Darmstädter Tagblatt 1931


14. August 1931

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Einzelnummer 10 Dfennige

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Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 224
Freitag, den 14. Auguſt 1931.
194. Jahrgang

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Rabatt weg. Bankkonio Deutſche Bank und Darm=
ſädter
und Nationalbank.

Brüning vor dem Reichsrat.
Das Wirkſchaftsprogramm der Reichsregierung und die Reform der Gemeindefinanzen noch in Vorbereikang.
Neue Sparmaßnahmen in Sicht. Kein Verzichk auf die Hauszinsſteuer? Süddeutſchland gegen
die geplante Verwalkungsgemeinſchaft zwiſchen Reich und Preußen.

* Zwiſchen rechts und links.
Von unſerer Berliner Schriftleitung.
Der Reichskanzler hat am Donnerstag in nichtöffentlicher
Sitzung vor den wirtſchaftspolitiſchen Ausſchüſſen des Reichs=
rates
geſprochen, nach allem, was man hört, ſich aber darauf be=
ſchränkt
, einen Bericht über die finanz= und wirt=
ſchaftspolitiſchen
Maßnahmen der Reichsregie=
rung
in der jüngſten Vergangenheit zu geben. Er hat auch auf
Fragen geantwortet und die ſchwierigen Probleme der Ge=
meindeſanierung
und der Reichsreform geſtreift, ohne indes nach
irgendeiner Richtung hin ſo etwas wie ein Programm aufzu=
ſtellen
. Das iſt wohl vor allem darauf zurückzuführen, daß
die Reichsregierung noch nicht über das Stadium des Prüfens
und Ueberlegens hinausgediehen iſt. Es ſcheint aber, als ob
von gewiſſer ſüddeutſcher Seite=gegen die Mög=
lichkeiten
einer Machtberſchiebung, die in einer
Verwaltungsgemeinſchaft, zwiſchen dem Reich
und Preußen enthalten ſein können, Verwah=
rung
eingelegt worden iſt. Auch hier iſt der Kanzler aus=
gewichen
und hat ſich dahinter zurückgezogen, daß zurzeit eben
beſtimmte Abſichten noch nicht beſtänden. Die ganze innere
Politik befindet ſich zurzeit in einem Stadium des Umbaues, zu
dem erſt die Pläne gezeichnet werden ſollen und, wie wir ſchon
ſagten, es werden darüber noch einige Wochen vergehen, bis ſich
beſtimmte Formen herauskriſtalliſiert haben.
Wenn deshalb heute bereits von einer Erweiterung des
Reichskabinetts geſprochen wird, ſo iſt das reine Phantaſie. Es
hat ja doch tatſächlich gar keinen Sinn, über Perſonen zu
prechen, ſolange das Programm nicht feſtſteht, denn dieſes iſt
das Primäre. Die Sozialdemokraten ſind aber offenſichtlich ner=
1ös geworden. Ihre Freude über den Ausgang des Volksent=
cheides
in Preußen hat nicht lange vorgehalten, nachdem das
Zentrum ihnen eine kalte Duſche verabreicht hat und ihnen ein=
rringlich
vor Augen führte, daß die Intereſſen der Reichspolitik
ſor denen der preußiſchen Regierung ſtehen. Herr Breitſcheid
ürchtet deshalb auch, daß die Reichsregierung ſeinem Einfluß
ntſchwinden könnte, und verlangt im Vorwärts eine ein=
vandfreie
Klarſtellung des Sachverhalts‟. Er wird darauf ſicher
licht die gewünſchte Antwort erhalten. Die erſte Entſcheidung
ſt am Mittwoch ja ſchon im geſchäftsführenden Vorſtand
ſes Zentrums gefallen, gefallen im der Richtung eines Be=
enntniſſes
zur. Brüning=Politik. Das Zentrum iſt entſchloſſen,
ſen Kanzler weiter zu unterſtützen, auch wenn darüber ein
Zruch mit den Sozialdemokraten unvermeidlich ſein ſollte. Aber
das weiß im Augenblick noch niemand. Richtig iſt wohl, daß die
Beziehungen zwiſchen den Kabinetten im Reich und in Preußen
licht gerade herzlich ſind. Der Reichsinnenminiſter iſt verärgert,
die Preußen hinter ſeinem Rücken die Zwangskundgebung
rlaſſen haben, und der preußiſche Miniſterpräſident wieder iſt
ntrüſtet darüber, daß die Abänderung der Preſſenotverordnung
hne vorherige Fühlungnahme mit Preußen erfolgte. Das ſind
bber vorläufig keine grundſätzlichen Meinungsverſchiedenheiten.
Vir treten alſo innenpolitiſch noch auf der Stelle. Schnelle
Entſcheidungen ſind kaum zu erwarten, und der deutſchnationale
Parteiführer Hugenberg, dem die Demokraten nachſagen, daß er
ei dem Reichskanzler antichambriere, um unter allen Umſtänden
n die Regierung zu kommen, hat als Antwort auf dieſe Kom=
inationen
einen Erholungsurlaub angetreten.
Die Sißung der vereinigken Reichsraksausſchüſſe.
Berlin, 13. Auguſt.
Die Vereinigten Ausſchüſſe des Reichsrats, denen ſämtliche
keichsratsmitglieder angehören, traten heute vormittag zu einer
öitzung zuſammen, der auch der Reichskanzler Dr. Brüning bei=
lohnte
. Der Sitzung wohnten auch die preußiſchen Miniſter
Severing und Dr. Höpker=Aſchoff ſowie außer dem Reichsfinanz=
liniſter
der Reichsminiſter Schiele und der bayeriſche Miniſter=
räſident
Dr. Held bei. Der Reichskanzler nahm gleich bei Be=
inn
der Sitzung das Wort zu einem längeren Bericht über die
olitiſche Lage und das Ergebnis der letzten Verhandlungen
iit den Staatsmännern Englands, Amerikas, Frankreichs und
ſtaliens. An der Ausſprache beteiligten ſich auch der baheriſche
Liniſterpräſident Dr. Held und der Reichsfinanzminiſter Dr.
lietrich. Es wurde auf die große Notlage hingewieſen, in der
ch viele große deutſchen. Gemeinden befinden. Einzelheiten über
en Plan einer Reform der Gemeindefinanzen wurden von der
eichsregierung nicht mitgeteilt; doch wurde erklärt, daß auf die
auszinsſteuer nicht verzichtet werden könne, da ein Erſatz dafür
irzeit nicht gegeben ſei.
Von den Vertretern der Reichsregierung und der Länder
ſurde betont, daß alleräußerſte Sparſamkeit geübt
erden müßte, zumal auf eine große Auslandsan=
eihe
aus den ſchon früher angeführten Gründen nicht ge=
Echnet iverden könne. Die Sparſamkeitsmaß=
ahmen
könnten auch an den Bezügen der Be=
mten
und Angeſtellten nicht vorbeigehen, wo=
ifreilich
die Gehälter der unteren Beamten
ſchützt werden müßten. Die Bereiiſtellung von Reichs=
litteln
für die Sänierung von Großbanken ſei notwendig ge=
Seu, um Zuſammendrüche mit für die Allgemeinheit verhäng=
1
isvollen Folgen zu verhüten

Breitſcheids Frage an Brüning.
Unter der Ueberſchrift: Wohin geht der Weg? Will
Brüning Anlehnung nach rechts ſuchen? ſchreibt der Vorſitzende
der ſozialdemokratiſchen Reichstagsfraktion Breitſcheid im
Vorwärts:
Seit einigen Tagen wird in mehr oder weniger klaren
Andeutungen von Annäherungsabſichten und Annäherungsver=
ſuchen
zwiſchen Brüning und Hugenberg geſprochen.
Es wäre außerordentlich wünſchenswert, wenn das Reichs=
kabinett
und der Mann, der an ſeiner Spitze ſteht, ſich ſehr bald
offen über ihre Pläne ausſprechen würden. Die Sozialdemo=
kratie
darf verlangen, daß ſie Gewißheit darüber erhält, ob Herr
Brüning aus dem Ergebnis des preußiſchen Volksentſcheids die
Schlußfolgerungen zu ziehen gedenkt, die ihm nachgeſagt werden.
Welche auswärtige und welche Sozial= und Wirtſchaftspolitik
glaubt die Reichsregierung in Gemeinſchaft mit den Deutſch=
nationalen
treiben zu können?
Wir können an ſich den Wunſch Brünings, ſeine Regierungs=
baſis
zu erweitern, begreifen, aber wenn er den Weg zu Hugen=
berg
geht, dann erweitert er die Baſis nicht, ſondern er ver=
engert
ſie. Er bringt auch nicht das Zentrum in die angenehme
Läge, nach Bedarf Mehrheitsbildungen mit Rechts und Links
vorzunehmen, ſondern er optiert für rechts, und er wird ſich
aller Konſequenzen eines ſolchen Entſchluſſes bewußt ſein
müſſen.
Das muß mit Deutlichkeit ausgeſprochen werden in einem
Augenblick, wo noch keine Entſcheidung getroffen iſt, wo aber
doch offenbar Kräfte am Werke ſind, die Brüning in eine ſehr
bedenkliche Politik hineintreiben wollen. Wir würden uns
freuen, wenn unſere Befürchtungen grundlos wären, aber um
ſie zu zerſtreuen, bedarf es einer einwandfreien Klarſtellung des
Sachverhalts, und wir wiederholen noch einmal: Die Sozial=
demokratie
hat ein Necht auf ſie.
Am den franzöſiſchen Gegenbeſnch
in Berlin.
Die deuiſche Einladung in Baris überreicht.
Paris, 13. Auguſt.
Zwiſchen Berlin und Paris findet zurzeit ein erneuter Mei=
nungsaustauſch
über den Termin des franzöſiſchen Miniſter=
beſuches
in Berlin ſtatt.
Die offizielle Einladung der deutſchen Regierung an die
franzöſiſche Regierung betr. den franzöſiſchen Gegenbeſuch in Ber=
lin
iſt heute vormittag der franzöſiſchen Regierung durch Ver=
mittlung
des deutſchen Botſchafters von Hoeſch überbracht wor=
den
. Der deutſche Botſchafter nahm dabei die Gelegenheit wahr,
ſich mit dem franzöſiſchen Miniſterpräſidenten, den er gegen 11 Uhr
aufſuchte, über das zweckmäßigſte Datum des franzöſiſchen Gegen=
beſuches
zu beſprechen. Obgleich über die Unterredung keinerlei
amtliche Verlautbarung herausgegeben wurde, glaubt man in
gut unterrichteten Kreiſen zu wiſſen; daß Miniſterpräſident Laval
den deutſchen Botſchafter davon in Kenntnis geſetzt habe, daß er
ſich ganz den von der Reichsregierung zum Ausdruck gebrachten
Wünſchen hinſichtlich des Zeitpunktes des Beſuches anſchließen
wird.
Die Liberté, die dieſe Mitteilung aus zuverläſſiger Quelle
erfahren haben will, fügt den Ausführungen hinzu, daß nur der
franzöſiſche Miniſterpräſident und Außenminiſter Briand der
Einladung Folge leiſten werden. Da man in Berlin im Augen=
blick
nicht über Finanzfragen ſprechen werde, erübrige ſich die
Anweſenheit Flandins.
Wie wir hören, wird die Entſcheidung darüber, ob der ge=
plante
Beſuch des franzöſiſchen Miniſterpräſidenten Laval und des
Außenminiſters Briand noch in den letzten Tagen dieſes Monats
ſtattfinden wird, am Freitag abend fallen.
Eine amtliche Verlaukbarung
über den Berliner Beſuch Lavals.
Paris, 13. Auguſt.
Ueber den Beſuch des deutſchen Botſchafters von Hoeſch
beim Miniſterpräſidenten Laval wird das folgende offizielle
Communigué ausgegeben:
Miniſterpräſident Laval hat heute vormittag den deutſchen
Botſchafter von Hoeſch empfangen. Botſchafter von Hoeſch hat
im Namen der deutſchen Regierung offiziell Miniſterpräſident
Laval und Außenminiſter Briand eingeladen, ſich nach Berlin
dankt, und dieſe Einladung für ein Datum, das angeſichts der
Abweſenheit Briands von Paris noch nicht feſtgeſetzt werden
kann, angenommen.
Zu dieſem offiziellen Communiqué fügt die Agentur Havas
hinzu: Wir glauben zu wiſſen, daß der Beſuch des Miniſterpräſi=
denten
und des Außenminiſters in Berlin am 26. und 27. Auguſt
ſchafter von Hoeſch mitgeteilt, daß er in der Lage ſein werde,
richten.

1.5.A.- Wende.
Umſchwung in der auswärtigen Politik Waſhingtons. Die
Reparations= und Schuldenfrage. Notlage der Landwirte
als Gefahr für Präſident Hoovers Wiederwahl.
Von unſerem ſtändigen Berichterſtatter.
A.G.A. New York, Ende Juli 1931.
Wenn ſich aus der Kakophonie amerikaniſcher Preſſeſtimmen
zum Hoover=Moratorium ſo etwas wie ein in allen Tonarten
wiederholtes Leitmotiv heraushören läßt, ſo iſt es der Ausdruck
der Ueberzeugung, daß es mit vornehmer Iſoliertheit der
Vereinigten Staaten, ihrer Nichtbeteiligung an europäiſchen An=
gelegenheiten
auf viele Jahre, wenn nicht auf immer, vorbei iſt.
Die Entſendung der Sekretäre Stimſon und Mellon zu der Lon=
doner
Miniſterkonferenz bedeutet eine epochale Abkehr von
der auswärtigen Politik, wie man ſie in
Waſhington verfolgte, ſeitdem der Senat die Ratifizie=
rung
des Verſailler Vertrages ablehnte, und die politiſchen Aus=
wirkungsmöglichkeiten
des Umſchwungs ſind zurzeit unabſehbar.
Man entfalte irgendeine, der noch mit nüchterner Ueber=
legung
, mit ſorgfältiger Abwägung der Tatſachen redigierten
Tageszeitungen, irgendein ſeriöſes, nicht für betagte Menſchen
beiderlei Geſchlechts geſchriebenes Magazin und man wird, ohne
zwiſchen den Zeilen leſen zu müſſen, das Beſtreben wahrnehmen,
die Leſer mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß der Hoover=
Plan nicht im entfernteſten ausreicht, Deutſchland vor dem
finanziellen Chaos, die Welt vor einer Kataſtrophe zu bewahren,
und daß noch vor Ablauf des Feierjahres eine
gründliche und endgültige Löſung der Repara=
tions
= und Kriegsſchuldenfrage in die Wege ge=
leitet
werden muß. Man wird vergebens nach einer
Meinungsäußerung dahin ſuchen, daß Amerika aus dem Mora=
torium
die ſo heiß erſehnte Rückkehr der guten Zeiten erhoſ=
fen
dürfe, denn es liegen ſoweit keinerlei Anzeichen dafür vor;
im Gegenteil, Herrn Hoovers Auffaſſung, daß die Deutſchland
gewährte Zahlungsfriſt u.a. den vom Bankerott bedrohten ameri=
kaniſchen
Weizenfarmern, dem Güteraustauſch der Induſtrien
uſw. uſw. von Nutzen ſein werde, wird glatt abgelehnt, rundweg
beſtritten.
Amtlich wußte man in Waſhington bisher nichts von Repa=
rationen
, obwohl man bereit war, die aus dem Deutſchland
auferlegten Tribut fließenden Gelder oder wenigenſts einen
beträchtlichen Teil davon unbeſehen entgegenzunehmen, nach=
dem
Deutſchland, ſie auf das Konto Englands, Frankreichs,
Italiens, Belgiens uſw. uſw. bei der B.J.3. in Baſel hatte
eintragen laſſen. Das Bundes=Schatzamt wie das
Staats=Departement in Waſhington haben faſt
ein Jahrzehnt lang ſteif und feſt auf der Fiktion
beharrt, daß keinerlei Zuſammenhang zwiſchen
Neparationen und Alliierten=Kriegsſchulden
beſtehe. Als General Dawes 1924 nach Europa reiſte, um
mit dortigen Sachverſtändigen eine Entwirrung des gordiſchen
Knotens und die Wiederherſtellung der Solvenz Deutſchlands
zu verſuchen, ſchwor man im Staats=Departement hoch und
heilig, daß man nichts damit zu tun habe. Und 1929, als Owen D.
Young ſich zur Reviſion des Dawes=Planes nach Paris begab,
ließ die amerikaniſche Regierung abermals laut verkünden, daß ſie
in keiner Weiſe beteiligt ſei und die Amerikaner lediglich als
Privatperſonen anzuſehen ſeien. Dagegen, daß der Regierungs=
kaſſe
in der nordamerikaniſchen Hauptſtadt aus dem Neuarran=
gement
jährlich rund 16 Dollarmillionen zufloſſen, hatte man
allerdings nichts einzuwenden, wenn man auch nicht zu den
Unterzeichnern des Young=Planes gehörte. Man traf mit
Deutſchland ein Sonderabkommen, nach dem dieſe
Zahlung direkt geleiſtet wurde, ohne erſt den Umweg über Baſel
machen zu müſſen. Und um zu Hauſe ja keinen Verdacht auf=
kommen
zu laſſen, daß ſie ſich in die ſo verpönten europäiſchen
Angelegenheiten einmiſche, ſich verſtricken laſſe, ließ die U. S.=
Regierung bekanntgeben, daß ſie keinem Beamien der Bundes=
Reſerve=Bank geſtatten werde, ſelbſt einen Poſten an der Baſler
Bank anzunehmen oder auch nur Vertreter Amerikas für ſolche
Poſten auszuwählen oder vorzuſchlagen. Dies trotz der Tat=
ſache
, daß die Bundes=Reſerve=Banken überhaupt keine Regie=
rungs
=Inſtitute ſind und kein Regierungsbeamter berechtigt iſt,
ihnen die Mitwirkung an der Organiſierung und Leitung der
neuen Bank zu verwehren oder zu geſtatten.
Die hochamtliche Scheu vor europäiſchen Verwicklungen
ſchien im Mai dieſes Jahres anläßlich der Tagung der Inter=
nationalen
Handelskammer in Waſhington ihren Höhepunkt er=
reicht
zu haben. Man gab den Teilnehmern an der Zuſammen=
kunft
einen Wink, daß die Erörterung der alle Gemüter bewegen=
den
, auf jeder Zunge liegenden Kriegsſchuldenfrage der Regie=
rung
höchſt unangenehm wäre, und der Präſident ſelbſt ſprach
von Ueberproduktion und Unterverbrauch, von hohen Steuern
und von den enormen Rüſtungskoſten. Kurz darauf machten
die amerikaniſchen Botſchafter in England, Deutſchland und Bel=
gien
Beſuche in Waſhington. Was ſie zu berichten hatten, kann
kaum ſehr roſig geweſen ſein. Am 5. Juni kam Präſident von
Hindenburgs dritte Notverordnung im Zeitraum von zwölf
Monaten, es kam unmittelbar danach die Zurückziehung der
Deutſchland gewährten kurzfriſtigen Darlehen, kam die Kapital=
flucht
, und die Logik der Ereigniſſe drängte mehr
und mehr darauf hin, daß in der Ergreifung
außerordentlicher Hilfsmaßnahmen die ameri=
zu
begeben. Der Miniſterpräſident hat Herrn von Hoeſch ge= kaniſche Regierung; die Rolle des Führers zu
übernehmen habe. Am 13. Juni gab Unterſtaatsſekretär
Caſtle bekannt, daß die amerikaniſche Regierung den Lauf der
Ereigniſſe in Deutſchland mit wachſender Beſorgnis verfolge
und im Falle einer Kriſe bereit ſei zu einer vorübergehenden
Aenderung ihrer Kriegsſchulden=Politik.
Aber noch zwei Tage ſpäter hielt Herr Hoover es ſür an=
gebracht
, ſich abermals zum ſtrenggläubigen Evangelium der
ausgeführt werden wird. Herr Laval hat dem deutſchen Bot= Iſoliertheit zu bekennen und erklärte in einer Rede in Judiang=
polis
u. a.: mit dem Schwinden der vorübergehenden
ihn hierüber endgültig morgen am ſpäten Nachmittag zu unter= Dislozierung und der Erſchütterungen werden nir uns in weit=
gehendem
Maße erholen, was immer auch in der übrigen Welt

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Seite 2

Freitag, den 14. Auguft 1931

Nummer 224

geſchehen mag. Es iſt uns dies im Jahre 1921 trotz der noch
teit ſchlechteren Verhältniſſe im Auslande geglückt. Unmittel=
bar
darauf vermochten Herrn Hoovers politiſche und wirtſchaft=
liche
Ratgeber es ihm klarzumachen, daß Deutſchland dem Zu=
ſammenbruch
nahe ſei, Europa vor der Kataſtrophe ſtehe. Zu
halben Maßnahmen war jetzt keine Zeit mehr. Der Präſident
verſicherte ſich der Zuſtimmung der Führer der beiden großen
politiſchen Parteien im Kongreſſe und überraſchte die Welt mit
ſeinem Vorſchlag eines einjährigen Moratoriums aller Kriegs=
ſchuldenzahlungen
aller beteiligten Länder.
Das war ein gewaltiger Schritt vom Wege der vornehmen
Iſoliertheit. Und merkwürdigerweiſe ſtürzte weder das Kapitol
in Waſhington ein, noch bogen ſich die Balken im Weißen Hauſe.
Das ganze Land begrüßte den Schritt als eine ſtaatsmänniſche
Großtat, die Börſe geriet in Verzückung. Frankreich bekam aller=
lei
zu hören, als es dem Hoover=Plan Widerſtand entgegenſetzte,
bekommt es notabene heute noch zu hören, daß viel Unheil hätte
abgewendet werden können, wenn es etwas mehr guten Willen
gezeigt hätte. Und das amerikaniſche Volk bewies, daß ihm an der
vornehmen Iſoliertheit gar nicht ſo viel gelegen iſt, wie manche
Politiker, namentlich ſolche von der Partei Herrn Hoovers, an=
genommen
haben mochten, und es erklärte ſich durchaus damit
einverſtanden, daß die Vereinigten Staaten die ihnen zukom=
mende
Rolle in internationalen Angelegenheiten ſpielen.
Der Fetiſch der Abgeſchloſſenheit, den man
ſeit 1920 angebetet, wanderte in die Rumpel=
kammer
. Damals hatte er in gewiſſer Hinſicht gute Dienſte
getan. Amerika war kriegsmüde, europamüde. Die Loſung war
America Firſt Amerika vor allem. Wenn dieſe Beſchwö=
rungsformel
aus den Handbüchern der zünftigen Politiker
ſchwindet, wenn ſie ihre Schlagkraft verliert, dann iſt zu hoffen,
daß die Ereigniſſe, die ſich ſeit dem 20. Juni abgeſpielt haben,
auch der Reviſion anderer Formeln die Wege ebnen werden.
Die europäiſche Situation hat natürlich jede andere, die
amerikaniſche Oeffentlichkeit bewegende Frage in den Hinter=
grund
gedrängt. Vom politiſchen Standpunkte aus betrachtet,
hat dies in gewiſſen Teilen dieſes Landes dem Präſidenten Vor=
teil
gebracht. Die Demokraten haben eine Zeitlang ihre un=
aufhörlichen
Angriffe auf Herrn Hoover eingeſtellt. Die fort=
ſchrittlichen
Republikaner haben eine Zeitlang geſchwiegen.
Jetzt aber beginnt man wieder, ſich mit einheimiſchen Angelegen=
heiten
zu beſchäftigen auch im Weißen Hauſe. Die größte
den Aſpirationen des Präſidenten auf einen
zweiten Amtstermin drohende Gefahr, iſt die
Notlage der Farmer im Weſten. Man ſtelle ſich vor:
in Wichita im Staate Kanſas, der vor Weizen faſt erſtickt, gibt
es Brotſchlangen. Schlangen ſtehen nach Brot nicht wie in
New York mit ſeinen erwerbsloſen Handwerkern, Induſtrie= und
Büroarbeitern, ſondern Reihen darbender Farmerfamilien. Und
nicht in Wichita allein. Die mit 500 Dollarmillionen dotierte
Farmbehörde hat vollſtändig verſagt. Ihre Stabiliſierungsbe=
mühungen
ſind ein glatter Fehlſchlag. Sie hat 200 Millionen
Scheffel Weizen um teures Geld angekauft, weiß nicht, was
damit anfangen, und letzte Woche bot man den Farmern 25
Cents pro Scheffel für ihre Körnerfrucht auf der Farm. Auch
uns ein Moratorium! iſt der Ruf, der nach Waſhington
gerichtet iſt. Der Weſten iſt weit weniger an Staatsſekretär und
Schatzſekretär intereſſiert, als an ihren Kollegen vom Ackerbau=
und vom Innenamt. Aber auch dieſe Beamten können im ſo=
genannten
Weizengürtel keine Wunder wirken. Können aus
dem Vierteldollarweizen keinen Dollarweizen machen. Können
keinen Markt ſchaffen für die ungeheuren Vorräte, die die Farm=
behörde
ſich aufgeladen hat. Wenn man Meldungen aus zuver=
läſſigen
und gut informierten Quellen in jenem Landesteil glau=
ben
darf, herrſcht dort eine ſo ſtarke Stimmung gegen Herbert
Hoover, daß, fände die Wahl jetzt ſtatt, zehn bis zwölf Agrar=
ſtaaten
aus der republikaniſchen Kolonne ausſcheiden würden.
Und am fatalſten für die Ausſichten auf die Wahl 1932
iſt, daß die Weizenfarmer ſich nicht zu der Ueberzeugung auf=
zuſchwingen
vermögen, daß die wirtſchaftliche Wieder=
aufrichtung
Europas, ihnen die verloren ge=
gangenen
durch Zollſchranken und Einfuhr=
erſchwerungverloren
gegangenen Märkte neu
erſchließen werde. Sie glauben einfach nicht daran, was
immer man auch in Waſhington ſagen mag. Und wenn ſie’s
nicht ſelbſt wüßten, ſo hätte ihnen Herrn Hoovers Farmbehörde
lang genug und oft genug klarzumachen verſucht, daß ihre
Exportmärkte verloren ſeien und ſie ſich im Anbau ihrer Felder
dem einheimiſchen Verbrauch anzupaſſen hätten. Aber der
Ackerbau iſt ein zu unſicheres, zu unzuverläſſiges Handwerk
als daß der Landwirt ſich zur Einengung ſeiner Anbaufläche
entſchließen könnte. Der Weizenbau, der Maisbau,
der Anbau der Baumwolle iſt Spekulation. Keiner
kann vor der Ernte ſagen, wie er abſchneidet. Jeder rechnet da=
mit
, daß es anderwärts Fehlernten gibt, die den Preis ſeiner
Erzeugniſſe in die Höhe treiben.
Man wird ſchon noch einige der 15 Monate, die uns von
der nächſten Präſidentenwahl trennen, verſtreichen laſſen müſſen,
ehe ſich die Lage ſoweit geklärt haben wird, daß man eine
Vorausſage wagen kann.

Von Erna Pinner.

Die frömmſte und zugleich wildeſte Stadt, die ich je ſah, iſt
Arequipa. Arequipa liegt zweitauſend Meter hoch in einem frucht=
baren
Tal zu Füßen des Miſti. Arequipa iſt die zweitgrößte
Stadt Perus.
Als die Spanier Südamerika eroberten, räuberten ſie nicht
nur die Goldminen aus, ſie bekehrten auch die Indianer zum
katholiſchen Glauben. Sie pfropften auf die zerſtörten Inka=
Tempel ihre reichen Kirchen und Kathedralen und trugen ſelbſt
bis in die vielen tauſend Meter hohen Kordilleren Perus, wo
heute noch ein Millionenvolk von Indianern wohnt, ihre from=
men
Heiligen. Das hinderte aber nicht, daß ſie hierbei die
ganze Indianer=Ariſtokratie abſchlachteten.
Die heutigen Indianer, nur noch Nachkommen des Prole=
tariats
, haben ſich aus dem katholiſchen Glauben ihr eigenes
Heidentum wieder zurechtgemacht. Sie haben ihre alten Götter
in etwas veränderter Form in den neuen Glauben mit hinüber
genommen. In Cuzko beten ſie zum Beiſpiel einen Chriſtus von
tiefbrauner Hautfarbe an. Als der Biſchof ihnen einen neuen
weißen ſtiftete, lehnten ſie ihn ab, denn ſie wollten ihn braun
haben, braun wie ſie ſelber ſind und wie ihre Vorfahren ſich
ſeinerzeit den Sonnengott im Goldtempel der Inkakaiſer vorge=
ſtellt
hatten. Dieſen braunen Chriſtus nennen ſie übrigens be=
zeichnenderweiſe
Senor de los temblores den Herrn des Erd=
bebens
. Nur ſo können ſie ſich Chriſtus mächtig vorſtellen.
Dieſes leichtgläubige und vollkommen ungebildete Volk tanzi
auch tagelang um den offenen Sarg eines verſtorbenen Kindes,
weil in ſeiner Vorſtellung das Kind jetzt ein glitzernder Engel
im Himmel wird. Und es führt zu Ehren des Jeſukindes vor
der Kirche ſeine alten Kriegs= und Schwerttänze auf, feder=
geſchmückt
, trommelnd, das Geſicht mit wilden Masken verdeckt.
Es war Winter, als ich über die Sanddünen und vulkani=
ſchen
Steppen von dem troſtloſeſten aller Wüſtenhafen, Mollendo,
nach Arequipa hinauffuhr. Arequipa iſt die Hauptſtadt Süd=
perus
und hat ungefähr 50 000 Einwohner.
Es iſt amüſant und traurig zugleich, zu ſehen, wie die india=
niſche
Bevölkerung hier lebt.
Die faſt reinen Indianer leben in Höhlen und Lehmwällen
vor der Stadt. Sie ſind nur faſt rein, weil ſie alle Spanier=
blut
haben. Sie ſind ſo arm, wie man es ſich gar nicht vorſtellen
kann.
Dagegen aber leben die, die mehr ſpaniſches als indianiſches
Blut haben, die gente decente, in der Stadt. Sie ſind zwar

Auf ſeiner Fahrt nach Dietramszell traf Reichspräſident
v. Hindenburg am Donnerstag vormittag in München ein und
fuhr in einem Auto der Landespolizei nach Dietramszell.
Der Reichsverband des Deutſchen Groß= und Ueberſeehandels
hat in einer der Reichsregierung übergebenen Erklärung Ein=
ſpruch
gegen etwaige Abſichten erhoben, die Geſetze und Maß=
nahmen
zur Regelung des Wettbewerbes zwiſchen Eiſenbahn und
Kraftwagen auf dem Wege der Notverordnung zu veröffentlichen.
Der Vorſtand des Deutſchen Städtetages, wählte in einer
Sitzung am Donnerstag Bürgermeiſter Dr. Weber=Königsberg zum
geſchäftsführenden Vorſtandsmitglied. Dr. Weber hat die Wahl
angenommen. Er wird in der Geſchäftsſtelle des Deutſchen Städte=
tages
gleichzeitig das Finanzdezernat verwalten.
Der Haushaltsausſchuß des Thüringer Landtages genehmigte
mit allen Stimmen bei Stimmenthaltung der Kommuniſten die
Bürgſchaftsübernahme des Landes für den 12=Millionen= Reichs=
kredit
an die Sparkaſſen des Landes. Die Verteilung des Kre=
dites
erfolgt durch die Mitteldeutſche Landesbank.
Der amerikaniſche Botſchafter in Berlin, Sackett, wird ſich
Ende dieſer Woche nach London und von dort nach Schottland be=
geben
, um mit dem amerikaniſchen Staatsſekretär Stimſon noch=
mals
eingehend die Wirtſchaftslage Deutſchlands zu beſprechen.
Geſtern nacht verſtarb der 55jährige Kaufmann Max Stern=
Berlin aus der Prenzlauer Straße 18, der bei den Unruhen am
Bülow=Platz einen Bauchſchuß erhalten hatte und ſchwer verletzt
im Hedwig=Krankenhaus Aufnahme fand. Damit hat ſich die Zahl
der Todesopfer bei den Unruhen am Bülow=Platz auf vier erhöht.
Der Oberpräſident der Rheinprovinz hat mit ſofortiger Wir=
kung
die Rheiniſch=Weſtfäliſche Zeitung wegen eines Wahlinſe=
rates
auf die Dauer von 14 Tagen verboten.
Wie verlautet, ſind die Verhandlungen über die 5=Millionen=
Pfund=Anleihe Ungarns in Paris geſtern abgeſchloſſen worden.
Der ſüdſlawiſche Außenminiſter Marinkowitſch wird einer Ein=
ladung
der polniſchen Regierung folgen und ſich nach Warſchau
begeben. Er wird dort vom 22. bis 24. Auguſt verweilen.

Das Exekutivkomitee des Allindiſchen Kongreſſes hat den Be=
ſchluß
gefaßt, an der Londoner Konferenz am runden Tiſch nicht
teilzunehmen.

Erfurt, 18. Auguſt.
In der Jugendherberge Finſterbergen (Thüringen) wurde
von der K.P.D.=Bezirksleitung Groß=Thüringen ein Kurſus zur
Ausbildung von Funktionären abgehalten, der am 9. Auguſt be=
gann
und bis zum 15. Auguſt dauern ſollte. Da der Verdacht
nahe lag, daß die entfaltete Tätigkeit den Strafgeſetzen zuwider
laufe, wurde von einem größeren Polizeikommando der thürin=
giſchen
Polizeidirektion Gotha eine Durchſuchung des Gebäudes
und der darin betroffenen Perſonen vorgenommen, die weſent=
liches
Material zutage förderte. Der Lehrer und die Teilnehmer,
insgeſamt 42 Perſonen, wurden bei der zuſtändigen Staatsan=
waltſchaft
in Gotha wegen dringenden Verdachts der Vorberei=
tung
zum Hochverrat zur Anzeige gebracht. Auch wurde die
Fortſetzung der Schulung unterſagt.

Recklinghauſen, 13. Auguſt.
Die Preſſeſtelle des Polizeipräſidiums Recklinghaufen teilt
in ſpäter Nachtſtunde mit:
Am Mittwoch abend fand im Kinoraum der Schauburg
eine angeblich geſchloſſene kommuniſtiſche Verſammlung ſtatt, die
von etwa 800 Perſonen aus Recklinghauſen und der näheren
und weiteren Umgebung bis ins Münſterland hinein beſucht
war. Schon die Art der Veranſtaltung ließ erkennen, daß ſie
einen hochverräteriſchen Charakter tragen ſollte. Durch das über=
raſchende
Eingreifen der Polizei wurden jedoch alle weiteren
Pläne vereitelt. Schutz= und Kriminalpolizeibeamte löſten die
Verſammlung auf, und die Teilnehmer wurden einer Leibes=
viſitation
unterzogen. Nach Feſtſtellung ihrer Perſonalien wur=
den
ſie dann einzeln entlaſſen. Schon die Dekoration des Saales,
die aus zur Revolution auffordernden Transparenten beſtand,
ließ den illegalen Charakter der Veranſtaltung erkennen. Die
vorgenommene Durchſuchung erbrachte neben einer großen
Menge hochverräteriſcher Schriften Totſchläger, Gummiknüppel,
Dolchmeſſer und Revolverpatronen. Die polizeiliche Unter=
ſuchung
ſowie die Durchprüfung des beſchlagnahmten ſehr um=
fangreichen
Materials iſt im Gange.

auch arm, zeigen es aber nicht, obwohl ihr Mobiliar in der
Hauptſache aus Spucknäpfen beſteht.
Die ſchönſten Gebäude der Stadt ſind die unzähligen Klöſter,
die wie Fortifikationen ausſehen. Dazwiſchen liegen unzählige
Kirchen. Und zwiſchen ihnen ſtehen wieder unzählige Darſtel=
lungen
Chriſti, mit allen Requiſiten der Paſſion (nachgebildet in
Naturgröße) unter Baldachinen. Die Kirchen ſind oft wunder=
ſchön
, reich an Figuren, kunſtvoll in der Ornamentik. Sie ſind
aus der Kolonialzeit, im Stil der Eroberer. Die Klöſter ſehen
mit ihren koloſſalen hohen Mauern und Wällen aus, als werde
man daraus erſchoſſen.
Als ich am erſten Tag auf dem Platz vor der Kathedrale
ſtand, fing es auch an zu ſchießen. Ich wollte fliehen, weil ich
dachte, die Revolution, die jedermann erwartete, breche aus. Aber
bald erkannte ich, daß das Schießen eine Ovation für einen Hei=
ligen
war. Jede Familie in Arequipa hat nämlich einen Privat=
heiligen
. An ſeinem Namenstag wird zu ſeinen Ehren geſchoſſen.
Im Haus, auf der Straße und in der Kirche. Mit Piſtolen, mit
Schwärmern, mit Fröſchen und wenn möglich mit Kanonen.
Tagelang ſah ich die Prozeſſionen durch Arequipa ziehen.
Nur wenn ich in dem traumhaft ſchönen Garten der Anita Bates
ſaß, glaubte ich im Paradies zu ſein. Ich ſah über den tropi=
ſchen
Bäumen, über den rieſigen Palmen und über den leuchten=
den
Blumen den ſchneebedeckten ſpitzen Kegel des Miſti. Zart
wie eine japaniſche Seidenmalerei verſchwamm er in dem gläſer=
nen
Himmel. Winzige Kolibris ſchoſſen wie Libellen durch die
Luft. Dieſer Garten war eine Oaſe in Arequipa.
Aber ſowie ich hinaustrat, knallte und ſchoß es von allen
Seiten. Ueber ein Höllenpflaſter rannten die Indianer, jeder
ſeinen Heiligen in der Hand, jeder ſich eilend, um zuerſt zu kom=
men
, um am nächſten am Altar zu ſein. Sie ſchoſſen auch noch
in der Kirche und ſchmiſſen in die Andacht Knallerbſen und
Raketen. Und daneben ſaßen die mehr ſpaniſch durchblüteten
Senors und Senoritas. Sie waren nach den ſtrengen Vorſchrif=
ten
ganz in Schwarz. Sie trugen den kokett das Geſicht ver=
hüllenden
Schleier, der über Bruſt und Schulter fällt. Unent=
wegt
ſah ich ſie ſo mit der ſpaniſchen Mantilla geſchmückt zur
Beichte gehen. Jede verheiratete Frau in Arequipa hat nämlich
ihren eigenen Beichtvater. Dieſe Tatſache fand ich nach allem,
was ich ſah, wenig erſtaunlich. Hingegen frug ich mich, wie dieſe
oft recht jungen und hübſchen Damen es wohl fertig bringen, in
dieſer frommen Stadt täglich neues Material für eine Beichte
zu beſchaffen.
Sehr einfach regelt ſich die illegitime Kinderfrage bei den
Indianern und der beſſeren Indianer=Geſellſchaft, ja ſelbſt die
der Weißen. Es gibt ein Findelhaus, das von Nonnen geleitet
wird. Nachts ſchiebt man den Nonnen durch ein geheimnis=
volles
hölzernes Drehfenſter die unerwünſchten, unglückſeligen
Neugeborenen ins Kloſter. Die Nonnen lehren ſie beten, ſticken,

Baſel, 13. Auguſt.
Der Studienausſchuß für die Prüfung der Finanzlage in
Deutſchland ſetzte heute vormittag in dreieinhalbſtündigen Be=
ratungen
ſeine Arbeiten fort. Die Verhandlungen, die noch ohne
die Teilnahme der Mitglieder des Stillhaltekonſortiums vor ſich
gehen, werden in einer Nachmittagsſitzung fortgeführt werden.
Wenn auch offizielle Angaben über den Gang der Verhand=
lungen
nicht gemacht wurden, kann doch geſagt werden, daß ſich
die drei Etappen, in denen Deutſchlands Geſundung in kredit=
politiſcher
Hinſicht herbeigeführt werden ſoll, immer deutlicher
abzeichnen. In der erſten Etappe wird über die Verlängerung
der kurzfriſtigen Kredite verhandelt (Stillhalteaktion). Die zweite
Etappe wird die Behandlung der Frage der Gewährung neuer
kurz= und mittelfriſtiger Kredite bringen, während die dritte
Etappe, die noch in weiter Sicht iſt, nach durchgeführter Konſoli=
dierung
die Gewährung einer großen langfriſtigen Anleihe be=
trifft
.
Die New Zorker Bankiers zu weiteſtgehendem
Enlgegenkommen bereil.
New York, 13. Auguſt.
Nachdem die New Yorker Banken erneut ihr grundſätzliches
Einverſtändnis mit allen endgültigen Baſeler Abmachungen er=
klärt
haben, hat Wiggin telegraphiſch die formelle Vollmacht er=
halten
, die Intereſſen der geſamten Wallſtreet wahrzunehmen,
wobei jedoch hinzugefügt wurde, daß vor dem Abſchluß des end=
gültigen
Abkommens eine vorherige Benachrichtigung erwünſcht
ſei. Die New Yorker Bankiers ſind offenſichtlich zu weitgehend=
ſtem
Entgegenkommen bereit und grundſätzlich damit einverſtan=
den
, die kurzfriſtigen Kredite um weitere ſechs Monate zu ver=
längern
.
Die Ankwork der franzöſiſchen Banken
in der Skillhalkeftage.
Paris, 13. Auguſt.
Das Pariſer Finanzblatt Agence Economique et Financere‟
veröffentlicht einen Auszug aus der Antwort der franzöſiſchen
Banken in der Stillhaltefrage, die am Samstag der Reichsbank
bzw. dem deutſchen Bankkomitee zugeſtellt wurde. In der Ant=
wort
der franzöſiſchen Banken auf die Vorſchläge des deutſchen
Bankausſchuſſes bzw. des Reichsbankpräſidenten Dr. Luther heißt
es u. a., es ſei als völlig anormal zu betrachten, daß Wechſelkredite,
die ausſchließlich aus Handelsgeſchäften ſtammten und als ſolche
von den franzöſiſchen Banken eröffnet wurden, bei Fakturbeglei=
hung
nicht an die franzöſiſchen Banken zurückbezahlt würden.
Nichtdeſtoweniger ſeien die franzöſiſchen Banken bereit, den deut=
ſchen
Banken zu Hilfe zu kommen und auf eine Zeitſpanne von
drei Monaten ſämtliche Akzeptkredite zu verlängern, wobei jedes=
mal
bei Erneuerung der kaufmänniſche Charakter der neuen
Wechſelziehung erwieſen werden müſſe. Andererſeits müßten die
von gewiſſen deutſchen Banken geſperrten franzöſiſchen Sichtkonti
in Reichsmark freigegeben werden. Jede franzöſiſche Bank behält
ſich das Recht vor, für die am ſchwächſten geſicherten Kredite eine
Zuſatzgarantie der deutſchen Golddiskontbank zu erwirken. Die
deutſchen Schuldner von franzöſiſchen Akzeptkrediten dürften ihre
Schulden an deutſche Banken erſt nach Begleichung der Schulden
an die franzöſiſche Bank abtragen, die alſo den Vorrang haben
würde. Sollten anderen ausländiſchen Banken weitergehende Ver=
günſtigungen
eingeräumt werden, ſo müßten die gleichen Vorteile
und Vergünſtigungen auch den franzöſiſchen Banken zugute
kommen.

E.P. London, 13. Auguſt.
Am Nachmittag empfing Miniſterpräſident Macdonald in ſeiner
Amtswohnung in der Downing=Street Baldwin und Newille Chamber=
lain
. Macdonald hatte mit den konſervativen Führern eine etwa ein=
ſtündige
Unterredung, in der er, wie verlautet, die von der Regierung
ins Auge gefaßten Maßnahmen zur Ueberwindung der Finanzkriſe den
Vertretern der Oppoſitionspartei unterbreitete und ſie um Unterſtützung
und Vorſchläge ihrerſeits erfuchte. Sie ſollen weiter zur Teilnahme an
einer Dreiparteienkonferenz, die in der nächſten Woche ſtattfinden und
auf der über Sparmaßnahmen zum Budget=Ausgleich beraten werden
wird, eingeladen worden ſein. Die konſervativen Führer dürften dieſe
Einladung angenommen haben, doch iſt Genaueres hierüber noch nicht
bekannt.
Der Unterredung Macdonalds mit Baldwin und Newille Chamber=
lain
folgte ſpäter eine Konferenz mit dem Lloyd George während deſſen
Krankheit vertretenden liberalen Parteiführer Sir Herbert Samuel.
Macdonald ſetzte auch dieſen über die vorausſichtlichen Maßnahmen der
Regierung in Kenntnis und ſoll auch ihn zur Teilnahme an der Drei=
parteienkonferenz
eingeladen haben.

ſchuſtern. Wenn ſie zwanzig Jahre alt ſind, ſetzen die Nonnen
ſie wieder vor das Kloſter, und ſie müſſen in dieſem Land ſehen,
wie ſie weiter kommen.
An den Baſtarden des Findelhauſes von Arequipa hat die
Natur ſich keine Laune verſagt. Sie hat die grellſten Farben, die
je für die menſchliche Kreatur gemiſcht worden ſind, verwendet.
Sie hat Neger mit weißblondem Haar, Weiße mit Neger=
locken
und Indianer mit fuchſigen Schöpfen kreiert. Ich
wunderte mich nur, daß man mir nicht noch geſtreifte und
karierte Kinder zeigte.
Ging die Sonne unter, ſo läuteten ſämtliche Glocken der
Klöſter und Kirchen. In dieſen ohrenbetäubenden Lärm miſchte
ſich das monotone Leiern der Gebete, das aus allen Häuſern,
allen Mauerritzen und Höhlen drang.
Lamaherden graſten vergeblich an den Schienen der elektriſchen
Straßenbahn. In dem Tor des Krankenhauſes verſchwand eine
heilige Schweſter mit einer rieſigen Kliſtierſpritze wie aus
Moliéreſchen Luſtſpielen.
Der Himmel brannte wie Feuer, und der Vulkan Miſti ſtieß
ſeine rot glühende Spitze dampfend hinein. Die ganze Stadt
lag in blutigen Strahlen.
In dieſer Nacht aber ſtiegen zu Ehren des heiligen Elogius
die Feuerwerkraketen in den ausgeſtirnten alten Indianerhimmel
und weitteiferten an Leuchtkraft mit den Sternen. Der Be=
ſitzer
des Heiligen, der morgens ſchon Kanonendonner und
mittags eine Prozeſſion bezahlt hatte, ſchien reichlich Chicha=Fuſel
zu ſpendieren. Betrunkene Stimmen gröhlten durch die Nacht.
Um den Heiligen zu ehren, vereinten ſich zwei Raſſen zu einem
Glauben, zwei Mentalitäten befolgten ihn, wild und fromm zu=
gleich
.

Von deutſchlands Hohen Schulen.
Frankfurt a. M.: Profeſſor Dr. A. Gelb hat den an ihn er=
gangenen
Ruf auf den Lehrſtuhl der Pſychologie an der Univer=
ſität
Halle als Nachfolger von Prof. Th. Ziehen angenommen.
Halle, Saale: Der Ordinarius der Botanik Prof. Dr. Kurt
Noack hat den Ruf an die Univerſität Berlin als Nachfolger
von H. Kniep angenommen, hingegen die Berufung nach Freiburg
i Br. als Nachfolger von Prof. Oltmanns abgelehnt. Prof.
Noack wird in Berlin den Lehrſtuhl zu Beginn des bevorſtehenden
Winterſemeſters übernehmen.
Jena: Der Direktor der Univerſitätsaugenklinik und jetzige
Rektor der Thüringiſchen Landesuniverſität in Jna. Prof. Dr.
Walter Löhlein hat den Ruf an die Univerſität Freiburg an=
genommen
. Er wird die Univerſität Jena im April 1932 ver=
laſſen
.
Leipzig: Dem Dr. phil. Emil Ahnert iſt die Lehrberech=
tigung
für das Fach der Landwirtſchaft in der Philoſophiſchen
Fakultät der Univerſität Leipzig erteilt worden.

[ ][  ][ ]

Nummer 224

Freitag, den 14. Auguſt 1931

Seite 3

Einſchränkung der Zuſchüſſe für Schule und Bildungsweſen. Beſchränkung des Wohnungsbaues.
Unvermeidliche Eingriffe ins Wohlfahrks= und Geſundheitsweſen. Verringerung der Verwallungskoſten.

der Städkekag
für Aufgaben-Abban der Kommunen.
Berlin, 13. Auguſt.
Der Präſident des Deutſchen Städtetages, Dr. Mulert, gab
heute in einer Preſſebeſprechung einen Ueberblick über das vom
Deutſchen Städtetag vorgeſchlagene Sanierungsprogramm. Dr.
Mulert führte dabei u. a. aus, daß ſich die Wirtſchafts=
kriſe
durch ein immer ſchnelleres Anſteigen der
Fürſorgelaſten und ein Abſinken der Einnah=
men
ausgewirkt habe. Die Gemeinden hätten in immer
ſtärkerem Maße Einſparungen vorgenommen. Dieſe Einſparungen
hätten im Jahre 1930 gegenüber den Vorjahren etwa 400 Mil=
lionen
RM., im Jahre 1931 gegenüber 1930 weiterhin rund 450
Millionen gebracht. Gleichwohl ſei im Jahre 1930 ein reſtlicher
Fehlbetrag von 420 Millionen RM. verblieben. Für das
laufende Jahr müſſe der Fehlbetrag auf 800
Millionen RM. beziffert werden. Der Fehlbetrag
ſei allein auf den Mehraufwand für die Wohlfahrtserwerbsloſen=
fürſorge
zurückzuführen. Die Notwendigkeit, den Fehlbetrag
unter allen Umſtänden zu beſeitigen, ſei um ſo zwingender, als
für den Reſt des Haushaltsjahres eine weitere Verſchlechterung
der wirtſchaftlichen Verhältniſſe zu befürchten ſei. Es ſei un=
möglich
, die Fehlbeträge auch nur für einige Monate
mit kurzfriſtigen Krediten zu überbrücken. Ein

wäre aber nur dann erträglich, wenn er nach einem wohlüber=
legten
Plan erfolge, ſo daß die Lebensnotwendigkeiten des Volkes
nicht gefährdet würden. Vorausſetzung hierfür bleibe ein ein:
heitliches und von gleichen Geſichtspunkten getragenes Vorgehen
auch in Reich und Ländern. Was Schule und Bildung
anbetreffe, müſſe das Ziel in der Volksſchule eine vorüber=
gehende
weitere Erhöhung der Frequenzen ſein.
Auch bei den übrigen Schularten ſeien entſprechende Maßnahmen
notwendig. Auch in der Bauwirtſchaft werde ein ſtär=
kerer
Abbau folgen. Die Ueberweiſung öffentlicher Mittel
für den Wohnungsbau im bisherigen Ausmaß könne nicht mehr
verantwortet werden. Was das Wohlfahrtsweſen anbe=
treffe
, ließe ſich die Sonderſtellung einzelner Für=
ſorgegruppen
nicht mehr aufrecht erhalten; auch
müſſe alles Einkommen bei der Bemeſſung der Unterſtützung be=
rückſichtigt
werden. Auf dem Gebiete des Geſund=
heitsweſens
müſſe verſucht werden, ſchwere Schädigungen
bei dem Abbau zu vermeiden. Trotzdem werde man nicht
ohne entſcheidende Eingriffe auskommen können.
Auf allen ſonſtigen Gebieten des Kommunalweſens würden die
Gemeinden mit dem gleichen Abbauwillen vorgehen. Selbſtver=
ſtändlich
müſſe auch der allgemeine Verwaltungsauf=
wand
möglichſt verringert werden. Dieſe Maßnahmen
müßten aber zugleich auf einer Verwaltungsreform baſieren und
könnten nur in Zuſammenarbeit mit Reich und Ländern durch=
geführt
werden.
Das finanzielle Ergebnis der vorgeſchlagenen Abbaumaß=
nahmen
errechne der Vorſtand des Deutſchen Städtetages
für den Reſt des Haushaltsjahres 1931/32 für alle Gemein=
den
und Gemeindeverbände auf 250 bis 300 Millionen RM.
Da dieſes Ergebnis aber zur Ausgleichung des Fehlbetra=
ges
nicht ausreiche, ſeien weitere Maßnahmen, vor allem
des Reiches, erforderlich. Was die Frage eines weiteren
Abbaues der Gehälter und Löhne anbetreffe, dürfe den
Beamten kein weiteres Sonderopfer zugemutet werden;
vielmehr müßten alle Gehalts= und Lohnempfänger durch
Beiträge die Möglichkeit geben, die erwerbslos gewordenen
Volksgenoſſen in Verſicherung und Fürſorge zu erhalten.
Gleichzeitig müſſe eine ſtarke Senkung des Niveaus der
Lebenshaltungskoſten gefordert werden. Reich und Länder
müßten ſich weiter an den Koſten der Arbeitsloſigkeit
beteiligen.
Eine Reichshilfe von 80 bis 100 Millionen RM. ſei erforderlich,
um für den laufenden Monat die notwendigen Zahlungen ins=
beſondere
die Unterſtützungen für die nächſten Wochen, ſicherzu=
ſtellen
. Beſonders wichtig ſei in dieſem Zuſammenhang die Be=
handlung
der kurzfriſtigen Kredite der Gemeinden. Angeſichts
der internationalen Verhandlungen, die auf ein Stillhaltekonſor=
tium
für die deutſche Wirtſchaft abzielen, müſſe das Verlangen

auf entſprechende Behandlung der kurzfriſtigen Kommunalkredite
ſeitens aller inländiſchen Stellen nicht als unbillig erſcheinen.
* Das Reichskabinett beſchäftigt ſich eben intenſiv mit dem
Fragenkomplex der Sanierung der kommunalen Finanzen. Die
Gemeinden ſtehen zum großen Teil auf dem Standpunkt, daß
ſie aus eigener Kraft über den bevorſtehenden Winter nicht wer=
den
hinwegkommen können. Der Kanzler hat denn auch bereits
die Vertreter des Reichsſtädtetages empfangen und von ihnen
nach ihrer Darſtellung der Finanzlage Unterlagen erbeten für
ſeine künftige Arbeit. Der Städtetag hat daraufhin ein Sanie=
rungsprogramm
ausgearbeitet, das aber kaum Anſpruch darauf
erheben kann, ſich durch hervorragende Gedanken auszuzeichnen.
Der Städtetag ſchlägt u. a. vor, die Gemeinden ſollten ſofort
einen Teil ihrer Aufgaben fallen laſſen und die dadurch frei=
werdenden
Beträge für das Zentralproblem, für die Löſung der
Arbeitsloſenunterſtützung, verwenden. Gleichzeitig ſollten die
Gemeinden, die ihnen zur Verfügung ſtehenden Beträge aus
der Hauszinsſteuer für ſich benutzen, da praktiſch ja die Bau=
tätigkeit
in der letzten Zeit ſchon eingeſtellt worden ſei. Neben
Einſparungen und Abſtrichen an den Haushalten
ſelbſt wird eine Beſchneidung der Zuſchüſſe für das
Schul= und Bildungsweſen vorgeſchlagen, ebenſo ſoll
das Geſundheitsweſen unter die Lupe genommen und der all=
gemeine
Verwaltungsaufwand begrenzt werden.
Das ſind aber auch ſchon beinahe alle Vorſchläge, die der
Städtetag von ſich aus unterbreitet. Man hat herausgerechnet,
daß auf dieſe Weiſe etwa 250300 Millionen freiwerden. Da
dieſer Betrag nicht ausreicht, iſt der Städtetag auf die anfecht=
bare
Idee gekommen, wieder die Feſtangeſtellten Gehalts= und
Lohnempfänger, in die Zange zu nehmen. Wir können uns
nicht vorſtellen, daß die Reichsregierung dieſen Vorſchlag auf=
greift
und mit einer neuen Notverordnung aufwarten wird. Zu
begrüßen iſt allerdings, daß ſich der Städtetag für eine Senkung
der Lebenshaltungskoſten einſetzt, alſo für einen Preisabbau.
Er geht aber über die Frage, was die Gemeinden ſelbſt zur
Preisherabſetzung auf dem Gebiete der Gas=, Waſſer und Elek=
trizitätsverſorgung
tun ſollen, mit einem Stillſchweigen hinweg.
Beim letzten Preisabbau haben die Gemeinden von einer Tarif=
ſenkung
nichts wiſſen wollen und auch erreicht, daß die alten
Tarifſätze geblieben ſind.
Das Reichskabinett wird ſich in den nächſten Tagen und
Wochen ſehr eingehend mit den Gemeinden beſchäftigen. Es
wird auch die Vorſchläge des Reichsſtädtetages behandeln. Wir
möchten aber annehmen, daß zur Sanierung der Gemeindefinan=
zen
noch weitere Maßnahmen notwendig werden, insbeſondere
um die ſtarke kurzfriſtige Verſchuldung zu konſolidieren.

Die Chriſtlichnationale Bauern= und Landvolkpartei trat am
Donnerstag nachmittag im Reichstag zu ihrem Parteitag zu=
ſammen
, an dem die Vertreter der Wahlkreisorganiſationen und
die Mitglieder der Reichstagsfraktion teilnahmen. Ueber den
Parteitag wurde von der Partei nachſtehender Bericht ausgegeben:
Auf dem heutigen Parteitag des Deutſchen Landvolkes
(Chriſtlich=Nationale Bauern= und Landvolkpartei) wurde als
Nachfolger Höfers, dem der Reichstagsabgeordnete Hepp als ſtell=
vertretender
Parteiführer eine vom Parteitag ſtehend entgegen=
genommene
Gedenkrede hielt, in der er die große Bedeutung
Höfers für das deutſche Bauerntum und ſeine hervorragenden
Eigenſchaften als Menſch und Politiker beſonders würdigte, das
bisherige Vorſtandsmitglied von Hauenſchild=Tſcheidt einſtimmig
zum Parteiführer gewählt. Von Hauenſchild nahm die Wahl an
mit dem Verſprechen, die Landvolkbewegung im Sinne und Geiſte
Höfers zu führen. In ſeiner Programmrede zeigte er die Ent=
wicklung
der letzten zwölf Jahre, die, ausgehend von der Unter=
werfung
unter Verſailles und von völliger Einſeitigkeit der In=
nen
= und Außenpolitik zur Aufzehrung der Subſtanz führte. Das
geeinigte Bauerntum ſtellt einen politiſchen Machtfaktor dar, deſſen
chriſtlich=nationale Grundeinſtellung ihn zum Kern der politiſchen
Rechten macht. Das Landvolk kann nicht einer Reichsregierung
folgen, die ſich in Abhängigkeit von der jetzigen Preußenpolitik
hefindet.
Die programmatiſchen Erklärungen wurden einſtimmig ge=
billigt
. In einer lebhaften Ausſprache, an der ſich u. a. der
Gründer der Landvolkbewegung, Staatsminiſter Baum=Weimar
und Miniſter a. D. von Keudell beteiligen, wurde der unbeirr=
bare
Wille zum Auf= und Ausbau der berufsſtändiſchen politiſchen
Landvolkbewegung bekundet.

* Edſchmids neueſter Reiſe-Roman.
Eine Zeitung veranſtaltete jüngſt eine Rundfrage, ob man
heute noch Wälzer leſen könne. Die Antworten fielen durch=
weg
ſchamhaft verneinend aus, da das geſpannte Zeitmaß der
Gegenwart für Wälzer die Ruhe nimmt. Kaſimir Ed=
ſchmids
Buch Glanz und Elend Südamerikas iſt
noch kein Wälzer; es faßt immerhin an 500 Seiten; aber ſelbſt
wenn es die doppelte Zahl hätte, würde man es mit fieber=
hafter
Spannung von Anfang bis zu Ende leſen. Denn es
trägt nicht nur das Tempo der Zeit, ſondern auch den Geiſt der
Zeit in höchſtem Maße in ſich.
Edſchmid hat für ſeine Entdeckung Südamerikas eine neue
Form gefunden. Er vermeidet die Ich=Form, die leicht zu
ſubjektiven Stimmungen und Verſchwommenheiten führt. Er
läßt Göhrs, den Weltmann und Dichter, die Reiſe tun. Aus=
gerüſtet
mit einem reichen Wiſſen über Geſchichte und Gegen=
wart
des Landes, ausgerüſtet mit dem offenen, freien Blick
des lebensbejahenden Deutſchen, ausgerüſtet mit einer Brief=
taſche
voll Empfehlungen zu den führenden Männern des frem=
den
Erdteiles! So öffnen ſich ihm alle Türen, ſo erſchließen
ſich ihm alle Schönheiten des ſeltſamen Landes. So wird er
ein zweiter Entdecker des ſüdlichen Amerikas!
Auf einem holländiſchen Frachtdampfer landete Göhrs
Curacao, jener weſtindiſchen Inſel, die in der Mundart eines
rothäutigen Stammes gebratener Prieſter heißt, weil die
Indianer ihre rituellen Gebräuche der Soutane gegenüber nicht
zurückgehalten hatten. Das nahe Panama zeigt Göhrs den
Gegenſatz zwiſchen Nord= und Südamerika und läßt ihn zum
erſten Mal den ſicheren, unwiderſtehlichen Vormarſch des kapi=
taliſtiſchen
Nordens erkennen.
In Ecuador lernt Göhrs die Indianer kennen. Sie
wohnen in Hütten aus Bambus, weil für ihre Unternehmer
ledes andere Material zu teuer geweſen wäre; ſie arbeiten für
40 Mk. einen Panamahut, der 400 oder 800 Mk. koſtet, ſie leben
in einer der ſchamloſeſten Formen der Sklaverei und ſingen die
Nationalhymne: Komiſches Land, dachte Göhrs, komiſches Laud,
von dem man wegen ſeiner ungenauen Grenzen nicht wußte,
Ob es eine oder zwei Millionen Einwohner hatte, ob es ſo
Aroß war wie Süddeutſchland oder zweimal ſo groß wie Frauk=
reich
komiſches Land, das weder ſoziale Ideen noch ſoziale
Kämpfe kannte und erſt recht keine ſozialen Parteien!
Peru erſchließt Göhrs die Geſchichte, Bedeutung und Pracht
der alten Indianerkultur. Der gewaltige Zuſammenſtoß zwiſchen
Sen eingeborenen Inkas und den ſpaniſchen Eroberern wird
lebendig. Die Inkas, die um das Jahr Tauſend aufgetreten
waren, hatten viel blühende Indianer=Kulturen und Staaten
ii einer ſtraffen Militär=Monarchie vereinigt. Der reinſte,

aber auch abſonderlichſte Kommunismus der Welt, zuſammen=
gekoppelt
mit einer Oberſchicht von Hochkapital, beherrſcht von
einer dünnen Schicht von Luxusprinzen, Prieſter=Athleten, Ge=
neralen
und Veſtalinnen! Die Spanier, die als Eroberer
in das Land kamen, überſahen bei den Indianern von vorn=
herein
alles, was genial war; ſie verſtanden die Inkas nicht.
Sie verachteten die Heiden.
Im eleganten Schlafwagen der Peruvian Corporation drang
Göhrs in das Herz des Inkareiches, in das Tal von
Cuzco, das ſo hoch wie der Tödi liegt und auf Indiſch der
Nabel heißt: der Nabel der Welt! In langen Zügen ſah Göhrs
die Indianer von den Bergen in die Stadt ziehen in ihrer
blühenden Tracht, in Geſellſchaft ihrer Llamas und Alpacas;
liebe, reizende Geſchöpfe mit unſäglich wehmütigen Profilen?
Verwirrend war die Fremdheit dieſer Welt: die alte Indianer=
feſtung
auf der Höhe des Berges, abenteuerliche Reiter in
einſamer Gegend, Mumien auf goldenen Stühlen.
Hatte Göhrs in Peru den Präſidenten Leguia geſprochen,
ſo war er in Bolivien von Hans Kundt, dem deutſchen Leiter
des Generalſtabes, zu einem Butterbrot eingeladen. Der ſchil=
lernde
Untergrund der Revolutionen und der Pleiten der
Staaten Südamerikas werden ſichtbar; in Bolivien die China=
rinden
=Pleite, die Gummi=Pleite, die Zinn=Pleite. In Chile die
Tragik einer tüchtigen Regierung, die mit ſauberen Mitteln
das Land in die Höhe bringen wollte, die aber nicht kämpfen
konnte gegen die Kraft des Weltkapitals, gegen die Macht
des nordamerikaniſchen Dollars.
Ueber die Kordilleren fuhr Göhrs vom Pacific zum Atlan=
tiſchen
Ozean. An Buenos Aires hängt das ganze Argentinien
angekettet. Auf die wilde Urſprünglichkeit der Weſtſtaaten folg=
ten
die Großſtädte der Oſtküſte mit ihren Theatern, Ren=
nen
, Spielſälen, Flugzeugen und zugleich mit ihrer ungeheuren
Bedeutung für den Handel der ganzen Welt.
Auf einem Schiff von 8000 Tonnen kehrte Göhrs nach Euro=
pa
zurück und freute ſich der Kleinheit des Schiffes, die ihm
das Meer nahe brachte. Er erinnerte ſich eines verzweifelten
Paſſagiers, den er einmal im Bauch eines Ozean=Rieſen, ver=
wickelt
in das Labyrinth der Gänge und Stockwerke, getroffen
hatte und der zwiſchen verſenktem Schwimmbad und Aufzug
hin und her irrend einen Steward fragte: Wo iſt denn das
Meer? Eine famoſe Bemerkung Edſchmids, der jeder See=
fahrer
zuſtimmen wird.
Auf der Rückfahrt überdachte Göhrs nochmals Geſchichte
und Schickſal des Erdteiles, den er erlebt hatte. War man dem
Roman dieſes Erdteiles in ſeiner lebendigen Fülle mit höchſter
Spannung gefolgt, ſo ſteigert ſich der Schlußabſchnitt in ſeinem
weitgezogenen Bogen zu dichteriſcher Größe von ſeltener Schön=
heit
.
Z.

Neue Richklinien
für die Deviſenbewirkſchaftung.
Techniſche Erleichterungen
für die Abwicklung des Bankverkehts.
Berlin, 13. Auguſt.
Das Reichswirtſchaftsminiſterium hat eine weitere Ergän=
zung
der Richtlinien für die Deviſenbewirtſchaftung den Landes=
finanzämtern
zugeleitet. Die Richtlinien bringen eine Reihe
techniſcher Erleichterungen für die Abwicklung des Bankverkehrs,
die das Ergebnis eingehender Verhandlungen mit dem Spitzen=
verbande
des Bankgewerbes ſind. Insbeſondere ſind gewiſſe
Geſchäfte mit Deviſen, die nach der Deviſenverordnung geneh=
migungspflichtig
ſind, von der Genehmigung freigeſtellt worden,
ſoweit ſie von den von der Reichsbank anerkannten Deviſen=
banken
durchgeführt werden. Ferner iſt angeordnet worden, daß
zur Bezahlung von Warenſchulden im innerdeutſchen Verkehr
Deviſen nur zugeteilt werden dürfen, wenn es ſich um die Er=
füllung
einer vor dem Inkrafttreten der Deviſenverordnung ent=
ſtandenen
Forderung handelt, oder wenn für Geſchäfte der be=
treffenden
Art die Zahlung in effektiver ausländiſcher Währung
handelsüblich iſt. Dadurch ſoll der neuerdings um ſich greifen=
den
volkswirtſchaftlich nicht gerechtfertigten Fakturierung in
effektiver ausländiſcher Währung entgegengetreten werden.
Schließlich wurde klargeſtellt, daß zur Errechnung der 3000
Reichsmark, bis zu denen nach 8 11 der Deviſenverordnung eine
Perſon während eines Kalendermonats Geſchäfte, die nach der
Deviſenordnung an ſich genehmigungspflichtig wären, frei vor=
nehmen
kann, der Erwerb von Deviſen und die Verfügung über
anderweit erworbene Deviſen ſowie der Erwerb ausländiſcher
Wertpapiere und die Verfügung über ſolche Papiere als ein
einheitlicher Tatbeſtand gelten. Ebenſo gilt die Einräumung
von Reichsmark=Krediten zugunſten eines Ausländers und die
Abtretung von Reichsmarkforderungen an einen Ausländer als
ein einheitlicher Tatbeſtand.

Berlin, 13. Auguſt.
Auf Grund der 88 17, Abſ. 1, Satz 3, 22 der Verordnung
des Reichspräſidenten über die Deviſenbewirtſchaftung vom 1.
Auguſt 1931 (RGBl. I, S. 421) wird verordnet:
8 1.
Ueber Forderungen, die auf Reichsmark oder Goldmark lauten
und im Auslande oder im Saargebiet anſäſſigen Perſonen zu=
ſtehen
, darf ohne die im § 6 Nr. 3 der Verordnung über die
Deviſenbewirtſchaftung vorgeſehene ſchriftliche Genehmigung
auch dann verfügt werden, wenn die Forderungen in der Zeir
vom 16. Juli bis 3. Auguſt 1931 entſtanden ſind.
§ 2.
Ueber die Vorſchriften des 8 6 der Verordnung über die
Deviſenbewirtſchaftung hinaus bedarf der ſchriftlichen Genehmi=
gung
der Stelle für Deviſenbewirtſchaftung auch eine im Ju=
lande
anſäſſige Perſon, wenn ſie Reichsmarkbeträge auf ein im
Inlande geführtes Konto einer im Auslande oder im Saarge=
biet
anſäſſigen Perſon durch Bareinzahlungen, Ueberweiſungen,
oder in ſonſtiger Weiſe gutſchreiben laſſen will.
8 11 der Verordnung über die Deviſenbewirtſchaftung gilt
entſprechend.
8 3.
Die Vorſchrift des 8 7 der Verordnung über die Deviſen=
bewirtſchaftung
gilt auch für Edelmetalle im Sinne des § 8,
Abſ. 4, der Verordnung.
Eine Anordnung der Reichsregierung nach 8 15 der Ver=
ordnung
über die Deviſenbewirtſchaftung kann ſich auch auf
Edelmetalle erſtrecken.
8 4.
Die Nichtigkeit eines Geſchäftes (8 12 der Verordnung über
die Deviſenbewirtſchaftung) kann nicht zum Nachteil von Per=
ſonen
geltend gemacht werden, die im Auslande anſäſſig ſind
oder die den die Nichtigkeit begründenden Sachverhalt beim Ab=
ſchluß
des Geſchäfts nicht kannten.

8 5.
Bis auf weiteres entſcheiden in den in 8 21, Satz 2. der
Verordnung über die Deviſenbewirtſchaftung genannten Fälle
die Reichsbank oder die von ihr ermächtigten Kreditinſtitute.

Nachdem mit dem Auguſt=Heft der beſonders reich ausgeſtattete
Jubiläums=(75.)Jahrgang von Weſtermanns Monatsheften abgeſchloſſen
iſt, war man mit Recht geſpannt darauf, wie Weſtermanns Monatshefte
ſich im 76. Jahrgang entwickeln werden.
Uns liegt das September=Heft vor, und wir müſſen geſtehen,
daß unſere Erwartungen, die wir an das erſte Heft des neuen Jahr=
gangs
geſtellt hatten, noch weit übertroffen worden ſind. Gleich der
erſte, reich mit Bildern verſehene Artikel über den oſtpreußiſchen Maler
Alfred Partikel von Carl Meißner läßt einen Blick in deſſen Werkſtätte
tun, der uns mit dem Schaffen dieſes Malers aufs engſte vertraut
macht. Dieſem Artikel folgt der Beginn des neuen Romans Das Haus
der Dämonen von Hans von Hülſen. Das Land der unbegrenzten
Möglichkeiten iſt uns ſeit langen Jahren immer näher gerückt. Die mit
vielen buntfarbigen Bildern verſehene Abhandlung Auch du, New
York, von Reinhard Weer, zeigt uns, daß auch Amerika von der Wirt=
ſchaftskriſe
nicht verſchont geblieben iſt. Ernſt von Wolzogen widmet
dem verſtorbenen Dichter Hans Hermann einen warmen Nachruf.
Sport und Gymnaſtik werden in Weſtermanns Monatsheften beſonders
gepflegt. In dieſem Heft wird ein Aufſatz von dem Diplom=Turn= und
Sportlehrer Alfred Müller Körpererziehung in der Freizeit gebracht.
Richard Wagner und Bayreuth. 84 Bilder, eingeleitet von Prof. Dr.
Oscar Bie. Schaubücher Bd. 27. Herausgeber Dr. Emil Schaeffer.
Geb. 2,40 RM., 3 Fr. Orell Füßli Verlag, Zürich und Leipzig
Dieſes jüngſte Schaubuch, das Oscar Bie, der Verfaſſer des bei=
nahe
ſchon klaſſiſchen Werkes Die Oper herausgegeben hat, ſchildert
Wagners Wirken in Bayreuth und die Entwicklung des Bahreuther
Gedankens von ſeinen Anfängen bis zur Gegenwart durch 84 Bilder,
von denen keines gleichgültig oder belanglos iſt. Jedem kommt eine
theater= oder muſikgeſchichtliche, den meiſten überdies eine kunſt= und kul=
turhiſtoriſche
Bedeutung zu, und ihnen allen gereicht das neue große
Format der Schaubücher hinſichtlich der Wirkung natürlich zum Vorteil.
Auch durch Bayreuth werden wir geführt, damit wir begreifen, warum
ſich Wagner gerade dieſen wunderlieblichen Winkel zur Stätte ſeines
letzten Schaffens und Ruhens erkoren hat.

Ft. Egelhaafs Hiſtoriſch=politiſche Jahresüberſicht für 1930. Heraus=
gegeben
von Friedrich Neubauer. 23. Jahrgang. Verlag
Carl Krabbe (Erich Gußmann) in Stuttgart, 1931. 372 Seiten.
Das bekannte Jahrbuch, das ſelbſtverſtändlich wieder durch ein ſehr
eingehendes Namen= und Sachverzeichnis ergänzt wird, iſt nun zum
23. Male erſchienen und wird ſich als der bewährte neutrale Führer
durch die Irrgänge in Politik und Wirtſchaft des vergangenen Jahres
bewähren. Auch dem eifrigſten Zeitungsleſer, auch dem, der ſich Aus=
ſchnitte
macht oder zuſenden läßt, iſt es unmöglich, alle wichtigen Vor=
gänge
zu verfolgen und wieder aufzufinden, wenn er ſie braucht. Hier
greift das Jahrbuch, deſſen objektive, leidenſchaftsloſe und darum vor=
treffliche
Sachdarſtellung bekannt iſt, ein und vermittelt in zuſammen=
hängenden
Kapiteln eine gut und kurz, doch ausführlich genug gefaßte
e berſicht über die außenpolitiſchen und innenpolitiſchen Fragen, die das
Jahr 1930 in Bewegung ſetzte, wie ſchließlich über alle wichtigen Vor=
gänge
im Ausland. Beſonders eingehende Behandlung haben die deut=
ſchen
parlamentariſchen Kämpfe und die Völkerbundstagungen erfahren.
Die Ueberſicht über das Ausland erſtreckt ſich auf die Vorgänge in allen
Welteilen. Sparſam eingeſtreute ſtatiſtiſche Angaben vermehren den
Wert des Jahrbuches,

[ ][  ][ ]

Seite 4

Freitag, den 14. Auguſt 1931

Nummer 224

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[ ][  ][ ]

Nummer 224

Seite 5

Darmſtadt, den 14 Auguſt 1931
* die Direkiorſtelle an der Eleonorenſchule.
Wie wir aus Elternkreiſen hören, iſt um die Wiederbeſetzung
dieſer Stelle eine lebhafte Erregung entſtanden. Veranlaſſung
gab dazu das ſchon mündlich verbreitete, dann aber von einer
bieſigen Wochenſchrift aufgegriffene Gerücht, der junge Direktor
einer höheren Handelslehranſtalt in Mainz, Herr Dr. M., habe
erklärt, das Ausſchreiben der Stelle ſei nur eine Formſache, er
habe die Ernennung ſchon ſo gut wie in der Taſche. Sollte Herr
Dr. M. dieſe Aeußerung wirklich getan haben, ſo hat er damit dem
Herrn Staatspräſidenten eine Handlungsweiſe zugetraut, deren
wir ihn nicht für fähig halten. Wir wenigſtens und gewiß viele
unſerer Mitbürger glauben nimmermehr, daß Herr Dr. Adelung
als Kultusminiſter eine Stelle von dieſer Bedeutung zu der
ſich doch wohl auch erfahrene und in Jahrzehnten erzieheriſcher
Arbeit erfolgreich tätige Schulmänner melden werden einem
jungen Parteigenoſſen verſprochen haben ſollte und ſie trotzdem
noch zum Scheine habe ausſchreiben laſſen.
Allerdings brachte die erwähnte Wochenſchrift eine zweite
Mitteilung über die im Abbau befindliche Handelslehranſtalt in
Mainz mit der Bemerkung, ſie ſei von amtlicher Stelle darüber
aufgeklärt worden. Hier lehnen wir wieder die Auffaſſung ab,
dieſe amtliche Stelle ſei etwa das Miniſterium für Kultus und
Bildungsweſen. Wollten wir boshaft ſein, ſo könnten wir eher
meinen, die amtliche Stelle ſei vielleicht die gewiß gut unterrich=
tete
amtliche Direktion der Mainzer Anſtalt.
Uebrigens dürfen wir darauf hinweiſen, daß vor Jahren ein
Oberſtudiendirektor aus Alzey einige Zeit in voller Zufriedenheit
mit dieſer Entwicklung am hieſigen Realgymnaſium als Ober=
ſtudienrat
tätig war. Was einem Oberſtudiendirektor möglich
war, damit könnte ſchließlich auch ein junger Studiendirektor ſich
unächſt einmal begnügen.
Unter den Bewerbern man ſpricht von beinahe einem
Dutzend werden auch Leute hieſiger Anſtalten genannt. Wir
dürfen erwarten, daß ein Kultusminiſterium das Ausſchreiben
einer derartigen Stelle ernſt meint man hat auch wiederholt
das Ausſchreiben ſchon unterlaſſen und ſolche Stellen kurzerhand
jeſetzt und die ernſtgemeinten Bewerbungen verdienter Schul=
nänner
einer ebenſo ernſtgemeinten Prüfung unterwirft. Es
vill uns daher ſcheinen, als ſei eine Erregung der Elternſchaft
unächſt noch unbegründet.
Dazu kommt, daß für die hieſigen höheren Mädchenſchulen
ein Kuratorium beſteht, das vor der Entſcheidung zu hören iſt.
Vorſitzender iſt der Oberbürgermeiſter. Er wird ganz gewiß ſich
ticht von den Sorgen um das Unterbringen des jungen Studien=
ſirektors
der Mainzer Lehranſtalt leiten laſſen, ſondern die
ſieſigen Verhältniſſe berückſichtigen und die Wünſche der Eltern=
chaft
der Eleonorenſchule beachten. Dazu liegt für ihn um ſo
nehr Veranlaſſung vor, als die Stadt ja das Haus gebaut hat
ind unterhält, ſämtliche ſachliche Ausgaben und die Hälfte der
ſerſönlichen Koſten zu tragen hat. Ferner iſt aus dieſem Grunde
er Stadtrat zu hören. In dieſer Körperſchaft ſitzen gewiß Leute,
ie imſtande ſind, die berechtigten Belange der Elternſchaft
ſeutlich zu vertreten. Schließlich aber beſteht an der Eleonoren=
chule
ein von den Eltern ſelbſt gewählter Beirat. Wir würden
ieſe neue Einrichtung für vollſtändig überflüſſig halten, wenn
er Elternbeirat gerade bei dieſem wichtigen Punkte ſchweigen
vollte. Wir dürfen wohl mit gutem Grund annehmen, daß der
Elternbeirat ſeine Pflicht getan und die Wünſche der Elternſchaft
em Miniſterium für Kultus und Bildungsweſen, alſo dem Herrn
Staatspräſidenten ſelbſt, vorgetragen hat.
Zuſammenfaſſend müſſen wir ſagen, es will uns ſcheinen, die
Erregung über eine Aeußerung eines der vielen Bewerber, die
nehr dem Wunſch als der Tatſache entſpringt, iſt eigentlich gegen=
tandslos
. Man muß doch auch zu Perſönlichkeiten Vertrauen
ſaben und nicht von vornherein annehmen, daß wirklich allent=
ſalben
das noch etwas neue Parteibuch Ausſchlage gibt. Jeden=
alls
gibt uns eine nun doch ſchon jahrelange Beobachtung guten
brund zu einer höheren Einſchätzung des derzeitigen Kultus=
niniſters
, des Herrn Staatspräſidenten Dr. Adelung.

Ernannt wurde: am 28. Juli; der Kanzleigehilfe Johann
tptiſt Veit in Mainz zum Kanzliſten bei der Hebammenlehr=
nſtalt
Mainz mit Wirkung vom 1. September 1931 an;
4. Auguſt: der Studienreferendar Franz Valentin in
ainz zum Studienaſſeſſor mit Wirkung vom 1. Oktober 1931 an;
irch Entſchließung des Miniſteriums für Kultus und Bildungs=
ſen
der Studienreferendar Fritz Kiſſel in Darmſtadt zum
udienaſſeſſor mit Wirkung vom 1. Oktober an.
In den Ruheſtand verſetzt wurden: am 5. Auguſt: der
ieſenmeiſter im einſtweiligen Ruheſtand Martin Hils=
eimer
VIII zu Lampertheim vom 1. September 1931 an; auf
rund des § 1 des Geſetzes über die Altersgrenze der Staats=
amten
vom 2. Juli 1923 bzw. 19. Dezember 1923 in der Faſ=
ng
des Geſetzes vom 8. Oktober 1925 (Reg.=Bl. S. 249) der
hrer Aloys Gärtner an der Volksſchule zu Harxheim, Kreis
ainz mit Wirkung vom 1. September 1931 an; auf Grund des
rtikels 14 des Polizeibeamtengeſetzes vom 31. März 1928 der
olizeimeiſter Wilhelm Semmler zu Darmſtadt mit Wirkung
m 1. September 1931 an.
Evangeliſch=kirchliche Nachrichten. Durch die Kirchenregie=
ng
wurde dem Pfarrer Philipp Schultheiß zu Fürfeld die
Langeliſche Pfarrſtelle zu Hangen=Weisheim, Dekanat Alzey,
bertragen.
Turngemeinde Beſſungen 1865 e. V. Darmſtadt Wander=
keilung
. Wiederum ſteht eine Wanderung auf der Tagesord=
ing
, und zwar für Sonntag, den 16. Auguſt ds. Js. Auch bei
eſer Wanderung hat man dem Odenwald den Rücken gekehrt
nd will ſich etwas in der Maingegend umſehen. Es iſt deshalb
n den Führern vorgeſehen, von Egelsbach zu Fuß nach Schloß
olfsgarten zu marſchieren, um dort den Park uſw. zu beſichtigen.
on hier geht es weiter über Walldorf nach Groß=Gerau. Unter=
egs
iſt ſebſtverſtändlich die nötige Raſt eingelegt Obwohl die
(arſchzeit etwa 4½ Stunden beträgt, iſt dieſe Wanderung nicht
eſchwerlich, und es können auch ganz gut Aeltere und weniger
* Marſchfähige ſich beteiligen. Sollten die Aelteren es vor=
ehen
, die günſtige Fahrgelegenheit zu benützen, ſo können ſie
kweder direkt nach Groß=Gerau (Gaſthaus Zur Krone) oder
ikerwegs von Walldorf aus noch Groß=Gerau fahren. Die
Uhrer haben für dieſe Wanderung die Abfahrt auf 6.46 Uhr ab
lobahnhof oder ab Hauptbahnhof 7.02 Uhr vormittags angeſetzt.
ie Teilnehmer werden gut daran tun, frühzeitig zu erſcheinen,
die Fahrkarten nach Egelsbach löſen zu können. Ferner
Urfte es ſich empfehlen, ſich auf Ruckſackverpflegung einzurichten.
Liederbücher ſind ſelbſtverſtändlich immer dabei.
Die neue Nelſon=Revue. Der rote Faden, Text von Mar=
Aus Schiffer und Friedrich Holländer, Muſik von Rudolf Nelſon,
Td am Dienstag, den 18., und Mittwoch, den 19. Auguſt, abends
Uhr, im Kleinen Haus unter perſönlicher Leitung des Kom=
iſten
vorgeführt. Dem ausgezeichneten Enſemble gehören
athe Erlholz, Grete Weiſer, Lotte Dewis, Fritzi Schadl. Wil=
im
Bendow, Harry Gondi, Karl Heinz Horſten und die Nelſon=
rls
an. Der Vorverkauf zu kleinen Preiſen (1. bis 3. RM.)
eginnt am Samstag, den 15. Auguſt.

Freitag, den 14. Auguſt 1931

Die Vorbereikungen für die Junsbruck=Meſſe.
Man ſchreibt uns: Bei der Firma Darmſtädter Seifenfabrik
A.=G. herrſcht Hochkonjunktur. Angſtkäufe? Nein! Solche
Wirtſchaftsſorgen kennt dieſes Unternehmen nicht, denn es han=
delt
ſich nicht um eine richtige Firma, ſondern um eine Uebungs=
firma
für junge Kaufleute, wie ſie der Deutſchnationale Hand=
lungsgehilfen
=Verband ſeit 1919 im In= und Ausland für die be=
rufliche
Weiterbildung ſeiner Lehrlinge und Junggehilfen ge=
ſchaffen
hat. Dieſe Scheinfirmen halten am 15 und 16. Auguſt
ds. Js. anläßlich des 5. Reichsjugendtages des Bundes der Kauf=
mannsjugend
im D.H.V., der wieder unter dem Grenzlandgedan=
ken
ſteht, ihre
4. Reichs=Scheinfirmen=Meſſe
ab. Daran beteiligt ſich auch die hieſige Scheinfirma des D.H.V.
Deshalb dieſer Hochbetrieb! Es ſind die letzten Vorbereitungen
zu treffen. Das Ausſtellungsgut muß auf den Weg gebracht
werden. Es iſt ſchwieriger als bei der Leipziger Meſſe, wo jede
Firma mit ihren Muſterkollektionen anrückt. Die Reichsleitung
der Scheinfirmen in Hamburg hat die Verwendung von irgendwie
entliehenen Warenmuſtern unterſagt. Sie fordert, daß die Lehr=
linge
und Junggehilfen der Ausſtellerfirmen ſich am Plakat=
wettbewerb
anläßlich der Scheinfirmenmeſſe beteiligen, alſo
in Wort und Bild für die Erzeugniſſe und Waren ihrer Firma
werben. Daneben iſt ein genauer Einblick in die Organiſation
und Arbeitsweiſe jeder Firma zu vermitteln. Die Bedingungen
ſind nicht leicht zu erfüllen. Deshalb heißt es ſchaffen, denken
und planen, um gegenüber der Konkurrenz und vor den kriti=
ſchen
Augen der anweſenden Berufspädagogen zu beſtehen. Es
geht nicht nur um die Berufsehre des einzelnen, ſondern um die
Ehre der Firma. Die Darmſtädter Seifenfabrik A.=G. iſt auf
der Meſſe vertreten. Insgeſamt ſind 94 Ausſtellungskojen vor=
handen
.

Das beſte Mittel gegen völlig ermüdete und ſchmerzende Füße
iſt heißes Waſſer, dem man ein wenig Eſſig zufügt. Wer die Wir=
kung
dieſes Mittels noch nicht erprobt hat, wird beſtimmt bei
einem Verſuch ſeine Erwartungen bei weitem übertroffen ſehen.
Die heißen Fußbäder, die vorwiegend morgens und abends ge=
nommen
werden, ſollen etwa die Dauer von zwei Minuten haben.
Heiße Fußbäder, die allerdings eine etwas längere Dauer haben
müſſen, ſind vorzüglich geeignet, uns von Kopfſchmerzen zu be=
freien
, da ſie den Blutandrang im Kopf beheben und ablenken.
Nach dem Bad werden die Füße recht kräftig trocken maſſiert und
es folgt, oder es ſoll wenigſtens eine halbſtündige Arbeitspauſe
folgen. Die gleiche Wirkung der Kopfſchmerzenlinderung geht von
heißen naſſen Nackenumſchlagen aus. Zahnſchmerzen können be=
kanntlich
bis zur Verzweiflung treiben. Solange wir uns nicht
in ärztliche Behandlung begeben können, bietet uns heißes Waſſer
ſeine ſchmerzlindernde Kraft an. Wir tauchen ein weiches Tuch
in recht heißes Waſſer und drücken es darauf wieder aus. So heiß,
wie wir dieſen Umſchlag vertragen können, legen wir ihn auf die
ſchmerzende Backe. Bald wird dieſe feuchte Hitze bewirkt haben,
daß die von den in Mitleidenſchaft gezogenen Nerven ausgehen=
den
Schmerzen nicht nur gelindert werden, ſondern vollſtändig
wieder verſchwunden ſind. Bei krampfartigen Unterleibs= und
Magenbeſchwerden gehören heiße feuchte Umſchläge zu den nie
verſagenden Mitteln. Damit die feuchte Wärme recht lange er=
halten
bleibt, legt man über den Umſchlag ein Stück Guttapercha
oder Billroth=Battiſt und darüber eine dicke wollene oder Flanell=
decke
. Auf die ſchmerzlindernde Wirkung eines feucht=heißen Um=
ſchlages
kann man ſich bei einer Kolik ſtets verlaſſen. Auf un=
ſchädliche
Weiſe wird überflüſſiger Fettanſatz an Leib und Hüften
durch feucht=heiße Umſchläge wieder beſeitigt. Wenn man dieſe
Umſchlage zum Zweck einer Fettbeſeitigungskur regelmäßig wie=
derholt
, ſo iſt ihr Erfolg beſtimmt größer als der Erfolg des
Opfers der Enthaltſamkeit und der Diät. Die heißen Umſchläge
können unmittelbar vor dem Einſchlafen gemacht werden, da von
den heißen Umſchlägen eine ſchweißtreibende Wirkung ausgeht.
Im Bett iſt aber die Gefahr der Erkältung infolge Abkühlung am
geringſten. Zu einer ſolchen Entfettungskur gehört allerdings
etwas Geduld, vor vier Wochen laſſen ſich nur ſelten merkliche Ge=
wichtsabnahmen
feſtſtellen. Hungern und Durſten ſind die gefähr=
lichſten
Hilfsmittel, zu denen wir nie greifen ſollten, wenn wir
unſer Körpergewicht herabſetzen wollen. Unwillkürlich drängt ſich
uns an dieſer Stelle die Frage auf, ob es gut iſt, ſich das Geſicht
regelmäßig mit heißem Waſſer zu waſchen. Dieſe Frage iſt grund=
ſätzlich
zu verneinen, mag die Haut an und für ſich trocken oder
fettig ſein. Sehr empfehlenswert ſind dagegen heiße Waſchungen
in größeren zeitlichen Abſtänden zwecks einer beſonders gründ=
lichen
Reinigung des Teints. Mit der vorzüglichen Reinigung
der Poren verbindet ſich eine angenehme Anregung des Blutkreis=
laufes
der Geſichtshaut. Zu oft dürfen die heißen Waſchungen je=
doch
nicht vorgenommen werden, damit ſich die Poren nicht allzu
ſehr erweitern. Wir empfehlen, zwiſchen den gründlichen Rei=
nigungen
der Geſichtshaut mit heißem Waſſer jeweils einen Zwi=
ſchenraum
von vier Wochen vergehen zu laſſen. An letzter Stelle
erwähnen wir die heißen Umſchläge als Linderungsmittel bei
Halsſchmerzen. Wir konnten bei weitem nicht alle vorteilhaften
Wirkungen des heißen Waſſers auch nur annähernd erſchöpfend
aufzählen, dazu ſind ſie zu zahlreich. Die Heilwirkung, die von
heißem Waſſer ausgeht, iſt ſchon ſeit altersher bekannt. Wir haben
Berichte aus den Zeiten der Römer, die uns erzählen, wie ſchon
damals die Heilkraft mancher Quellen, ſogenannter Thermalquel=
len
, die lediglich auf ihrer Temperatur beruhte, ausgenutzt wurde.

Heſſiſches Rotes Kreuz. Im Kindererholungsheim des
Heſſiſchen Roten Kreuzes in Bingenheim (Oberheſſen) ſind für
die am 22. Auguſt dieſes Jahres beginnende Mädchenkur, zu der
Mädchen im Alter von 614 Jahren Aufnahme finden, noch
einige Plätze frei. Anmeldungen haben baldigſt bei der Geſchäfts=
ſtelle
des Alice=Frauenvereins, Dieburger Straße 21 ( Sprechſtun=
den
vormittags), zu erfolgen, wo auch die erforderlichen Auf=
nahmeformulare
zu erhalten ſind. Die Kurkoſten betragen 3.
RM. täglich, alſo 90. RM. für die 30 Tage dauernde Kur. Im
Bedürftigkeitsfalle kann vom Heſſiſchen Roten Kreuz ein Zuſchuß
bis zu 45 RM. gewährt werden. Entſprechende Anträge ſind
bei der Anmeldung mündlich oder ſchriftlich zu ſtellen. Auch
für die vom 26. September bis 26. Oktober ſtattfindende letzte
Knabenkur, zu der Knaben im Alter von 610 Jahren aufgenom=
men
werden können, ſind noch Anmeldungen möglich. Dieſe Kur
fällt in die Zeit der heſſiſchen Herbſtferien.
Sommerſpielzeit Bruno Harprecht im Heſſ. Landestheater.
Nur noch 2 Aufführungen, und zwar am heutigen Freitag und
morgigen Samstag, finden von der mit ſtürmiſchem Erfolg ge=
gebenen
Schwank=Neuheit Das öffentliche Aergernis, die ſich.
wie nicht anders zu erwarten, als außerordentlicher Schlager er=
wies
, ſtatt. In beiden Aufführungen ſpielt Bruno Harprecht
noch einmal ſeine neueſte Rolle, den Konſul Pietſch, mit der
er wiederum einen Sondererfolg für ſeine Kunſt bei Preſſe und
Publikum erzielte.
Das Jugendzelt iſt da! Man ſchreibt uns: Nicht weit vom
eiligen Betrieb des vorbeihaſtenden Verkehres der Landgraf=
Georg=Straße iſt auf dem Meßplatz ein eigenartiger Bau mit
weitem Rund errichtet worden. Er bietet Raum fur 2000 Per=
ſonen
und ſoll allabendlich zu Vorträgen dienen, die ſich an Men=
ſchen
wenden, die da hungern und dürſten nach Wahrheit und
Gerechtigkeit. Das Zelt iſt erwachſen aus dem Bewußtſein
der Verantwortung an deutſche Jugend. Die Jugend hat
dieſes Zelt mit eigenen Mitteln erworben und unterhält es, um
den Tatbeweis ihres Glaubens an die Zukunft unſerer Jugend zu
erbringen. Es iſt weder eine Sache der Politik, von der im Zelt
geſprochen wird, noch irgend einer Geldmacht, ſondern einzig
und allein die Wahrheitsmacht des Evangeliums. Evangelium
heißt: Frohe Botſchaft! Dies ſoll im Zelt verkündigt wer=
den
. Wir haben in unſeren Tagen ſo viel Leid und Jammer zu
ſtillen. Auf der Schattenſeite des Lebens verkümmern freudlos
Alte und Junge. Da gilt es, ein inneres Feuer anzuzünden, das
die Herzen erhellt und mit Freude und Kraft erfüllt. Dieſe Zelt=
miſſion
iſt Jugendarbeit. Darum iſt ſie friſch und ſonnig.
Alle evangeliſchen Jugendverbände der Stadt und darüber hinaus
haben ſich als Mitarbeiter an dieſem gemeinſamen Werk zu=
ſammengefunden
. Vom 16.31. Auguſt 1931, jeden Abend um
8.30 Uhr, werden über brennende Jugend= und Lebensfragen Vor=
träge
gehalten unter Mitwirkung von Poſaunen= und Geſangs=
chören
. Namhafte Redner werden zu Worte kommen. Die Er=
öffnung
des Jugendzeltes findet am Sonntag, den 16. Auguſt,
nachmittags 4 Uhr, ſtatt, zu der jedermann herzlich eingeladen iſt.
Vertreter der Behörden und Jugendverbände werden ein Gruß=
wort
ſprechen. Von den Vortragsthemen ſeien einige ſchon heute
genannt: Zukunftsſtaat und neue Menſchheit Empor zum
Licht‟: Die Sprache Gottes im Weltgeſchehen. Auch Aufklärung
über ſittliche Nöte und Fragen unſerer Zeit ſollen gegeben wer=
den
. Nähere Ankündigung hierüber folgt noch.

Mit der Reichsbahn nach Oberbayern.
Um weiteſten Kreiſen Gelegenheit zu geben, für wenig Geld
die Schönheiten Münchens, die Pracht bayeriſcher Königſchlöſſer
und die Majeſtät der bayeriſchen Alpen kennen zu lernen, wird
die Reichsbahndirektion Mainz vom 1. bis 7. September einen
Sonderzug fahren, bei dem die Fahrpreiſe für die Hin= und Rück=
fahrt
um 40 v. H. ermäßigt werden. München die Eingangs=
pforte
zu den bayeriſchen Alpen, das Jſarathen mit ſeinen hervor=
ragenden
Kunſtſchätzen, bildet den erſten Abſchnitt der Sondere
fahrt. Der auf der Schnellzugſtrecke MünchenSalzburg ge=
legene
freundliche Ort Prien, der Hafenplatz des Chiemſees,
des bayeriſchen Meeres wo der Fremdenverkehr auf hoher
Stufe ſteht und deſſen Einrichtungen nachahmenswert ſind bildet
das nächſte Ziel. Ein Waldfeſt im Naturpark zu Prien oder ein
Seefeſt auf dem Chiemſee werden dem Teilnehmer unver=
geßlich
bleiben. In Prien wo einmal übernachtet wird, iſt der
Ausgangspunkt zu den Dampferfahrten auf dem herrlichen
Chiemſee, zum Beſuch der beiden Eilande, der Herreninſel, auf
der Ludwig II. das mit überwältigender Pracht ausgeſtattete
Schloß Herrenchiemſee erbaut hat, und der Fraueninſel, des
kleinen lieblichen Reiches der ehemaligen Aebtiſſin Irmingard,
der Tochter König Ludwig des Deutſchen, der Urenkelin Karls
des Großen, die 1928 ſelig geſprochen wurde. Das dritte Ziel
bildet Berchtesgaden. Zwiſchen hochragenden Bergen, unter
denen der Watzmann und das ſteinerne Meer beſonders ein=
drucksvoll
wirken, liegt das Berchtesgadener Tal. Das Berchtes=
gadener
Land iſt eines der prächtigſten Schauſtücke der Alpen,
eine Perle des an Naturſchönheiten ſo reichen Bayernlandes.
Aus dieſem Paradies heraus erhebt ſich ſchmuck, wie ein Rieſen=
ſpielzeug
, in maleriſchem Aufbau das Standquartier Berchtes=
gaden
ſelbſt, ein entzückender Gebirgsort, wohl der charakte=
riſtiſchſte
, eigenartigſte, des ganzen bayeriſchen Berglandes. Ein
nahezu 4½tägiger Aufenthalt bietet Gelegenheit zu Wanderun=
gen
kleinen und großen Ausflügen zu Fuß oder mit Geſellſchafts=
kraftwagen
der Reichspoſt in die herrliche Gebirgslandſchaft,
Einen ſeiner Glanzpunkte bildet der Königſee, wohl der
ſchönſte Gebirgsſee Deutſchlands. Gemeinſame Führungen Be=
ſichtigungen
werden auf das unbedingt notwendige Maß be=
ſchränkt
werden, damit die perſönliche Freiheit des einzelnen
nicht beeinträchtigt wird. Da der Sonderzugfahrpreis gegenüber
dem normalen Fahrpreis um 30 RM. geringer iſt, auch ſonſt im
Intereſſe aller Teilnehmer weſentliche Ermäßigungen erzielt
wurden, iſt anzunehmen, daß von der äußerſt günſtigen Gelegen=
heit
reichlich Gebrauch gemacht und ſomit auch die Deutſche
Reichsbahn in ihrem Beſtreben, allen Volksgenoſſen Gelegenheit
zu geben, unſer Vaterland in ſeiner Schönheit und Größe kennen
zu lernen, unterſtützt wird.

* Die ſechskägige Heag=Bayern=Reiſe.
Wir erhalten von Teilnehmern folgenden Bericht:
Am vergangenen Sonntag war es uns vergönnt, die gut
vorbereitete 6tägige Reiſe im ſtoßfreien Dreiachſer=Allwetter=
Großkraftwagen der Heſſiſchen Eiſenbahn=A.=G. anzutreten. In
flotter Fahrt führte der Weg über HeidelbergBruchſal Pforz=
heim
durch das herrliche Nagold=Tal nach Bad Liebenzell. Nach
einer kurzen Beſichtigung der dortigen Kuranlagen wurde das
durch den Reiſeleiter vorbereitete Mittageſſen eingenommen, ſo
daß wir bereits um 13 Uhr die Weiterfahrt über NagoldHorb
Sigmaringen nach Ueberlingen am Bodenſee fortſetzen konnten.
Schon der erſte Tag war dank der ſchonen Landſchaft ein Genuß,
der nicht jedem im Berufsleben Stehenden vergönnt iſt. Leider
hatte der Wettergott am Bodenſee wenig Erbarmen, denn das
für uns vorbereitete kleine Strandfeſt mußte infolge ſtarken
Regenfalls abgeſagt werden. Um ſo mehr gab es am zweiten
Reiſetag in Friedrichshafen große Ueberraſchungen, indem die
Zeppelinwerft die geſamten Reiſeteilnehmer zu einer Beſichtigung
des Luftſchiffes Graf Zeppelin eingeladen hatte. Es war ein
herrliches Gefühl, die deutſche Technik bewundern zu dürfen und
vor allen Dingen die techniſchen Einzelheiten erklärt zu bekom=
men
. Ueber Lindau fuhren wir durch das Allgäu nach Immen=
ſtadt
und trafen gegen 13 Uhr nachmittags in Sonthofen im All=
gäu
ein. Nach kurzen Formalitäten auf dem dortigen Bezirksamt
wurde uns innerhalb weniger Minuten die Einreiſe=Erlaubnis
nach Tirol erteilt. Nun begann für uns ein Staunen über die
wunderſchönen Landſchaftsbilder, die während der Fahrt über die
1200 Meter hohe Jochſtraße uns dort geboten wurden. Ein Ueber=
winden
dieſer Steigung war nicht nur dem guten Wagenmaterial
der Heag zu verdanken, ſondern auch den beiden überaus geſchick=
ten
Fahrern. Durch Ueberfüllung der einzelnen Kurorte waren
wir gezwungen, in Reutte in Tirol zu übernachten, wo wir dank
der raſchen Organiſation der Reiſeleitung vortrefflich unter=
gebracht
waren. Am anderen Morgen wurden die Königsſchlöſſer
Hohenſchwangau und Neuſchwanſtein beſichtigt. In Hohenſchwan=
gau
wurde von einer Innenbeſichtigung Abſtand genommen, da
der Eintrittspreis für die einzelnen Schlöſſer ſo hoch bemeſſen iſt,
daß es ſich mancher nicht erlauben kann. mehrere Königsſchlöſſer
zu beſichtigen. Eigentlich müßten derartige Bauwerke ſchon zu
einem mäßigen Satze zu beſichtigen ſein, als wie bisher zu einem
einfachen Eintritt 3. RM. verlangt werden. Nachdem wir
morgens von der Zugſpitzbahn in Ehrwald (Tirol) eine beſondere
Vergünſtigung eingeräumt erhielten, haben wir uns entſchloſſen,
nachmittags Deutſchlands höchſten Gipfel, die Zugſpitze (2998
Meter), mit der Seilbahn zu befahren. Noch am gleichen Tage
wurde die Rückfahrt über den Walchenſee nach München angetre=
ten
. In München ſelbſt fanden wir eine hervorragende Unter=
kunft
und vergnügte Stimmung am darauffolgenden Tage in
dem bekannten Bräuſtübchen Zum Platzl wo der allſeits ſo
beliebte Komiker Weißferdl dazu beitrug, uns in der richtigen
Stimmung zu erhalten. Nun Scheiden tut weh, und um dieſes
zu verhindern wurde die Rückfahrt über den Starnberger= und
Ammer=See gelegt. Nun geht es wieder der Heimat Darmſtadt
über Stuttgart-HeilbronnEberbach-Michelſtadt entgegen. wo
wir am Freitag gegen 10 Uhr abends in Darmſtadt am Heag=
Haus eintreffen werden.
Es wird für die gut harmonierende Reiſegeſellſchaft, die ſich
am 6. Auguſt mit insgeſamt 50 Perſonen am Heag=Haus ein=
gefunden
hatte, beſtimmt ein wehmütiges Scheiden werden, wenn
der Wagen am Freitag abend in Darmſtadt einläuft Jedoch die
Erinnerungen an dieſe herrliche 6tägige Alpenfahrt, die dank der
muſtergültigen Reiſeleitung und dem glänzenden Wagenmaterial
der Heag, ausgeſtattet mit den zuverläſſigſten Fahrern, ſo vor=
trefflich
verlaufen iſt, werden ſtets in jedem Teilnehmer wach=
hleiben
. Wir wir ſoeben erfahren, findet von Dienstag, den 1.,
bis Sonntag, den 6. September, eine Wiederholung dieſer 6 tägi=
gen
Bayernreiſe ſtatt, die wir heute ſchon aufs beſte empfehlen
Dr. M
können.

Ausflugsſonderzug nach Eiſenach. Der von der Reichsbahn=
direktion
Mainz vom 15 bis 16. Auguſt in Ausſicht genommene
Ausflugſonderzug nach Eiſenach wird beſtimmt verkehren. Die
Fahrpreiſe zur Fahrt mit dieſem Sonderzug ſind um 50 v. H. er=
mäßigt
worden. Der Verkauf wird geſchloſſen, ſobald die zur
Verfügung ſtehenden Plätze vergriffen ſind.
v. Erſparniſſe bei Bauvorhaben. Die Beibringung amt
licher Lagepläne kann von der Baupolizei erlaſſen
werden, wenn es ſich um Bauvorhaben von unterge=
ordneter
Bedeutung handelt bei denen die Koſten der
Anfertigung eines amtlichen Lageplanes in keinem Verhältnis
zur Bauſumme ſtehen und nach Lage der Bauſtelle ein öffent=
liches
Intereſſe an einer amtlichen Grenzfeſtſtellung nicht vor=
liegt
. Ob letzteres vorliegt, iſt im Benehmen mit dem Vermeſ=
ſungsamt
feſtzuſtellen.

Warnung vor einer Verſicherungsbetrügerin. In den letzten
Tagen ſuchte in verſchiedenen heſſiſchen Städten eine angebliche
Vertreterin des Beyer=Verlages alleinſtehende Frauen auf und
verpflichtete ſie zum Austragen der wöchentlich erſcheinenden
Beyerſchen Modehefte. Unter dem Verſprechen, die Hefte
würden von der Buchhandlung Heil in Mainz geliefert und es
ſeien bereits zahlreiche Bezugsmitglieder am Ort vorhanden und
ſie vergüte für das Heft 10 Rpfg. Trägerlohn, forderte ſie die
Frauen auf, Bezugsmitglied zu werden und die im Bezug der
Zeitſchrift eingeſchloſſene Verſicherung zu bezahlen. Sie erſchwin=
delte
ſich auf dieſe Weiſe in mehreren Fällen je 3. RM. Be
ſchreibung der Betrügerin: 25 Jahre alt. 1.60 Meter
groß, ſchlank, bleiches, längliches Geſicht, auffällig hellblond ge=
lockter
Bubikopf, roſafarbiges Waſchkleid und helle, ärmelloſe
Strickjacke; ſie trug eine ſchwarze Aktentaſche und ein vergriffenes
Beyerheft bei ſich, das ſie den Geſchädigten jeweils vorzeigte. Sie
traf ſich ſpäter mit einem jungen Manne, der vermutlich mit ihr
reiſt. Beſchreibung des jungen Mannes: 25 Jahre
alt, 1.68 Meter groß ſchlank blondes Haar, glattraſiert, hell=
grauen
Knickerbocker=Anzug. Wie nunmehr bekannt wird, benutzt
die Betrügerin auch Verſicherungsmaterial mit dem Firmenſtem=
pel
Baaden. Bingerbrück, Buchhandlung und Zeitſchriftenverlag,
Das Landeskriminalpolizeiamt warnt hiermit vor der Betrügerin
und hittet, bei ihrem Vorſprechen die nächſte Polizei=
ſtation
zu verſtändigen.

[ ][  ][ ]

Seite 6

Freitag, den 14. Auguſt 1931

Nummer 224

Union=Theater.

Zapfenſtreich am Rhein iſt eine ſehr luſtige, ausgezeichnet
geſpielte Tonfilm=Operette, in der Jaap Speyer, der ſehr geſchickt
Regie führt. Epiſoden aus dem Soldatenleben der Vorkriegszeit
zu wirkſamem Operettenſtoff verarbeitet hat. Eine Infanterie=
Regimentskapelle mit klingendem Spiel und ſchneidigem Trom=
melwirbel
marſchiert an der Spitze der 1. Kompagnie auf und
marſchiert mit dieſem klingenden Spiel und dem Parademarſch
der 16er durch die ganze heitere Handlung, die ſie auch mit dem
Zapfenſtreich abſchließt, nachdem alle Mädel den Richtigen be=
kommen
haben. Und in die Manover= und Kaſernenhof=Szenen
hinein ſpielen mehr oder weniger zarte Liebesſzenen und ſolche
aus dem Eheleben, beſonders des Herrn Oberſten, deſſen Gattin
das ſchneidige Regiment führt, in das der flotte Kavallerieleut=
nant
verſetzt wird, zur Strafe dafür, daß er in eine Sängerin
verliebt iſt und Schulden gemacht hat. Die Frau Oberſt
verlobt ihn mit der Tochter des reichen Weingutsbeſitzers die
aber ſelbſtverſtändlich einen anderen liebt, den ſie am Schluſſe
ebenſo ſelbſtverſtändlich auch kriegt, nachdem die bildhübſche und
energiſche Sängerin ihre Gegnerinnen gelegt und durch ein hüb=
ſches
Intrigenſpiel ſich nicht nur den Grafen=Oberleutnant er=
ringt
, ſondern noch alles andere zum guten Ende führt. Wie es
in einer Operette ſein muß, in der es, der Wirkung zuliebe, auf
ein paar militäriſche Unmöglichkeiten nicht ankommt. Es wird
ausgezeichnet geſpielt. geſungen, muſiziert und getanzt. Und es
werden viele hübſche Bilder vom Rhein gezeigt. Charlotte Suſa
Hans Stüwe, Hans Junkermann., Maria Solveg, Ernſt
Verebes Siegfried Arno. Julie Serda und viele andere
ſpielen flott und liebenswürdig. Das Beiprogramm iſt gut und
reichhaltig.

Union=Theater. Zum Abſchluß der Schulferien bringt das
Union=Theater in 2 Sondervorſtellungen für jung und alt eine
Serien=Reihe der urfidelen Micky=Maus, und zwar heute Freitag
und morgen Samstag, nachmittags 2.30 Uhr. Die Eintrittspreiſe
ſind ſehr niedrig gehalten, es wird aber darauf hingewieſen, daß
nur dieſe beiden Vorführungen ſtattfinden. Näheres Anzeige.

Im Helia=Theater ſieht man ab heute Buſter Keaton in
ſeinem neueſten Tonfilm: Buſter rutſcht ins Filmland‟. Es
dürfte intereſſieren, wie ſich Buſter Keaton, der Meiſter der ſtum=
men
Komik, mit einer Sprechrolle er ſpricht übrigens deutſch
abfindet. Im Vorprogramm läuft der als Tonfilm aufgenom=
mene
Boxkampf um die Schwergewichtsmeiſterſchaft der Welt:
Schmeling gegen Stribbling. Die hochdramatiſche und entſchei=
dende
15. Runde wird in Zeitlupenaufnahmen gezeigt. Jugend=
liche
haben Zutritt. Beginn 3.30, 5.45 und 8.20 Uhr.

In den Palaſt=Lichtſpielen läuft ab morgen ein inter=
eſſantes
Doppelprogramm, und zwar wird gezeigt das Bilddrana
aus dem Rußland von 1905: Nach Sibirien ferner Die Affen
von Suchum und Markttag in Marrakeſch.

Ab morgen Samstag, den 15. Auguſt, hat ſich das Orpheum
wieder einen hervorragenden Spielplan verſchrieben, und zwar
wird für die nächſten 8 Tage das großartige Erwin=Pöthig=

Ausſtattungs=Kaleidoſkop Charivari die Be=
ſucher
des Orpheums im Banne halten. Charivari iſt eine etwa

3 Stunden währende Darbietung von verblüffender Vielſeitig=
keit
. Varieté=, Revue= und Kabarett=Darbietungen
jagen in ſtetem Wechſel, ſozuſagen am laufenden Band, in 44 Bil=
dern
im Blitz=Tempo über die Bühne, ſo daß der Zuſchauer tat=
ſächlich
einige Stunden in ſtärkſtem Maße von dem bunten Vie=
lerlei
faſziniert iſt. Der Rhythmus und das Tempo dieſer viel=
ſeitigen
Schau wird durch ein eigenes, virtuoſes Jazz=Orcheſter
wirkungsvoll unterſtrichen. Die Charivari=Revue fand ſoeben in
Köln, woſelbſt ſie im Groß=Varieté Harmonie ein 15tägiges
Gaſtſpiel abſolvierte, ſtärkſten Erfolg und Beifall. Nachfolgend
einige Kölner Preſſe=Auszüge: Stadtanzeiger vom 4 8.
1931: Revue=Senſation in der Harmonie 44 bunt wirbelnde Bil=
der
. Tanz und Ballett zum Jazz der Sinfoniker auf der Bühne,
Exzentrik, Lachſchlager, Sketchs, bunt hineingeſtreut zwiſchen die
ſchalkhafte Lyrik des Waldes Erwachen und die dumpfe Exotik
orientaliſchen Tanzes, Meißner Porzellan aus Girls in allen Far=
benſpielen
. Sansſouci=Idylle, viel Wien, ein Schuß Berlin und
Paris und Hawai, Aſphalt und Salon . .. das rollt wie ein
farbenfroher ſingender, klingender Tonfilm voll jagenden Lebens
über die Bühne Rheiniſche Zeitung: Eine Sache
mit viel Aufmachung, eine bunte Bilderſchau, eine Poſſe ein
Ballettſtück, lebendes Kino, Zirkus. Varieté, eine Schau auf Stim=
mung
und Unterhaltung abzielend, ein buntes, magiſches Kalei=
doſkop
. Super=Revue in der Tat! 30 Mitwirkende um Fritze
Neumann, den blonden Osloer Tanzmeiſter Achim Waa=
den
. Max Jakobs, um Käthe Sellna herum, geben hin=
ter
den wechſelnden Vorhängen ihr beſtes im Anſporn des Bei=
Tagblatt: ...wenn man ſich vom Ganzen eine
falls!
rechte Vorſtellung machen will, muß man es ſehen! ſchil=
lernde
, glänzende, glitzernde, farbenfrohe Koſtüme ſind das Mit=
tel
, Augenweide zu geben. Tanz und Geſang, komiſche Intermezzi,
ſchmiſſige Muſik geben reiche Abwechſlung. Ein Tänzer von Rang
iſt Ballettmeiſter Achim Waaden; Käthe Sellna ragt aus der
Reihe der Girls hervor; ein urgelungener Kauz iſt der Spiel=
leiter
Fritz Neumann, ſeine Vogelſtimmennachahmung iſt ſehr
gut; die Wiedergabe von Feuerwerksgeräuſchen iſt köſtlich. Auf
die Bühnenausſtattung iſt großer Wert gelegt Und ſo weiter.
Die Eintrittspreiſe ſind wiederum zeitgemäß gehalten: tro3z
erhöhter Unkoſten nur von 80. Pfg. bis 2,50 RM. (Siehe An=
zeige
.)

Mittwoch=Sonntagskarten. Im Bezirk der Reichsbahn=
direktion
Mainz werden Sonntagsrückfahrkarten an den Mitt=
woch
=Nachmittagen bei den Fahrkartenausgaben Darm=
ſtadt
, Mainz, Wiesbaden und Worms und den Fahrkartenaus=
gaben
der eingemeindeten Vororte, ſowie bei den Fahrkartenaus=
gaben
der Mannheimer Vororte Friedrichsfeld (Baden) Nord,
Mannheim=Luzenberg, Mannheim=Neckarſtadt und Mannheim=
Waldhof ausgegeben. In den Aushängen auf den Bahnhöfen und
in dem an den Fahrkartenſchaltern zum Preiſe von 10 Rpfg. er=
hältlichen
Merkheft (Verzeichnis der Sonntagsrückfahrkarten, nebſt
wichtigen Beſtimmungen für den Reiſeverkehr) ſind die Verbin=
dungen
, in denen an den Mittwoch=Nachmittagen Sonntagsrück=
fahrkarten
ausgegeben werden, durch einen e gekennzeichnet.

Die bierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchiſeßlich als Hinwelſe auf Anzeigen zu Berrachten.
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritik.

Charlie Fornoff, die weitbekannte Attraktions=
kapelle
, veranſtaltet zum Wochenende im Pfungſtädter Biergarten
Zum Datterich, (Kiesſtraße 27) 3 Sonderveranſtaltungen.
(Näheres heutige und morgige Anzeige.)

Tageskalender für Freitag, den 14. Auguſt 1931.

Heſſ. Landestheater Großes Haus: Geſchloſſen. Kleines
Haus. 20 Uhr: Das öffentliche Aergernis Konzerte:
Zur Oper, Schloßkeller, Sportplatz=Reſtaurant am Böllenfalltor,
Herrngartenkaffee, Schuls Felſenkeller. Datterich. Kino=
vorſtellungen
; Union=, Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.

Gokkesdienſt der Iſrgelikiſchen Religionsgemeinde.

Hauptſynagoge.
Freitag, 14. Aug. Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 15 Min
Samstag, 15 Aug. Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min
Sabbatausgang 8 Uhr 35 Min.
Gottesdienſt an den Wochentagen.
Morgens 7 Uhr Min. Abends 7 Uhr 15 Min.

2n

Samstag, 15. Aug. Vorabend 7 Uhr 10 Min. Morgens
Uhr. Nachmittags 5 Uhr Min. Sabbatausgang 8 Uhr 35 Min
Wochentags: Morgens 6 Uhr Min. Nachmittags 7 Uhr Min

Griesheim, 13. Aug. Verſtärkung des Feldſchutz=
perſonals
. Peter Feuerbach 8. und Valentin Funk 2. von hier
ſind zu Hilfsfeldſchützen ernannt und vom Kreisamt Darmſtadt
verpflichtet worden. Am Donnerstag, den 13. Auguſt, abends
9 Uhr, findet auf dem Rathaus eine Gemeinderatsſitzung mit fol=
gender
Tagesordnung ſtatt: 1. Ankauf eines Geländeſtreifens am
Flurgraben. 2. Baugeſuche zum Bauen außerhalb des Ortsbau=
plans
. 3 Waſſerleitungsangelegenheiten. 4. Waldwirtſchaftsplan
1932. 5. Befreiung der Wohnungsneubauten von der Grundſteuer.
6. Jagdangelegenheiten. 7. Voranſchlag 1931. 8. Anſtellung eines
Schuldieners. 9. Schiedsgerichtsverfahren der Gemeinde. 10. Ver=
ſchiedenes
. 11. Steuer= und Stundungsgeſuche. 12. Wohlfahrts=
fachen
. Die erſte Rate der Aufbringungsumlage für das Rech=
nungsjahr
1931 iſt am 15. Auguſt d. J. fällig. Da jedoch die Feſt=
ſtellung
der Einheitswerte nach dem Stande am 1. Januar 1931.
noch nicht ſtattgefunden hat, kann es ſich am 15. Auguſt d. J. nur
um eine Vorauszahlung, in Höhe desjenigen Betrages handeln,
der am 15. Februar d. J. als zweiter Teilbetrag der Aufbrin=
gungsumlage
für das Rechnungsjahr 1931 zu leiſten war. Ein
entſprechender Beſcheid iſt den Aufbringungspflichtigen in den
letzten Tagen zugeagngen.

Cp. Pfungſtadt, 13. Aug. Ein Pfungſtädter beim
Jüterboger Eiſenbahnunglück. Wie erſt jetzt bekannt
wird, befindet ſich unter den Verletzten des Eiſenbahnunglücks bei
Jüterbog auch ein geborener Pfungſtädter. Es handelt ſich dabei
um den Beamten der heſſiſchen Geſandtſchaft in Berlin, Chriſtoph
Scheuermann von hier. Scheuermann erlitt eine Fußver=
letzung
. Er konnte nach Anlegung eines Verbandes mit dem näch=
ſten
Zuge die Reiſe nach Terlin fortſetzen. Nach den Aufzeich=
nungen
des Standesamtes waren hier im Monat Juli 10
Geburten (5 Knaben und 5 Mädchen), 3 Sterbefälle und 2 Ehe=
ſchließungen
zu verzeichnen.
G. Ober=Ramſtadt, 13. Aug. Die Bezüge der Klein= und So=
zialrentner
für Auguſt werden am Samstag, 15. Auguſt, nur
vormittags von 812 Uhr bei der Gemeindekaſſe ausgejahlt. Am
Sonntag, den 16. Auguſt, vormittags 7 Uhr, findet am Rathaus eine
Feuerwehrübung ſtatt. Alle Mannſchaften der Freiwilligen
und Pflichtfeuerwehr haben hierzu pünktlich zu erſcheinen.
Aa. Waſchenbach, 13. Auguſt. Dienſtjubiläum. Der
hieſige Gemeinderechner Ludwig Adam konnte dieſer Tage auf
eine dreißigjährige Tätigkeit im Dienſte der Gemeinde zurück=
blicken
.

Cg. Reinheim, 13. Aug. Segelfliegergruppe. Die hie=
ſige
Ortsgruppe der heſſiſchen Segelflieger hielt bei Herrn Karl
Arras (Zur Linde) ihre Generalverſammlung ab und hatte zu
dieſem Zwecke alle Freunde des neuen Sportzweiges eingeladen.
Herr Gg. Wilh. Leinert begrüßte die Erſchienenen, gab kurze Er=
läuterungen
über Zwecke und Ziele, worauf die grundlegenden
Wahlen vorgenommen wurden. Geſchäftsführender Vorſtand: Lei=

nert, 1. Vorſ., Vorenberg, 2. Vorſ., Göckel=Spachbrücken, Schrift=
führer
Müller=Reinheim, Rechner. Techn. Ausſchuß: als Schrei=
ner
: Gg. Meyer und Peter Pfaff als Schloſſer: Gg. Herdel. Das
Eintrittsgeld beträgt nun 2 RM., der Pflicht=Baubeitrag, ein=
malig
zu leiſten evtl. in Raten, iſt auf 5 RM. bemeſſen. Nach=
dem
noch der Kaſſier beſtimmt war, wurde darauf hingewieſen,
daß die Ausſtellung baldigſt ſtattfinden müſſe, da der Wettbewerb
ſehr bald ſtattfinden wird. Ausſtellung des faſt völlig fertigen
Flugzeuges ſoll am 18. Auguſt im Hof bei Herrn Arras erfolgen.
Die Taufe, verbunden mit einem intereſſanten Vortrag und Aus=
ſtellung
des fertigen Flugzeuges, wird ſpäter erfolgen und noch
bekanntgegeben. Es ſoll bei kleinerem Eintritt der Oeffentlichkeit
Gelegenheit gegeben werden, ſich ſelbſt ein Urteil zu bilden und
das Intereſſe an der Sache ſoll damit geweckt werden, zumal
Reinheim in ſolch unmittelbarer Nähe den ſchönen Abflugplatz
auf dem Forſtberg hat. Bezirksſparkaſſe. Nachdem ſich
die Bevölkerung auch in den vorangegangenen Wochen durch ein
ſehr beſinnliches Verhalten ausgezeichnet hat, iſt es erfreulich, daß
Whebungen nur noch vereinzelt ſtattfinden, einige größere Ein=
lagebeträge
ſind wieder zurückgefloſſen und auch ſonſtige neue Ein=
lagen
bereits wieder zu verzeichnen. Die Auszahlung von Hypo=
theken
oder die Bewilligung ſolcher wird ſich allerdings zunächſt
noch nicht möglich machen laſſen.
Bf. Brensbach, 12. Aug. Die Meldung, wonach ſich die ab=
handen
gekommenen Schweine in der Dornmühle wieder gefunden
hatten, hat ſich nicht beſtätigt. Vielmehr fehlen die Tiere bis
heute noch.
* Fränkiſch=Crumbach, 13. Aug. Am kommenden Samstag,
den 15. Auguſt, abends, ſpricht hier im Saale Zur Linde in
einer Verſammlung der Nationalſozialiſten Stadtrat Abt aus
Darmſtadt.
Groß=Zimmern. 13. Aug. Auf der Bahnſtrecke zwiſchen hier
und Halteſtelle Spachbrücken hat man geſtern gegen abend einen
jungen Mann im Alter von etwa 19 Jahren tot aufgefunden. Es
handelt ſich um einen Zögling namens Maybach aus der St. Jo=
ſefs
=Anſtalt Klein=Zimmern, der hier anſcheinend den Tod auf den
Schienen ſuchte. Da an der Unfallſtelle einige alte Bahnſchwellen
zur Seite des Bahnkörpers liegen, ſo wurde der Unglückliche vom
Zugperſonal nicht bemerkt. Was das Motiv zu dem Freitod des
jungen Menſchen geweſen iſt, iſt nicht bekannt.
c. Kleeſtadt, 12. Aug. Die Ernte iſt immer noch nicht ganz ein=
gebracht
. Die Dreſchmaſchine iſt nun ſchon 14 Tage auf dem Dreſchplatz
tätig. In dieſer Woche beginnt ſie nun in den Scheunen ihre Tätigkeit.
Br. Seckmauern, 13. Aug. Dem Vernehmen nach ſoll die am
2. Auguſt ſtattgefundene Beigeordnetenwahl, durch den Wahl=
verein
angefochten werden, da Perſonen von ihrem Wahlrecht Ge=
brauch
machten, die noch keine vier Wochen im Orte anſäſſig ſind.
In der letzten Gemeinderatsſitzung, konnte kein Beſchluß gefaßt
werden, da vier Gemeinderäte nicht anweſend waren. Die
Lehrerin Frl. Rink, die über ein Jahr in unſerer Gemeinde tätig
war und ſich durch ihre Einfachheit und Schlichtheit große Wert=
ſchätzuneg
verſchafft hatte, wurde nach Olsheim verſetzt.
Ax. Neuſtadt i. O. mit Burg Breuberg, 13. Aug. Das Kirch=
weihfeſt
, während zweier Tage von ſchönſtem Wetter begün=
ſtigt
, hatte aus der Umgebung und weiteren Entfernung viele
Gäſte angelockt. Man war allgemein erſtaunt, daß trotz der ſchwe=
ren
wirtſchaftlichen Kriſis das Feſt ſo gut beſucht war. Sing=
treffen
. Wir weiſen noch einmal auf das große Jugendtreffen
auf der alten Bergfeſte am 16. Auguſt hin, das unter der Lei=
tung
des Herrn Lic. v. d. Au=Darmſtadt ſteht. Nach vollendetem
Aufmarſch der evangeliſchen Jugend aus dem Mümling= und
Gerſprenztal wird die Feier nachmittags 2 Uhr im großen Burg=
hofe
beginnen.
m. Rothenberg i. O., 13. Auguſt. Verbeſſerte Waſ=
ſerleitung
. Hier und in dem zu uns gehörigen Kortelshütte
zeigte die Waſſerleitung ſchon einige Zeit gewiſſe Mängel, die
nun glücklich beſeitigt ſind. Die uns verſorgende Quelle liegt in
einer Talſenkung zum Gammelsbachtal, der Weg des zugepump=
ten
Waſſers iſt weit und ſteil, weshalb der größte Teil der vor=
handenen
Waſſermenge zum Antrieb der Pumpe verbraucht
wurde, und dann machte ſich beſonders zur trockenen Jahreszeit
in einzelnen Ortsteilen ein übler Waſſermangel bemerkbar. Zur
Behebung dieſes mißlichen Zuſtandes iſt die Pumpeinrichtung
durch Einbau eines Rohölmotors vervollſtändigt, der denn zu
Notzeiten die ganze Waſſermenge für den Verbrauch befördern
kann. Unfälle. In letzter Zeit verunglückten zwei Arbeiter
von hier im Steinbruch, und zwar iſt dieſer Unfall um ſo be=
dauerlicher
, als beide Familienväter ſind und kürzlich nach
längerer Arbeitsloſigkeit wieder Beſchäftigung gefunden hatten.
Der zuletzt verunglückte L. Schäffer erlitt einen Beinbruch und
mußte ins Krankenhaus nach Hirſchhorn verbracht werden.
m. Airlenbach i. O., 13. Auguſt. Ein Jäger verun=
glückt
. Dieſer Tage verunglückte ein hieſiger Weidmann da=
durch
, daß ſich morgens, beim Gang in den Wald, ein Schuß
löſte und ihn am Zeigefinger der linken Hand ſo ſchwer ver=
letzte
, daß er ſich nach Heidelberg ins Krankenhaus begeben
mußte.

Bd. Alsbach a. d. B., 13. Aug. Brotpreiserhöhung;
Die hieſigen Bäckermeiſter haben die Brotpreiſe um je 5 Pfennig
pro Laib erhöht. Die Brotpreiserhöhung wird von ihnen mit
Mehlpreiserhöhungen motiviert. Dieſe Erhöhungen haben mit

Eine Reihe von ländlichen Sparkaſſen gewährt allen Spa=
rern
, die treu geblieben ſind und die Kaſſen in den letzten Tagen
durch Beſonnenheit und Ruhe unterſtützt haben, für die Zeit der
außergewöhnlich hohen Reichsbankſätze bis auf weiteres einen
Zinſenzuſchlag von 2 Prozent auf die ſeither gültig geweſenen
Zinsſätze, rückwirkend vom 1. Auguſt 1931 an. (Siehe Anzeige.)

einer Preisabbaubewegung nichts zu tun! Zurzeit haben wir
in unſerem Ort 7 Ausgeſteuerte, welche von der Gemeinde Wohl=
fahrtsunterſtützung
beziehen. Für dieſe Unterſtützung leiſten die
Unterſtützten Pflichtarbeiten. Die Wohlfahrtsempfänger ſind in
keiner Krankenkaſſe angemeldet, da ſie ſich bei den Unterſtützungs=
ſätzen
nicht ſelbſt verſichern können, der Koſten wegen, und eine
Verſicherungspflicht nicht beſteht. Heute früh. kurz nach der Ab=
fahrt
des Perſonenzuges 6.20 Uhr, erlitt die Lokomotive Defekt.
Eine Zylinderflanſche flog heraus und die Kolbenſtange brach
wahrſcheinlich infolge Feſtfreſſens des Kolbens. Der Arbeiterzua
mußte deshalb ſolange halten, bis eine Maſchine aus Bensheim
gekommen war. Da der Zug direkt auf dem Uebergang an der
Station Hähnlein zum Stehen kam, war der Verkehr zirka 3,
Stunden gehemmt.

d. Gernsheim, 13. Aug. Durch den Herrn Kreisdirektor des
Kreiſes Groß=Gerau, Dr. Merck, wurden am Montag dieſer Woche
die Herren Beigeordneter Bopp und Bürgermeiſtereibeamter Fell
auf den Verfaſſungseid verpflichtet. Das Pokalturnier des Fuß=
ballklubs
Konkordia 1910 am Sonntag nahm einen ſehr ſchönen
Verlauf. Neben leichtathletiſchen Kämpfen, an denen ſich beſon=
ders
die Jugend Aktiven und Altersklaſſe beteiligten, wur=
den
ſehr intereſſante Fußballkämpfe vorgeführt. Aus Anlaß
des zehnjährigen Beſtehens des Ortskartells Gernsheim im Deut=
ſchen
Beamtenbund wird am 15. Auguſt d. J. im Saalbau Haas.
abends um 8.30 Uhr, eine kleine Feier veranſtaltet, zu der die
ortsanſäſſigen Beamten nebſt Angehörigen eingeladen ſind. Das
Programm umfaßt 1. Begrüßung, 2. Vortrag des Herrn Rektor
Schneider=Groß=Gerau über Berufsbeamtentum im Deutſchen
Volksſtaat, 3. Theateraufführung, 4. Ehrung der Gründer des
Ortskartells. Die Veranſtaltung wird noch durch Klavier= und
Violinvorträge der Herren Lehrer Treffert und Schmitt verſchönert,
Geſtern hielt die katholiſche Volksſchule in der Turnhalle der
Realſchule die Verfaſſungsfeier ab. Ein Chor, geleitet von Herrn
Lehrer Schmitt, eröffnete die Schulfeier. Redner war Herr Lehrer
Winter, der in packenden Worten das Weſen und die Bedeutung
der deutſchen Reichsverfaſſung den Kindern ſchilderte. Mit dem
Lied. Deutſchland, Deutſchland über alles fand die Veranſtal=
tung
ihr Ende. Die für den Verfaſſungstag vorgeſehenen Wett=
kämpfe
zwiſchen dem Turnverein Gernsheim und dem Fußballklub
Konkordia 1910 mußten in Anbetracht des ſehr ſchlechten Wetters
ausfallen. Dieſelben werden am kommenden Samstag nunmehr
ausgetragen. Am Samstag, den 15. Auguſt. findet die 13. außer=
ordentliche
Generalverſammlung der gemeinnützigen Siedlungs=
genoſſenſchaft
auf dem Frankenfelde e. G. m. b. H. zu Hof Fran=
kenfeld
in Gernsheim ſtatt. Zur Tagesordnung ſtehen 1. Bericht
über das Geſchäftsjahr 1930 und Genehmigung des Jahresab=
ſchluſſes
. 2. Entlaſtung des Vorſtandes. 3. Neuwahl des Aufſichts=
rates
. 4. Ausſchluß eines Vorſtandsmitgliedes. 5. Neufeſtſetzung
des Eintrittsgeldes. 6. Neufeſtſetzung von Pacht und Zinſen und
7. Verſchiedenes.
Eb. Nordheim, 12. Aug. Auch unſer früherer Landesfürſt gedachte
noch nachträglich des 100. Geburtstages von Chriſtina
Eberts. Er ließ ihr das nachfolgende Schreiben übermitteln: Sehr
geehrte Frau Eberts! Seine Königliche Hoheit der Großherzog hat es
leider verſpätet erfahren, daß Sie am 3. Juli d. Js. Ihren 100. Ge=
burtstag
begehen konnten. Im Auftrag Seiner Königlichen Hoheit über=
reiche
ich Ihnen anbei mit ſeinen herzlichſten Glück= und Segenswün=
ſchen
ein Bildnis mit eigenhändiger Unterſchrift. Möchte Ihnen das=
ſelbe
eine nachträgliche Geburtstagsfreude bedeuten. Mit dem Ausdruck
vorzüglichſter Hochachtung (gez.): Graf von Hardenberg. Unſere
Hundertjährige bedankte ſich bei unſerem früheren Landesfürſten mit
ihrer eigenhändigen Unterſchrift, die ſie feſt und ohne Zittern, auch ohne
Brille vollzog!
S Lampertheim, 13. Aug. Tod durch Starkſtrom. Der
bei einem hieſigen Metzger beſchäftigte Philipp Knoblauch aus
Worms entleerte am Montag gegen abend einen Schlammbehäl=
ter
. Auf noch nicht geklärte Weiſe erhielt die Abwaſſerleitung mit
dem Starkſtrom Verbindung und der junge Mann fiel, vom Strom
getroffen, leblos zu Boden Unterſuchung über den Vorgang iſt
eingeleitet. Ausdem Gemeinderat. Am Montag abend
hatte ſich der Gemeinderat zur Beratung des Voranſchlages für
1931 zuſammengefunden. Eingangs wies Bürgermeiſter Keller
auf die troſtloſe Finanzlage der Gemeinde hin. Obwohl alle
Steuerquellen erfaßt ſind, bleibt bei einer Umlage von 230 420
RM. ein ungedeckter Reſt von 170 00 RM. Die hohen Laſten er=
geben
ſich aus der ſozialen Fürſorge mit 331 800 RM. In der
Verwaltung hat die Gemeinde durch Nichtbeſetzung zwei Bürger=
meiſtereiſekretär
= und zwei Feldſchützſtellen eingeſpart. Nach län=
gerer
Ausſprache kamen alle Fraktionen zu der Ueberzeugung, daß
weitere Steuererhöhungen den Einwohnern nicht mehr zugemutet
werden können, zumal ſchon die Gemeinde mit an der Spitze aller
heſſiſchen Gemeinden marſchiert, und lehnten den Voranſchlag ein=
timmig
ab.
Gernsheim, 13. Aug. Waſſerſtand des Rheins am
12. Auguſt: 1,79 Meter; am 13. Auguſt: 1,82 Meter.
)( Dreieichenhain, 12. Aug. Die Burgfeſtſpiele finden in
dieſem Jahre nur noch ein einziges Mal ſtatt: am 16. Auguſt
(nicht wie früher berichtet wurde am 6. September).
Ak. Neu=Iſenburg, 13. Aug. Dreiſter Diebſtahl. Der
Pächter des Gravenbruchs pflegt ſein Vieh auch des nachts auf
einer nahen Weide zu belaſſen. Dieſen Umſtand haben ſich unbe=
kannte
Diebe zunutze gemacht, indem ſie einen jungen, 10 Zentner
ſchweren Ochſen durch den Wald nach der Landſtraße trieben und
von da im Auto verſchlepppten. Der Pächter hat 50 Mark Be=
lohnung
für die Wiederbeſchaffung des wertvollen Tieres aus=
geſetzt
. Der Hohenaſtheimer wird billiger Da
heuer eine überaus reichliche Obſternte zu erwarten iſt, haben die
hieſigen Wirte den Preis des Apfelweins pro Schoppen auf 20 Pf.
ermäßigt. Sie hoffen, auf dieſe Art ihre alten Beſtände noch
rechtzeitig zu räumen.

Aus Mainz.

* Selbſtmordverſuch im Landgerichtsgefängnis. Der gerichtsbekannte
Einbrecher Groß von hier, der mit mehreren Komplizen die in letzter
Zeit vorgekommenen ſchweren Einbrüche und Bandendiebſtähle ausge=
führt
hat und als Anführer der Diebesbande galt, verſuchte, ſich in
ſeiner Zelle mit einem Meſſer die Pulsader der rechten Hand zu öffnen.
Er brachte ſich aber nur eine Stichwunde bei wodurch er aber einen
derart ſtarken Blutverluſt erlitt, daß er ohnmächtig wurde. G wurde
ins Städtiſche Krankenhaus gebracht, woſelbſt ihm ein Notverband an=
gelegt
wurde. Nach ſeinem Rücktransport ins Landgerichtsgefängnis
riß er den Verband wieder ab und benahm ſich derart, daß der Kreisarzl
ſeine Ueberführung in die Heil= und Pflegeanſtalt in Alzey anordnete.
Dort befindet ſich bereits ein Komplize von ihm, der Einbrecher Beſt
von hier, der ebenfalls geiſteskrank ſein will.
* Wegen ſchweren Landfriedensbruchs unter Haftbefehl geſtellt. Wie
wir geſtern ſchon berichteten, kam es in der Nacht vom Dienstag auf
Mittwoch in Gau=Odernheim zu einer großen Schlägerei zwiſchen Reichs=
bannerleuten
und Nationalſozialiſten. Es wurden dabei ſieben Reichs=
bannerleute
verletzt, beſonders durch Meſſerſtiche. Das aus Mainz er=
ſchienene
Notrufkommando nahm vier Nationalſozialiſten feſt, die geſtern
abend dem hieſigen Amtsgericht vorgefuhrt wurden. Da nach den bis=
her
vorliegenden Vernehmungen ſchwerer Landfriedensbruch vorliegen
ſoll, erließ das Amtsgericht gegen die vier Nationalſozialiſten Haftbefe9l
und ließ dieſelben ins Landgerichtsgefängnis überführen.

Ah. Nieder=Ingelheim, 13. Aug. Die Turnhalle wurde vor
50 Jahren erbaut. Zur Feier dieſes Ereigniſſes verſammelten ſich
zahlreiche Turner, die vom Präſidenten Schweickhard begrüßt wurden.
Zahlreiche Uebungen erfreuten die Feſtteilwehmer. Ein Theaterſtück fand
reichen Beifall. Muſikvorträge verſchönten die Feier. Ehrenpräſidenk
Otto Schaurer ſprach über die Entwicklung des Turnvereins. Opern
ſänger Fritz Bloch=Mannheim trug verſchiedene Lieder unter Beifall bor=

Ah. Bingen a. Rh., 13. Aug. Vierter Deutſcher Bismarck=
tag
findet beſtimmt ſtatt. Anläßlich einer in Bingen ſtatrgefundenen
Vorſtandsſitzung des Bismarck=Nationalvereins e. V. wurde beſchloſſel=
den
vierten Deutſchen Bismarcktag wie vorgeſehen, am 12. September
in Bingen ſtattfinden zu laſſen.

Ad. Selzen, 13. Aug. Der letzte hieſige Veteran von
1870/71, Philipp Lahr, ein Miterſtürmer des Schloſſes Chambord,
wurde am Samstag im 84. Lebensjahre under großer Beteiligung der
Bevölkerung und dem Ehrenfalut des Kriegervereins zur letzten Rühe
gebettet.

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[ ][  ][ ]

Nummer 224

Freitag, den 14. Auguft 1931

Seite 7

Der 12. Rhön=Segelflug=Wettbewerb iſt beendet. Es wurde
an ſämtlichen 14 Wettbewerbstagen geflogen und insgeſamt

499 Flüge ausgeführt, alſo rund 300 Flüge mehr als in dem
Wettbewerb 1930. Dieſe Flüge verteilen ſich auf den Uebungs=
Wettbewerb mit 333 und auf den Leiſtungswettbewerb mit 166.
Von den gemeldeten 59 Flugzeugen waren 43 zum Wettbewerb
erſchienen und hatten nach ihrer Abnahme von der Techniſchen
Kommiſſion am Flugbetrieb teilgenommen. Ein Teil der gemel=
deten
Flugzeuge konnte leider von den Bewerbern nicht recht=
zeitig
fertiggeſtellt werden, während andere wiederum infolge
Platzmangels zurückgewieſen werden mußten. Die Lagerbeſatzung
betrug in dieſem Jahre etwa 400 Perſonen. Es iſt bei den heu=
tigen
ſchlechten wirtſchaftlichen Verhältniſſen immerhin ein ſchönes
Zeichen für den Flugeifer unſeres fliegeriſchen Nachwuchſes, daß
es ſo viele Gruppen trotz der erheblichen Unkoſten fertig gebracht
haben, dieſe größte ſegelfliegeriſche Veranſtaltung des Jahres
zu beſchicken.
Was hat uns nun dieſer Wettbewerb gebracht? Ein Rückblick
auf vorhergegangene Wettbewerbe zeigt, daß jedes Jahr der
Wettbewerb eine Leiſtungsſteigerung gebracht hat in bezug auf
Ueberbietung vorher beſtehender Rekorde. Hauptſächlich war dies
im Streckenſegelflug der Fall. Der diesjährige Wettbewerb wird
alſo für denjenigen der eine Leiſtung nur danach bewertet, ob
ſie eine neue Welthöchſtleiſtung darſtellt oder nicht, eine gewiſſe
Enttäuſchung ſein. Leider gibt es heute immer noch Menſchen,
die dieſen gänzlich unrichtigen Standpunkt vertreten. In Fach=
kreiſen
dagegen wird man einen anderen Standpunkt vertreten:
Der 12. Rhön=Segelflug=Wettbewerb 1931 iſt für die Segelflug=
bewegung
und ihre weitere Entwicklung ein voller Erfolg, wie er
nicht zu erwarten geweſen iſt! Ganz abgeſehen davon, daß in den
14 Tagen des Wettbewerbs allein fünf Flüge von weit über
100 Kilometer ausgeführt worden ſind, denen in den beiden ver=
gangenen
Wettbewerben nur je zwei Flüge gleicher Art gegen=
überſtehen
, ſo liegt doch der größte Erfolg der Veranſtaltung
darin, daß ſie unſere Segelflieger vor neue Aufgaben geſtellt hat,
daß ſie den Segelflug bei völliger Windſtille im thermiſchen Auf=
wind
erſchloſſen hat und weiterhin, daß der Wettbewerb gezeigt
hat, daß heute die Durchführung großer Streckenflüge kein Pri=
vileg
einzelner beſonders begabter Piloten iſt, ſondern daß jedem
Führer, der mit etwas Ueberlegung an die Durchführung des
Streckenfluges herangeht, ſolche Flüge möglich ſind. Die letzten
fünf Tage des Wettbewerbs brachten für ſämtliche Teilnehmer
eine außerordentliche Ueberraſchung. Bei vorherrſchender Oſt=
windwetterlage
hatte die Waſſerkuppe, im Gegenſatz zu den vor=
hergehenden
Tagen, überaus ſchönes Sommerwetter. Bei herr=
lichem
Sonnenſchein, mäßigem Oſt= bis Südoſtwind ſpielte ſich der
Flugbetrieb ab, und hierbei ereignete es ſich, daß ſelbſt bei dieſer
Wetterlage, die in früheren Jahren vollkommene Ruhe auf der
Kuppe zur Folge hatte, bedeutende Dauer=Höhen= und = Strecken=
flüge
ausgeführt worden ſind. Die Flüge von Hirth. Groenhoff
und Kronfeld erbrachten den Beweis dafür, daß es nicht immer
erforderlich iſt von Hang zu Hang ſegelnd oder mit dem Gewitter
ziehend, den Streckenflug zu wagen, ſondern daß dies bei dem
ſchönſten Sommerwetter ohne die geringſte Bewölkung möglich iſt.
Auch der Wind ſpielt hierbei nur eine untergeordnete Rolle. Die
am Boden ſtark erwärmte Luft ſteigt mit einer Intenſität auf,
die geeignet iſt, Segelflugzeuge mit geringer Sinkgeſchwindigkeit
in der Luft zu halten. Eingeleitet wurden dieſe Thermik=
Segelflüge im diesjährigen Wettbewerb durch den Unterneh=
mungsgeiſt
des jungen Breslauer Studenten Pfeiffer, der am
Sonntag, den 2. Auguſt, den Start wagte, obwohl die Windrich=
tung
der Durchführung eines größeren Fluges anſcheinend un=
günſtig
erſchien. Pfeiffer führte einen dreiſtündigen Segelflug
über der Großen Eube aus, der für die übrigen Flugzeuge das
Zeichen zum Start war. Hierdurch erſt wurden die beiden großen
Streckenflüge von Hirth mit 192 Kilom. nach Koblenz und von
Groenhoff mit 110 Kilom. nach Uſingen ermöglicht. Eine weitere
Glanzleiſtung ſtellte Kronfelds Flug nach Arnsberg i. Weſtf. dar,
wobei er in völliger Windſtille, nur durch Ausnutzung der ſtark
erwärmten aufſteigenden Luft, 165 Kilometer erreichen konnte,
zu einer Zeit, als andere der geſtarteten Flugzeuge ſich kaum
fünf Minuten in der Luft zu halten vermochten. Nur der Energie
Kronfelds und der hervorragenden Maſchine iſt es zu verdanken,
daß dieſer Flug, der zu Beginn recht ausſichtslos erſchien, ein ſo
glänzendes Reſultat zeitigte. Die drei Favoriten des diesjährigen
Leiſtungswettbewerbs. Hirth, Groenhoff und Kronfeld, haben da=
mit
eine neue Epoche im Segelflug eingeleitet, den Strecken=
ſegelflug
ohne Hang, ohne Wolke, ohne Front oder Gewitter,
Dieſe Flüge beweiſen die Richtigkeit der Fuchsſchen Anſchauung,
daß es ohne weiteres möglich iſt, im aufſteigenden Warmluft=
ſtrom
größere Strecken im Segelflug zurückzulegen. Es iſt hierbei
allerdings zu bedenken, daß der Durchführung größerer Strecken=
flüge
an windſtillen oder ſchwachwindigen Tagen in der Ausdeh=
nung
dadurch eine Grenze geſetzt iſt, daß für die Durchführung
des Fluges nur der Zeitraum der ſtärkſten Erwärmung, alſo die
Zeit von 11 bis 17 Uhr, in Frage kommt. In dieſem Zeitraum
läßt ſich bei einer Eigengeſchwindigkeit des Flugzeuges von etwa
40 Kilom, eine Flugſtrecke von zirka 250 Kilom. erreichen, wobei
noch nicht berückſichtigt worden iſt, daß es auf jedem Fluge erfor=
derlich
iſt, an beſonders günſtigen Aufwindgebieten durch längeres
Segeln einen größeren Höhengewinn zu erzielen. Bei einer
Windgeſchwindigkeit von 10 bis 12 mis erhöht ſich aber die Flug=
geſchwindigkeit
auf zirka 80 Kilometer, ſo daß in ſechsſtündigem
Geradeausflug annähernd 500 Kilom. erreicht werden können.
Dem Wind kommt alſo bei thermiſchen Streckenflügen nur für

die Streckenleiſtung, nicht für die Durchführung des Fluges eine
Bedeutung zu. Eines der großartigſten Ereigniſſe des ver=
gangenen
Wettbewerbes war der Start am Abend des 25. Juli,
als eine vorüberziehende Gewitterfront einen Maſſenſtart von
12 Flugzeugen innerhalb von ſechs Minuten zur Folge hatte. Es
war das erſte Mal in der Geſchichte des Segelfluges, daß 12 Flug=
zeuge
zu gleicher Zeit auf Strecke gingen. Damals erreichten
Groenhoff Magdeburg mit 220 Kilometer und Hirth Halle mit
175 Kilometer Entfernung.
Neben dieſen großartigen Streckenleiſtungen des Leiſtungs=
wettbewerbs
müſſen aber auch die Flüge um den Fernzielflug=
preis
nach dem Oechſen erwähnt werden, die an die Geſchicklichkeit
unſerer Piloten außerordentliche Anforderungen ſtellten. Es wur=
den
insgeſamt acht Flüge um dieſen Preis ausgeführt, ohne daß
es gelungen iſt, die Bedingungen reſtlos zu erfüllen. Die Flug=
zeuge
hatten den 35 Kilometer entfernten Berg zu überfliegen
und dann zur Waſſerkuppe zurückzukehren, wo die Landung inner=
halb
eines Kreiſes von 3 Kilometer Durchmeſſer um den trigono=
metriſchen
Punkt erfolgen ſollte. Hirth und Groenhoff konnten
der Ausſchreibung annähernd gerecht werden, indem ſie die Lan=
dung
in einer Entfernung von 2500 bzw. 3000 Meter von der
Startſtelle durchführten. Kronfeld hatte auf dieſen Flügen aus=
geſprochenes
Pech. Viermal verſuchte er den Flug und verbrachte
hierbei insgeſamt 20 Stunden in der Luft. Jedesmal erreichte er
das Ziel und mußte dann leider auf dem Rückweg infolge ein=
ſetzender
Windflaute nach Flügen von 6 und 7 Stunden Dauer
landen. Die Preisverteilung erbrachte aber dennoch dieſen Pilo=
ten
die erforderliche Anerkennung für ihre hervorragenden Flug=
leiſtungen
, indem die Preisſumme unter Groenhoff, Hirth und
Kronfeld geteilt wurde.
Die Ausſchreibung des diesjährigen Wettbewerbs hat für
beide Klaſſen Uebungs= und Leiſtungswettbewerb Strecken=
ſegelflüge
vorgeſehen, um dafür Sorge zu tragen, daß auch unſer
junger fliegeriſcher Nachwuchs, wie er im Uebungswettbewerb
vertreten iſt, damit beginnt, den Streckenflug zu üben. Die hier=
bei
gezeitigten Ergebniſſe rechtfertigten dieſe Ueberlegung. Es
taten ſich hierbei beſonders hervor die beiden Stuttgarter Piloten
Künzer und Hakenjos ſowie der Berliner Teichmann, der am
erſten Wettbewerbstage erſt ſeine Segelfliegerprüfung abgelegt
hatte. Alle drei Führer erreichten Flugſtrecken von rund 30 Kilo=
meter
und vollbrachten damit eine Leiſtung, die mehr als ein
reiner Anfängererfolg iſt, die den Beweis dafür erbrachte, wie
ausgezeichnet unſere Jungflieger mit der Technik des motorloſen
Streckenfluges in überaus kurzer Zeit vertraut geworden ſind.
Auch im Leiſtungswettbewerb ſind von den jüngeren Piloten,
die bisher noch nicht mehr als 20 Kilometer geflogen hatten,
ſchöne Flugleiſtungen vollbracht worden, die ebenfalls zeigten,
wie ſehr man unter den Segelfliegern heute dem Streckenflug zu=
getan
iſt, der erſt die eigentliche Hohe Schule des Segelfluges
darſtellt und ſeine große Schönheit offenbart, aber auch wieder
am ſchwierigſten durchzuführen iſt. In der Klaſſe des Leiſtungs=
wettbewerbs
haben ſich unter den jüngeren Piloten beſonders
hervorgetan: Mayer, Röhm. Starck. Hemmer, Bachem. Insgeſamt
brachte der diesjährige Wettbewerb 48 Streckenſegelflüge mit einer
Entfernung zwiſchen 10 und 220 Kilometern. Die Segelflugzeuge
erreichten auf dieſen 48 Flügen eine Geſamtflugſtrecke von 2100
Kilometern, ſo daß auf den Flug rund 45 Kilometer kommen, was
eine recht bedeutende Durchſchnittsleiſtung darſtellt, wenn man be=
denkt
, daß ſich unter den Piloten, die dieſe Flüge ausführten, acht
befanden, welche noch nie einen Streckenflug ausgeführt haben.
Weiterhin ſind beſonders zu erwähnen die großen Höhen=
flüge
, die ausgeführt worden ſind. Wenn auch die Rekordhöhe von
Kronfeld mit 2600 Meter über der Startſtelle nicht erreicht wor=
den
iſt, ſo ſtehen doch die diesjährigen durchſchnittlichen Höchſt=
leiſtungen
weit über denen der vergangenen Jahre Faſt jeder
der am Wettbewerb teilnehmenden Piloten hat Höhen von 800
bis 1000 Meter über der Startſtelle erreicht. Groenhoff erzielte
auf ſeinem Gewitterflug 2050 Meter, Hirth an demſelben Tage
1700 Meter. Auch Kronfelds Flug am letzten Tage der Veran=
ſtaltung
führte das Flugzeug teilweiſe in Höhen von 1100 Meter
über Start. Dieſe Höhe wurde jedoch nicht im thermiſchen Auf=
wind
erreicht, ſondern beim Anfliegen von Cumuluswolken, die
Kronfeld unterwegs verſchiedentlich angetroffen hat.
Zu den am Wettbewerb teilnehmenden Flugzeugen iſt zu
ſagen, daß dieſe durchweg eine ſaubere Werkſtattausführung auf=
zuweiſen
hatten und man mehr und mehr feſtſtellen kann, daß man
bei den Segelflug treibenden Gruppen den Wert der von den
Segelflugſchulen entwickelten Einheitstypen erkannt hat und ſich
von koſtſpieligen Verſuchsbauten fernhält. Recht zahlreich ver=
treten
waren die Typen Profeſſor, Weſtpreußen und M 1. Kron=
felds
Aüſtria, die auch für den Wettbewerb gemeldet worden
iſt, konnte leider infolge Platzmangels nicht zur Rhön erſcheinen.
Die Flüge der letzten Tage des Wettbewerbs haben auch
unſere Konſtrukteure vor neue Aufgaben geſtellt. War man bis=
her
der Anſicht, daß die Segelflugzeuge in ihrer heutigen Bau=
art
allen in Frage kommenden Anforderungen vollauf gerecht zu
werden vermöchten, ſo hat ſich doch nunmehr ergeben, daß größter
Wert auf eine weitere Erniedrigung der Sinkgeſchwindigkeit ge=
legt
werden muß, um auch an ſchwachwindigen Tagen, bei Son=
nenſtrahlung
Flüge auszuführen. Weiterhin müſſen die Flug=
zeuge
zum Teil eine größere Eigengeſchwindigkeit haben, um
ſchnell aus dem Gebiet von Windflauten oder aus Abwindbereichen
herauszukommen. Kronfelds Flugzeug Auſtria iſt nach dieſen
Geſichtspunkten konſtruiert und ſoll nach den bisher gemachten
Erfahrungen eine ſehr günſtige Sinkgeſchwindigkeit aufweiſen.
Vielleicht iſt dieſes Flugzeug doch der geeignete Typ für Segel=
flüge
bei fehlendem Hang= oder Wolkenaufwind!

Zuſammenfaſſend kann geſagt werden, daß der vergangene
12. Rhön=Segelflug=Wettbewerb für die weitere Entwicklung der
Segelflugbewegung von größter Bedeutung iſt. Wenn auch keine
Weltrekordleiſtungen zu verzeichnen ſind, ſo haben doch die durch=
geführten
Flüge bewieſen, auf welcher Höhe heute die Segel=
flugbewegung
ſteht, daß wirklich hervorragende Flugleiſtungen
nicht mehr von einigen wenigen beſonders talentierten Führern
aufgeſtellt werden, ſondern daß wir einen fliegeriſchen Nachwuchs
beſitzen, der noch allerhand Leiſtungen vollbringen wird. Für die
weitere Verbreitung des Segelfluges iſt die Erſchließung des
thermiſchen Aufwindes von größter Bedeutung, der es heute
ermöglicht, auch bei Windſtille und wolkenloſem Himmel Strecken=
flüge
zu abſolvieren, wie ſie vorher nie erwartet worden ſind.
Gerade hierin liegt wohl die größte Bedeutung der diesjährigen
Veranſtaltung.
Es ſoll auch an dieſer Stelle beſonders hervorgehoben werden,
daß die Veranſtalterin des Wettbewerbs, die Rhön=Roſſitten=
Geſellſchaft, alles getan hat, um den Wettbewerbsteilnehmern und
den zahlloſen Beſuchern der Waſſerkuppe den Aufenthalt hier
oben ſo angenehm wie möglich zu geſtalten, und daß ein wirklich
harmoniſches Zuſammenleben geherrſcht hat, was bei dem Rieſen=
betrieb
nicht immer zu erwarten geweſen wäre.
A. K.
Gewinnauszug
5. Klaſſe 37. Preußiſch=Süddeutſche Staats=Lotterie.
Nachdruck verboten
Ohne Gewähr
Auf jede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und II

12. Auguſt 1931
3. Ziehungstag
In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M.
gezogen
2 Gewinne zu 10000 c. 217037
18 Gewinne zu 5000 M. 26491 66872 121059 133790 169063 185626
222725 231533 308677
12 Gewinne zu 3000 q. 29152 68402 283174 320745 325329 356240
62 Gewinne zu 2000 M. 922 5069 6979 40476 42077 50308 55919
67333 76031 76312 83874 90276 101522 108126 113886 118816
132230 134291 169680 169878 181506 191994 193712 224658 264865
285589 294012 328411 328569 358659 369022
120 Gewinne zu 1000 M. 794 2481 18249 27537 36040 44213 47472
49686 62749 71386 71717 89216 91912 105644 116805 126848 130861
139952 140028 159888 168679 169469 195184 196613 197186 205864
206686 207767 208040 211757 215731 220369 223787 228032 231440
237440 239729 240316 240369 260702 264002 266109 268633 269177
270324 273399 274628 284619 294849 302171 325454 333971 341860
345760 346578 351818 360241 375670 386035 398733
200 Gewinne zu 600 M. 9043 9702 9771 13034 14910 15820 18687
32014 40346 44349 44897 49840 51784 64169 55466 55511 56277
62866 65493 65717 73104 73293 74088 75760 76609 77308 86788
87762 89417 94693 105385 117724 120369 131366 131609 132339
132666 138344 142169 146427 148714 148810 155854 158602 161941
162173 163291 176201 182529 197629 200428 204254 206176 205954
216212 211311 212093 212763 226714 228014 232217 235750 241947
243843 244423 261758 257278 262230 263983 272162 278181 280026
288426 290760 291892 293446 306091 307693 311581 314327 316151
318887 318165 321913 326524 326358 330293 330933 335344 366098
867500 370606 372354 872419 374261 379626 381910 383851 385912
392330
In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M.
gezogen
2 Oowinne zu 10000 q. 124901
6 Gewinne zu 6000 m. 10399 68608 94567
32 Gewinne m 3000 M. 6691 16762 37929 94144 134241
157969 184312 212416 280938 283334 817429 358666 368857 372794
388577 393736
44 Gewinne zu 2000 M. 57062 58983 87692 88452 96925 103649
110250 114233 119361 121009 124320 179603 183292 204245 219866
249610 249662 287919 313640 322993 327963 381216
140 Gewinne zu 1000 M. 7418 12648 20772 23593 27942 29703
30946 42096 44295 49772 51699 57591 86198 91586 94861 95029
99098 106552 116120 118448 125823 130172 132702 133286 134613
136290 142451 154585 154813 181750 182722 180340 245786 249489
250569 261856 252100 252738 261597 268749 290313 297336 303692
303783 314493 816271 316679 318858 319366 324176 337526 339346
340971 342808 346410 946842 347216 348823 366960 360590 368676
373322 374253 383460 385396 888946 391380 391416 391568 397835
210 Gewinne zu 500 . 4618 11129 12728 12939 21658 22818 27576
34057 34239 37331 37678 42604 48657 49277 50370 52414 62761
75561 76706 78816 79720 80798 84868 85511 88300 90267 95098
163571 106759 108789 110916 115346 124439 126327 127318 129395
133267 141238 146356 146824 151162 161514 162889 167860 168267
169813 183313 185441 190069 193773 198266 205107 212910 214127
218949 234981 236667 257772 258606 269823 262100 264808 266676
266398 269116 269226 269990 273906 282720 292520 296982 310267
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Hauptſchriftlettung: Rudelf Mauve
Verantworilſch für Poltiſk und Wirtſchaft: Rudelf Mauve; für Feuilleion, Reich um
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Böhmann,
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdſenſt: Andreas Bauer; für
Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Nette:
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteilungen: Willv Kuble:
Druck und Verlag: L. C. Wittich ſämtlich in Darmſtadt
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Seite 8

Freitag, den 14. Auguſt 1931

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Nummer 224

Freitag, den 14. Anguſt 1931

Monat in England.

Von George Popoff.

nHue
(1160ia

London, im Auguſt.
Der erſte Montag im Auguſt heißt in England ſeit jeher
Bank=Holiday. Zu deutſch eintägiger Feiertag für Bank=
ingeſtellte
. Doch dieſe Verdeutſchung eines engliſchen Begriffes
ſt, wie in ſo vielen Fällen, auch in dieſem eine falſche. Bank=
Holiday bezieht ſich natürlich nicht nur auf das Bankgewerbe,
ondern auf alle übrigen Berufszweige auch. Außerdem iſt dieſer
ine Ruhetag nur als eine ſymboliſche Einleitung der großen
Sommer=Urlaubs=Periode gemeint, die am 1. Auguſt beginnt
ind bis etwa Mitte Oktober dauert. In dieſer Zeit kommen
ille, einer nach dem andern, an die Reihe: Bankangeſtellte und
Zeamte, Premierminiſter und Schuſterjungen, Schornſteinfeger
and Schauſpieler, alle erhalten in dieſen Spätſommermonaten
venigſtens 2 bis 3 Wochen Urlaub. Und wenn das vage Ge=
üicht
, das uns kürzlich zu Ohren gelangte auf Wahrheit beruhen
ollte, ſo wird in dieſer Jahreszeit ſelbſt den geplagten Jour=
taliſten
geſtattet, für einige Wochen die zernagte Feder nieder=
ulegen
und ſich irgendwo im Grünen geſünderen und ver=
rünftigeren
Beſchäftigungen hinzugeben ...
Wie ſtets und in allem, ſo geht in England auch im
holiday making der König allen mit gutem Beiſpiel voran.
das Königspaar beginnt alljährlich die Urlaubsperiode mit einer
Voche in Cowes, wo es ſich dem muntern und die Nerven
tärkenden Segelſport hingibt. Heuer wurden es ſogar zwei
ſiegatta=Wochen. Der König wollte ſo viel wie möglich friſche
Seeluft ſchnappen und fuhr um eine Woche früher hin. Cowes
var infolgedeſſen in dieſem Jahr mit Society beſonders dicht
pevölkert. Am Rennen um den Königs=Pokal durften in dieſem
Jahre zum erſten Male nicht nur Mitglieder der ultra=exkluſiven
Rohal Yacht Squadron, ſondern auch Außenſtehende teilneh=
nen
. Unter Außenſtehenden hat man in dieſem Falle ſolche
Sterbliche zu verſtehen, die eine 200000 Mark koſtende Rieſen=
hacht
und das dazu gehörende Drum und Dran beſitzen. Doch
dieſe Sorte von Sterblichen iſt in England (trotz der Wirt=
chaftsnot
oder der hard times, wie’s die Engländer nennen)
ſoch immer erſtaunlich groß. Am Rennen um den Königs=Pokal
jahmen während der diesjährigen Cowes=Woche mehr Segel=
ieſen
teil als ſonſt. Sir Thomas Lipton (der endlich, nach
reißigjährigem Warten, zum Mitglied der Royal Yacht Squa=
ron
gewählt worden iſt) gewann das Rennen. Auch ſonſt war
les glorious und delightful wie immer, wie ſeit undenk=
ichen
Jahren. Und ſelbſt die traurige Tatſache, daß von der
öniglichen Yacht Britannia in der Hitze des Gefechtes ein
Nann über Bord fiel und ertrank und daß auf Lady Hultons
Notorboot ein kleiner Brand entſtand und der Lady Geſichts=
ſaut
verſengte, konnte die allgemeine Harmonie nicht ſtören
ind den Glanz und den Frohſinn der weltberühmten Cowes=
Veek in keiner Weiſe trüben ..
Während alſo im Auguſt die britiſche Ariſtokratie in
Sowes Seeluft ſchnappt, verlaſſen um die gleiche Zeit Milli=
nen
und aber Millionen kleine Leute, (die in England jedoch
in recht großes Bankkonto und ein Auto beſitzen) das ſtickige,
umpfe London und begeben ſich auf allen Landſtraßen an die
See. Die engliſchen Seeplätze ſind allerdings lange nicht ſo
eizvoll wie diejenigen von Frankreich, Holland oder Deutſch=
and
: kaum irgendwo gibt es richtigen, weißen Sand; die den
ötrand entlang laufende Promenade iſt gewöhnlich aſphaltiert;
ind über allem Treiben laſtet die bekannte, ſittſam langweilige,

drückende Atmoſphäre des britiſchen Puritanismus. Doch iſt
Zeit ſchreitet auch hier vorwärts. Und manche unentwegte und
vom frivolen Geiſt des Kontinents, angeſteckte Briten und
Britinnen tun alles, was in ihren Kräften liegt, um die engli=
ſchen
Badeorte etwas aufzuheitern und zu europäiſieren.
Die diesjährige Parole der Aufheiterer lautete Strand=
pyjamas‟
! Dieſe Dinger waren nämlich bisher in England ſo
gut wie unbekannt. Nun aber zeigten ſich in dieſem Jahre in
Eaſtbourne, Folkeſtone, Yarmouth und den übrigen, etwas mon=
däneren
engliſchen Badeorten überall Hunderte und Tauſende
junger Damen in den plötzlich modern gewordenen Strand=
pyiamas
, und zwar nicht nur am Strande, ſondern auch auf den
Promenaden, in den Kaffees, in den Hotels, überall ganz wie
in Cannes, Deauville, Oſtende und am Lido. Ja, Brighton hatte
ſogar ſeine Pyjama=Senſation. Dort erſchienen an einem
Sonntagmorgen auf der Strandpromenade einige junge Dandies,
die geaau ſo wie die jungen Damen in auffallend bunte, grell=
farbene
, ſeidene Pyjamas gekleidet waren. Was den Damen
geſtattet iſt, muß auch den Männern erlaubt ſein! erklärten ſie
und machten Propaganda für ihre revolutionären Ideen. Doch
in England läßt ſich’s nicht ſo leicht Revolution machen. In
St. Helier auf der Inſel Jerſey erſchien eines Tages auf der
Strandpromenade gar ein Aufgebot von Policemen, hielt eine
Menge ihrer Anſicht nach allzu luftig gekleideter junger Damen
an und führte ſie, unter Pfeifen und Johlen der amüſierten
Menge, nach dem nächſten Polizeirevier. Der Herr Polizei=
kommiſſar
erklärte den verdutzten Schönen, daß ihre Strand=
pyjamas
zu ätheriſch wären und daß ſie, zur Vermeidung unlieb=
ſamer
Vorfälle, ihre Koſtüme lieber durch etwas ſolidere Unter=
kleidung
blickdichter geſtalten ſollten. Und der Herr Vikar von
St. Helier wetterte in ſeiner nächſten Sonntagspredigt kräftig
gegen den Sitte und Anſtand gefährdenden Geſchmack der
modernen Frau und gegen die allgemeine Verderbnis dieſes
ſchrecklichen Zeitalters ...
Ueberhaupt, wie iſt es in England um die Volksmoral be=
ſtellt
. Dieſe Frage bezeichnet Profeſſor Cyril Burt, Leiter des
Erziehungsweſens der London County Council, zurzeit als die
wichtigſte und brennendſte von allen. Gerade jetzt, im Auguſt,
meint er, da Hunderttauſende von Fremden nach England kom=
men
, hat England beſondere Urſache, auf ſeinen guten Ruf bedacht
zu ſein. Doch leider, behauptet Profeſſor Burt weiter, ſitzen
zurzeit in Frankreich, Deutſchland, Ungarn, der Schweiz und in
allen anderen Ländern des Kontinents ſoundſoviele Eltern=
paare
beſorgt beiſammen und beraten, ob es auch richtig wäre,
ihre Kinder nach London zu ſenden, nach dieſer Brutſtätte der
Laſter und der Sünden? Und ſie haben tauſendmal recht. Denn
ſelbſt Paris iſt heute eine fromme und ſittenreine Stadt ver=
glichen
mit London, dieſem Pfuhl abgrundtiefer Verderbnis.
feſſors hat in ganz England einen überaus lauten Widerhall er=
weckt
. Die meiſten Blätter widmen dem ſonderbaren Thema
ellenlange Leitartikel. Und London ein Babel oder nicht ein
hochnotpeinliche Frage.
Zum Glück wiegen jedoch in England in ſolchen Fällen die
nüchternen und vernünftigen Stimmen gewöhnlich ſtark über. Und
der Evening Standard hat ſchließlich der Diskuſſion ein vor=
läufiges
Ende geſetzt, in dem er vernünftigerweiſe erklärt: Lon=
don
iſt in Punkto Sitten nicht ſchlechter und nicht beſſer, als jede
andere Großſtadt auch. Jedoch zu behaupten, daß es im gewöhn=

Seite 9
lich mit Recht als etwas langweilig und ſtumpfſinnig verſchrienen
London ausgelaſſener hergehe, als ſelbſt in Paris, das kann nur
eine kindiſche Wichtigtuerei zuwege bringen oder iſt nur eine
recht plumpe Reklame zur Förderung der engliſchen Fremden=
induſtrie
. ..."
Selbſt auf die Gefahr hin, etwas gegen den engliſchen Frem=
denverkehr
zu ſagen, ſei zum Schluß noch raſch mitgeteilt, daß es
dieſen Sommer in England natürlich wieder dauernd und unauf=
hörlich
geregnet hat. Solch einen Sommer nennen die Briten
einen typiſch engliſchen Sommer. Dieſer war nun in der Tat
über alle Maßen typiſch‟. Die Wetterſpezialiſten haben aus=
gerechnet
, daß dieſer der regneriſchſte Sommer ſeit 70 Jahren
geweſen wäre, genau ſeit Anno 1861, als eine Art Sintflut ſich
über England ergoſſen hatte. Doch voriges Jahr behaupteten ſie
genau dasſelbe, und das Jahr 1860, auf das ſie damals zurück=
blickten
, ſcheint ebenfalls kein trockenes geweſen zu ſein. Es
waren eben alles 1860, 1861, 1930, 1931 und alle, die da=
zwiſchen
lagen lauter typiſch engliſche Sommer, und wehe
dir, daß du ein Nichtbrite biſt und auf dieſer ewig naſſen Inſel
zu leben verurteilt. . . ."
In früheren Jahren, wenn es ganz ſchlimm wurde, tat ſich
die engliſche Geiſtlichkeit zuſammen und veranſtaltete öffentliche
Fürbitten der Herr möge England von dieſen Plagen, von
dieſen nicht enden wollenden Strömen von Regen und Waſſer
befreien‟. Doch im Jahre des Regens 1861 erſtand ein
tapferer Brite und Prieſter namens Charles Kingsley und er=
klärte
: erſtens ſeien Fürbitten um Aufhören des Regens eine
Gottesläſterung, da Gott beſſer wiſſe als die Menſchen, was gut
und was ſchlecht wäre, und zweitens müſſe eine gewiſſe Quantität
von Waſſer zum Wohle und Gedeihen der Menſchheit durch die
Welt fließen, ebenſo wie Blut durch die Adern, um die Orga=
nismen
am Leben und Schaffen zu erhalten. . . .
Dieſe Anſicht hat inzwiſchen geſiegt. Ja, mit dem bekannten Ta=
lent
, ſtets das Unvermeidliche auch als das Gute hinzuſtellen, haben
die Engländer in dieſem regneriſchſten aller Jahre ausgerechnet,
daß Regen geſünder als Sonne wäre, und daß, laut einer Sta=
tiſtik
des Regiſtrar=General, in dieſem Sommer um die Hälfte
weniger Menſchen, als im vorigen Sommer geſtorben wären:
Regen reinigt die Luft. Fliegen und Mücken ſterben aus.
Bakterien können ſich nicht entwickeln. Ein kühler und feuchter
Sommer iſt das Geſundeſte, was es gibt. . . . So behauptet es
der Herr Regiſtrar=General von England und freut ſich über
ſeinen britiſchen Regen.
Ich aber kenne einen gewiſſen Jemand, der hierüber ganz
anders denkt, und der es durchaus vorziehen würde, jetzt im
heißen, ungeſunden Klima von Südfrankreich oder Italien zu
leben und mit den Fliegen, Mücken und Bakterien, mitten im
prallſten Sonnenſchein, einen bacchantiſch wilden Ringelreihen
zu tanzen. . . ."

Die flache Störung über Skandinavien hat durch das Vorhanden=
ſein
von feuchtwarmer Ozeanluft auf dem Feſtlande ihre Zugrichtung
wieder ſüdwärts genommen und ſich erneut vertieft. Infolgedeſſen wurde
Dieſe herausfordernde Bemerkung des geſtrengen Herrn Pro= der hohe Druck ſehr raſch abgeſchwächt, und die in Ausſicht geſtellte Beſ=
ſerung
der Wetterlage kommt zum Schwinden. Durch die Rückſeite des
Tiefs leitet kühlere Ozeanluft unbeſtändiges Wetter ein. Eine Umge=
ſtaltung
auf Beſſerung iſt vorerſt nicht zu erſehen, denn mittlerweile
ſind weſtlich der Britiſchen Inſeln Anzeichen einer neuen Störung vor=
Babel, das iſt jetzt, in der Saure=Gurken=Zeit, die wichtige, die handen. Mit dem wechſelhaften Witterungscharakter ſchwanken auch die
Temperaturen, welche anfänglich etwas zurückgehen und mit dem Her=
annahen
der neuen Störung wieder anſteigen.
Ausſichten für Freitag, den 14. Auguſt: Unbeſtändiges Wetter, wechſelnd
bewölkt und zeitweiſe Regenſchauer, Temperaturen ſchwankend, nach
anfänglich leichtem Rückgang wieder Anſtieg.
Ausſichten für Samstag, den 15. Auguſt: Vorübergehend etwas aufhei=
ternd
, dann wieder bewölkt und regneriſch.

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Seite 10

Freitag, den 14. Auguſt 1931

Nummer 224

Bild links: Croneiß, der Direktor der Deutſchen Verkehrsflug=A. G., der mit ſeinem Meſſer=
ſchmidt
=Flugzeug den Ab= und Aufrüſtungswettbewerb gewann. Bild rechts: Drei hervor=
ragende
Teilnehmer: Von links nach rechts: Poß, der die beſte Leiſtung bei den Ge=
ringſtgeſchwindigkeits
=Prüfungen erzielte; Wolf Hirth, der bei demſelben Wettbewerb gleich=
falls
ein gutes Ergebnis erreichte; Lieſel Bach, die Europameiſterin im Kunſtfliegen.

Das Trainingslager der Schneiderpokalflieger in Calſhot an der engliſchen Südküſte.
Oben links: Hauptmann Orlebar, der das letzte Schneiderpokalrennen gewann, und in dieſem
Jahre bereits bei Probeflügen die enorme Geſchwindigkeit von 600 Kilometern pro Stunde erreichte.

Heic and Ausland.

Laglicer Laftdiennr Astſchen enropit and Amderita!

Ein Kraftwagen mit franzöſiſchen Feſtſpielgäſten
verunglückt.
Bayreuth. Am Mittwoch nachmittag er=
eignete
ſich zwiſchen Pegnitz und Schnabelweid
ein ſchwerer Kraftwagenunfall. Ein franzöſiſches
Automobil mit Feſtſpielgäſten fuhr im 20= Kilo=
metertempo
einem Laſtkraftwagen entgegen. Da
letzterer auf der Mitte der Straße fuhr, mußte
der Privatwagen ſo weit nach rechts ausbiegen,
daß er auf den Sommerweg kam und ins Schleu=
dern
geriet. Dabei prallte er mit dem Laſt=
wagen
zuſammen, ſo daß er vollſtändig zertrüm=
mert
wurde. Die vier Inſaſſen wurden auf die
Straße geſchleudert. Eine Dame erlitt lebens=
gefährliche
Verletzungen, während die anderen
drei Perſonen ebenfalls ſchwer, jedoch nicht
lebensgefährlich verletzt wurden. Auch der Laſt=
kraftwagen
wurde ſchwer beſchädigt, doch kam der
Führer mit dem Schrecken davon. Bei den Ver=
unglückten
handelt es ſich um eine Familie Pierre
aus Paris, und zwar um Mutter, Sohn und
Tochter, ſowie eine Geſellſchafterin. Eine der
Damen hat einen Schädelbruch erlitten. Das
Automobil war von dem Sohn geſteuert worden.

Die polizeilichen Ermitklungen zum
Eiſenbahnanſchlag bei Jükerbog.

Berlin. Bei der Kriminalpolizei meldete
ſich ein Geſchäftsinhaber aus der Friedrichsſtadt,
bei dem einige Tage vor dem Attentat ein Herr
280 Meter desſelben Klingeldrahtes, der bei dem
Attentat verwendet wurde, gekauft hatte. Die
Perſonalbeſchreibung des Käufers ſtimmt mit
derjenigen des Mannes, der die Rohre in dem
Inſtallationsgeſchäft gekauft hatte, überein.

Doch ein Todesopfer des Jüterboger
Eiſenbahnattentats?

Ein Auto fährt mit vier Inſaſſen in den Hafen.
Sämtliche Perſonen ertrunken.
Duisburg. Ein ſchweres Autounglück er=
eignete
ſich in der Nacht zum Donnerstag in Duis=
burg
. An der Oberbürgermeiſter=Karl=Lehr=
Brücke, die die Stadtteile Duisburg und Ruhr=
ort
verbindet, werden Reparaturarbeiten ausge=
führt
. Um den ſtarken Verkehr nicht allzu ſehr
zu behindern, werden dieſe Arbeiten während der
Nachtſtunden in Angriff genommen, worauf auch
in der Preſſe hingewieſen wurde. In der Nacht
fuhr ein Auto einer Duisburger Fahrſchule, in
dem ſich vier Herren befanden, in der Richtung
nach Duisburg. Der Führer des Wagens muß
wohl die geſchloſfene Schranke an der Brücke nicht
bemerkt haben, denn das Auto fuhr in ſchneller
Fahrt hindurch und ſtürzte hinter der Schranke
in den Hafen, da dieſer Brückenteil während der
Reparaturarbeiten hochgezogen war. Das Auto
mit den Inſaſſen verſank in den Fluten, und
ehe Hilfe herangeſchafft werden konnte, waren
ſämtliche vier Perſonen ertrunken. In der Mor=
genfrühe
wurden durch Taucher Auto und Leichen
geborgen. Die Perſonalien der Ertrunkenen
ſtehen noch nicht feſt.

Karte der geplanten Luftverbindung EuropaAmerika.

Unten Mitte: Der amerikaniſche Flieger Cramer, der zurzeit vermißt wird, und der
deutſche Ozeanflieger v. Gronau, der wiederum zu einem Fluge EuropaGrönland
Amerika geſtartet iſt. v. Gronau hat zu ſeinem neuen Fluge wie im verfloſſenen Jahre
den Darmſtädter Flieger E. Zimmer gewonnen. Das Flugzeug iſt ein neues
Dornierwal=Flugboot. In Reykjavik auf Island ſind die Flieger angekommen und befin=
den
ſich jetzt wohl ſchon auf dem Wege nach Grönland.
Der Flug des Amerikaners Carter Cramer von Amerika über Grönland nach Europa, ebenſo wie
der in entgegengeſetzter Richtung führende Flug des Deutſchen v. Gronau, ſoll als Probe für
einen täglichen Luftdienſt auf dieſer Strecke dienen. Ein amerikaniſches Unternehmen will einen
täglichen Luftdienſt mit fünf Flugzeugen einrichten, die den Flug in beiden Richtungen in fünf
Etappen zurücklegen ſollen.

Ein Kraftwagen vom Zuge überfahren.

Hersfeld. In der Nacht zum Donnerstag
wurde an einem Bahnübergang kurz vor dem
Bahnhofs Hersfeld ein Perſonenkraftwagen von
einem Güterzug überfahren. Von den Inſaſſen
war eine Frau ſofort tot. Ein Mann wurde mit
ſchweren Verletzungen in das Krankenhaus ge=
bracht
. Er iſt noch nicht vernehmungsfähig. Die
Urſache des Unglücks iſt nach Anſicht der Reichs=
bahn
darin zu ſuchen, daß der Schrankenwärter
die Schranke zu ſpät geſchloſſen hat. Die Getötete
iſt eine Frau Marion Schmidt aus Berlin=
Wilmersdorf.

Mit dem Auto in den Abgrund.

Paris. Ein ſchweres Automobilunglück er=
eignete
ſich am Mittwoch nachmittag in der Nähe
von Oran. Ein franzöſiſcher Großgrundbeſitzer,
ſeine Frau und zwei junge Damen wollten ſich
im eigenen Automobil an den Strand begeben,
als der Wagen an einer ſcharfen Kurve plötzlich
ins Schleudern kam und einen ſteilen, 80 Meter
hohen Abhang hinunterſtürzte. Die vier Inſaſſen
wurden tot aus den Trümmern des Automobils
gezogen.
Raubmord in Hamburg.
Hamburg. Am Mittwoch abend wurde der
im Jahre 1894 in Teltow in der Mark geborene
Kaufmann Ernſt Karl Nitze in ſeinem am Stein=
damm
gelegenen Kontor ermordet aufgefunden.
Der Kopf des Ermordeten weiſt ſtarke Verletzun=
gen
auf, die anſcheinend von einem Beil her=
rühren
. Nach den bisherigen Feſtſtellungen wur=
den
eine goldene Herrenuhr, ein grauer Mantel,
ferner 1215 Mark in barem Geld, ſowie die
Kontor=, Geldſchrank= und Lagerſchlüſſel geraubt.

Poß führt im Deutſchland=Rundflug.
Berlin. Nach Erledigung der Prüfungen
des 2. Tages, geringſte Fluggeſchwindigkeit und
Anlaſſen des Motors ergibt ſich folgendes Ge=
ſamtergebnis
: Poß 39 Punkte, Dinort 33 Punkte,
Wolf Hirth 32 Punkte, Junghans 30 Punkte,
Weichelt 30 Punkte. Fräulein Lieſel Bach und
Frl. Beinhorn folgen erſt in weiterem Abſtand
mit 27 bzw. 22 Punkten. Croneiß will ſeine
Langſam=Prüfung noch einmal wiederholen,
doch wurde am Mittwoch nachmittag davon ab=
geſehen
, um ihn nicht durch die herrſchenden
ſtarken Gegenwinde zu benachteiligen.

Flugzeugnotlandung bei Göppingen.
Berlin. Das Flugzeug D. 1775 mußte
am Donnerstag auf dem Fluge von München
nach Stuttgart gegen 14.30 Uhr bei Auendorf,
10 Kilometer ſüdlich von Göppingen, wegen
ſchlechten Wetters zwiſchenlanden. Hierbei wurde
die Maſchine ſchwer beſchädigt. Die Fluggäſte,
ſieben an der Zahl, und der Funker blieben un=
verletzt
, während der Führer und der Flug=
maſchiniſt
leicht verletzt wurden.

Abſturz eines polniſchen Marineflugzeuges.
Danzig. Ein Waſſerflugzeug der polniſchen
Kriegsmarine ſtürzte kurz nach dem Aufſtieg zu
einem Uebungsplatz in Putzig aus zehn Meter
Höhe ab. Von den vier Inſaſſen wurde ein Flie=
gerwachtmeiſter
auf der Stelle getötet.

Keine Spur von Cramer.
Kopenhagen. Wie ſich inzwiſchen heraus=
geſtellt
hat, ſtammt der Zylinderteil, den man
an der Weſtküſte Jütlands gefunden hat, nicht
von einem Flugzeug, ſteht alſo nicht mit Cramers
Flug in Verbindung. Ueber das Schickſal Cra=
mers
herrſcht noch völlige Unklarheit. In Oslo
iſt man der Anſicht, daß Cramer auf der offenen
Nordſee verunglück iſt.

Die Todesopfer des St. Philibert.
Paris. Die Zahl der bei der Schiffskata=
ſtrophe
des St. Philibert an der Loiremün=
dung
ums Leben gekommenen Perſonen beläuft
ſich auf 452. Bis Mittwoch wurden genau 400
Leichen wiedergefunden. Davon konnten 300
identiſiziert werden. 52 Leichen hat alſo das
Meer noch nicht zurückgegeben. Nur acht Paſſa=
giere
wurden bekanntlich gerettet.

Ein angeblich echter van Onck
beſchlagnahmt.

Berlin. Die Kriminalpolizei hat in einem
Lokal in Charlottenburg vorgeſtern ein Gemälde
beſchlagnahmt, das in Belgien entwendet worden
ſein ſoll. Ein Belgier, der des öfteren Gaſt in
dieſem Lokal iſt, bezeichnet das Bild als einen
echten van Dyck, das einen Wert von mehreren
hunderttauſend Reichsmark haben ſoll. Geſtern
vormittag wurde das Bild von Kunſtſachverſtän=
digen
auf ſeine Echtheit geprüft. Außerdem will
man feſtſtellen, durch welche Hände das Bild ge=
gangen
iſt, ehe es zu ſeinem jetzigen Beſitzer ge=
langte
.
Das geſtern nachmittag in einem Charlot=
tenburger
Reſtaurant beſchlagnahmte Gemälde,
das angeblich ein echter van Dyck ſein ſoll, der
während des Krieges in Belgien geſtohlen wurde,
iſt vom Sachverſtändigen im Polizeipräſidium,
Regierungsrat Dr. Daun, eingehend unterſucht
worden. Er ſtellte feſt, daß das Bild von einem
unbekannten Rubens=Schüler herrührt und aus
den Jahren 1630 bis 1650 ſtammen dürfte. Im
übrigen werden die letzten Feſtſtellungen über
die Echtheit heute vormittag von Geheimrat
Friedländer vom Kaiſer=Friedrich=Muſeum ge=
troffen
werden.

Der britiſche Geſchäftsträger in Honduras
tot aufgefunden.
Tegucigalpa. Der hieſige britiſche Ge=
ſchäftsträger
Wilton wurde vorgeſtern früh in
der britiſchen Geſandtſchaft tot aufgefunden. Ein
Revolver lag an ſeiner Seite; auf einem Tiſch
im Zimmer wurden ein Brief aus England, den
Wilton anſcheinend gerade geleſen hatte, ſein
Diplomatendegen, einige Photographien und ein
an ſeine Frau in London gerichtetes Schreiben
vorgefunden. Wilton war erſt vor kurzem aus
Rotterdam, wo er ſtellvertretender britiſcher
Generalkonſul geweſen war, nach Tegucigalpa
verſetzt worden. Im Jahre 1923 war Wilton als
Vizekonſul in Wien tätig.

Neue Fälle von Kinderlähmung in New York.
New York. Am Mittwoch wurden 73 neue
Fälle von Kinderlähmung bekannt, ſo daß ſich
die Zahl der ſeit dem 1. Juli gemeldeten Fälle
auf 1536 erhöht.

Berlin. Im Verlaufe der Unterſuchung
des Jüterboger Eiſenbahnattentats meldete ſich
bei der Unterſuchungskommiſſion ein Kriminal=
aſſiſtent
Karl Kraft aus Berlin. Karl Kraft er=
wartete
den Beſuch ſeines Onkels Tizian Flaty
aus Winterthur in der Schweiz, der am Sams=
tag
abend mit dem verunglückten Baſeler Schnell=
zug
eintreffen ſollte. Wie von dem Leiter der
Aufräumungsarbeiten an der Unfallſtelle mit=
geteilt
wird, iſt es nicht ausgeſchloſſen, daß ſich
unter einem der noch nicht gehobenen Eiſenbahn=
wagen
eine Leiche befindet. Bisher wurden
fünf Wagen wieder aufgeſtellt. Nach Eintreffen
des zweiten 60=Tonnen=Kranes werden die übri=
gen
drei Wagen wahrſcheinlich im Laufe des
heutigen Tages aufgerichtet werden.
Es verlautet, daß ſich ſämtliche Opfer des Un=
falls
auf dem Wege der Beſſerung befinden.

Neueſte krimingliſtiſche Hilfsmikkel
bei der Unkerſuchung des
Eiſenbahnakkenkals.

Der Funkzug der Kriminalpolizei
auf dem Bahnhof von Grüna / Kloſter Zinna.
Oben rechts: Kriminalrat Gennat, der Leiter
der Unterſuchungskommiſſion.
Zur Aufklärung des furchtbaren Eiſenbahn=
attentats
bei Jüterbog werden alle techniſchen
Einrichtungen der Kriminalpolizei herangezogen.
So ſteht auf dem Bahnhof von Grüna/Kloſter
Zinna, in deſſen unmittelbarer Nähe das Atten=
tat
verübt wurde, ein Spezialzug mit Antennen=
anlage
, von dem aus alle neuen Unterſuchungs=
ergebniſſe
an ſämtliche Kriminalſtellen gefunkt
werden.

22 Häuſer durch Blitzſchlag in Brand geſetzt.
Bukareſt. Ein heftiger Sturm hat heute
früh in der Bukowina gewütet. Durch Blitzſchläge
wurden 22 Hänſer in Brand geſetzt. Drei Men=
ſchen
wurden durch Blitzſchläge getötet, darunter
ein junges Mädchen, das mit ſeinen beiden
Schweſtern auf einer Wieſe ſchlief.

[ ][  ][ ]

SülSagAaAät

olizei
riedr
entat e
s, der beide
ft hatte.

Kraft

Der Spork des Sonntags.
Fußball=Verbandsſpiele und Ruder=Meiſterſchaften.
Die hervorſtechendſten Ereigniſſe im Sportprogramm des
Sonntags ſind die ſüddeutſchen Fußball=Verbandsſpiele und die
Deutſche Meiſterſchafts=Regatta in Berlin=Grunau. Daneben gibt
s auch in den anderen Sportarten, wie Tennis, Radſport. Motor=
vort
, Schwimmen uſw. noch einige wichtige Veranſtaltungen, all=
jemein
haben aber dieſe Sportarten ihren Höhepunkt überſchrit=
en
und ſind im Abflauen, nachdem ſie die deutſchen Meiſter=
chaften
hinter ſich haben.
Fußball.
Am zweiten Spieltag erſcheint die ſüddeutſche Bezirks
iga vollzählig auf dem Plan. Sechs Verbandsſpiele finden
illerdings bereits am Samstag ſtatt und die SpVg. Fürth trug
ihr Verbandsſpiel gegen den VfR. Fürth bereits am Mittwoch
aus, um eine ſeit langem abgeſchloſſene Reiſe nach Polen und der
Tſchechei zu ermöglichen. Auch der VfL. Neu=Iſenburg, als elfter
Verein der Gruppe Main ſpielfrei, weilt im Ausland und nimmt
n Luxemburg an einem Turnier teil. Das ſüddeutſche Verbands=
viel
=Programm hat im einzelnen folgendes Ausſehen: Gruppe
Main; 1. FC. Hanau 93 Kickers Offenbach; Germania Bie=
dſer
FSV. Frankfurt, Eintracht Frankfurt Germania 94
Frankfurt, FSV. Heuſenſtamm Union Niederrad. Rotweiß
Frankfurt SpVg. Griesheim; Gruppe Heſſen: Viktoria
Walldorf SV. 98 Darmſtadt Viktoria Urberach Olympia
orſch. SV. Wiesbaden 1. FC. Langen, Alemannia Worms
SV. Mainz 05. FVg. Kaſtel Wormatia Worms; Gruppe
ordbayern: SpVg. Fürth VfR. Fürth (Mittwoch): ASV.
Nürnberg 1. FC. Nurnberg, FC. Bayreuth SpVg. Weiden,
C. Schweinfurt Kickers Würzburg, FV. Würzburg Bayern
af; Gruppe Südbayern: Teutonia München Bayern
München und DSV. München FC. Straubing (Doppelſpiel am
Samstag): 1860 München Jahn Regensburg; Wacker München
SSV. Ulm; VfB. Ingolſtadt=Ringſee Schwaben Augsburg
Gruppe Rhein: FG. Kirchheim VfL. Neckarau; FC.
Mannheim 08 VfR. Mannheim; Spvg. Mundenheim Sppg.
Sandhofen; Amicitia Viernheim FC. Sandhauſen, Phönix
Ludwigshafen SV. Waldhof (Samstag); Gruppe Saar;
Spfr. Saarbrücken FK. Pirmaſens; VfR. Pirmaſens Boruſ=
ia
Neunkirchen; Weſtmark Trier Saar Saarbrücken; SV. 05
Saarbrücken 1. FC. Idar, 1. FC. Kaiſerslautern FV. Saar=
rücken
: Gruppe Württemberg: FV. Zuffenhauſen Kik=
ers
Stuttgart (Samstag); SV. Feuerbach Union Böckingen;
ppfr. Eßlingen 1. FC. Pforzheim; VfR. Heilbronn Ger=
nania
Brötzingen; FC. Birkenfeld VfB. Stuttgart; Gruppe
Zaden: Sppg. Schramberg Freiburger FC. (Samstag); VfB.
Larlsruhe Karlsruher FV. (Samstag): FC. Mühlburg
Zhönix Karlsruhe; FV. Raſtatt FC. Villingen; FC. Rhein=
elden
SC. Freiburg. Eine Vorbeſprechung der einzelnen
Spiele am Saiſonbeginn iſt unangebracht, wie ja auch der viel=
ach
überraſchende Ausgang der Spiele des erſten Sonntags be=
vies
. Die SpVg. Fürth ſpielt am Samstag gegen den 1. FC.
Zattowitz und am Sonntag gegen DFC. Prag und der VfL. Iſen=
urg
nimmt an dem Dreiländerturnier in Luxemburg teil und
rifft dort auf den Beerſchoot AC. Antwerpen und Red Boys Dif=
erdingen
, den luxemburgiſchen Meiſter, ſowie Union Luxemburg.
Handball.
Von den vier ſüddeutſchen Bezirken haben bisher nur Main=
deſſen
und Rhein=Saar mit den Verbandsſpielen begonnen und
nd auch am kommenden Sonntag die einzigen, die bereits
Junkteſpiele austragen.
Schwimmen.
Ein internationales Schwimmfeſt in Bocholt iſt vor den
Furopameiſterſchaften in Paris, die acht Tage ſpäter ſtattfinden,
as einzige und wichtige Ereignis im naſſen Sport. Nikar
deidelberg unternimmt eine Reiſe nach der Schweiz und abſol=
jert
dort einige Starts.
Leichtathletik.
Süddeutſchland verzeichnet am Sonntag vier Veranſtaltungen
on Bedeutung. In Frankfurt geht ein intereſſanter Gruppen=
ampf
Main gegen Heſſen in Szene, in Ulm wird ein
lubkampf Ulm 94 SC. Luzern geſtartet und außer=
em
gibt es für ſüddeutſche Athleten offene Kämpfe in Kork bei
tehl und in Erlangen. Aus dem Reich meldet der Terminkalen=
er
zwei internationale Sportfeſte in Berlin und bei den Kre=
elder
Preußen, ferner nationale Feſte in Braunſchweig und Diez
nd ſchließlich den Frauen=Repräſentativkampf zwiſchen Weſt= und
orddeutſchland in Bielefeld. Im Ausland gehen deutſche Athle=
en
beim Städtekampf Amſterdam Duisburg an den Start und
ußerdem intereſſiert noch der in Paris zum Austrag kommende
Länderkampf zwiſchen Frankreich und der Schweiz.
Rudern.
Die deutſche Meiſterſchaftsregatta in Berlin=
rünau
bedeutet Höhepunkt und Abſchluß der diesjährigen deut=
hen
Ruderſaiſon. Iſt das Meldeergebnis zahlenmäßig auch nicht
u hoch ausgefallen, was angeſichts der troſtloſen Wirtſchaftslage
u begreifen iſt, ſo bedeuten die abgegebenen Meldungen qualita=
iv
doch ſehr viel. Gemeldet ſind 7 Boote zum Einer, 9 zum
liemenzweier, 3 zum Doppelzweier, 4 zum Vierer ohne und 6
um Vierer mit Steuermann und 3 zum Achter An der Re=
atta
ſind auch drei Wiener Boote beteiligt. Aus Süddeutſch=
and
ſtarten: Paul=Frankfurt=Oberrad im Einer und Amicitia
Nannheim in den beiden Vierern und im Achter An der
Furopameiſterſchaft in Paris ſind 13. Nationen mit
6 Booten und 229 Ruderern beteiligt. Deutſchland und Eng=
and
, die dem Internationalen Verband nicht angehören, ſind
licht beteiligt.
Tennis.
Auf dem Feldberg im Schwarzwald hat am Mittwoch in guter
ationaler Beſetzung ein Tennisturnier begonnen, das am Sonn=
ag
ſeinen Abſchluß erfährt. Aus dem Ausland ſind nur die
inniſchen Meiſterſchaften aus Helſingfors zu erwähnen, die keine
eſondere Bedeutung genießen.
Golf.
Nach den am Vorſonntag in Frankfurt ausgetragenen Herren=
teiſterſchaften
folgen die Titelkämpfe der Damen am Wochen=
nde
in Hamburg. Titelverteidigerin iſt Frl. Nora Benzinger=
frankfurt
.
Radſport.
Hier gibt es mit dem langſamen Beginn des Herbſtes auch
icht mehr viel offene Bahnveranſtaltungen. Auf der Berliner
Uympiabahn geht ein Steher=Länderkampf Deutſchland Frank=
eich
in Szene, in deſſen Rahmenprogramm auch eine Revanche
r Fliegermeiſterſchaft ſtattfindet. Am Vortage veranſtaltet die
Lüſſeldorfer Bahn ein Rennen und in Frankfurt zeichnet der
Zundesgau des BDR. als Veranſtalter eines lokalen Steherwett=
ewerbes
verantwortlich. Die VARV. zieht in Bamberg ihre
Jahnmeiſterſchaften aus. Rund um Berlin und das inter=
ationale
Straßenfahrer=Kriterium in Genf ſind die wichtigſten
ſtraßenrennen.
Motorſport.
Nach den techniſchen Prüfungen vom Dienstag bis Freitag
eingen die letzten Tage der Woche beim Deutſchland=Flug
en eigentlichen Rundflug, der an den beiden Tagen mit Stari
nd Ziel in Berlin die Orte Lübeck (220 Km.), Münſter (315),
tuttgart (410), München (195), Wien (370), Breslau (325) Ber=
n
(295 Km.) berührt. Insgeſamt werden 2130 Km. durchflogen.
7 München iſt die erſte Tagesetappe beendet. Aus dem Aus=
ind
ſind das Tatra=Bergrennen für Wagen und der Große Preis
er A. M. du Midi in Paris für Motorräder zu erwähnen.
Schwerathletik.
Der DASV. von 1891 bringt in Schonungen am Main und
kuttgart wieder einen Teil ſeiner Meiſterſchaften zum Austrag.
n Schonungen ſind es die Titelkämpfe im Bantam=Gewichtheben
nd Ringen im Bantam= und Schwergewicht und in Stuttgart
ingen und Gewichtheben im Leichtgewicht.
Pferdeſport.
Die ſonntäglichen Galopprennen, ſteigen in Frankfurt,
(ttshorſt, Magdeburg, Horſt=Emfcher, Deauville und Dieppe.

* Fußball im Kreis Starkenburg.
Die Punktkämpfe am kommenden Sonntag.
Kreisliga: Polizei Darmſtadt Union Darmſtadt; Haſſia
Dieburg Sportvgg. 04 Arheilgen; Germania Oberroden
Germania 03 Pfungſtadt; Germania Eberſtadt SV.
Mörfelden; Union Wixhauſen SV. Münſter; Viktoria
Griesheim FC. 03 Egelsbach.
Die Starkenburger Kreisliga ſetzt nach dem ſchwächeren Auf=
takt
am letzten Sonntag am zweiten Spieltag nun recht lebhaft
ein. 12 Mannſchaften ſtehen im Kampf, und nur Groß=Zimmern
und Sprendlingen ſetzen aus. Unter den Paarungen finden wir
bereits einige, die man ſozuſagen als Großkämpfe betrachten
kann: Dieburg Arheilgen und Oberroden Pfungſtadt. Be=
reits
vormittags um 11 Uhr ſtoßen Polizei und Union Darmſtadt
auf dem Exert aufeinander. Von der Union weiß man bisher
ſo gur wie nichts, ſo daß man erſt einmal dieſes Spiel abwarten
muß, um ſich ein Urteil bilden zu können. Wir nehmen an, daß
die Polizei ſiegen wird. Die beiden Spiele in Dieburg und Ober=
roden
ſehen naturgemäß die Platzbeſitzer als Favoriten: Ober=
roden
könnte vielleicht eine Ueberraſchung bringen, aber in Die=
burg
darf man wohl mit einem ſicheren Erfolg der Einheimiſchen
rechnen. Viktoria Griesheim hat die Egelsbacher als Gaſt und
dürfte wie im Vorjahre, gewinnen. Geſpannt darf man ſein, wie
ſich die beiden anderen diesjährigen Neulinge halten werden.
U. E. werden ſich Eberſtadt und Wixhauſen gut halten, denn beide
Mannſchaften verfügen über eine größere Wettſpielerfahrung. Ob
Eberſtadt ſich aber ſchon gegen die ſchlagkräftigen Mörfelder
durchſetzen kann, darf bezweifelt werden. Und auch Wixhauſen
wird es gegen Münſter ſehr ſchwer haben, denn in den Punkte=
kämpfen
pflegt Münſter doch eine andere Klinge zu führen als
in den bisher für Wixhauſen recht günſtig verlaufenen Privat=
treffen
. Am Sonntagabend wird man jedenfalls mehr wiſſen.
In der A=Klaſſe ſetzt am Sonntag neben der Oden=
waldgruppe
auch die Gruppe Bergſtraße=Ried ein; die Dreieich=
gruppe
beginnt erſt am 23. Auguſt. Wie erwartet, konnten am
vorigen Sonntag ſich die alten A=klaſſigen Vereine gegen die
Klaſſen=Neulinge durchſetzen; Roßdorf gewann mit 7:1 in Groß=
Umſtadt, Ober=Ramſtadt mit 5:0 in Kleeſtadt und Beerfelden
ſchlug daheim die Schaafheimer gar mit 10:0. Gerade Beerfelden
werden die nun möglichen Erfolge ſehr gute Propaganda leiſten,
und auf der anderen Seite ſollten die Neulinge klug genug ſein,
einzuſehen, daß aller Anfang ſchwer iſt. In einem Jahr wird
man auch da weiter ſein.
Der kommende Sonntag ſieht nun in der A=Klaſſe fol=
gende
Spiele:
Gruppe Bergſtraße=Ried: FSV. Jugenheim- Rot=
weiß
Darmſtadt SV. Geinsheim Reichsbahn Darmſtadt,
Boruſſia Dornheim Germania Leeheim; SV. Groß=Gerau
Olympia Hahn.
Gruppe Odenwald. Spielvgg. Klein=Umſtadt SV.
Lengfeld: SC. Ober=Ramſtadt VfL. Michelſtadt; Viktoria Klee=
ſtadt
Viktoria Schaafheim; VfR. Be rfelden VfR. Erbach.
Gutes Wetter und gute Platzverhältniſſe vorausgeſetzt, darf
man überall mit recht anregenden Kämpfen rechnen.
SV. Geinsheim Reichsbahn Darmſtadt.
Am kommenden Sonntag fahren die 1. und 2. Mannſchaft
der Reichsbahn nach Geinsheim, um ihre 1. Verbandsſpiele in der
A=Klaſſe auszutragen. Geinsheim, das in den vorjährigen Ver=
bandsſpielen
mit an der Spitze war, wird einen ſchwer zu ſchla=
genden
Gegner für die jungen erſtmals in der A=Klaſſe ſpielen=
den
Darmſtädter abgeben. Die Reichsbahn, die aus dienſtlichen
Gründen nicht in ſtärkſter Beſetzung antreten kann, beſtreitet das
Spiel in folgender Aufſtellung; Bert; Faßhauer, Daniel; Gries=
heimer
, Bär 1. Bock; Spamer, Fries 1, Weißmantel. Mahr, Peter.

Tennis.

TC. 1914 Frankfurt TEC. Darmſtadt.
Die Medenſpiele werden nach demſelben Syſtem wie der
Davispokal ausgetragen, d. h. alſo, in einer ſogenannten Her=
ausforderungsrunde
ſtehen ſich Alt= und Neumeiſter, Meden=
Meiſter 1930 und Meden=Endſieger 1931 im Endkampf gegen=
über
. Vorjähriger Meiſter iſt der TC. 1914 Frankfurt, der auf
ſeinen Plätzen im Palmgarten am Sonntag, den 16. Auguſt, den
Darmſtädter Tennis= und Eisklub zum Endſpiel erwartet. Beide
Vereine ſind zuſammen mit dem T. u. H.C. Wiesbaden die Elite
der Klubs von Heſſen= und Heſſen=Naſſau. 5mal kam bis jetzt
die Meiſterſchaft zum Austrag, 4mal war der T.E.C.D. im End=
ſpiel
vertreten, 3mal war er Endſieger. Im Jahre 1927 wurde
die Meiſterſchaft erſtmalig durch einen Sieg in Caſſel, gegen den
Meiſter des Vorjahres, Caſſel=Wilhelmshöhe, errungen. Zwei
Jahre lang wurde der Titel dann verteidigt, und zwar nachein=
ander
erfolgreich gegen den SC. Forſthausſtraße Frankfurt (1928)
und den T. u. H.C. Wiesbaden (1929) Im Vorjahre (1930) aber
entführte Frankfurt 1914 die Meiſterſchaft, zu einer Zeit, als der
T.E.C. zum erſtmal ohne ſeinen früheren Spitzenſpieler Blecher
und außerdem noch mit Erſatz für Kleinlogel antrat. Heute haben
die Darmſtädter die Lücken ausgefüllt. Hartes Training hat die
Mannſchaft für dieſen letzten Kampf fit gemacht. Der eiſerne
Siegeswille iſt vorhanden, ſo daß ein Sieg der Darmſtädter, die
mit Kleinlogel, Claß, Endriß, Werner. Sennewald Steffan und
Müller nach Frankfurt fahren, im Bereich der Möglichkeit liegt.
Es muß jedoch erwähnt werden, daß an und für ſich die Frank=
furter
mit ihren Spitzenſpielern Goſewich, Erwen und Halber=
ſtadt
, die zurzeit zu Deutſchlands beſter Klaſſe zählen, ein ſchwer
zu nehmendes Hindernis ſind. Die Frankfurter gehen als klare
Favoriten in den Kampf, der um 3 Uhr nachmittags beginnt.
Ein Heag=Omnibus und zahlreiche Privatkraftwagen werden
Darmſtadts Anhänger zum Entſcheidungsſpiel nach Frankfurt
bringen, die hoffentlich einen Sieg ihrer Mannſchaft erleben.

Schießſpork.

Europa=Meiſterſchafken im Schwimmen.
Zehn Nationen am Start.
Die Meldeliſte für die vom 23. bis 30. Auguſt in Paris
ſtattfindenden Europameiſterſchaften im Schwimmen liegt jetzt
vor. Insgeſamt werden die Vertreter von zehn Nationen den
Kampf aufnehmen. Es ſind dies Deutſchland, Ungarn,
Frankreich, Italien, Tſchechoſlowakei, Polen, die Schweiz, Finn=
land
. England und Holland, von denen die beiden letztgenannten
Nationen nur in den Damenwettbewerben vertreten ſind. Leider
vermißt man Schweden in der Meldeliſte und ebenſo Belgien, die
Titelkämpfe haben alſo nicht die umfaſſende Beteiligung gefun=
den
, die man gern geſehen hätte. Auch bezüglich der deutſchen
Expedition beſtehen noch Schwierigkeiten. Die Ver=
handlungen
mit den Behörden konnten bisher noch nicht zufrieden=
ſtellend
erledigt werden, doch beſteht Ausſicht, daß dies bald der
Fall ſein wird. Leider werden wir aber auf eine unſerer ſtärk=
ſten
Waffen im Kampf um den Pokal der Nationen verzichten
müſſen, denn Europas beſter Rückenſchwimmer, Ernſt Küp=
pers
, der ſchon den deutſchen Meiſterſchaften fernblieb, muß aus
beruflichen Gründen auf die Teilnahme verzichten. Es wird
alſo für die deutſchen Vertreter ſchwer werden, dieſen ſchon zwei=
mal
gewonnenen Pokal ſiegreich verteidigen zu können, zumal
von den ſieben Damenprüfungen nur zwei vom D. S.V. beſetzt wor=
den
ſind.
Neue deukſche Schwimmrekorde.
Die bekannte Dresdener Freiſtilſchwimmerin Dorle Schö=
nemann
, die Inhaberin des Rekordes über 500 Meter Crawl,
brachte am Mittwoch abend im König=Friedrich=Auguſt=Bad in
Klotzſche bei Dresden unter offizieller Kontrolle auch die bisher
von Reni Erkens=Küppers, gehaltenen Beſtleiſtungen über 800
und 1000 Meter in ihren Beſitz. Frl. Schönemann, die ihren
Rekordverſuch bei nur 16 Grad Waſſertemperatur unternahm,
drückte die beide Crawlrekorde ganz erheblich, und zwar über
800 Meter von 14:05 2 auf 13.: 39, 8 und über 1000 Meter
von 17:47 auf 17:04 Minuten.
Amerikas beſte Fechkerinnen in Deukſchland.
Einige der beſten amerikaniſchen Fechterinnen ſind in dieſen
Tagen in Hamburg eingetroffen, um eine Reihe von Wettkämpfen
in Deutſchland, England, Frankreich, Italien und Ungarn mit
den europäiſchen Fechterinnen auszutragen und dabei ihre haupt=
ſächlichſten
Gegnerinnen bei den nächſtjährigen olympiſchen Spie=
len
kennen zu lernen. An der Spitze der Amerikanerinnen ſteht
Miß Marion Lloyd, die als beſte Fechterin Nordamerikas gilt und
ſeit 5 Jahren den Meiſtertitel hält. Außer ihr werden die Damen
Locke, van Hanſa und Guggolz bei den europäiſchen Turnieren
mitwirken. Die Rundreiſe ſieht nach Begrüßung durch den Deut=
ſchen
Fechterbund in Hamburg zuerſt Kämpfe gegen eine Damen=
gruppe
des Hamburger Fechtklubs ſowie gegen einige däniſche
Fechterinnen vor. Anſchließend finden Kämpfe in Bad Pyrmont
gegen eine Damengruppe des Deutſchen Fechtklubs Hannover und
gegen Holländerinnen ſtatt. Am kommenden Sonntag
nachmittag ſetzt ſich die Kampfreihe in Wiesbaden (Paulinen=
Schlößchen) gegen eine Gruppe des Mittelrheiniſchen Fechtklubs
fort. Hierbei wird auch die amerikaniſche Meiſterin einen Tref=
ferkampf
gegen die Weltmeiſterin Helene Mayer auf 10 Treffer
austragen Für die folgende Woche ſind vorgeſehen; Kämpfe in
Köln gegen niederrheiniſche Fechterinnen und in Offenbach
gegen Damengruppen des Fechtklubs von Darmſtadt, Frank=
furt
und Offenbach. Den Schluß in Deutſchland bildet dann in
Nürnberg am 23. Auguſt der Kampf gegen eine repräſentative
Damengruppe des Deutſchen Fechterbundes (Helene Mayer, die
neue Deutſche Meiſterin Tilly Merz=Rüdesheim, Frau Sondheim
und Frl. von Wachter=München) wobei abermals ein Einzel=
Trefferkampf und zwar der zweitbeſten Amerikanerin Miß Locke
gegen Frau Sondheim=München geplant iſt.

Der Damen=Fechtkampf Hamburg New York in Hamburg
endete am Mittwoch mit 5:4 Siegen zugunſten der Amerikane=
rinnen
.
Der deutſche Kanalbezwinger Ernſt Vierkötter wird ſich wie=
derum
am 2. September an dem Marathonſchwimmen über 24
Kilometer in Toronte beteiligen.
Cilly Auſſem und Irmgard Roſt treten Mitte September eine
auf drei Monate berechnete Reiſe nach Südamerika an, wo ſie ſich
an verſchiedenen Tennisturnieren beteiligen werden.

Sporklikerakur.

In recht geſchmackvollem Gewande präſentiert ſich Heft 33 von
Motor und Sport, in dem ein großer Teil dem Sport vorbe=
halten
iſt. Die Internationale Alpenfahrt iſt darin, flüſſig ge=
ſchrieben
und gut bebildert, erſchienen. Ebenſo fand das inter=
nationale
Gaisbergrennen ein würdiges Echo. Auch der Rhön=
ſegelflugwettbewerb
wird eingehend gewürdigt; daneben die
Auguſtrennen in Brookland und der Sport in England. Der tech=
niſche
Teil bringt Citroen=Teſt, einen Artikel. Motorfahrrad mit
Hilfsmotor; Ausführungen über Betriebskoſtenſchätzung und
Licht= und Anlaßmaſchine. In der bekannten Art der Reiſe=
beſchreibung
Mit Motor und Sport durch Deutſchland wird in
dieſem Heft mit Oberbayern fortgeſetzt, welcher Beſchreibung viele
Leſer ihre Beachtung zuwenden werden, da das Intereſſe für dieſe
Gegend Bayerns beſonders groß iſt. Der recht feſſelnde Roman
von Motor und Sport ſchließt in dieſem vielſeitigen reichhalti=
gen
Hefte ab. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Kioske, oder
vom Vogel=Verlag, Pößneck (Thüringen), Preis 60 Rpf.

Geſchäftliches.

Die Ziehung der Eiſenacher Geldlotterie zum Beſten des
Thüringer Muſeums zu Eiſenach findet beſtimmt am 27. und
28. Auguſt ſtatt. Die Lotterie bietet eine ausſichtsreiche Gele=
genheit
, für eine kleine Ausgabe einen großen oder geringeren
Geldgewinn zu erzielen, der in der jetzigen Zeit hochwillkommen
ſein dürfte.
Loſe koſten nur 1 Mark und ſind in den Verkaufsſtel=
len
zu haben, die in der Anzeige angegeben ſind. Die Haupt=
gewinne
ſind 10 000. und 2000. Mark. Alle Gewinne werden
bar ohne jeden Abzug ausgezahlt.
TV 11 797

Verfaſſungskämpfe in Darmſtadt.
Der Mannſchaftskampf im Kleinkaliberſchießen aus Anlaß
des Verfaſſungstages fand auf den Ständen der Priv. Sch.=G.
Darmſtadt ſtatt und in Fr. Engel=Pr. Sch.=G. D. einen ſicheren
Leiter. Als Sieger gingen folgende Mannſchaften hervor;
1. Windmühle 908 Ringe: 2. Kleeblatt 868; 3. Priv. Sch.=G. D.
807; 4. Weidmannsheil 807; 5. Wildſchütz 781.
Schieß=S. C. Kleeblatt Darmſtadt.
Das am Dienstag auf den Ständen am Karlshof ausgetragene
Königs=Schießen hatte trotz des ſchlechten Wetters eine ſtattliche
Anzahl Gäſte angezogen. Sehr hartnäckig zeigte ſich der rechte
Flügel, welcher erſt beim 393. Schuß fiel (A. Horn). Sehr bald
darauf, mit dem 584. Schuß (Auguſt Schäfer), mußte auch der
linke Flügel weichen. Nunmehr wurde die Platte freigegeben.
Mit dem 769. Schuß wurde der Vogel von Adolf Horn abge=
ſchoſſen
, welchem damit die Königswürde und Kette für 1931 zu=
geſprochen
wurde. Das traditionelle und hochintereſſante Schießen
hielt die Teilnehmer und Gäſte bis zum Schluſſe ganz in ſeinem
Banne.
Am kommenden Sonntag tritt die erſte Mannſchaft ihren
Rückkampf gegen Polizei Butzbach an, welcher, in Butzbach ſtatt=
findet
.
Pſerdeſpork.
Zum Frankfurter Rennen.
Die Niederräder Bahn wird, am kommenden Sonntag zu
einem eintägigen Meeting ihre Pforten öffnen. Als Hauptnum=
mern
ſtehen der Präſidenten=Preis und das Landgrafen=Rennen,
zwei alte wertvolle Rennen, auf dem Programm, über die es
auch das neueſte Wettſyſtem die Doppelwette, geben wird. Um=
rahmt
ſind dieſe beiden wichtigen Rennen von je zwei weiteren
Flachrennen und Jagdrennen, deren eines über den ungewöhnlich
langen Kurs von 4500 Meter geht. Die Beteiligung iſt wieder
denkbar gut, denn neben zahlreichen ſehr guten Pferden aus der
Reichshauptſtadt begegnen ſich eine Anzahl zerprobte weſtdeutſche.
Pfälzer, ſüddeutſche und Frankfurter Pferde. Daneben figuriert
als anziehendes Moment für die Zuſchauer die koſtenfreie Ver=
loſung
von drei Ferienreiſen bzw. den reichlichen Mitteln dazu.

Rundfunk-Programme.

Frankfurt a. M.
Freitag, 14. Auguſt.
17.00: Nachmittagskonzert des Funkorcheſters. Mitw.: Erb=Hüſt ( So=
pran
), H. Mertens (Baß), O. Seyfert (Flügel).
18.45: Dr. Kißling: Die Rechtsſtellung der Ehefrau nach geſetzlichem
Güterrecht.
19.05: H. Ebele: Die ſoziale Rundfunkhilfe.
19.20: H. Roſen: Was haben wir von der diesjährigen Funk= Aus=
ſtellung
zu erwarten?
19.35: Zeit, Programmänderungen, Wetter, Wirtſchaftsmeldungen.
19.45: Handharmonikakonzert des Handharmonika=Quartetts Troſ=
ſingen
.
20.15: Carl Spitteler. Proſa und Lyrik.
20.50: Unterhaltungskonzert des Philharm. Orcheſters Stuttgart.
22.10: Zeit, Wetter. Nachrichten, Sport.
22.30: Karlsruhe: Tanzmuſik der Kapelle Haas=Mahagonny.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Freitag, 14. Auguſt.
15.00: Margarete Barth: Aus dem Leben eines großſtädt. Tagesbei=
mes
für Kinder.
15.45: G. Regelin: Von der Jugendrotkreuzarbeit für die Jugend=
rotkreuzarbeit
.
16.00: Leipzig: Nachmittagskonzert.
17.00: Stud.=Rat Soltau: Zur Technik der Muſeumsbeſuche mit
Schulklaſſen.
17.30: R. Jonas: Techniſche Seifenblaſen.
18.00: Dr. Geſtrich: Aktuelle Währungsfragen.
18.30: K. Kirſchauer: Raketen im Raum.
19.00: Wiſſenſchaftl. Vortrag für Zahnärzte.
19.30: Die Welt des Arbeiters. Das Geſellſchaftsleben. Im Städt.
Obdach Lehrſpiel v. Dr. Hermanns. anſchl.: Wetter für die
Landwirtſchaft.
20.00: Luſtige Stunde.
21.00: Tages= und Sportnachrichten. (1).
21.10: Budapeſter Streichquartett: E. Hauſer (1. Violine), J.
Roismann (2. Violine), St. Jpolyi (Viola), M. Schneider (Cello).
22.15: Wetter=, Tages= und Sportnachrichten.
anſchl. Femina: Tanz=Muſik des Jazz=Orcheſters Dick Dane und der
Tango=Kapelle El Aguilar.

[ ][  ][ ]

Um die Wiedereröffnung der Börſen.
Zunächſt kein variabler und Terminhandel. Noch keine Einigung über den Zeilpunkt der Börſenöffnung.

Gleichmäßige Regelung
für alle deutſchen Börſen beabſichkigk.

Nachdem im Handelsminiſterium über die techniſchen Fragen

hinſichtlich der Börſenwiedereröffnung eine Einigung erzielt wor=
den
iſt dergeſtalt, daß ein variabler und Terminhandel zunächſt

tiſchen Lage abwarten will. Deutſche Bonds tendierten feſt, und
ungariſche Werte hatten gleichsfalls kräftigere Beſſerungen zu ver=
zeichnen
. In Paris waren die Umſätze zu Beginn des Verkehrs
ſehr gering; verſchiedentlich traten kleine Kursabſchläge ein.

nicht ſtattfinden ſoll und daß die Abwicklung der ſchwebenden
Engagements an jeder Börſe nach den örtlichen Bedürfniſſen durch
Börſenbeſchluß geregelt wird, iſt jetzt nur noch die Frage des
endgültigen Termines zu löſen. Während ſich die Berliner Ver=
treter
mehr für eine möglichſt ſchnelle Wiedereröffnung des Bör=
ſenverkehrs
einſetzten, ſchienen die Abgeſandten des Reichs eher
für eine ſpätere Wiederingangſetzung zu ſein. Der Berliner Bör=
ſenvorſtand
tagte nun geſtrn, um eine Entſcheidung über den Er=
öffnungstermin
herbeizuführen. Wenn es nicht gelingen ſollte
die Börſe bis mitte nächſter Woche zu eröffnen, wird man wohl
vor Sept. kaum damit rechnen können, da dann der Ultimo als
ſtörendes Moment dazwiſchen kommen würde. Vielleicht iſt die
Herauszögerung bis Anfang September aus politiſchen Gründen
aber auch gar nicht ſo von der Hand zu weiſen. Werden doch die
franzöſiſchen Miniſter nunmehr ziemlich ſicher für Ende Auguſt
in Berlin zu erwarten ſein, und man verſpricht ſich doch von dieſem
Beſuch recht viel. Auch in Paris glaubt man, daß bei den Ber=
liner
Beſprechungen etwas Poſitives herauskommen müſſe und der
Populaire ſchreibt in dieſem Sinne: Wenn Laval Deutſchland
nichts anzubieten habe, und wenn er keine umfaſſenden, kühnen
Pläne mitbringe, dann wäre es beſſer, wenn er ſeine Reiſe ver=
zögere
oder gar nicht ausführe. Die deutſch=franzöſiſche Aus=
ſöhnung
, die für den Frieden in Europa unerläßlich ſei, könne
nicht durch Phraſen oder durch Händeſchütteln erzielt werden.
Taten ſeien notwendig, entſcheidende Taten. Auf ſie warte, man
ſchon mehrere Wochen, aber die Zeit vergehe und die Regierüngen
in Europa ſcheinen ſich über die wachſenden Schwierigkeiten nicht
klar zu ſein, die ſich aus dieſer Verzögerung ergeben. Es handele
ſich nicht nur um die deutſche Kriſe; die ganze europäiſche Wirt=
ſchaft
ſei mit der deutſchen ſolidariſch. Die Verhandlungen mit
dem Sachverſtändigenausſchuß gehen weiter, als Vertreter der
deutſchen Banken ſind geſtern die Herren Direktoren Fuchs und
v. Wedel von der Reichsbank, Dr. Schlieper von der Dedibank und
Dr. Jeidels, Berliner Handelsgeſellſchaft, nach Baſel abgereiſt.
Die Finanzlage Englands wurde geſtern in der City zuverſichtlich
beurteilt. Eine Diskontherabſetzung der Bank von England, die
als eine Geſte des Vertrauens erwartet wurde, trat aber nicht ein.
Im Verlaufe der Londoner Börſe war das Geſchäft nach un=
ſicherem
Beginn ſehr ruhig, da man die Entwicklung der poli=

Zu den heutigen Beſprechungen des Berliner Börſenvorſtandes
erfahren wir ergänzend: Der Börſenvorſtand hat ſich beſonders
mit den Maßnahmen beſchäftigt, die für den Fall der Wiederer=
öffnung
des Börſenverkehrs zu treffen ſind. Insbeſondere handelt
es ſich hierbei um die Regelung des Terminverkehrs, die Feſtſetzung
des Zeitpunktes der Regulierung und die Frage der Abwicklung
der bei Wiedereröffnung der Börſe noch ſchwebenden Zeitgeſchäfte.
Hierbei hat ſich ergeben, daß insbeſondere die Beſchlüſſe über
letztere davon abhängig gemacht werden müſſen, ob die Wieder=
aufnahme
des amtlichen Verkehrs zu einem Zeitpunkt erfolgen
wird, der die teilweiſe Abwicklung der ſchwebenden Zeitgeſchäfte
noch im Monat Auguſt möglich macht oder erſt zu einem ſpäteren
Termin. Da die Reichsregierungen und die Länderregierungen an
einer gleichzeitigen Wiedereröffnung der Börſen und einer gleich=
mäßigen
Regelung für alle preußiſchen und deutſchen Börſen ein
lebhaftes Intereſſe haben, wird der Berliner Börſenvorſtand zu=
nächſt
auf eine möglichſt beſchleunigte Klärung dieſer Fragen

Verbilligung der Zinſen
für Ernkebewegungs=Kredike.

Bereitſtellung von Mikkeln ſeikens des Reiches.

Aicfen dich rae en de Gee eſe e
kunft diesjähriger Ernte aufnehmen, nach Lieferung der War
auf Antrag eine Zinsverbilligung der hierzu in Anſpruch genom
menen Wechſelkredite zu gewähren. Die Ueberweiſung der Zins
rückvergütung erfolgt nach Einreichung einer von Käufer un
Verkäufer unterzeichneten Beſtätigung des Geſchäftsabſchluſſe=
dem
eine von dem finanzierenden Kreditinſtitut unterzeichnet
Abſchrift der entſprechenden Diskontabrechnung beigefügt iſt.
Die Zinsvergütung beträgt 6 Prozent p. a. der Wechſelſumm
für die Dauer der Laufzeit der Wechſelabrechnung, ſoweit ſie nich
über ſechs Wochen hinausgeht. Wird der derzeitige Reichsbank
diskontſatz von 10 Prozent herabgeſetzt erfährt der Rückver
gütungsſatz die gleiche Ermäßigung. Die Verbilligung erfolgt bi

durch das Handelsminiſterium bedacht ſein. Die Sitzungen des
Berliner Börſenvorſtandes endeten ohne poſitive Beſchlüſſe. Die

Beſprechungen, u. a. auch in den zuſtändigen Miniſterien, dürften
aber vorausſichtlich in Bälde fortgeſetzt werden.

Berliner Deviſen=Feſtſehung vom 13. Auguſt.

Helſingfors
Wien
Prag
Budapeſt
Sofia
Holland
Oslo.
Kopenhagen
Stockholm
London
Buenos Aires
New York
Belgien.
Italien
Paris
Schweiz

Geld Brief Geld Brief 10.59 10.61 Spanien 36.06 36.14 59.15 59.27 Danzig 81.69 81.85 12.467 12.487 Japan 2.080 2.084 73.43 73.57 Rio de Jan. 0.259 0.261 3.052 3.058 Jngoſlawien 7.448 7.462 169.73 170.0 Portugal 18.53 18.57 112.49 112.71 Athen 5.45 5.46 112.49 112.71 Iſtambul 112,54 112.76 Kairo 20,97 21.01. 20.445 20.485 Kanada 4.191 4.199 1.193 1.197 Uruguay 1.898 1.902 4.209 4.217 Island 92.21 92.39 58.,61 58.73 Tallinn . 112.09 112.31 22.05 22.09 Riga 81.22 81.38 16.49 16.53 Bukareſt 2.507 2.513 82.04 82.20 Kaunas 42.01 42.09

Wirkſchaftliche Rundſchau.

Stillegung der Rheiniſchen Provinzial=Baſaltwerke. Die ſchlechte
Wirtſchaftslage hat ſich beſonders bei den Rheiniſchen Provinzial= Baſalt=
werken
ausgewirkt. Schon vor zwei Jahren wurden die Oberkaſſeler
Baſaltwerke geſchloſſen. Die Oberpleiſer Werke mußten an die Weſter=
waldbrüche
A.G. verpachtet werden. Der große Betrieb in Neuſtadt
wurde dann mit einem Koſtenaufwand von 1,5 Mill. RM. ausgebaut.
Aber dieſer letzte Betrieb der ehemals ſo bedeutenden Rheiniſchen Ba=
ſaltwerke
blieb ein Zuſchußbetrieb und wird nun gegen Ende dieſer Woche
ſtillgelegt. So werden in Neuſtadt und Oberkaſſel insgeſamt 400 Arbeit=
nehmer
erwerbslos.

Die franzöſiſch=ruſſiſchen Handelsbeziehungen. Ueber die franzöſiſch=
ruſſiſchen
Verhandlungen, die der Wiederaufnahme der Handelsbeziehun=
gen
zwiſchen beiden Ländern dienen, bringt das Echo de Paris geſtern
Erklärungen des Handelsminiſters Rollin. Daraus ergibt ſich, daß die
Verhandlungen bis jetzt lediglich zur Zurückziehung der von der fran=
zöſiſchen
und der ruſſiſchen Regierung im Oktober 1930 erlaſſenen, den
Außenhandel völlig beſchränkenden Geſetze und Verordnungen geführt
haben, ſo daß der ruſſiſche Markt dem franzöſiſchen Export wieder er=
ſchloſſen
ſei. Die Frage der Rußland bei Beſtellungen in Frankreich zu
gewährenden Kredite ſei jedoch eng mit der Frage der Schuldenverhand=
lungen
verbunden und könne von ihr nicht getrennt werden.

Mekalnolierungen.

Die Metallnotierungen in Berlin für je 100 Kg. am 13. Aug.
ſtellten ſich für Elektrolytkupfer, prompt eif Hamburg, Bremen
oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die Deutſche
Elektrolytkupfernotiz) auf 74,50 RM. Die Notierungen der
Kommiſſion des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe ver=
ſtehen
ſich ab Lager in Deutſchland für prompte Lieferung und
Bezahlung) ſtellten ſich für Original=Hüttenaluminium, 98 bis 99
Prozent, in Blöcken. Walz= oder Drahtbarren auf 170 RM., des=
gleichen
in Walz= oder Drahtbarren, 99 Prozent, auf 174 RM.,
Reinnickel, 98 bis 99 Prozent, auf 350 RM., Antimon=Regulus
auf 5153 RM., Feinſilber (1 Kg. fein) auf 37,5039,50 RM.

Produkkenberichke.

Mannheimer Produktenbericht vom 13. Auguſt. Die Kurſe verſtehen
ſich per 100 Kilo netto waggonfrei Mannheim ohne Sack: Weizen, inl.,
ſofort 24,2524,75; Roggen, inl., ſofort 20,5021; Hafer, inl., alter
1819 neuer Ernte 1617; Gerſte, Braugerſte bad. heſſ. (neu) 16
18,50; Sohaſchrot 12,2512,50; Biertreber, mit Sack 10,5010,75; Trok=
kenſchnitzel
6,256,50; Wieſenheu (loſes) 4,805,20; Luzernekleeheu 5,00
bis 5,60; Stroh, Preßſtroh, Roggen=Weizen 3,303,50; desgl. Hafer=
Gerſte 2,803,00; Stroh, geb., Roggen=Weizen 2,702,90, desgl. Hafer=
Gerſte 2,402,60; Weizenmehl Spezial Null mit Sack, Auguſt 40,25,
Sept.Oktober 35,00; Roggenmehl mit Sack 28,5030,50; Weizen=
kleie
(feine), mit Sack 9,259,50: Erdnußkuchen 12,50. Tendenz: feſt.
Da die Forderungen für inländiſches Brotgetreide weiter weſentlich er=
höht
ſind, nahm der hieſige Markt einen feſten Verlauf.

Biehmärkke.

* Darmſtädter Viehmarkt vom 13. Oktober. Aufgetrieben waren 11
Ochſen, 106 Kälber, 7 Schafe. Die Preiſe ſtellten ſich für Kälber a) 52
bis 58, b) 4651, c) 4045 Pfg. pro Pfund Lebendgewicht. Marktver=
lauf
: langſam geräumt.
Frankfurter Viehmarkt vom 13. Auguſt. Auftrieb: Von dem letz=
ten
Markt noch 74 Rinder, 819 Kälber, 134 Schafe, 785 Schweine. Es
notierten pro Zentner Lebendgewicht: Kälber b) 5459, ) 4953,
d) 4448; Schafe a) 1. 4043, b).3039; Schweine b) 5761, c) 56
bis 60, d) 5560, e) 5256. Marktverlauf: Kälber und Schafe rege,
ausverkauft: Schweine ruhig, geräumt; geringe leichte Schweine faſt
unverkäuflich. Fleiſchgroßhandelsmarkt: Ochſenfleiſch 1. 7075 do.
2. 6070 Bullenfleiſch 6266, Kuhfleiſch 2. 4050, do. 3. 3040;
Kalbfleiſch 1. 7095, Schweinefleiſch 1. 6875. Geſchäftsgang: rege.
* Mannheimer Viehmarkt vom 13. Auguſt. Auftrieb Zufuhren:
112 Kälber, 21 Schafe, 184 Schweine 798 Ferkel und Läufer. Preiſe
für 50 Kilo Lebendgewicht in RM.: Kälber b) 5358 ) 4852, d) 42
bis 48 Schafe b) 3033; Schweine nicht notiert. Ferkel koſteten bis
vier Wochen alte 912 Mk., über vier Wochen alte 1418 Mk., Läufer
2094 Mark das Stück. Marktverlauf: Mit Kälbern mittel, ausver=
kauft
; Ferkel und Läufer lebhaft.

auf weiteres zunächſt für Geſchäfte, die in der Zeit vom 15. Auguf
bis 20 September 1931 abgeſchloſſen und erfüllt werden. Die An

träge ſind jeweils binnen einer Woche nach Erfüllung der Deut
ſchen Rentenbank=Kreditanſtalt, Berlin W. 8, einzureichen, die
entſprechende Vordrucke zur Verfügung hält.
Die Entſcheidungen der Deutſchen Rentenbank=Kreditanſtalt
über die Anträge ſind endgültig und können im Prozeßwege nicht
angefochten werden.
Es iſt Vorſorge getroffen, daß die im Rahmen der geplanten
Bevorſchuſſung auf abgeſchloſſene Lieferungsberträge gewährten
Kredite die gleiche Zinsrückvergütung erhalten. Ueber die Zins
rückvergütung für Erntelombardierungskredite ergehen noch be
ſondere Beſtimmungen.

Kalaſtrophale Lage
des aerfkanlichen Baumpolnatkles.

Die geradezu kataſtrophale Lage des amerikaniſchen Baumwollmark
tes, die Tauſenden von Baumwollfarmern den Ruin zu bringen droht
hat das Farmamt gezwungen, dem Gouverneur der 14 Baumwollſtaater
telegraphiſch folgenden Vorſchlag zu unterbreiten: Die Baumwollfarme=
ſollen
ein Drittel ihrer geſamten Ernte umpflügen, wodurch über vier
Millionen Ballen Baumwolle vernichtet würden. Das Farmamt ver
ſpricht dafür, die Rieſenvorräte aus dem Vorjahr in Höhe von 3 Mil
lionen Ballen nicht vor dem 31. Juli 1932 auf den Markt zu bringen
Das Farmamt gibt offen zu, daß die Stabiliſierungsvorſchläge völlig fehl
geſchlagen ſeien, und daß es nicht mehr Herr der Lage ſei. Eine ge
meinſame Aktion vor dem 1. September iſt unbedingt nötig, um eine all
gemeine Kataſtrophe zu vermeiden.

Amerikaniſche Kabelnachrichken.

Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 13. Aug.
Getreide. Weizen: September 50½, Dezember, 53½, März
56,25, Mai 58,25; Mais: September 48½, Dezember 39,75, März
42,50, Mai 44½; Hafer: September 22½, Dezember 24,25, Mai
26%; Roggen: September 34½, Dezember 38,25, Mai 42,50.
Schmalz: September 7,05, Oktober 6,875, Dezember 6,25.
Speck, loco 6,75.
Schweine: Leichte 7.157,90, ſchwere 5,506,40; Schweine
zufuhren in Chicago 22 000, im Weſten 58 000.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 13. Aug.
Schmalz: Prima Weſtern 7,75; Talg, extra loſe 3.
Getreide. Weizen: Rotwinter 62½, Hartwinter 593; Mais:
loco New York 68½; Mehl: ſpring wheat clears 4,104,46; Ge=
treidefracht
nach England 1,62,3 sh, n. d. Kontinent 88½ C.
Kakao: Tendenz; willig, Umſätze 134, loco 4½; September
4,89, Oktober 4,97, Dezember 5,15, Januar 1932 5,24, März 5,41,
Mai 5,54, Juli 5,75.

Kleine Wirtſchaftsnachrichken.

Der Konkursverwalter von Nordwolle hat nunmehr auch
Antrag auf Konkurseröffnung über den Privatbeſitz der beiden
Gebrüder Karl und Heinz Lahuſen, der leitenden Vorſtandsmit=
glieder
von Nordwolle geſtellt, um das Privatvermögen für die
Gläubiger von Nordwolle ſicherzuſtellen.
Ueber das Vermögen der Devaheim und der Deuzag iſt am
Donnerstag vor Amtsgericht Berlin=Mitte das Konkursverfahren
eröffnet. Zum Konkursverwalter iſt der Kaufmann Noetzel er=
nannt
worden. Die Gläubigerverſammlung für die Devaheim=
gläubiger
findet am 11. September, 9 Uhr vormittags, und für die
Gläubiger der Deuzag am 12. September, 9 Uhr vormittags in
der Ausſtellungshalle III am Kaiſerdamm ſtatt.
Der Goldzufluß der Bank von Frankreich in der Berichtswoche
vom 31. Juli bis 7. Auguſt, in welche die Kredithilfe an die Bank
von England fällt, hat aus dieſem Grunde nachgelaſſen. Immer=
hin
gingen noch 149. Millionen Franken an Gold ein, die den Gold=
beſtand
des franzöſiſchen Noteninſtitutes auf 58 556 Millionen
Franken erhöhten.

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Bekanntmachung.
Erhöhung der Zinſen für Spareinlagen.

Wir gewähren allen Sparern, die uns treu geblieben ſind und uns in
den letzten Tagen durch Beſonnenheit und Ruhe unterſtützt haben, für die Zeit
der außergewöhnlich hohen Reichsbankſätze bis auf weiteres
einen Zinſenzuſchlag von 2/
auf die ſeither gültig geweſenen Zinsſätze, rückwirkend vom 1. Auguſt 1931 an.
Dementſprechend werden alle
Spareinlagen
rückwirkend vom 1. Auguſt 1931 an
mit 8½0
bis auf weiteres verzinſt.
Wir können die uns anvertrauten Gelder nicht mit 11 oder 12% ver=
zinſen
, weil dann die entjprechend zu erhöhenden Zinsſätze nicht nur für unſere
Hypothekſchuldner und ſonſtige Darlehensnehmer untragbar wären, ſondern
auch nicht dem gemeinnützigen Charalter der (parkaſſen entſprechen würden.
Spareinlagen, welche gekündigt wurden, nehmen an der höheren Ver=
zinſung
teil, wenn die erfolgte Kündigung zurückgenommen wird
11846.

Bezirks=Sparkaſſe Höchſt i. Odw.,
Bezirks=Sparkaſſe Erbach,
Bezirks=Sparkaſſe Groß=Bieberau, . Bezirks=Sparkaſſe Reinheim.
Bezirks=Sparkaſſe Groß=Umſtadt, Bezirks=Sparkaſſe Seligenſtadt.

Nürnberger Bürger=Zeitung
Verlagsgeſellſchaft Mittelſtand m. b. H.
Aürnberg, Kühnertsgaſſe 33
fernſprecher 24150

Die Nürnberger Bürgerzeitung iſt das Sprachrohr
des Nürnberger und fränk. Hausbeſitzes, des Gaſt=

wirte=Gewerbes, des ſelbſtändigen Handwerkes und
Gewerbes wie überhaupt des geſamten Mittelſtandes.

Die wöchentlich erſcheinenden Beilagen Nürnberger
Hausbeſitzer=Zeitung, Fränk. Gaſtwirte=Zeitung
und Süddeutſche Mittelſtands=Zeitung erfreuen
ſich an Hand ihrer wertvollen redaktionellen Beiträge
größter Beachtung, ſtets ſteigender Beliebtheit und
ſtempeln die Nürnberger Bürger=Zeitung zur
größten deutſchen Mittelſtandszeitung im Sinne
der Wirtſchaftspartei.
Das geſteigerte Intereſſe Uberträgt ſich naturgemäß
auch auf den Anzeigenteil, ſo daß Anzeigen von auf=
(246a
fallend guten Erfolgen begleitet ſind.
Verlangen Sie unverbindlich Probenummern u. Preis=
angebot
, wir ſtehen Ihnen hiermit gerne zu Dienſten

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GEG Vollmilchſchokolade . . . . 100 gr.=Tafel 0.25
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ff. Orangeade . . . . . . ½ Flaſche ohne Glas 0.80
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ff ſaure Bonbons, Eis bonbons gewickelt, la Brauſe=
Würfel, Pfefferminz, Fruchtdrops in 10 Pfg.=Rollen,
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Gummiringe, Salizyl=Papier, SHalzyl=Pulver,
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Nummer 224

Freitag, den 14. Anguſt 1931

unch über
Farmamt
he von 3M
kt zu br.

Ein Roman aus der Induſtrie
von Hans Dominik

Copyright by Ernſt Keils Nachf., (Aug. Scherl), G.m.b. H., Berlin.

(Nachdruck verboten.)

Na, Rudi rief hinter ſeinem Rücken Tilly, die in einem
ſchrank kramte, wieviel ſollen Sie denn blechen? Langt denn
n halbes Monatsgehalt dafür?
Ach, Quatſch!
Wie meinen Sie, Herr Doktor Wendt? Quatſch? Kann
tich gar nicht erinnern, daß ein Herr auf eine Frage von mir
mals geſagt hätte: Quatſch.
Doch Quatſch! gab Rudi wütend zurück und ſchlug mit
er Hand auf den Tiſch. Da leſen Sie doch den Wiſch! Bin
berzeugt, daß Sie dann auch ſagen: Quatſch!
Tilly nahm den Brief und begann zu leſen.
Ah ein Brief Ihres Vaters! Sie las weiter. Aber
as iſt ja wundervoll, Rudi! Großartig! Gratuliere.
Was? Gratulieren? Iſt das Ihr Ernſt, Tilly?
Nun aber Punkt, Rudi! Statt vor Freude an die Decke zu
oringen, markieren Sie hier die gekränkte Leberwurſt, weil Ihr
Jater Sie gern nach Hauſe haben möchte, um Ihnen den Poſten
es erſten Chemikers in ſeiner Fabrik zu übertragen. Ihr
Zater ſchreibt da, ſein erſter Chemiker wäre ſeit langem krank
hd würde kaum wieder arbeitsfähig werden. Er brauche un=
edingt
Ihre Hilfe. Und da wollen Sie kneifen?
Was heißt kneifen? gab Rudi mißmutig zur Antwort.
Gekniffen hab’ ich in meinem Leben noch nie.
Na ja! Alſo jetzt muß er mal ran an die Ramme, der
eine Herr Rudi!. Was mir das Spaß macht!
Sie haben’s am allerwenigſtens nötig, mich zu flachſen,
illy; denn Sie ſind doch eigentlich an dem ganzen Malheur
chuld. Sie haben mir damals die Geſchichte mit den Moranſchen
zroßverſuchen angerührt. Der Direktor Merker, das alte Kamel,
at als Studienfreund meines Vaters dem einen Mordsbrief
eſchrieben, als wär’ ich die erſte Kanone hier in Rieba, und
itzt haben wir den Salat . . . Aber Rudi ſetzte ſich in
ſoſitur, Sie könnten Ihre Schuld ſühnen, mein teures Fräu=
ein
Gerland.
Na und wie? gab Tilly lachend zurück.
Sehr einfach! Sie übernehmen zu fünfzig Prozent meinen
Joſten."
Altes Faultier! fuhr Tilly ihn an. Das iſt doch wirklich
ill! Ich ſoll fünfzig Prozent Ihrer Arbeit übernehmen? Be=
anke
mich. Ihr Vater würde ſich auch bedanken.
Das iſt noch lange nicht raus, Tilly. Ich glaube ſogar,
er wär hundefroh, wenn ich inen tüchtigen Partner mitbrächte.
Bei ſeinen letzten Worten hatte ſich Tilly zur Seite gewandt.
Ach, ſeien Sie doch ſtill, Rudi! Was reden Sie da für törich=
8 Zeug!
Törichtes Zeug, Tilly? Ich glaube, ich hab' nie in meinem
eben ſo überlegt und vernünftig geredet wie gerade jetzt.
Sie ſollten doch wiſſen, Rudi, daß meine Arbeitsſtätte hier
Rieba iſt und nirgendwo anders.
Vorläufig meine liebe Tilly, vergaßen Sie zu ſagen.
ind vorläufig denke ich auch noch gar nicht daran, den Ribaer
ſtaub von meinen Füßen zu ſchütteln. Wenn Dr. Fortuyns

Werk getan iſt, dann will ich ſchon eher daran denken. Und dann
liebe Tilly, werden wir uns weiter ſprechen!

Na noch mal gute Nacht, Luiſe! Denn wollen wir man
gehen, Kollege Wittebold.
Schappmann und Wittebold traten aus dem Haus und gin=
gen
zum Werk. Vor der Kantine blieben ſie ſtehen. Na, denn
laſſen Sie ſich’s man gut ſchmecken, Wittebold! Sie wollen einen
Schoppen trinken, und ich mach’ meinen Nachtdienſt. Na ja
wird ooch vorübergehn . . . und denn haben wir die Pinke!
Während Schappmann die Treppe zum Hauptgebäude
hinaufſchritt, ging Wittebold in das Erdgeſchoß, wo mehrere
Kantinenräume lagen. Er nahm ſeinen Platz in der Nähe der
Tür, die über einen kleinen Gang hinweg Sicht in das Ange=
ſtelltenkaſino
gewährte, und ließ ſich ein Glas Bier geben. Was
würde wohl der brave Schappmann ſagen, dachte Wittebold,
wenn der wüßte, daß ſein ſolider Mieter in der letzten Zeit ſo
häufig ſpät abends in die Kantine geht, um einen Schoppen
zu trinken!
Als die Uhr elf ſchlug, rückte Wittebold ſeinen Stuhl ſo,
daß er das Büfett im Kaſino im Auge behalten konnte. Das
Kaſino leerte ſich; die Kellner räumten die Tiſche ab. Der
Büfettier Meyer rechnete mit ihnen ab, verſchloß dann Schränke
und Türen.
Wittebold blieb ſitzen, da die Kantine ja die ganze Nacht
in Betrieb blieb. Eine gute Viertelſtunde mochte vergangen
ſein, da wurde die Tür des Kaſinos nach dem Zwiſchenflur
geöffnet, und Meyer trat auf den Gang. Wittebold hörte, wie
eine kleine Pforte aufging, die ins Freie führte.
Endlich mal! murmelte er vor ſich hin, zahlte ſein Bier
und verließ die Kantine. Vorm Fabriktor ſchlug er den Mantel=
kragen
hoch und ſtreifte die blaue Brille über. Aus dem Futter
ſeines Mantels zog er einen Spazierſtock mit Gummizwinge, an
dem er wie ein gebrechlicher Invalide der Stadt zuhumpelte.
Ungefähr hundert Meter vor ihm auf dem anderen Trottoir ging
der Büfettier Meyer.
Als Wittebold um den Rathausplatz bog, zog er den Kopf
plötzlich noch tiefer in den Rockkragen ein. Verflucht noch mal
iſt Eſſig! dachte er bei ſich.
Der Herr, der in dieſem Augenblick dicht an ihm vorüber=
ging
, war Dr. Abt. Wittebold überlegte im Weiterhumpeln, ob
er Meyer noch weiter folgen ſollte; denn wenn Abt mit Meyer
was vorhatte, hätte er doch den Büfettier zweifellos im Vor=
beigehen
ſehen müſſen. Dann aber ſagte er ſich: Iſt’s nicht Dr.
Abt, iſt’s vielleicht ein anderer, mit dem Meyer ſich irgendwo
treffen will. Alſo nur weiter!
Meyer war inzwiſchen in eine breite Seitenſtraße einge=
bogen
. Wittebold folgte ihm, indem er ſich auch hier immer
auf dem anderen Bürgerſteig hielt. Die Straße war ſehr ſchwach
belebt. Soweit es möglich, muſterte Wittebold die Paſſanten.

Seite 13
Ein Herr, der eiligen Schrittes auf demſelben Bürgerſteig
vie Meyer daher daherkam, fiel ihm auf. Zum Donnerwetter
das iſt ja noch mal Dr. Abt!
Unwillkürlich beſchleunigte auch Wittebold ſeine Schritte.
Als Dr. Abt noch ungefähr hinter Meyer war, nahm er ein
Paketchen, das er bisher in der Linken getragen hatte, in die
Rechte. Obgleich das Trottoir reichlich breit war, ging Dr. Abt
ſo dicht an Meyer vorbei, daß er ihn beim Ueberholen faſt
ſtreifte. Eine Sekunde ſpäter ſah Wittebold, daß das Paketchen
aus Abts Hand verſchwunden war, ohne daß der irgendeine
Bewegung mit der Hand oder dem Arm gemacht hatte.
Ah! brummte Wittebold. Ihre linke Manteltaſche, mein
lieber Meyer, iſt ja plötzlich ſo dick geworden! Was gäbe ich
drum, wenn ich wüßte, was dieſes kleine Paketchen in Ihrer
Taſche enthält!
Er ließ den Zwiſchenraum zwiſchen Meyer und ſich wieder
größer werden und folgte ihm um den Häuſerblock herum, bis
Meyer wieder durch das Tor des Werkes trat. Der Büfettier
hatte ja Tag und Nacht ungehinderten Zutritt, weil er bei ſei=
nem
Bruder, dem Kantinenwirt, im Werk wohnte.
Wittebold zerbrach ſich den Kopf, wie er es anſtellen könnte,
von dem Inhalt des Paketes Kenntnis zu nehmen. Doch ver=
geblich
. Er fand keinen Weg.
Als er gegen Mittag des folgenden Tages an der Kantine
vorbeikam, ging es ihm durch den Kopf: Na das Paketchen
wird ja ſchon längſt unterwegs ſein!
Doch dies war ein kleiner Irrtum. Hinter dem Bretterzaun,
an dem Wittebold vorüberging, war der Büfettier Meher gerade
beſchäftigt, einige Kiſten als leere Emballagen für die Firma
Boffin in Berlin verſandfertig zu machen. Eine kleine Kiſte
nagelte er mit beſonderer Sorgfalt zu. Denn zwiſchen dem alten
Packmaterial da drinnen befand ſich auch das Paketchen, das
er Dr. Abt en passant aus der Hand genommen hat. In dem
üblichen Stil gehaltenen Frachtbrief der Sendung waren Zeichen
und Nummern der Kiſten einzeln aufgeführt. Der Punkt hinter
der Nummer jener kleinen Kiſte war etwas ſehr groß geraten.
Als Boffin den Brief las, machte ihm jener mißratene
Punkt anſcheinend große Freude. Er fuhr ſelbſt in ſeinem Auto
zu dem Lagerraum und ließ ſich die kleine Kiſte aushändigen.
Als Schappmann ſich an jenem vorhergehenden Abend von
Wittebold getrennt hatte, traf er im Hauptgebäude den Kaſtellan
Börner. So, Börner, da bin ick! Nu ſtell mir mal deinen
Harem vor!"
Is eigentlich gar nich nötig, Schappmann. Kennſt doch die
olle Scheuergarde noch von früher her. Doch halt nee! Eine
Neue is da. Das heißt aber nur als Vertretung. Nettes Mächen
übrigens. Von mir aus könnt’ ſe immer bleiben. Die olle Franzen
is krank, und das Mächen, was ſe vertritt, das wohnt bei ihr. Iſt
Glasbläſerin bei Meiſter Kunze. Muß en ordentliches Mächen
ſind. Erſt acht Stunden in der Glasbläſerei, un denn noch ſechs
Stunden hier reinemachen is doch allerhand for ſo’n junges
Ding! Na, nu komm her! Ich werde dir mit den Schlüſſeln Be=
ſcheid
geben. Den Schlüſſel zum Sicherheitsarchiv heb nur ja gut
auf! Du mußt ihn jeden Morgen im Büro abgeben. Die anderen
Schlüſſel haſt du unten in deiner Stube im Schrank. Und den
Schlüſſel zum Schrank mußt du natürlich abgeben.
Langſam ſchritten ſie durch die Korridore, wo überall Beſen
und Lappen lebhaft am Werke waren.
(Fortſetzung folgt.)

Nichtmitglieder machen ſich und ihre Anſtifter durch Einkauf in unſeren Verteilungsſtellen nach
8 152 des Genoſſenſchaftsgeſetzes ſtrafbar. Soweit wir Nichtmitglieder beim Einkauf in
nieren Verteilungsſtellen ermitteln, werden wir dieſelben bei der Polizei zur Anzeige bringen.

dass Jie ſchuhe nun des Feises pegen.
kaufen. Bedenken Jie,dass an einem.
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ſhuhgeselfschaft mönt.

Mk. 89o

(11835

[ ][  ]

Seite 14

Freitag, den 14. Auguſt 1931

Nummer 2

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EP-Veranstaltung gründlich auszunutzen, denn es bieten
sich ganz besonders gUnstige Kaufgelegenheiten!

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Zum Abschluss der Schulferien 2 Sonder-Vorstellungen.
Für die Großen für die Kleinen!
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Die urfidele Miekg-Maus
der Liebling von Jung und Alt zeigt sich beute Freitag und morgen Samstng
nachmittags 2.30 Uhr im Union-Theater.
Die bunte Bildfolge bringt: Micky im Tiervarieté Die närrischen Zwerge Micky
als fahrender Sänger Sommernachtstraum Auf in den Kampf Torero
Das Dampfroß steigt Herbst Wie lernt man fliegen und Anderes.
Eintrittspreise: Jugendliche Saal 0.50, Rang 0.75 Erwachsene Saal 1.00, Rang 1.50

Ab heute in Erstaufführung
Buster Keaton
spricht dentsch in dem Iustigen Tonflm
Buster rutscht ins Filmland!
Regie: Edward Sedwick.
Im wahrsten Sinne des Wortes rutscht Buster
Heaton in diesem Film ins Filmland. Umgeben
von prominenten Darstellern gerät er auf dem
Wege zum Filmruhm in Situationen von so mit-
reißender
Komik, daß der Zuschauer in strahlendste
Laune versetzt wird.
Im Vorprogramm:
Beitfering gegen Birräahag!
Der Weltmeisterschaftskampf im Tonflm.
Einzige Original-Anfnahme des ganzen Kampfes.
Die entscheidende 15. Runde in
Zeitlupenanfnahme.
Kampf-Reportage:
Alfred Braun vom Berliner Rundfunk.
Jugendliche haben Zutritt
Besamn 720 149 1 30 0.

Ab Heute

Ein Doppelprogramm von
hervorragender Qualität.
Das Bilddrama aus dem
Rußland von 1905.
Nach Sihirien
Regie: Henryk' Szaro.
Ein Furioso der entfesselten
Kamera eine Bildsprache
von bezwingender Virtnosität,
die sich zum unvergeßlichen
Erlebnis steigert.
Im II. Teil:
Die Afen von Suchum
und
Markllag in Marrakesch

Beginn: 3.30, 5.45 u.

Heute und folgende Tage
Das Soldatenstück aus dem Militär-
leben
der Vorkriegszeit.
Laplenstreich am Rhein
Regie: Jaap Speyer.
Folgende Kanonen sind aufgefahren:
Charlotte Susa, Hans Stäwe, Maria Solveg,
Ernst Verebes, Else Reval, Siegfried Arno,
Hans Junkermann, Wolfgang Zilzer u. v. a.
Ein lustiges Liebesspiel vom Rhein, ein äußerst
humorvoller Film von taktischen Schlichen,
Vorpostengeplänkel und unerschrok-
Kenen Sturmangriffen auf spröde Herzen.
Im Beiprogramm
Die Arktis-Expedition des
Graf Leppelin
als Tonflm.
Die Fahrt Berlin Leningrad Arktis u. zurück.
Beginn: 400, 6.10 und 8.20 Uhr

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Ausflugſonderzug
nach, Oberbayern
München Prien mit Chiemſee
und Berchtesgaden mit Königſee.
Am Dienstag, den 1. September d. J.,
verkehrt ein Sonderzug 3. Klaſſe mit 40
v. H. Fahrpreisermäßigung von Darm=
ſtadt
Hbf. nach München. Darmſtadt
Hbf. ab 8.37 Uhr, München an 16.50 Uhr.
Die Fahrzeiten für die Weiterfahrt nach
Prien am Mittwoch, den 2. Sepptember
d. J., und nach Berchtesgaden am Don=
nerstag
, den 3. September d. J., wer=
den
ins Programm aufgenommen.
Rückfahrt ab Berchtesgaden am Mon=
tag
, den 7. September, um 7.57 Uhr,
Darmſtadt Hbf. an 21.27 Uhr.
Fahrpreis für Hin= und Rückfahrt ab
Darmſtadt Hbf. 28,60 RM. Das mit
der Fahrkarte ausgegebene Gutſchein=
heft
zum Preis von 13,50 RM. enthält:
1 Gutſchein für eine Uebernachtung,
einſchl. Frühſtück und Bedienung in
einem guten Hotel in München,
den Fahrſchein zur Fahrt von Prien
nach Stock u. zurück mit dem Sonder=
zug
und zur Fahrt auf dem Chiem=
ſee
zur Herren= und Frauenieſel
hin und zurück,
die Eintrittskarte zur Beſichtigung des
Prunkſchloſſes Herrenchiemſee,
den Fahrſchein für den Sonderzug
Berchtesgaden-Königſee und zurück.
den Fahrſchein zur Rundfahrt auf
dem Königſee und
die Eintrittskarte zur Beſichtigung des
Salzbergwerkes bei Berchtesgaden.
Beſtellungen auf gute und preiswerte
Zimmer für Prien und Bechtesgaden
nehmen die Fahrkartenausgaben und
Mitteleuropäiſchen Reiſebüros entgegen,
die hierfür beſondere Vordrucke beſitzen.
Reiſeführer Stadtpläne uſw., ſowie aus=
führliche
Programme werden während
der Fahrt koſtenlos abgegeben. Siehe
auch Aushänge auf den Bahnhöfen uſw.
Im Intereſſe der Reiſeteilnehmer
wird dieſer Zug aus beſonders beaue=
men
Durchgangswagen 3. Klaſſe neueſter
Bauart gebildet werden.
(11852
Mainz, den 11. Auguſt 1931.
Deutſche Reichsbahngeſellſchaft,
Reichsbahndirektion Mainz.

Wanzen
Käfer, Ratten,
Mäuſe vertilgt
unter Garantie.
Komme auch
auswärts.
Ludw. Tiſcher
Kammerjäger,
Woogſtraße 5.

Sommer-Spielzeit
Bruno Harprecht
im Hess. Landestheater.
Freitag, 14, Auguſt
Freitag=Miete
7. Vorſtellung
Samstag, 15. Auguſt
Anfang 20 Uhr. Ende nach 22 Uhr
Letzte Aufführungen des
ſtürmiſchen Schwank=Erfolges:
Das öffentliche Aergernis
Schwank in 3 Akten v. Franz Arnold
mit Bruno Harprecht.
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Samstag, abends 8½ Uhr
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Im Gastspiel der Attraktionskapelle
Charlie Fornoff
Freitag.: Samstag und Sonntag
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Waſſerhöhe 3,93 m.
Luftwärme . 14 C.
Waſſerwärme vor=
mittags
7 Uhr 18C.
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Morgen Samstag
ab 8,30 Uhr
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Jugenheim a. d. Bergstr.
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Nennen zu Franklurt 2. M.-Miederrad
Sonntag, den 16. August 1931, nachmittags 3½ Uhr
I. A. Landgraten-Rennen
6 Hennen
Präsldentenprels
Nach dem Rennen Verlosung von drei Reiseprämien,
Jeder Rennbahnbesucher erhält ein Freilos. Gewinn
drei Reiseprämien zu 500, 250, 150 Rm. abzügl. Stempel-
steuer
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Eintrlttspreise: I. Platz 5 M., II. Platz 2 A.,
III Platz 1 M. (Kinder bis 15 Jahren in Begleitung
Erwachsener auf allen Plätzen 50 Pfg.), Num. Logen-
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