Darmstädter Tagblatt 1931


14. Oktober 1931

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Nabat weg. Banſkonto Deutſche Bank und Darm=
Nummer 285
Mittwoch, den 14. Oktober 1931.
ſädter und Natſonalbanf.
194. Jahrgang

tober

Dr.Bratad biograniit.
ankinuikäl in der Innen=und Außenpolitik.-Aufrechkerhalkung der Währungsſtabilikäk. Mehr Sorge für den Mikkelſtand.
rößere Elaſtizikäk in der Sozial= und Tarifpolikik. Gleichmäßige Verkeilung der Laſten. Warnung vor Augenblicks=
löſungen
. Einſah aller ſtaaklichen Machkmitkel gegen ſtaaksfeindliche Strömungen.

Brüning im Angriff.

Von unſerer Berliner Schriftleitung.
Der Reichskanzler hat am Dienstag in doppelter Eigenſchaft
dem Reichstag geſprochen: Einmal hat er als Wortführer des
iten Kabinetts Brüning die Regierungserklärung verleſen, und
Aunmittelbaren Anſchluß daran als verantwortlicher Vertreter
erſten Kabinetts Brüning eine Art Rechenſchaftsbericht er=
2mmſtet, der in ſeiner taktiſchen Anlage mehr ein Angriff gegen
Steuell Oppoſition war. Dieſe äußerliche Doppelſtellung trat in der
heinfr t ſeiner Rede ſehr ſcharf hervor. Die Erklärung des
zubk, üinzu en Kabinetts war kühl, nüchtern, ſachlich, wie
gerſt.
ſt es von ihm gewohnt ſind. Dann aber legte er das Manu=
hot beiſeite und entwickelte eine leidenſchaftliche Rhetorik, die
AuReichstag noch niemand an ihm bemerkt hat. Mit weit aus=
ſenden
Geſten, mit Fauſtſchlägen auf den Tiſch des Hohen Hau=
rerRü
, g mit vor Erregung überſchlagender Stimme ſetzte er ſich gegen
M Inationale Oppoſition zur Wehr in der Erkenntnis, daß der
Do die beſte Parade iſt. Dabei ſpielte die Rechte regiemäßig
Tgögſe wenig glückliche Rolle. Sie hält offenbar daran feſt, daß
eich an den ſachlichen Beratungen nicht beteiligen will, möchte
Uhr auch zum Ausdruck bringen, daß für ſie eine Rede des Kanz=
ſatt
dieſes Kabinetts keine politiſche Angelegenheit ſei. Deshalb
b ſie der Plenarberatung fern. Das wäre vielleicht eine ein=
Auf
ſuksvolle Geſte geweſen, die aber ins Gegenteil umſchlug, da
Abgeordneten der Rechten ſich während der ganzen Sitzung
ſa den Türen drängten und bald dieſer bald jener einen neu=
ſſtigen
Blick in den Saal warf, wodurch die Kommuniſten zu
ſhiſchen Zwiſchenrufen geradezu herausgefordert wurden. Jeden=
Mächuls war dieſes Mittelding zwiſchen Teilnahme und Nichteil=
ſame
die ungeſchickteſte Löſung, die gefunden werden konnte, und
ſezat tatſächlich dem Kanzler das Spiel erleichtert. Die weni=
Horchpoſten der Rechten, die vorgeſchickt waren, zeigten nur
ſſange Neigung, ſich mit dem Kanzler in eine Unterhaltung ein=
ſſen. Vielleicht iſt es auf dieſe Taktik der Rechten zurückzu=
ſten
, wenn der Kanzler unverkennbar durch die Art
ſenes Auftretens einen perſönlichen Erfolg zu
ſt zeichnen hat und am Schluß ſtürmiſche Zuſtim=
1931, ſching fand, die über die Bänke des Zentrums und
saole, t Sozialdemokraten hinausging. Zumal der
egebäudel klr iſtlich=Soziale Volksdienſt bewies durch Hände=
ſoichen
, daß er den Weg zum Kanzler zurückgefun=
Balter hat.
freite NA Wenn man die Rede des Kanzlers noch einmal nachlieſt,
4500 Pan begreift man dieſen Eindruck nicht recht, verſteht aber auch
n und büiſt recht, weshalb Dr. Brüning ſich in eine ſolche Erbitterung
s Geſorkin inredete. Gewiß, ihm iſt in den letzten Wochen manches häß=
Wort geſagt worden. Verſtändlich, wenn ihm darüber die
ſue ins Blut ſteigt und er ſich verteidigen will. Aber dieſe Art
ſ Polemik hat den Verdacht entſtehen laſſen, daß die ganze Er=
ung
etwas gekünſtelt war und er den Zweck verfolgte, über
Iſn ſachliche Leere hinwegzukommen. Inhaltlich bleibt aus der
(ſzierungserklärung ſelbſt wie auch aus der nachfolgenden Rede
4) wenig übrig. In den entſcheidenden Punkten
Aoer der Verſuch, mit einigen allgemeinen Worten über die
lſwvierigkeiten hinwegzukommen. Eigentlich nur der eine
m6, daß die Sozialpolitik ſich den finanziellen
Riobblrtſchaftlichen Notwendigkeiten einfügen
ſtiſſe, daß der Tarifgedanke an ſich geſund iſt,
r elaſtiſcher geſtaltet werden muß, ſelbſt um
Ne Preis, daß darüber der Arbeiter Opfer brin=
müſſe
. Im weſentlichen Selbſtverſtändlichkei=
ſe
, die Betonung, daß die Währung unter allen
Aftänden aufrecht erhalten bleiben muß, die Warnung vor
Auenblickslöſungen, die Feſtſtellung, daß eine endgültige Beſ=
ſeung
erſt durch Klärung des Reparationsproblems erfolgen
lgeb Al M, daß ein Kanzler nur den Weg der Anerkennung der Wirk=
Nech A geit, nicht den Weg des geringſten Widerſtandes gehen kann.
Wüige Unfreundlichkeiten an die Adreſſe der Wirtſchaft, die
Muutlich bei der Finanz, wo ſie am berechtigſten wären, am
aten abgemildert waren, und darüber hinaus Eingeſtändnis
Aeigenen Fehler. Der Kanzler proklamiert die Kontinuität
eInnen= und Außenpolitik, aber doch mit der Einſchränkung,
0 das neue Kabinett im Tempo und in der Technik der
heit anders verfahren will. Das alles wäre gut und ſchön,
dte vielleicht vor einigen Monaten auch noch eine große ſach=
3 Wirkung gehabt, aber heute iſt mit Worten das geſchwun=
ſte
Vertrauen nicht wieder herzuſtellen. Ueberraſchend und
Eſchalb zu unterſtreichen iſt nur der unerſchütterliche Optimis=
1W des Kanzlers, der nie ſo ſtark zum Ausdruck gekommen iſt
uA heute. Er vergleicht die Entwicklung ſeit ſeinem Amts=
itt
wie folgt: damals ſei er der Meinung geweſen, die Auf=
ſ
, die er übernommen, ſei zu 90 Prozent verloren, jetzt
(inet er ſchon mit 50:50 Prozent, heute glaubt er, daß nur
FI wenige Monate bis zu einer internationalen Löſung ver=
ſan
werden, und daß es ſich nur nochdarumhandelt,
ter allen umſtänden dieſen Winter zu über=

tehen, daß das deutſche Volk dann wieder feſten
Aden unter den Füßen haben wird.
Trotzdem iſt unverkennbar, daß die Rede Eindruck ge=
hſcht
hat und daß infolgedeſſen die Ausſichten des
An zlers beſfer geworden ſind. Die Sozial=
Anokraten haben jedenfalls in einer ganz kurzen Frak=
ſsſitzung
beſchloſſen, auf die Rede und die Re=

gierungserklärunghin die Mißtrauensanträge
abzulehnen. Nach der Richtung alſo iſt der Kanzler jetzt
gedeckt. Die anderen Parteien werden erſt in den nächſten Tagen
ihre Stellungen beziehen. Es iſt aber doch wohl zu ſagen, daß
man mit der Wahrſcheinlichkeit einer geringen
Mehrheit für das Kabinett rechnen muß, zumal, da ſich
der Kanzler bemüht, neue Anhänger zu gewinnen. Bei der
Volkspartei wird er allerdings kaum mehr Erfolg haben. Man
rechnet damit, daß dort wenigſtens 20 Stimmen für die Miß=
trauensanträge
abſpringen werden. Die Frage des Fraktions=
zwanges
iſt noch nicht entſchieden. Die Wirtſchaftspartei ver=
handelt
noch nach beiden Seiten, mit dem Kanzler und mit der
nationalen Oppoſition, und das Landvolk ſcheint ge=
neigt
zu ſein, zum Kanzler zu ſtehen, nachdem ihm
durch die Stellung des Reichsfiedlungskom=
miſſars
eine große Konzeſſion gemacht iſt.
Wieder Reichskag.
Das zweile Kabinett Brüning ſtellt ſich vor.
Berlin, 13. Oktober.
Neichstagspräſident Loebe eröffnete die Sitzung um
1505 Uhr. Die Tribünen waren ſchon lange vor Beginn bis
auf den letzten Platz beſetzt. Die Regierungsmitglieder ſind
vollzählig erſchienen. Die Plätze der Deutſchnationalen, Na=
tionalfozialiſten
und Kommuniſten ſind zunächſt unbeſetzt, nur
die Fraktionsführer dieſer Parteien ſind als Horchpoſten an=
weſend
.
Präſident Loebe eröffnet die Sitzung mit einem von den
Abgeordneten ſtehend angehörten Nachruf auf die in der ſitzungs=
freien
Zeit verſtorbenen Abgeordneten Kexp (3.) und Gemeinder
(Nat=Soz.). Am Platze des Abgeordneten Kerp liegt ein Strauß
gelber Roſen, an dem des Abgeordneten Gemeinder ein Strauß
roter Roſen, der mit einer Hakenkreuzſchleife verſehen iſt.
Der Präſident läßt das Schreiben verleſen, in dem dem
Reichstage die Ernennung der neuen Reichsregierung mitgeteilt
wird.
Vor Eintritt in die Tagesordnung begründet
Abg. Torgler (Komm) einen Antrag, die polizeilichen
Abſperrungen um den Reichstag ſofort aufzuheben. Dieſer An=
trag
wird ohne Debatte gegen die Stimmen der Kommuniſten,
die inzwiſchen in den Saal eingezogen ſind, abgelehnt.
Zu dem einzigen Punkt der Tagesordnung: Entgegen=
nahme
einer Erklärung der Reichsregierung gibt
der Präſident dann dem Reichskanzler das Wort.
Reichskanzler Dr. Brüning wird von den Kommuniſten
empfangen mit Rufen: Hungerkanzler! Diktator!
Reichskanzler Dr. Brüning
führte aus: Meine Damen und Herren! Ich habe die Ehre,
dem Hohen Hauſe die Reichsregierung in der Zuſammenſetzung
vorzuſtellen, wie ſie Ihr Herr Präſident ſoeben verkündet hat.
Es iſt mir ein inneres Bedürfnis, zunächſt den ausgeſchiedenen
Herren Miniſter Dr. Curtius, Dr. Wirth und v. Gusrard den
Dank der Reichsregierung für ihr pflichttreues Wirken im
Dienſte von Reich und Volk auszuſprechen. In jahrelanger
aufopfernder Tätigkeit haben dieſe Herren mit einer in vielen
ſchwierigen Lagen erprobten Sachkenntnis dem Vaterlande in
bedeutſamer und hingebender Arbeit gedient.
Die Reichsregierung iſtergänzt durch einen bewähr=
ten
Vertreter der Wirtſchaft, der als Sachberater der
Reichsregierung in den vergangenen Monaten zur Seite ge=
ſtanden
hat.
Die Leitung des Wehr= und Innenminiſteriums iſt in eine
Hand vereinigt.
Mehr als je zuvor zwingt uns unſere heutige Notlage zu
einer einheitlichen Zuſammenfaſſung der ſtaatlichen Macht=
mittel
, namentlich auch der von dem Herrn Reichspräſi=
denten
erlaſſenen beſonderen Machtbefugniſſe gegen alle
Beſtrebungen und Strömungen, die den Staat zu bedro=
hen
ſuchen. Die Sicherung der Autorität des Reiches iſt
die Vorbedingung der Feſtigung des Vertrauens nach
innen und außen und für den politiſchen und wirtſchaft=
lichen
Wiederaufbau, an dem alle poſitiven Kräfte mit=
arbeiten
müſſen.
Die Leitung der Wehrmacht wird ihre bisherigen bewährten
Grundſätze weiterverfolgen, die dem Hohen Haus bekannt ſind
und Gewähr dafür bieten, daß dieſes wichtigſte Machtinſtrument
des Staates jederzeit ſeinen Aufgaben gewachſen iſt. Das
Juſtizminiſterium iſt in die Hände eines Mannes gelegt, der
ſeit einem Menſchenalter dem Staat in ſchwerſter Zeit beſonders
treu und erfolgreich gedient hat. Die Leitung der Außen=
politik
wird in meiner Hand liegen. Ich werde die
Außenpolikik im Geiſfe der Beſprechungen
derleiſen monſe.
vor allem der jüngſten deutſch=franzöſiſchen
in Berlin, fortführen. Die Reichsregierung erwar=
tet
das Heil nicht allein durch internationale
Verhandlungen oder Hilfe des Auslandes. Aber

Deutſchland hat im letzten Jahrzehnt am eigenen Leibe
mehr als alle Nachbarn geſpürt, wie die ungelöſten poli=
tiſchen
Fragen der Welt die innere Not bis zur Grenze
des Erträglichen geſteigert und wachſende Verzweiflung
in allen Schichten des Volkes genährt haben.
Deshalb hat Deutſchland das Recht. an die Völkerder Welt
den Appell zu richten, die Bemühungen zu der un=
erläßlichen
ſolidariſchen Zuſammenarbeit end=
lich
zur praktiſchen Tat werden zu laſſen. Ich
glaube, daß in den vergangenen Monaten ein gewiſſer Fortſchritt
in ſolcher Geſinnung erzielt worden iſt. Allen Völkern ſollte in=
zwiſchen
lebendig vor Augen geführt ſein, daß das Schickſal
jedes Staates mehr denn je in der Vergangenheit mit
dem Schickſal des Nachbarn verflochten iſt. Kein
Staat kann auf die Dauer einen Vorteil aus der Not der an=
deren
Länder erwarten.
Die verderblichen Folgen politiſcher Zahlungen ohne wirt=
ſchaftliche
Gegenleiſtungen, haben die geſamte Welt ohne
Ausnahme in heute noch unabſehbare Bedrängnis geführt.
Die weitſchauende Initiative des Präſidenten der Vereinigten
Staaten von Amerika hat leider nur eine vorübergehende Er=
leichterung
geſchaffen. So groß auch ihre Bedeurung war und ſo
dankbar ſie vom deutſchen Volke empfunden wurde.
ſchon die Ungewißheit in den Fragen der politiſchen Zah=
lungen
gibt fortgeſetzt eine Lähmung auf den internatio=
nalen
Wirtſchafts= und Finanzverkehr aus.
Unmittelbare und offene Ausſprachen, wie ſie in Chequers, Paris.
London, Rom und hier in Berlin gepflogen wurden und weiter=
hin
zu führen ſind, ſollen den Weg zur tatſächlichen Solidarität
der Nationen ebnen. Denn es muß die Möglichkeit gefunden wer=
den
, klare und ehrliche Stimmungen zwiſchen den Nachbarn zu
ſchaffen.
Deutſchland fordert bei aller verſtändnisvollen Rückſicht=
nahme
auf die Lebensnotwendigkeiten, der Nachbarn die
Verwirklichung des Grundſatzes der Gerechtigkeit und Gleich=
berechtigung
unter den Völkern. Ich warne vor Augen=
blickslöſungen
unter dem Druck dringender materieller Not.
Sie würden, auf die Dauer geſehen, ſchlimmere Folgen
haben, als der gegenwärtige Zuſtand.
Die weitergreifende Zerrüttung der Kreditwirtſchaft
der Welt hat die Reichsregierung von Woche zu Woche vor neue
Aufgaben geſtellt.
Was vor Monaten in der Beurteilung der Wirtſchafts= und
Finanzlage eines Landes richtig war, iſt nach kurzer Zeit
durch die Wirkung der Kriſe in anderen Ländern überholt.
Die Aufgabe der Reichsregierung war es, und der neuen
Reichsregierung wird es ſein, die Regierungsmaßnahmen
elaſtiſch den jeweiligen neu auftretenden Auswirkungen der
Weltkriſe anzupaſſen.
Die Reichsregierung nimmt für ſich als einen Erfolg
in Anſpruch, daß ſie rechtzeitig und als erſte im
Kreiſe der großen Nationen mit entſcheidenden
Sparmaßnahmen in den öffentlichen Ausgaben
und mit möglichſter Senkung der Erzeugungs=
koſten
begonnen hat. Hierdurch allein iſt verhindert wor=
den
, daß die geſunden Grundlagen der deutſchen Volkswirtſchaft
in den vergangenen Monaten völlig erſchüttert wurden. Das
Beiſpiel der Reichsregierung hat Nachahmung
inder ganzen Welt gefunden. Es iſt anerkannt worden
als eine mutige Einſtellung auf eine ſchwere Zu=
kunft
. Maßnahmen wie die Bereitſtellung des Schulden=
tilgungsfonds
haben in den ſchwierigen Zeiten
der Bankenkriſe ſich geradezu als eine Rettung
erwieſen. Die Reichsregierung wurde durch dieſe Entſchließun=
gen
, die allerdings hart und unpopulär waren. in die Lage
verſetzt, gerade in dieſer Zeit zur Rettung der Privatwirtſchaft
ſchwebende Schulden in Höhe von nahezu 300 Millionen Mark zu=
rückzuzahlen
.
Die Kriſe des engliſchen Pfundes, deren end=
gültige
Löſung noch nicht ſicher beurteilt werden kann, ſtellt
Reichsregierung und Reichsbank vor neue Auf=
gaben
.
Noch ſtärker als in den vergangenen Monaten iſt eine Ein=
ſtellung
von Wirtſchafts=, Finanz= und Sozialpolitik aufein=
ander
und eine Anpaſſung des deutſchen Selbſtkoſten= und
Preisniveaus an die wirtſchaftliche Entwicklung nötig.
Die Reichsregierung, die ſich ſchon in den vergange=
nen
Monaten des Rates hervorragender wirtſchaftlicher Sachver=
ſtändiger
bedient hat, hat in Uebereinſtimmung mit dem Herrn
Reichspräſidenten beſchloſſen, einen Wirtſchaftsbei=
rat
zuernennen, der der Reichsregierung in den
wechſelvollen Entwicklungen der Kriſe zur
Seite ſtehen ſoll. Mit ihm gemeinſam wird in kurzer
Friſt ein Wirtſchaftsprogramm für die nächſten Mo=
nate
ausgearbeitet. Dieſes Programm hat als
erſte Vorausſetzung die Aufrechterhaltung der Stabilität
unſerer Währung, an der unter keinen Umſtänden gerüttelt
werden darf. Von entſcheidender Wichtigkeit iſt die Durch=
führung
eines Planes zur Tilgung der kurzfriſtigen Schul=
den
und eine endgültige Klärung der Reparationsfrage.

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Seite 2

Mittwoch, den 14. Oktober 1931

Nummer 285

Fehler der Vergangenheit im Wirtſchaftsaufbau
Deutſchlands müſſen ſchneller als bislang ausgeräumt
werden. Die bisherigen Maßnahmen der Reichsregierung, die
ihre Fortſetzung finden werden, haben dazu gedient, die Selbſt=
koſten
der deutſchen Wirtſchaft zu verringern, die Ausgaben der
öfentlichen Hand herabzuſetzen und die mit Fehlinveſtitionen von
Kapital verbundenen Gefahren für die Zukunft einzuſchränken.

Die Schwierigkeiten, in denen ſich Deutſchland durch Krieg,
Inflation und Reparationslaſten befand, haben dazu ge=
führt
, daß die großen Unternehmungen durch ausländiſche
Kredite eine ſehr ſtarke Expanſion betreiben konnten, wäh=
rend
Mittelſtand, kleinere und mittlere Induſtrie in ihren
Betätigungs= und Entfaltungsmöglichkeiten demgegenüber
zurückgeblieben ſind. Eine in vieler Hinſicht ungeſunde
Entwicklung iſt die Folge. Die Kreditpflege gerade für
Mittelſtand, kleinere und mittlere Induſtrie muß auch bei
der Bankenpolitik in der Zukunft eine der wichtigſten Auf=
gaben
ſein. Landwirtſchaft, Grundbeſitz und Induſtrie lei=
den
unter zu hohen Zinsſätzen. Ihre Senkung iſt ein ande=
res
unerläßliches Mittel zur Herabſetzung der Produktions=
koſten
, wenn wir nicht zu einer völligen Schrumpfung der
deutſchen Wirtſchaft kommen wollen.

Nur in dieſem Geſamtrahmen wird es möglich ſein, zu ver=
hindern
, daß das deutſche Volk an der Sozialpolitik überhaupt
irre wird und im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten gegenüber
den in ſchwierigen Lagen bewährten und unentbehrlichen Ein=
richtungen
in eine entgegengeſetzte Denkrichtung verfällt.

Die Sozialpolitik muß allerdings derartig geſtaltet und ge=
handhabt
werden, daß ſie ſich den finanziellen und wirt=
ſchaftlichen
Notwendigkeiten einfügt. Dabei kann an dem
verfaſſungsmäßig verbrieften Mitbeſtimmungsrecht der Ar=
beitnehmerſchaft
nicht vorbeigegangen werden. Vor allem
gilt das auch für den Tarifgedanken, der als ſolcher geſund
iſt und erhalten werden muß, aber größerer Elaſtizität in
der Handhabung bedarf. Die Tarife müſſen veränderten
Verhältniſſen ſchneller angepaßt werden können. Der
Grundgedanke einer guten Sozialpolitik muß gerade in
gegenwärtiger Notzeit Arbeitnehmer und Arbeitgeber die
Pflicht erkennen laſſen, ihre Angelegenheiten gemeinſam
unter möglichſt eigener Verantwortung und unter möglichſt
geringer Einmiſchung des Staates zu regeln. Mit einer
ſolchen Politik muß Hand in Hand gehen die Behandlung
der Kartellfrage, da die Preisgeſtaltung den wechſelnden
wirtſchaftlichen Bedingungen und der geſunkenen Kaufkraft
im Inlande ſchnell angepaßt werden muß.

Eine Verzinſung und Tilgung der kommer=
ziellen
Schulden des deutſchen Volkes iſt nicht
möglich, wenn den deutſchen Waren die Welt=
märkte
in fortſchreitendem Maße geſperrt wer=
den
. Dieſe vielfach befolgte Politik führt zu einer
Zerrüttung in der Weltwirtſchaft an deren
Ende die völlige Verarmung aller Völker ſtehen
wird. Die Reichsregierung iſt gewillt, alle Schritte zu tun, um
einer ſolchen Politik zu begegnen. Ebenſo klar iſt ſie ſich aller=
dings
darüber, daß die Bedeutung des Binnenmark=
tes
in der kommenden Zeit ſtärker in den Vorder=
grund
treten wird. Dieſem Ziele dienen auch die Pläne
einer erweiterten und beſchleunigten Siedlung auf dem
Lande und im Vorfeld der Städte, die gleichzeitig eine
ſeeliſche Entlaſtung von dem Druck der Arbeitsloſigkeit bringen
ſoll. Alle im Inland vorhandenen Produktionsmöglichkeiten
müſſen bis auf das letzte ausgenutzt werden, zumal die Notwen=
digkeit
beſteht, mit den vorhandenen und anfallenden Deviſen=
beſtänden
ſparſam zu wirtſchaften. Einſchränkungen der
Einfuhr werden im weſentlichen dort erfolgen müſſen, wo
die heimiſche Produktion, insbeſondere die Landwirt=
ſchaft
, die vorliegenden Bedürfniſſe ausreichend

und zu angemeſſenen Preiſen decken kann.

Der Weg, den das deutſche Volk zu gehen hat,
iſt uns klar vorgezeichnet.

Er iſt hart und ſchwer, aber auch keinem anderen Volke bleiben
harte Maßnahmen erſpart bis zu dem Tage, an dem die Not
die Völker der Welt zu einheitlichen Maßnahmen gezwungen
hat. Der Weg kann nur zu Ende gegangen werden, wenn
unſer Volk die Ueberzeugung hat, daß die Laſten gleichmäßig
verteilt und Gerechtigkeit und Verantwortungsbewußtſein über=
all
wiederhergeſtellt ſind.
Das deutſche Volk hat im inſtinktiven Bewußtſein, daß ein klarer,
ehrlicher, wenn auch dorniger Weg zum Erfolge und zur Frei=
heit
führen kann, bislang die ſchwerſten Opfer ertragen. Es
hat gerade in den Wochen, der Bankenkriſe ſich dadurch eine
Achtung in der Welt erobert, die in der Außenpolitik ein wert=
volles
Aktivum darſtellt. Gerade weil das deutſche Volk, wenn
es Gerechtigkeit, Zielklarheit und Hoffnung auf einen Enderfolg
ſieht, zu den ſchwerſten Opfern befähigt iſt, iſt es

Pflicht der Reichsregierung, dafür zu ſorgen, daß alle
Verſuche der Ausnutzung der Notlage des Staates und
der Wirtſchaft durch unwahrhafte Agitation verhindert
werden. Die Oeffentlichkeit muß die Gewißheit haben, daß
Auswüchſen des politiſchen Kampfes mit aller Entſchie=
denheit
entgegengetreten wird, und daß der Staat ent=
ſchloſſen
iſt, die Grundlagen der Ruhe und Ordnung im
Zuſammenleben ſicherzuſtellen.
Aus dieſem Grunde ſind durch mehrere Notverordnungen eine
Reihe von ſcharfen Maßnahmen getroffen, die dem arbeitſamen
und ordnungsliebenden deutſchen Volke die Gewißheit geben
ſollen, daß die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit
auch für die Zukunft gewährleiſtet iſt. Die Reichsregierung iſt
ſich bewußt daß Notverordnungen und polizeiliche
Maßnahmen nicht ausreichen ſondern nur den
Weg freimachen. Sie bedurfte daher der hingebenden Ar=
ſeit
eines opferfreudigen und pflichtreu tätigen Berufsbeamten=
tums
.
Entſcheidend im ganzen iſt der richtungsgebende ethiſche
Wille, der Wille zur nationalen Selbſtbehauptung, zur Freiheit,
aber auch zur Selbſtzucht und zum Opfer für das Vaterland.
Dieſen Willen in unſerem Volke und beſonders in unſerer
Jugend zu wecken, ſieht die Reichsregierung als ihre wichtigſte
Aufgabe an. Das Volk und vor allem die Jugend muß vor
den Einflüſſen der Zerſetzung geſchützt und vom Geiſte der
Vaterlandsliebe und Opferwilligkeit erfüllt ſein. Die Reichs=
regierung
wird alle Kraft in den Dienſt ihrer vornehmſten Auf=
gabe
zur Rettung des Vaterlandes ſtellen.
Die Verleſung der Regierungserklärung wurde von den
Kommuniſten wiederholt durch laute Zurufe unterbrochen:
J. G. Farben in der Regierung! Militärdiktatur! Aus=
ſaugung
des Volkes! Von den Mittelparteien und an eini=
gen
Stellen auch von den Sozialdemokraten kommen Zuſtim=
mungsrufe
zu einzelnen Sätzen der Erklärung. Die Betonung
der Notwendigkeit der Währungsſtabilität wird mit Beifalls=
klatſchen
begrüßt, ebenſo die Verſicherung, daß der Ausnutzung
der Volksnot durch unwahrhaftige Agitation mit aller Ent=
ſchiedenheit
entgegengetreten werden ſoll.

mit der nalionalen Oppoſition.

Im Anſchluß an die Verleſung der Erklärung führt Reichs=
kanzler
Dr. Brüning in freier Rede aus, es ſei notwendig,
über einige Vorgänge der letzten Zeit eine offene Aufklärung zu
geben. Die Verſchärfung der Kriſe habe in letzter Zeit zu einem
Zuſtand geführt, wie ihn die moderne Geſchichte der Wirtſchaft
noch nicht gekannt habe. Ich kann mit Befriedigung feſtſtellen, daß

jetzt auch aus den Kreiſen der Rechtsoppoſition nicht mehr
das Beſtehen einer Weltkriſe geleugnet wird.

Die rückſichtsloſe Agitation dieſer Kreiſe iſt zerſtört worden durch
die Ereigniſſe des letzten Sommers. Ueberall wird jetzt eingeſehen,
daß die ganze Welt in einer außergewöhnlichen Situation ſteht.
Außergewöhnliche Verhältniſſe machen außergewöhnliche Maß=
nahmen
erforderlich.

Wir in Deutſchland haben uns der Situation ſchneller an=
gepaßt
als andere Länder. Die deutſche Regierung hat ſich
früher unpopulär gemacht als andere, ſie hat es aber da=
durch
dem Volke erſpart, es mit einem Schlage vor ganz
umſtürzende Tatſachen zu ſtellen. Man hat mich einen =
gerer
genannt; aber ich frage, wo unſer Volk heute ſtände,
wenn ich im Sommer dem Drängen nachgegeben und das
Moratorium oder den Zahlungsaufſchub ausgeſprochen
hätte.: (Lebhafter Beifall.) Ich laſſe mich lieber jeden
Tag als Landesverräter beſchimpfen, als daß ich die Nerven
verliere und von dem Weg abweiche, den ich eingeſchlagen
habe. An dem Tage, an dem der Reichstag das von mir
verlangt, werde ich demiſſionieren. (Beifall.) In dieſer
ſchweren Zeit des Vaterlandes wäre es ein nationales Er=
fordernis
, daß ſich eine Regierung aller verantwortungs=
bereiten
Parteien zuſammenfindet. Ich würde bereit ſein,
in einer ſolchen Regierung den kleinſten und niedrigſten
Poſten anzunehmen. Leider Gottes iſt die Bildung einer
ſolchen Regierung in Deutſchland ausgeſchloſſen. In der
ſchickſalsſchwerſten Zeit unſeres Volkes ſind unſere Parteien
nicht zur Zuſammenarbeit bereit, ſondern ſie richten lieber
Fronten gegeneinander auf, ſtatt ſich zuſammenzufinden, in
der ſimplen und einfachen Pflichterfüllung für das ganze
Deutſchland. Darum habe ich mich entſchloſſen, eine Regie=
rung
zu bilden, die noch unabhängiger von Parteien und
Fraktionen iſt als die vorige. Dem Volke wird in dieſer
Zeit nicht gedient durch die Formen des politiſchen Kampfes,
die ſich auf der Harzburger Tagung gezeigt haben und die
nicht die Chancen des Erfolges einer kommenden Rechts=
regierung
ſichern können. Wenn man in Panikſtimmung
macht über die Lage der Deutſchen Reichsbank, dann zerſtört
man auch die Grundlagen einer kommenden Regierung.

(Beifall.) Ich weiſe Ausdrücke zurück, die den Glauben des deud
ſchen Volkes an ſeine Währung erſchüttern können. (Beifall.) Dig
Deutſche Reichsbank hat nichts zu verheimlichen. Für eine deutſch
Reichsregierung wäre es verlockend, den Forderungen von rechty
zu folgen, wenn ſie populär bleiben will. Eine Reichsregierung
die etwa die Mark an die Entwicklung des engliſchen Pfunde
anlehnt, hätte Notverordnungen nicht nötig. (Zuruf von de
Kommuniſten: Lehnen Sie die Mark lieber an den Sowjel
rubel an! Große Heiterkeit.) Ich habe bei der Uebernahm
des Reichskanzleramts zu einem Wirtſchaftsſachverſtändigen ge
ſagt: Ich weiß, daß die Aufgabe, die ich jetzt übe
nehme, zu 90 Prozent verloren iſt! Das war nich
Schuld des Kabinetts Hermann Müller, ſon
dern es waren die Fehler, die insgeſamt die ö
fentliche Hand und ein Teil der Privatwir
ſchaft in den ganzen ſechs Jahren gemacht haf
Es iſt eine Kreditinflation aus dem Ausland eingetreten, die de
geſunden Menſchenverſtand vernebelt und einen Schleier über au
Dinge gebreitet hat. (Zurufe des deutſchnationalen Abg. D
Quaatz.) Wenn Sie, Herr Quaatz, mir 1927 mehr geholfen hätten
wären die Ueberſtiegenheiten der Beſoldungsordnung damals nich
gekommen. (Widerſpruch des Abg. Dr. Quaatz.)
Die Fehler der öffentlichen Hand ließen ſich leichter repa=
rieren
, als die in der Privatwirtſchaft begangenen. Darum
will die Reichsregierung mit den in der Notverordnung
zugelaſſenen Maßnahmen dafür ſorgen, daß wieder geſunde
Prinzipien in der Privatwirtſchaft einziehen, die auch in
manchen großen Geſellſchaften verlaſſen worden ſind. Er=
ſcheinungen
, wie wir ſie bei Favag und Nordwolle erlebt
haben, dürfen nicht wiederkehren. (Beifall.) Durch die zu
dieſem Zweck getroffenen Maßnahmen der Reichsregierung
über die Bankenkontrolle und gewiſſe Eingriffe in die a
Kartellwirtſchaft hat ſich die Regierung Angriffe aus be= a
ſtimmten Wirtſchaftskreiſen zugezogen. Ich bin aber der /9
Meinung, daß es gerade im Intereſſe der Privatwirtſchaft /hb
liegt, wenn nicht durch ſolche Uebelſtände im Volke der In
Eindruck entſteht, daß die Privatwirtſchaft überhaupt nicht Un
länger aufrecht erhalten werden kann.
Wenn von einzelnen Organen der Rechten der Regierun/
ſogar die Schuld an der Bankenkriſe zugeſchoben wird, nu
möchte ich darauf antworten: Seien Sie vorſichtig, ſonſt könn/
ich vielleicht von dieſer Tribüne aus ſehr deutlich werde
(Zurufe von den Kommuniſten: Werden Sie doch deutlich, wi W
haben Sie denn für Geheimniſſe mit der Rechten?) Wenn d0
Rechte gegen die Notverordnungen Sturm läuft, ſo wäre es mit 41
ſehr intereſſant, wie die Nationalſozialiſten eine Ablehnung de
Beſtimmungen über die Bankenkontrolle oder über die Kün
zung der großen Penſionen ablehnen wolken.

Notwendig iſt zur Wiedergeſundung unſerer Wirtſchaft eine
Arbeitsgemeinſchaft zwiſchen den Unternehmern und den
Arbeitnehmern. Es iſt notwendig und nützlich, wenn beide
Teile ihr Programm dazu vorlegen. Es iſt freilich nicht
geſchickt, wenn die Wirtſchaft mit ihrem Plan ein Pro=

gramm verbindet, das in dieſer Form der Veröffentlichung
geeignet iſt, die geſamte Arbeitnehmerſchaft in einer Ein=
heitsfront
gegen dieſes Programm zuſammenzuſchließen.
Es geht nicht ſo, daß man nur und ausſchließlich die Ge=
ſundung
von immer weiteren Lohnſenkungen erwartet.
Die Reichsregierung geht den Weg der Ane
kennung der Wirklichkeit. Das iſt der Weg d
größten Widerſtandes. Von ihren Gegnern wird i
zugemutet, ſie ſollte den Weg des geringſten Widerſtandes geheß
Ich gehe aber meinen Weg weiter, und heute iſt es ſo, dugd
meine Aufgabe nicht mehr zu 90 Prozent verloren iſt, ſonde
daß das Verhältnis des Glücks oder Unglüc
ſchon 50zzu 50 geworden iſt. Die Einfuhr ausländiſcht
Agrarprodukte iſt gegen früher ganz weſentlich zurückgegang
Die Arbeitsloſigkeit iſt in den letzten kritiſchen Monaten ni
ſo geſtiegen, wie wir es früher befürchtet hatten. Der A
iſt frei und auch
der kommende Winter kann unter allen Umſtänden über= oda
ſtanden werden. Unſere Wirtſchaft iſt in ihrem Produk= ſt
tionsapparat geſund. Nahrungsmittel haben wir genügend.
Für die öffentlichen Finanzen iſt Vorſorge getroffen, und
es müßte merkwürdig zugehen, wenn das deutſche Volk ſavor
nicht den Lebenswillen und politiſchen Inſtinkt hätte, um Aufter
auch über dieſen Winter hinwegzukommen. Wir ſind ent= ut
ſchloſſen, die Dinge bis zu dem Augenblick fortzutragen,
wo durch eine internationale Zuſammenarbeit das kommt, hen
was kommen muß, wenn nicht die ganze Welt verſinken will. /0,
Durch Kritik, Angriffe und Verleumdungen laſſe ich mich nitzürige
verwirren. Ich ſtehe vor Ihnen, ich habe Ihnen mein Probuter
gramm gefagt. Sie, die Parteien, tragen nun die Verantwor 3
tung für das, was kommen wird.
Eusg‟
Von den Mittelparteien kommen am Schluß der Rede leblohn
hafte Beifallskundgebungen.
Gegen 16,30 Uhr vertagt der Präſident die Ausſprache aſſlunt
Mittwoch, 12 Uhr.

Von Prof. Dr. Konrad Guenther, Freiburg i. Br.
In der buddhiſtiſchen Lehre von Tibet findet ſich der tieſ=
ſinnige
Vergleich des Weltgeſchehens mit einem Schauſpiel. Eine
höhere Macht ſtellt die Menſchen als Schauſpieler in dieſes Stück
hinein, zu deſſen Entwicklung die Unglücklichen und Schlechten
ebenſo gehören, wie die Glücklichen und Guten. Im Drama
findet das Leben jedes Einzelnen ſeinen Sinn.
Nach dieſer Auffaſſung gehören zu ſolchem Zuſammenſpiel
aber auch die Tiere und Pflanzen. Daß unter dieſen die Böſen,
nämlich die Raubtiere, ebenſo notwendig zur Geſunderhaltung
des Ganzen ſind, wie die anderen, kann der Naturforſcher nach=
weiſen
. Nicht nur das Inſekt bedarf der Pflanze, von der es
lebt, ſondern auch die Pflanze des Inſekts. Denn in jedem
Lebeweſen liegt der Drang, ſich unbegrenzt zu vermehren, und
man hat ausgerechnet, daß eine Blattlaus im Laufe eines Som=
mers
es auf 17 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 Nachkommen
bringen würde, wenn ſie und die Nachkommen ſich ungeſtört fort=
pflanzen
könnten. So würde auch jede Pflanze immer mehr
Boden für ſich in Anſpruch nehmen, wenn ſie nicht beſchnitten
werden würde, und die Arbeit der Schere des Gärtners über=
nehmen
die Inſekten. Die Eier, die die Schmetterlinge an den
Nährpflanzen der Raupen ablegen, ſind dabei immer ſo abge=
meſſen
, daß das Grün der Pflanze für die Tiere ausreicht und
doch noch genug nachbleibt, um die Art der Pflanze zu erhalten.
Am kleinen Pflänzchen des Labkrauts legt der Labkrautſchwär=
mer
nur wenige Eier ab, die überreiche Blätterfülle der Eiche
ermöglicht es dem Schwammſpinner, alle ſeine Eier auf einmal
an den Stamm des Baumes zu heften. Damit aber nun die
Inſekten ſich nicht zu ſtark vermehren, ſind hinter ihnen die
Vögel eingeſetzt, die von ihnen freſſen und ſo ihre Arten in
Schranken halten, und die Zahl der Vögel ſteht wieder unter
der Aufſicht der Raubvögel. Dieſe halten zudem dadurch, daß
ihnen vor allem die Schwachen und Kranken zur Beute fallen,
die anderen geſund.
Dieſes alles zeigt aber nur, daß kein Tier, keine Pflanze
für ſich allein daſteht, ſondern daß von jeder zu den anderen
Fäden ausgehen, auf denen Lebensſtröme zufließen; in einer ge=
ſunden
Natur iſt kein Weſen überflüſſig. Wir gewinnen ſo
gewiſſermaßen einen Einblick in ein Bild auf dem Welttheater
und erkennen die harmoniſche Einpaſſung von allen Einzelnen
in den Rahmen der Dekorationen, das iſt die Landſchaft. Das
Dramatiſche aber liegt in der Hanolung, wie ſie aufeinander
folgt. Da ſchauen wir in einen Teich hinein, ſehen, wie ſich
am Grunde grüne Pflanzen bilden, die Inſekten, Weichtieren
und Krebſen zur Nahrung dienen, dieſe werden wieder in die
Körper der Fiſche umgeſetzt, und wenn letztere ſterben und ihr

Leib ſich auflöſt, ſinken die Stoffe wieder auf den Boden und
geben neuem Leben den Urſprung. Eine Steigerung gibt jedoch
auch ein Blick auf die Formen der Tiere, wie da die einfachſten
im Waſſertropfen ein gleichförmiges Daſein führen, wie dann
immer reichere Geſtaltung anſetzt, das Leben immer ſchickſal=
hafter
wird, Freud’ und Leid immer tiefer empfunden werden,
bis wir zu den Vögeln und Säugetieren kommen, in deren
Leben ſich unſer eigenes ſpiegelt. Und endlich baut ſich auch
die Entwicklung der Lebeweſen im Laufe der Erdgeſchichte dra=
matiſch
auf. In den älteſten Zeiten ein reiches Leben ſtummer
Fiſche und anderer Waſſertiere, im Mittelalter der Erde eine
Bevölkerung der Erdteile mit rieſenhaften, zähne= und horn=
bewehrten
Reptilien, den Drachen der Sage gleichend, und nach
dieſer Periode des Kampfes und der Kraft ein liebliches Auf=
blühen
der Blumen und die Erfüllung der Luft mit Vögeln und
Schmetterlingen. Die Erde erhält Farbe, Duft und Stimme.
Um ſolche dramatiſchen Entwicklungen mitzuerleben, dürfen
wir aber nicht nur mit unſerem Verſtande das Tierleben unter=
ſuchen
. Die Betrachtung verliert dadurch nicht an Wiſſenſchaft=
lichkeit
. Iſt es doch ebenſo Tatſache, daß das lebendige Kleid
der Erde ein Kunſtwerk iſt und daß im Leben der Tiere und
Pflanzen das Leid die Führung hat, als daß die Körper der
Lebeweſen aus Zellen beſtehen und der Ablauf ihres Lebens
die Form der Entwicklung hat. Im Gegenteil, nur dann wer=
den
wir einen vollen Einblick ins Tierleben gewinnen, wenn
wir es auch mit dem Herzen erleben, denn wer an die Natur
nur mit dem Verſtand, das heißt, mit dem halben Menſchen
herantritt, lernt ſie auch nur halb kennen.
Darum habe ich in meiner Darſtellung des Tierlebens mir
die Aufeinanderfolge der Kapitel von dem dramatiſchen Auf=
ſtieg
der Natur beſtimmen laſſen. Zuerſt Kennenlernen der
feſſelnden Erſcheinungen, dann Ergriffenwerden von den Schick=
ſalen
der Tiere, die Goethe unſere Brüder nennt, und endlich
Umfaſſung des Ganzen mit dem Beſten, was wir haben, der
Liebe, das iſt der Weg, der uns in Unſere Tierwelt im Drama
des Lebens*) hineinführt. Und um ſo mehr haben wir Men=
ſchen
alle Veranlaſſung, uns mit dem Leben der Tiere zu be=
faſſen
, als wie es ſind, die den letzten Akt ihres Dramas zur
Tragödie gemacht haben. Hat doch der Menſch die ganze Eroe
mit Beſchlag belegt, und alle Tiere, die ſich nicht in die Kultur
fügen, werden vernichtet. Schritt für Schritt müſſen ſie aus
ihrer Heimat weichen, rückſichtsloſe Verfolgung rottet gerade die
feſſelndſten und ſchönſten Formen aus, andere müſſen ein Leben
in ſonniger Freiheit mit Dienſt im dumpfen Stall vertauſchen
Möge der Menſch nicht erſt erkennen, daß er die Erde um den
höchſten Reiz ihrer Schönheit gebracht hat, wenn es zu ſpät iſt!

*) K. Guenther, Unſere Tierwelt im Drama des Lebens. 11.15.
Tauſend 1931. Broſchiert 6 RM., in Ganzleinen geb. 8,RM. J. Neu=
mann
, Neudamm.

Möge er darum das Drama der Tierwelt ſich zum Bewußtſeil
bringen und mitarbeiten, daß nicht der Vorhang unabänderliche
Todes über unendlicher Schönheit falle.

Edwin Erich Dwinger.

Vortragsabend in der Literariſch=Künſtleriſchen Geſellſchoſſo
Ich glaube dennoch! könnte man als Leitwun.
über die dichteriſchen Bekenntniſſe ſchreiben, die Edwin Ergeſſ
Dwinger in der Literariſch=Künſtleriſchen Geſellſchaft vortrel
Dennoch! Trotz der furchtbaren Greuel, die Dwinger a
Deutſcher in ruſſiſcher Gefangenſchaft in Oſtſibirien erlebn
mußte! Aus ſeinem erſchütternden Tagebuch Armee hint
Stacheldraht berichtete. Dwinger über die furchtbarwelld
Schrecken des Lagers von Totzkoje; berichtete, wie im Lager 18.
Typhus ausbrach, wie die Zahl der Toten von Woche
Woche um fünfzig ſtieg, wie der ruſſiſche Lager=Kommandayei
jede Hilfe verweigerte, ſo daß ſchließlich von 170 000 Gefangen9
nur 90 000 die Heimat erreichten.
Die Deutſchen, denen die Flucht aus dem Lager gelard
ſchloſſen ſich der Weißen Armee an und wurden zu dem furch
baren Rückzug über den zugefrorenen Baikalſee gezwungen,
jagt von der verfolgenden Roten Armee. Der Heldenmut aufeiht
opfernder Kameradſchaft ſpricht aus dem Buch Zwiſcheri
Weiß und Rot aus dem Dwinger die Schilderung dieſ *
Rückzugs entnahm.
Ein junger Menſch von 32 Jahren, ſtand Dwinger am Vack.
tragspult; ſchlank, blond, als Fähnrich der Benjamin und
den Gefangenen. Die geſundheitlichen Nachwehen der körpih
lichen Leiden verfolgen ihn noch heute. Aber er ſprach kleh
überzeugend, bezwingend und hob ſich in manchen Stellen wuſe
dichteriſcher Schönheit; ein Zeuge kameradſchaftlicher Tapferk
und ein Zeuge für den Glauben an die Zukunft deutſch
Weſens.
Der bis zum letzten Platz beſetzte Saal war ſtark erſchütte‟

Die Lebendige Stadt Zweimonatsſchrift der Stadt Mannhein
3. Jahrgang, 3. Heft. (Verlag J. Bensheimer, Mannheim.)
Das Mannheimer Organ beſchert ſeinen Freunden wieder einne u
ein beſonders reizvolles Heft: Stadt, Stadtteil, Vorort‟. Wer Li
Heft lieſt, bekommt nicht nur einen vollſtändigen Einblick in die Erue
ſtehungsgeſchichte Mannheims während der letzten Jahrzehnte, beſonde0hn
der Geſchichte der Eingemeindungen, es wird ihm auch ganz allgemelll=
das
organiſche Wachstum einer Großſtadt demonſtriert. Dieſer Ten
von angeſehenen Autoren leicht hingeſchrieben, wird durch ganz herbu
ragende Photos ergänzt: Fliegeraufnahmen, die das Weſentlichſte
faſſen, Detailbilder aus Stadtvierteln, die ſo typiſch ſind, daß einem
ganze Stadt Mannheim deutlich ſichtbar wird. Mit ſolchen Veröffei
lichungen wird das Anſehen deutſcher Städte mm Jn= und Ausland ſte
gehoben.

[ ][  ][ ]

Mittwoch, den 14. Oktober 1931

Reichspräfidenk von Hindenburg
für ſozialen Burgfrieden.
Ein Brief an den Kanzler.

* Berlin, 13. Oktober (Priv.=Tel.)
Der Reichspräſident hat, wie wir hören, an den Reichs=

unzler ein ausführliches Schreiben gerichtet, worin er ſich für

inen Ausgleich der ſozialen Strömungen einſetzt und ſich bereit
rklärt, den Vorſitz in einer Konferenz zwiſchen Arbeitnehmern

acht

auch
ſind. Er

nd Arbeitgebern ſelbſt zu übernehmen. Dieſe Konferenz wird
r Reichskanzler in den nächſten Tagen einberufen. Sie ſoll
ſereits Anfang der nächſten Woche beginnen, nachdem der
ſanzler von einem kurzen Ruhe=Urlaub zurückgekehrt iſt. Wir
brachen ſchon davon, daß nicht Organiſationen einberufen wer=
en
ſollen, ſondern einzelne Perſönlichkeiten aus den verſchie=
dnen
Wirtſchaftsberufen. Die Hoffnung des Kanzlers geht
ffenbar dahin, daß der perſönliche Appell des Reichspräſidenten
unen ſtarken moraliſchen Zwang zur Nachgiebigkeit und Einſicht
uf beiden Seiten ausüben wird.

Lie Sozialdemokraken für Brüning.

Die ſozialdemokratiſche Reichstagsfraktion beſchloß am
e erleh ienstag ohne Ausſprache, die gegen das Kabinett Brüning vor=
ſegenden
Mißtrauensanträge abzulehnen.
Beſtimmend für dieſe Entſcheidung waren, wie die Fraktion
Flmg nitteilt, die Gründe, die bereits in der Sitzung vom Montag
N 9 afgeführt worden ſind. Die Rede des Kanzlers biete keinen
Me 9 inlaß, die politiſche Situation jetzt anders zu beurteilen. Die
Der 9 Jagung der ſogenannten nationalen Oppoſition in Harzburg
Weſchaß ube gezeigt, daß das Großkapital mit Unterſtützung der Natio=
eie
de ulſozialiſten zum entſcheidenden Schlag gegen die Rechte des
m nich terktätigen Volkes ausholt. In ihrer Preſſe werde ietzt ganz
Ifen mit dem Putſch gedroht, wenn die Diktatur des Schwer=
Regien lpitals und der Großagrarier auf parlamentariſchem Wege dies=
wird
tal nicht verwirklicht werden ſollte. Die ſozialdemokratiſche
ſt kön ſraktion wolle durch ihre Entſcheidung verhindern, daß durch
ich wer)) mne neue Inflation die Gewerbetreibenden und kleinen Sparer
ſeutlich, pch einmal enteignet werden, daß durch rückſichtsloſen Lohn=
Venn/ bbau, Zerſchlagung des Tarifrechtes und der Sozialgeſetz=
äre
es ehung die Exiſtenz der arbeitenden Maſſen vernichtet werde.

und du
m beidel

chr

ein Pr

ner Ein=
ie

erwarte

Mit dem Beſchluß, dem preußiſchen Handelsminiſter Dr.
er Anſehreiber proviſoriſch die Leitung des Finanzminiſteriums zu
Weg)üertragen, weicht Miniſterpräſident Braun, der bisher nach dem
En wird mAsſcheiden eines Miniſters immer ſofort die Neubeſetzung vor=
undes
92 Agnommen hat, von ſeiner ſonſtigen Gepflogenheit ab. Der end=
esſoſſialtige
Nachfolger Dr. Höpker=Aſchoffs wird wahrſcheinlich erſt
iſt, ſon) äde dieſes Monats ernannt werden. Der Grund liegt darin, daß


ben übr
fen, undd
Voll
te,
id ente
ragen
ken will

Die Wirkſchaftsparkei verlangk Aufklärungen.

Die Reichstagsfraktion der Wirtſchaftspartei beſchäftigte ſich
nit der letzten Notverordnung und beſchloß, mit dem Reichskanz=
ſr
Fühlung zu nehmen, um einige Fragen aufzuklären. Von den
ehaltenen Aufklärungen wird ihre Stellungnahme zu den Miß=
muensanträgen
abhängen.

Dr. Reinhold, der frühere Reichsfinanzminiſter,
Kandidak für das preußiſche Zinanzminiſterium?

Ungli ßYiniſterpräſident Braun augenblicklich krank iſt. Er leidet an

zusländi kenem Gripperückfall und muß zunächſt ſeine Wiederherſtellung
wwarten, ehe er die Verhandlungen über die Nachfolge auf=
hhmen
kann. Bei der Wichtigkeit, die dem Finanzminiſterium
grade jetzt zukommt, iſt es nur natürlich, daß der Miniſterprä=
ſient
die Neubeſetzung mit aller Sorgfalt prüfen will. Als Kan=
ddat
wird in erſter Linie Dr. Reinhold, der ehemalige Reichs=
manzminiſter
, genannt.

Die Verhandlungen des Kanzlers über die Beſetzung des frei=
zwordenen
Oſtkommiſſariats und des Siedlungskommiſſariats
dirften zur Betrauung des Abg. Schlange=Schöningen (Landvolk=
Artei) führen.
Die angekündigten Mißtrauensanträge der nationalſozialiſti=
ſgen
und der deutſchnationalen Reichstagsfraktion ſind nunmehr
u Reichstag eingegangen. Sie lauten übereinſtimmend: Der
Richstag entzieht der Reichsregierung das Vertrauen. Auch die
ürigen Anträge der Nationalen Oppoſition, die einander gleich=
laten
, liegen dem Reichstag jetzt vor.
In Granada wurde von den Revolutionären der Generalſtreik
usgerufen. Polizei und Militär haben umfangreiche Vorſichts=
mßnahmen
getroffen.
Wie aus Rio de Janeiro gedrahtet wird, ſoll das deutſch= bra=
ſlaniſche
Tauſchgeſchäft 500 000 Tonnen Ruhrkohle gegen eine
Affeemenge von entſprechendem Wert abgeſchloſſen worden ſein.

Abgeſang im Heſſenparlament.

Diäkenſenkung. Miniſterpenſionen.
Wahlfieber.

* Der Heſſiſche Landtag iſt geſtern noch einmal vor ſeiner
Auflöſung zuſammengetreten. Warum? Kleinigkeiten und Klein=
lichkeiten
füllen die Tagesordnung, werden Gelegenheit zu einer
Ausſprache über die heſſiſchen Notverordnungen bieten und als
Anknüpfungspunkt für Fenſterreden zum Stimmenfang dienen.
Die Friſt zu den Neuwahlen am 15. November iſt kurz, und das
Unheil nahet ſchnell. Was ſich vor den zahlreichen Zuſchauern der
geſtrigen Landtagsſitzung allerdings abſpielte, war ein trauriges
Zeichen für die Geiſtesverfaſſung von Männern, die ſich zur alten
und neuen Rechten zählen, beſonders bedauerlich, da ſich die
Führer der beiden Parteien. Nationalſozialiſten und Landbund,
am vergangenen Sonntag in Harzburg gemeinſamen Kampf gegen
Marxismus und Internationalismus geſchworen. Es war höchſte
Zeit, daß der Vorſitzende des Landbundes, v. Helmolt, der an der
Harzburger Tagung teilgenommen hat, mit ſeinen ruhigen, aber
ſachlich ſtrengen Ausführungen eingriff und verſuchte, dem Schau=
ſpiel
, das von Sozialdemokraten und Kommuniſten durch zyniſche
Zwiſchenrufe gewürzt wurde, ein Ende zu machen.
Sachlich war die Sitzung recht unergiebig, und das iſt raſch
aufgezählt. Der wilde Abg. Dr. Wolf hat ſich zur Deutſchnatio=
nalen
Partei geſchlagen und iſt inzwiſchen auf deren Wahlliſte an
zweiter Stelle erſchienen. Die Diätenkürzung wird erneut den
Ausſchuß befaſſen, und die Miniſterpenſionen werden vermutlich
ſo bleiben wie ſie ſind, d. h. mit den Kürzungen der Notverord=
nungen
. Während ſich gegen die Bezüge der früheren Miniſter
v. Ewald und v. Homberg, ſowie der neuen Penſionäre Ulrich
und Raab kein Widerſpruch erhob, fand die Penſion des Miniſters
a. D. Rechtsanwalt Fulda, dem 27 Vordienſtjahre angerechnet
worden ſind, ſcharfe Kritik. Staatspräſident Adelung ſtellte feſt,
daß in Zukunft in Heſſen keine Miniſterpenſionen mehr bewilligt
werden, da die Rechte und Pflichten des Reichs= Miniſterpenſions=
geſetzes
übernommen worden ſind.

Die 122. Sihung.

Vor gut beſuchtem Hauſe teilt Präſident Delp mit, daß Abg.
Wolf (wild) ſich jetzt der Deutſchnationalen Partei angeſchloſſen
habe. (Hört, hört!) Nachdem von verſchiedenen Abgeordneten
dem Verlangen, ihre noch unerledigten Anträge und Anfragen
auf die Tagesordnung der kommenden Sitzung zu ſetzen. Ausdruck
gegeben wurde wird der Rechenſchaftsbericht der Landeskredit=
kaſſe
für das Jahr 1928 gebilligt.

Die 1oprozenlige Kürzung der Abgeordnekendiäken,

wie ſie in einem Initiativantrag des Finanzausſchuſſes und Prä=
ſidenten
enthalten iſt, wird vom Abg von der Schmitt
(Komm.) als Wahlmanöver abgetan. Die Kommuniſten bean=
tragen
in einem Zuſatzantrag. Diäten nur bei einem Einkommen
bis zu 4800 RM. zu gewähren.
Abg. Dr. Werner (Nat.=Soz.) bedauert, daß ſeine früheren
Anträge auf 50proz. Kürzung der Diäten abgelehnt worden ſind.
Er ſtimmt der Vorlage zu, da der kommende Landtag dieſe Frage
erneut anfaſſen werde. Abg. Dr. Böhm (Dnatl.) vertritt die
gleiche Auffaſſung, wie der Vorredner. Abg. Dr. Niepoth
(D. Volksp.) betont unter der Zuſtimmung des Hauſes alle bis=
herigen
Anträge auf Diätenſenkung müſſe man als Schaum=
ſchlägerei
bezeichnen, denn keiner der Antragſteller
habe bisher im Landtagsamt eine ſeinen Kürzungsan=
trägen
entſprechende Verzichtserklärung abge=
geben
. Abg, Dr. Müller (Lbd.) lehnt eine ſchematiſche
Diätenregelung für Arbeiter=, Bauern= und Beamtenabgeordnete
ab. Abg. Reiber (Rad.Dem.) betont, die heſſiſchen Diäten
ſeien die niedrigſten aller Parlamente. Der Antragſteller Werner
ſolle an die Haltung der Nationalſozialiſten in Thüringen und
im Reichstag denken, wo man nichts gearbeitet, aber die Bezüge
einkaſſiert habe. Abg. Galm (Komm. Opp.) erklärt, eigentlich
ſollten Diäten nur gezahlt werden, wenn das Plenum für das
Land etwas Poſitives geleiſtet habe. Wenn man dieſen Maßſtab
anlegt, dann mußt ihr alle noch herauszahlen! (Beifall auf den
Tribünen und im Hauſe.) Wir beantragen den Staatsbeamten=
Abgeordneten werden keine Diäten bezahlt, wenn für ſie eine
Vertretung im Amt erforderlich iſt. Abg. Kaul (Soz.) be=
antragt
, die neuen Abänderungsanträge dem Ausſchuß zu über=
weiſen
und die Abſtimmung ſolange zu vertagen. Das Haus
ſtimmt dieſem Verfahren zu.
Gegen die Stimmen der Kommuniſten wird die

Immunität des Abg. Sumpf (Komm.) zur Strafverfolgung
aufgehoben.
Von der Rechten und der Mitte wird ein gleiches Erſuchen
gegen den Abg. Hammann (Komm.) abgelehnt und der Aus=
ſchußbeſchluß
revidiert. Abg. Dr. Niepoth (D. Volksp.) er=
ſucht
den Innenminiſter, die beſtehenden Geſetze ſtreng anzuwen=
den
und Abgeordnete, die in klagranti erwiſcht werden, in

Haft zu nehmen. Der Fall Hammann ſei allerdings politiſch
zu werten.
Um die Miniſterpenſionen

iſt in den bisherigen Wahlkämpfen zwiſchen Nationalſozialiſten
und Landbündlern ein heftiger Kampf entbrannt, wer der erſte
geweſen ſei, welcher und die entſtandenen Spannungen
drängen zur Entladung.
Abg. Dr. Werner (Nat.=Soz.) fordert in ſeinem Antrag
Senkung. Begrenzung und Publikation der heſſiſchen Miniſter=
gehälter
. Der Redner kritiſiert, daß die Regierung die zugeſagte
Liſte noch immer nicht bekannt gegeben, und fordert angeſichts
der bisherigen Haltung des Staatspräſidenten einen Landtags=
beſchluß
, daß für Penſionsanſprüche der jetzigen Miniſter nur das
Reichsminiſterpenſionsgeſetz maßgebend ſein dürfe.
Abg. Dr. Beſt (V. R. P.) kommt in ſeinen juriſtiſchen Aus=
führungen
zu dem Ergebnis, daß die Notverordnungsbeſtim=
mungen
über 75proz. Penſionsgrenze und Dienſtjahre=Anrechnung
auch für Miniſterpenſionen gelten, während einige andere Be=
ſtimmungen
zwiſchen dem Reichsgeſetz und dem heſſiſchen Geſetz
zweifelhaft blieben.
Miniſterialdirektor Schäfer teilt mit, daß nach der Auf=
faſſung
des Juſtizminiſteriums die jetzigen
Miniſter die Wahl haben, nach welcher Pen=
ſionsregelung
ſie behandelt werden wollen.
Selbſtverſtändlich kämen die Beſtimmungen der Notverordnung
zur Anwendung.
Abg. Dr. Keller (D. V. P.) erklärt, daß ſeine Fraktion
nach dieſer Erklärung den beiden erſten Punkten des Wernerſchen
Antrages zuſtimmen werde. Die reſtlichen Punkte, Anwendung
der preußiſchen Regelung und rückwirkende Kraft der Aenderung,
lehne er ab, da dieſem Beſchluß die reichsgeſetzlichen Beſtim=
mungen
widerſprächen. Die Regierung ſolle endlich die gefor=
derten
Auskünfte erteilen.
Abg. Glaſer (Lbd.) polemiſiert gegen den Abg. Dr. Wer=
ner
und proteſtiert gegen die falſche Darſtellung, die in der dem
Abg. Werner naheſtehenden Preſſe über die Haltung des Land=
bundes
erfolgt ſei.

Skaakspräſidenk Adelung

hält dem Abg. Werner vor, er hätte beſſer den Brief des national=
ſozialiſtiſchen
Miniſters Frick über ſeine Penſionsregelung nicht
veröffentlicht, denn daraus gehe doch klipp und klar hervor, daß
dieſer ſich ſeine Vordienſtjahre zur Anrechnung ausbedungen und
geſichert habe. Er mache ihm daraus keinen Vorwurf. Wir in
Heſſen haben das aber nicht nötig. Wir haben die reichs=
geſetzliche
Regelung mit ihren Rechten und
Pflichten übernommen. In Zukunft wird in
Heſſen keine Miniſterpenſion mehr gewährt wer=
den
. Aus wohlerwogenen Gründen haben wir bisher die ge=
zahlten
Miniſterpenſionen nicht veröffentlicht, weil
daraus nur Wahlagitation hergeleitet werden ſoll. Heſſen zahlt
jetzt folgende Bezüge:
an den früheren Staatsminiſter Dr. v. Ewald
14 572 RM.
Innenminiſter v. Hombergk zu Vach 14572
10 863
Staatspräſidenten a. D. Ulrich
9923
Miniſter a. D. Raab
12619
Miniſter a. D. Dr. Fulda
(Hört, hört!) Den früheren Miniſtern v. Ewald und v. Hombergk
wurden ihre 44 bzw. 42 Dienſtjahre als Beamte den Miniſtern
Raab und Ulrich ihre 9 Miniſterjahre, Miniſter Fulda 2 Dienſt=
und 27 Vordienſtjahre (Hört, hört! in Anrechnung gebracht.
Heſſen hat ſeinerzeit im Reichsrat dem Penſionskürzungs=
geſetz
zugeſtimmt. Es wurde im Reichstag nicht erledigt, ſon=
dern
in der Notverordnung geregelt.
Angeſichts der agitatoriſchen Hetze, die mit den heſſiſchen Mi=
niſterpenſionen
getrieben wird, iſt es notwendig, feſtzuſtellen, daß
bei der Beratung des Penſionsgeſetzes der nationalſozialiſtiſche
Abg. Sprenger das Geſetz in ſeinen Grundzügen ablehnte, weil es
die Beamtengrundgeſetze und =grundrechte verletze. Er hat wei=
ter
erklärt die Nationalſozialiſten gingen an die Frage der Kür=
zung
der Höchſtpenſionen nur ſehr vorſichtig heran. (Hört, hört!)
Abg. Dr. Werner (Natſoz.) erwidert, er wolle das Hohe
Haus nicht zu einer Volksverſammlung degradieren. Die mitge=
teilten
Zahlen rechtfertigten vollkommen die Kritik der National=
ſozialiſten
. Bei den Ausführungen des Abg. Sprenger handele es
ſich um die Stellungnahme zur Kürzung der Beamtenpenſionen
(Heiterkeit.) Unbeſtreitbar ſei, daß er, der Redner, in der An=
tragſtellung
auf Kürzung der Miniſterpenſionen führend ge=
weſen
ſei.
Abg. Dr. Müller (Lbd.) polemiſiert in ſcharfen Worten
gegen den Vorredner, der in ſeiner Wahlpropaganda nicht gegen
den Marxismus, ſondern gegen den Landbund agitiere und das
Bürgertum verdumme und politiſch ſchwäche. Seine Methoden
im Wahlkampf ſeien abſichtliche Entſtellungen und Verdrehun=
gen
. Der Redner wird, als er den Abg. Werner als Feigling be=
zeichnet
, zur Ordnung gerufen.
Abg Dr. Werner (Natſoz.) erklärt der Vorredner ſei für
ihn perſönlich und politiſch erledigt. In Friedberg habe jetzt ein
Zeuge Göckel unter Eid über vertrauliche Dinge ausgeſagt und

Hanns Hörbiger .

In der Nacht vom 11. zum 12. Oktober iſt in Mauer bei
Men Hanns Hörbiger geſtorben, der Schöpfer der vielumſtrit=
ſien
Welteislehre, ein univerſeller Geiſt vom Format einer
whrhaften Perſönlichkeit. Er wurde am 29. November 1860
wvoren, entſtammte einer alten tiroliſchen Orgelbauerfamilie.
I6 war ein Selfmademan. Arm, aber genial. Als Ma=
ſäinenbauer
hat er begonnen, durch die Erfindung des Lanz=
örbigerſchen
Stahlblechring=Ventils für Gebläſe und Kom=
Uwſſoren dieſe Erfindung wurde in allen Induſtrieſtaaten
(dr Welt patentiert wird er weltbekannt. Schon als Zwan=
R3ljähriger treibt er mit Leidenſchaft Aſtronomie, aus dieſen
Sudien erwächſt dann das aufregendſte und in ſeiner Tragweite
ſachtbarſte Erlebnis dieſes ganzen reichen Lebens: die glazial=
Pkomogoniſche Schlüſſelentdeckung am Monde‟. Der geniale
FEkenntnisblitz von der Eisnatur der Mondoberfläche wird
zm Ausgangspunkt der Hörbigerſchen Welteislehre, die, man
ihan Einwendungen gegen ſie geltend machen ſoviel man nur
vl, von neuen Erkenntniſſen nur ſo ſtrotzt und die nach zahl=

Aben Wiſſensgebieten hin, nach Meteorologie, Geologie, Phyſik,

1Achäologie, Mythologie und vergleichender Sprachforſchung,
mnderbare neue Verbindungslinien, überhaupt phantaſtiſche
1Asblicke eröffnet. Damals, 1894, war Hörbiger 34 Jahre alt.
Eſt 1912 liegt das Werk gedruckt vor, ein Band von 800 Seiten
9rikonformat, für immer das grundlegende Werk der Welt=
leilehre
, an dem 12 und mehr Jahre gearbeitet gefeilt, ge=
ſtrieben
und gezeichnet worden war‟. Eine Phalanx von
heunden. zuerſt Philipp Fauth, der Aſtronom, der Ingenieur
19. H. Voigt und der ſpäter bei einem Verſuch mit ſeinem
Rketenauto tötlich verunglückte Aſtronom Max Valier, tritt
iſt für Hörbiger ein, R. Voigtländers Verlag, Leipzig wagt
N für die Verbreitung der Welteislehre entſcheidende Tat,
hngt das Hauptwerk wie überhaupt das wichtigſte Schrift=
un
der Welteislehre heraus. Die offizielle Wiſſenſchaft will
noch nicht wahr haben, daß die Hörbigerſche Welteistheorie
Eiſt als Ausgangspunkt eines von Grund aus neu orientierten
Rltbildes gewertet werden wird, und lehnt das Werk Hörbigers
wenigſtens zum großen Teile ab. Wer aber den Lauf

* Dinge richtig zu überſehen vermag, erkennt, daß der Vor=
urſch
der in manchen Punkten zweifellos korrekturbedürf=
hen
, in der Hauptſache aber ebenſo zweifellos in ſich beiſpiel=
! organiſchen und fundamental richtigen und geſetzmäßigen
Ihre nicht aufzuhalten iſt.
Hanns Hörbiger war eine Perſönlichkeit von großem For=
ut
. Begabt mit imponierenden Fähigkeiten, und mit aller=
ſößten
Spannungen geladen. Eine niemals verſiegende Quelle
Uſtiger Energien. Wiſſend, in allem, was ſein Lebenswerk
raf, ſtarrköpfig, trotzig, aber unendliche Helle im Auge. Er

hatte die große Offenbarung der Inſpiration in ſich ſelbſt
erlebt und war ein Weiſer geworden, dem es gegeben war, den
Blick in das Weſen der Dinge jenſeits ihrer Oberfläche
zu werfen.
Jetzt iſt dieſes Leben alſo ſchon hiſtoriſch. Die wahre Größe
dieſes Mannes, die ungeheuren Tiefen der Hörbigerſchen Seele
ahnen heute auch unter ſeinen engeren Freunden nur
die wenigſten, nur die wenigſten haben ſeine fauſtiſchen und
nietzſcheſchen Sehnſüchte begriffen. Der Kampf um die Lehren
Hörbigers geht weiter oder vielmehr: er bricht vielleicht jetzt
erſt richtig los, der Kampf um das Lebenswerk dieſes Bauern=
ſohnes
aus den öſterreichiſchen Alpen.

Frankfurter China=Inſtiknk.

Zur 20jährigen Wiederkehr des Beſtehens der Republik
China hatte das Frankfurter China=Inſtitut, das einzige ſeiner
Art in Deutſchland, eine Feier im Carlton=Hotel veranſtaltet,
in deren Mittelpunkt die Rede des früheren deutſchen Geſandten
in Peking, v. Borch, über den nationalen Gedanken in der
chineſiſchen Revolutionsbewegung ſtand. Der Redner ſkizzierte
in klaren Strichen das Werden der revolutionären Idee in
China, den Kampf gegen die Mandſchus und die Herrſchaft der
Fremden, und legte dar, daß in den einzelnen Phaſen dieſer
auch jetzt noch nicht abgeſchloſſenen Entwicklung, die mit dem
11. Oktober 1911 ihren Anfang genommen, immer wieder das
nationale Element den Ereigniſſen die bewegende Kraft gab.
Den Schluß der feſſelnden Ausführungen bildete der nahe=
liegende
Vergleich mit den Verhältniſſen in Deutſchland.
D. W. Kn.

Ligeti, Paul: Der Weg aus dem Chaos. Eine Deutung des
Weltgeſchehens aus dem Rhythmus der Kunſtentwicklung Lex=
Oktav, 436 Seiten mit 317 Abbildungen. München, Verlag
D.W. Callwey. Geh. 19,50 RM., geb. 22 RM.

Inmitten des Chaos der Gegenwart auf politiſchem wirt=
ſchaftlichem
und geiſtigem Gebiete ſucht die Menſchheit Antwort
auf Fragen nach Sinn und Zuſammenhang allen Weltgeſchehens,
ſo vieler bitterer Gegenwartsnöte. Gibt es ein Geſetz in der Ge=
ſchichte
? Dieſe Frage wird von vielen theoretiſch, verneint. Trotz=
dem
mehren ſich ſeit Jahren die Verſuche, aus der Geſchichte das
Walten eines Geſetzes herauszuleſen. Das vorliegende Buch ſtellt
einen neuen, tief und groß angelegten Verſuch dar, dieſem Geſetze
auf den Grund zu gehen Vergangenheit und Gegenwart aus dem
Wiſſen ihrer inneren Lebensgeſetze zu meiſtern. Ligetis Weltſchau
baut ſich auf kunſtgeſchichtlichen Erkenntniſſen auf. Ausgehend
von der Ueberzeugung, daß die Kunſt der lebendigſte und fein=
fühligſte
Ausdruck des Zeitgeiſtes iſt, dieſer aber der eigentlich
treibende Faktor der Geſchichte, folgert er, daß in den Geſetzmäßig=
keiten
der Kunſtentwickelung die Geſetzmäßigkeiten der Geſchichte
verborgen ſein müßten. Und er findet dieſes Geſetz in der rhyth=

miſchen Aufeinanderfolge von Architektur, Plaſtik und Malerei;
Architektur als dem Ausdruck des Gemeinſchaftsgeiſtes, der Ord=
nung
. Malerei als dem Ausdruck des individualiſtiſchen Geiſtes,
der Freiheit Plaſtik als dem Ausdruck des harmoniſchen Zuſtandes
zwiſchen Ordnung und Freiheit, Gemeinſchaftsgeiſt und Indivi=
dualismus
. So ordnet ſich ihm die ganze überblickbare Kultur=
geſchichte
von Alt=Aegypten bis auf unſere Tage nach dem Geſetze
eines dreigliedrigen Rhythmus in eine große architektoniſche,
plaſtiſche und maleriſche Welle und jede einzelne dieſer Wellen
wiederum in kleinere Wellenteilungen nach dem gleichen Rhyth=
mus
. Den kontinuierlichen Verlauf der drei ſeeliſchen Grund=
tendenzen
der Menſchheit weiſt Ligeti unter Hinweis auf zahl=
reiche
überzeugende typiſche Beiſpiele, Aufſtellung treffender
Analogien und geiſtvoller Vergleiche aber nicht nur in der Kunſt

aller Epochen, in der Muſik und Literatur nach ſondern er ſieht
ihre Wirkungen ſich ebenſo deutlich in der Wirtſchaft und Politik

abzeichnen, um ſchließlich die logiſch zwingenden Schlüſſe auf die
heutige Zeit und auf die Zukunft zu ziehen, der er mit ſtark=
gläubigem
, befreiendem Optimismus entgegenſieht ohne aller=
dings
auch die Gefahren der nächſten Zeit zu überſehen. Die Be=
deutung
des Buches für unſere Zeit liegt in der Enthüllung eines
neuen, leicht faßlichen Weltbildes auf dem Grunde eines zutiefſt
begründeten neuen Welt= und Lebensgeſetzes. Sie liegt ferner
in der Vermittlung einer neuartigen, jedem Gebildeten eingäng=
lichen
Geſchichtsbetrachtung, die nicht nur die Vergangenheit in
neues, klärendes Licht rückt, ſondern auch die Gegenwart als
großartige Zeitenwende begreifen und in großen Zügen ſchon das
Kommende ſichtbar werden läßt.

Moskau in Flammen. Von Juan Lukaſch. (Dietrich Reimer Ver=
lag
, Berlin.)
Ein Roman aus Rußlands Geſchichte. Aus der Zeit, da der Zar
Paul, der großen Katharina Sohn, verwundet wurde, und da Napoleon
den großen Feldzug nach und in Rußland entrierte, der im Flammen=
meer
Moskaus ein jähes Ende fand und den großen Korſen aus ſeinem
Weltherrſcherglanz zurückwarf ins Nichts. Wie aber iſt dieſes geſchicht=
liche
Geſchehen in dem Roman geſchildert geſtaltet gigantiſch monu=
mental
komponiert und doch ſo rein menſchlich, ſchickſalhaft! Es iſt
nur die ruſſiſchen Dichter können es, ſo die Seele des ruſſiſchen Vol=
kes
gezeichnet! Unmerklich zwar aber immer wieder aus der Fülle der
Ereigniſſe heraustretend, ein Menſch der Verkörperer der Seele des
ruſſiſchen Volkes iſt, der Träger und Fortpflanzer einer Idee iſt, die aus
jenen fernen Tagen geboren, bis ins Heute reicht, die Idee der Frei=
heit
!
Grete v Urbanitzky: Eine Fran erlebte die Welt. Roman. Paul
Zſolnay Verlag.
Dieſer Roman eines jungen Weibes iſt eine rückſichtsloſe Beichte. Die
Entwicklungsetappen der leidenſchaftlichen Mara Kloſterſchule, Uni=
verſitätsſtudium
, die Geburt ihres Kindes Nino, das ihr entriſſen wird
und das ſie nach Jahren wiederfindet, Kriegserlebnis. Ehe und Schei=
dung
, der rauſchhafte Ruhm einer europäiſchen Künſtlerlaufbahn und
Flucht ins Kloſter dieſe von den unaufhebbaren Gegenſätzen Liebe
und Kunſt, Naturwiſſenſchaft und Religion beherrſchten Etappen ſind
die Stationen der ſeeliſchen Paſſion dieſer von allen großen und wirren
Gegenwartsmächten aufgewühlten Frau, die in ihrem Kampf um Got=
erſchütternd
wirkt.

[ ][  ][ ]

Seite 4

Mittwoch, den 14. Oktober 1931

beſchworen, daß der Landbund unter Führung von Dr. Leuchtgens
bei den Verhandlungen um den Eintritt in die Koalition ein
neues Miniſterium forderte, das 24 000 RM. gekoſtet hätte.
Abg. Glaſer (Lbd.) bezeichnet dieſe Behauptung als falſch.
(Sehr richtig! bei den Soz. und in der Mitte). Der Landbund
habe lediglich für ſeinen Vertreter ein Tagegeld oder eine Pau=
ſchale
und keine Neueinrichtung eines Miniſteriums gefordert.
Angeſichts der Kampfesweiſe der Nationalſozialiſten, ehemalige
Landbundvorſtandsmitglieder als Zeugen vor Gericht laden und
über vertrauliche Verhandlungen ausſagen zu laſſen, müſſe er
jetzt erklären, daß Abg. Dr. Werner vor ſeinem Ueber=
tritt
zu den Nationalſozialiſten durch einen
Mittelsmann um die Aufnahme in den Land=
bund
erſucht habe (Hört, hört! Lebhafte Zwiſchenrufe.)
Damals bin ich für Dr. Werner eingetreten, weil ich ihn noch nicht
ſo gut kannte wie heute. (Heiterkeit.)
Abg. Dr. Müller (Lbd.) bezeichnet es als Untermenſchen=
tum
, wenn die Nationalſozialiſten in Oberheſſen noch einen Toten
ſchändeten, indem ſie behaupteten, der verſtorbene Abg. Joſt habe
60 000 Gulden auf einer holländiſchen Bank deponiert und ſo für
ſich die ſoziale Frage geregelt. Bei einer nationalſozialiſtiſchen
Verſammlung in Crumſtadt habe man an ihm einen Wortbruch be=
gangen
. (Unruhe.)
Abg. Dr. Werner (Natſoz.) erklärt, der Beifall der Lin=
ken
für die Vorredner ſei charakteriſtiſch. Die Behauptung des
Abg. Glaſer ſei ein Märchen, das beginne Es war einmal,
und er könne prophezeien, am 15. November werde man ſagen:
Es war einmal ein Landbund . . . (Heiterkeit.)
Abg. Dr. Niepoth (D. Volksp.) betont, die Volkspartei
habe die Frage der Miniſterpenſionen niemals zu Agitations=
zwecken
ausgeſchlachtet. Es müſſe jedoch als Unmöglichkeit
angeſehen werden, wenn Miniſter a. D. Dr. Fulda 27
Jahre ſeiner Anwaltspraxis auf die Penſions=
ſumme
gutgebracht werde. (Beifall.)
Abg. v. Helmolt (Lbd.) gibt ſeinem tiefen Bedauern Aus=
druck
, in welchen Formen die Nationalſozialiſten im heſſiſchen
Wahlkampf gegen den Landbund kämpften, ſachliche Arbeit voll=
ſtändig
vermieden und ſich in perſönlichen Verunglimpfungen des
Gegners erſchöpften. Ich habe ſeinerzeit nicht abgelehnt, wie das
behauptet wird, in die Regierung einzutreten, wenn uns das
Finanzminiſterium und damit ein beſtimmender Einfluß auf die
Dinge eingeräumt werde. Wir wiſſen, daß die Entwicklung der
Verhältniſſe ſo gekommen iſt, wie wir das vorausgeſagt haben.
Wir wiſſen, daß die Nationalſozialiſten zurzeit Oberwaſſer haben.
Wenn ſie einmal zu verantwortlicher Mitarbeit herangezogen
werden, dann wird der Nationalſozialismus ebenſo ſtark zuſam=
menrutſchen
, wie er jetzt anſchwillt, weil er die unerſchöpflichen
Verſprechungen nicht einlöſen kann und die jetzt in ihm zuſam=
mengekommenen
entgegengeſetzten Elemente von Kommuniſten bis
zur radikalſten Rechten ſich in praktiſcher Arbeit nicht zuſammen=
halten
laſſen. (Zwiſchenruf: Iſt dies das Harzburger Echo?
Heiterkeit.)
Abg. Böhm (Dntl.) erklärt, ihm ſei von einem beabſichtigten
Uebertritt des Abg. Dr. Werner zum Landbund nichts bekannt.

Abg. Hammann (Komm.) lehnt Miniſterpenſionen grund=
ſätzlich
ab. Das Volk verſtehe nicht, daß jährlich Zehntauſende
hierfür ausgegeben und gleichzeitig die öffentlichen Unterſtützun=
gen
gekürzt würden.

Nachdem ſich die perſönlichen Angriffe der Abgeordneten Dr.
Werner und Dr. Müller noch 3 Stunde fortgeſponnen haben, iſt
die Ausſprache um 2.15 Uhr beendet. Die Abſtimmung wird auf
Mittwoch, 10 Uhr, vertagt.

Die Deutſche Volkspartei hat im Landtag folgende
Kleine Anfrage eingebracht:
Hartnäckig erhält ſich das Gerücht, daß trotz Beförde=
rungsſperre
noch in letzter Zeit Beförderungen
von Miniſterialbeamten ſtattgefunden hätten
deren Veröffentlichung bazeichnenderweiſe
unterblieben ſei. Wir fragen an: 1. Sind ſeit dem
1. April d. J. Beförderungen im Miniſterium erfolgt? Wenn
dies bejaht wird, 2. wer ſind die beförderten Beamten, und zu
welchem Zeitpunkt iſt in jedem Einzelfalle die Beförderung er=
folgt
?

der Bſtaften Reieg
vor dein Botteronnosrat.

Wieder vertagt. Japaniſche Bombenabwürfe
auf chineſiſche Truppen.

Genf, 13. Oktober.
Die öffentliche Sitzung des Völkerbundsrates wurde heute
um 12 Uhr von dem Vertreter Spaniens Madariaga eröffnet. Auf
Vorſchlag des ſpaniſchen Vertreters wurde dem Vertreter Frank=
eichs
der Vorſitz übertragen. Außenminiſter Briand gab zu=
nächſt
einen Ueberblick über den gegenwärtigen Stand des chine=
ſiſch
=japaniſchen Konflikts und erteilte dann dem Vertreter
Chinas Dr. Sze das Wort.
China habe, ſo erklärte er, ſein Schickſal vollſtändig dem Völ=
kerbunde
anvertraut, und die ihm vom Völkerbund auferlegten
Verpflichtungen getreulich erfüllt, für den Schutz der japaniſchen
Bevölkerung nach Räumung des beſetzten Gebietes ſeiner=
ſeits
Vorſorge getroffen. Auf Vorſchlag Briands wurden die
Verhandlungen auf nachmittags vertagt.
In der Nachmittagsſitzung erklärte der Vertreter Japans
Yoſhiſawa, es dürfe nicht verſchwiegen werden, daß Gewalt=
akte
von chineſiſcher Seite, Plünderungen und Mißhandlungen
begangen worden ſeien. Die Darſtellung des Ratsvorſitzenden
über die Vorſchläge, die China angeblich über die Räumungs=
frage
gemacht habe, ſei ungenau. Yoſhiſawa verweilte ausführ=
lich
bei dem Wirtſchaftsboykott und brachte ſodann die bereits
bekannte Erklärung des japaniſchen Kabinetts vom 9. Oktober
zur Verleſung, die darin gipfelt, daß Japan auf einer direkten
Regelung des Konflikts zwiſchen Japan und China beſteht und
der Auffaſſung widerſpricht, daß die chineſiſchen Behörden in der
Lage ſeien, die Ordnung aufrecht zu erhalten, wenn erſt einmal
die japaniſchen Truppen zurückgezogen ſeien. Yoſhiſawa wieder=
holte
, daß Japan zur Räumung der noch beſetzten Gebiete bereit
ſei in dem Maße, als es die Sicherheit des Eigentums und des
Lebens der Bevölkerung erlaube. Die ſtändige Bedrohung der
japaniſchen Intereſſen in China müſſe aufhören, und in dieſer
Richtung müſſe auch der Völkerbundsrat ſich betätigen. Japan
ſei zu Verhandlungen mit China, die in dieſem Geiſte geführt
würden, bereit.
Der Vertreter Chinas lenkte dann die Aufmerkſamkeit des
Rates an Hand einiger Telegramme

auf neue Bombardierungen chineſiſcher Städte,

die heute in derſelben Stunde ſtattgefunden hätten, in der der
Rat ſich zur Behandlung des Konflikts verſammelt habe. Was
den Wirtſchaftsboykott angehe, ſo würden die chineſiſchen Behör=
den
überall dort, wo durch eine Boykottierung japaniſcher Waren
die Geſetze verletzt würden, einſchreiten. Gegenüber der von dem
japaniſchen Vertreter betonten Bereitwilligkeit zu direkten Ver=
handlungen
über gewiſſe Vorfragen, die die künftigen Be=
ziehungen
in der Mandſchurei betreffen, erklärte der Vertreter
Chinas, daß ſolche Verhandlungen nicht möglich
ſeien, ſolange japaniſche Truppen ſich auf
chineſiſchem Boden befänden.
Nachdem der engliſche Außenminiſter Lord Reading den Ver=
treter
Japans gebeten hatte, dem Rate möglichſt bald Mittei=
lungen
über die von dem chineſiſchen Vertreter angeführten neuen
Bombardierungen chineſiſcher Städte durch japaniſche Flugzeuge
zukommen zu laſſen, ſchloß Briand die Sitzung mit einigen Wor=
ten
. Die Ausführungen der Vertreter Japans und Chinas hätten
in ihm, ſo führte er aus, den Eindruck erweckt, daß dieſer ſchwere
Konflikt doch nicht zu einer Kataſtrophe treiben werde. Die Rück=

wirkung auf die übrige Welt in dieſem Zeitpunkt wäre ſon
unüberſehbar.
Briand vertagte darauf die Sitzung, ohne einen neuen Te=
min
bekannt zu geben. Der morgige Tag wird vermutlig
vertraulichen Beſprechungen der Ratsmitglie,
der und einer perſönlichen, vertraulichen Fühlungnahme mit de
beiden ſtreitenden Parteien vorbehalten ſein.

Japaniſche Flugzeuge haben heute bei Tahuſhan vier chine
ſiſche Militärzüge bombardiert. Ueber die Zahl der Opfer iſt noß
nichts bekannt geworden. Große chineſiſche Truppenmaſſen ſin)
wie die hieſigen Militärattachés in Erfahrung gebracht haber )e
vom Jangtſetal nordwärts in Bewegung geſetzt worden. Di
Chineſen bezeichnen dieſe Truppenbewegung als reine Vorſicht=
lich

maßnahme.

Dſchiangkaiſchek droht mit Krieg.

Der chineſiſche Präſident Dſchiangkaiſchek hielt am Montainn
auf einer politiſchen Verſammlung in Nanking eine Rede, in de
er ſich mit dem chineſiſch=japaniſchen Streit befaßte. Er erklär
u. a.. Sollten der Völkerbund und die Signatarmächte des Keſ
loggpaktes ihre heiligen Verpflichtungen China gegenüber nich;
erfüllen, ſo würde China nicht zögern, in den Krieg zu ziehen, un
die Würde und die geheiligten Rechte internationaler Abmachur
gen aufrecht zu erhalten und den Weltfrieden ſicherzuſtellen, ſelb
auf die Gefahr hin, ſelber das größte Opfer eines völligen Zuſaz=

menbruches für ein halbes Jahrhundert bringen zu müſſen.

Japan verbitkek ſich jede Einmiſchung.
Ein außerordentlicher Kabinettsrat in Tokio befaßte ſich m

der mandſchuriſchen Frage. Amtlich wurde bekanntgegeben, do

die japaniſche Regierung jede Einmiſchung ſowohl der Vereinie
ten Staaten als auch des Völkerbundes in den chineſiſch=japar,
ſchen Streit energiſch zurückweiſen werde, und daß ſie auch weite
hin auf einer direkten Regelung zwiſchen der chineſiſchen und Fe
paniſchen Regierung beſtehe. Der japaniſche Botſchafter
Waſhington habe Auftrag erhalten, den Staatsſekretär Stimſo
dringend aufzufordern, den japaniſchen Erklärungen zu vertraue
daß Japan keine weiteren Vorrechte in der Mandſchurei, dagega wer
eine baldige Beilegung des Zwiſchenfalles anſtrebe.

Streik deutſcher Schiffsbeſahungen in ruſſiſchen Häfe
Hamburg, 13. Oktober, o

Von einem Streik deutſcher Seeleute in ruſſiſchen Häfeln

Reeder, der alle großen und faſt ſämtliche kleinen deutſche!
Reedereien umfaßt, hat die friſtloſe Entlaſſung der ſtreikende
Mannſchaften beſchloſſen und Zahlungen an deren Angehöri4)e
geſperrt. Gegen die Streikenden werden Strafanträge wega leite
Meuterei geſtellt werden. Zum Austauſch der Mannſchafta
ſollen Schiffe mit Arbeitswilligen nach den ruſſiſchen Häfg
entſandt werden.
Ueber die Urſachen des Streikes ergibt ſich aus Nachrichta
von Leningrad und Odeſſa, daß es ſich nicht etwa um Loh
kämpfe auf den beſtreikten Schiffen handelt, ſondern um eing
Sympathieſtreik für einen angeblichen Streik in deutſche
Häfen, der jedoch nicht zum Ausbruch gekommen iſt. Die Lag
ift offenſichtlich verworren.
Auf Grund der zwiſchen Deutſchland und Sowjetrußlavd, z
beſtehenden Verträge iſt nach Auffaſſung in Reederkreiſen dielauf
Sowjetregierung verpflichtet, der Leitung der Schiffe Schutz zn die
gewähren und die Streikenden, deren Handlungen unter dm
Begriff der Meuterei fallen, entſprechend den deutſchen B=eſt
ſtimmungen zu behandeln. Die Ruſſen haben das abgelehr,
weil es ſich um einen Streik handle, der in Deutſchland nicſt
ſtrafbar ſei. Deswegen ſind jetzt diplomatiſche Verhandlung
eingeleitet worden.

Für die überaus vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme während der Krankheit und beim Heim=
gang
unſerer lieben Entſchlafenen

ſagen auf dieſem Wege, insbeſondere auch den
Barmh. Schweſtern des Marienhoſpitals, innigſten
Dank.

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[ ][  ][ ]

Nummer 285

Mittwoch, den 14. Oktober 1931

Aus der Landeshaupiftaot.
Darmſtadt, den 14. Oktober 1931.
Nie Vorkeile der fieuerfreien Reichsbahn Anleihe
1931 für den Amneſtiezeichner.
Die Steueramneſtie die durch Zeichnung ſteuerfreier Reichs=
ühn
=Anleihe in der erforderlichen Höhe erlangt wird, umfaßt
gende Vergünſtigungen:

u vertra

1. =Befreiung von der Selbſtanzeige. Nach den
bherigen Amneſtievorſchriften (§ 16 der Erſten Steueramneſtie=
grordnung
vom 23. Auguſt 1931, RGBl. I S. 941), die auch heute
uch (bis auf gewiſſe Aenderungen infolge des Erlaſſes der Zwei=
m
Steueramneſtieverordnung) Gültigkeit beſitzt, wurde Steuer=
mneſtie
nur durch Selbſtanzeige erlangt. Dieſer Verpflichtung
m Offenlegung ſeiner Steuerunehrlichkeit wird der Zeichner der
Nichsbahn=Anleihe enthoben. Unberührt iſt allerdings die An=
zgepflicht
betreffend ausländiſche Familienſtiftungen und aus=
indiſche
Beteiligungen nach den 88 113 der Erſten Steuer=
Iineſtieverordnung geblieben.
2. Befreiung von ſämtlichen Steuernachzah=
ungen
. Die Selbſtanzeige befreite den Amneſtanten nicht von
Notwendigkeit, die hinterzogenen Steuern nachzuentrichten.
De Zeichnung der ſteuerfreien Reichsbahn=Anleihe 1931 aber
ehebt ihn aller Nachzahlungen, die ſich auf die für die Zeit vor
Alauf des Steuerabſchnittes 1930 nicht angegebenen ſteuerpflich=
ven
Werte beziehen.
3. Befreiung von der Strafe (auch Diſziplinarſtrafe)
Steuerzuwiderhandlungen, die ſich auf das nicht angegebene
Armögen nach dem Stand vom 1. Januar 1931 und auf die zu 2.
Berul beichneten nicht angegebenen ſteuerpflichtigen Werte beziehen.
Die Strafen ſind bekanntlich außerordentlich hoch, und zwar
ſchließlich Freiheitsſtrafen, deren untere Grenze 3 Monate
ud u9 Gjängnis und deren obere Grenze bei beſonders ſchweren Fällen
hen un) MJahre Zuchthaus iſt. Zugleich mit der Freiheitsſtrafe muß ſtets
auf Geldſtrafe erkannt werden, deren Höchſtbetrag unbe=
für
Eiu ſtänkt iſt.
Außer den 3 genannten ſteuerlichen und ſtrafrechtlichen Ver=
ſrei
dau miſtigungen iſt die Steuerfreiheit, ein weiterer ſehr
ventlicher Vorzug der Anleihe der ihren verhältnismäßig
ndrigen Nominalzinsfuß für hohe Steuerpflichtige auf einen
Fektivſatz von etwa 9 bis 10 Prozent erhöht; denn die Einkom=
mnſteuer
nebſt Zuſchlägen, die Kriſen= und Kirchenſteuer ſowie
Vermögensſteuer machen beiſpielsweiſe bei einem Zeichnungs=
hrrage
von 100 000. RM. und bei Zugrundelegung eines Ein=
inmens
von mehr als 80 000 RM. und eines Vermögens von
uhr als 1 Million RM. über 50 Prozent aus. Das würde be=
deten
, daß die 4½prozentige ſteuerfreie Reichsbahn=Anleihe dem
deut Achner das gleiche Nettoeinkommen gewährt wie eine mehr als
ſnozentige ſteuerpflichtige Anleihe.
Weiter, iſt zu erwägen, daß der Zeichner des genannten Bei=
1s rund 50 Prozent Steuern auf 100 000. RM. verſchwiegene
Brte, für die er Anleihe zeichnet, zu zahlen gehabt hätte, wenn
unicht die von der Nachzahlung befreiende Wirkung der Anleihe
möſſe. Das bedeutet alſo, daß er die 100 000. RM. Reichs=
ſan
=Anleihe für nur 50 Prozent kauft.
Die nach dem Proſpekt über die ſteuerfreie Reichsbahnanleihe
um 94 auf den Tag der Zeichnung feſtgeſetzte Friſt für die Zahlung
deu
erſten zehnprozentigen Rate iſt mit Rückſicht auf die jetzt für
Die i Zeichner beſtehende Schwierigkeit, Mittel für Anleiheerwerb
ſig zu machen, hinausgeſchoben.
Als Zeitpunkt für die Einzahlung der erſten 10 Prozent iſt
ietruße 1ſe 3. Januar 1932 feſtgeſetzt. An der mit dem 15. Oktober 1931
rkreiſen ,buufenden Steueramneſtiefriſt ſowie an den Einzahlungsfriſten
ſe Schuf 1ü die 2. 3. und 4. Rate hat ſich nichts geändert. Die Verlegung
ume 4e Friſt für die Einzahlung der erſten Rate gilt gleichmäßig für
Uuſchen 0 meſtiebedürftige wie für freiwillige Zeichner.
Ernennungen. Am 2. Oktober 1931 wurden durch Ent=
leßung
des Herrn Miniſters für Arbeit und Wirtſchaft die
Tladwirtſchaftsreferendare Dr. Werner Bitſch und Heinrich
Gübel, beide in Darmſtadt, zu Landwirtſchaftsaſſeſſoren er=
umt
.
1 Evangeliſch=kirchliche Nachrichten. Durch die Kirchenregie=
kulz
wurde dem Pfarrer Paul Vogt zu Wallerſtädten, die
zungeliſche Pfarrſtelle zu Wallerſtädten. Dekanat Groß=Gerau,
biüktragen.
1 Dienſtjubiläum eines ehemaligen 115ers. Regierungs=
nbektor
Böning, Hauptmann d. R. a. D., vollendet im Dienſt
Regierung zu Erfurt eine 40jährige Geſamtdienſtzeit. Er be=
ſicte
vom 15. Lebensjahr ab die Vorſchule Annaburg, vom Okto=
1891 bis 1893 die Unteroffizierſchule Weißenfels und wurde
pHerbſt 1893 zum Leibgarde=Inf.=Regt. 115 nach Darmſtadt ver=
Schon in jungen Jahren zum Kompagniefeldwebel beför=
, erhielt er nach langjähriger Dienſtzeit das Befähigungs=
Fiunis zum Offizier, wurde durch A.K.O vom 19. 11. 1909 zum
Letnant d. R. befördert, rückte im Auguſt 1914 ins Feld, wurde
September Oberleutnant und durch A.K.O. vom 26. 10 1915
fun Hauptmann d. R. befördert. Nach Beendigung des Krieges
tno er 1919 in den Dienſt der Regierung in Wiesbaden zurück,
mude Stadtverordneter, ſtand im Abwehrkampf des beſetzten Ge=
Ees am Rhein in führenden ehrenamtlichen Stellen, wurde 1923
w) den Franzoſen verhaftet, ins Gefängnis geſperrt und aus=
rueſen
. Seit Herbſt desſelben Jahres iſt er bei der Regierung
Erfurt beſchäftigt. Als Volksdichter Redner und Führer auf
verſchiedenſten Gebieten deutſchen Geiſtes= und Kulturlebens
er Bleibendes geſchaffen. Seine volkstümliche Einſtellung.
ihunerſchrockenes Weſen, ſeine aufrechte, gerade Mannesart ſetzt
heute überall noch dort ein, wo es gilt, für das Deutſchtum
für die ärmſten unſeres Vaterlandes einzutreten.
Verdoppelung der Bierſteuer in Darmſtadt. Auf Grund der
oberordnung zur Sicherung der Haushälte der Gemeinden hat
Oberbürgermeiſter der Stadt Darmſtadt mit Wirkung vom
November 1931 ab. die Gemeindebierſteuer verdoppelt. Sie
zuigt nunmehr je Hektoliter bei Einfachbier 5 RM., bei Schank=
7,50 RM. bei Vollbier 10. RM. und bei Starkbier 15.
9. Die Bierſteuererhöhung wurde im Anzeigenteil bekannt=
eoben
.
Heſſiſches Landestheater.

Großes Haus.

Mtvoch, 14. Okt.

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Die Ratten

Eſntag, 18 Okt

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Marquerite: 3.

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Heſſiſches Landestheater. Die Dubarry Operette
Millöcker, Bearbeitung Theo Mackeben, iſt die nächſte Ope=
ſeten
=Premiere. Die muſikaliſche Leitung hat Karl Maria Zwiß=
g
übernommen. Regie und Bühnenbilder: Arthur Maria
enalt und Wilhelm Reinking. Die Titelpartie ſingt Käthe
Mter.

Seite 5

Haben durchreiſende Wanderer hier nolwendig
zu betkeln?
Der Bevölkerung ſcheint es noch zu wenig bekannt zu ſein,
daß durchreiſende, mittelloſe Wanderer, ſoweit ſie ordnungsmäßige
Papiere beſitzen, auf öffentliche Koſten in der Herberge zur Heimat
Obdach und ausreichende Verpflegung erhalten. Wer ſich nicht
genügend ausweiſen kann, muß mit dem ſtädtiſchen Aſyl vorlieb
nehmen. Neben Obdach und Verpflegung muß aber auch für Klei=
dungsſtücke
Wäſche und Schuhwerk geſorgt werden. Dieſer Auf=
gabe
hat ſich die ſchon ſeit Jahren beſtehende Hausbettelbekämp=
fungsſtelle
mit Erfolg unterzogen. Sie hat alljährlich aus den
Erträgniſſen der verkauften Wohlfahrtsſcheckhefte und den von
der Bevölkerung jeweils im Herbſte jeden Jahres ihr zugefloſ=
ſenen
Spenden an Kleidungsſtücken, Wäſche und Schuhwerk ver=
ſucht
, den Wanderern ſoweit wie eben möglich zu helfen. In
dieſem Jahre (Januar bis September) wurde in 204 Fällen wie
folgt geholfen: Es wurden abgegeben:
in 115 Fällen Wäſche,
in 44 Fällen Anzüge und einzelne Kleidungsſtücke,
in 18 Fällen Schuhe,
in 17 Fällen Fahrkarten zur Arbeitsſtelle oder in die Heimat,
und
im übrigen Barunterſtützungen uſw.
In 14 Fällen wurden auch hier wohnhafte Bittſteller, welche
die Prüfung ihrer Verhältniſſe nicht ſcheuten, bedacht. Die Haus=
bettelbekämpfungsſtelle
hat in dieſem Jahre keinen Bittſteller ab=
zuweiſen
brauchen und konnte durch die gewährten Spenden ſchnell
und gründlich der feſtgeſtellten Notlage abhelfen. In letzter Zeit
wird ſie wieder ſtärker in Anſpruch genommen. Daraus aber,
daß der Verkauf der Wohlfahrtsſcheckhefte, die nach wie vor zum
Preiſe von 12 RM. am Verkehrsbüro erhältlich ſind, nachge=
laſſen
hat, ſchließen wir, daß dieſe Einrichtung bei der Bevölke=
rung
etwas in Vergeſſenheit geraten iſt. Wir machen daher hier
auf die Hausbettelbekämpfungsſtelle beſonders aufmerkſam. Durch
den Verkauf von Wohlfahrtsſcheckheften werden dieſer Stelle die
Mittel zufließen, aus denen ſie in dem bevorſtehenden ſchweren
Winter den Aermſten unſerer Volksgenoſſen, die kein Heim und
auch keine ſonſtige Hilfe von irgendwelcher Seite zu erwarten
haben, helfen kann. Mit der Hingabe eines Hausbettelſcheins an
den Bittſteller wird daher, erreicht, daß dieſer nicht noch an wei=
teren
Türen anzuklopfen braucht und ihm von der Hausbettel=
bekämpfungsſtelle
geholfen wird. Die Bittſteller haben alſo nicht
nötig, ſich erſt eine größere Anzahl Gutſcheine zu ſammeln, ſon=
dern
ſie erhalten ohne Rückſicht auf die Zahl der Gutſcheine die
Hilfe, die ſie im Augenblick am notwendigſten haben. Damit wir
auch in dieſem Winter helfen können, richten wir an die Bevölke=
rung
die herzliche Bitte, uns durch Abnahme der Hausbettelſcheck=
hefte
(Verkehrsbüro) die erforderlichen Mittel und durch Spen=
den
von abgelegten Kleidern. Wäſche und insbeſondere brauch=
baren
Schuhen (Stadtamt, Telephon 3500) die wir abholen
laſſen werden, zur Verfügung zu ſtellen. Geſchieht das, dann
haben durchreiſende Wanderer nicht nötig, in der Stadt zu
betteln.

Das
Darmstädter Fahrplanbuch
(Winter-Ausgabo) ist
in allen bekannten Verkaufsstellen zum Preise von
80 Pfeneig
erhältlich.

Aus dem Gerichtsſaal.
Aw. In der vorgeſtrigen nichtöffentlichen Schwurgerichts=
verhandlung
wurde, wie ſchon berichtet, gegen einen
jungen Schmied aus Schöllen wegen Meineids ver=
handelt
. In einem Alimentenprozeß hatte er Belaſtendes gegen
das Mädchen ausgeſagt, das er an einem Morgen bei der Heim=
kehr
von der Kerb mit einem anderen jungen Mann als dem
damaligen Beklagten in intimſter Umarmung geſehen haben
wollte. Die beiden beſtritten das jedoch ganz energiſch. Der
Angeklagte behauptet, es ſei bei ſeiner Vernehmung ganz anders
protokolliert worden, als er ausgeſagt habe, derartig beſtimmt
habe er gar nicht ausgeſagt. Der Augenſcheinstermin ergibt, daß
der Angeklagte ſeinerzeit ſehr wohl die Oertlichkeit überblicken
konnte, was bisher bezweifelt wurde. Angeſichts deſſen und der
Zeugenausſagen kommt das Gericht zu einem Freiſpruch
Am Dienstag ſtand ebenfalls ein Meineid zur Anklage,
den ein Offenbacher Eiſendreher vor dem Amtsgericht
in Offenbach geleiſtet haben ſoll. Er hatte einem Bekannten ſein
Fahrrad geliehen, der darauf nichts Eiligeres zu tun hatte, als
das Fahrrad in Frankfurt ins Pfandhaus zu tragen. Darauf
zeigte ihn der heutige Angeklagte wegen Unterſchlagung an. Als
der Termin kam, hatten die beiden ſich jedoch ausgeſöhnt, und der
Angeklagte behauptete, er habe das Fahrrad ſchon wieder in
Beſitz, er habe es mit dem Geld, das ihm der damalige Ange=
klagte
gegeben habe, wieder ausgelöſt. Indeſſen hatte er das
Geld in Frankfurt verjubelt. Der Angeklagte gibt heute an,
er ſei ſich im ſelben Augenblick des Meineids bewußt geweſen,
doch ſei er ſo ſehr aufgeregt geweſen und habe ſich gefürchtet, die
Ausſage wieder rückgängig zu machen. Das Gericht kann nicht
anders, als ihn zu der Mindeſtrafe von einem Jahr Zucht=
haus
und zwei Jahren Ehrverluſt zu verurteilen. Es rechnet
ihm die Unterſuchungshaft mit zwei Monaten und zehn Tagen
an. Das Gericht hebt weiter den Haftbefehl auf und iſt willens,
ein Gnadengeſuch des Angeklagten zu befürworten.

Boerstag, 15. Okt 19, Ende nach 22½ Uhr Tannhäuſer. Ueber
einen Teil der Kurten iſt verfügt. Gutſcheine
nicht gültig. Preiſe 0.705 60 Mk. ag, 16. Okt. 19½22½ Uhr. D 5. Romeo und Julia.
Preiſe 0.705.60 Mk. Var Stag, 17. Okt. 1517½ Uhr. Heſſenlandmiete 1,1 11),1
Die verkaufte Braut. Preiſe 0.604.80 Mk.
202-¾ Uhr. ( 2. Darmſt. Volksb. Gr. 11V
Preiſe 0 705.60 Mk.
Die Natten. NSFuntag, 18. Okt. Die Macht des Schickſals. Preiſe 0 806.40 Mk. Kleines Haus. AStwoch, 14. Okt
* 20 Uhr Eröffnungsfeier der Darmſtädter
Bolkzbühne. Shrerstag, 15 Okt. tur des Kreiſes. Preiſe 0.6(4.50 Mr. Mrt ag, 16. Okt 2022½ Uhr. Außer Miete. Vorſtellung zu
halben Preiſen, Martha. Preiſe 0.402.50 Mk. Btstag, 17. Oft 2021½ Uhr. Erſter Kammermuſik=Abend
des Schnurrbnſch=Quartetts Pr. 0.702 N.

EPHI. Lehrgang für Bibel= und Jugendarbeit. Der Dienstag
wurde eröffnet in der Otto=Berndt=Halle mit einer Morgenandacht
von Pfarrer Page=Weiſenau über Pſalm 143. Dann ſprach Paſtor
Engelke über. Im Auftrag Gottes oder im Auftrag des Volkes.
Er zeigte das Weſen rechten Führertums auf. Der rechte
Führer weiß ſich ſtets im Auftrag Gottes. Mit gründlicher
Fachkenntnis verbindet ſich ſtarke Gläubigkeit. Dieſe Theſe wurde
beleuchtet an einzelnen Typen der Weltgeſchichte. Eine lebhafte
Ausſprache drehte ſich um das Weſen der Demokratie und die Sach=
kenntnis
eines Frommen und eines Unfrommen. Am Nachmit=
tag
ſprach Lic. zur Nieden=Offenbach über die Verkündi=
gung
des Evangeliums an die unkirchliche Jugend. Die heutigen
Verhandlungen im Lehrgang für Bibel= und Jugendarbeit, ver=
anſtaltet
vom evangeliſchen kirchlichen Landesjugendamt in der
Otto=Berndt=Halle, eröffnet Pfarrer Heinzerling=Selzen
mit einer Morgenandacht. Paſtor Engelke behandelt im eng=
ſten
Anſchluß an die Propheten das Thema: Gottesdienſt und
Prieſterherrſchaft Aus ſeinen ſeitherigen Vorträgen iſt zur
Genüge deutlich geworden, wie außerordentlich gegenwartsnahe
dieſe Fragen behandelt werden, und wie ſie ein Verſuch ſind, im
Ringen um die Kirche der Gegenwart eine Antwort zu finden.
18½ En e geg. 21¾ Uhr. Heſſenlandmiete WV,1 Am Nachmittag ſpricht der bekannte Berliner Nervenarzt und
führende Individualpſychologe Dr. Fritz Künkel über: Die
Rolle der Religion in der Charakterentwicklung der heutigen Ju=
gend
. Gerade dieſes Thema dürfte für allerweiteſte Kreiſe, be=
ſonders
für alle diejenigen, die in der Arbeit und mit der Jugend
ſtehen, von weittragendem Intereſſe ſein. Den Abendvortrag, der
von Darbietungen des Poſaunenchors Arheilgen umrahmt
19½22 Uhr. Zuſatzmiete 112 Die Quadra= wird, hält Volksmiſſionar Wilm aus Potsdam über das Thema
Die Verkündigung des Evangeliums an die völkiſche Jugend
Es ſteht zu erwarten, daß der Referent Weſentliches zur Klä=
rung
dieſer wichtigen Gegenwarts= und Volksfrage zu ſagen hat.
Hausfrauenbund. Der Vortrag Wie verwendet die Haus=
frau
die reiche Ernte deutſchen Obſtes wird am Donnerstag, dem
15. Oktober, 5,30 Uhr, in den Räumen des Heaghauſes wiederholt,
um den Hausfrauen, die zu dem letzten Vortrag wegen Ueber=
füllung
keinen Einlaß bekommen konnten, ebenfalls zu zeigen, auf
wie viele Arten das deutſche Obſt verwendet werden kann. Es
werden wieder Aepfel auf allerlei Art eingekocht es gibt Apfel=
ſuppe
und Himmel und Erde, es werden Apfelauflauf. Apfel=
ſtrudel
, Apfelküchlein. Apfel im Schlafrock, Apfel= und Quitten=
kuchen
und Apfeltorte gebacken. Von allem werden auch wieder
Rezepte abgegeben und Koſtproben verteilt. Um eine Ueberfül=
lung
zu vermeiden, werden Karten von Mittwoch ab in den
Ausſtellungsräumen der Heag ausgegeben. Der Vortrag iſt jeder=
mann
zugänglich, der Eintritt iſt frei,

* Flurſchadenbereinigung.
Von Dipl.=Ing. Adolf v. Lippmann, vorm. Betriebsdirektor,
Wiesbaden.
Als der chaotiſchen Werteverwirrung, die aus der Inflation
erwuchs, durch die Stabiliſierung der Mark endlich Halt geboten
werden konnte, da beſah man zunächſt den entſtandenen Flur=
ſchaden
. Und nahm in Form der Goldmarkbilanz ( Steuereröff=
nungsbilanz
) die erſte Flurſchaden=Bereinigung vor. Es hat den
Anſchein, als ob heute eine zweite erfolgen mußte, wenn die heu=
tige
Kriſe, die Profeſſor Bonn vorwiegend auf Fehlleitungen von
Kapital zurückführen zu müſſen glaubt, nicht in bedrohlicher Weiſe
latent werden ſoll.
Die Zahl der Worte, die heute über die Kriſe geſchrieben
wird, die die ganze Welt beunruhigt, iſt groß. Die Zahl der Vor=
ſchläge
, die gemacht werden, um aus ihr wieder herauszukommen,
ſteht dazu in gar keinem Verhältnis. Aber von den wenigen
Wegen, die genannt werden, wird wenigſtens einer ſicher begangen
werden müſſen, wenn auch nicht in dem vollen Umfange, den
Bonn andeutet. Bonn ſieht einen Weg darin, daß man ſich und
die ganze Lebenshaltung des deutſchen Volkes auf das denkbar
niedrigſte Maß zurückgeſchraubt und die Kapitalien, die in der aus=
geweiteten
deutſchen Induſtrie angelegt ſind, als verloren be=
trachtet
.
Das erſte iſt im Wege. Das beweiſen u. a. die Notverord=
nungen
, das beweiſt u. a. auch die Flucht aus den großen Woh=
nungen
, die am letzten Ziel in Großſtädten wie Berlin in ſtarkem
Maße eingeſetzt hat. Das beweiſt noch vieles andere mehr.
Auch der zweite Teil dieſes Weges wird unvermeidlich began=
gen
werden müſſen. Wenn auch nicht gerade alles, was durch
mißverſtandene Rationaliſierungsbeſtrebungen zu unfruchtbaren
Ausweitungen unſerer Produktionsapparate geführt hat, als ver=
loren
betrachtet werden muß, ſo wird man mindeſtens eine ſcharfe
Prüfung nicht mehr umgehen können, die uns unzweideutig
darüber Aufſchluß gibt, was unſere Produktionsſtätten heute
neben den lebenden Werten an toten Werten mitſchleppen.
Und hier wird es nicht zu vermeiden ſein, daß eine erneute
Flurſchadenbereinigung einſetzt, wenn unſere Wirtſchaft wieder
der Geſundung zugeführt werden ſoll.
So manche unſerer großen Produktionsſtätten ſchleppen heute
neben den Werkſtätten, in denen gearbeitet wird, auch Friedhöfe
mit ſich. Da ſtehen, ſauber eingeölt und konſerviert, zahlreiche
Betriebsmaſchinen und Einrichtungen und harren der Stunde, da
ſie wieder zum Leben gerufen werden. Haben nur mehr Schrott=
wert
, wenn dieſer Ruf nicht kommt. Und wenn der Ruf zu ſpät
kommt, ſo wird der Wert der veralteten und vielleicht überholten
Konſtruktionen auch nicht viel größer ſein.
Ob dieſer Ruf, der die toten Werte wieder zum Leben er=
weckt
, rechtzeitig kommen wird? Die Auſpizien der ganzen Welt=
miſere
ſind nicht ſo, daß man darauf heute allzu ſtarke Hoffnungen
gründen kann. Aber auch nicht ſo, daß es berechtigt wäre, ſich
allzu ſtarkem Peſſimismus hinzugeben. Die Wahrheit wird auch
hier, wie meiſt, in der Mitte liegen.
Wie dem nun auch ſei, auf alle Fälle wird man nicht abwar=
ten
können, bis ſchließlich die toten Werte auch die verbliebenen
lebenden aufzehren. Man wird in dieſem Sinne eine grund=
liche
Flurſchadenbereinigung nicht mehr aufſchieben können. Auch
wenn man bittere Enttäuſchungen, die dabei wohl kaum ausblei=
ben
werden hinnehmen muß.
Auch dieſe Erkenntnis mag, wenn auch vorläufig noch im
Unterbewußtßſein, zur Schaffung des neuen Berufsſtandes der
Wirtſchaftsprüfer geführt haben. Aber vielleicht wird gerade dieſe
angedeutete, dringend erforderliche Flurſchadenbereinigung ſich zur
erſten und vornehmſten Aufgabe der neuen Wirtſchaftsprüfer aus=
wachſen
müſſen.
Die Beaufſichkigung der Hunde.
Das Polizeiamt Darmſtadt ſieht ſich veranlaßt, alle Hunde=
beſitzer
und Begleiter von Hunden, erneut auf den Befolg der
Polizeiverordnung, betreffend Beaufſichtigung der Hunde, hinzu=
weiſen
.
So iſt es u. a. in letzter Zeit wiederholt beobachtet worden,
daß Hunde auf den Markt, in Lebensmittelgeſchäfte (Metzgereien,
Bäckereien u. dgl.), auf die Friedhöfe, in öffentliche Dienſtgebäude,
Badehäuſer und zu öffentlichen Feierlichkeiten mitgenommen wur=
den
und deren Verweilen dort geduldet wurde, trotzdem dies ver=
boten
iſt.
Weiter ſei darauf hingewieſen, daß
1. innerhalb der Stadt Darmſtadt auf allen Wegen und Plätzen,
ſowie an allen Orten, wo Menſchen zu verkehren pflegen, biſ=
ſige
Hunde ſowie Bernhardiner, Neufundländer, Leonberger,
Doggen, Maſtiffts, Barſoys (große ruſſiſche Windhunde) und
alle Kreuzungen dieſer Raſſen an einer kurzen Leine zu füh=
ren
ſind und erſtere auch außerhalb der Stadt mit einem das
Beißen verhindernden Maulkorb verſehen ſein müſſen;
2. in den dem Publikum geöffneten Gärten, in den Anlagen weſt=
lich
der früheren Main=Neckar=Bahn, in den Bahnhofsanlagen,
zwiſchen Allee, Otto=Wolfskehlſtraße und Dornheimerweg, in
Bahnhöfen ſowie in Wirtſchaften und Wirtsgärten alle Hunde
an der Leine zu führen ſind und die Begleiter von Hunden
dafür Sorge zu tragen haben, daß dieſe in den öffentlichen
Anlagen, in denen ſich Raſen, Blumenbeete oder Gebüſch=
anpflanzungen
befinden, nicht außerhalb der Wege umher=
laufen
;
3. kranke Hunde und läufige Hündinnen überall dort, wo Men=
ſchen
zu verkehren pflegen, ſtets an der Leine zu führen ſind,
und mit anſteckender Krankheit, insbeſondere Hautkrankheiten,
behaftete Hunde zu Hauſe eingehalten werden müſſen.
Ferner haben alle Beſitzer und Begleiter von Hunden die er=
forderlichen
Maßnahmen dafür zu treffen, daß die Ruhe nicht
durch andauerndes Gebell und Geheul ihrer Hunde geſtört wird
und insbeſondere das Anbellen von Perſonen, Zug= oder Reit=
tieren
unterbleibt. Auch iſt dem Hundebeſitzer unterſagt, ſeinen
Hund zur Nachtzeit (d. h. von 10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens)
ohne Aufſicht auf der Straße frei umherlaufen zu laſſen.
Schließlich wird noch darauf hingewieſen, daß neben der An=
meldung
eines Hundes auf der Bürgermeiſterei durch den Hunde=
beſitzer
dieſer dafür verantwortlich iſt, daß ſein Hund außerhalb
eines Hauſes, eines geſchloſſenen Grundſtücks oder ſonſtiger um=
ſchloſſener
Räume die von der Bürgermeiſterei verausgabte Hunde=
marke
am Halsband führt.
Alle Polizeibeamten ſind erneut angewieſen, den Befolg der
angeführten Vorſchriften zu überwachen und Zuwiderhandlungen
unnachſichtlich zur Anzeige zu bringen.

Treue Mieter. Heute, am 14. Oktober, wohnt der Schneider=
meiſter
Fritz Ruths 25 Jahre im Hauſe Eliſabethenſtraße 40. Ge=
wiß
ein Zeichen des guten Einvernehmens zwiſchen Mieter und
Vermieter.
Volkshochſchule. Wir machen unſere Mitglieder aufmerkſam
auf die Mütterſchule des Alice=Vereins für Frauenbildung und
Erwerb, die Mütter, werdende Mütter und junge Mädchen aller
Stände einführen will in die Pflege und Erziehung des Säug=
lings
und Kleinkindes. Durch Vorträge, Arbeitsgemeinſchaften
und praktiſche Uebungen erwerben ſich die Frauen Kenntniſſe und
Sicherheit, die ihnen die verantwortungsvolle Aufgabe der Er=
ziehung
und Pflege des Kindes erleichtern. Folgende Gebiete
werden ausführlich behandelt: Körperpflege und Ernährung des
Säuglings, körperliche und geiſtige Entwicklung des Kindes und
Erziehungsfragen, Entwicklungsſtörungen und Pflege des kranken
Kindes. Wichtige Kapitel aus der Geſundheitslehre unter be=
ſonderer
Berückſichtigung des weiblichen Körpers. Wohnungs=
pfege
Beſchäftigung des Kindes und Herſtellung einfachen
Spielzeuges. Der Unterricht wird in 24 Doppelſtunden. Diens=
tags
und Donnerstags von 4 bis 6 Uhr erteilt. Auf Wunſch
können auch Abendkurſe, abgehalten werden. Die Mitglieder der
Volkshochſchule erhalten 25 Prozent Ermäßigung der Gebühren.
Nähere Auskunft durch die Schulleitung. Friedrichsſtraße 4. An=
meldungen
baldigſt erwünſcht.

teil der heutigen. veröffentlichte Gewinnkiſte des
Frauenvereins der Petrusgemeinde ſei beſonders aufmerkſam ge=
macht
.
Orpheum. Die Aufführungen von Mein Leopold

ſtalteten Erſten Hausfrauen=Nachmittag erhält jeder
50. Beſucher eine Flaſche Sekt (Schönberg Cabinett) Es iſt für
dieſe Veranſtaltung ein Einheitspreis von 80 Pf. feſtgeſetzt, da=
mit
jede Hausfrau in der Lage iſt, dieſe Aufführung zu beſuchen.
vorſtellung iſt im

[ ][  ][ ]

Der fünfte Vortrag im Rahmen der Volkshochſchule, der Deutſchen Geſellſchaft für Pilzkunde
und des Lehrervereins für Naturkunde.

Der fünfte Vortrag gab wichtige Erläuterungen über die
Verhaltungsmaßregeln beim Sammeln und bei der Zubereitung
der Pilze; außerdem wurde Klarheit gegeben über den tatſäch=
lichen
Nährwert der Pilze und über ihre wirtſchaftliche Bedeu=
tung
. Ebenſo wurde die Zuhörerſchaft bekannt gemacht mit den
Krankheitserſcheinungen, welche die gefährlichſten Giftpilze her=
vorrufen
. Beim Sammeln gilt als wichtigſte Regel, daß man
für den Genuß nur ſolche Arten einträgt, welche man ganz
ſicher als eßbar kennt. Insbeſondere hüte man ſich vor
zu jungen Pilzen, weil viele Arten im Jugendzuſtand große
Aehnlichkeit beſitzen und dadurch gefährliche Irrtümer veranlaßt
werden können. So wird es immer und immer wieder beobachtet,
daß junge Knollenblätterpilze als Champignons eingeſammelt
werden. Ebenſo können die eiförmig geſtalteten Jugendformen
der Wulſtlinge leicht für Boviſte gehalten werden; doch erkennt
man beim Durchſchnitt ſofort die Boviſte an ihrer gleichmäßigen
Fleiſchbeſchaffenheit während ein junger Knollenblätterpilz ſchon
deutlich alle Einzelheiten, wie Stiel, Hut. Blättchen uſw. zeigt.
Genau ſo hüte man ſich vor zu alten Pilzen, weil auch hierbei
Verwechſelungsmöglichkeiten vorkommen können. Ebenſo läuft
man dabei Gefahr, durchwurmte und in Fäulnis übergehende
Schwämme zu ſammeln, die vom Genuß unbedingt ausgeſchloſſen
werden müſſen. Pilze enthalten verhältnismäßig viel Waſſer und
gehen deshalb leicht in Fäulnis über. Verdauungsſtörungen,
welche durch verdorbene Pilze hervorgerufen werden haben nichts
mit Vergiftungen durch wirkliche Giftpilze zu tun. Uebelkeit und
Geſundheitsſtörungen können genau ſo gut durch andere verdor=
bene
Nahrungsmittel hervorgerufen werden. Was man im
Wald nicht kennt, laſſe man ruhig draußen ſtehen. Alte Pilze,
die man trotzdem aufgenommen hat, werfe man nicht ziellos in
den Wald zurück, ſondern grabe ſie etwas in den Waldboden
hinein. Nur rohe Menſchen üben an den ſchönen Pilzkindern des
Waldes ihre Zerſtörungswut aus. Beim Sammeln nehme man
die Pilze vorſichtig aus dem Boden, damit nicht zu viel von dem
Pilzgeflecht, der eigentlichen Pilzpflanze, mitſamt den jungen
Fruchtkörperanlagen herausgeriſſen wird. Alle als gut und eßbar
erkannten Pilze werden ſofort im Walde geputzt. Der Hausfrau
wird dann die mühevolle Reinigungsarbeit zu Hauſe weſentlich
erleichtert. Außerdem verſchmutzt man auf dieſe Weiſe die Frucht=
ſchicht
auf der Hutunterſeite (Blättchen, Röhren uſw.) nicht, ſo daß
man ſie nicht wegſchneiden muß und ihre wertvollen Nahrungs=
ſtoffe
mit verwertet werden können. Der Heimtransport muß
möglichſt in einem Korb oder in einem feſten Pappkaſten erfolgen,
damit weichfleiſchigeren Arten nicht zu ſehr leiden. Die Zuberei=
tung
ſoll baldmöglichſt, ſpäteſtens bis zum nächſten Tag, erfolgen,
um die Entſtehung von Fäulnis zu verhüten. Zu leicht macht man
auch die unangenehme Erfahrung, daß die geſammelten Pilzſchätze
von einem Tag zum andern vollſtändig verwurmen Bei der
Zubereitung ſorge man dafür, daß die Pilze mit einem Wiege=
meſſer
oder durch die Fleiſchmaſchine gut zerkleinert werden, weil
die Ausnutzbarkeit durch den menſchlichen Körper dann eine beſſere
iſt. Abends werden größere Pilzgerichte von manchen Menſchen
nicht gut vertragen. Auch der Genuß roher Pilze bekommt nicht
jedermann. Das Brühwaſſer darf auf keinen Fall weggeſchüttet
werden. Pilzarten, deren Kochwaſſer abgegoſſen werden muß,
ſind nicht empfehlenswert. Meiſt werden die Pilze mit Fett,
Zwiebel und Gewürz als Gemüſe geſchmort. Das darf nicht zu
lange geſchehen, weil das Gericht ſonſt zäh und ſchwerer verdaulich
wird. Pilzrezepte enthalten die vorgelegten, billigen und guten
Pilzkochbücher in großer Zahl. Beſonders wurde hingewieſen auf
die Herſtellung der ſehr ſchmackhaften Pilzfrikadellen mit etwas
Fleiſch, die von dem nicht Eingeweihten oft gar nicht als Pilz=
ſpeiſe
erkannt werden. Ebenſo mannigfaltig iſt auch die Verarbei=
tung
zu Dauerware. Man kann ſie ſteriliſieren, in Eſſig einlegen,
einſalzen, trocknen, Pilzpulver davon herſtellen uſw. Auch die Be=
reitung
von Pilzextrakt und ſeine Verwendung, ähnlich wie
Fleiſchextrakt, kann recht empfohlen werden. Ebenſo wurde hin=

gewieſen auf die Verwertung der Pilze als Viehfutter für
Fiſche, Schweine, Hühner uſw., wobei man ſich nur vor den aller=

gefährlichſten Giftpilzen zu hüten braucht.
Die wirtſchaftliche Bedeutung der Pilze iſt viel

größer, als allgemein angenommen wird. In München kamen
nach Profeſſor Gieſenhagen im Sommer 1902 über 8000 Zentner
Pilze mit einem Verkaufswert von rund 600 000 Mark in den
Handel. In Wien kommen nach Gramberg im Herbſt täglich 600 bis
1000 Ztr. Pilze zu Markt im Werte von ungefähr 60 000 Mark.
Wenn man dieſe Zahlen auf das geſamte deutſche Reich überträgt,
kommen dafür ſicherlich ganz beträchtliche Werte heraus; und trotz=
dem
führen wir heute noch alljährlich außerordentliche Mengen an
friſchen Pilzen, Trockenpilzen uſw. aus dem Ausland ein. Wie
die Champignonzüchterei Witt in Torgau mitteilt zahlen wir
jährlich noch mehr wie ½ Million Mark für franzöſiſche Cham=
pignons
. Nach Angabe deutſcher Champignonzüchter ſind die
Küchenchefs der Hotels oft ſchwer zum Bezug deutſcher Cham=
pignons
zu bewegen. Wir wollen uns freuen, daß auch in Heſſen,
in den Feſtungswerken von Rüſſelsheim a. M., eine Champignon=
züchterei
dieſe Werte für unſer Vaterland nutzbar macht. Bemer=
kenswert
ſind auch die Angaben von Prof. von Teodorowicz, wo=
nach
aus Polen im Jahr 1930 ungefähr 350 000 Kilogramm
von der gefährlichen Frühjahrslorchel eingeführt
wurden. Steinpilze die aus Polen hauptſächlich nach Amerika
verſandt werden, ſollen nach der gleichen Quelle auf ca. 12 Mil=
lionen
Kilogramm Trockengewicht geſchätzt werden.
Ueber den Nährwert der Pilze ſind die gegenſätzlichſten
Meinungen verbreitet. Wer den Pilzen gar keinen Nährwert zu=
ſpricht
, geht genau ſo irre, wie der Pilzfreund, der die Schwämme
als das Fleiſch des Waldes anſpricht. Der chemiſchen Zuſam=
menſetzung
nach enthalten die Pilze ungefähr ſoviel Waſſer wie
die Gemüſe, im Durchſchnitt 89,2 Prozent. Den wenigſten Men=
ſchen
iſt es aber bekannt, daß auch mittelfettes Ochſenfleiſch über
72 Prozent Waſſer enthält. Wenn man den Nährwert der Pilze
weiterhin mit den Gemüſen vergleicht, ergibt ſich, daß ihr Fett=
gehalt
mit 0.44 Prozent den Wert des Gemüſes mit 0,28 Prozent
übertrifft. Auch die Stickſtoffſubſtanz (Eiweißſtoffe), ſteht mit
3.08 Prozent über den Gemüſen mit dem Durchſchnittswert von
2.32 Prozent. Dagegen bleibt der Gehalt an Kohlehydraten uſw.
mit 6,53 Prozent etwas gegen das Gemüſe mit 7.03 Prozent zurück.
Das gleiche gilt für den Aſchengehalt mit einem Wert von 0,82
Prozent gegen die Gemüſe mit 1,03 Prozent. Dabei iſt allerdings
zu bemerken, daß die Mineralſtoffe der Vilze ſich zu faſt 50 Pro=
zent
aus Kaliſalzen, zu 25 Prozent aus Phosphorſäure zuſammen=
ſetzen
. Doch lebt der Menſch nicht von dem, was er ißt, ſondern
von dem, was er verdaut. In bezug auf die Ausnutzbarkeit des
Nährſtoffgehaltes der Pilze ergibt ſich zwiſchen Gemüſe und Pilzen
nach den Zuſammenfaſſungen von Prof. Sabalitſchka ein Nähr=
wert
=Verhältnis von 1:1,26, wobei alſo die Vilze recht günſtig ab=
ſchneiden
. Während des Krieges haben Schmidt, Kloſtermann

und Scholta im Hygiene=Inſtitut der Univerſität Halle ſogar noch
günſtigere Ausnutzungswerte für die Pilze experimentell feſt=
geſtellt
. Allerdings arbeitete man dort mit maſchinell feinſt zer=
kleinertem
Pilzpulver, das zu Pilzkeks verbacken wurde. Für die
Ausnutzung der Pilz=Stickſtoffſubſtanz ergaben ſich Werte zwiſchen
80 und 89 Prozent, weshalb die genannten Forſcher allen Ernſtes
die Ausnutzbarkeit des Pilzmehls mit dem Roggenmehl in Ver=
gleich
ſtellten. Daraus zogen ſie die praktiſche Folgerung, daß
man Pilze daher möglichſt fein gepulvert, wie Gemüſe mit Waſ=
ſer
gekocht, dann mit Fett verſetzt und als Suppe (Kartoffel=Pilz=
Suppe) genießen ſollte. Das Pulver kann auch allen Gemüſen,
Soßen und Suppen zugeſetzt werden; es erſetzt dann Fleiſchextrakt
und erhöht den Nährwert. Aus allen dieſen Gründen und be=
ſonders
unter den heutigen wirtſchaftlichen Verhaltniſſen ſollte
man dem erhöhten Pilzgenuß bei Anwendung aller nötigen Vor=
ſichtsmaßregeln
und bei genügender Aufklärung mehr Beachtung
zuwenden, wie das auch in anderen Ländern geſchieht. Außerdem
ſind Pilze recht wohlſchmeckend und nach den neueſten Unter=
ſuchungen
auch vitaminreich. Profeſſor Scheunert ſagt anläß=
lich
ſeiner neuerlichen Unterſuchungen daruber: Ernährungs=
phyſiologiſch
iſt das Vorkommen von Vitaminen D in den unter=
ſuchten
gebräuchlichen Speiſepilzen von erheblicher Bedeutung
deshalb, weil man in ſämtlichen gebräuchlichen Speiſen= Ge=
müſe
= und Obſtſorten kein Vitamin D nachweiſen kann. Es iſt
uns ſomit in den genannten Pilzen eine beachtenswerte Vitamin=
D=Quelle in die Hand gegeben.
Auch der Pilz=Marktkontrolle muß noch mehr Be=
achtung
geſchenkt werden. Vorbildlich iſt dieſe Organiſation in
Zürich, worüber die alljährlichen wiſſenſchaftlichen Berichte von
Univerſitätsprofeſſor Dr. Schinz klare Auskunft geben.
Großes Intereſſe fanden bei dieſem Vortragsabend beſonders
die eingehenden Ausführungen über die Krankheitserſchei=
nungen
nach Genuß der gefährlichſten Giftpilze, die in
guten Lichtbildern nochmals ausführlich beſprochen wurden.
Am furchtbarſten in ſeiner Wirkung iſt der grüne Knollen=
blätterpilz
(Amanita phalloides), der allerdings ins ſeinen
verſchiedenen Farbabweichungen nicht immer grün ſein muß, ſon=
dern
auch gelblich und ſogar rein weiß vorkommen kann. Nach den
Erfahrungen der mediziniſchen Fachkommiſſion der Deutſchen Ge=
ſellſchaft
für Pilzkunde (Dr med. Welsman, Pelkum) kann eine
Gabelſpitze voll dieſes Pilzes genügen, um den Tod herbeizufüh=
ren
. Das furchtbarſte dabei iſt, daß ſich die Vergiftungsanzeichen
bei dieſem Schädling früheſtens nach 67 Stunden, ſpäteſtens nach
40 Stunden, gewöhnlich nach etwa 12 Stunden, bemerkbar machen.
Nach dem Genuß beſteht zunächſt vollſtändiges Wohlbefinden, bis
ganz plötzlich, mitten im Schlaf, heftige Durchfälle und Erbrechen
auftreten. Bemerkenswert ſind die mit der Amanitavergiftung
einhergehenden Veränderungen der Leber. In vielen Fällen, in
denen die Pulsverſchlechterung einſetzte, iſt es trotz aller thera=
peutiſchen
Maßnahmen nicht gelungen, das Leben zu retten. Das
Bewußtſein, bleibt beſonders in den ſchwerſten Fällen erhalten.
Der Tod trat ſtets unter zunehmender Kreislaufſchwäche ein. Die
Furchtbarkeit des Amanitagiftes ergibt ſich aus folgendem: im
künſtlichen Verſuch loſt das Amanitahämolyſin rote Blutkörper=
chen
noch bei einer Verdünnung von 1:300 000 auf. Nach neuen
Verſuchen genügt eine Einſpritzung von ½/oo Kubikzentimeter, um
eine Maus nach einer Stunde zu töten. Eine Einſpritzung von
ſoo Kubikzentimeter (der Bruchteil eines Tropfens) reicht, um die
Maus ſofort umzubringen. Bei Knollenblätterpilzvergiftungen
war die ärzliche Kunſt ſeither faſt machtlos, beſonders deshalb, weil
ſich die Symptome zu ſpät bemerkbar machen. Erſt neuerdings hat
man in Frankreich ein Serum gegen Amanitavergiftungen her=
geſtellt
, das der Menſchheit hoffentlich, auch bei uns wertvolle
Dienſte leiſten wird.
Vergiftungen mit anderen Pilzen machen ſich im Gegenſatz zu
den Amanitavergiftungen recht bald nach dem Genuß bemerkbar.
In den meiſten ſolcher Fälle gelingt deshalb auch die Lebensret=
tung
, während die Knollenblätterpilze in Deutſchland in manchen
Jahren hundert Menſchenleben zum Opfer forderten. Der rote
Knollenblätterpilz der Fliegenpilz bewirkt nach Harmſen
charakteriſtiſche Magen= und Darmerſcheinungen und zugleich
rauſchähnliche Verwirrungszuſtände mit Krämpfen, Schlafſucht
und Erweiterung bzw. Verengung der Pupillen. Wenn nicht bal=
digſt
ärztliche Hilfe erfolgt, führt die Vergiftung unter Umſtän=
den
ſchon nach wenigen Stunden den Tod herbei, wie dieſes Jahr
in einem Fall in Sachſen. Schon aus dieſem Grunde ſollten un=
ſinnige
Verſuche von Pilzfreunden unterlaſſen werden, welche
zweifellos giftige Arten wie den Fliegenpilz uſw. als harm=
los
nachweiſen wollen. Aehnlich wirkt auch der Panther=
pilz
. Er ruft ſofort nach dem Genuß Benommenheit, Schwindel,
Bewußtloſigkeit, krampfähnliche Zuſtände und Erbrechen hervor,
was ſchon Krombholz vor 100 Jahren durch Tierverſuche feſt=
geſtellt
hat. Ein weiterer gefährlicher Giftpilz, der ſchon Men=
ſchenleben
gekoſtet hat, iſt der ziegelrote Rißpilz (Inocybe
lateraria). Er kommt ganz weiß aus dem Boden, ähnlich wie ein
Champignon, und rötet im Alter mehr oder weniger; der Hut
reißt vom Rande her riſſig auf daher der Name. Er kommt zeitig
im Frühſommer an graſigen Stellen, in Gärten, in Parkanlagen,
regelmäßig auch im botaniſchen Garten uſw. zum Vorſchein. Die
Vergiftungserſcheinungen machen ſich bald nach dem Genuß be=
merkhar
: Durchfall. Schweißausbruch, Speichelfluß. Sehſtörungen,
Echwindelgefühl uſw. Bemerkenswert ſind die Vergiftungs=
erſcheinungen
des ſehr ſeltenen Satans=Röhrlings, die
ſich beſonders in langanhaltendem Erbrechen äußern und von Lenz
ſchon vor hundert Jahren beobachtet und beſchrieben wurden.
Gewarnt wurde außerdem vor den Ziegenbärten, bei denen
manche Arten ſtarke Leibſchmerzen und Durchfall erzeugen, und
vor der Frühjahrslorchel, die im letzten Jahre wieder eine
Reihe von ſchweren Vergiftungen und Todesfällen verurſacht hat.
Rätſelhaft iſt, daß manche vielerorts als Speiſepilze geſchätzten
Arten wie der empfindliche Krempling u. a. manchmal ſchon
Verdauungsſtörungen verurſacht haben. Mit ſelteneren Giftpilzen,
wie z. B. dem Tigerritterling, Rieſenrötling uſw.,
werden die Pilzfreunde im kommenden Jahre auf den Exkur=
ſionen
in der Natur bekannt gemacht.
Der nächſte Vortrag findet am Dienstag den 10. No=
vember
abends 8 Uhr, wiederum im Realgymnaſium ſtatt.
Dieſer Abend iſt den holzzerſtörenden Pilzen mit beſon=
derer
Berückſichtigung des wirtſchaftlich ſo gefährlichen Haus=
ſchwamms
gewidmet.
Rat und Auskunft wird jederzeit erteilt durch die Heſſiſche
Landesſtelle, für Pilz= und Hausſchwamm= Be=
ratung
, deren Sprechſtunden Montags und Donnerstags von
36 Uhr am Ballonplatz 1 abgehalten werden. Nur in der kal=
ten
Jahreszeit iſt die Beratung nicht an beſondere Stunden ge=
bunden
. Der Leiter der Beratungsſtelle iſt dann ſtets durch Fern=
ruf
4755 erreichbar.

Wider die Kriegsſchuldlüge, die ſo ſchwer auf unſerem Volk
laſtet, nahmen die in Toronto und Cleveland (U. S.A.) zur Welt=
konferenz
der evangeliſchen Jugendbünde verſammelten Teil=
nehmer
aus allen Nationen entſchieden, klar und mutig Stellung.
Dieſe Konferenz unter dem Leitwort Jugend vor dem Wagnis
mit Gott ſtehend, hat deshalb eine ganz beſondere Bedeutung er=
langt
. Es iſt darum ſehr zu begrüßen, daß im Anſchluß an den
Lehrgang für Bibel= und Jugendarbeit am Donnerstag, den
15. Oktober, abends 8 Uhr, in der Otto=Berndt=Halle ( Alexander=
ſtraße
), im Auftrage des Heſſenbundes Herr Paſtor Engelke,
Direktor des Rauhen Hauſes in Hamburg, über dieſe Konferenz.
an der er als Mitglied der deutſchen Abordnung teilnahm, reden
wird. Muſikaliſche Darbietungen der Heſſenjugend werden den
Vortrag umrahmen, zu dem nochmals recht herzlich eingeladen ſei.
Der Eintritt iſt frei.
Die Wirtſchaftskriſe und wir, ſo lautete ein Vortrag, den
der Bezirksleiter des Allgemeinen Verbandes der Verſicherungs=
angeſtellten
Herr Schaedel aus Frankfurt a. M. in der hie=
ſigen
Ortsgruppe des genannten Verbandes am 9. Oktober 1931
im oberen Saale der Krone hielt. Der Referent erläuterte
eingehend die Wirtſchaftskriſe, ſprach über die Aus= und Einfuhr=
frage
, Zollmauern, und behandelte die verſchiedenen Inflations=
beſtrebungen
und das Feſthalten der Regierung an der Gold=
währung
. Ganz beſonders wies er auf die Gefahren des An=
ſturms
eines Teiles der Unternehmerſeite auf die Unabdingbar=
keit
der Tarifverträge, gegen die Sozialgeſetzgebung und das
Schlichtungsverfahren hin. In der Diskuſſion der gut beſuchten
Verſammlung wurde auch die Frage der hohen Gehälter in der
Induſtrie und Wirtſchaft, der Doppelverdiener und die Maß=
nahmen
der Regierung aufgeworfen. Im Laufe des Monats No=
Dembes wird der Referent über des Arbeifsloſenproblem ſprechen.

10. Vereinskonzert des Volkschors Darmſtadt e. V., Leitung
Prof. Dr. Friedrich Noack. Der Kartenvorverkauf für das 10.
Vereinskonzert findet bei der Muſikalienhandlung Chriſtian

Arnold. Am Weißen Turm, ſtatt.

Die deutſche Auswanderung nach Ueberſee im erſten Halb=
jahr
1931. Die deutſche überſeeiſche Auswanderung iſt nach der
jetzt in der Zeitſchrift Wirtſchaft und Statiſtik veröffentlichten
Ueberſicht über das erſte Halbjahr 1931 im Vergleich zum erſten
Halbjahr 1930 auf weniger als ein Drittel zurückgegangen. Nach
vorläufigen Angaben betrug die Zahl der nach Ueberſee ausge=
wanderten
Deutſchen im erſten Halbjahr 1931 6205 (mit Einſchluß
von Antwerpen rund 6350) gegenüber 20 528 im gleichen Zeit=
raum
des Vorjahres. Von Januar bis Juni dieſes Jahres wähl=
ten
4140 67 Prozent den Reiſeweg über Bremen. 1917 über
Hamburg. Auch der Auswandererverkehr von den oſteuro=
päiſchen
Ländern iſt ſtark zurückgegangen, jedoch wird dieſer zum
großen Teil durch einen Beſucherverkehr früherer Auswanderer
und Rückwanderer erſetzt. Die Bevorzugung Bremens iſt haupt=
ſächlich
auf den bekannten Schnelldampferdienſt des Norddeutſchen
Lloyd mit den Dampfern Bremen. Europa, Columbus
zurückzuführen.

Aus den Darmftädker Lichkſpieltheatern.

Helia.
Ein Jenny=Lind=Film.

Um das Leben und um die Kunſt der großen Sängerin Jenn=ſu
Lind, der ſchwediſchen Nachtigall, rankt ſich die Filmfabel. aus der miſt
Sidney Franklins Regie einen teilprozentigen Tonfilm ge
macht hat, d. h. vertont iſt nur der Geſang Jenny Linds und der
muſikaliſche Teil des Films. Das beeinträchtigt aber nicht die ſch
Tatſache, daß hier ein ſehr guter Film geſchaffen wurde. Es wir) iſ
gut geſpielt, und Grace Moore iſt ſowohl darſtelleriſch wie ge 10
ſanglich eine Künſtlerin von der Qualität, die die Verkörperung ge
einer Größe wie Jenny Lind erfordert. Ihr Gegenſpieler Pazz u
Brandt iſt Reginald Denny. Elegante Buhnenerſcheinung ver un
bindet er mit Vornehmheit des Spiels. Sein Mienenſpiel, die u
künſtleriſche Kraft ſeiner Geſte zu ſtudieren, hätte es einer größee m
ren Anzahl von Großaufnahmen bedurft. So aber fügen ſich ſu
beiden Künſtler ſehr gut und unaufdringlich in das Geſamz
enſemble ein. Die Filmfabel läßt den Komponiſten Pazu.
Brandt, der die Künſtlerin heiß, aber zunächſt vergeblich liebt, er ng
blinden, woraus das tragiſche Geſchick im Leben der Jenny Lin) ms=
geſtaltet
wird. Paul Brandt verſchwindet aus ihrem Geſichts ſird
kreis, als ihm die Gewißheit wird, daß er erblinden muß. In
New York finden ſie ſich zufällig wieder, um für immer ſchickſad uſt
haft vereint zu werden. Die Technik iſt ſauber und künſtleriſch er

ohne Wert auf Senſation zu legen. Eine ſympathiſche Arbe5
von gutem Niveau. In dem reichhaltigen Beiprogramrn
läuft wieder ein neuer Film mit beiſpielloſen Dreſſurergebniſſe
der Wunderhunde Ein Theaterſtück, ein Liebesdrama oder Faſ
ähnlich, von Hunden aller Raſſen aufgeführt, ſelbſt Regiſſeure ſillt
Bühnenarbeiter, Kapellmeiſter und Publikum ſind Hunde.
Dreſſuren dieſer Tiere, die alle möglichen Raſſen umfaſſen, ſind eſie
ſo fabelhaft, daß ſie wohl das Weiteſtgehende darſtellen, was bis= ſen
her varietémäßig von Hundedreſſuren gezeigt wurde.
ein
Palaſt=Lichtſpiele
bringen wieder ein recht gutes Doppel=Stummfilmprogramm,
Dazu noch ein Beiprogramm, das einen ganz entzückenden Ufa=
Kulturfilm enthält, der eine Reihe der ſeltſamſten Tier
freundſchaften zeigt. Fred Thomſon, der beliebt=ells
Cowboy=Darſteller mit ſeinem berühmten Schimmel Silvsl ſnen
King, iſt in dem Senſationsfilm Maskierte Banditen, ſe
der Hauptmann der Bürgerwehr, die in einer kleinen Siedlungſſ
irgendwo in Wildweſt den Kampf gegen Banditen zu führen n.
hat. Einen Kampf den er faſt allein nach tauſend ſenſationellen au
Zwiſchenfällen, wilden Ritten, Boxkämpfen. Drahtſeilfahrtes ſta
uſw. uſw. beſteht und damit natürlich auch die Braut erring4 eſt
deren Vater er die Silbermine aus den Handen der Banditen
rettet. Das iſt echter und rechter Film, in dem unglaublich viel ſöße
Geſchehen Nervenkitzel und Spannung bietet.
Der Mann an der Strippe heißt der zweite Filn m

die etwas phantaſtiſche Ehe eines berühmten Tenors mit eine ſund
kleinen Näherin. Ein entzückendes Kätzchen ſpielt die Ehever ſnf

mittlerin, und nach allerlei Zwiſchenfällen gibts ein glückliche
Paar. William Wellmanns Regie iſt voll origineller Eim=
fälle
, und Betty Bronſon und Ricardo Coſter ſind das glück=n
liche Paar. Die Darſtellung iſt ſehr gut.
ſent
* Union=Theater
U
bringt nach der Novelle von Stefan Zweig einen Henny=Porten=/he
Film 24 Stunden aus dem Leben einer Frau men
Schon der Name Henny Porten bürgt für die Güte des o

Films, der nicht nur inhaltlich ein Stück Lebensgeſchichte eine!
edlen, tief veranlagten Frau ſchildert, ſondern der auch dem Zu ich
ſchauer zum Erleben wird. Die geheimſten Gefühle der verſtehen hirt

den Frau, die entſcheidenden Stunden im Leben einer mit ſichſh
ringenden, vom Geſchick ſchwer geprüften Frauenſeele, die alle us
opfert um einen geliebten Mann zu retten, verſteht die groß (ſibe
Künſtlerin in Mimik und Spiel ſo überragend lebendig darzu ſa
ſtellen, daß die Ueberzeugung von der Schickſalhaftigkeit gerad / all
dieſer 24 Stunden unwillkürlich verſtändlich wird. Wer das Schick, eme
ſal und das Leben kennt, weiß, daß es oft phantaſtiſchere Wem mtlie
dungen bringen kann, als ſie ſich der beſte Romanſchriftſtelle/

ausdenkt. Hier im Film ſind Schickſalswendungen einer Frau feſt)
gehalten, der nach ſchwerem Leid ein neues Erleben wurde, da

vergehen mußte, wie es kam, weil es keinen Würdigen traf. Un.m
Henny Porten verſteht es meiſterhaft, die inneren Kämpfe zund
zeichnen, ihre Künſtlernatur fühlt ſich in die Rolle ſo ein, daſl ohr
kein Zweifel an der Echtheit dieſes Traumes von Liebe und Glüc g=
bleibt
, ſo zeigt aber auch, daß eine edle Frau ſtille Kämpferin mie
iſt, die ſchwere Schickſalsſchläge meiſt beſſer zu tragen vermag, al=
viele
Männer, die ſchon nach äußerlichen Verluſten verzweifeln/4
können. Eine Reihe ſehr guter Partner, die ſich, wenn man vonſee
der allzu unſympathiſchen Erſcheinung der Gegenpartnerin Henny We
Portens abſieht, paſſen ſich dem Spiel dieſer Künſtlerin treffen??
an. Die Regie Robert Lands verſtand es, einen geeigneten
Rahmen um das Spiel des Lebens zu ſchaffen. Intereſſant iſt dag
Treiben in den Spielſälen von Monte Carlo, ausgezeichnet die
wunderbaren Naturaufnahmen der Umgebung dieſer Stadt, im e
der die Extreme der Leidenſchaften ſich begegnen. Man ſollte nich /9e
verſäumen, ſich dieſen dramatiſchen Henny=Porten=Tonfilm anzu//
ſehen. Ein reiches Beiprogramm geht dem Hauptfilm voraus. Me

Der Vortrag des Herrn Dr. Zeiger, Direktor der Städt!
Handelsſchule in Darmſtadt, über: Goldwährung oder? finde
heute Mittwoch, abends 20,30 Uhr, im GDA.=Heim ſtatt. Der e
Vortrag wird gerade jetzt die größte Beachtung finden, weil durch
die Vorgänge in England uſw. auch in Deutſchland die Frage‟
wieder in den Vordergrund tritt. Intereſſenten ſind willkommen,
Der Eintritt iſt frei.

Aus den Parkeien.

Deutſche Volkspartei, Frauengruppe. Unſerel Ain

Iie

Zuſammenkunft findet erſt in der nächſten Woche ſtatt. Näheresyn

wird noch bekanntgegeben

Lokale Veranftalkungen.
Die dierunter erſcheinenden Rotizen ſind ansſchlleßlich als Hinwelſe auf Unzeigen
in leinem Falie irgendwie als Beſprechung oder Kritit.

Der Reichsbund der Kinderreichen Orts=R
grupe Darmſtadt veranſtaltet am Freitag, dem 16 Oktober
20 Uhr, im Konkordiaſaal einen Theaterabend unter gütiℳ.
ger Mitwirkung des Theater=Vereins Darmſtadt 22 und des
Doppelquartetts Rheingold. Beide Vereine haben ſich in un=
eigennütziger
Weiſe zur Verfügung geſtellt, um den kinderreicher,
Familien, die unter der heutigen wirtſchaftlichen Not beſonders 9h
ſchwer zu leiden haben, durch gute Kunſtdarbietungen einige an=
genehme
Stunden zu bereiten und ſo die Sorgen des Alltags für?
dieſe Zeit vergeſſen zu laſſen. Der TVD. 22 bringt die Operette‟,
von Gg. Mielke Verliebte Leute zur Aufführung, wäh= in
rend das Doppelquartett Rheingold die Veranſtaltung mit Chö= g,
ren uſw umrahmt. Die künſtleriſche Leitung des Abends liegt ſe
in den bewährten Händen von Ludwig Hildenbrand. Der ſit
Eintritt iſt frei und iſt jedermann zu unſerer Veranſtaltung als
Gaſt herzlich willkommen.
Rohkoſtkurſe. Auf die Friſchkoſtkurſe mit Koſtproben 2
am 14. und 15. im Fürſtenſaal wird hierdurch nochmals hinge=
wieſen
. (Näheres ſiehe Anzeige.)
Slimmen aus dem Leſerkreiſe.
(Für die Veröffentlſchungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion keinertel Deue
antwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des Preſſegeſetzes in vollem Umfang
der Einſender verantwortſch.) Einſendungen, die nicht verwendet werden, können nich!
zurückgeſandt, die Ablebnung nicht begründei werden.

Wäre es im allgemeinen Intereſſe nicht möglich, eine oder
zwei Bänke Ecke der Jahn= und Nieder=Ramſtädter Straße (neben
der Halteſtelle) aufzuſtellen? Hier iſt der Schnittpunkt von 6 ſich
kreuzenden Straßen, die Halteſtelle der elektriſchen Straßenbahn
und des Heag=Omnibus, der Eingang zum Flugplatz. zum Stadion
und zum Waldgelände, kurzum Grund genug, obige Bitte zu recht=
fertigen
. Des Dankes vieler kann ſich die Stadtverwaltung ver=
ſichert
halten.
Civis.

Tageskalender für Mittwoch, den 14. Oktober 1931.
Heſſ. Landestheater. Großes Haus, 19.30 Uhr: Die
Ratten Kleines Haus, 20 Uhr: Eröffnungsfeier der Darm=
ſtädter
Volksbühne‟
Orpheum, nachm. ½16 Uhr=
1. Hausfrauen=Nachmittag: 20.15 Uhr: Mein Leopold,
Konzerte: Zur Oper, Schloßkeller, Sportplatz=Reſt am
Böllenfalltor, Herrngartenkaffee, Alter Ratskeller. Hotel zur
Poſt am Hauptbahnhof. Kinorzorſtellungen: Unione=
Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.

[ ][  ][ ]

Nummer 285

Mittwoch, den 14. Oktober 1931

Seite 7

Aus Heſſen.

Weiterſtadt, 13. Okt. Feierliche Geſellenbriefüber=
richung
. Zum erſtenmal konnten die hieſigen Handwerkerlehrlinge
duch die Neugründung des Ortsgewerbevereins ihre Geſellenprüfung
hir am Ort machen. Am Sonntag wurden an 8 Prüflinge die Geſellen=
brefe
nach beſtandener Prüfung durch den Vorſitzenden des Orts=
gerbevereins
in feierlichem Akt überreicht. Der junge Verein an der
öitze der Vorſitzende Elektromeiſter Franz Schyzdlowſky, hat ſich ſicht=
ſt
die größte Mühe gegeben, den Saal Zum Löwen und die ganze
ſſer würdig auszugeſtalten, und es iſt ihm aufs beſte gelungen. Wie
ſan berichtet, hat die Schneiderzwangsinnung des Kreiſes Darmſtadt
ſte Geſellenbriefüberreichung mit der hieſigen verbunden. Umrahmt
ue die Feier von Muſikſtücken der Hauskapelle und von vorzüglich vor=
magenen
Chören des Geſangvereins Germania‟. Der Vorſitzende be=
mßte
die ſehr zahlreich Erſchienenen, beſonders Herrn Dr. Kollbach
vu der Handwerkskammer, Herrn Oberinnungsmeiſter Haſſenzahl aus
hungſtadt, die Schneiderinnung des Kreiſes ſowie Orts= und Schulvor=
ind
und zuletzt nicht am wenigſten die Junggeſellen und Junggeſellin=
m
. Er ermahnte ſie in eindringlichen Worten zu treuer Pflichterfül=
ug
und fleißigem Aufwärtsſtreben. Nach einem von Schloſſermeiſter
zus Schamber wirkungsvoll vorgetragenen Vorſpruch begrüßte Derr
zegermeiſter Meinhardt in herzlicher Weiſe die Feſtverſammlung, gab
eſter Freude über den Zuſammenſchluß der Handwerker und Gewerbe=
unbenden
im Ortsgewerbeverein Ausdruck und wünſchte ihm und der
ſranſtaltung vollen Erfolg. In gewohnt temperamentvoller Rede
mdte ſich dann Herr Dr. Kollbach an die Junggeſellinnen und Jung=
zillen
ſowie an alle Handwerker und betonte beſonders die Notwen=
ſteit
tüchtiger Vorbildung und Prüfung, aber auch die Notwendigkeit
Zuſammenſchluſſes in der Organiſation. Er iſt von Optimismus
allt, wenn jeder ſeinen Mann ſtellt. Reicher Beifall belohnte ſeine
lpführungen. Ferner brachten noch Glückwünſche der Ober= Innungs=
niter
der Schneider=Innung, Jäger=Roßdorf. Ober=Innungsmeiſter
huſenzahl=Pfungſtadt ſowie Rektor Schenck im Namen der Schule. Als=
ſan
erfolgte die feierliche Ueberreichung der Geſellenbriefe, und zwar
n1 Schneider, 6 Schneiderinnen 1 Elektroinſtallateur, 1 Zimmermann,
Naurer und 2 Schreiner. Anſchließend war gemütliches Zuſammen=
ei
bei Muſik und Geſang. Mit Stolz kann der Ortsgewerbeverein und
ei Vorſtand auf die wohlgelungene Feier zurückblicken.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 13. Okt. Hohes Alter. Am 16. ds.
N5. kann der ehemalige Bürgermeiſtereigehilfe. Juſtus Krug
eſten 88. Geburtstag feiern. Er iſt die drittälteſte Perſon hie=
far
Gemeinde und iſt körperlich ſowie geiſtig noch verhältnis=

inßig rüſtig. Die Glückwünſche der ganzen Gemeinde begleiten
iſe betagten Mann zu ſeinem ſeltenen Geburtstagsfeſte.
feuerwehrinſpektion. Am kommenden Sonntag nach=
uſtag
findet mit der üblichen Schlußübung gleichzeitig die In=
petion
der hieſigen Feuerwehr ſtatt, wobei vorausſichtlich auch
ſic 1ü Kreismotorſpritze mitwirken wird. Damit verbunden iſt eine
unßere Uebung am Männerbau der epileptiſchen Anſtalt da=
Iie. Geſangverein Eintracht=Freundſchaft. Nach=
dier
der Dirigent vom Urlaub zurück iſt, findet die nächſte Sing=
ſſude
am kommenden Freitag abend ſtatt. Es iſt beabſichtigt,
iſch Auang November d. J. das bisher übliche Herbſtkonzert abzuhal=
tn
Landtagswahl. Die Wählerliſten, für die am 15.
Nele Aoember I. J. ſtattfindende Landtagswahl, liegt vom kommen=
Dey Sonntag ab eine Woche lang zur Einſichtnahme der Inter=
gſeten
auf dem Rathaus offen, und zwar an Wochentagen wäh=
wid
der Dienſtſtunden, an den beiden Sonntagen von vormittags
Ahhr bis nachmittags 1 Uhr. Zur Vermeidung von Unannehm=
Vm Mceiten empfiehlt es ſich, von dieſem Rechte Gebrauch zu machen,
Frummentlich aber für diejenigen, die erſt in letzterer Zeit zugezogen
Güte ffy oder die erſt kürzlich das wahlpflichtige Alter erreicht haben.
hichte G. Ober=Ramſtadt, 12. Okt. Mietunterſtützung 1931. Die
den Beſheide über zu gewährende Mietunterſtützung werden den Hilfs=
veiſte
Wärftigen in dieſen Tagen zugeſtellt Perſonenſtandsauf=
er
m mazme. In einer Bekanntmachung der Bürgermeiſterei werden die
die 0 Kagseigentümer oder deren Vertreter aufgefordert, die ihnen und den
die M Wibewohnern der Häuſer zugeſtellten Vordrucke für die Perſonenſtands=
dig
du aufahme und zwar: Hausliſte Haushaltungsliſten und Betriebsblätter,
keit geu Ulen Teilen genau ausgefüllt, bis längſten 15. Oktober an die Bür=
meiſterei
zurückzugeben. Es iſt beſonders auch darauf zu achten, daß
here 2 ſinliche Formulare unterſchrieben ſind.
riſtſteh la. Ober=Ramſtadt. 13. Okt. Herbſtausſaat. Mit Rück=
auf
die im Gang befindliche Herbſtausſaat, ſind nach einer
Beöffentlichung der Bürgermeiſterei, die Tauben vom 13. bis
anſchließlich 28. Oktober d. J. eingeſperrt zu halten. Zuwider=
mplungen
werden nach den Beſtimmungen des Feldſtrafgeſetzes

handet. Bauweſen. Hier ſind kürzlich noch drei Wohn=
hauneubauten
begonnen worden, wodurch einige Bauarbeiter

weügſtens vorübergehend noch Beſchäftigung haben.

Ay. König i. O. (Stahlbad), 13. Okt. Flugzeugtaufe. Daß

du Segelflug ſich im Odenwald eines ſtetig zunehmenden Intereſſes er=
fret
, bewies die Taufe eines zweiten Segelflugzeugs, die am vergange=
mn
Samstag abend im dichtgefüllten Saal des Hotels Büchner ſtatt=
fonl
. Den Täufling (2=Sitzer mit verkleidetem Rumpf, Flügelſpannweite
10 Meter Modell Poppenhauſen), eine Schöpfung des bekannten
Salfliegers Jachtmann=Darmſtadt, hatte man in Schwebelage im
Sue aufmontiert. Muſikſtücke des kleinen Orcheſters der beſtbekannten
hueſten Kurkapelle, Begrüßungsanſprache des 1. Vorſitzenden, Herrn
ArZimper, der unter den zahlreich erſchienenen Gäſten Herrn Bür=
amteiſter
Hofferbert, die Herren des Gemeinderats, Herrn Dr. Quvier=
Aumſtadt, die Fliegergruppe Reinheim und Vertreter der Preſſe beſon=
durl
begrüßte und gleichzeitig einen ausführlichen Rückblick über die
Eibicklung und den Stand des Segelfluges in der hieſigen Ortsgruppe
gsh ſowie deren weitere Ziele erläuterte, leiteten, unterſtützt von vor=
zzugſchen
, feingeſchulten Liederverträgen des hieſigen Geſangvereins
igerkranz, die Feierlichkeiten ein. Im weiteren Verlauf überbrachte
Sy Dr. Luvier=Darmſtadt als Vertreter der Intereſſengemeinſchaft
hſſcher Flugſportvereine und der Heſſenflieger Darmſtadt deren Glück=
wünche
, während Herr Leinert=Reinheim unter Ueberreichung eines
brüätigen Blumenſtraußes die Gruppe König herzlich beglückwünſchte.
DeOrtsgruppe Offenbach a. M., Herr Bauer=Lindenfels, ehem. fürſtl.
Ehch=Schönbergſcher Schloßheuptmann, und Herr Bürgermeiſter Löb
nzu lirlenbach hatten Glückwunſchtelegramme bzw. Schreiben geſandt.
Quneuen A=Piloten. Herren Vetter, Ehrhard und Joſeph, überreichte
Su Quvier die entſprechende Nadel. Die Taufe der impoſant und
wuſtig wirkenden Maſchine vollzog ſich im Anſchluß an ein nettes
Boügeſpräch zwiſchen einem jungen Flugpiloten und einem Odenwälder
Buurnmädchen, daß ob der eingewobenen Poeſie zwiſchen flugtechniſcher
Audrucksweiſe und mißverſtehender Naive große Heiterkeit erregte ( Ver=
faſt
Herr Dr. Zimper), Frl. M. Schnur, das den Augenblick zum
ohpunkt des Abends geſtaltete. In humorvoller Weiſe beglückwünſchte
Gy Bürgermeiſter Hofferbert die Ortsgruppe zu dem neuen Werk,
Gy Major a. D. Beck feierte die Verdienſte des 1. Vorſitzenden, Herrn
Zimper, in rühmender Weiſe, während Herr Jachtmann ſeinerſeits
edie ihm gewordene vielſeitige Unterſtützung und Mithilfe ſeinen
un abſtattete, Zweck und Möglichkeiten über Ausnutzung der neuen
Mochine erläuterte und deren Geeignetheit für die geplante Verwen=
dun
zur Erforſchung der Luftverhältniſſe uſw. des Odenwaldes beſon=
einig
derd erörterte. Ein gemütliches Zuſammenſein beſchloß die gelungene
Autags Fäir. Reges Intereſſe fand die am folgenden Sonntag den 11. Okto=
hei
bie in dem von Herrn Dr. Zimper im hochherziger Weiſe zur Ver=
füung
geſtellten Kurgarten veranſtaltete Flugzeugausſtellung. Ste
(drinfe dem Flugſportweſen, den die Feſſeln des Friedensvertrages be=
ends
Aliglt haben, neuen Freunde gewonnen haben.
Hirſchhorn, 13. Okt. Waſſerſtand des Neckars am
Oktober 1,66 Meter, am 13. Oktober 1,62 Meter.

Hängerkagung des Gaues Darmſtadk=Land
im Heiſiſchen Sängerbund.
Der Sängertag fand am Sonntag in Pfungſtadt im Saal des
Gaſthauſes Zum Rheiniſchen Hof ſtatt. Eingeleitet wurde die Tagung
durch den Vortrag von zwei Chören und des Deutſchen Sängergrußes
der vereinigten Sänger von den beiden Pfungſtädter Geſangvereinen
Harmonie und Männerquartett Im Namen der Pfungſtädter Sän=
ger
ſprach Herr Lehrer Hofmann herzliche Worte der Begrüßung an
die erſchienenen Delegierten. Der Gauvorſitzende, Herr Bürgermeiſterei=
ſekretär
Steuernagel aus Nieder=Ramſtadt, dankte für den
würdigen Empfang und eröffnete damit gleichzeitig die Tagung. Ver=
treten
waren alle Gauvereine bis auf die Sängervereinigung Weiter=
ſtadt
. In dem ausführlich gehaltenen Geſchäftsbericht des Gauvorſitzen=
den
wurde erwähnt, daß das abgelaufene Geſchäftsjahr als ein Kriſen=
jahr
für die Sängerbewegung zu bezeichnen ſei. Die ſehr bedauerliche
Tatſache müſſe die führenden Männer in der Sängerbewegung doppelt
an die Pflicht erinnern, nicht nachzulaſſen in der Ermunterung der
Sänger zum Durchhalten, und wenn dies auch ſchwer fällt. Auch an
einem Appell an die Herren Chorleiter, bei Bemeſſung ihrer Vergütun=
gen
den wirtſchaftlichen Verhältniſſen der Vereine Rechnung zu tragen,
hat es der Gauvorſitzende nicht fehlen laſſen. Aus dem Geſchäftsbericht
war des weiteren zu entnehmen, daß ſich die Tätigkeit des Gaues nach
außen hin lediglich auf das Gauwertungsſingen in Griesheim be=
ſchränkte
. Der Gauvorſitzende nahm Gelegenheit, dem feſtgebenden Ver=
ein
, der Sängervereinigung Germania Griesheim, für die gute Vor=
bereitung
, der allein die glatte Abwicklung der Veranſtaltung zu ver=
danken
war, beſonderen Dank auszuſprechen.
Folgender Beſchluß wurde einſtimmig angenommen: 1. an den
Gauwertungsſingen dürfen in Zukunft keine Gaſtvereine mehr teilneh=
men
: 2. im Anſchluß an jedes Gauwertungsſingen hat der Gauchor=
meiſter
eine Maſſenchorprobe anzuſetzen, an der alle Bundesſänger teil=
zunehmen
haben; 3. die vom Muſikausſchuß des Gaues feſtgeſetzten
Maſſenchöre ſind möglichſt ſchon während des Feſtzuges auf einem be=
ſtimmten
Platz innerhalb des Feſtortes zu ſingen, wobei ſämtliche Sän=
ger
mitzuwirken haben." Verurteilt wurde auch das Verhalten der
beiden Roßdörfer Gauvereine, die aus kleinlichen Urſachen ihren Aus=
tritt
aus dem Bunde erklärten. Allſeits wurde betont, daß ſich die Gau=
vereine
in Zukunft gegenſeitig auf das beſte unterſtützen ſollen, das man
aber keinen Verein mehr berückſichtigen ſoll, der nicht der Organiſation
angehört. Nach dem Austritt der beiden Roßdörfer Vereine zählt der
Gau noch 17 Vereine mit einer Sängerzahl von 635.
Nach einer ſehr lebhaften Ausſprache über das Kapitel Beiträge für
die Tonſetzergeſellſchaften Afma und Gema kam man zu dem Be=
ſchluß
, auf den Bundesvorſtand einzuwirken und zu verſuchen, die Bei=
träge
dieſer Geſellſchaften um mindeſtens 50 Prozent zu ermäßigen, wo=
bei
nicht verkannt wurde, daß die Zugehörigkeit zum Bunde eine ganz
beträchtliche Verbilligung dieſer Beiträge mit ſich bringt (außerhalb der
Organiſction ſtehende Vereine zahlen 1 Mark pro Mitglied.)
Infolge Ausſcheidens aus dem Amte wird die Zuwahl von zwei
Beiſitzern zum Gauvorſtand notwendig. Es wurden hierfür beſtimmt
die Sänger Schick vom Verein Sängerbund Griesheim und Eggersglüß
vom Verein Männerquartett Pfungſtadt. An Stelle des ausſcheiden=
den
Gaurechners Büttner=Roßdorf wird Sänger Block vom Verein
Eintracht=Freundſchaft Nieder=Namſtadt beſtimmt. Der Muſikausſchuß
wird dahin ergänzt, daß an Stelle des ausſcheidenden Rektors i. R. Heß
(Roßdorf) Herr Lehrer Hofmann vom Verein Harmonie Pfung=
ſtadt
tritt. Die Neuwahl des Gauchormeiſters wird ausgeſetzt und ſoll
in einer ſpäter vorzunehmenden beſonderen Chorleiterverſammlung vor=
genommen
werden.
Um das nächſtjährige Gauwertungsſingen bewarben ſich vier Ver=
eine
, und zwar 1. Sängerluſt Traiſa, 2. Liederkranz Nieder=Modau,
3. Sängerluſt Hahn, 4. Frohſinn Nieder=Beerbach. Da keiner der
Vereine zugunſten eines anderen verzichten wollte, mußte zur Abſtim=
mung
geſchritten werden, die ergab, daß auf die beiden Vereine Hahn
und Nieder=Modau je fünf Stimmen entfielen, und damit gleichlautend
die Höchſtſtimmenzahl erreichten. Der Gauvorſitzende lehnte es ab. in
dieſem Falle ſeine entſcheidende Stimme abzugeben und ließ durch Los=
ziehen
die Beſtimmung des Feſtortes feſtſtellen. Das Los entſchied für
den Verein Hahn bei Pfungſtadt. Als Termin für die Abhaltung des
Gauwertungsſingens wurde der 29. Mai 1932 (zwei Wochen nach Pfing=
ſten
) feſtgelegt. Als Tagungsort für die nächſtjährige Gautagung
wurde Traiſa beſtimmt. Die Vereine Harmonie‟ Nieder=Ramſtadt
und Harmonie Pfungſtadt ließen durch ihre Vertreter einſtweilen an=
kündigen
, daß ſie ſich um das Gauwertungsſingen 1933 bewerben würden.

Die Heſiſche Landes-Gerffenſelle
bei der Landwirtſchaftskammer
macht nochmals auf den am Freitag dem 16. Ok=
tober
1931, in der Stadthalle in Mainz nachmit=
tags
2 Uhr ſtattfindenden Braugerſtentag aufmerkſam. Die
Landwirte der heſſiſchen Braugerſtengebiete, die verarbeitende In=
duſtrie
und der Handel dürften an dieſer Tagung großes Inter=
eſſe
haben und ſind alle in Frage kommenden Kreiſe zu der Ver=
anſtaltung
eingeladen.
Ce. Seeheim, 13. Okt. Zuſammenſtoß. Montag abend er=
eignete
ſich auf der Landſtraße nach Eberſtadt, an der Roten
Brücke, ein ſchwerer Unglücksfall. Ein hieſiger Landwirt, ein
durchaus zuverläſſiger Mann, bog mit ſeinem Fuhrwerk in die
Landſtraße ein, als ein Motorrad in ſchneller Fahrt des Weges
kam und dem Pferd in den Bauch fuhr. Die Radnummer ver=
letzte
das Tier erheblich. Während der Fahrer mit dem Schrecken
davon kam, mußte ſein Begleiter, mit ſchwerem Kinnbruch ins
Krankenhaus geſchafft werden.
W. Heppenheim a. d. B. 13. Okt. Auswärtige Amts=
tage
des Kreisamts. Der nächſte auswärtige Amtstag des
hieſigen Kreisamts findet am Donnerstag, den 15. Oktober, vor=
mittags
10.30 Uhr, im Rathaus zu Bad Wimpfen ſtatt. Auf=
tragsvergebung
im Submiſſionswege. Für das
ſtädtiſche Elektrizitätswerk wird die Lieferung von: 6. Faß
(ca 1050 Kilo) helles Maſchinenöl für ſchwere Dampfmaſchinen;
6 Faß (ca. 1020 Kilo) Heißdampf=Zylinderöl, für Dampftempera=
turen
bis ca 350 Grad Celſius (für Dinglerſche Tandem=
Compound=Maſchine 400 PS. und ein Faß (ca. 170 Kilo) Satt=
dampf
=Zylinderöl. Flammpunkt ca. 270 Grad Celſius, geeignet für
Dampftemperaturen bis ca. 290 Grad Celſius, im Submiſſions=
wege
vergeben. Ausführliche Angebote einſchließlich ſämtlicher
Nebenkoſten wie Emballage uſw. ſind bis zum 20. d. Mts., vor=
mittags
11 Uhr, bei dem hieſigen ſtädtiſchen Elektrizitätswerk ein=
zureichen
. Gleichzeitig ſind entſprechende Oelproben beizufügen.
Lieferungen auf Abruf haben franko Bahnhof Heppenheim zu er=
folgen
. Arbeitsamt. Ab Montag, den 19. Oktober, wird
bei der hieſigen Arbeitsamtsnebenſtelle bis auf weiteres anſtelle
der bisherigen täglichen die wöchentliche dreitägige Kontrolle der
Unterſtützungsempfänger eingeführt. Bezüglich der Handhabung
bei Kontrollverſäumniſſen ſei darauf hingewieſen, daß dem Unter=
ſtützungsempfänger
, wenn er eine Kontrolle verſäumt hat, die
Tage verluſtig gehen, ſeitdem der letzte Kontrollſtempel in die
Kontrollkarte eingedruckt worden iſt. Ernennung. Herr
Oberpoſtmeiſter Glenz, der ſeit langen Jahren Vorſteher des hie=
ſigen
Poſtamts iſt, wird mit Wirkung vom 1. Dezember zum Poſt=
amtmann
befördert und als Leiter des Poſtamts nach Meſeritz
verſetzt. Als ſein Amtsnachfolger wurde der ebenfalls ſchon län=
gere
Zeit hier beſchäftigte Poſtinſpektor Jakob mit Ernennung
zum Poſtmeiſter beſtimmt. Jubiläum. Hochw. Herr Prä=
lat
Monſignore Miſchler, der langjährige und verdiente Führer
der hieſigen katholiſchen Gemeinde, feiert morgen in vollkomme=
ner
geiſtiger Friſche und in beſter Geſundheit ſeinen 85. Geburts=
tag
. Seine körperliche und geiſtige Rüſtigkeit ermöglichen es
ihm, noch täglich in ſeiner Pfarrkirche zu zelebrieren und Kran=
kenbeſuche
zu machen. Am gleichen Tage begeht die Klein=
kinderlehrerin
i. R. Frau Chriſtina Kumpf in voller geiſtiger
und körperlicher Rüſtigkeit ihren 80. Geburtstag. Mehr als 30
Jahren wirkte die in weiten Kreiſen bekannte und von den Klei=
nen
liebgewonnene Jubilarin als Lehrerin an der ſtädtiſchen
Kleinkinderſchule. Ein guter Lebensabend ſei beiden Jubilaren
beſchieden!
P. Trebur (Ried) 13. Okt. Großgrundbeſitz unter dem
Hammer. Das Amtsgericht Groß=Gerau hat, amtlicher Bekannt=
machung
zufolge, für das geſamte Gelände des Hofgutes Oberau in der
Gemarkung Treburer Rheinauen mit einem Flächeninhalt von 59 Hektar
oder 260 heſſiſchen Morgen und mit einem Grundbuchtaxwert von
122 220 Mark die gerichtliche Zwangsverſteigerung angeordnet.

Rheinheſſen.

* Würzberg, 13. Okt. Morgen feiert Frau Katharina Wal=
ther
Witwe, geb. Weyrauch im Kreiſe ihrer noch lebenden
6 Kinder, 14 Enkeln und 1 Urenkel ihren 80. Geburtstag. Die
Jubilarin iſt noch körperlich und geiſtig ſehr rüſtig, täglich geht
ſie noch mit zur Feldarbeit, ſie iſt noch vom alten Schrot und
Korn, und viele junge Frauen könnten ſich ein Beiſpiel an ihr
nehmen. Verpflichtung des neuen Gemeinderech=
ners
. Nach langem Hin und Her wurde Herr Schneidermeiſter
Georg Körber, Sohn des verſtorbenen Gemeinderechners. als Ge=
meinderechner
für die hieſige Gemeinde verpflichtet. Hoffentlich
wird derſelbe bald in ſein neues Amt eingeführt, damit endlich
der Wunſch der hieſigen Bürger erfüllt wird.
* Beerfelden, 13. Okt. Morgen Mittwoch, 14. Oktober begeht
Herr Aug. Neuer, Metzgermeiſter und Gaſtwirt (Zum Lamm),
ſeinen 82. Geburtstag in geiſtiger und körperlicher Friſche. Der
Jubilar hilft noch jeden Tag im Geſchäfte mit. Alltäglich lieſt er
ſein Darmſtädter Tagblatt‟. Er wie ſein Sohn ſind beliebte und
reelle Geſchäftsleute und weit und breit bekannt.
m. Vom ſüdlichen Odenwald, 13. Okt. Landwirtſchaft=
liches
. Die ſchönen Herſttage der vorigen Woche haben die Herbſt=
arbeiten
des Landmannes nun auf erfreuliche Weiſe gefördert. Die
Kartoffelernte hat heuer weſentlich früher begonnen als ſonſt.
Ein Grund dafür liegt in dem frühen Abſterben des Kartoffelkrauts,
was wiederum eine Folge der naſſen Witterung ſein wird; ein anderer
Grund iſt wohl die Furcht im Publikum, dieſe Ernte könnte durch frühes
Eintreten des Froſtes oder auf andere Art ungünſtig beeinflußt werden.
Daß die Kartoffelernte meiſt von gutem Wetter begünſtigt war, iſt dop=
pelt
erfreulich, denn eine trockene Einlagerung iſt gerade dieſes Jahr
von größter Bedeutung, wo doch manche angeſteckte Kartoffel im Hau=
fen
mit unterläuft. Der Ertrag iſt je nach Lage und Beſchaffenheit der
Feldſtücke und nach der Sorte der Kartoffeln ſehr verſchieden. In naſſen
und ſchweren Böden war die Fäulnis erheblich, im Sandboden kaum
nennenswert. Die Odenwälder Blaue zeigte ſich gegen Fäulnis meiſt
ſehr widerſtandsfähig, desgleichen manche andere weiße oder gelbe Kar=
toffel
, einzelne Sorten dürften künftig ganz ausſcheiden. Die Preiſe
haben ſich noch nicht ſo gefeſtigt, daß hier eine Durchſchnittszahl ange=
geben
werden könnte. Auch die Obſternte iſt nun allgemein ein=
gebracht
, an Quantität fiel ſie durchweg ſehr gut aus. Wo im Som=
mer
Hagelſchlag herrſchte, zeigen die Früchte meiſt noch die vernarbten
Wunden. Da die Preiſe recht niedrig ſind, ſo wird wohl kaum in einem
Jahr ſo viel Obſt für den eigenen Hausbedarf verwertet bzw. aufgehoben
werden wie heuer. Alle Gaſſen riechen nach Mus, dem beliebten Oden=
wälder
Brotaufſtrich, und ununterbrochen klappern die Obſtmühlen:
was an Fäſſern aufzutreiben iſt, wird gefüllt. Auch das Vieh darf
dieſes Jahr erhebliche Mengen konſumieren: denn bei einem Preis von
1.101,30 Mark pro Zentner iſt es vielleicht rentabler, das Obſt zu
verfüttern als zu verkaufen. Für den Obſtzüchter iſt es bedauerlich, daß
ihm aus dieſem geſegneten Obſtjahr der ſo nötige finanzielle Erfolg ver=
ſagt
bleibt. Den niederen Preiſen für Kelterobſt geſellten ſich die ent=
ſprechend
niederen Preiſe für das gebrochene Obſt zu: Wirtſchaftsobſt
3 Mark, Tafelobſt 4 Mark gute Birnen 4 Mark pro Zentner.
Gernsheim, 13. Okt. Waſſerſtand des Rheins am
12. Oktober 0.15 Meter, am 13. Oktober 0.10 Meter.

Ae. Worms, 13. Okt. Feſtnahmen. Wegen Fahrraddiebſtahls
wurden ein Bjähriger Landwirt und ein jüngerer Arbeiter von hier
feſtgenommen. Von einer Polizeiſtreife wurden geſtern Nacht drei
Wormſer Arbeiter bei der Ausführung eines Schaufenſterdiebſtahls be=
troffen
. Die Ermittlungen ergaben, daß die Täter in derſelben Nacht
in der Kaiſer=Wilhelm=Straße einige Schaukaſten ihres Inhalts beraubt
hatten. In allen Fällen wurden die Feſtgenommenen dem hieſigen
Amtsgericht zugeführt. Frechheit eines durchreiſenden
Handwerksburſchen. In dem Stadtteil, Worms=Pfiffligheim
bettelte ein Metzgerburſche, der ſich auf der Durchreiſe befand. Als man
ihn abweiſen wollte, nahm der Handwerksburſche gegen einen Einwohner
eine drohende Haltung an und ging auf dieſen mit einem Spazierſtock
los. Es kam zu einer Rauferei, bei der der Bettler auf die Straße ge=
ſetzt
wurde. Dort wurde er von der Polizei feſtgenommen. Da er ein
Fahrrad bei ſich führte über deſſen Beſitz er ſich nicht ausweiſen konnte,
wurde der aufdringliche Bettler in Haft genommen und ſpäter zur Be=
ſtrafung
dem Amtsgericht zugeführt. Worms ſtand vorgeſtern im
Zeichen des Flugtages. Schon am Vormittag konnte man die
großen Vögel der Luft in ihrem ſchneidigen Flug bewundern. Nach=
mittags
3 Uhr fand die eigentliche Flugveranſtaltung ſtatt. Dem erſt in
dieſem Jahre gegründeten Verein für Luftfahrt Worms iſt es gelun=
gen
, einen wirklich großartigen Flugtag aufzuziehen. In Verbindung
mit Gießener Sportfliegern, die mit fünf Maſchinen angerückt waren,
klappte alles wie am Schnürchen. Punkt 3 Uhr rollten die Flugzeuge
über das ideale Gelände der Bürgerweide zur Eröffnungsparade hin.
Dann wurden die Propeller angeworfen, und nach kurzem Start erhoben
ſich die Maſchinen nacheinander in den ſonnenklaren blauen Himmel.
Das Programm wickelte ſich reibungslos ab. Die Luft dröhnte von dem
Geknatter der Motoren, und unter dieſer Sphärenmuſik der Maſchinen
führten die Sportflieger ihre Flugzeuge vor, unter denen man beſonders
eine rote 90=PS=Maſchine, Eigentum der bekannten Fliegerin Theg
Raſche, bewundern konnte. Loopings, Rollings und Sturzflüge löſten
einander ab, ſo daß die den Flugplatz in großer Menge umſäumenden
Zuſchauer voll und ganz auf ihre Koſten kamen. Nach einem einige
Minuten währenden Rückenflug zeigte Lieſl Schwab einen Poſtſackziel=
abwurf
. Danach ſtieg dieſelbe Fliegerin zu einem Fallſchirmabſprung
auf. In etwa 500 Meter Höhe verließ ſie das Flugzeug. Prächtig war
es anzuſehen, wie die kühne Pilotin erſt einige Zeit durch die Luft ſauſte,
bis ſich dann der große weiße Fallſchirm ausbreitete. In verhältnis=
mäßig
kurzer Zeit landete Lieſl Schwab wieder wohlbehalten und un=
verſehrt
auf dem Flugplatz. Ihrem Partner Georg Reſch gelang eben=
falls
ein ſchöner Fallſchirmabſprung aus etwa 1300 Meter Höhe. Eine
intereſſante Abwechſlung im Programm brachte die gemiſchte Stafette‟.
Läufer, Radfahrer, Motorräder und Autos löſten einander ab. um
ſchließlich den Stafettenſtab dem Flugzeug zu überbringen. Zum Schluß
boten die Wormſer Sportflieger noch etwas aus eigenem Repertoire.
Dem Wormſer Publikum wurde zum erſtenmal ein Segelflug vor=
geführt
. In elegantem Flug ſchwebte das Segelflugzeug Star einige
Zeit in der Luft, um dann wieder ſanft auf den Boden aufzuſetzen. Das
Publikum ſpendete dem Führer des Segelflugzeuges, Herrn Schlichting,
reichen Beifall. Damit fand die Flugveranſtaltung ihr Ende. Mor=
genkonzert
des Berliner Dom= und Staatschores im
Städtiſchen Spiel= und Feſthaus. Der Vollsbildungsver=
ein
Worms hatte zu ſeiner erſten, muſikaliſchen Sonderveranſtaltung
einen großartigen Griff getan. Unter Leitung des bekannten Profeſſors
Hugo Rüdel ſchenkten uns die Berliner Sänger einen wahren Hoch=
genuß
.

Toababbratoo
Na
entbehrt man auch nicht.
Wenn Sie aber CAUB probieren, dann lernen
Die eine alles überragende Oualität kennen, eine
Zigarette, die Sie nie mehr entbehren können!

V 3585

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Seite 8

Mittwoch, den 14. Oktober 1931

Nummer 285

Reich und Ausland.
Der Neſtor der deutſchen Ingenienre

Skaalsrak von Bach .

Staatsrat Prof. Dr. h. c. Karl v. Bach (Stuttgart)

iſt im Alter von 84 Jahren geſtorben. Staats=
rat
von Bach, der ſich um die Entwicklung des
deutſchen Maſchinenbaues und Ingenieurweſens
unſchätzbare Verdienſte erwarb, war urſprüng=
lich
Schloſſer, und hat ſich aus eigener Kraft
emporgearbeitet. Er nahm am Kriege 1870=71
teil, wurde ſpäter Kurator der phyſikaliſch= tech=
niſchen
Reichsanſtalt und Senator der Kaiſer=
Wilhelm=Geſellſchaft ſowie Mitglied und Vor=
ſitzender
zahlreicher techniſcher Vereinigungen.
Sein Werk iſt das Materialprüfungsamt und
das Ingenieurslaboratorium in Stuttgart.

Auch Wagenknechts Leiche geborgen.

Berlin. Nach einer Meldung Berliner
Blätter, iſt jetzt auch die Leiche des Funkmaſchi=
niſten
Wagenknecht vom Katapultflugzeug der
Bremen geborgen worden. Er wurde, ebenſo
wie der Pilot Simon, zunächſt in dem kanadi=
ſchen
Hafenſtädtchen Parrsborough aufgebahrt.
Die Särge ſollen dann nach Deutſchland über=
geführt
werden. Simon wird vorausſichtlich in
Deſſau, wo ſeine Mutter wohnt, Wagenknecht in
Leipzig, wo er ſeinen Wohnſitz hat, beigeſetzt
werden.
Brandkataſtrophe in einer Ortſchaft im Thüringer
Wald.
Weimar. Am Dienstag, kurz vor 3 Uhr,
brach in Leheſten, in der Breiten Straße, an
drei Stellen zu gleicher Zeit Feuer aus, durch
das vier Wohnhäuſer, vier Scheunen und vier
Hintergebäude vernichtet wurden. Mit Hilfe
der Motorſpritzen von Gräfenthal und Leuten=
berg
konnte das Feuer gegen 5.30 Uhr auf ſeinen
Herd beſchränkt werden. Verbrannt ſind insbe=
ſondere
Erntevorräte und Ackergeräte. Ueber die
Brandurſache iſt zurzeit noch nichts bekannt.

Die Leichen des däniſchen Ehepaares in Parten=
kirchen
gefunden.
München. Das Rätſel um das däniſche
Ehepaar, das im Frühſommer dieſes Jahres
ſpurlos verſchwand, iſt gelöſt. Die Leichen wur=
den
unterhalb des Schachens aufgefunden, von
dem die beiden zweifellos abgeſtürzt ſind. Wert=
ſachen
und Geld befanden ſich in der Nähe der
Skelette. Das däniſche Ehepaar war Mitte Mai
von einer Penſion in Partenkirchen, wo es Woh=
nung
genommen hatte, weggegangen, mit dem
Ziele nach Elmau, und man hörte ſeitdem nichts
mehr von ihm. Nun iſt das Rätſel gelöſt. Das
Ehepaar hatte offenbar ſeinen Plan geändert
und iſt zum Schachen gegangen, wo es über die
Steilwä, de gegen den Raintaler Hof abſteigen
wollte und dabei verunglückte. Ein Lohnkutſcher
aus Vartenkirken fand am Sonntag in der Zir=
ben
Riß, beim Schachenſee, einen Schuh, worauf
ſpäter in einem ſteilen Graben zwei Skelette
entdeckt wurden. Am Montag begab ſich eine
Gerichtskommiſſion zu der Unglücksſtelle.

Der Prozeß gegen den Bankier Sattler
in Kempten.

Kempten. In dem Prozeß gegen den
Bankier Sattler aus Lindenberg im Allgäu,
ſeinen Sohn und ſeinen Prokuriſten Bieſen=
berger
wurde geſtern das Urteil verkündet. Bie=
ſenberger
wurde zu 2 Jahren 9 Monaten Ge=
fängnis
, Bankier Sattler zu 4 Jahren Zuchthaus
und ſein Sohn zu 8 Monaten Gefängnis verur=
teilt
. Der Staatsanwalt hatte 3 Jahre 4 Mo=
nate
Gefängnis, bzw. 5 Jahre Zuchthaus bzw.
2 Jahre 6 Monate Gefängnis beantragt. Bei
der Urteilsverkündung war der Verhandlungs=
ſaal
überfüllt und auch auf der Straße wartete
eine hundertköpfige Menge. Die Angeklagten
hatten, wie erinnerlich, ſeit 1923 Wechſelfäl=
ſchungen
und Depotunterſchlagungen in großem
Stil ſich zuſchulden kommen laſſen.

Der würkkembergiſche General
Otko von Moſer .

Generalleutnant a. D. Otto von Moſer,
der bekannte württembergiſche Stratege und
Militärſchriftſteller, iſt 71jährig in der Nähe
von Stuttgart geſtorben. Von Moſers Werke:
Kurzer ſtrategiſcher Ueberblick über den Krieg
1870=71 Feldzugsaufzeichnungen 1914=1918
Ernſthafte Plaudereien über den Weltkrieg,
genießen in militäriſchen Kreiſen hohen Ruf.
Im Weltkrieg war Generalleutnant von Moſer
Führer des 13. Reſerve=Korps und erhielt den
Orden Pour le Mérite.

Von dieſem Flugzeng wurden die ankifasciſtiſchen Flugblätker abgeworfen.

Engländer Murris, alias Lauro di Boſi, in der deutſchen Klemm=Maſchine D 1783.

Wie jetzt feſtgeſtellt wurde, ſind die antifasciſtiſchen Flugblätter über Rom von der deutſchen
Maſchine D 1783 aus abgeworfen worden, die auf franzöſiſchem Boden von ihren deutſchen
Beſitzern einem angeblichen Engländer namens Murris verkauft worden war. Dieſer angebliche
Engländer ſoll jedoch identiſch ſein mit dem Antifasciſten Lauro di Boſi.

Beginn des Sklarek=Prozeſſes.

Mar Sklarek nicht erſchienen.

Berlin. Vor der III. Großen Strafkammer
beim Landgericht I, die auf Grund der Notver=
ordnung
in großen Prozeſſen zu entſcheiden hat,
um eine Berufungsverhandlung auszuſchließen,
begann am Dienstag vormittag der ſeit langem
erwartete Rieſenprozeß gegen die Brüder Skla=
rek
, deſſen Ende einſtweilen noch nicht abzuſehen
iſt. Bis auf Max Sklarek, der nach Angaben ſei=
nes
Verteidigers ſterbend krank iſt, ſind ſämtliche
Angeklagten erſchienen. Die Brüder Max, Leo
und Willy Sklarek haben ſich wegen gemeinſchaft=
lichen
, fortgeſetzten Betruges, teilweiſe in Tat=
einheit
mit ſchwerer Urkundenfälſchung, wegen
Betrugs zum Schaden der Dresdener Bank und
der Oſtbank ſowie eines Teiles ihrer Lieferan=
ten
, der Berliner Anſchaffungs=Geſellſchaft und
der Stadt Berlin zu verantworten. Die Anklage
lautet weiter auf fortgeſetztes Konkursvergehen,
übermäßigen Aufwand, Bilanzverſchleierung ſo=
wie
gemeinſchaftlicher fortgeſetzter aktiver Be=
ſtechung
in neun Fällen und auf aktive Be=
ſtechung
in drei weiteren Fällen. Mitangeklagt
wegen fortgeſetzter Beihilfe zum Betrug ſind die
Buchhalter Siegbert, Tuch und Friedrich Leh=
mann
, der ſich außerdem noch wegen ſchwerer
Urkundenfälſchung zum Schaden der Stadtbank
zu verantworten hat. Unter der Anklage der
fortgeſetzten paſſiven Beſtechung ſtehen außerdem
die Stadtbankdirektoren Franz Schmidt und
Emil Hoffmann, die ſozialdemokratiſchen Bür=
germeiſter
Robert Kohl und Franz Schneider,
der Stadtamtsrat Walter Sakolofſki, die früheren
kommuniſtiſchen Stadträte Otto Gäbel und
Guſtav Degener ſowie der Diplomkaufmann
Roderich Luding. Bürgermeiſter Kohl wird
außerdem der fortgeſetzten Beihilfe zur Untreue,
Sakolofſki der fortgeſetzten Untreue und Gäbel
der fortgeſetzten Beihilfe zum Betrug beſchuldigt.
Als Verteidiger der Gebrüder Sklarek
fungieren die Rechtsanwälte Julius Meyer I.,
Dr. Nübell und Dr. Pindar. Die Staatsanwalt=
ſchaft
wird von Oberſtaatsanwalt Freiherr von
Steingecker, Staatsanwaltſchaftsrat Dr. Weißen=
berg
und Gerichtsaſſeſſor Jäger vertreten.
Im weiteren Verlauf kam es zu einer leb=
haften
Ausſprache über die Gültigkeit der Not=
verordnung
, in der Rechtsanwalt Dr. Nübell
erklärte, daß die Notverordnung gegen Art. 48
der Verfaſſung verſtoße. Rechtsanwalt Lands=
berg
ſchloß ſich zwar keinem der Anträge an, riet
aber dem Gericht, dem Ausſetzungsantrag auf
eine Woche ſtattzugeben, da immerhin die Mög=
lichkeit
beſtehe, daß der Reichstag die Notver=
ordnung
aufhebe. Rechtsanwalt Dr. Graubach
ſchloß ſich ebenfalls dem Vertagungsantrage an
und erklärte, daß er es begrüßen würde, wenn
ſich ein Gericht aus grundſätzlichen Erwägungen
einmal mit der Notverordnung befaſſe und ſie als
ungültig erkläre, damit mit dem Mißbrauch der
Reichsverfaſſung durch Erlaß von Notverord=
nungen
endgültig Schluß gemacht werde. Es
hänge von einem Glückszuſtand ab, nämlich von
einigen erkrankten Reichstagsabgeordneten, ob
der Reichskanzler Brüning bleibe. Demgegen=
über
erklärte Juſtizrat Dr. Werthauer, daß die
Lübecker Strafkammer im Calmette=Prozeß ſich
für zuſtändig erklärt habe. Das Gericht habe
auch gar nicht zur Notverordnung Stellung zu
nehmen. Schließlich erklärte Oberſtaatsanwalt
Freiherr v. Steinaecker, daß die Reden über die
Gültigkeit der Notverordnung allenfalls vor den
Reichstag gehören. Max Sklareks Nichterſcheinen
habe den Staatsanwalt nicht überraſcht. Der
Oberſtaatsanwalt beantragte ſodann die ge=
richtsärztliche
Unterſuchung Max Sklareks. Wäre
er verhandlungsunfähig, dann könne das Ver=
fahren
abgetrennt werden.

Mar Sklarek verhandlungsunfähig.

Auf Grund des Gerichtsbeſchluſſes iſt Max
Sklarek am Dienstag einer gründlichen gerichts=
ärztlichen
Unterſuchung unterzogen worden. Das
Gutachten ſtellt feſt, daß Max Sklarek an einem
ſchweren Herz= und Nierenleiden darniederliege.
Es ſei nicht möglich, ihn auf einer Tragbahre in
den Gerichtsſaal zu bringen, da die Gefahr eines
Herzſchlages beſtehe. Auch in der Wohnung ſei
Max Sklarek nicht zu vernehmen, da er geiſtig
gelitten habe. Es ſei nicht damit zu rechnen, daß
der Geſundheitszuſtand Sklareks jemals wieder
beſſer würde. Mit Sicherheit ſei zu ſagen, daß
ſich Max Sklarek niemals vor einem Gericht ver=
antworten
könne, da ſchon zeitweiſe Bewußt=
ſeinsſtörungen
vorhanden ſeien. Er habe nur
noch Monate, vielleicht nur noch Wochen zu
leben. Der § 51 käme jedoch zurzeit noch nicht
in Frage.

Vertagungsantrag im Sklarek=Prozeß
abgelehnt.

Das Gericht zog ſich dann zur Beſchlußfaſſung
zurück und verkündete nach einſtündiger Bera=
tung
den Beſchluß, nach dem ſich das Gericht auf
Grund der Notverordnung für die Entſcheidung
berufen fühlt. Außerdem wurde beſchloſſen,
Max Sklarek durch Medizinalrat Dr. Dyhren=
furth
gerichtsärztlich unterſuchen zu laſſen. Das
Gericht trat dann in die Verhandlung gegen die
übrigen Angeklagten ein.

Im weiteren Verlaufe der Verhandlung im
Sklarekprozeß erklärten die mit Ausnahme
der Brüder Sklarek vom Vorſitzenden be=
fragten
Angeklagten, daß ſie unſchuldig ſeien.
Leo Sklarek, der ſich zur Anklage äußern ſollte,
ſagte: Ich habe die Anklageſchrift nicht geleſen.
Ich habe mir nur die erſten Seiten angeſehen,
und weil da alles verkehrt war, ſie meinem An=
walt
gegeben. Aus der Vernehmung ergibt ſich,
das der Vater der Brüder Sklarek aus Rußland
eingewandert iſt; die Mutter war eine Deutſche.
Leo Sklarek erklärte, daß er ſich im Kriege ſo=
fort
freiwillig gemeldet habe. Dazu ſtellte der
Vorſitzende feſt, daß dies erſt ein halbes Jahr
ſpäter erfolgt ſei, und daß er zunächſt Heeres=
lieferungen
gehabt habe.

Der mediziniſche Sachverſtändige Freih. v.
Mahrenholz, der Max Sklarek unterſucht hatte,
erklärte ihn für längere Zeit für verhandlungs=
unfähig
.
Der Vorſitzende verkündete nach der Bera=
tung
folgenden Beſchluß: Das Verfahren gegen
den Angeklagten Max Sklarek wird abgetrennt
und die Verhandlung gegen ihn vertagt, da Max
Sklarek nach ärztlichem Gutachten verhandlungs=
unfähig
iſt.

Im Fortgang der Verhandlung gab der Vor=
ſitzende
einen Ueberblick über die K. V. G. ( Klei=
derverwertungs
=Geſellſchaft), die eine Kriegs=
gründung
aus der Zeit der Kleidernot geweſen
ſei. Angeklagter Kohl, der unbeſoldeter Stadt=
rat
war, ſei Aufſichtsratsvorſitzender der K. V. G.
geworden. Die Angeklagten Kohl, Gäbel und
Stadtrat Degner, der als Mitglied der Stadt=
verordnetenverſammlung
in den Aufſichtsrat der
K.V. G. beordert war, erklärten, ſie hätten ſich
als Aufſichtsratsmitglieder der K. V. G. nicht als
Beamte gefühlt. Dagegen erklärte der Ange=
klagte
Sakolofſki, er habe den Vorſitzenden des
Aufſichtsrates Kohl als Vorgeſetzten und als
Beamten angeſehen.

Die Verhandlung wurde auf Donnerstag
vertagt. An dieſem Tage ſoll die Vernehmung
von Kohl, Degner und Gäbel fortgeſetzt, ferner
ſollen die Angeklagten Tuch, Lehmann und
Stadtbankdirektor Schmitt vernommen werden.

Fünf Perſonen nach Genuß von Holzſpiritus
geſtorben.
Stockholm. Infolge des Genuſſes von
eingeſchmuggeltem Holzſpiritus ſind hier fünf
Perſonen unter fürchterlichen Schmerzen geſtor=
ben
und zwei weitere erblindet. Da ſich noch
nicht feſtſtellen ließ, wieviel Schmuggelſprit in
den Handel gekommen iſt, werden weitere Ver=
giftungen
befürchtet. Ein Heizer eines im Stock=
holmer
Freihafen liegenden ſchwediſchen Schif=
fes
, der in Frankreich 40 Liter Spiritus gekauft
hat, angeblich ohne zu wiſſen, daß es ſich um
Holzſpiritus handele, iſt verhaftet worden. Seine
Braut gehört zu den Todesopfern.

Flugzeugzuſammenſtoß in der Luft.
Paris. Ueber dem Marineflugplatz von
Cuers, bekannt durch die Notlandung des Graf
Zeppelin ſtießen zwei Marineflugzeuge in Höhe
von 300 Metern zuſammen. Beide Flugzeuge
gingen in Trümmer und zerſchellten auf dem
Boden. Vier Mann der Beſatzungen waren ſo=
fort
tot, ein Mann wurde ſchwer verletzt. Dem
ſechſten gelang es, mit dem Fallſchirm abzu=
ſpringen
. Er trug nur leichtere Verletzungen da=
von
. Der Geſchwaderchef hatte ausdrücklich an=
geordnet
, daß die Flugzeuge in verſchiedenen
Höhen üben ſollten, um Zuſammenſtöße zu ver=
meiden
.

Der zweite Tag
des Lübecker Calmetie-Prozeſſes.
Lübeck. Am 2. Verhandlungstage wurb//
die Vernehmung des Obermedizinalrates Alzw
ſtaedt fortgeſetzt, nachdem vorher der Vorſitzende Me
die Prozeßbeteiligten ermahnt hatte, in Zukunſtoſt
pünktlich zur Verhandlung zu erſcheinen. Er bote.
ferner die Sachverſtändigen, während der Veriſt
nehmung der Angeklagten und Zeugen keime/.
Vorträge zu halten. Auf Antrag des Verteid;=um
gers wurde ſchließlich die Ladung des vorläufig!
entlaſſenen Dr. Schürmann für Mittwoch beuſe
ſchloſſen. Auf die Beſchwerde eines Sachverſtän/in
digen wurde ſchließlich ein Umbau der Sachveu,!
ſtändigenplätze vorgenommen.
Im Verlauf ſeiner Vernehmung äußert frzMd
dann Obermedizinalrat Dr. Altſtaedt eingeheriw au
über die Literatur für und gegen das Calmetteſſie
Verfahren. Er habe es mit ſeinen Pflichten ahu3
Arzt verantworten können, die Einführung demö
Calmette=Verfahrens in Lübeck vorzuſchlage m
Die Stimmen, die ſich gegen das Calmette=Ve=;
fahren ausgeſprochen hätten, ſtammten aus den0!
Jahre 1927, einer Zeit, in der in Deutſchland dy
Unterſuchung noch nicht ſoweit fortgeſchritte,Wlal
war. Selbſt auf der Tagung des Hygiene=Aus/ö0
ſchuſſes des Völkerbundes in Genf ſeien der EinRu
führung des Calmette=Verfahrens keinerlei Be/de

denken entgegengeſtellt worden. Beim Reich
geſundheitsamt ſei allerdings vorher nicht nach
gefragt worden.
Einen beſonderen Raum in der Vernehmur/
Dr. Altſtaedts nehmen die Aeußerungen de
Präſidenten des Reichsgeſundheitsamtes. D
Hamel, ein, der ſeinerzeit erklärt haben ſoll, daß
der Weg für die Einführung des Calmette=Ve
fahrens nunmehr frei ſei. Präſident Dr. Ham
beſtritt dieſe Aeußerung. Demgegenüber bA
hauptet Dr. Altſtaedt, Dr. Bielefeldt habe d

mals erklärt, daß Dr. Hamel dieſe Aeußerur

getan habe. Er, Dr. Altſtaedt, ſei deswegen aud ciſe
nicht bei der Einführung des Calmette=Verfa/ädn
rens an das Reichsgeſundheitsamt gegangen. E3 Auck
wird dann der ſogenannte gelbe Zettel erörter,hmug
der den Eltern bei der Geburt eines Kinde) nan
ausgehändigt wurde. Zu der Frage des Verteg die
digers, weshalb man bei der Ankündigung dügen
Mittels das Wort Impfſtoff vermieden habe, eil",
klärt Dr. Altſtaedt, daß dieſes Wort für vie
Eltern eine Gefährdung des Kindes bedeutwſ
Deshalb ſei das Wort Fütterung, angewan el. 6il
worden. Bei dem Hinweis des Rechtsanwar/0
Dr. Wittern, daß man auch das Wort Fütterun
in dieſem gelben Zettel finde, erſchallen aus den
Kreiſen der als Nebenkläger zugelaſſenen Elte-
ſpontane
Rufe: Sehr richtig!. Nach der Erö=
ferung
über das Verfahren der Fütterung ſelk)
tritt ſodann eine kurze Pauſe ein.
Nach der Mittagspauſe wurde feſtgeſtell,
daß die offizielle Einführung der Calmette=Füüg,
terung in Lübeck am 24. Februar 1930 erfolg/
Bei der Erörterung des ſogenannten gelb unſche
Merkblattes wies Dr. Altſtaedt beſonders daum
auf hin, daß darin nur von einem Schutzmitt/
geſprochen werde, das die Möglichkeit einer A.
ſteckung geringer mache, während Prof. Caſ

mette von einer Heilung ſpreche. Auf die Fras/ſ

ob nicht mit der Möglichkeit gerechnet werd!
konnte, daß die Calmette=Präparate wieder zu
Virulenz zurückkehrten, erwidert Dr. Altſtae3/
er hätte nicht annehmen können, daß ein ſe1
langen Jahren abgezogener Bazillus in 6 b4
8 Monaten virulent werde. Ihm ſei nicht E4
kannt geweſen, daß man die Kulturen in LübA
nicht wie Calmette auf Rindermark, ſondern a.
Eiernährboden anlegte. Im weiteren Verla.)
ſeiner Vernehmung tritt Obermedizinalrat TN
Altſtaedt der Frage des Rechtsanwalts Dr. Fre)
ob es ſtimme, daß ſeine Frau mit Frau PrM
Calmette Kaffee getrunken und dabei die Ein
führung des Calmette=Verfahrens in Lübeck EA
ſprochen habe, entſchieden entgegen und erklän
daß ſeine Frau niemals in Frankreich geweſc,
ſei. Nach einem zweiten Zuſammenſtoß zwiſchil
Dr. Frey und Dr. Altſtaedt, der ſich aus einn
Aeußerung Dr. Altſtaedts ergab, als er ei)
Verfügung des Preußiſchen Wohlfahrtsminiſd
riums über Schutzimpfung mit dem Merkml
in Parallele ſtellte, brach der Vorſitzende d/
Verhandlung ab und vertagte den Prozeß miſei
Nückſicht auf den angegriffenen Zuſtand Dr. A9
ſtaedts auf Mittwoch früh.

Schluß der Pariſer Kolonialausſtellung
ſpäteſtens am 1. Dezember.
Paris. Die Regierung hat beſchloſſen,
nach der Witterungslage die Kolonialausſt
lung am 15. Nov., ſpäteſtens jedoch am 1. DAMf
zu ſchließen und nicht wieder zu eröffnen.

Bein

Mik dem Falkbook

über den Aklankiſchen Ozean.

Der deutſche Kapitän Engler in ſeinem Faltboſe

Der deutſche Kapitän Engler will in die
Tagen in einem Faltboot von Liſſabon aus
Atlantiſchen Ozean überqueren. Das Unt
nehmen muß als um ſo wagemutiger bezeich
werden, als erfahrungsgemäß gerade jetzt
ſchweren Herbſtſtürme größte Gefahren für jel
kleine Fahrzeug mit ſich bringen.

[ ][  ][ ]

Nummer 285

Mittwoch, den 14. Oktober 1931

Seite 9

Daßer Schlag gegen das Schmuggler=
1iweſen an der holländiſchen Grenze.
Zahlreiche Verhaftungen.
Gelſenkirchen. Das immer mehr über=
kſonehmende
Schmugglerunweſen hat das
ß0zeipräſidium Recklinghauſen veranlaßt, ge=
nmſam
mit den Zollbeamten an der holländi=
ſſh
Grenze und mit den örtlichen Polizei=
ugen
Lieſtſtellen zu einem großen Schlage auszu=
hſon
. Seit einiger Zeit befindet ſich ein ſtarkes
i Kéamando von Gelſenkirchener Kriminalbeam=
tienan
der holländiſchen Grenze, die auch bereits
awe Erfolge zu verzeichnen haben. Nach Mit=
teüng
der Polizei kann von einem neuen Loch
inWeſten geſprochen werden, das ſich beſon=
die
in der Gegend von Goch und Auſperden
beßdet. In dieſer Gegend, dicht an der Grenze
umauf holländiſchem Gebiet, liegen zahlreiche
rnißze Hallen, in denen Unmengen von Taba=
khZigaretten
, Kaffee und Weizen lagern, die
mmZeit zu Zeit von den Schmugglern über die
Gönze gebracht werden. Die Kriminalpolizei
unach und nach 19 Schmuggler feſtgenommen
ſum insgeſamt neun große Laſtkraftwagen mit
Awzun Zentnern Schmugglerware beſchlagnahmt.
igſſiach wurden Zigarettenladungen in Speiſe=
eiſsVagen
, Tabake unter Säcken mit Kartoffeln
ſum Kaffee unter Gemüſefrachten verſtaut vor=
genden
. In Goch wurde ein ſeit langem ge=
ſüſcher
Großſchmuggler, der in der ganzen Ge=
gei
als der Schrecken von Goch bekannt iſt,
piutſiftet und ſein großer Perſonenkraftwagen
iſſhegeſtellt. Der Verhaftete ſtand an der Spitze
kungen zum Gruppe, die über ein Aufgebot von 30
ſamtes, Fglahrern und über mehrere Kraftfahrzeuge
ben ſoll bmrigte. Dieſer Gruppe iſt es geglückt, an einem
mette=Rymgen Tage 20 Zentner Tabak unverzollt über
Dr. Ha ge brenze zu bringen.
Fhüder / 7 Zei Hausſuchungen in Krefeld wurden große
ſt hal
hrgen geſchmuggelten Kaffees und Tabaks
deußemaefunden. Mehrere Perſonen wurden dar=

Swegen aman feſtgenommen, von denen zwei bereits ein
ie=VerRbllndnis abgelegt haben.
erzll luch in Süchteln konnten 15 Zentner
RShugglerware beſchlagnahmt werden, ferner
ſchtan in Greverath zwei Groß=Schmugglern
uaf die Spur gekommen, die mit vier Kraft=
wan
ihr ſehr einträgliches Gewerbe betrieben.
r Win München=Gladbach wurde in einem
z bedſähikgebäude eine Kaffeeröſterei aufgedeckt, die
angemhck ganzen Betrieb auf Schmuggelware ein=
sanmeltelt
hatte. Die Ermittlungen der Zollfahn=
rusſtellen
werden in Zuſammenarbeit mit der
4irinalpolizei fortgeſetzt.

ſeſtgen

Zun eifenbahnrsteniar
bei Jüterbog und Bia Torbagy.

Die Beulenpeſt in China.
Mehrere tauſend Tote.
tondon. In der Provinz Honan wütet
Zeulenpeſt, der in einem Bezirke bisher 4000
gelſſkenchenleben zum Opfer gefallen ſind. Aus
wen Bezirke in Weſt=Schanſi werden 1000
efälle gemeldet.

Dus weſtanonts
Des Altemalers.
Wien. Sylveſter Matuſchka hatte, wie die
Polizeikorreſpondenz meldet, am Sonntag abend
und Montag früh im Verlaufe der Verhöre ge=
beten
, man möge ihn vorläufig in Ruhe laſſen;
er werde am Abend Mitteilungen machen. Auf
dieſe Bitte wurde Rückſicht genommen, und am
Montag abend wurde er einem eingehenden
Verhör unterzogen, in deſſen Verlauf er mehr=
fache
, zum Teil phantaſtiſche Angaben machte.
Demzufolge ſtellte er ſeine unmittelbare Täter=
ſchaft
an dem Eiſenbahnattentat bei Bia Tor=
bagy
in Abrede. Doch gab er an, daß er einem
ihm nicht mehr bekannten Mann auf deſſen Auf=
forderung
das Ekraſit gekauft und auch dem
Unbekannten übergeben habe.
Er habe ihm auch einige Sprengkapſeln ver=
ſchafft
, alles in Kenntnis deſſen, daß das Ekraſit
und die Sprengkapſeln für ein Attentat ver=
wendet
werden ſollten. Es ſollte, ſagte der Un=
bekannte
, nach den Angaben Matuſchkas, einem
Laſtzuge gelten. Matuſchka gab auch zu, zur Zeit
der Attentate bei Jüterbog und bei Bia Tor=
bagy
mit dem Manne, von dem er nichts Näheres
wiſſen will, in Berlin und in Budapeſt geweſen
zu ſein. Er beſtreitet aber, an dem Attentat bei
Jüterbog beteiligt geweſen zu ſein. Auch bei
dem Attentat bei Bia Torbagy will er unmittel=
bar
nicht mitgewirkt haben. Matuſchka behauptet
ferner, daß er in dem D=Zuge, der bei Bia Tor=
bagy
verunglückte, gefahren ſei. Er widerrief
aber ſeine früheren Angaben, daß er in einem
der abgeſtürzten Waggons geſeſſen hätte, erklärt
hingegen, daß er in dem Waggon geweſen ſei,
der mit den zwei anderen nach der Kataſtrophe
vor dem Viadukt ſtehen geblieben iſt. Damit er=
klärt
Matuſchka, daß er nur leichte Verletzungen
erlitten hat, die lediglich von Glasſplittern her=
rührten
. Nähere Mitteilungen können, wie die
Polizei erklärt, im Intereſſe der Unterſuchung
und mit Rückſicht darauf, daß eine Ueberprüfung
der Angaben noch erfolgen muß, im Augenblick
nicht gemacht werden.
Namen angeblicher Mitſchuldiger.
Der verhaftete ungariſche Kaufmann Syl=
veſter
Matuſchka hat im Laufe des Dienstag
vormittag die Namen mehrerer Perſonen aus
Wien, Budapeſt und Berlin angegeben, die an
den Eiſenbahnanſchlägen von Jüterbog und Bia
Torbagy beteiligt geweſen ſein ſollen. Die Poli=
zeibehörden
von Wien, Budapeſt und Berlin ſind
von dieſen Angaben durch Funkſpruch verſtän=
digt
worden. Man hegt jedoch die Anſicht, daß

die Namen von Matuſchka vermutlich fingiert
worden ſind, um die Spur der wahren Mitſchul=
digen
zu verwiſchen.

Die Verhaftung des Kaufmanns Silveſter Ma=
tuſchka
in Wien. Matuſchka (X) beim Verhör.
Matuſchka der Hauptattentäter von Bia
Torbagy?
Budapeſt. Auf Grund des Vergleiches der
Handſchrift Matuſchkas mit der Schrift des beim
Bia=Torbagy=Viadukt gefundenen Zettels wurde
feſtgeſtellt, daß die beiden Handſchriften gleich=
artig
ſind. Man glaubt daher, daß Matuſchka
der Hauptattentäter bei der Verübung des
Attentats war. In ungariſchen juriſtiſchen
Kreiſen wird der Ueberzeugung Ausdruck gege=
ben
, daß Deutſchland zugunſten Ungarns auf ſein
Auslieferungsrecht verzichten wird. Frau Ma=
tuſchka
, die in Budapeſt eingetroffen iſt, wurde
von der Polizeidirektion vorgeladen, jedoch nicht
verhört, da ſie nicht verdächtig iſt.
Neue Indizien?
Budapeſt. Im Budapeſter Oſtbahnhof
wurde der Koſfer Matuſchkas beſchlagnahmt, den
er nach ſeiner Ausſage dort deponiert und vor
der Abreiſe auszulöſen vergeſſen hatte. In dem
Koffer befand ſich u. a. ein langer Trenchcoat=
Mantel, der nach Anſicht der Budapeſter Polizei
mit dem oft beſchriebenen Mantel des Atten=
täters
von Jüterbog identiſch ſein könnte. Der
Koffer und ſein Inhalt wurden Dienstag nacht
nach Wien gebracht und werden von Beauftrag=
ten
der Wiener Polizei geprüft werden. Auch
der Berliner Kaufmann, bei dem der Jüterboger
Attentäter eine Eiſenſtange, die bei dem Atten=
jat
verwendet wurde, gekauft hat, wird Ma=
tuſchka
in Wien gegenübergeſtellt werden.

Maknſchkas Geſtändnis
auf Wahrheit beruhend.
Wien, Laut Polizeikorreſpondenz ſind die
Angaben Matuſchkas über ſeine Reiſe nach Ber=
lin
, ſoweit bisher feſtgeſtellt werden konnte,
richtig. Nach einer Mitteilung des Polizeivize=
präſidenten
Brandl beruht das ganze vorgeſtrige
Geſtändnis Matuſchkas zum größten Teil auf
Wahrheit. Die Verhaftung weiterer Perſonen,
die der Teilnahme am Attentat von Bia Tor=
bagy
verdächtig ſind, ſoll bevorſtehen.
Viel beſprochen wird in Budapeſt die Frage,
ob Oeſterreich den Attentäter Matuſchka an
Ungarn oder an Deutſchland ausliefern wird.
Das ungariſche Auslieferungsgeſuch iſt bereits
am Dienstag nach Wien abgeſandt worden.
Neues Attentat auf der Strecke Budapeſt-Prag
Berlin.
Budapeſt. Wie eine halbamltiche Mel=
dung
beſagt, wurde in der Sonntagnacht auf
der Strecke Budapeſt-Komorn-PragBerlin
ein Eiſenbahnanſchlag verübt. Unbekannte =
ter
legten in der Nähe der Station Szöny einen
Steinblock von etwa 50 Kilo Gewicht auf die
Schienen. Die Lokomotive des von Budapeſt um
22.40 Uhr abgegangenen Schnellzuges Budapeſt
Komorn-PragBerlin, ſtieß auf den Stein=
block
und wurde leicht beſchädigt. Die Gendar=
merie
hat ſofort Nachforſchungen nach den =
tern
angeſtellt. Nähere Einzelheiten fehlen noch.

Deichbruch in Japan.
Oſaka. Wie die Zeitung Mainichi mel=
det
, iſt in: Diſtrikt Miya ein Deich infolge Hoch=
waſſers
geborſten. Die Waſſermaſſen ergoſſen ſich
in mehrere Dörfer, wo ſie alles zerſtörten. Mehr
als 200 Perſonen ſollen ertrunken ſein.
Wechſel im Vorſih
des Bundes deutſcher Frauenvereine.

Links: Frau Dr. Agnes Zahn von Harnack.
Rechts: Frau Emma Ender. Auf der
großen Leipziger Frauentagung wurde zur
neuen Vorſitzenden des Bundes deutſcher
Frauenvereine Frau Dr. Zahn von Harnack an
Stelle der bisherigen Vorſitzenden Frau Emma
Ender gewählt.

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Die in der öffentlichen Aufforderung zur Zeichnung
der steuerfreien Reichsbahn-Anleihe 1931 Festgesetzte
Frist für die Zahlung der ersten zehnprozentigen Rate
ist vom Zeichnungstag auf den 5. Januar 1932
verlegt worden. Diese Abänderung gilt gleichmäßig für
amnestiebedürftige wie für Freiwillige Zeichner.
Das Recht der Anleihezeichner auf frühere Voll- oder
Teilzahlung bleibt unberührt.
An den Fristen für die Zahlung der drei übrigen
Raten, sowie an der mit dem 15. Oktober 1931 ab-
laufenden
Steueramnestiefrist, innerhalb deren der
amnestiebedürftige Anleiheerwerber die für ihn er-
forderliche
Zeichnung vorgenommen haben muß, ändert
sich nichts.
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[ ][  ][ ]

Seite 10

Mittwoch, den 14. Oktober 1931

Nummer 285

SWPPSLSAasgdtt
Die körperliche Erziehung in der Schule in Gefahr.

eine Magnang in iehier Hunde.

Das Schulweſen iſt heute eines der beliebten Objekte des
Notverordnungs=Sparſtiftes. Die Oeffentlichkeit nimmt kaum
Notiz von all den einſchneidenden Maßnahmen, die in normalen
Zeiten den ſchärfſten Widerſtand herausgefordert hätten. Eine
einjährige Notverordnungserfahrung hat zwar gelehrt, daß Pro=
teſte
und Reſolutionen wirkungslos bei den verantwortlichen
Stellen abprallen, all das darf jedoch kein Grund ſein, wider=
ſpruchslos
zuzuſehen, wie an der körperlichen und geiſtigen Ge=
ſundheit
in kurzſichtiger Weiſe Raubbau getrieben wird. Ver=
hängnisvoll
für die körperliche Entwicklung der heranwachſenden
Generation droht der Zuſtand der Leibesübungen in der Schule
zu werden.
Die Frage des Turnunterrichts iſt ſtark umſtritten. Vielfach
ſieht man in den ſeit mehr als 60 Jahren üblichen zwei Turn=
ſtunden
pro Woche eine ausreichende Gelegenheit zur körperlichen
Erziehung. Der Deutſche Reichsausſchuß für Leibesübungen
fordert demgegenüber die tägliche Turnſtunde. Der heſſiſche Turn=
lehrplan
hat ſeit einigen Jahren den beiden Turnſtunden noch
einen Spielnachmittag, der ſich auf zwei Stunden ausdehnt, hin=
zugefügt
. Das iſt das Mindeſtmaß deſſen, was für die körperliche
Ertüchtigung der Schuljugend unbedingt gefordert werden muß.
Lehrer und Aerzte können davon erzählen, welch deutliche Spuren
Kriegszeit, Inflationsperiode und Wirtſchaftskriſe an den Kinder=
körpern
hinterlaſſen haben. Um die in dieſen Zeiten der heran=
wachſenden
Generation geſchlagenen Wunden zu heilen, genügen
zwei Turnſtunden in der Woche nicht. Welche Möglichkeiten hat
denn unſere ſtädtiſche Schuljugend, ihren Anſpruch auf geſunde
Luft, Bewegung und Entſpannung zu befriedigen? Etwa die paar
kärglichen Plätze innerhalb der Städte, die zudem meiſt Anlagen
darſtellen, deren Betreten verboten iſt? Trotzdem wir angeblich
im Zeitalter des Sportes leben, iſt es in den ſtädtiſchen und länd=
lichen
Volksſchulen ein ganz geringer Prozentſatz der Schüler, die
in Turn= und Sportvereinen wirklich eine körperliche Ausbildung
erhalten. Und von den Schulentlaſſenen vom 14. bis 18. Lebens=
jahr
wird kaum ein Drittel von ſolchen Vereinen erfaßt, während
der großen Mehrheit jegliche körperliche Ertüchtigung fehlt. Vor
dem Kriege war der Militärdienſt die Körperſchule durch die der
größte Teil der männlichen Jugend hindurchging. Heute gähnt an
ſeiner Stelle ein leerer Raum, der ſeit 1919 nur ganz dürftig
durch die beiden zuſätzlichen Spielſtunden in der Schule ausgefüllt
worden iſt. Dieſer Stunden werden nur die Schüler bis zum
14. Jahre, und höchſtens noch die Zöglinge der Höheren Lehr=
anſtalten
bis zum 18. Lebensjahre teilhaftig.
Trotz der ungünſtigen Vorbedingungen für eine geſunde
Körperentwicklung, trotz dürftiger Spiel= und Sportgelegenheiten,
trotz des Fehlens jeglichen Erſatzes für die verſchwundene militä=
riſche
Körperausbildung geſtaltet ſich der Turnunterricht, die ein=
zige
Möglichkeit körperlicher Erziehung der geſamten Jugend bis
zum 14. und eines Teiles bis zum 18. Lebensjahre, infolge der
Schulſparmaßnahmen immer kataſtrophaler. In vielen Klaſſen
ſitzen über 50 Schüler, an größeren Schulkörpern gibt es kaum
noch Lehrer unter 40 Jahren, das Durchſchnittsalter der Lehr=
perſonen
mancher höheren Schulen beträgt über 50, die Mittel
zur Beſchaffung an Spielgeräten werden ſtark beſchnitten oder gar

Schwerakhlekik.

Bericht aus dem 2. Kreis D.A. S.V. 1891.
Das Ringen der Oberliga im erſten Bezirk hat mit dem

Kampf 9:10 OberſteinMainz am Samstag abend in Mainz ſei=
nen
Anfang genommen mit der Senſation, daß Bräun=Oberſtein,

der im Schwergewicht ſtartete, von dem Kreismeiſter im Schwer=
gewiht
Börner=Mainz in 3 Minuten durch Subleſſe eine Nieder=

lage erhielt.
Wider Erwarten gut hat ſich 03 Kreuznach gegen Mittel=
bollenbach
geſchlagen. 13:5 war ihr Erfolg. Groß=Zimmern
verliert mit gänzlich umgeſtellter Mannſchaft in Klein=Oſtheim
11:9. Joh. Ohl. von ſeinen Verletzungen vom vergangenen Sonn=
tag
noch nicht ganz erholt, war nicht mit von der Partie. Ein
lauter, dem Abbrechen naher Kampf wird von dem Lokaltreffen
der beiden Darmſtädter Vereine gemeldet, den Polizei 15:3 ge=
winnen
konnte. Bei gutem Beſuch ein recht langweiliger 8:8=
Kampf wird aus Aſchaffenburg=Damm gemeldet, wo Eiche Hanau
zu Gaſt war.

Sharken Punkkſieger über Carnera.

Auf dem Ebbetsfield bei New York kam am Montag abend vor
40 000 Zuſchauern der ſchon zweimal verſchobene Boxkampf zwiſchen dem
italieniſchen Ueberſchwergewichtler Carnera und dem Amerikaner Shar=

keyz zum Austrag. Der Kampf ging über die angeſetzten 15 Runden und
endete mit dem überlegenen Punktſieg Sharkeys, der den Italiener in
der vierten Runde für kurze Zeit zu Boden geſchlagen hatte.

Handball im Odenwaldgan der 2.T.

Ergebnis vom 11. Oktober: Meiſterklaſſe: König 1.
Erbach 2. 12:0; Kirch=Brombach 1. Groß=Umſtadt 1. 15:1.
A=Klaſſe=Süd: Lengfeld 1. Zell 1. 16:3; Steinbach 1.
Steinbuch 1. 4:7. 4=Klaſſe=Nord: Hergershauſen Rein=
heim
2:2; Altheim 1. Klein=Umſtadt 1: 10:5: Langſtadt 1.
Richen 1. 4:5. B=Klaſſe: Hainſtadt 1. Michelſtadt 2. 2:4;
Spachbrücken Groß=Zimmern 2. 7:5; Groß=Umſtadt Semd
4:0; Schlierbach 1. Schaafheim 1. 2:2. C=Klaſſe: Stein=
bach
2. Steinbuch 2. 4:2; Momart 2. Zell 2. 12:0; Rein=
heim
2. Nieder=Klingen 2. 7:1.
Auf Grund ſeiner guten Erfolge, die Erbach gegen Nieder=
Klingen, Groß=Bieberau und Momaxt in Momart erzielt hatte,
mußte man ihm eine beträchtliche Spielſtärke zurechnen. Seine
Leiſtung in König rechtfertigte dieſe Annahme nicht. König war
techniſch ſeinem Gegner ſtark überlegen; ſelten überſchritten deſſen
Angriffe die Mittellinie. Glückten Durchbrüche, dann wurden
ſie vom Königer Schlußtrio unſchädlich gemacht. Erbach ertrug die
Niederlage mit Anſtand und ſpielte unverdroſſen bis zum Schluß=
pfiff
durch. Die Gäſteelf war wohl wegen Verletzung zweier Spie=
ler
am Entfalten ihrer ganzen Kräfte behindert; aber auch wenn
dies nicht der Fall geweſen wäre, wäre ſie einer größeren Nieder=
lage
nicht entgangen. Die 10 Groß=Umſtädter hatten in Kirch=
Brombach nichts zu beſtellen. Groß=Umſtadt muß ſich mächtig an=
ſtrengen
, wenn es dieſes Jahr nicht wieder das Tabellenende zie=

ganz geſtrichen. Was bedeuten dieſe Tatſachen für den Turnunter=
richt
? Ein regelrechter Turn= und Sportbetrieb wird durch die
Klaſſenüberfüllung zur Farce gemacht. In der Turnhalle kann
zur Not die Einteilung in Riegen helfen, allerdings ſteht bei den
ſtarken Riegen drohend die Gefahr vor dem Turnlehrer, daß er
für etwa vorkommende Unfälle haftbar gemacht wird. Eine Rie=
genbildung
auf dem Sportplatz iſt unmöglich. Entweder ſpielt der
Lehrer nur eine überwachende Rolle, dann artet der Sportbetrieb
in Spielerei aus, da der Lehrer ſich den einzelnen Gruppen nicht
intenſiv widmen kann. Oder er beſchäftigt ſich mit einer Abtei=
lung
und iſt haftbar für Unfug und Unglücksfälle bei den übrigen.
Die Ueberalterung der den Turnunterricht erteilenden Lehrer hat
zur Folge, daß in vielen Fällen durch mangelnde körperliche
Elaſtizität der Sportunterricht lahmgelegt wird. Das gleiche er=
leidet
der Spielunterricht dadurch, daß manche Schulen ſich bei=
ſpielsweiſe
keinen Ball mehr leiſten können.
Das ſind in Heſſen die Auswirkungen der ſeitherigen Schul=
ſparmaßnahmen
auf den Unterricht für Leibesübungen. Nun
taucht drohend eine neue Gefahr auf. Es hält ſich hartnäckig das
Gerücht die geplante Verminderung der Schülerſtundenzahl ſolle
auf Koſten der beiden Spielſtunden geſchehen. Die maßgebenden
Stellen vermuten hier die Stelle des geringſten Widerſtandes bei
Eltern und Lehrern, wenn man auch im allgemeinen bei Erlaß
von Schulſparmaßnahmen wenig nach der Meinung der beteilig=
ten
Kreiſe fragt. Was bedeuten auch zwei Spielſtunden? Weg
damit! Daß ihr Wegfall eine weitere Abdroſſelung der Möglich=
keiten
körperlicher Erziehung bedeutet, dafür glaubt man in der
Oeffentlichkeit kein Verſtändnis vorzufinden. Was ſteht auf dem
Spiele? Alles das, was uns die letzten 12 Jahre auf dem Gebiete
der Leibesübungen Neues und Gutes gebracht haben, und darüber
hinaus Geſundheit und Kraft des Volkes. Die Leibesübungen
der Schule umfaſſen Geräteturnen, Gymnaſtik. Leichtathletik,
Schwimmen und Sportſpiele. Die drei zuletzt genannten Gebiete,
die unter dem Sammelnamen Sport zuſammengefaßt werden,
wurden erſt durch die Einführung der Spielſtunden ermöglicht.
Sie bedeuten zweifellos den wertvollſten Teil der Leibesübungen.
Das Geräteturnen ſoll mit dieſem Werturteil nicht herabgeſetzt
werden. Die Gymnaſtik ſtellt gegenüber den alten Freiübungen
der Vorkriegszeit einen wertvollen Fortſchritt dar. Aber dieſe
beiden Zweige der Leibesübungen können niemals die geſunden
Uebungen des Schwimmens, des Laufes, des Sprunges, des Wur=
fes
und Stoßes ſowie der Sportſpiele in friſcher Luft erſetzen.
Es ſind das alles Uebungen, welchen das Kind ein natürliches
Bedürfnis entgegenbringt. Dieſe Spiele und Sportübungen müſſen
aus der Schule verſchwinden, ſobald der Spielnachmittag fällt.
Die beiden übrig bleibenden Turnſtunden ſind auf zwei Wochen=
tage
verteilt. Sportplatz und Schwimmbahn können nicht auf=
geſucht
werden, weil Hin= und Herweg zuviel Zeit in Anſpruch
nehmen würden, die Schulhöfe ſind im allgemeinen für Lauf= und
Wurfübungen ſowie für Spiele nicht geeignet. Was die Schule
an Leibesübungen beibehalten könnte, wären Geräte= und gymna=
ſtiſche
Uebungen in zwei Turnſtunden. Dieſe Beſchränkung auf
zwei Unterrichtsſtunden bedeutete ſchon in der Vorkriegszeit eine
Minderbewertung der körperlichen Erziehung. Heute, wo die
militäriſche Körperſchulung fehlt, wo Unterernährung und ver=
ſchlechterte
Lebensbedingungen die Kraft der heranwachſenden
Generation unterhöhlen, muß eine ſolche Maßnahme zur Verſün=
digung
am Volke werden.
L. G.

ren will. Die Sache in Lengfeld war einſeitig und reizlos, da
Zell ſeinem Gegner ganz und gar nicht gewachſen war. Ein ſchö=
nes
Treffen gab es in Steinbach zu ſehen. Die 1. Hälfte gehörte
Steinbuch, die 2. Steinbach. Wenn Steinbach verlor, ſo lag das
an dem ganz vorzüglichen Torhüter Steinbuchs: der einen Mei=
ſtertag
hatte. Die Begegnung in Hergershauſen hätte Reinheim
ſiegreich geſtalten können, wenn ſein Sturm weniger eigenſinnig
geſpielt hätte. Das Ergebnis entſprach dem Spielverlauf. Zwei
gleichſtarke Gegner trafen in Altheim aufeinander. Der Platz=
verein
war ſchußfreudiger und beſaß einen aufmerkſameren Tor=
wächter
. Klein=Umſtadts Sturm muß ſeine herausgearbeiteten
Torgelegenheiten auch durch einen kräftigen Wurf abſchließen.
Warum denn im Schießen ſo zaghaft? Sehr ſchön, ruhig und rit=
terlich
kämpften Langſtadt und Richen. Das Glück gab die Punkte
den Gäſten, die auch ein kleines Uebergewicht im Tormann be=
ſaßen
. Hainſtadt wehrte ſich tapfer gegen die verſtärkte Michel=
ſtädter
Zweite; es mangelte ihm aber zu ſehr am genauen Zu=
ſpiel
. Körperliche Ueberlegenheit und unruhige Spielweiſe des
Gegners verhalfen Spachbrücken zum Sieg. Groß=Umſtadt war
jederzeit Herr der Lage, bei einiger Anſtrengung hätte es noch
mehr Tore herausholen können. Steinbachs 2 gewann verdient.
Das Momarter Ergebnis ſpricht für ſich. Klingen muß ſeinen
Mund beſſer bezähmen.
Tabelle der Meiſterklaſſe nach dem 11. Oktober:

König.
Groß=Bieberau
Kirch=Brombach
Momart.
Nieder=Klingen
Erbach
Groß=Umſtadt

Spiele
K.

gew.

verl.

Tore
43:13
26:15
33:14
27:30
26:41
16:20
8:46

Pkte.

Am Sonntag, den 18. Oktober, ſpielen:
Kreisklaſſe; Klein=Wallſtadt Groß=Umſtadt um 3.30 Uhr;
Langen Groß=Zimmern um 3.30 Uhr. Meiſterklaſſe: Erbach 2.
Kirch=Brombach 1. um 3.30; Groß=Umſtadt 2. König 1. um
3.30: Groß=Bieberau 1. Nieder=Klingen 1. um 3.30 Uhr. A=
Klaſſe=Süd: Zell 1. M.=Grumbach um 3: König 2. Stein=
bach
1. um 3 Uhr. A=Klaſſe=Nord: Klein=Umſtadt 1. Gundern=
hauſen
1. um 3: Langſtadt 1. Altheim 1. um 3 Uhr. B=Klaſſe,
Gr. 1: Michelſtadt 2. Beerfelden 1. um 2: Erbach 3. Kirch=
Brombach 2. um 1.45 Uhr. Gr. 2: Groß=Zimmern 2. Klein= Zim=
mern
1. um 3.30; Groß=Bieberau 2. Spachbrücken 1. um 2 Uhr.
Gr. 3: Semd 1. Schaafheim um 3; Heubach 1. Schlierbach 1.
um 3 Uhr. C=Klaſſe: Zell 2. Steinbach 2. um 1.45: Steinbuch 2.
König 3. um 3; Altheim 2. Langſtadt 2 um 3 Uhr. Jugend:
Groß=Zimmern Reinheim um 2 Uhr. Freundſchaftsſpiel: Michel=
ſtadt
3. Böllſtein um 2; Böllſtein Momart um 2.30; Heubach 2.
Kirch=Brombach 3 um 2 Uhr.
In der Meiſterklaſſe ſetzt die Rückrunde ein. Wir erwarten
die drei Tabellenvorderſten als Sieger. Kirch=Brombach iſt dann
der Glückliche, der aus der Vorrunde die meiſten Punkte heraus=
geholt
hat. Man wird überhaupt nicht fehl gehen, wenn man
den kommenden Gaumeiſter unter den 3 Vereinen der Tabellen=
ſpitze
ſucht. Ein Blick auf das Torverhältnis legt das ganz deut=
lich
dar.

* Kreisliga Südheſſen.
Klaſſe 3, Ried Bensheim führt mit Vorſprung.

In der Klaſſe 3, Ried gab es am letzten Sonntag wieder nebe-
einem
zweiſtelligen Ergebnis in Biebesheim inſofern Ueberraſchunger
als Bobſtadt in Auerbach knapp und Zwingenberg auf eigenem Platz
gegen die Lorſcher Neſervemannſchaft glatt verlor. Die Reſultate lau
ten: Bensheim Groß=Nohrheim 3:0, Olympia Biebesheim Feh.

heim 11:0, Auerbach Bobſtadt 1:0, Hüttenfeld TV. Biebesheim 1:7 8
Zwingenberg Lorſch Reſ. 0:5. Ungefähr 1000 Zuſchauer wohnte)

dem äußerſt ſpannenden Treffen in Bensheim bei; Groß=Rohrheim hatz
auf Grund ſeiner derzeitigen Spielſtärke ſeine Anziehungskraft nich
verfehlt. Das Spiel war hart, aber nicht unfair; das Reſultat entſprich
nicht ganz dem Spielverlauf. Wohl hat Bensheim verdient gewonnen
aber der Eifer der Gäſte hätte mindeſtens das Ehrentor verdient gehab
Ueberraſchend kommt die Niederlage der Bobſtädter in Auerbach deshal)
weil man dieſe Mannſchaft zu den beſten Bewerbern um die Meiſte
ſchaft zählte. Biebesheim konnte diesmal zwei Siege buchen. Der Tur
verein ſiegte knapp in Hüttenfeld; Olympia dagegen gab für je eine
Gegner ein Tor auf die Heimreiſe mit. Zwingenberg nahm die Bege9
nung mit der Lorſcher Reſervemannſchaft nicht beſonders ernſt; derh
gemäß iſt auch der Spielausgang. Die Tabelle:

Spiele gew. un. verl. Punkte Bensheim Olympia Biebesheim. .. Auerbach Zwingenberg
. ..6 Groß=Rohrheim". .. 4 Klein=Hauſen. Bobſtadt
.. .. 3 TV. Biebesheim.. ." .. 4 Fehlheim
.. Hüttenfeld ... .." .. 6 ..
Lorſch Reſ. ..

Geſchäftliches.
Kein Verkauf des Kurhotels auf dem Petersberg.

Mit hartnäckiger Regelmäßigkeit tauchen immer wieder Ge
rüchte auf. die von einem Verkauf des bekannten Kurhotels ar)
dem Petersberg bei Königswinter am Rhein wiſſen wollen. Den
gegenüber fei feſtgeſtellt, daß der jetzige Beſitzer nicht im entferr
teſten daran denkt, das einzigartig gelegene Kurhotel dem Prl
blikum zu entziehen. Wer vom Petersberg=Hotel aus ſchon ein
mal die wundervolle Fernſicht auf den Rhein und die umliegen
den Berge genoſſen hat, wird es aufrichtig begrüßen, daß die
vorbildliche Gaſtſtätte auch weiterhin dem Fremdenverkehr erhed
ten bleibt.

Kaffee Hag höchſte Auszeichnung. Die Hygien=
Ausſtellung in Dresden, welche zwei Jahre dauerte, wurde ar

20 September geſchloſſen. Der Haffee=Handels=Aktiengeſellſcha
(Kaffee Hag) wurde für hervorragende Leiſtungen als höchſt
Auszeichnung der Ehrenpreis des Reichsminiſters de
Innern verliehen.

Hundfunk Progranme.

Frankfurt a. M.
Mittwoch, 14. Oktober.
15.15: Stunde der Jugend. Das heutige London. Iriſche Mäp=
chen
.
17.05: Nachmittagskonzert des Funkorcheſters. Mitw.: Hilde Keefev=
Bluthardt (Sopran), am Flügel: A. Haagen.
18.40: Mannheim: Dr. Menninger: Wie wir Menſchen zählen lernell
ten.
19.05: Intendant Hartung: Zum Spielplan des Landestheaters

Darmſtadt.
19.20: Intendant Klitſch: Theaterprobleme der Gegenwart mter
beſonderer Berückſichtigung der Städt. Bühne in Mamz.
19.45: Saxophon=Konzert. Franz Hauck. Am Klavier: E. J. Kahn.,
20.00: Berlin: Konzert.
22.00: Saxophon=Konzert. (Fortſetzung)
22.15: Der Mandſchurei=Konflikt. Zeitberict von Anualts.
22.55: Zeit, Wetter, Nachrichten, Sport.

Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Mittwoch, 14. Oktober.
14.45: Kindertheater: Telegraphenſtange 1003.
15.45: Frauenſtunde: Anna Drewitz: Kartoffelgerichte.
16.00: K. Hiegelke: Die pädagogiſche Pſychologie der Gegenwarr:
und ihr Schrifttum.
16.30: Hamburg: Nachmittagskonzert.
17.30: Das Quintett. Einführung: Dr. Welter. Mitw.: Kapelle
Gebrüder Steiner.
18.00: Dr. Pechel: Bleibende Werte der deutſchen Dichtung.
18.25: Prof. Dr. Saitſchick: Das Menſchenſchickſal bei Shakeſpeare.
19.00: Wetter für die Landwirtſchaft.
19.05: W. Flügel: Bolſchwismus, Faſchismus, Beamtengewerkſchaften.
19.30: Staatsſekrelär a. D. Prof. Dr. Müller: Gebundene Indu=
duſtriewirtſchaft
oder Konkurrenzwirtſchaft?
19.55: Wetter für die Landwirtſchaft.
20.00: Aus der Sing=Akademie: Pro Arte=Quartett.
20.30: Richard Tauber ſingt. Mitw.: Berliner Funkorcheſter.
Wihrend einer Pauſe: Tages= und Sportnachrichten.
22.15: Wetter= Tages= und Sportnachrichten.
anſchl. Tanzmuſik. Emdé=Tanzſport=Orcheſter.

Welterberichl.

Immer noch hat das öſtliche Hoch ſeinen Einfluß über Deutſch
land entfaltet und trotz Ausläufer der im Norden vorüberzieher
den Störung das ſchöne Wetter aufrechterhalten. Vom Atlant-
her
nähert ſich bereits wieder ein neues Hoch, welches über Ty
land kräftigen Barometeranſtieg bewirkt und das ſpäter auch be
uns wetterwirkſam werden dürfte. Allerdings dringt an der Vo
derſeite des Hochs über Schottland und England kühlere Luft vo. M
unter deren Einfluß am morgigen Tag vorübergehend Bewölkur)/Verh
auftritt und auch die Möglichkeit zu einzelnen, aber nur leichtel,
Niederſchlägen gegeben iſt.
Ausſichten für Donnerstag, den 14. Oktober: Vorübergehend b
wölkt und ſtellenweiſe etwas Regen, dann wechſelnd wolkäſ.
und wieder aufheiternd, mild.
Ausſichten für Freitag, den 15. Oktober: Nur leicht wolkig, ſon
meiſt heiteres Wetter, nachts friſch, tagsüber mild, trocken.

Hauptſchriffleitung: Rudelf Mauve
Veranwornich für Peltilk und Wirtſchaſt: Rudelf Maupe; für Feuilleton, Reich 0
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſei für Sport: Karl Bihmar-
für
den Handel: Dr. C. H. Que iſch; für den Schlußdlenſt: Andreas Bauer iR
Die Gegenwart, Tageeſplegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Neits:
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteilungen: Wiliv Kuble
Druck und Verlag: C.C. Wittich ſämtlich in Darmſtiadt.
Für mverlangte Manuſtripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernomme.

Die heutige Nummer hat 14 Seiten

Schreibmaſchine
z. miet. od z. kauf.
geſ. Näh. Geſchſt.

Suche eine guterh.
Waſchkommode mi=
Marmorpl. Ang. m.
Prs. u. T. 136 Gſch.*

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ofen
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Ang. u. T. 172 Gſch.*

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Viktoriaſtr. 26, II.

[ ][  ][ ]

Bemerkenswerte Kursſteigeruugen.
Auke Aufwärksbewegung der Efekkenkurſe in Deutſchland, im Ausland dagegen ſchwacher Börſenverkehr.
häßeres Publikumsinkereſſe. Die Akkion für die Börſenmakler. Noch keine Ausſichk auf Börſenöffnung.
bewegung der Kurſe geſtern neuerliche beträchtliche Fortſchritte. Bei der
Beurteilung der Lage ſind die innerpolitiſchen Momente tonangebend,
Berliner und Frankfurker Effekken=
wogegen
die von den Auslandsbörſen vorliegenden, meiſt ſchwächeren

Freiverkehr.

Da auch geſtern bei den Banken wieder verſchiedene Kauforders vor=
Uum, war die Stimmung im Verkehr von Büro zu Büro in Berlin
ſ h von den erſten Vormittagsſtunden an ausgeſprochen feſt. Der
uuvtgrund dieſer Bewegung war das weitere Beſtreben, in Sachwerte
Uinnzukommen, zumal noch in den letzten Tagen auf Grund der
S iſer=Amneſtie verſchiedene Geldbeträge freigeworden ſein dürften. Bei
9eweiter fehlenden Auslandsverkäufen war die Enge der Märkte noch
ſüfür in Erſcheinung. Die politiſche Unſicherheit hinſichtlich der geſtri=
ge
Reichstagseröffnung hatte keinen Einfluß auf die Tendenz, ebenſo
ſüöte wenig, daß ſeitens der Auslandsbörſen Anregungen fehlten. Die
uubraſchend gekommene Abdankung des preußiſchen Finanzminiſters
wieder Aig ſogar eher mit ein Grund für die vergrößerte Effektennachfrage.
urhotels Akü zur Wiederbeſetzung des Poſtens des Reichsfinanzminiſters wurde
vollen 9 AirMiniſter für Handel und Gewerbe, Dr. Schreiber, mit der Leitung
im en derGeſchäfte beauftragt. Während aber Aktien noch bis 1 bis 2 Pro=
ſel
dem ziu über geſtern liegenden Kurſen geſucht waren, lagen Pfandbriefe
s ſchon miu etwa behauptet und Anleihen ſogar eher ſchwächer. Aus Bank=
kliegten
erfährt man, daß die Zeichnungseingänge auf die neue ſteuer=
fſtet
Reichsbahnanleihe ganz zufriedenſtellend iſt. Es wurde geſtern
ſins der Deutſchen Reichsbahngeſellſchaft nochmals darauf hingewieſen,
yder Zweck dieſer Emiſſion der wäre, Arbeit und Brot für die
Aitsloſen zu ſchaffen. Die ſcharfen Deviſenvorſchriften in Oeſterreich
un die geſperrte Ausfuhr des Schillings hatte international zu einer
Wieſrung der Deviſe Wien geführt. Ergänzend teilt die öſterreichiſche
Matnalbank noch mit, daß unter den nach der Deviſenordnung bei ihr
anzmeldenden Auslandsguthaben nur Guthaben bei ausländiſchen Ban=
kel
, Bankfirmen und ſonſtigen Kredit=Unternehmungen zu verſtehen iſt.
Geſm wurde die Situation für die öſterreichiſche Nationalbank auch
dusalb noch günſtiger beurteilt, weil die B. J.3. nun auch den 190= Mil=
üten
=Schilling=Kredit um 3 Monate verlängert hat. In Londoner
Funzkreiſen wird erwartet, daß auch die ſüdafrikaniſche Union ge=
zlvugen
ſein wird, dem Beiſpiel von Rhodeſia zu folgen und deren
Ghlſtandard zu ſuspendieren.
Die internationalen Deviſenmärkte lagen geſtern ſehr ruhig und
riſche Nolan größere Veränderungen.
Im Berliner Geldmarkt war die Situation gegen geſtern kaum ver=
ide
Reäjüdrt. Der Tagesgeldſatz ſtellte ſich wieder auf 9 bis 11 Prozent; erſte
Finen kamen etwas darunter an; der Privatdiskont war wieder 8
zählen hAl gent. Am hieſigen Deviſenmarkt notierten Dollars und Pfunde
unurändert. Helſingfors gab um weitere 50 Pfg. nach während Am=
ndestheuſtitdum
wiederum um 25 Pfg. anzog und Stockholm und Wien je 50 Pfg.
gaye geſtrige Notiz gewinnen konnten. Die Londoner Börſe eröffnete
want nuruſſter, Amſterdam kursmäßig eher ſchwächer. Später konnte ſich jedoch
arf Läufe für Londoner Rechnung eine Erholung durchſetzen, zumal ſich
3 AMtunhr Materialmangel bemerkbar machte.
luch im weiteren Verlaufe des Tages war die Tendenz ausgeſprochen
ſes,das Geſchäft erfuhr eher noch eine weitere Belebung. Neben dem
Pürtpublikum ſoll auch das Ausland ſchon wieder als Käufer im
Ahutte geweſen ſein. Die Tagesgewinne betrugen bei manchen Papie=
er
dis zu 10 Prozent, wobei allerdings die Materialknappheit nicht
ſah einflußlos blieb. Im Grunde genommen iſt der Markt nämlich
dachrecht irregulär und würde bei einem freien Handel in den Börſen=
ränen
ſicherlich ein anderes Bild bieten. Dies iſt auch der Grund,
wrtſtlb ſeitens der Makler eine ſofortige Einberufung
Gegmd /Börſenvorſtandes gefordert wird, zumal unter den
jesitn Verhältniſſen das ganze Geſchäft den wenigen Telephonmaklern
zurme kommt. Die Zehnerkommiſſion des Börſenvorſtandes wird ſich
Kutdaus wahrſcheinlich ſchon heute mit dem Antrag der Maklergemeinſchaft,
di Körſenräume für einen freien Verkehr in allernächſter Zeit wieder zu
htung, öffm, beſchäftigen. Die Ausſichtaufeinen amtlichen Bör=
ſei
derkehr bleibt aber weiter ſehr gering. Von der
Liyndationskaſſe wurden geſtern die Quoten für die Medioliquidation
werſſaufckwbender Terminengagements feſtgeſtellt. Entgegen dem bisherigen
den MGübnuch hat man auch von einer Veröffentlichung dieſer Quoten ab=
gaieken
. Bei unveränderten Sätzen machte ſich am Geldmarkt eher eine
Eätannung bemerkbar, da die Steuerzahlungen nunmehr erledigt ſind.
Alcam Privatdiskontmarkt hat das Angebot weiter nachgelaſſen. Das
cheſtel PSeißiſche Handelsminiſterium teilt jetzt offiziell mit, daß die Reichs=
rchirung
und die Preußiſche Staatsregierung je 50 000 Mark für bedürf=
tiue
Börſenmakler zur Verfügung geſtellt haben. Gleichzeitig wird be=
kann
, daß für dieſe Kreiſe bei der Zahlung der Hauszinsſteuer während
dar ſörſenloſen Zeit größtmöglichſte Erleichterungen bewilligt ſeien.

ſachdem im Nachmittagsverkehr am Montag in Frankfurt bereits
weaite Kursſteigerungen zu verzeichnen waren, machte die Aufwärts=

Wirkſchaftliche Rundſchau.

Bieder Pfund=Berechnung in der Uhreninduſtrie. In einer Tagung
ee des derbandes Schwarzwälder Uhreninduſtrieller, der auch ein Vertreter
nur ſeüdes agliſchen Uhrengroſſiſten und =händler beiwohnte, wurde beſchloſſen,
dis trzlich eingeführte Berechnung in Goldmark wieder fallen zu laſſen
geheſ unnd vieder zur Pfundberechnung zurückzukehren. Für ſchwebende Auf=
ſelnd
gtrigl ſoll ein Aufgeld gewährt werden, dergeſtalt, daß beide Teile an
der Entwertungsverluſt partizipieren. Für neue Aufträge kommt die
(5g, /A.-8 eichsquote gleichfalls in Betracht.
d. tuß zuſammenarbeit zwiſchen Waldbeſitz und Holzwirtſchaft. Bekannt=
ligd turden zwiſchen Vertretern des Waldbeſitzes und des Nordweſtdeut=
ſc/Vereins
für Holzhandel und Holzinduſtrie e. V., Kaſſel, Verhand=
lumon
über die Erhöhung des Rundholzeinſchlages, der Preisbildung
und onſtiger den Rundholzeinkauf betr. Fragen für das Holzeinſchlags=
Zu/ ja1/41931 /32 geführt. Wie nunmehr bekannt wird, iſt in dieſen Ver=
neuf
harungen eine enge Zuſammenarbeit im Sinne des Herbſt=Erlaſſes des
udſe prn ſiſchen Landwirtſchaftsminiſters erzielt worden. Ferner wurden
dic greisrichtlinien des Nordweſtdeutſchen Vereins für Rotbuchenſtamm=
ſGrwue
har z veſprochen und auch in dieſer Frage Uebereinſtimmung erzielt.
ur Zahlungseinſtellung Otto Kühn. Fabrik für Kraftfahrzeuge und
Arſtmobilgroßhandlung, Halle (Saale). Der Gläubigerausſchuß der mit
4,5 Nill. Paſſiven in Zahlungsſchwierigkeiten geratenen Fa. Otto Kühn,
Faſcrk für Kraftfahrzeuge und Automobilgroßhandlung, Halle (Saale)
he ſeiner Sitzung am 10. Oktober 1931 beſchloſſen, alles zu verſuchen,
um us Unternehmen, das auch für die Stadt Halle von Bedeutung iſt,
Mi0 dur k einen Liquidationsvergleich aufrecht zu erhalten und die Verſchleu=
der
ug von Vermögenswerten ſoweit wie möglich zu verhindern. Zur
90 PShung der Möglichkeiten für eine Aufrechterhaltung des Unterneh=
9 man und zur Durchführung der erforderlichen Maßnahmen wurde ein
htsausſchuß beſtellt, beſtehend aus den Herren: Kommerzienrat
ſüg=Berlin (Vorſ.), Dipl.=Ing. Hanfland=Wiesbaden, Kaufmann
Geuchel=Kaſſel. Am Freitag, den 23. Oktober 1931, findet die nächſte
Göwigerverſammlung ſtatt.
flektrizitäts A.=G. vorm. W. Lahmeyer u. Co., Frankfurt a. M. Die
mſinglich ſchon für Ende September vorgeſehene Bilanzſitzung über
da Zeſchäftsjahr 1930/31 (30. Juni) wurde, nach Informationen des
So jetzt auf die letzte Hälſte des November vertagt, und zwar mit
Rkächt auf die allgemeine unſichere Lage. Die Dividendenfeſtſetzung
hian heute nicht nur vom tatſächlichen Geſchäftsergebnis ab, ſondern
daas müſſe die allgemeine Entwicklung beſonders berückſichtigt werden.
Fälie Lahmever A.=G. beſtünde an ſich durchaus die Möglichkeit eines
un ntänderten Dividendenvorſchlages (die letzten zwei Jahre je 12 Pro=
zeku
zumal die liquiden Mittel dazu vorhanden ſind. Die Beteiligun=
gemf
rachten bekanntlich durchweg dieſelben Dividenden. Der Ausfall
dchtendzuſtriellen Abnehmer im Strombezug machte ſich zwar bemerkbar,
W wen aber in der Hauptſache erſt das Ergebnis des nächſten Jahres be=
eihzui
ſſen. Unter dieſen Umſtänden wird der endgültige Dividenden=
Bu lag für 1930/31 erſt der Bilanzſitzung vorbehslten bleiben. Faktiſch
köme ein unveränderter Vorſchlag erfolgen, ob er aus vorſorglicher
ſinzpolitik und aus ſonſtigen Gründen taltiſch gemacht wird, bleibt
Deulächſten Entwicklung Überlaſſen=

Meldungen die Tendenzgeſtaltung kaum beeinflußten. Es gewinnt die
Meinung immer mehr an Boden, daß es in Anbetracht der gegenwär=
tigen
Verhältniſſe am zweckmäßigſten ſei, hochwertige Aktien anzukaufen.
Neben Käufen für Berliner Rechnung wurden auch Aufträge des
Publikums aus Süddeutſchland ausgeführt. Infolgedeſſen erreichte die
Umſatztätigkeit, gemeſſen an dem Geſchäft der vorangegangenen Tage,
eine immerhin bemerkenswerte Lebhaftigkeit. Angebot liegt ſo gut wie
nicht vor, da ſich die Abgeber äußerſt reſerviert verhalten; nur verein=
zelt
werden kleinere Vertäufe vorgenommen. Gegenüber geſtern waren
bei ſchweren Werten Kursavancen um bis zu 10 Prozent, bei mittleren
Papieren 56prozentige Kursſteigerungen zu beobachten.
Der Anleihen= und Pfandbriefmarkt bleibt weiter vernachläſſigt; die
Tendenz neigt hierfür anhaltend eher zur Schwäche.
Die Auslandsbörſen.
Die Londoner Börſe eröffnete geſtern ſehr ruhig, es machte
ſich ſtärkere Unſicherheit bemerkbar.
An der Londoner Börſe herrſchte unter dem Eindruck der Tatſache,
daß eine Reihe weiterer Länder den Goldſtandard aufgegeben hat, eine
etwas gedämpftere Stimmung, denn mit jedem neuen Lande, das ſich
vom Gold loslöſt, verringern ſich natürlich Englands Chancen auf eine
Erweiterung ſeines Exportes durch Valuta=Dumping. Es galt als feſt=
ſtehend
, daß die beiden Rhodeſia dem Beiſpiel Englands folgen würden.
Daß der Schritt nicht eher gewagt wurde, erklärt ſich daraus, daß Süd=
Rhodeſia eine ſich ſelbſt regierende Kolonie iſt. In dieſem Zuſammen=
hang
iſt es intereſſant, daß eine weitere Million Gold nach London ver=
ſandt
wurde, die dort am 26, ds. Mts. eintrifft. Wenn es trotz allem an
der Börſe zu keinen bedeutenden Kursabſchwächungen kam, ſo liegt das
lediglich an der feſten Erwartung von Schutzöllen. Ferner iſt bemer=
kenswert
, daß ſich für Termindollar im Vergleich zum Pfund ein
Disagio herauszubilden ſcheint. Man hält die ſtarke Verkaufsneigung
für den Dollar an einigen Plätzen für nicht gerechtfertigt und verweiſt
darauf, daß nur in den beſchränkten Goldverſchiffungsmöglichkeiten von
New York ein Grund für die Abſchwächung gegeben iſt.
Die Ausführungen von Burgeß in Baſel, daß die amerikaniſchen
Goldbeſtände ſelbſt dann nicht ſtärker erſchöpft werden würden, wenn
der letzte Dollar in Beſitz europäiſcher Kapitaliſten verkauft würde, fin=
det
in London allgemein Zuſtimmung.
Zum Schluſſe der Londoner Börſe konnte ſich bei weiterer unſicherer
Stimmung eine leichte Erholung durchſetzen. Die Amſterdamer Börſe
blieb bis zum Schluß ruhig bei geringſten Veränderungen.
An der Brüſſeler Börſe konnte nach ſchwächerem Beginn ſich ſpäter
eine Befeſtigung durchſetzen.
Die internationalen Deviſenmärkte lagen geſtern ebenfalls ſehr
ruhig, das engliſche Pfund iſt mit 3,873,75 gegen den Dollar vollkom=
men
unverändert. In Amſterdam war die Neichsmark auf die Unklar=
heit
bezüglich des genauen Textes der Schachtrede wieder ſchwächer, wäh=
rend
ſich der Dollar gut behauptete. Die Erklärungen Burges in Baſel
übten keinen Einfluß aus. Der franzöſiſche Franken war angeboten.
Die Pariſer Börſe war geſtern befriedigend. Faſt alle Werte ver=
zeichneten
Kursgewinne, die an und für ſich nicht ſehr bedeutend waren,
aber in der heutigen Kriſenzeit immerhin mit großer Genugtuung auf=
genommen
wurden. Man erwartet hier beſonders im Falle eines Sie=
ges
des Reichskanzlers Brüning über die nationale Oppoſition eine wei=
tere
Beſſerung der Börſe und legte bereits heute einen gewiſſen Opti=
mismus
an den Tag. Das engliſche Pfund blieb unverändert auf 98½.
Berliner Deviſen=Feſtſekung vom 13. 9kkober.

Helſingfors
Wien
Prag
Budapeſt
Sofia

Holland
Oslo
Kopenhagen
Stockholm
London
Buenos. Aires
New York
Belgien
Italien
Paris
Schweiz

Geld Brief Geld Brief 8.49 8.51 Spanien 37.86 37.94 54.95 55.05 Danzig 82.27 82.43 12.467 12.487 Japan 2.078 3 082 73.28 73.49 Rio de Jan. 0.219 6.221 3.072 3.078 Jugoſlawien 7.473 7.487 170.58 170.92 Portugal. 14.84 14.86 92,91 93,09 Athen 5.195 5.205 93.16 93.34 Iſtambul 97.90 98.10 Kairo 16.70 16.74 16.30 16.34 Kanada 3.766 3.774 0.913 0.917 Uruguay 1.399 1.401 4.209 4.217 Island 73.43 73.57 59.,04 59.16 Tallinn 112,09 112.31 21.,63 21.67 Riga 8t.32 81.48 16.67 16.71 Bukareſt 2557 2.563 82.52 82.68 Kaunas 42.26 42.34

Fälligkeitsklage gegen die Stadt Frankfurt mit Rückſicht auf die Um=
ſchuldung
vertagt. Von der 4. Zivilkammer des Landgerichts Frank=
furt
a. M. wurde am Dienstag mit Rückſicht auf die bevorſtehende Um=
ſchuldungsaktion
für die Länder und Gemeinden, es ſoll ſchon in dieſen
Tagen eine vorläufige Umſchuldungsſtelle geſchaffen werden, ein be=
merkenswertes
Urteil gefällt. Eine ſüddeutſche Bankfirma hatte der
Stadt Frankfurt am 1. April 300 000 RM. Darlehen, rückzahlbar zum
1. Oktober 1931, gegeben. Zurückgezahlt wurde es nicht. Auf die Klage
der Bank kam die Zivilkammer zu dem Urteil einer Vertagung mit der
Begründung, daß nach 8 227 3.P.O. das Gericht auch von Amts wegen
aus erheblichen Gründen einen Termin aufheben könne. Ein ſolcher
Grund liege inſofern vor, als demnächſt die Ausführungsbeſtimmungen
zur Umſchuldungsverordnung erwartet werden, wodurch ein einzelner
Gläubiger durch ſein Vorgehen keinen Vorſprung gegenüber den anderen
erzielen könne. Die Verhandlung wurde auf den 10. November vertagt,
Helvetia Konſervenfabrik Groß=Gerau A.=G., Groß=Gerau. In
der auf den 30. Oktober nach Worms einberufenen Generalvevſammlung
der Helvetia Konſervenfarik Groß=Gerau A=G ſoll neben der Erledi=
gung
der Regularien per 30 April 1931 zunächſt Anzeige des Vorſtandes
gemäß 8 240 HGB. gemacht werden. Ferner ſoll über die Herebſetzung
des Grundkapitals von 2 Mill. RM. um 1,98 Mill. RM. durch Zuſam=
menlegung
der Aktien von 100:1, die Wiedererhöhung um 1,48 Mill.
RM. auf 1,5 Mill. RM. durch Ausgabe von Inhaberſtammaktien mit
Dividendenberechtigung ab 1. Mai 1931 unter Ausſchluß des geſetzlichen
Bezugsrechts der Aktionäre ſowie Satzungsänderungen insbeſondere auch
bezüglich der Zahl der Aufſichtsrats=Mitglieder Beſchluß gefaßt werden.
Die neue Verwaltung der Dyckerhoff=Wicking A.=G. Mainz. Nach
der letzten Wicking=Generalverſammlung hatte nach Informationen am
Dienstag die Geſellſchafter=Verſammlung von Dyckerhoff noch die Fuſion
mit Wicking zu genehmigen. Der Aufſichtsrat tritt zu ſeiner konſti=
tuierenden
Verſammlung am Mittwoch zuſammen. Wie wir erfahren,
iſt ein vierköpfiger Vorſtand in Ausſicht genommen, beſtehend aus den
Herren Pleines, von Engelberg. Dr. Walter Dyckerhoff (alle Dyckerhoff=
Gruppe) und Linnemann von Wicking. Den Aufſichtsrat bilden: Kom=
merzienrat
Karl Dyckerhoff als Vorſitzender, ferner Otto Dyckerhoff,
Alfred Dyckerhoff, Dr. Auguſt Dyckerhoff Dr. Wilhelm Dyckerhoff, Dr.
Eduard Dyckerhoff, Dr. Fritz von Engelberg (Dyckerhoff=Gruppe), Fritz
Oeſterlin, Dr. Karl Schwenk=Ulm. Geheimrat Bürgers ferner Dr. Jakob
Goldſchmidt von der DD=Bank, Dr. Mosler DD=Bank, Dr. Spiegelberg,
Carſtanjen und Bandel (Bermer Bankverein). Der Sitz der Geſellſchaft
bleibt in Mainz, das bisher ſchon der juriſtiſche Geſellſchaftsſitz (Mainz=
Amöneburg) der Dyckerhoff u. Söhne G. m. b. H. iſt. Der bisherige
Generaldirektor ten Hompel von Wicking wird alſo ſchon mit Rückſicht auf
die Wicking=Aktionäre der neuen Verwaltung nicht mehr angehören.

Diehmärkke.

* Mainzer Viehhof=Marktbericht. Amtliche Notierung vom 12./13.
Oktober. Auftrieb: 38 Ochſen, 13 Bullen, 493 Kühe oder Färſen, 260
Kälber, 850 Schweine Marktverlauf: In allen Viehgattungen ruhig.
bei Schweinen und Kälbern geräumt. bei Großvieh Ueberſtand. Preis
pro 50 Kilo Lebendgewicht in RM.; Ochſen a) 3739 b) 2628; Bullen
C) 2528; Kühe a) 2730, b) 2123, c) 1719: Färſen a) 36d0sl Käl=
Ber e)8846, 0)8237; Schweine c) 5658, d) 5255,

Die Einlagen bei den deuiſchen Sparkaſſen im Auguft
Der Rückgang des Einlagenbeſtandes der deutſchen Sparkaſſen
hat ſich im Auguſt 1931 fortgeſetzt. Die Einlagen verminderten
ſich in dieſem Monat um 332,6 Mill. RM. auf 11 751,5 Mill. RM.;
von dem Rückgang entfielen 300,8 Mill. RM. auf Spareinlagen
und 31,8 Mill. RM. auf Depoſiten=, Giro= und Kontokorrentein=
lagen
. Seit Beginn der akuten Kreditkriſe im Juni 1931 haben
die Einlagen der Sparkaſſen ſomit um 874,4 Mill. RM. abge=
nommen
, davon die Spareinlagen um 720 Mill. RM. und die
Depoſiten= Giro= und Kontokorrenteinlagen um 154,4 Mill. RM.
Unter Einbeziehung der Einlagen bei den Kommunalbanken und
ſächſiſchen Girokaſſen betrug der Einlagenverluſt der deutſchen
Sparkaſſenorganiſationen (ohne Girozentralen) im Auguſt 351,4
Mill. RM., ſeit Ende Mai 944,5 Mill. RM. oder 7.2 v. H. des
Ende Mai 1931 vorhandenen Einlagenbeſtandes.
Melallnokierungen.
Die Berliner Metallnotierungen vom 13. Oktober ſtellten ſich
für je 100 Kilogr. für Elektrolytkupfer, prompt eif Hamburg.
Bremen oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die
deutſche Elektrolytkupfernotiz) auf 70.00 Reichsmark. Die
Notierungen der Kommiſſion des Berliner Metallbörſenvorſtands
(die Preiſe verſiehen ſich ab Lager in Deutſchland, für prompte
Lieferung und Bezahlung) ſtellten ſich für Originalhüttenalumi=
nium
98= bis 99proz, in Blöcken Walz= oder Drahtbarren auf
170 RM. desgl. in Walz= oder Drahtbarren 99proz. 174 RM..
Reinnickel, 98= bis 99proz. 350 RM., Antimon Regulus 4858
RM. Feinſilber (1 Kilogr. fein) 42.5045 50 RM.
Die Berliner Metalltermine vom 13. Oktober ſtellten ſich für
Kupfer: Okt. 63.50 (64.25) Nov 63.50 (64) Dez 63.25 (63.75),
Jan. 63.50 (64.75), Febr. 63.50 (65) März 64 (66) April 64.50
(66), Mai 65.75 (66.75), Juni 66.25 (67 75) Juli 66 (67.75),
Auguſt 66.50 (68), Sept. 66.50 (68.25) Tendenz: feſt. Für
Blei: Okt. 23 (23.75) Nov 22,50 (24.50), Dez 23 (25). Jan.
und Febr. 23,25 (25), März 24 (25), April und Mai 24 (25.50),
Juni bis Sept. 24 (26). Tendenz: ſtill. Für Zink: Okt. 23.50
(24.25) Nov 23.75 (24.25) Dez 24 (24.25), Jan. 24.25 (25),
Febr. 24.50 (25 25) März 25.25 (25 25), April 25.25 (25.75). Mai
25.50 (25.75) Juni 25.75 (26.25), Juli 26 (26.50) Auguſt 26.25
(27) Sept. 26,75 (27 25). Tendenz: befeſtigt. Die erſten Zah=
len
bedeuten Geld, die in Klammern Brief.
Produkkenberichke.
Berliner Produktenbericht vom 13. Oktober. Nach der geſtrigen Ner=
poſität
machte ſich im Produktenverkehr heute eine Beruhigung veltend,
obwohl naturgemäß eine gewiſſe Unſicherheit angeſichts des Wieder=
zuſammentritts
des Reichstages unverkennbar blieb. Am handelsrecht=
lichen
Lieferungsmarkte, der geſtern im Mittelpunkt des Intereſſes ge=
ſtanden
hatte, ſetzte Weizen 1,50 bis 2 Mark niedriger ein, und auch für
Roggen, für den geſtern am Schluſſe mangels Angebotes keine Notie=
rungen
zuſtandegekommen waren, lagen die Preiſe nicht erheblich über
dem Samstagsniveau. Das Angebot von prompter Ware hat ſich zwar
nicht verſtärkt und die Forderungen waren gegen geſtern noch etwas
erhöht, andererſeits bekunden die Mühlen infolge des ſchleppenden Mehl=
abſatzes
nur vorſichtige Kaufluſt, und die abgegebenen Gebote liegen
etwa auf geſtrigem Niveau. Die Umſatztätigkeit bleibt ziemlich gering,
da die Preisſpanne zwiſchen Forderungen und Geboten ſchwer zu über=
brücken
iſt. Der Abſatz von Weizen= und Roggenmehl hat keine Be=
lebung
erfahren; es wird weiter nur der Tagesbedarf gedeckt. Hafer
liegt bei mäßigem Angebot und einiger Nachfrage für gute Qualitäten
ſtetig. Daes Angebot von Gerſte hat ſich etwas verringert, ohne daß da=
durch
aber das Preisniveau beeinflußt wird. Weizen und Exportſcheine
lagen ruhiger.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 13. Okt.;
Getreide. Weizen: Dez. 50.25, März 53, Mai 54½8, Juli 55½;
Mais: Dez. 34,75. März 36½ Mai 39, Juli 40.25; Hafer: Dez.
22.25, Mai 2438 Juli 24.25; Roggen: Dez. 38½, Mai 41.25.
Schmalz: Okt. 7.37½, Dez. 6.35, Jan. 6.20.
Speck, loko 7.62½.
Schweine: leichte 5.005.30, ſchwere 5.155.60; Schweine=
zufuhren
: Chicago 19 000, im Weſten 69 000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 13. Okt.:
Schmalz: Prima Weſtern 8.30; Talg, extra, loſe 278.
Getreide. Weizen: Rotwinter 63½, Hartwinter 63½; Mais,
loko New York 50.75; Mehl, ſpring wheat clears 4.004.25;
Fracht: nach England 1,62,3 Schilling, nach dem Kontinent
88.50 Cents.
Kakao. Tendenz: ſtetig; Umſätze: 109; Lokonotiz: 49; Okt.
4.59, Dez. 4.76. Jan. 4.83, März 4.98, Mai 5.12, Juli 5.33,
Sept. 5.50.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die Reichsbank gibt gemäß § 2 der Verordnung zur Durch=
führung
des Geſetzes über wertbeſtändige Hypotheken vom 29.
Juni 1923 bekannt, daß der Londoner Goldpreis ab heute für
eine Unze Feingold 106 sh 9 d, für ein Gramm Feingold demnach
41.1851 Pence beträgt.
Bei den Linke=Hoffmann=Buſch=Werken in Breslau ſind etwa
1800 Arbeiter in einen Proteſtſtreik gegen die beabſichtigte teil=
weiſe
Herabſetzung der Akkordüberverdienſte bzw. der Leiſtungs=
zulagen
getreten.
Die Lack= und Farbwerke Stern A.=G., Fulda, ſchließt das
Geſchäftsjahr 1930 mit einem Verluſt von 22 771 RM. ab die Un=
koſten
beliefen ſich einſchl. Abſchreibungen auf 208 599 RM. denen
194 337 RM. Warenbruttoeinnahmen gegenüberſtanden. In der
Bilanz erſcheinen Waren mit 198 952 RM. Debitoren mit 131 197
RM. und Kreditoren mit 154 887 RM.
Im Konkurſe der Hanſabank G. m. b. H. Hanau, ſoll eine
weitere Abſchlagszahlung von 8 Prozent verteilt werden. Verfüg=
bar
ſind 16 000 RM. Zu berückſichtigen ſind Forderungen in Höhe
von 186 417 RM. Das Konkursverfahren iſt ſeit dem 29. Januar
1927 in Gang.
Eines der größten Mannheimer Hotels, das Parkhotel, hat
die Zahlungen eingeſtellt und ſtrebt einen gerichtlichen Vergleich
an. Mit der Aufſtellung des Status iſt man beſchäftigt. Auf den
18. Oktober iſt eine Gläubigerverſammlung in der Handelskam=
mer
Mannheim einberufen worden.
Das Bankgeſchäft Georg Bueckner in Fürth i. B. hat die Zah=
lungen
eingeſtellt.
Die Rheiniſche Metallmöbelfabrik Ernſt Zilles und die Bau=
ſchloſſerei
Gebr. Zilles in Worms haben die Zahlungen eingeſtellt
und das gerichtliche Vergleichsverfahren angemeldet.
Die zweite Tabakverkaufsſitzung des Landesverbands baye=
riſcher
Tabakbauvereine findet am 16. Oktober in Speyer ſtatt.
Zum Angebot kommen 15 000 Ztr. Sandblatt und Mittelgut,
vornehmlich aus dem Schneidegut. Aus dem Zigarrenautgebiet
kommen 3500 Ztr. Sandblatt und 100 Ztr. anerkanntes Mittelgut
zur Einſchreibung. An der Einſchreibung beteiligen ſich rund 100
dem Verband angeſchloſſene Tabakbauvereine.
In der geſtrigen Verſammlung der Obligationäre der Hol=
land
=Amerika=Linie wurde an dem Beſchluß der Direktion, die am
1. November fälligen Zinſen ein halbes Jahr ſpäter zu zahlen,
heftige Kritik geübt, ebenfalls an der Geſchäftsführung der Di=
rektion
. Es wurde ein Ausſchuß zum Schutze der Obligationäre
gegründet.
Der Goldzuſtrom nach Frankreich hält weiterhin an. Geſtern
und am Mittwoch werden an Bord der Bremen und der Pa=
ris
12 Millionen Dollar in Goldbarren aus New York erwartet,
die für Rechnung des Bankhauſes Lazard Freres verſchifft wurden.
Der ſüdafrikaniſche Innenminiſter erklärte, eine endgültige
Entſcheidung über die Haltung der Südafrikaniſchen Union in der
Goldfrage könne erſt nach Ablauf der engliſchen Wahlen getroffen
werden. Es beſtehe jedoch in Regierungskreiſen weyja Neigung,
die Goldwährung aufzugeben.

[ ][  ][ ]

Seite 12

Mittwoch, den 14. Oktober 1931

Otaot. Alddeane I. Zuhtalft

Darmſtadt
Abteilung: Schule für Körperbildung und
Bewegungslehre.
Syſtem: Dr. R. Bode
Leitung: Gretel Pfuhl
Aufführung
Gretel Pfuhl und Schülerinnen
Sonntag, 18. Oktober 1931, vormittags
11.30 Uhr im Kleinen Haus des Heſſ.
Landestheaters. Vertauf im Sekretariat
der Städt. Akademie, Eliſabethenſtr. 36,
Fernſprecher: 3500, Preiſe Mk. 1. u. 2.
Schülerkarten Mk. 0.75.
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Nur noch heute u. morgen Nur noch heute u. morgen / Nur noch heute u. morgen

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in ihrem neuesten dramatisch. Tonfilm

24stunden ausdem

Ein gr. Stummfilm-Doppelprogramm.
FRED THOMSON
der beliebte Cowboy-Darsteller mit
seinem Schimmelhengst Silver
Hing in dem Sensationsfilm:

Leben einer Frau

Maskierte

Ein kurzer Traum von Liebe u. Glück
nach der Novelle v. Stefan Zweig.
In weiteren Rollen: Walter Rilla,
Margo Lion, Friedr. Kayssler.
En Film, der ein Stück Lebensge-
schichte
schildert und einer Frau
zum unvergeßlichen Erlebnis wurde.
Hierzu das gute Beiprogramm und
die neueste Fox-Tonwoche.

Banditen

Ein Film voll spannender Ereignisse,
kühner Ueberfälle u. heftiger Kämpfe.

Im II. Teil
Das interessante Filmwerk:

Der Mann an der Strippe

Regie: William Wellmann

Begivn: 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr.

Beginn: 3.30, 5.45 und 8.15 Uhr

Speisehaus
E. Fauldrath / 14.
Okt.
Ludwigspl. 2

GRACE MOORE

Abendessen

Schnitzel garnicn
oder
Schneckennudeln
Kompott
Deſſert
von 0.30 7

der Star der Metropolitan-Oper
New-Tork in dem Tonfilm:

Henng Lind

Die schwedische Nachtigall
Regie: Sidney Franklin.
Tenny Lind ist heute noch als
schwedische Nachtigall in der Erinne-
rung
von Millionen. Ihr Leben, ganz
ihrem Beruf geweiht, ersteht in diesem
Film neu in seiner tragischen Größe.
Dazu das (F.14731
reichhaltige Beiprogramm.
Jugendliche haben Zutritt.

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Mittwoch
14. Oktober 1931

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hund
, 1 Baſtardhund, 1 graue Schäfer=
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Wir machen wiederholt darauf auf=
merkſam
, daß auch noch Fundgegenſtände
vorhanden ſind, die in früheren Bekannt=
machungen
verzeichnet waren. Intereſſen
ten lönnen die Fundgegenſtände während
der Büroſtunden auf dem Fundbüro des
Heſſ. Polizeiamts, Hügelſtr., Zimmer 11,
beſichtigen.

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Bekanntmachung.

In dem Zwangsverſteigerungsvd
fahren Karl Weitzel Eheleute
Darmſtadt (K. 57/31) fällt der Term
vom 15. Oktober 1931 aus. (147
Darmſtadt, den 13. Oktober 1931:
Heſſ. Amtsgericht I.

Verſteigerungs=-Anzeig

Am Donnerstag, den 15. Oktob/
1931, nachmittags 3 Uhr, verſteig
ich in meinem Verſteigerungslo
Luiſenſtraße 32 zwangsweiſe mei
bietend gegen Barzahlung: (147)
1 Schreibmaſchine, 1 Nähmaſchine,
Teppich, 2 Sprechapparate, 1 Laru
1 Staubſauger, 20 Puppenköpfe,
Büſte, 12 Doſen Puder, 10 Kriſtcl
zerſtäuber, 20 Weihnachtspackung9
28 Flaſchen Parfüm, 19 Flaſchd B2
verſch. Weine, 1 Packung Brezeln, a6
Motorrad, 1 Lautſprecher, 1 Trar/0i0
portrollwagen, ſowie Möbel aller AN6
Anſchließend an Ort und Stelle:
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kommode, 1 Bücherſchrank, 1 Horg,
wagen, 1 Flurgarderobe.
IRi8
Darmſtadt, den 13. Oktober 1931.
g

Darmſtadt
Stellv. des Gerichtsvollziehers
Weinheimer in Darmſtadt.

Gewinnliſte
des Frauenvereins der Pekrusgemeinde.

Bui

7 8 10 11 15 20 27 30 32 45 62 68 69 81 89 91 100
11 15 19 21 34 51 58 62 73 75 76 77 86 96 99 202 4
14 15 20 22 25 26 27 30 32 34 52 53 59 63 71 74
81 83 85 93 306 7 8 9 17 20 22 23 25 27 30 34 40
62 67 70 72 73 77 78 82 91 401 3 11 15 19 35 38 39
51 56 61 75 76 78 81 85 88 89 90 98 507 9 11 16 19
24 28 31 35 37 44 51 54 64 66 69 71 73 75 76 78 79.
93 97 603 12 13 16 21 33 54 67 68 87 89 90 96 98
6 7 11 26 31 34 37 54 70 72 77 78 94 97 800 4 17
37 41 48 59 61 62 72 85 98 907 14 16 20 24 28 30 33
47 55 56 65 79 83 86 92 1003 8 14 29 34 46 59 67 70
76 81 85 86 92 1102 4 8 14 15 20 28 37 39 44 51 66
78 86 1204 12 14 25 28 29 34 36 40 42 45 55 58 61 64
71 73 75 84 90 94 1305 12 14 16 20 24 28 31 36 40 50
56 59 64 73 75 78 86 1400 1 10 28 30 33 44 58 65
1506 8 13 31 34 46 48 51 53 79 80 95 1601 9 21 47 51
78 81 86 89 92 1739 44 63 76 80 81 88 95 1800 3 46
32 44 61 68 72 86 88 89 1912 23 24 30 38 39 40 49
62 67 69 70 79 81 82 90 98 2004 25 28 38 41 48 56
66 61 67 75 80 82 97 2101 7 8 12 14 16 19 23 26 34
53 57 73 78 83 88 99 2205 6 18 21 30 32 41 44 51 54
62 83 89 92 96 97 99 2303 8 15 25 33 37 42 44 46 53
64 66 76 77 87 2404 5 11 13 18 19 20 28 33 37 56 58
86 87 93 97 2531 32 40 42 46 47 61 62 64 73 80 84
86 87 90 2605 10 15 17 18 20 44 60 75 95 98 2703 4
30 34 49 50 53 73 76 78 89 93 97 99 2802 8 13 17 20
25 26 30 36 38 44 49 51 56 57 61 65 73 75 77 79 89 91
94 98 2903 10 11 16 20 25 41 56 60 64 85 3000.
Die Gewinne können Donnerstag, den 15., und Freitol
ca. 3300 qm i. ſchön. den 16. Oktober, vormittags von 9½12½ Uhr und nacd
freier Lage nahe a. mittags von 35½ Uhr, im Gemeindehaus der Petruu
Wald billigſt z. ver= gemeinde, Eichwieſenſtraße 8, in Empfang genommen we
den. Die an dieſen beiden Tagen nicht abgeholten Gewin!
444
Darmſtädterſtn 47, fallen dem Frquenverein zu.

[ ][  ][ ]

Dagteelalatoaaft

Mittwoch, den 14. Oktober 1931

Seite 13

Copyright Berlin=Schöneberg 1931 by Delta=Verlag Kurt Ehrlich.

Roman von
iktardrensen
Nachdruck verboten.

Ach, einen Privatdetektiv? Wunderbar!
.. .. und das iſt mir dann berichtet worden. Mein Ver=
Aauensmann hat ſich aus Gewiſſenhaftigkeit die Mühe genom=
ſng
, dem betreffenden Herrn, mit dem du die Zuſammenkunft
bteſt zu folgen. Aber wozu das alles. Es iſt erledigt!
Nein, bitte, ich möchte hören, was das Ergebnis dieſer inter=
ſgnten
Recherche geweſen iſt.
Mein Gott, es iſt kein großartiges Reſultat. Er folgte ihm
ſtellte feſt, daß dieſer Herr nach Dahlem fuhr, dort ſtieg er
ging ein Stück zu Fuß, und in einer dunklen Seitenſtraße
b er plötzlich verſchwunden, wie vom Erdboden verſchluckt.
nöißchen komiſch, nicht? Wahrſcheinlich hatte er Gründe, zu ver=
ſchinden
, denke ich.
Denkſt du? Und ich denke, daß wir miteinander fertig ſind.
ga hatte ſich erhoben. Sie ſtreifte den Ring vom Finger und
ſorf ihn dem vollkommen überraſchten und faſſungsloſen Wall=
ig
in den Schoß. Sie ſprach ganz ruhig, als gelte es, eine längſt
ghloſſene Sache zu ſagen: Ich halte nämlich das, was du da
ſiternommen haſt. für eine ausgemachte Lumperei. Deine Be=
ſnniſſe
um mich kannſt du dir ſchenken. Ich ſorge für mich ſchon
falin. Ich wünſche Ihnen guten Abend, meine Herren.
Tilla war bereits an der Tür, als die übrigen auf den Vor=

ag aufmerkſam wurden, ohne ſich den Zwiſchenfall erklären zu

löinen. Hanſemann rief Tilla nach: Was iſt denn los? Wollen
9 denn gehen?"
Aber ſie war ſchon fort, und nun wurde auch Wallraf leben=
zu
. Mit erhobenen Armen in der Luft fuchtelnd, rannte er aus
m Zimmer. Ohne Hut und Rock lief er auf die Straße und
gie: Tilla, ſo höre doch! Tilla, höre doch!
Dieſe Worte wiederholte er wie verzweifelte Hilferufe, gleich=
ytig
dagegen, daß ſich ſpäte Paſſanten anzuſammeln begannen,
u das ſonderbare Schauſpiel, halb beluſtigt, halb beunruhigt,
ſpiolgten. Er lief aufs Geratewohl los, blieb endlich ſtehen.
Hral
iette wieder um, rannte in entgegengeſetzter Richtung, um auch
ſn dort zurückzukommen. Zuletzt harrte er wie verſteinert vor
berla ir Eingang des Lokals und wankte ſchließlich hinein zu den
be3 cteren, die ihn verlegen empfingen. Niemand wagte, eine
ſährge zu ſtellen.
Wallraf fuhr ſich mit der Hand über die Augen, es war, als
nache er aus einem Traum. Allmählich ermannte er ſich not=
Auftig und ſtotterte: Es iſt ein Mißverſtändnis vorgefallen ...
i Malheur ... das wird geordnet werden. Natürlich wird das
MhOrdnung kommen. Entſchuldigen Sie bitte die Störung ..."
reel
Dann fiel ihm wohl ein, daß es nicht gut möglich ſei, ohne
beichen) zweſenheit der Braut den Abend fortzuſetzen, und mit einem
el. 400 ran Lächeln verkündete er: Es iſt wohl beſſer, wir brechen jetzt
nicht wahr?
Hr.
Der Maeſtro hatte im Zimmer der Bocaneros noch Licht er=
Mt, er klopfte und ſteckte den Kopf durch die Spalte. Beſſie

in eine blaugraue Wolke von Zigarettendunſt gehüllt, an
m Tiſchchen und löſte Kreuzworträtſel. Vor ihr ſtand ein
bls, das Whisky zu enthalten ſchien, tatſächlich aber nur mit
Für dünnen Orangeade gefüllt war, denn Beſſie war Abſtinen=
el
aus Ueberzeugung und auch aus Rückſicht auf ihren Beruf.
Aufblickend erkannte ſie das Geſicht an der Türe und ſagte:
eten Sie ruhig näher!

Sie hatte es ſich bequem gemacht, trug nur einen Schlafanzug
aus knalliggelber Seide und abſatzloſe Pantoffeln; nun, da ſie ſich
erhob, erſchien ihre Geſtalt klein und ſchmächtig.
Es iſt unrecht von Ihnen, ſo allein zu Hauſe zu ſitzen und
ſich zu langweilen, behauptete der Maeſtro.
Ihre Antwort war mürriſch: Was ſoll ich tun? In Cafés
herumhocken, wächſt mir ſchon beim Hals heraus, können Sie mir
glauben. Und Henry zieht es ſeit einiger Zeit vor, ſeine Nächte
mit Pokern ſich um die Ohren zu ſchlagen. Ein Narr! Bei unſerer
Arbeit muß man anſtändig ausruhen. Ich ſagte es ihm ſchon; er
wird ſich zugrunde richten.
Ich denke, er ſchneidet nicht ſchlecht ab . . ."
Wenn ſchon. Dieſe paar Pimperlinge machen einen nicht
glücklich. Viel wichtiger iſt es, daß er bei der Stange bleibt.
Eines Tages kriegt er nen Knacks weg. Aber er hört ja nicht.

Gib Deinem Kinde

Du sparst dann Mühe. Sorge. Geld.,

Der Maeſtro zog ſpieleriſch das Blatt mit dem Rätſel an
ſich und kritzelte mit dem Bleiſtift gedankenlos Figuren an den
Papierrand. Außerdem iſt’s nicht beſonders fein, eine Frau
wie Sie der Einſamkeit zu überlaſſen.
Beſſie ſteckte an der zu Ende gehenden Zigarette eine neue
an. Außerdem! äfffte ſie nach. Das iſt das Wenigſte. Ich
pfeife auf Galanterien, das gibt ſich mit den Jahren. Sie haben
wohl keine Frau?
Nicht mehr. Bin ſeit langem ſchon Witwer. Und in
meinem Alter iſt man nicht mehr auf Weiber happig. Für Mr.
Spencer möchte ich ja nicht die Hand ins Feuer legen.
Sie paffte eine dicke Rauchwolke in die Luft, ihre Stimme
klang ſcharf: Warum?. Ich halte ihn ſchon an der Kandare.
Na. dann halten Sie mal feſter!
Beſſies Miene nahm einen gleichgültigen Ausdruck an, als
ob ſie das Geſagte völlig kalt ließe, und zwiſchen den Zähnen,
mundfaul, warf ſie hin: Was meinen Sie damit?"
Ach nur ſo ... nichts Beſtimmtes.
Vielleicht doch etwas Beſtimmtes er iſt ja ein Luder.
Aber Miß Beſſie, warum gleich ſo böſe Worte? n Mann
amüſiert ſich mal gern. Da finde ich gar nichts dabei. Dieſe
junge Frau, wo ſie immer ſpielen, hat ihm vielleicht ein bißchen
ſchöne Augen gemacht. Iſt doch kein Malheur weiter.
Beſſie übte eiſerne Selbſtbeherrſchung. Ganz ruhig er=
widerte
ſie: Das iſt ſicher kein Malheur. Er muß ſelbſt wiſſen,
was er tut.
Stimmt. Alles mit Vernunft. Nur täte er klüger daran,
ſich mit ihr nicht zu zeigen, wie neulich in einer Bar. Geht
mich ja nichts an, aber hier von der Penſion haben ihn Leute
geſehen, und da entſteht gleich Klatſcherei. Uebrigens braucht
man ſich darum nicht zu ſcheren!
Beſſie ſchwieg. Sie holte ohne Gene aus ihrem Koffer
einige Strümpfe heraus, kramte ein Stopfholz hervor und be=
gann
, ſchadhafte Stellen auszubeſſern. Der Maeſtro wechſeue

zwanglos das Thema und tiſchte eine Geſchichte auf, die er in
Hamburg erlebt haben wollte. Da war dieſe Sache mit einem
Mann geweſen, der auf einem Amerikadampfer direkt aus
New York ankam, nach jahrzehntelanger Abweſenheit von der
alten Heimat, um Verwandte zu beſuchen, und der auf der
Ueberfahrt plötzlich das Gedächtnis verloren hatte. Er ſtand am
Pier und konnte nicht weiter. Denken Sie nur, da war nun
dieſer Menſch, ein beſſerer Herr, er roch nach Geld und wußle
nicht, wie er heißt und wohin er will. Stotterte in einem
engliſch=deutſchen Kauderwelſch und ſtrich ſich immer nur über
die Stirn. Ich kriegte ihn zu faſſen und brachte ihn zur Hafen=
polizei
. Zuerſt begriffen wir alle nicht, was überhaupt mit
ihm los war. Na, ſie haben ihn dann in eine Heilanſtalt über=
führen
müſſen. Und dazu iſt er nun zurückgekommen, iſt das
nicht traurig?
Schrecklich! bekundete Beſſie. Es klang ziemlich teil=
nahmslos
.
Der Maeſtro unterdrückte ein Gähnen: Ich werde mich
nun allmählich in meine Klappe zurückziehen. Muß morgen
pünktlich auf. Na und Sie, ſchöne Frau, ſchlüpfen wohl auch
ins Bette?
Wahrſcheinlich. Weiß noch nicht.
Na, gute Nacht für jeden Fall. Der Maeſtro empfayr
ſich. Er begab ſich in ſein gegenüberliegendes Zimmer aber
er ſchien es ſich anders überlegt zu haben, denn er traf keinerlei
Anſtalten, ſich zur Ruhe zu begeben, ſondern ſchmökerte in einem
Magazin herum und blieb wach.
Er legte die Lektüre erſt etwa eine Stunde ſpäter zur
Seite, als man draußen auf dem Korridor Schritte vernehmen
konnte. Nun horchte er auf, das leiſe Klappen der Türe gegen=
über
verkündete, daß Spencer nach Hauſe zurückgekehrt ſein
mußte.
Der Maeſtro huſchte auf Strümpfen in den dunklen Gang
hinaus. Er fand es nicht im geringſten unter ſeiner Würde,
zu lauſchen; im Gegenteil, er hielt das augenblicklich ſogar für
gebieteriſche Pflicht. War es nicht ſelbſtverſtändlich, daß man
jeden Vorteil wahrnahm, ganz beſonders hier, wo es eine
gute Sache galt. Nun ja, in fremde Taſchen greifen, war
unſtatthaft, man tat es nur, wenn man nicht anders konnte
aber fremde Tiſchladen durchſtöbern und Briefe oder Notizen
durchſchnüffeln, waren erlaubte Kniffe; ſie zu verſchmähen, wäre
nur dumm geweſen.
Was aber die beiden da drinnen anbetraf, ſo ſtanden ſie
jetzt vor einer Falle. Nicht zum Scherz waren dieſe Spiel=
nächte
in Szene geſetzt worden, ſondern darin lag ein Syſtem.
Urſprünglich vielleicht der Maeſtro geſtand ſich dies offen
ein weniger bewußt, als aus Inſtinkt angewandt; er hatte
anfangs eigentlich nur getaſtet, aber nun winkte ein Ziel. Er
entſann ſich der kriminaliſtiſchen Methoden, um Leute zum
Reden zu bringen es gab eine, die darauf hinauslief, zwei
Perſonen gegeneinander aufzuhetzen .
Das Geſpräch der Bocaneros, bisher nur Brocken hin=
geworfener
Bemerkungen, wurde nun lauter. Der Maeſtro fing
vorläufig zuſammenhangloſe Worte auf, allmählich aber hörte
man die Stimmen deutlicher.
Beſſie ſagte: ich pfeife auf dieſes Engagement . . . das iſt
eine verfluchte Stadt, die nur Unglück bringt . . ."
Kindereien, entgegenete Spencer. Wozu machſt du eine
Affäre daraus? In vierzehn Tagen geht’s ohnedies weiter!
Ich weiß, was ich ſage. Nicht aus Eiferſucht!, Lächerlich!
Von mir aus könnteſt du . , aber du treibſt dich herum mit
dieſem Frauenzimmer . .. und die Arbeit geht zum Teufel.
Laß mich zufrieden! Ich tue, wozu ich Luſt habe.

(Fortſetzung folgt.)

Läehungsliste der lotterie der Darmstädter Werbewoche‟
Warengewinne:

Gewinn:

2
Bretikl468
Reru70
N68
s
H1n68
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na23
Jziche 1427
9741

Schlstrimmer. .
EGserviee..

Waschmaschlnemſt
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Los-Nr. 114 876 9. Gewinn: Damenfahrrad . . . . . Los-Nr. 65 272 17. Gewinn Besteckgarnitur . . . Los-Nr. 109 238 90 569 1o. Gasherd .. 813e5 18. 59 Teppichbrücke .. .. 91873 133 021 11. Kramer-Ofen ..... 21549 19. Kaffeemaschlne.. . z 111166 12. ständerlampe .. . . . 66 696 20. 12 silb. Kaffeelöffel 95 42 545 98 134 13. Handschrankkoffer 119 661 2i. . Tischuhr. . . . . . . . . . . 108 292 10 232 14. Wanduhr . . . . . . . . . . 6 481 22. 101218 15. Photoapparat Agfa 23. m Katfeeservlee......
Diwandecke. . . . . . . . 29 745
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559 4164 4354 6452 6616 6993 8551 9308 50686 51611 51703 60161 61184 61952 2 62684 64579 64592 101548 101733 102900 107003 107050 107268 108907 109348 109445 17800 21737 21776 23344 23635 24005 25630 26599 64606 64977 65262 67433 67842 67824 69967 73235 74397 111475 114362 116617 116712 120066 120350 121945 123992 127412 27487 28788 32123 33168 34338 34491 34535 34561 75796 76032 76827 77782 79499 82323 82391 83665 84431 127533 128653 135097 137577 137698 139028 141082 144740 1.
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14534 41251 41382 43448 44030 44576 44975 47399 48085 1 85037 88021 88851 90168 91184 96751 9317 100958 1o15og 149081 Gutscheine über 5 D. 613 3577 4754 4784 5658 5931 6423 6713 52415 52900 Krich 54135 55834 56666 57756 60715 60995 111455 112207 112294 112377 115695 116888 117207 117601 117891 8365 8665 9368 10738 11489 11554 12848 14863 61014 61261 61396 63638 63077 63824 64345 65421 66488 117892 118380 118614 118674 118847 119021 119216 119829 119920 19299 19471 19776 19787 21064 21544 22464 22612 66748 69349 69481 71142 73304 74652 7403 75767 76011 120311 120342 122992 123022 123403 123703 123846 121540 125116 23544 23700 23741 24343 25937 26820 27111 28696 76651 77733 78785 81002 81296 81397 82495 82812 84228 125431 126009 126313 126719 127106 128030 128172 128214 130793 29094 29121 29491 29554 29599 31129 32665 32931 85159 85791 86055 86299 87480 88208 89421 g191s 92545 132248 134240 13439 135618 135753 136223 136700 137246 140627 34974 35682 35758 36241 37427 37642 39561 39583 92904 93526 93932 94696 95333 96500 97593 97841 98818 140809 141046 141831 144238 144280 145378 146445 147002 147283 40297 40614 41747 42149 42481 42911 43606 44186 100724 101217 102006 103358 108493 103825 104892 105140 105496 148679 150658 45378 46127 48558 49967 51328 51742 51864 52070 1a569s 106411 107252 198790 108821 1 109100 109867 110473 110642 ( Gutscheine über 3. J. 1254 1608 1968 2425 2522 2809 2958 2996 49480 49879 50089 50093 50419 50646 50762 51117 51193 107045 107124 107829 108215 108257 108291 108385 108567 109241 3383 4337 4349 4424 4562 4605 4841 4925 51364 52018 52220 52864 52968 53415 53565 53798 53911 109575 109719 109745 109866 109904 109929 109989 110924 111236 5695 5912 5959 6156 6635 7508 7664 7713 54030 54430 54800 55528 55525 55820 65865 57644 57773 111296 111863 111618 112291 113179 113345 113474 114198 114640 7947 7950 8482 8775 9062 9128 9329 9500 57944 58296 58349 59196 59670 5o722 60309 60962 6io71 115842 115857 115866 115871 115886 116067 116413 117295 117506 9858 10092 10771 11065 11594 11944 13328 13854 61142 61207 61213 61894 62122 62754 63281 63438 63441 118064 118274 118795 119167 119325 119829 119553 119768 119941 14667 14689 15135 15424 15453 15832 16059 16071 64216 64218 64359 64595 64613 64628 64740 64887 65681 66621 120638 120837 121110 121172 121493 122450 122578 122943 123112 16830 16832 16972 17040 18011 18266 18315 18481 65017 67038 67312 67376 67517 67688 68107 68748 69814 123644 123714 123881 123902 124855 124910 125051 125677 126846 18940 19308 19729 19808 19913 20001 20259 20313 70859 71155 71360 71407 71464 72279 72568 72638 72911 126913 127088 127179 127213 127235 127272 127324 127419 128008 20424 20940 22084 22431 22584 22746 23190 23240 73196 73270 74147 74793 74850 75523 75899 75965 76036 128433 130450 130459 130651 130942 130960 130970 131276 131507 23419 23467 23618 23930 24234 24731 25193 25334 76336 76408 77054 77757 77854 77919 78579 78615 79370 131669 131793 132310 132647 133309 133465 133777 134127 134415 25473 25641 26125 26538 26747 26907 26945 27098 79419 79468 79635 79798 80403 80708 80739 80987 81479 134791 134910 135100 135573 135682 136274 136623 136765 137127 27728 28526 28933 29233 29621 29837 29892 30485 81495 81581 82131 82425 82470 82750 83210 83508 85679 137309 137949 138000 138009 138038 138359 138661 138675 138729 30580 30840 31613 31808 31911 32504 32614 33532 85940 86230 86509 86630 86909 87439 87756 87795 88012 138898 139041 139190 139347 139414 139544 139788 139870 140217 33835 33996 34065 34242 34343 34351 34560 34720 88111 88140 88160 90213 90758 91138 91650 91927 92984 140383 140441 141193 141366 141687 141753 144003 144438 144514 35193 36188 36215 36459 36875 36883 36926 37075 92946 93713 93980 94061 94354 94708 95424 95439 95970 144962 145077 145124 145352 145496 145507 145532 145620 145820 37981 38741 38820 38968 39100 39846 39892 39983 96295 96639 97016 97082 97224 9539 97825 98117 98243 146154 146176 146325 146804 148046 148149 148300 148369 148393 40807 41209 41711 41803 42530 42599 42793 42804 98309 9 98771 99280 99498 100266 100361 100760 100781 100801 148405 148755 148925 149046 149119 149168 149304 149589 149741 43557 45208 45230 45279 45403 45735 45990 47187 101116 101576 102453 3 102607 102990 103098 103187 103518 103668 150006 150167 150627 150633 47903 48143 48167 48561 49101 49109 49159 49164 103745 103840 104129 104733 106356 105610 105852 106867 106877

Gutscheine über 2.
fielen auf alle Losnummern mit den Endziffern 09 und 59 (z. B. 23809, 87159 usw.), hiervon ausgenommen sind die Lose, auf die
bereits ein höherer Gewinn gefallen ist.
W Ausgabe der Gewinne und Gufscheine erfolgt am Freitag, den 16. Oktober, Samstag, den 17. Oktober, Montag, den 19, Oktober, Dienstag, den

21 Oktober in der Zeit von vormittags 91 Uhr und nachmittags von 36 Uhr in den Geschäftsräumen der Vereinigung des Einzelhandels von Darmstadt
heu Ungebung Ludwigsplatz 8. Die Gutscheine werden in der Zeit bis Zi. Dezember 1931 von den Geschäften, die unsere Freilose ausgegeben haben,
in Zahlung genommen. Die bis zu diesem Zeitpunkt nicht in Zahlung gegebenen Gutscheine gelten als vertallen.
Vereinigung des Einzelhandels von Darmstadt und Umgebung e. V.

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Seite 14

Mittwoch, den 14. Oktober 1931

Nummer 285

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