Darmstädter Tagblatt 1931


20. September 1931

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Ginzelnummer 15 Pfennlge

Beru niſich amaligem Erſchelnen vom 1. Sepiember
öſe ſeptember 2.18 Reſchsmark und 22 Pfennig
gb z. =bühr, abgeholt 2.25 Reſchsmark, durch die
Aa-w 1 2.40 Reiſchämart frei Haus. Poſſbezugspreis
ohne Beſfellgeld monatlich 2.,75 Reichmark.
9e Friſchelt fie Auſahne von Augelgen an
Abeßs im Tagen wird nſcht übernommen. Nicht=
erſT
einzelner Nummern infolge höherer Gewalt
ers den Bezieher nſcht zur Kürzung des
B eiſes. Beſtellungen und Abbeſtellungen durch
Fe ohne Verbindichkeit für uns. Poſſchegionio
Franffurt a. M. 4301.

Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart:, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſchmtlicher mit * verſehenen Original=Auffätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe Darmſi. Tagbl. geftattet.
Nummer 261
Sonntag, den 20. September 1931. 194. Jahrgang

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zelle
300 Reiſchsmark. Alle Preiſe in Reichsmaik
1 Dollar 420 Mark. Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Strelk uſw erliſchi
ſede Verpfliſchtung auf Erfüllung der Anzeigen=
aufträge
und Leiſtung von Schadenerſatz. Bel
Konkurs oder gerichtlſcher Beſtreibung fäll ſeder
Nabatt weg. Bankkonto Deutſche Bank und Darm=
ſtädter
und Nationalbank

Die Meutl Molberordmatgen.
ichk über die Banken und Reform des Akkienrechts. Skeuer=Amneſtie bis zum 15. Okkober.
Schaffung von Sondergerichken in Ausſicht genommen.

aus
Stzuberzuſt !

* Drei Nokverordnungen.
Von unſerer Berliner Schriftleitung.
je beiden Notverordnungen über die Bankenaufſicht und die
AE) rechtsreform ſind am Samstag nun endlich erſchienen, nach=
des
e wochenlang angekündigt waren und die Zeit des Reichs=
ka
tts mehr als nützlich in Anſpruch genommen hatten. Ein
B=s dafür, wie ſcharf die internen Gegenſätze waren, die hin=
te
= n Kuliſſen miteinander rangen und im Kabinett ſchließlich
gug ragen werden mußten. Ob dabei in allen Fällen das Rich=
tir
; etroffen worden iſt, kann erſt die Entwicklung zeigen. Die
Er1 ffe gehen ſo weit und ſchaffen ſo grundſätzlich neues Recht,
da h die Wirkung eines ſolchen Experiments nicht ſofort über=
ſe
=3 läßt.
Die Bankaufſicht:
Reichskommiſſar und ein Reichs=Kurakorium.
s iſt wohl zu viel geſagt wenn man davon ſpricht, daß die
BAn unter Reichskuratell geſtellt worden ſeien. Ein ſehr weit=
gei
des Kontrollrecht hat die Reichsregierung nicht geſchaffen.
MV Virkſamkeit vom 1. Oktober dieſes Jahres wird ein Banken=
43 orium errichtet und ein beſonderer Reichsbank=Kommiſſar
ex at. Durch die beiden neuen Inſtanzen ſoll zwar die privat=
m
ſaftliche Verantwortung der Banken für ihre Geſchäftsfüh=
un
richt beeinträchtigt werden. Regierung und Reichs=
erhalten
aber doch die Möglichkeit, ſich über
dri age des deutſchen Bankgewerbes, vor allem
art über die Kreditgeſchäfte fortlaufend zu
1.rrichten und die Finanzpolitik der Banken
zu einfluſſen. Der Reichsbank=Kommiſſar ins=
bei
ere kann Auskunft von jeder Bank verlangen und Einſicht
imn Bücher nehmen. Er hat das Recht zur Teilnahme an den
SS gen der Verwaltungsorgane und kann ſogar eine Aufſichts=
ran
zung oder eine Vorſtandsſitzung, ja ſogar eine Generalver=
ſar
ung einberufen. Dabei ſind grundſätzlich die ohnehin be=
rei
unter ſtaatlicher Kontrolle ſtehenden Banken ausgenommen.
Wrkenswert iſt, daß der Kommiſſar das Recht hat, auch von
M Bankiers Auskunft über ihre Auslandsgeſchäfte zu ver=
lol
n.
Das neue Aklienrecht
ißi s Novelle zum Handelsgeſetzbuch aufgezogen. (Siehe auch
H3 2lsſeite. D. Red.) Herausgegriffen ſind nur die vordring=
l
7! m Probleme, vor allem auf perſonellem Gebiet, während die
ſ6! cen Fragen auf parlamentariſchem Wege ihre Erledigung
ffir und ſchließlich zuſammen mit dieſer Aktien=Rechtsreform
zuö gebener Zeit zu einer völlig neuen Kodifizierung des Aktien=
rx
führen ſollen. Nachder Notverordnung erlöſchen
nn er nächſten ordentlichen Generalverſammlung der deutſchen
W rgeſellſchaften alle Aufſichtsratsmandate. Es müſ=
ſel
Iſo überall Neuwahlen erfolgen mit der doppelten Ein=
ſoſ
=kung, daß ein Aufſichtsrat nicht mehr als 30
W glieder umfaſſen darf und daß in einer Hand
mt. mehr. als 20 Aufſichtsratsmandate ver=
es
gtſeindürfen. Der Aufſichtsrat, der durch die moderne
E icklung ſeinen Charakter vollkommen verſchoben hatte, wird
m. x zu ſeiner urſprünglichen Bedeutung zurückgeführt. Sein
B ſichtsrecht wird ſichergeſtellt. Auch die Befug=
m
e des Vorſtandes werden beſchränkt. Die Pu=
E ationspflicht wird im Intereſſe der freien Aktionäre
S=blich ausgedehnt und ſchließlich für alle Aktien=
Oellſchaften die Pflichtreviſion durch öffent=
I angeſtellte Prüfer durchgeführt werden. Die Möglich=
E des Erwerbs eigener Aktien durch die Geſellſchaft wird ein=
girt
und eigentlich nur auf die Fälle einer Verteidigung gegen
Te=Aktionen beſchränkt. Hier ebenſo wie bei der Verordnung
die Bankenaufſicht ſtehen die Durchführungsbeſtimmungen
aus, die für den Erfolg der ganzen Aktion naturgemäß von
jeidender Bedeutung ſind.
Sieuerunehrlichen: Enkweder Reichsbahnanleihe
teiſhen der IiS Auckasl.
Die dritte Notverordnung bezieht ſich auf die Steueramneſtie.
war fällig, weil die vorausgegangene befriſtet war. Es bleibt
E, daß der endgültige Termin für die Amneſtie bis zum 15.
ber läuft, und daß in der Zwiſchenzeit jeder, der hinter=
Tes Vermögen angibt, von der Straffreiheit Gebrauch machen
Die Reichsregierung ſteht zwar auf dem Standpunkt, daß
ihre erſte Amneſtie recht gute Erfolge gezeitigt hat, daß es
doch notwendig ſei, den Steuerhinterziehern und Kapital=
tigen
eine Lockſpeiſe vorzuhalten, damit ſie wieder zur Steuer=
ichkeit
zurückfinden. Sie hat das bedenkliche Mittel einer
rozentigen Reichsbahnanleihe gewählt. Jeder, der Anleihe=
2 in Höhe der nicht angegebenen Werte zeichnet, wird ſtraffrei
Hen und genießt noch den Vorzug der Steuerfreiheit für dieſe
Sihe. Bleibt er aber ſteuerunehrlich, dann ſind Zuchthausſtrafen
Zu zehn Jahren vorgeſehen.
Weitere Maßnahmen gegen Kapikalfluchk.
Weſentlich wirkungsvoller halten wir dagegen die Abſicht,
den ausländiſchen Regierungen in Verbindung zu treten, um
Leflüchtete Kapital zurückzubringen. Dadurch wird ſich wahr=
inlich
jetzt jeder, der im Ausland ein Konto beſitzt, das er bis=

her verſchwiegen hat, doch genötigt ſehen, der Steuerbehörde da=
von
Mitteilung zu machen. Der Ertrag der Reichsbahnanleihe
ſoll der Arbeitsbeſchaffung zugute kommen. Ueber die Höhe die=
ſer
Anleihe wird in der Notverordnung nichts geſagt. Sie hängt
ja auch im weſentlichen von dem Umfang der Zeichnungen durch
die Steuerhinterzieher ab. Für recht bedeutſam halten wir auch
einen Vorſchlag des Reichskabinetts, zu dem noch der

Reichspräſident ſeine Zuſtimmung geben muß, wonach in Zr=
kunft
Sondergerichte Terrorakte, Gewalttaten.
Mißſtände im Wirtſchaftsleben und Deviſen=
hinterziehungen
aburteilen ſollen. Es wäre zu wün=
ſchen
, daß dieſe Sondergerichte auch ausreichende Vollmachten er=
halten
, um die Ausſchreitungen der Kommuniſten in der unnach=
ſichtlichſten
Weiſe behindern zu können.

13,8 Millionen Oefizit in Heſſen.
Vor der erſten Heſſen=Nolverordnung. Die Regierung plank ſchwerſte Eingriffe in die Beamkenbezüge.
Gehaltskürzung bis zu 19 Prozenk. Die Gemeinden verlieren 4,4 Millionen. 2½2 Millionen
Sonderabſtriche beim Schulekak. Beamkengehalf ſoll poſtnumerando gezahll werden.

Heſſen an der Spihe!
Wir haben vor 14 Tagen einige Bemerkungen über die be=
vorſtehenden
heſſiſchen Notverordnungen veröffentlicht. Die bei=
den
Regierungsparteien Sozialdemokraten und Zentrum
haben inzwiſchen wiederholt getagt und eigene Sparvorſchläge‟
der Regierung unterbreitet. Am Freitag beriet erneut der inter=
fraktionelle
Ausſchuß hinter dicht verſchloſſenen Türen. Dieſes
Schweigen iſt verſtändlich, da heute in Worms der Sozial=
demokratiſche
Parteitag berät und die Harmonie der Genoſſen
durch die bevorſtehenden Notverordnungen in tiefſte Verſtim=
mung
umſchlagen könnte. Daher ſoll erſt am Dienstag die Not=
verordnung
wenigſtens ihr erſter Teil der Oeffentlichkeit
übergeben werden. In ihr ſind einige ſo unglaublich ſchwere
Eingriffe in das Leben der Beamtenſchaft vorgeſehen, daß wir
nicht umhin können, dieſe heute ſchon auszuplaudern. Vielleicht
die Hoffnung iſt allerdings gering verſtehen ſich die maß=
gebenden
Stellen dazu, von dieſen Unerträglichkeiten Abſtand
zu nehmen.
Nach zuverläſſigen Informationen iſt
die Sinanzlage Heſſens
ſehr trübe.
Man rechnet mit einem Defizit von 13,8 Mill. NM.,
und zwar aus:

Mindereinnahmen aus Reichsſteuern . . . . 9
Mindereinnahmen aus Landesſteuernu. Gebühren 4
Mindereinnahmen aus den Betrieben und Un=
ternehmungen
. .
.. . 08

Mill.

Die Deckungides Fehlbetrages iſt wie folgt ge=
dacht
:
Einſparung bei den ſachlichen Ausgaben . . . 2 Mill.
Kürzung der Perſonalausgaben . . . . . . 49
Verringerung der Gemeindeüberweiſungen . . 4/4
Beſondere Einſparungen am Schulweſen . . . 25
Die Etatſumme beträgt 1931 voranſchlagsmäßig 138,4 Mill.
Daß der Anſatz der Steuern im Voranſchlag nicht erreicht wer=
den
konnte, haben wir bereits anläßlich der Etatberatung im
Finanzausſchuß geſagt. Damals ließ man durchblicken, daß in
den Steueranſätzen, die ja äußerſt niedrig gehalten ſeien, noch
gewiſſe, ſtille Reſerven verborgen lägen. Bei einem Anſatz von
33,7. Mill. Reichsüberweiſungen iſt ein Rückgang
von 9 Mill, alſo von 26,7 Prozent zu verzeichnen,
bei 37,4 Mill. Landesſteuern beträgt der Rückgang 4 Mill., alſo
13 Prozent.
Was die Deckungspläne angeht, ſo wollen wir heute nur auf
die Abſtriche am Beſoldungsetal
eingehen.
Die 4,9 Millionen, die der Finanzminiſter erſparen will,
ſollen eingebracht werden durch eine
5prozentige Kürzung der geſamten Dienſtbezüge, ausgenom=
men
die Kinderzuſchläge und ein Einkommensbetrag von
1500 RM. (Urſprünglich war daran gedacht, die Einkommen
bis 1 500 RM. frei zu laſſen.) Zu dieſer Kürzung tritt ein
weiterer Abzug von
3 Prozent für kinderlos verheiratete Beamte und von nochmals
2 Prozent bei ledigen Beamten. Die Kürzung beträgt alſo
hier 8 bzw. 10 Prozent.
Unklar ſcheint noch, ob die bereits im letzten Jahr ſchwer her=
abgeſetzten
Beamtenanwärter und die Staatsange=
ſtellten
von der Grundkürzung von 5 Prozent bzw. von den
zuſätzlichen Kürzungen ausgenommen bleiben.
Weiter behalten Beamte mit aufſteigenden Ge=
hältern
die Bezuge, die ſie zurzeit erhalten,
zwei Jahre länger als dies im Beſoldungsge=
ſetz
vorgefehen. Aufrückungs= und Dienſtalterszulagen
ſind alſo geſperrt.
Weiter ſollen die Gehälter nicht mehr pränume=
rando
, ſondern poſtnumerando gezahlt werden in der
Weiſe, daß in 11 Monaten nur 10 Zahlungen erfolgen, beginnend
mit dem 3. des kommenden Monats und dann jeweils weiter=

rückend. Um die Mietzahlung zu erleichtern, ſoll das Wohnmgs=
geld
vom Gehalt losgelöſt und am 1. eines jeden Monats ge=
zahlt
werden.
Weiter ſollen die Nebeneinnahmen, ſoweit ſie 500
RM. im Jahre überſteigen, zur Hälfte an die Staatskaſſe ab=
geführt
werden. Unklar erſcheint noch die Anwendung dieſer
Vorſchrift bei Ruhegehalts= und Penſionsempfängern.
Ob die Altersgrenze der Beamten generell auf 66
Fahre feſtgelegt wird, ſteht ebenfalls noch offen.
Die Kürzung der Penſionen von 80 Prozent
des Gehaltes auf 75 Prozent iſt ja ſchon durch die
Neichsregierung bekannt geworden, und wird auch für die heſ=
ſiſchen
Beamten durchgeführt werden.
Wie die
weikeren 2,5 Millionen am Schnlekak eingebracht
werden ſollen, was vorausſichtlich durch eine zweite Notverord=
nung
geſchieht, ſteht in weſentlichen Punkten noch offen. Es wird
davon geſprochen, die ſogenannten Mehrſtellen, die über die
Meßziffern hinausgehen, fortfallen zu laſſen. Dieſe Mehrſtellen
belaſten heute vor allem die Gemeinden. Da der Staat ihre
Ueberweiſungen verkürzen will, ſcheint auf dieſem Gebiet eine
Entlaſtung geplant zu ſein. Das würde in der Praxis eine
Heraufſetzung der Klaſſenziffern und der Stundenzahl bedeuten.
Um bei den Volksſchulen eine Verringerung zu erzielen, denkt
man an die Herabſetzung der wöchentlichen Unterrichtsſtunden
der Schüler, vielleicht auch an die Erhöhung der Pflichtſtunden
der Lehrer. Ob und inwieweit ganze Schulen, etwa Aufbau=
ſchulen
, eingehen ſollen, darum gehen noch ſchwere Kämpfe.
Das Programm der Regierung geht weit über das hinaus,
was die ſchwärzeſten Peſſimiſten befürchtet haben. Mit dieſen
Gehaltskürzungen marſchiert Heſſen an der Spitze des bisher
Bekanntgewordenen. Wir erinnern daran, daß Baden nur 5
Prozent, Bayern nur bei den Ledigen 10 Prozent gekürzt hat,
Preußen ſah von einer Gehaltskürzung ab. Hamburg und
Bremen liegen ebenfalls weit unter den heſſiſchen Sätzen. Man
wird auf die Gründe warten müſſen, warum Heſſen hier den
Rekord brechen mußte. Die Beamtenſchaft hat ſtets anerkannt,
daß ſie die allgemeine Volksnot nicht verkennt und zu ihrem
Teil gewillt iſt, mitzutragen. Die Pläne der heſſiſchen Regie=
rungsparteien
führen aber eine neue einſeitige Herabdrückung
des Lebensſtandards der Beamtenſchaft herbei und der berech=
tigte
Widerſtand müßte ins Ungeheure wachſen, wenn einige
Wohl=Angeſchriebene vorher noch raſch in beſſer bezahlte Stel=
len
aufrücken würden. Die Anwärter befinden ſich durch die vor=
jährigen
Einkommensverkürzungen in einer vielfach troſtlofen Lage
und eine weitere Kürzung ihrer Bezüge würde das Exiſtenz=
minimum
kaum überſchreiten.
Die Staffelung der Beſoldungskürzung wird ſicher mit ſo=
zialen
Geſichtspunkten begründet werden. Ein richtiger Kern
liegt darin, aber alle die Verheirateten, die die Verantwortung
für Kinder angeſichts der heutigen Zukunftsausſichten nicht glau=
ben
tragen zu können, werden in ihrer bisherigen Einſtellung nur
beſtärkt, die Ledigen, die in der überwiegenden Mehrzahl bisher
Hausſtand und Familie nicht gründen konnten, obwohl ſie oft
ſchon Jahre verlobt ſind, oder weil ſie anderen Gründen
Sorge um Anverwandte uſw. ihr Alleinſein verdanken, müſſen
ſich ſogar 10 Prozent Gehaltskürzung gefallen laſſen.
Dazu kommt aber der finſtere Gedanke der Umformung des
Pränumerando=Gehaltes in Poſtnumerando=Zahlung. Der Ge=
danke
war vor einigen Monaten auch im Reichskabinett be=
ſprochen
, aber abgelehnt worden. In Heſſen ſoll dieſer Finanz=
trick
einmal erprobt werden. In der Praxis: 10 Gehaltszah=
lungen
in 11 Monaten bedeuten den Verluſt eines Monats=
einkommens
. Die Beamtenfrauen rechnen ſich aus, daß, da ja
das Wohnungsgeld wie entgegenkommend! weiter am
1. gezahlt wird, ſie im 10. Monat z. B. aus Wohnungsgeld und
dem am 27. erhaltenen Gehalt zweimal Miete bezahlen müſſen.
Wie das gemacht werden ſoll, ohne in die ſchwierigſten Situa=
tionen
zu geraten, mögen die Väter dieſes Gedankens verraten.
Wenn man dieſe in der Umformung verborgene weitere Ein=
kommensminderung
von etwa 9 Prozent umlegt, dann ſteigt der
Gehaltsabzug der hefſiſchen Beamten auf 14, 17 und ſogar 19
Prozent bei den Ledigen.
Dieſes Vorhaben wirkt ohne Kommentar am treffendſten.

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Seite 2

In Genf offenbark ſich aufs neue
die unheilvolle Zerſplitkerung Europas.
Genf, 19. September.
Die Generalausſprache im Wirtſchaftsausſchuß der Völker=
bundsverſammlung
wandte ſich in der Sitzung am Freitag nach=
mittag
ausſchließlich dem ſcharf umkämpften Gedanken des Präfe=
renzſyſtems
zu. Es zeigte ſich, daß die Auffaſſungen über die Zu=
läſſigkeit
und Zweckmäßigkeit der Präferenzverträge heute noch
weit auseinandergehen. Die Vertreter von Kanada, Auſtralien
und Kuba wandten ſich ſcharf gegen das Präferenzſyſtem. Der
Vertreter der belgiſchen Regierung vertrat den grundſätzlichen
Freihandelsſtandpunkt und lehnte gleichfalls den Präferenzgedan=
ken
ab. Eine Regelung der internationalen Agrarfrage, die ſich
nicht nur auf die europäiſchen, ſondern auf ſämtliche Mächte be=
ziehen
müſſe, wurde vom auſtraliſchen Vertreter gefordert. Auf
Vorſchlag des Miniſterialdirektors Poſſe wurde der franzöſiſche
Handelsminiſter Rollin zum Berichterſtatter für dieſe Frage in
der Vollverſammlung des Völkerbunds ernannt.
Scharſe Erklärung des deutſchen Verkrekers
über die geplante Aenderung der ſchweizeriſchen
Handelspolikik.
Miniſterialdirektor Dr. Poſſe erwiderte am Samstag im
Wirtſchaftspolitiſchen Ausſchuß auf die geſtrigen Erklärungen des
polniſchen und ſchweizeriſchen Vertreters. Poſſe führte u. a. aus:
Die Wirtſchaftsausſprachen hätten die unheilvolle Zerſplitterung
Europas ſchonungslos offenbart. Ein kleiner Lichtpunkt ſei die
polniſche Erklärung, wonach die landwirtſchaftlichen Staaten
glaubten, ſchon über die Kriſe hinweg zu ſein. Bei zurzeit 4,1
Millionen Arbeitsloſen in Deutſchland ſei, wenn man auf jeden
Arbeitsloſen drei Familienköpfe hinzurechnet, ſchon jeder vierte
Deutſche arbeitslos. Ein Widerſpruch liege zwiſchen den Erklä=
rungen
, die in der Völkerbundsverſammlung abgegeben werden,
und gewiſſen anderen Erklärungen, und vor allem der tatſächli=
chen
Politik der Staaten. Vor etwa einer Woche habe im Völker=
bund
ein europäiſcher Vertreter als Lehre der Kriſe die Herſtel=
lung
der allgemeinen Solidarität gezogen. Geſtern habe ein an=
derer
Vertreter desſelben Landes geſagt, daß hier die geſunde
Wahrheit der Politik ſeines Landes liege. Den Deutſchen werde
durch dieſe neue Wirtſchaftspolitik ein ſchwerer Schaden zugefügt.
Bis zum Letzten würden ſich die Deutſchen gegen das Unrecht weh=
ren
, das ihnen täglich bereitet werde. Die weltwirtſchaftliche
Lage ſei ſo, daß der, der die weltwirtſchaftlichen Fäden zerreißt,
die Folgen an ſeiner Volkswirtſchaft zu ſpüren habe. Den deut=
ſchen
Markt als Abſatzmarkt zu verlieren, ſei keine beſonders an=
genehme
Sache, namentlich für Staaten, die in Mitteleuropa
lägen. Europa zu zerſchlagen, ſei leicht. Wer es erleben werde,
werde ſehen, wie ſchwer ſein Wiederaufbau ſein werde.
Die Erklärung des deutſchen Vertreters hat im Wirtſchafts=
ausſchuß
und darüber hinaus bei der Völkerbundsverſammlung
ſtärkſten Eindruck hervorgerufen.
Erwiderung des ſchweizeriſchen Verkrekers Stucki.
Der ſchweizeriſche Vertreter Stucki antwortete ſofort auf die
Ausführungen des deutſchen Vertreters. Er erklärte u. a., der
Ausſchuß werde ſelbſt beurteilen können, ob ſeine geſtrigen Erklä=
rungen
eine ſo ſcharfe Antwort rechtfertigten. Er habe geſtern
Gegenſeitigkeit verlangt, nicht einmal Meiſtbegünſtigung. Es ſei
abſolut unbeſtreitbar, daß die normale Wirtſchaftslage eine ge=
wiſſe
Unordnung auf fiskaliſchem Gebiet hervorgerufen habe,
Wenn ein kleines Land in dieſer normalen Lage gewiſſe vorüber=
gehende
Ausnahmemaßregeln treffe, ſo ſei es übertrieben, von
einer Zerſchlagung Europas zu ſprechen. Man werde aber von
der Schweiz, die weder für den Krieg noch für die Friedensver=
träge
verantwortlich ſei, nicht verlangen können, daß ſie unter
der gegenwärtigen Lage ganz beſonders leide. Man wiſſe in der
Schweiz, daß Deutſchland finanzielle Verpflichtungen verſchiedener
Art dem Ausland gegenüber habe, und man habe Verſtändnis für
die Maßnahmen gehabt, die es zur Bekämpfung der Kriſe treffen
müſſe. Die Schweiz denke auch nicht daran, ihre Grenzen den deut=
ſchen
Erzeugniſſen zu verſchließen. Sie werde immer mehr deutſche
Waren kaufen, als Deutſchland ſchweizeriſche Waren. Es handele
ſich für die Schweiz, wie geſagt, nur darum, gewiſſe Erſcheinungen
der Kriſe durch Maßnahmen zu bekämpfen, die unter dem? Zwange
der Not auch von anderen Ländern, einſchließlich Deutſchland, ge=
troffen
worden ſeien.
*
Die heutige Auseinanderſetzung zwiſchen Miniſterialdirektor
Dr. Poſſe und Direktor Stucki hat hier allgemein ſtarken Ein=
druck
gemacht. Die Schärfe der Replik des deutſchen Vertreters
auf die geſtrigen Ankündigungen Stuckis erklärt ſich aus der un=
geheuren
Gefahr, die dem deutſchen Export aus der geſtrigen

Sonntag, den 20. September 1931

Vom Tage.
Reichskanzler Dr. Brüning empfing Freitag nachmittag
Mitglieder des Reichsverbandes der Deutſchen Induſtrie zu einer
Ausſprache über die augenblickliche Wirtſchaftslage und die Pläne
der Reichsregierung.
In den beiden letzten Wochen haben in den Reichsminiſte=
rien
mit den beteiligten Kreiſen zahlreiche Beſprechungen ſtatt=
gefunden
, mit dem Ziele, eine Verbilligung des notwendigen
Lebensbedarfes der Arbeitsloſen für den kommenden Winter zu
erreichen.
Die Deutſche Volkspartei hat im Preußiſchen Landtag einen
Urantrag eingebracht, in dem die Nachprüfung der preußiſchen
Notverordnung gefordert wird.
Der Reichsparteitag der Deutſchnationalen Volkspartei iſt
geſtern in Stettin von dem Vorſitzenden Dr. Hugenberg mit
einer Begrüßungsanſprache eröffnet worden.
Im zweiten Verhandlungstag der Kurfürſtendammkrawalle
vor dem Berliner Schnellſchöffengericht fand die Beweisauf=
nahme
ſtatt.
In dem Privatbeleidigungsprozeß des Vizepräſidenten der
Deutſchen Friedensgeſellſchaft, Fritz Kuſter, gegen Redakteure vom
Tag, der Deutſchen Handelswacht der Siegener Zeitung
und der Roten Fahne wurden die vier angeklagten Redakteure
vom Einzelrichter beim Amtsgericht Berlin=Mitte, Amtsgerichts=
rat
Dr. Bues, auf Koſten des Privatklägers Küſter freigeſprochen.
Sämtliche kommuniſtiſchen Zeitungen in der Provinz Sachſen
ſind verboten worden.
Der Badiſche Landtag wählte am Freitag zum Staatspräſi=
denten
Dr. Schmitt und zum Kultus= und Unterrichtsminiſter
Dr. Baumgartner.
Die deutſche Sozialdemokratiſche Partei hat es abgelehnt, bei
den bevorſtehenden Gemeindewahlen in Prag eine Liſtenverbin=
dung
mit den übrigen deutſchen Parteien vorzunehmen, obwohl
dadurch ein bisher von den Deutſchen beſetztes Mandat den
Tſchechen zufällt. Die Stimmen der deutſchen Sozialdemokraten
werden an die tſchechiſchen Sozialdemokraten fallen.
Die ungariſche Sozialdemokratiſche Partei hat in Anbetracht
der immer ſchwierigeren wirtſchaftlichen Verhältniſſe beſchloſſen,
die ſofortige Einberufung des Abgeordnetenhauſes zu verlangen.
Der Völkerbundsrat hat der von der Regierungskommiſſion
des Saargebietes zu Umſchuldungszwecken der Gemeinden geplan=
ten
langfriſtigen Anleihe von 150 Millionen Francs ſeine Zu=
ſtimmung
erteilt.
Das Nationalkomitee des franzöſiſchen Gewerkſchaftsbundes
hat den bisherigen Generalſekretär Jouhaux einſtimmig wieder=
gewählt
. Das Komitee hat beſchloſſen, eine beſondere Aktion zu=
gunſten
der Abrüſtung noch vor der Genfer allgemeinen Ab=
rüſtungskonferenz
zu unternehmen.
Die engliſche Preſſe ſpricht von der Möglichkeit, daß die Neu=
wahlen
in England am 28. Oktober ſtattfinden.
Von zuſtändiger engliſcher Seite wird der Genfer Bericht
dementiert, wonach England angeblich die Abſicht habe, eine Art
Locarnogarantie für ein franzöſiſch=italieniſches Mittelmeerabkom=
men
zu übernehmen.
Das Kriegsgericht von Santiago de Chile fällte vier Todes=
urteile
gegen Meuterer der letzten chileniſchen Revolution. Sieben
Angeklagte wurden zu lebenslänglichem Gefängnis und mehrere
andere zu weniger ſchweren Strafen verurteilt.

Ankündigung der Schweiz droht. In dieſer Beziehung kann er=
freulicherweiſe
aus der heutigen Antwort Stuckis entnommen
werden, daß zwiſchen den beiden Ländern noch nicht das letzte
Wort geſprochen iſt. Die eigentliche Bedeutung der Auseinan=
derſetzung
aber liegt in den ungeheuren Gefahren, die für die
Aufrechterhaltung normaler Wirtſchaftsbeziehungen zwiſchen
den einzelnen Ländern drohen, ſolange Deutſchland ſich in der
Zwangslage befindet, mit Rückſicht auf ſeine internationalen
Zahlungsverpflichtungen ſeinen Export über das normale Maß
hinaus zu forcieren. Der Hinweis des deutſchen Vertreters auf
die Verantwortlichkeit derjenigen Staaten, die ſchuld daran ſind,
daß auf dieſe Weiſe das ganze europäiſche Wirtſchaftsſyſtem ins
Wanken gebracht wird, war ſehr deutlich. Er richtete ſich, wie
ausdrücklich betont werden muß, in dieſem Falle nicht gegen die
Schweiz, ſondern gegen die negative und deſtruktive Haltung, die
allgemein in der internationalen Wirtſchafts= und Finanzpolitik
zu beobachten iſt.
Aufhebung des Mieterſchukes bei Nenbauken
in Preußen.
Berlin, 19. September.
Die angekündigte Verordnung des preußiſchen Wohlfahrts=
miniſters
über die Aufhebung des Mieterſchutzes bei Neubauten
iſt jetzt dem Preußiſchen Staatsrat zugegangen. Sie umfaßt nur
einen einzigen Paragraphen, der folgendermaßen lautet: Die
Verordnung über Mieterſchutz bei Neubauten vom 16. März 1928
in der Faſſung der Verordnungen vom 27. Februar 1931 und vom
20. März 1931 tritt am 1. April 1932 außer Kraft.

Nummer 26
Die oſtoberſchleſiſchen Zwiſchenfäut
vor dem Völkerbundsrak.

Der Völkerbundsrat hat am Samstag abend auf Grund
neuen Berichts des japaniſchen Vertreters die Angelegenbeit
Wahlzwiſchenfälle in Oſt=Oberſchleſien für erledigt erklärt.
Bericht hat folgenden Wortlaut:
Der Rat hat ſich bereits zweimal auf ſeinen Tagunge
Januar und Mai 1931 mit dieſer Angelegenheit beſchäftigt
ſeiner letzten Tagung hat er eine neue Petition des Deu
Volksbundes erhalten. Der Rat muß es als ſeine Hauptau
betrachten, für die Zukunft ein Regime normaler Bezieh=
zwiſchen
den polniſchen Behörden und der deutſchen Mind
herzuſtellen. Der Vertreter Polens hat die Zuſicherung gee
die polniſche Regierung werde alle Anſtrengungen machen, u
deutſchen Minderheit das Gefühl des Vertrauens zu geben.
das zwiſchen der Minderheit und dem Staat ſich nicht ein
ſammenarbeit herausbilden kann.
Die Schulbeſchwerden.
Außer der großen Beſchwerde über die Lage der deu
Minderheit in den polniſchen Wojewodſchaften Schleſien.
und Pommerellen erledigte der Rat noch die vom Haage
richtshof im Sinne der deutſchen Auffaſſung entſchiedene
der Zuläſſigkeit von 60 deutſchen Kindern an deutſchen
derheitenſchulen. Der deutſche Außenminiſter Dr. Curtius
ſeiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß es gelungen iſt.
Streitfall aus der Welt zu ſchaffen. Der polniſche Außenm
Zaleſki nahm in einer kurzen Erklärung die getroffene En
dung an und teilte mit, daß die polniſche Regierung gemä
ſer Entſcheidung bereits die Eltern der Kinder verſtändigt
daß ihre Kinder ohne eine beſondere Vorbedingung zu den
derheitenſchulen zugelaſſen ſeien.
Der Danzig=polniſche Konflikk.
In dem Danzig=polniſchen Konflikt wegen Errichtung
Stützpunkts für polniſche Kriegsſchiffe im Danziger Hafen
wies der Rat nach Erklärungen Straßburger, Dr. Ziehms
Lord Robert Cecils dieſe Streitfrage an den Haager Gerich
der bis zur Ratstagung im Januar ein Gutachten hierübe
ſtatten ſoll.
Frankreichs Angſt vor der Wiedergebntk
der deutſchen Flokke‟.
Marineminiſter Dumont erklärte in einer Rede, d
gelegentlich einer Inſpektionsreiſe in Cherbourg hielt, e
möglich, daß Frankreich infolge der wachſenden Geſchwindig
der Kriegsſchiffe und der Wiedergeburt der deutſchen Flott
Konzentration der franzöſiſchen Seeſtreitkräfte im Mitte
ein Ende bereiten müſſe. Die Wiederherſtellung einer mäc
Seeſtreitmacht an der nordfranzöſiſchen Küſte müſſe ins
gefaßt werden.
Vor der Aufklärung des Berliner Poliziſtenmar
Saarbrücken, 19. Septem
Die Landeskriminalpolizei hat einen angeblichen He
Blöſer feſtgenommen, der ſich ſeit drei Wochen im Saar
unangemeldet aufgehalten hat. Blöſer ſteht in dem Ver
an der Ermordung der beiden Berliner Polizeioffiziere
Auguſt aktiv beteiligt geweſen zu ſein.
Volksparkei verlangt parlamenkariſche Nachnäf
der Preußen=Nolverordnung.
Die Fraktion der DVP. verlangt in einem ſoeben im
ßiſchen Landtag eingebrachten Urantrag, daß das Staats
ſterium erſucht werde, dem Landtag die preußiſche Notbe
nung vom 12. September d. J. ſamt den Ausführungsb
mungen zur Nachprüfung ſchleunigſt vorzulegen. In der
ründung wird geſagt, daß die Verordnung ſchon bezüglich
Rechtsgültigkeit zu ſchweren verfaſſungsrechtlichen Bedenke!
laß gebe und darüber hinaus offenbare Ungerechtigkeiten
unbegreifliche Härten gegen zahlreiche Gruppen von Bei
und Lehrern enthalte. Die Sperrung der Aufrückung laſſ
ſoziale Rückſicht auf die jüngeren Beamten vermiſſen;
Ausſicht geſtellten organiſatoriſchen Maßnahmen auf den
biete des Schulweſens erregten in kultureller und ſozialer
icht ſchwerſte Bedenken, während die Eingriffe in Bea
rechte und Selbſtverwaltung politiſcher Willkür Tür unk
öffne. Ueberdies fehle jeder Zugriff auf die Gehälter und
wandsentſchädigungen der Spitzenſtellen.

Herbſt.
Von Karl Röttger.
Ich habe einmal einiges vom Frühling ſagen können. Nun
ſage ich noch ein paar Worte vom Herbſt, ehe es Winter wird.
Dazwiſchen liegt der Sommer davon ſchweige ich. Es war
Fülle und Glanz, flimmerndes Licht, dunkle Stille mit ſingenden
myſtiſchen Stimmen darinnen; man trinkt ihn und ſchweigt da=
von
. Man läßt mit ſich geſchehen. Man geht mit heißem An=
geſicht
durch ihn hin, durch die duftſchwülen Gärten, durch weite,
dunkle Wälder, man hütet ſich, an ihn zu rühren oder ihn zu
wecken.
Das Reiſen iſt ein ſehr tiefer Schlaf.
Und nun iſt Herbſt. Und ich finde mich plötzlich wieder:
auf einer ſchönen breiten Straße, wo lange Reihen Ahornbäume
mit flammend gelbem Laub entlang ſtehen. Und zu beiden
Seiten der Straße die Gitter mit den Gärten und Villen da=
hinter
. Da ſtehen große, ſchwere Kaſtanienbäume, und ihre
Kronen ſind nun wie aus Gold getrieben. Regungslos wie leb=
loſer
/ Schmuck, ſtehen ſie da. Es iſt wie ein Rauſch über die
Stadt gekommen: die Stadt der Gärten. (Die Induſtrieſtädte
wiſſen ja nichts vom Herbſt. An ihnen gehen die Jahreszeiten
fern vorbei.) Wie in roter, raſender Angſt klimmt der wilde
Wein am Hauſe, am Erker empor hinauf, hoch hinauf, und
glüht, glüht oben ins Abendlicht. Er lacht ein Lachen und
Außerſichſein. Die Büſche da und dort fangen an braun zu
werden; auf den Beeten blühen noch Roſen, Geranien, Aſtern,
Dahlien, alles bunt durcheinander, alles um die Wette, wie um
dieſe letzten ſonnigen Tage nicht ungenoſſen zu haben .."
Es iſt Totenſtille in den Gärten. Kaum daß ein Vogel noch
ſingt, kaum daß ein Kind ſingt. Und da finde ich mich wieder:
ich lehne am Gitter; ich fühle: außer mir geht ein großer Blick
in die Welt. Wie wunderbar alles! Ich ſtehe wie in einer
fremden Welt in dieſem Herbſt, in dieſem Rauſch, in dieſer
goldenen, bronzenen, erzenen Welt. Alles ſteht ſtill, dünkt mich.
Kaum noch ein Atmen. Es überkommt mich Angſt. Man weiß
nicht, was geſchehen wird. Wo der Ausgang iſt aus dieſer
übermächtigen Farbenpracht. Wie ein Kind im Märchenwald
bin ich in dieſen bunten Gärten und Alleen verloren.
Und nun kommt das Dämmern; alles wird noch fremder,
rätſelhafter, maſſiger, größer, ſchöner. Es kommt mir eine große
Traurigkeit. Es weint jemand. Ich höre es fallen, Tropfen in
raſchelndes Laub. Wo?. Ich ſuche mit den Augen nichts.
Und da da iſt’s: langſam, langſam, langſam fällt Blatt
auf Blatt aus den Kronen der Ulmen hinab goldene
Tränen
Es iſt die Zeit des Sichbeſinnens, und man kommt doch
nicht zu Ende. Es iſt die Zeit des Verrates und der Weisheit.

Es gibt nichts Weiſeres als den Baum. Er hat im Frühling
und Sommer ſeine Blätter und Blüten getragen zum Schmuck.
Nun, da ſie ihre eigene bunte Schönheit haben, trennen ſie ſich
von ihm. Er aber ſteht ſchweigend und läßt fallen, was fallen
will. Und ſie alle verraten ihren Erzeuger. Der aber ſteht
ſchteigend. Bald wird er in voller Nacktheit ſtehen und auch
ſchweigend. Es gibt nichts Weiſeres als das ſchweigſame Leben
des Baumes.
Weg des Baums: Aus tiefem Dunkel
Rätſelhafter Erdenmacht,
Bis empor zum Lichtgefunkel
Und zu ſolcher ſtolzen Pracht!
Fühle nach dem Werdensfließen:
Wies aus dunklem Urgrund ſteigt,
Um in Formen ſich zu gießen
Und in letzter Schönheit ſchweigt.
Weisheit ſo und Lebensfülle
Blickt dich an aus rotem Laub.
Und daß er ſich ganz verhülle,
Wirfts der müde Wald in Staub.

Mich ratlos, faſſungslos und ſchwer,
Fragend ſtehen alle Dinge um mich her.
Und ſtehen wie eine fremde Welt,
In die ein Traum mich hingeſtellt,
Darin ich hin und wieder gehe,
Die ich beſtaune und nicht verſtehe.
Zuweilen, wenn ein Duft hinſchwebt,
Ein Blättlein ſich im Winde hebt
Vom Wein, der an den Gittern rankt,
Sich löſt und leiſe niederſchwankt :
Denk ich: die fremde Stimme ſpricht:
Du kamſt herein und kennſt mich nicht,
Du kannſt durch meine Schönheit gehn,
Dich wundern und mich nicht verſtehn.

Heſſiſches Landesthealer.
Großes Haus. Samstag, 19. September,

Gäbe einſt ich auch ſo milde,
Was an Schönheit und an Glück
In mir ſelber ward zum Bilde,
Wind und Schickſal ſtill zurück:
O, da wär’ mein Leben leiſe
Süß befreit von allem Zwang,
Und die Blicke würden weiſe
Weiſe wären Gruß und Gang.
Feierliche Lebenswende!
Wald, ich will dich grüßen gehn,
Eh’ des Windes Schickſalshände
Bunte Andacht mir verwehn.
Und da erkannte ich ihn und mußte ihn ſo lieben wie nie
zuvor. Dies iſt die Zeit der Beſinnung. Es iſt nicht lange bis
dahin, wo alle Gärten und Wälder kahl ſtehen.
Und ich ſtehe und ſinne und ſuche. Ach, ich finde nur eins:
es iſt eine Zeit der Schönheit. Darum weiß niemand jetzt ein
und aus. Es ſteht alles ſo zweck= und ziellos um mich. Was
Leben? Was Welt? Was Glück? Wir wiſſen nichts. Wir
können nur fromm ſein. Wir können nur immerdar warten.
Es gibt keine andere Löſung. Wir ſtehen wie im Märchen in
dieſem ſchönen, bunten Herbſt, wie in einer Geſchichte, die man
nicht weiter weiß. Wie ſchön alles! Und um ſo ſchöner, je
weniger wir es verſtehen. Das iſt mit aller Schönheit ſo . . ."
Und dieſe übermächtige Pracht
Des Herbſtes in den Gärten macht

All=Heidelberg
Schauſpiel von W. Meyer=Förſter.
Alt=Heidelberg, der Erfolg des letzten Fru4
erſchien geſtern wieder auf der Bühne und brachte Eiule
Käthi: Leny Marenbach.
Die Käthi iſt eine dankbare Rolle; ſie iſt doppelt de
wenn ſie ſo reizend geſpielt wird, wie es geſtern geſcha.=
Marenbach, deren Stern bei den Heidelberger Feſtſplet
ging, hat Theaterblut, dem Anſchein nach rheiniſches Zhe‟
in den Adern: ein friſches, kräftiges, liebenswürdiges
Als Käthi ſtets voll Ausdruck, nicht übertreibend, reide!
heiteren Szenen, von ſchlichter Innigkeit bei dem ſchſ.
Abſchied. Eine ſympathiſche Neu=Erſcheinung!
Der Kammerdiener Lutz iſt von Franz Pfaudler.
Maletzky übergegangen, der den Humor der amüſalt.
ſchen Type im Gegenſatz zu ſeinem Vorgänger."
wohltuenden Doſis Bonhomie durchſetzte. Joſef Si‟)
lakai Schölermann ſtreifte die Grenze der Karikain
Prächtig war wieder Hans Baumeiſtersweltwe.
zen=Erzieher, famos das gaſtwirtliche Ehepaat: 99.
Gothe, amüſant auch H. Gallinger als Ghardit.
ner Hinz iſt über den Sommer kein Erbprind Lewo.
ryla wäre hier eher am Platz.
In den Beifall tropften die Tränen derer, die an be
Karlheinzens jungem Abſchiedsſchmerz teilnahme.

[ ][  ][ ]

mer 261

Seite 3

Krieg in der Mandſchurei.
paniſcher Zeuerüberfall auf Mukden. Mukden und Tſingkau in den Händen der Japaner.
Beſekung weiterer wichkiger milikäriſcher Skükpunkke.

Milikäriſcher Konflikk
zwiſchen China und Japan.
Japaniſche Truppen beſehen Mukden.
EP. Peking, 19. September.
chen Japan und der Mandſchurei, deren Beziehungen
ans, der Ermordung des japaniſchen Generalſtabsoffiziers
Mak=4 ia durch mandſchuriſche Soldaten ſeit einiger Zeit ſehr ge=
ſpars
varen, ſind am Freitag abend offene Feindſeligkeiten
ausry chen. Nach hier vorliegenden Berichten haben japaniſche
Trm, in der Mandſchurei, die für den Schutz der ſüdmandſchu=
riſch
iſenbahn zu ſorgen haben, die mandſchuriſche Hauptſtadt
Mur beſetzt. Der Beſetzung der Stadt ging ein Bombardement
durs itillerie voraus. Zwiſchen 7080 chineſiſche Soldaten
ſolle i dem Bombardement ums Leben gekommen ſein. Die
chines n Soldaten haben auf Befehl des mandſchuriſchen Macht=
habe
-= des Marſchalls Tſchang Sueh=liang, der ſich zurzeit in
Peki 1 ufhält, keinerlei Maßnahmen zur Verteidigung der Stadt
ergri"
Die Urſachen des Konflikls.
bisherigen Nachrichten aus Oſtaſien über den chineſiſch=
jopa
en Konflikt gaben bisher kein klares Bild über die Ur=
ſache
d den Zweck der japaniſchen Aktion. Das chineſiſch= japa=
niſch
/erhältnis war bekanntlich ſeit einiger Zeit ſtark getrübt.
Japc laubte Anlaß zu begründeten Klagen wegen der Behand=
lung
ter Staatsbürger und ſeiner Waren in China zu haben,
währ; China ſeinerſeits in der Beibehaltung gewiſſer Vor=
recht
rch die Japaner eine Gefährdung ſeiner nationalen Frei=
heit
1 Die Tatſache, daß Japan auf dem chineſiſchen Feſtland,
einnr ᛋo beſor:s in der Mandſchurei, Eiſenbahnen und andere große
herboun A Untei ymen beſitzt, führte zu weiteren Reibungen.
enden G e allgemeine Stimmung iſt durch einen Zwiſchenfall ver=
der
deutzu ſchärs ſorden, der ſich vor einigen Wochen zugetragen hat. Ein
in japav er Generalſtabshauptmann namens Nakamura wurde in
der idſchurei ermordet, und zwar nach japaniſchen Berichten
von eſiſchen Soldaten, der Mukdener Armee. Auf japaniſche
Vor’o ingen hin haben die chineſiſchen Behörden die Angelegen=
heit
+ erſucht, jedoch die Mörder Nakamuras nicht feſtſtellen kön=
nen
u es hat in Japan große Erbitterung erregt und zu ener=
giſchs
Proteſten in der japaniſchen Armee Anlaß gegeben.
dieſem erſten Zwiſchenfall iſt nun am Freitag ein zweiter
hinzs ommen, der ſich in der Nähe von Mukden ereignet hat.
Nack oaniſchen Berichten ſollen chineſiſche Truppen eine Eiſen=
bahrd
cke nördlich von Mukden in die Luft geſprengt haben (die
Chic beſtreiten das und behaupten, die Japaner hättew die
Briy elbſt geſprengt). Dies haben die Japaner zum Anlaß ge=
nonw
, um zunächſt die Garniſon einer kleinen chineſiſchen Stadt
gefast zu ſetzen, und hierauf Mukden, die Hauptſtadt der
Mary urei, militäriſch zu beſetzen. Die japaniſche Aktion erfolgt
nachs) daniſchen Angaben, um China zu veranlaſſen, eine aus=
reickh
e Genugtuung zu leiſten. Ob etwa weitere Abſichten der
Japa: hinter der Aktion zu ſuchen ſind, bleibt abzuwarten. Es
mußi =ückſichtigt werden, daß die japaniſchen Kapitalanlagen in
der rndſchurei auf mehrere Milliarden Goldmark geſchätzt
wer 2

Luch Tſingkan von den Japanern beſeht.
c in Moskau eingetroffenen Meldungen aus Peking iſt am
Saru g vormittag in Tſingtau eine Flottille japaniſcher Ka=
nomn
pote eingetroffen, die Truppen landete. Die chineſiſchen
Behl, en ſind bemüht, die erregte Menſchenmenge in Tſingtau zu
ber:z en, um Ausſchreitungen gegen die japaniſchen Truppen zu
verz ern. Die chineſiſche Polizei hat Maßnahmen getrofffen,
umu ſammenſtöße zu vermeiden.
Japaner beſetzten heute nachmittag weitere wichtige mili=
tärin
, Stützpunkte und entwaffneten die chineſiſchen Beſatzungen
in 1 ring, Hinkow, Hopeh, Fuſhum und anderen Plätzen.

Die Mandſchurei leiſtek keinerlei Widerſtand.
Um das Manöver Japans zu vereiteln, ſoll Tſchang Sueh=
liang
Befehl erteilt haben, die Waffen niederzulegen und keiner=
lei
Widerſtand zu leiſten. Marſchall Tſchang Sueh=liang, der ſich
zurzeit in Peking aufhält, hat ſeine Regierung in Mukden davon
unterrichten laſſen, daß die geſamte Verantwortung für die mili=
täriſche
Aktion die japaniſche Regierung und ihre Beſatzungstrup=
pen
tragen. Tſchang Sueh=liang hat ein Telegramm der chineſi=
ſchen
Regierung in Mukden erhalten, wonach alle Maßnahmen
getroffen ſeien, das Vorgehen der Japaner zum Stillſtand zu
bringen.
Japans Abſichken.
Die japaniſche Regierung hat alle Maßnahmen getroffen,
um die Verwicklungen in der Mandſchurei, die zur Beſetzung
Mukdens durch japaniſche Bahnſchutztruppen geführt haben, zu
lokaliſieren und eine Ausbreitung der Feindſeligkeiten zu ver=
hindern
. Die Abſicht Japans, den Konflikt, wie es in ihrer Er=
klärung
heißt, zu lokaliſieren, kommt darin zum Ausdruck, daß
der japaniſche Generalkonſul in Mukden und der japaniſche Ober=
befehlshaber
in der Mandſchurei Weiſungen erhalten haben, bei
aller Wachſamkeit doch eine friedliche Entwicklung der ganzen
Affäre im Auge zu behalten.
Der chineſiſch=Japaniſche Konflikk
vor dem Völkerbundsrak.
Genf, 19. September.
Der Völkerbundsrat wurde zu Beginn ſeiner 65. Tagung am
Samstag nachmittag mit dem Konflikt zwiſchen China und Japan
befaßt. Der Vertreter Japans, Yoſhiſawa, gab, eine kurze Er=
klärung
ab, worin er mitteilte, er habe zuerſt aus Zeitungsnach=
richten
von Zuſammenſtößen bei Mukden geleſen und heute früh
eine offizielle Mitteilung ſeiner Regierung erhalten, worin ſie die
Tatſache ſolcher Zuſammenſtöße beſtätige. Einzelheiten fehlten
noch. Sobald weitere Mitteilungen eingingen, werde er ſie dem
Rat übermitteln. Er könne aber ſchon heute die Verſicherung ab=
geben
, daß die japaniſche Regierung alles tun werde, um weitere
Verwicklungen zu vermeiden. Der Vertreter Chinas Sze, gab
daraufhin ſeinerſeits die Erklärung ab, daß die chineſiſche Dele=
gation
mit Bewegung von den Vorgängen gehört habe, die aus
der Mandſchurei gemeldet worden ſeien, und auf die der Dele=
gierte
Japans die Aufmerkſamkeit des Rates gelenkt habe. Ohne
zuzugeben, daß dieſe Zwiſchenfälle durch die Schuld Chinas her=
vorgerufen
ſeien, erklärte er ſich bereit, den Völkerbundsrat über
die Nachrichten, die er von ſeiner Regierung erhalte, auf dem
Laufenden zu halten. Der Präſident des Völkerbundsrats, Ler=
roux
, nahm von den Erklärungen Kenntnis und gab der Hoff=
nung
Ausdruck, daß die Angelegenheit einen friedlichen Verlauf
nehmen werde.
Der Kampf um den Rüſtungsſtillſtand.
Die Verhandlungen im Abrüſtungsausſchuß der Völker=
bundsverſammlung
nahmen am Samstag nachmittag einen über=
raſchenden
Verlauf, da völlig unerwarieter Weiſe der däniſche
Außenminiſter Munſch vorſchlug, zu den jetzt beginnenden Be=
ratungen
über den italieniſchen Rüſtungsſtillſtandsvorſchlag die
Vertreter der Vereinigten Staaten, Rußlands und der Türkei
alſo dreier Nichtmitgliederſtaaten hinzuzuziehen. Der franzö=
ſiſche
Vertreter Maſſigli wandte ſich mit großer Schärfe gegen
den Vorſchlag und erklärte die Hinzuziehung von Nichtmit=
gliedſtaaten
des Völkerbundes zu den Ausſchußberatungen als
unzuläſſig. Lord Robert Ceeil dagegen betonte, daß die Ver=
treter
dieſer drei Mächte zwar kein Stimmrecht hätten, daß
jedoch durch ihre Teilnahme die Beratungen weſentlich an Be=
deutung
gewinnen könnten. Die Beratungen verwickelten ſich
noch weiter durch einen Vorſchlag einer ſüdamerikaniſchen Macht,
Argentinien und Braſilien, die gleichfalls an den Sitzungen nicht
teilnehmen, zu den Verhandlungen hinzuziehen. Der Präſident
ſah ſich ſchließlich gezwungen, die Sitzung zu unterbrechen, da
ein Ausweg zunächſt nicht gefunden wurde.
Nach neuen Verhandlungen wurde beſchloſſen, die ſofortige
Entſcheidung des Rates über die Zuläſſigkeit der Zuziehung
von Nichtmitgliederſtaaten des Völkerbundes zu den Beratungen
des Ausſchuſſes herbeizuführen.

Velwirſchafliche Unſchau.

Von
Profeſſor Dr. Otto Moſt.
Die weltwirtſchaftliche Entwicklung hat in den letzten Wo=
chen
noch keinen Ausblick auf demnächſtige Erleichterungen ge=
bracht
. Sie enthüllte aber den wachſenden Ernſt der Lage in
immer mehr Ländern und brachte gleichzeitig zum Bewußtſein,
in welch außerordentlichem Maße Schwierigkeiten rein poli=
tiſcher
Art noch überwunden werden müſſen, bis eine wirk=
liche
Grundlage zu gemeinſamer Bekämpfung des Weltübels ge=
funden
iſt.
Das Baſeler Abkommen über ein ſechsmonatiges
Stillhalten, d. h. das Nichtweiterzurückziehen ausländiſcher kurz=
friſtiger
Kredite aus Deutſchland, hat nur eine Atempauſe ge=
bracht
. Nach den Feſtſtellungen, die dabei gemacht wurden, ſind
ſeit dem mächtigen Aderlaß des Juli und der ihm vorausgegan=
genen
Monate rund drei Milliarden kurzfriſtiger Gelder aus
Deutſchland abgezogen; verblieben ſind an kurzfriſtigen Ver=
pflichtungen
noch annähernd 7½ Milliarde. Es liegt auf der
Hand, daß, wenn bis zum Ablauf der ſechsmonatigen Friſt nicht
auf dem Wege internationaler Verhandlungen eine Dauerlöſung
gefunden ſein wird, die Gefahr befteht, daß ſich die Julivor=
gänge
wiederholen, dann aber mit ganz anderer Wucht von
außen und ganz anderen Wirkungen im Innern, mitten im
Winter mit weit vergrößerter Arbeitsloſigkeit und fortgeſchrit=
tener
Wirtſchaftsſchrumpfung.
Ein verhältnismäßig günſtiges Bild gibt nach wie vor die
deutſche Außenhandelsbilanz, ſoweit man lediglich die
Tatſache des Ueberſchuſſes der Aus= über die Einfuhr in Be=
tracht
zieht. Aber im Einfuhrrückgang wirken ſich nicht nur Ein=
ſchränkungen
im Verbrauch ausländiſcher Lebensmittel und In=
duſtrieerzeugniſſe
, ſondern auch die ſcharfe Produktionsdroſſe=
lung
in der deutſchen Induſtrie aus. Die ſcheinbare Kriſen=
feſtigkeit
der deutſchen Ausfuhr, wie man dieſen
Zuſtand nicht unzutreffend bezeichnet, iſt zum guten Teil ein
Notprodukt der wirtſchaftlichen Lage und des Zwangs, ſelbſt zu
Verluſtpreiſen zu exportieren.
Weitgehende Beachtung hat das Gutachten gefunden, das
die Baſeler Finanzſachverſtändigen nach Abſchluß der dortigen
Verhandlungen veröffentlichten und das nach dem Hauptbericht=
erſtatter
Layton=Bericht genannt wird. Er führt aus, daß
der Wiederherſtellung des Vertrauens in die finanzielle Zukunft
Deutſchlands, ohne die das Zuſtandekommen einer langfriſtigen
Anleihe unmöglich ſei, ſich zwei grundlegende Schwie=
rigkeiten
gegenüber ſtellen: einmal das Ausmaß der äußeren
Verpflichtungen Deutſchlands, die entweder eine dauernde,
lawinenartige Erhöhung der deutſchen Auslandsſchulden, oder
aber eine derartige Steigerung der Ausfuhr nach ſich ziehen
müſſe, daß die wirtſchaftliche Proſperität anderer Länder, denen
damit ſcharfer Wettbewerb bereitet wird, bedroht werde; zum
zweiten das vorhandene politiſche Riſiko. Wörtlich
heißt es im Bericht: Solange nicht die Beziehungen zwiſchen
Deutſchland und anderen europäiſchen Mächten auf der Grund=
lage
freundſchaftlichen Zuſammenarbeitens und
gegenſeitigen Vertrauens beruhen und dadurch eine
weſentliche Urſache innerpolitiſcher Schwierig=
keiten
für Deutſchland beſeitigt wird, iſt keine
Gewähr für einen dauernden und friedlichen
wirtſchaftlichen Fortſchritt gegeben.
Die Zeit drängt. Der Wirtſchaftskörper der Welt hat an
einem ſeiner wichtigſten Glieder einen ſchweren Schlag erhalten.
Die Regierungen aller Länder der Welt müſſen ſich über die
auf ihnen ruhende Verantwortung klar ſein und umgehend
Maßnahmen ergreifen, die geeignet ſind, das Vertrauen wieder=
herzuſtellen
. Es iſt ein Appell an die Welt, ſich zu be=
ſinnen
, ehe es zu ſpät iſt.
Die Schwierigkeiten in England ſind inzwiſchen weſent=
lich
gewachſen. Der letzte Wochenbericht des Inſtituts für Kon=
junkturforſchung
gibt die Zahl der Arbeitsloſen mit rund 294
Millionen an. Das Gewicht dieſer Zahl wird erſt deutlich, wenn
man berückſichtigt, daß Großbritannien noch nicht 45 Millionen
Einwohner zählt gegenüber an 65 Millionen in Deutſchland.
Das Defizit des Staatshaushalts hat ein Ausmaß angenommen,
dem nur durch harte Sparmaßnahmen, die vielfach den deutſchen
ähnlich ſind, freilich noch weſentliche Gradunterſchiede aufweiſen,
beizukommen iſt.
Wie lange die neue Regierung Macdonald beſtehen, ob und
wie ihr die Ueberwindung der engliſchen Schwierigkeiten gelin=
gen
wird, ſteht dahin. Drei Dinge ſind aber darüber hinaus
weſentlich: erſtens das Ausſcheiden des bisherigen Außenmini=
ſters
Henderſon, der gerade in dem engliſch=franzöſiſch=

de Geburk der Dynamomaſchine.
Z L40. Wiederkehr des Geburtstages von Michael Faraday
am 22. September.
23. September wird die Inſtitution of Electrical
Eni ers in der Royal Albert Hall in London eine Ausſtellung
der Etrotechniſchen Induſtrie unter dem Namen Faraday
Ce ary Exhibition eröffnen. Die Verquickung dieſer Ver=
anfy
ang mit dem Namen Faraday zeigt, welchen tiefgehenden
Eir)3 auf die Entwicklung der geſamten Elektrizitätswirt=
ſch
=Aderen führende Kreiſe dem Forſcherwerk eines Mannes
zufurben, der als einer der bedeutendſten Phyſiker, von man=
ches
gar ſchlechthin als der größte Experimentator aller Zeiten
bes net wird.
n 29. Auguſt waren 100 Jahre vergangen ſeit jenem denk=
würt
ren Tage, an dem es Faraday gelungen war, mit einem
eirnl en Verſuch den Beweis für eine von ihm lange gehegte
B tung zu finden: Oerſtedt und Ampere hatten vor ihm ge=
ze
: Haß Elektrizität magnetiſche Wirkungen auszuüben ver=
mau
ſein Ziel war es, in Umkehrung dieſes Vorganges Elek=
tr
:) durch Magnetismus zu erhalten. Vier Verſuche nach
di7 Richtung waren fehl geſchlagen, der fünfte am 29. Auguſt
brui, das Ergebnis, das ſpäter zu der gewaltigen Entwicklung
de ektriſchen Krafterzeugung führen ſollte. Faraday hatte
ei1 Weicheiſenring mit zwei getrennten ſich gegenüberliegen=
de/
rahtwicklungen verſehen und die Enden der einen mit
eiN Batterie verbunden, während die Enden der anderen mit
ei! Draht, der über eine Magnetnadel geführt war, kurz ge=
ſSn
wurden. Bei Schließen und Oeffnen des Stromes in
de men Wicklung wurde die Magnetnadel jedesmal lebhaft
9e gewirbelt. Dieſe Erſcheinung bedeutete nichts geringeres
4 Te Entdeckung der elektromagnetiſchen In=
do
kon, ſie ſtand in Einklang mit Faradays Vorſtellung von
d0 rnagnetiſchen Kraftlinien, die das Eindringen in die noch
Ichließenden großen Gebiete der elektromagnetiſchen Er=
ingen
ungemein erleichtert hat. Sie wies den Weg, in den
Den Jahrzehnten den Induktionsvorgang zum Strom=
xungsmittel
größten Ausmaßes auszubauen.
Fereits am 28. Oktober 1831 entſtand die Urform der
Tnomaſchine in Geſtalt einer zwiſchen den Polen eines kräf=
Magneten gedrehten Kupferſcheibe, an deren Achſe und
ng ſtromabnehmende Drähte ſchleiften. Je nach der Dreh=
ng
floß der Strom von der Achſe zum Umfang oder um=
Tt. Schon ein Jahr danach baute man in Paris die erſte
Tek=elektriſche Maſchine mit umlaufendem Hufeiſenmagnet
feſtſtehendem Spulenpaar; bald folgten engliſche Konſtruk=
mit feſtſtehendem Magnet und umlaufenden Spulen. Be=

reits 1854 war die Pariſer Compagnie lAlliance in der Lage,
größere vielpolige Maſchinen zur Lichterzeugung für Leuchttürme
herzuſtellen. Die bahnbrechenden Arbeiten Werner von Sie=
mens
in den fünfziger und ſechziger Jahren des vorigen
Jahrhunderts ermöglichten dann in größerem Umfange den Bau
praktiſch brauchbarer Gleichſtrommaſchinen, und 1890 erhielt die
Wechſelſtrommaſchine ihre Grundform.
In den hundert Jahren ſeit Faradays Entdeckung der
elektromagnetiſchen Induktion hat die Elektrizität ſich den Erd=
ball
erobert. Die Welterzeugung an elektriſchem Strom, die
1925 rund 186,6 Milliarden Kilowattſtunden betrug, war 1928
bereits auf 255,6 Milliarden Kilowattſtunden angeſtiegen. Auf den
Grundlagen eines mit ganzer Hingabe an die Wiſſenſchaft durch=
geführten
Forſcherwerks iſt eine Rieſen=Induſtrie erwachſen, in
der viele Millionen Menſchen ihr Brot verdienen und deren Er=
zeugniſſe
den Stand der heutigen Ziviliſation beſtimmt haben.
Faradays Dienſt an der Menſchheit erſchöpft ſich jedoch nicht
allein in der Entdeckung der elektromagnetiſchen Induktion. Auch
auf vielen anderen Gebieten waren ſeine Arbeiten grundlegend
und entſcheidend für die ſpätere Elektrizitätslehre, ſie bereicher=
ten
die Wiſſenſchaft um eine völlig neue Art der Darſtellung
phyſikaliſchen Geſchehens. Hier ſeien nur erwähnt ſeine Unter=
ſuchungen
über die Selbſtinduktion, die magnetiſche Drehung des
Lichtes, die Elektrizitätsleitung in chemiſchen Löſungen u. v. a.

Zwei Darmftädter Ausfklellungen.
Bücherſtube Bodenheimer.
Robert Pudlich iſt ein junger Düſſeldorfer Maler. Er
hat bei Bodenheimer eine Reihe Gemälde (Oel und Paſtell) und
Zeichnungen ausgeſtellt. Was hat er zu ſagen? Zwei Bilder
bringen Kaffeehaus=Szenen. Eine Dame ſitzt am Tiſch der
Kellner ſteht dahinter, eine mondäne Figur erſcheint im Hinter=
grund
aber was bei Pudlich eigentlich das Wort führt,
das iſt die Farbe. Es ſind lauter gebrochene Erdtöne, Lehm=
farben
, Sandfarben, und ſelbſt wenn ein Grün, ein Roſa an=
gegeben
wird, bleibt das Erdige vorherrſchend, bei ſehr mürbem,
geſpachteltem Auftrag. Ein Schwarz ſteht erregend dazwiſchen.
Es ſind köſtliche Feinheiten in dieſer Farbenwelt, aber ſie hat
ein ſchwerflüſſiges, langſames Leben. Alles iſt wie im Zer=
bröckeln
, eine Schwermut, ein Stocken, faſt eine Trauer liegt
zugrunde. Man ſieht das noch deutlicher an dem Frauenkopf
im Vorderraum, weil da der ſeeliſche Ausdruck ganz offentſicht=
lich
mit dem Naturell der Malweiſe zuſammenklingt. Die
Farbe iſt hier zügiger behandelt, ſie iſt ſehr reich, aber überall

durch Grau heruntergedrückt, und was in den Augen ſteht, iſt
ein Beieinander von ſeeliſcher Kraft und Beladenheit, faſt Gram,
faſt Schuld. In den Zeichnungen (meiſt Akte) hat die lebendig
ſchildernde Linie gleichſam Ferien; Ferien von der in ihrer
Schönheit ſo gedrückten Faxbe; ſie iſt fein und genau und kommt
oft zu einem ſubtilen Schwung, der an die letzten Umrißzeich=
nungen
Picaſſos denken läßt. Dem gleichzeitig ausgeſtellten
Hockeyſpieler des jungen Darmſtädters Erich Freyer ( Gips=
figur
, getönt) ein Bravo! Die Figur kommt aus einem kräftigen
ſportlichen Intereſſe; es handelt ſich viel weniger um den Körper
als um die Armatur und um die Bewegung, und das iſt gerade
das Feſſelnde und Neuartige: Bewegung iſt hier nicht Zuſtand
eines Menſchenkörpers, ſondern der Körper iſt lediglich Träger,
Verwirklichungsſtoff der kämpferiſchen Bewegung.
II.
Buchhandlung Bergſträßer.
Landſchaften, meiſt aus Rheinheſſen, und Zeichnungen
(Kindergeſtalten) ſtellt Daniel Wohlgemuth aus. Die
Landſchaften ſuchen mit ſparſamen Mitteln (Waſſerfarbe) den
geſammelten Ausdruck eines Naturausſchnittes fühlbar zu
machen. Die Zeichnungen ſchildern in kräftigen Zügen das
Schmiegſame von kindlichen Körpern und kommen vielfach zu
bemerkenswert feinen, dichteriſchen Pointierungen. Ohne irgend=
welche
gefühlige Abſichtlichkeit ſteht auf einmal das Ganze einer
kindlichen Exiſtenz faßlich und lachend vor Augen.
Wilhelm Michel.
Von deutſchlands Hohen Schulen.
Halle a. d. Saale: In Engelhartszell (Oberöſterreich) verſchied
plötzlich am 6. d. M. der ao. Profeſſor und Leiter des Inſtituts
für techniſche Chemie an der Univerſität Halle, Dr.=Ing. Moritz
Dolch, im Alter von 46 Jahren. Der Verſtorbene iſt als Ver=
faſſer
zahlreicher Abhandlungen und Werke auf dem Gebiete der
techniſchen Chemie, insbeſondere der Technologie der Brennſtoffe
und des Erdöls, bekannt geworden. Der frühere Profeſſor der
Phyſiologie an der Univerſität Halle. Dr. phil. et med. Ernſt
Gellhorn, der vor zwei Jahren an die Oregon=Univerſität in
Eudene (USA.) berufen wurde, iſt dort zum ordentlichen Pro=
feſſor
ernannt worden. Auf die Profeſſur für deutſche Sprache
an der Univerſität Jowa wurde Studienrat Dr. Erich Funke
von der Helene=Lange=Schule in Halle berufen.
Leipzig: An den Profeſſor der phſikaliſch=chemiſchen Minera=
logie
. Petrographie und Feinbaulehre an der Univerſität Leip=
zig
, Dr. phil. Ernſt Schiebold, iſt von der Ropal Inſtitution
of Great Britain eine Einladung zur Teilnahme an der Fara=
day
=Feier für September 1931 nach London ergangen. Profeſſor
Schiebold hat die Einladung angenommen.

[ ][  ][ ]

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deutſchen Widerſpiel der letzten Monate eine ſo weſentliche Rolle
geſpielt hat; zweitens die Tatſache, daß infolge des ſtarken
Anteils der Liberalen an der neuen Regierung der von den
Konſervativen als Heilmittel empfohlene Uebergang zum
Schutzzollſyſtem (der auch für Deutſchland ſehr erhebliche,
und zwar ſehr unliebſame Bedeutung gewinnen würde) vor=
läufig
zunächſt wieder in den Hintergrund getreten iſt; drit=
tens
, daß nach allem, was bisher zu hören geweſen iſt, für die
nächſten Monate bei England Neigung zur Zurückhaltung
in internationalen Fragen zu beſtehen ſcheint. Das
würde bedeuten, das England bis zur Durchführung der eigenen
Finanzſanierung auf der weltpolitiſchen Bühne mehr in den
Hintergrund tritt, trotzdem es ſich dabei gerade um die Haupt=
frage
handelt, die, wie der Wirtſchaftsnot der Welt, auch der
Englands zugrunde liegt. Im Hinblick darauf iſt doch auch in
England die Auffaſſung ſtark vertreten, daß ernſte Schritte
getan werden müſſen, zu verhüten, daß mit dem Ende der Still=
haltung
für die deutſchen Kredite am 18. Februar 1932 die Ka=
taſtrophe
nicht allein über Deutſchland, ſondern auch über Eng=
land
hereinbricht.
Die Nachrichten über die amerikaniſche Wirt=
ſchaftslage
werden immer ernſter. Die Not in den Agrar=
ſtaaten
der Union, die auf dem Ueberfluß an Baumwolle und
Weizen ſitzen, wächſt. Die Arbeitsloſenzahl nimmt zu. Im Zu=
fammenhang
damit iſt eine ganze Reihe von Banken, freilich
vorwiegend ſolche geringerer Bedeutung, zum Erliegen ge=
kommen
.
Die Vorſchläge des amerikaniſchen Farmamtes, das unge=
heuere
Ueberangebot an Baumwolle, das den Preis
auf ein bisher nie dageweſenes Niveau gedrückt hat, durch Ver=
nichtung
eines Teils der Vorräte zu beheben, ſind an Wider=
ſtänden
aus den Agrarſtaaten geſcheitert. Die Weizenvor=
räte
ſind ſo rieſig, daß ſelbſt der erhebliche Rückgang im argen=
tiniſchen
und auſtraliſchen Weizenbau die Lage nicht weſentlich

Sonntag, den 20. September 1931
hat ändern können. Die europäiſche Ernte freilich bleibt
unter der Wirkung des ungünſtigen Wetters weſentlich hinter
der urſprünglichen Schätzung zurück. Vielleicht braucht Europa in
größerem Maße als bislang Getreide von Ueberſee; die Kauf=
kraft
aber iſt nach wie vor gering, und zudem hat Rußland
mit unerwartet ſchnell anſteigenden Ausfuhren in ſcharfem
Wettbewerb gegen die amerikaniſche Ware begonnen.
Die neueſte ruſſiſche Außenhandelsſtatiſtik zeigt
aber doch einen Rückgang der dortigen Ausfuhr gegenüber
dem Vorjahre. Die Angaben beziehen ſich auf das erſte Viertel=
jahr
1931, in dem für 196 Millionen Rubel exportiert wurde
gegenüber 237 in der gleichen Zeit des Vorjahres. Unter den
nach Rußland einführenden Ländern ſteht jetzt die amerikaniſche
Union an erſter Stelle, Deutſchland mit einer Menge, die etwa
zwei Drittel ſo groß iſt, an zweiter. Frankreich, deſſen
Handelsverkehr mit Rußland ſeit langem darniederliegt, hat
ſeine immer paſſiver werdende Handelsbilanz zu dem Verſuch
geführt, die Beziehungen mit Rußland zu bereinigen, und zwar
auf politiſchem wie auf wirtſchaftlichem Gebiet. Zu welchen
Ergebniſſen dieſe Bemühungen führen werden, iſt noch nicht
ſicher. Immerhin deutet manches auf eine Aenderung des
franzöſiſch=ruſſiſchen Verhältniſſes hin. Dabei iſt aber nicht zu
vergeſſen, daß zwiſchen Rußland und dem Frankreich ſo eng be=
freundeten
Polen ſo viele Gegenſätze beſtehen, daß davon auch
das Problem Frankreich=Rußland nicht unberührt bleiben kann.
Ueber all dem iſt die Wichtigkeit einer deutſch= franzö=
ſiſchen
Verſtändigung immer klarer geworden; freilich
auch, wie ſchwer ſie Deutſchland gemacht wird. Der ſoeben in
Genf erfolgte, oder richtiger geſagt, unter Ausnutzung der öſter=
reichiſchen
Finanznot erzwungene Verzicht auf die deutſch=
öſterreichiſche
Zollunion hat vorab die pſychologiſche Grundlage
dafür gewiß nicht gebeſſert. Bekanntlich war die Frage der
Zollunion ſeinerzeit an das Haager Schiedsgericht zur Prüfung

Nummer
der Rechtsfrage verwieſen worden. Nun hat ſich heraus
daß, wie es in einem deutſchen Kommentar dazu heißt, die
der Zollunion viel weniger ein juriſtiſches Problem
Problem der innerwirtſchaftlichen Fähigkeit der
behauptung geworden iſt. Nach der Kündigung der en
Kredite hatte ſich für die öſterreichiſche Regierung
abweisbare Notwendigkeit ergeben, Finanzhilfe zu ſuch
wegen der eigenen wirtſchaftlichen Schwierigkeiten von
land aus nicht gegeben werden konnte.
Die Nachrichten über die chineſiſchen Ueberſchw.
gen laſſen erkennen, daß es ſich um ein, auch für ein
waltiges Gebiet und eine ſo ungeheuere Menſchenmaſſe
jenige Chinas, großes Unglück handelt. Gleichzeitig
Nachrichten über die Zuſpitzung der Beziehungen
Japan und der chineſiſchen Zentralregierung wege
ſchreitungen, denen Chineſen in zahlreichen Städten Kore
geſetzt waren. Die weſentliche Waffe der Chineſen iſt d
ſchaftliche Boykott, der offenbar mit ſtarkem Auftrieb ein
worden iſt.
Darüber hinaus kommen aus allen Enden der Welt s
gen über Unruhen, die ausgebrochen ſind oder ſich n
haben: in Cuba und Chile Revolution, in Sp
dauernd ernſtliche Schwierigkeiten; Aufſtandsbewegung i=
tugal
; ſchließlich, um noch ein Beiſpiel zu nennen.
klärung eines Auslandsmoratoriums, d. h. völlige Ein
der Zahlungen, für Verzinſung und Tilgung öffentlich
landsanleihen durch Chile und Braſilien: Au z
wohl dem recht, was ich eingangs als weſentlichen In
weltwirtſchaftlichen und damit im engſten Zufammenhan=
den
weltpolitiſchen Entwicklung kennzeichnete. Große
iſt im Anzug. Von Deutſchland her können wir ſie alle
bannen. Aber das Unſere dazu beizutragen, de
wir in der Lage und verpflichtet.

Ihre am 21. September stattfindende
Vermählung geben bekannt
WALTHER HEOKEL
ANNA VON HOEMANM
Stuttgart
Darmstadt
Ohhstr. 40
Madrid

Ihre Vermählung geben bekannt
Jakob Metz
Lina Metz
geb. Filſinger
Darmſtadt, den 20. Sept. 1931.
Rheinſtr. 47.

Statt beſonderer Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine liebe Frau, meine herzensgute,
treubeſorgte Mutter und Großmutter, unſere liebe Schweſter, Schwägerin, Tante
und Couſine
Frau Margareta Schmitt, geb. Abt
In tiefer Trauer:
J. Schmitt, Miniſterialrat i. R.
Emilie Page, geb. Schmitt
Roſel Page.
Darmſiadt (Sandbergſtr. 67), Mannheim, den 18. September 1931.
(13547
Die Beerdigung findet ſtatt: Montag, den 21. September, nachmittags 3 Uhr, auf
dem Friedhof in Gernsheim von der Leichenhalle aus.

nach langem, ſchweren, mit großer Geduld getragenen Leiden heute nachmittag
4 Uhr im 69. Lebensjahr zu ſich abzurufen.

Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Nach Gottes Willen iſt meine treue Lebens=
gefährtin
, unſere gute Mutter, unſere liebe Tochter,
Schweſter, Schwägerin und Tante
Frau Pfarrer Marie Ferdkel
geb. Doerr
geſtern abend ſanft entſchlafen.
In tiefer Trauer:
Pfarrer Karl Ferckel u. Kinder
Carl Doerr ſen. u. Familien.
Ludwigshafen a. Rh., Franklinſtr. 29, Meder= Ram=
ſtadt
, am 19. September 1931.
Die Beerdigung findet am Montag, 21. Sept. nachm.
3 Uhr, auf dem Hauptfriedhof, Ludwigshafen, ſtatt.

Am 18. September entſchlief ſanft im 84. Le=
bensjahre
unfre liebe, gute Mutter, Schwieger=
mutter
, Groß= und Urgroßmutter
Frau
Mülteewale Bwe.
geb. Gohl.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 19. September 1931.
Gutenbergſtr. 8.
(13576
Die Beerdigung ſindet Montag, den 21. b3. Mts., 3 Uhr
nachmittags, auf dem Waldfriedhofe ſtatt.

Wilh. Sohmank
Schützenstraße 16
Telefon 965
6213a

Erd- und
Peuerbestattung

Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Verwandten, Freunden und Bekannten die ſchmerz=
liche
Nachricht, daß heute meine herzensgute Frau,
unſere ſonnige, über alles geliebte Tochter, Schweſter,
Schwiegertochter, Schwägerin und Tante
Frau Annchen Kraft
geb. Sulzmann
nach längerem, mit Geduld ertragener Krankheit
ſanft dem Herrn entſchlummert iſt.
Die tranernden Hinterbliebenen:
Dr. Otto Kraft, Amtsgerichtsrat
Familie Ludwig Sulzmann
Familie Ludwig Gotiſchall
Fam lie Willi Sulzmann
Familie Guſtav Wendorf
Familie Heinrich Kraft.
Frankfurt a. M., Darmſtadt (Seitersweg 8) u. Magdeburg,
den 18. September 1931.
Die Beerdigung findet in der Stille in Darmſtadt
ſtatt.
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[ ][  ][ ]

ummer 261

Aus der Landesgaugtfinor.
Darmſtadt, den 20. September 1931.
die Freie Likerariſch=Künſtleriſche Geſellſchaft

indet in der Zeit wirtſchaftlicher Schwierigkeiten doppelt die
flichtung, die kulturellen, künſtleriſchen und geiſtigen Kräfte
Hegenwart in ihren wertvollſten Erſcheinungen allen Kreiſen
Zevölkerung zu erfüllbaren Bedingungen zugänglich zu machen.
Das Programm des kommenden Winters ſieht acht her=
gragende
Veranſtaltungen vor.
der Dichter Edwin Erich Dwinger, der in Sibirien
Kampf der weißen Armee gegen den Bolſchewismus mitge=
hat
und deſſen Werke Armee hinter Stacheldraht und
ſchen Weiß und Rot zu den größten Bucherfolgen der letzten
e gehören, eröffnet am 12. Oktober die Reihe der Verau=
Kingen.
Kaſimir Edſchmid, deſſen Reiſebücher Weltruf gewon=
haben
, wird von ſeinen letzten Reiſen exzählen.
Die Beziehungen zwiſchen den jüngſten Strömungen der Kunſt
dem Geiſtesleben der Gegenwart wird Profeſſor, Dr. Fritz
hert=Frankfurt in einem Vortrag über den Neuen
mwillen unſerer Zeit mit Lichtbildern erläutern.
Das neueſte und intereſſanteſte Werk über das heutige Ruß=
hat
Hans Siemſen=Berlin nach längerem Aufenthalt
in Sowjetſtaaten vor kurzem veröffentlicht; er hat einen Vor=
über
ſeine Beobachtungen über Das Experiment des
ſchewismus zugeſagt.
Wie im Vorjahre wird das Gaſtſpiel eines hervorragenden
wärtigen Theaters eine für Darmſtadt neue Bühnen=
ung
bringen.
Niddy Impekoven, die in der Literariſch=Künſtleriſchen
lſchaft ſeinerzeit ihr erſtes auswärtiges Gaſtſpiel gab und
r Tanzkunſt ſtets jung und entzückend bleibt, kommt zu einem
zabend.
Wilhelm Buſchs 100 Geburtstag ſoll durch einen heiteren
2 ch=Abend des Rezitators Hans Balzer gefeiert werden.
Köſtliche Proben der Kammermuſik früherer Zeiten wird ein
Toriſches Konzert des neuerdings ſtark gefeierten
vs Harlan=Lucas=Duis geben.
Nur die Organiſation der Geſellſchaft und die bisher ſtets be=
ite
rege Anteilnahme des geiſtig intereſſierten Darmſtadt er=
ichen es, daß die hervorragenden acht Veranſtaltungen zu dem
rrigen Abonnementspreis von 12 Mark für numerierten
rſitz und 8 Mark für unnumerierten Saal geboten, werden
Een.
Um den gegenwärtigen ſchwierigen wirtſchaftlichen Verhält=
n Rechnung zu tragen, wird für kommenden Winter für jede
und weitere Karte für Angehörige desſelben Hausſtandes
Ermäßigung des Preiſes auf 10 Mark für Sperrſitz und 7 Mk.
Saal gewährt. Die Veranſtaltungen finden teils im Feſt=
der
Loge (Sandſtraße 10), teils im Heſſiſchen Landestheater
Den Mitgliedern werden die Mitgliedskarten in den näch=
Tagen zugeſtellt. Neuanmeldungen nimmt die Buchhandlung
Zergſträßer (Wilhelminenſtraße 29) entgegen. (Siehe Anz.)

Erledigt iſt eine Lehrerſtelle für einen katholiſchen Lehrer
der Volksſchule in Nieder=Mörlen. Kreis Friedberg: Dienſt=

nung iſt frei.
In den Ruheſtand tritt am 1. November der Förſter Hein=
Kinkel zu Harbach, auf ſein Nachſuchen.
Das Evang.=kirchl. Landesjugendamt für Heſſen veran=
et
vom 11. bis 15. Oktober d. J. in der Otto=Berndt=Halle in
mſtadt einen Lehrgang für Bibel= und Jugendarbeit. Den
ern, die an dem Lehrgang teilnehmen wollen, kann Urlaub
ilt werden, ſoweit dies ohne beträchtliche Schädigung des
errichts möglich iſt.
Die diesjährige Hauptübung der Städt. Feuerwehren, in
einſchaft mit der Sanitäts=Hauptkolonne vom Roten Kreuz
dem Arbeiter=Samariterbund, findet am Sonntag, den
D. M., vormittags 11½ Uhr, am Alten Theater ſtatt.
Lothar Schenck von Trapp wurde von Generalintendant
jen aufgefordert, die Bühnenbilder zu Pfitzners Oper Das
(Uraufführung November Lindenoper Berlin) zu ent=
fen
.
Heſſiſches Landestheater.

Großes Haus.

intag, 20. Sept. 19½: Ende 22 Uhr. Außer Miete. Die drei
Musketiere. Halbe Preiſe 0 505 Mk. nstag, 22. Sept. 19½2234 Uhr. 4 3. Die Macht des Schickſals.
Preiſe 0.907.20 Mk. twoch, 23. Sept. 2022½ Uhr. B2. Reifeprüfung.
Preiſe 0.806.40 Mk. anerstag,24. Sept. 19½22½ Uhr. C 3. Die Natten
Preiſe 0.907,20 Mk. Itag, B. Sept. 19½, Ende vor 22½ Uhr. D3. Die verkaufte
Braut. Preiſe 0.907.20 Mk. rnstag, 26. Sept. 2022½ Uhr. Werbevorſtellung der Darm=
ſtädter
Volksbühne. Martha, Kein Kartenverkauf. antag, 27. Sept. 19½2234 Uhr. K1. Bühnenvolksbund.
Der Tronbadour. Preiſe 18 Mk. Kleines Haus. rnstag, 28. Sept. 20, Ende gegen 22 Uhr. Zuſatzmiete V11.
Marguerite: 3. Preiſe 15 Mk.

mntag, 27. Sept.
Marquerite: 3. Preiſe 15 Mk.
Heſſiſches Landestheater. Heute abend wird, zu halben
eiſen 0.505.00 RM. die Revue=Operette Die drei Mus=
Tiere aufgeführt. Preisausſchreiben des Lan=
stheaters
. Die Löſungen des Preisausſchreibens, das in
Oeffentlichkeit großes Intereſſe erweckte ſind bis 30. Sept.
der Mietabteilung des Landestheaters einzureichen.
Premieren der Woche. Die kommende Woche bringt zwei
emieren im Schauſpiel. Am Donnerstag, den 24. September,
rden Die Ratten zum erſtenmal aufgeführt. Die Rolle
Frau John ſpielt Franziska Kinz von den Reinhardt=
ihnen
, Berlin, den Erich Spitta Norbert Schiller. Inſze=
rung
: Renato Mordo; Bühnenbild: Wilhelm Reinking. Ger=
rt
Hauptmann wird dieſer Aufführung ſeines Stückes perſön=
5 beiwohnen. Das Kleine Haus wird am Samstag den
September, mit Schwieferts erfolgreichem Luſtſpiel Mar=
rerite
: 3 eröffnet. Die Titelrolle ſpielt Leny Marenbach.
e übrigen Rollen ſind beſetzt mit den Herren Hinz, Keim, Loh=
mp
. Jürgas. Inſzenierung: Renato Mordo; Bühnenbild: Elli
ättner Sonntag, den 27. Sept, wird im Großen Haus
Der Troubadour, in der Inſzenierung Rabenalt Rein=
rg
. wieder aufgenommen. Muſikaliſche Leitung: Karl Maria
wißler. Die Partien des Manrico und des Luna ſingen die aus
Aufführung Die Macht des Schickſals als ausgezeichnete
2rdi=Sänger bekannten Herren Allmeroth und Drath. Die Leo=
re
ſingt Anny von Stoſch.

Empfehlenswerke Aukokour zum Bergſträßer
Winzerfeſt.
Mitgeteilt vom Starkenburger Automobil=Club. Sport=Abt.
Sitz Darmſtadt. e. V. A.D.A.C.
Halbtagesfahrt.
Darmſtadt Bickenbach, auf halbem Weg nach Zwingenberg
rechts über die Bahn nach Hähnlein, im Ort halblinks nach
Langwaden Jägersburger Wald bis zum Forſthaus. Jägers=
burg
(Kaffeepauſe), dann ſcharf linksum Klein=Hauſen,
Groß=HauſenLorſch, geradeaus nach Hüttenfeld Hems=
bach
Heppenheim Bensheim (z. Zt. Bergſträßer Winzerfeſt,
Winzerdorf auf dem Marktplatz) Darmſtadt.
Geſamtſtrecke: 69,2 Km.

Darmstadt

Eberstadt

6

Hähhlein
Langwaden
Karsan.

Lorsch?

SBickenbae. *= -O Alsbach SZwingenbers OBensheicn Otterpenhein

Hühenteld Sfenhach

Bitte beachten Sie die neue Verkehrsordnung!

Welk=Tierſchukkag am 4. Okkober 1931.
Ein Tag im Jahre ſoll den Tieren geweiht ſein, dies iſt der
einmütige Wille der Tierſchutzvereine der ganzen Welt. Den
4. Oktober hat man als Welttierſchutztag gewählt, denn dieſer
Tag iſt der Todestag von Franziskus von Aſſiſſi, eines
Mannes, der weit über rein katholiſche Kreiſe hinaus als einer
der größten und liebenswürdigſten Tierfreunde aller Zeiten und
Völker bekannt iſt. In Franziskus hat die Auffaſſung, daß der
Menſch nicht despotiſcher Herr über die Tiere, ſondern ihr Bruder
und mit ihnen in Freud und Leid aufs engſte verbunden iſt, ihren
ergreifenden Ausdruck gefunden.
In Hinblick auf die allgemeine Notlage lehnt der Tierſchutz=
verein
für Heſſen geräuſchvolle Veranſtaltungen am Welttierſchutz=
tage
ab. Er beſchränkt ſich in Darmſtadt darauf alle Tierfreunde
im Kleinen Hauſe zu einer ſchlichten Morgenfeier, deren Pro=
gramm
noch bekannt gegeben wird, zu vereinen. Er wird auch
an die Kirchen und Schulen herantreten mit der Bitte, am Welt=
tierſchutztage
der Tiere in geeigneter Weiſe zu gedenken.
Die allgemeine Not wird auch am Tier nicht vorübergehen
und ſich in mangelhafter Tierpflege und vermehrter Roheit gegen
die ſtumme Kreatur auswirken. Tierſchutz im höchſten und rein=
ſten
Sinne iſt aber auch Menſchenſchutz, denn jede Roheit gegen
Tiere muß auch die Seelen unſerer Kinder vergiften. Von dem
Gefühl tiefer Ehrfurcht vor allem Leben erfüllt, wollen wir darum
am Welttierſchutztag geloben, allen leidenden und geknechteten
Lebeweſen. Menſchen wie Tieren, in treuer Hingabe mehr als
wir es ſeither getan haben, zu dienen und ihnen zu helfen, wo
wir nur können.
Sp.
p. Darmſtädter Volksbank. Da die Frage der Haftbarmachung
von Vorſtand und Aufſichtsrat wegen vorgekommener Verfehlun=
gen
in der öffentlichen Meinung lebhaft erörtert wird, ſo ſei doch
zur Beruhigung auf § 38 des Statuts, Ziffer 7. hingewieſen. Der
Beſchlußfaſſung einer Generalverſammlung unterliegt die
Verfolgung von Rechtsanſprüchen gegen Mitglie=
der
des Vorſtandes und Aufſichtsrats, ſowie die Wahl
der Bevollmächtigten zur Führung von Prozeſſen gegen die Mit=
glieder
des Aufſichtsrats.
Die Leitung der Volksbank teilt mit: Nachdem in dieſer
Woche eine Nachprüfung des ſeitens der Verbandsreviſion auf=
geſtellten
Status durch einen ſechsgliedrigen Gläubiger=Ausſchuß
ſtattgefunden hat, wird die kommende Woche die vorläufige Ent=
ſcheidung
über das Schickſal der Volksbank bringen. Für Diens=
tag
abend ſind alle Gläubiger eingeladen worden, um zu dem von
der Verwaltung ausgearbeiteten Vergleichsvorſchlag Stellung zu
nehmen und einen vorläufigen Gläubigerausſchuß zu wählen. Die
Generalverſammlung am Freitag wird dann die entſcheidenden
Beſchlüſſe zur Sanierung faſſen müſſen. In den nächſten Tagen
wird die Verwaltung ihre Vorſchläge in der Preſſe ausführlich
darlegen und kommentieren, damit jedermann Gelegenheit hat,
dieſe Vorſchläge kritiſch zu prüfen. Der neue Aufſichtsrat hat in=
zwiſchen
ſchon eine Reihe von Sitzungen abgehalten; ein neuer
Vorſtand iſt berufen worden. Ueber die Regreßfrage wird in der
Generalverſammlung ausführlich berichtet werden.
Ausſtellung. Anläßlich des I. Akademie=Konzertes mit
Soliſten Herrn Studienrat Willy Hutter, kommt das bereits in
vielen Städten aufgeführte Werk von dem jetzt in Darmſtadt
wohnhaften Komponiſten Herrn Julius Klaas (früher Auerbach
g. d. B.) Aus galanter Zeit, Tanzſuite für Kammekorcheſter,
Opus 10, zur Aufführung. In der Muſikalienhandlung L. Joch=
heim
. Eliſabethenſtraße 34, iſt nur für wenige Tage eine hand=
geſthrieben
: Sinfonie, Opus 25, von Julius Klaas ausgeſtellt.
Dahlienſchau. Blumenfreunde dürfte es intereſſieren, daß
trotz der ſchweren Wirtſchaftskriſe die Firma Hermann
Schulz in ihrem Gartenbaubetrieb an der Erbacher Straße es
fertig gebracht hat, auch in dieſem Jahr eine entzückende Dahlien=
ſchau
zu veranſtalten, auf der neben älteren bewährten Sorten
auch die hervorragendſten Neuzüchtungen zu erblicken ſind. Zu
den ſchönſten Vertreterinnen dieſer vielgeſtaltigen und farben=
reichen
Herbſtblumen gehören entſchieden: Frau Oberbürger=
meiſter
Brauer, Frau Lotte Heitmann. Wien. Goldene Sonne
(eine Verbeſſerung von Schwarzwaldmädel), Ehrenpreis. Nero=
berg
, Frau Eliſabeth Deegen, Frau Ida Mansfeld. Förſterchriſtel,
Dollmann, Dotterblume. Andenken an C. Lohſe, Rheinlachs,
Erika, Teſchendorff, Dr. Helmut Späth, Donauwellen. Elite
Glory, Jane Cowl, Koh=i=nor. Nagels Ideal, Parademarſch,
Trentonian u. v. a.

Seite 5

polzeiberichl.

In der Nacht vom 18. zum 19. September 1931, um 3 Uhr,
haben Einbrecher an dem Manufakturwarengeſchäft Blumenfeld,
Schulſtraße Nr. 6, eine Schaufenſterſcheibe zertrümmert und von
den Auslagen etwa 10 Ballen Herrenſtoffe und zwei dunkel=
geſtreifte
Hoſen geſtohlen. Die Einbrecher ſind mit einem Per=
ſonenkraftwagen
vor das Geſchäft gefahren, haben eine Schaufen=
ſterſcheibe
eingeſchlagen und die Stoffballen herausgezogen. Der
Perſonenkraftwagen war ein mittelgroßer dunkler geſchloſſener
Wagen und trug vermutlich das Kennzeichen 1 X 44 756. Dieſes
Kennzeichen iſt von der Staatlichen Polizeiverwaltung Dortmund
ausgegeben. Bewohner der Schulſtraße und des Ludwigsplatzes
haben den Vorgang von ihren Fenſtern aus beobachtet. Dieſe
werden dringend gebeten, ihre Wahrnehmungen, beſonders bezüg=
lich
des Perſonenwagens und des Kennzeichens, alsbald der Kri=
minalpolizei
. Hügelſtraße 31/33, Zimmer 3, mitzuteilen. Wer
kann noch ſonſt über den Wagen und ſeine Inſaſſen Angaben
machen? Es iſt wahrſcheinlich, daß die Einbrecher in einem
Lokal in Darmſtadt eingekehrt waren.
Verſchiebung von Waren vor der drohenden Zwangsvoll=
ſtreckung
. Durch die Kriminalpolizei Darmſtadt wurden Stoffe,
Silber=Gegenſtände, Kleidungsſtücke Zigarren, Tabakspfeifen,
Streichhölzer und ſonſtige Gegenſtände beſchlagnahmt die im
Monat Februar 1931 vor der Pfändung und dem nachfolgenden
Konkurs aus dem Geſchäft bzw. der Wohnung des in Unter=
ſuchungshaft
befindlichen Rechners der Spar= und Darlehnskaſſe
in Spachbrücken mit dem Auto einer Zuckerwarengroßhandlung
nach Darmſtadt geſchafft und dort im Lager aufbewahrt wurden.
Der damalige Führer des Perſonenwagens, ein in Darmſtadt
wohnhafter Kaufmann, wurde bis zur Aufklärung vorläufig feſt=
genommen
. Die Kriminalpolizei ſtellte noch ſpät abends Ermitt=
lungen
in Spachbrücken ein.
Waſſerhauseinbruch. In der Nacht vom 11. zum 12. Septem=
ber
1931 wurde in einem Verkaufshäuschen in der Bismarckſtraße
ein Einbruch verübt und Zigaretten, Marke Overſtolz, Ova. Kur=
mark
. Makedon=Sozial, Atikah Mercedes Manoli=Privat Raven=
klau
, Muratti Salem=Gold, Ramſes Salem ohne Mundſtück, =
nigin
von Saba und Makedon=Expreß ſowie zirka 70 Tafeln
Schokolade. Marke Waldbaur, Eſzet, Gailler, Galapeter und
Mauxion geſtohlen. Die geſtohlenen Waren hatten die Täter in
Obſtkörbchen nach der Rößlerſtraße, zwiſchen Bismarck= und Mor=
newegſtraße
, gebracht. Dort wurden die beiden Obſtkörbchen wie=
der
vorgefunden und es iſt anzunehmen, daß die Waren dort ver=
packt
worden ſind.
PH. Landesverſammlung des Heſſiſchen Landesverbandes
der Oſtaſien=Miſſion. Die diesjährige Hauptverſammlung des
Verbandes fand am 13. September in Oſthofen ſtatt. Sie wurde
eingeleitet durch Feſtgottesdienſt vom Miſſionsdirektor Deva=
ranne
=Berlin, über Gal, 5.22. Kirchenrat Zentgraf über=
brachte
die Grüße des Landeskirchenamtes. In der Hauptverſamm=
lung
am Nachmittag begrüßte der Stadtpfarrer, Pfarrer Laut=
Nidda, die Verſammlung und erſtattete den Jahresbericht.
4983. RM. konnten der Oſtaſienmiſſion aus Heſſen im letzten
Jahr zugeführt werden. Miſſionsdirektor Devaranne gab einen
Ueberblick über die Lage in Oſtaſien. Mit einer Vertrauens=
männerſitzung
und einem Miſſionsabend fand die Tagung ihren
Abſchluß.
Die Auszahlung der erſten Hälfte der Bezüge der heſſiſchen
Beamten und Anwärter, der Verſorgungsbezüge der Ruhegehalts=
empfänger
und Witwen für den Monat Oktober 1931 wird dem
Vernehmen nach am 3. Oktober erfolgen.
Die Städtiſche Maſchinenbauſchule Darmſtadt weiſt auf den
Beginn des Winterhalbjahres (ſiehe Anzeige) insbeſondere auf
die Neuaufnahmen in die Maſchinenbauſchule und Abendkurſe
zur Vorbereitung für den Beſuch der Höheren Maſchinenbau=
ſchule
hin.
Walter Flex. Im Frühjahr des vierten Kriegsjahres for=
dern
die Kämpfe in Rußland ein ſchweres Opfer; der Leutnant
Dr. Walter Flex fällt auf der Inſel Oeſel. Der von ſeinen Leu=
ten
wie ſelten einer geliebte Führer, der Körner des Weltkriegs,
der Wandervogel und Dichter der deutſchen Jugend. Er war
kein Unbekannter mehr im deutſchen Volk. Außer ſeinen Gedich=
ten
hatten ihm ſeine Dramen Die 12 Bismarcks, Lothar,
Wolf Eſchenlohr und vor allem ſein. Wanderer zwiſchen bei=
den
Welten einen Namen gemacht Flex ſtarkes Talent zeigt
ſich ſchon in ſeinem Erſtlingswerk, der dramatiſchen Skizze. Die
Bauernführer Heute abend findet im Gemeindehaus,
Liebfrauenſtraße, um 8 Uhr, eine einmalige Aufführung des Wer=
kes
durch die Jungenſchaft der Martinsgemeinde
ſtatt. Im Frühjahr war die gleiche Aufführung außerordentlich
beifällig aufgenommen worden. Karten zum billigen Preis von
30 Pfennig ſind außer bei den Mitgliedern, noch am Saaleingang
zu haben.
Sonderzüge aus Anlaß des Winzerfeſtes in Bensheim.
Zur Verbeſſerung der beſtehenden Zugverbindungen werden am
Sonntag, den 20. September, folgende Sonderzüge gefahren:
Strecke Weinheim-Bensheim. Hinfahrt: ab
Weinheim 13.47 Uhr, ab Hemsbach 13.54 Uhr, ab Laudenbach
13.59 Uhr, ab Heppenheim 14.05 Uhr, an Bensheim 14.11 Uhr:
Rückfahrt: ab Bensheim 19.20 Uhr, an Heppenheim 19.26
Uhr, an Laudenbach 19.32 Uhr. an Hemsbach 19.37 Uhr, an

Weinheim 19.44 Uhr. Strecke WormsBensheim,

Hinfahrt: ab Worms 13.22 Uhr, ab Worms Brücke 13.26 Uhr,
ab Hofheim 13.31 Uhr, am Bürſtadt 13.40 Uhr, ab Lorſch 13.51
Uhr. an Bensheim 13.58 Uhr. Rückfahrt; ab. Bensheim
19.13 Uhr, an Lorſch 19.20 Uhr, an Bürſtadt 19.31 Uhr an Hof=
heim
19.38 Uhr, an Worms 19.53 Uhr. Fahrkarten des allge=
meinen
Verkehrs haben Gültigkeit.
Vom Wochenmarkt. Kleinhandelspreiſe vom 19. September
1931 für ein Pfund bzw. Stück in Reichspf.: Gemüſe: Kohlrabi
57, gelbe Rüben 810. rote Rüben 1012, weiße Rüben 812,
Spinat 30. Römiſchkohl 1015. Rotkraut 810. Weißkraut 68,
Wirſing 610 Stangenbohnen 3035, Buſchbohnen 2530,
Wachsbohnen 2530,. Erbſen 3035, Zwiebeln 1012, Knoblauch
80, Tomaten 1225 Endivienſalat 812 Kopfſalat 812, Salat=
gurken
1040. Blumenkohl 1570. Rettich 510. Meerrettich 80
bis 100. Kartoffeln; Frühkartoffeln 34. Obſt: Pfirſiche
2035. Brombeeren 2025, Preißelbeeren 3035. Tafeläpfel 10
bis 18, Wirtſchaftsäpfel 510 Tafelbirnen 1020. Wirtſchafts=
birnen
810, Zwetſchen 1518. Quitten 20. Trauben 3045,
Nüſſe 3035, Zitronen 410. Bananen 3545. Eßwaren:
Süßrahmbutter 180190, Landbutter 140160. Weichkäſe 35 bis
40. Handkäſe 212. Eier, friſche 1012. Wild und Geflü=
gel
: Hühner 80120, Enten 130. Tauben 6090, Reh 60140.
Fleiſch= und Wurſtwaren: Rindfleiſch, friſch 74100
Kalbfleiſch 100 Schweinefleiſch 90110. Dörrfleiſch 120. Wurſt 50
bis 140. Wurſtfett 60, Schmalz, ausgelaſſen 80.

Aus den Parkeien.

Zentrumsantrag zur Anſtellung überalter=
terSchulamtsanwärterinnen
Die Zentrumsabgeordnete
Frau Hattemer hat im Heſſiſchen Landtag folgenden Antrag
eingebracht: Infolge des wiederholten Stellenabbaues befinden
ſich in manchen Städten einige Schulamtsanwärterinnnen die nach
ihrem Lebens= und Dienſtalter im Vergleich zu ihren Kolleginnen
ſchon längſt angeſtellt wären. Es iſt eine Unbilligkeit, dieſen über=
alterten
Anwärterinnen weiterhin die Anſtellung zu verſagen, die
durch den wiederholten Gehaltsabbau und die Kürzung der Be=
züge
der ledigen Beamten außerordentlich hart betroffen ſind
Ich beantrage daher, die Regierung zu erſuchen, dieſe wenigen
überalterten Schulamtsanwärterinnen möglichſt mit ſofortiger
Wirkung anzuſtellen.

wie eF jeden Cag worksmmt

1.Bln. 6240

gm is. Auli (chlotz der Gutsbeützer S. C. eine Feuerberſicherung bei uns ab. Sie war noch micht einen Monat in Rraft, als
in der Kacht vom io. zum i. Auguſt ein großer Ceil ſeines Anwelens durch ein Feuer in Aſche gelegt wurde. Bereits 22 Cage
(näter, am 2. September, zahlten wir vorſchußweile 10000 . und nach weiteren 2 Cagen die Reſtentſchädigung
von s5 000 m., alko insgekamt 65000 . Bie an uns gezahlte Prämie für die Feuerverſicherung hatte 250 . betragen.

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lasfer für aber drei Milliarder
Beiedtwart Lebertvertieherungen

[ ][  ][ ]

Seite 6

Sonntag, den 20. September 1931

Nummer 261

Von Schulrat Heinrich Haſſinger=Darmſtadt.

Wir ſprechen vom Jugendherbergswerk mit ſeinen zwei= bis zwei=
einhalbtauſend
Jugendherbergen auf deutſchem Reichsgebiet, mit ſeinen
drei, mit ſeinen vier Millionen jugendlicher Gäſte im Jahr. Wir ſpre=
chen
von denen, die an dieſem Werk mitarbeiten, von denen, die es durch
ihre Mitgliedſchaft unterſtützen.
Iſt das Vereinsmeierei, dabei mitzuhelfen, daß der deutſchen Jugend
aus allen Lagern und aus allen Ständen über das ganze deutſche Land
hin dieſe Herbergen erbaut, daß ſie laufend unterhalten werden können?
Iſt das Vereinsmeierei, dieſe Werbearbeit zu unterſtützen, durch die
jährlich Millionen junger Menſchen herausgelockt werden in Sonne und
Licht und Luft?. Durch die ihnen ein ſinnvoller, körperlich, geiſtig und
ſeeliſch befruchtender Inhalt für ihre freie Zeit gegeben wird?. Durch
die ſie weggeführt werden von Rauſchgift und Taumel, von ſchalen
Vergnügen und aufgeblaſener Senſation? Durch die ihnen die Welt
ihrer Heimat, ihres Vaterlandes erſchloſſen, durch die das Verſtändnis
für Leiden und Freuden ihres Volkes geweckt und vertieft wird?
Iſt das Vereinsmeierei, junge Menſchen dafür zu begeiſtern, daß ſie
das Bild ihrer Welt erweitern durch Schauen und Erleben draußen in
der Natur?. Daß ſie die Freude ſuchen in jener Reinheit, wie ſie ein
herrlicher Tag, die Schönheit der Wälder, die Majeſtät der Berge, die
Romantik alter Städte, wie ſie das frohe Genießen der ganzen ſchaffen=
den
und geſtaltenden Natur dem freien Menſchen beſcheren?
Iſt das Vereinsmeierei, dem Volke eine Jugend heranführen zu hel=
fen
, die in der ſelbſtgewählten Einfachheit und Bedürfnisloſigkeit der
Jugendherbergen ihre wahre Befriedigung findet? Die gewöhnt iſt, dem
Freunde, dem Kameraden helfend zur Seite zu ſtehen? Die aus dem
Leben in den Jugendherbergen lernt, daß gemeinſame Freude und ge=
meinſames
Erleben die Menſchen verbindet? Die in ſich die Verantwor=
tung
ſpürt, ſich der Gemeinſchaft unterzuordnen und dem Gemeinſamen
zu dienen? Die ſich in ſtolzer Liebe zu dieſer Heimat und dieſem Vater=
lande
und dieſem Volke bekennt, weil ſie ihre Schönheit erſchaut, ſeine
Größe erlebt und ſeine ſchickſalhafte Einheit immer aufs neue erfahren
hat? Und der aus dieſer ſtolzen Liebe Wille und Kraft kommen, dieſer
Heimat und dieſem Volke zu dienen?
Wir fragen: Iſt das Vereinsmeierei, für ſolches Streben und ſolche
Ziele zu arbeiten, oder iſt das nicht doch wahrhaft eine ernſte Volks=
angelegenheit
?

Die Pilzausſtellung im Gewerbemuſeum (Neckarſtraße 3)
iſt heute am Sonntag von 105 Uhr und am Montag von
95 Uhr geöffnet. Vor allen Dingen bietet ſich dort gute Ge=
legenheit
, mit den wichtigſten Speiſepilzen und den ge=
fährlichſten
Giftpilzen bekannt zu werden. Außerdem
iſt dabei nicht nur Wert gelegt auf die wirtſchaftliche Be=
deutung
der Pilze für Genußzwecke, ſondern auch inter=
eſſante
Lebenserſcheinungen werden anſchaulich vor=
geführt
, Beziehungen zu Tieren uſw. Ebenſo ergeben ſich dadurch
wertvolle Anregungen zur beſſeren Beobachtung unſerer heimiſchen
Naturſchönheiten. Auch iſt Gelegenheit geboten, mit dem Haus=
ſchwamm
bekannt zu werden, um ſich vor deſſen furchtbaren
Schäden zu ſchützen. Alle Pilz= und Naturfreunde werden herz=
lich
gebeten, Pilzmaterial gut in Papier verpackt in der Ausſtel=
lung
abzugeben.
Intereſſantes aus dem Leben der Pilze, lautet das Thema,
über das Herr F. Kallenbach, Schriftleiter der Zeitſchrift für
Pilzkunde, am Dienstag, den 22. Sept., im G.D.A.=Heim. Rieger=
platz
3, ſpricht. Der Vortrag iſt von bunten Lichtbildern begleitet
und findet bei freiem Eintritt ſtatt. Gäſte ſind willkommen. Da=
mit
ſetzt der G.D.A. ſeine Vortragsreihe in dieſem Winter fort.
Orpheum. Heute, Sonntag, abends 8.30 Uhr wird der
aktuelle Lächſchlager Börſenfieber deſſen geſtrige Auf=
führung
mit ſtarkem Beifall quittiert wurde, wiederholt. K.
L. Lindt, welcher ſich in der Rolle des Apothekers Emmerling
ſelbſt übertrifft, konnte ſeinen bisher größten Erfolg innerhalb
ſeiner Darmſtädter Gaſtſpieltätigkeit für ſich buchen. Nach=
mittags
3.30 Uhr gelangt in einziger Aufführung das
Kinder=Märchen=Luſtſpiel Die Prinzeſſin auf der
Erbſe zur Darbietung. Es ſpielen in den Hauptrollen: K.
L. Lindt als Prinz, A. Born als Prinzeſſin uſw. Außer den bil=
ligen
Preiſen von 25 Pfg. an hat jede 50 Eintrittskarte einen
Prämien=Gewinn von 7 Märchen=Freivorſtellungen. Karten für
nachmittags und abends: Kiosk gegenüber dem Verkehrsbüro von
91 Uhr. Kiosk am Paradeplatz von 17 Uhr, Orpheumskaſſe ab
2 Uhr; telephoniſch unter 389. (Siehe Anzeige.)
In der Werbevorſtellung der Darmſtädter Volksbühne:
Martha am Samstag, den 26. September, tritt der Baſſiſt
Theodor Heydorn, der auf Grund eines ungewöhnlichen Gaſtſpiel=
erfolges
als Saraſtro dem Landestheater verpflichtet wurde, als
Plumkett zum erſten Male in der Spielzeit in einer großen
Partie auf.
Im Uniontheater wird heute und folgende Tage der hiſtoriſche
Großtonfilm Eliſabeth von Oeſterreich mit Lil
Dagover in der Titelrolle vorgeführt. Die Regie führt Adolf
Trotz, und in weiteren Hauptrollen ſind Maria Solveg, Paul
Otto, Charlotte Ander, Ekkehardt Arend und Ida Wüſt beſchäf=
tigt
. Im tönenden Beiprogramm ſieht man Flip als Dorf=
barbier
, Wunder der Bergwelt und die neueſte Fox=Ton=
Woche.
Im Helia=Theater läuft nur noch heute und morgen die
luſtige Tonfilm=Operette Trara um Liebe, mit Felix
Breſſart, dem beliebten Komiker, Georg Alexander, Martha
Eggerth, Maria Paudler, Ernſt Verebes u. a. in den Haupt=
rollen
. Dazu Micky Der kleine Faun und das gute Bei=
programm
.
Die Palaſt=Lichtſpiele zeigen nur noch heute und morgen
Cecil B. de Milles großen ſenſationellen Ausſtattungs=Tonfilm
Madam Satan. Im tönenden Beiprogramm Die
Wunderhunde Ehedrama auf vier Beinen.
Lpd. Freitod eines Darmſtädter Liebespaares. Aus München
wird gemeldet: Am Samstag vormittag wurden oberhalb des
Eibſees bei Garmiſch zwei Leichen aufgefunden. Die Toten
wieſen Schußwunden auf; offenbar handelt es ſich um Mord
und Selbſtmord. Vermutlich handelt es ſich um ein Liebespaar
aus Darmſtadt, das ſeit etwa zehn Tagen vermißt wurde.
Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher Erkran=
kung
ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt
zu rufen. Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am Sonntag,
den 20. September, folgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit:
Dr. med. Grode Roßdörfer Straße 20, Telephon 1419; Dr. med.
H. Hofmann, Lauteſchlägerſtraße 16, Telephon 3069; Dr. med.
Kautzſch, Riedeſelſtraße 37, Telephon 880.
Es verſehen den Sonntagsdienſt und in der daran ſich an
ſchließenden Woche den Nachtdienſt vom 19. Sept. bis 26. Sept. die
Apotheke am Juſtizpalaſt, Bismarckſtraße 9, Einhern= Apo=
theke
, Kirchſtraße 10½

Schule für Körpererziehung und Bewe=
gungslehre
Sandſtraße 10. In den Mittelpunkt der Methode
der Körpererziehung, alle Einzelzweige der körperlichen Ausbil=
dung
durchdringend, ſtellt die Schule für Körpererziehung und Be=
wegungslehre
das Prinzip der Bewegung aus der Totalität des
ganzen Körpers. Es wird u. a. unterrichtet: Springſeilgymnaſtik
rhythmiſche Bewegungsfolgen, Ballgymnaſtik Gruppen=
Improviſationen. Es begannen ab 15. Sept. wieder Dienstags
und Freitags neue Kurſe für Damen, Herren und Kinder An=
meldungen
jederzeit. Es darf an die Erfolge dieſer Schule bei
ihrer Schüler=Matinee im Januar erinnert werden; es ſei allen
dafür Intereſſierten der Beſuch der Kurſe empfohlen.
Es ſei hiermit auf die Anzeige der Pianiſtin Frau Elſe
Hochſtätter in der heutigen Nummer hingewieſen.
Orangeriehaus, Beſſunger Herrngarten, abends
8 Uhr: Konzert des Stadt=Oxcheſters mit Tanzeinlagen im Feſt=
ſaal
. Der Beſuch iſt beſtens zu empfehlen. (Siehe heutige An=
zeige
.)
Ludwigshöhe, Sonntag, nachmittags 4 Uhr: Konzert.

Tageskalender für Sonntag, den 20. September 1931.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus. 19.30 Uhr: Die drei
Musketiere‟. Kleines Haus: Keine Vorſtellung.
Orpheum. 15.30 Uhr: Die Prinzeſſin auf der Erbſe‟
20.15 Uhr: Börſenfieber. Konzerte: Zur Oper, Schloß=
keller
, Sportplatz=Reſtaurant am Böllenfalltor, Herrngarten=
kaffee
, Brauerei Schul, Datterich, Bürgerhof, Hotel=Reſt. Poſt,
Rummelbräu. Reſt. Sitte, Herrngartenkaffee, nachm 16 Uhr.
Kinovorſtellungen: Union=, Helia= und Palaſt= Licht=
ſpiele
,

Ans Heilen.
Dg. Arheilgen. 19. Sept. Gemeinſamer Obſtbaum=
bezug
. Der hieſige Obſt= und Gartenbauverein will auch hier
in Verbindung mit dem Landwirtſchaftskammer=Ausſchuß Darm=
ſtadt
einen gemeinſamen Obſtbaumbezug durchführen. In Vor=
ſchlag
gebracht werden nur ſolche Sorten, die für die Bodenbeſchaf=
fenheit
unſerer Gemarkung beſonders geeignet ſind. Grundgedanke
des gemeinſamen Bezugs iſt, durch Anpflanzung möglichſt einheit=
lichen
Obſtes einen beſſeren Abſatz zu ſchaffen und eine Kontrolle
über das Obſt zu haben. Zur Anpflanzung beſonders empfohlen
werden 4 Arten Aepfel, und zwar Gelber Edelapfel, Schoner
von Boskop. Rheiniſcher Winterrambur und Holländiſche
Parmäne; Birnen: Gellerts Butterbirne (Herbſt), Gräfin
von Paris und Präſident Doumard, (beides Winterbirnen),
weiter Klapps Liebling (eine Frühbirne). Geliefert werden
nur gute Bäumchen, die dadurch verbilligt werden, daß die Land=
wirtſchaftskammer
einen Frachtenzuſchuß gewährt. Inte eſſenten
werden gebeten, Beſtellungen bis ſpäteſtens 25. September bei
dem Vorſitzenden des Obſt= und Gartenbauvereins, Herrn Franz
Benz (Darmſtädter Straße) zu machen, da ſpätere Beſtellungen
nicht berückſichtigt werden können. Lieferungsver=
gebung
. Die Gemeinde vergibt auf dem Submiſſionswege die
Lieferung von 50 Zentner Hafer und 30 Zentner Schnitzel. An=
gebote
, denen Muſter beizufügen ſind, ſind bis ſpäteſtens Montag,
den 21. d. M., nachmittags 5 Uhr, bei der Bürgermeiſterei einzu=
reichen
. Aus den Vereinen. Die 1. Fußballmannſchaft
der Sportvereinigung 04 empfängt am Sonntag, nach=
mittags
3 Uhr, die gleiche Mannſchaft von Germania Eberſtadt
in Fortſetzung der Verbandsſpiele im Kreis Starkenburg. Vorher
ſpielen die 2. Mannſchaften beider Vereine. Die 1. Jgd. ſpielt um
10 Uhr gegen Langen und die 2. Jgd. gegen Eberſtadt. Die Alten
Herren begeben ſich morgens nach Griesheim. Die 1. Handball=
mannſchaft
trifft vormittags 10.30 Uhr, ebenfalls am Arheilger
Mühlchen, auf die ſpielſtarke 1. Mannſchaft von Wormatia Worms,
während die 2. Handballmannſchaft nachmittags auf dem Mercks
Sportplatz antritt. Weiter ſpielt die 1. Handballjugend vormit=
tags
in Darmſtadt gegen Polizei, und die Schülermannſchaft nach=
mittags
4.30 Uhr hier gegen Polizei Der Turnverein
1876 tritt am Sonntag mit einer Werbeveranſtaltung auf den
Plan, wobei ſämtliche Abteilungen aktiv tätig ſind. Vormittags
tragen Turnerinnen, Turner und Volksturner Vereinswettkämpfe
aus, nachmittags die Schülerinnen und Schüler. Anſchließend
kommen Fauſtballſpiele zum Austrag. Den Abſchluß bildet ein
bunter Abend mit Tanz. Die 1. Handballmannſchaft des Ar=
beiter
=Turn= und Sportvereins empfängt auf dem
Sportplatz Im Elſee nachmittags um 4 Uhr die gleiche von
Höchſt a. M., während die Leichtathleten an den Bezirksmeiſter=
ſchaftskämpfen
in Darmſtadt Am Müllersteich teilnehmen.
Der Odenwaldverein unternimmt einen Familienausflug
nach Roßdorf, und der Geſangverein Sängerluſt be=
gibt
ſich zum Geſangswettſtreit nach Offenbach. Die Steno=
graphen
=Vereinigung Gabelsberger hat den
Gautag des Gaues Dreieich übernommen. Morgens findet in
der Schule ein Wettſchreiben ſtatt, nachmittags im Schwanen
Tanz mit Preisverteilung.
Arheilgen, 19. Sept. Für die im Bezirks=Lehrerverein
Arheilgen zuſammengeſchloſſenen Lehrkräfte der Darmſtädter Um=
gebung
hielt der Leiter der Heſſ. Landesſtelle für Pilz=
und Hausſchwammberatung, einen in jeder Richtung
ſehr wertvollen und packenden Lichtbildervortrag über bemerkens=
werte
Erſcheinungen aus dem Leben unſerer heimiſchen Pilze.
Griesheim, 19. Sept. Fabrikdirektor Conrad
Heſſe† Am 15. September d. J. iſt der Inhaber der Heſſen=
werke‟
, Herr Ingenieur Conrad Heſſe, auf einer Geſchäftsreiſe in
Hagen in Weſtfalen infolge eines Herzſchlages ganz unerwartet
verſchieden. In voller Schaffenskraft und Schaffensfreude wurde
er aus ſeinem arbeitsreichen Leben herausgeriſſen. Der Ver=
ſtorbene
war der Begründer der früheren Heſſenwerke Deka", die
im Jahre 1910 in der Frankfurterſtraße in Darmſtadt als Nach=
folge
der Elektrotechniſchen Werke in die Erſcheinung traten. Die=
ſes
Unternehmen wurde von ihm im Jahre 1912 in den hieſigen
Gemarkungsbezirk verlegt und führt ſeitdem die Bezeichnung
Heſſenwerke. In raſtloſer Tätigkeit und mit fachmänniſchem
Blick hat es der Verſtorbene verſtanden, das von ihm begründete
und ihm liebgewordene Unternehmen zur höchſten Blüte zu ent=
falten
. Herr Heſſe der im 64. Lebensjahre ſtand, war Vorſtands=
mitglied
der Heſſiſchen Elektrotechniſchen Geſellſchaft und wurde
vor mehreren Jahren zum Handelsrichter bei der Kammer für
Handelsſachen in Darmſtadt ernannt. Der Verſtorbene war ſeinen
Angeſtellten und Arbeitern gegenüber ein durchaus gerechter,
wohlwollender Chef und hat deren Intereſſen jederzeit mit vollem
Verſtändnis und beſtem Können gewahrt und gefördert. Auch
auf dem Gebiete der Wohltätigkeit hat er ſich ganz hervorragend
betätigt; wo es galt, Not zu lindern, ſtand er immer in vorderſter
Reihe. Sein Grundſatz war ſtets: Edel ſei der Menſch, hilfreich
und gut. Mit Rückſicht auf ſeine lauteren Charaktereigenſchaften
erfreute ſich der Verſtorbene allgemeiner Beliebtheit und höchſter
Wertſchätzung; ſein plötzliches Ableben wird deshalb allgemein
bedauert. Mit Herrn Direktor Heſſe iſt ein Mann von echt deut=
ſcher
Geſinnung aus dem Leben geſchieden, deſſen Andenken ſtets
in Ehren gehalten wird.
F Eberſtadt, 19. Sept. Verſteigerung von Kar=
toffeln
. Am Donnerstag, den 24. September, verſteigert die
Gemeinde ihre Kartoffelernte aus dem Feld=Wald=Zwiſchenbau
im Forſtort Klingsackertanne öffentlich meiſtbietend an Ort und
Stelle. Kartoffelproben werden bei Beginn der Verſteigerung
vorgezeigt. Zuſammenkunft der Steigerer nachmittags 3 Uhr auf
dem Bäckerweg (Waldeingang). Aerztlicher Sonn=
tagsdienſt
. Am Sonntag, den 20. September 1931. verſieht
den ärztlichen Sonntagsdienſt Dr. med. Gaßner. An ihn wende
man ſich, wenn der Hausarzt nicht erreichbar iſt.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 19. September. Gemeinderats=
bericht
. Die ſich immer mehr praktiſch auswirkende Bebau=
ungsweiſe
des Gebiets Pfaffenberg bedingt eine Aenderung des
Ortsbauplanes inſofern, als die projektierte Straße G in Weg=
fall
kommen ſoll. Der Gemeinderat beſchließt dementſprechend
Im Zuſammenhang damit ſucht W. Köpke, der in dieſem Gebiet
einen Bauplatz erworben hat, darum nach, ihm die Schaffung eines
beſonderen Zugangsweges zu ſeinem Grundſtück zu geſtatten. Un=
ter
der Vorausſetzung, daß die Provinz, die in erſter Linie hier=
für
zuſtändig iſt, ihre Zuſtimmung gibt, hat der Gemeinderat
nichts dagegen einzuwenden. Die Verlegung des Sportplatzes
bildet ſchon längere Zeit hindurch den Gegenſtand der Verhand=
lungen
zwiſchen der Gemeinde und der hierfür beſonders intereſ=
ſierten
gemeinnützigen Baugenoſſenſchaft Wildnis", die ſich durch
das Vorhandenſein des Sportplatzes innerhalb ihres Baugebie=
tes
in ihrer Ruhe geſtört fühlt und auch materiell geſchädigt
gkaubt. Der Gemeinderat verkennt die Unannehmlichkeiten, die
den Angrenzern eines Sportplatzes erwachſen, nicht und iſt auch
grundſätzlich bereit, einer Verlegung des Sportplatzes zuzuſtim=
men
. wenn damit für die Gemeinde keine Koſten entſtehen. Das
in Vorſchlag gebrachte Projekt des Austauſches des derzeitigen
Sportplätzes gegen entſprechendes Gelände in der Gewann
Kleine Au läßt ſich aber ohne beſonderen Koſtenaufwand nicht
durchführen, weshalb dieſe Sache vorerſt bis zum Eintritt beſ=
ſerer
Zeiten vertagt werden muß. Hinſichtlich Neufeſtſetzung
des Ortslohnes beſchließt der Gemeinderat, die bisher feſtgeſetz=
ten
Sätze ohne Aenderung in Vorſchlag zu bringen. Für die
am 27 d. M. in hieſiger Gemeinde ſtattfindende Lokalobſtaus=
ſtellung
wird dem veranſtaltenden Obſt= und Gartenbauverein
ein Zuſchuß von 40 RM. bewilligt Die jetzt fertiggeſtellten
Erhebungen über das Ausmaß des Schadens der durch das Hoch=
waſſer
in hieſiger Gemeinde verurſacht wurde, ergaben die Feſt=
ſtellung
einer Geſamtſchadensſumme von rund 50 000 RM. Die
hieſige Gemeinde wurde ganz beſonders hart mitgenommen durch
Beſchädigung der Gebäude und Grundſtücke, ſoweit ſie von dem
Waſſerlauf der Modau beeinflußt werden. Es iſt unmöglich, daß
die Gemeinde die entſtandenen Schäden aus eigenen Mitteln al=
lein
beheben kann, zumal auch keine Möglichkeit beſteht. An=
leihen
zu dieſem Zweck aufnehmen zu können. Wenn die öffent=
liche
Hilfe nicht einſetzt, dann beſteht die Gefahr, daß die Schä=
den
nicht behoben werden und die beteiligten Grundbeſitzer beim
erſtbeſten Hochwaſſer einen nicht überſehbaren Schaden erlei=
den
. Es wird daher eine Kommiſſion, beſtehend aus dem Bürger=
meiſter
und Beigeordneten, ſowie Gemeinderat Müller oder
Krautwurſt gebildet, die beauftragt wird, alle Schritte zu tun,
um eine angemeſſene Beihilfe zu erhalten. Die Verfügung des
Kreisamts, wonach bei Vergebung von gemeindlichen Arbeiten
nur diejenigen Unternehmer Berückſichtigung finden ſollen, die
ihren Verpflichtungen hinſichtlich der Entrichtung der Sozialver=
ſicherungsbeiträge
nachgekommen ſind, wird zur Kenntnis genom=
men
. Der Verkauf des überzähligen Faſelbullen, ſowie der
Ankauf eines zweiten Ebers wird genehmigt. Den Schluß der
Sitzung bildeten Steuerſtundungs= und Wohlfahrtsangelegenhei=
ten
. Der Bürgermeiſter gab dem Gemeinderat noch Kenntnis
von der inzwiſchen erfolgten Beſtätigung des wiedergewählten
Beigeordneten,

Obſt= und Garkenbau=Ausſktellung in Pfungftadl
Op. Pfungſtadt, 19. September
Seit 1913 hat Pfungſtadt keine Obſt= und Gartenbauaus=
lung
mehr gehabt. Immer und immer wieder wurde mit 8
ſicht auf die Ungunſt der Zeit= und Wirtſchaftsverhältniſſe
mehrfach gehegte Plan zur Abhaltung einer ſolchen Ausſtelr=
wieder
fallen gelaſſen. Um ſo mehr muß anerkannt werden
es der Obſt= und Gartenbauverein Pfungſtadt in dieſem Jo
trotz allem gewagt hat, mit einer lokalen Obſt= und Gartenh
ausſtellung an die Oeffentlichkeit zu treten.
Schon der erſte Eindruck, den man von der am heutigen Sa
tag nachmittag eröffneten Ausſtellung hatte, überzeugte den
ſucher, daß die Ausſtellung allen Widerſtänden zum Trotz voll
als gelungen bezeichnet werden muß. Rund 25 Ausſteller bo
ſich zuſammengefunden. Durch die Mitwirkung der beiden (
nereien Reinhart und Vögler, deren Eckſtände einer wahren.
menpracht gleichen, bietet der große Saal des Gaſthauſes We=
in
dem die Ausſtellung untergebracht iſt, ein abwechſlungsrei
Bild. Auf langen Tafeln an den Seitenwänden und in der
des Saales ſind die einzelnen Erzeugniſſe in überſichtlicher
geſchmackvoller Weiſe aufgebaut. In der Hauptſache iſt Tafel=
Wirtſchaftsobſt (ſowie Spalierobſt) ausgeſtellt. Daneben ni=
Gemüſe aller Art einen breiten Raum ein. Nicht zuletzt ſieht
Konſerven. Außer Konkurrenz hat die Eiſenhandlung Fiſch
Garten= und Haushaltungsgeräte ausgeſtellt. In der Haupt
haben nur Mitglieder ausgeſtellt, was beweiſt, daß im Obſt=
Gartenbauverein Pfungſtadt rührig, den Zielen des Vereins
ſprechend, gearbeitet wird.
Die Eröffnung der Ausſtellung ging in einfacher 9
vor ſich. Vereinsvorſitzender Friedrich Lang begrüßte in e
kurzen Anſprache in der er auf die Bedeutung der Ausſtel
hinwies. Ausſteller und Gäſte. Er ſprach die Hoffnung aus.
die Ausſtellung dem Verein und ſeinen Mitgliedern neue
regungen geben möge. Danach ergriff Bürgermeiſter Schw
das Wort, um die Grüße und beſten Wünſche der Stadtver
tung und des Ortsvorſtandes zu übermitteln. Er ſprach vor a
ſeine Freude darüber aus, daß die Ausſtellung reichlich beſ
und ſchön arrangiert ſei und ſo deutlich unter Beweis ſtelle.
ſich neben der einheimiſchen Landwirtſchaft auch der Pfungſte
Gartenbau ſehen laſſen könne. Nachdem er kurz das Problem
Preisgeſtaltung geſtreift hatte, ſprach er die Hoffnung aus.
die Ausſtellung gut beſucht und in jeder Hinſicht erfolgreich
den möge. Dieſen Wünſchen ſchloß ſich im Intereſſe des geſau
Obſtbaues Obſtbauinſpektor Behne=Darmſtadt an, der
Diplom=Gartenbauinſpektor Dörmer die Prämiierung i
nommen hatte. Auch er gab ſeiner Genugtuung darüber
druck, daß die Ausſtellung vollkommen gelungen ſei, und bet.
daß die Prämiierung bei der Güte der ausgeſtellten Erzeug
die Preisrichter vor ſchwere Aufgaben geſtellt habe. Er ver
tete ſich dann über die wichtigſten Richtlinien, nach denen
Prämiierung vorgenommen worden ſei das Obſt war dabe
verſchiedene Klaſſen eingeteilt und ging in großen Zügen
die immer mehr im Gange befindliche Umſtellung hinſichtlich
Sortenwahl im heſſiſchen Obſtbau ein. Wenige, aber gute und
tragreiche Sorten müßten mehr denn je heutzutage das Ziel
Beſtrebungen im Obſtbau ſein. Vor allem aber betonte er.
Hauptſache bei einer ſolchen Ausſtellung ſei nicht das är
Bild ſondern der Wille, aus ihr etwas lernen zu wollen.
Die Ausſtellung, mit der eine reichhaltige Tombolaverlo
verbunden iſt, iſt am Sonntag von 9. Uhr vormittags bis 6
nachmittags geöffnet und verdient ohne Zweifel einen g
Beſuch.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 19. Sept. Spar= und Darleb
kaſſeverein e. G. m. b. H. Der neubeſtellte Rechner,
Ludwig Spieß, hat nunmehr die Kaſſengeſchäfte übernom
Damit entfällt jetzt die Beſchränkung, der Kaſſeſtunden. Es
nen von der kommenden Woche an Kaſſegeſchäfte jeden Tag
zu jeder Tageszeit abgewickelt werden, gleichfalls auch We
geſchäfte, die ebenfalls bisher nur auf zwei Wochentage beſchy
waren. Es dürfte in der Oeffentlichkeit jedenfalls noch nicht
reichend bekannt ſein, daß das Warengeſchäft nunmehr direkt
Lagerhaus Ober=Roden aus betrieben wird, und daß das hi
Geſchäft nur als eine Warenausgabeſtelle zu betrachten iſt.
wurde mit dieſer Maßnahme eine ganz erſtaunliche Preismi
rung erzielt, die jetzt den Genoſſen zugute kommt und ſich
bereits in einem bedeutend verſtärkten Warenumſatz auswirk
G Ober=Ramſtadt, 19. Sept. Verſchiedenes. Bei den
chen Obſtertrag nimmt es nicht wunder, daß ſich in dieſem
beſonders viele einen guten und billigen Haustrank, vor
Apfelwein, herſtellen. Mehrere Keltern ſind zurzeit hier in
trieb und preſſen den köſtlichen Süßen aus, durch den ma
Magen wohl vorübergehend in Mitleidenſchaft gezogen wir
Die letzte Obſtverſteigerung in unſerer näheren Umgebung
am Montag, dem 21. September, an den Provinzialſtraßen 4
RamſtadtErnſthofen u. Nieder=ModauFrankenhauſenN
ſtatt. Sie beginnt vormittags 9 Uhr bei Ober=Ramſtadt.
den Vereinen. Am Sonntag, dem 20. d. M., findet i1
Kirche in Ernſthofen das Dekanatsfeſt für äußere Miſſion
Ev. Dekanats Eberſtadt ſtatt, bei welchem u. a. auch der hieſige
ſaunenchor mitwirkt. Bei den letzten Sonntag in Rüſſels
ſtattgefundenen Opelkampfſpielen konnten, folgende Turner!
und Turner des Turnvereins 1877 D. T., Siege erringen: 2)
nerinnen, Oberſtufe: Gretel Müller im Mehrkampf den 5.
im Kugelſtoßen den 2. Sieg, Gretel Dintelmann im Mehr!
den 2. im 100=Meter=Lauf den 3. und im Weitſprung den 2.
b) Turner, Unterſtufe: Alfred Bäuerle im Mehrkampf den 2
im Hochſprung den 1. Sieg. Georg Geiß im Kugelſtoßen d.
Sieg. Am kommenden Sonntag findet in Roßdorf der Rück!
im Geräte= und Volksturnen der Schüler ſtatt. Der Wetr1
beginnt um 10 Uhr vormittags. Am Nachmittag, um 1 Uhr b
nend, trägt die Volksturnabteilung des Turnvereins 18/
Wettkampf gegen dieienige des Turnvereins Roßdorf auf denl
meindeſportplatz in Roßdorf aus, während die Geräteturne.
Abend bei einem Werbeturnen des Turnvereins Roßdorf mi
ken. Der Odenwaldklub. Ortsgruppe Ober=Ramſtadt, 1
nimmt am Sonntag, dem 20. September, ſeine diesjahrig
Wanderung nach dem Kranichſtein. Der Abmarſch erfolgt
1 Uhr am Bahnhof. Rege Teilnahme erwünſcht.
Aa. Güttersbach i. Odw.. 19 Sept. Ausfall des Kr
treffens des Junglandbundes. Das für Sonnkag.
27. September, vorgeſehene Kreistreffen und Erntedantiell
Junglandbundes des Kreiſes Erbach fällt mit Rückſicht au
ungünſtige Wirtſchaftslage aus.
Gernsheim. 19. Sept. Waſſerſtand des Rhein
18. September 2,10 Meter, am 19. September 1,90 Meter.
Hirſchhorn, 19. Sept. Waſſerſtand des Neckſk
1. September 1,80 Meter, am 19. September 1,80 Meter.

Ac. Worms. 19. Sept. Leichenländung. Am 17.
tember wurde gegen 11 Uhr vormittags im Rheinſtrom 2e
Badeanſtalt des Schwir nklubs Heſſen eine männliche
geländet. Die Leiche Fürfte ſchon einige Tage im Walle
legen haben. Geſtern vormittag identifizierte der Erken!
dienſt die geländete Leiche als die des Lehramtskandidale!
hard Ziegler aus Mannheim, der vor etwa 14 Tagen be.
deln im Rheinſtrom in der Gemarkung Mannheim ertrun.
Feſtnahme. Als vorgeſtern die Fremdenkontrolle l*
wurde, konnte ein 27jähriger Arbeiter aus Sprendlinge"
nommen werden. der zum Strafvollzug vom Amtsgericht. *
heim ausgeſchrieben war. Er wurde in das Amtsgericles
nis überführt.
Aus Oberbeſſen.
Bad=Nauheim. 19. Sept. Vom Kerckhoff=Inſtitt
offizielle Eröffnung des Kerckhoff=Inſtituts findet im. "
nächſten Monats in Anweſenheit eines Mitgliedes der L
Kerckhoff ſtatt. Man erwartet außerdem die Teilnäyſt. *
nenter Perſönlichkeiten aus der Wiſſenſchaft und ſolche de
lichen Lebens.
Friedberg. 19. Sept. Ein Zehnjähriger reII.
Kind vom Tode des Ertrinkens. An einer Le
tiefen Stelle geriet ein ſechsjähriger Junge aus Aſſeht..
Spielen in die Nidda. Nur dem beherzten Zugreifen.
jährigen Spielkameraden iſt es zu verdanken, daß d05 2.
der an Land gebracht werden konnte.
Hofgut Mittelgründau, 19. Sept. Am 16. Septkehl.
mittags 4 Uhr, brach auf dem Hofgut Schudt, Mittelgru
Brand aus, der mit raſender Schnelle um ſich gril..
ren waren ſchnell zur Stelle. Die Gebäude ſind D. T
Mauern ganz vernichtet; Schweine=, Rinder= und ein d.
fielen dem Feuer ganz zum Opfer, drei Viertel des Leſc
beſtandes und verſchiedene Schweine verbrannten. 2.
iſt durch Verſicherung gedeckt.

[ ][  ][ ]

Sonntag, den 20. September 1931

Seite 7

in die Pilzkunde.

Der=;erte Vortrag im Rahmen der Volkshochschule, der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde
und des Lehrervereins für Naturkunde.

dierte Vortrag behandelte die Blätterpilze, die

mfaw chſte Gruppe unſerer einheimiſchen höheren Pilze. Zu
br auen ſowohl unſere beſten Speiſepilze, wie Pfifferling und
hanm ion, wie auch unſere gefährlichſten Giftpilze, die berüch=
jatern
ollenblätterſchwämme. Bläterpilze gibt es bei uns un=
efäh
/0 verſchiedene Arten. Als charakteriſtiſches Kennzeichen
rage=1, auf der Hutunterſeite Blättchen, die radial vom Stiel
jach. Hutrand zu verlaufen. Schon bei der Totentrom=
ets
nem Rindenpilz, ſieht man auf der glatten Fruchtſchicht
er Bnſeite zarte Runzeln verlaufen. Starke leiſtenartige
Zung auf der Hutunterſeite zeigen die Pfifferlinge, wes=
alb
. ihre ganze Verwandtſchaft auch als Leiſten=Pilze
Sie beſitzen noch keine ſo deutlich ausgebildeten Blätt=
Jeze
die übrigen Blätterpilze. In rohem Zuſtande ſchmeckt
he
rling pfefferartig wonach er ſeinen Namen trägt. Trotz=
dieſer
Pilz ein ſehr ſchmackhaftes Gericht. Dieſer Ge=
s
hochgeſchätzten Pfifferlings zeigt alſo deutlich den Un=
lebensgefährlichen
Ullſteinſchen Pilz=Merkregel, wonach
leicht durch unangenehmen Geruch oder Geſchmack er=
nm
iden könnten. Gerade das Gegenteil iſt oft der Fall, daß
hiftry weder unangenehmen Geruch noch Geſchmack beſitzen, wie
ruch ekehrt, daß bei manchen guten Speiſepilzen der Geruch
mack in rohem Zuſtande manchmal nicht im geringſten
ſinla ſind. Von Verwandten des Pfifferlings gibt es bei uns
unge 7 20 Arten. Doch iſt beim Einſammeln des Pfifferlings
gum e Verwechſelung möglich; ſelbſt der falſche Pfiffer=
ins
er von manchen Forſchern zu den Trichterlingen gezählt
rd. unſchädlich Er iſt flatteriger und dünner wie der echte
Ffiff. / g. ſeine Blättchen ſind mehr orangerot
Wandt, mit den Leiſtenpilzen ſind die Dickblättler,
ilzest verhältnismäßig dicken Lamellen. Hierzu gehören die
7ul uler, ſo geheißen wegen ihrer ſchleimigen Hüte, oder
ſie .bfüßler weil ihr Stielgrund auffallend gelbfleiſchig
ſt. ſchmackhafte Speiſepilze. Wenn das große Kuhmaul
ung und noch einen geſchloſſenen Schleier trägt, hat es, von
ben hen, eine große Aehnlichkeit mit dem Butter=Röhrling.
Eo ſchließen ſich hier die Schnecklinge an, auch mit
chlei i n Hüten, wie der weiße Elfenbein= Schneck=
in
denfalls eßbar, und die ihnen ähnlichen Ellerlinge
o de zbare Schnee=Ellerling, welcher im Spätherbſt
inſer ieſen bevölkert. Außerdem gehören hierher die Saft=
ins
zierliche Pilzchen, welche ſich im Herbſt auf Grasplätzen
eſonn; durch ihre auffallend gelben und roten Farben bemerk=
ar
en.
beſondere Gruppe bilden die Reizker. Schwämme
em Stil, ohne irgendwelchen Schleier, mit blaſigem, brü=
leiſch
und oft auffallend gefärbt. Bei der geringſten Be=
ſplittern
die Blättchen ab, wie überhaupt die ganzen
ir zerbrechlich ſind. Die Reizker mit Milchſaft bilden
ung der Milchlinge, Reizker ohne Milchſaft nennt
man 1 Gattung der Täublinge Täublinge und Milch=
gibt
es bei uns über 100 Arten. Bei einiger Uebung
wird=un bald ganz ſicher erkennen, was ein Täubling iſt. Leich=
ter
7. rs natürlich noch bei den Milchlingen. Für beide Grup=
eine
einfache Merkregel, wohlgemerkt, aber nur für
inge und Täublinge, nicht aber für die übrigen
ilzs wen. Alle Milchlinge und Täublinge von mildem Ge=
miyann
man eſſen. Eine Koſtprobe iſt ungefährlich. Scharf=
my
de Milchlinge und Täublinge werden vom Genuß ausge=
Man wird ihre Koſtproben, augenblicklich wieder aus=
aher
der Name Speitäubling oder Speiteufel‟! Da=
richt
geſagt, daß alle ſcharfſchmeckenden Milch= und Täub=
ftpilze
ſind. Eine Reihe dieſer ſcharfſchmeckenden Arten
manchen Gegenden, z. B. in Oſtpreußen und in Rußland.
inderen Zubereitungsvorſchriften ſogar genoſſen.
wie ſich die Reizker durch ihr derbbrüchiges Fleiſch aus=
erkennt
man die Tintenpilze an ihrer beſonderen bio=
Eigenart, ſie zerfließen zu einer tintenartigen Brühe. In
rühe ſind die ſchwarzen Sporen der Tintlinge enthalten.
den auf dieſe Weiſe und auch durch Tiere verbreitet.
Unteh en Tintenpilzen gibt es auch einige recht gute Speiſepilze,
Schopftintling und andere, die ebenfalls genießbar
nd. ange ſie weiß ſind. Tintenvilze, die zum großen Teil
gernu üngerhaltige Plätze lieben, gibt es bei uns ungefähr 60
Artet Ein richtiges Gegenſtück zu den kurzlebigen Tinten=
ilze
; ilden die Zählinge, wozu die Schwindlinge,
5 lättlinge uſw. gerechnet werden. Die Schwindlinge
habed ie Eigenſchaft, bei trockener Witterung einzuſchrumpfen,
m m
A

zu ſchwinden, während ſie bei neu einſetzenden Niederſchlägen wieder
aufleben und von neuem Sporen bilden. Der bekannteſte Schwind=
ling
iſt der Mouſſeron oder Knoblauchspilz, der auf
Gras= und Kräuterwurzeln gedeiht. Die Franzoſen machen mit
dem Sammeln und dem Handel mit dieſem Pilz, der für Gewürze
und Soßen geſchätzt iſt, gute Geſchäfte. Zu den Zählingen ge=
hören
auch die Sägeblättlinge, ſo genannt wegen ihrer
zackig zerſchlitzten Blättchen, wie man ſie an faulen Weiden im
Frühjahr am Rhein ſehr häufig antrifft. Noch bekannter iſt der
ſtark duftende Anis=Zähling, der an den Stümpfen unſe=
rer
Laubwälder gar nicht ſelten vorkommt. Eigenartige Bildun=
gen
ſind die geweihartigen Dunkelformen des ſchuppigen Säge=
blättlings
aus Bergwerken und Kellern.
Die eigentlichen Blätterpilze werden nach der Sporenfarbe
eingeteilt. So haben die Kremplinge und Rißpilze ton=
farbiges
Sporenpulver. Der empfindliche Krempling,
ein von manchen Pilzfreunden geſchätzter Speiſepilz, ſtellt ſich uns
durch den ſtark eingerollten Hutrand und durch das Braunwerden
bei der geringſten Berührung, alſo durch eine ſtarke Druck= Empfind=
lichkeit
gut kenntlich vor. Er ſoll auch ſchon Verdauungsſtörungen
verurſacht haben. Zu den Rißpilzen gehören gefährliche
Giftpilze, die ſchon manchen Menſchen ums Leben gebracht haben.
Ihr Hut reißt riſſig auf, daher der Name. Der berüchtigſte Pilz
dieſer Gruppe iſt der ziegelrote Rißpilz, der faſt, weiß
aus dem Boden kommt wie ein Champignon, der ſtellenweiſe zahl=
reich
im Frühſommer auf Grasplätzen, im Botaniſchen Garten
zum Beiſpiel, regelmäßig erſcheint. Bei der Beührung und im
Alter wird er auffallend rot, ebenſo iſt er durch ſeinen auffallend
ſtarken Geruch kenntlich.
Häufige Bewohner unſerer Wälder ſind die Haarſchleier=
linge
, Blätterpilze mit roſtbraunen Sporen, deren Hutrand im
Jugendzuſtand mit dem Stiel durch einen charakteriſtiſchen Haar=
ſchleier
verbunden iſt. Von ihnen und ihren nächſten Verwandten
gibt es bei uns mehrere 100 Arten, die ſich zum größten Teil ſehr
ähnlich ſind und wiſſenſchaftlich noch völlig ungenügend erforſcht
wurden und deshalb vom Genuß auszuſchließen ſind. Es iſt des=
halb
ganz unſinnig, wenn ſich Vilzfreunde immer und immer wie=
der
nach derartigen Pilzen erkundigen, da man ſie nur nach ge=
naueſter
mikroſkopiſcher Unterſuchung und an Hand ausführlicher
Spezial=Literatur näher beſtimmen kann. In ihre Verwandtſchaft
gehören auch die Fälblinge. Bekannter ſind wieder die
Schüpplinge mit ihren eßbaren Vertretern, dem bräunlichen
Stockſchwämmchen und dem ſilbergrau überdufteten Reif=
pilz
. Wer beide Arten einmal in der Natur genau ſtudiert hat,
wird ſie kaum mehr verwechſeln. Eine Verwechſelung des ſchmack=
haften
Stockſchwämmchens mit dem bitter ſchmeckenden Schwe=
felkopf
wird bald erkannt werden! Purpurbraunen Sporen=
ſtaub
beſitzen die Champignons bei uns mit mehr wie 10
Arten vertreten, die ebenfalls noch nicht ſicher voneinander abge=
grenzt
ſind. Das beſte Merkmal für die Angerlinge ( Champig=
nons
) ſind die anfangs weißen, bald roſa und zuletzt dunkel= ſchoko=
ladebraun
werdenden Blättchen. Nur bei großem Leichtſinn kann
man die ſtets weißblätterigen Knollenblätter=
ſchwämme
irrtümlich für Champianons ſammeln. Eine beſon=
dere
Merkwürdigkeit bildete eine Champignon=Mißbildung aus
Poſen. Während die Hutunterſeite auf normalen Blättchen ihre
Sporen bildet, ſitzt auf dem Hut nochmals ein dunkelbrauner
Wulſt mit einer vorenartigen Oberfläche, ebenfalls hier normale
Sporen erzeugend. Purpurſporia iſt auch der ſchon oben ge=
nannte
Schwefelkopf, der wohl unangenehm bitter ſchmeckt,
deshalb ungenießbar iſt, aber wohl kaum giftig.
Auf Baumſtümpfen fällt uns oft ein braunhütiger Pilz auf.
mit etwas abſchüſſigem Hut, der Dachpilz. Er zeigt roſa Blätt=
chen
und iſt deshalb auch roſaſporig; auch er iſt genießbar.
Die unangenehmſten Vertreter der Blätterpilze ſind die
Knollenblätterſchwämme, bei uns über 20 Arten zäh=
lend
. Der Kaiſerling der Römer war von altersher ein geſchätz=
ter
Speiſepilz. Selten kommt er auch bei uns in der wärmſten
Gegend von Deutſchland vor. Er ſieht ähnlich wie der Fliegen=
vilz
aus, fällt aber ſofort auf durch den zitrongelben Stiel und
die dottergelben Blätter. Schon jedem Schulkind als Gift=
pflanze
bekannt iſt der Fliegenpilz, der rote Knollenblätter=
vilz
Im Jugendzuſtand umgibt eine Hülle den ganzen Pilz.
Beim Größerwerden reißt ſie auf. Bei manchen Arten bleiben
einige Reſte als Hautfetzen am Stielgrund zurück, ſo heim grünen
Knollenblätterpilz, oder bei den weichhäutigeren Arten als verl=
artige
Hautfetzen auf dem Hut, wie beim gelben Knollenblätter=
ſchwamm
, beim Fliegenpilz, beim Perlpilz uſw.

Der grüne Knollenblätterpilz iſt der gefähr=
lichſte
Giftpilz. Eine Gabelſpitze voll von ihm kann den

Tod herbeiführen. Trotzdem kommt es immer und immer wieder
vor, daß in Körben leichtſinniger Sammler Knollenblätter=
ſchwämme
mitten unter eßbaren Pilzen angetroffen werden. Das
Schlimmſte dabei iſt, daß ſich die Vergiftungserſcheinungen erſt
viele Stunden, meiſt nicht vor 6 Stunden nach dem Genuß, be=

Fädder ſafen ei Kelſeug Fife du Kerſtingefſtler di=
reits
ſchätzenswerte Hilfe geleiſtet haben ſoll. Ebenſo als Gift=
wulſtlinge
gefürchtet ſind der ſchon genannte Fliegenpalz,
der Königs=Fliegenpilz, der weiße und der gelbe
Knollenblätterpilz, der Pantherpilz uſw. Zweck=
mäßig
meidet man alle Knollenblätterpilze, ſelbſt wenn ſie verein=
zelt
als eßbar bekannt ſind, wie den Perlzpilz uſw. Nicht zu
verwechſeln mit den Knollenblätterſchwämmen ſind die Schirm=
pilze
, von denen es bei uns ungefähr 50 Arten gibt. Der be=
kannteſte
iſt der große Schirmpilz unſerer Nadelwälder.
Sein Hut erſcheint zuerſt geſchloſſen wie ein Paukenſchlägel; dann
iſt er am beſten zum Genuß. Sein zähfleiſchiger Stiel iſt wenig
bekömmlich Große Aehnlichkeit mit ihm hat der Safran=
Schirmling, deſſen Fleiſch beim Schnitt ſafran=rötlich anläuft.
Die Verfärbung iſt kein Merkmal für die Giftigkeit. Ungefähr
100 Arten zählt die Gattung der Ritterlinge. Zu ihr gehören
ebenfalls verſchiedene gute Speiſepilze, jedoch auch giftige Arten.
In Norddeutſchland gut bekannt iſt der grüne Ritterling,
oder der Grün=Reizker, ein regelmäßiger und häufiger Be=
wohner
ſandiger Nadelwälder Eine gewiſſe Aehnlichkeit beſitzt
ſein ebenfalls gelber Bruder der Schwefelritterling, der
ſeine Ungenießbarkeit aber ſofort durch einen unagenehmen, faſt
ſtinkenden Geruch anzeigt. Der rotfilzige Ritterling, im

i iche Wuea eteden eteid ie entſch zuch
ſeine ganz violette Färbung. Er iſt ebenfalls genießbar. Wenn
man ihn einſammelt, muß man ſich nur vor manchen, ebenfalls
violettfarbigen Haarſchleierlingen hüten, die ihre Zuge=
hörigkeit
zu dieſer ſchwierigen Gattung durch den charakteriſtiſchen
Haarſchleier kundtun. Trichterlinge werden die Blätter=
vilze
mit im Alter trichterig vertieften Hüten genannt. Der be=
kannteſte
Trichterling iſt der Hallimaſch, ein vorzüglicher und
maſſenhaft zu ſammelnder Speiſepilz, zugleich aber auch ein ge=
fährlicher
Forſtſchädling, der oft in Rieſenbüſcheln im Spätherbſt
an Baumſtümpfen erſcheint. Er iſt gut erkennbar durch den laugen=
artig
zuſammenziehenden Geſchmack des friſchen Pilzes, ebenfalls
wieder ein Zeichen für die Unſinnigkeit der obengenannten Ull=
ſteinſchen
Pilz=Merkregel. Zu den Trichterlingen gehören auch
die zierlichen Bläulinge, welche unſere Wälder eben zahl=
reich
bevölkern; ein Pilz, der wieder ein gutes Beiſpiel iſt für die
faſt unglaubliche Farbveränderlichkeit der Schwämme. Der Bläu=
ling
kann ſowohl amethyſtblau vorkommen, erſcheint aber auch
ganz roſa mit allen Farb=Uebergängen; und immer iſt es derſelbe
Pilz. Auch der leuchtende Oelbaumpilz, der von dem Re=
ferenten
vor mehr wie zehn Jahren erſtmalig für Deutſchland feſt=
gelegt
wurde, iſt ein Trichterling. Mit ſeiner leuchtenden Frucht=
ſchicht
iſt er eines der ſchönſten Naturſchauſpiele unſerer Heimat.
Die erſten Finder in der Darmſtädter Umgebung in dem Jahr
1919 waren die Herren Friedmann und Grünig. Als Rüblinge
werden diejenige Blätterpilze bezeichnet, die am Stielgrunde ſich
rübenartig in den Boden fortſetzen und oft an Baumſtümpfen
oder ſonſtigen Holzteilen wurzeln. Als Baumſchädling macht
ſich der weiße Buchen=Ringrübling bemerkbar, wie er
in unſeren feuchten Parkwäldern jetzt im Herbſt manchmal ganze
Buchenſtämme bedeckt. Eine ſeltene Mißbildung kommt auf dem
Waldfreundrübling vor, merkwürdige blumenkohlartige. Wuche=
rungen
mit hirnartigen Wülſten ſtehen ſowohl auf den Hüten, wie
auch an den Blättchen und am Stiel. Genau wie die Lamellen=
ſchicht
bilden auch dieſe Wucherungen auf ihrer Oberfläche nor=
male
Svoren. Als letzte Gruppe der Blätterpilze wurden die
Seitlinge vorgeführt. Schwämme, die meiſt einſeitig mit dem
Stiel an Holz. an Baumſtümpfen uſw. angewachſen ſind. Der
graue Auſtern=Seitling, in dachziegeligen Raſen, an
Laubholzſtümpfen oft mitten im Winter erſcheinend, wird als
Speiſevilz recht geſucht. Er läßt ſich ſogar künſtlich züchten.
Alle dieſe vielen Pilzarten lernt man mit Sicherheit natürlich nur
in der freien Natur kennen!
Der nächſte Vortrag über Allgemeine Pilzmerk=
regeln
über den Nährwert, über Vergiftungserſcheinungen,
Gegenmaßnahmen, empfehlenswerte Pilzbücher uſw. findet am
Dienstag, dem 29 September, ebenfalls abends 8 Uhr,
im Realgymnaſium ſtatt
Gleichzeitig ſei nochmals auf die Pilz=Ausſtellung am 20. und
21. September im Gewerbemuſeum verwieſen. Auskunft darüber
erteilt die Heſſiſche Landesſtelle für Pilz= und
Hausſchwamm=Beratung, Fernruf 4755 ( Bera=
tungsſtunden
Montag und Donnerstag von 36 Uhr. Ballon=
platz
1). Während der Ausſtellung erfolgt die Beratung nur im
Gewerbemuſeum.

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[ ][  ][ ]

Seite 8

Sonntag, den 20. September 1931

Nummer

Soart, Soiel und Sucnen.

Handball.
TV. Nieder=Ramſtadt.
Heute nachmittag 3.15 Uhr tritt TV. Nieder=Ramſtadt gegen Tgſ.
Ober=Ramſtadt dort zum fälligen Verbandsſpiel an. Die Rivalität bei=
der
Gegner iſt bekannt. Der Ausgang des Spieles iſt völlig offen.
In Anbetracht des ſchweren Spiels werden Mitglieder und Handball=
anhänger
gebeten, die Mannſchaft zu begleiten, um ihr den nötigen
Rückhalt zu geben. Vorher 2. Mannſchaften. Die Spiele finden auf
dem Sportplatz an der Waldmühle ſtatt.

Fr. Tade. Darmſtadt Freie Turner Bierſtadt.
Im weiteren Verlauf der Serienſpiele ſteht Darmſtadt am Müllers=
teich
Bierſtadt gegenüber. Die Gäſte, eine der wenigen Kampfmann=
ſchaften
der Kreisklaſſe, zu Hauſe ſelten geſchlagen, werden ſich auch in
Darmſtadt nicht leicht um einen Sieg bringen laſſen und alle Saiten
ihres Könnens aufziehen. Eine ſichere Abwehr und ein flinker Sturm
ſorgen immer wieder für Ueberraſchungen. Um dagegen geſchützt zu
ſein, ſollte Darmſtadt den Gegner richtig einſchätzen. Spielbeginn
3.15 Uhr.
Fußball.
Fr. Tgde. Darmſtadt Dreieichenhain.
Im Rahmen des Bezirksſportfeſtes am Müllersteich empfangen die
Hieſigen um 13.45 Uhr obigen Gegner zum fälligen Punktetreffen. Da
im 1. Bezirk Spielverbot herrſcht, dürfte das Spiel ſeine Anziehungs=
kraft
nicht verfehlen. Gelingt es Darmſtadt, den Sieg zu erringen, ſo
dürfte der Tabellenführer Darmſtadt heißen. Beide Gegner treffen ſich
nun erſtmals in der 1. Bezirksklaſſe wieder. Beide haben bewieſen, daß
ſie zähe und ritterliche Partner ſind und in den vorausgegangenen Spie=
len
noch manches hinzugelernt haben. Wieviel, das feſtzuſtellen wird
heute gleichfalls ſeinen Reiz haben. Darmſtadt tritt in kompletter Auf=
ſtellung
an. Vorher, 12.15 Uhr, ſtehen ſich die 2. Garnituren beider
Vereine gegenüber. Anſchließend ſteigt das Handballſpiel Darmſtadt
Vierſtadt.
VfL. Michelſtadt SV. Roßdorf.
Der VfL. Michelſtadt übermittelt uns folgenden Bericht:
VfL. Michelſtadt SV. Roßdorf 0:1 (0:1).
In Michelſtadt kam es am vergangenen Sonntag zwiſchen den bei=
den
Rivalen zu einem dramatiſchen Kampf. Roßdorf kann ſchon kurz
nach Spielbeginn auf billige Art und Weiſe zu dem einzigen Treffer des
Spieles kommen. Und zwar ließ der Michelſtädter Torwart einen von
ſeinem Verteidiger zurückgeſpielten Ball fallen. Das Leder kam vor die
Füße eines Roßdörfer Spielers, der den Ball jedoch nur berühren
konnte, während ihn ein aus Abſeitsſtellung kommender Stürmer ein=
ſchoß
. Kurz nach dieſer Fehlentſcheidung des Schiedsrichters verlor
Michelſtadt durch Verletzung ohne Verſchulden des Gegners ſeinen linken
Verteidiger und damit einen der beſten Leute der Mannſchaft, ſo daß
man der Elfe des Gaſtgebers keine Ausſichten auf Sieg mehr zubilligen
konnte. Beiderſeits wurde erbittert gekämpft, und da die Hintermann=
ſchaft
Roßdorfs dabei nicht ſehr zart mit ihren körperlich weit unter=
legenen
Gegnern umging, kam es verſchiedentlich zu Mißfallensäußerun=
gen
der Zuſchauer. Leider verlor der, von der Torentſcheidung ab=
geſehen
, bis dahin ziemlich einwandfreie Spielleiter dadurch die Nerven
und traf häufig Fehlentſcheidungen. Daß er etwa 15 Minuten vor
Spielſchluß den Torwart der Odenwälder wegen Beleidigung des Feldes
verweiſen mußte, ſoll ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden. Trotz
dieſer erneuten Schwächung kämpfte VfL. unermüdlich weiter, aber der
verdiente Ausgleich blieb aus

Wellerberiſchl.

De die Luftbewegung ſehr gering iſt, blieb die feuchtwarme Luft
über dem Feſtland und mit ihr auch die Nebeldecke erhalten, aus der
ganz vereinzelt ſogar leichter Sprühregen niedergeht. Doch hat ſich das
Hochdruckgebiet im Weſten enorm gekräftigt und weiſt über Irland
Barometerſtände von über 773 Millimeter Luftdruck auf. Es iſt damit
zu rechnen, daß ſich der hohe Druck allmählich auf das Feſtland vor=
ſchiebt
, wobei durch die abſinkenden Luftmaſſen tagsüber die Nebel=
decke
zur Auflöſung kommen wird.
Ausſichten für Sonntag, den 20. September: Morgens neblig und
dieſig, tagsüber aufheiternd, meiſt trocken, noch wenig veränderte
Temperaturen.
Ausſichten für Montag, den 21. September: Weiterhin Frühnebel,
ſonſt meiſt heiter, trocken, Temperaturgegenſätze zwiſchen Tag und
Nacht ſich etwas verſchärfend.

Sporkkalender.

Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.

Handball.

14.30 Uhr,
15.00 Uhr,
15.00 Uhr,
15.30 Uhr,
In Miche
15.30 Uhr:

Kranichſteiner Straße: Tgeſ. Tgde 46.
Rheinallee: Rot=Weiß T.S.V. Braunshardt.
Exerzierplatz: Polizei II. Merck Darmſtadt.
Müllersteich: Tr. Tgde. Fr. T. Bierſtadt.
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Entſcheidung der ſüddeutſchen Handball=Meiſterſchaft:
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Omnibus ab Heaghaus: 13.30 Uhr pünktlich!

11.00 Uhr,
11.00 Uhr,
13.45 Uhr,
14.00 Uhr,

10.30 Uhr,

Fußball.
Rheinallee: Rot=Weiß S.=V. Geinsheim.
Exerzierplatz: Eintracht Boruſſia Dornheim.
Müllersteich: Fr. Tgde. Fr. T. Dreieichenhain.
Dornheimer Weg: Reichsbahn Poſt Darmſtadt.
Kraftſport.
Pol.=Halle: Polizei Dieburg.

Geſchäfliches.

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allem, was in der Welt vor ſich geht, plaudert mit Ihnen über
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Ober=Ramſtadt, hat die Führerſtellung in der Formgebung
moderner Automobilkaroſſerien wieder eingenommen, die Schön=
heitsturniere
in Bad=Homburg v. d. H. dem Oſtſeebad Swine=
münde
und Bad=Neuenahr feſtigen das Fundament, auf dem ſich
die künftige führende Stellung des neuen Röhr 8 aufbaut.
Zu dem des Baues fortſchrittlicher und komfortabler Karoſſe=
rien
geſellen ſich für den Automobilismus weit wichtigere mecha=
niſch
=techniſche Momente, die in der Schwingachſen= und Tiefbett=
rahmenkonſtruktion
dergeſtalt ſichtlich Ausdruck erlangen, daß die
Kurven= und Straßenſicherheit des neuen Röhr 8 ſelbſt bis
heute noch von keinem gleichſtarken neuzeitlichen Automobil
fremder Herkunft auch nur annähernd erreicht werden konnte.
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Gleichbleibendes Werktags=Programm. 5.55: Wetter, Gymr
o 630: Gymnaſtik. 2 6.55: Wetter. 8 7: Frühlonzert 19
plattenl. 0 7.55: Waſſerſtand. O 12: Zeit, Wirtſchaftsmedu
1205: Konzert. 0 12.40: Nachrichten. O 12,55: Nauener
zeichen. O 13: Konzert (Fortſetzung). 8 13.50: Nachrichten
Werbekonzert. o 14.40: Gießener Wetterbericht. o 1505=
Wirtſchaftsmeldungen. O 17.00, 18.30, 19.30: Wirtſchaftsmeldi

mann (Tenor), Marianne Weber (Sopran), J. Oettel Bg
Namin 1Orgeli, F. Sammler CCembalo).
12.00: Franz Völker=Konzert. Schallplatten)
1250: H. Rosbaud: Die Soliſten der Sonntags= und Me
konzerte des Frankfurter Orcheſtervereins.
13.05: Schallplattenkonzert. (Fortſetzung)
13.50: Zehnminutendienſt der Landwirtſchaftskammer Wiesbad
14.00: Stunde des Landes.
15.00: Stunde der Jugend.
16.00: Wiesbaden: Nachmittagskonzert des Städt Kurorcheſter
liſten: M. Schildbach Cello), R. Bergmann (Violinel,
18.00: Intendant Bekker: Das Theater und ſein Publikum,
18.25: E. Morin: Frankfurter Anekdoten.
18.50: Geh. Juſtizrat Prof. Dr. Heilfron: Erinnerungen einel
Richters.
19 20: Wetter für die Landwirtſchaft. anſchl.: Sport.
19.30: Mannheim: Kammermuſik. Ausf.: A. Polgck (Violo
Stephanie Pelliſſier (Klavier)
20.00: W. Eberhard: Deutſche Humoriſten: Fritz Reuter,
2030: Internationaler Volkslieder=Abend. Verbindende Woi
Petyrek. Ausf.: Funfchor, Kavelle Haas
21.45: Jaz auf zwei Flügeln. Ausf.: Poldy Sperling=Dong
Seyfert.
22.15: Zeit, Wetter, Nachrichten, Sport.
22.40: Tanzmuſik der Kapelle Haas.

Königswuſterhauſen.

Deutſche Welle: Gleichbleibendes Werktags=Programm.
6.45, 18.55: Zeit, Wetter für den Landwirt. 6.30: Gyn
anſchl.: Frühkonzert. 8 10.35, 13.30: Nachrichten. 8 12.
für den Landwirt. O 12.05: Schallplatten bzw. Schufunk. o
Nauener Zeit. O 14.00: Schallplatten. O 15.30: Wetter,

Hauptſchriftleltung: Rudolf Mauve
Veranwornich für Poltik und Wirtſchaft: Rndolf Maupe: für Feutlleion, Reich um
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſei für Sport: Karl Bohmann.
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdlenſt: Andreas Bauer; für
Die Gegenwart. Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert. Neite:
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mlttellungen: Wiliv Kuble=
Druck und Verlag: C. C. Wittſch ſcmtlich in Darmſtadt.
Für unverlangte Manuſtripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.

Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

Deutſche Welle: Sonntag, 20. September.
6.30: Funkgymnaſtik.
7.0: Hamburger Hafenkonzert. Glocken vom Großen Mich
8.00: Praktiſche Winke und Mitteilungen für den Landwirt
8.15: Wochenrückblick auf die Marktlage.
825: Dr. Münzberg: Die Verwertung der diesjährigen
rübenernte.
8,55: Morgenfeier. Glockenſpiel der Potsdamer Garniſonkire
anſchl. Glockengeläut des Berliner Doms.
10.05: Wettervorherſage
11.00: H. Bachmann: Die Lektüre unſerer Kinder.
11.30: Leipzig: Bach=Kantate: Chriſtus, der iſt mein Leben.
Städt. u. Gewandhausorcheſter. Soliſten: H. Lißmann (2
Marianne Weber (Sopran), J. Oettel (Baß), G. Ramin. (4
F. Sammler (Cembalo).
12.00: Dr. Rühlmann: Braunſchweiger Dichter.
12.30: Mittagskonzert des Berliner Funkorcheſters.
14.10: Jugendſtunde: Märchen.
14.40: Lieder. Mara Duve (Sopranl. Am Flügel: J. Bürg
15.00: Die Gartenblume des Monats. K. Förſter: Die Glodio
15.20: Alfred Braun: Zum Jubiläum der Genoſſenſchaft Der
Bühnenangehöriger.
15.30: Die Soldaten. Komödie von J. M. R. Lenz.
16.30 Kroll=Etabliſſement: Nachmittagskonzert. Muſikkorn der
mandantur Berlin. Tanzkapelle Willy Groh.
18.30: Georg Rendl lieſt aus ſeinem Bienenroman.
18.55: Dr. Pleiſter: Erntefeſte.
19.20: F. Stöſſinger: Opern, die übertragen werden. Don
von W. A. Mozart.
20,00: Wien: Bruder Straubinger. Operette von E. Eysler.
22.15: Wetter=, Tages= und Sportnachrichten.
anſchl. Tanzmuſik. Ilia Livſchakoff und ſein Orcheſter.

Sonntag, 20. September.
7.00: Hamburger Hafenkonzert. Glocken vom Großen Michel.
900: Elberfeld: Epangeliſcher Feſtgottesdienſt zur Feier de
Bundesfeſtes des Weſtdeutſchen Jungmännerbundes.
10.30: Verbrecheriagd im Flugzeug. Erſtes deutſches Expe
einer Flugzeug=Verfolgung, geſteuert durch Rundfunk, verl
mit einem Preisausſchreiben für die Hörer,

11.30: Leipzig: Bachkantate: Chriſtus, der iſt mein Leben,
Städt. u. Gewandhausorcheſter. Thomanerchor. Soliſten.

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[ ][  ][ ]

Num ir 261

Sonntag, den 20. Sept.

Zerordnung über die Aktienrechtsreform.
Erns rung der Publikakionspflichten und Einführung der Pflichkreviſion. Schärfere Ueberwachung
und Prüfung der Geſellſchaften. Regulierung der Kreditgewährung.
Erleichkerung der Gelkendmachung von Regreßanſprüchen.
Beſtellung und ſeine Vergütungen treten nach der Verordnung
mit dem Ablauf der nächſten Generalverſammlung außer Kraft.
Wouene nane Handelsgeſenduc. Es muß ein neuer Beſchluß in der nächſten Generalverſammlung

in der geſtrigen Nummer des Reichsgeſetzblattes
die Verordnung über die Reform des
ſkw rechts ſieht zunächſt eine Erweiterung der

Pub=/ itspflichten vor, vor allem durch Einführung der Pflicht=
revi
=. Durch eingehende Vorſchriften über die Bilanz, die Ge=
win
=d Verluſtrechnung und den Geſchäftsbericht ſoll eine er=
hebl
. Publizität ſichergeſtellt werden, durch die ein Schutz gegen
mißr hliche Geſchäftsführung geſchaffen wird. Damit iſt auch
eine rlegung der durch die Konzernverpflichtungen bedingten
Verls iſſe verbunden. Die Pflichtprüfungen ſind durch unab=
hängs
Heſchäftsprüfer vorzunehmen. Die Regierung ſieht hierin

eine wichtigſten Maßnahmen, die von größter wirtſchaftlicher unter beſtimmten Vorausſetzungen und nur in der Geſamthöhe
als S diel gedient haben. Man rechnet damit, daß bereits im zur Abwendung eines ſchweren Schadens der Geſellſchaft. Damit
Herb= in Stab von 200 öffentlichen Wirtſchaftsprüfern für die iſt alſo die normale Kurspflege unterbunden. Dagegen bleiben
Durch rung der Pflichtreviſion vorhanden iſt. Die Regierung Kursſtützungen, die zur Abwehr eines ſchweren Schadens der
wird (ch die Verordnung ermächtigt, dieſe Prüfungen jeweils Geſellſchaft vorgenommen werden, nach wie vor möglich. Auch die
nach m Ermeſſen vorzunehmen.
In der Erweiterung dieſer Offenlegungspflichten wird worden.
auch Vorſtand verpflichtet ſein dem Aufſichtsrat einzureichen=
des
2 ungsmaterial weſentlich zu erweitern. Die Verordnung erſcheinen wofür eine genaue Vorſchrift erlaſſen iſt.
enthö erner ein grundſätzliches Verbot der Kreditgewährung für
Die Notverordnung iſt als Novelle zum Handelsgeſetzbuch ge=
Mits er des Voxſtandes; die Kreditgewährung wird abhängig dacht. Die Reſtvorlage ſoll dagegen als ſelbſtändiges Geſetz auf=
geme
von der Zuſtimmung des Aufſichtsrats. Die Kredit= gemacht werden; in ihr werden alle die Fragen gelöſt werden, die
gewö ig iſt auch ausgeſchloſſen hinſichtlich der Verſchachtelungs= eine Rolle geſpielt haben. Dazu gehören: Stimmrechtsaktien,
verhs ſſe. Die Verantwortlichkeit des Aufſichtsrats wird weſent= Vorrechtsaktien, Auskunftsrecht der Aktionäre, Finanzierungsfra=
lich
tärkt. Jedes Mitglied des Aufſichtsrats iſt berechtigt, gen, Gründungsfragen, Fuſions= und Umwandlungsprobleme. Es
jeder weitere Berichte des Vorſtandes zu verlangen und eben= beſteht die Abſicht, ſpäterhin ein einheitliches Geſetz über die
fallsh die Einberufung des Geſamtaufſichtsrats durchzuſetzen. Aktienrechtsreform unter Einſchluß der jetzt verfügten Verordnung
Die ungen über die Zuſammenſetzung des Aufſichtsrats, ſeine zu ſchaffen.

über dieſe Satzungen gefaßt werden; es erlöſchen alſo damit auch
ſämtliche Mandate zum Aufſichtsrat. Die Höchſtzahl der Aufſichts=
ratsmitglieder
wird auf 30 feſtgeſetzt, und in einer Perſon dürfen
in Zukunft nur 20 Mandate vereinigt werden. Ausnahmen ſind
nicht zugelaſſen.
Die Verordnung ſieht ferner eine Erleichterung der Geltend=
machung
von Regreßanſprüchen gegen Vorſtand und Aufſichtsrat
vor und erweiterte Minderheitenrechte für die Geltendmachung
von Regreßanſprüchen. In Fällen von Bilanzverſchleierung und
des Handelns gegen die Intereſſen der Geſellſchaft (HGB 88 12
und 314 Abſ. 1) werden Zuchthausſtrafe bis zu 5 Jahren feſtgeſetzt.
Der Erwerb eigener Aktien kann nach der Verordnung nur
und aliſcher Bedeutung iſt und der Vorbilder des Auslandes von 10 Prozent des Grundkapitals erfolgen. Er iſt nur zuläſſig
Frage der Einziehung von Aktien (HGB. 8 227) iſt neu geregelt
Eigene Aktien müſſen an einer beſtimmten Stelle der Bilanz

Die Lage am Geldmarkt.

ganz=4
in G
ring
leicht
aus
wurk:
Anſr)
Melsh=
und 4
merkk:
Tatf 5.
Cätz
mack=
Sichst
Ultir1
Vermn
die T
longs.
Morx
11 2
ſtilles!
den 1
Angol
9atz

Ends.
wolsl
intest
gab. d
merr.

t auch die normalen Verhältniſſe am Geldmarkt im großen und
jeder hergeſtellt ſind und der komplizierte Mechanismus wieder
gekommen iſt, ſo bleibt die Geſchäftstätigkeit noch äußerſt ge=
agesgeld
war auch in der abgelaufenen Woche in Frankfurt
geſehen von einer Verſteifung von 6½ auf 7 Prozent, die ſich
Mediobeanſpruchung erklären läßt, die aber raſch überwunden
Die nicht unbeträchtliche Differenz gegenüber Berlin, wo die
ung noch nicht nachgelaſſen hat, blieb aus dem bekannten
Grun der unterſchiedlichen Einſtellung zur Deckungsfrage an beiden
Plät; beſtehen. Wenn man allerdings in Betracht zieht, daß zum
2 Millionen RM. Reichsſchatzanweiſungen fällig geworden ſind
Bereitſtellungen für die Abziehungen von Markguthaben keine
re Verflüſſigung am Tagesgeldmarkt gebracht haben, ſo iſt die
nicht zu leugnen, daß trotz der äußerlich kaum geänderten
Lage eine Verſchärfung erfahren hat. Mehr als bei Tagesgeld
ſich die Vorbereitungen für den Ultimo bei Geld auf längere
merkbar. Infolge der Teilzahlungen der Gehälter wird der
elbſt zwar entlaſtet, dafür iſt aber die Inanſpruchnahme des
Geli Etes in der erſten Monatshälfte um ſo größer geweſen. In
eld kamen neue Abſchlüſſe nur in geringem Umfange zuſtande,
nden Engagements wurden zu den üblichen Monatsſätzen pro=
Im Verkehr unter den Großbanken ſtellte ſich der Satz für
eld auf etwa 8½ Prozent, während für zweite Adreſſen ungefähr
ent gezahlt werden mußten. Auch Warenwechſel hatten ſehr
eſchäft. Der Privatdiskontmarkt hatte noch am meiſten unter
xwirkungen der Störungen in der letzten Zeit zu leiden. Das
iſt nicht ſonderlich groß, die Umſätze bleiben gering. Der Zins=
rg
ca. 8½ Prozent.
Abſchwächung der Reichsmark im Auslande hat ſich nicht weiter
fort y. . Die Situation blieb zunächſt ziemlich unverändert, gegen
* Woche ſtellte ſich aber bereits eine kräftige Erholung ein, die
* der Abwicklung von Deviſen=Terminengagements im Zuſam=
menu
x ſtand. So erwies es ſich als überflüſſig für die Reichsbank,
kerend einzugreifen. Da die Lage zu keiner Beſorgnis Anlaß
es die Reichsbank abſichtlich vermieden, irgendwelche Maßnah=
ergreifen
, die event. Beunruhigung hätten hervorrufen können.

Börſenpanik in Athen.

r kataſtrophale Kursſturz an der Athener Effektenbörſe
hatzy Eern angehalten. Faſt alle Werte gaben um durchſchnitt=
lichtl
Punkte nach. Drei Börſenmakler haben ihre Zahlungs=
unfr
keit angemeldet; für heute erwartet man den Zuſammen=
brun
Ener großen Firma. Der Miniſterrat hat ſich geſtern ein=
gel
: mit der Lage an der Athener Börſe beſchäftigt und iſt
zu 1. Schluß gekommen, daß es ſich um eine vorübergehende
Erfy rung handle, da die Finanzlage Griechenlands geſund ſei.
Unn verhindern, daß die Spekulation die Lage ausnütze, iſt
einn Rniſterkomitee gebildet worden, welches in Zuſammen=
arkk
: mit der Bank von Griechenland und der Griechiſchen
Nasl albank im Bedarfsfall intervenieren wird, um die Kurſe
zu 1en.
Schwarzer Tag in New York.
Wertpapierbörſe, deren ſchwache Haltung in der letzten Zeit
Endert angedauert hat, hatte geſtern einen beſonders ſchwarzen
Tasl Die Wertpapiere verloren bis zu 12 Punkten. Die Papiere der
Ve1 rungsgeſellſchaften waren beſonders ſchwach; ſie gingen zum Teil
unrd Wunkte zurück. Am Deviſenmarkt war das engliſche Pfund eben=
falkz/
yr ſchwach. Es fiel auf 4.85¾, den niedrigſten Kurs ſeit Wochen.
Wirkſchaftliche Rundſchan.
e Abwicklung der Deviſentermingeſchäfte.
N.7 iner von der Reichsbank auf Grund des Stillhalteabkom=
m
2 weröffentlichten Bekanntmachung werden die Banken, die
vo em 31. Juli 1931 untereinander Deviſentermingeſchäfte
ge) Reichsmark getätigt haben, aufgefordert, dieſe Geſchäfte
du‟ Zurückhandeln bis zum 3. Oktober d. J. abzuwickeln. So=
we
dem Auslande gegenüber Deviſen als Termingeſchäfte ge=
lis
)werden müſſen, erklärt ſich die Reichsbank bereit, die be=
nib
en Deviſen bis zum 1. Oktober d. J. gegen entſprechende
Ul Tagen abzugeben.
Indexziffer der Großhandelspreiſe vom 16. September Die
Statiſtiſchen Reichsamt für den 16. September berechnete Index=
. Der Großhandelspreiſe iſt mit 108,8 gegenüber der Vorwoche um
H. geſunken. Dies iſt vor allem auf Preisrückgänge für indu=
ſtt
) Rohſtoffe, Halb= und Fertigwaren zurückzuführen. Die Indeg=
z
der Hauptgruppen lauten: Agrarſtoffe unverändert 101,6, Kolo=
W ren 94,3 (plus 1,0 v. H.) induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren
U Tminus 0,4 v. H.) und induſtrielle Fertigwaren 134,7 (minus 0,1
Dgenöſſiſche Anleihe von 1931 voll gezeichnet. Die Eidgenöſſiſche
pe von 1931 mit einem Zinsſatz von 4 Prozent in Höhe von 200
Schweizer Franken, die zu pari aufgelegt worden iſt und von der
Lill. Schweizer Franken zur Zeichnung aufgelegt worden ſind, hat
vollen Erfolg gebracht. Im Wege der Konverſionszeichnung wur=
urnd
150 Mill. Schweizer Franken gezeichnet, ſo daß für die Bar=
uungen
nur noch 20 Mill. Schweizer Franken zur Verfügung ſtan=
Der zur Verfügung ſtehende Geſamtbetrag von 170 Mill. Schweizer
Ten ſoll anteilmäßig an die Mitglieder des ſchweizeriſchen Banken=
Stiums verteilt werden, das die Anleihe feſt übernommen hat. Bei
uteilung an die Zeichner ſollen die kleinen Zeichner in erſter Linie
Eſichtigt werden.

Produktenberichte.

Mainzer Produktenbericht. Großhandelspreiſe per 100 Rilo loco
Mainz am Freitag, den 18. September: Weizen 233,50, rheinheſſ.
Roggen 2.,5021. Hafer 1517, Braugerſte 1717,75, Induſtriegerſte
16,5017, füdd. Weizenmehl Spez. 0 37,90, Roggenmehl (60 Prozent)
30,50, Weizenkleie fein 9,70. Weizenkleie grob 10,40, Roggenkleie 9,75
bis 10,50 Weizenfuttermehl 12,50 Biertreber 10,5011,50, Erdnuß=
kuchen
12,7513,25, Kokoskuchen 13,5017,50, Palmkuchen 1010,50,
Rapskuchen 8,759,50, Sohaſchrot 12,2512,50, Trockenſchnitzel 5,756.
Tendenz ſtill.
Frankfurter Eiergroßhandelspreiſe. Infolge der weiter rückläufigen
Produktion konnten ſich die Preiſe am hieſigen Markt gegenüber der
Vorwoche erneut um durchſchnittlich etwa 1 Pfg. pro Stück befeſtigen.
Die Tendenz iſt daher als weiter feſt zu bezeichnen. In Händlerkreiſen
rechnet man mit einem weiteren leichten Anziehen der Preiſe. Der
Abſatz hat infolge der beſſeren Nachfrage des Konſums eine weitere
Beſſerung erfahren. Es notierten in Pfg. per Stück ab loko Frank=
furt
a. M.: italieniſche nicht am Markt, bulgariſche 10,0010,50, jugo=
ſlawiſche
9,7510,00, rumäniſche 9,7510,00, ruſſiſche 8009,00, pol=
niſche
9,009,50, chineſiſche nicht am Markt holländiſche 11,5013,00,
däniſche 11,0013,50, flandriſche nicht am Markt, franzöſiſche nicht am
Markt, ſchleſiſche nicht am Markt, bayeriſche 10,0010,50, deutſche Friſch=
eier
90012,60, in und ausländiſche Mittel= und Schmutzeier 7,50 bis
8,50 Pfg.
Frankfurter Buttergroßhandelspreiſe. Die Frankfurter Butterpreiſe
blieben unverändert, obwohl das Angebot, beſonders aus der Landwirt=
ſchaft
, ſehr drängend iſt. Da man aber in der nächſten Woche ſchon
mit einem ſtärkeren Rückgang der Produktion rechnet, ließ man die
Preiſe unverändert, um dadurch einen Ausgleich zu ſchaffen. Indeſſen
iſt der Abſatz an die Verbraucher nach wie vor ſehr ſchwach und bei der
herrſchenden Geldknappheit rechnet man in der nächſten Zeit kaum mit
einer weſentlichen Belebung des Geſchäftes. Die Verkaufspreiſe des
Großhandels lauten für Auslandsbutter 152154 für deutſche Butter
138142; kleinere Deckungen entſprechender Aufſchlag. Die Preiſe ver=
ſtehen
ſich in RM. für 50 Kilo.
Berliner Produktenbericht vom 19. September. Das Geſchäft in der
Wochenſchlußbörſe geſtaltete ſich ſehr ſchleppend, die Grundſtimmung
konnte aber als ſtetig bezeichnet werden. Der Mehlabſatz auf Baſis der
den Forderungen für das Rohmaterial entſprechenden Preiſe iſt ziemlich
ſchleppend, ſo daß die Mühlen nur vorſichtig Materiak aus dem Markte
nehmen. Im Effektivgeſchäft hielten ſich Angebot und Nachfrage etwa
die Waage, Weizen zu Futterzwecken bleibt allerdings reichlich offeriert.
Forderungen und Gebote waren im allgemeinen ſchwer in Einklang zu
bringen, das Preisniveau war zumeiſt gegen geſtern gut behauptet. Auch
im handelsrechtlichen Lieferungsgeſchäft waren die Umſätze gering, da
infolge der vorhandenen Deport Arbitragemöglichkeiten für prompte
Ware kaum vorhanden ſind. Weizen ſetzte unverändert bis 1,25 RM.
höher ein. Für Roggen betrugen die Preisbeſſerungen 0,501 RM.
Weizen= und Roggenmehl werden zu geſtrigen Preiſen angeboten, und
in Weizenmehl wird nur der notwendigſte Tagesbedarf gedeckt, Roggen=
mehl
findet in den billigeren Provinzfabrikaten nach wie vor Beachtung.
Hafer liegt ſtetig bei knappem Angebot in guten Qualitäten; auf die
geſtern abgegebenen Untergebote ſind nur vereinzelt Zuſagen erfolgt.
Gerſte luſtlos.

Vom ſüddeutſchen Eiſenmarkk.
Die troſtloſe Lage hat ſich nicht gebeſſert. Die überaus geringen
Abſatzmöglichkeiten in Stab= und Formeiſen ließen keinerlei Geſchäft zu.
Der Bedarf beſchränkte ſich hauptſächlich auf kleine Spezifikationen.
Die Bauinduſtrie iſt beſchäftigungslos, der Auftragsbeſtand der eiſen=
verarbeitenden
Induſtrie wie der Konſtruktionswerkſtätten iſt ſo gering,
daß Betriebsſtillegungen in großem Umfange an der Tagesordnung ſind.
Die Neichsbahn hat ihr Beſchaffungsprogramm auf ein Minimum ge=
ationsprojekten

Lieferzeiten ſind im allgemeinen zünſtig, aber ſehr uneinheitlich infolge
des Stilliegens einer Reihe von Walzſtraßen. Die Verbandspreiſe blie=
ben
unverändert.
Erhöhung des Sprikbeimiſchungszwanges
zu Treibſtoffen auf 6 Prozenk.
Die auf der letzten Kartoffelnotkonferenz vom Reichsminiſter Dr.
Schiele zur Sicherung einer angemeſſenen Verwertung der Kartoffelernte
als notwendig bezeichneten Maßnahmen werden wie WTB.= Handels=
dienſt
erfährt, binnen kurzem in Kraft treten. Insbeſondere kann die
für den Kartoffelmarkt entſcheidende Erhöhung der Aufnahmefähigkeit
der kartoffelverarbeitenden Gewerbe durch die Abänderung der Verord=
nung
der Reichsregierung über den Bezug von Spiritus zu Treibſtoff=
zwecken
als geſichert gelten. Die neue Faſſung der Verordnung gibt bei
gleichzeitiger Herabſetzung des Preiſes für Treibſtoffſpiritus und der
Verwaltungskoſten des Monopols die Möglichkeit, eine Erhöhung des
Spiritusabnahmezwanges zu Treibſtoffen auf mindeſtens 6 v. H. durch=
zuführen
, die automatiſch eintreten wird. Dies verſetzt den Beirat der
Monopolverwaltung in die Lage, in ſeiner Sitzung am 26. ds. Mts.
ein Brennrecht bei angemeſſenen Preiſen feſtzulegen, das den landwirt=
ſchaftlichen
Produktionserforderniſſen Rechnung trägt. Eine Verteuerung
der Treibſtoffe wird auf Grund der Erhöhung der Bezugsquote für
Treibſtoffſpiritus nicht eintreten. Nach der Erhöhung des Spiritus=
abnahmezwanges
wird in den nächſten Tagen über den Verwendungs=
zwang
von Kartoffelſtärkemehl für die Betriebe, die Weizenmehl zu Back=
zwecken
verbrauchen, zwecks Erhöhung der Aufnahmefähigkeit der Kar=
toffelſtärkeinduſtrie
entſchieden werden. Der Abſatz von Kartoffelflocken
wird auch in dieſem Jahr eine Sicherung durch Verbindung mit zoll=
verbilligter
Gerſteeinfuhr erhalten.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 19. Sept.:
Getreide. Weizen: Sept. 48.25, Dez. 48.50, März 51.25. Mai
52½; Mais: Sept. 415, Dez. 37½, März 38½, Mai 415; Hafer:
Sept. 21½, Dez. 225, Mai 25,25; Roggen: Sept. und Dez.
37.75 März 38½, Mai 40.25
Schmalz: Sept. 7.10, Okt. 6.97½, Dez. 6.05, Januar 5.97½.
Spcck, loko 7.62½.
Schweine, leichte 5.505.70, ſchwere 4.905.65; Schweine=
zufuhren
: Chicago 4000, im Weſten 19 000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 19. Sept.:
Schmalz: Prima Weſtern 7.85; Talg, extra, loſe 2.75.
Getreide. Weizen: Rotwinter 61.50, Hartwinter 62,50;
Mais, loko New York 55½; Mehl, ſpring wheat clears 4.00 bis
4,50; Fracht: nach England 1,62,3 Schilling, nach dem Kon=
tinent
8.008,50 Cents.
Kakao. Die Kakaobörſe war heute geſchloſſen.

Viehmärkke.

Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. b. B. am 19. September
waren 379 Tiere zugeführt. Verkauft wurden 268 Stück, und zwar
Milchſchweine das Stück von 48 RM. Läufer das Stück von 1024
RM. Der Markrverlauf war mittelmäßig.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Bei den BMW. in Eiſenach wird in einzelnen Abteilungen nur noch
an 2 Tagen in der Woche gearbeitet. Nur in der Abteilung Heeres=
geräte
wird der Betrieb in vollem Umfange aufrecht erhalten.
Gegenüber den ſeit einiger Zeit in Kaſſel umlaufenden Gerüchten,
daß mit Ablauf ds. Js. die Henſchel u. Sohn A.=G., Kaſſel, wegen Man=
gels
an Aufträgen ſtillgelegt werden ſoll und daß die Lokomotivquote
von 35 Prozent an die A.E.G. abgetreten werden würde, teilt die Ver=
waltung
der Henſchel u Sohn A.=G. Kaſſel, mit, daß dieſe Gerüchte
den Tatſachen völlig widerſprechen. Es ſei nicht beabſichtigt, das Werk
ſtillzulegen oder die Lokomotivquote zu verkaufen.
Der Langenſalzaer Nordwollebetrieb, die Kammgarnſpinnerei Langen=
ſalza
, wird am 21. September ſtillgelegt. Da ſich alle Verſuche, die
Fortführung des Betriebes zu ermöglichen, als erfolglos herausſtellten,
wurde den zuletzt noch beſchäftigten 500 Arbeitern und Arbeiterinnen
bis zu dieſem Termin gekündigt.
Die ſächſiſch=thüringiſchen Webereien haben die Lohntarife zu Ende
Oktober gekündigt, da neben vielen anderen Maßnahmen eine Anglei=
chung
der Löhne an die völlig veränderte Marktlage ſowie an die Pro=
duktionsverhältniſſe
des konkurrierenden Auslandes nicht länger zu um=
gehen
ſind.
Wie die Kriminalpolizei mitteilt, iſt beim Betrugsdezernent eine
Anzeige über die Unregelmäßigkeiten bei der Eiſenfirma Schweizer u.
Oppler A.=G. in Berlin, Wilhelmſtraße 71, eingegangen. Es handelt
ſich um die Verluſte dieſer Firma, die ſich bekanntlich auf rund 12 Millio=
nen
RM. belaufen. Dieſe Verluſte ſollen in erſter Linie aus auslän=
diſchen
Abwrackverträgen und Beteiligungen ſowie aus verſchleierten
Finanztransaktionen, die ohne Kenntnis des Aufſichtsrates erfolgten,
entſtanden ſein.

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(oks Teer/: 2-

ZAMLEN
IN MILLIONEN RM-

Popier

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Metall-
MHalbkertig-
60
Waren

MMaschinen
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S Wusik Instrum.
Wuspiekzeug

10

Sonstiges wie lebens-
mittel
Celluloidweren,
hemikelien, Farbenutv.
zuammen 221
GESAMTAUSFUHR G2?

Die wichtigſten Warengruppen des deutſch=ſchweizeriſchen Warenverkehrs.

Reviſion
der deutſch=ſchweizeriſchen
Handelsbeziehungen.
Die bedrohliche Entwicklung der handels=
politiſchen
Lage in den einzelnen Ländern hat
dazu geführt, daß die Schweiz an Deutſchland
mit dem Wunſche nach einer Reviſion der han=
delsvertraglichen
Vereinbarungen im Sinne
eines Schutzes gegen die deutſche Notausfuhr,
die in dieſem Jahr vorausſichtlich zu einem
Defizit der ſchweizeriſchen Handelsbilanz von
annähernd 500 Millionen Schweizer Franken
führen wird herangetreten iſt. Die das nor=
male
Maß überſteigende deutſche Einfuhr ſoll
nach dem Verlangen der Schweiz zu den Sätzen
des autonomen Zolltarifes verzollt werden,
während die normale deutſche Einfuhr wie
bisher behandelt werden ſoll. Sollte Deutſch=
land
nicht darauf eingehen, dann müſſe die
Schweiz die Einfuhr von Waren, die das nor=
male
Maß überſchreitet, verbieten. Von einer
Kündigung des deutſch=ſchweizeriſchen Han=
delsvertrages
iſt in den entſprechenden, in
Genf geführten Verhandlungen bisher noch
nicht die Rede, doch muß Deutſchland bis zum
1. Oktober, dem Kündigungstermin für den
Vertrag, ſich über ſeine Stellungnahme ent=
ſchieden
haben.

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[ ][  ][ ]

mmmer 261

Sonntag, den 20. September 1931

Seite 11

Die Eröffnung der Söſe Talſperre im Harz.

Der Durchlaß des Sperrdammes.
ſſterode im Harz wurde die Söſe=Talſperre, die größte Trinkwaſſerſerre Deutſchlands, dem
Deb übergeben. Die Talſperre, bei deren Bau innerhalb von drei Jahren 1000 Menſchen,
d iter zahlreiche Arbeitsloſe, beſchäftigt waren, wird künftig das Leinetal vor Hochwaſſer
ſchützen und gleichzeitig elektriſche Kraft ſpenden.

die Beiſehung der Opfer der ungariſchen Eiſenbahn=Kakaſtrophe.

24 Särge in einer Reihe
bergen die Opfer des entſetzlichen Eiſenbahn=Attentats bei Bia Torbagy, das noch immer nicht
ſeine Aufklärung gefunden hat. In der Stunde der Beiſetzung ruhte in ganz Ungarn für eine
Minute der Verkehr. Neben ſämtlichen ungariſchen Würdenträgern nahmen alle Vertreter der
ausländiſchen Regierungen an der Feier teil.

Der Dampfer Zalke wieder auf Waffenſchmuggel?

Der deutſche Dampfer Falke‟,

der jetzt den Namen Ilſe Vormauer trägt, ſoll wie aus Amerika gemeldet wird bei Kuba
wiederum beim Waffenſchmuggel für die Rebellen angetroffen worden ſein. Kubaniſche Kanonen=
boote
haben das Schiff verfolgt, das jedoch entkommen konnte. Der Prozeß wegen des heimlichen
Waffentransportes nach Venezuela hatte vor einiger Zeit beträchtliches Aufſehen erregt.

Doc gehn Jahren.
Explosions-Unglück bei Oppau (Pfalz).- Eine trauernde
Gemeinde.

Reich und Ausland.
Auto=Bandiken in Köln.
Paſſank erſchoſſen, mehrere verletzt
öln. Ein tolles Banditenſtück, bei dem
e Straßenpaſſant ſein Leben einbüßte und
mr ere andere verletzt wurden, verurſachte am
73 ag abend in der Spichernſtraße große Auf=
ig.: Ein Autodieb, der dort einen unbeauf=
ſiten
Perſonenkraftwagen rauben wollte,
edabei von der Beſitzerin überraſcht. Auf
HHilferufe der Frau eilte ein mit ſeiner
7 lie die Straße paſſierender 35jähriger
n herbei. Der Verbrecher zog ſofort einen
lver und jagte dem Mann eine Kugel in
& Zopf. Durch einen Bluterguß trat der Tod
o der Stelle ein. Der Autodieb floh mit
r Komplizen in dem geſtohlenen Kraft=
u
n. Auf der Fahrt gab er noch ſieben Schüſſe
o urch die zwei Männer und eine Frau Fer=
Twurden. Das Ueberfallkommando und zwei
re Kraftwagen nahmen die Verfolgung der
iten auf, die jedoch bisher erfolglos geblie=
ſt
.

renloſes Geld. Auch das gibt es noch.
rankfurt a. M. Am 2. d. M. fand ein
2n um die Mittagszeit Ecke Rothſchild=
O hersburg=Allee ein Päckchen Geldſcheine
O ge hundert Mark). Bisher hat ſich der Ver=
Ur noch nicht gemeldet. Auch iſt bisher bei
Z Kriminalpolizei keine Anzeige eingegangen.
2 nächſten Tage fand jemand in der Jahn=
Fe eine Brieftaſche mit über 200 RM. Bar=
Auch in dieſem Falle hat ſich der Geſchä=
S bisher noch nicht gemeldet.
Eiſerne Hochzeit.
ad Kreuznach. Ein überaus ſeltenes
Täum, ſeine eiſerne Hochzeit, feierte der
rznacher Turnvater Karl Altenkirch. Er.
im 96. Lebensjahre und ſeine Gattin im
Altenkirch iſt Ehrenvorſitzender des Turn=
ns 1869. Er beſitzt den Ehrenbrief der
ſchen Turnerſchaft. Im Jahre 1869 grün=
er
den erſten Turnverein in Bad Kreuz=
Seit dieſer Zeit nimmt der Jubilar immer
r Anteil am Leben der Turnerſchaft. Mini=
räſident
Braun ließ dem Jubelpaare ein
eiben der Staatsregierung mit den herz=
I en Glückwünſchen überreichen. Die Kreuz=
er
Turnerſchaft brachte, ihrem Turnvater
Tfte Ovationen in der Form eines Ständ=
s
dar.

r Gründer der Reform= Burſchen=
ſchaften
geſtorben.

Geh. Sanitätsrat Dr. Konrad Küſter,

Gründer der Reform=Burſchenſchaften, iſt im
Debensjahre in Berlin verſtorben. Geheim=
Küſter, der die Kriege 1866 und 70/71 als
Ppenarzt mitmachte, war als mutiger Re=
er auf den verſchiedenſten Gebieten tätig.
Tie 1883 gehaltene Rede Zur Reform der
Eſchenſchaften führte zur Gründung des All=
reinen
Deutſchen Burſchenbundes, dem viele
Horragende Perſönlichkeiten angehört haben.
ater war 27 Jahre lang im Vorſtand des
Deutſchen Krieger=Bundes.

Am Sonntag wird ſich die Gemeinde Oppau
vor dem Denkmal verſammeln, das 1926, fünf
Jahre nach der Kataſtrophe, für die Toten jenes
Exploſionsunglücks errichtet wurde, das im Um=
kreis
von 200 Kilometern hörbar und ſpürbar
war. Am Morgen des 21. September 1921, in
der Frühe zwiſchen 7.31 und 7.32 Uhr, erzitterte
die Erde unter einem gewaltigen Stoß, und ein
Sprühregen von Eiſenteilen und Mauerwerk
fiel auf die Häuſer und Menſchen herab. Was
war geſchehen? Die Menſchen kamen verſtört
aus den Wohnungen, in den Straßen der Städte
und Dörfer lagen dichtgeſät die Fenſterſcheiben,
Häuſer hatten Riſſe bekommen, und je näher
man dem Urſprungsherd, dem Ort der Exploſion
kam, dem Induſtrieort Oppau, der eng mit dem
Namen und Werden der Badiſchen Anilin= und
Sodafabrik (der heutigen J. G. Farbenindu=
ſtrie
) verküpft war, um ſo furchtbarer wurden
die Verwüſtungen. Von den 1050 Wohngebäu=
den
und den 2700 Nebengebäuden Oppaus wur=
den
damals 800 Wohngebäude ſo gänzlich zer=
ſtört
, daß ſie abgetragen und neu errichtet wer=
den
mußten; rund 2000 Nebengebäude mußten
gleichfalls vollkommen neu errichtet werden. Die
reſtlichen Wohn= und Nebengebäude mußte man
mit großem Koſtenaufwand wieder inſtandſetzen.
Schlimmer noch als dieſer Sachſchaden, der auf
eine halbe Million Goldmark geſchätzt wurde,
waren jedoch die Opfer an Menſchenleben. Als
der Silobau 110 des Stickſtoffwerkes der Badi=
ſchen
Anilin= und Sodafabrik, in dem 4000
Tonnen Ammonſulphatſalpeter (das bis dahin
als nicht exploſibel galt), lagerten, aus niemals
zu klärender Urſache in die Luft flog, fanden
561 Menſchen den Tod. 177 Werksangehörige
und 384 Nichtwerksangehörige wurden Opfer
jener Rieſenkataſtrophe in Oppau. 1952 Männer,

Funkſprüche vom Graf Zeppelin.
Friedrichshafen. Beim Luftſchiffbau
in Friedrichshafen ſind vom Graf Zeppelin,
folgende Funkſprüche eingegangen:
18. 9., 21 Uhr: Auf 34.07 Nord, 8.18 Weſt.
60 Meilen Geſchwindigkeit mit vier Motoren,
fünf bis ſechs Meter Nordwind. Um 22.30
Uhr, auf 32.5 Nord, 9.5 Weſt, vier Maſchinen,
67 Meilen Geſchwindigkeit, bei 7 Meter Nord=
wind
.
Graf Zeppelin hat die Kanariſchen Inſeln
paſſiert.
Das Luftſchiff Graf Zeppelin hat dem
Luftſchiffbau Zeppelin am Samstag, um 6 Uhr
früh M.E.3., folgenden Funkſpruch geſandt:
27.08 Nord, 16.40 Weſt. Damit hat das Luft=
ſchiff
die Kanariſchen Inſeln bereits paſſiert.

Frauen und Kinder wurden in den Gemeinden
Oppau und Edigheim und in der Fabrik ſelbſt
ſchwer verwundet. Um die Toten trauert eine
ganze Gemeinde, und es gibt kaum Ergreifen=
deres
, als jene ſchlichten Tafeln, die wie in
Ehrenfriedhöfen gehalten ſind, einfach und
ſchmucklos, nur mit den Namen der Toten. Faſt
70 dieſer Erinnerungstafeln tragen die In=
ſchrift
: Unbekannt, geſtorben am 21. September
1921 Tagelang mußte ſeinerzeit nach den
Opfern geſucht werden; wochenlang dauerten
die Aufräumungsarbeiten. Der Wiederaufbau
der zerſtörten Gemeinde währte bis ins Jahr
1924. Unter Leitung des jetzigen bayeriſchen
Innenminiſters Stützel wurde damals das
Hilfswerk Oppau ins Leben gerufen, das die=
ſen
ganzen Wiederaufbau durchführte und auch
die ſchwere Aufgabe hatte, die Hinterbliebenen
und die Verwundeten zu entſchädigen. Viele die=
ſer
Entſchädigungen wurden ein Opfer der ein=
ſetzenden
Inflation, und die Badiſche Anilin=
und Sodafabrik nahm die Hinterbliebenen der
Opfer wie diejenigen ihrer Werksangehörigen in
dauernde Rentenfürſorge, bzw. gewährte ihnen
eine der Zeit entſprechende Geldabfindung. Es
würde ungerecht ſein, wollte man in dieſem Zu=
ſammenhang
nicht der aufopfernden Hilfe ge=
denkeu
, die wenige Stunden nach Bekanntwer=
den
des Unglücks von Zehntauſenden geleiſtet
wurde. Das Rote Kreuz, die Aerzte der Um=
gebung
, Sanitäter, Feuerwehren, Heilsarmee,
Polizei und Gendarmerie, wie auch die damals
noch in der Pfalz weilende franzöſiſche Beſatzung
ſtellten ſich zur Hilfeleiſtung zur Verfügung, und
fieberhaft wurde gearbeitet. Am 25. September
wurden die Toten zur letzten Ruhe beſtattet;
für ganz Deutſchland war dieſer Tag ein natio=
naler
Trauertag.

Das Luftſchiff Graf Zeppelin befand ſich
nach einem beim Luftſchiffbau Friedrichshafen
eingegangenen weiteren Funkſpruch um 13 Uhr
M.E.3. auf 19.38 Grad nördlicher Breite und
22.59 Grad weſtlicher Länge. Es hatte eine Ge=
ſchwindigkeit
von 75 Seemeilen. An Bord iſt
alles wohl. Um 17 Uhr M.E.3. befand ſich
Graf Zeppelin 15.50 Grad nördlicher Breite
und 25.40 Grad weſtlicher Länge.
Totſchlag an einem Polizeibeamten.
Labiau. Geſtern nacht wurde hier der
Polizeihauptwachtmeiſter Wendt von zwei Ein=
brechern
, die er auf ihrem Motorrad als ver=
dächtig
anhielt, erſchoſſen. Die Verbrecher, deren
einer als der Arbeiter Altrock aus Königsberg
feſtgeſtellt iſt, flüchteten unter Zurücklaſſung des
Motorrades und von Einbruchswerkzeugen.

Ein wichkiger Fund
zum Eiſenbahn=Anſchlag
bei Torbagy.
Die Aehnlichkeif mit dem Akkenkak
von Jükerbog feſtgeſtellt.
Budapeſt. Im Laufe der Aufräumungs=
arbeiten
der Torbagyer Eiſenbahnkataſtrophe
wurde ein wichtiger Fund gemacht. Auf der
gegenüber dem Viadukt liegenden Böſchung
wurde in einer Entfernung von zirka 60 Metern
vom Schauplatz des Attentates entfernt das ge=
borſtene
Stück einer Röhre gefunden. Dieſer
Fund widerlegt die bisherige Vermutung, daß
zum Attentat ein mit Ekraſit gefüllter Koffer
verwendet wurde. Das gefundene Rohrſtück
dürfte von einem Gasrohr herrühren. Es hat
eine Länge von 1 Meter und einen Durchmeſſer
von 3,5 Zentimeter. In dieſes Eiſenrohr wurde
das Ekraſit gezwängt und vermittels Kupfer=
drähten
, die mit zwei Taſchenlampenbatterien
verbunden waren, an den Schienen befeſtigt. Es
iſt bemerkenswert, daß das Jüterboger Attentat
mit einer Höllenmaſchine begangen wurde, die
eine ſehr ähnliche Konſtruktion aufwies. Von
Budapeſt aus iſt ein Detektiv=Oberinſpektor nach
Wien und Berlin abgereiſt, um die ausländiſchen
Spuren des Attentats zu verfolgen, namentlich
die dortigen Verbindungen des Kommuniſten
Leipnik. Es wurden mit den dortigen Polizei=
behörden
über die weiteren Nachforſchungen
Beratungen gepflogen.
Die bisherigen Nachforſchungen nach den
Eiſenbahnattentätern haben keinen Erfolg ge=
habt
. Die am Donnerstag verhafteten Kommu=
niſten
Szakacs und Resner wurden geſtern
wegen mangelnder Beweiſe bereits aus der Haft
entlaſſen. Auch ſcheint es zweifelhaft, ob als
Schreiber des am Viadukt gefundenen Zettels
tatſächlich Martin Leipnik in Frage kommt. Die
Schriftſachverſtändigen ſcheinen davon nicht mehr
ſo feſt überzeugt zu ſein, wie in den erſten Ta=
gen
der Unterſuchung. Auch die Nachfor=
ſchungen
in der Waffendiebſtahlsaffäre haben
bisher zu keinem Ergebnis geführt.

X
Deutſcher Zuverläſſigkeitsflug.
Berlin. Infolge der ungünſtigen Wetter=
verhältniſſe
konnten am erſten Tage des deut=
ſchen
Zuverläſſigkeitsflugs nur acht Teilnehmer
ihre Strecke planmäßig zurücklegen. 16 Teilneh=
mern
gelang es, über 50 v. H. der Tagesleiſtung
ordnungsmäßig abzufliegen, 14 Flugzeuge blie=
ben
unter 50 v. H. der planmäßigen Leiſtung.
Von einer Maſchiene iſt die Streckenleiſtung nicht
genau bekannt. Von drei Wettbewerbsteilneh=
mern
, darunter der deutſchen Kunſtflugmeiſterin
Lieſel Bach, fehlt noch die Tagesmeldung. Für
Samstag ſind 42 Maſchinen ſtartbereit. Drei
Maſchinen erlitten am Freitag leichtere Beſchä=
digungen
. Die Maſchine des Osnabrücker Ver=
eins
iſt mit Totalbruch ausgeſchieden. Die Be=
ſatzung
blieb unverſehrt. Beim Start am Frei=
tag
herrſchten faſt überall Nebel oder niedrige
Wolken. Mancher Startverſuch mußte deshalb
aufgegeben werden. Auch Wolf=Hirth, der in
Grunai (Rieſengebirge) geſtartet war, mußte
umkehren. Insgeſamt mußten ſieben Teilnehmer
zu Hauſe bleiben. Sie ſcheiden damit nicht
aus dem Wettbewerb aus, ſondern werden ver=
ſuchen
, die zweite Tagesſtrecke zu fliegen. Auf
ihr Geſamtergebnis drückt der ausgefallene Tag
natürlich erheblich.
Ein Reichswehrangehöriger im Saargebiet
verſchollen.
Saarbrücken. Der Obergefreite Ernſt
Walk eines Reichswehrbataillons in Würzburg
hatte drei Wochen ſeines Urlaubs bei ſeinen in
Zweibrücken wohnenden Eltern zugebracht. Vor
ſeiner Rückkehr zum Truppenteil wollte er Ver=
wandte
in Saarbrücken beſuchen. Er iſt aber
weder nach Saarbrücken, noch wieder zu ſeiner
Harniſon zurückgekehrt. Es wird hier vermutet,
daß Walk entweder Fremdenlegionswerbern in
die Hände gefallen iſt, oder aber durch ein Ver=
brechen
zu Töde gekommen iſt.
Polniſches Militärflugzeug abgeſtürzt.
Warſchau. Geſtern nachmittag ſtürzte in
der Nähe des Warſchauer Militärflugplatzes ein
Flugzeug des Thorner Flieger=Regiments aus
einer Höhe von mehreren hundert Metern ab,
Der Pilot fand dabei den Tod.

[ ][  ][ ]

Seite 12

Sonntag, den 20. September 1931

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[ ][  ][ ]

Aalsſpie
Tadeat de Trtt

2o. Beptember 1931

Aummer 39

Steebende Schönheit Steebendes Leben

Wodurch verarmt die Natur?
Das erſte große Geſetz, das Welten ent=
hen
läßt, um ſie wieder zu vernichten, heißt
ntwicklung. Wollten wir bedingungslos für

Die dickſte deutſche Eiche
4: Staupitz im Spreewald ſteht
unter Naturſchutz.

Ausgeſtorbene und ausſterbende Ciere
der Welt.
Als der derühmte ruſſiſche Polarforſcher
Bering im Jahre 1741 in der Meeresſtraße,
die noch heute ſeinen Namen trägt, Schiff-
bruch
erlitt, begann er, mit der Ausſicht auf
einer weltenfernen Inſel überwintern zu
müſſen, ſich und ſeine Mannſchaft zu ver=
proviantieren
. Ein rieſiges, oft 10 Meter
langes Säugetier, das man Seekuh
nannte, erleichterte den Schiffbrüchigen dieſe
Aufgabe. Wochen und Monate ſpäter noch
trieben an der Küſte Kamſchatkas verwun=
dete
und tote Seekühe an. Die Kunde von
der ungeheuren Menge dieſer jagdbaren
Ciere verbreitete ſich mit Windeseile, und
27 Jahre nach der Entdeckung dieſer ſeltenen
Ciere wurde die letzte Seekuh von der Har=
pune
ihrer unbarmherzigen Verfolger ver=
nichtet
.
Nur ein Beiſpiel für hundert andere. Das
Schickſal der Seekuh teilten die mannigfal=
tigſten
Ciergattungen, darunter auch jene
wunderſamen Vögel, die Dronten ge=
nannt
, von ſeltſam vorſintflutlicher Geſtalt,
flugunfähig und menſchenfreundlich, von
holländiſchen Matroſen auf der Inſel Mau=
ritius
entdeckt wurden. In den wenigen
Jahrzehnten zwiſchen 1598 und 1657 wurde
dieſer Vogel Dodo oder die Dronte
ſchonungslos ausgerottet.
Nicht weniger erſchütternd iſt das Schick=
lal
des Großwildes. Der amerikaniſch=

ten noch zwei Exemplare dieſer Elefan=
tenſchildkröten
. Allerdings iſt bekamnt, daß
in einem Jahr allein nicht weniger als 30 000
dieſer Schildkröten zu Schlachtzwecken und
um des Schildpatts willen ausgeführt wurden.
Ausſterbende Ciere in Enropa
und Deutſchland.
Wenn die Prachtgeſtalten der afrikani=
ſchen
Cierwelt, wenn die Pelztiere Nord=
aſiens
und Nordamerikas dezimiert wurden,
ſo macht Europa keine Ausnahme. Wiſent
und Elch, Bär und Luchs, Wildkatze und
Edelmarder, Biber und Murmeltier,
Gemſe und Steinbock, Adler und
Lämmergeier ſind teils ausgerottet, teils der
Vernichtung bedenklich nahe. Eine ſorglich
gehegte Herde von Biſamochſen in Nuſſiſch=
Litauen überſteigt nicht 1000 Stück, und das
Elchwild iſt auch in den entlegenſten
Weldeinöden Oſtpreußens, Nußlands, Skan=
dinaviens
eine Seltenheit, noch heute bitter
verfolgt und ſeines koſtharen Geweihes
willen. Schon vor 100 Jahren fiel der letzte
Alpenſteinbock einem Schuß aus dem Hinter=
halt
zum Opfer. Völlig ausgerottet wurden,
will man von Bär und Wolf abſehen, die
ſchon früher ausgeſtorben waren, im vorigen
Jahrhundert der Luchs und auch die Wild=
katze
, die man in den letzten 10 Jahren in
Deutſchland nicht mehr antraf.
Unter den Vögeln vermiſſen wir in
erſter Linie den reizenden Schwarz=

ſtorch, der im Gegenſatz zu ſeinem weißen
Vetter Einſamkeit und Nuhe als Lebens=
bedingungen
brauchte. Lebensbedingungen,
die ihm das moderne Seitalter des Verkehrs
und der Cechnik nicht mehr gönnte. Das
gleiche gilt für den Kormoran, den im
Schwimmen und Cauchen ſo geübten Fiſch=
fänger
. Die Fiſchereibetriebe, in ihren In=
tereſſen
geſchädigt rotteten den Vogel faſt
vollkommen aus. Die wenigen Paare, die es
noch in Deutſchland gibt, genieſien gleich den
Adlern, den Uhus und Kolkraben,

den Swang zur Erhaltung der Cier= und Pflanzengat=
ungen
aller Seiten eintreten, ſo müßten uns heute die
gewaltigen Baum=Schachtelhalme und die Saurier der
prähiſtoriſchen Jahrtauſende erhalten ſein. Die Ent=
wicklung
jedoch lehrt uns, daß eine geringe Verſchie-
dung
der Erdachſe eine Veränderung der klimatiſchen
Verhältniſſe aller Breiten mit ſich führt und damit auch
eine grundſätzliche Wandlung in Flora und Fauna.
An dem Erlöſchen vieler Ciergattungen, die Natur=
Kataſtrophen zum Opfer fielen, iſt der Menſch unſchuldig.
Schuldig aber iſt er zu ſprechen an der Catſache, daß
eine große Sahl von Cieren und Pflanzen, deren Lebens=
bedingungen
den augenblicklichen entſprechen, dem Aus=
Iterben nahe ſind. In erſter Linie ſpielt hierbei ſoweit
1 es die Ciere betrifft die Jagd als Sport eine
Nolle. Solange Vergnügungsreiſende in Spitzbergen 200
Renntiere an einem Cage erlegen, ſolange amerikaniſche
Nobbenjäger 400 Cidre zur Strecke bringen, darf man
lich nicht wundern, daß dieſe Arten ſelten ud immer
leltener werden. Der Walfiſchfang dezimierte dieſen
Rieſen=Seeſäuger ſo ſtark, daß di norwegiſche Negie=
rung
eine geſetzliche Schonzeit für das edle Seewild ein=
Tetzen mußte.
Neben dem Sport ſpielt natürlich die Habgier eine
Nolle, zumal wenn es ſich um edle Hochwaldbäume han-
delt
, deren Hölzer mit hohen Preiſen bezahlt werden.
Das gleiche gilt für andere ſeltene Pflanzen und Ciere.
Und nicht zuletzt ſpielt die Mode eine ausſchlag-
gebende
Volle. Als ewwa vor 20 Jahren der Muff aus
Affenfell modern wurde, wurden in einem Jahr nicht
weniger als 200 000 dieſer Affen geſchoſſen.
Drei Jahre ſpäter ſchon war das Cier eine
zoologiſche Seltenheit geworden. Ein Bei= Büffeloder Blſon, der einſt in etwa ſechs
ſpiel für viele. Es bleibt dabei faſt ein Croſt,
daß in dieſer unüberlegten, ſinnlolen Her= amerikas bevölkerte und dem Indianer alles
ſtörungswut letzten Endes wieder der Menſch lieferte, was er zum Leben brauchte, wurde ſo
ſich ſelbſt trifft. Denn mit dem Schwinden gut wie ausgerottet, ſeit mit dem Bau der
unſerer gewaltigen Wälder verändert ſich. Pazific=Bahnen die Sivillation in dieſe
naturgemäß das Klima und die Qualität Naturgebiet eindrang. Heute zählt man
der Luft, die radikale Vernichtung vieler

Der Wiſentmuß in Amerikadurch
Naturſchutz vor dem Ausſterben
bewahrt werden.
Cierarten führt bei anderen, deren Feinde
ſie waren, zu Degenerationserſcheinungen.
Nichtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet
Dr. H. Hoffmann.
werdet...

Millionen Exemplaren die Steppen Nord=
kaum
600 freilebende, das heißt in Natur=
ſchutzparks
untergebrachte Ciere, und noch
etwa 1000 Exempläare in der Gefangenſchaft
der zoologiſchen Gärten der Erde.
In dieſen Gärten und Muſeen allein
gewinnen wir noch eine Vorſtellung von den
Schätzen, die größtenteils mutwillig durch
Menſchenhände vernichtet wurden. Dazu
gehören die holländiſcheCaube, der
Goldmamo von Hawai, der Eulen=
papagei
, der Neſtor der Papageien Süd=
amerikas
, die Labradorente, deren
letzte im Jahre 1852 getötet wurde, das
Rieſenkänguruh, die Elefanten=
robe
, die Mönchsrobbe und viele
andere. Was wurde aus den Nieſen=
ſchildkröten
der Mascarenen, die
Ende des 17. Jahrhunderts ſo zahlreich ge=
weſen
ſein ſollen, daß man nicht wußte, wo
man den Fuß niederſetzen ſollte. Heute
exiſtieren in franzöſiſchen zoologiſchen Gär=

Aan

wiewohl es ſich bei all dieſen Vögeln um ſogenannte
Schädlinge handelt, geſetzlichen Schutz. Am ſtärkſten
leiden die Bewohner der Moore, die in unſerer ratio=
nellen
Seit größt nteils zur Beſtellung und wirtſchaft=
lichen
Auswertung trocken gelegt werden. Mit ihnen
verſchwinden Kranich und Kiebitz, Brachvogel,
Bekalline, Blaukehlchen und manch andere
Art, die wir in abſehbarer Seit nur noch dem Namen
nach kennen werden.
Die Cage des Bibers, des Fiſchotters und
Nörz ſcheinen gezählt zu ſein, man findet beide Ciere
nur noch vereinzelt an mecklenburgiſchen Seen. Die Edel=
marder
, Steinmarder und Iltis, heute ſchon ſo ſtark dezi=
miert
, daß man von ihrer Verfolgung als Schädlinge‟
abſehen könnte, genießen nicht den gleichen Schutz wie
Deutſchlands intereſſanteſtes Naubtier, der Dachs, der
bei den Forſtleuten als Vertilger der furchtbaren Nonnen=
larven
und Naupen beliebt iſt und ausgedehnte Schon=
zeiten
gemießt.
H. 2. Kunwaldt.
Pflamzen mter Polizeianfſicht.
Die wertvollen Pflanzen, die man mit Schutzmaßnahmen
vor der Vernichtung bewahren will, ſind u. a.: die
Eibe, die einſt das ſchönſte und feinſte Werkholz lieferte.
Um ihres ungeheuer langſamen Wachstums und des ge=
ſchätzten
Holzes willen, wird ſie immer ſeltener. Man
zählt heute in Deutſchland noch etwa 7000 Exemplare,
Elch,
deren etwa 1000 Stück in der Cucheler Heide ſtaatlich
iſchen Nehrung ledend.
geſchützt werden. Gleich der Eibe iſt die Schwarzföhre
und Arve, deren Heimat über 1500 Meter Seehöhe liegt,
dem Untergang geweicht. Kilometerweite Waldungen dieſer charakteriſtiſchen, knorrigen
Hochgebirgsſtämme fielen den Aexten der gewinnſiüchtigen Holzhändler zum Opfer.

[ ][  ][ ]

Soſind die Studenten von heute!
In drei Ferienmonaten muß das Winker=Semeſter
finanziert werden!
Was machen Sie in den Semeſter=Ferien?
(Nachdruck, auch auszugsweiſe, verboten.)
Die Semeſterferien haben an den deutſchen Hoch=
ſchulen
begonnen. Semeſterferien? Heute etwas
anders als früher, wo es für viele ein Ausruhen
nach einem ſorgenlos und feucht=fröhlich durch=
ſchwärmten
Semeſter war. Faſt 80 Prozent aller
deutſchen Studenten ſind Verkſtudenten:
Am Amboß, im Kohlenbergwerk, am Pflug und
Backofen, am Steuer des Laſtwagens, bei Straßen=
arbeiten
finanziert heute ein großer Ceil der deut=
ſchen
Studenten die Möglichkeit, im Winter ſich
wieder mit heiligem Ernſt der akademiſchen Arbeit
hingeben zu können. Werkſtudenten in den Ferien
ein Kapitel deutſcher Jugend von heute!
Auf dem Laſtwagen durch Deutſchland.
Stud. ing. Fritz K.:
Was ich in den Semeſterferien mache? Dasſelbe wie im
vorigen Jahr: Beim letzten Mittagbrot in der Menſa, das man
ſich in dieſem Halbjahr nur noch dreimal wöchentlich leiſtete,
halten wir einen feucht=fröhlichen Abſchiedstrunk, dieſem un=
erwarteten
Anprall hält erfahrungsgemäß die Kaſſe nicht ſtand
und leert ſich bis auf eine Neichsmark. Dann wird der Steh=
kragen
abgebunden, ich ſchlüpfe in eine alte Chauffeurjacke, die
zwar viel zu eng iſt, aber dafür wunderbar nach Oel und Fett
duftet. Und ein paar Stunden ſpäter lenke ich in anbrechender
Dunkelheit den hochbepackten Laſtwagen mit Anhänger in eine
der großen Ausfahrtsſtraßen, Nichtung Hamburg.
Drei Monate lang werde ich jetzt Nacht für Nacht die Strecke
befahren. Dreimal in der Woche kommt zur Nacht der halbe Cag
hinzu, dann nämlich, wenn wir in Hamburg nur kurze Swiſchen=
ſtation
machen und weiter hinauf nach Schleswig=Holſtein fahren.
Neben mir auf dem Führerſitz liegen ein paar Studienbücher! Ob
ich wohl viel dazu kommen werde? In den Nuhepauſen iſt man
müde genug!
Im vorigen Jahre hatte ich gleich am erſten Cage meiner
Werkſtudentenzeit ein nettes Erlebnis: Wir hielten unterwegs
vor einem Wirtshaus an der Landſtraße. In der Gaſtſtube ſaß
an einem Ciſch noch ein anderer Chauffeur, ebenfalls ein junger
Menſch, am Nebentiſch eine kleine Geſellſchaft, augenſcheinlich
die Beſitzer des Wagens. Ich grüßte und ſetzte mich natürlich
zu dem Kollegen. Und nach ein paar Minuten haben wir lachend
feſtgeſtellt, daß der Kollege wirklich ein Kollege, nämlich auch
Werkſtudent iſt! Und nach ein paar Minuten erhebt ſich eine
junge Dame vom Nebentiſch, kommt auf mich zu und ſagt: Ich
glaube, wir kennen uns von der Hochſchule her! Ebenfalls
Studentin! Sie ſetzte ſich zu uns, ſehr zum Entſetzen der älteren
Herrſchaften, die dieſe Chauffeurbekanntſchaft nicht verſtanden,
und wir verlebten eine nette halbe Stunde.

Und dann ging’s wieder hinaus auf die Landſtraße, ge=
horchend
unſerer Pflicht, die wir Werkſtudenten alle freudig er=
füllen
!

Der Weg zum Referendar führt über die Schuſterbaukl!
Stud. jur. Friedel Schnee:
Unſere Studentenbude hat ſich für drei Monate in alle
Winde aufgelöſt, Erna, die Chemikerin, hat’s am beſten: ſie macht
den ganzen Cag über Koſtproben in einer Marmeladenfabrik! Nur
wer Erna kennt, weiß, was ſie leidet. Sie hat nämlich Anlage
zum Dickwerden und wi lldoch durchaus ſchlank bleiben! Na, ſie
wird ſich’s im Winter=Semeſter wieder abhungern. Erika hat
ſich zur Erntearbeit auf ein Gut verdingt. Beſonders erfreut
wird ſie von dem Suſammenwohnen mit den polniſchen Schnitte=
rinnen
ja auch niht ſein. Aber Werkſtudent und Werk=
ſtudentin
können ſich eben in heutigen Seiten ihre Arbeit nicht
ausſuchen!
Ich ſelbſt habe, nachdem ich in den letzten Ferien in einem
Werkſtudentenheim ausgebildet worden bin, Aufnahme in eine
Schuhmacherwerkſtatt gefunden. Eine Organiſation, wo unſere
Kunden auch hauptſächlich Studenten ſind. Na, und deren Schuhe
zu beſohlen, iſt gewiß keine Kleinigkeit: wenn ein Student ſeine
Schuhe zum Beſohlen gibt, dann ſind in den ſeltenſten Fällen auch
nur noch die Brandſohlen vorhanden.
Und doch, ich bin gern Werkſtudentin, wenn man auch
manchmal glaubt, daß man nicht mehr weiter kann. Dieſes Werk=
ſtudententum
hat zwiſchen uns jungen Akademikern eine große
Gemeinſamkeit und Brüderlichkeit geſchaffen, das ſpürt man,

wenn abends Kommilitonen zu uns in den Laden treten und einem
zulächeln, im Bewußtſein gemeinſamen Arbeitserlebniſſes für
dasſelbe Siel.
Hier, ſehen Sie meine Hände, hart und ſchwielig. An uns
Werkſtudentinnen iſt viel Jungmädchenhäftes nicht mehr übrig
geblieben. Eine neue Seit iſt angebrochen, ſie fordert auch von
uns jungen deutſchen Mädels manches liebe Mal mehr Mut und
Kraft als Weiblichkeit!
Der ſtnd. rer. pol. als Saiſonarbeiter.
Obſtpflücker auf einem ſüddeutſchen Gut. Ja, der Werk=
ſtudent
ſteht nicht mehr, wie früher, mit ſeiner Lore am Core,
dafür werde ich aber meiner Herzallerliebſten jede Woche einmal
ein Kiſtchen Obſt ſchicken. Nach dem Obſtpflücken gibt es Ernte=
arbeit
auf dem Felde. Der Verdienſt iſt mäßig, aber was
wollen Sie, ich kann jeden Cag ca. 2 Mark ſparen. Das will
etwas heißen: Einen kleinen Zuſchuß kann mein Vater grade
noch abknapſen, und mit 60 bis 75 Mark im Monat muß ein

Student von heute bon leben können!. Ich kenne vie
noch weniger haben und ſich trotzdem durchbeißen. Nur
und Selbſtvertrauen muß man haben!
Auf dem Gut ſind noch ein paar andere Kommilitor
abends ſind wir zuſammen, ſingen unſere Studentenlieder
wohl das einzige, was von der Studentenromantik von du
noch übrig geblieben iſt! Und oft liegen wir am Lagerf=
ſprechen
über die großen deutſchen Fragen, die uns alle in
bewegen. Gewiß, Ferien im alten Sinne ſind das nicht,
ich glaube doch, daß es für uns Erlebniſſe ſind, die uns
ganzes Leben wartvoll und pfadweiſend bleiben werden!

je

Sud
a0

Student und Arbeiter.
Stud. med. Joachim Engelbrecht:
In einer Steinkohlengrube des Ruhrreviers, I
Meter unter Cag, werde ich meine Ferien verbringen. Wi
ten zuſammen, eine Gruppe von fünf Mann. Der eine
Preßluftbohrer, die anderen ſchlagen das Geſtein ab. S
wir eng beieinander, ſechs Stunden lang, eine Arbeitsgene
Mir läuft, ebenſo wie den andern, der Schweiß vom beinal
ten Körper. Manchmal werden die Knie weich, aber na
die Knochen zuſammen, der Werkſtudent will ſich vor
Arbeitskollegen nicht blamieren. Erſt abends in ſeiner 8
darf man zuſammenbrechen. Im vorigen Jahr erlebte 1
kleinen netten Swiſchenfall: Ein Arbeiter hatte ſich
Schulter leicht verletzt, ganz ungefährliche Sache. Er (
wo anders und kannte uns nicht. Ich wuſch die Wunde u
einen ſachgemäßen Verband an. Da trat einer von ſeiner
auf mich zu und ſagte: Hör mal, mein Junge, was biſt
eigentlich ſonſt von Beruf? Und als er erfuhr, daß wir
ſtudenten ſeien, war er zunächſt etwas baff. Und damn
mit den andern Kumpels und ſagte mir: Das hätteſt du
gleich ſagen können! Das iſt uns doch neu, daß auch ein
ter ſich nicht zu fein fühlt und hier unten arbeitet!
Na, und dann war es bei der ganzen Belegſchaft
Ader wir haben uns nicht beklagen können! Wir erleb
erſten Male etwas, was uns an der Unierſität immer
hohes, aber kaum erreichbares /Odeal vorgeſchwebt ha
Gemeinſchaftsgefühl der arbeitenden deutſchen Menſchen 1
Klaſſen hinweg!
Und das iſt und bleibt für uns der große ſeeliſche
unſeres Werkſtudententums für unſer ganzes Leben: 4
nicht abgeſchloſſen als eine Kaſte, wir können die
bilden zu dem einigen Deutſchland der Sukunft!


TI

2e
4.
Sh
T=
A
Aie
La
Aen

Sklaven der Liebe.
Novelle von Knut Hamſun.
Geſchrieben von mir, geſchrieben heute, um mein Herz zu er=
leichtern
. Ich habe meine Stellung im Café verloren und meine
frohen Cage. Alles habe ich verloren. Und das Café war das
Café Maximilian.
Ein junger Herr in grauem Anzug kam Abend für Abend
mit zwei Freunden und ſetzte ſich an einen meiner Ciſche. Es
kamen ſo viele Herren, und alle hatten ein freundliches Wort für
mich, nur er nicht. Er war groß und ſchlank, hatte weiches.
ſchwarzes Haar und blaue Augen, mit denen er mich zuweilen
ſtreifte, und einen Anflug von Bart auf der Oberlippe.
Nun, er mochte anfangs wohl etwas gegen mich haben.
Er kam eine ganze Woche hindurch ununterbrochen. Ich hatte
mich an ihn gewöhnt und vermißte ihn, als er eines Abends aus=
blieb
. Ich ging durch das ganze Café und ſah mich nach ihm um;
endlich fand ich ihn an einer der großen Säulen am anderen Ende;
er ſaß mit einer Dame vom Sirkus zuſammen. Sie trug ein gel=
bes
Kleid und lange Handſchuhe, die bis über die Ellbogen reich=
ten
. Sie war jung und hatte ſchöne, dunkle Augen und meine
Augen ſind blau.
Ich blieb einen Augenblick bei ihnen ſtehen und hörte zu,
wovon ſie ſprachen: ſie machte ihm Vorwürfe, ſie war ſeiner
überdrüſſig und hieß ihn gehen. Ich dachte in meinem Herzen:
Heilige Jungfrau, warum geht er nicht zu mir?
Am nächſten Abend kam er mit ſeinen beiden Freunden und
nahm wieder an einem meiner Ciſche Platz, denn ich hatte fünf
Ciſche zu bedienen. Ich ging nicht heran, wie ich ſonſt wohl tat,
ſondern wurde rot und ſtellte mich, als hätte ich ſie nicht bemerkt.
Als er mir winkte, trat ich an den Ciſch und ſagte: Sie waren
geſtern nicht hier.
Wie wundervoll ſchlank unſere Kellnerin iſt, ſagte er zu
ſeinen Kameraden.
Bier? fragte ich.
antwortete er. Und ich lief mehr, als ich ging, und
holte drei Seidel.
Ein paar Cage vergingen.
Er gab mir eine Karte und ſagte:

Bringen Sie die hinüber .. ."
Ich nahm die Karte, ehe er ausgeſprochen hatte, und brachte
ſie der gelben Dame. Unterwegs las ich ſeinen Namen:
Wladimierz C.
Als ich zurückkam, ſah er mich fragend an.
Ja, ich habe ſie hingebracht, ſagte ich.
Und Sie haben keine Antwort erhalten, ſagte er.
Nein.
Er gab mir eine Mark und ſagte lächelnd:
Keine Antwort iſt auch eine Antwort.
Den ganzen Abend blieb er ſitzen und ſtarrte zu der Dame
und ihren Begleitern hinüber. Um elf ſtand er auf und ging an
ihren Ciſch. Sie empfing ihn kühl, ihre beiden Herren aber ließen
ſich näher mit ihm ein, ſtellten ihm boshafte Fragen und lächelten.
Er blieb einige Minuten, und als er wiederkam, ſagte ich ihm,
daß in die eine Ciſche ſeines Sommerüberziehers Bier gegoſſen
worden ſei. Er zog ihn aus, wandte ſich haſtig um und ſah einen
Augenblick nach dem Ciſch der Sirkusdame hinüber. Ich trock=
nete
ihm den Ueberzieher ab, und er ſagte lächelnd zu mir:
Danke, Sklavin!
Als er ihn wieder anzog, half ich ihm und ſtrich ihm heimlich
über den Nücken.
Er ſetzte ſich, zerſtreut. Einer ſeiner Freunde beſtellte noch
Bier, ich nahm das Seidel und wollte auch C’s Seidel nehmen.
Er ſagte aber: Nein und legte ſeine Hand auf die meinige. Bei
dieſer Berührung ſank auch mein Arm plötzlich herab, er merkte
es und zog ſeine Hand ſofort zurück.
Am Abend betete ich zweimal vor meinem Bett auf den
Knien für ihn. Und ich küßte ganz glücklich meine rechte Hand,
die er berührt hatte.
Einmal ſchenkte er mir Blumen, eine Menge Blumen. Er
kaufte ſie bei der Blumenfrau, als er hereinkam; ſie waren friſch
und rot, und es war faſt ihr ganzer Vorrat. Er ließ ſie vor ſich
auf dem Ciſch liegen. Keiner ſeiner Freunde war mit da. Ich
ſtand, ſo oft ich Seit hatte, hinter einer Säule und ſtarrte ihn an,
und dachte bei mir: Wladimierz C. heißt er.
Es mochte vielleicht eine Stunde vergangen ſein. Er ſah
fortwährend nach der Uhr. Ich fragte ihn:
Erwarten Sie jemand?
Er ſah mich wie geiſtesabweſend an und ſagte plötzlich:

Nein, ich erwarte niemand. Wen ſollte ich ewar
Ich meinte nur, ob Sie vielleicht jemand erwarten.
Kommen Sie her erwiderte er! Das iſt für Sie-
Und er gab mir alle die vielen Blumen.
Ich dankte ihm, aber ich konnte nicht gleich ein Bi
vorbringen, ich flüſterte nur. Eine blutrote Freude rR i.
atemlos ſtand ich am Büfett, wolich etwas holen ſollte.
Der Oberkellner ging vorüber. Sie vergeſſen Ve
für den Herrn mit dem Stelzfuß, hörte ich ihn ſagen.
C. war noch nicht gegangen. Ich dankte ihm aberi.
er ſich erhob, um zu gehen. Er ſwtzte und ſagte:
Ich kaufte ſie eigentlich für eine andere.
Nu ja. Er hatte ſie vielleicht für eine andere geſal g
ich bekam ſie. Ich bekam ſie, nicht die, für die er ſie geſat
Und ſo durfte ich ihm auch dafür danken. Dile

Wladimierz.
Am nachſten Abend kam er ſehr ſpät. Er fragle:
Haben Sie viel Geld, Sklavin?
Nein, leider nicht, antwortete ich. Ich din Eit
Mädchen.
Da ſah er mich an und ſagte lächelnd:
Sie mißverſtehen mich. Ich brauche bis morge:
Geld.
Ich habe etwas Geld, entgegnete ich. Sch 900 *
unddreißig Mark zu Hauſe.
Zu Hauſe? Nicht hier?
Ich antworte: Warten Sie eine Viertelſtunde Ait
Sie mit mir, wenn wir ſchließen.
Er wartete die Viertelſtunde und ging mit Mit:
Nur hundert Mark, ſagte er. Er hieſt ſich die Se
an meiner Seite und ließ mich weder vorgn n09 N
gehen.
Ich habe nur eine kleine Kammer, jagte ich. 0
meiner Haustür ſtehen blieben.
Ich gehe nicht mit hinauf, erwiderte er. 389 0.
Er wartete.
Als ich wieder herunterkam, zählte er das Geſt une 4.
Das ſind mehr als hundert Mark. Sch 9e92 Ot
Marke als Crinkgeld. Ja, ja, hören Sie ich Di. L
Mark als Crinkgeld geben.

[ ][  ][ ]

R1433

Dürkheimer Wurſtmarkt.
Von Carl Otto Windecker.
Es gibt Notverordnungen und Steuern. Das Benzin iſt
innig teuer und eigentlich wollte man ja ſeine Fahrten
Proteſt einſtellen, oder einſchränken, ſoweit nicht unbe=
ite
Notwendigkeit vorliegt. Und ſchließlich: was heißt ſchon
kheimer Wurſtmarkt. So was kennt man doch längſt:
ießbuden und Hippodrom, Karuſſell und Schiffſchaukel
den und Muſik kennen wir. Der Darmſtädter Buden=
kt
iſt ja auch nicht ſo ohne. Jahren wir alſo hin? Nein.
Fgeſchloſſen. Nausgeworfenes Geld. Nochmals: Nein.
Und dann fahren wir ſelbſwerſtändlich doch. So wie es ſich ge=
! (Bitte nicht weiterſagen: Ehefrauen zu Hauſe laſſen!) Es
en zwar auch Ehefrauen ohne Ehemänner geſichtet worden
Aber beſtimmt keine Darmſtädter. Wir fahren alſo.
i herrlichem Sonnenwetter. Erfriſchende, kühle Herbſtſtim=
rg
in der Landſchaft. Eine Fahrt, wie ſie ſein ſoll. Auch ohne
rrſtmarkt in Dürkheim. Denn eigentlich ſo im tiefſten
tern hängt da immer noch die Frage: wird es Wert haben?
urſtmarkt. Was heißt das ſchon? Oktoberfeſtimitation?
einleichen? Gedränge? Geldausgaben? (Der Monatserſte
doch ſchon ſo lange vorbei!)
Aber man iſt ſchon in der lieblichen Gegend der Pfalz. Iſt
in inmitten einer unüberſehbaren Neihe von Autos, Motor=
er
, Omnibuſſen und Lieferwagen, auf die man Bänke geſtellt
und alle haben ein Siel. Schon liegen die Haardtberge
blau, m wundervoller Plaſtik vor uns ein köſtliches Bild,
s allein ſchon die Fahrt verlohnen würde. Noch iſt der An=
k
der Landſchaft und ihre Schönheit das Wichtigere. Immer
H haften die Sweifel in puncto Wurſtmarkt. Na, immerhin
an man es ja mal probieren. Enttäuſcht es, ſo bleibt die herr=
re
Landſchaft.
Und dann taucht Dürkheim auf, und dann iſt man ſchon
Eten drinnen, in einem Chaos hupender, pfeifender, gellender
rtos, in einem Cohuwabohu fröhlicher, ausgelaſſener Menſchen,
die Straße nicht freigeben, bis ſie der Kühler unſeres Wagens
r Nücken kitzelt.
Der Feſtplatz in ſeinen unüberſehbaren Ausmaßen zeigt ſich,
erſtaunt, aber ſchon längſt zu eigener Fröhlichkeit entſchloſſen,
eacht man in das Cſchindaraſſabum, das Lachen und Schreien,
ahlen und Singen der Budenſtadt. Man hat es jetzt ſogar ſchon
Tg, ſeinen Wagen auf den Parkplatz zu ſtellen, iſt überraſcht
i der Größe dieſes Parkplatzes und den vielen Hundert Autos,

die hier eines neben dem anderen ſteht, kleine Wagen der
Weinbauern, große Luxuswagen mit Polizeinummern aller deut=
ſchen
Gaue und des Auslandes, findet mit knapper Mühe und
Not noch in der entfernteſten Ecke ein Plätzchen und iſt ſchon
drin, im Betrieb.
Und es iſt aus mit allen Sweifeln, mit allen Vorbehaltungen
und kühlen Ueberlegungen. Gedrängt, geſchoben, geſtoßen, ange=
ulkt
und angeſchrien, längſt nicht mehr Einzelweſen, längſt ſchon
ein winziger Ceil einer unendlich fröhlichen, weinſeligen, tollen
Gemeinſchaft, abſolviert man die verwirrend vielen Gaſſen der
Budenſtadt, lacht in lachende Geſichter, lacht zu ſchmerzhaften

Fußtritten auf die eigenen Füße, zu herzlich derben Nippen=
ſtößen
.
Nichtig: man könnte ſich eigentlich über die pſychologiſchen
Hintergründe ſolcher Volksbeluſtigungen unterhalten. Man
könnte das. Aber man kann es nicht. Man iſt plötzlich wieder
jung, ſo jung, wie als kleiner Stöppel, wenn man von Muttern
zwei Groſchen für die Kerb bekam, man kauft Gummi=
ſchlangen
und zitternde Spinnen, eine lange Hahnenfeder auf den
Hut, man ſchießt am Scharfſchützenſtand, juckelt auf einem
armen, bedauernswerten Gaul im Hippodrom, ein armes
Bieſt, das weder auf Sügel noch Ferſe reagiert, brav und un=
ſagbar
geduldig nach der Melodie einer quäkenden Kapelle ſeine
Nunde abläuft, man jagt auf dem Karuſſell herum, ſchaut
begeiſtert und kritiklos der größten Senſation der Welt, der
Entfeſſelungskünſtlerin Miß Sowieſo zu, beſtaunt die Leiſtungen
eines längſt heiſer gewordenen Cierhypnotiſeurs.
Und landet endlich in einem der großen Selte vom Pfälzer
Weinſchorſch oder dem Winzerverein, erſtickt halbwegs in
der heißen, drückenden Weinluft, ſtellt nur feſt, daß kein Eckchen
Platz mehr frei iſt, und daß man dann die zuſammengepferchten,
eng aneinander gedrückten Menſchen noch ein bißchen zuſammen=
ſchieben
muß, um doch noch Platz zu bekommen, und ſeinen
Schoppen Pfälzer mit den zugehörigen Würſtchen. Wüßte ich
nicht ganz genau, daß mein Begleiter zum Wurſtmarkt dieſe
Seilen ganz beſtimmt lieſt, ſo würde ich indiskret ſein und ver=
raten
, wieviel Würſtchenpaare man auf emen Sitz verdrücken
kamn.
Und dann entdeckt man auch, daß die kleinen Pfälzer Mäd=
chen
ſo überaus frohe und luſtige Augen haben . . . und . . . (die
folgenden Seilen meines Berichts hat der Nedakteur der
Gegenwart aus mir unbegreiflichen Gründen geſtrichen).
Und wieder ſchiebt man ſich durch die engen Gaſſen der
Budenſtadt. Sieht ſich dauernd vor der Notwendigkeit, einen
neuen Geldſchein wechſeln zu laſſen, weil man hier ohne Kleingeld
nicht exiſtieren kann, geht auf pſychologiſche Entdeckungen aus,
indem man am eigenen Leibe oder Portemonnaie feſtſtellt, wie
leicht man auf dem Dürkheimer Wurſtmarkt ſein Geld ausgibt,
ohne Bedauern, ohne Zählen, ſo, weil man einfach nicht anders
kann, als hier am Stand die Würſte, dort die Waffeln und hier
wieder die Scharfſchützengewehre verſuchen muß. Man kann
nicht anders.
Und wie herrlich erfriſchend iſt es, wieder einmal ſo völlig
kritiklos ſein zu können. Sicherlich ſind die Waffeln in billigem

Und er reichte mir das Geld, wünſchte Gute Nacht und
rng. An der Ecke ſah ich ihn ſtehen bleiben und der alten, lah=
en
Bettlerin eine Mark geben.
Er bedauerte am nächſten Abend gleich, daß er mir das
eld nicht zurückzahlen könne. Ich dankte ihm dafür, daß er es
cht konnte. Er geſtand offen, daß er es durchgebracht habe.
Was ſoll man dazu ſagen, Sklavin, ſagte er lächelnd. Sie
iſſen: die gelbe Dame!
Weshalb nennſt du unſere Kellnerin Sklavin? ſagte einer
imer Freunde. Du biſt ja mehr Sklave als ſie.
Bier? fragte ich, und unterbrach ſie.
Bald darauf trat die gelbe Dame ein. C. ſtand auf und
erbeugte ſich. Sie ging an ihm vorüber und ſetzte ſich an einen
eren Ciſch, lehnte aber zwei Stühle umgekehrt dagegen. C. ging
kort zu ihr hin, nahm den einen Stuhl und ſetzte ſich. Nach zwei
Tinuten erhob er ſich wieder und ſagte ſehr laut: Gut, ich gehe.
rd ich kehre nie wieder zurück.
Danke, entgegnete ſie.
Ich fühlte vor lauter Freude kaum meine Füße, lief ans
Hüfett und ſagte etwas. Ich erzählte wohl, daß er nie wieder
r ihr zurückkehren werde. Der Oberkellner ging vorüber; er
Steilte mir einen ſcharfen Verweis, aber ich machte mir nichts
araus.
Als das Lokal um elf geſchloſſen wurde, begleitete mich C.
Es an meine Haustür.
Fünf von den zehn Mark, die ich Ihnen geſtern gab,
agte er.
Ich wollte ihm alle zehn geben, und er nahm ſie an, gab mir
Ber trotz meines Sträubens fünf als Crinkgeld zurück. Und er
Dollte meine Einwände nicht hören.
Ich bin heute abend ſo froh, ſagte ich. Wenn ich Sie
ritten dürfte, mit hinaufzukommen; aber ich habe nur eine kleine
Lammer.
Ich gehe nicht hinauf erwiderte er. Gute Nacht!
Er ging. Er kam wieder an der alten Bettlerin vorüber
Dergaß aber, ihr etwas zu geben, obwohl ſie ihm einen Knicks
Dachte. Ich lief zu ihr hin, gab ihr einige Groſchen und ſagte
=Das iſt von dem Herrn, der eben vorüberging, von dem Herrn
Im grauen Anzug.
Von dem Herrn im grauen Anzug?, fragte die Fran.

Von dem mit dem ſchwarzen Haar, Wladimierz.
Sind Sie ſeie Frau?
Ich antwortete: Nein. Ich bin ſeine Sklavin.
Er beklagte es dann mehre Abende hintereinander, daß er
mir mein Geld nicht zurückgeben könne. Ich bat ihn, mir nicht ſo
weh zu tun. Er ſagte es ſo laut, daß alle es hören konnten, und
mehrere lachten deshalb über ihn.
Ich bin ein Schurke und ein Spitzbube, ſagte er. Ich habe
Geld von Ihnen geliehen und kann es Ihnen nicht zurückgeben.
Ich ließe mir die rechte Hand für einen Fünfmarkſchein abhauen.
Es ſchmerzte mich, ihn ſo reden zu hören, und ich dachte
darüber nach, wie ich ihm wohl Geld verſchaffen könnte. Aber
ich konnte es nicht.
Er ſagte ferner zu mir: Wenn Sie mich übrigens fragen,
wie es mir geht, ſo . . . Die gelbe Dame und der Sirkus ſind ab=
gereiſt
. Ich habe ſie vergeſſen. Ich denke gar nicht mehr an ſie‟
Und doch haſt du ihr heute noch einen Brief geſchrieben.
ſagte einer ſemer Freunde.
Das war der letzte, entgegnete Wladimierz.
Ich kaufte eine Noſe von der Blumenfrau und ſteckte ſie ihm
in das Knopfloch an der linken Seite. Ich fühlte ſeinen Atem
auf meinen Händen, während ich es tat, und es war mir faſt un=
möglich
, die Stecknadel zu befeſtigen.
Danke! ſagte er.
Ich verlangte die paar Mark, die ich noch an der Kaſſe gut
hatte, und gab ſie ihm. Es war nicht der Nede wert.
Danke! ſagte er abermals.
Ich war den ganzen Abend glücklich, bis Wladimierz plötz=
lich
ſagte:
Für dieſes Geld reiſe ich für eine Woche fort. Wenn ich
zurückkomme, ſollen Sie Ihr Geld wiederhaben. Als er meine
Bewegung ſah, fügte er hinzu: Sie allein liebe ich! Und er er=
griff
meine Hand.
Ich war ganz beſtürzt, daß er fortreiſen und nicht ſagen
wollte, wohin, obgleich ich ihn fragte. Alles, das ganze Café, die
Kronleuchter und die vielen Gäſte, tanzte um mich herum; ich
konnte es nicht länger aushalten und ergriff flehend ſeine beiden
Hände.
In einer Woche kehr ich zu Ihnen zurück, ſagte er und
erhob ſich jäh.

Ich hörte den Oberkellner zu mir ſagen: Sie werden ent=
laſſen
werden.
Meinetwegen, dachte ich bei mir; was macht das? In einer
Woche iſt Wladimierz wieder bei mir! Und ich wollte ihm dafür
danken, ich wandte mich um er war ſchon gegangen.
Eine Woche ſpäter fand ich, als ich nach Haus kam, einen
Brief von ihm. Er ſchrieb ſo troſtlos, er erzählte, er ſei der gelben
Dame nachgereiſt, er könne mir nie mein Geld zurückbezahlen,
niemals, er ſei ganz gebrochen durch die Not. Dann ſchalt er ſich
wieder eine niedertrachtige Seele, und unter den Brief hatte er
geſchrieben: Ich bin der Sklave der gelben Dame.
Ich trauerte Cag und Nacht und konnte nichts weiter tun.
Eine Woche ſpäter verlor ich meine Stellung und mußte mich nach
einer neuen umſehen. Am Cage ſtellte ich mich in anderen Cafés
und Hotels vor; ich ſchellte auch bei Privatperſonen und bot ihnen
meine Dienſte an. Es glückte mir aber nicht. Spät am Abend
kaufte ich dam ganz billig alle Seitungen und las die Annoncen
ſorgfältig, wenn ich nach Haus kam. Ich dachte: vielleicht kann
ich Wladimierz und mich retten".
Geſtern abend fand ich ſeinen Namen in einem Blatt und las
von ihm. Ich ging gleich darauf aus, durch viele Straßen, und
kam erſt heute morgen zurück. Vielleicht habe ich irgendwo ge=
ſchlafen
oder auch auf einer Creppe geſeſſen, ohne weitergehen zu
können; aber das weiß ich jetzt nicht.
Ich habe es heutg wieder geleſen; aber geſtern abend, als ich
nach Hauſe kam, habe ich es zuerſt geleſen. Ich rang die Hände;
dann ſetzte ich mich auf einen Stuhl. Nach einer Weile ſetzte ich
mich auf den Boden und lehnte mich gegen den Stuhl. Ich ſchlug
mit den flachen Händen auf den Fußboden, während ich nach=
dachte
. Vielleicht dachte ich gar nicht: aber es ſauſte mir ſo im
Kopf, und ich wußte nichts von mir ſelbſt. Dann bin ich wohl auf=
geſtanden
und hinausgegangen. Unten an der Straßenecke, deſſen
enſinne ich mich, gab ich der alten Bettlerin einen Groſchen und
ſagte: Das iſt von dem Herrn mit dem grauen Anzug. Sie
wiſſen ja!
Sind Sie vielleicht ſeine Braut? fragte ſie.
Ich antwortete: Nein ich bin ſeine Witwe.

Und ich trieb mich bis heute morgen auf der Straße herum.
Und jetzt habe ich es nochmals geleſen. Wladimierz C. hieß er.

[ ][  ][ ]

Schmalz gebacken. Und würde die zuhauſegelaſſene Hausfran es
wagen. . nal Den Krach möchte ich nicht erleben. Aber hier er fühlte, wie die Klänge, obwohl nicht für ihn hervorgezaubert, in
100-prozentigen Preisaufſchläge kauft man ſich Fröhlichkeit und
Ausgelaſſenſein.
Hunderttauſend Beſucher, einhunderttauſend zählte der
Dürkheimer Wurſtmarkt am Sonntag, den 14. September 1931. lieh Fräulein Csline für kurze Seit die Kopfſtimme eines Cenors,
Es gibt Steuern und Notverordnungen. In Oeſterreich hat man
einen Putſch verſucht, in Ungarn führte man ein niederträchtiges
politiſches Attentat auf einen D=Hug aus. Aber in Bad Dürk=
heim
haben einhunderttauſend Menſchen eine wundervolle und
nachhaltige Verjüngungskur durchgemacht, die in den jetzigen
Notzeiten dringender iſt, als aller Peſſimismus.
Und es iſt keineswegs unter dem Eindruck jüngſter Erleb=
niſſe
geſagt, wenn man behauptot, daß Con und Stimmung, Fröh=
lichkeit
und Art des Dürſheimer Wurſtmarktes etwas Ein=
maliges
und beſtimmt Erlebenswertes iſt. Man iſt froh und aus=
gelaſſen
, aber nirgends ſieht man Nohheiten oder Rüpeleien,
die ſonſt ſo leicht die unangenehmen Begleiterſcheinungen ähn=
licher
Vollsfeſte ſind. Eim Blick in die gutmütigen, ſchmunzeln=
den
Geſichter der Poliziſten macht ſchon froh.
Einhunderttauſend Beſucher. Sehntauſende Autos. Und
hier und dort, in der ganzen Umgebung, ja ſogar in Darm=
ſtadt
ſtehen heute in den Veparaturwerkſtätten die Auto=
leichen
des Dürßheimer Wurſtmarkts. Eingedrückte Kotflügel,
verbogene Vorderachſen, zerbrochene Crittbreiter und hohle
Augen zerſchmetterter Scheinwerfer.
Der Pfälzer iſt halt ein guter Cropfen. Man vergißt ihn
nicht ſo leicht.
Aber das iſt die andere‟ Seite.
Liebesklänge.
za en zuergle.
Berechtigte Ueberſetzung von Willy Blochert.
In jenem Sommer war es für einen unterrichteten Beſucher
ſchweifend den Liebesklängen zu lauſchen, die Fräulein Csline von
der Grammophonplatten=Abteilung an Herrn Henri feſſelten,
den hübſchen Verkäufer aus der Abteilung, in der Muſikſtücke
von Bach, Beethoven und Grieg und auch die neueſten Schlager
verkauft wurden. Flanierend, kreuz und quer durch das große
WWarenhaus, konnte man die Liebe belauſchen, doch man mußte im
Bilde ſein.
Dann erſt begriff man, was es zu bedeuten hatte, wenn an
binem beliebigen Cage jenes Sommers Herr Henri ſich lelbſt vor
den aufgelelappton Flügel ſetzte und leiſe eine Nomanze zu ſpielen
begann. Für ſie, für niemand anders als für Fräulein Celine. Dann
zwiſchen einer gebrechlichen Vaſe aus der Kunſtgewerbe= Abtei=
lung
von Fräulein Hortenſe und einem Staubſauger von den
Nach niemand anders als nach Fräulein Céline.

Und dann ſpielte er, und ein Informierter degriff, mehr noch:
ſchmecken ſie. Hier iſt alles ſchön, gut billig. Denn für die ſein Herz drangen, und wer ein bißchen Empfindung beſaß und
nicht neidiſch war, jubelte innerlich mit Fräulein Csline und
gönnte ihr das Glück ihrer Liebe.
Plötzlich ſchwieg der Flügel und es kam die Antwort. Leiſe
glitt eine neue Nadel über die runde Hartgummiſcheibe, und dann
um ebenſo zärtlich an Henri zurück zu tönen, wie lieb ſie ihn hatte,
und wie ſehr ſie nach dem immer wieder ſeeligen Augenblick ver=
langte
, in dem er ihr mit dem letzten Cakt eines Marſches an=
kündigte
, daß für ihn wie für ſie das Cagewerk beendet war;
worauf auch ſie die letzte Platte weglegte, um mit ihm zu gehen,
mit Henri, wohin er ſie führen wollte.
Dies geſchah in jenem Hoch= und Spätſommer. Dann aber
pfiff der Wind aus dem Norden und es wurde kalt.
Nicht länger wohnte in dem großen, hohen Hauſe die Liebe
ſelbſt, denn es war aus, einfach aus, endgültig aus zwiſchen Fräu=
lein
Céline und Herrn Henri. Fräulein Hortenſe, die in die
Herrenhut=Abteilung verſetzt war, war ſchuld daran. Sie hatte
ſolange kokettiert und intrigiert, bis es die Aufmerklamkeit von
Herrn Henri erregte, der, nicht unempfindlich, einen neuen Hut
aufzuprobieren beſchloß. Nur aufmprobieren und dann auch mr
zum Scherz, denn es war ein Sylinderhut, und beſtimmte Heirats=
pläne
hatte er noch nicht. Das hatte er zum mmdeſten Fräulein
Hortenſe auf eine diesbezügliche Frage geantwortet, worauf
Fräulein Emilie mit Fräulein Hortenſe verſchämt gekichert hatten.
Und, leider, hatte Fräulein Csline dies ſehen können, weil ſie zu=
fällig
gerade ſchräg rechts nach oben blickte, zwiſchen einer
Pfanne und einem Paar Schuhe hindurch. An jenem Nach=
mittag
hatte ſie zum erſten Male nicht geantwortet anf lein
Liebeslied, das falſch und geheuchelt klang.
Und der Winter war lang und viele Cage herrſchte Kälte,
und die Liebe floh hinweg. Jeder mterrichtete Beobachter konnte
es hören.
Wenn Fräulein Céline, zerknirſcht über das eigene Ser=
ſtörungswerk
, an rauhen Cagen in banger Einſamkeit ſelbſt eine
lockende Liebesmelodie ſpielen ließ, dann gab es gleich danach
eine Sekunde lang die Hoffnung lüßen Wartens, aber Ant=
wort
kam nicht mehr, und der Winter wollte faſt kein Ende neh=
des
Warenhauſes ein erleſener, faſt rührender Genuß, umher= men. In jenen Cagen war es kein Sufall mehr, wem Fräulein
Céline, zwiſchen der Bratpfanne und den Schuhen hindurch, die
Herrenhut=Abteilung beobachtete und es ſich faſt ebenſo oft er=
wies
, daß ſie richtig geahnt hatte, denn dann ſtand Herr Henri bei
Fräulein Hortenſe und probierte Hüte auf, weiche Hüte und
Reiſemützen und Sylinder, und jedesmal wieder, wenn er einen
Sylinder auffetzte, fühlte Fräulein Csime einen ſtechenden Schmerz
in ihrem Herzen.
Dann ſchlich ſie tief deprimiert zurück und flirtete ein bißchen
mit Herrn Lodewifk von der Bücher=Abteilung, aber nur auf die
geringe Ausſicht hin, daß Herr Henri es ſehen würde. Doch der
lah es nicht, denn er probierte gerade einen koketten Hut, der in
blickte Herr Henri bei den erſten Cönen ſchräg links nach unten, der Farbe gut zu ſeinem langſam wachſenden Schnurrbart paßte.
Das war in jenem Winter, aber dann kam der Frühling.
Und wer, unterrichtet, an einem beliebigen Cage in dieſem
Haushaltungsartikeln des Herrn Horatius hindurch, nach ihr. Frühling das große Warenhaus betrat, lauſchte, ſeltſam ergriffen,
ſo daß man unwillkürlich freundlich nickte, auf einmal wieder den
Liebesklängen, die Herr Henri dem etwas weiter aufgeplappten
Flügel wieder zu entlochken wußte, und dann glitt der Blick in
froher Suſtimmung nach der Grammophonplatten-Abteilung,
wenn von dort die herrliche Antwort kam.
Und erſt, wenn der aufmerkſame Beſucher ſah, daß eine
andere, noch anmutigere junge Dame den Platz von Fräulein
Csline eingenommon hatte, ſchüttelte er erſtaunt das ſinnende
Haupt über die Verliebtheiten des Herrn Henri...
Wenn Redakteure Urlaub
haben.
Der Herr, der den Briefkaſten betreute, hatte ſeinen
wohlverdienten Urlaub angetreten. Der Nedaktionspolontär hatte
die ehrenvolle Aufgabe, die zahlloſen Anfragen, die aus allen
Wiſſensgebieten einlaufen, zu beardeiten. Er übte ſein Amt ge=
wiſſenhaft
und hingebend aus.
Frage: Wie kann ich eimn Huhn töten, ohne daß es
Schmerzen empfindet?
Antwort: Wenn Sie das Huhn vor der Cötung durch
einen Cierarzt nicht ſachgemäß chloroformieren kaſſen wollen, rate
ich Ihnen, es durch einen Hypnotiſeur einſchläfern zu laſſen. Ein
anderes Mittel iſt, daß Sie ſich nachts in den Hühnerſtall ſchlei=
chen
und dort plötzlich wie ein Fuchs zu bellen anfangen. Das
Huhn wird dann vor Schreck ſterben. Am beſten aber wird es
ſein, wenn Sie warten, bis entweder das Huhn oder Sie ſelber
an Altersſchwäche ſterben werden.

*
Frage: Ich lebe in dritter Ehe. Von meinen deiden
erſten Männern bin ich geſchieden. Man jetziger Mann iſt leider

arbeitslos. Kann ich uter dieſen Umſtänden vielleicht
von meinen beiden erſten Männern Unterhalt verlang
wohl bei beiden Scheidungen, allerdings durch Ungerechtig dur
Urteile, ich der ſchuldige Ceil war?
Antwort: Geſetzlich haben Sie keinen Anſpr euf
Unterhalt. Menſchlich rate ich Ihnen, den beiden erſten z ½=
ben
, daß Sie zu ihnen zurückkehren wollen. Um das zu E=
dern
, werden beide wohl zu jedem erdenklichen Opfer bere

Frage: Mir hatte ſich ein Herr genähert, der u 6cch
die Ehe verſprochen hatte. Nun hat er lich vier Woch frag
micht mehr lehen laſſen. Von anderer Seite erfahre ich, ei
mit einem anderen Mädchen geht. Wie kann ich herau gt
ob er mich noch liebt?
Antwort: Liebe iſt nicht immer das, was es E
ſcheint. Die Catſache, daß der junge Herr Sie vier Wock 49
nicht aufgeſucht hat, läßt die Vermutung zu, daß die and A
der er jetzt geht, wohl beſſer gefällt, als Sie. Indeſſe
Sie ihn ja auf die Probe ſtellen: Springen Sie vor ſeinen
in einen Fluß, See oder tiefen Ceich. Je nach den 1Fl.
gegebenen Möglichkeiten. Springt er Ihnen nach, ſo Ei
Sie noch immer. Läßt er Sie ertrinken, ſo ſind Sie ſi
immer los.

Frage: Ich din ſeit dem Jahre 1912 mit einen Tm.
verlobt, der mich wegen der wirtſchaftlichen Verhältniſſt izi
noch nicht heiraten kann. Er arbeitet nicht gern und va aul
beſſere Seiten. Soll ich noch warten, und glauben Sie, Si
Lage ſich beſſert?
Antwort: Da es ſich um eine Vorkriegsvt 120
handelt, alſo um eine Sache von Qualität, rate ich Ihnen Euf
ſeinen Fall aufzugeben.
Frage: Wie kam man von einer Bank Gebd Ie
bekommen?
Antwort: Wahrlich! Sie haben Vecht! Pie
Frage: Ich bin 35 Jahre alt und romantiſch ve
Indeſſen leide ich unter unreinem Ceint, der anſcheinend Git
Wurzel meines Alleinſeins iſt. Was raten Sie mir?
Antwort: Begießen Sie dieſe Wurzel täglich n me
Miſchung von Vitriolöl und Benzin. Darauf zünden Sie d.
goſſenen Stellen leicht an. Nehmen Sie aber nicht m viel
ſonſt könnten mit der Wurzel auch Stamm und Aeſte be 29
werden.

Nummer 433.
Aufgabe 627.
M. Adabaſcheff in Taganrog.
(Ehrenpreis in der Zweizüger=Abteilung der Schwalbe‟ 1930, III.)

a
d
b
g
h

Löſungen der Aufgaben 616619.
Sta. Fr. Dedrle. Caſ. Cef. Sach. 1909. (K41 Dh7 Lb1h8 Ba5; Kd4 BbB
eC a6 g3;34) 1. 0hf71 bdroht 2. Db4t) Kes 2. 3434Ket 3. D:064;
1. . . . Ke3 3. De54K14 3. Deic. Das zweite Mattbild dieſes Gchoproblems
iſt das Negativ des erſten, da der K in der Mattſtellung die Farbe der Felder ge=
wechſelt
hat (farbiges Echo oder, nach A. C. White, Ehamäleonechos). 1..
Ka5 2. Dbt e5 s. bdack.
817. F. A. B. Hunter, Gentleman2 Bournal, 1973, (Fa6 Db1 Td3 77 Lxt
gr S41 h3 Ba5; Ke4 Te1 11 105 Ses Be4 45 14g5h6:24)1. Lef-h8!
En variantenreiches Lugzwangſtick.
618. J. Manskopf. Urdruck. (Ka6 Tg4 Lb6 8c3 Ba3 a5 b4 b5; Ka4 Ih8
Ba3; 44.) Beabſichtigt iſt: 1. Se314 1.d4 2. 843 Libé 2. Seßt L.ies
4. biesc. 1.. . Ie anders 2. Soß (broht 3. Besct) Ld4 3. 8:d4 K:d4
4. Se2! : Vierechug des 8 mit Rückehr zum Standfeld. Leider iſt die Aufgabe
nebenlöſig mit 1. Le5 (a3, 12, g1) droht 2. Bb8 3. Bb54 und mit 1. Te4 droht
2. Le5 3. Bb6 4. BbSt.
619. G. Guibelli. 1. Preis, Good Eompanions, 1917. (Kh5 Dg1 T18 b4 L.a8
44 845 k4; Ke4 Da4 TbS Ld2 Sh6 Ba5MAeT e713h3;34.) 1. 144d31
Bes, Be5, 9k5 (Entfeſſelung des weißen 8) 2. Sb6, Ses, St6. (1. . . . B92,
B13 2. Db1, Bhic.)

Silbenrätſel.
Aus den Silben: a, band, bral, bre. burg, de, dech, del,
di, dorf. e, ei, ein, ein, en, eng. fang. flie, ful, ge,
ger, gi, gi, gon herms, i. in, in, ko, koh, korb. kreis,
land, le, ling, log, na. nan, naum, nie, on, phi. rew.
ri, ro, ſe, ſen, ſi ſta, ſtein, ſtra, tags tar, tur, ven,
wen, zel, ſind 22 Wörter zu bilden, deren Anfangs= und End=
buchſtaben
, beide von oben nach unten geleſen, eine Bauernregel
für Juni ergeben.
Die Wörter bedeuten: 1. Zum Aequator parallel gedachte
Linie 2. kleines Reptil, 3. Nordpolfahrer 4. Nebenfluß des weſtl.
Prüfſtellung: Weiß: Kf7 Da5 Ta3 f1, Lg4 h8 8a4 h3 B43 45 15 g7 12); Bug, 5. Altgriechiſche Orakelſtätte, 6. Warenbeſtandsaufnahme,
7. europäiſcher Staat, 8. Vorrichtung an Straßenbahnwagen zur 6 Chemie. 7 Hamſter 8 Induſtrie 9 Cineinnati 10 Karfreitne
Unfallverhütung, 9. offene Halle in Häuſern, 10 Biſchofsmütze, turn 12 Armee, 13 Lampion, 14 Redslob, 15 Uſurbator, 1.
11 Teil des Buches, 12 engliſche Feſtung in Andaluſien, 13. kurz= 17 Tantalus, 18 Internat.
lebiges Inſekt 14. Stadt an der Saale, 15. Brennmaterial,
16. Gewürzpflanze 17. Ort im Regierungsbezirk Liegnitz,
18. geſchäftliches Wagnis, 19. Gebäck, 20. Larve des Maikäfers,
21. Art Spott. 22. Sportplatz.

Weiß zieht und ſetzt in zwei Zügen mat.
Schwarz: Ket Sg3 Bd4 e6 a5 g6h6 (n; 24.
Aufgabe g28.
F. Matouſek.
(1. Preis, Caſopis, 1915.)
Beiß: Kh8 Dg1 Ab6 Sa2 e5 Bb5 43 g2 h4 (o)4
Schwarz: Kd5 Sk5 Bg3 (3).
Matt in drei Zügen.
Druck, Verlag u. Kliſches: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rbetnſtr. 23. Verantwortl, für die Redaktion: Dr. 5 Nette. Darmſtadt. Fernſpr. 1. 23892392. Ulle Rechte vorbebalten Nachd.

e

abeeeeeeefhiinnprrty
Dieſe 20 Buchſtaben ſchreibe man auf die 20 Punkte, ſo
folgendes ergibt: 13 nützt und ſchadet, 23 kriecht.
berdient ſein, 45 enttäuſcht, Hert erſtreckt ſich. Die M.
Carl De
ſtaben ſagen, was lodert.
Auflöfungen der Rätſel aus Nr. 38.
Proſt!
1. Eisbahn, 2. Jſegrim, 3. Nashorn, 4. Freiligrath, d=
ſporn
6. Ichneumon, 7. Sarazenen, 8. Charlate, 2. ha4
10. Eiſenbahn, 11. Rheingold, 12. Terpentin, 13. Ro4
14. Ungeheuer, 15. Napoleondor, 16. Kalifornien.
ein friſcher Trunk.
Silbenrätſel.
1 Demonſtration, 2 England, 3 Invalide, 4 Nurm=.
Das Wort lautet: Dein Schickfal ruht in deiner ſigenn.
Tauſch=Rätſel.
Karte, Rieſe, Welle Meiſe, Stern, Hafer, Roppe*
Reliefpfeiler.

Ei

da

de

[ ][  ][ ]

Ve
Iu
Bo=

alle mir noch Tberjader ſpiele?! das iſt die
Un ſie wärd pun unſerm Herrn Staatsbräſendend ge=
Un zwar im Programmheftche, däß wo ſich großſpurich
des Heſſ. Landestheaters nennt, ſo daß mer wunner
kennt.
v zu all dene Frage, uff die heit kaa Staatsmann e geſcheid
t waaß, kimmt jetzt noch die: Solle mir noch Therjader
Fragezeiche.
tſcha do mecht ich ganz im Allgemeine bemerke un
h maan, däß dhete mer ſchun! Is net die ganz Welt
ganzich Theater, Un ſin net die Reſchiſſeer in Gemf
it Johrn dabei, aus dem Läwe, däß wo nemmt alles nur
m e Luſtſpiel ſei kennt, unner alle Umſtend e
erſpiel zu mache?! Un ſin mir arme Middeleirobäer
jeniche welche, wo in dem Schliſſeldrama die verzweifelte
ſpiele miſſe, die, genau wie uffm richdiche Therjader,
ſe, wo ſe mit all ihre Hend hie ſolle
owann däß kaa Theater is, dann waaß ich net
hawwe mer unner dene Reſchiſſeer un Spielleider in
et ganz hervorragende Gaukler, Illuſſioniſte, un Verwand=
nſtler
. Zum Beiſpiel den große Ariſte‟ Der dritt in
rls Franzoß, in Gemf als Pan=Eirobäer, un nechſtens wohl
ien als Friedensengel uff, ſo verwandlungfähich is der.

Arz) ich hab des Gefiehl, als weer mer endlich hinner ſei
T kumme, un als dhete die net mehr ſo recht ziehe‟.
s mich wunnern, wann ſen in Berlien net auspeife
Oenfalls: Theater! Theater! im Klaane wie im Große.
Unl: miſſe mitſpiele, ob mer wolle odder net.
ower bei däre Hamläddfrog, die wo do unſer Herr Staats=
bra
ſend uffgeworfe hott, do dreht ſich’s jo aach net um däß
wobollidiſche Theater, ſundern bloß um unſer Landes=
thd
erche, däß wo drotzdem ſo dhut, als dhets mit ſeine Bretter
din rld bedeide.
e Frog mißt em richdiche nooch alſo net haaße: ſolle mir
na berjader ſpiele, ſundern; ſolle mir uns noch was vor=
ſpid
loſſe‟
ann ich ehrlich ſei ſoll, ſo wärd do kaa Menſch e dräffend
Ark rd druff gäwwe kenne. Dann niemand waaß, was den
Wr noch wärd. Däß geht nemlich alles ſein geweiſte Gang;
mn nn aach ſage, ſein mit lauder Nodverordnunge dabbezierte
Fös kimmt uff aans eraus un is gehubbt wie gedubbt.
inn mir miſſe uns klax ſei, daß es heit net mehr ſo is, wie
ſer un daß es bloß geniecht, wann ſich Baddeie finne, die
wad. Middel bewilliche. Ich hab nemlich des Gefiehl, als weern
dird erhältniſſe heit ſtärker, wie die Baddeie; ja als ginge
ſe / chlicherweis iwwer die Baddeie ewäck zur Dagesordnung
imn Was dann?!
rſer Herr Staatsbräſendend hott ſich zwar uff de Herr
Friich von Schiller beruffe. Awwer liewer Gott, wer im
Sos e bische dehaam is, wärd ſich in alle Läwenslage uff=en
bes kenne. Beim Schiller find mer immer e dräffend
Sns elche, ſo ſicher wie in de Biewel. Awwer damit is es net
gesl un was däß mit däre moraliſche A’ſtalt uff ſich hott, däß
hool eit in dem Sinn kaa Geldung mehr, der Begriff baßt net
men zu unſerm Zeitgeiſt; ganz abgeſähe devo, daß der bewußte
Zeß Eſt iwwerhaubt un zugeſtandenermaße dorchaus unbegreiflich
ise was Dichter wie de Schiller mit ihrem Härzblut geſchriwwe
um t ihre Seel gedicht hawwe, däß ſteht heit aſch nieder im
A:b Schund un Schmuß mache heit es Renne. Un wann mer
um Buwe, frogt nooch unſere Klaſſicker und nooch unſere beſte
ur Seßte Dichter, dann ſin ſe um die Antwort net verläje un
ſavl Mick Karter, Scherlock Holmeß, Wallace, ohne daß ſe ſich lang
bei e miſſe. Un nadierlich de Max Schmehling net zu vergeſſe;

Der zeitgemäße Haushalt.

Speiſezettel vom 21. bis 27. September.
(Mitgeteilt vom Hausfrauenbund Darmſtadt.)
tag, den 21. September: Reiscremeſuppe, Kartoffelpuffer
it Apfelkompott. (Rezept vom 14. Mai.)
Drstag, den 22. September: Legierte Suppe E, deutſche
eefſteak mit Blumenkohl, Kartoffeln.
Ewoch, den 23. September: Gemüſeſuppe, Riſotto mit
Dmatentunke.
nerstag, den 24. September: Spargelſuppe , Goulaſch
it Spätzle.
tag, den 25. September: Leberſuppe, geb. Fiſch mit Kar=
offelſalat
, Obſt.
stag, den 26. September: Linſenſuppe mit Frankfurter
Jürſtle, Kompott.
aitag, den 27. September: Grünkernſuppe, Kalbsbraten mit
ommes frites und Sellerieſalat, Zwetſchenkuchen.
2as Scheuertuch hält doppelt ſolange. So oder
wird jede Hausfrau ausrufen, die es wie nachfolgend be=
It. Zunächſt muß es vor Gebrauch mit grober Sack=, Stopf=
und Bindfadenreſten aller Art übereck mit größeren Stichen
Heftet werden, ſo daß alſo die Fäden des Gewebes von rechts
Tinks und links nach rechts, gekreuzt werden. Man nähe
feſte Henkel daran, damit das Tuch gut ausgewaſchen, an
langem Haken unter dem Küchenfenſter, oder in der Nähe
Ofens aufgehängt werden kann. Ein feucht und zuſammen=
ckt
aufbewahrtes Tuch wird nicht nur leicht dumpfig im Ge=
ſondern
fault auch leicht durch und muß durch ein neues er=
Derden. Die langen Haken dafür ſind notwendig, damit auch
uft dahinter zirkulieren und das Tuch raſch austrocknen kann.
E.
Weiße Leinenſchuhe gründlich, zu reinigen.
m Sommer, namentlich aber beim Sport ſo gern getragenen
n Leinenſchuhe, die vor jedesmaligem Gebrauch mit weißem
X oder einer beſtimmten Flüſſigkeit renoviert wurden, be=
Nvor ihrem endgültigen Verwahren einer gründlichen Reini=
um
etwaige Flecke und Schmutzſtellen daran zu entfernen.
Leiſten geſpannt, bearbeite man ſie mit ſcharfer Handbürſte
lauem Perſilwaſſer ſtrichweiſe, um dann mit klarem Waſſer
Sübürſten. Beſitzen die Schuhe farbige Lederbeſätze, ſo hüte
dieſe vor Benäſſung. Sorgfältig getrocknet, bewahre man
Ungeweißt auf den Spannern in geblauten Leinenſäckchen
mit Füßlingen ausgedienter Seidenſtrümpfe geſchützt, in trok=
an
Raume anf.
L,

kaan Außenminiſter, wo vun ſo=eme ſchwere Boxkambf aus Genf
kumme is, hott mer jemols mit ſo eme Juwel embfange . . .
Alſo mit däre moraliſche A’ſtalt ſieht’s ſchei aus, un wann
de Schiller heit ſein Wilhelm Tell, odder die Jungfrau vun
Orleans zu dichte hett, do hett er e Rewie drauß mache miſſe,
mit Danzgirls un ſo. Womit ich net geſagt hawwe will, daß unſer
iwwerſpannte Reſchiſſeer ſchnell die Idee uffgreife, un mache in
ihre gottvolle Unverfrorenheit Wärklichkeid draus. Noch dem, was
mer ſo in de letzte Johrn all uff dem Gebiet erlebt hott, weer däß
net ausgeſchloſſe,
Wie geſagt, die ſcheene Worde, wo de Herr Adelung, uffm
Schiller ſei Areechung hie, zum Beſte gäwwe hott in aller hoch=
achdungsvoll
un ergäwenſte Ehrn, awwer, ſie baſſe net mehr in
unſer heidich Zeit, die muß mit=ere annere Ell gemäſſe wärrn.
Un dann mecht ich doch ſage, daß diejeniche welche, wo ſich en
regelmeßiche Beſuch vun unſerm ſogenannte Landestherjader noch
leiſte kenne, un die ſchließlich aach verſteh, was ſe da ſähe un
heern, in de Zahl immer, immer wenicher wärrn; alſo die große
Allgemeinheit, odder gar des Heſſeland kimmt kaum noch in den
Genuß vun ſo=eme Awend, der wo den Menſch aus dem ſchale
Alldag eraus, un aus kleinlicher Lebensnot rette ſoll; heit,
wo die meiſte Zeitgenoſſe, alſo mir all, bitter genug zu ringe un
zu bange hawwe, um des Allernodwendichſte zu rette, do wärd
nadurgemeß de Theaterbeſuch am allererſte eigeſchrenkt. Un wäje
dene paar, die ſich’s noch leiſte kenne, odder aach wäche de Frei=
blätzler
, wärd kaa vernimfdicher Menſch den Zuſchuß verant=
worde
kenne, ganz abgeſähe devo, daß heit noch kaa Menſch waaß,
wo er herkumme ſoll, der Zuſchuß. Die Schwowe wärrn uns ſo
geſchwind net widder 2 Million bumbe.
Nu hott jo aach die Woch de Herr Scheneralindendand a gäblich
ſei Brogamm endwiggelt. Ganz abgeſähe devo, daß ich vun
däre ganze Brogrammendwiggelerei kaa großer Freund bin ich
bin nemlich ſchun zu oft ei gange in däre Beziehung, un ich halt
mich ausſchließlich jetzt an däß, was aaner leiſt alſo kaa großer
Freund bin, ſo mecht ich aach in dem Fall ſage: Was ſind Hoff=
nungen
, was ſind Endwirfe, die der Menſch, der vergängliche
baut, was näwebei bemerkt aach e Wort vum Schiller is, un
ausnahmsweis e ſehr zeitgemäßes..
Ich denk, des ganze Brogamm wärd vorlaifich un im All=
meine
druff enauslaafe, alles dra zu ſetze, um den Bedrieb, wann
aach unner de alleraißerſte Eiſchrenkunge uffrecht zu erhalte. Un
däß is dorchaus mechlich. Beiſpielsmeßich: for die Zukunft heern
alle Ausſtattungsboſſe uff; die Kuliſſeſchiewer ſolle ſich mit dem
behelfe was do is diddo däßgleichen die Gaddrobbje. Mir hawwe
ſo en große Funduß am Therjader, daß mer for Neiinszennierunge
kaan rote Fennich auszugäwwe brauche. Schließlich, wer hott dann
iwwerhaubt Indräſſe an ſo Neiinszennierunge? Außer dene zwaa
Aanzelne, die ſich unner alle Umſtend en Name mache wolle, kaa
Menſch. Mer ſoll ſich doch endlich emol klar ſei, daß der Kern die
Haubtſach is, un net die Schal. Wann mer ſich alſo ſchun uff
dem Schiller ſei moraliſche A’ſtalt beruffe dhut, dann ſoll mer aach
dro denke, daß zu Schillers Zeite am Therjader nor der Dichter
un Darſteller was gegolte hott, un daß net der Reſchiſſeer die
Haubtperſon war, wie’s leider heit is; ganz abgeſähe vun dem
ſogenannte Biehnebildner. (Gott wann ich däß Wort heer,
wärd mer’s ſchun ſchlecht!) Bei de wohre un ächte Kunſt brauchts
die Aißerlichkeide net. Un wann die Herrn nooch de Vor=
ſtellung
ſich ſälwer Beifall klatſche, un ſchun beim leiſeſte
Abblaus wie e Wiſſel aus de Kuliſſe ſtärze, um den ganze Beifall
for ſich eizuheimſe, dann zeicht däß bloß ihrn ganze Greeßewahn,
an dem ſe leide.
Däßhalb ſag ich: Däß Experimendiern un Neiinszenniern heert
jetzt emol uff. In ere Zeit, wo ſich iwwerall eigeſchrenkt muß
wärrn, ſollte ſe ſich aach am Therjader ei’ſchrenke, un ſolle net
glaawe, ſie kennte, wie ſeither nor ſo aus em Volle ſchebbe.
Wem’s net baßt: Ab durch die Mitte!
Zweidens: mer redd ſo viel vun de Obferfreidichkeid,
die mer unſerm alde Kulldurgut gäjeiwwer ſchuldich weern.
Wie ſtehts awwer mit de Obferfreidichkeid vum Soloperſonal?
Brauche die kaa Obfer zu bringe? Sin bei=eme verarmte Volk
noch ſo Fandaſie=Gaaſche zu rechtferdiche, wie ſe aach zum Daal
hier bezahlt wärrn? Alſo, bitte, wann mer die Obferfreidich=
keid
vun uns arme Steierzahler verlangt, dann ſoll mer uns emol
im Obfern mit gudem Beiſpiel vorangeh. Gewiß, die Herr=
ſchafte
wärrn ſich, wie Scheilock, uff ihrn Schei beruffe, uff ihrn
Verdrag. Awwer ſelbſt der Young=Verdrag hott kaan Wert
mehr, wann mer bankrott ſin.
Drittens; lohnt ſich’s noch, in zwaa Haiſer zu ſpiele, wann
mer aans kaum noch einichermaße vollkrickt? Lohnt ſich’s
noch Gaſtſpiele zu gäwwe, wann mer Geld druff leege muß?

Die Birne in der Küche. Die Hausfrau ſollte keine
Obſternte vorübergehen laſſen, ohne die jeweils herangereifte Art
auch für ihre Küche auszunutzen. Jetzt ſind auch die Birnen zu
Preiſen zu haben, die es geſtatten, größere Mengen davon zu
verbrauchen. Allerdings verlangen Birnen, daß ſie beim Kochen
ſorgſam abgewürzt werden, wozu ſich Zitronenſchale, ſowie Zimt
ſehr gut eignen, von denen man jedoch nur wenig und am beſten
in einer ſogenannten Gewürzkugel ſolange im Topfe einhängt,
bis die Kochbrühe genügend davon angenommen hat, worauf es
ſofort wieder herausgenommen wird. Vorſichtiges Süßen, wozu
man zur Hälfte auch Süßſtofflöſung mit verwenden ſollte, iſt für
den guten Geſchmack der Birnen ebenfalls ſehr wichtig.
Was kann man nun aus Birnen alles bereiten? 1. Eine deli=
kate
Suppe, mit oder ohne Einlage von Semmelbröckchen, Zwie=
back
oder Kekſen, ferner einen köſtlichen Nachtiſch, mit Vanille=
ſchaum
, zu dem ſie ganzfrüchtig geſchält, vom Kernhaus befreit
und mit Roſinen gefüllt, mit ganz wenig Waſſer weichgeſchmort
werden. Eine ſättigende Mittag= oder Abendmahlzeit ergeben
Birnen=Klöße, von gekochten Kartoffeln bereitet, in deren
Mitte je eine kleine Birne gedrückt wird, wozu geſchmorte Birnen
mit gekochtem Schwarz=, Schweinefleiſch oder Schmorwurſt gut
ſchmeckt. Auch Birnen=Kartoffeln mit oder ohne Fleiſch=
beilage
, ſauerſüß abgeſchmeckt, ſind eine weitere ſättigende Mahl=
zeit
. Birnen=Kompott für den Schnellverbrauch und ein=
gemacht
in Gläſern als Wintervorrat, finden ebenſo begeiſterte
Anhänger.
V... a.
Selleriekraut eine vorzüglicheSuppenwürze.
Beim Einkauf von Sellerie ſollte man das an den Knollen be=
findliche
Kraut waſchen, dann feingewiegt mit Salz vermiſcht, in
kleine Gläſer drücken, die man, oben mit Salzſchicht abſchließend,
verkorkt oder mit Papier verbindet. Man gewinnt auf dieſe Weiſe
eine vorzügliche, kräftige Würze für allerlei Suppen. Oder aber
man dörrt es in der warmen Ofenröhre raſcheldürr, um es dann
fein zerrieben, in Gläschen aufzuheben.
Pikanter Fiſchauflauf. 1½Pfund Seefiſch, geſchuppt
und vorbereitet in Salzwaſſer garziehen gelaſſen, wird aus Haut
und Gräten gelöſt. Dann ſchütte man abwechſelnd in eine vorbe=
reitete
Auflaufform zunächſt kleinwürflig geſchnittene, in Fett
hellgelb geröſtete Semmel, darauf eine Lage Fiſch mit einer Mi=
ſchung
von wenig Salz, Paprika, geriebenem Kräuterkäſe und
feingewiegter Zwiebel beſtreut, weiter eine Lage geriebene Kar=
toffeln
, am Tage zuvor abgekocht, und ſo fort bis zum Rande. Ge=
riebene
, in Fett geröſtete Semmel, mit Kräuterkäſe beſtreut und
mit Butterflöckchen belegt, ſchließt oben ab. Dann übergieße man
das Ganze mit 2 verquirlten Eiern und backe den Auflauf ½ bis
3 Stunde bei guter Oberhitze. In der Form aufgetragen, reiche
man irgendeinen Salat dazu,

Alſo ich will de Deiwel net an die Wand mole, awwer die
hoche Herrſchafte vun de Kunſt ſind valleicht wärklich net ganz im
Bild, un wiſſe ſcheinbar immer noch net, was geſpielt wärd
Jedenfalls is die Frog: Kenne mer noch Therjader ſpiele viel
nohliejender als die Frog: Solle mer noch Therjader ſpiele‟.
Vielleicht ſin mer eines ſchlimmes Dags froh, wann uns des
Drumm=Quadädd noch was vorſpielt.

Wie geſagt: wann mer alſo noch Therjader ſpiele wolle, ſo
wärd däß in de Haubtſach vum Therjader un vum Therjader=
perſonal
ſälbſt abhenke. Do ennern alle ſcheene Schillerworte
nix dro; ganz abgeſähe davo, daß eme leere Bauch aach net gut
brediche is, un daß mer vun de ſchennſte Klaſſickerworte net ſatt
wärd!
Alſo die Frog: Solle mer noch Therjader ſpiele? gilt
in erſter Linnje dem Therjader ſälbſt, dann ſpiele haaßt jo
for ſie, mehr noch als uns; läwe!!
So, däß weers widder mol for heit!
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: Ich bild mer zwar net ei, daß unſer
Reichs= un unſer Landesreſchierung uff mein letzte Sunndagsnooch=
middagsſchmuß
hie nu aach ihrerſeiz die Inniziadiefe ergriffe
hawwe, un ſin wäje dem vor uns liejende ſchwere Winder mit=eme
Uffruff an die Obferfreidichkeid un Bammhärzichkeid in die
Oeffendlichkeid geflicht. No, aanerlaa, ob die Reichs= un Län=
derminiſter
erſt dorch mich uff die Nod üffmerkſam gemacht worrn
ſin, odder ob ſe ſällwert ſchun was devo gemärkt un geſpiert
hawwe jedenfalls wolle mer hoffe un winſche, daß ſich in
unſere hadde, un leider aach haddhärziche Zeid genuch milde Hend
finne, die dhun was ſe kenne, ohne gleich denooch zu froge, ob die
annern aach was dhu. Sundern mer ſoll nie vergäſſe, daß es noch
immer richdich is un gilt: Wer gut is, dem geht’s aach gut!
Wer dohärngäje vor de Nod ſei Härz verſchließt, der wärd
valleicht in=ere ſchwere Stund ſich umſunſt nooch eme Droſt um=
gucke
..."
So aaner vun dene vorbildlich gude Menſche war z. B. aach
unſer liewer, verehrter Karl Noack, unſer verſtorwener Stadt=
biwweljodekar
un Heimatforſcher. Alles for die Annern war
ſei Wahlſpruch, un ſei Karolinche, die gud Seel, hott=en dobei ge=
dreilich
unnerſtitzt. Er war e Orſchinahl in ſeine Art, awwer im
beſte Sinn des Wortes. Er war annerſt wie die annern, awwer
alles in allem e prächdicher Menſch, un gejeniwwer dene
klaane Gernegroße vun heit, vun grodezu riehrender Beſcheiden=
heit
. Er war vun=eme gradezu unhaamliche Schaffenseifer beſäſſe,
un ſei fleißich Fädder hott nie geruht. Un for allem, er war
grindlich! So is es aach kumme, daß ſei Geſchichtevun
Beſſunge erſt jetzt, zwaa Johr nooch ſeim Dod, des Licht der
Wäld erblickt hott. Sei Freund Karl Eſſelborn hott die letzt Hand
dro gelegt. Mit dem Buch hott ſich unſer guder Karl Noack
ſälbſt e Denkmol geſetzt, un alle Heimatfreunde vun Beſſunge un
Darmſtadt wärrn=em noochdräglich noch defor dankbar ſei. Dann
aach vun ſeim gemüdvolle Inhalt kann mer ſage: Wer in de
Gäjenwadd for die Zukunft wirke will, muß die Vergangenheit
kenne.
Alſo wer ſich ſo manchen lange Winderowend verdreiwe,
a genehm un wertvoll verdreiwe will, die Geſchichte vun Beſſunge‟
verhilft em dezu. Un koſt bloß 1,20 M.

So ähnlich.
Donnerwetter, haſt Du einen feinen Mantel! Auf
Seide?

Nee, auf Credit!

Abgewinkt. Heinrich Laube erzählt in ſeinen Lebenserinne=
rungen
von einer bekannten Schauſpielerin, die ſich mehr durch ihr
liebenswürdiges Temperament als durch große Bildung aus=. Nach den Verfaſſern der Stücke, in denen ſie auftrat,
fragte ſie wenig, wenn ſie ihr nur gute Rollen lieferten. Bei
einem Gaſtſpiel in Weimar war ſie in der Laune des Ver=
liebten
aufgetreten und wurde nachher Goethe vorgeſtellt. Die
alte Exzellenz war zu der reizenden jungen Dame recht liebens=
würdig
, ſagte ihr einige Artigkeiten über das Spiel und wollte
mit ihr ſich näher über das Stück unterhalten. Da aber unterbrach
ihn die Naive und ſagte, da ſie keine Ahnung hatte, daß ſie mit
dem Verfaſſer des Dramas ſprach, mit freundlicher Ueberlegen=
heit
: Ach, reden wir nicht von dem Schmarren!
Ein ſchlauer Ehemann. Der Freund beſuchte die Jungverhei=
rateten
in ihrem Heim Alles war reizend, aber plötzlich fragte
der Gaſt,: Sag mal Fritz, warum haſt du dir denn eine Woh=
nung
ausgeſucht mit einer ſo winzigen Küche?" Dir will ich
es verraten, wenn du reinen Mund hältſt, flüſterte der andere.
Sie iſt ſo klein, damit ich nicht auch noch hineingehe, wenn ich
meiner Frau beim Aufwaſchen belfen müßte.

[ ][  ][ ]

Die neue Roſtummode unter dem Vergrößerung.
Sgla

Das Koſtüm galt ja ſeit jeher als Garderobeſtück,
das der eleganten Frau ans Herz gewachſen war,
denn ſie wußte ganz genau, daß ſie damit immer
vorteilhaft wirken könne und damit jederzeit richtig
beraten ſei.
Dennoch blieb das Koſtüm einige Jahre hindurch
aus der Mode verbannt, um dann allerdings um ſo
größere Verbreitung zu gewinnen.
Nun iſt es ſeit einigen Saiſons wieder zum
Mittelpunkt des modiſchen Intereſſes geworden und
ſozuſagen ein unerläßlicher Teil der Garderobe!
Es kann wohl ſein, daß für den großen Erfolg
der Koſtüme nicht zuletzt auch die Tatſache entſchei=
dend
geweſen ſein mag, daß ſie ſo außerordentlich
jugendlich kleiden und ihre Trägerin ungemein
graziös und flott erſcheinen laſſen, da ihnen offen=
bar
jene Schwere fehlt, die dem Mantel immer an=
haftet
auch wenn er noch ſo originell gearbeitet
wäre!
Kein Wunder alſo, daß man die neuen Koſtüme
in zahlloſen Varianten zu ſehen bekommt, von der
einfach=ſachlichen ſportlichen Note bis zum kompli=
zierten
nachmittäglichen Modell.
Bei den verſchiedenen zur Verwendung gelan=
genden
Materialien liegen die Unterſchiede nicht
nur in der Struktur und in der Deſſinierung, ſon=
dern
auch in der Farbe, der heuer größte Bedeu=
tung
zukommt, da die neue Mode mit Fug und
Recht als Saiſon der Farbenfreude bezeichnet
werden darf, weil man ſich endlich entſchloſſen hat,
von den nachgerade monoton gewordenen Standard=
Schattierungen abzuweichen und beſtimmte, aparte
Farbtöne beſonders hervorzuheben.
Ein Faktor, der abſolut nicht überſehen werden
darf, ſind auch die intereſſanten Fellgarnierungen,
die in der Art des Pelzwerks, im Schnitt der Ver=
brämungen
und in deren Anbringung vielerlei
neue Anregungen zu geben vermögen.
Während für Schwarz, das ja natürlich auch
heuer nicht vollkommen ausgeſchaltet iſt (wenn ſeine
Bedeutung auch eine weſentliche Einbuße erlitten
hat), immer nur ſchwarzes Pelzwerk in Frage kommt,
ſucht man für alle anderen Schattierungen gerne
ſchicke Kontraſt=Effekte: ſo zum Beiſpiel verbrämt
man grüne Koſtüme mit Braun oder Grau, lila Stoffe mit Weiß,
Grau oder Beige, braunes Material natürlich vor allen Dingen
mit Braun oder Beige.
Als beliebteſtes Pelzwerk gilt heuer Perſianer, was angeſichts
des teueren Preiſes dieſes Felles im erſten Augenblick verwunder=
lich
erſcheint, ja ſogar befremdet. Doch ſcheint es, daß man wie
früher einmal zur Zeit unſerer Mütter wieder praktiſcher den=
ken
gelernt hat und ſich ſagt, daß man eine größere Ausgabe nicht
ſcheut, wenn es ſich darum handelt, einen dauernden Wert zu er=
werben
. Und daß Perſianerfelle geradezu unverwüſtlich ſind und
immer wieder umgearbeitet und ergänzt werden können, ohne an
Wirkung und Schönheit die geringſte Einbuße zu erleiden, iſt
bekannt.
Die neuen Hüte
ſind ganz kapriziöſe Dingerchen, die nicht nur Eigen=
art
und Stil haben, ſondern auch jenes gewiſſe
Etwas zu bieten vermögen, deſſen faſzinierendem
Reiz man nicht widerſtehen kann.
Noch vor kurzer Zeit wären all dieſe Schaffun=
gen
, dieſe Jägerhüte, dieſe Poſtillons, dieſe Pompa=
dour
=Formen als Ausgeburt einer überhitzten
Phantaſie bezeichnet und ſicherlich abgelehnt wor=
den
, ſo daß der unſtreitige Erfolg ein um ſo ver=
blüffenderer
iſt!
Es iſt eben das Ueberraſchende diesmal dadurch
gelungen, daß einige prominente Salons es trotz der
wirtſchaftlich ſo ſchwierigen Zeit wagten, auf dieſem
Gebiete den langerſehnten vollkommenen Wandel zu
ſchaffen und ihre Abſicht auch durchzuſetzen verſtan=
den
, was ſicherlich auch für die intereſſante Note der
neuen Moderichtung ſpricht.
Die Urſache dieſes großen Erfolges mag auch
darin liegen, daß jede Frau ſich gerade im Laufe
der letzten Jahre deſſen bewußt wurde, daß ein be=
ſonders
intereſſanter Hut ihrer ganzen Erſcheinung
eine veränderte Note zu geben vermöge, ja daß die
richtige Kopfbedeckung unter Umſtänden ſogar das
ausſchlaggebende Attribut darſtellen könne. Darum
iſt man auf dieſem Gebiete auch für jede Neuerung
viel leichter zugänglich, um ſo mehr als ja ein Hut
im allgemeinen keine allzu große Ausgabe darſtellt,
ſo daß es möglich iſt, ſich ohne bedeutende materielle
Opfer immer wieder umzuſtellen.
Allenfalls ſteht es feſt, daß die neuen Hutformen
nicht nur dekorativ und originell, ſondern auch un=
gemein
kleidſam ſind, denn all dieſe Typen, die die
eine Geſichtshälfte vollkommen frei laſſen, auf der
anderen Seite aber beſonders tief gerückt ſind, haben
etwas Weiches. Zartes, Frauliches, ſo daß man faſt
ſagen könnte, daß ſie eine neue Aera der modiſchen
Koketterie einzuleiten ſcheinen, die vielleicht ſogar
in unſerer Zeit der abſoluten Sachlichkeit, der Nüch=
ternheit
, der Zeit des Materialismus kein übler
Gedanke wäre.
Schon die nächſte Zukunft müßte uns lehren, ob
dieſe Hutmode eine bleibende Erſcheinung darſtellen
ſoll, oder ob es ſich hier um einen Eintags=Stil handelt, der
allerdings auch dann an keiner Frau ſpurlos vorübergehen kann,
da die Veränderung auf dieſem Gebiete eine zu markante, zu ein=
ſchneidende
iſt, als daß jemand, der auf modiſche Feinheiten Wert
legt dieſe Umwälzung vollkommen außer acht laſſen dürfte!
Die neuen Hüte beherrſchen aber nicht nur die nachmittägliche
und die abendliche Mode, ſondern werden auch in der Trotteur=
aufmachung
immer wieder gezeigt, ſo daß man leicht zu beurteilen

Neben Perſianer verwendet man gerne auch gepreßtes Lamm=
fell
, das mitunter dem Breitſchwanz an Wirkung ſehr nahekommt.
Außerdem gibt es auch vielerlei Fohlenverbrämungen in
Schwarz, Beige und Braun, ſowie mancherlei Pelzgarnierungen aus
halbhohem Fell, wie Nutria und Seal (oder deren Imitationen).
Hier zieht man vielfach auch vorhandene alte, an ſich ſchon un=
verwendbar
gewordene Pelzſtücke heran, die ſich für Verbrämun=
gen
immer noch gut eignen und tadellos wirken.
Das Koſtüm in ſeinen zahlreichen Möglichkeiten vom einfachen
Trotteur bis zum eleganten nachmittäglichen Modell, das jetzt
auch zum 5=Uhr=Tee und für Beſuche gebräuchlich geworden iſt,
haben wir in unſerer Skizze feſtgehalten.

Wer wird ſich mit einem ſchicken Strapa
aus flaſchengrünem Stoff mit Nutrig= ode
licher Verbrämung nicht einverſtanden er!
Es verrät jenen bezwingenden Schick, den n
rade bei dieſen Stücken immer ſchätzt, und
mit ſeinem umgeſchlagenen Kragen, ſeinen
Fellrevers und der Pelzpartie des unteren
(die leicht abſtehende Taſchen entſtehen läßt,
beliebte Modeneuheit aufzufaſſen ſind) als
praktiſches Garderobeſtück zu werten, für de
vielerlei Verwendungsmöglichkeiten findet. (
Entzückend ſind auch die vielen tailli
Jackenkleider, die den Schößel=Schnitt in de
dergrund rücken. (Bild 2)
Dieſe Koſtüme arbeitet man gerne aus
da ihr Phantaſiereichtum ein derartiges M
bedingt; zu braunem Samt iſt brauner P
oder gepreßtes Lammfell in der gleichen
ſehr elegant, aber auch beigefarbenes P
ſichert fein differenzierte Farben. Ein gelt
Gedanke ſind die neuen Kragenformen, d
Schalkragen mit der Reversfaſſon verſchmelze
zückend wirken die kleinen, anmutigen, au
Materiale des Koſtüms verfertigten Muffs.
Pelzrüſchen gerandet und mit einem klein=
dem
Materiale des Muffs hergeſtellten Blut
verſehen ſind. Die flotten, kurzen Pelzjacken5
man weiß, ganz große Mode geworden, und hal
Teile die langen Fellmäntel zu verdränge
mocht, was einerſeits als neueſtes. Modegeb
dererſeits auch als kluge Erſparungsmaßna
werten iſt. Faſt immer trachtet man, das
chen und den dazugehörigen Rock in der Fe
differenzieren, was derart zu verſtehen iſt, d
etwa zu einem dunkelgrauen oder ſchwarze
ein hellgraues Fell=Veſton (wie die neue
bezeichnung dafür lautet) wählt, während
wieder vielfach vorkommt, daß etwa zu
dunkelbraunen Pelzjäckchen ein Rock in h.
Braun zu ſehen iſt. Dieſe neue Modeide b
wir in unſerem vorletzten Bilde zur Gelun
zeigen gleichzeitig, daß man verſucht, vom ge
raden Koſtümrock abzukommen und leicht g!
Wirkungen den Vorzug zu geben. Sehr vone
zeitlos ſind die Koſtüme mit halblangen Jacken, die vo
Dingen für ſtärkere Figuren in Frage kommen, die es ſi
leiſten dürfen, ihre Geſtalt durch eine kurze Umhülle alzt
betonen, ſondern wünſchen, gerade durch eine verlängert
ſchlanker zu erſcheinen. Bei dieſen Modellen ſehen cape=artige
die die Geſtalt zwar oben etwas verbreitern, die Hüften c/5
ſo ſchlanker erſcheinen laſſen, ſehr vorteilhaft aus. Auch hie 7
Kragen und der untere Beſatz aus Fell (evtl. auch aus der
ſehr modernen Breitſchwanz=Plüſch) gedacht, wie auch 4,
kommen mit Fell (oder Plüſch) beſetzten Aermel, die unter
Flügel zu ſehen ſind, als letzte Mode angeſprochen werden
(Bild 4). Zu all' dieſen Koſtümen trägt man den kleinen
lon=Hut, der ſich dem Modebild höchſt maleriſch einfügt.

Wichtig iſt bei allen Hüten der komment
ſon die Garnierung, da ja auch auf
Gebiete eine gewaltige Umſtellung erfolg:
einem Male nämlich ſcheinen alle Aufputz
keiten in den Mittelpunkt des Intereſſes ge
Hauptſache iſt und bleibt zwar zum m
für die nächſte Zukunft die Feder; h
ſtehen denn auch Tag für Tag aparte Ne
die ſich in ihrem Phantaſiereichtum kaum ge
können.
Einfache Kiele wechſeln mit bunten C
die aus zahlloſen Federchen zuſammengeſetzt
und hauptſächlich für Trotteurhüte geb.
ſind, ab, und ſchon zeigen ſich die erſten 2
der aus Federn zuſammengeſetzten Flüg
aber vorderhand noch in kleinen Dimenſio
arbeitet werden, alſo nur entfernt an jene
ſchen Federneffekte erinnern, die zu Begin
Jahrhunderts modern waren und als B
Gebäude die Hüte unſerer Mütter ſchnü
Auch Blüten ſind trotz der vorrückenden
zeit keineswegs unaktuell geworden, doch ha
ſich meiſt um ſtiliſierte Formen, die in
herrſchenden Modefarben gehalten ſind 1
Filz. Fell, Leder u. dgl. m. hergeſtellt werd
Sofern ein Hut nicht wie wir frühe,
teten ganz aus Fell hergeſtellt iſt, liebt
ihn mit ein wenig Pelzwerk in Form eine.
Maſche, einer Blende oder dergleichen zu ge
Die abendliche Mode hat ſich bekanntlichder
feder verſchrieben, die in allen erdenklichen
ten zu ſehen iſt und der Trägerin zweifel

vermag, wie reizvoll, jugendlich und geſchmackvoll die neuen For=
men
ſind, gleichviel, ob ſie nun aus Filz,aus Velours, aus Samt
oder gar aus Fell hergeſtellt werden, (.., wie man nämlich in
eingeweihten Kreiſen weiß, haben die großen Salons nun auch
Fell=Hütchen in Ausſicht genommen, die entweder mit der Ver=
brämung
des betreffenden Garderobeſtückes oder aber mit dem
ganzen Fellmantel gelegentlich auch mit dem modernen, kleinen
Spencer=Pelzäckchen harmonieren ſollen.

ungemein maleriſche Wirkung zu geben
ein modiſches Profil, von einer Schönheit,
ſchon lange nicht zu ſehen bekam.
Als markante Vertreter der kommend
mode zeigen wir einige ſchöne Modelle in.
Bilde; Links oben: das Jägerhütchen 4
zum Trotteurkleide, zum Koſtüm der dun
trägt, es ſtimmt in der Farbe natürlich m
des betreffenden Garderobeſtückes überein=
mit
einer abſtechend=ſchattierten Kielſeder.
Daneben bemerkt man die Poſtillon=d
Breitſchwanz oder gepreßtem Lammfell (e*
aus dünnem Fohlenpelz), wobei der Hut
ſchon früher erwähnt wurde mit der Verbränung. d
einzuſtimmen hat.
Die Skize in der linken unteren Ecke macht mit dei
nachmittäglichen, mit einer zarten Pelzmaſche garere.
hut vertraut.
Rechts unten aber haben wir den aparten Samet.
Abend mit der intereſſant=geſteckten Straußfeder.
W. 2
die heuer eine große Rolle zu ſpielen berufen iſt.

[ ][  ][ ]

gimer 261

Sonntag, den 20. September 1931

Seite 19

Tollellalenstsaoftliktorsvensen
Copyright Berlin=Schöneberg 1931 by Delta=Verlag Kurt Ehrlich.

Maeſtro häufte eine anſehnliche Portion Kompott auf
ſeines =eller: Das ſagen Sie ſo. Wenn ich Ihnen aber er=
zähl
ich ſeit vierzehn Tagen ..."
hoff unterbrach ihn: Ich meine, wenn’s weiter nichts
iſt nn können Sie unter gewiſſen Vorausſetzungen bei mir
woh= Bekommen ſogar für ſich ein Zimmer. Dazu ſreie
Pen= Und Garderobe.
dwas ſoll ich dann für Sie tun? Denn geſchenkt gibt
es y3 auf dieſer Welt.
tun brauchen Sie für mich nichts Beſonderes.
nn war’s auch nur ein Scherz von Ihnen. Aber ein
ſchle
ineswegs. Sie könnten mir höchſtens behilflich ſein..."
alſo. Und wobei?
i der Aufdeckung eines Mordes.
as heißt das?"
nes Mordes, deſſen man mich angeklagt hat, und den ich
nichs gangen habe. Ich glaube, daß Sie für eine ſolche Auf=
gab
nz gute Fähigkeiten mitbringen. Wenn Sie einverſtan=
der
dann können wir jetzt gleich nach Hauſe fahren. Dann
we Sie auch Gelegenheit finden, ſich perſönlich davon zu
übes gen, daß Eliſabeth lebt. Sie befindet ſich wohl. Und
rweiſe wird ſie ſich freuen, Sie wiederzuſehen.
XII.
Magier aller Künſte erwachte durch das leichte Ge=
räu
= iner behutſam geöffneten Türe: im Halbdunkel erſpähte
Umriſſe eines männlichen Weſens, das ſich dem Bett
näh /. An der Kleidung war die Geſtalt zweifellos als Diener
erfes tr.
der Maeſtro ſich fähig erwies, weitere Ueberlegungen an=
zuſt
=3, ſagte das Weſen in devotem Ton: Wünſchen der Herr
das ihſtück hierhergebracht, oder wollen Sie ſich herunter=
bem
i. Herr Eickhoff iſt ſchon auf.
) werde herunterkommen, entſchied der Gaſt, etwas be=
nonm
! von dieſem Empfang.
s Bad iſt bereit. Kleider und Wäſche auch. Wenn es dem
He echt iſt, führe ich ihn gleich hin.
gut wir können gehen! Der Maeſtro war mit allem
einz anden und auf alles gefaßt. Wenn in dieſer Minute ein

Elf=figen aufgetaucht wäre und ihn umſchwebt hätte, er wäre
nich ſtaunt geweſen. Die Dinge, die er jetzt wachen Auges er=

Roman von
Nachdruck verboten.
lebte, genügten vollſtändig, um ihm die Wirklichkeit märchen=
verklärt
erſcheinen zu laſſen.
Ein Diener geleitete ihn durch lautlofe, teppichbelegte Gänge
Eine weiße Türe. Ein weißgekachelter Raum. Blitzende Hähne.
Ein in den Boden vertieftes Becken, Duſchen, gymnaſtiſche Appa=
rate
, eine Batterie von Kriſtallflakons mit Eſſenzen. Der Diener
zog ſich zurück: Wenn der Herr fertig ſind, bitte zu klingeln.
Der Maeſtro ſtieg vorſichtig die Stufen zum Baſſin hinab.
Während das Waſſer ſeinen Körper umfing, dachte er au den
Beſitzer all dieſer Herrlichkeiten. Er ſuchte die Frage zu klären,
nach welchen geheimnisvollen Geſetzen die Loſe der Menſchen
verteilt waren. Er, der Sohn dunkelſten Ghettos, zwiſchen
Frömmigkeit und Diebſtahl aufgewachſen, glaubte nicht an Gott;
aber er war in ſeinem Atheismus nicht ganz ſicher und
ſchwankte, ob die Geſchicke nicht doch nach dem Walten einer
unerforſchlichen höheren Macht gelenkt wurden jener Macht
etwa, die ihn hierhergebracht hatte oder ob alles regellos=
ungerecht
war, was ihm wieder einleuchtend erſchien, wenn er
dieſe Umgebung mit der Armſeligkeit verglich, die ſich zeit ſeines
Lebens unentrinnbar an ihn geheftet hatte.
Unterdeſſen warteten Eickhoff und Eliſabeth bereits im =
zimmer
. Er hatte ſie vom Einzug des neuen Ankömmlings
unterrichtet und es klang wie eine verkappte Entſchuldigung
er knüpfte die Hoffnung daran, daß dieſer ihm vielleicht von
Nutzen werden könne. Eliſabeth war von der Anweſenheit ihres
Vater wenig erbaut.
Aber Sie haben doch von ihm jetzt nichts mehr zu be=
fürchten
, warf er als Argument hin. Sie gab das ohne wei=
teres
zu, dennoch zeigte ſie ſich enttäuſcht und niedergeſchlagen.
Als er in ſie drang, die Gründe dafür anzugeben, erklärte ſie
nur kurz: Es wäre mir lieber geweſen, mit Ihnen allein hier
zu bleiben.
Er verſtand, worauf ſie hinauswollte, und ihn beſchlich das
Unbehagen eines nicht ganz reinen Gewiſſens. Aber dann fragte
er ſich, ob der Umſtand, daß ein Mann ein Mädchen, eigentlich
zufällig, vor Selbſtmord und Feuersgefahr gerettet hatte, dieſem
Mädchen das Anrecht gewährte zu glauben, er gehöre nun ihr.
Ich liebe ſie nicht, überlegte er, ich kann nur nicht leugnen,
ſie mir gefällt. Aber es ſoll nicht wieder werden, wie es früher
einmal geweſen iſt: dieſe Zwiſchenſpiele, die wie ein Rauſch
ſind, den man am andern Morgen ausgeſchlafen hat. Sie iſt
auch zu ſchade dazu. Ich habe auch Mitleid mit ihr, ſie hat

ſchon genug erleiden müſſen. Nein, ich will nicht!
Ehe er zu einem Schluß kam, trat der Maeſtro ein, ſtrahlend
in Sauberkeit, friſch raſiert und in Kleidern, die ihm aller=
dings
etwas zu weit waren. Er rüſtete zu einer großen Szene.
Er umarmte ſeine Tochter und rief: Ach, daß du nur lebſt!
Ahnſt du denn, wie mich das getroffen hat und nun die
Freude.
Sie entwand ſich ihm mürriſch: Na, tu nicht ſo! Du wärſt
froh geweſen, mich los zu ſein. Er wollte proteſtieren, aber
Eickhoff unterbrach ihn mit der Eröffnung, daß ſie hernach zu=
ſammen
zur Bank gehen wollten.
Zur Bank echote der Maeſtro andächtig und verſank in
Träumereien. Welche wunderbaren Gepflogenheiten herrſchten
hier! Wenn man Geld benötigte, hob man einfach von ſeinem
Konto ab. Und vor ſeinen Augen erſtanden Säcke voll Geld,
ſo viel, daß einer allein ſie nicht tragen konnte. Die Stimme
Eickhoffs ſtörte ſeine Betrachtungen: In dieſer Angelegenheit
wäre mir Ihre Unterſtützung erwünſcht.
Selbſtverſtändlich . . . Er wollte faſt hinzufügen: Ich
nehme jede Laſt auf mich.
Doch der andere fuhr fort: Sie müſſen nämlich wiſſen, daß
es für mich unter Umſtänden etwas gewagt ſein kann, ſelbſt
den Scheck vorzulegen.
Warum? Iſt dieſer Scheck vielleicht ..
Nein, der iſt ganz in Ordnung. Er trägt meine Unter=
ſchrift
, und auch, was die Deckung anbetrifft, iſt keine Sorge.
Aber es könnte möglicherweiſe auffallen, daß ich frei umher=
laufe
. Wenn man mich nämlich zufällig erkennt.
Im Hirn des Maeſtro begann es ſich langſam zu erhellen:
Sie ſollten demnach
Ich bin lebenslänglich verurteilt. Man ſucht mich.
Jetzt verſtehe ich. Sie wohnen alſo hier.
Unter Ausſchluß der Oeffentlichkeit. Ich habe ſeinerzeit
mein Haus hier verſchließen laſſen. Hier vermutet mich nie=
mand
. Deshalb gewiſſe Vorkehrungen, die Ihnen wohl ſchon
aufgefallen ſind. Sie ſehen, ich ſpreche ganz offen mit Ihnen:
ich ſchenke Ihnen volles Vertrauen. Wenn Sie jetzt hingehen
und mich anzeigen, nimmt man mich feſt. Aber Sie gehen ver=
ſchiedener
Vorteile verluſtig.
Ich werde mich hüten, da müßte ich ſchön dumm ſein.
Das dachte ich eben auch. Und was den Scheck anbetrifft,
ſo können Sie ihn ziemlich gefahrlos präſentieren. Es ſind
fünfunddreißigtauſend Mark zu beheben.
Worauf warten wir noch? rief der Alte tatendurſtig und
erhob ſich.
Vor dem Eingang der Bankfiliale, zu der Eickhoff ſeinen
Begleiter geführt hatte, gab er ihm noch ſchnell einige Inſtruk=
tionen"
für alle Fälle, dann nahm er ſelbſt Poſten in einem
benachbarten Haustor und wartete.
(Fortſetzung folgt.)

Pcl rin, jung.
geſtuf für kleinere
Mc adausflüge.
n Rennfahr.
Spce ſeir. n. aus=
geſcl
Poſtlager=
kar
.7/ Darmſt. (

irat
mit gutem
30 J. alt,
ſchlN it Dame, a.
e. Vermög.
Mille erw.
nmit Bild u.
an die Ge=
erbet
. (*dg

beiraten?
listd ees. 30 Pg
A fmnds 2 Fie‟
Btellen ürmeil
U.15t

Senſache.
Wif aftlich geb.
45j ü Fräul. aus
guttu rm., wünſcht
ſicho digſt m. ehr=
bamu
errn zu ver=
heiz
n. Anonym
zwe/ s. Zuſchr. u.
O. a. d. Gſch. *

Voo Ehevermittl.
ſtr.5 II, diskr. dch.
darv jro Frau G.
Schi mann, Darm=
ſtam
Stiftſtraße 46.
Auu aft koſtenl.

Ko) ann. 38 J.
alty=gen. Außere,
ſ. 2151. zw. Frdſch.
am 1. od. Wwe.,
mug rn eig. Heim.
Sre. Heirat nicht
aun pl. Ausf. Ang.
män m. Bild ſtr.
ves al. erb. unt.
O-d a. d. Geſch.*

Ti3 g. Geſchäfts=
mru
mit eigenem
Ft u. großem
Heim.Witwer,
40er, ſ eine
am liebſten
ad. zw. bald.
Ang. unt.
Geſch. (13551

Beamt.=Wwe.
h. vermög., ſ.
E.=Wwer. zw.
Off. 4362 an
W rankf. a. M.
L113447)

eirat
p. Frl., Mitte
vgl., vermög.,
Erſchein., mit
E., a. Wtw. o
d. Wert auf
rautes. Heim
Ernſtgem.aus=
Zuſchr erbet.
u 219 Gſchſt. (*

*

ekanntſch. ein.
errn, dem ev.
an w. könnte
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20.

Zwecks anderweitiger Unternehmungen habe ich das von mir seit 12 Jahren
betriebene Lebensmittelgeschäft mit Feinkost, Weine und Liköre
Karl Dreste, Heidelbergerstr. 25
an meine treue, bewährte Mitarbeiterin Fräulein Berta Bock abgegeben.
lch danke meiner werten Kundschaft für das mir erwiesene Vertrauen und
bitte höflichst dasselbe auf meine Nachfolgerin zu übertragen.
Hochachtungsroll Karl Dreste.
Das Geschäft wird von mir in unveränderter Weise weitergeführt mit dem
Grundsatz, die Kundschaft in jeder Besiehung zufriedenzustellen.
lch bitte um geneigten Zuspruch
Hochachtungsroll Berta Bock.

[ ][  ]

Seite 20

Sonntag, den 20. September 1931

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Montag, den 21. Sept., abends 8 Uhr
Dienstag, den 22. Sept., abends 8 Uhr
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Der große Premleren-Erfolg!
Eine Spitzenleistung der Tonfilmkungt
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Ensabein von Besterreieh
(Der Leidensweg einer unglücklichen Kaiserin)
Ein Film, der Erinnerungen an die alte Zeit weckt, ein Stück Weltge-
schichte
wieder hervorzaubert und einen Lebensgang schildert, der
rein menschlich interessiert, packt und ergreift.
(V.13569
Im tönenden Beiprogramm:

Flip als Dorfbarbier Munder der Borguelt Die neueste Fox-Tonwoche

Ehren- und Freikarten aufgehoben. Beginn: 2, 405. 6.10, 8.20 Uhr

Nur noch hente und morgen
FELIX BRESSART als Major und
Festungskommandant Fröschen in

Trara

Liebe

Eine Lachkanonade von Anfang bis Ende-
Weit. Hauptdarsteller: Georg Alexander,
Maria Paudler, Martha Eggerih,
Anton Pointner, Ernst Verebes und
Senta Söneland.

Im tönenden Beiprogramm:
Micky der kleine Faun

AA

Nur noch hente und morgen
Der große sensationelle Ausstattungs-Tonfilm:
Hadam Satan
mit Kay Johnsen, Reginald Denny
und Lilian Roth.
Als Höhepunkt bringt dieser Film ein Bachanal
in einem Zeppelin, das durch einen Sturm
ein jähes Ende findet.
Im tönenden Beiprogrammi
Die Wunderhunde

Beginn: 2, 4.05, 6.10, 8.20 Uhr.

Beginn: 2, 4.05, 6.10, 8.20 Uhr.

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Mitglieder=Verſammlung, Mittwoch, 23. Sept. 1931, abends
8.15 Uhr, in Brauerei Krone‟, Ecke Schuſtergaſſe
Wichtige Tagesfragen
für Handwerker, Beamte, freie Berufe und ſonſtige kleine Sparer.
Es ſpricht Herr Rechtsanwalt Kalbhenn über Welche
Haftung beſteht in juriſtiſcher Hinſicht für Mitglieder der
Volksbank?"
Herr Oberrechnungsrat Schneider über Kriſis und
Sanierung der Volksbank."
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Gäſte willkommen.
Unkoſtenbeitrag RM. .30
Deutſchnationale Volkspartei (Ortsgruppe Darmftadt)

An unſere Gläubiger!
Wir laden hiermit unſere Sparer, Kontokorrent=Einleger und Oepoſiten=
Kunden zu einer
Gläubiger=Verſammlung
auf Dienstag, den 22. September 1931, abends 8 Uhr
im Städtiſchen Saalbau, dahier
zur
Bekanntgabe und Beſprechung des Vergleichs=Vorſchlags
und zur
Wahl eines vorläufigen Gläubiger=Ausſchuſſes
ergebenſt ein.
Zutritt kann nur gegen Vorzeigung des Sparbuchs, Konto=Auszugs uſw.
geſtattet werden. Wir ſind auch bereit, Ausweiſe an unſerer Kaſſe auszuſtellen,
Darmſtädter Volksbank
e. G. m. b. H.
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Lachen! Schreien: Stöhnen!

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Karten: Orpheum ab 2 Uhr
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gegenüber der Hochschule)
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Mittwochs, Samstags und Sonntags
bis 1,4 Uhr geöffnet,
sowie
Samstags und Sonntags
Tanzabend

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ausgeführt vom Stadtorcheſter
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zum freien Be=
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der ſämtlichen
acht Abende. Den
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werden die Mit=
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Tag. zugeſtellt.
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