Einzelnummer 10 Pfennige
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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illufkrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesfpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 230
Donnerstag, den 20. Auguſt 1931. 194. Jahrgang
27 mm breite Zelle im Kreiſe Darmſfadt 25 Reichspfg.
Finanz=Anzeigen 40 Reſchspfg. Rellamezeile (92 mm
breitl2 Reichsmark. Anzeigen von auswärts 40 Reichspfg.
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zeile 3.00 Reichsmark. Alle Preiſe in Reichsmark
ſ4 Dollar — 420 Markl. — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krſeg, Aufruhr, Streilk uſw., erliſcht
jede Verpflichtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
aufträge und Teiſtung von Schadenerfatz. Bel
Konkurs oder gerſchticher Beſtreibung fällt ſeder
Rabatt weg. Banflonto Deutſche Bank und
Darm=
ſtädter und Nationgbant.
Das Baſeler Ergebns.
Sachverſtändigenausſchuß empfiehlk Revifion der Reparakionen, Ausgleichung der polikiſchen
Differenzen und Beſchleunigung der finanziellen Hilfe für Deukſchland.
Baſel
Eine ernſte Mahnung an die Regierungen.
Die Arbeiten der Sachverſtändigen in Baſel haben die
Er=
dartungen, die bei der Einſetzung dieſer Kommiſſion in London
ehegt wurden, in ihrem Ergebnis nicht gerechtfertigt. Sie
konn=
en ſie auch nicht rechtfertigen, weil die Aufgabe, die dieſen
Män=
ern geſtellt wurde, von vornherin unlösbar war. Man kann
bſtverſtändlich die kurzfriſtige Verſchuldung Deutſchlands mit
em Rechenſtift addieren, man kann die Wirtſchaftslage
Deutſch=
ands prüfen, man kann Vorſchläge machen. Dieſe Vorſchläge aber
nüſſen Stückwerk bleiben, ſolange ſie ſich auf rein wirtſchaftlicher
jrundlage bewegen, denn die Löſung des Problems Deutſchland,
as ja heute nur noch ein Teil des Problems der
Weltwirtſchafts=
eiſe iſt, wäre leichter zu finden, wenn nur die berufenen
Sach=
erſtändigen darüber zu ſagen hätten. Aber ſie wiſſen ſelbſt, daß
ie letzte Entſcheidung bei den Politikern liegt, und daß wir uns
llange im Kreiſe drehen, bis auch die Politiker ſich die Köpfe an
er rauhen Mauer der Tatſachen wundgerannt haben.
Das Reſultat der Baſeler Sachverſtändigen iſt deshalb,
theo=
etiſch geſehen, unzureichend und unbefriedigend, iſt aber dennoch
in Fortſchritt. Von Autoritäten aus aller Welt wird
unumſtrit=
en die Theſe anerkannt, die Deutſchland in Verſailles aufgeſtellt
nd ſeitdem verfochten hat, daß die verheerenden Folgen des
Ver=
niller Diktates ſich nicht auf Deutſchland beſchränken, ſondern
lle Völker treffen würden. Es wird außerdem anerkannt, daß
je deutſche Regierung, ſich um den inneren Ausgleich ehrliche
Nühe gegeben hat, daß ſie keine Verantwortung für die
kataſtro=
hale Zuſpitzung trägt, daß dieſe Schwierigkeiten uns vielmehr
on außen aufgezwungen ſind. Schließlich wird unterſtrichen, daß
ie Lage Deutſchlands keine experimentellen Wege mehr verträgt.
aß vielmehr raſch gehandelt werden muß, wenn nicht ein
Trüm=
nerhaufen, der weit über unſere Grenzen hinausgeht, die
not=
dendige Folge ſein ſoll. Eine ſolche Hilfe kann auch nach Anſicht
es Ausſchuſſes nur durch langfriſtige Kredite geſchaffen werden.
für dieſe Kredite bietet die deutſche Staatswirtſchaft und die
eutſche Privatwirtſchaft alle Vorausſetzungen, nur daß eben die
Politik die Vorbedingungen ſchaffen müßte,
da=
nit das Vertrauen, das an ſich zuder Entwicklung
n Deutſchland beſteht, ſich auch auswirken kann.
Nan ſoll die Bedeutung dieſer Zugeſtändniſſe nicht unterſchätzen,
ſenn die Namen, die unter dem Baſeler Bericht ſtehen, haben
in=
ernationalen Klang. Wenn auch oft genug zu merken iſt, wie
tark der franzöſiſche Einfluß auf die Geſtaltung des Berichtes
ge=
beſen iſt, ſo bleiben derartige Formulierungen, weil
ie Franzoſen ihnen ihre Zuſtimmung gegeben
jaben, doch doppelt bemerkenswert.
Die Sachverſtändigen haben eingeſehen, daß die
Still=
halteverpflichtung, die auf 6 Monate befriſtet iſt, nur
dann einen Zweck hat, wenn die Zwiſchenzeit dazu
denutzt wird, um inzwiſchen auf politiſchem
Ge=
diet grundlegenden Wandel zuſchaffen. Sie können
dabei nur daran gedacht haben, daß entweder bis zum 19. Februar
—der ja der Stichtag für das Ende des finanziellen Stillhaltens
ſein ſoll — eine Reparationskonferenz die
Kriegs=
entſchädigung, die Deutſchland zu zahlen hat, auf eine finanziell
tragbare Baſis zuſammenſtreicht, oder das Hoover=Jahr etwa
ver=
dreifacht wird mit entſprechend ganz langſamem Abbau des
Still=
haltens, damit inzwiſchen die pſychologiſchen Vorausſetzungen
ge=
ſchaffen werden, die für die Liquidierung der Verſailler Beſchlüſſe
notwendig ſind. Das iſt die Alternative, vor die ſich die Welt
geſtellt ſieht, und davon wird es abhängen, ob der Bericht von
Baſel eine Atempauſe oder eine Galgenfriſt
be=
deutet.
Allerdings mit einer weſentlichen Einſchränkung: die
Sach=
verſtändigen haben auch die Ausſichten erörtert, die für
Deutſch=
land in einer Selbſthilfe beſtehen, indem es etwa ſeine noch
vor=
handenen Auslandsguthaben beſchlagnahmen und gleichzeitig
ſei=
nen Export bis zum Dumping ſteigern würde. Sie haben beide
Möglichkeiten abgelehnt — mußten ſie als Bankiers auch
ableh=
nen — da ſie einer geſunden Entwicklung das Wort reden. Aber
wir wollen doch nicht aus den Augen verlieren, daß unter
Um=
ſtänden dieſer Weg für Deutſchland dennoch gangbar iſt. Gewiß
iſt es ein dornenvoller Weg, der uns bei einer freiwilligen
Sper=
rung unſerer Grenzen ſchwere Entbehrungen auferlegt, aber er
bleibt uns doch offen. Wir werden ihn einfach gehen müſſen, wenn
unſere Gläubiger nicht ſehr raſch Vernunft annehmen, und es wird
dann nicht unſer Wunſch ſein, zu dieſer Waffe greifen zu müſſen.
In der Notwehr werden wir zu ihr greifen müſſen, ſie richtet
ſich aber gegen alle Länder, mit denen wir bisher im geordneten
gegenſeitigen Handelsverkehr geſtanden haben.
Der Sachverſändigenbericht.
Baſel, 19. Auguſt.
Der vom internationalen Sachverſtändigenausſchuß, dem
Ausſchuß zum Studium der deutſchen Kreditlage geſtern
unter=
fertigte Bericht, deſſen Verfaſſer das engliſche Ausſchußmitglied
Sir Walther Lahton iſt, iſt nach Abſchluß der hieſigen Finanz=
Derhandlungen der Oeffentlichkeit übergeben worden.
Der Bericht weiſt in ſeinem erſten Teil auf die
außergewöhn=
liags Depreſſion in Deutſchland und in der ganzen Welt hin, die
Lurg den ſtarken Sturz der Großhandelspreiſe auf den Welt=
märkten, durch einen ſcharfen Rückgang des Welthandels uſw.
gekennzeichnet wird. Für Deutſchland als eine der größten
Welt=
handelsnationen ſei es unvermeidlich geweſen, daß es die
Aus=
wirkungen der Depreſſion in ganz außergewöhnlichem Grade zu
verſpüren bekam. Die Arbeiten des Ausſchuſſes hätten nur einen
Abſchnitt des Problems umfaßt, welches in allen Ländern der
Erde aufgetreten ſei. Eine dauernde Beſſerung der Lage
Deutſch=
lands ſei nicht eher zu erwarten, bis die Urſachen dieſer
allge=
meinen Depreſſion beſeitigt ſeien. Andererſeits ſpiele
Deutſch=
land im Wirtſchaftsleben der Welt und beſonders Europas eine
ſo bedeutſame Rolle, daß, ſolange ſich die Lage in Deutſchland
nicht beſſere, es auch keine allgemeine Erholung von der
gegen=
wärtigen Depreſſion geben könne. Der Bericht macht genaue
Angaben über
die finanzielle Berſchuldung Deutſchlands.
Die Geſamtſchuld ſei in den Jahren 1924/25
ein=
ſchließlich auf 25,5 Milliarden RM. geſtiegen. Der
Nettokapitalzuſtrom in Höhe von 18,2 Milliarden RM. ſowie
3 Milliarden RM., die ſür Dienſtleiſtungen der deutſchen
Schiff=
fahrtsunternehmungen und ſonſtige Dienſtleiſtungen des
Aus=
landes eingegangen ſeien, hätten Deutſchland in den Stand
ge=
ſetzt, Zinſen in Höhe von 2,5 Milliarden RM. auf
ſeine kommerzielle Auslandsſchuld während dieſer ſieben
Jahre zu entrichten, ſeinen Beſtand an Gold und Deviſen
um 2,1 Milliarden RM. zu erhöhen, Reparationen in
Höhe voninsgeſamt 10,3 Milliarden zu zahlen und
einen Ueberſchuß der Einfuhr über die Ausfuhr
(einſchließlich Sachlieferungen) in Höhe von
6,3 Milliarden zu erreichen. Die deutſchen Anlagen
im Auslande beziffert der Bericht bis Ende 1930 auf
insgeſamt 9,7 Milliarden RM., ſo daß die
Netto=
verſchuldung an das Ausland 15,8 Milliarden
RM. betragen habe.
Ein Bergleich der Auslandsguthaben und
Auslands=
verbindlichkeiken der deutſchen Banken
zeigt nach dem Bericht, daß die deutſchen Banken im Auslande
zu Ende des Jahres 1930 kurzfriſtige Aktiven in Höhe
von 2,6 Milliarden beſeſſen haben, während die Ver=,
bindlichkeiten zum gleichen Zeitpunkt mit 7,2
Milli=
arden angegeben werden. Hinſichtlich der
Lage im Jahre 1931
ſagt der Bericht: Obwohl während der ſechs Monate
dieſes Jahres Deutſchlands Ausfuhr
zurück=
ging, ſank die Einfuhr in noch ſtärkerem Maße,
ſo daß der Warenhandelsüberſchuß 1 Milliarde
R M. betrug, wozu noch 0,1 Milliarden RM. für
un=
ſichtbaren Export hinzu zu rechnen ſind. Aus den
An=
lagen ergibt ſich für die kurzfriſtige Verſchuldung —
ohne die von der Reichsbank kürzlich
aufgenom=
menen Kredite — für Ende Juli 1931 im Vergleich zu
Ende 1930, daß die kurzfriſtige Schuld von 10,3
Milliar=
den RM. Ende Dezember 1930 auf 7,4
Milli=
arden RM. Ende Juli 1931 zurückgegangen iſt, ſo daß
in dieſen ſieben Monaten etwa 2,9 Milliarden
RM. kurzfriſtiger Gelder zurückgezogen worden
ſeien. Außerdem habe das Ausland kurzfriſtige Anlagen in
Deutſchland erworben, ebenſo umgekehrt Deutſchland lang= und
kurzfriſtige Anlagen im Auslande. Dieſe Bewegungen dürften
insgeſamt etwa 3,5 Milliarden RM. ausmachen.
Der Ausſchuß habe ſich, ſo heißt es in dem Bericht weiter,
vorwiegend mit der Frage befaſſen müſſen, ob es möglich ſei,
eine weitere Zurückziehung von Mitteln aus Deutſchland zu
ver=
hindern und die fällig werdenden kurzfriſtigen Kredite zu
er=
ſetzen, und ob es notwendig ſei, das bereits zurückgezogene
Kapital ganz oder zum Teil aus ausländiſchen Quellen zu
er=
ſetzen. Was den Erſatz der zurückgezogenen Gelder betreffe, ſo
ſei es ſelbſtverſtändlich, daß die geſamte Wirtſchaft Deutſchlands
weiterhin ſolange unter äußerſtem Drucke ſtehen werde, bis die
Reichsbank entlaſtet und wenigſtens ein Teil des umlaufenden
Kapitals, das plötzlich aus der deutſchen Wirtſchaft
herausge=
zogen worden ſei, erſetzt worden ſei. Die ſeit Freitag voriger
Woche mit den Vertretern der Bankengruppe geführten
Ver=
handlungen hätten zur Einigung über einen
Plan zur Verlängerung der kurzfriſtigen Kredite
Deutſchlands
geführt. Dieſer Plan ſieht die Durchhaltung der dem deutſchen
Schuldner gegebenen Kredite in ihrer augenblicklichen Höhe für
die Dauer von ſechs Monaten vom Zeitpunkt der Unterzeichnung
an vor. Der Bericht bringt hier alſo eine Beſtätigung der
be=
reits gemeldeten diesbezüglichen Stellungnahme des Ausſchuſſes.
Unmittelbar zwiſchen dem deutſchen Schuldner und dem
aus=
ländiſchen Gläubiger wird jedesmal ein Einzelvertrag
vorge=
ſchlagen. Der Vertrag iſt ſo formuliert, daß er keinesfalls mit
den zwiſchen den Parteien früher beſtehenden normalen
Be=
ziehungen in Widerſpruch iſt. In voller Würdigung der
Tat=
ſache, daß es im eigenen Intereſſe liegt, die
Stabili=
tät der Reichsbank auf jede Weiſe zu wahren,
haben ſich die ausländiſchen Gläubiger mit dem deutſchen
Schuld=
ner dahin geeinigt, daß nur ein Teil ihrer Markguthaben ſofort,
der Reſt dagegen erſt nach und nach während der Laufzeit des
Vertrages freigegeben werden ſoll. Vorgeſehen ſind auch zwei
Formeln von zuſätzlicher Sicherheit für die beteiligten
Gläu=
bigerregierungen; einmal ſoll die Haftung der Schuldnerbank
durch eine unmittelbare Verpflichtung des letzten Krediterhalts
ergänzt werden, andererſeits wird vorgeſchlagen, daß die Deutſche
Golddinskontbank in gewiſſen Grenzen die Kredite der
auslän=
diſchen Gläubiger übernimmt oder garantiert.
Was den Bedarf an langfriſtigen Krediten
an=
langt, ſo kommt der Ausſchuß zu dem endgültigen Schluß, daß es
im allgemeinen Intereſſe ſowohl als auch im Intereſſe
Deutſch=
lands notwendig iſt:
1. das jetzige Volumen der deutſchen Auslandskredite
auf=
recht zu erhalten,
2. auf alle Fälle einen Teil der zurückgezogenen Mittel aus
ausländiſchen Quellen zu erſetzen.
Wegen ſeines beſonderen politiſchen und wirtſchaftlichen
In=
tereſſes ſeien nachſtehend die ſich hieran anſchließenden weiteren
Abſchnitte des Berichtes, die ſich auf
die Frage langfriſtiger Kredite
beziehen, im Wortlaut wiedergegeben: Es iſt (jedoch) klar,
daß, falls die von Deutſchland benötigten
wei=
teren Mittel in Form von kurzfriſtigen
Kre=
diten gegeben würden, Deutſchland dann einer
noch größeren Schwierigkeit als jetzt
gegenüber=
ſtehen würde bei Abdeckung der in ſechs Monaten
fälligwerdenden Verpflichtungen, wenn nämlich die
Prolongatioisfriſt der zurzeit beſtehenden Kredite abläuft. Unter
dieſen Umſtänden iſt es unwahrſcheinlich, daß derartige
zuſätzliche Kredite aus privaten Quellen
gege=
ben werden. Tatſächlich hat das deutſche Mitglied unſeres
Ausſchuſſes auch nicht um die Gewährung ſolcher neuen Kredite
gebeten, in der Befürchtung, Deutſchlands Schwierigkeiten noch zu
vergrößern.
Wir ſind daher der Auffaſſung, daß zur Sicherung von
Deutſch=
lands finanzieller Stabilität alle weiteren Kredite in Form einer
langfriſtigen Anleihe gegeben werden ſollten, und daß diejenigen
Teile der beſtehenden kurzfriſtigen Schulden, die hierfür in
Be=
tracht kommen, in langfriſtige Verpflichtungen umgewandelt
wer=
den ſollten.
Die Möglichkeiken der Amwandlung eines Teiles
der kurzfriſtigen Kredike in langfriſtige.
Der zweite Teil unſeres Auftrages weiſt uns die Aufgabe
zu, die Möglichkeit der Aufnahme einer
langfri=
ſtigen Anleihe für Deutſchland zu prüfen. Wenn
Geldgeber aufgefordert werden, eine Anleihe dieſer
Art zu zeichnen, prüfen ſie u. a. die allgemeine
Wirtſchaftslage des betreffenden Landes, ſeine
Handelsbilanz, um zu ſehen, ob es den Anleihedienſt aus
eigenen Mitteln, und zwar entweder ſofort oder in einer
annehm=
baren Zeit beſtreiten kann, und den Staatshaushalt, um
ſich zu vergewiſſern, ob die Währung des Landes geſichert iſt. Im
Falle Deutſchlands ſind dieſe drei Faktoren
kei=
neswegs ungünſtig. Die Londoner Konferenz hat der
An=
ſicht Ausdruck gegeben, daß der Mangel an Vertrauen
zu Deutſchland, welcher die Kreditabziehungen
verurſacht, und damit die jetzige Kriſe ſo
ver=
ſchärft hat, „durch die wirtſchaftliche Lage des Landes nicht
gerechtfertigt” iſt. Der beſte Beweis für die
Richtig=
keit dieſer Auffaſfung, die wir teilen, iſt die
raſche Erholung der deutſchen Ausfuhr, in den
letzten Jahren. Die Zahlen der Handelsbilanz, die wir
be=
reits gegeben haben, zeigen, daß Deutſchland imſtande war, einen
Einfuhrüberſchuß in eine ausgeglichene Bilanz im Jahre 1929
um=
zuwandeln und im Jahre 1930, ſowie in der erſten Hälfte 1931
einen Ausfuhrüberſchuß zu erreichen, obwohl dadurch in den
ſpä=
teren Stadien eine Senkung des Verbrauchsſtandards bedingt war.
Die deutſchen öffenklichen Finanzen
ſind von Zeit zu Zeit Gegenſtand von Kritiken geweſen, die
ihren Ausdruck in dem Bericht des Dawes=Ausſchuſſes und
ſpäter in den Berichten und anderen Mitteilungen des
General=
agenten für Reparationszahlungen fanden. Man kann hierzu
nur bemerken, daß die gegenwärtige Regierung unter ſchwierigen
Verhältniſſen den Beweis ihrer Entſchloſſenheit, Deutſchlands
öffentliche Finanzen auf eine geſunde Baſis zu ſtellen, geliefert
hat, und daß dieſe Politik, wenn ſie ſtreng fortgeſetzt wird,
ent=
ſchieden dazu beitragen wird, Deutſchlands Kredit zu ſtärken. Es
iſt indeſſen in Anbetracht der Kurſe, zu denen deutſche
Wert=
papiere an den Börſen der Welt notiert werden, klar, daß es
ohne eine Wiederherſtellung des Vertrauens in die finanzielle
Zukunft Deutſchlands, auf welches die Londoner Konferenz
hin=
gewieſen hat, unmöglich iſt, eine langfriſtige Anleihe allein auf
Deutſchlands Kredit hin aufzunehmen. Schon die Fündierung
der übermäßigen kurzfriſtigen Verſchuldung würde dazu
bei=
tragen, die Lage zu beſſern. Es bleiben aber
Seite 2
Donnerstag, den 20. Auguſt 1931
Nummer 227
zwei grundlegende Schwierigkeiken,
die offen aufgezeigt werden müſſen. Die erſte iſt das damit
verbundene politiſche Riſiko.
Solange nicht die Beziehungen zwiſchen Deutſchland und
anderen europäiſchen Mächten auf der Grundlage
freund=
ſchaftlichen Zuſammenarbeitens und gegenſeitigen
Ver=
trauens beruhen und dadurch eine weſentliche Urſache
innerpolitiſcher Schwierigkeiten für Deutſchland beſeitigt
wird, iſt keine Gewähr für einen dauernden und
fried=
lichen wirtſchaftlichen Fortſchritt gegeben. Dies iſt die erſte
und grundlegende Vorausſetzung für die Kreditwürdigkeit.
Die zweite betrifft die äußeren Verpflichtungen
Deutſch=
lands. Solange dieſe Verpflichtungen, ſowohl die
priva=
ten als auch die öffentlichen, entweder eine dauernde
lawinenartige Erhöhung der ausländiſchen Schuld
Deutſch=
lands oder aber ein derartiges Mißverhältnis zwiſchen
ſeiner Ausfuhr und Einfuhr hervorrufen, daß die
wirt=
ſchaftliche Proſperität anderer Länder bedroht iſt, wird
ein Geldgeber die Lage kaum als gefeſtigt oder dauernd
anſehen. Solange die augenblicklichen oder zukünftigen
Gläubiger Deutſchlands nicht überſehen können, wie ſich
in dieſer Hinſicht die künftige Lage Deutſchlands
entwik=
keln wird, beſteht ein ſehr ernſtes Hindernis für die
Ge=
währung neuer oder auch nur die Erneuerung
beſtehen=
der kurzfriſtiger Kredite und für die Aufnahme einer
lang=
friſtigen Anleihe. Wir ſind ſicher, daß die
Regierungs=
vertreter, wenn ſie auf der Londoner Konferenz die
Ver=
antwortung übernommen haben, den Bankiers der Welt
zu empfehlen, gemeinſame Maßnahmen zu ergreifen, um
den Umfang der Deutſchland bereits gewährten Kredite
aufrechtzuerhalten, ſich vollkommen deſſen bewußt waren,
daß der Vorſchlag keine Löſung des Problems war,
ſon=
dern ein Mittel, Zeit zu gewinnen, in welcher Schritte
für die Wiederherſtellung des deutſchen Kredites
unter=
nommen werden könnten. Aber
die Zeit drängl.
der Wirtſchaftskörper der Welt, deſſen Lebenskraft ſowieſo ſchon
ſehr geſchwächt iſt, hat an einem ſeiner wichtigſten Glieder
einen ſchweren Schlag erhalten. Dies hat zu einer teilweiſen
Lähmung geführt, die nur durch eine Wiederherſtellung des
freien Geld= und Güterverkehrs behoben werden kann. Wir
glauben, daß dies bewerkſtelligt werden kann — aber nur, wenn
ſich die Regierungen aller Länder der Welt über die auf ihnen
ruhende Verantwortung klar ſind und umgehend Maßnahmen
ergreifen, die geeignet ſind, das Vertrauen wiederherzuſtellen.
Nur wenn die Regierungen handeln, kann das Vertrauen
wiederhergeſtellt werden. Wir halten es für weſentlich,
daß ſie vor Ablauf der Prolongationsperiode der
Kre=
dite, wie ſie die Londoner Konferenz empfohlen hat, der
Welt die Gewähr bieten, einmal, daß die internationalen
politiſchen Beziehungen auf der Grundlage gegenſeitigen
Vertrauens, welches die Vorbedingung einer jeden
wirt=
ſchaftlichen Erholung iſt, aufgebaut ſind, und ferner, daß
die von Deutſchland zu leiſtenden internationalen
Zah=
lungen nicht die Aufrechterhaltung der finanziellen
Stabili=
tät gefährden.
Wir möchten jedoch das, was wir zu Anfang bereits
ausge=
ſprochen haben, wiederholen, daß nämlich das deutſche Problem
ein Teil eines größeren Problems iſt, welches auch viele andere
Länder der Welt angeht. In dieſem Zuſammenhang wollen wir
zweierlei bemerken:
1. Um die Nachfrage wieder anzuregen und dadurch die
ſtän=
dige Abwärtsbewegung des Preisniveaus aufzuhalten, welches
Schuldner= und Gläubigerländer in gleicher Weiſe in einen
eireulus vitiosus der Depreſſion verſtrickt, iſt es weſentlich, daß
die Unterbringung neuen Kapitals — mit einem wohlerwogenen
wirtſchaftlichen Ziel, nämlich einer Vermehrung der Kaufkraft
der Welt — wieder normal in Gang kommt.
2. Wir möchten darauf hinweiſen, daß das Beiſpiel
Deutſchlands die eindrucksvollſte Illuſtration
der Tatſache iſt, daß die Welt in den vergangenen
Jahren verſucht hat, zwei verſchiedene, ſich
widerſprechende politiſche Prinzipien zu
ver=
folgen, indem ſie die Entwicklung eines
inter=
nationalen finanziellen Syſtems zuließ,
wel=
ches die jährliche Zahlung großer Summen von
Schuldner= an Gläubigerländer mit ſich bringt,
demgegenüber aber gleichzeitig der freien
Güterbewegung Hinderniſſe in den Weg legte.
Solange dieſe Hinderniſſe beſtehen bleiben, müſſen derartige
Kapitalbewegungen naturgemäß das internationale
finan=
zielle Gleichgewicht ſtören. Finanzielle Hilfsmaßnahmen
allein werden nicht imſtande ſein, die wirtſchaftliche
Proſpe=
rität der Welt wiederherzuſtellen, wenn nicht die auf Ob=
Sie geiftige beurmang
des Pefſimismus.
Von Marck Müller.
Erſtaunlich mannigfaltig ſind die Welterklärungen und
Lebenslehren, die Religion und Philoſophie überall und
jeder=
zeit zu geben ſuchen. Wie man ſie im einzelnen beurteilt, hängt
natürlich von der Betrachtungsweiſe ab. Fragt man lediglich
nach ihrer abſoluten Richtigkeit, ſo kann man ſich immerzu nur
für oder gegen ſie entſcheiden. Dies führt leicht zu ſtarrer
Dog=
natik, die in Abweichungen von der eignen Ueberzeugung nichts
als Irrtum, Aberglaube oder Entartung ſieht. — Sucht man
ſie dagegen aus dem Milieu ihrer Entſtehung heraus zu
be=
greifen, im Hinblick auf Ort, Zeit und Geſchichte ihres
Ur=
ſprungs, ſo zeigt ſich oft ein organiſcher Aufbau voll lebendiger
Beziehungen zu Landſchaft und Volkstum. Doch kann man auch
dabei zu einſeitiger Uebertreibung kommen, wenn ſchließlich
nirgendwo mehr ein unbedingter Wahrheitsgehalt anerkannt
wird. Der ſtetige Wandel der Glaubensformen und
Weltan=
ſchauungen, ihre fortwährende Anpaſſung an äußere Umſtände
und die wechſelnden Einflüſſe ſeeliſcher Potenzen werden dann
als ſelbſtherrliches Kräfteſpiel aufgefaßt, das gar nichts weiter
kundtut als eine dauernde Verſchiebung ſeines Zuſammenhanges.
— — Aber alle extremen Gedankengänge vergewaltigen
irgend=
wie die Wirklichkeit, in der die ſtärkſten Gegenſätze miteinander
ſich verflechten und zu höherer Einheit verſchmelzen. Ein
un=
beirrtes Gefühl hierfür beſaßen die deutſchen Klaſſiker. Darum
haben ſie auch die vielumfaſſende Vermutung ausgeſprochen, daß
gerade in der bunten Fülle der Formen und im Auf und Nieder
der Kulturen Ideen und Ideale von allgemeiner Gültigkeit zu
langſamer Entfaltung gelangten und das Weſen des Göttlichen
ſich offenbare. Dieſe Anſicht gewinnt bei näherem Studium
der geſchichtlichen Tatſachen erhöhte Wahrſcheinlichkeit durch
die Feſtſtellung, daß zu beſtimmten Zeiten Völker mit ganz
un=
gleichen Kulturzuſtänden von verwandten Impulſen ergriffen
wurden und ihre geiſtigen Kräfte ſpontan nach der gleichen
Rich=
tung lenkten. Hält man einen höheren Sinn in all dem für
möglich, ſo wird man keine Aeußerung menſchlichen
Erkenntnis=
dranges mißachten und jede im Geſamtbild der Entwicklung des
Geiſtes zu würdigen ſuchen. —
Um hierfür ein konkretes Beiſpiel wenigſtens anzudeuten,
kei von den typiſchen Erſcheinungen der Peſſimismus in aller
Kürze einer ſolchen Betrachtung unterzogen. — Peſſimiſtiſche
Verkündigungen beruhen auf der Ueberzeugung, daß das ganze
Weltgetriebe einen höheren Sinn eben nicht aufweiſen könne,
Vom Tage.
Bei einem Ueberfall von Kommuniſten auf Stahlhelmleute
in Mainz=Mombach wurde Landtagsabg. Dr. Wolf am Auge
verletzt, Außerdem wurden vier Stahlhelmer durch Steinwürfe,
Schläge mit Kartoffelhacken und durch Meſſerſtiche verletzt.
Der Zahlungsverkehr der Sparkaſſen hat ſich in den letzten
Wochen, wie erwartet, reibungslos abgewickelt, Angeſichts dieſer
erfreulichen Entwicklung ſind etwaige, anſcheinend im
Zuſam=
menhang, mit Preſſererörterungen über eine „Sparkaſſenreform”
hier und da aufgetauchte Befürchtungen wegen neuer
Beſchrän=
kungen, im Auszahlungsverkehr gegenſtandslos. Zu derartigen
Maßnahmen liegt keinerlei Anlaß vor.
Die Veröffentlichung der Verordnung über die Verlängerung
der Steueramneſtie iſt nicht vor Freitag zu erwarten.
In der Fraktionsſitzung der Wirtſchaftspartei wurde die
politiſche Lage eingehend beſprochen. Der ſtellvertretende
Par=
teivorſitzende Prof. Bredt teilte mit, daß ihm der
Parteivor=
ſitzende Drewitz die Führung der Parteigeſchäfte bis auf weiteres
übergeben habe.
Der Berliner Magiſtrat hat geſtern beſchloſſen, zum 1.
Okto=
ber d. J. 220 Junglehrer und Junglehrerinnen zu entlaſſen, die
an den Volks= und Mittelſchulen infolge der Erhöhung der
Pflicht=
ſtundenzahlen überzählig werden. Für die Entlaſſung kommen
zunächſt nicht feſtangeſtellte, verheiratete Lehrerinnen in Frage.
Die Harpener Bergbau A.=G. erklärt ſich wegen
Abſatzman=
gels gezwungen, die Schachtanlage Recklinghauſen I zum 15.
Sep=
tember ſtillzulegen. Der entſprechende Antrag beim
Demobil=
machungskommiſſar iſt bereits geſtellt. Zur Entlaſſung ſollen
kommen 826 Arbeiter und 624 Angeſtellte.
Der Direktor der Bank von England erklärte in einer Rede
in Glasgow, daß keine bleibende Beſſerung auf dem Arbeitsmarkt
und im Welthandel eintreten könne, ohne daß ein Abbau der
Re=
parationen und Kriegsſchulden in großzügigem Maßſtab erfolge.
Chile hat ein Moratorium für ſeine Auslandsſchulden
er=
klärt.
ſtruktionen gerichtete Politik eine gründliche Aenderung
er=
fährt, und der Welthandel, von dem ja der Fortſchritt
jeg=
licher Ziviliſation abhängt, ſeine natürliche Entwicklung
wieder aufnehmen kann. Die eindeutig abgegrenzte und
techniſche Unterſuchung, auf welche wir unſere
Aufmerkſam=
keit beſchränkt haben, geſtattet uns nicht, Anregungen
poli=
tiſcher Natur zu geben.
Wir halten es aber für unſere Pflicht, die Gründe
ausein=
anderzuſetzen, die es uns zurzeit unmöglich machen, endgültige
Maßnahmen zu empfehlen, um für Deutſchland langfriſtige
Kre=
dite zu ſichern. Wir möchten aber hinzufügen, daß, wenn man
dazu kommen könnte, dem geldgebenden Publikum wieder
Ver=
trauen in Deutſchlands zukünftige wirtſchaftliche und finanzielle
Stabilität einzuflößen, nach unſerer Ueberzeugung die
Konſolidie=
rung eines Teiles der deutſchen kurzfriſtigen Verſchuldung und die
Beſchaffung zuſätzlicher Betriebsmittel für die deutſche Wirtſchaft
ſicherlich keine ernſten Schwierigkeiten bieten würden. Es gibt
viele Möglichkeiten, wodurch dieſes Ziel erreicht werden könnte.
Wenn wir davon abſehen, dahinzielende, in Einzelheiten gehende
Vorſchläge zu machen, ſo geſchieht dies nur in der Ueberzeugung,
daß man ſich erſt zu Maßnahmen, auf deren Ergreifung wir keinen
Einfluß haben, entſchließen muß, ehe irgendwelche langfriſtigen
deutſchen Anleihen, wie gut ſie auch gedeckt ſein mögen,
unterge=
bracht werden können.
Wir ſchließen daher mit der ernſten Mahnung an alle
beteilig=
ten Regierungen, in der Ergreifung der notwendigen Maßnahmen
keine Zeit zu verlieren und unverzüglich eine Lage zu ſchaffen, die
es ermöglicht, Finanztransaktionen durchzuführen, um Deutſchland
und dadurch der Welt die ſo dringend benötigte Hilfe zu bringen.
In Heſſen doppelt ſo viel Wohlfahrkserwerbsloſe
als im Reichsdurchſchnitk.
Darmſtadt, 19. Auguſt.
Die jetzt errechnete Verteilung der Wohlfahrtserwerbsloſen
auf die Gemeinde=Größenklaſſen läßt nach Mitteilung des
Heſſi=
ſchen Landesſtatiſtiſchen Amts erſt richtig erkennen, wie viel
här=
ter Heſſen von der langfriſtigen Erwerbsloſigkeit betroffen iſt als
dem Reichsdurchſchnitt. Nach dem Stande vom 31. Mai 1931
ent=
fielen auf 1000 Einwohner der Großſtädte von 100 000 bis 500 000
Einwohnern im Reichsdurchſchnitt 26,8 Wohlfahrtserwerbsloſe
gegenüber 32 in Mainz. In den vier heſſiſchen Städten zwiſchen
25 000 und 100 000 Einwohnern entfielen nicht weniger als 43,
Wohlfahrtserwerbsloſe auf 1000 Einwohner gegenüber 23,4 im
Reichsdurchſchnitt. Obwohl ſonach dieſe heſſiſche Durchſchnittszahl
neben den ganz beſonders hart betroffenen Städten Offenbach und
Worms auch noch die beiden Städte Darmſtadt und Gießen
um=
faßt, iſt ſie doch noch faſt doppelt ſo hoch als der Reichsdurchſchnitt
für die Mittelſtädte. Auch in den kleinen Städten und größeren
Landgemeinden, ja ſogar auf dem flachen Lande, ſind die
Wohl=
fahrtserwerbsloſen in Heſſen weſentlich zahlreicher als im Reiche.
ſondern von blinden Gewalten beherrſcht ſei, die zweck= und
be=
ſtimmungslos das, was ſie ſchaffen, alsbald wieder vernichten.
Auch alles Wachſen und Werden wird ihrer Wirkung
zuge=
ſprochen, jede Formung und Geſtaltung ſoll nur die Wirbel
eines einzigen, finſteren Strudels bezeugen. — Ohne Zweifel
kommt darin ein echtes menſchliches Gefühl zum Durchbruch: die
Trauer über die Vergänglichkeit des Daſeins. Ihr ſind ja alle
Vorſtellungen entſtiegen von dunklen Schickſalsmächten oder der
ehernen Wucht des Karma, wie ſie ſeit den älteſten Zeiten die
Seele bedrückt haben. Aber während dieſe Bilder
normaler=
weiſe nur einen Teil des Geſchehens kennzeichnen wollen, iſt der
Peſſimismus immer beſtrebt, ſie auf das Ganze zu übertragen.
— Trotzdem kann auch er hierbei nicht ſtehen bleiben, da der Menſch
mit Naturnotwendigkeit nicht nur aus der Trübſal, ſondern
aus der Sinnloſigkeit ſich zu erheben trachtet. Auch er muß
ſchließlich dem Geiſt ein höheres Ziel geben. Deshalb bemüht
er ſich, ſeine negativen Tendenzen poſitiv zu bewerten, in völliger
Auflöſung die Befreiung und in einem Zuſtand ewig=
unwandel=
barer Stille die letzte Vollkommenheit zu erblicken.
Der Peſſimismus gehört zu den Bewegungen, deren Stärke
und Schwäche ihre Einſeitigkeit iſt. Ueberblickt man die Fälle
ſeines Auftretens in der Geſchichte, ſo erweiſt er ſich keineswegs
nur als die Folge von Ueberfeinerung und Müdigkeit, ſondern
als das Zeichen mächtiger innererSpannungen, die nach einem
Aus=
gleich verlangen und ihn noch nicht finden können. — So
über=
zog er im 6. Jahrhundert v. Chr. gleichzeitig die griechiſche und
die indiſche Kultur. Damals begann die alte heidniſche
Fröm=
migkeit vom Mittelmeer bis nach Oſtaſien hinein merklich ihre
Kraft zu verlieren. Propheten, Denker und Myſtiker hatten
ſchon lange zuvor im Banne der großen Umwälzung geſtanden.
Geiſtige und ethiſche Probleme rückten in den Schwerpunkt des
religiöſen Strebens und warfen ihre Schatten auf die
Götter=
geſtalten, die einſt einer unbefangenen Naturverehrung
entſprun=
gen waren. — In dieſem Zwielicht entſtand die antike Tragödie
und ſprach mitten in ekſtatiſchen Frühlingsfeſten von der
Unſelig=
keit des Menſchen, von Leidenſchaften, welche die beſten Männer
und edelſten Frauen vernichten, von fürchterlichen Flüchen, deren
Wirkſamkeit kein Gott aufzuheben vermag. Erſchüttert blickte
der Grieche auf die dämoniſchen Mächte des Lebens. Und doch
— je mehr ihm die ſichtbare Welt als dem Unheil verfallen
er=
ſchien, um ſo ſtärker regte ſich auch die Hoffnung auf hellere,
überirdiſche Exiſtenzen, zu denen er ſich ſelbſt emporringen
konnte, oder die helfend zu ihm herabkamen. Als die ererbten
Götter verblaßten, haben Platons Viſionen von den
leuchten=
den Ideen=Weſen das chriſtliche Himmelreich zum guten Teil
vorweggenommen. — Rückhaltsloſer Peſſimismus blieb dem
Griechentum fremd. Nur Indien hat mit der Lehre Buddhas ihn
damals zum Ausdruck gebracht. Um die Tiefe der geiſtigen
Strömung zu ermeſſen, die den reichen und glücklichen Ariſto=
Hegierangstene Wangarn.
Unerwarkeker Rückkrikk des Grafen Beihlen.
Budapeſt, 19. Auguſt.
Die Regierung des Grafen Bethlen hat heute vormittag
ihren Geſamtrücktritt überreicht. Der Reichsverweſer hat die
Regierung mit der Weiterführung der Geſchäfte betraut und
in=
zwiſchen Beratungen mit führenden Perſönlichkeiten über die
Entwirrung begonnen. Der Umſtand, daß als erſter der geweſene
Finanzminiſter Johann Teleſzky empfangen worden iſt, weiſt
darauf hin, daß die Regierungskriſe durch wirtſchaftspolitiſche
Schwierigkeiten hervorgerufen iſt.
Es ſcheint zumindeſt auf wirtſchaftspolitiſchem Gebiet ein
vollſtändiger Wechſel zu erfolgen, der im Zeichen der
Sparſam=
keit ſtehen dürfte. Der Umſtand ferner, daß im Laufe des
heu=
tigen Vormittags der Miniſter des Aeußeren Graf Karoly ſofort
nach Teleſzky als zweiter vom Reichsverweſer empfangen wurde,
ſcheint dahin zu deuten, daß auf den Poſten des Auswärtigen
Amtes keine Aenderung eintreten wird.
Graf Bethlen, mit deſſen Namen die ungariſche Geſchichte der
letzten Jahre untrennbar verbunden iſt und der das Land, wie
dies auch von den Gegnern anerkannt wird, aus dem
Nachkriegs=
chaos wieder in konſolidierte Verhältniſſe übergeleitet hat, ſcheidet
endgültig aus dem politiſchen Leben. Reichsverweſer Horthy hat
zwar nach Entgegennahme der Demiſſion verſucht, den Grafen
Bethlen zu bewegen, die Regierungsbildung wieder zu
überneh=
men. Gxaf Bethlen wies aber darauf hin, daß die angeſtrengte
Arbeit der letzten zehn Jahre ſeine Geſundheit vollſtändig
unter=
graben habe und er unbedingt volle Ruhe brauche und nicht mehr
in der Lage ſei, mit der früheren Energie die Staatsgeſchäfte
wei=
terzuführen. Er empfahl dem Reichsverweſer, die
Regierungs=
bildung dem früheren Finanzminiſter Teleſzky oder dem
Außen=
miniſter Grafen Julius Karolyi zu übertragen. Nachdem der
Reichsverweſer 1½ Stunden mit Teleſzky verhandelt hatte, dieſen
jedoch nicht zur Annahme der Regierungsbildung bewegen konnte,
betraute er den Grafen Karolyi.
Der Ausbruch der Regierungskriſe in dieſem Zeitpunkt
kommt überraſchend, jedoch eigentlich nur für Außenſtehende.
Eingeweihte Kreiſe wußten, daß trotz des gewaltigen Wahlſiegs
der Regierung eine Aenderung kommen würde. Man glaubte
jedoch daran, daß es ſich nur um eine Umbildung handeln und
dieſe erſt Mitte September erfolgen würde. Nun haben die
Hauptnotverordnungen der Regierung eine ſoweit konſolidierte
Lage geſchaffen, daß die Aenderungen ſchon jetzt vorgenommen
werden können.
Graf Karolyi
übernimmt die Bildung des neuen Kabinekks.
Die ungariſche Regierungskriſe iſt, ſo raſch wie ſie gekommen
war, auch gelöſt worden. Zwei Stunden nach dem Rücktritt des
Miniſterpräſidenten Grafen Bethlen betraute der Reichsverweſer
Horthy den bisherigen Außenminiſter Grafen Julius Karolyi mit
der Bildung der neuen Regierung. Graf Karolyi hat das
Man=
dat angenommen und ſofort die Beratungen über die
Zuſammen=
ſetzung ſeiner Regierung mit den politiſchen Führern
aufgenom=
men, womit die zehnjährige Aera des Miniſterpräſidenten Bethlen
abgeſchloſſen erſcheint.
kraten plötzlich aufwühlte, zur Entſagung trieb und das Leben
als grenzenloſes gemeinſames Leiden betrachten ließ, muß man
ſich immer vor Augen halten, daß der Inder ganz vom Glauben
an die Wiedergeburt durchdrungen iſt. Wenn gerade die
Aus=
ſicht, nach jedem Tode neu aufzuleben, als Qual empfunden
wurde, wenn auch die Götter und der höchſte All=Gott — deren
Vorhandenſein Buddha nicht etwa beſtritten hat — ohnmächtig
in einen ſinnloſen Kreislauf verſtrickt ſein ſollten, ſo blieb
frei=
lich dem menſchlichen Wollen nichts weiter als der Verſuch, durch
Selbſtaufhebung ſich davon abzulöſen. — Wie ſehr aber extreme
Vorſtellungen zu einer fruchtbaren Ergänzung drängen, zeigt
ſelten etwas ſo klar wie die Geſchichte des Buddhismus. Buddha
ſelbſt hatte in ſeiner alle Weſen umfaſſenden Liebe, die man
gewiß neben diejenige Chriſti ſtellen kann, die ausgleichende
bejahende Seelen=Kraft. Sie hat ihn auch nach der „
Erleuch=
tung” nicht hinaus ins „Nirwana”, ſondern wieder unter die
Menſchen treten laſſen. Sicher iſt ſie es geweſen, die ihm die
Herzen zu Tauſenden gewann. Und einige hundert Jahre nach
ſeinem Tode war er für Millionen von Gläubigen zum Heiland
und Erlöſer=Gott geworden, der ſein paradieſiſches Reich
unauf=
hörlich verläßt, um in irdiſcher Verkörperung ſich der Welt
an=
zunehmen. —
Daß der philoſophiſche Peſſimismus des 19. und 20.
Jahr=
hunderts ebenſo einen tiefen Zwieſpalt zwiſchen alten
Glaubens=
formen und neuen Lebenserkenntniſſen zum Hintergrund hat,
bedarf keiner weiteren Darlegung. War den Klaſſikern eine
harmoniſche Vereinigung noch gelungen, ſo erſchienen ſeit Beginn
der Romantik immer häufiger Perſönlichkeiten, die ſich in ſchroffer
Einſeitigkeit feſtlegten oder auch vom Streit der Gegenſätze
inner=
lich zerriſſen wurden. Damit waren wieder einmal die
Vor=
ausſetzungen gegeben für ein Aufkeimen der Anſchauung, daß
überall nur blindlings drängende Gewalten tätig ſeien, die ſich
zu ewigem Unheil ineinander verwickeln. Schopenhauer und
E. v. Hartmann, die beiden Hauptvertreter des modernen
Peſſi=
mismus, ſind gleichermaßen von der Vorſtellung geleitet, ein
Meer dunkler Triebkräfte bilde den alleinigen Urgrund der
Welt. Was ſie trennt, iſt die Art der Schlußfolgerung, die ſie
daraus ziehen. Schopenhauer in ſeiner reſtloſen ſubjektiven
Iſolierung kennt nur die rein perſönliche Abwendung vom
Sturm des Daſeins in die Ruhe des Nicht=Seins und als Weg
dorthin das alte Bemühen um asketiſche Ausrottung des
Begeh=
rens. Hartmann jedoch ſieht darin geradezu einen egoiſtiſchen
Verrat an der wahren Aufgabe. Ihm geht es ja um eine
Be=
freiung des Ganzen, die er nur durch äußerſte Steigerung des
moraliſchen und techniſchen Fortſchritts für erreichbar hält, bis
der Geiſt ſo klar und mächtig geworden ſei, — daß ſeine Träger
eines Tages nicht bloß ſich ſelbſt, ſondern den geſamten Kosmos
auflöſen könnten. Da die Entwicklung nach ſeiner Meinung
ſtets dieſem Ziel unbewußt zuſtrebt, ſo erhalten Leben und Kul=
Nummer 230
Donnerstag, den 20. Auguſt 1931
Porbereitungen für den Winter.
Rückſprache des Reichskanzlers mit den Parkeiführern über das Selbſthilfe=Programm. — Miekenſenkung
und Preisabbau als Ausgleich für evenkuelle Lohnkürzungen? — Auflockerung des Tariffyſtems. —
Zuſam=
nenfaſſung der Wohlfahrks=Erwerbsloſen und der Kriſenunkerſtükken in der Arbeiksloſen=Berſicherung.
* Das neue Wirkſchaftsprogramm.
Von unſerer Berliner Schriftleitung.
In den Reſſorts der Reichsregierung wird zurzeit eifrig an
ſer Fertigſtellung des neuen Wirtſchaftsprogramms gearbeitet,
von dem ſchon ſeit einiger Zeit die Rede iſt. Daß die
entſcheiden=
den Beſchlüſſe der Reichsregierung ſchon in abſehbarer Zeit fallen
verden, ergibt ſich aus der Abſage des Reichskaanzlers an den
Zatholikentag in Nürnberg. Der Kanzler wird lediglich Anfang
tächſter Woche an der Sitzung der Zentrumsfraktion in Stuttgart
eilnehmen und von dort aus unberzüglich zurückkehren, weil ſeine
Unweſenheit in Berlin unbedingt erforderlich iſt.
Wie das Wirtſchaftsprogramm in ſeiner endgültigen
Ge=
ſtalt ausſehen wird, läßt ſich natürlich heute noch nicht ſagen.
Seine Grundzüge aber laſſen ſich ſchon erkennen: Sie
er=
geben ſich aus der gegenwärtigen Finanz= und
Wirtſchafts=
lage.
Wir glauben richtig unterrichtet zu ſein, daß auch die
Mie=
kenſenkung in dieſem Programm eine Rolle ſpielt, zumal auf
vem Gebiete der Preiſe und der Lohntarife auch
einiges zu erwarten iſt. Im Arbeitsminiſterium überlegt man,
ruf welche Weiſe ſich am leichteſten eine Auflockerung des
Carifſyſtems herbeiführen läßt. Es wird eine Löſung in der
Veiſe angeſtrebt, daß
es in Zukunft jedem Unternehmer möglich ſein ſoll, mit
ſei=
ner Belegſchaft Lohnvereinbarungen zu treffen. Man würde
alſo unter beſtimmten Vorausſetzungen davon abgehen
kön=
nen, Tarife, die zwiſchen den Gewerkſchaften und den
Ar=
beitgeberorganiſationen abgeſchloſſen worden ſind, in
Gel=
tung zu laſſen. Auch die Sozialverſicherungen
dürften in dem neuen Programm eine Rolle ſpielen, weil ſie
immer notleidender werden, und weil es vielleicht noch das
beſte iſt, mindeſtens die Arbeitsloſenverſicherung
auf eine neue Baſis zu ſtellen.
Dabei ſchaltet ſich wieder die Sanierungder
Gemein=
en ganz von ſelbſt ein, über die bereits eine kurze
Vorbeſpre=
hung im Kabinett ſtattgefunden hat. Ein grundſätzliches
Einver=
iehmen dürfte wohl darin erzielt ſein, daß den Gemeinden
nbeſchränktem Umfange geholfen werden muß.
Vielleicht kommt man aber darauf ab, die
Wohlfahrts=
erwerbsloſen und die Kriſenunterſtützungsberechtigten in
die Arbeitsloſenverſicherung einzubeziehen und dieſes
Ver=
ſicherungsinſtitut dann auf eine neue Baſis zu ſtellen. Die
Verſicherungsanſtalt ſelbſt überlegt ebenfalls ſchon, wie ſie
ſich einzurichten hat, um über den Winter hinwegzukommen.
wenn tatſächlich durch ein Anſteigen der Arbeitsloſenziffer
alle bisherigen Berechnungen über den Haufen geworfen
werden ſollten.
Der Reichskanzler iſt bereits dazu übergegangen, die
Partei=
ührer wieder zu empfangen, um ſie, wie das jetzt ſchon möglich
ſt über ſeine weſentlichen Ziele zu informieren. Er hat ſich am
Nittwoch mit den Sozialdemokraten unterhalten, die ihm
mancher=
ei Wünſche vorgetragen haben. Im Laufe der nächſten Tage
wer=
den auch die anderen Parteien beim Kanzler erſcheinen, ſo daß
iach wie vor der Kontakt zwiſchen dem Kanzler und den
Fraktio=
ien des Reichstags beſtehen bleibt.
Der Bundesvorſtand des Afa=Bundes hat ſich in
eingehen=
en Beratungen mit der durch die Kreditkriſe geſchaffenen
Situa=
on beſchäftigt. Als Ergebnis ſeiner Erörterungen hat er einen
ſppell an die Reichsregierung gerichtet, in dem er verlangt, daß
ur Vermeidung von Wiederholungen ähnlicher Kataſtrophen
uf dem Geld= und Kapitalmarkt eine beſchleunigte
Re=
orm des Aktienrechtes, die Schaffung einer
urchgreifenden Monopolkontrolle, eine
ſtän=
ige Wirtſchaftsprüfung und die Errichtung
ines zentralen Bankamtes erfolgen ſollen. Das
ingreifen des Reiches dürfe ſich nicht auf die
dicherſtellung privater kapitaliſtiſcher
Inter=
ſſen beſchränken, es müſſe vielmehr zu einer poſi=
tiven Lenkung des Kapitalſtroms nach
gemein=
wirtſchaftlichen Geſichtspunkten führen.
Der Afa=Bundesvorſtand ſieht mit der Wiederherſtellung des
techniſchen Bankverkehrs die wirtſchaftlichen und ſozialen
Ge=
fahren noch keineswegs als überwunden an. Die Zuſage der
Reichsregierung, die in der Juni=Notverordnung enthaltenen
Härten für die Sozial=, Kriegs= und Arbeitsloſenrentner zu
mildern, ſei nun endlich einzulöſen.
Gänzlich unhaltbar ſei die Droſſelung der Gemeindefinanzen,
wie ſie die Reichsregierung betreibe. Völlig unmöglich ſei der
Eingriff in das Tarifrecht der öffentlichen Arbeitnehmer in den
Kommunen. Der Kampf der Gemeindearbeiter werde alle freien
Gewerkſchaftler in ſolidariſcher Verbundenheit mit ihrer
Gewerk=
ſchaft finden.
Eine Entſpannung der Wirtſchaftskriſe iſt nach der
Auf=
faſſung des Afa=Bundes nur durch einen ſichtbaren Kurswechſel
in der Wirtſchaftspolitik der Reichsregierung zu erzielen. Jeder
weitere Lohnabbau iſt untragbar, ſolange die
wiederholt verſprochene Preisſenkung für
Lebensmittel und für die Grundſtoffe der
in=
duſtriellen Produkte nicht wirklich
durchge=
führt iſt.
Die freien Gewerkſchaften müſſen es ablehnen, die
Verant=
wortung für die Folgen weiterer Ve elendung zu tragen, wenn
ihre zur Ueberwindung der Wirtſchaftskriſe wiederholt
gemach=
ten Vorſchläge nicht beachtet werden. Der Afa=Bundesvorſtand
wird die erforderlichen Maßnahmen treffen, um die Angeſtellten
für die ihnen aufgezwungenen ſozialen Kämpfe zu aktivieren.
Zehn neue Gewerkſchaftsforderangen.
Der „Gewerkſchaftliche Preſſedienſt”, das Organ des
Gewerk=
ſchaftsbundes der Angeſtellten, veröffentlicht 10 Forderungen, die
in der Hauptſache in folgenden Punkten gipfeln:
1. Keine weitere einſeitige Laſtenverteilung.
2. Gleichberechtigte Heranziehung der Vertreter der
Arbeit=
nehmerſchaft und des Reichswirtſchaftsrates bei Beratung und
Durchführung der geplanten wirtſchaftspolitiſchen Maßnahmen.
3. Lückenloſe Kontrolle der Großunternehmungen, Kartelle
und Konzerne.
4. Gemäßigte Diskont= und Kreditpolitik der Reichsbank, die
neben der notwendigen Sicherung der Währung Rückſicht auf
Produktion und damit Arbeitsmöglichkeiten nimmt.
5. Verhütung von Mißbräuchen in der
Deviſenbewirt=
ſchaftung.
6. Syſtematiſche Bekämpfung der Kapitalflucht.
7 Bekämpfung der Autarkie=Wünſche. (Ein Induſtrieſtaat
wie Deutſchland muß eine Politik des offenen Marktes im
Han=
delsverkehr mit anderen Völkern treiben, wenn ſeine
überwie=
gend von der induſtriellen Produktion abhängige Bevölkerung
ausreichenden Lebensſpielraum finden ſoll.)
8. Beſchleunigte energiſche Verabſchiedung der
Aktienrechts=
reform.
9. Energiſche Politik der Verbilligung der Lebenshaltung”
(Abbau der überhöhten Zölle, Verbeſſerung des Realeinkommens
der Angeſtellten und Arbeiter durch energiſchen Druck auf das
Preisniveau, Anpaſſung der Mieten an die veränderten
Geldver=
hältniſſe, Reviſion der Tarifpolitik der Kommunen und ſonſtigen
Verſorgungs= und Verkehrsbetriebe, Abkehr von der
Unter=
ſtützung der Gehalts= und Lohnabbauwünſche der Arbeitgeber
durch die ſtaatlichen Schlichtungsinſtanzen.
10. Abwehr aller reaktionären ſozial= und tarifpolitiſchen
und arbeitsrechtlichen Anſchläge.
Berlin, 19. Auguſt.
Zu dem Vorſchlag des Reichsarbeitsminiſteriums vom 17.
Auguſt d. J. über die Durchführung der durch die
Notverord=
nung vom 5. Juni d. J. vorgeſchriebenen Angleichung der
Ge=
meindearbeiterlöhne an die Reichsarbeiterlöhne ſollten ſich der
Reichsverband kommunaler und anderer öffentlicher
Arbeit=
geberverbände Deutſchlands und die Gewerkſchaften der Ge=
Seite 3
meindearbeiter bis Mittwoch, den 19. Auguſt, erklären. Die
Gewerkſchaften haben um Friſtverlängerung bis Freitag, den
21. Auguſt, abends, gebeten. Der Reichsverband hat dieſem
Verlangen zugeſtimmt. Er hat jedoch auf die ſich aus der
Finanzlage der Gemeinden ergebenden Bedenken hingewieſen,
und die Erwartung ausgeſprochen, daß die von den
Gewerk=
ſchaften beantragten neuen Verhandlungen zu einem Ergebnis
führen, das der Finanzlage der Gemeinden rechtzeitig Rechnung
trägt und mit den Vorſchriften der Notverordnung vereinbar iſt.
Die neuen Verhandlungen im Reichsarbeitsminiſterium beginnen
am Freitag, dem 21. Auguſt, vormittags 10 Uhr.
Die Chriſtlichen Gemeindearbeiter haben geſtern durch ihren
Hauptvorſtand den Kompromißvorſchlag des
Reichsarbeitsmini=
ſters auf Angleichung der Löhne der Gemeindearbeiter an die
Staatsarbeiter abgelehnt.
Länderkonferenz in Oldenburg.
Oldenburg, 19. Auguſt.
Am Dienstag, fand im Oldenburgiſchen Staatsminiſterium eine
Beſprechung der Länderminiſter der mittel= und norddeutſchen
Länder ſtatt, die ſich in der Hauptſache mit der finanziellen Lage
befaßte und von dem oldenburgiſchen Miniſterpräſidenten
Kaſſe=
bohm geleitet wurde. Es wurde beſchloſſen, eine Abordnung nach
Berlin zu entſenden, die der Reichsregierung den Ernſt der Lage
der kleinen Länder darſtellen ſoll.
Ueber die Verhandlungen wurde ein Communiqué
herausge=
geben, in dem es heißt, daß die Länderkonferenz ſich in
eingehen=
der Ausſprache mit der ſteigenden finanziellen Notlage befaßte,
beſonders mit der immer bedrohlicher werdenden Entwicklung der
Kaſſenlage der Länder und Gemeinden, die ſofortiger Abhilfe
be=
dürfe. Da die Länder nach rückſichtsloſer Droſſelung aller
ſach=
lichen Ausgaben nicht glaubten, weitere Erſparniſſe machen zu
können, ſei eine Abordnung beauftragt worden, der
Reichsregie=
rung den Ernſt der Lage darzuſtellen und auf ſofortige
Maßnah=
men des Reiches zur Erleichterung der Lage der Länder zu
drän=
gen. Als ganz vordringlich müßten behandelt werden: die Lage der
kurzfriſtigen Kredite, die Wiederherſtellung der Rentabilität der
Volkswirtſchaft und beſondere Maßnahmen auf dem Gebiete der
Fürſorge für die Erwerbsloſen und
Wohlfahrtsunterſtützungs=
empfänger.
Berlin, 19. Auguſt.
Zur weiteren Erleichterung der Finanzierung der
Getreide=
ernte iſt die Möglichkeit eröffnet worden, daß auf abgeſchloſſene
Lieferungsverträge über Roggen, Weizen und Gerſte
inländi=
ſcher Herkunft neuer Ernte Vorſchußkredite gewährt werden, und
zwar, ſoweit Lieferungen und Vorſchüſſe über
Warengenoſſen=
ſchaften in Frage kommen, durch die Getreide=Induſtrie und
Kommiſſion A.=G., Berlin, ſoweit Lieferungen und Vorſchüſſe
über den Getreidehandel in Frage kommen, durch die Zeutrale
deutſcher Getreidekreditbanken A.=G., Berlin. Die Deutſche
Rentenbank=Kreditanſtalt iſt ſeitens des Reiches in die Lage
verſetzt worden, für Wechſelkredite, die für derartige
Bevor=
ſchuſſungen auf Lieferungsverträge im Rahmen der hierfür
er=
öffneten Rediskontmöglichkeiten in Anſpruch genommen werden,
die gleiche Zinsrückvergütung zu gewähren, wie ſie für die
Wechſelkredite über Getreidelieferungen an Mühlen und andere
getreideverarbeitende Betriebe bereits geleiſtet wird.
Die Zinsrückvergütung beträgt 6 Prozent der Wechſelſumme,
auf das Jahr berechnet, für die Dauer der Laufzeit der
Wechſel=
abrechnung, ſoweit ſie nicht über ſechs Wochen hinausgeht.
Wird der derzeitige Reichsbankdiskontſatz von 10 Prozent
herab=
geſetzt, erfährt der Rückvergütungsſatz die gleiche Ermäßigung.
Die Verbilligung erfolgt bis auf weiteres, zunächſt für Wechſel,
die ſpäteſtens am 20. September 1931 von der Getreide=Induſtrie=
und Kommiſſions A.=G. oder von der Zentrale Deutſcher
Ge=
treidekreditbanken A.=G. abgerechnet worden ſind. Die Anträge
ſind binnen einer Woche nach Diskontierung der Deutſchen
Ren=
tenbank=Kreditanſtalt einzureichen. Die beteiligten
Vorſchuß=
nehmer haben die Verpflichtung zu übernehmen, die
Zinsrück=
vergütung an den letzten landwirtſchaftlichen Lieferanten in
voller Höhe weiterzugeben. Die Entſcheidungen der Deutſchen
Rentenbank=Kreditanſtalt über die Anträge ſind endgültig und
können im Prozeßwege nicht angefochten werden.
Berlin, 19. Auguſt.
In der Fraktionsſitzung der Wirtſchaftspartei wurde die
politiſche Lage eingehend beſprochen. Der ſtellvertretende
Par=
teivorſitzende, Prof. Bredt, teilte mit, daß ihm der
Parteivor=
ſitzende Drewitz die Führung der Parteigeſchäfte bis auf weiteres
übergeben habe.
ur wieder einen — zunächſt noch negativen — Sinn. — Was in
er Gegenwart an peſſimiſtiſch geſtimmter Philoſophie
aufge=
reten iſt, ſpricht eine univerſelle Verneinung von vorneherein
ſicht mehr aus. Lediglich irgendein enſcheidender Faktor des
Zeſchehens wird als Verhängnis empfunden. Der bedeutendſte
Denker dieſer Art iſt bekanntlich Klages, der den Geiſt als den
igentlichen Todfeind des Lebens betrachtet. Hier findet ſich
ine plötzliche Umkehrung des Urteils, indem die Energien des
Inbewußten nun beſonders verherrlicht werden, und ein
roman=
iſches Verlangen nach ſtrömenden Urgefühlen alles abſtreifen
nöchte, was beſtimmend und lenkend zwiſchen ihnen wirkt.
Sol=
hem Uebermaß in der Bewertung von Teilkräften iſt mit Recht
biderſprochen worden, doch zeigt es auf’s neue, wie jede
Bewe=
lung einer Gegenbewegung weichen muß, wenn ſie dauernd nur
lach einem Pol gerichtet iſt.
Als Ganzes geſehen ſcheint alſo der Peſſimismus in der
Heiſtes=Geſchichte etwas Aehnliches zu bedeuten wie für den
ein=
ſelnen Menſchen die ſeeliſche Kriſis und Depreſſion in wichtigen
Entwicklungsjahren. Der Ausgleich aber, der alsbald wieder
intritt, weiſt darauf hin, daß eine lebendige Durchdringung der
Degenſätze der Wirklichkeit ſtets am nächſten kommen dürfte.
Baedekers Rheinlande von der elſäſſiſchen bis zur holländiſchen
brenze, Rheinpfalz und Saargebiet, rheiniſch=weſtfäliſches
In=
duſtriegebiet. Mit 516 (LXII u. 454) Seiten, 52 Karten, 40
Stadtplänen und 16 Grundriſſen. 34. Auflage 1931. Leipzig,
Karl Baedeker. 12 RM.
Baedekers Rheinlande feiern mit dieſer 34. Auflage ein
Ju=
läun, wie es in der Geſchichte aller Reiſehandbücher des In=
2 Auslandes noch niemals vorgekommen iſt: ſie haben ſich in
imer neuer Bearbeitung und Verjüngung ein volles Jahrhun=
*t die Gunſt der Leſer zu erhalten gewußt. Sie ſind das Buch,
t dem Karl Baedeker den Grund zu der langen Reihe ſeiner
Uhmt und vorbildlich gewordenen Führer legte und das er bis
ſeinem Tode im Jahre 1859 nicht weniger als zehnmal ſelbſt
bearbeitete. Seine Söhne und Enkel und ihre Mitarbeiter
d ihm dann mit der Herausgabe von weiteren 24 Auflagen ge=
A. So hat das Buch, immer wieder berichtigt und erneuert,
wechſelvollen Schickſale der Rheinlande von den Tagen der
Mmantik bis heute begleitet, die Entwicklung des Reiſeverkehrs
der Zeit der Poſtkutſche, der erſten Dampfer und Eiſenbahnen
Zum Rheingold=Expreß, zum Auto= und Aerobus unſerer Tage.
Rheinlande ſind immer eines der beliebteſten Reiſeziele
ge=
eben. Dabei hat ſich der Baedeker aber keineswegs damit
be=
uigt, nur die äußeren Veränderungen zu verzeichnen, ſondern er
* auch innerlich Schritt gehalten mit dem Wandel der
Anſchau=
gen. Das Jahrhundert der Induſtrie hat das alte Bild des
komes verändert, und die Romantik unſerer Väter iſt nur noch
es ſeiner Geſichter. Neben Burgen und Rebenhängen,
ehr=
rdigen Domen, alten Klöſtern und Rathäuſern ſtehen die neuen
Kungen und die modernen Induſtriebauten, die flammenden
Wöſen und die Schwebebahnen, in den Seitentälern Kraft=
werke und Stauanlagen. — Die Neubearbeitung, die diesmal
im weſentlichen in den Händen von Dr. Gerhard Peters (Leip=
Sachliche” mit gleicher Liebe zu behandeln gewußt. Der beſte
Kenner rheiniſcher Kunſt, Geheimrat Paul Clemen, Vorſitzender
des Denkmalrats der Rheinprovinz, hat eine feinſinnige
Einfüh=
rung beigeſteuert, die mit den Römerbauten beginnt und mit der
Fordſchen Automobilfabrik und der jüngſten Rheinbrücke in Köln
endet. Eine kleine Landeskunde von Prof. Tuckermann (Mann=
(heim) unterrichtet anſchaulich über die allgemeinen
geographi=
ſchen Grundlagen und über den Rhein als Strom und
Verkehrs=
ſtraße. Auch die Geſchichte der Rheinlande von den alten
Ger=
manen bis zu dem ſchmerzlichen Nachkriegsjahrzehnt der
Be=
ſatzungszeit iſt überſichtlich behandelt. Die erſtaunliche
Vielſeitig=
keit, die jeden Baedeker auszeichnet, fällt gerade bei dieſem Bande
beſonders ins Auge. Jeder findet hier, was er braucht: der ſtille
Wanderer ſeine Wandervorſchläge und Wegebeſchreibungen; der
Autofahrer ſeine Straßenangaben im Text und auf den
Stadt=
plänen (auch der Nürburgring in der Eifel iſt beſchrieben); der
Kunſt= und Altertumsfreund ernſthafte Führung und
fachmän=
niſche Erläuterung; der techniſch Intereſſierte neue Angaben über
das Saar= und Ruhrkohlengebiet, die Herzkammer der deutſchen
Induſtrie die Häfen von Mannheim und Duisburg. Endlich iſt
auch der Paddler nicht vergeſſen, und ſogar zum Weinkenner kann
man ſich mit dem Baedeker ausbilden. Die ausgezeichneten
Kar=
ten und Pläne — es ſind mehr als hundert — erſetzen einen
klei=
nen Atlas und lohnen allein ſchon die Anſchaffung des Bandes.
— Clodia, Politik und Liebe auf dem Palatin. Von
Ferdi=
nand Mainzer. Verlag von Klinkhardt u. Biermann, Berlin.
Kart. 5 RM., geb. 6,50 RM. Die Jahre zwiſchen 67 und 43
a. Ch. n. ſind eine der aufregendſten, folgenſchwerſten und
inter=
eſſanteſten Epochen des römiſchen Weltreiches. Es iſt die Zeit des
Verfalls der Republik und des aufkommenden Kaiſertums. In
dieſer Zeit lebt Catull, der größte Dichter Roms. Er lernt
Clodia kennen, eine der erſten Frauen ihrer Zeit aus dem
mäch=
tigen und uralten Geſchlecht der Claudier. Schön, klug und
ver=
dorben, iſt ſie Gegenſtand maßloſen Klatſches und unerhörter
Skandale, eine Frau, deren Charme ſich aber wenige entziehen
können. Catull geht an dieſer Liebe zugrunde. Clodia endet als
tulls von wundervoller Schönheit und Anpaſſung an den
Rhyth=
mus der Originale ſind, hat es meiſterhaft verſtanden, dieſe Zeit
lebendig zu machen wie nie zuvor. Er ſchöpft aus den
geſchicht=
lichen Quellen, vornehmlich aus den Briefen Ciceros an ſeinen
Freund Atticus, in denen nicht der vathetiſche Orator und Pater
patrige ſpricht, ſondern der ſpöttelnde, witzige, klatſchliebende
Menſch ſeine Zeitgenöſſen und ſich ſelbſt höchſt aufrichtig darſtellt
und alle Ereigniſſe recht menſchlich gloſſiert.
lag von J. F. Schreiber, München. Preis gebunden 14.— RM. Die
„Fliegenden Blätter” ſind mit dem erſten Halbjahresband für das Jahr
1931 erſchienen. Satiren ſchreiben, dazu hat jede Zeit Stoff und
An=
regung geliefert — aber den Humor zu behalten und zu= verbreiten,,
das iſt in unſerer Zeit nur einem Witzblatt möglich, deſſen Trdition
nach Verlag und Mitarbeiterſtab aus den wahren Quellen wirklichen
Frohſinns und unerſchütterlicher Heiterkeit ſchöpft. Die Fliegenden
zig) lag, hat das Alte und das Neue, das „Romantiſche” und das Blätter beweiſen mit ihrem neuen Band, daß ſie den Humor auch nicht
in einer Zeile verloren haben und ihre Kulturaufgabe, fröhliche
Stun=
den ins ernſte Daſein zu ſtreuen, heute ſo gut erfüllen wie in beſſeren
Zeiten. Sie bringen aber nicht nur Witze, Anekdoten und humoriſtiſche
Literatur in Reim und Proſa — ſie nehmen in ihren gereimten und
ungereimten Gloſſen auch ungeſcheut Stellung zu den Fragen und
Ant=
worten des Tages, zeigen in wohlerwogenen Pointen deren Schwäche
und Fehler. Vermeiden aber alle Themen, die politiſche Stellungnahme
verlangen oder ihrer Natur nach ſogenannte pikante Auslegungen
ge=
ſtatten. Schon aus dieſer Charakteriſtik des Inhalts ergibt ſich, daß der
vorliegende Band wertvoll iſt für jede deutſche Bibliothek, weil ſein
In=
halt keinen verletzt, alle erheitert und auch vor der Jugend nicht
ver=
ſchloſſen werden muß. Die Bilder in den einzelnen Heften ſind jedesmal
eine Galerie der beſten humoriſtiſchen Zeichner unſerer Zeit. Vor allen
ſtehen der oberbaheriſche Dialektzeichner Joſef Mauder, ein klaſſiſcher
Darſteller derbkomiſcher ländlicher Szenen und Figuren, Martin Claus,
der mit Blei und Pinſel plaudert und unterhält wie ein
Geſchichten=
erzähler, und Croiſſant, ein Karikaturiſt von perſönlichſter Eigenart.
Die elegante Welt in Freud und Ernſt wird dargeſtellt durch C. J.
Bauer, J. J. Loukota und K. Heiligenſtaedt. Wawra=Wiron erzählt
ganze Tragikomödien in ſeinen lebhaften Serienbildern und Profeſſor
Kirchners Zeichnungen brauchen eigentlich gar keinen Text, denn ſie ſind
Humor an ſich mit jedem Strich.
— Samstag—Sonntag im Auto. Band München. 45 Rundtouren
von ½ bis 3 Tagen. Von Dr. F. Simon und G. Ries. Mit 45
zwei=
farbigen Fahrtenſkizzen, 12 Städte=Durchfahrtsplänen und 4
Ueber=
ſichtskarten. In biegſames Leinen gebunden 3,50 RM.
Samstag— Sonntag im Auto heißt ein gänzlich
neuarti=
ger Führer zu herrlichen Wochenendfahrten von Dr. F. Simon und
G. Nies (erſchienen bei Knorr u. Hirth, München). Er nennt 45 der
ſchönſten Autorundtouren von München aus bis nach Südtirol, zum
Bodenſee, ins Salzkammergut und nach Franken. Der Nachdruck liegt
auf dem Wort Rundtouren. Niemals wird alſo auf einer Fahrt der
gleiche Punkt zweimal berührt. Die Zuſammenſtellung der Touren iſt
einzigartig; eine beſondere Kenntnis von Land und Leuten und alter
Kultur verraten z. B. Touren wie Mittelalterliche Romantik in
Bahern”, „Durch baheriſche Donauſtädte‟ „Oſt=Weſt=Fahrt in den
bahe=
riſchen Bergen‟. Aber nicht nur die Glanzpunkte der Landſchaft führt
Straßendirne. Der Autor deſſen Ueberſetzungen der Gedichte Ca= dieſes Buch vor Augen, ſondern es bringt dem Fahrer auch die Reize
der näheren Münchener Umgebung nahe, die er ohne große Koſten
er=
reichen kann.
* Armin O. Huber: „Auf wilden Pfaden im neuen Kanada”. (Strecker
u. Schröder, Stuttgart.)
Die Schilderung dieſer Erlebniſſe unter Farmern, Trappern,
Vaga=
bunden und Verbrechern des kanadiſchen Weſtens, illuſtriert mit flotten
Zeichnungen und Bildern des Verfaſſers, iſt reich an Spannungen und
dramatiſcher Erlebnisgeſtaltung. Als junger Menſch kommt er, Aben=
— Fliegende Blätter. München. Erſter Halbjahresband 1931. Ver= teuer ſuchend, hinaus, und wir erleben in dieſem köſtlichen Buch ſeinen
Werdegang, wie ihn eben nur der wilde, freie Weſten zu geſtalten
ver=
mag; ſo reich an Abenteuern, als Leiden und Freuden. Flotter friſcher
Stil, deſſen ſachliche Wahrheitsſchilderungen aus ſich heraus ſtarke
dra=
zmatiſche Momente geſtalten, geſtaltet die Lektüre auch für anſpruchspolle
Leſe= zu friſchem Genuß.
Seite 2
Donnerstag, den 20. Auguſt 1931
Nummer 21,0
Unterfertigter erfüllt hiermit die traurige Pficht,
ſeine E M. E. M., A. H. A. H. von dem
Ab=
leben ſeines hochverdienten Ehrenmitgliedes
und lieben Alten Herrn
Oberingenieur
Georg Schick
aktiv 1892/95
geziemend in Kenntnis zu ſetzen.
Wir werden ihm ſiets ein ehrendes
An=
denken bewahren.
Der Akademiſche Verein Darmſtadt im B. B.
J. A.: Holſiein F. V.
Von der Reise zurück
Dr. Nieswandt
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Dr. 9. Bin
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liche Tätigkeit
wieder aufgenomm.
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Tel. 218. (*dg
(12076
Dankſagung.
Für die beim Heimgang unſeres teueren
Entſchla=
fenen bewieſene aufrichtige Anteilnahme ſagen
wir herzlichſten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Müller und Zuck.
Von der Reiſe
zurück:
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Zurück!”
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Für die mir anläßlich meines 25jährigen
Dienſtſubiläums dargebrachten Geſchenke
und Blumenſpenden, ſage ich hiermit
allen lieben Freunden meinen
herzlichſten Dank.
Reinheim, den 19. Auguſt 1931.
Wilhelm Stühlinger
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Gabeln, 12 ſilb. Meſſer, 1 Baronidyll
und 4 Anhänger (Elfenbein), 1 Rolle
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Schreibtiſch, 10 Dutzend Holzbeſtecke,
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Löffel, 2 Dtzd. Löffel (90 gr Silber),
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ſchrank, 1 Glasſchrank mit 42
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meter, 50 Pakete Meſſer und Gabeln,
1 Ladenkaſſe (National), 1 Perſonen=
Auto (Mercedes=Benz).
(12091
Darmſtadt, den 19. Auguſt 1931.
Jungermann
Gerichtsvollzieher in Darmſtadt.
Am Freitag, 21. Aug. 1931,
nach=
mittags 3 Uhr verſteigere ich in meinem
Verſteigerungslokale, hier, Hügelſtr. 27,
verſchiedene Gegenſtände öffentlich
zwangsweiſe gegen Barzahlung.
Voraus=
ſichtlich beſtimmt verſteigert werden:
1 Klavier ſchwarz „Arnold” 1 Büfett,
1 Kredenz, 1 Ausziehtiſch, 2 Seſſel,
1Harmonium „Hofberg” 1elektriſches
Piano „Marke Philipps” (12087
Hieran verſteigere ich an Ort u. Stelle:
1 Büfett, eichen dunkel, 1 Schreibtiſch,
Diplomat, 1 Rauchtiſchlampe, 1
Rauch=
tiſch mit Meſſingplatte, 1 Kredenz,
1 Schreibtiſch, Diplomat.
Treffpunkt der Steigerer Ecke
Frank=
furter= und Pallaswieſenſtraße.
Darmſtadt, den 20. Auguſt 1931.
Scharmann
Stellv. des Gerichtsvollziehers Portner,
Darmſtadt, Heinrichſtr. 93, I.
Für Kunſtfreunde!
Als Gelegenheit!
Studie von Ferd.
Keller weibl.
Cha=
rakterkopf. 80 cm.
rund, auf Holz, ſtehtt
zum Verkauf. Näh.
unter J. 69 Geſchſt.
(12092)
Allgemeine Ortskrankenkaſſe
Darmſtadl=Stadt.
An die beitragspflichtigen
Arbeitgeber!
Die Zuſpiptzung auf dem Geldmarkt
hat auch die Träger der
Sozialverſiche=
rung in eine ſchwierige Lage gebracht.
Nachdem nunmehr der freie Zahlungs=
und Ueberweiſungsverkehr wieder
ein=
geführt iſt, ſind die Hemmniſſe, die
ſeit=
her der pünktlichen Beitragszahlung
entgegenſtanden, beſeitigt. Die
Kran=
kenverſicherung kann nur aufrecht
erhal=
ten werden, wenn die Arbeitgeber ihren
Zahlungsverpflichtungen pünktlich
nach=
kommen. Wir verkennen keineswegs
die wirtſchaftliche Notlage, doch muß
be=
rückſichtigt werden, daß auch die Kaſſe
hohe finanzielle Leiſtungen pünktlich zu
erfüllen hat.
Mit Rückſicht hierauf werden die
Ar=
beitgeber erſucht, ihre
Beitragszahlun=
gen rechtzeitig zu leiſten. Die ſäumigen
Arbeitgeber werden aber ganz
beſon=
ders dringend gebeten, die rückſtändigen
Beiträge zur Kranken= und
Arbeits=
loſenverſicherung umgehend zu
beglei=
chen. Wir ſind ſonſt vor die Frage
ge=
ſtellt, ob für die rückſtändigen Beiträge
nicht die gleichen hohen Verzugszuſchläge
wie für die Steuern erhoben werden
ſollen.
(12083
Der Vorſtand:
Die Verwaltung:
Stork,
Heil,
Vorſitzender.
Geſchäftsführer.
Union-Bank
Aktiengesellschaft
Rheinstraße 24
Fernruf: 100, 1010, 5000, 3001
An- und Verkauf von Wertpapieren
Kostenl. Beratung sicherer Kapitalsanlagen
Devisen, Sorten (entsprechend den
Bestim-
mungen der Notverordnung) Lombard-Kredite
EINE GANZ üBERRASCEiEIID
SCHMERZSTILLENDE
WIRKUNG
Am Freitag, den 21. Auguſt 1931,
nachm. 3 Uhr, verſteigere ich in meinem
Verſteigerungslokal, Ludwigsplatz 8,
zwangsweiſe gegen Barzahlung: (12069
1 Schreibmaſchine, 4 Schreibtiſche,
3 Bücherſchränke, 3 Klaviere, 1
Näh=
maſchine, ſowie Möbel aller Art u. a. m.
Darmſtadt, den 19. Auguſt 1931.
Eißer
Gerichtsvollzieher kr. A., Rheinſtr. 28
Auflöſang
von 4 Haushaltungen kommen folgende
Gebrauchsmöbel zu freihändigen
Ver=
ſteigerungspreiſen zum Verkauf: 1 eichenes
Büfett 85 ℳ, 1 maſſives eichenes
Schlaf=
zimmer 320 ℳ, 1 faſt neues Rindsleder=
Klub=Sofa, gekoſtet 600 ℳ, für 200 ℳ.
3 Diwans mit modernem Bezuge 65, 75
u. 85 ℳ, 8 nußb. polierte Kommoden,
8 verſchiedene Zimmertiſche, 1 Vertiko,
Ia Arbeit, ſowie 1 Sekretär 65 ℳ; 3 Seſſel
10, 15 u. 17 ℳ, 2 kleine Sofa mit je
kleinen Seſſeln ſpr. Garnitur 3 Stück
65ℳ), 1 nußbaum Waſchkommode (
Mar=
morplatte 38 ℳ, 3 Regulateure 6, 7 u.
9 ℳ. 10 Spiegel, 30 Bilder/ 1
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Fußsohle, Blechdose (8 Pflaster) 75 Pfg., Lebewohl-Fußbad
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Drog. Ph. Secker Nfl., Ludwigshöhstr. 1, (II,Dr.418
TLLEADe
WAKuM
sbei L./
Darmſtadt, den 20. Auguſt 1931
21. bis 23. Auguſt 1931.
Die Tagung wird Freitag nachm. 5 Uhr mit einer
Vor=
ſtandsſitzung eröffnet werden. Abends 8,15 Uhr beginnen
bereits die Arbeitsſitzungen im Weißen Saal (Grafenſtraße 18)
mit einer Reihe von bedeutſamen Vorträgen. Es wird behandeln
Studienrat Nabe (Montevideo, Rio)=Wiesbaden das Thema:
„Austauſch von Lehrkräften mit der Heimat”, ferner ſpricht
Direk=
tor Dr. Jungbluth=Rotterdam über Die Prüfungsordnungen
an deutſchen Auslandsſchulen, Rektor Möſſinger=Antwerpen
über „Hoſpitieren von Schuleltern. Direktor Dr. Hettich=
Mailand über die Schaffung von Auskunftsſtellen über
Auslands=
ſchulen.
Der Hauptarbeitstag iſt der Samstag. Bereits am
Vor=
mittag um 9 Uhr beginnen im Fürſtenſaal (Grafenſtraße 18) die
geſchäftlichen Verhandlungen. U. a. werden folgende Referate
er=
ſtattet und zum Gegenſtand von Ausſprachen gemacht werden:
Vormittags: Miniſterialrat Dr. Löffler=Stuttgart: „Die
juriſtiſche Stellung des deutſchen Auslandslehrers; Studienrat
Wunderlich=(Swakopmund)=Berlin: „Austauſch von
Schü=
lern mit der Heimat”; Prof. Dr. Lohmeyer=(Brüſſel)=
Cux=
haven und Lehrer Weber=Rom: Berufsberatung an
Aus=
landsſchulen . — Der Nachmittag bringt folgende Vorträge
Lehrer Lapper=(Kanton)=München: „Neue Methoden im
Deutſchunterricht”; Frl. Dr. Kliem=Rom: „Goethe in den
Mittelklaſſen der Auslandsſchule”; Studienrat Dr. Döhner=
(Mexiko)=Berlin: „Goethe in den Oberklaſſen der Auslandsſchule‟.
— Entſchließungen, die im Laufe der Beratungen eingebracht
werden, werden der Verſammlung zur Beſchlußfaſſung
unter=
breitet werden.
Das reiche Programm an Vorträgen dürfte in ſeiner Fülle
allen Teilnehmern Belehrung und neue Erkenntnis vermitteln.
Es wird darauf hingewieſen, daß auch
Intereſ=
ſenten aus der Darmſtädter Lehrerſchaft
jeder=
zeit als Hörer bei den Vorträgen willkommen
ſind.
Am Samstag abend aber wird der Feſtabend, den die
Darmſtadter Lehrerſchaft ihren auslandsdeutſchen
Kol=
legen im Städt. Saalbau gibt, und der neben muſikaliſchen
Dar=
bietungen einen Vortrag über Goethe bringt, den
Tagungsteil=
nehmern erwünſchte Erholung geben.
Dr. Götz.
Meiſterprüfungen der Provinz Skarkenburg.
Die Prüfungen ſind beendet und findet die Ueberreichung der
Meiſterbriefe am kommenden Sonntag, dem 23. Auguſt, pünktlich
9,45 Uhr vormittags, im großen Saale des Städtiſchen Saalbaues,
Riedeſelſtraße, ſtatt.
Wie immer, wird die Feier umrahmt von künſtleriſchen und
muſikaliſchen Darbietungen unter Mitwirkung des Geſangvereins
„Liederkranz” (Leitung Kapellmeiſter Friedel Fiſcher) Darmſtadt
und des Stadtorcheſters unter Leitung des Herrn Kapellmeiſters
Willi Schlupp.
Nach dem Mittageſſen findet nachmittags 3 Uhr im
Städti=
ſchen Saalbau, Riedeſelſtraße, der gemütliche Teil ſtatt und ſollen
dort gemeinſchaftlich mit den Angehörigen nach dem ernſten Teil
der Prüfungen auch ein paar heitere Stunden verlebt werden.
Alle, die wir vergeſſen haben, perſönlich einzuladen, Freunde
und Gönner, ſind auch hiermit zu beiden Feiern herzlichſt
ein=
geladen.
Der Eintritt zu beiden Veranſtaltungen iſt frei.
— Herbſtgeſellenprüfungen 1931. Die diesjährigen
ordent=
lichen Geſellenprüfungen des Handwerks und der Induſtrie für
alle Lehrlinge, welche im Herbſt ausgelernt haben, finden im
September ſtatt. Es ſoll auch an dieſer Stelle auf die Wichtigkeit
der Ablegung aufmerkſam gemacht werden, zumal die abgelegte
Geſellenprüfung die zwingende Vorbedingung für die ſpätere
Zulaſſung zur Meiſterprüfung iſt. Nach dem feſtgeſetzten
Ter=
min können Anmeldungen nicht mehr berückſichtigt werden.
Eltern, Lehrer und Lehrmeiſter werden gebeten, die Prüflinge
zur ſofortigen Anmeldung anzuhalten. Nur durch die Einſicht
und Mithilfe aller beteiligten Stellen iſt es möglich, bei der
großen Anzahl der Prüflinge für eine glatte Abwicklung bis zu
den feſtgelegten Terminen zu garantieren. Die Anmeldungen
finden in der kommenden Woche, von Dienstag, den 25., bis
Frei=
tag, den 28. Auguſt, ſtatt. (Näheres noch in den Anzeigen.)
— Zwei neu aufgefundene Bildniſſe berühmter Darmſtädter,
und zwax die des großen Orgelkomponiſten Chr. H. Rinck geb.
1770, geſt. 1846, gemalt von Witzel, und des Ordners und
Direk=
tors der damaligen Hof= jetzigen Landesbibliothek. A. E.
Schleiermacher geb. 1787 geſt. 1858, eines Sohnes des
be=
kannten Kabinettsſekretärs Ludewigs I., gemalt von J.
Hart=
mann. Beide Bildniſſe ſind meiſterhafte Lithographien der
da=
maligen Zeit und durch H. Hohmann von den alten
Original=
ſteinen vortrefflich abgezogen. Die Blätter ſind zurzeit bei H. L.
Schlapp, Buchhandlung, Schulſtraße 5, ausgeſtellt.
Die erſte Klaſſikervorſtellung der neuen Spielzeit bringt
im Großen Haus „Romeo und Julia. Die Regie führt
Guſtav Hartung. Seine nächſten Inſzenierungen werden „
Hei=
lige Johanna” von Shaw mit Franziska Kinz und der „
Wal=
lenſtein” mit Paul Wegener ſein. Als erſte Premiere der neuen
Spielzeit acht Tage vor „Romeo und Julia” kommt A. Dreyers
neue Kcmödie „Reifeprüfung” inſzeniert von Günther
Haenel, zur Aufführung. Die Herren Emil Lohkamp und Karl
Paryla werden ſich dem Darmſtädter Publikum vorſtellen, ebenſo
die Damen Lena Hutter, Rotraut Richter und Lotte Kleinſchmidt.
Die anderen Hauptrollen ſind beſetzt mit den Herren: Keim.
Bau=
meiſter, Kutſchera und Keßler. Nach der Premiere von „Romeo
und Julia wird „Quadratur des Kreiſes” die nächſte
Erſtaufführung ſein. Die Inſzenierung hat der deutſche Bearbeiter
Norbert Schiller übernommen. Das bekannte Luſtſpiel „
Mar=
querite: 3” wird in der Inſzenierung von Renato Mordo die
Reihe der Erſtaufführungen fortſetzen.
— Felix von Weingartner dirigiert Meiſterſinger. Felix von
Weingartner wird außer dem Konzert im Mai um die
Weih=
nachtszeit drei Aufführungen der Meiſterſinger dirigieren. Die
Abonnenten, die dieſe Aufführung nicht in ihrer Miete haben,
werden beim Kartenverkauf bevorzugt.
— Hiſtoriſcher Verein. Der Ausflug nach Michelſtadt und
Steinbach findet am Sonntag, den 23. Auguſt (nicht, wie durch
Druckfehler in der Ankündigung zu leſen, am 22.!), ſtatt. Er ſoll
dor allem die Ergebniſſe der jüngſten Ausgrabungen an der
Ein=
hardsbaſilika zeigen, über die Herr Profeſſor Dr. Behn im
Win=
ker ſo Anziehendes berichtet hat. Dann ſollen die weiteren
Sehenswürdigkeiten der ſchönen alten Stadt beſichtigt werden.
— Um die Rentenkürzung privater Arbeitnehmer. Die durch
die Notverordnung vom 5. Juli 1931 geänderten Beſtimmungen
über das Ruhen der Kriegsbeſchädigtenrenten uſw ſolcher
Ver=
ſorgungsberechtigten, die ein Einkommen aus öffentlichen Mitteln
deziehen, haben zu vielfachen Härten geführt. Die
Kürzungsbe=
ſtimmungen ſind nämlich auf die Arbeitnehmer in Betrieben
aus=
gedehnt worden, deren Kapital ſich zu mehr als der Hälfte im
Seſitz der öffentlichen Hand befindet. Die Arbeitnehmer ſolcher
Betriebe ſind aber der gleichen Unſicherheit hinſichtlich ihres
Ar=
beiksplätzes ausgeſetzt wie die Arbeitnehmer rein privater
Be=
lriebe. Da der Deutſchnationale Handlungsgehilfen=Verband in
dieſer ungleichmäßigen Behandlung eine Ungerechtigkeit gegen=
Ader den Arbeitnehmern ſolcher Betriebe erblickt, die zu mehr
als der Hälfte der öffentlichen Hand gehören, hat er ſich in einer
Eingabe an den Reichsarbeitsminiſter gewandt und die Beſeiti=
Hung dieſer durch nichts gerechtfertigten Härte gefordert.
— Gabelsberger Stenographenverein. Wer ſtenographieren
ternen will, dem wird eine günſtige Gelegenheit zur Verwirk=
Lchung ſeiner Abſicht durch den Gabelsberger Stenographenverein
von 1861 geboten, der heute abend 8 Uhr in der Ballonſchule
Deder neue Anfängerkurſe eröffnet, die von geprüften Lehrkräf=
„EI geleitet werden. Es wird auf die Ankündigung im
Anzeigen=
teil verwieſen.
— Kochvortrag. Heute abend 8 Uhr findet im Bürgerhof,
Eli=
derhenſtraße 2, ein Kochvortrag des ſtädtiſchen Gaswerks bei
„Eem Eintritt ſtatt. Gleichzeitig wird auf den Teilausverkauf
N Ausſtellungsraum Grafenſtraße 30 nochmals aufmerkſam
ge=
ſacht. Es ſtehen dort Gasbadeöfen und Automaten zu
herab=
geſetzten Preiſen zum Verkauf.
Donnerstag, den 20. Auguſt 1931
50-Jahrfeier des Bogelsberger Höhen=Clubs
Zweigverein Darmſtadt.
Man ſchreibt uns: Der Zweigverein Darmſtadt des V.H.C.
arbeitet fieberhaft, um den V.H.C.=Schweſtern und =Brüdern, die
an unſerem 50jährigen Jubiläum am 5. und 6. September
teil=
nehmen, den Aufenthalt in Darmſtadt möglichſt angenehm zu
ge=
ſtalten.
Gern hilft auch die Stadtverwaltung mit, unſeren lieben
Gäſten von nah und fern einen herzlichen Empfang und frohe
Stunden zu bereiten. Auch Herr Oberbürgermeiſter Mueller heißt
— in der Auguſt=Nr. der Zeitſchrift Friſchauf — ſie alle herzlich
willkommen, die Männer und Frauen, deren beſondere Liebe
unſerem heſſiſchen Vogelsberg gehort.
Wenn auch in Darmſtadt ſich in 1881 eine ſtarke und
leben=
dige Gruppe des V.H. C.s neben dem hier zunächſt „zuſtändigen”
Odenwaldklub, und zwar ſchon faſt gleichzeitig mit ihm, bilden
konnte und in der ganzen Zeit ihres nun 50jährigen Beſtehens
einer vollen Blüte erfreut hat, ſo iſt das ein Beweis für die
be=
ſondere Anziehungskraft der oberheſſiſchen Berglandſchaft. Wer ſie
einmal durchwandert hat, der kann ſich in der Tat dem Zauber
dieſes ernſten und einſamen, von herrlichem Hochwald bedeckten,
Landes nicht entziehen, zumal ihm in den romantiſchen Tälern
ſo manche reizvolle Siedlung mit alten Kirchen und Türmen und
altmodiſchen hohen Giebelhäuſern immer wieder daran erinnert,
daß hier von jeher ein gediegener Volksſtamm von beſonderer
Eigenart wohnt, der mit ſeiner rauhen Landſchaft, dem
Vogels=
berg, ſo vollkommen verwachſen iſt. Man begreift, daß die
Ober=
heſſen, die der Beruf oder geſchäftliche Beziehungen oder
Fami=
lienbande nach Darmſtadt geführt haben, eine heimliche Sehnſucht
nach den heimatlichen Bergen in ſich tragen und daß ſie ſich hier
in Darmſtadt zuſammengeſchloſſen haben, um dieſe Heimatliebe zu
hegen und zu pflegen. Das hat ſie aber beſtimmt nicht gehindert,
auch gute Darmſtädter zu werden und zu ſein.
In der vom Preſſeausſchuß herausgegebenen Feſtſchrift haben
in dankenswerter Weiſe namhafte Perſönlichkeiten bereitwilligſt
höchſt wertvolle und hochintereſſante Arbeiten geliefert.
Gleich den 70 Zweigvereinen, die dem Geſamt=V.H.C.
ange=
hören und weit über die Grenzen Oberheſſens ſich ausdehnen (
ſo=
gar in Berlin exiſtiert ein ſolcher Zweigverein) pflegt der hieſige
Zweigverein „Heimatliebe” und „Wanderluſt” und unterſtützt
da=
durch den oberheſſiſchen Landesteil, von dem der wanderfreudige
Lokaldichter Pfarrer Ferd. Briegleb ſang: „Biſt ein Stück
Vater=
land, nur nicht genug erkannt, ſo ſchön wie eins . . .
Jeder Wanderfreund möge zurückſchauen auf das Leben eines
Vereins, der ihm und anderen nun ſchon 50 Jahre lang die Wege
geebnet hat, auf denen er ſchon ſo oft Wanderungen durch den
ſchönen Vogelsberg mit ſeinen rauſchenden Wäldern, ſeinen
duf=
tenden Wieſen, ſeinen lieblichen Tälern und ſeinen ſilbernen
Quellen zurückgelegt hat.
Es darf erhofft werden, daß der V.H.C. Darmſtadt zu ſeinem
Jubelfeſte und dem Herbſttreffen des Geſamtklubs außer den
lie=
ben V.H. C.=Gäſten aus dem Clubgebiet auch noch eine große Schar
Freunde der Wanderſache hier in Darmſtadts Mauern begrüßen
kann.
Der Thüringer Wald und Eiſenach ſind täglich das
Ziel Hunderter: Eiſenach und die Wartburg zu ſehen, iſt die
Sehnſucht von Millionen, es nimmt daher nicht wunder, daß die
Reichsbahnſonderzüge zur Wartburgſtadt alljährlich ſehr gut
be=
ſetzt ſind. So fuhren auch diesmal etwa 600 frohgeſtimmte
Men=
ſchen mit der Reichsbahndirektion Mainz nach Eiſenach. Schon
als man am Bahnhof ankam, hörte der Regen, der, wie man
fürchtete, die ganze Ausflugsfahrt arg zu beeinträchtigen ſchien,
auf und mit jedem Kilometer Fahrt klärten ſich der Himmel und die
Geſichter der Mitreiſenden mehr auf. Als man punkt 20 Uhr in
Eiſenach einfuhr, herrſchte ſchönſtes Sommerwetter und war
aus=
gezeichnete Stimmung.
Den Abend verbrachten die Fahrtteilnehmer zwanglos in der
ſchönen Stadt; zum Teil wurde das Eliſabethfeſtſpiel beſucht, zum
Teil erging man ſich in der näheren Umgebung Eiſenachs oder
beſichtigte die Stadt bei Nacht.
Am Sonntag vormittag war das erſte Ziel aller die
Wart=
burg, die Stätte, an der Dr. Martin Luther lebte und arbeitete
wo er die Bibel in die deutſche Sprache überſetzte, die Stätte,
an der die hl. Eliſabeth wirkte, und die Stätte, an der
Jahr=
hunderte zu uns ſprachen. Dem Zauber der ſchönſten
frühmittel=
alterlichen Burg konnte ſich niemand entziehen, weit ſchweifte der
Blick auf das Thüringer Land, das in goldenem Sonnenſchein
lag. Schönheitstrunkene Seelen nahmen all die Herrlichkeiten in
ſich auf, konnten ſich kaum trennen von der faſzinierenden
Um=
gebung und wurden von der Eigenart der magiſchen Reize im
Burginnern ganz gefangen. Freundliche und ortskundige
Burg=
beamte übernahmen die Führung durch die Burg, die im zweiten
Hof begann und ſich auf das Landgrafenhaus, den Sängerſaal,
bekannt aus Wagners „Tannhäuſer”, den Feſtſaal, die
weltbe=
kannte Eliſabethenkemenate mit den prachtvollen Glasmoſaiken,
die reichhalige Rüſtkammer und im Ritterhaus auf die
Luther=
ſtube erſtreckte. In dieſer einſamen Stube weilten die Beſucher
in Erinnerung an den großen Reformator in ſtillem Schweigen.
Nach der Beſichtigung der Burg wurden andere intereſſante
Sehenswürdigkeiten und hiſtoriſche Plätze aufgeſucht, deren es in
Eiſenach ſo viele gibt, daß ein Aufzählen im einzelnen ſchon faſt
unmöglich iſt. Da iſt zu nennen das Lutherhaus das Bachhaus,
in dem der Meiſter der Töne lebte und wirkte, das Reuterhaus
und Wagnermuſeum und die übrigen Stätten, in denen Schätze
von ungeheurem Wert aufbewahrt werden und die alle
Erinne=
rungen an die Größten unſeres Volkes bergen.
Eiſenach, das mitten im grünen Herzen Deutſchlands, in
Thüringen, liegt, hat eine ſo bezaubernd ſchöne landſchaftliche
Umgebung, daß alle Sonderzugteilnehmer abends ſich mit leiſem
Bedauern zur Heimfahrt rüſteten. Man hatte ſich noch unter
dem Eindruck all des Geſehenen und Erlebten in dem herrlichen,
natürlichen Kurpark ergangen und ſah die Stunden der
Er=
holung nur allzu ſchnell ſchwinden. Immer wird der Beſuch der
Wartburgſtadt, die ein Symbol für das ganze deutſche Volk, ein
Wallfahrtsort iſt für jeden, einerlei auf welcher religiöſen und
politiſchen Seite er ſteht, den Fahrteilnehmern in Erinnerung
bleiben.
Die Reichsbahndirektion Mainz aber hat mit dieſer Fahrt
ein Erlebnis vermittelt, wie es die Mehrzahl wohl kaum je
ge=
habt hätte, wenn die ſoziale Einrichtung der verbilligten
Fahr=
ten nicht beſtände. Das muß einmal unterſtrichen und
hervor=
gehoben werden, denn dieſe billigen und bequemen Reichsbahn=
Fahrten, die in die ſchönſten und hiſtoriſch wertvollſten Teile
Deutſchlands führen, ermöglichen es jedem, auch mit
beſchränk=
ten Mitteln ein Stück ſeiner ſchönen Heimat zu ſehen und
Gegen=
den zu beſuchen, nach denen ſich Millionen ſehnen, dabei ſich hoch
einige Stunden von den ſchweren Mühen des Alltags
auszu=
ſpannen. Dieſe Einrichtung der Reichsbahn verdient daher die
Unterſtutzung der Allgemeinheit, zumal es in deren eigenſtem
In=
tereſſe liegt, die Durchführung der Sonderzüge durch ſchwache
Teilnahme nicht gefährden zu laſſen. Noch eines Mannes ſei
hier Erwähnung getan, deſſen Wirken in Stille wir ſtets
be=
wunderten und deſſen Organiſation vor allem die Durchführung
der Reiſen zu verdanken iſt. Oberinſpektor Becks Hand leitet
unbemerkt jeden Sonderzug, er bereitet die Fahrt vor, ſorgt für
Quartier und erteilt gerne auf Reiſen jede gewünſchte Auskunft
ihm ſei für ſeine Sorge ebenſo die Anerkennung und der Dank
der Sonderzugteilnehmer ausgeſprochen wie der Reichsbahn für
ihre wirkliche ſoziale Einrichtung, der man auch fernerhin in
ihrem und dem Intereſſe aller Reiſeluſtigen guten Erfolg
wün=
ſchen muß.
— Schwerer Verkehrsunfall. Ecke Wilhelminen= und
Anna=
ſtraße ereignete ſich geſtern gegen 19 Uhr ein ſchwerer
Verkehrs=
unfall. Ein Perſonenkraftwagen ſtieß mit einem Motorradfahrer
derart heftig zuſammen, daß der Motorradfahrer Hertel aus
Bib=
lis am Kopf ſchwer verletzt auf der Straße liegen blieb. Sein
Sozius kam glücklicherweiſe ohne ernſtliche Verletzungen
da=
von. Der ſchwerverletzte Fahrer wurde von der ſtädtiſchen
Ret=
tungswache in das Krankenhaus verbracht. Beide Fahrzeuge
wurden ſtark demoliert, die Schuldfrage iſt noch nicht geklärt.
Warnung vor geſundheitsgefährlichem Feuerwerk. Es iſt
wiederholt beobachtet worden, daß ſpaniſches Feuerwerk (
Radau=
plätzchen, Knallplatten, Teufelskracher u. dergl.) in der
Zünd=
maſſe gelben Phosphor enthielt. Bei einem zehnjährigen
Knaben, der zwei Radauplätzchen zum Lutſchen in den Mund
genommen und dann verzehrt hatte, traten Uebelkeit, Erbrechen
und ſchließlich der Tod ein. Gelber Phosphor iſt ein ſtarkes
Gift. Es wird daher dringend davor gewarnt, derartiges
Feuer=
werk Kindern zuganglich zu machen.
Seite 5
für die Zeit vom 16. bis 31. Auguſt 1931.
Aufbewahren!
Ausſchneiden!
15. Aug.: Die an dieſem Tage fälligen Steuern und Abgaben,
Kirchen= und Kultusſteuer Hundeſteuer,
Vermögensſteuer (ohne Landwirte) und die
Aufbringungsumlage waren bereits in dem
letzten, am 1. Auguſt 1931 erſchienenen Steuerkalender
aufgenommen.
20. Aug.: Abführung der Lohnſteuer für die in der Zeit vom
1. bis 15. Auguſt 1931 erfolgten Lohnzahlungen im
Markenverfahren und im Ueberweiſungsverfahren; im
letzteren jedoch nur dann, wenn die in der erſten Hälfte
des Kalendermonats einbehaltenen Lohnſteuerbeträge
für ſämtliche in einem Betrieb beſchäftigten
Arbeit=
nehmer den Betrag von 200 RM. überſtiegen haben.
(Keine Schonfriſt.)
20. Aug.: Abführung der im Steuerabzugsverfahren
einbehalte=
nen Ledigenſteuer und der
Kriſenlohn=
ſteuer.
25. Aug.: Dritte Vorauszahlung (ſtaatliches Ziel) laut gelbem
Steuerbeſcheid über ſtaatliche Grundſteuer,
Son=
dergebäudeſteuer und Gewerbeſteuer für
das Rechnungsjahr 1931/32. (Schonfriſt bis 5.
Septem=
ber 1931.)
31. Aug.: Letzter Tag für die Abgabe der
Vermögenserklä=
rung, für die Anzeigen von Beteiligungen
und für die Steueramneſtie.
Hundeſteuer 1931.
Es wird ſchon jetzt darauf hingewieſen, daß das zweite Ziel
der Hundeſteuer in Darmſtadt für 1931 nach einer Bekanntmachung
der Stadtkaſſe vom 18. Auguſt 1931 in Nr. 228 des „Darmſtädter
Tagblatts” vom gleichen Tage bei Meidung der Beitreibung und
Koſtenberechnung bis zum 3. September 1931 an die Stadtkaſſe
Darmſtadt einzuzahlen iſt.
H. W. Wohmann.
Aw. Das Bezirksſchöffengericht verhandelte, am
Mittwoch gegen einen Vollſtreckungsbeamten des
hie=
ſigen Finanzamts wegen Unterſchlagung und
Urkundenfälſchung. Der Mann ſoll im Laufe der Jahce
1928 und 1929 Geld, das er von zwei Leuten als Steuer
verein=
nahmt hatte, im Betrage von etwa 800 Mark unterſchlagen haben.
Außerdem ſoll er den Abſchnitt eines Poſtſchecks verfälſcht oder
fälſchlich angefertigt haben. Beſonders bei dem einen, einem
hieſi=
gen Fuhrunternehmer, oder vielmehr deſſen Frau, genoß er
an=
ſcheinend großes Vertrauen, ſo daß ihm, auch als er nicht mehr
ihren Bezirk zu erledigen hatte, das Geld für fällige Steuern
aus=
gehändigt wurde, das er dann weiterleiten ſollte. Der
Ange=
klagte, der ein recht unangenehmes Augenleiden hat, durch das
er am Leſen und Schreiben außerordentlich behindert iſt, und der
anfangs verſuchte, dieſe Verhandlung, deswegen zu verſchieben,
behauptet, die Frau habe ihm immer runde Beträge gebracht und
es ihm überlaſſen, welche Steuern zu zahlen ſeien. Auch die Frau
des Angeklagten beſtätigt das. Die Frau habe auch gewußt, daß
der Angeklagte nicht mehr zuſtändig für ſie ſei, und daß er ihr
die Sachen nur aus Gefälligkeit miterledigte. Die Frau beſtreitet
das. Davon habe er keinen Ton geſagt. Von dem angeblich
ge=
fälſchten Poſtabſchnitt iſt nichts mehr vorhanden. Im übrigen
gibt der Angeklagte zu, daß er einen anderen Abſchnitt vorgelegt
habe, denn das Geld ſei in Wirklichkeit noch nicht an das
Finanz=
amt bezahlt worden. Das Defizit ſei allein durch falſche
Buchun=
gen des Finanzamts entſtanden. Tatſächlich ſtellt ſich auch heraus,
daß einmal 200 Mark nicht gebucht wurden. Der Staatsanwalt
beantragt wegen einer Amtsunterſchlagung eine Gefängnisſtrafe
von acht Monaten unter Freiſpruch im übrigen. Der Verteidiger
iſt der Anſicht, daß der Angeklagte freizuſprechen ſei, denn es ſei
ihm eine Unterſchlagung nicht nachzuweiſen. Das Gericht
verur=
teilt den Angeklagten wegen einer einfachen
Unterſchla=
gung unter Freiſpruch im übrigen zu zwei
Mo=
naten Gefängnis. Wenn auch nicht erwieſen ſei, daß der
Angeklagte den Leuten ausdrücklich mitteilte, daß er nicht mehr
zuſtändig war, ſo konnte er doch immerhin in dem Glauben ſein,
daß ſie Beſcheid wußten. Einmal könne wohl ein Buchungsfehler
vorkommen, aber das Gericht hält es für ausgeſchloſſen, daß das
fünf= bis ſechsmal vorgekommen ſei, wie der Angeklagte behauptet.
Da der Angeklagte bisher noch nicht vorbeſtraft iſt, und
haupt=
ſächlich wegen ſeiner ſchweren Erkrankung, billigt ihm das Gericht
eine vierjährige Bewährungsfriſt zu.
— Maſſenverſammlung im Jugendzelt! Der impoſante
Auf=
takt zur Eröffnung des Jugendzeltes vom Sonntag nachmittag
war, wie man feſtſtellen kann, von nachhaltiger Wirkung. Waren
doch am geſtrigen Abend wiederum reichlich 2000 Menſchen im
Zelt, die dem außerordentlich eindrucksvollen Vortrag von
Ju=
gendſekretär Kamphauſen, Berlin, ihre ungeteilte
Aufmerk=
ſamkeit ſchenkten. „Der Zukunftsſtaat und die neue Menſchheit”
lautete das Thema. In überaus packender Weiſe ſprach der
Redner über dieſe hochwichtige Frage, die in unſeren Tagen die
Gemüter von Millionen bewegt. Der Erdball ſchreit nach einem
neuen Menſchentum. Nicht nur auf wirtſchaftlichem und politiſchem
Gebiet, in der geſamten Arbeiter=, Frauen= und Jugendbewegung
iſt dieſer Schrei deutlich vernehmbar. Mancherlei Wege ſind in
der Vergangenheit beſchritten worden, um dieſen Zukunftsſtaat
zuwege zu bringen, um einer neuen Menſchheit den Weg zu
bahnen. Vergeblich! Alle dieſe Wege der Vergangenheit und
Ge=
genwart werden nicht zum Ziele führen, wenn nicht der
Kern=
punkt dieſes Problems erfaßt wird. Menſchheitserneuerung ohne
Herzenserneuerung iſt eine Illuſion! Der Blitzſchlag der neuen
Revolution muß ins Herz gehen, wenn wir Bürger einer neuen
Menſchheit werden wollen. Nur durch perſönliche
Herzenserneue=
rung, durch gründliche Wiedergeburt kommt eine Erneuerung des
Volkes, der ganzen Menſchheit. Jeder Menſch, der über die Erde
ſchreitet, hat Gelegenheit, ein Bürger der neuen menſchlichen
Ge=
ſellſchaft zu werden. Aber er muß heraus aus dem bisherigen
Ich=Leben und hinein in die Gottesgemeiſchaft, die uns durch
Chriſtus ermöglicht wird. Das Thema des heutigen Abends
lautet: „Der geſtörte Naturmenſch”, Redner dieſes Abends iſt
wiederum Herr Jugendſekretär Kamphauſen, Berlin. Es
ſei auch noch darauf hingewieſen, daß heute nachmittag um 3 Uhr
ein Kinderfeſt ſtattfindet, zu dem alle Kinder, auch mit ihren
Angehörigen, herzlich eingeladen ſind. Der Eintritt iſt frei
— Im Helia=Theater wird ab heute der Groß=Tonfilm in
ſeutſcher Sprache „Die große Fahrt” vorgeführt. Ueber 20000
Mitwirkende waren in dieſem Film beſchäftigt, darunter zirka
1000 Indianer. Die rieſige Büffelherde, die in der großen
Jagd=
ſzene auftaucht, iſt eine der wenigen noch exiſtierenden und zählt
etwa 500 Köpfe. Die Koſten des Filmwerks beliefen ſich auf zwei
Millionen Dollar. Die deutſche Schauſpieler=Beſetzung beſteht
aus: Theo Shall, Marion Leſſing, Ulrich Haupt, Arnolf Korff und
A. v. Haden. Regie: Raoul Walſh. Jugendliche haben Zutritt.
— Im Union=Theater läuft bis auf weiteres der nach langem
Kampf von der Zenſur freigegebene luſtige Tonfilm „Meine
Cou=
ſine aus Warſchau” nach dem gleichnamigen Theaterſtück von
Louis Verneuil. Außer Liane Haid, die man hier in ihrer
ele=
ganteſten und temperamentvollſten Rolle ſieht, wirken noch Fritz
Schulz, Tala Birell, Szöke Szakall, Karl Huszar=Puffy u. a mit.
Dazu der neueſte Micky=Film „Spuk im Puppenladen”", die
Arktis=
fahrt des „Graf Zeppelin” und die tönende Fox=Wochenſchau.
— In den Palaſt=Lichtſpielen ſieht man heute und folgende
Tage einen der größten und gewaltigſten ſtummen Filme der
letzten Jahre „Andreas Hofer”, der Freiheitskampf des Tiroler
Volkes. Andreas Hofer, deſſen Andenken im Herzen eines jeden
Deutſchen fortlebt, iſt das Sinnbild deutſcher Treue und deutſchen
Heldentums. Das Werk iſt eine Neuverfilmung. Jugendliche
haben Zutritt.
Die blerznter
erſchelnenden Notzen ſind ausſchließlich als Hinweiſe euf Amzeigen zu
in keinem Falſe irgendwie als Beſprechung oder Kritik.
Krte
— Lichtbildervortrag. „Beine, die Sorgen machen”
ſo lautet das Thema, über welches Schweſter Käthe im Auftrag
der Thalyſia=Werke, Leipzig, am Freitag, dem 21. Auguſt, abends
8 Uhr, im „Fürſtenſaal”, Grafenſtraße 18/20, einen Vortrag bei
freiem Eintritt abhalten wird. (Siehe heutige Anzeige.)
Tageskalender für Donnerstag, den 20. Auguſt 1931.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus: Geſchloſſen. — Kleines
Haus: Keine Vorſtellung. — Orpheum. 20.30 Uhr: Super=
Revue: „Charivari” —
Konz=
te: Zur Oper, Schloßkeller,
Sporplatz=Reſtaurant am Böllenfalltor. —
Kinovorſtel=
lungen: Union=, Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.
Seite 6
Donnerstag, den 20. Auguſt 1931
Gibadel der Pafferbidt.
Ein Bild kroftloſer Berwüftung. — Fruchkbare Landftriche unker Waſſer. — Abermalige Ueberſchwemmung am gefkrigen
Bormitkag. — Einfah der Techniſchen Nolhilfe. — Dammſprengungen bei Eſchollbrücken. — Ueberall ſchwere Deprefſion der
bekroffenen Bevölkerung. — Hilfe kuk nok! — Der Geſamtſchaden wird auf mehrere hunderkkauſend Mark geſchähl.
räume leer zu pumpen und dem Waſſer der Modau, das den und Kühlem Grund iſt ein altes kleings Wehr. In der Nähe
Hof faſt ½ Meter hoch überſchwemmt hatte, Abfluß zu ver= macht die Modau einen Bogen, und die anſtürmenden Fluten
Fahrk in das Kakaftrophengebiel.
ſchaffen. Gegen 4 Uhr nachmittags war das zwar gelungen,
Eigener M. St.=Bericht.
Darmſtadt, den 19. Auguſt.
Als ich heute nacht die Dammbruchſtellen bei
Eſchollbrücken verließ, war das Blickfeld begrenzt
durch die Reichweite der Fackeln und des
Scheinwer=
fers, den die Schupobereitſchaft unter Oberleutnant
Knapp mitführte.
Das Bild grauenhafter Verwüſtung wurde unendlich vertieft
und erweitert heute am Tage. Was geſtern nur geahnt werden
konnte, hat die rauhe Wirklichkeit heute gezeigt. Soweit das
Auge reicht, ſtehen Aecker, Felder und Wieſen unter Waſſer
teil=
weiſe ſo tief, daß nur die Baumkronen hervorragen, im übrigen
von den Feldfrüchten nur noch die hochgeſchoſſenen Maisfeldſtücke.
In unvermindert raſendem Lauf wüten die Waſſermaſſen weiter,
ſuchen immer neue Angriffspunkte am Damm, ſoweit ſie die Ufer
nicht überfluten, und ſpülen ein Stück nach dem anderen hinweg.
Die auf Augenſchein beruhende Prophezeiung, daß der neue
Morgen erſt den rechten Ueberblick über die Größe des Unglücks
ermöglichen wird, hat ſich leider erfüllt. Die Schupo, die bis
lange nach Mitternacht gearbeitet hat, war ſchon früh am Tage
wieder an Ort und Stelle, um zunächſt den Verſuch zu machen, den
übergetretenen Waſſermaſſen einen Ablauf zu ſchaffen, damit die
Früchte der überſchwemmten Felder nicht ganz der Vernichtung
anheimfallen. An einigen Stellen gelang das, allerdings in ſo
geringfügigem Maße, daß ein Abnehmen des Waſſers aus den
überſchwemmten Gebieten nicht zu bemerken war. Man mußte
die Verſuche die Abflußmöglichkeiten zu ſchaffen, bald aufgeben,
um nicht Goddelau und andere Ortſchaften der Umgebung ſchwer
zu gefährden.
Durchbruchsgefahr der Waſſermaſſen.
Inzwiſchen hatten die Waſſermengen am Süddamm ſich ſo
er=
heblich weitergewühlt, daß die größte Gefahr beſtand, nunmehr
auch den Süddamm zu durchbrechen und auch hier noch Schaden
anzurichten, der in ſeinem Umfang gar nicht abzuſchätzen war.
Das Augenmerk der Schutzpolizei mußte ſich nunmehr auf
Erhal=
tung des Süddamms richten. An gefährdeten Stellen wurde
die=
ſer Süddamm durch Faſchinen und Sandſäcke in ununterbrochener,
vielfach gefahrvoller Arbeit ſoweit gefeſtigt, daß ein Durchbruch
wahrſcheinlich verhindert werden kann.
Zur Unterſtützung der Arbeiten, die bis in die ſpäten
Nach=
mittagsſtunden fortgeſetzt wurden, war vom Miniſterium die
Tech=
niſche Nothilfe angefordert worden, die zunächſt mit 50 Mann
unter Leitung des Bereitſchaftstruppführers Althaus aus
Frankfurt erſchien und der Schupobereitſchaft wirkſame
Unter=
ſtützung lieh. Ruhig und überlegen, geſtützt auf Sachkenntnis und
Erfahrung, gab Oberleutnant Knapp Anweiſungen. Obwohl
eine Unzahl von Zuſchauern im Laufe des Tages an den
Unfall=
ſtellen erſchien, um das grandioſe Bild zu ſchauen, konnten die
Arbeiten, im weſentlichen gerade durch die vorbildliche ruhige
Lei=
tung, ungehindert fortgeführt werden.
Als die Gefahr des Durchbruchs auch des Süddamms aufs
äußerſte geſtiegen war, mußte man ſich entſchließen, den
Nord=
damm noch an zwei Stellen zu ſprengen, um den immer mehr
ſtei=
genden Waſſermaſſen, die durch erneutes Unwetter in den
frühe=
ſten Morgenſtunden immer neuen Zufluß erhielten,
Abflußmög=
lichkeiten zu ſchaffen. Die Sprengungen gelangen, und die
nach=
drängenden Fluten taten das Ihre, ſo daß im Laufe des Tages
der Norddamm noch in einer weiteren Strecke von 50 Metern in
den Fluten verſchwand.
Bis jetzt ſind Gott ſei Dank Unfälle nennenswerter Art nicht
zu verzeichnen und Verluſte an Menſchenleben nicht zu beklagen.
Der materielle Schaden allerdings iſt auch am geſtrigen Tage noch
ſehr erheblich geſtiegen. Geſtern nachmittag weilten am Ort des
Dammdurchbruches aus den zuſtändigen Miniſterien die Herren
Miniſterialdirektor Rößler, Miniſterialrat Heil,
Oberregie=
rungsrat Morneweg, Oberbaurat Hauck, Baurat Krauſe,
weiter Provinzialdirektor Gebhardt uſw. Im Intereſſe der
ſchwer betroffenen Gemeinden und Anwohner bleibt zu wünſchen,
daß die Herren durch perſönliche Augenſcheinnahme nunmehr
über=
zeugt ſind, daß hier gründlichſte Abhilfe ſchleunigſt erforderlich iſt.
Die Zluken ſteigen!
Die geſtern Nacht noch gehegte Hoffnung, daß der
Waſſer=
ſtand der Modau, der Sandbach uſw. den Höchſtpunkt
er=
reicht haben würde, und daß mit dem Abflauen des Unwetters
am Dienstag nachmittag die ſchlimmſte Gefahr vorüber, brachte
leider Enttäuſchung, das gegen Morgen, faſt an den gleichen
Stellen und faſt in gleicher Stärke niedergehende Unwetter hat
die Kataſtrophe noch bedeutend vergrößert.
Weit drüben, wo leichte Bodenerhöhung der Ueberflutung
eine Grenze ſetzten, ſieht man Frauen und Kinder bei der
Arbeit. Knietief im Waſſer ſtehend werden Kartoffeln
ausge=
macht. Man verſucht zu retten was zu retten iſt, denn die
ganzen Feldfruchtbeſtände ſind in Gefahr zu verfaulen.
In Eberſtadt
iſt der Waſſerſtand der Modau am Pegel der Hauptbrücke von
75 Zentimeter am Dienstag abend bis Mittwoch vormittag um
1 Meter geſtiegen. Die kataſtrophale Höhe von 1,75 Meter hielt
bis in den ſpäten Nachmittag an. Gegen Abend erſt ging der
Waſſerſpiegel etwas zurück, das hatte zur Folge, daß auch in
Eberſtadt nicht nur die Straßen überſchwemmt und der
Ver=
kehr vielfach behindert war, daß vielmehr auch eine Unzahl von
Kellern unter Waſſer geſetzt wurde. Die Feuerwehr iſt mit
einer Dampfpumpe von früh bis zum ſpäten Abend beſchäftigt,
die Keller wieder leer zu pumpen. Direkt hinter der Brücke,
zwiſchen den Anweſen von Dr. Gaßner und Müller, hat die
Modau ein ganzes Stück, ſowohl des rechten wie des linksſeitigen
Ufers in dem Bogen, den die Modau hier macht. unterwuhlt.
Zwei rieſige Pappeln wurden ausgeſpült, legten ſich quer über
die Modau, ohne, Gott ſei Dank, beſonderen Schaden
anzu=
richten. In mühſeliger Arbeit konnten die umgeſtürzten Pappeln
entfernt werden. Zwei weitere große Pappeln haben ſich
be=
reits geneigt und drohen ebenfalls umzuſtürzen.
Beſonders ſchwer getroffen wurde die Papierfabrik Heil
Söhne am Bahnhof in Eberſtadt. In den Betriebsräumen
dieſer Firma ſtehen Maſchinen von etwa 700 000 RM. Werr,
in den Lagerräumen erhebliche Papierbeſtände. Die Modau,
die hier ihre Ufer überflutete, ſetzte in der Nacht und in den
frühen Morgenſtunden das ganze Fabrikgelände mit Einſchluß
ſämtlicher Betriebs= und Lagerräume unter Waſſer. Eine
Un=
menge von Papier, vielfach ſchon verſandfertig verpackte Billen
und Rollen wurden vernichtet, zum mindeſten ſchwer beſchädigt.
Der ganze Schaden läßt ſich noch nicht annähernd abſchätzen. Nach
ſtundenlangen intenſiven Bemühungen gelang es, die Fabrik=
jedoch began das Waſſer nochmals zu ſteigen und in die
Be=
triebsräume, vor allem in die Kraftzentrale einzudringen,
ob=
wohl man hier die Abflußkanäle abzuſperren verſucht hatte.
Auch in den Heizkeſſelraum war das Waſſer eingedrungen und
Die Hauptſtraße in Ober=Ramſtadt
bei Beginn der Kataſtrophe um 18½ Uhr.
Das Waſſer ſteigt weiter! Ehot. Rösch
Die überflutete Straße um 19½ Uhr.
faſt 1 Meter hoch, bis direkt an die Feuerung geſtiegen, ſo daß
die Keſſelfeuerung ſchleunigſt gelöſcht werden mußte, um
Explo=
ſion zu verhüten. Im Gelände der Fabrikanlage war die Modau
heute nachmittag 5 Meter tief.
Ein ſelkenes Schauſpiel
hatte ſich von ſelbſt zwiſchen Eberſtadt und Pfungſtadt gebildet.
Hier iſt eine Wehranlage errichtet worden, dazu beſtimmt, in
Fällen von Gefahr die Waſſer der Modau abzulenken. Die
Anlage reichte jedoch bei weitem nicht aus, um die
anſtürmen=
den Fluten zu faſſen. Das Wehr wurde überſpült, und gleich
einem grandioſen Waſſerfall ſtürzen die Waſſermengen nunmehr
viele Meter tief in den Lauf der Sandbach, die hier allerdings
genügend Luft hat, um die Waſſermengen aufzunehmen, was in
der Nähe von Eſchollbrücken allerdings, wie die Kataſtrophe
beweiſt, nicht der Fall iſt. Das ſeltene Schauſpiel dieſes
Waſſer=
falles, von dem ſtändig dampfartig feine Sprühregen in die Höhe
ſpritzen, hat im Laufe des Tages eine große Menge Zuſchauer
angelockt.
Im Mühlkal
hat das Unwetter erhebliche Vernichtungsſpuren überall in die
ſonſt ſo wundervolle Landſchaft gezeichnet. Zwiſchen Eberſtadt
haben auch hier große Stücke des Ufers fortgeſpült. Weinend
erzählt mir eine ältere Frau, daß dieſes Stück ihr gehörte und
mit ihm Obſt= und Nußbäume von den Fluten weggeriſſen
wurden. Auch an dieſer Durchbruchſtelle rauſchen die Fluten der
Modau gleich einem grandioſen Waſſerfall.
Ueberall weiterhin, auf dem Weg nach Nieder=Ramſtadt, ſind
Spuren von überſchwemmten Straßen und verſchlammten Gräben
zu ſehen, die inzwiſchen faſt alle wieder ausgeräumt wurden. Ein
Beweis, daß man mit großer Energie und bewundernswertem
Fleiß ſich ſofort der Aufräumungs= und Rettungsarbeiten
unterzog.
In Nieder=Ramſtadt
ſtehen Hunderte von Menſchen an der Brücke und ſehen dem
ſelt=
ſamen Schauſpiel des Dahinraſens der gelblehmigen Fluten zu.
Auch hier iſt die Modau über die Ufer getreten. Von der Kraft
und der Gewalt ihrer Waſſermaſſen zeugt die Tatſache, daß das
rechte Ufer, das hier durch Sandſteinblöcke und Steinpflaſter
ge=
feſtigt war, völlig ausgeſpült und zum Teil weggeſchwemmt wurde.
Auch weiter hinauf bis zu Nieder=Modau hat das
Un=
wetter der letzten Nacht erheblich gewütet und geſchadet.
Die Bergſtraße
zeigt ſeit geſtern, ebenfalls an vielen Stellen, wiederum Spuren
der Unwetterkataſtrophe, obwohl ſie von dem erſten Anſturm faſt
verſchont geblieben war. Schon in Zwingenberg ſind die Spuren
zu ſehen, zunehmend dann in Auerbach, wo weite Strecken der
Durchfahrtſtraße noch mit Schlamm überflutet waren. Sogar der
Unterbau der Chauſſee hat vielfach gelitten. Emſiger Arbeit iſt es
auch hier zu danken, daß die Straße wieder frei und paſſierbar iſt.
Beſonders ſchlimm iſt dann Bensheim heimgeſucht
wor=
den. Hier mußte vielfach die Feuerwehr in Tätigkeit treten um
den Waſſermaſſen Abfluß zu verſchaffen und die hoch
über=
ſchwemmten Straßen wieder paſſierbar zu machen. Nach
Schön=
berg hinauf hat das Unwetter ebenfalls wieder koloſſal gewütet.
Auch hier ſind wieder Stege und Brücken durch die
Ueberflu=
tungen gefährdet, z. T. weggeriſſen.
Auch die Merbach iſt, nämlich bei Zell (bei Bensheim),
viel=
fach über die Ufer getreten. Von den umliegenden Weinbergen
wurden Schlammaſſen auf die hier ohnehin ſchmalen Straßen
ge=
ſpült und konnten erſt nach ſtundenlangen Bemühungen wieder
beſeitigt werden. Allerdings und Gott ſei Dank hat das Unwetter
hier nicht ganz ſo ſtark gewütet wie vor einigen Wochen.
Immer=
hin iſt auch hier Schaden angerichtet.
Ueberall ſieht man ernſte und bedrückte Geſichter. Man weiß,
daß kein Geld da iſt, und weiß, daß der Schaden unendlich groß iſt.
Vielfach droht wirtſchaftlicher Ruin, wenn nicht bald und ſchnell)
geholfen wird. So ſchwer ſich der Schaden überſehen läßt, mit
200 000 Mark insgeſamt dürfte er eher viel zu niedrig, als zu hoch
bemeſſen ſein.
*
Der Landbund hat im Landtag folgenden Antrag eingebracht.
„Im vorderen Odenwald hat am 18. Auguſt Ifd. J. ein
furchtbares Unwetter gehauſt, das erhebliche Schäden
landwirt=
ſchaftlicher und anderer Art verurſacht hat.
Wir beantragen: Der Landtag wolle beſchließen, die
Regie=
rung zu erſuchen:
1. den Schaden in den vom Unwetter betroffenen Gebieten
des vorderen Obenwaldes ſofort durch ihre Aemter feſtſtellen
zu laſſen;
2. den Geſchädigten durch Erlaß von Grundſteuern des
Staates und der Gemeinde und durch ſonſtige ſteuerliche
Erleich=
terungen entgegenzukommen;
3, in beſonders ſchwer gelagerten Schadenfällen den
Ge=
ſchädigten durch Unterſtützung aus öffentlichen Mitteln zu
helfen.”
Aus dem Ueberſchwemmungsgebiel.
Dg. Arheilgen, 19. Aug. Hochwaſſer. Nachdem ſich das
Waſſer innerhalb des Ortes, wie ſchon geſtern berichtet, verlaufen
hatte und der Rutſenbach im Fallen begriffen war, trafen erſt
die Waſſermaſſen aus der Gemarkung ein und verurſachten ein
weiteres Steigen des Rutſenbaches, der nunmehr wieder über
ſeine Ufer trat, und zwar diesmal ſchon gleich hinter der
Avo=
theke, an der Brücke des Zugangs zur Rathausgaſſe. Am meiſten
vom Waſſer heimgeſucht wurde die obere Dieburger Straße, wo
das Waſſer, von der Viehtrift kommend, zu einem reißenden Bache
anſchwoll. Auch von der Kranichſteiner Straße, wo das Waſſer
am Abzweig der Alten Kranichſteiner Straße quer über die
Chauſſe lief, kam das Waſſer, das ſich innerhalb des Ortes zwei
Rinnen gebildet hat, in großem Umfange an und vereinigte ſich
hier mit dem aus der Viehtrift kommenden Waſſer gleich einem
Bache von 4—5 Meter breit. Hier hat die ſtarke Strömung Mill
den geriſſen und ſogar einige Pflaſterſteine abgeſchwemmt. Die
Hofreiten der Anwohner der Oſtſeite der Dieburger Straße ſtane
den am heutigen Vormittag teilweiſe noch vollſtändig unter
Waſſer, ebenſo einige Gärten. Die Bewohner der Dieburger
Straße mußten kleine Brücken errichten, um zu ihren Hofreiten
gelangen zu können. Erſt heute nachmittag ließ das Waſſer etwas
nach, ſo daß die Höfe und Gärten zum größten Teile leerlaufen
konnten, während das Waſſer auf der Straße, vor den Häuſern
immer noch in Strömen fließt. Glücklicherweiſe kann der Kanal
in der Dieburger Straße die Waſſermaſſen alle faſſen, ſo daß
in=
nerhalb des Ortes, von der ehemaligen Balzerpumpe aus, von
dem Waſſer an und für ſich nichts mehr zu ſehen iſt. Der
Rutſen=
bach ſelbſt führte heute nachmittag immer noch Hochwaſſer und
ſtand bei den Gärten hinter der Anotheke noch über ſeinen Ufern.
Alle tiefer liegenden Aecker und Wieſen in der Gemarkung ſtehen
unter Waſſer, und im Laufe des heutigen Tages, ſah man viele
Einwohner mit Hacken und Spaten nach ihren Grundſtücken gehen,
um für geeigneten Abfluß des Waſſers zu ſorgen. In der
Die=
burger Straße hatten ſich geſtern abend zahlreiche Neugierige
ein=
gefunden, um ſich dieſes Schauſpiel nicht entgehen zu laſſen.
In=
folge ſeiner geographiſchen Lage hat unſer Ort ſelten mit
aus=
geſprochenem Hochwaſſer zu tun, aber wenn ſolche Regenmaſſen
niedergehen, ſammelt ſich auch hier viel Waſſer an, das aber
größ=
tenteils nicht allzu lange ſtehen bleibt und bald wieder abfließt,
Anders iſt es mit dem Grundwaſſerſtand, der in naſſen Jahren
bei uns immer reichlich hoch iſt und den Einwohnern das
Keller=
waſſer viel zu ſchaffen macht, wie das auch jetzt wieder der Fall iſt.
4a. Nieder=Beerbach, 19. Aug. Auch im Mordachtal
ſind mehrfach Ueberſchwemmungen zu verzeichnen. Die ſonſt ſehr
zahme Beerbach iſt an mehreren Stellen, zwiſchen dem Orte und
dem „Kühlen Grund”, über ihre Ufer getreten. Beſonders iſt das
Gelände in der Nähe des Hauſes Burgwald überſchwemmt. Da
auch Ober=Beerbach von ſchweren Regengüſſen heimgeſucht
wurde, ſtaute ſich vor dem Ortseingang Nieder=Beerbach das
Waſ=
ſer zu einem kleinen See. Noch am Mittwoch nachmittag kamen
von den Höhen des Frankenſteins größere und kleinere Bäche
her=
unter und verſchlammten die Dorfſtraßen.
Nummer 230
Seite 7
rochenen ſchweren Niederſchläge haben im ganzen Rhein=
Nain=Gebiet, in Starkenburg, in der Wetterau
ſo=
vie in den übrigen Gebieten Südweſtdeutſchlands an der
irnte zum Teil ſchon erheblichen und uneinbringlichen Schaden
ngerichtet. Während in dem leichten Boden es vielfach möglich
dar, an den wenigen ſchönen Tagen der letzten Wochen die Frucht kauft, und ſomit iſt in unſerem Ort ein Weg geſchaffen durch den
ſotdürftig in die Scheunen zu bringen, iſt es zum Beiſpiel im
denwald vielfach ſchon zum Auswachſen der aufgeſtellten Garben
ekommen. Streckenweiſe mußte die Frucht noch auf dem Halm
ehen und iſt durch die ſchweren Regengüſſe vielfach wie gewalzt
u Boden geriſſen worden. Auch bei den Hackfrüchten machen ſich
je Schäden, beſonders in ſchweren Böden, ſtark bemerkbar. Den
Vieſen iſt der Regen allerdings teilweiſe recht gut bekommen und
er zweite Schnitt dürfte bei einer Aenderung des Wetters recht
ut ausfallen. An den Trauben haben Hagelniederſchläge vielfach
faulanſätze hinterlaſſen. Während bei ſonnigem Wetter dieſe
ge=
latzten Trauben abgefallen wären, ſtecken ſie nun ihre Umgebung
n. Auch beim Obſt, das vielfach reichen Behang aufweiſt, iſt der
lbfall durch die Regenmaſſen und den Sturmwind ganz
außer=
schaden entſtehen wird. Ebenſo zeigen vielfach ſchon die auf den
ſeldern ſtehenden Kartoffeln Fäulnisanzeichen.
G. Ober=Ramſtadt, 19. Aug. In den Nachmittagsſtunden
es geſtrigen Dienstags ging über unſerer Gegend ein ſchwerer,
volkenbruchartiger Regen nieder. Beträchtliche Waſſermengen
römten aus den höher gelegenen Gemarkungsteilen der Modau
u, die bald enorm anſchwoll. Gegen 6 Uhr ließ hier der ſtarke
jegen nach. Dagegen führte die Modau nun ausgeſprochen
Hoch=
paſſer aus den oberen Modautalgemeinden. Dies ſtieg in einem
ort, und gegen 7 Uhr waren die hintere Brückengaſſe die
Bach=
ſaſſe, die Entengaſſe teilweiſe und die Hammergaſſe ſchon
über=
chwemmt. Die in unmittelbarer Nähe der Modau gelegenen
Hof=
eiten wurden teilweiſe geräumt, insbeſondere das Vieh aus den
Ställen geſchafft. Die inzwiſchen alarmierte Feuerwehr leiſtete
ſierbei tatkräftig Hilfe, im übrigen war man gegen die immer
roch anſteigenden Fluten faſt machtlos. Gegen 7.30 Uhr waren
lle Brücken, der Marktplatz und die Darmſtädter Straße
voll=
ommen überſchwemmt. Auch unterhalb des Ortes bot ſich das
leiche Bild. An den gefährlichſten Stellen wurden zur
Vermei=
ung von Unfällen Abſverrungen vorgenommen, ebenſo die
Darm=
ädter Straße für den Fuhrwerks= und Autoverkehr vorübergehend
eſperrt. Das Waſſer ſtieg weiter und hatte erſt nach 8 Uhr ſeinen
höchſtſtand erreicht. Etwa gegen 9 Uhr ging es langſam und dann
on Minute zu Minute ſchneller zurück. Gegen 10 Uhr waren
ann die überſchwemmten Straßen zum großen Teil wieder
aſſierbar. Die Ueberflutung hat im ganzen Bachgebiet.
euren Schaden angerichtet. Große Feldſtücke, Wieſen und C,
en wurden überſchwemmt und verſchlammt. In der Nähe des
ſchwimmbades deſſen Einfriedigung teilweiſe auch beſchädigt,
uurde ein ſtabiler Steg über die Modau von den Fluten
fortge=
iſſen. Einfriedigungen, landw. Geräte, Holz uſw. wurden
ange=
hwemmt. Feldwege und Ortsſtraßen wurden durch die
Ueber=
ſutung ſchwer beſchädigt. Das Pflaſter iſt teilweiſe aufgeriſſen.
um Teil eingebrochen. Die Keller vieler Häuſer ſind mit Waſſer
nd Schlamm angefüllt. Glücklicherweiſe kamen Menſchen und
Zieh nicht weiter zu Schaden. Zu den beträchtlichen Ernteſchäden
reten nun die Ueberſchwemmungsſchäden hinzu. Selbſt den älteſten
Irtseinwohnern iſt eine Ueberflutung in unſerer Gemeinde in
ieſem Ausmaße nicht in Erinnerung. Heute früh trafen
Schutz=
olizei und Vertreter der Aufſichtsbehörden im
Kataſtrophenge=
iet zur Beſichtigung der entſtandenen Schäden ein. Mittwoch
ormittag wurde aus den oberen Modautalgemeinden erneut ein
ſteigen des Waſſers gemeldet.
T. Groß=Zimmern, 19. Aug. Geſtern entlud ſich ein ſchweres
ſewitter über der hieſigen Gegend. In Strömen floß der Regen
ieder, ſo daß die Straßen von Waſſer überſchwemmt waren. Der
Alitz ſchlug in den Schornſtein, eines Hauſes in der Dieburger
ſtraße, wodurch ein Kaminbrand entſtand, der glücklicherweiſe
ffort wieder gelöſcht werden konnte. Ein weiterer Blitzſtrahl traf
ie Telephonleitung der Bäckerei Rückert, Bachgaſſe.
Cg. Reinheim, 19. Aug. Unheilvoll wirken ſich die
anhalten=
en Regengüſſe hier aus. Am vorgeſtrigen Abend ging bei Hahn
in überaus ſtarker Regen nieder, infolgedeſſen etwa 1 Stunde
väter die Wembach am Volkshaus über die Ufer getreten iſt.
das Waſſer ſchoß an den Häuſern der Gemeinde über die Straße
urch die anliegenden Gärten in die Spitzwieſen, dort einen
ein=
igen See bildend, der am Graben unterhalb, da auch von dort
as Waſſer zurückſtaute, nur ſchlechten Abfluß hatte. Gleichzeitig
ieg die Gerſprenz in wenigen Stunden, weil auch bei Groß=
Bie=
erau ſchwerer Regen gefallen war, nahezu 1½ Meter höher, ihr
Zett bis zum Rande füllend. Das aus dem oberen Gerſprenztal
ommende Schwemmgut: Holz, Körbe, Fruchtgarben uſw. wurde
on Ueberauer Einwohnern aus dem Waſſer gefiſcht.
Cs. Ueberau, 19. Auguſt. In den geſtrigen
Nachmittagsſtun=
ſen ging über unſere Gemarkung ein wolkenbruchartiger Regen
tieder. Die innerhalb des Ortes gelegenen Kanalanlagen
wur=
ſen durch die großen Waſſermengen überſpült, ſo daß die
Brens=
ſacher= und Friedhofſtraße in kurzer Zeit überflutet waren. Die
Herſprenz ſtieg von Stunde zu Stunde und trat an manchen
Stellen über ihre Ufer. Die angrenzenden tiefgelegenen
Hof=
eiten haben hierdurch wieder ihre Keller voll Waſſer. Auch iſt
der Wieſengrund zwiſchen Reinheim und Ueberau ſtreckenweiſe
iberſchwemmt. Die hochgehende Gerſprenz führte allerhand
mit=
geriſſene Gegenſtände mit fort, insbeſondere waren es
Frucht=
zarben. Dickwurzeln und Holz.
Bf. Brensbach i. O., 19. Auguſt. Die hieſige Gemeinde hat
unter den geſtern niedergegangenen ſtarken Regenmaſſen
erheb=
lich Schaden gelitten. Die Dorfbach konnte das Waſſer nicht
faſſen, und im Nu waren alle niedrig gelegenen Straßen und die
Anweſen überſchwemmt. An der Hauptſtraßenbrücke waren die
Durchläſſe ebenfalls nicht in der Lage, das Waſſer aufzunehmen,
ſo daß das Waſſer ſich beiderſeits auf die Straße ergoß. Vieh
mußte in Sicherheit gebracht und angeſchwemmte Fruchtgarben
mittels Haken herausgezogen werden. Auch Hackfrüchte,
Wur=
zeln und Kartoffeln ſind teilweiſe von den Feldern abgeſchwemmt.
Feldraine und Böſchungen rutſchten zu Tal, ein großes Stück an
der Straße nach Groß=Bieberau, ſo daß die Fahrbahn teilweiſe
verſperrt iſt. — Die Aufräumungsarbeiten dürften längere Zeit
beanſpruchen.
4a. Neutſch. 19. Aug. Die ſchweren Regengüſſe haben
auch hier Ueberſchwemmungen und Feldſchäden angerichtet. Die
Neutſcher Bach führte ſtarkes Hochwaſſer mit ſich. Durch die von
hier den Berghang herunterkommenden Waſſermaſſen wurde in
Ober=Modau eine hohe Gartenmauer an einer Straßenecke glatt
umgeriſſen.
4a. Neunkirchen, 19. Aug. Außer den ſchweren Regengüſſen,
die am Dienstag abend, in der hieſigen Gegend niedergingen,
wurde unſer Gebiet am Mittwoch früh um ſieben Uhr von einem
wahren Wolkenbruch heimgeſucht. Außer der Ortsfeuerwehr
pumpte die zu Hilfe gekommene Feuerwehr von Brandau aus
vie=
len Kellern Waſſer. Der hier niedergegangene Wolkenbruch iſt
die Urſache, daß die Waſſer der Modau weiter unterhalb geſtern
vormittag vorübergehend um 60 Zentimeter ſtiegen.
Br. Seckmauern, 19. Aug. Am 18. ging ein Gewitter mit
wol=
kenbruchartigem Regen über das Dorf. Die Wolken lagen, tief
auf den Bergen. Durch dieſes Unwetter entſtanden
Straßenüber=
ſchwemmungen und Erdrutſchungen auf Wieſen und Feldern.
V. Pfaffen=Beerfurth i. Odw., 19. Aug. Ueber das obere
Ger=
ſprenztal gingen geſtern mehrere Wolkenbrüche nieder. Die
Ger=
ſprenz war durch das viele Regnen in den letzten Tagen ſchon
ſehr mit Waſſer angefüllt und konnte infolgedeſſen die großen
Waſſermengen nicht mehr faſſen. Weite Strecken ſind vollſtändig
Unter Waſſer geſetzt und bilden einen See. Auf den Feldern ſieht
SS ſehr wüſt aus. Auch die Kartoffeläcker haben ſehr gelitten, ſo
daß die Ernte, die dieſes Jahr eine ſehr gute geworden wäre, zum
Leidweſen der Landwirte faſt vernichtet wurde. Durch die großen
Waſſermengen, die von den Feldern herabkamen, wurden
ſtellen=
weiſe die Chauſſeeraine mit fortgeriſſen. In verſchiedenen
Ort=
ſchaften drang das Waſſer ſo raſch ein, daß die Feuerwehr
alar=
miert wurde — Im Intereſſe der Landwirte iſt zu hoffen, daß die
Witterung bald wieder günſtiger wird, damit die bevorſtehende
Kartoffel= und Obſternte nicht vollſtändig vernichtet iſt.
L8. Fränkiſch=Crumbach, 19. Aug. Unwetter. Wieder
ein=
mal war geſtern unſer Ort in Erregung gebracht durch
Hochwaſſer=
gefahr, die durch den ſtark ſtrömenden Regen drohte. Schon am
vergangenen Sonntag entlud ſich über unſerer Gemarkung ein
ſchweres Gewitter mit unmittelbar folgendem Hagelſchlag,
wo=
durch in den Fluren erhebliche Schäden angerichtet wurden. Ganze
Felder von Dickrüben ſtehen zerfetzt und kahl da, auch das Obſt
hat ſtark gelitten. Dieſem Gewitter folgten bis zum geſtrigen
Tage ſtarke Regengüſſe, ſo daß geſtern ganze Ortsteile unter
Vaſſer ſtanden. Das Waſſer drang in Keller und Ställe ein, die
Donnerstag, den 20. Auguſt 1931
betreffenden Anwohner mußten ihr Vieh in Sicherheit bringen.
Durch den immer noch anhaltenden Regen iſt das Hochwaſſer noch
nicht zurückgegangen, ſo daß in den Kellern immer noch große
Die nun ſchon beinahe fünf Wochen dauernden, oft kaum unter= Waſſermengen vorhanden ſind. Gerade unſer Ort hat an
Waſſer=
ſchäden beſonders zu leiden, da die ſchon früher erwähnte
Ent=
wäſſerungsanlage „noch nicht fertiggeſtellt werden konnte. Bei
einer geſtern abend ſtattgefundenen Gemeinderatsſitzung iſt nach
längerer Unterhandlung mit dem Mühlenbeſitzer eine Einigung
erzielt worden. Derſelbe hat ſein Waſſerrecht der Gemeinde
ver=
die Arbeiten der Entwäſſerungsanlage bedeutend erleichtert
wer=
den. Nach eingeholter Genehmigung bei den betreffenden
Behör=
den wird in aller Kürze mit den Arbeiten begonnen werden.
0. Aus dem Lautertal. 19. Aug. Hochwaſſergefahr. Der
anhaltende Regen der am Dienstag nachmittag und am Mittwoch
vormittag verſtärkt einſetzte, hatte zur Folge, daß die Lauter
in=
nerhalb kurzer Zeit um einen Meter anſchwoll und Mittwoch
gegen 10 Uhr in Reichenbach über die Ufer zu gehen drohte. Der
hohe Waſſerſtand hielt, trotzdem der Regen nachließ, noch mehrere
Stunden an. Sehr ſchlimm wirkte ſich das Wetter in den
Fel=
dern aus. Auch das Obſt, die Haupteinnahmequelle unſerer
Tal=
bewohner, entbehrt der Sonne und leidet ſehr unter der ſchlechten
rdentlich beträchtlich, ſo daß den Landwirten auch hier fühlbarer Witterung. Die Steininduſtrie arbeitet ſchon längere Zeit
ver=
kürzt, und der Fremdenverkehr iſt infolge des ſchlechten Wetters
lahmgelegt.
Am. Haingrund 19. Auguſt. Am Dienstag mittag, um 4 Uhr,
nahm der tägliche Regen an Stärke ſo zu, daß auf mehrere
Me=
ter die Sicht unmöglich wurde. Bald kamen von allen Höhen
ungeheure Waſſermaſſen zu Tal, ſo daß an mehreren Stellen
große Seen gebildet wurden. Durch den großen Waſſerdruck
rutſchte ein Teil der Böſchung der Landſtraße am ſogenannten
Alten Rain” ab. Es beſteht weiter die Gefahr, daß mehrere
Bergabhänge ins Gleiten kommen, wenn der Regen nicht
auf=
hört. Ungeheurer Schaden würde dann entſtehen. Erſt um
7 Uhr abends ließ das Unwetter nach.
Ap. König i. O. (Stahlbad), 19. Aug Wolkenbruchartige
Niederſchläge ergoſſen ſich am Dienstag nachmittag über
unſere Gemarkung. In Kürze füllte ſich die Kimbach mit
ſchmutzig=gelben Waſſermaſſen bis über den Rand und bildete
einen reißenden Strom der die Hindenburgſtraße überſchwemmte
und an den Brunnengärten und im Wieſengrund weite Strecken
ſeeartig unter Waſſer ſetzte. Auch die Weilbach trat — eine
große Seltenheit — über die Ufer und überflutete die
Provin=
zialſtraße König—Etzengeſäß. In tieferen Lagen hat das
Un=
wetter ſchweren Schaden angerichtet.
W Heppenheim. 19. Aug. Unwetter. Die wolkenbruchartig,
durch Gewitter verſtärkte, niedergegangenen Regenmaſſen der
letz=
ten Tage richteten auch in unſerer Stadt und Umgebung nicht
un=
erheblichen Schaden an. Stadtbach und Hambach ſchwollen zu
rei=
ßenden Bächen an, riſſen Schlamm und Geröll mit ſich, überſtiegen
teilweiſe ihre Ufer, und nur durch ſtändige Bereitſchaft konnten
die Bahnübergänge für den Zugverkehr freigehalten werden.
Wieſen, Gartenanlagen und Straßen ſtanden ſtellenweiſe unter
Waſſer. Die verſtopften Abflußkanaliſationen nahmen nur
lang=
ſam die geſtauten Waſſermaſſen auf. Die im Kanalnetz
angeſam=
melten Waſſermaſſen trieben ſich durch die Rohre in die
Keller=
geſchoſſe und konnten nur in mühſamer Arbeit wieder
herausge=
ſchafft werden. Wie geſät liegen unreife Früchte unter den
Bäu=
men, die ihrer Verwertung harren.
Bb. Bensheim, 19. Aug. Hochwaſſer. Die ſeit geſtern,
dann beſonders in der Nacht und während des ganzen Morgens
anhaltenden ſtarken Regenfälle haben ein mächtiges Anſchwellen
der Lauter und damit des Winkelbaches veranlaßt. Das Waſſer
in dieſen Bachläufen ſtieg heute früh zuſehends. Um 10.30 Uhr
wurde aus dem Lautertal Hochwaſſer gemeldet und ertönten zu
gleicher Zeit die Alarmſirene der Stadt ſowie die Signalhörner
der Feuerwehr. Beſonders in der Fehlheimer Straße, deren
Zu=
gangsbrücken zu den anliegenden Grundſtücken teilweiſe bereits
vom Waſſer überſpült wurden, traf man Vorkehrungen zur
Ab=
wehr des Hochwaſſers. Die tiefergelegene Taubertsgaſſe wurde
durch Bohlen und Sandſäcke abgeſperrt. Seit 1 Uhr nachmittags
trat ein gelindes Fallen des Waſſerſpiegels ein. Die Keller der
Grundſtücke an der Mittelbrücke waren ebenfalls vielfach voll
Waſſer gelaufen. In den Bekleidungswerken mußten die
Keſſel=
feuer herausgezogen und die Keſſel, die im Kellergeſchoß
unter=
gebracht ſind, abgeblaſen werden, da das Waſſer bis an die Feuer
emporſtieg. Ueberall da, wo die Waſſermengen eingedrungen ſind,
iſt man eifrigſt mit Auspumpen desſelben beſchäftigt.
1.89 für1 QugdratneterdauerhaſtenBodenbelag.
Balatum=Bodenbelag iſt aus reinem Wollfilz hergeſtellt. Durch ein
Spezialverfahren iſt dies an ſich ſchon widerſtandsfähige Material
über ſeine Haltbarkeit hinaus ſchrittfeſt gemacht. Achten Sie auf
die Marke „Balatum” auf der Rückſeite.
II K6 3787
A-t. Goddelau, 19 Auguſt Unwetter Am Dienstag
nachmittag gingen mehrere wolkenbruchartige Regengüſſe nieder,
die bald Straßen und Gaſſen teilweiſe überſchwemmten. Gegen
7 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert, um aus mehreren
Kel=
lern, tiefgelegenen Scheunen und Höfen das eingeſtrömte Waſſer
zu entfernen. Durch den ſchon tagelang anhaltenden Regen
können die noch im Felde ſitzenden Haufen Weizen und Hafer
nicht heingebracht werden. Ein großer Teil der Körner iſt
be=
reits ausgefallen oder ausgewachſen. Auf einem benachbarten
Gutshofe ſollen noch 170 Morgen Frucht im Felde ſitzen. Auch
auf den Kartoffelfeldern findet man durch die Näſſe bereits faule
Kartoffeln.
Cm Wallerſtädten, 19. Aug. Ueberſchwemmung. Geſtern
nachmittag ging hier ein wolkenbruchartiger Regen nieder Lange
Zeit ſchüttete es, wie aus Kübeln gegoſſen, hernieder. Den
An=
wohnern der Sackgaſſe und Häuſergaſſe war es nicht möglich, ihre
Wohnungen zu verlaſſen, da die Zuführungsſtraßen unter Waſſer
ſtanden. Ein Anwohner der Häuſergaſſe mußte die Pumpe der
Feuerwehr zu Hilfe nehmen, um das Waſſer, das in ſeine
Woh=
nung eingedrungen war, zu entfernen. — Infolge der
Regen=
fälle, die jeden Tag zu verzeichnen ſind, haben die hieſigen
Land=
wirte die Hoffnung auf Einbringung des Getreides, das ſich noch
auf dem Felde befindet, aufgegeben. Es handelt ſich hierbei
zu=
meiſt um Hafer, der etwas ſpäter reift. Die andauernde Näſſe
dürfte nun auch die Kartoffeln der Gefahr des Faulens ausſetzen.
Da. Egelsbach, 19. Auguſt Am Dienstag nachmittag ging
in der öſtlichen Gemarkung abermals — nachdem es tagsüber
ſchon faſt dauernd geregnet hatte — ein wolkenbruchartiger
Re=
gen nieder, infolgedeſſen gegen Abend durch die ſogenannten
„Obexgärten” ſolche Waſſermaſſen heranſtrömten, daß der
nörd=
liche Teil der Langener Straße hoch überflutet war. Zwei
Hof=
reiten waren vollſtändig überſchwemmt. Das Waſſer ſtand bis in
die Wohnräume und in den Ställen. In der einen Hofreite
mußte diegFeuerſpritze in Tät keit geſetzt werden, um die Keller
leerzupumpen. Auch in der Feldgemarkung ſind ſtellenweiſe
ſchwere Verwüſtungen durch die Gewalt des Waſſers angerichtet
worden. Die ſchweren Niederſchläge der letzten Zeit wirken ſich
direkt kataſtrophal aus. Ausgedehnte Wieſenflächen ſtehen unter
Waſſer, und es ſieht dort bald aus, als ſei man in einem recht
naſſen Frühjahr, anſtatt wie jetzt im Hochſommer. Die Haferernte
iſt zum großen Teil ſchon vernichtet, und wenn nicht bald in der
Witterung eine Beſſerung eintritt, ſtellt ſich auf den
Kartoffel=
feldern große Fäulnis ein.
Db. Urberach. 19. Aug. Hochwaſſer. Geſtern morgen
gin=
gen heftige Regengüſſe nieder Es ſchüttete geradezu vom
Him=
mel. Vorſorglich bereiteten ſich ſchon die Hausbewohner im tiefer
gelegenen Ortsteil auf das kommende Waſſer vor. Die Tore
wurden mit Stallmiſt zugeſetzt, damit das Waſſer nicht in die
Hofreiten einzudringen vermochte. Und dennoch, was man
be=
fürchtete, trat ein. Die in der Gemarkung entſpringende Rodau
trat über ihre Ufer, überſchwemmte Wieſen und Felder und raſte
dem Rodgau entlang. Ein Arm derſelben, der mitten durch das
Dorf fließt, trat über, das Waſſer drang in Gärten Hofreiten und
Viehſtälle ein. Um 4 Urb ertönte das Hilfsſignal der Feuerwehr.
In das Gerätehaus der Feuerwehr, Bachgaſſe, und in den
Ge=
meindefaſelſtall drang das Waſſer ein. Im Feuerwehrhaus wurde
alles, was auf dem Boden lag, aufgeräumt, während aus dem
Faſelſtall die Ziegenböcke in Sicherheit gebracht wurden. Auch das
Nachbardorf Oberroden, das noch etwas tiefer gelegen iſt, wurde
ſehr in Mitleidenſchaft gezogen, fließt doch die Rodau dortſelbſt
mitten durchs Dorf. Die Viehſtälle mußten ebenfalls geräumt
werden. Glück war es, daß es um 5 Uhr aufhörte zu regnen und
das Waſſer nicht mehr weiter ſtieg.
— Gernsheim, 19. Auguſt Waſſerſtand des Rheins am
Pegel am 18. Auguſt 2,31 Meter, am 19. Auguſt 2,40 Meter, jeweils
morgens 5.30 Uhr.
— Hirſchhorn, 19. Auguſt. Waſſerſtand des Neckars am
Pegel am 18. Auguſt 2,15 Meter, am 19. Auguſt 2,26 Meter, jeweils
morgens 5.30 Uhr.
Bingen, 19. Auguſt.
Nach dem neueſten Stand der polizeilichen Feſtſtellungen am
Mittwoch vormittag iſt als ſicher anzunehmen, daß Heinz v. Lacum
bei dem Autobrand am Dobel im Schwarzwald den Tod gefunden
hat. Ob es ſich um einen Selbſtmord oder um einen Unglücksfall
handelt, wird ſich mit Beſtimmtheit wohl nie klären laſſen.
In=
zwiſchen iſt auch feſtgeſtellt worden, das v. Lacum niemals eine
ſilberne Schädeldecke getragen hat. Es beſtätigt ſich alſo, daß er
auch dieſe Geſchichte erfunden hat, um ſich intereſſant zu machen.
Die Staatsanwaltſchaft hat, nachdem ein Verbrechen
ausgeſchloſ=
ſen iſt, an der weiteren Unterſuchung kein Intereſſe mehr.
Wie Mittwoch mittag noch bekannt wird, iſt der Vater von
Lacum, der 23 Jahre lang von ſeinem Sohn nichts gehört hatte,
in Bingen eingetroffen. Dabei ſpielte ſich ein kleiner
Zwiſchen=
fall ab. Der alte Herr v. Lacum, der bekanntlich ein kleiner
Tage=
löhner aus Vierſen am Niederrhein iſt, betrat das Zimmer ſeines
Sohnes, in dem dieſer die Phtographien ſeiner Eltern aufgehängt
hatte. Aber die Photographien waren falſch. Lacum hat alſo
auch auf dieſe Weiſe verſucht, ſeine Herkunft zu verbergen.
Cp. Pfungſtadt, 19 Aug. Geburtstagsfeier. Die
Ge=
burtstagsfeier der 60=Jährigen, die im Gaſthaus Weigel ſtattfand,
nahm in allen Teilen einen guten Verlauf. Im Namen des
vor=
bereitenden Ausſchuſſes hieß Zimmermeiſter Peter Seeger die
Schulkameraden und =kameradinnen herzlich willkommen. Bei
Muſik. Geſang und Tanz entſtand bald eine frohe und gemütliche
Stimmung. Der Saal war mit Blumen und Blattgrün ſchön
ge=
ſchmückt. — Todesfall Einer der älteſten hieſigen
Einwoh=
ner, Peter Schwöbel, iſt im Alter von nahezu 79 Jahren
ge=
ſtorben. — In der Nähe des Evangeliſchen Gemeindehauſes kam
es in den Abendſtunden zu einer Schlägerei zwiſchen einem
Kommuniſten und einem SA.=Mann, in die auch noch ein dritter,
unbeteiligter junger Mann verwickelt wurde. Dabei ſammelte
ſich ſchnell eine größere Menge an, die teilweiſe auch in das
Ge=
meindehaus, in dem die evangeliſche Jugend mit einem Pfarrer
beiſammen war eindrang. Die Polizei mußte alarmiert werden,
Die Angelegenheit wird noch ein gerichtliches Nachſpiel haben.
Cp. Pfungſtadt, 19 Aug. Zur Erinnerungan
Grave=
lotte. Der hieſige Krieger= und Militärverein legte am
Diens=
tag, dem Jahrestag der Schlacht bei Gravelotte, nach alter
Ge=
wohnheit einen Kranz am Kriegerdenkmal bei der Kirche nieder.
T. Groß=Zimmern. 19. Auguſt. Im hieſigen Rathausſaal
fand eine öffentliche Gemeinderatsſitzung ſtatt. Die
Tagesord=
nung derſelben beſtand diesmal nur aus drei Punkten. Den
weſentlichen Teil bildete unter Punkt 1 die Amtseinführung und
Verpflichtung des am 7. Juni gewählten neuen Beigeordneten,
Herrn Reinhard. Die Verpflichtung und Eidesabnahme erfolgte
in der üblichen Form durch Herrn Bürgermeiſter Reitzel. Nach
Verlauf dieſer Handlung richtete Bürgermeiſter Reitzel an ſeinen
neuen Stellvertreter noch einige Worte der Begrüßung womit
er gleichzeitig zum Ausdruck brachte, daß nun Herr Reinhard
durch den von ihm geleiſteten Verfaſſungseid und der jetzt
ſtatt=
gefundenen Einführung und Verpflichtung, Stellvertreter des
Bürgermeiſters ſei. Hoffentlich werde ſich ſeine Mitarbeit zum
Segen für die Gemeinde auswirken. — Ferner erfolgte durch
den Herrn Bürgermeiſter die Bekanntgabe, daß Gemeinde=
Ein=
nehmer Kopp ſeine Penſionierung eingereicht habe. — Bei der
Wahl der Beiſitzer für das Mieteinigungsamt beſtimmte man
da=
hin, daß für die Hausbeſitzer: Herr Bernhard Dietrich 11., als
Stellvertreter desſelben: Herr Heinrich Gg. Göbel 2.; für die
Mieter: Herr Friedrich Haas, und als deſſen Stellvertreter: Herr
Johannes Geyer 8. vorgeſchlagen und als gewählt angenommen
wurden. — Durch den fortgeſetzten Regen ſtellte man an der
Dunggrube des Faſelſtalles, die ſich durch das eindringende
Regenwaſſer beſtändig raſch anfüllt, eine mangelhafte
Ablei=
tung des betreffenden Abwaſſers feſt. Dieſer Uebelſtand ſoll
be=
ſeitigt werden. — Dem Antrag des Handelsmanns Willner auf
Naturaliſierung wurde ſtattgegeben. — In bezug auf die
Ver=
gebung der Kleingärten ſoll die Bedürftigkeitsfrage eingehend
geprüft werden. — Anſchließend fand noch eine nichtöffentliche
Sitzung ſtatt.
Cg. Reinheim, 19. Auguſt. Segelflieger. Die Ausſtellung
des Flugzeugs der Segelfliegergruppe im Hofe des Gaſtwirts K. Arras
hatte den ganzen Tag über zahlreiche Beſucher angelockt, ſo daß der der
Gruppe an Spenden und Eintritt zugefloſſene finanzielle Erfolg gut
zuſtatten kommt. Auch weitere Freunde ſind, der Sache beigetreten.
Am. Haingrund, 19. Auguſt. Bürgermeiſterwahl
Am Sonntag, den 23. Auguſt, rechnet man allgemein damit, daß
der ſeitherige Bürgermeiſter Kurz wiedergewählt wird.
* Rehbach i. O., 18. Aug. Am 15. Auguſt verſtarb nach
kur=
zem Leiden im Alter von 76 Jahren Herr Bürgermeiſter i. R.,
Hofpächter Joh. Adam Hoffarth, ein offener, gerader
Charak=
ter, ein überaus tüchtiger Landwirt, ein guter Freund und
Be=
rater, ein alter Mann vom alten Schrot und Korn. Dieſe
allge=
meine Wertſchätzung drückte ſich auch darin aus, daß er eine Reihe
von Ehrenämtern bekleidete. Neben dem Vertrauen ſeiner
Ge=
meinde, die ihn zum Ortsoberhaupt gewählt hatte, war er lange
Zeit in den Aufſichtsrat der Bezirksſparkaſſe berufen, und ſeit
einer Reihe von Jahren gehörte er dem oberſten
Verwaltungs=
körper der Kirche an. Herr Pfarrer Hofmeiſter ſagte ſo auch noch
Dank am Grabe für alle ſeine Arbeit, die er der Kirche geleiſtet
hat. Seiner Grabrede lag das Bibelwort zugrunde: „Herr, nun
läſſeſt du deinen Diener im Frieden fahren, wie du geſagt haſt”
(Lukas 2. 29/30). Namens der Bezirksſparkaſſe legte Herr
Re=
dakteur Franz=Erbach einen Kranz nieder. Auch er ſchilderte den
Verſtorbenen als einen echten deutſchen Mann, der das Herz auf
dem rechten Fleck hatte. Das gräfliche Haus und die gräflichen
Beamten legten einen Kranz nieder unter dem Hinweis, welch
vertrautes Verhältnis ſtets zwiſchen der Familie Hoffarth und
dem Grafenhauſe beſtanden habe. Zum Schluß bezeugte noch eine
Kranzniederlegung ſeiner Arbeiterſchaft, welch gutes
Einverneh=
men ſie ſtets mit ihrem alten Dienſtherrn verbunden hat.
Aus Mainz.
* Die „Mittelrheiniſche Geſellſchaft zur Pflege alter und neuer Kunſt
G. V.” beſichtigt heute 20. Auguſt 15.30 Uhr, die Ausſtellung in der
Städtiſchen Kunſthalle Mainz, Liebfrauenplatz 8 „Heſſiſche Kunſt= und
Baudenkmäler” (Aquarelle von Prof. Bronner=Mainz) unter Führung
des Künſtlers Prof. Bronner, und daran anſchließend die von Prof. Dr.
Neeb zuſammengeſtellte Ausſtellung im Kurfürſtlichen Schloß „Alte
Gaſſen” in Mainz.
* Die brennende Zigarette als Todesurſache. Der ledige 39jährige
Dienſtknecht Hermann Baumann aus Altſchweiler in Baden, der
ſeit längeren Jahren im benachbarten Heidesheim bedienſtet iſt, kehrte
dort am Dienstag abend in angetrunkenem Zuſtande in ſeine Diemſtſtelle
bei der Witwe Eſchborn in der Mainzer Straße zurück. Am
Mitt=
woch vormittag gegen 5 Uhr wurde bemerkt, daß aus dem Zimmer des
Dienſtknechtes Nauch drang, worauf man ſofort die Feuerwehr
verſtän=
digte. Nach dem gewaltſamen Oeffnen der Türe fand man in dem mit
Rauch gefüllten Zimmer, neben dem glimmenden Bett liegend den
Bau=
mann erſtickt vor. Die näheren Feſtſtellungen ergaben, daß B.
wahr=
ſcheinlich im Bette geraucht hatte und dabei eingeſchlafen iſt. Die
bren=
nende Zigarette war auf das Bett gefallen und hatte dieſes zum
Glim=
men gebracht. Da die Fenſter geſchloſſen waren, konnte ſich das Feuer
nicht entwickeln. Der B. iſt anſcheinend erwacht und wollte zur Türe
eilen, wozu aber ſeine Kräfte nicht mehr ausreichten und er ſo ein
Opfer ſeiner eigenen Unvorſichtigkeit wurde.
* Verantwortungsloſe Mutter. Einen größeren Menſchenauflauf
verurſachte eine Frau in der Schuſtergaſſe, die in völlig betrunkenem
Zuſtand auf dem Bürgerſteig ſaß und ein Kind auf den Armen trug.
Da die Frau nicht wegfähig war, mußte ſie bis zu ihrer Ernüchterung
in Polizeigewahrſam genommen werden. Das Kind wurde im
Städ=
tiſchen Krankenhaus untergebracht, da Angehörige nicht zu erreichen
waren.
— Wafferſtandsmeldungen vom 19. Auguſt Rhein; Hüningem
2,38, Kehl 3,74 Maxau 5,77, Mannheim 5,24, Mainz 2,30, Bingen 3,25,
Caub 3,81, Köln 3,47 Meter. Main: Schweinfurt 125, Würzburg
1.20, Lohr 1 70, Steinheim 2,66, Hanau 3,12, Koſtheim 1,95, dito
Waſſer=
tiefe 3,98 Meter.
Ah. Ober=Ingelheim a. Rh., 19. Aug. Todesſturz von der
Treppe. Eine 76jährige Frau ſtürzte im Hauſe einer bekannten
Fa=
milie derart unglücklich die Treppenſtiege hinab, daß ſie mit gefährlichen
Verletzungen ins Krankenhaus Nieder=Ingelheim, eingeliefert werden
mußte. Dort iſt ſie ſpäter geſtorben.
4d. Weinsheim, 19. Auguſt. Die Wahlbeteiligung bei der
am Sonntag dahier ſtattgehabten Bürgermeiſterwahl betrug
94 Prozent. Es haben 641 Stimmberechtigte von dem Wahlrecht
Ge=
brauch gemacht. Um die begehrte Stelle bemühten ſich 4 Kandidaten,
und erhielt Ph. Heſſel 1. 21. Gg. Kleber 146. Jakob Kapper 151 und
Beigeordneter Lochbrunner 316 Stimmen. Mithin hat Stichwahl zwiſchen
Lochbrunner und Kapper ſtattzufinden. Sieben Sitmmen waren
un=
gültig.
Seite 8
Donnerstag, den 20. Anguſt 1931
Nummer 230
Im Auko entführt und beraubl.
Marburg. Wie erſt jetzt bekannt wird,
wurde der 21jährige Sohn des Metzgermeiſters
Katz aus der Untergaſſe, der auf einem Auge
völlig erblindet iſt und mit dem anderen Auge
nur noch wenig ſieht, am Sonntag vormittag
von den Inſaſſen eines aus Richtung Bahnhof
kommenden Autos angehalten. Man erkundigte
ſich nach dem nächſten Wege zur Frankfurter
Straße und nahm dann Katz, der bis zum
Rudolphplatz mitfahren wollte, ins Auto. Nach
den Angaben des jungen Mannes wurden dann
plötzlich die Fenſter des Autos zugezogen; dann
hat Katz anſcheinend durch Anwendung eines
Betäubungsmittels die Beſinnung verloren.
Als er wieder zu ſich kam, befand ſich das Auto
in voller Fahrt. Die Inſaſſen des Autos
ent=
ſprachen der Bitte des jungen Mannes, ihn
herauszulaſſen, weil er Geld für den Vater
kaſ=
ſiert habe und nach Hauſe müſſe, nicht und
ſetzten die Fahrt fort. Anſcheinend iſt der junge
Mann dann wiederum betäubt worden. Als er
abermals zu ſich kam, mußte er wie er angibt,
zu ſeinem Erſtaunen die Feſtſtellung machen,
daß er auf freiem Felde kurz vor Kaſſel lag.
Das kaſſierte Geld in Höhe von etwa 70 Mark
war ihm abgenommen. Katz erſtattete Anzeige
bei der Kaſſeler Polizei, die ſofort
Nachfor=
ſchungen anſtellte und den mittelloſen jungen
Mann nach Marburg zurückbeförderte.
Irgend=
welche Angaben über Nummer und Ausſehen
des Autos will Katz nicht machen können.
Der Raubüberfall auf die Schöneberger
Reichsbanknebenſtelle.
Berlin. Wegen des Raubüberfalls in der
Reichsbankfiliale in Schöneberg waren die
Kri=
minalbeamten des Raubdezernats die Nacht
hin=
durch mit Feſtſtellungen und Vernehmungen
be=
ſchäftigt. Man vermutet, daß es ſich hier um
dieſelben Männer handelt, die am 1.
Novem=
ber 1930 in die Moabiter Stadtbank an der
Wilsnacker Straße eindrangen, ſofort von der
Waffe Gebrauch machten und ſchätzungsweiſe
17000 RM. raubten. Der Täter, der mit dem
Kaſſier Kruſe in einen Ringkampf geriet, ſoll
nach der Ausſage des Bankbeamten ganz
unge=
wöhnliche Kräfte haben, wie ſie etwa ein
Ring=
kämpfer beſitzt. Das Befinden des ſchwer
an=
geſchoſſenen Geldzählers Kreye iſt unverändert.
Die Aerzte hoffen, ihn trotz der Schwere der
Verletzung am Leben erhalten zu können.
Zwei Jahre ein Monat Zuchthaus für den
Raubüberfall im Hamburger Hauptbahnhof.
Hamburg. Vom Schnellgericht wurde
geſtern der im Juli d. J. im Hamburger
Haupt=
bahnhof ausgeführte Raubüberfall abgeurteilt.
Der Täter iſt der holländiſche Kaufmann
Ver=
beek. Der Angeklagte war in geſchäftliche
Schwierigkeiten geraten und wußte ſchließlich
keinen anderen Ausweg, als ſich durch ein
Ver=
brechen Geld zu beſchaffen. Am 11. Juli traf
er in Hamburg ein, kaufte ſich einen Revolver,
einen Totſchläger und ein feſtſtehendes Meſſer
und begab ſich in die Wechſelſtube des
Haupt=
bahnhofs, wo er die Umwechſlung von 4000 RM.
in holländiſche Gulden erbat. Er erſuchte, die
Auszahlung in einem Hinterzimmer
vorzuneh=
men, da er ſchon einmal bei der Entgegennahme
einer größeren Summe beobachtet und verfolgt
worden ſei. Dieſer Wunſch wurde erfüllt. Kaum
hatte Verbeek das Hinterzimmer betreten, als
er ſeinen Totſchläger zog und dem Angeſtellten,
der ihm das Geld auszahlen ſollte, einen Hieb
über den Kopf verſetzte. Der Angegriffene
konnte noch in den Vorraum ſtürzen und um
Hilfe rufen, worauf der Täter ſofort
überwäl=
tigt wurde. Der Staatsanwalt beantragte
fünf Jahre, einen Monat Zuchthaus. Das
Ge=
richt erkannte auf zwei Jahre und einen Monat
Zuchthaus.
Fernbeben.
Karlsruhe. Die Seismographen des
Naturwiſſenſchaftlichen Vereins am Geodätiſchen
Inſtitut der Techniſchen Hochſchule in Karlsruhe
regiſtrierten vorgeſtern nachmittag ein ſtarkes
Fernbeben, deſſen Herd in einer Entfernung von
5600 Kilometern liegen dürfte. Die erſten
Vor=
läuferwellen erreichten um 15 Uhr, 30 Min.,
19 Sek. die Station; das Maximum der
Be=
wegung fiel auf 15 Uhr 49 Min. Der Ausſchlag
an dem Nordſüd=Komponenten war ſo ſtark, daß
die Regiſtriernadel aus dem Geſtänge geworfen
wurde. Gegen 18 Uhr kamen die Apparate
wie=
der zur Ruhe.
Auf der Ueberfahrt nach Amerika.
Hearſt jun. (links), der Sohn des
amerika=
niſchen Zeitungskönigs, und Prinz Louis
Ferdinand von Preußen, der zweite
Sohn des deutſchen Kronprinzen, an Bord der
„Europa”, auf der ſie die Ueberfahrt nach
Amerika angetreten haben.
Blick auf die Bohrtürme eines Petroleumfeldes in Texas.
Oben links: Gonverneur Sterling von Texas.
Nachdem durch neuerſchloſſene rieſige Oelfelder in Texas die Preiſe plötzlich in kataſtrophaler Weiſe
niedergingen, entſchloß ſich der Gouverneur von Texas, Sterling, durch Militär ſämtliche
Bohr=
türme ſchließen zu laſſen und über die Oelfelder das Standrecht zu verhängen. Er folgte damit
dem Beiſpiele Oklahomas, wo durch das gleiche Ereignis der Wirtſchaft und damit dem Staate
ſchwerer Schaden zu entſtehen drohte.
Der deutſche Pilok Rakhie von den Mongolen zu 5 Jahren Gefängnis verurkeilk
der Filmſchaufpieler und der Graf.
kb. Karlsbad, 18. Auguſt.
Vor einigen Tagen trat in der Bar eines
bekannten Karlsbader Luxushotels an den
Tiſch der dort mit ihrem Bräutigam, dem
eng=
liſchen Fliegeroffizier und Filmſchauſpieler
Charles Lincoln=Leven ſitzenden deutſchen
Schöheitskönigin Hilde Zimmermann der
Ge=
ſchäftsführer des Hotels und überreichte der
Dame eine Viſitkarte, mit welcher Graf Johann
Czernin, der Sohn des ehemaligen
öſterreichi=
ſchen Außenminiſters, bat, ihr Grüße von einem
gemeinſamen Bekannten perſönlich überbringen
zu dürfen. Die Schönheitskönigin nahm an, daß
es ſich bei dem Grafen um einen
Annäherungs=
verſuch handele, ließ die Karte unbeantwortet
und übergab ſie ihrem Verlobten, der tags
dar=
auf Czernin in einem Karlsbader Unternehmen
aufſuchte, um für die Beleidigung ſeiner Braut
Genugtuung zu fordern. Czernin, der in dem
betreffenden Unternehmen angeſtellt iſt, kam
dem Engländer, in dem er einen neuen
Kun=
den vermutete, entgegen und begrüßte ihn.
Lin=
coln fragte ihn, ob er Graf Czernin ſei. Auf
die bejahende Antwort des Grafen verſetzte er
Czernin einen heftigen Schlag ins Geſicht und
entfernte ſich, nachdem auch der Graf ſich
revan=
chiert hatte. Czernin ließ wegen des Vorfalles
durch ſeinen Rechtsfreund die Anzeige beim
Polizeikommiſſariat erſtatten und beantragen,
daß dem Filmſchauſpieler der Paß abzunehmen
ſei. Bei ſeiner Einvernehmung gab Lincoln
den Sachverhalt zu, worauf über Antrag des
Anwaltes Czernins die Anzeige ans Gericht
weitergeleitet und ſchließlich durch den
ſtaats=
anwaltlichen Funktionär gegen den Schauſpieler
die Anklage wegen leichter Körperverletzung
er=
hoben und zugleich die Beſchlagnahme des
Lin=
colnſchen Paſſes verfügt wurde. Bei der wenige
Tage ſpäter durchgeführten Verhandlung legte
Graf Czernin dem Gericht ein ärztliches Zeug
nis vor, in welchem eine Blutunterlaufung des
linken Auges feſtgeſtellt wird; das Gericht be
antragte die perſönliche Einvernahme des Arz
tes und vertagte die Verhandlung, die am näch
ſten Tage fortgeſetzt und mit einem Freiſprud
des Angeklagten beendigt wurde. Die Einver
nahme des Geſchäftsführers ergab, daß die Mit
teilung des Grafen Czernin an die Braut de
Filmſchauſpielers in durchaus gentlemanlike
Form erfolgt war, während wieder der Ange
klagte betonte, er würde, wenn ſich ein Herr de
engliſchen Geſellſchaft ſo wie Graf Czernin be
nommen hätte, genau ſo gehandelt haben, wi
in Karlsbad. Das Gericht kam zur Ueberzeu
gung, daß Lincoln=Leven unter unwiderſtek
lichem Zwange gehandelt habe und fällte eine
Freiſpruch, gegen den der Anwalt Czernins Be
rufung einlegte.
Exotiſche Straßenſchlacht in Frankfurt a. M.
Frankfurt a. M. In der Nacht zur
Mittwoch gerieten ſechs Südſeeinſulaner, di
bekanntlich zurzeit im Frankfurter Zoo gaſtieret
auf einer verkehrsreichen Straße in Streit. E
kam zu einer wüſten Prügelei, die mit eine
Alarmierung des Ueberfallkommandos endet
Die Polizei mußte mit dem Gummiknüppel de
zwiſchenhauen, um die renitenten Burſchen zu
Ruhe zu bringen.
Die deutſchen Piloten Rathje und Kölber.
Der Führer Rathje des deutſchen „Euraſia”=Flugzeugs, das vor einigen Wochen von mongoliſchen
Horden durch Schüſſe zur Notlandung gezwungen war, iſt jetzt von den Mongolen zu fünf Jahren
Gefängnis verurteilt worden, ohne daß es den deutſchen Behörden möglich iſt, die Gründe für
dieſes Urteil nachzuprüfen. Sein Begleiter Kölber war bei der Notlandung ſo ſchwer verletzt
worden, daß ihm ein Bein amputiert werden mußte.
„Graf Zeppelin” über England.
London. Das Luftſchiff „Graf Zeppelin”
überflog auf ſeiner 24ſtündigen Kreuzfahrt über
England, Irland und Schottland geſtern
nach=
mittag, kurz vor 6 Uhr, zweimal die engliſche
Hauptſtadt. Das Luftſchiff landete um 19 Uhr
auf dem Flugplatz Hanworth, und nach
Anbord=
nahme der deutſchen Paſſagiere, die es vorgeſtern
in London abgeſetzt hatte, ſtieg es gegen 19.35
Uh= zur Heimfahrt nach Friedrichshafen wieder
auf. Während ſeiner Fahrt über England, die
zum Teil durch widrige Wetterverhältniſſe
be=
einfluße worden war, überflog der „Graf
Zeppe=
lin” auch die Luftſchiffhalle in Hull, wo das
engliſche Zeppelinluftſchiff „R. 38” das über
dem Humber verunglückte, gebaut worden iſt.
Als Ehrenbezeugung für die damals
umgekom=
mene Luftſchiffmannſchaft, deren Todestag ſich in
Kürze zum 10. Male jährt, ſalutierte „Graf
Zeppelin” durch Senken der Luftſchiffſpitze.
Marga v. Etzdorf nach Kaſan geſtartet.
Die deu’ſche Fliegerin Marga v. Etzdorf iſt
auf ihrem Oſtaſienflug um 10.25 Uhr in
Wolo=
darrſk gelandet. Um 11.50 Uhr ſtartete ſie zum
Weiterflug nach Kaſan.
Gronau gibt ſeinen Grönland=Erkundungs=
Flug auf.
Paris. Aus Godthaab, Grönland, wird
gemeldet, daß der deutſche Flieger Gronau, der
ſich zurzeit dort befindet, den Verſuch, einen
Er=
kundungsflug in das Innere des Landes zu
unternehmen, aufgeben mußte, da ein ſolcher
Verſuch beinahe tragiſch geendet hätte. Gronau
wartet nun günſtige Witterungsverhältniſſe ab,
um ſeinen Flug nach den Vereinigten Staaten
fortzuſetzen.
Der Weltflug Lindberghs.
Tokio. Oberſt Lindbergh iſt auf ſeinem
Flug nach Tokio geſtern nachmittag auf der
In=
ſel Kitoy in Japan gelandet. Auf ſeinem Flug
dorthin mußte er zweimal notlanden, und zwar
das erſtemal in der Avatſchabucht, an der
Oſt=
küſte von Kamtſchatka, wegen Motorſchadens,
das zweite Mal wegen Nebels in der Muraton=
Bucht auf der Inſel Schimuſchiro (Kurilen).
Nach kurzem Aufenthalt konnte Lindbergh beide
Male wieder aufſteigen.
Tödlicher Unfall bei Probeflügen zu dem
Schneider=Pokal=Rennen.
London. Ein tragiſcher Unglücksfall hat
ſich am Dienstag abend in der Nähe von Calſhot
ereignet, als ein engliſches Schneider=Pokal=
Flugzeug bei Probeflügen ins Meer ſtürzte und
unterging. Der Pilot der Maſchine, Leutnant
Brinton, kam bei dem Unglück ums Leben. Das
Flugzeug hatte eine Geſchwindigkeit von
unge=
fähr 150 Stundenkilometern, als es kurz nach
dem Start aus geringer Höhe abſtürzte. Die
Leiche des Piloten konnte bisher nicht geborgen
werden.
Polniſches Militärflugzeug auf einen Stall
abgeſtürzt. — Vier Tote.
Graudenz. Geſtern nacht ereignete ſich
ein ſchweres Flugzeugunglück in der Nähe des
Militärübungsplatzes Gruppe bei Graudenz.
Ein Militärflugzeug, das mit vier Perſonen
beſetzt war, wollte wahrſcheinlich eine
Notlan=
dung vornehmen und ſtürzte dabei auf den Stall
eines Beſitzers. Es erfolgte eine Exploſion.
Der Apparat ſtand ſofort in Flammen, in denen
die vier Inſaſſen umkamen. Auch das Gebäude
fing Feuer und zwei Arbeiter, die in dem Stall
ſchliefen, konnten ſich nur mit Mühe retten. Sie
erlitten jedoch ſchwere Verletzungen. Der Stall
und das darin befindliche lebende Inventar
wurde ein Raub der Flammen.
Abnahme des „Do. X II‟.
Friedrichshafen. Das Flugboot
„Do. X II" wird zu einem Abnahmeflug
auf=
ſteigen. Nach Beendigung dieſes Fluges werden
die Startvorbereitungen für den
Ueberfüh=
rungsflug nach dem Mittelmeer getroffen. Der
Ueberführungsflug wird ſobald als möglich
er=
folgen. Wahrſcheinlich werden dabei die Alpen
überflogen werden.
Vier Tote bei einem Flugzeugabſturz in Kanada.
Toronto. Bei dem Abſturz eines
Ver=
kehrsflugzeuges in Rainy River (Ontario) ſind
vier Perſonen getötet worden.
„Nautilus” läuft zur Probefahrt aus.
Long Year City. Sir Hubert Wilkins
Unterſeeboot „Nautilus” lief vorgeſtern, um
16 Uhr, zu ſeiner Probefahrt aus, allerdings
nicht in Begleitung eines Robbenfängers, wie
urſprünglich vorgeſehen. Die Abfahrt, die ſchon
für 9 Uhr morgens vorgeſehen war, hatte ſich
um mehrere Stunden verzögert, da einer der
Motoren nicht in Ordnung war. Ueber die
vor=
ausſichtliche Dauer der Probefahrt iſt hier nichts
bekannt, aber nach Mitteilungen der
Mitglie=
der der Expedition rechnet man mit einer
Fahrt=
dauer von etwa drei Wochen.
Die Ueberſchwemmungskataſtrophe in China.
Hankau. Die Zahl der Todesopfer des
Hochwaſſers ſteigt täglich um mehrere hundert.
Die chineſiſche Bevölkerung flüchtet nach
Schang=
hai. Alle Dampfer ſind voll Japaner, die ihre
Frauen und Kinder außer Landes bringen.
Ein Toter und ein Schwerverletzter bei einer
Zigeunerſchlacht.
Lübeck. Geſtern morgen kam es am Li
becker Hafen zu einer ſchweren Zigeunerſchlach
Während der Nacht waren Zigeuner, die hie
lagerten, bereits vom Ueberfallkommando
au=
einandergetrieben worden. In den Morgenſtur
den kam es auf der Wall=Halbinſel zu einer bl:
tigen Schlägerei, in deren Verlauf der Zigeune
Weiniger von einem anderen Zigeuner in d.
Bruſt geſchoſſen wurde. Der Tod trat ſofort ei=
Der Täter, der durch mehrere Meſſerſtiche ve
letzt worden war, flüchtete und wurde von au
deren Zigeunern verfolgt. Unterwegs lief de
Flüchtige einem des Weges kommenden Krim
nalbeamten in die Arme, der den Täter feſ
nahm.
Der Stand der Nachforſchungen nach den
Jüterboger Eiſenbahnattentätern.
Berlin. Von zuſtändiger Stelle wird a
Dienstag abend eine ausführliche Verlautbarun
über die bisherigen Ergebniſſe in der Angel
genheit des Eiſenbahnattentates bei Jüterbe
herausgegeben. Danach hat die Unterſuchun
ergeben, daß die Exploſion des Sprengſtoffe
wahrſcheinlich zwiſchen Lokomotivtender un
Poſtwagen erfolgt iſt. Die geſamte Ermit
lungstätigkeit der Unterſuchungskommiſſion e
ſtreckt ſich in der Hauptſache auf den Mann, de
einen Teil der zur Tat benutzten Materialie
(Rohre, Draht, Iſolierband) in Berlin gekau
hat. Die Unterſuchungskommiſſion hat nunmel
alle Anhaltspunkte zuſammengeſtellt. Sie wu
den am Mittwoch auf einem großen Plakat, de
nicht nur in Berlin, ſondern auch in der Ur
gebung des Tatortes zum Aushang gebrac
wurde, der Oeffentlichkeit bekanntgegeben. D
Plakat gibt noch einmal alle Feſtellungen üb
die Anweſenheit des Geſuchten in Berlin m!
genauer Beſchreibung der Perſönlichkeit wiede
Von der Geſamtbelohnung in Höhe von 1000
RM. würde ein entſprechender Anteil auch a
diejenigen Perſonen entfallen, deren Angab
zur Ermittlung des Geſuchten führen.
Noch ein Todesopfer des Eiſenbahnunglücks
in der Steiermark.
Wien. Die Zahl der Todesopfer der Eiſe
bahnkataſtrophe in der Steiermark hat ſich a
15 erhöht. Einer von den Schwerverletzten wi
kaum mit dem Leben davonkommen, ſo daß 4
Zahl der Todesopfer auf 16 ſteigen dürfte.
Im Mont=Blanc=Gebiet abgeſtürzt.
Paris. Im Mont=Blanc=Gebiet ſind v.
fünf Straßburger Alpiniſten zwei tödlich veru
glückt. Der eine von ihnen ſtürzte infol
Reißens eines Seiles auf den Gletſcher ab. D
andere fiel beim Abſtieg in einen Gletſcherba
Ein dritter der Gruppe weigerte ſich aus Furc
weiter abzuſteigen. Die beiden reſtlichen Te
nehmer der Gruppe erreichten Chamonix u
veranlaßten, daß um Mitternacht eine Hil
expedition aufſtieg. Da in der Nacht Schnee 4
fallen iſt, fürchtet man, daß auch der zurücks
bliebene Alpiniſt nicht mehr am Leben iſt.
Das Rieſenluftſchiff „Akron” überfliegt das größte amerikaniſche Schlachtſchiff „New Hampſhire‟.
Ein Gemälde, das die Macht der Vereinigten Staaten zur See und in der Luft veranſchaulicht.
Der neue Rieſenzeppelin „Akron”, der faſt zweimal ſo groß iſt wie der „Graf Zeppelin”, wird in
dieſen Wochen ſeinen erſten Flug unternehmen.
Spact, Sptel und Jurnen
T.u. 5p.B. Braunshardt - Polizei Darmſtadt.
Wiederum ſieht ſich Braunshardt vor eine große Aufgabe geſtellt.
Iſt doch der Gegner am kommenden Sonntag auf der „Neuwieſe” kein
zeringerer als die zu den führenden Mannſchaften unſeres Bezirks
zäh=
ende Ligaelf des Polizeiſportvereins Darmſtadt. Für die
Brauns=
zardter wird ſich kaum eine Gewinnchance bieten, zumal ſie immer noch
ticht in ſtärkſter Aufſtellung antreten können. Nach den erzielten
zu=
riedenſtellenden Ergebniſſen in den beiden erſten Spielen gegen die
38er und Polizei Worms wird man geſpannt ſein, wie ſich die
Ein=
geimiſchen hier aus der Affäre ziehen. Wir hoffen, daß ſie alles
auf=
dieten, damit ein ehrenvolles Abſchneiden gelingt. — Spielbeginn
nach=
mittags 3 Uhr.
Tennis.
Klubturnier des Tennis= und Eisklub Darmſtadt.
Der 1. Spieltag brachte 17 Wettſpiele. Im Herren=Einzel,
Klaſſe A, kamen Brücher über Bavden, etwas überraſchend 4:6,
6:0, 6:4, Krämer über Hartmann 6:3, 6:1 in die 2. Runde.
Klein=
logel erreichte über Dr. Mößner und dann durch einen 6:2, 6:0=
Sieg über v. Harnier bereits die 3. Runde. Das Spiel Endriß—
Steffan hätte beinahe mit einer Ueberraſchung geendet, aber im
Endſpurt ſiegte Endriß doch noch 8:6 im 3. Satz gegen den
wirk=
lich gut ſpielenden Steffan. Dr. Ivers hatte im 1. Satz einige
Mühe gegen W. Hauck, um 7:5 zu gewinnen, holte ſich aber den
2. Satz überlegen 6:1. Im Damen=Einzel erreichte Frl. Scriba
durch 2 Siege über Frl. Külp und Fr. Wittich bereits die
Vor=
ſchlußrunde, Frl. Loy ſchlug Frl. v. Weber 6:3, 6:4, Frl. Reuling
und Frl. Pfotenhauer kamen ohne Spiel eine Runde weiter. In
Uuſele
Der Donnerstag wird an intereſſanten Treffen u. a. bringen:
Tlaß-Muller, Endriß—Werner, Sennewald-Brücher, Colin—
Dr. Merck; Kleinlogel=Werner — Hauck=Hauck uſw. Spielbeginn
iſt wieder 3 Uhr.
Fußball.
Sp.=C. „Viktoria 06” Griesheim.
Am kommenden Sonntag ſind ſämtliche Mannſchaften im
Spiel. Die Ligamannſchaft empfängt um 3.30 Uhr hier den FV.
Groß=Zimmern zum 2. Verbandsſpiel. Die Mannſchaft ſpielt
in gleicher Aufſtellung wie am Sonntag, mit Feuerbach wieder
im Tor. Die Ausſichten in dieſem Spiel ſind vorerſt völlig offen.
Zweifellos muß Griesheim kämpfen, wenn es beweiſen will, daß
der Sieg vom vergangenen Sonntag kein Zufall war. Die 2.
Fuß=
ballmannſchaft entledigt ſich einer Rückſpielverpflichtung gegen
Polizei Darmſtadt, dort vormittags 10 Uhr. Die Jugendmann=
Ghaft ſpielt hier gegen die gleiche von Groß=Zimmern um 1 Uhr.
Im Anſchluß hieran trägt die 1. Handballmannſchaft das 2.
Verbandsſpiel gegen Polizei Darmſtadt 2. aus. Den Schluß der
ſonntäglichen Veranſtaltungen machen die A.H.=Fußballer im
An=
ſchluß an das Ligaſpiel gegen FC. Wixhauſen. Zum Schluß ſei
Germania Oberroden — Polizei Darmſtadt.
Am kommenden Sonntag treffen ſich Polizei und Germania
Oberroden zum fälligen Verbandsſpiel in Oberroden. Von
Ger=
mania Oberroden, die im vorigen Jahre noch im Südmainkreis
Ihre Verbandsſpiele abſolvierte und hier einen guten Mittelplatz
delegte, hat man in der neuen Spielſaiſon noch wenig gehört. Ihr
erſtes Verbandsſpiel, im Kreis Starkenburg gegen Germania
Pfungſtadt fiel dem ſchlechten Wetter, zum Opfer. Polizei hat
durch einen eindrucksvollen Sieg über ihren Ortsrivalen Union
ihre techniſche und taktiſche Ueberlegenheit bewieſen. Wie ſtehen
nun die Chancen der Polizei in Oberroden? Zweifellos wird
die=
es Spiel viele Zuſchauer anlocken. Wir geben in dieſem Spiel
der Polizei mehr Chancen, wenn ſie ſich gleich von Anfang an
kattiſch richtig einzuſtellen vermag, alſo es verſteht, ſich nicht das
hohe Spiel des Gegners aufdrangen zu laſſen.
SV. 1910 Weiterſtadt — Eintracht Darmſtadt.
Am kommenden Sonntag empfängt SV. 1910 Weiterſtadt den FC.
Eintracht Darmſtadt zum erſten Verbandsſpiel. Der Spielbeginn iſt auf
uachmittags 3.30 Uhr feſtgelegt. Eintracht Darmſtadt, die ſchon jedes
Jahr in den Verbandsſpielen einen nicht zu unterſchätzenden Gegner ab=
Legeben hat, wird ſicherlich alles daranſetzen, Sieg und Punkte mitzu=
E9men. Wie ſchon die früheren Spiele gezeigt haben, werden die Tref=
Ien beider Vereine ſtets in fairer und geradezu muſtergültiger Weiſe
Drchgeführt. Die übrigen Mannſchaften ſind ſpielfrei.
Das Gordon=Bennetfliegen 1931, an dem auch ein deutſcher
Neeiballon teilnimmt, wird wahrſcheinlich von den amerikaniſchen
Dekanſtaltern aus finanziellen Gründen auf 1932 verlegt werden.
Zuf ihrer Deutſchlandreiſe mußten ſich die amerikaniſchen
Vechterinnen am Dienstag auch in Offenbach geſchlagen geben,
„e zwar verloren ſie gegen den Offenbacher F.=C. mit 6:3 und
gegen den Offenbacher T.=V. ſogar mit 8:1.
Deim Training zum Waſſerflugzeugrennen um den Schnei=
WE=Pokal iſt am Dienstag der engliſche Pilot Lt. Brington ins
Weer abgeſtürzt und tödlich verunglückt.
Sp.Vgg. Arheilgen — SV. 98 Darmſtadt.
Am Mittwoch abend hatten ſich gut 100 Zuſchauer auf dem
Sport=
platz am Arheilger Mühlchen eingefunden, um mit lebhaftem Intereſſe
den Klubkampf zwiſchen den Leichtathleten des SV. 98 Darmſtadt und
den Vertretern der Sp.N 04 Arheilgen zu verfolgen. Es iſt
erfreu=
lich, daß die Sportvereinigung Arheilgen in Erkennung des Wertes der
Leichtathletik in dieſem Jahr wieder in ihren Reihen dieſe ſchöne
Sport=
art ſtärker zu Wort kommen läßt. Daß nun auch die Leichtathleten des
Sportvereins 98 zu einem Klubkampf verpflichtet wurden, beweiſt klar,
daß die Leitung der „Leute vom Mühlchen” unbedingten Wert auf die
Ausbildung ihrer Mitglieder legt. Wertvolle Erfahrungen laſſen ſich
vor allem im Kampf mit ſchon vorgeſchrittenen Leichtathleten ſammeln.
Und ſo war denn dieſer Klubkampf für beide Teile recht wertvoll, zumal
ſich ſein Programm reibungslos abwickelte. Daß ſchließlich der
Sport=
verein 98 Sieger blieb, war vorauszuſehen. Das Punkteergebnis lautete
66:39 Punkte zu ſeinen Gunſten. Die Begutachtung der erzielten
Lei=
ſtungen wollen wir unſeren ſachverſtändigen Leſern überlaſſen. Die
Ergebniſſe lauten: 100 Meter: 1. Eiſenhauer (D.), 120 Sek.;
2. Wieſeneck (D.), 12,2 Sek.; 3. Holzſchuh (A.), 12,6 Sek.; 4. Traſer (A.),
13,0 Sek. 200 Meter: 1. Schupp (D.), 24,4 Sek.; 2. Krauth (D.) 26,8
Sek.; 3. Rückerich (A.) 27,0 Sek.; 4. Jsrael (A.), 27,3 Sek. 400 Meter:
1. Gunſt (D.), 54,1 Sek.; 2. Jsrael (A.), 56,2 Sek.; 3. Klein I (D.),
57,1 Sek.; 4. Freh (A.), 57,3 Sek. 1500 Meter: 1. Lindner (D.), 4:31,7
Min.; 2. Fleck (A.), 4:46,2 Min.; 3. Frey (A.), 4:50,0 Min. 3000 Meter:
1. Habich (D.), 10:00,8 Min.; 2. Leiß (D.), 10:23,4 Min.; 3. Fleck (A.).
10:29 Min.; 4. Anthes (A.), 10:31,1 Min. Weitſprung: 1. Rückerich
(A.), 5,52 Meter; 2. Wieſeneck (D.), 5,23 Meter; 3. Bäniſch (D.), 4,89
Meter; 4. Traſer (A.), 4,83 Meter. Hochſprung: 1. Schupp (D.), 1,55
Meter; 2. Ramm (D.), 1,55 Meter; 3. Brücher (A.), 1,55 Meter;
4. Rückerich (A.), 1,55 Meter. Kugelſtoßen: 1. Krichel (D.), 10,26 Meter;
2. Schupp (D.), 10,23 Meter; 3. Jsrael (A.), 10,04 Meter; 4.
Linden=
laub (A.), 9,85 Meter. Speerwerfen: 1. Krichef (D.), 51.30 Meter;
2. Gunſt (D.), 38,20 Meter; 3. Bauer (A.), 34,50 Meter; 4. Jsrael (A.),
26,50 Meter. 4 mal 100 Meter=Staffel: 1. SV. 98 D., 47,8 Sek.;
2. Sp.Vgg. 04 Arh. 50,0 Sek. 3 mal 1000 Meter=Staffel: 1. SV. 98
D. 9:07,6 Min.; 2. Sp. Vgg. 04 Arh., 9:47 Min.
Schwimmen.
Klubwettkampf Rhenania Köln — D. J.K. Rhenania Darmſtadt.
30:30.
Infolge der ſchlechten Witterungsverhältniſſe mußte der auf
geſtern abend im Großen Woog angeſetzte Klubwettkampf im
Hallenbad ausgetragen werden. Ein 50=Meter=Knaben=
Freiſtil=
ſchwimmen als Einlage eröffnete den Klubabend. Die im
An=
ſchluß folgende 3 X 100=Meter=Lagenſtaffel wurde von Darmſtadt
in 4:48 Min. vor Köln (4:51) Min. gewonnen. Die 6X50=Meter=
Bruſtſtaffel geſtaltete ſich zu einem Sieg für Köln mit 4:44 Min.,
vor Darmſtadt mit 4:55 Min. In der 5 X 50=Meter=Freiſtilſtaffel
gelang es Darmſtadt erſt durch ſeinen Schlußmann, den Sieg in
der Zeit von 3:19 Min, ſicher zu ſtellen. Köln benötigte 3:21
Min. Den Abſchluß bildete ein Waſſerballſpiel, das Köln infolge
ſeiner techniſchen Ueberlegenheit und beſſeren Schußkraft 5:1 (0:1)
gewann.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Donnerstag, 20. Auguſt.
15.30: Stunde der Jugend: Wir Buben und Mädel machen euch
wieder was vor.
17.00: Nachmittagskonzert des Rundfunk=Orcheſters.
18.40: Stunde des Buches.
19.05: Dr. Kircher: Lloyd George.
19.30: Zeit. Programm, Wetter, Wirtſchaftsmeldungen.
19.45: Unterhaltungskonzert des Funk=Orch. Mitw.: Gretl
Wink=
ler (Sopran).
21.15: Allerlei. Heitere Rezitationen von Peer Lhot.
21.45: Karlsruhe: Tanzmuſik der Kapelle Haas=Mahagonny.
22.15: Zeit, Wetter, Nachrichten, Sport.
22.35: Karlsruhe: Tanzmuſik (Fortſetzung).
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Donnerstag, 20. Auguſt.
10.10: Schulfunk: Ein Beſuch im Großkraftwerk Golpa=Zſchornewitz.
14.50: München: Deutſch für Ausländer.
15.45: Dr. Gertrud Haupt: Die Frau in der Wirtſchaftskriſe.
16.00: Berlin: Nachmittagskonzert.
17 00: Konrektor Rooſe: Himmelskunde auf heimatlicher
Grund=
lage.
17.30: Prof. Dr. Deegener: Erfahrungen eines Lehrers an der
Volfshochſchule.
18.00: Dr. Scherer: Deutſche Katholiken und deutſches Volkstum
im Ausland.
18.30: Dr. Wagner: Große deutſche Publiziſten.
18.55: Wetter für die Landwirtſchaft.
19.00: Engliſch für Fortgeſchrittene.
19.30: H. Dörfler=Six. M. d. L.: Streifzüge in die Umſtellung
bäuerlicher Wirtſchaften.
19.55: Wetter für die Landwirtſchaft.
20.00: Tänzeriſche Muſik. Leipziger Sinfonie=Orcheſter.
21.00: Das Dorf. Mitw.: Leipziger Sinfonie=Orcheſter. Hanna
Lantes u. C. Baumgarten (Sprecher).
22.30: Wetter=, Tages= und Sportnachrichten.
anſchl. A. d. Delphi=Tanzpalaſt: Tanzmuſik. Kapelle Bartholomew.
Aus Bädern und Kurorken.
Ermäßigte Kurtaxe in Bad Orb i. Speff. Mit Rückſicht auf die
wirtſchaftlichen Verhältniſſe hat die Kurdirektion in Bad Orb i. Speſſ.
die Kurtaxe ab 1. September um 20 Prozent, ab 1. Oktober um 50
Pro=
zent ermäßigt.
Gewinnauszug
5. Klaſſe 37. Preußiſch=Süddeutſche Staats=Lotterie.
Ohne Gewähr
Nachdruck verboten
Auf ſede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und II
8. Ziehungstag
18. Auguſt 1931
In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M.
gezogen
6 Gewinne zu 10000 M. 258471 293736 314120
2 Gewinne zu 5000 M. 92780
14 Gewinne zu 3000 M. 41774 55097 89647 140061 251435 311689
342819
72 Gewinne zu 2000 M. 5221 20766 23421 26462 36374 46924
52131 57127 64854 75375 85999 112414 130641 139032 141665
148404 158940 169374 169831 174802 194096 199480 215582 223973
223389 236365 2556577 267888 270830 271039 271086 289671 321882
327267 349773 392216
130 Gewinne zu 1000 M. 2789 8031 8248 11761 20212 26113 28160
32754 43027 46516 54606 55100 60302 78166 82762 86240 89852
96720 104600 108045 119279 136481 138604 152724 160670 163601
167734 167943 193371 196616 198582 207779 238433 245608 25 1850
261893 253337 260723 263226 2667 16 268661 277631 284021 284245
286814 287093 290941 294305 306983 306977 319572 325 162 328214
334254 334973 338802 347619 347894 360041 350417 361622 363307
383980 385776 396542
182 Gewinne zu 500 M. 1922 3944 5722 16550 16602 18398 19747
93671 33062 35313 37912 39712 46166 45328 47260 48809 50373
62078 53372 54813 67117 76930 82410 84406 81190 93458 98084
101340 106014 108184 120248 127241 128105 137073 153822 154866
154886 156293 162739 169311 176329 182727 182805 184304 184451
184990 185633 188120 201815 212019 214819 220855 239471 248224
256712 261126 265602 266562 280168 287487 290800 296383 297021
299546 308174 813687 314728 318255 319706 325737 326716 328810
329079 346627 348535 348780 358663 359054 364764 366775 368133
378189 384486 386513 388673 389987 390476 393707 398003 398264
399237
In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M.
gezogen
2 Gewinne zu 100000 M. 277601
2 Gewinne zu 10000 M. 50603
4 Gewinne zu 5000 M. 42841 105298
4 Gewinne zu 3000 M. 24357 33165
58 Gewinne zu 2000 M. 4044 6551 13418 58446 83699 86781 126721
155788 167097 173389 202205 220918 266306 276876 277199 286543
292819 293667 298944 311483 316048 325536 333883 357818 360128
362907 363666 376640 378945
108 Gewinne zu 1000 M. 27168 28707 36329 42927 43631 51772
53125 65129 89272 108369 117801 126518 141433 142924 149021
150364 161867 176746 178182 183116 184184 193887 210006 221232
227405 2284 10 231442 24 1924 250549 2576 10 263737 268166 387646
271111 273175 274148 278401 284647 295395 306846 311176 334181
334385 336807 346558 362918 353030 355906 360914 373789 374125
379536 382942 387167
180 Gewinne zu 600 M. 15836 21609 22924 25293 31666 34189
38061 39453 40268 49794 61409 77376 77849 79023 82893 83592
89562 90345 94369 96023 108430 111309 113456 118807 119285
119592 124133 125033 126754 129550 136292 148383 148989 148648
161736 168083 180626 186369 188841,188852 189412 192936 185623
206804 208876 209979 210523 212567 217104 225263 006863 240814
242819 255278 257822 263657 266170 274508 378690 277644 279250
286885 280174 292073 301898 306980 3103a7 310819 310766 312838
314601 315346 323053 323700 326070 337390 343707 346168 348863
352752 354431 361706 369760 376418 381141 387396 391941 392239
394661 397169,
Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne
zu je 500000, 2 zu je 300000, 2 zu je 200000, 2 zu je 100000,
6 zu je 75000, 6 zu je 50000, 26 zu je 25000, 140 zu je 10000,
356 zu je 5009, 718 zu je 3000, 2118 zu je 2000, 4250 zu je
1000, 6918 zu je 500, 21078 zu je 400 Mark.
Wekterbericht.
Nachdem das Tiefdruckgebiet, das in den letzten Tagen unſer Wetter
beſtimmt hat, über Südſchweden und die Oſtſee abgezogen iſt, rückt vom
Ozean her eine neue kräftige Störung heran. Durch ihre Vorderſeits
iſt bereits eine ſüdliche Luftſtrömung entſtanden, die ſich über England,
Frankreich und Weſtdeutſchland durchgeſetzt hat und warme Luftmaſſen
heranbringt. Bei ihrem Aufgleiten hat ſich ein verbreitetes Regenz
gebiet entwickelt, das ſ hon bis in unſeren Bezirk reicht. Mit dem
Wei=
terzug der Störung gelangt noch mehr feucht=milde Ozeanluft nach dem
Feſtland, ſo daß das regneriſche Wetter noch keinen Abſchluß findet.
Ausſichten für Donnerstag, den 20. Auguſt: Meiſt woltiges Wetter
mit Niederſchlägen, vorerſt etwas milder.
Ausſichten für Freitag, den 21. Auguſt: Weiterhin veränderliches und
regneriſches Wetter, wieder kühler.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Maupe
Verantwortlich für Polltiſk und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleton, Reich um
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Bshmann
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart”,„ Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Neite:
für den Inſeratenteil und geſchäftliſche Mittellungen: Willb Kuble=
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 12 Seiten.
[ ← ][ ][ → ]Neuregelung für die Abwicklung der Börſengeſchäfte.
Die Behandlung der fälligen Termingeſchäffke in Werkpapieren und Reichsmark=Darlehen. — Erleichkerungen
für die durch Schließung der Börſen Bekroffenen.— Vorbereilungen für Wiederaufnahme des Börſenverkehrs.
betreffenden Fragen. Die einſtimmige Auffaſſung ging dahin,
daß nach erfolgter Senkung des Lombardſatzes und nach Abſchluß
Eine Bekannimachung des
Börſen=
der Stillhalteverhandlungen die notwendigſten Vorausſetzungen
vorſtandes.
Da die Berliner Wertpapierbörſe im Monat Auguſt 1931
ge=
ſchloſſen bleibt und der Zeitpunkt ihrer Wiedereröffnung noch nicht
feſtſteht, iſt es notwendig, die Behandlung der am 31. Auguſt
fälligen Termingeſchäfte in Wertpapieren und Reichsmarkdarlehen
zu regeln. Der Börſenvorſtand hat deshalb eine Bekanntmachung
erlaſſen. Der weſentliche Inhalt der darin vorgeſehenen
Maß=
nahmen iſt folgender:
Alle Mitglieder des Liquidationsvereins ſollen ſich bis zum
28. Auguſt d. J. erklären, ob oder zu welchen Teilen ſie ihre
Wert=
papierſalden zu liefern oder abzunehmen bereit ſind. Soweit
An=
ſprüche und Verpflichtungen hiernach am 31. Auguſt nicht erfüllt
zu werden brauchen, werden die Engagements ſo behandelt, als
ob die Parteien ein Prolongationsgeſchäft abgeſchloſſen hätten.
Den hierfür maßgebenden Prolongationskurs wird der
Börſenvor=
ſtand am 28. Auguſt in Anlehnung an die vor Schließung der
Börſe zuletzt notierten Kurſe feſtſetzen. Auf dieſe Weiſe gelangt
ein Teil der bisher entſtandenen Kursdifferenzen zur Feſtſtellung.
Die Differenz zwiſchen dem Prolongationskurs und dem
verein=
barten Kurs iſt aber nicht ſofort, ſondern erſt am 7. Börſentage
nach Wiedereröffnung der Börſe fällig. Der Käufer, der weniger
erhält, als er abzunehmen bereit iſt, braucht inſoweit keine Zinſen
zu entrichten, der Verkäufer, der weniger liefern kann, als er
wollte, erhält für dieſen Teil ſeiner Anſprüche Zinſen vergütet.
Die Höhe dieſer Zinſen wird der Börſenvorſtand am 28 Auguſt
feſtſetzen. Sie wird für die einzelnen Papiere ſo bemeſſen, daß
ein Anreiz zur Erfüllung eines möglichſt großen Teiles
Engage=
ments geſchaffen wird. Die gleiche Stellung, wie zwiſchen der
Liquidationskaſſe und den Mitgliedern des Liquidationsvereins,
muß auch für das Verhältnis zwiſchen Bankier und Kunden
gel=
ten, da der Bankier die Möglichkeit haben muß, die
Hinausſchie=
bung ſeiner Anſprüche an die Liquidationskaſſe gegenüber ſeiner
Kundſchaft geltend zu machen. Durch dieſe Regelung werden
Bör=
ſenbeſucher und Kundſchaft veranlaßt, die von ihnen
abgeſchloſſe=
nen Termingeſchäfte im Rahmen des Möglichen abzuwickeln.
Hervorzuheben iſt ferner, daß für die auf den 31. Auguſt
abge=
ſchloſſenen Prämien=, Stellage= und Nochgeſchäfte der
Erklärungs=
tag auf den 27. Auguſt feſtgeſetzt worden iſt. Des weiteren iſt
be=
ſtimmt worden, daß am 31. Aug. die fälligen Prämien, die bis zum
31. Auguſt entſtandenen Report= und Deportzinſen, die bisher
ent=
ſtandenen Zinſen für laufende Termingeſchäfte und für
Reichs=
markdarlehen zu entrichten ſind.
Die Fälligkeit der am 31. Auguſt an ſich zurückzuzahlenden
Reichsmarkdarlehen muß evtl. hinausgeſchoben werden. Zum
Schutz des kleinen Geldnehmers iſt die Fälligkeit von Darlehen
bis zu 100 000 RM. auf den 30. September hinausgeſchoben
wor=
den, während die größeren Darlehen am 10. Werktage nach
Wie=
dereröffnung der Wertpapierbörſe, jedoch nicht vor dem 15.
Sep=
tember fällig werden. Der Zinsſatz für die Zeit nach dem
31. Auguſt wird vom Börſenvorſtand feſtgeſetzt werden.
Schließ=
lich iſt noch eine Erkeichterung für diejenigen vorgeſehen die
ihren Verpflichtungen aus den bis zum 11. Juli abgeſchloſſenen
Kaſſageſchäften nicht bis zum 6. Auguſt nachkommen konnten. Um
Härten zu vermeiden, hat der Börſenvorſtand beſtimmt, daß die
geſtellten Rücktrittsfriſten nicht vor dem 5. Tage nach
Wieder=
eröffnung der Wertvapierbörſe ablaufen. Hierdurch erhält der
ſäumige Teil die Möglichkeit, ſich an der Börſe die zur
Liefe=
rung fehlenden Stücke oder zur Abnahme fehlenden Gelder zu
beſchaffen.
Die im Verband deutſcher öffentlich=rechtlicher
Kreditanſtal=
ten zuſammengeſchloſſenen Emiſſionsinſtitute beſchäftigten ſich
am Mittwoch mit dem die Wiederaufnahme des Börſenhandels
Inkrafkkreken des Inkernalionalen Zink=Karkells.
Der am 1. Juli 1931 in Oſtende abgeſchloſſene Vertrag des
Inter=
nationalen Zink=Kartells iſt am 1. Auguſt in Kraft getreten. Alle
Mitglieder des Kartells haben den Vertrag ratifiziert. Dieſes Ereignis
wurde in der geſtrigen Sitzung des Internationalen Zink=Kartells in
Paris feſtgeſtellt. Ziel der Vereimigung iſt, nicht nur die Lagerbeſtände
allmählich abzuſtoßen, ſondern auch die Produktion gemäß den
Bedürf=
niſſen des Verbrauches zu regeln. Die Produktionskapazität des
Kar=
tells beträgt gegenwärtig 1 123 000 Tonnen pro Jahr, was 97 Prozent
der Produktionskapazität der europäiſchen und außereuropäiſchen
Pro=
duzenten ausſchließlich derjenigen in den Vereinigten Staaten darſtellt.
Die Lager=Beſtände in den Mitglied=Ländern betrugen am 1. Juni
die=
ſes Jahres 2B8000 Tonnen, am 1. Juli 216 000 Tonnen und am 1.
Auguſt 26 400 Tonnen.
Wirtſchafkliche Rundſchan.
Amerikaniſches Silber für Deutſchland. Vom Rechnungsamt iſt in
dieſem Monat, wie in gut unterrichteten Kreiſen verlautet, Silber im
Gewicht von zwei Millionen Unzen verkauft worden. Man vermutet,
daß dieſe große Menge Silber für die Deutſche Reichsbank beſtimmt iſt,
die es zur Ausprägung von Silbergeld verwenden wird. Nach offizieller
Statiſtik wurden im Juli für deutſche und engliſche Rechnung je eine
Million Unzen Silber verſandt gegenüber nur 172000 Unzen im Juni.
Die neuen Zementpreiſe im Norddeutſchen Zementverband. Nach
der Verſtändigung mit den Außenſeitern, die bekanntlich Ende vorigen
Monats zuſtandekam, wird der billige Pionierzement nicht mehr
gelie=
fert. Die Preiſe für Zement ſtellen ſich nunmehr im Verbandsgebiet
für 100 Kilogramm einſchließlich Papierſackverpackung frei
Empfangs=
ſtation folgendermaßen: Berlin 4,37, Brandenburg a. H. 4,47,
Braun=
ſchweig 4,20. Bremen 4,12, Chemnitz 4,27. Deſſau 4,/47, Erfurt 4,50,
Flensburg 4,87, Gera 4,90, Halle 4,47, Hamburg 4,40. Hannover 407,
Kaſſel 3,97, Kiel 4,80, Leipzig 4,50, Lübeck 4,77, Magdeburg 4,37,
Olden=
burg 4,20, Plauen 4,70, Roſtock 4,82, Stettin 4,55, Zwickau 4,65.
Zahlungseinſtellung einer Offenbacher Lederfirma. Die Firma H.
Helmſtätter, Offenbach, hat ihre Zahlungen eingeſtellt und ſtrebt einen
außergerichtlichen Vergleich an. Die Paſſiven ſollen ſich auf über
100 000 RM. belaufen. In einem Rundſchreiben ſollen Forderungen
bis zu 500 RM. voll befriedigt werden, den übrigen Gläubigern wird
noch ein Vorſchlag unterbreitet.
Die franzöſiſche Handelsbilanz weiter rückläufig. Die franzöſiſche
Handelsbilanz zeigt im Juli die gleiche rückläufige Tendenz wie ſeit
vielen Monaten. Die Einfuhr ſank auf 3636 Millionen Franken (im
Vormonat 3914 Mill. Franken), die Ausfuhr auf 2420 Mill. (2513 Mill.)
Franken. Infolge des ſtarken Einfuhrrückganges iſt das Defizit auf
1216 Mill. Franken (1401 Mill.) zurückgegangen. In den erſten ſieben
Monaten des Jahres betrug die Einfuhr 25 838 Mill. Franken
gegen=
über 30 940 Mill. Franken im gleichen Zeitraum des Vorjahres, und
die Ausfuhr 18 654 Mill. Franken (26 182 Mill.). Durch den ganz
ge=
waltigen Ausfuhrrückgang um rd. 7,5 Milliarden Franken hat ſich das
Defizit faſt verdoppelt (8184 Mill. gegenüber 4758 Mill.).
Ein neuer Zuſammenſchluß amerikaniſcher Petroleum=Geſellſchaften.
Die Bildung einer rieſigen amerikaniſchen Oelgeſellſchaft ſteht, wie
zu=
verläſſig bekannt wird, durch die Verſchmelzung von vier großen
Oel=
geſellſchaften unter Führung der Sinclair Conſolidated Co., der
Ge=
ſellſchaft des bekannten Oelkönigs Sinclair bevor. Das neue
Unter=
nehmen, das den Namen „Commonwealth Petroleum Corporation”
führen ſoll, würde über ein Aktienkapital von 100 Millionen Dollar
verfügen und Intereſſen in allen amerikaniſchen Oelfeldern Mexikos,
Zentral= und Südamerikas, Kanadas und Afrikas beſitzen.
Opiumprodnktion unrentabel. Aus Belgrad wird gemeldet, daß der
Opium=Ausſchuß beim Handelsminiſterium beſchloß, den
Opiumprodu=
zenten möglichſte Einſchränkung der Opium=Erzeugung zu empfehlen, da
dieſe bei den heutigen Weltmarktpreiſen unrentabel ſei. Die Regierung,
wird saufgefordert, gemeinſam mit anderen Opium erzeugenden
Län=
rbeiten
dern auf eine Stabiliſierung der Opiu=
für die Wiederaufnahme des Börſenhandels erfüllt ſind.
Inzwi=
ſchen haben die Inſtitute auch Vorbereitungen getroffen, um
den=
jenigen Beſitzern ihrer Emiſſionswerte, die gezwungen ſind, ihre
Effekten flüſſig zu machen, die Aufnahme von Lombardkrediten
zu erleichtern. Von der Gründung einer beſonderen
Lombard=
kaſſe würde abgeſehen, da die öffentlich=rechtlichen
Kreditanſtal=
ten in der Landesbankenzentrale. A.=G. eine Vertrauensſtelle
beſitze. Die Reichsbank hat der Landesbankenzentrale ihre
Un=
terſtützung bei der Beleihung der öffentlich=rechtlichen
Emiſ=
ſionen in Ausſicht geſtellt. Es iſt zu hoffen, daß es durch die
Er=
leichterung des Lombardkredits gelingen wird, das
Entlaſtungs=
bedürfnis der Effektenbeſitzer zu beſchränken oder doch auf einen
größeren Zeitraum zu verteilen, der Aufnahmefähigkeit des
Marktes anzupaſſen und hierdurch einem Verfall der Rentenbörſe
rorzubeugen. Beſondere Verhandlungen ſind eingeleitet
wor=
den, um ein Effektenangebot auf dem Gebiet der ſozialen
Ver=
ſicherungsträger zu vermeiden. Nachdem ſich auch die Kurſe der
deutſchen Auslandsemiſſionen von ihrem Tiefſtand erholt haben,
ſind die öffentlich=rechtlichen Emiſſionsinſtitute der Anſicht, daß
die Wiederaufnahme des Börſenhandels im Intereſſe der
Wirt=
ſchaft bald erfolgen ſollte.
Unker dem Eindruck der Baſeler Einigung.
Die deutſche Bankwelt wurde geſtern durch zwei wichtige Tatſachen
überraſcht, die unbedingt einen Fortſchritt auf dem Wege der
Wieder=
eröffnung der Börſen bedeuten. Auf die Möglichkeit eines 12prozentigen
Lombandſatzes mußte man ſchon beim Studium des Reichsbankausweiſes
kommen, und ſchneller als erwartet hat ſich die Reichsbank zu dieſer
Annäherung des Lombardſatzes an den offiziellen Diskontſatz
entſchloſ=
ſen. Die zweite Ueberraſchung bereitete der Hamburger
Börſenvor=
ſtand, der die Oeffnung der Börſenräume ab geſtern geſtattete.
Sicher=
lich werden die zuſtändigen Stellen Veranlaſſung nehmen, die hiermit
in Hamburg gemachten Erfahrungen zu prüfen, und vielleicht wird ſich
das preußiſche Handelsminiſterium dann auch in Berlin zu einer
ähn=
lichen Maßnahme bereitfinden. Dieſe zeitlich begrenzte Oeffnung der
Schranken wurde allerdings nur unter ſtrenger Beachtung der für den
Effektenhandel geltenden Beſchränkungen erlaubt, ſo daß keine
Mög=
lichkeit beſteht, über dieſe Börſenverſammlungen zu berichten.
Des=
wegen wurde wohl auch die Stimmung geſtern nicht ſonderlich beſſer, im
Gegenteil, man nannte am Telephon Kurſe, die teilweiſe unter den
geſtrigen lagen. Hierzu trugen aber zum Teil auch die vom B.J.Z3.=
Ausſchuß eingetroffenen Nachrichten bei. Die nunmehr erfolgte
Eini=
gung in Baſel ſtellt ſich nämlich immer mehr als eine Kompromißlöſung
heraus. Deutſchland mußte ſich bereit erklären, 20 Prozent der
Gut=
haben ſofort freizugeben, was natürlich eine Verengung des deutſchen
Kapitclmarktes bedeutet. In Amerika ſcheint der erſte Eindruck ein
recht befriedigender geweſen zu ſein. Man mißt der Verlängerung der
Deutſchland gewährten kurzfriſtigen Kredite auch für einen
verhältnis=
mäßig nur kurzen Zeitraum große Bedeutung zu, zumal ſie ein
An=
wachſen des Vertrauens in Deutſchlands Zukunft zeige, das vor allem
auf die vom deutſchen Volke während der letzten Monate geübte Diſziplin
zurückzuführen ſei.
Inzwiſchen iſt bekannt geworden, daß Hamburg ſeinen Beſchluß
bezüglich der Oeffnung der Börſenräume zurückgezogen hat und daß
ſeitens des Berliner Börſenvorſtandes zu dieſer Frage in einer Sitzung
noch Stellung genommen wird. Bei faſt völliger Geſchäftsloſigkeit war
die Tendenz der Auslandsbörſen eher freundlicher. Auch deutſche Werte
erfuhren in London eine Befeſtigung. Der hieſige Geldmarkt nannte
für Tagesgeld und Privatdiskonten einen Satz von 8—9 Prozent,
Waren=
wechſel hörte man nominell mit 10½ Prozent, und Reichsſchatzwechſel
wurden per 20. Auguſt mit 8 Prozent geſucht.
Die neuen Skickſtoffpreiſe.
Wie das Stickſtoff=Syndikat mitteilt, hat ſich die deutſche Stickſtoff,
induſtrie entſchloſſen, für das Düngejahr 1931/32 die Preiſe für die Er,
zeugniſſe zu ſenken, und zwar beſonders erheblich für diejenigen, die den
Hauptanteil am deutſchen Verbrauch ausmachen. Maßgebend für
die=
ſen Entſchluß war die Rückſicht auf die ernſte Lage der deutſchen
Land=
wirtſchaft ſowie die Hoffnung, daß durch eine erneute Preisſenkung der
Verbrauch und damit auch die Erzegung wieder geſteigert und
Arbeiter=
entlaſſungen vermieden werden können. Die neuen Preiſe konnten
ſelbſtverſtändlich nicht auf den Stand geſenkt werden, der ſich in den
offenen Exportmärkten als Folge eines wilden Konkurrenzkampfes
zeit=
weilig darbiete. Sie ſind aber für den Landwirt vorteilhafter alz
irgendeinem Lande, deſſen Heimatmarkt geſtützt iſt.
Die Preiſe ſind geſenkt (je Kilogramm Stickſtoff): für ſchwefelſaures
Ammoniak Typ I um 4 Rpf., für ſchwefelſaures Ammoniak Typ II um
6 Npf., für ſclzſaures Ammoniak um 6 Rpf., für Kalkammon um 6 Rpf.,
für Ammonſulphatſalpeter (Leuna=Salpeter basf.) um 6 Rpf., für
Am=
monſulphatſalpeter (Montanſalpeter dapb.) um 3 Rpf. für Kalkammon=
ſalpeter ig um 4 Rpf., für Kalkammonſalpeter basf, um 2 Rbf., für
Natronſalpeter um 2 Rpf., für Nitrophoska ig. I um 25 Rpf. je 100
Kilo=
gramm Ware, für Nitrophoska ig, II um 25 Rpf. je 100 Kilogramm
Ware, für Nitrophoska ig. III um 25 Rpf. je 100 Kilogramm.
Mekallnokierungen.
Die Berliner Metallnotierungen vom 19. Auguſt ſtellten ſich
für je 100 Kilogramm für Elektrolytkupfer, prompt cif Hamburg,
Bremen oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die
deutſche Elektrolytkupfernotiz) auf 74.50 RM. — Die
Notie=
rungen der Kommiſſion des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die
Preiſe verſtehen ſich ab Lager in Deutſchland für prompte
Lie=
ferung und Bezahlung) ſtellten ſich für Originalhüttenaluminium,
98= bis 99proz., in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren auf 170 RM.,
desgl. in Walz= oder Drahtbarren 99proz. auf 174 RM.,
Rein=
nickel 98= bis 99proz. 350 RM. Antimon Regulus 52—54 RM.,
Feinſilber (1 Kilogr. fein) 37.75—39,75 RM.
Frankfurter Produktenbericht vom 19. Auguſt. Am Frankfurter
Produktenmarkt war das Geſchäft nach der Aufwärtsbewegung vom
Montag weſentlich ruhiger. Das Angebot von Inlandsbrotgetreide war
wiederum ziemlich knapp. Einiges Intereſſe beſtand für Noggen, der
ſich um 2,50 Mark per Tonne höher ſtellte, während ſonſt keine
weſent=
lichen Veränderungen eintraten. Erſtmalig wurden heute neue
Som=
mergerſte und die Sondermahlungen in Weizenmehl notiert. Es
notier=
ten: Weizen 250, Noggen 215, Sommergerſte für Brauzwecke 170—175,
Hafer alter Ernte 200—205, Weizenmehl ſüdd. Spezial 0 40,25—40,75,
dito ſüdd. Sondermahlung 36—36,75, Weizenmehl niederrhein. Spezial0
40,25—40,50, dito Sondermahlung 36—36,50. Roggenmehl 29,50—31,00,
Weizenkleie 10, Roggenkleie
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Berliner Deviſen=Feſtſehung vom 19. Auguft.
Geld Brief Geld Brief Helſingfors 10.587 10.607 Spanien 36.71 36.79 Wien 59.19 5931. Danzig 81.67 81.83 Prag 12.47 12.49 Japan 2.078 2.082 Budapeſt 73.43 73.57 Rio de Jan. 0.259 0.261 Sofia 3.057 3.063 Jugoſlawien 7.423 7.437 Holland 169.78 170.12. Portugal 18.55 18.59 Oslo 112.49 112.71 Athen 5.45 5.46 Kopenhagen 112.54 112.76 Iſtambul Stockholm 112.49 112.71 Kairo 20.95 20.99 London 20.45 20.49 Kanada 4.191 4.199 Buenos Aires 1.196 1.200 Uruguay 1.898 1.902 New York 4.209 4 217 Island 92.21 92.39 Belgien 58,62 58.,74 Tallinn 112.29 112.51 Italien 22.05 22.09 Riga 81.22 81.38 Paris 16.49½ 16.53½ Bukareſt 2.512 2.518 Schweiz 81.82 81.98 Kaunas 42.01 42,09 Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 19. Aug.:
Getreide. Weizen: Sept. 48.75. Dez. 52.75, März 55½, Mai
57.75: Mais: Sept. 42.75, Dez. 38½, März 41, Mai 43; Hafer:
Sept. 20.75. Dez. 22½, März 23½8, Mai 25; Roggen: Sept.
33,75. Dez. 37, Mai 41½.
Schmalz: Sept. 7.32½, Okt. 7.25, Dez. 6.47½.
Speck, loko 7.25.
Schweine: leichte 6.85—7.15 ſchwere 5.40—6.35;
Schweine=
zufuhren: Chicago 17 000, im Weſten 59 000
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 19. Aug.:
Schmalz: Prima Weſtern 8; Talg, extra, loſe 278.
Getreide. Weizen: Rotwinter 61.25, Hartwinter 62.25;
Mais, loko New York 57,75; Mehl, ſpring wheat clears 4.00 bis
4.35; Fracht: nach England 1,6—2,3 Schilling, nach dem
Konti=
nent 8—8.50 Cents.
Kakao. Tendenz: ruhig; Umſätze: 68; Loko: 4.75;
Sep=
tember 4.78, Oktober 4.90, Dezember 5.08, Januar 5.16, März
5.,34, Mai 5.48, Juli 5.69.
Kleine Wirkſchaftsnachrichien.
Der Beſchluß des Vorſtandes der Hamburger Wertpapierbörſe die
Börſe für ihre Mitglieder wieder zu öffnen, iſt auf Einſpruch des
Reichs=
wirtſchaftsminiſteriums rückgängig gemacht worden. Der Vorſtand hat
ſich daraufhin ſofort mit den zuſtändigen Berliner Stellen in
Verbin=
dung geſetzt, um eine möglichſt baldige Oeffnung der Börſe in der
ge=
planten Weiſe zu erreichen.
Der Gegenwert für die 300 Millionen RM. 7prozentige
Vorzugs=
aktien der Dresdner Bank, die das Deutſche Reich übernommen hat, ſoll
bekanntlich in 7prozentigen Schatzanweiſungen, die in Staffelform
rück=
zahlbar ſind, bezahlt werden. Die Rückzahlung dieſer
Schatzanwei=
ſungen ſoll erfolgen: am 1. Anguſt 1932 zu 101. Prozent, am 1. Auguſt
1933 zu 102,5 Prozent und am 1. Auguſt 1934 zu 104 Prozent.
Die Kammgarnſpinnerei Langenſalza G. m. b. H., die in den letzten
Jahren regelmäßig 1000 Mann beſchäftigte, hat auf Anordnung des
Konkursverwalters rund 400 Arbeitern die Kündigung ausgeſprochen.
Der Grund dieſer Maßnahme liegt nicht im Mangel an Aufträgen,
ſon=
dern im Fehlen von Betriebsmitteln.
Keine neuen Beſchränkungen
im Auszahlungsverkehr der Sparkaſſen.
Der Zahlungsverkehr der Sparkaſſen hat ſich in den letzten Wochen,
wie erwartet, reibungslos abgewickelt. Angeſichts dieſer erfreulichen
Entwicklung ſind etwaige, anſcheinend im Zuſammenhang mit
Aeſſe=
erörterungen über eine „Sparkaſſenreform” hier und da aufgetauchte
Befürchtungen wegen neuer Beſchränkungen im Auszahlungsverkehr
gegenſtandslos. Zu derartigen Maßnahmen liegt keinerlei Anlaß vor.
Die Baheriſche Motorenwerke A.=G. hat ſich infolge der ungünſtigen
Abſatzlage in der Automobil=Induſtrie veranlaßt geſehen, in ihrem
Eiſenacher Betriebe 100 Arbeitern zu kündigen.
Die Bank von England exportierte geſtern 200 Pfund Sterling
Münzgold.
Die Lohnverhandlungen in der oſtoberſchleſiſchen
weiterverarbeiten=
den Induſtrie haben zu keinem Ergebnis geführt. Eine
Schiedskom=
miſſion ſoll in dieſem Lohnſtreit entſcheiden. Die Verhandlungen wegen
Herabſetzung der Akkordlöhne in den Eiſenhütten haben ebenfalls zu
keinem Ergebnis geführt.
Die oberſte Leitung des ungariſchen Sparfeldzuges zur Ausgleichung
des 2Budgets übernimmt ein vom 33er Ausſchuß einzuſetzender Fünfer=
Ausſchuß unter dem Vorſitz des früheren Finanzminiſters Teleſzky. Wie
die Blätter melden, erhält dieſer Ausſchuß Vollmachten, wie ſie in der
ungariſchen Parlamentsgeſchichte ohne Beiſpiel ſind. Der Ausſchuß ſoll
das Recht haben, beliebige Abſtriche im Budget vorzunehmen.
ALUMMMtUM
28
ZINk
Steigerur
Die Weltprodukkion
der wichkigſten Mekalle.
BLEI
Steigerung jeweils
1913229
Beigeror.
Unſere Darſtellung zeigt die außerordente
liche Steigerung, die die Metallproduktion
der Welt ſeit 1913 aufweiſt, und die auch
nach der Weltwirtſchafts=Hochkonjunktur (um
1926) nicht geſtoppt wurde. So wurde an
Aluminium 1929 faſt viermal mehr als in
dem letzten Vorkriegsjahre produziert. Dieſe
hemmungsloſe Produktionsſteigerung iſt eine
der Urſachen der heutigen
Weltwirtſchafts=
kriſe, da die Wirtſchaft die Mehrmengen
einfach nicht mehr aufzunehmen vermag
und die ſo zu einem verſchärften
Konkurrenz=
kampf mit Schutzzöllen oder den Produzenten
ruinierenden Preisſtürzen führt=
Nummer 230
Donnerstag, den 20. Auguſt 1931
Seite 11
DAbttt
Ein Roman aus der Induſtrie
von Hans Dominik
Moran hatte inzwiſchen die Polizei angerufen. Nach kurzer
kurzen, Worten, daß er nach Dienſtſchluß mit Abt einen
paziergang gemacht habe und eben erſt nach Hauſe gekommen
i. Als er ſeine Zimmertür geöffnet habe, hätten er, Dr. Abt
nd die Wirtſchafterin ſofort den Einbruch bemerkt. Aber
nie=
and habe den Schreibtiſch berührt. Die Beamten möchten doch
ſt einmal nach eventuellen Fingerabdrücken ſuchen.
Der eine der beiden Beamten, der auf das Wort „
Ein=
uchsalarm” das nötige Gerät mitgebracht hatte, trat an den
chreibtiſch heran und begann ihn unter Zuhilfenahme einer
ape und einer ſehr ſtarken elektriſchen Taſchenlampe zu
unter=
chen. Sagte dann: „Nun, Fingerabdrücke gibt’s hier genug.
ragt ſich nur noch, wem ſie gehören. Könnten auch Ihre ſein,
err Doktor. Wollen Sie, bitte, mal Ihren Daumen auf dies Beamte ein. Er ging zum Telephon und ſprach mit dem
Polizei=
apier hier drücken!“
Moran tat, wie ihm geheißen. Jetzt begann der
Kriminal=
amte Morans Fingerabdruck mit den Abdrücken auf dem
chreibtiſch zu vergleichen. „Allerdings — ein paar hier
ſtim=
en mit Ihrem Abdruck überein. Aber dieſe neuen, friſchen
er ſind anders. Wann haben Sie, Herr Doktor Moran, das
äſtchen hier in dem Schreibtiſch zuletzt in der Hand gehabt?”
„Seit Wochen nicht mehr.”
„Nun, dann wollen wir mal gleich ſehen, wie’s damit ſteht.”
der Beamte nahm das Käſtchen vorſichtig heraus und prüfte es
enau. Lachte vergnügt. „Hier auf dem weichen Lederbezug
nd die Abdrücke tadellos zu erkennen.” Bei dieſen Worten
atte er das Käſtchen geöffnet. Es war leer.
„Mein Ring!” rief Moran. „Mein ſchöner Ring iſt fort!“
„Hm”, brummte der Polizeibeamte. „Wie ſah denn der Ring
182"
„Es war ein alter, glatter Goldring, mit einem Brillanten Leugnen unſinnig. Wittebold wußt ja auch, daß ein
Fingerab=
jour gefaßt, daneben zwei Saphire.”
Der andere Beamte notierte alles, was Dr. Moran ſagte,
ſein Notizbuch. Dann nahmen die beiden die Wirtſchafterin
ein Verhör. Doch die wußte gar nichts zu ſagen. Kurz
ich fünf hätte der Bürodiener Wittebold die Akten gebracht und
ihrem Beiſein auf den Schreibtiſch gelegt. Dann wäre er
ieder fortgegangen, und ſie habe ſich nach den hinteren
Räu=
en begeben, wäre gar nicht wieder nach vorne gekommen.
Wäh=
nd der ganzen Zeit hätte es nicht geklingelt, wäre niemand
iders gekommen.
„Hm!” der Kriminalbeamte beſah ſich die Aktenmappe. Sie
ar aus genarbtem Rindleder, in der Mitte etwas abgegriffen.
ieſe Stelle begann er jetzt mit Lampe und Lupe genau zu
iterſuchen. Fragte wie nebenbei: „Wie heißt dieſer
Büro=
ener?
„Wittebold”, gab Moran zur Antwort.
„Und wie lange iſt er im Werk?”
„Seit einigen Monaten.”
m
Cophright by Ernſt Keils Nachf., (Aug. Scherl), G.m.b. H., Berlin.
(Nachdruck verboten.)
Jetzt ſah der Kriminalbeamte Moran voll ins Geſicht. „Haben
eit erſchienen zwei Kriminalbeamte. Der Doktor erzählte ihnen Sie einen Verdacht, daß dieſer Bürodiener Wittebold der Täter
ſein könnte?"
Moran zuckte die Achſeln. „Wie kommen Sie zu der Frage?”
„Nun — die Abdrücke an dieſer Mappe ſtimmen vollkommen
überein mit den Abdrücken auf dem Schreibtiſch und dem
Ning=
käſtchen.”
„Ah! Das wäre allerdings ein ſtarkes Stückchen!” ſagte
Moran entrüſtet. „Ein ſchnöder Vertrauensbruch dieſes
Men=
ſchen, den ich immer für die ehrlichſte Haut auf der Welt hielt!“
„Ja, Herr Doktor, man täuſcht ſich ſo mauchmal”, meinte
der andere Beamte. „Bleibt natürlich nichts andres übrig, als
ſich dieſen Herrn Wittebold mal zu kaufen.”
„Wenn er inzwiſchen nicht Leine gezogen hat”, fiel der erſte
büro. „Wir gehen jetzt, Herr Doktor. „Ich möchte Sie aber
bitten, ſich zur Verfügung zu halten, falls wir Sie noch im
Laufe des Abends mit dieſem Bürodiener konfrontieren müßten.”
Kaum waren die beiden gegangen und die Wirtſchafterin
aus dem Zimmer, da ſagte Dr. Abt triumphierend: „So weit
iſt’s gelungen! Den ſind wir auf einige Zeit los!“ — —
„Ein hartnäckiger Burſche!” ſagte der Kommiſſar zu dem
Protokollführer. „Hier gibt’s doch wirklich nichts zu leugnen!
Sind Sie denn ganz von Gott verlaſſen, Wittebold, daß Sie
dieſen erdrückenden Beweiſen gegenüber überhaupt noch
ver=
ſuchen wollen, den Einbruch abzuſtreiten?”
Wittbold, müde der andauernden Fragen, ſchwieg. Was
ſollte er auch ſagen? Im Anfang des Verhörs hatte er immer
wieder ſeine Unſchuld beteuert. Der Kommiſſar hatte ihn
aus=
gelacht.
Gewiß! Vom Standpunkt des Polizeibeamten war jedes
druck ein untrügliches Indizium des Verbrechers iſt. Und man
hatte ihm ſeine Fingerabdrücke an der Mappe und an dem
Ringkäſtchengenau nachgewieſen.
„Ich will verſuchen, mein Alibi nachzuweiſen. Ich muß
mich da erſt auf einiges beſinnen. Im übrigen wiederhole ich
Ihnen immer wieder, Herr Kommiſſar: Wäre Herr Doktor
Fortuyn hier, würde.."
Hier ſtockte Wittebold . . . Ja, gewiß! Wäre Fortuyn hier,
er würde für ihn eintreten . . . Aber die Fingerabdrücke, dieſes
furchtbare, unerſchütterliche Beweismittel? Würde Fortuyn
dem=
gegenüber nicht auch zweifelhaft werden? Die Bläſſe auf ſeinem
Geſicht vertiefte ſich noch, als er dachte, daß auch Fortuyns
Ver=
trauen in ihn erſchüttert werden könnte.
„8 iſt alles nutzlos, was Sie da reden, Wittebold! Ich
kann Ihnen nur raten, ein offenes Geſtändnis abzulegen und
vor allen Dingen zu ſagen, wo Sie den Ring gelaſſen haben.”
Wittebold zuckte verzweifelt die Achſeln. Er ſah: jedes
Wort, das er ſprach, war Verſchwendung. Er wandte ſich
mißmutig zur Seite: „Ich ſage Ihnen hiermit, daß ich von
jetzt ab auf keine Frage mehr antworten werde. Was ich Ihnen
ſchon hundertmal verſichert habe: daß ich unſchuldig bin und
irgendein Teufel mir da einen Streich geſpielt hat — das
glau=
ben Sie mir ja doch nicht.”
„Na, ja, mein lieber Freund”, ſagte der Kommiſſar
iro=
niſch. „Beruhigen Sie ſich man! Sie werden ſchon mit der
Zeit anderer Meinung werden. Vielleicht überlegen Sie ſich
das heute nacht? Morgen früh werde ich Sie mal beſuchen.”
Er gab dem dienſttuenden Beamten einen Wink. Der führte
Wittebold aus dem Zimmer einen Gang entlang, ſchloß eine
Zelle auf, hieß ihn eintreten.
Aus der Ecke des halbdunkelen Raumes ſcholl Wittebold
ein kräftiges „Guten Abend!” entgegen. Er ſchaute dorthin,
ſah, daß da in der Ecke ein Mann auf einer Pritſche lag, der
ihm grüßend die Hand entgegenſtreckte. In dem unſicheren
Ge=
fühl, vielleicht längere Zeit mit dieſem Zellengenoſſen
zuſammen=
bleiben zu müſſen, überwand ſich Wittebold, ging auf ihn zu
und erwiderte ſeinen Händedruck.
Beim Schein der ſchwachen Lampe konnte er die Züge des
Mannes nur undeutlich erkennen. Soviel er ſah, war es ein
noch ziemlich junger Menſch. Der überſchüttete ihn mit einem
Schwall von Fragen, auf die Wittebold kaum Antwort gabe"
Dabei zeigte er großes Intereſſe, zu erfahren, weshalb der
Neue verſchüttet gegangen wäre.
Als Wittebold immer wieder verſicherte, er ſei unſchuldig
verhaftet, wurde der andere ſchließlich ärgerlich. „Denkſt wohl,
ich wär’ ſo’n Achtgroſchenjunge, der dich hier ausholen ſoll? Zu
ſo was gibt ſich Franz Holl nicht her. Denk dir mal bloß, was
die Polente von mir will! Ich ſoll da an einer Faſſade
hoch=
geklettert ſein und da in ein Fenſter gewollt haben. Js natürlich
Quatſch. An der Faſſade war ich ja, als die beiden Schupos
vor=
beikamen; aber ich wollte noch ine Etage höher, wo die
Zimmer=
mädchen ſchlafen. Mit der Minna hatte ich mal auf nem
Tanz=
vergnügen Bekanntſchaft gemacht. Und weil ich ſie lange nicht
geſehen hatte, wollte ich ſie mal wiederſehn . . . Aber die glauben
einem ja einfach gar nichts. Und die Minna — ja, weißte,
treu=
los ſind die Weiber ja alle. Das weiß die Menſchheit, ſeitdem
die Welt ſteht. Aber das hätte ich doch nicht gedacht, daß die
Minna mich ſo gemein verleugnen täte. Hat geſagt, ſie kennte
mich nicht.”
Wittebold hatte ſich auf die Pritſche geworfen. Seine
Ner=
ven hielten nicht mehr. Er hörte kaum, daß der andere
immer=
fort weitererzählte. Nur ein Gedanke in ihm: Ruhe finden!
Ruhe! Ruhe!
Aber vergeblich war, alles Bemühen um Schlaf. Dieſer
Streich, den man ihm geſpielt —! Von wem er kam, ahnte er.
Man wollte ihn aus dem Wege räumen, unſchädlich machen bis..
Aber! . . . Hier ſprang er, alle Müdigkeit vergeſſend, auf,
durchmaß mit heftigen Schritten die enge Zelle. Seine Gegner
konnten doch unmöglich annehmen, daß er längere Zeit hier
feſt=
gehalten würde. Denn irgendwie mußte es ihm doch gelingen,
ſich von dem Verdacht zu reinigen. Was ſie alſo planten, mußte
recht bald geſchehen — womöglich gar ſchon heute nacht .. . Er
rang verzweifelt die Hände.
„Se haben wohl vergeſſen, dir en Plümo unterzulegen? Dir
iſt wohl die Pritſche zu hart?”, ſcholl es ironiſch aus der Ecke.
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Karlsſtraße 47
Telefon 641
12068
Pfd. 0.30
Filet.
Schellfiſch .... Pfd. 0.80
Kabliau ..... Pfd. 0.70
Seelachs ... . . Pfd. 0.50
Pfd. 0.50
Goldbarſch
Seehecht ..... Pfd. 0.65
Backſiſche ... . Pfd. 0.35
Grüne Heringe Pfd. 0.30
Neue deutſche Vollheringe
Ia friſche Süßrahmbutter.
Prima neues Sauerkraut
Stück 0.10
Pfd. 0.80
Pfd. 0.25
la Süßbücklinge
Geräuch. Schellfiſche
Süße Makrelen
la Fleiſchſalat /.Pfd.0.35
la Herings „ 1/4Pfd.0.30
Lachsſchnitzel / /„Pfd.0.25