Einzelnummer 10 Dfennige
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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 224
Freitag, den 14. Auguſt 1931.
194. Jahrgang
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ſede Verpflichtung auf Erfüllung der
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aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtlicher Beſtreibung ſällt jeder
Rabatt weg. Bankkonio Deutſche Bank und
Darm=
ſädter und Nationalbank.
Brüning vor dem Reichsrat.
Das Wirkſchaftsprogramm der Reichsregierung und die Reform der Gemeindefinanzen noch in Vorbereikang.
Neue Sparmaßnahmen in Sicht. — Kein Verzichk auf die Hauszinsſteuer? — Süddeutſchland gegen
die geplante Verwalkungsgemeinſchaft zwiſchen Reich und Preußen.
* Zwiſchen rechts und links.
Von unſerer Berliner Schriftleitung.
Der Reichskanzler hat am Donnerstag in nichtöffentlicher
Sitzung vor den wirtſchaftspolitiſchen Ausſchüſſen des
Reichs=
rates geſprochen, nach allem, was man hört, ſich aber darauf
be=
ſchränkt, einen Bericht über die finanz= und
wirt=
ſchaftspolitiſchen Maßnahmen der
Reichsregie=
rung in der jüngſten Vergangenheit zu geben. Er hat auch auf
Fragen geantwortet und die ſchwierigen Probleme der
Ge=
meindeſanierung und der Reichsreform geſtreift, ohne indes nach
irgendeiner Richtung hin ſo etwas wie ein Programm
aufzu=
ſtellen. Das iſt wohl vor allem darauf zurückzuführen, daß
die Reichsregierung noch nicht über das Stadium des Prüfens
und Ueberlegens hinausgediehen iſt. Es ſcheint aber, als ob
von gewiſſer ſüddeutſcher Seite=gegen die
Mög=
lichkeiten einer Machtberſchiebung, die in einer
Verwaltungsgemeinſchaft, zwiſchen dem Reich
und Preußen enthalten ſein können,
Verwah=
rung eingelegt worden iſt. Auch hier iſt der Kanzler
aus=
gewichen und hat ſich dahinter zurückgezogen, daß zurzeit eben
beſtimmte Abſichten noch nicht beſtänden. Die ganze innere
Politik befindet ſich zurzeit in einem Stadium des Umbaues, zu
dem erſt die Pläne gezeichnet werden ſollen und, wie wir ſchon
ſagten, es werden darüber noch einige Wochen vergehen, bis ſich
beſtimmte Formen herauskriſtalliſiert haben.
Wenn deshalb heute bereits von einer Erweiterung des
Reichskabinetts geſprochen wird, ſo iſt das reine Phantaſie. Es
hat ja doch tatſächlich gar keinen Sinn, über Perſonen zu
prechen, ſolange das Programm nicht feſtſteht, denn dieſes iſt
das Primäre. Die Sozialdemokraten ſind aber offenſichtlich ner=
1ös geworden. Ihre Freude über den Ausgang des
Volksent=
cheides in Preußen hat nicht lange vorgehalten, nachdem das
Zentrum ihnen eine kalte Duſche verabreicht hat und ihnen
ein=
rringlich vor Augen führte, daß die Intereſſen der Reichspolitik
ſor denen der preußiſchen Regierung ſtehen. Herr Breitſcheid
ürchtet deshalb auch, daß die Reichsregierung ſeinem Einfluß
ntſchwinden könnte, und verlangt im „Vorwärts” eine „
ein=
vandfreie Klarſtellung des Sachverhalts‟. Er wird darauf ſicher
licht die gewünſchte Antwort erhalten. Die erſte Entſcheidung
ſt am Mittwoch ja ſchon im geſchäftsführenden Vorſtand
ſes Zentrums gefallen, gefallen im der Richtung eines
Be=
enntniſſes zur. Brüning=Politik. Das Zentrum iſt entſchloſſen,
ſen Kanzler weiter zu unterſtützen, auch wenn darüber ein
Zruch mit den Sozialdemokraten unvermeidlich ſein ſollte. Aber
das weiß im Augenblick noch niemand. Richtig iſt wohl, daß die
Beziehungen zwiſchen den Kabinetten im Reich und in Preußen
licht gerade herzlich ſind. Der Reichsinnenminiſter iſt verärgert,
aß die Preußen hinter ſeinem Rücken die Zwangskundgebung
rlaſſen haben, und der preußiſche Miniſterpräſident wieder iſt
ntrüſtet darüber, daß die Abänderung der Preſſenotverordnung
hne vorherige Fühlungnahme mit Preußen erfolgte. Das ſind
bber vorläufig keine grundſätzlichen Meinungsverſchiedenheiten.
Vir treten alſo innenpolitiſch noch auf der Stelle. Schnelle
Entſcheidungen ſind kaum zu erwarten, und der deutſchnationale
Parteiführer Hugenberg, dem die Demokraten nachſagen, daß er
ei dem Reichskanzler antichambriere, um unter allen Umſtänden
n die Regierung zu kommen, hat als Antwort auf dieſe
Kom=
inationen einen Erholungsurlaub angetreten.
Die Sißung der vereinigken Reichsraksausſchüſſe.
Berlin, 13. Auguſt.
Die Vereinigten Ausſchüſſe des Reichsrats, denen ſämtliche
keichsratsmitglieder angehören, traten heute vormittag zu einer
öitzung zuſammen, der auch der Reichskanzler Dr. Brüning
bei=
lohnte. Der Sitzung wohnten auch die preußiſchen Miniſter
Severing und Dr. Höpker=Aſchoff ſowie außer dem
Reichsfinanz=
liniſter der Reichsminiſter Schiele und der bayeriſche
Miniſter=
räſident Dr. Held bei. Der Reichskanzler nahm gleich bei
Be=
inn der Sitzung das Wort zu einem längeren Bericht über die
olitiſche Lage und das Ergebnis der letzten Verhandlungen
iit den Staatsmännern Englands, Amerikas, Frankreichs und
ſtaliens. An der Ausſprache beteiligten ſich auch der baheriſche
Liniſterpräſident Dr. Held und der Reichsfinanzminiſter Dr.
lietrich. Es wurde auf die große Notlage hingewieſen, in der
ch viele große deutſchen. Gemeinden befinden. Einzelheiten über
en Plan einer Reform der Gemeindefinanzen wurden von der
eichsregierung nicht mitgeteilt; doch wurde erklärt, daß auf die
auszinsſteuer nicht verzichtet werden könne, da ein Erſatz dafür
irzeit nicht gegeben ſei.
Von den Vertretern der Reichsregierung und der Länder
ſurde betont, daß alleräußerſte Sparſamkeit geübt
erden müßte, zumal auf eine große
Auslandsan=
eihe aus den ſchon früher angeführten Gründen nicht ge=
Echnet iverden könne. Die
Sparſamkeitsmaß=
ahmen könnten auch an den Bezügen der
Be=
mten und Angeſtellten nicht vorbeigehen,
wo=
ifreilich die Gehälter der unteren Beamten
ſchützt werden müßten. Die Bereiiſtellung von
Reichs=
litteln für die Sänierung von Großbanken ſei notwendig ge=
Seu, um Zuſammendrüche mit für die Allgemeinheit verhäng=
1
isvollen Folgen zu verhüten
Breitſcheids Frage an Brüning.
Unter der Ueberſchrift: „Wohin geht der Weg? — Will
Brüning Anlehnung nach rechts ſuchen?” ſchreibt der Vorſitzende
der ſozialdemokratiſchen Reichstagsfraktion Breitſcheid im
„Vorwärts”:
„Seit einigen Tagen wird in mehr oder weniger klaren
Andeutungen von Annäherungsabſichten und
Annäherungsver=
ſuchen zwiſchen Brüning und Hugenberg geſprochen.
Es wäre außerordentlich wünſchenswert, wenn das
Reichs=
kabinett und der Mann, der an ſeiner Spitze ſteht, ſich ſehr bald
offen über ihre Pläne ausſprechen würden. Die
Sozialdemo=
kratie darf verlangen, daß ſie Gewißheit darüber erhält, ob Herr
Brüning aus dem Ergebnis des preußiſchen Volksentſcheids die
Schlußfolgerungen zu ziehen gedenkt, die ihm nachgeſagt werden.
Welche auswärtige und welche Sozial= und Wirtſchaftspolitik
glaubt die Reichsregierung in Gemeinſchaft mit den
Deutſch=
nationalen treiben zu können?
Wir können an ſich den Wunſch Brünings, ſeine
Regierungs=
baſis zu erweitern, begreifen, aber wenn er den Weg zu
Hugen=
berg geht, dann erweitert er die Baſis nicht, ſondern er
ver=
engert ſie. Er bringt auch nicht das Zentrum in die angenehme
Läge, nach Bedarf Mehrheitsbildungen mit Rechts und Links
vorzunehmen, ſondern er optiert für rechts, und er wird ſich
aller Konſequenzen eines ſolchen Entſchluſſes bewußt ſein
müſſen.
Das muß mit Deutlichkeit ausgeſprochen werden in einem
Augenblick, wo noch keine Entſcheidung getroffen iſt, wo aber
doch offenbar Kräfte am Werke ſind, die Brüning in eine ſehr
bedenkliche Politik hineintreiben wollen. Wir würden uns
freuen, wenn unſere Befürchtungen grundlos wären, aber um
ſie zu zerſtreuen, bedarf es einer einwandfreien Klarſtellung des
Sachverhalts, und wir wiederholen noch einmal: Die
Sozial=
demokratie hat ein Necht auf ſie.”
Am den franzöſiſchen Gegenbeſnch
in Berlin.
Die deuiſche Einladung in Baris überreicht.
Paris, 13. Auguſt.
Zwiſchen Berlin und Paris findet zurzeit ein erneuter
Mei=
nungsaustauſch über den Termin des franzöſiſchen
Miniſter=
beſuches in Berlin ſtatt.
Die offizielle Einladung der deutſchen Regierung an die
franzöſiſche Regierung betr. den franzöſiſchen Gegenbeſuch in
Ber=
lin iſt heute vormittag der franzöſiſchen Regierung durch
Ver=
mittlung des deutſchen Botſchafters von Hoeſch überbracht
wor=
den. Der deutſche Botſchafter nahm dabei die Gelegenheit wahr,
ſich mit dem franzöſiſchen Miniſterpräſidenten, den er gegen 11 Uhr
aufſuchte, über das zweckmäßigſte Datum des franzöſiſchen
Gegen=
beſuches zu beſprechen. Obgleich über die Unterredung keinerlei
amtliche Verlautbarung herausgegeben wurde, glaubt man in
gut unterrichteten Kreiſen zu wiſſen; daß Miniſterpräſident Laval
den deutſchen Botſchafter davon in Kenntnis geſetzt habe, daß er
ſich ganz den von der Reichsregierung zum Ausdruck gebrachten
Wünſchen hinſichtlich des Zeitpunktes des Beſuches anſchließen
wird.
Die „Liberté”, die dieſe Mitteilung aus zuverläſſiger Quelle
erfahren haben will, fügt den Ausführungen hinzu, daß nur der
franzöſiſche Miniſterpräſident und Außenminiſter Briand der
Einladung Folge leiſten werden. Da man in Berlin im
Augen=
blick nicht über Finanzfragen ſprechen werde, erübrige ſich die
Anweſenheit Flandins.
Wie wir hören, wird die Entſcheidung darüber, ob der
ge=
plante Beſuch des franzöſiſchen Miniſterpräſidenten Laval und des
Außenminiſters Briand noch in den letzten Tagen dieſes Monats
ſtattfinden wird, am Freitag abend fallen.
Eine amtliche Verlaukbarung
über den Berliner Beſuch Lavals.
Paris, 13. Auguſt.
Ueber den Beſuch des deutſchen Botſchafters von Hoeſch
beim Miniſterpräſidenten Laval wird das folgende offizielle
Communigué ausgegeben:
„Miniſterpräſident Laval hat heute vormittag den deutſchen
Botſchafter von Hoeſch empfangen. Botſchafter von Hoeſch hat
im Namen der deutſchen Regierung offiziell Miniſterpräſident
Laval und Außenminiſter Briand eingeladen, ſich nach Berlin
dankt, und dieſe Einladung für ein Datum, das angeſichts der
Abweſenheit Briands von Paris noch nicht feſtgeſetzt werden
kann, angenommen.”
Zu dieſem offiziellen Communiqué fügt die Agentur Havas
hinzu: Wir glauben zu wiſſen, daß der Beſuch des
Miniſterpräſi=
denten und des Außenminiſters in Berlin am 26. und 27. Auguſt
ſchafter von Hoeſch mitgeteilt, daß er in der Lage ſein werde,
richten.
1.5.A.- Wende.
Umſchwung in der auswärtigen Politik Waſhingtons. — Die
Reparations= und Schuldenfrage. — Notlage der Landwirte
als Gefahr für Präſident Hoovers Wiederwahl.
Von unſerem ſtändigen Berichterſtatter.
A.G.A. New York, Ende Juli 1931.
Wenn ſich aus der Kakophonie amerikaniſcher Preſſeſtimmen
zum Hoover=Moratorium ſo etwas wie ein in allen Tonarten
wiederholtes Leitmotiv heraushören läßt, ſo iſt es der Ausdruck
der Ueberzeugung, daß es mit „vornehmer Iſoliertheit” der
Vereinigten Staaten, ihrer Nichtbeteiligung an europäiſchen
An=
gelegenheiten auf viele Jahre, wenn nicht auf immer, vorbei iſt.
Die Entſendung der Sekretäre Stimſon und Mellon zu der
Lon=
doner Miniſterkonferenz bedeutet eine epochale Abkehr von
der auswärtigen Politik, wie man ſie in
Waſhington verfolgte, ſeitdem der Senat die
Ratifizie=
rung des Verſailler Vertrages ablehnte, und die politiſchen
Aus=
wirkungsmöglichkeiten des Umſchwungs ſind zurzeit unabſehbar.
Man entfalte irgendeine, der noch mit nüchterner
Ueber=
legung, mit ſorgfältiger Abwägung der Tatſachen redigierten
Tageszeitungen, irgendein ſeriöſes, nicht für betagte Menſchen
beiderlei Geſchlechts geſchriebenes Magazin und man wird, ohne
zwiſchen den Zeilen leſen zu müſſen, das Beſtreben wahrnehmen,
die Leſer mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß der Hoover=
Plan nicht im entfernteſten ausreicht, Deutſchland vor dem
finanziellen Chaos, die Welt vor einer Kataſtrophe zu bewahren,
und daß noch vor Ablauf des Feierjahres eine
gründliche und endgültige Löſung der
Repara=
tions= und Kriegsſchuldenfrage in die Wege
ge=
leitet werden muß. Man wird vergebens nach einer
Meinungsäußerung dahin ſuchen, daß Amerika aus dem
Mora=
torium die ſo heiß erſehnte Rückkehr der „guten Zeiten”
erhoſ=
fen dürfe, denn es liegen ſoweit keinerlei Anzeichen dafür vor;
im Gegenteil, Herrn Hoovers Auffaſſung, daß die Deutſchland
gewährte Zahlungsfriſt u.a. den vom Bankerott bedrohten
ameri=
kaniſchen Weizenfarmern, dem Güteraustauſch der Induſtrien
uſw. uſw. von Nutzen ſein werde, wird glatt abgelehnt, rundweg
beſtritten.
Amtlich wußte man in Waſhington bisher nichts von
Repa=
rationen, obwohl man bereit war, die aus dem Deutſchland
auferlegten Tribut fließenden Gelder — oder wenigenſts einen
beträchtlichen Teil davon — unbeſehen entgegenzunehmen,
nach=
dem Deutſchland, ſie auf das Konto Englands, Frankreichs,
Italiens, Belgiens uſw. uſw. bei der B.J.3. in Baſel hatte
eintragen laſſen. Das Bundes=Schatzamt wie das
Staats=Departement in Waſhington haben faſt
ein Jahrzehnt lang ſteif und feſt auf der Fiktion
beharrt, daß keinerlei Zuſammenhang zwiſchen
Neparationen und Alliierten=Kriegsſchulden
beſtehe. Als General Dawes 1924 nach Europa reiſte, um
mit dortigen Sachverſtändigen eine Entwirrung des gordiſchen
Knotens und die „Wiederherſtellung” der Solvenz Deutſchlands
zu verſuchen, ſchwor man im Staats=Departement hoch und
heilig, daß man nichts damit zu tun habe. Und 1929, als Owen D.
Young ſich zur Reviſion des Dawes=Planes nach Paris begab,
ließ die amerikaniſche Regierung abermals laut verkünden, daß ſie
in keiner Weiſe beteiligt ſei und die Amerikaner lediglich als
Privatperſonen anzuſehen ſeien. Dagegen, daß der
Regierungs=
kaſſe in der nordamerikaniſchen Hauptſtadt aus dem
Neuarran=
gement jährlich rund 16 Dollarmillionen zufloſſen, hatte man
allerdings nichts einzuwenden, wenn man auch nicht zu den
Unterzeichnern des Young=Planes gehörte. Man traf mit
Deutſchland ein Sonderabkommen, nach dem dieſe
Zahlung direkt geleiſtet wurde, ohne erſt den Umweg über Baſel
machen zu müſſen. Und um zu Hauſe ja keinen Verdacht
auf=
kommen zu laſſen, daß ſie ſich in die ſo verpönten europäiſchen
Angelegenheiten einmiſche, ſich verſtricken laſſe, ließ die U. S.=
Regierung bekanntgeben, daß ſie keinem Beamien der Bundes=
Reſerve=Bank geſtatten werde, ſelbſt einen Poſten an der Baſler
Bank anzunehmen oder auch nur Vertreter Amerikas für ſolche
Poſten auszuwählen oder vorzuſchlagen. Dies trotz der
Tat=
ſache, daß die Bundes=Reſerve=Banken überhaupt keine
Regie=
rungs=Inſtitute ſind und kein Regierungsbeamter berechtigt iſt,
ihnen die Mitwirkung an der Organiſierung und Leitung der
neuen Bank zu verwehren oder zu geſtatten.
Die hochamtliche Scheu vor „europäiſchen Verwicklungen”
ſchien im Mai dieſes Jahres anläßlich der Tagung der
Inter=
nationalen Handelskammer in Waſhington ihren Höhepunkt
er=
reicht zu haben. Man gab den Teilnehmern an der
Zuſammen=
kunft einen Wink, daß die Erörterung der alle Gemüter
bewegen=
den, auf jeder Zunge liegenden Kriegsſchuldenfrage der
Regie=
rung höchſt unangenehm wäre, und der Präſident ſelbſt ſprach
von Ueberproduktion und Unterverbrauch, von hohen Steuern
und von den enormen Rüſtungskoſten. Kurz darauf machten
die amerikaniſchen Botſchafter in England, Deutſchland und
Bel=
gien Beſuche in Waſhington. Was ſie zu berichten hatten, kann
kaum ſehr roſig geweſen ſein. Am 5. Juni kam Präſident von
Hindenburgs dritte Notverordnung im Zeitraum von zwölf
Monaten, es kam unmittelbar danach die Zurückziehung der
Deutſchland gewährten kurzfriſtigen Darlehen, kam die
Kapital=
flucht, und die Logik der Ereigniſſe drängte mehr
und mehr darauf hin, daß in der Ergreifung
außerordentlicher Hilfsmaßnahmen die
ameri=
zu begeben. Der Miniſterpräſident hat Herrn von Hoeſch ge= kaniſche Regierung; die Rolle des Führers zu
übernehmen habe. Am 13. Juni gab Unterſtaatsſekretär
Caſtle bekannt, daß die amerikaniſche Regierung den Lauf der
Ereigniſſe in Deutſchland mit wachſender Beſorgnis verfolge
und im Falle einer Kriſe bereit ſei zu einer vorübergehenden
Aenderung ihrer Kriegsſchulden=Politik.
Aber noch zwei Tage ſpäter hielt Herr Hoover es ſür
an=
gebracht, ſich abermals zum ſtrenggläubigen Evangelium der
ausgeführt werden wird. Herr Laval hat dem deutſchen Bot= Iſoliertheit zu bekennen und erklärte in einer Rede in
Judiang=
polis u. a.: mit dem Schwinden der vorübergehenden
ihn hierüber endgültig morgen am ſpäten Nachmittag zu unter= Dislozierung und der Erſchütterungen werden nir uns in
weit=
gehendem Maße erholen, was immer auch in der übrigen Welt
Seite 2
Freitag, den 14. Auguft 1931
Nummer 224
geſchehen mag. Es iſt uns dies im Jahre 1921 trotz der noch
teit ſchlechteren Verhältniſſe im Auslande geglückt”.
Unmittel=
bar darauf vermochten Herrn Hoovers politiſche und
wirtſchaft=
liche Ratgeber es ihm klarzumachen, daß Deutſchland dem
Zu=
ſammenbruch nahe ſei, Europa vor der Kataſtrophe ſtehe. Zu
halben Maßnahmen war jetzt keine Zeit mehr. Der Präſident
verſicherte ſich der Zuſtimmung der Führer der beiden großen
politiſchen Parteien im Kongreſſe und überraſchte die Welt mit
ſeinem Vorſchlag eines einjährigen Moratoriums aller
Kriegs=
ſchuldenzahlungen aller beteiligten Länder.
Das war ein gewaltiger Schritt vom Wege der „vornehmen
Iſoliertheit”. Und merkwürdigerweiſe ſtürzte weder das Kapitol
in Waſhington ein, noch bogen ſich die Balken im Weißen Hauſe.
Das ganze Land begrüßte den Schritt als eine ſtaatsmänniſche
Großtat, die Börſe geriet in Verzückung. Frankreich bekam
aller=
lei zu hören, als es dem Hoover=Plan Widerſtand entgegenſetzte,
bekommt es notabene heute noch zu hören, daß viel Unheil hätte
abgewendet werden können, wenn es etwas mehr guten Willen
gezeigt hätte. Und das amerikaniſche Volk bewies, daß ihm an der
„vornehmen Iſoliertheit” gar nicht ſo viel gelegen iſt, wie manche
Politiker, namentlich ſolche von der Partei Herrn Hoovers,
an=
genommen haben mochten, und es erklärte ſich durchaus damit
einverſtanden, daß die Vereinigten Staaten die ihnen
zukom=
mende Rolle in internationalen Angelegenheiten ſpielen.
Der Fetiſch der Abgeſchloſſenheit, den man
ſeit 1920 angebetet, wanderte in die
Rumpel=
kammer. Damals hatte er in gewiſſer Hinſicht gute Dienſte
getan. Amerika war kriegsmüde, europamüde. Die Loſung war
„America Firſt” — Amerika vor allem. Wenn dieſe
Beſchwö=
rungsformel aus den Handbüchern der zünftigen Politiker
ſchwindet, wenn ſie ihre Schlagkraft verliert, dann iſt zu hoffen,
daß die Ereigniſſe, die ſich ſeit dem 20. Juni abgeſpielt haben,
auch der Reviſion anderer Formeln die Wege ebnen werden.
Die europäiſche Situation hat natürlich jede andere, die
amerikaniſche Oeffentlichkeit bewegende Frage in den
Hinter=
grund gedrängt. Vom politiſchen Standpunkte aus betrachtet,
hat dies in gewiſſen Teilen dieſes Landes dem Präſidenten
Vor=
teil gebracht. Die Demokraten haben eine Zeitlang ihre
un=
aufhörlichen Angriffe auf Herrn Hoover eingeſtellt. Die „
fort=
ſchrittlichen” Republikaner haben eine Zeitlang geſchwiegen.
Jetzt aber beginnt man wieder, ſich mit einheimiſchen
Angelegen=
heiten zu beſchäftigen — auch im Weißen Hauſe. Die größte
den Aſpirationen des Präſidenten auf einen
zweiten Amtstermin drohende Gefahr, iſt die
Notlage der Farmer im Weſten. Man ſtelle ſich vor:
in Wichita im Staate Kanſas, der vor Weizen faſt erſtickt, gibt
es „Brotſchlangen”. Schlangen ſtehen nach Brot nicht wie in
New York mit ſeinen erwerbsloſen Handwerkern, Induſtrie= und
Büroarbeitern, ſondern Reihen darbender Farmerfamilien. Und
nicht in Wichita allein. Die mit 500 Dollarmillionen dotierte
Farmbehörde hat vollſtändig verſagt. Ihre
Stabiliſierungsbe=
mühungen ſind ein glatter Fehlſchlag. Sie hat 200 Millionen
Scheffel Weizen um teures Geld angekauft, weiß nicht, was
damit anfangen, und letzte Woche bot man den Farmern 25
Cents pro Scheffel für ihre Körnerfrucht auf der Farm. „Auch
uns ein Moratorium!” iſt der Ruf, der nach Waſhington
gerichtet iſt. Der Weſten iſt weit weniger an Staatsſekretär und
Schatzſekretär intereſſiert, als an ihren Kollegen vom Ackerbau=
und vom Innenamt. Aber auch dieſe Beamten können im
ſo=
genannten Weizengürtel keine Wunder wirken. Können aus
dem Vierteldollarweizen keinen Dollarweizen machen. Können
keinen Markt ſchaffen für die ungeheuren Vorräte, die die
Farm=
behörde ſich aufgeladen hat. Wenn man Meldungen aus
zuver=
läſſigen und gut informierten Quellen in jenem Landesteil
glau=
ben darf, herrſcht dort eine ſo ſtarke Stimmung gegen Herbert
Hoover, daß, fände die Wahl jetzt ſtatt, zehn bis zwölf
Agrar=
ſtaaten aus der republikaniſchen Kolonne ausſcheiden würden.
Und am fatalſten — für die Ausſichten auf die Wahl 1932 —
iſt, daß die Weizenfarmer ſich nicht zu der Ueberzeugung
auf=
zuſchwingen vermögen, daß die wirtſchaftliche
Wieder=
aufrichtung Europas, ihnen die verloren
ge=
gangenen — durch Zollſchranken und
Einfuhr=
erſchwerungverloren gegangenen — Märkte neu
erſchließen werde. Sie glauben einfach nicht daran, was
immer man auch in Waſhington ſagen mag. Und wenn ſie’s
nicht ſelbſt wüßten, ſo hätte ihnen Herrn Hoovers Farmbehörde
lang genug und oft genug klarzumachen verſucht, daß ihre
Exportmärkte verloren ſeien und ſie ſich im Anbau ihrer Felder
dem einheimiſchen Verbrauch anzupaſſen hätten. Aber der
Ackerbau iſt ein zu unſicheres, zu unzuverläſſiges „Handwerk”
als daß der Landwirt ſich zur Einengung ſeiner Anbaufläche
entſchließen könnte. Der Weizenbau, der Maisbau,
der Anbau der Baumwolle iſt Spekulation. Keiner
kann vor der Ernte ſagen, wie er abſchneidet. Jeder rechnet
da=
mit, daß es anderwärts Fehlernten gibt, die den Preis ſeiner
Erzeugniſſe in die Höhe treiben.
Man wird ſchon noch einige der 15 Monate, die uns von
der nächſten Präſidentenwahl trennen, verſtreichen laſſen müſſen,
ehe ſich die Lage ſoweit geklärt haben wird, daß man eine
Vorausſage wagen kann.
Von Erna Pinner.
Die frömmſte und zugleich wildeſte Stadt, die ich je ſah, iſt
Arequipa. Arequipa liegt zweitauſend Meter hoch in einem
frucht=
baren Tal zu Füßen des Miſti. Arequipa iſt die zweitgrößte
Stadt Perus.
Als die Spanier Südamerika eroberten, räuberten ſie nicht
nur die Goldminen aus, ſie bekehrten auch die Indianer zum
katholiſchen Glauben. Sie pfropften auf die zerſtörten Inka=
Tempel ihre reichen Kirchen und Kathedralen und trugen ſelbſt
bis in die vielen tauſend Meter hohen Kordilleren Perus, wo
heute noch ein Millionenvolk von Indianern wohnt, ihre
from=
men Heiligen. Das hinderte aber nicht, daß ſie hierbei die
ganze Indianer=Ariſtokratie abſchlachteten.
Die heutigen Indianer, nur noch Nachkommen des
Prole=
tariats, haben ſich aus dem katholiſchen Glauben ihr eigenes
Heidentum wieder zurechtgemacht. Sie haben ihre alten Götter
in etwas veränderter Form in den neuen Glauben mit hinüber
genommen. In Cuzko beten ſie zum Beiſpiel einen Chriſtus von
tiefbrauner Hautfarbe an. Als der Biſchof ihnen einen neuen
weißen ſtiftete, lehnten ſie ihn ab, denn ſie wollten ihn braun
haben, braun wie ſie ſelber ſind und wie ihre Vorfahren ſich
ſeinerzeit den Sonnengott im Goldtempel der Inkakaiſer
vorge=
ſtellt hatten. Dieſen braunen Chriſtus nennen ſie übrigens
be=
zeichnenderweiſe „Senor de los temblores” den Herrn des
Erd=
bebens. Nur ſo können ſie ſich Chriſtus mächtig vorſtellen.
Dieſes leichtgläubige und vollkommen ungebildete Volk tanzi
auch tagelang um den offenen Sarg eines verſtorbenen Kindes,
weil in ſeiner Vorſtellung das Kind jetzt ein glitzernder Engel
im Himmel wird. Und es führt zu Ehren des Jeſukindes vor
der Kirche ſeine alten Kriegs= und Schwerttänze auf,
feder=
geſchmückt, trommelnd, das Geſicht mit wilden Masken verdeckt.
Es war Winter, als ich über die Sanddünen und
vulkani=
ſchen Steppen von dem troſtloſeſten aller Wüſtenhafen, Mollendo,
nach Arequipa hinauffuhr. Arequipa iſt die Hauptſtadt
Süd=
perus und hat ungefähr 50 000 Einwohner.
Es iſt amüſant und traurig zugleich, zu ſehen, wie die
india=
niſche Bevölkerung hier lebt.
Die faſt reinen Indianer leben in Höhlen und Lehmwällen
vor der Stadt. Sie ſind nur „faſt” rein, weil ſie alle
Spanier=
blut haben. Sie ſind ſo arm, wie man es ſich gar nicht vorſtellen
kann.
Dagegen aber leben die, die mehr ſpaniſches als indianiſches
Blut haben, die „gente decente”, in der Stadt. Sie ſind zwar
Auf ſeiner Fahrt nach Dietramszell traf Reichspräſident
v. Hindenburg am Donnerstag vormittag in München ein und
fuhr in einem Auto der Landespolizei nach Dietramszell.
Der Reichsverband des Deutſchen Groß= und Ueberſeehandels
hat in einer der Reichsregierung übergebenen Erklärung
Ein=
ſpruch gegen etwaige Abſichten erhoben, die Geſetze und
Maß=
nahmen zur Regelung des Wettbewerbes zwiſchen Eiſenbahn und
Kraftwagen auf dem Wege der Notverordnung zu veröffentlichen.
Der Vorſtand des Deutſchen Städtetages, wählte in einer
Sitzung am Donnerstag Bürgermeiſter Dr. Weber=Königsberg zum
geſchäftsführenden Vorſtandsmitglied. Dr. Weber hat die Wahl
angenommen. Er wird in der Geſchäftsſtelle des Deutſchen
Städte=
tages gleichzeitig das Finanzdezernat verwalten.
Der Haushaltsausſchuß des Thüringer Landtages genehmigte
mit allen Stimmen bei Stimmenthaltung der Kommuniſten die
Bürgſchaftsübernahme des Landes für den 12=Millionen=
Reichs=
kredit an die Sparkaſſen des Landes. Die Verteilung des
Kre=
dites erfolgt durch die Mitteldeutſche Landesbank.
Der amerikaniſche Botſchafter in Berlin, Sackett, wird ſich
Ende dieſer Woche nach London und von dort nach Schottland
be=
geben, um mit dem amerikaniſchen Staatsſekretär Stimſon
noch=
mals eingehend die Wirtſchaftslage Deutſchlands zu beſprechen.
Geſtern nacht verſtarb der 55jährige Kaufmann Max Stern=
Berlin aus der Prenzlauer Straße 18, der bei den Unruhen am
Bülow=Platz einen Bauchſchuß erhalten hatte und ſchwer verletzt
im Hedwig=Krankenhaus Aufnahme fand. Damit hat ſich die Zahl
der Todesopfer bei den Unruhen am Bülow=Platz auf vier erhöht.
Der Oberpräſident der Rheinprovinz hat mit ſofortiger
Wir=
kung die „Rheiniſch=Weſtfäliſche Zeitung” wegen eines
Wahlinſe=
rates auf die Dauer von 14 Tagen verboten.
Wie verlautet, ſind die Verhandlungen über die 5=Millionen=
Pfund=Anleihe Ungarns in Paris geſtern abgeſchloſſen worden.
Der ſüdſlawiſche Außenminiſter Marinkowitſch wird einer
Ein=
ladung der polniſchen Regierung folgen und ſich nach Warſchau
begeben. Er wird dort vom 22. bis 24. Auguſt verweilen.
Das Exekutivkomitee des Allindiſchen Kongreſſes hat den
Be=
ſchluß gefaßt, an der Londoner Konferenz am runden Tiſch nicht
teilzunehmen.
Erfurt, 18. Auguſt.
In der Jugendherberge Finſterbergen (Thüringen) wurde
von der K.P.D.=Bezirksleitung Groß=Thüringen ein Kurſus zur
Ausbildung von Funktionären abgehalten, der am 9. Auguſt
be=
gann und bis zum 15. Auguſt dauern ſollte. Da der Verdacht
nahe lag, daß die entfaltete Tätigkeit den Strafgeſetzen zuwider
laufe, wurde von einem größeren Polizeikommando der
thürin=
giſchen Polizeidirektion Gotha eine Durchſuchung des Gebäudes
und der darin betroffenen Perſonen vorgenommen, die
weſent=
liches Material zutage förderte. Der Lehrer und die Teilnehmer,
insgeſamt 42 Perſonen, wurden bei der zuſtändigen
Staatsan=
waltſchaft in Gotha wegen dringenden Verdachts der
Vorberei=
tung zum Hochverrat zur Anzeige gebracht. Auch wurde die
Fortſetzung der Schulung unterſagt.
Recklinghauſen, 13. Auguſt.
Die Preſſeſtelle des Polizeipräſidiums Recklinghaufen teilt
in ſpäter Nachtſtunde mit:
Am Mittwoch abend fand im Kinoraum der „Schauburg”
eine angeblich geſchloſſene kommuniſtiſche Verſammlung ſtatt, die
von etwa 800 Perſonen aus Recklinghauſen und der näheren
und weiteren Umgebung bis ins Münſterland hinein beſucht
war. Schon die Art der Veranſtaltung ließ erkennen, daß ſie
einen hochverräteriſchen Charakter tragen ſollte. Durch das
über=
raſchende Eingreifen der Polizei wurden jedoch alle weiteren
Pläne vereitelt. Schutz= und Kriminalpolizeibeamte löſten die
Verſammlung auf, und die Teilnehmer wurden einer
Leibes=
viſitation unterzogen. Nach Feſtſtellung ihrer Perſonalien
wur=
den ſie dann einzeln entlaſſen. Schon die Dekoration des Saales,
die aus zur Revolution auffordernden Transparenten beſtand,
ließ den illegalen Charakter der Veranſtaltung erkennen. Die
vorgenommene Durchſuchung erbrachte neben einer großen
Menge hochverräteriſcher Schriften Totſchläger, Gummiknüppel,
Dolchmeſſer und Revolverpatronen. Die polizeiliche
Unter=
ſuchung ſowie die Durchprüfung des beſchlagnahmten ſehr
um=
fangreichen Materials iſt im Gange.
auch arm, zeigen es aber nicht, obwohl ihr Mobiliar in der
Hauptſache aus Spucknäpfen beſteht.
Die ſchönſten Gebäude der Stadt ſind die unzähligen Klöſter,
die wie Fortifikationen ausſehen. Dazwiſchen liegen unzählige
Kirchen. Und zwiſchen ihnen ſtehen wieder unzählige
Darſtel=
lungen Chriſti, mit allen Requiſiten der Paſſion (nachgebildet in
Naturgröße) unter Baldachinen. Die Kirchen ſind oft
wunder=
ſchön, reich an Figuren, kunſtvoll in der Ornamentik. Sie ſind
aus der Kolonialzeit, im Stil der Eroberer. Die Klöſter ſehen
mit ihren koloſſalen hohen Mauern und Wällen aus, als werde
man daraus erſchoſſen.
Als ich am erſten Tag auf dem Platz vor der Kathedrale
ſtand, fing es auch an zu ſchießen. Ich wollte fliehen, weil ich
dachte, die Revolution, die jedermann erwartete, breche aus. Aber
bald erkannte ich, daß das Schießen eine Ovation für einen
Hei=
ligen war. Jede Familie in Arequipa hat nämlich einen
Privat=
heiligen. An ſeinem Namenstag wird zu ſeinen Ehren geſchoſſen.
Im Haus, auf der Straße und in der Kirche. Mit Piſtolen, mit
Schwärmern, mit Fröſchen und wenn möglich mit Kanonen.
Tagelang ſah ich die Prozeſſionen durch Arequipa ziehen.
Nur wenn ich in dem traumhaft ſchönen Garten der Anita Bates
ſaß, glaubte ich im Paradies zu ſein. Ich ſah über den
tropi=
ſchen Bäumen, über den rieſigen Palmen und über den
leuchten=
den Blumen den ſchneebedeckten ſpitzen Kegel des Miſti. Zart
wie eine japaniſche Seidenmalerei verſchwamm er in dem
gläſer=
nen Himmel. Winzige Kolibris ſchoſſen wie Libellen durch die
Luft. Dieſer Garten war eine Oaſe in Arequipa.
Aber ſowie ich hinaustrat, knallte und ſchoß es von allen
Seiten. Ueber ein Höllenpflaſter rannten die Indianer, jeder
ſeinen Heiligen in der Hand, jeder ſich eilend, um zuerſt zu
kom=
men, um am nächſten am Altar zu ſein. Sie ſchoſſen auch noch
in der Kirche und ſchmiſſen in die Andacht Knallerbſen und
Raketen. Und daneben ſaßen die mehr ſpaniſch durchblüteten
Senors und Senoritas. Sie waren nach den ſtrengen
Vorſchrif=
ten ganz in Schwarz. Sie trugen den kokett das Geſicht
ver=
hüllenden Schleier, der über Bruſt und Schulter fällt.
Unent=
wegt ſah ich ſie ſo mit der ſpaniſchen Mantilla geſchmückt zur
Beichte gehen. Jede verheiratete Frau in Arequipa hat nämlich
ihren eigenen Beichtvater. Dieſe Tatſache fand ich nach allem,
was ich ſah, wenig erſtaunlich. Hingegen frug ich mich, wie dieſe
oft recht jungen und hübſchen Damen es wohl fertig bringen, in
dieſer frommen Stadt täglich neues Material für eine Beichte
zu beſchaffen.
Sehr einfach regelt ſich die illegitime Kinderfrage bei den
Indianern und der beſſeren Indianer=Geſellſchaft, ja ſelbſt die
der Weißen. Es gibt ein Findelhaus, das von Nonnen geleitet
wird. Nachts ſchiebt man den Nonnen durch ein
geheimnis=
volles hölzernes Drehfenſter die unerwünſchten, unglückſeligen
Neugeborenen ins Kloſter. Die Nonnen lehren ſie beten, ſticken,
Baſel, 13. Auguſt.
Der Studienausſchuß für die Prüfung der Finanzlage in
Deutſchland ſetzte heute vormittag in dreieinhalbſtündigen
Be=
ratungen ſeine Arbeiten fort. Die Verhandlungen, die noch ohne
die Teilnahme der Mitglieder des Stillhaltekonſortiums vor ſich
gehen, werden in einer Nachmittagsſitzung fortgeführt werden.
Wenn auch offizielle Angaben über den Gang der
Verhand=
lungen nicht gemacht wurden, kann doch geſagt werden, daß ſich
die drei Etappen, in denen Deutſchlands Geſundung in
kredit=
politiſcher Hinſicht herbeigeführt werden ſoll, immer deutlicher
abzeichnen. In der erſten Etappe wird über die Verlängerung
der kurzfriſtigen Kredite verhandelt (Stillhalteaktion). Die zweite
Etappe wird die Behandlung der Frage der Gewährung neuer
kurz= und mittelfriſtiger Kredite bringen, während die dritte
Etappe, die noch in weiter Sicht iſt, nach durchgeführter
Konſoli=
dierung die Gewährung einer großen langfriſtigen Anleihe
be=
trifft.
Die New Zorker Bankiers zu weiteſtgehendem
Enlgegenkommen bereil.
New York, 13. Auguſt.
Nachdem die New Yorker Banken erneut ihr grundſätzliches
Einverſtändnis mit allen endgültigen Baſeler Abmachungen
er=
klärt haben, hat Wiggin telegraphiſch die formelle Vollmacht
er=
halten, die Intereſſen der geſamten Wallſtreet wahrzunehmen,
wobei jedoch hinzugefügt wurde, daß vor dem Abſchluß des
end=
gültigen Abkommens eine vorherige Benachrichtigung erwünſcht
ſei. Die New Yorker Bankiers ſind offenſichtlich zu
weitgehend=
ſtem Entgegenkommen bereit und grundſätzlich damit
einverſtan=
den, die kurzfriſtigen Kredite um weitere ſechs Monate zu
ver=
längern.
Die Ankwork der franzöſiſchen Banken
in der Skillhalkeftage.
Paris, 13. Auguſt.
Das Pariſer Finanzblatt „Agence Economique et Financere‟
veröffentlicht einen Auszug aus der Antwort der franzöſiſchen
Banken in der Stillhaltefrage, die am Samstag der Reichsbank
bzw. dem deutſchen Bankkomitee zugeſtellt wurde. In der
Ant=
wort der franzöſiſchen Banken auf die Vorſchläge des deutſchen
Bankausſchuſſes bzw. des Reichsbankpräſidenten Dr. Luther heißt
es u. a., es ſei als völlig anormal zu betrachten, daß Wechſelkredite,
die ausſchließlich aus Handelsgeſchäften ſtammten und als ſolche
von den franzöſiſchen Banken eröffnet wurden, bei
Fakturbeglei=
hung nicht an die franzöſiſchen Banken zurückbezahlt würden.
Nichtdeſtoweniger ſeien die franzöſiſchen Banken bereit, den
deut=
ſchen Banken zu Hilfe zu kommen und auf eine Zeitſpanne von
drei Monaten ſämtliche Akzeptkredite zu verlängern, wobei
jedes=
mal bei Erneuerung der kaufmänniſche Charakter der neuen
Wechſelziehung erwieſen werden müſſe. Andererſeits müßten die
von gewiſſen deutſchen Banken geſperrten franzöſiſchen Sichtkonti
in Reichsmark freigegeben werden. Jede franzöſiſche Bank behält
ſich das Recht vor, für die am ſchwächſten geſicherten Kredite eine
Zuſatzgarantie der deutſchen Golddiskontbank zu erwirken. Die
deutſchen Schuldner von franzöſiſchen Akzeptkrediten dürften ihre
Schulden an deutſche Banken erſt nach Begleichung der Schulden
an die franzöſiſche Bank abtragen, die alſo den Vorrang haben
würde. Sollten anderen ausländiſchen Banken weitergehende
Ver=
günſtigungen eingeräumt werden, ſo müßten die gleichen Vorteile
und Vergünſtigungen auch den franzöſiſchen Banken zugute
kommen.
E.P. London, 13. Auguſt.
Am Nachmittag empfing Miniſterpräſident Macdonald in ſeiner
Amtswohnung in der Downing=Street Baldwin und Newille
Chamber=
lain. Macdonald hatte mit den konſervativen Führern eine etwa
ein=
ſtündige Unterredung, in der er, wie verlautet, die von der Regierung
ins Auge gefaßten Maßnahmen zur Ueberwindung der Finanzkriſe den
Vertretern der Oppoſitionspartei unterbreitete und ſie um Unterſtützung
und Vorſchläge ihrerſeits erfuchte. Sie ſollen weiter zur Teilnahme an
einer Dreiparteienkonferenz, die in der nächſten Woche ſtattfinden und
auf der über Sparmaßnahmen zum Budget=Ausgleich beraten werden
wird, eingeladen worden ſein. Die konſervativen Führer dürften dieſe
Einladung angenommen haben, doch iſt Genaueres hierüber noch nicht
bekannt.
Der Unterredung Macdonalds mit Baldwin und Newille
Chamber=
lain folgte ſpäter eine Konferenz mit dem Lloyd George während deſſen
Krankheit vertretenden liberalen Parteiführer Sir Herbert Samuel.
Macdonald ſetzte auch dieſen über die vorausſichtlichen Maßnahmen der
Regierung in Kenntnis und ſoll auch ihn zur Teilnahme an der
Drei=
parteienkonferenz eingeladen haben.
ſchuſtern. Wenn ſie zwanzig Jahre alt ſind, ſetzen die Nonnen
ſie wieder vor das Kloſter, und ſie müſſen in dieſem Land ſehen,
wie ſie weiter kommen.
An den Baſtarden des Findelhauſes von Arequipa hat die
Natur ſich keine Laune verſagt. Sie hat die grellſten Farben, die
je für die menſchliche Kreatur gemiſcht worden ſind, verwendet.
Sie hat Neger mit weißblondem Haar, Weiße mit
Neger=
locken und Indianer mit fuchſigen Schöpfen kreiert. Ich
wunderte mich nur, daß man mir nicht noch geſtreifte und
karierte Kinder zeigte.
Ging die Sonne unter, ſo läuteten ſämtliche Glocken der
Klöſter und Kirchen. In dieſen ohrenbetäubenden Lärm miſchte
ſich das monotone Leiern der Gebete, das aus allen Häuſern,
allen Mauerritzen und Höhlen drang.
Lamaherden graſten vergeblich an den Schienen der elektriſchen
Straßenbahn. In dem Tor des Krankenhauſes verſchwand eine
heilige Schweſter mit einer rieſigen Kliſtierſpritze wie aus
Moliéreſchen Luſtſpielen.
Der Himmel brannte wie Feuer, und der Vulkan Miſti ſtieß
ſeine rot glühende Spitze dampfend hinein. Die ganze Stadt
lag in blutigen Strahlen.
In dieſer Nacht aber ſtiegen zu Ehren des heiligen Elogius
die Feuerwerkraketen in den ausgeſtirnten alten Indianerhimmel
und weitteiferten an Leuchtkraft mit den Sternen. Der
Be=
ſitzer des Heiligen, der morgens ſchon Kanonendonner und
mittags eine Prozeſſion bezahlt hatte, ſchien reichlich Chicha=Fuſel
zu ſpendieren. Betrunkene Stimmen gröhlten durch die Nacht.
Um den Heiligen zu ehren, vereinten ſich zwei Raſſen zu einem
Glauben, zwei Mentalitäten befolgten ihn, wild und fromm
zu=
gleich.
Von deutſchlands Hohen Schulen.
Frankfurt a. M.: Profeſſor Dr. A. Gelb hat den an ihn
er=
gangenen Ruf auf den Lehrſtuhl der Pſychologie an der
Univer=
ſität Halle als Nachfolger von Prof. Th. Ziehen angenommen.
Halle, Saale: Der Ordinarius der Botanik Prof. Dr. Kurt
Noack hat den Ruf an die Univerſität Berlin als Nachfolger
von H. Kniep angenommen, hingegen die Berufung nach Freiburg
i Br. als Nachfolger von Prof. Oltmanns abgelehnt. Prof.
Noack wird in Berlin den Lehrſtuhl zu Beginn des bevorſtehenden
Winterſemeſters übernehmen.
Jena: Der Direktor der Univerſitätsaugenklinik und jetzige
Rektor der Thüringiſchen Landesuniverſität in Jna. Prof. Dr.
Walter Löhlein hat den Ruf an die Univerſität Freiburg
an=
genommen. Er wird die Univerſität Jena im April 1932
ver=
laſſen.
Leipzig: Dem Dr. phil. Emil Ahnert iſt die
Lehrberech=
tigung für das Fach der Landwirtſchaft in der Philoſophiſchen
Fakultät der Univerſität Leipzig erteilt worden.
Nummer 224
Freitag, den 14. Auguſt 1931
Seite 3
Einſchränkung der Zuſchüſſe für Schule und Bildungsweſen. — Beſchränkung des Wohnungsbaues.
Unvermeidliche Eingriffe ins Wohlfahrks= und Geſundheitsweſen. — Verringerung der Verwallungskoſten.
der Städkekag
für Aufgaben-Abban der Kommunen.
Berlin, 13. Auguſt.
Der Präſident des Deutſchen Städtetages, Dr. Mulert, gab
heute in einer Preſſebeſprechung einen Ueberblick über das vom
Deutſchen Städtetag vorgeſchlagene Sanierungsprogramm. Dr.
Mulert führte dabei u. a. aus, daß ſich die
Wirtſchafts=
kriſe durch ein immer ſchnelleres Anſteigen der
Fürſorgelaſten und ein Abſinken der
Einnah=
men ausgewirkt habe. Die Gemeinden hätten in immer
ſtärkerem Maße Einſparungen vorgenommen. Dieſe Einſparungen
hätten im Jahre 1930 gegenüber den Vorjahren etwa 400
Mil=
lionen RM., im Jahre 1931 gegenüber 1930 weiterhin rund 450
Millionen gebracht. Gleichwohl ſei im Jahre 1930 ein reſtlicher
Fehlbetrag von 420 Millionen RM. verblieben. Für das
laufende Jahr müſſe der Fehlbetrag auf 800
Millionen RM. beziffert werden. Der Fehlbetrag
ſei allein auf den Mehraufwand für die
Wohlfahrtserwerbsloſen=
fürſorge zurückzuführen. Die Notwendigkeit, den Fehlbetrag
unter allen Umſtänden zu beſeitigen, ſei um ſo zwingender, als
für den Reſt des Haushaltsjahres eine weitere Verſchlechterung
der wirtſchaftlichen Verhältniſſe zu befürchten ſei. Es ſei
un=
möglich, die Fehlbeträge auch nur für einige Monate
mit kurzfriſtigen Krediten zu überbrücken. Ein
wäre aber nur dann erträglich, wenn er nach einem
wohlüber=
legten Plan erfolge, ſo daß die Lebensnotwendigkeiten des Volkes
nicht gefährdet würden. Vorausſetzung hierfür bleibe ein ein:
heitliches und von gleichen Geſichtspunkten getragenes Vorgehen
auch in Reich und Ländern. Was Schule und Bildung
anbetreffe, müſſe das Ziel in der Volksſchule eine
vorüber=
gehende weitere Erhöhung der Frequenzen ſein.
Auch bei den übrigen Schularten ſeien entſprechende Maßnahmen
notwendig. Auch in der Bauwirtſchaft werde ein
ſtär=
kerer Abbau folgen. Die Ueberweiſung öffentlicher Mittel
für den Wohnungsbau im bisherigen Ausmaß könne nicht mehr
verantwortet werden. Was das Wohlfahrtsweſen
anbe=
treffe, ließe ſich die Sonderſtellung einzelner
Für=
ſorgegruppen nicht mehr aufrecht erhalten; auch
müſſe alles Einkommen bei der Bemeſſung der Unterſtützung
be=
rückſichtigt werden. Auf dem Gebiete des
Geſund=
heitsweſens müſſe verſucht werden, ſchwere Schädigungen
bei dem Abbau zu vermeiden. Trotzdem werde man nicht
ohne entſcheidende Eingriffe auskommen können.
Auf allen ſonſtigen Gebieten des Kommunalweſens würden die
Gemeinden mit dem gleichen Abbauwillen vorgehen.
Selbſtver=
ſtändlich müſſe auch der allgemeine
Verwaltungsauf=
wand möglichſt verringert werden. Dieſe Maßnahmen
müßten aber zugleich auf einer Verwaltungsreform baſieren und
könnten nur in Zuſammenarbeit mit Reich und Ländern
durch=
geführt werden.
Das finanzielle Ergebnis der vorgeſchlagenen
Abbaumaß=
nahmen errechne der Vorſtand des Deutſchen Städtetages
für den Reſt des Haushaltsjahres 1931/32 für alle
Gemein=
den und Gemeindeverbände auf 250 bis 300 Millionen RM.
Da dieſes Ergebnis aber zur Ausgleichung des
Fehlbetra=
ges nicht ausreiche, ſeien weitere Maßnahmen, vor allem
des Reiches, erforderlich. Was die Frage eines weiteren
Abbaues der Gehälter und Löhne anbetreffe, dürfe den
Beamten kein weiteres Sonderopfer zugemutet werden;
vielmehr müßten alle Gehalts= und Lohnempfänger durch
Beiträge die Möglichkeit geben, die erwerbslos gewordenen
Volksgenoſſen in Verſicherung und Fürſorge zu erhalten.
Gleichzeitig müſſe eine ſtarke Senkung des Niveaus der
Lebenshaltungskoſten gefordert werden. Reich und Länder
müßten ſich weiter an den Koſten der Arbeitsloſigkeit
beteiligen.
Eine Reichshilfe von 80 bis 100 Millionen RM. ſei erforderlich,
um für den laufenden Monat die notwendigen Zahlungen
ins=
beſondere die Unterſtützungen für die nächſten Wochen,
ſicherzu=
ſtellen. Beſonders wichtig ſei in dieſem Zuſammenhang die
Be=
handlung der kurzfriſtigen Kredite der Gemeinden. Angeſichts
der internationalen Verhandlungen, die auf ein
Stillhaltekonſor=
tium für die deutſche Wirtſchaft abzielen, müſſe das Verlangen
auf entſprechende Behandlung der kurzfriſtigen Kommunalkredite
ſeitens aller inländiſchen Stellen nicht als unbillig erſcheinen.
* Das Reichskabinett beſchäftigt ſich eben intenſiv mit dem
Fragenkomplex der Sanierung der kommunalen Finanzen. Die
Gemeinden ſtehen zum großen Teil auf dem Standpunkt, daß
ſie aus eigener Kraft über den bevorſtehenden Winter nicht
wer=
den hinwegkommen können. Der Kanzler hat denn auch bereits
die Vertreter des Reichsſtädtetages empfangen und von ihnen
nach ihrer Darſtellung der Finanzlage Unterlagen erbeten für
ſeine künftige Arbeit. Der Städtetag hat daraufhin ein
Sanie=
rungsprogramm ausgearbeitet, das aber kaum Anſpruch darauf
erheben kann, ſich durch hervorragende Gedanken auszuzeichnen.
Der Städtetag ſchlägt u. a. vor, die Gemeinden ſollten ſofort
einen Teil ihrer Aufgaben fallen laſſen und die dadurch
frei=
werdenden Beträge für das Zentralproblem, für die Löſung der
Arbeitsloſenunterſtützung, verwenden. Gleichzeitig ſollten die
Gemeinden, die ihnen zur Verfügung ſtehenden Beträge aus
der Hauszinsſteuer für ſich benutzen, da praktiſch ja die
Bau=
tätigkeit in der letzten Zeit ſchon eingeſtellt worden ſei. Neben
Einſparungen und Abſtrichen an den Haushalten
ſelbſt wird eine Beſchneidung der Zuſchüſſe für das
Schul= und Bildungsweſen vorgeſchlagen, ebenſo ſoll
das Geſundheitsweſen unter die Lupe genommen und der
all=
gemeine Verwaltungsaufwand begrenzt werden.
Das ſind aber auch ſchon beinahe alle Vorſchläge, die der
Städtetag von ſich aus unterbreitet. Man hat herausgerechnet,
daß auf dieſe Weiſe etwa 250—300 Millionen freiwerden. Da
dieſer Betrag nicht ausreicht, iſt der Städtetag auf die
anfecht=
bare Idee gekommen, wieder die Feſtangeſtellten Gehalts= und
Lohnempfänger, in die Zange zu nehmen. Wir können uns
nicht vorſtellen, daß die Reichsregierung dieſen Vorſchlag
auf=
greift und mit einer neuen Notverordnung aufwarten wird. Zu
begrüßen iſt allerdings, daß ſich der Städtetag für eine Senkung
der Lebenshaltungskoſten einſetzt, alſo für einen Preisabbau.
Er geht aber über die Frage, was die Gemeinden ſelbſt zur
Preisherabſetzung auf dem Gebiete der Gas=, Waſſer und
Elek=
trizitätsverſorgung tun ſollen, mit einem Stillſchweigen hinweg.
Beim letzten Preisabbau haben die Gemeinden von einer
Tarif=
ſenkung nichts wiſſen wollen und auch erreicht, daß die alten
Tarifſätze geblieben ſind.
Das Reichskabinett wird ſich in den nächſten Tagen und
Wochen ſehr eingehend mit den Gemeinden beſchäftigen. Es
wird auch die Vorſchläge des Reichsſtädtetages behandeln. Wir
möchten aber annehmen, daß zur Sanierung der
Gemeindefinan=
zen noch weitere Maßnahmen notwendig werden, insbeſondere
um die ſtarke kurzfriſtige Verſchuldung zu konſolidieren.
Die Chriſtlichnationale Bauern= und Landvolkpartei trat am
Donnerstag nachmittag im Reichstag zu ihrem Parteitag
zu=
ſammen, an dem die Vertreter der Wahlkreisorganiſationen und
die Mitglieder der Reichstagsfraktion teilnahmen. Ueber den
Parteitag wurde von der Partei nachſtehender Bericht ausgegeben:
„Auf dem heutigen Parteitag des Deutſchen Landvolkes
(Chriſtlich=Nationale Bauern= und Landvolkpartei) wurde als
Nachfolger Höfers, dem der Reichstagsabgeordnete Hepp als
ſtell=
vertretender Parteiführer eine vom Parteitag ſtehend
entgegen=
genommene Gedenkrede hielt, in der er die große Bedeutung
Höfers für das deutſche Bauerntum und ſeine hervorragenden
Eigenſchaften als Menſch und Politiker beſonders würdigte, das
bisherige Vorſtandsmitglied von Hauenſchild=Tſcheidt einſtimmig
zum Parteiführer gewählt. Von Hauenſchild nahm die Wahl an
mit dem Verſprechen, die Landvolkbewegung im Sinne und Geiſte
Höfers zu führen. In ſeiner Programmrede zeigte er die
Ent=
wicklung der letzten zwölf Jahre, die, ausgehend von der
Unter=
werfung unter Verſailles und von völliger Einſeitigkeit der
In=
nen= und Außenpolitik zur Aufzehrung der Subſtanz führte. Das
geeinigte Bauerntum ſtellt einen politiſchen Machtfaktor dar, deſſen
chriſtlich=nationale Grundeinſtellung ihn zum Kern der politiſchen
Rechten macht. Das Landvolk kann nicht einer Reichsregierung
folgen, die ſich in Abhängigkeit von der jetzigen Preußenpolitik
hefindet.
Die programmatiſchen Erklärungen wurden einſtimmig
ge=
billigt. In einer lebhaften Ausſprache, an der ſich u. a. der
Gründer der Landvolkbewegung, Staatsminiſter Baum=Weimar
und Miniſter a. D. von Keudell beteiligen, wurde der
unbeirr=
bare Wille zum Auf= und Ausbau der berufsſtändiſchen politiſchen
Landvolkbewegung bekundet.”
* Edſchmids neueſter Reiſe-Roman.
Eine Zeitung veranſtaltete jüngſt eine Rundfrage, ob man
heute noch Wälzer leſen könne. Die Antworten fielen
durch=
weg ſchamhaft verneinend aus, da das geſpannte Zeitmaß der
Gegenwart für Wälzer die Ruhe nimmt. Kaſimir
Ed=
ſchmids Buch „Glanz und Elend Südamerikas” iſt
noch kein Wälzer; es faßt immerhin an 500 Seiten; aber ſelbſt
wenn es die doppelte Zahl hätte, würde man es mit
fieber=
hafter Spannung von Anfang bis zu Ende leſen. Denn es
trägt nicht nur das Tempo der Zeit, ſondern auch den Geiſt der
Zeit in höchſtem Maße in ſich.
Edſchmid hat für ſeine Entdeckung Südamerikas eine neue
Form gefunden. Er vermeidet die Ich=Form, die leicht zu
ſubjektiven Stimmungen und Verſchwommenheiten führt. Er
läßt Göhrs, den Weltmann und Dichter, die Reiſe tun.
Aus=
gerüſtet mit einem reichen Wiſſen über Geſchichte und
Gegen=
wart des Landes, ausgerüſtet mit dem offenen, freien Blick
des lebensbejahenden Deutſchen, ausgerüſtet mit einer
Brief=
taſche voll Empfehlungen zu den führenden Männern des
frem=
den Erdteiles! So öffnen ſich ihm alle Türen, ſo erſchließen
ſich ihm alle Schönheiten des ſeltſamen Landes. So wird er
ein zweiter Entdecker des ſüdlichen Amerikas!
Auf einem holländiſchen Frachtdampfer landete Göhrs
Curacao, jener weſtindiſchen Inſel, die in der Mundart eines
rothäutigen Stammes „gebratener Prieſter” heißt, weil die
Indianer ihre rituellen Gebräuche der Soutane gegenüber nicht
zurückgehalten hatten. Das nahe Panama zeigt Göhrs den
Gegenſatz zwiſchen Nord= und Südamerika und läßt ihn zum
erſten Mal den ſicheren, unwiderſtehlichen Vormarſch des
kapi=
taliſtiſchen Nordens erkennen.
In Ecuador lernt Göhrs die Indianer kennen. Sie
wohnen in Hütten aus Bambus, weil für ihre Unternehmer
ledes andere Material zu teuer geweſen wäre; ſie arbeiten für
40 Mk. einen Panamahut, der 400 oder 800 Mk. koſtet, ſie leben
in einer der ſchamloſeſten Formen der Sklaverei und ſingen die
Nationalhymne: „Komiſches Land, dachte Göhrs, komiſches Laud,
von dem man wegen ſeiner ungenauen Grenzen nicht wußte,
Ob es eine oder zwei Millionen Einwohner hatte, ob es ſo
Aroß war wie Süddeutſchland oder zweimal ſo groß wie
Frauk=
reich komiſches Land, das weder ſoziale Ideen noch ſoziale
Kämpfe kannte und erſt recht keine ſozialen Parteien!”
Peru erſchließt Göhrs die Geſchichte, Bedeutung und Pracht
der alten Indianerkultur. Der gewaltige Zuſammenſtoß zwiſchen
Sen eingeborenen Inkas und den ſpaniſchen Eroberern wird
lebendig. Die Inkas, die um das Jahr Tauſend aufgetreten
waren, hatten viel blühende Indianer=Kulturen und Staaten
ii einer ſtraffen Militär=Monarchie vereinigt. Der reinſte,
aber auch abſonderlichſte Kommunismus der Welt,
zuſammen=
gekoppelt mit einer Oberſchicht von Hochkapital, beherrſcht von
einer dünnen Schicht von Luxusprinzen, Prieſter=Athleten,
Ge=
neralen und Veſtalinnen! Die Spanier, die als Eroberer
in das Land kamen, überſahen bei den Indianern von
vorn=
herein alles, was genial war; ſie verſtanden die Inkas nicht.
Sie verachteten die Heiden.
Im eleganten Schlafwagen der Peruvian Corporation drang
Göhrs in das Herz des Inkareiches, in das Tal von
Cuzco, das ſo hoch wie der Tödi liegt und auf Indiſch „der
Nabel” heißt: der Nabel der Welt! In langen Zügen ſah Göhrs
die Indianer von den Bergen in die Stadt ziehen in ihrer
blühenden Tracht, in Geſellſchaft ihrer Llamas und Alpacas;
liebe, reizende Geſchöpfe mit unſäglich wehmütigen Profilen?
Verwirrend war die Fremdheit dieſer Welt: die alte
Indianer=
feſtung auf der Höhe des Berges, abenteuerliche Reiter in
einſamer Gegend, Mumien auf goldenen Stühlen.
Hatte Göhrs in Peru den Präſidenten Leguia geſprochen,
ſo war er in Bolivien von Hans Kundt, dem deutſchen Leiter
des Generalſtabes, zu einem Butterbrot eingeladen. Der
ſchil=
lernde Untergrund der Revolutionen und der Pleiten der
Staaten Südamerikas werden ſichtbar; in Bolivien die
China=
rinden=Pleite, die Gummi=Pleite, die Zinn=Pleite. In Chile die
Tragik einer tüchtigen Regierung, die mit ſauberen Mitteln
das Land in die Höhe bringen wollte, die aber nicht kämpfen
konnte gegen die Kraft des Weltkapitals, gegen die Macht
des nordamerikaniſchen Dollars.
Ueber die Kordilleren fuhr Göhrs vom Pacific zum
Atlan=
tiſchen Ozean. An Buenos Aires hängt das ganze Argentinien
angekettet. Auf die wilde Urſprünglichkeit der Weſtſtaaten
folg=
ten die Großſtädte der Oſtküſte mit ihren Theatern,
Ren=
nen, Spielſälen, Flugzeugen und zugleich mit ihrer ungeheuren
Bedeutung für den Handel der ganzen Welt.
Auf einem Schiff von 8000 Tonnen kehrte Göhrs nach
Euro=
pa zurück und freute ſich der Kleinheit des Schiffes, die ihm
das Meer nahe brachte. Er erinnerte ſich eines verzweifelten
Paſſagiers, den er einmal im Bauch eines Ozean=Rieſen,
ver=
wickelt in das Labyrinth der Gänge und Stockwerke, getroffen
hatte und der zwiſchen verſenktem Schwimmbad und Aufzug
hin und her irrend einen Steward fragte: „Wo iſt denn das
Meer?” — Eine famoſe Bemerkung Edſchmids, der jeder
See=
fahrer zuſtimmen wird.
Auf der Rückfahrt überdachte Göhrs nochmals Geſchichte
und Schickſal des Erdteiles, den er erlebt hatte. War man dem
Roman dieſes Erdteiles in ſeiner lebendigen Fülle mit höchſter
Spannung gefolgt, ſo ſteigert ſich der Schlußabſchnitt in ſeinem
weitgezogenen Bogen zu dichteriſcher Größe von ſeltener
Schön=
heit.
Z.
Neue Richklinien
für die Deviſenbewirkſchaftung.
Techniſche Erleichterungen
für die Abwicklung des Bankverkehts.
Berlin, 13. Auguſt.
Das Reichswirtſchaftsminiſterium hat eine weitere
Ergän=
zung der Richtlinien für die Deviſenbewirtſchaftung den
Landes=
finanzämtern zugeleitet. Die Richtlinien bringen eine Reihe
techniſcher Erleichterungen für die Abwicklung des Bankverkehrs,
die das Ergebnis eingehender Verhandlungen mit dem
Spitzen=
verbande des Bankgewerbes ſind. Insbeſondere ſind gewiſſe
Geſchäfte mit Deviſen, die nach der Deviſenverordnung
geneh=
migungspflichtig ſind, von der Genehmigung freigeſtellt worden,
ſoweit ſie von den von der Reichsbank anerkannten
Deviſen=
banken durchgeführt werden. Ferner iſt angeordnet worden, daß
zur Bezahlung von Warenſchulden im innerdeutſchen Verkehr
Deviſen nur zugeteilt werden dürfen, wenn es ſich um die
Er=
füllung einer vor dem Inkrafttreten der Deviſenverordnung
ent=
ſtandenen Forderung handelt, oder wenn für Geſchäfte der
be=
treffenden Art die Zahlung in effektiver ausländiſcher Währung
handelsüblich iſt. Dadurch ſoll der neuerdings um ſich
greifen=
den volkswirtſchaftlich nicht gerechtfertigten Fakturierung in
effektiver ausländiſcher Währung entgegengetreten werden.
Schließlich wurde klargeſtellt, daß zur Errechnung der 3000
Reichsmark, bis zu denen nach 8 11 der Deviſenverordnung eine
Perſon während eines Kalendermonats Geſchäfte, die nach der
Deviſenordnung an ſich genehmigungspflichtig wären, frei
vor=
nehmen kann, der Erwerb von Deviſen und die Verfügung über
anderweit erworbene Deviſen ſowie der Erwerb ausländiſcher
Wertpapiere und die Verfügung über ſolche Papiere als ein
einheitlicher Tatbeſtand gelten. Ebenſo gilt die Einräumung
von Reichsmark=Krediten zugunſten eines Ausländers und die
Abtretung von Reichsmarkforderungen an einen Ausländer als
ein einheitlicher Tatbeſtand.
Berlin, 13. Auguſt.
Auf Grund der 88 17, Abſ. 1, Satz 3, 22 der Verordnung
des Reichspräſidenten über die Deviſenbewirtſchaftung vom 1.
Auguſt 1931 (RGBl. I, S. 421) wird verordnet:
8 1.
Ueber Forderungen, die auf Reichsmark oder Goldmark lauten
und im Auslande oder im Saargebiet anſäſſigen Perſonen
zu=
ſtehen, darf ohne die im § 6 Nr. 3 der Verordnung über die
Deviſenbewirtſchaftung vorgeſehene ſchriftliche Genehmigung
auch dann verfügt werden, wenn die Forderungen in der Zeir
vom 16. Juli bis 3. Auguſt 1931 entſtanden ſind.
§ 2.
Ueber die Vorſchriften des 8 6 der Verordnung über die
Deviſenbewirtſchaftung hinaus bedarf der ſchriftlichen
Genehmi=
gung der Stelle für Deviſenbewirtſchaftung auch eine im
Ju=
lande anſäſſige Perſon, wenn ſie Reichsmarkbeträge auf ein im
Inlande geführtes Konto einer im Auslande oder im
Saarge=
biet anſäſſigen Perſon durch Bareinzahlungen, Ueberweiſungen,
oder in ſonſtiger Weiſe gutſchreiben laſſen will.
8 11 der Verordnung über die Deviſenbewirtſchaftung gilt
entſprechend.
8 3.
Die Vorſchrift des 8 7 der Verordnung über die
Deviſen=
bewirtſchaftung gilt auch für Edelmetalle im Sinne des § 8,
Abſ. 4, der Verordnung.
Eine Anordnung der Reichsregierung nach 8 15 der
Ver=
ordnung über die Deviſenbewirtſchaftung kann ſich auch auf
Edelmetalle erſtrecken.
8 4.
Die Nichtigkeit eines Geſchäftes (8 12 der Verordnung über
die Deviſenbewirtſchaftung) kann nicht zum Nachteil von
Per=
ſonen geltend gemacht werden, die im Auslande anſäſſig ſind
oder die den die Nichtigkeit begründenden Sachverhalt beim
Ab=
ſchluß des Geſchäfts nicht kannten.
8 5.
Bis auf weiteres entſcheiden in den in 8 21, Satz 2. der
Verordnung über die Deviſenbewirtſchaftung genannten Fälle
die Reichsbank oder die von ihr ermächtigten Kreditinſtitute.
— Nachdem mit dem Auguſt=Heft der beſonders reich ausgeſtattete
Jubiläums=(75.)Jahrgang von Weſtermanns Monatsheften abgeſchloſſen
iſt, war man mit Recht geſpannt darauf, wie Weſtermanns Monatshefte
ſich im 76. Jahrgang entwickeln werden.
Uns liegt das September=Heft vor, und wir müſſen geſtehen,
daß unſere Erwartungen, die wir an das erſte Heft des neuen
Jahr=
gangs geſtellt hatten, noch weit übertroffen worden ſind. Gleich der
erſte, reich mit Bildern verſehene Artikel über den oſtpreußiſchen Maler
Alfred Partikel von Carl Meißner läßt einen Blick in deſſen Werkſtätte
tun, der uns mit dem Schaffen dieſes Malers aufs engſte vertraut
macht. Dieſem Artikel folgt der Beginn des neuen Romans „Das Haus
der Dämonen” von Hans von Hülſen. — Das Land der unbegrenzten
Möglichkeiten iſt uns ſeit langen Jahren immer näher gerückt. Die mit
vielen buntfarbigen Bildern verſehene Abhandlung „Auch du, New
York”, von Reinhard Weer, zeigt uns, daß auch Amerika von der
Wirt=
ſchaftskriſe nicht verſchont geblieben iſt. — Ernſt von Wolzogen widmet
dem verſtorbenen Dichter Hans Hermann einen warmen Nachruf.
Sport und Gymnaſtik werden in Weſtermanns Monatsheften beſonders
gepflegt. In dieſem Heft wird ein Aufſatz von dem Diplom=Turn= und
Sportlehrer Alfred Müller „Körpererziehung in der Freizeit” gebracht.
„Richard Wagner und Bayreuth”. 84 Bilder, eingeleitet von Prof. Dr.
Oscar Bie. Schaubücher Bd. 27. Herausgeber Dr. Emil Schaeffer.
Geb. 2,40 RM., 3 Fr. Orell Füßli Verlag, Zürich und Leipzig
Dieſes jüngſte Schaubuch, das Oscar Bie, der Verfaſſer des
bei=
nahe ſchon klaſſiſchen Werkes „Die Oper” herausgegeben hat, ſchildert
Wagners Wirken in Bayreuth und die Entwicklung des „Bahreuther
Gedankens” von ſeinen Anfängen bis zur Gegenwart durch 84 Bilder,
von denen keines gleichgültig oder belanglos iſt. Jedem kommt eine
theater= oder muſikgeſchichtliche, den meiſten überdies eine kunſt= und
kul=
turhiſtoriſche Bedeutung zu, und ihnen allen gereicht das neue große
Format der Schaubücher hinſichtlich der Wirkung natürlich zum Vorteil.
Auch durch Bayreuth werden wir geführt, damit wir begreifen, warum
ſich Wagner gerade dieſen wunderlieblichen „Winkel” zur Stätte ſeines
letzten Schaffens und Ruhens erkoren hat.
Ft. Egelhaafs Hiſtoriſch=politiſche Jahresüberſicht für 1930.
Heraus=
gegeben von Friedrich Neubauer. 23. Jahrgang. Verlag
Carl Krabbe (Erich Gußmann) in Stuttgart, 1931. 372 Seiten.
Das bekannte Jahrbuch, das ſelbſtverſtändlich wieder durch ein ſehr
eingehendes Namen= und Sachverzeichnis ergänzt wird, iſt nun zum
23. Male erſchienen und wird ſich als der bewährte neutrale Führer
durch die Irrgänge in Politik und Wirtſchaft des vergangenen Jahres
bewähren. Auch dem eifrigſten Zeitungsleſer, auch dem, der ſich
Aus=
ſchnitte macht oder zuſenden läßt, iſt es unmöglich, alle wichtigen
Vor=
gänge zu verfolgen und wieder aufzufinden, wenn er ſie braucht. Hier
greift das Jahrbuch, deſſen objektive, leidenſchaftsloſe und darum
vor=
treffliche Sachdarſtellung bekannt iſt, ein und vermittelt in
zuſammen=
hängenden Kapiteln eine gut und kurz, doch ausführlich genug gefaßte
e berſicht über die außenpolitiſchen und innenpolitiſchen Fragen, die das
Jahr 1930 in Bewegung ſetzte, wie ſchließlich über alle wichtigen
Vor=
gänge im Ausland. Beſonders eingehende Behandlung haben die
deut=
ſchen parlamentariſchen Kämpfe und die Völkerbundstagungen erfahren.
Die Ueberſicht über das Ausland erſtreckt ſich auf die Vorgänge in allen
Welteilen. Sparſam eingeſtreute ſtatiſtiſche Angaben vermehren den
Wert des Jahrbuches,
Seite 4
Freitag, den 14. Auguſt 1931
Nummer 224
Liehung bestimmt 27. U. 28. Kugust 1931
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Nummer 224
Seite 5
Darmſtadt, den 14 Auguſt 1931
* die Direkiorſtelle an der Eleonorenſchule.
Wie wir aus Elternkreiſen hören, iſt um die Wiederbeſetzung
dieſer Stelle eine lebhafte Erregung entſtanden. Veranlaſſung
gab dazu das ſchon mündlich verbreitete, dann aber von einer
bieſigen Wochenſchrift aufgegriffene Gerücht, der junge Direktor
einer höheren Handelslehranſtalt in Mainz, Herr Dr. M., habe
erklärt, das Ausſchreiben der Stelle ſei nur eine Formſache, er
habe die Ernennung ſchon ſo gut wie in der Taſche. Sollte Herr
Dr. M. dieſe Aeußerung wirklich getan haben, ſo hat er damit dem
Herrn Staatspräſidenten eine Handlungsweiſe zugetraut, deren
wir ihn nicht für fähig halten. Wir wenigſtens und gewiß viele
unſerer Mitbürger glauben nimmermehr, daß Herr Dr. Adelung
als Kultusminiſter eine Stelle von dieſer Bedeutung — zu der
ſich doch wohl auch erfahrene und in Jahrzehnten erzieheriſcher
Arbeit erfolgreich tätige Schulmänner melden werden — einem
jungen Parteigenoſſen verſprochen haben ſollte und ſie trotzdem
noch zum Scheine habe ausſchreiben laſſen.
Allerdings brachte die erwähnte Wochenſchrift eine zweite
Mitteilung über die im Abbau befindliche Handelslehranſtalt in
Mainz mit der Bemerkung, ſie ſei von „amtlicher Stelle” darüber
aufgeklärt worden. Hier lehnen wir wieder die Auffaſſung ab,
dieſe amtliche Stelle ſei etwa das Miniſterium für Kultus und
Bildungsweſen. Wollten wir boshaft ſein, ſo könnten wir eher
meinen, die amtliche Stelle ſei vielleicht die gewiß gut
unterrich=
tete amtliche Direktion der Mainzer Anſtalt.
Uebrigens dürfen wir darauf hinweiſen, daß vor Jahren ein
Oberſtudiendirektor aus Alzey einige Zeit in voller Zufriedenheit
mit dieſer Entwicklung am hieſigen Realgymnaſium als
Ober=
ſtudienrat tätig war. Was einem Oberſtudiendirektor möglich
war, damit könnte ſchließlich auch ein junger Studiendirektor ſich
unächſt einmal begnügen.
Unter den Bewerbern — man ſpricht von beinahe einem
Dutzend — werden auch Leute hieſiger Anſtalten genannt. Wir
dürfen erwarten, daß ein Kultusminiſterium das Ausſchreiben
einer derartigen Stelle ernſt meint — man hat auch wiederholt
das Ausſchreiben ſchon unterlaſſen und ſolche Stellen kurzerhand
jeſetzt — und die ernſtgemeinten Bewerbungen verdienter
Schul=
nänner einer ebenſo ernſtgemeinten Prüfung unterwirft. Es
vill uns daher ſcheinen, als ſei eine Erregung der Elternſchaft
unächſt noch unbegründet.
Dazu kommt, daß für die hieſigen höheren Mädchenſchulen
ein Kuratorium beſteht, das vor der Entſcheidung zu hören iſt.
Vorſitzender iſt der Oberbürgermeiſter. Er wird ganz gewiß ſich
ticht von den Sorgen um das Unterbringen des jungen
Studien=
ſirektors der Mainzer Lehranſtalt leiten laſſen, ſondern die
ſieſigen Verhältniſſe berückſichtigen und die Wünſche der
Eltern=
chaft der Eleonorenſchule beachten. Dazu liegt für ihn um ſo
nehr Veranlaſſung vor, als die Stadt ja das Haus gebaut hat
ind unterhält, ſämtliche ſachliche Ausgaben und die Hälfte der
ſerſönlichen Koſten zu tragen hat. Ferner iſt aus dieſem Grunde
er Stadtrat zu hören. In dieſer Körperſchaft ſitzen gewiß Leute,
ie imſtande ſind, die berechtigten Belange der Elternſchaft
ſeutlich zu vertreten. Schließlich aber beſteht an der
Eleonoren=
chule ein von den Eltern ſelbſt gewählter Beirat. Wir würden
ieſe neue Einrichtung für vollſtändig überflüſſig halten, wenn
er Elternbeirat gerade bei dieſem wichtigen Punkte ſchweigen
vollte. Wir dürfen wohl mit gutem Grund annehmen, daß der
Elternbeirat ſeine Pflicht getan und die Wünſche der Elternſchaft
em Miniſterium für Kultus und Bildungsweſen, alſo dem Herrn
Staatspräſidenten ſelbſt, vorgetragen hat.
Zuſammenfaſſend müſſen wir ſagen, es will uns ſcheinen, die
Erregung über eine Aeußerung eines der vielen Bewerber, die
nehr dem Wunſch als der Tatſache entſpringt, iſt eigentlich
gegen=
tandslos. Man muß doch auch zu Perſönlichkeiten Vertrauen
ſaben und nicht von vornherein annehmen, daß wirklich
allent=
ſalben das noch etwas neue Parteibuch Ausſchlage gibt.
Jeden=
alls gibt uns eine nun doch ſchon jahrelange Beobachtung guten
brund zu einer höheren Einſchätzung des derzeitigen
Kultus=
niniſters, des Herrn Staatspräſidenten Dr. Adelung.
— Ernannt wurde: am 28. Juli; der Kanzleigehilfe Johann
tptiſt Veit in Mainz zum Kanzliſten bei der
Hebammenlehr=
nſtalt Mainz mit Wirkung vom 1. September 1931 an;
4. Auguſt: der Studienreferendar Franz Valentin in
ainz zum Studienaſſeſſor mit Wirkung vom 1. Oktober 1931 an;
irch Entſchließung des Miniſteriums für Kultus und
Bildungs=
ſen der Studienreferendar Fritz Kiſſel in Darmſtadt zum
udienaſſeſſor mit Wirkung vom 1. Oktober an.
— In den Ruheſtand verſetzt wurden: am 5. Auguſt: der
ieſenmeiſter im einſtweiligen Ruheſtand Martin
Hils=
eimer VIII zu Lampertheim vom 1. September 1931 an; auf
rund des § 1 des Geſetzes über die Altersgrenze der
Staats=
amten vom 2. Juli 1923 bzw. 19. Dezember 1923 in der
Faſ=
ng des Geſetzes vom 8. Oktober 1925 (Reg.=Bl. S. 249) der
hrer Aloys Gärtner an der Volksſchule zu Harxheim, Kreis
ainz mit Wirkung vom 1. September 1931 an; auf Grund des
rtikels 14 des Polizeibeamtengeſetzes vom 31. März 1928 der
olizeimeiſter Wilhelm Semmler zu Darmſtadt mit Wirkung
m 1. September 1931 an.
— Evangeliſch=kirchliche Nachrichten. Durch die
Kirchenregie=
ng wurde dem Pfarrer Philipp Schultheiß zu Fürfeld die
Langeliſche Pfarrſtelle zu Hangen=Weisheim, Dekanat Alzey,
bertragen.
— Turngemeinde Beſſungen 1865 e. V. Darmſtadt —
Wander=
keilung. Wiederum ſteht eine Wanderung auf der
Tagesord=
ing, und zwar für Sonntag, den 16. Auguſt ds. Js. Auch bei
eſer Wanderung hat man dem Odenwald den Rücken gekehrt
nd will ſich etwas in der Maingegend umſehen. Es iſt deshalb
n den Führern vorgeſehen, von Egelsbach zu Fuß nach Schloß
olfsgarten zu marſchieren, um dort den Park uſw. zu beſichtigen.
on hier geht es weiter über Walldorf nach Groß=Gerau.
Unter=
egs iſt ſebſtverſtändlich die nötige Raſt eingelegt — Obwohl die
(arſchzeit etwa 4½ Stunden beträgt, iſt dieſe Wanderung nicht
eſchwerlich, und es können auch ganz gut Aeltere und weniger
* Marſchfähige ſich beteiligen. Sollten die Aelteren es
vor=
ehen, die günſtige Fahrgelegenheit zu benützen, ſo können ſie
kweder direkt nach Groß=Gerau (Gaſthaus „Zur Krone”) oder
ikerwegs von Walldorf aus noch Groß=Gerau fahren. — Die
Uhrer haben für dieſe Wanderung die Abfahrt auf 6.46 Uhr ab
lobahnhof oder ab Hauptbahnhof 7.02 Uhr vormittags angeſetzt.
ie Teilnehmer werden gut daran tun, frühzeitig zu erſcheinen,
die Fahrkarten nach Egelsbach löſen zu können. Ferner
Urfte es ſich empfehlen, ſich auf Ruckſackverpflegung einzurichten.
Liederbücher ſind ſelbſtverſtändlich immer dabei.
— Die neue Nelſon=Revue. Der rote Faden”, Text von Mar=
Aus Schiffer und Friedrich Holländer, Muſik von Rudolf Nelſon,
Td am Dienstag, den 18., und Mittwoch, den 19. Auguſt, abends
Uhr, im Kleinen Haus unter perſönlicher Leitung des
Kom=
iſten vorgeführt. Dem ausgezeichneten Enſemble gehören
athe Erlholz, Grete Weiſer, Lotte Dewis, Fritzi Schadl.
Wil=
im Bendow, Harry Gondi, Karl Heinz Horſten und die
Nelſon=
rls an. Der Vorverkauf zu kleinen Preiſen (1.— bis 3.— RM.)
eginnt am Samstag, den 15. Auguſt.
Freitag, den 14. Auguſt 1931
Die Vorbereikungen für die Junsbruck=Meſſe.
Man ſchreibt uns: Bei der Firma „Darmſtädter Seifenfabrik
A.=G. herrſcht Hochkonjunktur. Angſtkäufe? Nein! Solche
Wirtſchaftsſorgen kennt dieſes Unternehmen nicht, denn es
han=
delt ſich nicht um eine richtige Firma, ſondern um eine
Uebungs=
firma für junge Kaufleute, wie ſie der Deutſchnationale
Hand=
lungsgehilfen=Verband ſeit 1919 im In= und Ausland für die
be=
rufliche Weiterbildung ſeiner Lehrlinge und Junggehilfen
ge=
ſchaffen hat. Dieſe Scheinfirmen halten am 15 und 16. Auguſt
ds. Js. anläßlich des 5. Reichsjugendtages des Bundes der
Kauf=
mannsjugend im D.H.V., der wieder unter dem
Grenzlandgedan=
ken ſteht, ihre
4. Reichs=Scheinfirmen=Meſſe
ab. Daran beteiligt ſich auch die hieſige Scheinfirma des D.H.V.
Deshalb dieſer Hochbetrieb! Es ſind die letzten Vorbereitungen
zu treffen. Das „Ausſtellungsgut” muß auf den Weg gebracht
werden. Es iſt ſchwieriger als bei der Leipziger Meſſe, wo jede
Firma mit ihren Muſterkollektionen anrückt. Die Reichsleitung
der Scheinfirmen in Hamburg hat die Verwendung von irgendwie
entliehenen Warenmuſtern unterſagt. Sie fordert, daß die
Lehr=
linge und Junggehilfen der Ausſtellerfirmen ſich am
Plakat=
wettbewerb anläßlich der Scheinfirmenmeſſe beteiligen, alſo
in Wort und Bild für die Erzeugniſſe und Waren ihrer Firma
werben. Daneben iſt ein genauer Einblick in die Organiſation
und Arbeitsweiſe jeder Firma zu vermitteln. Die Bedingungen
ſind nicht leicht zu erfüllen. Deshalb heißt es ſchaffen, denken
und planen, um gegenüber der „Konkurrenz” und vor den
kriti=
ſchen Augen der anweſenden Berufspädagogen zu beſtehen. Es
geht nicht nur um die Berufsehre des einzelnen, ſondern um die
Ehre der Firma. Die Darmſtädter Seifenfabrik A.=G. iſt auf
der Meſſe vertreten. Insgeſamt ſind 94 Ausſtellungskojen
vor=
handen.
Das beſte Mittel gegen völlig ermüdete und ſchmerzende Füße
iſt heißes Waſſer, dem man ein wenig Eſſig zufügt. Wer die
Wir=
kung dieſes Mittels noch nicht erprobt hat, wird beſtimmt bei
einem Verſuch ſeine Erwartungen bei weitem übertroffen ſehen.
Die heißen Fußbäder, die vorwiegend morgens und abends
ge=
nommen werden, ſollen etwa die Dauer von zwei Minuten haben.
Heiße Fußbäder, die allerdings eine etwas längere Dauer haben
müſſen, ſind vorzüglich geeignet, uns von Kopfſchmerzen zu
be=
freien, da ſie den Blutandrang im Kopf beheben und ablenken.
Nach dem Bad werden die Füße recht kräftig trocken maſſiert und
es folgt, oder es ſoll wenigſtens eine halbſtündige Arbeitspauſe
folgen. Die gleiche Wirkung der Kopfſchmerzenlinderung geht von
heißen naſſen Nackenumſchlagen aus. Zahnſchmerzen können
be=
kanntlich bis zur Verzweiflung treiben. Solange wir uns nicht
in ärztliche Behandlung begeben können, bietet uns heißes Waſſer
ſeine ſchmerzlindernde Kraft an. Wir tauchen ein weiches Tuch
in recht heißes Waſſer und drücken es darauf wieder aus. So heiß,
wie wir dieſen Umſchlag vertragen können, legen wir ihn auf die
ſchmerzende Backe. Bald wird dieſe feuchte Hitze bewirkt haben,
daß die von den in Mitleidenſchaft gezogenen Nerven
ausgehen=
den Schmerzen nicht nur gelindert werden, ſondern vollſtändig
wieder verſchwunden ſind. Bei krampfartigen Unterleibs= und
Magenbeſchwerden gehören heiße feuchte Umſchläge zu den nie
verſagenden Mitteln. Damit die feuchte Wärme recht lange
er=
halten bleibt, legt man über den Umſchlag ein Stück Guttapercha
oder Billroth=Battiſt und darüber eine dicke wollene oder
Flanell=
decke. Auf die ſchmerzlindernde Wirkung eines feucht=heißen
Um=
ſchlages kann man ſich bei einer Kolik ſtets verlaſſen. Auf
un=
ſchädliche Weiſe wird überflüſſiger Fettanſatz an Leib und Hüften
durch feucht=heiße Umſchläge wieder beſeitigt. Wenn man dieſe
Umſchlage zum Zweck einer Fettbeſeitigungskur regelmäßig
wie=
derholt, ſo iſt ihr Erfolg beſtimmt größer als der Erfolg des
Opfers der Enthaltſamkeit und der Diät. Die heißen Umſchläge
können unmittelbar vor dem Einſchlafen gemacht werden, da von
den heißen Umſchlägen eine ſchweißtreibende Wirkung ausgeht.
Im Bett iſt aber die Gefahr der Erkältung infolge Abkühlung am
geringſten. Zu einer ſolchen Entfettungskur gehört allerdings
etwas Geduld, vor vier Wochen laſſen ſich nur ſelten merkliche
Ge=
wichtsabnahmen feſtſtellen. Hungern und Durſten ſind die
gefähr=
lichſten Hilfsmittel, zu denen wir nie greifen ſollten, wenn wir
unſer Körpergewicht herabſetzen wollen. Unwillkürlich drängt ſich
uns an dieſer Stelle die Frage auf, ob es gut iſt, ſich das Geſicht
regelmäßig mit heißem Waſſer zu waſchen. Dieſe Frage iſt
grund=
ſätzlich zu verneinen, mag die Haut an und für ſich trocken oder
fettig ſein. Sehr empfehlenswert ſind dagegen heiße Waſchungen
in größeren zeitlichen Abſtänden zwecks einer beſonders
gründ=
lichen Reinigung des Teints. Mit der vorzüglichen Reinigung
der Poren verbindet ſich eine angenehme Anregung des
Blutkreis=
laufes der Geſichtshaut. Zu oft dürfen die heißen Waſchungen
je=
doch nicht vorgenommen werden, damit ſich die Poren nicht allzu
ſehr erweitern. Wir empfehlen, zwiſchen den gründlichen
Rei=
nigungen der Geſichtshaut mit heißem Waſſer jeweils einen
Zwi=
ſchenraum von vier Wochen vergehen zu laſſen. An letzter Stelle
erwähnen wir die heißen Umſchläge als Linderungsmittel bei
Halsſchmerzen. Wir konnten bei weitem nicht alle vorteilhaften
Wirkungen des heißen Waſſers auch nur annähernd erſchöpfend
aufzählen, dazu ſind ſie zu zahlreich. Die Heilwirkung, die von
heißem Waſſer ausgeht, iſt ſchon ſeit altersher bekannt. Wir haben
Berichte aus den Zeiten der Römer, die uns erzählen, wie ſchon
damals die Heilkraft mancher Quellen, ſogenannter
Thermalquel=
len, die lediglich auf ihrer Temperatur beruhte, ausgenutzt wurde.
— Heſſiſches Rotes Kreuz. Im Kindererholungsheim des
Heſſiſchen Roten Kreuzes in Bingenheim (Oberheſſen) ſind für
die am 22. Auguſt dieſes Jahres beginnende Mädchenkur, zu der
Mädchen im Alter von 6—14 Jahren Aufnahme finden, noch
einige Plätze frei. Anmeldungen haben baldigſt bei der
Geſchäfts=
ſtelle des Alice=Frauenvereins, Dieburger Straße 21 (
Sprechſtun=
den vormittags), zu erfolgen, wo auch die erforderlichen
Auf=
nahmeformulare zu erhalten ſind. Die Kurkoſten betragen 3.—
RM. täglich, alſo 90.— RM. für die 30 Tage dauernde Kur. Im
Bedürftigkeitsfalle kann vom Heſſiſchen Roten Kreuz ein Zuſchuß
bis zu 45 — RM. gewährt werden. Entſprechende Anträge ſind
bei der Anmeldung mündlich oder ſchriftlich zu ſtellen. — Auch
für die vom 26. September bis 26. Oktober ſtattfindende letzte
Knabenkur, zu der Knaben im Alter von 6—10 Jahren
aufgenom=
men werden können, ſind noch Anmeldungen möglich. Dieſe Kur
fällt in die Zeit der heſſiſchen Herbſtferien.
— Sommerſpielzeit Bruno Harprecht im Heſſ. Landestheater.
Nur noch 2 Aufführungen, und zwar am heutigen Freitag und
morgigen Samstag, finden von der mit ſtürmiſchem Erfolg
ge=
gebenen Schwank=Neuheit „Das öffentliche Aergernis”, die ſich.
wie nicht anders zu erwarten, als außerordentlicher Schlager
er=
wies, ſtatt. In beiden Aufführungen ſpielt Bruno Harprecht
noch einmal ſeine neueſte Rolle, den „Konſul Pietſch”, mit der
er wiederum einen Sondererfolg für ſeine Kunſt bei Preſſe und
Publikum erzielte.
— Das Jugendzelt iſt da! Man ſchreibt uns: Nicht weit vom
eiligen Betrieb des vorbeihaſtenden Verkehres der Landgraf=
Georg=Straße iſt auf dem Meßplatz ein eigenartiger Bau mit
weitem Rund errichtet worden. Er bietet Raum fur 2000
Per=
ſonen und ſoll allabendlich zu Vorträgen dienen, die ſich an
Men=
ſchen wenden, die da hungern und dürſten nach Wahrheit und
Gerechtigkeit. Das Zelt iſt erwachſen aus dem Bewußtſein
der Verantwortung an deutſche Jugend. Die Jugend hat
dieſes Zelt mit eigenen Mitteln erworben und unterhält es, um
den Tatbeweis ihres Glaubens an die Zukunft unſerer Jugend zu
erbringen. Es iſt weder eine Sache der Politik, von der im Zelt
geſprochen wird, noch irgend einer Geldmacht, ſondern einzig
und allein die Wahrheitsmacht des Evangeliums. Evangelium
heißt: Frohe Botſchaft! Dies ſoll im Zelt verkündigt
wer=
den. Wir haben in unſeren Tagen ſo viel Leid und Jammer zu
ſtillen. Auf der Schattenſeite des Lebens verkümmern freudlos
Alte und Junge. Da gilt es, ein inneres Feuer anzuzünden, das
die Herzen erhellt und mit Freude und Kraft erfüllt. Dieſe
Zelt=
miſſion iſt Jugendarbeit. Darum iſt ſie friſch und ſonnig.
Alle evangeliſchen Jugendverbände der Stadt und darüber hinaus
haben ſich als Mitarbeiter an dieſem gemeinſamen Werk
zu=
ſammengefunden. Vom 16.—31. Auguſt 1931, jeden Abend um
8.30 Uhr, werden über brennende Jugend= und Lebensfragen
Vor=
träge gehalten unter Mitwirkung von Poſaunen= und
Geſangs=
chören. Namhafte Redner werden zu Worte kommen. Die
Er=
öffnung des Jugendzeltes findet am Sonntag, den 16. Auguſt,
nachmittags 4 Uhr, ſtatt, zu der jedermann herzlich eingeladen iſt.
Vertreter der Behörden und Jugendverbände werden ein
Gruß=
wort ſprechen. Von den Vortragsthemen ſeien einige ſchon heute
genannt: „Zukunftsſtaat und neue Menſchheit” „Empor zum
Licht‟: Die Sprache Gottes im Weltgeſchehen”. Auch Aufklärung
über ſittliche Nöte und Fragen unſerer Zeit ſollen gegeben
wer=
den. Nähere Ankündigung hierüber folgt noch.
Mit der Reichsbahn nach Oberbayern.
Um weiteſten Kreiſen Gelegenheit zu geben, für wenig Geld
die Schönheiten Münchens, die Pracht bayeriſcher Königſchlöſſer
und die Majeſtät der bayeriſchen Alpen kennen zu lernen, wird
die Reichsbahndirektion Mainz vom 1. bis 7. September einen
Sonderzug fahren, bei dem die Fahrpreiſe für die Hin= und
Rück=
fahrt um 40 v. H. ermäßigt werden. München die
Eingangs=
pforte zu den bayeriſchen Alpen, das Jſarathen mit ſeinen
hervor=
ragenden Kunſtſchätzen, bildet den erſten Abſchnitt der Sondere
fahrt. Der auf der Schnellzugſtrecke München—Salzburg
ge=
legene freundliche Ort Prien, der Hafenplatz des Chiemſees,
des bayeriſchen Meeres” wo der Fremdenverkehr auf hoher
Stufe ſteht und deſſen Einrichtungen nachahmenswert ſind bildet
das nächſte Ziel. Ein Waldfeſt im Naturpark zu Prien oder ein
Seefeſt auf dem Chiemſee werden dem Teilnehmer
unver=
geßlich bleiben. In Prien wo einmal übernachtet wird, iſt der
Ausgangspunkt zu den Dampferfahrten auf dem herrlichen
Chiemſee, zum Beſuch der beiden Eilande, der Herreninſel, auf
der Ludwig II. das mit überwältigender Pracht ausgeſtattete
Schloß Herrenchiemſee erbaut hat, und der Fraueninſel, des
kleinen lieblichen Reiches der ehemaligen Aebtiſſin Irmingard,
der Tochter König Ludwig des Deutſchen, der Urenkelin Karls
des Großen, die 1928 ſelig geſprochen wurde. Das dritte Ziel
bildet Berchtesgaden. Zwiſchen hochragenden Bergen, unter
denen der Watzmann und das ſteinerne Meer beſonders
ein=
drucksvoll wirken, liegt das Berchtesgadener Tal. Das
Berchtes=
gadener Land iſt eines der prächtigſten Schauſtücke der Alpen,
eine Perle des an Naturſchönheiten ſo reichen Bayernlandes.
Aus dieſem Paradies heraus erhebt ſich ſchmuck, wie ein
Rieſen=
ſpielzeug, in maleriſchem Aufbau das Standquartier
Berchtes=
gaden ſelbſt, ein entzückender Gebirgsort, wohl der
charakte=
riſtiſchſte, eigenartigſte, des ganzen bayeriſchen Berglandes. Ein
nahezu 4½tägiger Aufenthalt bietet Gelegenheit zu
Wanderun=
gen kleinen und großen Ausflügen zu Fuß oder mit
Geſellſchafts=
kraftwagen der Reichspoſt in die herrliche Gebirgslandſchaft,
Einen ſeiner Glanzpunkte bildet der Königſee, wohl der
ſchönſte Gebirgsſee Deutſchlands. Gemeinſame Führungen
Be=
ſichtigungen werden auf das unbedingt notwendige Maß
be=
ſchränkt werden, damit die perſönliche Freiheit des einzelnen
nicht beeinträchtigt wird. Da der Sonderzugfahrpreis gegenüber
dem normalen Fahrpreis um 30 RM. geringer iſt, auch ſonſt im
Intereſſe aller Teilnehmer weſentliche Ermäßigungen erzielt
wurden, iſt anzunehmen, daß von der äußerſt günſtigen
Gelegen=
heit reichlich Gebrauch gemacht und ſomit auch die Deutſche
Reichsbahn in ihrem Beſtreben, allen Volksgenoſſen Gelegenheit
zu geben, unſer Vaterland in ſeiner Schönheit und Größe kennen
zu lernen, unterſtützt wird.
* Die ſechskägige Heag=Bayern=Reiſe.
Wir erhalten von Teilnehmern folgenden Bericht:
„Am vergangenen Sonntag war es uns vergönnt, die gut
vorbereitete 6tägige Reiſe im ſtoßfreien Dreiachſer=Allwetter=
Großkraftwagen der Heſſiſchen Eiſenbahn=A.=G. anzutreten. In
flotter Fahrt führte der Weg über Heidelberg—Bruchſal—
Pforz=
heim durch das herrliche Nagold=Tal nach Bad Liebenzell. Nach
einer kurzen Beſichtigung der dortigen Kuranlagen wurde das
durch den Reiſeleiter vorbereitete Mittageſſen eingenommen, ſo
daß wir bereits um 13 Uhr die Weiterfahrt über Nagold—Horb
—Sigmaringen nach Ueberlingen am Bodenſee fortſetzen konnten.
Schon der erſte Tag war dank der ſchonen Landſchaft ein Genuß,
der nicht jedem im Berufsleben Stehenden vergönnt iſt. Leider
hatte der Wettergott am Bodenſee wenig Erbarmen, denn das
für uns vorbereitete kleine Strandfeſt mußte infolge ſtarken
Regenfalls abgeſagt werden. Um ſo mehr gab es am zweiten
Reiſetag in Friedrichshafen große Ueberraſchungen, indem die
Zeppelinwerft die geſamten Reiſeteilnehmer zu einer Beſichtigung
des Luftſchiffes Graf Zeppelin” eingeladen hatte. Es war ein
herrliches Gefühl, die deutſche Technik bewundern zu dürfen und
vor allen Dingen die techniſchen Einzelheiten erklärt zu
bekom=
men. Ueber Lindau fuhren wir durch das Allgäu nach
Immen=
ſtadt und trafen gegen 13 Uhr nachmittags in Sonthofen im
All=
gäu ein. Nach kurzen Formalitäten auf dem dortigen Bezirksamt
wurde uns innerhalb weniger Minuten die Einreiſe=Erlaubnis
nach Tirol erteilt. Nun begann für uns ein Staunen über die
wunderſchönen Landſchaftsbilder, die während der Fahrt über die
1200 Meter hohe Jochſtraße uns dort geboten wurden. Ein
Ueber=
winden dieſer Steigung war nicht nur dem guten Wagenmaterial
der Heag zu verdanken, ſondern auch den beiden überaus
geſchick=
ten Fahrern. Durch Ueberfüllung der einzelnen Kurorte waren
wir gezwungen, in Reutte in Tirol zu übernachten, wo wir dank
der raſchen Organiſation der Reiſeleitung vortrefflich
unter=
gebracht waren. Am anderen Morgen wurden die Königsſchlöſſer
Hohenſchwangau und Neuſchwanſtein beſichtigt. In
Hohenſchwan=
gau wurde von einer Innenbeſichtigung Abſtand genommen, da
der Eintrittspreis für die einzelnen Schlöſſer ſo hoch bemeſſen iſt,
daß es ſich mancher nicht erlauben kann. mehrere Königsſchlöſſer
zu beſichtigen. Eigentlich müßten derartige Bauwerke ſchon zu
einem mäßigen Satze zu beſichtigen ſein, als wie bisher zu einem
einfachen Eintritt 3.— RM. verlangt werden. Nachdem wir
morgens von der Zugſpitzbahn in Ehrwald (Tirol) eine beſondere
Vergünſtigung eingeräumt erhielten, haben wir uns entſchloſſen,
nachmittags Deutſchlands höchſten Gipfel, die „Zugſpitze” (2998
Meter), mit der Seilbahn zu befahren. Noch am gleichen Tage
wurde die Rückfahrt über den Walchenſee nach München
angetre=
ten. In München ſelbſt fanden wir eine hervorragende
Unter=
kunft und vergnügte Stimmung — am darauffolgenden Tage in
dem bekannten Bräuſtübchen „Zum Platzl” wo der allſeits ſo
beliebte Komiker Weißferdl dazu beitrug, uns in der richtigen
Stimmung zu erhalten. Nun — Scheiden tut weh, und um dieſes
zu verhindern — wurde die Rückfahrt über den Starnberger= und
Ammer=See gelegt. Nun geht es wieder der Heimat Darmſtadt
über Stuttgart-Heilbronn—Eberbach-Michelſtadt entgegen. wo
wir am Freitag gegen 10 Uhr abends in Darmſtadt am Heag=
Haus eintreffen werden.
Es wird für die gut harmonierende Reiſegeſellſchaft, die ſich
am 6. Auguſt mit insgeſamt 50 Perſonen am Heag=Haus
ein=
gefunden hatte, beſtimmt ein wehmütiges Scheiden werden, wenn
der Wagen am Freitag abend in Darmſtadt einläuft Jedoch die
Erinnerungen an dieſe herrliche 6tägige Alpenfahrt, die dank der
muſtergültigen Reiſeleitung und dem glänzenden Wagenmaterial
der Heag, ausgeſtattet mit den zuverläſſigſten Fahrern, ſo
vor=
trefflich verlaufen iſt, werden ſtets in jedem Teilnehmer
wach=
hleiben. Wir wir ſoeben erfahren, findet von Dienstag, den 1.,
bis Sonntag, den 6. September, eine Wiederholung dieſer 6
tägi=
gen Bayernreiſe ſtatt, die wir heute ſchon aufs beſte empfehlen
Dr. M
können.
Ausflugsſonderzug nach Eiſenach. Der von der
Reichsbahn=
direktion Mainz vom 15 bis 16. Auguſt in Ausſicht genommene
Ausflugſonderzug nach Eiſenach wird beſtimmt verkehren. Die
Fahrpreiſe zur Fahrt mit dieſem Sonderzug ſind um 50 v. H.
er=
mäßigt worden. Der Verkauf wird geſchloſſen, ſobald die zur
Verfügung ſtehenden Plätze vergriffen ſind.
v. Erſparniſſe bei Bauvorhaben. Die Beibringung amt
licher Lagepläne kann von der Baupolizei erlaſſen
werden, wenn es ſich um Bauvorhaben von
unterge=
ordneter Bedeutung handelt bei denen die Koſten der
Anfertigung eines amtlichen Lageplanes in keinem Verhältnis
zur Bauſumme ſtehen und nach Lage der Bauſtelle ein
öffent=
liches Intereſſe an einer amtlichen Grenzfeſtſtellung nicht
vor=
liegt. Ob letzteres vorliegt, iſt im Benehmen mit dem
Vermeſ=
ſungsamt feſtzuſtellen.
Warnung vor einer Verſicherungsbetrügerin. In den letzten
Tagen ſuchte in verſchiedenen heſſiſchen Städten eine angebliche
Vertreterin des Beyer=Verlages alleinſtehende Frauen auf und
verpflichtete ſie zum Austragen der wöchentlich erſcheinenden
Beyerſchen Modehefte. Unter dem Verſprechen, die Hefte
würden von der Buchhandlung Heil in Mainz geliefert und es
ſeien bereits zahlreiche Bezugsmitglieder am Ort vorhanden und
ſie vergüte für das Heft 10 Rpfg. Trägerlohn, forderte ſie die
Frauen auf, Bezugsmitglied zu werden und die im Bezug der
Zeitſchrift eingeſchloſſene Verſicherung zu bezahlen. Sie
erſchwin=
delte ſich auf dieſe Weiſe in mehreren Fällen je 3.— RM. Be
ſchreibung der Betrügerin: 25 Jahre alt. 1.60 Meter
groß, ſchlank, bleiches, längliches Geſicht, auffällig hellblond
ge=
lockter Bubikopf, roſafarbiges Waſchkleid und helle, ärmelloſe
Strickjacke; ſie trug eine ſchwarze Aktentaſche und ein vergriffenes
Beyerheft bei ſich, das ſie den Geſchädigten jeweils vorzeigte. Sie
traf ſich ſpäter mit einem jungen Manne, der vermutlich mit ihr
reiſt. Beſchreibung des jungen Mannes: 25 Jahre
alt, 1.68 Meter groß ſchlank blondes Haar, glattraſiert,
hell=
grauen Knickerbocker=Anzug. Wie nunmehr bekannt wird, benutzt
die Betrügerin auch Verſicherungsmaterial mit dem
Firmenſtem=
pel „Baaden. Bingerbrück, Buchhandlung und Zeitſchriftenverlag”,
Das Landeskriminalpolizeiamt warnt hiermit vor der Betrügerin
und hittet, bei ihrem Vorſprechen die nächſte
Polizei=
ſtation zu verſtändigen.
Seite 6
Freitag, den 14. Auguſt 1931
Nummer 224
Union=Theater.
„Zapfenſtreich am Rhein” iſt eine ſehr luſtige, ausgezeichnet
geſpielte Tonfilm=Operette, in der Jaap Speyer, der ſehr geſchickt
Regie führt. Epiſoden aus dem Soldatenleben der Vorkriegszeit
zu wirkſamem Operettenſtoff verarbeitet hat. Eine Infanterie=
Regimentskapelle mit klingendem Spiel und ſchneidigem
Trom=
melwirbel marſchiert an der Spitze der 1. Kompagnie auf und
marſchiert mit dieſem klingenden Spiel und dem Parademarſch
der 16er durch die ganze heitere Handlung, die ſie auch mit dem
„Zapfenſtreich” abſchließt, nachdem alle Mädel den „Richtigen”
be=
kommen haben. Und in die Manover= und Kaſernenhof=Szenen
hinein ſpielen mehr oder weniger zarte Liebesſzenen und ſolche
aus dem Eheleben, beſonders des Herrn Oberſten, deſſen Gattin
das ſchneidige Regiment führt, in das der flotte
Kavallerieleut=
nant verſetzt wird, zur Strafe dafür, daß er in eine „Sängerin”
verliebt iſt und — Schulden gemacht hat. Die Frau Oberſt
verlobt ihn mit der Tochter des reichen Weingutsbeſitzers die
aber ſelbſtverſtändlich einen anderen liebt, den ſie am Schluſſe
ebenſo ſelbſtverſtändlich auch kriegt, nachdem die bildhübſche und
energiſche Sängerin ihre Gegnerinnen gelegt und durch ein
hüb=
ſches Intrigenſpiel ſich nicht nur den Grafen=Oberleutnant
er=
ringt, ſondern noch alles andere zum guten Ende führt. Wie es
in einer Operette ſein muß, in der es, der Wirkung zuliebe, auf
ein paar militäriſche Unmöglichkeiten nicht ankommt. — Es wird
ausgezeichnet geſpielt. geſungen, muſiziert und getanzt. Und es
werden viele hübſche Bilder vom Rhein gezeigt. Charlotte Suſa
Hans Stüwe, Hans Junkermann., Maria Solveg, Ernſt
Verebes Siegfried Arno. Julie Serda und viele andere
ſpielen flott und liebenswürdig. — Das Beiprogramm iſt gut und
reichhaltig.
— Union=Theater. Zum Abſchluß der Schulferien bringt das
Union=Theater in 2 Sondervorſtellungen für jung und alt eine
Serien=Reihe der urfidelen Micky=Maus, und zwar heute Freitag
und morgen Samstag, nachmittags 2.30 Uhr. Die Eintrittspreiſe
ſind ſehr niedrig gehalten, es wird aber darauf hingewieſen, daß
nur dieſe beiden Vorführungen ſtattfinden. Näheres Anzeige.
— Im Helia=Theater ſieht man ab heute Buſter Keaton in
ſeinem neueſten Tonfilm: Buſter rutſcht ins Filmland‟. Es
dürfte intereſſieren, wie ſich Buſter Keaton, der Meiſter der
ſtum=
men Komik, mit einer Sprechrolle — er ſpricht übrigens deutſch
— abfindet. Im Vorprogramm läuft der als Tonfilm
aufgenom=
mene Boxkampf um die Schwergewichtsmeiſterſchaft der Welt:
Schmeling gegen Stribbling. Die hochdramatiſche und
entſchei=
dende 15. Runde wird in Zeitlupenaufnahmen gezeigt.
Jugend=
liche haben Zutritt. Beginn 3.30, 5.45 und 8.20 Uhr.
— In den Palaſt=Lichtſpielen läuft ab morgen ein
inter=
eſſantes Doppelprogramm, und zwar wird gezeigt das Bilddrana
aus dem Rußland von 1905: „Nach Sibirien” ferner „Die Affen
von Suchum” und „Markttag in Marrakeſch”.
Ab morgen Samstag, den 15. Auguſt, hat ſich das Orpheum
wieder einen hervorragenden Spielplan verſchrieben, und zwar
wird für die nächſten 8 Tage das großartige Erwin=Pöthig=
Ausſtattungs=Kaleidoſkop „Charivari” die
Be=
ſucher des Orpheums im Banne halten. „Charivari” iſt eine etwa
3 Stunden währende Darbietung von verblüffender
Vielſeitig=
keit. Varieté=, Revue= und Kabarett=Darbietungen
jagen in ſtetem Wechſel, ſozuſagen am laufenden Band, in 44
Bil=
dern im Blitz=Tempo über die Bühne, ſo daß der Zuſchauer
tat=
ſächlich einige Stunden in ſtärkſtem Maße von dem bunten
Vie=
lerlei faſziniert iſt. Der Rhythmus und das Tempo dieſer
viel=
ſeitigen Schau wird durch ein eigenes, virtuoſes Jazz=Orcheſter
wirkungsvoll unterſtrichen. Die Charivari=Revue fand ſoeben in
Köln, woſelbſt ſie im Groß=Varieté Harmonie ein 15tägiges
Gaſtſpiel abſolvierte, ſtärkſten Erfolg und Beifall. Nachfolgend
einige Kölner Preſſe=Auszüge: Stadtanzeiger vom 4 8.
1931: Revue=Senſation in der Harmonie 44 bunt wirbelnde
Bil=
der. Tanz und Ballett zum Jazz der Sinfoniker auf der Bühne,
Exzentrik, Lachſchlager, Sketchs, bunt hineingeſtreut zwiſchen die
ſchalkhafte Lyrik des „Waldes Erwachen” und die dumpfe Exotik
orientaliſchen Tanzes, Meißner Porzellan aus Girls in allen
Far=
benſpielen. Sansſouci=Idylle, viel Wien, ein Schuß Berlin und
Paris und Hawai, Aſphalt und Salon . .. das rollt wie ein
farbenfroher ſingender, klingender Tonfilm voll jagenden Lebens
über die Bühne Rheiniſche Zeitung: Eine Sache
mit viel Aufmachung, eine bunte Bilderſchau, eine Poſſe ein
Ballettſtück, lebendes Kino, Zirkus. Varieté, eine Schau auf
Stim=
mung und Unterhaltung abzielend, ein buntes, magiſches
Kalei=
doſkop. Super=Revue in der Tat! 30 Mitwirkende um Fritze
Neumann, den blonden Osloer Tanzmeiſter Achim
Waa=
den. Max Jakobs, um Käthe Sellna herum, geben
hin=
ter den wechſelnden Vorhängen ihr beſtes im Anſporn des Bei=
Tagblatt: ...wenn man ſich vom Ganzen eine
falls!
rechte Vorſtellung machen will, muß man es ſehen!
ſchil=
lernde, glänzende, glitzernde, farbenfrohe Koſtüme ſind das
Mit=
tel, Augenweide zu geben. Tanz und Geſang, komiſche Intermezzi,
ſchmiſſige Muſik geben reiche Abwechſlung. Ein Tänzer von Rang
iſt Ballettmeiſter Achim Waaden; Käthe Sellna ragt aus der
Reihe der Girls hervor; ein urgelungener Kauz iſt der
Spiel=
leiter Fritz Neumann, ſeine Vogelſtimmennachahmung iſt ſehr
gut; die Wiedergabe von Feuerwerksgeräuſchen iſt köſtlich. Auf
die Bühnenausſtattung iſt großer Wert gelegt Und ſo weiter.
Die Eintrittspreiſe ſind wiederum zeitgemäß gehalten: tro3z
erhöhter Unkoſten nur von 80. Pfg. bis 2,50 RM. (Siehe
An=
zeige.)
Mittwoch=Sonntagskarten. Im Bezirk der
Reichsbahn=
direktion Mainz werden Sonntagsrückfahrkarten an den
Mitt=
woch=Nachmittagen bei den Fahrkartenausgaben
Darm=
ſtadt, Mainz, Wiesbaden und Worms und den
Fahrkartenaus=
gaben der eingemeindeten Vororte, ſowie bei den
Fahrkartenaus=
gaben der Mannheimer Vororte Friedrichsfeld (Baden) Nord,
Mannheim=Luzenberg, Mannheim=Neckarſtadt und Mannheim=
Waldhof ausgegeben. In den Aushängen auf den Bahnhöfen und
in dem an den Fahrkartenſchaltern zum Preiſe von 10 Rpfg.
er=
hältlichen Merkheft (Verzeichnis der Sonntagsrückfahrkarten, nebſt
wichtigen Beſtimmungen für den Reiſeverkehr) ſind die
Verbin=
dungen, in denen an den Mittwoch=Nachmittagen
Sonntagsrück=
fahrkarten ausgegeben werden, durch einen e gekennzeichnet.
Die bierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchiſeßlich als Hinwelſe auf Anzeigen zu Berrachten.
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritik.
— Charlie Fornoff, die weitbekannte
Attraktions=
kapelle, veranſtaltet zum Wochenende im Pfungſtädter Biergarten
„Zum Datterich”, (Kiesſtraße 27) 3 Sonderveranſtaltungen.
(Näheres heutige und morgige Anzeige.)
Tageskalender für Freitag, den 14. Auguſt 1931.
Heſſ. Landestheater Großes Haus: Geſchloſſen. — Kleines
Haus. 20 Uhr: „Das öffentliche Aergernis” — Konzerte:
Zur Oper, Schloßkeller, Sportplatz=Reſtaurant am Böllenfalltor,
Herrngartenkaffee, Schuls Felſenkeller. Datterich. —
Kino=
vorſtellungen; Union=, Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.
Gokkesdienſt der Iſrgelikiſchen Religionsgemeinde.
Hauptſynagoge.
Freitag, 14. Aug. Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 15 Min
Samstag, 15 Aug. Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min
Sabbatausgang 8 Uhr 35 Min.
Gottesdienſt an den Wochentagen.
Morgens 7 Uhr — Min. Abends 7 Uhr 15 Min.
2n
Samstag, 15. Aug. Vorabend 7 Uhr 10 Min. Morgens
Uhr. Nachmittags 5 Uhr — Min. Sabbatausgang 8 Uhr 35 Min
Wochentags: Morgens 6 Uhr — Min. Nachmittags 7 Uhr — Min
Griesheim, 13. Aug. Verſtärkung des
Feldſchutz=
perſonals. Peter Feuerbach 8. und Valentin Funk 2. von hier
ſind zu Hilfsfeldſchützen ernannt und vom Kreisamt Darmſtadt
verpflichtet worden. — Am Donnerstag, den 13. Auguſt, abends
9 Uhr, findet auf dem Rathaus eine Gemeinderatsſitzung mit
fol=
gender Tagesordnung ſtatt: 1. Ankauf eines Geländeſtreifens am
Flurgraben. 2. Baugeſuche zum Bauen außerhalb des
Ortsbau=
plans. 3 Waſſerleitungsangelegenheiten. 4. Waldwirtſchaftsplan
1932. 5. Befreiung der Wohnungsneubauten von der Grundſteuer.
6. Jagdangelegenheiten. 7. Voranſchlag 1931. 8. Anſtellung eines
Schuldieners. 9. Schiedsgerichtsverfahren der Gemeinde. 10.
Ver=
ſchiedenes. 11. Steuer= und Stundungsgeſuche. 12.
Wohlfahrts=
fachen. — Die erſte Rate der Aufbringungsumlage für das
Rech=
nungsjahr 1931 iſt am 15. Auguſt d. J. fällig. Da jedoch die
Feſt=
ſtellung der Einheitswerte nach dem Stande am 1. Januar 1931.
noch nicht ſtattgefunden hat, kann es ſich am 15. Auguſt d. J. nur
um eine Vorauszahlung, in Höhe desjenigen Betrages handeln,
der am 15. Februar d. J. als zweiter Teilbetrag der
Aufbrin=
gungsumlage für das Rechnungsjahr 1931 zu leiſten war. Ein
entſprechender Beſcheid iſt den Aufbringungspflichtigen in den
letzten Tagen zugeagngen.
Cp. Pfungſtadt, 13. Aug. Ein Pfungſtädter beim
Jüterboger Eiſenbahnunglück. Wie erſt jetzt bekannt
wird, befindet ſich unter den Verletzten des Eiſenbahnunglücks bei
Jüterbog auch ein geborener Pfungſtädter. Es handelt ſich dabei
um den Beamten der heſſiſchen Geſandtſchaft in Berlin, Chriſtoph
Scheuermann von hier. Scheuermann erlitt eine
Fußver=
letzung. Er konnte nach Anlegung eines Verbandes mit dem
näch=
ſten Zuge die Reiſe nach Terlin fortſetzen. — Nach den
Aufzeich=
nungen des Standesamtes waren hier im Monat Juli 10
Geburten (5 Knaben und 5 Mädchen), 3 Sterbefälle und 2
Ehe=
ſchließungen zu verzeichnen.
G. Ober=Ramſtadt, 13. Aug. Die Bezüge der Klein= und
So=
zialrentner für Auguſt werden am Samstag, 15. Auguſt, nur
vormittags von 8—12 Uhr bei der Gemeindekaſſe ausgejahlt. — Am
Sonntag, den 16. Auguſt, vormittags 7 Uhr, findet am Rathaus eine
Feuerwehrübung ſtatt. Alle Mannſchaften der Freiwilligen
und Pflichtfeuerwehr haben hierzu pünktlich zu erſcheinen.
Aa. Waſchenbach, 13. Auguſt. Dienſtjubiläum. Der
hieſige Gemeinderechner Ludwig Adam konnte dieſer Tage auf
eine dreißigjährige Tätigkeit im Dienſte der Gemeinde
zurück=
blicken.
Cg. Reinheim, 13. Aug. Segelfliegergruppe. Die
hie=
ſige Ortsgruppe der heſſiſchen Segelflieger hielt bei Herrn Karl
Arras („Zur Linde”) ihre Generalverſammlung ab und hatte zu
dieſem Zwecke alle Freunde des neuen Sportzweiges eingeladen.
Herr Gg. Wilh. Leinert begrüßte die Erſchienenen, gab kurze
Er=
läuterungen über Zwecke und Ziele, worauf die grundlegenden
Wahlen vorgenommen wurden. Geſchäftsführender Vorſtand: Lei=
nert, 1. Vorſ., Vorenberg, 2. Vorſ., Göckel=Spachbrücken,
Schrift=
führer Müller=Reinheim, Rechner. Techn. Ausſchuß: als
Schrei=
ner: Gg. Meyer und Peter Pfaff als Schloſſer: Gg. Herdel. Das
Eintrittsgeld beträgt nun 2 RM., der Pflicht=Baubeitrag,
ein=
malig zu leiſten evtl. in Raten, iſt auf 5 RM. bemeſſen.
Nach=
dem noch der Kaſſier beſtimmt war, wurde darauf hingewieſen,
daß die Ausſtellung baldigſt ſtattfinden müſſe, da der Wettbewerb
ſehr bald ſtattfinden wird. Ausſtellung des faſt völlig fertigen
Flugzeuges ſoll am 18. Auguſt im Hof bei Herrn Arras erfolgen.
Die Taufe, verbunden mit einem intereſſanten Vortrag und
Aus=
ſtellung des fertigen Flugzeuges, wird ſpäter erfolgen und noch
bekanntgegeben. Es ſoll bei kleinerem Eintritt der Oeffentlichkeit
Gelegenheit gegeben werden, ſich ſelbſt ein Urteil zu bilden und
das Intereſſe an der Sache ſoll damit geweckt werden, zumal
Reinheim in ſolch unmittelbarer Nähe den ſchönen Abflugplatz
auf dem Forſtberg hat. — Bezirksſparkaſſe. Nachdem ſich
die Bevölkerung auch in den vorangegangenen Wochen durch ein
ſehr beſinnliches Verhalten ausgezeichnet hat, iſt es erfreulich, daß
Whebungen nur noch vereinzelt ſtattfinden, einige größere
Ein=
lagebeträge ſind wieder zurückgefloſſen und auch ſonſtige neue
Ein=
lagen bereits wieder zu verzeichnen. Die Auszahlung von
Hypo=
theken oder die Bewilligung ſolcher wird ſich allerdings zunächſt
noch nicht möglich machen laſſen.
Bf. Brensbach, 12. Aug. Die Meldung, wonach ſich die
ab=
handen gekommenen Schweine in der Dornmühle wieder gefunden
hatten, hat ſich nicht beſtätigt. Vielmehr fehlen die Tiere bis
heute noch.
* Fränkiſch=Crumbach, 13. Aug. Am kommenden Samstag,
den 15. Auguſt, abends, ſpricht hier im Saale „Zur Linde” in
einer Verſammlung der Nationalſozialiſten Stadtrat Abt aus
Darmſtadt.
Groß=Zimmern. 13. Aug. Auf der Bahnſtrecke zwiſchen hier
und Halteſtelle Spachbrücken hat man geſtern gegen abend einen
jungen Mann im Alter von etwa 19 Jahren tot aufgefunden. Es
handelt ſich um einen Zögling namens Maybach aus der St.
Jo=
ſefs=Anſtalt Klein=Zimmern, der hier anſcheinend den Tod auf den
Schienen ſuchte. Da an der Unfallſtelle einige alte Bahnſchwellen
zur Seite des Bahnkörpers liegen, ſo wurde der Unglückliche vom
Zugperſonal nicht bemerkt. Was das Motiv zu dem Freitod des
jungen Menſchen geweſen iſt, iſt nicht bekannt.
c. Kleeſtadt, 12. Aug. Die Ernte iſt immer noch nicht ganz
ein=
gebracht. Die Dreſchmaſchine iſt nun ſchon 14 Tage auf dem Dreſchplatz
tätig. In dieſer Woche beginnt ſie nun in den Scheunen ihre Tätigkeit.
Br. Seckmauern, 13. Aug. Dem Vernehmen nach ſoll die am
2. Auguſt ſtattgefundene Beigeordnetenwahl, durch den
Wahl=
verein angefochten werden, da Perſonen von ihrem Wahlrecht
Ge=
brauch machten, die noch keine vier Wochen im Orte anſäſſig ſind.
— In der letzten Gemeinderatsſitzung, konnte kein Beſchluß gefaßt
werden, da vier Gemeinderäte nicht anweſend waren. — Die
Lehrerin Frl. Rink, die über ein Jahr in unſerer Gemeinde tätig
war und ſich durch ihre Einfachheit und Schlichtheit große
Wert=
ſchätzuneg verſchafft hatte, wurde nach Olsheim verſetzt.
Ax. Neuſtadt i. O. mit Burg Breuberg, 13. Aug. Das
Kirch=
weihfeſt, während zweier Tage von ſchönſtem Wetter
begün=
ſtigt, hatte aus der Umgebung und weiteren Entfernung viele
Gäſte angelockt. Man war allgemein erſtaunt, daß trotz der
ſchwe=
ren wirtſchaftlichen Kriſis das Feſt ſo gut beſucht war. —
Sing=
treffen. Wir weiſen noch einmal auf das große Jugendtreffen
auf der alten Bergfeſte am 16. Auguſt hin, das unter der
Lei=
tung des Herrn Lic. v. d. Au=Darmſtadt ſteht. Nach vollendetem
Aufmarſch der evangeliſchen Jugend aus dem Mümling= und
Gerſprenztal wird die Feier nachmittags 2 Uhr im großen
Burg=
hofe beginnen.
m. Rothenberg i. O., 13. Auguſt. Verbeſſerte
Waſ=
ſerleitung. Hier und in dem zu uns gehörigen Kortelshütte
zeigte die Waſſerleitung ſchon einige Zeit gewiſſe Mängel, die
nun glücklich beſeitigt ſind. Die uns verſorgende Quelle liegt in
einer Talſenkung zum Gammelsbachtal, der Weg des
zugepump=
ten Waſſers iſt weit und ſteil, weshalb der größte Teil der
vor=
handenen Waſſermenge zum Antrieb der Pumpe verbraucht
wurde, und dann machte ſich beſonders zur trockenen Jahreszeit
in einzelnen Ortsteilen ein übler Waſſermangel bemerkbar. Zur
Behebung dieſes mißlichen Zuſtandes iſt die Pumpeinrichtung
durch Einbau eines Rohölmotors vervollſtändigt, der denn zu
Notzeiten die ganze Waſſermenge für den Verbrauch befördern
kann. — Unfälle. In letzter Zeit verunglückten zwei Arbeiter
von hier im Steinbruch, und zwar iſt dieſer Unfall um ſo
be=
dauerlicher, als beide Familienväter ſind und kürzlich nach
längerer Arbeitsloſigkeit wieder Beſchäftigung gefunden hatten.
Der zuletzt verunglückte L. Schäffer erlitt einen Beinbruch und
mußte ins Krankenhaus nach Hirſchhorn verbracht werden.
m. Airlenbach i. O., 13. Auguſt. Ein Jäger
verun=
glückt. Dieſer Tage verunglückte ein hieſiger Weidmann
da=
durch, daß ſich morgens, beim Gang in den Wald, ein Schuß
löſte und ihn am Zeigefinger der linken Hand ſo ſchwer
ver=
letzte, daß er ſich nach Heidelberg ins Krankenhaus begeben
mußte.
Bd. Alsbach a. d. B., 13. Aug. Brotpreiserhöhung;
Die hieſigen Bäckermeiſter haben die Brotpreiſe um je 5 Pfennig
pro Laib erhöht. Die Brotpreiserhöhung wird von ihnen mit
Mehlpreiserhöhungen motiviert. Dieſe Erhöhungen haben mit
Eine Reihe von ländlichen Sparkaſſen gewährt allen
Spa=
rern, die treu geblieben ſind und die Kaſſen in den letzten Tagen
durch Beſonnenheit und Ruhe unterſtützt haben, für die Zeit der
außergewöhnlich hohen Reichsbankſätze bis auf weiteres einen
Zinſenzuſchlag von 2 Prozent auf die ſeither gültig geweſenen
Zinsſätze, rückwirkend vom 1. Auguſt 1931 an. (Siehe Anzeige.)
einer Preisabbaubewegung nichts zu tun! — Zurzeit haben wir
in unſerem Ort 7 Ausgeſteuerte, welche von der Gemeinde
Wohl=
fahrtsunterſtützung beziehen. Für dieſe Unterſtützung leiſten die
Unterſtützten Pflichtarbeiten. Die Wohlfahrtsempfänger ſind in
keiner Krankenkaſſe angemeldet, da ſie ſich bei den
Unterſtützungs=
ſätzen nicht ſelbſt verſichern können, der Koſten wegen, und eine
Verſicherungspflicht nicht beſteht. — Heute früh. kurz nach der
Ab=
fahrt des Perſonenzuges 6.20 Uhr, erlitt die Lokomotive Defekt.
Eine Zylinderflanſche flog heraus und die Kolbenſtange brach
wahrſcheinlich infolge Feſtfreſſens des Kolbens. Der Arbeiterzua
mußte deshalb ſolange halten, bis eine Maſchine aus Bensheim
gekommen war. Da der Zug direkt auf dem Uebergang an der
Station Hähnlein zum Stehen kam, war der Verkehr zirka 3,
Stunden gehemmt.
d. Gernsheim, 13. Aug. Durch den Herrn Kreisdirektor des
Kreiſes Groß=Gerau, Dr. Merck, wurden am Montag dieſer Woche
die Herren Beigeordneter Bopp und Bürgermeiſtereibeamter Fell
auf den Verfaſſungseid verpflichtet. — Das Pokalturnier des
Fuß=
ballklubs Konkordia 1910 am Sonntag nahm einen ſehr ſchönen
Verlauf. Neben leichtathletiſchen Kämpfen, an denen ſich
beſon=
ders die Jugend — Aktiven und Altersklaſſe beteiligten,
wur=
den ſehr intereſſante Fußballkämpfe vorgeführt. — Aus Anlaß
des zehnjährigen Beſtehens des Ortskartells Gernsheim im
Deut=
ſchen Beamtenbund wird am 15. Auguſt d. J. im Saalbau Haas.
abends um 8.30 Uhr, eine kleine Feier veranſtaltet, zu der die
ortsanſäſſigen Beamten nebſt Angehörigen eingeladen ſind. Das
Programm umfaßt 1. Begrüßung, 2. Vortrag des Herrn Rektor
Schneider=Groß=Gerau über Berufsbeamtentum im Deutſchen
Volksſtaat, 3. Theateraufführung, 4. Ehrung der Gründer des
Ortskartells. Die Veranſtaltung wird noch durch Klavier= und
Violinvorträge der Herren Lehrer Treffert und Schmitt verſchönert,
— Geſtern hielt die katholiſche Volksſchule in der Turnhalle der
Realſchule die Verfaſſungsfeier ab. Ein Chor, geleitet von Herrn
Lehrer Schmitt, eröffnete die Schulfeier. Redner war Herr Lehrer
Winter, der in packenden Worten das Weſen und die Bedeutung
der deutſchen Reichsverfaſſung den Kindern ſchilderte. Mit dem
Lied. Deutſchland, Deutſchland über alles fand die
Veranſtal=
tung ihr Ende. — Die für den Verfaſſungstag vorgeſehenen
Wett=
kämpfe zwiſchen dem Turnverein Gernsheim und dem Fußballklub
Konkordia 1910 mußten in Anbetracht des ſehr ſchlechten Wetters
ausfallen. Dieſelben werden am kommenden Samstag nunmehr
ausgetragen. — Am Samstag, den 15. Auguſt. findet die 13.
außer=
ordentliche Generalverſammlung der gemeinnützigen
Siedlungs=
genoſſenſchaft auf dem Frankenfelde e. G. m. b. H. zu Hof
Fran=
kenfeld in Gernsheim ſtatt. Zur Tagesordnung ſtehen 1. Bericht
über das Geſchäftsjahr 1930 und Genehmigung des
Jahresab=
ſchluſſes. 2. Entlaſtung des Vorſtandes. 3. Neuwahl des
Aufſichts=
rates. 4. Ausſchluß eines Vorſtandsmitgliedes. 5. Neufeſtſetzung
des Eintrittsgeldes. 6. Neufeſtſetzung von Pacht und Zinſen und
7. Verſchiedenes.
Eb. Nordheim, 12. Aug. Auch unſer früherer Landesfürſt gedachte
noch nachträglich des 100. Geburtstages von Chriſtina
Eberts. Er ließ ihr das nachfolgende Schreiben übermitteln: Sehr
geehrte Frau Eberts! Seine Königliche Hoheit der Großherzog hat es
leider verſpätet erfahren, daß Sie am 3. Juli d. Js. Ihren 100.
Ge=
burtstag begehen konnten. Im Auftrag Seiner Königlichen Hoheit
über=
reiche ich Ihnen anbei mit ſeinen herzlichſten Glück= und
Segenswün=
ſchen ein Bildnis mit eigenhändiger Unterſchrift. Möchte Ihnen
das=
ſelbe eine nachträgliche Geburtstagsfreude bedeuten. Mit dem Ausdruck
vorzüglichſter Hochachtung (gez.): Graf von Hardenberg.” — Unſere
Hundertjährige bedankte ſich bei unſerem früheren Landesfürſten mit
ihrer eigenhändigen Unterſchrift, die ſie feſt und ohne Zittern, auch ohne
Brille vollzog!
S Lampertheim, 13. Aug. Tod durch Starkſtrom. Der
bei einem hieſigen Metzger beſchäftigte Philipp Knoblauch aus
Worms entleerte am Montag gegen abend einen
Schlammbehäl=
ter. Auf noch nicht geklärte Weiſe erhielt die Abwaſſerleitung mit
dem Starkſtrom Verbindung und der junge Mann fiel, vom Strom
getroffen, leblos zu Boden Unterſuchung über den Vorgang iſt
eingeleitet. — Ausdem Gemeinderat. Am Montag abend
hatte ſich der Gemeinderat zur Beratung des Voranſchlages für
1931 zuſammengefunden. Eingangs wies Bürgermeiſter Keller
auf die troſtloſe Finanzlage der Gemeinde hin. Obwohl alle
Steuerquellen erfaßt ſind, bleibt bei einer Umlage von 230 420
RM. ein ungedeckter Reſt von 170 00 RM. Die hohen Laſten
er=
geben ſich aus der ſozialen Fürſorge mit 331 800 RM. In der
Verwaltung hat die Gemeinde durch Nichtbeſetzung zwei
Bürger=
meiſtereiſekretär= und zwei Feldſchützſtellen eingeſpart. Nach
län=
gerer Ausſprache kamen alle Fraktionen zu der Ueberzeugung, daß
weitere Steuererhöhungen den Einwohnern nicht mehr zugemutet
werden können, zumal ſchon die Gemeinde mit an der Spitze aller
heſſiſchen Gemeinden marſchiert, und lehnten den Voranſchlag
ein=
timmig ab.
— Gernsheim, 13. Aug. Waſſerſtand des Rheins am
12. Auguſt: 1,79 Meter; am 13. Auguſt: 1,82 Meter.
)( Dreieichenhain, 12. Aug. Die Burgfeſtſpiele finden in
dieſem Jahre nur noch ein einziges Mal ſtatt: am 16. Auguſt
(nicht — wie früher berichtet wurde — am 6. September).
Ak. Neu=Iſenburg, 13. Aug. Dreiſter Diebſtahl. Der
Pächter des Gravenbruchs pflegt ſein Vieh auch des nachts auf
einer nahen Weide zu belaſſen. Dieſen Umſtand haben ſich
unbe=
kannte Diebe zunutze gemacht, indem ſie einen jungen, 10 Zentner
ſchweren Ochſen durch den Wald nach der Landſtraße trieben und
von da im Auto verſchlepppten. Der Pächter hat 50 Mark
Be=
lohnung für die Wiederbeſchaffung des wertvollen Tieres
aus=
geſetzt. Der Hohenaſtheimer wird billiger Da
heuer eine überaus reichliche Obſternte zu erwarten iſt, haben die
hieſigen Wirte den Preis des Apfelweins pro Schoppen auf 20 Pf.
ermäßigt. Sie hoffen, auf dieſe Art ihre alten Beſtände noch
rechtzeitig zu räumen.
Aus Mainz.
* Selbſtmordverſuch im Landgerichtsgefängnis. Der gerichtsbekannte
Einbrecher Groß von hier, der mit mehreren Komplizen die in letzter
Zeit vorgekommenen ſchweren Einbrüche und Bandendiebſtähle
ausge=
führt hat und als Anführer der Diebesbande galt, verſuchte, ſich in
ſeiner Zelle mit einem Meſſer die Pulsader der rechten Hand zu öffnen.
Er brachte ſich aber nur eine Stichwunde bei wodurch er aber einen
derart ſtarken Blutverluſt erlitt, daß er ohnmächtig wurde. G wurde
ins Städtiſche Krankenhaus gebracht, woſelbſt ihm ein Notverband
an=
gelegt wurde. Nach ſeinem Rücktransport ins Landgerichtsgefängnis
riß er den Verband wieder ab und benahm ſich derart, daß der Kreisarzl
ſeine Ueberführung in die Heil= und Pflegeanſtalt in Alzey anordnete.
Dort befindet ſich bereits ein Komplize von ihm, der Einbrecher Beſt
von hier, der ebenfalls geiſteskrank ſein will.
* Wegen ſchweren Landfriedensbruchs unter Haftbefehl geſtellt. Wie
wir geſtern ſchon berichteten, kam es in der Nacht vom Dienstag auf
Mittwoch in Gau=Odernheim zu einer großen Schlägerei zwiſchen
Reichs=
bannerleuten und Nationalſozialiſten. Es wurden dabei ſieben
Reichs=
bannerleute verletzt, beſonders durch Meſſerſtiche. Das aus Mainz
er=
ſchienene Notrufkommando nahm vier Nationalſozialiſten feſt, die geſtern
abend dem hieſigen Amtsgericht vorgefuhrt wurden. Da nach den
bis=
her vorliegenden Vernehmungen ſchwerer Landfriedensbruch vorliegen
ſoll, erließ das Amtsgericht gegen die vier Nationalſozialiſten Haftbefe9l
und ließ dieſelben ins Landgerichtsgefängnis überführen.
Ah. Nieder=Ingelheim, 13. Aug. Die Turnhalle wurde vor
50 Jahren erbaut. Zur Feier dieſes Ereigniſſes verſammelten ſich
zahlreiche Turner, die vom Präſidenten Schweickhard begrüßt wurden.
Zahlreiche Uebungen erfreuten die Feſtteilwehmer. Ein Theaterſtück fand
reichen Beifall. Muſikvorträge verſchönten die Feier. Ehrenpräſidenk
Otto Schaurer ſprach über die Entwicklung des Turnvereins. Opern”
ſänger Fritz Bloch=Mannheim trug verſchiedene Lieder unter Beifall bor=
Ah. Bingen a. Rh., 13. Aug. Vierter Deutſcher
Bismarck=
tag findet beſtimmt ſtatt. Anläßlich einer in Bingen ſtatrgefundenen
Vorſtandsſitzung des Bismarck=Nationalvereins e. V. wurde
beſchloſſel=
den vierten Deutſchen Bismarcktag wie vorgeſehen, am 12. September
in Bingen ſtattfinden zu laſſen.
Ad. Selzen, 13. Aug. Der letzte hieſige Veteran von
1870/71, Philipp Lahr, ein Miterſtürmer des Schloſſes Chambord,
wurde am Samstag im 84. Lebensjahre under großer Beteiligung der
Bevölkerung und dem Ehrenfalut des Kriegervereins zur letzten Rühe
gebettet.
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schäu-
mende Sauerstoff-Zahnpaste,
deren blologische Wirkung
ipissenschaftlich anerkannt ist.
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Nummer 224
Freitag, den 14. Auguft 1931
Seite 7
Der 12. Rhön=Segelflug=Wettbewerb iſt beendet. Es wurde
an ſämtlichen 14 Wettbewerbstagen geflogen und insgeſamt
499 Flüge ausgeführt, alſo rund 300 Flüge mehr als in dem
Wettbewerb 1930. Dieſe Flüge verteilen ſich auf den Uebungs=
Wettbewerb mit 333 und auf den Leiſtungswettbewerb mit 166.
Von den gemeldeten 59 Flugzeugen waren 43 zum Wettbewerb
erſchienen und hatten nach ihrer Abnahme von der Techniſchen
Kommiſſion am Flugbetrieb teilgenommen. Ein Teil der
gemel=
deten Flugzeuge konnte leider von den Bewerbern nicht
recht=
zeitig fertiggeſtellt werden, während andere wiederum infolge
Platzmangels zurückgewieſen werden mußten. Die Lagerbeſatzung
betrug in dieſem Jahre etwa 400 Perſonen. Es iſt bei den
heu=
tigen ſchlechten wirtſchaftlichen Verhältniſſen immerhin ein ſchönes
Zeichen für den Flugeifer unſeres fliegeriſchen Nachwuchſes, daß
es ſo viele Gruppen trotz der erheblichen Unkoſten fertig gebracht
haben, dieſe größte ſegelfliegeriſche Veranſtaltung des Jahres
zu beſchicken.
Was hat uns nun dieſer Wettbewerb gebracht? Ein Rückblick
auf vorhergegangene Wettbewerbe zeigt, daß jedes Jahr der
Wettbewerb eine Leiſtungsſteigerung gebracht hat in bezug auf
Ueberbietung vorher beſtehender Rekorde. Hauptſächlich war dies
im Streckenſegelflug der Fall. Der diesjährige Wettbewerb wird
alſo für denjenigen der eine Leiſtung nur danach bewertet, ob
ſie eine neue Welthöchſtleiſtung darſtellt oder nicht, eine gewiſſe
Enttäuſchung ſein. Leider gibt es heute immer noch Menſchen,
die dieſen gänzlich unrichtigen Standpunkt vertreten. In
Fach=
kreiſen dagegen wird man einen anderen Standpunkt vertreten:
Der 12. Rhön=Segelflug=Wettbewerb 1931 iſt für die
Segelflug=
bewegung und ihre weitere Entwicklung ein voller Erfolg, wie er
nicht zu erwarten geweſen iſt! Ganz abgeſehen davon, daß in den
14 Tagen des Wettbewerbs allein fünf Flüge von weit über
100 Kilometer ausgeführt worden ſind, denen in den beiden
ver=
gangenen Wettbewerben nur je zwei Flüge gleicher Art
gegen=
überſtehen, ſo liegt doch der größte Erfolg der Veranſtaltung
darin, daß ſie unſere Segelflieger vor neue Aufgaben geſtellt hat,
daß ſie den Segelflug bei völliger Windſtille im thermiſchen
Auf=
wind erſchloſſen hat und weiterhin, daß der Wettbewerb gezeigt
hat, daß heute die Durchführung großer Streckenflüge kein
Pri=
vileg einzelner beſonders begabter Piloten iſt, ſondern daß jedem
Führer, der mit etwas Ueberlegung an die Durchführung des
Streckenfluges herangeht, ſolche Flüge möglich ſind. Die letzten
fünf Tage des Wettbewerbs brachten für ſämtliche Teilnehmer
eine außerordentliche Ueberraſchung. Bei vorherrſchender
Oſt=
windwetterlage hatte die Waſſerkuppe, im Gegenſatz zu den
vor=
hergehenden Tagen, überaus ſchönes Sommerwetter. Bei
herr=
lichem Sonnenſchein, mäßigem Oſt= bis Südoſtwind ſpielte ſich der
Flugbetrieb ab, und hierbei ereignete es ſich, daß ſelbſt bei dieſer
Wetterlage, die in früheren Jahren vollkommene Ruhe auf der
Kuppe zur Folge hatte, bedeutende Dauer=Höhen= und =
Strecken=
flüge ausgeführt worden ſind. Die Flüge von Hirth. Groenhoff
und Kronfeld erbrachten den Beweis dafür, daß es nicht immer
erforderlich iſt von Hang zu Hang ſegelnd oder mit dem Gewitter
ziehend, den Streckenflug zu wagen, ſondern daß dies bei dem
ſchönſten Sommerwetter ohne die geringſte Bewölkung möglich iſt.
Auch der Wind ſpielt hierbei nur eine untergeordnete Rolle. Die
am Boden ſtark erwärmte Luft ſteigt mit einer Intenſität auf,
die geeignet iſt, Segelflugzeuge mit geringer Sinkgeſchwindigkeit
in der Luft zu halten. Eingeleitet wurden dieſe „Thermik”=
Segelflüge im diesjährigen Wettbewerb durch den
Unterneh=
mungsgeiſt des jungen Breslauer Studenten Pfeiffer, der am
Sonntag, den 2. Auguſt, den Start wagte, obwohl die
Windrich=
tung der Durchführung eines größeren Fluges anſcheinend
un=
günſtig erſchien. Pfeiffer führte einen dreiſtündigen Segelflug
über der Großen Eube aus, der für die übrigen Flugzeuge das
Zeichen zum Start war. Hierdurch erſt wurden die beiden großen
Streckenflüge von Hirth mit 192 Kilom. nach Koblenz und von
Groenhoff mit 110 Kilom. nach Uſingen ermöglicht. Eine weitere
Glanzleiſtung ſtellte Kronfelds Flug nach Arnsberg i. Weſtf. dar,
wobei er in völliger Windſtille, nur durch Ausnutzung der ſtark
erwärmten aufſteigenden Luft, 165 Kilometer erreichen konnte,
zu einer Zeit, als andere der geſtarteten Flugzeuge ſich kaum
fünf Minuten in der Luft zu halten vermochten. Nur der Energie
Kronfelds und der hervorragenden Maſchine iſt es zu verdanken,
daß dieſer Flug, der zu Beginn recht ausſichtslos erſchien, ein ſo
glänzendes Reſultat zeitigte. Die drei Favoriten des diesjährigen
Leiſtungswettbewerbs. Hirth, Groenhoff und Kronfeld, haben
da=
mit eine neue Epoche im Segelflug eingeleitet, den
Strecken=
ſegelflug ohne Hang, ohne Wolke, ohne Front oder Gewitter,
Dieſe Flüge beweiſen die Richtigkeit der Fuchsſchen Anſchauung,
daß es ohne weiteres möglich iſt, im aufſteigenden
Warmluft=
ſtrom größere Strecken im Segelflug zurückzulegen. Es iſt hierbei
allerdings zu bedenken, daß der Durchführung größerer
Strecken=
flüge an windſtillen oder ſchwachwindigen Tagen in der
Ausdeh=
nung dadurch eine Grenze geſetzt iſt, daß für die Durchführung
des Fluges nur der Zeitraum der ſtärkſten Erwärmung, alſo die
Zeit von 11 bis 17 Uhr, in Frage kommt. In dieſem Zeitraum
läßt ſich bei einer Eigengeſchwindigkeit des Flugzeuges von etwa
40 Kilom, eine Flugſtrecke von zirka 250 Kilom. erreichen, wobei
noch nicht berückſichtigt worden iſt, daß es auf jedem Fluge
erfor=
derlich iſt, an beſonders günſtigen Aufwindgebieten durch längeres
Segeln einen größeren Höhengewinn zu erzielen. Bei einer
Windgeſchwindigkeit von 10 bis 12 mis erhöht ſich aber die
Flug=
geſchwindigkeit auf zirka 80 Kilometer, ſo daß in ſechsſtündigem
Geradeausflug annähernd 500 Kilom. erreicht werden können.
Dem Wind kommt alſo bei thermiſchen Streckenflügen nur für
die Streckenleiſtung, nicht für die Durchführung des Fluges eine
Bedeutung zu. — Eines der großartigſten Ereigniſſe des
ver=
gangenen Wettbewerbes war der Start am Abend des 25. Juli,
als eine vorüberziehende Gewitterfront einen Maſſenſtart von
12 Flugzeugen innerhalb von ſechs Minuten zur Folge hatte. Es
war das erſte Mal in der Geſchichte des Segelfluges, daß 12
Flug=
zeuge zu gleicher Zeit auf Strecke gingen. Damals erreichten
Groenhoff Magdeburg mit 220 Kilometer und Hirth Halle mit
175 Kilometer Entfernung.
Neben dieſen großartigen Streckenleiſtungen des
Leiſtungs=
wettbewerbs müſſen aber auch die Flüge um den
Fernzielflug=
preis nach dem Oechſen erwähnt werden, die an die Geſchicklichkeit
unſerer Piloten außerordentliche Anforderungen ſtellten. Es
wur=
den insgeſamt acht Flüge um dieſen Preis ausgeführt, ohne daß
es gelungen iſt, die Bedingungen reſtlos zu erfüllen. Die
Flug=
zeuge hatten den 35 Kilometer entfernten Berg zu überfliegen
und dann zur Waſſerkuppe zurückzukehren, wo die Landung
inner=
halb eines Kreiſes von 3 Kilometer Durchmeſſer um den
trigono=
metriſchen Punkt erfolgen ſollte. Hirth und Groenhoff konnten
der Ausſchreibung annähernd gerecht werden, indem ſie die
Lan=
dung in einer Entfernung von 2500 bzw. 3000 Meter von der
Startſtelle durchführten. Kronfeld hatte auf dieſen Flügen
aus=
geſprochenes Pech. Viermal verſuchte er den Flug und verbrachte
hierbei insgeſamt 20 Stunden in der Luft. Jedesmal erreichte er
das Ziel und mußte dann leider auf dem Rückweg infolge
ein=
ſetzender Windflaute nach Flügen von 6 und 7 Stunden Dauer
landen. Die Preisverteilung erbrachte aber dennoch dieſen
Pilo=
ten die erforderliche Anerkennung für ihre hervorragenden
Flug=
leiſtungen, indem die Preisſumme unter Groenhoff, Hirth und
Kronfeld geteilt wurde.
Die Ausſchreibung des diesjährigen Wettbewerbs hat für
beide Klaſſen — Uebungs= und Leiſtungswettbewerb —
Strecken=
ſegelflüge vorgeſehen, um dafür Sorge zu tragen, daß auch unſer
junger fliegeriſcher Nachwuchs, wie er im Uebungswettbewerb
vertreten iſt, damit beginnt, den Streckenflug zu üben. Die
hier=
bei gezeitigten Ergebniſſe rechtfertigten dieſe Ueberlegung. Es
taten ſich hierbei beſonders hervor die beiden Stuttgarter Piloten
Künzer und Hakenjos ſowie der Berliner Teichmann, der am
erſten Wettbewerbstage erſt ſeine Segelfliegerprüfung abgelegt
hatte. Alle drei Führer erreichten Flugſtrecken von rund 30
Kilo=
meter und vollbrachten damit eine Leiſtung, die mehr als ein
reiner Anfängererfolg iſt, die den Beweis dafür erbrachte, wie
ausgezeichnet unſere Jungflieger mit der Technik des motorloſen
Streckenfluges in überaus kurzer Zeit vertraut geworden ſind.
Auch im Leiſtungswettbewerb ſind von den jüngeren Piloten,
die bisher noch nicht mehr als 20 Kilometer geflogen hatten,
ſchöne Flugleiſtungen vollbracht worden, die ebenfalls zeigten,
wie ſehr man unter den Segelfliegern heute dem Streckenflug
zu=
getan iſt, der erſt die eigentliche Hohe Schule des Segelfluges
darſtellt und ſeine große Schönheit offenbart, aber auch wieder
am ſchwierigſten durchzuführen iſt. In der Klaſſe des
Leiſtungs=
wettbewerbs haben ſich unter den jüngeren Piloten beſonders
hervorgetan: Mayer, Röhm. Starck. Hemmer, Bachem. Insgeſamt
brachte der diesjährige Wettbewerb 48 Streckenſegelflüge mit einer
Entfernung zwiſchen 10 und 220 Kilometern. Die Segelflugzeuge
erreichten auf dieſen 48 Flügen eine Geſamtflugſtrecke von 2100
Kilometern, ſo daß auf den Flug rund 45 Kilometer kommen, was
eine recht bedeutende Durchſchnittsleiſtung darſtellt, wenn man
be=
denkt, daß ſich unter den Piloten, die dieſe Flüge ausführten, acht
befanden, welche noch nie einen Streckenflug ausgeführt haben.
Weiterhin ſind beſonders zu erwähnen die großen
Höhen=
flüge, die ausgeführt worden ſind. Wenn auch die Rekordhöhe von
Kronfeld mit 2600 Meter über der Startſtelle nicht erreicht
wor=
den iſt, ſo ſtehen doch die diesjährigen durchſchnittlichen
Höchſt=
leiſtungen weit über denen der vergangenen Jahre Faſt jeder
der am Wettbewerb teilnehmenden Piloten hat Höhen von 800
bis 1000 Meter über der Startſtelle erreicht. Groenhoff erzielte
auf ſeinem Gewitterflug 2050 Meter, Hirth an demſelben Tage
1700 Meter. Auch Kronfelds Flug am letzten Tage der
Veran=
ſtaltung führte das Flugzeug teilweiſe in Höhen von 1100 Meter
über Start. Dieſe Höhe wurde jedoch nicht im thermiſchen
Auf=
wind erreicht, ſondern beim Anfliegen von Cumuluswolken, die
Kronfeld unterwegs verſchiedentlich angetroffen hat.
Zu den am Wettbewerb teilnehmenden Flugzeugen iſt zu
ſagen, daß dieſe durchweg eine ſaubere Werkſtattausführung
auf=
zuweiſen hatten und man mehr und mehr feſtſtellen kann, daß man
bei den Segelflug treibenden Gruppen den Wert der von den
Segelflugſchulen entwickelten Einheitstypen erkannt hat und ſich
von koſtſpieligen Verſuchsbauten fernhält. Recht zahlreich
ver=
treten waren die Typen Profeſſor, Weſtpreußen und M 1.
Kron=
felds Aüſtria, die auch für den Wettbewerb gemeldet worden
iſt, konnte leider infolge Platzmangels nicht zur Rhön erſcheinen.
Die Flüge der letzten Tage des Wettbewerbs haben auch
unſere Konſtrukteure vor neue Aufgaben geſtellt. War man
bis=
her der Anſicht, daß die Segelflugzeuge in ihrer heutigen
Bau=
art allen in Frage kommenden Anforderungen vollauf gerecht zu
werden vermöchten, ſo hat ſich doch nunmehr ergeben, daß größter
Wert auf eine weitere Erniedrigung der Sinkgeſchwindigkeit
ge=
legt werden muß, um auch an ſchwachwindigen Tagen, bei
Son=
nenſtrahlung Flüge auszuführen. Weiterhin müſſen die
Flug=
zeuge zum Teil eine größere Eigengeſchwindigkeit haben, um
ſchnell aus dem Gebiet von Windflauten oder aus Abwindbereichen
herauszukommen. Kronfelds Flugzeug Auſtria iſt nach dieſen
Geſichtspunkten konſtruiert und ſoll nach den bisher gemachten
Erfahrungen eine ſehr günſtige Sinkgeſchwindigkeit aufweiſen.
Vielleicht iſt dieſes Flugzeug doch der geeignete Typ für
Segel=
flüge bei fehlendem Hang= oder Wolkenaufwind!
Zuſammenfaſſend kann geſagt werden, daß der vergangene
12. Rhön=Segelflug=Wettbewerb für die weitere Entwicklung der
Segelflugbewegung von größter Bedeutung iſt. Wenn auch keine
Weltrekordleiſtungen zu verzeichnen ſind, ſo haben doch die
durch=
geführten Flüge bewieſen, auf welcher Höhe heute die
Segel=
flugbewegung ſteht, daß wirklich hervorragende Flugleiſtungen
nicht mehr von einigen wenigen beſonders talentierten Führern
aufgeſtellt werden, ſondern daß wir einen fliegeriſchen Nachwuchs
beſitzen, der noch allerhand Leiſtungen vollbringen wird. Für die
weitere Verbreitung des Segelfluges iſt die Erſchließung des
thermiſchen Aufwindes von größter Bedeutung, der es heute
ermöglicht, auch bei Windſtille und wolkenloſem Himmel
Strecken=
flüge zu abſolvieren, wie ſie vorher nie erwartet worden ſind.
Gerade hierin liegt wohl die größte Bedeutung der diesjährigen
Veranſtaltung.
Es ſoll auch an dieſer Stelle beſonders hervorgehoben werden,
daß die Veranſtalterin des Wettbewerbs, die Rhön=Roſſitten=
Geſellſchaft, alles getan hat, um den Wettbewerbsteilnehmern und
den zahlloſen Beſuchern der Waſſerkuppe den Aufenthalt hier
oben ſo angenehm wie möglich zu geſtalten, und daß ein wirklich
harmoniſches Zuſammenleben geherrſcht hat, was bei dem
Rieſen=
betrieb nicht immer zu erwarten geweſen wäre.
A. K.
Gewinnauszug
5. Klaſſe 37. Preußiſch=Süddeutſche Staats=Lotterie.
Nachdruck verboten
Ohne Gewähr
Auf jede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und II
12. Auguſt 1931
3. Ziehungstag
In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M.
gezogen
2 Gewinne zu 10000 c. 217037
18 Gewinne zu 5000 M. 26491 66872 121059 133790 169063 185626
222725 231533 308677
12 Gewinne zu 3000 q. 29152 68402 283174 320745 325329 356240
62 Gewinne zu 2000 M. 922 5069 6979 40476 42077 50308 55919
67333 76031 76312 83874 90276 101522 108126 113886 118816
132230 134291 169680 169878 181506 191994 193712 224658 264865
285589 294012 328411 328569 358659 369022
120 Gewinne zu 1000 M. 794 2481 18249 27537 36040 44213 47472
49686 62749 71386 71717 89216 91912 105644 116805 126848 130861
139952 140028 159888 168679 169469 195184 196613 197186 205864
206686 207767 208040 211757 215731 220369 223787 228032 231440
237440 239729 240316 240369 260702 264002 266109 268633 269177
270324 273399 274628 284619 294849 302171 325454 333971 341860
345760 346578 351818 360241 375670 386035 398733
200 Gewinne zu 600 M. 9043 9702 9771 13034 14910 15820 18687
32014 40346 44349 44897 49840 51784 64169 55466 55511 56277
62866 65493 65717 73104 73293 74088 75760 76609 77308 86788
87762 89417 94693 105385 117724 120369 131366 131609 132339
132666 138344 142169 146427 148714 148810 155854 158602 161941
162173 163291 176201 182529 197629 200428 204254 206176 205954
216212 211311 212093 212763 226714 228014 232217 235750 241947
243843 244423 261758 257278 262230 263983 272162 278181 280026
288426 290760 291892 293446 306091 307693 311581 314327 316151
318887 318165 321913 326524 326358 330293 330933 335344 366098
867500 370606 372354 872419 374261 379626 381910 383851 385912
392330
In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M.
gezogen
2 Oowinne zu 10000 q. 124901
6 Gewinne zu 6000 m. 10399 68608 94567
32 Gewinne m 3000 M. 6691 16762 37929 94144 134241
157969 184312 212416 280938 283334 817429 358666 368857 372794
388577 393736
44 Gewinne zu 2000 M. 57062 58983 87692 88452 96925 103649
110250 114233 119361 121009 124320 179603 183292 204245 219866
249610 249662 287919 313640 322993 327963 381216
140 Gewinne zu 1000 M. 7418 12648 20772 23593 27942 29703
30946 42096 44295 49772 51699 57591 86198 91586 94861 95029
99098 106552 116120 118448 125823 130172 132702 133286 134613
136290 142451 154585 154813 181750 182722 180340 245786 249489
250569 261856 252100 252738 261597 268749 290313 297336 303692
303783 314493 816271 316679 318858 319366 324176 337526 339346
340971 342808 346410 946842 347216 348823 366960 360590 368676
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169813 183313 185441 190069 193773 198266 205107 212910 214127
218949 234981 236667 257772 258606 269823 262100 264808 266676
266398 269116 269226 269990 273906 282720 292520 296982 310267
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1000, 8836 zu je 500, 26666 zu je 400 Mark.
Hauptſchriftlettung: Rudelf Mauve
Verantworilſch für Poltiſk und Wirtſchaft: Rudelf Mauve; für Feuilleion, Reich um
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Böhmann,
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdſenſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Nette:
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteilungen: Willv Kuble:
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt
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Nummer 224
Freitag, den 14. Anguſt 1931
Monat” in England.
Von George Popoff.
nHue
(1160ia
London, im Auguſt.
Der erſte Montag im Auguſt heißt in England ſeit jeher
Bank=Holiday”. Zu deutſch — eintägiger Feiertag für
Bank=
ingeſtellte. Doch dieſe Verdeutſchung eines engliſchen Begriffes
ſt, wie in ſo vielen Fällen, auch in dieſem eine falſche. Bank=
Holiday bezieht ſich natürlich nicht nur auf das Bankgewerbe,
ondern auf alle übrigen Berufszweige auch. Außerdem iſt dieſer
ine Ruhetag nur als eine ſymboliſche Einleitung der großen
Sommer=Urlaubs=Periode gemeint, die am 1. Auguſt beginnt
ind bis etwa Mitte Oktober dauert. In dieſer Zeit kommen
ille, einer nach dem andern, an die Reihe: Bankangeſtellte und
Zeamte, Premierminiſter und Schuſterjungen, Schornſteinfeger
and Schauſpieler, alle erhalten in dieſen Spätſommermonaten
venigſtens 2 bis 3 Wochen Urlaub. Und wenn das vage
Ge=
üicht, das uns kürzlich zu Ohren gelangte auf Wahrheit beruhen
ollte, ſo wird in dieſer Jahreszeit ſelbſt den geplagten
Jour=
taliſten geſtattet, für einige Wochen die zernagte Feder
nieder=
ulegen und ſich irgendwo im Grünen geſünderen und
ver=
rünftigeren Beſchäftigungen hinzugeben ...
Wie ſtets und in allem, ſo geht in England auch im
holiday making” der König allen mit gutem Beiſpiel voran.
das Königspaar beginnt alljährlich die Urlaubsperiode mit einer
Voche in Cowes, wo es ſich dem muntern und die Nerven
tärkenden Segelſport hingibt. Heuer wurden es ſogar zwei
ſiegatta=Wochen. Der König wollte ſo viel wie möglich friſche
Seeluft ſchnappen und fuhr um eine Woche früher hin. Cowes
var infolgedeſſen in dieſem Jahr mit „Society” beſonders dicht
pevölkert. Am Rennen um den Königs=Pokal durften in dieſem
Jahre zum erſten Male nicht nur Mitglieder der ultra=exkluſiven
Rohal Yacht Squadron”, ſondern auch Außenſtehende
teilneh=
nen. Unter „Außenſtehenden” hat man in dieſem Falle ſolche
Sterbliche zu verſtehen, die eine 200000 Mark koſtende
Rieſen=
hacht und das dazu gehörende Drum und Dran beſitzen. Doch
dieſe Sorte von Sterblichen iſt in England (trotz der
Wirt=
chaftsnot oder der „hard times”, wie’s die Engländer nennen)
ſoch immer erſtaunlich groß. Am Rennen um den Königs=Pokal
jahmen während der diesjährigen Cowes=Woche mehr
Segel=
ieſen teil als ſonſt. Sir Thomas Lipton (der endlich, nach
reißigjährigem Warten, zum Mitglied der Royal Yacht
Squa=
ron gewählt worden iſt) gewann das Rennen. Auch ſonſt war
les „glorious” und „delightful” wie immer, wie ſeit
undenk=
ichen Jahren. Und ſelbſt die traurige Tatſache, daß von der
öniglichen Yacht „Britannia” in der Hitze des Gefechtes ein
Nann über Bord fiel und ertrank und daß auf Lady Hultons
Notorboot ein kleiner Brand entſtand und der Lady
Geſichts=
ſaut verſengte, konnte die allgemeine Harmonie nicht ſtören
ind den Glanz und den Frohſinn der weltberühmten Cowes=
Veek in keiner Weiſe trüben ..
Während alſo im Auguſt die britiſche Ariſtokratie in
Sowes „Seeluft ſchnappt”, verlaſſen um die gleiche Zeit
Milli=
nen und aber Millionen „kleine Leute”, (die in England jedoch
in recht großes Bankkonto und ein Auto beſitzen) das ſtickige,
umpfe London und begeben ſich auf allen Landſtraßen an die
See. Die engliſchen Seeplätze ſind allerdings lange nicht ſo
eizvoll wie diejenigen von Frankreich, Holland oder
Deutſch=
and: kaum irgendwo gibt es richtigen, weißen Sand; die den
ötrand entlang laufende Promenade iſt gewöhnlich aſphaltiert;
ind über allem Treiben laſtet die bekannte, ſittſam langweilige,
drückende Atmoſphäre des britiſchen Puritanismus. Doch iſt
Zeit ſchreitet auch hier vorwärts. Und manche unentwegte und
vom „frivolen Geiſt des Kontinents”, angeſteckte Briten und
Britinnen tun alles, was in ihren Kräften liegt, um die
engli=
ſchen Badeorte etwas aufzuheitern und zu „europäiſieren”.
Die diesjährige Parole der Aufheiterer lautete „
Strand=
pyjamas‟! Dieſe Dinger waren nämlich bisher in England ſo
gut wie unbekannt. Nun aber zeigten ſich in dieſem Jahre in
Eaſtbourne, Folkeſtone, Yarmouth und den übrigen, etwas
mon=
däneren engliſchen Badeorten überall Hunderte und Tauſende
junger Damen in den plötzlich modern gewordenen
Strand=
pyiamas, und zwar nicht nur am Strande, ſondern auch auf den
Promenaden, in den Kaffees, in den Hotels, überall — ganz wie
in Cannes, Deauville, Oſtende und am Lido. Ja, Brighton hatte
ſogar ſeine „Pyjama=Senſation”. Dort erſchienen an einem
Sonntagmorgen auf der Strandpromenade einige junge Dandies,
die geaau ſo wie die jungen Damen in auffallend bunte,
grell=
farbene, ſeidene Pyjamas gekleidet waren. „Was den Damen
geſtattet iſt, muß auch den Männern erlaubt ſein!” erklärten ſie
und machten Propaganda für ihre revolutionären Ideen. Doch
in England läßt ſich’s nicht ſo leicht Revolution machen. In
St. Helier auf der Inſel Jerſey erſchien eines Tages auf der
Strandpromenade gar ein Aufgebot von Policemen, hielt eine
Menge ihrer Anſicht nach allzu luftig gekleideter junger Damen
an und führte ſie, unter Pfeifen und Johlen der amüſierten
Menge, nach dem nächſten Polizeirevier. Der Herr
Polizei=
kommiſſar erklärte den verdutzten Schönen, daß ihre
Strand=
pyjamas zu ätheriſch wären und daß ſie, zur Vermeidung
unlieb=
ſamer Vorfälle, ihre Koſtüme lieber durch etwas ſolidere
Unter=
kleidung blickdichter geſtalten ſollten. Und der Herr Vikar von
St. Helier wetterte in ſeiner nächſten Sonntagspredigt kräftig
gegen „den Sitte und Anſtand gefährdenden Geſchmack der
modernen Frau und gegen die allgemeine Verderbnis dieſes
ſchrecklichen Zeitalters ...
Ueberhaupt, wie iſt es in England um die Volksmoral
be=
ſtellt. Dieſe Frage bezeichnet Profeſſor Cyril Burt, Leiter des
Erziehungsweſens der London County Council, zurzeit als die
wichtigſte und brennendſte von allen. Gerade jetzt, im Auguſt,
meint er, da Hunderttauſende von Fremden nach England
kom=
men, hat England beſondere Urſache, auf ſeinen guten Ruf bedacht
zu ſein. „Doch leider”, behauptet Profeſſor Burt weiter, „ſitzen
zurzeit in Frankreich, Deutſchland, Ungarn, der Schweiz und in
allen anderen Ländern des Kontinents ſoundſoviele
Eltern=
paare beſorgt beiſammen und beraten, ob es auch richtig wäre,
ihre Kinder nach London zu ſenden, nach dieſer Brutſtätte der
Laſter und der Sünden? Und ſie haben tauſendmal recht. Denn
ſelbſt Paris iſt heute eine fromme und ſittenreine Stadt
ver=
glichen mit London, dieſem Pfuhl abgrundtiefer Verderbnis.”
feſſors hat in ganz England einen überaus lauten Widerhall
er=
weckt. Die meiſten Blätter widmen dem ſonderbaren Thema
ellenlange Leitartikel. Und „London — ein Babel oder nicht ein
hochnotpeinliche Frage.
Zum Glück wiegen jedoch in England in ſolchen Fällen die
nüchternen und vernünftigen Stimmen gewöhnlich ſtark über. Und
der „Evening Standard” hat ſchließlich der Diskuſſion ein
vor=
läufiges Ende geſetzt, in dem er vernünftigerweiſe erklärt: „
Lon=
don iſt in Punkto Sitten nicht ſchlechter und nicht beſſer, als jede
andere Großſtadt auch. Jedoch zu behaupten, daß es im gewöhn=
Seite 9
lich mit Recht als etwas langweilig und ſtumpfſinnig verſchrienen
London ausgelaſſener hergehe, als ſelbſt in Paris, das kann nur
eine kindiſche Wichtigtuerei zuwege bringen oder iſt nur — eine
recht plumpe Reklame zur Förderung der engliſchen
Fremden=
induſtrie.‟ ..."
Selbſt auf die Gefahr hin, etwas gegen den engliſchen
Frem=
denverkehr zu ſagen, ſei zum Schluß noch raſch mitgeteilt, daß es
dieſen Sommer in England natürlich wieder dauernd und
unauf=
hörlich geregnet hat. Solch einen Sommer nennen die Briten
einen „typiſch engliſchen Sommer”. Dieſer war nun in der Tat
über alle Maßen „typiſch‟. Die Wetterſpezialiſten haben
aus=
gerechnet, daß dieſer der regneriſchſte Sommer ſeit 70 Jahren
geweſen wäre, genau ſeit Anno 1861, als eine Art Sintflut ſich
über England ergoſſen hatte. Doch voriges Jahr behaupteten ſie
genau dasſelbe, und das Jahr 1860, auf das ſie damals
zurück=
blickten, ſcheint ebenfalls kein trockenes geweſen zu ſein. Es
waren eben alles — 1860, 1861, 1930, 1931 und alle, die
da=
zwiſchen lagen — lauter „typiſch engliſche” Sommer, und wehe
dir, daß du ein Nichtbrite biſt und auf dieſer ewig naſſen Inſel
zu leben verurteilt. . . ."
In früheren Jahren, wenn es ganz ſchlimm wurde, tat ſich
die engliſche Geiſtlichkeit zuſammen und veranſtaltete öffentliche
Fürbitten — „der Herr möge England von dieſen Plagen, von
dieſen nicht enden wollenden Strömen von Regen und Waſſer
befreien‟. Doch im Jahre des Regens 1861 erſtand ein
tapferer Brite und Prieſter namens Charles Kingsley und
er=
klärte: erſtens ſeien Fürbitten um Aufhören des Regens eine
Gottesläſterung, da Gott beſſer wiſſe als die Menſchen, was gut
und was ſchlecht wäre, und zweitens müſſe „eine gewiſſe Quantität
von Waſſer” zum Wohle und Gedeihen der Menſchheit durch die
Welt fließen, ebenſo wie Blut durch die Adern, um die
Orga=
nismen am Leben und Schaffen zu erhalten. . . .
Dieſe Anſicht hat inzwiſchen geſiegt. Ja, mit dem bekannten
Ta=
lent, ſtets das Unvermeidliche auch als das Gute hinzuſtellen, haben
die Engländer in dieſem regneriſchſten aller Jahre ausgerechnet,
daß „Regen geſünder als Sonne” wäre, und daß, laut einer
Sta=
tiſtik des Regiſtrar=General, in dieſem Sommer um die Hälfte
weniger Menſchen, als im vorigen Sommer geſtorben wären:
„Regen reinigt die Luft. Fliegen und Mücken ſterben aus.
Bakterien können ſich nicht entwickeln. Ein kühler und feuchter
Sommer iſt das Geſundeſte, was es gibt.” . . . So behauptet es
der Herr Regiſtrar=General von England und freut ſich über
ſeinen britiſchen Regen.
„Ich aber kenne einen gewiſſen Jemand, der hierüber ganz
anders denkt, und der es durchaus vorziehen würde, jetzt im
heißen, ungeſunden Klima von Südfrankreich oder Italien zu
leben und mit den Fliegen, Mücken und Bakterien, mitten im
prallſten Sonnenſchein, einen bacchantiſch wilden Ringelreihen
zu tanzen. . . ."
Die flache Störung über Skandinavien hat durch das
Vorhanden=
ſein von feuchtwarmer Ozeanluft auf dem Feſtlande ihre Zugrichtung
wieder ſüdwärts genommen und ſich erneut vertieft. Infolgedeſſen wurde
Dieſe herausfordernde Bemerkung des geſtrengen Herrn Pro= der hohe Druck ſehr raſch abgeſchwächt, und die in Ausſicht geſtellte
Beſ=
ſerung der Wetterlage kommt zum Schwinden. Durch die Rückſeite des
Tiefs leitet kühlere Ozeanluft unbeſtändiges Wetter ein. Eine
Umge=
ſtaltung auf Beſſerung iſt vorerſt nicht zu erſehen, denn mittlerweile
ſind weſtlich der Britiſchen Inſeln Anzeichen einer neuen Störung vor=
Babel”, das iſt jetzt, in der Saure=Gurken=Zeit, die wichtige, die handen. Mit dem wechſelhaften Witterungscharakter ſchwanken auch die
Temperaturen, welche anfänglich etwas zurückgehen und mit dem
Her=
annahen der neuen Störung wieder anſteigen.
Ausſichten für Freitag, den 14. Auguſt: Unbeſtändiges Wetter, wechſelnd
bewölkt und zeitweiſe Regenſchauer, Temperaturen ſchwankend, nach
anfänglich leichtem Rückgang wieder Anſtieg.
Ausſichten für Samstag, den 15. Auguſt: Vorübergehend etwas
aufhei=
ternd, dann wieder bewölkt und regneriſch.
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Freitag, den 14. Auguſt 1931
Nummer 224
Bild links: Croneiß, der Direktor der Deutſchen Verkehrsflug=A. G., der mit ſeinem
Meſſer=
ſchmidt=Flugzeug den Ab= und Aufrüſtungswettbewerb gewann. — Bild rechts: Drei
hervor=
ragende Teilnehmer: Von links nach rechts: Poß, der die beſte Leiſtung bei den
Ge=
ringſtgeſchwindigkeits=Prüfungen erzielte; Wolf Hirth, der bei demſelben Wettbewerb
gleich=
falls ein gutes Ergebnis erreichte; Lieſel Bach, die Europameiſterin im Kunſtfliegen.
Das Trainingslager der Schneiderpokalflieger in Calſhot an der engliſchen Südküſte.
Oben links: Hauptmann Orlebar, der das letzte Schneiderpokalrennen gewann, und in dieſem
Jahre bereits bei Probeflügen die enorme Geſchwindigkeit von 600 Kilometern pro Stunde erreichte.
Heic and Ausland.
Laglicer Laftdiennr Astſchen enropit and Amderita!
Ein Kraftwagen mit franzöſiſchen Feſtſpielgäſten
verunglückt.
Bayreuth. Am Mittwoch nachmittag
er=
eignete ſich zwiſchen Pegnitz und Schnabelweid
ein ſchwerer Kraftwagenunfall. Ein franzöſiſches
Automobil mit Feſtſpielgäſten fuhr im 20=
Kilo=
metertempo einem Laſtkraftwagen entgegen. Da
letzterer auf der Mitte der Straße fuhr, mußte
der Privatwagen ſo weit nach rechts ausbiegen,
daß er auf den Sommerweg kam und ins
Schleu=
dern geriet. Dabei prallte er mit dem
Laſt=
wagen zuſammen, ſo daß er vollſtändig
zertrüm=
mert wurde. Die vier Inſaſſen wurden auf die
Straße geſchleudert. Eine Dame erlitt
lebens=
gefährliche Verletzungen, während die anderen
drei Perſonen ebenfalls ſchwer, jedoch nicht
lebensgefährlich verletzt wurden. Auch der
Laſt=
kraftwagen wurde ſchwer beſchädigt, doch kam der
Führer mit dem Schrecken davon. Bei den
Ver=
unglückten handelt es ſich um eine Familie Pierre
aus Paris, und zwar um Mutter, Sohn und
Tochter, ſowie eine Geſellſchafterin. Eine der
Damen hat einen Schädelbruch erlitten. Das
Automobil war von dem Sohn geſteuert worden.
Die polizeilichen Ermitklungen zum
Eiſenbahnanſchlag bei Jükerbog.
Berlin. Bei der Kriminalpolizei meldete
ſich ein Geſchäftsinhaber aus der Friedrichsſtadt,
bei dem einige Tage vor dem Attentat ein Herr
280 Meter desſelben Klingeldrahtes, der bei dem
Attentat verwendet wurde, gekauft hatte. Die
Perſonalbeſchreibung des Käufers ſtimmt mit
derjenigen des Mannes, der die Rohre in dem
Inſtallationsgeſchäft gekauft hatte, überein.
Doch ein Todesopfer des Jüterboger
Eiſenbahnattentats?
Ein Auto fährt mit vier Inſaſſen in den Hafen.
Sämtliche Perſonen ertrunken.
Duisburg. Ein ſchweres Autounglück
er=
eignete ſich in der Nacht zum Donnerstag in
Duis=
burg. An der Oberbürgermeiſter=Karl=Lehr=
Brücke, die die Stadtteile Duisburg und
Ruhr=
ort verbindet, werden Reparaturarbeiten
ausge=
führt. Um den ſtarken Verkehr nicht allzu ſehr
zu behindern, werden dieſe Arbeiten während der
Nachtſtunden in Angriff genommen, worauf auch
in der Preſſe hingewieſen wurde. In der Nacht
fuhr ein Auto einer Duisburger Fahrſchule, in
dem ſich vier Herren befanden, in der Richtung
nach Duisburg. Der Führer des Wagens muß
wohl die geſchloſfene Schranke an der Brücke nicht
bemerkt haben, denn das Auto fuhr in ſchneller
Fahrt hindurch und ſtürzte hinter der Schranke
in den Hafen, da dieſer Brückenteil während der
Reparaturarbeiten hochgezogen war. Das Auto
mit den Inſaſſen verſank in den Fluten, und
ehe Hilfe herangeſchafft werden konnte, waren
ſämtliche vier Perſonen ertrunken. In der
Mor=
genfrühe wurden durch Taucher Auto und Leichen
geborgen. Die Perſonalien der Ertrunkenen
ſtehen noch nicht feſt.
Karte der geplanten Luftverbindung Europa—Amerika.
Unten Mitte: Der amerikaniſche Flieger Cramer, der zurzeit vermißt wird, und der
deutſche Ozeanflieger v. Gronau, der wiederum zu einem Fluge Europa—Grönland—
Amerika geſtartet iſt. v. Gronau hat zu ſeinem neuen Fluge wie im verfloſſenen Jahre
den Darmſtädter Flieger E. Zimmer gewonnen. Das Flugzeug iſt ein neues
Dornierwal=Flugboot. In Reykjavik auf Island ſind die Flieger angekommen und
befin=
den ſich jetzt wohl ſchon auf dem Wege nach Grönland.
Der Flug des Amerikaners Carter Cramer von Amerika über Grönland nach Europa, ebenſo wie
der in entgegengeſetzter Richtung führende Flug des Deutſchen v. Gronau, ſoll als Probe für
einen täglichen Luftdienſt auf dieſer Strecke dienen. Ein amerikaniſches Unternehmen will einen
täglichen Luftdienſt mit fünf Flugzeugen einrichten, die den Flug in beiden Richtungen in fünf
Etappen zurücklegen ſollen.
Ein Kraftwagen vom Zuge überfahren.
Hersfeld. In der Nacht zum Donnerstag
wurde an einem Bahnübergang kurz vor dem
Bahnhofs Hersfeld ein Perſonenkraftwagen von
einem Güterzug überfahren. Von den Inſaſſen
war eine Frau ſofort tot. Ein Mann wurde mit
ſchweren Verletzungen in das Krankenhaus
ge=
bracht. Er iſt noch nicht vernehmungsfähig. Die
Urſache des Unglücks iſt nach Anſicht der
Reichs=
bahn darin zu ſuchen, daß der Schrankenwärter
die Schranke zu ſpät geſchloſſen hat. Die Getötete
iſt eine Frau Marion Schmidt aus Berlin=
Wilmersdorf.
Mit dem Auto in den Abgrund.
Paris. Ein ſchweres Automobilunglück
er=
eignete ſich am Mittwoch nachmittag in der Nähe
von Oran. Ein franzöſiſcher Großgrundbeſitzer,
ſeine Frau und zwei junge Damen wollten ſich
im eigenen Automobil an den Strand begeben,
als der Wagen an einer ſcharfen Kurve plötzlich
ins Schleudern kam und einen ſteilen, 80 Meter
hohen Abhang hinunterſtürzte. Die vier Inſaſſen
wurden tot aus den Trümmern des Automobils
gezogen.
Raubmord in Hamburg.
Hamburg. Am Mittwoch abend wurde der
im Jahre 1894 in Teltow in der Mark geborene
Kaufmann Ernſt Karl Nitze in ſeinem am
Stein=
damm gelegenen Kontor ermordet aufgefunden.
Der Kopf des Ermordeten weiſt ſtarke
Verletzun=
gen auf, die anſcheinend von einem Beil
her=
rühren. Nach den bisherigen Feſtſtellungen
wur=
den eine goldene Herrenuhr, ein grauer Mantel,
ferner 12—15 Mark in barem Geld, ſowie die
Kontor=, Geldſchrank= und Lagerſchlüſſel geraubt.
Poß führt im Deutſchland=Rundflug.
Berlin. Nach Erledigung der Prüfungen
des 2. Tages, geringſte Fluggeſchwindigkeit und
Anlaſſen des Motors ergibt ſich folgendes
Ge=
ſamtergebnis: Poß 39 Punkte, Dinort 33 Punkte,
Wolf Hirth 32 Punkte, Junghans 30 Punkte,
Weichelt 30 Punkte. Fräulein Lieſel Bach und
Frl. Beinhorn folgen erſt in weiterem Abſtand
mit 27 bzw. 22 Punkten. Croneiß will ſeine
„Langſam=Prüfung” noch einmal wiederholen,
doch wurde am Mittwoch nachmittag davon
ab=
geſehen, um ihn nicht durch die herrſchenden
ſtarken Gegenwinde zu benachteiligen.
Flugzeugnotlandung bei Göppingen.
Berlin. Das Flugzeug „D. 1775” mußte
am Donnerstag auf dem Fluge von München
nach Stuttgart gegen 14.30 Uhr bei Auendorf,
10 Kilometer ſüdlich von Göppingen, wegen
ſchlechten Wetters zwiſchenlanden. Hierbei wurde
die Maſchine ſchwer beſchädigt. Die Fluggäſte,
ſieben an der Zahl, und der Funker blieben
un=
verletzt, während der Führer und der
Flug=
maſchiniſt leicht verletzt wurden.
Abſturz eines polniſchen Marineflugzeuges.
Danzig. Ein Waſſerflugzeug der polniſchen
Kriegsmarine ſtürzte kurz nach dem Aufſtieg zu
einem Uebungsplatz in Putzig aus zehn Meter
Höhe ab. Von den vier Inſaſſen wurde ein
Flie=
gerwachtmeiſter auf der Stelle getötet.
Keine Spur von Cramer.
Kopenhagen. Wie ſich inzwiſchen
heraus=
geſtellt hat, ſtammt der Zylinderteil, den man
an der Weſtküſte Jütlands gefunden hat, nicht
von einem Flugzeug, ſteht alſo nicht mit Cramers
Flug in Verbindung. Ueber das Schickſal
Cra=
mers herrſcht noch völlige Unklarheit. In Oslo
iſt man der Anſicht, daß Cramer auf der offenen
Nordſee verunglück iſt.
Die Todesopfer des „St. Philibert”.
Paris. Die Zahl der bei der
Schiffskata=
ſtrophe des „St. Philibert” an der
Loiremün=
dung ums Leben gekommenen Perſonen beläuft
ſich auf 452. Bis Mittwoch wurden genau 400
Leichen wiedergefunden. Davon konnten 300
identiſiziert werden. 52 Leichen hat alſo das
Meer noch nicht zurückgegeben. Nur acht
Paſſa=
giere wurden bekanntlich gerettet.
Ein angeblich echter van Onck
beſchlagnahmt.
Berlin. Die Kriminalpolizei hat in einem
Lokal in Charlottenburg vorgeſtern ein Gemälde
beſchlagnahmt, das in Belgien entwendet worden
ſein ſoll. Ein Belgier, der des öfteren Gaſt in
dieſem Lokal iſt, bezeichnet das Bild als einen
echten van Dyck, das einen Wert von mehreren
hunderttauſend Reichsmark haben ſoll. Geſtern
vormittag wurde das Bild von
Kunſtſachverſtän=
digen auf ſeine Echtheit geprüft. Außerdem will
man feſtſtellen, durch welche Hände das Bild
ge=
gangen iſt, ehe es zu ſeinem jetzigen Beſitzer
ge=
langte.
Das geſtern nachmittag in einem
Charlot=
tenburger Reſtaurant beſchlagnahmte Gemälde,
das angeblich ein echter van Dyck ſein ſoll, der
während des Krieges in Belgien geſtohlen wurde,
iſt vom Sachverſtändigen im Polizeipräſidium,
Regierungsrat Dr. Daun, eingehend unterſucht
worden. Er ſtellte feſt, daß das Bild von einem
unbekannten Rubens=Schüler herrührt und aus
den Jahren 1630 bis 1650 ſtammen dürfte. Im
übrigen werden die letzten Feſtſtellungen über
die Echtheit heute vormittag von Geheimrat
Friedländer vom Kaiſer=Friedrich=Muſeum
ge=
troffen werden.
Der britiſche Geſchäftsträger in Honduras
tot aufgefunden.
Tegucigalpa. Der hieſige britiſche
Ge=
ſchäftsträger Wilton wurde vorgeſtern früh in
der britiſchen Geſandtſchaft tot aufgefunden. Ein
Revolver lag an ſeiner Seite; auf einem Tiſch
im Zimmer wurden ein Brief aus England, den
Wilton anſcheinend gerade geleſen hatte, ſein
Diplomatendegen, einige Photographien und ein
an ſeine Frau in London gerichtetes Schreiben
vorgefunden. Wilton war erſt vor kurzem aus
Rotterdam, wo er ſtellvertretender britiſcher
Generalkonſul geweſen war, nach Tegucigalpa
verſetzt worden. Im Jahre 1923 war Wilton als
Vizekonſul in Wien tätig.
Neue Fälle von Kinderlähmung in New York.
New York. Am Mittwoch wurden 73 neue
Fälle von Kinderlähmung bekannt, ſo daß ſich
die Zahl der ſeit dem 1. Juli gemeldeten Fälle
auf 1536 erhöht.
Berlin. Im Verlaufe der Unterſuchung
des Jüterboger Eiſenbahnattentats meldete ſich
bei der Unterſuchungskommiſſion ein
Kriminal=
aſſiſtent Karl Kraft aus Berlin. Karl Kraft
er=
wartete den Beſuch ſeines Onkels Tizian Flaty
aus Winterthur in der Schweiz, der am
Sams=
tag abend mit dem verunglückten Baſeler
Schnell=
zug eintreffen ſollte. Wie von dem Leiter der
Aufräumungsarbeiten an der Unfallſtelle
mit=
geteilt wird, iſt es nicht ausgeſchloſſen, daß ſich
unter einem der noch nicht gehobenen
Eiſenbahn=
wagen eine Leiche befindet. Bisher wurden
fünf Wagen wieder aufgeſtellt. Nach Eintreffen
des zweiten 60=Tonnen=Kranes werden die
übri=
gen drei Wagen wahrſcheinlich im Laufe des
heutigen Tages aufgerichtet werden.
Es verlautet, daß ſich ſämtliche Opfer des
Un=
falls auf dem Wege der Beſſerung befinden.
Neueſte krimingliſtiſche Hilfsmikkel
bei der Unkerſuchung des
Eiſenbahnakkenkals.
Der Funkzug der Kriminalpolizei
auf dem Bahnhof von Grüna / Kloſter Zinna.
Oben rechts: Kriminalrat Gennat, der Leiter
der Unterſuchungskommiſſion.
Zur Aufklärung des furchtbaren
Eiſenbahn=
attentats bei Jüterbog werden alle techniſchen
Einrichtungen der Kriminalpolizei herangezogen.
So ſteht auf dem Bahnhof von Grüna/Kloſter
Zinna, in deſſen unmittelbarer Nähe das
Atten=
tat verübt wurde, ein Spezialzug mit
Antennen=
anlage, von dem aus alle neuen
Unterſuchungs=
ergebniſſe an ſämtliche Kriminalſtellen gefunkt
werden.
22 Häuſer durch Blitzſchlag in Brand geſetzt.
Bukareſt. Ein heftiger Sturm hat heute
früh in der Bukowina gewütet. Durch Blitzſchläge
wurden 22 Hänſer in Brand geſetzt. Drei
Men=
ſchen wurden durch Blitzſchläge getötet, darunter
ein junges Mädchen, das mit ſeinen beiden
Schweſtern auf einer Wieſe ſchlief.
SülSagAaAät
olizei
riedr
entat e
s, der beide
ft hatte.
Kraft
Der Spork des Sonntags.
Fußball=Verbandsſpiele und Ruder=Meiſterſchaften.
Die hervorſtechendſten Ereigniſſe im Sportprogramm des
Sonntags ſind die ſüddeutſchen Fußball=Verbandsſpiele und die
Deutſche Meiſterſchafts=Regatta in Berlin=Grunau. Daneben gibt
s auch in den anderen Sportarten, wie Tennis, Radſport.
Motor=
vort, Schwimmen uſw. noch einige wichtige Veranſtaltungen,
all=
jemein haben aber dieſe Sportarten ihren Höhepunkt
überſchrit=
en und ſind im Abflauen, nachdem ſie die deutſchen
Meiſter=
chaften hinter ſich haben.
Fußball.
Am zweiten Spieltag erſcheint die ſüddeutſche Bezirks
iga vollzählig auf dem Plan. Sechs Verbandsſpiele finden
illerdings bereits am Samstag ſtatt und die SpVg. Fürth trug
ihr Verbandsſpiel gegen den VfR. Fürth bereits am Mittwoch
aus, um eine ſeit langem abgeſchloſſene Reiſe nach Polen und der
Tſchechei zu ermöglichen. Auch der VfL. Neu=Iſenburg, als elfter
Verein der Gruppe Main ſpielfrei, weilt im Ausland und nimmt
n Luxemburg an einem Turnier teil. Das ſüddeutſche
Verbands=
viel=Programm hat im einzelnen folgendes Ausſehen: Gruppe
Main; 1. FC. Hanau 93 — Kickers Offenbach; Germania
Bie=
dſer — FSV. Frankfurt, Eintracht Frankfurt — Germania 94
Frankfurt, FSV. Heuſenſtamm — Union Niederrad. Rotweiß
Frankfurt — SpVg. Griesheim; Gruppe Heſſen: Viktoria
Walldorf — SV. 98 Darmſtadt Viktoria Urberach — Olympia
orſch. SV. Wiesbaden — 1. FC. Langen, Alemannia Worms —
SV. Mainz 05. FVg. Kaſtel — Wormatia Worms; Gruppe
ordbayern: SpVg. Fürth — VfR. Fürth (Mittwoch): ASV.
Nürnberg — 1. FC. Nurnberg, FC. Bayreuth — SpVg. Weiden,
C. Schweinfurt — Kickers Würzburg, FV. Würzburg — Bayern
af; Gruppe Südbayern: Teutonia München — Bayern
München und DSV. München — FC. Straubing (Doppelſpiel am
Samstag): 1860 München — Jahn Regensburg; Wacker München
SSV. Ulm; VfB. Ingolſtadt=Ringſee — Schwaben Augsburg
Gruppe Rhein: FG. Kirchheim — VfL. Neckarau; FC.
Mannheim 08 — VfR. Mannheim; Spvg. Mundenheim — Sppg.
Sandhofen; „Amicitia Viernheim — FC. Sandhauſen, Phönix
Ludwigshafen — SV. Waldhof (Samstag); Gruppe Saar;
Spfr. Saarbrücken — FK. Pirmaſens; VfR. Pirmaſens —
Boruſ=
ia Neunkirchen; Weſtmark Trier — Saar Saarbrücken; SV. 05
Saarbrücken — 1. FC. Idar, 1. FC. Kaiſerslautern — FV.
Saar=
rücken: Gruppe Württemberg: FV. Zuffenhauſen —
Kik=
ers Stuttgart (Samstag); SV. Feuerbach — Union Böckingen;
ppfr. Eßlingen — 1. FC. Pforzheim; „VfR. Heilbronn —
Ger=
nania Brötzingen; FC. Birkenfeld — VfB. Stuttgart; Gruppe
Zaden: Sppg. Schramberg — Freiburger FC. (Samstag); VfB.
Larlsruhe — Karlsruher FV. (Samstag): FC. Mühlburg
Zhönix Karlsruhe; FV. Raſtatt — FC. Villingen; FC.
Rhein=
elden — SC. Freiburg. Eine Vorbeſprechung der einzelnen
Spiele am Saiſonbeginn iſt unangebracht, wie ja auch der
viel=
ach überraſchende Ausgang der Spiele des erſten Sonntags
be=
vies. — Die SpVg. Fürth ſpielt am Samstag gegen den 1. FC.
Zattowitz und am Sonntag gegen DFC. Prag und der VfL.
Iſen=
urg nimmt an dem „Dreiländerturnier” in Luxemburg teil und
rifft dort auf den Beerſchoot AC. Antwerpen und Red Boys
Dif=
erdingen, den luxemburgiſchen Meiſter, ſowie Union Luxemburg.
Handball.
Von den vier ſüddeutſchen Bezirken haben bisher nur
Main=
deſſen und Rhein=Saar mit den Verbandsſpielen begonnen und
nd auch am kommenden Sonntag die einzigen, die bereits
Junkteſpiele austragen.
Schwimmen.
Ein internationales Schwimmfeſt in Bocholt iſt vor den
Furopameiſterſchaften in Paris, die acht Tage ſpäter ſtattfinden,
as einzige und wichtige Ereignis im „naſſen Sport”. Nikar
deidelberg unternimmt eine Reiſe nach der Schweiz und
abſol=
jert dort einige Starts.
Leichtathletik.
Süddeutſchland verzeichnet am Sonntag vier Veranſtaltungen
on Bedeutung. In Frankfurt geht ein intereſſanter
Gruppen=
ampf Main gegen Heſſen in Szene, in Ulm wird ein
lubkampf Ulm 94 — SC. Luzern geſtartet und
außer=
em gibt es für ſüddeutſche Athleten offene Kämpfe in Kork bei
tehl und in Erlangen. Aus dem Reich meldet der
Terminkalen=
er zwei internationale Sportfeſte in Berlin und bei den
Kre=
elder Preußen, ferner nationale Feſte in Braunſchweig und Diez
nd ſchließlich den Frauen=Repräſentativkampf zwiſchen Weſt= und
orddeutſchland in Bielefeld. Im Ausland gehen deutſche
Athle=
en beim Städtekampf Amſterdam — Duisburg an den Start und
ußerdem intereſſiert noch der in Paris zum Austrag kommende
Länderkampf zwiſchen Frankreich und der Schweiz.
Rudern.
Die deutſche Meiſterſchaftsregatta in
Berlin=
rünau bedeutet Höhepunkt und Abſchluß der diesjährigen
deut=
hen Ruderſaiſon. Iſt das Meldeergebnis zahlenmäßig auch nicht
u hoch ausgefallen, was angeſichts der troſtloſen Wirtſchaftslage
u begreifen iſt, ſo bedeuten die abgegebenen Meldungen
qualita=
iv doch ſehr viel. Gemeldet ſind 7 Boote zum Einer, 9 zum
liemenzweier, 3 zum Doppelzweier, 4 zum Vierer ohne und 6
um Vierer mit Steuermann und 3 zum Achter An der
Re=
atta ſind auch drei Wiener Boote beteiligt. Aus
Süddeutſch=
and ſtarten: Paul=Frankfurt=Oberrad im Einer und Amicitia
Nannheim in den beiden Vierern und im Achter — An der
Furopameiſterſchaft in Paris ſind 13. Nationen mit
6 Booten und 229 Ruderern beteiligt. Deutſchland und
Eng=
and, die dem Internationalen Verband nicht angehören, ſind
licht beteiligt.
Tennis.
Auf dem Feldberg im Schwarzwald hat am Mittwoch in guter
ationaler Beſetzung ein Tennisturnier begonnen, das am
Sonn=
ag ſeinen Abſchluß erfährt. Aus dem Ausland ſind nur die
inniſchen Meiſterſchaften aus Helſingfors zu erwähnen, die keine
eſondere Bedeutung genießen.
Golf.
Nach den am Vorſonntag in Frankfurt ausgetragenen
Herren=
teiſterſchaften folgen die Titelkämpfe der Damen am
Wochen=
nde in Hamburg. Titelverteidigerin iſt Frl. Nora
Benzinger=
frankfurt.
Radſport.
Hier gibt es mit dem langſamen Beginn des Herbſtes auch
icht mehr viel offene Bahnveranſtaltungen. Auf der Berliner
Uympiabahn geht ein Steher=Länderkampf Deutſchland—
Frank=
eich in Szene, in deſſen Rahmenprogramm auch eine Revanche
r Fliegermeiſterſchaft ſtattfindet. Am Vortage veranſtaltet die
Lüſſeldorfer Bahn ein Rennen und in Frankfurt zeichnet der
Zundesgau des BDR. als Veranſtalter eines lokalen
Steherwett=
ewerbes verantwortlich. Die VARV. zieht in Bamberg ihre
Jahnmeiſterſchaften aus. „Rund um Berlin” und das
inter=
ationale Straßenfahrer=Kriterium in Genf ſind die wichtigſten
ſtraßenrennen.
Motorſport.
Nach den techniſchen Prüfungen vom Dienstag bis Freitag
eingen die letzten Tage der Woche beim Deutſchland=Flug
en eigentlichen Rundflug, der an den beiden Tagen mit Stari
nd Ziel in Berlin die Orte Lübeck (220 Km.), Münſter (315),
tuttgart (410), München (195), Wien (370), Breslau (325)
Ber=
n (295 Km.) berührt. Insgeſamt werden 2130 Km. durchflogen.
7 München iſt die erſte Tagesetappe beendet. — Aus dem
Aus=
ind ſind das Tatra=Bergrennen für Wagen und der Große Preis
er A. M. du Midi in Paris für Motorräder zu erwähnen.
Schwerathletik.
Der DASV. von 1891 bringt in Schonungen am Main und
kuttgart wieder einen Teil ſeiner Meiſterſchaften zum Austrag.
n Schonungen ſind es die Titelkämpfe im Bantam=Gewichtheben
nd Ringen im Bantam= und Schwergewicht und in Stuttgart
ingen und Gewichtheben im Leichtgewicht.
Pferdeſport.
Die ſonntäglichen Galopprennen, ſteigen in Frankfurt,
(ttshorſt, Magdeburg, Horſt=Emfcher, Deauville und Dieppe.
* Fußball im Kreis Starkenburg.
Die Punktkämpfe am kommenden Sonntag.
Kreisliga: Polizei Darmſtadt — Union Darmſtadt; Haſſia
Dieburg — Sportvgg. 04 Arheilgen; Germania Oberroden
— Germania 03 Pfungſtadt; Germania Eberſtadt — SV.
Mörfelden; Union Wixhauſen — SV. Münſter; Viktoria
Griesheim — FC. 03 Egelsbach.
Die Starkenburger Kreisliga ſetzt nach dem ſchwächeren
Auf=
takt am letzten Sonntag am zweiten Spieltag nun recht lebhaft
ein. 12 Mannſchaften ſtehen im Kampf, und nur Groß=Zimmern
und Sprendlingen ſetzen aus. Unter den Paarungen finden wir
bereits einige, die man ſozuſagen als Großkämpfe” betrachten
kann: Dieburg — Arheilgen und Oberroden — Pfungſtadt.
Be=
reits vormittags um 11 Uhr ſtoßen Polizei und Union Darmſtadt
auf dem „Exert” aufeinander. Von der Union weiß man bisher
ſo gur wie nichts, ſo daß man erſt einmal dieſes Spiel abwarten
muß, um ſich ein Urteil bilden zu können. Wir nehmen an, daß
die Polizei ſiegen wird. Die beiden Spiele in Dieburg und
Ober=
roden ſehen naturgemäß die Platzbeſitzer als Favoriten:
Ober=
roden könnte vielleicht eine Ueberraſchung bringen, aber in
Die=
burg darf man wohl mit einem ſicheren Erfolg der Einheimiſchen
rechnen. Viktoria Griesheim hat die Egelsbacher als Gaſt und
dürfte wie im Vorjahre, gewinnen. Geſpannt darf man ſein, wie
ſich die beiden anderen diesjährigen Neulinge halten werden.
U. E. werden ſich Eberſtadt und Wixhauſen gut halten, denn beide
Mannſchaften verfügen über eine größere Wettſpielerfahrung. Ob
Eberſtadt ſich aber ſchon gegen die ſchlagkräftigen Mörfelder
durchſetzen kann, darf bezweifelt werden. Und auch Wixhauſen
wird es gegen Münſter ſehr ſchwer haben, denn in den
Punkte=
kämpfen pflegt Münſter doch eine andere Klinge zu führen als
in den bisher für Wixhauſen recht günſtig verlaufenen
Privat=
treffen. Am Sonntagabend wird man jedenfalls mehr wiſſen.
In der A=Klaſſe ſetzt am Sonntag neben der
Oden=
waldgruppe auch die Gruppe Bergſtraße=Ried ein; die
Dreieich=
gruppe beginnt erſt am 23. Auguſt. Wie erwartet, konnten am
vorigen Sonntag ſich die alten A=klaſſigen Vereine gegen die
Klaſſen=Neulinge durchſetzen; Roßdorf gewann mit 7:1 in Groß=
Umſtadt, Ober=Ramſtadt mit 5:0 in Kleeſtadt und Beerfelden
ſchlug daheim die Schaafheimer gar mit 10:0. Gerade Beerfelden
werden die nun möglichen Erfolge ſehr gute Propaganda leiſten,
und auf der anderen Seite ſollten die Neulinge klug genug ſein,
einzuſehen, daß aller Anfang ſchwer iſt. In einem Jahr wird
man auch da weiter ſein.
Der kommende Sonntag ſieht nun in der A=Klaſſe
fol=
gende Spiele:
Gruppe Bergſtraße=Ried: FSV. Jugenheim-
Rot=
weiß Darmſtadt SV. Geinsheim — Reichsbahn Darmſtadt,
Boruſſia Dornheim — Germania Leeheim; SV. Groß=Gerau —
Olympia Hahn.
Gruppe Odenwald. Spielvgg. Klein=Umſtadt — SV.
Lengfeld: SC. Ober=Ramſtadt — VfL. Michelſtadt; Viktoria
Klee=
ſtadt — Viktoria Schaafheim; VfR. Be rfelden — VfR. Erbach.
Gutes Wetter und gute Platzverhältniſſe vorausgeſetzt, darf
man überall mit recht anregenden Kämpfen rechnen.
SV. Geinsheim — Reichsbahn Darmſtadt.
Am kommenden Sonntag fahren die 1. und 2. Mannſchaft
der Reichsbahn nach Geinsheim, um ihre 1. Verbandsſpiele in der
A=Klaſſe auszutragen. Geinsheim, das in den vorjährigen
Ver=
bandsſpielen mit an der Spitze war, wird einen ſchwer zu
ſchla=
genden Gegner für die jungen erſtmals in der A=Klaſſe
ſpielen=
den Darmſtädter abgeben. Die Reichsbahn, die aus dienſtlichen
Gründen nicht in ſtärkſter Beſetzung antreten kann, beſtreitet das
Spiel in folgender Aufſtellung; Bert; Faßhauer, Daniel;
Gries=
heimer, Bär 1. Bock; Spamer, Fries 1, Weißmantel. Mahr, Peter.
Tennis.
TC. 1914 Frankfurt — TEC. Darmſtadt.
Die Medenſpiele werden nach demſelben Syſtem wie der
Davispokal ausgetragen, d. h. alſo, in einer ſogenannten
Her=
ausforderungsrunde ſtehen ſich Alt= und Neumeiſter, Meden=
Meiſter 1930 und Meden=Endſieger 1931 im Endkampf
gegen=
über. Vorjähriger Meiſter iſt der TC. 1914 Frankfurt, der auf
ſeinen Plätzen im Palmgarten am Sonntag, den 16. Auguſt, den
Darmſtädter Tennis= und Eisklub zum Endſpiel erwartet. Beide
Vereine ſind zuſammen mit dem T. u. H.C. Wiesbaden die Elite
der Klubs von Heſſen= und Heſſen=Naſſau. 5mal kam bis jetzt
die Meiſterſchaft zum Austrag, 4mal war der T.E.C.D. im
End=
ſpiel vertreten, 3mal war er Endſieger. Im Jahre 1927 wurde
die Meiſterſchaft erſtmalig durch einen Sieg in Caſſel, gegen den
Meiſter des Vorjahres, Caſſel=Wilhelmshöhe, errungen. Zwei
Jahre lang wurde der Titel dann verteidigt, und zwar
nachein=
ander erfolgreich gegen den SC. Forſthausſtraße Frankfurt (1928)
und den T. u. H.C. Wiesbaden (1929) Im Vorjahre (1930) aber
entführte Frankfurt 1914 die Meiſterſchaft, zu einer Zeit, als der
T.E.C. zum erſtmal ohne ſeinen früheren Spitzenſpieler Blecher
und außerdem noch mit Erſatz für Kleinlogel antrat. Heute haben
die Darmſtädter die Lücken ausgefüllt. Hartes Training hat die
Mannſchaft für dieſen letzten Kampf fit gemacht. Der eiſerne
Siegeswille iſt vorhanden, ſo daß ein Sieg der Darmſtädter, die
mit Kleinlogel, Claß, Endriß, Werner. Sennewald Steffan und
Müller nach Frankfurt fahren, im Bereich der Möglichkeit liegt.
Es muß jedoch erwähnt werden, daß an und für ſich die
Frank=
furter mit ihren Spitzenſpielern Goſewich, Erwen und
Halber=
ſtadt, die zurzeit zu Deutſchlands beſter Klaſſe zählen, ein ſchwer
zu nehmendes Hindernis ſind. Die Frankfurter gehen als klare
Favoriten in den Kampf, der um 3 Uhr nachmittags beginnt.
Ein Heag=Omnibus und zahlreiche Privatkraftwagen werden
Darmſtadts Anhänger zum Entſcheidungsſpiel nach Frankfurt
bringen, die hoffentlich einen Sieg ihrer Mannſchaft erleben.
Schießſpork.
Europa=Meiſterſchafken im Schwimmen.
Zehn Nationen am Start.
Die Meldeliſte für die vom 23. bis 30. Auguſt in Paris
ſtattfindenden Europameiſterſchaften im Schwimmen liegt jetzt
vor. Insgeſamt werden die Vertreter von zehn Nationen den
Kampf aufnehmen. Es ſind dies Deutſchland, Ungarn,
Frankreich, Italien, Tſchechoſlowakei, Polen, die Schweiz,
Finn=
land. England und Holland, von denen die beiden letztgenannten
Nationen nur in den Damenwettbewerben vertreten ſind. Leider
vermißt man Schweden in der Meldeliſte und ebenſo Belgien, die
Titelkämpfe haben alſo nicht die umfaſſende Beteiligung
gefun=
den, die man gern geſehen hätte. Auch bezüglich der deutſchen
Expedition beſtehen noch Schwierigkeiten. Die
Ver=
handlungen mit den Behörden konnten bisher noch nicht
zufrieden=
ſtellend erledigt werden, doch beſteht Ausſicht, daß dies bald der
Fall ſein wird. Leider werden wir aber auf eine unſerer
ſtärk=
ſten Waffen im Kampf um den Pokal der Nationen verzichten
müſſen, denn Europas beſter Rückenſchwimmer, Ernſt
Küp=
pers, der ſchon den deutſchen Meiſterſchaften fernblieb, muß aus
beruflichen Gründen auf die Teilnahme verzichten. Es wird
alſo für die deutſchen Vertreter ſchwer werden, dieſen ſchon
zwei=
mal gewonnenen Pokal ſiegreich verteidigen zu können, zumal
von den ſieben Damenprüfungen nur zwei vom D. S.V. beſetzt
wor=
den ſind.
Neue deukſche Schwimmrekorde.
Die bekannte Dresdener Freiſtilſchwimmerin Dorle
Schö=
nemann, die Inhaberin des Rekordes über 500 Meter Crawl,
brachte am Mittwoch abend im König=Friedrich=Auguſt=Bad in
Klotzſche bei Dresden unter offizieller Kontrolle auch die bisher
von Reni Erkens=Küppers, gehaltenen Beſtleiſtungen über 800
und 1000 Meter in ihren Beſitz. Frl. Schönemann, die ihren
Rekordverſuch bei nur 16 Grad Waſſertemperatur unternahm,
drückte die beide Crawlrekorde ganz erheblich, und zwar über
800 Meter von 14:05 2 auf 13.: 39, 8 und über 1000 Meter
von 17:47 auf 17:04 Minuten.
Amerikas beſte Fechkerinnen in Deukſchland.
Einige der beſten amerikaniſchen Fechterinnen ſind in dieſen
Tagen in Hamburg eingetroffen, um eine Reihe von Wettkämpfen
in Deutſchland, England, Frankreich, Italien und Ungarn mit
den europäiſchen Fechterinnen auszutragen und dabei ihre
haupt=
ſächlichſten Gegnerinnen bei den nächſtjährigen olympiſchen
Spie=
len kennen zu lernen. An der Spitze der Amerikanerinnen ſteht
Miß Marion Lloyd, die als beſte Fechterin Nordamerikas gilt und
ſeit 5 Jahren den Meiſtertitel hält. Außer ihr werden die Damen
Locke, van Hanſa und Guggolz bei den europäiſchen Turnieren
mitwirken. Die Rundreiſe ſieht nach Begrüßung durch den
Deut=
ſchen Fechterbund in Hamburg zuerſt Kämpfe gegen eine
Damen=
gruppe des Hamburger Fechtklubs ſowie gegen einige däniſche
Fechterinnen vor. Anſchließend finden Kämpfe in Bad Pyrmont
gegen eine Damengruppe des Deutſchen Fechtklubs Hannover und
gegen Holländerinnen ſtatt. Am kommenden Sonntag
nachmittag ſetzt ſich die Kampfreihe in Wiesbaden (Paulinen=
Schlößchen) gegen eine Gruppe des Mittelrheiniſchen Fechtklubs
fort. Hierbei wird auch die amerikaniſche Meiſterin einen
Tref=
ferkampf gegen die Weltmeiſterin Helene Mayer auf 10 Treffer
austragen Für die folgende Woche ſind vorgeſehen; Kämpfe in
Köln gegen niederrheiniſche Fechterinnen und in Offenbach
gegen Damengruppen des Fechtklubs von Darmſtadt,
Frank=
furt und Offenbach. Den Schluß in Deutſchland bildet dann in
Nürnberg am 23. Auguſt der Kampf gegen eine repräſentative
Damengruppe des Deutſchen Fechterbundes (Helene Mayer, die
neue Deutſche Meiſterin Tilly Merz=Rüdesheim, Frau Sondheim
und Frl. von Wachter=München) wobei abermals ein Einzel=
Trefferkampf und zwar der zweitbeſten Amerikanerin Miß Locke
gegen Frau Sondheim=München geplant iſt.
Der Damen=Fechtkampf Hamburg — New York in Hamburg
endete am Mittwoch mit 5:4 Siegen zugunſten der
Amerikane=
rinnen.
Der deutſche Kanalbezwinger Ernſt Vierkötter wird ſich
wie=
derum am 2. September an dem Marathonſchwimmen über 24
Kilometer in Toronte beteiligen.
Cilly Auſſem und Irmgard Roſt treten Mitte September eine
auf drei Monate berechnete Reiſe nach Südamerika an, wo ſie ſich
an verſchiedenen Tennisturnieren beteiligen werden.
Sporklikerakur.
In recht geſchmackvollem Gewande präſentiert ſich Heft 33 von
„Motor und Sport”, in dem ein großer Teil dem Sport
vorbe=
halten iſt. Die Internationale Alpenfahrt iſt darin, flüſſig
ge=
ſchrieben und gut bebildert, erſchienen. Ebenſo fand das
inter=
nationale Gaisbergrennen ein würdiges Echo. Auch der
Rhön=
ſegelflugwettbewerb wird eingehend gewürdigt; daneben die
Auguſtrennen in Brookland und der Sport in England. Der
tech=
niſche Teil bringt Citroen=Teſt, einen Artikel. Motorfahrrad mit
Hilfsmotor”; „Ausführungen über Betriebskoſtenſchätzung und
„Licht= und Anlaßmaſchine”. — In der bekannten Art der
Reiſe=
beſchreibung „Mit „Motor und Sport durch Deutſchland” wird in
dieſem Heft mit Oberbayern fortgeſetzt, welcher Beſchreibung viele
Leſer ihre Beachtung zuwenden werden, da das Intereſſe für dieſe
Gegend Bayerns beſonders groß iſt. Der recht feſſelnde Roman
von „Motor und Sport” ſchließt in dieſem vielſeitigen
reichhalti=
gen Hefte ab. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Kioske, oder
vom Vogel=Verlag, Pößneck (Thüringen), Preis 60 Rpf.
Geſchäftliches.
Die Ziehung der Eiſenacher Geldlotterie zum Beſten des
Thüringer Muſeums zu Eiſenach findet beſtimmt am 27. und
28. Auguſt ſtatt. Die Lotterie bietet eine ausſichtsreiche
Gele=
genheit, für eine kleine Ausgabe einen großen oder geringeren
Geldgewinn zu erzielen, der in der jetzigen Zeit hochwillkommen
ſein dürfte.
Loſe koſten nur 1 Mark und ſind in den
Verkaufsſtel=
len zu haben, die in der Anzeige angegeben ſind. Die
Haupt=
gewinne ſind 10 000.— und 2000.— Mark. Alle Gewinne werden
bar ohne jeden Abzug ausgezahlt.
TV 11 797
Verfaſſungskämpfe in Darmſtadt.
Der Mannſchaftskampf im Kleinkaliberſchießen aus Anlaß
des Verfaſſungstages fand auf den Ständen der Priv. Sch.=G.
Darmſtadt ſtatt und in Fr. Engel=Pr. Sch.=G. D. einen ſicheren
Leiter. Als Sieger gingen folgende Mannſchaften hervor;
1. Windmühle 908 Ringe: 2. Kleeblatt 868; 3. Priv. Sch.=G. D.
807; 4. Weidmannsheil 807; 5. Wildſchütz 781.
Schieß=S. C. Kleeblatt Darmſtadt.
Das am Dienstag auf den Ständen am Karlshof ausgetragene
Königs=Schießen hatte trotz des ſchlechten Wetters eine ſtattliche
Anzahl Gäſte angezogen. Sehr hartnäckig zeigte ſich der rechte
Flügel, welcher erſt beim 393. Schuß fiel (A. Horn). Sehr bald
darauf, mit dem 584. Schuß (Auguſt Schäfer), mußte auch der
linke Flügel weichen. Nunmehr wurde die Platte freigegeben.
Mit dem 769. Schuß wurde der Vogel von Adolf Horn
abge=
ſchoſſen, welchem damit die Königswürde und Kette für 1931
zu=
geſprochen wurde. Das traditionelle und hochintereſſante Schießen
hielt die Teilnehmer und Gäſte bis zum Schluſſe ganz in ſeinem
Banne.
Am kommenden Sonntag tritt die erſte Mannſchaft ihren
Rückkampf gegen Polizei Butzbach an, welcher, in Butzbach
ſtatt=
findet.
Pſerdeſpork.
Zum Frankfurter Rennen.
Die Niederräder Bahn wird, am kommenden Sonntag zu
einem eintägigen Meeting ihre Pforten öffnen. Als
Hauptnum=
mern ſtehen der Präſidenten=Preis und das Landgrafen=Rennen,
zwei alte wertvolle Rennen, auf dem Programm, über die es
auch das neueſte Wettſyſtem die Doppelwette, geben wird.
Um=
rahmt ſind dieſe beiden wichtigen Rennen von je zwei weiteren
Flachrennen und Jagdrennen, deren eines über den ungewöhnlich
langen Kurs von 4500 Meter geht. Die Beteiligung iſt wieder
denkbar gut, denn neben zahlreichen ſehr guten Pferden aus der
Reichshauptſtadt begegnen ſich eine Anzahl zerprobte weſtdeutſche.
Pfälzer, ſüddeutſche und Frankfurter Pferde. Daneben figuriert
als anziehendes Moment für die Zuſchauer die koſtenfreie
Ver=
loſung von drei Ferienreiſen bzw. den reichlichen Mitteln dazu.
Rundfunk-Programme.
Frankfurt a. M.
Freitag, 14. Auguſt.
17.00: Nachmittagskonzert des Funkorcheſters. Mitw.: Erb=Hüſt (
So=
pran), H. Mertens (Baß), O. Seyfert (Flügel).
18.45: Dr. Kißling: Die Rechtsſtellung der Ehefrau nach geſetzlichem
Güterrecht.
19.05: H. Ebele: Die ſoziale Rundfunkhilfe.
19.20: H. Roſen: Was haben wir von der diesjährigen Funk=
Aus=
ſtellung zu erwarten?
19.35: Zeit, Programmänderungen, Wetter, Wirtſchaftsmeldungen.
19.45: Handharmonikakonzert des Handharmonika=Quartetts
Troſ=
ſingen.
20.15: Carl Spitteler. Proſa und Lyrik.
20.50: Unterhaltungskonzert des Philharm. Orcheſters Stuttgart.
22.10: Zeit, Wetter. Nachrichten, Sport.
22.30: Karlsruhe: Tanzmuſik der Kapelle Haas=Mahagonny.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Freitag, 14. Auguſt.
15.00: Margarete Barth: Aus dem Leben eines großſtädt.
Tagesbei=
mes für Kinder.
15.45: G. Regelin: Von der Jugendrotkreuzarbeit für die
Jugend=
rotkreuzarbeit.
16.00: Leipzig: Nachmittagskonzert.
17.00: Stud.=Rat Soltau: Zur Technik der Muſeumsbeſuche mit
Schulklaſſen.
17.30: R. Jonas: Techniſche Seifenblaſen.
18.00: Dr. Geſtrich: Aktuelle Währungsfragen.
18.30: K. Kirſchauer: Raketen im Raum.
19.00: Wiſſenſchaftl. Vortrag für Zahnärzte.
19.30: Die Welt des Arbeiters. Das Geſellſchaftsleben. „Im Städt.
Obdach” Lehrſpiel v. Dr. Hermanns. — anſchl.: Wetter für die
Landwirtſchaft.
20.00: Luſtige Stunde.
21.00: Tages= und Sportnachrichten. (1).
21.10: Budapeſter Streichquartett: E. Hauſer (1. Violine), J.
Roismann (2. Violine), St. Jpolyi (Viola), M. Schneider (Cello).
22.15: Wetter=, Tages= und Sportnachrichten.
anſchl. Femina: Tanz=Muſik des Jazz=Orcheſters Dick Dane und der
Tango=Kapelle El Aguilar.
Um die Wiedereröffnung der Börſen.
Zunächſt kein variabler und Terminhandel. — Noch keine Einigung über den Zeilpunkt der Börſenöffnung.
Gleichmäßige Regelung
für alle deutſchen Börſen beabſichkigk.
Nachdem im Handelsminiſterium über die techniſchen Fragen
hinſichtlich der Börſenwiedereröffnung eine Einigung erzielt
wor=
den iſt dergeſtalt, daß ein variabler und Terminhandel zunächſt
tiſchen Lage abwarten will. Deutſche Bonds tendierten feſt, und
ungariſche Werte hatten gleichsfalls kräftigere Beſſerungen zu
ver=
zeichnen. In Paris waren die Umſätze zu Beginn des Verkehrs
ſehr gering; verſchiedentlich traten kleine Kursabſchläge ein.
nicht ſtattfinden ſoll und daß die Abwicklung der ſchwebenden
Engagements an jeder Börſe nach den örtlichen Bedürfniſſen durch
Börſenbeſchluß geregelt wird, iſt jetzt nur noch die Frage des
endgültigen Termines zu löſen. Während ſich die Berliner
Ver=
treter mehr für eine möglichſt ſchnelle Wiedereröffnung des
Bör=
ſenverkehrs einſetzten, ſchienen die Abgeſandten des Reichs eher
für eine ſpätere Wiederingangſetzung zu ſein. Der Berliner
Bör=
ſenvorſtand tagte nun geſtrn, um eine Entſcheidung über den
Er=
öffnungstermin herbeizuführen. Wenn es nicht gelingen ſollte
die Börſe bis mitte nächſter Woche zu eröffnen, wird man wohl
vor Sept. kaum damit rechnen können, da dann der Ultimo als
ſtörendes Moment dazwiſchen kommen würde. Vielleicht iſt die
Herauszögerung bis Anfang September aus politiſchen Gründen
aber auch gar nicht ſo von der Hand zu weiſen. Werden doch die
franzöſiſchen Miniſter nunmehr ziemlich ſicher für Ende Auguſt
in Berlin zu erwarten ſein, und man verſpricht ſich doch von dieſem
Beſuch recht viel. Auch in Paris glaubt man, daß bei den
Ber=
liner Beſprechungen etwas Poſitives herauskommen müſſe und der
„Populaire” ſchreibt in dieſem Sinne: Wenn Laval Deutſchland
nichts anzubieten habe, und wenn er keine umfaſſenden, kühnen
Pläne mitbringe, dann wäre es beſſer, wenn er ſeine Reiſe
ver=
zögere oder gar nicht ausführe. Die deutſch=franzöſiſche
Aus=
ſöhnung, die für den Frieden in Europa unerläßlich ſei, könne
nicht durch Phraſen oder durch Händeſchütteln erzielt werden.
Taten ſeien notwendig, entſcheidende Taten. Auf ſie warte, man
ſchon mehrere Wochen, aber die Zeit vergehe und die Regierüngen
in Europa ſcheinen ſich über die wachſenden Schwierigkeiten nicht
klar zu ſein, die ſich aus dieſer Verzögerung ergeben. Es handele
ſich nicht nur um die deutſche Kriſe; die ganze europäiſche
Wirt=
ſchaft ſei mit der deutſchen ſolidariſch. Die Verhandlungen mit
dem Sachverſtändigenausſchuß gehen weiter, als Vertreter der
deutſchen Banken ſind geſtern die Herren Direktoren Fuchs und
v. Wedel von der Reichsbank, Dr. Schlieper von der Dedibank und
Dr. Jeidels, Berliner Handelsgeſellſchaft, nach Baſel abgereiſt.
Die Finanzlage Englands wurde geſtern in der City zuverſichtlich
beurteilt. Eine Diskontherabſetzung der Bank von England, die
als eine Geſte des Vertrauens erwartet wurde, trat aber nicht ein.
Im Verlaufe der Londoner Börſe war das Geſchäft nach
un=
ſicherem Beginn ſehr ruhig, da man die Entwicklung der poli=
Zu den heutigen Beſprechungen des Berliner Börſenvorſtandes
erfahren wir ergänzend: Der Börſenvorſtand hat ſich beſonders
mit den Maßnahmen beſchäftigt, die für den Fall der
Wiederer=
öffnung des Börſenverkehrs zu treffen ſind. Insbeſondere handelt
es ſich hierbei um die Regelung des Terminverkehrs, die Feſtſetzung
des Zeitpunktes der Regulierung und die Frage der Abwicklung
der bei Wiedereröffnung der Börſe noch ſchwebenden Zeitgeſchäfte.
Hierbei hat ſich ergeben, daß insbeſondere die Beſchlüſſe über
letztere davon abhängig gemacht werden müſſen, ob die
Wieder=
aufnahme des amtlichen Verkehrs zu einem Zeitpunkt erfolgen
wird, der die teilweiſe Abwicklung der ſchwebenden Zeitgeſchäfte
noch im Monat Auguſt möglich macht oder erſt zu einem ſpäteren
Termin. Da die Reichsregierungen und die Länderregierungen an
einer gleichzeitigen Wiedereröffnung der Börſen und einer
gleich=
mäßigen Regelung für alle preußiſchen und deutſchen Börſen ein
lebhaftes Intereſſe haben, wird der Berliner Börſenvorſtand
zu=
nächſt auf eine möglichſt beſchleunigte Klärung dieſer Fragen
Verbilligung der Zinſen
für Ernkebewegungs=Kredike.
Bereitſtellung von Mikkeln ſeikens des Reiches.
Aicfen dich rae en de Gee eſe e
kunft diesjähriger Ernte aufnehmen, nach Lieferung der War
auf Antrag eine Zinsverbilligung der hierzu in Anſpruch genom
menen Wechſelkredite zu gewähren. Die Ueberweiſung der Zins
rückvergütung erfolgt nach Einreichung einer von Käufer un
Verkäufer unterzeichneten Beſtätigung des
Geſchäftsabſchluſſe=
dem eine von dem finanzierenden Kreditinſtitut unterzeichnet
Abſchrift der entſprechenden Diskontabrechnung beigefügt iſt.
Die Zinsvergütung beträgt 6 Prozent p. a. der Wechſelſumm
für die Dauer der Laufzeit der Wechſelabrechnung, ſoweit ſie nich
über ſechs Wochen hinausgeht. Wird der derzeitige Reichsbank
diskontſatz von 10 Prozent herabgeſetzt erfährt der Rückver
gütungsſatz die gleiche Ermäßigung. Die Verbilligung erfolgt bi
durch das Handelsminiſterium bedacht ſein. Die Sitzungen des
Berliner Börſenvorſtandes endeten ohne poſitive Beſchlüſſe. Die
Beſprechungen, u. a. auch in den zuſtändigen Miniſterien, dürften
aber vorausſichtlich in Bälde fortgeſetzt werden.
Berliner Deviſen=Feſtſehung vom 13. Auguſt.
Helſingfors
Wien
Prag
Budapeſt
Sofia
Holland
Oslo.
Kopenhagen
Stockholm
London
Buenos Aires
New York
Belgien.
Italien
Paris
Schweiz
Wirkſchaftliche Rundſchau.
Stillegung der Rheiniſchen Provinzial=Baſaltwerke. Die ſchlechte
Wirtſchaftslage hat ſich beſonders bei den Rheiniſchen Provinzial=
Baſalt=
werken ausgewirkt. Schon vor zwei Jahren wurden die Oberkaſſeler
Baſaltwerke geſchloſſen. Die Oberpleiſer Werke mußten an die
Weſter=
waldbrüche A.G. verpachtet werden. Der große Betrieb in Neuſtadt
wurde dann mit einem Koſtenaufwand von 1,5 Mill. RM. ausgebaut.
Aber dieſer letzte Betrieb der ehemals ſo bedeutenden Rheiniſchen
Ba=
ſaltwerke blieb ein Zuſchußbetrieb und wird nun gegen Ende dieſer Woche
ſtillgelegt. So werden in Neuſtadt und Oberkaſſel insgeſamt 400
Arbeit=
nehmer erwerbslos.
Die franzöſiſch=ruſſiſchen Handelsbeziehungen. Ueber die
franzöſiſch=
ruſſiſchen Verhandlungen, die der Wiederaufnahme der
Handelsbeziehun=
gen zwiſchen beiden Ländern dienen, bringt das Echo de Paris geſtern
Erklärungen des Handelsminiſters Rollin. Daraus ergibt ſich, daß die
Verhandlungen bis jetzt lediglich zur Zurückziehung der von der
fran=
zöſiſchen und der ruſſiſchen Regierung im Oktober 1930 erlaſſenen, den
Außenhandel völlig beſchränkenden Geſetze und Verordnungen geführt
haben, ſo daß der ruſſiſche Markt dem franzöſiſchen Export wieder
er=
ſchloſſen ſei. Die Frage der Rußland bei Beſtellungen in Frankreich zu
gewährenden Kredite ſei jedoch eng mit der Frage der
Schuldenverhand=
lungen verbunden und könne von ihr nicht getrennt werden.
Mekalnolierungen.
Die Metallnotierungen in Berlin für je 100 Kg. am 13. Aug.
ſtellten ſich für Elektrolytkupfer, prompt eif Hamburg, Bremen
oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die Deutſche
Elektrolytkupfernotiz) auf 74,50 RM. — Die Notierungen der
Kommiſſion des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe
ver=
ſtehen ſich ab Lager in Deutſchland für prompte Lieferung und
Bezahlung) ſtellten ſich für Original=Hüttenaluminium, 98 bis 99
Prozent, in Blöcken. Walz= oder Drahtbarren auf 170 RM.,
des=
gleichen in Walz= oder Drahtbarren, 99 Prozent, auf 174 RM.,
Reinnickel, 98 bis 99 Prozent, auf 350 RM., Antimon=Regulus
auf 51—53 RM., Feinſilber (1 Kg. fein) auf 37,50—39,50 RM.
Produkkenberichke.
Mannheimer Produktenbericht vom 13. Auguſt. Die Kurſe verſtehen
ſich per 100 Kilo netto waggonfrei Mannheim ohne Sack: Weizen, inl.,
ſofort 24,25—24,75; Roggen, inl., ſofort 20,50—21; Hafer, inl., alter
18—19 neuer Ernte 16—17; Gerſte, Braugerſte bad. heſſ. (neu) 16—
18,50; Sohaſchrot 12,25—12,50; Biertreber, mit Sack 10,50—10,75;
Trok=
kenſchnitzel 6,25—6,50; Wieſenheu (loſes) 4,80—5,20; Luzernekleeheu 5,00
bis 5,60; Stroh, Preßſtroh, Roggen=Weizen 3,30—3,50; desgl. Hafer=
Gerſte 2,80—3,00; Stroh, geb., Roggen=Weizen 2,70—2,90, desgl. Hafer=
Gerſte 2,40—2,60; Weizenmehl Spezial Null mit Sack, Auguſt 40,25,
Sept.—Oktober 35,00; Roggenmehl mit Sack 28,50—30,50;
Weizen=
kleie (feine), mit Sack 9,25—9,50: Erdnußkuchen 12,50. Tendenz: feſt.
Da die Forderungen für inländiſches Brotgetreide weiter weſentlich
er=
höht ſind, nahm der hieſige Markt einen feſten Verlauf.
Biehmärkke.
* Darmſtädter Viehmarkt vom 13. Oktober. Aufgetrieben waren 11
Ochſen, 106 Kälber, 7 Schafe. Die Preiſe ſtellten ſich für Kälber a) 52
bis 58, b) 46—51, c) 40—45 Pfg. pro Pfund Lebendgewicht.
Marktver=
lauf: langſam geräumt.
Frankfurter Viehmarkt vom 13. Auguſt. Auftrieb: Von dem
letz=
ten Markt noch 74 Rinder, 819 Kälber, 134 Schafe, 785 Schweine. Es
notierten pro Zentner Lebendgewicht: Kälber b) 54—59, ) 49—53,
d) 44—48; Schafe a) 1. 40—43, b).30—39; Schweine b) 57—61, c) 56
bis 60, d) 55—60, e) 52—56. Marktverlauf: Kälber und Schafe rege,
ausverkauft: „Schweine ruhig, geräumt; geringe leichte Schweine faſt
unverkäuflich. — Fleiſchgroßhandelsmarkt: Ochſenfleiſch 1. 70—75 do.
2. 60—70 Bullenfleiſch 62—66, Kuhfleiſch 2. 40—50, do. 3. 30—40;
Kalbfleiſch 1. 70—95, Schweinefleiſch 1. 68—75. Geſchäftsgang: rege.
* Mannheimer Viehmarkt vom 13. Auguſt. Auftrieb — Zufuhren:
112 Kälber, 21 Schafe, 184 Schweine 798 Ferkel und Läufer. Preiſe
für 50 Kilo Lebendgewicht in RM.: Kälber b) 53—58 ) 48—52, d) 42
bis 48 Schafe b) 30—33; Schweine nicht notiert. Ferkel koſteten bis
vier Wochen alte 9—12 Mk., über vier Wochen alte 14—18 Mk., Läufer
20—94 Mark das Stück. Marktverlauf: Mit Kälbern mittel,
ausver=
kauft; „Ferkel und Läufer lebhaft.
auf weiteres zunächſt für Geſchäfte, die in der Zeit vom 15. Auguf
bis 20 September 1931 abgeſchloſſen und erfüllt werden. Die An
träge ſind jeweils binnen einer Woche nach Erfüllung der Deut
ſchen Rentenbank=Kreditanſtalt, Berlin W. 8, einzureichen, die
entſprechende Vordrucke zur Verfügung hält.
Die Entſcheidungen der Deutſchen Rentenbank=Kreditanſtalt
über die Anträge ſind endgültig und können im Prozeßwege nicht
angefochten werden.
Es iſt Vorſorge getroffen, daß die im Rahmen der geplanten
Bevorſchuſſung auf abgeſchloſſene Lieferungsberträge gewährten
Kredite die gleiche Zinsrückvergütung erhalten. Ueber die Zins
rückvergütung für Erntelombardierungskredite ergehen noch be
ſondere Beſtimmungen.
Kalaſtrophale Lage
des aerfkanlichen Baumpolnatkles.
Die geradezu kataſtrophale Lage des amerikaniſchen Baumwollmark
tes, die Tauſenden von Baumwollfarmern den Ruin zu bringen droht
hat das Farmamt gezwungen, dem Gouverneur der 14 Baumwollſtaater
telegraphiſch folgenden Vorſchlag zu unterbreiten: Die
Baumwollfarme=
ſollen ein Drittel ihrer geſamten Ernte umpflügen, wodurch über vier
Millionen Ballen Baumwolle vernichtet würden. Das Farmamt ver
ſpricht dafür, die Rieſenvorräte aus dem Vorjahr in Höhe von 3 Mil
lionen Ballen nicht vor dem 31. Juli 1932 auf den Markt zu bringen
Das Farmamt gibt offen zu, daß die Stabiliſierungsvorſchläge völlig fehl
geſchlagen ſeien, und daß es nicht mehr Herr der Lage ſei. Eine ge
meinſame Aktion vor dem 1. September iſt unbedingt nötig, um eine all
gemeine Kataſtrophe zu vermeiden.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 13. Aug.
Getreide. Weizen: September 50½, Dezember, 53½, März
56,25, Mai 58,25; Mais: September 48½, Dezember 39,75, März
42,50, Mai 44½; Hafer: September 22½, Dezember 24,25, Mai
26%; Roggen: September 34½, Dezember 38,25, Mai 42,50.
Schmalz: September 7,05, Oktober 6,875, Dezember 6,25.
Speck, loco 6,75.
Schweine: Leichte 7.15—7,90, ſchwere 5,50—6,40; Schweine
zufuhren in Chicago 22 000, im Weſten 58 000.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 13. Aug.”
Schmalz: Prima Weſtern 7,75; Talg, extra loſe 3.
Getreide. Weizen: Rotwinter 62½, Hartwinter 593; Mais:
loco New York 68½; Mehl: ſpring wheat clears 4,10—4,46;
Ge=
treidefracht nach England 1,6—2,3 sh, n. d. Kontinent 8—8½ C.
Kakao: Tendenz; willig, Umſätze 134, loco 4½; September
4,89, Oktober 4,97, Dezember 5,15, Januar 1932 5,24, März 5,41,
Mai 5,54, Juli 5,75.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
Der Konkursverwalter von Nordwolle hat nunmehr auch
Antrag auf Konkurseröffnung über den Privatbeſitz der beiden
Gebrüder Karl und Heinz Lahuſen, der leitenden
Vorſtandsmit=
glieder von Nordwolle geſtellt, um das Privatvermögen für die
Gläubiger von Nordwolle ſicherzuſtellen.
Ueber das Vermögen der Devaheim und der Deuzag iſt am
Donnerstag vor Amtsgericht Berlin=Mitte das Konkursverfahren
eröffnet. Zum Konkursverwalter iſt der Kaufmann Noetzel
er=
nannt worden. Die Gläubigerverſammlung für die
Devaheim=
gläubiger findet am 11. September, 9 Uhr vormittags, und für die
Gläubiger der Deuzag am 12. September, 9 Uhr vormittags in
der Ausſtellungshalle III am Kaiſerdamm ſtatt.
Der Goldzufluß der Bank von Frankreich in der Berichtswoche
vom 31. Juli bis 7. Auguſt, in welche die Kredithilfe an die Bank
von England fällt, hat aus dieſem Grunde nachgelaſſen.
Immer=
hin gingen noch 149. Millionen Franken an Gold ein, die den
Gold=
beſtand des franzöſiſchen Noteninſtitutes auf 58 556 Millionen
Franken erhöhten.
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Wir gewähren allen Sparern, die uns treu geblieben ſind und uns in
den letzten Tagen durch Beſonnenheit und Ruhe unterſtützt haben, für die Zeit
der außergewöhnlich hohen Reichsbankſätze bis auf weiteres
einen Zinſenzuſchlag von 2/
auf die ſeither gültig geweſenen Zinsſätze, rückwirkend vom 1. Auguſt 1931 an.
Dementſprechend werden alle
Spareinlagen
rückwirkend vom 1. Auguſt 1931 an
mit 8½0
bis auf weiteres verzinſt.
Wir können die uns anvertrauten Gelder nicht mit 11 oder 12%
ver=
zinſen, weil dann die entjprechend zu erhöhenden Zinsſätze nicht nur für unſere
Hypothekſchuldner und ſonſtige Darlehensnehmer untragbar wären, ſondern
auch nicht dem gemeinnützigen Charalter der (parkaſſen entſprechen würden.
Spareinlagen, welche gekündigt wurden, nehmen an der höheren
Ver=
zinſung teil, wenn die erfolgte Kündigung zurückgenommen wird
11846.
Bezirks=Sparkaſſe Höchſt i. Odw.,
Bezirks=Sparkaſſe Erbach,
Bezirks=Sparkaſſe Groß=Bieberau, . Bezirks=Sparkaſſe Reinheim.
Bezirks=Sparkaſſe Groß=Umſtadt, Bezirks=Sparkaſſe Seligenſtadt.
Nürnberger Bürger=Zeitung
Verlagsgeſellſchaft Mittelſtand m. b. H.
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Die „Nürnberger Bürgerzeitung” iſt das Sprachrohr
des Nürnberger und fränk. Hausbeſitzes, des Gaſt=
wirte=Gewerbes, des ſelbſtändigen Handwerkes und
Gewerbes wie überhaupt des geſamten Mittelſtandes.
Die wöchentlich erſcheinenden Beilagen „Nürnberger
Hausbeſitzer=Zeitung”, „Fränk. Gaſtwirte=Zeitung”
und „Süddeutſche Mittelſtands=Zeitung” erfreuen
ſich an Hand ihrer wertvollen redaktionellen Beiträge
größter Beachtung, ſtets ſteigender Beliebtheit und
ſtempeln die „Nürnberger Bürger=Zeitung” zur
größten deutſchen Mittelſtandszeitung im Sinne
der Wirtſchaftspartei.
Das geſteigerte Intereſſe Uberträgt ſich naturgemäß
auch auf den Anzeigenteil, ſo daß Anzeigen von auf=
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fallend guten Erfolgen begleitet ſind.
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Nummer 224
Freitag, den 14. Anguſt 1931
unch über
Farmamt
he von 3M
kt zu br.
Ein Roman aus der Induſtrie
von Hans Dominik
Copyright by Ernſt Keils Nachf., (Aug. Scherl), G.m.b. H., Berlin.
(Nachdruck verboten.)
„Na, Rudi” rief hinter ſeinem Rücken Tilly, die in einem
ſchrank kramte, „wieviel ſollen Sie denn blechen? Langt denn
n halbes Monatsgehalt dafür?”
„Ach, Quatſch!”
„Wie meinen Sie, Herr Doktor Wendt? Quatſch? Kann
tich gar nicht erinnern, daß ein Herr auf eine Frage von mir
mals geſagt hätte: Quatſch.”
„Doch Quatſch!” gab Rudi wütend zurück und ſchlug mit
er Hand auf den Tiſch. „Da — leſen Sie doch den Wiſch! Bin
berzeugt, daß Sie dann auch ſagen: Quatſch!”
Tilly nahm den Brief und begann zu leſen.
„Ah — ein Brief Ihres Vaters!” Sie las weiter. „Aber
as iſt ja wundervoll, Rudi! Großartig! Gratuliere.”
„Was? Gratulieren? Iſt das Ihr Ernſt, Tilly?”
„Nun aber Punkt, Rudi! Statt vor Freude an die Decke zu
oringen, markieren Sie hier die gekränkte Leberwurſt, weil Ihr
Jater Sie gern nach Hauſe haben möchte, um Ihnen den Poſten
es erſten Chemikers in ſeiner Fabrik zu übertragen. Ihr
Zater ſchreibt da, ſein erſter Chemiker wäre ſeit langem krank
hd würde kaum wieder arbeitsfähig werden. Er brauche
un=
edingt Ihre Hilfe. Und da wollen Sie kneifen?”
„Was heißt „kneifen”?” gab Rudi mißmutig zur Antwort.
Gekniffen hab’ ich in meinem Leben noch nie.”
„Na ja! Alſo jetzt muß er mal ran an die Ramme, der
eine Herr Rudi!. Was mir das Spaß macht!”
„Sie haben’s am allerwenigſtens nötig, mich zu flachſen,
illy; denn Sie ſind doch eigentlich an dem ganzen Malheur
chuld. Sie haben mir damals die Geſchichte mit den Moranſchen
zroßverſuchen angerührt. Der Direktor Merker, das alte Kamel,
at als Studienfreund meines Vaters dem einen Mordsbrief
eſchrieben, als wär’ ich die erſte Kanone hier in Rieba, und
itzt haben wir den Salat . . . Aber —” Rudi ſetzte ſich in
ſoſitur, „Sie könnten Ihre Schuld ſühnen, mein teures
Fräu=
ein Gerland.”
„Na — und wie?” gab Tilly lachend zurück.
„Sehr einfach! Sie übernehmen zu fünfzig Prozent meinen
Joſten."
„Altes Faultier!” fuhr Tilly ihn an. „Das iſt doch wirklich
ill! Ich ſoll fünfzig Prozent Ihrer Arbeit übernehmen?
Be=
anke mich. Ihr Vater würde ſich auch bedanken.”
„Das iſt noch lange nicht raus, Tilly. Ich glaube ſogar,
er wär” hundefroh, wenn ich inen tüchtigen Partner mitbrächte.”
Bei ſeinen letzten Worten hatte ſich Tilly zur Seite gewandt.
Ach, ſeien Sie doch ſtill, Rudi! Was reden Sie da für törich=
8 Zeug!”
„Törichtes Zeug, Tilly? Ich glaube, ich hab' nie in meinem
eben ſo überlegt und vernünftig geredet wie gerade jetzt.”
„Sie ſollten doch wiſſen, Rudi, daß meine Arbeitsſtätte hier
Rieba iſt und nirgendwo anders.”
„Vorläufig — meine liebe Tilly, vergaßen Sie zu ſagen.
ind vorläufig denke ich auch noch gar nicht daran, den Ribaer
ſtaub von meinen Füßen zu ſchütteln. Wenn Dr. Fortuyns
Werk getan iſt, dann will ich ſchon eher daran denken. Und dann
liebe Tilly, werden wir uns weiter ſprechen!“
„Na — noch mal gute Nacht, Luiſe! Denn wollen wir man
gehen, Kollege Wittebold.”
Schappmann und Wittebold traten aus dem Haus und
gin=
gen zum Werk. Vor der Kantine blieben ſie ſtehen. „Na, denn
laſſen Sie ſich’s man gut ſchmecken, Wittebold! Sie wollen einen
Schoppen trinken, und ich mach’ meinen Nachtdienſt. Na ja —
wird ooch vorübergehn . . . und denn haben wir die Pinke!”
Während Schappmann die Treppe zum Hauptgebäude
hinaufſchritt, ging Wittebold in das Erdgeſchoß, wo mehrere
Kantinenräume lagen. Er nahm ſeinen Platz in der Nähe der
Tür, die über einen kleinen Gang hinweg Sicht in das
Ange=
ſtelltenkaſino gewährte, und ließ ſich ein Glas Bier geben. Was
würde wohl der brave Schappmann ſagen, dachte Wittebold,
wenn der wüßte, daß ſein ſolider Mieter in der letzten Zeit ſo
häufig ſpät abends in die Kantine geht, um einen Schoppen
zu trinken!
Als die Uhr elf ſchlug, rückte Wittebold ſeinen Stuhl ſo,
daß er das Büfett im Kaſino im Auge behalten konnte. Das
Kaſino leerte ſich; die Kellner räumten die Tiſche ab. Der
Büfettier Meyer rechnete mit ihnen ab, verſchloß dann Schränke
und Türen.
Wittebold blieb ſitzen, da die Kantine ja die ganze Nacht
in Betrieb blieb. Eine gute Viertelſtunde mochte vergangen
ſein, da wurde die Tür des Kaſinos nach dem Zwiſchenflur
geöffnet, und Meyer trat auf den Gang. Wittebold hörte, wie
eine kleine Pforte aufging, die ins Freie führte.
„Endlich mal! murmelte er vor ſich hin, zahlte ſein Bier
und verließ die Kantine. Vorm Fabriktor ſchlug er den
Mantel=
kragen hoch und ſtreifte die blaue Brille über. Aus dem Futter
ſeines Mantels zog er einen Spazierſtock mit Gummizwinge, an
dem er wie ein gebrechlicher Invalide der Stadt zuhumpelte.
Ungefähr hundert Meter vor ihm auf dem anderen Trottoir ging
der Büfettier Meyer.
Als Wittebold um den Rathausplatz bog, zog er den Kopf
plötzlich noch tiefer in den Rockkragen ein. Verflucht noch mal
— iſt Eſſig! dachte er bei ſich.
Der Herr, der in dieſem Augenblick dicht an ihm
vorüber=
ging, war Dr. Abt. Wittebold überlegte im Weiterhumpeln, ob
er Meyer noch weiter folgen ſollte; denn wenn Abt mit Meyer
was vorhatte, hätte er doch den Büfettier zweifellos im
Vor=
beigehen ſehen müſſen. Dann aber ſagte er ſich: Iſt’s nicht Dr.
Abt, iſt’s vielleicht ein anderer, mit dem Meyer ſich irgendwo
treffen will. Alſo nur weiter!
Meyer war inzwiſchen in eine breite Seitenſtraße
einge=
bogen. Wittebold folgte ihm, indem er ſich auch hier immer
auf dem anderen Bürgerſteig hielt. Die Straße war ſehr ſchwach
belebt. Soweit es möglich, muſterte Wittebold die Paſſanten.
Seite 13
Ein Herr, der eiligen Schrittes auf demſelben Bürgerſteig
vie Meyer daher daherkam, fiel ihm auf. „Zum Donnerwetter
— das iſt ja noch mal Dr. Abt!“
Unwillkürlich beſchleunigte auch Wittebold ſeine Schritte.
Als Dr. Abt noch ungefähr hinter Meyer war, nahm er ein
Paketchen, das er bisher in der Linken getragen hatte, in die
Rechte. Obgleich das Trottoir reichlich breit war, ging Dr. Abt
ſo dicht an Meyer vorbei, daß er ihn beim Ueberholen faſt
ſtreifte. Eine Sekunde ſpäter ſah Wittebold, daß das Paketchen
aus Abts Hand verſchwunden war, ohne daß der irgendeine
Bewegung mit der Hand oder dem Arm gemacht hatte.
„Ah!” brummte Wittebold. „Ihre linke Manteltaſche, mein
lieber Meyer, iſt ja plötzlich ſo dick geworden! Was gäbe ich
drum, wenn ich wüßte, was dieſes kleine Paketchen in Ihrer
Taſche enthält!“
Er ließ den Zwiſchenraum zwiſchen Meyer und ſich wieder
größer werden und folgte ihm um den Häuſerblock herum, bis
Meyer wieder durch das Tor des Werkes trat. Der Büfettier
hatte ja Tag und Nacht ungehinderten Zutritt, weil er bei
ſei=
nem Bruder, dem Kantinenwirt, im Werk wohnte.
Wittebold zerbrach ſich den Kopf, wie er es anſtellen könnte,
von dem Inhalt des Paketes Kenntnis zu nehmen. Doch
ver=
geblich. Er fand keinen Weg.
Als er gegen Mittag des folgenden Tages an der Kantine
vorbeikam, ging es ihm durch den Kopf: Na — das Paketchen
wird ja ſchon längſt unterwegs ſein!
Doch dies war ein kleiner Irrtum. Hinter dem Bretterzaun,
an dem Wittebold vorüberging, war der Büfettier Meher gerade
beſchäftigt, einige Kiſten als leere Emballagen für die Firma
Boffin in Berlin verſandfertig zu machen. Eine kleine Kiſte
nagelte er mit beſonderer Sorgfalt zu. Denn zwiſchen dem alten
Packmaterial da drinnen befand ſich auch das Paketchen, das
er Dr. Abt en passant aus der Hand genommen hat. In dem
üblichen Stil gehaltenen Frachtbrief der Sendung waren Zeichen
und Nummern der Kiſten einzeln aufgeführt. Der Punkt hinter
der Nummer jener kleinen Kiſte war etwas ſehr groß geraten. —
Als Boffin den Brief las, machte ihm jener mißratene
Punkt anſcheinend große Freude. Er fuhr ſelbſt in ſeinem Auto
zu dem Lagerraum und ließ ſich die kleine Kiſte aushändigen. —
Als Schappmann ſich an jenem vorhergehenden Abend von
Wittebold getrennt hatte, traf er im Hauptgebäude den Kaſtellan
Börner. „So, Börner, da bin ick! Nu ſtell mir mal deinen
Harem vor!"
„Is eigentlich gar nich nötig, Schappmann. Kennſt doch die
olle Scheuergarde noch von früher her. Doch halt — nee! Eine
Neue is da. Das heißt aber nur als Vertretung. Nettes Mächen
übrigens. Von mir aus könnt’ ſe immer bleiben. Die olle Franzen
is krank, und das Mächen, was ſe vertritt, das wohnt bei ihr. Iſt
Glasbläſerin bei Meiſter Kunze. Muß en ordentliches Mächen
ſind. Erſt acht Stunden in der Glasbläſerei, un denn noch ſechs
Stunden hier reinemachen — — is doch allerhand for ſo’n junges
Ding! Na, nu komm her! Ich werde dir mit den Schlüſſeln
Be=
ſcheid geben. Den Schlüſſel zum Sicherheitsarchiv heb” nur ja gut
auf! Du mußt ihn jeden Morgen im Büro abgeben. Die anderen
Schlüſſel haſt du unten in deiner Stube im Schrank. Und den
Schlüſſel zum Schrank mußt du natürlich abgeben.
Langſam ſchritten ſie durch die Korridore, wo überall Beſen
und Lappen lebhaft am Werke waren.
(Fortſetzung folgt.)
Nichtmitglieder machen ſich und ihre Anſtifter durch Einkauf in unſeren Verteilungsſtellen nach
8 152 des Genoſſenſchaftsgeſetzes ſtrafbar. — Soweit wir Nichtmitglieder beim Einkauf in
nieren Verteilungsſtellen ermitteln, werden wir dieſelben bei der Polizei zur Anzeige bringen.
dass Jie ſchuhe nun des Feises pegen.
kaufen. Bedenken Jie,dass an einem.
Jage der Jchuh tausende von Halen.
bebegt wird. Hur ein pirklich gurt
ge=
arbeiteter ſhuh häft dies aus. Jie
finden bei uns Qualitätspare-Ver
gleichen lie nicht nut den Freis,
sondern auch die Waren. Oen
ſhuhgeselfschaft mönt.
Mk. 89o
(11835
[ ← ][ ]Seite 14
Freitag, den 14. Auguſt 1931
Nummer 2
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Zum Abschluss der Schulferien 2 Sonder-Vorstellungen.
Für die Großen — für die Kleinen!
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Die urfidele Miekg-Maus
der Liebling von Jung und Alt zeigt sich beute Freitag und morgen Samstng
nachmittags 2.30 Uhr im Union-Theater.
Die bunte Bildfolge bringt: Micky im Tiervarieté — Die närrischen Zwerge — Micky
als fahrender Sänger — Sommernachtstraum — Auf in den Kampf Torero —
Das Dampfroß steigt — Herbst — Wie lernt man fliegen und Anderes.
Eintrittspreise: Jugendliche Saal 0.50, Rang 0.75 Erwachsene Saal 1.00, Rang 1.50
Ab heute in Erstaufführung
Buster Keaton
spricht dentsch in dem Iustigen Tonflm
Buster rutscht ins Filmland!
Regie: Edward Sedwick.
Im wahrsten Sinne des Wortes rutscht Buster
Heaton in diesem Film ins Filmland. Umgeben
von prominenten Darstellern gerät er auf dem
Wege zum Filmruhm in Situationen von so
mit-
reißender Komik, daß der Zuschauer in strahlendste
Laune versetzt wird.
Im Vorprogramm:
Beitfering gegen Birräahag!
Der Weltmeisterschaftskampf im Tonflm.
Einzige Original-Anfnahme des ganzen Kampfes.
Die entscheidende 15. Runde in
Zeitlupenanfnahme.
Kampf-Reportage:
Alfred Braun vom Berliner Rundfunk.
— Jugendliche haben Zutritt
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Ab Heute
Ein Doppelprogramm von
hervorragender Qualität.
Das Bilddrama aus dem
Rußland von 1905.
Nach Sihirien
Regie: Henryk' Szaro.
Ein Furioso der entfesselten
Kamera — eine Bildsprache
von bezwingender Virtnosität,
die sich zum unvergeßlichen
Erlebnis steigert.
Im II. Teil:
Die Afen von Suchum
und
Markllag in Marrakesch
Beginn: 3.30, 5.45 u.
Heute und folgende Tage
Das Soldatenstück aus dem
Militär-
leben der Vorkriegszeit.
„Laplenstreich am Rhein”
Regie: Jaap Speyer.
Folgende Kanonen sind aufgefahren:
Charlotte Susa, Hans Stäwe, Maria Solveg,
Ernst Verebes, Else Reval, Siegfried Arno,
Hans Junkermann, Wolfgang Zilzer u. v. a.
Ein lustiges Liebesspiel vom Rhein, ein äußerst
humorvoller Film von taktischen Schlichen,
Vorpostengeplänkel und unerschrok-
Kenen Sturmangriffen auf spröde Herzen.
Im Beiprogramm
Die Arktis-Expedition des
„Graf Leppelin”
als Tonflm.
Die Fahrt Berlin — Leningrad — Arktis u. zurück.
Beginn: 400, 6.10 und 8.20 Uhr
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Ausflugſonderzug
nach, Oberbayern
München — Prien mit Chiemſee
und Berchtesgaden mit Königſee.
Am Dienstag, den 1. September d. J.,
verkehrt ein Sonderzug 3. Klaſſe mit 40
v. H. Fahrpreisermäßigung von
Darm=
ſtadt Hbf. nach München. Darmſtadt
Hbf. ab 8.37 Uhr, München an 16.50 Uhr.
Die Fahrzeiten für die Weiterfahrt nach
Prien am Mittwoch, den 2. Sepptember
d. J., und nach Berchtesgaden am
Don=
nerstag, den 3. September d. J.,
wer=
den ins Programm aufgenommen.
Rückfahrt ab Berchtesgaden am
Mon=
tag, den 7. September, um 7.57 Uhr,
Darmſtadt Hbf. an 21.27 Uhr.
Fahrpreis für Hin= und Rückfahrt ab
Darmſtadt Hbf. 28,60 RM. Das mit
der Fahrkarte ausgegebene
Gutſchein=
heft zum Preis von 13,50 RM. enthält:
1 Gutſchein für eine Uebernachtung,
einſchl. Frühſtück und Bedienung in
einem guten Hotel in München,
den Fahrſchein zur Fahrt von Prien
nach Stock u. zurück mit dem
Sonder=
zug und zur Fahrt auf dem
Chiem=
ſee zur Herren= und Frauenieſel
hin und zurück,
die Eintrittskarte zur Beſichtigung des
Prunkſchloſſes Herrenchiemſee,
den Fahrſchein für den Sonderzug
Berchtesgaden-Königſee und zurück.
den Fahrſchein zur Rundfahrt auf
dem Königſee und
die Eintrittskarte zur Beſichtigung des
Salzbergwerkes bei Berchtesgaden.
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nehmen die Fahrkartenausgaben und
Mitteleuropäiſchen Reiſebüros entgegen,
die hierfür beſondere Vordrucke beſitzen.
Reiſeführer Stadtpläne uſw., ſowie
aus=
führliche Programme werden während
der Fahrt koſtenlos abgegeben. Siehe
auch Aushänge auf den Bahnhöfen uſw.
Im Intereſſe der Reiſeteilnehmer
wird dieſer Zug aus beſonders
beaue=
men Durchgangswagen 3. Klaſſe neueſter
Bauart gebildet werden.
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Mainz, den 11. Auguſt 1931.
Deutſche Reichsbahngeſellſchaft,
Reichsbahndirektion Mainz.
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unter Garantie.
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auswärts.
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Sommer-Spielzeit
Bruno Harprecht
im Hess. Landestheater.
Freitag, 14, Auguſt
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7. Vorſtellung
Samstag, 15. Auguſt
Anfang 20 Uhr. Ende nach 22 Uhr
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ſtürmiſchen Schwank=Erfolges:
Das öffentliche Aergernis
Schwank in 3 Akten v. Franz Arnold
mit Bruno Harprecht.
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Samstag, abends 8½ Uhr
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Im Gastspiel der Attraktionskapelle
Charlie Fornoff
Freitag.: Samstag und Sonntag
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Woog, 13. Aug 1931.
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mittags 7 Uhr 18C.
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Morgen Samstag
ab 8,30 Uhr
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Sonntag, den 16. August 1931, nachmittags 3½ Uhr
I. A. Landgraten-Rennen
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Jeder Rennbahnbesucher erhält ein Freilos. Gewinn
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