Darmstädter Tagblatt 1931


18. September 1931

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imzelmmmmer 10 Pfennige

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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche iAnſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Auffätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe Darmſt. Tagbl. geitattet.
Nummer 259
Freitag, den 18. September 1931.
194. Jahrgang

27 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspfg.
Finanz=Alnzelgen 40 Reichspfg. Rellamezelle (92 mm
breit)2 Reichsmark. Anzeigen von auswärts 40 Reichepfg.
Finanz=Anzeisen 60 Reichspfg. 92 mm breite Rellame=
zelle
300 Reichsmark. Alle Preſe in Reichsmaik
(41 Dolſar 420 Markl. Im Falle höberer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſcht
ſede Verpſlſchtung auf Erfällung der Anzeigen=
aufträge
und Leiſfung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtiſcher Beitrelbung fällt ſeder
Rabatt weg. Bankkonto Deutſche Bank und Darm=
ſtädter
und Nationalbant.

Aenderung des (tatsjahres!
ga ßheit über Hoovers weitere Pläne. Unſicherheiksfaktor Young=Zahlung. Bei Einſehung der
Young=Zahlung 1,5 Milliarden Defizik im nächſtjährigen Ekak. Die Reparakionen
werſen alle Berechnungen über den Haufen.
Das Skillhalte-Abkommen in Kraf!!
Ein Vierkeljahres-Rokekak.
Baſel, 17. September.
on unſerer Berliner Schriftleitung.
Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich gibt be=

Wden Beratungen des Kabinetts innerhalb der letzten
die Frage eine große Rolle geſpielt, wie das Viertel=
2 1. April bis 1. Juli 1932 etattechniſch behandelt wer=
ſ
. An ſich liegen die Dinge ſo: das Etatjahr läuft vom
vis 31. März. Bis zum 31. März 1932 iſt der laufende
illigt. Von da an muß der neue Etat aufgeſtellt wer=
Schwierigkeit beſteht nun darin, daß das Hooverjahr
Fuli bis 1. Juli läuft, alſo noch zu einem Viertel in
ſte Etatjahr hineinreicht. Der neue Etat muß dem
ſpäteſtens im November zugehen, damit er einige Mo=
ordnungsmäßigen
Durchberatung zur Verfügung hat.
bäte s am 30. März muß der Etat verabſchiedet werden.
r Ichsfinanzminiſter müßte alſo jetzt ſchon an die Auf=
ſtellun
des neuen Etats herangehen.
Wn er ſeinen Etat jetzt zuſammenſtellt, dann bleibt ihm
aum das anderes übrig, als für drei Viertel des näch=
atsjahres
die Youngzahlung von nicht
5 Milliarden bei den Ausgaben einzuſetzen. Da=
2 der Miniſter heute ſchon nicht, wie er das Gleich=
wie
wiſchen Einnahmen und Ausgaben herſtellen ſoll. Mehr
ſicher nicht erreichen, als daß der Etat ohne die
zentſchädigung balanciert. Ein ſolcher Etat
1er unehrlich und würde vom Ausland ſofort als Be=
is
1: die Böswilligkeit des Schuldners ausgelegt werden.
tat, der in ſeinem Voranſchlag ſchon ein
fIt von 1,5 Milliarden aufweiſt, iſt in
dem ugenblik, wo wir um internationales
Ver jruen werben, eine Unmöglichkeit. Ebenſo
ausg 1 oſſen iſt es aber, einen doppelten Etat herauszubringen,
der ſyin ſeinen Endſummen nur um den Betrag der Kriegs=
entſchh
gung unterſcheidet.
2 man aber die Dinge anpackt, der Finanzminiſter kommi
tiem, aus den Schwierigkeiten heraus, da er mit dem Un=
ſich
()eitsfaktor der Youngzahlung rechnen muß,
die e Berechnungen über den Haufen wirfi.
Aus ſem Grunde iſt im Finanzminiſterium der Gedanke ent=
ſtand
das Etatjahr um ein Vierteljahr zu verſchieben, wo=
durc
mit dem Hooverfeierjahr gleichlaufen würde. Dadurch
würsyruch die Friſt für die Aufſtellung des neuen Etats bis
Mittt ebruar hinausgeſchoben werden. Bis dahin wird man,
ſo rget man im Miniſterium, weil inzwiſchen der ameri=
kani
i. Kongreß getagt und vielleicht die Abrüſtungskonferenz
ſchore gonnen hat dann genaue Anhaltspunkte für die Fort=
ſetzu
, der Stundungspolitik haben. Außerdem beſtünde für
die ierung dann die Möglichkeit, den Reichstag im Oktober
nachb zer Friſt wieder nach Hauſe zu ſchicken und bis Februar
zu : agen. Praktiſch würde das alles darauf hinauslaufen,
daß ᛋs gegenwärtige Etatjahr um ein Vierteljahr verlängert,
alſoo Viertel der Ausgaben des laufenden Jahres zur Ver=
fügr’
geſtellt würden, während alles andere dann der Zukunft
über) en bliebe.
klos befriedigend iſt eine ſolche Löſung nicht. Die Be=
denk
: gegen derartige finanzielle Kunſtſtücke liegen auf der
Har) auch wieder von der Seite des internationalen Ver=
traru
, aus geſehen. Es iſt aber nicht ausgeſchloſſen, daß die
Reg ng ſchließlich doch dieſen Weg als das geringere Uebel
anſi' und mit einem entſprechenden Vorſchlag an den Reichs=
tag
/ antritt.
Fkgehende Steueramneſtie für Kapikalfluchk
und Sfeuerhinkerziehung.
* Berlin, 17. Sept. (Priv.=Tel.)
2 von der Reichsregierung verkündete Steueramneſtie ſcheint
doc ht die gehegten Erwartungen zu erfüllen, was ſchon daraus
her geht, daß man den Termin bis zum 15. Oktober hinaus=
geſ
? en hat. Inzwiſchen iſt die erſte Notverordnung über die
St amneſtie abgelaufen, und eine neue Verordnung wird zur=
zei
ü sgearbeitet. Sie wird, ſo beſchaffen ſein, daß für alle
Sthinterzieher und Kapitalflüchtige ein Anreiz gegeben wird,
miöl em Geld hervorzukommen. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß
ſie A e Steuerfreiheit erhalten und gleichzeitig das Reich in den
Be der hinterzogenen Gelder gelangt. Wie es ſcheint, wird
day gedacht, die in Frage kommende Summe nicht
eichsbeſitz zu überführen, ſondern dem ge=
9e1 ärtigen Beſitzer nach geraumer Zeit wieder
3u/Zerfügung zu ſtellen. Im Reichsfinanzminiſterium
wr zahlreiche Projekte erwogen, vor allem, um die ins Aus=
ſan
jeflüchteten Gelder zurückzubringen oder verheimlichte Be=
IE in Umlauf zu ſetzen. Der eine Plan ſoll hervorgehoben
Do 2, der vorſieht, daß ſteuerfreie Eiſenbahnobligationen aus=
de
m werden, die an ſich ſehr leicht unterzubringen wären. Die
=behörde würde aber ſehr wahrſcheinlich danach fragen, wo=
* e Erwerber die Kaufſumme genommen haben. Nach dieſem
7ſollen aber in Zukunft Rückfragen über die Her=
*der Mittel nicht gefordert werden. Ein anderes
* Et will allen Kapitalflüchtigen volle Straf=
Heit zuerkennen, wenn ſie ſich verpflichten, ihr
nach Deutſchland zurückzubringen und eine
Hsanleihe zu zeichnen. Das eine ſteht jedenfalls
die zweite Verordnung über die Steueramneſtie allerlei
Eſtigungen enthalten wird, um die verſchwundenen Gelder
* zum Vorſchein zu bringen.

kannt: Das ſogenannte Stillhalteabkommen zwiſchen den deut=
ſchen
Banken und Bankengruppen in elf Ländern, das einen
ſechsmonatigen Aufſchub von Forderungen gegen Deutſchland
vorſieht, iſt von ſämtlichen Parteien unterzeichnet worden, wo=
von
die Zentralnotenbanken der in Frage kommenden Länder
heute verſtändigt worden ſind. Das Abkommen iſt ſomit in
Kraft getreten.
Noiverordnung über die Bankenaufſicht
noch in dieſer Woche.
Berlin, 17. September.
Die Beratungen über die bevorſtehenden Maßnahmen des
Reichskabinetts ſind heute einmal in den Beſprechungen mit
dem Neunerausſchuß der Sachverſtändigen, zum anderen in
Reſſortbeſprechungen fortgeſetzt worden. Auf Grund der all=
gemeinen
Ausſprache in der geſtrigen Nachtſitzung des Kabinetts
werden die Miniſterien nun ihre endgültigen Entwürfe vor=
legen
, ſo daß das Kabinett ſich morgen weiter damit befaſſen
kann. In unterrichteten Kreiſen rechnet man weiter mit der
Möglichkeit, daß die Notverordnung über die Bankenaufſicht und
die Teilreform des Aktienrechtes bereits Ende der Woche er=
ſcheinen
kann.
Zuſammenarbeit der Wirkſchaftsgruppen.
Am Donnerstag fanden gemeinſame Verhandlungen zwi=
ſchen
dem Reichsverband der Deutſchen Induſtrie, dem Reichs=
verband
des Deutſchen Groß= und Ueberſeehandels und dem
Verband Deutſcher Waren= und Kaufhäuſer über grundlegende
Fragen des gegenſeitigen Geſchäftsverkehrs mit dem Ziele, eine
vertrauensvolle Zuſammenarbeit in allen wirtſchaftlichen Fragen
herbeizuführen, ſtatt. Die allgemeinen Verhandlungen, an denen
ſich maßgebende Vertreter der genannten Wirtſchaftsgruppen be=
teiligt
haben, konnten ſo weit gefördert werden, daß in aller=
nächſter
Zeit Kommiſſionsverhandlungen über die konkrete Ge=
ſtaltung
ſtattfinden werden.
Eine Enkſchließung der Polizeibeamken.
Der Vorſtand der Reichsgewerkſchaft deutſcher Polizei=
beamten
hat einſtimmig eine Entſchließung angenommen, in der
es heißt:
Ihre aus der Wirtſchaftskriſe entſtandene Unzufriedenheit
bringen viele verhetzte Volksgenoſſen gegen die ſichtbarſte Macht
zur Erhaltung des deutſchen Volksſtaates, gegen die Polizei,
zum Austrag. Tätliche Angriffe auf Polizeibeamte erfolgen täg=
lich
und haben bereits zahlreiche Opfer gefordert. Die bisher
betriebene Notverordnungspolitik mit einer einſeitigen Tendenz
zu Reichsverſchlechterungen gegenüber dem Beamtentum hat auch
die wirtſchaftliche Sicherſtellung der Polizeibeamtenſchaft erheb=
lich
erſchüttert. Wenn ſchon eine einſeitige Belaſtung der Be=
amtenſchaft
vorgenommen werden ſollte, ſo hätte eine gleich=
mäßige
Belaſtung aller Beamten nach ihrer wirtſchaftlichen
Leiſtungsfähigkeit nicht die kataſtrophalen Auswirkungen zeitigen
können, wie die jetzige preußiſche Notverordnung. Unverſtänd=
licherweiſe
hat die preußiſche Regierung in einer Zeit ſtärkſter
Berufsgefahren die für die Polizeibeamtenſchaft durch das Poli=
zeibeamtengeſetz
geſchaffene Unfallfürſorge weſentlich verſchlech=
tert
. Mögen die Verantwortlichen nicht verkennen, daß zur Er=
haltung
des Staates eine dienſtfreudige, in ihrer Exiſtenz ge=
ſicherte
Polizeibeamtenſchaft dringend notwendig iſt. Die Be=
ſeitigung
der durch die Notverordnung geſchaffenen Härten im
Benehmen mit den Vertretern der Beamtenſchaft iſt unbeding:
erforderlich.
Die Nakuralunkerſtühung für die Erwerbsloſen.
Reichsernährungsminiſter Schiele hat mit den Vertretern des
Zentralverbandes Deutſcher Bäckerinnungen Germania und der
Brotfabrikanten die Naturalbelieferungen der Erwerbsloſen und
die Frage der Lebensmittelverbilligung für die Hilfsaktion er=
örtert
. Die Vertreter des Bäckergewerbes haben ſich grundſätzlich
bereit erklärt, das Brot für die Erwerbsloſen unabhängig vom
Mehlpreis zu verbilligen. Um den Preisnachlaß aber noch zu
vergrößern, haben die Vertreter des Bäckergewerbes vorgeſchla=
gen
, den Bäckern verbilligtes Mehl zu liefern und u. a. den Koh=
lenpreis
zu ſenken. Sie forderten weiter, daß die Naturalbeliefe=
rung
ſich auf die notwendigſten Lebensmittel beſchränke. Mit der
Spitzenorganiſation des Fleiſchergewerbes, dem Deutſchen Flei=
ſcherverband
, werden ähnliche Verhandlungen geführt.
Miniſterrak in Paris.
Paris, 17. September.
Der franzöſiſche Miniſterrat trat am Donnerstag vormittag
unter dem Vorſitz des Präſidenten der Republik zu einer Sitzung
zuſammen. Mittags wurde eine amtliche Verlautbarung veröf=
fentlicht
, in der es heißt, daß Laval ſeine Miniſterkollegen über
die bevorſtehende Berliner Reiſe unterrichtet habe. Briand er=
ſtattete
Bericht über die Völkerbundstagung. Haushaltsminiſter
Piétri erklärte, daß der neue Haushaltsvorſchlag für das Jahr
1932/33 kurz vor ſeiner Fertigſtellung ſtehe und dem Haushalts=
ausſchuß
der Kammer pünktlich zugeleitet Herden ſolle.

Die deutſch=rufſiſchen Schlichkungs=
verhandlungen
.
Das deuſſche Programm. Die ruſſiſchen Wünſche.
Am Donerstag, dem 17. September, be=
gannen
in Berlin die diesjährigen deutſch=
ruſſiſchen
Schlichtungsverhandlungen. Die
deutſchen Delegierten ſind Reichsminiſter a. D.
von Raumer und Geheimrat Martius vom
Auswärtigen Amt, während Rußland durch
den früheren Leiter der Berliner Sowjethan=
delsvertretung
Stomonjakow und das Vor=
ſtandsmitglied
der Ruſſiſchen Staatsbank
Arkus vertreten iſt.
Das deutſche Programm für die diesjährigen deutſch=ruſſiſchen
Schlichtungsverhandlungen in Berlin bezieht ſich im weſentlichen
auf Fragen, die mit der Auslegung des Niederlaſ=
ſungsabkommens
zwiſchen Deutſchland und der Sowjet=
union
vom 12. Oktober 1925 verknüpft ſind. Auf dieſem Gebiet
ſtellt die Regulierung der ruſſiſchen Arbeitsverträge mit Reichs=
deutſchen
eine wichtige grundſätzliche Frage dar. Vielfach muß=
ten
Reichsdeutſche, die Anſtellungen in der Sowjetunion über=
nahmen
, feſtſtellen, daß die Arbeitsverhältniſſe an Ort und Stelle
weſentlich anders gelagert waren, als es der Arbeitsvertrag vor=
geſehen
hatte. Infolgedeſſen gewinnt das Problem der Regu=
lierung
dieſer Arbeitsverträge im Zuſammenhang mit der ſtei=
genden
Zahl der in Rußland tätigen deutſchen Ingenieure und
Techniker beſondere Bedeutung. Ebenfalls von Bedeutung iſt für
die in Rußland tätigen Reichsdeutſchen die Frage der Steuer=
abgaben
von Reichsdeutſchen, die bei den Schlichtungsverhand=
lungen
zur Sprache kommt. Auch die Schwierigkeiten bei der
Ein= und Ausreiſe, ſowie bei der Durchreiſe durch die Sowjer=
union
werden in den Schlichtungsverhandlungen behandelt wer=
den
. Sehr weſentlich wird für die deutſchen Ingenieure und
Techniker in Rußland die Löſung der Frage der Ausfuhr des
Erlöſes vom Vermögen bei der Ausreiſe aus Nußland, eine
Frage, die bereits mehrfach die Schlichtungskommiſſion beſchäf=
tigt
hat. Auf dieſem Gebiet ſind bisher die größten Schwierig=
keiten
zu verzeichnen, da die Sowjetregierung aus valutariſchen
Gründen ſich der Ausfuhr eines ſolchen Erlöſes widerſetzt.
In letzter Zeit hat für die deutſchen Ingenieure und Tech=
niker
, die in Rußland tätig ſind, eine Frage beſondere Bedeutung
gewonnen. Es handelt ſich um die Entlaſſung ruſſiſcher Ehe=
frauen
von Reichsdeutſchen aus der ſowjetruſſiſchen Staats=
angehörigkeit
. Bisher hat ſich die Sowjetregierung zumeiſt ge=
weigert
, ſolchen Ehefrauen von Reichsdeutſchen die Ausreiſe=
genehmigung
zu erteilen, ſo daß viele deutſche Ingenieure und
Techniker, die Ruſſinnen geheiratet hatten, ihre Frauen bei der
Ausreiſe in Rußland zurücklaſſen mußten, wödurch ſelbſtver=
ſtändlich
bei den hohen Unterhaltskoſten in Rußland dem Ehe=
mann
ſehr große Ausgaben erwuchſen. Im Zuſammenhang mit
dieſer Frage ſteht auch die Frage der Ausfuhr des Erlöſes vom
Vermögen ruſſiſcher Ehefrauen von Reichsdeutſchen, die eben=
falls
noch immer einer Regelung harrt. Schließlich haben die
in Rußland tätigen Deutſchen größeres Intereſſe an einer Frage,
die vor der Schlichtungskommiſſion diesmal zur Sprache ge=
langt
: Einhaltung der vorſchriftsmäßigen Friſt bei Mitteilungen
in Haftſachen. Die Praxis hat leider ergeben, daß vielfach die
deutſchen Konſularvertretungen in Rußland erſt mit großer Ver=
ſpätung
über die Verhaftung von Reichsdeutſchen Mitteilung
erhalten.
Von allgemein wirtſchaftlichem Intereſſe iſt die Frage der
Zulaſſung und der Betätigung deutſcher Fir=
men
in Rußland. Es handelt ſich hier einmal um Erleich=
terungen
bei der Regiſtrierung ſolcher Firmen durch Sowjet=
organe
, ſodann um die vertraglich feſtgelegte Verpflichtung der
Sowjetregierung, ſolche Firmen in Rußland nicht ſchlechter als
Staatsorgane zu behandeln und ſie gleich dieſen zu fördern,
ein Gebiet, auf dem die Praxis noch ſehr viel zu wünſchen
übrig läßt.
Auf dem Gebiete des Wirtſchaftsabkommens han=
delt
es ſich bei den diesjährigen Schlichtungsverhandlungen um
die Frage der Verſorgung der deutſchen Induſtrie mit gewiſſen ruſ=
ſiſchen
Rohſtoffen, um die obligatoriſche Haftung der Berliner
Sowjethandelsvertretung bei deutſchen Rußlandabſchlüſſen (durch
die Verlegung der Beſtelltätigkeit der Sowjetorgane in immer
größerem Umfange nach Moskau haben ſich bei der Regelung
dieſer Frage immer wieder Schwierigkeiten ergeben), um die
Fragen des Tranſitpoſtpaket= und Tranſitwarenverkehrs durch
Rußland (infolge der in Rußland beſtehenden Verbotsliſten ſteht
die deutſche Wirtſchaft vor der Tatſache, daß ſie ihre Waren
noch Perſien, Chineſiſch=Turkeſtan und der Mongolei nicht auf
dem Tranſitwege durch Rußland befördern kann), um die nach
wie vor andauernden Schwierigkeiten bei der Aushändigung von
Akzepten durch die Berliner Sowjethandelsvertretung, ſowie bei
der Begleichung fälliger Rechnungen und ſchließlich um eine
Reihe von Einzelſtreitfällen zwiſchen der Sowjetregierung und
deutſchen Firmen (Kaukaſiſcher Grubenverein uſw.).
Die ruſſiſche Wunſchliſte, die der Schlichtungs=
kommiſſion
vorgelegt worden iſt, umfaßt auf dem Gebiete des
Niederlaſſungsabkommens im weſentlichen nur die Frage der
Einreiſeſchwierigkeiten für Sowjetbürger nach Deutſchland. Auf
dem Gebiete des Wirtſchaftsabkommens wollen die Ruſſen die
Frage der gegenſeitigen Förderung des Warenverkehrs behan=
deln
, wobei ſie das Schwergewicht auf Erleichterungen für den
Sowjetexport nach Deutſchland legen. Im Zuſammenhang mit
dieſer Frage ſteht die ruſſiſche Beſchwerde über Diskriminierung
von Sowjetwaren in Deutſchland, wobei es ſich in der Haupt
ſache um den Kampf um das Sowjetöl handelt, eine Frage, die
infolge der ſtarken Erweiterung der Geſchäftstätigkeit der
Derop beſonders aktuell iſt. Die Ruſſen beſchweren ſich auch
über die Haltung deutſcher Gerichte bei Prozeſſen mit Sowjer=
organen
und haben daher den Wunfch geäußert, daß die Frage
des gerichtlichen Schutzes für Sowjetorgane in Deutſchland auf
die Tagesordnung der Schlichtungskommiſſion geſetzt wird.
Die auf Grund des deutſch=ruſſiſchen Schlichtungsabkom=
mens
alljährlich ſtattfindenden Schlichtungsverhandlungen haben
ſich inſofern bewährt, als ſie in regelmäßigen Abſtänden eine
Klärung ſtrittiger Fragen und Einzelfälle herbeiführen. Es iſt
zu hoffen, daß es auch diesmal gelingen wird, eine ſolche Klä=
rung
zu erreichen.

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Seite 2

Die Beſchaldigungen
gegen die Deutſche Zriedensgeſeliſchaft.
Berlin, 17. September.
Die heutige Verhandlung in der Beleidigungsklage des Vize=
präſidenten
der Deutſchen Friedensgeſellſchaft Küſter ſetzte mit der
Vernehmung des Zeugen Schriftſtellers Hans Schwann, der, wie
berichtet, geſtern über die der Friedensbewegung zugefloſſenen
franzöſiſchen Gelder ausgeſagt hatte, die Beweisaufnahme fort.
Schwann gab an, daß die tſchechoſlowakiſche Liga für Menſchen=
rechte
einen Betrag von 85 000 RM. an die Deutſche Liga für
Menſchenrechte überwieſen hätte, und behauptete, daß dieſe
Summe nicht aus Regierungsſtellen, ſondern aus Kreiſen gekom=
men
ſei, die zur Regierung in Oppoſition ſtanden. Von dieſer
Summe ſeien 6000 RM. an den Weſtdeutſchen Landesverband der
Deutſchen Friedensgeſellſchaft gegangen, ohne daß Küſter davon
Kenntnis gehabt habe. Dem Zeugen wurde von den Verteidigern
vorgehalten, er habe im Jahre 1925 einen Brief an den tſchecho=
ſlowakiſchen
Außenminiſter Beneſch geſchrieben, in dem er unter
Berufung auf eine Rückſprache mit Beneſch und mit dem Hinweis
auf eine Denkſchrift der Deutſchen Liga für Menſchenrechte über
Deutſchlands geheime Rüſtungen darauf aufmerkſam machte, daß
die deutſche Friedensbewegung zur Aufrechterhaltung ihrer Pro=
paganda
Mittel in der ungefähren Höhe von 300 000 RM. benö=
tige
. Dazu gab Schwann an, er könne ſich an den genauen Wort=
laut
des Schreibens nicht erinnern, wiſſe aber, daß im Jahre 1924
eine Beſprechung von Mitgliedern der Liga für Menſchenrechte=
ſtattgefunden
habe, bei der vorgeſchlagen worden ſei, die Genfer
Abrüſtungskommiſſion möge von den einzelnen Regierungen pro=
zentuale
Beiträge des Heeresetats fordern, die für den internatio=
nalen
Pazifismus verwendet werden ſollten. Für Deutſchland ſei
ein Betrag von 300 000 RM. genannt worden. Schwann habe
Beneſch in dieſem Sinne geſchrieben, und er wünſche, zu betonen,
daß dieſer Brief an Beneſch in ſeiner Eigenſchaft als Vorſitzender
der Abrüſtungskommiſſion und nicht etwa in der als tſchechoſlo=
wakiſcher
Außenminiſter gerichtet wurde. Der Kläger Küſter er=
klärte
zu dieſer Angelegenheit, er habe von ihr nicht das geringſte
gewußt.
Schwann äußerte ſich nunmehr über ſeine Beziehungen zur
polniſchen Geſandtſchaft, die rein perſönlicher Art geweſen ſeien.
Er habe im Verlaufe von 5 oder 6 Jahren ungefähr 1500 RM
Honorare durch die polniſche Geſandtſchaft ausgezahlt erhalten,
und zwar deshalb durch die polniſche Geſandtſchaft, weil die pol=
niſche
Preſſe nach dem Aufbau des neuen Staates überhaupt nur
mit Hilfe von Staatsgeldern exiſtieren konnte. Für Artikel, in
denen er innerdeutſche Verhältniſſe kritiſierte, habe er niemals
ein Honorar gefordert.
Dieſer Teil der Ausſage Schwanns gab der Verteidigung An=
laß
zu einer lebhaften Befragung des Zeugen, die dieſen zwang,
zuzugeben, daß ein Teil der Artikel von der polniſchen Geſandt=
ſchaft
bei ihm beſtellt worden ſei. Küſter erklärte darauf, daß
dieſe Tatſache von ihm heute zum erſten Male gehört werde,
Schwann ſagte weiter, die Behauptung, er habe monatlich 500 RM.
von der Geſandtſchaft als eine Art Gehalt bekommen, müſſe er
zurückweiſen.
Nach der Mittagspauſe wurde Schwann den geſtern vernom=
menen
Zeugen Roettger und Dr. Hiller gegenübergeſtellt. Roett=
ger
erklärte, er hätte Schwann an ſeiner Zeitung nicht mitarbei=
ten
laſſen, wenn ihm nicht Profeſſor Förſter gedroht hätte, er
werde ihm für dieſen Fall jede ideelle und materielle Unter=
ſtützung
entziehen. Dr. Hiller, der nochmals eine genaue Darſtel=
lung
des geſamten Komplexes gab, behauptete, der Vorſtand der
Friedensgeſellſchaft müſſe bei der engen Union, die zwiſchen den
einzelnen Verbänden herrſchte, unbedingt von den Beſchuldigun=
gen
gegen Schwann gehört haben.
Damit war die Beweisaufnahme geſchloſſen. Die Verhand=
lung
wurde auf morgen vertagt. Sie wird morgen die Plä=
doyers
der Parteien und ihrer Rechtsanwälte bringen.
Das Zinanzkomikee des Bölkerbundes
und die Finanzlage Leſterreichs.
Genf, 17. September.
Die Verhandlungen des Finanzkomitees des Völkerbundes
über die finanzielle und wirtſchaftliche Lage Oeſterreichs ſind ſo
gut wie abgeſchloſſen. Am ſpäten Nachmittag trat das Komitee
noch einmal zuſammen, um den Bericht an den Rat zu formu=
lieren
. Ueber die Einzelheiten des Berichts iſt noch nichts be=
kannt
geworden. Jedoch verlautet aus zuverläſſiger Quelle, er ſei
ſo gehalten, daß er der öſterreichiſchen Regierung als Grundlage
für künftige Kreditabkommen dienen könne,
Der Bundeskanzler hat im Finanzkomitee erklärt, daß die
öſterreichiſche Regierung entſchloſſen iſt, das Gleichgewicht im


Einſteins Zuſammenbruch
oder der Sieg der Vernunft.
Von Dr. Alfred Seeliger (GDS.).
Wie ein giftiger Meltau lag es ſeit etwa zwei Jahrzehnten
über der Deutſchen Wiſſenſchaft: Die ſogenannte Relativitäts=
theorie
Einſteins und die ſogenannte Pſychoanalyſe Freuds
waren tonangebend geworden auf dem Gebiete der Natur= und
Geiſteswiſſenſchaften. Die meiſten Lehrer der Univerſitäten und
Akademien beugten ſich faſt widerſtandslos dieſer geiſtigen
Fremdherrſchaft und duldeten die jämmerliche Vergewaltigung
der menſchlichen Vernunft. Die tiefſinnigen Upanishaden des
Veda, Platon, Ariſtoteles, Lucretius, Carteſius, Kopernikus,
Kepler, Newton, Gauß, Kant, Schopenhauer ſollten endgültig
widerlegt ſein! Alle feſten Standpunkte und Richtungslinien
der Phyſik und Metaphyſik, der Denk= und Seelenlehre ſollten
brüchig und fragwürdig ſein! Dieſe ganze Welt der Erſchei=
nungen
da draußen und in unſerm Innern ſollte nicht mehr der
Kosmos, d. h. das Schöngeordnete das Geſetzmäßige an
ſich ſein ſondern ein Chaos, ein wirres Gegen= und Durch=
einander
! Alle bislang geltenden Denkgeſetze ſollten durch die
Lehren Einſteins und Freuds plötzlich verbeſſert und ge=
läutert
ſein! Alle wiſſenſchaftlichen Begriffe wurden auf den
Kopf geſtellt oder entſetzlich verzerrt und verdreht: Es gab keine
Gleichzeitigkeit mehr, der Raum war gekrümmt; die Welt
ſollte endlich und ziemlich genau berechenbar ſein! Die Sitt=
lichkeit
, deren tiefſtes Weſen im ſelbſtloſen Opfer, in der Ueber=
windung
der tieriſchen Sinnlichkeit liegt, ſollte nun mit einem
Mal lediglich ein Ausfluß des niedrigen, tieriſch=geſchlechtlichen
Oedipuskomplexes ſein! Es iſt klar, daß durch dieſe Zer=
rüttung
und Verzerrung aller Denkgeſetze eine ſchreckliche Um=
wertung
aller Werte eintreten muß, die folgerichtig und not=
wendig
zum geſetzloſen, kulturmörderiſchen Bolſchewismus, d. h.
zum Untergang führt!
Wir alle ſehen die furchtbare Wirkung jener Lehren und
ihrer Anwendung oder Befolgung: Europa iſt gegenwärtig ein
bolſchewiſtiſch verſeuchtes, chaotiſch zerrüttetes und blutig zer=
ſtampftes
Blachfeld, über das die Apokalyptiſchen Reiter dahin=
raſen
und der Hauch der Verweſung weht.
Gewiß gab es einige Männer, die dieſe entſetzlichen Folgen
lange voraus ſahen und charaktervoll und einſichtig ihre Stimme
erhoben gegen die Irrlehren jener beiden Zauberkünſtler. Aber
ihr Ruf verhallte in dem wahnſinnigen Taumel, der die Ge=
lehrtenwelt
ergriffen hatte und in ihren Bann ſchlug. Wer
Einſtein und Freud nicht Heeresfolge leiſtete und über den
grünen Klee lobte, ja, wer auch nur ſeinem Zweifel Ausdruck

Freitag, den 18. September 1931

Numme,

Vom Tage.

Der Reichsrat erledigte eine Reihe kleiner Vorlagen, darunter
auch eine Aenderung der Arzneimittelkoſten im Sinne der in der
letzten Notverordnung vorgeſehenen Preisſenkung. Der Reichsrat
empfahl auch eine Einbeziehung der Arzneimittelinduſtrie und
des Großhandels in die Preisſenkung.
Der preußiſche Unterrichtsminiſter, Grimme, verhandelte mit
Vertretern der Lehrerſchaft über Hilfsmaßnahmen für die abzu=
bauenden
rund 7600 Lehrer. Die Lehrerſchaft will dieſe Maß=
nahmen
unterſtützen und auch ſelbſt eine Hilfsaktion einleiten.
Präſident Bartels hat den Aelteſtenrat des Preußiſchen Land=
tages
auf Dienstag, den 22. d. M.. 16 Uhr, zu einer Sitzung ein=
berufen
. Es ſoll dann über den von den Deutſchnationalen unter=
ſtützten
Antrag der Kommuniſten entſchieden werden, der die Ein=
berufung
des Landtages verlangt, um zum kommuniſtiſchen An=
trag
auf Aufhebung der preußiſchen Sparnotverordnung Stellung
zu nehmen.
Die Parteileitung der Wirtſchaftspartei trat am Donnerstag
zuſammen, um zu den ſchwebenden politiſchen und wirtſchaftlichen
Fragen Stellung zu nehmen. Der Reichskanzler wird am Freitag
vormittag vom Fraktionsvorſtand den Vorſitzenden Abg. Mollath
und den Abg. Freidel zu einer politiſchen Ausſprache empfangen.
Der Berliner Polizeipräſident hat die in Berlin erſcheinende
Tageszeitung Die Rote Fahne einſchließlich der Kopfblätter mit
ſofortiger Wirkung auf die Dauer von vier Wochen verboten.
Der Diſziplinarſenat des Kammergerichts Berlin hat das
förmliche Diſziplinarverfahren gegen Landgerichtsdirektor Dr.
Arndt eröffnet und gleichzeitig die Amtsſuspenſion ausgeſprochen.
Landgerichtsdirektor Arndt iſt bekanntlich anläßlich eines Zivil=
prozeſſes
des Rechtsanwalts Glade gegen die Berteidigung im
Stinnesprozeß verdächtigt worden, von der Verteidigung damals
auf unrechtmäßige Weiſe beeinflußt worden zu ſein. Landgerichts=
direktor
Arndt hatte bekanntlich ſeinerzeit den Vorſitz im Stinnes=
prozeß
.
Wie ſchon gemeldet, hat der Reichstagsabgeordnete Pfarrer
Teutſch, der als chriſtlich=ſozialer Abgeordneter in den Reichstag
eingezogen und alsdann zu den Nationalſozialiſten übergetreten
war, ſein Reichstagsmandat niedergelegt. Für Teutſch tritt jetzt
der Mannheimer Stadtrat Dr. Schmechel in den Reichstag ein.
Die Chriſtlich=Sozialen haben damit wieder 14 Abgeordnete im
Reichstag.
Der bisherige badiſche Miniſter für Kultus und Unterricht,
Dr. Schmitt (Zentr.) iſt zum badiſchen Staatspräſidenten aus=
erſehen
worden. Er wird zugleich das Juſtizminiſterium über=
nehmen
.
Alle öſterreichiſchen Heimwehrführer ſind wieder auf freien
Fuß geſetzt worden, mit Ausnahme des Fürſten Starhemberg und
des Generals Puchmeyer.
Der Heimwehrführer Pfriemer hat ſich nicht, wie beabſichtigt
war, nach Italien begeben, ſondern befindet ſich nach wie vor in
Marburg an der Drau, auf ſüdſlawiſchem Gebiet.
Der Völkerbundsrat wird vorausſichtlich Ende dieſer Woche
zuſammentreten, um über die Beſchwerde des Deutſchen Volks=
bundes
in Oberſchleſien wegen der polniſchen Terrorakte zu ver=
handeln
.
Das ſpaniſche Parlament hat nach einer Rede des Sozialiſten
Araquiſtain mit 170 gegen 152 Stimmen beſchloſſen, Spanien zu
einer Arbeiterrepublik zu erklären.
Vor dem Haager Internationalen Gerichtshof hat die öffent=
liche
Verhandlung über den polniſch=litauiſchen Streitfall betr. den
Eiſenbahnverkehr auf der Strecke LandwarowoKaiſiadorys be=
gonnen
.
Das amerikaniſche Staatsdepartement ſteht, wie amtlich mit=
geteilt
wird, der Frage einer fünfjährigen Rüſtungspauſe nach
Prüfung der Vorſchläge Grandis und Senator Borahs ſympathiſch
gegenüber.
Büdget herzuſtellen und alle notwendigen Maßnahmen im Inter=
eſſe
des öſterreichiſchen Kredites und Geldweſens durchzuführen.
Sie beabſichtigt, die bereits eingeleitete Erſparnisaktion noch in
dieſem Jahre rachdrücklichſt fortzuſetzen. Die notwendige Her=
ſtellung
des Gleichgewichts im Haushalt der Länder und Gemein=
den
wird ähnliche Maßnahmen, wie ſie im ſtaatlichen Budget
vorgeſehen werden, und auch ähnliche Erſparniſſe erfordern. Die
Regierung wird ſich mit den autonomen Körperſchaften über die
erforderliche Kontrolle ihrer Kreditaufnahme verſtändigen.
Der Bundeskanzler erklärte ferner, daß die Regierung auf
die Garantie, die ſie für die Credit=Anſtalt übernommen hat, auf
eine angemeſſene Herabſetzung der Verwaltungskoſten dringen
werde. Die Regierung wolle die Bankengeſetzgebung einer Re=
viſion
unterziehen. Mit der Nationalbank wird die Regierung
ein Einvernehmen darüber pflegen, daß ein Berater für ſolange
beſtellt werde, als der Völkerbund dies für notwendig erachtet.
Der Bundeskanzler lud das Finanzkomitee zur Mitarbeit bei
der Durchführung dieſer finanziellen und wirtſchaftlichen Pläne
der Regierung ein. Er legte dar, daß die öſterreichiſche Regie=
rung
zunächſt eines Kredites von 250 Millionen Schilling bedürfe.
Bei den Kreditserationen, die die öſterreichiſche Regierung
plant, handelt es ſich zunächſt um die Aufnahme einer Anleihe,
die zur Rückzahlung des von England gewährten, kurzfriſtigen
Vorſchuſſes dienen ſoll.
geben wollte, der wurde geächtet und verfemt, von den Uni=
verſitätskanzeln
und wiſſenſchaftlichen Kongreſſen zum Teil
mit Brachialgewalt ferngehalten, von der Preſſe verleumder,
verſpottet oder totgeſchwiegen!
Aber die Denkgeſetze ſind unerbittlich‟! Dieſes Wort des
bedeutenden Mathematikers und Philoſophen Dingler in Mün=
chen
bewahrheitet ſich immer ſtärker und ſtärker. Zeit, Raum
und Kauſalität, die Formen der Anſchauung ſind biologiſche
Eigenheiten des menſchlichen Intellektes und ſpotten aller un=
kritiſchen
Künſtelei. Noch ragen die Mauern der von den Veden,
von Kant und Schopenhauer gelehrten Metaphyſik himmelan; ſie
ſind grau vom Alter nicht von der Schwäche! Jeder Schwin=
gung
entſpricht eine Gegenſchwingung, jeder Aktion die notwen=
dige
Reaktion. Jenen erſten völlig vereinzelten Gegnern der
Einſteinſchen Relativitätstheorie von der Pſychoanalyſe
Freuds ſei an anderer Stelle die Rede! ſchloſſen ſich immer
mehr charaktervolle und beſonnene Denker und Schriftſteller an,
die feſt auf dem Willen beharrten und ſich ihre Welt der Ver=
nunft
nicht verbilden laſſen wollten. Sie glichen jenem herr=
lichen
Kinde in Anderſens wundervollem und überaus tief=
ſinnigen
Märchen: Des Kaiſers neue Kleider welches unbeirrt
von dem Geſchrei der Erwachſenen, der Gelehrten und Hof=
ſchranzen
ausruft der Kaiſer iſt ja nackend und hat keine neuen
Kleider an! Man denke an die rohe und ſchamloſe Behand=
lung
ſo hochverdienter Forſcher und Gelehrter, wie etwa der
genialen Nobelpreisträger Profeſſor Lenard in Heidelberg und
Stark in Würzburg, des Philoſophen Kraus in Prag! Aber
es dämmert in den Hirnen! Immer mächtiger ſchwillt der
Strom der Kritik, Einſicht, Vernunft. An allen Ecken und En=
den
regt es ſich. Die ſchamloſe und überlaute Reklame für die
Einſteinſche Relativitätstheorie hilft nicht mehr. Es wird ſtiller
um den Meiſter und Er ſelber modelt und ändert verzweifelt
an ſeiner Lehre, ohne ſie beweiſen zu können. Die neueſten
Berichte aus der Bibliothek des Mount Wilſon=Obſervatoriums
der Carnegie=Stiftung lauten erſtaunlich: Einſtein ſelber habe
ſich dort über den Raum in einer Weiſe geäußert, die von den
maßgebenden Anweſenden als eine Annullierung der von ihm
vertretenen Auffaſſung vom Weltall betrachtet wurde. Er habe
ſelber zugegeben, daß die Grundlage der allgemeinen Relativi=
tätstheorie
unbefriedigend ſei!
Aber das hat er erſt jetzt erklärt! Nachdem ein ganz
wundervolles Buch im Voigtländerſchen Verlag (Leipzig 1931)
erſchienen iſt; es heißt: 100 Autoren gegen Einſtein‟ Als ſeine
Herausgeber zeichnen die bekannten Gelehrten: Hans Jsrael,
Erich Ruckhaber, Rudolf Weinmann. Gelehrte und Forſcher
allererſten Ranges, wie Drieſch, Kraus, Bergſon, J. Le Roux,
Rennes, Dingler, Petraſcheck, Rauſchenberger, Reuterdahl, Erich
Ruckhaber, Lenard, Vogtherr, Walte/Hamburg und andere ver=
einigen
ihre nachdrucksvollen Stimmen der grauſamen Ableh=

Heſſen=Zenkrum für allgem
Aniform-Berbok.
Anlgemeines Demonſtrakiansverbok in Ausſicht
Im Mainzer Journal leſen wir unter der Ueberſchri
Um die Uniform u. a.:
Uniformtragen iſt Mode geworden, ſeitdem wir kein un
formiertes Volksheer mehr haben. Alle möglichen Verbäns
ſchmeicheln heute ihren Anhängern mit Uniformen. Es iſt h
zeichnend für unſere Zeit, daß man Uniformen, Aufmärſch
Demonſtrationen und anderen Tam=Tam, alſo äußere Dinge
die Stelle der inneren Ueberzeugung zu ſetzen ſucht. Iſt ſch=
das
tief bedauerlich, ſo iſt um ſo trauriger, daß Uniformen ur
Demonſtrationen den politiſchen Kampf gewaltig verſchärfe
Wenn die Kommuniſten am 13. September durch die Straß=
Darmſtadts zogen und mit roten Fahnen und Schildern u
Revolution aufforderten, dann fragt man ſich: Warum läßt
der Staat gefallen, daß man zu ſeiner Beſeitigung aufruf
Gar mancher Zuſammenſtoß könnte vermieder
gar manches Menſchenleben geſchont werde=
wenn
die Gegner nicht uniformiert wären. G
oft wird ja nicht auf den gegneriſchen Menſchen geſchoſſen oo
geſchlagen, ſondern nur auf die verhaßte Uniform des Feinde
Wir begrüßen es deshalb, daß der Vorſitzende d.
Zentrumsfraktion des heſſiſchen Landtages ſofort ne
Erlaß des Uniformverbotes gegen die Nationalſozialiſten bei
Innenminiſterium vorſtellig wurde und dieſes Ve
bot auf alle Uniformen ausgedehnt wiſſe
wollte. Die Zentrumsfraktion möge ihren ganzen Einfluß
dieſer Richtung geltend machen. Wir begrüßen auch, daß zw
ſchen Reich und Ländern Verhandlungen weg
eines allgemeinen Uniformverbotes ſchweben u
hofſen, daß ſie zu einem baldigen Verbot für das ganze Re
führen. Erfreulich iſt, daß in aller Kürze ein allg
meines Demonſtrations= und Aufmarſchverb
in ſicherer Ausſicht ſteht.
Cutkius und Dingelden.
* Berlin, 17. Sept. (Priv. Tel.)
Der ſozialdemokratiſche Preſſedienſt wartet, mit der ange
lichen Senſation auf, daß der volksparteiliche Führer Dingelt
kürzlich an den Außenminiſter Curtius einen Brief gerichtet ha.
worin er ihn unterrichtet, daß die Mehrheit der volksparteilich
Fraktion gegen ſein weiteres Verbleiben im Außenminiſterium
Darauf habe Dr. Curtius telegraphiſch geantwortet, daß er
ausſchließlich dem Reichspräſidenten und der Reichsregierung v
antwortlich fühle. Von volksparteilicher Seite wird dieſe Na
richt etwas vorſichtig dementiert mit dem Zuſatz, daß ein M
nungsaustauſch zwiſchen dem Miniſter und dem Parteiführer ſta
finde. Damit iſt ſie inhältlich beſtätigt, ſie iſt aber nicht n
denn wir haben bereits vor einer Woche von einem ſolchen Br.
Dingeldeys geſprochen, und wir halten es für ſelbſtverſtändl=
daß
der Außenminiſter in ſeiner Antwort auf das Ernennun
recht des Reichspräſidenten und die Verantwortung des Reie
kanzlers hingewieſen hat. Dieſe Haltung hat die Fraktion a
ausdrücklich anerkannt, indem ſie es ablehnte, über ihr Verhält;
zum Außenminiſter irgendeinen Beſchluß zu faſſen, weil ſie in
Befugniſſe des Reichspräſidenten und des Reichskanzlers nichte
greifen wollte. Selbſtverſtändlich aber werden nach der Rückke
des Außenminiſters aus Genf ſeine Beziehungen zur Reichsreg
rung und ſein Verhältnis zur Fraktion endgültig geklärt werd
müſſen.
Die deutſch=ſchweizeriſchen Handelsbeziehuge.
In den Wandelgängen des Völkerbundes war am Yoner
tag das Gerücht verbreitet, daß die Schweiz den Handelsventr!
mit Deutſchland gekündigt habe. Wie die Schweizeriſche Depeſche
agentur mitteilt, iſt dies unzutreffend. Angeſichts der Tatſac
daß ſich in den letzten fünf Jahren die Ausfuhr Deutſchlands ne
der Schweiz nahezu verdoppelt habe, während die ſchweizeri
Ausfuhr nach Deutſchland einen ſtändigen Rückgang auſwi
werde, wie die Schweizeriſche Depeſchenagentur weiter ausflk=
ſchon
ſeit einiger Zeit von den zuſtändigen ſchweizeriſchen Stel
die Frage geprüft, wie dieſem Zuſtande begegnet werden kon
Der deutſche Außenminiſter Dr. Curtius habe heute vormittag
ſeinem Beſuch, den er dem Bundesrat Motta abſtattete, in freu
ſchaftlicher Weiſe die wirtſchaftlichen Beziehungen zwiſchen
beiden Staaten erörtert, wobei er auf die großen Schwierigfer
hingewieſen habe, mit denen Deutſchland zu kämpfen habe 1
die Deutſchland zwingen, ſeine Ausfuhr zu ſteigern. Bundes
Motta ſeinerſeits habe darauf hingewieſen, wie nachteilig
Rückgang der ſchweizeriſchen Ausfuhr für die ſchweizeriſche W.
ſchaft ſich auswirke.

nung, Kritik, Widerlegung der Lehre Einſteins! Es iſt
wahrhaft erleſener Genuß, ſich in die tiefgründigen, vielſeitig
weltumfaſſenden Gedankengänge dieſer 100 Autoren zu ber!
ken. In Wirklichkeit ſind es viel mehr!!! Mathematiker, P
ſiker, Philoſophen und Biologen legen die ungeheuren, ung
baren Schwächen, Widerſprüche, Sinnloſigkeiten der Relatiolie.
theorie Einſteins dar; und zwar ſtreng wiſſenſchaftlich und
wandfrei! Man merkt den Ausführungen der Mathemal
Le. Roux/Rennes, Hans Israel, Sten Lothigius/Stocye
Reuterdahl und Ruckhaber an, daß ſie Einſtein nicht nur i
Logik und Phyſik ſondern vor allem in der Mathemallt
auch in der höheren!!! überlegen ſind und ſich von 190*
* für ein U vormachen laſſen. Man muß an Ort und St
die geradezu wegwerfende, verächtliche Behandlung nächte
die ſich der Widerleger Newtons und Kants von dieſen. b"
zenden, berühmten und einwandfreien Forſchern und 2
gefallen laſſen muß. Der Sinn der meiſten Ausführungen."*
etwa: Was gut an dieſer Theorie iſt, ſtammt nicht von Clil
ſondern von andern Denkern, die lange vor ihm gelehrt 9e
aber was von Einſtein iſt, iſt nicht gut! Da Einſtein Mit
ſächlich auf der nichteuklidiſchen Geometrie fußt, ſo Li.
Hinweis Dr. Karl Vogtherre in ſeinem Aufſatz Widektes
der Relativitätstheorie auf den berühmten Ausſpruch von. L=
beſonders
wuchtig. Dieſer Ausſpruch lautet nämlich: e2.*
keinen Zweifel, daß jene Unmöglichkeit (von Dreieckel
Winkelſumme 180 Grad überſteigt) ſich auf das allerſtrentl.
weiſen läßt‟. Somit kann nach Gauß die Unmoßr
der allgemeinen Relativitätstheorie in aller Strenge‟ Nei
werden. An einer andern Stelle ſagt der kürzlich verſe.
Ernſt Mareus Die Mathematik kann wohl die Große.
erdichteten Eies berechnen aber ſie kann es nicht 34."
wirklichen machen, ſie kann keine Eier legen! Herfit
jene Stellen, an denen der lächerliche Unſinn der Ginſe.
Lehre vom gekrümmten Raum verſpottet wird: Selhſtverlt
lich iſt ein gekrümmter Raum gänzlich widerſinnis: Oi
Raum iſt nicht gekrümmt ſondern Linien in ihm! Dert
barſte Denkfehler Einſteins iſt ſeine Behauptung vol de
tibität der Gleichzeitigkeit: Demnach würden Menſchen. "
oder älter werden, je nach dem Bewegungszuſtand
ſie ſich befinden‟. Demnach können ſich nach Eiſlt.
ſache und Wirkung verkehren, was in der Rechtspſlege. L.
ſchlag merkwürdige Ergebniſſe zeitigen müßtel, Vech. S
müßten, da man alle Bewegung als relativ beträchte. L
äußerſten Firſterne hohe Multipla der Lichtgeſchwindis.
weiſen, wodurch ſich ſeine eigene Theorte jehſt woe.
dieſe Formeln dann ſinnlos werden! Er hat des Le. S
ſelbſt zugegeben!!!
Vor allem iſt die Tatſache niederſchmetternd füt. Sr
baß er ſeine geſamte Lehre auf dem negatitb beklaouſehe. Le.
ſonſchen Verſuch aufbaut; denn der beweiſt ngchirlig. A

[ ][  ][ ]

Nri ner 259

Freitag, den 18. September 1931

Seite 3

afer Ausſprache über die Wirtſchaftskriſe
Ausblick. Kein Bork über den Gedanken einer engeren wirtſchaftlichen Zuſammenarbeit
zwiſchen Deukſchland und Frankreich.
vereinbar ſind. Solche die übrigen Staaten ſchädigenden Maß=
nahmen
müßten auch auf das eigene Land zurückwirken. Entſpre=
Der franzöſiſche Skandpunkk.
chen ſolche Methoden der vom Völkerbund ſeit Jahren empfohle=
nen
Zuſammenarbeit aller Regierungen? Dr. Curtius hat be=
Vergebung öffenklicher Arbeiken
reits in der Vollverſammlung darauf hingewieſen, daß wegen
der deutſchen Not heute die Erde bebt. Gewiſſe Ereigniſſe der
zur Bekämpfung der Arbeiksloſigkeit
letzten Zeit zeigen aber, wie richtig dieſer Ausſpruch iſt. Sofor=
tige
Maßnahmen müſſen ergriffen werden. Der allgemeine Aus=
un
ichäffung inkernaklonaler Induſtriekatkelle. blick iſt heute trübe. Unbedingt erforderlich iſt, daß die Politik

Genf, 17. September.
Wirtſchaftsausſchuß des Völkerbundes begann heute die
große sſprache über die internationale Wirtſchaftskriſe. Der
frans ſe Handelsminiſter legte in einer größeren Rede den be=
reits
; reichend bekannten Standpunkt der franzöſiſchen Regie=

rung r die zur Ueberwindung der Kriſe notwendigen Maß=
nahrm
dar.
ihrte im einzelnen u. a. aus: Der Völkerbund müſſe jetzt
von retiſchen Erwägungen zu praktiſchen Maßnahmen über=
geher
) die Arbeitsloſigkeit in allen Ländern ſteige. Auf eini=
gen
eten ſeien bereits Abhilfemaßnahmen ergriffen, ſo auf
dem jete der landwirtſchaftlichen Frage. Deutſchland habe
Vertw mit Ungarn und Rumänien abgeſchloſſen. Die franzö=
ſche
Iferung führe ſolche Verhandlungen mit Südſlawien, Ru=
mäni
ind Ungarn. Auf dieſem Wege könne eine Beſſerung der
wirtſo lichen Lage in Mitteleuropa herbeigeführt und eine Stär=
kung
Kaufkraft der Bevölkerung geſichert werden. Zur Ueber=
wind
y, der europäiſchen Arbeitsloſigkeit ſei eine organiſierte
Zuſax nfaſſung der Bemühungen der Regierungen notwendig.
Drins wünſchenswert ſei eine ſofortige Vergebung größerer
öffen Ter Arbeiten. Von großer Bedeutung ſei es ferner, daß
die Siger aller Länder ſich über die Produktionsmethoden und
über Verteilung der Arbeit einigten. Der Gedanke der Indu=
ſtrielg
artelle müſſe ausgebaut werden. Durch dieſe Mittel würde
der O für eine allgemeine Zollunion und für eine Senkung
der I=arife frei. Der Miniſter forderte alle Mächte zur Zu=
ſamn
rbeit und zur gemeinſamen Ueberwindung der Kriſe auf.
die / zöſiſche Abordnung reichte dann dem Ausſchuß drei Vor=
ſchläs
in, in denen Weiterführung der bekannten franzöſiſchen
Plär uf Abſchluß internationaler Induſtriekartelle, Prüfung
der Iglichkeiten der Begebung öffentlicher Arbeiten zur Be=
kämp
g der Arbeitsloſigkeit durch die Organe des Völkerbundes
und einheitlichung der Zoll=Nomenklaturen verlangt werden.
den Ausführungen des franzöſiſchen Handelsminiſters fand
ſich E Wort über den Gedanken einer engeren wirtſchaftlichen
Zzuſa enarbeit zwiſchen Deutſchland und Frankreich. Dieſe Tat=
ſache
rde allgemein bemerkt, da erwartet worden war, daß der
Minᛋ, im Hinblick auf den Berliner Beſuch auf den Gedanken
einer utſch=franzöſiſchen wirtſchaftlichen Zuſammenarbeit ein=
gehe
ürde.

der eutſche Berlreter warnk vor Zollerhöhungen
in Eutopa.

weiteren Verlauf der Hauptausſprache im Wirtſchafts=
gab
Miniſterialdirektor Poſſe eine Erklärung über
den Indpunkt der Reichsregierung zu den aktuellen europäiſchen
Kriß omenten und der Entwicklung der europäiſchen Handels=
polis
) ib. Er führte u. a. aus: Die deutſche Regierung iſt der
Mei 1g, daß es unbedingt notwendig iſt, wenigſtens für eine
gewr/ Zeit die Sicherheit der beſtehenden Handelsverträge zu
gewr eiſten. Die deutſche Regierung hat der engliſchen Regie=
rung
reits mitgeteilt, daß ſie durchaus bereit ſei, alles zu tun,
dam vie Ziele Englands für eine handelspolitiſche Verſtändigung
mit europäiſchen Feſtlandſtaaten erreicht werden. Eine Aen=
derir
des handelspolitiſchen Syſtems in England würde für
Deu u and und Europa ein großes Unglück bedeuten. Ich hoffe
dahe daß die europäiſchen Feſtlandſtaaten mit der engliſchen
Regg ng zu einem Ausgleich gelangen werden. Die deutſche Re=
gier
iſt der Anſicht, daß die Handelspolitik, der europäiſchen
Stau= in der letzten Zeit wenig günſtige Anzeichen aufweiſe.
Mitioßer Sorge höre man in Deutſchland, daß ſogar in ſolchen
eurni ſchen Ländern Zollerhöhungen erwogen würden, die bisher
als ; Feſtungen des Freihandels galten.
re derartige Umſtellung, der europäiſchen Handelspolitik
wür! die nachteiligſten Folgen für die geſamte europäiſche Wirt=
ſchav
aben. Dasſelbe gilt von dem Einfuhrverbot. Noch gefähr=
lichch
end gewiſſe Tendenzen, bei Durchführung der Handelsver=
trä
5 Rethoden anzuwenden, die mit den Handelsverträgen nicht

nichi Vernichtend für Einſtein wirken die Ausführungen
Js83 über die relativiſtiſche Verkürzung über das Addi=
tior
eorem; grobe Fehler werden dem Meiſter klar nachge=
wigi
. Wundervoll iſt die Stelle, an der von der Aberration
dess chts geſprochen wird; hier erweiſt ſich Einſtein als ein
ſeh e tvacher Logiker. Aber man müßte Bände ſchreiben, wollte
mav as köſtliche Buch ſeinem wirklichen Werte entſprechend be=
har
a. Man kaufe, verbreite, leſe, durchdenke es und danke
der pfern, hochſinnigen Verleger und den Herausgebern für
dies bedeutende Buch; denn es iſt eine Tat von unüberſeh=
bar
: Tragweite. Es iſt ein ſtrahlendes Licht in der gegenwär=
tig
2 chauerlichen bolſchewiſtiſchen Finſternis; Lenau hat ewig
rec venn er in den herrlichen Albigenſern ſagt: Das Licht
vor0 immel läßt ſich nicht verſprengen, noch läßt der Sonnen=
au
u g ſich verhängen!
Agyarelle in der Kunſthalle

am Rheinkor.

der einzelnen Staaten in Einklang gebracht wird mit der Zuſam=
menarbeit
in allen Staaten, und daß die Intereſſen der anderen
Staaten hierbei grundſätzlich berückſichtigt werden. Der Gedanke
der Vergebung der öffentlichen Arbeiten wird deutſcherſeits als
eines der Mittel zur Bekämpfung der Arbeitsloſigkeit angeſehen.
Für den Gedanken der internationalen Induſtriekartelle in
Europa müſſen jedoch gewiſſe Grenzen gezogen werden, da für
ſolche Pläne nur die kartellmöglichen Induſtrien in Frage kommen
und hierbei kein allzu ſtarker Druck ausgeübt werden darf. Der
Bericht der wirtſchaftlichen Sachverſtändigen des Europa= Aus=
ſchuſſes
, dem auf deutſcher Seite große Bedeutung beigemeſſen
wird, enthält eine Reihe bisher einzigartiger Vorſchläge zur Be=
hebung
der europäiſchen Wirtſchaftsnot. Dieſer Bericht muß von
den Regierungen beſonders beachtet werden.
Poſſe warf ſodann die Frage auf, ob nicht neben dem für die
Landwirtſchaft geſchaffenen internationalen landwirtſchaftlichen
Kreditinſtitut eine gleiche Bank für die Induſtrie=Intereſſen ge=
ſchaffen
werden könne. Der Völkerbund, ſo ſchloß er unter lebhaf=
tem
Beifall, darf ſich nicht mehr auf eine rein theoretiſche Be=
handlung
der großen wirtſchaftlichen Notlage beſchränken, ſon=
dern
muß unverzüglich praktiſche Maßnahmen durchführen. Die
Reichsregierung begrüßt es insbeſondere, daß die Zweckmäßigkeit
der von Deutſchland abgeſchloſſenen Präferenzverträge jetzt all=
gemein
anerkannt worden iſt.
Der heute im Wirtſchaftsausſchuß der Völkerbundsverſamm=
lung
begonnenen allgemeinen Ausſprache kommt inſofern eine be=
ſondere
Bedeutung zu, als hier die Stellungnahme vorbereitet
wird, die die Völkerbundsverſammlung zu den Fragen der Wirt=
ſchaftskriſe
einnehmen wird. Die Ausführungen des deutſchen
Vertreters zeichneten ſich durch eine überaus kritiſche Einſtellung
zu den Arbeiten des vergangenen Jahres aus. Der deutſche Ver=
treter
mußte leider feſtſtellen, daß die internationale Wirtſchafts=
und Handelspolitik neuerdings eine Wendung zu nehmen ſcheint,
die zu einer Verſchärfung der beſtehenden Spannungen führen
kann und mit den Grundſätzen der internationalen Kooperation
kaum in Einklang zu bringen iſt.
Die Rede des franzöſiſchen Handelsminiſters Rollin hat inſo=
fern
enttäuſcht, als er in keiner Weiſe zu erkennen gab, durch
welche praktiſchen und erfolgverſprechenden Maßnahmen der Kriſe
geſteuert werden ſoll, obwohl er theoretiſch wiederholt den Willen
Frankreichs zur praktiſchen Arbeit betonte. Der Hinweis Rollins
auf die Notwendigkeit der Beſeitigung der gegenwärtigen Han=
dels
= und wirtſchaftspolitiſchen Unordnung in der Welt ſteht in auf=
fallendem
Gegenſatz zu den Maßnahmen, zu denen ſich die fran=
zöſiſche
Handelspolitik vorgeblich zum Schutze der nationalen
Wirtſchaft in dieſen Tagen entſchloſſen hat. Der deutſche Vertre=
ter
konnte nicht umhin, in ſeiner Rede die ſchädlichen Rückwirkun=
gen
der Einfuhrverbote, wie ſie Frankreich kürzlich ausgeſprochen
hat, darzulegen. Aehnlich bedenkliche Erſcheinungen ſind zu be=
fürchten
, wenn die Schweiz ſich tatſächlich dazu entſchließen ſollte,
den Handelsvertrag mit Deutſchland zu kündigen.
Aus der Rede des franzöſiſchen Handelsminiſters iſt im übri=
gen
noch die Tatſache bemerkenswert, daß Frankreich offenbar mit
größter Hartnäckigkeit immer noch an dem Plan internationaler
Induſtrievereinbarungen feſthält, obwohl dieſe Idee im Europa=
ausſchuß
als nicht beſonders erfolgverſprechend kritiſiert worden
iſt. Zweifellos wird noch der Präferenzgedanke in den Verhand=
lungen
des Wirtſchaftsausſchuſſes eine erhebliche Rolle ſpielen.
Nachdem bereits im Europaausſchuß ſämtliche Staaten, mit Aus=
nahme
Rußlands, zu erkennen gegeben haben, daß ſie gegen die
Präferenzvorſchläge keine Einwände zu machen gedenken, wird es
ſich nunmehr zeigen, ob auch die überſeeiſchen Staaten keinen
Widerſpruch erheben. Was die Haltung von Argentinien und den
Vereinigten Staaten angeht, ſo dürften die beteiligten Regierun=
gen
ſich auf anderem Wege über die Einſtellung dieſer Staaten
unterrichten. Sollten die diesbezüglichen Sondierungen im Ge=
ſamtergebnis
poſitiv ausfallen, ſo iſt beabſichtigt, die Handels=
verträge
Deutſchlands mit Ungarn und Rumänien zum 1. Novem=
ber
in Kraft zu ſetzen.

3 iſt eine Menge gediegener, intereſſanter Arbeit, was da
di Urtereſſengemeinſchaft fortſchrittlicher Künſtler in der Kunſt=
hezuſammen
gebracht hat. Die Beſchräntung auf Aquarelle
iſtz e gute, zeitgemäße um nicht zu ſagen: notverordnungs=
gel
e Ausſtellungsidee. Das Material iſt billiger als die
D.be, die Künſtler können niedrige Preiſe anſetzen; ſie
tSI aber auch außerdem Momentaneres, Perſönlicheres,
E ltigeres geben. Die Welt des Aquarells iſt eine leichtere,
dr ichtigere, bewegtere Welt als die des Oelbildes. Sie hat
Eer Zeichnung das Private und Augenblickliche gemein=
O/ Sas Geſchriebene, und hat doch die mächtigen Wirkungen
dd arbe zur Seite.
wvei Perſönlichkeiten heben ſich beſonders heraus: Erich
W tin (Offenbach) und Gottfried Diehl (Darmſtadt).
W ich, daß für Martins Menſchenſchilderung es geht bei
dier faſt immer um die Motive Liebespaar und Mutter
Lind der frühe Picaſſo das Stichwort gegeben hat: er
T ieſen Rahmen unzweifelhaft mit eigenem Erleben gefüllt.
2 ibt mit ſchmalem Pinſelzug den Kontur und läßt dann
dieſes Gerüſt mit viel Freiheit die Farben ſpielen
2n, die von Abendröten und blauen Morgendämmerungen
ammen ſcheinen, ſo hauchartig und atmoſphäriſch iſt ihr
ri. Die Formen ſind überall leicht idealiſiert, klaſſiziſtiſch
Dingt; etwas Zartes, Scheues, Lyriſches ſchwebt darüber.
Farbtöne blühen frei aus ihren Feldern hervor, von
T Männerkörper geht ein bräunlicher, von einem Mädchen=
In kaltrötlicher Schein aus, und beide ſchwingen unbe=
iert über die Felder hinweg und füllen mit einem Ge=

ſpräch von Zärtlichkeit und ſanfter Schwermut den Bildraum.
Man ſpürt eine noble junge Seele, einen dichteriſchen Geiſt.
Aus ganz anderer Richtung kommt Gottfried Diehl; aus
Härte und Grelle, aus bitterem, ſtarrem Ernſt, der aber ſofort
von ſeiner geiſtigen Führung überzeugt. Auch bei ihm haben
franzöſiſche, offenbar ſurrealiſtiſche Anregungen gewirkt; aber
nur als Verfahren und Wörterbuch zur Darſtellung von Dingen,
die in der Seele des Künſtlers ein echtes Leben haben. Flaſchen
und Gläſer, dahinter ein Fenſter und ſchwerbewölkter Himmel,
das Ganze in Blau, Schwarz, Grün, Gelb, Tiefbraun eine
Welt von trotzigen, wilden Dingen. Ein gelber Akt mit blauem
Tuch, ihm gegenüber eine Figur in Rot; fanatiſche Linien, harte,
holzgeſchnitzte, lackierte Plaſtik der Formen, ohne jede Anbie=
derung
an geläufige Wirklichkeit und doch über das bloß
Sonderbare hinausgehoben, weil ſofort das geiſtige Ringen
ſichtbar wird, das dahinter ſteht. Es geht hier um die Bewußt=
ſeinsproblematik
der Zeit; um Befremdungsgefühle, die in die
Seele einbrechen; um böſe Wachträume, Perſönlichkeitsſpaltun=
gen
, verdächtige metaphyſiſche Hintergründe hinter einer For=
menwelt
, die durch ſie nur greller, härter und zauberiſcher wird.
Kurz, man hat in Gottfried Diehl eine beachtenswerte Erſchei=
nung
vor ſich.
Verſtändlicher als er werden viele der anderen Ausſteller zu
den Augen ſprechen. Da iſt Richard Walter, der hier mit viel
leichterer und gefälligerer Hand als in ſeinen Oelbildern die
Landſchaft ſchildert; Georg Breitwieſer, der auf ſeine ruhige
Weiſe die zarttonige Luft über der Seine, über Notre=Dame uno
anderen Architekturen bringt, Ernſt Vogel mit einer lyriſch
feinen Dorfſtraße in hellem Grün und Roſa; F. Schwarz=
beck
mit einem Binger Hafen in Schieferblau und Braun,
ſehr vornehm und gefaßt; Herman Keil mit munteren Blicken
in ſüdfranzöſiſche Landſchaft; Erna Pinner mit exotiſchen
Motiven in ihrer feinen und etwas ironiſchen, freilich auch
dünnen und faſt gebrechlichen Art. Dazwiſchen auch Anton
Hartmann mit einigen ſeiner charaktervollen Zeichnungen,
Joſef Eberz mit ſüdlichen Landſchaften, die faſt zu trüb und
dicht einherkommen, Hofferbert ſchließlich, der die Waſſer=
farbe
ſehr feucht und locker nimmt und damit zu energiſchen,
maleriſchen Wirkungen gelangt.
Wilhelm Michel.

Ein deutſcher Kunſkmäzen.

Zum 80. Geburtstag von James Simon am 17. September.
Der Vater der Nofretete. Der Stifter von Millionen=
vermögen
für die Kunſt. Der Förderer der ägyptiſchen
Ausgrabungen.
Dr. H. C. James Simon, einer der hervorragendſten
Mäzene Deutſchlands, feierte am 17. September ſeinen 80. Ge=

Die Vorgänge in der engliſchen Blokke.
Auf der Fahrk nach den Heimiſchen Häfen.
London, 17. September.
Die Schiffe der Atlantikflotte ſind in der Nacht zum Don=
nerstag
von Cromarty Forth aus in See gegangen, um ihre
Heimathäfen Portland, Devonport und Chatham anzulaufen.
Am Mitwoch gegen 16,30 Uhr traf bei der Flotte die Nach=
richt
ein, daß die engliſche Admiralität bereit ſei, gewiſſe Härten,
die durch die Soldherabſetzungen entſtanden waren, unterſuchen
zu laſſen. Die Offiziere ließen die Mannſchaften antreten und
teilten ihnen die Entſcheidung mit, die mit Beifallsrufen auf=
genommen
wurde. Dennoch bedurfte es der ganzen Ueber=
redungskunſt
der Offiziere, um die Mannſchaften zum Dampf=
aufmachen
und zum Seeklarmachen der Schiffe zu bewegen. Die
Beſatzungen erhoben Einwendungen dagegen, daß die Schiffe
voneinander getrennt werden, was geſchehen muß, wenn ſie auf
ihre verſchiedenen Heimathäfen verteilt werden. Auf einzelnen
Schiffen, ſo meldet der Daily Herald dauerte es über zwei
Stunden, ehe ſich die Mannſchaften mit dem Auslaufen ihres
Schiffes einverſtanden erklärten. Auf dem Linienſchiff Valiant,
auf dem zuerſt die Unbotmäßigkeit ausgebrochen war, dauerten
die Verhandlungen am längſten. Kurz nach 22 Uhr lief das
erſte Fahrzeug, ein Torpedobootzerſtörer aus der Bucht von
Cromarty aus.
Gleichzeitig mit dem Beſcheid, daß ſie die Klagen der Mann=
ſchaften
unterſuchen werde, ließ die Admiralität auch mitteilen,
daß diejenigen, die ſich weigerten, ihre Pflicht zu tun, ſtreng
beſtraft würden. Der Chef des zweiten leichten Kreuzergeſchwa=
des
, Kontreadmiral Aſtley Ruſhton, unter deſſen Kommando die
beiden Kreuzer geſtanden hatten, die Kiel beſuchten, fuhr per=
ſönlich
von Kreuzer zu Kreuzer, um die Mannſchaften an ihre
Pflicht zu erinnern.
Die Mannſchaften hoffen, daß ihre Lohnforderungen erfüllt
werden. In dem Schreiben an die Admiralität, in dem ſie die
Forderungen nach Reviſion der Soldherabſetzungen ſtellten,
hatten die Beſatzungen darauf hingewieſen, daß die befohlenen
Einſparungen zu ernſten Härten und zur Unmoral unter den
Familien der Seeleute führen müßten. Wenn ſie nicht eine
ſchriftliche Garantie von der Admiralität erhielten, die vom
Parlament zu beſtätigen ſei, würden ſie ſich wie ein Mann
weigern, ihre Pflicht zu tun. Sie ſeien jedoch grundſätzlich be=
reit
, gewiſſe Soldherabſetzungen anzunehmen. Preſſekorreſpon=
denten
, die auf den Schlachtkreuzern zugelaſſen waren, konnten.
beobachten, wie die Mannſchaften Gaſſenhauer ſangen, obwohl
ihre Offiziere ganz in ihrer Nähe waren.
Chamberlgin und Macdonald über die Borgänge
in der allankiſchen Blokke.
Der Erſte Lord der Admiralität, Auſten Chamberlain, teilte
im Unterhaus mit, daß die atlantiſche Flotte dem ihr gegebenen
Befehl, in die Heimathäfen zurückzukehren, damit der Ober=
befehlshaber
durch eine Unterſuchung über die Wirkungen der
neuen Soldordnung vorhandene Härten mildern könne, nachge=
kommen
ſei und ſich auf der Rückfahrt befinde. Er fügte hinzu,
der erwähnte Befehl enthalte einen beſonderen Hinweis darauf,
daß jede weitere Weigerung, irgendeinen Befehl auszuführen,
als Gehorſamsverweigerung angeſehen und dementſprechend nach
den Beſtimmungen über die Manneszucht in der Marine beſtraſt
werden würde.
Auf die Frage eines Abgeordneten, ob die Herabſetzung der
Löhnung in der Marine zu den Kürzungen gehöre, die ſchon von
der früheren Arbeiterregierung proviſoriſch beſchloſſen worden
ſeien, erwiderte Chamberlain, er habe, als er ſein Amt übernom=
men
habe, in der Admiralität Anweiſungen vorgefunden, wonach
die Kürzungen der Löhnung in der Marine durchzuführen ſeien.
Der frühere Erſte Lord der Admiralität, Alexander, wandte
ſich gegen die von Chamberlain gegebene Darſtellung der Vor=
gänge
und erklärte, das frühere Arbeiterkabinett ſei von der
Admiralität und politiſchen Führern vor dem gewarnt worden,
was ſich ſeitdem ereignet habe.
Lebhaftes Aufſehen erregte es, als Macdonald nun folgende
Erklärung abgab: Die frühere Arbeiterregierung erhielt von der
Admiralität die Mitteilung, daß die Seeleute die Kürzungen
loyal hinnehmen würden, vorausgeſetzt: 1. daß die Kürzungen
bei allen öffentlichen Dienſtzweigen durchgeführt würden, und
2. daß die Arbeitsloſenunterſtützungen in gleicher Höhe gekürzt
würden.
Die engliſche Polizei gegen eine Herabſehugs
ihrer Gehälfer.
Der Polizeiverband ſoll ſich wegen der Herabſetzung der Ge=
hälter
der Polizeibeamten an das Home=Office gewandt haben.

burtstag. Er hat für die deutſche Kunſt und die deutſchen Mu=
ſeen
größte Bedeutung erlangt, da er in großzügigſter Weiſe
mehrfach Millionenvermögen für archäologiſche und künſtleriſche
Aufgaben ſtiftete. Er war einer der Hauptförderer der Deut=
ſchen
Orientgeſellſchaft und des Deutſchen Archäologiſchen In=
ſtituts
, denen Freunde des Jubilars Mittel für eine James=
Simon=Grabung zur Verfügung geſtellt haben. Die deutſchen
Ausgrabungen in Aegypten ſind durch ſeine Unterſtützung möglich
geworden, und ſo kann er mit Recht als der Vater der Nofretete
bezeichnet werden, der ſchönen altägyptiſchen Königin, die vor
einigen Monaten gegen andere Werke ausgetauſcht werden
ſollte. Der Widerſpruch des Volkes brachte aber dieſen Plan
zum Scheitern. James Simon hat, von Bode beraten, einer
der ſchönſten Bilderſammlungen zuſammengebracht, die einen Wert
von vielen Millionen hatte. Im Kaiſer=Friedrich=Muſeum
ſtammt ein ganzer Saal der Renaiſſancezeit von ihm. Auch
das Deutſche Muſeum erhielt von ihm eine koſtbare Stiftung.
Er war als einer der Inhaber der Baumwollfirma der Ge=
brüder
Simon in Berlin in der Kloſterſtraße einer der reichſten
Männer Berlins und hatte die Mittel zur Verfügung, um der=
artige
Millionenſtiftungen zu machen. Allerdings waren auch
andere Männer ſo reich wie er, ohne ſich an ihm ein Beiſpiel
zu nehmen. Seine Glanzzeit fiel in die Zeit der Regierung
Wilhelms II., der den Kaufmann und Kunſtmäzen ſchätzte und
ihm den Wilhelmsorden verlieh, da James Simon alle anderen
Ehrungen und Titel ausſchlug. Er lehnte den Adel ab und
war auch nicht zu bewegen, den Kommerzienrattitel anzunehmen,
ſondern er wollte ſtets nur James Simon heißen. Den Ehren=
doktortitel
der Berliner Univerſität dagegen nahm er an. Er
bewöhnte in der Tiergartenſtraße eine der ſchönſten Villen, die
mit künſtleriſchem Geſchmack ausgeſtattet war. Seine private
Sammlung von Bildern und Kunſtwerken aller Art war welt=
berühmt
. Die Nachkriegszeit hat auch dieſes Rieſenvermögen
aufs ſchwerſte geſchädigt. James Simon verkaufte ſeine Villa
und ließ ſeine Sammlungen verſteigern, unter denen der be=
rühmte
Vermeer eine künſtleriſche Senſation war. Die alte
Firma geriet in Schwierigkeiten. Während aber der andere
Beſitzer der Firma Eduard Simon ſich mit den neuen Verhält=
niſſen
nicht abfinden konnte, nahm James Simon, der an
äußerem Glanz niemals hing, und nur wenig Wert auf die
Vorzüge legte, die ihm der Reichtum bot, die Umwälzung der
wirtſchaftlichen Verhältniſſe mit größter Ruhe hin und bedauerte
nur, daß er nicht mehr imſtande ſei, die ihm ſehr am Herzen
liegenden Ausgrabungen im Orient zu fördern. Seine Freunde
haben ihm auch zu ſeinem 80. Geburtstag dieſen Wunſch erfüllt,
denn mit der von ihnen zur Verfügung geſtellten Summe werden
jetzt an dem Ort, wo früher die Hauptſtadt der Hettiter ſtand, die
Ausgrabungen vorgenommen werden, die James Simon ſchon
lange beabſichtigt hatte.

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Seite 4

Freitag, den 18. September 1931

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A mer 259

Freitag, den 18. September 1931

Seite 5

Aus der Landeshaupkſtadt.
Darmſtadt, den 18. September 1931.
* Martin Wenck .
Alter von 69 Jahren iſt geſtern nachmittag in Darmſtadt
chefm kteur i. R. Martin Wenck nach langer Krankheit ver=
ſtorbe
Wenck, der einer Baſler Ratsfamilie entſtammt, war ur=
ſprürm
; Theologe in Baden. Er wandte ſich beſonders der Inne=
en O on zu und wirkte hervorragend in den Evangeliſchen Ar=
beitex
einen, die damals entſtanden. In ſeiner erſten Darm=
ſtädtss
eit in den 90er Jahren trat er den national=ſozialen Ge=
dankes
ngen Friedrich Naumanns bei. Er legte die Pfarrer=
robe
und ging unter die berufsmäßigen Politiker, übernahm
tion der Heſſ. Landeszeitung

erhs e demokratiſche Blätter in Darmſtadt und Worms. Beim
ehrs tt in den Ruheſtand ſiedelte er nach Darmſtadt üher, wo
der müdliche die Vertretung der Frankfurter Zeitung über=
nom
hatte. Martin Wenck war aus ſeiner Herrenhuter
Erzi.; g heraus ein Mann peinlichſter Pflichterfüllung und

liehss erter Hilfsbereitſchaft. Aus dem liberalen Theologen
war, unermüdlicher, ſachlicher Kämpfer für demokratiſche Ideale
i. Da ihm jede partikulariſtiſche Enge fremd war, trat
ger

er ſZentſchieden für den Einheitsſtaat ein. Aus ſeiner Feder
n der Tagesarbeit für die Zeitung zahlreiche Publikatio=
ſekannt
iſt ſeine große Naumann=Biographie theologi=
nationalökonomiſchen
Charakters entſtanden. Mit ihm,

Politiker der Jahrhundertwende und der Kriegszeit faſt
inlich kannte und mit vielen bis jetzt in regem Gedanken
ſtand, iſt ein umfaſſend wiſſender Journaliſt dahingegan=
ſie
heute in der Zeit der Spezialiſierung der Journaliſtik
Itener werden.
ie Angeſtellten und die Wirtſchaftskriſe. Man ſchreibt
Gewerkſchaftsbund der Angeſtellten (GDA.), Ortsgruppe

)t eröffnete die Winterveranſtaltungen mit einem Vor=
Geſchäftsführers des GDA., Hugo Weinberg, über: Die
ten und die Wirtſchaftskriſe. Der Redner gab einen
cküber die Entwicklung der letzten Jahre. Er zeigte, wie
etzige Kriſe entwickelte. In eingehender Weiſe nahm er
entwicklung der Sozialpolitik Stellung. Es muß als ein
di bezeichnet werden, wenn man immer wieder berſucht, die
ehc für die Kriſe verantwortlich zu machen. Gerade der
Fall ordwolle zeige ja, wo die Fehler zu ſuchen ſeien. An=
dere
ſpiele beſtätigen dieſe Tatſache. Um die Kriſe zu über=
wind
muß es unſere beſondere Aufgabe ſein, den Inlandsmarkt
wied (u heben. Er wies dann nach daß die Kartellpolitik, die
imm =arr an den Preiſen feſthalte, ſich als falſch erwieſen habe.
Hier es Pflicht und Aufgabe der Regierung, einzugreifen. Wei=
terhrä
urde die Zollpolitik einer ſcharfen Kritik unterzogen. D
Redw wies dann weiter darauf hin, daß es gerade die Angeſtell=
tenſc
iſt, die ſich pflichtbewußt in den Dienſt des Volkes ſtellt.
Wer an auf die Entwicklung des Angeſtelltenſtandes, der heute
rund Millionen Menſchen umfaßt, zurückblickt, dann kann man
feſtſt 1i, welch wichtige Aufgabe dieſer Stand zu erfüllen hat.
Unts r jetzigen Kriſe habe aber dieſer Stand gerade beſonders
ſchwei leiden. Es kann und darf aber nicht dazu kommen, daß
dieſe tand in ſeinen Lebensbedingungen noch weiter herabge=
drückh
ird. Wie der GDA. die Intereſſen der Angeſtelltenſchaft
vert1, zeige ſich erſt jetzt wieder bei den Verhandlungen über
die ſarbeit. Raſtlos ſind die Führer tätig, um dem Angeſtell=
tenſth
2 die Lebensmöglichkeit zu ſchaffen, die er unbedingt
ut In der Ausſprache wurde zur Frage der Doppelver=
yiſw
. Stellung genommen. Auch hier zeige ſich, wie der
verall Schritte zum Beſten der Angeſtellten einleite. Aus
te der Verſammlung wurde dann der Dank der Angeſtell=
nſci
zum Ausdruck gebracht; gleichzeitig wurde auch darauf
ingg eſen, wie dringend notwendig es ſei, daß heute alle Ange=
tellk
) nitarbeiten. Dieſer Aufruf müſſe in alle Kreiſe dringen.
verbſt=Sonderfahrten der Heſſ. Eiſenbahn=A.G. Wer Rei=
Wandern zuſammen verbinden will, der wähle die aus=
r
Herbſtfahrten der Heag: Vom 27. September bis 2. Okto=
herrliche
Bayernreiſe, am kommenden Sonntag, dem 20.
bep.vſer, MiltenbergAmorbach. Zur Altrhein=Regatta Erfel=
n
. 7.30 Uhr nach Erfelden, nachm. 13 Uhr Wiederholung.
kfahrt wird auf 20 und 23 Uhr ab Erfelden gelegt. Eine
eſors billige Fahrt findet am kommenden Mittwoch ſtatt. Alles
Näh d aus der heutigen Anzeige und im Heaghaus. Zimmer 6.
Akademiekonzert. Das 1. Akademiekonzert findet Don=
ers
den 24. d. M., um 17 und 20 Uhr, im Großen Saale des
Stäki den Saalbaues ſtatt. Nach langer Pauſe tritt an dieſem
Abe o rſtmalig wieder Willy Hutter mit dem Konzert von
Schry nn vor die Oeffentlichkeit. Hutter, der ein Schüler von
Ferrlio Buſoni und bis zur Stadtwerdung der Akademie, für
Tonn + Mitdirektor der Anſtalt war, hat ſich aus Anlaß des
80jc5 en Jubiläums der Akademie für dieſes 1. Konzert freund=
lichſ
-ſr Verfügung geſtellt. Das Programm des Abends umfaßt
nebei em Klavierkonzert von Robert Schumann, das anläßlich
des : Todestages (29. Juli 1856) des Meiſters zur Aufführung
gelc. Werke von Komponiſten, die mit der Städtiſchen Akade=
mie
Verbindung ſtehen oder ſtanden. So erlebt eine Tanzſuite
für Immmerorcheſter, Op. 10. von Julius Klaas hier ihre
Erſti ührung. Klaas, der an der Städtiſchen Akademie für
Tonu /+ (Kompoſitionsklaſſe Dr. Bodo Wolf) ausgebildet wurde,
hatrt it dieſem Werk bereits große Erfolge zu verzeichnen; faſt
alles) tſchen und viele ausländiſchen Sender haben die Tanzſuite
ſchooer Aufführung gebracht. Zum Schluß des Abends kommt
einen rite für kleines Orcheſter nach Klavierſtücken Mozarts von
Ary Id Mendelsſohn zur Aufführung, die dem Inſtrumen=
tal
=) ein gewidmet iſt. Auch Arnold Mendelsſohn iſt mit der
Akci ie verbunden, indem er lange Jahre dem Lehrerkollegium
der ſtalt angehörte und heute noch als Staatskommiſſar bei
den jährlich ſtattfindenden Staatsprüfungen wirkt. Miet=
abſeſ
und Kartenverkauf im Sekretariat der Städtiſchen Aka=
denn
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Musketiere. Halbe Preiſe 0 505 Mk. g. 22. Sept. 19½223 Uhr. 4 3. Die Macht des Schickſals.
Preiſe 0.907.20 Mk. Mist ch, 23. Sept. 2022.15 Uhr. E 2. Reifeprüfung,
Preiſe 0.806.40 Mk.


0

Heſſiſches Landestheater. Heute abend findet die Wieder=
von
Max Dreyers Reifeprüfung in der Beſetzung
ren Aufführung ſtatt.
Sinfoniekonzert im Landestheater. Als Soliſten der Sin=
nzerte
des Landestheaters in der Spielzeit 1931/32 wurden
de erſte Künſtler verpflichtet: Rudolf Serkin, der das
rkonzert B=Moll von Tſchaikowſky ſpielt EdwinFiſcher.
Der beſten Brahmsſpieler, ſpielt das Konzert für Klavier
rcheſter B=Dur von Brahms. Bei ſeinem erſten Auftreten
mſtadt im vorigen Jahre errang ſich der ungariſche Geiger
Oh. Szigeti einen großen Erfolg. Szigeti ſpielt die
2: La Folia von Corelli und das lange nicht mehr in den
iekonzerten gehörte Violinkonzert E=Moll von Mendelsſohn=
oldy
. Beſondere Freude dürfte das Wiedererſcheinen eines der
endſten Geſangskünſtler, Heinrich Rehkemper, erwecken.
Mietkarten für die Sinfoniekonzerte werden gegen Zahlung
Iten Rate werktäglich von 913.30 Uhr an der Hauptkaſſe,
er 4, ausgegeben.

Auftof iar Bnnerhilfe.

Der Reichspräſident, die Reichsregierung und die Wohlfahrts=
verbände
erlaſſen folgenden Aufruf zur Winterhilfe:
Die Not iſt da. Sie iſt in allen Berufen und Ständen. Sie
iſt auch im Hauſe des Fleißigen und Sparſamen, wenn er keine
Arbeit findet. Und Millionen in Deutſchland, die arbeiten möchten,
finden keine Arbeit. Der Zuſammenbruch droht heute nicht mehr
Einzelnen, ſondern dem ganzen Volke.
Der Streit um die Schuld an der Not hilft uns nicht weiter.
Er macht keinen Hungrigen ſatt. Wir wollen nicht ſtreiten, wir
wollen helfen!
Die Liebe zum Nächſten und die Sorge um die Zukunft unſeres
Volkes und damit auch um die eigene Zukunft müſſen zuſammen=
wirken
, das letzte, was jeder hergeben kann, herauszuholen und es
einzuſetzen im Kampfe gegen die Not.
Geld, Lebensmittel, Kleider, Sachen, Holz und Kohlen, alles
kann helfen, Not zu lindern, wenn in rechtem Sinne und am
rechten Ort gegeben wird.
Keiner darf ſagen: Ich kann nichts geben, mir geht es ſelber
ſchlecht genug. Wenn du nicht mithelfen willſt, der Not zu wehren,
wird es dir bald noch ſchlechter gehen. Etwas zu geben hat jeder.
Wer ſonſt gar nichts hat, hat noch ſeine Zeit und ſeine Hände, um
mitzuhelfen, daß von dem, was andere geben können, nichts um=
kommt
und alles an Ort und Stelle gebracht wird.
An allen Orten im deutſchen Vaterland, in allen Bezirken,
Provinzen und Ländern werden Sammelſtellen eingerichtet. Dort=
hin
gebt eure Gaben. Dort meldet euch zum Helferdienſt. Hilfe
iſt überall nötig. Auch dafür wird geſorgt, daß jeder für die
Kreiſe eintreten kann, deren Not ihm beſonders am Herzen liegt.
Nun gebt auch wirklich! Gebt, ſoviel ihr entbehren könnt! Führt
mit uns den Kampf gegen die Not!

Wir wollen helfen!

Deutſche Liga der freien Wohlfahrtspflege:
Zentralausſchuß
für die Innere Miſſion der deutſchen Evangeliſchen Kirche
Deutſcher Caritasverband
Zentralwohlfahrtsſtelle der deutſchen Jugend
Deutſches Rotes Kreuz
Genfer Wohlfahrtsverband
Chriſtliche Arbeiterhilfe.
Die außerordentliche wirtſchaftliche Notlage, die gegenwärtig
die ganze Welt heimſucht, hat unſer Vaterland beſonders hart
getroffen.
Wir werden dieſe Nöte überwinden, wenn das Volk in Hilfs=
bereitſchaft
und Opferſinn zuſammenſteht. Reichspräſident und
Reichsregierung richten daher an alle, die helfen können, die
dringende ,Bitte, dem Aufruf zur Winterhilfe bereitwilligſt Folge
zu leiſten. Es geſchieht dies auch in der Hoffnung, daß ſolche
Liebestätigkeit zur inneren Verſöhnung unſeres Volkes beitragen

Kindererholungsfärforge
des Heſſiſchen Landesvereins für Innere Miſſion.
EPH. Seit Jahren beteiligt ſich der Heſſiſche Landesverein für
Innere Miſſion an der Kindererholungsfürſorge. Während er
bisher in geringem Umfange erholungsbedürftigen Kindern ſechs=
wöchige
Solbäderkuren in Bad=Nauheim zu ermäßigten Preiſen
vermittelte, führte er in dieſem Jahre erſtmalig in Verbindung
mit den evangeliſchen Kreiswohlfahrtsdienſten in größerem Um=
fange
Kindererholungskuren durch. Trotz der ſchon vorgerückten
Sommerzeit gelang es, aus den Städten Darmſtadt, Offenbach,
Worms und Gießen, und aus den Kreiſen Alzey und Groß=Gerau
47 Mädchen und 37 Buben für 4 Wochen Erholungsaufenthalte
in den Kreiſen Bensheim. Dieburg, Heppenheim, Lauterbach, Schot=
ten
und Alzey zu vermitteln. Die Familien, größtenteils bäuer=
liche
, nahmen die Kinder ohne jegliche Entſchädigung auf. Wohl
halfen die Kinder in Haus und Feld, jedoch geſchah dies aus
freiem Antrieb. Die geſammelten Erfahrungen, ſowohl auf ſei=
ten
der Familien, die Kinder aufgenommen hatten, als auch bei
den Kindern, ermuntern, dieſe Art Kindererholungsfürſorge zu
pfegen, zumal die Kommunen durch ihre finanzielle Lage gezwun=
gen
ſind, auch auf dieſem Gebiete Einſchränkungen vorzunehmen.

Hausfrauck!

Eßt nur deutſche Aepfel
und deutſches Obſt!

EPH. Haushaltskurſe für Mädchen. Der Verband der evange=
liſch
=weiblichen Jugend in Heſſen will in ſeinem Erholungsheim
Orbishöhe in Zwingenberg zwei ſechswöchige Haushaltungskurſe
veranſtalten, von denen der erſte vom 1. November bis 15. Dezem=
ber
1931, der zweite vom 15. Januar bis 1. März 1932 laufen
ſoll. Von geeigneten Lehrkräften wird in folgenden Fächern Un=
terricht
erteilt werden: Kochen, Backen, Nahrungsmittellehre,
Hausarbeit, Haushaltskunde. Nähen und Handarbeit, Lebenskunde
Deutſch. Bibelkunde, Geſundheitslehre Säuglingspflege. Daß auch
geſungen und muſiziert wird, iſt ſelbſtverſtändlich, wie überhaupt
bei aller ernſten Arbeit ein fröhlicher Geiſt das Ganze durchwalten
wird. Der Preis für Wohnung, Verpflegung und Lehrgeld be=
trägt
wöchentlich nur 15. RM. Es iſt zu wünſchen, daß ſich recht
bald viele Intereſſentinnen melden, da die Kurſe nur bei genü=
gender
Beteiligung ſtattfinden können. Anfragen gehen an Frl.
Eliſabeth Bahlburg in Zwingenberg (Heſſen) Erholungsheim
Orbishöhe.
Man ſoll mit der Zeit gehen! Großer Umſatz, kleiner Nutzen!
Sie kaufen heute ſchon eine volle Kilodoſe Bohnerwachs oder Beize
für 80 Pfg., die halbe Doſe für 40 Pfg. Bohner, ſchwer und doch
handlich, für 1.65, der ganz ſchwere 10=Kilogr.=Bohner nur 6.50.
Beſte weiße Kernſeife ½=Pfd. Stück nur 18 Pfg., 3 St. 50 Pfg.
Kloſettpapier große Rolle nur 10 Pfg.
(13464

Briß Müller

Seifenhaus am Weißen Turm und
Seifenhaus am Schillerplatz.

Filiale:

Das Winterhalbjahr der Höheren Landesbauſchule Darm=
ſtadt
. Neckarſtraße 3, für Hoch= und Tiefbau mit 5 aufſteigenden
Klaſſen beginnt am 7. Oktober 1931 und ſchließt Ende Febr. 1932.
Das Schulgeld beträgt pro Halbjahr 140 RM. Proſpekte ſind
durch das Sekretariat erhältlich.
Volkshochſchule. Unſere Mitglieder erhalten zur Vorſtel=
lung
Alt=Heidelberg, am Samstag. im Großen Haus
des Landestheaters ermäßigte Karten in unſere Geſchäfts=
ſtelle
.

möchte. Die Hilfe ſoll die große Not lindern, aber ſie ſoll auch
neues menſchliches Vevtrauen ſchaffen unter den deutſchen Volks=
genoſſen
ſelbſt und für das deutſche Volk in der Welt.
Der Reichspräſident: Für die Reichsregierung:
v. Hindenburg. Dr. Brüning, Reichskanzler.
Wer nicht für ein beſtimmtes Gebiet geben, aber dort helfen
will, wo die Not beſonders groß iſt, der überweiſe ſeinen Beitrag
an die Deutſche Liga der freien Wohlfahrtspflege, Berlin N 24,
Oranienburger Straße 13/14, oder auf deren Poſtſcheckkonto Ab=
teilung
Winterhilfe Berlin Nr. 33 643.

Die freie Wohlfahrtspflege in Deutſchland hat aufgerufen zur

Auch wir wollen helfen. Die Verbände der freien Wohlfahrts=
pflege
in Heſſen werden wie im vorigen Jahr, aber um der
größeren Not willen noch verſtärkt, im ganzen Heſſenland ſammeln
und Hilfe für die Notleidenden vermitteln.
Wir wenden uns an alle, die irgend helfen können, ohne
Unterſchied der Konfeſſion, der politiſchen Anſchauung, des Standes
oder Berufes, und bitten Sie herzlich: Helft, ſeid bereit, ein Opfer
zu bringen für die, deren Not noch größer iſt als die eure.
Die Durchführung der Sammlung erfolgt durch Ausſchüſſe, die
für die einzelnen Kreiſe oder größeren Städte gebildet ſind.
Landesverband der Inneren Miſſion in Heſſen
Caritasverband für die Diözeſe Mainz
Landesverband für die Iſraelitiſche Wohlfahrtspflege in Heſſen
und Heſſen=Naſſau
Heſſiſches Rotes Kreuz (Landesverein und Alice=Frauenverein)
Landesausſchuß für Arbeiterwohlfahrt und Jugendpflege in Heſſen
Chriſtliche Arbeiterhilfe, Landesausſchuß Heſſen
Deutſcher Fünfter Wohlfahrtsverband, Bezirk Heſſen,
An die hefſiſche Bevölkerung!
Schwer laſtet die Not auf unſerem Heſſenlande. Alle haben
die Bitte geleſen, mit der der Herr Reichspräſident und die
Reichsregierung ſich an alle Deutſche wenden. Auch die Heſſiſche
Regierung erhofft von dem gemeinſamen Wirken der Vereini=
gungen
freier Liebestätigkeit Linderung ſchlimmſter Not. Laßt
das Vertrauen von Menſch zu Menſch wieder lebendig werden,
Helft einander! Die Winterhilfe zeigt den Weg dazu.
Darmſtadt, den 16. September 1931.
Das Heſſiſche Geſamtminiſterium.
Adelung, Kirnberger, Leuſchner, Korell,

Aus den Gerichtsſaal.

Aw. Eine etwas verzwickte Angelegenheit brachte drei
Mörlenbacher vor den Staatsanwalt. Zwei Steinhauer
waren arbeitslos geworden und bezogen Arbeitsloſenunterſtützung.
Eines Tages pachteten ſie einen kleinen Steinbruch und begannen
ihn vorerſt einmal zu ſäubern. Da ſie damit nichts verdienten.
glaubten ſie, dieſe Arbeit ſei nicht anmeldungspflichtig. Auch als
ſie eine Portion Pflaſterſteine verkauften und dafür jeder etwa
170 Mark erhielten, glaubten ſie es nicht anmelden zu müſſen,
da ſie gerade keine Unterſtützung erhielten. Später kam ein
Gemeindebeamter zu ihnen, pachtete ihnen den Steinbruch ab und
nahm ſie als Angeſtellte auf, um den Steinbruch gehörig auszu=
beuten
. Das Arbeitsamt war der Anſicht, daß die ganze Sache
nur fingiert ſei, um ſich eine längere Anwartſchaft auf Arbeits=
loſenunterſtützung
zu erwerben. Die beiden Steinhauer geben am
Donnerstag vor dem Bezirksſchöffengericht an, ſie hätten
das für einen rechtsgültigen Vertrag gehalten, den ſie gemacht hät=
ten
, da ſie die Sache nicht ſelber hätten finanzieren können. Das
Gericht ſpricht die ſämtlichen drei Angeklagten frei, da ihnen
eine Betrugsabſicht nicht nachzuweiſen ſei, warnt ſie jedoch
dringend vor ähnlichen Manipulationen.
Es ſitzt dann ein ſchwerer Junge, ein Fuhrmann aus Gries=
heim
, wegen Fahrraddiebſtahls auf der Anklagebank. Der
Mann hat wegen Fahrraddiebſtahls bereits ſchwere Zuchthaus=
ſtrafen
hinter ſich, und ſowie er aus dem Zuchthaus herauskommt,
beginnt er von neuem ſeine Fahrraddiebſtähle. Durch Zufall fand
man bei ihm zwei Fahrräder vor, die er in Frankfurt gekauft
haben wollte, die ſich aber als geſtohlen herausſtellten. Er gab
denn auch zu, die Fahrräder auf der Straße weggenommen zu
haben, doch ſagen heute die Beſitzer als Zeugen glaubwürdig aus,
daß die Fahrräder aus Schuppen geſtohlen wurden, von denen der
eine ſogar verſchloſſen war, ſo daß der eine als Einbruchsdiebſtahl
beſtraft werden muß. Da der Angeklagte bereits derartig vor=
beſtraft
iſt und die Akten nur die ſchlechteſte Auskunft über ihn
geben, kann das Gericht ihm keine mildernden Umſtände zubilligen
und verurteilt ihn insgeſamt zu fünf Jahren Zuchthaus,
dazu zehn Jahre Ehrverluſt und Polizeiaufſicht.
Evangeliſch=kirchlicher Frauenverein der Petrusgemeinde.
Wie alljährlich, veranſtaltet unſer Frauenverein auch dieſes Jahr,
eine Verloſung für ſoziale Zwecke unſerer Gemeinde. Die Ver=
loſung
gewinnt aber diesmal eine beſondere Bedeutung dadurch,
daß ihr Ertrag für eine Kinderſpeiſung verwendet werden ſoll, in
der gleichen Art, wie ſie vergangenen Winter durchgeführt werden
konnte. Es iſt erfreulich, daß die Loſe bereits raſchen Abſatz fin=
den
. Im Intereſſe eines vollen Erfolges bitten wir die Gemeinde=
glieder
, ſich in der nächſten Zeit noch mit Loſen verſehen zu wollen.
Sie ſind zu 30 Pf. bei der Vorſitzenden des Frauenvereins, Exz.
Frau von Wuſſow. Annaſtraße 34, und im Gemeindehaus, Eich=
wieſenſtraße
8, zu haben.
Orpheum. Drei Abende des Lachens. Heute, Frei=
tag
. abends 8.30 Uhr, geht letztmalig der bei den vorhergegangenen
Aufführungen mit außerordentlichem Beifall aufgenommene
Schwank von Arnold und Bach. Hurra, ein Junge in Szene.
Außer K. L. Lindt, der in der Rolle des Pappenſtiel ſehr zum
Erfolg beitrug, wirken mit die Damen: Maria Gerlach, Mizzi
Rauſchenberg, ſowie die Herren Joſef Gurk. Heinz Albrecht Marks
1. a. m. Auf die geringen Eintrittspreiſe von 80 Pfg. bis 2 RM.
ſei beſonders hingewieſen. Sie gelten auch für die am Samstag
und Sonntag abend ſtattfindenden Aufführungen des hochaktuel=
len
Schwankes von Reimann und Schwartz Börſenfieber . K. L.
Lindt ſpielt hierin die Rolle des Apothekers Emmerling, die mit
zu ſeinen beſten zählt. Sonntag nachmittag 3½ Uhr geht in
einziger Aufführung das luſtige Kindermärchen Die Prinzeſſin
auf der Erbſe in Szene, wobei wieder die bekannt kleinen Preiſe,
von 25 Pfg. an, gelten. (Siehe Anzeige.)

Seau

K

oReger de detant
Sente lt Aautt

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Freitag, den 18. September 1931

Siebente Jahresſitzung
der Seſſiſchen Indaſtrie= und Sandelskammer Darmſtadt

am 15. September 1931.

Vor Eintritt in die Tagesordnung brachte der Vorſitzende dem
langjährigen Mitglied der Kammer, Direktor Friedrich May
die Glückwünſche der Vollverſammlung zum 25jährigen Dienſtjubi=
läum
als Vorſtand der Motorenfabrik Darmſtadt A. G. dar.
An Hand des Geſchäftsführungsberichts wurde der Vollver=
ſammlung
davon Kenntnis gegeben, daß die Vorbereitungen zur
Einführung von Netz= und Bezirkskarten bei der Reichs=
bahn
vorangeſchritten ſind, ſo daß in abſehbarer Zeit mit ihrer
Einführung zu rechnen iſt. Auf Einladung der Kammer waren
eine größere Anzahl mittelweſtdeutſcher Handelskammern zu einer
eingehenden Ausſprache über dieſe für die Verkehrsentwicklung ſo
wichtige Frage in Darmſtadt zuſammengetreten und hatten ſich auf
eine gemeinſame Stellungnahme hinſichtlich verſchiedener Verheſſe=
rungsvorſchläge
geeinigt. In Verfolg der für die Deviſen=
regelung
erforderlichen Maßnahmen haben entſprechende Ver=
handlungen
mit der Deviſenbeſchaffungsſtelle beim Landesfinanz=
amt
in Darmſtadt ſtattgefunden. Die Kammer hatte Veran=
laſſung
, ſich an erneuten Verhandlungen zwiſchen der Stadtver=
waltung
Darmſtadt und den am Bahnhof Darmſtadt=Oſt
Gleisanſchlüſſe beſitzenden Firmen zu beteiligen. Auf
einer Vertreterbeſprechung der Heſſiſchen Induſtrie= und Handels=
kammern
, gelangte eine Entſchließung zur gegenwär=
tigen
Wirtſchaftslage zur Annahme deren Ver=
öffentlichung
in der Preſſe bereits erfolgt iſt. Hinſichtlich der
Härten, die ſich aus der Erhebung der Gemeinde=
gewerbeſteuer
für das Rechnungsjahr 1931 ergeben wur=
den
Verhandlungen mit dem Heſſiſchen Miniſterium des Innern
und gegebenenfalls mit Vertretern des Heſſiſchen Städtetags als
erforderlich erachtet. Fernerhin wurde beſchloſſen, wegen einer
Aenderung des in der Notverordnung vom 1. Dezember 1920
enthaltenen. Gewerbeſteuervereinheitlichungsge=
ſetzes
bei den maßgebenden Stellen vorſtellig zu werden. Eine
zukünftige Erhebung der Gewerbeſteuern lediglich nach dem Ge=
werbeertrag
würde für Heſſen eine außerordentliche Laſtenverſchie=
bung
nach ſich ziehen, die zumal unter den gegenwärtigen Ver=
hiltniſſen
nicht verantwortet werden könnte. Die Heſſiſchen In=
duſtrie
= und Handelskammern ſtehen auf dem Standpunkt, daß
das Anlage= und Betriebskapital auch fernerhin als Gewerbe=
ſteuergrundlage
neben dem gewerblichen Ertrag erhalten bleiben
muß. Die Einführung einer Lohnſummenſteuer kann für heſſiſche
Verhältniſſe mit Rückſicht auf die erheblichen Unterſchiede in der
Arbeitsintenſität der ſteuerpflichtigen Kreiſe nicht in Frage kom=
men
. Hinſichtlich der Gemeindebierſteuer wurden erneut
bei dem Herrn Miniſter des Innern Vorſtellungen dahingehend
erhoben, daß allen Gemeinden die Einziehung der Gemeindebier=
ſteuer
unmittelbar beim Gaſtwirt zur Pflicht gemacht wird.
Die Beſtrebungen nach einer Aenderung der Vergleichs=
ordnung
, wie ſie in einer Vereinbarung zwiſchen reichsdeutſchen
und öſterreichiſchen Induſtrie= und Handelskammern unter Mit=
wirkung
der Vertretungen beider Regierungen ihren Niederſchlag
gefunden haben, fanden grundſätzliche Billigung. Abänderungs=
vorſchläge
in einzelnen Punkten ſollen dem Deutſchen Induſtrie=
und Handelstag zur Weiterverfolgung unterbreitet werden.
Hierauf wurde Bericht erſtattet über die letzte Sitzung des
Haupt ausſchuſſes des Deutſchen Induſtrie= und
Handelstags, wo zu der gegenwärtigen Wirtſchaftslage Stel=
lung
zu nehmen war. Insbeſondere befaßten ſich die Verhand=
lungen
mit der je länger, je mehr notwendig gewordenen Frage
einer baldigen Aufhebung der Hauszinsſteuer, (in
Heſſen Sondergebäudeſteuer genannt), die wie ein Alvdruck auf
unſerem geſamten Wirtſchaftsleben laſtet und deren Beſeitigung
eine unerläßliche Vorausſetzung für die Wiederherſtellung geord=
neter
Kreditgrundlagen darſtellt. Eine Aufhebung dieſer unglück=
lichen
Sonderbelaſtung des bebauten Grundbeſitzes würde gleich=
zeitig
für weiteſte Kreiſe des Wirtſchaftslebens eine ſtarke Be=

lebung erwarten laſſen. Die Vollverſammlung iſt der Auffaſſung,
daß die Hauszinsſteuer je eher je beſſer zu beſeitigen iſt, und zwar
in vollem Umfang.
Weiterhin befaßte ſich die Vollverſammlung mit den gegen=
wärtigen
wirtſchaftlichen Vorgängen in Darmſtadt. Uebereinſtim=
mend
war man der Auffaſſung, daß eine Aufrechterhaltung der
Darmſtädter Volksbank eine wirtſchaftliche Notwendig=
keit
darſtellt, zumal bei einem etwaigen Wegfall dieſes Bankinſti=
tuts
eine entſprechende Neugründung erfolgen müßte, damit den
bisher mit der Darmſtädter Volksbank arbeitenden Wirtſchafts=
kreiſen
eine geeignete Bankverbindung für ihren Geldverkehr zur
Verfügung ſteht. Die nachſtehende Entſchließung wurde einſtim=
mig
angenommen:
Im allgemeinen Intereſſe unſerer Stadt iſt es dringend
geboten, daß die Darmſtädter Volksbank in der
einen oder anderen Form als weſentlicher Faktor der einheimi=
ſchen
Wirtſchaft beſtehen bleibt. Bei der weiteren Be=
handlung
der Dinge muß von allen Beteiligten erwartet wer=
den
, daß neben berechtigter Kritik und begreiflichem Unmut
der Geiſtkühler Berechnung die Oberhand behält.
Unter dieſem Geſichtspunkte müſſen die Beſtrebungen, die
Darmſtädter Volksbank zu erhalten, betrachtet und
gefördert werden. Hierbei iſt größte Beſchleuni=
gung
vonnöten, um weitere ſchwere Schädigungen
der Darmſtädter Wirtſchaftskraft zu verhüten.
Die Zuſpitzung der Wirtſchaftslage hat auch bei der Reichs=
bahn
Veranlaſſung gegeben zu erwägen, inwieweit Betriebs=
einſchränkungen
im Perſonenverkehr möglich ſind.
Bei allem Verſtändnis für eine wirtſchaftliche Betriebsführung
dieſes unſeres größten Verkehrsunternehmens muß es außerordent=
lich
bedauerlich erſcheinen, daß nach den bisherigen Plänen der
Reichsbahn die für den Darmſtädter Wirſchaftsraum ſo wichtige
Strecke DarmſtadtAſchaffenburg im kommenden Win=
ter
wiederum durch Wegfall der letzten auf ihr noch verkehrenden
Schnell= und Eilzüge auf den Stand einer Nebenlinie herab=
gedrückt
werden ſoll. Die Kammer hat bei den zuſtändigen Reichs=
bahndienſtſtellen
unverzüglich Vorſtellungen erhoben, die darauf
abzielen, die ſchwerſten Schädigungen hintanzuhalten. Es ſteht
zu hoffen, daß das einzige zwiſchen Darmſtadt und Aſchaffen=
burg
noch verkehrende Schnellzugspaar (gegenüber vier Schnell=
und Eilzugspaaren in der Vorkriegszeit) wenigſtens für einen
Teil des Winters erhalten bleibt. Für die Folge muß allerdings
erwartet werden, daß die Reichsbahn der Wiedereinbeziehung die=
ſer
wichtigen Strecke in den Schnell= und Durchgangsverkehr nicht
zuletzt auch durch geeignete tarifariſche Maßnahmen eine größere
Beachtung als bisher zuwendet.
Aus dem Kreiſe der Mitglieder wurde darauf hingewieſen,
daß bei der in Ausſicht genommenen Verſorgung der not=
leidenden
Bevölkerung im Wege der Winterhilfe‟
der ortsanſäſſige Handel nicht ausgeſchaltetwerden dürfe,
daß vielmehr die vorhandenen Einrichtungen. Warenkenntniſſe
und Erfahrungen des Handels bei der Beſchaffung und Vertei=
lung
der Güter weitgehend nutzbar gemacht werden müſſen. Die
Kammer wird es ſich angelegen ſein laſſen, ihren Einfluß in die=
ſer
Richtung geltend zu machen.
Weiterhin wurde Klage darüber geführt, daß die Berufs=
ſchulen
bei Aufſtellung ihres Stundenplans nicht imn
reichend auf die Schwierigkeiten Rückſicht nehmen, die den Betrie=
ben
bei der Durchführung der Kurzarbeit erwachſen. Als zweck=
mäßig
im Intereſſe einer geregelten Betriebsführung, nicht zuletzt
aber einer ausreichenden Beſchäftigung und ordnungsmäßigen
Ausbildung der Lehrlinge wurde es bezeichnet, daß der Berufs=
ſchulunterricht
wenn irgend möglich auf infolge der Kurzarbeit
ganz oder teilweiſe freigewordene Zeiten gelegt wird.

* Aus den Darmftädter Lichkſpieltheakern.
Palaſt=Lichtſpiele.
Madam Satan
iſt ein Ausſtattungs=Tonfilm aus der Regie von Cecil B.
de Mille, der in bezug auf Aufwand und Umfang ſeinesgleichen
nicht haben dürfte. Ein Film, wie ihn ſich nur Amerika leiſten
kann. Was in dem grandioſen Bachanal, einem Maskenfeſt in
einem Zeppelin am Ankermaſt, aufgeboten wird an Phantaſie=
koſtümen
, an Pomp, an Schönheit und Nacktheit, an Maſſenvor=
führungen
und Tanzpantomimen und Enſembletänzen, das iſt von
einer Ueppigket und Verſchwendung, die einzig daſteht. Und was
filmtechniſch geleiſtet wird in dem Abſchluß dieſes Bachanals, iſt
ebenſo grandios wie phantaſtiſch. Hier iſt das Unmögliche tatſäch=
lich
möglich gemacht. Hier wird gezeigt, daß es für die Filmtechnik
Unmöglichkeiten überhaupt nicht gibt. Ein Sturm reißt den Zepp
vom Ankermaſt. Das Steuer bricht, und das Luftſchiff mit den
Hunderten von Menſchen, die eben noch in tollſter Ausgelaſſenheit
feierten, iſt Sturm und Gewitter preisgegeben. Die Verzweiflung
der Hunderte, die Tätigkeit der Beſatzung, ſchließlich die Maſſen=
Fallſchirm=Abſprünge der Feſtgäſte, das alles iſt etwas ſo ausge=
ſprochen
Amerikaniſches, das ſchier unfaßbar ſcheint für unſere Be=
griffe
von Film und Filmleiſtung. Dabei ſind die einzelnen Bil=
der
und Bildſzenen vielfach von wundervoller Schönheit, durchweg
aber von fabelhafter Wirkung. Um dieſen grandioſen Aufwand
an Technik, Menſchenmaterial und Pomp rankt ſich eine Handlung,
die ohne dieſen Aufwand kaum intereſſieren dürfte, die aber, wenn
man ſich ernſt mit ihr beſchäftigt, eine etwas gewagte Tendenz
hat. Und eine gefährliche: ſie iſt, kurz geſagt, erſchöpfend geſchil=
dert
in den Sätzen: Kampf der Frau um den eigenen Mann gegen
die Geliebte, alſo der Kampf des Weibes gegen das Weibchen um
den Mann. Aber wie geſagt, die Handlung braucht nicht zu inter=
eſſieren
. Dieſer Film feſſelt und iſt unbedingt ſehenswert allein
durch den techniſchen Aufwand der Bildfolgen in der Zeppelin=
ſzene
.
Im tönenden Beiprogramm läuft ein wundervoller Film aus
dem Gebiete der Tierdreſſur. Hunde aller Größen und aller Raſ=
ſen
, wirklich bewunderswert dreſſiert, führen ein köſtliches Ehe=
drama
auf, das in der Bar und im Cabaret beginnt und vor dem
Schwurgericht endet.
44
Im Union=Theater beginnen heute die Vorführungen des
hiſtoriſchen Groß=Tonfilms Eliſabeth von Oeſterreich
mit Lil Dagover in der Titelrolle. Die Regie führt Adolf Trotz,
und in weiteren Hauptrollen ſind Maria Solveg. Paul Otto,
Charlotte Ander, Ekkehardt Arend und Ida Wüſt beſchäftigt. Bei
der Uraufführung in München ſahen dieſen Film in den erſten
vier Tagen über 17 000 Beſucher. Im tönenden Beiprogramm
ſieht man Flip als Dorfbarbier Wunder der Bergwelt und
die neueſte Fox=Ton=Woche. Anfangszeiten: 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr.
Im Helia=Theater läuft bis auf weiteres die luſtige Ton=
film
=Operette Trara um Liebe, mit Felix Breſſart, dem
beliebten Komiker, Georg Alexander, Martha Eggerth. Maria
Paudler, Ernſt Verebes u. a. in den Hauptrollen. Dazu Micky
Der kleine Faun und das gute Beiprogramm. Beginn; 3.45. 6.00
und 8.20 Uhr.
Bühnenvolksbund. Wir beginnen unſere neue Spielzeit
mit der Oper Troubadour von Verdi in Neueinſtudierung und
neuer Beſetzung, am Sonntag, den 27. September abends 7 Uhr,
im Großen Haus des Heſſiſchen Landestheaters. Dieſe Aufführung
wird als erſte der 20 Vorſtellungen der Miete K zugeteilt. Die
Miete II. 14 Vorſtellungen, wird ſpäter aufgerufen. Die Karten=
ausgabe
beider Mieten wird noch näher bekanntgegeben. Noch
bietet ſich Gelegenheit zum Eintritt in unſere Theatergemeinde.
Wir führen feſte Plätze und Wechſelmiete. Unſere Preiſe ſind den
Zeitverhältniſſen angepaßt, ſo daß trotz der wirtſchaftlichen Not
auch der Wenigbegüterte ſich Erbauung und Erholung in unſeren
Reihen ſchaffen kann. Unſere Geſchäftsſtelle iſt nur bei Chriſtian
Arnold, am Weißen Turm. Tel. 1283. Daſelbſt werden noch täg=
lich
Anmeldungen entgegengenommen.

Vortrag im Heaghaus. Mehr und mehr beginnt das Wort
von der Mechaniſierung des Haushalts zu einem feſten
Begriff zu werden, und in immer ſtärkerem Maße gibt die Haus=
frau
der Erkenntnis Raum, daß ihr nicht nur die körperliche
Pflege der Familie obliegt, ſondern, daß ſie, um im wahrſten
Sinne des Wortes ihrem Berufe als Hausfrau gerecht zu werden.
für die geiſtige Pflege derſelben vor allen Dingen die nötige Zeit
erübrigen muß. Dazu muß ſie ſich in immer mehr geſteigertem
Maße der techniſchen Hilfsmittel bedienen. Das wichtigſte Ar=
beitsgebiet
der Hausfrau iſt immer die Küche; gerade dort hat ſie
bisher eine außerordentlich mühevolle und ihre Geſundheit ſchädi=
gende
Arbeit verrichten müſſen, nämlich das Kochen am offenen
Herd. Daß hier Abhilfe geſchaffen werden mußte, war eine folge=
richtige
Erkenntnis, und die Induſtrie bemächtigte ſich dieſer wich=
tigen
Aufgabe. Von allen modernen Hlfskräften, die überhaupt
im Haushalt Anwendung finden können, iſt es in erſter Linie die
Elektrizität, die vermöge ihrer vielſeitigen Verwendungsmöglich=
keiten
geeignet iſt, durchgreifenden Wandel zu ſchaffen. Mit welch
praktiſchen elektriſchen Geräten die moderne Hausfrau in der neu=
zeitlichen
Küche arbeitet, wird in dem heute abend 8 Uhr.
im Heaghausbei freiem Eintritt ſtattfindenden Vor=
trage
gezeigtwerden. Der Beſuch des Vortrages iſt daber
jeder intereſſierten Hausfrau ſehr zu empfehlen.
Verein für das Deutſchtum im Ausland. Die Mitglieder
aller Ortsgruppen ſind eingeladen zu der Gedächtnisſtunde,
die der Schleſier=Verein dem Dichter Paul Barſch am Montag,
dem 21. September, abends 8 Uhr, in der Aula des Realgymna=
ſiums
widmet. Der Vortrag den der Schriftſteller Gerhard
Penkert hält, wird von muſikaliſchen Darbietungen umrahmt.
Unſer Volk iſt in Not! Eßt
Sausftägen deutſches Gemüſe, dann
ſchafft Ihr Arbeit und Brot

Tageskalender für Freitag, den 18. September 1931.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, 20 Uhr: Reifeprü=
fung
Kleines Haus: Keine Vorſtellung. Orpheum.
20.30 Uhr: Hurra, ein Junge! Konzerte: Zur Oper,
Schloßkeller, Sportplatz=Reſtaurant am Böllenfalltor, Herrngar=
tenkaffee
Kinovorſtellungen: Union=, Helia= und
Palaſt=Lichtſpiele.
Gokkesdienſt der Iſraelitiſchen Religionsgemeinde.
Hauptſynagoge.
Freitag, 18. Sept. Vorabendgottesdienſt 6 Uhr 30 Min.
Samstag, 19. Sept. Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Sabbat=
ausgang
7 Uhr 20 Min.
Sonntag. 20. Sept Morgengottesdienſt 6 Uhr 30 Min.
Verſöhnungstag (Jom=Kippur).
Sonntag, 20. Sept. Vorabendgottesdienſt (Kol Nidré) Predigt
6 Uhr 30 Min.
Montag, 21. Sept. Morgengottesdienſt 7 Uhr 45 Min. Predigt.
und Seelengedächtnisfeier 10 Uhr 45 Min. Nila=Gebet und Predigt
5 Uhr 15 Min. Bekenntnisgebet uud Feſtesausgang 7 Uhr 7 Min.
Eottesdienſt an den Wochentagen.
Morgens 7 Uhr 15 Min. Abends 5 Uhr 45 Min,
Gebekzeiken in der Synagoge der Ifrgelikiſchen

Religionsgeſellſchaft.

Samstag, 19. Sept. Vorabend 6 Uhr Min. Morgens
8 Uhr. Nachmittags 4 Uhr 30 Min. Sabbatausgang 7 Uhr 20 Min.
Sonntag, 20. Sept. Erew Jaum Kippur. Morgens 4 Uhr
30 Min. Mittags 1 Uhr 30 Min.
Montag, 21. Sept. Jaum Kippur. Faſtenbeginn und Atifas
Tallis 6 Uhr 20 Min. Kol Nidre 6 Uhr 45 Min. Morgens 5 Uhr 55 Min.
Krias Hatauroh 11 Uhr Min. Mussaf 11 Uhr 45 Min. Krias
Hatsuroll 3 Uhr Min tliſchoh 3 Uhr 30 Min. Neiloh 5 Uhr
25 Min. Schémaus und Faſtenende 7 Uhr 7 Min.
Wochentags: Morgens 6 Uhr. Nachmittags.,6 Uhr

Nummer

254

Aus Hefſen.

Eine Spur der Eiſenbahn=Akkenkäfer
Wer hal die Perſonen geſehen?
Es iſt möglich, daß man durch einen Vorfall an der Beraf.
den Eiſenbahnattentätern auf die Spur kommen kann. Als w
wiſſerin kommt vermutlich eine Bertha Kröskinying.
die evtl. in Geſellſchaft eines Herrn reiſt oder reiſte, der wie
beſchrieben wird: Der Mann hat ein verkürztes Bein, trägt e
brille, hat 4 Goldzähne und dunkles Haar. Die Kröskinn
ſich mit Selbſtmordgedanken. Sie war am Mittwoch, der
September, gegen 16 Uhr, in der Geſellſchaft dieſes Manne=
einer
weiteren Frau, vielleicht auch noch anderer Perſonen
der Umgebung von Heppenheim a. d. B. Telepho
Mitteilungen an das Landeskriminalpolizeiamt Darmſtadt
erbeten. Bekanntlich ſind für die Ergreifung der
100 000 RM. als Belohnung ausgeſetzt.

Pferde-, Fohlen=, Faſel= und Zuchtviehmark
in Groß=Umſtadt.
Am Donnerstag, den 24. September 1931, findet in
Umſtadt, wie alljährlich, der Herbſt=Pferde=, Fohlen=, Faſel=
Zuchtviehmarkt ſtatt. Auch in dieſem Jahre werden die
wieder prämiiert. Infolge der D. L. G.=Herbſttagung mußte
Markt auf den 24. September verſchoben werden. Zum Aut
gelangen Pferde, Rinder, Schweine und Ziegen. Für die 9
zuerkennung ſind von verſchiedenen Seiten namhafte Geldbe
zur Verfügung geſtellt worden, ſo daß alſo jedem Züchter
Tiere zum Markt auftreibt. Gelegenheit geboten iſt, auch kli
den Lohn für ſeine Müh’ und Arbeit einzuheimſen. Beſonder
Gemeinden der Provinz Starkenburg und der angrenzenden
desteile ſeien, auf den Markt aufmerkſam gemacht, auf de
Gelegenheit haben, erſtklaſſiges Bullen= und Bockmateria
ihre Faſelſtälle zu erwerben. Steht doch die Rinder= und Zi
Zucht in Groß=Umſtadt und Umgebung auf hoher Stufe, un
her gelangt, wie in früheren Jahren, gutes Zuchtmaterial
Auftrieb. Auf die mit dem Markte verbundene Zuchtpferde=
Fohlenſchau ſeien die Landwirte der Provinz Starkenburg k
ders hingewieſen, betont wird, daß nur reinraſſige Tiere
rheiniſch=belgiſchen und des oldenburgiſchen Schlages zur
miierung zugelaſſen werden. Da der Ziegenzuchtviehmarkt im
bereits mit Prämiierung verbunden war, findet für Ziegen
Ziegenböcke keine Prämiierung ſtatt, aber dieſe Tiere
zum Markte aufgetrieben werden, da ja, wie auch früher,
Kaufliebhaber für Kleintiere erſcheinen. Die mit Preiſen
gezeichneten Tiere müſſen durch ihre Beſitzer an dieſem Orte
geführt werden. Trotz der ſchweren Not ſollten ſich die Land=
nicht
abhalten laſſen, den Markt in Groß=Umſtadt am 94.
tember zu beſuchen, iſt doch Groß=Umſtadt u. a. auch dadure
kannt, daß alle Gaſtſtättenbeſitzer ſich bemühen, ihren Gäſter
Beſte aus Küche und Keller zu bieten, der Umſtädter Weit
auch nicht zu verſchmähen! Alſo darum auf nach Groß=Un
zum Herbſtmarkt am 24. September 1931!!

F. Eberſtadt, 17. Sept. Feuerwehr=Inſpektion.
nächſten Sonntag 420. September), nachmittags 3 Uhr wir
hieſige Freiwillige Feuerwehr auf dem Eleonorenſchulhof dure
Kreisfeuerwehrinſpektor und einen Vertreter des Kreisamts
Inſpektion unterzogen. Das Nähere über die damit verbut
Angriffsübung beſtimmt der Kreisfeuerwehrinſpektor. Au
lung der Wehr nachmittags 2,30 Uhr im Rathaushof. O.
verſteigerung. Die Bürgermeiſterei weiſt noch einmal
die am Freitag, den 18. September 1931, ſtattfindende Verſt
rung der Obſternte von den Gemeindemühlwieſen hin. 9i
gerer verſammeln ſich nachmittags um 3. Uhr am Felſenkellet
Rotlaufſeuche. Während ein neuer Fall von Roflauſe
im Gehöft des Wilhelm Heß, Waldſtraße 33, aufgetreteniſt iſt
Seuche unter den Schweinebeſtänden des Heinrich Stüger
Heinri Neuſel 3. erloſchen.
F Eberſtadt, 16. Sept. 30 Jahre Freie Turnerſch
Die Freie Turnerſchaft Eberſtadt blickt in dieſem Jahre auf ihr
riges Beſtehen zurück. Aus dieſem Anlaß veranſtaltet ſie am lomm
Sonntag abend eine Jubiläumsfeier, die mit Rückſicht auf die toſ
Zeitverhältniſſe auf eine Veranſtaltung im Saale Zum Schwanet
ſchränkt werden mußte. Der Abend iſt hauptſächlich dem Geräte
ſport gewidmet. Daneben ſieht das Programm vor: Olympiade
übungen, Matroſenreigen, Springen am neuzeitlichen Gerät (St
tiſch) und Volkstänze. Den muſikaliſchen Teil ſtellt der Muſik.
Edelweiß‟ Außerdem wirkt die rühmlichſt bekannte Spielmant
des Vereins mit. Ebang. Gemeindegbend. Am So=
den
27. September, veranſtaltet die evang. Kirchengemeinde im
Zum Bergſträßer Hof (Peter) einen Gemeindeabend.
Cp. Pfungſtadt, 16. Sept. Erfolgreiche Schützen. Be
Bezirls=Meiſterſchaftsſchießen des Haſſiaverbandes konnten die hi
Altſchüitzen zuſammen 518 Ringe erzielen. Sie ſtehen damit inn
des 1. Bezirkes hinter Offenbach und Dieburg an 3. Stelle. Die 9
ſtädter Jungſchützen erzielten 495 Ringe und konnten ſich hinter D
den 2. Platz ſichern. Die Altſchützen aus dem Nachbarort Hahn err
495 Ringe.
Traiſa, 17 Sept. Turner=Werbewoche. In
ſunden Körper, ein geſunder Geiſt! Dieſe Wahrheit wil.
Turngemeinde allen beweiſen, die die Werbewoche vom 20. b.
September beſuchen. Sie beginnt am Sonntag mit Abturner
Kundgebung am neuen Denkmal, bringt in der kommenden ?
offene Turnſtunden aller Abteilungen und endigt am übernä
Sonntag mit einem Schauturnen aller Abteilungen im Kr.
ſaal, wobei auch das Feſtſpiel Unſer der Rhein! zur Aufük.
kommt.
Ak. Nieder=Ramſtadt. 17 Sept. Obſt=und Garten!
verein. Der beſtellte Torfmull trifft in den nächſten Tage
und wird am Bahnhof auf vorherige Benachrichtigung abges
Die Beſtellungen auf Obſtbäume müſſen in dieſen Tagen bei
Vereinsdiener, Herrn Hrch. Spengler dahier, gemacht werden=
die
Sammelbeſtellung bis ſpäteſtens Ende dieſes Monats ge
ſein muß. Was die Obſtausſtellung anbelangt, wird darauf
gewieſen, daß das auszuſtellende Obſt von guter Beſchaffenhei=
muß
, insbeſondere darf es keinerlei Druckſtellen haben,
Stielen verſehen ſein und in die vorgeſchriebenen Austellt
klaſſen paſſen. Die Sortennamen ſind, ſoweit bekannt, andus
erwünſcht iſt auch die Angabe der Verkaufsmenge jeder eind
Sorte. Das auszuſtellende Obſt iſt am Samstag, den 2. b.
nachmittags im Ausſtellungslokal anzuliefern. Teller und ?
ſchilder werden durch den Verein geſtellt. Am Ausſtellungso!
Vormittag werden die Preisrichter fungieren. Von nache.
2 Uhr ab iſt die Ausſtellung für den allgemeinen Verteh
öffnet. Erfreulicherweiſe ſind ſchon eine ganze Anzahl Chren.
zur Verfügung geſtellt, ſo von verſchiedenen mit dem Dere
Geſchäftsverbindung ſtehenden Firmen.
C Ober=Ramſtadt, 17. Sept. Säuglingsfürſorn*
Montag, den 21. September, nachmittags von 23 Uhr, ſin
Zimmer 18 des Rathauſes eine Beratungsſtunde der Sſu9
fürſorge ſtatt.
Bensheim, 17 Sept. Bensheim ſteht dicht vor Ie
diesjährigen Winzerfeſt. Es iſt das dritte ſeiner Art und de
die geſamte Bergſtraße dieſelbe Bedeutung, wie der Wurſt.
für Bad=Dürkheim. Dabei trägt es jedoch einen anderen e=
intimeren
Charakter als jenes es iſt hervorgegangen 0s
Beſtreben, dem Weinbau und ſeinen edlen Kreſzengen de.
ſtraße den ihnen gebührenden Platz zu ſichern. Es iſt. be
maßen ein Feſt, ein Werbeakt der geſamten Bergſtraße.
innerlichte des Feſtes kommt ſchon durch den Ausbau des L
dorfes inmitten der Stadt zum Ausdruck, darüber hinals 2.
hiſtoriſche Feſtzug am Sonntag auch den breiteſten Nole.
Beſucher Kunde geben, wie ſich der Weinbau an der Berds
zu ſeiner jetzigen hervorragenden Stellung enwicelt hat.
der Bergſträßer Winzerfeſte war mit einem Feſtuig ved
dem wechſelnde Gedanken zugrunde lagen, aber jedesna.
war gerade der Feſtzug das die Maſſen anziehende Mome.
Feſtes. An dieſem Tage ſtrönte alles nach Benshein, elte
aber an den folgenden Tagen immer gern wieder nich de=
zurück
, um das ſchöne Winzerfeſt in völligem Verſtädn 2.
nießen. So wird es auch diesmal ſein, wird dech den De
ſo viel geboten werden, wie noch nie zuvor.
Hirſchorn, 17. Sept. Waſſerſtand des NeckLLS
1a. Seutember, 1,85. Meter. am 12. September 182 Me

[ ][  ][ ]

imer 259

Freitag, den 18. September 1931

R
R

geipſiingnni ver Tentſgen ennowirlſſnſis Gefeltſcaft
Reſt von einigen Hundert Stück fand. Von einer Afrikareiſe hat
er an merwürdigen Hausſchafraſſen das Schwarzkopfſchaf aus dem
Somaliland und ein Schaf vom abeſſiniſchen Hochland mitgebracht,
das zugleich eine ſonderbare Ohrverkümmerung zeigt. Heidſchnuk=
Esſähen der beulſcen kandisniſchwfte kenähnliche und ſtummelſchwänzige Schafe von der armen, unwirt=

Zweckmäßige Bodenbearbeilung Haupkfakkor für renkable Wiriſchaftsgeſtallung.
Regionale Berückſichkigung in der Bewirkſchaftung ländlicher Bekriebe.
Eine wiſſenſchaftliche Ausbildung dieſer kleinbäuerlichen Be=
triebsleiter
iſt erklärlicherweiſe häufig nicht vorhanden. Der Ver=
Tndwietſchaftliche Spezialgebiete.
band ſüddeutſcher Zuckerrübenpflanzer betrachtet es deshalb als

* Die Tagung der
D.L.G. neigt ſich ihrem
Abſchluß zu. Schon jetzt
kann geſagt werden,
daß die umfangreichen
Arbeiten der D.LG.
und insbeſondere die
öffentlichen Verſamm=
lungen
und wiſſen=
ſchaftlichen
Vorträge
neben beachtenswerten
Anregungen der Land=
wirtſchaft
und jedem
eir en landwirtſchaftlichen Betriebsinhaber auch wirklich Poſi=
tir
gegeben hat, und zwar Poſitives in dem Sinne, als die
vie igen Hinweiſe auf Verbeſſerungsmöglichkeiten eine Inten=
ſiw
ng oder beſſere Rentabilitätsgeſtaltung für die Landwirt=
ſch
a in den Bereich der Möglichkeit ziehen. Die geſtrigen
ür ichen Verſammlungen hatten wiederum einen ſehr guten
Bo. aufzuweiſen. Am heutigen Freikag findet die 118 (öffent=
Nc Hauptverſammlung ſtatt, auf die beſonders hingewieſen ſei.
Verſammlung der Ackerbau=Abkeilung.
er Vorſitzende. Geh. Regierungsrat Profeſſor Dr. Falke=
. gedachte zu Beginn der Sitzung des vor wenigen Tagen
benen Forſchers. Proſeſſor Weber, der auf dem Gebiete der
5r andwirtſchaft und Moorforſchung Hervorragendes geleiſtet
ha Tach Erledigung der geſchäftlichen Angelegenheiten wurden
oS. die Vorträge gehört, und zwar ſprach zunächſt über das
TH..
beſſerungsmöglichkeiten der Bodenbearbeitung im bäuer=
lichen
Betrieb.
Dr‟. H. Roemer, Schloßgut Erbesbüdesheim, Rhh.: Seit der
Eri arnis planmäßigen Pflanzenanbaues iſt Zweck aller acker=
ba
) hen Maßnahmen Herſtellung und Erhaltung der Boden=
gas
) Fortdauernde Entwicklung der Ackerbautechnik einerſeits
uru roduktionsſtörende Ereigniſſe, wie Kriege und deren Folgen,
aru eits, ließen in der konſervativen bäuerlichen Betriebsfüh=
ruu
Die Bodenbearbeitung verſchiedene Entwicklungsſtufen durch=
mm
n. aus denen ſich viele Betriebe nicht wieder herausfinden
kalen. Daher ſcheinen Abänderungen veralteter Verfahren be=
ſoo
) :s in der jetzigen Kriſenzeit angebracht, aber auch qualitäts=
ſte
) nde und arbeitſparende Verbeſſerungen vonnöten.
icht nur beim Beſeitigen der Ernterückſtände durch Schälen,
() Zern oder Scheibeneggen, wobei vielenorts die Bedingungen
füüas Keimen der Unkrautſamen und den geregelten Waſſer=
hod
alt nicht oder nur teilweiſe erfüllt werden, ſondern auch bei
ded lementarſten Arbeit des Landmanns, dem Pflügen, würden
dra, veränderte Anwendung der vorhandenen Geräte und Zu=
züſ
rg neuartiger Pflugtypen beſſere Ergebniſſe erzielt werden.
23 Srfahrungen über tiefes Wenden, flaches Wenden und tiefes
OS n oder Krümeln bis zur Fräsarbeit geben Aufſchlüſſe über
v.o lhaftere Garegeſtaltung. Die richtige Zeit der Arbeiten bei
d 4 zerrichtung des Feldes zur Saat kann im Hinblick auf kli=
nuche
, pedologiſche und wirtſchaftliche Verhältniſſe für eine
voilhafte Bodenherrichtung ebenfalls von ausſchlaggebender
Witung ſein. Die der Frühjahrsbeſtellung vorangehende Schlepp=
ay
2 mit den verſchiedenſten Geräten, die Beſtellung ſelbſt ſowie
de lrbeiten bis zum Auflaufen der jungen Saat erfordern nach
und Ausführung beſondere Aufmerkſamkeit. Die Reihenfolge
d lrbeiten wie auch die Geräte, und deren Anordnung laſſen
mi wiele Aenderungen zu die den Erfolg der Bodenbearbeitung
II ngsſteigernd beeinfluſſen. Richtige Verteilung der Pflege=
S ten im Rahmen des jährlichen Arbeitsbedarfes muß unter
2 endung geeigneter Geräte und ihrer Umänderung oder Kop=
rurg
den Fortgang der Bodenbearbeitung während dieſer Ar=
A ſpitze beſchleunigen und die Handarbeit, in weitem Maße
. Geſpannarbeit erſetzen. Die ſpeziellen Unkraut= und Krümel=
Sr. gekoppelte Igel zum Kartoffelhacken umgeänderte Kul=
r
oren müſſen die Pflegearbeiten beſchleunigen. Die Hand=
t
ſelbſt kann durch Benutzung neuzeitlicher Geräte (Doppel=
Krehle) günſtig verteilt und verbeſſert werden. Zur Ver=
rung
ackerbaulicher Maßnahmen tragen betriebswirtſchaftliche
nahmen weiteſtgehend bei. Erwähnt ſei nur die Fruchtfolge
die zeitliche Ausführung, der durch ſie bedingten Arbeiten.
Nutzbarmachung der Vorteile des Großbetriebes durch Bil=
von
Motorpfluggenoſſenſchaften, gemeinſchaftliche Anſchaf=
von
Spezialgeräten muß in Gegenden mit Mittel= und Klein=
teb
noch weiter gefördert werden. Ueber den
Stand und Entwicklung des Zuckerrübenbaues
den mittel= und kleinbäuerlichen Betrieben Süddeutſchlands
cierte Miniſterialrat Bauer=Darmſtadt. Er führte u. a.
Der Zuckerrübenbau Süddeutſchlands umfaßt die Gebiete von
ern. Württemberg, Baden und Heſſen=Darmſtadt. Im Jahre
betrug die Anbaufläche rund 38 000 Hektar, ſie mußte infolge
Kontingentierung von 1931 auf 24 500 Hektar herabgeſetzt
den davon entfallen rund 2000 Hektar auf den Eigenbau der
rerfabriken und 22 500 Hektar auf die Rübenbauer, die in der
I von 54 000 reſtlos im Verband ſüddeutſcher Zuckerrüben=
rnzer
zuſammengeſchloſſen ſind. Auf einen Rübenbauer entfällt
Tch 1931 im Durchſchnitt nur eine Fläche von 0,42 Hektar Dar=
iſt
erſichtlich, daß der Zuckerrübenbau in der Hauptſache auf
nen und kleinſten Gütern betrieben wird. Wie die Land=
te
, ſind auch die Fahriken zu nur einem Konzern, der Süd=
tſchen
Zucker. A.=G., Mannheim, zuſammengeſchloſſen.

eine wichtige Aufgabe, die Pflanzer mit den erfolgverſprechenden
Förderungsmaßnahmen vertraut zu machen durch praktiſche Vor=
führung
der geeigneten Arbeitsverfahren, praktiſcher Geräte.
Durchführung von Feldverſuchen aller Art in den einzelnen, nach
Klima, Boden und Wirtſchaftslage verſchiedenen Anbaugebieten.
Bei den Saat= und Erntezeitverſuchen, konnte beiſpielsweiſe im
Durchſchnitt von 31 Verſuchen und dreier Jahre durch Frühſaat
und Späternte ein Mehrertrag von 101,6 dz ho gegenüber Spät=
ſaat
und Frühernte erzielt werden. Die Verſuche werden mit den
Landwirten beſichtigt, die Ergebniſſe während des Winters in
Verſammlungen beſprochen wie auch in Abhandlungen zugänglich
gemacht.
Gemeinſame Verſammlung
der Zeuſchen Geelſchaf it zucfungskunde
und der Tierzuchk-Abkeilung der 2.2.6.
Die verabredungsgemäß von den beiden Geſellſchaften gemein=
ſam
einberufene Verſammlung wurde von Landesökonomierat
Wychgram=Wybelſum geleitet, der die Erſchienenen und be=
ſonders
die beiden Vortragenden begrüßte. Alsdann folgten die
Vorträge. Miniſterialrat Dr. Niklas=München ſprach über
Deutſchlands Höhenrinderzucht mit beſonderer Berückſichtigung
der wirtſchaftlichen Verhältniſſe.
Redner legte dar, daß die Bodenbeſchaffenheit und Beſitzver=
teilung
nach wie vor den ſüd= und mitteldeutſchen Bauern zwin=
gen
, das Rind in erſter Linie zur Bewältigung der im Betriebe
anfallenden Geſpannarbeit zu verwenden. Das beſtimme auch in
weitgehendem Maße das Zuchtziel, aller in Mittel= und Süd=
deutſchland
gehaltenen Rinderſchläge. Daneben müſſe der Züchter
des deutſchen Höhenrindes, beſonders auch auf eine genügende
Fleiſchleiſtung ſeiner Tiere achten, denn Süddeutſchland ſei in er=
heblichem
Maße der Fleiſchlieferant für die dichtbevölkerten In=
duſtriegebiete
Sachſens und von Rheinland=Weſtfalen. Dabei
dürfe der ſüd= und mitteldeutſche Landwirt auch das Streben nach
einer befriedigenden Milchleiſtung nicht vernachläſſigen. Redner
ſchilderte ſodann die verſchiedenen Schwierigkeiten, die ſich einer
Ausdehnung der Milchleiſtungsprüfungen in Süd= und Mittel=
deutſchland
entgegenſtellen. Trotzdem ſei das Kontrollvereins=
weſen
auch in dieſem Teile unſeres deutſchen Vaterlandes in er=
freulichem
Fortſchreiten begriffen, und im Jahre 1930 hätten hier
die Prüfungen das befriedigende Ergebnis einer Durchſchnitts=
leiſtung
von 2985 Kg. Milch ergeben. Der Redner befaßte ſich dann
mit den Gründen, die die Haltung ſo vieler Rinderſchläge be=
dingten
, und ſchilderte die Bemühungen, die Züchtervereinigun=
gen
, die das gleiche Zuchtziel verfolgen, zu einer Arbeitsgemein=
ſchaft
zuſammenzufaſſen. Schließlich gab er einen Ueberblick über
die Maßnahmen der ſüd= und mitteldeutſchen Landesregierungen
zur Förderung der Rinderzucht, dieſes wichtigſten Zweiges un=
ſerer
deutſchen Wirtſchaft. Es folgten dann
Lichtbilder wilder verwandter Arten und fremdländiſcher
Raſſen unſerer Haustiere.
mit kurzen Erläuterungen von Geheimrat Profeſſor Dr. Heck=
Berlin.
Der Vortragende, ein geborener Darmſtädter, hat ſeit Ju=
gend
mit paſſioniertem Intereſſe für Tiere aller Art ſich der
Tierzucht zugewandt. Die damals von Metzgerburſchen durch die
Straßen geführten ſilbergrauen, langhörnigen Ochſen und kraus=
haarigen
Schweine aus Ungarn bewieſen die Uneinheitlichkeit der
Zucht. Auf Kranichſtein wurden dann Simmenthaler Kühe be=
ſchafft
, die vielfach noch Bullentypus und zum Teil ſogar Haut=
ſchlauch
am Bauch wie Zebukühe hatten. Auf Karlshof fing man
mit Schwyzerkühen an, ging aber bald zu ſchwarz= und rotſcheckigen
Holländern, buntdurcheindergewürfelt, über Ein bezeichnender
Zuſtand der damaligen Zucht. An Lichtbildern wurde ſodann die
Entwicklung der Schweinezucht gezeigt. Von der Wildſchweingat=
tung
, dem Typ des Hirſchebers von Celebes, bei welchem dem
Eber die Hauer nicht aus der Mundſpalte herauswuchſen, ſon=
dern
in ganz unverſtändlich geradezu gewaltſamer Bildung, durch
den Naſenrücken durchbrachen, und den Wildſchweinarten, dar=
unter
dem Zwergwildſchwein von Sardinien und dem chineſiſchen
Schwein, auf deſſen Blut in letzter Linie die ganze Veredlung
unſerer modernen Hausſchweine zurückzuführen iſt, wurden Bilder
gezeigt. Ebenſo von fremdländiſchen Hausſchweinen das nord=
chineſiſche
Maskenſchwein, dem eine ſtarke Bauchfaltenbildung,
ähnlich dem Merinoſchwein, angezüchtet iſt. Von wilden Ziegen
wurde der beinahe ausgeſtorbene Alpenſteinbock, den man jetzt
noch mit Erfolg an ſeinen früheren Standorten wieder anzu=
ſiedeln
ſucht und die zweite Gattung der Wildziegen, die dreh=
hörnigen
Schraubenziegen, die ſich von unſeren drehhörnigen Haus=
ziegen
grundſätzlich durch entgegengeſetzte Windung der Hörner
unterſcheiden, vorgeführt. Dieſe Windung dominiert bei der Kreu=
zung
mit Hausziegen, eine intereſſante Vererbungstatſache, die es
dem Berliner Zoo ermöglicht hat, eine Tier zu ſchaffen, das im
Tiefland und in der Großſtadtluft haltbarer iſt als die wilden
Vollblüter. Merkwürdige fremdländiſche Hausziegen und die ver=
kümmerte
weſtafrikaniſche Zwergziege ſowie die ſyriſche Mamber=
ziege
von Libanon, deren Ohren als 35. Zentimeter lange Haut=
lappen
bis auf die Bruſt herabhängen, folgten im Bilde. Für die
Schafe iſt ein älteres Dokument, ein Lichtbild des Drgali, des
rieſenhaften Wildſchafes der inneraſiatiſchen Hochländer. Dieſem
Tier ſchreibt man einen gewiſſen Anteil an dem Entſtehen der
großen mongoliſchen Fettſteißſchafe zu. Den Muflon, eine euro=
päiſche
Stammform des Hausſchafes, hat der Sohn des Vortragen=
den
von der Inſel Korſika geholt, wo er im Gebirge noch einen

lichen St. Kildainſel, nordweſtlich von Schottland, zeigen primitive
Formen z. T. mit ſo wenig Vließ, daß nicht einmal das Scheren
lohnt. Die Rinder beginnen mit dem Lichtbild des amerikaniſchen
Biſons, den man, erſt beinahe bis zur Ausrottung vertilgt, im
letzten Augenblick glücklicherweiſe dann aber dank einer Biſon=
geſellſchaft
wieder herangeſchont hat. Mit den allerletzten Reſten
ſeines europäiſchen Gegenſtücks, des ruſſiſch=polniſchen Wiſents,
ungefähr noch 60 Stück verfolgt die Internationale Geſellſchaft
zur Erhaltung des Wiſents dasſelbe Ziel. Es wird aber ohne
Blutmiſchung mit dem ungleich lebenskräftigeren Biſon, d. h.
ohne Verdrängungsſucht, kaum zu erreichen ſein. Es folgen Bilder
der indiſchen Wildrinder, die, ähnlich wie Biſon und Wiſent, durch
hohen Widerriſt, ſehr verlängerte Dornfortſätze der betreffenden
Wirbel ausgezeichnet ſind; ferner die afrikaniſchen Wildbüffel. Der
gewaltige ſchwarze Steppenbüffel, das gefährlichſte Wild Afrikas,
und der ſelten gezeigte kleinſte Waldbüffel der weſtafrikaniſchen
Urwaldregion. Zu den Hausrindern übergehend, folgen im Bilde
der Waſſerbüffel, das wichtigſte Arbeitstier Indiens und Oſt=
aſiens
, namentlich da, wo Reis gebaut wird. Ferner das ſehr
primitive Rindvieh von Korſika, das namentlich in der Farbe
ſich als wenig veränderter Nachkomme des wilden Stammpaters
unſeres Hausrindes, des Urs= oder Auerochſen, erweiſt Weniger
durch die ſchwarze Farbe, mehr durch die geſchwungene Hornform,
gilt dasſelbe für das halbwild gehaltene franzöſiſche Rind von der
Rhonemündung. Es folgen weiter merkwürdige ausländiſche Rin=
derraſſen
, darunter ganz erſtaunliche Abſonderlichkeiten, wie das
langzottig behaarte ſchottiſche Hochlandrind, das wahrhaft unge=
heuerlich
langgehörte Watuſſirind aus dem Innerſten Afrikas.
Kurioſitäten unter den Hausrindern, die der Berliner Zoo nun
zum erſten Male lebend zeigt. Schließlich die edlen indiſchen
Bückelrinder, die Zebus, waren Prachtgeſtalten.
Von Equiden, pferdeartigen im wiſſenſchaftlichen Sinne, hat
der Berliner Zoo eine ſo reichhaltige Sammlung, wie ſie gewiß
nirgendwo anders jemals beiſammen waren darunter 6 Zebra=
arten
. Hier ſei nur erwähnt das abeſſiniſche Grevy=Zebra, das
beinahe ausgerottete Bergzebra, aus dem Kapland, die weiter
nördlich lebenden Zebras, teils mit Vollblutfohlen ihrer eigenen
Art, teils mit Miſchlingen mit Zebroidfohlen. Vater Pferd oder
Eſelhengſt. Der Eſel wird in beiden Wildformen vorgeführt. Von
Hauseſeln der verblüffende Gegenſatz zwiſchen dem Zwergeſel von
Ceylon und einem Rieſeneſel aus Spanien, wie er dort zur Maul=
tierzucht
dient. Auch die gelben inneraſiatiſchen Wildeſel werden
im Winter= und Sommerfell gezeigt, ebenſo das vielleicht inter=
eſſanteſte
Tier, das der Berliner Zoo aufzuweiſen hat, das echte
Urwildpferd aus der Mongolei, ein urſprünglich wildes, nicht ver=
wildertes
Pferd im engſten Sinne, mit kleinen Ohren und bis zur
Wurzel langbehaartem Schweif. Daran ſchließen ſich an der is=
ländiſche
Pony mit einem gröberen und der ruſſiſch=polniſche
Panje mit ſeinen feineren Formen. Beinahe ein kleiner Araber
iſt endlich der Pony aus der hinterindiſch=malaiſchen Inſelwelt.
Am Nachmittag fand die Verſammlung unter dem Vorſitz
von Rittergutsbeſitzer Vogelſang=Ebersbach ihren Fortgang.
Es ſprach über:
Tagesfragen auf dem Gebiete der Aufzuchtkrankheiten
Prof. Dr. Ernſt=München, der etwa ausführte: Der jährliche
Schaden, der durch die Aufzucht=Krankheiten der deutſchen Land=
wirtſchaft
erwächſt, wird auf rund eine halbe Milliarde geſchätzt,
wobei allerdings nur ein Teil der Urſache und ein Teil der Tiere
der Berechnung zugrunde gelegt iſt. Bei Verſchlechterung der wirt=
ſchaftlichen
Verhältniſſe wird dieſer Schaden um ſo drückender
empfunden, und es iſt erfreulich, daß die für die Erforſchung der
Urſachen dieſer Krankheiten geſchaffene Reichszentrale bereits manche
Aufklärung gebracht hat. Solange wir nicht die wirklichen Ur=
ſachen
kennen, können wir auch an eine Bekämpfung und an eine
wirkliche Abhilfe nicht mit vollem Erfolg herangehen. Die mit
Fohlenkähme bezeichnete Erkrankung der Fohlen hat ſich ſo z. B.
als aus verſchiedenen Urſachen hervorgehend erwieſen, zum Teil
ſind es Bakterien, die zumeiſt erſt nach der Geburt die Infektion
vornehmen. Doch es kann auch das Muttertier bereits der Keim=
träger
ſein. Bei den Rindern iſt der Abortusbangbazillus, deſſen We=
ſen
wir erſt in neuerer Zeit näher erforſchen, vielfach der Erreger
der Krankheit. Daneben ſind bei den Rindern bereits viele wei=
tere
Krankheitsurſachen, welche die Aufzucht gefährden oder un=
möglich
machen, erforſcht. Die Ferkelverluſte ſind zur Hälfte auf
Haltungs= und Fütterungsfehler zurückzuführen. Im übrigen ſind
auch hier Bakterien, wie Würmer, die Urſache. Bei den Hühnern
wird beſonders der Bac. Pullorum neben Würmern zu bekämpfen
ſein. Wichtig iſt die Frage in jedem einzelnen Falle in der Praxis
nach der Urſache, um dementſprechend in der Bekämpfung vor=
gehen
zu können. 30 bis 40 Prozent der Fälle bleiben heute noch
ungeklärt. Im übrigen iſt die Frage der Vererbung vom Mutter=
tier
, die Frage eines Vitaminmangels und die Frage nach bakte=
riellen
oder anderen Urſachen nur nach Kenntnis der Umwelt=
verhältniſſe
zu klären. Durch Ernährungsänderung, durch Beſ=
ſerung
der Stallverhältniſſe, durch normale Haltung der Mütter
und durch Behandlung mit Immunſtoffen können unter Umſtänden
in kurzer Zeit ſchwergefährdete Beſtände ſaniert werden.
Rittergutsbeſitzer Vogelſang wies im Anſchluß an dieſe Aus=
führungen
noch beſonders darauf hin, daß im Freiſtaat Sachſen
zurzeit acht Tierärzte bei der Bekämpfung der Aufzuchtkrankheiten
tätig ſeien, und daß auch dort ſchon weſentliche Erfolge errungen
wären. Um aber dieſe Erfolge reſtlos auzubauen, ſei ein enger
Zuſammenſchluß der Züchter im ganzen Reich, ähnlich wie das in
Norddeutſchland bereits erfolgt ſei, erforderlich.
Verſammlung der Bekriebs-Abkeilung.
Den Vorſitz führte Rittergutsbeſitzer Wrede=Lützlow. Auf
der Tagesordnung ſtand die Behandlung der Frage:
Welche Wirtſchaftsänderungen erfordern die derzeitigen
Verhältniſſe von den ſüd= und ſüdweſtdeutſchen Bauern=
Betrieben?
über die Prof. Dr. L. W. Ries=Bornim referierte und folgen=
des
ausführte: Ob es unter heutigen Verhätlniſſen möglich it.
dem Bauernbetrieb durch Wirtſchaftsänderungen eine genügends
Rente er ſichern, ſteht dahin. Es heißt aber unter allen Umſtän=

[ ][  ][ ]

Seite 8

Freitag, den 18. September 1931

den, aus der heutigen Lage das Beſte zu machen, was daraus zu
machen iſt.
Der bäuerliche Familienbetrieb unterſcheidet ſich von den
größeren Betrieben vor allem dadurch, daß die Zahl und Lei=
ſtungsfähigkeit
der Familienmitglieder feſt gegeben iſt. Der Be=
trieb
iſt die Arbeitsgelegenheit für die Familie. Es kommt hier
nicht darauf an, hohen Reinertrag des Betriebes oder hohen
Stundenverdienſt der Familienmitglieder zu erzielen, ſondern ein
möglichſt, hohes Jahreseinkommen der Familie. Will man bei
geſunkenen Preiſen im Bauernbetrieb die gleichen Laſten tragen
und den gleichen Unterhalt der Familie beſtreiten, dann darf man
nicht weniger als vorher verkaufen wollen, ſondern man muß mehr
verkaufen. Das geſchieht heute ſchon, indem der Marktverkauf
auf Koſten des Selbſtverbrauches ausgedehnt iſt. Dieſe Einſchrän=
kung
hat ihre Grenzen, iſt Notbehelf. Es bleibt nur übrig, mehr
zu erzeugen, indem man verſucht, mit denſelben Arbeitskräften
eine rohertragsreichere Betriebsweiſe zu bewältigen. Der Bauer
hat bis heute von ſeiner ſtärkſten Seite, ſeinem ſtarken Beſatz mit
zuverläſſigen Arbeitskräften, nur ſehr wenig Gebrauch gemacht.
Eine Perſon bewältigt im Bauernbetrieb kaum halb ſoviel Hach=
fruchtfläche
als im Großbetrieb. Das hängt nicht allein mit der
Kleinheit des Betriebes, ſondern ebenſoſehr mit der Rückſtändig=
keit
der Arbeitstechnik zuſammen, wie ſich an Beiſpielen zeigen
läßt. Durch beſſere Arbeitstechnik und durch gemeinſame Maſchi=
nenbenutzung
(unter voller Erhaltung der Selbſtändigkeit des Be=
triebes
) läßt ſich ſehr viel Arbeitskraft für vermehrte Erzeugung
freimachen. Vorausſetzung iſt eingehende Beratung, vielfach auch
ſchnelle und billige Beſeitigung der Gemenglage. Es fehlt auch
nicht an Gelegenheiten, die freigewordene Arbeitskraft nutz=
bringend
und rohertragsſteigernd im Betriebe anzuwenden. In
erſter Linie iſt hier die Verſtärkung des Hackfruchtbaues zu nennen,
wozu eine Umänderung der Rübenkontingentierung zu fordern iſt.
Weiter kommen Gemüſebau, Blumen=, Handelsgewächsbau uſw.
in ſolchem Umfange in Frage, daß das Riſiko zu ertragen iſt, alſo
als kleine Nebenzweige. Ebenſo wird die Geflügelhaltung gerade
im Süden und Weſten infolge des dort beſſeren Geflügelfleiſch=
abſatzes
, ebenfalls als Nebenzweig, eine größere Rolle als heute
ſpielen müſſen. Weiter kann auf die Verwertung aller Erzeug=
niſſe
, namentlich der ſüddeutſchen Obſternte, des Gemüſes und der
Milch, noch viel Arbeit nutzbringend verwandt werden. Ein Uni=
verſalheilmittel
für alle Bauernbetriebe gibt es nicht. Jedes Mit=
tel
, den Rohertrag durch beſſere, zweckmäßigere Ausnutzung der
eigenen Arbeitskraft zu ſteigern, muß herangezogen werden.
Anſchließend ſprach Landesökonomierat Foß=Ludwigsburg
Unter den derzeitigen ungünſtigen Wirtſchaftsverhältniſſen leidet
der ſüddeutſche Bauerbetrieb ebenſo wie die anderen Landwirt=
ſchaftsbetriebe
in Deutſchland. Auf Grund der geänderten Zeit=
verhältniſſe
müſſen im Bauernbetrieb Wirtſchaftsänderungen vor=
genommen
werden, die aber nur dann berechtigt ſind, wenn ſie
ſichere Ausſicht auf Erfolg haben.
Im ſüddeutſchen Bauernbetrieb wird viel Zeit und Fleiß auf=
gewandt
, um dem Boden hohe Ernten abzugewinnen. Wenn auch
ſchon in vielen Wirtſchaften den Zeitverhältniſſen entſprechend
gewirtſchaftet wird, ſo ſind Verbeſſerungen auf dem Gebiet des
Ackerbaues, der Viehhaltung und der Betriebsführung doch noch
vielfach möglich. Im allgemeinen muß die Bodenbearbeitung ſach=
gemäßer
durchgeführt werden durch Verwendung zweckmäßiger Ge=
räte
und Arbeitsausführung zum richtigen Zeitpunkt.
Bei der Düngung, beſonders der Anwendung der Handels=
dünger
, werden noch viele Fehler gemacht. Bei der mehrteiligen
württembergiſchen Dunglege werden Verluſte bei der Stallmiſt=
behandlung
beinahe ganz vermieden. Die Beſtellung und die
Pflege der Saaten müſſen verbeſſert werden. Durch die Verwen=
dung
von gutem und einheitlichem Saatgut Gemeindeſaatgut=
äcker
wird die Qualität verbeſſert und infolge des gleichartigen

Angebotes eine günſtigere Abſatzmöglichkeit geſchaffen. Die For=
derungen
der Verbraucher müſſen bei den tieriſchen und pflanz=

lichen Erzeugniſſen mehr berückſichtigt werden Milch=, Fleiſch= und
andere tieriſche Leiſtungen ſollen auf der Grundlage des wirt=
ſchaftseigenen
, möglichſt nährſtoffreichen Futters mit möglichſt ge=
ringem
Aufwand erreicht werden (Silofutter). Die Futterverwer=
tung
wird durch eine ſachgemäße Futterverabreichung Langfüt=
terung
, Freßgitter erhöht.
Die Zeiten der gefühlsmäßigen Betriebsführung ſind vorüber.
Jeder, auch der kleinſte Landwirt muß beſtrebt ſein, in ſeiner
Wirtſchaft erfolgverſprechende Aenderungen durchzuführen
Im Anſchluß an die beiden intereſſanten Vorträge, die ſehr
beifällig aufgenommen wurden, ging Prof. Dr. Seedorf= Göt=
tingen
noch auf verſchiedene der berührten Fragen ein und regte
u. a. auch eine Art Selbſtverſorgung auf handwerklichem Gebiet
an, die es dem Landwirt ermögliche, in gewiſſem Umfange in
Haus und Hof die ausbeſſernde Hand anzulegen, immerhin aber
eine entſprechende Ausbildung vorausſetze. Auch das Beratungs=
weſen
müſſe ſeinen Zwecken vollangepaßt werden.

Landesökonomierat Ehatt=Trier eröffnete die Verſammlung
und begrüßte die zahlreich erſchienenen Obſt= und Weinbauern.
Zunächſt folgte der Obſtvortrag, und zwar über:

Die Sortenwahl im Obſtbau vom betriebswirtſchaftlichen
Geſichtspunkt.
gehalten von Gutsbeſitzer E. Secretan=Hohenau. Der Redner
betonte: Die richtige Sortenwahl iſt die Hauptbedingung für
einen gewinnbringenden Obſtbau in der Landwirtſchaft. Bei den
vielen vorhandenen Obſtſorten iſt ſie eine der ſchwierigſten Fragen,
die der Landwirt zu löſen hat, wenn er ſpätere Enttäuſchungen
und koſtſpielige Umſtellungen vermeiden will. Vom allgemeinen
Geſichtspunkt aus betrachtet, muß der Inlandsmarkt das ganze
Jahr hindurch mit Inlandserzeugniſſen reichlich verſehen werden,
um die zu koſtſpielige Ausfuhr auszuſchalten. Vom Standpunkte
des einzelnen Landwirtes können, folgende Richtlinien gegeben
werden:
1. Anpaſſung des Baumes einmal an die klimatiſchen Verhält=
niſſe
und ſodann an den Standort innerhalb des Gutes, d. h.
es iſt zu berückſichtigen, ob die Bäume in einer feuchten Wieſe,
auf Ackerfeld, auf einem Damm, in einer Viehweide, Geflü=
gel
= oder Schweineauslauf, als Spalier an einer Wand, als
Alleebaum uſw. geſetzt werben ſollen.
2. Anpaſſung an die Betriebs= und Arbeitsverhältniſſe bei der
Erntezeit. Die Ernte der gewählten Obſtſorten darf nicht
mehr Arbeiter in Anſpruch nehmen, als unter normalen Ver=
hältniſſen
zur Verfügung ſtehen, und beſonders nicht mit an=
deren
wichtigen Arbeiten, wie Heuernte, Hackarbeiten, Getrei=
deernte
, zuſammenſtoßen.
3. Anpaſſung an die Verwertungs= und Abſatzmöglichkeiten. Hier=
bei
ergeben ſich folgende Wege; eigener Verbrauch als friſches
Obſt. Mus, Latwerge, Dunſtobſt, Moſt uſw.; unmittelbare
Verſorgung der eigenen Kundſchaft und der örtlichen Wochen=
märkte
; Verſteigerung auf den genoſſenſchaftlichen Obſtmark=
ten
und in Obſthallen; Belieferung der Konſerveninduſtrie;
Verſand durch die Bahn an entfernte Kundſchaft und Händler
Ausfuhr. Jede dieſer Abſatzmöglichkeiten bedingt beſondere
Obſtſorten. Die meiſten Sorten ſind nur für die eine oder
andere Verwertungsart geeignet. Ueber

Die Umſtellung des Weinbaues auf Pfropfreben in Heſſen

berichtete Oberſtudiendirektor Fuhr=Oppenheim der ausführte:
Heſſen ſchenkt ſchon ſeit mehr als 25 Jahren der Amerikanerfrage
beſondere Beachtung und hat die Lehranſtalt Oppenheim mit dem
Studium dieſer Frage beauftragt. Anfangs war die Löſung der
Aufgabe ſehr ſchwierig, da es an wertvollem und ſortenechtem
Material mangelte. Die erſte Verſuchspflanzung mit Amerikaner=
reben
wurde außerhalb des Weinbaugebietes nach Darmſtadt=
Beſſungen gelegt, um etwa möglicher Reblausverſchleppung vor=
zubeugen
. In den Jahren 1905 bis 1910 kamen in der Provinz
Rheinheſſen weitere Rebmuttergärten hinzu, die bis auf einen
wieder aufgegeben werden mußten, da einmal die meiſten Sorten
in Wachstum und Holzreife nicht befriedigten dann aber auch
ſich gegen hohen Kalkgehalt und große Geſchloſſenheit der Böden
ſehr empfindlich zeigten. Dieſer letztere Umſtand mußte um ſo
mehr Beachtung finden, als bis zu 40 Prozent der rheinheſſi=
ſchen
Weinbergsböden den ſchweren Bodenformationen angehören.
Da ſich auch viele Sorten als falſch erwieſen, entſchloß man ſich
1912, alle Muttergärten aufzugeben und nur die Anlage in Dien=
heim
neu zu bepflanzen. Ein weiterer Stillſtand trat durch die
neueren Börnerſchen Forſchungen im Jahre 1920 ein. Allmählich
gelangte man zu einigen wenigen Unterlagen, die ſich für die heſſi=
ſchen
Verhältniſſe als geeignet erwieſen. Um größere Mengen
Unterlagsreben gewinnen zu können, entſtanden in den Jahren
1910 bis 1930 rund 4 Hektar Rebmuttergärten in Bingen und
Büdesheim. Eine weſentliche Vermehrung der amerikaniſchen
Rebmuttergärten erfolgte im Jahre 1927 ff. durch die rund
20 Hektar große Anlage in Heppenheim a. d. B. Von 1934 ab.
wenn ſämtliche Rebmuttergärten in vollem Ertrage ſtehen, können
jährlich rund 3 Millionen Unterlagsreben gewonnen werden.
An Veredlungseinrichtungen ſtehen in Heſſen zur Verfügung
die Veredlungsanſtalten in Darmſtadt=Beſſungen, Bingen, Oppen=
heim
und Sprendlingen. An Vortreibräumen bezw. Glasflächen

ſind insgeſamt rund 1700 Quadratmeter vorhanden, die es ermög=
lichen
, jahrlich rund 3 Millionen Reben bei einmaliger Beſchickung
vorzutreiben. Seit 1927 kommt die Rebveredlung in Heſſen in
größerem Umfange zur Ausführung. Während bisher Unterlags=
holz
aus Oeſterreich, Ungarn, Frankreich uſw. eingeführt werden
mußte, wird ſich ab 1933 eine Einfuhr erübrigen, da bis dahin
die eigenen Rebmuttergärten das notwendige Holz abwerfen. Die
Veredlungsarbeiten werden im Akkord ausgeführt. Das Ein=
ſchulen
und Herausnehmen der Reben erfolgt mit dem Pflug, wo=
durch
ganz bedeutende Beträge geſpart werden. Um einer der
wichtigſten Forderungen bei der Rebveredlung, der Verwendung
nur gut ausgereifter und gut ſelektionierter Edelreiſer, gerecht z:

Nummer 25s

werden, werden durch die Lehranſtalt Oppenheim i
den
kungen bei 192 Beſitzern 68 Hektar Weinberge ſelektioniort
gewonnenen Veredlungen finden in erſter Linie im Seu
ge
Verwendung und dienen weiterhin zur Anlage von Vorf=
pflanzungen
, die ſich wie ein Netz über das heſſiſche Weinhaug=
ausdehnen
und ſchon heute wertvolle Schlüſſe auf die Erneuo=
des
geſamten Weinbaugebietes zulaſſen.

Gutsbeſitzer Wolf=Albig, der inzwiſchen den Vorſitz z
nommen hatte, betonte nach ſeinen Dankesworten die drung
Notwendigkeit, die ſich bei weiterem Vordringen der Reblau
Rheinheſſen mit der Zeit immer mehr herausſtelle, den Wei=
nach
Bedarf auf Amerikaner=Unterlagen umzuſtellen.

Bb. Bensheim, 17. Sept. Aus dem Stadtparlament.
Die öffentliche Sitzung des Stadtrats leitete infolge Beurlaubung
des Bürgermeiſters Beigeordn. Krenkel. 1. Waldwirtſchaftsplan.
Der ſeitens der Forſtbehörde zur Begutachtung vorgelegte Wald=
wirtſchaftsplan
ſieht in dieſem Jahre 400 Feſtmeter mehr zur
Fällung vor. Damit ſoll der Einnahmeausfall gedeckt werden,
welcher ſich aus dem Mindererlös bei den Verſteigerungen ergibt,
3500 Feſtmeter ſind dabei ordentliche Fällung, 150 Feſtmeter ſollen
zum Ausbau der Anlagen dienen. Der Finanzausſchuß befürwortet
den Vorſchlag, das Plenum ſtimmt zu. 2. Voranſchlag des Gym=
naſiums
1932. Der ſtädtiſche Zuſchuß beträgt für das kommende
Jahr 20 471 Mark, im letzten Jahr 22 800 Mark. Der Voranſchlag
iſt durch die Gehaltskürzungen überholt und wird ſich noch weiter=
hin
verringern durch weitere Gehaltskürzungen. 3. Das Poſtamt
beantragte Zuſchußgewährung zu den Koſten der Einführung des
automatiſchen Fernſprechbetriebes von je Teilnehmer 100 Mark.
Der Antrag wird unter Proteſt gegen eine ſolche Zumutung abge=
lehnt
, wie das auch in anderen Städten geſchehen iſt. 4. Erlaß
eines Nachtrages zur Polizeiverordnung über die Zulaſſung von
Kraftdroſchken in Bensheim. Derſelbe geſtattet den Droſchken=
beſitzern
am Bahnhof infolge ihrer ungünſtigen Aufſtellung das
Anwerben von Kunden, doch darf dasſelbe nicht zu einer Beläſti=
gung
des Publikums führen. Der Nachtrag wird angenommen.
5. Hergabe von Plätzen an den Verkehrsverein für die Abhaltung
des Winzerfeſtes. Es wird dieſe Hergabe zum beſaaten Zweck
generell für alle ferneren Winzerfeſte beſchloſſen. 6. Beteiligung
der Stadt an dem zur Sicherung der Durchführung des Winzer=
feſtes
zu errichtenden Garantiefonds. Die Stadt beteiligt ſich zu=
folge
Beſchluß mit 500 Mark an dem Fonds unter der Bedingung.
daß im Falle einer Inanſpruchnahme des Fonds alle Garanten
gleichmäßig herangezogen werden müſſen. Stadtrat Keller erklärt,
daß man ſich bei dem Winzerfeſt genau an den Voranſchlag halte,
ſo daß eine Inanſpruchnahme des Garantiefonds wohl kaum er=
folgen
werde. Die Verſammlung ſtimmt einſtimmig zu. 7. Er=
näßigung
der Sondergebäudeſteuer nach dem Vorgeben des
Staates. Bei einer Ermäßigung aus Billigkeitsgründen wird auch
die Stadt und daraufhin auch Kreis und Provinz überall da eine
Ermäßigung eintreten laſſen, wo es der Staat in dieſem Falle
auch tut. 8. Weitere Verlängerung der Gemeindeſteuerfreiheit für
vor dem 1. April 1931 errichtete Wohnbauten. Entgegen der ſtaat=
lichen
Steuerbefreiung auf 5 Jahre in derartig gelagerten Fällen
lehnt die Stadt die Freilaſſung ab, weil ſie durch Anlage von
Straßen und Kanäle, Beleuchtung uſw. für dieſe Neuwohnungen
große Koſten zu tragen hat. 9. Zwecks Schaffung eines Rediskonts
bei der Reichshank für die Bezirksſparkaſſe bedarf es ſeitens der
Stadt einer Bürgſchaftsſtellung in Höhe von 200 000 Mark. Dieſe
Bürgſchaft wird im Intereſſe der Wirtſchaft übernommen. 10. Er=
hebung
von Verwaltungsgebühren. Die bisher für Private be=
ſtandene
Auskunftsgebühr durch die Stadt wird jetzt auf 1 Mark
erhöht. 11. Rohrverlegung im langen Pfad durch die Bensheimer
Tonwerke. Veranlaßt durch die letzten Ueberſchwemmungen will
das Tonwerk ein Entwäſſerungsrohr verlegen. Unter Erfüllung
verſchiedener Bedingungen wird hierzu die Genehmigung erteilt.
12. Mitteilungen. Die letzte Schweinezählung ergab einen Beſtand
an 796 Stück gegenüber einem Beſtand am 1. Juni von nur 550
Stück. Aus der nichtöffentlichen Sitzung: 40 Quadratmeter reſt=
liches
Weggelände im Streichling werden verkauft. Im Geiers=
berg
ſoll ein Fußweg durchgeführt werden, wodurch eine Ver=
bindung
von der Kalkgaſſe zum Eichelberg geſchaffen wird. Eine
nicht eingehaltene Bebauungsfriſt wurde gegen eine Eutſchädigung
auf ein Jahr geſtreckt Im Hohenweg wurde an Peter Jäger
ein Bauplatz für 2,50 Mark je Quadratmeter verkauft. In einem
anhängigen Aufwertungsprozeß ſoll ein Vergleich angeſtreht wer=
den
. Die Erben der Freifrau von Rodenſtein wollen eine Grab=
unterhaltungsſtiftung
über 920 Mark errichten. Die Stiftung und
die Uebernahme der Verpflichtung im Rahmen der Friedhofs=
ordnung
werden angenommen. Zum Winzerfeſt ſollen für die zum
Ausſchank gelangenden Weine folgende Preiſe genommen werden:
1929er Kirchberg 1 Mark, 1930er Kirchberg 0,75 Mark pro ½ Liter.
Der Bedienungspreis iſt eingeſchloſſen. Dem Geſangverein Lie=
derkranz
wird für ſeine ſtete Bereitwilligkeit zur Mitwirkung bei
gemeinnützigen Veranſtaltungen eine angemeſſene Ermäßigung der
für ſein Stiftungsfeſt zu zahlenden Vergnügungsſteuer zugeſtanden.
Die Bedürfnisfrage der ehemaligen Schellenbergſchen und der ehe=
maligen
Olffſchen Wirtſchaften wird beiaht. Die Ergänzung des
Faſelviehs wird genehmigt. In derſchiedenen Fällen wurde die
Dispenserteilung von gewiſſen Vorſchriften des Ortsbauſtatuts
genehmigt, in anderen Fällen mußte ſie mit Rückſicht auf allge=
meine
Intereſſen abgelehnt werden, ſo bei einem Projekt der Er=
richtung
einer Pelztierfarm auf dem ehemaligen Grundſtück in
der Drell.
Cf. Birkenau. 17. Sept. Gemeinderatsſitzung. Der
Einlauf der Kanaliſation in der Obergaſſe ſoll nach dem Vorſchlag
des Kulturbquamtes abgeändert werden, da bei ſtarken Regen=
ällen
mitgeführtes Stroh. Steine uſw. den Einlaufroſt verſtopfen
und das Waſſer über denſelben hinausſchießt und oft den ganzen
Bahnübergang verſchlammt. Die Grundſtücksverpachtungen vom
9. September 1931 wurden genehmigt, mit Ausnahme des in
einem Stück verpachteten Ammenrotts welches, in Loſe eingeteilt,
verpachtet werden ſoll. Für die Aufbewahrung des Leichen=
wagens
während der Zeit des Ausbaues im unteren Rathaus
(Einrichtung der Gemeindekaſſe) wurde dem Metzgermeiſter Hrch.
Müller eine Vergütung von 30 Mk. bewilligt. Für bei dem
Lettenwegbau in Verluſt gegangenen 4 Obſtbäume des Bäckers
Ph. Jäger wird denſelben eine Vergütung von 15 Mk. pro Baum
gewährt. Der von der Kommuniſtiſchen Partei gegen das Ge=
meinderatsmitglied
des Bürgervereins, Adam Steffan, eingebrachte
Mißbilligungsantrag wurde mit 5 gegen 3 Stimmen bei 3 Stim=
menenthaltungen
gutgeheißen. Dafür ſtimmten die Vertreter der
KPD. und die der SPD., dagegen die 3 anderen Vertreter des
Bürgervereins; der Stimme enthielten ſich die Vertreter des Ge=
werbevereins
und die des Zentrums. Grund des Mißbilligungs=
antrages
war der, daß Steffan mit einer angeblich national=
ſozialiſtiſchen
Abordnung zwecks Einführung eines erhöhten Feld=
ſchutzes
in den Herbſtmonaten, ohne vorherige Verſtändigung der
Bürgermeiſterei, nach Heppenheim an das Kreisamt gefahren ſei
und ſomit die Gemeinde, insbeſondere durch kraſſe Schilderung
der ungenügenden Feldſchutzverhältniſſe, in ein ſchlechtes Licht
gebracht worden wäre. Maul= und Klauenſeuche. Die
vergangene Woche hier in einem Gehöft der Neugaſſe feſtgeſtellte
Maul= und Klauenſeuche iſt wieder im Rückgang begriffen und
dürfte bei ſtrenger Einhaltung der getroffenen Vorkehrungsmaß=
nahmen
die Sperre in kürzeſter Zeit wieder, aufgehoben werden.
Verkehrsunfall. Ein Verkehrsunfall ereignete ſich vor=
geſtern
hier an der neuen Brücke, indem ein Lieferwagen ein
Fuhrwerk überholen wollte, als dasſelbe plötzlich auf die Brücke
abbog. Mit Geiſtesgegenwart riß der Fahrer des Lieferwagens.
um ein Unglück zu verhüten, das Steuer rechts herum, wodurch
er einen auf der rechten Straßenſeite ſtehenden Leiterwagen
gegen ein Haus drückte und einen anderen parkenden Lieferwagen
vor ſich herſchob. Die Lieferwagen erlitten Beſchädigungen. Die
Gendarmerie iſt mit der Klärung der Schuldfrage beſchäftigt.
Au. Groß=Gerau. 17. Sept. Der Gemeinderat beſchloß
in nichtöffentlicher Sitzung, daß von der Grundſteuer für Wohn=
gebäude
diejenigen Wohngebäude befreit werden ſollen, die vom
1 April 1931 bis 31 März 1934 bezugsfertig werden. Die
Steuerbefreiung hat Gültigkeit bis Ende des Rechnungsjahres
1938. Die vor dem 1. April 1931 fertig gewordenen Wohnungen
ſollen bis Ende des Rechnungsjahres 1931 von der Grundſteuer
befreit werden. Die Feldgeſchworenengebühr wurde wie aller=
orts
auf 75 Pfg. pro Stunde feſtgeſetzt. Die kommunale Sonder=
gebäudeſteuer
wird entſprechend den Richtlinien des Finanz=
miniſters
gehandhabt. Anträge ſind bis Ende dieſes Monats bei
der Gemeinde einzureichen. Ermäßigung tritt ein unter Auf=
hebung
des Gemeinderatsbeſchluſſes vom 21. Mai um ein Drittel
des Betrages, den der Steuerpflichtige nachweisbar als jährliche
Verzinſung und Tilgung ſolcher Hypotheken anfordert, die für
notwendige laufende oder große Inſtandſetzungen ( Revaratur=
hypotheken
) aufgenommen worden ſind. Anträge ſind bis zum

Ablauf des Rechnungsjahres (1. April 1932) an die
meiſterei zu richten, Anträge auf Ermäßigung oder Erlaß

Betrages der Erhöhung für 1931 bis 30. September 1931
Cp. Stockſtadt, 16. Sept. Der Gemeinderat beſchloß, in

gendſten Fällen während des Winters an Erwerbsloſe und Ausgeſt
Kartoffeln zur Verteilung zu bringen. Die Steuerausſchlagsſät
das Rechnungsjahr 1931 bleiben in der Höhe des Vorjahres beſ
Der Weg nach dem Mühlwörth ſoll gepflaſtert werden. Außerdem
die Abſchaffung eines Faſels beſchloſſen. (Der Faſel wurde an
heimiſche Metzger verkauft; er hatte ein Gewicht von 22 Zentnern
geheimer Sitzung wurden Unterſtützungsangelegenheiten erledigt.
Dp. Sprendlingen, 17. Sept. Gemeinderatsſitzung,
letzte Gemeinderatsſitzung fand unter dem Vorſitz des Beigeorf
Roth ſtatt, da Herr Bürgermeiſter Stinpert ſich in Urlaub bei
1. Die Bewohner des Barackenbaues am Friedhof, die erſt vor 2 9.
ten dort ihren Einzug gehalten, traten an den Gemeindergt herg
ſeinerzeit feſtgeſetzte Miete herabzuſetzen. Die Mieten waren auf 6
der Geſtehungskoſten feſtgeſetzt worden. Der Gemeinderat konnt
nicht einigen, und die Bau= und Finanzkommiſſion wurde beauftrac
Gebäulichkeiten nochmals zu beſichtigen, worauf weiterer Beſchluß
wird. 2. Das Wirtſchafts=Konzeſſionsgeſuch des Hch. Bohl. in den
weſen Zur Krone, das Eigentum der Gemeinde iſt, wird befürt
und der Miervertrag mit dem Pächter, der bis zum 30. September
läuft, genehmigt. Der monatliche Mietpreis beträgt 70 Mk.
Verkauf eines Bauplatzes an Chriſtoph Dernhach in Frankfurt=
dem Gemeindegelände bei Maria Hall fand die Genehmigung des
vorſtandes. 4. Die Renovierung eines Stückes Bachufer am Heng
wird dem Balthaſar Schäfer übertragen, da dieſe Arbeit unaufſchi
iſt, weil ſonſt die Ueberpolsſtation der elektriſchen Anlage bei grö
Waſſermaſſen in Gefahr kommen könnte. 5. Die Umdeckung des T
auf dem Saalbaugebäude wird der Firma Otro Würz in Langen
tragen. 6. Einen Kanalwagen erhielt Schloſſermeiſter Karl Grien
zur Anlieferung. 7. Der Pachtvertrag mit Franz Schlopp 5. übe
meinheitliche Grundſtücke fand die Zuſtimmung des Gemeind
8. Wegen der gemeinheitlichen Sondergebäudeſteuer iſt die Gem
vertretung mit den Regierungsvorſchlägen einverſtanden. 9. Weg=
Ernteſchäden hat man auch hier in der Gemarkung Feſtſtellungen 1
nommen, damit man der notleidenden Landwirtſchaft der Regier
anregung gemäß ſoweit als möglich nachkommen und entgegenkor
kann. 10. Oberſchutzmann Jung zieht in ſein neuerworbenes
und die Wohnung im Dachgeſchoß des Rathaufes wird frei. Da ſich
einige Bewerber gemeldet haben, wird die Vermierung dem Bürge
ſter überwieſen, der einen geeigneten Mieter ausſuchen ſoll, da der
ter auch die Hausverwaltung übernehmen muß.
Dr. Neckarſteinach. 16. Sept. Aus dem Gemeinde
Einer Eingabe der hieſigen Erwerbsloſen ſoll entgegenge
men werden. Es iſt geplant, oberhalb der Gartenſtraße eine
Ortsſtraße zu erbauen, wegen Ankauf des Geländes ſoll mit
dortigen Grundeigentümern in Unterhandlung getreten we
Sobald die Genehmigung zur Aufnahme des erforderlichen
pitals erteilt iſt, ſoll mit den nötigen Arbeiten begonnen we
Weiterhin wurde beſchloſſen, die Chauſſierung von 200 Meter
fuhrweg im Gemeindewald durch Erwerbsloſe, auch ſollen bei
nächſten Holzhieb Erwerbsloſe eingeſtellt werden. Dem einger
ten Antrag vom Turnerbund, der Spielvereinigung dem er
und kath. Schulvorſtand auf Herſtellung des vorhandenen
platzes, wird beſchloſſen, zunächſt eine Beſichtigung des Pl
vorzunehmen. Der Weg bei Ludwig Juſtus Kuſſel ſoll erha
bleiben und weiter auf die unten angebrachte Treppe durchgef.
werden. Dem Leonhard Horchheimer wird die Konzeſſin er
Schankwirtſchaft befürwortet und dem Otto Doderer der Bet:
einer Kaffeewirtſchaft. Die Löhne der Gemeindearbeitef wer
nicht geſenkt, ſondern in der gleichen Höhe wie ſeither ausbeze
Hausſuchung nach Waffen wurde bei einem hieſigen
wohner in der Gartenſtraße von der Staatsanwaltſchaft D
ſtadt vorgenommen. Außer einigen Patronen verlief die H
ſuchung auf Waffen ergebnislos.

e. Bad=Wimpfen. 16. Sept. Militärkonzert. Am S
tag hatte man wieder einmal Gelegenheit, am Nachmittag
Kurgarten und am Abend im Kurhotel das Trompeterkorps
Reiterregiments 18, Cannſtatt, unter der bewährten Leitung
Obermuſikmeiſters Rath. zu hören. Beide Konzerte waren
gut beſucht. Durch ſeine erſtklaſſigen muſikaliſchen Darbietu
hat ſich Herr Obermuſikmeiſter Rath mit ſeiner flotten Muſi!
in Bad=Wimpfen und Umgebung ſehr viele Freunde erwo
Es wird deshalb allgemein bedauert, daß Herr Rath ſeinen
kungskreis in Süddeutſchland verläßt und hier ſein letztes Ko
gegeben hat. Deshalb löſten diesmal die beiden Konzerte
denkbar größte Begeiſterung aus, denn es darf immer wiede
ſagt werden, daß ſolche unmittelbaren erſtklaſſigen muſital!
Darbietungen Sinn und Herz ganz anders gefangen nehmen
die beſten Uebertragungen es vermögen. Im Mittelpunkk
Abends ſtand das von Herrn Lehrer Ripper gedichtete und
Herrn Rath komponierte Lied Heil Wimpfen. Am Schluſ)
Veranſtaltung überreichte Herr Lehrer Kubach dem ſcheide
Herrn Obermuſikmeiſter Rath als Andenken ein Bild von
Stadt Wimpfen. Schulferien. Am Montag, den 2I.
tember, beginnen die Ferien der Volksſchule und enden an
Oktober, die der Realſchule beginnen am Montag, den 20.
tember und enden ebenfalls am 11. Oktober.
A-t. Goddelau, 16. Sept. Obſternte Nachdem am
gangenen Mittwoch und Donnerstag das Obſt an den R.
ſtraßen zu recht anſehnlichem Preiſe verſteigert worden Iſt=
auch
die Gemeinde am Samstag ihre Verſteigerung abgehe
Die Zahl der Steigerer war recht groß. Dementſprechend
durchſchnittlich der Zeutner Aepfel auf dem Baum auf 4)*
Die hieſigen Obſtſtückbeſitzer haben teilweiſe das Obſt aul
Baum, ſelbſt zu ernten, den Zentner für 5 Mark aus der
abgegeben. Kartoffelernte im Ried. Infolge
Ueberſchwemmungen ſtehen die Kartoffelfelder noch teilwelſe."
Waſſer. Die übrigen ſind noch ſo naß, daß wohl ein Aſſt
mit dem Pflug, ſondern mit der Hacke ausgemacht werden müh.
in dem ſchweren Riedboden würden ſonſt ſehr viele Rat.
ſtecken bleiben. In manchen Gemeinden iſt es mit dem D0cte
ſo ſchlimm, daß oft ſämtliche Kartoffeln eines Landyſti
Waſſer ſtehen und verfault ſind.
Au. Nauheim b. Groß=Gerau, 17. Sept. Im Walde.
gegriffen! Von der hieſigen Polizei wurde im Walde
ſchen dem Bahngelände und der Straße nach Mainz eill.2
aufgegriffen, der ſeit etwa einem halben Jahre dort hauht.
ſich durch Bettelei in den benachbarten Ortſchaften ernäht.
Aufgegriffene wurde dem Gericht vorgeführt, das ihn weße
ſtreicherei zu mehreren Tagen Gefängnis verurteilke.
Cp. Erfelden, 16. Sept. Schließung des Altrheinn"
Mit Rückſicht auf die vorgeſchrittene Herbſtwitterung iſt die O0.
am Altrheindamm geſchloſſen worden. Der Beſuch blieb in Vel.
infolge des ungünſtigen Sommerwetters hinter dem des Borlns.
trächtlich zurüick.
4a. Seligenſtadt, 16. Sept. Beigeordnetenwahl
Wahl des 1. Beigeordneten findet am kommenden Sonntaßl lit
geſamt ſind 3 Kandidaten aufgeſtellt, und zwar der ſeitheriß.
geordnete Fabrikant Engelbert Altmann von der Benirhie
Schloſſer und Gemeinderat Johann Wolf 2. für die Kommhli.
Malermeiſter und Gemeinderat Höfling für die Mittelſtandspa..
Wahl des 2. Beigeordneten iſt für den 4. Oktober vorgeſen."

4a. Worms, 17. Sept. Politiſche Schläge:!2
Nacht zum Mittwoch gegen Mitternacht gerieten i.
Hauptbahnhof einige Mitglieder der NSDAP. mit we.
Leuten in Streit. Als der eine der SPD.=Leute mit ſeinen.
rad durch die Kaiſer=Wilhelm=Straße fuhr, wurde .".
Perſonen vom Rad geriſſen und mit einem Gegenſtano ..
mißhandelt. Der Verletzte hat einen der Täter, ein Mio.
NSDAP. erkannt, mit dem er kurz vorher am Bahngo.
hatte. Die Polizei iſt augenblicklich noch mit der Gecheei
drei anderen Täter beſchäftigt.

[ ][  ][ ]

mer 259

Freitag, den 18. September 1931

Seite 9

Schugezuald zum Bodensee.

Von Kaſimir Edſchmid.

Auto hat in einem Haus aus Holz geſchlafen, das wie
er Indianerblockhütten ausſieht, von denen man früher
habe in Amerika nie eine geſehen, aber es gibt ſo Dinge
tellung, die irgendein Schriftſteller erfunden hat und die
n du ßhantaſie mehr Wirklichkeitskraft behalten als alle wirk=
liche
n inge der Welt. Dem Motor war der Aufenthalt zu roman=
ſpringt
erſt auf Zureden an, er iſt gekränkt, er fand es
zu fo aber er iſt gutmütig und legt ſchließlich doch wie ein
kſeirn Herrgott los. Warum auch nicht? Es iſt ein Sommertag
gewyn, zwar bedroht von Gewittern, aber die Kugellager im
Hinn, ſind heute ſchneeweiß. Wunderſchön weiß geballt. Der
Mo4 ingt ſich über Schiltach und St. Georgen nach Villingen.
rſt ſingt er durch eine gedrängte Landſchaft. Weiße
Scho vaſſer. Heftig geſtaltete Berge. Tiefe Täler. Dann wird
die dſchaft aber weit. Weit und üppig. Was für ein fettes,
ſaft- Gras! Was für ein hohes, farbiges Gras! Die Kaſtanien
blü.; manchmal noch. Es riecht nach Heu, das die Mäher überall
ſchrw . Das Heu ſteht auf Holzgabeln in großen Maulwurfs=
hazy
überall und duftet. Und darüber riecht es nach Akazien,
unme ſüße Akaziengeruch miſcht ſich mit dem traumſchweren
Du)’s Holunders die deutſche Miſchung. Der deutſche Früh=
ſom
: Geruch.
icken kommen, die auf ihren Geländern Madonnen tragen,
lußs Madonnen und flehende Madonnen. Heilige treten auf
der ickengeländern auf, verſunkene Heilige und ſtreitbare Hei=
ligss
uf den Wieſenflächen um die Brücken und um die Madon=
nerm
um die Heiligen herum grenzt die zarte Farbe des roten
Kle; berall an die heftige Farbe des Raps.
ter dem alten hübſchen Villingen, wo unzählige Uhren
hers llt werden, beeilt ſich der Motor Donaueſchingen zu errei=
cherr
Zeeilt ſich iſt zwar zu großartig ausgedrückt. Es iſt ein
neu /Notor, und ſeine ſechs Zylinder dürfen noch nicht mehr als
fün=Kilometer machen. Aber das iſt die richtige Geſchwindig=
etwas
von der Landſchaft zu haben. Und wahrhaftig, dieſe
gemachten Straßen, führen nur durch Landſchaft. Wie
nen Park. Die Leute in Mitteleuropa wiſſen nicht, wie gut
ſaben. Es geht ihnen zwar wirtſchaftlich ſchlecht, aber ſte
hab keine Seuchen. Sie haben vielerlei, zu eſſen. Sie haben
Sics eit. Wenn ſie auf der Straße umfallen, kommt ein Wagen
und t ſie in ein Lazarett. Wie anders iſt das in anderen Erd= hat und der ſich mit auffälliger Erfolgswirkung auch gegenüber
teil) Fährt man zum Beiſpiel in Aegypten nach Wadi Natron,
ſo . man das nur, wenn man in der Wüſte Spuren von an=
der
=lutos findet und Aegypten iſt doch auch ein komfortables
Lar: Fährt man im Auto durch Curacao, ſo muß man ſo lange
We Fährt man von Syrien nach Bagdad, ſo fährt man nur nach
dem efühl, und wenn man die Richtung nicht im Gefühl hat,
daroird man ſich verirren und verdurſten. Straßen des Bal=
kam
Straßen des Peloponnes, Straßen Argentiniens welch
ßei) nach Donaueſchingen durch die Parklandſchaft des Schwarz=
wa
1 führen. Alle fünf Minuten ein Markierungsſchild. Alle
pac Lilometer ein Dutzend Benzinpumpen. Welche Ordnung.
Wel Organiſation.
Donaueſchingen iſt ein hübſcher, gepflegter Park mit Wie=
ſen
) Baumgruppen. Die Glockenlaute von den Kirchen bleiben Bedingungen anfallende Nordſeeſchlick, zweifellos ein
in Baumwipfeln hängen und läuten dort noch eine Weile nur
fürz Bäume weiter.
er entſpringt die Donau. Sie hat aber nicht nur die eine
Qur),über der nach dem Entwurf des letzten Kaiſers ein kleiner
an Tempel, mit einer lateiniſchen Inſchrift ſteht. Ueberall
ſpri n die kleinen Quellen aus der Erde heraus, aber nur die
Lel
ne fromme Landſchaft führt nach Süden weiter. Fromme
HS. Salus intrantibus ſteht über den Türen. Die Hügel
wer ſpitz wie Termitenbauten. Plötzlich ſteht zwiſchen ihnen
eirn nkles, ſchönes, ruhiges Blau. Der Bodenſee.
ie Autoſtraße geht glatt am See entlang von Ludwigshafen
abd ie Gewitter ſind über dem See ſchöne Raketen geworden,
voc intoretto und manchmal luſtig wie von Tiepolo. Unter ihren
FlI In ſtehen die Schneeberge auf der einen Seite des Sees und
unr ihren Flügeln biegt ſich auf der anderen Seite das Halb=
ru
des See unter einer Garde von Pappelbäumen ab. Und
urz ihren Flügeln fangen Türme und Schlöſſer und farbige
V2r an ſich zu entwickeln, und Segelboote fangen an, auf dem
SSu erſcheinen. Der See liegt ſüdlich da, geſegnet in einem

Obſtbaumgarten, weitſichtig, überall trotzdem mit allen Ufern er=
kennbar
, mild und großartig intim.
Hinter dem alten kompakten Meersburg fängt eine Idylle an
von Sonnenuhren an alten Bauten, von Rebengärten, von Per=
golen
, die nach dem See hinunterführen, von Holunderbüſchen und
von Spinnweben aus barockem Eiſen, die in der Luft über Jas=
minhecken
hängen und ſchöne barocke Laternen halten. Alte Pa=
lazzi
mit Wappen in kleinen Dörfern. Apfelbäume und Taxus=
hecken
. Alles geziert und vornehm zugleich, alles üppig und ge=
pflegt
, natürlich und erhaben. Und was für ein Duft von Jasmin!
Der Jasmingeruch miſcht ſich jetzt mit dem Geruch von Tang.
Es riecht nach Blüte und nach Waſſer. Der Motor kommt über
Friedrichshafen nach Schachen. Von da aus iſt der See wirklich
eine Lagune. Eine ſchillernde, ſanfte Lagune mit Schneebergen,
eine Muſchel, die ſilbrig gefärbt iſt, ein Sonnebaſſin aus Waſſer.
Fruchtbar und lieblich, ſehr ſüdlich im Licht und dramatiſch im
Hintergrund. Aber das Dramatiſche iſt auch nicht ſchlimm.
Der See riecht am Abend ſtärker. In der Dämmerung kom=
men
große Dampfer an. Sie ſind natürlich ſehr klein, aber ſie ſind
für dieſen See ſehr groß. Sie haben rechts ihr grünes und links
ihr rotes Licht und dann läuten ſie. O dieſes Dampfergeläut, es
iſt ſo dringlich, ſo wichtig, es iſt ſo unaufſchiebbar und Herzklopfen
machend. Dann geht die Maſchine in den Rücklauf und ſtoppt,
und die Lauftreppe wird angelegt. Dann ſteigen Leute heraus
auf die Mole, und von der Mole ſteigen Leute ein, und ſie winken
ſich zu, die Abfahrenden und die Ankommenden es iſt dasſelbe

Kordfeeſchlick ein nakürliches Heilmitkel
erſter Oronung.
Von
Dr. med. Schoettler, Wilhelmshayen.
In Rußland iſt ein Heilſchlamm gebräuchlich, der in den
Küſtenlagunen des Schwarzen Meeres (Limane) ſich abgelagert
ſolchen Krankheiten bewährt, die ſonſt für die Schlammbehand=
lung
kaum in Betracht gezogen werden, d. h. nicht nur bei rheu=
matiſchen
Erkrankungen, Gicht, Iſchias, ſondern auch bei entzünd=
lichen
Unterleibskrankheiten der Frauen, ſonſtigen Erkrankungen
dur ivi=Divi=Bäume fahren, bis man ankommt. Es gibt keinen der Unterleibsorgane, der männlichen Sexualorgane mit chroni=
ſchen
Entzündungsprozeſſen. Darmverwachſungen Skrofuloſe,
Nervenkrankheiten, Hautkrankheiten und insbeſondere bei lokaler
Tuberkuloſe.
Die methodiſch=wiſſenſchaftliche Unterſuchung der verſchiedenen
ein ilde, atemberaubende Sache iſt das gegen die Aſphaltſtra= Heilſchlamme iſt erſt ſeit einigen Jahren im Gange. Es braucht
deshalb nicht zu verwundern, daß erſt vor 3 Jahren durch die
deutſche Zentralſtelle für Balneologie der Nordſeeſchlick als Heil=
mittel
entdeckt worden iſt. Das von Herrn Geh.=Rat Profeſſor
Dr. Keilhack erſtattete Gutachten ſtellt nach eingehender Begrün=
dung
feſt, daß der bei Wilhelmshaven unter beſonders günſtigen
ebenſo brauchbarer Heilſchlamm iſt, wie die un=
terſuchten
berühmten ruſſiſchen Fangovorkom=
men‟
. Die mühſamen Unterſuchungen haben die deutſche Zen=
tralſtelle
für Balneologie nahezu ein ganzes Jahr hindurch be=
ſchäftigt
. Was darüber ſchließlich in trockener Gelehrtenſprache
gutachtlich zum Ausdruck kommt, bedeutet nicht mehr und nicht
ſtä hat die Ehre bekommen, gekrönt zu werden. So iſt das weniger als die Feſtſtellung, daß mit einem Schlage für Deutſch=
land
auch hinſichtlich der Heilſchlamme die Unabhängigkeit vom
Auslande geſichert iſt. Durch ſeinen Reichtum an natürlichen Heil=
quellen
behauptet Deutſchland bekanntlich in Europa, vielleicht in
der Welt, die führende Stellung. Sollte derſelbe Fall nunmehr
nicht auch für die Heilſchlamme gegeben ſein? Tatſächlich wird
dieſe Frage in maßgebenden Kreiſen ernſthaft erwogen. Denn
hier handelt es ſich ſchließlich nicht nur um eine frohe Botſchaft
ſch de Barockſäulen von Gewittern manchmal angeſtrafft wie an zahlloſe leidende Menſchen, ſondern darüber hinaus um eine
Angelegenheit von großer nationalwirtſchaftlicher Bedeutung. Die
deutſche Zeitſchrift für wiſſenſchaftliche Bäderkunde (Berlin, Okto=
ber
1930) weiſt nachdrücklich darauf hin, daß in dem friſch=
angefallenen
Schlick der deutſchen Nordſeeküſte
in dem großen Schleuſenbecken bei Wilhelms=
haven
ein Heilmittel erkannt iſt, welches an
Güte den italieniſchen Fango und den ruſſiſchen

Schauſpiel von Trennung und Wiederſehen, von Abſchied und
Freude und Schmerz, wie wenn die großen Dampferbrüder dieſes
kleinen Dampfers Mombaſſa und Valparaiſo und Smyrna ver=
laſſen
, dasſelbe Schauſpiel, derſelbe Ernſt, und es ſind dieſelben
Menſchen mit denſelben Gefühlen.
Die Seelagune macht hinter Schachen einen Bogen, es iſt faſt
ein Kreis, und da liegt die Silhouette von Lindau. Sie liegt ſo
da, als ob ſie Schachen noch hätte erreichen wollen, aber es ſei
nicht mehr geglückt, und nun habe Lindau, mit halb freudiger,
halb trauriger Parade, ſeine Giebel und ſeine Türme einen neben
den andern ans Waſſer geſtellt. So ſtehen ſie alle da und er=
leuchten
ſich in der Dämmerung und die Dampfer fahren auf
Lindau zu und zünden jetzt auch ihre Lichter an.
Da können auch die Gewitter nicht fehlen. Zuerſt üben ſie ſich
in flachen Blitzen, die wie Laſſos am Schweizer Ufer genau pa=
rallel
zum Waſſer hinlaufen. Dann werden ſie unternehmender
und ſteigen in die Höhe und ſpeien von oben ſenkrechte Blitze her=
unter
. Dann kommen Blitze wie Kreiſe und Blitze wie Granaten.
Sie machen eine phantaſtiſche Illumination.
In der Mitte der Blitze jagt eine Windhoſe in der Mitte des
Sees. Sie wirft ſich an die Schweizer Berge. Dann wirft ſie ſich
auf Bregenz. Dann ſchüttet ſie Lindau zu. Der Motor aber und
ich, wir ſitzen unter blauem Himmel mit Sternen. Als die Wind=
hoſe
vorbei iſt, beginnt wieder die Illumination. Bald werden
die Schneeberge beleuchtet, bald Oeſterreich, bald Bayern. Aber
die Gewitter kommen nie über die Mitte des Sees. Da iſt eine
genau eingehaltene Grenze. Wohl dem, der auf der guten Seite
ſolcher Dinge ſteht.
Wie klein iſt doch die Welt, daß ſelbſt ein Gewitter, ſelbſt ein
Gewitter von ſolcher Kraft, einen ſo kleinen See, eine Muſchel
voll ſilbriges Waſſer, eine Seelagune von einem deutſchen See
nur halbieren, nur zum Teil umfaſſen und nur zum Teil erobern
kann. Wie angenehm und wie troſtreich.

Limanſchlamm durchaus übertrifft, und der es
verdiente, wenigſtens in Deutſchland überall
an ihre Stelle zu treten.
Die kurmäßige Verwertung des Schlicks machte die Schaf=
fung
beſonderer techniſcher Einrichtungen erforderlich. Im Urzu=
ſtande
iſt der Schlick für Kurzwecke nicht verwendbar, er muß er=
wärmt
und durch Zuſatz von Seewaſſer in ſeiner Konſiſtenz dem
betreffenden Krankheitsfall angepaßt werden. Dem ſtädtiſchen
Krankenhauſe in Wilhelmshaven iſt deshalb eine Hilfseinrichtung
angegliedert, die, ſo war gedacht, etwa zwei Jahre vorhalten
ſollte. Kaum war jedoch die kleine Anſtalt geſchaffen, da erwies
ſie ſich auch ſchon unzureichend gegenüber dem ſtarken Andrang
von Heilung ſuchenden Kranken. Die kräftige Wirkung des Schlicks,
von der Wiſſenſchaft im voraus feſtgeſtellt, wurde durch die leben=
dige
Erfahrung in überſchwenglichem Maße beſtätigt. Es hatte
ſich kaum herumgeſprochen, was der Schlick am kranken Menſchen
vermochte, da ward ſofort die Errichtung einer größeren Kur=
anſtalt
zum unabweisbaren Bedürfnis. Trotz des herrſchenden
Kapitalmangels hat die Stadt Wilhelmshaven inzwiſchen auch die
dafür erforderlichen Mittel herbeigeſchafft. In beſtimmten Er=
krankungsfällen
empfiehlt es ſich, Schlickbäder im Wechſel mit
Moorbädern und Warmſeebädern zu verabreichen. Auch die da=
für
erforderlichen Einrichtungen ſind vorhanden.
In Aerztekreiſen wird dem Schlickheilverfahren ſchon jetzt
ſtarke Bedeutung beigemeſſen. Die Wilhelmshavener Badever=
waltung
hat über den Schlick als Heilmittel eine hochintereſſante
Schrift herausgebracht, die auf Anfordern koſtenlos überſandt
wird.

Welkerbericht.

Schneller als erwartet iſt der bereits geſtern angeſagte Witterungs=
umſchlag
eingetreten. Der durch die Warmluft verurſachte Luftdruckfall
hat den hohen Druck zum Abbau gebracht und über Mittel= und Süd=
deutſchland
eine flache Störung entſtehen laſſen. Dabei ſetzte in unſerem
Gebiet bereits in der letzten Nacht enhaltender Regen ein. Vom Ozean
her rücken infolge des Tiefdruckgebietes über Island weitere Staffeln
feucht=warmer Luft heran, wodurch die Störungstätigkeit über dem Feſt=
land
gefördert wird. Wir haben alſo auch in unſerem Bezirk noch mit
Niederſchlägen zu rechnen, die wohl ſpäter ihren zuſammenhängenden
Charakter ablegen und mehr in Schauer übergehen.
Ausſichten für Freitag, den 18. September: Wolkiges und mildes Wet=
ter
, zeitweiſe noch Niederſchläge.
Ausſichten für Samstag, den 19. September: Weiterhin bewölkt, aber
auch vorübergehend aufheiternd, Temperaturen wenig verändert,
vereinzelte Regenſchauer.

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Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

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Seite 10

Freitag, den 18. September 1931=

Nummer

30 water ein Lochadd.

Die Trauerfeier
für die Opfer des Eiſenbahnanſchlages
bei Bia Torbagy.
Budapeſt. Auf der Generalwieſe fand
geſtern nachmittag die Trauerfeier für die Opfer
der Eiſenbahnkataſtrophe von Bia Torbagy un=
ter
Teilnahme vieler Tauſender ſtatt. Nicht nur
die öffentlichen, auch die meiſten Privatgebäude
hatten Trauerflaggen gehißt. In der Mitte der
ſonſt zu Truppenübungszwecken und Paraden
benutzten Wieſe hatte eine Ehrenkompagnie Auf=
ſtellung
genommen. Anweſend waren der Mini=
ſterpräſident
, der Innenminiſter, der Kultusmi=
niſter
und der Juſtizminiſter, der Oberſtadt=
hauptmann
und alle Spitzen der Behörden. Weit=
hin
ſah man zahlreiche Abordnungen, u. a. der
öſterreichiſchen Lokomotivführer. Die 20 Särge,
um die ſich die Hinterbliebenen der Opfer ver=
ſammelt
hatten, waren mit Kränzen der Regie=
rung
und der Hauptſtadt geſchmückt. Die vier
Särge der beiden belgiſchen und der beiden eng=
liſchen
Opfer waren mit den Fahnen ihrer Län=
der
bedeckt. Punkt 3 Uhr ſpielte das Orcheſter
der Staatspolizei als Auftakt der Feier den
Trauermarſch von Chopin. Dann hielt Juſtiz=
miniſter
Dr. Zſitvay im Namen der Regierung
die Trauerrede. Er gab zunächſt dem tiefen Mit=
gefühl
für die unglücklichen Opfer und ihre Hin=
terbliebenen
Ausdruck und charakteriſierte dann
das ruchloſe Verbrechen als die ſinnloſe Tat
eines Wahnwitzes, die der ganzen Menſchheit ein
warnendes Menetekel ſei. Nach der Rede des
Miniſters, die, wie die ganze Feierlichkeit durch
den Rundfunk verbreitet wurde, ſpielte das
Orcheſter die ungariſche Landeshymne. Sodann
erfolgte die Einſegnung der Leichen durch die
Seelſorger der einzelnen Konfeſſionen. Zum
Schluß wurden die Särge auf die Wagen geho=
ben
, die nun auf den Friedhof fuhren, wo die
Hauptſtadt für die Opfer Ehrengräber zur Ver=
fügung
geſtellt hat.
Die Suche nach den 2=Zug=Akkenkäkern
in Ungarn.
Budapeſt. Im Az Eſt behauptet ein
Sachverſtändiger, daß die Schrift auf dem beim
Viadukt gefundenen Zettel nicht mit der Schrift
des Kommuniſten Leipnik identiſch ſei. Am Don=
nerstag
wurde der Polizei mitgeteilt, daß der
Maſchinendreher Geza Czakaſzi und der Kupfer=
ſchmied
Renzer ſich mit Brückenſprengungsplänen
beſchäftigten. Bei Czakaſzi wurde ein Notizbuch
mit Einzeichnungen über Sprengungen gefun=
den
. Czakſzi gab an, er habe die Abſicht gehabt,
ſich ſelbſt auf einer Brücke in die Luft zu
ſprengen. Leipnik kennt er angeblich nicht.
Eine wichtige Spur zum Bombenanſchlag
von Torbagy.
Budapeſt. Die Nachforſchungen nach den
Torbagyer Bomben=Attentätern verfolgen jetzt
eine neue Spur, der die Polizei größte Bedeu=
tung
beimißt. Geſtern nacht wurden zwei der
Polizei bekannte Kommuniſten verhaftet, näm=
lich
der 41jährige Maſchinenſchloſſer Cäſar Cza=
kaſzi
und der 31jährige Kupferſchmied Joſef
Renzer, die am Nachmittag des 13. September
von einem Chauffeur ein Auto mieten wollten.
Da ſie das Auto ſelbſt lenken und den Chauffeur
nicht mitnehmen wollten, kam das Geſchäft nicht
zuſtande. Als der Chauffeur aus den Zeitungen
erfuhr, daß in derſelben NNacht dieſer Antrag noch
anderen Chauffeuren gemacht worden iſt, erſtat=
tete
er die Anzeige, und nach ſeiner Perſonen=
beſchreibung
konnte die Polizei die beiden Kom=
muniſten
ausfindig maß Bei einer Haus=
ſuchung
in ihren Wobnungen wurden verſchie=
dene
Aufzeichnung über die chemiſche Zuſammen=
ſetzung
eines Exploſivſtoffes, ferner Pläne über
kommuniſtiſche Organiſationstätigkeit und Ter=
roraktionen
, ſowie Konſtruktionspläne mehrerer
ungariſcher Eiſenbahnbrücken, Eiſenbahn= Fahr=
pläne
uſw. gefunden.
Ein Eiſenbahnunglück verhindert.
Roſenheim. Auf der Bahnſtrecke Roſen=
heim
Salzburg wurde durch die Aufmerkſam=
keit
eines Streckenwärters ein Eiſenbahnunglück
verhütet, da dieſer rechtzeitig bemerkte, daß eine
Anzahl großer Steine auf das Gleis gelegt wor=
den
war, die ſofort entfernt und ſo ein größeres
Unglück verhindert wurde. Der Wärter verſtän=
digte
ſofort ſeine Dienſtſtelle und die zuſtändige
Gendarmerie, die eifrig auf der Suche nach den
Attentätern iſt.

Erfolgreiche Berſuche
mit Todesſtrahlen am Bodenſee.

Der junge deutſche Chemiker Kurt Schimkus.
der Erfinder der Todesſtrahlen, jener unheim=
lichen
drahtloſen Uebertragung elektriſcher Ener=
gien
auf ein fernes Objekt, hat ſehr erfolgreiche
Verſuche auf dem Bodenſee angeſtellt. Er ver=
mochte
eine im See verankerte Mine vom Sen=
der
aus in die Luft zu ſprengen, die über 200
Meter von ihm entfernt lag. Schimkus wurde
vor kurzem nach Amerika berufen, wo ihm die
Mittel zum Ausbau ſeiner Erfindung zur Ver=
fügung
geſtellt werden ſollen.

Abſturz eines deutſchen Flugzeuges
in Schweden.
Vier, Tote.
Stockholm. Ein deutſches Flugeug mit
der Zulaſſungsnummer D. 1812 der Bayeriſchen
Flugzeugwerke ſtürzte geſtern, um 12.45 Uhr,
1 Kilometer nördlich des Vire=Sees im Bezirk
Jönköping in Mittelſchweden ab. Das Flugzeug
zerſchellte auf dem Boden, ſeine vier Inſaſſen
kamen ums Leben. Es iſt ſchwer, die Leichen zu
identifizieren. Zeugen haben das Unglück nicht
geſehen, doch war das Krachen weithin hörbar.
Das Flugzeug dürfte vor dem Unglück über den
Wolken geflogen ſein, die geſtern ziemlich nied=
rig
lagen. Bei zwei der Getöteten wurden Pa=
piere
gefunden, aus denen hervorgeht, daß es
ſich um einen gewiſſen Johann Wirtz und einen
gewiſſen Franz Paul, beide aus Bayern, han=
delte
. Aus ihren Päſſen geht hervor, daß ſie
am 31. Juli Malmö auf der Einreiſe nach
Schweden paſſiert haben. Bei den anderen Ge=
töteten
wurden keine Papiere gefunden. Die
Unterſuchung wird fortgeſetzt.
Die amerikaniſchen Ozeanflieger gerettet.
New York. Die amerikaniſchen Flieger
Allen und Moyle, die bekanntlich von Tokio
nach Seattle fliegen wollten und ſeit etwa einer
Woche verſchollen waren, ſind nunmehr, wie von
verſchiedenen Seiten beſtätigt wird, heil und ge=
ſund
auf einer kleinen, unbewohnten Inſel im
Olzutor=Golf, nördlich von Kamtſchatka, aufge=
funden
worden. Die Funkſprüche der ruſſiſchen
Küſtendampfer haben ſich in vollem Umfange
beſtätigt. Die Fliegr ſind von einem ruſſiſchen
Dampfer an Bord genommen worden und be=
finden
ſich auf dem Rückwege. Der ruſſiſche
Dampfer Burjat hat auch einen Funkſpruch
an Moyles Braut nach Riverſide (Kalifornien)
gerichtet, in dem die Rettung der Flieger mit=
geteilt
wird.
Ein Hilfsflugzeug für Belize abgeſtürzt.
Zwei Tote.
Waſhington. Wie dem Marinedeparte=
ment
gemeldet wurde, iſt ein geſtern vormittag
aus der Zone des Panama=Kanals mit Lebens=
mitteln
nach Belize (Britiſch=Honduras) abge=
gangenes
Transportflugzeug unterwegs abge=
ſtürzt
. Zwei Mann der Beſatzung wurden ge=
tötet
.
Ein Laſtauto vom Zuge überrannt.
4 Tote, 10 Schwerverletzte.
Merchantville (New=Jerſey). Ein Laſt=
auto
wurde von einem Zuge überrannt. Von
den Inſaſſen des Autos ſind vier getötet und
zehn lebensgefährlich verletzt worden.

Orkan über Veracruz u. Hanka k0
Etwa 50 Tote.
Mexiko. Nach einer Meldung aus
cruz wütete dort geſtern vormittag ein 4
der Schaden an Gebäuden anrichtete ur
Verſorgung der Stadt mit elektriſchem
unterbrach. Eine Anzahl kleiner Schiffe i=
fen
kenterte und ging unter. Wie erſt je
kannt wird, fegte vergangenen Samstag
Gonntag ein Wirbelſturm über die Gegen
Santa Roſalia in Niederkalifornien
Etwa 50 Menſchen ſind ums Leben gekor

Tod in der Arkkis.

Kopenhagen. Der Führer des E
tionsſchiffes Sökongen II. Kapitän Pe=
das
von ſeiner Suchexpedition nach dem
ſchwundenen däniſchen Geologen Agne
Bjare und ſeinem Begleiter, dem Deutſche
Krüger, nach Kopenhagen zurückgekehrt i
klärte einem Vertreter des Ekſtrabladet
war im Sommer 1929, als die beiden Fo
nach Grönland reiſten, um von dort eine Ex
tion nach Ellesmerland im arktiſchen Ka.
zu unternehmen. Den erſten Wintr verle
ſie in Thule. Von hier brachen ſie im Fel
1930 auf, indem ſie beabſichtigten, im Augu
gleichen Jahres zurückzukehren. Wir ſollt
im vorigen Jahre von Thule abholen. Si
fen jedoch nicht ein; und wir mußten oh
abreiſen. Seitdem ſie Thule verließen, ha
nichts mehr von ihnen gehört, und mar
nun an, um ihr Schickſal beſorgt zu ſein.
Veranlaſſung des Leiters der Cap=YorkS
Hans Nielſen, wurde im letzten Frühjah
Suchexpedition ausgeſandt, beſtehend aus
inos und kanadiſchen Polizeiſoldaten. Die
dition durchſuchte ſyſtematiſch das ganze
das die beiden Forſcher bereiſen wollten,
jedoch ohne Reſultat zurückkehren. Es
nicht die geringſte Spur gefunden, und es
nunmehr kein Zweifel darüber herrſcher
Krüger und Bjare umgekommen ſind
welche Art, das kann man zunächſt nur

Eine gefährliche Treibmine.
Paris. Wie aus Cherbourg berichte
weiſt die Marinepräfektur auf das Vorh
ſein einer die Schiffahrt gefährdenden
mine 50 Grad 3 Min. nördlicher Breil
2 Grad 18 Min, weſtlicher Länge, nördt!
Gasquat, hin.
Vor 125 Jahren wurde der 9k
Heinrich Laube geboren.

Heinrich Laube,
der berühmte deutſche Schriftſteller und
leiter, wurde vor 125 Jahren, um 18. S
ber 1806, in Sprottau geboren. In ſeine.
war er einer der Hauptführer de
Deutſchlands und wurde deshalb ſchar L.
1849 bis 1867 war er künſtleriſcher Direel
Hofburgtheaters in Wien, das er be
durch Förderung der Dramen Grilpate
hoher Blüte brachte. Von ſeinel
Dramen iſt berühmt geworden die *
Struenſee und ſein Schiller=Schauſple
Karlsſchüler‟. Er ſtarb am 1. Augul,
Wien.

Wirbelſturmverwüſtungen in Eureka (U. S. A.).
Ueber die Stadt Eureka in den Vereinigten Staaten brauſte kürzlich ein Wirbelſturm hi
der in wenigen Sekunden furchtbare Verwüſtungen anrichtete. Unſer Bild zeigt eine zuſa
geſtürzte Garage, aus der das Auto durch den Wind viele Meter weit fortgetragen wur.

Der ſchnellſte Eiſenbahnzug der Welk.

Die Lokomotive des Cheltenham=Fliegers wird bei der Einfahrt in den Londoner Bahnhof
begeiſtert begrüßt.
Mit 125 Kilometer Stundengeſchwindigkeit ſtellt der zwiſchen Swindton und London verkehrende
Expreßzug Cheltenham=Flieger den ſchnellſten Eiſenbahnzug der Welt dar.

Reich und Ausland.
Dampfer=Zuſammenſtoß
an der Elbemündung.
Hamburg. In dem ſtarken Nebel, der
ſich auf der Unterelbe in der vorvergangenen
Nacht bis zu den frühen Morgenſtunden bemerk=
bar
machte, kam es bei Brunsbüttel nachts zwi=
ſchen
dem deutſchen Dampfer Dalaelven der
Hamburger Reederei Bolten und dem von Ham=
burg
nach New Caſtle ausgehenden norwegiſchen
Vergnügungsdampfer Meteor zu einem Zu=
ſammenſtoß
, wobei beide Schiffe erhebliche Be=
ſchädigungen
erlitten. An dem auf einer Reiſe
von Leningrad nach Holland begriffenen deut=
ſchen
1439 Brt. großen Dampfer wurde der
Steven verbogen und Teile des Vorſchiffes ein=
gedrückt
, ſo daß Waſſer eindrang. Das Schiff
konnte aber nach kurzem Aufenthalt die Reiſe
nach ſeinem Beſtimmungshafen fortſetzen. Das
norwegiſche Schiff Meteor wurde anſcheinend
mittſchiffs getroffen. Ihm wurde das Promena=
dendeck
eingedrückt. Es konnte aber gleichfalls
die Reiſe fortſetzen. Menſchenleben ſind nicht
zu Schaden gekommen.
In den Gewäſſern von Southampton herrſchte
vorgeſtern ein ſo dichter Nebel, daß der Tender,
der mit den Paſſagieren für den Lloyd=
Dampfer Bremen nach der Außen=
reede
fuhr, ſechs Stunden brauchte, bis er den
Dampfer fand. Der Cunard=Dampfer Aqui=
tania
, der von Amerika eintraf, brauchte 3½
Stunden, bis er den Innenhafen erreichte.

18 Meter tief abgeſtürzt.
Höchſt a. M. Ein Bauhandwerker kam hier
auf tragiſche Art ums Leben. Er ſtand auf einem
Gerüſt einer Bauſtelle der J.G.=Farbeninduſtrie
in Höchſt und wollte einen ſchweren Handwerks=
kaſten
an einem Seil nach dem Gerüſt hochziehen.
Dabei verlor der Unglückliche das Gleichgewicht
und fiel 18 Meter tief in einen Keller hinein.
Der Verletzte wurde ſofort nach dem Kranken=
haus
geſchafft, doch waren die inneren Verlet=
zungen
, die er ſich zuzog, ſo ſchwer, daß er
bald nach ſeiner Einlieferung verſtarb.
Vor 100 Jahren wurde der Erfinder
des Benzin=Aukos geboren.

Der von Siegfried Markus 1865 erbaute Wagen.
Oben: Der Erfinder des Benzin=Autos,
Siegfried Markus.
Am 18. September jährt ſich zum 100. Male
der Geburtstag von Siegfried Markus, des Er=
finders
des Benzin=Autos. Markus konſtruierte
1865 einen Wagen, der mit Gas betrieben
wurde. 1875 baute er ihn um und betrieb ihn
mit Benzin. Dieſer primitive Wagen bildete
den erſten Anfang zu unſerem heutigen Auto.

[ ][  ][ ]

Simer 259
Statt Karten.
Vermählung beehren sich anzuzeigen
Alex Bernhard u. Frau
Henn), geb. Gunkel
Di stadt, 19. Sept. 1931
Rhönring 33
g Il. Trauung Samstag 3 Uhr in der Martinskirche.

Freitag, den 18. September 1931

Seite 11

Am 14. Sept. entſchlief ſanft im vollendeten
Lebensjahre, nach langem Leiden, meine liebe
rutter, unſere gute Großmutter, Urgroßmutter,
chwiegermutter, Schweſter, Schwägerin und Tante
frau Kal. Somner Ave.
geb. Büchler.
Die Beiſetzung fand auf Wunſch unſerer lieben
utſchlafenen in aller Stille ſtatt.
Allen, die uns durch Blumenſpenden und Bei=
idsbezeugungen
ihre Teilnahme erwieſen, danken
ir herzlichſt.
(13486
Die trauernden Hinterbliebenen.
In deren Namen:
oh. Müller und Frau Amalie, geb. Sommer.
Darmſtadt (Heinheimerſtr. 84), 17. Sept. 1931.

Verwandten, Freunden und Bekannten, die
hmerzliche Nachricht, daß mein lieber Mann,
nſer treuſorgender Vater, Schwieger= und Groß=
ater
, Bruder, Schwager und Onfel
Zeit Anidn Ham
Vorarbeiter i. R.
eute morgen 8 Uhr, von ſeinem ſchweren Leiden
rlöſt wurde.
Im Namen aller Angehörigen:
Frau Eliſabeth Blüm, geb. Bechtold.
Die Beerdigung findet ſtatt Samstag nachmittag
Uhr, Friedhof Nieder=Ramſtädterſtraf
66

Statt Karten.

VERMAHLTE
Heinrich Wiedekind
und
Margarethe Wiedekind
geb. Gramling
Groß-Zimmern, den 20. Sept. 1931.
Trauung: Sonntag, den 20. Sept. 1931
3 Uhr.

Am 20. September begeht Herr
Chriſtian Luley
Frankenſteiner Straße 47, ſeinen
85. Geburtstag.

dömerbad, Zimmerstr. 7
Vierzellen- und Halbbäder
bei allen Krankenkassen zugelassen.
(127209
Telefon 3834

Todes=Anzeige.
Nach ſchwerer Krankheit entſchlief ſanft heute früh 4.15 Uhr nach
kurz vollendetem 74. Lebensjahre unſer lieber Vater, Schwiegervater,
Großvater, Bruder, Onkel und Schwager
Wilhelm Gimbel
Zollſekretär i. R.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Wilhelm Gimbel, Studienrat.
Darmſtadt, Mainz. Nieder=Ramſtadt. Alsfeld, den 17. September 1931.
Pankratiusſtr. 2½
Die Beerdigung findet Samstag, den 19. September 1931, nachmittags
½3 Uhr, auf dem alten Friedhof an der Nieder=Rämſtädterſtraße ſtatt.

Gott erlöſte heute meinen guten
Mann, unſeren lieben Vater,
Schwiegervater, Großvater, Bru=
der
und Onkel
Herrn Friedrich Schneider
Schreinermeiſter i. R.
im 85. Lebensjahre von ſeinem
längeren Leiden.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Anna Schneider, geb. Brückmann
Familie L. Tramer, Mainz
Geſchwiſter Schneider
Familien Wald und Jaide.
Darmſtadt, den 17. Sept. 1931.
Die Beiſetzung findet am Sams=
tag
, den 19 September, nachm.
2 Uhr, vom Port ile des alten
Friedhofes an der Nd.= Ramſtädter=
ſtraße
aus ſtatt.

Das Corps Rhenania betrauert aufs tiefſie
jas am 14. September 1931 in Hamburg
rfolgte Ableben ſeines lieben A. H.
Dipl.=Ing.
Aifted Möller
(rec. 7. VI. 1899).

13458)

Das Corps Rhenania
J A.: H. Th. Becker.

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nach dem System Martens, das weit über die
Grenzen Deutschlands bekannt ist. In der letzten
Woche wird die praktische Verarbeitung, wie die-
selbe
von einer ersten Maßschneiderei in einer Groß-
stadt
verlangt wir d, durchgenommen. Das System
Martens, das seit über 40Jahr. existiert, steht durch
seine Einfachheit sicher mit an der Spitze sämt-
licher
Zuschneidesysteme. Geleitet wird der Unter-
richt
von einem erstklassigen Fachlehrer, der eine
langjährige Praxis Hinter sich hat. Der Name
Martens in Verbindung mit dem Ort Frankfurt a. M.
verbürgt Zuverlässigkeit und Qualität. Die Zahl der
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Seite 12

Freitag, den 18. September 1931

SatrlalrTio Sadfleti

Handball.

Rol=Weiß Darmſtadt T5P. Braunshardl.

Am Sonntag empfängt Rot=Weiß den TSV. Braunshardt
zum fälligen Verbandsſpiel. Braunshardt ſpielt in dieſem Jahre
zum erſten Male in der Ligaklaſſe. Bei den ſeither ausgetragenen
Spielen haben es die Braunshardter verſtanden, durch ihr ſolides
Können ſich in der höchſten Klaſſe ſehr gut zu halten. Dies be=
weiſt
ja auch der Tabellenſtand, den ſie nach dem letzten Spiele
haben. Mit 4 Pluspunkten, gleich Rot=Weiß, ſteht Brauns=
hardt
an 5. Stelle, während Rot=Weiß aus beſſerem Torver=
hältnis
an 4 Stelle rangiert. Das Spiel findet nachmittags
3 Uhr auf dem Rot=Weiß=Platz an der Rheinallee ſtatt.

SpBag. 04 Arbeilgen Wormakig Worms.

Der Gaſt Wormatia Worms, der am kommenden Sonntag,
vormittags 10.30 Uhr, am Arheilger Mühlchen antritt beſitzt wohl
die ſtärkſte Handball=Mannſchaft der drei Wormſer Vereine. Auch
am Arheilger Mühlchen werden die Wormſer verſuchen, zum Sieg
zu kommen. Für die Arheilger iſt es Zeit, mit Ernſt an die Sache
zu gehen, ſonſt kann es ſein, daß man vom Ende der Tabelle nicht
mehr fort kommt. Die Arheilger haben das Zeug in ſich und kön=
nen
wenn ſie wollen, ihr Spiel zu einem Sieg bringen, allerdings
darf nicht Intereſſeloſigkeit und Eigenbrödelei einzelner Spieler
die beſten Chancen zunichte machen. Wir hoffen daß am Sonntag
die Mannſchaft ſich wieder präſentiert wie in früheren Tagen.

Zum Endſpiel um die Süddeutſche Handballmeiſterſchaft in
Michelſtadt läßt die Heſſ. Eiſenbahn=A.G. ab 13.20 Uhr
Heaghaus, einige Sonderwagen nach Michelſtadt zum Sta=
dion
verkehren. Fahrpreis pro Perſon 2,40 Mark hin und zurück
Anmeldungen im Heaghaus. Liſten zum Einzeichnen im Poſtkiosk
Skurnik. (Siehe morgige Anzeige.)

Fußball.

Reichsbahn 1. Darmſtadt Poſt Darmſtadt 1.

Am kommenden Sonntag. 14 Uhr, ſtehen ſich obige Mann=
ſchaften
im Verbandsſpiele auf ihrem gemeinſamen Platze am
Dornheimerweg gegenüber. Der Poſtſportverein ſpielte am ver=
gangenen
Sonntag in Hahn und erzielte ein verdientes Unent=
ſchieden
, ein Beweis für ſeine derzeitige Spielſtärke. Da die Reichs=
bahn
dieſes Spiel ernſt nimmt tritt ſie mit ihrer zurzeit ſtärkſten
Elf an, und die Poſt wird mit ihrer ſtärkſten Elf erſcheinen, ſo
daß mit einem ſchönen Spiel zu rechnen iſt. Um 10.30 Uhr ſpielt
die 2. Mannſchaft ein Freundſchaftsſpiel gegen Viktoria Gries=
heim
2.
Rot=Weiß A.H.Sportv. 98 A.H.

Am Samstag, nachmittags 5.30 Uhr empfangen die Alten
Herren der Rot=Weißen die des Sportv. 98 zum fälligen Rückſpiel.
Das Spiel dürfte ſchon allein aus dieſem Grunde überaus inter=
eſſant
werden, da durch die Niederlage der 98er in Wixhauſen die
Lage ſo iſt, daß Sportv. 98, Wixhauſen und Rot=Weiß punktgleich
führen.
SVgg. 04 Arheilgen Germania Eberſtadt.

In Fortſetzung der Verbandsſpiele empfangen die Arheilger
am kommenden Sonntag, nachmittags 3 Uhr, am Arheilger Mühl=
chen
Gäſte aus Eberſtadt. Germania Eberſtadt, der Neuling, hat
ſich überraſchend gut in die Kreisliga eingeführt und ſteht mit
einem Punkt Abſtand hinter Oberroden an zweiter Stelle der
Tabelle. Die Mannſchaft iſt ſehr flink und eifrig, beſitzt in den
Verteidigern mit dem Torwächter eine ſchwer zu überwindende
Hintermannſchaft. Trotz der erzielten Siege über Egelsbach und
Union Daxmſtadt zeigt Arheilgen in ſeinen Reihen noch recht be=
denkliche
Schwächen, die ſich leicht recht unangenehm auswirken
können. Wir hoffen, daß der Beſſere ſiegt und damit Tabellen=
zweiter
bleibt bzw. wird.

S.V. 1910 WeiterſtadtGermania Leeheim.

Weiterſtadt empfängt am kommenden Sonntag, nachmittags
3 Uhr, den FC. Germania Leeheim. Die Gäſte haben ſchon man=
chen
ſchönen Sieg in dieſer Saiſon gegen ſpielſtarke Gegner erzie=
len
können und dürfte daher mit einem ſpannenden Spiel zu rech=
nen
ſein. Die Einheimiſchen durfen daher das Spiel nicht allzu=
leicht
nehmen. Wird mit der gleichen Hingabe, wie am Schluſſe
des Vorſonntags geſpielt, ſo dürften Sieg und Punkte ſicher ſein.
Um 1 Uhr 1. SchülermannſchaftS.V. Mörfelden Jgd. Um
2 Uhr 1. JugendS.V Mörfelden
Die 1. Handballmannſchaft begibt ſich nach Epperts=
hauſen
, und die Damenmannſchaft fährt nach Offenthal. Hoffen
wir hier auf ein ehrenvolles Abſchneiden. Abfahrt 12.30 Uhr.

Fußball im Kreis Skarkenburg.

Ein Sonntag der Großkämpfe.

Die Entwicklung in der Starkenburger Kreisliga hat es
mit ſich gebracht, daß man im Hinblick auf die Spielſtärke der einzelnen
Vereine eine neue Wertung vornehmen muß. Die Neulinge haben ſich
als ſtärker erwieſen, wie man vorher anzunehmen geneigt war, und wei=
ter
haben auch die bisher ſtets am Tabellenende rangierenden Mannſchaf=
ten
eine überraſchende Schlagkraft gezeigt, ſo daß nun zu den bisher
als Großkämpfe bezeichneten Treffen einiger alter Vereine auch noch
Spiele mit den Neulingen hinzutreten. Trotzdem läßt ſich der Wert der
früheren Begegnungen nicht aus der Welt ſchaffen, auch wenn die be=
treffenden
Vereine zeitweiſe ſchlechter in der Tabelle placiert ſind. Der
Kenner weiß aber, daß, wenn Vereine wie Arheilgen, Pfungſtadt, Polizei,
Sprendlingen, Dieburg und Münſter aufeinanderſtoßen, immer ein
Großkampf zu erwarten iſt. Das Intereſſe des Publikums iſt hier ſtets
weit größer als bei anderen Begegnungen, weil eben dieſe Treffen ihre
Tradition haben. Man braucht nur daran zu denken, daß ſich Pfung=
ſtadt
, Arheilgen, Sprendlingen, Wixhauſen ſchon vor über 20 Jahren
gemeſſen haben und wird nun verſtehen, warum gerade jenen Spielen
größere Beachtung geſchenkt wird. Nach den bisherigen Ergebniſſen
ſcheint es, daß man auch Eberſtadt nun in die Reihe jener Treffen mit
einrangieren muß.
Der kommende Sonntag weiſt wieder ein volles Programm
aus. Es ſpielen: Germania Oberroden Union Wixhaufen Sportvgg.
04 Arheilgen Germania Eberſtadt, SV. Münſter Haſſia Dieburg
(1 Uhr), Germania 03 Pfungſtadt Polizei Darmſtadt, SV. Mörfelden
Union Darmſtadt, FV. Sprendlingen Viktoria Griesheim, FC. 03
Egelsbach FSV Groß=Zimmern.
Von dieſen Spielen ſollten einige klare Entſcheidungen bringen.
So müßte ſich der Tabellenführer Oberroden gegen Wixhauſen behaupten;
auch Arheilgen, Mörfelden, Sprendlingen und Egelsbach darf man gegen
ihre Gegner in Front erwarten. Offen ſind dagegen die beiden Spiele
in Pfungſtadt und Münſter. Neben dem Ausgang dieſer beiden Spiele
intereſſiert vor allem noch das Treffen am Arheilger Mühlchen. Im
übrigen darf noch auf einen Regiefehler hingewieſen werden. Wegen
des urſprünglich vorgeſehenen Spieles der Handball=Liga SV. 98 Darm=
ſtadt
Polizei Darmſtadt hatte man die Kreisliga durchweg außerhalb

Darmſtadts angeſetzt. Nun fällt jenes Handballtreffen aus, weil in
Michelſtadt die ſüddeutſche Handball=Meiſterſchaft entſchieden wird, aber
die Spiele der Kreisliga bleiben wie angeſetzt, ſo daß alſo am Sonntag
nachmittag in Darmſtadt überhaupt nichts los iſt. Hier hätte entweder
Initiative der Kreisleitung oder mehr noch freie Vereinbarung der
Vereine dazu führen müſſen, daß wenigſtens ein Kreisligatreffen in
Darmſtadt ſtattfand. Scheinbar geht es aber den Vereinen noch gut
genug, daß ſie dieſe Möglichkeit, Zuſchauer anzuziehen, außer Acht ließen.

Die A=Klaſſe im Kreisgebiet
meldet folgende Ergebniſſe: Gruppe Bergſtraße: Eintracht Rot=
Weiß 1:4, Reichsbahn Jugenheim 6:0, Weiterſtadt Geinsheim 4:3
(0:3), Hahn Reichspoſt 3:3; Gruppe Dreieich: SC. Dietzenbach
Sportgemeinde Sprendlingen 1:1, FC. Dreieichenhain Meſſel 1:4;
Gruppe Odenwald: Höchſt Lengfeld 3:3, Michelſtadt Noßdorf
0:1, Beerfelden Schaafheim 3:0, Höchſt Groß=Umſtadt 2:0 (am
30. Auguſt). Wir ſehen demnach folgenden

Tabellenſtand der Gruppe Odenwald

Spiele
Sportverein Roßdorf
SC. Ober=Ramſtadt
VfL. Michelſtadt.

Sportverein Lengfeld ..
Sportverein Höchſt..
VfR. Beerfelden . . .
Viktoria Schcafheim
Spielvgg. Groß=Umſtadt
Viktoria Kleeſtadt

gew.

Punkte

In der Tabelle fehlt noch das Spiel Kleeſtadt Groß=Umſtadt vom
letzten Sonntag. Das wegen Unwetters abgebrochene Spiel Beerfelden
Groß=Umſtadt wird laut Urteil des Gruppengerichts wiederholt.

Die A=Klaſſe am kommenden Sonntag.
Gruppe Bergſtraße: Rot=Weiß Darmſtadt SV. Geinsheim Eintracht
Darmſtadt Boruſſia Dornheim (beide Spiele um 11 Uhr), Reichs=
bahn
Poſt Darmſtadt, SV. Weiterſtadt Germania Leeheim,
FSV. Jugenheim Chattia Wolfskehlen (um 3 Uhr).
Gruppe Odenwald: SC. Ober=Ramſtadt SV. Höchſt, Viktoria Klee=
ſtadt
SV. Roßdorf, Viktoria Schaafheim Spielvgg. Groß= Um=
ſtadt
, SV. Lengfeld VfR. Beerfelden,
Gruppe Dreieich: SV. Erzhauſen FC. Dreieichenhain, T.u.SV. Meſſel
Klein=Zimmern, FC. Langen Reſerve FV. Eppertshauſen.

4. Tennis-Turnier der 2.T.

Wie die Deutſche Turnerſchaft bereits mit beſtem Erfolge den
früher nur exkluſiven Fechtſport vervolkstümlicht hat, ſo beabſich=
tigt
ſie, durch die Aufnahme des Tennisſpiels den weißen Sport,
breiteren Schichten des deutſchen Volkes zugängig zu machen. Das
Ergebnis der erſten drei Jahre Tennis in der D.TT. iſt durchaus
ermutigend.
Die Deutſche Turnerſchaft zählte 1930 bereits nahezu 13000
Tennisſpieler in ihren Reihen. Die ſtärkſte Verbreitung hat
D. T.=Tennis gegenwärtig im Turnkreiſe Rheinland mit 2001 Mit=
gliedern
. Es folgen Brandenburg mit 1558, die Sächſiſche Tur=
nerſchaft
mit 1264, Norden mit 1189 und der Mittelrheinkreis ſo=
wie
Bayern mit etwas mehr als 1000.
Wie angelegen ſich die Turnvereine die Pflege des weißen
Sports ſein laſſen, erſieht man daraus, daß ihnen bereits mehr
als 600 eigene und gemietete Plätze zur Verfügung ſtehen.
Tennismeiſterſchaften trägt die Deutſche Turnerſchaft nicht
aus. Sie überläßt ſie dem Deutſchen Tennis=Bund, mit dem ſie
freundſchaftliche Beziehungen unterhält, die durch einen beſonderen
Vertrag geregelt werden.
Eine Heerſchau der D.T. im Tennis ſind die Turniere der
D.T. So war zum vierten Male das Tennisturnier der D.T.
mit den Spielmeiſterſchaften in Chemnitz am 12. und 13. Sep=
tember
1931 verbunden. Es wurde nur in einer Klaſſe geſpielt.
Faſt reſtlos wurden die abgegebenen 72 Einzelmeldungen erfullt.
Offenſichtlich war eine Leiſtungsſteigerung, und zwar in höchſtem
Maße, zu beobachten, denn nur die Sieger der Kreisturniere
waren zugelaſſen. Es gab dadurch ebenſo ſpannende Vor= wie
Endkämpfe.
Sieger wurden im Turner=Einzel: 1. Mitterer=Regensburg,
2. Kleinjäger=Eſſen. Turnerinnen=Einzel: 1. Fr. Huß=München,
2. Fr. Rauner=Treuen Turner=Doppel: 1. Schweſinger/Dr. Drude,
Hamburg, 2. Dr. Mitterer/Schottenhamel. München. Gem Dop=
pel
: 1. Rauner/Richter, Treuen, Leipzig, 2. Huß/Mitterer,
München.
Vom 9. Kreis (Mittelrhein) ſpielten Frau Ulenberg= Bens=
heim
, Frl. Reiß=Aſchaffenburg, Fritz Schild, Werner Kabel und
Heini Schwarz=Darmſtadt mit. Nur Frl. Reiß konnte einen drit=
ten
Sieg mit nach Hauſe bringen, während alle übrigen Spieler
trotz vorzüglichen Spieles noch nicht einmal, die 4. Runde erreich=
ten
. Frau Ulenberg unterlag in der 3. Runde mit viel Pech
dem ſpielſtarken Frl. Kühnert=Limbach mit 3:6, 6:4, 6:3, Frl.
Reiß ſpielte ſich bis zur 4. Runde durch und unterlag dann der
Meiſterin des Bayeriſchen Tennisverbandes, Frau Huß=München,
mit 6:1, 6:1. Schildt ſchaltete den talentierten Berliner Eck=
hardt
aus und mußte im nächſten Spiel eine Niederlage gegen
den im Eſſener Kreis bekannten Spieler Hohage hinnehmen, die
nicht verdient war. Kabel lieferte ein ganz anſprechendes Spiel,
beſiegte Vieltaut=Arnsberg mit 2:6, 7:5, 6:3 und Hüne=Stettin
mit 6:3, 5:7 6:3. In einem hartnäckigen Dreiſatzkampf verlor
er dann ſchließlich, gehandicapt durch eine Sturzverletzung, gegen
den vorjährigen 2. D.T.=Sieger Bachmann=Hamburg mit 9:7,
10:12, 6:2. Schwarz verlor ſchon in der erſten Runde gegen den
flinken Berliner Steiner mit 6:4, 6:1, dem man eine gute Zukunft
verſpricht. Im Gemiſchten= und Doppelſpiel erwieſen ſich die Paare
nicht ſo ſpielſtark wie die anderen und mußten daher recht früh=
zeitig
ausſcheiden.

Kraffſpork.

Polizei Darmſtadt 1.Dieburg.

Nachdem der Hand= und Fußballſport wieder begonnen hat,
regt es ſich auch wieder im Lager der Kraftſportler dem Publi=
kum
ihren Sport vorzuführen. Die Verbandskämpfe der Ober=
liga
= und Ligaklaſſe des 2. Kreiſes nehmen am 4. Oktober 1931
ihren Anfang. Um nun wieder in das richtige Fahrwaſſer zu
kommen, hat die Polizei vor Beginn dieſer Verbandskämpfe zwei
Freundſchaftstreffen abgeſchloſſen, von denen das eine bereits am
vergangenen Samstag in Groß=Zimmern ſtattfand, während das
zweite am kommenden Sonntag dem 20. September, 10.30 Uhr,
in der Polizeiſporthalle gegen Dieburg ausgetragen werden ſoll.
Der Ausgang dieſes Kampfes iſt ungewiß da Dieburg nicht zu
verachtende Kräfte in ſeiner Mannſchaft ſtehen hat. Daß aber
auch die Polizei zu kämpfen weiß, hat ſie in Groß=Zimmern ge=
zeigt
, wo ſie nur knapp gegen die außergewöhnlich ſtarke Mann=
ſchaft
verlor.

Den Großen Preis von Deutſchland über 100 Kilometer ge=
wann
am Mittwoch in Dresden Weltmeiſter Sawall vor Hille,
Linart und Thollembeek.
Ein Maſſenſturz ereignete ſich bei dem Radrennen in Aleſſan=
dria
, bei dem die beiden Straßenweltmeiſter Guerra und Binda
die Hauptleidtragenden waren.

Nummer 2

Zweite Alkrhein=Regakka in Erfelde

am Sonntag, dem 20. September 1931.

Wie bereits bekannt, veranſtaltet am kommenden Sonnte
Paddelabteilung des Vereins für Leibesübungen
Weiß die diesjährige Altrheinregatta. Erwartungsgemäß
die Meldeöffnung ein außerordentlich gutes Ergebnis 76 7
ſtellen ſich mit 44 Booten dem Starter. Die meiſten Meld=
hat
der veranſtaltende Verein abgege

Kande ie FscaufeFrondebſelüfe git
regatta beſonders geeignete Strecke von Km. 7,5 bis Km. 8,5
Weiß=Bootshaus) gewählt, die den Zuſchauern gute Sichtmi
keit bietet. Die Veranſtaltung beſteht insgeſamt aus 10
kämpfen; getrennt in Faltbootklaſſe und Holzbootklaſſe für
ren, Damen, Jugendliche, gemiſchte Fahrer (Dame und Her=
wie
Ermunterungsfahren.
Das meiſte Intereſſe hat erwartungsgemäß das Faltbo
nen für Herren über 1000 Meter gefunden, ſo daß Vorläuf
wendig ſind, die vormittags 10.30 Uhr ausgetragen werden
dieſen Wettkampf hat die Hammerfaltbootwerft einen We
preis geſtiftet, den voriges Jahr erſtmalig die Mannſchaft
länder=Spilger gewann. Dieſes Jahr hat außerdem die H
Flugbetriebs=A. G. durch Vermittlung des Herrn Direktors
länder von der Stadtverwaltung für den diesjährigen
eine Freiflugkarte von Darmſtadt nach Mannheim geſtiftet
der iſt die vorjährige Siegermannſchaft verhindert, am So
den Wanderpreis zu verteidigen. In dieſem Jahre wird es
harten Kampf zwiſchen den Jung=Deutſchland=Mannſchaften
mas=Schmank und Faßler=Bernſee geben, wenn nicht gegen
Erwartung ein Außenſeiter das Rennen macht. Auch bei den ül
Wettkämpfen bleiben die Fahrer von Jung=Deutſchland Fav=
da
ſie die zurzeit noch einzigen ausgeſprochenen Rennſportl
Altrhein ſind.
Immerhin befinden ſich bei den übrigen Vereinen talet
Kräfte, die nicht ohne weiteres den Sieg verſchenken. Einen
eſſanten Kampf wird der Streit um die zweiten und d
Plätze geben, da hier gleichwertige Kräfte zuſammentreffen.
Außer dem obengenannten Wanderpreis ſind noch dre
tere Wanderpreiſe, die von dem Amt für Leibesübunger
Herrn Medizinalrat Dr. Friedrich und von Rot=Weiß ge
ſind, teils zu verteidigen, teils neu zu erkämpfen. Ferne
teilt die Wettkampfleitung noch einige Ehrengaben, die in
kennenswerter Weiſe von verſchiedenen Firmen zur Verfügu
ſtellt wurden.
Die Siegerverkündigung iſt abends 8.15 Uhr in der K
in Erfelden. Eintritt frei. Programme ſind im Sporthaus
mann, Zigarrenhaus Hartmann, Grafenſtr. 20, und im Phot
Umbreit, Soderſtr 8, erhältlich. Der Beginn der Wettkäm.
nachmittags 2.30 Uhr, ſo daß es für die Beſucher genügt, we
mit dem Zug 1.30 Uhr nach Goddelau fahren. Außerdem
um dieſelbe Zeit ein Heag=Omnibus zur Regatta. Omnibus
fahrt ab 20 und 23 Uhr. (Siehe beſondere Anzeige.)

Turngemeinde Beſſungen Darmſtadi.

Kommenden Sonntag, den 20. September I. J.. findet au
Sportplatz an der Heidelberger Straße (Rennbahn) das
einsſportfeſt mit Uebergabe des Platzes und der neuer=
ten
Halle ſtatt. Die Kämpfe beginnen um 8.30 Uhr vorm
und ſollen um 12.15 Uhr beendet ſein. Abends findet im
hauſe im Kneivſaal gemütliches Zuſammenſein mit Siegerve
digung ſtatt. Der Vorſtand ſowie die Vorturnerſchaft gibt ſi
Hoffnung hin, daß beide Veranſtaltungen zahlreich beſucht w
denn es iſt ein Gebot der Zeit, daß alle Mann an Bord ſind

Rhönradſportgeſellſchaft Darmſtadt.

Im Jahre 1932 findet das 2. Internationale Rhönrad=Tu
an Pfingſten in Würzburg ſtatt, wozu der Irta (Interr
naler Rhönrad=Turnier=Ausſchuß bereits ſchon an die Rhö
ſportreibenden Vereine ſeine Einladungen ergehen ließ.
Rhönradſportgeſellſchaft Darmſtadt (R. S. G.D.) hat ihre Ueb=
abende
auf dieſe große Turnierveranſtaltung eingeſtellt und
den Uebungen der Turnierfahrer begonnen. Eine formloſe
fung in der vergangenen Woche diente als Abſchluß der S
übungen. Auch die Damenriege hat Anſpruch, erwähnt zu ver
kann doch bei fleißigem Ueben den Herren=Riegen eine geſchr
Konkurrenz entſtehen.

Rundfunk=Programme.

Frankfurt a. M.
Freitag, 18. Septemver.
7.00: Nachmittagskonzert des Rundfunk=Orcheſters.
18.40: Dr. Agnes Herkommer: Kinderängſte‟.
19.05: Prof. Sittig: Die Finſternis von Sonne und Mond,
totale Mondfinſternis vom 26. September 1931.
19.30: Zeit, Programm, Wetter, Wirtſchaftsmeldungen.
19.45: Schweizer Jodler: Geſungen vom Schweizer Sängerpaat 7.
Bernhardsgrütttr.
20.15: Baden=Baden: Konzert des Städtiſchen Orcheſters.
21.30: Deutſche Humoriſten: H. Jakob Chr. v. Grimmelshau
22.10: Zeit, Wetter. Nacrichten. Sport.
22.35: Tanzmuſik der Funkkapelle.

Königswuſterhauſen.

Freitag. 18. September.
9.00: Berliner Schulfunk: Berlin im Sommer 1931.
10.10: Schulfunk: M. E. Eber: Ein Tag in einem weſtafrikani
Negerdorf.
15.00: Dr. Dürre: Wen ſollen wir heiraten?. Erbbizlogiſche P
derei).
15.40: Jugendſtunde: Lichtſingnale vor Bahnhöfen.
16.00: Schulrat Dr. Nowack: Die Kulturaufgaben des Lehrers
Grenzland.
16.30: Leipzig: Nachmittagskonzert.
17.30: O. Gerhard: Im Euphrat=Wüſtenſturm mit Spen Hedin=
1800: Ob. Reg. Rat Dr. Lautenbach: Die Bedeutung der Ba
Stillehaltungsverhandlung.
18.30: Prof. Dr. Reichenbach: Entwicklung d. gezmetr. Dent
18.55: Wetter für die Landwirtſchaft.
19.00: Wiſſenſchaftlicher Vortrag f. Aerzte.
19.30: F. Tarnow: Organiſation: Wirtſchaftsnot und Arbeits
verkürzung.
19.55: Wetter für die Landwirtſchaft.
20,00: New York: Konſul K. G. Sell: Worüber man in Ame
ſpricht.
20.15: Sag' deine Meinung mit Muſik, Chanſonfolge voll
Salton. Mitw.: H. Brunar, M. Menſing. Funkkapelle.
21.15: Abendberichte.
21.25: Konzert der Schleſiſchen Philharmonie.
22.30: Wetter=, Tages= und Sportnachrichten.
anſchl. Quartettſtunde: Havemann=Quartett.

Hauptſchriftleitung: Rudolf Maupe

Veranworſtich für Pollit und Wirtſchaſt: Rudolf Maupe: für Feulleien, Dei
Ausland und Heſſche Nachrichten: Max Streeſe: für Sport Karl 3000
für den Handel: Dr. C. H. Qne iſch; für den Schlußdienf: Andkeas Bal
Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herdert Delis
für den Inſeraienteil und geſchäftliche Mittellungen: Willy Kuhles
Druck und Verlag: C. C. Wittich ſämtlich in Darmſſad

Fül unverlangte Manuſtripte wird Garantie der Rückſendung nicht Gbeshnoihe

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Katarrhe
D Asthma, Herz
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[ ][  ][ ]

ſim ver 259

latte

Freitag, den 18. Sept.

MAue Bekanntmachung des Berliner Börſenvorſtandes.
Zunegelung des Werkpapierverkehrs. Immer noch ſchwache Tendenz infolge allgemeiner Realiſakionen

a kfurker und Berliner Effekkenbörſe
Frankfurt a. M., 17. September.
heutige Effektenbörſe eröffnete in ſchwacher Haltung. Vor allem
hers iten die andauernden Kursrückgänge an den Auslandsbörſen in
der fen Tagen und das ſtarke Nachgeben deutſcher Werte an dieſen
Hinzu kommen Verkäufe bzw. Realiſationen des Publikums,
des ich auch die Spekulation mit kleinen Abgaben anſchloß. Die
Ar meneigung für das herauskommende Material war demgegenüber
gu- dentlich gering. Die Ausführungen Dr. Luthers über die zu=
Währungspolitik der Reichsbank blieben ſo gut wie ohne Ein=
f
die Stimmung, ebenſo auch der Medioausweis der RNeichs=
besr
zwar eine leichte Verminderung der Notendeckung aufweiſt,
im gen aber keine weſentlichen Veränderungen brachte. Bei der
Ery28 Marktes genügten ſchon kleinſte Verkaufsaufträge, um das
gau eau herabzudrücken. Gegen die geſtrige Abendbörſe ergaben ſich
zum il recht markante Kursrückgänge. Einen Spitzenverluſt erlitten
iwerten Salzdetfurth, die 8½ Prozent niedriger zur Notiz kamen.
ktien lagen durchweg ſchwach, in erſter Linie Licht u. Kraft und
die 5 Prozent bzw. Mark einbüßten, Gesfürel verloren 3 Pro=
emens
3½ Prozent und A. E. G. und Schuckert bis zu 2 Prozent.
Farben eröffneten etwa 3 Prozent. Deutſche Linoleum 2½ Pro=
annesmann
2 Prozent und Reichsbank 29 Prozent niedriger.
Waldhof. Cement Heidelberg, Schiffahrtsaktien und Bemberg
bis zu 2 Prozent ſchwächer gehandelt.
Pfandbriefen kam ziemlich viel Material heraus, ſo daß auch
Kurſe eine Abwärtsbewegung erfuhren. Sowohl Gold= als auch
ſia tionspfandbriefe wurden bis zu 1 Prozent niedriger gehandelt.
er huldbuchforderungen flau und 3 Prozent abgeſchwächt. Deutſche
uns 3ländiſche Renten bei nachgebenden Kurſen faſt geſchäftslos. Die
e des Pfandbriefmarktes wirkte ſich auch am Aktienmarkt ſpäter
erem Maße aus, ſo daß die Kurſe weiter zurückgingen. Tages=
verändert
7 Prozent. Am Deviſenmarkt nannte man London
ork 4,86, Paris 123,97, Madrid 53,90, Schweiz 24,89½, Holland
Mailand 92,90.
Abendbörſe verlief, vollkommen luſtlos. Verſtimmend
wir= der ſchwache Verlauf der Auslandsbörſen. An einigen Märkten
wa iteres Angebot vorhanden, ſo daß teilweiſe ſich noch Abſchwächun=

geru aben. So eröffneten 2.G. Farben ½ Prozent unter dem Ber=
lin
Schlußkurſe. Auch die Rentenmärkte lagen ſtill bei weiter vor=
ha
em Angebot. Es kam hier jedoch kaum zu Umſätzen, da die Auf=
nac
eigung fehlte.
wicklung der Termingeſchäfte am 23. September an der Frank=
fur
Börſe. Der Börſenvorſtand in Frankfurt a. M. hat die Abrech=
nur
arſe für die Hinausſchiebung der Verpflichtungen aus Termin=
gek
= en vom 23. September auf den 9. Oktober auf Grundlage der
Ic arſe feſtgeſetzt. Maßgebend für dieſe Abweichung von dem Vor=
gdes
Berliner Börſenvorſtandes iſt die Tatſache, daß in Frank=
furr
, M. Verluſte auf ſämtliche Mitglieder des Vereins Kollektiv=
Srso reſtlos umgelegt werden müſſen, während in Berlin und Ham=
bwur
erſter Linie das Vermögen der Liquidationskaſſen haftet. Nach
des ennbaren Lage der Dinge glaubt der Börſenvorſtand, dieſe Form
des ereinigung der ſchwebenden Wertpapierverpflichtungen vertreten
zuu nen, um ſo eher, als die Zahlungen der Unterſchiedsbeträge auf
mm e Zeitpunkte verteilt werden. Andererſeits ſind die ſchwebenden
Wchtungen beim Verein Kollektiv=Skontro nunmehr durch Sicher=
ſte
3 jen auf die gegenwärtig geltenden Tageskurſe gedeckt. Die Diffe=
re
räge zwiſchen den Prolongationskurſen vom 28. Auguſt und den
ary September bekannt gegebenen Kurſen ſind mit einem Drittel
ann. September fällig. Für die Fälligkeit der Reſtbeträge bleibt wei=
ter
egelung vorbehalten. Für die am 23. September noch nicht fälli=
ges
eträge ſind Zinſen nach noch feſtzuſetzenden Sätzen zu vergüten.
Berlin, 17. September.
rs Währungsprogramm Dr. Luthers hatte im Vormittagsverkehr
eiri ger etwas freundlichere Stimmung ausgelöſt. In der Tat wären
die 1 Sführungen in normalen Zeiten auch eine Hauſſemoment geweſen,
hesi twurden ſie aber durch die ſonſtigen ungünſtigen Momente über=
ſchh
, ſo daß ſchon an der Vorbörſe für die Standardwerte 1 bis
2 gent niedrigere Kuustaxen zu hören waren, und die erſten offi=
zie
1. Notierungen vereinzelt ſogar Abſchläge bis zu 5 Prozent brach=
ters
Die herauskommende Ware war nicht einmal ſo übermäßig groß,
ablu ruch die Börfe ſelbſt realiſierte eher, was ſie von geſtern übrig
bssi en hatte, ſo daß nur geringe Aufnahmeneigung beſtand. In erſter
L-9 werſtimmten wohl die flauen Auslandsmeldungen und Nachrichten
üru ine Bankenkriſe in Holland. Beſonders ſchwach lagen zu den
ewz Kurſen die Auslandswerte (Svenska minus 6 Mark und Chade
mn 5½ Mark), aber auch Rheiniſche Braunkohlen und die Kaliwerte
ü. ü hritten die bereits angegebenen 5=Prozent=Grenze ein wenig. Ein
z5s ch trübes Bild bot wieder der Pfandbriefmarkt, an dem beinahe
ay angeboten war. Man glaubte daher, auch für heute mit wei=
tet
. Abſchwächungen von 1 bis 2 Prozent rechnen zu müſſen, Reichs=
ſei
buchforderungen wurden ſogar mit 2 bis 3 Prozent unter geſtern
g nt. Teilweiſe wurden heute am Pfandbriefmarkt Kurſe erreicht,
d8 och unter den Notierungen vom 3. September liegen. Dieſe
Siche beeinflußte den Börſenverlauf ſtärker, auch wurden unbeſtätigte
S erigkeiten des rumäniſchen Staates als verſtimmendes Moment ge=
wr
. . Ebenſo drückten weiter ſchwächere Auslandsmeldungen, die unter
ds Eindruck der Vorgänge in England ſtanden. Anleihen und Aus=
li
! neigten zur Schwäche. Deviſen ruhig. Geld unverändert.

Tuf Grund des 8 2 der Verordnung zur Durchführung der
Wrdnung des Reichspräſidenten zur Abwicklung von Börſen=
Siften vom 25. Juli 1931 (RGB. I, S. 395) und in Ausfüh=
m
. der 8§ 3 und 5 der Bekanntmachung des Börſenvorſtandes
* erlin vom 8. September 1931 (Amtliches Kursblatt Nr. 163
u. 9. September 1931) wird folgendes feſtgeſetzt:
In welcher Höhe des mitgeteilten Nennbetrages die Wert=
T. rſalden gemäß 8 3 der Bekanntmachung des Börſenvorſtandes
erlin vom 8. September zu liefern oder abzunehmen ſind, be=
nt
ſich nach den in der Anlage zu dieſer Bekanntmachung für
Iflicht zur Lieferung und zur Abnahme jedes einzelnen Wert=
ers
geſondert feſtgeſetzten Prozentſätzen.
Die Käufer, welche die in 88 2 und 6 a. a.O. vorgeſehene Mit=
ng
nicht oder nicht rechtzeitig gemacht oder mitgeteilt haben,
oder nur zum Teil zur Abnahme bereit zu ſein, haben für
auf dieſer Erklärung beruhende, nach § 4 a. a. O. erfolgende
rusſchiebung der Fälligkeit ihrer Verpflichtungen 12 Prozent
Tiche Zinſen zu zahlen.
Verkäufer, welche die in 8§ 2 und 6 a. a. O. vorgeſehene Mit=
ang
nicht oder nicht rechtzeitig gemacht oder mitgeteilt haben,
oder nur zum Teil zur Lieferung bereit zu ſein, haben für
auf dieſer Erklärung beruhende, nach § 4 a. a. O. erfolgende
ausſchiebung der Fälligkeit ihrer Verpflichtungen 3 Prozent
liche Zinſen zu zahlen.
Verkäufern, denen auf Grund des § 3 a. a. O. am 23. Sep=
Her 1931 ein geringerer Nennbetrag an Wertpapieren abge=
rmen
wird, als ſie nach ihrer gemäß § 2 a. a.O. abgegebenen
keilung zu liefern bereit waren, ſind für den Teil ihrer An=
Eche, für den ſie die Gegenleiſtung bewirken wollten, 10 Pro=
jährliche
Zinſen zu vergüten.
Käufer, denen auf Grund des § 3 der Bekanntmachung vom
September 1931 am 23. September 1931 ein geringerer Nenn=
Eag an Wertpapieren geliefert wird, als ſie nach ihrer gemäß
a. a. O. abgegebenen Mitteilung abzunehmen bereit waren,
len für den Teil ihrer Verpflichtungen, den ſie erfüllen wollten.
Der Zinſen zu zahlen noch zu beanſpruchen (vergl. 8 5, Abſatz 3
öitierten Bekanntmachung).
Der Börſenvorſtand.
Berlin, den 17. September 1931.

Die Frankfurker Liguidakionskurſe.
Die Liquidationskurſe der Frankfurter Börſe wurden im Gegenſatz
zur Berliner Börſe auf Höhe der Tageskurſe feſtgeſetzt. Die Differen=
zen
betrugen durchſchnittlich 30 Prozent. Teilweiſe darüber lagen
Bankaktien, beſonders Dresdener Bank mit einer Differenz von 60 Pro=
zent
, ferner Schuckert mit 44 Prozent, Siemens mit 36 Prozent, Aſchers=
leben
mit 39 Prozent, Saldetfurth mit 37 Prozent Differenz. Im ein=
zelnen
wurden folgende Kurſe feſtgeſetzt: Adca 51 (per 28. Auguſt 85
Pro=ent), Bank für Brau 75 (98), Barmer Bank 64 (99), Baher. Hyp.. Wechſelbank 82 (117), Berl. Handels 67 (102), Commerzbank 64 (101),
Danat 75 (101), Deutſche Bank 62 (100), Dresdner 41 (101), A.=G. für
Verkehrsweſen 32 (44), Allg. Lokalbahn 57 (90), Deutſche Reichsbahn=
Vorz. 69 (81), Hapag 29 (40), Nordlloyd 24 (44), Aku 43 (69), A.E. G. 52
(83), Aſchaffenb. Zellſt. 34 (52), Bemberg 56 (85), Bergmann 42 (69),
Buderus 23 (35) Cement Heidelberg 39 (50), Chade 182 (242), Conti
Gummi 68 (89), Daimler 12 (21), Deutſche Erdöl 37 (56), Deutſche Gold
u. Silber 97 (114), Deutſche Linoleum 37 (53), Elektr. Lief. 60 (90), J.G.
96 (122), Felten 36 (61), Gelſenkirchen 35 (55), Gesfürel 55 (96) Gold=
ſchmidt
16 (32), Harpener 31 (55), Holzmann 37 (65), Jlſe 119 (142),
Kali Aſchersleben 70 (109), Karſtadt 12 (24), Klöckner 26 (46), Lahmeyer
70 (103) Mannesmann 35 (55), Marsfeld 10 (27) Metallgeſellſchaft 35
(52), Miag 33 (50), Montecatini 31 (34), Oberſchl. Eiſenbahnbed 12 (26),
Phönix 20 (39) Rheinbraun 115 (135), Rheag 64 (86), Rheinſtahl 38 (61),
Rütgers 23 (35), Salzdetfurth 136 (177), Schuckert 66 (110), Siemens 104
(140), Südd. Zucker 81 (104), Svenska 150 (220), Tietz 50 (78), Verein.
Stahlwerke 20 (37), Weſteregeln 80 (112), Zellſt. Waldhof 42 (59), Otavi
11 (16).
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 17. Sept.:
Getreide. Weizen: Sept. 50. Dez. 51. März 53.50 Mai 55.25;
Mais: Sept. 427 Dez. 38,50, März 40.25, Mai 42½ Hafer:
Sept. 22.50, Dez. 24.25, Mai 26½; Roggen: Sept. 398. Dez.
39½, Mai 41.75.
Schmalz: Sept 7.42½, Okt. 7.36, Dez. 6.32½ Jan. 6.27½.
Schweine: leichte 5.505.80, ſchwere 4.905.60; Schweine=
zufuhren
: Chicago 16 000, im Weſten 55 000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 17. Sept.:
Schmalz: Prima Weſtern 8.20: Talg, extra, loſe 2.75
Getreide. Weizen: Rotwinter 63.25, Hartwinter 64.25; Mais,
loko New York 56 Mehl ſpring wheat clears 4 004.50;
Fracht: nach England 1,62,3 Schilling, nach dem Kontinent
88.50 Cents.
Kakao. Tendenz: ſtetig; Umſätze: 153; Loko: 4½: Sept.
4.20, Okt. 4.28, Dez. 4.42. Jan. 4.48, März 4,63, Mai 4.78,
Juli 4.98.
Diehmärkte.
Darmſtädter Viehmarkt vom 17. September. Aufgetrieben waren
7 Ochſen, 133 Kälber. Die Preiſe ſtellten ſich für Kälber a) 4751,
b) 4146, c) 3540 Pfg. pro Pfund. Marktverlauf ſchleppend.
Mannheimer Viehmarkt vom 17. September. Aufgetrieben waren
120 Kälber, 15 Schafe, 126 Schweine 814 Ferkel und Läufer, 1 Ziege,
zuſammen 1076 Stück. Die Preiſe, ſtellten ſich für Kälber b) 4648,
c) 4244, d) 3640; Schafe b) 3034: Schweine nicht notiert; Ferkel
bis 4 Wochen 610, über 4 Wochen 1216, Läufer 1620; Ziegen 12
bis 22. Marktverlauf: Mit Kälbern ſchleppend, geringer Ueberſtand;
Ferkel und Läufer ruhig.
Frankfurter Viehmarkt vom 12. September. Aufgetrieben wurden
vom letzten Markt 66 Rinder) Kälber 881, Schafe 318. Schweine 637.
Marktverlauf: Kälber und Schafe ruhig, geräumt; Schweine mittel=
mäßig
, ausverkauft. Preiſe: Kälber b) 5053, c) 4449, d) 3443:
Schafe al) 4043, b) 3439, c) 233: Schweine b) 5860, c) 5760,
d) 5458 Fleiſchgroßhandelspreiſe: Ochſenfleiſch 1 6875, 2 6268;
Bullenfleiſch 5864; Kuhfleiſch 2 4555, dito 3 3040; Kalbfleiſch 70
bis 90; Schweinefleiſch 6873. Geſchäftsgang mittelmäßig.

Der Ausweis der Reichsbank.
Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 15. September 1931 hat ſich
in der zweiten Septemberwoche die geſamte Kapitalanlage der Bank in
Wechſeln und Schecks, Lombards und Effekten um 126,0 Mill. auf 3153,8
Mill. RM. verringert. Im einzelnen haben die Beſtände an Handels=
wechſeln
und Schecks um 152,6 Mill. auf 2868,8 Mill. RM. abgenommen,
die Lombardbeſtände um 12,3 Mill. auf 163,7 Mill. RM. und die Be=
ſtände
an Reichsſchatzwechſeln um 14,1 Mill. auf 18,2 Mill. RM. zu=
genommen
.
An Reichsbanknoten und Rentenbankſcheinen zuſammen ſind 40,5
Mill. RM. in die Kaſſen der Reichsbank zurückgefloſſen, und zwar hat
ſich der Umlauf an Reichsbanknoten um 42,5 Mill. auf 4269,6 Mill.
RM. verringert, derjenige an Rentenbankſcheinen um 20 Mill. auf
412,4 Mill. RM. erhöht. Dementſprechend haben ſich die Beſtände der
Reichsbank an Rentenbankſcheinen auf 15,2 Mill. RM. ermäßigt. Die
fremden Gelder zeigen mit 393,4 Mill. RM. eine Abnahme um 40,7
Mill RM.
Die Beſtände an Gold und deckungsfähigen Deviſen haben ſich um
42,7 Mill. auf 1728,2 Mill. RM. verringert. Im einzelnen haben die
Goldbeſtände um 1,6 Mill. auf 1372,1 Mill. RM. zugenommen und die
Beſtände an deckungsfähigen Deviſen um 44,3 Mill. auf 356,2 Mill.
RM. abgenommen.
Die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Devifen be=
trägt
40,7 Prozent gegen 41,3 Prozent in der Vorwoche,
Produkkenberichte.
Mannheimer Produktenbericht vom 17. September. Weizen inländ.
Auguſt 2424,50, Roggen inländ, 21,5021,75. Hafer inländ neue Ernte
16,5018,50, Sommergerſte inländ. 1719. Futtergerſte 1718, Soha=
ſchrot
(Mannh. Fabr.) prompt 1212,25, Biertreber mit Sack 10,75 bis
11,25, Trockenſchnitzel 5,756, Wieſenheu loſe 3,804,40, Rotkleeheu
44,40, Luzernkleeheu 4.304,80, Stroh: Preßſtroh Roggen=Weizen
3,603,80, Hafer=Gerſte 33,20, geb. Stroh Roggen=Weizen 3,403,60,
Hafer=Gerſte 2,602,80, Weizenmehl Spez. 0 mit Sack (Südd. Groß=
mühlenpreis
ab Mühle) neue Ausmahlung (97 Prozent) SeptemberNo=
vember
35, dito mit Auslandsweizen 37,50, Roggenmehl mit Sack 2931,
feine Weizenkleie mit Sack 99,25, Erdnußkuchen 12,2512,50. Tendenz
ſtetig. Die Forderungen für Inlandsweizen waren teilweiſe ermäßigt,
dagegen für Roggen behauptet. Am Montag gelangen keine Kurſe zur
Durchgabe wegen Feiertags. Südd. Weizen=Auszugsmehl 4. RM.
mehr, Weizen=Brotmehl 8. RM. weniger wie Spezial 0.
Kleine Wirkſchaftsnachrichken.
Die Hauptverhandlung im Favag=Prozeß beginnt unter dem Vor=
ſitz
des Landgerichtsdirektors Meſſerſchmitt am 2. Oktober. Die Anklage
vertreten Erſter Staatsanwalt Dr. Meißner und Staatsanwalt Dr.
Brenner. Als Verhandlungstage ſind Montag, Dienstag, Donnerstag
und Freitag jeder Woche von 914 Uhr vorgeſehen, ſo daß alſo Mitt=
woch
und Samstag frei ſind. Dieſe beiden Tage können im Bedarfs=
falle
für die Verhandlung verwendet werden.
Die deutſche Rohſtahlgewinnung (ohne Saargebiet) belief ſich im
Auguſt 1931 auf 688 972 Tonnen gegen 803 975 Tonnen im Vormonat.
Die durchſchnittliche arbeitstägliche Gewinnung war mit 26 499 Tonnen
bei 26 Arbeitstagen um 3278 Tonnen oder um 12,4 Prozent niedriger
als die des Vormonats mit N Arbeitstagen. Sie entſpricht 46,3 Prozent
der höchſten durchſchnittlichen arbeitstäglichen Gewinnung der Nach=
kriegszeit
(Juni 1929).
Die Bank von England teilt mit, daß die am 5. Oktober zahlbare
halbjährliche Dividende 6 Prozent abzüglich Einkommenſteuer beträgt.
Bei der Baumwollverſteigerung in Roubaix fanden die Angebote
nur bei einer Preisſenkung von 10 Prozent gegenüber den Preiſen vom
Juli Aufnahme.
Der Wochenausweis der Bank von Frankreich iſt inſofern von In=
tereſſe
, als er eine ſtarke Erhöhung des Deviſenportefeuilles, nämlich
um 685 Mill. Franken, ſowie eine Vermehrung des Portefeuilles in aus=
ländiſchen
Effekten aufweiſt.
Die Außenhandelsbilanz Frankreichs ſetzt ihre rückläufige Bewegung
unaufhaltſam fort. In den erſten 8 Monaten des Jahres 1931 betrug
die Einfuhr 30 027 Mill. Franken gegenüber 34 990 Mill. Franken im
gleichen Zeitraum des Vorjahres und die Ausfuhr 20 970 Mill. Franken
gegenüber 29 309 Mill. Franken im gleichen Zeitraum des Jahres 1930.
Das Defizit iſt ſomit gegenüber 5681 Mill. Franken im Vorjahr auf
9957 Mill. Franken angeſtiegen.

Berliner Kursbericht
vom 17. September 1931

Oeviſenmarkt
vom 17. September 1931

Berl.Handels=Geſ.
Danatbank. .
Deutſche Bank u. 1
Disconto=Geſ.
Dresdner Bank
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyzd
A.E.6.
Bahr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas

Wsch
75.50
61.
42.
27.50
40.50
27.75
50.125
26.25
53.
39.75
15.
68.50
70.75

Mieſe
Eleltr. Lieferung
F. 6. Farben.
Gelſ. Bergw.
Geſ. f.elektr. Untern.
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen u.
Köln=Neueſſen
Phil. Holzmann.
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Untn.
Oberſchleſ. Korsw.
Orenſtein & Koppel

Ve
95.
33.
52.50
30.25
25.
36.375
68.75
24.50
31.50
15.
32.75
18.--

Meeee
Rütgerswerke 21.50
Salzdetfurth Kali
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtoff
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Alkalt
Agsb.=Nrnb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke

Vafe
136.
49.

12.75

80.
16.25
26.

Helſingfors
Wien
Prag
Budapey
Softa.
Holland
Sslo
Kopenhagen
Stockholm
London

Mährung
100 finn.Mk.
100 Schilline
100 Tſch. Kr. .
100 Pengö
1o0 Leva.
100 Gulden
ſ100 Kronen
100 Kronen
100 Kronen
1 S.Sta.

Buenos=Aires 1 Pap. Peſt
ſt Dollar.
New York
100 Belga
Belgien
100 Lire
Italien
Paris
100 Franes

Gelds
10.592
159. 17 Is
12.473
73.41
3.0541
189.88
172.51
112.54
112,63
20.45.
1gg9
4.209
58.56
2a.03
16.50 11

R
1o.812
59.29
12.ge3
73.55
2.06ol
170.23
12.73
112.75
112.g5l.
120 49
1989
4.217
58.88
22.07
16.54


Schweiz
Spanien
Danzig
I
Japon
Rio de Janeiro
2Qugoſlawien
Bortugal.

Athen.
Sſtambul

Kairo

Kanada
Uruguay

3sland
Tallinn (Eſtl.)
Rigg

Währung
100 Franken
100 Peſetas 137.81
ſuo0 Gulden
1Yen
Milreis
100 Dinar
100 Eseudosl
100 Drachm.
1 türk. 2
t äghvt. 8
1 canab. Doll.
Goldpeſo
100 isl. Kr.
100 eſtl. dr.
100 Lats

GeldBrief
82.15
81.75 81.91
0.253
7.433
18.54
5.45
20.95
1.698
92.36
181.27

82.31
37.89
2.0781 2.082
0.255
7.447
18.58
5.46
20.99
4.166 4.174
1702
92.54
112.441 112,66
81.43

Frankfurter Kursbericht vom 17. September 1931.

Pe
5½%Intern.,
62Baden .....
80 Bayern ....
6%
8% Heſſen v.88
8%
v. 29
6% Preuß. Staat.
880 Sachſen......
...
78 Thüringen. .
Dtſche. Anl. Auslo=
ſungsſch
. 42ſ, Ab=
löſungsanl
. . .
Dtſche. Anl. Ablö=
ſungsſch
. (Neub.
Deutſche Schutzge=
bietsanleihe
...
6% Aachen v. 29
89Baden=Baden.
62gBerlin...
88 Darmſtadt v. 26
v.S.
79 Dresden. 7
82 Frankfurt a.M.
v. 26
26
82Mginz ....!
8%Mannheim v.26
v.25
88 Mänchen . ....
8% Nürnberg. ...
8% Wiesbaden ..

8% Heſſ. Landesbt.
Goldoblie
4½% Heſſ. Obs=
Hyp.=Bk.=Liquid.
4¾% Kom.=Obl.
8%0 Preuß. Lds..=Anſt. G. Pf.
8% Gorboblig

73.5

60

44.1
3.35

1.2

84

Kaun
Bk. Girozentr. für
Heſſen Goldobl.
82 Kaſſeler Land.
kredit Goldpfbr.
78 Kaſſeler Land.
kredit Goldpfbr.
82 Naſſ. Landesbr.
432% Ligu.Ob!
Dt. Komm. Sam=
mel
=Ablöſ.=Anl.
FAuslSer.
Ser,II
Dt. Amm. Samm.=
Abl. Neubeſitz).

82 Berl. Hyp. Bk.
4½ %onLigü.=Pfbr.
18% Frkf. Gyp.=Bk.
½% Lic. Pfbr.
Pfbr=Bk.
Liau.
2 Mein.Shp.=Bk.
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2 Pfülz=Hyb.=B!
Lig Pfbr.
82 Preuß. Boden=
ereb
.=Bank. .
4½%0 n Lia. Pfbr.
8% Preuß. Centrl.
Bobener.=Bank
4½% Lig.Pfbr.
825 Rhein.Hyp. Bk.
4½%6 Lig. Pfbr.
00 Rhein.=Weſtf.
Bd.=Credit. ..
70 Südd. Bod.=
Cred.=Bank ....
4½% Lig. Pfbr.

73
87.5
80
88.5
81.5
75.25

388l
55
8.75

70.5
86
79
85.5
76
88
73.25
89.5
79

86.5
63.75
8.
75
87
90.25
85.5
80.5

8% Bürtt. Gyp.B.)

6% Daimler=Benz
820 Dt. Linol. Werke
88 Klöckner=Werkel
o Mainkrw. v. 26/
ſo Mitteld. Stahl.
2 Salzmannu. Co
7%Ver, Stahlwverke
8% Voigte Häffner
F. G. Farben Bonds
5% Bosn. L.E.B.
2. Inveſt.
5% Bulg. Tab.v. 02
4½%0 Oſt. Schätze
4% Oſt. Goldrente
5%vereinh.Rumän
4½2
14%0 Türk. Admin.
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Bollanl.
½%o ungarn 1918
4½8
19141
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A

65.5
51.5

44.25
25

71.5

17.5
13

11.5
4.75

1.6

42.5
50.25

31.5
53.75
39
30.75
23
39
122

67.75
30.25
11.5

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36.5

35.5

94.75
34.5

33.25
55
16
20
136.5

29.25
37
Zaus
117

G

Wi H
Lüdenſcheid Metall
Lutz Gebr. Darmſt.
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Mainz. Akt.=Br. . .
Mannesm.=Röhren
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Metallgeſ. Frankf.
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Motoren Darmſtadt
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14

20
57
118
58.5

21

135
Ja

s0
64.5

80
142

Kogtländ. Maſchin.
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81
175

105
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107.5

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[ ][  ][ ]

Seite 14

Freitag, den 18. September 1931

DTrggebleglatoaefWliktorsvensen
14)

Copyright Berlin=Schöneberg 1931 by Delta=Verlag Kurt Ehrlich.

gerettet, ſagte ſie.
fügt? meinte er. Man kann ſchließlich nicht ſehenden Auges
iemanden umkommen laſſen. Das Schönſte aber iſt, daß Sie jetzt
für tot gelten. Und er breitete eine Anzahl der neueſten Zeitun=
gen
vor ihr aus, die er geholt hatte. In langen Berichten war Ich ſchäme mich ſo, ſagte ſie.
da der Verlauf des Brandes geſchildert, ein Verzeichnis der
angeblichen Opfer war angefügt. Sieben Perſonen hatten ihr
Ende in den Flammen gefunden oder waren im Qualm erſtickt.
Man befand ſich noch bei den Aufräumungsarbeiten und hatte
aus dem Schutt verſchiedene Leichen hervorgeholt, alle völlig ent=
ſtellt
und unkenntlich. Verſchiedene Perſonen wurden noch ver=
mißt
, man zählte ſie zu den Toten, denn auf Rettung fehlte jede
Ausſicht. Unter den angeführten Namen der letzteren befand ſich
auch Eliſabeth.
Sie ließ die Blätter ſinken. Da exiſtiere ich alſo nicht mehr?
Wenn Sie wollen: Nein! Es hängt von Ihnen ab. Solange
Sie nämlich hier bleiben, braucht niemand von Ihrem Daſein
zu wiſſen.
Sie ſagen: Hier! Dabei habe ich noch immer keine Ahnung,
wo das eigentlich iſt.
Sie ſind in meinem Hauſe. In dem Hauſe, wo jener Schuß
werden oder nicht.
Und nun begann er, vor ihr ſein Leben auszubreiten: ſeine
Vergangenheit, die Ehe mit Mabel, die Kataſtrophe, den Prozeß,
die Zeit in der Anſtalt, dann den Ausbruch in Gemeinſchaft mit umher: für ſie blieben dieſe leeren Korridore, die verfinſterten
Zuflucht gefunden hatte.

Roman von
Nachdruck verboten.
Da haben Sie alſo mir zweimal an einem Tage das Leben / Er ſuchte zuletzt gleichſam nach einer Rechtfertigung: Als
ich Sie geſtern aus dieſer Hölle gezerrt hatte, da dachte ich, drau=
Das Thema ſchien ihm peinlich. Wenn es ſich gerade ſo ßen auf der Straße, am beſten wäre es, ich bringe Sie daher,
Wohin ſonſt auch? Sie gehören ja nirgends hin. Aber warum
weinen Sie?
Ihr Geſicht war tränennaß. Sie gab ſich Mühe zu lächeln.
Ohne Urſache!
Ich weiß nicht. Mir iſt ſo. Sie haben mich aufgeleſen,
nackt und halbtot, ohne alles, wie ein fortgeworfenes Stück
Papier und nun habe ich Kleider und ſitze hier. Sie geben behandelt als einen Koffer, den man in die Ecke ſtellte
mir zu eſſen und alles, und ich kann Ihnen nichts geben.
Er verſuchte ſie, zu begütigen. Allein, was er ſagte, klang holte, was nicht hinderte, daß der Maeſtro gelegentlich An.
nicht überzeugend. Sie vernahm nur tröſtende Mitleidsworte,
die ſie darin beſtärkten, daß ſie recht habe. Zuletzt polterte er:
Sie verlangen etwas viel. Ich kann Ihnen keine Liebeserklärung
machen. Verſtehen Sie nicht, daß es für mich jetzt nur eine ein=
zige
Sache gibt, ein beſtimmtes Ziel.
Ja, gewiß, gab ſie nach.
Zögernd fuhr er fort: Und wenn Sie imſtande ſind, mir da= ihn mehr erſtaunt als empört, etwa ſo, wie wenn irgendei
bei vielleicht irgendwie zu helfen, ſo wäre es ſchon ſehr viel, gehöriger Gegenſtand, ſich unbotmäßig gezeigt hätte. Eli
Sehen Sie, ich bin hier allein und bin nicht gerade beſonders ge= hatte niemals einen Menſchen gekannt, der ſich anders mit i
fiel. Es iſt natürlich notwendig, daß Sie alles erfahren, damit ſchickt darin, das Haus in Ordnung zu halten und was dazu ge= faßte, wie mit einem kleinen Tier, das man ſtreichelt fütter
Sie ſich entſcheiden können, ob Sie unter dieſem Dache bleiben hört. Und wenn Sie Luſt hätten, das ein bißchen beſſer zu dann ſtehen läßt ſie war, kaum fünfzehnjährig, Männern
machen ..
Natürlich will ich!"
Immerhin ſchlich Eliſabeth noch einige Tage auf Zehenſpitzen ganz allein war.
Stenzel, was nachher geſchehen war, und wie er ſchließlich hier Zimmer, die ſchweigende Halle und das Treppenhaus, die ſtum= Dach, wo ſie ſich nicht fürchten mußte, vor die Türe geſetzt zu
men, vornehmen Möbel ein beklemmendes Zauberreich. Aber all= den, wenn ſie nicht ſogleich die Miete für das Zimmer zahlt

Nummer 21
mählich gewann ſie Selbſtvertrauen, die abſonderlichen Vorf
Siaßregeln, die man anwenden mußte, wurden ihr geläufig
Sie fing an, mit ungeſtümem Eifer ſich den freiwillig er=
ten
Pflichten zu widmen. Es war ſogar mehr als das, einw.
Heißhunger nach Betätigung ließ ſie ſich ſogleich auf die
lichen Obliegenheiten ſtürzen. Sie fegte, ſchrubberte, kochte,
ordnete den Inhalt der Schränke, und am Abend, wenn
Eickhoff unter der Petroleumlampe zuſammenſaß, geſtand
ſie ſich glücklich fühle.
Sie legte ihre gewöhnliche Schweigſamkeit ab. Solan=
denken
konnte, war ſie umhergeworſen worden. Es kam be
daß der Maeſtro nicht ihr wirklicher Vater war. Er ſtammt
dem Ghetto einer kleinen polniſchen Stadt, aus einer Fo
von Taſchendieben, hatte vor Jahren auf ſeinen Abenteuerfo
irgendwo eine von ihrem Gatten im Stich gelaſſene junge
mit ſich genommen, die vor der Mutterſchaft ſtand und danr
nach der Geburt des Kindes verſtorben war. Das Kind ha
aus reiner Gutherzigkeit behalten. Er hatte es nicht viel
man ihn nicht benötigte und bei der Weiterreiſe wieder
lungen väterlicher Zärtlichkeit bekam, ohne jedoch den geri
Willen oder die Fähigkeit zur Erziehung des Kindes zu ber,
Er gab ihm zu eſſen, wenn er Geld hatte, war nichts da.
eben gehungert werden. Im ganzen genommen, betre
Maeſtro ſeine Tochter wie ein Stück Eigentum und empfg
als Undankbarkeit, wenn ſie ſich ihm nicht in allem fügte.
griff einen ſolchen Widerſtand ſchlechterdings nicht und wau
geliefert worden, die in ihr die willkommene Beute einiger
ſahen. Und nun, im Alter von zwanzig, hatte ſie entdeckt,
Zum erſten Male in ihrem Leben befand ſie ſich unter

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er Zimmer, wie ſie ſie ausſchließlich kannte, mit troſt=
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Bett als dem Haupteinrichtungsſtück.
zum erſten Male auch erwuchs für ſie etwas, wie ein
zuſar nhang mit den Dingen, die ſie umgaben. Zum erſten
Male jeßlich war jemand da, der nicht einfach über ſie her=
fiel
ru ſich ihrer bemächtigen wollte. Anfangs hatte ſie das als
etwass llkommen Selbſtverſtändliches erwartet, gewöhnt, mit
dem = gen zahlen zu müſſen, was ſie beſaß, ihrem Körper. Sie
war 7 verdutzt, daß dieſes ſimple Geſetz, das ſich ihr bis jetzt
rbrüchlich geoffenbart hatte, nicht zur Anwendung kam.
Kauei=xauch alles übrige, was hier geſchah, ſich vom Bisherigen
durch; unterſchied, ſo zählte ſie Eickhoffs Verhalten zu den ſon=
ſtigery
gentümlichkeiten, die, vorläufig wenigſtens, hingenommen
d werd nußten, und die zu erklären, ſie ſich nicht anmaßte.
oümmerte ſich nicht allzu viel um ſie. Manchmal ſah er
ſie ihuſchen oder hörte ſie herumrumoren. Einmal, als er
los das Badezimmer betreten wollte, überraſchte er ſie
unte r Brauſe ſtehend; ihr ſtatuenhaft ebenmäßiger Körper
Waſſer überſtrömt,
ſchlug ſchnell die Tür zu und zog ſich zurück. Das Vor=
kom
z bereitete ihm Unbehagen, er dachte einen Augenblick
dar ie könne den Zufall für Abſicht genommen haben und
er wolle ſich nach herkömmlicher Art der Männer ſchad=
en
.
war das eilige Trappen nackter Füße zu vernehmen, ſie
aufen, den Bademantel übergeworfen in ſtrahlend
Friſche. Noch atemlos rief ſie ihm zu: Verzeihen Sie, ich
ſperren ſollen".
wußte nicht, daß Sie drinnen ſind, erklärte er trocken.
ſah ihn mit großen Augen an, dann ſagte ſie leiſe und
Bin ich denn häßlich?
fuhr auf: Nein, Sie ſind nicht häßlich, Eliſabeth. Sie
as zur Genüge .."
r ſind doch allein hier! Faſt war Angſt in ihrer Stimme,
ie zu weit gegangen.
eduldig trommelten ſeine Finger auf den Tiſch: Ja, wir
in hier. Aber Sie wiſſen, wie ſich das ergeben hat. Sie
t meinetwegen hergekommen, und ich habe Sie nicht hier=

Freitag, den 18. September 1931

Seite 15

hergebracht, um mir bei Ihnen eine ſolche Revanche herauszu=
holen
. Wir wollen doch hier kein Liebesneſt errichten, nicht
wahr?
Während er das noch ſagte, kamen ihm ſeine Worte reichlich
verſtiegen vor. Warum griff er nicht einfach zu, wie das jeder
an ſeiner Stelle getan hätte.
Eliſabeth wollte etwas erwidern, vielleicht hätte ſie das aus=
geſprochen
, was er dachte aber es kam nicht dazu. In dieſer
Minute geſchah nämlich etwas, das zu einer, beiden unerwar=
teten
, volkkommenen Wendung der Dinge führte. Das, was ge=
ſchah
, hätte unter anderen Verhältniſſen kaum nennenswerte Be=
deutung
gehabt, hier aber ſchlug es wie eine Bombe ein.
Ehe Eliſabeth nämlich antworten konnte, wurde ein Geräuſch
vernehmbar. Es kam von der Decke her, und es war unzweifel=
haft
zu erkennen als der, freilich ſehr gedämpfte, Laut von
Schritten.
Beide ſahen ſich zu gleicher Zeit an. Minutenlang dauerte
dieſe Verſteinerung. Endlich fand Eickhoff als erſter die Sprache
wieder. Die Stimme zum Flüſterton geſenkt, ſagte er: Da oben
iſt jemand.
Sie beſtätigte es ſtumm.
Entweder iſt’s die Polizei oder ein Unbekannter. Auf jeden
Fall muß die Geſchichte ausgelöffelt werden. Wenn ſie mich holen
kommen, hat Flucht jetzt keinen Zweck mehr. Bleiben Sie hier,
ich will nachſehen.
Und er verſchwand, um auf der ſelten benutzten Hintertreppe,
die zum Dachgeſchoß führte, ſeine Rekognoſzierung zu beginnen.
In dieſem Teil des Hauſes lagen die Dienerſchaftsräume, die ſeit
Entlaſſen des Perſonals völlig unbewohnt geblieben waren.
Er brauchte nicht lange zu ſuchen, ſchon, als er die erſte Tür
öffnete, entdeckte er, daß der Raum nicht leer war: ihm gegenüber
ſtand ein fremder Mann.
Wenig vertrauenerweckend ſtellte Eickhoff feſt. Das blaſſe,
verhungerte Geſicht umhüllte ein verwahrloſter Bart von ſo un=
ausdenkbarer
Struppigkeit, daß man hätte glauben können, die=
ſes
Bartungeheuer ſei künſtlich und aufgeklebt. Aus dem Haar=
urwald
blickten ein paar wäßrigblaue Augen, von der Einfalt
eines jungen Hundes. Die Kleidung war letzte Schäbigkeit, viel=
fach
geflickt und ſtellenweiſe zerfranſt und durchlöchert.

Das verwilderte Individuum hatte ſich offenbar häuslich ein=
gerichtet
: das zerwühlte Bett ſchien lange und ausgiebig benutzt
worden zu ſein, auf einem Stuhl daneben krümelten ſich unbe=
ſtimmbare
Speiſereſte in Nachbarſchaft einer alten Weinflaſche,
die als Waſſerbehälter diente. Die Luft erfüllte der beizende
Pfeifenrauch einer ſchon menſchenunwürdigen Tabakſorte.
Der Fremde war über den Anblick Eickhoffs unzweifelhaft
noch mehr erſchrocken, als dieſer über ſeinen, er ſtreckte abwehrend
die Hände aus und rief flehentlich: Nichts tun!
Wer ſind Sie? fragte Eickhoff ziemlich ratlos.
Der Bartmenſch riß die Glieder zuſammen und nahm eine
militäriſche Haltung an: Ich habe meine Papiere. Sie können
ſie ſehen! Dabei kramte er einen ſchmutzigen Wiſch hervor und
bot ihn dar.
Es war nicht leicht, die durch zahlreiche Flecken entſtellten
Schriftzüge zu entziffern, die ergaben, daß der Inhaber dieſes
Dokuments Adam Quentenholz hieß, aus dem Allgäu gebürtig
und von Beruf Klempnergeſelle war.
Auf der Walze riet Eickhoff.
Adam Quentenholz bejahte, ohne die Haltung zu ändern.
Weitere Fragen förderten zutage, daß er beim Betteln das leere‟
Haus entdeckt, hier ſich eingeniſtet und für den kommenden Winter:
Unterſchlupf geſucht hatte. Als Eickhoff eingezogen war, hatte er
angenommen, daß nun der berechtigte Beſitzer des Hauſes aufge=
taucht
ſei und kraft einer faſt tierhaften Geſchicklichkeit, erworben
auf Kreuz= und Querzügen, wo es galt, Gendarmen, Ortspoliziſten
und wachſamen Bauern auszuweichen, hatte er es zuwege gebracht,
bisher unbemerkt zu bleiben.
Warum er ſich nicht in den unteren, bequemeren Räumlich=
keiten
einquartiert habe, wo ihm doch eigentlich alles zur Ver=
fügung
geſtanden hätte? Auf dieſe Frage erfolgte mißbilligendes
Kopfſchütteln.
Das iſt zu fein, das iſt nichts für mich!"
So etwas gab’s alſo noch. Eickhoffs Mißtrauen ſchmolz da=
hin
, er fühlte ſich entwaffnet.
Nun muß ich wohl wieder raus? meinte der Klempner=
geſelle
mit ſchmerzlichem Abſchiedsblick auf ſeine Kabuſe.
Sie können bleiben, entſchied Eickhoff endgültig.
(Fortſetzung folgt.)

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