Einzelnummer 15 Pfennige
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Wöchentliche illuſkrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 247
Sonntag, den 6. Sepiember 1931. 194. Jahrgang
27 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspfg.
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breit)2 Reichsmark. Anzeigen von auswärts 40 Reichspfg.
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Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Strelk uſw., erliſctt
jede Verpflichtung auf Erfüllung der
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auffräge und Leiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerſchtlicher Beltreibung ſällt ſeder
Nabatt weg. Banſlonto Deutſche Bant und
Darm=
ſtädter und Nalionalbant.
er Saager Gerichtshof gegen die Bollunion.
2 Haager Gerichkshof beſchließt mit 8:7 Skimmen Unvereinbarkeit des deukſch=öſterreichiſchen Prokokolls
mit dem Genfer Prokokoll. — Neuer Erfolg der franzöſiſchen Machkpolikik.
verſenken, falls nicht Frankreich trotz ſeines diplomatiſchen Sieges
den Verſuch macht, noch einmal eine politiſche Ausſprache zu er=
32 Berkündung des Haager Gukachkens
zwingen, in der Hoffnung, vielleicht von Deutſchland noch weitere
Zuſagen erhalten zu können. Wir können uns allerdings nicht den=
Beio um jeden Preis.
ken, daß ein ſolcher Vorſtoß Erfolg haben dürfte. Jedenfalls läßt
WTB. Den Haag, 5. September.
Pünktlich um 10 Uhr wurde heute vormittag im großen
Singsſaal des Haager Friedenspalaſtes die öffentliche Sitzung
D Ständigen Internationalen Gerichtshofes zur Bekanntgabe der
chtlichen Entſcheidung des Gerichtshofes, im Rechtsſtreit um
*geplante deutſch=öſterreichiſche Zollunion vom Präſidenten, dem
Innten japaniſchen Diplomaten Adatſchi, eröffnet. Zunächſt
de vom Präſidenten die Begründung zu dem damaligen
Be=
ß des Gerichtshofes, durch den der Antrag Oeſterreichs auf
Zu=
gung eines Richters ad hoo zurückgewieſen wurde, verkündet.
ann wurde zur Verleſung des Textes der Entſcheidung
über=
mgen.
Das Gnkachken.
Das Urteil hat folgenden Wortlaut:
„Der Haager Gerichtshof beſchließt mit 8 gegen 7 Stimmen:
Ein Zollregime zwiſchen Deutſchland und Oeſterreich auf der
Hrundlage und in den Grenzen der Prinzipien des
Proto=
olls vom 19. März 1931 iſt nicht vereinbar mit dem
Protokoll Nr. 1, gezeichnet in Genf am 4. Oktober 1922.
Dieſes Gutachten iſt gleichzeitig in engliſcher und
franzö=
iſcher Sprache abgefaßt. Der franzöſiſche Text gilt als
authentiſch.
gez.: Präſident Adatſchi. Generalſekretär Hammerskjöld.
* In einem feierlich verſiegelten Paket hat das Haager
Schieds=
cht ſein Gutachten durch einen beſonderen Kurier nach Genf be=
)ern laſſen, wo es am Samstag morgen, nachdem vorher im
ig ſelbſt der Spruch öffentlich verkündet worden war, dem Rat
eleitet worden iſt. Die franzöſiſche Propaganda hatte ja dafür
irgt, daß im Wege der üblichen Indiskretionen das wichtigſte
eits vorher bekannt war. Der Ausgang bedeutet daher keine
verraſchung mehr.
Wenn man dieſes Schriftſtück von faſt ſiebzig Seiten
durch=
ſiert, iſt es doch überraſchend, wie das Urteil ſchließlich zuſtande
ommen iſt. Schälen wir den Tatbeſtand heraus, dann ergibt
folgendes Bild: Das Schiedsgericht war vor die Frage geſtellt,
die deutſch=öſterreichiſche Zollunion, ſo wie ſie im März=
Pro=
oll und den Richtlinien niedergelegt war, mit dem
Friedensver=
g von St. Germain und dem Genfer Protokoll aus dem Jahre
2 vereinbar iſt, ob alſo Oeſterreich berechtigt ſei, derartige
Bin=
rgen einzugehen.
Von den fünfzehn Richtern ſind ſieben der Meinung geweſen,
; der Friedensvertrag und das Genfer Protokoll die Zollunion
nöglich machten. Sieben waren der Auffaſſung, daß weder der
jedensvertrag noch das Genfer Protokoll die Oeſterreicher in
er wirtſchaftlichen Bewegungsfreiheit einengten. Der
Fünf=
nte, der Kubaner, hatte ſich zu der Erkenntnis durchgerungen,
3 zwar nicht der Friedensvertrag, aber das Genfer Protokoll
* der Zollunion im Widerſpruch ſtand. Seine Meinung hat ſich
rchgeſetzt. Die ſieben Richter, die auch den Friedensvertrag
her=
ziehen wollten, haben ihre Meinung zurückgeſtellt, haben ſich
n Kubaner angeſchloſſen, und nur ſo iſt ſchließlich die Mehrheit
Tacht zu ſieben Stimmen zuſtande gekommen.
Kann deutlicher geſagt werden, daß eben ein Veto um
den Preis zuſtande kommen ſollte, und daß ſo mit allerhand
tiffeleien das juriſtiſche Kunſtſtück ſchließlich gelungen iſt,
Deutſch=
id und Oeſterreich ins Unrecht zu ſetzen? Ein Kunſtſtück freilich,
S mit dem wahren Recht an ſich kaum mehr etwas zu tun hat.
er das Gutachten der Minderheit, alſo der Richter,
* für das Recht Deutſchlands und Oeſterreichs
itreten, unbefangen durchlieſt, muß ſich von der Schlüſſigkeit der
weisführung überzeugt fühlen. Er wird auch die deutliche
An=
elung verſtehen, daß der internationale Gerichtshof
ich nicht mit politiſchen Erwägungen, noch mit
litiſchen Folgen zu befaſſen” habe. Darin liegt
ne ſcharfe Kritik an dem Gutachten der
Mehr=
it, der nachgeſagt wird, daß ſie eben nicht nach rechtlichen
eſichtspunkten, ſondern um eines beſtimmten
Olitiſchen Zieles willen ihr Urteil abgegeben
it.
Ein Wort noch über die Verteilung der Kräfte innerhalb der
aager Court. Deutſchland befindet ſich in guter Geſellſchaft.
Völ=
rrechtler von Weltruf, wie der Engländer Cecil Hürſt, der
Ame=
kaner Kellogg, der Japaner Adatſchi, haben unſerer Auffaſſung
echt gegeben. Dafür waren noch China, Holland und ſogar der
lgiſche Kronjuriſt, während Frankreich, außer Rumänien,
Ita=
en, Polen und Spanien noch Salvador, Columbien und Kuba zu
D herübergezogen und dadurch die knappe Mehrheit von einer
kimme erzielt hat, die in ihrem moraliſchen Gewicht dadurch noch
eringer wird, daß der Italiener zwar mit der Mehrheit geſtimmt,
ber ſeine eigene Begründung in einem beſonderen Gutachten
nie=
ergelegt hat.
Sehr viel Staat kann alſo der Völkerbund und auch Frankreich
tit dem Ergebnis der Haager Beratungen nicht machen. Durch
En vorzeitigen Rückzug Deutſchlands und Oeſterreichs hat aller=
In9s das Gutachten nur noch akademiſche Bedeutung. Die Lage
atte ſich auch politiſch ganz anders auswerten laſſen, wenn wir
I aller Ruhe die Veröffentlichung dieſes „Urteils” abgewartet
Ind dann die entſprechenden Schlußfolgerungen gezogen hätten.
Die Möglichkeiten, die damit gegeben waren, ſind verpaßt.
Am Montag wird der Rat vermutlich mit dem Gutachten
L49 die deutſch=öſterreichiſche Zollunion in den großen Papierkorb
der Reichsaußenminiſter erklären, daß er ebenſo wie im Mai jede
politiſche Diskuſſion über die Zollunion ablehnen würde.
Die Begründung des Haager Arkeils.
Die Begründung des Gutachtens wird folgendermaßen
zu=
ſammengefaßt:
Oeſterreich iſt ein empfindlicher Punkt der europäiſchen
Ord=
nung, und ſeine Exiſtenz iſt ein weſentliches Element der
politiſchen Ordnung in Europa, wie ſie ſeit dem Kriege
be=
ſteht. Im Lichte dieſer Tatſache müſſen Artikel 88 des
Ver=
trages von St. Germain und das Genfer Protokoll Nr. 1
geprüft werden,
die Oeſterreich allerdings kein abſolutes Verbot der Veräußerung
ſeiner Unabhängigkeit auferlegen, ſondern ihm lediglich zur Pflicht
machen, in gewiſſen Fällen die Zuſtimmung des Rates einzuholen.
Das Wiener Protokoll, das nirgends eine Zuſtimmung des
Völker=
bundsrates vorſieht, faßt den Abſchluß eines deutſch=öſterreichiſchen
Vertrages ins Auge, der zur Bildung einer Zollunion führen
würde.
Der Gerichtshof, iſt aufgefordert worden, zu erklären, ob
Oeſterreich ohne Verletzung ſeiner Verpflichtungen auf
Grund der erwähnten Beſtimmungen, nämlich des Artikels
88 des Vertrages von St. Germain und des Genfer
Proto=
kolls, dieſe Union mit Deutſchſand ohne Zuſtimmung des
Völkerbundsrates abſchließen könnte.
Die Begründung analyſiert nunmehr die in Betracht
kom=
menden Beſtimmungen in dem folgenden Sinne: Nach dem
Arkikel 88
iſt die Unabhängigkeit Oeſterreichs als Aufrechterhaltung ſeiner
Exiſtenz in den gegenwärtigen Grenzen als beſonderer Staat, der
allein Herr ſeiner Entſchlüſſe iſt, insbeſondere auf wirtſchaftlichem
Gebiet. aufzufaſſen. Unter Veräußerung der
Ungbhän=
gigkeit iſt in dem gleichen Artikel jede freiwillige Handlung
des öſterreichiſchen Staates zu verſtehen, die ihn ſeine
Unabhängig=
keit einbüßen läßt oder ſeinen ſouveränen Willen, demjenigen
eines anderen Staates unterordnet. Schlielich muß der Zweck
der Verpflichtung Oeſterreichs, ſich jeder Handlung, die dazu
an=
getan iſt, ſeine Unabhängigkeit zu gefährden, zu enthalten, ſo
auf=
gefaßt werden, daß jede Handlung ausgeſchloſſen ſein ſoll, von der
man nach vernünftigem Ermeſſen annehmen kann, daß ſie dieſe
Unabhängigkeit in Gefahr bringt. In zweiter Linie hat
Oeſter=
reich durch
das Genfer Prokokoll
gewiſſe wirtſchaftliche Verpflichtungen übernommen. Dieſe
Ver=
pflichtungen haben, obwohl ſie ſich dem Rahmen des Artikels 88
einfügen, einen eigenen Wert und eine ſelbſtändige
Rechtsver=
bindlichkeit. Es handelt ſich insbeſondere um die Verpflichtung,
ſeine wirtſchaftliche Unabhängigkeit nicht dadurch zu
beeinträch=
tigen, daß es einem anderen Staat eine Sonderbehandlung oder
ausſchließliche Vorteile gewährt, die ſeine Unabhängigkeit zu
be=
drohen geeignet ſind.
Die polikiſchen Erwägungen.
Was ſchließlich das Wiener Protokoll betrifft, ſo
er=
füllt das darin vorgeſehene Regime ohne weiteres die
Voraus=
ſetzungen einer Zollunion. Der Gerichtshof hatte nicht dieſe oder
jene Beſtimmung des Protokolls, ſondern die Geſamtheit des zu
ſchaffenden Regimes ins Auge zu faſſen. Das Gutachten ſchließt
hieran wörtlich folgende Ausführungen:
„Daß die Errichtung dieſes Regimes an ſich nicht einen Akt
der Veräußerung der Unabhängigkeit Oeſterreichs darſtellt, kann
kaum beſtritten werden, denn Oeſterreich hört dadurch nicht auf,
innerhalb ſeiner Grenzen ein beſonderer Staat mit eigener
Re=
gierung und eigener Verwaltung zu ſein, und wenn nicht mit
Rückſicht auf die Gegenſeitigkeit, die der geplante Vertrag rechtlich
oder tatſächlich vorſieht, ſo kann man doch wenigſtens mit Rückſicht
auf die Kündigungsmöglichkeit ſagen, daß Oeſterreich juriſtiſch die
eventuelle Ausübung ſeiner Unabhängigkeit behält. Man kann
ſogar behaupten, wenn man ſich auf den Text des Artikels 88 des
Friedensvertrages bezieht, daß die Unabhängigkeit Oeſterreichs im
Sinne des genannten Artikels nicht eigentlich gefährdet iſt, und
daß infolgedeſſen vom juriſtiſchen Standpunkt kein Widerſpruch
zu dieſem Artikel beſteht. Dagegen iſt es ſchwer zu leugnen, daß
die geplante Zollunion eine „Sonderbehandlung” darſtellt und
daß ſie für Deutſchland gegenüber Oeſterreich „Vorteile” vorſieht,
von denen dritte Mächte ausgeſchloſſen ſind. Man würde umſonſt
geltend machen, daß das deutſch=öſterreichiſche Protokoll (Artikel 1
Nr. 2) vorſieht, daß Verhandlungen mit jedem anderen Staat, der
den Wunſch ausſprechen ſollte, zum Zwecke einer entſprechenden
Regelung aufgenommen werden ſollen. Es iſt klar, daß dieſe
Eventualität die unmittelbare Wirkung der Zollunion, wie ſie
ſchon jetzt zwiſchen Deutſchland und Oeſterreich geplant iſt, voll
beſtehen läßt. Wenn man ſchließlich von dem wirtſchaftlichen
Standpunkt aus, auf den ſich das Genfer Protokoll von 1922
ge=
ſtellt hat, die Geſamtheit des von dem deutſch=öſtereichiſchen
Proto=
koll geplanten Regimes betrachtet, ſo iſt es ſchwer, zu behaupten,
daß dieſes Regime nicht dazu angetan ſei, die wirtſchaftliche
Unab=
hängigkeit zu bedrohen und infolgedeſſen mit den von Oeſterreich
in dieſem Protokoll hinſichtlich ſeiner wirtſchaftlichen
Unabhängig=
keit ſpezifiſch übernommenen Verpflichtungen im Einklang ſei.”
(Fortſetzung auf Seite 2, erſte Spalte.)
*Was nun?
Mit 8 gegen 7 Stimmen hat das Haager Schiedsgericht
einen Spruch gefällt, daß die ſeiner Zeit geplante deutſch=
öſter=
reichiſche Zollunion mit dem ſogenannten Genfer Protokoll vom
4. Oktober 1922 nicht vereinbar ſei. Es iſt etwas über 10 Jahre
her, daß in Tauſenden von deutſchen Volksverſammlungen ſchöne
Reden gehalten wurden, daß die Zeit der Gewalt nunmehr
vor=
über, daß nur noch das Recht in Zukunft die Beziehungen der
Völker zueinander regeln werde. Als Ketzer wurde verſchrien,
als blutrünſtiger Reaktionär und Kriegshetzer, wer ſeine Skepſis
dieſer Heilsbotſchaft gegenüber zu äußern wagte. Inzwiſchen
hat das deutſche Volk ja einiges erlebt, und die Volksredner
jener erſten Nachkriegszeit ſind etwas ſtiller geworden. Aber
ſchwer auszurotten ſind nun einmal Illuſionen, und Millionen
Deutſcher gibt es auch heute noch, die auch vor den brutalſten
Tatſachen den Kopf in den Sand ſtecken möchten. Trotz allem
wird der ungeheuerliche Haager Spruch manchem recht nützliche
Aufklärung geben. Mit einem Achſelzucken iſt der Weltareopag
über die klare Rechtslage hinweggegangen, ſtärker als das Recht
erwies ſich die militäriſche und finanzielle Macht, die
Frank=
reich in die Wagſchale der Geſchichte zu werfen hatte. Und
darin liegt die Bedeutung dieſes Haager Schiedsſpruchs, der im
Augenblick ſeiner Veröffentlichung ja bereits durch die Ereigniſſe
von Genf überholt war.
Eine tiefgehende Erregung hat ſich des deutſchen Volkes
bemächtigt. Ueberall kommt ſie zum Ausdruck. Und das iſt
das einzig Erfreuliche an der ganzen Angelegenheit, daß ſie uns
gründlichſt aufrüttelt aus der dumpfen Gleichgültigkeit und
Teilnahmsloſigkeit, die das deutſche Volk leider ſo oft den
großen Lebensfragen der Nation gegenüber an den Tag legt.
Daß der deutſche Reichsaußenminiſter nach dieſer kataſtrophalen
Niederlage von ſeinem Amt zurücktreten muß, haben wir
be=
reits geſtern an dieſer Stelle zum Ausdruck gebracht, und wir
er=
warten eigentlich, daß Herr Dr. Curtius in dieſer perſönlichen
Frage von ſich aus die Initiative ergreift. Aber damit allein
iſt es ja nicht getan. Wir ſtehen vor einem Trümmerhaufen,
den es wegzuräumen gilt, und da das Leben der Völker weiter
geht, werden wir uns alsbald damit zu befaſſen haben, welches
Neue wir an Stelle des Zuſammengebrochenen ſetzen wollen."
Iſt der Gedanke einer deutſch=franzöſiſchen Verſtändigung,
den einſt Streſemann in die Erörterung geworfen, durch die
Vorgänge dieſes Sommers endgültig erledigt? Welcher Deutſche
würde dieſe Frage nicht rein gefühlsmäßig unbedingt bejahen!
Daß das aber ſachlich nicht richtig wäre, muß auch in dieſem
Augenblick noch einmal klar ausgeſprochen werden, denn eine
deutſch=franzöſiſche Verſtändigung, ſo wie man ſie ſich in
Deutſchland ſtets gedacht, ſtellt nun einmal, ſo wie die Dinge
liegen, die einzige Löſung dar, die Europa eine freie Zukunft
ſichert. Die Entwicklung der Dinge wird alſo eines Tages
ein=
mal gebieteriſch die Völker in dieſe Richtung drängen. Die
Geſchichte rechnet mit großen Zeiträumen. Aber gerade wenn
man von der Richtigkeit dieſer Theſe überzeugt iſt, muß man
mit aller Schärfe darauf hinweiſen, daß der Gedanke, nunmehr
alsbald den Verſuch zu machen, die Fäden wieder da
anzu=
knüpfen, wo ſie vor ungefähr einem Jahr abgeriſſen, völlig
utopiſch wäre. Auch im Völkerleben ſpielen Gefühle eine ſehr
erhebliche Rolle. Die Franzoſen haben die ihnen mehr wie
einmal angebotene freundſchaftliche Verſtändigung
zurück=
gewieſen. Sie haben anſtatt deſſen die ganze Macht, die ſie
im Augenblick noch beſitzen, eingeſetzt, um uns auf die Knie
zu zwingen. Wir haben den Gang nach Canoſſa antreten
müſſen. Die Erklärung des deutſchen Reichsaußenminiſters im
Europa=Ausſchuß des Völkerbundes, vom 3. September 1931.
iſt eine der ſchwerſten diplomatiſchen Niederlagen unſerer
Ge=
ſchichte. Die Kluft zwiſchen beiden Völkern, die wir
allmäh=
lich ſchließen wollten, iſt tiefer wieder aufgeriſſen denn je.
Bitter empfindet man das im ganzen deutſchen Volk. Es wird
Jahre dauern, bis wir darüber hinwegkommen.
In Paris ſpricht man ſcheinbar noch ganz ernſthaft davon,
daß die franzöſiſchen Miniſter Ende dieſes Monats den
ur=
ſprünglich in Ausſicht genommenen Gegenbeſuch in Berlin
ab=
ſtatten wollen. Daß dieſer Beſuch nicht ſtattfindet, iſt unſerer
Meinung nach ſo ſelbſtverſtändlich, daß man darüber eigentlich
kein Wort zu verlieren braucht. Oder denkt man in Paris
viel=
leicht daran, den Siegeseinzug in Berlin, zu dem man im Jahre
1918 und 1919 nicht gekommen, jetzt in anderer Form
nachzu=
holen? Um die zu Paris letzthin begonnene „freundſchaftliche‟
Ausſprache fortzuſetzen, war dieſer Berliner Gegenbeſuch
ur=
ſprünglich geplant. Muß man noch beſonders erklären, daß er
wahrlich gegenſtandslos geworden nach den brutalen
Fauff=
ſchlägen, die man uns in dieſen letzten Tagen und Wochen
ver=
ſetzt hat? Wenn die Franzoſen im Triumpfgefühl des Siegers
das nicht von ſich aus einſehen, wird man es ihnen eben
deutſcherſeits klar machen müſſen.
Wir täuſchen uns dabei gewiß nicht über den Ernſt unſerer
Lage hinweg. Aber man darf ſich nicht ſcheuen, aus den
Tat=
ſachen die allein möglichen Folgerungen zu ziehen. Wir haben
immer davor gewarnt, den an ſich richtigen Gedanken einer
deutſch=franzöſiſchen Verſtändigung als ein allgemein gültiges
„Rezept” anzuſehen. Derartige Rezepte gibt es für die
Außen=
politik nicht, und verfehlt wäre es daher, auch jetzt nach einem
neuen derartigen Rezept zu ſuchen und von ihm die Löſung
aller brennenden Probleme zu erwarten. Wir können uns bei
unſerer Schwäche nicht in Abenteuer einlaſſen, und mit
beſon=
derer Vorſicht werden wir in der nächſten Zukunft alle etwa zu
tuenden Schritte erwägen müſſen. Völlig ungeklärt iſt noch
immer die Lage im Oſten und Südoſten Europas, ungeklärt
das franzöſiſch=italieniſche Verhältnis, ungeklärt auch iſt die Lage
in Spanien und die aus einer noch nicht zu überſehenden
Eni=
wicklung der Dinge möglicherweiſe erwachſenden Folgen. Wir
brauchen eine ruhige Entwicklung für uns. Sie nach
Möglich=
keit zu ſichern trotz des noch immer ungelöſten
Re=
parationsproblems wird die nächſte ſchwere Aufgabe
unſerer Außenpolitik ſein müſſen.
A.
Seite 2
Die Brgraneang oes Hauger Aicng!
Die polikiſchen Erwägungen.
(Forſetzung von Seite 1, zweite Spalte.)
Dem Gutachten, das, wie erwähnt, mit acht gegen ſieben
Stim=
men feſtgeſtellt worden iſt, ſind zwei Sondernoten angefügt
wor=
den. Von den acht Richtern, die ſich im Sinne der vorſtehenden
Begründung für die Unvereinbarkeit des deutſch=öſterreichiſchen
Protokolls mit dem Genfer Protokoll ausgeſprochen haben, haben
ſieben außerdem erklärt, daß das geplante Regime nach
ihrer Anſicht auch mit Artikel 88 des Vertrages
von St. Germain nicht vereinbar ſei. Das
italie=
niſche Mitglied des Gerichtshofes, Anzilotti, gab eine
voll=
kommen ſelbſtändige Begründung, die anderen ſechs
Mitglieder (Guerrero, Roſtworowſki, Fromageot, Altamria,
Ur=
rutia und Regulesco) haben dagegen eine gemeinſame Erklärung
unterzeichnet, wonach die geplante Zollunion dazu angetan ſei, die
wirtſchaftliche Unabhängigkeit Oeſterreichs zu gefährden und
da=
her einen Akt darſtelle, der geeignet ſei, die Unabhängigkeit
Oeſterreichs überhaupt in Gefahr zu bringen.
Die Gründe der unpolikiſchen Minderheil.
Andererſeits haben ſieben weitere Mitglieder des
Gerichts=
hofes (Adatſchi, Kellogg, Rollin=Jacquemyns, Hurſt, Schücking,
van Eyſinger und Wang) ein gemeinſames Sondervotum
unter=
zeichnet, worin ſie zu dem Ergebnis gelangen, daß die
Zoll=
union ſowohl mit Artikel 88 des Vertrages von
St. Germain als auch mit dem Genfer Protokoll
vereinbar iſt. Die Minderheit iſt mit der Mehrheit der
Meinung, daß das durch das Wiener Protokoll vorgeſehene Regime
nicht eine Veräußerung der Unabhängigkeit Oeſterreichs bedeute.
Die Minderheit erklärt aber in dem Gutachten, keine genügende
Explikation dafür zu finden, wie dieſes Regime die
Unabhängig=
keit gefährden ſollte.
Die Minderheit iſt der Meinung, daß der Gerichtshof ſich
nicht mit politiſchen Erwägungen und Folgerungen zu
be=
ſchäftigen habe, da ihm lediglich eine rechtliche Frage
vor=
gelegt worden ſei. Um zu vermeiden, daß die Beſchlüſſe des
Gerichtshofes lediglich einen ſpekulativen Wert haben, müſſe
der Gerichtshof ſich auf die Fragen beſchränken, die ihm zur
Prüfung vorgelegt worden ſeien. Die Minderheit erinnert
daran, daß die Unabhängigkeit eines Staates nicht durch
Beſchränkungen ſeiner Handlungsfreiheit berührt wird,
denen er zuſtimmen kann, vorausgeſetzt, daß er ſich dadurch
ſeiner ſtaatlichen Gewalt nicht entäußert.
Was das Genfer Protokoll angeht, ſo iſt die Minderheit der
Meinung, daß Oeſterreich darin in bezug auf ſeine
beſon=
dere Lage die Verpflichtungen erneuert hat, die es bereits
durch Artikel 88 des Friedensvertrages von St. Germain
eingegangen war. Dieſes Protokoll enthält keine
Ausdeh=
nung der Verpflichtung, die bereits in Artikel 88 enthalten
iſt. Die Minderheit iſt infolgedeſſen der Meinung, daß
jeder Akt, der eine Verletzung der Verpflichtungen des
Gen=
fer Protokolls ſei, ebenfalls eine Verletzung des Artikels 88
bedeute. Wenn alſo das durch das Wiener Protokoll
vor=
geſehene Regime mit dem Artikel 88 vereinbar ſei, ſo könne
es mit dem Genfer Protokoll nicht unvereinbar ſein. Im
übrigen kann die Minderheit nicht glauben, daß, ganz
all=
gemein geſprochen, eine Zollunion eine Gefahr für die
Un=
abhängigkeit der beteiligten Staaten bedeute;
die Minderheit kann auch nicht zulaſſen, daß die Geſamtheit des
in dem Wiener Protokoll vorgeſehenen Regimes mit den
Ver=
pflichtungen Oeſterreichs unvereinbar ſei. Die Analyſe des
Wie=
ner Protokolls erlaubt nicht die Feſtſtellung, daß eine Dispoſition
vorhanden iſt, deren vernünftigerweiſe vorauszuſehende Folgen
geeignet wären, die Unabhängigkeit Oeſterreichs zu bedrohen und
die mit der Exiſtenz Oeſterreichs als unabhängiger und eigener
Staat unvereinbar wäre.
Eine öſterreichiſche Erklärung.
Dem Genfer Vertreter der Wiener Amtlichen
Nachrichten=
ſtelle wurde von zuſtändiger öſterreichiſcher Seite nachſtehende
Meldung gegeben:
Es wäre unpaſſend, das Urteil zu kritiſieren, aber man darf
auf die ſchon erwähnten Tatſachen und auf das Gewicht der
Stim=
men, die ſich für den Standpunkt der öſterreichiſchen und der
deut=
ſchen Regierung ausſprechen, hinweiſen. Es dürfte nicht möglich
ſein, auf Grund dieſes Urteils den Vorwurf aufrechtzuerhalten,
daß die öſterreichiſche und die deutſche Regierung durch ihre
Aktion bewußt beſtehende Verträge verletzt haben.
Diner. Raade.
Zu ſeinem 100. Geburtstag am 8. September.
Von Hans Sturm.
„O ſüßer Herbſt, was iſt lieblicher
als dein Schritt ins Tal? Was iſt
herrlicher als dein Wandel auf den
Hügeln? . . . Der September iſt die
Zeit, Gedichte zu machen, und aus
dem Leben ein Gedicht.”
Dieſes ſchöne Wort aus ſeiner meiſterhaften Erzählung
„Chriſtoph Pechlin” hat der aus einer alten niederſächſiſchen
Familie ſtammende Dichter — ſein Vater war braunſchweigiſcher
Das Geburtshaus des Dichters in Eſchershauſen.
Sonntag, den 6. September 1931
Vom Tage.
Die preußiſchen Sparmaßnahmen werden am Mittwoch
ver=
öffentlicht werden. Zuvor wird am gleichen Tage das preußiſche
Kabinett noch eine Sitzung abhalten, um zu der endgültigen
Faſ=
ſung der Maßnahmen Stellung zu nehmen.
Als Kandidaten für das zweite braunſchweigiſche
Miniſter=
amt hat die Fraktion der NSDAP. im Braunſchweigiſchen Landtag
der Fraktion Bürgerliche Einheitsliſte den Regierungsrat Dietrich
Klagges=Braunſchweig vorgeſchlagen. Klagges wurde ſeinerzeit
wegen politiſcher Betätigung für die NSDAP. als Rektor in
Wil=
ſter in Schleswig=Holſtein gemaßregelt und von der
Braunſchwei=
giſchen Regierung als Regierungsrat in das Kultusminiſterium
berufen.
Dem engliſchen Miniſterpräſidenten Macdonald wurde von der
Bergarbeiter=Organiſation von Blackhall in der Nähe von
Sea=
ham Harbour das volle Vertrauen der Organiſation in ſeine
Füh=
rung der Arbeiter=Partei ausgeſprochen.
Die chileniſche Regierung hat die Verhandlungen mit den
Rebellen abgebrochen und beabſichtigt, die Lebensmittelzufuhr
nach allen Häfen zu unterbinden, um die Meuterer auszuhungern.
Weiter kündigte die Regierung ein Bombardement durch ſechs
Junkers=Bombenflugzeuge und ſechs Dornierflugzeuge an, falls
die Rebellen die Hafenorte beſchießen ſollten. Den Meuterern
wurde bis Mitternacht Zeit gegeben. Die Regierung iſt feſt
ent=
ſchloſſen, mit allen Machtmitteln vorzugehen.
Das Weiße Haus teilt mit, daß die chineſiſche Regierung die
vom amerikaniſchen Bundesfarmeramt angebotenen 15 Millionen
Buſhel Weizen und größere Mengen Weizenmehl angenommen
habe. Die Bezahlung ſoll in mehrjährigen Raten erfolgen.
Wei=
zen und Mebl dürften nur für die Nothilfe an die hungernde
chineſiſche Bevölkerung verwandt werden.
Die Goldreſerven der Federal=Reſervebank haben eine neue
Rekordhöhe erreicht. Infolge mehrerer umfangreicher
Goldver=
ſchiffungen ſüdamerikaniſcher Länder haben ſich die Goldbeſtände
der Vereinigten Staaten auf fünf Milliarden Dollar erhöht,
Aber auch mit dieſer gewaltigen Summe dürfte die
amerika=
niſche Goldreſerve noch immer nicht ihren Höhepunkt erreicht
haben.
Haag im Spiegel der Berliner Preſſe.
Berlin, 5. September.
Das Gutachten des Haager Gerichtshofes wird in den meiſten
Berliner Blättern ausführlich beſprochen. Die Germania”
weiſt darauf hin, daß die knappe Stimmenmehrheit nur möglich
geworden ſei, weil von acht Richtern ſieben auf ihre
weiter=
gehende Formulierung zugunſten der Einſchränkung des
Kuba=
ners verzichtet haben. Größer als die praktiſche politiſche
Be=
deutung ſei die prinzipielle Bedeutung der Entſcheidung. Der
Spruch habe völkerrechtlich keineswegs alle Möglichkeiten
ver=
baut, um von der beſcheidenen Souveränität, die man
Deutſch=
land und Oeſterreich noch gelaſſen habe, gegebenenfalls.
Ge=
brauch zu machen. Das Blatt erwartet, daß die
fran=
zöſiſche Delegation dem bedauerlichen Rückzug
von Schober und Curtius nicht noch eine
Demü=
tigung hinzufüge. Der ſozialdemokratiſche „Abend‟
erwartet, daß der im Haag geführte Prozeß einmal von der
Welt=
geſchichte korrigiert werde. Ganz gewiß werde eine ſpätere Zeit
erkennen, daß Verträge, die gegen die guten
Sit=
ten verſtoßen nicht bindend ſein könnten. Das
Berliner Tageblatt” verlangt, daß Anhänger wie
Geg=
ner des Spruchs ihn mit der Achtung aufnehmen, die einer
Ent=
ſcheidung des Weltgerichtshofes gebühre. Das Recht ſei die
vor=
nehmſte Waffe der Schwachen. Für die „Voſſiſche
Zei=
tung” iſt das Verblüffendſte an dem Haager Dokument der
Sondervorbehalt des italieniſchen Berichts, der beſagen wolle:
Das Gutachten des Haager Gerichthofes unterſagt zwar mit Recht
eine öſterreichiſch=deutſche Zollunion, aber es iſt dies kein Präjudiz
für eine andere Zollunion, zu der Oeſterreich etwa ſchreiten
würde. Die „Deutſche Allgemeine Zeitung” iſt der
Auffaſſung, daß das Haager Urteil für Deutſchland nicht reſtlos
ungünſtig geweſen wäre, wenn man ſeine Wirkung politiſch
abgewartet hätte. Ueber die politiſche Auswirkung, auf die Dr.
Curtius in Genf verzichtet habe, werde noch ſehr ausführlich zu
ſprechen ſein. Jetzt habe der Reichskanzler das Wort. Nach dem
„Berliner Lokal=Anzeiger” könne dieſe
Karika=
tur eines juriſtiſchen Urteils rechtliche Folgen für
die Zukunft nicht haben. Es werde aber die eine Folge haben,
daß Amerika ſich noch mehr vom Völkerbund abwende, als es jetzt
ſchon der Fall ſei. Die „Deutſche Zeitung” ſtellt mit
tie=
fer Beſchämung feſt, daß den Ausſchlag zugunſten
Frankrechs die Vetreter Columbiens und
Sal=
vadors gaben, die ſich als Angehörige kleinſter
mittel= und ſüdamerikaniſcher Staaten beſſer
für unzuſtändig an den europäiſchen Dingen
er=
klärt hätten. Die Berliner Börſenzeitung”
kommt zu der Feſtſtellung, daß Frankreichs politiſche
Macht auch die Stirn mancher Haager Richter
be=
ſchattet habe.
Juſtizaktuar — an ſich bewahrheitet. Vorzeitig verließ er das
Gymnaſium wegen der „allzu trockenen Belehrſamkeit” und trat
1849 in die Creutzſche Buchhandlung zu Magdeburg als
Lehrling ein. Hier konnte er ſeine früh begonnene
Aller=
weltslektüre erſt recht betreiben und in ſeinen Mußeſtunden den
vielfältigen Wiſſenshunger ſtillen. Der Buchhändler iſt eigent=
Wilhelm Raabe (8. 9. 1831—15. 11. 1910).
lich eine fauſtiſche Zwei=Seelen=Natur: die eine ſoll ſich immer
wieder aus dem Wuſt des Alltags hinaufheben in die Bezirke
des Schönen und der Weisheit, die andere aber darf nicht
ver=
geſſen, das Hauptbuch mit ſeinem Soll und Haben ſtündlich zu
überſehen. Raabe fehlte der Rechengeiſt, ſeine Lehrlingsjahre
betrachtete er als Studienjahre, die er, „ein Jüngling näher
dem Manne”, auf dem Gymnaſium und 1854 an der Berliner
Univerſität fortſetzte. Die Beſchäftigung mit den „Humaioora” —
ſo nannte man damals noch die Philoſophie und die „ſchönen
Künſte” — ließen ihm Zeit, in ſeinem ſtillen Dachſtübchen in der
Spreeſtraße das verheißungsvolle Erſtlingswerk, die „Chronik
der Sperlingsgaſſe” niederzuſchreiben.
Nun beginnt Raabes dichteriſche Laufbahn. Die Chronik”
wanderte von einem Verleger zum andern, bis der Dichter ſie
1857 auf eigene Koſten drucken und Rezenſionsexemplare ver=
Nummer 24
Die Beoratans bes Hauger Wuldchter
Wie aus einer Minderheik eine Mehrheit wurd
Berlin, 5. Septemb
Nach Vorliegen der umfangreichen Wortlaute der Haager
achten über den Plan einer deutſch=öſterreichiſchen Zollunion
ſich die Bedeutung dieſer außergewöhnlichen Akten vom St
punkt des noch jungen internationalen Rechts ermeſſen. Be
kenswert iſt, daß ſich ſieben Richter, und zwar der Präſi
Adatſchi=Japan, Kellogg=USA., Sir Cecil Hurſt=England. S
king=Deutſchland ſowie die Vertreter Hollands. Belgiens und
nas zu einer inhaltlich völlig geſchloſſenen Mehrheit
zuſam=
gefunden haben, die den Standpunkt Deutſchlands und Oeſterr
uneingeſchränkt billigen. Demgegenüber lehnte eine Minde
von ſechs Richtern, nämlich die Vertreter der Länder Frank=
Polen, Rumänien, Spanien, Salvador und Columbien die
plante Zollunion mit der Begründung ab, daß ſie die wirtſe
liche Unabhängigkeit Oeſterreichs und damit auch ſeine allgen
Unabhängigkeit gefährde. Es gelang jedoch dieſer Minde
offenbar nicht, noch weitere Richter für dieſe ihre Formulie
zu gewinnen, in der inhaltlich die Zollunion auch als ein Ve
gegen den Vertrag von St. Germain angeſehen wird. Nur e
nämlich Anzilotti=Italien, ſchloß ſich dieſer Anſicht an, aber
einer völlig anderen und getrennten Begründung. Während
ſieben Richter gegen ſieben ſtanden, von denen die den deut
Standpunkt vertretende Gruppe allein völlig geſchloſſen war
lang es offenbar dem von Frankreich geführten Block, auch
den Vertreter Kubas, de Buſtamante, zu gewinnen, allerdi
ohne daß ſich dieſer der genannten Erklärung der ſechs, noch
weniger dem Sonderſtandpunkt des Italieners anſchloß. Frank
konnte alſo nur dadurch eine in ſich nicht geſchloſſene Mehrhei
ſammenbringen, indem es auf den Standpunkt, wonach die
union auch gegen den Vertrag von St. Germain verſtoße, in
halb des Mehrheitsgutachtens verzichtete.
Unter dieſen Umſtänden gewinnt das „Minderheitsgutach
erhöhte Bedeutung. Es iſt das erſtemal in der Geſchichte der in
nationalen Rechtſprechung, daß der Minderheitsbericht an dem
richt der Mehrheit ſcharfe Kritik übt. Der Minderheitsbericht:
aber auch auf die Unlogik hin, daß das Genfer Protokoll, nicht
der Vertrag von St. Germain, der Zollunion entgegenſtehen
Denn der entſcheidende Satz des Genfer Protokolls „bedingt
Anſicht der Unterzeichneten keine Erweiterung der Verpflicht
die Oeſterreich ſchon durch den Vertrag von St. Germain angen
men hatte‟. In den Reden, die zurzeit des Abſchluſſes des Ge
Protokolls gehalten wurden, ſei feierlichſt erklärt worden, daß
zu keiner weiteren Verkürzung der Souveränitätsrechte Oe
reichs geſchritten ſei. Das Gutachten zitiert hierbei die ent
chende damalige Erklärung des Berichterſtatters Lord Balfour
dem Rat wörtlich. In einer genaueren Analyſe des deutſch=ö
reichiſchen Zollunionsprotokolls erklärt dann das Gutachten
Schluß ſehr wirkungsvoll, daß ja auch die vielen Beſchränkun
Oeſterreichs auf dem Gebiet des Militärweſens, des Finanzwe
und der Wirtſchaft in und ſeit dem Vertrag von St. Germain
vereinbar mit der Souveränität und Unabhängigkeit Oeſterr
erachtet worden ſeien.
Das Sondergukachken des Ikalieners Anzilokki
Während ſieben von den fünfzehn Richtern des Ha
Gerichtshofes entſchieden haben, daß das deutſch=öſterreichiſche;
abkommen nicht gegen Artikel 88 des Vertrages von St. Germ
wohl aber gegen das Genfer Protokoll von 1922 verſtoße, hat
italieniſche Richter Anzilotti, der dem Gutachten dieſer ſie
durch ſeine Unterſchrift trotzdem zur Mehrheit verholfen hat,
der Begründung ſeines Urteils, eine durchaus abweichende
ſicht vertreten. Die Begründung geht bewußt von rein po
ſchen Geſichtspunkten aus. Anzilotti iſt der Anſicht, daß das
abkommen gegen Artikel 88 des Vertrages von St. Germain
ſtoße, nicht dagegen ausſchließlich gegen das Genfer
tokoll. Seiner Meinung nach könnte die geplante Zollunion
dann mit dem Genfer Protokoll in Widerſpruch ſtehen, wenn
auch gegen Artikel 88 des Vertrages von St. Germain verſt
da das Genfer Protokoll Oeſterreich keinerlei Verpflichtur
bezüglich ſeiner Unabhängigkeit auferlege. In der gleichmäß
Beurteilung des Vertrages von St. Germain und des Ge
Protokolls folge damit Anzilotti alſo ganz der Beweisführ
des Minderheitsberichts. Die geplante Zollunion mit Deu
land dagegen würde nach Anſicht Anzilottis Oeſterreichs A:
hängigkeit unbedingt gefährden.
Es ſei aber durchaus möglich, daß eine analoge Zolluu
oder ſogar eine noch engere Zollunion zwiſchen Oeſterreich
der Tſchechoſlowakei die geringſte Schwierigkeit ergeben wü
Es gehe nicht darum, daß Oeſterreich überhaupt eine Zollut
abſchließe, ſondern es handele ſich allein um dieſe Zollunion,
die Schwierigkeiten verurſache.
ſchicken ließ, und zwar unter dem Decknamen Jakob Corbi!
Kein Geringerer als Hebbel ſchrieb in ſeinen Literaturbrie
dazu: „Eine vortreffliche Ouvertüre wir haben
nichts dagegen, daß auch die Töne Jean Pauls und Hoffma
wieder einmal angeſchlagen werden; aber es muß nicht
Gefühlsergüſſen und Phantasmagorien bleiben, es muß auch
Geſtalten kommen, wenn auch nur zu ſolchen, wie ſie der Tra
rzeugt.” Raabe befolgte dieſes Wort. Als er nach beende
Studium wieder nach Wolfenbüttel zu der inzwiſchen verk
weten Mutter zurückkehrte, veröffentlichte er die geſtaltenre
Geſchichte „Die Kinder von Finkenrode”, die kernige Hari
ſchichte „Nach dem großen Kriege” und die beiden hiſtoriſe
Romane „Der heilige Born” und „Unſres Herrgotts Kanz!
Das letztgenannte Werk, zu dem Raabe die Vorſtudien ber”
in Magdeburg begonnen hatte, iſt ein packendes Gemälde
dem Jahre 1550, das die tapfere Gegenwehr des proteſtanti!“
Die Berliner Sperlingsgaſſe,
nach der der berühmteſte Roman Raabes genannt wurde=
Rummer 247
Sonntag, den 6. September 1931
Seite 3
Jor der be
ſiſchen Notverordnung.
ſſen muß den übrigen Ländern folgen. — Keine neuen Skeuererhöhungen. — Kürzung der
Perſonal=
ausgaben bei Freilaſſung der unkeren Beſoldungsgruppen. — Neuerliche Herabſehung
der Sachausgaben. — Zenkrums=Reichsreform?
Was iſt Wahrheit?
der
Während alle übrigen Länderregierungen zum Teil ſchon
ihren Notverordnungen zur Sicherung der Haushalte von
adern und Gemeinden hervorgetreten ſind oder die
Oeffent=
keit langſam auf die bevorſtehenden neuen Opfer
vorberei=
halten die heſſiſchen Regierungsſtellen an ihrer alten
Me=
de feſt, die Oeffentlichkeit mit Ueberraſchungen zu erfreuen.
s hat in der Vergangenheit faſt ſtets zu den erwarteten
ſchologiſchen Widerſtandserſcheinungen geführt, die ſich
bis=
politiſch nicht abreagieren konnten.
Die Regierung hat, nachdem ſie bisher ſchon durch interne
teiſungen auf eine größtmögliche Sparſamkeit und
Aus=
denreſtriktion hinwirkte, ein neuerliches faſt unbegrenztes
tsgabenverbot erlaſſen, das wir in unſerer geſtrigen
sgabe veröffentlichten. Wir haben unſere Leſer ſtets durch
Zahlen der heſſiſchen Finanzſtatiſtik unterrichtet, aus denen
Steigerung des Defizites im abgelaufenen
Haus=
tjahr auf jetzt ſchon 12,9 Millionen und der Mehrausgaben
laufenden Rechnungsjahre mit bereits — kaſſenmäßig — 7,5
llionen RM. hervorging. Obwohl Veröffentlichungen über
Stand der Staatsſchuld nicht erfolgen, ſo konnte man ſich
3 dieſer Finanzentwicklung ein ungefähres Bild machen. Die
webende Schuld war ſtark angeſchwollen, iſt allerdings
h einer Mitteilung des Finanzminiſters „in den letzten acht
dchen ſtark verringert” worden. Daß die kurzfriſtigen Gelder
r zu teurem Zins zu haben waren, braucht nicht beſonders
ont zu werden. Die Lage Heſſens iſt alſo nicht beſſer als
der anderen Länder, in mancher Hinſicht eher noch düſterer
zuſehen. Nachdem die Reichsregierung es abgelehnt hat, den
ndern alle Verantwortung für Sparmaßnahmen abzunehmen,
rd die heſſiſche Regierung diesmal ſelbſt mit, das ergibt ſich
8 der Lage der Dinge, unpopulären Maßnahmen, deren
Er=
g zweiſchneidig ſein kann, vor das Volk treten.
Ueber die bisherigen Verhandlungen des
Kabi=
tes zur Sanierung des Haushaltes iſt ein Schleier der
hweigens gelegt, die zuſtändigen Stellen ſind ſtumm, das
Re=
rungsorgan meldet über die Abſichten der Regierung nichts.
nanzminiſter Kirnberger hat auf einer Zentrumstagung in
fenbach jedoch eine Erklärung abgegeben, die feſtgehalten zu
rden verdient. Er ſagte:
„Um das Budget auch weiterhin im Ausgleich zu halten,
müſſen wir in den nächſten Wochen harte Maßnahmen
treffen. Es beſteht nicht die Abſicht, durch
Steuererhöhung das Budget auszugleichen.
Das kann nur durch Droſſelung der Ausgaben
erfolgen. Bei den ſchweren Opfern, die von allen gebracht
werden müſſen, wollen wir höchſte Gerechtigkeit in der
Verteilung der Opfer walten laſſen.”
Wenn wir recht unterrichtet ſind, wird die Notverordnung
Laufe dieſer Woche fertiggeſtellt. Sie dürfte nach dem
Bei=
tel der großen Nachbarn Preußen und Bayern die Hauptlaſt
— Opfer auf die Schultern der Beamten legen. Mit
ter Verringerung des Beamtenapparates und
r Kürzung der Beamtenbeſoldung muß gerechnet
erden. Allerdings ſollen die unteren
Beamtenklaſ=
n (bis zu 1500 RM.?) von dieſem Notopfer befreit
blei=
n. Verſchiedene Nebeneinkünfte, die mit
Beamten=
fugniſſen verbunden waren, ſollen ganz oder zum Teil weg=
Ilen. Auf dem Gebiete der Schule ſollen neue „
Ra=
naliſierungen” bevorſtehen. Wenn man ſich die preußiſchen
bſichten vergegenwärtigt, dürften alſo die Klaſſenſtärke erhöyt
id Zwergklaſſen zuſammengelegt werden. Daß die Junglehrer
ſch länger auf Anſtellung warten müſſen, wird ſich bald
her=
tsſtellen. Wenn die anderen Länder dazu übergehen, wird
ich Heſſen vermutlich die Herabſetzung der Penſionen
1f 75 Prozent (jetzt 80 Prozent) des letzten Gehaltes
mit=
achen. Einige Nebenleiſtungen an Beamte — Umzugskoſten
w. — ſind ſchon mittlerweile ſtark reduziert worden. — Ein
heblicher Poſten ſoll ſchließlich durch eine neue, vorausſichtlich
Oprozentige Kürzung aller ſachlichen
Ausga=
en hereingebracht werden.
Wie der innere Finanzausgleich geändert werden
iII, ſcheint noch offen. Nach den Erklärungen des Finanz=
miniſters bei der Etatberatung dürfte eine große
Wahrſchein=
lichkeit für die Umgeſtaltung ſprechen. Gleichzeitig ſollen durch
die Notverordnung ja auch die Haushalte der
Gemein=
den ſaniert werden. Es wird alſo die Angleichung der
kommunalen Beſoldung an die des Reiches und Landes zu
er=
warten ſein. Die Gemeinden werden gezwungen, in ihrem
Bereiche die ſtrengſte Sparſamkeit walten zu laſſen und
alle nicht lebensnotwendigen Ausgaben zurückzuſtellen.
Finanz=
miniſter Kirnberger hat es deutlich geſagt: „Wirhaben uns
benommen, alshätten wir den Krieg gewonnen”.
Um ſo peinlicher und niederdrückender werden in vielen
Gemein=
den und Städten die Sparmaßnahmen wirken. Viele Pfründe
für erſeſſene Parteiverdienſte werden verſchwinden. Das wird
gerade in Kommunen der Fall ſein, wo Oberbürgermeiſter —
mit heſſiſchem Maßſtab gemeſſen — „Rieſen”gehälter verdienen
und gleichzeitig die Zahl der Unterſtützungsberechtigten beſonders
hoch angewachſen iſt.
Auch die kulturellen Wünſche von Land und
Ge=
meinden werden ſich Abſtriche gefallen laſſen müſſen,
Worte über „Lebensnotwendigkeiten in kultureller Hinſicht”
wer=
den leere Worte bleiben müſſen, weil es gilt die
Men=
ſchen über dieſen Winter hinweg zubringen. Der
Staat ſcheint allerdings bereit zu ſein, den bisherigen Zuſchuß
zum Landestheater weiter zu leiſten. Ob allerdings die
Stadt Darmſtadt ihren Anteil aufbringen kann, mag zunächſt
dahin geſtellt bleiben.
Im Finanzminiſterium hat man das Gutachten des
Reichs=
ſparkommiſſars über die innere Verwaltung genau ſtudiert. Es
wäre nicht verwunderlich, daß manche Anregungen jetzt in die
Tat umgeſetzt werden. Seither ſcheiterte die oft beſungene
Verwaltungsreform an den Widerſtand der Parteien.
Auf dem Wege der Notverordnung und in dieſer Zeit der Not
können, ſo nimmt man wohl an, manche vernünftigen Aenderungen
ohne großen Widerſtand durchgeführt werden. Wir wiſſen nicht,
wieweit man hier zu gehen beabſichtigt, doch verlautet, daß
7 der 18 Kreisämter aufgegliedert werden ſollen.
Es iſt unbeſtritten, daß noch viel Doppelarbeit in
Lokalverwal=
tung und Zentrale geleiſtet wird, daß außerdem ein
Aufgaben=
abbau in der Zentrale nur nützlich ſein kann. Da Herr Braun
in Preußen die „Exterritorialität” der deutſchen „
Geſandtſchaf=
ten” in Berlin aufgehoben hat, ſo entſteht dem Land Heſſen
hieraus eine ganz beachtliche ſteuerliche Ausgabe, und die Frage,
ob die heſſiſche Geſandtſchaft in der bisherigen Art
und Weiſe aufrecht erhalten werden muß, bedarf der Prüfung.
Wir wiſſen, daß die „große” heſſiſche Notverordnung
noch nicht in allen Einzelheiten feſtliegt. Aber
wir glauben einige Punkte von den 18 richtig ſkizziert zu haben.
Das Kabinett glaubt, daß es von ſeiner Mehrheit im Landtag
angeſichts der bevorſtehenden Neuwahlen nicht erreichen kann,
die Maßnahmen zur Sanierung parlamentariſch zu
verabſchie=
den. Das bedeutete gerade für die Vertreter der Beamtenſchaft,
die in den Koalitionsparteien einen überragenden Einfluß
be=
ſitzen, das Verlangen, Selbſtmord zu begehen. (Aus einem
Ge=
fühl der ausgleichenden Gerechtigkeit ſollte manchen dieſes
Opfer eigentlich nicht erſpart bleiben.) Es ſcheint, daß die für
September geplante Einberufung des Landtages
hin=
ausgeſchoben wird, um zunächſt die Aufregung etwas verebben
zu laſſen, die durch die Notverordnung ausgelöſt werden dürfte.
Im November — am 15. oder 22.2 — ſind ja die Neuwahlen
fällig und bisher gibt es noch keine Notverordnung, die dieſe
Wahlen aufheben könnte. In dieſem Sinne ſpricht auch heute
ein Artikel im Heſſ. Volksfreund”, worin — unzweifelhaft vom
Preſſechef des Innenminiſters, Herrn Dr. Mierendorf, ſelbſt —
zugeſtanden wird, daß die heſſiſche Regierung einen
Verfaſſungsbruch, wie er ihr von rechtsradikaler Seite
unterſtellt worden iſt, ablehnt.
Der Vollſtändigkeit halber ſei noch erwähnt, daß Herr Dr.
Kirnberger auf der Offenbacher Zentrumstagung auch das
Problem der Reichsreform ſtreifte, und daß er dabei
einige Töne anſchlug, die im Konzert der Reichsreformer in
Heſſen neu anmuten. Er ſoll erklärt haben: „Wir bekennen
uns zum Föderalismus. Aber das Weſen des
Föderalis=
mus beſteht nicht darin, daß jedes Land beſtehen bleibt, ſo wie
es heute iſt. Wir wollen zwar nicht von Oſtelbiern regiert
werden, aber es müſſen auch nicht nur Heſſen ſein. Es iſt
tief bedauerlich, daß der Unitarismus in Preußen ſo ſtark
iſt. Auf die Dauer dürfte Heſſen zu klein ſein,
die Dinge allein zu meiſtern. Einer
vernünf=
tigen Reichsreformverſchließen wir
unskeines=
wegs. Die Frage der Hauptſtadt iſt nicht das
wichtigſte. Wenn ich auch ein guter Darmſtädter bin, ſo
ſcheint mir doch das Wichtigſte zu ſein, daß bei einer
Neu=
ordnung Länder entſtehen, die zu guten
Stäm=
men werden können.‟ Es wird zunächſt gut ſein, ſich bei
kommenden Gelegenheiten dieſer Erklärung zu erinnern.
Für heute wollen wir von kritiſchen Bemerkungen zu der
bevorſtehenden Notverordnung abſehen, da ſie ja erſt einmal im
Wortlaut vorliegen muß.
Nolprogramm und Agrarpolikik.
Die Grüne Fronk beim Kanzler.
* Berlin, 5. September. (Priv.=Tel.)
Die Vertreter der Grünen Front ſind am Samstag vom
Reichskanzler in Anweſenheit des Ernährungsminiſters und des
Miniſters Treviranus empfangen worden. Dieſer Beſprechung,
die über fünf Stunden dauerte, iſt ein Communiqué gefolgt, mit
dem ſich nicht viel anfangen läßt. Es beſchränkt ſich auf die
Mit=
teilung, daß der Kanzler „ausführliche Bemerkungen über die
all=
gemeine Lage im Rahmen der welt= und volkswirtſchaftlichen
Entwickelungsgänge und die ſich hieraus ergebende Politik,
ins=
beſondere auf dem Gebiet der Landwirtſchaft gemacht habe."
Wie wir dazu ergänzend erfahren, haben die Vertreter der
Grünen Front dem Kanzler ihre Wünſche vorgetragen, aber ſehr
wenig Entgegenkommen gefunden. Der Kanzler hat ihren
Forde=
rungen gegenüber die Theorie verfochten, daß es die wichtigſte
Aufgabe ſei, die Agrarpreiſe auf die Vorkriegshöhe zu bringen,
daß ihnen die Induſtriepreiſe folgen müßten und daß dann der
Abbau der Löhne erſt an dritter Stelle ſtehe. Dem iſt
entgegen=
gehalten worden, daß wir für eine ſolche Politik auf lange Sicht
im Augenblick doch kaum Zeit hätten. Die Folge müßte ein
all=
gemeines Ausbluten der Wirtſchaft ſein, ohne daß dadurch neue
Arbeitsmöglichkeiten geſchaffen würden. Die Beſprechung iſt
ſchließlich ohne greifbares Ergebnis abgebrochen worden. Es iſt
unverkennbar, daß die Grüne Front ſich jetzt wohl dem Kanzler
gegenüber in einer verkappten Kampfſtellung befindet und daß
dadurch die Schwierigkeiten der Regierung vor allem, ſoweit ihre
Abhängigkeit von der Sozialdemokratie in Frage kommt, nur
er=
höht werden.
Sparmaßnahmen der bremiſchen Regierung.
Bremen, 5. September.
Auf Grund der Verordnung des Reichspräſidenten zur
Sicherung der Haushalte von Ländern und Gemeinden hat der
Senat erhebliche Sparmaßnahmen beſchloſſen, ſo z. B.
Herab=
ſetzung der Anzahl, der Senatsmitglieder auf neun, Kürzung
der Gehälter der Senatsmitglieder, Beamten und Angeſtellten
um 10 bis 15 Prozent, Herabſetzung der Stundenlöhne der
bremiſchen Staatsarbeiter und endlich Kürzung des Regelſatzes
für die Notſtandsbeihilfe von 60 auf 40 Prozent. Ferner wurde
die Zuſammenlegung von Behörden zwecks Erſparnis an
Sach=
ausgaben beſchloſſen.
Eine Erklärung Hiklers.
München, 5, September.
Die Reichspreſſeſtelle der NSDAP. teilt mit: Zur
Eröff=
nung des Hamburger Wahlkampfes ſprach geſtern abend Adolf
Hitler in Hamburg in einer geſchloſſenen Veranſtaltung von
über 1000 Unterführern der Hamburger NSDAP. über die
poli=
tiſche Lage. Hitler führte dabei u. a. wörtlich aus:
„Ich habe als Führer die Einheit der Bewegung zu wahren
und werde es in allem Grundſätzlichen tun. Ich fühle mich als
Repräſentant, als verantwortlicher Leiter und als Führer der
letzten Hoffnung von unzähligen Millionen Deutſcher.
Ent=
weder die Anderen brechen, oder mich bricht das Schickſal. Mag
eintreten, was immer auch wolle, hier ſtehe ich, hier bleibe ich.
Niemand zwingt mich von meiner Stelle. Ich würde mich als
ein erbärmlicher Wicht fühlen, wenn ich nicht den Mut hätte,
auch in dem lebendigen Kampf um die Macht in den
Parlamen=
ten die Verantwortung zu übernehmen. Nicht unſere Politik
war es, die das heutige Elend verſchuldete. Aber es iſt unſer
Volk, das dieſes Elend zu tragen hat und darum bin ich
jeder=
zeit bereit, auch das Leid unſeres Volkes durch die
Verantwor=
tung zu übernehmen. Wenn einer ſchwach wird, dann muß ein
anderer an ſeine Stelle treten. Freiwillig weiche ich keinen
Schritt zurück von einer Stellung, die ich einmal innehabe."
Nagdeburg gegen die Armee des Interim unter Moritz von
Sachſen ſchildert.
Im Jahre 1859 unternahm Raabe ſeine erſte größere und
eltſamerweiſe auch einzige ausgedehntere Reiſe ins „
Orangen=
nd Myrthenland”, die allerdings durch den ausbrechenden Krieg
hon in Oeſterreich ein jähes Ende fand. Er lernte ſüddeutſche
(rt ſchätzen und lieben und gründete in Stuttgart ſeinen eigenen
derd. Gerngeſehen war er bald in dem „Literariſchen Zirkel”,
u dem Wilhelm Jenſen, Johann Georg Fiſcher, Otto Müller,
Theobalo Kerner und andere gehörten. In den acht
Stutt=
arter Jahren entſtanden einige ſeiner beſten Bücher, ſo „Die
Leute aus dem Walde”, der vielgeleſene „Hungerpaſtor”. „Abu
Telfan” und der Schüdderump” jene bedeutſame Ideentrilogie,
die ein Muſterbeiſpiel iſt für die ſpäteren ſo beliebt gewordenen
Romantrilogien. Auch die „Drei Federn” und das in geſundem
Sumor ſprühende Novellenbuch „Der Regenbogen” entſtanden
dier.
Nach und nach wurde antipreußiſcher Geiſt der Schwaben
üir den Dichter immer unerquicklicher, deshalb ſiedelte er 1870
iach Braunſchweig über; ſeitdem hat er die Stadt Heinrichs des
Löwen nicht mehr verlaſſen. Von dem alten, runden, blanken
Mahagonitiſch in dem ruhigen Arbeitszimmer am
Windmühlen=
berg nahm nun Werk um Werk ſeinen Weg in die Welt, der
„Dräumling” und „Die alten Neſter”, der „Wunnigel” und
„Haſtenbeck”, der „Stopfkuchen”, „Chriſtoph Pechlin” und der
„Lar”, um nur einige zu nennen.
Schon der Dreißigjährige hatte in den innig ſchlichten und
doch ſo klangſchönen Verſen ſeines Hungerpaſtors eine ahnungs=
Holle Vorſchau ſeines ſpäteren Lebens und Wirkens gegeben:
Nun iſt’s geſchehen; —
Auf alle Höhen,
aus allen Räumen
ein Meiſter epiſchen Könnens, das Weltganze in allen ſeinen
Höhen und Tiefen, in ſeiner Tragik und ſeinem Humor, in ſeiner
oft ſo wunderlich verworrenen Vielgeſtalt nachſchaffend zu
er=
leben und zu geſtalten aus der Erlebnistiefe des eigenen
Her=
zens heraus, er konnte, wie er im „Stopfkuchen” ſagt, auch
„daheim, ohne ſich unter den Hecken wegzurühren, etwas erleben
und es in wundervoll erleuchteter, lichter Seele zum Austrag
da wollt ich ſteigen,
zu allen Tiefen
mich niederneigen.
Das Nah’ und Ferne
wollt ich erkünden,
geheimſte Wunder
wollt ich ergründen.
Gewaltig Sehnen,
unendlich Schweifen,
in ewigem Streben
ein Nieergreifen
hab ich gewonnen
ein holdes Träumen.
Nun ſind umſchloſſen
im engſten Ringe,
im ſtillſten Herzen
weltweite Dinge.
Lichtblauer Schleier
ſank nieder leiſe;
in Liebesweben,
Goldzauberkreiſe
das war mein Leben. iſt nun mein Leben.
Der fauſtiſche Wille, „in ewigem Streben ein Nieergreifen”
und das ſtillſtolze Beſcheiden, „im engſten Ringe .. weltweite
Dinge”, ſind auch die beiden Grundakkorde im Lebensliede
Naabes, der ſich in ſpäteren Jahren immer mehr in ſeine „
ge=
ruhige Arbeitsſtube” zurückzog; jedoch nicht, weil ſich ſeine
dich=
teriſche Kraft von „der Menſchheit großen Gegenſtänden”
ver=
zagend abgewandt und mit der Schilderung kleinbürgerlicher oder
Brulliger Menſchen ſich begnügt hätte, nein, Wilhelm Raabe war
Das Arbeitszimmer Raabes.
bringen.‟ Er ſchuf eben aus ſeinem innerſten Weſen ſeine Welt,
die wiederum ein Spiegelbild ſeiner niederſächſiſchen Heimat,
na=
türlich im weiteſten Sinne iſt. Goethes Wort, daß der Bär nach
der Höhle brumme, darin er geboren, wird bei Raabe vollſte
Wahrheit.
An der Schwelle des bibliſchen Alters brach Raabe ſein
Schaffen ab, die letzte Arbeit, „Altershauſen”, blieb Fragment.
Aufmunternden Freunden bedeutete er, erſt ſollten ſeine
vorlie=
genden Bände, ein halbe Hundert, einmal geleſen werden. Nicht
allzuviel Sonne lag über dem Hauſe Raabes; der ſiebzigſte
Ge=
burtstag brachte allerdings einen Umſchwung: Göttingen und
Tübingen überreichten ihm den Ehrendoktor mit warmherzigen
Diplomen, Orden, Ehrenbürgerbriefe und eine (leider nicht be=
trächtliche) Ehrenſpende ſtellten ſich ein; ähnlich war es fünf
Jahre ſpäter. Am 15. November 1910 ſtarb der faſt achtzigjährige
Buchführer aus des Herrgotts Kanzlei, der wie kaum ein anderer
ſeiner Zeit die Menſchen und Menſchlein kannte, weil er — ſich
kannte. Heute gilt von ihm und von ſeinem Werk ſein eigenes
Wort: „Ich lebe, denn das Ganze lebt über mir und um mich!”
Im Schatten der St. Magnikirche, der älteſten Kirche
Braun=
ſchweigs, die vor 900 Jahren an einem Platz errichtet wurde,
den heute freundliche Fachwerkbauten umſchließen, wird am 8.
September 1931 Fritz Behns Raabedenkmal zum 100. Geburtstag
des Dichters Wilhelm Raabe enthüllt. Der Dichter der Leute
aus dem Walde, des Hungerpaſtors, der Chronik der
Sperlings=
gaſſe, der Alten Neſter, des Abu Telfan, des Reiches Krone, der
Elſa von der Tann und vieler anderer Schriften, die heute
Ge=
meingut der Menſchen ſind, welche noch Sinn für die
Innerlich=
keit des Lebens haben, iſt oft verkannt worden. Heute dreht
und deutelt man an Raabe herum, aber man kommt zu der
Er=
kenntnis, daß dieſer ſchlichte Mann mit dem warmen Herzen, dem
alles Aeußerliche ſo ungeheuer fern lag, und den man
fälſch=
licherweiſe ſo leichthin unter die Humoriſten zählt, ſich in kein
literariſches Schema einſpannen läßt. Er iſt ſo ganz und gar
Eigenperſönlichkeit, daß es gewiß nicht jedermanns Sache iſt,
ſich in ſeine Gedankenwelt einzufühlen. Aber wer ſie begriff,
den feſſelt ſie ganz und gar. Verbunden mit Wilhelm Raabes
Namen iſt die Geburtsſtadt Eſchershauſen, die Stadt ſeiner
Schulzeit Holzminden, das liebliche Wolfenbüttel und vor allen
Dingen Braunſchweig, wo er die letzten 40 Jahre ſeines Lebens
verbrachte. Am Leonhardsplatz liegt ſein Haus, von ſeinem
Arbeitszimmer ſchaut man ins Grüne. Der ganze Reiz
Raabe=
ſchen Weſens umfängt uns, wenn wir in dieſes Arbeitszimmer
treten, über deſſen kleinem Schreibtiſch Bilder in altväterlichen
ovalen Rahmen hängen, Erinnerungsſtücke an launige
Stun=
den und fröhliche Freunde, die dem Schreibtiſch einen
eigen=
artigen Reiz verleihen, der unſeren ſachlichen Diplomatentiſchen
ſo ganz abgeht. Bücher beherrſchen das Bild. Raabe, bekannt
durch ſeine ſchnelle Aufnahmegabe alles Literariſchen, wandelte
durch dieſes Reich in ſeinem Flauſchmantel. Er war ein Freund
der zwanglos geſelligen Runde, je intimer der Kreis, um ſo
aufgeſchloſſener Raabe. Die Ecke in Herbſt Weinſtuben, das
Weghaus zwiſchen Wolfenbüttel und Braunſchweig, die
Klipp=
ſtube im Gewandhaus zu Braunſchweig, der Grüne Jäger,
Sievers auf der Höhe, ſie alle wiſſen von den ehrbaren
Kleider=
ſellern, von den Zuſammenkünften des Feuchten Pinſels zu
berichten. Wenn Raabe auch faſt nie in ſeinen Schriften auf die
Stadt, in der er wohnte, unmitelbar Bezug nahm, ſo iſt das
Verwinkelte ihrer Straßen, die Eigenart und niederſächſiſche
Knorrigkeit ihrer Menſchen in ſeine Werke mit hereingefloſſen,
hat ihnen das Reizvolle gegeben und auf immer Raabe und
Braunſchweig eng miteinander verknüpft.
Der Europa=Ausſchuß
Jur „oletſchaftllihe Aithläherung.
Schwerer Zuſammenſtoß mit Likwinow.
Genf, 5. September.
Der Europaausſchuß nahm heute in der Vollſitzung den
Generalbericht an die Vollverſammlung des Völkerbundes an,
der die geſamten Arbeiten des Eropaausſchuſſes ſeit dem
vori=
gen Jahr behandelt und verlangt, daß der Geſichtspunkt der
„wirtſchaftlichen” Annäherung für die Durchführung der in
An=
griff genommenen Arbeiten maßgebend ſein müſſe.
Eine längere politiſche Ausſprache entſpann ſich dann über
die weitere Behandlung des von Litwinow vorgeſchlagenen
Nichtangriffspaktes. Die bereits ſeit längerer Zeit eingeſetzten
Verſuche, den ruſſiſchen Vorſchlag zu Fall zu bringen, traten
hierbei deutlich hervor. Präſident Motta ſchlug vor, den
ruſ=
ſiſchen Antrag dem ſtändigen Wirtſchaftsausſchuß des
Völker=
bundes zu überweiſen. Litwinow erklärte, daß die
Mos=
kauer Regierung einen verartigen Schritt als eine Ablehnung
auffaſſe und mit der ſofortigen Zurückziehung des Vorſchlages
beantworten würde. Er beantragte in ultimativer
Form, daß der Europaausſchuß unverzüglich etweder
einen Unterausſchuß einſetzt oder den Gedanken des
wirtſchaftlichen Nichtangriffspaktes dem
Wirtſchaftsaus=
ſchuß des Europaausſchuſſes übertragen ſoll. Bundesrat
Motta widerſetzte ſich jedoch energiſch dem ruſſiſchen Vorſchlag
mit dem Hinweis, daß die Vollmachten des Europaausſchuſſes
abgelaufen ſeien und der Ausſchuß kein Recht habe, jetzt neue
Vorſchläge vorzunehmen. Der Vertreter der italieniſchen
Re=
gierung ſetzte ſich für den ruſſiſchen Vorſchlag ein. Lord Robert
Cecil lehnte gleichfalls den deutſch=ruſſiſchen Vorſchlag auf
Ein=
ſetzung eines Sonderausſchuſſes ab.
Der ruſſiſche Vorſchlag eines wirtſchaftlichen Nicht
angriffspaktes einem Unkerausſchuß überwieſen.
Die ſtundenlangen Debatten im Europaausſchuß über den
ruſſiſchen Vorſchlag eines wirtſchaftlichen Nichtangriffspaktes
wurden durch einen Kompromißvorſchlag von Dr. Curtius
ab=
geſchloſſen, demzufolge der Europaausſchuß die Einſetzung eines
Unterausſchuſſes mit Hinzuziehung der Vertreter Rußlands zur
Prüfung des Vorſchlages empfiehlt, jedoch unter dem
ausdrück=
lichen Vorbehalt der Zuſtimmung der Vollverſammlung des
Völkerbundes.
In der Debatte gab der franzöſiſche
Finanzmini=
ſter Flandin eine bedeutſame Erklärung ab, die ſich ſcharf
gegen das von der Moskauer Negierung mit dem
Abſchluß eines wirtſchaftlichen
Nichtangriffs=
paktes verfolgte Ziel richtete. Die franzöſiſche
Regie=
rung werde bei der Beratung des ruſſiſchen Vorſchlages ein
Gegenprojekt und Abänderungsvorſchläge einbringen. Die all=
gemeine vage Formel des Wirtſchaftsfriedens dürfe nicht den
Vorwand und Schutz für einen hinter dieſer Kuliſſe geführten
wirtſchaftlichen Kampf gegen die kapitaliſtiſchen Staaten bilden
Litwinow verlangte mit großem Nachdruck, daß unverzüglich
ein Sonderausſchuß zur Prüfung des ruſſiſchen Vorſchloges
eingeſetzt würde, offenbar mit der Abſicht, hierdurch eine
Teik=
nahme der ruſſiſchen Abordnung während der Dauer der Von
verſammlung des Völkerbundes zu erreichen. Lord Noßer=
Ceeil zog ſeinen Vorſchlag, den ruſſiſchen Autrag dem
Stän=
digen Wirtſchaftsausſchuß des Völkerbundes zu überweiſen
zurück.
Mit der heutigen Entſchließung des Europaausſchuſſes in
die Frage des vorgeſchlagenen ruſſiſchen Nichtangriffspaktes non
nicht zum Abſchluß gelangt, ſondern der Kampf darum wrg
ſich nun in der Vollverſammlung des Völkerbundes weſter
fortſetzen.
Rückkrikksgeſuch Dr. Schobers.
Wien, 5. September.
Der öeſterreichiſche Bundeskanzler Bureſch beſtätigt, daß Dr.
Schober vor ſeiner Abreiſe nach Genf ſein Nücktrittgeſuch
über=
reicht habe. Ueber das Weiterverbleiben Dr. Schobers im
Kabi=
iett kann erſt nach ſeiner Nücktehr aus Genf entſchieden
wer=
den. Derzeit ſind noch alle Verſionen als zumindeſt den
Ereſg=
niſſen vorauseilend zu bezeichnen. Erſt nach Rückkehr Dr.
Scho=
bers werden eingehende Beratungen im Schoße der Regierung
über die Stellung Dr. Schobers entſcheiden.
Iahd Haskafke
über Veröftentlichungen der Presse
aus den einschlägigen
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bieten, wie Internationale
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litik, Politik des deutschen
Reiches, der Länder und
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meinden, Parteipolitik,
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arlamentariſtche Entſparmumol
Onte
„
tummer 247
Sonntag, den 6. September 1931
Seite 5
Aus der Landeshauptftägt.
Darmſtadt, den 6. September 1931.
In den Ruheſtand verſetzt wurde am 26. Auguſt der Lehrer
er Volksſchule zu Wölfersheim. Kreis Friedberg, Heinrich
2s auf ſein Nachſuchen, vom 1. Oktober an.
Freunde der Darmſtädter Realanſtalten. Auf den kommen=
Dienstag, den 8. September, lädt der Vorſtand zur
Mit=
erverſammlung bei Heß ein. Die zum Verbandstag entſand=
Herren werden eingehend über die wichtigen Verhandlungen
gten. Außerdem ſoll über das Programm des Winters
ge=
hen werden. Die Mitglieder des Vorſtandes werden diesmal
1 beſonders benachrichtigt. Wir bitten um regen Beſuch.
— Hiſtoriſcher Verein. Der nächſte Ausflug führt Samstag,
12. September, nach Worms zur Beſichtigung des dortigen
n Muſeums. Die Fahrt dahin ſoll wieder, auf vielſeitigen
) ſch, mit dem Kraftwagen erfolgen. Dieſer fährt um 2 Uhr am
ſesmuſeum ab. Er hält auch am Marienplatz, um Gäſte
auf=
hmen, denen dieſer Platz gelegener iſt. Fahrpreis 2,40 Mk.
eldung im Staatsarchiv bis Mittwoch, den 9. September,
Uhr
Klavier=Abend. Guſtav Beck. Am 14. September ſpielt
Dav Beck im Kleinen Haus des Heſ
Seit a in iuen. Dio i eies cheie
üßen. Seine Konzerte waren für den Künſtler immer Er=
. Es ſei nur auf das vorjährige Sinfoniekonzert, in welchem
z av Beck als Soliſt verpflichtet war, hingewieſen. Die
Viel=
gkeit des Programms dürfte beſonders intereſſieren Karten
ſeitgemäßen Preiſen in der Muſikalienhandlung Chriſtian
old, am Weißen Turm.
Heſſiſches Landestheater.
Preiſe 1 00—10 Mk. Stag, 8. Sept. 20, Ende nach 22 Uhr. 4 1. Reifeprüfung.
Preiſe 0 90—9 Mk. woch, 9. Sept. 19½ Ende gegen 22½ Uhr. B1. Die Macht
des Schickſals. P eiſe 1—10 Mk. 20. Ende nach 22 Uhr. C1. Reifeprüfung.
nerstag,10. Sept. Preiſe 0.90—9 Mk. Stag, 12. Sept. 19½ Ende gegen 22½ Uhr. B1. Die Macht
des S hickſals. Preiſe 1—10 Mk. ntag, 13. Sept. 19, Ende gegen 22 Uhr. 42. Die verkaufte
Braut. Preiſe 1—10 Mk. Meite Hine ntag, 6. Sept. Tönende Marionetten:
16 Uhr Kindermärchen,„Rumpelſtilzchen” Preiſe
0 30—1.20 Mk. 20 Uhr Schwänke von Hans
Sachs und Karl Ettlinger, Künſtlerkabarett,
Preiſe 0.60—2 Mk. Tönende Marionetten:
tag, 7. Sept. 20 Uhr. „Der Bajazzo”, vorher Kabarett.
Preiſe 0.60—2 Mk.
Gaſtſpiele des Heſſiſchen Landestheaters:
— Zad Nanheim am Sonntag, 6. Sept.: Die Quadratur des Kreiſes,
u. W560
— Bad Nauheim am Mittwoch, 9. Sept.: Reifeprüfung.
SBad Nauheim am Sonntag, 13. Sept.: Marguerite: 3.
— Heſſiſches Landestheater. Heute abend wird das Große
es mit der Oper „Tannhäuſer” eröffnet. In dieſer Vor=
Aung ſtellen ſich ſämtliche neue Opernmitglieder dem Darm=
Iter Publikum vor. Der Kapellmeiſter Dr. Schmidt=Iſſerſtedt,
die muſikaliſche Leitung übernommen hat, die Tenöre
Sei=
als Tannhäuſer und Allmeroth als Walter von der
Vogel=
de, die Baritoniſten Drath als Wolfram von Eſchenbach und
holt als Biterolf, der Baſſiſt Heydorn als Reimar und die
raniſtin Heilmann als Hirt. Von den früheren Mitgliedern
ken mit die Damen: v. Stoſch, Mitrovic und die Herren
rmann und Spira Regie: Renato Mordo; „Bühnenbild:
har Schench von Trapp; Tänze: Irene Scheinpflug.
emieren der Woche: Nach der Eröffnung des Großen
iſes am Sonntag mit „Tannhäuſer” bringt die kommende
che drei Premieren. Das Schauſpiel eröffnet am Dienstag
der Erſtaufführung von Max Dreyers „Reifeprüfung:
ver gehört zu jenem Kreis der Autoren um Brahm, die von
Deutſchen Theatern am meiſten geſpielt wurden. Max
yer wird in dieſem Jahre 70 Jahre alt. Die Inſzenierung hat
nter Haenel übernommen. Bühnenbild: Elli Büttner. Die
men Lena Hutter, Rotraut Richter, Lotte Kleinſchmidt und
Herren Emil Lohkamp und Karl Paryla werden ſich in die=
Aufführung dem Darmſtädter Publikum vorſtellen. Die
an=
en Hauptrollen ſind beſetzt mit den Herren Keim. Baumeiſter,
tſchera und Keßler — Am Mittwoch wird unter der
muſika=
gen Leitung von Karl Maria Zwißler und in der
Inſzenie=
ig Rabenalt—Reinking Verdis Oper „Macht des Schick=
Is” zum erſten Male in Darmſtadt aufgeführt. Die
Haupt=
tien ſind beſetzt mit den Damen Mitrovic, Harre, Kienzl und
Herren Allmeroth, Draht, Herrmann, Heydorn, Kuhn, Vogt,
nze: Irene Scheinpflug. — Als dritte Premiere der Woche
gt am Sonntag Smetanas Verkaufte Braut”
Muſika=
he Leitung; Karl Maria Zwißler; „Regie: Renato Mordo;
hnenbild: Lothar Schenck v. Trapp; Tänze: Irene Scheinpflug.
2 Titelpartie ſingt erſtmalig Käthe Walter. Als Hans
alter=
ren die Herren Sattler und Allmeroth, als Heiratsvermittler
ral alternieren die Herren Herrmann und Kuhn, als
Esma=
da die Damen Harre und Heilmann. In den Rollen der
ternpaare ſingen die Damen Liebel und Jacobs, die Herren
hmann und Notholt, den Wenzel Herr Vogt. Den
Zirkusdirek=
ſpielt Herr Sieber.
— Heſſiſches Landestheater. Nachdem die Mietplätze zugeteilt
d die Mietkarten ausgegeben ſind, können die neu
hinzutre=
iden Mieter nunmehr bereits bei Abſchluß des Mietvertrages
* Platznummer für Haupt= und Zuſatzmiete feſtlegen. Die
proz. Preisermäßigung wird noch allen Mietern
ge=
ihrt, die bis zum 10. September ihre Miete erneuern
er neu abſchließen.
— Gaſtſpiel des Landestheaters in Bad=Nauheim. In
Bad=
auheim findet heute abend 20 Uhr im Kurtheater die
Erſt=
ifführung von Katajews „Quadratur des Kreiſes”, unter Regie
in Norbert Schiller, ſtatt. In den Hauptrollen ſind beſchäftigt
e Damen Hoffart, Marenbach, die Herren Gallinger, Peters,
ieber, Hinz.
* 30jährige Jubelfeier des Pogelsberger Höhenklubs.
*t. Vor über 50 Jahren, am 22. Juni 1881. fand in
Schot=
ten die Gründung des Vogelsberger Höhenklubs ſtatt und
be=
reits im gleichen Jahre wurde in Darmſtadt ein
Zweig=
verein mit vorerſt 12 Mitgliedern gebildet. Die Geſchichte des
Zweigvereins Darmſtadt, der nun auf ein 50jähriges Beſtehen
zurückblicken darf, iſt reich an bemerkenswerten Ereigniſſen und
blieb mit wenigen Ausnahmen, die hauptſächlich im
Kriegsaus=
bruch und in den wirtſchaftlichen Verhältniſſen bedingt ſind, von
Rückſchlägen verſchont.
Die Feſtfolge für die Gründungsfeier war in einen einfachen
und zeitgemäßen Rahmen gefaßt und ſpielte ſich zunächſt mit einem
Deutſchen Abend
am Samstag in der bis auf den letzten Platz beſetzten
Woogs=
turnhalle ab. Die Halle war mit Grün (aus der Gärtnerei
Schulz. Erbacherſtraße) und Fahnen unaufdringlich, aber
wir=
kungsvoll geſchmückt. Zu dem Gelingen der Jubelfeier trugen nicht
wenig die eigenen Einrichtungen des VH.C. Zweigverein
Darm=
ſtadt bei, wir meinen hier das V.H.C.=Orcheſter, das unter der
Stabführung von Herrn K. Voltz mit ſeinen ausgezeichneten
Darbietungen ſich hören ließ, und die altbewährte
Geſangs=
abteilung unter der Leitung von Herrn G. Späth
Fräulein Schminke trug hierauf einen ſelbſtverfaßten und
ſchwungvollen Prolog vor der die Heimattreue und die
Wander=
luſt des V.H.C. feierte. Die Begrüßungsanſprache hielt der erſte
Vorſitzende des Darmſtädter Zweigvereins, Herr Miniſterialrat
Braun. Der Redner entbot allen Erſchienenen herzlichen
Will=
kommensgruß und begrüßte die Vertreter der Stadt, der
befreun=
deten Wandervereine, der übrigen der Wanderſache naheſtehenden
Vereine und der Preſſe. Einen beſonderen Gruß widmete Herr
Miniſterialrat Braun dem V.H.C.=Bruder Otto Zimmer,
einem langjährigen Mitglied, dem 1. Vorſitzenden des
Geſamtver=
eines, Herrn Dr. Bruchhäuſer, und ſchloß mit dem Wunſche,
daß der Abend Gelegenheit bieten möge, einige frohe Stunden
mit=
einander zu verbringen.
Nach weiteren trefflichen Vorträgen der Geſangsabteilung
nahm Herr Schulrat Ha ſſinger das Wort zu der Feſtanſprache
und führte etwa folgendes aus:
Geburtstage ſind frohe Tage. Man möchte wie ſtürmiſch es
draußen auch immer hergehen mag, was Dunkles vielleicht auch
weit da hinten am Horizont ſteht, doch für einen Tag im Jahre
wenigſtens einmal die Türen und Fenſter ſchließen, um mit ſich
und ſeiner Freude und mit den Seinen und ihrer Freude allein
zu ſein. Da gehen aber die Jahre und mit ihnen gehen die
Men=
ſchen, die uns lieb waren, wir wiſſen, ſie gehen uns voran, es iſt
nur die Frage einer kurzen Spanne Zeit, daß wir ihnen nachfolgen
werden. Wir können vor Sturm und Gewitter unſere Türen
ſchlie=
ßen, aber wir können ſie nicht ſchließen vor dieſen Fragen. Und
wie die Menſchen von unſerer Seite gehen, ſo gehen mit ihnen und
mit den Jahren auch unſere Hoffnungen. Der Raum, auf dem wir
noch zu leben haben, wird kleiner und kleiner.
Aber wie denn? Iſt es heute, wo eine ſtolze Sektion eines
kräftigen und blühenden Vereins den Tag fünfzigjährigen
erfolg=
reichen Schaffens und Wirkens feiern will, an der Zeit, von dem
zu reden, was den einzelnen bedrückt, von Verzicht und
Enttäu=
ſchung, vom Sterben und vom Niedergang der Wünſche? Ja, liebe
Freunde, iſt es die Zeit, auch davon zu reden wenn aus dem Druck
und der Schwere, die auf dem einzelnen laſtet, das andere wächſt,
was hinaufſtrebt, was verbindet, was ſchaffen und wirken will Und
von dieſen Kräften denke ich, ſollten wir reden, und von dieſen
Kräften wollen wir reden, gerade weil die Zeit heute ganz dazu
angetan iſt, uns das Herz ſchwer zu machen. Wenn wir heute dem
V. H.C. und beſonders ſeiner Ortsgruppe Darmſtadt zum fünfzigſten
Geburtstag gratulieren, ſo gratulieren wir einem an Jahren wohl
älter gewordenen, aber an Art und Weſen gereiften, und vor
allem einem im Wollen und Streben ſich ſtets von neuem
ver=
jüngenden Vereine.
Der erſte Helfer des feſten Grundes iſt die Liebe zur Heimat.
Ich habe da ein paar Worte gefunden, die mir in ihrer
Ein=
fachheit geradezu wie für die Gründer und Träger, der Sektion
Darmſtadt im V.H.C. geſchrieben erſcheinen. Sie heißen:
Trieb das Leben mich hinaus
Aus der Heimat, aus den Bergen,
Ruh ich einſt nach hartem Strauß
Fremdling unter fremden Särgen.
Wird das letzte Bild doch ſein,
Das ich mit zu Grabe trage.
Meiner Heimat goldner Schein,
Meiner Kindheit frohe Tage.
Nimmer werd’ ich müde werden
In der Arbeit, die mich zwingt,
Wenn mir ſo auf fremder Erden
Noch das Lied der Heimat klingt.
„Ich weiß noch recht gut, als ich das erſtemal davon hörte, daß
in Darmſtadt, das gut ſeine hundert Kilometer vom Vogelsberge
entfernt iſt, eine Sektion des Vogelsberger Höhenklubs beſtehe.
In meiner Betrachtung fehlte das Wiſſen um die ganz beſondere
Kraft des Heimatgefühles und der Heimatliebe, eines Gefühles
und einer Liebe, die, wie mir viel ſpäter erſt klar wurde, nie nach
Entfernungen und gar nach Kilometern fragen werden.
Und nun gar erſt die Oberheſſen, die Vogelsberger! Es liegt
mir fern, ihnen hier ſchmeicheln zu wollen. Ein jeder Stamm
unter uns Deutſchen hat ſeine guten und ſeine ſchwachen Seiten.
Es iſt immer verkehrt, den einen gegen den andern ausſpielen zu
wollen. Aber eines darf man oberheſſiſchen Menſchen ſagen: Seine
Art iſt es nicht, ſich in Ueberſchwang und Begeiſterung nach außen
hin kundzutun. Was er in ſich aufnimmt, das hat er zuvor recht
kritiſch betrachtet, er iſt in gutem Sinne konſervativ und hält an
dem, was er für gut erkannt hat. An dieſem Guten aber hält er
zäh zu dem Erprobten ſteht er und dafür ſetzt er ſich ein. Es wird
nicht der Fall ſein, daß er in Hymnen ausbricht, wenn anderwärts
von ſeiner Heimat die Rede iſt, eher wird es ſein, daß ein ſtilles
Leuchten in ſeine Augen kommt, daß er ſinnend in ſich hineinſchaut
und ſeine Freude in einen ſtarken Händedruck legt und in ein
Nicken des Kopfes. Durch die ganze Geſchichte des Zweigvereins
Darmſtadt geht es hindurch: ein Vorwärts, ein Rückſchlag, darauf
ein feſter Trotz und ein entſchloſſenes Kämpfen und wieder ein
Aufwärts ein Voranſchreiten, ein Durchringen, bis endlich die
er=
kämpfte Sache ſo gefeſtigt iſt, daß ihr keine größeren Gefahren
mehr drohen. Hinter ſolcher Zähigkeit aber muß ein Wollen ſtehen,
das von einer ſtarken Liebe geſpeiſt wird. Hier heißt ſie ſchlicht
und einfach: Heimat. Nein, man kann ſie nicht meſſen und wägen,
aber ſie zeigt ſich in allem, was man um ihretwilen tut. Es ge=
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(12910
ſchieht nicht umſonſt, daß ich immer, wo ich nur Gelegenheit habe,
den Menſchen danke, deren Streben darauf ausgeht, in ihren
Krei=
ſen, in ihrem Volk, in der Jugend beſonders dieſem Gefühl für
Wert und Kraft der Heimat Ausdruck zu geben und Pflege
ange=
deihen zu laſſen. Ich habe es immer und immer wieder in meiner
Arbeit erfahren, daß die Vereine, die feſt zu den Gegebenheiten
ihrer engeren Heimat ſtehen, das Beſte in dem zu leiſten vermögen,
was ſie ſich als Aufgabe geſetzt haben.
Und da iſt es das große Verdienſt aller Wandervereine, daß
ſie den Menſchen wieder heranführen an ſeinen Urſprung, an Volk
und Natur und Heimat. Denn wie ſollen wir unſere Heimat
lie=
ben, wenn ſie uns in ihrem Schönſten fremd bleibt, wenn wir ſie
nicht kennen, wenn wir in ihr umherſtolpern, wie zufällig
ver=
loren? Ja, ſo wird es ſein und bleiben: Wenn wir aus dem
Lärm ringsum die feine Muſik heraushören wollen, die die
Hei=
mat in uns aufklingen laſſen will, dann müſſen wir der Heimat
recht, recht nahe ſein, dann müſſen wir ſie erſt einmal kennen
ler=
nen in all ihrer Schönheit, in all ihren Geſchichten, die ihre
Häu=
ſer und Höfe und Gärten zu erzählen wiſſen, in ihren Märchen
und Sagen. Heimat zu haben iſt wohl von dieſer Art Glück, deſſen
man ſich, ſolange man es hat, vielleicht nie recht bewußt wird; es
iſt ſo ſelbſtverſtändlich, daß man es erſt bemerkt, wenn man es auf
die eine oder andere Art verloren hat
So ſind 50 Jahre V. H.C. zugleich 50 Jahre Arbeit im Dienſte
an der Heimat und für die Heimat. Wie vielen Ruheloſen und
Schwankenden wird er in dieſer langen Zeit die Wurzeln wieder
tiefer eingebettet haben in die heimiſche Erde, ſo daß ihnen neue
Kraft und neuer Mut und neue Erfüllung aus der Heimat wurde.
Und gleichzeitig iſt die Geſchichte des Darmſtädter
Zweigver=
eins das lebendige Beiſpiel dafür, daß, wer ſo ſeine Heimat liebt
und ſieht, wie es dieſe Gründer und unentwegten Mitglieder getan
haben und tun, auch dann, wenn er fern der Heimat iſt, ein Glück
in ſich trägt, auf dem er wie auf einer wundervollen alten Geige
in Freud und Leid zu ſpielen vermag.
Es iſt wahrlich keine frohe Zeit, in die des V.H.C. 50.
Ge=
burtstag fällt, aber gerade deshalb wollen wir alle Mann auf
Deck rufen und als gereifte Menſchen weiterhin an dem Werk
blei=
ben, das wir zu treuen Händen übernommen haben und für das
wir verantwortlich ſind, ein jeder an ſeinem Platz und mit dem
ganzen Einſatz ſeiner Liebe und ſeiner Kraft für das Werk
Habt Dank, ihre Freunde vom V.H.C. für alles, was ihr zur
Pflege von Heimat und Volkstum, für das Wandern und für die
Jugend getan habt. Ich weiß, es iſt nicht die Art des echten
Wan=
derers. den Sturm zu fürchten und der erſten beſten Wolke
aus=
zuweichen. Er wird tun was er zu ſeinem Schutze und zum Schutze
der ihm anvertrauten Freunde tun muß. Möchte das Bild dieſes
Wanderers für den V. H.C. und unſer ganzes Volk in all ſeinen
Gliedern und Schichten das Symbol ſein in unſerer ſchweren Zeit,
zu dem alle gern und freudig ſich bekennen. Wir jedenfalls wollen
in dieſer Feierſtunde geloben, die Liebe zur Heimat immer tiefer
in die Herzen derer zu ſenken, die uns anvertraut ſind, damit aus
der Verbindung mit Land und Volk eine feſte, innige
Gemein=
ſchaft wachſe zu Nutz und Frommen unſeres ſchwergeprüften
deut=
ſchen Volkstums und unſerer deutſchen Heimat. Das walte Gott!
Die zu Herzen gehende Feſtanſprache wurde ſehr beifällig
auf=
genommen. Nun folgte die Ehrung des ſchon erwähnten
langjährigen Mitgliedes, Herrn Rechnungsrats Otto
Zim=
mer, früher 2. Vorſitzender der 75 Jahre alt, dem V.H.C.
ſchon 47 Jahre lang angehört. Die Ehrung nahm mit
herz=
lichen Worten der 2. Vorſitzende des Zweigvereins, Herr J. Burk,
vor und überreichte Herrn Zimmer die Urkunden als
Ehrenmit=
glied. Herr Zimmer dankte in bewegten Worten.
Frau Müller=Neudecker, deren anſprechender und
durch=
gebildeter Sopran ausgezeichnet gefiel, ſang „Zur Droſſel ſprach
der Fink” von d’Albert und die Arie der Marie aus dem „
Waffen=
ſchmied”, hier ihr Bühnenblut durchklingen laſſend. Als Zugabe
folgte. Das Geheimnis” von Löns. Eine ſehr hübſche Bereicherung
der Feſtfolge bildete der Tanz „Heinzelmännchens Wachtparade‟
den Fräulein Schminke mit einer Anzahl reizender junger
Damen einſtudiert hatte. Eine ganze Reihe von verdienten
Mit=
gliedern, die 20. 25 und 30 Jahre dem V. H C. angehören, wurden
ausgezeichnet. Die Ehrung der etwa 40 Mitglieder nahm
gleich=
falls Herr J. Burk vor, der die Ehrennadeln überreichte.
Weitere Vorträge des Orcheſters und der Geſangsabteilung
leiteten zum Schluß des deutſchen Abends über, der recht
har=
moniſch verlief.
— D.B.G.=Eigenheim=Ausſtellung veranſtaltet von der
Deutſchen Bau=Gemeinſchaft A.=G., Ortsgruppe Darmſtadt, in
Darmſtadt, Fürſtenſaal. Man ſchreibt uns: Die Ortsgruppe
Darmſtadt der Deutſchen Bau=Gemeinſchaft (D.B.G.), Leipzig, zeigt
im Rahmen dieſer Ausſtellung in Schrift und Bild die
Entwick=
lung und Leiſtungen der Baugemeinſchaft. Der Vorſitzende, Herr
Frahnert, begrüßte die anweſenden Beſucher, Ausſteller und
Mit=
glieder mit Worten des Dankes und Hinweiſes auf die
gewal=
tigen und ſegensreichen Leiſtungen, die die D.B.G. in der kurzen
Zeit ihres Beſtehens durch den Gemeinſchaftsgeiſt für ihre Sparer,
und damit für die Geſamtheit des deutſchen Volkes, vollbracht hat.
Ein Rundgang durch die Ausſtellung läßt in eindringlicher Weiſe
den Werdegang und die Erfolge der D. B. G. vor den Augen des
Beſuchers erſtehen. Durch die verſchiedenſten Hinweiſe wird der
Blick auf den Tarif der D. B. G. gelenkt. Es reihen ſich
Ent=
würfe und Abbildungen der mit dem zinsloſen Geld erbauten
bzw. im Bau befindlichen Eigenheime an. Mit eigenen
Entwür=
fen ſind vertreten die Darmſtädter Architekten Frl. Reg.=
Bau=
meiſter a. D. Lisbeth Arnet, Peter Müller und G. Sulzmann
(Mitglieder der D. B. G.). Des weiteren haben ſich mit
Aus=
ſtellung von Wohnungseinrichtungen und Wohnungsausſtattung
beteiligt die Firmen Friedrich Eiſſenhauer und Möbelhaus
Menger mit Möbeln, Auguſt Rück, Trietſch u. Heppenheimer und
Tapeten= und Linoleumgeſellſchaft m. b. H. mit Tapeten und
Bodenbelag. Elektro=Brand mit elektriſchen Beleuchtungskörpern
und Heſſ. Eiſenbahn=A.=G. mit elektriſchen Küchen= und
Woh=
nungsgeräten. Der Beſuch der Ausſtellung war bereits am
Eröff=
nungsabend ein ſehr reger.
— Opernſchule der Städt. Akademie für Tonkunſt. In der
Opernſchule der Städt. Akademie für Tonkunſt beginnen nunmehr
neue Kurſe in allen zum Lehrplan gehörigen Fächern. Der große
Erfolg, den die Opernſchule im Juni d. J. mit der Aufführung von
Verdis „Traviata hatte, hat bewieſen mit welchem Ernſt in der
Opernſchule gearbeitet wird. Dafür bürgen auch die Namen der
Lehrkräfte die in dieſer Abteilung der Städt. Akademie tätig ſind:
Profeſſor Carl Beines, Hanna Perron, Mathilde Weber
(Geſang) Hofrat Paul Ottenheimer (Korrepetition und
En=
ſemblegeſang) Opernſänger Heinrich Kuhn (Dramatiſcher
Unter=
richt) Profeſſor Fr. K. Roedemeyer (Hygiene der Stimme
und Sprecherziehung), Gert Koppel (Gehörübungen). Grete
Pfuhl (Rhythmiſche Gymnaſtik). Wilhemine Heißner (
Ita=
lieniſch), Fechtmeiſter des Darmſtädter Fechtklubs
(Fechtunterricht). Alles Nähere im Sekretariat der Städt.
Aka=
demie für Tonkunſt, Eliſabethenſtraße 36, Fernſprecher 3500
(Stadtverwaltung).
OTallodd
SastsAasbL
Delner bekannt guten und besten Herren- und
Inaben-Klelder zu Schleuderpreisen,
Die Sle solche seit Jahren nicht geboten
Oekamen. Es lohnt sich daher dleses Angebot
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OARMSTADT (lucheissplatz
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Sonntag, den 6. September 1931
Nummer 227
Katholizismus und Nationalsozialismus.
gräbnis zur Folge habe obne Rückſicht auf die Qualitäten der
Perſönlichkeit und auf ſein Leben und Handeln im übrigen. Die
Iür Beerotgang de9 Aug. Geiſeinver. Frage, ob im Rahmen der beſtehenden kirchlichen Rechtsvorſchrif=
Zu den Vorgängen, die Veranlaſſung gaben, daß der national= ten noch irgendeine Möglichkeit der Bewilligung, des kirchlichen
ſozialiſtiſche Abg. Peter Gemeinder am Mittwoch in Darmſtadt Begräbniſſes (etwa im Sinne „des Gnadenweges” im weltlichen
ohne kirchlichen Beiſtand beerdigt wurde, gingen uns Darſtellun= Recht) beſtehe, oder ob irgendeine kirchliche Inſtanz, etwa Biſchof
oder Papſt ſich über dieſe Vorſchriften hinwegſetzen könnte, wurde
gen zu. die wir auszugsweiſe nachſtehend wiedergeben:
Die Preſſeſtelle des Gaues Heſſen der NSoAP. verneint. Anton Gemeinder und die Mitglieder der Gauleitung
haben daraufhin die erfolgloſen Verhandlungen abgebrochen.
teilt u. a. mit:
Zeitungsmeldungen wollen wiſſen, daß der Gauleiter
Gemein=
der nur darum nicht kirchlich begraben worden ſei, weil die
NSDAP. nicht auf eine „Parteidemonſtration” verzichten wollte,
h. entgegen den Wünſchen der kirchlichen Behörde das
Begräb=
nis in Uniformierung durchführte. Demgegenüber teilen wir mit:
Der örtlich zuſtändige Darmſtädter Geiſtliche hatte, ohne die
Zu=
läſſigkeit des kirchlichen Begräbniſſes an ſich in Frage zu ſtellen,
ſeine Zuſtimmung zu der von der Familie und der Gauleitung der
Partei vorgeſchlagenen Regelung der Trauerfeierlichkeit von der
Genehmigung des biſchöflichen Ordinariates abhängig gemacht.
Um nun mit dieſem eine Vereinbarung zu treffen, ſprachen der
Bruder des Verſtorbenen. Anton Gemeinder, und zwei Mitglieder
der Gauleitung am 31. Auguſt beim Generalvikar des Mainzer
Bistums Dr. Mayer, vor. Nach Darlegung des Vorſchlages, der
— mit Rückſicht auf die ſchon ſeither bekannte Praxis der
katholi=
ſchen Geiſtlichkeit — eine Trennung der kirchlichen Zeremonien von
der Totenehrung der Parteigenoſſen vorſah, erklärte der
General=
vikar, daß ein kirchliches Begräbnis für Peter Gemeinder
über=
haupt nicht in Frage komme, da er eingeſchriebenes Mitglied
und Führer eines von den Biſchöfen verbotenen Vereins geweſen,
und geſtorben ſei, ohne ſeine Zugehörigkeit zu dieſem Verein zu
be=
reuen und aufzugeben. — Anton Gemeinder machte demgegenüber
geltend, ſein toter Bruder ſei ſtets ein gewiſſenhafter, überzeugter
und treuer Katholik geweſen, wie er in ſeiner Jugend mit ihm,
dem Bruder, Meßdiener geweſen ſei, ſo habe er ſeiner religiöſen
und kirchlichen Pflichten bis ganz zuletzt ſorgſam erfüllt. Erſt vor
urzer Zeit habe er in ſeiner Frankfurter Heimatgemeinde ein
letz=
tes Mal kommuniziert. Er habe nie und bei keiner Gelegenheit
die Kirche oder gar den Glauben angegriffen, ſondern ſich immer
als treuer Katholik bekannt. Generalvikar Dr Mayer erwiderte
daß die Zugehörigkeit zur NSDAP. und das Wirken für dieſe nach
den beſtehenden kirchlichen Vorſchriften den Ausſchluß des
Ver=
torbenen von den Sakramenten und von einem kirchlichen Be=
Die Gauleitung Heſſens der NSDAP. handelt im Sinne des
nationalſozialiſtiſchen Katholiken Peter Gemeinder, wenn ſie als
Antwort auf unzählige Anfragen dieſe Tatſachen ohne ein Wort
der eigenen Stellungnahme der Oeffentlichkeit bekannt gibt.”
Von katholiſcher Seite wird erklärt:
Es iſt den Katholiken verboten, eingeſchriebenes Mitglied der
Nationalſozialiſtiſchen Arbeiterpartei zu ſein, weil im Programm
dieſer Partei, wie auch in ihren Schriften, Sätze enthalten ſind,
die ſich mit katholiſchen Lehren und Grundſätzen nicht vereinigen
laſſen. Folgerichtig kann auch nationalſozialiſtiſchen Gruppen
nicht geſtattet werden, mit Fahne und Uniform an
gottesdienſt=
lichen Feiern teilzunehmen.
Ein Nationalſozialiſt, der ſich geweigert hat, aus der Partei
auszutreten, kann auch nicht kirchlich beerdigt werden. Wenn er
bisher ſeine kirchlichen Pflichten erfüllt hat und infolge eines
plötzlichen Todes nicht mehr zum Austritt aus der Partei
in der Lage war, kann er das kirchliche Begräbnis erhalten, wenn
die Angehörigen dafür Sorge tragen, daß bei dem Begräbnis jede
nationalſozialiſtiſche Demonſtration unterbleibt. Das iſt ſchon
des=
halb nötig, um nicht in der Oeffentlichkeit die irrtümliche
Anſchau=
ung aufkommen zu laſſen, als ob ſich die Zugehörigkeit zur
katholi=
ſchen Kirche und zur Nationalſozialiſtiſchen Arbeiterpartei
mitein=
ander vereinigen ließe Ebenſo verfährt auch die Kirche bei
ande=
ren Parteien, deren Grundſätze der katholiſchen Lehre
wider=
ſprechen.
Für den Katholiken iſt es ſelbſtverſtändlich, daß er ſeiner
Kirche Gehorſam ſchuldet; nur ſo kann ſie ihn zum Heil führen.
Wenn er ſich durch einen klaren Willensakt, wie er in der
Zuge=
hörigkeit zu einer verbotenen Partei gegeben iſt, gegen die Kirche
auflehnt, ſo muß er auch die Folgen auf ſich nehmen. Die Kirche
begleitet ihn dann nicht auf ſeinem letzten Gang, weil er ihr
zu=
erſt die Gefolgſchaft aufgekündigt hat, oder weil er nur ſo weit mit
ihr gegangen iſt, als es ihm behagte?
Skraßenbericht
für die Woche vom 6. bis 12. September 1931.
(Mitgeteilt vom Heſſiſchen Automobil=Club.)
Fernverkehrsſtraßen in Heſſen:
40. Mainz—Alzey (Pariſer Straße zwiſchen Nieder=Olm und
Wörr=
ſtadt) wegen Umbauarbeiten an der Eulenmühle bei Nieder=Olm,
Km. 13,0—14,6, vom 2. 5. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung:
Sörgenloch, Wahlheimer=Hof, Hahnheim, Undenheim.
42. Darmſtadt—Main= die Straßenunterführung bei Groß=Gerau iſt
durch das Hochwaſſer überflutet und daher vorübergehend geſperrt.
Umleitung: Weiterſtadt, Klein=Gerau.
Hanptſtraßen in Heſſen:
Darmſtadt—Griesheim—Wolfskehlen (zwiſchen Griesheim und
Wolfs=
kehlen) Klm 7/416—10,723 vom 6. 7. bis auf weiteres geſperrt
Um=
leitung: Groß=Gerau oder Stockſtadt, Crumſtadt, Eſchollbrücken.
Ortenberg—Gedern (zwiſchen Lißberg und Hirzenhain) vom 27. 7. bis
auf weiteres geſperrt. Umleitung: Glashütten, Oberleis,
Schwickerts=
hauſen, Lißberg oder Uſenborn, Ortenberg.
Sonſtige Straßen in Heſſen:
Neuſtadt i. Odw.—Seckmauern zwiſchen dem Straßenkreuz unterhalb
Lützelbach bis zum Weſtende der Ortsdurchfahrt Wiebelsbach vom
8. 1. bis auf weiteres geſperrt. Umleitung: Lützelbach.
Linbheim—Düdelsheim vom 29. 6. bis auf weiteres geſperrt.
Umlei=
tung: Stockheim. Büches oder Hainchen, Himbach, Eckartshauſen,
Calbach, Büches.
Nendel-Büdesheim (vom Abzweig nach Niederdorfelden) vom 10. 8. bis
auf weiteres geſperrt. Umleitung: Groß=Karben, Heldenbergen.
Rodheim v. d. H.—Petterweil vom 10. 8. bis auf weiteres geſperrt.
Um=
leitung: Holzhauſen v. d. H., Ober=Erlenbach oder Nieder=Wöllſtadt,
Okarben.
Grebenhain-Vaitshain vom 17. Aug, bis auf weiteres geſperrt.
Um=
leitung: Crainfeld.
Eckartshauſen—Alt=Wiedermus vom 27. Aug. bis auf weiteres geſperrt.
Umleitung: Diebach a. Haag, Lorbach, Orleshauſen, Calbach.
— Wohlfahrtsſchule. Das Winterſemeſter der Wohlfahrts=
und Pfarrgehilfinnenſchule beginnt, wie aus dem Anzeigenteil
er=
ſichtlich iſt, am 22. Oktober. Mit dieſem Winterſemeſter werden
zugleich die neuen Kurſe in den drei vom Heſſiſchen Diakonie=
Verein geleiteten Schulen (Wohlfahrts=Pfarrgehilfinnen und
Eei Shilereſchue de ſchtiche Wdilſchr Seiſientäurf. und
davon neun die Pfarrgehilfinnenprüfung beſtanden. Gegenüber
übertriebenen Gerüchten über ungünſtige Ausſichten in den
ſozia=
len Frauenberufen darf geſagt werden, daß die Berufe der
Wohl=
fahrtspflegerinnen und der Pfarrgehilfinnen immer noch zu den
ausſichtsreichſten gehören. Trotz des Abbaues der ſtaatlichen und
kommunalen Fürſorge finden immer wieder tüchtige
Wohlfahrts=
pflegerinnen eine paſſende Verwendung. Beſonders auf dem
Ge=
biet der kirchlichen Fürſorge ſind die Ausſichten verhältnismäßig
günſtig. Die elf Schülerinnen die im Jahre 1929 das Examen in
der hieſigen Wohlfahrts= und Pfarrgehilfinnenſchule abgelegt
ha=
ben, haben alle eine Anſtellung gefunden. Von den 16
Schüle=
rinnen, die 1930 Examen gemacht haben, ſind bereits 10 angeſtellt;
zwei werden als Praktikantinnen verwandt und vier befinden
ſich in weiterer Ausbildung. Auch die Schülerinnen dieſes
Jahr=
ganges haben nach Vollendung ihres Praktikums Ausſicht auf
Verwendung. Die Ausbildung in einer Wohlfahrtsſchule iſt aber
auch unter dem Geſichtspunkt der allgemeinen Frauenbildung
außerordentlich wertvoll und kann geradezu als eine wichtige
Er=
gänzung der Schulausbildung betrachtet werden Zu jeder
näheren Auskunft über die Ausbildung für Staat, Gemeinde und
Kirche iſt die Direktion der Schule gerne bereit.
Sondervortrag, In Gemeinſchaft mit dem Hausfrauenbund
veranſtaltet das Städtiſche Gaswerk am nächſten Donnerstag,
den 10. September abends 8 Uhr, im Bürgerhof
Eliſabethen=
ſtraße 2, einen Sondervortrag, in dem der Obſtbaulehrer der
Heſ=
ſiſchen Lehr= und Verſuchsanſtalt, Ober=Erlenbach, Herr,
Bau=
mann, intereſſante Ausführungen über Gärungsloſe Herſtellung
von Fruchtſäften” machen wird. Jeder Hausfrau iſt heute durch
die Verwendung von neuzeitlichen Küchengeräten, insbeſondere
Gasgeräten, die im Haushalt Arbeitserleichterung bringen, die
Möglichkeit gegeben, ſich mit anſcheinend fernliegenden
Haushal=
tungsarbeiten zu beſchäftigen. Genau wie das Einmachen, hat
die Fruchtſaftbereitung viele Anhänger gefunden, da die
Herſtel=
lung leicht und die Koſten gering ſind. Es wird noch darauf
auf=
merkſam gemacht, daß für dieſen Vortrag in dem
Ausſtellungs=
raum der Städtiſchen Betriebe, Grafenſtraße 30. Eintrittskarten
koſtenlos ausgegeben werden, um eine Ueberfüllung des Saales
zu vermeiden. Auch Nichtmitglieder des Hausfrauenbundes ſind
herzlichſt willkommen. (Siehe heutige Anzeige.)
— Küche des Hausfrauenbundes, Heidelberger Straße 47
Ein=
gang Wilhelmſtraße. Vom 15. September ab koſtet 1 Eſſen=
1 Teller Suppe, Fleiſch, Gemüſe und Kartoffel 65 Pfg., bei
6 Eſſen 60 Pfg.; 1 Eſſen ohne Suppe 55 Pfg., 6 Eſſen 50 Pfg.
Klein= und Sozialrentner zahlen für 1 Eſſen mit Suppe 50 Pfg.
— Zuſammenſtoß zwiſchen Motorradfahrer und Auto. Geſtern
nachmittag ſtieß an der Ecke Saalbau= und Heinrichſtraße ein
Motoradfahrer mit einem Auto zuſammen, wobei der
Motorrad=
fahrer ſchwer verletzt wurde. Er wurde mit ſchweren
Rücken=
quetſchungen von der Städtiſchen Rettungswache in das Städtiſche
Krankenhaus gebracht. Auto und Motorrad wurden beſchädigt.
— Das Stuttgarter Künſtler=Marionetten=Theater ſetzt heute
das Gaſtſpiel, das geſtern mit großem Erfolg begonnen hat, mit
einem neuen Programm fort. Heute nachmittag 16 Uhr wird
das Kindermärchen „Rumpelſtilzchen” aufgeführt. Abends
20 Uhr ſieht das Programm neben dem berühmten Künſtler=
Kabarett, Schwänke von Hans Sachs und Karl Ettlinger vor.
Dezent und geschmackvoll (12932
Ist die Unterhaltungsmusik der
UUSROLS
im CAFE-RESTAURANT ZUR
Or ENN
— Das Union=Theater zeigt nur noch heute und morgen Liane
Haid, Jvan Petrovich und Georg Alexander in dem Tonfilm=
Luſtſpiel „Opernredoute”. Regie: Max Neufeldt: Muſik von Otto
Stranſky. Beginn: 3,45. 6,00 und 8,20 Uhr.
— Im Helia=Theater läuft nur noch heute und morgen E. A.
Duvonts. Salto Mortale‟. Im tönenden Beiprogramm wird der
neueſte Micky=Film „Micky und die Indianer” gezeigt. Beginn:
3,45, 6.00 und 8,20 Uhr.
— Die Palaſt=Lichtſpiele bringen nur noch heute und morgen
ein großes Senſations=Doppelprogramm. Richard Talmadge zeigt
in dem Film „Talmadge, der tolle Reiter”, atemraubende
Hetzjagden und Verfolgungen. Dazu ſieht man im zweiten Teil
Eddy Polo, den Bezwinger von tauſend Gefahren, in „Rache für
Eddy‟ (Die Liebe des Cowboy), Beginn; 3,45. 6,00 und 8,20 Uhr.
Marionekken-Theaker Deininger.
Vor leider ſchwach beſetztem Haus gab geſtern aben
Süddeutſche Marionettentheater Deininger eine,
Vorſtelln=
deren Hauptteil die Aufführung der Oper „Bajazzo” bildete
artig iſt die Verwendung von Schallplatten als Begleitmuſik
Spiel, wobei Ton und Bewegung in außerordentlich präziſon
Uebereinſtimmung zuſammenklangen, was man als techniſche Lei,
ſtung erſten Ranges bewundern muß. Bis zu welchem Grad
da=
gelang, iſt daran zu erſehen, daß man nirgends Leere ſpürte und
ſelbſt handlungsarme Partien, z. B. Arien, durch die
ausdrucks=
reiche Beweglichkeit der Marionetten belebt wurden. Stellenweiſe
behalf man ſich mit einer leicht karikierenden Nachahmung von
Sängermanieren, wodurch vielleicht die ſtiliſtiſche Einheitlichkeit
etwas geſtört wurde. Vielleicht iſt aber der Abſtand zwiſchen dem
primitiven Puppenſpiel und der virtuoſen, orcheſtral erſtklaſſig
Plattenmuſik der Mailänder Skala überhaupt nicht zu überbrik.
ken, und es bleibt zu überlegen, ob das Puppenſpiel ſich nicht auf
ihm angemeſſenere Stoffgebiete beſchränken ſollte. In ſtärkerem
Maße als die Oper ſcheinen uns z. B. die angekündigten Stücke
geeignet. Dieſe Randbemerkungen ſollen keinesfalls die ausge,
zeichnete Leiſtung verdunkeln, die in der minutiöſen Technik der
Bewegungen (eine entzückende Puppe war Nedda), in den
gelun=
genen ausdrucksvollen Masken, denen man anmerkt, daß ihr
Schöpfer Bildhauer iſt, und im gut geſtalteten Bühnenbild beſtand
— Eine heitere moderne Variante bildete zum Schluß das
Kaba=
rett, in dem wiederum bekannte Prominente in naturgetreu
ange=
fertigten Masken zur Schallplatte ſangen oder ſprachen; der
Pianiſt Roſenthal, der Berliner Komiker Paul Graetz und der
un=
widerſtehliche Richard Tauber, der den ſtärkſten Beifall hatte. 1
— Orpheum. Heute Sonntag, nachmittags 3. 30
Uhr=
wird das von allen Kindern mit großer Spannung erwartete
neue Märchen „Das tapfere Schneiderlein”, in drei Bildern
von R. Bürkner; nämlich 1. In Schneiderleins Stübchen
Königszimmer; 3. Im wilden Walde, erſtmalig aufgeführt. In
den beiden Hauptrollen ſpielen Grete Keßler und Karl Ludwia
Lindt. Die ſorgfältige Inſzenierung und Neuausſtattung dieſes
luſtigſten aller Märchen=Luſtſpiele wird im Verein mit der guen
Darſtellung, den Kindern eine langanhaltende Freude bereit
Die billigen Eintrittspreiſe (von 30 Pfg. bis 1.50 RM.), daruf
gegen Vorlage der Anzeige an der Orpheumskaſſe noch eine
be=
ſondere Ermäßigung gewährt wird, ermöglichen jedem Kinde
den Beſuch der Märchenvorſtellung. Auf jeder gelöſten 50
Ein=
trittskarte ruht eine Bargeldprämie von 2 RM. als
Sonder=
geſchenk — Abends 8 30 Uhr, gelangt letztmalig der
große Arnold= und Bach=Schlager „Der keuſche Lebemann”
mit Karl Ludwig Lindt in ſeiner Glanzrolle als „Max Stieglitz”
ferner mit Grete Keßler, Emmy Seipel, Joſef Gurk. Peter Fuchs
uſw. zur Aufführung. Preiſe 60 Pfg. bis 2 RM. Karten heute:
Kiosk gegenüber Verkehrsbüro, 9 bis 12 Uhr; Kiosk Paradeplatz,
11 bis 7 Uhr, ſowie Orpheumskaſſe ab 2 Uhr ununterbrochen,
ſo=
wie für die Märchenvorſtellung von 11 bis 1 Uhr vormittags.
(Siehe Anzeige.)
— Muſikverein. Dr. Hans Schmidt=Iſſerſtedt, der neue
Diri=
gent am Landestheater, hat auch die Leitung der
Muſikvereins=
konzerte übernommen und wird aus Anlaß der erſten Probe am
Montag abend um 8 Uhr dem Chor vorgeſtellt werden. Große
Aufgaben ſtehen dem Verein bevor, der nun in ſchwerer Zeit
ſein 100 Jahr beginnt. Aber, wie ſchwere Zeiten
außerordent=
liche Kräfte entfalten, ſo iſt auch der Muſikverein gewillt, ſein
bedeutendes Programm im Vertrauen auf ſeine Mitglieder und
deren Treue, würdig des Jubiläumsjahres, durchzuführen. Der
neue Dirigent hat zudem zugeſagt, ſeine ganze Kraft für die
Auf=
gaben des Vereins einzuſetzen. Sämtliche Damen und Herren des
Chores werden gebeten, Dr. Schmidt=Iſſerſtedt in ſeinen ideglen
Zielen zu unterſtützen und ihm durch regelmäßigen Probebeſuch
ſeine Aufgabe zu erleichtern.
— Neue Kurſe. Die Kaufm Stenographen=
Geſell=
ſchaft, e V., eröffnet, wie aus dem Anzeigenteil unſeres
Blat=
tes erſichtlich, am kommenden Dienstag, den 8., und
Frei=
tag, den 11. d. M. in ihren eigenen Unterrichtsräumen Eie
Zeughaus= und Schleiermacherſtraße (Eingang Schleiermacherſtr.)
neue Kurſe in Stenographie und Maſchinenſchreiben. Der
Unter=
richt findet nicht in einem Schulhauſe, ſondern in den
Privſ=
räumen der Geſellſchaft ſtatt. Das Unterrichtsgeld iſt niedrig ſt
meſſen und kann in Raten beglichen werden. Die Geſchäftsſeſt
der genannten Geſellſchaft dortſelbſt gibt bereitwilligſt Auskunf,
Volkstümdiche Einlührung in die Pilzkunde.
(Der zweite Vortrag, im Rahmen der Volkshochschule, der Deutschen Gesellschaft
für Pilzkunde und des Lehrervereins für Naturkunde.)
Dicke Menſchen
(IV.9920
erreichen Gewichtsabnahmen von 15—20 Pfd. in Kürze durch Ebus=Tee.
Verlangen Sie aber nur den echten Ebus=Tee. Ein Verſuch überzeugt!
Ebus=Tee zu Mk. 1.50 beſorgt jede Apotheke und Drogerie. Beſtimmt:
Ballonplatz 11; Gardiſtenſtr. 17; Mühlſtr. 28; Weinßergſtr. 2.
Der zweite Abend dieſes gemeinverſtändlichen
Einführungs=
kurſes behandelte die Röhrenpilze, die Verwandten des
Steinvilzes. Dieſer, der Steinröhrling, wird neben dem
Pfiffer=
ling immer noch von den meiſten Pilzfreunden bevorzugt. Wer
jedoch ein klein wenig mit offenen Augen durch die Natur geht,
weiß, daß unter den ungefähr 50 Verwandten des Steinpilzes ſich
noch mancher empfehlenswerte und kaum verwechſelbare
Speiſe=
pilz befindet. Aus der großen wiſſenſchaftlichen Monographie des
Referenten iſt eine kleine Taſchen=Beſtimmungstabelle
für die Röhrenpilze hervorgegangen, an deren Hand jedermann mit
Sicherheit die Verwandtſchaft des Steinröhrlings beſtimmen kann.
Dieſe Beſtimmungstabelle wurde durch epiſkopiſche Projektion dem
Vortrag zugrunde gelegt, ſo daß ſämtliche behandelten Arten von
den nahezu 200 Vortragsteilnehmern ſelbſtändig erarbeitet
wur=
den. Zuerſt wurden die beſchleierten Röhrlinge vorgeführt. Von
dieſen ſind der Goldröhrling unter Lärchen und der
braune Butterröhrling unſerer ſandigen
Kiefernwäl=
der empfehlenswerte Speiſepilze, bei denen man keine Angſt vor
Vergiftungen zu befürchten hat. Ganz ähnlich wie der
Butter=
röhrling ſieht der Körnchen=Röhrling aus, nur daß er
keinen Ring hat Auch er bewohnt unſere Kiefernwälder.
Eine gewiſſe Aehnlichkeit mit dem Körnchen=Röhrlinghat
der blaſſere, faſt weißliche Elfenbein=Röhrling, der nur
unter Weimutskiefern vorkommt. Beide ſind eßbar und
bemerkens=
wert durch die Tröpfchenbildung an den Stielen und Poren der
jungen Pilze. Auch der Schuppen=Röhrling (
Strubbel=
kopf) gehört zu den beſchleierten Röhrenpilzen. Dieſer faſt ſchwarz
werdende, unheimlich ausſehende, aber genießbare Röhrling hat
eine gewiſſe Aehnlichkeit mit dem Habichts=Stacheling,
nur daß der eine auf der Hutunterſeite Röhrchen, der andere aber
Stacheln trägt. Beim Goldröhrling wurde auch hingewieſen
auf den ähnlichen orange=porigen Röhrling (Boletus tridentinus),
welcher ſehr ſelten iſt und zuerſt bei Trient aufgefunden wurde.
Auch bei Darmſtadt kommt dieſer Pilz an wenigen Fundorten vor.
Charakteriſtiſch für ihn iſt außer der Aehnlichkeit mit dem
Gold=
röhrling die auffallend orange=rote Porenſchicht in gut
ent=
wickeltem Zuſtand. Bei dieſen Arten mit ſchmierigem Hut iſt es
empfehlenswert, im Wald ſchon die Oberhaut abzuziehen, damit
die Zubereitungsarbeit erleichtert wird.
Der Steinpilz ſelbſt gibt den Pilzfreunden immer neue
Rätſel auf, je nach dem Standort im Laub= oder Nadelwald. Er
iſt ſehr formenreich. Sein Hut kann variieren von weiß über
braun bis faſt ſchwarz. Auch ſeine Haltung iſt ſehr veränderlich.
Der Stiel kann kurz und dick ſein, aber auch lang und ſchlank
vor=
kommen. Im Anfang heißt es da ſcharf aufgepaßt, bis man alle
verſchiedenen Formen wirklich als Steinpilze erkennt. Viel
Aehn=
lichkeit mit dieſem bekannteſten Röhrling hat der Gallen=
Röhrling, welcher nur im Nadelwald vorkommt. Im Alter
werden ſeine Röhren roſa, auch iſt der Stiel mehr oliv=gelblich,
wie man dies beim Steinpilz kaum antrifft. „Wegen ſeines
gal=
len=bitteren Geſchmackes iſt der Gallen=Röhrling
ungenieß=
bar, aber nicht giftig. Bei den Röhrenpilzen gibt es noch zwei
weitere bittere Vertreter. Zuerſt der Dickfuß=Röhrling
oder Bitterpilz mit einem blaß grau=bräunlichen Hut und
einem roten, an der Spitze gelben, fein genetzten Stiel. Seine
Porenmündungen ſind gelb=grünlich und blauen bei Druck genau
wie das Fleiſch. Er iſt genau ſo bitter und ungenießbar wie ſein
ihm ſehr ähnlicher Verwandter, der Wurzelnde Röhrling,
welcher aber viel ſeltener iſt und kein Rot am Stiel zeigt. Dieſe
beiden Bitter=Pilze bewohnen unſere Buchenwälder.
Ge=
nau ſo unangenehm bekannt macht ſich der kleine Pfeffer=
Röhrlin a. Er hat durchweg eine goldbräunliche Farbe mit
roſt=
braunen Röhren. Sein Fleiſch iſt am Stielarund auffallend
zitro=
nengelb und ſchmeckt ſtark pfefferartig. Als Gewürzpilz iſt der
Pfeffer=Röhrling jedoch nicht zu verwenden, weil der
Pfeffer=
geſchmack beim Kochen unangenehm wird.
Im Kiefernwald kommt ein dem Steinpilz ſehr ähnlicher
Röhrenpilz vor. Seine Röhrchen, wie auch das Fleiſch verfärben
ſich bläulich. Der Stiel iſt ungenetzt. Es iſt der eßbare Maro=
nen=Röhrling. — Zwei weitere ſehr häufige eßbare
Röhr=
linge unſerer Kiefernwälder ſind der Kuh=Röhrling und der
Sand=Röhrling. Der erſtere iſt kenntlich an ſeinem
ſchmie=
rigen glänzenden, kuhbräunlichen Hut, der gummiartig biegſam
iſt. Er hat verhältnismäßig kurze, aber weite und ſehr ſchön
zu=
ſammengeſetzte Röhrchen. Der Sand=Röhrling hat einen
anfangs graufilzigen Hut, bedeckt ſich aber bald beim Aufreißen
dieſes Filzes mit dunkleren Schüppchen, welche durch den Regen
ganz abgewaſchen werden können. Die fahl orange bis
zitronen=
gelbliche Färbung des ganzen Pilzes mit ſeinen engen oliv=
grau=
lichen Röhren, das mehr oder weniger blauende, orange=blaſſe
Fleiſch machen auch dieſen Röhrling gut kenntlich.
Als, Steinpilze” werden öfters irrtümlich angeſprochen
der Birken=Röhrling und das Rotkäppchen. Beide
ſind charakteriſiert durch den weißlichen Stiel, welcher dunkle, faſt
ſchwärzliche Flockenſchüppchen trägt. Beim Birkenpilz iſt der
Hut mehr graubräunlich, beim Rotkäppchen mehr braun=rot.
Das Rotkäppchen kommt beſonders unter Heidekraut im
hin=
teren Odenwald vor. Ein prächtig verwachſener Drilling des
Rot=
käppchens erregte beſonderes Intereſſe. Weniger häufig wird im
Laubwald der gelbe Birken=Röhrling angetroffen.
Als Giftvilze gefürchtet ſind die Röhrlinge mit roten
Röhren=
mündungen, die Rotporer. Zu ihnen gehören die Hexen=
Pilze und der giftige Satans=Röhrling. Wenn die
ver=
ſchiedenen Hexenpilz=Arten auch ungefährlich ſind, ſo muß doch
vor ihnen gewarnt werden. Unſer häufigſter Hexenpilz iſt
kennt=
lich an dem dunkel=braunen Hut, den dunkel=roten Röhren=
Mün=
dungen, an dem unten roten, oben mehr gelblichen Stiel und an
dem ſattgelben beim Aufbruch ſofort ſtark blauenden Fleiſch. der
Satans=Röhrling iſt dagegen ſehr ſelten. Er bewohnt nur
den Buchenwald, liebt kalkhaltigen Untergrund und fällt ſofort auf
durch ſeinen ganz blaſſen grau=weißlichen Hut und den
dickbauchie=
gen roten Stiel.
Zwei ſehr häufige aber zierlichere Röhrlinge, die man an den
Rändern unſerer Waldwege auf Schritt und Tritt antrifft ſind
der Filz=Röhrling (Ziegenlippe) und der Rotfuß?
Röhrling. Beide ſind charakteriſiert durch ihre mehr oder
weniger braunen Filzhüte durch die gelblichen bis grünlichen
Röhren, die etwas weiter ſind, als beim Steinpilz. Der Rotuß=
Röhrling iſt der ſchmächtigere Pilz und beſonders gekennzeichnet
durch den felderig=zerklüfteten Hut und durch den rot=gefaſerten
Stiel. Beide ſind eßbar, wenn ſie keine Maden haben.
Verhältnismäßig ſeltene Arten ſind bei uns der Erlen=
Grübling, charakteriſiert durch die ganz kurzen
grübchenarti=
gen Poren, welche weit am Stiel herablaufen, und durch den
Standort unter Erlen, der Schmarotzer=Röhrling, ein
Paraſit auf Kartoffelboviſten und der Nadelholz=Röhr
ling, der mit ſeinem goldgelben Myzel Nadelholzſtümpfe
über=
wuchert und ähnlich ausſieht wie ein goldgelber Filz=Röhr”
ling. — Seltene Arten, wie die verſchiedenen Bronze=
Röhk=
linge, den Königs=Röhrling uſw. ſollte man ſchonen und
ſich lieber draußen im Wald an ihrer bunten Pracht erfreuen=
Jeder Naturfreund kann bei der Erforſchung dieſer ſchönen
Ge=
ſchöpfe des Waldes mitarbeiten. Es zeigte ſich dies bei der
Er=
ſehr ſeltenen falſchen Schwefel=
Röhrlings=
der erſtmalig vor zwölf Jahren von einem Darmſtädter
Pilt=
freund, dem verſtorbenen Vater des Volksbankdirektors Weiler
aufgefunden wurde. Der Referent hat dem Finder dafür ein
Denkmal in ſeinem großen Tafelwerk „Die Pilze Mitteleuropas
geſetzt.
Der nächſte Vortrag behandelt die übrigen Pilzaruppel.
mit Ausnahme der Blätterpilze, am Donnerstag, den A=
September, abends 8 Uhr, im Realgymnaſium,
Ueber alle Fragen erteilt Auskunft die Heſſiſche Lande?
ſtelle für Pilz= und Hausſchwamm=Beratung.
(Mykologiſches Inſtitut der Deutſchen Geſellſchaft für Pilzkunde=
Darmſtadt, Fernruf 4755) Die Auskünfte werden unentgelt
lich Montags und Donnerstags von 3 bis 6 ühr.S
teilt.
kummer 247
Sonntag, den 6. September 1931
(Außer Romanen.)
Fritz Klein: Dreizehn Männer regieren Europa. Umriſſe
europäiſchen Zukunftspolitik. 9 B 125: Carlo Sforza:
Ge=
en und Geſtalter des heutigen Europa. 1931. 10 B 450:
ther Rathenau: Politiſche Briefe. 1929 80 Bd 880: Rich.
Kühlmann: Gedanken über Deutſchland. 1931. 90 Bd
Ang. Balabanoff: Weſen und Werdegang des italieni=
Fascismus. 1931. 22 Bf 373: Leo Trotzki: Geſchichte der
chen Revolution. (Februarrevolution.) 1931. 17 Bf 884;
Scheffer: Sieben Jahre Sowjetunion. 1930 17 Bf 800;
uizinga: Herbſt des Mittelalters. Studien über Lebens=
Geiſtesformen des 14. und 15. Jahrhunderts in Frankreich
den Niederlanden. 1930. 5 Bf 210: Franz Mehring: Zur
ßiſchen Geſchichte vom Mittelalter bis Jena. 25 Bd. 143:
benbürgen: Herausgegeben von Karl Bell. (Das
Iſchtum im Ausland.) 1930 95 Bd 195; Paul Bauer: Im
3pf um den Himalaja. 1931. 20 Ca 5: Lola Kreutzberg:
ze, Tänzerinnen und Dämonen. 20 Ca 432; Fridtjof Nan=
Durch den Kaukaſus zur Wolga. 1930 40 Ce 53; Hermann
bele: Indiſche Jagdabenteuer. 1930. 20 Ca 563: Erwin Bälz:
Leben eines deutſchen Arztes im erwachenden Japan.
Tage=
er, Briefe, Berichte, herausgegeben von Toku Bälz. 1931, 5 L.
H. A. Bernatzik: Gari=Gaxi. Der Ruf der afrikaniſchen
Tonis. 1930. 40 Cf 35; Hans Jannaſch: Im Schatten des
us. 24 Jahre in Abeſſinien. 1930. 30 Cf 200: Ilſe von
entzell: Im argentiniſchen Chaco. 30 Cm 365: Martin
ynſon: Mit dem Kurbelkaſten bei den Menſchenfreſſern.
ateuer auf den Neuen Hebriden. Cu 165; Paul Wirz: Bei
liebenswürdigen Wilden in Neuguinea. 175 Cz 115: Arthur
itſcher: Reiſen. 1928. 5 C 127: W. Mann: Volk und Kul=
Lateinamerikas. 1927 70 Bf 130: Leo Frobenius:
Ery=
a. Länder und Zeiten des heiligen Königsmordes. 1931. 155
261; Konrad Guenther: Die Sprache der Natur ſeit der
ſeit unſeres Volkes. (Deutſche Heimatlehre.) 1930. 5 Cz 107;
ian Schmid: Aus der Welt des Tieres. Ein Buch von der
e des Anderen. 1930. 25 Pſ 215: Fr. M. Feldhaus: Die
nik der Antike und des Mittelalters. 1931. 30 C 12: C. H.
log: Hugo Junkers. Ein Leben als Erfinder und Pionier
20 E 163: Paul de Kruif: Bezwinger des Hungers 5 D
tefan Zweig: Die Heilung durch den Geiſt. (Mesmer=
Baker=
h=Freud.) 1931. 1 Pſ 690; H. A. Korff und W. Linden:
iß der deutſchen Literaturgeſchichte nach neueren Geſichtspunk=
1931 5 Kl 15: Evy Fogelberg: Unter Gefangenen und
en. Neue Züge aus Mathilda Wredes Leben. 5 L 8050;
helm Stekel; Briefe an eine Mutter. Teil 1: Kleinkind=
1 Pa 896: Teil 2: Vor und nach den erſten Schuljahren.
7 897; Teil 3: Pubertät und Reifejahre. 1 Pa 898: M. Bir=
=Benner: Eine neue Ernährungslehre. 10 Eo 20: M.
cher=Benner: Früchte, Speiſen und Rohgemüſe. 15 Eo 17.
Tippen oder Blindſchreiben? Unter dieſer Deviſe bringt
Gabelsberger Stenographenverein von 1861 Ballonſchule, in
er heutigen Anzeige ſeine ſchon ſeit vielen Jahren beſtehende
ne Maſchinenſchreibſchule in Erinnerung. Der Einſichtige
e ſich allein dem Zehnfinger=Blindſchreiben zuwenden, das
bedeutende Vorteile bietet. Trotz größter Leiſtungsſteigerung
ie körperliche Ermüdung ganz gering. Kleiner Kraftaufwand,
edingte Griffſicherheit, Mechaniſierung des Schreibvorganges
grundſätzliche Faktoren des Zehnfinger=Blindſchreibens, das
ſer Schule des Vereins durch eine eingehend vorgebildete und
tliche geprüfte Lehrerin geleitet wird. Durch Beſichtigung der
errichtsräume iſt jedem Intereſſenten Gelegenheit, gegeben, ſich
t von dem Wert und den Vorteilen des Zehnfinger=
Blind=
ibens zu überzeugen. Wir verweiſen auf die Anzeige des
eins.
— Oeffentlicher Vortrag. Wie alljährlich, ſo werden auch dieſes
r vom September bis Mai in dem Vortragsſaal Waldſtr. 18,
terhaus, öffentliche Vorträge für jedermann abgehalten. Im
en Teil werden „Die bibliſchen Weisſagungen auf unſere Zeit”
andelt. Näheres ſiehe Inſeratenteil.
— Kurzſchriftkurſe beginnen morgen wieder beim
Gabels=
ger Stenographen=Verein von 1861 in der
Ballon=
e Gerade die Jetztzeit ſtellt allerhöchſte Anforderungen im
ufsleben, und deshalb ſollte heute eigentlich jeder die
Ein=
skurzſchrift beherrſchen, der Anſpruch auf eine gute
Allgemein=
ung legt. Die Kurſe ſtehen unter der Leitung von
ſtaat=
geprüften Lehrkräften. Wer den Wunſch hat, an den
Lehr=
gen teilzunehmen, der ſei auf das heutige Inſerat des
Gabels=
ger Stenographenvereins ausdrücklich hingewieſen.
— Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher
Erkran=
g ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt
ufen. Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am Sonntag.
6. September, folgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit:
med. Bernet. Wittmannſtr. 7 Telephon 2175: Dr. med.
chhold II., Aliceſtr. 19½, Telephon 3208; Dr. med
Leyd=
ker, Heinrichſtr. 23. Telephon 1975.
Es verſehen den Sonntagsdienſt und in der daran ſich an
eßenden Woche den Nachtdienſt vom 5. Sept. bis 12. Sept. die
rch’ſche Apotheke, Rheinſtraße 9, Beſſunger Apotheke,
tmannſtraße 1.
blerunter erſchelnenden Nofizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu berrachten.
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritik.
— Chriſtlicher Verein Junger Männer,
Darm=
dtE. V., Alexanderſtraße 22 (Inf.=Kaſerne) Wir weiſen noch
mal auf den heute Sonntag, abends ſtattfindenden Vortrag
Miſſionar Karl Michel hin. Vom Freiheitskampf im Reich
Mitte” iſt das Thema. Dieſer Kampf des 400=Millionenvolkes
ifte wahrſcheinlich in Zukunft mehr als bisher in die
Weltge=
chte eingreifen. Wird China dem Bolſchewismus in die Arme
iben oder nicht, das iſt eine Frage, die uns ſehr viel angeht.
e ſich der Kommunismus heute ſchon in China auswirkt, dürfte
jeden von Intereſſe ſein, wenn auch darauf noch keine
ab=
ießende Antwort gegeben werden ſoll. Jedermann iſt herzlich
geladen. Eintritt frei.
— Herrngartenkaffee. Sonntag nachmittag ſowie
lich abends: Unterhaltungsmuſik.
— Ludwigshöhe. Sonntag nachmittag, ab 4.00 Uhr:
nzert.
Tageskalender für Sonntag, den 6. September 1931.
eſſ. Landestheater Großes Haus 18.30 Uhr:
Tann=
hauſer. — Kleines Haus: Tönende Marionetten, 16 Uhr
Orpheum. 15.30
„Rumpelſtilzchen” 20 Uhr: Schwänke.
Uhr: „Das tapfere Schneiderlein; 20.30 Uhr: „Der keuſche
Lebemann”, — Konzerte: Zur Oper, Schloßkeller
Sport=
platz=Reſt. am Böllenfalltor Herrngartenkaffee. Datterich,
Schillereck, Hotl=Reſt. Poſt, Bürgerhof. Brauerei Schul. Café
Ganßmann, Rummelbräu; nachm. 16 Uhr: Ludwigshöhe
Kinovorſtellungen: Union=, Helia= und Palaſt=
Licht=
ſpiele. — Feſtgemeinſchaft Darmſtadt 1930/31 11.15
und 20 Uhr, im Saalbau: Jubiläums=Feier 16 Darmſtädter
Geſangvereine — D. B. G.=Eigenhaim=Ausſtellung,
im Fürſtenſaal.
Aus Heſſen.
Dg. Arheilgen, 5. Sept. Evangeliſcher Volkstag. Die
evangeliſchen Vereine unſerer Gemeinde veranſtalten gemeinſam
Sonntag, den 12. September, einen evangeliſchen Volkstag. Der
Tag beginnt vormittags mit einem Feſtgottesdienſt nachmittags
findet in der Täubcheshöhle ein Waldfeſt ſtatt und für den Abend
iſt ein Gemeindeabend vorgeſehen. Namhafte Redner haben ſich zu
allen Veranſtaltungen zur Verfügung geſtellt. Auch haben einige
Nachbargemeinden ihre Teilnahme am Waldfeſt zugeſagt. —
Blu=
mentag. Als Abſchluß der Sammelwoche führt der Ortsausſchuß
für Arbeiterwohlfahrt am Sonntag, den 6. September, hier einen
Blumentag durch. Für dieſe gute Sache haben ſich zahlreiche
Hel=
ferinnen und Helfer zur Verfügung geſtellt, die den Einwohnern
ihre Blumen anbieten werden. Die Sammlung erfolgt mit
Sam=
melbüchſen. — Ausden Vereinen. Am Sonntag, den 6.
Sep=
tember, findet auf dem Tannenberg bei Seeheim ein Singetreffen
der evang. Jugendbünde, unter Leitung von Landesjugendpfarrer
von der Au. ſtatt. An dieſem Singetreffen beteiligen ſich auch die
hieſigen evang. Jugendbünde. Der Jünglingsverein fährt
vormit=
tags 7 Uhr per Fahrrad, die übrigen Vereine mittags 12.45 mit
dem Rade vom Gemeindehaus oder 1.02 Uhr mit der Main=Neckar=
Bahn. Tagesverpflegung iſt mitzunehmen. Zu dem Singetreffen
iſt auch die nichtorganiſierte Jugend eingeladen. — Die 1.
Hand=
ballmannſchaft der Sportvereinigung 04 Arheilgen
emp=
fängt am Sonntag nachmittag auf dem Sportplatz am Arheilger
Mühlchen die gleiche Mannſchaft von Polizei Worms zum
Ver=
bandsſpiel, während vorher die 2. Mannſchaft gegen Merck
Darm=
ſtadt ſpielt. 1 und 2. Fußballmannſchaft begeben ſich zum fälligen
Verbandsſpiel nach Egelsbach, und 1. und 2. Jugendmannſchaft
ſpielen vormittags hier gegen Sportverein 98 Darmſtadt bzw.
Polizei Darmſtadt. — Turnverein (D.T.). Am Sonntag
fin=
der die Schmuck=Gedächtniswanderung des Main=Rhein=Gaues nach
dem Frankenſteine ſtatt. Der hieſige Turnverein hat von einer
geſchloſſenen Beteiligung an dieſer Wanderung abgeſehen und
überläßt es den Mitgliedern. die Wanderung zu unternehmen. Die
1. und 2. Handballmannſchaft ſetzen die Pflichtſpiele fort und
ſpie=
len nachmittags in Langen gegen „Vorwärts”. Abfahrt um 1 Uhr
von der Turnhalle. — Arbeiterturn= und Sportverein.
Die einzelnen Abteilungen des Vereins ſind am Sonntag ſehr aktiv
tätig. Die Leichtathleten nehmen zahlreich an den
Kreismeiſter=
ſchaften in Offenbach teil, und die Waſſerſportler unternehmen eine
Wanderung in den Odenwald, die 2. Handballmannſchaft empfängt
auf dem Sportplatz Im Elſee” die gleiche Mannſchaft von
Gries=
heim, während, die Handballjugend vormittags hier ſpielt. Die
Fußballabteilung ſtellt 4 Mannſchaften ins Feld. 1. und 2.
Mann=
ſchaft begeben ſich nachmittags nach Sprendlingen, die 3.
Mann=
ſchaft hat die 2 Mannſchaft von Stockſtadt als Gaſt, und die
Schü=
lermannſchaft ſpielt vormittags in Sprendlingen.
Cp. Pfungſtadt, 5. Sept. Die Schweinezählung am 1. d. M.
ſtellte hier einen Schweinebeſtand von 1912 Stück (gegen 1730 Schweine
am 1. Juni) feſt. Unter den gezählten Tieren befanden ſich 4
Zucht=
eber und 98 Zuchtſauen. — Während der in Darmſtadt Mitte des
Mo=
nats tagenden Verſammlung der Deutſchen Landwirtſchaftsgeſellſchaft
kommt ein Teil der Teilnehmer auf einer Beſichtigungsfahrt
durch das Ried von Crumſtadt, Biebesheim und Gernsheim auch nach
hier, um die einheimiſche Viehzucht (Rinder und Ziegen) kennen zu
lernen.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 5 Sept. Obſt= u. Gartenbauverein.
Dieſer Tage werden die Anmeldebogen für die am 27. d. M.
ſtatt=
findende Obſtausſtellung ausgetragen. Die Vordrucke ſind
ſorgfäl=
tig ausgefüllt bis ſpäteſtens 20. d. M. an den Vereinsvorſitzenden
zurückzugeben. Soweit irgend möglich, ſind die Namen der
auszu=
ſtellenden Obſtſorten auf den Anmeldebogen anzugeben. Wer die
vorgeſchriebenen Gruppen in Aepfel und Birnen nicht
zuſammen=
bringt, kann trotzdem ausſtellen, und zwar in der Abteilung
Ein=
zelſorten. Es ſollte jedermann von der Möglichkeit, ſein
ſelbſtge=
züchtetes Obſt auszuſtellen, Gebrauch machen, da nur hierdurch eine
nutzbringende Abſatzmöglichkeit gewährleiſtet iſt. — Auch in dieſem
Jahre werden durch Vermittlung der Landwirtſchaftskammer
wie=
der Obſtbäume gemeinſam durch den Verein bezogen. Die
Beſtell=
liſte zirkuliert gegenwärtig. — Spar= und
Darlehnskaſſe=
verein. Die Geſchäfte durch den neuen Rechner Spies werden
vorausſichtlich zu Ende des Monats übernommen. Kaſſegeſchäfte
werden zunächſt noch vertretungsweiſe an den beiden Wochentagen
Dienstags und Freitags, abends von 6—7.30 Uhr, getätigt.
Da=
gegen iſt der Warenverkehr wieder in vollem Umfang eröffnet und
auf eine ganz andere Baſis geſtellt, wodurch eine weſentliche
Preisverbilligung eingetreten iſt.
Cg. Reinheim, 5. Sept. Selbſthilfe. Durch die endloſen und
zum Teil außerordentlich heftigen Regenfälle der letzten Zeit ſind die
Feldwege zum Teil in einem faſt unbefahrbaren Zuſtand. Da der
Ge=
meinde keine Mittel zu ihrer Wiederherſtellung zur Verfügung ſtehen,
fordert die hieſige Bürgermeiſterei in einer öffenlichen Bekanntmachung
zur Selbſthilfe auf. Die Fuhrwerksbeſitzer werden erſucht, mit ihren
Geſpannen Schottermaterial, das von der Steinſchleiferei zur Verfügung
geſtellt worden iſt anzufahren, während die von der Gemeinde
unter=
ſtützten arbeitsfähigen Wohlfahrtserwerbsloſen die Ausbeſſerung der
ſchadhaften Stellen vornehmen ſollen. Wer ſich dieſer im
Allgemein=
intereſſe liegenden Pflicht entzieht, hat nicht das Recht der Kritik über
den ſchlechten Zuſtand der Wege bezw. geht ſeiner Unterſtützung
ver=
luſtig.
Cs. Ueberau, 5. Sept. Kirchweihe. Am Sonntag, den 6. d. M.,
finde die diesjährige Kirchweihe ſtatt. Man hat dieſelbe auf Erſuchen
der intereſſierten Geſchäftsleute acht Tage früher gelegt als in früheren
Jahren, wo Reinheim und Ueberau zuſammen Kirchweihe hielten. Da
die beiden Orte faſt beiſammen liegen, iſt es aus geſchäftlichen
Rückſich=
ten beſſer, wie es jetzt eingerichtet iſt. — Dieſer Tage fand im Gaſthaus
„Zur Krone” bei Philipp Röder eine nationalſozialiſtiſche
Verſammlung ſtatt, in welcher Herr Neumann das Referat
über=
nommen hatte. Obwohl die Verſammlung im Lokal ganz reibungslos
und glatt verlief, kam es vor demſelben zu einer Auseinanderſetzung
zwi=
ſchen Polizei und Ziviliſten, wobei die Polizei zum Gummiknüppel griff
und die Straße von den Paſſanten frei machte.
Ai. Vielbrunn, 4. Sept. Der durch die
Wolkenbruchkata=
ſtrophe am Montag hier entſtandene Schaden hat ſich nunmehr als
weit größer herausgeſtellt, wie anfangs zu überſehen war. Der Schaden
an den Gemeindewegen wird auf 2—3000 Mark veranſchlagt; auch hat
die Provinz für Wiederinſtandſetzung der Provinzialſtraße beträchtliche
Aufwendungen zu machen. Im Keller des Gaſthauſes Zur ſchönen
Ausſicht” hat das einſtrömende Waſſer Weinfäſſer, Kiſten, Flaſchen uſw.
drunter und drüber geſtürzt und im Keller umhergetrieben; der Schaden
beläuft ſich auf annähernd 300 Mk. Der Weg zum Sägewerk Hammann,
zur Ziegelhütte und zum Friedhof iſt mit Schutt verſperrt und
aufge=
riſſen. Raine und Böſchungsmauern ſind eingerutſcht. Im Wieſengrund
Moosgraben wurde ein mehrere hundert Meter langer, zirka 3 Meter
breiter, ſtellenweiſe über 2 Meter tiefer Graben geriſſen, über 1000 Kbm.
Erdreich ſind verſchwunden, Steine bis zu einem halben Kbm. waren
ein Spiel der Strömung. Die Wieſenbeſitzer haben hierdurch viel
Wie=
ſenfläche verloren; auch ſind ihre Wieſen jetzt in zwei Teile geteilt, und
iſt ohne Brücken oder Stege nicht von einem Teil zum anderen zu
kom=
men. Der bis auf die Felſen aufgeriſſene Graben wird wohl nie mehr
ſo ausgefüllt werden können, daß der vorherige Zuſtand wieder erreicht
wird. Weiter unten im Geierstal hatte der Strom eine Breite bis zu
2 Metern erreicht. Viele Morgen Ohmetgras in der Talfohle iſt glatt
auf den Boden gepreßt, wie es keine Walze fertiggebracht hätte. An ein
Mähen iſt nicht zu denken, auch wäre das Futter unbrauchbar, da es von
Sand, Erde, Holz, Steinen uſw. bedeckt iſt, auch immer noch Waſſer
dar=
über läuft, da es immer wieder von neuem regnet.
—
Seite 7
Unerlaubter politiſcher Aufzug. — Schwerer Landfriedensbruch. —
Preſſevergehen.
Es war am 26. April ds. Js., als Paſſanten auf einer Wieſe zwiſchen
Mainz=Weiſenau uc d Laubenheim einen Trupp von ca. 20 männlichen
Perſonen bemerkten, die dort militäriſche Uebungen vornahmen. Die
Polizei wurde verſtändigt, die feſtſtellte, daß es ſich um Kommuniſten
aus Mainz=Weiſenau handelte, die dort unter Leitung des 43jährigen
Schiffers Jak Veith aus Mainz=Weiſenau exerzierten. Der V.
ſo=
wohl als auch der anweſende Führer der Kommuniſten, der 27jährige
Schloſſer Guido Guſtav Kießling aus Mainz=Weiſenau wurden
die=
ſerhalb, entſprechend der Notverordnung, eines unerlaubten politiſchen
Aufzuges angeklagt.
Als am 7. Juni ds. Js. die Mainzer Stahlhelmgruppe mit mehreren
Laſtautos einen Ausflug nach Nierſtein unvernahm, wurde ſie in Mainz=
Weiſenau von den Kommuniſten mit einem Steinhagel empfangen.
Un=
gefähr 15 Stahlhelmer wurden getroffen und einige nicht unerheblich
verletzt. Als Rädelsführer und Steinwerfer konnte nur der obengenannte
Kießling erkannt und des ſchweren Landfriedensbruches angeklagt
wer=
den. Er beſtritt die Anklage und behauptete, daß gerade er es geweſen
ſei, der die Kommuniſten von dem Werfen mit Steinen abzuhalten
ver=
ſucht habe.
Eine weitere Anklage richtete ſich gegen Kießling wegen
Preſſever=
gehens. Er ſoll die Nummer 32 der zurzeit verbotenen kommuniſtiſchen
Zeitſchriften „Klaſſenkampf” und „Nöhrbrunnen” am 19. Juni ds. Js.
herausgegeben haben und dabei unrichtigerweiſe als verantwortlichen
Schriftleiter den kürzlich beſtraften Kommuniſten Fückel auf den
Zeit=
ſchriften bezeichnet haben, obwohl dieſer um dieſe Zeit inhaftiert war.
Der Fückel erklärte aber geſtern unter Eid, daß er dem K. Vollmacht zu
ſeiner Vertretung gegeben habe. — Nach längerer Verhandlung
bean=
tragte Staatsanwalt Dr. Lang gegen den K. wegen ſchweren
Land=
friedensbruches und unerlaubten politiſchen Aufzuges eine Geſamtſtrafe
von 1 Jahr 3 Monaten und gegen den Veith wegen unerlaubten
politi=
ſchen Aufzugs 4 Monate Gefängnis. Das Gericht verurteilte den K.
nur wegen ſchweren Landfriedensbruchs zu 6 Monaten Gefängnis und
ſprach ihn wegen der übrigen Anklagen frei. Der V. erhielt wegen
unerlaubten politiſchen Aufzuges 3 Monate Gefängnis.
b. Erbach, 5. Sept. Geburtstag. Seine Erlaucht der Graf
Konrad zu Erbach=Erbach begeht am Dienstag, den 8. d. M., ſeinen
50. Geburtstag. Wir halten es für unſere Pflicht, dieſes Mannes
aus dem genannten Anlaß zu gedenken. Er übernahm die
Graf=
ſchaft und mit ihr eine ungeheure Verantwortung nach dem Tode
ſeines Vetters, des Grafen Erasmus zu Erbach=Erbach, der am
10. Februar 1920 geſtorben iſt. Immer und immer wieder hat es
Graf Konrad während der Notjahre, die hinter uns liegen;
ver=
ſtanden, zu beweiſen, daß er für die Not weiteſter Schichten
größ=
tes Verſtändnis hat. Groß iſt die Zahl derer, die immer
be=
reitwillig bei ihm Unterſtützung fanden. Der Oeffentlichkeit,
insbeſondere unſerem Heimatſtädtchen Erbach, widmete er ſtets
größtes Intereſſe. Die Gräfliche Kleinkinderſchule, die früher aus
einer Stiftung unterhalten wurde, unterhält heute Graf Konrad,
da die Mittel der Stiftung der Inflation zum Opfer fielen, aus
eigenen Mitteln, ebenſo das Luiſen= und Erasmus=Stift, das als
Altersheim den betreffenden Gemeinden bedeutende Laſten
ab=
nimmt. Zur Beſoldung der zweiten evangeliſchen Pfarrſtelle in
Erbach leiſtet der Graf einen erheblichen Beitrag. Die ſtädtiſche
Feſthalle „Unter den Linden” im ſtädtiſchen Sport= und
Erholungs=
park wurde ſeinerzeit aus Mitteln des Grafenhauſes errichtet.
Auch das Alexanderbad des Erbacher Schwimmklubs iſt eine
Stif=
tung des Grafen. Die Verkehrsverbeſſerung die ſeinerzeit die
Odenwaldkraftwagenverkehrs A.=G. unzweifelhaft für unſer Gebiet
brachte, und die uns heute unter der Reichspoſt erhalten iſt, iſt
zum großen Teile dem Grafen Konrad zu danken. Wiederum
war es Graf Konrad, der im Intereſſe der heimiſchen
Arbeiter=
ſchaft beiſprang, als der größte Erbacher Betrieb
zuſammenzubre=
chen drohte. Mit großen Opfern half er die Firma Tuchfabrik G.
W. Kumpf A.=G. ins Leben rufen. Auch der Elfenbeinſchnitzerei,
die ihm als Vermächtnis des großen Grafen Franz beſonders am
Herzen liegt, hat er über ſchwerſte Notzeit geholfen (Veebi). Daß
er jährlich an 70—80 Erbacher Witwen und Waiſen je einen
Raum=
meter Brennholz unentgeltlich verteilt, hat ihm in den Kreiſen
der Aermſten größte Sympathie gebracht. Es wäre eine
Undank=
barkeit, wollte man nicht gerade in der heutigen Zeit größten
Egoismus derartige wahre chriſtliche Geſinnung verratende
Hand=
lungsweiſe gebührend würdigen. Erbacher Vereine in
grö=
ßerer Zahl werden es ſich nicht nehmen laſſen, in einer abendlichen
Kundgebung den Dank der Bevölkerung zum Ausdruck zu bringen.
Dk. Wald=Michelbach, 5. Sept. Tödlicher Unglücksfall.
In der Nähe des Mengelbacher Klopfwerkes, Gemarkung Wald=
Michelbach, ereignete ſich geſtern morgen um 6 Uhr ein
bedauer=
licher Unglücksfall, dem ein junges Menſchenleben zum Opfer fiel.
Der 15jährige Hans Stein. Sohn des Nikolaus Johann Stein=
Siedelsbrunn, ſollte als Bremſer auf dem Anhänger eines
Trak=
toren, beladen mit Steinen, mit nach Mannheim fahren. Kurz
nach der Abfahrt, an einer abſchüſſigen Stelle der Straße, fiel dem
Fahrer auf, daß die Bremſen des Anhängers nicht funktionierten.
Er hielt an und merkte, daß der Bremſer fehlte. Da lief der
Fah=
rer zurück und fand den jungen Stein ungefähr 30 Meter vor der
Abfahrtsſtelle tot auf der Straße liegen. Man nimmt an, daß der
junge Mann kurz nach Abfahrt noch einmal ab= oder aufſpringen
wollte, dabei brach das Trittbrett, und er wurde von dem
Anhän=
ger überfahren. Der junge Stein war ſehr muſikaliſch und war
neben ſeinem Beruf nach Schüler der Mannheimer Muſikhochſchule.
Schon als Volksſchüler wirkte er bei Konzerten mit. Den
ſchwerge=
prüften Eltern wendet ſich große Teilnahme zu. —
Getreide=
ernteſchäden. In der hieſigen Gemarkung wurden in dieſem
Jahre ungefähr 990 Morgen Roggen, 20 Morgen Weizen, 24
Mor=
gen Sommergerſte und 592 Morgen Hafer angepflanzt. Nach einer
Feſtſtellung waren dapon 10 Morgen Roggen, 5 Morgen Weizen,
13 Morgen Gerſte und 586 Morgen Hafer bis zum 26. Auguſt noch
nicht eingebracht. Der Hafer hat durch die Näſſe am meiſten
ge=
litten. Schätzungsweiſe handelt es ſich um etwa 3070 Dz. Getreide,
die in der hieſigen Gemarkung durch die ſchlechte Witterung
be=
ſchädigt und vernichtet wurden. —
Schweinezwiſchenzäh=
lung. Am 1. September wurden hier 609 Schweine gezählt (1930
— 530).
m. Beerfelden, 5. Sept. Verſchiedenes. Der hieſige
Steno=
graphenverein rüſtet ſich zu dem am 17. und 18. Oktober ds. Js. hier
ſtattfindenden 15. Gautag des Odenwaldgaues „Gabelsberger‟. Dieſe
Tagung hat für den Gau und den hieſigen Verein beſondere Bedeutung,
denn mit derſelben iſt verbunden das 20jährige Beſtehen des Gaues, und
Beerfelden iſt gleichſam ſeine Wiege; denn hier fand die Gründung am
23. Juli 1911 ſtatt. Die Bedeutung, welche der Kurzſchrift im heutigen
Wirtſchafts= und Amtsleben zukommt, macht es allen Erziehungsfaktoren
zur Pflicht, ihre Zöglinge, ob ſchulpflichtig, ob ſchulentlaſſen, zur
Erler=
nung und Uebung der Kurzſchrift anzuhalten. Damit auch von hier die
Beteiligung an dem mit der Tagung verbundenen Preisſchreiben recht
lebhaft werde, finden entſprechende Uebungsſtunden ſtatt. — Die
Frei=
willige Feuerwehr hält an einem der nächſten Abende eine Alarmübung
auch für die Hilfsmannſchaften ab; zu letzteren zählen alle männlichen
Einwohner im Alter von 18 bis 35 Jahren. — Kommenden Montag iſt
hier wieder Vieh=, Schweine= und Ferkelmarkt, die Auftriebszeit beginnt
um 8.30 Uhr.
— Hirſchhorn, 5. Sept. Waſſerſtand des Neckars, am
Pegel am 4. September 1,90 Meter, am 5. September 1,89 Meter.
Cinn
Seine freunde.
daher süchst täglich
die Zahl derer, die da
freudig rauchen
die Eigarette
mdiß, „ace
Tas.
[ ← ][ ][ → ]Seite 8
Sonntag, den 6. September 1931
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dingung vergeben werden. Die Ar
die Mengen der einzelnen Nahr
mittel und Bedarfsgegenſtände (Kol
waren, Fleiſch= und Wurſtwaren.
und Backwaren, Fiſche, Käſe, Butte
Eier) ſind aus dem in dem Amisgel
Zimmer 39 erhältlichen Angebotsf.
lar erſichtlich. Dort ſind auch die b
Angebotsabgabe anzuerkennenden
rungsbedingungen einzuſehen. Die
gebote, getrennt von den Muſtern
vis zum 12. September 1931, vorm
10 Uhr, in verſchloſſenem Briefum
und mit entſprechender Aufſchrift
ſehen, bei dem Wohlfahrts= und Ju
amt, Zimmer 39, einzureichen. Di
nehmigung der Vergebung ſowie die
wahl unter den Anbietenden bleibt
Herrn Oberbürgermeiſter vorbeh
Darmſtadt, den 4. September
Städt. Wohlfahrts= und Jugen
(St 12901
Tchr
Die Lieferung von Milch fü
Kinderſpeiſung und für die Wohlfa
Unterſtützungsempfänger der allgem
Fürſorge (täglich etwa 1000 Liter
für Oftober 1931 bis Ende März
auf dem Wege der Verdingung ver
werden. Angebote können für den
ſamtbedarf und auch für Teilme
für den ganzen Stadtbezirk und aue
Straßenzüge oder Teilbezirke einge
werden. Die in dem Angebot an
kennenden Lieferungsbedingungen I
vom 7.—11. 9. 31 auf Zimmer 73
Amtsgebäudes, Steubenplatz 13,
mittags zwiſchen 8 und 12 Uhr
Dort ſind auch die Angebote alsba
verſchloſſenemUlmſchlag mit entſpreche
Aufſchrift abzugeben. Nach dem 12.
vormitt. 12 Uhr, einlaufende Ang
können nicht mehr berückſichtigt we
Die Auswahl unter den Anbiete
und die Vergebung bleibt dem 4
bürgermeiſter vorbehalten. (St.1
Städt. Wohlfahrts= und Jugend
Für die Provinzial-Pflegeanf
Eberſtadt a. d.5.
ſollen die nachſtehend aufgeführten
genſtände für die Zeit vom 1. Oft
1931 bis 31. März 1932 vergeben wer
a) Verzehrungsgegenſtände: Kolot
waren, Margarine, Kochſalz. Kg
Erſatz (Enrilo), Roggenmehl,
zenmehl (Spezial 0), Milch, S
ol. Eſſig.
b) Verbrauchsgegenſtände: Kernſei
Schmierſeife, Seifenpulver,
Putzlumpen, Leder, Rauchtabak,
garren, Strickwolle.
Die in dem Angebot anzuerkenne
Lieferungsbedingungen liegen an
September 1931 auf dem Verwaltu
büro offen, woſelbſt auch die unge
ren Mengen zu erfahren ſind. A
bote und Muſter ſind bis zum E
nungstermin, den 16. September
vormittags 8 Uhr, einzureichen.
Ein Verſand der Bedingungen
auswärts erfolgt nicht. Von jeder
tung darf nur ein Muſter angel
werden. Muſter ſind von den A
boten getrennt zu halten.
Eberſtadt, den 6. September 19
Direktion der Provinzial=Pflegean
Faſelbullen-Berkanf
Die Gemeinde Nieder=Ramſtadt
kauft einen überzähligen, zur Zuchk
tauglichen, gut genährten, erſt 2jähr
Faſelbullen
öffentlich meiſtbietend am Diens
den 8. Sept. I. Js., vormittags 11½
im Rathaushof zu Nieder=Ramſtad.
Nieder=Ramſtadt, 2. September
Heſſiſche Bürgermeiſterei.
Jährling.
immer 247
Sonntag, den 6. September 1931
Seite 9
OM
I
Statt Karten.
MAUA BESIER
KARL. REICHERT
Verlobte
Darmstadt, den 6. September 1931
Heidelbergerstr. 8 Gutenbergstr. 39
(12877
Als Verlobte grüßen
Käthe Müller
Jakob Cezanne
Darmstadt Klein-Gerau
Gutenbergstr. 35
6. September 1931.
Liesel Jährling
Otto Weimar
Verlobte
Darmstadt, den 6. September 1931
bfrauenstr. 103
Gervinusstr. 41
FUR DIEUNS ANLASSLICH
UNSERER VERMAHLUNG
ERWIESENEN AUFMERK-
SAMKEITEN DANKEN VER-
BINDLICHST
ANDREAS WASSNER
UND FRAU
(12307
hre Vermählung beehren ſich anzuzeigen
Hans Neff
Alexandra Neff.
geb. Schmidt
mſſadt, den 5. Sept. 1931
Lauteſchlägerſtr. 46
Läntjagung.
(Statt Karten.)
Da es uns unmöglich iſt, für
die unzähligen Blumenſpenden,
Beileidsbezeugungen und allen,
die unſerer lieben Entſchlafenen
die letzte Ehre erwieſen, jedem
einzeln zu danken, bitten wir,
auf dieſem Wege unſeren
herz=
innigſten Dank entgegenzunehmen.
Andreas Kaiſer n. Kinder.
Zur
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ſomit zu ſämtl. Krankenkaffen
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folgte auch das der Leber, ja selbst die
bedenk-
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Herz-
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daß nunmehr ein allgemeines Wohlbefinden
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Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder,
Schwager und Onkel
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im 71. Lebensjahr.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Roſa Dexheimer Bwe.
Karlſtr. 12.
Darmſiadt, den 5. September 1931.
Die Beerdigung ſindet am Dienstag, den 8. Sepiember,
nachmittags 3 Uhr, auf dem Waldfriedhof ſkatt.
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(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Heute morgen 4.30 Uhr verſchied nach kurzem ſchweren
Leiden ſanft im 85, Lebensjahr mein lieber Mann,
unſer guter Vater, Schwiegervater Großvater und
Urgroßvater
Johannes Schmidt III.
Butterhändler, Altveteran.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Eliſabethe Schmidt Wwe.
Adam Schmidt V. u. Familie
Philipp Schmidt II. u. Familie.
(12946
Ober=Modau, den 5. September 1931.
Die Beerdigung findet Montag, den 7. September,
nachmittags 3 Uhr ſtatt.
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Dankſagung.
Für die herzliche Anteilnahme und reichen
Blumenſpenden bei dem Heimgang unſerer
lieben Entſchlafenen ſagen wir innigen Dank.
Beſonderen Dank Herrn Pfarrer Weiß für die
froſtreichen Worte am Grabe.
Die trauernden Hinteibliebenen:
Geoxg Heicn.
Darmſtadt, den 6. September 1931.
Sandbergſtr. 37.
ZuschneideEnd
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Neuanfertigen. Umrändern. Gründl.
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Seite 10
Sonntag, den 6. September 1931
Nummer 247
Die erste Nededlage
eines nie bestegten Feldherrn!
Zur Erinnerung an die Schlacht bei Breitenleld vor 300 Jahren am 7. 117.) September 1631.
Aus unſerer Jugend Tagen haftet in der Erinnerung das
Gedicht über die Schlacht bei Breitenfeld am 17. September 1631
— vor dreihundert Jahren —, die zum Wendepunkt in der
glän=
zenden Feldherrn=Laufbahn Tillys wurde.
„Wer iſt der dort vor dem Lager,
Jenes ſteinerne Geſicht,
Jener Reiter, hoch und hager?
Was? Du kennſt den Tilly nicht?
Auf dem Hut die rote Feder
Giebt ihm rechten Teufelsſchein,
Durch ſein Wams von Elenleder
Drang noch keine Kugel ein!”
So ſchildert ihn der Dichter! Auch von Tilly gilt das
Wort, das von ſeinem großen Zeitgenoſſen, Mitkämpfer und
intriguenreichen Rivalen, einſt Schiller in ſeinem Prolog zu
„Wallenſteins Lager” geprägt hat:
„Von der Parteien Gunſt und Haß verwirrt
Schwankt ſein Charakterbild in der Geſchichte.”
Wir wollen nicht das „Für” und „Wider” einer Betrachtung
unterziehen, ſondern ausſchließlich den Soldaten und Feldherrn
Tilly würdigen. Bis zur Schlacht bei Breitenfeld iſt ſein
Sol=
datenſchickſal vom Glück begünſtigt wie ſelten eines. Noch am
Tage vor der Schlacht hatte Tilly, der ſonſt ſo Beſcheidene, in
einer durchaus verſtändlichen Anwandlung ſeines
Feldherrn=
ſtolzes zur Beruhigung ſeiner Umgebung darauf hingewieſen,
daß er noch nie ein Treffen verloren habe.
Die Spannung und Unruhe in ſeinem Stabe war erklärlich,
denn es galt dem erſten Kampfe mit dem Schwedenkönig Guſtav
Adolf. Auch Guſtav Adolf ſah der großen Entſcheidung, wie wir
wiſſen, mit einer gewiſſen Erregung entgegen.
Ein alter Hiſtoriker berichtet: „Nun ſollte ein Tag zwiſchen
dem alten, noch nie beſiegten Feldherrn und dem königlichen
Helden entſcheiden. Dieſer, erkennend, daß er durch eine große
Tat erſt das Vertrauen zu ſeinem Geiſte und Glücke in
Deutſch=
land erwecken müſſe, fühlte die Wichtigkeit dieſes Tages und
zauderte; es ſchien ihm noch immer zu gewagt, das ganze
Schick=
ſal des Krieges auf eine einzige Schlacht ankommen zu laſſen;
denn, verlor er ſie, ſo war ſeines Bleibens diesſeits des Meeres
nicht mehr, und das Verderben der Churfürſten von Sachſen und
Brandenburg, ja der ganzen proteſtantiſchen Kirche in Teutſchland
ſchien gewiß zu ſein.”
Beiden Feldherren war alſo bewußt, daß es ſich um eine
Entſcheidungsſchlacht, um einen Markſtein in der Weltgeſchichte
handelte.
So zog der bedeutungsvolle 17. September 1631 herauf.
Auf ſeiten des Schwedenkönigs fochten 16 000 Sachſen, die
ihm der Kurfürſt Johann Georg zugeführt hatte.
Unter Tilly befehligte der berühmte Reiterführer Gottfried
Graf zu Pappenheim. Pappenheim liebte den alten Tilly nicht.
Er hätte lieber Wallenſtein an der Spitze des Heeres geſehen.
Gegen den ausdrücklichen Befehl Tillys ließ ſich Pappenheim
mit den Schweden in ein großes Kavallerie=Gefecht ein, das eine
bedenkliche Wendung zu ungunſten des allzu ſtürmiſchen
Reiter=
führers nahm. Ueber dieſen ungünſtigen Verlauf des gegen
ſeinen Willen herbeigeführten Reiterkampfes war der alte
er=
fahrene Tilly derart erregt, daß er zornig inmitten ſeines Stabes
ausrief: „Dieſer Menſch bringt mich noch um Ehre und
Repu=
tation, und den Kaiſer um Land und Leute.”
Pappenheims Küraſſiere, der Kern des Heeres, wurden von
den Schweden geworfen und erſchienen in Unordnung und hart
bedrängt vor der Front der Tillyſchen Armee, die ſie aufnahm.
Das war das Vorſpiel zu der Schlacht bei Breitenfeld.
Tilly führte 36 000 Mann, das Heer Guſtav Adolfs war
39 000 Mann ſtark. Die ſchwediſchen Truppen beſaßen die
Er=
fahrungen aus acht Feldzügen gegen Dänen, Ruſſen und Polen.
Aber auch Tillys Heer beſtand in der Hauptſache aus
ſchlacht=
erprobten Veteranen.
Wie zweihundert Jahre ſpäter ſich die Taktik Napoleons der
einſt ſo gefeierten friderizianiſchen überlegen zeigen ſollte, ſo
ge=
ſchah es auch an dieſem denkwürdigen Tage. Der Schwedenkönig
hatte ſein Heer in einer Taktik ausgebildet, vor der die ſtarre,
ſpaniſche Fechtart erblaſſen ſollte: das war das Ergebnis und die
Lehre dieſes Tages, der mit ſtechender Sonne und ſcharfem Wind
über das Blachfeld von Leipzig heraufzog.
Tilly hatte die Maſſe ſeiner Infanterie auf den rechten
Flü=
gel geſchoben. Hier ſtand ſie in vier quadratiſchen ſpaniſchen
„Tertios” in einem Treffen aufmarſchiert und rückte, von dem
Kavallerie=Korps Fürſtenberg begleitet und 20 ſchweren
Ge=
ſchützen unterſtützt, gegen die Sachſen. Tillys linker Flügel, das
Kavallerie=Korps Pappenheim und ein Viereck Infanterie wandte
ſich gegen die Schweden. Pappenheim zog ſich links um den
rech=
ten Flügel Guſtav Adolfs herum, wurde aber alsbald von dem
rechts herausmarſchierenden zweiten Treffen des Generals
Ban=
ner empfangen. Die Schlacht entbrannte auf beiden Flügeln
zugleich. Als Pappenheim ſeine aufgeſchloſſenen Regimenter
von zwei Seiten zur Attacke vorführte, um die Schweden
um=
zureiten, ſchien ihm der Erfolg gewiß. Da traten plötzlich aus
den Zwiſchenräumen der ſchwediſchen Reiter, die dem Feinde
langſam entgegengingen, Musketiere hervor und empfingen
Pap=
penheims Küraſſiere mit heftigem Feuer, das den Anritt der
tiefgegliederten Schwadronen brach. Ehe die ſtutzende Maſſe ſich
geordnet hatte, fiel die ſchwediſche Kavallerie in vollem
Roſſes=
lauf über ſie her und warf ſie über den Haufen.
Vergebens ſuchte der tapfere Pappenheim ſeine erſchütterten
Regimenter nochmals vorzuführen. Sie ordneten ſich außerhalb
ds Feuergürtels, verweigerten aber den Ritt in die Hölle des
ſchwediſchen Musketenfeuers und ließen dadurch den Schweden
Zeit und Raum, ihre ganze Stärke gegen den Stoßflügel Tillys
zu vereinigen.
Tilly ſelbſt war mit ſeinem ſtarken rechten Flügel, den vier
ſpaniſchen „Tertios” und dem Kavallerie=Korps Fürſtenberg und
20 ſchweren Geſchützen gegen die Sachſen vorgerückt. Die
ſpani=
ſchen Brigaden traten alles nieder und fegten den Feind vom
Schlachtfeld. Weit ſtießen die ſiegreichen Truppen, von der
Ver=
folgung hingeriſſen, den fliehenden Sachſen nach. Das ward
ihnen zum Verhängnis. In dieſem gefährlichen Augenblick
er=
folgte Guſtav Adolfs gewaltiger Stoß in Tillys offene Flanke.
Guſtav Adolfs Artillerie, eine mächtige, im Zentrum aufgeſtellte
Batterie von 70 Geſchützen, wendete die Rohre mit unerhörter
Geſchwindigkeit gegen den Feind, und ſchoß in die gedrängt
ſtehenden, von Musketieren flankierten, von Picken und Fahnen
überragten letzten ſpaniſchen Vierecke.
Alles, was auf ſchwediſcher Seite noch unberührt ſtand,
ſchwenkte auf des Königs Befehl links und ſtemmte ſich als
Ab=
wehrflanke feſt. Als das Kavallerie=Korps Fürſtenberg gegen die
Schweden anritt, ereilte es das Schickſal der Pappenheimer. Auch
die kaiſerliche Reiterei des rechten Flügels erlag der neuen
Feuertaktik und dem Anprall, der ſchwediſchen Schwadronen;
unter ſchweren Verluſten verſchwand ſie vom Schlachtfeld.
Tillys tapfere ſpaniſche Tertios ſtanden verlaſſen; ſeine alte,
in zahlloſen Schlachten geſtählte Infanterie focht, von den
be=
weglichen Feinden von allen Seiten angefallen, einen
Ver=
zweiflungskampf. Von Kartätſchen zerſchlagen, von
Musketen=
feuer gelichtet, von der Kavallerie in der Flanke gepackt, erlagen
dieſe alten Veteranen auf offenem Felde dem militäriſchen Geiſte
einer neuen Zeit.
Die Niederlage war vernichtend. Tilly focht, trotz ſeiner
71 Jahre, wie ein Raſender. Seine alten, erprobten Krieger
deckten ihn mit Schwert und Leib. Ein ſchwediſcher Rittmeiſter
vom Regiment „Rheingraf”, wegen ſeiner Größe der „lange
Fritz” genannt, ſuchte Tilly um jeden Preis lebendig zu fangen;
er ergriff den alten Feldherrn bei den Kleidern und verſetzte ihm
mit dem Piſtolenkolben Schlag für Schlag auf den Kopf. Schon
war Tilly nahe daran, ſich zu ergeben, als Herzog Max von
Lauenburg die Gefahr bemerkte und den „langen Fritz” vom
Pferde ſchoß. Tillys Stabwache ſtarb tapfer am Rande eines
Wäldchens, dem Feldherrn die Flucht deckend: Tilly ſelbſt wandte
ſich nach Halle, mit ihm der Herzog von Lauenburg und der
General Fürſtenberg, deſſen Kavallerie=Korps völlig zerſprengt
war. Der ſchlachterprobte Pappenheim blieb als der letzte auf
dem Platze, um zu ſammeln und zu retten, was noch zu retten
war. Er hatte — nach einer alten Erzählung — vierzehn Feinde
mit eigener Hand erſchlagen. Erſt am anderen Morgen, im
hellen Sonnenſchein, zog er mit ſeinen Reitern ab. Die
kaiſer=
liche Armee verlor 12000 Mann auf dem Schlachtfeld und 7000
Gefangene. Der Sieg des Schwedenkönigs war vollſtändig.
Da=
bei hatte Tilly faſt ſeine ſämtliche Artillerie und neunzig Fahnen
eingebüßt, und, was bedeutungsvoller war, den Ruf der
Un=
beſiegbarkeit verloren. Er war der Sieger in ſechsunddreißig
Schlachten und Gefechten, der Eroberer vieler ſtarker Feſtungen,
nun hatte ihn der Schwedenkönig beſiegt. Seine alte, einſt ſo oft
bewährte Taktik war der neuen Kriegskunſt Guſtav Adolfs
er=
legen.
So wurde der 17. September 1631 zu einem
entſcheidungs=
vollen Tag nicht nur der Kriegsgeſchichte, ſondern auch im Leben
des bis dahin unbeſiegten alten Feldherrn Tilly und in dem
Guſtav Adolfs, deſſen Siegeslaufbahn mit ihm begann. Von
gewaltiger Bedeutung war der Schlachttag von Breitenfeld aber
auch für die deutſche Geſchichte. Die Schlacht ſtürzte den Kaiſer
Ferdinand II. von der Höhe, auf der er ſeit dem Regensburger
Fürſtentage geſtanden. Auf einen Schlag war alles verändert.
In geradezu tragiſcher Verſchlingung des habsburgiſchen,
reli=
giöſen und deutſchen Schickſals war dem Fremden der Weg in
das Innere des Reiches geöffnet.
Sieben Monate ſpäter endete Tillys langes Soldaten= und
Feldherrn=Leben. Am 15. April 1632 erſchien Guſtav Adolf nach
einem Siegeszuge ohnegleichen am Lech. Hier ſtanden
Kur=
fürſt Maximilian und Tilly zu ſeinem Empfange bereit endlich
gewillt, die Schlacht zu wagen, die über Bayerns Schickſal
ent=
ſcheiden ſollte. Der Kaiſer hatte Bayern im Stich gelaſſen.
Guſtav Adolf fuhr ſeine gefürchtete Artillerie auf, nahn
feindlichen Schanzen unter ein zermalmendes Kreuzfeuer, üb
ſchritt den Fluß und warf den hervorbrechenden Feind noch
bittertem Kampfe in ſeine Stellung zurück. Tilly, der alte S
dat, war, wie immer, an den Stellen, wo die Gefahr am ari
ten war; er hielt dicht am Lech=Ufer, als ihn eine Faleon
Kugel am rechten Bein oberhalb des Knies traf. Man t.
den ſchwer verwundeten Feldherrn zurück und brachte ihn in
Feſtung Ingolſtadt, wohin der Kurfürſt das geſchlagene H
führte. Dort iſt er am 30. April 1632 ſeinen Wunden erleg.
in der Peter= und Paulskapelle zu Alt=Oetting fand er ſe
letzte Ruheſtätte. Tilly war ein braver, tapferer Soldat
die Kriegskunſt ſeiner Zeit beherrſcht und ſein ganzes
Kön=
für ſeinen Kriegsherrn eingeſetzt hat. Er ſtand — einer
älteſten Vorkämpfer der allgemeinen Wehrpflicht — ſeinem
zog zur Seite in der Ausführung ſeines Lieblingsplanes.
geſunden Männer des Volkes zur Wehrhaftigkeit heranzubile
Tilly war von mittlerer Statur und hager. Scharfe
ſichtszüge und große unter buſchigen, grauen Wimpern
hert=
blickende feurige Augen verrieten die eiſerne Härte ſeines Chaz
ters. Er haßte jeglichen Aufwand und äußerliche Ehrenbezeug,
gen, verſchmähte es, ſich an der Kriegsbeute zu bereichern.
ſeinem Heere hielt er ſtrenge Manneszucht. Ein Zeitgen
ſchildert ihn, wie er ihn geſehen, auf einem kleinen Grauſchim
reitend, im grünen Waffenrock nach ſpaniſchem Schnitt, eine
Straußfeder auf dem hochaufgeſtutzten Hute; in ſeinem Weſen
eiſerner Mann.
Tilly hat ſeinem Kriegsherrn, dem Herzog Max von Bape
die Kurwürde erkämpft. Am 25. Februar 1623 auf dem
Rei=
tage zu Regensburg ſchmückte Kaiſer Ferdinand I. den Her
eigenhändig mit dem Kurhut, den einſt Friedrich V. von
Pfalz, der unglückliche „Winterkönig” getragen hatte. Der S
am „weißen Berge” bei Prag am 8. November 1620 war Lil
Schwert und Feldherrnkunſt zu verdanken.
So ſteht der eiſerne Kriegsmann heute in der „Feldher
Halle” zu München als einer der größten Feldherrn aller Zeit
Dr. Ludwig Roth
Gewinnauszug
5. Klaſſe 37. Preußiſch=Süddeutſche Staats=Lotterſe.
Ohne Gewähr
Nachdruck verbote
Auf ſede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gepiune
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen I und II
23. Ziehungstag
4. September 19:
In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 A
gezogen
4 Gewinne zu 10000 M. 19989 135800
4 Gewinne zu 5000 M. 284065 326948
14 Gewinne zu 3000 M. 9854 46764 96633 111321 275467 3248
Rta
62 Gewinne zu 2000 M. 2527 7731 15690 37207 41357 48194 564
108493 110050 124783 145468 173140 176682 182961 194037 1985e
233736 261594 073656 279854 281776 292560 303142 312983 3219=
324973 3281 19 329423 3603065 396358 397752
66 Gewinne zu 1000 M. 13092 25203 42263 57162 61622 6490
73697 97621 103816 107845 111200 142622 162138 172946 1773
183988 195089 197158 206024 210890 220832 223406 258888 26601
268918 273200 274637 278219 283864 285383 297964 322047 36484
176 Gewinne zu 500 M. 452 5130 6963 9998 13708 23281 28910 3304
39145 44394 47200 50305 53346 b4275 56210 61684 63331 86‟
70850 77007 85275 87718 87792 88648 91472 100978 107300 11181
112366 114240 125465 196227 132645 142610.159524 160085 16030
164026 164634 169672 171723 175007 185362 186467 189662 20671
206878 033933 225178 238306 235939 237885 24189 247073 247
256612 258389 2606 13 264856 267662 271702 275319 276375 2765
278862 284650 290043 30 1079 304885 317648 319374 321496 32836
331703 334966 337889 343041 343478 353814 367080 369933 37199
378028 379240 383613 383777 386686 392440
In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M
gezogen
4 Brwinne m 10000 M. 226300 325981
12 Gewinne zu 5000 M. 44714 108880 200871 248403 282266 38134
16 Gewinne zu 3000 M. 34103 36684 69660 141130 271603 311ig
318698 351247
38 Gewinne m 2000 M. 987 18519 33480 62329 90362 11186
154263 178030 191970 504007 204390 211347 221648 243882 25716
266783 278064 348878 365032
92 Gewinne zu 1000 M. 7669 7616 39251 54134 54790 58504 6527
70767 86381 105651 106878 107452 108765 112730 118842 12571
131837 186692 188434 201761 214242 216505 229725 231204 24835
248951 950451 066819 276794 282303 289821 581838 297241 3090=
324336 327064 330466 340766 348494 363296 366859 368872 37900
388086 396037 397634
164 Gewinne zu 600 M. 2266 23922 34271 52170 60482 66492 676‟
71976 76008 80605 84093 85118 88292 96005 102268 102640 1067
108392 122648 123421 132145 135294 138763 142064 147424 16471
166814 160131 164111 164430 164898 168178 189827 171530 17648
182921 188089 204628 216338 233196 233721 244813 246000 24794
256276 257636 262326 266952 272616 372674 274342 275703 3829*
585206 288102 292929 298074 304266 306844 315668 322122 3377
341173 344681 345888 349526 369378 371159 376978 380616 38115
381702 382326 385947 389376 395208 399841
Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinn
zu je 300000, 2 zu je 200000, 4 zu je 50000, 10 zu je 2500
50 zu je 10000, 102 zu je 5000, 218 zu je 3000, 570 zu je 20
1198 zu je 1000. 1842 zu je 500, 5558 zu je 400 Mark.
Hauptſchriftlettung: Rudelf Maupe
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Keine Börſen an den Samstagen.
di Grundiimmung: Richk unfreundlich. — Induſteiepapiere gefragk. — Ausnahme nur am Elekiromarkk.
Lockerung des Werkpapierhandels in der kommenden Woche?
zu erwarten. Der Wertpapierhandel außerhalb der Börſe
unter=
liegt fortan keinen Beſchränkungen, hingegen beſteht das Ver=
Die Lombardgeldfrage.
Tach dem geſtrigen ſchon wieder faſt normalen Verlauf der
T; beſchäftigt man ſich mit telephoniſchen Unterhaltungen
gu Büro zu Büro (die Börſe bleibt bekanntlich im Monat
Sember an Samstagen für jeden Verkehr geſchloſſen) mit
„Möglichkeiten einer Regelung des Börſenverkehrs, eventuell
variablen Verkehrs bzw. der Feſtſetzung mehrerer Kaſſa=
* am gleichen Tage. Ein auch von uns geſtern nachmittag
„hnter angeblich verſchleierter Terminhandel iſt nach
Ab=
der Liquidationskaſſe in dem bisher getätigten
Ueber=
ngsverkehr nicht zu erblicken, da es bei allen bisherigen
Teldungen nur um Kompenſationen von vor dem 13. Juli
aichloſſenen Geſchäften handelt. Durch die Beratungen der
S pel=Vereinigung in der Lombardgeldfrage und durch die
Srung der Liquidationskaſſe, keine weiteren Nachſchüſſe zu
vongen, hat ſich die Abwicklung weſentlich erleichtert.
Des=
wiwar auch die Grundſtimmung heute nicht
un=
f indlich und die Induſtriepapiere waren eher
gi agt. Man konnte jedenfalls bei vielen Werten auf
geſtri=
giBaſis Material an den Mann bringen. Eine Ausnahme
n)e eigentlich nur der Elektromarkt, an dem die teilweife
ſ51als übertrieben herausſtellenden Meldungen aus Zürich
p mmend wirkten.
Im Laufe des Vormittags wurde bekannt, daß das
Bank=
h/ Ernſt Stenger in Berlin ſeiner Kundſchaft mitgeteilt
h daß es die Zahlungen einſtellen mußte und einen
außer=
giſtlichen Vergleich anſtrebt. Ein Spezialgebiet des Hauſes
— der Handel in Kaliwerten. Leider iſt dies ein Beweis
O:, daß die ſtark rückgängigen Kurſe doch nicht ganz am
Schen Bankgewerbe vorübergehen können.
Im die Frage der Exiſtenzmöglichkeit der
en Makler weiter zu bringen, hat man eine Makler=
—mmlung in den Börſenräumen anberaumt, auf der
vor=
chtlich eine Einigung mit den amtlichen Maklern über
Teilung der Courtage erzielt werden wird. Es wäre zu
— chen, wenn bei dieſer Gelegenheit auch die Kompenſations=
(das Ausgleichen von Kauf= und Verkauforders durch die
)) in irgendeiner Form geregelt werden würde.
loch keine freiere Geſtaltung des
Werkpapier=
handels an der Berliner Börſe.
Nach der an der geſtrigen Wertpapierbörſe eingetretenen
Bihigung iſt in der Oeffentlichkeit der Wunſch ausgeſprochen
den den Wertpapierhandel an der Börſe freier zu geſtalten.
SBörſenvorſtand hält einen ſolchen Beſchluß zur Zeit noch
. für angängig. Falls die Börſen am Montag und
Diens=
normal verlaufen, iſt jedoch ſchon für die nächſte Woche
Lockerung der Notierungsform oder der Art des Handels
bot der Veröffentlichung anderer als der amtlich feſtgeſtellten
Kurſe nach der Notverordnung noch weiter fort.
Liquidationskaſſe A.=G., Berlin. Der Aufſichtsrat der
Liquidations=
kaſſe A.=G., Berlin, hat den Vorſtand ermächtigt, im Hinblick auf die
un=
gewöhnlichen Börſenverhältniſſe bis auf Widerruf die Mitglieder von
weiteren Nachſchußleiſtungen auf ihre Engagements zu befreien.
Un=
berührt hiervon bleibt dagegen die ſtatuariſche Verpflichtung zur Deckung
der Engagements in der bisherigen Höhe. Hierbei erfolgt die
Bewer=
tung der Effekten zu den jeweiligen Tageskurſen.
Die Konjunkkur in Deutſchland Anfang Hepkember.
Das Inſtitut für Konjunkturforſchung gibt in ſeinem neueſten
Vierteljahresheft (Nr. 2, 6. Jahrgang 1931, Verlag Reimar Hobbing,
Berlin SW. 61) die folgende Diagnoſe über die Konjunktur in
Deutſch=
land Anfang September 1931:
Starker Deflationsdruck, geſchaffen durch ſcharfe Kreditabzüge der
ausländiſchen Gläubiger, verbindet ſich mit ſinkendem
Verbrauchseinkom=
men. Der Inlandsmarkt wird infolgedeſſen weiter eingeengt. Die in
den Vorgängen vom 13. Juli gipfelnde Vertrauenskriſe hat ſo die
Kon=
ſolidierungstendenzen, die ſich im Verlauf des erſten Halbjahres
ſtellen=
weiſe anzudeuten begannen, ſchon im Keim erſtickt. Unter dem Zwang
dieſer Verhältniſſe iſt — bei rückgängiger Einfuhr und zunehmender
Ausfuhr — der Aktivſaldo im Außenhandel ſchnell geſtiegen. Dadurch
ergibt ſich für den Deviſenmarkt eine gewiſſe Entlaſtung. Angeſichts
der hohen kurzfriſtigen Auslandsverſchuldung iſt jedoch eine
durchgrei=
fende Erleichterung kaum zu erwarten. Die Lage an den Exportmärkten
macht es auch nicht wahrſcheinlich, daß der deutſchen Induſtrie eine
aus=
reichende Kompenſation des ihr auf dem Binnenmarkt entſtehenden
Ab=
ſatzausfalles gelingen wird.”
die Weltkonjunktur Anfang Sepkember 1931.
Ueber die Weltkonjunktur Anfang September 1931 gibt das gleiche
Inſtitut folgende Diagnoſe:
Die rückläufige Entwicklung ſetzt ſich in allen kapitaliſtiſchen
Volks=
wirtſchaften fort. Das Tempo des Nückganges hat ſich im zweiten
Vier=
teljahr zunächſt weiter verlangſamt. Nach dem Ausbruch der deutſchen
Kreditkriſe beginnt in Europa eine Welle neuer Wirtſchaftsſchrumpfung.
Auch die Vereinigten Staaten von Amerika, die von der europäiſchen
Kreditkriſe weniger berührt ſind, ſtehen erneut im Zeichen von
Produk=
tionsrückgängen. Auf den Weltrohſtoffmärkten hält die Preiſebgiſſe an;
die Lagervorräte ſind im allgemeinen noch unvermindert hoch, zum Teil
wachſen ſie noch. Auch die Effektenmärkte laſſen noch jedes Anzeichen
einer durchgreifenden Belebung vermiſſen; die Aktienkurſe gehen faſt in
allen Ländern außerordentlich zurück. Auf dem internationalen
Geld=
markt hat die mitteleuropäiſche Kreditkriſe zu neuen ſtarken Spannungen
geführt. Die Geldſätze der meiſten mittel=, oſt= und ſüdeuropäiſchen
Län=
der ſowie Großbritanniens haben ſtark angezogen. Die Kapitalmärkte
haben ſich nicht entſpannt, obgleich die Anlagetätigkeit in faſt allen
Län=
dern außerordentlich gering war. Die Verringerung des Kreditvolumens
führt zwangsläufig zu weiteren Einſchränkungen der
Wirtſchaftstätig=
keit in den mitteleuropäiſchen Ländern; im übrigen Teil der
Weltwirt=
ſchaft kann mit kompenſierenden günſtigeren Entwicklungstendenzen nicht
gerechnet werden.”
Die Lage am Geldmarkk.
Arbeiknehmerverkreker im Aufſichtsrat
der J.G. Farbeninduſtrie A.-G.
Bei der Wahl des Angeſtelltenvertreters in den Aufſichtsrat der J. G.
geninduſtrie A.=G. iſt Georg Büttner=Frankfurt a. M. (G. D.A.) mit
38) Stimmen wiedergewählt worden. Seine Wahl wurde auch vom
Bund unterſtützt, der das erſte Erſatzmitglied ſtellt, wogegen die
enſeite (D. H. V. Chemikerbund, D.W.B. uſw.) mit 40 (37) Stimmen
Vertreter bleibt. Als Arbeitervertreter wurde Otto Starre=
Lever=
n (Freie Gewerkſchaft) mit 153 (158) Stimmen wiedergewählt. Die
: der R.G.O. erhielt mit 40 (33) Stimmen keinen Vertreter.
Aufſichtsratsſitzung der Deutſchen Bank und Dfsconto=Gefellſchaft.
In der Aufſichtsratsſitzung der Deutſchen Bank und Disconto=Geſellſchaft
berichtete der Vorſtand über die Entwicklung während des laufenden
Geſchäftsjahres ſowie über die Haltung und Maßnahmen der
Banklei=
tung vor, während und nach Ausbruch der Julikriſis. Der Aufſichtsrat
billigte nach eingehender Erörterung das Verhalten des Vorſtandes in
jeder Hinſicht und erklärte ſich auch mit ſeiner Stellungnahme und ſeinen
MMaßnahmen einverſtanden.
Produkkenberichte.
zu feaM
Wirkſchafkliche Rundſchau.
Hauptgruppen lauten: Agrarſtoffe 102.,1 (minus 1,4 b. H.),
Kolonial=
en 94,1 (minus 0,5 v. H.) induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren 100,9
aus 0,2 v. H.) und induſtrielle Fertigwaren 135,2 (minus 0.1 v. H.).
den Monatsdurchſchnitt Auguſt lautet die Geſamtindexziffer 110,2
jenüber dem Vormonat minus 1,3 v. H.). Indexziffern der
Haupt=
ppen: Agrarſtoffe 103,4 (minus 1,9 v. H.), Kolonialwaren 95,8 (minus
v. H.), induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren 101,5 (minus 1,6 v. H.),
uſtrielle Fertigwaren 135,8 (minus 0,4 v. H.)
en aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmſtadt
* 26. Auguſt bis 1. Sevtember 1931. Neue Verfahren
I Beck. Anmeldefriſt 8. 9., Gläubigerverſammlung und
Prüfungs=
nin 17 9. Mainz: Karl Hay jr., Inh. einer Koloniclwarenhandlung
eines Inſtallationsgeſchäfts. Anmeldefriſt 10. 9.,
Gläubigerver=
imlung und Prüfungstermin 18. 9. Beendete Konkurſe.
Emſtadt: Miguel Rivoll. Neue Vergleichsverfahren.
rms: Kfm. Hermann Rauch jr. Vergleichstermin 19. 9. Beendete
rgleichsverfahren, Mainz: Fa. A. P. u. E. Weill, Textil=
Een. Darmſtadt: Fa. Wilhelm Ehrhardt.
Statiſtik der Aktien= und Perſonalgeſellſchaften. Nach Mitteilungen
Statiſtiſchen Reichsamtes wurden im Auguſt 1931 neun
Aktiengeſell=
iften mit zuſammen 201 Mill. RMM. Nominalkapital gegründet (davon
fallen 200 Mill. RM. auf die Akzept= und Garantiebank A.=G.).
ener wurden 22 Kapitalerhöhungen um zuſammen 13 Mill. RM.
vor=
rommen und 39 Kapitalherabſetzungen um zuſammen 41 Mill. RM.
Aktiengeſellſchaften mit einem Nominalkapital von 23 Mill. ReM.
rden aufgelöſt darunter 19 wegen Konkurseröffnung. Der
Kurs=
xt der gegen Barzahlung im Monat Auguſt ausgegebenen Aktien be=
Tg 214 Mill. RM. Ferner wurden im Auguſt 266 Geſellſchaften mit
chränkter Haftung, 556 Einzelfirmen und Perſonalgeſellſchaften und
Genoſſenſchaften gegründet. Aufgelöſt wurden 297 Geſellſchaften mit
ſchränkter Haftung (darunter 2 von amtswegen gelöſcht) 1221
Ein=
firmen und Perſonalgeſellſchaften (darunter 160 von amtswegen ge=
(h) und 119 Genoſſenſchaften.
Frankfurter Maſchinenbau A.=G. vorm. Pokorny u. Wittekind,
ankfurt a. M. In der Aufſichtsrats=Sitzung wurde die Bilanz per
12. 1930 vorgelegt. Dieſe weiſt einen Verluſt von 3,3 Mill. RM.
8. Dieſer Verluſt iſt zum kleineren Teil auf Betriebsverluſte
zurück=
führen; der Hauptverluſt iſt durch Sonderabſchreibungen und Rück=
Uungen in Höhe von rund 2,3 Mill. RM. entſtanden. Dadurch wird
N heutigen Verhältniſſen und der heutigen Bewertung der Anlagen
Id Beſtände in weitgehendem Maße Rechnung getragen. Zur
Beſeiti=
ang dieſes Verluſtes ſoll der auf den 31. Oktober einzuberufenden
Ge=
ralverſammlung vorgeſchlagen werden, das Stammaktienkapital im
erhältnis 5:1 zuſammenzulegen, ſo daß neben der Beſeitigung des
aus=
wieſenen Verluſtes noch eine ſehr namhafte Reſerve von rund 2 Mill.
M. verbleibt.
Landesbank der Rheinprovinz. Gegenüber den Meldungen, daß es
Och nicht gelungen ſei, in Berlin die zur Wiederinaktionſetzung der
andesbank der Rheinprovinz, Düſſeldorf, nötigen größeren Geldbeträge
üſſig zu machen, wird von ſeiten der Reichsbank, um nicht unrichtige
jorſtellungen aufkommen zu laſſen, auf folgendes hingewieſen: Die
Seichsbank hat ſich ſeit Wochen bereit erklärt, den angeſichts der
Geſamt=
ufgaben der Reichsbank außerordentlich hohen Betrag von 75 Mill.
2M. zur Reaktivierung der Landesbank der Rheinprovinz zur
Ver=
igung zu ſtellen, und zwar lediglich um der beſonderen Bedeutung die=
—S Inſtituts willen. Die Verzögerungen beruhen darauf, daß die für
„En Rückfluß dieſer Gelder erforderlichen Erklärungen und Unterlagen
Toch nicht hinreichend beigebracht werden konnten.
* Mainzer Produktenbericht. Großhandelspreiſe per 100 Kilo loco
Mainz am Freitag, den 4. September: Weizen 23,75, rheinheſſ. Roggen
20,50—21, Braugerſte 17—17,75. Induſtriegerſte 16,75—17,25,
Futter=
gerſte 15—15,50, ſüdd. Weizenmehl Spezial 0: alte Mahlung 40,15, neue
Nahlung 37,65, Sondermahlung 34,90, Roggenmehl (60 Prozent) 30,50,
Weizenkleie fein 10,25, grob 11, Roggenkleie 10—11, Weizenfuttermehl
13,50, Biertreber 10,25—10,50, Erdnußkuchen 12 75—13 Kokoskuchen 13,50
bis 17,50, Palmkuchen 10—10,50, Rapskuchen 9,50—10, Sohaſchrot 12,75
bis 13, Trockenſchnitzel 5,75—6,25. Tendenz abgeſchwächt.
Frankfurter Eiergroßhandelspreiſe. In der letzten Woche machte
ſich im internationalen wie im deutſchen Eiergeſchäft der weitere
Rück=
gang der Eieranlieferungen preisſtützend bemerkbar. Die Stimmung
im Eiergeſchäft iſt daher zurzeit als befeſtigt anzuſprechen. Die Preiſe
liegen um etwa 0.50 bis 1 Pfg. je Stück über denen der Vorwoche
wo=
bei die ſchwveren Eier einen ſtärteren Anteil an der allgemeinen
Preis=
ſteigerung nahmen als die leichteren, zumal bei den letzteren Qualitäten
verſchiedentlich unbefriedigende Lieferungen auch bezüglich der
Beſchaf=
fenheit feſtzuſtellen ſind. Der Abſatz an den Konſum konnte ſich
allge=
mein etwas beſſern.
Frankfurter Buttergroßhandelspreiſe. Der europäiſche wie der
deutſche Buttermarkt iſt in der letzten Woche vor allem durch die
Auf=
nahmefähigkeit Englands beſtimmt worden. Nachdem zunächſt auf allen
Märkten die Preiſe über Erwarten geſunken waren, trat einige Tage
hindurch eine abwartende Haltung ein, die ſchließlich am Anfang dieſes
Monats von einer leichten Belebung abgelöſt werden konnte. Die
Notierungen der Vorwoche blieben indeſſen gehalten, und gegen Ende
der Woche konnte man wieder von einer leicht gebeſſerten Tendenz
ſpre=
chen. Sowohl der Groß= wie der Kleinhandel haben eine Belebung
er=
fahren, da die jetzigen Preiſe als verhältnismäßig billig erachtet
wer=
den; von einem normalen Geſchäft könne aber immer noch nicht die
Rede ſein. Die Verkaufspreiſe des Großhandels lauten für
Auslands=
butter (holl.) 148 bis 152, für deutſche Butter 138 bis 142; kleinere
Packungen entſprechender Aufſchlag. Die Preiſe verſtehen ſich in RM.
für einen Zentner.
Berliner Produktenbericht vom 5. September. Nach bereits feſterem
Vormittagsverkehr kam es zu Beginn der Wochenſchlußbörſe auf faſt
allen Marktgebieten zu ſprunghaften Preisſteigerungen. Im
handels=
rechtlichen Lieferungsgeſchäft mußte der Börſenvorſtand, von ſeinem
Recht Gebrauch machen, die Notierungen zunächſt auszuſetzen; ſpäter
eröffnete Weizen 3,50—4,50 RM. feſter. Das Angebot von prompter
Ware hat ſich faſt völlig zurückgezogen, auch die in letzter Zeit reichlicher
vorhandenen Futterqualitäten wurden nur vereinzelt offeriert. Die
Mühlen und Exporteure hatten Schwierigkeiten bei der Deckung ihres
Bedarfes, ſo daß etwa 4 RM. höhere Preiſe als geſtern bewilligt werden
mußten. Der Roggenmarkt wurde von der Bewegung mitgezogen, die
Preisbeſſerungen betrugen aber hier nur 1,50—2,50 RM. Maßgebend
für die rege Deckungsnachfrage waren vor allem die amtlichen
Ernte=
berichte für Preußen und das Reich, die ſeit geſtern eingetretene
Wetter=
verſchlechterung fand gleichfalls ſtärkere Beachtung. Das
Weizenmehl=
geſchäft war geſtern nachmittag teilweiſe recht lebhaft, auch heute hat die
Nachfrage angehalten, jedoch ſind die teilweiſe beträchtlich erhöhten
Mühlenofferten noch nicht ganz durchzuholen Roggenmehl hat
nor=
males Bedarfsgeſchäft bei etwas höheren Preiſen. Hafer liegt bei
knap=
pem Angebot und guter Konſumnachfrage etwa 4 RM. feſter. Gerſte
im Gegenſatz zur Allgemeintendenz ruhig.
Biehmärkke.
Die Amſakkäkigkeik auch nach der Diskonkermäßigung
noch recht beſchränkt.
Nach den Wirrniſſen der vergangenen Wochen, die den deutſchen
Geldmarkt vor eine ganz außergewöhnliche Situation geſtellt hatten und
wodurch deſſen Funktionen eine Zeit lang gänzlich lahmgelegt wurden,
ſcheinen die Verhältniſſe nun doch langſam wieder in ein ruhigeres
Fahrwaſſer geleitet zu werden. Nach der Auflockerung der
Zwangsmaß=
nahmen beginnt ſich der Markt bereits wieder einzuſpielen, wenngleich
die Umſatztätigkeit noch recht beſchränkt bleibt.
Bei ruhigem Geſchäft hielt die Erleichterung am Tagesgeldmarkt,
die ſchon in der Vorwoche zu bemerken war, zunächſt an. Der Ultimo
brachte dann naturgemäß eine leichte Anſpannung mit ſich. Daß ſich der
Geldverſorgung hierbei aber keine größeren Schwierigkeiten in den Weg
ſtellten, geht daraus hervor, daß der Satz ſehr raſch wieder auf 7
Pro=
zent zurückging. Durch die Börſeneröffnung hat der Geldmarktverkehr
kaum eine Belebung erfahren. Allerdings iſt zu berückſichtigen, daß ſich
ein regelrechtes Geſchäft erſt dann wieder entwickeln kann, wenn der
Börſenhandel wieder von allen Beſchränkungen befreit iſt.
Zu der Geſchäftsſtille am Geldmarkt trug ferner auch die Erwartung
der Diskontſenkung bei; in Privatdiskonten, deren Notiz mit 77/
Pro=
zent wiederhergeſtellt wurde, kamen Umſätze auch nach der erfolgten
Diskontermäßigung kaum zuſtande. Durch die Herabſetzung des
Reichs=
bankdiskonts auf 8 Prozent iſt die Periode der Notdiskontſätze — als
ein ſolcher mußte auch der 10prozentige Satz noch angeſehen werden —
abgeſchloſſen. Die Reichsbank führte in der Begründung zum
Diskont=
abbau aus, daß ſie angeſichts der Klärung der Lage, die nunmehr
ein=
getreten iſt, eine Erleichterung der drückenden Zinslaſten für geboten
hielt. Wie weit ſich weitergehende Erwartungen verwirklichen laſſen,
hänge von der künftigen Entwicklung des Kredit= und Deviſenmarktes ab.
Kakaſtrophale Enkwicklung im Eiſenſtein=Bergbau
des Lahn-Dill=Gebiekes und in Oberheſſen.
Wie der Wetzlarer Anzeiger erfährt, bahnt ſich im
Eiſen=
ſtein=Bergbau des Lahn=Dillgebietes eine geradezu kataſtrophale
Entwicklung an. Die Buderusſchen Eiſenwerke A.=G., Wetzlar,
ſehen ſich genötigt, angeſichts des erheblichen Abſatzrückganges
für Eiſenerze die beiden Gruben „Georg Joſef” bei Gräveneck
im Oberlahnkreis und „Abendſtern; bei Hungen in Oberheſſen
zum 1. Oktober ſtillzulegen. Der Belegſchaften iſt zum 30.
Sep=
tember gekündigt worden. In dem einen Falle kommen über
100, im anderen 33 Bergleute zur Entlaſſung. Der enorme
Ab=
ſatzrückgang ſpiegelt ſich in folgenden Zahlen: Die geförderte
Eiſenerzmenge, die zur gleichen Zeit des Vorjahres 88 000
Ton=
nen betrug, iſt auf 20 000 Tonnen geſunken. Damit ſind die
ſtaatlichen Subventionen für den Eiſenſteinbergbau erheblich
ge=
fährdet. Sie ſind an die Bedingung geknüpft, daß die
Förder=
menge im Lahn=Dillgebiet einſchließlich Oberheſſen und
Sieger=
land 100 000 Tonen und die Belegſchaft 5000 Köpfe beträgt.
Es iſt nach den Informationen des Wetzlarer Anzeigers mit
Sicherheit anzunehmen, daß dieſe Bedingung nicht eingehalten
werden kann. Verhandlungen mit den zuſtändigen Stellen in
Berlin um Weitergewährung der Subventionen auch bei
ver=
minderten Zahlen ſind im Gange. Der Entzug der
Staats=
beihilfen würde die kriſenhafte Entwicklung erheblich
verſchär=
fen und zu nicht abſehbaren Maßnahmen führen, zumal damit
auch die Frage der Frachtrückvergütung eng verbunden iſt, deren
Ausfall den Frachtweg ganz erheblich verteuern würde.
Die Buderusſchen Eiſenwerke in Wetzlar haben jetzt nach
Vereinbarung mit den Angeſtellten=Organiſationen auch eine
Arbeitszeitverkürzung für die Büroangeſtellten um 6 Stunden
wöchentlich, verbunden mit einem 10prozentigen Gehaltsabzug
zum 1. Oktober angekündigt.
Die Lage der Eiſen= und Skahlwaren=Induſtrie
im Monak Auguſt 1931.
Die umfangreichen Kündigungen der Bankkredite und die ſo gut
wie allgemein durchgeführten Krediteinſchränkungen haben wohl keinen
Wirtſchaftszweig mehr betroffen als den der Eiſen= und Stahlwaren=
Induſtrie, der im weſentlichen aus mittleren und kleinen Betrieben
beſteht. Die Kapitaldecke in dieſen Betrieben war in der Zeit nach dem
Kriege immer knapp, die ſtarken Steuerlaſten haben infolgedeſſen dieſe
Unternehmer härter getroffen als ſolche, deren Mittel einen Umfang
hatten, der über die Deckung der Tagesbedürfniſſe hinausging.
Lang=
friſtige Kredite hat die mittlere und kleine Eiſen= und Stahlwaren=
Induſtrie kaum bekommen, ſie war auf die Verſorgrung mit kurzfriſtigen
Krediten angewieſen, und daraus ergibt ſich ohne weiteres die
Erklä=
rung für den Notſtand, der gegenwärtig in der Eiſen= und Stahlwaren=
Induſtrie herrſcht und der unbedingt auch das Intereſſe der Regierung
erfordert.
Mekallnokierungen.
Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. d. B. am Samstag
5. ds. Mts., waren 574 Tiere zugeführt. Verkauft wurden 316 St
zwar Milchſchweine mit 4 bis 9 RM. pro Stück, Läufer mit 22 bis
RM. pro Stück. Der Marktverlauf war mäßig.
Die Berliner Metallnotierungen vom 5. September ſtellten
ſich für je 100 Kilogramm, für Elektrolytkupfer, prompt cif
Ham=
burg, Bremen oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für
die deutſche Elektrolytkupfernotiz) auf 74.50 RM.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 5. Sept.:
Schweine, leichte 6.10—6.35, ſchwere 5.35—6.15,
An den Börſen von Chicago und New York fanden
feiertags=
halber keine weiteren Notierungen ſtatt.
Kleine Wirkſchaftsnachrichken.
Die immer wieder auftauchenden Gerüchte über eine
angeb=
liche Fuſion zwiſchen der Dresdener Bank und der Commerz= und
Privatbank ſind, wie von zuſtändiger Stelle mitgeteilt wird, als
abſolut gegenſtandslos anzuſehen.
Die Süddeutſche Zinkblechhändler=Vereinigung hat ihre
Preiſe mit Wirkung ab heute um zirka 10 Prozent ermäßigt.
Im Deutſchen Reich war die Zuckerrübenanbaufläche in
die=
ſem Jahr um 25 Prozent kleiner als 1930. Am ſtärkſten war der
Rückgang der Anbaufläche in Heſſen, wo ſie ſich von 11 265
Hektar in 1930 auf 5388 Hektar (!) in 1931 verringerte, alſo um
52,2 Prozent abnahm. Die diesjährige Kampagne in Heſſen
wird auch nur von drei Zuckerfabriken beſtritten werden; eine
Fabrik wurde gänzlich, ein andere vorläufig abgemeldet.
Die 1922 gegründete Uhrenfabrik Hall u. Benzing. A.=G.,
Schwenningen a. N. (bis 1923 Uhrenfabrik Badenia, A.=G.
Vil=
lingen) beruft auf den 29. September eine ao G.=V. ein, in der
Mitteilung vom Verluſt der Hälfte des im Vorjahre erſt
herab=
geſetzten A=K. gemacht werden ſoll, und in der Beſchluß gefaßt
werden ſoll über die Herabſetzung des A.=K. von 250 000 RM.
auf 100 000 RM.
Die Gewerkſchaft, Karl Alexander” in Baesweiler bei Aachen
beabſichtigt ihrer Belegſchaft die Mietenſchädigung zu entziehen.
Da dieſe Entſchädigung als ſolche allein aber nicht kündbar iſt,
hat man den Leuten das Arbeitsverhältnis mit der Maßgabe
ge=
kündigt, daß die Kündigung zurückgenommen wird, wenn die Leute
auf die Mietentſchädigung — die im Durchſchnitt 4 RM. monatlich
beträgt — verzichten. Der Dienſtantritt nach Ablauf des
Kündi=
gungstermin ſoll als Einverſtändniserklärung gelten. Von der
Maßnahme werden etwa 800 Bergleute betroffen.
Die Walzdrahterzeuger haben beſchloſſen, die Kündigungsfriſt
für das Internationale Walzdrahtkartell, die bisher auf den 30.
entember feſtgeſetzt war, bis zum 31. Oktober zu verlängern. Ein
Beſchluß wegen Verlängerung des Kartells, das am 31. Dezember
abläuft, iſt nicht gefaßt worden
Seite 12
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Tummer 247
ein
Reich und Ausland.
2 Enkhüllung einer Görres-Büffe
in der Walhalla.
München. In der Walhalla iſt eine Büſte
Görres in Anweſenheit des
Reichsinnen=
ſters Dr. Wirth, des bayeriſchen
Miniſter=
denten Dr. Held, Kultusminiſters Dr.
Gol=
erger und zahlreicher Vertreter der
Geiſt=
eit, der Univerſitäten und vieler
Ehren=
feierlich enthüllt worden. In ſeiner
Feſt=
rache betonte Dr. Goldenberger den Kampf
ces für die Befreiung ſeines Volkes von der
zndherrſchaft und für die Einigung des deut=
Volkes als Nation. Sein nie verſiegen=
Kampfesmut, fuhr der Kultusminiſter fort,
z=angeborene Eigenſchaft als Volksmann und
ſenführer, ſein ſtaunenswertes und univerſes
ſen ließen ihn wie keinen anderen geeignet
ſeinen, ſeine deutſchen Volksgenoſſen für ihre
gaben und Pflichten aufzurütteln. Das Ziel
res' ſei nun erreicht. Die deutſchen Stämme
en ſich zuſammengefunden und geeint zur
reiung von fremdem Joch. Görres, ſo ſchloß
Goldenberger, iſt uns ein in der Notzeit
ge=
ter Wiedererwecker deutſchen nationalen
teingeiſtes, und damit der große Erzieher
s freien und ſich ſelbſt achtenden
Deutſch=
s. — Ein Chorgeſang beſchloß die
ſtim=
gsvolle Feier.
Die Heimkehr des „Graf Zeppelin”.
Hamburg. Die Hamburg—Amerika=Linie
mit, daß das Luftſchiff „Graf, Zeppelin”
Samstag früh 5 Uhr M.E.3. auf 12 Grad,
Minuten nördlicher Breite und 26 Grad,
Minuten weſtlicher Länge, mit Kurs au
Verde, befunden hat. Das Luftſchiff fährt
einer Stundengeſchwindigkeit von 120
Kilo=
ern.
Wie die Hamburg—Amerika=Linie weiter
eilt, befand ſich „Graf Zeppelin” um 11 Uhr
5.3. auf 16 Grad 44 Min. Nord und 25 Grad
Min. Weſt.
Friedrichshafen. Nach einem beim
ſchiffbau Friedrichshafen eingegangenen
kſpruch befand ſich das Luftſchiff „Graf
Zep=
n” um 23 Uhr M.E.3. auf ſechs Grad vier
tuten Nord und 29 Grad 34 Min. Weſt.
Um 0.20 Uhr M.E.3. befand ſich das
Luft=
f „Graf Zeppelin” 7 Grad 20 Minuten Nord
28 Grad 50 Minuten Weſt.
Schwerer Unglücksfall im Hauptbahnhof.
Viesbaden. Samstag 8 Uhr ſtürzte auf
Hauptbahnhof Wiesbaden (Bahnſteig 1,
eis 3) ein neues Hängegerüſt, das zwecks
führung von Anſtreicherarbeiten in acht
ker Höhe angebracht war, auf den Boden.
ihm wurden ſechs Arbeiter in die Tiefe
ſſen. Ein Mann war ſofort tot, die anderen
wurden ſchwer verletzt ins Krankenhaus
racht. Bereits vor etwa einem halben Jahr
es auf dem Wiesbadener Bahnhof bei
ähn=
n Arbeiten durch Bruch eines Gerüſtbrettes
n. Toten.
eerenſucher verhüten ein Eiſenbahnunglück.
Herdecke (Weſtfalen). Beim Beerenſuchen
de auf der Strecke Löttringehauſen—Her=
2 von jungen Leuten aus Dortmund ein
ienenbruch entdeckt und der Perſonenzug 1438
tmund=Süd-Hagen vor der Bruchſtelle zum
ten gebracht. Nach Auswechſlung der
be=
digten Schienen konnte das Gleis wieder
be=
cen werden.
mer wieder Großfeuer infolge Brandſtiftung.
Dömitz a. d. Elbe. Den dauernden
Brand=
ungen in Südweſt=Mecklenburg fielen auch
Samstag wieder zwei Scheunen zum Opfer.
brannte in Tolſewoos die mit
Erntevorrä=
gefüllte Scheune des Tiſchlermeiſters Reiner,
ifellos infolge Brandſtiftung, vollſtändig nie=
In dem jenſeits der Elbe gelegenen
Bah=
dorf (Kreis Dannenberg) ging die Scheune
Hofbeſitzers Sander zum dritten Male
in=
halb von 15 Monaten in Flammen auf. Auch
r liegt Brandſtiftung vor.
Einſturzkataſtrophe in Oſtoberſchleſien.
Kattowitz. In der Ortſchaft Friedeck, im
eis Pleß, ereignete ſich in der vorvergangenen
cht ein furchtbares Unglück. Das Haus des
beiters Borecki war kürzlich vom Blitz getrof=
und durch den entſtandenen Brand zum
ißten Teil zerſtört worden. Der eine noch
igermaßen erhalten gebliebene Wohnraum
rde von der vielköpfigen Familie weiter als
tunterkunft benutzt. Gegen 1 Uhr nachts
rzten nun infolge heftigen Sturmes die Reſte
* Wohnhauſes zuſammen und begruben die
efrau Borecki ſowie die ſechs Kinder im Alter
n 1—16 Jahren, die ſämtlich im Schlafe lagen,
ter ſich. Fünf Kinder und die Frau wurden
n den Trümmern erſchlagen. Ein achtjähriger
ihn erlitt ſchwere Verletzungen.
11 Stunden durch die Vereinigten Staaten.
New York. Ein neuer
Schnelligkeits=
ekord für einen Flug von Los Angeles nach
w Jerſey, quer durch die Vereinigten
Staa=
n, wurde von dem amerikaniſchen Flieger
Imes Doolittle aufgeſtellt, der die Strecke in
Stunden 11 Minuten zurücklegte.
Motorſchiff „Burgenland” auf dem Weg
nach Nagaſaki.
Schanghai. Das deutſche Motorſchiff „
Bur=
nland”, das vorgeſtern an der Südküſte von
Drea geſtrandet war, iſt wieder flott
gewor=
in und befindet ſich mit eigener Kraft auf dem
Sege nach Nagaſaki.
Exploſion auf einem japaniſchen Kreuzer.
Bisher 8 Tote, 30 Verletzte.
Tokio. Wie aus Yokohama gemeldet wird,
Seignete ſich auf dem Kreuzer „Motoro” eine
„Eploſion, die nach den bisherigen Feſtſtellungen
IDr Mann der Beſatzung das Leben gekoſtet hat.
Eeber 30 Mann wurden verletzt. Die Explo=
In erfolgte in einem Gastank. Nach der Explo=
On verließ der Kreuzer den Kriegshafen, weil
Ine zweite Exploſion befürchtet wurde. Dem
Tkeuzer ſind Motorboote zur Verfügung geſtellt
Lorden, die nötigenfalls die Bergungsarbeiten
Ornehmen ſollen. Außerdem iſt die geſamte
DEherwehr des Kriegshafens alarmiert worden.
Sonntag, den 6. September 1931
Eröffnung der Inkernakionalen Büroausfkellung in Berlin.
Techniſche Neuheiten, die auf der Ausſtellung gezeigt werden.
Oben links: Diktiermaſchine, die das Diktat aufnimmt und beliebig oft der Stenotypiſtin
wiedergeben kann. Oben rechts: Der ſelbſttätige Telephonſtenograph. Eine Maſchine, die
an den Telephonapparat angeſchloſſen wird und in Abweſenheit des Fernſprechteilnehmers
an=
kommende Geſpräche und kurze Mitteilungen ſelſttätig notiert. Unten links: Geräuſchloſe
Schreibmaſchine: Die ganze Maſchine iſt in einen Kaſten eingebaut, aus dem nur die Taſtatur
herausragt. Unten rechts: Fakturiermaſchine mit endloſen Formularbändern. — In Berlin
wurde die Internationale Büro=Ausſtellung „Iba” eröffnet, die einen Ueberblick über alle
Neuerungen der Bürotechnik gibt.
Das erſte Originalbild von der 5a
on bei Paris.
Die Trümmer der explodierten Fabrik bei Paris.
In Bezons explodierte eine chemiſche Fabrik und wurde faſt völlig zertrümmert. Vier Tote und
zahlreiche Schwerverletzte waren die Opfer des Unglücks.
Lus”.
Oben: Das U=Boot „Nautilus”. Unten: Sir Hubert Wilkins, der Führer der
Nordpol=
expedition (rechts) und der Kapitän des U=Boots bei einem Manöver.
Oslo. Einen erhebenden Augenblick erlebte
Freitag abend um 22.10 Uhr der Funker in
Tromſö, der mehr als 24 Stunden verſucht
hatte, mit dem Unterſeeboot „Nautilus” in
Funkverbindung zu kommen und plötzlich das
Rufzeichen des „Nautilus” auffing. Der
Fun=
ker, der mit dem Unterſeeboot etwa 20 Minuten
ſprach, erklärte, er habe nur die Mitteilung
erhalten, daß an Bord des Schiffes alles
wohl=
auf ſei. Kapitän Wilkins habe ihm nicht mit=
geteilt, warum die Funkverbindung auf ſechs
Tage unterbrochen war. Wie der Funker
hin=
zufügte, ſei der „Nautilus” wahrſcheinlich
wäh=
rend dieſer Zeit unter Eis geweſen. Die
Funk=
ſtation Tromſö ſprach ſpäter noch einmal mit
dem „Nautilus”, mit dem auch die Funkſtation
Bergen und der Bordfunker der Schaluppe
„Fridtjof Nanſen”, die zu den letzten
Vorbe=
reitungsmaßnahmen für eine Hilfsexpedition
nach Tromſö unterwegs war, Verbindung
auf=
genommen hatten.
Die rälſelhafte Brandſtifkung in der
Villa des Schriftſtellers Karl Strecker.
Major a. D. Karl Strecker,
der bekannte Berliner Schriftſteller, in deſſen
Villa ein noch nicht aufgeklärtes Schadenfeuer
angelegt wurde. Strecker wurde, da er ſich durch
verſchiedene Ausſagen verdächtig gemacht hatte,
in Haft genommen, doch iſt bisher völlig
unbe=
greiflich, welches die Beweggründe zu einer
ſol=
chen Brandſtiftung hätten geweſen ſein können.
Das Geſtändnis des Majors a. D. Strecker.
Berlin. Der unter dem dringenden
Ver=
dacht der vorſätzlichen Brandſtiftung, mit dem
Ziele des Verſicherungsbetruges, verhaftete
70 Jahre alte Schriftſteller Karl Strecker hat
ein umfaſſendes Geſtändnis abgelegt. Er gibt zu,
die Villa vorſätzlich in Brand geſteckt zu haben,
um die Verſicherungsſumme in Höhe von
50 000 RM. zu erhalten. Strecker iſt in
drücken=
der Vermögenslage; er hat große Schulden, von
denen er ſeiner Frau nichts ſagte. Seine
Ver=
ſuche, bei Geldverleihern Kapital aufzunehmen,
waren fehlgeſchlagen. So kam er zu dem
Ent=
ſchluß, durch die Brandſtiftung ſeiner
Geldverle=
genheit ein Ende zu bereiten. Er behauptet,
daß er die Tat ganz allein und ohne Mitwiſſer
und Helfer durchgeführt habe. Dieſe Erklärung
wird angezweifelt und näher unterſucht.
Nach=
dem ſeine Frau die Reiſe an den Bodenſee
an=
getreten hatte und er angeblich zu Studien nach
Weimar gefahren war, ſchien ihm der geeignete
Zeitpunkt herangekommen zu ſein. In der Nacht
vom 26. auf den 27. Auguſt fuhr er nach Klein=
Machnow. Unbemerkt ſchlich er in die Villa. In
die Fußböden der Zimmer bohrte er Löcher,
da=
mit das Benzin und der Spiritus richtig in die
Dielen dringen konnten. Dann fuhr er nach
Weimar zurück. Strecker, der während des
Geſtändniſſes ſehr aufgeregt war, iſt danach
voll=
ſtändig zuſammengebrochen.
Die Ueberſchwemmungskakaſtrophe
am Jangkſe.
Die Deiche des „Großen Kanals”
eingeſtürzt.
London. Während die Fluten des Jangtſe
in Hankau immer noch einen kaum verminderten
Waſſerſtand von 17,5 Metern über Normal
auf=
weiſen, ſind die Flüſſe im Gebiet des „Großen
Kanals” im Steigen begriffen. Die Deiche an
der Einfahrt zum „Großen Kanal” über
Tſchingkiang ſind am Freitag eingeſtürzt,
und die einbrechenden Waſſermaſſen haben
mehrere hundert
Quadratkilome=
ter überſchwemmt. 50 000 Menſchen
ſind obdachlos geworden. Der Gouverneur
der Provinz Kiangtſu gibt nach einer
eingehen=
den Beſichtigungsreiſe bekannt, daß allein in
ſeinem Gebiet 18 Regierungsbezirke von der
Kataſtrophe betroffen und 2,4 Millionen
Men=
ſchen obdachlos ſind. Kommuniſtiſche Banden
haben ſich das Unglück zunutze gemacht und
plün=
dern die Städte am Südufer des Jangtſe,
un=
terhalb Wutſchgan bis hinab nach Wuſieh.
Wolkenbruch über Berlin.
Berlin. Am Freitag abend ging über
Berlin ein heftiges Gewitter nieder, das von
einem langanhaltenden wolkenbruchartigen
Re=
gen begleitet war. In faſt ſämtlichen
Stadt=
teilen beſonders aber in den weſtlichen
Voror=
ten, überfluteten die ungeheuren Waſſermaſſen
die Bürgerſteige und drangen in Wohn= und
Lagerkeller ein. Bis Samstag, gegen 1 Uhr
morgens, wurde die Feuerwehr in etwa 200
Fällen zur Hilfeleiſtung alarmiert.
Unwetterſchäden in Mittel=England.
London. In vielen Gegenden Mittel=
Englands haben in den letzten Tagen die
Be=
wohner ihre Häuſer räumen müſſen, weil ſie von
dem ununterbrochenen Regen unterwaſchen ſind
und zuſammenzuſtürzen drohen. In Leeds und
Sheffield ſind mehrere Fabriken geſchloſſen
wor=
den, da man einen Einſturz der Baulichkeiten
befürchtet. Meldungen über fortgeſchwemmte
Bahndämme, unterbrochenen Zugverkehr uſw.
laufen ſtündlich aus allen Teilen Englands ein.
In der Nähe von Sheffield ertranken 180
Schweine auf ihrer Weide. In Leeds ſteht das
Geſchäftsviertel, an manchen Stellen mehrere
Fuß hoch unter Waſſer, ſo daß der geſamte
Straßenverkehr eingeſtellt werden mußte. In
Rotherham ſteht das Elektrizitätswerk unter
Waſſer. Durch die Unterbrechung des Stroms
iſt der geſamte Induſtrieverkehr der Gegend
lahmgelegt. In Mansfield brach ein
Waſſer=
reſervoir und überſchwemmte das benachbarte
Land. 10 000 Hektar Landes, auf denen die
Ernte völlig vernichtet iſt, bieten in allen
Tei=
len des Landes einen troſtloſen Anblick.
Erdbeben in Italien.
Rom. Die Wetterwarten von Florenz und
Prato verzeichneten Samstag früh 2.30 Uhr
mehrere ſtarke Erdſtöße. Das Epizentrum des
Bebens liegt in der Provinz Bologna. In
Mugello, Scarperia und anderen Orten hat die
Bevölkerung im Freien genächtigt. Der
Sach=
ſchaden iſt nur gering.
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Nummer 247
Sonntag, den 6. September 1931
Seite 15
Spoct, Spiel und Iacnen
Nr. 120
Die inkereſſanke Woche.
Direktorium.
Die Laune der Mode iſt pudelnärriſch, eigentlich iſt es ja gar keine
aune, ſondern der bewußte, von geſchäftlichen Rückſichten geleitete
Zille der Mode=Manager. Die Pariſer Verantwortlichen haben in der
umpelkammer hiſtoriſcher Eleganzen nachgekramt und ſind auf die
ſamenmode des franzöſiſchen Direktoriums der ſiebziger Jahre
gekom=
ten. Streng und mit einer Weſpentaille ſtehr das neue Modell vor
ns, dunkel und 200 Prozent angezogen. Ein Muff von unheimlicher
himenſion unterſtreicht den Ausflug in ein Jahrhundert des
Frauen=
eins, das uns längſt entſchwunden war. Ob die franzöſiſchen
Mode=
irſten mit ihrer Rückkehr zur Naturfeindlichkeit recht behalten werden,
zeiß man noch nicht. Immerhin iſt der Verſuch vielſagend, und es
uird an einem gewiſſen Echo auf alle Fälle nicht fehlen.
Die Frau iſt innerlich mit dem was ſie an hat, viel mehr verbunden
Is der Mann. Sie bringt es fertig, der Eigenart der Kleidung zuliebe
hren Gang und ihre Bewegungen einzurichten, und nicht nur das.
Die Vorliebe der Frau für den Sport iſt ſicher nicht dadurch gehemmt
vorden, daß engliſche Modefirmen ſmart=gemuſterte Sportkleidung
chufen.
Und das Direktoriumskleid? Werden Frauen, die der Erſcheinung
ener ſeelenbeſchwerten, ſeelenkranken und ſeelentiefen Frau nacheifern,
veh Freude am Sport haben? Schwerlich!
„Sport.”
Unter der Rubrik Sport ſehen wir in einer Berliner Zeitung das
Zild der ſchwediſchen Tonfilmſchauſpielerin Margeritta Alfren am
Steuer eines Wagens. Sie wurde in Bad Piſtyon als Schönheits=
Lönigin gekrönt. Sie trug (es wird ausdrücklich bemerkt!) ein von der
Jade=Direktion geſtiftetes tſchechoſlowakiſches Nationalkoſtüm.
Vor=
tzender der Innung war Richard Tauber.
Die Vorgänge in Bad Piſtyon ſcheinen in der Zeit politiſchen und
dirtſchaftlichen Wirrwarrs nicht beſonders wichtig; aber ganz abgeſehen
avon, was hat dieſe Schönheits=Königin mit dem Sport zu tun?
Par=
on! ſie ſitzt am Steuer eines teuren Wagens. Iſt das nicht
Legiti=
nation genug?
Moraliſche Bilanz.
Die ſportliche Bilanz der Schwimmkämpfe um die Europa=
Meiſter=
chaft in Paris war eindeutig. Die Ungarn führten in der letzten
Tabelle eindeutig, und Deutſchland folgte als deutliche zweite
Schwimm=
ation Europas. Die moraliſche Bilanz wurde von der franzöſiſchen
Oeffentlichkeit ohne Rückſicht auf die Klaſſifizierung nach Punkten
ge=
ogen. Danach rangieren die deutſchen Schwimmer in der
Geſamtwer=
ung vor den Ungarn. Die führenden franzöſiſchen Sportzeitungen
oben Beſcheidenheit und Takt der Deutſchen, das ſichere Gefühl ihres
Vertes und verwerfen die allzu überſchwengliche Siegesfreude und
anatiſche Eigenliebe der Ungarn. Es iſt wichtig, daß gerade dieſe
Feſt=
tellungen in Paris getroffen wurden, denn gerade in jener Stadt war
inmal der Glaube vorhanden, daß wir Deutſche die Diſtanz zu den
portlichen Dingen nicht beſäßen. Nach jenem Fußball=Länderſpiel der
Zehntauſend.
Italieniſcher Aktivismus.
Der italieniſche Fußballſport hat ſich große Ziele geſteckt. Er
vill unter behördlicher Führung ſich zur letzten Spielkultur und
größter Leiſtungsfähigkeit aufſchwingen. Als ein beſonderes
Mittel zur Erreichung dieſes Zweckes erklären die italieniſchen
Führer die entſprechenden Geldausgaben.
Unſere Führer ſind anderer Anſicht. Sie glauben, daß die
Leutſeligkeit des Herzens genüge, um ſportliche Großtaten zu
voll=
eringen. Sie halten auch erſtaunliche Unterweiſungen über
Sportmoral für ein erprobtes Mittel, ſofern die Unterweiſungen
von der behördlich konzeſſionierten Kanzel geſchehen. Sie
geden=
ien den Leuten bei unſeren Spielen Kultur und Ballgefühl, in die
Oblate der 7.50=RM.=Moral verpackt, löffelweiſe einzugeben. Wir
ind geſpannt!
Ernſt Piſtulla bleibt Europameiſter.
Die Jubiläumsveranſtaltung des Hamburger Punching=Clubs
die 75. innerhalb eines Jahrzehnts — auf dem Unionſportplatz in Altona
war leider vom Wetter wenig begünſtigt. Bereits zwei Stunden vor
Beginn der Kämpfe ging ein heftiger Gewitterregen nieder, der
natur=
gemäß dem Beſuch der Veranſtaltung großen Abbruch tat. Trotzdem
hatten ſich 25 000 Zuſchauer eingefunden, die auch tapfer aushielten, als
während der Kämpfe neue Regenſchauer einſetzten. Ein ſchönes Gefecht
lieferten ſich im Einleitungskampf der franzöſiſche Schwergewichtsmeiſter
Maurice Griſelle und der Bochumer Walter Neuſel. Griſelle verſuchte
immer wieder, eine ſchnelle Entſcheidung herbeizuführen, ſcheiterte aber
an Neuſels hervorragender Deckung. In den letzten beiden Runden war
dann der Deutſche, trotz eines Gewichtsnachteils von 16 Pfund,
der=
maßen überlegen, daß er den 10=Rundenkampf glatt und verdient nach
Punkten gewinnen konnte. Infolge des ſchlechten Wetters entſchloß man
ſich, den Kampf um die Europameiſterſchaft im
Halbſchwer=
gewichtsboxen zwiſchen dem Titelverteidiger Ernſt Piſtulla (Berlin) und
ſeinem Herausforderer Adolf Heuſer (Bonn), als zweite
Programm=
nummer abzuwickeln. Wie ſchon bei der erſten Begegnung dieſer beiden
Boxer in Köln, ſo zeigte ſich auch heute, daß ſie ſich ziemlich ebenbürtig
ſind. Der beſſere Boxer war allerdings auch diesmal Piſtulla, dafür
griff jedoch Heuſer um ſo mehr an. Er ſchlug allerdings wieder
reich=
lich ungenau. Heuſer mußte im Verlauf des Kampfes dreimal zu Boden.
Beſonders kritiſch war für den Rheinländer die 12. Runde, in der ihn
Piſtulla zweimal zu Boden ſchickte. Der Europameiſter kämpfte im
all=
gemeinen ſehr vorſichtig, er riskierte nichts, ſo daß der Kampf ziemlich
eintönig blieb und keinem der beiden Boxer weſentliche Vorteile brachte.
Piſtulla hatte zum Schluß kleine Punktvorteile, die jedoch zu einem
Siege nicht genügten. So ging der Kampf nach 15 Runden wieder
ein=
mal „unentſchieden” aus, und Piſtulla blieb weiter im Beſitz des Titels.
— Im dritten Kampf des Abends holte ſich der Deutſche
Fliegengewichts=
meiſter Metzner (Köln) auch noch die Deutſche
Bantamgewichtsmeiſter=
ſchaft, denn er konnte den Titelhalter dieſer Klaſſe, den Berliner
Pfitz=
ner, über 12 Runden klar nach Punkten ſchlagen.
Sporkkalender.
Handball.
15.00 Uhr, Rheinallee: Rot=Weiß — S.=V. 98 Darmſtadt.
Fußball.
11.00 Uhr, Rheinallee: Rot=Weiß — Reichsbahn Darmſtadt.
15.00 Uhr, Exerzierplatz: Polizei — S.=V. Mörfelden.
15.00 Uhr, Müllersteich: Fr. Tgde. — Langen.
Die deutſche Nakional=Elf
für den Fußballkampf gegen Oeſterreich.
Der Spielausſchuß des Deutſchen Fußball=Bundes hat am Freitag
morgen die endgültige Mannſchaftsaufſtellung für den Länderkampf
gegen Oeſterreich am 13. September im neuen Wiener Stadion
bekannt=
gegeben. Die Mannſchaft für das ſchwer Spiel gegen die öſterreichiſchen
Berufsſpieler hat folgendes Ausſehen:
Kreß
(Rot=Weiß Frankfurt)
Emmerich
Munkert
(Tennis Bor, Berlin) (1. FC. Nürnberg)
Kauer Leinberger
Knöpfle
(T. B. Berlin) (Sp.Vg. Fürth) (FSV. Frankfurt)
Albrecht
Lachner
Kuzorra R. Hofmann Kund
(Düſſeldorf) (München 60) (Schalke) (Dresd. SC.) (1. FC. Nürnb.)
Erſatz: Jakob (Jahn Regensburg), Janes (Fortuna Düſſeldorf),
Schmitt (1. FC. Nürnberg).
Stubb und Kauer waren verletzt, und es iſt noch nicht gewiß, ob ſie
ſchon am 13. September wieder für eine derart ſchwere Aufgabe
heran=
gezogen werden können. Im Bedarfsfall ſollen dieſe beiden durch
Mun=
kert bzw. Janes erſetzt werden.
Die Anſichten, ob alle Poſten dieſer Mannſchaft wirklich zweckmäßig
beſetzt worden ſind, können auseinandergehen. Immerhin kann man
aber ſagen, daß die Mannſchaft wenigſtens ungefähr die ſtärkſte iſt, die
der deutſche Fußball zurzeit zu ſtellen in der Lage iſt. Gegen die
Oeſterreicher müſſen wir allerdings auch mit unſerem ſtärkſten Geſchütz
auffahren, die böſe 0:6=Schlappe, die der DFB. in ſeinem letzten
Länder=
ſpiel gegen die Oeſterreicher am 1. Pfingſttag in Berlin erlitt, iſt ja
noch friſch in Erinnerung. Die für die „Revanche” aufgeſtellte
reichs=
deutſche Mannſchaft iſt weſentlich ſtärker als die, die Pfingſten ſo ſchwer
geſchlagen wurde. Wir hoffen denn auch, daß ſie wenigſtens ein
gün=
ſtigeres Torverhältnis herausholt.
Sportverein 98 (Jugend).
1. Jgd. — 1. Jgd. Arheilgen dort, 10.45 Uhr; 2. Jgd. — 1. Jgd.
Pfungſtadt, dort, Abfahrt 7.45 Uhr Hauptbahnhof; 3. Jgd. — 2. Jgd.
Wixhauſen, dort; 4. Jgd. — 1. Jgd. Roßdorf, hier, 9.45 Uhr; 1. Schüler
— 1. Schüler Eberſtadt, dort; 2. Schüler — 2. Schüler Eberſtadt, dort.
Schüler fahren mit Auto 8.30 Uhr ab Marſtall bzw. Beſſunger
Turn=
halle.
Das auf den 13. September angeſetzte ſüddeutſche Handball=Endſpiel
zwiſchen SV. 98 Darmſtadt und Sp.Vgg. Fürth iſt wegen des Trau
ningsſpiels der Nationalmannſchaft, bei der Feick (SV. 98) und
Geb=
hardt (Fürth) mitwirken, vorerſt abgeſagt worden.
An der Ruder=Regatta um den Holland=Becher am 18. und 19.
September wird ſich deutſcherſeits, der Jungmannskuller Sauer=
RV. Frankfurt 1865 und der Zweier des Homburger RC.
Ger=
mania beteiligen.
Aus finanziellen Gründen wurde jetzt dem Berliner Magiſtrat
von der Stadtverordnetenverſammlung zugeſtimmt, das Stadtamt
für Leibesübungen aufzulöſen.
Geſchäftliches.
Bankgeſchäft L. Kraemer. Die Firma verweiſt im
heutigen Anzeigenteil auf den augenblicklichen niedrigen
Kurs=
ſtand der 8= und 7,5proz. Goldpfandbriefe, welche im Hinblick
auf ihre Sicherheit eine gute Kapitalanlage bilden, da ſich z. B.
die 8proz. bei dem heutigen Kurs von 82 mit 934 Prozent
ver=
zinſen.
Im Schaufenſter Muſikhaus H. Cruſius, Mühlſtraße 74 (am
Kapell=
platz), iſt zur Zeit eine Original=Bach=Trompete (Amerika)
ausgeſtellt, worauf Intereſſenten beſonders aufmerkſam gemacht werden.
Alle Freunde der aſtrologiſchen Wifſenſchaft wird es ſehr
intereſſie=
ren, daß die Mehrzahl aller guten aſtrologiſchen Kalender für das Jahr
1932 bereits erſchienen ſind. Wir empfehlen das heutige Inſerat der
bekannten Firma „Haus der Bücher”, Bruno Lange, Darmſtadt,
Soderſtraße 10 (Kapellplatz) der Beachtung. Verſand der angezeigten
Kalender erfolgt gegen Voreinſendung des Betrags auch nach auswärts.
Die Natur in ihrer bewunderungswürdigen Weisheit und
ſtaunens=
werten Fürſorge hat uns koſtbare Kräuter beſchieden, die uns als
Vor=
beugungsmittel und als Mittel zur Linderung unſerer Leiden zur
Ge=
ſundheit führen ſollen. In der richtigen Erkenntnis dieſer Kräuter, in
ihrer rationellen Pflege und Behandlung liegt das Weſen des Erfolges,
der Wirkung und der Geſundung. Nur ein richtig kombinierter,
ver=
nünftig zuſammengeſetzter Tee kann die Leiden der Menſchen erfaſſen
und verſcheuchen.
Vulneral=Tee iſt ärztlich empfohlen und beſonders begutachtet bei
Neigung zu Rheumatismus Gicht, Ischias und
Ar=
terienverkalkung. Vulneral=Tee iſt in ſämtlichen Apotheken
er=
hältlich. Die Begutachtung der heutigen Anzeige hierüber, aus der alles
weitere hervorgeht, wird hiermit ganz beſonders empfohlen.
Neues Mineralöllager am Hauptgüterbahnhof.
Vor einigen Tagen hat die Deutſch=Amerikaniſche Petroleum=
Geſell=
ſchaft („Standard‟=Dapolin) ihr neues Lager, Blumenthalſtraße
Nr. 26, in Betrieb genommen. Das eigentliche Lager wird ergänzt
durch eine moderne Tankſtation an der Straßenſeite, die den in
Auto=
mobiliſtenkreiſen rühmlichſt bekannten „Standard”=Kundendienſt bietet.
Die ſchmucke Umrahmung der Tankſtelle, ein fachlich geſchulter,
freund=
licher Tankwart und die breite, bequeme Fahrbahn laden zum Beſuche
ein.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Gleichbleibendes Werktags=Programm. 5.55: Wetter, Gymnaſtik.
O 6.30: Gymnaſtik. O 6.55: Wetter. O 7: Frühkonzert (
Schall=
platten). o 7.55: Waſſerſtand. 12: Zeit, Wirtſchaftsmeldungen.
O 12.05: Konzert. 12.40: Nachrichten. O 12.55: Nauener
Zeit=
zeichen. o 13: Konzert (Fortſetzung) o 13.50: Nachrichten. 14:
Werbekonzert. o 14.40: Gießener Wetterbericht. 15: Zeit,
Wirt=
ſchaftsmeldungen. O 18.30, 19.30: Wirtſchaftsmeldungen.
Sonntag, 6. September.
7.00: Hamburger Hafenkonzert. Glocken vom Großen Michel.
8.15: Weißfrauenkirche: Morgenfeier anläßlich des Dritten Evang.
Volkstages der Landeskirche Frankfurt a. M.
11.30: Leipzig: Bach=Kantate: Wer Dank opfert, der preiſet mich.
Mitw.: Städt. u. Gewandhausorcheſter, Thomanerchor. Soliſten:
Claire Gerhardt=Schultheß (Sopran), H. Fleiſcher (Tenor).
Do=
rothea Schröder (Alt), O. Lindner (Baß), G. Ramin (Orgel),
F. Sammler (Cembalo), Prof. Wollgandt u. K. Münch (Violine).
12.00: Römerberg: Kundgebung anläßlich des Dritten Evangeliſchen
Volkstages.
12.30: Schallplattenkonzert.
13.50: Zehnminutendienſt der Landwirtſchaftskammer Wiesbaden.
14.00: Diplomlandwirt Haack: Landwirtſchaftliche
Abſatzorganiſatio=
nen, ihre Arbeiten und ihre Zukunftsaufgaben. — Schulrat
Kreuz=
berg: Warum brauchen wir die ländlichen Fortbildungsſchulen?
15.00: Stunde der Jugend: Weiße Schwarze, Rote in USA.
16.00: Berlin: Deutſche Kunſtflug=Meiſterſchaften.
16.30: Wiesbaden: Konzert des ſtädt. Kurorcheſters.
18.00: Empfindſame Zwieſprache. Rezitationen von Hildegard Rhode
und R. Rieth.
18.30: Unterhaltungskonzert auf Schallplatten.
18.55: Grete de Francesco: Die Hochſchule für Politik.
19.20: Wetter für die Landwirtſchaft. — anſchl.: Sportnachrichten.
19.30: Kompoſitionsſtunde: Erich Wolfgang Korngold.
20.00: Im Fluge um die Welt. USA.
21.00: Cannſtatt: Abendkonzert des Philharm. Bläſer=Orcheſters.
22.15: Zeit, Wetter, Nachrichten, Sport.
22.40: Tanzmuſik der Funkkapelle. Einlagen, geſungen von Joſef
Brandſtätter.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Gleichbleibendes Werktags=Programm. 5.45:
6.45, 18.55: Zeit, Wetter für den Landwirt. o 6.30: Gymnaſtik.
— anſchl. Frühkonzert. 10:35, 13.30: Nachrichten. 12: Wetter
für den Landwirt. O 12.05: Schallplatten bzw. Schulfunk. O 12.55:
Nauener Zeit. O 14.00: Schallplatten. 15.30: Wetter, Börſe.
Deutſche Welle: Sonntag, 6. September.
6.30: Funk=Gymnaſtik.
7.00: Hamburger Hafenkonzert. Glocken vom Großen Michel.
8.00: Mitteilungen und praktiſche Winke für den Landwirt.
8.15: Wochenrückblick auf die Marktlage.
825: Dipl.=Landwirt Seher: Zehn Jahre Verſuchsringarbeit in
Deutſchland.
8.55: Morgenfeier. Glockenſpiel der Potsdamer Garniſonkirche.
anſchl. Glockengeläut des Berliner Doms.
10.05: Wettervorherſage.
11.00: Stud.=Direktorin Dr. Suſanne Engelmann: Die höheren
Mädchenſchulen.
11.30: Leipzig: Bach=Kantate: Wer Dank opfert, der preiſet mich.
Mitw.: Städt. u. Gewandhausorcheſter Thomanerchor. Soliſten:
Claire Gerhardt=Schultheß (Sopran), H. Fleiſcher (Tenor).
Do=
rothea Schröder (Alt), O. Lindner (Baß), G. Ramin (Orgel),
F. Sammler (Cembalo), Prof. Wollgandt u. K. Münch (Violine).
12.00: Grete Maria Markſtein: „Segen der Erde” von Knut
Ham=
ſun.
12.30: Mittagskonzert des Orcheſters des Königsberger Opernhauſes.
14.00: Jugendſtunde: Märchen.
14.30: Flöten=Konzert. Alfred Lichtenſtein. Am Flügel: M.
Nah=
rath.
14.50: E. Klinghammer: Für die Oſtmark.
15.00: Leipzig: Dreihundertjahr=Feier der Schlacht bei Breitenfeld
am Guſtav Adolf=Gedenkſtein.
16.30: Luna=Park: Blasorcheſter=Konzert.
17.10: P. Spatz: 3000 km im Dromedarſattel.
17.35: Lieder. Mitw.: H. H. Niſſen (Bariton), am Flügel: J.
Bürger.
18.00: Gedächtnisſtunde für Wilhelm Raabe.
19.00: Dr. Brockt: Was iſt Programm=Muſik.
19.30: Ob.=Ing. Zipfel: Tonfilm für Amateure.
20,00: Der Wildſchütz. Komiſche Oper von Lortzing.
22.00: New York: Original=Negermuſik und Negergeſänge.
anſchl. Wetter=, Tages= und Sportnachrichten.
Danach: Tanzmuſik. Oscar Jooſt und ſein Orcheſter.
Weiterbericht.
Der Englandwirbel iſt bereits über unſer Gebiet hinweggezogen und
bewegt ſich über Oſtdeutſchland weiter. Infolgedeſſen geht die
Wetter=
lage mehr und mehr in den Rückſeiteneinfluß über „Kühle, maritime
Luft dringt unter lebhaften Winden über den Britiſchen Inſeln nach
Frankreich vor. Sie verurſacht vorerſt wechſelhaftes Wetter, und in
egleitung der Böenwolken treten Schauer auf. Jedoch wird auch
zeit=
weiſe die Wolkendecke durchbrochen. Die Kaltluft bewirkt gleichzeitig
Barometeranſtieg, durch den wahrſcheinlich mit Beginn der kommenden
Woche die Wetterlage in ruhigere Bahnen gelangt.
Ausſichten für Sonntag, den 6. September: Unbeſtändig und kühler,
wechſelnd bewölkt mit Schauern, ſpäter etwas mehr aufheiternd,
weſtliche bis nordweſtliche Winde.
Ausſichten für Montag, den 7. September: Etwas beſſeres, aber noch
kühles und kein beſtändiges Wetter.
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Seite 16
Das höchſte Haus der Welk
ein Meienftusto.
Ein Opfer der amerikaniſchen Wirtſchaftskriſe.
Der „Empire State Building,, in New York ſteht leer.
Das Haus von 380 Meter Höhe. — Wolkenkratzerdämmerung.
Keine Wolkenkratzer mehr?
Das „Empire State Building” das höchſte Haus der Welt,
das über 102 Stockwerke mit einer Höhe von 380 Metern verfügt,
hat ſich als ein Rieſenfiasko herausgeſtellt, denn es ſteht zum
großen Teil leer. Trotzdem die Amerikaner derartige
Rieſenge=
bäude mit unheimlicher Schnelligkeit bauen, iſt die
Wirtſchafts=
kriſe noch viel ſchneller einhergegangen und hat dieſen gewaltigen
Bau, der viele Millionen gekoſtet hat, vollkommen unrentabel
ge=
macht. Im Jahre 1929, als der Plan aufkam, das größte Haus
der Welt in New York zu errichten, herrſchte in Amerika noch
Proſperity. Die Geſchäfte blühten, wenn es auch nur eine
Scheinblüte war. Aber jeder wußte, daß man mit Geſchäften
Geld verdienen konnte, und ſo wurden die Läden mit
ungeheu=
ren Preiſen bezahlt. Auch die Büros waren ſehr geſucht, und es
gab damals kein beſſeres Geſchäft, als dieſer ungeheuren
Nach=
frage entgegen zu kommen und ein großes Bürohaus zu
er=
bauen. Da Büros in dieſem Falle die Ware ſind, ſo hatte man
beinahe mathematiſch ſicher die Ware verkauft, bevor man ſie
noch beſaß. Ein ſolches Geſchäft iſt die Sehnſucht jedes
Kauf=
mannes, und es iſt darum erklärlich, daß man mit Leichtigkeit
25 Millionen Dollar zuſammen bekam, um endlich einmal ein
Bürohaus zu errichten, das alle bisherigen Rekorde in den
Schatten ſtellte. Dadurch hatte man, noch bevor das Haus
er=
richtet war, nach den genaueſten Berechnungen, die vorher
an=
geſtellt worden waren, alljährlich einen Ueberſchuß von 3 bis 4
Millionen Dollar zu erwarten, abgeſehen von der Verzinſung,
die ſelbſtverſtändlich iſt. Es wurde alſo ein koſtbares Terrain
erſtanden, auf dem das herrliche Waldorf=Aſtoria=Hotel ſtand.
Das Terrain war nicht billig, denn auch das Hotel brachte viel
Geld. Aber die Kalkulationen zeigten, daß man das Geld an=
Sonntag, den 6. September 1931
wenden konnte. So wurde ein koſtbarer Bau abgeriſſen, und
das Rekordhaus trat an ſeine Stelle. Nun zeigte es ſich, daß
unter Umſtänden auch die Berechnungen der tüchtigſten
Finanz=
männer falſch ſein können. Von Ende 1929 bis jetzt, wo das
Haus fertiggeſtellt wurde, hatte ſich die Konjunktur ganz
erheb=
lich verändert, und an Stelle des wirtſchaftlichen Aufſchwungs
trat nicht nur ein Stillſtand, ſondern ein unheimlicher
Rück=
ſchritt der Entwicklung ein. Die Geſchäfte arbeiteten mit
Unter=
bilanzen, die Läden wurden leer und die Bürohäuſer litten
darunter, daß die Inhaber der Büros oft nicht mehr die Miete
zahlen konnten. Während im Jahre 1929 noch auf jedes
leer=
ſtehende Büro 10 Bewerber kamen, kommt jetzt auf 10 leerſtehende
Büros nicht einer. Das Haus der 102 Stockwerke, das über
12000 Zimmer verfügt, ſucht nun Kunden, aber es findet keine.
Ungefähr 25 Prozent der vorhandenen Büros ſind vermietet. Der
Reſt ſteht leer. Es iſt auch vor der Hand keine Ausſicht
vor=
handen, daß wieder eine ſo ungeheure Nachfrage nach Büros
entſtehen wird, die eine Rentabilität des gewaltigen Gebäudes
ermöglichen wird. Der Grund und Boden von New York iſt
bekanntlich ungeheuer teuer, weil er ſehr begrenzt iſt und der
ungeheuren Vermehrung der Bevölkerung nicht Rechnung tragen
kann. Was aber jetzt gebraucht wird, das ſind Wohnungen und
nicht Büros. Außerdem macht ſich auch in den großen Städten
von Amerika das Beſtreben bemerkbar, die Wohnungen
außer=
halb der Stadt zu wählen. Es ſcheint, als ob eine
Wolken=
kratzerdämmerung eingetreten iſt. Zwar werden augenblicklich
noch mehrere Rieſengebäude in New York und anderen
Groß=
ſtädten errichtet, aber ihr Bau iſt ſchon begonnen worden, als
in Amerika noch Hochkonjunktur herrſchte. Die Wolkenkratzer
enthalten hauptſächlich Büros. Es ſteht darum zu befürchten,
daß auch ſie alle nach der Fertigſtellung ebenſo leer ſtehen
wer=
den, wie der „Empire Staate Building‟. Darum iſt kaum
da=
mit zu rechnen, daß man noch weiter den Bau dieſer
Rieſen=
häuſer betreiben wird. Die Wolkenkratzer, die das eigentliche
Wahrzeichen von New York ſind und auch anderen
amerika=
niſchen Städten ihr charakteriſtiſches Gepräge geben, haben ſich
anſcheinend überlebt. Die Entwicklung geht wieder zurück zu den
kleinen Häuſern. In Deutſchland iſt man augenblicklich dabei,
Nummer 247
vielfach derartige Hochhäuſer zu errichten. Wo ſie für
eigen=
große Betriebe erbaut werden, dort ſind ſie am Platze, denn 5
i=
benutzen den billigen Raum der Luft, um die notwendiger
Räumlichkeiten zu ſchaffen. Aber wo ſie dem Gelderwerb diener
ſollen, der Vermietung für Bürozwecke, dort ſind ſie auch j.
Deutſchland vielfach der Entwicklung nachgehinkt. In
Berki=
gibt es z. B. derartige Rieſenhäuſer, die gleichfalls größtenteil.
leerſtehen und auf die Mieter warten. Die Büros ſind
au=
bei uns nicht mehr ſo begehrt, daß ſich derartige Gebäude ver
zinſen können. Die wirtſchaftliche Kriſe hat Europa ebenſo über
raſcht wie Amerika.
Ein neuer Trick.
(n) Budapeſt. Wie der „Magyarſag” berichtet, blieb vo
einigen Tagen der fahrplanmäßige Schnellzug, nachdem die
Lok=
motive minutenlang Pfeifſignale gegeben hatte, wenige hunder
Meter hinter der Station Marosvaſarhely auf freier Strecke plöt
lich ſtehen. Die Paſſagiere, die den Zug verließen, um die Urſach
dieſes plötzlichen Anhaltens zu erfahren, ſahen dicht vor der Loke
motive einen Zigeuner mit fünf ſplitternackten Kindern aue
über den Schienen liegen. Der Zigeuner geſtand, daß er die Ab
ſicht gehabt habe, ſich mit ſeinen fünf Sprößlingen überfahren z
laſſen, da die Zeiten einfach unerträglich geworden ſeien, und e
weder durch Muſizieren noch durch Keſſelflicken auch nur eine
Heller für den Lebensunterhalt ſeiner vielköpfigen Familie meh
verdienen könne. Seine zu Herzen gehende Darſtellung erregt
das Mitgefühl der Zuginſaſſen, ſie ſammelten für ihn, überreichte
ihm eine anſehnliche Summe, und nun erſt, nach über eine
Viertelſtunde Aufenthalt, konnte der Schellzug wieder abfahren
In den nächſten drei Tagen wurden ſieben Schnellzüge au
dieſe Weiſe von dem armen Zigeuner und ſeinen Kindern auf
gehalten. Auch der achte Schnellzug hielt prompt an — ſtatt de
mitleidigen Paſſagiere aber entſtiegen ihm die Gendarmen un
entführten den phantaſievollen Sohn der Steppe und ſeine Nach
kömmlinge dorthin, wo ſie ſich vorläufig keine Sorgen mehr un
ihr tägliches Brot zu machen brauchen, da ſie es vom Staate
ge=
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8. Beptember 1931
Nummter 37
einem vorzüglichen Jahrgang nicht ſelten aus
„erſter Hand” 6 bis 8 Mk. die Flaſche. Der
Weinprüfer auf den Auktionen hat eine ſo
feine Sunge, daß er nach einem Schluck oft
ſchon auf den Jahrgang, nicht ſelten ſogar
auf die Heimat und den Weinberg ſchließen
kam.
Die diesjährige Weinernte ſoll, aller
Vorausſicht nach, nicht glänzend, wohl aber
gut ausfallen. Es wäre den deutſchen
Win=
zern zu wünſchen, daß nicht nur der Ertrag,
ſondern auch die Qualität des Jahrganges
1951 ihre Arbeit lohnte und einen Ausgleich
für die ſchweren Schädigungen des
Miß=
jahres 1929 ſchaffte, die noch immer nicht
iberwunden ſind.
Naimund=Koblenz.
Die Erntezeit für den Weinbauern beginnt — jetzt ſoll ſich zeigen, od
alle Mühe und Arbeit, die ein Jahr lang der Pflege des Weinbergs galt,
vergeblich war oder Früchte trägt. Und auch mit dem Früchtetragen allein
iſt es nicht getan — es wäre kein Sonderfall, wenn eine reiche Craubenleſe
dennoch einen Wein ergeben würde, der an Geſchmack nicht den
Erwartun=
gen der Weinbauern entſpricht. Negen, Wind, Froſt, Schädlinge, mangelnde
Sonne — alles kann ſich gegen eine Weinernte einſetzen. Denn guter Wein
iſt bekanntlich eine Gottesgabe — um Gottesgaben gibt es nichts zu rechten!
Der Weinbauer kann allein tun, was zur Vorbereitung eines Ernteſegens in
ſeinen menſchlichen Kräften ſteht — — — Und warten, und hoffen!
In den Weingegenden Deutſchlands, an Rhein und Moſel, Neckar und
Saar, ſucht man jeden Sonnenſtrahl an die Berghänge zu bannen, die ſchräg
geſtellten Schieferplatten fangen ſie auf, und die hellen Mauern, die die
Berge durchziehen, dienen oft dreifachem Sweck — als
Grenze der Weingüter, als Schutz vor Negengüſſen, die
ſich lawienartig und vernichtend an den Bergen
her=
niederſtürzen würden, und als primitive Neflektoren des
Sonnenlichtes: Die dünne Erdſchicht der Weinberge wird
190 Millionen Hektoliter Wein!
Frankreich hat als das im Verhältnis
am ſtärkſten weinbautreibende Land der
Erde zu gelten. Es erzeugte im Durchſchnitt
der letzten Jahre jährlich 58 Mill.
Hekto=
liter Wein, die 14 Millionen Hektoliter in
Algerien gezogenen Weins nicht
mitgerech=
net. Den Hauptanteil an der franzöſiſchen
Erzeugung haben die Burgunder und
Bor=
deaux=Weine, an zweiter Stelle ſtehen die
Weine der Champagne.
Italien erntet im Jahr durchſchnittlich
47 Mill. Hektoliter — das ſonnige Spanien
ſteht an dritter Stelle mit etwa 20 bis 25
Mill. Hektoliter. Numänien mit 6 Mill.
Hektoliter, Portugal mit 4 Mill., Ungarn
mit 5 Mill. Hektoliter Wein folgen erſt mit
größerem Abſtand. Griechenlands ſeit dem
Altertum berühmten Weine — 2 Millionen
Hektoliter — finden vor allem ſtarke
Aus=
fuhr nach Deutſchland. Jugoſlowien hat faſt
4 Millionen Hektoliter jährliche Weinernte,
Bulgarien nicht ganz 2 Millionen. Deutſch=
Oeſterreichs ſtark zuſammengeſtrichene
Wein=
baugebiete erzeugen nach dem Durchſchnitt
des Jahres 1928 800 000 Hektoliter Wein
— die gleiche Menge wie die Schweiz.
Die deutſche Weinernte bringt im
Durch=
ſchnitt 2 Millionen Hektoliter. Wein —
ent=
ſprechend einem Wert von etwa 200 Mill.
Reichsmark. Staffelweiſe ſind an dieſem
Ertrag beteiligt die Rheinpfalz mit 620 000
Hektolitern, Baden mit 421 000,
Rhein=
heſſen mit 354 000, Moſel und Saar mit
264 000, Württemberg mit 233 000,
Rhein=
gau mit 53000 Hektolitern und Franken
und das Naheland mit je über 40 000
Hekto=
litern.
Außerhalb Europas ſteht in der
Wein=
erzeugung Argentinien mit ſeinen 5 Mill.
mit Dünger vermengt, der oft Korb für Korb auf dem
Nücken hinaufgetragen werden muß. Steckling und
Ab=
leger der Neben werden eingeſetzt und mit
Schieferplat=
ten umgeben. Und dann beginnt die mühſelige,
ſchwie=
rige Aufzucht dieſes jungen Stockes, der einmal Crauben
ragen ſoll.
Das geſchieht erſt nach drei oder vier Jahren —
wenn inzwiſchen Froſt und Schädlinge ihn verſchonten.
Das Durchſchnittsalter der Nebſtöcke beträgt vierzig,
fünfzig Jahre — wenngleich es tüchtige alte Veteranen
Kleine Weinprobe an Ort und Stelle
ßer als Erbſen! In Körben und
röhrenför=
migen Nückenbehältern geſammelt, werden
die Crauben mit Stielen in die großen
Bot=
tiche geſchüttet, wo ſie ſofort in eine Preſſe
geraten. Der noch nicht ausgegorene
Crau=
benſaft, ſüß und „ſüffig”, erfreut ſich als
„Moſt” allgemeiner Beliebtheit. Schon nach
einigen Cagen kann der Wembauer
feſtſtel=
len, ob der Wein gut oder ſchlecht ausfällt.
Iſt der Wein zu ſauer, ſo wird ein Prozent
Sucker hinzugeſetzt; allerdings darf dieſer
Wein dann nicht mehr als Naturwein in den
Handel gebracht werden.
Der Weinbauer verkauft ſeine Ernte,
wenn er nicht feſte Abnehmer hat, auf der
Auktion. Jedes Faß gilt als „ein Stück”,
das halbe Faß als „halbes Stück”. Auf
Flaſchen gezogen, bringt ein guter Wein aus
gibt, die bis zum 100. Lebensjahre Früchte
tragen. Die dünnen Sichtenſtämme, die man
der Nebe zum Aufranken gibt, ſind zwei bis
fünf Meter lang — große Berge tragen oft
bis 6000 Weinſtöcke, einen jeden zu einem
Wert von 5—7 Ak. Solche Werte können
oft durch einen einzigen unvorhergeſehenen
Nachtfroſt vernichtet werden.
Die Weinleſe, die Erntezeit der Winzer,
iſt ſelbſt heute, in einer Seit großer
Schwie=
rigkeiten, eine frohe Seit. Ju. g und alt
diehen zur Craubenleſe — die Winzer
ver=
dient 2—5 Mk. am Cag, die Frauen etwas
weniger. Die „Obſtleſe” — die Ernte der
Cafeltrauben — wird unterſchieden von der
„Weinleſe‟. Nicht nur die großen Crauben
eignen ſich zur Weinbereitung; an der Moſel
beiſpielsweiſe ſind die Beeren oft nicht grö=
Die Craube kommt ſofort in die Preſſe.
[ ← ][ ][ → ] Wilhelm Raabe.
Sum 10o. Geburtstag am 8. September.
Von Hans Gäfgen.
Was weiß die Gegenwart von Wilhelm Naabe, was lieſt
ſie von ihm? Die Chronik der Sperlingsgaſſe” vielleicht,
viel=
leicht auch noch den „Hungerpaſtor”; das übrige Schaffen aber
dieſes großen deutſchen Erzählers hat ſich noch nicht den Weg zu
weiteren Leſerſchichten zu bahnen vermocht, die heute mehr denn
je dem Cag verfallen ſind und dem, was er an literariſchen
Er=
zeugniſſen hervorbringt. Fragen Sie einen Menſchen, der viel
lieſt, nach Naabes „Kindern von Finkenrode”, nach ſeinem erſten
großen Noman, „Die Leute aus dem Walde”, nach den „Fernen
Stimen” dem „Schüdderump” dem „Negenbo en” um nur
einiges aus den achtzehn Bänden zu nennen, die das Werk eines
Mannes umſchließen, dem nur ganz wenige aus dem Neich der
deutſchen Dichtung an die Seite zu ſtellen ſind, — fragen Sie
einen Menſchen nach dieſen Büchern; wenn er ehrlich iſt, wird er
faſt ſtets antworten: „Ich kenne ſie nicht.” Gewiß, Naabe
er=
ſchließt ſich nicht leicht; man kann ihn nicht herunterleſen, wie
einen Unterhaltungsroman; er will erarbeitet ſein, damit ſich die
Fülle ſeiner Geſichte, der unendliche Reichtum des geſchichtlichen
Hintergrundes erſchließt, vor dem er die Geſchehniſſe ſeiner
Bücher ſich abſpielen läßt. Aber wer ſich einmal zu ihm
durch-
gerungen hat, den läßt er nimmer los, der kehrt zu ihm zurück,
gern und oft, lieſt ſeine Werke immer und immer wieder,
und damn am liebſten, wenn das Herz am meiſten troſtbedürftig
iſt und zerſchliſſen vom Cag und ſeiner Haſt. Dann legen ſich die
Worte dieſes Erzählers in ihrer Schlichtheit und Größe wie
Balſam auf unſere Seele; ſeine Gedanken, oft von überraſchender
Originalität und faſt prophetiſcher Sukunftsſchau, ſind um uns,
wie buntes Salterſpiel über Wieſen, und ſeine Weisheit nimmt
uns väterlich an der Hand und führt uns zurück zu den Quellen,
den nimmer verſiegenden Quellen unſeres Seins. Ich ſchlage eben
im ſechſten Band der dritten Serie von Naabes „Sämtlichen
Werken” eine Seite auf und leſe unter den „Gedanken und
Einfällen”: „Und wenn ſie noch ſo genau den Düngerhaufen
be=
ſchreiben, die Wieſe im Morgentau und Sonnenglanz behält doch
ihr Necht”, und da ich umblättere, fällt mein Blick auf dieſes:
„Wenn dieſes Sündflutgewäſſer verdammter Literatur ſich ſenkt,
dann wird ſich abheben eine Inſel mit ſchroffen, ſchwer
zugäng=
lichen Landungsſtellen, zornig und drohend anzuſehen; aber im
Innern voll von Blumen und Palmen, ſüßen Stimmon uſw.”
Der Mann, der ſolches ſchrieb, war einſam in ſeinem
tief=
ſten Innern, wie alle Großen einſam waren und ſein werden. Die
Gründerzeit”, die dem Krieg 1870/1871 folgenden Jahre voll
Reichtum und kraß aufſteigendem Materialismus, verſchütteten
auch das Werk Wilhelm Naabes, ließen ihn in den Hintergrund
treten, aus dem er heute langſam, ganz langſam wieder
hervorzu=
treten beginnt, geliebt von Wenigen, deren Sahl aber, nicht
zuletzt durch den Ernſt der Seit, die zur Selbſtbeſinnung und zu
inerer Läuterung mahnt, zu wachſen beginnt, bis — in Jahren
vielleicht, vielleicht auch erſt in Jahrzehnten — das deutſche Volk
erkennen wird, von welchem Nange dieſer Wilhelm Naabe war,
der ſchlicht durch ein einfaches, vom Kampf ums tägliche Brot
nur ſelten verſthontes Leben ging, em Leben, das ohne
Senſa=
tionen verlief, anhebend in Eſchershauſen an der Lenne,
hinüber=
leitend zur Kinderheimat Holzminden, und weiterführend nach
Wolfenbüttel, wohin der zuerſt zum Buchhändler beſtimmte und
dann in Berlin Philoſophie hörende junge Dichter heimkehrte,
um mit der „Chronik der Sperlingsgaſſe” einen ſtarken Erfolg
zu erzielen. Eine große Reiſe, die i Prag, Bamberg,
Würz=
burg, München, Stuttgart, Frankfurt, Mainz und Wiesbaden
beſonders ſtarke Eindrücke vermittelte, ſchloß ſich an. Nach
ſei=
ner Verheiratung mit Bertha Leiſte im Jahre 1862 ließ ſich
Naabe dann für acht Jahre in Stuttgart nieder, umgeben von
einem Kreis verſtehender Freunde, ohne Beziehungen aber zu
dem ſehr zurückgezogen lebenden Mörike und zu Viſcher. Seit
1870 finden wir den Dichter in Braunſchweig, im „Großen Klub”
als eifriger Seitungsleſer bekannt, im Kreiſe der „Kleiderſeller”
das unbeſtrittene Haupt. Der Erfolg der „Chronik” blieb ihm
nicht treu; Verleger mußten geſucht werden, und oft pochte die
Man mut Bücher ſchreiden, die gewimen, wenn das Geſchlncht, das ſie ſpäter Leſt,
andere Nöcke und Hoſen trägt. — 6. Sept. 1873. Nachts 111/. Uhr.
Not an das Heim des Mannes, dem es faſt nie gelang, über ein
Jahreseinkommen von 2500 Mark hinauszukommen, wobei ihm
die hausfrauliche Cüchtigkeit ſeiner Frau ſehr zuſtatten kam, die
es vermochte, bei dieſem, auch vor fünfzig Jahren nicht
anſehn=
lichen Betrag Erſparniſſe zu machen, die dann und wann eine
kleine Reiſe geſtatteten. Der 70. Geburtstag ſah dann den Dichter
als berühmten Mann, dem die Univerſitäten die Würde des
Ehrendoktors verliehen, der geliebt wurde von vielen aus allen
Kreiſen des Volkes. Am 15. November 1910 ſtarb Wilhelm
Raabe. Wilhelm Brandes ſprach an der Bahre des
Entſchla=
fenen dieſe ſchönen Worte: „Dein Lebenswerk, du Deutſchlands
Gewiſſen, wird auch ferner durch unſer zwanzigſtes Jahrhundert
gehen als eine jener unerſchöpflichen Kräfte, die Gott ſeinen
Völ=
kern ſchickt zu einem Segen für Seit und Ewigkeit”.
Eine Schauvorſtellung am
Waldrand.
Von Walter Schweter.
Viele hundertmal ſchon bin ich auf weiten Wanderungen
geweſen, oft weit über die Grenzen unſeres ſchönen Vaterlandes
hinaus — ohne mehr und Bedeutenderes und Schöneres erlebt
und geſehen zu haben, als auf einem kleinen Gange durch das
mir immer nahe FSeld, oder meinen Heimatwald. So kam ich auch
nach Italien, bis nach Rom und in die Campagna, und ſah, daß
es auch dort nicht mehr Schönes gibt, als bei uns daheim zwiſthen
den Maſuriſchen Seen und dem Hohen Venn, von den Sudeten
und dem Bayeriſchen Hochland und Urwald bis zu dem
Kaiſer=
ſtuhlgebirge von dem Schwarzwald.
Und viele tauſendmal ſchon wollte ich weit, weit
hinauswan=
dern, und kam nur bis zum nächſten Bachrand, bis zur nächſten
Waldlichtung oder gar nur bis zur erſten blühenden
Quendel=
ſiedlung. Es iſt auch jedem zu raten, an einem ſchönen
Spät=
ſommernachmittag einmal nur bis zu ihr zu geben und ſich dort
ein Stündchen, oder beſſer noch ein wenig länger, hinzuſetzen,
denn er ſieht hier oft in ganz kurzer Seit alle ſchönen bunten
Schmetterlinge, alle Bienen und Hummeln der weiten Umwelt zu=
und abfliegen. Er kann auch viel lernen dabei: Geduld
Stille=
ſein, Beobachten und ſo manches andere noch, denn hier ſtört
keins das andere dieſer leichtbeſchwingten Gäſte; ſie nippen alle
nur ein wenig von der Süßigkeit der ſtark duftenden Blüten und
fliegen ſtill wie Himmelsboten oder mit einem befriedigt
klingen-
den Summen oder Brummen wieder davon.
Eimmal, als ich wieder ſtill vor ſolch einem Quendelpolſter
ſaß und mich freute über das wundervolle Farbenſpiel der
Schmet=
terlinge, der blauen und gelben und roten und braunen, der
be=
tupften und geränderten, geſtrichelten und wie mit feinen Sarben
beſpritzten, und mich verſenkte in das Spiel ihrer feinen Glieder
und in das märchenhaft lautloſe Schweben der bunten,
hauch=
zarten Flügel und dachte: Iſt das hier nicht die ſchönſte
Schau=
vorſtellung, da war ſie es wirklich.
Dicke Hummeln waren da auf einmal auf meiner
Schau=
bühne erſchienen, die ganz wie dumme Auguſte, ganz wie
Spaß=
macher zwiſchen den Faltern umherpurzelten, und dieſe zeigten
Hmmmmmmmffmffmmfmfmff
ſich jetzt wie die zierlichſten Bühnentänzerinnen, nur daß ſie eine
noch leuchtenderen und prächtigeren Sarbenreichtum zur
Sch=
trugen. Und dicht hinter der kleinen Bühne zwiſchen den Ston
geln der Glo= enblumen lief Fräulein Araneina, das Spinncher
auf dem hohen Seil, und am Baumſtamm neben mir der muntor
Kleiber auf und ab als Kletterkünſtler, der ſeine Sache noch
beit=
verſtand als der geſchickteſte gelbe aus dem fernen Oſten; de
lief lange nicht ſo gut ſtammauf wie unſer kleiner deutſch
Freund, und kopfunter, ſo wie bei ihm, gings bei dem Gelbe
überhaupt nicht.
Und als ich mich noch freute über die ſchöne und ſpottbilti,
Vorſtellung im Grünen, da wurde mein Blick von neuem auf o
anderes Schauſpiel gezogen.
Dicht vor mir im Graſe bemühte ſich plötzlich ein dicker ſtoh
blauer Käfer, ſchnell einen der hohen Halme zu erklettern, vie
leicht, um von der luftigen Höhe leichter ab- und davonflieg.
zu können, oder als kleine Curnübung, um ſchlanker zu werde
am Ende auch, um Ausſchau zu halten, ob die
Lebensbedingung=
anderswo beſſer ſchienen.
Er war ſo eifrig bei der Sache, daß er ſich von der Nöl
meiner Fußſpitzen nicht im geringſten ſtören ließ. Mit den dünne
Beinchen hatte er zwei Halme, umklammert und kam leidli
ſchnell in die Höhe. Sobald er aber an den unterſten Blüter
riſpen war und ſeine Arme ausbreitete, um ſie zu umfaſſen m
ſo an die Spitze des Grasturmes zu kommen, verlor er den Ha
und wie ein Holzſtückchen rutſchte er an den glatten Halmen gt
wärts und mit einem hörbaren Schlag auf die harte Erde.
Aber nicht eine Sekunde zögerte er mit dem neuen Ver
ſuch, und ſchnell war er wieder oben an den ſich immer breit,
machenden Riſpen. Doch kaum waren ſeine ſteifen
Aermch=
wieder offen, da war er ſchon am Nutſchen. Diesmal aber hat
er im Nu ſeinen Fallſchirm ausgeſpannt, und mit ausgebreitete
Slügeln kam er unten an, ſanft, aber doch brummig genug.
Jetzt ging’s ohne Beſinnen abermals hinauf, aber wiederu
geboten ihm die Graszweigchen Halt, und unſer Dicker war nich
chnell genug mit dem Packen der Riſpen. Und, kaum gedacht
war der Luſt ein End gemacht, und er wieder auf der Erde.
Aber da hättet Ihr ſein dummes Geſicht ſehen ſollen un
ſeine ärgerliche Hin= und Hertrampelei im Graſe!. Doch meit
Ihr, er hätte ſeine Sache nun aufgegeben? Keineswegs! Nu
nahm er jetzt drei Halme auf einmal in die Arme, und wiede
gings ans Klettern. Doch, es war wirklich zum Lachen, er fi
abermals herab.
Da verſuchte er es ein fünftes Mal — ja, es war ein Dick
kopf — und — wiederum kam er vor dem Siel ins Nutſcher
Jetzt hörte man wirklich die Gräſer lachen.
Und nun, was denkt Ihr, drehte er ſich, ſo ſchnell es ſein
Wohlbeleibtheit erlaubte, und lief ſo eilig und ſo brummig davor
als ob ihm unheimlich zu werden begine.
Der junge und der alte Wolf.
Von Nalph Urban.
Am 6. Februar 1924, zur Seit des Hochſommers auf der
ſüdlichen Erdhalbkugel, erhielt der Kommandant der Militär=
Sliegerſtation von Mormanton an der nordauſtraliſchen Küſte
den funkentelegraphiſchen Befehl, nach dem vermißten Flugzeug
Nr. 87 der Luftſchiffahrtsgeſellſchaft von Adelaide zu ſuchen. Die
Maſchine war drei Cage vorher von emem Engländer, dem
Be=
ſitzer auſtraliſcher Goldfelder, für den Flug nach der Nordküſte
gemietet worden, war zuletzt in Odanatta (Sentralauſtralien)
zwiſchengelandet und ſeither mit Fahrgaſt und Piloten
verſchol=
len. Gleichzeitig wurde dem Kommandanten mitgeteilt, daß der
Ueberland=Celegraph zwiſchen Creek Station und Alice Springs
unterbrochen ſei, was als Notſignal gewertet werden könnte. —
Bald darauf erhob ſich vom Flugplatz ein mächtiger Doppeldecker,
um die Suche nach dem Vermißten aufzunehmen.
Um dieſe Seit hatten vier Menſchen alle Hoffnung hinter ſich
gelaſſen.
Wolfgang Bras, der alte Wolf, wie ihn die ſpärlichen
Nach=
barn zum Unterſchied vom jungen Wolf, ſeinem Sohn, nannten,
kam ſtets zum Monatsende nach ſeiner winzigen Schaffarm, ſagte
dem jungen Wolf „guten Cag”, legte ſich ins Bett und ſchlief
drei Cage und drei Nächte. Das machte den Hauptteil der
hun=
dert Stunden Schlaf aus, die ihm ſein Dienſt im Monat erlaubte.
DDer alte Wolf führte die achtſpännige Poſtkutſche von Alice
Springs fünfhundert Kilometer weit ins Innere bis nach
Geor=
gia Village. Einmal im Monat hin und zurück, 12000
Kilo=
meter jahrein, jahraus. Die Pferde, die die Farmer beiſtellten,
wurden bei jeder Station gewechſelt, der Poſtmann blieb. Von
weit und breit kamen Farmer, Jäger, Fallenſteller zu den
Poſt=
ſtationen, wenn der alte Wolf fällig war, demn er kam ſo
pünkt=
lich, daß die Leute nach ſeinem Emtreffen die Uhren richteten.
Kaum hielten die ſchaumbedeckten Pferde, wurden friſche Ciere
in das Geſchirr geſpannt, die Poſt verteilt, und mit
Peitſchen=
geknall ging die wilde Jagd weiter, über die holprige Buſchſtraße,
über die Steppe oder durch das Sandmeer der Wüſte — Cag und
Nacht. Der Waſſervorrat, der mitgeführt werden konnte, war
beſchränkt, und wenn es von Brunnen zu Brunnen durch die
Wüſte ging, mußte der alte Wolf aus den Pferden alles
heraus=
holen, denn er fuhr um ſein Leben. Wehe, wenn zur Seit der
Dürre einmal ein Wüſtenbrunnen austrocknen würde oder wenn
die Pferde verſagten. Wenn der alte Wolf den Dauerſchlaf
da=
heim beendet hatte, holte er das verſäumte Eſſen auf einmal nach
und unterhielt ſich einige Stunden mit ſeinem Sohn. Da es keine
Schulen gab, erteilte er ihm ſelbſt ein wenig Unterricht und
ſprach mit ſeiem Jungen Deutſch, denn der alte Wolf war 20
Jahre vorher in Auſtralien eingewandert. Mit der vierten Nacht
ging ſein Heimurlaub zu Ende; da ritt er fünf Stunden lang
nach Georgina Village, um ſeinen Dienſt anzutreten. Der junge
Wolf ſollte einmal das Amt ſeines Vaters übernehmen.
Die Farmer ſchüttelten die Köpfe, als an jenem
denkwürdi=
gen Abend die Poſt in Georgina Village zum erſtenmal nicht
ein=
traf. In den zwölf Jahren ſeiner Dienſtzeit war es noch nie
vor=
gekommen, daß der alte Wolf ſich verſpätet hatte. Mit
Beſorg=
nis wartete man die ganze Nacht. Am Morgen galoppierte der
junge Wolf los, entſchloſſen, auch durch die Wüſte zu reiten,
wenn er dem Vater nicht eher begegnen ſollte. Es wurde ein
ſchlimmer Nitt. Am dritten Cage ſchritt der junge Wolf, das
erſchöpfte Pferd am Sügel, durch den glühenden Sand der Wüſte.
Immer, wenn er die Höhe einer Düne erreichte, ſah er
hoffnungs=
voll in der Ferne einen grünen Fleck, den Brunnen. Er wußte,
wie man Entfernungen in der Wüſte uterſchätzt, und daß es
noch Stunden währen mochte, bis die Herrlichkeit dort zur
Wirk=
lichkeit würde. Der Waſſerſchlauch vor dem Sattel war leer, die
zwei Feldflaſchen an ſeinem Gürtel waren nur für den Fall der
ärgſten Not.
Ein Surren lenkte ſeine Aufmerkſamkeit auf ſich, und bald
entdeckte er im Blau des Himmels einen großen ſilbernen Vogel.
Es war das zweitemal, daß er ein Flugzeug ſah; ſelten nahm eins
ſeinen Kurs über das unbewohnte Innere des Landes. Die Ala=
ſchine kam raſch näher. Schon konnte der Junge auf den untere
Seiten der Cragflächen je eine große „87” entziffern, als da
Knattern des Motors ausſetzte und wieder anſprang, um ſchließ”
lich endgültig zu verſtummen. Dann fiel das Flugzeug unheimtic!
raſch, zog eine ſcharfe Schleife, kam auf etwa vierzig Meter 909
herab, trudelte einen Augenblick unbeholfen und ſackte ſchrag (d
Ein Krachen, ein Splittern, dann Nuhe. Der junge Wolf ſa)
ſchon im Sattel, und nach wenigen Minuten befand er ſich an 9e=
Unglücksſtelle und zog zwei Männer aus den Crümmern heroee
Sie waren am Leben, wenn auch arg zugerichtet. Nach beſien
Kräften machte der Junge den Samariter, reinigte die Wungel
mit dem Waſſer aus der Feldflaſche, benützte Streifen aus ſeile!
Wäſche als Verbandszeug und ſchiente das gebrochene Bei 9e‟
Piloten mit Holzteilen der zertrümmerten Maſchine.
Der junge Wolf atmete auf, als die Verunglückten erklar”
ten, das achtſpännige Fuhrwerk nicht geſehen zu haben, denn Ilat
konnte er hoffen, daß ſeinem Vater in der Wüſte nichts zugeſtoß-"
ſei. Ohne Bedenken hinterließ er den Verletzten den Neſt ſeile”
Waſſervorrates, verſprach, bald wiederzukommen, und ritk L-"
Brunnen zu. Pferd und Neiter taten ihr Beſtes, um die Oal
möglichſt raſch zu erreichen. Der junge Wolf hatte nicht Me2
die Kraft, darüber nachzudenken, wie die Nettung der Bernt.
glückten bewerkſtelligt werden könnte; er hatte jetzt nur Eile
Gedanken und nur eine Hoffnung: Waſſer! Als er endlich.2"
winzige Oaſe erreicht hatte, ſah er, daß eine Geſtalt mit Ale8 Armen auf ihn zuwankte. Es war der Vater, und 2e‟
Wiederſehen wurde traurig. Der Brunnen war ausgetroſtl."
Den Blick ſtarr geradeaus gerichtet, die verdorrten Lppe
zuſammengepreßt, aber mit dem heiligen Willen des Soldaien, ”
die letzte Hoffnung auf lich gerichtet weiß, ſchritt der junge BN
durch die Wüſte. Es kam ihm nicht in den Sinn, wie ausſtichte
los und lächerlich der Verſuch eines Verdurſtenden ſei, die Nedis
Kilometer lange Strecke bis zur Ueberlandtelegraphenlmie D9i
Labung zurückzulegen, um die Orähte zu zerſchneiden. (On Züll.S
lien iſt es AMenſchen in Not erlaubt,” durch, das Serſtoren, Ie
Ich hatte nun lange genug auf dem gleichen Platz geſeſſen
wollte ihn wechſeln. Drum ging ich ein Stückchen rückwarts
zum nächſten Baumſtumpf und fuhr, da mir der Sitz ein wenig
ig zu ſein ſchien, leicht mit der Hand darüber hin. Da hörte
ein lautes Knipſen und ſehe zwei kleine Schnellkäfer in der
1 t herumwirbeln, dann den einen den Sprung wiederholen, und
beide davonhaſten. Meine Hand hatte alſo zwei der böſen
ſollen, deren Sippe mir mit ihren Larven, den
Drahtwür=
en, ſchon ſo manchen ſchönen Salatkopf im nahen Garten —
liegt nur wenige hundert Meter von meinem Waldrand ent=
7t — zerſtört hatte, vom Stamme gefegt.
Da ich doch ſchon vor einer Schauvorſtellung ſaß, wollte ich
dieſe neue „Attraktion” wie der Deutſche ſo ſchön ſagt,
nn er ein Glanzſtück meint, nicht entgehen laſſen. Bald hatte
die beiden Springkünſtler in der geballten Hand, ließ ſie
nnen erſt einmal gehörig anrennen mit ihren harten Köpfchen,
) warf ſie dann ſanft wieder auf die Nücken, mir ſo das
un=
deuer feſſelnde und luſtige Kunſtſtück des Indieluftſchnellens
ederholen laſſend. Noch ein drittes und viertes Mal und, als
lah, wie leicht das bei ihnen ging und wie ſie das nicht im
ingſten zu ermüden ſchien, noch einige Male mehr ließ ich mir
kühnen Sprünge vormachen, denn ſo ſchön hatte ich ſie noch
geſehen. Es waren wohl zwei beſonders gewandte Kerle.
e Höhe ihres Emporſchnellens übertraf gewiß noch das
dreißig=
be ihrer Größe. Da hätte kein Menſchenkünſtler mitgekonnt!
d dieſe ganz gewaltigen Sprünge taten und tun dieſe kleinen
rle nur, um wieder auf die Beine zu kommen, wenn ſie auf den
icken fallen.
Das war alſo die Schauvorſtellung am Waldrand, ein
Schau=
el, wie man es ähnlich hundertmal draußen erleben kann. Die
ortragsfolge wechſelt ſtändig und auch die Reihe der Künſtler.
nmal fehlt das Schnellkäferpaar. Dann tritt aber beſtimmt
s Eichhorn auf oder der Herr Specht. Fehlt die Hummel als
ime Auguſte, dann wind der Feuerſalamander ſeinen faulen
ruber entfalten. Bleiben die Cänzerinnen aus, dann zeigen
d gewiß Waſſerjungfern als fabelhaft geſchickte
Flugzeuglen=
rinnen, und, da du nun gerade am Waſſer ſitzt, auch die kleinen
igbeinigen Waſſerläufer, die wie auf Schlittſchuhen über den
anzenden Spiegel gleiten. Und die Muſikanten ſind Amſel,
roſſel, Fink und Star und die ganze Vogelſchar, und über dem
en ſchwebt oft noch ein Habicht oder ein Buſſardpaar, und
ier und immer wölbt ſich darüber das weite, ſchöne
Himmels-
t — und Millionen Menſchen haben noch nichts von den
ſelt=
men, für den aufmerkſamen Wanderer aber ſchier alltäglichen,
nz und gar koſtenfreien Schauſpielen geſehen!
Auto=Reiſe, =Unfall. =Recht.
Ein Beitrag zu aktuellen Fragen.
Haben Sie, verehrter Seitgenoſſe, das Glück, in einer
Geſell=
ſchaft einer Anzahl junger Damen als der unterhaltende Ceil
beigegeben zu ſein — welches Chema werden Sie wählen, von
welchem Unterhaltungsſtoff ſind Sie überzeugt, daß er
allgemei-
nes Intereſſe findet? Sie verſuchen es vielleicht mit Literatur,
mit moderner Lyrik. Man gähnt. Sie verſuchen ein wenig in
Pſychoanaluſe zu machen — ehedem ein dankbares Chema —,
man hört nur mit halbem Ohre zu. Wagen Sie es aber, von dem
Beruf einer Hausfrau, von Ehe und Kochrezepten zu
ſprechen-
die Plätze an Ihrer Seite werden fluchtartig verlaſſen.
Ganz durch Sufall fällt aber das Wort: Autol Und nun
wandelt ſich die Szenerie mit einem Male. Wo Sie vorher
bla=
ſierte Geſichter unter friſch gedauerwellten Bubiköpfen anödeten.
ſehen Sie von Eifer gerötete Wangen, glänzende, ſtrahlende
Augen ...
Früher einmal gab es Herrenreiter — ſie wußten mr über
Pferde zu ſprechen —, Offiziere, die nur Militäriſches zu ſagen
verſtanden —, Profeſſoren, Mediziner — — man lächelte
ſber ſie. Sie ritten ihr Steckenpferd.
Heute iſt das Auto das Steckenpferd der ganzen Welt.
Steckenkompreſſor iſt beſſer!
Dennoch hat das Auto auch heute noch ſeine erbitterten
Geg=
ner und Feinde. Von jenen ſchimpfenden, hähmiſchen Sußgängern
abgeſehen, deren Feindſchaft zumeiſt aus einem häßlichen
Neid=
komplex herrührt, — Menſchen, die immer noch nicht ganz
be=
greifen können, daß der Fahrdamm einer Straße keine
Prome=
nade iſt, — die ſich zwar zu ihrem Vor= oder
Nachmittags=
ſchwätzchen nicht auf die Geleiſe der Deutſchen Neichsbahn ſtellen
werden, aber auch nicht kapieren wollen, daß die Fahrbahn deg
Straße ähnlich gemütlich für die Lektüre der Cageszeitung iſt.
Auch von jenen Feinden ſei abgeſehen, die von hoher Warte aus
die Cechnik überhaupt zertrümmern möchten, als die Wurzel
allen Unheils, — die hierüber ſogar auf ihrer
Schreib=
maſchine lange Artikel ſchreiben und ſich telephoniſch
bei der Seitungsredaktion beſchweren, wenn dieſe den Artikel
nicht druckt. Die großen Gegner des Autos und vor allem: der
Reiſe im Auto ſind vielmehr jene Nomantiker, die die
Not=
wendigkeit der Cechnik zwar anerkennen, aber ſie nur als ſehr
notwendiges Uebel betrachten und zum „Privatgebrauch” gerne
auf ſie verzichten, um wenigſtens ſo viel irgend geht, „retour 4 la
nature” zu genießen. Eine Suſammenſtellung „Auto und
Noman=
tik” würden ſie mit heller Entrüſtung zurückweiſen.
Nun möchte ich, allem ſchmerzlichen Suſammenzcken entgegen,
behaupten, daß eine Reiſe an ſich ſchon eine romantiſche
An=
gelegenheit iſt, und im Automobil noch weit romantiſcher ſein
kann, wenn der Menſch, der die Reiſe unternimmt, nur den guten
Willen mitbringt, dieſe Romantik zu verſtehen. Es iſt nicht
un=
bedingt nötig, Nomantik nur im Jägerhemd und Schillerkragen,
mit Sandalen und derbem Knotenſtock zu konſumieren. Man kam
ſehr wohl als gepflegter Menſch, das Neceſſaire im Koffer und
friſch raſiert, die Nomantik vom Lederpolſter des Vier= oder
Sechszylinders aus erleben. Wenn man nur Simn für Nomantik
hat. Es iſt richtig: vom Auto, vom Motorrad aus bekommt die
Landſchaft ein anderes, ein neues Geſicht, gibt tauſend neue
Ein=
drücke, die man durch das begrenzte Blickfeld eines
Eiſenbahn-
waggonfenſters nie empfinden wird, die man nie geſehen, wenn
ein drückender Ruckſack oder ſchmerzende Füße ſtumpf und die
Augen müde gemacht hatten. Man ſucht die Eindrücke nicht
mehr, dieſe tauſend kleinen, vorwärtshetzenden Siele der
Suß=
wanderung, — ſie raſen entgegen, ſekundenlang ſind ſie da,
er=
faßt — und wieder verſchwunden.
Es iſt richtig: es iſt kein Wandern mit ſentimentaler „
Bur=
ſchenherrlichkeit”, mit Lied und Supfgeige und überſchwänglicher
Erlebensbereitſchaft. Es iſt ein Erfaſſen im Augenblick, ein
Su=
eigenmachen, em Nehmen im Cempo der jagenden Maſchinerie,
ie einen trägt. Die Umgebung iſt nicht mehr Bild allein, ſie hat
Leben, Echo und Mitklingen. Alles iſt nahe — und doch
irgend=
wie fremd —, wie alle Nomantik. Alles iſt erreichbar. Ein
Hebelgriff, eine Schwenkung, und wenige Minuten — und von
den alten Gebäuden uralter Städtchen — fernab von der großen
Heerſtraße, fernab vom allgemeinen Couriſtenverkehr — hallt das
Pochen des Motors zurück. — Gewiß, es bleibt eine Entfernung.
elegraphenleitung ein Signal zu geben, worauf von der nächſten
kation eine Expedition aufbricht, die nach der Urſache der
Un=
rbrechung zu ſehen hat.) Selbſt wenn es dem jungen Wolf
ge=
ngen wäre, die Linie zu erreichen, ſo hätte es noch Cage dauern
innen, bis man ihn und die anderen Verdurſtenden in der Wüſte
funden hätte. Stunde um Stunde marſchierte er die ganze
acht hindurch. Am Morgen ſprang vom Oſten ein leichter Wind
I, der mit jeder Mimte ſtärber wurde, bis die Sandwolken die
ühende Sonne verdunkelten und alles Leben zur Hölle machten.
er Junge ſpürte nichts mehr von dieſen Qualen, auch nichts
ehr von den brennenden Schmerzen des Durſtes. er fühlte das
thende Ende. Er fiel vornüber in die Knie, kroch noch ein Stück
1 gewohnten Cakt des Marſchierens auf allen Vieren, dann
ng es auch damit nicht mehr. Als ſich das verdorrte Gras im
Sinde bog, nahm er erſt wahr, daß er die Steppe erreicht hatte.
Cas half es. Der Sturm würde die Celegraphenlinie bald
er=
icht haben — der Sturm! Noch einmal richtete ſich der junge
Colf auf, denn der Gedanke an den Orkan gab, ihm Kraft.
llit zitternden Händen mühte er ſich, Streichhölzer zu
entflam=
en, dam züngelten niedrige Flämmchen, die ſich raſch in das
=aune Gras fraßen. Mit ungelenken Sügen malte er noch einige
Lort auf ein Stückchen Papier, das er dann auf ſeiner Bruſt
feſtigte. Wenn der Steppenbrand den Celegraph zerſtört
ar der letzte Gedanke des jungen Wolf.
Das Militärflugzeug kreuzte ſchon ſeit geraumer Seit in der
egend der brennenden Steppe: Der Beobachtungsoffizier ſagte
OD, daß das Feuer nicht von ſelbſt ausgebrochen ſein konnte, und
(cie nach dem Ausgangspunkt, überzeugt, dort auch die Ur=
(che des Brandes zu finden. Plötzlich bemerkte er unterhalb der
Ledrig fliegenden Maſchine etwas, das einem menſchlichen Kör=
Er ahnlich ſah, und eine Minute ſpäter war das Flugzeug gelan=
Sk. Man fand den jungen Wolf in tiefer Bewußtloſigkeit. Der
IIRier entzifferte die Worte auf dem Settel, aus denen zu er=
*Den war, wo ſich der Vater und die verunglückten Flieger
be=
unden. Offizier und Pilot labten den jungen Wolf vorſichtig
nd brachten ihn in das Flugzeug.
Eine halbe Stunde ſpäter hatten ſie den alten Wolf an Bord,
119 Nach eier weiteren-warer- auch-die beiden Verungkückten dem
Wüſtentod entriſſen. Ohne den rettenden Einfall des jungen
Wolf, die Steppe anzuzünden, wodurch tatſächlich die
Celegra=
phenleitung zerſtört worden war, und die Militärflieger
aufmerk=
ſam gemacht wurden, wären die vier Menſchen verloren geweſen.
Das wußte auch der gerettete Beſitzer der Goldfelder zu
würdigen. Es wirkte ſich dahin aus, daß der alte Wolf heute
ein ſorgenfreies Leben hat, und der junge Wolf die Ausſicht, im
Dienſte der weſtauſtraliſchen Gold=Company ein großer Mann zu
werden.
Der lange Weg.
VVon.Oſlip Dymow.
Alſo — ſagte der Chef zu Annemarie: Fahren Sie ſofort zu
Generaldirektor Sablitz und erklären Sie ihm die Sache
perſön=
lich. Macht er es oder macht er nicht? In einer Stunde muß
ich die Antwort haben, ſonſt . . .
Der Chef faßte ſich verzweifelt an den Kopf. Annemarie,
ſeine langjährige Sekretärin, wußte ſchon, was dieſes „ſonſt”
be=
deuten konnte. Swanzig Minuten ſpäter meldete ſie ſich am
Schalter der Firma „Sablitz, Mehrfach u. Co.”
Eine Dame mit kurzem Atem antwortete:
Herr Generaldirektor iſt auf einer Konferenz.
Es iſt ſehr dringend — wandte Annemarie ein. Ich komme
von . .
Herr Generaldirektor wünſcht ungeſtört zu bleiben —
ant=
wortete ſtreng die Dame.
Ich werde warten.
Die Dame zuckte mit den Achſeln und ließ Annemarie in
das nächſte Simmer eintreten. Eine gläſerne Wand teilt das
Wartezimmer von dem Privatzimmer des Generaldirektors.
Annemarie erblickte hinter dem Glaſe Herrn Sablitz, das Haupt
der Firma, der mit zwei älteren Herren lebhaft diskutierte. Um
was es ſich handelte, konnte ſie nicht hören, aber es war deutlich,
daß die Konferenz ſo raſch nicht zu Ende ſein=werde.” Sie ſchaute.
verzweifelt auf die Uhr; es waren noch fünfzehn Minuten, zwölf,
zehn . . . Die nervöſe Dame klappert im Anmeldezimmer auf
der Maſchine. Annemarie macht den letzten Verſuch und ſagt:
Ich möchte Herrn Sablitz auf einen Moment ſehen.
Nein! — erwidert ganz kurz die Dame: ausgeſchloſſen. Ich
kann Sie leider nicht vorlaſſen.
Annemarie iſt der Verzweiflung nahe. Die Konferen;
flammt jetzt erſt auf: die vornehmen Herren hinter der Glaswand
nehmen einen Pack Dokumente aus ihren Mappen. Alſo: Alles
verloren. Jedenfalls muß der Chef ſofort davon verſtändigt
wer=
den. In der Ecke des Simmers iſt eine abgeſchloſſene Celephon=
Selle. Annemarie betritt ſie, wirft einen Groſchen herein und —
und gibt nicht die Celephonnummer ihres Bureaus an,
ſon=
dern die des Bureaus „Sablitz, Mehrfach u. Co.”
Nach einer Weile erkennt Annemarie im Hörer die Stimme
der nervöſen Dame: — Sablitz, Mehrfach u. Co.
Ich wünſche Herrn Generaldirektor zu ſprechen — antwortet
ruhig und ſicher Annemarie.
In welcher Angelegenheit?
Privat. Er weiß es ſchon.
Die Cür der Celephonzelle hat oben einen kleinen runden
Ausſchnitt. Annemarie dreht ſich um und ſieht, wie Herr Sablitz
den Hörer abnimmt und — — Ja? — ertönt es in ihr Ohr:
Hier Sablitz. Was wünſchen Sie?
In kurzen knappen Worten erklärt Annemarie, um was es
ſich handelt. Herr Sablitz hört aufmerkſam zu; die vornehmen
Herren mit ihren Dokumenten warten.
Na, ja — ſagt Herr Sablitz, und ſie ſieht, wie ſich ſeie
Lip=
pen ſtumm bewegen und hört gleichzeitig die Worte: Gut. Wird
gemacht!
Und er hängt den Hörer an.
Annemarie verſchwendet noch einen Groſchen und
telepho=
niert jetzt ihrem Chef, daß alles in Ordnung iſt. Dann ſagt ſt
der Dame:
Ich kann nicht mehr warten. Ich gehe.
Wie Sie wollen, iſt die gleichgültige Antwort: Sch. kann Sia
doch nicht vortaſſen.
DDie klopfenden Ventile, der Geruch des Betriebsſtoffes — ſie
gehören nicht hierher. Und ſind doch da. Dieſer Gegenſatz bleibt
und packt.
Man wird des Sehens nicht müde. Von der müden
Senti=
mentalität uralter gepflaſterter Schloßhöfe, von der beſchaulichen
Ehrwürdigkeit der Nathäuſer oder der ſtrengen, asketiſchen
Ab=
geſchloſſenheit eines Kloſters zurück packt neu, erfriſchend der
Nhythmus der Weiterfahrt.
Ja, ich möchte ſogar behaupten: erſt die Reiſe im Auto iſt
wirkliches Neiſen mit allen Möglichkeiten und erlebensfrohem
Genuß einer Neiſe. Erſt die Reiſe im Automobil, an keine
vor=
geſchriebene Strecke gebunden, ohne die Zielſetzung einer
Fahr=
karte, bringt innigen Kontakt mit Land und Menſchen und mit
den Schönheiten der Natur. Man iſt ungebunden, man bleibt,
wo es ſchön iſt, man ſteigt aus, wo es gefällt. Wer verläßt den
D=Sug unterwegs, um ein unbekanntes Städtchen zu beſuchen?
Wer ändert ſein Programm, wenn das Handgepäck kunſtvoll im
Gepäcknetz verſtaut iſt und der Packwagen das Großgepäck
ent=
hält? Wohl niemand. Erſt das Automobil oder Motorrad
er=
laubt wirkliches Reiſen, wirkliches Schauen. Man braucht nicht
Autofanatiker zu ſein, wenn man mir recht gibt.
Unbequemlichkeiten? Natürlich. Pannen? Auch das. Auch
ſchmutzige Hände, öl= und fettverſchmiertes Geſicht — iſt das
nun nicht ſogar ſehr romantiſch? Unfälle? Nichtig. Und
das iſt nun allerdings ein Kapitel, das ſich jeder Autofahrer auf
die erſte Seite ſeines Merkbuchs ſchreiben muß. Wenn auch
prinzipiell die — andern ſchuld ſind. Wenn ich mich der Sahl
richtig entſinne, verzeichnete Deutſchland im Jahre 1930 allein
nahezu ſechstauſend tödliche Autounfälle. Jaſt tauſend
Fälle mehr als im Vorjahr. Und Amerika hält auch darin den
Höhenrekord: es ſoll, wie man ſich erzählt, in einem Jahre mehr
Cote durch Automobilunfälle gehabt haben, wie Gefallene
wäh=
rend der Dauer des Weltkrieges.
Das iſt tatſächlich die ſchwarze Seite des Autofahrens. Aber
man ſoll es nun doch nicht ſo machen wie das kleine Kind, das
den Ciſch verhaut, weil es ſich an ſeiner Kante den Kopf
an=
geſtoßen hat. Nicht das Auto iſt ſchuld, ſondern höchſtens ſein
Jahrer. Und noch viel, viel mehr der Sußganger, der Nadfahrer,
der Fuhrwerkfahrer, die ſich alle zuſammen verſchworen haben,
dem „Autofritzen”, dem „Benzinſtinker”, dem Mann am Steuer
das Daſein ſchwer zu machen — aus einem lächerlichen,
klein=
lichen und leider ſo gefährlichen Oppoſitionsgeiſt heraus — um
nicht Neid zu ſagen. Wie ſehr dieſe Menſchen ihr eigenes Leben
und das Leben ihrer Mitmenſchen gefährden, ahnen ſie wohl
nicht. Denn ſonſt ſollte man einem ausgewachſenen Menſchen
mehr Verſtand zutrauen können. Wenn er ſich auch noch ſo ſchön
mitten auf die Straße ſtellt, — noch ſo ſchön mit ſeinem Fahrrad
gerade noch vor der Kühlerfigur auf die andere Straßenſeite
ein=
biegt, — noch ſo feſt ſchläft und ſeine armen Gäule ſich ſelbſt und
dem Autofahrer überläßt . . . deswegen hat der „Autofritze‟.
doch ein Auto und er nicht, deswegen hat das Auto doch eine hohe
Geſchwindigkeit und einen langen, oft ſehr langen Bremsweg, von
dem ſich der Fußgänger, Nadfahrer und brave Landwirt keine
Vorſtellung machen kann.
Viele tauſend Cote allein in Deutſchland durch Autounfälle.
Das geht nicht allein an den Autofahrer, das geht in oft noch
ſtärkerem Maße an die Adreſſe der übrigen Wegebenutzer, die
ſich endlich einmal mit der unweigerlichen Catſache abfinden
müſſen, daß die Fahrbahn und die Landſtraße in erſter Linie dem
Beethoven, Mozart, Schubert und Wagner ſaßen in einer
ruhigen Ecke des Himmels. Die Wolken ſchimmerten weiß. Sie
waren mit purpurnen und goldenen Lichtflecken durchzogen.
Die Meiſter befanden ſich in einer faſt irdiſchen Erregung,
denn Gabriel, der den himmliſchen Nadio bediente, hatte zum
erſten Male Anſchluß an den Groß=Sender Nauen erhalten. Mit
begreiflichem Stolz hatte er den Meiſtern mitgeteilt, daß ſie eine
muſikaliſche Uebertragung erwarten könnten.
ſchnellen Motorfahrzeug gehört. Denn hierfür zahlt der Beſitzer
des Motorfahrzeugs ja auch die ungeheuer große und hohe
Steuer. Ueberlegen Sie einmal: 485 Millionen, alſo faſt eine
halbe Milliarde, verdient das Deutſche Neich 1930/31 am
Kraft=
verkehr.
Und dafür, daß er dieſe rieſige Steuerſumme aufbringen muß
(nur ein Bruchteil davon wird für Straßenbau und
Straßen=
erhaltung ausgegeben. Unſere deutſchen Straßen ſind aber auch
danach!!) erhält der Kraftfahrer die Feindſchaft ſeiner übrigen,
nicht kraftfahrenden Volksgenoſſen noch gratis. Waren Sie
ein=
mal Seuge eines, wenn auch kleien, Autounfalls? Immer und
ſtets und gegen Catſache und klaren Augenſchein iſt der Motoriſt
ſchuld. Und ſelbſt, wenn nichts paſſiert iſt, recken ſich Fäuſte,
werden Flüche und entrüſtete Reden laut. Warum? Schon
Cacitus hat einmal vom „deutſchen Neid” geſprochen..."
Unſere Juſtiz will hierbei nicht zurückſtehen. Es gibt
unzäh=
lige Geſetze, die den Kraftverkehr droſſeln, die jeder Vernunft ins
Geſicht ſchlagen. Erſt kürzlich ereignete ſich der Fall, daß ein
Auto eine fahrläſſig offen gebliebene Eiſenbahnſchranke paſſierte
und dabei vom Suge erfaßt wurde. Das Auto war völlig
zer=
trümmert. Die Angehörigen des Autofahrers verletzt oder ſogar
getötet. Und hierzu erhält der unglückliche Jahrer noch eine
Anzeige wegen . . . „Transportgefährdung‟. Er wird verurteilt,
und das Urteil beſtätigt, daß der Kraftfahrer auch bei offener
Eiſenbahnſchranke verpflichtet iſt, ſich davon zu überzeugen, daß
ſich kein Zug nähert. Kommentar? Doch völlig überflüſſig.
Seit Jahren wird in den großen deutſchen Cageszeitungen
gegen das Chaos der Nechtſprechung Sturm gelaufen, das ſich der
deutſche Motoriſt bieten laſſen muß. Man braucht nur dieſen
oder jenen Sweifelsfall wie Vorfahrtsrecht,
Geſchwindigkeits=
beſchränkungen uſw. herauszugreifen und die Urteile einzelner
Oberlandesgerichte hierzu einzuſehen, um zu erkennen, daß jedes
Oberlandesgericht über den völlig gleichen Fall vollkommen
an=
derer Anſchauung iſt, — daß der Automobiliſt im Bezirk A.
irgend etwas ungeniert tun kann, wofür er im Bezirk B einen
Strafbefehl über 50.— NM. erhält. Hinzu kommt noch, daß faſt
jede Stadt, jeder kleinere Ort, eigene örtliche
Polizeibeſtim=
mungen über den Motorverkehr haben, und offenbar wird man
ſich dieſer grenzenloſen Naivität gar nicht bewußt, die in der
ſtill=
ſchweigenden Forderung beſteht, daß jeder Auotomobiliſt jede
kleine und kleinlichſte Verkehrsordnung kennt und beherrſcht.
Oder ſoll dem Kraftfahrer zugemutet werden, daß er vor Antritt
einer Neiſe aus dem komplizierten, durchaus nicht klaren
Kraft=
verkehrsgeſetz alle die verſchiedenen voneinander abweichenden
örtlichen Polizeivorſchriften auswendig lernt?
Ganz abgeſehen von den lächerlichen, einſchränkenden
Beſtim=
mungen, die ſich der Autofahrer beim Grenzüberſchritt im
inter=
nationalen Verkehr gefallen laſſen muß. Wenn dieſe
mittelalter=
lichen Vorſchriften und Auswirkungen nicht . . . romantiſch
ſind . . .? Aber darüber werde ich Ihnen, wenn wir wieder
einmal beim „Chema” ſind, erzählen.
Reiſe im Auto? Herrlich. Verſuchen Sie es eimmal, und Sie
werden mir recht geben. Autounfälle? Das iſt die „andere Seite‟,
die nur durch die große „Höflichkeit der Straße” zu überwinden
iſt. Sie fehlt noch ſehr. Glauben Sie mir das. Und die
Necht=
ſprechung? Solange nicht alle Landräte, Nichter und
Bürger=
meiſter reſp. Polizeioberhäupter mal am Stener eines eigenen
ECOR—
Fahrzeuges ſitzen, hoffe ich auf keine Einſicht!
Wenn auch die himmliſchen Harfen herrlich klangen, konnte
man ſich vielleicht an den irdiſchen Conwellen doch wieder einmal
von Herzen freuen.
Der Lautſprecher raſſelte:
„Sie hören die Uebertragung des Abendkonzertes aus dem
Palaſthotel Aſtoria, ausgeführt von der Jazzkapelle „Che merry
Serenaders”. Als erſtes hören Sie: „Was hat denn die Kleine
für reizende Beine‟.
Mozart erſchrak ſichtlich. Schubert lächelte wienerſch
Wagner rief: „Wollen wir wirklich des Wohllautes wartend”
Beethoven ſchüttelte ernſt den Kopf. Gottes Güte hatte ihm zir
ſeinen himmliſchen Frieden das Gehör wiedergegeben und
doa=
ſtumme Leid von ihm genommen.
Die Cöne fluteten durch den ungeheuren, kriſtallklaren
Him=
melsraum.
Auf einmal ſprang Schubert auf: „Das iſt ja von mirt Hör
Ihrs denn nicht? Aus dem dritten Satz meine C=Dur=Sinfonio
Um Gottes Willen! Was iſt denn da unten los? Gabriel/ Go
briel! Stimmt denn die Wellenlänge?”
Ehe er ausgeredet hatte, war die Melodie z Ende, un
wieder ſchnarrte es aus dem Lautſprecher:
„Als weites hören Sie den Slow=Fox: „Nita, lächle doc
im Mondſchein!”
Wieder quollen die Cöne, diesmal getragen und ſehnſuchts
voll, durch den azurnen Naum. Eigenartige Klangwirkungen de
Saxophone ließen die Meiſter geſpannt aufhorchen.
Auf einmal verfinſterte ſich Beethovens kantiges Geſich
Er ſtarrte in die Ciefe und ſprach: „Hört Ihrs? Das iſt ja au
meiner Schlachtenſumphonie „Wellingtons Sieg” geſtohlen, di
mir in Wien den Weg geebnet hat. Hört Ihrs? Ihr kennt /i
wohl gar nicht! Und wie der Dieb die Fanfaren des Sieges um
gemodelt hat in wimmerndes Liebesgirren! Oſt ſo etwas möglich
Das nenne ich teufliſche Genialität!”
Mit einem langgezogenen Klagelaut brach das Baß=Saxo
phon die Melodie ab. Die vier ſahen ſich mit großen Augen gu
Waren das die Melodien der gierigen Erde? Sollte man höhne
oder fluchen? Nein, das durfte man hier oben ja nicht!. Neu
irdiſche Worte erklangen:
„Als nächſtes hören Sie: „Was kann der Sigismund dafü
daß er ſo ſchön iſt!“
Die Cöne hüpften frech und kichernd aus dem Lautſprechet
Kaum waren die Anfangstakte verklungen, ſprang Wagner auf
Er reckte die Fäuſte zur Höhe, trat mit den Füßen auf die
Wol=
ken und rief: „Schamloſe Schufte! Quälende Qual! Erkenn
Ihr Jſoldens Liebestod? Der ganze erſt Satz iſt ſchändlich ver
ſchandelt! Dazu der törichte Cext! Gabriel, gebe Geduld zu
ſchrecklichen Schickung! Weiche, tönender Con! Nächet di
ſchmähliche Schmach!”
Das Poltern des Meiſters wurde übertönt durch den An
ſager: „Als letztes bringen wir den preisgekrönten Schlage,
„Was macht Ihre Henne auf meiner Antenne!”
Erregt hatten die Meiſter ſich vor den Laufſprecher geſtell
Die Geigen ſangen. Die Saxophone quiekten. Das Schlag
zeug quirlte in noch nie vernommenen Rhythmen und Schattie
rungen.
Schubert war der erſte, der ſprach: „Das iſt doch eigenartig
Con für Con iſt von mir geſtohlen!”
Die Melodie ſprang um.
„Bitte ſehr, das iſt von mir”, rief Beethoven erregt.
„Nein, von mir” entgegnete Wagner ſchroff.
Aber, liebe Freunde”, rief Mozart, „hört Ihr es den
nicht? Das iſt doch aus meinem Nequiem, auf das ich heute noc
ſtolz bin!”
Sie ſprachen und redeten erboſt durcheinander und hätte
ſich faſt erzürnt, wenn nicht Gabriel hinzugekommen wäre.
Er hörte die Worte des Streites und ſagte:
„So beruhigt Euch doch! Der Kerl hat einfach von Eud
allen vieren geſtohlen und aus Euren Melodien ſein eines Stüd
zuſammengebraut!”
In dieſem Augenblick kam Verdi des Weges.
Stolz leuchtete aus ſeinen Augen.
„Habt Ihr das letzte Stück gehört? Das war ein Potpom
aus meinen Opern. Aber ſo abgehackt und umgemodelt, daß ich
vor einem Nätſel ſtehe.”
Da ſahen die vier den großen italieniſchen Kollegen erſtaunt
an, und Gabriel gig ſchweigend fort, um den Lautſprechen
abzu=
ſtellen.
Des himmliſchen Friedens halber.
Humor
Neues aus Schottland.
Papa (welcher ſeinem Jonny das Weſen der Elektrizität z.
erklären verſucht hat): „Alſo, was iſt der Unterſchied zwiſchs
dem Blitz und dem elektriſchen Licht?” — Jonny: „Für den Bli
braucht mer nix zu bezahlen.”
Frau Mac Allan: „Ich hab’ mich ſchon oft gewundert, da
Ihre Fräulein Töchter immer ſo zeitig nach Hauſe kommen, wen
ſie abends wo zu Beſuch ſind. Wie ſtellen Sie denn das an?"
Frau Smartmeyer: Sehr einfach. Wer zuletzt heimkommt, mu
am nächſten Morgen das Frühſtück machen.”
Bobby: Papa gib mir doch einen Cent für Eis. Eine Hitz
iſt heut — mir läufts’s ſchon heiß den Rücken runter.” — Schotti
ſcher Vater: „Komm her, Bobby. Ich erzähl” dir eine Gruſel
geſchichte, daß es dir gleich kalt den Rücken runter läuft. .
Der ſchottiſche Geiz. Zwei ſchottiſche Jugendfreunde ſahen ſt”
nach 25 Jahren wieder. „Das müſſen wir begießen”, ſagte der eine
— „Jawohl,” ſtimmte der andere bei, „aber ich möchte bemerkei
daß ich das letzte Mal bezahlt habe.”
Nicht zufrieden. „Können Sie mir die Unfallverſicherung emt
fehlen, in der Sie ſind?” — „Nein! Ich bin jetzt 10 Jahre ver
ſichert und habe noch keinen Unfall gehabt.”
Von Magda Amann=München.
N
Nummer 431.
Aufgabe 626.
Bruno Sommer in Berlin.
(Ehrenpreis in der Dreizüger=Abteilung der „Schwalbe”,
1930 — TV.)
d
z b
Weiß zieht und ſetzt in drei Zügen matt.
Prüfſtellung: Weiß: Ka8 Df3 Le8 h2 Bd2f6 g5 (7);
Schwarz: Ke6 Lbl Sb8 Bb2c5 g6 (6); 3-:
Partie Nr. 81.
Aus der 5. Runde des Länderturniers zu Prag, 1931.
Damengambit.
E gunig
(Ingoſlawien)
1. d2—d4
2. 8g1—f3
3. C2—c4
4. Lc1—g5
5. 8b1—63
6. e2—e 8
7. Ta1—e1
8. Lf1—d3
9. Ld3xo4
Schwarz:
E. Lundin
(Schweden)
d7—d5
Sg8—16
eF—e6
L18—e7
0—o
8b8—d7
ef—e8
d5xc4
b7—b5
Ein anderer Weg wäre die
Capablan=
caſche Entlaſtungsmethode 9. . . . Sk6—d5.
10. Lc4—d3
a 7—a6
11. a2—a4 Verhinbert cé—c5.
Le8—b7
11....
12. 0—0
Dd8—b6
13. 813—e5. Der machtvoll poſtierte
8e5 darf im Hinblick auf die ungedeckte
Stellung des Le 7 nicht geſchlagen werden.
Man ſieht jetzt: ſtatt 12..... Db6 hätte
Schwarz lieber ſofort Tes ſpielen ſollen.
13.
Tf8—e8
14. Dd1—c2
h7—n8
15. L.g5Xf6
Sd7kfé
Ta8—c8
16. Sc3—e4
17. 8e 4216+
g74t6.
Lundin will den Se5 nicht völlig
un=
angefochten über 47 nach e5 laſſen und
beläßt daher den Läufer auf e7. So, wie
er die Partie vom 11. bis 17. Zuge
be=
handelt hat, muß man die ſchwarze
Par=
tieanlage als widerlegt betrachten. Sie iſt
auf e6—c5 zugeſchnitten, und dieſes Ziel
iſt nicht erreicht worden. Das nun fol=
gende Doppelopfer kommt
nichtsdeſtowe-
niger überraſchend. Es ſtempelt die
Par=
tie zu einer der ſchönſten in Prag.
18. Ld3—g6!
f6xe5
Kg8Xt7
19. Lg6xk74
Kk7—18
20. DS2—h7+*
Te8—d8
21. 12—f4
Die Offnung der f=Linie läßt ſich nicht
verhindern.
22. 14—15
e6X15
23. Tk1xt5+*
Kt8—e8
Db6—c7
24. T15Xe5
Noch am beſten! Schwarz plant
Ge=
genopfer der Dame auf e5. Auf 24..
Dexkäme 25. Dg8+Kd7 26. De6+Ke8
27. Tk1 mit Vernichtung.
25. Te1—f1
DeTke5
Erzwungen.
Ke8—d7
26. d4Xe5
27. 65—e6*!
kd7—d6
Falls 27. .. . . KXe6, ſo 28. De4+
Kd7 29. Td14 Ke8 30. Dg64, bzw.
29.. . . Ld6 30. Db7+.
28. Tf1—d1*
Kd6xe6
29. Dh7—e4*
Ke6—47
30. De4—t5+
Kf7—g7
31. Td1—d7! Gewinnt eine Figur,
nnd damit iſt die Schlacht entſchieden.
31.
32. D154d7
33. Dd74b7
34. bb7ke6
35. Dc6Fa4
36. Da4—94*
37. Dg 4—e8+
38. D08Ba8
Td8Td7
To8—18
Tf8—t7
böxa4
Le7—e5
Kg7—h8
Le5—18
Aufgegeben.
(Aus den deutſchen Schachblättern.
Ordnungs=Rätſel.
MEIIE, PFEFBRR, FINGER, AIBERT, DANZIG, RÖNTd, PEIDANK
Vorſtehende Wörter ſchreibe man buchſtabenweiſe ſo unterein
ander, daß zwei ſenkrechte Reihen den Namen eines Schauſpieler=
CarlDeubel.
und eines Gelehrten ergeben.
Auflöſungen der Rätſel aus Nr. 36.
Netzworträtſel.
Giſeh (6), Wald (3), Abel (2), Heil (14), Wien (3). Anna C
Hagen (16), Elſa (19), Auge (1), Mode (18), Mas (17), Emil 8.
Hexe (14), Lyra (15), Lied (12), Mai (9), Regen (7), Daun (*
Geier (6), Dame (13), Uri (11), Vai (5), Lama (12), neun (10).
Schachbretträtfel.
Man ſchreibe die Zahl 10
Hälfte.
Au!
römiſch (X) und verdecke die unter
Druck, Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckeret, Weinſtr. B. — Verantwortl. für die Redaktion: Dr. 6. Ne
Mr Le
rmſtadt, Fernſp.
lſo dieſer Däg hott uns nu endlich die hoche
Bollezeidiräck=
tic tit däre langverſprochene „neie Verkehrs=Ordnung”
be=t. Seid fimf Jahr geht ſe bereits damit ſchwanger; Dutzende
uir, ſermals Dutzende vun Sitzunge un Beſprächunge ſin dewäje
ab ilte worrn; vermudlich hott mer aach den Verkehr in
aller=
ha eirobäiſche un außereirobäiſche Großſtädt, un ſolche, die’s
ſer lle, grindlich ſtudiert un beaagabbelt; jeder, der wo wos
de verſtanne hott, hott ſein Sembft dezu gäwwe; uff jeder
I„=Bank” hott mer die Verkehrsordnung reif wärrn loſſe; un
erxy, endlich hott dann däß Wunnerwärk des Licht der Wäld
er. t, un ſie is bereits am 1. Sebdemmber in Kraft gedräde
woi= die Verkehrsordnung, noochdem mer ſe zwaa Dag defor
ve entlicht hott.
lörgler wärrn nadierlich ſage; wann ſich die Bollezei fimf
F. Zeit genumme hott, bis ſe endlich ſoweit mit war, dann hett
ſe ch dem Bubbligumm e halb Johr Zeit loſſe kenne, damit
ds lwiche die Verkehrsregele aach all auswenich lärne kann.
(o was mich bedrifft, ich hab’s gemacht, wie ich däß bei dene
ſax riche Uffgawe in de Schul gelärnt hab. Nemlich ich hab
ny am letzte Sunndag dehaam hiegeſetzt un hab die geſamte,
asvielmehr die „geſammelte” Verkehrsregele hunnerdmol
ab=
aiyriwwe. Ich kann ſe alſo jetzt auswennich, wie de
Kadde=
ſch iuß, ich kann ſe hinnericks un vornericks herſage, un ſälbſt
m. mich midde in de Nacht un im diefſte Schloof anner freecht:
dhut der Fußgenger, wenn er ſich auf die Fahrbahn begibt”,
Di andwort ich ſtramm un ſicher: „er begibt ſich in Ge=
In um däre Gefahr aus em Wähk zu geh, hab ich die Woch
„udehaam in meine Stubb brakdiſche Privatſtunde im Umgang
ng ludomobille un annere gefehrliche Fehiggel abgehalte. Ich
honer nemlich zu dem Zwäck e paar Kinnerſpielzeich gekaaft,
ſcr iane Audomobiller, Minniaduhr=Hannomäckcher, un
Stroße=
b=väjelcher, die wo mer uffziehe kann, un wo dann vun ſäll=
—laafe. Un dann hab ich mer mit e paar Kreideſtrich e Stroß
u..Fußboddem gemolt, un uff däre hab ich mei Fehiggel erum=
— loſſe, und hab browiert, ob ich, unner heffdicher
Beowach=
vun ſemtliche Verkehrsregele iwwer die Kreideſtroßſtrich
esver kumm, ohne daß es en Zuſammeſtoß gibt. — No un däß
is rnet ſo afach gewäſe, un ich muß ſage, ich bin iwwer die
vor=
hend Stroß eniwwer= un eriwwergehibbt, was gibſte, was
awwer wie ich mer den Schade beſähe hab, hab ich feſtſtelle
daß ich bei däre Hibberei ſo zimmlich all mei Wäjelcher
zu=
negedräde hatt, ſo daß ich zu der Iwwerzeichung kumme bin,
der Standpunkt: „lärne den Verkehr daheim”, net ganz der
iche is. — Mer muß zu dem Zwäck doch halt enaus ins feind=
Verkehrsläwe un ſei dauſend Gefahrn.
Un es wärd alſo do ſchun am beſte ſei, wann mer ſich die
lehrsregele aus de Zeidung erausſchneide dhut, babbt ſe uff en
bedeggel un dhut ſe, wann mer ſich aus em Haus begibt,
vor=
erdrage, damit mer ſtets gucke kann, was mer im gegäwene
nend zu dhu, oder zu loſſe hott.
Dann nemlich, däß hab ich ſchun erausgefunne, wann ich aach
däre ganze Verkehrsregeldedrie nix verſteh, nemlich:
aaner=
ob Fußvolk odder fahrendes Volk, ſolang ſe allaans uff
Stroß ſin, benemme ſe ſich meiſtens ganz vorſchriftsmeßich;
ſe awwer in mehreren uffdräde, dann wärfe ſe die ganze
kehrsregele iwwern Haufe; un wann=en dann noch en Ver=
Sſchutzmann im Wähk ſteht, baufdich baſſiert e Unglick —
Um nu den ganze Verkehrsſtroßeverkehr emol e bische
iw=
ſichtlicher zu geſtalde, hott mer die ſtraßebenutzende Menſch=
Der zeitgemäße Haushalt.
Speiſezettel vom 7. bis 13. September.
(Mitgeteilt vom Hausfrauenbund Darmſtadt.)
ontag, den 7. September: Wildſuppe (Reſte),
Blumenkohl=
koteletten (Rezept vom 27. April) mit Salat und
Kar=
toffeln.
enstag, den 8. September: Grünkernſuppe, Nudelauflauf
mit Aepfel.
ittwoch den 9. September: Sellerieſuppe, Leberklöße in
Sauerkraut und Kartoffelbrei.
nnerstag, den 10. September: Rheiniſche Suppe,
Rou=
laden mit Wirſing und Kartoffeln.
eitag den 11. September: Zwiebelſuppe, Fiſch im Dampf
gekocht mit Senftunke, Kartoffeln, Salat, friſches Obſt.
imstag, den 12. September: Sagoſuppe, Ochſenfleiſch mit
geröſteten Kartoffeln und Beilagen.
nntag, den 13. September: Bouillon mit Einlage,
Hühner=
frikaſſee mit Reisrund, Schokoladen=Pudding.
* * *
Undurchſichtige Scheiben am Küchen= und
hlafſtubenfenſter. Namentlich an erſterem ſind
Scheiben=
rdinen als Schutz gegen die Neugier der Nachbarn recht
un=
aktiſch, da ſie durch Kochdämpfe raſch ſchmutzig werden. Hier
beiſen ſich undurchſichtig gemachte Scheiben als ſehr praktiſch.
an kann dieſe ſehr leicht ſelbſt herſtellen, wenn man die
Schei=
a mit einer ſuppenartigen Löſung von Gips einpinſelt und
k einem alten Handfeger ſolange ſtupft, bis ein gleichmäßig
Orntes Ausſehen des Glaſes entſteht. Der Beſen muß dann
ſch ausgewaſchen werden. Auch Seidenpapier mit Salatöl
Lichmäßig gefettet und mit Wattebauſch auf die Scheiben
ge=
acht, alſo ausgeſtrichen, macht ſie undurchſichtig. Beide Be=
Ze des Fenſters ſind raſch mit warmem Waſſer zu entfernen,
1hrend gekörnte Scheiben aus einem Auſtrich von dünner,
Ißer Oelfarbe, wie Gipslöſung aufgetragen und geſtupft, mit
I.
Almiakgeiſt entfernt werden muß.
Schmutz= und fettlöſendes Einweichwaſſer
*ider „großen Wäſche”. Alle jene Hausfrauen, die ihre
icſche noch im Hauſe waſchen, ſollten beim Einweichen der
igſche folgende Zutaten beifügen: 125 Gramm Borax, 100
Tamm Terpentin und 100 Gramm Salmiakgeiſt, die auf je
H.
len großen Keſſel voll Waſſer berechnet ſind.
Praktiſches Putz= und Flaſchenſchränkchen.
Urch Verwechſlung von Flaſchen ſind Vergiftungen von Kindern
*2 Erwachſenen keine Seltenheit. Daher ſollte ſich die Hausfrau
4 Flaſchenſchränkchen bauen.
heit in vier Spezies eigedaalt; nemlich in Fußgenger, Radfahrer,
Fuhrleit un Kraftfahrer. Mer muß alſo vor alle Dinge mol
wiſſe, zu welchere Klaß mer geheert, wann mer die
vorgeſchriw=
wene Verkehrsregele vorſchriftsmeßich befolche will.
Ich, un mit mir wohl die meiſte Zeitgenoſſe, geheer alſo zu
de Klaſſe I, däß ſin alſo die, die wo uff Schuſters Rabbe, im
Zweifelsfall aach in Pandoffel odder barfießich ſich dorch’s Läwe
ſchlengle. Uns geheern alſo die „Gehbahne Fußwege
oder Banketts” wie’s in de Verordnung haaße dhut; däß
haaßt alſo uff gut deitſch: mir geheern uff’s Drottwah! —
Jedenfalls is en däß leichtfaßliche Wort uff de Bollezei net
eige=
falle, un ſie hawwe ſich gedenkt, wann’s e „Fahrbahn” gibt,
mißt’s aach e „Gehbahn” gäwwe. — No, iwwer die ſprächliche
Scheenheitsfehler in däre Verkehrsordnung wolle mer
groß=
miedich ewäck geh; in däre Beziehung hott uns die Bollezei jo
noch nie verwehnt, im Gäjedaal, mer is ſchun froh, wann ſe’s
aam ſo ſeeckt, daß mer’s verſteht; zudem leide ja bekanntlich
alle „Verordnunge” an=ere babbilohniſche Sprachverwirrung. —
Alſo mit aam Wort, mir die wo mir uns uff de Baa
fort=
bewege, mir geheern uff de Fußſteig, un do ſolle mer ſtets
rechts geh, rechts ausweiche, und links iwwerhole. — Däß
is gornet ſo afach, wie’s ausſieht und wärd meiſtens verkehrt
gemacht.
Zum Beiſpiel: kimmt mer vum Mack her, un will ſich beim
Faix die Läde bedrachte, dann muß mer erſt eniwwer uff’s
Jagdhaus zu, muß dann uffm kerzte Wähk die Fahrbahn
iwwer=
ſchreide, am beſte macht mer däß am Mullement, wann mer net
bis an’s Rheidor geh will, un ſo kimmt mer rechtsuff die recht
Seid, kann rechts ausweiche, links iwwerhole un ſich doch die
Läde bedrachte. Kabbiert?!
Mache Se mol die Brob uffs Exembel. Die meiſte kumme
vum Verkehrshaische, gehn uff de Faix zu un halte ſich ſchaff
links, was ſe jo miſſe, wann ſe ſich in de Erkerſcheiwe bedrachte
wolle. Nadierlich bringe ſe dorch ihr unvorſchriftsmeßich
Ver=
halte am Faixe=Eck de ganze Verkehr aus em Kunnzäbbt, un es
herrſcht zu verkehrsreiche Zeide e Stumberei dort, daß mer maant,
ſie dhete Billjadd mit aam ſpiele
s Schwierichſte is awwer, wann mer als Fußgenger iwwer
die Fahrbahn will. Nemlich do muß mer meechlichſt
rechtwin=
kelich driwwer geh, muß in de erſte Hälft die Aage links,
un in de zweide Hälft die Aage rechts nemme.
Glicklicher=
weis hott die Fahrbahn kaa drei Hälfte, ſunſt mißt mehr in de
britte Hälft valleicht aa Aag nooch links un aans nooch
rechts richte, was aam zimmlich ſchwer falle dhet, wann mer net
ſchun vun Nadur aus mit em rechte Aaag in de linke Weſteſack
gucke dhut.
Ohne Grund ſoll mer aach net iwwer die Fahrbahn laafe;
no, wann mer ſchun eniwwergeht, hott mer meiſtens en Grund,
dann es kennt aam nemlich jemand endgäje kumme, den mer net
in Verläjenheit bringe mecht, weil mer ihm noch äbbes ſchuldich
is, odder mer kennt uff de annere Seid driwwe jemand ſehe, dem
mer gärn e Freundlichkeid erweiſe mecht, indem mer’n beruffe
dhut un ſeeckt: „Herrjee, ſähe Sie awwer ſchlecht aus!” — un ſo
Ferner ſolle mer „bei” Fohrzeich net uff= un abſpringe, ſolle
kaa Abfäll un Obſtſcheele uff die Gaß wärfe, ſolle unſer Kinner
zur Ordnung, Vorſicht un Rickſicht erziehe, un ſolle vor
allem net ſteh bleiwe wo uns Gefahr droht
Däß ſin alſo die Verkehrsregele for’s Fußvolk. Un alſo jetzt
wiſſe mer’s, wie mer uns uff de Gaß zu verhalte hawwe. Un,
Spaß abadd; wann mer geſcheid ſin, un wann uns unſer
Glied=
maße lieb ſin, dann richte mir uns denooch, ſobald mer uff die
Gaß geh. Un ehrlich geſagt, es is e aſch Armudszeichnis for uns,
daß mer uns däß alles ärdra ſage muß, was doch eichendlich ganz
ſälbſtverſtendlich is! — Awwer aus Erfahrung waaß mer jo, daß
mer es Selbſtverſtendliche, beſunners im Verkehr uff de
Stroß, konnſtand unnerlaſſe dhut.
Noochdem ſich awwer unſer Bollezei fimf Johr lang de Kobb
driwwer verbroche hott, nemlich iwwer däß, was ganz
ſälbſtver=
ſtendlich is do wolle mir Drottwahdibbler ihr verſpräche, uns
endlich zu beſſern, damit mer uns kimfdichhie in unſerm dunklen
Drange des rechten Wähkes wohl bewußt ſin —
Wollte Gott, daß ſich aach die annern drei Spezies, nemlich
die Radfahrer, Fuhrleit und Kraftfahrer e klaa bische an ihr
Verkehrsregele halte, un bloß däß aane aanziche Wördche: „
Rick=
ſicht” behärziche, damit endlich die jahrlange Bemiehunge vun
unſere hoche Bollezei, die wo ſe ſich vun wäje däre „muſtergildiche‟
Verkehrs=Ordnung gemacht hott, net ganz vergäblich geweſe ſin.
Schließlich un endlich ſin däß jo aach kaa neie
Verkehrsvor=
ſchrifte, ſundern ſie ſin ſchun zimmlich alt, un annerwärts lengſt
gang un gäwe, ’s kimmt jetzt bloß druff a, daß ſe in Darmſtadt
agewend un befolcht wärren, ſunſt — peift de Hund ins
Feier=
zeich.
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm; Außer däre owich erwehnte alde
neie Verkehrsordnung blieht uns awwer in nechſter Zeit noch e
Neierung, un zwar ſeitens vun de Poſt. Nemlich die will en
„Kunden=Dienſt” eifiehrn. Bekanntlich is der ſogenannte
„Kundedienſt” im Geſchäftsläwe heit die große Mode, ſozuſage
de „Därnje grieh”. — Un ich muß wärklich geſteh, ſo wie heit hott
mer die „Kunde” noch nie umworwe. — Gott, wann ich noch denk, ſo
for 6, 7, 8 Jahr — was war mer do als „Kunde” doch en drauricher
Drobb; insbeſunnere wann ſich’s um Läwensmiddel gedreht
hott —
Alſo die Poſt will ſich jetzt aach lieb Kind mache, un will en
„K.D. im Dellefoh’verkehr eiffiehrn. Nemlich mer will uff de
Poſtemter „Uffdragsſtelle” ſchaffe, derart, daß mer de Uffdrag
gäwwe kann, die Poſt mecht dellefoniſch der un der „Nummer”
däß un däß ausrichte —
Ich kennt mir denke, daß der „K.D.” bei de Poſt allerhand zu
dhu krickt — — Dann wer hott net äwe jemand „was
auszu=
richte”, däß wo erm net gärn perſeenlich ſage will . . . Heit,
wo kaum de aane de annern noch riche kann; ganz abgeſähe vun
gewiſſe Behördlichkeide, dene mer’s ſchun lengſt emol dichdich
„ſage” wollt! — Däß is alſo heit alles hechſt alfach: mer
delle=
foniert an die Poſt, un ſeegt dem Frailein: „Bitte richten
Sie aus, daß .. . . . . . .." un ſo weider äzzädderadada —
No, ſchließlich, es muß jo net immer e Grobheit ſei; mer
hott aach manchmol was Agenehmes auszurichte. Un da halt der
„K.D.” — wenichſtens beim Poſtamt Darmſtadt, noch net
ei=
gericht is, kann er aach noch nix ausrichte. Sunſt hett er
nemlich all meine verehrliche Verehrer, die wo mer ſchriftlich un
mindlich verſichert hawwe, daß ſe’s wohl gemärkt hette, daß
zwaa=
mol nix drinn war, ausrichte kenne, daß ich mer’s zu Härze
ge=
numme hab. — Un meim „Owwerremſchter‟ Dichterskolleech will
ich gärn de Gefalle dhu, un will defor ſorge, daß ſei
Huldichungs=
gedicht de Noochwäld erhalte bleibt. Hier is es:
Mei Zeidung hab ich dorchſtudiert
Vun vorn bis hinne heh;
Un vun dem Bienche Bimmbernell
War zwaamol nix zu ſeh.
Daß ſie paar Dag in Urlaab geht
Domit war ich im Bild;
Awwer daß ihrn Schnawwel ſo lang ſteht,
Däß wollt mer net in Schild.
Mir hott mei Eſſe net geſchmäckt,
Mei Fraa war ganz verſtraad,
Un uff de letzte Sunndag heh.
Warn krank mir alle baad.
Wohrheitsgedrei: „Ich will nett lieh —
Im Dagblatt ihrer Stell,
Mir dort jetzt widder Heilkraft krieh
Vumm Bienche Bimmbernell.
Hochachdend L. F."
No guck hie, ſo e Owwerremſchter. — Dodro ſieht mer doch,
daß ſe noch en Spaß verſteh, un Sinn for e bische Humor hawwe,
in däre iwwle Zeit voll Neid, Haß un Gaſchdichkeid
Tomatenſuppe auf verſchiedene Weiſe
berei=
tet. Die jetzige Tomaten=Saiſon ſollte jede Hausfrau ausnutzen
und den „Paradiesäpfeln” eine bevorzugte Stellung auf ihrem
Speiſezettel einräumen. Wie köſtlich ſchmecken u. a. die
Toma=
tenſuppen, die man auf die verſchiedenſten Weiſen bereiten kann.
Wir laſſen eine Auswahl folgen:
Tomaten=Semmelſuppe. ½ Pfund kleingeſchnittene,
feftfleiſchige Tomaten ſchmore man mit 1 Eßlöffel Butter, in der
man eine nußgroße kleingeſchnittene Zwiebel bräunte, durch,
worauf man ſie zuſammen mit 1 altbackenen Semmel und 1
Liter Waſſer zum Kochen aufſetzt. Als Gewürz füge man wenig
Zitronenſchale und etwas Salz bei. Dann durch ein Sieb
ge=
ſtrichen, ſchmecke man die Suppe mit etwas Zitronenſaft, wenig
Pfeffer und 1 Meſſerſpitze Zucker ab.
Tomatenſuppe mit Peterſilie. Reichlich ½—¾ Pfd.
Tomaten ſetze man mit etwas Zitronenſchale und 2
Gewürzkör=
nern und 1 Liter Waſſer zum Kochen auf. Streiche ſie durch
ein Sieb, um dann eine hellgelbe Mehlſchwitze von 1 Eßlöffel
Butter und ebenſoviel Mehl oder Grieß weiterzukochen. Nach
25 Minuten ſchmecke man die Suppe mit Salz, wenig Pfeffer
und 1 Teelöffel feingewiegter Peterſilie ab.
Feine Tomatenſuppe mit Schinken. ½— 1 Liter
Fleiſchbrühe ſetze man mit ½ Pfund in Butter angedämpften
Tomaten zum Kochen auf. Streiche dann alles durch ein
Haar=
ſieb, verquirle 1 Ei mit 1 geſtrichenen Teelöffel Kartoffelmehl
in der Suppe und füge dieſer, mit Salz und Butter abgeſchmeckt,
1—2 Eßlöffel feingewiegten gekochten Schinken bei.
Tomaten=Reisſuppe. ½ Pfund Tomaten ſetze man
mit 1 Liter Waſſer und etwas Zitronenſchale, ganz wenig
Lor=
beerblatt und 2 Gewürzkörnern zum Kochen auf. Streiche ſie
dann durch ein Sieb und gebe ſie nochmals aufs Feuer, um
darin 75 Gramm kalt abgequirlten Reis ausquellen zu laſſen.
Die mit Salz und Butter abgeſchmeckte Suppe würze man evtl.
noch mit 1 Teelöffel feingewiegter Peterſilie.
Sauerkirſch=Reisſpeiſe. 125 Gramm in Milch dick
ausgequollenen Reis miſche man mit der abgeriebenen Schale
½ Zitrone, 2 Eßlöffel Zucker, 1 Eßlöffel Süßſtofflöſung und
½—¾ Pfund gedünſteten Sauerkirſchen und fülle damit
ab=
wechſelnd lagenweiſe eine ausgeſpülte Form. Erkaltet geſtürzt
und mit Kirſchen garniert, ergibt dieſe Speiſe mit kalter Milch
oder einer Vanille=oder Mandelſoße einen vorzüglichen Nachtiſch.
„Großer Schick und kleine Börſe” lautet ein Artikel in der
ſoeben erſchienenen neueſten Ausgabe der „Eleganten Welt”, den
jede Frau mit größtem Intereſſe leſen wird. Er legt dar, wie
man mit beſcheidenen Mitteln elegant gekleidet ſein kann und
wie man mit dem Willen zur Schlichtheit und Unauffälligkeit
Formvollendetes erreicht. Andere Artikel „Standardtypen des
Abendkleides”, „Samthüte — die große Mode, uſw. ergänzen den
abwechſlungsreichen Inhaft des reichilluſtriers:Oeftes.
A
Humor
IIe
„Eine Karte nach Dutzingen. Wann geht der Zug?‟
„19.32.
Geben Sie mir mein Geld wieder — bis nächſtes Jahr kann
ich nicht warten.”
Das macht nichts. „Mit dem Rembrandt da ſind Sie
an=
geſchmiert worden. Das Bild iſt keine fünfzig Jahre alt.” —
„Das iſt mir wurſt, wenn es nur ein echter Rembrandt iſt.”
Muſikaliſch! Es war vor der großen Premiere. Das Orcheſten
ſtimmte die Inſtrumente. Im erſten Rang ſaß ein begeiſterter
Jüngling. Froh des baldigen Beginns, ſtrahlte er zu ſeinem
Nach=
bar: „Die Muſiker ſtimmen!“ — Schnarrte der Nachbar: „Wieſo?
Haben Sie ſie gezählt?
Reporterfrage. „Sie ſind alſo der einzige Ueberlebende von
dem ſchrecklichen Eiſenbahnunglück? Wie kam denn das?‟ — „Ich
hatte den Zug verpaßt!“
Aus der Geſellſchaft. Die eine: „Man darf nicht alles
glau=
ben, was man hort.” — Die andere: „Nein — aber weiter
en=
gählen darf man g.”
Für Beſuche
und Cheater:
das Spitzenkleid
Spitzenkleider treten mit einem Male
ſozu=
ſagen „als Auftakt” der eleganten Herbſtmode
wieder auf den Plan, und allem Anſcheine nach
iſt die Frau von Geſchmack damit reſtlos
ein=
verſtanden, denn bei den Vorführungen in den
großen Salons wird — wie allgemein verſichert
wird — gerade den Spitzenſchaffungen
unge=
teilter Beifall gezollt.
Es mag ſein, daß — ſeitdem man mit den
Imprimés der letzten Mode ſo ſehr vertraut
worden war — nun nach einem geeigneten und
artähnlichen Erſatz für dieſe Materialien
ge=
ſucht wird und in Form der Spitzengewebe, die
in ihrer Wirkung den buntdeſſinierten
Mate=
rialien in gewiſſer Hinſicht verwandt ſind, das
Richtige gefunden wurde.
Die Spitzenmode hat zweifellos den großen
Vorzug, außerordentlich abwechſlungsreich zu
ſein, denn ſchon die Struktur dieſes Materials
ſchaltet jede Monotonie aus, umſomehr als
Spitzen in zahlloſen Varianten gebracht werden!
Um die vom Publikum gewünſchte
Ab=
wechſlung zu bieten, legen die führenden
Sa=
lons allergrößten Wert darauf, innerhalb der
Spitzenmode große Unterſchiede zu betonen;
daher kommt es, daß es neben hauchzarten,
tüll=
ähnlichen Spitzen, die ſich als „Malines=Kanten”
einen guten Namen machen konnten, auch ſehr
intereſſante „zwirnige” Sorten gibt, die gerade
durch das Fehlen jeglichen Glanzes ungemein
originell wirken.
Natürlich verarbeitet man auch gerne die
ſchweren, chenille=durchzogenen Spitzen, die eine
beſondere Weichheit und Schmiegſamkeit und
einen ausgezeichneten Fall haben.
Nicht weniger apart ſind die den echten
„Veniſe=Kanten” nachempfundenen Spitzenarten,
die jene wundervolle „Plaſtizität” und jenen
prächtigen „Ausdruck” haben, mit dem man ganz
unvergleichliche Effekte erreicht.
Während man alle anderen
Spitzenmateria=
lien in vielerlei Farben zu ſehen bekommt,
Nur hie und da ein markanter Gürtel, ein
Schleife, eine Blüte, ein einfacher, aber einprä
ſamer Kragen und dazugehörige Manſchette
ſind gerne geſehen, da durch ſolche Akzente (d.
ſich aber niemals zu ſehr ins Detail verliere
ſollen, wenn man die Wirkung der Spitze nig
beeinträchtigen will) die Schönheit des Model
ſicherlich gefördert wird.
Sehr intereſſant iſt die Tatſache, daß d
neuen Spitzenkleider faſt immer lange Aer
mel haben; auf dieſe Weiſe iſt es nämli
möglich, ein derartiges Garderobeſtück ebenſogu
für den nachmittäglichen Beſuch wie auch fü
den Abend zu verwerten, ſo daß man
eine=
doppelten Ausgabe aus dem Wege geht und der
Bedarf für die neue Saiſon (ohne die mindeſt
Einbuße an Eleganz) einzuſchränken vermag.
Die neuen Spitzenkleider haben — wie wi
ſchon früher zu erwähnen Gelegenheit hatten.
die vielfältigſten Faſſons.
Eine kapriziöſe Note liegt beiſpielswei
darin, daß manche Salons ſich bemühen, au
betonter Einfachheit, ja faſt aus einer gewiſſe
„Primitivität” der Linie ſchöne Wirkungen z
holen; ſo gibt es unter anderem nachmittäglick
Spitzenmodelle, die durchaus die Grundforr
eines ſchlichten Trotteurkleides haben. Wi
zeigen eine dieſer Schaffungen in unſerer
letzten Bilde; ſie bringt eine faltige Rockpart=
und einen einfachen Oberteil, bei dem überdie
auch Bubenkragen und Stulpenmanſchetten au
gleicher Spitze gearbeitet ſind. Ein
Wildlede=
gürtel in der Farbe der Spitze unterſtreicht de
eigenartigen Stil dieſes Kleides.
Außerordentlich apart ſind auch die ver
ſchiedenen glockigen Spitzenkaſacks, die über eine
engen Satinrocke getragen zu werden pflegei
der eine dunklere Farbabſchattierung haben ſol
Ein breiter, ſeitlich geknoteter Schärpen=Gürte
aus gleichem Satin iſt eine höchſt mondäne Ver
vollſtändigung dieſes mantelkleidartig gear
beiteten Kaſackmodells, deſſen mit einem Gummi
Wochenendfahrt im Herbſt
Manche Damen halten für den Herbſtbeginn
die Aufmachung für die Stadt für das
Rich=
tigſte, andere aber wünſchen vorerſt die
Wochen=
endgarderobe „aufzufriſchen” und alle auf dieſem
Gebiete notwendigen Neuanſchaffungen zu
ma=
chen, weil ſie ſich (ſehr mit Recht!) ſagen, daß
all dieſe Stücke gelegentlich auch für die Stadt
in Frage kommen können. Kurzum: zwei
Flie=
gen mit einem Schlage!
Dieſe Entſcheidung wird ſicherlich von vielen
beifällig begrüßt werden, da gerade die
gegen=
wärtige wirtſchaftliche Situation Erſparniſſe
auf jedem Gebiete erforderlich macht und man
alſo Garderobeſtücke, die verſchiedenen Zwecken
zu dienen vermögen, beſonders gerne ſieht.
Die neue Mode iſt — ſoweit man ſie nach
ihren „Vorläufern” beurteilen darf — in ihrer
Silhouette ſehr ſchlicht, doch keineswegs
nüch=
tern, denn man bringt durch Material und
Far=
ben ſehr ſchicke Wirkungen zuwege, die ſicherlich
den ungeteilten Beifall all jener finden werden,
die modiſch=kultivierte Garderobeſtücke lieben
und unnötige Garnierungen als „Talmi=
Ele=
ganz” ablehnen.
Die „kleinen Kleider”, von denen unter
an=
derem die Rede ſein ſoll, weil ſie ſich ganz
aus=
gezeichnet für Weekendausflüge eignen, bringen
vielfach wieder ſchicke Kaſackformen und ſcheinen
damit die in letzter Zeit vernachläſſigt geweſene
Jumperkleidermode wieder in den Vordergrund
zu rücken. Die Rockpartien ſind faſt immer
faltig gearbeitet, da dieſe Faſſons ſich als
ele=
gant und praktiſch erweiſen konnten.
Natürlich braucht man für den Herbſt zu
einem derartigen Kleide eine Umhülle, und
pflegt ſich hier anſtelle eines Mantels für einen
der kleidſamen Dreiviertel=Paletots zu
ent=
ſcheiden, die außerordentlich apart wirken. Zum
Unterſchiede von den aus deſſiniertem Material
hergeſtellten Kleidern werden dieſe Paletots
aus einem einfarbigen Gewebe gearbeitet
und vielfach mit einer Fellgarnierung verſehen.
In unſerem erſten Bilde führen wir die eben
beſprochene Aufmachung vor Augen, die ſicherlich
dazu angetan iſt, das Intereſſe der eleganten
Frau auf ſich zu lenken.
Die neuen Mäntel, denen natürlich gerade
jetzt, zu Saiſonbeginn, das größte Intereſſe
ge=
ſchenkt wird haben vielfach ſchicke
Raglan=
formen; auch hier ſieht man Fellkragen aller
Art, und zwar nehmen ſich zu den flauſchigen
Stoffen, die im liebſten herangezogen werden,
kurzhaarige, ſportliche Felle (Nutria, Biſam
u. dergl.) am beſten aus. Glockig=geſchweifte
Mantelformen gelten als richtunggebend und
beherrſchen die Mode, weshalb wir ein ſehr
ſchlichtes, aber in ſeiner Linie ganz
ausgezeich=
netes Stück als zweite Figur unſerer Gruppe
ſkizziert haben.
Ein wichtiges Kapitel der herbſtlichen Mode
ſind die Trotteurkoſtüme, an die ſich die
ele=
gante Frau im Laufe der allerletzten Saiſons
ſo ſehr gewöhnt hat, daß ſie ſie nicht mehr
miſſen will.
Hier werden durch ſchicke Zuſammenſtellung
gemuſterten Materiales in ſeiner „verſchiedenen
Fadenlage” außerordentlich dekorative Wirkun=
gen erzielt, wobei aber die „ſachliche Note‟,
keinerlei Einbuße erleidet. Ein
Wildleder=
gürtel pflegt bei dieſen Modellen das markante
Moment darzuſtellen. Die Rockpartien bringen,
wie dies bei Koſtümen, die gelegentlich auch
ſportlichen Zwecken dienen ſollen, faſt immer der
Fall iſt, verſchiedene Quetſchfaltenbähnen, die
das freie Ausſchreiten begünſtigen. Während
man auf die Verbrämung der Kragenpartien
bei ſportlichen Jackenkleidern mitunter
ver=
zichtet, ſieht man Fellgarnierungen auf den
Aermeln ſehr gerne. Da hierfür
verhältnis=
mäßig wenig Pelzwerk notwendig iſt, kann man
ſich umſo eher für Edelfell entſcheiden.
Ab=
ſchattierter grauer oder brauner Perſianer iſt
ſicherlich am dekorativſten, wobei ſich die Farbe
ganz nach der Tönung des zur Verwendung
ge=
langenden Stoffes richtet. Mit der Schattierung
des Fells ſtimmt auch der kleine, mit einer
bun=
ten Feder gezierte Filzhut überein.
Zu den aparteſten Neuheiten der Saiſon
zäh=
len unſtreitig die kleinen Jäckchen, die man
ſchon zur Zeit unſerer Mütter als ſogenannte
„Spencer” kannte. Heuer erſcheinen ſie unter
dem Sammelnamen „Veſtons” und haben die
Eigenart, immer in einem von dem Materiale
des darunter zu tragenden Kleides abſtechenden
Stoff gearbeitet zu ſein, wobei nicht nur Farb=,
ſondern auch Deſſinierungskontraſte beliebt ſind,
was derart zu verſtehen iſt, daß man etwa zu
einem einfarbig=hellbraunen ſportlichen Kleide
ein genopptes tiefbraunes Jäckchen trägt, oder
aber zu einem dunklen ſportlichen Rocke (mit
Bluſe) ein „Veſton” aus hellem Karomateriale
wählt, wie wir es im letzten Bilde zeigen. Ein
ſchöner Pelzkragen ſtellt immer eine reizvolle
Umrahmung des Kopfes dar.
Die ſportlichen Stulpenhandſchuhe und der in
der Farbe mit ihnen harmonierende kleine Hut,
der die allerneueſte Modetype für den Herbſt
vor Augen führt, ſind die geſchmackvollen
Attri=
bute der modernen Trotteuraufmachung.
Willy Ungar.
hält man bei den „Veniſe‟=Sorten faſt immer
an der ſogenannten „Naturtönung” feſt, die
außerordentlich elegant iſt und an
vornehm=
dezenter Wirkung wohl kaum übertroffen zu
werden vermag.
Da die verſchiedenen Spitzenſtoffe an ſich
hin=
reichend effektvoll ſind, iſt es möglich, von
Gar=
nierungen faſt gänzlich abzuſehen.
Kindermantel im Empireſtil
ſtellen eine außerordentlich kapriziöſe Note in
den Vordergrund und ſind ſicherlich dazu
ange=
tan, die helle Begeiſterung all jener Mütter
auszulöſen, die auf reizvolle Kleidung ihrer
Töchterchen Wert legen.
Dieſe Mäntel werden aus flauſchigem
Ma=
eriale in ſchöner „gedeckter” herbſtlicher
Paſtell=
farbe hergeſtellt, in der Taille angeſetzt und mit
zwei Knöpfen verſchloſſen.
Ein Doppel=Cape und ein kleiner Fell=
Schal=
kragen ſehen entzückend aus. (Skizze.)
zuge verſehene Bauſchärmel ſehr intereſſat!
ſind. (Vorletzte Skizze.)
Manche Spitzenkleider zeigen unterhalb Oe
Hüfte zarte Volantpartien, die ſehr maler!
wirken; außerdem ſchafft man gelegentlich out
die Kombination mit Satin, der für den Kraß‟
und für die Stulpenärmel, ſowie für inkruſtier
Streifen und für einen vorne gebungen”
Gürtel verwendet wird, einen höchſt originel
Kontraſt. (Bild 1.)
Trotz der langen Trichterärmel, die — w
wir ſchon früher erwähnten — große Mode 11
ſehr gebräuchlich ſind, iſt das in unſerem zwe.
Bilde feſtgehaltene Spitzenkleid mit ſeinen 4.
gleichem Materiale hergeſtellten waſſerfauat”
angeordneten Längsbahnen und ſeinem
Revers garnierten Oberteil die empfehlen
werteſte Aufmachung für die erſten 9r9ß
Theater= und Konzert=Abende.
Ein derartiges Modell wird — vorausgele‟
daß es in einer unaufdringlichen Farbe gea
Zeitet ſei — während der ganzen kommende
Saiſon gute Dienſte leiſten und immer wied
Willy Ungar.
ingenehm auffallen.
ummer 247
Sonntag, den 6. September 1331
Seite 23
SolieblalokkodoeliktorSvensen
29
Copyright Berlin=Schöneberg 1931 by Delta=Verlag Kurt Ehrlich.
ntel
dann wieder hinauf, hinunter, affenhaft ſchnell: ſie ſtanden
du ſen. Stenzel goß aus einer Flaſche Petroleum auf die
E: „Parfüm für die Hunde!‟ Er lächelte verbiſſen.
im Laufgraben geduckt, krochen ſie auf allen vieren weiter,
dy Straße entlang, ſprangen, in Schweiß gebadet, auf die
C ſſee, und nun rannten ſie.
Son fern winkten Aecker mit gelben, hohen Halmen.
Quer=
foon durch Korn, die Aehren peitſchten in die Geſichter. Jetzt
fcl ſen ſie einen Haken, kehrten zur Chauſſee zurück, ſtürmten
duärts, vorwärts.
sickhoff fühlte die Knie ermatten, ſein geſchwächter Körper
lee nichts. Verflucht! „Wie weit noch?” keuchte er.
Stenzel blieb ſtehen. Sein Geſicht war aſchfarben, er rang nach
S „Komm!” befahl er und nahm den Weg ins Felo. Sie
fa hten tief ins Getreide, dort tauchten ſie unter, verſanken
inn Meer von Halmen, warfen ſich zu Boden, verſchnauften.
Vie ſtark und geſund die Erde duftete! Eickhoff ließ ſeine
2s ſen einen Zug tun und blickte gegen den blaßblauen
Him=
ay. der ſich aufgehellt hatte. Dann lag er mit geſchloſſenen
Anda.
Machſt wohl ſchon ſchlapp?” forſchte Stenzel mißtrauiſch.
Nein, es geht noch. Ob die dort unten was bemerkt haben?"
Ach wo. Und wenn auch. Hier finden ſie uns nicht. Wir
Ben, bis es Nacht wird.”
Ja”, fagte Eickhoff. Er war beinahe glücklich, ihm ſchien
die zur Pennälerzeit, wenn er die Schule geſchwänzt hatte.
Zigarren rollen zu müſſen, lag er nun hier und durfte in
diuft ſtarren, rings um ſich weites, ſchweigendes Land.
Hier finden ſie uns nicht” bekräftigte Stenzel nochmals,
m im ſich Mut zu machen. „Ich kenne das!”
Eickhoffs Blick fragte.
Na ja”, fuhr Stenzel fort, „hab’s ſchon dreimal gemacht.”
Und jedes Mal gelungen?“
Immerzu!”
Biſt aber doch hier geweſen.”
Das iſt ine andere Geſchichte. Sie erwiſchen einen draußen,
fIr in der Stadt. Man wird leichtſinnig . . .‟ Er döſte,
Eiſcht von der Luft.
Im ſpäten Nachmittag vernahm man Hundegekläff und ferne
—Inerſtimmen, Stenzel, erwacht, horchte, tierhaft geſpannt, ſeine
Sgriff nach einem Meſſer. „Wenn ſon Bieſt rankommen
Aber es wurde wieder ſtill. Wind trug von weitem
ver=
ende Kirchenglocken herüber, Grillen zirpten, Abendrot zog
a die Dämmerung ſtark. In der Dunkelheit taſteten ſie zur
Siſſee hin und begannen wieder ihren Dauerlauf, trafen nach
Stunde auf die erſten Bäume, der Wald begann. Schützende
ernis und Dickicht.
Plötzlich hielt Stenzel an. Eickhoff fühlte ſich am Arm ge=
E und ſeitwärts geriſſen. Ein Fuhrwerk ratterte ihnen
ent=
i. Sie taten ein paar Sprünge, ſtolperten, fielen, lagen flach
a dem Boden geduckt. Als ſie die Köpfe hoben, knarrte der
—rwagen vorbei, mit einem trüben Licht vorn an der Deichſel.
Während Eickhoffs Hände in feuchtes Laub griffen, wurde
ſ=Herzſchlag ſanfter, er fühlte ſich bergend aufgenommen von
Efer Erde, der er ein Weſen war, wie die übrigen, eines das
( n und leben durfte und nicht als gehetztes Wild galt. Wie
väre es geweſen, hier liegen bleiben zu dürfen, gedankenlos
—ämmern, vergehen ..
Sie wanderten die ganze Nacht. Im Morgengrauen zeigten
ein paar verſtreute Häuſer, Fenſter und Türen waren ver=
Roman von
Nachdruck verboten.
ſchloſſen, Hunde ſchlugen an. Sie wichen aus und lagerten hinter
Strauchwerk. Dann, am Vormittag ſtießen ſie auf eine Kate, die
verlaſſen ſchien. Stenzel pirſchte heran und klopfte. Keine
Ant=
wort. „Warte mal”, meinte er und verſchwand um die Ecke.
Bald darauf hörte man es krachen, ein Fenſterladen flog auf.
Eickhoff harrte fluchtbereit, äugte ringsum wie ein Jagdhund,
aber ſchon ſtieg Stenzel heraus und zeigte grinſend die Kleider,
die er gefunden hatte. Es war lumpiges Zeug, doch im
Augen=
blick brauchten ſie es dringend.
Tief im Dickicht vollzog ſich der Koſtümwechſel. Stenzel
knüllte die Anſtaltsgewandung zuſammen, ſpuckte darauf und
verſcharrte ſie.
„Dreckzeug, elendes”, brummte er und reckte ſich. „Das war
höchſte Zeit!”
Irgendwo entdeckten ſie reife Kirſchbäume, die ſie
plün=
derten. Sie ſtopften ſich die Taſchen voll, es war ihre ganze
Nahrung für dieſen Tag. Als ſie zum Schlafen in einem
Heu=
boden ſich verkrochen, knurrten ihre Mägen gehörig. Am nächſten
Mittag erreichten ſie eine kleine Eiſenbahnſtation, das Geld
reichte für Fahrkarten vierter Klaſſe, aber ſie wagten nicht, die
direkte Strecke zu nehmen, rollten ſtundenlang auf Umwegen,
ſtiegen wieder aus, marſchierten des Nachts, ſchliefen am Tage
und fuhren abends weiter. Eickhoff war vor Müdigkeit halbtot.
III.
Er erwachte durch einen plötzlichen Schmerz, jemand hatte
ihn gegen das Schienbein geſtoßen. Blinzelnd gewahrte er
Stenzel, der ihm winkte. Allmählich kam er zu ſich; der Zug
hielt an irgendeiner Station. Im Abteil ſchlief alles, ringsum
gedunſene Geſichter, ſchwere Atemzüge, Schnarchen. Stenzel
wartete an der Türe.
Nun erhob ſich auch Eickhoff, ſpürte ſeine zerſchlagenen
Glie=
der und ſtieg über ausgeſtreckte Beine hinweg. Sie ſtanden beide
in kühler Frühluft, feuchtbetaut dehnten ſich die Schienen unter
bleichem Licht. Von irgendwoher erſchollen halblaute Rufe und
der metalliſche Krach zuſammenprallender Wagen, es wurde
rangiert.
„Jetzt aber türmen!” beſtimmte Stenzel und ſuchte einen
Weg. Sie liefen Geleiſe lang, ſprangen über Weichen, krochen
unter einem Leerzug hindurch und ſahen endlich die Böſchung
vor ſich.
„Da herunter!” Und ſchon glitt Stenzel den ſteilen Abhang
hinab, rücklings, mit angepreßtem Geſäß. Dann gab es noch
einen Zaun aus gebrechlichem Lattenwerk, Gottweiß, was er
umhegen ſollte. Sie turnten über das Hindernis, fanden einen
Pfad und gleich hernach die gepflaſterte Straße, die
menſchen=
leer vor ihnen lag, noch von fahlem Gaslaternenlicht umſäumt.
„Wo ſind wir eigentlich?” erkundigte ſich Eickhoff. Das
über=
nächtigte Geſicht des andern wurde breit von einem Lächeln:
„Menſch, ſiehſte nicht? Da fängt Berlin an!”
Und tatſächlich ſtand da der erſte Maſt mit einer
Straßen=
tafel, Häuſer mit Nummerſchildern, die erſte Autobushalteſtelle:
ein Vorort.
Eickhoff lachte unvermittelt auf, eine unbändige Freude
ſchüt=
telte ihn: „Fein haſt du das gemacht, genau ausgerechnet.”
„Habe ich auch. Oder meinſt du, ich hätte Luſt gehabt, noch
zwei Tage zu tippeln? Aber nun hübſch langſam, mein Junge,
es braucht keiner zu merken, daß wir . . . na ja . . ."
Stenzel begann in einen behäbig gleichmäßigen
Schlender=
ſchritt zu fallen, ſteckte einen Zigarettenſtummel an, den er ſich
auf unerforſchliche Weiſe beigebogen hatte und fügte hinzu: „Na
jetzt gibt’s bald ne andere Kluft und etwas zum Eſſen. Wollen
mal ſehen, was die Baronin macht.”
Eickhoff hörte kaum hin. Die Gegenwart der Stadt erzeugte
in ihm ein Gefühl beglückender Geborgenheit. Er feierte ein
Wiederſehen, wie bei der Heimkehr nach einer langen Reiſe. Er
kannte dieſen Zuſtand von früherher, wenn er auf dem
Bahn=
hof angelangt war, aus der Schweiz, aus Paris, vom Lido.
Damals allerdings hatte ihn das Auto erwartet, er war durch
die Straßen gefahren und hatte gewußt, daß zu Hauſe ein Bad
auf ihn harrte.
Plötzlich fiel ihm ein, daß er ja jetzt heimatlos war, ohne
Mittel, ohne Ausſicht auf Hilfe — einfach ein flüchtiger
Vaga=
bund, den das Schickſal über Bord geworfen hatte.
Mit einem Male war ſein früheres Daſein abgeſchnitten
ge=
weſen: Zwiſchen heute und damals lag ein Schuß. Das war
der Wendepunkt. Und er wußte nicht, wer dieſen Schuß
ab=
gefeuert hatte. Das ergründen können, ſich von Makel und
Schuld rein waſchen — wie ein ungeheurer, ſteiler Berg türmte
ſich die Aufgabe vor ihm.
Er fragte unſicher: „Wohin gehen wir?”
„Hab’s ja ſchon geſagt: zur Baronin.”
„Zur . . . Kann ich da mit?
„Werden ſehen. Weiß noch nicht. Kommt ganz darauf an
.. Haſte denn gar keine Bleibe?"
„Ich glaube nicht.”
„Na, dann komm’ man! Ich laſſe dich natürlich nicht an der
Ecke ſtehen.”
Langſam wurde es belebter, ſchon ſtanden die Häuſer dicht,
eine Elektriſche klingelte, Berlin tat ſich auf. Stenzel gab
Er=
klärungen ab: „Noch in bißchen zeitig. Sonſt hätte ich
ange=
rufen.”
Sie faßten Poſten an der nächſten Halteſtelle, es reichte
ge=
rade noch für die Fahrt mit der Straßenbahn. Sie wagten
nicht, im Wageninnern Platz zu nehmen, denn ihre abgeriſſene
Kleidung wäre zu ſehr aufgefallen, ſondern drängten ſich auf die
Vorderplattform des Beiwagens. Aber Stenzel wurde bereits
munter, er machte halblaute Bemerkungen über Veränderungen,
die ihm auffielen, nickte einem Mädchen zu, das vorbeiging,
rückte ſich den Hut aufs Ohr, und die Augen flackerten
unter=
nehmungsluſtig.
Als ſie nach dem Weſten kamen, begannen gerade die
klei=
nen Läden zu öffnen, Körbe mit Gemüſe und Obſt wurden
hinausgeſtellt. Kirſchen, Birnen, Aprikoſen leuchteten in bunten
Farben. Eickhoff ſtreifte ſie mit gierigem Blick, er dachte daran,
wie lange Zeit verfloſſen war, daß er dergleichen nicht gegeſſen
hatte. Ob er je wieder an einem ſauber gedeckten Tiſche ſitzen
würde, ſorgenlos, frei von Angſt, gleichberechtigt mit
hundert=
tauſend anderen und nicht ſo wie jetzt, wo er als entſprungener
Sträfling danach bangte, irgendeinen verſteckten Winkel zu
fin=
den, der ein wenig Sicherheit bot?
Sie gingen die Nürnberger Straße lang, Stenzel bog um
einen Häuſerblock, machte vor einem Nebeneingang halt, und ließ
ſeinen Begleiter warten. Dann ſchlüpfte er hinein. Es dauerte
an die zehn Minuten, bis er wieder ſichtbar wurde.
Mit einem Kopfruck deutete er an, daß der Weg frei ſei.
Oben an der halboffenen Türe harrte eine Frau: groß, mit
ausladenden Hüften und Buſen. Ein buntſeidener Morgenrock
umhüllte ſie flüchtig und entblößte die brüchige Haut, von der
ein matter Parfümdunſt ausging. Ueber dem ſchlaffen,
gepuder=
ten Geſicht mit breitem Mund wehte übergrelles Haar. An den
Wimpern und Brauen klebte noch Tuſche. „Das iſt Richard”,
bemerkte Stenzel ohne Förmlichkeiten.
Die Baronin nahm die Vorſtellung grußlos zur Kenntnis.
Ihre winkligen Augen flogen von einem zum andern. „Nur
ſchnell rein”, tuſchelte ſie und ſchob beide in die Wohnung. Dort
lief ſie nacktbeinig voran. Ein langer Korridor, dann Zimmer
mit Teppichen, Sofas, Kiſſen, Grammophon, Nadio, ein Flügel,
Nippfiguren; ein Raum, blau ausgeſchlagen, blaue Möbel,
däm=
merig — die Ueppigkeit von vor zwanzig Jahren.
(Fortſetzung folgt.)
R
P
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Regie: Max Neufeld.
Eine heitere Begebenheit v.
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Der Schlager: „In Santa Lncia,
da schwört man Im Mai‟,
beherrscht heute das Repertoir aller
Kapellen.
Im II. Teil
Eddy Polo
der König der Sensationen und
Bezwinger von 1000 Gefahren
Rache für Eddy
Dazu ein
reichhaltiges Beiprogramm
(Die Liebe des Cowboys).
Eddy Polo ist keine Gefahr zu groß,
kein Sprung zu hoch, kein Pferd zu
(V.12882
wild.
Regie: E. A. Dupont, der Schöpfer
v. „Varleté” und „Atlantic‟”
Mitwirkende:
Anna Sten, Reinhold Bernt,
Adolf Wohlbrück, Otto Wallburg, Kurt
Gerron u. v. a. — Atemberaubende
Sensationen treiben in grandioser
Steigerung die spannende Handlung
bis zum Höhepunkt.
Der große internationale Weltzirkus
mit seinem farbenerfüllten, fesselnden
Milien bildet den Hintergrund von
Duponts neuestem Tonfilmwerk.
— Im tönenden Beiprogramm
Micky u. die Indianer
Beginn: 2, 4.05, 6.10, 8.20 Uhr
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Städt. Muſikdirektor.
Für den Winter 1931/32 wurden folgende Soliſten verpflicht=
1) 24. September: Willy Hutter, Klavier, Orcheſterkonze
Klavierkonzert von Schumann.
19. Oktober: Erica Morini, Wien, Violinabend.
3) 16. November: Duſolina Giannini, New York, Arie
und Liederabend.
4), 3. Dezember: Samuel Duſhkin, Paris, Violine, Orck
ſter=Konzert, Konzert von Boccherini.
) 14. Dezember: Maria Baska, Berlin, Arien= u. Liede
abend.
6) 7. Januar: Hermann Schey, Berlin
Hans Rosbaud, Frankfurt a. M.
Liederabd. Die Winterreiſe v. Schube=
7) 21. Januar: „Alferd Hoehn, Frankfurt a. M., Klavie
Konzerte A=Dur Mozart und G=D1
Beethoven.
8) 22. Februar: „Mia Peltenburg, Bern, Geſang
Heinz Jolles, Köln, Klavier
Kammermuſikabend.
9) 10. März: Annie Steiger=Betzak, Frankfurt a.M
Violine, Konzert von Tſchaikowſky.
10) 21. April: Lubka Koleſſa, Leipzig, Klavier, Kor
zert E=Moll von Chopin. (St. 1290
Orcheſter: Der Inſtrumental=Verein
(Orcheſter der Städt. Akademie für Tonkunſt).
Miekpreiſe:
Balkon u. Empore 1. u. 2. Reihe 35 ℳ, (Einzelprs. 6—7
Sperrſitz 1.—9. Reihe, Empore 3. u. 4. Reihe 32.50 ℳ (
Ei=
zelpreis 5—6 4),
Sperrſitz 10.—18. Reihe Empore 5.—7. Reihe 25 ℳ (Einze
preis 3.50—4.50 ℳ).
Sperrſitz 19.—23. Reihe, Vorſaal 1.—3. Reihe/ 15 ℳ (Einze
)prs 3—4,ℳ
Galerie 1. Reihe, Eſtrade 1. Reihe
Vorſaal 4.—9. Reihe, Galerie 2. Reihe/ 10 ℳ (Einzelpre
Eſtrade 2. Reihe
1.50—2.00 ℳ).
Die Zahlung der Miete kann in 10 Raten erfolgen.
Sämtliche 10 Konzerte finden im „Großen Saal” des Stät
Saalbaues ſtatt. — Mietanmeldungen ſind ſchriftlich od
mündlich zu richten an das Sekretariat der Städt. Akadem
f. Tonkunſt, Eliſabethenſtr. 36, Fernſpr. 3500 (Stadtverwaltg
Städt. Ahademie für Tonkunsl
Ahytmische Eymnastik
Leitung: Gretel Pfuhl. Dipl.-Gymnastik-
Lehrerin (System Bodeſ.
Neue Kurse für Damen, Herren und
Kinder beginnen am Montag, den
7. September 1931.
Der Unterricht findet in dem neuen
Gymnastiksaal der Akademie, Mühlstr.
Nr. 70, statt.
(st. 12899
— Eintritt jederzeit. —
Anmeldungen im Sekretariat der Städt.
Akademie für Tonkunst, Elicabethenstr. 36,
wo jede weitere Auskunft erteilt wird.
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schön. „Leona” dehnt sich nicht i
der Länge, weil die Träger auf Ban
gearbeitet sind. Deshalb sehen Si
in „Leona” schlanker aus
als sonst. Darum tragen
Sie „Leona”, das
hoch-
wertige Unterkleid zu .
Zu jedem „Leona‟ Unterkleid
erhalten Sie beiunsden dassen. 19,
den Charmeuse-Schlüpfer für 1.
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