Einzelnummer 10 Pfenpige
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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
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Nummer 222
Mittwoch, den 12. Auguſt 1931.
194. Jahrgang
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Gewalt, wie Krieg, Aufruhr; Strelk uſw., erliſcht
jede Verpflichtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
der
Fonkurs oder gerichtlicher Beitreibung fällt
Nabatt weg. Banſkonto Deuiſche Bani und
Darm=
ſtädter und Nationalbant.
Die Londoner Expertenkonferenz beendet.
2as Ergebnis der Sachverſkändigen-Berakungen zur Durchführung des Hoover=Planes. — Immer noch
offene Fragen. — Deutſchland behält ſich volle Handlungsfreiheit nach Ablauf des Zeierjahres vor.
in Deviſen als Darlehen überwieſen. Die Reichsbahn
übergibt der B. J.3. hierfür Schuldſcheine in entſprechender Höhe.
Schwierige Finanzierung
Die Einzelheiten der Darlehens=Gewährung ſollen noch in
Ver=
handlungen zwiſchen der B. J.3., der Reichsregierung und der
Reichsbahn niedergelegt werden. Falls keine andere Abmachung
der Sachlieferungen.
getroffen wird, ſoll das Darlehen an die Reichsbahn vom 1. Juli
EP. London, 11. Auguſt.
Die Londoner Sachverſtändigen=Konferenz für den Hoover=
Plan iſt heute beendet worden. Nach der Schlußſitzung wurde
folgendes Kommuniqué bekanntgegeben:
„Die Londoner Sachverſtändigen=Verhandlungen" über die
praktiſche Durchführung des Hoover=Plans ſind heute beendet
worden. Das Komitee hat in London unter engliſchem Vorſitz
ſeit dem 17. Juli 1931 getagt und ſeine Verhandlungen heute
durch Unterzeichnung des Berichtes und eines Protokolls
abge=
ſchloſſen. Das Protokoll wurde von allen beteiligten
Re=
gierungen mit Ausnahme von Jugoſlawien
unter=
zeichnet. Es ſteht Jugoſlawien zur Unterzeichnung offen.
1933 ab mit 3 Prozent verzinſt und bis 30. Juli 1943 getilgt
wer=
den. Die Rückzahlung des Darlehens iſt eine
ab=
ſolute Verpflichtung, die nicht aufgeſchoben
werden kann, und vom Reich garantiert wird. Die
Gläubiger=Regierungen ſind berechtigt, die Schuldſcheine der
Reichsbahn nur an öffentliche Kaſſen und Einrichtungen
abzutre=
ten, zu diskontieren oder zu verpfänden.
Der aufſchiebbare Teil der Annuität des Youngplanes wird
bis zum Ablauf des Hoover=Jahres am 15. Juni 1932
aufgeſcho=
ben. Falls keine andere Vereinbarung getroffen wird, ſoll die
aufgeſchobene Annuität zuzüglich 3 Proz. Zinſen ab 1. Juli 1931
in zehn gleichen Jahresraten zurückgezahlt werden. Dieſe
Rück=
zahlungs=Annuitäten ſind in gleichen monatlichen Beträgen am 15.
jedes Monats vom 15. Juli 1933 ab zahlbar. Auch dieſe
Zahlun=
gen können in ihrer Eigenſchaft als abſolute Verpflichtungen nicht
aufgeſchoben werden.
Das Protokoll bedarf vor ſeinem formellen Inkrafttreten der
Ratifizierung durch die beteiligten Regierungen. Die
Ratifika=
tionsurkunden ſollen ſo bald wie möglich in Paris niedergelegt
werden. Sobald das Protokoll von Deutſchland, Belgien,
Frank=
reich, England, Italien und Japan ratifiziert iſt, tritt es in Kraft.
Für die anderen Regierungen tritt es nach Niederlegung der
Ratifikationsurkunden in Paris oder am Datum der
Benachrich=
tigung von der Ratifizierung durch die diplomatiſchen Vertreter
der betreffenden Regierungen in Paris in Kraft. Prinzipiell
ge=
langt das Protokoll mit ſeiner heutigen Unterzeichnung durch die
intereſſierten Regierungen mit rückwirkender Kraft vom 1. Juli
1931 zur Anwendung. / Das Protokoll ſieht am Schluß die
Mög=
lichkeit eines Beitritts jeder am Haager Abkommen beteiligten
Regierung und hierfür in Frage kommende Beſtimmungen vor.
Das pralkiiſche Ergebnis der Vereinbarungen
iſt eine Entlaſtung Deutſchlands während des Hoover=Jahres in
Höhe von 1 593 676 276 Mark. Dieſer Betrag wird bis zum
1. Juli 1933 zinslos aufgeſchoben und von dieſem Zeitpunkt ab
in zehn gleichmäßigen Jahresraten unter Zugrundelegung eines
Zinsſatzes von drei Prozent zurückgezahlt. Während des Hoover=
Jahres, werden unverändert weitergezahlt: der Dienſt der
Dawes= und Young=Anleihe, ſowie die Zahlungen an die
Ver=
einigten Staaten hinſichtlich der Urteile der Mixed=Claims=
Kommiſſion für die amerikaniſchen Entſchädigungsberechtigten
und die Zahlungen aus dem deutſch=belgiſchen Mark=Abkommen,
zuſammen etwa 200 Millionen Reichsmark.
Bei den Beratungen des Komitees iſt die franzöſiſch=
ämeri=
kaniſche Abmachung vom 6. Juli 1931 über die Anwendung des
Höover=Planes als Ausgangspunkt angenommen worden. Dieſe
Abmachung ſieht vor, daß anſtelle der effektiven, wenn auch
for=
mal weiterlaufenden Zahlungen des unaufſchiebbaren Teiles
der Annuitäten während des Hoover=Jahres die Deutſche
Reichsbahngeſellſchaft Schuldſcheine in Höhe von
45 Millionen Reichsmark monatlich ausſtellt und eine
Rückzah=
lung von ihrenZinsverpflichtungen unter den gleichenBedingungen
wie im Falle der unaufſchiebbaren Annnität übernimmt. Die
Einzelheiten ſind in einer beſonderen Anlage zum Protokoll
ge=
regelt. Die von Deutſchland vom 1. Juli 1933 ab zu leiſtenden
Zahlungen ſind dem Aufſchub nicht unterworfen. Die deutſche
Regierung hat aber allgemein zum Ausdruck
ge=
bracht, daß ſie zu der Frage, welche Zahlungen
Deutſchland künftig leiſten könne, nicht
Stel=
lung nehme, zumal, da die Frage der
Zahlungs=
fähigkeit nicht zur Zuſtändigkeit des Komitees
gehört habe. Die Erörterung dieſer Frage für
ſpätere Verhandlungen über die
Reparations=
frage bleibt danach offen.
Die ſchwierige Frage der
Sachleiſtungen
hat ihre Regelung in der Feſtlegung gewiſſer
Grund=
ätze gefunden, deren praktiſche Anwendung von den
Sach=
leiſtungskommiſſaren in Paris geregelt werden
ſoll. Hierbei iſt vor allem unterſtrichen worden, daß die
Durch=
führung der Sachleiſtungsverträge keine
Haus=
haltsbelaſtung Deutſchlands und keine
Beein=
trächtigung der deutſchen Wirtſchaft während
des Hoover=Jahres mit ſich bringen darf. Die
bei der B.J.3. zurzeit verfügbaren
Sachlieferungs=
kredite müſſen zunächſt, ſoweit ſie ausreichen, für die
Durch=
führung bereits genehmigter Verträge verwendet werden und
die Gläubigermächte haben ſich verpflichtet, ſoweit wie möglich,
Mittel zu finden, um einen Aufſchub laufender Verträge zu
ver=
hindern. Nachdem die vorhandenen Kreditmittel aufgebraucht
und ſofern keine anderen Finanzierungsmöglichkeiten gegeben
ſind, können die Gläubigerregierungen die Ausführung
geneh=
migter Verträge bis zum 30. Juni 1932 aufſchieben. Immerhin
werden die vorhandenen Mittel zunächſt ausreichen, um einen
Teil der bereits genehmigten Verträge durchzuführen, und es
ſteht zu erwarten, daß die gemeinſamen Anſtrengungen aller
Be=
teiligten dahin führen werden, die ſchweren Nachteile plötzlicher
Angriffe abzuwehren.
Das Protokoll ſoll ſofort nach ſeiner Unterzeichnung in Kraft
treten. Die B.J.3. iſt erſucht worden, die praktiſche Ausführung
ſicherzuſtellen.”
Jugoſlawien hat in einer Note heute erklärt, daß es
den Hoover=Plan nicht annehmen könne; bevor nicht eine
Fredithilfe von den Notenbanken für Jugoſlawien in die
Wege geleitet iſt, da ohne eine ſolche Stützungsaktion die
Finan=
zen und die Währung Jugſlawiens bei Annahme des Hoover=
Planes in Unordnung gebracht werden würden.
Der offizielle Text des Protokolls des
Sachverſtändi=
gen=Ausſchuſſes zur Durchführung des Hoover=Plans iſt heute
abend veröffentlicht worden. Das Protokoll umfaßt nicht ganz
4½ Schreibmaſchinenſeiten und beſteht aus ſieben Artikeln und
zwei Anlagen.
Was die Zahlung des nicht aufſchiebbaren Teils der Young=
Annuität während des Hoover=Planes anbetrifft, ſo iſt folgendes
Derfahren vereinbart worden: Die deutſche Regierung zahlt am
2. eines jeden Monats, beginnend mit dem 15. Juli 1931, in
ausländiſcher Währung an die B. J.3. den Betrag von 51
Mil=
lionen Reichsmark im Sinne der Beſtimmungen des Youngplans.
Aus dieſem Betrage ſtellt die B. J.3. den Teil des Dienſtes der
Ndung=Anleihe ſicher, der auf den nicht aufſchiebbaren Teil der
Ennuität anzurechnen iſt. Der verbleibende Reſt in Höhe von 45
Lillionen Reichsmark wird von der B. J. 3, der Reichsbahn
Beikere Herabſehung angeftrebl.
Berlin, 11. Auguſt.
Das Reichsbankdirektorium hat mit Wirkung
vom 12. Auguſt beſchloſſen, den Reichsbankdiskont von
15 auf 10 v. H. und den Lombardſatz von 20 auf 15
v. H. herabzuſetzen.
In der Dienstag=Sitzung des Zentralausſchuſſes der
Reichs=
bank begrüßte Reichsbankpräſident Dr. Luther die vom
Reichs=
bankdirektorium mit Wirkung vom 12. Auguſt beſchloſſene
Herab=
ſetzung des Reichsbankdiskontes von 15 auf 10 v. H. und des
Lombardſatzes von 20 auf 15 v. H. wie folgt: Die ſcharfe
Diskont=
maßnahme vom 1. Auguſt hatte den ausgeſprochenen Zweck, die
Wiederaufnahme des vollen Zahlungsverkehrs vorzubereiten und
ſeine Durchführung zu erleichtern. Die an die Erhöhung
ge=
knüpften Erwartungen haben ſich in vollem Umfange erfüllt. Der
Uebergang zum normalen Bankverkehr hat ſich ohne nennenswerte
Ausweitung des Kreditbeſtandes bei den Banken und des
Um=
laufes an Zahlungsmitteln vollzogen. Nach dem Status vom
7. Auguſt iſt bereits wieder eine Rückbildung der Anlagen der
Reichsbank um 122 Millionen RM. und des geſamten Umlaufes
an Zahlungsmitteln um 107 Millionen RM. eingetreten. Auch die
Wiedereröffnung der Sparkaſſen iſt durchaus befriedigend
ver=
laufen. Da auch ſonſt im Wirtſchaftsleben deutliche Anzeichen einer
Beſſerung unverkennbar ſind, glaubt die Reichsbank nicht länger
zögern zu ſollen, den Notdiskont von 15 wieder auf 10 v. H. und
zugleich den Lombard auf 15 v. H. herabzuſetzen.
Sie iſt ſich dabei bewußt, daß auch der neue
Zinsſatz der Wirtſchaft noch außerordentliche
Laſten auferlegt, und ſieht es als eine ihrer
wich=
tigſten Aufgaben an, ihrerſeits alles zu tun,
wasgeeignet iſt, weitere Diskontherabſetzungen
zu ermöglichen.
*
* Die Senkung des Reichsbankdiskontes von 15 auf 10
Pro=
zent und des Lombardſatzes von 20 auf 15 Prozent wird von der
deutſchen Wirtſchaft und namentlich der Landwirtſchaft mit
einem Aufatmen der Erleichterung begrüßt werden. Es muß
je=
doch betont werden, daß auch die jetzigen Sätze noch unerträglich
hoch ſind und die Reichsbank ſehen muß, möglichſt ſchnell auf dem
Gebiete des Diskontes wieder normale Sätze zu ſchaffen. Die
jetzige Senkung ſtand ja ſchon ſeit einigen Tagen feſt und die
meiſten Kunden der Banken haben ſich darauf eingeſtellt. Aus
dem Beſchluß des Zentralausſchuſſes geht hervor, daß man
inner=
halb der Reichsbank recht hoffnungsvoll in die Zukunft ſchaut
und daß man ſich vor allem von der Richtigkeit der getroffenen
Maßnahmen zur Normaliſierung des Zahlungsverkehrs überzeugt
hat. Bei den Banken hält ſich das Geſchäft im üblichen Rahmen,
auch bei den Sparkaſſen war in Preußen am Dienstag wieder
der alte Verkehr zu beobachten.
In der gleichen Sitzung der Reichsbankleitung iſt auch davon
geſprochen worden, ob es zweckmäßig iſt, ſchon in naher Zukunft
die Börſe wieder zu öffnen. Man will jedoch zunächſt abwarten,
welche Ergebniſſe eine Ausſprache im preußiſchen
Handelsminiſte=
rium mit den Börſenvorſtänden haben wird. Soviel ſcheint aber
jetzt ſchon feſtzuſtehen, daß ſicherlich noch das Monatsende ins
Land gehen wird, ehe überhaupt mit irgendwelchen Beſchlüſſen
zu rechnen iſt.
Stillhalte-Abkommen der belgiſchen Bankgläubiger.
TU. Brüſſel, 11. Auguſt.
Die belgiſchen Bankinſtitute, die in Deutſchland geſchäftliche
Intereſſen zu wahren haben, beſchloſſen am Montag in einer
Zu=
ſammenkunft, die inveſtierten Kapitalien nicht zurückzuziehen und
gegenüber den deutſchen Gläubigern Entgegenkommen zu zeigen,
indem ſie ihre Guthaben in Deutſchland belaſſen. Die Geldlage
der belgiſchen Banken iſt gegenwärtig ſehr günſtig, ſo daß der
Beſchluß keine Schwierigkeiten für die Banken ſelbſt mit ſich bringt.
Die Gläubiger=Konferenz in Baſel.
Teilnahme des Stillhalte-Ausſchuſſes
an den Berakungen.
TU. Baſel, 11. Auguſt.
Wegen des Ernſtes der Geſamtlage und um einen genauen
Ueberblick darüber zu gewinnen, was Deutſchland an kurzfriſtigen
Krediten ſchuldet und wie weit die anderen Länder hier helfen
können, hat der in Baſel bei der B. J.3. verſammelte
Sachverſtän=
digenausſchuß beſchloſſen, die Vertreter des Stillhalte=Ausſchuſſes
und der deutſchen Bankengruppen, deren Verhandlungen
gegen=
wärtig noch im Gange ſind, nach Baſel zu den Ausſprachen des
Sachverſtändigenausſchuſſes hinzuzuziehen. Man rechnet damit,
daß die Vertreter des Stillhalte=Ausſchuſſes ſich Mittwoch abend
in Baſel einfinden werden. Im Falle von
Meinungsverſchieden=
heiten wird der Sachverſtändigenausſchuß, der in der Zwiſchenzeit
ſeine Verhandlungen auf kleinere Einzelfragen beſchränkt, die
Rolle eines Schiedsrichters übernehmen. Vertreter der
amerika=
niſchen Gläubiger iſt Herr Gannon, der Londoner Vertreter der
Chaſe=National=Bank in New York, der kürzlich bereits in Berlin
verhandelte und ſchon in Baſel weilt. Für die engliſchen Banken
wird als Vertreter Tiarks genannt. Die ſchweizeriſchen,
ſchwedi=
ſchen und holländiſchen Bankengruppen ſind bereits im
Sachver=
ſtändigenausſchuß vertreten. Auch die Reichsbank ſoll eingeladen
werden, einen beſonderen Vertreter zu entſenden. Man nimmt
an, daß Geheimrat Dr. Vocke, der ſchon an den Verhandlungen
des Verwaltungsrates der B.J.3. teilgenommen hat, nach Baſel
entſandt werden wird.
Empfehlungen des Reichslandbundes
zur Ernkeverwerkung.
Berlin, 11. Auguſt.
In der Sitzung des Bundesvorſtandes des Reichslandbundes
am 11. Auguſt wurde einſtimmig folgende Entſchließung
ange=
nommen:
„Der Reichslandbund ſtellt mit Befriedigung feſt, daß in faſt
allen Teilen des Reiches ſein Aufruf zum vorſichtigen
An=
gebot der Ernte Zuſtimmung gefunden hat und von den
Landwirten im weſentlichen befolgt worden iſt. Nur durch gute
Verkaufsdiſziplin konnte dem kataſtrophalen Sturz der
Getreide= und Viehpreiſe angeſichts völligen Mangels ſtaatlicher
Maßnahmen Einhalt geboten werden. Nachdem nunmehr — wie
immer verſpätet — auch von der Regierung
Maßnah=
men getroffen worden ſind, die geeignet ſein können, die
Bewegung der Ernte in geordnete Bahnen zu lenken, erwartet der
Reichslandbund, daß auch dort, wo das Angebot bisher der
Nach=
frage noch nicht angepaßt wurde, die Landwirte unter Ausnutzung
aller gebotenen Möglichkeiten entſprechend den Richtlinien des
Reichslandbundes den Verkauf zurückhaltend geſtalten. Es müſſen
baldmöglichſt wieder Preiſe erzielt werden, die den
Herſtellungs=
koſten einigermaßen entſprechen. Dies iſt um ſo notwendiger, als
die bisherigen Druſchergebniſſe in den meiſten Gebieten
des Reiches hinter dem erwarteten Ergebnis zurückbleiben. Die
unter dem 29. Juli herausgegebenen Richtlinien für Preiſe und
Abgabemengen ſind weiter zu befolgen. Der Reichslandbund wird
ſeine Bemühungen fortſetzen, weitere Erleichterungen für die heute
noch unter ſtarkem Druck unverſtändiger Gläubiger ſtehende
Land=
wirtſchaft zu erreichen.
Maßnahmen, die ein zurückhaltendes Angebot der
landwirt=
ſchaftlichen Erzeugniſſe erleichtern, ſind:
1. Inanſpruchnahme der für die Erntebewegung zur
Ver=
fügung geſtellten verbilligten Kredite, insbeſondere des
auf 4 Prozent verbilligten
Erntebevorſchuſ=
ſungskredites.
2. Inanſpruchnahme der Möglichkeiten des neuen
Lager=
ſcheingeſetzes.
3. Teilweiſe Zahlung von Löhnen und anderen
Aus=
gaben durch Gutſchrift unter gleichzeitiger Hinterlegung von
Ge=
treide als Deckung.
4. Förderung des Gedankens teilweiſer
Steuerzah=
lung durch Naturalien und Sicherſtellung der
Wohl=
fahrtsunterſtützungdurch Naturalien im Winter
ſeitens der Kommunalverbände.”
Seite 2
Nummer 222
Die Berfaffungsfeier im Reichstag.
Berlin, 11. Auguſt.
Die große Verfaſſungsfeier im feſtlich geſchmückten
Sitzungs=
ſaal des Reichstages wurde eingeleitet durch die Motette: „Der
Geiſt hilft” von J. S. Bach. Als die letzten Töne verklungen
waren, ergriff
Reichsfinanzminiſter Dr. Diekrich
das Wort zu einer weit ausholenden Weiherede, in der er
ein=
leitend auf die Entwickelung der letzten acht Jahre hinwies.
Ein ungeheuerer wirtſchaftlicher Wiederaufbau ſei in den
acht Jahren ſeit 1923 vollzogen worden, aber nicht allein aus
eigener Kraft, ſondern auch mit dem erſparten Vermögen fremder
Nationen, das in Milliardenſummen als Leihkapital nach
Deutſch=
land hereingefloſſen ſei. Verhängnisvoller Weiſe geſchah es
viel=
fach in der Form, daß dieſes Kapital nur auf kurze Zeit geliehen
wurde. Von hier gehe die Gefahr aus, die uns in die
fürchter=
lichen Wirren der vergangenen Monate geſtürzt habe. Es ſei
aber nicht eine Kriſe der Wirtſchaft allein, ſondern es ſei die
Kriſe der Verträge, die den Krieg beendeten und die
Grundlage zu einem neuen Europa und zu einer neuen Welt
legen wollten, die an uns rüttele. Der Miniſter gab der
Hoff=
nung Ausdruck, daß dieſe Kriſe ihren Höhepunkt jetzt überſchritten
habe. Eine Gefahr für das Reich beſtehe nicht. Der Deutſche
habe ſich als beſſerer Bürger bewährt, als man geneigt geweſen
ſei, ihm zuzutrauen. Im weiteren Verlauf ſeiner Ausführungen
würdigte Miniſter Dietrich dann die Perſönlichkeit des Freiherrn
vom Stein, der die Vorausſetzungen für eine neue deutſche
Ge=
ſchichte geſchaffen habe. Heute ſei das deutſche Volk über alles,
was Stein plante, hinausgeeilt. Es habe das freieſte
Bürger=
recht in der Gemeinde und im Reiche. Trotzdem befinde es ſich in
einer Kriſe. Ein großer Teil der Leiſtungen, die aus unſerem
Volke herausgepreßt würden, um den Armen und Schwachen, den
Kriegsopfern und den Arbeitsloſen zu helfen, ſei zurückzuführen
auf die großen Ereigniſſe und ihre Auswirkungen, die wir
nach=
träglich nicht zu beeinfluſſen vermögen. Aber ein anderer Teil
entſpringe ebenſo ſicher Fehlern, die ſowohl auf politiſchem und
adminiſtrativem wie auf wirtſchaftlichem Gebiet gemacht worden
ſeien. Deutſchland befände ſich mitten in einer
wirt=
ſchaftlichen Umwälzung. Zwei Syſteme kämpften um
ihre Zukunft, das kapitaliſtiſche und das bolſchewiſtiſche.
Das Verhalten des Volkes habe gezeigt, daß es in ſeiner
überwiegenden Mehrheit willens ſei, auf der bisherigen
Grundlage weiterzubauen, daß es geſonnen ſei, auch dafür
Opfer zu bringen.
Der Ruf nach Reformen ſei groß und er dürfe auch nicht
unge=
hört verhallen. Doch müſſe man vor dem Glauben warnen, daß
durch eine Reform des Verhältniſſes von Reich, Ländern
und Gemeinden zueinander allein ſchon diejenigen
Ein=
ſchränkungen und Erſparniſſe eintreten würden, die notwendig
ſeien, die öffentlichen Laſten auf ein tragbares Maß
zurückzu=
ſchrauben. Es komme darauf an, die Aufgaben und
Zuſtändig=
keiten zwiſchen Reich, Ländern und Gemeinden richtig zu
ver=
teilen und die finanziellen Folgerungen daraus zu ziehen, um
die oft leerlaufende Verwaltungsmaſchine zu entlaſten. Der
Ein=
zelne müßte an die Spitze ſeiner politiſch=wirtſchaftlichen
Betäti=
gung den Gedanken an das Reich und an das deutſche Volk ſtellen.
Erſt dann, wenn die Notwendigkeit, den Staat zu verteidigen,
die überwiegenden Schichten unſeres Volkes beherrſche, würden
wir im wahren Sinne eine Nation ſein. Das Gefüge des Staates
beruhe auf der Qualität der Bürger, und wenn der Staat über
gute und tüchtige Bürger verfüge, werde er ein geſunder,
lei=
ſtungsfähiger und gerechter Staat ſein. Er werde aber auch ein
mächtiger und freier Staat werden, weil die Unabhängigkeit
nach außen abhängig ſei von der Ordnung im Innern. Der
Miniſter ſchloß: Mit dem Freiherrn vom Stein ſind wir ſtolz auf
unſer Volk und ſeine, wenn auch oft tragiſche, ſo doch glänzende
Geſchichte, und wir verbinden am heutigen Tage, an dem wir die
Verfaſſung von Weimar feiern, mit der Achtung vor der
Ver=
gangenheit den Glauben an Deutſchlands Zukunft. (Lebhafter
Beifall.)
Im Anſchluß an die Ausführungen des Finanzminiſters
wurde die Hymne „Sämann Deutſchland” vorgetragen.
Darauf ergriff
Reichskanzler Dr. Bräning
das Wort. Auch er erinnerte an die Perſönlichkeit des Freiherrn
vom Stein, der der Wegbereiter deutſcher Einheit und Freiheit
geweſen ſei. Der Führer zum volkhaften Staat ſei uns gerade
in dieſen Zeiten des Bildens und Harrens, des Handelns und
Geſtaltens auffriſchendes und mahnendes Beiſpiel. So wie ſeine
freiheitlichen Reformen die ſittlichen und moraliſchen Kräfte der
Nationen zu ſtärkſter Opferwirkung anfachten, ſo ſolle und müßte
die in der Reichsverfaſſung gegebene Freiheit und Mündigkeit
* Die Jordankaufe.
Von Kaſimir Edſchmid.
Von Jeruſalem geht es in einhundertachtzig Kurven durch
die kegelglatt polierten Pyramidenberge Judäas nach der
Jericho=Ebene hinunter, durch die der Jordan fließt,
Phan=
taſtiſche Troſtloſigkeit. Gigantiſche Blicke. Man rollt an den
Beduinenpoſten der transjordaniſchen Polizei hinunter. Mit dem
Berg der Verſuchung ſchiebt das lange Gebirgsmaſſiv noch
ein=
mal ein großes Kap vor und ſtürzt dann hinunter in die Ebene,
die zweihundert Meter unter der Meeresoberfläche liegt. Alle
paar Stunden nur eine ſeltene Quelle. Um das kleine Jericho
herum ein paar Bananen=Farmen. Dann die nackte troſtloſe
Prärie bis zum Jordan und drüben wieder weiter bis zu den
Moabiterbergen, die dem Gebirge Judäas wie ein hoher
Küſten=
ſtrich gegenüberliegen.
Der Jordan, den ſich jedermann, ich weiß nicht warum, als
einen gewaltigen Strom mit tropiſchen Ufern vorſtellt, iſt keine
fünfzehn Meter breit und hat nur ein paar Meter Gebüſch
um ſich. Tamarisken, Mimoſen, Diſteln. Am Abend wiſchen
hier Stachelſchweine und Hhänen herum. Nachts heulen die
Schakale durch die Wüſte zwiſchen den zwei Bergzügen und dem
Toten Meer, das etwa tiefer ſeitlich liegt.
Früher ſollen in dieſer ausgebrannten Steppe zweitauſend
Klöſter gelegen haben. Dann müſſen viele Quellen hier geweſen
ſein, und Chriſtus hat wahrſcheinlich vom Berg der Verſuchung
auf in Gelände geſchaut, das dem Paradies vielleicht glich:
Oliven= und Orangen=Haine. Jetzt iſt nichts davon da als ſalziges
Grasdſchungel.
An der Taufſtelle hat der Jordan etwas vom Neckar. In
der Weichheit und Milde, der Tönung und der Luft, und wenn
nachts der rieſige rote Mond durch die Büſche weht. Im
Som=
mer iſt es unvorſtellbar heiß hier: zweihundert Meter unter dem
Meer. (Jeruſalem liegt tauſend Meter höher.) Man kann im
Kahn eine idylliſche Fahrt machen, zumal der Fluß ſich neckiſch
hin und her windet. Ein Grieche hat hier einen Bungalow
auf=
geſchlagen. Die Hütte thront auf hohen, langen Baumſtämmen
und zittert ein wenig im Wind. Der Burſche iſt ein
paſſionier=
ter Jäger und hat ausgeſtopfte Schakale und Hhänen in die
Bäume gebunden. Das gibt der Szenerie, zumal die Heuſchrecken
wie eine Jazzkapelle ſchnattern und die Grillen hoch, wie
Raub=
tiere, pfeifen, eine geſpenſtiſche Aufmachung.
Mitte Januar findet die Jordantaufe ſtatt. Es iſt um dieſe
Zeit bitter kalt da unten. Die Leute, die von Jeruſalem
hinnuterfahren, ſchlottern erheblich in ihren Pelzen. Die
ver=
laſſee Gegend wird um dieſe Zeit zu einem exotiſchen Lager=
Mittwoch, den 12. Auguſt 1931
Vom Tage.
Miniſterpräſident Maedonald iſt am Dienstag früh aus
Loſſiemouth nach London zurückgekehrt und hatte eine dreiſtündige
Unterredung mit Schatzkanzler Snowden.
Die öſterreichiſche Bundesregierung iſt mit Rückſicht auf die
Unterbringung der Schatzſcheine und die internationale
Finanz=
lage mit dem Völkerbund in Verhandlungen getreten. Es
han=
delt ſich dabei um 150 Millionen Schilling, die ſeinerzeit die
Re=
gierung zur Sanierung der Kreditanſtalt zur Verfügung geſtellt
hatte.
Im Auftrag der bulgariſchen Regierung wurde am Montag
mit der Verhaftung zahlreicher mazedoniſcher Emigranten
begon=
nen. Bisher ſind über 50 Mazedonier verhaftet, entwaffnet und
teilweiſe nach der Provinz abgeſchoben worden. Die Maßnahmen
erfolgen in Zuſammenhang mit den ſüdſlawiſchen Vorſtellungen
wegen des Eiſenbahnanſchlages.
Um der Aufſtandsbewegung gegen den Präſidenten Machado
ein Ende zu bereiten, ſah ſich die Regierung von Cuba genötigt
den Belagerungszuſtand über ganz Cuba zu verhängen. Bisher
ſtand nur die Provinz Havanna unter Kriegsrecht.
Für Donnerstag dieſer Woche iſt eine Sitzung der
vereinig=
en Reichsratsausſchüſſe einberufen worden, in der
Reichskanzler Dr. Brüning einen Bericht über die Fragen
der Reichs=, Staats= und Gemeindefinanzenn und über die
inter=
nationalen Verhandlungen zu dieſen Fragen geben will. An den
Bericht wird ſich eine Ausſprache anſchließen, in der der
Reichs=
kanzler auch auf Fragen der Reichsratsmitglieder eingehen will.
Auf Grund einer Anzeige verhaftete die Berliner
Poli=
zei am Dienstag im Hauſe Hirtenſtraße 16 einen Mann, der an
dem Mord an den Polizeioffizieren beteiligt ſein ſoll.
Da ſich in ſeiner Wohnung Waffen und Munition fanden, wurde
ſofort das ganze Haus und die umliegenden Gebäude nach Waffen
durchſucht.
Wie die „Voſſ. Ztg.” berichtet, wird in Kreiſen der
Staats=
partei der Gedanke erwogen, einen Volksentſcheid über
die Reichsreform zu veranſtalten.
Die Reichstagsfraktion der Wirtſchaftsvartei trat
am Dienstag im Reichstag unter Vorſitz des Abg. Mollath zu
einer Sitzung zuſammen, um zur politiſchen Lage Stellung zu
nehmen und das Reformprogramm der Partei zu erörtern, das in
den nächſten Tagen dem Reichskanzler vorgelegt werden ſoll.
Hier=
auf hielt die Fraktion eine gemeinſame Sitzung mit dem
Partei=
vorſtand ab.
In Dortmund ſtürzte ſich ein Mann hinterrücks auf zwei
Schutzpolizeibeamte mit dem Ruf: „Das iſt die Rache für
unſeren Hunger!” und brachte einem der Beamten einen tiefen
Meſſerſtich in den Rücken bei. Der Beamte brach
blutüber=
ſtrömt zuſammen. Beim Handgemenge mit dem zweiten
Beam=
ten erhielt auch dieſer einen tiefen Meſſerſtich in die Hand. Der
Meſſerſtecher wurde feſtgenommen.
allen ein Appell ſein, in bewußtem und diſzipliniertem Wollen
ſich der Bürgerpflichten zu erinnern, die dieſen Bürgerrechten
ent=
ſprächen. Auf die Zeit der Not, in die Steins Schatten gefallen
ſei, ſei der Aufſtieg gefolgt. So ſolle auch jetzt jeden Deutſchen
die Zuverſicht erfüllen auf eine beſſere Zukunft und den
Wieder=
aufſtieg unſeres Vaterlandes. Der Kanzler ſchloß: In dieſem
Sinne bitte ich Sie, Herr Reichspräſident, und Sie, meine Damen
und Herren, mit mir einzuſtimmen in den Ruf: Das in der
Republik geeinte deutſche Volk, es lebe hoch! Die Verſammlung
ſang dann das Lied der Deutſchen.
Nach der Feier begab ſich
Reichspräſident v. Hindenbarg.
begleitet von Reichswehrminiſter Groener und ſeinem
Adju=
tanten Oberſtleutnant v. Hindenburg und den Mitgliedern der
Reichsregierung ſowie zahlreichen Parlamentariern durch die mit
Wappen und Flaggen der Länder geſchmückte Kuppelhalle des
Reichstages über die große Freitreppe zum Platz der Republik,
von den vielen Tauſenden von Zuſchauern mit ſtürmiſchen
Hoch=
rufen begrüßt. Unter den Klängen des Präſentiermarſches und
des Deutſchlandliedes ſchritt der Reichspräſident in Begleitung
des Reichswehrminiſters und des Berliner Stadtkommandanten
Oberſt v. Witzendorff die Front der Ehrenkompagnie ab. Nach
dem Abſchreiten der Front, verabſchiedete ſich der Reichspräſident,
beſtieg ſeinen Kraftwagen und fuhr langſam unter neuen
Hoch=
rufen, Tücher= und Hüteſchwenken des Publikums die Front
ent=
lang nach dem Reichspräſidentenpalais zurück.
Gandhi will fernbleiben.
WTB. Bombay, 11. Auguſt.
Gandhi hat in einem Telegramm an den Vizekönig von
In=
dien erklärt, daß es ihm wohl ſchwer fallen werde, ſich zur
Rund=
tiſch=Konferenz nach London zu begeben. In nationaliſtiſchen
Kreiſen glaubt man zu wiſſen, daß Gandhi dieſen Entſchluß
ge=
faßt habe, weil er mit einem Briefe nicht einverſtanden ſei, den
der ſtellvertretende Gouverneur von Bombay, Hotſon, an ihn
richtete. Es handelte ſich um die Bezahlung von Grundſteuern
in der Provinz Gujerat.
platz. Der ganze Orient ſchickt ſeine Chriſten um dieſe Zeit an
die Jordanſtelle, wo die ausgeſtopften Tiere in den Bäumen
hängen. Dieſe Chriſten tragen das Koſtüm der Nationen, denen
ſie entſtammen. Araber, Perſer, Syrianer, Aegypter. Ein
male=
riſches Bild. Dazwiſchen die Ruſſen und die Europäer. Eine
Zeltſtadt entſteht. Wagen und Pferde werden in Karrees
ge=
ſtellt. Von zwölf Uhr nachts bis morgens ſtehen die
Ortho=
doxen am Ufer. Eine Armee von Prieſtern im Ornat!
So=
wie die Dämmerung beginnt und das Kreuz das Waſſer
be=
rührt, ſpringen ſie in Scharen in das kalte Waſſer. Manche
mit Pferden und Wagen. Andere übergießen ſich mit
Jordan=
waſſer, das ſie in der hohlen Hand ſchöpfen. Dieſe Begeiſterung
bekommt nicht allen gut. Esf. zu kalt, die Leute können nicht
raſch genug frottieren oder die Kleider wechſeln. Darum muß
eine Anzahl von ihnen daran glauben. Denn nirgends iſt
Be=
geiſterung, wenn ſie übertrieben wird, ſo ungeſund wie im
Orient.
Orphenm.
Varieté=Feſtſpiele.
Für leider nur wenige Tage iſt ein Enſemble ins Orpheum
eingezogen, wie es in der gleichen Fülle allererſter Qualität auf
dem Gebiete des Welt=Varietés noch nicht geboten wurde. Zehn
Numiern, von denen ausnahmslos nur in höchſten Steigerungen
geſprochen werden kann. Ein Enſemble=Gaſtſpiel der Badiſch=
Schweizeriſchen Varieté=Feſtſpiele, zuſammengeſtellt aus Theatern
und Varietébühnen von Hamburg. Berlin, Budapeſt, Rom,
Lon=
don, Paris, Wien. So verſchiedenartig die erleſenen
Darbietun=
gen aus den Gebieten der Gymnaſtik, Akrobatik und Tanzkunſt
ſind, jede einzelne iſt in ihrer Art die beſte, vollendetſte. Und man
ſtaunt! Staunt ob der Tatſache, daß es den Künſtlern der
Varietébühnen immer wieder möglich iſt, Neues zu bieten,
oder, wenn Bekanntes, das dann in ſo hervorragender
Ausfüh=
rung, daß der Eindruck erweckt wird, als habe man Aehnliches
nicht geſehen.
Wo beginnen als „an der Spitze marſchierend”, iſt ſehr ſchwer.
Eine Nummer übertrifft die andere. Ganz Neuartiges bieten
Turand Brothers vom Empire, Paris. „Verhinderte
Akro=
batik” nennen die beiden Künſtler ihre Nummer und bieten
Akro=
batik in höchſter Vollendung in einer ſo ſympathiſchen,
humor=
vollen Art, daß in keinem Moment der Eindruck des Schwierigen
erweckt wird. Dabei ſind dieſe eleganten, leichtſcheinenden
Scherze — Ballett=Groteske etc. — Kraftleiſtungen allerſchwerſter
Art. Uebertroffen nur noch von den Drei Ajax (Wintergarten,
Berlin), Athleten von wundervollem Körperbau und beiſpiellos
elegant gegebener Akrobatik und Zahnathletik. Beide Trupps
Verwalkungsgemeinſchaften
Mit Heidseeform.
Vor baldigen „Taken”?
* Berlin, 11. Aug. (Priv.=Tel.)
Der Verfaſſungsrede des Reichsfinanzminiſter Dr. Dietrich
ah man in politiſchen Kreiſen mit einer beſonderen Spannung
entgegen, weil die Vermutung beſtand, daß hier zum erſten Mal
greifbare Anhaltspunkte über die Reichsreform=Pläne des
Kabi=
netts Brüning gegeben würden. Dr. Dietrich hat dieſe
Erwar=
ung enttäuſcht, hat ſich wohl abſichtlich nicht in Einzelheiten
verlieren wollen. Dafür hat aber der preußiſche
Miniſterpräfi=
den Braun im „Vorwärts” zum Verfaſſungstag einen Artikel
veröffentlicht, der die erſten greifbaren Andeutungen gibt über
die geheimnisvollen Verhandlungen, die ſeit einiger Zeit
zwi=
ſchen den beiden Seiten der Berliner Wilhelmſtraße hin und her
gehen. Der preußiſche Miniſterpräſident gibt zu Protokoll, daß
„Preußen dem Reich ohne jede Spur von Partikularismus
und Eigenliebe zur Seite ſtehen wird, wenn es jetzt daran
gehen will, die Grundſätze einer vernunftgemäßen
Ratio=
naliſierung des deutſchen Verwaltungsapparates in die
Wege zu leiten”.
Das Zentralorgan des Zentrums, die „Germania”, die dieſe
Initiative des „Chefs der preußiſchen Regierung” begrüßt, gibt
den nötigen Kommentar, indem ſie von
Verwaltungsgemein=
ſchaften zwiſchen dem Reich und Preußen ſpricht, die geeignet
eien, „die ganze Frage auf ſchnellem Wege aus dem Stadium
theoretiſcher Erwägungen in praktiſche und erfolgverſprechende
Maßnahmen überzuführen”. Dieſe
Verwaltungsgemein=
ſchaften ſollen dann ſpäter der
Ausgangspunkt einer allgemeinen grundſätzlichen
Reichsreform
wwerden, um dadurch den Dualismus zwiſchen Reich und
Preu=
ßen zu beſeitigen.
In der Konſtruktion ſieht man allerdings noch nicht ganz
klar. Wenn Reich und Preußen ſich entſchließen, ihre
Verwal=
tungsrechtſprechung zuſammenzulegen, ſo iſt das ein Gebot der
Zweckmäßigkeit; wenn aber etwa das Reich die preußiſche innere
Verwaltung, die Juſtiz und gar die Finanzen mitübernehmen
würde, ſo würden doch damit rein politiſche Probleme
ange=
ſchnitten, die auch die anderen Länder intereſſieren. Wie auch
die Verwaltungsgemeinſchaften im einzelnen konſtruiert werden,
ſie haben doch entweder zur Folge, daß Preußen einen
entſchei=
denden Einfluß auf die Reichspolitik gewinnt, oder daß das
Reichskabinett als Wortführer der preußiſchen Stimmen im
Reichsrat auftritt und dadurch das Gewicht innerhalb des
Reichsrates vollſtändig verſchoben wird.
Die „Germania” verſpricht ſich beſonders viel davon, daß der
Weg über dieſe Verwaltungsgemeinſchaften die Inangriffnahme
einer Verwaltungsreform ohne
Verfaſſungsän=
derung ermögliche. Auch das ſcheint zweifelhaft. Seit Jahren
erleben wir doch, daß ſich die Mehrheiten im Reichstag und im
Preußiſchen Landtag nicht decken und es wäre auch für ſpäterhin
denkbar, daß der Preußiſche Landtag etwa einem Miniſter das
Mißtrauen ausſpricht, der ſich aber als Reichsminiſter dadurch
in keiner Weiſe berührt fühlt, ſondern weiter ruhig im Amte
bleibt. Man ſoll gewiß die Möglichkeiten, die hier liegen, nicht
rein parlamentariſch ſehen, man kann ſie aber auch nicht rein
ge=
ſchäftsmäßig betrachten. Deswegen wäre es wünſchenswert, ſchon
im Intereſſe der übrigen Länder, wenn möglichſt ſchleunigſt die
geheimnisvollen Schleier gelüftet würden, die bisher noch über
die Verhandlungen zwiſchen Reich und Preußen gebreitet werden.
Ikalien zum Areußen-Volksbegehren.
EP. Rom, 11. Auguſt.
Die fasciſtiſche Preſſe, die ſich bisher gegenüber dem
Volks=
entſcheid in Preußen große Zurückhaltung auferlegt hat, nimmt
auch jetzt nur in ſachlichen Berliner Berichten von dem
Miß=
lingen des Entſcheides Kenntnis, enthält ſich aber eigener
Kom=
mentare. Sie ſtellt übereinſtimmend in den Ueberſchriften und
in den Berichten die Befeſtigung der Lage der
Re=
gierung Brüning feſt, mit der Muſſolini und Grandi ſoeben
das freundſchaftliche Verhältnis bei der Zuſammenkunft in Rom
beſtärkt hätten. Angeſichts der internationalen Wirtſchaftskriſe
iſt man auch in politiſchen Kreiſen Italiens nicht mehr
An=
hänger radikaler Löſungen um jeden Preis, ſondern tritt mehr
für eine Beruhigung der Lage ein, die der deutſchen Regierung
ermögliche, ihre ganze Aufmerkſamkeit der Ueberwindung der
inanziellen und wirtſchaftlichen Schwierigkeiten zu widmen, ſtatt
koſtbare Zeit mit Parteiſtreitigkeiten zu verlieren.
bringen u. a. Zeitlupendarbietungen in nie geſehener Art. —
Dreifach=Reck=Turner höchſter Vollendung ſind Miß Haring
and Boys mit ihrem ſeriös=komiſchen Reckakt. Zum erſten
Male eine Dame in gleich hervorragendem turneriſchen Können
wie ihre männlichen Kollegen, die es ebenfalls verſtehen, die
Schwere ihrer Kunſt in liebenswürdigen Humor zu verkleiden. —
Auf ähnlichem Gebiet, aber doch ganz Eigenes gebend, bewegen
ſich die Darbietungen der Zwei Danloes (Barberini, Rom),
die plaſtiſche Schöpfungen in akrobatiſcher Manier bringen, Kraft
und Schönheit äſthetiſch gepaart. —
Daß auf dem alten Gebiet des Kunſtradfahrens immer noch
Neues geboten werden kann, beweiſen V. und C. Browning
(Ronacher=Varieté, Wien). Gewiß hat man ſchon alles geſehen,
was auf einem Zweirad „gemacht” werden kann, aber wie leicht
und elegant dieſes Künſtlerpaar arbeitet, das iſt einzigartig. —
Ebenſo wie der ungariſche Zauberkünſtler Corodini (Royal=
Orpheum, Budapeſt), dieſer wirklich rätſelhafte Illuſioniſt, in der
Art, wie er ſeine Zaubereien, Kartenkunſtſtücke, Tücher=, Gelde
ſchein= und ähnliche Manipulationen bringt, einzigartig iſt. —
Auch Val Mabée und Steffi Szanay (Alcazar, Hamburg),
die Kunſt im Tanz bringen, ſind hervorragende Künſtlerinnen,
Kunſttanz und Groteske, beides ſchlechthin vollendet.
Last not least die Lorch=Familie. Mit Recht kündigt
der Anſager dieſe als Paradenummer an. Dieſe Standard=
Ikarier ſind unbeſtritten einzig und unerreicht. — Das Ganze
ſicher ein Varietéprogramm, wie es in gleicher Qualität kaum
wieder zu ſehen ſein dürfte.
v. Jean Jaurés über Richard Wagner. Der vor 17 Jahren
ermordete Politiker und Führer der franzöſiſchen Sozialiſten hat in
„L'art et le
ter Abhandlung über „Kunſt und Sozialismus”.
cialisme”) dem deutſchen Meiſter Worte höchſter Anerkennung
gezollt: Als im Jahre 1848 der ſozialiſtiſche Gedanke ſichtbar zu
werden begann und die Revolution ausbrach, iſt es dieſer
ſozia=
liſtiſche Gedanke geweſen, der Wagner die Fülle ſeines Genies
und die ganze Bedeutung ſeines muſikaliſchen Werkes offenbarte,
In dieſer Hinſicht iſt ein Streit nicht möglich: Die Gemeinſchaft
iſt es, die ihm die Kunſt offenbarte, die Gemeinſchaft, die durch
die Annäherung aller ſozialen Klaſſen Wagner den Gedanken
eingeflößt hat, dieſe Einheit in der Kunſt zu verwirklichen, in ihr
nicht mehr zu trennen Malerei, Theater, Muſik, ſondern aus allen
dieſen Kräften ein Ganzes zu geſtalten, eine Harmonie, eine
Einheit, eine Welt, und das iſt das Charakteriſtiſche von
Wag=
ners Werk, daß er um eine feurige Begeiſterung, um ein ſeeliſches
Erleben herum eine ganze Welt von Bildern, Geſtalten. Farben
und Tönen, eine faſt unbegrenzte Orcheſtrierung gruppierte; es iſt,
wie wenn eine hohe zentrale Woge dem ganzen aufgewühlten
Ozean ihre rhythmiſchen Bewegungen vermittel? zuführt, das iſt.
das Kennzeichen eines geiſtigen Gemeinſchaftsledens.
Nummer 222
Mittwoch, den 12. Auguſt 1931
Seite 3
*a
eid
Oite
Aus der Landeshaupkfkadt.
Darmſiadt, den 12 Auguſt 1931.
Gtaf Hatdenberg 60 Jahre!
* Am 13. Auguſt 1871 erblickte Graf Kuno von Hardenberg
auf dem alten Stammſitz der Familie zu Hardenberg bei
Han=
nover das Licht der Welt. Nach Beendigung der Schulzeit
wiomete er ſich auf Wunſch ſeiner Eltern dem uriſtiſchen
Stu=
dium in München, Berlin und Göttingen, das er mit dem
Re=
ferendarexamen abſchloß. Nach kurzer Zeit in der Praxis nahm
er, ſeiner eigenen ſtarken Neigung folgend, ſeinen Abſchied und
wandte ſich der Kunſt, dem Kunſtgewerbe und der
Kunſt=
geſchichte zu. Er ſtudierte in Paris und ergänzte ſeine
Bil=
dung auf Reiſen in europäiſchen Ländern und im Orient. Er
ließ ſich dann in Dresden nieder, wo er bis zum Kriege eine
künftleriſch und literariſch rege Tätigkeit entfaltete. Als Reſerve=
Offizier des heſſiſchen Leibdragoner=Regiments Nr. 24 machte er
den Weltkrieg im Stabe der 25. Infanterie=Diviſion als
Kom=
mandant des Stabquartiers mit. Im Auguſt 1917 wurde er
vom Großherzog von Heſſen nach Darmſtadt berufen, um das
Hofmarſchallamt zu übernehmen. Nach dem Umſturz
wurde er vom Großherzog zum Chef der Großherzöglichen Haus=
und Vermögensverwaltung ernannt.
Der Tätigkeit des Grafen Hardenberg verdankt unſere Stadt
die Einrichtung des Jagdmuſeums Kranichſtein und
die Gründung des Schloßmuſeums, das durch ſeine
un=
ermüdlichen Bemühungen zu einer der beſten Uniformen=
Sammlungen Europas und zu einer der intereſſanteſten
Sehens=
würdigkeiten Darmſtadts geworden iſt.
Auch bei der Gründung der Geſellſchaft für freie
Philoſophie, deren Geſchicke er als 1. Vorſitzender ſeit
10 Jahren leitet, war er führend beteiligt. Was die Schule der
Weisheit für den Ruf Darmſtadts in der Welt bedeutet, iſt
allgemein bekannt.
Eine andere Gründung des Grafen Hardenberg iſt die
Ge=
ſellſchaft Heſſiſcher Bücherfreunde, die es in
kur=
zer Zeit verſtand, das Intereſſe für heſſiſche Buchkunſt und
Buchgewerbe in weiten Kreiſen über Darmſtadt hinaus zu
erwecken.
Auch am Ausſtellungs= und Verkehrsweſen
der Stadt hat ſich Graf Hardenberg oft betätigt. Es ſei nur
an die ſchöne Kelſterbacher Porzellanausſtellung im
Schloß=
muſeum erinnert und an die Hundertjahrausſtellung in der
Kunſthalle am Rheintor, in denen er dank ſeiner gründlichen
Kenntniſſe in der heſſiſchen Malerei und ihrer Meiſter eine
feſſelnde Schau der heſſiſchen Kunſt des 18. Jahrhunderts
zu=
ſammenſtellte.
Literariſch iſt Graf Hardenberg vielſeitig tätig. Als
Reiſeſchriftſteller weiß er unterhaltend und intereſſant über ſeine
Orientreiſen zu plaudern. Mit der Verlagsanſtalt Alexander
Koch ſteht er ſeit 30 Jahren als Mitarbeiter in regen
Beziehun=
gen. Als Künſtlerbiograph iſt er mit ſeinem Buche über Johann
Chriſtian Fiedler, mit ſeinem umfangreichen Werk über den
romantiſchen Maler Carl Fohr, das er mit Edmund Schilling
herausgab (Urban=Verlag Freiburg), und mit ſeiner
Gedächt=
nisſchrift zu Ehren des verſtorbenen Malers und Bildhauers
Saſcha Schneider an die Oeffentlichkeit getreten. Seine Novellen,
Märchen und kleinen Erzählungen ſind vor allem unter den
Mitgliedern der Geſellſchaft Heſſiſcher Bücherfreunde bekanni
geworden, wo er ſich ſeit Jahren als Vorſitzender, geſchmackvoller
Bibliophile, als Autor und als Herausgeber zeigt.
Endlich betätigt ſich Graf Hardenberg im Sinne einer
vietätvollen Pflege der Kulturüberlieferungen und der
Kunſt=
ſchätze des Großherzöglichen Hauſes.
Möchte es dem jugendlich=elaſtiſchen Sechziger noch lange
vergönnt ſein, in bekannter Lebhaftigkeit und Friſche all ſeinen
vielen Aufgaben obzuliegen, denen er ſich mit ganzer Hingabe
widmet,
— Kunſtausſtellung Darmſtadt 1931 Mathildenhöhe. Die
Aus=
ſtellungsleitung kommt dem in der Preſſe geäußerten Wunſch,
öfter Führungen zu veranſtalten, gern nach, erwartet dann
aber auch rege Beteiligung, um die Koſten decken zu können. Es
wird nunmehr in jeder Woche, entweder Mittwochs oder
Sams=
tags, eine Führung vorgeſehen. Name des Führers und Zeit der
Führung wird jedesmal bekannt gemacht. Die nächſte am
Samstag, den 15. Auguſt, ſtattfindende Führung hat
wieder=
um Fräulein Mathilde Stegmayer übernommen und wird um
4 Uhr nachmittags beginnen.
— Sommerſyielzeit Bruno Harprecht im Heſſ. Landestheater.
Der außerordentliche Erfolg, den die Schwank=Novität „
Inti=
mitäten” von Coward bei Preſſe und Publikum gefunden hat,
veranlaßte Bruno Harprecht, das amüſante Stück als ſogenannte
Verbe=Vorſtellung, und zwar bei ganz kleinen Preiſen (0,50—2
Mark) am heutigen Mittwoch zu einer nochmaligen,
unwiderruf=
lich letzten Wiederholung zu bringen, ſo daß jedermann die
Ge=
legenheit geboten iſt, ſich ein paar vergnügliche Stunden zu
be=
reiten.
Die Mittwoch=Mieter können die Karten der 7. Miet=
Vorſtellung beliebig zu den Vorſtellungen der nächſten Tage, an
denen allabendlich der mit toſendem Beifall aufgenommene
Schwank=Schlager. Das öffentliche Aergernis” mit B. Harprecht
als „Konſul Pietſch” gegeben wird, an der Theaterkaſſe
ein=
tauſchen.
Den Varieté=Freunden Darmſtadts bietet das derzeitige
enſationelle Feſtſpiel=Programm im Orpheum die große
Parade internationaler Varieté=Attraktionen, eine Ausleſe des
Schönſten und Beſten auf dieſem Gebiete. — Publikum und Preſſe
ſind entzückt! — Da das Programm nur bis Donnerstag den
33. Auguſt, auf dem Spielplan bleibt, iſt Eile geboten. (Siehe
Anzeige.
Im Union=Theater läuft nur noch heute unwiderruflich
zum letztenmal der ſpannende Kriminal=Tonfilm „DerZinker”
ach dem Detektiv=Roman von Edgar Wallace. In den
Haupt=
ollen ſind beſchäftigt: Liſſi Arna, Fritz Raſp. Paul Hörbiger
.a. Im tönenden Beiprogramm ſieht man einen köſtlichen
Micky=
film „Polarzauber”. Beginn 3.30 Uhr; letzte Vorſtellung 8.20
Uhr.
Im Helia=Theater ſieht man heute und folgende Tage das
beliebte Komikertrio. Ernſt Verebes Siegfried Arno und P.
Weſtermeier in dem luſtigen Kriminal=Schwank „Das
Geheim=
is der roten Katze”, ein Tonfilm voller ſenſationeller
Dazu das
Verwickelungen und handfeſter Situationskomik.
tönende Beiprogramm. Beginn 3.30 Uhr, letzte Vorſtellung um
8.20 Uhr.
*In den Palaſt=Lichtſpielen wird heute und folgende Tage
ein großes Doppelvrogramm gezeigt, und zwar ein Film voller
rätſelhafter Geſchehniſſe: „Die Schänke im Urwald” mit
Lon Chaney, dem Meiſter der Maske, ſowie ein groß angelegter
Geſellſchaftsfilm „Männerfang” mit Joan Chrawford und
Nils Aſther. Beginn 3.30 Uhr, letzte Vorſtellung 8.15 Uhr.
Lokale Beranſtallungen.
Chriſtlicher Verein junger Männer.
Darm=
ſtadt, e. V., Alexanderſtraße 22 (Inf.=Kaſ.). Wir laden
hier=
durch zu unſerer heute Mittwoch, abends, ſtattfindenden
Bibel=
ſtunde freundlichſt ein. Freunde und Gäſte ſind herzlich willkommen.
Tageskalender für Mittwoch, den 12. Auguſt 1931.
Deſſ. Landestheater Großes Haus: Geſchloſſen — Kleines
Orpheum,
Haus. 20 Uhr: „Das öffentliche Aergernis”,
Konzerte: Zur Oper,
20,30 Uhr: „Die große Parade‟, —
Schloßkeller, Sportplatz=Reſt. am Böllenfalltor,
Herrngarten=
kaffee. Schuls Felſenkeller.
Kinovorſtellungen:
Union=. Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.
Veelassungsleier in Dacmstadt
7* Aus Anlaß der diesjährigen 12. Verfaſſungstages fanden
verſchiedene offizielle Veranſtaltungen in Darmſtadt ſtatt, an denen
die Bevölkerung regen Anteil nahm. Schon am Vorabend wurden,
ebenſo wie am eigentlichen Verfaſſungstage, Platzkonzerte
abge=
halten.
Geſtern vormittag nahm auf dem Marienplatz die geſamte
Darmſtädter Polizei, mehrere Hundertſchaften zu Fuß, die
be=
rittene Abteilung und die Ueberfallkommandos mit ihren Wagen
Aufſtellung. Innenminiſter Leuſchner nahm eine Beſichtigung vor.
Trotz des Regens hatten ſich zahlreiche Zuſchauer eingefunden, um
dem für Darmſtadt ungewohnten Ereignis beizuwohnen. Punkt
10.30 Uhr intonierte die aus Schutzpolizeibeamten gebildete
Ka=
pelle einen Marſch. Nach der Beſichtigung der Polizeimannſchaften
hielt. Innenminiſter Leuſchner eine Anſprache, in der er u. a.
folgendes ausführte:
„Der Zuſammenbruch des Volksentſcheids in Preußen beweiſt
mit aller Deutlichkeit, daß wir bei unſerer Verteidigung der
Ver=
faſſung von Weimar auf dem richtigen Wege ſind. Das Ergebnis
iſt eindeutig; zwei Drittel des Volkes ſtehen auf unſerer Seite,
auf der Seite der Nepublik und der Verfaſſung. Sie wollen nicht
Vergewaltigung, Terror und Diktatur, ſondern Ausgleich auf dem
Boden der Demokratie. Ein gutes Vorzeichen für die anderen
bevorſtehenden Entſcheidungen
Die Polizei, die in dem Kampf um den Volksſtaat ſeit jeher
in der vorderſten Verteidigungslinie geſtanden hat, iſt ſelbſt ein
ſtück der ſo hart umkämpften Verfaſſung. In den Zeiten, da alles
ſchwankt iſt ſie ein wichtiger feſter Punkt, das Gerippe des Staates.
Die Polizeibeamtenſchaft muß ſich immer bewußt ſein, daß es ein
Ehrentitel höchſten Ranges iſt, mit der Verteidigung des Staates
und der Rechte des Volkes betraut zu ſein. Sie tut ihren Dienſt
im Namen der überwiegenden Mehrheit des deutſchen Volkes, und
jene zwei Drittel der Bevölkerung, die ſich am letzten Sonntag
in Preußen ſo klar und entſchieden gegen Umſturz, Bürgerkrieg,
Chaos und für die Republik ausgeſprochen haben, ſehen in der
Polizei den natürlichen Bundesgenoſſen in ihrem ſchweren Kampf
ums Daſein. Für den ſchweren Dienſt, den die Polizei dabei
ge=
leiſtet hat, geziemt ihr der Dank des ganzen Landes. Wir ſind alle
ſtolz darauf, daß die heſſiſche Polizei in jeder Hinſicht Vorbildliches
geleiſtet hat. Der Kampf iſt aber noch lange nicht zu Ende. Not
und Verzweiflung müſſen gebannt, der blinde Haß muß zur
Ver=
nunft gebracht werden. Wir wollen dieſen Kampf im Geiſte des
Volksſtaats führen, im Geiſte des Freiherrn vom Stein, der ſchon
vor 100 Jahren der Meinung war, daß das deutſche Volk ſich im
Zeichen demokratiſcher Freiheit ſelbſt regieren müßte, und im
Geiſte eines ſo patriotiſchen Mannes wie Jahn, der geſagt hat:
Mein Schild führt drei Farben. „Schwarz Rot und Gold”, darin
ſteht geſchrieben: „Einheit, Freiheit und Vaterland”. Mit einem
Hoch auf das deutſche Vaterland ſchloß der Miniſter ſeine
An=
ſprache, die Kavelle ſpielte die erſte Strophe des Deutſchlandliedes.
Nachdem einige Beförderungen bekanntgegeben worden waren,
beſchloß den Akt auf dem Marienplatz der tadelloſe Vorbeimarſch
ſämtlicher uniformierter Polizeimannſchaften zu Fuß und zu
Pferde vor dem Miniſter. „Anſchließend rückte die Polizei nach
einem Marſch durch die Stadt unter Vorantritt der Kapelle in
ihre Quartiere ab. An dem
Feftakk im Skädkiſchen Saalbau
nahm außer Staatspräſident Dr. Adelung, dem Miniſter für
Arbeit und Wirtſchaft „Korell, als Vertreter der heſſiſchen
Landeskirche Vizepräſident Oberkirchenrat D. Dahlem,
zahl=
reiche Behörden=Vertreter des Reichs, des Landes und der Stadt
teil. Die Darmſtädter Bevölkerung bewies ihr Intereſſe durch
ſehr ſtarke Beteiligung; der große Saal des Saalbaues war bis
zum letzten Platz beſetzt. Die ſchlichte, eindruckspolle Feier wurde
eröffnet mit der Ouvertüre zur Oper „Oberon”, die vom
Stadt=
orcheſter unter Leitung des Kapellmeiſters Schlupp geſpielt
wurde. Der Volkschor Darmſtadt unter Profeſſor Dr. Noacks
Leitung brachte den Chor „Die Morgenröte” von Uthmann zu
Gehör. Anſchließend hielt Miniſterialrat: Dr. Meller die
Feſtanſprache, in der er u. a. ausführte:
Das deutſche Volk durchlebe eine Zeit ſchwerſter Not, tiefſter
Erſchütterungen. Es ſehe ſo aus, als ob uns der Wiederaufſtieg
reichlich ſchwer gemacht werden ſollte. Aber eine ſpätere Zeit
werde unſerem Volke das Zeugnis ausſtellen, daß es ſich tapfer
gehalten habe. Es habe die ſchweren Nachkriegsjahre, die
In=
flation, die Beſetzung unſeres heimiſchen Boden überſtanden. Nun
dränge ſich die bange Frage auf, ob wir auch dieſe ſchweren
Kri=
ſenzeiten überſtehen werden. Die Bankmoratorien hätten die ganze
Schwere der Situation gezeigt und erkennen laſſen, wie nahe wir
vor dem Abgrund ſtanden. Weite Schichten des Volkes haben
ſich einem verbitterten Radikalismus in die Arme geworfen, der
politiſche Kampf iſt zu einem — man kann ſagen — latenten
Bürgerkrieg ausgewachſen.
Zum 12. Male könne man den Tag der Verfaſſung von
Wei=
mar feiern. Es könne nur eine Stunde ernſter Beſinnung ſein.
Heute mehr denn je gelte die Mahnung, den guten Kampf
durch=
zuhalten und weiterzukämpfen für Volk und Vaterland.
Die heutige Kriſe ſei nicht nur eine über die ganze Welt
gehende Wirtſchaftskriſe, ſondern eine große geiſtige
Erſchütte=
rung, wie ſie an der Wende zweier Zeitalter zu entſtehen pflegt.
Daß Deutſchland ſo ſchwer getroffen wurde, beruhe in dem
ver=
lorenen Krieg, den ungeheuren Tributlaſten; vor allem aber
da=
rin, daß wir im Herzen Europas Stöße und Erſchütterungen von
allen Seiten auszuhalten haben, weil wir auch als Volk der Mitte
beſondere Empfänglichkeit für alle Gegenwartsſtrömungen
be=
ſitzen. Begreiflich, daß der Volkskörper von Fieber geſchüttelt
wird. Um ſo notwendiger wäre, daß wir einig zuſammenſtehen.
Einen objektiven Boden bietet uns die Verfaſſung von Weimar,
die einen Ausdruck echten deutſchen Weſens darſtellt. Mag auch
einiges in ihr zeitgebunden ſein; in ihr iſt das beſte
deut=
ſche Erbe eingegangen. Völker und Staaten ſind den Geſetzen des
Wachſens und Reifens unterworfen. Staatsformen und
Ver=
faſſungen müſſen nicht ewig ſein.
In einem kurzen geſchichtlichen Rückblick gab der Redner ein
Bild der Entwicklung des deutſchen Volkes zum Nationalſtaat,
zum Volksſtaat und zum ſozialen Staat. Die Weimarer
Verfaſ=
ſung habe das Werk Bismarcks ein Stück weitergeführt. Doch
enthalte ſie die lebendige Mahnung, daß der Dualismus zwiſchen
Deutſchland und Oeſterreich endlich beſeitigt werde. Sie wiſſe
nichts von einem überſpitzten Nationalismus, der den
Bruder=
krieg im Volke unter dem Deckmantel nationaler Geſinnung
ver=
ewigen wolle. Das Bedeutſamſte der Weimarer Verfaſſung ſei,
daß das Werk Bismarcks fortgeſetzt wurde, daß das ſtolze Wort
des franzöſiſchen Sonnenkönigs: „Der Staat bin ich!”
umgewan=
delt wurde in die demokratiſche Faſſung: „Der Staat ſind wir!“
Die Arbeiterſchaft dürfe ſich von dieſem Volksſtaat nicht mehr
ab=
drängen laſſen, müſſe geduldig und zäh weiterarbeiten, bis der
Teil des Bürgertums, der jetzt abſeits ſich wende, zu dieſem Staat
zurückgekehrt ſei. In der Entwicklung zum ſozialen Staat war
Deutſchland vorbildlich für die anderen Völker. Bismarck
ver=
ſuchte, beſtehende Schäden durch ſein Sozialverſicherungswerk zu
heilen und zu mildern. Das heutige Verſicherungswerk.
ins=
beſondere die Arbeitsloſenverſicherung, kuriere, vielfach noch an den
Symptomen herum. Gerade in der Arbeitsloſenverſicherung ſei
eine grundſätzliche Umſtellung und ein grundſätzliches Umdenken
notwendig. Wenn die Wirtſchaft ſich nicht freiwillig Bindungen
auferlege, würden wir in den bolſchewiſtiſchen Staat und in die
Zwangswirtſchaft hineinſteuern. Arbeitgeber und Arbeitnehmer
müßten im Bewußtſein ihrer Schickſalsverbundenheit ſich
zuſam=
menfinden, und gerade hier habe die Verfaſſung treffliche
An=
ſätze geſchaffen. Wenn man auf die letzten Notverordnungen zu=
Aur desichts-Bräunung
aber auch zur Bräunung des ganzen Körpers bei Sonnenbädern verwende g
man die reizmildernde und kühlende Leodor=Fett=Creme. Tube 60 Pf. und 1 Mk. 5
Wirkſam unterſtützt durch Leodor=Edelſeife Stück 50 Pf. Zu haben in allen *
Chlorodont=Verkaufsſtellen.
2
rückblicke, dann ſtehe man ſchon mitten in der Umſtellung unſerer
Wirtſchaft
Die Weimarer Verfaſſung biete auch die Gewähr der Abwehr
gegen die andrängenden unmenſchlichen dämoniſchen Kräfte des
Abgrundes, die heute ganz Europa bedrohen. Die Verfaſſung ſei
voller Anſätze für die Zukunft. Sie ſei noch jung und uns in der
Not ans Herz gewachſen, beſonders unſerem erhabenen
Reichsprä=
ſidenten von Hindenburg. Sie werde auch durch ihre Bewährung
in der Not weitere Volkskreiſe für ſich gewinnen, und es ſei zu
hoffen, daß ſich der Vorſpruch der Verfaſſung verwirklichen wird:
„Das deutſche Volk, einig in ſeinen Stämmen
In dieſem Sinne brachte der Redner am Schluß auf das
Va=
terland und ſeine Verfaſſung ein dreifaches Hoch aus. An den Ge=
Beetho=
ſang des Liedes der Deutſchen ſchloß ſich das „Opferlied
vens und die ernſte Ouvertüre zu Wagners „Tannhäuſer”.
Dd. Arheilgen, 12. Aug. Verfaſſungsfeier. Die
dies=
jährige Verfaſſungsfeier der Gemeinde wurde aus
Sparſamkeits=
gründen in kleinerem Rahmen am Dienstag morgen in der
Schul=
turnhalle abgehalten. Die ſchulpflichtige Jugend war hierzu
be=
ſonders eingeladen und auch ſehr zahlreich erſchienen. Ein
Muſik=
ſtück der Kapelle Anthes leitete die Feier ein. Nach einer kurzen
Begrüßung durch den Herrn Bürgermeiſter, ergriff dann Herr
Landtagsabgeordneter Harth=Rüſſelsheim das Wort zu einer
kur=
zen Feſtanſprache, in der er auf die Bedeutung und Entwickelung
der republikaniſchen Verfaſſung in Deutſchland hinwies.
Anſchlie=
ßend ſpielte die Kapelle das Deutſchlandlied. Zwei Lieder des
Geſangvereins Liederzweig beſchloſſen die eindrucksvolle Feier, die
bei dem regneriſchen Wetter leider nicht im Freien abgehalten
werden konnte. Am Ausgange wurden an die Schulkinder wieder,
wie alljährlich, Brezeln ausgeteilt.
Griesheim, 11. Aug. Verfaſſungsfeier. Die heute
nachmittag im Hofe der Friedrich=Ebert=Schule ſtattgefundene
Verfaſſungsfeier, die ſich in einem den Zeitverhältniſſen
entſpre=
chenden einfachen Rahmen abſpielte, erfreute ſich eines überaus
zahlreichen Beſuches aus allen Teilen der Bevölkerung.
Einge=
leitet wurde die Feier durch einen Muſikvortrag, dem ein Chor
der Arbeitsgemeinſchaft der Geſangvereine. Sängerbund” und
„Liedertafel” folgte. Nach einem weiteren Muſikvortrag ergriff
Herr Beigeordneter Dickhardt das Wort zu einer kurzen aber
ein=
drucksvollen Anſprache. Der Redner wies auf die Bedeutung der
Verfaſſung und ihren Urſprung hin und ſtellte mit Bedauern feſt.
daß ſie ihren eigentlichen Sinn infolge der Zeitverhältniſſe noch
nicht in dem Maße verwirklichen konnte, wie dies die
Notwendig=
keit erfordere. Er zog insbeſondere eine Parallele zwiſchen dem
Deutſchland von 1919 und dem von 1931 und bemängelte, daß an
Stelle der durch die Ungunſt der Verhältniſſe notwendigen
Zu=
ſammenſchmiedung aller Volksgenoſſen ein wechſelſeitiges
Partei=
gezänk getreten ſei, wobei einer den anderen als Volksverderber
anſehe. Im weiteren Verlaufe der Anſprache gab der Redner
dem Wunſche und der Hoffnung Ausdruck, daß ſeitens der
Reichs=
regierung alles darangeſetzt werde, daß ſich die Verfaſſung nicht
nur dem Worte, ſondern auch dem Geiſte nach zum Segen aller
auswirken möge. Ein Geſangsvortrag des Geſangvereins
Laſ=
ſallia” und ein Muſikvortrag beendeten die eindrucksvolle Feier.
Am Schluſſe dankte der Redner allen Mitwirkenden, insbeſondere
den Sängern und der Muſik für das Zuſtandekommen der Feier
und dem zahlreichen Publikum für ſeinen Beſuch und verlieh der
Hoffnung Ausdruck, daß ſich die nächſtjährige Feier, alſo der 13.
Geburtstag der Verfaſſung, unter günſtigeren Bedingungen
ab=
ſpielen möge.
Aa. Wolfskehlen, 11. Auguſt. Keine
Verfaſſungs=
eier. Am heutigen Verfaſſungstag fand hier laut einem
Be=
ſchluß des Gemeinderates in Anbetracht der ungünſtigen
Zeitver=
hältniſſe ſeitens der Gemeinde keine Verfaſſungsfeier ſtatt.
Aa. Eberſtadt, 11. Auguſt. Ausfallder
Verfaſſungs=
eier. In Anbetracht der allgemeinen ſchlechten Wirtſchaftslage
fiel heute die ſonſt übliche offizielle Verfaſſungsfeier aus. Dadurch,
daß am Sonntag und Montag Kirchweihe gefeiert wurde, hatte
Eberſtadt übrigens drei Feiertage hintereinander.
Op. Dieburg, 11. Auguſt Statt Verfaſſungsfeier
Unterſtützung von Wohlfahrtseinrichtungen.
Die in der hieſigen Kreisſtadt ſonſt übliche Verfaſſungsfeier, fiel
am heutigen Verfaſſungstage mit Rückſicht auf die allgemeine
Not=
lage aus. Wie dazu verlautet, ſollen die dadurch bei der
Kreis=
verwaltung und Stadt eingeſparten Gelder diesmal
Wohlfahrts=
zwecken zugeführt werden.
Aa. Langen, 11. Auguſt. Die Verfaſſungsfeier fand
am Montag abend ſtatt. Sie wurde in dem großen Saale des
Gaſthauſes „Zum Lindenfels” abgehalten. An der Feier, in deren
Mittelpunkt Anſprachen von Bürgermeiſter Zimmer und Walter,
Zſchech=Offenbach ſtanden, wirkten die Ortsvereine zahlreich
mit, ſo daß ſie durch muſikaliſche, geſangliche und ſportliche
Dar=
bietungen verſchönt werden konnte.
Ct. Groß=Umſtadt, 10. Auguſt. Die am Sonntag ſtattgefundene
Beigeordnetenwahl brachte dem Bürgertum einen vollen
Erfolg. Von 2300 Wahlberechtigten gaben 2007 ihre Stimme ab,
eine Wahlbeteiligung von rd. 90 Prozent. Das
Stimmenverhält=
nis war folgendes: 11.
Stimmen Beigeordneter
Oberjuſtizinſpek=
tor Joſt (Bürgerlich), 559 Dröll (S.P.D.) und 298 Stimmen
Seip=
pel (Kommuniſt). Ungültig waren 28 Stimmen. Am kommenden
Sonntag findet die Wahl des 2. Beigeordneten ſtatt. Um den
Poſten bewerben ſich der ſeitherige Beigeordnete Landwirt
Lud=
wig Weber und als Gegenkandidat Mitglied der Kommuniſtiſchen
Partei Wolf.
Cp. Ober=Roden, 11. Auguſt Beigeordneter Krickſer
wiedergewählt. Bei der Stichwahl um den
Beigeordneten=
poſten wurde am Sonntag der ſeitherige (ſozialdemokratiſche)
Bei=
geordnete Johann Krickſer mit 975 Stimmen gegen 913 Stimmen,
die auf ſeinen Gegenkandidaten Schallmayer vom Zentrum
ent=
fielen, wiedergewählt, und zwar auf die Dauer von neun Jahren.
T. Semd, 10. Aug. An den Folgen einer anfänglich kaum
be=
achtenswerten Verletzung verſtarb hier das achtjährige
Töchter=
chen des Adam Ohl. Das Kind war auf der Schulhaustreppe
ge=
ſtürzt, wobei es ſich eine kleine Verletzung zuzog, die harmlos
ſchien, ſich aber nach Verlauf von kaum einigen Tagen als tödlich
auswirkte. Den bedauernswerten Eltern wird hier anläßlich des
tragiſchen Todes ihres Töchterchens größte Teilnahme
entgegenge=
bracht. — Gegen die hier in letzter Zeit in erſchreckender Weiſe
zunehmenden Feldfrevel ſah ſich die Gemeindeverwaltung
ver=
anlaßt, eine ſogenannte Gemarkungsſperre einzuführen. Das
Ar=
beiten auf dem Felde iſt auf Grund dieſer Maßnahme nur von
morgens 6 bis abends 8 Uhr geſtattet. Wer außerhalb dieſer
an=
gegebenen Zeit auf dem Felde angetroffen wird, ſetzt ſich der
Ge=
fahr aus, zur Anzeige gebracht zu werden. Auch die Feldpolizei
wurde verſtärkt, indem man zur Ueberwachung noch
Hilfsfeld=
ſchützen ehrenamtlich beſtimmte.
Bk. Schaafheim, 10. Aug. Straßenüberſchwemmung.
Für die nördlich des alten Spritzenhauſes und der Schloßſtraße
bis zur Hinkelsgaſſe wohnenden Einwohner gibt es bei jedem
ſtärker auftretenden Regen, was beſonders bei den in den letzten
Tagen häufig vorkommenden Gewittern der Fall war, immer
eine unangenehme Ueberraſchung, da dann die ganze Straße auf
eine Länge von 30—40 Metern unter Waſſer geſetzt iſt. Die
Straße liegt hier ziemlich tief, und der Abfluß des von allen
Seiten zuſtrömenden. Waſſers iſt ſehr mangelhaft. Aller
Ver=
kehr für Fußgänger iſt dann auf mindil ens ½ Stunde unmöglich.
Die Straße iſt keine Orts= ſondern eine Provinzialſtraße. Abhilfe
wäre hier dringend nötig.
Neuerdings haben einige hieſige
Einwohner nach alter Väter Sitte die Außenwände ihrer Häuſer
ſchindeln laſſen. So ließ auch der Beſitzer des Gaſthauſes „Zum
Heſſiſchen Hof”, Herr Metzgermeiſter und Gaſtwirt Wilhelm
Fried=
rich, die ganze Hauptfront ſeines Anweſens auf dieſe Art neu
be=
kleiden, und das macht im Gegenſatz zu früher einen äußerſt
ſtattlichen Eindruck. Es iſt eine Zierde der ganzen Straße
gewor=
den. Die Arbeiten wurden ausgeführt von Herrn Philipp Weiß,
Schindlermeiſter in Höllerbach i. Odw.
(123
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Mittwoch, den 12. Auguſt 1931
Nummer 222
Heimkehr
Ein ſtimmungsvolles Bild aus dem Leben des Landmannes.
Abendliche Heimkehr ins heimatliche Dorf nach der harten Tagesarbeit auf dem Felde.
Neue Verfaſſungspoſkarken mit dem Bildnis des Freiherrn vom Skein.
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Zum diesjährigen Verfaſſungstag hat die Reichspoſt neue Poſtkarten in beſchränkter Anzahl
drucken laſſen, die eine Bildnisdarſtellung des Freiherrn vom Stein tragen.
Aus den Gemeindeparlamenten-
Ay. König i. Odw. (Stahlbab), 10. Aug. Aus dem
Gemeinde=
rat. Der Waldwirtſchaftsplan für 1932, welcher einen Hiebſatz von 1500
Fm. vorſieht, findet die Zuſtimmung des Gemeinderats. Zu
Ehrenfeld=
ſchützen werden beſtellt die Herren Leonh. Eiſenhauer 2., Adam Berle 1.,
Georg Heinr. Heilmann 2., Heinr. Koch 6., Wilh. Koch 2., Phil.
Kunkel=
mann 9., Gg. Ad. Leudemann, Johann Reeg und Heinrich K. Schäfer.
Die Verpflichtung erfolgt durch den Herrn Bürgermeiſter. Der Antrag
von Frau Willy Bodmann=Frankfurt a. M. auf käufliche Ueberlaſſung
des der Gemeinde gehörigen Lehrerhauſes in der Frankfurter Straße
wurde abgelehnt. Für die Gemeindezuchttiere wird Ankauf von Hafer
zum Tagespreis beſchloſſen. Die von Anliegern des Weges an der alten
Bach beantragte Verbeſſerung wird unter Zurückſtellung weitergehender
Anträge dahingehend durchgeführt werden, daß zur Verbreiterung der
Zufahrt Gelände dortſelbſt angekauft werden ſoll. Da der Gemeinderat
die Anſicht vertritt, daß der Müller Heinr. Allmannritter ſeinen
Mühl=
graben zum Nachteil der Kimbach zuviel Waſſer zuführt, erhält eine
Kommiſſion, beſtehend aus den Herren Gemeinderäten Heilmann und
Müller und Baumeiſter Koch den Auftrag, mit A. zur Abſtellung des
Mißſtandes zu verhandeln. Anträge auf lokalen Umbau des
Kanal=
netzes verfallen der Ablehnung. M. Jordan, ſowie die weiteren
An=
lieger der Straße: Karl Hofferbert und Gottl. Laub ſollen zur
Unter=
ſchreibung eines Reverſes veranlaßt werden, daß ſie am anſtoßenden
Gelände kein Wegerecht geltend machen. Für verkauftes Gelände zur
Verbreiterung der Waldſtraße erhält Herr Joh. Karl Otto Schwebel=
Michelſtadt eine Abſchlagszahlung von 35 RM. — Die
Sechzigjäh=
rigen, des Kirchſpiels König veranſtalreten am Sonntag, 9. Auguſt,
eine gutbeſuchte und beſtens verlaufene Wiederfehensfeier.
— Unter gütiger Mitwirkung des Poſaunenchors der Martinsgemeinde
Darmſtadt (Leiter Herr Eduard Breitrück) veranſtaltete der Evangel.
Poſaunenchor König auf dem Berggarten ſein diesjähriges
Sommerfeſt, das bei gutem Beſuch einen vorzüglichen Verlauf nahm.
— Anläßlich des Jugendfeſtes des Odenwaldgaues D.T. in Kirch=
Brom=
brach gaſtierte die 1. Handball=Mannſchaft des Turnvereins König in
einem Freundſchaftsſpiel gegen Kirch=Brombach. Die Gegner trennten
ſich mit einem 4:4; Halbzeit 2:2.
Cf. Birkenau, 10. Aug. Gemeinderatsſitzung. Für
die vor dem 1. April 1931 erſtellten Wohnhäuſer ſoll auf weitere
Zeit eine Freiſtellung reſp. Ermäßigung der Grunderwerbsſteuer
nur in den Fällen vorgenommen werden, wo auch die ſtaatliche
Grundſteuer ermäßigt wurde und der Hausbeſitzer ein Einkommen
von weniger als 2500 Mark pro Jahr nachweiſen kann. — Die
Gebühren der Feuerviſitatoren ſollen in der Weiſe geregelt
wer=
den, daß ſie im Verhältnis des Abbaues der Beamtengehälter
herabgeſetzt werden. — Der Antrag des Elektrizitätswerks Reiſen.
die Anlage der Straßenbeleuchtung ſowie deren Unterhaltung auf
die Gemeinde zu übernehmen, wurde abgelehnt. Bei
Vertrags=
abſchluß 1911 war vereinbart, daß für die Straßenbeleuchtung bei
zirka 60 Lampen, wovon 50 halb= und 10 ganznächtige Lampen
waren, eine Pauſchale von 1100 Mark zu zahlen iſt. Dieſe
Ver=
einbarung wurde nach dem Kriege aufgehoben und der
Stromver=
brauch durch einen Zähler kontrolliert und berechnet. Wenn auch
in den erſten Jahren durch Wegnahme einer Reihe Lampen,
wo=
durch allerdings die Straßenbeleuchtung ſtellenweiſe ſehr
unzu=
länglich wurde, Einſparungen zu verzeicknen waren, ſo wurde
aber bereits ab 1926 bei nach und nach erfolgtem Wiederanſchluß
von ſeinerzeit ausgeſchalteten Lampen, die Straßenbeleuchtung
weſentlich teurer als nach der alten Pauſchalregelung. Heute
be=
läuft ſich der jährliche Stromverbrauch für die Straßenbeleuchtung
auf zirka 1800 Mark. Die Ausſchlagſätze für die Gemeindeumlage
Rj. 1931 wurde in der gleichen Höhe des Vorjahres beſchloſſen.
Gegenüber dem Vorjahr wird jedoch die Grundſteuer um 6 und
die Gewerbeſteuer um 12 Prozent ermäßigt.
Dz. Bickenbach, 10. Aug. Gemeinderatsſitzung.
Er=
ſchienen waren nur 8 Gemeinderäte. 1. Zahlung der
Kranken=
kaſſenbeiträge für die ausgeſteuerten ledigen Erwerbsloſen. Dieſe
Beiträge würden für die Gemeinde monatlich 550 RM. betragen,
was ſich mit den anderen ſozialen Beiträgen für dieſe
Erwerbs=
loſen auf 1000 RM. ſteigern würde. Der Bürgermeiſter teilt mit,
daß es für die Gemeinde unmöglich iſt, dieſen Betrag, auf die
Dauer aufzubringen, da ſonſt die Gemeinde eines Tages die
d. h. wenn ſeine Exiſtenz bedroht oder gefährdet erſcheint. Der
Gemeinderat ſchließt ſich dem Vorgehen des Staates einſtimmig
an. Anſchließend fand noch eine nichtöffentliche Sitzung ſtatt.
Bd. Alsbach a. d. B., 10. Aug. Der Gemeindevoranſchlag
für das Rechnungsjahr 1932 lag dem Gemeinderat vor und wurde
ein=
ſtimmig genehmigt. Zu den Umlagen, welche gegenüber dem Vorjahr
bei den Grundſteuern um 6 Prozent und bei den Gewerbeſteuern um
12 Prozent geſenkt wurden, werden auch die Ausmärker herangezogen.
Die Ausſchla sſätze betragen für je 100 RM. Steuerwert für Gebäude
und Bauplätze 18,8 Pfg., für land= und forſtwirtſchaftlich genutzte
Grundſtücke 37,6 Pfg., für Gewerbekapital 35 Pfg. und für
Gewerbe=
ertrag 200 Pfg. Von der Einführung der Bürger= und Bierſteuer
konnte man auch dieſes Jahr wieder abſehen. — In der letzten
Ge=
meinderatsſitzung wurde wieder für Erlaß der Grundſteuern für
Neu=
bauten auf fünf Jahre geſtimmt, wie es auch vom Staat gehandhabt
wird. 2. Die Erhöhung der kommunalen Sondergebäudeſteuern ſoll aus
Billigkeitsgründen nach den vom Herrn Finanzminiſter herausgegebenen
Richtlinien für die ſtaatlichen Sondergebäudeſteuern auf Antrag
er=
mäßigt, gegebenenfalls ganz erlaſſen werden. 3. Die Verfaſſungsfeier
am 11. d. M. ſoll wieder wie in den Vorjahren auf dem Alsbacher
Schloß ſtattfinden. Geplant ſind bei gutem Wetter wieder Anſprache,
Chorgeſänge, Schauturnen, Kinderbeluſtigungen aller Art, ſowie
Wett=
kämpfe für die Schuljugend, wofür Brötchen, Wurſt, Schulartikel und
ſonſtiges angekauft wird. — In der darauffolgenden nichtöffentlichen
Auf, dem
Sitzung wurde eine ganze Anzahl Geſuche erledigt. —
Standesamt wurden in den Monaten April, Mai und Juni d. J.
folgende Einträge getätigt: 3 Geburten, 5 Sterbefälle, davon ſind zwei
auswärts erfolgt, und 2 Trauungen. — Die hieſigen
Arbeiter=
ſportler traten geſtern auf dem hieſigen Sportplatz in der Tanne
zum erſten Verbandsſpiel den Auerbacher Arbeiterſportlern gegenüber.
Beide Mannſchaften machten einen ſehr müden Eindruck, weshalb das
Spiel die Zuſchauer nicht auf ihre Rechnung kommen ließ. Die
Als=
bacher konnten zwei Punkte für ſich verbuchen, indem ſie das Spiel
4:3 gewinnen konnten.
Ve1A
Aſ
Wohlfahrtsunterſtützungen überhaupt einſtellen müßte, zumal ihr
der Weg zu weiteren Anleihen durch die Notverordnung ver=
ſperrt iſt. Es kam zum Ausdruck, daß hier unbedingt das Reich
einſpringen müſſe, ſonſt breche ein Teil der Gemeinden zuſammen,
während andere Gemeinden ſehr gut ſtünden, die keine
Ausge=
ſteuerten haben. Die ledigen Erwerbsloſen ſollen zuſammen
be=
ſtellt werden und ihnen die Situation klar gemacht werden, damit
ſie ſich ſelbſt weiter verſichern ſollen. 2. Durchführung der
Bier=
ſteuer. Der Bierbrauerverband will die Bierſteuer von ſich
ab=
wälzen, die Wirte ſollen dafür aufkommen, was einſtimmig
ab=
gelehnt wird. 3. Einſtimmig angenommen wird, daß am Ende der
Schulzengaſſe an der Brücke über den Bach ein Geländer
ange=
bracht werden ſoll. 4. Dem Antrag der Behörden, die Neubauten
von den Gemeinde=Grund= und Sondergebäudeſteuern bis 1934
bzw. 1938 zu befreien, wird ebenfalls zugeſtimmt. Dies war
ſeit=
her nicht der Fall, da die Gemeinde die Koſten der Waſſeranſchlüſſe
und Waſſermeſſer trug. Als Erſatz für den Steuerausfall ſollen
nun die Inhaber der Neubauten, wie es auch in anderen
Gemein=
den Brauch iſt, zu den Koſten der Waſſeranſchlüſſe uſw. durch
jähr=
liche Beiträge herangezogen werden. Eine beſondere Kommiſſion
ſoll dies genau regeln. Nach 8 132 des
Sondergebäudeſteuerge=
ſetzes tritt eine Erhöhung der Sondergebäudeſteuer ein, wenn die
Mieteinnahmen mehr als 5 Prozent des Steuerwertes betragen.
Der Staat erläßt auch wieder dieſe Erhöhung, ganz oder teilweiſe,
wenn der Betroffene dies beantragt und nachweiſt, daß ſein
Ein=
kommen einſchließlich Miete nicht das Exiſtenzminimum erreicht,
Dp. Zwingenberg, 10. Aug. Bei der letzten
Gemeinderats=
ſitzung ſtanden folgende Punkte auf der Tagesordnung: 1. Die
Wiederbelebung der Bautätigkeit durch ſteuerliche Begünſtigung;
2. die Durchführung der Gemeindebierſteuer und deren Erhöhung;
3. die Erhöhung der Bürgerſteuer; 4. Beratung des
Gemeinde=
voranſchlags für das Rechnungsjahr 1931; 5. Baugeſuch des Herrn
Johann Nickels zurzeit Darmſtadt. — Bei Punkt 1 wurde
beſchloſ=
ſen, die ſteuerliche Begünſtigung für alle Neubauten, welche von
1931 bis 1934 erſtellt werden, auf die Dauer von acht Jahren zu
gewähren. Die achtjährige Vergünſtigung, vom Baujahre ab
ge=
rechnet, findet auch auf die Bauten Anwendung, welche vor 1931
erſtanden. Bei Punkt 2 wurde ein Schreiben verleſen, daß die
Gemeinde die Bierſteuer direkt von den Wirten erheben ſollte.
Der Gemeinderat iſt der Meinung, daß es einfacher iſt, wenn die
Brauereien die Steuer auf den Bierpreis ſchlagen und nachher an
die Gemeindekaſſe abführen. Im anderen Falle fehle bei evtl.
Zahlungsunfähigkeit eines Wirtes jegliche Handhabe. Sodann
wurde vorgeſchlagen, die Bierſteuer um die Hälfte zu erhöhen.
(ſie erbrachte bis jetzt 6000 RM.), da der mehreingehende
Be=
trag für die im Voranſchlag erforderliche Summe dringend nötig
ſei und weitere Steuerquellen mit Ausnahme der Bier= und
Bür=
gerſteuer der Gemeinde nicht mehr offenſtänden. Dieſer Gedanke
wurde durch die Linke verworfen, da eine weitere ſteuerliche
Be=
laſtung des „Getränkes des kleinen Mannes” nicht verantwortet
werden könne. Gleichzeitig wurde dann auch über Punkt 3
be=
raten und feſtgeſtellt, daß eine Erhöhung der Bürgerſteuer um
50 Prozent ſchwer tragbar ſei. Eine Abſtimmung ergab, daß die
Erhöhung der beiden genannten Steuern unterbleibt. Hierdurch
konnte Punkt 4 nicht erledigt werden. Herr Gemeinderat Schmidt
verlas den Voranſchlag. Es wurde beſchloſſen, daß der durch
Nichterhöhung der Bier= und Bürgerſteuer entſtehende Ausfall,
welcher zirka 4000 RM. ausmachen könne, durch Einſparungen
im Voranſchlag ausgeglichen werden ſoll. So wurde eine beſondere
Vergütung des Feldſchützen für Wäſſerung der Wieſen und eine
ſolche des Ortsſchutzmannes, bezüglich der Waſſerzinszettel, als zu
ihren Dienſtverrichtungen gehörend, erörtert. In einer in der
nächſten Woche ſtattfindenden Sitzung ſoll über Punkt 4
weiter=
beraten werden. Punkt 5. Geſuch des Herrn Johann Nickels,
wel=
cher auf ſeinem Grundſtück in der Rodauerſtraße ein Wohnhaus
errichten will, wurde zugeſtimmt. An die öffentliche Sitzung ſchloß
ſich eine nichtöffentliche an.
Aa. Wolfskehlen, 11. Auguſt. Sturz in der Scheune.
Am Montag abend ſtürzte in der Neugaſſe eine verheiratete Frau,
die noch eine kleine Arbeit in der Scheune verrichten wollte, ſo
unglücklich ab, daß ſie eine ſchwere Gehirnerſchütterung erlitt und
zunächſt bewußtlos war. — Außerdem fiel in einer Dreſchhalle ein
älterer Mann von einem Wagen; er kam aber dabei ſehr gut weg
und konnte bald wieder weiterarbeiten.
Ax. Neuſtadt i. Odw. mit Burg Breuberg, 10. Aug. Freizeit
erwerbsloſer Mädchen auf dem Breuberg. Zum dritten
Male im Laufe dieſes Jahres nahm der Breuberg, dieſe Hochſtätte der
wanderfrohen Jugend, in ſeinen trauten Räumen frohe und
glaubens=
ſtarke Jugend auf. Diesmal war es das evangel. Jugendpfarramt zu
Offenbach, das die Führung von 48 erwerbsloſen Mädchen übernommen
hatte. Und in der Tat dieſe Freizeit ſollte den jungen Menſchen einen
beſonderen Dienſt erweiſen. Es iſt eine ſchöne und doch zugleich
dank=
bare Aufgabe, in Zeiten großer wirtſchaftlicher Nöte und
Erwerbsloſig=
keit mit Erfolg an dem großen Jugendwerk mitarbeiten zu können.
Nur wer Liebe ſät, wird Liebe ernten. Es iſt ein Glück, daß ſich immer
noch Männer gleichen Sinnes und Strebens zuſammenfinden und nicht
erlahmen, guten Samen auszuſtreuen. Und unſere alte Odenwaldburg,
das Wahrzeichen des öſtlichen Odenwaldes, iſt dazu wie geſchaffen. Iſt’s
nicht ſchon ein großer innerer Gewinn, von luftiger Höhe aus die
präch=
tige Odenwaldlandſchaft bewundern zu können. Von ſchönſtem
Sonnen=
ſchein umfloſſen, ruft ſie uns hochgemuten Hauptes zu, verzaget nicht,
ſchaut um euch und in euch und lernet begreifen, daß der Weg des
Auf=
ſtiegs zwar mühſam und ſchwierig iſt, aber ohne inneren Halt und
ſtar=
ken Glauben an die Zukunft unmöglich wird. Darum haben Herr Lic.
zur Nieden=Offenbach und ſein Kollege Creter=Dreieichenhain,
der ihn für zwei Tage vertrat, in ernſten Vorträgen und gemeinſamen
Beſprechungen die wichtigſten Lebensfragen mit den Teilnehmern
durch=
geſprochen und für ſie vom evangeliſchen Glauben her eine Löſung
ge=
zeigt. Und es muß freudig anerkannt werden, daß die jungen Seelen
mit bemerkenswerter Anteilnahme während der Tagung wacker den
Weg beſchritken haben, um ſich im ſchweren Kampfe ums Daſein das
Rüſtzeug zu ſchaffen, deſſen ſie alle ſo nötig bedürfen. Vor allem
ge=
bührt den Gemeinden Rimhorn und Lützel=Wiebelsbach herzlicher Dank
dafür, daß ſie in ausgezeichneter Weiſe chriſtlicher Betätigung dazu
bei=
getragen haben, die äußeren Lebensbedingungen für dieſe Freizeit zu
ſchaffen. Werke chriſtlicher Nächſtenliebe ſind heute mehr wie je nötig,
um in der Oede des Alltages Licht und Wärme zu ſpenden. Und wenn
der Leiter der hieſigen Jugendherberge für ſeinen Teil in beſcheidner
Weiſe dazu beigetragen haben ſollte, durch einen geſchichtlichen
Rund=
gang in der alten Burgfeſte die Arbeit zu unterſtützen, ſo ſieht er
ſeinen Dank, wie ſchon öfters, darin, mit dankbaren jungen
Menſchen=
kindern für einige Stunden fröhlich beiſammen geweſen zu ſein. Wer
einmal von dieſem Freizeitleben einen Eindruck gewonnen hat und
be=
obachtete, wie junge Menſchen zu einer neuen Lebensgeſtaltung geführt
werden; wer einmal in ihrem frohen Kreiſe ſang und all die ſchönen
Volkslieder hörte, die ſie neu gelernt haben, wird ſich gern der ſchönen
Tage auf der Burg erinnern. Wir wollen hoffen und wünſchen, daß die
Freizeitarbeit auch weiterhin großen Erfolg und Ausbreitung finden
möge.
Am. Haingrund, 10. Aug. Ein Straßenkurioſum im
hinteren Odenwald. Im Zuge der Verbindungsſtraße
Haingrund—Windlücke—Hainhaus-Vielbrunn befindet, ſich
zwi=
ſchen Windlücke und Hainhaus mitten im Walde der ſogenannte
„Verbotene Weg”. Neuerdings wurde dieſer wieder durch die
Fürſtl. Oberförſterei Vielbrunn, für alle Fahrzeuge im
Durch=
gangsverkehr geſperrt. Dies bedeutet ein Unding in der heutigen
Zeit. Zirka 15—20 Km. Umweg ſind notwendig, um jetzt mit
Autos oder Wagen von der Windlücke zum Hainhaus zu kommen,
während die kürzeſte Verbindung über den „Verbotenen Weg”
nur etwa 4 Km. beträgt. Ueberall führt die Provinz z. T.
koſt=
ſpielige und unnötige Straßenumbauten durch (ſiehe Lützel=
Wie=
belsbacher Umbau),
Warum übernimmt die Provinz nicht den
„Verbotenen Weg”? Wenn dieſer in ſeinem jetzigen Zuſtand auch
noch einige Zeit liegen bliebe, bis er zur Landſtraße ausgebaut
werden könnte. Herzlich wären die Bewohner von Haingrund,
Breitenbrunn, Vielbrunn und Kimbach froh, wenn die
Straßen=
ſperre auf dieſe Weiſe beſeitigt werden würde. Scheinbar trägt
die Provinz nur den D=Straßen und den Gemeinden, die daran
liegen, Rechnung. Werden die Wünſche der Bevölkerung des
hin=
teren Odenwaldes auch einmal berückſichtigt? Wann geſchieht
dies? Hoffentlich bald!
— Hirſchhorn, 12. Aug. Waſſerſtand des Neckars an
9. Auguſt: 2,02 Meter; am 10. Auguſt: 1,88 Meter.
m. Aus dem Lande — von der Peripherie desſelben, 10. Aug.
Unbegehrte Stellen. Mit Rückſicht auf die Kindererziehung
iſt es begreiflich, daß Beamte und andere Angeſtellte nach den
Zentren des Landes ſtreben, dorthin, wo ihnen für die ſchuliſche
Ausbildung der Kinder möglichſt billige Gelegenheit geboten iſt,
und daß ſeitens der vergebenden Behörden hierauf Rückſicht
ge=
nommen wird, iſt dem Einſichtigen ebenſo klar. Weniger
ein=
leuchtend erſcheint es, wenn jüngere Leute, vornehmlich Damen,
es ablehnen, in entfernt liegende Gegenden des Vogelsberges
oder Odenwaldes verſetzt zu werden, und wenn dieſes Verhalten
von den zuſtändigen Stellen gutgeheißen wird. So geſchah es
kürzlich, daß ein Fräulein nach einer der genannten Gegenden
dekretiert wurde; dasſelbe nahm auch Einſicht von dem
zukünf=
tigen Aufenthaltsort, (der übrigens noch nicht einmal ſo übel iſt);
letzterer ſcheint aber nicht Gnade gefunden zu haben vor den
Augen der damit Bedachten. Sie machte alſo ſtracks kehrt, ſuhr
dorthin, von wo aus ihre Neuentſendung beſtimmt worden war.
und wirklich, es ſcheinen ſo triftige Gründe vorgelegen zu haben,
daß die angeſonnene Stelle nicht angetreten zu werden brauchte.
Ob ſolches nur bei Damen üblich iſt, weiß Schreiber dieſes nicht,
jedenfalls iſt es aber auffällig, wenn einzelne ihren
Wirkungs=
kreis ſich ausſuchen dürfen, während andere monate= und
jahre=
lang auf Verwendung zu warten haben.
Bd. Jagdausſichten in Rheinheffen. Veranlaßt durch eine im
vori=
gen Herbſt und Winter unter den Haſen ſtark aufräumende
ſeuchen=
artige Krankheit — Lungenſeuche genannt — iſt das Feld ſchlecht mit
Wild befetzt, weshalb Haſenbraten in dem nächſten Winter wieder teurer
werden wird. Ebenſo ſieht es im Rebhühnerbeſtande aus, weil die
Hennen infolge der von den Mäuſen kahl gefreſſenen Kleeäcker im
Früh=
jahr keine günſtige Niſtgelegenheit fanden. Weidgerechten Jägern dürfte
dies Veranlaſſung zur Schonung des Wildes ſein. Im Weſten der
Provinz bei Frei=Laubersheim, wurden Wildſchweinsrudel geſichtet, die
in den Kartoffelpflanzungen guten Appetit enwickelten.
Nummer 222
Mittwoch, den 12. Auguſt 1931
Seite 5
Eine märkiſche Stadk in Finanzſchwierigkeiken.
Berlins größte Polizeiunkerkunfk ferkiggeftellt.
Blick auf das Königstor mit dem Hungerturm in Bernau.
die märkiſche Stadt Bernau im Norden Berlins iſt in Finanzſchwierigkeiten geraten. Die
Beam=
engehälter konnten am 1. Auguſt nur zu einem Drittel ausgezahlt werden. Die Stadt iſt
ge=
zwungen, Staatshilfe zu beantragen.
Raſche Arbeit der Polizei.
ichliger Fund bei der Unkerſuchung des Eiſenbahnakkenkakes von Jükerbog.
Berlin, 11. Auguſt.
In überraſchend kurzer Zeit haben die
Ermitt=
ungen nach den Urhebern des
Eiſenbahnatten=
ts bei Jüterbog zu einem wichtigen Erfolg
ge=
ihrt. Wie bereits gemeldet, war in der geſtrigen
ſprechung der an der Unterſuchung beteiligten
ehörden die geſamte Materie des Falles in
ner Anzahl einzelner Abſchnitte aufgeteilt
wor=
en, deren jeder von einer beſtimmten
Beamten=
ruppe zu bearbeiten war. Ein ſehr wichtiger
ſchnitt war begreiflicherweiſe die Feſtſtellung
r Herkunft der zur Ausführung der Tat
be=
tzten Materialien. In weitem Umfange wur=
Ermittlungen in entſprechenden Geſchäften,
abriken uſw. angeſtellt. Dieſe Ermittlungen
urden außerordentlich erleichtert durch einen
und, den geſtern morgen ein Beamter ,der
ichsbahn bei einer erneuten Abſuchung des
ländes machte. Bekanntlich wurde die
Spreng=
ung auf elektriſchem Wege zur Entzündung
bracht, und zwar von einem Punkte aus, der
n Tatort ſelbſt etwa 180 Meter entfernt iſt.
handelt ſich um ein dichtes Gebüſch, das in
ter tiefen Mulde neben dem Bahndamm ein
ßerordentlich günſtiges Verſteck darſtellte. An
r betreffenden Stelle wurde unter Gras und
oos verborgen ein Paket vorgefunden, das, in
ackpapier eingeſchlagen, in erſter Linie eine
lzrolle enthielt, auf der ſich noch etwa 200
keter des gleichen Drahtes befanden, wie er zur
lusführung der Tat benutzt worden iſt. Es war
ſne weiteres erkennbar, daß der bei der Tat
nutzte Draht von dieſer Rolle entnommen war.
ine große Zahl von Beamten ſuchte auf Grund
eſes neuen Fundes wiederum alle nur
irgend=
die in Betracht kommenden Geſchäfte auf, mit
em Erfolg, daß noch im Laufe der heutigen
lacht die Herkunft der Rolle mit Draht
feſtge=
ellt werden konnte. Sie ſtammt aus einem
In=
allationsgeſchäft in der Friedrichſtadt und iſt
ort von einem bisher unbekannt gebliebenen
Nann gekauft worden, in dem augenſcheinlich
er oder einer der Attentäter zu ſuchen iſt. Der
etreffende Mann war ſchon am 7. Auguſt gegen
Nittag in dieſem Geſchäft und kaufte zwei
Eiſen=
ohre 1,57 Meter lang, Durchmeſſer 1½ Zoll. Am
Samstag, den 8. Auguſt, kaufte er noch eine
Schachtel Iſolierband und danach eine Holzrolle,
nthaltend 500 Meter Draht der erwähnten Art.
Jeder Zweifel daran, daß es ſich bei der
gefun=
ſenen Rolle Draht um den in jenem Geſchäft
erworbenen Draht handelt, wird beſeitigt durch
den Umſtand, daß die Umhüllung des
geheimnis=
vollen Pakets ganz charakteriſtiſche Merkmale
aufwies: Die Gattin des Inſtallateurs hatte
ge=
rade am Morgen jenes Tages von ihrem
außer=
halb wohnenden Sohne eine Wäſcheſendung
er=
halten. Die Adreſſe war zwar zum Teil beſeitigt,
immerhin aber noch deutlich erkennbar.
Uebri=
gens fand ſich in der Umhüllung außer dem Reſt
des Drahtes auch noch die Schachtel Iſolierband
vor. Anſcheinend hatte derſelbe Mann ſchon bei
einer anderen Firma am Freitag abend den
Verſuch gemacht, etwas dünneren Draht zu
er=
werben. Der Draht wurde auch beſorgt. Er hat
ihn jedoch nicht abgeholt.
Der Sleckbrief des Verbrechets.
Der Mann wird folgendermaßen beſchrieben:
Etwa 1,72 Meter groß, bis 35 Jahre alt, ſchlank,
aufrechte Haltung, auffallend bräunliche Haut
(Sonnenbrand?), glatt raſiert, doch ſtarker
Bart=
wuchs erkennbar, faſt ſchwarzes Haar,
dunkel=
braune Augen, ſpricht angeblich gebrochen deutſch,
will früher iriſcher Offizier geweſen ſein und
Penſionen von 700 Mark monatlich beziehen, will
vor 4 Jahren in Deutſchland eingebürgert ſein.
Seine Frau ſoll ſich zurzeit in Frankfurt a. M.
befinden. Der Unbekannte wollte hinter
Pots=
dam ein Gartengrundſtück bewohnen. Das
Häus=
chen ſoll drei Zimmer enthalten. Bekleidet war
der Unbekannte mit graublauem Jackettanzug,
weißem Oberhemd, weißem Umlegekragen,
rot=
braunem Selbſtbinder, grauem Schlapphut mit
vorn heruntergebogener Krempe und
Sommer=
mantel aus vermutlich grauem Stoff. Er trug
Halbſchuhe, Farbe kann nicht angegeben werden.
Wie bereits allgemein bekannt, iſt für
Mit=
teilungen, die zu einer Aufklärung des
Ver=
brechens führen, nunmehr eine Geſamtbelohnung
von 100 000 RM. ausgeſetzt worden. Die
An=
gaben des Geſuchten über ſeine perſönlichen
Ver=
hältniſſe ſind ſicherlich ganz oder zum größten
Teil unwahr. Dennoch bieten ſie vielleicht
wei=
tere Anhaltspunkte. Zur Unterſuchung der
Sprengſtücke, bzw. Feſtſtellung des zur Tat
be=
nutzten Sprengſtoffes iſt ſeit heute vormittag
Prof. Dr. Ritter, eine anerkannte Autorität auf
dieſem Gebiet, an Ort und Stelle tätig. Es
kann ſchon jetzt mit ziemlicher Sicherheit geſagt
werden, daß die oben erwähnten Rohre bei dem
Attentat Verwendung gefunden haben.
Zum 30. Todeskag des ſchwediſchen
Polarforſchers Nordenſkjöld.
Adolf Erik Nordenſkjöld,
der berühmte ſchwediſche Polarforſcher und
Geo=
graph, ſtarb vor 30 Jahren, am 12. Auguſt 1901,
im Alter von 69 Jahren. Er hatte zahlreiche
Expeditionen nach Spitzbergen, nach Grönland
und durch das Eismeer unternommen und fand
1897 die nordöſtliche Durchfahrt bei einer
Um=
ſegelung der Nordſpitze von Aſien.
Die Unkerſuchungsergebniſſe am Wrack
„Sl. Philiber!”
Paris. In dem Wrack des gehobenen „St.
Philibert” wurden keine weiteren Leichen mehr
entdeckt. Die Schiffsräume ſind faſt völlig von
Sand, Schlamm und Waſſer ausgepumpt
wor=
den und der Dampfer wird in kurzem auf ein
Trockendock gelegt werden können. Ein
In=
ſpektor der Handelsmarine hat folgendes
Er=
gebnis ſeiner Unterſuchung veröffentlicht, das
die Schiffsgeſellſchaft und den veranſtaltenden
Verein ſchwer belaſtet: 1. Der „St. Philibert” iſt
ohne Bordbuch ausgelaufen; 2. das Schiff fuhr
aus, ohne dies wie ſonſt üblich, dem zuſtändigen
Schiffsbüro angezeigt zu haben; 3. der „St.
Philibert” war ſchon ſeit Oktober 1930
aus dem Dienſt geſtrichen.
Boardman und Pollando kehren zu Schiff
nach Amerika zurück.
Marſeille. Die amerikaniſchen Flieger
Boardman und Pollando, denen vor etwa einer
Woche der Flug New York-Konſtantinopel ohne
Zwiſchenlandung glückte, landeten vorgeſtern
abend von Konſtantinopel kommend hier
wohl=
behalten. Sie haben die Abſicht, ſich und ihr
Flugzeug am nächſten Freitag nach den
Ver=
einigten Staaten einzuſchiffen. Mit der
Abmon=
tierung ihres Apparates harde geſtern
be=
gonnen
Das amerikaniſche Rieſenluftſchiff in der Halle von Akron (USA)
Davor die Beſatzung.
Die neue Polizeiunterkunft in Berlin=Köpenick.
In Köpenick bei Berlin iſt jetzt die größte Berliner Polizeiunterkunft fertiggeſtellt worden und
ſoll am 1. Oktober von den Beamten bezogen werden. Das Gebäude umfaßt neben Amts= und
Unterrichtsräumen freundlich eingerichtete Zimmer, in denen die Beamten wohnen ſollen.
Außerardenklich ſchweres
Erdbeben aufgezeichnet.
Frankfurt a. M. Die Inſtrumente der
v. Reinachſchen Erdbebenwarte auf dem Kleinen
Feldberg i. Taunus verzeichneten Montag abend
ein außerordentlich ſchweres Erdbeben, deſſen
erſter Einſatz um 22 Uhr 27 Min. 52 Sek. MEZ.
erfolgte. Die Herdentfernung betrug 6300
Kilo=
meter; das Maximum lag 22 Minuten ſpäter.
Die Bodenbewegung betrug auf dem Taunus
noch 0,5 Millimeter. Eine genaue Angabe iſt
nicht möglich, da die Regiſtriernädel über den
Regiſtrierſtreifen hinausſchlug. Seit dem
ſchweren Japan=Beben am 1. September 1923
iſt das das ſchwerſte Beben, das auf dem Taunus
verſpürt worden iſt. Die Apparate kamen erſt
am Dienstag früh gegen 6 Uhr zur Ruhe.
Spurlos verſchwundene Bergſteiger von 1919
gefunden.
Wien. Nach Blättermeldungen aus
Inns=
bruck ſind bei alpinen Uebungen des
Bundes=
heeres im Gletſchergebiet des oberen Zillertales
die Leichen des Innsbrucker
Univerſitätspro=
feſſors Koban und des Wiener Bankbeamten
Anlauf gefunden worden, deren ſpurloſes
Ver=
ſchwinden im Jahre 1919 bei einer Bergtour
oberhalb der Berliner Hütte unweit der
ita=
lieniſchen Grenze großes Aufſehen erregte. Es
wurde damals der Verdacht ausgeſprochen, daß
die beiden Bergſteiger von italieniſchen Grenz=/
ſoldaten oder von Schmugglern erſchoſſen
wor=
den ſeien. Nach den Umſtänden, unter denen die
Leichen vorgeſtern entdeckt wurden, dürften
Ko=
ban und Anlauf aber in eine Gletſcherſpalte
ge=
ſtürzt und ihre Leichen jetzt bei dem ſtetigen
Zurückweichen des Gletſchers innerhalb der
letz=
ten 12 Jahre an deſſen Oberfläche gekommen
ſein. Die Gendarmerie iſt bemüht, die
Zuſam=
menhänge dieſer Touriſtentragödie aufzuklären.
Spuren der Baldwin=Expedikion
auf Brice.
Moskau. Auf dem Wege nach der Inſel
Aldger wurde der Eisbrecher „Malygin” vom
Sturm überraſcht, der eine Stärke von 30
Se=
kundenmetern erreichte. Der Dampfer wollte
einen Zufluchtshafen aufſuchen, aber die ſich
bildenden Polſter hinderten den Dampfer, das
Ufer zu erreichen; er kehrte auf die bewegte
See zurück, umſchiffte die nördliche Spitze der
Inſel Brice und lief die Küſte der Inſel
Ald=
ger an. Bei der Unterſuchung des Ufers ſtieß
„Malygin” auf eine zerbrochene Schaluppe und
ein zerſtörtes Häuschen, das aus Kiſten erbaut
war. Touriſten fanden dann eine Flaſche mit
einem Brief Baldwins, datiert vom 2. Juli
1902, in dem geſagt wird, daß das Schiff
„America” notleide und Kohle fehle. Am Ende
des Briefes wird das Lager Zieglers angegeben.
„Malygin” nahm dann Kurs auf Nowaja
Semlia.
Schmugglerſchiff aufgebracht.
Kopenhagen. Der ſchwediſche
Zollbe=
wachungsdampfer „Triton”, der im Aaland=
Meer ſtationiert iſt, hat in der Nacht zum
Sonn=
rag in der Nähe von Maerketsfeuer den
un=
gariſchen Dampfer „Ilona” beſchlagnahmt. Der
Dampfer hatte 70 000 Liter
Schmuggler=
ſprit außer einer großen Anzahl von Kiſten
mit Whisky, Wein ſowie Zigarren und
Zigaret=
ten geladen. Der Kapitän iſt ein Ungar, die
beiden Steuermänner ſind Deutſche und die
übrige Beſatzung beſteht aus vier Deutſchen, drei
Polen und einem Engländer. Sie ſind alle
ver=
haftet worden. Dies iſt der größte Fang, den
jemals ſchwediſche Bewachungsſchiffe gemacht
haben.
Die Kinderlähmung in New York.
New York. Siebenundſechzig neue Fälle
von Kinderlähmung ſind hier feſtgeſtellt worden,
was einen kleinen Rückgang gegenüber den
täg=
lichen Neuerkrankungen der letzten Tage
be=
deutet. Ob die Epidemie damit aber bereits im
Abebben begriffen iſt, läßt ſich nicht mit
Be=
ſtimmtheit ſagen.
Taufe des amerikaniſchen Rieſenlufkſchiffes.
Akron (Ohio). Die Gattin
des Präſidenten Hoover vollzog
auf dem hieſigen ſtädtiſchen
Flug=
hafen unter dem brauſenden
Bei=
fall einer ungeheueren
Menſchen=
menge, die auf über 100 000
Per=
ſonen geſchätzt wurde, die Taufe
des von der Goodyear Zeppelin
Co. gebauten Rieſenluftſchiffes
„United States Akron‟. Die
Taufpatin öffnete durch das
Zie=
hen einer Leine eine Luke des
Luftſchiffes, aus dem ein Schwarm
Tauben als Sinnbild des
Lebens=
elementes des Luftſchiffes
heraus=
flatterte. Gleichzeitig ſpielte die
Muſik die Nationalhymne und
150 Flugzeuge kreiſten über dem
Flugplatz. Der Leiter der
Luft=
fahrtabteilung im Marineamt,
Admiral Morfett, hielt eine
An=
ſprache, in der er erklärte,
Ame=
rika müſſe die Führung auf dem
Gebiet der Luftfahrt in der Welt
behalten und immer größere
Luft=
ſchiffe bauen. Er hoffe, daß das
Schweſterluftſchiff, deſſen Bau in
mehreren Wochen beginnen werde,
einen Rauminhalt von 7 500 000
Kubikfuß haben werde.
Das jetzt getaufte Luftſchiff
ent=
hält 6 500 000 Kubikfuß
Helium=
gas. Es iſt faſt dopelt ſo groß
wie der „Graf Zeppelin”, mit
ſchweren Maſchinengewehren
be=
ſtückt und kann, fünf Flugzeuge
mit ſich führen, die im Falle eines
Angriffs vom Luftſchiff abfliegen.
Seite, 6
Mittwoch, den 12. Auguſt 1931
tummer 222
2ig
Beiſt ſanssrängse Wodrmſtägt.
Die geſtrigen Wettkämpfe aus Anlaß des Verfaſſungstages
litten ſtark unter dem Regenwetter. Dennoch war die Zahl der
Teilnehmer beſonders in den leichtathletiſchen Wettkämpfen ſehr
ſtark und es wurden auch einige recht gute Reſultate erzielt. Bei
den Schwimmern überraſchte der jugendliche Gerhard Heyne von
Jungdeutſchland, der die 100 Meter Crawl in 1:09 Minuten
zu=
rücklegte. — Nachſtehend die Ergebniſſe:
Senioren: 1. Toni Götz=Reichsbahn 1404,65 Punkte
2. Jean Deißroth=Tgſ. 1875 1288,50; 3. Strauß=Spv. 1898 953,25.
Junioren: 1. Edgar Rieble=Tgde. 1846 1565,40 Punkte;
2. Hans Jakob=Tgde. 1846. 1345,85; 3. W. Klock=Tgde. 1846 1295,00;
4. Helmuth Nickel=Tgde. 1846 1289,50; 5. Hermann Fiſcher=Tgde
1846 1227.10; 6. Wilhelm Vierheller=Tgſ. 1875 1142,50; 7. Wilh.
Schwarz=Tgde. 1846 954,35; 8. Arthur Fiſcher=Tgde. 1846 919,30;
9. Franz Berger=D.J.K. 914,40; 10. Jung=Spv. 1898 526,00;
11. Ludwig Sulzmann=Reichsbahn 380,90.
Altersklaſſe: 1. Krichel=Spv. 1898 1411,80 Punkte;
2. Pfeil=Spv. 1898 1280,60; 3. Müllmerſtadt=Spv. 1898 1237,90;
4. Müller=Tade. 1846 904,25; 5. Krämer=Rotweiß 819,60; 6. Maul=
Spv. 1898 644,85.
Frauen: 1. Lina Walter=Pol.=Spv. 68 Punkte; 2. Beppi
Stepp=Spv. 1898 6:
3. Lieſel Niebel=Tgde. 1846 66; 4. Gretel
Niebel=Tgde. 1846 64; 5. Elſe Hartmann=Tgde. 1846 61; 6.
Nun=
geſſer=Spv. 1898 48; 7. Elsbeth Aßmus=Pol.=Spv. 45; 8. Sehnert=
Spv. 1898 36.
Jugend 4: 1. H. Hornfiſcher=Spv. 1898 2440,00 Punkte;
2. H. Euler=Tgſ. 1875 2275,00; 3. Ph. Rühl=Pol.=Spv. 2274,00;
4. W. Doerr=Spv. 1898 2183,00; 5. O. Moßner=Pol.=Spv. 2092,40.
Jugend B: 1. H. Wieſeneck=Spv. 1898 2467,90 Punkte;
2. Joſ. Lehrmann=D. J.K. 2325,00; 3. Bernh. Pfleghaar=D. J.K.
2005.30.
Jugend C: 1. Heinz Pockrandt=Pol.=Spv. 1969,00 Punkte
2. Albert Büttel=Pol.=Spv. 1889,30; 3. Erwin Klein 2.=Spp. 189
1349,80.
hwirangz
SGhielAesteN.
Damen. 100 Meter: 1. Eliſe Gerhardt=Tade. 1846 1:23,4
Minuten: 2. Marie Oſann= Jungdeutſchland 1:35,4 Min.
Herren, 100 Meter: 1. Otto Wolf=Jungdeutſchland
1:07,8 Min.; 2. Eugen Richter=Jungdeutſchland 1:08,6.
Herren, 1000 Meter: 1. Willi Treuſch=Tgſ. 1877
16.36 Min.; 2. Karl Schmalbach=Rotweiß 16.46.
Jugend. 100 Meter: 1. Gerhard Heyne=Jungdeutſchland
1.09 Min.; 2. Walter Schüßler=Jungdeutſchland 1.10.
Handball.
5. P. Darmſtadt 98 — B. f. R. Maunheim 11:8 (8:5).
Im Rahmen der Mannheimer Verfaſſungskämpfe erledigter
die 98er am geſtrigen Verfaſſungstag eine Rückſpielverpflichtung
gegen die dortigen Raſenſpieler. Obwohl die Sportvereins=
El=
ohne Henß, Rothenburger, Förſter, Fuchs und Fiedler antrat,
ge=
lang ihr ein einwandfreier Sieg, der noch höher hätte ausfallen
können, wenn nicht der Spielleiter (Schuhmacher=Phönix=
Mann=
heim) mehreren einwandfreien Toren der Darmſtädter die
An=
erkennung verſagt hätte. Die aus der Reſerve=Elf entnommenen
Erſatzſpieler ließen ſich überraſchend gut an; ſelbſt der Erſatz=
Tor=
wächter konnte, nachdem er ſeine begreifliche Nervoſität
über=
wunden hatte, in der zweiten Hälfte durchaus gefallen. Bei dem
Gegner verfügte der Sturm über ein ſehr beachtliches Können,
während die Hintermannſchaft dem durchdachten Angriffsſpiel der
98er nicht immer gewachſen war
Das Spiel ſtand auf techniſch guter Stufe und fand, zumal es
ſehr ſchnell war, den Beifall des Publikums. Im Spielverlau
waren die 98er immer leicht überlegen und führten auch ſtets. An
den Torerfolgen waren die geſamten Stürmer beteiligt, und zwar
Feick mit 4, Freund mit 3, Wahl mit 2 Toren und Weber und
Werner mit je einem Tor
Das Spiel V.f.R. Michelſtadt gegen Polizei
Darm=
ſtadt endete 0:6 (0:3).
Die Kämpfe der Krafkſporkler.
Die geſtern Vormittag in der Turnhalle Soderſtraße 30 ſtatt
gefundenen Verfaſſungskämpfe im Ringen und Dreikampf, hatten
einen großen Publikumserfolg zu verzeichnen. Auch ſportlich
ſtand das Gebotene auf der Höhe. Ringer wie Dreikämpfer
wetteiferten um die Sympathien der zahlreich erſchienenen
Zu=
ſchauer. Beſonders die fünf erſten Klaſſen im Ringen ſorgten
durch temperamentvolle Gänge für richtige Kampfſtimmung. Die
ſchweren Klaſſen, die infolge Ausbleibens der Ringer von 1895
und Polizei, nur mit Leuten von Darmſtadt 1910 beſetzt waren,
ſtanden ihnen nicht nach. Gerade hier rief die Behendigkeit der
„Zwei=Zentnerſchweren”, öfters allgemeines Staunen hervor
Trotz alledem wickelten ſich alle Konkurrenzen in lobenswerter
Diſziplin ab. Die Dreikämpfer, die zwei Uebungen im
Gewicht=
heben (Einarmig Reißen und Beidarmig Stoßen) und Hammer
werfen zu beſtreiten hatten, zeigten ſich durch prachtvolle
Leiſtun=
gen im Gewichtheben ihren Ringerkollegen ebenbürtig. Nur
das Hammerwerfen, das in der Geſamwertung der
Mindeſtlei=
ſtungen von ausſchlaggebender Bedeutung war, brachte manchen
guten Gewichtheber um den wohlverdienten Endſieg. Die
Orga=
niſation der Wettkämpfe — Gaugeſchäftsführer Kloß=
Darmſtad=
zeichnete verantwortlich — kann als vorbildlich bezeichnet
wer=
den, allerdings ſollen auch nicht die Funktionäre bei den
Wett=
kämpfen vergeſſen werden, die ſich in uneigennütziger Weiſe zur
Verfügung ſtellten und zum reſtloſen Gelingen der Veranſtaltung
weſentlich beitrugen. Anſchließend fanden dann auf dem
Sport=
platz des Sportvereins 1898 die Siegerverkündigungen ſtatt.
Die erſten Sieger erhielten die ſilberne, die zweiten die
bronzene Verf.=Plakette nebſt Urkunde, und die dritten eine
Ur=
kunde des Herrn Reichspräſidenten. — Nachfolgend die
Sieger=
liſte:
Ringen:
Bantam: 1. Borowſki=Dſt. 1910; 2. Schnauber=Pol. Dſt. —
Feder: 1. Schanz, Gg.=Pol. Dſt.; 2. Schwarz=Dſt. 1910;. 3. Scheffel=
Dſt. 1910, — Leicht: 1. Schanz, Aug.=Pol. Dſt.; 2. Göbel=Pol.
Darmſtadt: 3. Kunz, W.=Dſt. 1910. — Welter: 1. Keitel, W.=Dſt.
1910: 2. Marloff=1895 Dſt.: 3. Keutz, A.=Dſt. 1910. — Mittel:
1. Truber=Dſt. 1910; 2. Lang=Pol. Dſt.; 3. Haack=Dſt. 1910.
Halbſchwer: 1. Veith, Gg.; 2. Fröba; 3. Zwach (alle Dſt. 1910) —
Schwer: 1. Gernand; 2. Schuchmann; 3. Müller, Gg. (alle
Darm=
ſtadt 1910).
Dreikampf.
Bantam: 1. Schnauber=Pol. (83 P.) — Feder: 1. Scheffel=
Dſt. 1910 (98 P.); 2. Gg. Schanz=Pol. (84 P.) — Leicht: 1. Göbel=
Pol. Dſt. (102 P.); 2. Aug. Schanz=Pol. (100 P.) — Schwer:
1. Knauf=1895 Dſt. (144 P.) — Die Erſten im Mittel und
Halb=
ſchwergewicht erhielten wegen Nichterreichens der Mindeſtleiſtung
im Hammerwerfen keine Dreikampf=Wertung.
Berfaſiungsweitkämpfe im Kanuſpork.
Die Verfaſſungswettkämpfe am Altrhein, die von der
Paddelboot=
abteilung des Vereins für Leibesübungen „Rot=Weiß‟ Darmſtadt
durch=
geführt wurden, hatten zahlreiche Zuſchauer, beſonders aus den Kreiſen
der intereſſierten Paddler und aus der Erfelder Bevölkerung, angelockt.
Annähernd 1000 Zuſchauer waren Zeuge recht ſpannender Kämpfe. Es
kam bei denſelben weniger auf die Plätze an als darauf, die
vorgeſchrie=
benen Mindeſtzeiten zu unterbieten oder mindeſtens zu erreichen. Auch
die Leiſtungen der teilnehmenden Damen fanden lebhaften Beifall, um
ſo mehr, als dieſe Damen es wagten, gegen das ſtärkere Geſchlecht
an=
zukämpfen.
Das anſchließende Stromſchwimmen ſah zahlreiche Schwimmer des
veranſtaltenden Vereins am Start. Sieger in der Hauptklaſſe über 2000
Meter wurde F. Hanſt (Rot=Weiß) durch beſſeren Endſpurt, knapp vor
ſeinem Vereinskameraden Gimbel.
Wurſtſchnappen der Knaben, humoriſtiſches Schifferſtechen und
Wel=
lenreiten hinte: einem Motorboot füllten die Pauſen aus. Eine
ge=
miſchte Staffel 10X100 Meter (5 Läufer und 5 Schwimmer) gaben, den
ſportlichen Wettkämpen und Vorführungen einen intereſſanten Abſchluß.
Abends fand hinter dem Rot=Weiß=Bootshaus die Siegerverkündung im
Rahmen eines Sommernachtsfeſtes ſtatt — zur Erinnerung an die
Ein=
weihung des Rot=Weiß=Bootshaufes und Landheimes.
Die Reſultate:
Faltboot=Einer, 10 Klm. (Mindeſtzeit 75 Min.): 1. Schnank,
Jung=
deutſchland, 47:56 Min., 2. Frl. Leithäuſer, Rot=Weiß, 57:4 Min.
Holzboot=Einer (Rennboot=Einer), 10 Klm. (Mindeſtzeit 65 Min.): 1. P.
Faßler, Id., 46:50 Min., 2. A. Faßler, Jd., 49:26 Min.
Faltboot=Zweier (Rennbootzweier), 10 Klm. (Mindeſtzeit 62 Minuten):
1. Schäfer=Bernſee, Id., 46:35 Min., 2. Sehnert=Thomas, Id.
46:57 Min., 3. Rottmann=Weichſel, R.=W., 47:28 Min., 4.
Trumpf=
heller=Stuckert. R.W. 49:05 Min., 5.. Dahmer=Huthmann, R.=W.,
49:21 Min., 6. Dintelmann=Laux, Tgd. 46, 49:51 Min.
Faltboot=Einer, 1000 Meter (Mindeſtzeit 6:55 Min.): 1. P. Faßler, Id.
5:07 Min., 2. W. Bernſee, Jd., 5:09 Min., 3. E. Weichſel, R.W.
5:20 Min., 4. Bohländer, K.K., 5:30 Min., 5. Frl. Horſt. K.K., 5:44,
Holzboot=Einer (Rennboot=Einer), 1000 Meter (Mindeſtzeit 6:20 Min.):
1. M. Thomas, Id., 4:49 Min., 2. A. Faßler, Id., 5:06 Min.,
3. W. Neuber, Id., 5:38 Min.
Faltboot=Zweier (Rennbootzweier), 1000 Meter (Mindeſtzeit 6:15 Min.);
1. Müller=Schmank, Id., 4:42 Min., 2. Hoffmann=Rothmann, R.W.
5 Min., 3. Schäfer=Radge, Id., 5:02 Min., 4 Dintelmann=Laux,
Tgd. 46, 5:04 Min., 5. Rückert=Meier, Id., 5:06 Min.
Faltbost=Einer für Jugend. (Kein Verfaſſungswettkampf. Ehrengabe des
Photohauſes Umbreit.) 600 Meter: 1 K. Scherer, N.W., 3:10 M.,
2. W. Spilger, Jd., 3:12 Min., 3. O. Uhland, R.W., 3:15 Min.,
4. Hch. Neuber, R.W., 3:20 Min.
*
Anm. d. Red.: Ein kompletter Unſinn iſt es, Frauen im
Männer=Wettbewerb einzurangieren. Die Veranſtalter müſſen
doch eine Frauen=Klaſſe werten.
Deukſche Kegelmeiſterſchaften.
Nach den erſten Entſcheidungen am Sonntag wurde am
Montag den ganzen Tag über auf allen zehn Bahnen in
Ham=
burg fleißig gekämpft, ſo daß alle Entſcheidungen bis zum Abend
erledigt waren. Zu gleicher Zeit hielt der Deutſche Kegler=Bund
ſeine Jahrestagung ab, auf der in zehnſtündiger Arbeit ein
um=
fangreiches Programm abgewickelt wurde. Der Vorſtand wurde
in ſeiner bisherigen Zuſammenſetzung wiedergewählt und auch
in allen anderen Punkten erfolgten keine Aenderungen.
Die neuen Meiſter in den noch ausſtehenden
Entſchei=
dungen lauten:
Frauen, Aſphalt: 1. Frau Pfeiffer=Apolda 579 Holz: 2.
Eich=
ler=Leipzig 560 H.; 3. Roſenkranz=Leipzig 558 H.
Herren, Senioren auf Bohle: 1. Wriedt=Kiel 748 Holz: 2.
Jord=Kiel 748 H.; 3. Arndt=Bremen 748 H.
Mannſchaftsſtädte=
kampf auf Bohle: 1.Barmbeck=Uhlenhorſt 7463 H.: 2. Berlin 7460
Holz; 3. Aachen 7245 H.; 4. Frankfurt/Oder 7242 H.; 5. Kolberg
7206 H.; 6. Apolda 7145 H. — Beſte Einzelkegler: Reichelt=
Ham=
burg 766 H.; Buckow=Berlin 765 H.: Develer=Aachen 736 H.
Einzel=Bohlenmeiſterſchaft: 1. Reichelt=Hamburg 1537 H.: 2.
Wohlenberg=Hamburg 1526 H.; 3. Buckow=Berlin 1518 H.;
Roeſchild=Berlin 1508 H.; 5. Hutoff=Bremen 1506 H. — Einzel
Aſphalt: 1. Voldner=Stettin 1287 H.: 2. Niehoff=Wernigerode
1265 H.; 3. Nietſche=Oppeln 1228 H.: 4. Hering=Wittenberge 1205
Holz. — Mannſchaftskampf, Aſphalt: 1. Braunſchweig 5635 H.;
2. München 5609 H.: 3. Halle 5543 H.; 4. Aachen 5497 H.; 5
Kiel 5415 H.; 6. Pirna 5383 H.; 7. Erfurt 5237 H.; 8. Karlsruhe
5111 H. — Beſter Einzelkegler: Niehoff=Wernigerode 603 H.;
Mayr=München 619 H.; Klingebiel=Halle 624 H.
s4
Inkereſſengemeinſchaft „Kraftſport Darmſtadk.
In Anbetracht der gegenwärtigen, ſchweren Wirtſchaftslage,
die ſich auf die Finanzlage der der J.=G. angeſchloſſenen Vereine ganz
kataſtrophal auswirkt, hat ſich der Hauptausſchuß veranlaßt geſehen,
um dieſe vor nie wieder gut zu machendem Schaden zu bewahren,
die Vorarbeiten zu den im nächſten Jahre in Darmſtadt
projek=
tierten „Meiſterſchaften des Deutſchen Athletik=Sportverbandes
von 1891 e. V.” einzuſtellen. Die am 2./3. Auguſt in Karlsruhe
ſtattgefundene Verbandstagung hat ſich mit dem Vorgehen der
Intereſſengemeinſchaft ſolidariſch erklärt. Aus obengenannter
Gründen konnen deshalb die „Meiſterſchaften 1932” in Darmſtadt
Endſpiel Jung=Deulſchland Darmſtadi — München
in Frage geſtell?
Der Darmſtädter Schwimmklub „Jung=Deutſchland” ſchreibt
uns u. a.
Die Spiele um die ſüddeutſche Waſſerballmeiſterſchaft 1931 ſind
inzwiſchen ſo weit gediehen, daß für das Endſpiel Jung=Deutſchlan
Darmſtadt und München 99 als Gegner feſtſtehen. Das
entſchei=
dende Spiel ſoll in der Kampfbahn des Großen Woogs in
Darm=
ſtadt ausgetragen werden. Als Termin kommt vorausſichtlich
Sonntag, 23. Auguſt, in Frage. Für Jung=Deutſchland Darmſtadt
beſteht durchaus die Möglichkeit, den ſtolzen Titel „ſüddeutſcher
Waſſerballmeiſter” an ſich zu bringen, obwohl ſein Gegner Mün
chen 99. der vorjährige Meiſter, bereits einen kleinen Vorſprung
hat. München 99 hat nämlich in Ulm das Vorſpiel mit 7:5 Toren
zu ſeinen Gunſten entſcheiden können. Das bedeutet für Jung=
Deutſchland, daß es durch einen Sieg von mindeſtens drei Toren
Unterſchied ſüddeutſcher Meiſter werden kann, da bei
Punktgleich=
heit das beſſere Torverhältnis entſcheidet. Befindet ſich die
Darm=
ſtädter Mannſchaft in Hochform, dann liegt ein Sieg durchaus im
Bereich der Möglichkeit. Unter dieſen Umſtänden verſpricht da=
Zuſammentreffen der beiden beſten ſüddeutſchen Mannſchaften z
einem ſportlichen Ereignis erſter Klaſſe zu werden.
Leider ſtehen aber der Durchführung dieſes Spieles ungeheu
finanzielle Schwierigkeiten im Wege, die den Darn
ſtädter Schwimmklub Jung=Deutſchland zwingen, den bitteren E.
ſchluß zu faſſen, auf die Austragung dieſes Spieles zu verzichte
und dadurch München kampflos den Meiſtertitel zu überlaſſen.
Nach den Beſtimmungen des Deutſchen Schwimmverbandes
nämlich für dieſes Spiel der Platzverein folgende Koſten auf
bringen: Zwei Drittel der Fahrt für 9 Mann München—
Dar=
ſtadt und zurück, ſowie ſämtliche Koſten für Verpflegung 1
Uebernachtung der auswärtigen Mannſchaft. Das bedeutet,
Jung=Deutſchland mit allen anderen Unkoſten, die ein ſolches Sp.
verurſacht, für Reklame, Abſperrung, Schiedsrichter uſw., min
deſtens 400 Mark aufzubringen hätte. In Anbetracht der Te
ſache, daß infolge der derzeitigen ſchlechten wirtſchaftlichen
La=
die letzten Spiele Jung=Deutſchland eine Mindereinnahme vo
rund 200 Mark eingebracht haben, glaubt die Leitung des Klub
im Hinblick auf die Weiterentwicklung des Klubs. beſonders ſein
Jugend, ein derartiges Riſiko nicht auf ſich nehmen zu können. Di
Erfahrung hat nämlich gelehrt, daß man heutzutage ſelbſt bei
ve=
nunftgemäß noch ſo billigen Eintrittspreiſen eine ſo große Summe
nicht einbringen kann, ſo daß man ſchon im Voraus mit einen
weiteren Defizit rechnen muß. Jung=Deutſchland könnte dahe
dieſes große Riſiko höchſtens auf ſich nehmen, wenn es Leute gäbe
die ihm für einen Einnahmeausfall garantieren könnten.
Schweren Herzens hat ſich daher Jung=Deutſchland zu dieſen
Schritt gezwungen geſehen und wird nichts unverſucht laſſen, in
den nächſten Tagen nach Quellen zu ſuchen, die eine
Durchführun=
des Kampfes doch noch ermöglichen werden.
Obwohl Jung=Deutſchland als eine der beiden beſter
ſüddeutſchen Mannſchaften berechtigt iſt, an den Spielen um di
deutſche Waſſerballmeiſterſchaft teilzunehmen
hat ſich die Leitung des Klubs unter dem Druckder Verhält
ſſe entſchließen müſſen, auch auf eine Beteiligung an dieſer
Spielen, die mit den weiten Reiſen noch viel größere Koſten verur
ſachen, verzichten zu müſſen. Auch dieſer Entſchluß iſt natur
gemäß nicht leicht gefaßt worden, man glaubt jedoch, daß die Darm
ſtädter nicht die einzigen ſein werden, die aus Vernunftgründen
einmal nicht mitmachen können.
Ueber die Weiterentwicklung der Angelegenheit werden wi
an dieſer Stelle berichten.
Klubkurnier des Tennis- und Eisklabs Darraffadl.
Nachdem die Meiſterſchaftsſpiele um die Bezirksmeiſterſchaft
von Heſſen und Heſſen=Naſſau bis auf die Herausforderungsrunde
die am 16. Auguſt in Frankfurt ſtattfindet, beendet ſind, kommt
nach dem ſchon im Juni ſtattgefundenen Junioren=Türnier die
zweite große interne Jahresveranſtaltung des T. E.C., das Klub=
Turnier, zum Austrag, das die Kämpfe um die
Klubmeiſterſchaf=
ten 1931 bringt. — Dieſe Kämpfe verſprechen guten Sport, da die
bekannten Spitzenſpieler des Bezirkes 9, wie Kleinlogel, Claſt
Endriß, Werner, Sennewald, Steffan, Frl. Fiſcher, Frl. Loy, Frl.
Pfotenhauer, an dem Turnier teilnehmen, ſo daß unbedingt mit
ſpannenden Kämpfen zu rechnen iſt. Das Turnier dauert vom
18.—23. Auguſt. Der 23. Auguſt wird die Schlußkämpfe der
acht verſchiedenen Konkurrenzen bringen. — Das Turnier iſt als
Werbeveranſtaltung des T.E.C. für den Tennisſport
ge=
dacht, deshalb iſt an allen Tagen, auch am Sonntag bei den
Schlußſpielen, der Eintritt für jedermann frei. — Zu der am
Sonntag, den 16. Auguſt, ſtattfindenden Herausforderungsrunde
läßt übrigens der T.E.C. vorausſichtlich für die Mitglieder des
T.E.C. einen bzw. mehrere Heag=Omnibuſſe laufen, um ihnen
Gelegenheit zu geben, der Mannſchaft in dieſem ihrem ſchwerſten
Spiel, auf das wir noch zurückkommen, moraliſchen Rückhalt zu
geben. Einzeichnung bei dem Platzmeiſter bis Donnerstag abend.
Eine Abſage.
Von der Finanzkriſe in Deutſchland ſino viele ſportliche
Er=
eigniſſe betroffen worden, und zwar vornehmlich Automobil= und
Tennisveranſtaltungen. Die letzte und neueſte Abſage iſt die der
nationalen deutſchen Tennismeiſterſchaften in Braunſchweig.
Bei dieſer Gelegenheit hört man wieder von der Exiſtenz
dieſer „Meiſterſchaften” die jedes Jahr mit geringem Erfolg
betrieben werden. An der Abſage dieſes reichlich überflüſſigen
und immer ſchlechtbeſetzten Turniers iſt wirklich nichts verloren.
Den Braunſchweigern ſei ihr Turnier herzlich gegönnt — aber
man ſollte es nicht „nationale Meiſterſchaften” nennen, wenn
zwar das national” ſachlich zutrifft,aber von Meiſterſchaften” nock
nie die Rede geweſen iſt, ſelbſt dann nicht, wenn der
verſtor=
bene Hans Moldenhauer ſich das Vergnügen machte, dort einen
Titel zu erringen.
*
Nach einem Beſchluß der Internationalen Box=Union müſſen
alle Kämpfe um Welt= und Europameiſterſchaften über 15
Run=
den gehen.
Frankreichs Meifterſpieler Henry Cochet hat ein
amerikani=
ſches Angebot, gegen ein jährliches Fixum von 80 000 Mark als
Berufstennisſpieler aufzutreten, abgelehnt.
Seite 7
* Leiſtungsaufhau im Lauf.
Von Hermann Engelhard.
Jede im Sport auf Wettkampf gerichtete Leiſtung wächſt
or=
rniſch aus einer allſeitigen Körpergrundſchulung in eine
beſon=
re Bewegungsfertigkeit. In dem erſten Stadium dieſer
Aus=
ldung, dem die Erhaltung und die Verbeſſerung der phyſiſchen
igenſchaften zugunde liegen, regt ſich ſchon der Bewegungsmenſch.
efällige Spiel= oder Uebungsformen wecken am eheſten das
an=
borene Körpergefühl. Beſtimmter aber wird der
Bewegungs=
in in der Gymnaſtik= oder Geräteſchule erlebt, die die
Bewe=
ingen einzelner Partien (Arme, Rumpf, Beine uſw.) einer
be=
ußten Ordnung des Bewegungsablaufes unterſtellt. Dieſe
Ord=
ing, je nach der Uebungsform den ganzen Körper durchziehend,
igt ſich einmal in dem notwendigen Wechſel rechtzeitiger
Span=
ing und Entſpannung der arbeitenden Muskelgruppen zum
ideren in der ſchwunghaften Ueberleitung der durch die
Muskel=
beit abwechſelnd bewegten Gliederpartien. Die Körperarbeit
ird um ſo wertvoller, je fließender der Maſſenſchwung der
Glie=
r in der Laufbewegung den Kraftaufwand der Muskeln
ver=
indern hilft. In der Beherrſchung des reibungsloſen
Zuſam=
enswirkens der Muskeln und der entſprechenden Körperteile als
(aſſenwirkung finden wir den Zuſammenhang zu rationellen
otalbewegungen des Körpers.
Unſer Ziel der Körperſchule richtet ſich auf die Funktionen
er Schnelligkeit, der Kraft und der Ausdauer.
je liegen je nach der von der Natur mitgegebenen Stufung in
r Veranlagung des Einzelnen feſt. Die entſprechende
Ergän=
it wird dieſe 7
At
Hat der Körper durch eine eindringliche Bewegungsſchulung
ne Reife des Bewegungsablaufes erreicht, deren
usdruck der Konzentration und der Löſung, oder der Spannung
iM
nd Entſpannung, ſich in müheloſer fließender Folge zeigt, ſo wird
er Körper nach Weiterentwicklung drängen. Die Vollendung
ner Uebung, die ſich in der Einheitlichkeit und der
Geſchmeidig=
it der Ausführung zeigt läßt durch ihre ſpielende Leichtigkeit
nd deshalb minimalſten Arbeitsaufwand im Oganismus
Ueber=
uß an Energien frei werden, die nach Verbrauch drängen. Hier
ndet der trainierte und auf Steigerung eingeſtellte Kämpfer
e Spannkraft, die den luſtvollen Drang nach Arbeit
zeugt und als der eigentliche Triebſtoff des ſportlichen Lebens
zeichnet werden kann. In dieſem Sinne iſt die Einſtellung und
e Zielſetzung des Wettkampfes, als die Nutzung frei gewordener
nergien, eine geſunde Löſung zum Ausbau der Lebenskräfte.
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Gait
Hat ſich dieſe Entwicklung aus der grundlegenden Schulung
die Ausgeglichenheit ziel= und zweckgerichteter Kampfſpiele
nporgehoben, ſo werden Uebungsformen, die früher einen
unent=
hrlichen körperbildenden Wert hatten, in unſerem nunmehr
be=
enzten Spezialgebiet als überflüſſig ausgeſchloſſen. Die
Ent=
icklungsrichtung ändert ſich von der Breite in die Tiefe. Hier
igt ſich der erweiterte Weg der Leibesübungen, der dem
Ein=
lnen über die Grundlagen, die Bindungen und Schemas einer
lgemeinen Körper= und Bewegungsſchulung hinaus das
Werk=
ug gibt, das eigene Weſen beſtimmend in den
Lei=
esübungen auszuleben.
Die Trainingsarbeit im Jahresprogramm eines
Läu=
rs gleicht ſich an die Bedingungen der verſchieden gearteten
ahreszeiten an. Wir müſſen dieſen Ablauf im lebendigem
Ge=
jehen, das regelmäßige Auf und Ab. oder die in der Natur
ent=
iltene Ordnung erkennen. Unſer Training demnach, das uns
us dem Werktagsgleichmaß in die Höchſtleiſtungsfähigkeit
ſtei=
rn ſoll, muß ebenfalls in ähnlicher Wellenform belebend
ſtaltet werden. Die erhöhte körperliche Leiſtung, vor allem
der die Höchſtleiſtung ſelbſt, innerhalb im Kampfbetriebe
urzelnd, kann nur eine begrenzte Zeitſpanne vom
örper ertragen werden. Die Reaktion, oder der Auslauf aus
eſem Höhenſchwung iſt die Erholung durch Ruhe, oder die der
illigen Umſtellung in ein verändertes Betätigungsgebiet, ſei es
meinſamer oder rein geiſtiger ſeeliſcher und körperlicher Art.
Entſprechend den vier Jahreszeiten teilt ſich der
Trainings=
ifbau im Jahresprogramm in Stadien verſchiedener
Wirkſam=
iten. Der ſyſtematiſche Aufhau beginnt mit der mehr
allge=
einen körperbildenden Winteraxbeit. Dem ſchließt ſich das
ebergangs= oder Frühjahrstraining als eine bedeutungsvölle
wiſchenſtufe der ſpeziellen Bewegungsordnung (Stil), ſowie der
räfteſammlung und =bereitſchaft an. In der hohen
beſchwingen=
in Zeit des Jahres in der Sonnenwelt des Sommers,
konzen=
ieren und wirken ſich die geſpeicherten Lebenskräfte unter der
lacht des Willens und dem geſtählten, auf ein Ziel
ausgeſchliffe=
en Muskelſpiele im Kampfe aus.
Dieſe drei Trainingsabſchnitte im Winter Frühjahr und
ommer möchte ich die der aktiven, aber die Ruhezeit nach der
ommerſaiſon (Ende September) bis zum Beginn wieder der
Linterarbeit (Mitte November) die der paſſiven Wirkſamkeit
ezeichnen.
Aufbau, Sammlung, Leiſtung und Ruhe ſind die periodiſch
jederkehrenden Betätigungsformen, die die Kräfte des ſportlich
ngeſtellten Menſchen beſtimmen und ordnen. Schließlich kommt
darauf an den ſportlichen Wettkampf nicht als
ine Möglichkeit der ſinnloſen
Kraftvergeu=
ung, noch als eine Gelegenheit öffentlicher
ſewunderung zu bewerten. Richtig verſtanden wirkt
ch das formende und geſtaltende Prinzip des Sportes in einer
ſteigerung und Förderung der Lebenskräfte aus, wenn es wie
Ue Lebensprozeſſe und periodiſche Geſchehen der Natur rhythmiſch
nſern Körper durchzieht.
Deulſche Jugendkraft Darmſtadk.
Der diesjährige 10. Bezirksſporttag brachte dem Bezirk, vor
lem aber der Darmſtädter Ortsgruppe, einen vollen Erfolg. 460
eilnehmer erſchienen am Start. Der Beſuch durch die
Bevöl=
erung war ſehr gut. Die Organiſation klappte vorzüglich. Die
kzielten Leiftungen waren durchweg zufriedenſtellend,
ſtellen=
beiſe ſogar ausgezeichnet, zumal die Läufe auf einer ſchlechten
Handbahn ausgetragen wurden.
Darmſtadt konnte 18 Einzelſiege, 3 Gruppenſiege und davon
olgende beachtenswerte Erfolge erzielen:
Senioren=Fünfkampf: 1. Hans Heller (Bezirksmeiſter), 3.
Nax Löſer, 5. Otto Hurzlmeier, 6. Franz Berger. — 100 Meter:
Franz Berger. — Weitſprung: 3. Hans Heller. —
Speer=
derfen: 1. Max Löſer (Bezirksmeiſter), 3. Hans Heller. —
Kugel=
oßen: 1. Otto Hurzlmeier (Bezirksmeiſter). — 4mal 100 Meter:
Sieg: D. J. K. Darmſtadt. — 3 mal 1000 Meter: 1. Sieg D. J.K.
Darmſtadt (Bezirksmeiſter). — D.J.K.=Staffel (Senioren): 1.
Sieg: D.J. K. Darmſtadt (Bezirksmeiſter).
D. J. K.=Kreisſporttag im Frankfurter Stadion.
Auch der Kreisſporttag war ein Erfolg. Sowohl was die
Beteiligung als auch die Leiſtungen und den Beſuch angeht. In
den Kurzſtrecken wurden in den Vor= und Zwiſchenläufen
teil=
beiſe beſſere Zeiten erzielt als in den Endkämpfen. Sehr gut
t die Zeit für die 4mal 100 Meter=Staffel, die Hanau in 44,2
Sekunden leicht gewinnen konnte.
Mit Rückſicht auf die wirtſchaftlichen Verhältniſſe beſuchte
tur eine kleine Anzahl der Darmſtädter D. J.K.=Ortsgruppe den
Treisſporttag. Nennenswerte Erfolge ſind: Kugelſtoßen: 1. Sieg
Iito Hurzlmeier. — Dreikampf, Jugend 2: 2. Sieg Joſef Lehr=
Nann. — Turner=Siebenkampf: 8. Sieg W. Berger.
Siasko der Rönerhefer Jährliags-Aulikn.
Die traditionelle Auktion der Römerhofer
Jähr=
inge am Montag wurde, wie man es bei der kataſtrophalen
Wirtſchaftslage kaum anders erwarten konnte, ein pekunjärer
Mißerfolg, wie ihn der paſſionierte Züchter noch nie erlebt hat.
Nur 11 Pferde von 26, die man in den Ring führte, wechſelten
den Beſitzer und brachten einen Gefamterlös von 32650 Mk., ſo
Laß der Durchſchnittspreis noch nicht einmal 3000 Mark betrug.
Lebhaftes Intereſſe herrſchte für Herzog, den prachtvollen
Dalbbruder von Heriodias und Heuchler, der ſchließlich für 9566
Dark Herrn Ziegenbein zugeſchlagen wurde und zugleich den
höchſten Preis auf der Auktion erzielte.
Desenſniſeder beiſen veitfslſ.
Nachſtehend folgt zur leichteren Ueberſicht die Terminliſte
der heſſiſchen Bezirksliga:
Vorſpiel:
9. 8.: 05 Mainz — Urberach Langen — Walldorf, Wormatia
Wiesbaden. Lorſch —
Alemannia, Darmſtadt — Kaſtel.
Rückſpiel 11. 10.
16. 8.: Walldorf
Darmſtadt, Urberach — Lorſch.
Wies=
baden — Langen. Alemannia
—05 Mainz, Kaſtel
Wormatia. Rückſpiel 18. 10.
22. 8.: Alemannia — Darmſtadt Vorſpiel am 22. 8. um
18.30 Uhr ohne Wartezeit.) Rückſpiel 25. 10.
23. 8.: 05 Mainz
Walldorf. Wiesbaden — Käſtel, Langen —
Urberach, Lorſch —
Wormatia. Rückſpiel 25. 10.
30. 8.: Walldorf
Wiesbaden, Kaſtel — Alemannia, Lorſch
Mainz. Wormatia — Langen. Darmſtadt —
Urbe=
rach. Rückſpiel 1. 11.
Lorſch, 05 Mainz
6. 9.: Urberach — Kaſtel. Langen
Darmſtadt, Alemannia —
Wiesbaden, Walldorf
Wormatia. Rückſpiel8. 11.
13. 9.: Alemannia — Wormatia, Kaſtel — Walldorf, Langen —
05 Mainz. Wiesbaden —
Urberach. Darmſtadt —
Lorſch. Rückſpiel 15. 11.
20. 9.: Langen — Kaſtel Urberach — Alemannia, Wormatia
Darmſtadt Walldorf — Lorſch. 05 Mainz —
Wies=
baden. Rückſpiel 29. 11.
27. 9.: Alemannia
Darmſtadt,
Langen. Wiesbaden
Mainz 05
Wormatia, Lorſch — Kaſtel. Urberach
Walldorf. Rückſpiel 6. 12.
4. 10.: Wormatia — Urberach Walldorf — Alemannia,
Darm=
ſtadt
Langen, Kaſtel — 05 Mainz, Lorſch —
Wies=
baden. Rückſpiel 13. 12.
Die Spiele finden auf den Plätzen der erſtgenannten Vereine
ſtatt
Spielbeginn im Monat Auguſt 16 Uhr, September 15.30 Uhr,
Oktober 15 Uhr. November 14.30 Uhr und Dezember 14 Uhr,
jeweils mit 10 Minuten Wartezeit. Spielbeginn der 2.
Mann=
ſchaften in beiden Gruppen jeweils zwei Stunden vor der erſten
Mannſchaft mit 10 Minuten Wartezeit.
In der Gruppe Heſſen beteiligen ſich folgende Vereine nicht
an den Spielen der zweiten Mannſchaften: FC. Langen, Viktoria
Walldorf und Wormatia Worms. Die Gegner dieſer Vereine
bleiben an den betreffenden Sonntagen ſpielfrei.
Zwei Fußball=Verbandsſpiele.
Anläßlich des Verfaſſungstages wurden in Baden zwei
Fuß=
ball=Verbandsſpiele ausgetragen. In Villingen hatte der
dor=
tige FC. den Freiburger SC. zu Gaſt. Beide Mannſchaften
trennten ſich nach einem ebenbürtigen Spiel mit einem torloſen
Ergebnis. VfR. Mannheim hatte in Kirchheim gegen FG.
Kirch=
heim zu ſpielen. Wie in der vergangenen Saiſon erwieſen ſich
auch diesmal die Kirchheimer auf ihrem eigenen Gelände als
ein äußerft gefährlicher Gegner. So kam es nur zu einem
knap=
pen 4:3 (1:2)=Sieg für Mannheim.
7. Pfälziſche Kampfſpiele in Frankenkhgl.
Darmſtädter Leichtathleten erfolgreich.
Am Samstag und Sonntag wurden in Frankenthal im „Stadion”
zum ſiebenten Male die „Pfälziſchen Kampfſpiele” des FV. Frankenthal
zum Austrag gebracht. Den Auftakt bildeten am Samstag die
Jugend=
wettkämpfe, die aus der näheren und weiteren Umgebung — beſonders
auch von den Turnvereinen — ſehr ſtark beſucht waren. Das Wetter
war an dieſem Nachmittag noch recht gut, ſo daß auch bei der guten
Beſetzung teilweiſe ausgezeichnete Leiſtungen zu ſehen waren.
Hervor=
zuheben ſind insbeſondere in der Klaſſe 4 die Hochſprungleiſtung von
Kärger (FV. Frankenthal) von 1,72 Meter, eine Leiſtung, hinter der am
anderen Tage die Aktiven um 6 Zentimeter zurückblieben; auch über
50 Meter lief Bayer (T.F.C. Ludwigshafen) um 0,2 Sekunden mit 6,2
Sekunden beſſer als die Aktiven der Leiſtungsklaſſe III. Ueberragend
war auch die Jugendſtaffel von Saar 05 Saarbrücken, die in 46,5 Sek.
glatt ſiegte. Auch der Sportverein 98 Darmſtadt hatte ſich
mit einer Staffel für die Entſcheidung über 4X100 Meter qualifiziert,
verzichtete aber auf den Endlauf, da dieſer unmittelbar vor der
Olym=
piſchen Staffel ausgetragen wurde. Dafür lieferten die Jung=
Leicht=
athleten des Sportvereins 98 in der Beſetzung Löwel (800 Meter),
Fſrcel (200 Meter), Doerr (209) Meter) und Klein T (400 Meter) der
M. T. G. Mannheim, Saar 05 Saarbrücken, dem VfR. Feudenheim und
einigen Turnvereinen einen prächtigen Kampf, aus dem ſchließlich MTG.
knapp vor Sportverein 98 Darmſtadt als Sieger hervorging. Auch dieſe
Zeiten der beiden Erſten ſtehen denen der Aktiven der Klaſſe II nicht
nach. Die Klaſſe B brachte vor allem im Kugelſtoßen (8 Pfd.) gute
Er=
gebniſſe, und in der Klaſſe C ſprang Rubel (Tv. Ludwigshafen) 5,13
Meter weit, während im Ballweitwerfen Strecker=Feudenheim mit 75,90
Meter auf eine ſehr gute Leiſtung kam. Die Abwicklung der Kämpfe
der Jugend war ſehr ſchleppend.
Die Kampfſpiele der Aktiven am Sonntag waren durchweg
zahlen=
mäßig und zumeiſt auch leiſtungsmäßig recht gut beſetzt, ſtanden aber
hinſichtlich der Witterung unter keinem glücklichen Stern. Ein ſtarker
kühler Wind beeinträchtigte die Leiſtungen in ungünſtigem Sinne.
Da=
zu kam die nicht gerade idegle Verfaſſung der Laufbahn, die zwar
ge=
walzt, aber zuvor nicht gleichgezogen worden war, ſo daß unangenehm
viele und teilweiſe ſchwerwiegende Verletzungen den Wettkämpfern
manche Freude verdarben.
Von den Darmſtädter Leichtathleten zog ſich Gunſt (SV. 98) eine
Verletzung im 200=Meter=Zwiſchenlauf zu, ſo daß er zu den Endläufen
über 100 und 20 Meter leider nicht mehr antreten konnte. Ueber 400
Neter, Klaſſe 3, konnte Scheydt (M. T. G. Mannheim) Eiſenhauer (SV.
98) nur um Hendbreite beſiegen, Zeit 54,4 Sek. Baader (A. S. C.
Darm=
ſtadt) wurde über 800 Meter, Klaſſe 2, Vierter. In der Olympiſchen
Staffel dieſer Klaſſe erliefen Krauth (800 Meter), Doerr (200 Meter),
Iſrael (200 Meter), Eiſenhauer (400 Meter) für SV. 98 nach hartem
Kampf mit Saar 05 und Tv. 46 Mannheim in 3:59,6 Min, einen guten
Platz, während Doerr, Krauth und Lindner über 3mal1000 Meter in
8:37,8 Minuten ſicher vor Tv. 46 Mannheim und Saar=Scarbrücken
nach ſchönem Kampf erſter Sieger waren. In der Leiſtungsklaſſe I
wurde Lindner (SV. 98) hinter Lang (VfR. Heilbronn) über 1500
Me=
ter Zweiter in 4:22 Min. Garſt=Worms kam nur auf den 5. Platz. Im
Speerwerfen dieſer Klaſſe wurde Neff (A.S. C. Darmſtadt) mit 52,37
Meter hinter Dr. Ebner=Mainz und Trautmann=Saarbrücken Dritter.
Das Kugelſtoßen gewann Söllinger (A.S.C.) ſicher mit 13,60 Meter.
Auch Adolf Metzner — der neue Deutſche Meiſter über 400 Meter —
war zuſammen mit Nehb=Raſtatt und Maerten=Frankfurt am Start zu
den 306 Metern, die er urſprünglich in neuer Rekordzeit durchlaufen
wollte. In Anbetracht der geſchilderten Wetter= und Bahnverhältniſſe
wurde der Rekordverſuch abgeblaſen. Im Lauf ſelbſt ſiegte Metzner
überlegen in 34,7 Sek, blieb alſo nur um 0,5 Sek. über dem Nekord
von Hubert Houben.
100=Kilomeker Zeifahren des Gaues Frankfurk.
Frank, Germania Frankfurt, Sieger.
Das vom Gau Frankfurt des B.D.R. durchgeführte Zeitfahren
über 100 Kilometer um die Plaketten des Herrn
Reichspräſiden=
ten auf der Strecke Frankfurt, Seckbach, Mainkur, Dörnigheim,
Hanau. Rückingen, Langenſelbold, Rothenbergen, Gelnhauſen, Bad
Orb und zurück endete in der A=Gruppe mit dem Siege von Frank=
Germania, der für die Strecke 2:58,46 Stunden benötigte. Zweiter
wurde Roth (R.=V. Adler”, der einen Reifenſchaden erlitt i
2:59,10. Das Rennen der Gruppe B mußte wegen
unvorſchrifts=
mäßigen Fahrens eines Fahrers anulliert und auf einen ſpäteren
Termin verlegt werden. Ueber 100 Kilometer führte auch das
Rennen der Gruppe C, das Volke=Germania, der als einziger
Fahrer geſtartet war, in 3:30 03 gewann‟. Die Gruppe D hatte
nur 50 Kilometer mit dem Wendepunkt in Langenſelbold zu
fahren. Hier gewann Käp=Quartett in 1:45,45 Stunden vor Kehr= Ausſichten für Donnerstag, den 13. Auguſt: Weitere Beſſerung
Germanig.
Leue Sporklikergkur.
Internationale Bor=Rekorde betitelt ſich ein ſoeben bei
No=
viſſima Verlag G. m. b. H.. Berlin SW. 61, erſchienenes Büchlein
(Preis 1,
RM.), das. 128 Seiten ſtark, eine kurze Geſchichte des
deutſchen Berufsboxſports, ein Verzeichnis der Welt=, Europa=
und Landesmeiſter der einzelnen Gewichtsklaſſen und auf 110
Seiten alle Kampfergebniſſe von 133 deutſchen und ausländiſchen
Boxern enthält, alſo für jeden Freund des Boxſports ein überaus
umfangreiches und begehrtes Material bringt.
2os Angeles enkgegen.
Die Vorbereilungen der Schwerathleken.
In knapp einem Jahre werden die zur Repräſentation
end=
gültig berufenen Ringer und Gewichtsheber des D.A. S.V. in den
Reiſevorbereitungen für die Fahrt über den großen Teich nach
Los Angeles, dem Ort der 10. Olympiſchen Spiele, ſtehen. Mehr
als irgend je wird die Beſchickung dieſer internationalen
Veran=
ſtaltung von der Möglichkeit der Finanzierung abhängen.
Wenn die Verlautbarungen, die dann und wann uns zu Ohren
kommen, richtig ſind, ſoll pro Mann das Reich, der Reichsausſchuß
für Leibesübungen und der heimiſche Verband je 1000 Mark
bei=
ſteuern. Bei vier Ringern, vier Gewichthebern und zwei
Funk=
tionären, die uns zugeſtanden werden ſollen, trifft alſo den D.A.=
S.V. ein Laſtenanteil von 10 000 Mark. Ob damit allen
berech=
tigten Anſprüchen genügt werden kann, darf angezweifelt werden.
Wenn die 3000 Mark voll und ganz zur Beſtreitung des
Aufent=
haltes für jeden Teilnehmer aufgebracht werden ſollen, ſo muß
haltes für jeden Teilnehmer aufgebraucht werden ſollen, ſo muß
den Eltern oder ſonſtigen Angehörigen, die der Olympionike mit
ſeiner Hände Arbeit ernährt oder unterſtützt, ihr Auskommen
während ſeiner Abweſenheit ſicherſtellt. Unſere Aktiven gehören
überwiegend dem werktätigen Volke an, und uns bewegt die
finanzielle Frage vielleicht mehr als jeden anderen Sportverband.
Als Erſatz von Lohnausfall könnte dieſe pflichtgemäße Beihilfe
nicht angeſehen werden.
Unſere Gewichtheber haben durch Einführung ihrer
regelmäßig ſtattfindenden Europameiſterſchaften alljährlich ihre
Generalprobe, die dieſes Jahr in Luxemburg veranſtaltet wird.
Wir werden nur ausſichtsreiche Stemmer ins Ausland ſchicken,
keine 15 Mann wie nach München. Wir hätten auch nach
Mün=
chen keine totſicheren Verſager geſchickt, wenn nicht Oeſterreich 15
Mann entſandt hätte; ſo konnten wir im eigenen Lande nicht gut
zurückſtehen. München war nach der Zuſammenſetzung der
Kon=
kurrenz eine richtiggehende Weltmeiſterſchaft. Mit zwei erſten,
einem zweiten und zwei dritten Preiſen ſchnitten wir beſſer als in
Amſterdam ab, dabei entſchied bei Punktgleichheit die Waage
im=
mer zuungunſten der Deutſchen. Erfreulich war in München das
hoffnungsvolle Neumaterial, das wir in Ries, Ismair und in
Schwieger beobachten konnten.
Während wir im Gewichtheben an der Hand meßbarer
Lei=
ſtungen und jederzeit über die Form von Repräſentativen uns
verläſſigen können — nach dem Ergebnis von München, wenn das
maßgebend wäre, hätten wir zum Beiſpiel eine Auswahl zu
tref=
fen unter Straßberger, Vogt, Helbig, Mühlberger, Wölpert —,
ſteht uns im Ringen kein ſolch zuverläſſiger Wertmeſſer zur
Verfügung. Es exiſtiert kein Privilegium zur internationalen
Vertretung. Die Einreihung in die repräſentative
Ringermann=
ſchaft muß ſtets neu erkämpft werden. In drei Etappen bereiten
wir unſere Ringer für die Olympiade vor. Die erſte Etappe,
Auswahlkämpfe, ſchloß mit den Europameiſterſchaften in Prag
ab; die zweite Etappe bringt wettſtreitmäßige Einzelkonkurrenzen
um die Gruppen= und Deutſchen Meiſterſchaften. Im Frühjahr
1932 wird eine enge Auswahl über die vier internationalen
Rin=
ger, die wir nach Los Angeles entſenden, entſcheiden. Für die
Zulaſſung dieſer Auswahl ſind entſcheidend: internationale
Er=
folge 1930/31, erfolgreiche Beteiligung an den Deutſchen
Meiſter=
ſchaften 1931, den Auswahlkämpfen und das Abſchneiden auf den
Kampfſpielen von 1930.
In dieſem Jahre werden zum erſten Male die Deutſchen
Mei=
ſterſchaften im Gewichtheben und Ringen in einer bisher nicht
üb=
lichen Form aufgezogen. Dieſe Methode der Austragung wird
jeweils in den Jahren, in denen das große Verbandsfeſt des D.A.=
S.V. ausfällt, zur Anwendung kommen müſſen.
Weltmeiſter?
Es ſoll nicht bezweifelt werden, daß Radball ein ſehr hübſcher
Sport iſt. Man kennt dieſes Unterhaltungsſpiel in der
Frank=
furter Gegend, in Schleſien und in der Gegend von Dresden,
außerdem in der Schweiz und im Elſaß. Nun kommen alle Jahre
drei Radballteams zuſammen, eines aus Frankfurt oder Dresden,
eines aus der Schweiz und eines aus dem Elſaß. Dieſe drei
tra=
gen dann die Weltmeiſterſchaft aus. Weltmeiſter hört ſich gut an.
aber ſollte es doch nicht etwas übertrieben ſein? — Denn ſonſt
erfindet jemand für ſich ſelbſt eine neue Sportart und nennt ſich
Weltmeiſter, einfach, weil er dieſe Sportart allein betreibt. Das
wäre doch nicht ganz der Sinn der Weltmeiſterſchaften.
Rundfunk-Programme.
Frankfurt a. M.
Mittwoch, 12. Auguſt.
10.20: Schulfunk: Weimar im Jahre 1919.
15.15: Stunde der Jugend 1. Manager — Flieger —
Weltbumm=
ler. Hörbericht. — 2. Das Stück Brot, von F. Coppée.
17.00: Nationale Tanzrhnthmen der Völker, geſpielt vom
Phil=
harmoniſchen Orcheſter Stuttgart.
18.45: U. Grafen von Reiſchach: Auf dem Tapaioz.
19.10: Zeit. Programmänderungen, Wetter, Wirtſchaftsmeldungen.
19.20: Prof. Dr. Briefs — Dr. Reupke: Das faſchiſtiſche
Wirt=
ſchaftsprogramm.
20.00: Kabarett auf Schallplatten. Sprecher: H. Caſſimir und C.
Ebert.
21.15: Sinfoniekonzert d. Funkorcheſters. Soliſten: J. Gelfius (
Flö=
te), W. Schütze (Klarinette), G. Jung (Fagott), O. Richter (
Trom=
pete), St. Neumann (Pauke).
22.30: Zeit, Wetter, Nachrichten, Sport.
22.50: Homburg: Unterhaltungskonzert des Kurorcheſters.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Mittwoch, 12 Auguſt.
15.00: Tanzturnen für Kinder.
15.45: Frauenſtunde: Edith Loheyde: Der Kaffeetiſch im Auguſt.
16.00
Hamburg: Nachmittagskonzert.
17.00: Min.=Rat Dr. Haslinde: Ein Jahr Zentralſtelle f. Schulfunk.
17.30: Muſidir Prof. Ohrmann: Hausmuſik für Harmonium.
18.00: Th. Kappſtein: In der Urheimat zweier Weltreligionen.
18.30:
Dr. Schwering, M.d.L.: Die großen politiſchen Parteien in
der Karikatur.
19.00: Th. Kotzur: GLeſchichtblätter aus der Beamtenbewegung.
19.20: Vortrag wird noch bekanntgegeben.
20.00: Reſtaurant „Friedeberg”: Monſtrekonzert der Vereinigten
Stadtkapellen Jauer, Haynau, Wohlau, Münſterberg des deutſch.
Muſikdirektoren=Verbandes, Sektion Schleſien.
22.00: Dr. Räuſcher: Politiſche Zeitungsſchau.
22.15: Wetter=, Tages= u. Sportnachr.
Anſchl.: Eden=Hotel:
Tanz=Muſik der Kapelle Oscar Jooſt.
Wekkerbericht.
Die Bildung einer Teilſtörung, welche ihren Weg nach Weſt=
und Süddeutſchland genommen hat, verurſachte in den heutigen
Morgenſtunden auch in unſerem Gebiet ſtärkere Eintrübung und
Niederſchläge. Da der Luftdruckanſtieg von Weſten her weiter
anhält, ſo wird nach Beendigung des Störungseinfluſſes der
Uebergang zu beſtändigerem und beſſerem Wetter fortſchreiten.
Ausſichten für Mittwoch, den 12. Auguſt: Ruhigeres Wetter,
be=
wölkt mit Aufheiterung, meiſt trocken, etwas wärmer.
der Wetterlage und wärmer.
Hauptichrifkeltung: Rudolf Mauve
Verantwortſich füar Polliſt und Wirtſchaft: Rudelf Mauve; für Feuilieton, Reich um
Aucfand und Keſſiſche Nacheichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Böhmann
füc den Handel: Dr. C. 8. Queiſch; für den Schlufdienſt: Andreas Bauer; für
„Dſe Oegenwart”, Tagetſplegel in Bid und Wort: Dr. Herbert Neits
für den Inſeratentell und geſchäftliche Mlttellungen: Willv Kuble.
Oruck und Verlag: L. C. Wittlch — ſämilich im Darmſtadt
Für Unveriangte Manuſſripte wird Garantie der Rückſendung nicht Übernommen.
Die heutige Nummer hat 8 Seiten.
TTdbgtaft
Ein Roman aus der Induſtrie
von Hans Dominik
55)
Cophright by Ernſt Keils Nachf., (Aug. Scherl), G.m.b. H., Berlin.
(Nachdruck verboten.)
Als Kampendonk davon ſprach, daß ſelbſt die größten
Aktien=
käufe keine qualifizierte Minderheit zuſammenbringen könnten,
ahnte er nicht, daß nur ein Zufall es verhindert hatte, daß Mr.
James Headſtone bei der nächſten Generalverſammlung ein Paket
Rieba=Aktien auf den Tiſch des Hauſes legen konnte, das eine
ſolche Minderheit repräſentiert hätte. Ungefähr zur ſelben Zeit.
als Kampendonk jene beruhigenden Worte ſprach, ſaßen James
Headſtone und Elias Brooker an der Cöte d’Azur mit Dolly
Far=
ley zuſammen.
Der lachende Himmel, die in herrlichem Sonnenſchein liegende
blaue Flut, das duftende blühende Land um ſie her — nichts
von alledem vermochte ihre Augen zu feſſeln. Mißmutig, verdroſſen
glitten ihre Blicke über die paradieſiſche Landſchaft, als ob ſie an
einem wüſten Geſtade ſäßen.
„Ich glaube, James, du wirſt jetzt ſelbſt einſehen, daß es
kei=
nen Zweck hat, hier länger zu bleiben”, unterbrach Dollys ſcharfe
Stimme die Stille. „Ich halte es jedenfalls hier nicht länger aus.
Wir ſitzen nun ſchon wochenlang an der geprieſenen Riviera.
Ri=
viera hin, Riviera her! Ich bin ſehr enttäuſcht. In Miami gefällt
es mir weit beſſer als hier. Paris, Berlin — ja, das ließe ich
mir noch gefallen. Aber dahin willſt du ja nicht!
„Ich dächte auch, Headſtone”, kam Brooker ihr zu Hilfe, „wenn
Sie ſelbſt in Berlin geweſen wären, würden Sie dieſe Schlappe
vermieden haben. Vielleicht fahren Sie doch noch hin und ſuchen
zu retten, was zu retten iſt?"
„Schlappe!” knurrte Headſtone vor ſich hin. „Etwas ſehr
euphemiſtiſch ausgedrückt, mein lieber Brooker! Ein ſchwerer
Schlag, eine Niederlage erſten Ranges war das. Der verfluchte
Japs! Weiß der Teufel, wie er es verſtanden hat, dieſen Büffel
Düſterloh rumzukriegen!“
Brooker unterdrückte das Wort, das ihm auf der Zunge lag.
Sprach dann, mit einem etwas bedenklichen Blick auf Headſtones
wütendes Geſicht, begütigend: „Das hätte man beim beſten Willen
auch nicht ahnen können, Headſtone. Unſer Bankier Holmgreen
iſt doch wahrhaftig ein gewiegter Geſchäftsmann. Nach ſeinem
Bericht — wie ihn dieſer Düſterloh bei einem Verſuch, ihm ſein
Aktienpaket abzukaufen, hat ablaufen laſſen —, da konnte man
doch bei Gott nicht annehmen, daß dieſer Büffel, wie Sie ihn eben
nannten, ſeine Rieba=Aktien plötzlich an Herrn Oboro verkaufen
würde.
Sib Deinem Kinde
Du sparst dann Mühe, Sorge. Geld.
„Wüßte nicht, was ich in Berlin noch machen könnte‟
brummte Headſtone. „Oder glauben Sie etwa, dieſer Herr
Oboro=
ließe ſich, ſelbſt mit höchſtem Aufgeld, das Düſterlohſche
Aktien=
paket abkaufen? Herr Orboro hat ein perſönliches Vermögen von
hunderttauſend Dollar, wie ich aus ſicherer Quelle weiß. Das
Aktienpaket hat ihn, billig gerechnet, eine Million Dollar gekoſtet
Da ſteckt ein anderer dahinter. Wahrſcheinlich ſeine Regierung.”
„Dann müßte man eben noch weiter am freien Markt kaufen!
fiel Dolly ein.
Headſtone zuckte die Achſeln. „Würde ein teurer Spaß
wer=
den, bei dem wahrſcheinlich doch nichts rauskäme. Kann mir
wenigſtens nicht denken, daß wir durch Käufe am freien Markt
die qualifizierte Minderheit bekommen.”
Brooker hatte ſeinen Notizblock gezogen und ſchrieb emſig
Zahlen über Zahlen untereinander. Jetzt zog er einen Strich,
addierte, ſagte dann mit ſchwerem Seufzer: „Wir müſſen kaufen.
Headſtone; und wenn die Kurſe noch ſo ſehr in die Höhe gehen!
Erreichen wir auch nicht die qualifizierte Minderheit, ſo
bekom=
men wir doch ein Paket zuſammen, das uns die Macht gibt, den
Herren in Rieba eine ſehr unangenehme Oppoſition zu machen.”
Dolly Farley zuckte mit den Beinen, als hätte ſie jemand
auf den Fuß getreten. „Oh, wir werden ſehr teuer kaufen
müſſen! Sehr teuer!” ſtöhnte ſie. „Ich begreife nicht, weshalb
ihr nicht das tut, was ich immer wieder ſagte: Bietet dieſem
Doktor Fortuyn doch die richtige Summe — und ihr werdet ihn
haben! Sofort wären alle Schwierigkeiten aus der Welt geſchafft”
Headſtone ſah ſie mit einem mitleidigen Lächeln an. „Alles
kannſt du kaufen, liebe Dolly”, — in Gedanken ſetzte er hinzu:
„auch James Headſtone” —, aber den Doktor Fortuyn niemals!
Dolly ſchüttelte den Kopf, als könne ſie das nicht begreifen.
„Sind denn dieſe Deutſchen ſo ſchlechte Geſchäftsleute?” ſprach
ſie nach einer Weile.
„O nein, meine teuerſte Miß Farley!” gab Brooker zur
Ant=
wort. „Die deutſchen Kaufleute ſind ſogar ſehr gute Buſineßmen.
Aber ihre Gelehrten, ihre Wiſſenſchaftler — je größer ihr Wiſſen,
um ſo ſchlechtere Geſchäftsleute ſind ſie. Nachdem Sie nun
wiſ=
en, daß dieſer Fortuyn ein first=class=scientist iſt, werden Sie
ſich denken können, was für ein Geſchäftsmann er iſt!“
Dolly machte mit der Hand einige kreisförmige Bewegungen
vor ihrer Stirn, womit ſie ihre Meinung über Fortuyn
aus=
drücken wollte.
Headſtone hatte während der letzten Worte nachdenklich vor
ſich hingeſtarrt. Als die anderen jetzt ſchwiegen, ſah er auf,
ſagte: „Gut! Ich fahre nach Berlin!”
„Ah. gut, James!‟ Dollys Geſicht ſtrahlte. „Berlin, die
ſchönſte Stadt Europas! Was kann man da alles ſehen und. . ."
„erleben” wollte ſie ſagen, verbeſſerte ſich aber und ſagte:
hören!” Im ſelben Augenblick huſchte eine leichte Wolke über
ihr Geſicht. Sie warf Headſtone einen kurzen Blick zu, ſprach
etwas leiſer: „Vergiß nicht, lieber James, daß ein gewiſſes
Konto abgebucht iſt!
Der nickte freut
meine liebe Dolly!
ich. „Gewiß! Vergeſſen wir das nicht
(Fortfetzung folgt.)
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mittl. Ausk. koſtenl.
(II. Dr. 11534)
Todes-Anzeige.
Be
Am 11. Auguſt, morgens 3 Uhr
entſchlief nach langem ſchweren
Leiden mein lieber Mann, unſer
güter Vater, Onkel und Bruder
Mrerntr4
Solid Mädchen,n.n
18 J., für m. kinderl.
Haush, zum 15. Aug.
von morgens b. über.
Spülen geſ. Muß ir
beſſ. Haushalt ged
haben. Vorzuſt,
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mitt. 3—4 Uhr. Baer,
Landwehrſtr. 18,II.
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Gregor Oit
Von der Reise zurück
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6 Heinrichstraße 6
9.12u. 2-6 Uhr
Telephon 868
Aßse
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im 60, Lebensjahre.
In tiefer Trauer:
Kätchen Sis, geb. Jöckel
und Kinder.
Darmſtadt, den 11. Auguſt 1931.
(11773
Rheinſtraße 28,
Die Beerdlgung findet am Don
nerstag, den 13. Auguſt, nachm
3 Uhr, auf dem Waldfriedhof ſtatt
6-8-Zi.-Wohn.
2 Ver., Bad, zentr
Lage z. verm. Of
u. G. 156 Geſchſt.
Karlsſtr 30, II.
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K
Wendelſtadtſtr. 8, I.
ſch. mbl B. z v. (*mfs
ESchnchardſtr. 13,
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Mählſtraße 54, pi,
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Todes-Anzeige.
Heute nacht um ½2 Uhr entſchlief
ſanft mein lieber Mann
Srotg Maut
im 64. Lebensjahr.
Er war 30 Jahre Vorſitzender
(11776
des Kriegervereins.
Im Namen d. trauernd, Hinterbliebenen:
Marie Maul, geb. Ruths.
Rodau, Nieder=Modau.
Die Beerdigung findet am Don
nerstag, den 13. Auguſt 1931,
nach=
mittags 2 Uhr, in Rodau ſtatt
Ohne Diäl
Dr. Hoellner
wird während feines
Urlaubs von
folgen=
den Herren gütigſt
vertreten: (11686b
Dr. Bönning,
Dr. Degen,
Dr. Drandt,
Dr. Sros,
Sanitätsrat
Dr. Nebelthau
bin ich in kurz. Zeit
20 Pfund leichter
geworden durch ein
einf. Mitel, welch.
ich jed. gern koſtenl.
nitteile, FranKarla
Maſt, Bremen 4
(II. Hbg.461)
Dankſagung.
Für die liebevolle. Anteilnahme
ſowie für die Kranz= und
Blunien=
ſpenden beim Heimgang unſerer
(11774
lieben Entſchlafenen
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Zurdck!
Zahnarzt
Dr. 11. Tachs
1Matarrad
Fräulein
Katharing König.
Rheinſtr. 12½
gegenüb. Hauptpoſt
(md)
m elektr. Beleuchtung
ſowie ein Herrenrad
billig zu verkaufen.
Beſſungerſtr. 25
Werkſtätte.
ſagen wir unſeren herzlichſten Dank.
Darmſtadt, den 10. Auguſt 1931.
Familie Hubert Opfermann