte an dieſem Markt
beſonders, daß die Stadt Berlin die zum 1. Januar fälligen Kupons
prompt eingelöſt hat, was ja auch in in den ſtarken Kursſteigerungen der
Berliner Anleihen in den letzten Tagen zum Ausdruck kam. Farben=
honds
lagen ziemlich feſt. Reichsbahnvorzüge waren dagegen im Zu=
ſammenhang
mit dem ungünſtigen Abſchlußbericht ca. 1 Prozent niedri=
ger
angeboten. Am Anleihemarkt fand die Neubeſitzanleihe weiter Nach=
frage
, während Altbeſitz etwas unter geſtern umging. Von den ein=
zelnen
Marktgebieten der Aktienwerte läßt ſich folgendes ſagen: Banken
waren mit Ausnahme der feſteren Reichsbank unverändert. Schiffahrts=
werte
zogen erneut um ea. 1 Prozent an. Auch am Elektromarkt waren

Wirtſchaflliche Rundſchau.

Die Indexziffer der Großhandelspreiſe vom 6. Januar. Die vom
Statiſtiſchen Reichsamt für den 6. Januar berechnete Großhandelsindex=
ziffer
iſt mit 101,4 gegenüber der Vorwoche um 1,5 v. H. zurückgegangen.
Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten: Agrarſtoffe 93,0 (minus 0,5
v. H.), Kolonialwaren 90,0 (minus 0,2 v. H.), induſtrielle Rohſtoffe und
Halbwaren 93,0 (minus 3,0 v. H.) und induſtrielle Fertigwaren 128,2
(minus 0,8 v. H.).
Herabſetzung der Zinsſätze für verſpätet geleiſtete Kommunalgefälle.
Der heſſiſche Miniſter des Innern hat in Ausführung der Vorſchriften
der Reichsnotverordnung betreffend Senkung der Zinsſätze den Ge=
meinde
= und Stadtverwaltungen durch Rundſchreiben mitgeteilt, daß mit
Wirkung vom 1. Januar 1932 die Verzugszinſen für verſpätet geleiſtete
Kommunalgefälle für das Gebiet des Volksſtaates Heſſen auf 12 Pro=
zent
pro Jähr, die Zinſen für gewährten Zahlungsaufſchub bzw. Stun=
dung
mindeſtens 5 und höchſtens 8 Prozent betragen müſſen. Der Zins=
ſatz
für die Stundung von Gemeindegefällen iſt im genannten Rahmen
von den Kommunalparlamenten (Stadt= oder Gemeinderat) durch Be=
ſchluß
feſtzuſetzen.
J.G. Farben. Ueber die Geſchäftslage im letzten Vierteljahr 1931
iſt folgendes zu berichten: Seit dem letzten Aufſichtsrats=Bericht vom 21.
November 1931 iſt die Geſchäftslage der einzelnen Zweige der J.G.
Farben=Induſtrie unverändert geblieben, bis auf die durch die Wäh=
rungsverhältniſſe
vieler Länder ſich ergebenden Schwvierigkeiten und die
deutſche Notverordnung vom 8. Dezember 1931. Ihre geſamten Aus=
wirkungen
ſind noch nicht völlig zu überſehen, wenn das Unternehmen
auch darauf hinarbeitet, ſich den veränderten Verhältniſſen anzupaſſen.
Erſte Kulmbacher Aetien=Exportbier=Brauerei, Kulmbach. Aus dem
Geſchäftsbericht der Erſten Kulmbacher Actien=Exportbier=Brauerei,
Kulmbach, iſt zu entnehmen, daß der Abſatzrückgang ſich im Rahmen des
allgemeinen Durchſchnittes hielt. Durch rechtzeitige Einſparungen konn=
ten
die durch den Abſatzrückgang zu erwartenden, relativ höheren Pro=
duktionskoſten
teilweiſe ausgeglichen werden. In der Gewinn= und
Verluſtrechnung ſtehen einem Geſamtergebnis von 1,19 (1.40) Mill.
RM. allgemeine Geſchäftsunkoſten von 0,44 (052) Mill. RM. gegen=
über
, während Steuern und Verſicherungen 0,B8 (0,20) Mill. RM. er=
forderten
. Nach Abſchreibung von 030 (0.39) Mill. RM. verbleibt ein=
ſchließlich
des Vorjahresvortrages von 25 047 RM. ein Reingewinn von
200 575 (297 072) RM., aus dem wieder 10 Prozent Dividende auf die
Vorzugsaktien und 4 Prozent (6 Prozent) Dividende auf 4 Mill. RM.
Stammaktien zur Verteilung vorgeſchlagen werden. Der Rücklage für
Anßenſtände Iollen 400 Hif, gigefiührt werden

meiſt Beſſerungen von ca. 1 Prozent zu verzeichnen. Farben lagen gut
behauptet, Kaliwerte mit Ausnahme von Salzdetfurth feſt und bis zu
3 Prozent höher, Kunſtſeideaktien waren bis zu 3½ Prozent gebeſſert.
Weitaus an erſter Stelle ſtand aber geſtern der Montanmarkt, an dem
in ziemlich erheblichem Umfange Käufe des Rheinlandes getätigt wor=
den
ſein ſollen. Die Führung des Marktes hatten wieder Mannes=
mann
=Aktien; aber auch Gelſenkirchen, Hoeſch, Oberkoks, Phönix, Rhein=
ſtahl
uſw. lagen bis zu 2 Prozent gebeſſert.
Unter kleinen Schwankungen blieb die Tendenz auch in den Mit=
tagsſtunden
etwa behauptet. Die höchſten Tageskurſe wurden meiſt nur
um Bruchteile eines Prozentes unterſchritten. Am Pfandbriefmarkt
ließ die Umſatztätigkeit etwas nach; die Tendenz blieb aber weiter
ſreundlich. Die Geldſätze erfuhren keine Veränderungen. Am Deviſen=
markt
notierte das engliſche Pfund 7 Rpfg. niedriger, Amſterdam minus
10 Rpfg., die Norddeviſen verloren 25 bis 35 Rpfg. und Budapeſt büßte
abermals 1 RM. ein.
Am Wochenſchluß war die Tendenz im Frankfurter Telephonverkehr
weiter befeſtigt. Beachtet waren diesmal auch Montanaktien, daneben
beſonders Elektrowerte. Auch Farbenaktien freundlicher. Der Bericht
über die Geſchäftslage im letzten Vierteljahr iſt gegenüber dem letzten
Bericht unverändert. Von Bankaktien waren nur Neichsbank befeſtigt.
Auch am Nentenmarkt war das Geſchäft ziemlich lebhaft bei allgemein
freundlicheren Kurſen. Reichsſchuldbuchforderungen etwa 2 Prozent
feſter. Altbeſitz behauptet.
Die Auslandsbörſen.
Die Londoner Börſ= eröffnete zum Wochenſchluß in feſter
Haltung. Für internationale Werte zeigte ſich auf New York hin rege
Nachfrage. Britiſche Staatspapiere lagen ſtetig. Die Börſe ſchloß un
verändert freundlich, Induſtriepapiere lagen feſt.
Die Pariſer= und die Brüſſeler Börſe verkehrten eben=
falls
in feſter Haltung, auch die Amſterdamer Börſe war bis zum
Schluß freundlich, die letzten Notierungen lagen überwiegend auf höch=
ſtem
Tagesniveau.
An der New Yorker Börſe herrſchte im Einklang mit den
europäiſchen Plätzen eine zuverſichtliche Grundſtimmung.
An den internationalen Deviſenmärkten war, das
Geſchäft geſtern ſehr beſchränkt. Das engliſche Pfund war kleinen
Schwankungen unterwvorfen und zunächſt etwas ſchwächer, ſpäter konnte
es ſich leicht befeſtigen, doch ging dieſe Erholung gegen mittag wieder
verloren, gegen den Dollar notierte es 3,40½, gegen den Gulden 8,49,
gegen Paris 86,78 gegen Zürich 17,47½ und gegen die Reichsmark 14,35.
Der Dollar lag wieder feſter, die Reichsmark konnte ſich ebenfalls bei
einiger Nachfrage befeſtigen, ſie zog in Amſterdam auf 59,25 und in
Zürich auf 121,85 an. Die anderen Deviſen waren gegen vorgeſtern kaum
verändert. Auch am Nachmittag waren kaum Veränderungen feſtzuſtellen
das engliſche Pfund ſchloß mit 3,40 gegen den Dollar, gegen den Gulden
notierte es 8,48½, gegen Paris 86,81, gegen Zürich 17,46½ und gegen
die Reichsmark 14,33½. Der Dollar und die Reichsmark waren eine
Kleinigkeit leichter, letztere ſchloß in Amſterdam mit 59,17½, während ſie
in New York auf B,72 zurückging. Die anderen Debiſen waren gut
behauptet.
Berliner deuiſen Feſtſehung vom 9. Januar.

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Zinsverkräge unkerzeichnel.
Vom Reichskommiſſar für das Bankgewerbe wird mitgeteilt:
In der angekündigten Sitzung der Spitzenverbände der Kreditinſtitute
am Samstag, den 9. Januar, ſind die Vereinbarungen über die Geſtal=
tung
der Zinſen und Proviſionen im Geldmarkte von allen Beteiligten
unterzeichnet worden. Der Reichskommiſſar für das Bankgewerbe hat
dem beſchloſſenen Abkommen zugeſtimmt. Mit der Veröffentlichung iſt
am Montag zu rechnen. Zurzeit tagt der in den Verträgen vorgeſehene
Zentrale Kreditausſchuß, um noch heute einige der ihm durch die Ab=
kommen
übertragenen Aufgaben zu erledigen.

Mainzer Aktien=Bierbrauerei Mainz. Auf der Tagesordnung der
auf den 28. Januar 1932 einberufenen ordentlichen Generalverſammlung
der Mainzer Aktien=Vierbrauerei, Mainz, ſteht neben der Erledigung
der Regularien für das am 31. 10. 1931 abgelaufene Geſchäftsjahr die
Beſchlußfaſſung über den Antrag von Aufſichtsrat und Vorſtand auf
Einziehung von nom 300 000 RM. im Beſitze der Geſellſchaft befindlicher
eigener Aktien (das Aktienkapital beträgt 3 300 000 RM. Stamm= und
8000 RM. Vorzugsaktien). Ferner ſollen die Beſtimmungen des Geſell=
ſchaftsvertrages
über die Zuſammenſetzung und Beſtellung des Aufſichts=
rats
im Sinne der bisherigen Vorſchriften neu feſtgeſetzt und die Ver=
gütung
der Mitglieder des Aufſichtsrates neu geregelt werden.
Neue Einſchränkung des Zuckerrübenbaues um 25 Prozent. In
einer in Worms abgehaltenen Generalverſammlung der Vereinigung der
rübenbauenden Landwirte Heſſens und der Pfalz wurde der Geſchäfts=
bericht
erſtattet. Die Vereinigung zählt zurzeit 53 000 Mitglieder, die
1931, 24 800 Hektar Rüben angebaut hatten. Für 1932 werde man, da
es unmöglich ſei, den vorhandenen Zucker im Inland oder auf dem
Weltmarkt unterzubringen, mit einem weiteren Beſchneiden der Anbau=
fläche
um 25 Prozent zu rechnen haben. Die Auszahlung des vorläufi=
gen
Rübenpreiſes geſtalte ſich wegen der Geldmittelknappheit ſehr ſchwie=
rig
. Im Laufe des Januars ſoll die zweite Nate von 2230 Pfg. je
Zentner, vorausſichtlich Mitte des Jahres die dritte Nate ausbezahlt
werden.
Vereinigte Weſtdeutſche Waggonfabriken A.=G., Köln=Deutz ( Weſt=
waggon
). Der Aufſichtsrat der Geſellſchaft hat beſchloſſen, aus dem
Reingewinn des am 30. Juni 1931 abgelaufenen Geſchäftsjahres 1930/31
in Höhe von 11 Mill. RM. die Ausſchüttung einer Dividende von 5
((7) Prozent vorzuſchlagen. Zur Abſchreibung gelangen 980 000 RM.
(1 073 947 RM.), dem Reſerbefonds werden wie im Vorjahre, 120006
RM. zugewieſen. Zum Vortrag auf neue Rechnung kommen rund
264 000 NM. Generalverſammlung am 29. Januar.
Bildung einer franzöſiſchen Stahlentente. Am 30 12. 1931 iſt, wie
die Luſine berichtet, die franzöſiſche Entente für Stahlerzeugung ab=
geſchloſſen
worden, und zwar auf Betreiben des bekannten Induſtriellen
Humbert de Wendel. Sämtliche franzöſiſche Stahlproduzenten ſind die=
ſer
Entente beigetreten, die von dem Grundſatz ausgeht, daß für jede
Fabrik ein Produktionskontingent feſtgeſetzt werden ſoll, und zwar durch
drei Schiedsrichter, gegen deren Entſcheidung es keine Berufung gibt.
Zur Grundlage der Kontingentierung ſoll die Erzeugung der Jahre
1939 und 1930 genommen werden, wobei es den Schiedsrichtern freiſteht,
der gegenwärtigen Aufnahmefähigkeit des Marktes Rechnung zu tragen.
Die ſaarländiſchen Stahlwerke ſind der franzöſiſchen Enteute angeſchlof=
ſen
. Ihnen wird ein Kontingent von 500 000 Tonnen reſerviert. Die
Entente ſoll demnächſt auch anf die ſtahlverarbeitende Induſtrie aus=
gedehnt
werden.

Die Banken in Leſterreich.
Berhandlungen mit den Auslandsgläubigern.
Die Leſterreichiſche Nakionalbank
will neuen 60-Millionen-Kredik beankragen.
Nach dem Wiener Tagbl. ſoll die Oeſterreichiſche Staatsbank die
an den Stillhalteabkommen beteiligten Banken davon verſtändigt haben,
daß ſie für die nach dem 10. Januar fälligen Kapitalrückzahlungen keine
Deviſen zuteilen werde. Ob die Banken aus ihrem eigenen Deviſen=
vorrat
dieſe Nückzahlungen leiſten dürfen, ſteht noch nicht feſt.
Ferner ſollen Beſprechungen mit den im Stillhalteausſchuß vertre=
tenen
ausländiſchen Gläubigern der Banken zum Abſchluß eines neuen
Abkommens eingeleitet worden ſein. Wie erinnerlich, waren im Auguſt
Vereinbarungen zwiſchen Banken und Gläubigern wegen ratenweiſer
Rückzahlung der Auslandsverpflichtungen getroffen worden, die damals
etwa 32 Millionen Dollar betrugen. Die Banken dürften bisher etwa
8 Millionen Dollar zurückgezahlt haben. Die Verhandlungen erſtrecken
ſich nicht auf die Credit=Anſtalt.
Wie die Wiener Reichspoſt erfährt, will der Präſident der Oeſter=
reichiſchen
Nationalbank auf der Verwaltungsratsſitzung der B. J.3. am
11. Januar die Dringlichkeit eines Deviſenkredites für die Oeſterreichiſche
Nationalbank begründen. In den Deviſenſchatz der Nationalbank ſind
Deviſenkredite von 190 Millionen eingerechnet, die teils von der B.J.3.,
teils von der Bank von England herrühren. Präſident Dr. Reiſch will
verſuchen, einen Kredit von 60 Millionen Schilling als Manipulations=
reſerve
zu erhalten, alſo jenen Betrag, der im Herbſt vorigen Jahres
an die Bank von England (50 Millionen) und an die B. J.3. (10 Millio=
nen
) zurückgezahlt wurde.
Der Status der Oeſterreichiſchen Nationalbank. Wie die N. Fr. Pr.
erfährt, hat das Wechſel=Portefeuille der Oeſterreichiſchen Nationalbauk
in der letzten Dezemberwoche um 31 Millionen auf 308 Millionen Schil=
ling
zugenommen, während der Deviſenbeſitz ſich um 9 Millionen auf
318 Millionen Schilling vermindert hat. Der Geſamtumlauf hat zum=
Ultimo Dezember mit 1316 Millionen Schilling bisher den höchſten
Stand erreicht. Das Deckungsverhältnis war 24,2 Prozeut. In der
erſten Januarwoche hat ſich der Status der Nationalbank allerdings
weſentlich gebeſſert, da das Wechſel=Portefeuille und der Geſamtumlauf
um etwa 24 Millionen Schilling abgenommen und der Deviſenbeſtaud
etwvas zugenommen hat, wodurch das Deckungsverhältnis auf annähernd
24,6 Prozent geſtiegen iſt.

* Mainzer Produktenbericht vom 8. Januar. Großhandelspreife per
100 Kilo loco Mainz: Weizen 22,5023 Roggen 21,75, Hafer 15,50 bis
16,50, Braugerſte 17 7518,50. Jnduſtriegerſte 17,50, Futtergerſte 16,50,
Malzkeime 1213 Süddeutſches Weizenmehl Spezial 0 36,15, Roggen=
mehl
(60 Prozent) 3031, Weizenkleie fein 8,50, Weizenkleie grob 9,75,
Roggenkleie 99,50 Weizenfuttermehl 9,50, Biertreber 12, Erdnußkuchen
13,2514, Kokoskuchen 12,5017, Palmkuchen 10,7511, Rapskuchen 8.25
bis 8,50, Kleeheu loſe 5,50, Kleeheu geb. 6,20, Wieſenher loſe 5,50, Wie=
ſenheu
geb. 5,80, Maſchinenſtroh 4, Drahtpreßſtroh 4, Soyaſchrot 11,25
bis 11,50, Trockenſchnitzel 6,256,50 Tendenz ruhig.
Frankfurter Buttergroßhandelspreiſe. Die reichlichen Zufuhren von
inländiſcher Butter laſſen ſich nur ſchwer räumen, da die Konſumnach=
frage
auch zu Beginn des neuen Jahres unverändert ſchwach iſt. Trotz
der niedrigen Preiſe ergaben ſich abermals nicht unerhebliche Rückgänge,
da auch das Angebot von ausländiſcher Butter ſehr dringend geworden
iſt. Beſonders belaſtet wird der Markt von däniſcher Butter, die erheb=
lich
im Preiſe nachließ, aber wegen ihres tranigen Geſchmacks nicht er=
gekauft
wird. Die Verkaufspreiſe des Großhandels lauten (in 1=Ztr.
Tonnen): Holländiſche Butter 140144, däniſche Butter 126127,
deutſche Molkereibutter 118124 RM.; kleinere Packungen entſprechen=
der
Aufſchlag.
Frankfurter Eiergroßhandelspreiſe. Obwohl die Zufuhren in friſchen
Eiern nach wie vor ſehr gering ſind, haben die Preiſe eine neuerliche
Ermäßigung erfahren, und man rechnet in den nächſten Wochen mit
weiteren Preisreduktionen. Das wenige Angebot fand ſchlanke Unter=
kunft
, aber trotzdem wird die Abſatzlage als ſchwach bezeichnet, weil die
Kaufkraft der breiten Verbraucherſchichten immer mehr nachließe. Das
Angebot von Kühlhauseiern iſt ſo gering, daß eine Notierung von nun
an nicht mehr erfolgt. Es notierten in Pfg. per Stück ab loco Frank=
furt
a. M.: italieniſche nicht am Markt, bulgariſche 9,009,25, jugo=
flawiſche
8,759,00, rumäniſche 8,509,00, ruſſiſche nicht am Markt, pol=
niſche
nicht am Markt. chineſiſche nicht am Markt, holländiſche 8,50 bis
1100 däniſche 8,0011,00, flandriſche 9,0010,50, franzöſiſche nicht am
Markt, ſchleſiſche nicht am Markt, bayeriſche 9,5010,00, deutſche Friſch=
eier
80012,00
Berliner Produktenbericht vom 9. Januar. An der Wochenſchluß=
börſe
nahm die entgegengeſetzte Preisbewegung für Weizen und Roggen
ihren Fortgang. Auf dem inzwiſchen erreichten Preisniveau hat ſich
das Inlandsangebot von Weizen vermehrt, während die Nachfrage der
Mühlen und des Handels angeſichts des ſchleppenden Mehlabſatzes und
der fehlenden Exportmöglichkeiten vorſichtiger geworden iſt. Die Gebote
lauteten am Promptmarkte eine Mark niedriger, während die Liefe=
rungspreiſe
bis 1,50 Mark ſchwächer einſetzten. Roggen bleibt dagegen
gut behauptet. Das Inlandsangebot iſt knapp und die Mühlen ſind
nach wie vor ſchwach verſorgt, ſo daß das ſonſt hierher nicht immer ren=
tierende
Offertenmaterial an der Küſte leichter Unterkunft findet. In=
folge
der letztägigen Preisſteigerungen für prompte Ware iſt das Auf=
geld
für Märzlieferung merklich verringert worden. Weizenmehl iſt. zu
unberänderten Preiſen angeboten, begegnet aber nur geringer Nach=
frage
. Noggenmehle finden, insbeſondere zu billigeren Provinzfarikaten,
weiter zu behaupteten Preiſen Unterkunft. Hafer iſt im Promptgeſchäft
ziemlich behauptet, der Lieferungsmarkt ſetzte bis 1 Mark feſter ein.
Für gute Gerſtequalitäten beſteht weiter Kaufluſt. Weizen= und Roggen=
exportſcheine
lagen ruhig, aber ziemlich ſtetig.

Biehmärkke.

Auf dem Schweinemarkt in Wenheim a. d. B. am 9. Januar waren
442 Tiere zugeführt Verkauft wurden 370 Stück, und zwar Milch=
ſchwveine
4 bis 8 RM., Läufer 12 bis 18 RM. pro Stück. Der Markt=
verlauf
war gut.
Kleine Wirkſchaftsnachrichten.
Ueber das Vermögen der Wirtſchaftshilfe A.=G. für Verwaltung
und Finanzierung in Frankfurt a. M. iſt am 30. Dezember 1931 das

Konkursverfahren eröffnet worden. Die erſte Gläubigerverſammlung
findet am B. Januar ſtatt.
Infolge der Verſchärfung der Lage auf dem Gebiete des elektriſchen
Apparatebaues ſieht ſich die Voigt u. Haeffner A.=G., Frankfurt a. M.,
die bereits Ende vorigen Jahres vorſorglich einen Teilſtillegungsantrag
geſtellt hatte, nunmehr genötigt, 95 Mann der Belegſchaft zu entlaſſen.
Von den Arbeiter= Angeſtſtellten= und Beamtengewerkſchaften des
Freiſtaates Heſſen und Heſſen=Naſſau wurde an den Preiskommiſſar Dr.
Goerdeler folgendes Telegramm geſandt: Sämtliche Gewerkſchaften der
Provinz Heſſen bitten dringend um ſofortige Beſtellung eines Unter=
Preiskommiſſars für das Gebiet mit dem Sitz in Frankfurt a. M. Wie
verlautet, dürfte die Ernennung des Unterkommiſſars bereits in den
nächſten Tagen erfolgen.
Die Zuckerfabrik Rheingau A.=G., Worms, weiſt für 1930/31 nach
Abſchreibungen von 170 000 (163 001) RM. einen Reingewinn von
224 452 (190 970) RM. auf, aus den 7 (6) Prozent Dividende ausgeſchüit=
tet
werden
Wie die Luſine berichtet, haben die am 7. 12. 1931 in Paris ge=
führten
Verhandlungen des Redaktionskomitees der Internationalen
Rohſtahlgemeinſchaft über die Neubildung des internationalen Verkaufs=
kontors
gewiſſe Fortſchritte gemacht, und man kann hoffen, in der
Sitzung der internatiönalen Rohſtahlgemeinſchaft, die am 12. Januar in
Paris ſtattfindet, zu poſitiven Ergebniſſen zu gelangen.
Der Londoner Goldpreis beträgt am 9. Januar 1932 für eine Unze
Feingold 120 ſh. 11 d. 86,7577 RM., für ein Gramm Feingold deme
nach 46,6507 Pence 2,78932 RM.
Die Martins Bank Ltd., Liverpool, weiſt für das abgelaufene Ge=
ſchäftsjahr
einen Reingewinn von 708 154 Pfund Sterling (im Vorjahre
793 551) aus. Die Schlußdividende beträgt 7 Prozent, ſo daß ſich eine
Geſamtdividende von 14 Prozent gegen 16 Prozent im Vorjahre ergibt.
Zu Abſchreibungen der Inveſtierungen in britiſchen Staatspapieren wer=
den
607 872 Pfund Sterling der Reſerve entnommen.

[ ][  ][ ]

Sonntag, 10. Januar 1932

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichden

Nr. 10 Seite 15

ALAAMTIIS

von

Roman
FRITZ WEBER

(Nachdruck verboten.)

Und da tauchten auch ſchon Gerüchte auf, die beſagten, Einar
inid ſei ſeit Wochen in der Gegend, er wohne bei Doktor Holt
im fahre jeden Tag nach Skultuna, um die ſchöne Dagmar Sven=
org
zu beſuchen. Mit einemmal war in ganz Haraker kein Zim=
ur
mehr zu haben. Der Name des Finanzmannes hatte ſeinen
en Heerbann angezogen. Es wimmelte von Leuten, die drei,
ſurr Füllfedern in der Taſche trugen und das arme Poſtfräulein

endloſen Telegrammen in unverſtändlichen Sprachen quälten.
Dagmar Svenborgs Bilder erlebten eine Hauſſe, wie ſie auch
iDder Zeit ihres Bühnenruhms nicht erreicht worden war. Ueber
ſacht dichtete der fähigſte Kopf der London News ihre Bio=
riphie
, nachdem man die vorhandenen Lebensgeſchichten der Sän=
e
in, als viel zu alltäglich, verworfen hatte. Verwalter Sorenius
urde ausgefragt, die Gutsknechte und =mägde interviewt, ihre
ſtnſichten über das Klima von Veſtmanland und deſſen Folgen
ur Fräulein Spenborgs Stimme wiedergegeben. Ein deutſcher
Cäirurg erklärte ſich bereit, den Fehler in Dagmars Kehlkopf
perativ zu entfernen, ein Schweizer Magnetiſeur wollte ihn kraft
ſeinier einzig daſtehenden Fähigkeiten in acht Tagen heilen.

Fern von all dieſer Betriebſamkeit erlebte ein Mann die
Pedergeburt ſeiner Seele.
Doktor Holt hatte nicht zuviel verſprochen. Auf ſtillen Wald=
uggen
, im zarten Grün der Birken, dem Rieſeln der Bäche und
emem Vogelruf lauſchend, fand Einar Lund ſich ſelbſt wieder.
Dagmar war eine wundertätige Gefährtin. Sie ſprach nicht
ikl, ſie war nur da; ihre Hände blätterten den Tag auf, ihre
lugen laſen in dem großen Buch der Natur, ihre lichte Seele
hien das Himmelsblau zu ſpiegeln. Kinder, Tiere und Blumen
varren die vertrauten Freunde ihres Weſens.
Zu früher Morgenſtunde fuhren ſie meiſt weit weg von Skul=
ſü
g und Haraker, ließen den Wagen irgendwo auf der Landſtraße
ie en und gingen über waldige Hügel, an ſtillen, kleinen Seen
hllang, bis die Sonne am höchſten ſtand. Dann aßen ſie in einer
drrfſchenke und kehrten zurück.

Der Name Helland wurde nie erwähnt, aber Lund ſprach
manchmal von Greta. Er tat es in ſeiner vornehm=verzeihenden
Art, voll Dankbarkeit für ihre Liebe, voll Verſtändnis, für ihre
Abkehr. Greta war ſtolz, ſagte er immer wieder. Nicht viele
Frauen würden die Schmach eines Gedankens ſo furchtbar an ſich
ſelbſt rächen, wie ſie es tat. Ich, nur ich allein bin ſchuld an ihrem
Tode; ich hätte es wiſſen müſſen.

In einer der rieſigen Mietskaſernen der Rue Gezelle, Paris,
wohnte ſeit Wochen ein Menſch, den die Beſucher der umliegenden
Cremerien und Cafés für einen harmloſen Narren hielten. Er
war blind und tauchte manchmal in Begleitung eines finſter
dreinblickenden jungen Mannes auf, der angeblich Journaliſt war.
Meiſt aber taſtete er ſich allein die Treppe des Hauſes hinunter
und bat einen Paſſanten, ihn in das Cabaret au Peroenuet
oder in die Cxemerie Bouval zu führen.
Dort ſaß er dann, die toten Augen ins Leere gerichtet, und
wartete. Setzte ſich jemand an ſeinen Tiſch, ſo begann der Blinde
unverzüglich ein Geſpräch, das er regelmäßig mit den Worten ein=
leitete
: Haben Sie vielleicht zufällig einen Doktor Jan Arwig
gekannt?
Die meiſten der ſo unvermittelt Ueberfallllenen verneinten
oder erhoben ſich, von dem offenbar Wahnſinnigen in Furcht ver=
ſetzt
, und nahmen an einem anderen Tiſchchen Platz. Von dort
konnten ſie beobachten, wie der Blinde den nächſten Gaſt fragte:
Verzeihung, kannten Sie vielleicht zufällig einen gewiſſen Dok=
tor
Jan Arwig, der vor vier Jahren hier gelebt haben ſoll?
War der finſter dreinblickende Journaliſt zugegen, ſo unter=
hielt
ſich der Blinde, dem man den Spitznamen Jan Axwigs
Schatten gegeben hatte, mit ihm, ohne ſeiner Narrheit freien
Lauf zu laſſen. Müßigen Zaungäſten des Lebens fiel es auf, daß
die beiden manchmal in ſcharfen Wortwechſel gerieten, wobei der
Blinde immer die deutſchen Worte wiederholte: Ich weiß, daß
er wiederkommt. Er muß wiederkommen, verſtehſt du denn nicht,
Oskar?

Der finſtere Jüngling wandte ſich daraufhin ab, als fände er
es zwecklos, weiterzuſtreiten. Er griff nach einer Zeitung und
vertiefte ſich darin, ohne ſeinem Gefährten die geringſte Beachtung
zu ſchenken.
Eines Abends aber fand ſich in der Cremerie Bouval der
Mann, den Jan Arwigs Schatten offenkundig und mit ſo vieler
Hartnäckigkeit ſuchte. Es war ein Maler namens Barbaſoni,
überall bekannt durch ſein Talent, aber auch durch ſeine grenzen=
loſe
Faulheit; ein Menſch, der hin und wieder wohlhabende Aus=
länder
, Beſucher des alten Paris porträtierte, dafür ein paar
Franken in die Taſche ſchob und jeden weiteren Wunſch, mit ſei=
ner
Kunſt Bekanntſchaft zu machen, knurrend ablehnte. Die Ab=
ſinthflaſche
vor ſich, ſaß er dann meiſt bis Morgengrauen an einem
der Marmortiſchchen und torkelte ſchließlich ſchimpfend nach Hauſe.
Barbaſoni hatte längere Zeit im Polizeiarreſt verbracht, da
er einen aufdringlichen Kunſtfreund geohrfeigt hatte. Sein erſter
Beſuch in der Cromerie Bouval nach dieſer unliebſamen Abſinth=
pauſe
führte ihn an den Tiſch des Blinden.
Der Kerl ſieht wenigſtens nichts, brummte er in ſich hinein,
während er die Beine von ſich ſtieß und mit den Fingern in ſei=
ner
Taſche Brot zerkrümelte.
Aber da kam auch ſchon die Frage des Blinden, und zu aller
Erſtaunen antwortete Barbaſoni: Jan Arwig? Natürlich kannte
ich dieſen Idioten! Er hatte Hirn für drei, hätte uns alle, ſamt
dem dicken Wirt da drüben, aufkaufen können, blieb aber alles
nur Papier.
Jan Arwigs Schatten begann zu zittern. Er ſaugte ſeine
Limonade durch den Strohhalm.
Bitte, erzählen Sie mir von ihm, ſagte er.
Barbaſoni war guter Laune, einmal, weil er ſeinen lang ent=
behrten
Fuſel witterte, dann aber auch, weil ein Blinder ſeiner
Anſicht nach der einzig mögliche Tiſchgenoſſe eines Malers war.
Von ihm erzählen? Da gibt’s nicht viel zu erzählen, Herr!
ſtieß er hervor. Er war Geologe oder ähnliches, und hat eine
Art elektriſcher Wünſchelrute konſtruiert. Aber ſtatt das Ding zu
verkaufen und ſich einen Likörladen einzurichten, wollte er, weiß
der Teufel wo, Gold ſuchen. Ich ſagte ſchon, daß er ein Idiot war.

Wohnte in der Rue Gezelle, fünf Treppen hoch, und zeichnete Tag
für Tag an dem Tiſchchen da drüben ſeine bockbeinigen Kurven,
von denen ich nichts verſtand. Schließlich kam’s, wie es kommen
mußte: er fraß ſich den Typhus in den Leib, und da er keinen
Abſinth ſoff, iſt er eben jämmerlich verreckt. Das iſt alles.

(Fortſetzung folgt.)

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delloſem Charakt
iFrage Bin 23 J.
35, ſchlank u von
ſitürl. Weſ. Ernſt=
m
. Briefe (nur m.
dr.) erb. ich unt.
237 Geſchäftsſt.

ſeirat! Frl., 45 J.,
fgl., jugendl. Aus=
h
. m. etw. Ver=
ſögen
, w. Herrn
baldig. Heirat
lern. Zuſchr.
K. 12 Gſchſt.

Eſnheirak
diete ich tüchtig. u.
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Da ſelbſt vermögd.
(ca. 50 000 RM.),
kommt f. mich nur
eine Neig.=Ehe mit
ein. Mann v. tad. Charakter in
Frage. Bin 23 J.,
1,65, ſchlank u. von
natürlichem Weſen.
Ernſtgem. Brief
(nur mit Adreſſe!)
erbitte ich unter
G. M. 63 an Alg
Haaſenſtein
& Vogler,
Frankfurt a. M.
(II. Bln. 849)

Jgs intell., evang
Mädchen mit Verm.
wünſchtpaſſ. Lebens=
gefährt
b. 30 J. zw.
Heirat kenn. z. lern
Beamt o. Geſchäfts=
mann
m gut Geſch.
am liebſt. v. Lande
Witwer angen Zu=
ſchr
. u. J. 73. Gſchſt.

geachtete Idealehe.
Nur Sympathie ent=
ſcheidet
. Bin Vier=
ziger
, Villenbeſitzer,
geſicherter Exiſtenz,
vermögend u. groß=
zügig
u. biete mei=
ner
künftigen Gat=
tin
ein behagliches
Daſein. Ausfühliche
Bildzuſchriften erb.
u. Poſtlagerkarte 19,
Berlin= Charlotten=
burg
11. (I.Bln.786

auf

Lehrer

Höh. Beamter
(Akad.) 39. J., 1.70
in feſt. Staatsſtell.
u. gut. Vermögens=
lage
ſucht Heirat
mit einer liebevoll.
Lebensgefährtin
(Alt. nur b. 38 J.
die wirtſchaftl. be
fähigt und häuslich
veranlagt iſt. Geg. Diskretion
ſelbſtverſtändlich!
Nichtanonyme Zu=
chriften
unt. L. P.
150 an Ala Haaſen=
ſtein
& Vogler,
Frankfurt a. M.
(II. Blu. 850)

Selbſtinſerent!
Solid. Geſchäftsm.,
31 J. alt. led., mittl.
Größe evg., ſchöne
jgdl. Erſch. aus gt
Fam. und beſt. Ver
gangenh. mit eig.
Landhaus u. Anw.
nahe Dſtdt., wünſcht
ebenſo liebenswürd.
geſund Mädel, a. I
tücht. Schneiderin, i.
Alter v. 2229 J.
d. gl. Rel., kenn. zu
lern. zw. ſp. Heirat.
Etw. Verm. o Aus=
ſtattg
erw. Zuſchr.
mit Lichtb. erb u
J. 228 an Geſchſt.
(Anonym zwecklos

Neigungsehe
w. Frl., 30 J.. d. ſ.
Freude noch in der
Häuslichkeit u. Na=
tur
ſucht. Anonym
u. Verm. verbeten.

Diskret. zugeſ. Zu
ſchr. u. K. 22 Gſch.

29 J., 1.70, ſchlank.
blond, ſtaatl. feſt=
angeſtellt
, penſions=
berechtigt
, günſtige
Aufſtiegsmöglichk.,
wünſcht eine ideal=
geſinnte
. Dame bis
höchſtens 28 J. zw.
Neigungsehe kenn.
z. lernen. Briefe v.
Damen mit ernſter
u. dabei doch ſonn.
Lebensauffaſſung
erreichen mich unt.
K. O. 135 an Ala
Haaſenſtein
&E Vogler,
Frankfurt a. M.
(II. Bln. 851)

Läufer-Stoffe
Möbel-Stoffe
Dekorations-Stoffe
Divan-Decken
Tisch-Decken
Stepp-Decken
Reise-Decken
Koltern Felle

Lehrer
29 J., 1.70, ſchlank=
blond
, ſtaatl. feſt=
angeſtellt
, penſions=
ber
., günſtige Auf=
ſtiegsmöglichkeit
, w.
eine idealgeſ. Dame
bis höchſtens 28 J.
zwecks Neigungsehe
kennen zu lernen.
Briefe v. Damen m.
ernſter u. dabei doch
ſonn. Lebensauffaſ=
ſung
erreichen mich
unter J. 193 durch
die Geſchäftsſtelle.*

Geb. Dame, 30 J.,
vollſchl., 1.65 groß,
m. ſch. eing. kompl.
3=Z.=Whg., tüchtige
Hausfrau, ſchuldlos
geſch., w. die Bek.
ein geb., charakterv.
Herrn v. 3050 J.
zw. harmon. Ehe.
Vertrauensv. Zuſch.
m. Ang. d. Verhält=
niſſe
ſind z. richt. u.
J. 216 a. d. Gſchſt.*

1O auf Teppiche,
Vorlagen, Brücken

Lolste 7

Mittlerer Beamter,
Sparkaſſenoberſekr.,
33 J., 1.71, dunkel=
blond
, gt. Monats=
eink
. u. Vermögen,
wünſcht ſich m. ein.
Dame bis zu 32 J.
verheiraten. Die=
ſelbe
ſoll anpaſſgs., warmherzig
und ſehr kinderlieb
ſein. Der Haupt=
wert
wird auf den
Menſchen gelegt. (*
Zuſchr. (anonym o.
poſtlag. zwecklos) u.
J. 183 a. d. Geſchſt.

auf Reste u. Restbestände

Milil. Beamker
( Sparkaſſenober=
ſekret
.). 33 J.. 1.71
dunkleblond. gutes
Monatseinkommen
u. Vermög., wünſcht
ſich mit ein. Dame
bis 32 J. z. verhei=
raten
. Dieſelbe ſoll
anpaſſ.=fäh., warm
herzig u. ſehr kind. ſein. D. Haupt=
wert
w. auf d. Men=
ſchen
gelegt. Diskr.
w. erbet. u. zugeſ.
Zuſchr. (anonym o.
poſtlag. zwecklos) u.
N. K. 112 an Ala

Haaſenſtein &E Vog=
er
, Frankfurt a.M.
(II. Bln.852)

Höherer Beamter
(Akademiker) 39 J.,
1.70, i. feſt. Staats=
ſtellg
. u. gut. Ver=
mögenslage
, ſucht
Heirat m. liebe=
voll
. Lebensgefähr=
tin
(Alter nur bis
38 J.), die wirt=
ſchaftl
. befähigt u.
hauslich veranlagt
ſt. Gegenſeit. Dis=
kret
. ſelbſtverſtänd=
lich
! Nichtanonyme
Zuſchrift. u. J. 195
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rordnung zur Durch=
führung
der Bürgerſteuer 1931 vom
1. X. 1931. (R. G. Blatt I. Nr. 66) haſtet
der Arbeitgeber, ſoweit die Bürgerſteuer
durch Einbehalten eines Lohnteils zu
entrichten iſt, für die von ihm einzube=
haltenden
Beträge. Der Arbeitgeber, in
deſſen Dienſten der Arbeitnehmer an den
jeweiligen Fälligkeitstagen ſteht, hat bei
der nächſten auf die Fälligkeit folgenden
Lohnzahlung den Teilbetrag der Bürger=
ſteuer
vom Arbeitslohn einzubehalten
und binnen einer Woche danach an die
Stadtkaſſe abzuführen. (Siehe Seite 4
der Steuerkarte 1932).
Kommt ein Arbeitgeber ſeiner Ver=
pflichtung
zur Abführung der einbehal=
tenen
Bürgerſteuerbeträge nicht innerhalb
der vorgeſchriebenen Friſt von einer
Woche nach, ſo hat er dies bis zum Ab=
lauf
der Friſt der Bürgermeiſterei anzu= EhRlSſoet-
zeigen
. Unterläßt er dieſe Anzeige oder
die Abführung der Steuer innerhalb der
feſtgeſetzten Friſt, ſo kann gegen ihn wegen
Steuerzuwiderhandlung im Wege des ANHäNGER
Strafverfahrens vorgegangen werden.
Auf dieſe Verpflichtungen und ins= zirtschattliche
beſondere auf dieſe neue Anzeigepflicht,

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ſowie auf die für den Fall ihrer Nicht=
beachtung
eintretenden Folgen machen
wir die Arbeitgeber hiermit nachdrück= Frankfurl a. H. Fechenhein
lichſt aufmerkſam.
(St. 649
Darmſtadt, den 6. Januar 1932.
Bürgermeiſterei.
Jagdverpachtung.
Samstag, den 23. Januar 1932, nach=
mittags
um 3 Uhr, wird im Gaſthaus
Zum Morgenſtern in Siedelsbrunn
die Gemeindejagd öffentlich an die Mei=
Lietenden auf 6 Jahre verpachtet. Das
Jagdgelände beſteht in 124 Hektar Wald
und 256 Hektar Feld und Wieſen. Es
iſt ein guter Wildbeſtand in Rehen,
Haſen und Hühnern vorhanden. Der
Jagdbezirk iſt bequem vom Bahnhof
Kreidach i. Odw. in 20 Minuten zu er=
reichen
und der Ort iſt Haltepunkt der Stühle u
Autolinie Weinheim Waldmichelbach, werden u.
Siedelsbrunn, den 8. Januar 1932. angenomme
Heiſiſche Bürgermeiſterei.
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AUTOLISTE Nr. 78
Enthält die Meldungen (Ab- und Zugänge) von Kraftfahrzeugen jeder
Art der 18 Kreise des Volksstaats Hessen (Kennzeichen: VS. VR. u0
für die Zeit vom 16.31. Dezember 1931. Diese Meldungen sind sonst
nicht zugänglich, also nur durch uns erhältlich.
Die Auto-Listen enthalten die Angaben in folgender Reihen-
folge
: Name, Beruf, Wohnort des Kraftfahrzeugbesitzers, Fahr-
zeugart
, Hubraum in ccm und PS (bei Lastkraftwagen: Eigen-
gewicht
in kg und PS), Fabrikat und Motornummer, Fabrikneue
Fahrzeugs sind durch F kenntlich gemacht. Die Meldungen sind
geordnet nach den drei Provinzen (VS, VR, VO) und Kreisen.
und innerhalb dieser nach Fahrzeugarten. Abgemeldete
Fahrzeuge werden besonders geführt. Die Autolisten sind
unentbehrllch, weil sie laufend
neuestes Adressenmaterial
liefern. Sie erscheinen alle 14 Tage, also monatlich zwel Listen.
Die spätestens am 8. eines Monats ausgegebene Liste enthält die
Meldungen vom 16. 30. (31.) des voraufgegangenen Monats und
die spätestens am 23. eines Monats ausgegebene Liste die Mel-
dungen
vom 1.15. des gleichen Monats.
BeZug3pre /2:

[ ][  ][ ]

10. Zanuar 1932
Illuſtrierte Wochenbeilage
Nummer 2
HHAHHAAAI
HHAHHUnnanaT
HnngnnnanzEznHgagnagnangnn
AAAHAHHAHBAAEHAAA

Gibt es überhaupt noch
richtige‟ Winter?
Es iſt eine Klage, die wir wieder und
wieder von den Aelteren zu hören bekommen:
Heute gibt es ſa gar keine richtigen Winter
mehr. Su unſerer Seit ..." Sugegeben,
daß uns die Chronik alter Seiten von Kälte=
wellen
berichtet, von denen wir uns heute
kaum noch eine Vorſtellung machen können.
1281 und 1381, da dauerte der Winter in
ganz Mitteleuropa ſieben Monate, und um
Weihnachten war die Oſtſee ſo weit zuge=
froren
, daß man von Lübeck nach
Kopenhagen mit dem Schlitten
übers Meer fahren konnte!
Im Winter des Jahres 1400, fror der
Wein in Häuſern und Kellern. Die Gaſtwirte
verkauften ihn pfundweiſe . . . 1435 konnte
in ganz Süddeutſchland kein Wein geerntet
werden, weil Mitte Oktober ſchon die ganze
Weinernte erfroren und eingeſchneit war.
1597 lag ſoviel Schnee, daß ein Kaufmann
mit ſeinem Schlitten, die Stadtmauern der
Stadt Leipzig überfuhr. 1667 lief man drei
Monate lang auf der Elbe bei Dresden
Schlittſchuh und das war gar keine be=
ſondere
Senſation.
1709 muß es einen beſonders ſtrengen
Winter gegeben haben. Der Chroniſt meldet,
daß der Speichel zu Eis wurde, ehe er den
Boden erreichte! Noch im Mai lag Schnee,
ſo daß von einer Ernte der Winterſaat keine
Nede ſein konnte. Furchtbare Einzelheiten
werden über die Folgen des ſchweren Winters
1740 erzählt. Damals erfroren die Neiſenden
auf der Jahrt Schlitten mit erfrorenen
Reiſenden fuhren vor den Gaſthäuſern vor.
Die Ciere im Walde, die Haustiere in den
Ställen fanden zu Cauſenden den Cod durch
Froſt. Wer über die Straße ging, dem zer=
ſprang
die Haut im Geſicht, und die Milch
im Krug, der Wein in der Flaſche wurde zu
Eis. Selbſt in Spanien lag der Schnee
zehn Fuß hoch; die kleinen Vögel fielen
tot aus der Luft herunter und in der Pro=
vence
erfroren ſämtliche Oelbäume.
Als Gefolge dieſer verheerenden Com=
veratur
=Kataſtrophen ſtellten ſich natürlich
Krankheiten und Epidemien ein. Und kaum
hatte das wirtſchaftlich ſo ſchwer geſchädigte
Land ſich etwas zu erholen geſucht, kaum
hatte man die Waldungen neu aufgeforſtet,
die Wildbeſtände wieder vermehrt und den
Ausfall der Ernte durch ſorgfältigſte Boden=
kultur
zu beheben geſucht, ſo brach ſchon ein
neuer Schreckenswinter herein. 1789, 1812,
1830, 1864 brachten Wintermonate, von
deren furchtbarer Kältewirkung noch alte
Schriften erzählen. So alſo ſahen die rich=
tigen
Winter aus.
Aber es gab auch andere Winter. Bei=
ſpielsweiſe
hatten die Vögel im Jahre 1185
ſchon zu Weihnachten Junge im
Neſt ſo ſehr täuſchte ſie die frühlings=
hafte
Witterung über die Jahreszeit hinweg.
1301, 1494, 1586 gab es ſchon im Januar
eine Baumblüte in Süddeutſchland. 1420 gar
gab es ſchon zu Neujahr Pfirſichblüten und
friſche Waldveilchen! Dafür hingen aber am
Himmelfahrtstage die Eiszapfen von den
Dächern herunter. Im Winter 1795 gab es
nicht ein einziges Mal Eis und trotzdem
kam ein ſchönes Frühjahr und eine prächtige
Ernte. Das Jahr 1787 brachte für Deutſch=
land
eine ganz beſondere Ueberraſchung. Im
Januar blühten die Kirſchbäume zum erſten
Male, im Oktober zum zweiten Male

und in beiden Fällen ſoll die Ernte durchaus
nicht ſchlecht geweſen ſein!
Verhält es ſich nun wirklich ſo, daß wir
in jüngerer Seit keine ſolch ausgeſprochenen
Winterszeiten mehr haben? Sind wir in eine
Epoche der allgemeinen Mittelmäßigkeit ge=
raten
, in der ſelbſt das Wetter keine Aus=
nahme
macht? Man hat eine Statiſtik auf=
geſtellt
, die uns darüber aufklärt: von 1000
Wintern können mit Negelmäßigkeit nur
neun als ungewöhnlich ſtreng bezeichnet
werden, 22 ſind ſehr ſtreng, 83 ſtreng
und 154 kalt. Und da in der Natur alles
mit einer gewiſſen Geſetzmäßigkeit vor ſich
geht, ſo entſprechen den neun übermäßig kal=
ten
Wintern ebenfalls neun, die als unge=

wöhnlich milde angeſehen werden müſſen.
Bierzig ſind mit ſehr milde zu bezeichnen,
205 als milde, von den übrigbleibenden
Wintern ſind etwas mehr als die Hälfte dann
noch den milden Wintern zuzurechnen. Soviel
ſagt die durchaus objektive Statiſtik und
ſie beweiſt, da ihre Berechnung ſich über ein
vergangenes Jahrtauſend erſtreckt, daß ganz
allgemein die milderen Winter an Sahl den
kalten Wintern überlegen ſind. Schon von
jeher, und nicht erſt heute.
Wir haben heute mit genau ſo ſchweren
Wintern zu rechnen wie ehemals. Man iſt
in keinem Jahr ſicher davor, und die Erin=
nerung
an den Winter des Jahres 1928 mag

ja auch noch friſch ſein! Es verhält ſich nur
ſo, daß die großen Kälteeinbrüche ſich der
Erinnerung ſtärker einprägen als eine durch-
ſchnittliche
Witterung. Aber in unſerer heu=
tigen
Lage wird ſich niemand nach einem
ungewöhnlich ſtrengen Winter ſehnen.
V. Solmſen.
Warum frieren wir?
Die 250 000 Froſtpunkte der
menſchlichen Haut.
Welche Temperaturen vermögen Lebeweſen
zu ertragen? Das iſt ſehr verſchieden. Manche
Infuſorien leben in heißen Quellen von über
80 Grad Wärme; viele Bakterien fühlen ſich
in Cemperaturen, die über dem Siedepunkt
liegen, ebenſo wohl wie in der unvorſtell=
baren
Kälte, die beiſpielsweiſe verflüſſigte
Luft hat etwa minus 180 Grad Celſius.
Auch höher organiſierte Ciere leiſten Außer=
ordentliches
an Widerſtandskraft: Fiſche,
die ringsum eingefroren waren, lebten weiter.
Maßgebend für das Froſtgefühl, das der
Menſch bei Kälte empfindet, iſt nach Maß=
gabe
der Wiſſenſchaftler der Gefrier=
punkt
der Eiweißlöſungen, aus
denen zum großen Ceile ſeine
Sellen beſtehen: 2,5 Grad Cel=
ſius
. Durchdringt dieſe oder gar noch eine
größere Kälte die Organgewebe und das
Blut, ſo gefrieren ſie, und zwar unter Um=
ſtänden
ſo ſtark, daß eine Erholung nicht
mehr eintreten kann.
An der außerordentlich ſtarken Neaktion
des Menſchen auf Kälteeinwirkung ſollen die
250 000 Froſtpunkte des menſchlichen Kör=
pers
ſchuld ſein. Mit Kältepunkten bezeichnet
man den Grad der Empfindſamkeit gegen
Kälte. Es gibt Ceile des menſchlichen Kör=
pers
, wo auf 1 Quadratzentimeter 20 Kälte-
punkte
kommen, und andere, die deren nur
5 aufweiſen. Das hat natürlich ſchon jeder
am eigenen Leibe beobachtet man friert
nicht allenthalben gleichmäßig. Nicht umſonſt
bedockt man die Hände die hochempfindlich
ſind mit Wollhandſchuhen, während das
Geſicht unbedockt bleibt.
Der Menſch friert alſo an den Kälte=
punkten
ſeiner Haut. Die Nerven übermit=
teln
dieſen Neiz den verſchiedenen Organen,
Herz, Lunge und Blutbahn. Die Blutgefäße
der Haut verengern ſich, die Haut bekommt
weniger Blutzufuhr und damit auch weniger
Wärme, wird erſt blaß, dann bläulich. Die
Nerven, die das Kältegefühl weiterleiten,
verſetzen die verſchiedenen Muskelgruppen in
krampfartige Erregung. Der Menſch zt=
tert
vor Kälte‟.
Alle dieſe Sumptome ſind Alarmſignale
des Körpers. Wenn ſie nicht beachtet werden
und die Kälteeinwirkung ſo ſtark wird, daß
der Körper nicht mehr darauf reagiert, dann
treten ſchwere Froſtſchäden, dann tritt im
ernſteſten Falle der Cod durch Erfrio=
ron
ein. Dieſer Cod durch Erfrieren iſt
eigentlich ein Erſtickungstod. Die Bluttem=
peratur
iſt ſo erniedrigt, daß die weißen
Blutkörperchen, die Cräger des Sauerſtoffs
im Blut und in den Organen, zerfallen. Dioſe
Blutkörperchen ſind jedoch die eigentlichen
Cräger und Vermittler der inneren Atmung.
Im Körper ſetzt, wenn ſie ihre Arbeit vor=
laugſamen
, eine Ueberfüllung, eine BVer=
giftung
mit Kohlenſäure ein. Die
Arbeit des Herzens und der Atmung wird
gehemmt und verlangſamt. Die Körperfunk=
tionen
erlöſchen langſam, der Menſch ermüdet
und wird von unüberwindlicher Schlafſucht
befallen. Auch Gefühl und Sinnosorgane
ſtellen ihren Dienſt ein der Menſch ſinkt
ſchmerzlos dem weißen Cod in die Arme.
Damit iſt nur der äußerſte Fall ange=
nommen
, immerhin aber beweiſt gerade die
Schmerzloſigkeit des weißen Codes, wie ge=
fährlich
er iſt und wieviel Sorgfalt der
Menſch Froſtſchäden gegenüber aufwenden
K. 2.
muß.

HHHAAHHHAAAAIAAAIIAAAAAnagAnganaHaEaHHnngHHIBFägannAEagnganHnnnHEnEAHnnEhAAkägägHEAzABaggagagnranganägnnnganzgsaannnaß

[ ][  ][ ]

Von Wilhelm Schmidtbonn.

Es tut wahrhaft wohl, wenn einmal nicht nur
Männer wie Rockefeller oder Henru Sord als
Vorbilder der Menſchheit angeſprochen werden.
Seit ein paar Jahren geht ein ſtiller, täglich
wächſender Ruhm von einem Maune ganz an=
derer
Art aus. Bon einem Mann, der keines=
wegs
darnach trachtet, Milliardär zu werden.
Der es keineswegs für ſein Ideal anſieht, den
Menſchen das-Leben praktiſcher einzurichten.
Von einem Mann, der vielmehr ſein ganzes
Leben opfert, nur um den Aermſten der Armen,
den Verlaſſenſten der Verlaſſenen, das Leben
zu retten. Dem der Urwald mit ſeinen Gefahren
Entbohrungen, Strapazen nicht zu weit iſt, um
ſein Hilfswerk in Gang zu ſetzen. Der dabei
völlig darauf verzichtet, Geld zu verdienen, viel=
mehr
ein ſo veraltetes Dig, wie ſein Herz,
allein ſprechen läßt. Es iſt die Rede von jenem
Doktor Albert Schweitzer aus Straßburg, der
als Philoſoph, Pfarrer, Univerſitätsprofeſſor,
Orgelvirtuoſe, Muſikhiſtoriker ſich einen weiten
Namen ſchuf, Konzerte in Berlin und Paris
gab und eine tiefgründige Bach=Biographie
ſchrieb.
Dieſer Dr. Schweitzer lieſt eines Cages in
der Seitung von der unbeſchreiblichen Not der
Neger am Kongo, die von der Schlafkrankheit
befallen ſind. Hanze Gebiete drohen auszuſter=
ben
. Wenn alles ſo bleibt, wird Sentralafrika
in fünfzig Jahren entvölkert ſein. Aber ſelbſt,
wenn es gelingt, Kranke am Leben zu halten,
ſiechen die Unglücklichen in entſetzlichen Schmer=
zen
dahin.
Dr. Schweitzer iſt erſchüttert. Millionen
Menſchen leſen dasſelbe und ſind erſchüttert.
Einige tauſend Aerzte leſen es, die in Europa,
zumal in Deutſchland, überzählig eder mindeſtens
leicht zu entbehren ſind. Aber nur dieſer eine
Menſch, Philoſoph, Prediger, Orgelvirtuoſe,
beſchließt in der gleichen Stunde, Arzt zu wer=
den
und nach Afrika zu reiſen, um zu helfen.
Dieſer eine Menſch wirft ſein ganzes bisheriges
Daſein fort, ſeine ganze materielle Exiſtenz,
fremder, unendlich entfernter Menſchen wegen.
Er hört auf keine Vorſtellungen und Warnun=
gen
der Verwandten, Freunde, Kollegen. Vom

Der Vater.
Skizze von Elſe Nabe.
Die Schulglocke hat die Pauſe eingeläutet.
Die Horde der Kinder ſtürzt ſich mit Getöſe die
Creppen hinab in den Hof.
Aber die Schülerinnen der höheren Klaſſen,
die Backfiſche und jungen Damen, gehen lang=
ſam
, Arm in Arm, in eine Ecke des Spielplatzes
und vermeiden Begegnungen mit der ungebär=
digen
Menge der Kleinen. Sie ſetzen ſich mit
übergeſchlagenen Beinen auf die Bänke und
leſen, ſie plaudern u: d promenitren, einige ler=
nen
, andere üben ſich in tiefſinnigen Geſprächen,
Suſanne Lerch lehnt am Saun und blickt zu
einer Gruppe jüngerer Mädchen hinüber, die
ſich noch mit einem kindlichen Spiel die Seit
vertreiben.
Albern, nicht wahr ſagt Ellinor, ihre
Sreundin, während ſie den Arm um Suſannes
Schultern legt.
Sagteſt du nicht neulich, daß du dieſes Mäd=
chen
dort kennſt? fragt Suſanne, während ſie
ſich ſanft aus der Umarmung zu löſen verſucht.
Die kleine Braune? Das iſt doch die Karin
Lerch. Ja, denke dir, ſie heißt genau wie di=
Ihr ſeid doch nicht verwandt?
Nein, ſagt Suſanne, und weil ſie fühlt, daß
ſie rot wird, wendet ſie ſich raſch um.
Es iſt ſo langweilig hier meint ſie. Wol=
len
wir nicht dort hinübergehen?
Wie ſie guer den Platz überſchreiten, ſtreift
Suſanne die lebhaft umhertollende Karin.
Verzeihung, flüſtert ſie und wird blaß. ver=
wirrt
.
Cag, Karin, ſagt Ellinor, wie die Kleine
ſich entrüſtet umſieht.
Ach, du biſt’s ruft Karin aus. Sie unter=
bricht
ihr Spiel und hängt ſich an Ellinors Arm.

Profeſſoren=Lehrſtuhl begibt er ſich wieder au
die Bank der Studenten, in Anatomie und La=
boratorien
, unterzieht ſich den Prüfungen wie
ein junger Anfänger. Sein einziges Wort iſt:
Einer muß anfangen! Muß! Dr. Schweitzer
erlangt die notwendigſten Mittel zur Ausreiſe
von einer Miſſionsgeſellſchaft und ſteigt mit
ſeiner tapferen jungen Frau im Juli 1915 i
Bordeaux auf den Dampfer. 72 Kiſten mit
Medizin und Apparaten nimmt er mit ſich, dazu
eine kleine Orgel, ohne die der Künſtler nicht
leben kann. Wovon wird er da unten leben?
Von den armen Schwarzen iſt irgendein Arzt=
honorar
nicht zu erwarten.

Was iſt die Schlafkrankheit? Sie hat an=
ſcheinend
immer in Afrika geherrſcht. Aber erſt
der Verkehr der Neuzeit hat ihr dieſe ungeheure
Ausdehnung gegeben. Dringt die Krankheit in

ſollte. Er reiſte zwar nach Afrika, von einer
dumpfen Stimme in ſich getrieben. Aber wie
alle wahrhaften Männer der Cat ging er nach
gut überlegtem Plan vor. Elſäſſiſche MNiſſio=
näre
waren am Ogoweſtrom tätig. Er wandte
ſich an ſie, und man wies ihm ein Haus auf der
Station Lambarene zu. Der Ogowe ſtrömt 1200
Kilomoter lang parallel dem Kongo. 350 Kilo=
meter
von der Küſte iſt er ſchiffbar. Hier wach=
ſen
Kaffee, Pfeffer, Simt, Vanille, Kakao, Oel=
palmen
. Aber der Haupthandel gilt dem uner=
meßlichen
Holzbeſtand des Urwalds. Die Jahres=
temperatur
hat einen Durchſchnitt von otwa 50
Grad. Die Nächte ſind ebenſo feucht und heiß
wic die Cage.
In Lambarene angekommen, entſchloß ſich
Dr. Schweitzer ſofort zum Bau eines Spitals.
Spital! Ein Hühnerſtall ſteht ihm zur Ver=
fügung
. Die Sprechſtunde wird draußen im
Schatten abgehalten. Jeder Kranke erhält eine
Dappſcheibe um den Hals, auf der ſeine Num=
mer
, ſeine Krankheit, ſeine Medikamente ver=
zeichnet
ſind. Schweitzers Frau hat Inſtrumenio
und Verbandmittel unter ſich und aſſiſtiert bei
Operationen. Aber bafd gelang es Schweitzer,
von der Miſſion 2000 Sranken zum Bau eines
größeren Krankenhauſes zu erhalten. Natürlich
darf man nicht an ein Hoſpital im europäiſchen

ein neues Gebiet, ſo tritt ſie anfangs beſonders
mörderiſch auf. Ganze Dörfer verſchwinden in
wenigen Jahren vom Erdboden. Die Krankheit
beginnt mit Sieber, unerträglichen Kopfſchmer=
zen
, die zum Wahnſinn und zur Cobſucht treiben
können. Und manchmal iſt ein erſchreckender
Schwund des Gedächtniſſes das erſte Seichen.
Nach einigen Jahren beginnt die Seit des ver=
mehrten
Schlafbedürfniſſes, bis der Schlaf im=
mer
feſter wird und endlich in volle Gefühlloſig=
keit
übergeht. Waſſer und Kot gehen unbeachtet
ab, der Rücken bedeckt ſich vom Liegen mit
Geſchwüren, die Knie ſind an den Hals gezogen.
Cödliche Gehirnentzündung tritt ein. Verurſacht
wird die Schlafkrankheit durch den Stich einer
kleinen Fliege, der TCſe=Cſe, die lautlos am Cage
fliegt.
Dr. Schweitzer ſtand nun vor der Frage,
welſches Gebiet er zuerſt beſuchen und bearbeiten

Sinne denken. Es handelt ſich um nichts als um
eine Wellblechbaracke. Die Fenſter gehen bis
unters Dach, ſo daß die heiße Luft ſich nicht in
der Höhe ſammeln kann, und jeder erſtaunt iſt,
wie kühl es in einer Wellblechbaracke zu ſein
vermag. Unter dem Dach ſind weiße Cücher
geſpannt als Schutz gegen die Moskitos. Heute
gibt es ſogar ein eigenes kleines Gebäude mit
ſechs Kammern für Geiſteskranke.
Crotz allen Grauens bietet das Spital mit
ſeinen Kranken ein unendlich abenteuerliches
Bild. Die Kranken kommen mit ihren ganzen
Samilien an. Die männlichen Mitglieder der
Familie gehen nach der Aufnahme des Kranken
ein paar Schritte abſeits in den Urwald und
bauen gleich an Ort und Stelle das Bett für
den Patienten zurecht. Die Kranken ſind ſeh=
abergläubiſch
und halten auch den europäiſchen
Arzt für nichts anderes als einen Sauberer.

Vom Hahnreißen bis zu den gefährlichſten
Operationen macht er alles. Viele Kranke ſind
furchtſam. Ein kleiner Knabe weinte entſetzlich,
denn er hielt den Doktor für einen Menſchen=
froſſer
. Ein ſolcher war für ihn durchaus nicht
eine Art Märchenfigur, ſondern der Junge ge=
hörte
zum Stämme der Pahouins, in dem die
Menſchenfreſſerei bis heute nicht exloſchen iſt.
Sonntags hält Schweitzer ſelbſt Gottesdienſt
ab, und er hat eine Gemeinde, wie es ſie auf der
ganzen Welt wohl nicht zum zweitenmal gibt.
Unter den Kranken befinden ſich viele, die noch
nie ein Wort vom Chriſtentum gehört haben.
Ein Heilgehilfe ruft alle Hörer mit einer Glocke
zuſammen. Bis alle ſich eingefunden haben, iſt
eine halbe Stunde vorbei. Man ſitzt, um Schat=
ten
zu haben, unter dem vorſpringenden Dach.
Rechts und links von Schweitzer ſteht je ein
Dolmetſcher, ein Pahoum und ein Bendjabi.
Einige Suhörer kochen während des Gottes=
dienſtes
ihr Eſſen, eine Mutter wäſcht ihr Kind.
Ein Mann flickt ein Fiſchnetz. Ein anderer legt
den Kopf in den Schoß eines Kameraden, um
ſich in aller Sriedlichkeit lauſen zu laſſen. Schafe
und Siegen kommen und gehen. Die Weber=
vögel
in den Bäumen machen einen derartigen
Lärm, daß der Prediger kaum mit der Stimme
durchdringt. Ueber der Gemeinde turnen zahme
Affen auf dem Wellblechdach. Natürlich beſteht
eine Predigt hier faſt nur aus der urſprüng=
lichen
Erzählung von Gleichniſſen, die aus dem
Alltagsleben der Schwarzen genommen ſind.
Die Suhörer ſind gerade darum ganz Ohr. Of4
unterbracht Schweitzer ſich und fragt, ob jeder
ihn verſtanden oder einer etwas einzuwenden
hat. Dann antwortet ein lauter Chor, daß es
ſo recht ſei.
Was hat Schweitzer nun erreicht? Er hat
in faſt zwanzig Jahren Cauſenden und Aber=
tauſenden
von Kranken Linderung und Heilung
gebracht Menſchen, die ſonſt wie die Ciere
des Urwalds ſich hätten verkriechen und ver=
recken
müſſen. Er hat edelſte Menſchlichkeit in
ein weites Gebiet getragen. Sein Beiſpiel hat
die Regierungen aus trägem Nichtstun wach=
gerufen
. Ueberall iſt der Kampf gegen die Epi=
demien
aufgenommen. Alle paar Jahre reiſt
Dr. Schweitzer nach Europa nicht um auszu=
ruhen
, ſondern um Orgelkonzerte in den großen
Städten zu geben, die ihm die Mittel liefern,
ſein Spital weiter auszubauen. Ein unermüd=
lieher
Aenſchenfreund !

Wollen wir heute nachmittag wieder zuſam-
men
ſchwimmen? Sag’ ja, bitte. Damit ſchnei=
det
ſie ſuggeſtiv und beſtrickend jeden Einwand
ab. Ihre blanken dunklen Augen ſchweifen klug
und lebendig umher.
Geht ihr in eine Klaſſe? fragt Karin mit
einem Blick auf Suſanne.
Ja, das iſt doch meine Freundin Suſanne,
die genau
Suſanne ſtößt ſie an und ſagt ſehr laut:
Uebrigens um welche Seit geht ihr in die
Badeanſtalt? Ich komme auch.
Ellinor vergißt darüber, von der Namens=
gleichheit
zu ſprechen.
Weißt du, ſagt Karin plötzlich zu Suſanne,
es wäre ſehr ſchön, wenn du auch kämſt. Soll
ich dich abholen?
Nein, ich weiß noch nicht. Wir treffen
uns dort. Alſo auf Wiederſehen!
Suſanne reicht der neuen Kameradin die Hand
und zieht Ellinor zum Schulgebäude hinüber.
Wie ſie ſchon faſt vor der Cür angelangt ſind,
eilt Karin im Bogen an ihnen vorbei ſie iſt
ſchon wieder mitten in ihrem Haſchenſpiel
und ruft: Ihr müßt aber pünktlich ſein, ja!
So iſt ſie immer, meint Ellinor im Weiter=
gehen
, furchtbar wild, aber ein lieber Kerl.
Je muß dir etwas erzählen, flüſtert Su=
ſanne
plötzlich. Willſt du mit mir in die Klaſſe
kommen?
Ja haucht Ellinor in großer Spannung und
drückt freudig erregt den Arm der Freundin.
Im leeren dunklen Korridor bleibt Suſann=
ſtehen
. Du gibſt mir dein Ehrenwort, daß du
mit niemand mit keinem Menſchen dar=
über
ſprichſt!
Alſo Suſi, Ehreulache!
Ja, dann will ich dir geſtehen, daß ſie mein
Schweſter iſt
Ver

Karin.
Nicht möglich. Was ſagſt du d. ?
Suſanne nickt. Mein Vater iſt nicht tot,
aber aber du darfſt nicht darüber ſprechen:
meine Eltern ſind nämlich geſchieden.
Da iſt doch nichts dabei, wir haben noch
mehr ſolche Mädchen in der Klaſſe, und du biſt
ja bei deiner Mutter. Denke dir: Annemie, die
ihre Mutter nicht ſehen darf und ſich nur heim=
lich
mit ihr trifft!
Ja, aber man hat mir nicht geſagt, daß mein
Vater lebt, und ich habe ihn noch nie in meinem
Leben geſehen. Geſtern belauſchte ich zufällig
bei meiner Cante ein Geſpräch, und Karin
Karin iſt ſeine Cochter. Sie wohnen erſt ſeit
kurzem hier in der Stadt.
Ellinor pfeift leiſe vor ſich hin. So iſt das!
Er hat alſo noch einmal geheiratet.
Suſanne ſchluchzt plötzlich auf.
Aber wie kannſt du denn deswegen weinen?
Sieh mal, das iſt doch ſo natürlich und kommt
wirklich oft vor. Deine Eltern h.ben ſich eben
nicht verſtanden, und da ſind ſie au einander=
gegangen
. Erſt geſtern haben meine alten Herr=
ſchaften
wieder von ſo einem Fall geſprochen.
Wirklich, du brauchſt deswegen nicht zu weinen.
Du nimmſt überhaupt alles viel zu ſchwer.
Sie zieht ihr die Hände vom Geſicht und
ſtreicht mit mütterlichen Gebärden über ihre
Haare.
Das kannſt du nicht verſtehen, ſtammeit
Suſanne, was das für mich iſt.
Doch, da ich meinen Vater ſo ſehr liebe.
Ja, Las iſt es, du. Sie ſchluckt an neuen
Cränen. Sch habe ſein Bild gehabt und konnte
mich mit ihm anterhalten. Ich habe ihm in Ge=
danken
alles erzählt, beſonders wenn die anderen
mich nicht verſtanden. Dann wurde ich glücklich
in dem Gedanken, wie ſchön es wäre, wenn er
lebte. Und nun iſt er Karins Vater.

Aber deswegen bleibt er doch auch dein
Vater.
Nein, ſagt ſie leiſe. Er gehört Karin und
und Karins Mutter. Und dann ſind noch
zwei Jungens. Alle dieſe Menſchen liebt er, und
mich kennt er gar nicht, weil er für mich tot
ſein ſoll.
Arme Suſanne, dann willſt du wohl Karin
auch heute nicht treffen. Ich werde ihr ſagen,
daß du nicht kommen konnteſt.
Ja, willſt du das? Aber ach, ich weiß
nicht. Sieh mal, ich habe ſie doch auch ſehr
gern, die Karin.

Die feuchtwarme Luft der Schwimmhalle, das
Kreiſchen und Plätſchern der Badenden hinter
Suſannes Sellentür verſtärkten den Eindruck
des Unwirklichen, der ihrer Erregung vor dem
Wiederſehen mit Karin entſpringt. Sie zupft an
ihrem Badeanzug, ehe ſie die Selle verläßt, ſie
ſchämt ſich ihrer körperlichen Blößen und weiſt
nicht, daß ihr aufgeſtörtes Gefühlsleben ſich zu
verbergen bemüht.
Karin hat ſie ſofort bemerkt. Sie läuft ihr
entgegen und umarmt ſie, ſo daß Suſaune vor
der Berührung mit der kalten Näſſe ihres trie=
fenden
Anzuges erſchreckt zurückfährt. Karin
will ſich au=ſchütten vor Lachen.
Sie folgt der neuen Freundin in enthuſiaſti=
ſcher
Anhänglichkeit und beſteht darauf, Suſanne
die Schwimmbewegungen zu lehren, damit ſie
ſpäter mit ihr im tieferen Baſſin tummein
könne.
Ach ſiehſt du, es iſt doch ſo einfach, redet ſie
der Sögernoen zu, mein Vater hat es uns an
der See beigebracht. Ich freue mich ſchon auf
den Sommer, dann haben wir unſeren Bater den
ganzen Cag. Du glaubſt nicht, wie großartig er
mit uns toben kann.

[ ][  ][ ]

Filmbeſucher.

Wenn man die Menſchen fragt, warum ſio
Ens Kino gehen, ſo wird man ſelten eine befrio=
Sigende Antwort erhalten, weil die wenigſten
zu einer ſolchen Bewußtmachung ihrer einfach=
ton
Lebensinhalte neigen; wenn man ſie aber
ragt, welche Silma ſie bevorzugen, ſo wiſſen ſie
mneiſtens ganz genau zu antworken, dann kom=
rnen
ganz beſtimmte, intereſſaute Suſammen-
Häuge von Su= und Abneigungen zum Vor=
chein
, aus denen mau allerlei Schlüſſe zu ziehen
ind ſchließlich auch die erſte Srage ſich zu be=
antworten
vermtag.
Warum haben ſoviel hochkultivierte und
mſthetiſch feingebildete Menſchen eine Sumpathie
ür Vorſtadtkinos mit Cowbou- Detektiv= und
Sroteskfilmen? Sie ſuchen die Eniſpannung in
Den Darbietungen einer Welt, die ihrem Cha=
rakter
gegenſätzlich zugeordnet iſt. Sie lieben
n dieſen Dingen die naive Einfachheit großer,

Autos und ſehr viel Geld, weil ſie wöchentlich
zwei Stunden Angehörige dieſer Welt ſein darf,
die ihrem alltäglichen Sehnen unerreichbar fern
iſt; weil ſie wieder für kurze Seit mit dieſen
glücklichen Menſchen leben zu dürfen meint,
weil die Gaukeleien dieſer Silme ihr die Arbeit
des Cräumens abuehmen und den unterdrückten
Phantaſien ihres Herzens Geſtalt verleihen.
Dies ſind einfache, verſtändliche Gegenſatz=
boziehungen
; hier wirkt der Silm als Stimulans,
als Reiz= und Nauſchmittel. Nun gibt es aber
auch Menſchen, bei denen eine ſolche Leitlinie
ihrer Liebe zum Silm nicht aufweisbar zu ſein
ſcheint, weil ſie Beſucher jedweder Art von
Kino ſind, weil ſie keine ausgeſprochenen Ao=
aktionen
zeigen. Sehen wir ab von den Gelang=
weilten
, die ihre Leere auf dieſe Weiſe zu be=
täuben
ſuchen, von den innerlich Leidenden, die
ſich und die wirkliche Welt immer wieder im
flimmernden Dunkel der Filmtheater zu ver=
geſſen
ſuchen, ſo bleibt eine Gruppe von Men=
ſchen
übrig, die man als die geborenen Silm=
kritiker
bezeichnen kann. Sie lieben den Silm
als eine der fruchtbarſten, formreichſten und
der zukunftsvollſten Möglichkeiten menſchlicher
Ausdrucksfähigkeit und Wirklichkeitswieder=
gabe
. Sie ſind deshalb ſtreng im Urteil, ſehen
auf den Kern der Sache und laſſen ſich nicht von
den amüſanten oder ſpannenden‟ Cricks
blenden. An die Regie ſtellen ſie die Sorderung,
jeden neuen Silm als neue künſtleriſche Aufgabe
zu behandeln, deren Löſung Cechnik und Men=
ſchen
zu dienen haben. Sie verfolgen mit Eifer
jedes Experiment und empfinden eine ungeheure
Sreude, wenn es gelang, eine neue Seite, einen
ungewöhnlichen Inhalt des menſchlichen Lebens
treffend zu erfaſſen, oder wenn für alltägliche
Situationen eine überraſchende Wiedergabe ge=
funden
wurde. Um ſo unnachſichtlicher rügen ſie
jode Mache und billige Effekthaſcherei, die letzt=
lich
aus dem Widerſpruch entſpringen, daß Film

heute zugleich Profit und künſtleriſchen Fort=
ſchritt
brigen ſoll.
Der kapitaliſtiſche Widerſpruch.
Die photographiſche Cechnik des Films, die
naturgemäß auf das treffendſte zur Wiedergabe
und Abbildung der Wirklichkeit geeignet iſt, hat
ſich zu einem der raffinierteſten Cäuſchungs=

Künſtleriſche nur ſoweit zugelaſſen, als es das
Dublikum und damit das Geld anzulocken be=
fähigt
iſt. Nicht für, ſondern mit der Kunſt
macht man Reklame. Im Kapitalismus iſt Kunſt
an Profit gekoppelt, ja, Kunſt wird zum Ge=
ſchäft
und das Kunſtwerk zur Ware. Das iſt
ein Widerſpruch, für den man nicht das Sumptom,
etwa den Film, verantwortlich machen darf.

unproblematiſcher Leidenſchaften, die Unkom=
oliziertheit
der naturwüchſigen Helden und ihre
ſeigene Begeiſterungsfähigkeit am Abenteuer=
nchen
. Sie ſehen nur auf das Dargeſtellte, nicht
auf die Darſtollung, laſſen alle Anſprüche an
Runſt, Darſteller und Negie beiſeite, ſa, ſind
ſaberhaupt leicht geneigt, dem Silm alle äſtheti=
dchen
Möglichkeiten abzuſprechen und ihn ledig=
nich
als ein ordinäres, aber höchſt wirkſames
SCarkotikum und Entſpannungsmittel anzuſehen.
Die kleine Stenotypiſtin liebt den mondänen
iSilm mit Frackhelden, wunderſchönen Frauen,

mittel entwickelt. Der Begriff des Potemkin=
ſehhen
Dorfes iſt für unſere Seit vollgültig er=
ſeßt
durch den Ausdruck Filmſtadt‟. Die für
irgendeine Szene aliein wichtige Oberfläche,
Kontur eines Gebäudes wird von dieſem kon=
kreten
Ding abſtrahiert, dieſe losgelöſte Be=
ſchaffenheit
aber wieder in eine Wirklichkeit
zurückverwandelt, die jetzt jedoch nur aus dieſer
einzigen, winzigen Eigenheit beſteht, aus dem
Gebäude wird die Kuliſſe. Der Film aber zeigt
nichts von dieſem Betrug und läßt den an=
heimelnden
Charakter der Realität auch von
einem flachen, entſprechend bemalten Holzgeſtell
ausſtrahlen. Warum jedoch wird Wirklichkeit
durch Schein erſetzt, warum verwandelt ſich die
Photographie aus einer Wiedergabe des Ne=
alen
in eine Vorſpiegelung falſcher Catſathen?
Weil es billiger iſt, einen Wüſtenfilm in der
Haſenheide oder eine Großſtadtſzene in einem
Paris aus Pappe zu drehen, als die entſpre=
chende
Wirklichkeit aufzuſuchen. Sogar die
Menſchen werden durch Imitationen erſetzt.
Man leſe E. E. Kiſchs Hollywood=Neportage,
und man wird auch der letzten Illuſion beraubt
werden, daß wir wenigſtens unſere Lieblings=
ſtars
in natura zu ſehen bekommen. Für ſchwie=
rige
oder anſtrengende Szenen gibt es ähnlich
ausſehende Komparſen, die dem koſtbaren Star
die Mühe abnehmen, geſchleift oder verprügelt zu
werden. Selbſtverſtändlich erhält das double‟
hierfür nur ſeinen Statiſtenlohn, während der
tapfere Held für ſeine Qualität, berühmt zu ſein.
entſprechende Gelder bezieht. Das Publikum
acer iſt hingeriſſen von dem Mut und der Ge=
wandtheit
ſeines ſchönen Lieblings.
Weshalb ſieht der Filmherſteller auf die
Billigkeit der Produktion? Weil dieſe im
weſentlichen ein induſtrielles Unternehmen iſt,
das ſich rentieren muß. Silme werden nicht ge=
dreht
, weil ein Negiſſeur einen guten künſtleri=
ſchen
Einfall hat, ſondern weil man dabei gut
verdienen kann; genau genommen wird das

Schauſpiel und Reportage.
Viele Siline können ihre Herkunft aus der
Luft des Cheaters nicht verleugnen; ſie geben
ein Schauſpiel, von dem wir wiſſen, daß es nicht
wirklich iſt; ſie zeigen Akteure in der Volle
irgendeiner Perſönlichkeit, damit wir bewun=
dern
, wie gut Herr R. oder Frl. A. die Maske
und das Koſtüm zu tragen und zu beleben wiſſen.
Es gibt jedoch auch Silme, die unmittelbar als
Realität oder als Neportage einer ſolchen zu
wirken geeignet ſind. Gewiß, auch bei ihnen
handelt es ſich um die Darſtellung eines Ge=
ſchehens
, als ob es wirklich ſei; aber der ent=
ſcheidende
Unterſchied liegt darin, daß wir dieſen
Als=ob=Charakter, dieſe Bildhaftigkeit, nicht
bemerken, daß wir gar nicht auf den Gedanken
kommen, den Film mit der eigentlichen
Wirklichkeit zu vergleichen. Worm liegt z. B.
der Unterſchied zwiſchen zwei Silmen wie Dau=
ton
und Potemkin? Eben darin, daß wir
den einen bewußt als Schauſpiel betrachten, daß
wir genau wiſſen, Kortner als Hauptfigur ſpie=
len
zu ſehen, und daß wir obendrein durch einige
ſchlecht gedrehte Maſſenſzenen peinlich auf die
bloße Cheaterrevolution hingewieſen werden,
während im zweiten uns die Realität des Ge=
ſchehens
unmittelbar packend gegenwärtig iſt.
Hier iſt das Spiel als Spiel vollkommen auf=
gehoben
, der Charakter des Scheins negiert
und die Gegenwart des Silms mit der konkre=
ten
Gegenwart des Suſchauers verſchmolzen.
Hier ſehen wir keine Schauſpieler in der Rolle‟
irgendeiner hiſtoriſchen Perſönlichkeit, ſondern
die gemeinten Menſchen ſelber, keine Statiſten,
die Nevolution ſpielen, ſondern das Aufbe=
gehren
und Aufſtehen der namenloſen Maſſe
Man ſchließe die 62000 Kinos der Welt,
man ſtreiche den Silm aus dem geiſtigen Leben
der Gegenwart und eine Lücke wird entſtehen,
deren Ausfüllung den anderen Kulturgebieten
unmöglich iſt. Wir kritiſieren den Film, weil
ihm unſere ganze Liebe gehört.

Sie erzählt v... Muſchelſammeln, von Kreb=
een
und getrockneten Seeſternen, vom Spiel auf
em gefeſtigten Meeresboden während der Ebbe
er Nordſee.
Wohin reiſt du denn in den Serien?
Sch fahre mit meiner Mutter zu Verwandten
ufs Land, erwiderte Suſanne kleinlaut.
Puh, zu Verwandten! Karin ſchüttelt ſich
Mein Vater ſagt immer: Von den Verwand=
ten
muß man ſich fernhalten, ſie bringen Unfrie=
dion
in den Kreis der Samilie. Sindeſt du das
icht auch?"
Nein, meine Verwandten ſind immer ſehr
gut zu mir, ſagt Suſanne mit verſtocktem Ge=
cht
.
Karin ſetzt ſich auf die Einfaſſung des Baſſins
und fordert Suſanne auf, neben ihr Platz zu
ehmen.
Na, dann ſind das Ausnahmen meint ſie,
Dährend ihre Füße wild im Waſſer pendeln, ſo
die meiſten Badenden vor dem ſpritzenden
Aufruhr zurückweichen. Aber ſicherlich iſt es
tir dich Aermſto furchtbar langweilig. Macht
wine Mutter wenigſtens tüchtig mit?"
Wie meinſt du das? fragt Suſanne be=
remdet
.
Ob ſie mit dir ſpielt und tollt und Luſtiges
erzählt? Meiner Mutter, weißt du, macht das
mächtigen Spaß!
Meine Mutter hat ſehr wenig Seit für mich.
Wochentags iſt ſie im Beruf, und Sonntags und
in den Serien macht ſie Handarbeiten.
Lieber Gott, ruft Karin überraſcht aus
rnacht ſie das zu ihrem Vergnügen?
Gewiß.
Siehſt du, das kommt daher, daß du keinen
Bater mehr haſt, denn der würde das nicht er=
Fuben!
Nein, warum ſollte er ihr das verbieten?
Meine Mutter iſt eben ein ſehr fleißiger

Menſch, ſagt Suſanne nicht ohne gereizte Be=
tonung
, und ſie war es ſchon, als mem Vater
noch lebte.
Aber, Suſanne, ſie hat doch dadurch keine
Heit für dich. Mein Vater ſagt: Suerſt muß
eine Frau für die Freuden ihrer Familie Seit
haben. Und das iſt doch wirklich kein Spaß,
immer zuzuſehen, wie einer iberflüſſige Arbeiten
macht.
Die ſchönen Sachen, die meine Mutter macht,
ſind nicht überflüſſig. Aber dein Vater ſcheint
dir ja merkwürdige Lehren zu erteilen.
Ob, ich finde ihn ſehr vernünftig. Siehſt du,
er meint: Du ſollſt deinen Mann oder deine Kin=
der
nicht dereiſt unzufrieden oder unglückliel
machen, und deswegen ſollſt du dich jetzt ſchon
darauf vorbereiten, einmal ein guter Lebens-
kamerad
zu werden. Sch möchte ganz ſo werden
wio meine Mutter.
Sie ladet Suſanne, die in der Näſſe fröſtelnd
mit blauen Lippen ſtumm neben ihr ſitzt, für den
nächſten Cag ein, damit ſie die Mutter und die
luſtigen Brüder kennenlerne.

Suſgune ſitzt ſteif am Kaffeetiſch der großen
blonden Frau gegenüber und gibt leiſe, kurze
Antworten.
Ach, weißt du, Mutter, ruft Karin aus,
ich habe mir ſchon immer eine Freundin ge=
wünſcht
, die älter iſt als ich und in eine höhere
Klaſſe geht. Und daß Suſanne ſo ernſt und klug
iſt. gefällt mir auch!
Da ſiehſt du wieder, wie die Gegenſätze ſich
anziehen. meint die Mutter lächelnd.
Die beiden Knaben bre ben in brüllendes Ge=
lächter
aus.
Der Gegenſatz von klug! rufen ſie und
necken die Schweſter, bis ſie mitlacht und ihnen
andere Schmeicheleien zurückzahlt

Auch Suſanne wird in die Heiterkeitswelle
hineingeriſſen. Ihr Geſicht erglüht; es verliert
den ſtrengen Sug der Nachdenklichkeit und iſt
kindlich gerundet. Die Knaben beteiligen ſich
gern am geineinſamen Spiel.
Nach langem Kampf fragt Suſanne einmal
zitternd: Dein Vater iſt wohl nicht zu Haus?
Nein, erwidert Karin, er iſt noch im
Amt.
Da wird Suſanne wieder mählich blaß und
ernſt und verabſthiedet ſich bald. Karin erhält
die Erlaubnis, ſie zu begleiten.
Als ſie vor die Haustür treten, hält ein
Wagen an, und ein großer Herr mit breiten
Schultern und gerötetem bartloſem Geſicht ſteigt
aus. Karin fliegt ihm freudig entgegen.
Der Vater legt den Arm um ihre Schultern
und nähert ſich dem ſtill wartenden Mädchen.
Das iſt meine neue Freundin Suſanne ſagt
Karin erklärend.
Suſanne, die das Pochen ihres Herzens bis
in die Schläfen verſpürt, fühlt ihre Finger von
einer großen warmen Hand umſchloſſen. Sie
wagt nicht, in das Geſicht des fremden Mannes
zu blicken, das kaum noch in einem Suge dem
alten Bilde auf ihrem Nachttiſch daheim gleicht
Dann begleite deine Freundin noch einige
Schritte, ſagt die ſonore Stimme.
Einen Augenblick denkt Suſanne: Hat er die
Aehnlichkeit mit der Mutter nicht bemerkt?
Aber da gibt er Karin einen zärtlichen Backen=
ſtreich
und wendet ſich um.

Suſanne hört zu Hauſe, daß die Mutter bei
einer ihrer Schweſtern ſei. Sie ſetzt
Großmutter gegenüber an den breiten Ciſch und
verzehrt ſchweigend ihr Abendbrot.
Plötzlich ſagt ſie mit leiſem Vibrieren in de
Stime:

Großmutter, du haſt mir früher einmal er-
zählt
, wie es war, als der Vater ſtarb. Willſt
du ſo gut ſein und es mir noch einmal beſchrei=
ben
?
Die alte Frau ſieht mißtrauiſch auf.
Damals war ich noch ſo klein, und da habe
ich es vergeſſen, fügt Suſanne mit ſchmerzhaft
erzwungener Harmloſigkeit hinzu.
Ja, das iſt ſo lange her, daß ich es auch nicht
mehr genau weiß erwidert die Großmutter mit
ihrer harten Stimme. Du warſt zwei Jahre
alt, da kam deine Mutter am ſpäten Abend mit
dir an und weinte, daß ich um ihren Verſtand
gefürchtet habe. Ja, ſie war ganz untröſtlich
über das Unglück, aber das kommt daher, wenn
die Kinder auf ihre Eltern nicht horen. Ich
hatte ihr vor der Hochzeit ſchon vorausgeſagt,
daß das nicht gut enden würde.
Sie verfällt in lange Klagen über die Unfolg=
ſamkeit
und Undankbarkeit ihrer Kinder und
läßt ihre längſt bekaunten Ermahnungen an die
Enkelin folgen.
Suſanne geht in ihr kleines Simmer. Sie
nimmt das Bild ihres Vaters in die Hand und
blickt auf das vertraute junge Antlitz mit dem
Schnurrbart und den blanken Augen.
Dann ſtellt ſie es entſchloſſen wieder auf ſei=
nen
Platz und flüſtert unter verhaltenem inner=
lichen
Schluchzen:
Jener Fremde ſoll nicht mein Vater ſeinl
Du biſt es und wirſt es auch immer bleiben.
Aber ſie fühlt, daß dieſe Selbſttäuſchung ihr
die Wirklichkeit nicht erſetzen kann, und daß ihr
Schmerz geringer wäre, wenn man ihr die große
Lüge und damit die Serſtörung ihrer Illuſion
erſpart hätte.
Und ſie ſteht an der Schwelle zur Welt der
Erwachſenen, die ſie nicht überſchreiten möchte,
ihre Probleme ſie erſchrecken.

[ ][  ][ ]

Sunndags=Roochmiddags=Bedrachdunge.

Gott ſei’s gedrummelt un gepiffe, mer ſin
endlich widder im Gerick, un was die Ord=
uung
in de Zeiträchnung bedrifft, widder
einichermaße im Gang.
Mer hott awwer aach wärklich un wah’haf=
dich
in de letzte värrzeh. Däg kaum noch ge=
wißt
, is es erſt Gäſtern, odder ſchun Jwwer=
morje
, dann a Feierdag hott ſozuſage dem
annern die Abſätz abgedräde, un es war e Ge=
worſchdel
in dene Wochedäg, daß kaans mehr
richdich im Klare war, wer an de Reih is
un wer die Weſchkich hott.
Ja, un wann mer ſich jetzt die Leit ſo
g’guckt, do kann mer wärklich net vun=en ſage:
Wie ſcheen, o Menſch, mit deinem Palmen=
ſpedel
. .." Naa, die meiſte mache Geſichter,
wie drei Dag Räjewädder;, was ſchließlich
ganz zum iwwriche Foxdärrieer baſſe dhut,
dann däß ewiche Grau in Grau, Dag for Dag,
däß macht ſe ganz rahmdöſich.
No ich wvill jo gleich am Afang vum neie
Johr net ſchun widder ſchenne und räſſeniern.
Awwer ich muß doch frage: Is es unſerer
Stadtverwaldung bekannt, daß mer ſeit vori=
ches
Johr die Sunn net mehr zu ſähe hawwe
krickt? Wenn ja: was gedenkt ſie dadagäächen
zu dbun?
Und ein Narr wartet auf Antwort, wann
mer glaabt, unſer Stadtverwaldung dhet ſich
uff die Azabfung hie raißbern. Sie hott
nemlich erſt kärzlich in Zeidung ſich dohie ver=
nemme
loſſe, daß ſe ſich net uff Präſſeboleemicke
eiloſſe kenut, ſie hett Wichdicheriches zu
dhu, als uff jeden Agriff in de Zeidunge elle=
lange
Erklerunge abzugäwwe, un jedem gans=
linge
Bärier Redd un Antwort zu ſteh, un
dick un braad ausenannerzuſetze, wie, wo, wann,
wveshalb, warum, wiſſo; ganz devo abgeſähe,
daß hier bloß aan Owwer= und zwaa ge=
wehnliche
Borjemaaſter zur Verviechung
ſtinde, die wo däß Kreemche ſchaukele mißte, un
mer ſollt ſich noch emol e Stadt in Deitſchland
ſuche, vun de Greeß un de Bedeidung Darm=
ſtadts
, die wo mit drei Borjemaaſter aus=
keemt

Noja, däß hott jo im allgemeine ſei Rich=
dichkeit
, die drei Weiſe vun unſere Stadtver=
waldung
hawwe ſiwwe Aerm voll Arweid unu
kennte värrzeh Hend brauche. Drotzdem is mer’s
awwer bekannt, daß vorichen Summer emol
acht odder värrzeh Dag lang iwwerhaubt

kaaner dun=en im Lade war. Un s is aach
gange! Dann wäje warum? Mir hawwe
jo noch en ganze Haufe Stadt=Diräcktel,
däß ſin doch ſchließlich aach weider nir, wie
verkabbte Borjemaaſter, die kenne jo zur Nod
eiſpringe, wann’s bräſſiert. Ob=ſe allerdings
defor ſorge kenne, daß die Sunn ſcheint, ohne
daß es zu Kummbedenzkomflicke fiehrt? Mer
hott Beiſpieler! Freilich, de aanziche den
uer äffennduwäll defor hafftbar mache kennt,
däß weer balleicht de Gaß=Nuß. Awwer
der wärd die Nuß aach uet knacke wolle, ſun=
dern
wärd ſich afach druff beruffe, daß es nor
ſeines Amts weer, defor zu ſorje, daß es
nachts im Stäotche hell genuch weer; de
Dag dhet net zu ſeim Räfferad geheern, un
noch wenicher die Sunn, ſo lang er ſe net mit
ſeim Gox heize därft. .
Was dohärngäje unſer Stadträt bedrifft, ich
glaab, die hawwe’s noch gornet gemärkt, daß
diß Johr die Sunn noch net geſchiene ſcheint
hott, dann bei dene is es häll in de Kabäll.
un die wandle in ihrm eichene Licht; bloß
märke mir annern nix devo
Awwer wie weer’s, wann mer die Ageläjen=
heio
mit dere Sunnſcheinerei als Unnerlag for
e Große Anfrage benutze dhet. Es räjend jo
äwe ſozuſage klaane un große A’frage uff
unſer geſchäftsführendes Geſamt=Miniſterjum,
do kemts doch uff a net a. Odder noch beſſer:
mer ſtellt diräkt en dießbeziechliche Adrag.
Edwa ſo:
Wir beantragen,
der Landtag beſchließt:
Die Rechierung wird erſucht, bei der Him=
melsrechierung
dahin vorſtellig zu werden, daß,
wie in früheren Jahren, auch im Jahr 1932
die Sonne ſcheint, und dem Heſſenlande die
zu ſeinem Fortbeſtehen notwendichen Licht=
un
Wärmeſtrahlen guteilmäßich jeberwieſen
wverden.
Ich bin bickelfeſt devo iwwerzoge der
Adrag gingt im Landdag dorch, mit Bombe
un Granade. Bloß ob’s en Wärt hott, däß is
mer zweifelhafft. 8 is in de letzte Zeit ſchun
maucher Adrag im Landdag dorchgange
äwenfalls mit Bombe un Granade. Un die
Leit wvorte heit noch uff däß Beſchloſſene,
beiſpielsmeßich vun wäje Winderhilf un ſo
No un 8 is nor es aanzich Gude, daß uns
des Worde net mehr ſchwer fellt; mir ſin

geſpehnt dro; mir worde ſchichtweis wann’s
bräſſiert, dreimol acht Stund de Dag
Un ſo wärd uns alſo nix anuerſter iwwrich
bleiwe, als zu worde, bis die Sunn ſich widder
druff beſinnt, zu was ſe uff de Wäld is, un
fengt vun ſällwert a zu ſcheine.
Un ſie wärd ſcheine; un im März wärrn
die Beilcher bliehe, un im Mai die Nachdigäller=
cher
ſchlage, un es wärrn ſich im Friehlinn
junge Menſchehärzier finne, un es wärd ſei,
wvie vor dauſend Johr, ganz worſcht, wer im
Heſſelendche reſchiert ...
Freilich, den Winder miſſe mer erſt noch
hinner uns bringe, ſo odder ſo, un mer därf
ſich kaane falſche Hoffnunge hiegäwwe, wann
mer jetzt, afangs Januwa, laue Lifte wehe
fiehlt, un e lauwormer Friehlingsräje greift mit
ſeim Suddelwädder unſerm ſtädtiſche Stroße=
reinichungsdiräkter
unner die Aerm, un leßt dofor
unſere Winderſportler, die wo iwwer Neijohr ins
Land enausgezoge, un uff die Bärch geſtieie
ſiu, de Schnee unner ihre langſtieliche Dritt=
ling
verſchwimme, ſo daß ſe ſozuſage uff ihre
Kufe haamſchwimme hawwe miſſe. Die kenne
aam nadierlich in die Seel laad dhu, dann aach
bei dene haaßt’s als: Mit tauſend Maſten
un: Still auf gerettetem Bood.
No, valleicht kimmt emol ſo e Erfinder wärklich
uff die großordich Idee, daß er e paar Brädder
erfinne dhut, die wo mer ganesdaals als
Schneeſchuh, un annerndaals als Segelbood be=
nitze
kann; un dann kann mer, ganz wie es
Wädder ſich alaſſe, dhut, endwedder iwwer de
Schnee ewäck ſauſe, odder ſich im Nodfall
wenichſtens iwwer Waſſer halte.
Was awwer den hochgeſchätzte Herr Winder
hechſt ſällwer abelange dhut, ſo muß ich em
ſchun aach ſage, daß es net gud is, wann mer
ſo unvernimfdich uff ſei Kraft un Vermeehe
eneihauſe dhut, wie er’s gemacht hott, aus=
gangs
Neunzehhunnerdaansundreißich, wo er
ſich in de letzte drei Dag vollkumme veraus=
gabt
hott, ſo daß mer geglaabt hott, 8 Kwär=
ſillwer
dhet vor Angſt in de Boddem enei=
ſchlubbe
. Awwer nadierlich, mer ſeecht net um=
ſunſt
: Geſtrenge Härrn reſchiern net laug;
un ausgerächent, gleich am erſte. Dag vum
neie Johr is er umgefalle, grad als wann
er e Bollidicker wer, un hott ſich im Handum=
drehe
in ſei ſemtliche Beſtanddaale uffgeleeſt,
wie die Budder in de Sunn, nemlich in Waſſer.
Awwer nor kaa Augſt un brav geheilt, mer
brauch de Mud net vorzeidich ſinke zu loſſe,
dann wie geſagt, er wärd ſei Härrſchaft ſchun
noch e paarmal a dräde, eh’s richdich Friehling
wärd. Schließlich, was ſo e richdicher Winder

is, der is aach äbbes wärt, un mer ſeekt jo:
ohne en richdiche Winder gibts aach kaau rich=
diche
Summer. Wenichſtens hott mer frieher fo
gerächent un hott ſo geſagt, awwer heidichen
Dags is jo uff nix mehr en Verlaß, un es
Wäoder is halt grad ſo verrickt un verdreht
wie die Leit, un mer muß es halt ſchun fo
verbrauche, wie’s is un wie’s kimmt, un ſich
domit befaſſe, daß mer halt uffs Beſte hoff,
un mit=em Schlechte rächent, däß drifft dann
ſo ungefehr hie
Verſchiedene, die wo in de Neijohrsnacht,
auſtatt in ihr Portmannee, per Zufall ſchlag
zivölf Uhr nooch em Himmel enuff geguckt
hawwe, die hawwve aach ne Zeiche geſähe,
Vermudlich wars bloß ſo en vorwitzicher
Stärnſchnubbe. Un vermudlich wärrn ſich
die, wosen geſähe hawwe, nooch altem Brauch
gach was gewunſche hawwe. Mögs=en in
Erfillung geh, dann au allerhand Winſchens=
wärtem
fehlt’s uns jo net, nor ſin leider die
Zeide vabei, wo es Winſche allaans noch
geholfe hott. Ich perſeenlich halt’s dohärn=
gäje
, was die Stärndeiderei bedrifft, liewer
mit dem alde Haudegen, dem Schenneralfeld=
marſchall
von Illo, der wo zu ſeim Freund
Walleuſtaa geſagt hott: In Deiner Bruſt ruhn
Deines Schickſals Stärne . . ."
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: Unſer ſparſichdich
Stadtverwaldung hott ſich vermudlich beim Ei=
dridd
in des neie Johr aach geſagt: Laßt alle
Hoffnung hinner euch. Dann wie mer ge=
läſe
hott, will ſe die Schulzahiklinick
eigehloſſe. Sie ſeegt ſich jedenfalls, wann mer
in Zukumft nit mehr zu nage un zu beiße
hawwe, brauche unſer Kinner aach kag Zeh
mehr. Aach en Standpunkt , awwer
wie gewehnlich en verkehrte. Ich bin nem=
lich
der unmaßgäbliche Maguung, daß unſer
Jugend grad geſunde Zeh brauch, dann ihr
Wähk ins Schlarraffeland fiehrt ſicher net
dorch en Bärch aus Härſchebrei, ſundern ganz
im Gäjedaal, ſie wärd orndlich zubeiße miſſe,
wann ſe ſich dorchſetze will. Ich denk drum,
uer iwwerlegt ſich die Sach noch emol. Un
wann mer wärklich ſo e ſäjensreich Eirichdung,
wie die Schulzahklinick, aus Sparſamkeits=
grinde
ei gehloſſe will, do ſoll mer erſt emol au
wvenicher nodwenniche Dinge denke. un
wann unſere Stadtverwaldung grad nir Ge=
eichnederes
eifalle ſollt, ich bin gärn bereit, ihr
mit e paar Vorſchleech unner die Aerm zu
greife.

HAVSHALTTSCHACHRATSFLTHUMO

Küchenzettel vom 11. bis 17. Januar 1932.
(Mitgeteilt vom Hausfrauenbund Darmſtadt.)
Montag: Brotſuppe, Apfelreis mit Zucker
und Zimmet.
Dienstag: Sagoſuppe, gefülltes Kraut, Kar=
toffeln
.
Mittwoch: Haferflockenſuppe, Gulaſch mit
Spätzle.
Donnerstag: Kartoffelſuppe, arme Ritter
mit Obſt.
Freitag: Tomatenſuppe, gebackene Fiſchfilet
mit Kartoffelſalat.
Samstag: Linſen mit Würſtchen
Sonntag; Königinſuppe, Hammelbraten mit
weißen Rüben auf Teltower Art gekocht,
Kompott (Vorrat).
Was beim Kauf von Strickklei=
dung
nicht vergeſſen werden darf.
Wenn irgendein Stück der ſo außerordentlich
praktiſchen Strickleidung, ſei es ein Pullunder,
Pullower, Bluſe uſw. gekauft wird, ſo begehen
die meiſten Frauen und Mädchen deu Kardinal=
fehler
, dieſe in einer Größe zu wählen, wie die
übrige Kleioung. Sie geben dabei von dem
Standpunkt aus, daß ſich das dehnbare Stric=
gewebe
bei längerem Gebrauch doch mehr oder
weniger ausweite Obwohl dieſe Tatſache
nicht geleugnet werden ſoll, darf aber auch nicht
vergeſſen werden, daß die anfänglich kugpp an=
liegende
Strickleidung die Figur ſtraff um=
ſpannt
, dadurch natürlich an gutem Sitz ein=
büßt
, ſchließlich an beſtimmten Stellen über Ge=
bühr
ausgedehnt wiro und die ſo geſchätzte
Elaſtizität einbüßt. Wählt man ſie jedoch eine
Nummer größer, ſo behält ſie ſtets und bis
zuletzt ihren guten Sitz und wird längſt nicht
ſo ſtark abgenützt, wie ſtraffitzende Stücke. V.
Zerſprungene Ofenkacheln ſelbſt
zu kitten. Eine Miſchung von gleichen Teilen
ſriſch gebrauntem Gips und Anthrawurzel=
pulver
verrühre man mit ſoviel Waſſer, daß ſie
einen nicht zu dünnen Brei ergibt. Eine Bei=
gabe
von etwas gereinigter Schlemmkreide iſt
bei weißen und ſolche von etwas Ocker bei
braunen Kacheln zu empfehlen.
I.
Der warme Fußſack für die Haus=
frau
. Er iſt namentlich dann ſehr willkommen,
wenn die Hausfrau nach erledigter Küchen=
arbeit
nachmittags im Wohnzimmer am Näh=
tiſch
notwendige Flick=, Stopf= oder Näharbeiten.
oder auch Handarbeiten ausführen will. Dieſer
hat zumeiſt, des Lichtes wegen, ſeinen unmit=
telbaren
Platz am Fenſter. Doch ſelbſt bei vor=
handenen
Doppelfenſtern und einem Fenſter=
mantel
klagt die Hausfrau nicht ſelten über
kalte Füße, die ſich unweigerlich einſtellen, da ja
die kalte ſchwere Luft am Boden lagert. Und
kalte Füße in Permanenz bilden die Wurzel für
alle Erkältungskrankheiten, aus denen ſich nicht
ſelten Grippe Influenza, Stockſchnupfen uſw.

entwickeln. Ein mollig=warmer Fußſack iſt daher
das beſte Mittel, um die Füße ſtändig warm zu
halten. Er läßt ſich ſehr gut aus vorhandenem
Material herſtellen. Und zwar in Form eines
großen, abgerundeten Taſchenmuffes gearbeitet,
wird ein doppelter Bezug entweder aus altem
Neſſel (Tapezierneſſel), alten Tiſchtüchern oder
altem Inletſtoff hergeſtellt, der in doppelter
Lage, als Füllung entweder alte Wollabfälle
(von aufgetrennten Wollſtrümpfen) oder klein=
geſchnittenem
Zeitungspapier, Holzwolle oder
Seegras erhält. Als äußere Umhüllung kann
man entweder dann Samt oder Plüſch (evtl.
auch von getragenen Wintermänteln) ver=
wenden
.
V.
Nummer 449.
Aufgabe 648.
F. Fränkel in Straßburg.
(Die Schwalbe‟, 1931.)

Eine Kreuzwort=Ente.

Mieche

Weiß zieht und ſetzt in drei Zügen matt.
Prüfſtellung: Ke6 Ue5 I.b8, 13 Se7, 15 Ba4, 43
g2. h6 (10): Kg5 Tg6, h5, I.f8 Sg8, h7. Be7, 16, g7.
b4 (10); 334.)
Löſungen der Aufgaben 642645.
642. K. Haunemann. 1. T e5h5! (Droht 2. L05ch)
Die 6 Themaverteidigungen führen zu drei Paaren wechſel=
ſeitiger
Verſtellungen: 1. ... De3 (verſtellt dem T das Feld
e8) 2. Dest; 1. ... Ta3 (verſtellt der D das Feld b3)
2. Sbs+. Ebenſo beim 2. Paar: 1. .. Id5, 1. . .. Dd5,
2. Soct, 2. Net+. 3. Paar: 1.f. . T15. 1.... Df5.
2. Dg74, 1. Dk44. (Anti=Briſtol.)
643. C. S. Kipping. 1. Sr6d 7! Groht 2. SeSckt.)
DKt5+ 2. Uf6c Kreuzſchach: 1.. .. Sk3. 17 Te3 Turm=
u
. Läuferverſtelungen, 2. I.seß, 3a3 Te54F
644. G. Heatheote, 1. Kg8.n8! (Wartezug) 8174
2. Kg7, glänzend; 1... .8b‟ T 2. I8g5F; 1.. . T4e5
2. Pets.
645. G. J. Nietvelt. 8d 61 5! (Droht 2. T: d 44) hüb=
che
Eutfeßlungsſpiele der weizen Daue.

Waggerecht: 1 Männername, 3 Land=
ſtrich
, 4 engliſcher Branntwein, 6 Papageienart,
7 Inſelgruppe des Tongaarchipels, 10 mytholo=
giſche
Frauengeſtalt, 14 Dichtungsart, 15 frühe=
rer
Name von Troja, 16 wildes ausgeſtorbenes
Tier, 17räumlich knapp, 19 Eiſen (fremdſprachig).
20 franzöſiſche Stadt, 21 Drama von Körner,
23 Naturerſcheinung, 25 Gott der Winde 26 un=
höflicher
Zuruf 27 italieniſcher Artikel. Senk=
recht
: 1 Stadt in der Schweiz, 2 Verzierung,
5 türkiſcher Befehl 9 Geſtalt in der Oper Caval=
leria
ruſticang. 10 europäiſches Reich. 11 Vor=
ſilbe
12 Stadt in Böhmen 13 Gold ( fremd=
ſprachig
), 18 portugieſiſche Provinz in Vorder=
indien
. 20 Landſtrich, 22 Blume, 24 Spielkarte.
Fahrzeuge.
N
T. A.
..
. ..
3.
An Stelle der Punkte ſind Buchſtaben zu ſetzen,
ſo daß neun Fahrzeuge aller Arten und Zeiten
entſtehen. Die auf die ſtarken Punkte fallenden
Buchſtaben nennen dann wieder ein Fahrzeug.
Auflöſung der Rätſel aus Nr. 1.
Silbenrätſel.
1 Kadett, 2 Eginhard, 3 Nieswurz. 4 Nizza,
5 Seidenwurm. 6 Titus, 7 Derby, 8 Utopie,
9 Dingi, 10 Apelles 11 Sanskrit. 12 Liberia,
13 Alligator, 14 Neujahr, 15 Dieſel, 16 Wahn=
ſinn
17 Ornat.
Das Lied lautet: Kennſt du das Land, wo
die Zitronen blühn
Eine Charaktereigenſchaft.
Vorn, oben, richtig, emſig, innen, loben,
irdiſch. gut, kalt, enden, immer, teuer.
Voreiligkeit.
Ein Aquarium.
Barſch, Lachs, Huchen, Wels, Forelle, Schill,
Hering, Lamprete, Karpfen. ſchweigen!
Der verwandelte Vogel.

Eigenartig, Herr Kollege, daß der Mann
noch lebt. Nach meiner ſicheren, wiſſenſchaftlichen
Berechnung hätte er bereits vor fünfunddreißig
Minuten tot ſein müſſen.
Ihr erſter Gedanke. Eine Gruppe von Ame=
rikanern
ſteht vor St. Peter in Rom und be=
wundert
die Kuppel Michelangelos. Neben ihnen
eine Landsmännin, die ſoeben angelangt iſt.
Plötzlich wendet ſie ſich zu einer anderen Dame
und ſagt voller Begeiſterung: Und nun muß
man ſich vorſtellen, was dieſe Kirche wiegt!
Der verkannte Lehrer. Nun, Hänschen, wie
war denn der erſte Schultag? Ach, ganz
nett, aber da war immer ſo ein alter Kerl vor
uns, der hat uns den ganzen Spaß verdorben.
Ihre Ahnung. Wir können den Scheck nicht
auszahlen, meine Dame, ſagte der Bankbegmte.
das Konto Ihres Gatten iſt überzogen.
Was, überzogen. Das dachte ich mir gleich, als
er den Scheck unterzeichnete, ohne daß ich erſt
eine Heulſzene machen mußte.
Zarte Anſpielung. Herzlichen Dank für den
prächtigen Geburtstagskuchen, ſtrahlte Frau
Klein, die von ihrer Freundin mit dieſer Auf
merkſamkeit überraſcht wurde. Aber was be=
deutet
die elektriſche Lampe in der Mitte?2
Sie hat 40 Kerzen Stärke, erklärte Frau Groß
ſüß lächelnd.
Immer vorſichtig. Ich habe heute auf dem
Mietsbüro zwei Mädchen engagiert, berichtet
ſie ſtolz. Aber wir brauchen doch nur ein
Mädchen bemerkte der Gatte. Ja, die eine
tritt am 1. an und die andere am 15.
Der Ahnungsloſe. Iſt das ein Verlobung?
ring? fragte die Freundin neugierig Ja,
erwiderte Stella ſtolz. Aber du darfſt es nie=
mandem
weiterſagen. Der, der ihn mir gegeben
hat, weiß es nämlich ſelbſt noch nicht.

Druck, Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 23. Verantwortl., für die Redaktion;
Nette, Darmſtadt. Fernſpr. 1, 2389 2392. Alle Rechte vorbehalten. Nachdr. verboten.

[ ][  ][ ]

Wunderſchöne Brautkleider

ſind in den letzten Jahren keine Seltenheit, und
Hiſt hat es den Anſchein, als ob die Bräute die
AEſicht hätten, einander an Originalität ihrer
Arufmachung zu überbieten, denn nur auf dieſe
WSeiſe iſt es möglich, ſo viele Ideen, ſo viele
eigenartige modiſche Gedanken in die Wirklich=
tint
umzuſetzen.
Wenn man in Erwägung zieht, daß die ſtili=
i
=rte Note der neueſten Mode für jede Braut=
anfmachung
ganz hervorragend geeignet und die
wielen modiſchen Attribute des Hochzeitsſtaates
gr geſchmackvolle Rahmen dieſes vollendet=

ein zarter Kranz von Orangenblüten bildet die
markante Garnierung des früher erwähnten,
durch den Gazeſchleier angedeuteten Häubchens.
Der Blütenſtrauß für die moderne Braut=
aufmachung
wird vielfach aus den ſchönen
Kelchen der Cahla gebildet, aber gerne auch
noch mit einer anderen Farbe kombiniert, in=
dem
beiſpielsweiſe Mimoſen eingebunden
werden, deren weiches Gelb einen beſonders
ſchönen, neuartigen Eindruck zu ſichern vermag.
Oft verzichtet man auch auf dieſe Bindart der
Brautblumen ganz und erſetzt ſie durch einen

ſo önen Bildes ſeien, ſo wird man verſtehen, daß
Itiwtz der Not der Zeit viele junge Bräute aller=
gößten
Wert darauf legen, in Weiß zu hei=
raten
und alle nüchtern=ſachlichen Erwägungen
ceie dafür ſprechen würden, in Straßenauf=
maichung
zur Hochzeit zu erſcheinen) verwerfen.
Hier zeigt ſich wieder einmal ganz beſonders
d utlich der immer betontere Hang zur Ro=
mantik
, das blaue Blümchen in unſerer grauen
Zeit!
Trotzdem iſt man bemüht, den Brautkleidern
käne allzu ſüßliche Note zu geben, weil unter
allen Umſtänden vermieden werden muß,
Ritſch zu ſchaffen, dem man gerade in dieſem
Falle nur allzuleicht verfällt!
In der Wahl des Materials iſt man keines=
vegs
engherzig, da die neue Mode der Trägerin
volles Beſtimmungsrecht einräumt. Jene, die
eitie fließende Wirkung des Brautkleides an=
ſtreben
, werden ſicherlich gerne zu Satin grei=
ſern
, der allerdings nur für Schlanke, faſt könnte
man ſagen: für klaſſiſch ausſehende Erſchei=
nrngen
in Frage kommt.
Alle anderen werden, w nn ſie ein ſchwer=
ſallendes
Material wünſchen, ſicherlich zu mat=
fan
Marokko=Krepp greifen, der ſich vor=
jüglich
verarbeiten läßt.
Für die verſchiedenen drapierten Braut=
kleider
aber eignet ſich Georgette (ſowie
deſſen zahlreiche Spielarten) am beſten, ſo daß
dieſes Material ſowohl für die Schaffungen im
Alt=Wiener Stil, als auch für die Entwürfe,
die der Eugenie=Zeit, nachempfunden ſind,
derangezogen wird.
Natürlich wählt man oft auch Spitzen,
deren Effekt ein ſehr vornehmer iſt. Allerdings
ſornmen hier nicht nur weiße Arten in Frage
0äe mitunter allzu kalkig wirken), ſondern
uuch butterfarbene, ſogenannte cremierte‟
Sbitzen, die gerade für die antikiſierten
Srautmodelle ungemein vornehm ſind.
Uebrigens verſuchen die großen Mode=
alons
in letzter Zeit neben Weiß auch ein zar=
es
Blau für die Brautaufmachung zu verwer=
enn
, eine Schattierung, die als ſogenanntes Eis=
Aau für dieſen Zweck ganz entſchieden erfolg=
verſprechend
iſt!
Ein wichtiger Faktor der Brautausſtattung
der Schleier.
Hier geht man um die ruhige Wirkung
ſer ganzen Aufmachung nicht zu beeinträchtigen
immer mehr von den kombinierten (alſo aus
Spitze und Tüll hergeſtellten) Stücken ab und
cheint ſich den aus einfacher Gaze oder Tüll=
utze
hergeſtellten Schleiern verſchrieben zu
ſaben, die derart geſteckt werden, daß ſie vorne
ur halblanges Cape und außerdem ein Häubchen
dil den, rückwärts aber in eine das Kleid deckende
Schleppe auslaufen! Ein ſeitliches Geſteck oder

entzückenden, kleinen Blütenmuff, der mit
Orangen= und Myrten=Blüten oder aber mit
den ſchönen Sternen der Narziſſe benäht wird.
Auch ein Muff aus weißem Flieder iſt ſehr
apart und originell. (Bild 1.)
Solche Ideen ſehen natürlich nur in Ver=
bindung
mit ſtiliſierten Brautkleidern vorteil=
haft
aus, etwa zu einem Kaiſerin=Eugenie=
Modell, wie wir es im erſten Bilde vor Augen
führen.
Eines der aparten, ganz auf Linie geſtellten
Kleider, deſſen intereſſanter Klaſſizismus
durch die bauſchigen Aermel in eigenartigſter
Weiſe dem Modeempfinden unſerer Zeit nahe=
gebracht
wird, bringen wir in der Mittelſkizze;
bei dieſem Modell merkt man deutlich, daß das
Brautkleid faſt immer knapp zum Halſe gear=
beitet
wird, weil größere Ausſchnitte als abſo=
lut
ungebräuchlich gelten.
Sehr dekorativ ſind die ſchon früher be=
ſprochenen
Brautkleider aus Spitze. Eine
Schaffung, die durch oben gebauſchte Aermel
und den Tunik=Effekt der Rockpartie auffällt,
ſtellt unſer letztes Bild dar.
Man ſieht alſo, daß die Vielfalt der neuen
Brautaufmachung geradezu heiratsermutigend‟
wirkt.
Welcher von uns Junggeſellen könnte ſolchem
Zauber auf die Dauer widerſtehen?
Wie ſtelle ich mir
ein modernes Cachenez her?
Aus den noch gut erhaltenen Rockbahnen eines
unmodernen Geſellſchaftskleides aus Crepe de
Chine, weichem Taft. Kunſtſeide oder Seiden=
ſatin
, iſt durch eigene Handfertigkeit ein hoch=
modernes
Cachenez zu fertigen. Ringsum ſchmal
eingeſäumt, ſtecke man es ſtraff geſpannt, mit
Nadeln auf einen Tiſch, den man mit einer
Schlafdecke und großem Bogen Papier bedeckte.
Nun ſchneide man ſich aus Schreibpapier ſchmale
und breite Streifen, Quadrate, Dreiecke, Ovale
oder andere Motive, gruppiere dieſe in gefällig
wirkenden Abſtänden ringsum als Bordüre auf
dem Stück Seide, mit Hilfe von Stecknadeln
darauf feſtgehalten. Decke auch die Mitte des
Tuches mit großem Bogen ab und bürſte mit
alter, ſauberer Zahnbürſte eine warme Löſung
von Citocol in hellem Farbton durch den Boden
eines Paſſierſiebes auf das Tuch. Je feinmaſchi=
ger
, deſto feiner auch die Spritzen zwiſchen den
aufgelegten Papiermuſtern. Iſt die ganze Fläche
eingetönt, dann verſchiebe man die Muſter der=
art
, daß zum Teil die noch ungefärbten, zum
Teil aber auch die gefärbten Flächen davon be=
deckt
werden und ſpritze von neuem mit anders=
farbiger
Löſung in gleicher Weiſe wie angegeben.

Abendkleider in klaſſiſcher Linienführung

In den maßgebenden Salons wird man ſich
nach und nach darüber klar, daß die ſtiliſierten
Moden, die einerſeits die Linien des Empire,
andererſeits die der Nach=Kongreßzeit auf die
verſchiedenſten Arten variieren, an ſich ſicherlich
ganz entzückend und auch für viele reſtlos ge=
eignet
ſeien, für manche aber jenes Zuviel an
Idee und Garnierung darſtellen, das für gewiſſe
Frauentypen ſicherlich vollkommen verfehlt wäre
Gar manche unſerer auf modiſchem Gebiete
bewanderten Damen beginnen ſich nämlich nach
ſchmuckloſen, ruhigen und ſelbſtverſtändlichen
Linien zu ſehnen, nach einer Mode, die jeden
gewollten Effekt vermeidet, jeder Abſichtlich=
keit
ängſtlich aus dem Wege geht, jede krampf=
hafte
Wirkung verwirft.
Daß man ſich auf dieſem Wege folgerichtig
wieder der Modeauffaſſung des Altertums nähert
und Entwürfe ſchafft die auf griechiſche und
römiſche Vorbilder zurückgreifen, iſt leicht er=
klärlich
: über kurz oder lang dürfte man ſich
ſogar aus der Ueberſtiliſierung der gegenwär=
tigen
Mode in einen Neu=Klaſſizismus gerettet
haben, der ſicherlich mit allgemeiner Begeiſterung
begrüßt werden wird.
Die Anregungen in dieſer Richtung bleiben
keineswegs vereinzelt, denn viele unſerer promi=
nenten
Modekünſtler wurden einerſeits aus per=
ſönlicher
Erkenntnis, andererſeits auch durch den
Wunſch der eleganten Frau dazu beſtimmt,
dieſen neuen Weg einzuſchlagen. Und ſchon heute
darf man mit einiger Sicherheit ſagen, daß die
Schaffungen, die man ſich von einem derartigen
modiſchen Umſchwunge erhoffen darf, ſelbſt die
höchſtgeſpannten Erwartungenübertreffen werden.
Natürlich erheiſcht eine Umgeſtaltung der
Silhouette auch ganz beſtimmte Materialien, in
dieſem Falle Seiden, die weich und doch ſchwer
fallen, ſo daß alſo neben Satin (und dem ihm
verwandten Phosphora und Lunaſſol) die

All die neuen Schaffungen, von denen heute
die Rede ſein ſoll, werden dem modiſchen Emp=
finden
der Jetzt=Zeit durchaus angeglichen, wenn
ſie auch durchaus ſtilgerecht ſind.
Die Taille iſt wieder etwas höher gerückt,
oder beſſer geſagt: in natürlicher Höhe durch
einen Gürtel markiert. Die Folge davon iſt,
daß für eine komplizierte Ausarbeitung des
Oberteiles (die ja übrigens auch nicht im Weſen
der klaſſiſchen Auffaſſung liegt) keine Möglich=
keit
gegeben iſt, wogegen die Rockpartien ſehr
phantaſievoll geſchnitten ſind. In der Regel han=
delt
es ſich um den ungezwungenen klaſſiſchen
Glockenfall, doch legt man auch auf intereſſante
lineare Verſchneidungen, die für die Wirkung
dieſer Modelle zuweilen ausſchlaggebend ſind,
größten Wert.
Falls zu derartigen Kleidern eine Umhülle
geſchaffen werden ſoll, wird man natürlich ſehr
vorſichtig ſein müſſen, um den Stil der Geſamt=
wirkung
nicht zu verwiſchen. Am richtigſten
ſind die ſchalartigen Umhänge, die ja an jeder
Frau vorteilhaft ausſehen und dank ihrer Unge=
zwungenheit
beliebte Attribute der vornehmen
Garderobe zu werden verſprechen.
Eine dieſer Umhüllen ſieht man im Mittel=
bilde
unſerer Gruppe, als Vervollſtändigung
eines fließenden, langen Roumain=Kleides.
Aus weichem Marokko=Krepp hat man ſich
unſer zweites Modell hergeſtellt zu denken; hier
merkt man die früher beſprochenen Verſchnei=
dungen
ganz deutlich. Keineswegs alltäglich
ſind die Revers der Rückenpartie.
Eine wunderſchöne Drapierung führt das als
erſte Skizze feſtgehaltene Modell vor Augen,
deſſen aus einer Paſſe hervorkommende glockige
Rokpartie außerordentlich maleriſch erſcheint.
Die ſtreng=klaſſiſche Note des durch Spangen
gehaltenen Seidenſamtkleides, das wir im vor=
letzten
Bilde wiedergeben, wird durch eine ein=

geſchmeidige, matte Engelshaut, ſchwerer Ma=
rokkokrepp
und ſchließlich auch Seidenſamt in
ſeinen zahlreichen Spielarten in Frage kommt.
Die Farbe des neuen Abendkleides iſt
in Uebereinſtimmung mit der klaſſiſchen Auffaſ=
ſung
hell, muß aber nicht nur weiß ſein, ſon=
dern
kann auch in allen erdenklichen Schattierun=
gen
des Spektrums gehalten werden. (Dunkle
Töne aber werden aus dem ganz richtigen Gefühl
heraus, daß ſie den klaſſiſchen Linien all=
zuviel
Schwere geben, vermieden!)

ſeitig angebrachte Blütenranke in reizvollſter Art
gemildert.
Die letzte Figur unſerer Gruppe aber iſt
ſicherlich als modiſcher Inbegriff klaſſiſcher Schön=
heit
und Ruhe aufzufaſſen, wobei ſich auch die
Heiterkeit und Ausgeglichenheit des Neu=
klaſſizismus
deutlich bemerkbar macht, jene Rich=
tung
alſo, die wir ins Modiſche transponiert
alle durch die Skulpturen Thorwaldſens ken=
nen
, verehren und lieben lernten.
Willy Ungar.

Kinderkleidung bei Regenwetter. Nach einer
Modelaune werden ſchon ſeit längerer Zeit die
Kleider, namentlich für die ſchulpflichtigen =
dels
, in den Hauptlinien vollſtändig der Klei=
dung
der Erwachſenen nachgeahmt. So konnte
es auch nicht ausbleiben, daß nun auch die Regen=
kleidung
nicht nur waſſerdicht hergeſtellt, ſon=
dern
auch in Form und Ausſtattung einen völ=
ligen
Abklatſch der letzten Neuheiten dieſer
Art für die Frauenwelt darſtellt. Nur die Far=
ben
ſind ungleich lebhafter und friſcher wie jen
gehalten. Es gibt ganz entzückende gummierte
Regenmäntel mit Schottenmuſter, deren Farben
mit denen der Kleiderſtoffe konkurrieren. Rot
Gelb, Grün, Roſa, Blau und Weiß vereinigen
ſich daran zu einem bunten, meiſt immer nur
kleinkariertem Muſter, an dem nur ein Ueber=
karo
von etwa 10 Zentimeter in Strohhalmbreite

und ſchwarz oder tiefdunkelblau gehalten, etwas
ruhiger wirkt. Meiſt ſind dieſe Mäntel mit ein=
farbigen
Blenden, Aermelaufſchlägen und klei=
nem
Klappkragen verſehen, der bei Regenwetter
am Halſe hochgeſchloſſen werden kann. Ein ſehr
ſchmaler Gürtel mit Dornſchnalle aus Metall
engt die mäßige Weite um die Taille ein und
bequeme Hüfttaſchen bieten ebenfalls den Hän=
den
Schutz. Neben dieſen karierten Mänteln
werden natürlich auch viel praktiſche in grauen,
blauen und graugrünen Tönen aus waſſerdichtem
Gabardine und einem leicht=flauſchigen Woll=
ſtoff
angeboten, und daneben auch wieder weite
bequeme, natürlich ebenfalls waſſerdichte Capes
aus ſogenanntem Strichloden für Mädchen wie
Knaben, an denen eine Kapuze, weit und bequem
geſtaltet, unter dem Kinn mit einem Stoffriegel
leicht zuſammengehalten werden kann

[ ][  ]

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R

Darmſtädter Tagblatt / Heſſiſche Neueſte Nachrichten

Heute Sonntag, vormittag 11½ Uhr Fifun-MHorgenteier
Unwiderrutlich letzte Wiederholung des Hubert Schonger-Films

Ber schaffende Rhein

Bismarckecl veute Konzerl=

Luftkurort
Ludwigshöhe
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Heute nachmittag 4 Uhr
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ausgeführt vom Stadtorcheſter
Leitung Konzertmeiſter Reitz
Eintritt frei. (803) Eintritt frei.

Mittagtiſch 80 8 Hausm. Nudeln
Speisehaus
E. Faulärathy / 10. Schnitzel garniert
Ludwigspl. 2. V. 250-

Zungenragout
oder
Deſſert
Abendessen von 0.30 an

Bayreuther Bund
Bühnenvolksbund
Samstag, 16. Januar, 20.30 Uhr,
im Musikvereinssaal 802
Vortrag
Max Millemkovich-Morold
Richard Wagner und die
Bühne der Gegenwart.
Karten zu 50 Pfg bei Chr. Arnold.

für jede
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Heute Sonntag, abends 8/,
Volks-Vorstellung
das ausgezeichnete
Harieté
Programm
mit den berühmten
Universalartisten
Gebr. Gailer
nebst eigenem Ensemble
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Johanna Techel
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Schillerpl. 3. Uhren=
Kasse Orpheum ab 2½ Uhr
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Hotel-Restaurant Schmitz
Rheinstr. 50 lb. Georg Reeg Telefon 192

Heute und folgende Tage
Hans Albers
Deutschlands populärster Darsteller
in seinem neuesten
Bombenerfolg:
Der
Draufgänger!
mit Martha Exgerih,
Gerda Maurus,
Ernst Stahl-Nachbaur.
Regie: Richard Eichberz.
DerMleister-Regisseur RichardEichberg
schnf hier einen Kriminal-Reißer voll /
atemlos. Geschehnisse, jagender, toller 1
Effekte, in einem unerhört wirbelnden
Tempo.
Im tönenden Beiprogramm:
Micky’s Geburtstag
und die neueste Ufa-Tonwoche.

Heute letzter Tag

Der Sensations-ErTolg!
John Boles und Lupe Velez
in dem neuen deutschsprachigen
Tonfilm:
Wo die

Nur noch heute u. morgen WNeue

KATHEVONNAGV
und Heinz Rühmann in
dem neuen Ufa-Lustspiel
Meine Frau die

Wolga Fließt ..
Hochstaplerin

Beginn: 2. 4, 6 und 820 Uhr.

Mite cht
Auferstehung‟
von Leo Tolstof.
Die Geschichte zweier Menschen die
an ihrer großen Liebe zerbrechen
und deren Schicksal es bleibt, eine
unerfüllbare Sehnsucht ewig mit sich
zu tragen.
Vorher:
Oswalds chinesische Wäscherei
und das reichhaltige
Beiprogramm.
Beginn: 2. 4, 6 u. 8.20 Uhr.

Eine lustige Komödie von
Ernst Wolf und Fr. Zeckendorf.
Ein Film voller Spannung und Witz,
mit einer Fülle launiger Wirnisse,
eine ganz abenteuerlich-aparte Hoch-
stapelei
durch die tragikomischsten
Begebenheiten. (V.789
Im tönenden Beiprogramm:,
Das IV. Kabareit-Programm
der Ufa
und die neueste Emelka-Tonwoche

Beginn: 2, 4, 6 und 8.20 Uhr.

Inh.: H. Knauf
Heute Konzert

Stimmungs=Kapelle.

Hiſtoriſcher Verein.
Montag, den 11. Januar, 18 Uhr
im Realgymnaſium
Vortrag
von Herrn profeſſor Dr. Fr. Behn
über
(846
Lorſch und Hirſau.

Beachten Sie unser Mk. 10000 Preisausschreiben!
Aum Tropkstein Heute Somntas
Eeke Fasino- md Friedrichstrade bis /24 Uhr geöffnet!
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Kappen u. Eintritt frei!
in allen Räumen
Ab 8.11 Uhr Abends
Bürgerlicher Mittags= und Abendtiſch von Mk. 0.70 an
Gartenbauverein

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Montag, 11. Jan.:
Geſamkpröbe
unter Dr. Schmidt=
Iſſerſtedt. (801

Gute bürgerliche Küche / Mittagessen 90 H, 1.20, 1.50
und höher / Reichhaltige Abendkarte zu mäßigen Preisen
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s uhr Unterhaltungskonzert
Rummel-Spezialbier Erstkl. offene u. Flaschenweine
Gemütliches Nebenzimmer
(865

Restaurant Sitte
u. Pfungstädter Braustube (*
Heute Sonntag, abends 8 Uhr
Künstler-Konzert

Tanz-Unterricht
Im Januar Beginn neuer Kurse
für alte und moderne
Gesellschafts- Tänze
Gefl. Anmeldungen baldlgst erbeten
Tanzinstitut Käthe Frank
Heidelbergerstraße 28
Telefon 1717
Privatunterricht jederzeit.

Mannn
Montag, den 11. Januar 1932, 4 Uhr nachm. und
8½ Uhr abends im großen Saal Restaurant
Bürgerhof‟, Elisabethenstraße 2
öffentl. Aufklärungs-Vortrag:
Focber Hadn gosand!
(Der Tod sitzt im Darm und im Blut)
Es spricht: der in Deutschland durch über
2000 Vorträge bekannte
Hyg. Bareis
Keine Kräuter-TeeKuren Keine Betrahlungen
Keine Arzneien Vollständig neue Wege.
Jeder kann gesund werden!
Einkritt frel!
Eintritt frei!

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Landestheater
Sonntag
10. Januar 1932

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19.3022 Uhr Nins
0.705 Mark

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Donnerstag,
den 14. Januar,
20 Uhr,
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Jahresbericht; Vor=
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14. Januar 1932
für Damen von 7"/.8½, Uhr abends
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in der Turnhalle der Peſtalozzi=
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um 20 Uhr
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794) Der Vorſtand.

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Donnerstag, 14. Jan.
8 Uhr im Feſtſaal der
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