Wnn 13 Hrrt
Bezugspreis:
Bei wöchentlich 2maligem Erſcheinen vom 4. Auguſt
bis 31. Auguſt 2.18 Reichsmark und 22 Pfennig
Abtragegebühr, abgeholt 2.23 Reichsmark, durch die
Agenturen 2.40 Reichsmart frei Haus. Poſtbezugspreis.
im Aug. ohne Beſtelgeld monatlich 2.25 Reichsmart.
Veranwortlichkeit für Aufnahme von Anzeigen an
beſtimmten Tagen wird nicht übernommen.
Nicht=
erſcheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt
berechtigt den Bezieher nicht zur Kürzung des
Bezugspreiſes. Beſtellungen und Abbeſtellungen durch
Fernruf obne Verbindlichkeit für uns. Poſiſchecklionto
Franffurt a. M. 1301.
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Oſe Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Origlnal=Aufſätze und eigenen Nochrichten nur mit Quellenangabe „Darmft. Tagbl.” geſtattet.
Sonntag, den 9. Auguſt 1931.
Nummer 219
194. Jahrgang
Anzeigenpreis:
27 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspig.
Finanz=Anzeigen 40 Reichépfg. Reflamezeile (92 mm
breit/2 Reichsmark. Anzeigen von auswärts 40 Reichspfg.
Finanz=Anzeigen 60 Reichspfg. 92 mm breite
Rellame=
zelle 3.00 Reichsmark. Alle Preiſe in Reichsmart
4 Dollar — 420 Markl. — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſcht
jede Verpflichtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
aufträge und Telſtung von Schadenerſatz. Beil
Konlurs oder gerſchticher Beſtreſbung ſtllt jeder
Rabatt weg. Bankonto Deutſche Bank und
Darm=
ſtädter und Nationalbant.
Muſſolini kommt nach Berlin.
Der „Duce” nimmt die Einladung Dr. Brünings zu einem Gegenbeſuch in Berlin unker Vorbehalt ſpäkerer
Zeſtſehung des Zeilpunkkes an. — Muſſolini beurkeilk Deukſchlands Lage zuverſichklich und ſetzt ſich für
algemeine Abrüſtung als grundfähliche Vorbedingung zur Wiederherſtellung des wahren Friedens ein.
Die römiſchen Beſprechungen.
Die amkliche Berlautbarung
über die deutſchikalieniſche Ausſprache.
EP. Rom, 8. Auguſt.
Reichskanzler Brüning und Außenminiſter Curtius begaben
ſich am Samstag vormittag aus dem Grandhotel in die deutſche
Botſchaft beim Quirinal, wo gegen 10 Uhr Muſſolini und
Außen=
miniſter Grandi eintrafen. In der Botſchaft wurden ſomit die
Unterredungen fortgeſetzt, die geſtern im Palazzo. Venezia
be=
gonnen haben. In Anbetracht der Kürze der zur Verfügung
ſtehenden Zeit iſt an Stelle des Beſuchszeremoniell ſachliche
Füh=
lungnahme getreten. An der Beſprechung, die wieder 1½
Stun=
den dauerte, haben von italieniſcher Seite Muſſolini, Grandi und
der Berliner Botſchafter Orſini Barone teilgenommen, von
deut=
ſcher Seite Reichskanzler Brüning, Reichsaußenminiſter Curtius
und der Botſchafter von Schubert.
Nach Abſchluß der Beſprechungen wurde folgendes gemeinſam
vereinbarte Commnniqué ausgegeben: „Während des
Aufenthal=
tes Reichskanzlers Brüning und des Reichsaußenminiſters
Cur=
tius in Rom am Freitag und Samstag hat ein mehrfacher
Ge=
dankenaustauſch zwiſchen den deutſchen Staatsmännern und dem
italieniſchen Regierungschef ſowie dem italieniſchen Außenminiſter
ſtattgefunden. Dieſer Gedankenaustauſch ſtand im Zeichen
gegen=
ſeitigen freundſchaftlichen Verſtändniſſes und warmer Herzlichkeit.
Im Laufe der Beſprechungen iſt die allgemeine europäiſche Lage
eingehend geprüft und übereinſtimmend die Notwendigkeit einer
vertrauensvollen und tatkräftigen Zuſammenarbeit aller
Regie=
rungen zur Ueberwindung der gegenwärtigen Schwierigkeiten
er=
kannt worden. Es hat gleichfalls Uebereinſtimmung darüber
be=
ſtanden, daß es notwendig iſt, alles zu tun, damit die kommende
Abrüſtungskonferenz günſtige und greifbare Erfolge im Intereſſe
des Friedens und des wirtſchaftlichen und moraliſchen
Wiederauf=
baues der Welt zeitige.”
Im Verlaufe der römiſchen Beſprechungen hat der
Reichs=
kanzler Muſſolini zu einem Beſuch in Berlin eingeladen,
Der italieniſche Regierungschef hat die Einladung dankend
ange=
nommen und ſich die Beſtimmung des Datums für ſeinen Beſuch
vorbehalten.
Mafſoligis Rak an das deutſche Volk.
„Hilf Dir ſelbft, dann wird Dir geholfen!”
Nach der heute in der deutſchen Botſchaft erfolgten
Beſpre=
chung hat Muſſolini im Empfangſaal des Palazzo Venezia am
Mittag, die deutſchen Journaliſten empfangen und ihnen in
deutſcher Sprache eine Erklärung verleſen, worin er vor allem
ſeiner großen Freude Ausdruck gab, die perſönliche
Bekannt=
ſchaft des Reichskanzlers und Dr. Curtius' gemacht zu haben:
„Es hat mich noch mehr gefreut”, ſagte Muſſolini, „daß ich in
den langen und herzlichen Beſprechungen, die wir dieſer Tage
gehabt haben, feſtſtellen konnte, daß die zwei deutſchen
Staats=
männer vom feſten Willen beſeelt ſino, mit entſchiedener
Tat=
kraft die Uebel zu überwinden, unter denen ihr Land noch leidet,
und ihrem Volk das zuverſichtliche Vertrauen in eine beſſere
Zukunft wieder einzuflößen. Ich wünſche, der deutſchen Nation
den Ausdruck meiner Ueberzeugung zukommen zu
laſſen, daß ſich Deutſchland auf ſich ſelbſt und
die eigenen Kräfte verlaſſen kann und
ver=
laſſen muß.
Alle Völker haben im Verlauf der Geſchichte ſchwere Zeiten
durchgemacht, welche ſicherlich ebenſo hart geweſen ſind wie die
gegenwärtigen. Die wirtſchaftlichen Kräfte
Deutſch=
lands ſind noch unverſehrt, und es iſt bekannt, wie
groß und reell ſie ſind. Dieſen Kräften müſſen noch
die hohen moraliſchen Eigenſchaften
hinzuge=
fügt werden, welche das deutſche Volk in noch
ſchwierigeren Verhältniſſen bezeugt hat: das
genügt, um mich für die nächſte Zukunft
optimi=
ſtiſch zu ſtimmen.
Ich habe mich mit dem Reichskanzler und mit dem
Reichs=
außenminiſter über die Notwendigkeit einer
bereitwil=
ligen und aufrichtigen Zuſammenarbeit aller Regierungen,
ſewohl in den politiſchen als auch in den
wirt=
caftlichen Fragen, unterhalten, die nötig iſt, damit in
der Welt der wahre Geiſt des Friedens wieder hergeſtellt wird,
und ich habe ihnen verſichert, daß Italien zu dieſem
Verke ſein Beſtes beitragen werde. Der Fascismus
will den Frieden und die politiſche und wirtſchaftliche Oronung,
damit alle Völker mit gemeinſchaftlichem Streben ihre Kräfte
dem erſprießlichen Werk der Ziviliſation und dem Fortſchritt
widmen können. Die deutſchen Staatsmänner und ich ſind in
der Anerkennung der Notwendigkeit einer Zuſam=
Renarbeit zur Verwirklichung dieſer Ziele
Dollig einig geweſen, ſowie darin, daß unſer Möglichſtes
ge=
ſchehen muß, damit der Erfolg der nächſten Abrüſtungs=
Konferenz geſichert werde, welcher eine grundſätzliche
Vorbedingung zur Wiederherſtellung des
wah=
ken Friedens auf der Welt iſt.”
Muſſolini unterhielt ſich dann noch zwanglos mit den
Preſſe=
bertretern und verwies zum Schluß mit Nachdruck auf das
lalieniſche Sprichwort: „Hilf. Dir ſelbſt, dann wird Dir
ge=
holfen.”
Brüning bekonk die europäiſche Solidarikäk.
Reichskanzler Dr. Brüning empfing am Samstag nachmittag,
zuſammen mit Reichsaußenminiſter Dr. Curtius, die Vertreter
der Preſſe und gab ihnen Erklärungen über die jetzt
abgeſchloſ=
ſenen Beſprechungen mit Muſſolini und Grandi ab. Die
Erklä=
tungen Dr. Brünings gehen teilweiſe noch erheblich über den
Inhalt des geſtern mittag veröffentlichten amtlichen
Communi=
auss hinaus. Der Reichskanzler hob einleitend den offenen und
freundſchaftlichen Charakter der römiſchen Beſprechungen hervor,
die ſich rückhaltlos auf die ernſte Lage Deutſchlands und Europas
und namentlich die Deutſchland bedrängenden Probleme
erſtreck=
ten. Es ſei weſentlich, daß gerade auch Muſſolini anerkannte,
daß die gegenwärtige Kriſe nicht nur wirtſchaftlichen, ſondern
auch moraliſchen Faktoren entſpringe, da es ſich im wahren
Sinne des Wortes um eine Vertrauenskriſe
han=
dele. „Wir haben die feſte Ueberzeugung”, ſagte der
Reichskanz=
ler, „daß es gelingen wird, unter den Völkern Europas
wie=
der ein reſtloſes Vertrauens=Verhältnis herzuſtellen. Auf dieſem
Wege dürfte es wohl gelingen, die wirtſchaftlichen
Unterneh=
mungen wieder in den Beſitz des erforderlichen Kapitals zu
bringen. Dieſes Ziel kann nur mit dem feſten Friedenswillen
aller Völker erreicht werden, der zu einer dauerhaften
Verſtän=
digung führen muß. Beſonders eingehend haben wir uns über
die Wirtſchaftsfragen unterhalten, um zum Schluſſe zu gelangen,
daß
allein die friedliche Zuſammenarbeit die Heilung
der Weltwirkſchaftskriſe beingen kann.
und nicht die Abſchließung der Länder voneinander. Es kam zu
einer gründlichen Ausſprache, und wir haben ſehr viel
Ueberein=
ſtimmendes gefunden über die weitere Entwicklung, die kommen
könnte, wenn es nicht zur Schaffung einer vertrauensvollen
Atmoſphäre und zu einer gemeinſamen Arbeit auf
wirtſchaft=
lichem Gebiet kommt. Bei der Beſprechung der
Abrü=
ſtungsfrage hat ſich ebenfalls Uebereinſtimmung
dahin ergeben, daß alle Länder zur Abrüſtung
bei=
tragen müſſen im Intereſſe der Beruhigung
und der Förderung des friedlichen
Wiederauf=
baues. Der Reichskanzler, der nochmals die großzügige
Gaſt=
freundſchaft, die er und ſeine Begleiter in Italien antrafen, die
Feinfühligkeit und den Geiſt der Beſprechungen mit warmen
Worten anerkannte, ſagte ſchließlich mit Bezug auf den
kommen=
den Beſuch Muſſolinis: „Wir werden uns
ſelbſtver=
ſtändlich freuen, wenn der Gegenbeſuch
Muſſo=
linis in Berlin recht bald ſtattfindet, wo wir
auch den franzöſiſchen Miniſterpräſidenten
Laval erwarten. Die direkten Ausſprachen
ver=
ſprechen außerordentlich viel.”
Reichsaußenminiſter Curtius hob ſeinerſeits hervor, daß ſich
die ſolidariſche Zuſammenarbeit der Völker nicht nur auf Europa,
ſendern auf die Völker der ganzen Welt erſtrecken müſſe, und daß
hierbei beſonders die Mitarbeit der Vereinigten Staaten von
Amerika von entſcheidender Bedeutung ſei.
Brüning und Curkius beim Papfk.
Herzliche Aufnahme im Pakikan.
Die kurze Pauſe, die zwiſchen dem Frühſtück in der deutſchen
Botſchaft, an dem auch die italieniſchen Staatsmänner
teilgenom=
men hatten, und dem Beſuch beim Vatikan verblieb, benutzten
Reichskanzler Dr. Brüning und Außenminiſter Dr. Curtius zu
einer Autofahrt nach der Via Appia und durch die nähere
Um=
gebung von Rom. Punkt 6 Uhr fuhr der Reichskanzler in
ſchwar=
zer Kleidung nach dem Vatikan. Mit Rückſicht auf die geringe
Zeit, die den deutſchen Staatsmännern zur Verfügung ſtand, war
das vatikaniſche Protokoll, wonach die Audienz beim Papſt jeder
anderen Audienz vorangehen muß, auf ausdrücklichen Befehl von
Papſt Pius XI. umgeſtellt worden, da der Papſt im Hochſommer
erſt um ½7 Uhr mit der Erteilung ſeiner Audienzen beginnt. Der
Reichskanzler wurde im Damaſus=Hof vom Direktor der
päpſt=
lichen Hofdiener in Empfang genommen, zum Kardinal=
Staats=
ſekretär Pacelli geleitet, der ſich über ½ Stunde lang
angelegent=
lich mit ihm unterhielt. Alsdann wurde der Reichskanzler von
den Würdenträgern in großer Gala in die päpſtlichen Gemächer
geleitet und von Papſt Pius Xl. in deſſen Arbeitszimmer mit
beſonders herzlichem Wohlwollen empfangen. Der Papſt erwies
ſich, wie aus vatikaniſchen Quellen verlautet, vollkommen von der
Lage in Deutſchland unterrichtet, ebenſo wie von dem Ernſt der
Probleme, mit denen die Reichsregierung gegenwärtig zu
kämp=
fen hat. Pius XI. brachte ſein beſonderes Vertrauen hinſichtlich
der Zukunft des deutſchen Volkes zum Ausdruck und ſicherte dem
Reichskanzler ſeine reſtloſe moraliſche Unterſtützung zu.
Eine halbe Stunde ſpäter traf der Außenminiſter Dr.
Cur=
tius im Vatikan ein und machte gleichfalls dem
Kardinalſtaats=
ſekretär Pacelli ſeine Aufwartung, um dann ebenfalls zum Papſt
geführt zu werden, der ſich noch in regem Geſpräch mit dem
Reichs=
kanzler befand. Die Unterredung dauerte noch eine Viertelſtunde,
worauf die beiden Staatsmänner die vatikaniſche Stadt verließen
und nach der deutſchen Botſchaft beim Heiligen Stuhl fuhren,
wo der Kardinalſtaatsſekretär Pacelli unmittelbar nachher den
Beſuch erwiderte und mit anderen vatikaniſchen Würdenträgern an
einem Diner teilnahm.
* dei Mient um oie Feioſiyitie.
Von
Arthur Zmarzly=Vofrei.
Die Reichsregierung hat die zu einer ſchnellen
Entſchei=
dung drängenden finanziellen und wirtſchaftlichen Aufgaben
unter das Leitwort „nationale Selbſthilfe” geſtellt. Das Wort
iſt nicht neu; es iſt ſchon einige Jahre alt und ſtand ſchon
im=
mer im Vordergrund des Streites der Meinungen für und
wider die Aufnahme neuer Auslandsſchulden. Dieſes Kapitel
iſt vorläufig abgeſchloſſen, und es bleibt uns nichts anderes
übrig, als uns ſelbſt zu helfen. Die nationale Selbſthilfe iſt
ſo ſelbſtverſtändlich, daß ſie tiefere pſychologiſche Wirkungen, die
man anſcheinend von ihr erwartet hat, im Volke nicht ausüben
kann. Das Volk ſieht in dieſem Wort keine neue große
Leit=
idee, ſondern es erwartet, daß die Selbſthilfe ohne Zögern
durch=
geführt wird. Es iſt bereit, ſich ſelbſt zu helfen, es will nur
wiſſen, wohin der Weg führt und daß die Führer auch über
einige neue Ideen verfügen, die etwas anderes darſtellen müſſen
als die bisher in den Notverordnungen niedergelegten. Die
Regierung muß ſich bewußt ſein, daß ſie zur Durchführung der
nationalen Selbſthilfe das volle Verſtändnis des Volkes bedarf,
das augenblicklich in der Flut von Notverordnungen, die
um=
fangreicher juriſtiſcher Kommentare bedürfen, nicht gedeihen
kann. Das Volk wartet! Inzwiſchen wird es von allen
Sei=
ten mit Ideen gefüttert, die ſich alle aus der nationalen
Selbſt=
hilfe entwickeln und dabei ſo gegenſätzlicher Art ſind, daß der
einfache Mann an der Selbſthilfe irre werden muß, wenn die
Reichsregierung nicht bald ihren Wirtſchaftsplan zur
öffeni=
lichen Ausſprache ſtellt.
Die Ideen, die um die Geſtaltung der Selbſthilfe ringen,
haben verſchiedene finanz= und wirtſchaftspolitiſche
Ausgangs=
punkte. Die Anhänger der bisherigen Finanz= und
Wirtſchafts=
politik ſtehen in Verteidigungsſtellung. Die Fronten zeichnen
ſich nicht eindeutig ab; ſie laufen vielfach durcheinander,
über=
ſchneiden ſich und zeichnen getreu das unendlich verworrene Bild
der Wirtſchaftsanſchauungen nach, das unſere Wirtſchaftsepoche
von allen vorhergegangenen unterſcheidet. Die einen behaupten,
unſer Wirtſchaftsapparat ſei intakt und nur unſer Kreditſyſtem
zeige Schwächen, die abgeſtellt werden müſſen. Wir brauchen
deshalb nur ein Selbſthilfe=Proviſorium, denn das Ausland
wird uns nicht im Stich laſfen, wenn wir uns mit Frankreich
verſtändigen. Treibt die Selbſthilfe nicht zu weit, wir können
uns nicht von der Welt abſchließen. Bringen wir unſeren
Zah=
lungsverkehr ſchnell in Ordnung und fürchten wir uns nicht
vor dem Teufel Inflation, den wir bei einiger Umſicht
be=
ſchwören können. Verſtändigen wir uns und wir erhalten einige
Milliarden. Die Weltwirtſchaft wird aufblühen. Europa kommt
in Ruhe, Deutſchland wird davon profitieren, allmählich ſeine
Schulden zurückzahlen und alles geht wieder ſeinen alten Weg,
wenn auch nicht mehr im 100=Kilometer=Tempo wie bisher.
Die anderen ſagen: Was wir in den Nachkriegsjahren
ge=
macht haben, war vielfach verkehrt. Wir haben uns vom
Aus=
land mehr als 18 Milliarden geborgt, um den unechten Transfer
aufrechtzuerhalten, die Mehreinfuhr an Waren in den Jahren
1925 und 1927 bis 1929 zu bezahlen, unſere öffentlichen und
ſozialen Ausgaben zu ſteigern und den induſtriellen
Produk=
tionsapparat aufzubauen. Die Hälfte der Auslandsſchulden
waren kurzfriſtige Kredite, weil infolge der politiſchen Unruhe
der Nachkriegszeit das Schwergewicht der internationalen
Kredit=
verflechtung ſich auf die Seite des kurzfriſtigen Kredits
ver=
lagert hat. Wir haben uns durch den Anleiheſegen über unſere
wirkliche Lage täuſchen laſſen. Der unechte Kapitalzuwachs hielt
den inneren Zinsſtand hoch und die Urproduktion, die
zins=
empfindliche Landwirtſchaft, trat in ihrer Bedeutung für die
nationale Wirtſchaft immer mehr zurück. Sie mußte, bei
ſinken=
den Erlöſen und ſteigenden Preiſen für Induſtrieprodukte
viel=
fach doppelt ſo hohe Zinſen für Kredite zahlen als Handel
und Induſtrie. Wir beſitzen jetzt einen induſtriellen
Produk=
tionsapparat, der in der Lage iſt, doppelt ſoviel zu produzieren,
als der Inlandsmarkt eines durch Krieg, Friedensverträge und
Inflation verarmten Volkes aufnehmen kann und als uns das
Ausland abnehmen will. Wir können uns ſelbſt helfen, wenn
wir unſere eigenen Wirtſchaftskräfte ohne Rückſicht auf die
Empfindlichkeit des Auslandes ausbauen und die Kaufkraft des
inneren Marktes verſtärken. Die Unterſchiede in den Preiſen
zwiſchen Induſtrie= und Agrarproduktion müſſen verſchwinden.
Dann kann das geſamte Preisniveau, einſchließlich der Preiſe
für die öffentliche Verwaltung (Steuern, Abgaben) geſenkt
werden.
Von dieſen Richtungspunkten der beiden Hauptſtrömungen
um die nationale Selbſthilfe erhalten die Forderungen für die
nächſte Zeit ihren Inhalt. Es iſt nicht anzunehmen, daß die
Reichsregierung ihren Wirtſchaftsplan von einer dieſer Ideen
allein befruchten läßt. Die größten Bedenken ſtehen aber gegen
ein proviſoriſches Selbſthilfeprogramm. Die ganze Wirtſchafts=
und Finanzpolitik der letzten Jahre war immer nur proviſoriſch.
Wir müſſen aus dem Proviſorium endlich herauskommen.
Gegen die Verſuche, mit Frankreich zu einer Verſtändigung zu
gelangen, wendet ſich kein vernünftiger Menſch in Deutſchland.
Wir können aber nicht abwarten, bis ein für uns erträgliches
Ergebnis dabei erzielt wird. Das kann noch Jahre dauern.
Unſere Lage verträgt keine proviſoriſche Regelung mehr. Die
deutſche Wirtſchaft, d. h. hier das deutſche Volk, muß einen
Weg vor ſich ſehen, der eine gerade Richtung einſchlägt und
klare Sicht ermöglicht. Nationale Selbſthilfe heißt nichts
weſ=
ter als Arbeit und Vertrauen. Arbeit zu ſchaffen und
Ver=
trauen zu erwecken, dieſe Aufgabe iſt der Reichsregierung
geſtellt.
Zunächſt muß das Vertrauen in den Zahlungsverkehr
wiederhergeſtellt werden. Die Folgen der Zahlungsſperre machen
ſich im Mißtrauen gegen die Währung bemerkbar. Alle
Hin=
weiſe auf die Stabilität der Währung, auf die Deflation, ſind
nicht durchgreifend genug. In Währungsdingen appelliert man
vergeblich an die Vernunft. Der freie Zahlungsverkehr iſt ver
beſte Schutz der Währung. Schutz der Währung iſt die erſte
Vorausſetzung einer wirkſamen Selbſthilfe. Das Schwergewicht
der Selbſthilfe liegt auf kreditpolitiſchem Gebiet. Das
Kredit=
volumen iſt infolge der Kreditabzüge eingeſchrumpft. Es kommt
nun alles darauf an, das noch vorhandene Kreditvolumen mit
dem höchſten Nutzeffekt für die Volkswirtſchaft zu verwenden
und das Vokumen durch wirtſchaftliche Maßnahmen zu erhliem.
Seite 2
Sonntag, den 9. Auguſt 1931
Nummer 219
Das kann heute nicht mehr den Banken allein überlaſſen bleiben.
Es muß auch Vorſorge getroffen werden, daß die Banken die
Spanne zwiſchen Soll= und Habenzinſen nicht zu einem
Sonder=
geſchäft benutzen. Die hohen Zinſen ſind, ſobald ſie ihre
Wir=
kungen erfüllt haben, abzubauen. Der hohe Diskontſatz darf
nur währungspolitiſchen Zwecken dienen und nicht dazu, wie
es einige Anhänger einer Eiſenbartkur verlangen, eine
Ver=
ſchleuderung deutſcher Warenlager ans Ausland zu erzwingen,
um den Deviſenbeſtand zu ſtärken. Die deutſche Wirtſchaft wird
ſowieſo die Ausfuhr ſteigern müſſen. Aber ſie noch darüber
hinaus unter einen erhöhten Zwang zu ſtellen, heißt deutſche
Werte verſchleudern, heißt aber ferner das Ausland veranlaſſen,
beſondere Sperrmaßnahmen zu ergreifen. Merkwürdig, daß
gerade die Kreiſe den erhöhten Zwang befürworten, die ſonſt
alles verdammen, was den Protektionismus fördern könnte.
Der Deviſenbeſtand muß dadurch vergrößert werden, daß
Deutſch=
land ſich vorübergehend auf die Einfuhr der notwendigſten
Roh=
ſtoffe beſchränkt. Der Mangel an Deviſen wird die Einfuhr
teilweiſe von ſelbſt droſſeln. Es iſt gut, daß das Ausland
merkt, wie wir uns einſchränken. Von ausländiſchen
Finanz=
leuten iſt uns oft genug vorgehalten worden, daß wir zu
üppig leben und zuviel Deviſen für unnötige Einfuhrwaren
verbrauchen.
Ebenſo bedenklich wäre es, die ſchmale Kreditbaſis allein
durch Lohn= und Gehaltsabbau zu verbreitern. Zweifellos
werden auch die Löhne und Gehälter noch etwas geſenkt werden
müſſen. Dieſer Abbau hat aber eine Grenze; ſie iſt für einige
Lohnkategorien ſchon erreicht. Und er muß von
allgemeinwirt=
ſchaftlichen Geſichtspunkten aus erfolgen und nicht, um
abbau=
reife Teile des Produktionsapparates am Leben zu erhalten
oder um eingefrorene Bankkredite aufzueiſen. Die Kriſis wird
auch Induſtrie und Handel zur Reviſion ihres wirtſchaftlichen
Handelns veranlaſſen müſſen, wenn die Selbſthilfe wirkſam ſein
ſoll. Das gilt beſonders für die Aktiengeſellſchaften. Es würde
Vertrauen erwecken, wenn die Aktiengeſellſchaften und die
Ban=
ken gemeinſam die Abänderung des Aktiengeſetzes forderten. Der
Aktionär muß wieder zu ſeinem Recht kommen, er muß ſich auf
den Aufſichtsrat verlaſſen können. Der Kapitalmangel iſt nicht
allein an der Schwäche der Aktienmarktes ſchuld. Die
Finan=
zierungs= und Dividendenpolitik der Vorſtände, die mangelhafte
Publizität hat große und kleine Kapitalbeſitzer aus der
Aktien=
anlage flüchten laſſen. Auch die Kapitalflucht iſt teilweiſe aus
dem Vertrauensſchwund zu erklären. Der Aktionär will als
Kreditgeber nicht von den Banken verdrängt werden, er
wen=
det ſich gegen die Selbſtfinanzierung der Geſellſchaften, wodurch
ihm ſeine Rente gekürzt wird. Die Selbſtfinanzierung verleitet
aber auch zu Fehlinveſtitionen und führt zu Preisſteigerungen,
zu Preisbindungen. Der freie Wettbewerb muß wieder Raum
gewinnen, ſonſt ſchaden Lohnherabſetzungen mehr als ſie nützen.
Es iſt gut, auch die Beamten beizeiten auf einen erneuten
Abbau ihres Einkommens vorzubereiten. Die Finanzlage des
Reiches und der Kommunen iſt in den letzten Wochen nicht
beſſer geworden. Wir müſſen beim Reich und bei den
Kom=
munen mit Fehlbeträgen rechnen, die mit zwei Milliarden nicht
zu hoch geſchätzt ſind. Die Zahl der Arbeitsloſen wird im
Herbſt und Winter noch etwas weiter ſteigen, denn die
Selbſt=
hilfemaßnahmen wirken nicht ſofort. Es iſt wohl jedem klar,
daß alle dieſe Ausgaben nicht durch Gehaltsabbau eingebracht
werden können. Es iſt deshalb dringend erforderlich, daß Reich,
Kommunen und Länder ſofort ihre Ausgaben für 1931/32 um
15 v. H. kürzen. Sage niemand, daß das unmöglich iſt. Es
iſt alles möglich. Die nationale Selbſthilfe darf an den
öffent=
lichen Haushalten nicht ſcheitern. Das Vertrauen des In=
und Auslandes kann ſofort gehoben werden, wenn die
Ver=
waltungsreform energiſch in Angriff genommen wird.
Der Komplex der nationalen Selbſthilfe iſt ſo
ineinander=
geſchachtelt, daß man nicht dieſe oder jene Maßnahme einzeln in
Angriff nehmen und mit den anderen warten kann. Hier heißt
es, Zug um Zug handeln. Und auch die täten gut, ſich an der
Selbſthilfe mit Rat und Tat zu beteiligen, die nur ein
Provi=
ſorium wollen und alles andere von der Hilfe Frankreichs
er=
warten. Die Verſtändigung mit Frankreich wird viel leichter
ſein, wenn Deutſchland ſich ſelbſt hilft. Von einem ſchwachen
Verhandlungspartner wird immer mehr verlangt, als er
geben kann.
Abreiſe der dentſchen Miniſter aus Rom.
w. Rom, 8. Auguſt.
Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußenminiſter Dr.
Cur=
tius ſind am Samstag abend 21.40 Uhr mit dem von der
italieni=
ſchen Regierung wiederum zur Verfügung geſtellten Salonzug
nach Berlin abgereiſt. Zum Abſchied waren erſchienen: der
italie=
niſche Außenminiſter Grandi, in Begleitung einer großen Anzahl
hoher Beamter und Botſchafter von Schubert mit dem
vollſtän=
digen Botſchaftsperſonal; außerdem hatten ſich eingefunden
deutſche und ausländiſche Preſſemitglieder und Mitglieder der
deutſchen Kolonie.
Am Samstag kam es am Bülowplatz in Berlin zu
Ausſchrei=
tungen, wobei die Polizei von der Waffe Gebrauch machen mußte,
was ein Todesopfer zur Folge hatte.
Nach einer amtlichen Mitteilung wird die Volkszählung in
Oeſterreich, die nach den geſetzlichen Vorſchriften in der zweiten
Hälfte dieſes Jahres hätte vorgenommen werden ſollen, wegen
der wirtſchaftlichen Kriſe und der Unmöglichkeit, die für eine
Volkszählung notwendigen Mittel aufzubringen, unterbleiben.
Premierminiſter Macdonald begibt ſich nach Beendigung
ſei=
ner Unterredungen mit dem amerikaniſchen Staatsſekretär
Stim=
ſon wieder nach ſeinem Landſitz in Loſſiemouth, wo er die
Parla=
ments=Ferien verbringen wird. Preſſevertretern gegenüber
er=
klärte Macdonald, daß die europäiſche Finanzlage den Gegenſtand
ſeiner Unterhaltungen mit Stimſon gebildet habe, die übrigens
vollſtändig inoffiziell geweſen ſeien. Staatsſekretär Stimſon gab
keinerlei Erklärungen über die Zuſammenkunft ab.
Der ſpaniſche Verfaſſungsausſchuß hat unter dem Drucke der
ſozialiſtiſchen Mitglieder des Parlaments beſchloſſen, einen
Ar=
tikel über die Trennung von Staat und Kirche in Spanien in
neuer Faſſung vorzulegen, in dem die Ausweiſung ſämtlicher
reli=
giöſer Orden ſowie die entſchädigungsloſe Konfiskation ihrer
ge=
ſamten Vermögen vorgeſehen werden wird.
Der ſtellvertretende amerikaniſche Staatsſekretär Caſtle iſt
von dem italieniſchen Botſchafter de Martino darüber in
Kennt=
nis geſetzt worden, daß die franzöſiſch=italieniſchen
Flottenverhand=
lungen wahrſcheinlich im September wieder aufgenommen werden
würden.
Berlin, 8. Auguſt.
Die Reichsregierung hat die Deviſenbewirtſchaftungsſtellen
an=
gewieſen, bis auf weiteres den Firmen, die eine entſprechende
Handelskammerbeſcheinigung vorweiſen können, allgemein die
Ge=
nehmigung zum Erwerb von Deviſen und zur Verfügung dieſer
Deviſen zu erteilen, ſoweit dieſe Deviſen zur Finanzierung der
Ein= und Ausfuhr und des Tranſithandels von Waren
verwen=
det werden ſollen. Die Reichsregierung erwartet aber von der
Verbraucherſchaft, Handel und Banken, daß ſie bei der Eindeckung,
insbeſondere von Luxuswaren und Genußmitteln, ſich die durch
die Wirtſchaftslage gebotene Zurückhaltung auferlegen. Eine
Kontrolle der Verwendung der für die Einfuhr in Anſpruch
ge=
nommenen Deviſen wird nachträglich durch die
Deviſenbewirt=
ſchaftungsſtellen ſtattfinden.
* Durch dieſe Ergänzung der vorläufigen Richtlinien über
die Deviſenbewirtſchaftung hat die Reichsregierung tatſächlich ihre
ganzen bisherigen Pläne aufgegeben und in der Praxis die freie
Deviſenwirtſchaft wieder eingeführt. Das hat wohl hauptſächlich
politiſche Gründe: Die Verhandlungen über das
Still=
halte=Konſortium ſind mit Holland und mit der Schweiz noch nicht
zu Ende geführt. Vor allen Dingen ſind die Holländer
außerordentlich hartnäckig und wollen ſich auf eine
Still=
haltung überhaupt nur einlaſſen, wenn ſie die
Ge=
währ haben, daß für den holländiſchen Handel
keinerlei Beſchränkungen beſtehen. Um den
Ab=
ſchluß dieſer finanzpolitiſch außerordentlich wichtigen
Beſprechun=
gen nicht weiter zu erſchweren, hat die Reichsregierung den
Ver=
ſuch einer Deviſenbewirtſchaftung vorläufig wieder aufgegeben,
obwohl als ſicher anzunehmen iſt, daß die völlige Freigabe nicht
allzulange aufrechterhalten werden kann, weil das Mißverhältnis
zwiſchen den angeforderten und den vorhandenen Deviſen zu
groß iſt.
* Der Samstag war der erſte freie Tag des
Zahlungsber=
kehrs bei den Sparkaſſen. Während in einigen Städten das
Publikum von der Möglichkeit, bis zu 300 RM. abzuheben, ſo gut
wie keinen Gebrauch machte, konnte man in anderen Gegenden
wieder beobachten, daß allenthalben ein ſtarker Andrang an den
Schaltern herrſchte, ohne daß es deswegen zu irgendwelchen
Auf=
tritten oder Ausſchreitungen kam. Es wäre allerdings falſch, aus
dieſem Andrang ungünſtige Rückſchlüſſe zu ziehen. Ein Teil der
Sparer hat unzweifelhaft das Bedürfnis, Geld abzuheben, weil
vielfach die Gehälter, nicht nur bei den Beamten, ſondern auch
in der Privatwirtſchaft, nur zur Hälfte ausgezahlt worden ſind
Bei einem großen Teil der Abheber handelt es ſich aber um jene
übernervöſen Sparer, die bereits in den letzten Wochen die
Spär=
kaſſenräume bevölkerten und die noch immer nicht daran glauben
wollen, daß guter Grund dazu vorhanden iſt, wieder optimiſtiſcher
in die Zukunft zu ſchauen. Man nimmt allgemein an, daß Mitte
der nächſten Woche bei den Sparkaſſen wieder ein normaler
Zah=
lungsverkehr herrſcht, ſobald die Uebergangszeit dieſer
Unzufrie=
denen vorüber iſt.
Itid Memthmn.
Zu ſeinem 35. Todestag am 10. Auguſt.
Selten hat eine techniſche Entwicklung einen ſo
eigenarti=
gen Verlauf genommen wie die der Luftfahrt. Hier haben wir
erlebt, was dem inneren Geſetz des Fortſchrittes genau zu
wider=
ſprechen ſcheint: die Rückkehr zum Ausgangspunkt eines Weges,
auf dem eine Generation bereits von Erfolg zu Erfolg bis an nie
vorausgeſehene Höhepunkte menſchlicher Leiſtung gelangt war.
Als vor 35 Jahren Otto Lilienthal, einer der wenigen,
die den Menſchenflug unmittelbar auf den Bedingungen des
Vogel=
fluges aufzubauen ſtrebten, durch ſeinen tödlichen Abſturz in den
Rhinower Bergen aus ſeinem Schaffen jäh herausgeriſſen wurde,
fehlte es nicht an Männern, die ſein Ziel aufgriffen. Aber ſie
ſuchten es auf anderen Wegen. Der Verbrennungsmotor hatte
be=
gonnen, ſich ſeinen Platz im Verkehrsweſen zu erobern; es blieb
nicht aus, daß er auch der aufkommenden Luftfahrt die Richtung
wies. Schon die Brüder Wright erlagen der Verlockung, ihrem
Flugzeug mit einer motorbetriebenen Luftſchraube ſeine
Eigen=
bewegung zu geben. Die Propellermaſchine hat dann einen
Sie=
geslauf ohnegleichen genommen und den heutigen Verkehrsflug
erſt möglich gemacht.
Um ſo bemerkenswerter, daß die Luftfahrtwiſſenſchaft ſich
durch das bereits Erreichte nicht verleiten ließ, den bisher
be=
ſchrittenen Weg für den allein erfolgreichen zu halten. Während
ſie dieſen planmäßig weiterentwickelte, iſt ſie unter dem Eindruck
techniſcher wie wirtſchaftlicher Erwägungen zugleich auch bis an
ſeinen Ausgangspunkt zurückgegangen, um noch einmal dort
an=
zuknüpfen, wo Lilienthal aufhören mußte. Im Laufe des
ſeit=
dem vergangenen Vierteljahrhunderts iſt immer klarer erkannt
worden, welches wertvolle Erbe er der Nachwelt hinterlaſſen hatte.
Sein entſcheidendes Verdienſt war es, daß er zahlenmäßig die
Vorteile gewölbter Flügelflächen nachwies und daß er mit ſeinen
Luftwiderſtandsverſuchen die Grundlagen für die wiſſenſchaftliche
Aerodynamik der Neuzeit ſchuf. Er hat die Begriffe vom
Auf=
trieb und vom Widerſtand am Profil geprägt; vor allem: er flog.
Mehr als tauſendmal ließ er den Erdboden unter ſich. Und
mögen uns auch heute die praktiſchen Ergebniſſe ſeiner
Bemühun=
gen — Gleitflüge bis zu 350 Meter Länge waren ſein „Rekord”,
gemeſſen an den gegenwärtigen Segelflugleiſtungen überaus
be=
ſcheiden anmuten, ſo waren ſie doch bereits die Beſtätigung eines
richtigen Prinzips.
Auf ihm hat die heutige Segelflieger=Generation aufgebaut,
die nach dem Krieg zum erſten Male, in einem Rhön=
Segelflug=
wettbewerb ihr Können zeigte. Mit unerhörter Begeiſterung hat
ſie unter der Führung der akademiſchen Fliegergruppen der Tech=
niſchen Hochſchulen ihre ſelbſtgeſtellte Aufgabe in Angriff
genom=
men und gemeiſtert. In der Rhön und auf der Kuriſchen Nehrung
erlebten wir ſeitdem Höchſtleiſtungen, die ſich in raſcher Folge
überboten. Ein Dauerflug von 14 Stunden, ein Höhenflug bis
2600 Meter und ein Streckenflug von 265 Kilometern Länge gaben
der Welt einen Begriff von den nie geahnten Möglichkeiten des
motorloſen Fluges. Schon zeigen die Segelflieger ihre Kunſt
auch über der Großſtadt, und Zielflüge ſind keine Seltenheit mehr.
Erſt der kürzlich durchgeführte 12. Rhön=Wettbewerb lieferte
wie=
der erſtaunliche Beweiſe weiteren Fortſchritts. Die planmäßige
Unterſuchung der Vertikalbewegungen in der freien Atmoſphäre
hat den motorloſen Flug unter den Wolken und vor
Kaltluft=
fronten erſchloſſen, ſie hat die Methodik des Segelflugs auf völlig
neue Grundlagen geſtellt. Die Aerodynamik und die Meteorologie
haben aus dieſen Erkenntniſſen reichen Nutzen gezogen, der nicht
zuletzt auch dem Motorflug in hohem Maße zugute kam.
Schon dieſe Tatſachen laſſen keinen Zweifel über die
unmit=
telbare praktiſche Bedeutung des Segelflugs. Sie wird aber noch
in einem weiteren Zuſammenhang erkennbar: Der Segelflug hat
ſchon deswegen, weil er mit erſchwinglichen Mitteln durchführbar
iſt und weil er in ſeinen Erfolgen ſich beſonders ſtark auf die
ſportliche Leiſtung ſtützt, die geſamte Luftfahrt in erheblichem
Maße volkstümlich gemacht. Die hervorragenden fliegeriſchen
Fähigkeiten von Männern wie Schulz, Groenhoff Fuchs,
Hirth, Kronfeld ſchufen die Vorbedingungen für dieſen
Auf=
ſchwung. Gerade hier beſtätigt ſich erneut, wie ſehr große
Ent=
wicklungen ſtets von der leidenſchaftlichen Hingabe einzelner
Per=
ſönlichkeiten an eine große Sache abhängig bleiben.
Dieſer begeiſterte Einſatz für eine Idee war auch das
Kenn=
zeichen eines Otto Lilienthal. In ihm, der aus allen lebendigen
Kräften ſeiner Umwelt mannigfachſten Antrieb zu eigenem
Schaf=
fen empfing, der als Fabrikbeſitzer, Erfinder, Künſtler und
Theater=
unternehmer Beweiſe einer ungewöhnlichen Produktivität
er=
brachte, hat das Einmalige einer großen Forſcherperſönlichkeit
ſeine überzeugende Verkörperung gefunden. Dieſes Einmalige
hat die Menſchheit nicht immer zur rechten Zeit für ſich zu nutzen
gewußt. Jede Lehre aus ſolcher Erkenntnis wird ihren weiteren
Fortſchritt fördern.
W. Lg.
Dr. jur. Konrad Böttcher. Sicherung von Familie, Vermögen
und Betrieb bei wirtſchaftlichen Schwierigkeiten und im
Todes=
fall. Verlag für Wirtſchaft und Verkehr, Stuttgart, Pfizerſtraße.
400 Seiten, Preis 14 Mark.
Im Jahre 1919 veröffentlichte Profeſſor Rudolf Kaulla.
Do=
zent an der Techniſchen Hochſchule in Stuttgart, eine im Verlag
Dr. W. Rothſchild in Berlin herausgegebene Schrift: „Ueber das
Verhältnis der Volkswirtſchaftslehre zur Rechtswiſſenſchaft und
zur Politik.” K. wies damals in heute noch zutreffenden Ausfüh=
Heute fällt die Entſcheidung über Preußens
weiteres Schickſal.
Von unſerer Berliner Schriftleitung.
Am heutigen Sonntag wird nun die
Entſchei=
dung über das weitere Schickſal Preußens fallen.
In welcher Richtung, das läßt ſich allerdings ſehr ſchwer
voraus=
ſagen. Als der Stahlhelm das Volksbegehren über die Auflöſung
des Landtags ankurbelte, wird er ſelbſt die Erfolgsmöglichkeiten
nicht allzu hoch eingeſchätzt haben. Einer ſeiner Führer hat noch
vor wenigen Tagen ſich dahin ausgeſprochen, daß der Stahlhelm
ſich ſeinerzeit ſo etwas wie einen Zweijahresplan aufgeſtellt habe.
der ſeine Krönung in der Vorbereitung der Wahl des
Reichs=
präſidenten im nächſten Frühjahr finden ſollte. Alles, was
bis=
her geſchehen, das Volksbegehren gegen den Youngplan und auch
der preußiſche Vorſtoß, war urſprünglich wohl mehr als ein
„Exerzieren im Feuer” gedacht.
Inzwiſchen haben ſich aber die Erfolgsmöglichkeiten
weſent=
lich vergrößert. Rein zahlenmäßig geſehen, ſehen die Dinge ſo
aus, daß in Preußen nach den Zahlen der letzten
Reichstags=
wahlen wohl etwa 26,4 Millionen Stimmberechtigte vorhanden
wären. Inzwiſchen dürfte ſich die Wählerzahl noch vergrößert
haben, vielleicht rund um eine halbe Million. Das würde
be=
deuten, daß 13,5 Millionen Ja=Stimmen zur Annahme des
Volks=
begehrens erforderlich ſind. Eine Aufgabe, die ohne einen
ſtar=
ken Auftrieb aus der Wählerſchaft heraus überhaupt nicht zu
löſen iſt. In roher Rechnung haben die bürgerlichen Parteien,
von den Nationalſozialiſten bis zur Volkspartei, die ja alle
mit=
machen, rechneriſch 9 Millionen Stimmen bei der Reichstagswahl
aufgebracht, dazu kommen noch etwas über 3 Millionen
kommu=
niſtiſche Stimmen. Nach dem Auftrieb der Kommuniſten ſcheint
es ja, als ob ſie nicht mehr formell mitmachen, es dabei ganz
gerne ſehen würden, wenn ihre Anhänger zu Hauſe bleiben
wür=
den. Ihr Haß gegen die Sozialdemokraten iſt offenbar ſtark
ge=
nug, um ſie zu einer aktiven Beteiligung zu reizen, obwohl ſie
wiſſen, daß ſie von einem Erfolg nicht das geringſte zu
erwar=
ten haben. Es würden alſo noch reichlich 1 Million fehlen, um
die Hälfte zu überſchreiten, wobei aber zu bedenken iſt, daß ſich
bei den letzten Wahlen noch ein Viertel der Stimmberechtigten
nicht mitbeteiligt hat. Hier iſt alſo noch eine ſtarke Kraftreſerve
vorhanden, bei der die Entſcheidung liegen könnte.
Immer vorausgeſehen, daß die Wähler auch der Parole ihrer
Parteien folgen, iſt jeder Verſuch einer Vorausſage ein
Rechen=
exempel mit mehreren Unbekannten. Es iſt ja bekannt, daß in
der Volkspartei bei einer Minderheit außenpolitiſche Bedenken
gegen die Beteiligung am Volksentſcheid vorhanden ſind.
Nie=
mand kann aber ſagen, wie ſtark ſie ſich zahlenmäßig auswirken.
Aehnlich liegen die Dinge wohl auch bei den anderen bürgerlichen
Mittelparteien. Der Reichskanzler hat durch ſeine Rundfunkrede
nicht ohne Erfolg verſucht, auf Volkskreiſe einzuwirken. Der
Zwangsaufruf der preußiſchen Regierung hat aber ſtark nach der
entgegengeſetzten Seite gewirkt und wird ſehr wahrſcheinlich dazu
führen, Hunderttauſende an die Urne zu bringen, die ſonſt zu
Hauſe geblieben wären. Nicht zu überſehen iſt auch, daß die
Bauernvereine, die dem Zentrum naheſtehen, einen Aufruf für
den Volksentſcheid erlaſſen haben. Hier können alſo Energien
ganz plötzlich wachgerufen werden, mit denen niemand gerechnet
hat. Das große Land wird große Mehrheiten bringen, und das
inſtinktmäßige Gefühl, daß Preußen der Herd der
Schwierigkei=
ten iſt, mit denen wir auch im Reich zu kämpfen haben, mag nicht
unweſentlich dazu beitragen, die Lauen wachzurütteln, wobei
gewiß die allgemeine Unzufriedenheit die Rolle ſpielt, die
irgendwie ein Ventil zur Entladung ſucht.
Wenn man alſo vor wenigen Wochen eine Stimmenzahl von
etwa 10 Millionen als wahrſcheinliches Ergebnis des
Volksent=
ſcheides annehmen konnte, ſo iſt es jetzt denkbar, daß dieſe Zahl
ſich weſentlich verſchiebt, und daß die Mehrheitsgrenze ſehr nahe
erreicht, vielleicht ſogar überſchritten wird, wobei zu beobachten
bleibt, daß die Zahl der Wahlberechtigten erſt bei der
endgül=
tigen Entſcheidung genau errechnet werden kann, daß alſo, wenn
die Stimmenzahl um die Mehrheitsgrenze gerade herumſchwankt,
alſo auch noch einige Zeit darüber vergehen kann, bis ſich genau
feſtellen läßt, ob das Ergebnis der Abſtimmung poſitiv oder
negativ iſt.
rungen darauf hin, daß bei der Behandlung des Privatrechts,
gerade desjenigen Rechtsgebietes, das für die Geſtaltung der
Volkswirtſchaft von der unmittelbarſten
Bedeu=
tung iſt, die geſetzgeberiſche, politiſche Seite der Probleme im
herrſchenden Lehrbetriebe nur eine ſehr beſcheidene Rolle ſpiele.
Wenn ſchon ſeit langer Zeit der Juriſtenſtand dem Vorwurfe der
Weltfremdheit ausgeſetzt ſei, ſo bedeute dieſer Vorwurf nichts
an=
deres, als daß dem Juriſten weithin der Sinn eben dafür
abhan=
den gekommen ſei, daß die Geſetze nicht um ihrer ſelbſt willen
da ſeien, ſondern die Aufgabe haben, vernünftigen
wirtſchaftlichen Zwecken zu dienen. Die Anſchauung,
als läge der volkswirtſchaftliche Zweck der Geſetze außerhalb des
eigentlichen Gebietes der Rechtswiſſenſchaft, verkenne aber des
weiteren, daß zu den Aufgaben des Juriſten keineswegs nur die
Rechtsanwendung und Rechtsauslegung gehören, vielmehr in
Wahrheit auch die Weiterbildung des Rechts. „Die
Rechts=
ordnung iſt ja nichts, was in allen Teilen ein= für allemal
feſt=
ſtünde. Auch abgeſehen von außergewöhnlichen Zeitverhältniſſen,
wie in der Gegenwart befindet ſich die Rechtsentwicklung in ſtetem
Fluß. Der wirtſchaftende Menſch iſt reſtlos auf
Verbeſſerung der Rechtsordnung bedacht, auf
deren Boden er lebt und arbeitet.
Gerade dieſe wichtigen Zuſammenhänge zwiſchen Wirtſchaft
und Recht werden in Böttchers Buche lichtvoll herausgeſtellt. Der
arbeitende Menſch muß in den heutigen ſo ungemein ſchwierigen
wirtſchaftlichen Verhältniſſen zumal auf den Gedanken eingeſtellt
ſein: Wie ſichere ich Familie, Vermögen und
Be=
trieb ? Ein ſolches Buch hat in dieſem weitſpannenden Rahmen
bisher gefehlt (Dr. Alfred Karger=Berlin hat vor dem Verfaſſer
nur die Zuſammenhänge zwiſchen Zivil= und Steuerrecht im
Erb=
recht aufgezeigt), und das vorliegende hat den großen Vorzug, daß
es gemeinverſtändlich geſchrieben dem
wirtſchaften=
den Individuum ſich als vorzüglicher Ratgeber in allen
ſchwierigen Fragen des Wirtſchaftslebens präſentiert, dieſes ſo in
die praktiſche Rechtsanwendung unſerer ſo viel veräſtelten
Geſetz=
gebung hinübergleitet und namentlich auch die ſteuerlichen
Aus=
wirkungen privatrechtlicher Dispoſitionen in den Kreis der
aus=
führlichen Erörterungen einbezieht.
Alles dies ſowie die ausgearbeiteten Muſter und Formulare,
die klar und überſichtlich gehalten ſind, laſſen die Hoffnung
be=
rechtigt erſcheinen, dieſe Frucht tiefgründigen Studiums möge
einen großen Leſerkreis finden. Juſtizrat Lindt in Darmſtadt.
Ap. Joſef Stern. Lebensbild eines Journaliſten von
Sieg=
fried Naſſauer. (Verlag Voigt und Gleiber, Frankfurt
a. M.) Die 34 Seiten umfaſſende Schrift gibt ein Lebensbild
des 1873—1902 als Redakteur der „Frankfurter Zeitung” tätig
geweſenen Dr. Joſef Stern aus perſönlichen Erinnerungen ſeiner
Freunde und Bekannten. Ueber das Perſönliche hinaus haben
journaliſtiſche Erlebniſſe innerhalb und außerhalb der Redaktion
und politiſche Reminiszenzen aus der Zeit, als die Demokratie
Bismaucks Politik bekämpfte, allgemeines Intereſſe. Die Schrift iſt
in erſter Linie den politiſchen Geſinnungsgenoſſen Dr. Sterns
ge=
widmet.
Sonntag, den 9. Auguſt 1931
Seite 3
Parole ihre
e ein Rechen
kannt, daß n
ſche Bedenten
in ſind. Me
ig auswirken
bürgerliche
Rundfunkredt
wirken. der
tark nach de
heinlich dau
die ſonſt u
daß Mi
Aufruf ſt
ſo Eneroie
ſen, und das
jerigkeie
n. mag nicht
lt, die
ſehr naht
Das Handwerk
zur Finanz= und Wirkſchaftskriſe.
Die Skellungnahme der Vorſtände.
Die Vorſtände des Deutſchen Handwerks= und
Gewerbekam=
mertages und des Reichsverbandes des Deutſchen Handwerks
tra=
ten am 5. Auguſt in Hannover unter dem Vorſitz von Präſident
Stadtrat Pflugmacher=Magdeburg zuſammen, um zu der
derzeitigen Wirtſchaftslage Stellung zu nehmen. Die Beratungen
wurden eingeleitet mit einem eingehenden Bericht von
General=
ſekretär Dr. Meuſch=Hannover, an den ſich eine lebhafte
Aus=
ſprache anſchloß. Die Stellungnahme der Vorſtände läßt ſich wie
folgt zuſammenfaſſen:
Die Wiederherſtellung des Zahlungsverkehrs wurde lebhaft
begrüßt, insbeſondere auch, daß nach der Ankündigung des
Reichs=
kanzlers in ſeiner Rundfunkrede vom 4. Auguſt die letzten
Bin=
dungen für die Sparkaſſen in kürzeſter Friſt fallen werden. (Was
inzwiſchen geſchehen iſt. Die Schriftltg.) In der Ausſprache wurde
auch ausführlich auf die Wirkungen der Notverordnungen über die
Regelung des Zahlungsverkehrs auf die Lieferungs= und
Zah=
lungsbedingungen des Handwerks im Verkehr mit den
Lieferan=
ten und der Kundſchaft eingegangen und in Ausſicht genommen,
ſoweit durch die inzwiſchen erfolgte Lockerung eine
Wiederher=
ſtellung der früheren Bedingungen noch nicht eingetreten iſt, mit
den Spitzenverbänden der Wirtſchaft und der Reichsregierung
er=
neut hierüber zu verhandeln. Es wurde ferner betont, daß ſich
die für die Kreditverſorgung der Wirtſchaft in
Frage kommenden Inſtitute wieder in erſter
Linie den Aufgaben zuwenden ſollen, die von
ihnen in der Vorkriegszeit durchgeführt
wur=
den, daß alſo die Sparkaſſen ſich in erſter Linie
der Pflege des Realkredits wieder widmeten.
Maßnahmen, die von einer inflatoriſchen Wirkung begleitet ſein
könnten, wurden grundſätzlich abgelehnt. Zu der Frage der hohen
Verzugszuſchläge für Steuerrückſtände ſind Verhandlungen mit
dem Reichsfinanzminiſterium in Ausſicht genommen worden, um
kleinere rückſtändige Steuerbeträge von den hohen Zuſchlägen zu
befreien.
Hinſichtlich der für die Wiederherſtellung des Vertrauens zu
ergreifenden Maßnahmen auf weite Sicht wurde Bezug
genommen auf die von den handwerkerlichen Spitzenverbänden
ge=
faßte Entſchließung vom 8. November 1930. Dieſe Entſchließung
legt ausführlich dar, daß die wirtſchaftliche und politiſche Lage
des deutſchen Volkes eine endliche grundſätzliche
Wand=
lung der bisherigen Methoden der deutſchen
Fi=
nanz= und Sozialpolitik in ihrer Wirkung auf die
deutſche Wirtſchaft dringend erfordert. Durch entſchloſſene
und zielbewußte Zuſammenfaſſung aller Kräfte
muß die Steigerung der Producktivität der Geſamtwirtſchaft
er=
ſtrebt werden, die zur endgültigen Befreiung des
deutſchen Volkes durch Arbeit und Leiſtung
uner=
läßlich iſt. Dabei iſt der Bedeutung der auf
verantwortungs=
bewußten Perſönlichkeiten beruhenden Wirtſchaftsführung des
gewerblichen Mittelſtandes für die Geſamtwirtſchaft und
Volks=
gemeinſchaft weit mehr als bisher Rechnung zu tragen.
Für den notwendigen Umbau im Innern muß die dringend
erforderliche Verwaltungsreform endlich ihrer Verwirklichung
ent=
gegengeführt werden. Auf wirtſchaftspolitiſchem Gebiet iſt jeder
überflüſſige Zwang für die Wirtſchaft zu beſeitigen und ihr für die
Steigerung ihrer Leiſtungsfähigkeit größtmöglichſte Freiheit zu
geben. Insbeſondere wurde die baldige Aufhebung der
Wohnungszwangswirtſchaft für unerläßlich bezeichnet.
Beſtehende Bindungen für Preis und Löhne ſind
gleich=
falls einer ernſten Prüfung zu unterziehen. Die zu
führende Sozialpolitik darf an der
Leiſtungs=
fähigkeit der Wirtſchaft nicht achtlos
vorüber=
gehen. Die Steuerpolitik muß auf eine gerechte
Laſtenverteilung Rückſicht nehmen und darf die
Möglichkeit der Kapitalbildung nicht
unterbin=
den. Mit der Neuregelung des Finanzausgleichs darf keine
Ver=
ſchiebung der Laſten zuungunſten des gewerblichen Mittelſtandes
verbunden werden, vielmehr muß ſeine Durchführung von einem
weſentlichen Laſtenabbau begleitet ſein. Es wurde beſchloſſen, zu
dieſer Frage eine ausführliche Denkſchrift auszuarbeiten, bei der
die übrigen mittelſtändiſchen Gruppen zur Mitarbeit
herange=
zogen werden ſollen.
Die Vorſtände des Kammertages und Reichsverbandes wieſen
auch darauf hin, daß die Reparationslaſten angeſichts der
inzwi=
ſchen eingetretenen Entwicklung völlig untragbar geworden ſind.
Auch hier läßt ſich eine durchgreifende Reviſion der
außenpoli=
tiſchen Bindungen nicht länger mehr aufſchieben.
Die Vorſtände bedauerten lebhaft, daß in dieſer
Zeit, die ein Zuſammenſtehen aller Wirtſchaftsgruppen gebietet,
der Reichslandbund beabſichtigt, durch die
Ver=
pflichtung ſeiner Mitglieder zur Einhaltung
von Mindeſtpreiſen zum Schaden des Handwerks
und der übrigen Volksteile den freien
Wett=
bewerb auszuſchalten. Dieſe mangelnde Rückſicht auf die
Schickſalsverbundenheit aller Wirtſchaftsſtände wirft die Frage
auf, ob die durch hohe Zölle bislang erfolgte Subventionierung
der Landwirtſchaft weiterhin aufrecht erhalten werden kann.
Der von den Spitzenvertretungen des Handwerks dem
Reichs=
kanzler unterbreiteten Bitte, bei allen Maßnahmen, die in der
Reichsregierung für die Ueberwindung der Wirtſchaftskriſe
vor=
bereitet werden, einen ſachverſtändigen Vertrauensmann der
mittelſtändiſchen Wirtſchaft zu beteiligen, wurde zugeſtimmt. Nach
Rückkehr des Reichskanzlers von ſeiner Romreiſe wird dieſem die
Auffaſſung des Berufsſtandes zur Lage in mündlichee Ausſprache
noch einmal ausführlich dargelegt werden.
Maßnahmen zur Sinanzierung der Ernte.
Skaakliche Roggen-Magazinierung und Roggen=Auskanſchexpork. — Auskauſcherpork und Vermahlungsgnoke
für Weizen. — Beſchleunigte Ingangſehung des Lagerſcheinweſens und zinsmäßige
Sonderbehandlung der Ernkebewegungsmikkel für Gekreide.
Die Maßnahmen der Reichsregierung.
Auch ohne übereilte Mobiliſierung der Ernke
flüſſige Mikkel für die Landwirkſchaft.
Berlin, 8. Auguſt.
Amtlich wird mitgeteilt:
Die vom Reichskabinett gebilligten Maßnahmen zur
Bewe=
gung und Finanzierung der Ernte beziehen ſich bei Roggen auf die
ſtaatliche Magazinierung und den Austauſchexport, bei Weizen auf
den Austauſchexport und die Vermahlungsquote, bei Getreide
all=
gemein auf die beſchleunigte Ingangſetzung des Lagerſcheinweſens
und die zinsmäßige Sonderbehandlung der
Erntebewegungs=
mittel.
Angeſichts der Roggenverſorgungslage, die im
Gegenſatz zum Vorjahre keinen Ueberſchuß der heimiſchen
Produk=
tion gegenüber dem Normalbedarf aufweiſt, ſind die Maßnahmen
auf dem Roggengebiet in erſter Linie auf die Ueberwindung des
Saiſondrucks abgeſtellt, zumal infolge der Geld= und
Kreditknapp=
heit und =unſicherheit mit verſtärkter Rückforderung von Krediten
von ſeiten der Gläubiger und mit weitgehender Zurückhaltung der
aufnehmenden Hand gerechnet werden muß. In Ausſicht
genom=
men iſt die Magazinierung von einigen 100 000
Tonnen Roggen, die bis zum Abebben des Saiſondruckes,
alſo je nach der Markt= und Verſorgungslage etwa bis zum
Früh=
jahr gelagert werden ſollen, um alsdann wieder dem Konſum
zu=
geführt zu werden. Es handelt ſich nicht um eine
Preisſtützungs=
aktion im Sinne der vorjährigen Maßnahmen, die darauf
abziel=
ten, in Verbindung mit der Eoſinierung überſchüſſige
Markt=
mengen anderen Verwendungszwecken zuzuleiten. Es handelt
ſich vielmehr um eine Magazinierung ſaiſonmäßig
überſchüſſiger Roggenmengen. Ferner iſt die
För=
derung des Exports mit dem Ziele des ſpäteren Reimports
und des qualitätsmäßigen Austauſches gegen höherwertigen, für
Spezialzwecke bevorzugten ausländiſchen Roggen beabſichtigt.
Auch beim Weizen ſind die beabſichtigten Maßnahmen in
erſter Linie auf die Ueberwindung des Saiſondruckes eingeſtellt,
da auch hier die Verſorgungslage, für das geſamte Jahr geſehen,
ſogar noch einen Zuſchußbedarf von verhältnismäßig geringem
Umfange erforderlich machen wird. Beim Weizen ſind die
Aus=
tauſchmöglichkeiten von deutſchem Weichweizen gegen
aus=
ländiſchen Hartweizen in hinreichendem Umfange gegeben. Die
Vermahlungsquote iſt für das ganze
Wirtſchafts=
jahr auf97 Prozent bemeſſen. Mit dem Erlaß der
ent=
ſprechenden Verordnungen für die Zollregelung und für die
Feſt=
ſetzung des Vermahlungszwanges iſt in den nächſten Tagen zu
rechnen.
Um das Lagerſcheinweſen beſchleunigt in Gang zu
ſetzen, iſt zunächſt die Deutſche
Getreidehandels=
geſellſchaft im Notverordnungswege
ermäch=
tigt worden, indoſſable Lagerſcheine
auszu=
geben und das angelieferte Getreide auf Sammellager zu
neh=
men. Nach Auffaſſung maßgeblicher Bankkreiſe iſt für derartige,
gegen die Gefahr des Einfrierens geſicherte und durch Waren
ge=
deckte Anlagemittel mit beſonderem Intereſſe am Geldmarkte zu
rechnen. Die Entwürfe für ein allgemeines Lagerſcheingeſetz und
für die Standardiſierungsvorſchriften für Getreide liegen zur
be=
ſchleunigten Verabſchiedung im Reichswirtſchaftsrat. Endlich iſt
eine ſehr fühlbare zinsliche Erleichterung für die
der Erntefinanzierung dienenden Mittel von
Reich und Reichsbank in ausreichendem Umfange ſichergeſtellt. Die
hierfür notwendigen Reichsmittel ſind etatsmäßig vorhanden.
Dieſe Maßnahme in Verbindung mit der beſchleunigten
Ingang=
ſetzung des Lagerſcheinweſens wird die Landwirtſchaft in die Lage
verſetzen, ſich auch ohne übereilte Mobiliſierung der Ernte flüſſige
Mittel zu beſchaffen.
Die Nolverordnnng
über das Gekreidelagerſcheinweſen.
Berlin, 8. Auguſt.
Das Reichsgeſetzblatt veröffentlicht nunmehr den Wortlaut
der Verordnung des Reichspräſidenten zur Erleichterung der
Erntebewegung vom 6. Auguſt 1931. Die Verordnung lautet:
Auf Grund des Artikels 48, Abſ. 2 der Reichsverfaſſung wird
verordnet:
8 1.
Soweit die deutſche Getreidehandelsgeſellſchaft mit
beſchränk=
ter Haftung in Berlin gewerbsmäßig die Lagerung und
Aufbe=
wahrung von Getreide übernimmt, gelten die folgenden, von den
allgemeinen geſetzlichen Beſtimmungen abweichenden Vorſchriften:
Die Deutſche Getreidehandelsgeſellſchaft iſt nach Maßgabe der
auf Grund von § 3 zu treffenden Beſtimmungen
1. ermächtigt, Lagerſcheine auszuſtellen, die durch
Indoſſe=
ment übertragen werden können;
2. Zur Vermiſchung des bei ihr eingelagerten Getreides
be=
fugt, wenn es ſich um Getreide derſelben Art und Güte handelt,
ſofern der Einlagerer nicht Einzelagerung verlangt hat. Soweit
für das Getreide eine geſetzliche Handelsklaſſe eingeführt iſt,
er=
ſtreckt ſich die Befugnis zur Vermiſchung nur auf Getreide
derſel=
ben Handelsklaſſe und Gütegruppe. Das Getreide, das hiernach
vermiſcht werden darf, ſteht vom Zeitpunkt der Einlagerung ab
den Eigentümern der eingelagerten Getreidemengen mit
Eigen=
tum nach Bruchteilen zu. Die Bruchteile beſtimmen ſich nach dem
Verhältnis der von jedem Einlagerer eingelagerten Menge zu
den Mengen, die ſämtliche Einlagerer in den Lagerräumen der
Deutſchen Getreidehandelsgeſellſchaft eingelagert haben. Das
Miteigentum erſtreckt ſich auf die Getreidemengen, die von der
Deutſchen Getreidehandelsgeſellſchaft erſatzweiſe eingelagert
wor=
den ſind.
8 2.
Soweit die Deutſche Getreidehandelsgeſellſchaft Getreide für
eigene oder fremde Rechnung kauft oder gekauft hat, hat ſie es
von dem Getreide, das ſie als Lagerhalter aufbewahrt, getrennt
zu halten.
8 3.
Der Reichsminiſter für Ernährung und Landwirtſchaft wird
ermächtigt, für die Durchführung der Lagergeſchäfte der deutſchen
Getreidehandelsgeſellſchaft nähere Beſtimmungen zu treffen,
ins=
beſondere eine Lagerordnung aufzuſtellen und Vorſchriften über
Form und Inhalt der Lagerſcheine zu erlaſſen. Er hat die zur
Ueberwachung der Lagergeſchäfte der Deutſchen
Getreidehandels=
geſellſchaft erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Er kann
ins=
beſondere beſtimmen, daß zur Durchführung dieſer Lagergeſchäfte
eine beſondere Abteilung bei der Deutſchen
Getreidehandelsgeſell=
ſchaft errichtet wird.
8 4.
Die Reichsregierung wird ermächtigt, zu beſtimmen, daß die
Vorſchriften im 8 1. Nr. 2 auch auf andere Lagerhalter Anwendung
finden. Sie kann ferner für dieſe Lagerhalter Vorſchriften nach
Maßgabe des § 3 treffen.
8 5.
Die Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündigung in
Kraft.
Heſſiſches Landeskheaker.
Sommerſpielzeit Bruno Harprecht.
Kleines Haus. — Samstag, den 8. Auguſt 1931.
Erſtaufführung des Schwank=Schlagers
Das öffenkliche Aergernis.
Schwank in drei Akten von Franz Arnold.
Mit dieſer letzten Schwank=Neuheit ſeines diesjährigen
Sommerſpielplans ſchlägt Bruno Harprecht ſich ſelbſt, ſoweit es
ſein Repertoire anbelangt. Das iſt das Tollſte, Heiterſte,
Ko=
miſchſte, was irgend an neuen Schwankwerken bekannt iſt. Aus
„Dunkler Punkt”, Spaniſche Fliege” und einem Dutzend
ähn=
licher Stücke eine Miſchung derart, daß aus allen nur das
Ur=
komiſche herausgenommen und aus dieſen Pointen ein Neues
gemixt wurde, das iſt „das öffentliche Aergernis”, mit welcher
uſtigen Angelegenheit, die Lachſalven durch das Kleine Haus
gleich Maſchinengewehren knattern läßt, will Bruno Harprecht
uns wohl den Abſchied von ſeinem in jeder Hinſicht
ausgezeich=
beten Sommertheater ſchwer machen. Er erreicht das! Seine
Funſt hat es glänzend verſtanden in dieſer trübſten aller
trau=
ligen Zeitläufte uns das Einzige zu geben, was über die
furcht=
dare Not hinweghelfen kann, befreiendes, vergeſſen machendes
Lachen! Das ſei ihm gedankt! Und es ſei ihm gedankt,
daß er die Wochen hindurch es verſtanden hat in ſeinem Spiel=
Pan immer noch Steigerungen zu bringen bis zum letzten beſten
Schluß. Und daß er und ſein ausgezeichnetes Enſemble ſich
auch durch leere Reihen nicht die Laune am Spiel verderben
ließen, immer mitreißend heiter und animiert ſpielten, und ſo
ausnahmslos Vorſtellungen herausbrachten von darſtelleriſch
beſtem Niveau. —
Auch die letzte Neuheit, die gleich eine ganze Reihe
Bombenrollen aufmarſchieren läßt. Die beiden
Harpr=
zunächſt, Onkel und Neffe. Von einer Herzlichkeit und Ror
im Spiel, die nur noch durch die Komik in der Ausnut
der Situationen übertroffen wird. — Dann aber Anja S
die mit ihrem echt negrilen Temperament als bildhübſche, ebe
Aiaziöſe wie ſtürmiſch=gelenkige Negertänzerin Blaker Stü
der Heiterkeit entfeſſelte und ihre Rolle völlig in den Mi
Punkt der Aufführung ſtellte! — Egon Clauder dann,
gräſſereiner Raſſenforſcher” urkomiſch auch in der Maske
Frieda Eichelsheim als „alter General”! Köſtlick
Mer derb=komiſchen Schneidigkeit. Hilde Gundlach
Richte Helma charmant und flott, queckſilbrig und doch gedi
in der Verkörperung der modern gewordenen Ariſtokratentochter,
und Lilli Füchſel glänzend in der Schnoddrigkeit der
Ber=
liner Range und Lebedame. In kleineren Rollen ſehr gut
Annelieſe Hartnack und Fritz Lotz.
Die Regie war eine rechte und dankbare Aufgabe für Bruno
Harprecht, deſſen Laune und Spielvorbild das ganze
En=
ſemble wieder lebendig durchpulſte. Ein voller, ein toller
*.*
Erfolg!
Orphenm.
„Liebe — unmodern” iſt ein Gaſtſpiel des Kleinen
Theaters Berlin, und die gepflegteſte, routinierteſte und
geiſt=
reichſte Theateraufführung, die man ſeit langem im Orpheum ſah.
„Liebe — unmodern” iſt zugleich die Anſicht des Generaldirektors
Frank, der in jedem Frühjahr ſich durch ein Inſerat eine
Beglei=
terin für ſeine Erholungs= und Vergnügungsreiſe ſucht und auch
diesmal (kein Wunder bei Chiffre: 5000 Mk.) Dutzende von
An=
geboten erhält. Da bringt ihn ſein Freund und Mitarbeiter
Camill unfreiwillig auf die Idee, ſeine Privatſekretärin Thea
aufzufordern. Der nämlich weiß, daß Thea Frank ſeit Jahren
liebt; daß ſie ein derartiges Anerbieten entrüſtet ablehnen wird,
ſteht für ihn feſt. Aber es kommt anders, die ſchöne, kühle Thea
nimmt den Vertrag an und nun könnte ſich alles progammäßig
entwickeln, und man fragt ſich unwillkürlich, was die weiteren
Akte noch bringen können. In Wirklichkeit iſt dies erſt der
An=
fang der entzückenden Handlung, und was ſich nun zwiſchen
den drei Menſchen abſpielt, iſt mit allen Wendungen und
Ge=
fühlskurven ſo überraſchend und unterhaltend, daß man durch
einen Bericht nur den unwichtigen Kern enthüllte. Denn wichtig
iſt hier allein die Schale, die Einkleidung der Handlung in
pſycho=
logiſch feine Beobachtungen, in witzigen kurvenreichen Dialog,
in ſehr pointenreiche Auseinanderſetzungen. Das Ganze wird mit
routinierter Sicherheit und pſychologiſcher Feinheit geſpielt: Grete
Reinwald eine blonde Miſchung von (ſcheinbar) berechnender
Kühle und reizvollſtem Temperament, Will Kaufmann ein
realiſtiſcher Frauenkenner, den hier verſchiedene Rätſel der
weib=
lichen Seele in ärgerliche Verlegenheit bringen, Heinz
Kluber=
tanz ein netter, ſympathiſcher Kerl, den ſeine unglückliche Liebe
nicht um die Anſtändigkeit ſeiner Geſinnung und Handlungen
bringt. — Wer ſtatt derber Komik oder gewaltſam
herbeige=
zogener Pikanterie wieder einmal ein wirklich entzückendes, unter”
haltendes, erſtklaſſig geſpieltes Luſtſpiel ſehen will, hat hier die
*
ſchönſte Gelegenheit.
Das neueſte Heft des „Heimatdienſt” iſt der finanzpolitiſchen
Kriſe Deutſchlands gewidmet. Hervorragende Fachleute bemühen
ſich, die äußerſt ſchwierigen Fragen, die während der Iotzten
Wochen das deutſche Schickſal beſtimmten, eindringend, aber
all=
gemeinverſtändlich zu behandeln. Der Präſident des Statiſtiſchen
Reichsamtes, Profeſſor Dr. Ernſt Wagemann, ſchreibt über die
Probleme der Auslandsverſchuldung”; der frühere
Staats=
ſekretär Prof. Dr. Auguſt Müller behandelt. Währung und
Wirt=
ſchaft”; Prof. Dr. W. Prion unterſucht das Weſen der „
Kapital=
flucht und der Auslandskredite”, während der Preußiſche Miniſter
Dr. Walther Schreiber. Die Wege zur Ueberwindung der Kriſe‟
aufzeigt. Für weite Kreiſe wird es außerdem beachtlich ſein,
daß das Heft des „Heimatdienſt” auch noch einen „Führer”
durch die Notverordnungen enthält.
Zeitſchrift für Pilzkunde, Organ der Deutſchen
Geſell=
ſchaft für Pilzkunde, Darmſtadt. Redigiert,
heraus=
gegeben und verlegt von Fr. Kallenbach, Darmſtadt, unter
Mitwirkung von Hochſchulprofeſſor Dr. Killermann. Druck L. C.
Wittich, Darmſtadt. 15. Band. Heft 3, 1931, 32 Seiten, 5
Kunſt=
tafeln. Jährlich 8,50 Mk.
Das neue Heft der Zeitſchrift für Pilzkunde bringt neben
ſeinen vielſeitigen Aufſätzen wieder 5 gute Kunſttafeln. Die
ſchönſte Naturaufnahme dieſes Heftes iſt die alte Rieſenbuche aus
dem Bayeriſchen Wald mit den vielen Zunderſchwämmen. Ueber
die Verwendung des Zunderſchwammes und ſeine
kulturgeſchicht=
liche Bedeutung berichtet das Auguſtheft. Vor der gefährlichen
Frühjahrs=Lorchel warnen 2 Aufſätze von Prof. v. Teodorowicz,
Poſen, und Dr. Lentz, Bern, ebenſo die verkleinerte Wiedergabe
der großen Bunttafel dieſes Pilzes. Beſonderes Intereſſe erweckt
eine Vergiftung mit einem Champignon von der
Garchinger Heide bei München (E. Soehner). Dieſe giftigen
Champignons machten ſich ſchon durch ihren Karbolgeruch
bemerkbar. Zwei Aufſätze von Dr. Neuhoff über die
Gallert=
pilze und von Studienrat Schäffer, Potsdam, über die
Tähub=
lingsſpore dienen der Förderung der bereits vorgeſchrittenen
Pilzfreunde. Daß Pilze des afrikaniſchen Meeresſtrandgebietes,
der Oſtſeeküſte uſw. auch auf den Binnendünen der oberrheiniſchen
Tiefebene vorkommen, beweiſen die Forſchungs=Ergebniſſe von F.
Kallenbach in der bebilderten Arbeit, Sandpilze unſerer
deutſchen Binnendünen”. — Markthalleninſpektor
Borr=
mann in Chemnitz gibt einen anregenden Beſichtigungs=Bericht
über eine Champignonzucht. — Zwei Pilz=
Merk=
blätter, die koſtenlos zur Verfügung ſtehen, dienen der
Ver=
breitung der volkstümlichen Pilzkenntniſſe durch die
Tagespreſſe. Insbeſondere wird aufmerkſam gemacht auf die
Heſſiſche Landesſtelle für Pilz= und
Haus=
ſchwamm=Beratung (Mykologiſches Inſtitut der Deutſchen
Geſellſchaft für Pilzkunde Darmſtadt). Leider wird noch nicht
genügend Wert auf die Zuziehung eines botaniſchen
Sach=
verſtändigen gelegt bei den geringſten Anzeichen von
Feuch=
tigkeit, Holzzermürbungen uſw. in den Häuſern. Insbeſondere bei
dem Erwerb von Gebäuden ziehe man neben dem
Bauſachverſtän=
digen einen mykologiſchen Fachmann zu Rat. Zur Warnung vor
dem gefährlichſten Holzzerſtörer erſcheint in Kürze eine bunte
Hausſchwamm=Wandtafel, die in den Schulen, bei den
Baufach=
leuten, bei Architekten, Zimmerleuten, Schreinern uſw. aufs beſte
der Volksaufklärung dienen wird.
Seite 4
Sonntag, den 9. Auguſt 1931
Nummer 219
11676
Die Offenſive gegen die Preſſe.
Die großen Einkommen.
Vor neuen Sparmaßnahmen der Reichstegierung.
Aebergriffe der preußiſchen Polizeiverwaltungen. — Vorzenſur. — Zeilungsverboke.
Am die Brefſefreiheit.
* Das Eingreifen des Reichspräſidenten hat bereits dazu
ge=
führt, daß man im Reichsinnenminiſterium die Vertreter der
deutſchen Preſſe gehört und ſich ſchon ernſthaft darauf vorbereitet
hat, dem Kanzler nach ſeiner Rückkehr aus Rom den Entwurf
über die Aenderung der Preſſenotverordnung vorzulegen
In=
zwiſchen ſind, aber die preußiſchen Polizeibehörden
zu einer Offenſive gegen den Reſt der noch
be=
ſtehenden Preſſefreiheit übergegangen. Aus den
verſchiedenſten Teilen des Preußenlandes laufen Nachrichten
zu=
ſammen, die davon ſprechen, daß die Polizei bereits eine Art
Vorzenſur eingerichtet hat. In einem Falle iſt ſogar
gefor=
dert worden, daß der Inhalt einer Sonntagsausgabe der Polizei
bekannt gegeben wird, obwohl die bekannte Kundgebung bereits
in der Freitagsnummer erſchien.
An Berliner amtlichen Stellen wird dazu erklärt, daß es
ſtch um bedauerliche Uebergriffe der
Polizeiver=
waltungen handelt, und daß offenbar in einem Falle der
Regierungspräſident die Landratsämter und Polizeipräſidenten
nicht genau über die Notverordnung informiert habe. Dadurch
wird natürlich der angerichtete Schaden nicht wieder gutgemacht.
Sollte bereits am Montag die Preſſenotverordnung weſentlich
geändert werden, dann darf man wohl die Frage ſtellen, ob die
inzwiſchen ergangenen Zeitungsverbote auf Grund der
urſprünglichen Faſſung der Notverordnung aufrecht erhalten oder
rückgängig gemacht werden. Recht intereſſant iſt aber, daß man
in Berlin davon Abſtand genommen hat, eine Zeitung, die die
Kundgebung nicht erhalten und infolgedeſſen auch nicht
veröf=
fentlicht hat, nachträglich zu zwingen, den Abdruck doch noch
vor=
zunehmen. Uns will ſcheinen, als ob in der preußiſchen
Ver=
waltung doch manches drunter und drüber geht, denn ſonſt wäre
es nicht möglich, draußen im Lande die kleinen Zeitungen mit
polizeilichen Maßnahmen zu bedrohen und in der
Reichshaupt=
ſtadt einen nicht erfolgten Nachdruck der Kundgebung völlig
un=
beachtet zu laſſen.
Aber auch nach einer andern Richtung iſt eine ſcharfe Kritik
am Platze. Die Reichsregierung beklagt ſich immer wieder
dar=
über, daß namentlich die linksgerichtete Berliner
Senſations=
preſſe in großer Aufmachung Meldungen über bevorſtehende
Un=
ruhen bringt. Das hat zur Folge gehabt, daß man im Ausland
unruhig wurde. Eben erſt hat ein Geſandter einen Bericht an
das Auswärtige Amt geſchickt, in dem er ſagt, daß er immer
wie=
der gefragt werde, ob es war ſei, daß in Deutſchland bereits
chaotiſche Zuſtände herrſchten und ausländiſche Reiſende bedroht
würden. Von Rechts wegen wäre es Pflicht der preußiſchen
Regierung, die noch beſtehende Preſſenotverordnung gegen dieſe
Senſationsmacherei in Bewegung zu ſetzen.
Statt deſſen hat der Berliner Polizeipräſident in der
zwei=
ten Wochenhälfte ſich über die polizeilichen Vorbereitungen in
einer Weiſe geäußert, die doch allerſchwerſte Bedenken auslöſen
muß. Er ſprach von Panzerwagen und von einer Bewaffnung
der Polizei mit Karabinern, ließ alſo den Eindruck aufkommen,
als ob der 9. Auguſt ſchwere Auseinanderſetzungen zwiſchen den
radikalen politiſchen Parteien auf der einen und der Polizei auf
der anderen Seite bringen würde. Es ſieht faſt ſo aus, als ob
die preußiſchen Polizeibehörden aus Trotz gerade das tun, was
nicht im Intereſſe der Reichspolitik liegt.
Die Preſſe wehrt ſich.
Bei der Abwehr gegen den Angriff der preußiſchen
Regie=
rung bezüglich der Preſſefreiheit ſind die Zeitungen auf die
verſchiedenartigſten Wege der Abhilfe verfallen. Eine
beſon=
ders beweiskräftige Art, die Regierung ad absurdum zu führen
hat die Kieler Zeitung gewählt. Sie druckt an der Spitze des
Blattes die Kundgebung der Staatsregierung pflichtgemäß ab,
läßt dann aber den Reſt der erſten Seite ſowie die geſamte
zweite Seite als weißes Papier laufen und bemerkt am Schluſſe,
daß ſie nach der Preſſenotverordnung gezwungen ſei, die
Kund=
gebung der preußiſchen Regierung an der vorgeſchriebenen erſten
Stelle zu veröffentlichen, daß ſie aber auf ihren eigenen
poli=
tiſchen Teil in dieſer Ausgabe deshalb verzichtet.
Die Reichsarbeitsgemeinſchaft der Deutſchen Preſſe
forderk Aufhebung der Preſſenokverordnung.
Die Reichsarbeitsgemeinſchaft der Deutſchen Preſſe teilt mit:
Die Anwendung der Preſſenotverordnung vom 17. Juli 1931
hat den Beweis erbracht, daß die Verordnung nicht das geeignete
Mittel zur Bekämpfung politiſcher Ausſchreitungen in der Preſſe
iſt. Die Bedenken und die Kritik, welche in der Kundgebung der
Reichsarbeitsgemeinſchaft der Deutſchen Preſſe vom 18. Juli
aus=
geſprochen worden ſind und die dem Reichsminiſter des Innern
am gleichen Tage zur Kenntnis gebracht wurden, haben ſich leider
in vollem Umfange als berechtigt erwieſen.
Das Präſidium der Reichsarbeitsgemeinſchaft der Deutſchen
Preſſe hat daher heute erneut in einer Ausſprache mit dem
Reichs=
innenminiſter die ſofortige Aufhebung der Notverordnung
gefor=
dert. Da die Reichsregierung die ſofortige Aufhebung nicht in
Ausſicht ſtellen konnte, hat das Präſidium der
Reichsarbeits=
gemeinſchaft der Deutſchen Preſſe auf Wunſch des
Reichsinnen=
miniſters Anregungen für eine grundlegende Umgeſtaltung der
Notverordnung gegeben unter ausdrücklicher Wahrung des
Stand=
punktes, daß die Notverordnung aufzuheben iſt.
Der Reichsinnenminiſter hat zugeſagt, bei der
Kabinettsbera=
tung über die Abänderung der Notverordnung die Anregungen
der Reichsarbeitsgemeinſchaft zu verwerten. Die Entſcheidung
über das Ausmaß der Aenderungen ſoll am kommenden Montag
getroffen werden.
tiſchen Erfolge die Reichsregierung mit ihren Verſuchen gehabt
hat, die hohen Penſionsinhaber zu einem freiwilligen Verzicht
auf einen Teil ihrer Bezüge zu veranlaſſen. Es ſcheint aber,
daß die Erfolge den Hoffnungen nicht ganz entſprochen haben,
Jedenfalls wird in politiſchen Kreiſen neuerdings angedeutet.
daß die Regierung ſich überlegt, wieweit ihr
ge=
ſetzliche Handhabe zu einem Eingreifen zur
Verfügung ſtehen.
Die Zahl der in Frage kommenden Perſönlichkeiten iſt ja
nicht ſonderlich groß. Der rechneriſche Ertrag einer ſolchen
Einſparung ſchlägt auch nicht allzuſehr ins Gewicht. Aber es
iſt unverkennbar, daß phyſiologiſch in einer Zeit der Arbeits=
und Erwerbsloſigkeit derartige Rieſenpenſionen wie die des
Herrn Böß mit 28000 RM. — und es gibt Penſionen, die
noch höher liegen= — einen ſehr peinlichen Eindruck machen.
Daher auch die Bemühungen der Reichsregierung,
auf die Städte einzuwirken, um ſie zu größter
Sparſamkeit bei den Gehältern zuerziehen. Die
Einkommen mancher Oberbürgermeiſter
über=
ſchreiten weit den Rahmen des in Notzeiten
Tragbaren. Die Städte ſind auch nach der Auffaſſung des
Reichskabinetts mit der Einſtufung ihrer Beamten recht
groß=
zügig geweſen und in Regierungskreiſen trägt man ſich mit dem
Gedanken, ſie aufzufordern, ſich nach dem Muſter des Reiches
zu richten.
Aber die Abſichten der Regierung gehen offenbar
noch weiter. Sie will wenigſtens den Verſuch machen, auch
an die Privatwirtſchaft heranzukommen und die
Spitzengehälter von Hunderttauſenden, die in einzelnen
Groß=
betrieben gezahlt werden, gründlich zu beſchneiden. In welcher
Form das geſchehen kann, ob dazu der Weg einer
Notverord=
nung überhaupt gangbar iſt oder der Plan bis zum
Reichs=
tagsbeginn zurückgeſtellt werden ſoll, ob Muß=Vorſchriften
gel=
ten oder den einzelnen Geſellſchaften nur eine Handhabe zum
Abbau der namhaften Gehälter geeben werden ſoll, darüber
ſind ſich die Juriſten noch nicht ganz einig. Das Problem iſt
vielleicht auch nicht ganz ſo einfach zu löſen, aber der Verſuch
iſt dankenswert und notwendig. Es iſt in jüngſter Zeit davon
geſprochen worden, daß ein Wirtſchaftsführer, dem
ein leitender Poſten in der Regierung
angebo=
ten war, abgelehnt hat, weil er auf die Differenz
eines Miniſtergehalts von vielleicht
hochgerech=
net 25 000 RM. und ſeinem augenblicklichen
Ein=
kommen von 600 000 RM. nicht glaubt verzichten
zu können. Niemand wird leugnen, daß hier ein arges
Miß=
verhältnis vorliegt, und daß in einem verarmten Volk auch der
Tüchtigſte doch mit einem Einkommen von über einer halben
Millione überbezahlt iſt.
* Berlin, 8. Auguſt. (Priv.=Tel.)
Man hat bisher noch nichts darüber gehört, welche prak=
Handtücher, io em lans
drei bervorragende Oualitäten,
Gerstenkorn, Waffeltuch, halbleinen Drell
Crekonne, 80 cm
schwere westfälische Ware .... . .
Renforcé, 80 cm
feinfädiges Gewebe . . . .
Ripsdecke, toKt50 cm
indanthren, moderne Farbstellungen .
Mako, s0 cm
rein ägyptisches Material.
Haustuch, 150 cm
solide Bettuchware . . . . . . . . .
Halbleinen, 150 cm
solide Bettuchware . . . . . . . . . . . .
1n4
Mako-Damast, 130 m
elegante haltbare Ware, gestreift oder
ge-
blämt . . . .
....
A
Mako-Pamast, 160 cm
elegante seidenglänzende Ware . . .
II0
Stt
Sastt
Saat
Frottierhandtücher
aus schwerem Frotté, Jacguard mit Borde,
besonders empfehlenswerte Oualität, 50/100
gerhemden
mit Stickerei-Motiv, ringsum Klöppelspitze
und Hohlsaumträger . . . .
Trägerhemde
aus solidem Cretonne, vorne Stickerei-Motir
und chinesischer Klöppelgarnierung, Rücken
und Träger mit Okispitze ... . . .
m
TZU
kaulen, denn
Sie Sind
Lach
2
geptüft!
G
Achselhemden
aus kräftigem Cretonne, breiter Stickerei-
Garnierung . . . . . . . . . . . ....
Nachthemde
mit langem Arm, Kragenform mit farbigem
Besatz.
Kissenbezüge
aus Linon mit Madeirabogen, sehr billig.
Kissenbezüge
aus gutem Linon mit Kunstseiden-Motiv in
weiß und grau, besonders preiswert.
Kissenbezüge
aus sehr gutem Linon mit Madeirabogen und
Fältchengarnierung .
Paradekissen
besonders schöne feinfädige Linon-Onalität
mit Stoffvolant und breiter Klöppelspitze,
Hohlsaum und Klöppeleinsatz
Bettuch
aus schwerem Haustuch mit Hohlsaum
150/250
..
einer halben
Zu den Waſſerballſpielen um die
Weſt=
zutſche Deutſche=Turnerſchaft=Meiſterſchaft
eten heute vormittag im Großen Woog die Mannſchaften des
irn= und Sportvereins 1859 Eſſen, Schwimmverein
Iſerlohn=
bleddenhofen und der Turngemeinde Darmſtadt 1846 an. Wir
grüßen insbeſondere die auswärtigen Gäſte aus Rheinland und
eſtfalen und hoffen, daß ihnen der kurze Aufenthalt in
Darm=
dt in angenehmer Erinnerung bleiben möge. Den Spielen
bſt wünſchen wir den beſten Verlauf. Die Spielzeiten ſind
feſt=
ſetzt auf 8,30 Uhr vorm., 10 Uhr und 11,30 Uhr vorm. Die
egner werden vorher ausgeloſt. Mit Rückſicht auf die niedrigen
intrittspreiſe wird der Beſuch dieſer ſpannungsvollen
Waſſerball=
tele der D.2. ganz beſonders empfohlen. (Vgl. auch Sportteil.)
— Ernannt wurden: Am 27. Juli; der proviſoriſche
Bade=
eiſter Joſeph Lindner zu Bad=Nauheim vom 1. Auguſt 1931
i zum Bademeiſter bei der Bad= und Kurverwaltung Bad=
Nau=
eim; am 29. Juli: der Kanzleigehilfe bei dem Forſtamt
Eber=
adt. Georg Philipp Stoltze aus Jugenheim, vom 1. Auguſt
131 ab zum Kanzleigehilfen.
— Heſſiſches Landesmuſeum. Das Heſſiſche Landesmuſeum iſt
n Dienstag, den 11. Auguſt 1931 (Verfaſſungstag), wie an
Sonn=
igen, in der Zeit von 10—13 Uhr unentgeltlich geöffnet.
— Sommerſpielzeit Bruno Harprecht im Heſſiſchen
Landes=
ſeater. Die letzte Neuheit der in Kürze zu Ende gehenden
Som=
eerſpielzeit, der urkomiſche Schwank „Das offentliche
ergernis” von Franz Arnold, dem bekannten
Schwankdich=
r deren Erſtaufführung am geſtrigen Tage mit toſendem
Bei=
illüber die Bühne des Kleinen Haus ging, erzielte wieder einen
urchſchlagenden Erfolg, der ſich von Akt zu Akt ſteigerte und am
ſchluſſe des Abends geradezu ſtürmiſche Formen annahm. Bruno
arprecht ſchuf mit ſeiner neueſten Rolle, dem „Konſul Pietſch”,
ſieder eine ſeiner hervorragenden charakterkomiſchen Typen, die
Zen Zuſchauer nicht aus dem Lachen kommen laſſen. Am heutigen
* onntag findet die erſte Wiederholung des Schwankes mit Bruno
ſarprecht in der genannten Rolle ſtatt.
— Heſſiſches Landestheater, Leny Marenbach, die an
as Landestheater neuengagierte jugendliche Salondame, ſpielt
ls erſte Rolle der kommenden Spielzeit die Marguerite in Fritz
öchwieferts Luſtſpiel „Marguerite : 3‟, deſſen Aufführung im
kleinen Haus ſtattfindet — Die Mieten für die neue Spielzeit
931/32 ſind aufgelegt. Bis 15. Auguſt wird der bisherige Platz
ufbewahrt Bei Erneuerung des Mietvertrages vor dem 11.
luguſt erhält der ſeitherige Mieter einen Gutſchein zur
beliebi=
en Verwendung in der neuen Spielzeit. Eine beſondere
Ver=
ünſtigung genießt der Mieter der ſeinen Mietvertrag vor dem
September abſchließt; er zahlt dann nur 9 ſtatt 10 Raten. Wird
er Mietpreis im voraus bezahlt, ſo erhält der Mieter die 10
pro=
entige Preisermäßigung und einen weiteren Gutſchein.
Wahl=
nd Tauſchrecht werden in der bisherigen Form beibehalten. Sie
ſeben die Möglichkeit, bis ein Fünftel der Vorſtellungen ſelbſt
uszuwählen. Auskunft durch die Mietabteilung, wochentäglich
ſon 9 bis 13.30 Uhr oder Fernruf 3782 und 5001 (
Staatsbehör=
en), Nebenſtelle 677.
— Orpheum. Heute Sonntag, abends 8.30 Uhr, gelangt
noch=
nals das geſtern mit großem Beifall aufgenommene Bühnenſtuck
ſon W. Sterk. Liebe — unmodern!” in der vorzüglichen
Gaſt=
ſeſetzung des Kleinen Theaters Berlin mit der reizenden Grete
Reinwald, dem eleganten Willi Kaufmann und dem
gentleman=
iken Heinz Klubertanz zur Aufführung. Auf die kleinen
Ein=
rittspreiſe (von 60 Pf. an!) ſei nachdrücklichſt hingewieſen.
Kar=
en am Zeitungskiosk. Ernſt=Ludwigs=Platz, von 11 bis 1 Uhr,
Riosk Paradeplatz von 1 bis 6 Uhr ſowie Orpheumskaſſe ab 3 Uhr.
(Siehe auch Anzeige.) — „Die große Parade”, die große
internationale Varieté=Revue beginnt morgen Montag
ihr nur 4tägiges Darmſtädter Gaſtſpiel im Orpheum
Be=
achte ausführliche Mitteilungen hierüber morgen an dieſer Stelle.
— Hausfrauenbund. Am Dienstag, den 18. Auguſt, wird der
Hausfrauenbund im ſchönen Garten des Heylshofes — bei
ſchlech=
ſem Wetter im Saal — einen Unterhaltungsnachmittag
veranſtal=
ten, dem die Beteiligung einer recht großen Zahl von Mitgliedern
zu wünſchen iſt. Soll doch der Reinertrag des Tages der Küche
in der Heidelberger Straße zugute kommen, um ſie in dem
kom=
menden gewiß beſonders ſchweren Winter in den Stand zu ſetzen,
möglichſt vielen Minderbemittelten ein gutes Mittageſſen zu
bil=
ligem Preis verabreichen zu können. Der Hausfrauenbund wagt
es darum, auch in dieſer ernſten Zeit zu einer Zuſammenkunft
ein=
zul. den, weil es mehr wie je gilt, daß einer dem andern Hilfe tue,
ſobiel das auch im kleinſten Maßſtab geſchehen kann. Kaffeekarten
müſſen bis zum 17. Auguſt in der Geſchäftsſtelle gelöſt werden.
Auch Nichtmitglieder ſind herzlich willkommen.
— Der Bund der techniſchen Angeſtellten und Beamten
(Butab) hatte zu einer gut beſuchten Beſichtigung der Kronen=
Brauerei Gebr. Wiener, A.=G., eingeladen und fand
dieſe unter ſachverſtändiger Leitung des Herrn Dir. Müller ſtatt.
Die neuzeitliche Einrichtung der Brauerei, ſowie die Sauberkeit
des Betriebes macht auf alle Teilnehmer den beſten Eindruck.
Bei der anſchließenden Koſtprobe im Kronenbräukeller, welche
die Teilnehmer noch einige gemütliche Stunden zuſammenhielt,
konnten ſich alle zur Genuge von der Güte des Wiener=
Kronen=
bräus überzeugen.
— Heag=Fahrt. Auf beſonderen Wunſch hat die Heag eine
Wiederholung der kombinierten Schloßbeleuchtungsfahrt auf den
1I. Auguſt. Reichsverfaſſungstag, vorgeſehen. Wer die letzte
Be=
leuchtung vom Schiff aus geſehen hat, der wird ſtets daran denken
und wird den Wunſch in ſich tragen, bald wieder ſo eine Feier
mit=
zuerleben. Am Reichsverfaſſungstag findet wiederum eine
Tages=
jahrt ſtatt. Dieſelbe führt über Michelſtadt, Beſichtigung des
Stadions (Badegelegenheit)—Erbach-Beerfelden—Hirſchhorn—
Neckarſteinach-Neckargemünd (Mittageſſen). Abends treffen ſich
die Teilnehmer am Schiff, und unter Benutzung der neuen
Schleu=
ſenanlagen geht die Fahrt neckarabwärts zur Schloßbeleuchtung
nach Heidelberg. Ein herrlicher Ueberblick iſt vom Boot aus
ge=
geben. — Auf die ſo beliebten Mittwoch=Nachmittagsfahrten wird
Nochmals aufmerkſam gemacht; rechtzeitige Anmeldung ſichert
guten Platz. (Siehe heutige Anzeige).
— Ein Wunderwerk der deutſchen Waſſerbautechnik. Zu dem
Uder Nr. 207 vom 28. Juli auf unſerer Reich= und Ausland=Seite
beröffentlichten Bild werden wir erſucht mitzuteilen, daß an der
Eſtſtehung dieſes Wunderwerks ein geborener Darmſtädter
be=
kiligt iſt. Es iſt dies Herr Regierungs= und Baurat F. Trier
I Magdeburg, der an leitender Stelle am Bau der
Mittelland=
klanalſtrecke von Peine bis Burg wirkt.
Die Erlaubnis zu öffentlichen Veranſtaltungen wie
Kon=
derten Tanzbeluſtigungen uſw., die aus Anlaß und zu Ehren des
Derfaſſungstages ſtattfinden, wird ſtempelfrei erteilt und iſt auf
ummer Nr. 35 des Polizeiamts einzuholen. Die Polizeiſtunde in
haſt= und Schankwirtſchaften iſt für die Nacht vom 11. auf 12.
Auguſt 1931 auf 5 Uhr feſtgeſetzt.
Promenaden=Konzert. Sonntag, den 9. Auguſt 1931, von
12 Uhr, ſpielt das Stadt=Orcheſter unter Leitung ſeines
Rapellmeiſters W. Schlupp bei günſtiger Witterung im
Herrn=
barten (Pergola) nach folgendem Programm: 1. Mit Eichenlaub
1n9 Schwertern, Marſch (Blon); 2. Ouvertüre: Die Heimkehr aus
der Fremde (Mendelsſohn); 3. Donauwellen=Walzer (Jvanovici)
* Schmeichelkätzchen (Eilenberg); 5. Potpourri aus der Operette
Der Zigeunerbaron (Strauß); 6. Ernſt=Auguſt=Marſch (
Blanken=
burg).
Kleinhandelspreiſe des Darmſtädter Wochenmarkts vom
2 Auguſt per Pfund bzw. Stück, in Rpfg.: Gemüſe:
Nohlrabi 5—7, Karotten 8—10, Gelbe Rüben 8—10. Rote Rüben
15, Spinat 20—30, Römiſchkohl 12—15. Rotkraut 12—15,
Beißkraut 8—10. Wirſing 10—15, Stangenbohnen 15—25. Buſch=
Sohnen 8—12. Wachsbohnen 12—20, Erbſen 25—30. Zwiebeln
15, Knoblauch 80, Tomaten 10—25, Endivienſalat 8—12,
„Opfſalat 8—12, Salatgurken 5—35. Einmachgurken 1—2.
Blu=
enkohl 15—80, Rettich 5—10. — Kartoffeln:
Frühkartof=
ein 4—5. — Obſt: Pfirſiche 35—45, Aprikoſen 50 Brom=
Veren 30—35, Mirabellen 35—45, Reineclauden 20—25. Tafel=
WDel 15—20. Wirtſchaftsäpfel 8—12, Falläpfel 5, Tafelbirnen
D25, Wirtſchaftsbirnen 8—12. Zwetſchen 20—25, Trauben 45,
Mkonen 4—10 Bananen 45—50. — Eßwaren; Süßrahmbut=
* 170—190 Landbutter 130—150, Weichkäſe 30—35, Handkäſe
I2, Eier, friſche 9—11. — Wild und Geflügel: Hühner
120 Enten 100. Tauben 60—80 Reh 60—140. — Fleiſch=
19 Wurſtwaren; Rindfleiſch. friſch 74—100, Kalbfleiſch
Schweinefleiſch 98—110. Dörrfleiſch 120. Wurſt 50—140.
Purſtfett 60, Schmalz, ausgelaſſen 80.
iſt einer der beſten, wenn nicht der beſte Krimtnal=
Tonfilm, der je gedreht wurde. „Der Zinker” iſt
nicht nur eine glänzende Verfilmung des Romans von
Ed=
gar Wallace, der zu dem Drehbuch die Idee gab, er iſt auch als
ſelbſtändige Filmlöſung von beinahe einmaligem Niveau. Es iſt
müßig, hier die Frage aufzuwerfen, ob es ſich um ein „
Kunſt=
werk” handelt oder nicht. Wir wollen dieſe Frage weder bejahen
noch verneinen, aber einfach als Film genommen iſt der „Zinker
ein in techniſcher Hinſicht, wie auch im dramatiſchen Aufbau aufs
höchſte geſteigerte meiſterhafte Leiſtung. In erſter Linie, weil die
Regie von Carl Lamac und Mac Fric ſich freihält und von
Uebertreibungen und Unmöglichkeiten, die ihr Signum als ſolche
von vornherein tragen. Daß höchſte Spannungen erzeugt und
er=
zielt werden durch plötzlichen Abbruch eines faſt bis zur Löſung
geführten Handlungsabſchnittes, iſt ein ungemein wirkſamer Trick,
aber in keiner Weiſe Uebertreibung. So wirkt der Ablauf der
äußerſt komplizierten Handlung wohl ſo, daß der Zuſchauer und
Zuhörer von einer Spannung in die andere geworfen wird, aber
nicht ſinnverwirrend. Beſonders in der Eigenſchaft als Kriminal=,
als Senſationsfilm das Hervorragendſte iſt die Tatſache, daß in
keiner Phaſe des Ablaufs der Handlung die Löſung der Spannung
irgendwie geahnt wird. Niemand weiß, wer der Zinker iſt und
am wenigſten geglaubt wird es von dem, der ſich ſchließlich als
ſolcher entpuppt. Der Zinker iſt der, was im deutſchen
Verbrecher=
jargon der Pfeifer iſt. Einen Verbrecher verpfeifen, d. h.
ver=
raten, heißt in Scotland Yard „verzinken”. Alle
Schwerverbre=
cher werden auf dieſe Weile geheimnisvoll der Polizei verraten,
die dadurch wohl leichte Verbrecherjagd hat, deſſen ungeachtet
aber Intereſſe an dem Zinker hat, weil dieſer ſtets den
Löwen=
anteil der Beute einzuſtreichen verſteht. Wie in den Romanen,
von Edgar Wallace, iſt auch hier in der ernſteſten und
ſpannend=
ſten Situation oft mit einem Quantum feinen Humors gearbeitet.
Die ſchauſpieleriſchen Leiſtungen von Liſſy Arna, Karl Ludwig
Diehl. Fritz Raſp. Szöke Szakall, Paul Hörbiger,
Peggy Normann und Jack Mylong=Münz ſind
ausgezeich=
net. Die Regie hat ſich für die Darſtellung der Hauptrollen beſte
Vertreter auszuwählen verſtanden.
Auch das Beiprogramm iſt hochintereſſant. Neben einem
Kul=
turfilm erſten Ranges, einem Film aus der Raubtierabteilung
des Münchener Zoos Hellerau, der vor allem entzückende Bilder
aus der Kinderſtube der Löwen, Tiger Panther, Leoparden uſw.
zeigt, läuft ein köſtlicher Silly=Micky=Film, der diesmal in die
Regionen des Eismeeres führt und neben der Silly=Micky=Maus
Eisbären, Robben, Seelöwen und Pinguine in geradezu
überwäl=
tigender Weiſe urkomiſch Step tanzen läßt. Eine techniſch fabel=
TA
hafte Leiſtung.
Helia.
An einem Film der ſchon in der ſchwach beſuchten
Nachmit=
tagsvorſtellung häufige Lachſalven hervorruft, muß ſchon etwas
ſein, und in der Tat kann man dem Kriminalſchwank „Das
Ge=
heimnis der roten Katze” bezeugen, daß er ſo voll humoriſtiſcher
Einfälle und komiſcher Situationen ſteckt, wie man es von einem
Luſtſpiel nur verlangen kann. Da iſt das Komikertrio Ernſt
Ve=
rebes Siegfried Arno P. Weſtermeier, die wirklich das
Aeußerſte an Komik aus einer Situation herausholen und vor
der tollſten Situation nicht zurückſchrecken; zumal Arno als
hoch=
ſtapleriſchen Grafen von Bonton zu ſehen, iſt ein reiner Genuß.
Dazu kommt, daß die Handlung um den Millionenedelſtein voller
Spannung iſt und die Regie den Film mit ſehr viel Ironie und
Witz aufgezogen hat, ſo daß er zugleich wie eine Satire auf
Ava=
chentum und wilde Kriminalſtücke wirkt. — Nette Beifilme. Ein
Luſtſpielprogramm im beſten Sinne!
*
— Im Union=Theater läuft bis auf weiteres der ſpannende
Kriminal=Tonfilm „Der Zinker” nach dem Detektiv=Roman von
Edgar Wallace. In den Hauptrollen ſind beſchäftigt: Liſſi Arna,
Fritz Raſp, Paul Hörbiger u a. Im tönenden Beiprogamm ſieht
man einen köſtlichen Micky=Film „Polarzauber”, Beginn 2.00,
4.05, 6.10 und 8.20 Uhr.
— Im Helia=Theater ſieht man heute und folgende Tage das
beliebte Komikertrio Ernſt Verebes, Siegfried Arno und P.
We=
ſtermeier in dem luſtigen Kriminal=Schwank „Das Geheimnis
der roten Katze”, ein Tonfilm voller ſenſationeller Verwicklungen
und handfeſter Situationskomik. Dazu das tönende Beiprogramm.
Beginn 2.00, 4.05, 6.10 und 8.20 Uhr.
— Die Palaſt=Lichtſpiele zeigen heute zum letztenmal das von
der Zenſur verboten geweſene und jetzt freigegebene Filmwerk
„Die Sache Auguſt Schule” nach der Novelle „Kinder vor
Ge=
richt‟. Dazu das tönende Beiprogramm. Beginn 2.00, 4.05, 6.10
und 8.20 Uhr.
Dicke Menſchen
(TV.9920
erreichen Gewichtsabnahmen von 15—20 Pfd. in Kürze durch Ebus=Tee.
Verlangen Sie aber nur den echten Ebus=Tee. Ein Verſuch überzeugt!
Ebus=Tee zu Mk. 1.50 beſorgt jede Apotheke und Drogerie. Beſtimmt:
Ballonplatz 11; Gardiſtenſtr. 17; Mühlſtr. 28; Weinbergſtr. 2.
Eliſabekh=Feſtſpiel in Eiſenach.
Es iſt ein glücklicher Zufall, daß am Abend des Eintreffens
des Sonderzuges der Reichsbahndirektion Mainz am 15. Auguſt in
Eiſenach eine Wiederholung des vom katholiſchen deutſchen
Frauenbundes, Zweigverein Eiſenach, veranſtalteten Eliſabeth=
Feſt=
ſpiels ſtattfindet. Zu dieſer Veranſtaltung, deren ausgeſprochen
künſtleriſcher Wert allgemein= anerkannt worden iſt, haben die
Sonderzugteilnehmer zum ermäßigten Preis von 0.80 RM.
Zu=
tritt. Umrahmt von den Klängen der Kunſt eines Bach, Mozart,
Schumann uſw. wird das Leben und Wirken dieſer
verehrungs=
würdigen Geſtalt in lebenden Bildern vorgeführt, was ſicher viele
veranlaſſen wird, an der Fahrt teilzunehmen, zumal Deutſchland
in wenig Wochen die ſiebenhundertſte Wiederkehr des Todestages
der heiligen thüringiſchen Fürſtin, die im Dom zu Marburg
be=
graben liegt, feierlich begehen wird. Ueber die Fahrt, zu der die
Fahrpreiſe um 50 v. H. ermäßigt worden ſind, beſagen die
Aus=
hänge auf den Bahnhöfen das Nähere.
— Gasvortrag. Es iſt eine erfreuliche Tatſache, daß den
Don=
nerstagsvorträgen von den Hausfrauen größte Bedeutung
bei=
gemeſſen wird. Der gute Beſuch iſt Beweis dafür, daß jede
Haus=
frau beſtrebt iſt, ſich die Vorteile, die die moderne Gasküche mit
ſich bringt, zunutze zu machen. Denn ſauber und billig zu
arbei=
ten, iſt nur mit einem modernen Gasherd möglich, der die vielen
Neuerungen, wie Ober= und Unterhitze, emaillierte Deckplatte,
herausnehmbare Brenner und dergleichen beſitzt. Neben dem
Gasherd haben die gasbeheizten Klein=Warmwaſſerbereiter eine
ſtarke Ausbreitung gefunden. Geringe Anſchaffungs= und
Be=
triebskoſten ſind Forderungen, denen durch Ratenzahlung und
Sondertarife durch das Gaswerk entſprochen wird. Die Apparate
ſind Durchlauferhitzer und zeichnen ſich durch ſtete
Betriebsbereit=
ſchaft aus. An den Waſſerhahn angeſchloſſen, liefern die Apparate
heißes Waſſer bis zu 55 Grad Celſius. Die Geräte werden im
nächſten Gasvortrag, am Donnerstag, den 13. Auguſt, abends
8 Uhr im Bürgerhof, Eliſabethenſtraße 2 beſprochen und im
Betrieb vorgeführt. Intereſſenten erhalten über alle dieſe Fragen
in unſerem Ausſtellungsraum, Grafenſtr. 30, oder auch in unſeren
Vortragsabenden bereitwilligſt Auskunft. (Siehe heutige
An=
zeige.)
Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher
Erkran=
kung ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzi
zu rufen. Wenn dieſer nicht erreichbar ift, dann ſind am
Sonn=
tag, den 9. Auguſt 1931 folgende Aerzte zu deſſen Vertretung
bereit: Dr. med. Berger=Wilhelminenſtraße 5, Telephon 187;
Dr. med. Hammer=Karlsſtraße 95, Telephon 632; Dr. med.
Wertheim=Dieburger Straße 73, Telephon 4614. — Am
Ver=
faſſungstag, Dienstag, den 11. Auguſt 1931, übernehmen
fol=
gende Aerzte die Vertretung: Dr. med. Gallus=
Bismarck=
ſtraße 23, Telephon 3148: Dr. med. Riemenſchneider=Otto=
Wolfskehlſtraße 32, Telephon 2955: Frl. Dr. med. Vaubel=
Heinrichſtraße 100, Telephon 1645.
Es verſehen den Sonntagsdienſt und in der daran ſich
an=
ſchließenden Woche den Nachtdienſt vom 8. Aug. bis 10. Aug. die
Löwenapotheke, Ballonplatz 11, Adlerapotheße,
Wilhel=
minenplatz 17, Hirſchapotheke, Nieder=Ramſtädterſtraße 21.
Vom 10. bis 15. Auguſt die Apotheke am Juſtizpalaſt,
Bis=
marckſtr. 9, Cinhornapotheke, Kirchſtr. 10/..
* De Mainzer Tumnlkſchäden
andblich der vorjährigen ſog. Separakiſtennurehen
vor dem Verwalkungsgerichtshof.
Klage des Wilhelm Kärtner in Mainz gegen die Stadt Mainz
wegen Schadenerſatzes.
Ein Kompetenzkonflikt zwiſchen dem Verwaltungsgericht (
Feſt=
ſtellungsausſchuß für Tumultſchäden beim Kreisamt Mainz) und
dem Landgericht Mainz iſt aus Anlaß der von W. Kärtner erhobenen
Schadensanſprüche ausgebrochen. K. hat ſolche beim Landgericht
Mainz gegen die Stadt geltend gemacht und gleichzeitig dem
Staat den Streit verkündet. Bei dieſer Sachlage iſt das
Ver=
fahren ausgeſetzt worden, damit das höchſte Verwaltungsgericht
darüber entſcheidet, ob der Rechtsweg zuläſſig iſt. Die beim
Land=
gericht Mainz erhobene Schadensklage iſt auf die Beſtimmungen
des alten heſſiſchen Geſetzes von 1859 (in der Faſſung von 1899)
über Haftung der Gemeinden bei öffentlichen Zuſammenrottungen
und die Beſtimmungen des BGB. §§ 823 ff. geſtützt. Kläger iſt
durch Rechtsanwalt Dr. Kallmann=Mainz, die Stadt Mainz durch
deren Syndikus Dr. Schwan, vertreten. Vertreter des
Staats=
intereſſes iſt Oberregierungsrat Bornſcheuer.
Ein Beweisſicherungsverfahren war der Klage
voraufgegan=
gen, nachdem das Landgericht Mainz auf Beſchwerde das
Amts=
gericht Mainz anwies, das Verfahren einzuleiten. Letzteres
unter=
blieb aber, da Kläger beim Landgericht Mainz Schadensklage
er=
hob. In Frage ſteht, ob das heſſiſche Geſetz von 1859 noch zu
Recht beſteht oder durch die reichsgeſetzliche Regelung im Jahre
1920/1924 unanwendbar geworden iſt. Das Innenminiſterium
wünſcht die Austragung des Kompetenzkonflikts. Die Stadt
Mainz ſteht auf dem Standpunkt, daß das heſſiſche Geſetz durch
das Reichsrecht aufgehoben ſei. Kärtners Engrosgeſchäft iſt in
der Nacht vom 2.—3. Juli 1930 anläßlich der Unruhen geplündert
worden. Kläger behauptet, es habe ſich nur um gelegentliche
lokale Zuſammenrottungen, nicht um innere Unruhen im Sinne
des Tumultſchädengeſetzes gehandelt. Darin unterſcheide ſich das
Reichsgeſetz vom heſſiſchen Landesgeſetz. Der Plural „innere
Un=
ruhen” ſei nicht zufällig gewählt. Tumultſchäden wie im Kapp=
Putſch und in München ſollten reichsrechtlich geregelt werden.
Separatiſtenunruhen müßten auf die Separatiſtenbewegung Bezug
haben, dieſe Kundgebungen hätten aber im Jahre 1930 nicht mehr
ſtattgefunden Es habe ſich lediglich um örtliche (Mainzer)
Kund=
gebungen gehandelt, um zuſammenhangloſe Demonſtrationen, die
nichts mit einer Separatiſtenbewegung zu tun gehabt hätten. Die
Menge ſei bei den Plünderungen nach einer beſtimmten Liſte der
Geſchäfte (angebliche ehemalige Separatiſten) vorgegangen, was
auch für den lokalen Charakter der Störungen ſpreche. Bei
Erſcheinen der Polizei ſeien die Demonſtranten
auseinanderge=
gangen, eine allgemeine Bewegung ſei nicht zuſtande
ge=
kommen. Der Begriff der Tumultſchäden dürfe nicht verwäſſert
werden. Beim Feſtſtellungsausſchuſſe habe Kläger nur vorſorglich
und um die Friſt zu wahren, die Schadensanſprüche angemeldet,
zudem auf ausdrückliche behördliche Aufforderung. § 11 des
Tu=
multſchädengeſetzes ſchließe die beſchränkte Anwendung der
Lan=
desgeſetze nicht aus. Das ſei die herrſchende Lehre, ſei auch die
Anſicht des heſſiſchen Juſtizminiſteriums. — Die erhobene Klage
ſei auch nur auf örtliche innere Unruhen geſtützt.
Eine Koſtenfolge werde bei Austragung des Konflikts nicht
aus=
gelöſt, weshalb der bezügliche Antrag des Vertreters des
Staats=
intereſſes unbegründet ſei.
Der ſtädtiſche Vertreter betont, es ſeine zwei Verfahren im
Gange weshalb der Kompetenzkonflikt möglich ſei. Maßgebend
ſeien die tatſächlichen Verhältniſſe nicht die der
Klageſchrift gegebene Begründung, das Reichsgeſetz von 1920 ſchon
ſchließe die Landesgeſetzgebung hinſichtlich des
Tumultſchädenge=
ſetzes aus. § 11 des erſtgenannten Geſetzes ſei in der Verordnung
von 1924 weggelaſſen worden, weil finanziell in erſter Linie das
Land für die Schäden aus Anlaß innerer Unruhen herangezogen
werden ſollte. Dieſe Unruhen hätten ſich im ganzen ehemaligen
beſetzten Gebiet gezeigt. Auch Nichtſeparatiſten (Geſchäftsleute)
ſeien heimgeſucht worden. Hier habe allein der
Feſtſtellungsaus=
ſchuß zu entſcheiden. Bezüglich der Koſten müſſe eine Entſcheidung
getroffen werden; die Partei, zu deren Ungunſten im
Kompetenz=
konfliktverfahren entſchieden werde, müßte die Koſten dieſes
Ver=
fahrens tragen. Der Vertreter des Staatsintereſſes ſchließt ſich
den Ausführungen die für die Stadt Mainz gemacht wurden, an.
Mit den Aufruhrſchäden hätten Anſprüche aus unerlaubten
Hand=
lungen im Sinne des BGB. nichts zu tun, für letztere ſtehe der
ordentliche Rechtsweg offen. Das Urteil erkennt den ordentlichen
Rechtsweg nur inſoweit für zuläſſig, als Anſprüche aus §8 823 ff.
BGB. in Frage ſtehen, im übrigen hat der Feſtſtellungsausſchuß
beim Kreisamt Mainz zu entſcheiden.
Aus dem Gerichksſaal.
Aw. Vor dem Bezirksſchöffengericht geht am
Samstag, um 9 Uhr, die Verhandlung gegen die 15 Ober=
Ramſtädter Angeklagten weiter. Man fühlt ſich wie
auf einem Pulverfaß, denn ſtändig explodieren der Verteidiger
Dr. Sturmfels und der Vorſitzende Landgerichtsrat Dr. Lehr.
Dr. Sturmfels wirft dem Vorſitzenden vor, er falle ihm ſtets
ins Wort, wenn er die Zeugen fragen wolle. Dr. Lehr iſt der
Anſicht, daß er die Zeugen davor ſchützen müſſe, daß ſie von der
Verteidigung zu Ausſagen gedrängt würden, die ſie nicht machen
wollten. Die Diskuſſion wird derartige erregt, daß der
Staats=
anwalt ſich zu amtieren weigert, bis die Gemüter ſich etwas
beruhigt hätten. — Nach der Beruhigungspauſe geht es dann
wirklich etwas ſanfter weiter Intereſſant zu beobachten ſind
die Auswüchſe, zu denen politiſcher Fanatismus führen kann. So
wollen die Nationalſozialiſten den Verteidiger Dr. Sturmfels —
der gemeiniglich Sozialdemokraten oder Reichsbannerangehörige
vertritt — partout für einen Juden ausgeben. Der eine Zeuge
ſagt, er gäbe nur deutſchen Männern” Antwort, ein anderer
ſpricht ſogar von „jüdiſchen Rechtsanwälten. Beinah troſtlos
muß es berühren, wenn man ſieht, wie ganz offenſichtlich
min=
deſtens 50 Prozent der Ausſagen — bewußt oder unbewußt —
unwahr ſind. Beſonders ein junger Mann, der das meiſte zu
wiſſen behauptet, wird in ſeinen recht belaſtenden Ausſagen von
mehreren Zeugen glatt widerlegt. Ein anderer Zeuge, ein
Ent=
laſtungszeuge, verbabbelt ſich derartig, daß der Staatsanwalt ihn
beinahe gleich dabehalten hätte.
Am Mittwoch, um 9 Uhr. geht die Verhandlung weiter.
Lokale Veranſtaltungen.
heinenden Neifyen find ansſchlließlich als Strweffe arf Lmul
in teinem Jalſe irgendwie als Beſprechung oder Kritk.
— Orangeriehaus. Heute, Sonntag, 9. Auguſt, abends
8 Uhr, Konzert mit Tanzeinlagen im Feſtſaal; bei günſtiger
Witterung Gartenkonzert. (Siehe Anzeige.)
— Im Herrngartenkaffee ſpielt heute, Sonntag, ab
11 Uhr, das Stadtorcheſter. Nachmittags ſowie abends findet
Künſtlerkonzert ſtatt bei freiem Eintritt.
— Rummelbräu=Reſtaurant Rheinſtraße. Heute,
Sonntag, konzertiert nachmittags und abends Herr Matthias
Weber mit ſeinem Orcheſter in Militärmuſikbeſetzung. Zur
Auf=
führung gelangen nur gern gehörte Stücke älterer und neuerer
Meiſter, wobei es der Dirigent an zündenden Einlagen nicht
fehlen laſſen wird. Eintritt frei. (Siehe Anzeige.)
— Reſtaurant Sitte. Die am vergangenen Sonntag
mit ſo großem Beifall aufgenommene Künſtlerkapelle ſpielt heute
wieder in dem ſchönen Garten, bei ungünſtiger Witterung in den
Sälen. Das Konzert findet bei vollſtändig freiem Eintritt ſtatt.
Vereinskalender.
— Vereinigung ehemal. 116er Darmſtadt.
Montag. 10 Auguſt, abends 8.30 Uhr: Mitglieder=Verſammlung
bei Kamerad „Waldmann”, Waldkolonie.
Tageskalender für Sonntag, den 9. Auguſt 1931.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus: Geſchloſſen. — Kleines
Haus, 20 Uhr: „Das öffentliche Aergernis”. — Orpheum,
20.30 Uhr: „Liebe — unmodern”. — Konzerte: Zur Oper,
Reſt. Sitte. Rummelbräu, Zum Roſengarten. Schloßkeller,
Sportplatz=Reſt. am Böllenfalltor, Herrngartenkaffee, Wiener=
Kronenbräukeller, Hotel=Reſt. Poſt. Datterich, Schuls
Felſen=
keller; Ludwigshöhe, 4 Uhr. — Kinovorſtellungen:
Union. Helia= und Palaſt=Lichtſpiele. — Hotel Behrens=
Hufnagel, Traiſa, nachm. 6 Uhr: Niebergalls „Datterich”,
Zu den Zehlbekrägen bei dem Raiffeiſen=Verein
Grenf Funernf.
erfahren wir von zuſtändiger Stelle noch das Folgende: Es iſt
insgeſamt ein Fehlbetrag von etwa 37 000 Mark feſtgeſtellt
wor=
den. Die Reviſion wird jedoch noch weiter forgeſetzt. Von
dieſen 37 000 Mark dürften etwa 3000 Mark auf das Konto
Unterſchlagung, bzw. Veruntreuung zu buchen ſein. Wer der
Schuldige iſt, muß noch durch die Unterſuchung feſtgeſtellt werden.
Vorſorglich wurde gegen den Rechner, Geo Schmitt, Anzeige
erſtattet, weil er ſich durch Abreiſe während der Reviſion
ver=
dächtig gemacht hat.
Die übrigen Fehlbeträge ſind die Folgen ſchlechter
Geſchäfts=
führung. Sie entſtanden durch Verluſte aus dem
Spezerei=
geſchäft, Ueberbewertung von Immobilien und aus
Kreditge=
gewährungen.
Griesheim, 8, Aug. Verfaſſungsfeier. Wie
alljähr=
lich, ſo ſoll auch in dieſem Jahre der Tag, an dem die Verfaſſung
von Weimar geſchaffen wurde, feſtlich begangen werden. Die Not
der Gegenwart, unter der auch weite Kreiſe der hieſigen
Bevöl=
kerung ſchwer leiden, verbietet es, eine Feier großen Stils zu
ver=
anſtalten. Die Gemeindeverwaltung beſchränkt ſich deshalb auf
eine in beſcheidenem Rahmen gehaltene, den Zeitverhältniſſen
entſprechende Veranſtaltung. Die Feier findet am 11. Auguſt,
nachmittags 4.30 Uhr, im Hofe der Friedrich=Ebert=Schule ſtatt.
Sämtliche Muſik= und Geſangvereine von Griesheim haben ihre
Mitwirkung zugeſagt. Herr Beigeordneter Dickhardt wird eine
Anſprache über die Bedeutung des Verfaſſungstages halten. Die
geſamte Einwohnerſchaft iſt zu der Feier eingeladen. Um dem
Tag auch nach außen hin ein würdiges Gepräge zu geben, hat die
Bürgermeiſterei die Einwohnerſchaft gebeten, die Häuſer zu
be=
flaggen. — Bei dem Unwetter in der Nacht zum Donnerstag
ſchlug der Blitz in eine Lichtleitung in der Karlſtraße, ohne
je=
doch irgendwelchen Schaden anzurichten. — Sperrung eines
Feldweges. Der über den Flurgraben ziehende Feldweg
zwi=
ſchen dem Weg neben dem alten Friedhof und dem
Bahnwärter=
haus Nr. 74 (Scheib) wird am Montag, den 10. Auguſt, wegen
Einbau einer neuen Brücke für jeden Fuhrwerksverkehr geſperrt.
P Eberſtadt, 8. Aug. Waiſenſchutz=Blumentag. Der
hieſige Zweigverein des Heſſ. Fechtvereins „Waiſenſchutz”
veran=
ſtaltet am Kirchweihſonntag (9. Auguſt) einen Blumenverkauf
(Blumentag), deſſen Ertrag wieder der Weihnachtsbeſcherung
armer Halb= und Vollwaiſen ſowie ortsarmer Kinder dienen ſoll.
—Verfaſſungsfeier. Der Bürgermeiſter hat den Vereinen
uſw. mitgeteilt, daß wegen der allgemeinen ſchlechten
Wirtſchafts=
lage in dieſem Jahre von der Veranſtaltung einer offiziellen
Ver=
faſſungsfeier Abſtand genommen werde. — Kirchweih=
Jubi=
läum. Zum 80. Male feiert Eberſtadt in dieſem Jahre ſein
Kirchweihfeſt im Monat Auguſt. Urſprünglich war der Sonntag
nach dem 2. Oktober der Kirchweihtag. Als jedoch in den Jahren
1850 51 unſere Kirche umgebaut und aus Anlaß dieſes Umbaues
am 10. Auguſt 1851 eine Feier in der Kirche ſtattfand wurde die
„Kerb” auf dieſen Tag feſtgelegt. Seit dieſer Zeit wird die
Eber=
ſtädter „Kerb” am zweiten Sonntag im Auguſt gefeiert.
Ueb=
rigens wurde mit der damaligen Reſtauration der Kirche auch
der terraſſenförmige, viel bewunderte Kirchenaufgang und die
gärtneriſche Anlage um die Kirche herum geſchaffen. Der Plan
zu dieſer Anlage ſtammt von dem damaligen Hofgärtner Frey
aus Darmſtadt.
F. Eberſtadt 7. Aug. Gräberfunde. Beim
Weiter=
graben an der Stelle, an der man vor wenigen Tagen auf ein
männliches Skelett geſtoßen iſt, wurde heute ein zweiter
Schädel gefunden, der von einem in den dreißiger Jahren
ſtehenden Manne herrühren dürfte. Auch wurden Teile von einem
wahrſcheinlich ſehr alten ſchwarzen Tongefäß ans Tageslicht
gefördert. Dieſe neuen Funde ermutigen dazu, die Grabungen noch
weiter fortzuſetzen. Im übrigen mehren ſich die Stimmen, die
da=
von wiſſen wollen, daß auf dem Fundgelände oder in
unmittel=
barer Nähe früher ſchon ähnliche Gegenſtände und Gebeine von
Menſchen gefunden worden ſind.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 8. Aug. Verfaſſungsfeier. In
Anbetracht der Notzeit wird von einer in größerem Ausmaß für
dieſes Jahr Abſtand genommen. Dieſe wird vielmehr auf eine
Saalfeier beſchränkt, die am Verfaſſungstag, abends 8.30 Uhr
be=
ginnend, im „Darmſtädter Hof” (Knapp) ſtattfindet. Die drei
hieſigen Geſangvereine ſowie die beiden Turnvereine haben ihre
Mitwirkung zur Verſchönerung der Feier zugeſagt. Die
Feſt=
anſprache hält Herr Rektor Körner von hier.
G. Ober=Ramſtadt, 8. Aug. Verfaſſungsfeier Die
dies=
jährige Verfaſſungsfeier findet am Dienstag, den 11. Auguſt auf
dem Sportplatz des Arbeiterſportvereins in der „Aue” ſtatt.
Nach=
mittags 3 Uhr ſtellt ſich an den Eichenmannsmühlen in der
Darm=
ſtädter Straße ein Feſtzug auf, der durch verſchiedene Ortsſtraßen
nach dem Feſtplatz marſchiert. Daſelbſt Begrüßung, Feſtrede,
Lie=
dervorträge, muſikaliſche, turneriſche und ſportliche Darbietungen
der verſchiedenſten Art. Zu dieſer Feier iſt die geſamte
Einwoh=
nerſchaft ſeitens der Gemeindeverwaltung eingeladen und eine
recht zahlreiche Beteiligung erwünſcht. Da der Verfaſſungstag in
Heſſen geſetzlicher Feiertag iſt, bleiben alle öffentlichen Büros
ge=
ſchloſſen, während der Schalter= und Fernſprechdienſt bei der Poſt
wie an Sonntagen ſtattfindet. — Die Geſchäftsſtunden der
Be=
ſonderen Ortskrankenkaſſe Ober=Ramſtadt
erfah=
ren vom 10. d. M. ab eine Aenderung inſofern als die Kaſſe an
allen Wochentagen von 8—1 Uhr und 2—5 Uhr, Samstags nur
von 8—2 Uhr, geöffnet iſt. Das Publikum wird gebeten, für
Kaſ=
ſenangelegenheiten möglichſt die Vormittagsſtunden benutzen zu
wollen.
f. Roßdorf, 8. Aug. Schwimmkurſus. Die Deutſche
Le=
bens=Rettungsgeſelſchaft. e V. des Bezirks Starkenburg hält im
hieſigen Schwimmbad einen Lehrgang im Rettungsſchwimmen ab.
Bei dem Bademeiſter iſt zur Einzeichnung der Teilnehmer eine
Liſte aufgelegt. Die Gebühren für den Grundſchein mit Abzeichen
betragen 1,50 Mk., für den Prüfungsſchein mit Abzeichen 2,50 Mk.
Für die Prüfungen gelten folgende Beſtimmungen: 1 Für
Grund=
ſchein: 1. 15 Min, im ſtehenden oder 600 Meter=Schwimmen im
fließenden Waſſer davon 5 Min. oder 200 Meter in Rückenlage
ohne Arme: 2. 50 Meter=Schwimmen in Kleidern ohne Schuhe
daran anſchließend 3. Auskleiden im Waſſer (Schwimmlage oder
Waſſertreten); 4. 15 Meter=Streckentauchen mit Kopfſprung aus
1—2 Meter Höhe; 5. zweimal 2—3 Meter Tieftauchen von der
Waſſerfläche aus und Heraufholen eines ungefähr 5 Pfd. ſchweren
Gegenſtandes; 6. Vorführung der Rettungs= und Befreiungsgriffe
an Land und im Waſſer; 7. 20 Meter=Retten, Achſel= und
Kopf=
griff; 8. Erklärung und Anwendung der Wiederbelebung nach
Schäfer, „II. Für Prüfungsſchein: 1 1. Stunde im ſtehenden oder
3 Km.=Schwimmen im fließenden Waſſer: 2. 300 Meter=
Schwim=
men in Kleidern mit Schuhen, daran anſchließend: 3. Auskleiden
im Waſſer (Schwimmlage oder Waſſertreten); 4. 25 Meter=
Strek=
kentauchen mit Kopfſprung aus 1—2 Meter Höhe: 5 innerhalb
2 Minuten 2—3. Meter Tieftauchen von der Waſſerfläche aus und
Heraufholen eines 5 Pfd. ſchweren Gegenſtandes; 6. 25 Meter=
Retten, beide bekleidet (mit Schuhen), Achſelgriff und ein zweiter
Griff nach freier Wahl des Prüflings: 7. Erklärung und
Anwen=
dung der Wiederbelebungsarten nach Schäfer und Sylveſter=
Broſch=Meyer: 9. Erklärung der wichtigſten Hilfsmittel bei Bade=,
Boots= und Eisunfällen; 10. Kenntnis der wichtigſten
Nothelfer=
griffe. Es wäre wünſchenswert, wenn ſich recht zahlreiche
Teilneh=
mer an dem Lehrgang beteiligten, damit die Pflege und
Vertie=
fung des Rettungsgedankens im allgemeinen gefördert wird. Auch
Auswärtige können am Lehrgang teilnehmen.
Aus den Gemeindeparlamenten.
F Eberſtadt, 8. Aug. Gemeinderatsſitzung. In der
auf geſtern abend anberaumt geweſenen Gemeinderatsſitzung gab
der Bürgermeiſter dem Gemeinderat von einem Schreiben des
Kreisamtes Kenntnis. In dem Schreiben iſt geſagt, daß die nach
8 10 der Anſtellungsgrundſätze erforderliche Beſtätigung des von
dem Gemeinderat gewählten Bewerbers für die Stelle eines
Ge=
meindekaſſe=Aſſiſtenten, der ſpäter den Dienſt des demnächſt
ab=
gehenden Gemeinderechners übernehmen ſoll, nicht erteilt werden
könne, weil der Gewählte nach Anſicht des Kreisamtes die für das
Amt unumgänglich notwendige kaſſentechniſche Vorbildung nicht
beſitze. Der Gemeinderat wird erſucht, einen anderen Bewerber
für die Stelle zu wählen. Als zu dieſem Punkt Gemeinderat
Quari das Wort ergriff, die Stellungnahme des Kreisamtes zur
Wahl in Beziehung zu einem um die Zeit der Wahl in der
„Landeszeitung” erſchienenen Artikel brachte, ferner eine die
Mitglieder der bürgerlichen Fraktion verdächtigende Behauptung
aufſtellte, für die Gemeinderat Dächert namens der bürgerlichen
Fraktion die Nennung des Namens verlangte, Quari dies aber
verweigerte, verließ Dächert mit ſeiner Fraktion die Sitzung. Der
Bürgermeiſter ſtellte hierauf feſt, daß der Gemeinderat
beſchluß=
unfähig geworden war und hob die Sitzung auf.
b. Erbach, 8. Aug. Gemeinderatsſitzung. Vor Eintritt
in die Tagesordnung der geſtrigen Sitzung ſtreift Bürgermeiſter
Deng=
ler die neue Notverordnung, die mit dem Selbſtverwaltungsrecht der
Gemeinden ein jähes Ende mache. Dieſe Tatſache ſei beſonders tragiſch
dadurch, daß ſie in dem gleichen Moment eintrete, in dem man den
Mann in unzähligen Feiern geehrt habe, der der Vorkämpfer für die
Selbſtverwaltung überhaupt war: Freiherrn vom Stein. Wie die
Ge=
meinden, denen jetzt jeder Kredit bei Sparkaſſen und Giroverbänden
geſperrt ſei, weiterhin arbeiten ſollten, ſei vollſtändig in Dunkel
ge=
hüllt. Herr Dengler bezeichnete dieſe Notverordnung als die ſchärfſte
der letzten Wochen und erklärte, daß ſie offenbar unter dem Druck der
Großbanken erlaſſen worden ſei. — Dem Steuerausſchuß gehören von
Erbacher Mitgliedern an: Heinrich Stock, Philipp Lenz. Eberhard Volk,
Wilhelm Dengler. Als Erſatzmitglieder Fritz Kumpf, Fritz Steinert,
Ludwig Baſtian. — Das Städtiſche Waſſerwerk wurde ſeinerzeit, da
ſich das Finanzamt auf den Standpunkt ſtellte, daß es ſich um einen
Betrieb handele, der mit dem Ziele der Gewinnerzielung arbeite, zur
Gewerbeſteuer herangezogen. Da dies nur unter vollſtändiger
Verken=
nung des Charakters der Waſſerverſorgungsanlage möglich war, erhob
die Verwaltung Einſpruch, der dieſer Tage beim Finanzgericht des
Landesfinanzamtes verhandelt wurde. Hier wurde der Einſpruch der
Gemeinde zurückgewieſen und die Veranlagung des Finanzamtes als zu
Necht beſtehend erkannt. Dieſe Entſcheidung wurde einſtimmig mit
größter Entrüſtung zur Kenntnis genommen. Die Sache ſoll in letzter
Inſtanz beim Verwaltungsgericht ausgetragen werden. — Für die
bei=
den Grundſtücke Flur II Nr. 76 und 77. 843 Qm. (Beſtallungsgärten),
hat Oberſteuerſekretär Kolmer 300 RM. geboten. Das Gebot erſcheint
etwas zu niedrig. Die Gemeinderäte Steinert und Rebſcher ſollen
unter Zuziehung eines Feldſchützen an Ort und Stelle eine
Beſichti=
gung vornehmen und neuen Preisvorſchlag unterbreiten. — Das Heſſ.
Staatsarchiv in Darmſtadt hat ſich in einem längeren Schriftſatz an das
Kreisamt Erbach gewandt wegen der kürzlich in Erbach erfolgten
Um=
benennung der Straßennamen. Der Gemeinderat kann die gegebenen
Begründungen nicht als ſtichhaltig anſehen. Doch ſoll, da ſich die
Ver=
waltung und der Gemeinderat in der jetzigen Notzeit nicht mit
der=
artigen Sachen befaſſen können, in ſpäterer Zeit die Angelegenheit noch
einmal geprüft werden. Dieſe Stellungnahme wird dem Kreisamt
mit=
geteilt. — Gegen die Baufluchtlinie in der Neckarſtraße hat Joh. Wilh.
Stetter Einſpruch erhoben. Der Gemeinderat erkennt deſſen Anſprüche
einſtimmig an, da er bei der Verwertung ſeines Grundſtückes als
Bau=
platz geſchädigt würde.
der bereiſt zur Särderung der Grinliandpiteſchaff.
in Heſſen und Nachbargebieten e. V. Darmſtadt teilt uns ſoeben
mit, daß bei einem ſeiner Mitglieder, und zwar Herrn Georg
Luft, Forſthaus Gravenbruch, Poſt Offenbach a. M., am 4. Auguſt
1931, vormittags zwiſchen 2 und 3 Uhr. ein Ochſe geſtohlen wurde.
Farbe des Tieres rot=weiß, hochſtehende Hörner, eine Hornſpitze
ſchwarz. Für die Wiederherbeiſchaffung ſind 50.— RM.
Beloh=
nung ausgeſetzt. Zweckdienliche Mitteilungen bitten wir ſofort
an den Verein zur Förderung der Grünlandwirtſchaft in Heſſen
und Nachbargebieten, e V. Darmſtadt. Rheinſtraße 62, bzw. an
Herrn Georg Luft, Forſthaus Gravenbruch, Poſt Offenbach a. M.,
zu richten.
Soeben erſchienen:
Dorfkalender 1932
Herausgegeben vom
Verband der heſſiſchen landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften
in Darmſtadt
Inhalt des 6. Jahrgangs:
Berg, Georg, Verbandsdirektor, Darmſtadt: Zum Geleit / Lind,
Erwin, Dr., Direktor des Heſſiſchen Landesſtatiſtiſchen Amtes,
Darmſtadt: Die Landwirtſchaft im Bolksſtaat Heſſen / Schmidt,
Ludwig, Dr.=Ing. Agrikultur=Chemiker an der Heſiſchen
Land=
wirtſchaftlichen Verſuchsſtation, Darmſtadt: Einiges über die
verſchiedenen Bobenarten unſerer heſſiſchen Heimat 1/ Ries,
Peter, Gewerbelehrer, Büdingen: Das Büdinger
Steinmetz=
handwerk und ſeine Beziehungen zur oberheſſiſchen Baukunſt
Mathes, Heinrich, Kreisſchulrat i. R., Darmſtadt: Mundartliches
aus Haus= und Landwirtſchaft / Thaler, Wilhelm, Baurat, Leiter
des Bauamtes der Heſſ. Landwirtſchaftskammer, Darmſtadt:
Neues vom genoſſenſchaftl. Bauweſen auf dem Lande Scharmann,
Ferdinand, Gerichtsaſſeſſor a. D., Darmſtadt: Die Verjährung 1
Wincler=Krämer, Wolf, Dr.zur., Direktor der
Landesgenoſſenſchafts=
bank e. G. m. b. H., Darmſtadt: Genoſſenſchaftliche Kinspolitik
Nieswandt, Max, Dr. med. dent., Bahnarzt; Darmſtadt: über
Zähne und Zahnpflege / Schneider, Robert, Schriftſteller,
Darm=
ſtadt: Aus de gude, alde Zeit 1 Eſſelbor, Karl, Dr. zur. et phil,
Profeſſor, Bibliothekar an der Landesbibliothek, Darmſtadt:
Abrecht Daniel Thaer Haug, Wilhelm, Okonomierat, Groß=
um=
ſtadt: Die Entwicklung der Landwirtſchaft zur Hochkultur / Frech,
Abert, Landwirtſchaftslehrer, Darmſtadt: Rundfunk und
Land=
wirtſchaft / Schweter, Walter, Schriftſteller, Darmſtadt: Bwei
Meiſter der Farbe und Maler heſſcher Landſchaften und
Men=
ſchen / Bader, Karl, Dr., Profeſſor, Stellvertretender Direktor
der Landesbibliothek, Darmſtabt: Schall und Rauch / Ploch.
Georg, Dr., Stubienrat, Gießen: Das Attentat / Gros, Franz.
Amtsgerichtsrat, Gießen: Der Liedchespfeiffer von Angersbach
Eimer, Ernſt, Lunſtmaler, Groß=Eichen: Die Wahrſagerin
Schweter, Walter, Schriftſteller, Darmſtadt: Der Waldkauz
Bechtolsheimer Heinrich, Stabtpfarrer, Gießen: Der golſchmied
von Luckenwalbe
(t1ogub
160 Seiten in 4” in farbigem Umſchlag
nur 75 R.=Pfennig
Zu haben nur in der Geſchäftsſtelle des Darmſtädter Tagblatt
Ct. Heubach i. Odw., 8 Aug. Aus dem Gemeinderat,
1. Erläuterung zum Voranſchlag 1931. Die weſentlichſten Punkte ſino
hierbei: Einſpruch gegen die Verpachtung der Schafweide. Demſelben
kann von ſeiten des Kreisamtes nicht ſtattgegeben werden, da N. nur
in ſeiner Eigenſchaft als beratendes Gemeinderatsmitglied, jedoch nicht
als Landwirt während der Offenlegung Einſpruch gegen den
Voran=
ſchlag erhoben hat. Weiter iſt die Gemeinde zur Haltung der
Darm=
ſtädter Zeitung geſetzlich verpflichtet; der Gemeinderat beharrt jedoch
ernent auf ſeiner Ablehnung. Die vom Gemeinderat beſchloſſene
Her=
abſetzung der Beſchäftigungsdauer des Bürgermeiſters von 90 auf 7
Prozent wird als zu hoch angefehen. Zur Ausſchaltung eines
Ver=
waltungsſtreitverfahrens ergibt eine Abſtimmung des Gemeinderats in
Verhältnis 6 ; 4 eine Beſchäftigungsdauer von 80 Prozent. Hieran
an=
ſchließend wird der Antrag geſtellt, als Beratungspunkt der nächſter
Sitzung die Gehaltsregelung des Gemeinderechners in die Tagesord
nung einzuſetzen. 2. Für das Faſelvieh wird der Ankauf von zirka 2=
Zentner Hafer beſchloſſen. Von den Bewerbern darf ein jeder nur fün
Zentner liefern. 3. Die Veranſtaltung einer Verfaſſungsfeier ſtellt der
Gemeinderat den Vereinen anheim. 4. Demnächſt ſollen verſchiedene
dürre Obſtbäume zur Verſteigerung gelangen; über die Neuanpflanzung
und Beſtellung junger Ohſtbäume beſchäftigt ſich der Gemeinderat zuu
gegebenen Zeit. 5. Ein Oelfarbanſtrich der Schindeln des
Rathauſe=
wird genehmigt, da der Gemeinderat das Angebot der Weißbinder
fü=
vorteilhaft hält. 6. Dem durch die Notverordnung erforderlichen Zu
ſchlag auf rückſtändige Gemeindeſteuer kann, der Gemeinderat unter
keinen Umſtänden zuſtimmen, da die örtliche Steuer ohnedies ſchon eine
überaus ſtarke Belaſtung bedeutet. 7. Zum Schluſſe finden noch in
nichtöffentlicher Sitzung Geſuche um Wochenfürſorge, Unterſtützung und
Arbeit Behandlung.
W. Heppenheim a. d. B., 8. Aug. Stadtratsſitzung.
Die an dieſer Stelle wiederholt gemachten Ausführungen über die
Vorkommniſſe im ſtädtiſchen Schwimmbad gaben zu einer
außer=
ordentlichen nichtöffentlichen Stadtratsſitzung Veranlaſſung, die
vorgeſtern abend ſtattfand. Zur Debatte ſtand die Freigabe des
Bades zum Familienbad. Mit Wirkung vom 8 d. M. darf das
ſtädtiſche Schwimmbad Sonntags. Dienstags, Donnerstags und
Samstags als Familienbad benützt werden. An den übrigen
Wochentagen iſt das Baden nach Geſchlechtern getrennt beſtimmt.
und zwar: „Montags und Freitags von 6 Uhr vormittags bis
12 Uhr mittags und Mittwochs von 1 Uhr mittags bis abends
9 Uhr für weibliche Beſucher: Montags und Freitags von 1 Uhr
mittags bis abends 9 Uhr und Mittwochs von 6 Uhr vormittags
bis 12 Uhr mittags nur für männliche Beſucher. —
Bezirks=
ſparkaſſe. Die als vorläufige Maßnahme gedachte und
durch=
geführte Diskonterhöhung der Reichsbank hat naturgemäß eine
Veränderung der Soll= und Habenzinsſätze der Sparkaſſen zur
Folge. Die Bezirksſparkaſſe Heppenheim gibt bekannt, daß es
ihr nicht möglich iſt, Spareinlagen mit 11 und 12 Prozent zu
ver=
zinſen, denn die auf der Baſis ſolcher Zinſen entſprechend zu
er=
höhenden Ausleihezinsſätze würden ein ſolches Maß annehmen
daß ſie für den größten Teil der Darlehensnehmer und
Hypo=
thekenſchuldner eine untragbare, von wirtſchaftlichen
Schädigun=
gen begleitete Laſt darſtellen würden. Es wurde vereinbart, für
alle Spareinlagen und Guthaben in laufender Rechnung mit ſ
Rückwirkung ab 1. Auguſt 8 Prozent zu vergüten, für größere
Be=
träge, die auf längere Zeit angelegt werden, kann nach
Verein=
barung ein entſprechend höherer Satz bezahlt werden. Die Kaſſe
gibt fernerhin bekannt, daß ſie mit Rückſicht auf die beſtehende
Wirtſchaftslage von einer Erhöhung der Sollzinsſätze für
Hypo=
thekendarlehen, Schuldſcheindarlehen und Darlehen an Gemeinden
vorerſt abſieht. Die Kaſſe fühlt ſich ſtark genug, die hierdurch ent
ſtandenen Zinsausfälle ſelbſt zu tragen.
W
1Me1
en nieder,
in von
170N=
Kalſtäd
om, und d
darüb
feil eind
* Erbach i. Odw., 8. Aug. Diephiloſophiſche
Doktor=
würde erwarb in der vorigen Woche an der Univerſität Frank. / 1.
furt a. M. Fräulein Lilli Seibold von Erbach Tochter
ſ=
des 1918 bei Montidis gefallenen Steinbacher Lehrers Phil.
Sei=
bold. Sie iſt die erſte Abiturientin der Michelſtädter
Oberreal=
ſchule, welche den Doktortitel erhielt. Die von ihr auf Anregung
des bekannten Germaniſten Prof. Hans Naumann verfaßte
Diſſer=
tation „Studien über die Huote” beſchäftigt ſich eingehend, mit
der Behütung der Frauen, welche um 1200 in Dichtung und
Kulturgeſchichte eine Rolle ſpielte. Ihr Arbeitsgebiet iſt
germa=
niſche Sprachwiſſenſchaft Literatur= und Kulturgeſchichte,
ein=
ſchließlich des Altnordiſchen und Altengliſchen und die
mittelhoch=
deutſch=höfiſche Blütezeit. Die junge Doktorin beabſichtigt, ſich
dem höheren Lehrfach oder der Preſſe zuzuwenden.
Cd. Michelſtadt 8. Aug. Von der Deutſchen
Lebens=
rettungsgeſellſchaft. Wieviel Menſchenleben hätten ſchor
gerettet werden können, wenn die Mcßnahmen zur Bergung und auc
zur Wiederbelebung eines Ertrunkenen allgemein bekannt geweſer
wären! Die Deutſche Lebensrettungsgeſellſchaft (D.OR.G.), hat ſick
nun in ſelbſtloſer Weiſe in den Dienſt der Lebensrettung geſtellt und
ſtrebt als höchſtes Ideal das Ziel an, jedermann zu unterrichten über
die Regeln und Fertigkeiten bei der Rettung und Wiederbelebung eines
Ertrinkenden. Auch in Michelſtadt wird in nächſter Zeit ein Kurſus
abgehalten, an dem ſich auch Nichtſchwimmer beteiligen können. Be
dieſer Gelegenheit kann, der Grund= bzw. Prüfungsſchein erworben
werden. Für diejenigen, die ſchon im Beſitze des Grundſcheines ſind
iſt die Teilnahme Pflicht. Es ſteht zu erwarten, daß ſich recht viele
Sportler an dem Lehrgang beteiligen werden, zumal der Grundſchein
beim Reichsjugendabzeichen und Reichsſportabzeichen, ſowie beim Ein.
tritt in die Reichswehr, Reichsmarine und Schupo erwünſcht iſt.
m. Vom ſüdlichen Odenwald, 8. Aug. Gewitter und
Sturm. Das Unwetter am Donnerstag richtete auch in hieſiger
Gegend in mehrfacher Weiſe Schaden an. Der Sturm ſchüttelte
die Bäume und beraubte ſie eines Teiles ihrer Früchte, auch
Aeſte wurden abgeriſſen; zahlreiche Garbengruppen wurden
um=
gefegt und oft noch weitergeſchleudert: der wolkenbruchartige
Regen, da und dort vermiſcht mit Hagelſchloſſen, wirkte durch ſein
Herabfallen und auch dadurch, daß abfließende Waſſermaſſen die
Feldfrüchte beſchädigten.
Du. Jugenheim, 8. Aug. Aufklärung des großen
Einbruchdiebſtahls auf Schloß Heiligenberg. Im
Jahre 1929 wurde auf dem Schloß Heiligenberg, welches im
Be=
ſitze des Herrn Geheimrat Dr. Görges in Berlin iſt, ein großer
Einbruchsdiebſtahl verübt. Zu gleicher Zeit wurden damals in
ganz kurzen Abſtänden auch im Gaſthaus „Zur Sonne” bei
Bäckermeiſter Weil und in verſchiedenen Villen größere oder
klei=
nere Einbrüche, wobei Geld und Gegenſtände geſtohlen wurden,
verübt. Man hatte damals ſchon ſtarken Verdacht, daß es ſich bei
den Tätern um anſäſſige, unter allen Umſtänden aber um durchaus
ortskundige Diebe handeln müſſe. Wie in den meiſten Fällen,
wurden auch hier der hieſigen Gendarmerieſtation durch
unge=
nannte dritte Perſonen die damaligen Diebe mit namentlicher
Angabe zur Anzeige gebracht. Da es ſich um verſchiedene und
auch an anderen Orten wohnende Perſonen handelte, wurde die
Darmſtädter Kriminalpolizei per Auto angefordert. Die
Beam=
ten vollzogen nun an ganz verſchiedenen Orten, wie Jugenheim,
Bickenbach, Alsbach, Pfungſtadt und Frankfurt, ausgiebige
Haus=
ſuchungen. Im Stettbachertal bei Jugenheim wurde ein ganzer
Wagen mit Diebesbeute zutage gefördert. Auf etwas amüſante
Weiſe entzog ſich der Führer dieſes Diebeszuges ſeiner
momen=
tanen Feſtnahme, aber auch er dürfte in den allernächſten Tagen
mit freier Station beehrt werden. Man kann unſerer hieſigen
Gendarmerieſtation zu ihrem wohlüberlegten Vorgehen Dank
aus=
ſprechen, denn mit Beſtimmtheit wurde hier ein außerordentlich
guter Fang gemacht. Es ſind junge Leute darunter, von denen
kein Jugenheimer angenommen hätte, daß ſie ſich mit ſolchen
Din=
gen befaſſen. Jedenfalls war der anſtrengende Tag für die
Be=
amten mit beſonderem Erfolg gekrönt.
N. Necha
Im
m dn
eſderg.
Nicht
d und
in Neckal
G. Lorf
Einer
49
einziger.
ſchei
ſeben 3
8 eriſtier
r 1898 d
1a
n von 2
Turnver
luend in
Sparer! Mittelstand! Eure Einkaufsquelle ist das Geschäftshaus Rehfeld.
Während meiner Aussteuer-Tage, ganz besondere Leistunigen in allen Abteilungen.
Einige 1000 Kopfbezüge
Posten IV
Posten I Posten II Posten III
ten IV
Enorme Posten Bettüſcher.
aus nur guten Stoffen, ganz bedentend unter
nur ganz bervorragende Ouflitäten,
regnlär Preis. Diege Posten müsgen Sie sehen. Hd. dS.BSNI9S
220 und 225 em lang
1.45 1.95 2.95 3.50
lch fertige Ihnen sämtliche Bett- und Küchen-Wäsche aus
den bei mir gekauften Stoffen kostenlos an, Betten
und Bettwaren kaufen Sie nirgends billiger.
Geschäfts
Haus
STüLtLi Liu
Barmstadt
Ludwigstr. 15
Nummer 219
Sonntag, den 9. Auguſt 1931
Seite 3
Verfaſſungstag in Heſſen.
Die Induſtrie= und Handelskammer Mainz ſchreibt uns:
das Land Heſſen hat den 11. Auguſt zum geſetzlichen Feiertag
ge=
jacht, wahrend das Reich, um deſſen Verfaſſung es ſich handelt,
isher hiervon abgeſehen hat. Da in katholiſchen Gegenden auch
ſtaria Himmelfahrt (15. Auguſt) geſetzlicher Feiertag iſt, wird
n der kommenden Woche an zwei Tagen die Arbeit ruhen. Da
ußer Baden kein anderes Land den 11. Auguſt zum geſetzlichen
eiertag erklärt hat, liegt es auf der Hand, daß die Wirtſchaft
ſeſſens, die nach der Lage des Landes in engen wirtſchaftlichen
ſeziehungen zu den angrenzenden Ländern ſteht, ſchwer geſchädigt
ſird. Die Wirtſchaftskreiſe Heſſens, und zwar Induſtrie, Handel,
ſandwerk und Landwirtſchaft, haben die heſſiſche Regierung und
en Heſſiſchen Landtag auf dieſe Schädigungen wiederholt und
indringlich hingewieſen und gebeten, daß entweder das Geſetz
ber die Feier der Verfaſſung des Deutſchen Reiches im Land
ſeſſen zurückgezogen oder daß wenigſtens die Feier auf den
fol=
enden Sonntag verlegt würde. Beides wurde abgelehnt, ſo daß
uch in dieſem Jahre die Hemmungen des Wirtſchaftslebens
ein=
reten werden.
Der Einzelhandel zum Verfaſſungstag.
Im Gegenſatz zu Preußen iſt in Heſſen der Verfaſſungstag zum
eſetzlichen Feiertag erhoben worden. Alle Anträge auf
Auf=
ſebung dieſes Geſetzes wurden bisher abſchlägig beſchieden. Der
ſeſſiſche Einzelhandel hat ſich erneut an Regierung und Landtag
ewandt mit dem Antrag, angeſichts der kritiſchen wirtſchaftlichen
Verhältniſſe den Verfaſſungstag als geſetzlichen Feiertag
aufzu=
ſeben und das Offenhalten der Ladengeſchäfte zu geſtatten. In
ſieſer überaus ſchwierigen Zeit, in der wohl die ganze
Bevölke=
ung wirklich nicht an die Abhaltung von Feiern und
Feſtlich=
eiten denkt, wird es vom Einzelhandel als ſchwere Unbilligkeit
mpfunden, daß ihm die Möglichkeit wirtſchaftlicher Betätigung
ſurch die Einſchiebung eines Feiertages abgeſchnitten wird.
G. Birkenau, 6. Auguſt. Unwetter. Nach
vorausegan=
gener drückender Hitze in den Vormittagsſtunden ging nachmittags
gegen 4 Uhr über Birkenau ein Gewitter mit wolkenbruchartigem
ſegen nieder, wie noch ſelten beobachtet wurde. Der Regen,
ge=
trieben von einem orkanartigen: Sturm, der erheblichen Schaden
an Bäumen und in den Gärten anrichtete, fiel ſo dicht, daß man
— kaum 20 Meter weit ſehen konnte. Die nach dem Ort zu abfallende
vom Kallſtädter Tal herkommende Obergaſſe war ein reißender
Strom, und die Einfallſchächte der Kanaliſation erwieſen ſich als
vollkommen ungenügend, da ſie im Nu verſtopft waren und das
Waſſer darüber hinausſchoß. Zum Glück iſt die Frucht zum
größ=
ten Teil eingebracht, ſo daß hier namhafter Schaden nicht
ver=
urſacht wurde.
Dr. Neckarſteinach, 8. Aug. Freitod auf den
Schie=
nen. Am Freitag früh wurde auf der Strecke Neckarſteinach—
nt, dah Ak Neckargemünd, nahe an der badiſchen Grenze, gegenüber dem Orte
eroen umF Rainbach, die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Es handelt
Drechend u ℳ ſich um den achtzehnjährigen E. Stadler aus Ziegelhauſen bei
Laß ar
Heidelberg, der ſich in der voraufgegangenen Nacht überfahren
ter und hmF ließ. Nicht weit von der Stelle fand man in einer Hecke das
hen Schädiank Fahrrad und den Rock des Toten. Der junge Mann hat vor der
vereinhat, i/k 1 Tat in Neckarſteinach geäußert, lebensmüde zu ſein.
Rechnung
Ca. Lorſch, 8. Aug. 60 Jahre Turnverein Lorſch
großerehFe. V. Einer der älteſten Vereine unſerer Gemeinde, der
Turn=
verein Lorſch, ſieht in dieſem Jahre auf ſein 60jähriges Beſtehen
zurück. Von den Gründern lebt heute Herr Alexander Herd noch
als einziger. Im Jahre 1899 kam der Verein in die glückliche
Lage ſich eine Fahne anzuſchaffen und einzuweihen. In den
er=
ſten ſieben Jahren ſeines Beſtehens hatte ſich der Verein dem
da=
herdurch Wᛋ mals exiſtierenden Bergſträßer Turnerbund angeſchloſſen, um im
Jahre 1898 dem Main=Rhein=Gau der Deutſchen Turnerſchaft
bei=
zutreten. Heute zählt der Verein mit ſeinen 120 Aktiven und einer
großen Anzahl paſſiver Mitglieder zu den ſtärkſten
Sportver=
einen von Lorſch und der näheren Umgebung. Das Arbeitsfeld
ſcheDokt
des Turnvereins hat ſich durch den ſtarken Zuſpruch der hieſigen
verſität F
Jugend in ein vielſeitiges verwandelt. Es beſtehen zurzeit vier
Erbach, Tocht
Abteilungen, und zwar: Geräteturnen, Leichtathletik, Wandern
ers Pk
und Handball. Auch eine Frauenabteilung und eine Abteilung
für Schüler und Schülerinnen ſtehen zurzeit trotz mancherlei
Hin=
derniſſe in voller Blüte. Am 8 und 9 Auguſt wird nun der ſchon
ein Menſchenalter beſtehende Verein ſein 60jähriges Stiftunsfeſt,
der Notzeit gehorchend, im engeren Rahmen und in ſchlichter
Weiſe, nach echter deutſcher Turnerart, begehen.
die Luge der gunsſoielſchaft i Monmt Jun Tsuk.
(Nach Berichten deutſcher Landwirtſchaftskammern.)
Die allgemeine Finanzkataſtrophe und die damit in
Zu=
ſammenhang ſtehenden Beſchränkungen des Geldverkehrs,
insbe=
ſondere die Reſtriktionsmaßnahmen auf kreditpolitiſchem Gebiet
haben neue ſchwerſte Bedrängniſſe für die
Land=
wirtſchaft gebracht. Die ſtarke Heraufſetzung des
Zinſendien=
ſtes muß die Notlage aufs Aeußerſte verſchärfen, ſie unterbindet
zurzeit jeden Perſonal= und Realkredit. Alle
Erwar=
tungen werden daher auf die inzwiſchen in Angriff genommene
Erntefinanzierung, die aber ohne eine erträgliche Regelung der
Zinſenfrage nicht zu löſen iſt, geſetzt. Infolge der Notverordnung
ruht der Geldverkehr mehr oder weniger vollſtändig.
Landwirt=
ſchaftliche Erzeugniſſe ſind daher entweder überhaupt nicht oder
nur zu außerordentlich niedrigen Preiſen verkäuflich. Unter
die=
ſen Umſtänden iſt es den Landwirten nicht möglich, ihre
eingegan=
genen Verpflichtungen zu erfüllen. Löhne können vielfach nicht
mehr in bar, ſondern nur in Form von Naturalwerten ausgezahlt
werden.
Die ſchonungsloſe Art der Steuereintreibung, wie ſie
zurzeit in der Ablehnung von Stundungsgeſuchen und der
Er=
höhung der Stundungszinſen zum Ausdruck kommt, hat größte
Beunruhigung in der Landwirtſchaft ausgelöſt.
Zu Beginn des Berichtsmonats konnte der Saatenſtand
im großen und ganzen als günſtig angeſprochen werden. Die
dar=
aufhin lang anhaltende Regenperiode verurſachte jedoch zum Teil
empfindliche Schäden. Die Getreideernte hat allgemein
früh eingeſetzt In der Niederung ſind Roggen, Weizen und
Gerſte zum größten Teil geſchnitten. Mit der Haferernte iſt in
den letzten Tagen des Juli begonnen worden. Durchſchnittlich
wird die Getreideernte insgeſamt als mittelgut bezeichnet.
Aus Süddeutſchland wird berichtet, daß der Ertrag an
Winter=
gerſte und Winterroggen keine günſtigen Ausſichten eröffnet.
Auf=
fallend ſtark iſt das Vorkommen von Mutterkorn bei Roggen und
Roſtbefall bei Hafer, Gerſte und Weizen. Letzterer litt beſonders
überall dort, wo die Umſtellung von Roggen auf Weizen auf zu
leichten Böden erfolgte, an Fußkrankheiten. Die Hackfrüchte
ſtehen im allgemeinen gut. Durchweg befriedigend ſind die
Be=
richte über die Tabakbeſtände in den ſüddeutſchen Gegenden.
Der Jahrgang 1931 verſpricht in qualitativer und quantitativer
Hinſicht ein erſtklaſſiges Material. Auch die Hopfenanlagen
ſtehen im allgemeinen gut.
Die Ernte auf Wieſen und Weiden und auf den Klee=
und Futterflächen iſt in dieſem Jahre dank der zahlreichen
Niederſchläge ſehr günſtig. Auch der Nachwuchs befriedigt
durch=
aus. Durch die Verlängerung der Reichsſilokreditaktion herrſcht
für Silobau ſtärkeres Intereſſe.
Die ſchwierige Lage auf dem Weltmarkt wirkte ſich auch
un=
günſtig auf den Viehabſatz aus. Der Pferdeabſatz ſtockt
faſt vollſtändig. In der Rindviehzucht und
Milchwirt=
ſchaft hat ſich im Berichtsmonat wenig geändert. Die Preiſe
für Zucht= und Nutzvieh liegen außerordentlich niedrig. Die
Rentabilität der Milchwirtſchaft hat ſich nicht gebeſſerk. Der
Milchertrag iſt befriedigend, zeigt aber gegen den Vormonat einen
leichten ſaiſonmäßigen Rückgang. Trotzdem die
Rentabilitäts=
bedingungen der Schweinehaltung immer mehr
zurück=
gehen, iſt nach den Ergebniſſen der letzten Zählung wiederum ein
verhältnismäßig ſtarkes Anſteigen zu verzeichnen. In der
Klein=
tierzucht findet vielerorts Kaninchen= und Ziegenhaltung
ſtär=
kere Beachtung. Die Geflügelhaltung wird infolge hoher
Produk=
tionskoſten und niedriger Eierpreiſe eingeſchränkt. In den Kreiſen
der bäuerlichen Geflügelhalter gewinnt die genoſſenſchaftliche
Eierverwertung bei ſteigenden Umſätzen immer mehr an
Aus=
dehnung.
Am Holzmarkt herrſcht vollkommene Ruhe, da jegliche
Nachfrage fehlt. Die Forſtkulturen ſtehen im allgemeinen ſehr gut.
Die feuchte Witterung hat die Entwicklung des Feld= und
Gartengemüſes ſehr begünſtigt. Während im vorigen
Monat die Gemüſepreiſe faſt durchweg befriedigend waren, ſind
ſie im Berichtsmonat durch die ſtarken in= und ausländiſchen
Zu=
fuhren zu den Märkten ſtark herabgedrückt worden. Nach dem
Einſetzen der Geldkriſe mit den Schwierigkeiten der
Deviſenbeſchaf=
fung iſt die ausländiſche Einfuhr von Gartenbauerzeugniſſen
weſentlich zurückgegangen. Die Ausſichten der Obſternte ſind
ſehr verſchieden. Aepfel und Birnen verſprechen im Durchſchnitt
einen guten Ertrag. Dagegen ſind bei den frühen Pflaumen nur
geringe Erträge zu erwarten. Die Süßkirſchenernte war im
all=
gemeinen ſehr gut. Bei dem durchweg befriedigenden Stand der
Weinberge kann allgemein mit einem überdurchſchnittlichen
mengenmäßigen Ertrag gerechnet werden. Das Weingeſchäft ruht
jedoch faſt vollſtändig, ſo daß die Lage der Winzer immer
troſt=
loſer wird.
Auf dem Arbeitsmarkt herrſcht im allgemeinen ſtarkes
Angebot an landwirtſchaftlichen Arbeitskräften.
g. Gernsheim, 8. Aug. Der Senior der katholiſchen
Geiſtlich=
keit der Diözeſe Mainz. Herr Geiſtlicher Rat Pfarrer Chriſtoph
Hüfner, in Gau=Weinheim wohnhaft, ein gebürtiger
Gerns=
heimer, vollendete heute in ſeltener körperlicher und geiſtiger
Friſche das 93. Lebensjahr. Der rüſtige Greis iſt am 7. Auguſt
1838 in Gernsheim geboren. Die Prieſterweihe empfing er am
17. März 1866 aus den Händen des ſeligen Biſchofs Freiherrn
von Ketteler — Eine neugeborene Kindesleiche wurde von dem
Schiffsmatroſen Georg Lerch aus Nierſtein, beſchäftigt bei der
Firma Münde, Mainz, im hieſigen Gemarkungsabſchnitt des
Rheins geländet. Die Leiche hat erſt einige Tage im Waſſer
ge=
legen. Die Ueberführung des Kindes, es handelt ſich um ein
Mädchen wurde auf den hieſigen Friedhof veranlaßt, woſelbſt
die gerichtliche Leichenſchau, wie auch die Sektion durch den
Kreis=
arzt des Kreisgeſundheitsamtes Groß=Gerau ſtattfand. Das
Landeskriminalamt Darmſtadt wurde ebenfalls von der
Leichen=
ländung in Kenntnis geſetzt. Ob ein Verbrechen vorliegt und
in=
wieweit ſich Anhaltspunkte ergeben, muß jetzt abgewartet werden.
— Einen guten Fang hat der Fiſcher Georg Badersbach zu
ver=
zeichnen. Es gelang ihm einen Karpfen im Gewicht von 15
Pfund zu fangen. — Am kommenden Montag beginnt der
Schul=
unterricht der katholiſchen Volksſchule wieder. — Zwei
Dreſch=
maſchinen haben augenblicklich eifrig mit dem Felddruſch zu tun.
— Eine Verfaſſungsfeier findet in Anbetracht der ernſten
Zeitver=
hältniſſe nicht ſtatt.
4a. Wolfskehlen, 8. Aug. Unfall. In der Gernsheimerſtraße
wurde am Ortsausgang ein Schulknabe von einem Frankfurter
Per=
ſonenauto überfahren und verletzt.
— Gernsheim a. Rh., 8. Aug. Waſſerſtand des Rheins
am 7. d. M.: 1,73 Meter; am 8. d. M.: 170 Meter.
— Hirſchhorn a. N., 8. Aug. Waſſerſtand des Neckars
am 7. d. M.: 1,84 Meter, am 8. d. M.: 2.44 Meter.
Ans Oberheſſen.
WSN. Gießen, 8. Aug. Großfener in Oberhefſen. In
der Nacht zum Samstag gegen ¼11 Uhr brach in dem Dorfe
Röth=
ges (Kreis Gießen) ein Großfeuer aus. Obwohl neben der
Ortsfeuer=
wehr noch mehrere benachbarte Dorffeuerwehren und die
Kreismotor=
ſpritze aus Gießen am Brandherd weilten, fielen den Flammen drei
Scheunen mit der geſamten Ernte, ein Stallgebäude und zwei Schuppen
zum Opfer. Dem Landwirt Georg Metzger verbrannten die Scheune,
der Stall und ein Schuppen ſowie die geſamten landwirtſchaftlichen
Ma=
ſchinen, die bisher geborgene Ernte, die Erntewagen und der
Hühner=
beſtand. Dem Landwirt Otto Meckel wurden die Scheune und die
Schuppen eingeäſchert und ein Stallgebäude teilweiſe von den
Flam=
men zerſtört; ebenſo dem Landwirt Georg Emmerich die Scheune
zer=
ſtört und der Stall in Mitleidenſchaft gezogen. Den vereinten
Be=
mühungen der Feuerwehren gelang es, wenigſtens die Wohngebäude der
drei Beſitzer zu erhalten. Der Großviehbeſtand konnte rechtzeitig in
Sicherheit gebracht werden. Die Feuerwehren hatten bis Samstag früh
zu tun ehe der Brandherd niedergekämpft war. Wodurch das Feuer
entſtanden iſt, läßt ſich bis zur Stunde noch nicht ſagen. Die
Unter=
ſuchung iſt im Gange. Wie man hört, ſollen die geſchädigten
Land=
wirte verſichert geweſen ſein.
Goodyear
HEAVV BUTT
Kräftig, zuverlässig und sicher . . . auch
auf den schlechtesten Straßen.
Unver-
gleichlich wirtschaftlich ... . durch die
größere Zahl von Reifenkilometern. Kein
anderer Reifen kann mehr bieten —
ganz gleich, wieviel Sie für ihn anlegen.
Fahren Sie Goodyear Heavy Dutl
Albin Schurig „Gummi Schurig‟
Spoz.- Repar.-Werkstätte für Aufobereifung
Darmstadt, nur Hügelstr. Nr. 89
(Ecke Landgraf-Philipp-Anlage)
Ae
Eränder — Vorwärtsstrebende
10000 Mark Belohnung.
Näheres kostenlos durch (1V637:
*. Erdmann & Co.. Berlin SW. 11.
Reparaturen,
Erſatzteile
ſpottbillig bei
zahrrad=Glaß
Neckarſtraße 26. *
ain Eten
Ae Vrnen
Stahlblech
Frankfurt a. M. 3
Taunusstraße 5
Tel. 33036
Wenn
Sie
auch
ietzt
kein
Geld
haben,
ſo geben wir dennoch unſere Qualitätsmöbel
bis auf Weiteres zu herabgeſetzten Preiſen
ab. — Beſichtigen Sie unſere 10
Schau=
fenſter und unſere Ausſtellungslager, ſo
werden Sie über die herrlichen Modelle
und Preiswürdigkeit erſtaunt ſein.
Unbe=
grenzte, koſtenloſe Aufbewahrung und
Ver=
ſicherung garantiert.
Möbelfabrik Karl Klenk Nachr.
Lambock & Co.
(11496b
Schreibmaschinen
gebraucht, verschiedene Systeme
von BOMK. un
ferner fast ständig greifbar
Continental, Adler,
Mercedes, Stöwer,
Urania, Underwood A
usw., gebraucht, zu äußersten Preisen. W
Zahlungs-Erleichterung auf Wunsch. W
Garl Winkell
Darmstadt (11279a) Rheinstr. 28
Telephon 4205
Malnz, dr. Bleiche 23 Tel. 5554
Matürliche
1. Rubin.
Kirchſtraße 10.
Mineralwaſſer
Abzeichen
IMM zu Haustrinkkuren füluff
Altbuchhorſt — Biskirchen —
Brük=
kenau — Dürkheim — Ems —
Fachingen — Friedrichshall—
Hom=
burg — Karlsbad — Kiſſingen
Lamſcheid — Lauchſtädt — Levico
Marienbad — Mergentheim —
Mondorf — Neuenahr — Ober=
Salzbrunn — Ofen (Apenta und
Hungadi Janos) — Salzſchlirf —
Vichy — Weilbach — Wildungen
und andere.
11594a)
Alleiniger Großvertrieb für hier und
Umgegend der
Kaiser Friedrich-Quelle,
Offenbach
Elisabethen-Cuelle, Vilbel
Martin Jahn, Darmſtadt
Pallaswieſenſtraße 30 — Telefon 305
Finanz= u.
Grund=
ſtücksberatung.
Abernehme
Steuer=
erklärungen.
Buch=
führung,
Bilanz=
arbeiten, Verhandl.
mit Gläubigern.
Diskret, reiche
Er=
fahr. (Komme auch
nach auswärts.)
Fa. Gg. Ebert,
Saalbauſtr. 60.
Rieſenſchlager
in erſtklaſſigen
Fahrrädern
zu noch nie
dagewe=
ſenen bill. Preiſen!
Fr. Gütting,
Schuchardſtraße 10.
(10519a)
Hauiersimmen
sofort (10289a
Tel. 2457
Havler-Hrnoid
EckeErbacherstr.
Schreibmaſchin.
auf Raten von 3.75
Mark. Verl.
Ange=
bot unter F. 193 a.
d. Geſchſt. (11439b
Preiswert. n. gutes
Leder!
Herrenſohlen v. 95.5
Damenſohlen v. 65.J
Led.w. grat. gewalzt.
Arbeiterſtief., 40/47,
von 5.25 ℳ. (3400a
Plaketten
Fahnennägel
Stempel
Schilder.
F. Renß,
Grav.=Anſt. (10441a
Grafenſtraße 39.
1 faſt neue
Feder=
rolle geg. Einſpän.=
Wagen zu vertſch.
Wo, zu erfr. Geſch.
Brauchen Sie Geld!
Kaufe
reparaturbe=
dürftige und alte
Fahrräder preisw.*
IhreAdr. u. G. 186Gſt.
Klein. Herd zu kf.
geſucht. Angeb. u.
G. 176 a. d. Gſchſt.*
Solange
noch
R
in grassen
Käumungs
veger
Unrug!
PI
RP.
MARKEN-TEPPICHE
Ol
Deutschlandz (für weiche die Verkaufs!
geise festgekst sind und unter kei
sen Umständen dilliger verkauft -
O
verdien durfter! K
— mu 30!0
mtr de mdren Mindest beisen
zu kaufen geſucht.
Angeb. unt. G. 121
a. d. Geſch. (11674 Bienen
weg. Aufg. d. Zucht
billig abzugeb. (*f
Erbacherſtraße 8, I. A Gebr. Chaiſelonque
zu kaufen geſ. Off
u. G. 159 Geſch. (* Selbſtgeber gibt
Darlehen b. 3000,
an jederm., geg. Ge=
halt. Penſ., Rente,
Möb., Haus= u. Gr.=
Beſ., Bürge, reell u.
ſchnell. Angeb. unt.
G. 146 a. d. Geſch. Weißer Gasherd
mit Bratofen z. kf.
geſucht. Preisang.
u. G. 113 Geſch. (* Zu kaufen geſucht
1 guten Jagdhund
Angeb. unt. G. 190
a. d. Gſchſt. (11714
Privat=Kapital
in jeder Höhe geſucht. Diskrete
Bear=
beitung und gute Anlage bei nur erſter
Sicherheit in
I, Hypotheken, Ia Beteiligungen.
Gute Verzinſung, hober Gewinn.
Unterlagen, vorher von erſtem Fachbüro
geprüft. Bearbeitung für
Geldgebe=
koſtenlo8. Angeb. u. G 148 an d. Geſchſt.
al5000 Mk. v. Selbſt=
Bauſparverkrag geb. geſucht als 1.
G. d. F., üb 20 000/Hypoth. f. Neubau
ℳ abgeſch. Feb. 28, i. W. v. 17 000 ℳ.*
bill. zu verkauf. (* Ang. u. G. 155 Gſe
Ang. u. G. 150 Gſch. Welche Dame
1500 Mk. geg. Sich. würde Geld geb. f.
(Eintrag) v. Selbſt=Gegenleiſt. anderer
geb. zu leih. geſ. (* Art? Adr. erb u.
Off. u. G. 55 Gſch.1G. 136 a. d. Geſch.*
Zerſtörte Rheinuferſtraße ſüdlich von Bonn.
Ueber dem Mittelrhein gingen ſchwere Unwetter nieder, die überall großen Schaden anrichteten.
Beſonders ſchwer betroffen wurde der Kurort Mehlem, der einem rieſigen Schlammbad gleicht.
Die Unglücksſtelle der Albula=Bahn zwiſchen Filiſur und Stuls (Engadin).
Auf der Albula=Bahn zwiſchen Chur und Ober=Engadin ging ein rieſiger Felſen nieder, der di
Lokomotive des Zuges zertrümmerte und 400 Meter über das Steingeröll ſchleuderte. Während de
Lokomotivführer getötet wurde, blieben die Reiſenden und das Zugbegleitungsperſonal unverletzt.
neich and Ausland.
Evangeliſcher Volkstag in Frankfurt a. M.
EPH. In einer gemeinſamen Sitzung aller
beteiligten Kreiſe wurde beſchloſſen, den
Frank=
furter Evangeliſchen Volkstag, wie urſprünglich
geplant, am 6. September abzuhalten. Wegen
der Ungunſt der Verhältniſſe ſoll eine
Beſchrän=
kung auf den Haupttag ſtattfinden. Es wird
auch mit der Beteiligung der Evangeliſchen aus
den heſſiſchen Nachbarorten gerechnet.
Ein Einbrecher auf der Flucht vor der
Ver=
haftung durch einen Kriminalbeamten
angeſchoſſen.
Ba. Wiesbaden. In der Wohnung des
Einbrechers Sturm, Ellbogengaſſe 15, nahm die
Kriminalpolizei eine Hausſuchung vor. Man
fand geſtohlene Wert= und Silberſachen und
ver=
haftete Sturm ſowie ſeinen Freund und
Kom=
plizen, den 25 Jahre alten Einbrecher Otto Riſch
aus Schauren, der erſt kürzlich aus dem
Ge=
fängnis entlaſſen wurde. Letzterer riß ſich von
dem Kriminalbeamten los und ſuchte ſein Heil
in der Flucht. Da er auf wiederholten Anruf
nicht ſtehen blieb, war der Beamte gezwungen,
von ſeiner Schußwaffe Gebrauch zu machen. Die
Flucht ſetzte ſich bis auf die Straße fort, wo der
Beamte durch zwei Schüſſe Riſch am Geſäß und
Oberſchenkel verletzte. Man brachte den
Verwun=
deten ſofort in das Pelzgeſchäft Jungbauer, und
von da wurde er in das Krankenhaus gegen
1234 Uhr überführt. Die ziemlich enge
Ellen=
bogengaſſe war durch dieſen Vorfall ſofort von
vielen Paſſanten umlagert. Sturm ließ ſich
ohne Widerſtand verhaften. Riſch, der ſich im
Krankenhaus einer Operation unterziehen
mußte, liegt lebensgefährlich verletzt darnieder.
Folgen der Trunkenheit.
Limburg. Im betrunkenen Zuſtand fing
ein Hausbewohner mit ſeinen Mietern einen
Streit an, der ſoweit führte, daß eine Mieterin
in Ohnmacht fiel und die Polizei einſchreiten
mußte, die den Mann feſtnahm. Während des
Streites entfernte ſich das ſechsjährige Söhnchen
des Verhafteten und ging an die Lahn, wo es
beim Spielen ins Waſſer fiel und ertrank. Als
die Mutter von dem Tode ihres Kindes hörte,
erlitt ſie einen ſchweren Nervenzuſammenbruch.
Südamerikafahrt des Luftſchiffs „Graf Zeppelin”
Berlin. Das Luftſchiff. „Graf Zeppelin”,
wird vorausſichtlich am 26. Auguſt von
Fried=
richshafen aus eine Fahrt nach Südamerika mit
Poſtbeförderung unternehmen, die bis
Pernam=
buco führen wird. Von Pernambuco aus ſoll die
Poſt mit einem Sonderzug nach Rio de Janeiro
gebracht werden, wo ſie der braſilianiſchen
Poſt=
verwaltung zur Weiterbeförderung übergeben
wird. Sendungen an Empfänger in den
ſüdbra=
ſilianiſchen Staaten Parana, Santa Katharina
und Rio Grande do Sul werden außerdem mit
planmäßigem Streckenflug des Condor=Syndikats
weiterbefördert. Die Deutſche Lufthanſa wird
ferner einen Sonderzug von Berlin nach
Fried=
richshafen veranſtalten, zum Anſchluß an die
Südamerikafahrt des Luftſchiffes „Graf
Zeppe=
lin‟. Die Fahrt des Luftſchiffes wird je nach
Wetterlage über die Kanariſchen oder
Capverdi=
ſchen Inſeln führen, wo über Santa Cruz de
Tenerife oder Porto Praya Poſt abgeworfen
wird. Für die Beförderung wird eine
Einheits=
geſamtgebühr von 2 RM. für eine Poſtkarte und
4 RM. für einen Brief bis 20 Gramm erhoben.
Wertvolle Perlenhalskette verſchwunden.
Berlin. Einen ſchweren Verluſt hat eine
Engländerin Miß Watſon aus London erlitten.
Sie reiſte von Wien nach Nürnberg und mußte
bei der Ankunft dort feſtſtellen, daß ihr eine
Halskette von 127 echten orientaliſchen Perlen
mit Diamantſchloß abhanden gekommen war.
Ob die Kette verloren oder geſtohlen wurde,
ſteht noch nicht feſt. Das Schmuckſtück hat einen
Wert von 540 000 Mark.
Tragiſcher Unglücksfall eines Kindes.
Winnen (Kreis Weſterburg). Das
ſieben=
jährige Söhnchen des Schmiedemeiſters Loß aus
Winnen ging, mit einem Küchenmeſſer in der
Hand, mit dem es einen Griffel geſpitzt hatte, die
Treppe hinunter. Das Kind kam zu Fall, wobei
das Meſſer dem Knaben ſo unglücklich in den
Hals traf, daß die Schlagader durchſchnitten
wurde. Der Tod trat alsbäld ein.
100jähr. Jubiläum Deutſchlands älkeſter Baugewerkſchule.
Die Baugewerkſchule in Holzminden (Braunſchweig)
ſeiert in dieſen Tagen das Jubiläum ihres 100jährigen Beſtehens. Die Anſtalt iſt die älteſte
Baugewerkſchule Deutſchlands. Das ietzige Gebäude wurde 1902 errichtet.
Selbſtmord oder Unglücksfall?
Friedrichshafen. Der Bauunternehmer
Hamann fuhr geſtern nachmittag mit Frau und
zwei Kindern, mit einem Ruderboot auf den
Bodenſee hinaus. Gegen abend fand ein
Fiſcher=
meiſter das Ruderboot in einwandfreiem
Zu=
ſtand, und in der Nähe des Bootes die Leiche
der Frau Hamann auf. Die Handiaſche und der
Mantel der Frau lagen im Boot. Man nimmt
an, daß die Familie Hamann freiwillig aus dem
Leben geſchieden iſt. Die Leichen der übrigen
Ertrunkenen konnten noch nicht aufgefunden
werden.
„St. Philibert.”
Belaſtende Unterſuchungs=
Ergebniſſe.
Paris. Aus dem Schiffsraum des „St.
Philibert” wurden bis jetzt 19 Leichen
gebor=
gen. Einige konnten identifiziert werden,
dar=
unter der öſterreichiſche Staatsangehörige Franz
Keller, geboren am 11. März 1902, der in der
Gegend von Nantes arbeitete. Weitere Leichen
ſind noch in den mit Sand und Schlamm
meter=
hoch angefüllten Schiffsräumen begraben und
werden in den nächſten Tagen bei
fortſchreiten=
der Säuberung der Räume geborgen werden
können. — Die Unterſuchungskommiſſion konnte
bisher nur das Aeußere des Schiffes einer
Un=
terſuchung unterziehen. Dabei iſt ihr
aufgefal=
len, daß die Türen zur Kielſeite des Schiffes
geöffnet waren. Es ſcheint, daß die
Schiffslei=
tung auch auf dieſer, für die Paſſagiere
nor=
maler Weiſe unzugänglichen Seite des Schiffes
die Ausflügler verſtaut hat, die ſowieſo ſchon in
allzugroßer Zahl den kleinen Flußdampfer
be=
laſteten.
Ueber 100 000 Einwanderer nach den Vereinigten
Staaten eingeſchmuggelt.
Waſhington. Die Regierung der
Ver=
einigten Staaten iſt nach einer Mitteilung des
Arbeitsminiſters Doak einer Organiſation auf
die Spur gekommen, die es unter der aktiven
Beihilfe von Einwanderungsbeamten verſtanden
haben ſoll, über 100 000 Einwanderer nach
Amerika hineinzuſchmuggeln. Zehn Beamte der
Einwanderungsbehörden ſind bereits verhaftet
worden.
Weiterflug des „Do. X‟.
Para. Das Flugſchiff „Do. X” iſt geſtern
vormittag von San Luiz de Maranbao zum
Weiterflug nach Para geſtartet.
600 Kilometer Geſchwindigkeit in der Luft?
A. S. Franzöſiſchen Meldungen aus
Mar=
ſeille zufolge, haben die Trainingflüge der
fran=
zöſiſchen Militärflieger, die am Luftrennen um
die Schneider=Trophäe teilnehmen wöllen,
phan=
taſtiſche Geſchwindigkeiten ergeben, die die
Rekordzeiten des letzten Schneider=Rennens noch
erheblich übertreffen. Bei den Probefahrten, die
auf dem See von Berre vorgenommen werden,
ſind danach 595 Kilometer in der Stunde erzielt
worden. Leider haben dieſe Flüge bisher auch
zwei Todesopfer gefordert. Acht andere Piloten
ſetzen ihre Schulungsflüge unter der Leitung
des bekannten Fliegers Sadi=Lecomte fort.
Die vom Pech verfolgten amerikaniſchen Welt=
Flieger in Japan feſtgehalten.
Tokio. Den amerikaniſchen Piloten
Pang=
horn und Herndorn, die auf ihrem Fluge um
die Welt auf dem hieſigen Flugplatz eintrafen,
iſt von den japaniſchen Behörden die Fortſetzung
ihres Fluges unterſagt und ihr Flugzeug
be=
ſchlagnahmt worden. Die Flieger hatten
ver=
ſäumt, eine Erlaubnis der japaniſchen
Regie=
rung zum Ueberfliegen japaniſchen Gebietes
ein=
zuholen und hatten außerdem eine Route
ein=
geſchlagen, die über „verbotenes”
Befeſtigungs=
gebiet führt. Da die beiden Amerikaner
außer=
dem noch Photoapparate an Bord mitführten,
meſſen die japaniſchen Behörden der Verletzung
ihres Hoheitsrechts ernſte Bedeutung bei. Man
nimmt jedoch an, daß es gelingen wird, die
An=
gelegenheit auf gütlichem Wege beizulegen, und
keine ernſten Verwicklungen eintreten werden.
Drei Flugzeuge in der Luft zuſammengeſtoßen.
New York. Während eines
Geſchwader=
fluges ſtießen drei Armeeflugzeuge über dem
Flugplatz Selfridgefield bei Michigan zuſammen.
Zwei der Flieger ſprangen mit dem Fallſchirm
ab und wurden erheblich verletzt, während der
dritte ſeine Maſchine unverſehrt zu Boden
brachte.
Schwimmrekord eines 14jährigen Mädchens.
Ottawa. Ein 14jähriges Mädchen namens
Mary Bell aus Port Dalhoufe (Ontario)
durch=
ſchwamm vorgeſtern die äußerſt gefährliche
Strecke unterhalb den Niagara=Fällen und
ver=
beſſerte gleichzeitig die bisherige Rekordzeit um
eine Minute. Sie iſt die erſte weibliche Perſon,
der dieſe ſchwimmeriſche Leiſtung gelungen iſt.
Großfeuer.
Vier Kinder verbrannt.
Tarnowitz. In dem Dorfe Dombkowic
bei Tarnowitz äſcherte ein Großfeuer nicht weni
ger als 70 Häuſer und Scheunen ein. Der Sach
ſchaden beziffert ſich auf rund 1000 000 Zlotr
Dem Feuer, das in weitem Umkreis ſichtbar war
fielen zwei Kinder zum Opfer. Die Entſtehungs
urſache iſt noch nicht bekannt. 200 Perſonen ſin
obdachlos geworden. Die 30 Feuerwehren, di
aus den Kreiſen Tarnowitz und Lublinitz herbei
geeilt waren, konnten nicht mehr viel rettei
da großer Waſſermangel herrſchte.
Euskirchen. In dem benachbarten Geie
entſtand in dem Anweſen eines Landwirts ei
Brand, der auf ein mit Stroh und Heu gefül
tes Stallgebäude übergriff, in dem ſich drei Kir
der des Landwirts aufhielten. Ein andere
Kind eilte zur Brandſtelle, um die Geſchwiſte
zu retten. Die Kinder hatten ſich jedoch in da
Innere des brennenden Stalles zurückgezogen,
daß es nur gelang, das jüngſte der drei Kinde
in Sicherheit zu bringen.
Zwei Berliner am Finſteraarhorn abgeſtürz
Bern. Wie vom Jungfraujoch gemelde
wird, ſind beim Abſtieg vom Gipfel des
Finſte=
aarhorns zwei Berliner Touriſten währen
eines heftigen Gewitters 200 Meter tief abge
ſtürzt. Der Abſturz erfolgte aus etwa 300 M
ter Höhe, beim Abſtieg vom Gipfel des Finſte
aarhorns zum Huggi=Sattel, während eine
heftigen Gewitter. Es konnte noch nicht feſtg
ſtellt werden, ob die Verunglückten vom Bli
erſchlagen worden ſind, ober ob der Abſturz au
anderen Urſachen erfolgte. Beide hatten Pick=
und Steigeiſen im Suggi=Sattel zurückgelaſſer
Vom Jungfraujoch aus iſt am Samstag vormi
tag eine Kolonne zur Bergung der Leichen au
gebrochen. Ueber die Perſonalien der Verur
glückten iſt noch nichts bekannt.
Ozeanflug Detroit-Kopenhagen.
Kopenhagen. Der amerikaniſche Pile
Cramer, der ſich auf einem Flug von Detro
nach Kopenhagen befand, mußte während de
Fluges von Island nach den Färöer Inſeln in
folge Motorſchadens auf dem Waſſer niede
gehen. Er konnte jedoch ſpäter den Flug wiede
aufnehmen und iſt inzwiſchen wohlbehalten au
den Färöern gelandet. — Cramer, der von einer
Mechaniker begleitet wird, will auf ſeinem Flu
die Möglichkeiten für die Einrichtung eine
regelmäßigen Flugverbindung von Amerika na
Skandinavien unterſuchen.
Der Gouverneur von Oklahoma
legt 3000 Oelkürme ſtill.
William H. Murray,
der Gouverneur des nordamerikaniſchen Stac
tes Oklahoma, der ſchon verſchiedentlich wege
ſeiner diktatoriſchen Maßnahmen herportra
hat jetzt kurzerhand 3000 Oeltürme ſeines Stac
tes ſtillgelegt, um die Oelfirmen zu zwingen
die Oelpreiſe heraufzuſetzen. Durch die ſtark
Senkung der Oelpreiſe war im Steuerhaushal
des Staates Oklahoma ein großes Defizit ent
ſtanden.
Nummer 219
Sonntag, den 9. Anguſt 1931
Seite 8
Zelslawine zerkrümmerk Lokomokive der Albula=Bahn.
Schwere Unwekkerverheerungen am Mikkelrhein.
[ ← ][ ][ → ]Nummer 219
Sonntag, den 9. Auguſt 1931
Seite 9
Dentist
Gustau Amelung
Gretel Amelung
geb. Krauße
Vermählte
Hannover, den 8. August 1931
Feuerwehrstr. 2.
Für die erwieſenen Aufmerkſamkeiten anläßlich
unſerer Vermählung danken herzlichſt
Willy Emmerich und Frau
Elſe, geb. Keller.
Darmſiadt, Weinheim, 8. Auguſi 1931. (*
Heute verſchied nach ſchwerem Leiden mein innigſigeliebter
Gatte, der liebevolle Vater ſeines Kindes, unſer lieber
Sohn, Schwiegerfohn, Schwager und Onkel
Deil Aoui Maninig
im Alter von 37 Jahren
In tiefer Trauer:
Anna Münnig, geb. Krämer
Hilde Münnig.
Darmſtadt, den 8. Auguſi 1931.
(11679
Die Beerdigung findet Montag, den 10. Auguſt, nachmittags 3 Uhr,
auf dem Waldtriedhof ſtatt.
Für die zahlreichen Geſchenke, ſowie
Blumen=
penden anläßlich unſerer Verlobung danken herzlichſt
Hanni Landzettel
Artur Fink.
Mein Ausverkauf
wegen Geschäftsübergabe an meinen Sohn
und Verlegung nach dem Stadtkirchplatz
dauert nicht mehr lange
Sie haben die Gelegenheit
erst-
klassige Erzeugnisse zu
außer-
gewöhnlichen Preisen zu kaufen
Preisermäßigungen
von 10 bis 50%
Philipp Schaaf
Fachgeschäft für erprobten Hausrat
20 Ernst-Ludwigstr. 20
Nach einem arbeitsreichen Leben ſiarb
am 7. Auguſi nach ſchwerer Krankheit
meine liebe Frau, unſere treu beſorgte
Mutter und Großmutter
Frau Marie Werner
geb. Koch
im Alter von 61 Jahren.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Ludwig Werner, Schreinermeiſier.
Darmſtadt, Sandbergſtraße 25.
Die Beerdigung findet am Montag um 3 Uhr nachmittags
auf dem Beſſunger Friedhof ſtatt.
Samstag mittag verſchied
plötz=
lich meine liebe Frau, unſere
Mutter, Großmutter
Anna Liebert
verw. Klecinsky
im vollendeten 64. Lebensjahr.
In tiefer Traner:
Richard Liebert
Alex Klecinsky und Fran
und 7 Enkelkinder.
Die Beerdiguug findet Montag,
nachmittags 4 Uhr, auf dem
Wald=
friedhof ſtatt.
Von der Reise zurück
Zahnarzt
Dr. Schifferdecker
6 Heinrichstraße 6
9-12 u. 2-6 Uhr
Telephon 868
(11694b)
W. Reeg, Bentist
verzogen nach (11489b
Rheinstraße 30
Heute vormittag verſchied nach längerem, ſchweren
Leiden, wohlverſehen mit den hl. Sterbeſakramenten,
unſere liebe Tante
Fräulein Katharing König
im 75. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Hubert Opſermann.
Darmſtadt, den 8. Auguſt 1931.
Herdweg 28.
Die Beerdigung findet am Montag, den 10. Auguſt,
nachm. 1½ Uhr, vom Portale des alten Friedhofs
an der Nieder=Ramſtädterſtraße aus ſtatt.
Von der Reise zurück!
Dr. Müller
Facharzt für Haut- und
Harnleiden (TV. zi6e1
Rheinstr. 6.
Dr. Birnbaum
Verreist.
Vertreter ind die Herren.
Dr. Drauth, Heinrichstraße 17.
Geh. San.-Rat Dr. Hoffmann, Annastr. 40.
Dr. Lepdhecker, Heinrichstraße 23.
San.-Rat Dr, Orth, Bismarckstraße 57.
San.-Rat Dr. Sior, Hochstraße 60.
Von der Reise zurück
Dr. Isaak
Facharzt für Hauf- und Harnkrankheiten
Röatgen- und Lichtbehandlung
Kasinostr. 10 (TV. 11329) Tel. 2569
Zurdek
Dentist K. Grab
Elisabethenstr. 54 (en
Sprechst: 9—12, 2½—6. Tel. 1541
Bis 17. 8. einſchl.
verreiſt!
Vertreter:
Herr Dr. Scherer,
Heinrichſtraße 64.
Dr. 5. Sell
Facharzt für
Lungenkrankheiten.
(41710)
Wer gibt arm.
kin=
derr. F. noch gute
Matr., Küchenſchr.
u. 1tür. Kleiderſchr.
bill. ab? Angeb. u.
G. 152 a. d. Geſch.
Beiladung
nachThü=
ringen nimmt an
Regelm. Verk. nack
Frankfurt Dienst.
und Freitag. (*
I Kugler.
Liebfrauenſtr. 33,
Telefon 1011.
Kragen auf neu
wäſcht, ſtärkt, büg.
St. 10 J. Heußlein
Grafenſtr. 10, III.
Woog, 8. Aug 1931.
Waſſerhöhe 4.09 m.
Luftwärme 20 C.
Waſſerwärme
vor=
mittags 7 Uhr 22CC.
Woogs=Polizei=Wache
25% Rabatt
auf einen Posten
Fahrräder und
Kinder-Hagen
Nur bei
Karlsstr. 14/16
rödles Fahrrad- u
Kinder-
wagen-Spezialhaus Hess.
0 Jahre
Japeten
Stützer
Stee
Großer Aabiläums-derkauf
zu fabelhaft billigen Preisen
11676
Flügelu. Pianos
ſowie Möbel= und andere Transporte
werden innerhalb der Stadt und nach
auswärts durch Schnell=Lieferwagen billig
ausgeführt. Milhelm Hanſel,
Brand=
gaſſe 6, Telephon 4062.
Hohlen und Fleck
Herren
Damen
2.-.. 2.20
2.60
Abſolute Schonung des Rahmens
Kein Nageln Nur Klebarbeit
Spezialität:
Opanken Sohlen 1.50
Ledka=Werkſtätten
Lniſenſtraße 42 u. Arheilgerſtraße 8
(11698
Ecke Eliſabethenſtr.
Handelshochschule Leipaig
m
Beginn des Winter-Semesters 193 /32
am 15. Oktober. —
Vorlesungsver-
zeichnis mit Aufnahmebedingungen
(50 Z u. Porto) durch das Sekretariat.
WV 11638
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme bei dem
Hinſcheiden meiner lieben Frau
Mathilde Glock
ſagen wir hiermit allen Bekannten, insbeſondere
Herrn Dr. Berger, ſowie allen Verwandten unſeren
innigſten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Glock
Karl Biſchoff.
Darmſtadt, den 8. Auguſt 1931.
Kahlertſtraße 7.
Von einem Posten Tapeten (viele 1000 Rollen)
kann der Käufer den Preis selbst bestimmen.
Verwenden Sie nur Stützer Wachs-Probedosen gratis.
DIla.
in ſch. fr. L., 1 od.
2 Fam. z verk. Off
u. G. 163 Geſchſt.
Dankſagung.
Bei dem Heimgange unſerer lieben Entſchlafenen
Frau Eva Kataring Breitwieſer Vwe.
geb. Dölp
Ober=Ramſtadt
ſagen wir auf dieſem Wege unſeren beſien
Dank. Insbeſondere danken wir Herrn Pfarrer
Nürnberger für die troſtreichen Worte am Grabe,
den beiden Krankenſchweſtern und der Familie
Kratz für ihre liebevolle Pflege, ſowie Allen,
die ſie zur letzten Ruhe geleiteten.
Im Namen aller Hinterbliebenen:
Familie Yölp, OberKinzig.
Ober Ramſtadt, 8. Auguſt 1931. 11715
Da unſ. Mitglied.=
Zahl ſehr zuſamm.., möchten
wir noch einige
Da=
men od. Herren in
unſ. Kreis
aufneh=
men. Zweck unſeres
Zuſammenſeins iſt,
vereinſ., geb. Dam.
u. Herren a. d. G.
zwangloſ. Anſchluß
zu biet. Kein
Bei=
trag. Zuſchrift.
zu=
nächſt erb. u. G. 139
a. d. Geſchäftsſt. (*
Eine Freundin
wünſcht ſich 18jähr.
ehrb. Mädel, 1.70m
groß, ev., zw.
Ge=
ſelligk. u. gemeinſ.
Spaziergäng. Ang.,
mögl. mit Bild, w.
ehrenw. zurückgeſ.
wird, u. G. 162 an
die Geſchäftsſt.
Einheiraten?
Näheres diskret geg. 30 Pig
„Der Bund” in Kiel"
Zweigstellen überall
IP 151
Fräulein
Ende 20, w. große
Liebe f.
Familien=
leben u. Natur hat,
wünſcht d.
Bekannt=
ſchaft eines paſſend.
Herrn zw. ſpäterer
Heirat. Zuſchrift. u.
G. 166 a. d. Geſch.
Anonym zwecklos.
Diskret. zugeſich.
Belslellen
25.-
19.50
22.50
15.75
Matratgzen
32.50 29.50
26.50 24.50
Deckbeiten
35.- 29.50
26.50 19.75
Bederkissen
8.50 7.50 6.50
5.50 4.50
Belliedern
5.50 4.50
3.75 2.25
Bempliecten
22
12.75
18.-
9.75
Kinderbelten
29.75
23.25
27.50
19.50
Hleider-
Schränke
145.-
53.”
Eheanbahnung f. a.
Stände u. Berufe.
Str. reell u. diskr.
Frau G. Schuchmann
Darmſtadt,
Stiftsſtraße 46. (
2 nette Mädels,
Freund., mit etwas
Verm. ſuchen ältere
Herr. zw. Heirat k.
zu lernen. Ang. u.
G. 114 a. d. Geſch.*
Alleinſteh. Dame,
40erin, m. Eigenh.
u. feſt. Einkommen,
ſymp. Erſch., wünſcht
Ehepartner, n. über
50 J., unabh.
ehren=
haft. Charakt. höh.
Poſit. (ev. penſ. o.
abgeb höh.
Beam=
ter). Offerten unter
G. 103 a. d. Geſch.
Gebild. Dame
(50in) ſucht
Beglei=
tung für Fuß= und
Radtouren.
Angeb. unt. G. 140
a. d. Geſchäftsſt. (*
in Jugenheim a. d.
Bergſtr., 8 Zim. u.
Zubeh., Zentr.=Hz.,
Garage, ca. 1260am
Garten, p. ſofort z
verkaufen f. nur ℳ
30 000.— od. z. vm.
Monatl. Mietpr.:
ℳ 150.— Näh. d.:
Rudolf Ebert,
Immob., Auerbach
(Heſſen) (11673
* Sie bauen mit
1200.— Mk.
Kap. bereits ein
Eigenheim A
n. Ihr. Wünſch.
Näh. G.178 Gſch.
Wilh. Sohmank
Nähe Ebertplatz
4X3-Zi. Haus
m. Balk. u.
Bleich=
platz für 12 000 Mk.
zu verkaufen.
An=
zahlg. 5—6000 Mk.
Näh. bei Ph. Dorſt
Hoffmannſtraße 21
lefon
Frilz
orien Liage shaf Anafigstt.14
Eingang im Hause Geschw. Knopf. (11722
Bauplätze (
Villen=
lage), Größe nach
Vunſch à qm 5 ℳz.
verkaufen. Offerten
u. G. 138 Geſch. (*
Großer Obſtgarten
mit Ernte ſofort zu
verkaufen. Ang. u.
G. 142 a. d. Geſch.
In gemütlich. Hein
a. d. Bergſtr. find.
Dauergäſte m.
Mö=
bel liebevolle
Auf=
nahme. Ang. unt. Mk. 6.—. Angeb. u.
Mathemat., reine u.
angew., d. akad. geb.
Lehrer. Vorber. a. alle
Ziele, Nachh.
Witt=
mannſtr. 30, I. (273a
Geb. Franzöſin ert.
franzöſ. Unterricht,
4.-5 einz. Std. mon.
Wirkſchaft
ſehr ſchöne Räume
gutgeh., Vorort v.
Darmſt., p. bald zu
verpachten. Näher.
durch: A. Brück
Schützenſtraße 8, I.
(11655a)
G. 77 Geſchſt. (*fg!E. 99 Gſt. (11080a
Wohnnngssuchende!
Sichere Kapitalanlage!
Massiv. Haus, 3 gr. Zim., Fremdenz., Kü.,
Bd., Warmw., 2gr. Keller, Boden kann für
7000.— (ohne Bauplatz), sofort erbaut
werden Angeb. u. G 132 Geschäftsstelle. 2
Gutgehende Schweinemetzgerer
Umgebung Darmſtadts, zu günſtigen
Be=
dingungen, zu pachten geſucht. Offerten
unter G 157 an die Geſchäftsſt. (11687
Wer verkauft
ſein Haus
ev. mit Geſchäft od.
ſonſt. Anweſen hier
od. Umgeb.? Ang.
direkt v. Beſitzer u.
V. 45 an den
Ver=
lag d. „Vermiet.=u.
Verkaufszentrale‟,
Frankfurt a. M.,
Goetheplatz 22.
(I. 11636)
Hausverkauf!
Eberſtadt. Eckhaus,
7 Zimmer, Küche,
Autogar., gr. Hof,
Gart., el. L.. Gas,
Waſſerl., f. 9750 ℳ
d. größ. Anz. ſof. z.
verk. Wohn. kann
teilw. ſof freigem.
werden. Offerten u.
G. 63 a. d. Geſch. (*
Hühneraugen
werden Sie auf bequeme Welse bestimmt los duroh
Lebewohl
ebewohl-Pfaster missen Bie nioht erst zurecht
schnetden, es izt gebrauohsfertig, äusserst bequem
anzuwenden und hat folgende Vorzüge:
Filzring
Heftpflaſterband
Spflelterkern
Die Lebewohl-Pfasterbinde, wie oben
abgebildet, wird einfach um die
Hühnerangen-Zehe gelegt, kann also
nicht verrutschen.
Durch den Filzring wird sofort der
schmerzhafte Druck beseitigt.
Der Pfasterkern bewirkt die Zerstörung
des Hühnerauges weit gründlicher als
einfaches dünn gestrichenes PHaster.
Die Blechdosen-Packung schützt die
Pfaster vor dem Verderben.
Slchere Wirkung — Bequeme Anwendung
Blechdosen (8 Pfaster) 75 Pfg.
in Apotheken und Drogerien. (II.Dr.418
Seite 10
Sonntag, den 9. Auguſt 1931
Nummer 219
Spoct, Sptel und Jurnen
Hünegatt.
Polizei Darmſtadt —- Polizei Worms.
Die Zeit der Verbandsſpiele iſt wieder gekommen. Am
Sonn=
tag beginnt die Vorrunde im D.S.B.=Handball. Mit neuen
Kräf=
ten und neuer Särke geht es in den Kampf. Diesmal wird es
wieder ein Ringen um den Titel des Süddeutſchen
Handball=
meiſters geben. Mit Beſtimmtheit kann man noch nicht ſagen,
wer 1932 Handballmeiſter wird. Beide Vereine, Sportverein 98
ſowie Polizei=Sportverein, befinden ſich in beſter Verfaſſung.
Im erſten Spiel hat die Polizeiliga die erſte Elf der Polizei
Worms zum Gegner. Das Treffen findet um 15 Uhr auf dem
hieſigen Polizeiſportplatz ſtatt. Polizei Worms iſt eine ſehr harte
Mannſchaft und verfügt über einzelne ſehr gute Spieler. Auch
die Darmſtädter Poliziſten ſtehen in kompletter Aufſtellung. Das
Spiel verſpricht ſehr intereſſant zu werden. — Die Damen ſind am
Sonntag nach Frankfurt verpflichtet zu einem Spiel gegen
Frank=
furt 04.
Rol=Weiß Darmſtadt — Wormakia Worms.
Am heutigen Sonntag, dem 9. Auguſt, muß Rot=Weiß zu
dem erſten Verbandsſpiel der neuen Saiſon nach Worms zur
Wormatia. Rot=Weiß wird ſich gewaltig anſtrengen müſſen, um
gegen die in letzter Zeit ſehr erſtarkte Elf günſtig abzuſchneiden.
Jedenfalls müſſen es alles Können daran ſetzen, um beide Punkte
mit nach Hauſe zu bringen.
T.V. Frieſenheim (Deutſcher Meiſter 1929 und 1930)
gegen T.V. Bickenbach.
Spielbeginn 4.30 Uhr.
Gjemre
Frieſenheim:
Heß
Maier 2.
Fröhlin
Eicher
Franz
Regner Schreiber Hoffmann. Meier 1. Grahn
Schneider Schweickert. Hennemann Jakobi Keil
Dingeldey
Herpel
Weigert
Zeißler
Herpel
Opper
Bickenbach:
Srbball.
Polkzei — Münſter (in Münſter).
Zum Wiederbeginn der Faßballſaiſon trafen ſich Polizei und
Lampertheim. Die Polizei eröffnete zwar mit einem nach außen
recht prunkvollen 7:1=Sieg, aber dieſer Erfolg, obwohl vollauf
verdient, darf nicht allzu hoch eingeſchätzt werden. Die
Lampert=
heimer würden mit dem diesmal gezeigten Können in den
bevor=
ſtehenden Verbandsſpielen nicht die rühmlichſte Rolle ſpielen
können. Auch bei der Polizei genügte nicht immer die
Zuſammen=
arbeit. Man mußte jedoch beiden Mannſchaften zugute halten:
es war der erſte ſchüchterne Gehverſuch nach der ſechswöchigen
Som=
merpauſe. Wie ſtehen nun die Chancen der Polizei bei ihrem
erſten Verbandsſpiel in Münſter? Beide Mannſchaften lieferten
ſich ſchon harte Kämpfe, die immer ſehr knapp ausgingen. Wir
räumen in dieſem Spiel deshalb der Polizei mehr Chancen ein,
weil ſie in techniſcher und taktiſcher Hinſicht ihrem Gegner um
ein Beträchtliches überlegen iſt. Wir rechnen mit einem knappen,
aber ſicheren Siege der Polizeimannſchaft, des ernſteſten
Favo=
riten für die diesjährige Kreismeiſterſchaft.
Fr. Tgde. Darmſtadt — Mannheim=Waldhof.
Anläßlich des Reichsarbeiterſporttages empfängt die
Darm=
ſtädte Elf Gäſte aus der Mannheimer Ecke. Dem Gaſt geht der
Ruf voraus, daß er in bezug auf Ballbehandlung, Schnelligkeit
und Siegeswille ein Spiel vorführt, das jeden Fußballanhänger
voll befriedigen wird. Aus der Mannſchaft iſt beſonders
hervor=
zuheben der wieſelflinke Rechtsaußen Mittelläufer, linker Läufer,
linker Verteidiger und Tormann, alle übrigen Spieler ſind guter
Durchſchnitt, die ſich dem geſamten Mannſchaftsbilde gut anpaſſen.
Wir führen hier die letzten Reſultate der Mannheimer an: gegen
Neckarau 3:1, — Rheingönnheim 9:3, — Sandhofen 2:0, —
Kai=
ſerslautern 5:2, — Saarbrücken 7:3. — Vorwärts Trier 5:2. Aus
den Ergebniſſen, die faſt durchweg auf auswärtigen Plätzen
er=
rungen wurden, ſieht man, daß die Mannſchaft zu kämpfen
ver=
ſteht. Für die Darmſtädter Elf ſoll dieſes Spiel die letzte
Gene=
ralprobe für die am 16. Auguſt beginnenden Serienſpiele ſein.
Behält die Mannſchaft die gute Form, die ſie in den letzten
Spie=
len gezeigt hat, ſo dürfte ihr auch der Wurf gelingen und die
ſieggewohnte Mannheimer Elf geſchlagen nach Hauſe ſchicken.
Darmſtadt tritt in der Aufſtellung an:
Schanz
A. Weicker
J. Schäfer
P. Schmidt H. Schmidt Trumpfheller
F. Feldmann H. Weicker Mühlbach Rupp Porzel.
Germania Eberſtadt, Ligamannſch.—Chattia Wolfskehlen. 1.
Den letzten ſpielfreien Sonntag vor den Verbandsſpielen
be=
nutzen die Vorſtädter noch zu einem Freundſchaftsſpiel. Sie
emp=
fangen ihren alten Rivalen aus der A=Klaſſe. Man wird auf die
ſympathiſchen Riedleute ſehr geſpannt ſein. Sie ſind bei uns immer
gern geſehener Gaſt. Schan jahrelang ſind ſie eine der
ſpielſtärk=
ſten Mannſchaften der 4=Klaſſe des Gaues Bergſtraße. Das wird
auch in dieſem Jahre nicht anders ſein. Für die blau=weißen
Vorſtädter wird das Spiel ein letzter Probegalopp für die
ſchwe=
ren Ligaſpiele ſein. Möge der Kampf dazu angetan ſein, die
jahrelange alte Freundſchaft beider Vereine auch weiterhin zu
er=
halten, zu fördern und zu pflegen.
Germania Eberſtadt—Groß=Zimmern 7:5 (Ligamannſchaften).
Die Gäſte aus Eberſtadt lieferten ein hervorragendes Spiel.
Ihre größere Routine und die prachtvolle Zuſammenarbeit
brach=
ten ihnen den mehr als verdienten Sieg.
Kreisliga Südheſſen.
Der Beginn der Verbandsſpiele iſt in unſerem Kreis bis zum
letzten Sonntag im Auguſt hinausgeſchoben worden; als triftiger
Grund mag hierfür die leichathletiſche Veranſtaltung des
Süd=
heſſenkreiſes und die Nibelungenſpiele auf dem Alemanniaplatz in
Worms angeführt werden. Für die einzelnen Vereine Südheſſens
iſt dieſer weit zurückgeſtellte Punktſaiſonbeginn inſofern peinlich,
als allgemein mit einem Beginn der Verbandsſpiele ſpäteſtens
Mitte Auguſt gerechnet wurde und dementſprechend die
freund=
ſchaftlichen Beziehungen in ſpieleriſcher Hinſicht eingeſtellt waren.
Manche Vereine ſind dadurch für die kommenden Sonntage, die
ſehr gut zu diverſen Trainingſpielen hätten ausgenützt werden
kön=
nen, ſpielfrei geworden. Allerdings ſind trotzdem noch etliche
recht intereſſante Begegnungen zuſtande gekommen, und zwar
treffen ſich:
VfR. Bürſtadt—08 Mannheim.
Starkenb. Heppenheim—09 Weinheim,
FV. Biblis—Haſſia Bingen,
07 Bensheim—Union Wixhauſen,
Conc. Gernsheim—Rot=Weiß Darmſtadt,
Conc. Gernsheim Reſ.—Edelweiß Zwingenberg,
Vorwärts Bobſtadt—Rheingold Hamm,
Spv. Geinsheim— Germ. Eich.
Die Bürſtädter Raſenſpieler haben ebenſo wie die Bibliſer
den ſeinerzeitigen Tabellenzweiten Mannheims und des Rhein=
Mainbezirks zu Gaſt. Die Vereine haben hier ſehr gut
Gelegen=
heit, ihre Verbandsſpielmannſchaft nochmals auszuprobieren.
Aehnlich liegt das Verhältnis bei Starkenb. Heppenheim und
07 Bensheim, wo ebenfalls jeweils ſehr gute Mannſchaften
gaſtie=
ren und dementſprechend mit gefälligem Sport zu rechnen iſt. Der
Gernsheimer Fußballverein Concordia, einer der tüchtigſten und
rührigſten Vereine Südheſſens bietet ſeiner großen
Anhänger=
ſchaft diesmal ein Werbeſportfeſt, an dem ſich nicht weniger als
8 Vereine beteiligen. Leichtathletiſchen Wettkämpfen folgt ein
Blitzturnier; die Sache verſpricht ebenſo intereſſant wie
genuß=
seich zu werden.
Darmſtädter Sporkkalender.
Sonntag, den 9. Auguſt 1931.
Fußball.
Arheilger Mühlen: Sppg. 04 Arheilgen — Germania
Ober=Roden.
Stadion: Sportverein Darmſtadt 1898 — F.=C. 05
Mainz=Kaſtel.
Handball.
Exerzierplatz: Polizei Darmſtadt — Polizei Worms.
Dornheimer Weg: Reichsbahn Darmſtadt — Tv.
Egelsbach.
Tennis.
Böllenfalltor: Meden=Endſpiel: T. E. C.
Darm=
ſtadt — S.=C. Forſthausſtraße Frankfurt a. M.
Waſſerball.
der D. T. 1931.
Verfaſſungskämpfe.
Kraftſport (Stadion, 8 Uhr); Radfahren „Rund um
Kranich=
ſtein (6 Uhr); Schießen (Neues Schießhaus, 11 Uhr);
Kegeln.
Reichs=Arbeiter=Sporttag
auf dem Sportplatz am Müllersteich.
Die höchſte Sporkauszeichnung für Eilly Außem.
Die junge Kölner Meiſterſpielerin Cilly Außem
im Geſpräch mit dem Hamburger Senator de Chapeaurouge, der
ihr anläßlich des Hamburger Turniers um die Deutſche
Tennis=
meiſterſchaft die höchſte Auszeichnung des deutſchen Sports, die
Ehrenplakette des Reichspräſidenten, überreichte.
Deutſche Tennis=Meiſterſchaften.
Schöner deutſcher Erfolg am Samstag: der Nachwuchsſpieler
Jaenecke im Endſpiel des Herren=Einzel.
Die Internationalen Tennismeiſterſchaften von Deutſchland
erreichten am Samstag auf den Plätzen der Hamburger
Tennis=
gilde ihren Höhepunkt, der am Sonntag mit den Entſcheidungen
anhalten wird. Bei ſtärkerem Publikumsandrang fielen einige
weitere wichtige Vorentſcheidungen. Im Herren=Einzel erreichte
zunächſt der Deutſchböhme Roderich Menzel die Schlußrunde; er
ſchlug den Spanier Enrico Maier 7:5, 6:2, 1:6, 2:6, 6:3. Menzel
gewann in erſter Linie dank ſeines beſſeren techniſchen Könnens.
Maier machte zwar die Ueberlegenheit ſeines Gegners durch einen
prachtvollen Angriffsgeiſt wett, doch durch ſeine nur ſchwach
aus=
gebildete Rückhand wurde die Niederlage des Spaniers ſchließlich
doch beſiegelt. Das zweite Vorfinale brachte dem deutſchen
Ten=
nisſport eine freudige Ueberraſchung. Der junge Berliner
Jae=
necke, der ſich mit ſeinen prachtvollen natürlichen Anlagen
inner=
halb kurzer Zeit in die Extraklaſſe vorgearbeitet hat und der hier
in Hamburg bereits eine Anzahl bedeutender Siege errungen hat,
ſchlug den ſtarken argentiniſchen Davispokalſpieler Boyd in einem
harten Fünfſatzkampf mit 6:4, 1:6, 7:5, 6:8, 6:3. Der Kampf mußte
im vierten Satz wegen Regens unterbrochen werden. Jaenecke
war wieder in ſehr guter Verfaſſung, er glänzte ſowohl durch
gutes techniſches Können, wie auch durch ſeine verblüffende
Zähig=
keit. Der auch als famoſer Eishockeyſpieler bekannte Jaenecke kann
als eine der ſtärkſten Hoffnungen bezeichnet werden, die der
deutſche Tennisſport je beſeſſen hat. — Während Jaenecke und
Menzel beim Herren=Einzel das Endſpiel beſtreiten, trifft im
Fi=
nale des Herren=Doppel das franzöſiſche Paar BouſſusdeBuzelet
auf die deutſche Kombination Dr. Deſſeart/Nourney, die über
Artens/Maier mit 6:2 6:4, 7:5 ſiegte. Der leichte Erfolg des
deutſchen Paares iſt nicht weiter verwunderlich da Maier nach
ſeinem ſcharfen Kampf gegen Roderich Menzel körperlich ſehr
mit=
genommen war. Das Damen=Einzel=Endſpiel wird — wie ſchon
am Freitag feſtſtand — von den Deutſchen Cilly Außem und
Irm=
gard Roſt beſtritten, im Damen=Doppel haben zunächſt erſt die
Engländerinnen Godfree/Trenthem nach einem 5:7, 6:2, 6:2=Sieg
über Krahwinkel/Peitz die Schlußrunde erreicht. In der oberen
Hälfte ſetzten ſich Heeley/James über Charpenel/Adamoff leicht
6:1, 6:2 durch und treffen nun in der Vorentſcheidung mit dem
letzten deutſchen Paar Roſt/Kallmeyer zuſammen. Im Gemiſchten
Doppel gab, es dagegen neue Niederlagen der Engländer. Das
franzöſiſche Paar AdamoffdeBuzelet ſchlug Godfree/David 9:7,
6:4 und die Kombination Roſt/Maier blieb — nachdem ſie im
zweiten Satz ſchon verloren ſchien — über Heeley/Leſter 5:7, 7:5,
6:2 erfolgreich. Die ſiegreichen Paare ſtehen nun mit Payot/Fiſher
in der Vorſchlußrunde.
Rennen zu Karlshorft.
Wohlfarts=Jagdrennen. Für Dreijährige. 3000 Mk., 3000 Meter:
1. P. de Nully Browns Paſſy (Schreier), 2. Elvira, 3. Ingwelde,
4 Donatello. Tot.: 140; Platz: 26, 25, 19 34. 6—5. Ferner: Leonatus,
Fidus, Faſold, Flamingo, Hochwald, Rentmeiſter, Rialto, Ferox,
To=
ſella.
Tepper=Laski=Jagdrennen, Herrenreiten. Ehrenpreis und 5500 Mk.,
4400 Meter: 1. M. Pfeifers Lavaletta (Blottnitz), 2. Menelaos,
3. Rößling. Toto: 64; Platz: 28, 18. Weile—7—8 Lg. Ferner:
Do=
rado II, Oberjäger.
Kirſchblüte=Hürdenrennen. Ausgleich III 3500 Mk. 3000 Meter:
1. Dr. Heß” Helgoländer (W. Hauſer), 2. Geſelle, 3. Wintermärchen.
Toto: 40; Platz: 19. 21, 33. 5ſ—2 Lg. Ferner: Aſſuan, Markolf,
Francesco, Mariza, Senator, Peterſilie.
Waſſerball.
Weſtdeutſche 2.T.=Waſſerballmeiſterſchaft 1931
heufe vormikkag im Großen Woog.
Wir verweiſen noch einmal auf die heute vormittag im
Gro=
ßen Woog ſtattfindenden Waſſerballſpiele um die Weſtdeutſche
D. T.=Meiſterſchaft „Es wurde ſchon mitgeteilt, wer die
Mann=
ſchaftsteilnehmer ſind; ſie ſeien hier wiederholt:
Turn= u. Sportverein 1859 Eſſen (Rheinland),
Schwimmverein Iſerlohn=Schleddenhofen (Weſtfalen),
Turngemeinde Darmſtadt 1846 (Mittelrhein).
Die Spielzeiten ſind auf 8.30 Uhr, 10 Uhr und 11.30 Uhr
feſt=
geſetzt. Die Pauſen werden durch Spiele unſerer Mannſchaften
ausgefüllt. Schiedsrichter ſind die Turner Pottbeckers=Mühlheim
(Ruhr), Schulte=Iſerlohn. Eggert=Offenbach. Es dürften recht
be=
deutſame Spiele zu erwarten ſein, deren Beſuch jedermann bei den
niedrigen Eintrittspreiſen empfohlen werden kann.
Waſſerballreiſe der Rol=Weiß=Jugend
nach Weſtdeukſchland.
Wie in früheren Jahren, ſo unternimmt die Waſſerball=
Ju=
gendmannſchaft des Vereins für Leibesübungen Rot=Weiß
Darm=
ſtadt auch in dieſem Sommer wieder eine Waſſerballreiſe, und
zwar fährt ſie in der Zeit vom 9. bis 16. Auguſt nach
Weſtdeutſch=
land, um dort gegen bekannte Gegner einige Wettſpiele
auszu=
tragen. U. a. ſtartet die Jugend in Eſſen, Barmen, Elberfeld,
Duisburg, Krefeld. Der wichtigſte Start iſt in Barmen am
Sonn=
tag, dem 9. Auguſt, wo die Darmſtädter anläßlich des
Länder=
kampfes Deutſchland gegen Belgien vor dem Spiel der beiden
Na=
tionalmannſchaften gegen die Jugend des bekannten S. Sp.V.
Bar=
men antreten. Die Rot=Weiß=Jugend hat hier nicht nur
Gelegen=
heit, ihr eigenes Können zu zeigen, ſondern ſie kann ſich auch das
Spiel der beiden Nationalmannſchaften als Schule dienen laſſen
und etwas Tüchtiges lernen. Ebenſo wichtig iſt das Spiel in
Duisburg, welches vor dem Entſcheidungsſpiel um die Weſtdeutſche
Waſſerball=Meiſterſchaft gegen die Jugend des Duisburger
Schwimmvereins zum Austrag kommt
Auch die übrigen Spiele darf die Rot=Weiß=Jugend nicht leicht
nehmen, wenn ſie ehrenvoll abſchneiden will. Sie nimmt den Ruf
mit, eine der beſten ſüddeutſchen Jugendwaſſerballmannſchaften zu
ſein. Die ſeitherigen Waſſerballreiſen nach Süddeutſchland und
in die Pfalz hat ſie ungeſchlagen abſolviert. Wenn auch auf
der diesjährigen Reiſe die Gegner ſtärker ſind als auf den
ſeitheri=
gen Waſſerballfahrten, ſo rechnet man doch damit, daß die in der
letzten Zeit ſtark aufkommende Rot=Weiß=Jugend die Darmſtädter
Farben ehrenvoll vertritt.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Gleichbleibendes Werktags=Programm. 5.55: Wetter, Gymnaſtik.
O 6.30: Gymnaſtik. 6.55: Wetter. O 7.00: Frühkonzert (
Schall=
platten). o 7.55: Waſſerſtand. O 12.00: Zeit,
Wirtſchaftsmeldun=
gen. O 12.05: Konzert. O 12.40: Nachrichten. o 13.00: Konzert
(Fortſetzung). O 13.50: Nachrichten. O 14.00: Werbekonzert. o
15.00: Zeit Wirtſchaftsmeldungen. 14.30: Gießener
Wetter=
bericht. O 18.30: Wirtſchaftsmeldungen.
Sonntag, 9. Augun.
7.00: Bremen: Bordkonzert vom Dampfer „Berlin”.
8.15: Katholiſche Morgenfeier.
12.00: Schallplattenkonzert.
13.50: Zehnminutendienſt der Landwirtſchaftskammer Wiesbaden.
14.00: Zwiegeſpräch über die gärungsloſe Früchteverwertung.
Bürgermeiſter Otto: Iſt Brandſtiftung ein Delikt des Landes
und der neueſten Zeit?
15.00: Stunde der Jugend. Von Tieren und Ländern.
16.00: Baden=Baden: Nachmittagskonzert des Städt. Orcheſters.
17.30: Volkstümliche Lieder. Mitw.: Claire Martini (Sopran),
E. Schrempf (Bariton), O. Seyfert (Klavier).
18.00: Erlebte Geſchichten: Aus der Art geſchlagen, von A. Scharrer.
18.30: W. Ruthe: Die Kulturgeſchichte des deutſchen Weines.
19.00: Dr. Heinitz: Von Innsbruck bis St. Petersburg auf der
Landſtraße.
19.30: Wetter, Sport.
19.45: Camilla Jellineck: Rechtshändel des Alltags.
20.15: Köln: Wie werde ich reich und glücklich? Text von Feli=
Joachimſon. Muſik von Miſcha Spoliansky.
22.00: Zeit, Wetter Nachrichten Sport.
22.30: Köln: Deutſche Radmeiſterſchaften in Wuppertal=Elberfeld,
Schallplatten.
22.50: Budapeſt: Zigeunermuſik der Kapelle Bela Rag.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Gleichbleibendes Werktags=Programm. 5.45
7.00, 18.55: Zeit, Wetter für den Landwirt. 6.30: Gymnaſtik.
— anſchl. Frühkonzert. O 10.35, 13.30: Nachrichten. O 12: Wetter
für den Landwirt. O 12.05: Schallplatten bzw. Schulfunk. O 12.55:
Nauener Zeit. O 14.00: Schallplatten. O 15.30: Wetter, Börſe.
6.30:
Deutſche Welle: Sonntag, 9. Auguſt.
Funk=Gymnaſtik.
7.00: Bremerhaven: Bordkonzert vom Dampfer „Berlin”.
8.00: Mitteilungen und praktiſche Winke für den Landwirt.
8.15: Wochenrückblick auf die Marktlage.
8.25: Dr. Brouwer: Umſtellung von der Acker= zur
Weidewirt=
ſchaft.
8.55: Morgenfeier. Glockenſpiel der Potsdamer Garniſonkirche,
anſchl. Glockengeläut des Berliner Doms.
10.05: Wettervorherlage.
11.00: Joh. Seb. Bach. Walter Drwenſki (Orgel).
11.30: Elly Heuß=Knapp: Die eingeſchüchterten Eltern.
12.00: Mittagskonzert. Berliner Sinfonie=Orcheſter.
12.15: Lübeck: Reichsjugendtag des 3.d. A.
13.00: Mittagskonzert des Berliner Sinfonie=Orcheſters.
14.00: Jugendſtunde: Märchen.
14.30: Fritz Wenneis: Harmonium=Vorträge.
14.50: Konzert. Werke von Schubert. Am Flügel: J. Bürger
15.30: Paſtor Brüggemann: Eine Woche in der Lüneburger Heide.
16.00: Nachmittagskonzert. Muſikkorps der Kommandantur Berlin.
— Tanzkapelle Willy Groh.
16.45: Hamburg: Reportage von den intern. Tennismeiſterſchaften.
17.10: Fortſetzung des Nachmittagskonzertes.
18.00: v. Hoffer=Reichenau: Stadt und Land.
18.30: New York; Konzert des Landeshochſchul=Orcheſters.
19.30: J. Bab: Vom Weſen der Kritik.
20.00: Belcanto und Koloratur. Soliſten: Sabine Meyen und Z.
Schmidt. Chöre: Maximilian Albrecht. Berliner Funkorcheſter.
22.00: Wetter=, Tages= und Sportnachrichten.
anſchl. Unterhaltungsmuſik der Kapelle Gebrüder Steiner.
Wekterbericht.
Obwohl die Skandinavienſtörung nordöſtlich nach Finnland
weiterzieht und der geſtern an ihrer Rückſeite eingeſetzte
Baro=
meteranſtieg beſſeres Wetter in Ausſicht ſtellte, ſo iſt dies die
nächſten Tage noch nicht zu erwarten, denn über England hat ſich
ein Wirbel gebildet, welcher wetterwirkſam wird. An ſeiner
Vor=
derſeite ſchiebt ſich ein Regengebiet oſtwärts vor, das uns zunächſt
überqueren wird. Alsdann dürfte im Laufe des morgigen Tages
unter Drehen der Winde auf Weſten zu die Wolkendecke zum
Durchbruch kommen und unter wechſelnder Bewölkung noch Schauer
auftreten. Mit dem Windumſprung auf Weſt bzw. Nordweſt iſt
außerdem allgemeine Abkühlung verbunden.
Ausſichten für Sonntag, den 9. Auguſt: Anfänglich bedeckt mit
Niederſchlägen, dann wechſelnd wolkig mit Schauern, um Weſt
drehende Winde.
Ausſichten für Montag, den 10. Auguſt: Kühles, wechſelnd
wol=
kiges Wetter mit Aufheiterung, einzelne Regenſchauer.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Maupe
Verantwortlich für Pollilk und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feullleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: J. V.: Dr. C. H. Quetſch;
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer;
für „Dſe Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Netie
für den Inſeratentell und geſchäftliſche Mittellungen: Wiliy Kuble;
Druck und Verlag: L. C. Wittſch — ſämtlich in Darmſtadt r.
Für unverlangte Manuſkripie wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 20 Seiten.
[ ← ][ ][ → ]Nummer 219
Rückkehr des Vertrauens.
Reibungsloſer Zahlungsverkehr am erſten Tage der Wiedereröffnung des Sparkaſſenverkehrs. —
Ekappen=
weiſe Oeffnung der Börſe in Vorbereikung? — Ausreichender Lombardkredik für die Roggenmagazinierung
ſichergeſtellk. — Glakke Ueberwindung des Lohnzahllags.
Abbau des Roidiskonks?
Infolge des überraſchend günſtigen Startes der
Wiederher=
ſtellung des vollen Zahlungsverkehrs iſt die Frage eines Abbaues
des augenblicklichen Notdiskonts von 15 v. H. aktuell geworden.
Bekanntlich hatte das Reichsbankdirektorium ſeinerzeit beſchloſſen,
Diskontierungen nur auf zehn Tage vorzunehmen, wobei in den
Erläuterungen zu dieſer Maßnahme bereits auf die etwaige
Er=
leichterung der ſchweren Laſt des Kriſendiskonts hingewieſen
wurde. Die Reichsbank, die bekanntlich zur Befriedigung
even=
eller ſtarker Baranſpüche an ſie eine große Notenreſerve
bereit=
geſtellt hatte, hat dieſe nicht nur „nicht angegriffen, ſondern
konnte ſogar, noch Rückflüſſe von 126,7 Millionen Reichsmark
buchen. Dieſer Tatſache, die in normalen Zeiten, eine durchaus
übliche Entwicklung darſtellt, kommt im Augenblick dagegen eine
beſondere Bedeutung zu. Irgendwelche Entſcheidungen bezüglich
des Diskontes dürften jedoch erſt in der nächſten Woche getroffen
werden, da zunächſt einmal das Funktionieren des vollen
Zah=
lungsverkehrs bei den Sparkaſſen abgewartet werden wird.
Die Deviſenbilanz der Reichsbank zeigt ſeit dem 23. Juli 1931
einen Zuwachs von etwa 210 Millionen Reichsmark.
Das wichtigſte Moment des geſtrigen Wochenſchluſſes war die
Wiedereröffnung des Sparkaſſenverkehrs. Nach den vorliegenden
Meldungen wickelte ſich das Geſchäft durchaus
rei=
bungslos ab. Bei der Sparkaſſe der Stadt Berlin war der
Verkehr zwar etwas ſtärker als ſonſt dies hing aber teilweiſe mit
dem Wochenende zuſammen. Auch Einzahlungen waren in Höhe
der ſchon in den letzten Tagen zu beobachtenden Beträge erfolgt.
Der erſte Tag nach Wiederaufnahme des uneingeſchränkten
Zah=
ungsverkehrs iſt im ganzen Reich ohne irgendwelche
Schwierig=
keiten vorübergegangen. Der Schalterverkehr war bei einzelnen
Sparkaſſen etwas lebhafter als zu normalen Zeiten, doch wird
von allen Inſtituten übereinſtimmend berichtet, daß ſich das
Pu=
blikum außerordentlich diſzipliniert verhielt, und daß von
ſtär=
kerem Andrang nichts zu bemerken war. Nur wenige
überängſt=
liche Sparer hoben den ohne vorherige Kündigung zur
Auszah=
lung gelangenden Höchſtbetrag von 300 RM. ab. Die Stimmung
war geſtern ruhiger als an den Tagen nach Veröffentlichung
von Notverordnungen. Auch von ſehr vielen Sparkaſſen wird
ge=
meldet, daß dort nur die unbedingt nötigen Beträge abgehoben
vurden. Weſentlich für den glatten Verlauf des geſtrigen Tages
war der Umſtand, daß die Sparkaſſen alle Vorkehrungen
getrof=
fen hatten, um ſelbſt den höchſten Anforderungen gewachſen zu
ſein. Man iſt bei den Direktionen der Sparkaſſen der Anſicht, daß
auch der kommende Montag keine Ueberraſchungen bringen werde.
Verſchiedene Inſtitute teilen mit, daß ſich Abhebungen und
Ein=
lagen ungefähr die Waage gehalten haben.
Am Geldmarkt machte die Entwicklung, die eine baldige
Dis=
kontermäßigung erhoffen läßt, weitere Fortſchritte. Die Zinsſätze
bewegen ſich weiter langſam zurück und auch die Rückflüſſe bei der
Reichsbank ſetzten ſich fort. Als Folge des freien
Zahlungsver=
kehrs war auch in den Steuereingängen eine Beſſerung
feſtzu=
ſtellen. Allgemein begrüßt wurden von den Banken die
Erleich=
terungen in der Deviſenverordnung für den
Warenhandel, zumal man hierin ein Zeichen dafür ſah, daß
ſich die Reichsbank in ihrer Deviſenpoſition bereits wieder etwas
geſtärkt fühlt. Auch geſtern waren in der Preſſe wieder
Auslaſ=
ſungen über die Möglichkeiten einer baldigen Eröffnung der
Efektenbörſe zu finden. Während die Großbanken mehr für eine
ſofort nach Einſpielung des Zahlungsverkehrs zu verſuchende
Wie=
deraufnahme des Börſengeſchäftes zu ſein ſcheinen, wird ſeitens
der Privatbankiers die Situation etwas ſkeptiſcher beurteilt.
Be=
ſonders für die Ingangſetzung des Rentenmarktes gemachte
Vor=
ſchläge — bekanntlich iſt der Rentenmarkt bei den Ueberlegungen
der zuſtändigen Stellen das Schmerzenskind — werden von
Pri=
vatbankſeite als unmöglich bezeichnet. Die Deutſche
Bergwerks=
zeitung veröffentlichte geſtern eine Schweizer Anregung, nach der
eine etappenweiſe Wiederaufnahme des Effektenverkehrs zu
er=
wägen ſei. Anſcheinend herrſcht auch in Berliner
Börſenvorſtands=
kreiſen dieſe Meinung vor. Auf eine diesbezügliche Anfrage auf
der geſtrigen G.=V. der Liquidationskaſſe wurde erwidert, daß der
Börſenvorſtand allein die Entſcheidung über ſolche Fragen habe.
Die Höhe der bei der Liquidationskaſſe laufenden Engagements
ſoll 69 Millionen betragen, die nach dem Stand vom 11. Juli
na=
türlich voll gedeckt ſind. Im Laufe des geſtrigen Vormittags
wurde bekannt, daß die vom Reichskabinett gebilligten
Maßnah=
men zur Bewegung und Finanzierung der Ernte ſich bei Roggen
und die ſtaatliche Magazinierung und den Austauſchexport
be=
ziehen, bei Weizen auf den Austauſchexport und die
Vermahlungs=
zuote bei Getreide allgemein auf die beſchleunigte Ingangſetzung
des Lagerſcheinweſens und die zinsmäßige Sonderbehandlung der
Erntebewegungsmittel. Hierzu erfahren wir ergänzend, daß für
die Roggenmagazinierung ein ausreichender Lombardkredit eines
Bankenkonſortiums unter Mitwirkung der Reichsbank ſichergeſtellt
ſei. Für die Kredite iſt eine teilweiſe Reichsgarantie in Ausſicht
genommen. In London war das Geldangebot geſtern ausreichend,
die Tendenz neigte noch immer zu einer Erleichterung, obgleich
Veränderungen der Sätze nicht eingetreten ſind.
Auch die Gelder für die Lohnzahlung wurden ohne
Schwierig=
keiten zur Verfügung geſtellt und kamen voll zur Auszahlung.
Die Reichsbank konnte, wie berichtet, ſeit dem erſten freien
Zahlungstag über Rückflüſſe von 165,8 Mill. RM. berichten.
In=
folge des Lohnzahlungstages und der Vorbereitungen der
Spar=
kaſſen, für die geſtern bekanntlich ja die volle Wiederaufnahme des
inbeſchränkten Zahlungsverkehrs erfolgte, überwogen bei, der
Reichsbank geſtern die Auszahlungen, ſo daß ſich ver Saldo eine
Erhöhung des Notenumlaufs um 39,1. Mill. RM. ergeben hat.
Wie weiter mitgeteilt wird, berichten die Bankanſtalten, bei denen
die Einzahlungen überwogen, insgeſamt über Einzahlungen von
10,6 Mill. RM., während die Bankanſtalten, die überwiegend
Bankauszahlungen zu leiſten hatten — beſonders die
Reichsbank=
filialen im Induſtriegebiet —, insgeſamt 49,7 Mill. RM.
aus=
zahlten.
Berliner Deviſen=Feſtſekung vom 8. Auguſt.
Deviſenverordnung in Ungarn.
In Anbetracht der Weltwirtſchaftskriſe hat ſich die ungariſche
Regie=
rung genötigt geſehen, eine Droſſelung des ausländiſchen Geldverkehrs
anzuordnen. Nach der am Freitag herausgegebenen Deviſenverordnung
iſt die Inanſpruchnahme oder die Gewährung von Krediten in Pengö
oder irgend einer ausländiſchen Währung vom Ausland oder nach dem
Ausland, die Ueberweiſung von Pengöbeträgen zugunſten einer
aus=
ländiſchen Perſon oder Firma mit Ausnahme von auf ausländiſche
Wäh=
rung lautenden fälligen Zinſen oder Dividenden von Wertpapieren
ver=
boten. Ohne Genehmigung der Ungariſchen Nationalbank iſt es
ver=
boten, inländiſches oder ausländiſches Geld auszuführen. Im
Reiſe=
verkehr dürfen Geldmittel oder Gelderſatzmittel bis 300 Pengö für die
Perſon auch ohne Genehmigung der Ungariſchen Nationalbank
ausge=
führt werden. Weiter wird verfügt, daß der Börſenverkehr in
auslän=
diſchen Zahlungsmitteln, Valuten und Deviſen aufgehoben wird.
wirſchaftliche Rundſchan.
Die Inderziffer der Großhandelspreiſe vom 5. Auguſt. Die vom
Statiſtiſchen Reichsamt für den 5. Auguſt berechnete Indexziffer der
Großhandelspreiſe iſt mit 109,8 gegenüber der Vorwoche um 0.3 v. H.
geſunken. Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten: Agrarſtoffe 100,8
(—4,0 v. H.), Kolonialwaren 96,9 (+0,6 v. H.), induſtrielle Rohſtoffe
und Halbwaren 102,4 (minus 0,5 v. H.), und induſtrielle
Fertig=
waren 136,1 (—0,1,v.H.). Für den Monatsdurchſchnitt Juli lautet die
Geſamtindexziffer 111,7 (gegenüber dem Vormonat —0,5 v.H.)
Index=
ziffern der Hauptgruppen: Agrarſtoffe 105,4 (—1,8 v. H.), Kolonialwaren
96,9 (+1,9 v. H.) induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren 103,1 (+0,2
v. H.), induſtrielle Fertigwaren 136,3 (—0,3 v. H.)
Wiedereröffnung der Schröder=Bank. Die J. F. Schröder=Bank,
Kommanditgeſellſchaft auf Aktien, Bremen, wird am Montag, 10. Aug.,
den vollen Zahlungs= und Ueberweiſungsverkehr aufnehmen. Das
Grundkapital der Bank beträgt nach dem Wiederaufbau 12 Millionen
RM., dazu kommen 3 Millionen RM. offene Reſerven. Vor der
Feſt=
ſtellung des Kapitals ſind umfaſſende Abſchreibungen vorgenommen unv
innere Reſerven gebildet worden. — Das Kapital iſt teils aus Kreiſen
der Bremer Wirtſchaft aufgebracht, teils vom Reich, dem bremiſchen
Staat, ſowie der Berliner Handelsgeſellſchaft und der
Reichskreditgeſell=
ſchaft übernommen worden. Die Geſchäftsinhaber ſowie der bisherige
Aufſichtsrat ſind von ihren Funktionen zurückgetreten. Für die Leitung
der Bank, die in Zukunft die Firma „Norddeutſche Vereinsbank. A. G.*
tragen wird, iſt Herr Köpke, bisher Direktionsmitglied der
Norddeut=
ſchen Bank in Hamburg, Filiale der Deutſchen Bank und
Diskontogeſell=
ſchaft, gewonnen worden.
Die Landwirtſchaft im Juli. Die Ereigniſſe der letzten Wochen haben
auch für die Landwirtſchaft neue ſchwere Bedrängniſſe gebracht. Nach
Berichten deutſcher Landwirtſchaftskammern war der Saatenſtand
An=
fangs Juli im großen und ganzen günſtig, doch verurſachte die daraufhin
lang anhaltende Regenperiode zum Teil empfindliche Schäden. Die
Ge=
treideernte hat allgemein früh begonnen. Die Hackfrüchte ſtehen gur.
Befriedigend ſind die Berichte über die Tabakbeſtände in den
ſüddeut=
ſchen Gegenden. Auch die Hopfenanlagen ſtehen im allgemeinen gut.
Die Entwicklung des Feld= und Gartengemüſes wurde durch die feuchte
Witterung ſehr begünſtigt.
Schweinezählung am 1. September 1931. Die nächſte
Schweinezäh=
lung und Erhebung der nichtbeſchaupflichtigen Hausſchlachtungen vom
1. Juni 1931 bis 1. Auguſt 1931 im Reiche iſt zum 1. September d. Js.
angeordnet worden. Der Umfang entſpricht dem der letzten Zählung.
Die Rekonſtruktion der Oeſterreichiſchen Credit=Anſtalt. Der
öſter=
reichiſche Miniſterrat hat geſtern das Rekonſtruktionskomitee für die
Oeſterreichiſche Credit=Anſtalt ernannt. Zum Präſidenten wurde der
ehemalige Präſident des Nationalrats, Dr. Alfred Gürtler, zum erſten
Vizepräſidenten der frühere Direktor der Bodenkredit=Anſtalt, Dr.
Mo=
ſing, und zum zweiten Vizepräſidenten der Sozialdemokrat Gg. Stern
ernannt. Unter den Mitgliedern des Ausſchuſſes befindet ſich auch der
bekannte franzöſiſche Volkswirtſchaftler Charles Riſt. Der Vertreter
der ausländiſchen Gläubiger, der Holländer Van Hengel, der
urſprüng=
lich zum erſten Vizepräſidenten auserſehen war, wird nur als Berater
tätig ſein.
Sonntag, den 9. Auguſk
Das deutſche Baumwoll=Kaufangebok
vorläufig abgelehnt.
Wie aus Waſhington gemeldet wird, hat das Bundesfarmamt zur
allgemeinen Ueberraſchung das Baumwoll=Kaufangebot der
Reichsregie=
rung abſchlägig beantwortet. Die amtliche Begründung verweiſt
ins=
beſondere auf die Tatſache, daß die vor fünf Wochen in Berlin
über=
reichte amerikaniſche Anregung einen Mindeſtpreis vorſah, der zur
Sta=
biliſierung des Baumwollpreiſes beigetragen und gleichzeitig das
Farm=
amt in die Lage verſetzt haben würde, die neue Ernte an dem Verkauf
zu beteiligen. Der inzwiſchen erfolgte Preisrückgang habe aber die
Reichsregierung „notwendigerweiſe” veranlaßt, den vorgeſchlagenen
Mindeſtpreis abzulehnen. Das Farmamt betont, daß es natürlich
be=
reit ſei, etwaige andere deutſche Vorſchläge in Erwägung zu ziehen, und
evwähnt in dieſem Zuſammenhange, daß die vom Schatzamt angeſtrebte
beſchleunigte Auszahlung noch ausſtehender deutſcher Erſatzanſprüche
der deutſchen Wirtſchaft eine ausreichende Deviſenmenge zuführen
würde, um die Baumwollkäufe direkt bei den Erzeugern zu tätigen.
Die=
ſer auffällige Zuſatz beweiſt unzweideutig, daß die Waſhingtoner
Regie=
rung das deutſche Angebot unter dem Druck der von den Pflanzern, den
Schiffahrtsgeſellſchaften und den parlamentariſchen Vertretern der
Süd=
ſtaaten erhobenen Proteſten fallengelaſſen hat.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 8. Auguſt:
Getreide. Weizen: Sept. 57.25, Dez. 52¾, März 55½, Mai
57.25; Mais: Sept. 49½, Dez. 39.50, März 4178, Mai 43.75;
Hafer: Sept. 21.50, Dez. 23.50, März 25½, Mai 26½; Roggen;
Sept. 33.25 Dez. 37½, Mai 41½.
Schmalz: Sept. 7.17½, Okt. 7.02½, Dez. 6.42½.
Speck, loko 7.50.
Schweine: leichte 7.60—7.90; ſchwere 5.60—6.60;
Schweine=
zufuhren: Chicago 5000, im Weſten 17000.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 8. Aug.;
Schmalz: Prima Weſtern 7.90; Talg, extra, loſe 3½.
Getreide. Weizen: Rotwinter 62½, Hartwinter 58½; Mais,
loko New York 70; Mehl, ſpring wheat clears 3.90—4.20; Fracht
nach England 1,6—2,3 Schilling, nach dem Kontinent 8—8.50 Cts.
Kakao. Die Kakaobörſe war heute geſchloſſen.
Produkkenberichte.
— Mainzer Produktenbericht vom 7. Auguſt. Großhandelspreiſe
pro 100 Kilo loco Mainz: Weizen 22,25—22,50; rheinheſſ. Noggen 18,50;
Malzkeime 10—11; ſüdd. Weizenmehl Spezial Null 40,15; Roggenmehl
60proz. 27—28; Weizenkleie fein 10,25: desgl. grob 10,75; Roggenkleie
11,50; Weizenfuttermehl 13,75—14; Biertreber 10,25—10,50;
Erdnuß=
kuchen 12,75—13,25; Kokoskuchen 13,75—17,25; Palmkuchen 10,75—11;
Sohaſchrot 12,75—13; Trockenſchnitzel 6,75—7. Tendenz: abwartend.
Frankfurter Eiergroßhandelspreiſe. Die etwas unſichere Situation
am hieſigen Markt hielt auch bei Beginn der neuen Woche an.
Trotz=
dem einige Preisreduzierungen vorgenommen wurden, um dadurch das
Geſchäft etwas zu beleben, war der Abſatz an den Einzelhandel weiter
ſehr ſchwach, da der Konſum nur von der Hand zum Mund kauft. Auch
im weiteren Verlauf der Woche trat keine Beſſerung ein. Es notierten
in Pfg. pro Stück ab loco Frankfurt a. M.: Bulgaren 8,00; Jugoſlaven
8,25; Rumänen 7,75; Ruſſen 7—8; Holländer 8—10: Dänen 8—10;
Flandern 8,75—9,50; Bahern 8,50—8,75; Deutſche Friſcheier 8—10.
Italiener, Polen, Chineſen, Franzoſen und Schleſier nicht am Markt.
Für in= und ausländiſche Mittel= und Schmutzeier wurden 6,5—6,75 Pf.
pro Stück bezahlt
Frankfurter Buttergroßhandelspreiſe. Nachdem ſich zunächſt im
An=
ſchluß an die Vorwoche eine weitere Abſchwächung durchgeſetzt hatte,
brachte der weitere Verlauf und der Schluß der Woche wieder eine
leichte Befeſtigung, was auf die ſehr knappen Zufuhren zurückgeführt
wurde. Das Geſchäft iſt aber doch ſehr klein und die Unſicherheit hat
wegen der neuen Deviſenverordnung mit ihren einſchneidenden
Beſtim=
mungen zugenommen. Am hieſigen Markt notierten folgende Preiſe
für ein Pfund im Großhandelsverkehr: Auslandsbutter (holl.) 1 Faß
— 50 Kilo 1,46 RM. 0,5 Faß 1,48 RM., in Halbpfundſtücken 1,50 RM.,
deutſche Butter 1,40 RM.
Kleine Wirkſchaftsnachrichken.
Die Kleiderfabrik S. Katz Söhne A.G. Kaſſel, ſchließt das
Ge=
ſchäftsjahr 1930 mit einem Verluft von 54 755 RM. ab. Einem
Brutto=
gewinn von 497 740 RM. ſtanden 460 750 RM. Unkoſten und 21 954
RM. Abſchreibungen gegenüber. Die Bilanz zeigt Debitoren von
377 230 RM:; Warenvorräte von 208 299 RM., Kreditoren mit 62 863
RM., und einen Baureſervefonds im Betrage von 180 000 RM.
Bei einem A.K. von 500 000 RM. weiſt die Haigerer Hütte A. G.,
Haiger, für das Geſchäftsjahr 1930 einen Verluſt von 470 000 RM. bei
465 000 RM. Abſchreibungen aus. Das Werk iſt ſchon ſeit einigen
Jah=
ren ſtillgelegt.
Die in den letzten Wochen von verſchiedenen Seiten eingeleiteten
Schritte zur Schaffung einer einheitlichen Spitzenvertretung der
Kraft=
verkehrswirtſchaft haben nunmehr zu einem poſitiven Ergebnis geführt.
Am 6. Auguſt traten die Vertreter der führenden
Autounternehmerver=
bände von Deutſchland zuſammen, um die bisherigen Beſtrebungen zu
vereinheitlichen und die Vorbereitungen zur Organiſation der
Spitzen=
vertretung einzuleiten.
Die auf den 25. Auguſt einberufene G.V. der Süddeutſchen Meſſer=,
Sägen= und Werkzeugfabrik A.G. Straubing, ſoll auch über die
Zu=
ſammenlegung des 250 000 RM. A. K. im Verhältnis von 5:2 durch
Ab=
ſtempelung der Aktien von 500 auf 200 RM. Beſchluß faſſen.
Havas meldet aus Roubaix: Infolge des Streiks in der
nordfran=
zöſiſchen Textilinduſtrie, der faſt noch den ganzen Monat Juli
ange=
dauert hat, iſt der Beſtand an gekämmter Wolle in Roubaix und
Tour=
coing am 31. Juli auf 10 613 558 Kilo zurückgegangen. Das bedeutet
gegenüber dem Vormonat eine Senkung um 682 000 Kilo und
gegen=
über dem Juli=Beſtand 1930 eine Senkung um 1626 000 Kilo.
Die Bank von England ließ 650 000 Pfund Sterling engliſcher
Gold=
münzen in den Verkehr abfließen und exportierte 20 000 Pfund
Ster=
ling Münzgold. An Barrengold wurden 311 066 Pfund Sterling nach
Holland verkauft.
Der Plan über die Herſtellung einer
unterirdiſchen Telegraphenlinie in der
Pſungſtädterſtr., Bickelgäßchen,
Gabels=
deiger= u. Darmſtädterſtr. liegt bei dem
Poſtamt in Eberſtadt (Bergſtraße) auf
die Dauer von 4 Wochen aus. (11713
Darmſtadt, Auguſt 1931.
Telegraphenbauamt.
Wander=Limouſine
030 PS. geg. Kaſſe
1450 N aus
Privat=
ind zu verk. Ang.
1. G. 78. Gſchſt. (*fg
Ford=
Rereiswert.
Donges &. Wieſt
Heinrichſtraße 52.
(11224a)
Zu verkauſen:
Liri=Bagen
3/15, 4=Sitz., offen.
äußerl. u. maſchinell
in beſt. Verfaſſung.
Jacob Hemmerich.
Darmſtadt.
Runde=
turmſtr. 16. (11712
Limouſ., ſteuer= u.
führſch.=fr. / 1460
a. W. Werkvertret.
Karl Oberndorf,
A. Herrenacker 15.
D.K.W.=Motor
200 ccm, in gt. Zuſt.
für 230 ℳ zu verk.
Angeb. unt. G. 180
an die Geſchäftsſt.
Chevrolet=
Lieferwagen
ſpottbillig.
Heinrichſtraße 52.
(11223a)
Dr. Aoellners
Ford=
Limoufine
billigſt zu verkauf.
bei (11685b
Graeb & Schwab
Moosbergſtraße 97.
ſteuerfrei, wie neu,
ſehr billig. (11665b
Donges & Wieſt
Heinrichſtraße 52.
Bord
Tonn., kombin.
Kaſtenwagen, mit
Zinkblech= u.
Leder=
ausſchl., prsw. z. vk.
Rheinſtraße 30.
2l-Cabriolet
=Sitz. mit Notſitz.
wie neu herg., ſehr
1226e
preiswert.
Donges & Wieſt,
Heinrichſtraße 52.
4 PS. 4Sitzer Opel
neuwertig zu
ver=
kaufen.
Riedlinger=
ſtraße 41. pt. Ego
Lieferwag,,
ſteuer=
u. führerſcheinfrei,
ab 1080.— ab W.
Werkvertretung
Karl Oberndorf,
A. Herrenacker 15
Opel
10/45 PS. Limouſ.
ſehr gut erh.
preis=
wert ev. m. Zahlg.=
Erleicht. abzugeb. *
Rheinſtr. 30. Büro.
4/16 2=Sitzer
Opel günſt. z. vk.ck
Baumert. Mühlſtr.
Wneche Ve Ni.
ſehr preiswert.
Donges &. Wieſt
Heinrichſtraße 52.
(11666b)
Hanomagteile.
für 2/10 Einzyl.=
Mot., Getriebe,
Rä=
der uſw. bill. abz.
Arheilgerſtr. 92,
Hinterbau part. (*
Habe bill. abzugeb.
1 Pat.=Spüler 9.50
1 Waſſerſtein 5.—
1 gußeiſern.
Wandbecken 3.—
1 4eck. Gußbeck. 4.—
1 Prof. Junkers
Heißwaſſerſtrom=
Autom., ſ. g. w.neu.
Ludwig Kling,
Inſtall.=Geſchäft,
Luiſen=Str. 2.*
Wegz.=halb. z. verk.
Herrenzim., Diwan,
Tiſche. Stühle,
Bet=
ten Nähmaſchine,
Waſchtiſche etc. *sgo
Dieburgerſtr. 2, II.
Gasbadeofen (Adl.)
zu verkf.
Keekule=
ſtraße 4 (anzuſehen
Montag ab 1 U.) *
Zu verk. 1 gr. 2tr.
Schrank. 1 Bett,
nußb. pol., 1 Nacht
tiſch, 1 lackiert. Bett
20 Mk. Karlſtr. 23.
*
Montag.
2 fl. Gasherd mit
Untergeſt. pr. z. vk.
Taunusſtr. 35, II.:
1 Bandonion, 114t.,
zu verkf. Griesheim
b. D., Friedr. Ebert=
Straße Nr. 104. E
Gut erhalt,
Kaſſen=
ſchrank auf
Holzun=
terſatz u. 1 eiſ.
Kin=
derbett zu verkauf.
Näh.: Aliceſtr. 8,
Werkſtätte. *
Für
Rundfunkteil=
nehmer!
Fortzugs=
halb. ſofort
Laut=
ſprecher „Protos”
kurze Zeit geſpielt,
prsw. zu verk. Ang.
u. G. 141 Geſch. (*
Schwerer moderner
Bücherſchrank.
Waſch=
tiſch u. Nachttiſch m.
Marm.=Platte
um=
zugshalber billig zu
verkaufen. Wo. zu
erfr. i. d. Geſchſt.
Hausfrauenbund,
Kleiderſt. Woogspl.3
Verkf. u. Annahme
v gterh. Kld. Schuh.,
Wäſche f.Fr. u. Män.
Geöffn. Mont.
Mitt=
wochs u. Freitags v.
10-12 u. 3-6. (2711a
Schlaf=
Zimmer
echt Nußbaum. 180
cm. breit, Schrank,
Friſiertoil., kompl.
Miſtfel=
Ganz mod. Form.
Einmal. Gelegenh.
Ferner ein reſeda
lack. Schlafzimmer
ſehr bill. zu verkf.
Möbelhaus
L. Menger
Bleichſtr. 17. (7027a
Hrn. Fahrrad
ſehr billig
abzu=
geben. (11222a
Heinrichſtraße 52,
Kontor.
Herrenrad,ſtark.neu
bereift, Freilf., z. vk.
Kiesſtr. 124, III. (
Gut erh. wß. mod.
Kinderwagen
zu verkaufen.
Kaupſtraße 41, pt.*
Extra billige
Gelegenheft.
Hochaparte
Schlafzimmer
in Eiche mit
Nuß=
baum abgeſetzt,
nur RM. 495.—
in poliert
RM. 680.—
Speiſezimmer
in Nußbaum
nur RM. 540.—
Küchen
nur RM. 220.—
Möbelhs. Klein
Saalbauſtraße 22.
Zweiglager:
Waldſtraße 2:
Zahlungs= (294a
Erleichterung!
Hochmodern. komb.
Herren-I.
Hifähnt.
f neu, Anſch.=Preis
1200, umſt. halb. zu
nur 875 ℳ geg bar
abzugeben. Anfr. u.
G. 173 a. d. Geſch.*
Faſt neuer
Kinder=
wagen zu verkauf.
Näh. Geſchäftsſt. (*
Gutes Herrenrad
mit Garant. 25 ℳ,
Damenrad bill. zu
verkaufen. (11659b
Karlſtr. 14, Laden.
Sobe — meinen
Geſchäftsbeſtd. noch
2 faſt neue erſtklaſſ.
Pignos
bill. zu verk. Anfr.
u. G. 182 Gſchſt. (*
Dm
Schlaf=
Zimmer
ſchwere Verarbeitg.
mit Ovalſpiegel in
Schrank u.
Waſch=
kommode nur 320.—
Eich., voll geſperrt.
Zimmer mit
Nuß=
baum .. nur 450.—
Büffel
Eich., Untert. Nußb.
poliert. nur 195.—
Mit paſſender
Kre=
denz ... .. . . 310.—
pol. 55.— u. 60.—
Eichen ..... . 69.—
Lederſtuhl
fertig gebeizt 17.50
Nur neue Möbel!
Möbel-Verkrieb
Heerwagen•
R
ſeng. 10
Sommer-Spielzeit
Bruno Harprecht
im Hess. Landestheater.
Heute und folgende Tage / Heute und folzende Tage
Heute letzter Tag
Somtag, 2. Auguſt
Außer Miete
Anfang 20 Uhr Ende nach 22 Uhr
Der ſtürmiſche Schwank=Erfolg:
Das öffentliche Aergernis
Schwank in 3 Akten von F. Arnold
11190a
mit
Bruno Harprecht als „Guſtav Pietſch”.
Ein Programm, welches
alle Freunde eines
volks-
tümlichen derben Humors
wirklich auf Ihre Kosten
— kommen läßt —
Ein ganz besonders spannender
Kriminal-Tonfilm
nach dem vielgelesenen u. packenden
Detektiv-Roman von Edgar Wallace.
Das Geheimnis
der roten Katze!
Der Zinker
Mittagtiſch 80 8 Jg. gefülte Tauben
Salat
Speischaus
Fauldrath
Kompott
Hölgesſtr. 5, I. 44ug.
abd.: Wien. Schnitzel, Salzk., Sal. 70.3
Ein Kriminalschwank voller
sensa-
tioneller Vernieklungen u. handkester
Sitnationskomik mit dem vor niehts
zurfckschreekenden Komikertrio
Luftkurort
Ludwigshohe
Telephon 591
Hente nachmittag 4 Uhr
Konzert
ausgeführt vom Stadtorcheſter
Leitung Konzertmeiſter Reitz
Eintritt frei. (11617) Eintritt frei.
Ernst Verebes,
Siegfried Arno,
P. Westermeler.
Diesmal geht es bunt und turbulent
dureheinander n. man sieht u. hört
mit Behagen, unter immer neuen
Lachanfällen, dieses tolldreiste
Abentener.
Dazu das tönende Beſprogramm.
Beginn: 2.00, 4.05, 6.10 u. 8.20 Uhr.
Regie: Carl Lamac u. Mac Frie.
In den Hauptrollen; LiasfArna,
Fritz Rasp, Peggy Normann,
Carl Indwig, Panl Hörbigern a.
Edgar Wallaces„Zinker” ist
die Geschichte vom größten Hehler
Londons und ein ungemein
tempo-
erfüllter u. wirklichkeitmaher
Krimi-
nalstoff, der mit allen Uitteln des
Tonälms, — mit tansend nenen
unvorhergesehenen Wendungen, —zn
gesteigerter, atemberanbender
Wirkung gebracht wird. (V.11702
— Im tönenden Beiprogramm —
Derköstliche Micky-Film
„Polarzauber"
Von der Zensur endlich freigegeben!
Zuerst verboten — jetzt als
volksbildend anerkannt.
Die Sache Kugust Schulze
Nach der Novelle:
vor
dericht
Beginn: 2.00, 4.05, 6.10 u. 8.20 Uhr.
Krimineller Sexualbericht einer
Minderjährigen.
Empfohlen von der Münchener Liga
für den unabhängigen Film.
In den Hauptrollen:
Herm. Speelmann, Garla Bartheel,
Ellen Schwanecke, Aribert Mog u. a.
Regie: Georg C. Klaren.
Dazu das tönende Beiprogamm.
Beginn: 2.00, 4.05, 6.10 u. 8.20 Uhr.
in der Waldkolonie
Sonntag, den 9. und Dienstag,
den 11. Auguſt, findet in der
Wald=
kolonie große Verfaſſungsfeierunter
Mitwirkung von Ackermann’s be
liebten Terraſſen=Karuſſell und
Patentſchiffſchaukel ſtatt — Im
Garten d. Reſtaurat, Waldkolonie
großes Konzert
ausgeführt von der Kapelle
Schmitt Hintermahzer.
Im Ausſchank das beliebtg
Wiener=Kronenbräu=
Kaffee Kuchen und Gebäck,
Es ladet freundlichſt ein
Waldmann und Ackermann.
Eintritt frei! (und4
„Zum Roſengarten‟
—Frankfurterſtraße 79—
D Heute
Großes Sommerfeſ
Konzert—Tanz von 8 Uhr al
Preisſchießen — Kinderbeluſtigun
Peter Roßmann.
Orbmöbel Reparaturen
orbwaren
91485
Weinschenk, Schustergasse 1
Alkalische
Mineralguelle
Vilbel
Wegen seines hohen Gehaltes an Natron,, Kalk,, Magnesia-
und Lithionsalzen von heil wirkendem Einfluß
beifarnenndVlerdauungsbeschwerden, Erkrankungen der Heinrich Ostertag
NassldTSbTTdeT Tsber. md Galennese ronie Kartarrhen aller 4rt. HaselersseR Telephon 24g9
(44684
Zu haben in allen Stadtteilen.
Diätetisches Tafel-Getrank mit eigener natlrllcher Quellenkohlensäure.
Generalvertretung
HEM
Heute/ sonntag, abends 8½ Uhr,
dastsplel Kl. Theater, Berlin
„Liebe-unmodern”
mit drete Reinwald,
Willl Kaufmann — Heinz Klubertanz
Preise 60 Pfg, bis 250 Mk. Karten: Kiosk
Paradeplatz bis 6 Uhr; Kasse Orpheum ab 3 Uhr.
WorgenMontagl/ und folgende Tage,
abends 8½ Uhr
Varieté-Festspieleß
große
aTade
internat. Varieté-Attraktionen! 111707
Mi W
an dieser Stelle
ORANGERIEHAUS
Heute abend
KONZERT mit TANZ
Eintritt krei!
(11688)
M Kectsss
Matthias Weber
spielt bei freiem Eintritt (auusa
Sonntag nachm. von 4-7 u. abends 8-11 Uhr
im „Rummelbräu‟, Rheinstr. 101
(Konzerte finden bei jeder Witterung statt.)
Restaurant Sitte
Hente Sonntag, 9. August
Bei ungünst. Witterung in den Sälen
Eintritt freil /F1 Kein Bieranfschlag!
Zum Tropfstein
Eoke Kasino- und Friedrichstraße (199a
Gemütlicher Aufenthalt
Wer leiht jg. Dame
geg. Entſchädig.?
Ang. u. G. 187 Gſch.
I2 Garten=
Brombeer. Beſtell.
Landwehrſtr. 9, II.*
„Backen und
Einkochen im Gasherd‟
Vortrag
mit praktischen Vorführungen am
Donners-
tsg, den 13. August 1931, abends 8 Uhr,
Im Bürgerhof, Elisabethenstraße 2. (st.11717
Kostproben!
Eintritt frei!
Fachmännische Beratung!
Blrektlon der städtisch. Betrlebe.
Tolassangs Toier Voor
Dienstag, 11. August, vormittags 11½/, Uhr,
Im Städtischen Saalbau.
Vortragsfolge:
1. Onvertüre zr Oper „Oberon‟ . . von Carl Maria von Weber.
Stadtorchester Darmstadt
2. Chor „Die Morgenröte” von Uthmann „ Volkschor Darmstadt
3. Pestamsprache . . . . . . . . . . . Ministerialrat Dr. Meller
4. Chor „Opferlied” von Beethoven ... . Volkschor Darmstadt
5. Onvertüre zur Oper „Tannhäuser‟ . . . . von Richard Wagner
Stadtorchester Darmstadt.
Die gezamte Berölkerung der Tandeshanptstadt Darmstzdt nird
zur Teilnahme an der Feier eingeladen.
Eintritt unantgelklich.
Darmstadkt, den 9. Angust 1931.
Der Hessische Staatspräsldenk.
Der Oberbürgermeister.
zs
ab 11 Uhrt.
HerrngartenCafé
Promenadenkonzert
Eintritt Frei!
sowie Nachmittag- und Abend-Konzert
Eintrikt krol!
e
Restaurant Bürgerhof mit Bürgerschänke strage 2
Inhaber K. Behrens jun., fr. Behrens-Hufnagel, Traisa
Schöner schattiger Garten
* Anfang
Heden Sonntag Konzert s uns
Mittagstisch mit Nachtisch von 1.— Mk. an, im Abonnement Ermäßigungs
Reichh. Speisenkarte, Gr. u. kl. Säle ohne Mietberechnung b. Restauration 8
Im
Hünsller-Honzert
Iöst
Sonntag ab 8 Uhr
am Haupiahnhdl Neue Kapelle 194a
Rheinſtr. 1015nh. K. Heidenreich Tel. 2519
Bekannt gutbürgerl. Speiſereſtaurant
Mittagstiſch v. M. 0.90, 1.30, 1.50,2.-
Heute nachmitt, u. abends ſpielt
Matth. Weber
Eintritt frei Großes Archeſter Eintritt frei
Wiener=Kronenbräukeller
Dieburgerftraße 92
Heute Sonntag
ab 8 Uhr abends
Streich-Hongert
Teitung: Kapellmeiſter Willil Schluxp
Eintriit frei! Eintritt frei!
zusc
Die Konzerte, finden bei jeder
Witterung ſtatt.
Zur Kirchweih heute und morgen
ladet der Wirteverein freundlichſt ein.
Weinhaus Facob, Eberſtadt, Oberſtraße 12.
Angenehmer Familienaufenthalt — Großer ſchattiger Garten,
Erſtklaſſige Weine 11699 Borzügliche Küche.
geſucht. Angeb. u.
G. 129 a 3. Geſch.*
Gi. Kegelb
f. wochentags 4b3.1 Sberſtädter Kirchwei
Wo gehen wir hin?
Bergsträßer Hol
Gegenüb. d. Kirche Halteſtelle d. Straßen!
Schirme Sonntag, den 2, Montag, den 10. Angn
größte Auswahl zu
bei gutbet
biligſten Preiſen — Tanz-Musik drehester
Uberziehen Ureparieren.
Nur gute Speiſen und Getränke!
Lohanna Techellgerwe=Montag: Frühſchoppen=Ktonzer
Schillerpl. 3, Uhren= Spezialität; Sauerkraut u. Läwwerworſch
haus. Kein Laden,
(Hausſchlachtung! 4170
Es ladet freundlichſt ein
(193a)
Albert Peter, langj. Küchenchef
Die billigſten
und ſchönſten
Verviel=
ige
(Rotaprintdruck)
liefert ſchnell
und pünktlich:
Bäumer’s
Vervielfältig.=
Büro (ſeit 1901,
Rheinſtraße 8,
Telefon 1223.
100 Stück (1 S.)
von 2.30 ℳ an,
400 Stück (1 S.)
von 3.80 ℳ an
uſw. (1450a
Fahrra
Heſen
Decken . . 1.75
Schläuche 0.75
gute Qualitäten,
fabrikfriſch.
R
*(üticß
Haid 4 Neu=
Nähmaſchinen
nähen vor= u.
rück=
wärts, ſtopfen und
ſticken.
BilligePreiſe
(Alte Maſchinen.
werd. eingetauſcht.)
Gükking
Schuchardſtraße 10.
(üößt6a)
Ke
Lum Schwanen, Eherstadt a. d.5.
am 9. und 10
ladet
zur Kirchweihe Auguſt ein,
Empfehle meine beſtbekannte Küchet
½ Hahn mit Beilagen ....... 1.5
ff. naturreine Ausſchankweine
von 0.20 bis 0.0
Flaſchenweine in größter Auswahl
von 0.90 bis 60
Konzert u. Tanzmuſit
ausgeführt von 2 Kapellen.
1188
Dlenstag, den 11. August!
Relchsverfassungstag, Abf. 8,00 vorm,
Wiederholung unserer
Schloßbeleuchtungs-
Tagesfahrt
mit Autohbus und Schiff zur
Beleuchtung Heidelberg-
Verlangen Sie unseren
Spezial-Prospekt mit Preisangabe
im Heaghaus, Zimmer 6.
Mittwoch, den 12. August:
Ein Nachmittag
auf dem Feldberg (Taunus)
Abfahrt 13.00 Uhr. Fahrpreis 5.50
Karten und 4nskmukt im Heashaus,
Zimmer 6. Sämtliche Pahrten merden
nur bei genügender Beteiligung
aus-
geführt; die Wagen gehen jeweils am
Heaghaus ab. Telefonische Bestellung
unter Ur. 3390.
Nummer 33
Pekunjäre Fragen.
Es müſſen ſchöne und ruhige Seiten geweſen ſein, die
Jahrhunderte, in denen man das Geld noch nicht kannte
und ſich auf den Austauſch lebensnotwendiger Dinge
unter=
eitander beſchränkte: Das lateiniſche Wort für Geld
Das laufende Band der Geldſcheine.
Blick auf eine Druckmaſchine in der Reichsdruckerei.
„pecunia” — deutet noch daraufhin, denn es wird abgeleitet
von „peeus” was ſoviel bedeutet wie „Vieh”. Und wenn
wir noch heute bei einigen wenigen Naturvölkern dieſe
„Naturalwirtſchaft” finden, ſo können wir ſie wohl mit
Fug und Necht beneiden. Allerdings haben auch die
Buſch=
neger eine regelrechte Währung eingeführt — in
Kauri=
muſcheln.
Mit der Ausbreitung der Völker erwies ſich dann der
reine Cauſchhandel als zu umſtändlich. Für jeden Sack Korn
ein Stück Vieh, oft über weite Landſtrecken hinweg
einzu=
tauſchen, war zeitraubend und nicht gerade ſicher. So ſah
man ſich denn nach einer Ware um, die umlaufsfähiger
und wertbeſtändiger wäre und fand — die Edelmetalle, aus
denen man den Schmuck anfertigte. Dieſe Edelmetalle, die
in verhäl tismäßig geringen Mengen große Werte
darſtell=
ten, wurden zu einer Ware, die in jedem Falle die
ſchwie=
rigen Cauſchgeſchäfte erleichterte. Sugleich aber, — wo
Licht iſt, zeigt ſich auch Schatten — bot dieſe Erleichterung
auf der anderen Seite die beſte Möglichkeit zur Anhäufung
von Werten. Der Beginn der Kapitalbildung, der Anfang
allen Unglücks. Denn bald ſetzte die Verwandlung ein —
das Geld blieb nicht allein Cauſchobjekt, wie alle anderen
Produkte, ſondern bekam einen Eigenwert.
Natural=
wirtſchaft wurde zu Geldwirtſchaft —
Geld=
wirtſchaft zu Geldherrſchaft.
Heute denkt in Mexiko, kein Menſch mehr daran,
Kakaobohnen und Sinnbrocken zu tauſchen, mit Eiſenſtäben
iſt ſelbſt im dunkelſten Afrika nichts mehr anzufangen, und
die Ceeziegel der hochaſiatiſchen Ebenen ſieht kein Menſch
mehr als „umlauffähig” an. Das Geld — hervorgegangen
aus dem Wort „Entgelt”, Erſatz — wechſelte die
Be=
deutung.
Cauſend Jahre vor Chriſti Geburt waren bereits Gold=
und Silberringe und =barren in Vorderaſien in Gebrauch.
Oreihundert Jahre ſpäter prägte man die erſten Münzen,
d. h. Gold= und Silberſtücke wurden zur Ueberprüfung ihres
richtigen Gewichtes mit einem Staatsſtempel verſehen. Die
alteſten griechiſchen Münzen finden ſich um 600 v. Chr., ſie
ſind aus Silber und Gold. Anſcheinend ſetzte dann eine
Ent=
wertung ein, denn um 400 wird das Kupfer „modern”. Ein
Mann, der viel Geld gehabt haben muß, iſt der
griechiſch=
baktriſche König Eukratides. Er leiſtete ſich Silbermünzen
von einer Größe, die bisher in der Weltgeſchichte noch nicht
überboten wurde.
Nicht alle Münzen ſind rund, es finden ſich auch
vier=
eckige und längliche, letztere beſonders in China und Japan.
Mit Beginn der römiſchen Kaiſerzeit kommt die Sitte
auf, das Bild des jeweiligen Herrſchers der Vorderſeite
des Geldſtücks aufzuprägen. Die meiſten der antiken
Mün=
zen wurden in Ei= oder Kugelform aus dem weichen Metall
gegoſſen und gedreht und dann mit einem Stempelnegativ
gepragt, durch den ſtarken Druck entſtanden die tiefen Riſſe
am Nand der Münze, die wir ſo häufig an dieſen alten
Geldſtücken finden.
Die Millionen des Wallenſtein.
Kleines Kapitel von „Kippen” und Wippen”
Schon im alten Griechenland kam man zu der
Erkennt=
nis, daß man es mit der Qualität der Münzen, die als
Wert=
einheit galten, nun nicht mehr ſo genau zu nehmen brauchte.
Man kannte auch damals ſchon wechſelnde wirtſchaftliche
Verhältniſſe. Je nach ihrer Sicherheit richtete ſich die
Zu=
ſammenſetzung des Münzmetalls. Es waren zwar feſte
Ge=
ſetze und Negeln aufgeſtellt für die Gewichte und
Metall=
werte. Aber da im Grunde doch niemand mit Fug und Recht
etwas gegen das geſetzliche Sahlungsmittel einwenden konnte,
begann man, die Metalle, die ehemals vollkommen rein
ver=
wendet wurden, zu miſchen. Die römiſchen Kaiſermünzen
waren noch ganz reines Gold, in Byzanz finden ſich dann
ſchon Goldſtücke von verdächtigem — Kupferton. Mitte
des 12. Jahrhunderts, in einer wirtſchaftlich ſehr ſchweren
Seit, brachte man gar — Holzmünzen in Umlauf.
Neben dieſen offiziellen Münzverfälſchungen laufen eine
ganze Neihe von geheimen, privaten Unternehmungen,
Falſchmünzereien, die eine gewiſſe Berühmtheit erlangt
haben. So hat beiſpielsweiſe Oktavian ſeinen Krieg
gegen Mark Anton finanziert durch eine großzügige
Münz=
verfälſchung. Er zog das ihm erreichbare Geld ein, ließ es
in der Mitte durchbrechen, das Gewicht durch unedle Metalle
ergänzen, und die neue Münze, ſelbſtverſtändlich mit ſeinem
Bild geſchmückt, von einer Golddecke überzogen, in Umlauf
bringen. Ein praktiſches Verfahren, ſein Vermögen zu
ver=
doppeln.
Das gleiche Geſchäft betrieb mit gutem Erfolg —
Wallenſtein. Er hatte Seit ſeines Lebens ein ſtarkes
Intereſſe für Schwarzkunſt, Aſtrologie und andere Künſte
gezeigt. An ſeinem Hofe lebten ſehr geſchickte Leute.
Drei=
mal zog Wallenſtein das Geld, deſſen er habhaft werden
konnte, ein. Dreimal erſchien neues, blankes, wenn auch
weſenlich wertloſeres Geld — dreimal verdoppelten ſich die
Millionen des großen Feldherrn. Reſtloſes Glück haben
ihm auch dieſe geſchickten Manöver nicht gebracht.
Es iſt eines der Suſteme der Münzfälſchung, die im 17.
Jahrhundert einen Höhepunkt erreichte. Man nennt dieſe
Epoche die Seit der „Wipper und „Kipper”. Mit
nachgeahmten Stempeln wurden Münzen aus unedlen
Metallen gegoſſen, häufiger noch auf einen falſchen
Metall=
kern eine echte Münzdecke, Vorder= und Hinterſeite
auf=
gelötet. Beliebt war auch das Anbohren von Münzen,
wo=
bei die Bohrlöcher mit falſchen Metallen wieder ausgegoſſen
wurden. Vergoldete Münzen aus Platinlegierung mit
Kupfer wurden bis Ende
des vergangenen
Jahr=
hunderts äußerſt viel und
geſchickt in Valencia
her=
geſtellt, und von dort aus
über die ganze Welt
ver=
breitet.
Sur Prüfung echter
Münzen bediente man ſich
vor allem der Waage —
alle Edelmetalle
unter=
ſcheiden ſich durch ihr
ſpezifiſches Gewicht —
und in jüngerer Seit
unterzog man die
Legie=
rung auch der chemiſchen
Analyſe.
Von echtem
Schrot und Korn.
Eine Münze entſteht . . .
Das Geſamtgewicht
einer Münze nennt man
„Schrot”, das Gewicht
des darin enthaltenen Edelmetalls, Gold oder Silber, nennt
man „Korn” oder Feingewicht. Das Verhältnis zwiſchen
Korn und Schrot Feingehalt. Zu allen Seiten haben
Ge=
ſetze beſtanden über dieſes Verhältnis, ihre Uebertretung
wurde mit ſchweren Strafen belegt. Denn es liegt auf der
Hand, wie groß die Entwertung des im Umlauf befindlichen
Geldes iſt, wenn von unbefugter Seite die Menge des
Geldes vergrößert wird, bei einer Verſchlechterung der
Qualität. Das Metallgeld iſt auch ohne Verfälſchung
„lebendig”, das heißt, es iſt einer Abnutzung ausgeſetzt, die
weitaus größer iſt, als man allgemein annimmt. Wenn noch
der alte deutſche Caler ſich in 50 Jahren um nur ein Prozent
abnützte, ſo iſt der gleiche Grad der Abnützung heute bei
dem franzöſiſchen Franken und der italieniſchen Lira in
einem Jahr erreicht. Am ſtärkſten nützen ſich die
Kupfer=
münzen ab.
In zwei Hauptgebiete zerfällt die Münzkunſt: in die
Herſtellung der feſtgeſetzten Legierung und in die Produktion
der latten von genauem Gewicht in vorgeſchriebener Größe
und Prägung. Das in Graphittigeln geſchmolzene Metall
der Legierung wird in Stangen von 40 bis 45 Sentimeter
Länge und zehn Millimeter Dicke gegoſſen — ſogenannte
„Haine‟ Durch vielfache, komplizierte Streck= und
Walz=
prozeſſe und durch mehrmaliges Glühen wird der Saine die
erforderliche Feſtigkeit und die genaue Stärke verliehen.
Die ein Meter langen Hainen gelangen dann zum „
Aus=
ſtückeln” in die Maſchine, die die runden Münzſtücke
aus=
ſchneidet. Erſt dann erfolgt, nach nochmaligem Glühen, die
Prägung und das Nändeln, die Kerbung oder Prägung des
ſchmalen Randes bei hochwertigen Münzen. Ein chemiſcher
Prozeß reinigt dann die Münze von allen ihr anhaftenden
Verunreinigungen, und hat man die Münze dann nochmals
eine Feinwaage paſſieren laſſen, die ihr genaues Gewicht
beſtätigt, ſo gelangt ſie in eine Sählmaſchine, die eine
be=
ſtimmte Anzahl von Münzen in Nollen oder Säcke einordnet,
mit größerer Suverläſſigkeit als der menſchliche Arbeiter.
Von echten und falſchen Banknoten.
Sicherheitsmaßnahmen gegen Fälſchungen.
Die älteſten Banknoten, die als Erſatz für Münzen
ausgegeben wurden, meiſt hohe Werte zur Vereinfachung
des Geldverkehrs, wurden im 17. und 18. Jahrhundert in
einfachem Buchdruck ausgeführt. Die Waſſerzeichen des
Papiers, die eigenhändige Unterſchrift der Bankbeamten
und ſpäter die kunſtvolle Erfindung des „Trockenſtempels”,
boten eine hinreichende Sicherheit gegen Nachahmung.
Heute bedienen ſich die Staatsdruckereien des
ſogenann=
ten „Sicherungsdruckes”, der einen Schein nicht einem
ein=
maligen, ſondern mehrmaligen Druck unterzieht. Jeder der
einzelnen „Unterdrucke” hat eine beſondere Seichnung, ein
fortlaufendes, ſehr verwickeltes Muſter, das als ſogenannte
„Guillocheplatte unter die Schriftplatte gedruckt
wird. Die Seichnung des Unterdrucks wird in zwei
gleich=
wertigen Farbtönen hergeſtellt, die, dem bloßen Auge
er=
kennbar, auf der photographiſchen Platte keine farblichen
Unterſchiede zeigt. Man kann alſo mittels
Farbenphoto=
graphie eine ſolche Suillocheplatte nicht reproduzieren, und
als Handarbeit dürfte man ſich eine ſolche Abzeichnung wohl
kaum zumuten. Die Sache iſt um ſo mehr erſchwert, als
oftmals nicht der ganze Schein, ſondern nur eine Ecke oder
ein Mittelſtück nach dieſem Verfahren gedruckt wird. Die
Seichnung der Guillocheplatten kann nicht „verraten”
werden, da ein Original nicht beſteht, ſondern gleich
ver=
nichtet wird.
C. Ofenbrink.
Er wühlt im Golde.
Eine Münzzählmaſchine, die eine beſtimmte Anzahl von Münzen in
Säcken oder Vollen abzählt. Sie irrt ſich nie.
A.
A
[ ← ][ ][ → ] Das Seitalter der Cechnik erſetzt mehr und mehr die
natür=
lichen Produkte der Erde durch künſtliche, weil es ſie billiger
erſtellen kann und auch weil ſie in vielen Fällen durch Naubbau
allzu raſch aufgebraucht worden ſind. Ingenieur und Chemiker
erſinnen und erfinden in Seichenbüro und Laboratorium täglich
ſoundſoviele Dinge, die bis dahin die Erde in mehr oder weniger
gebrauchsfertigem Suſtand darbot. Viele dieſer Surrogate ſtehen
den Naturprodukten allerdings an Gehalt und Vielſeitigkeit
nach. Als uns während des Krieges ſo viele Nohſtoffe fehlten
mußten wir es erfahren, was der „Erſatz” wert iſt.
Noch liegen in den Schaufenſtern Berge von
Badeſchwäm=
men, aber ſchon hat der natürliche Schwamm in dem billigeren
Gummiſchwamm einen Konkurrenten.
Die Schwämme ſind derart bodenſtändig und haben für unſer
Auge ſo wenig ſichtbar=bewegliches Leben, daß man ſie lange
Seit für Pflanzen hielt oder wenigſtens im Sweifel darüber war,
ob man ſie der Flora oder der Fauna des Meeres zuteilen müſſe.
Erſt mikroſkopiſchen Beobachtungen dieſer winzigen
Organis=
men iſt es zu danken, daß man ſie einwandfrei als höchſt
eigen=
artige, komplizierte Lebeweſen erkennen und ihre unzähligen
Arten in einer Sondergruppe (Poriferen, Spongien) des
Cier=
reiches vereinigen konnte.
Was wir im täglichen Leben „Schwamm” nennen, iſt
eigent=
lich gar nicht der Schwamm, ſondern nur das elaſtiſche Faſern=
Skelett der Gruppe der ſogenannten „Horn=Schwämme”, welches
dem klebrigen, äußerſt zarten Sellengewebe des Cieres als
Stütz=
ſubſtanz, als tragendes Gerippe dient. Die Schwämme ſitzen
mehr oder weniger tief im Waſſer auf Felſen feſt oder auf dem
Meeresboden. Sie wachſen in allen Meeren, wo die
Cempe=
ratur des Seewaſſers warm genug iſt und wo der Meeresboden
nicht zu tief, 5, 4, 15—50 Meter, liegt. Die Körperform der
urſprünglich bräunlichen Schwämme, iſt weſentlich von ihrem
Untergrund und ihrer „knoſpenden” Entwicklung abhängig. Man
kann ſie in ihrer Form mit einem „Schlauch” vergleichen, der
mit ſeinem unteren Ende auf einem Felſen, an einer Alge oder
direkt auf dem Meeresboden feſtgewachſen iſt, und deſſen
zen=
traler Hohlraum, der gewiſſermaßen den Magen des Cieres
dar=
ſtellt, ſich durch einen Mund, das verhältnismäßig weite
„Osculum” nach außen, nach oben hin öffnet. Die Wände des
Schlauches ſind von zahlreichen, inhalierenden Dermalporen
Huber und die Frau Gehemmrat.
Von Lili von Baumgarten.
Gewiß, das Leben wäre arm und langweilig ohne die
ge=
heimnisvolle Verwurzelung alles Bewußten in Unbewußtem. Aber
manchmal hat es doch etwas recht Unheimliches, beobachtet man
menſchliche Beziehungen, wie ſie beiſpielsweiſe in der Geſchichte
von Huber und der Frau Geheimrat zutage treten.
Erotik kommt hier wohl kaum in Frage. Als er ſie kennen
lernte, war ſie bereit hoch in den Fünfzig, und ſie gehörte einer
Generation und einer Geſellſchaftsklaſſe an, in denen ſich Frauen
ehrlich alt werden laſſen. Sie war mittelgroß, hager,
weiß=
haarig und trug ſich ſchwarz. Er hingegen war Anfang Vierzig,
klein und korpulent mit rötlichem Mopsgeſicht. Man ſah es ihm
nicht an, daß er eines Herzfehlers wegen nicht gedient hatte.
Auch während des Weltkriegs kam er teils aus demſelben
Grund, teils i ſeiner Eigenſchaft als unabkömmlicher
Land=
wirt nichk an die Front. Er hatte in ſeinem Dorf eine Braut,
ſie wollten nur beſſere Seiten abwarten, um Hochzeit zu machen.
Wie Huber die Frau Geheimrat kennen lernte, hat etwas
ſchickſalhaftes. Es war im letzten Kriegsjahr. Huber war zu
einigen Einkäufen in die Stadt gekommen und ging durch das
weſtliche Villenviertel dem Bahnhof zu, als plötzlich
Sirenen=
geheul und heftiges Feuer der Abwehrgeſchütze einen feindlichen
Sliegerangriff anzeigten. Im Nu waren die Straßen
menſchen=
leer, und auch Huber landete mit einigen Andern im Keller eines
fremden Hauſes. In jenem Keller aber ſaßen bereits Herr und
Frau Geheimrat ſamt ihrer zu Beſuch im Elternhaus weilenden
Jüngſten, der Frau Rittmeiſter.
„Setzen Sie ſich nur”, ſagte der alte Herr, von dem Huber
damals noch nicht wußte, daß er der Herr Geheimrat war. Sonſt
wurde kaum geredet. Nach etwa einer Stunde ſprachen die
Anzeichen dafür, daß der Angriff vorüber ſei. Huber erhob ſich
von ſeiner Kohlenkiſte, ſah auf die Uhr und meinte: „Wenn ich
mich beeile, bekomme ich noch meinen letzten Sug. Ich bin vom
Land. „Sie vom Land habens gut” bemerkte der alte Herr
„von Ihnen aus kann’s noch zehn Jahre ſo weiter dauern.”
„Pber Wolf”, ſagte die Srau Heheimrat. Nun heißt Huber
durchlocht. Die zuſammenziehbaren Inhalationsporen, der
Magen=Hohlraum und das Osculum bilden das „Kanalſyſtem”
des Schwammes, durch welches Nährteilchen enthaltende oder
verbrauchte Stoff=Neſte abführende Waſſerſtröme zu= und
ab=
fließen. Die ſogenannten Kragen= und Geißelzellen, welche den
Hohlraum auskleiden, funktionieren zuſammen mit den
Dermal=
poren etwa wie ein Waſſerpumpwerk. Sie führen dem Tier auch
den zum Atmen erforderlichen Sauerſtoff zu. Durch den
Hohl=
raum und das Osculum werden ferner zur Heit der
Geſchlechts=
reife die Genitalprodukte, die Flimmer=Larven, die ſich ähnlich
wie die mikroſkopiſchen Auſtern=Larven ſelbſtändig fortbewegen,
hinaus ins Meer befördert, wo ſie ſich bald irgendwo feſtſetzen
und nach einer mehr oder wenigerd komplizierten Metamorphoſe
den jungen Schwamm darſtellen.
Die Schwämme ſind Switter oder auch getrennten
Geſchlech=
tes. Ihre Fortpflanzung geſchieht durch Eier und
Sperma=
tozoen. Als „Einzelperſonen” leben die dem nackten Auge kaum
ſichtbaren Schwämme ſeltener. Meiſt bilden die winzigen
Cier=
chen durch üppige Knoſpenwucherung ausgedehnte Stöcke und
Kolonien. Die Wachstumsenergie der Schwämme iſt
außer=
ordentlich groß. Man kann die Ernte auf denſelben
Schwamm=
gründen meiſt jedes Jahr neu vornehmen. Deswegen hat man
auch Verſuche, die Hornſchwämme durch „Abſchnitte” (Ableger)
künſtlich zu züchten, nicht fortgeſetzt.
Der wirtſchaftlich wertvollſte Schwamm iſt der
Bade=
ſchwamm, deſſen feinſte, kleinlöcherige Art, der ſyriſche oder
levantiniſche Schwamm, an der Küſte Syriens und Kleinaſiens
gefiſcht wird. Dieſer Schwamm iſt beſonders zart, ſehr
waſſer=
aufnahmefähig und trotzdem ſehr haltbar. Der wertvollſte
Schwamm des adriatiſchen Meeres iſt der große venetianiſche
Badeſchwamm, der aber häufig große Löcher hat. Die im
ge=
ſamten Mittelmeergebiet wachſenden unregelmäßigen
Pferde=
ſchwämme ſind von geringerer Güte. Auch der griechiſche, der
Simocca=Schwamm, der an der Küſte Kleinaſiens und Afrikas,
ſowie im griechiſchen Archipel gefiſcht wird, iſt begehrt. Er iſt
aber ſpröder, härter und nimmt ſchwerer Waſſer auf als der
ſuriſche Schwamm. In Weſt=Indien (Stapelplatz Naſſau) ſind
ergiebige Schwammgründe guter Arten. An den
zentralameri=
kaniſchen Küſten werden ebenfalls große Mengen von
Schwäm=
men gefiſcht.
auch Adolf, und Sie kennen das ſicher: man hat einen Augenblick
das Gefühl, als ginge es einen etwas an, wenn man jemand
anders mit ſeinem Namen angeredet hört.
Huber kam nach vierzehn Cagen wieder in die Stadt und
führte ſorglich verpackt ein Pfund Butter mit ſich. Als er an
der Villa Schopenhauerſtraße 6 ſchellte, — er hatte ſich inzwiſchen
im Adreßbuch informiert, wer dort wohnte — öffnete ihm die
Frau Rittmeiſter. Aber das können wir doch garnicht
an=
nehmen”, ſagte ſie, als ſie verſtanden hatte, daß der gute Mann
da ihnen ein wenig Landbutter als Nevanche für den neulich
ge=
währten Unterſchlupf brachte. Der verlegene Huber war ſchon
drauf und dran, ſeinen Ballen wieder mitzunehmen, als er ihm
von feſt zugreifender Hand abgenommen ward. „Es iſt wirklich
ſehr freundlich von Ihnen”, ſagte die Frau Geheimrat, die au
einmal neben ihrer Cochter ſtand, „und wir danken Ihnen ſehr,
Herr — Herr —” „Huber iſt mein Name‟. „Alſo Herr Huber,
nochmals herzlichen Dank. Wo ſagten Sie doch, daß Sie
her=
kommmen?” „Aus Erlenrod. „Ach, das iſt eine hübſche Gegend,
da ſind wir früher oft auf Ausflügen durchgekommen. Sagen
Sie mal, Herr Huber, könnte man nicht von da hin und wieder
etwas bekommen? Eier, Butter, Käſe oder ſo? Natürlich
gegen entſprechende Bezahlung?” Für gewöhnlich antwortete
Huber auf derlei Fragen, die häufig an ihn geſtellt wurden: „
Ver=
ſuchen Sie’s mal und fahren hin.”
Diesmal aber ſagte er, das ſei wohl zu machen, und wenn
er das nächſte Mal in die Stadt komme, werde er ſehen, daß
er etwas mitbringe, worauf ihn die Frau Gehemrat nochmals
ihrer warmen Dankbarkeit verſicherte. Dies war der
Anfang=
einer regelmäßigen Belieferung der geheimrätlichen Familie mit
allerhand guten Dingen, deren Anblick arme Stadtleute längſt
entwöhnt waren, und zwar eine Belieferung zu Preiſen, die die
Sran Geheimrat mehr als einmal zu dem Ausruf veranlaßten:
„Sie haben’s wahrhaftig gut, Herr Huber, in Ihrem billigen
Erlenrod.”
Bisher hatte die Frau Geheimrat Huber mit ſeinen Gabei
im Gang oder in der Küche empfangen, aber nach einem halben
Jahr —, die Not im Lande war inzwiſchen noch geſtiegen —
ſagte ſie zu Mann und Cochter: „Man muß in den ſauren Apfel
beißen”, und zu Huber ſagte ſie, als er das nächſte Mal erſchien:
Im lebendigen Suſtand des Schwammes iſt das
Hornfaſer=
ſkelett von dem oben flüchtig beſchriebenen Sellengewebe innen
und außen bekleidet. Dieſes ſtirbt aber, ſobald der Schwamm
aus dem Waſſer kommt, raſch ab.
Die Fiſcherei der Schwämme wird auf verſchiedene Weiſe
betrieben. An den Küſten von Cunis harpuniert man die Ciere
mit zweizinkigen Gabeln. Dieſe brutale Methode beſchädigt
aber immer etwas das Faſerngewebe. Im griechiſchen Archipel
werden die Schwämme, nachdem ihr Standort auf dem
Meeres=
grund mit dem Fernrohr geſichtet worden iſt, mit der langen
dreizinkigen Gabel geſtochen oder von mit Blei beſchwerten
Nackttauchern, die etwa 2½ Minuten unter Waſſer bleiben
können, losgeriſſen und heraufgeholt. Man zieht die Caucher
an einer Leine hoch, denn nur die Geſchickteſten tauchen frei. Die
feineren Schwämme ſitzen in der Regel tiefer im Meer, 15—30
Meter unter Waſſer. Sie werden von ausgerüſteten Cauchern
oder auch mit Hilfe von Schleppnetzen (Dredſchen), Haken uſw.
von Juni bis Oktober gefiſcht.
Die gefiſchten Schwämme werden an Pfoſten im Meerg
aufgehängt, bis ſie ſich von ihrer organiſchen, klebrigen
Sub=
ſtanz gereinigt haben. Oder man bringt ſie in Gruben, ſtampft
ſie mit Füßen (ähnlich wie früher die Weintrauben), um die gelan
tineartige Maſſe auszutreiben, die Schwämme aneinander zu
heften und ſo die Gärung herbeizuführen. Sie werden dann
ge=
trocknet, in Ballen verpackt und verſchickt. Die beſſeren
Sor=
ten werden nach Arten, Formen und Größen ſortiert und
eben=
falls in Ballen verpackt. Sie ſind aber noch teilweiſe mit der
bräunlichen, getrockneten organiſchen Maſſe behaftet und
ent=
halten allerhand Fremdkörper, Steinchen, Sand, Muſcheln, Kalk
uſw., die durch Klopfen, Waſchungen in ſäurehaltigem Waſſer
(Salzſäure) gelöſt und entfernt werden. Die Schwämme werden
dann nochmals in reinem Waſſer geſpült zwecks gänzlicher
Ent=
fernung der Säure. Die Schwämme erhalten dadurch auch ihre
urſprüngliche, vorteilhaftere Form wieder, die meiſt noch etwas
zurechtgeſchnitten wird. Gebleicht werden die Schwämme mittels
verſchiedener Säuren, ſtark verdünnte Schwefetſäure,
Waſſer=
ſtoffſuperoxud, hypermanganſaures Kali uſw. finden hierfür
Ver=
wendung. Auch der raffinierteſten Cechnik dürfte es aber kaum
ſemals gelingen, einen mit ſo vorzüglichen Eigenſchaften
aus=
geſtatteten „Erſatz” herzuſtellen.
„Wenn Sie Scit haben, Herr Huber, ſo kommen Sie doch mit
herein und 1rinken ein Cäßchen Kaffee mit uns. Mein Mann
möchte Sie doch auch gern einmal ſehen und ſich bei Ihnen b=.” „Es war ganz das Nichtige, Mama”, ſtellte die Frau
Rittmeiſter feſt, als Huber ſich rot und glücklich nach faſt
drei=
ſtündiger Sitzung mit heftigem Händeſchütteln und ungezählten
Verbeugungen verabſchiedet hatte, „er ſtrahlte ja ordentlih.”
Mit Friedensſchluß ſetzte eine merklich kühlere Behandlung
des ländlichen Helfers ein, und Huber hätte ſich eigentlich ſagen
müſſen: der Mohr hat ſeine Arbeit getan, der Mohr kann gehn.
Dies zu tun, lag jedoch nicht in ſeiner vertrauensſeligen Natur,
er erklärte ſich die wenig liebenswürdige Stimmung bei
Geheim=
rats mit durch den Suſammenoruch ſo vieles Alten verurſachten
Sorgen, und als er mit der ſteigenden Inflation ziemlich raſch
wieder zu Ehren kam, freute er ſich, daß diele Sorgen offenbar
überwur den waren.
Als er in jenen Cagen zum zweitenmal zum Kaffee eingeladen
wurde — „diesmal zu einem Cäßchen echten Bohnenkaffee‟,
ſagte die Frau Geheimrat — traf er auch die Frau Doktor und
die Frau Direktor, die beiden anderen Cöchter des Hauſes, an,
und es ward gar ſehr über die furchtbaren Seiten geſammert.
Heute ſei die Elektriſche wieder teurer geworden. Und das
Brot auch. Und die Kartoffeln auch. So könne das ja nicht.
weiter gehn, es müſſe wohl bald beſſer werden, tröſtete die Frau
Geheimrat mit halber Frage nach Huber hin. Nein, das glaube
er nicht, ſagte der, wenn er ſich erlauben dürfe, der Frau
Oe=
heimrat zu widerſprechen. Ein Bekannter, der aus der Schweit
zurückkam, habe ihm erklärt, der Dollar könne noch ganz anders
ſteigen, und ſeiner Anſicht nach ſei eben alles beſſer als Geld.
Die Woche darnach — er brachte als kleines Gaſtgeſchenk
für den Kaffee ein Swei=Pfund=Glas feinſten
Lindenblüten=
h nig mit —, der war gut gegen den Huſten des alten Herrn —,
bat ihn die Frau Geheimrat in ihr kleines Wohnzimmer, ein
Heiligtum, das er noch nie betreten hatte, nahm an ihrem
Schreib=
tiſch Platz und hielt ihm eine Rede. Er, Huber, ſei ein
prak=
tiſcher Mann und ein guter Freund, dem man vertrauen könne,
das babe ſie ihrer Jamilie erſt neulich geſagt. (Huber war wie
verklärt). Sie alſo ſei auch der Anſicht, eben ſei alles beſſer
als Geld, mit dem Herrn Geheimrat könne ſie über lo was nicht
Alſo bekanntlich hott die Woch unſer Herr Reichskanzler,
vor=
dem er ſei Romfahrt nooch Muſſolinien a gedräde hott, un
zwar wann aach net grad per Fuß, wie weiland ſäller Tannhaiſer,
indem er „der nackten Sohle Dorn und Strauch geſucht” hott,
awwer doch immerhie ganz ſchlicht un beſcheide, wie jeder
mo=
därne Rompilcher, in=eme ganz gewehnliche fahrblanmeßiche De=
Zug, un zwar in Be=zug uff die Unkoſte; nix däſtowenicher awwer
mit de neediche Inbrunſt im Härzen, un de diddo neediche „
Unner=
lage” in de Aktenmabb.
Alſo die Woch hott uns unſer hocher Herr Reichskanzler, un
zwar am Dinnſtag owend, vor ſeiner Rundfahrt am Romfunk —
baddoh: Romfahrt am Rundfunk wollt ich ſage — noch emol e
Standpauk gehalte, indem er mit gradezu pennedrander
Offe=
härzichkeid all dene unverbeſſerliche Obbdimiſte un Illuſſioniſte
ausenanner boſſemendiert hott, daß mer uff en groß a’gelegte
Aus=
landsbumb for’s erſte, wie iwwerhaubt mommendan und aach in
abſähbarer Zeit net zu rächne braichte, ſundern daß es for uns
jetzt bloß noch haaße kennt: „Sälbſt iſt der Mann!” — (
Ausrufe=
zeiche, Gedankeſtrich.)
Sparn! — Däß is neierdings widder mol des Gebott
der Stunde, un däß is uns in letzter Zeit in ſo Färn erleichtert
worrn, als mer de Sparkaſſe de Brodkorb ernärchiſch heeher
ge=
henkt hott, ſo daß mer vun ſeim Geſparte gornix hott krieje kenne,
un demgemeß zwangsmeßich zum Sparn verknorrt is worrn; ’s is
uff die Art aach manch Summerraas „geſpart” worrn. . . . .
Alſo wie geſagt, neierdings heert mer widder vun jedem, der
wo ſich dezu beruffe fiehlt — un mer glaabt gornet, wie viel
„Berufene” mir heidichendags hawwe; ſchätzungsweis
neunun=
neunzich Brozent mehr, als mir ohne Schädichung unſeres
Ver=
ſtands un unſeres Geldbeidels verdrage kenne — alſo jeder, der
wo ſich dezu berufe fiehlt, der leßt ſei Licht leichte, un ſeecht uns,
daß uns nor noch des Sparn rette kennt. Aberrr wie ? — däß
ſeecht mer uns net. Un vor allem: an was un: vun was!
Dann des Gäld, däß is doch ſowieſo des Meiſte, was heit die
Wenichſte hawwe. — Iſt kennt alſo meinerſeitz nor an meine
Läbſucht ſparn, mit dem Erfolg, daß ſeinerſeiz widder de
Metz=
jer, de Bäcker, un de Spezereihennler net ſparn kann. Die
Manns=
leit kennte an ihre Schobbe, am Raache, un an de Aziech „ſparn”;
mit dem Erfolch, daß die Wärt, die Duwackhennler, und die
Schneider ihrerſeiz blau peife kenne. Die Weibsleit kennte an
ihre Klaader, un an ihre Hiet un Strimb ſparn”; mit dem
Er=
ſolch, daß die diesbeziechliche Geſchäftsleit in de Mond gucke
kenne — — un ſo weider fort . . .
Alſo ich därf mer die Sach mit dem „Sparn” a’gucke, wie ich
vill, ärchendwie hott=ſe en Hooke. Dann daß aaner uff Koſte
vum annern ſpart — beiſpielsmeßich wie des Reich, däß ſpart
bekanntlich uff Koſte vun de Lender, un die Lender ſparn
be=
kanntlich uff Koſte vun de Gemeinde, un die Gemeinde ſparn
ſälbſtredend uff Koſte vun de Steierzahler — alſo daß aaner
uff Koſte vum annern ſpart, däß ſcheint mir doch net de Sinn
vun dem ganze Sparbrinzieb zu ſei. Was kann do ſchun debei
erauskumme; beziehungsweis, was dodebei erauskimmt, hawwe
mer ſeither am eichene Leib verſpiert. Mer muß ſich alſo ſchun
annere Vorbilder erausſuche, wann mer dehinner kumme will,
wie mer dorch’s Sparn zu was kimmt.
Un ſo hab ich in meim Bekanntekreis emol e klaa Rundfrog
vera’ſtalt; nadierlich bei dene, die wo ſich wärklich ſchun was
ge=
ſpart hawwe. — Un de Zufall hott’s gewollt, daß ich neilich bei
Leit im Willevärdel gearweid hab; do hab ich dann bei
Geläjend=
heit emol gefrogt, wie mer’s macht, daß mer zu was kimmt. No
der Mann hott laut gelacht un hott geſagt, däß weer doch ſehr
afach, do mißt mer halt ſparn. . . . .
„Freilich,” ſagt ich, „awwer däß will ich jo grad wiſſe, wie
mer däß macht."
Un do hott die Gnädiche geſagt, ſie hedde beiſpielsmeßich dem
Hausmädche un dem Gärtner gekindicht; die Hausarweide dhet
die Köchin mitmache, bei dene neie Wohnunge weer däß jo e
Spielerei mit dem Staubſauger, un dene neie elektriſche Abberade
in de Kich, däß weer jo bloß noch die halb Arweit; un däß bische
Gaddearweid dhet der Schoffeer mitmache; un wann ſemol
Ge=
ſellſchaftsawend hette, dhete ſe’s ganz „affach” mache. — Un er
hott noch dezu geſagt, er dhet jetzt wenicher un billicher raache,
un ſo..
„Däß leicht mir ein,” ſagt ich, „awwer uff die Art kann ich
leider net ſparn; ich hab kaa Hausmädche, kaa Köchin, kaan
Gärt=
ner, kaan Schoffeer, gäb kaa Geſellſchafte un raache dhu ich aach
net. — Dodro kann’s alſo bei mir net lieje.
„Jano,” hott do die Gnädich gemaant, „wem net zu rate is,
dem is auch nicht zu helfe.” — Un er hott noch dezu gefiecht, ich
ſollt mer e Muſter abgucke an unſerm Herr Reichskanzler, der
wo ſogar an ſeim Salonwage geſpart hett; er dhet vun jetzt ab
aach nor noch Holzklaß fahrn
„Ja, ja, ſagt ich, „däß dhet ich jo alles eiſſähe, awwer leider
weern däß lauder Sache, wie Salonwäge un Polſterklaß, die wo
for mich ſowieſo net in Betracht kemte; dodra kennt ich alſo aach
net ſparn..
„Dſcha, hott do mei Gewährsmann gemaant, „do miſſe ſe
halt defor ſorje, daß ſe was hawwe, an dem ſe ſparn kenne. Wo
nix is..
„Freilich,” ſagt ich, „do kimmt aach nix dezu‟..
E paar Dag denooch hab ich bei ſogenannte
Middelſtendlers=
leit geflickt. Un do hab ich dann aach ſo bei Geläjenheit die
Redd uffs Sparn gebracht. — Un do is mer geſagt worrn, am
Eſſe dhete ſe grundſätzlich net ſparn; aach net an de Klaader.
Dann weer heit gut a’gezoge weer, hett immer noch Kredidd.
Dohärngäje hette ſe ihr Theater= un Kunnzert=Abbennemang
uff=
gäwwe, un gingte nor noch enei, wann ſe e Freikadd kreechte;
aach weer er, de Herr Sowieſo, aus alle Vereine ausgedräde, dann
um e Vereinsvergnieche beſuche zu kenne, do braicht mer heit kaa
Mitglied mehr zu ſei, die meiſte weern froh, wann ſe „
Publi=
gumm” hette; mer mißt ſich nor en große un eiflußreiche
Be=
kanntekreis halte, dann kennt mer manche Vordaale erausſchinne;
ſogar zu Audomobilldurn dhet mer ei gelade wärrn, die dhete aam
dann die Summerraaſe erſetze; uff die Art kennt mer gut un
gärn de Monat ſei zwanzich Mack ſparn, wann net mehr. „Alſo”,
hott’s gehaaße, „ſie miſſe ſähe, daß ſe zu eiflußreiche Bekannde
kumme, die wo ärchendwo im Vorſtand ſin, oder e Audomobill
hawwe, do kenne ſe manches „ſparn”,
No, die Art vun Sparerei kimmt for mich äwenfalls net in
Betracht, dann erſtens hab ich kaan „eiflußreiche” Bekanndekreis,
der wo mir uff Umwähk zu=eme Sparkondo verhälfe kennt, un
zweidens uff ſo e auskluwiert Art zu ſparn, halt ich aach net ganz
for’s Richtdiche.
E annerer, äweſo e Owwerſchlauer, der hott mer geſagt, er
ließ alle Geſchäftsleit grundſätzlich e Johr mit de Rächnunge
worte; ſerner dhed er die Zinſe Johr um Johr zu ſeim
Ver=
meechelche ſchreiwe loſſe, uff die Art kennt mer e ganz ſchee
Stickche Gäld ſparn”. ..."
„Richdich”, ſagt ich, „wie awwer kimmt mer zu ſo=eme
Ver=
meechelche?"
„Ja, ſeegt er, „do muß mer halt ſparn!“
„Freilich,” ſagt ich, „awwer wie ?‟
„Wie?”, ſeegt er, „nix afacher: wann mer e Worſcht hott,
un is zu viert, da machte mer vier Daaler draus; is mer
aw=
wer zu ſext, no do muß mer halt ſex Daaler draus mache; bildlich
gemaant nadierlich —
„Ja, hab ich gekriſche, „wie awwer kimmt mer zu däre
Worſcht”?” — Awwer er hott mer kaa Geheer mehr gäwwe. Un
ſo hab ich als widder dogeſtanne mit meim dumme Kobb.
Ich hab mich noochher noch do un dort befrogt, un mer hott
mer däß und ſäll emfohle. „Es Deierſte weer immer noch des
Bil=
lichſte” — hott’s oft genug gehaaße; un heidzudag hett mer ſo
kag aldfrenkiſche Wohnunge mehr, wo ſoviel Arweit mache, un ſo
kaan Gasherd, un ſo kaa Beleichdung, un ſo weider; heit mißt
mer „ratzionäll”, denke, wärtſchaftlich, mit aam Wort:
ſpar=
ſam!-
Un do hab ich mer ausgerächent, wann ich uff die Art
„ratzionäll” ſparn will, do mißt ich erſt emol ſo 1000 Mack dra
henke, bis was debei erauskumme kennt. Un ſo bin ich zu der
nidderſchmäddernde Erkenntnis kumme, daß des Sparn Gäld
koſt; daß zum Sparn for alle Dinge Gäld geheert. Un wie
ge=
ſagt, däß is des Meiſte, was die Wenichſte heit hawwe.
Un zu dene geheer aach ich.
Was awwer ſo die knauſeriche und grundehrliche
Sparſam=
keitsbredicher ſin, die wo aam mit diefgefiehlter
groggediels=
dhrenicher Adeilnahme zum ſparn uffſtachele wolle, un die wo
aam ſage un zeiche, wie mer ganz fullminand un äxorbidand ſparn
kann (nemlich uff Koſte vun de annern !), die ſolle mer kimf=
dich mit ihre ſcheene Redensarde vum Leib bleiwe; dann wann
mer uff eichene Koſte ſparn muß, ſo is däß valleicht kaa Kunſt,
awwer in jedem Fall penedrand peinlich und u’a genehm, dann
däß kann aam eklich die gude Laune verdärwe, un den ganze
Milchhof der frommen Denkungsart ſauer wärrn loſſe.. . ..
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm; Iwwrichens „ſpart” jo unſer Herr
Owwerowwer aach diß Johr däß Geld for ſei Erholungsraas in
die Schweiz, indem er uff Koſte vum „Heſſe=Darmſtädter=
Volks=
feſt=Verein” nooch Ameriga fehrt. — Ich hett jo dadegäje nix
ei=
zuwenne, un es ging mich nix a” wann er als „Rudolf Müller”
eniwwer fehrt. Awwer ich hab ſo e Eidruck, als dhet er mehr in
ſeiner Eigenſchaft als „Oberbürgermeiſter der Hauptſtadt
Darmſtadt” eniwwerfahrn. s is alſo ſo e Art Gäjebeſuch.
Un do will mer’s eichentlich net recht in de Kobb, daß die
Ameriganer die Unkoſte drage. Ich hett’s drum liewer
ge=
ſähe, wann mer den Gäjebeſuch ſolang zurick geſtellt hett, bis die
Haubtſtadt vum Heſſelendche in de Lag gewäſe weer, ihrn
Owwer=
borjemaaſter uff eichene Koſte un gewiſſermaße dienſtlich
eniwwer zu ſchicke. — Gewiß, daß mir äwe nix druff hawwe, däß
wiſſe unſer ameriganiſche Brieder. Un unſerer Armud brauche
mer uns net zu ſcheeme, do ſin mir ſo zimmlich unſchuldich dra.
Awwer drotzdem: mein Stolz als „Haubtſtädter” un ehemalicher
„Reſſidenzler” leßt’s net zu, daß ſich unſer Owwerowwer „
be=
zahle” leßt. Schließlich is er doch kaa „Warriettee=Nummer”. . . .
Un ob er ſich nu in ſo=ere kitzeliche Nodzeit for ſo lang
ent=
behrlich hellt, muß er jo am beſte ſällwert wiſſe. Ich zum
Bei=
ſpiel geh diß Johr kaan Dritt for die Dier, damit ich do bin,
wann ich gebraucht wärr. — Sollt awwer unſer Owwerowwer
eniwwer ſei, mit dem Hinnergedanke, en langfrißdiche Bumb
uff=
zunemme, ſo hoff ich, daß er kaa Endeiſchung erläbt. Ich rächen
emol net domit. Mir dhet’s ſchun genieche, wann er hie un do
mit berede Worde uff die viele hungeriche Mailer in Darmſtadt
hieweiſe dhet, un dhet hie un do e Sammlung vera’ſtalde. Net
etwa zu dem Zwäck, daß mer dene hungeriche Mailer etwas
Er=
bauliches uff=ere Stadtorjel vorſpiele kennt, ſundern daß
mer den Betrag wohldädiche Eirichdunge iwwerweiſe dhet;
bei=
ſpielsmeßich de Volkskich. Die hott ſcheints aſch zu kembfe,
wann ſe was Nahrhaffdes noch uff de Diſch bringe will, un muß
manchmal die Subb mit „Heeheſonne” ſchmelze. . . . .
Ich denk do noch an man Juchend un an die „Subbe=
A’ſtald” im Miehlwähk, wo mer for zehe Fennich en ganze
Daafſtaa voll Subb krickt hott; do is de Leffel drinn ſtäcke
ge=
bliwwe! — Freilich, domals hawwe noch richdiche alteigeſäſſene
Darmſtädter Bärjer uffim Rodhaus geſäſſe; die hawwe die Nod
dezu benitzt, um ſe zu lindern, un net um Baddeikabbidal
draus zu ſchlage; net, um die Menſche uffzuhetze. Un do hott
jeder gärn beigeſteiert. — Awwer heit? — Mer kann’s do manche
als emol net verdenke, wann ſich ihr Härz verhärte dhut . . . .
No, mir wolle mol unſern Owwerowwer widderkumme loſſe,
un wolle mol worde, was er for=e „Mitbringſel” im Kuffert
hott, dann ſähe mer weider.. . . ."
Bis dohie mecht aach ich mei Fädder beiſeit leje un meine
verehrlichte Läſerſchaft e bische Erholung gönne. For
drin=
gende Fäll bin ich nadierlich dehaam: Dellegramm=Adräß: „Bi=
Bi=Da . — Zu ſpräche bin ich heechſt perſeenlich heit middag in
Draaſe, do bringt unſer Spielgemeinſchaft de „Datterich” als
Freilichtuffiehrung eraus, un zwar uff „geweihtem Boddem”,
nemlich do, wo die Darmſtädter Bärjer frieher ihr „Erholung”
geſucht hawwe, un wo aach däß Saufſchennie, un der
Erzlieje=
beidel vun „Datterich” mit ſeine Kummbahne als geſotze hott.
Hoffentlich hott de Petrus e Eiſähe, un „ſpart” ſei ſiwwe
Ge=
widder, die wo dem Barönche uff de Kobb fahrn ſolle.
Un ſo haaßt alſo heit for jeden ächte Darmſtädter die
Looſung:
„Kumme Se nooch Draaſe?‟
„Ehr wie net!“
Geiſterſeher.
Friedrich der Große, bekanntlich ein erbitterter Feind
von allem Aberglauben, hörte einmal von einem Mann, der
angeblich die Fähigkeit hätte, Geiſter zu zitieren. Der König
ließ ihn zu ſich rufen. — „Kann Er Geiſter zitieren.” fragte
er ebenſo ſtreng wie ſkeptiſch. — Der Mann fühlte ſich zunächſt
durch den offenſichtlichen Zorn des Königs eingeſchüchtert. Dann
aber faßte er ſich, lächelte ſchlau und ſagte: „Zu Befehl, Majeſtät,
aber ſie kommen nicht.”
Theodor Fontane, der behagliche Lebenskünſtler des
alten Berlin, war zwar allen modernen Geiſtesrichtungen ſehr
zugewandt, hatte aber keine Sympathie für den Spiritismus.
Einmal traf ihn ein Bekannter, der als leidenſchaftlicher
An=
hänger des Spiritismus berüchtigt war. „Kommen Sie mit in
unſere ſpiritiſtiſche Sitzung”, ſagte der Spiritiſt, „da gibt es
heute abend Tiſchrücken.” Fontane lächelte abwehrend. „Nee,
danke. Ich gehe in mein Stammlokal. Da gibt es heute abend
Rehrücken.”
Küchenzettel für die Zeit vom 10. bis 16. Auguſt.
(Mitgeteilt vom Hausfrauenbund Darmſtadt.)
Die Koſten des Speiſezettels ſind für ſechs Perſonen berechnet.
Montag, den 10. Auguſt:
Reisſuppe . ..
0,30
Wirſingkloß mit
2,35
Kartoffeln und Sardellentunke . .
0,70
Dienstag, den 11. Auguſt:
Zwiebelſuppe
Quark=Maultaſchen
mit Kompott . . ..
Mittwoch, den 12. Auguſt:
Spinatſuppe
Gulaſch mit Spätzle ...
Donnerstag, den 13. Auguſt:
Gemüſeſuppe
Bratwurſt mit Krautſalat
V
0,30
0,70
0,50
L
0.30
2,75
3.05
Freitag den 14. Auguſt:
Haferſuppe
Matjesheringe mit
grünen Bohnen, Kartoffeln
Flammerie mit Saft
0.40
1,70
70
0,30
1.20
1,25
0,90
366
Samstag, den 15. Auguſt:
Sagoſuppe
0.30
Makkaroni mit Tomatentunke
1,05
J
Sonntag den 16. Auguſt:
Ochſenſchwanzſuppe
Kalbsnierenbraten mit
Gurkenſalat und Kartoffeln
Vanille=Eis ....
K
4,50
0,75
1,75
7.36
Wirſingkloß. Wirſing gar kochen in Salzwaſſer. ¼ Pfund
gehacktes Rindfleiſch, ½ Pfund gehacktes fettes Schweinefleiſch,
4 ganze Eier, Salz, Muskat, etwas geriebenes Brötchen werden
zu einem Teig verarbeitet. Lage Wirſing in eine gut geſtrichene
Puddingform, dann Farce, und ſo abwechſelnd, oben auf Wirſing.
Etwas Bratentunke oder Butterflöckchen oben auf, die Form
ver=
ſchließen und zwei Stunden im Waſſerbad kochen. Sardellen oder
Tomatentunke dazu reichen.
Hausfrauen heraus!
Wie oft haben wir in Stunden nationaler Erhebung unſere
Liebe zum deutſchen Vaterlande bekannt und geſungen:
Deutſch=
land, Deutſchland über alles! Heute, in der Zeit der Not, in der
Stunde der Gefahr, gilt es, den Beweis zu erbringen, daß der
deutſchen Hausfrau das Wohl und Wehe des Vaterlandes, die
Erhaltung der nationalen Wirtſchaft „über alles” geht.
Deutſche Frau, dein Volk ruft dich! Es ruft der Arbeitsloſe,
dem ein hartes Geſchick verwehrt, das köſtliche Gut, das ihm der
Schöpfer gab, ſeine Arbeitskraft, zur Sicherung ſeines
Lebens=
unterhaltes auszunutzen. Es ruft dich die deutſche Wirtſchaft, der
durch die Entziehung von mehr als 2 Milliarden Gold und
De=
viſen die Mittel fehlen, um ihre Betriebe voll aufrechtzuerhalten.
Jeder, der heute ſeinen Namen als Deutſcher in Ehren tragen
will, hat die heilige Pflicht zu helfen, wie und wo er kann. An
erſter Stelle trifft dieſe Verplichtung die deutſche Hausfrau, die
nicht allein Verwalterin, ſondern auch Treuhänderin des deutſchen
Volksvermögens iſt. Die letzten Tage müſſen auch der Frau, die
bis jetzt unbelehrbar erſchien, das Gewiſſen geweckt und die
Augen geöffnet haben. In dem Augenblick, da durch die
Ent=
ziehung kurzfriſtigen Auslandskapitals der Geldwirtſchaft des
Reiches tatſächlich der oBden unter den Füßen entzogen wird.
kann einfach kein anſtändiger Deutſcher die Hand dazu bieten
wollen, auch nur die kleinſten Beträge ſauer verdienten deutſchen
Heldes unnötigerweiſe ins Ausland gehen zu laſſen und ſo
mut=
willigerweiſe die deutſche Wirtſchaft zu ſchwächen.
Mehr denn je muß deshalb an alle Hausfrauen der Ruf
er=
gehen: Denkt daran, daß von eurem Tun das Schickſal des
deut=
ſchen Volkes abhängig iſt, daß es darauf ankommt, daß in über
12 Millionen deutſchen Haushaltungen nicht allein deurſch gedacht,
ſondern auch deutſch gehandelt wird. Denkt daran, daß ihr doppelt
verantwortlich ſeid für euer Handeln an erſter Stelle eurer
Fa=
milie und ſodann dem deutſchen Volke, der deutſchen
Volkswirt=
ſchaft gegenüber. Und allen denen, die noch heute unbelehrbar
blieben, die glaubten, ohne Auslandsware nicht auskommen zu
können, mag eines zur Lehre dienen. In den Grenzorten des
Weſtens fehlten die ganze Woche hindurch die Zufuhren an Obſt,
Gemüſe, Butter und Eiern, die aus dem nahen Ausland in den
vergangenen Monaten in immer ſteigender Menge herüberkamen.
Und doch iſt die Bevölkerung nicht ſchlechter verſorgt geweſen wie
in der Zeit, da der Auslandshandel gerne deutſches Geld annahm.
Es geht alſo auch anders! Das iſt wohl ein Anſchauungsunterricht,
der den Frauen mehr wie alles andere zeigt, wo ihre große
Auf=
gabe liegt.
Wie nachdrücklich könnte ſich die Frauenhilfe einſetzen, wenn
jede einzelne Hausfrau bei jedem einzelnen Einkauf der
Forde=
rung gedächte: Auf dich allein kommt es an! Es iſt wohl gerade
dieſe Hilfe, die ſich im einzelnen aus den kleinen und kleinſten
er=
ſparten Deviſenbeträgen zuſammenſetzt, im ganzen täglich in die
Millionen geht, die als letztes notwendig iſt, um das Schiff der
deutſchen Wirtſchaft noch einmal heil durch die Klippen zu
ſteuern und das deutſche Volk vor dem Untergang zu retten. Wir
deutſchen Hausfrauen wollen das Wort wahrmachen: Ein Volk.
deſſen Frauen in der Stunde der Gefahr auf dem Poſten ſind.
kann nicht in Elend untergehen!
Maria Jecker, M. d. R.W.R., Vorſitzende des
Reichs=
verbandes Deutſcher Hausfrauenvereine,
Hochſommerhitze — alſo: weiße Kleider.
Frühherbſtliche Cage im Gebirge.
Gerade die ſonnigen Herbſttage ſind
be=
kanntlich in den Bergen am allerſchönſten,
denn das Wetter pflegt zu dieſer Zeit
außer=
ordentlich beſtändig zu ſein, die Sicht iſt
wundervolk und die Klarheit eines ſolchen
z—nendurchfluteten Tages, der die Natur zu
Iden ſcheint, gehört wohl zu den
unver=
n Eindrücken!
arum machen es ſich Urlaubserfahrene
ſach zum Prinzip, erſt zu dieſer Zeit ins
oirge zu gehen, um wunderbar erholt zu
in, wenn alle Mitmenſchen die Ferien ſchon
ängſt hinter ſich und die Erholung faſt
ver=
geſſen haben
Natürlich iſt in der vorrückenden
Jahres=
zeit ſelbſt bei ſchönſtem Wetter mit großen
Temperaturſchwankungen zu rechnen, denn wenn
auch die Tage ſehr warm ſind, kühlt es ſich
abends merklich ab und die Nächte bringen
oftmals Kälte, gegen die man ſich unbedingt
gut ſchützen muß, wenn man ſeine
Geſund=
heit nicht gefährden will.
Aus dieſem Grunde muß auch die
Gar=
derobe ſowohl auf größte Sonnenwärme als
auch auf Mitteltemperaturen eingeſtellt ſein,
da bekanntlich ohne die richtige Aufmachung
der Urlaub im Gebirge biel von ſeinem Reiz
einbüßt, weil man ja immer wieder die
Un=
zulänglichkeit der Kleidung höchſt unangenehm
empfinden würde.
Allerdings wird man größeren
Anſchaffun=
gen möglichſt aus dem Wege zu gehen trachten
und wird ſich immer gerne für jene Stücke
entſcheiden, die gelegentlich auch für herbſtliches
Wetter in der Stadt brauchbar ſind oder für
Wochenendfahrten herangezogen werden können,
da die gegenwärtigen wirtſchaftlichen
Verhält=
niſſe ſicherlich dagegen ſprechen Dinge
anzu=
ſchaffen, die man nicht voll und ganz
auszu=
nützen vermag, ſo daß ſich ihre Beſorgung
letz=
ten Endes als großes materielles Opfer
er=
weiſen würde.
Bei der Gebirgsdreß muß immer auf
be=
ſondere Strapazfähigkeit geſehen werden, denn
begreiflicherweiſe ſind all: dieſe Sachen großen
Anforderungen ausgeſetzt; ſie werden oft feucht,
trocknen auch nur mangelhaft ab und werden
durch ſtundenlanges Wandern ſehr in Anſpruch
genommen, wie ja auch die Farben wegen
der grellen Strahlen der frühherbſtlichen
Sonne außerordentlich widerſtandsfähig ſein
müſſen.
Man legt alſo allergrößten Wert darauf,
nur die allerbeſten Materialien zu verarbeiten,
um nicht enttäuſcht zu werden, umſomehr als
ja dieſe Garderobe nicht nur für eine Saiſon
beſtimmt iſt, ſondern jahrelang vorhalten muß,
weshalb man ihr auch gerne jene neutrale Note
gibt, die ſich als ſportlich=rick ig erweiſt.
Gewiß muß man es verſtehen, auf dem
Gebiete der Sportkleidung inſoferne feine
Unterſchiede zu machen, als es doch nicht
gleich=
gültig iſt, welchem Zwecke ein= oder das andere
Stück dienen ſoll; beiſpielsweiſe ſoll die
Garde=
robe, die nur für kleinere Ausflüge beſtimmt
iſt, durchaus keine übertrieben=ſportliche Note
haben, ſondern ganz im Stil jener
Trotteur=
ſachen gehalten ſein, die man etwa für den
Vormittag in der Stadt trägt.
Anders iſt natürlich die Aufmachung für
größere Touren, bei der auf volle
Bewegungs=
freiheit geſehen werden muß, da nichts
pein=
licher iſt, als ein Sportkleid, in dem man ſich
„gehemmt” fühlt.
Viel „ſportlich=ſachlicher” aber iſt die Dreß
für ſchwierige Hochtouren gehalten: in dieſem
Falle iſt nämlich eine Knickerbockerhoſe das
einzig Richtige, da ſie nicht nur kleidſam iſt,
ſondern auch bei großen Touren ſehr bequem
erſcheint, während ein Rock auf ſchmalem,
ſtei=
nigem Pfad erfahrungsgemäß faſt eine Gefahr
bedeutet!
Zu den Knickerbockers trägt man — wie unſer
vorletztes Bild zeigt — eine Flanellbluſe in
Herrenhemdenſchnitt und dazu eine flott
ge=
muſterte Krawatte. Der breite Ledergürtel mit
kleinen Taſchen iſt originell und praktiſch, da
man die Uhr, ein Taſchenmeſſer und andere
Kleinigkeiten darin leicht unterzubringen
ver=
mag. Sehr originell ſind die ſchmalen
Hoſen=
träger, die trotz ihres modiſchen Schicks
durch=
aus die ſportliche Note wahren. Die richtigſte
Kopfbedeckung iſt eine kleine Baskenmütze in
der Farbe des Flanellhemdes; als Umhülle
wird gerne eine kurze, aus dem Materiale der
Hoſe verfertigte Jacke vorgeſehen; es kommt
hier in erſter Linie imprägnierter Stoff in
Frage, da man ſich ja gerade im Frühherbſt
vor plötzlichen Regengüſſen vorſehen muß.
Für mittlere Bergtouren genügt ein Koftüm,
das ſpäterhin auch für Weekendfahrten
ausge=
zeichnete Dienſte zu leiſten vermag. Die
leicht=
glockigen Rockfaſſons, die in der Mitte einen
geknöpften Schlitz haben kann, der — wenn er
geöffnet iſt — das leichtere Ausſchreiten
er=
möglicht — gehören entſchieden zu den
bevor=
zugten Typen. Die Jacken bringen aufgelegte
Taſchen und werden mit einem ſchmalen
Leder=
gürtel verſchloſſen. (Letzte Skizze.)
Koſtüme dieſer Art arbeitet man ſowohl
aus einem neutral=farbigen Stoff als auch
aus imprägniertem Materiale, am liebſten aber
aus einem grauen, beigefarbenen, braunen oder
moosgrünen Shetland, der in der ſportlichen
Garderobe in letzter Zeit beſonders
erfolg=
reich iſt.
Für Spaziergänge im Gebirge kommen jene
flotten, „kleinen Kleider” in Frage, die man
immer auch in der Stadt gut zu verwenden
vermag; ſie ſind aus einem ſchick gemuſterten
Modeſtoffe gearbeitet und bringen vielfach
Faltenbahnen, die für den portlichen Stil
immer das Richtige ſind (Bild 1).
Am Spätnachmittag, der ja immer eine
erhebliche Abkühlung der Luft bringt, braucht
man einen flauſchigen Paletot: raglanartige
Kamelhaarumhüllen mit einem dazugehörigen
geſteppten Allwetterhut verraten für dieſen
Zweck kultivierteſten, ſportlichen Geſchmack.
Willy Ungar.
Es iſt wohl ſelbſtverſtändlich, daß
Garde=
robeſtücke, die man jetzt knapp vor Ende der
Saiſon anſchafft, unter keinen Umſtänden
koſt=
ſpielig ſein dürfen, weil ſie ja nur dazu
be=
ſtimmt ſind, einem über die wenigen Wochen
der größten Wärme hinwegzuhelfen und
ſo=
wohl während der Urlaubstage als auch
nach=
her in der Stadt gute Dienſte zu leiſten.
Darum wird man auch nicht zu koſtbaren
Materialien greifen, ſondern ſich nur für
Ge=
webe entſcheiden, die ſo flott ausſehen, daß ſie
ſogar etwas von jener „Primitivität der
Eleganz” an ſich haben, die der Frau von
Ge=
ſchmack ſchon ſeit einigen Saiſons ſehr geläufig
iſt und einen Stil entſtehen ließ, der ſicherlich
in jeder Beziehung beachtenswert erſcheint.
Daß man gerade, zu weißen Kleidern
greift, iſt inſoferne verſtändlich, als dieſe Stücke
immer gut ausſehen, ſich jedem Rahmen
aus=
gezeichnet einfügen und der hochſommerlichen
Temperatur angepaßt ſind.
Ueberdies iſt weiß auch heute keineswegs
(wie manche annehmen) das Privileg der
Jugend, da dieſe Farbe erfahrungsgemäß jede
gute Figur ſehr gut kleidet, ohne etwa einen
gewollt=jugendlichen Eindruck zu erwecken.
Die große Mode der hellen Farben hat
zweifellos von Amerika ihren Ausgang
ge=
iommen, da die Amerikanerin die Erſte war,
die mit dem Vorurteil brach, daß lichte Töne
für Frauen, die über die erſte Jugend hinaus
ſind, nicht in Frage kämen.
Gewiß iſt die Verwendung von Weiß
inſo=
ferne nach wie vor eine Frage des guten
Ge=
ſchmacks geblieben, als es beiſpielsweiſe ſehr
unklug wäre, wenn ſich eine ſtarke oder gar
unterſetzte Frau für ein Garderobeſtück aus
weißem Materiale entſcheiden würde, das ſie
ſelbſtverſtändlich niemals ſo günſtig kleiden
könnte wie ein deſſiniertes Gewebe oder eine
„gedeckte‟, Farbe.
Die weißen, hochſommerlichen Sachen, die
alſo — wie unſere Ausführungen lehren —
zwar an keine Altersgrenze, wohl aber an
eine gute Geſtalt gebunden ſind, wird man
immer ſehr einfach halten, da durch jede
überflüſſige Garnierung die ſchlichte Tendenz
ſofort verloren gehen würde.
Am liebſten werden Waſchſtoffe
ver=
arbeitet, die immer ungemein appetitlich
aus=
ſehen und gerade in Weiß jene
Anſpruchsloſig=
keit wahren, die ganz entzückend iſt.
Oft ſind ſelbſt mit einem ſchlichten
Trot=
teurkleide aus weißem Rohleinen
ausgezeich=
nete Wirkungen zu erreichen; natürlich müſſen
dieſe Kleider leicht, luftig und ganz ärmellos
oder aber mit kurzen Aermelchen verſehen ſein;
die ſchlichten Kittelformen, denen durch
einge=
legte Quetſchfalten in der vorderen Mitte die
notwendige Weite gegeben wird, ſind hier am
beliebteſten.
Jedem weißen Leinenkleide vermag durch
gute Farbwirkungen eine flotte Note gegeben
zu werden; ein bunter Gürtel, eine chicke
An=
ſteckblume in markanter Schattierung, ein
far=
biges Halstuch u. ſ. f. genügen vollkommen, um
die originelle modiſche Einſtellung der Trägerin
zur Geltung zu bringen. Unſere erſte Skizze
zeigt, das eben beſprochene Kleid mit einem
bunten Bandgürtel, der ſeitlich verknotet wird.
Wenn man aus dem gleichen Bande einen kleinen
gewickelten Hut herſtellt, ergibt ſich ein Effekt,
der ſo ſchick iſt, daß er ſicherlich hinter den
aparteſten Trotteurmodellen nicht zurückſteht.
Auch weiße Rohſeide iſt für die
Promenademode an heißen Tagen ebenſogut
geeignet wie Leinen; man pflegt hier gerne
Paletot=Enſembles zu ſchaffen, die
unaufdring=
lich elegant und dennoch mühelos herzuſtellen
ſind; jedes einfache Rohſeidenkleid kann mit
einem ſolchen Paletot kombiniert werden, der
vielfach auch ein kleines Cape bringt, das
die=
ſem Complet eine ungemein aparte Wirkung
gibt. Vielfach ſieht man für das Kleid Aermel
vor, während der Capepaletot ärmellos, als
ſogenannter „Cardegan” gearbeitet wird,
wo=
mit jene Note gegeben iſt, die ſich als „
ameri=
kaniſcher Trotteurſtil” des größten Beifalles
erfreut. (Vorletzte Skizze.)
Daß auch die nachmittägliche Mode im
Zeichen des weißen Materials ſteht, iſt
allge=
mein bekannt. Hier kommt hauptſächlich
Georgette und Gaze in Frage, doch wirkt auch
weißer China= und Morokkokrepp ſehr elegant.
Jedes dieſer Kleider, mit einem
dreiviertel=
langen Jäckchen mit aparten Kelchärmeln
ver=
einigt, verrät hervorragende Eleganz (Bild 2).
Um die Weißaufmachung nicht etwa
mono=
ton erſcheinen zu laſſen, pflegt man durch eine
chwarze oder farbige Blumengarnierung des
Hutes und damit übereinſtimmende Handſchuhe
markantere Akzente zu erreichen. (Figur 2).
Zweifellos bekunden die abendlichen
wei=
ßen Kleider großen Schick und beſonders die
dem „Biedermeierſtil” nachempfundenen
Schaf=
fungen erfreuten ſich größter Beliebtheit; hier
kommt neben weißem Gaze=Chiffon auch der
wieder modern gewordene beſtickte (gelochte)
weiße Batiſt in Betracht, der aber
überraſchen=
derweiſe heuer noch nicht jenen Erfolg hat, den
man von einer ſo intereſſanten, eleganten und
eigenartig=jugendlichen Mode erwarten ſollte.
Die „Neu=Biedermeierſilhouette” iſt von
entzückender Eigenart und eine Linie für
modiſche „Feinſchmecker”.
Ein ganz aus gezogenen Querbahnen
zu=
ſammengeſetztes Kleid, wie das in unſerer
letz=
ten Skizze feſtgehaltene jugendliche
Abend=
modell, das nur durch einen farhigen
Band=
gürtel in einer zarten Paſtellſchattierung
gar=
niert wird, darf ſicherlich Anſpruch auf
Origi=
nalität erheben und iſt der Vörläufer einer
neuen, durchaus ſtiliſierten Mode, die im
kom=
menden Herbſt vorausſichtlich noch viel von ſich
reden machen wird. . .
Robert Hohenberg.
SEolcr L.
WuLEF
Ue Ta t Toaof
Mian Na=
Die berufstätige Frau von heute iſt nicht die
Frauen=
echtlerin von vorgeſtern. Und ebenſowenig die Frau, die aus
irtſchaftlicher und auch ſonſt äußerer Notwendigkeit allein einen
lbſtändigen Beruf wählte. Es handelt ſich heute um ganz
nderes. Und zwar: Gleichgeſtelltheit der Geſchlechter, zur Ent=
„ Mr
as die
eid Aerme
8, 04
d, we
wirkt auch
jr elegant.
dreiviertel=
meln der=
Bild 2.
va mone
durch ein
ung des
n
wei=
ders die
hi
ch der
aſchen
t, den
in und
Die Wiſſenſchaftlerin (Dr. h. c. Elſe Wentſcher).
altung aller Kräfte, zum Nutzen Aller, — jedes in ſeiner Art.
5o, wie die Seit vorwärtsſchreitet, ſich entwickelt, ſich
ver=
indert, ſo ändern ſich Lebensbedingungen und Vorausſetzungen.
Soziale Probleme unſerer Seit, die früher weniger, oder in
inderer Form zutage traten, ſind heute laut und lebendig im
Vordergrund des Geſchehens, da unſer Seitalter, das Billionen
Pferdekräfte ſchuf, damit zugleich auch ſoziale Probleme zeugte.
Biele ſolcher Probleme, von denen das ſoziale nur eins der
be=
eutendſten darſtellt, haben die Mitarbeit der Frau am „Aufbau”
inſeres Lebens ſogar nötig gemacht. Verdrängung des Mannes
uus den ihm „von alters her zu Necht zukommenden” Poſitionen
ſt ein Schauermärchen. Menſchen, die noch nicht mit beiden
füßen in unſerer Seit ſtehen können, die verankert ſind mit
hren Gedanken im Vorgeſtern in jener Heit der Suffragetten,
der Frauenrechtlevinnen im Anfangsſtadium, jener Seit, die
tat=
ächlich in einem Kampf gegen den Mann ihr Seichen fand, —
dieſe Menſchen haben noch nicht die Brücke gefunden, die zu
ſeutigen veränderten, von damals gänzlich verſchiedenen
Voraus=
etzungen führt. — Die Nechtsanwältin von heute kopiert nicht
den Nechtsanwalt. Sie verdrängt ihn auch nicht. Sie will
ledig=
ich weiblicher Art naheliegende Probleme erfaſſen!”
„Sie will!”, — ſofern ſie ſich deſſen bewußt geworden iſt.
Wieviele Frauen ſind ſich aber deſſen bewußt? Die berufstätige
Frau von heute iſt ſelber ſich ihrer eigenen Poſition ſo wenig
vewußt, daß man kaum mehr von ihrer Mitwelt erwarten kann.
Ihrer Mitwelt, die ſich in ihrem Verhältnis zur berufstätigen
Frau des 20. Jahrhunderts noch lange nicht zurechtfinden kann.
Die immer wieder ſtolpert, — und immer wieder anſtößt. Da
ſt irgendwas, — womit man nicht zurechtkommt. Irgendetwas
Unklares, nicht zu definierendes. Ueberhaupt, die Poſition der
Frau an ſich iſt unklar. Und warum?
Es iſt ſchon ſo viel über die Stellung der Frau im
Wirt=
ſchaftsleben unſerer Cage geredet und geſchrieben worden, es
iſt ſchon ſoviel geredet und geſchrieben worden über die Frau
von heute und ihren Beruf, über die Emanzipation der Frau,
über Frauenbewegung, — und über tauſend Dinge, die mit der
Frau von heute und der Stellung der Frau von heute in Staat
und Familie zu tun haben. Aber im Grunde genommen redet
man immer um die Sache herum. Man ſpricht davon, wie etwas
ſein müßte, man äußert ſich höchſt ſubjektiv, immer von perſönlicher
Anſicht ausgehend, immer von Urſachen ausgehend, die mit der
beutigen Situation wenig zu tun haben, für die ſie einfach nicht
mehr maßgebend ſind. Die Frauenbewegung iſt kein Kampf
gegen den Mann, — wenn das Wort Kampf ſchon angewandt
werden ſoll, — ſie iſt ein Kampf für die Frau. Das iſt der
Kern der Sache, deſſen eigentliches Weſen aber leider verloren
gegangen iſt. Die Frauenbewegung wurde identiſch mit ſolchen
Dingen wie: „Vermännlichung der Frau”; Frauen, die einen
Be=
ruf haben, betonen damit, daß ſie keine Ehefrauen ſein wollen
oder gar ſein können. Sie wollen es dem Mann in beruflicher
Selbſtändigkeit gleichtun, wollen zeigen: „Bitte, das können wir
genau ſo gut!”
Was aber ſoll die Frauenbewegung wirklich ſein? Eine
Freiheitsbewegung der Frauen, um ſich als Frauen frei
ent=
falten zu können. Mit dem gleichen Recht, mit dem der Mann
ſich bildet und ausbildet, zum Ausnützen aller Veranlagungen und
Kräfte.
Durch jene Verſchiebung aber, durch jenes „Gegen”
an=
ſtatt des „Für” wurden die Frauen in eine Poſition gedrängt,
die nicht nur falſch iſt, ſondern geradezu verhängnisvoll. Swar
ſind die meiſten Frauen heute beruflich tätig, aber zunächſt wohl
weniger ihrer inneren Berufung zum Beruf entſprechend,
als aus wirtſchaftlichen Gründen. Das iſt eine Catſache, die
kaum ein Menſch der großen Menge zu faſſen vermag.
Frauen=
beruf heißt ſoviel wie unweiblich, reſp. vermännlicht.
Es heißt ſo, aber es iſt nicht ſo. Von Ausnahmen
ab=
geſehen, die wir bekanntlich auch in Mengen unter den
Män=
nern finden, hat jede Frau die Abſicht zu heiraten, und damit hat
ihr Beruf nicht das Geringſte zu ſchaffen. Sie füllt ihren
Be=
ruf als Frau aus, nicht aber, um damit ſich in eine Poſition
gegen den Mann zu ſtellen. Die Berufstätigkeit der modernen
Frau — nicht weil die Frau modern iſt, ſondern weil ſie die Frau
von heute iſt — bedingt natürlich eine Veränderung im
Alther=
gebrachten. Die Frau, die den ungeheuren Fehler beging, den
eigentlichen Sweck ihres Freiheitskampfes zu vergeſſen, ließ ſich
in eine Poſition hineindrängen, aus der ſie heute nicht mehr
recht heraus kann. Die Frauenemanzipation iſt auf ein falſches
Gleis gefahren. Viele Frauen ſpüren das Krampfhafte ihrer
Lage jetzt ſchon. Aber nur wenige ſind ſich wirklich klar. Immer
und immer wieder vergleichen ſie ſich mit dem Manne. Der
Die Anſtaltsgeiſtliche (Sophie Kunert).
Mann ſeinerſeits aber tut nichts, um der Frau behilflich zu ſein.
Er ſieht etwas von ſeinem Perſönlichſten bedroht. Die ganze
Frauenbewegung iſt für den Mann lediglich eine
Kriegserklä-
rung, auf die er mit den entſprechenden Mitteln antwortet. Gut,
wenn die Frau verſucht, es dem Manne gleich zu tun, ſo ſoll
ſie als Mann behandelt werden. Nückſichtsloſigkeit des Mannes
der Frau gegenüber wird das beſte dieſer Mittel ſein. Da ſieht
die Frau ja, wie es iſt, als „Mann gewertet zu werden.”
Die Frau will aber im Grunde gar nicht als Mann gewertet
werden, ſondern im Gegenteil als Frau! Sie will als Frau
ihren Poſten im Leben ebenſo vollkommen ausfüllen, wie es
bis=
her der Mann allein getan hat. Sie will nicht vermännlichen,
ſie will nicht ſtudieren, um damit zu zeigen, daß ſie die Ehe
ab=
lehnt. Sie will den Mann nicht verdrängen, ſondern
gleichbe=
rechtigt neben ihm ſtehen.
Die Freiheitsbewegung der Frau iſt noch jung. Und darum
iſt zu hoffen, daß beide Ceile zur Einſicht kommen. Der Mann,
indem er nicht ängſtlich zu behüten ſucht, was ihm niemand
fort=
zunehmen beabſichtigt; die Frau aber, indem ſie ſich auf ſich ſelbſt
und ihr Siel beſinnt. Denn die Frau hat es am ſchwerſten. Sie
muß den Ausgleich finden in ſich, zwiſchen dem Vorgeſtern und
dem Heute der Frau! Die Frau, die ſich nicht mehr am
Manne vergleicht, die nicht um den Wettbewerb mit dem Manne
kämpft, ſondern die Frau, die ſich auf ſich ſeibſt beſinnt. —
dieſe Frau iſt innerlich befreit und hat den Weg gefunden, der
zur Erfüllung ihres Seins als Frau führt.
Was iſt Glück?
Von Gina Kaus.
Unlängſt forderte eine große deutſche Seitung mich auf, mit
zwanzig bis dreißig Seilen zu folgender Nundfrage Stellung zu
nehmen: „Die Frauenbewegung hat nunmehr nahezu auf der
ganzen Linie geſiegt. Iſt die Frau von heute mit ihren
errunge=
nen Nechten glücklicher als die Frauen früherer Generationen
es waren?”
Ich ſetzte mich an den Schreibtiſch. Swanzig bis dreißig
Seilen; poſitiv natürlich. Aber — irgendwo iſt da ein Aber.
Da müßte man doch zunächſt einmal feſtſtellen, was das
über=
haupt iſt: Glück? Verſuchen wir es einmal: Glück iſt . . . An
ſpreihen, das rege ihn zu ſehr auf, und ihre Cöchter hätten keinen
Kopf für derlei, ob er ihr aber etwas raten könne, was
vernünf=
tig zu kaufen ſei. Er wiſſe die Ehre zu ſchätzen, ſtammelte
Huber, nahm ſich zuſammen, ſchlug Anlagemöglichkeiten vor und
ern g deren Gewinnausſichten. Die Summe, über welche die
Frau Geheimrat verfügen konnte, (ſie wollte doch nicht alles
auf eine Karte ſetzen), erwies ſich für das als am beſten Erkannte
zu klein. Huber ſchlug vor, ihr das Fehlende zu leihen. Sinslos.
Gegen eine beſcheidene Beteiligung am Gewinn. Sie nahm an
und beauftragte ihn mit den nötigen Schritten. Draußen ſchellte
es, und gleich darauf kam die Frau Nittmeiſter herein: „Mama,
die Exzellenz von Oſkenfeld iſt da. Die Emmy hat ſchon geſagt,
du ſeiſt zu Hauſe.‟ Die Frau Geheimrat geriet in offenſichtliche
Erregung. „Mein lieber Herr Huber, Sie müſſen entſchuldigen
— eine alte Freundin — alſo „es bleibt dabei — ſobald Sie
Beſcheid wiſſen, melden Sie ſich. Dann kommen Sie wieder
gemütlich zum Kaffee. Alſo nochmals Dank und auf bald.‟ Das
Aing alles ſo raſch, Huber wußte nicht wie, auf einmal ſtand er,
Mantel überm Arm, auf der Lauftreppe. Er war viel zu be=
Aückt über das große Vertrauen, deſſen ihn die Frau
Geheim=
kat würdigte, um über den Lieferantenausgang gekränkt zu ſein.
Ein Jahr ſpäter, als den Millionen= die Milliardenſcheine folgten,
dar das von Huber Gerettete alles, was die geheimrätliche
Camilie außer ihrer Villa noch beſaß.
Inzwiſchen aber hatte Huber auch dem Schwiegerſohn
Direktor ein wertbeſtändiges Darlehn in Form von größeren
Dolzlieferungen für ſeinen Betrieb gewährt, ohne welches dieſer
Setrieb ſich nicht hätte halten können, und der Herr Rittmelſter
a. O. war auf ſeine Empfehlung hin als Volontär auf einem
Alluſtergut untergekommen. Dafür war er aber auch ſchon
ver=
ſchiedentlich zum Mittageſſen eingeladen worden. Der Herr
Ge=
heimrat verfehlte bei ſolchen Gelegenheiten nie, auf das
Mit=
einander=Bekanntwerden im Keller zurückzukommen und hinzu=
Aüfügen: „Es war ſchon gut, Herr Huber, daß Sie damals nicht
weitergingen, in der Friedrich= und in der Schumannſtraße (die
Leide auf dem Wege zum Bahnhof lagen) wurden damals
Bom=
den abgeworfen und drei Perſonen getötet.‟ Es tat Huber
un=
deſchreiblich wohl, wenn er bemerkte, wie die Frau Geheimrat
90 der Aufdringlichkeit dieſer ſtändigen Wiederholung tief
errötete. Boshaftere als er hätten aus der ſelbſtſichern Art dieſer
Wiederholung immerhin auf eine in der geheimrätlichen Samilie
beſtehende Auffaſſung geſchloſſen, wonach man ſich ihm
gegen=
über als Lebensretter fühlte und ſich zur Entgegennahme ſeiner
Dankbarkeit befugt glaubte.
Die Stabiliſation kam, und Fräulein Frieda Mahr, Hubers
Braut, war der Anſicht, die beſſeren Seiten, auf die ſie immer
mit dem Heiraten gewartet hatten, ſeien jetzt angebrochen.
In=
folgedeſſen platzte Huber beim nächſten Mittageſſen bei
Geheim=
rats mit der Nachricht ſeiner demnächſtigen Vermählung heraus.
Die Froſtigkeit der Glückwünſche ſeitens des Herrn Geheimrats
und der wieder einmal anweſenden Frau Rittmeiſter machte ihn
ſtutzig, aber die Liebenswürdigkeit der Frau Geheimrat verwiſchte
dieſen Eindruck ſofort. „Das iſt ja eine reizende Ueberraſchung.
Seit wann kennen Sie ſich denn?‟ Wir ſind jetzt das ſiebente
Jahr verlobt”, antwoxtete Huber. „Nein, iſt das rührend!” rief
die Frau Geheimrat in einem Con, wie wenn ſie ſagen wollte:
ſo was gibt’s alſo auch noch! „Haben Sie ihr Bild da?” Ja, das
hatte er. „Ein ſchönes Mädchen! die darf ſchon Anſprüche
ſtellen.” Anſprüche! Huber fuhr durch den Kopf, daß die
Srieda von einem neuen Schlafzimmer geſprochen hatte. „Und
klug ſieht ſie auch aus. Sie teilt gewiß Ihre vielſeitigen geiſtigen
Intereſſen!” Huber horchte auf. Vielſeitige geiſtige Intereſſen?
Na ja, man las doch ſeine Seitung. Auf dem Bild da ſah die
gute Frieda entſchieden klüger aus als ſie war. Ueberhaupt,
wenn er ſich vorſtellte, daß ſie hier am geheimrätlichen Ciſch —
„Sie müſſen ſie uns bald einmal mitbringen”, ſagte die Frau
Geheimrat in dieſem Augenblick;” auch beim Einkaufen will ich
ihr gern mit Nat und Cat zur Seite ſtehn. Sie wird doch jetzt
gewiß noch mancherlei zu beſorgen haben für ihre Ausſteuer.”
Die Frau Rittmeiſter hatte inzwiſchen die Caktik der Mutter
begriffen und ſchob dem Gaſt mit freundlichem Lächeln die
Sigarren hin. „Nehmen Sie noch eine, Herr Huber, ſolange
Sie ſich der goldenen Freiheit erfreuen. Wer weiß, ob’s Ihre
Frau Ihnen ſpäter erlaubt.” „Mein liebes Kind”, ſagte die
Frau Geheimrat nicht ohne Strenge, „du ſollſt auch dafür Sorge
tragen, daß dein Wilhelm nicht ſo viel raucht. Es iſt Pflicht jeder
Frau, auf die Geſundheit ihrer Familie zu achten, und kein
ver=
nünftiger Mann wird ihr diesbezügliche Vorhaltungen verübeln.”
Es war ſchon ſo, aber die Neiſen in die Stadt, zu denen er
Fräulein Frieda Mahr übrigens niemals mitnahm, bekamen
Hubers Heiratsluſt nicht beſonders. Die Frau Geheimrat war
auch der Meinung, daß die Seiten noch garnicht gut, daß ſie im
Gegenteil unſicherer denn je ſeien. Er hatte alſo Gründe, die
Hochzeit vom Frühling auf den Herbſt und vom Herbſt auf den
Frühling zu verſchieben. Als es der Frieda Mahr klar ward,
daß ihr Brautſtand alle Ausſicht habe, ſich zu einer chroniſchen
Krankheit auszuwachſen (was für ein Mädchen, das eben die
Dreißig überſchritt, nicht gerade etwas beruhigendes hat), löſte
ſie eines ſchönen Cages ihre Verlobung mit Huber und heiratete
ein Vierteljahr darauf einen verwitweten Bäckermeiſter mit zwei
netten Kindern.
Das ging Huber nun doch nahe, wenn er ſich auch nicht vlet
davon anmerken ließ. Die Geheimrats waren rührend gegen
ihn in dieſer ſchweren Seit. Es iſt garnicht auszudenken, wie
alles gegangen wäre ohne dieſe wirklich vornehm denkenden
Menſchen. Sie luden ihn ſogar zum zweiten Weihnachtsfeiertag
ein, und er erhielt ein Photo der Frau Geheimrat in gepreßtem
Lederrahmen.
Jetzt iſt es ſo, daß Huber regelmäßig alle acht Cage bei
Geheimrats zu Mittag ißt. Er iſt inzwiſchen fünfzig geworden,
und wo er doch einen Herzfehler hat, durch den er ſeinerzeit
ſogar nicht zum Dienen kam, (mit derlei iſt nicht zu ſpaßen, ſagt
die inzwiſchen bald ſiebzigjährige, aber erſtaunlich jugendliche
Frau Geheimrat) ſo denkt er allen Ernſtes daran, ſein Ceſtament
zu machen. Daß er die Kinder und Kindeskinder ſeiner teuren
Gönnerin (Freundin wagt er nur in ſeltenen Seierſtunden zu
den=
ken) darin nicht leer ausgehen laſſen, ſteht feſt. Er iſt ſich nur
über die Einzelheiten noch nicht ganz einig. Den Hof machen
tun ſie ihm alle. Sie ſelbſt, die edle Frau, der er am liebſten
alles, was er hat, zu Füßen legen würde, wiederholt es ihm
jedesmal, daß ſie für ſich nichts mehr braucht auf dieſer Welt,
aber daß ſie ſich um ihre Kinder oft Sorgen macht.
Es gibt eben Leute, die müſſen geben, und Leute, die müſſen
nehmen, und wenn zwei ſo verſchieden Geartete gerade
aufeinan=
der treffen, kommt Derartiges dabei heraus. Eine andere
Er=
klärung gibt es wohl nicht. Da aber Geben ſeliger iſt denn
Vehmen, ſo wollen wir Huber keineswegs bedauern.
Stelle einer platoniſchen Definition fällt mir ein Bild ein und
ſchiebt ſich vor meine Gedanken:
Ein ſchöner, halbverwilderter Garten. Ich ſelbſt, ein
ſieben=
jähriges Mädel in ſchwarzer Schulſchürze, ſtreiche bitterlich
wei=
nend um eine Buchsbaumhecke . . . Was hat das mit dem
Glück zu tun? Und was hat dieſe ganz kleine, dumme
Kinder=
geſchichte, an die ich jahrzehntelang nicht mehr gedacht habe, und
„Ich werde ihn herbeizaubern”, ſagte der fremde Knabe.
die mir jetzt Sug für Sug wieder einfällt, ſo deutlich, als hätte
ſie ſich geſtern erſt zugetragen, — was hat dieſe Geſchichte mit
meiner Nundfrage zu ſchaffen? ...
Sch ſtrich alſo bitterlich weinend, durch den verwilderten
Sommergarten. Ich ſuchte etwas. Plötzlich ſtand ein fremder
Knabe neben mir. — Aber das ſchreibe ich heute ſo einfach hin.
Was damals neben mir ſtand, die Hände tief in die
allerſchmutzig=
ſten Ledorhoſen vorgraben, mit einem ſommerſproſſigen Geſicht
und dickem, braunem Haarſchopf, das war ein Reſpekt
ein=
flößendes Weſen, voll verhaltener Kraft und Cücke, fremd und
ſonderbar. Ein wenig Angſt, mehr noch Neugier — nun ja,
ein Knabe. Und noch dazu einer, der wohl ſchon zwölf. Jahre
alt war.
„Warum weinſt du?” fragte er mich.
„Weil ich meinen neuen Bleiſtift verloren habe. Es war
kein gewöhnlicher Bleiſtift, er war von Silber und zu ſchieben.”
„Ich worde ihn herbeizauborn”, ſagte der fromde Knabe,
„in deine eigene Schürzentaſche werde ich ihn hineinzaubern.
Aber du mußt die Augen feſt zumachen und die Hände im Nücken
verſchränken.”
Och tat, was er verlangte. Nun ſprach er eine ganze Neihe
unverſtändlicher Worte (vielleicht war das indiſch?), dann ſagte
er: „Eins, zwei, drei — die Kunſt iſt vorbei!” Ich durfte die
Augen öffnen — und wirklich: der Bleiſtift befand ſich in der
Caſche meiner ſchwarzen Schulſchürzel Angeſichts dieſes
wunder=
baren und überzeugenden Ereigniſſes ſtand ich erſchüttert.”
„Du darfſt es keiner Menſchenſeele ſagen, daß ich ein
Hauberer bin. Wenn du zu ſchweigen verſtehſt, ſo führe ich dich
morgen in den Wald und zeige dir die Höhle der großen
Näuber=
bande und die vorzauberte Nichte der Hausfrau.”
Am nächſten Morgen ging ich mit dem Knaben Lukas in
den Wald. Gleich als wir uns auf den Weg machten, ſprang
uns die große geſtrömte Dogge aus dem Nachbargarten
ent=
gegen. Lukas gab mir ſeine Hand: „Ich bin doch bei dir!”
ſagte er, und ich fürchtete mich nicht. Wir gingen wohl eine
gute Stunde, ehe wir zur Höhle kamen, von der ich ſchon ſprechen
gehört hatte, ohne zu ahnen, daß ſich eine große Näuberbande
darin verborgen hielt. „Sie ſind jetzt gerade auf Beute gezogen”,
lagte Lukas, „und das iſt gut. Bloß die uralte Großmutter des
Hauptmanns iſt drin und hält Wache. Wenn verdächtige Leute
ſich zeigen — Poliziſten oder dergleichen, ſo ſagt ſie einen
armeni=
ſchen Hauberſpruch, der ſchlägt die Leute mit Blindheit, ſo daß
lie nichts ſehen als die kahlen Wände.”
Der Eingang der Höhle war ſo niedrig, daß ein Erwachſener
lich hätte bücken müſſen, um einzutreten. Lukas führte mich an
der Hand, in der andern hielt er eine kleine elektriſche Lampe.
Von allen Seiten umgab uns feuchtes, kahles Geſtein. Es war
ein endloſer Gang, dann hob ſich die Decke ſo hoch, daß der
be=
ſcheidene Lichtkegel der Caſchenlampe ſie nicht erreichen konnte.
Plötzlich drückte Lukas meine Hand feſter und flüſterte:
„Siehſt du dort, die glühenden Augen? . . . Nein, mehr rechts,
neben dem runden Stein? Siehſt du die Katze, die ſo groß iſt
wie ein Löwe?. Und dahinter die Großmutter mit dem
Krück=
ſtock?”
Nein, ich ſah nichts. Weder die Großmutter noch die Katze.
Nur den runden Stein. „Sie hat dich ſchon geſehen und
ver=
zaubert”, ſagte Lukas bedauernd, „auf mich wirken ihre Sprüche
natürlich nicht, ich bin gefeit. Warte einen Augenblick, ich will
ihr bloß guten Cag ſagen. Aber du darfſt dich nicht rühren und
kein Wort ſagen.”
Gern hätte ich geſchrien und ihn zurückgehalten; aber ich
wagte es nicht; ich blieb zitternd am ganzen Körper, ſonſt aber
reglos ſtehen und ſah mit Ehrfurcht und Entſetzen, wie Lukas ſich
ohne jede Jurcht dem grauen Stein näherte, einem Weſen, das
ich nicht ſehen konnte, die Hand ſchüttelte und einem andern, das
ich auch nicht ſah, einen Fußtritt gab.
An einem der nächſten Cage lornte ich auch die verzauberte
Nichte der Hausfrau kennen, die im Obſtgarten in Geſtalt eines
Maulwurfs lebte. Ich habe mit eigenen Augen geſehen, wie
flehend ſie Lukas anblickte, damit er ſie erlöſe, aber er tat es
nicht, denn ſie war „zeit ihres Lebens oin bitterböſes Weib
go=
weſen, und die Seit ihrer Läuterung war noch nicht vorüber.”
Ueberhaupt zauberte Lukas nur ſelten und niemals, wenn
ich ihn darum bat. Meiſt benahm er ſich wie ein ganz
gewöhn=
licher Junge. Wir waren unzertrennlich. Ich verdankte ihm
viel. Er erſchloß mir den Wald die Welt der Ciere, der Käfer,
der Schmetterlinge und Eidechſen — eine Welt, in die kein
Erwachſener Sutritt hat, voll Sommerglück, Abenteuer und
Ge=
heimnis.
Unſere Freundſchaft hatte einen einzigen Bruch; er wollte
mich nicht zaubern lehren. Er ſagte, dazu müſſe man ſchwere
und ſchmerzhafte Prüfungen ertragen. Ich wollte ſie beſtehen.
Er ſagte, os fei gefährlich, Macht über Geiſter zu beſiten. Ich
war nicht feige. Cäglich hatte er ein neues Bedenken; vor
meiner Sehnſucht waren ſie alle nichtig.
Und ſchließlich wurde Lukas mürbe. Es war an einem
Regentag, und er wußte gar nichts anzufangen, weil ich nicht
mit ihm ſchwarzer Peter ſpielen wollte. Wir waren ſchon
voll=
kommen zerſtritten und verärgert, und er war ſchon beinahe zur
Cür der glasgedeckten Veranda hinausgegangen — da drehte er
ſich plötzlich um und ſagte mit abgewandtem Geſicht: „Ich kann
gar nicht zaubern. Es gibt doch gar keine Sauberer. Es gibt
ſeeine Geiſter und Foen!”
Erſchüttert ſtarrte ich ihn an, mit aufgeriſſenem Mund, nicht
weniger falſungslos, wie an jenem Cag, da er vor meinen Augen
das erſte Wunder getan hatte.
Wir machten dann noch viele herrliche Ausflüge zuſammen,
fingen die ſchönſten Schmetterlinge und belaßen das Geheimnis
der beſten Pilzplätze. Wir ſtritten faſt nie. Es war eine große
Erleichterung, daß Lukas ein Menſch war wie ich — ſtärker, älter
und klüger, aber doch nicht anders. Nur — es war auch oine
tiefe Enttäuſchung. Ich liebte ihn nicht weniger als früher —
aber anders. Wenn die große geſtrömte Dogge von nebenan
Gern hätte ich geſchrien und ihn zurückgehalten,
aber ich wagke es nicht.
auf uns zuſprang, dief ich nicht mehr: „Gib mir deine Handl”
Sondern: „Gib acht, ſie kann dich beißen.”
Vor der geſtrömten Dogge fürchtete ich mich nämlich immer
noch. Aber vor Geiſtorn und Kobolden fürchtete ich mich nicht
mehr. Einmal ging ich ſogar ganz allein, nur mit Lukas kleiner
Caſchenlampe, in die Höhle, wo es gar keine Näuberbande gab.
Manchmal jedoch, vor dem Einſchlafen, oder wenn ich von den
Erwachſenen geſcholten worden war und mich klein und elend
fühlte, tat es mir leid: weder Lukas noch ein anderer Prinz und
erhabener Held würde jemals kommen und mir ein Königreich
zu Füßen legen.
Das iſt alſo die alte dumme Kindergeſchichte . . . Aber ich
wollte doch eigentlich feſtſtellen, was „Glück” iſt? Sch kann es
nicht. Sch weiß auch heute vom Glück nicht mehr als damals mit
lieben Jahren; daß man es niemals hat, weil man immer auch das
andere will, das ſchlechthin — Andere, Unvereinbare. Nichts wird
ohne Opfer erreicht, und nichts Erroichtes läßt das Opfer
vor=
ſchmerzen.
Brander ſpricht eine Dame an.
Von Curt Kriſpien.
(Nachdruck verboten.)
Brander ſprach eine Dame an. Wie hätte er es nicht tun
ſollen, da ſie allein ging und ſehr hübſch ausſah! Und noch dazu
ſo ſpät am Abend. Freilich, es geſchah übereilt, er war zu
un=
geduldig und zu feurig. Er hätte ſich ihr erſt noch ein biſchen
länger zeigen müſſen. Niemand wäre ihm zuvorgekommen, die
Straße war ganz leer. Er hätte aſſo Zeit gehabt, lich ihr zu
zeigen. Es wäre ſeine Pflicht geweſen, und er hatte ſie verläumt.
Crotzdem war ſeine Abfuhr viel zu ſchroff: „Beläſtigen Sie mich
nicht, Sie Flegell”, Brander wurde ganz rot vor Aerger; man
konnte es nur nicht ſehen, weil die Sttaße ſchlecht beleuchtet war.
„Wie —?” rief er wütend, „was —2” und hielt ſich hart
neben der ſchnoller ausſchreitenden Dame. „Sie ſehen os als eine
Beläſtigung an, von mir einer Anſprache gewürdigt zu werden?
Hören Sie, Sie Unbeſonnene, die Straße iſt lang und dunkel,
und es ſind keine Leute zu ſehen. Bis ein Schupo käme, könnte
Ihnen ſchon allerlei Schlimmes zugeſtoßen ſein. Sie ſind alſo
nur darum ſo ſchroff, weil Sie glauben, in mir einen Kavalier vor
ſich zu haben. Sonſt müßten Sie vorſichtiger ſein. Wenn Sie
mich aber für einen halbwegs anſtändigen Menſchen halten: Wie
kommen Sie dann dazu, mich auf eine ſo verletzende Art
zurück=
zuweiſen? — Beläſtigen Sie mich nicht, Sie Slegel!”—
Wiſſen Sie denn, wer ich bin? Wiſſen denn, wen Sie vor
ſich haben? — Uebrigens laufen Sie doch nicht ſo, das iſt ja
lächerlich. Sie werden doch kaum ſchneller ſein als ich. —
Be=
läſtigen Sie mich nicht! — Was ſoll das heißen? Was geht
aber dabei eigentlich in euch vor? Sieht euch nicht ſo
heraus=
fordernd und aufreizend an, dann wird man euch nicht auf der
Straße anſprochen. Und wonn es trotzdem geſchieht: Wir
Män=
ner ernähren euch, ſeid wenigſtens höflicher zu uns! Nicht
ein=
mal zum Kinderkriegen leid ihr zu brauchen, weil ihr nicht
imſtande wäret, ſie vernünftig zu erziehen. — Beläſtigen Sie
mich nichtl. — Hätten Sie doch geſagt: Sch wünſche allein zu
gehen. Oder: Bitte, verlaſſen Sie mich. Oder dergleichen. Ich
hätte mich entſchuldigt. Ich bin ein gebildeter Mann. Ich habe
eine gute Erziehung genoſſen. Sch weiß, was lich ſchickt. Ich
hätte den Hut abgenommen und mir geſagt: Nun, ja, dieſe Frau
will allein ſein. Das kommt ja vor. Vielleicht hat ſio Aerger
gehabt. Vielleicht — ich heiße Brander Sie erlauben —
viel=
leicht hat ſie dich auch nicht richtig angeſehen, hat in der Eile
nicht bemerkt, daß du ein markantes Profil haſt und auch ſonſt
nicht ſo übel biſt. Ein Mann von höchſtens 40 Jahren! Aber
ſtatt deſſen: Beläſtigen Sie mich nicht, Sie Flegell. Ein hartes
Wort für mich. Wo Sie mir doch gleich ſo gut gefallen haben,
als ich Sie an der Ecke ſah. Ja, ja, Sie haben eine Art, etwas
aus ſich zu machen. Der Gang, die Haltung! Sie lachen. Abek
ich verſtehe mich darauf, das können Sie mir glauben. — Sehen
Sie Gnädigſte, ich bin vorhin wahrſcheinlich etwas zu ſchroff
ge=
weſen — nun, nun, wollen nicht mehr davon ſprechen, nicht mehr
daran denſen. Hätten Sie morgen abend etwas Seit für mich?
Nein? Gut, gut, Sie machen keine Straßenbekanntſchaften, ich
weiß, Sie haben es mir gezeigt. Am allerwenigſten, wenn ſich
ein Menſch dabei ſo flegelhaft benimmt wie ich. Aber, ſehen
Sie, man kann ſich doch nicht immer bei einer Kaffeegeſellſchaft
kennenlernen, oder bei einem Canztoe. Könnten Sie nicht eine
Ausnahme machen?. Sch würde mich doch ſo freuen, Sie
wieder=
zuſehenl. Vielleicht morgen abend um 72. An der Ecke? Sagen
Sie ſchon „ja” und laſſen Sie mich nicht entgelten, daß ich vorhin
ſo froch zu Ihnen war!”.
Schach
T
G
Nummer 427.
SOR
J. Manskopf in Herborn.
Urdruck.
Weiß ziehſt und ſetzt in dier Zigen mat.
Prüfſtellung: Weiß: Ka6 Tg4 Lb6 Se2 Ba2 a5 b4 b5 (8)
Schwarz: Ka4 Uh8 Ba3 (3); 4R.
Aufgabe 619.
G. Guidelli in Laveno.
(1. Preis, Good Companions, 1917.)
Weiß: Kh5 Dg1 Tf8 h4 La8 d4 5d5 f4 (8).
Schwarz: Ket Dat Ab5 Id2 8h6 Ba5 b4 e7 e7 k3 h3 (11.
Matt in zwei Zügen.
Rätſel
Eeile
Aus den Silben; bal bitz chin da der fott fu gall gi ket kie
kim le le leſ leut li lier ma me mo nach nel nant ne ne no
b ot pe pla pra ri rie rol ſa fart ſcha ſel ſpa ſpeſ ſtep ſter
te te ter ti to um war zi ze zi ſind 19 Wörter zu bilden, deren
dritte Buchſtaben, von oben nach unten geleſen, den Anfang eines
Mai=
liedes ergeben.
Die Wörter bedeuten: 1. Broncetäfelchen mit Reliefdarſtellungen,
2. Traghimmel, 3. Küchenpflanze, 4. Gebirge, 5. Waſſerſtelle 6.
Fuß=
bodenbelag, 7 Vogel, 8. Offizier, 9. Teekochmaſchine, 10. Altgriech.
Bildhauer, 11. Singvogel, 12. Hinrichtungsgerüſt, 13. Ruhelager,
14. Weinmaß, 15. Waſſerarme Grasebene, 16. Viſtole 17. Einſchnitt
am Viſier der Feuerwaffen, 18. Lattenwerk für Obſtzucht, 19. Urſchrift.
Der mißverſtandene Liebhaber.
4: In dieſem Hauſe wohnte die Köchin, die mir abends immer
die Waffeln auftiſchte. Ich habe ſie heiß geliebt!”
B: 1023 — 9119 — 1109 — 5109798 — 64511 —
Schlüſſelwörter: 123456 kein Sauertöpſiſcher, 7. 8 10 11 nicht
ſchmal.
Carl Deubel.
Auflöſungen der Rätſel aus Nr. 32.
Von einer Landpartie.
Eier, Bier.
Leiſten=Rätſel.
1. R
2. B
3. P
I 8
AB
N4
U
Einſt und jetzt.
Nieſen, Reiſen.
Humor
Immer praktiſch. Der Lehrer hat ſich des längeren darüber
ausgelaſſen, wie gefährlich es ſei., Gegenſtände aus dem Fenſter
zu werfen und fragt plötzlich: „Warum darf man keine Flaſchen
aus dem Fenſter werfen?” — „Weil man dafür 5 Pfennig
be=
kommt”, antwortet Fritz.
Engel in der Mauſer. Eine hübſche und wahre Schulgeſchichte
wiſſen die „Schleſiſchen Monatshefte” zu berichten: Der Lehrer
er=
zählt den Kindern die Geſchichte von Jakobs Traum. Plötzlich
fragt ein aufgeweckter Junge: „Warum woar denn do an Litter
vum Himmel bis zerr Arde runger? Ich denk de Engel kinn
fliega? Die braucha doch do keene Litter nie?‟ — Der Lehrer
ſtutzt — und da er nicht recht darauf zu antworten weiß, fragt
er die andern Kinder, ob ſie es wüßten. Nach langer Ueberlegung
meldet ſich ſchüchtern das kleine Aennchen und ſagt: „Se muchtn
halt groade ei derr Mauſer ſein, do kunntin ſe halt nie fliega!”
Druck, Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei. Aheinſtr. 22. — Verantwortl, für die Redaktion: Dr. 5. Nette. Darmſtadt, Fernſpr. 1. 2384—2302. — Alle Rechte vorbebalten Nachdr. verboten