Darmstädter Tagblatt 1931


21. Juli 1931

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Einzelnummer 10 Pfennigd

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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 200
Dienstag, den 21. Juli 1931.
194. Jahrgang

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Gewalt, wie Krieg, Aufruhr Strell uſw., erliſcht
ſede Verpflſchtung auf Erfüllung der Anzelgen=
auſteäge
und Teiſtſung von Schadenerſat. Del
Konlurs oder gerſchtiſcher Beſteſbung fällt ſeder
Nabat weg. Bankkonto Deutſche Bank und Darm=
ſädter
und Nationabanl.

Die Tombdier golſer eigt

Die Konferenz befaßt ſich mit der Sinanzlage deukſchlands. Macdonald hälk unverzügliche Hilfe für geboken.
Jeder Tag ſei koſtbar. Das Gebot der Skunde die Wiederherfkellung des Verkrauens.

Deutſchland im Mittelpunkt der Ausſprache.
Macdonald warnt vor der Gefahr des Bolſchewismus. Brüning forderk Einſtellung der Kredikabzüge
aus Zelſcland und erfunf der Galdehangenene de Feſchlif.
Ftankreich verweiſt auf ſeine Sorderungen.
EP. London, 20. Juli.
Die Londoner Siebenmächte=Konferenz iſt am Montag nachmittag um 6.30 Uhr im
Unterhaus eröffnet worden.
Die erſte Sitzung wurde mit einer längeren Begrüßungsanſprache Macdonalds ein=
geleitet
. Macdonald fand herzliche Worte als Anwalt ehrlicher internationaler Zuſammen=
arbeit
und ſchilderte an Hand von Ziffern die Entwicklung der Weltwirtſchaftskriſe und der
Finanzkriſe in Deutſchland. Der ſtaatsmänniſchen Initiative des Präſidenten Hoover zollte
er Anerkennung. Es handele ſich aber heute nicht mehr allein um die In=
gangſetzung
des Hovverplanes, ſondern um die Bekämpfung der
dentſchen Kriſe, ſonſt werde es eines Tages ſchwer ſein, einen Damm gegen die Flut
in Mittelenropa, mit ihren ſozialen, politiſchen und wirtſchaftlichen Folgen zu errichten.
Das Gebot der Stunde ſei es, das Vertrauen der ausländiſchen
Geldgeber zu Deutſchland wieder herzuſtellen. Damit wird ſich die Kon=
ferenz
auf die finanzielle Seite des Problems beſchränken. Eine neue Aera
offenen und gegenſeitigen Bemühens um die Befriedung der Welt müſſe eingeleitet werden.
Es handele ſich nicht darum, die eine Partei zu beſiegen oder zu erniedrigen. Man könne,
wie Maedonald weiter ausführte,
zwei Wege
beſchreiten:
1. Beſchaffung neuer Anleihen und Kredite für Deutſchland. Dabei würden aber, wie
man ihm mitgeteilt habe, Schwierigkeiten zu überwinden ſein;
2. könne die Londoner Konferenz prüfen, ob es möglich ſei, Deutſchland durch Stär=
kung
ſeiner inneren Poſition eine Garantie ſeiner Stabilität gegenüber der Außenwelt
zu geben, ſo daß das in Deutſchland inveſtierte Kapital nicht weiter abſtröme, ſon=
dern
noch vermehrt werde.
Die innere Stärke der deutſchen Wirtſchaft könne nicht in Frage geſtellt werden, ſo=
lange
ſie über die notwendigen Kapitalquellen verfüge. Die Zeit iſt gegen uns, fuhr
Macdonald fort, jeder Tag vermehrt die Gefahr eines Zuſammenbruches, der von Men=
ſchenhand
nicht mehr bewältigt werden kann.
Hierauf ergriff der franzöſiſche Miniſterpräſident Laval das Wort, der mit einem
Rückblick auf die Pariſer Verhandlungen ſeine Aneikennung für den Geiſt ausſprach, mit
dem die dortigen Beſprechungen zwiſchen den deutſchen und franzöſiſchen Miniſtern geführt
wurden. Laval präziſierte die von Frankreich für London vorgeſehene Haltung und
ſprach die Hoffnung aus, daß Deutſchland loyal mit Frankreich an der Wiederherſtellung des
allgemeinen Vertrauens mitarbeiten werde. Auch Neichskanzler Brüning ging in ſeinem
Expoſé auf die Pariſer Verhandlungen ein und gab an Hand von Statiſtiken ein Bild von
der Lage in Deutſchland. Er ſtellte zwei Forderungen auf: 1. Die Kreditabzüge zum Still=
ſtand
zu bringen, und 2. die Golddeckungsgrenze der Reichsbank zu erhöhen.
Die morgigen Beſprechungen werden um 10 Uhr im Foreign Office ihren Fortgang
nehmen. Die deutſchen Miniſter waren heute abend Gäſte, der engliſchen Regierung im
Unterhaus.

Die Sieben=Mächte Konſerenz.
Angeſichts der Londoner Konferenz erſcheint es notwendig,
einen kurzen Blick über die hinter uns liegenden Ereigniſſe zu
werfen. Es läßt ſich ſagen, daß die für die Pariſer Beſprechun=
gen
erwarteten Befürchtungen nicht eingetroffen ſind, d. h. aller=
dings
nicht, daß Frankreich ſeine Forderungen endgültig begra=
ben
hat. In dem Schluß=Communigus wird denn auch aus=
drücklich
geſagt, daß Frankreich ſich vorbehält, die Einzelheiten
einer Unterſtützung Deutſchlands zu diskutieren, wenn ent=
ſprechende
finanziellen Garantien und politiſche Beruhigungs=
maßnahmen
getroffen werden. Dieſe Vorbehalte ſind un=
zweifelhaft
zunächſt aus rein innerpolitiſchen Grün=
den
in die Formulierungen eingefügt worden. Man darf
aus ihnen nicht ſchließen, daß vom Kanzler ihre Berechtigung
anerkannt worden iſt. Dieſe Formulierung kam wohl nur da=
durch
zuſtande, daß
Dr. Brüning es rundweg abgelehnk hat, irgend-
weiche
Erklärungen abzugeben, die Bindungen
poliliſcher Nalur gleichbedeukend ſind.
Er hat ſich wahrſcheinlich auch mit dem franzöſiſchen Miniſter=
präſidenten
auseinandergeſetzt, daß er ſich und ſein Kabinett
gefährdet ſehen würde, wenn in dem Schlußbericht die einzelnen
Streifragen noch angeführt werden ſollten. Laval hat denn
auch eingeſehen, daß er mit einer derartigen Taktik
nichts erreichen würde. Er hat ſich immerhin veranlaßt
geſehen, von Vorbehalten zu ſprechen, hat aber im übrigen dem
gleichen Wunſch, der auch die deutſchen Unterhändler beſeelte,
Ausdruck verliehen, daß die Pariſer Beſprechungen im Intereſſe
einer Beſſerung der deutſch=franzöſiſchen Verhältniſſe fortgeſetzt
werden möchten. Da die Unterhandlungen in Paris nichts
anderes als Chequers=Geſpräche ſind, iſt es ganz ſelbſtverſtänd=
lich
, daß man von handgreiflichen Ergebniſſen nicht reden kann.
Es war auch von deutſcher Seite nicht beabſichtigt, Beſchlüſſe der
Londoner Konferenz vorweg zu nehmen. Es ſollte lediglich
durch eine vertrauliche Zuſammenkunft eine günſtige Atmoſphäre
für die Londoner Konferenz geſchaffen und dieſer Konferenz ein
guter Start gegeben werden. Daß dieſes Ziel erreicht worden
iſt, läßt ſich nicht beſtreiten. Sämtliche Miniſter, die nach London
geladen ſind, haben denn auch gemeinſchaftlich mit den Frau=
zoſen
am Montag vormittag die Reiſe nach England angetreten.
Sie ſind dort am ſpäten Nachmittag eingetroffen, ſo daß
um 6.30 Uhr die erſte Zuſammenkunft
bei dem engliſchen Gaſtgeber erfolgen konnte. Daß Frankreich
ſeine Widerſtände gegen die Londoner Konferenz ſchließlich doch
aufgegeben hat, hängt mit der Aufgabenbegrenzung dieſer Kon=
ferenz
zuſammen. Sie ſoll ſich nur mit finanziellen Fragen be=
ſchäftigen
; andere wichtige Probleme ſollen nicht angeſchnitten
werden, d. h. alſo, daß weder die Zollunion noch der Panzer=
kreuzer
, weder der Verſailler Vertrag, noch ein Oſtlocarno zur
Debatte geſtellt werden. Daraus geht nun aber wieder hervor,
daß der Miniſterzuſammenkunft die Bedeutung genommen wird,
die ihr die Engländer zu geben beabſichtigten. Soweit ſich die
Dinge bisher überſehen laſſen, iſt beabſichtigt, aus der Erkennt=
nis
, daß Deutſchland eine finanzielle Hilfe zuteil werden muß, in
London die entſprechenden Konſequenzen zu ziehen und ohne
großen Zeitverluſt eine Hilfsaktion in die Wege zu leiten. Es
gibt verſchiedene Möglichkeiten, uns will aber ſcheinen, als ob
man ſich auf folgende Punkte einigt:
1. verpflichten ſich die Mächte, dafür zu ſorgen, daß weitere
Kredite aus Deutſchland nicht herausgezogen werden.
2. foll der Reichsbank ein größerer Nediskontkredit
eröffnet werden, hierfür ſoll eine drei= bis ſechsmonatige Lauf=
friſt
in Frage kommen, und
3. will man die reſtlichen Fragen, die aus der Abwicklung
des Hoovermoratoriums zurückgeblieben ſind, erledigen.
Man glaubt, daß man in zwei bis drei Tagen mit dem
Arbeitsſtoff fertig wird. Der Rediskontkredit wird aber, wie es
bei dieſer Entwicklung bleibt, nicht alzu umfangreich ausfallen.
Er ſoll uns nur über die erſten Nöte hinweghelfen und ſpäter
den Beſtand einer großen Anleihe bilden. Für alle Beteiligten
hat ſich aber bereits einwandfrei ergeben, daß dieſe Anleihe erſt
ein wichtiges Ringen entfeſſeln wird. Die Franzoſen ſind bereit,
ſich an einer derartigen Unterſtützungsaktion zu beteiligen. Bei
den derzeitigen Verhältniſſen auf dem Geldmarkt müßten aber
die Regierungen beſtimmte Garantien übernehmen. Damit wären
die Mächte eingeſchaltet und eine Handhabe gegeben, politiſche
Fragen anzuſchneiden. Im Elyſee wird bereits für eine Zauber=
formel
Propaganda gemacht, die, in der Tat, wenn ſie angenom=
men
werden würde, die Franzoſen ziemlich reſtlos zufrieden
ſtellen könnte. Man ſpricht dort davon, daß
für die nächſten 5 Jahre ein ſogenannkes polikiſches
Morakorium
erlaſſen werden ſoll auf der Grundlage, daß kein politiſches
oder diplomatiſches Abenteuer, unternommen
wird, durch das die Ruhe Europas geſtört werden

könnte. Dieſes Moratorium würde in der Praxis ſo ausſehen,
daß Deutſchland, wenn es auf außenpolitiſchem Gebiet irgend
etwas zu unternehmen gedenkt, ſich mindeſtens zunächſt mit ſeinen
wichtigſten Gegenſpielern, mit Frankreich, in Verbindung ſetzen
muß. Angenommen, Deutſchland und Oeſterreich hätten die Ab=
ſicht
, nach einem günſtigen Ausgang der Verhandlungen vor dem
Haager Schiedsgerichtshof den Gedanken der Zollunion zu ver=
wirklichen
, dann müßte man erſt in Frankreich anfragen, ob die
Franzoſen darin nicht ein Abenteuer erblicken, das die Ruhe
Europas ſtört. Sie würden erreichen, daß wir uns auf repara=
tionspolitiſchem
Gebiet binden, und daß wir vor allem auf fünf
Jahre darauf verzichten, den Artikel 19 des Verſailler Vertrages,
der eine friedliche Reviſion vorſieht, anzuwenden. Sollte man
im Ernſt einen derartigen Vorſchlag an uns herantragen, dann
darf man wohl ſchon jetzt feſtſtellen, daß wir gar nicht daran
denken, uns außenpolitiſch Feſſeln anlegen zu laſſen, da wir jetzt
mehr wie je um unſere politiſche Freiheit und um eine Beſſerung
der Verhältniſſe in Zentraleuropa kämpfen. Wir müſſen uns aber
darauf gefaßt machen, daß die Franzoſen ſchließlich doch noch mit
ihren politiſchen Forderungen anrücken. Bei den Engländern lag
nun der lebhafte Wunſch vor, daß nach Möglichkeit die Zahl der
deutſch=franzöſiſchen Unterhaltungen ſich mehrt. Auch wir haben
dieſen Wunſch und haben die Franzoſen nach Berlin eingeladen.
Die Engländer hoffen aber, daß dieſe Chequers=Beſprechungen all=
mählich
zu einer Befriedigung Frankreichs führen. Sollte ſich
Herr Henderſon darunter eine Erfüllung der franzöſiſchen Forde=
rungen
vorſtellen, dann befindet er ſich in einem großen Irrtum.
Wir werden die angeknüpften Fäden zu Frankreich nicht abreißen
laſſen, wir werden aber auch

in keinem Falle polikiſche Konzeſſonen
machen, die mit der Ehre des deutſchen Volkes un=
vereinbar
ſind. Der Kanzler iſt bereits in Paris ſehr ener=
giſch
aufgetreten und hat die Franzoſen nicht darüber im Zweifel
gelaſſen, daß ſie mit einer derartigen Politik uns gegenüber
nichts erreichen würden. Was die Londoner Konfe=
renzbringen
und welche Bedeutung ſie erhalten
wird, iſt noch in ein geheimnisvolles Dunkel
gehüllt. Wir können uns vorſtellen, daß die Engländer den
Ehrgeiz haben, aus dieſer Miniſterzuſammenkunft eine politiſche
Konferenz ganz großen Formats zu machen, die gleichzeitig auch
die Abrüſtungsfragen mitſtreifen wird, falls ſich eine Gelegenheit,
auf politiſches Gebiet hinüberzuwechſeln, ergibt. Vielleicht würde
das ſchon der Fall ſein, ſobald man ſich mit dem Gedanken einer
Anleihe ernſthaft beſchäftigt, die aber nach unſerer Anſicht nicht
dem Reich, ſondern der deutſchen Wirtſchaft zu geben iſt, die ja
auch für dieſen Zweck ein Garantieſyndikat gebildet hat. Daß die
Amerikaner, die Italiener und andere Mächtevertreter von Rang
und Bedeutung nach London gegangen ſind, ſpricht doch immerhin
dafür, daß man wohl doch ſehr raſch von den urſprünglichen Ab=
ſichten
, die doch wohl am Sonntag nachmittag in Paris beſtanden
haben mögen, abkommen und alle großen politiſchen Probleme an=
ſteuern
wird. Für uns iſt aber im Augenblick von größter Wich=
tigkeit
, daß die Finanzfragen vorweg genommen und die Hilfs=
aktion
auf dem kürzeſten Wege eingeleitet wird, zumal
ſich die Regierungsvertreter in Paris grundſätzlich darin einig
geweſen ſind, daß unverzügliche Hilfe das Gebot der
Stunde iſt.

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Seite 2

Dienstag, den 21. Juli 1931

Nummer 200

Aiternd und erre Londoner Ronferenz.
Amerika lehnt jede Garankie für den polikiſchen
Sialus guo des Verſailler Verkrages ab.
Waſhington, 20. Juli.
Präſident Hoover hatte nach ſeiner Rückkehr nach Waſhington
am Montag wiederum lange Beſprechungen mit Caſtle und Mills,
zu denen der Botſchafter Dawes und der frühere Partner Mor=
gans
Senator Morrow hinzugezogen worden. Morrow wird
mehrere Tage auch im Weißen Hauſe wohnen, um den Präſiden=
ten
bei der Beurteilung der Londoner Verhandlungen zu be=
raten
. Bekanntlich kann in den Vereinigten Staaten die Re=
gierung
ohne formelle Ermächtigung durch den Bundeskanzler
nicht eine internationale Anleihe beſchließen, noch eine Privat=
anleihe
garantieren. Ferner wurde inoffiziell betont, daß
Verknüpfung von politiſchen Forderungen Frankreichs mit
einer finanziellen Hilfe für Deutſchland nicht den hieſigen
Anſichten über die Behebung des deutſchen Notſtandes ent=
ſpricht
, insbeſondere lehnt man es nach wie vor ſtrikte ab, den
Status quo des Verſailler Diktats auch nur indirekt oder
befriſtet zu garantieren. Da Hoover ſeine hervorragend=
ſten
Mitarbeiter als offizielle Delegierte nach London ent=
ſandte
, würde ein Ergebnis dieſer Konferenz ſtets als mit
Billigung Amerikas erzielt angeſehen werden, und gerade
deswegen müſſe jeder Schein vermieden werden, als ob die .
Regierung der Vereinigten Staaten den politiſchen Status
quo Europas zu garantieren bereit ſei. Es verlautet viel=
mehr
, daß Amerika einen ganz anderen Hilfsplan unter=
breiten
werde, der ſich von allen politiſchen Komplikatio=
nen
fernhalte.
Evening Star bezeichnet die Rolle Stimſons in London als
die eines ehrlichen Maklers und erklärt, daß ſich dort ein neuer
Völkerbund bilde, der unter Befolgung der klaren amerianiſchen
Grundlinien ungleich wirkungsvoller ſein werde als alle Rats=
tagungen
in Genf.
Amerika kündigt Vorſchläge zur Behebung
der deutſchen Finanzkriſe an.
Das amerikaniſche Staatsdepartement kündigt nach Mitter=
nacht
an, daß die amerikaniſche Delegation auf der Londoner Kon=
ferenz
am Dienstag gewiſſe Vorſchläge zur Behebung der gegen=
wärtigen
deutſchen Finanzkriſe unterbreiten werde.
Die Prefſe zur Rolverordnung gegen die Preſſe.
Berlin, 20. Juli.
Die Reichsarbeitsgemeinſchaft der deutſchen Preſſe, in der
die deutſchen Redakteure und Verleger vereinigt ſind, erklärt:
Die Reichsarbeitsgemeinſchaft der deut=
ſchen
Preſſe muß verlangen, daß auch in dieſer Notzeit
des deutſchen Volkes die Preſſefreiheit unbedingt ge=
wahrt
bleibt. Die Freiheit iſt das Lebenselement der Preſſe,
unentbehrlich für die Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber Volk
und Staat.
Die Reichsarbeitsgemeinſchaft erkennt an, daß die Ver=
antwortung
der deutſchen Preſſe als Trägerin
wichtigſter öffentlicher Intereſſen heute beſon=
ders
groß und ſchwer iſt. Sie verurteilt daher aufs
ſchärfſte jeden Mißbrauch der Preſſefreiheit. Sie
kann aber in der Notverordnung zur=Bekämpfung
politiſcher Ausſchreitungen vom 17. Juli 1931 kein
geeignetes Mittel zur Bekämpfung politiſcher
Ausſchreitungen der Preſſe erblicken.
Die Notverordnung verſtößt, von techniſchen Män=
geln
ganz abgeſehen, gegen die elementaren Grund=
lagen
des Lebens und der Freiheit der Preſſe
beſonders dadurch, daß es in das ſubjektive freie Ermeſſen zahl=
reicher
Behörden geſtellt wird, in dem Inhalt von Zeitungen eine
Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu erblicken
und Zeitungen deshalb zu verbieten. So behindert die Verord=
nung
in ihrer jetzigen Form auch die Mitarbeit und Kritik der
verantwortungsbewußten Preſſe und führt damit ſchwere Ge=
fahren
für die Meinungs= und Urteilsbildung
in der Oeffentlichkeit herauf.
Zur Wiederaufnahme des Zahlungsveikehts.
Unſere Wiedergabe der Notverordnung über die Wieder=
aufnahme
des Zahlungsverkehrs nach den Bankfeiertagen (Nr.
198 vom Sonntag, den 19. Juli) enthält in Artikel 1, § 2 einen
Irrtum. Es muß dort heißen:
Die Annahme von Einzahlungen unterliegt keiner Beſchrän=
kung
. Ueber Guthaben, die nach dem 15. Juli aus dieſer Ein=

Vom Tage.

Der Reichsrat trat am Montag unter dem Vorſitz von Vizekanz=
ler
Dietrich zuſammen. Der Vizekanzler erſtattete ausführlich Be=
richt
über die Lage.
Mit der Herausgabe der Durchführungsbeſtimmungen zu der
Verordnung über die 100 RM.=Gebühr für Auslandsreiſen iſt für
heute zu rechnen.
Aus den Fremdenverkehrs=Zentren der öſterreichiſchen Pro=
vinz
, beſonders aus Tirol und Salzburg, ſind zahlreiche Hilferufe
an die öſterreichiſche Regierung gelangt, in denen ſie um eine
neuerliche Intervention erſucht wird.
Die deutſche Regierung hat in Wien mitteilen laſſen, daß ſie
u ihrem größten Bedauern im gegenwärtigen Augenblick die Aus=
reiſe
=Taxe von 100 RM. für Reiſen nach Oeſterreich nicht aufheben
könne. Vielleicht würden aber ſpäter gewiſſe Milderungen platz=
greifen
können.
Der allgemein erwartete große Andrang deutſcher Ferien=
reiſender
nach der Schweiz, die noch vor der nunmehr am Mitt=
woch
in Kraft tretenden 100=Mark=Sonderabgabe die Grenze über=
chreiten
wollten, hat ſich nicht bemerkbar gemacht. Auch der Auto=
eiſeverkehr
an den Grenzorten hat keine Verſtärkung erfahren.
Der Schweizeriſche Bundesrat hat ſich am Montag eingehend
mit den neuen deutſchen Notverordnungen beſchäftigt, wozu eine
Eingabe der Verkehrszentralen und des Schweizeriſchen Hotelier=
vereins
vorlag.
In Sevilla und der Provinz iſt der Generalſtreik ausge=
brochen
.

zahlung an Reichbank uſw. entſtanden ſind, kann frei verfügt
werden. Das gleiche gilt für die nach dem 25. Juni 1931 an
die Kreditinſtitute überwieſenen Löhne, Gehälter, Ruhegehälter,
Verſicherungsgebührniſſe uſw.
Bei Wechſeln, deren Fälligkeitstag in der Zeit vom Sams=
ag
den 11. bis Samstag den 18. Juli 1931 einſchließlich liegt,
kann die Erhebung des Proteſtes nicht am Montag den 20.
Juli und Dienstag den 21. Juli 1931, darf jedoch noch in der
Zeit von Mittwoch den 22. Juli bis Freitag den 24. Juli 1931
einſchließlich geſchehen.

*
Neue deid
der deutſch=franzöſiſchen Beziehungen.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 20. Juli.
Die Fühlungnahme zwiſchen den deutſchen und franzöſiſchen
Staatsmännern war kordial im beſten Sinne des Wortes; man
glaubt in Paris, daß eine neue Aera der deutſch= fran=
zöſiſchen
Verſtändigung bevorſteht. In den politiſchen
Kreiſen wird betont, daß die Tatſache des deutſchen Miniſter=
beſuches
an ſich ſelbſt ebenſo wichtig iſt wie die Verhandlungen.
Denn in ihr erblickt man den Beweis dafür, daß die Be=
ziehungen
zwiſchen Berlin und Paris ſich nun=
mehr
auf einer neuen und günſtigen Baſis ent=
wickeln
können.
Es erleidet wirklich keinen Zweifel, daß von dem Augenblick
an, als das Verhältnis zwiſchen Deutſchland und Frankreich
auf Grund des gegenſeitigen Vertrauens organiſiert werden
könnte, die ſachlichen Probleme ſelbſt viel von ihrer augen=
blicklichen
Bedeutung einbüßen und ihre Löſung unter weſent=
lich
günſtigeren Auſpizien erfolgen kann. Insbeſondere gilt dies
für die aktuellen finanziellen Probleme, man verſichert, daß nun=
mehr
, da eine Entſpannung eingetreten iſt, die Finanzlage
Deutſchlands eo ipſo beſſer ſei, und daß nicht mehr die Notwen=
digkeit
beſteht von heute auf morgen alle prinzipielle Fragen
aufzurollen. So zum Beiſpiel hält man es für möglich, die
Schwierigkeiten durch weitgehende Gewährung
von kurzfriſtigen Anleihen vorübergehend zu
löſen. Dann könnten die endgültigen Verhand=
lungen
ſich in einer ruhigen Atmoſphäre ab=
wickeln
und auch der Schein, daß Deutſchland
unter dem Druck einer Finanzkriſe verhandelt,
beſeitigt werden.
Während man alſo in Paris die Kordialität der Beziehun=
gen
zu Deutſchland beſonders betont, ſcheinen die Beziehungen
zu England und Amerika weit weniger unter dem Zeichen der
Herzlichkeit zu ſtehen.
Die Londoner Konferenz wird franzöſiſcher=
ſeits
nur notgedrungen akzeptiert, und man
wehrt ſich mit allen Kräften dagegen, daß es in
London zu einer Neuregelung der europäiſchen
Politik kommt. Urſprünglich lehnte man dieſe Konferenz
überhaupt ab. Es entſteht der Anſchein, daß London und Paris
gegenwärtig um die Führung in Europa kämpfen und daß
Waſhington die Haltung der Franzoſen in dieſem diplomatiſchen
Kampf nicht billigt. Franzöſiſcherſeits äußert man ſich ziemlich
verbittert über die Haltung Macdonalds und Henderſons und
weiſt auf den Mißerfolg der engliſchen Vermittlungsbeſtrebun=
gen
hin.

Die welteten ReAierangspläne.
Teilung der Gehalksauszahlungen. Vermehrung
des Silbergeldumlaufes.
BB. Berlin, 20. Juli. (Priv.=Tel.)
Wenn auch der Ausgang der Pariſer Beſprechungen, der
inſofern einen gewiſſen deutſchen Erfolg darſtellt, als die fran=
zöſiſchen
Pläne einer Sabotage der Londoner
Konferenz vereitelt worden ſind und Frankreich nun=
mehr
ebenfalls daran teilnimmt, und eine innere Beruhigung in
Deutſchland eintreten dürfte, ſo muß die Reichsregierung trotz=
dem
alle Vorſicht obwalten laſſen, um einen geordneten
Uebergang zum freien Zahlungsverkehr, der bis
zum Ultimo erreicht ſein ſoll, zu gewährleiſten. Die Reichs=
regierung
wird deshalb auch in dieſer Woche vermanente Sitzun=
gen
abhalten, die bis zum Mittwoch vom Vizekanzler geleitet
werden. Am Mittwoch wird nach den derzeitigen Plänen
Reichskanzler Dr. Brüning wieder nach Berlin zu=
rückkehren
und es iſt damit zu rechnen, daß unmittel=
bar
nach ſeiner Rückkehr eine Sitzung des Ge=
ſamtkabinetts
ſtattfindet.
Der von Deutſchland geforderte Rediskontkredit wird vor=
ausſichtlich
bis zum Ultimo bereitgeſtellt ſein und eine Befri=
ſtung
haben, die genügt, um in der Zwiſchenzeit die große
Auslandsanleihe zu realiſieren. Was nun die inneren Maß=
nahmen
betrifft, die die Reichsregierung im Auge hat, ſo iſt für
Donnerstag mit einer neuen Verordnung zu rechnen, die eine
weitere weſentliche Lockerung des Zahlungsverkehrs bringen ſoll.
Außerdem ſteht der ſchon ſeit langem in der Oeffentlichkeit er=
örterte
Plan zur Diskuſſion, die Gehaltsauszahlungen bei den
Beamten dahingehend abzuändern, daß ſie in Zukunft in zwei
gleichen Teilen, und zwar am 1. und am 10. eines jeden Monats
erfolgt. Damit würde die Reichskaſſe am Ultimo eine ſtarke
Entlaſtung erfahren, die gerade zum kommenden Ultimo von
großem Nutzen ſein würde, weil die gänzliche Freigabe des
Zahlungsverkehrs keinerlei Störungen von dieſer Seite her zu
befürchten hätte. Weiter ſteht eine Vermehrung des Silbergeld=
umlaufes
zur Erörterung, die ſchon in gewiſſen Grenzen in den
letzten Tagen erfolgte und die nun noch geſteigert werden ſoll.
Dadurch würde ein gedecktes Zahlungsmittel geſchaffen, das die
Notendeckung keineswegs berührt. Allerdings müßte gegebenen=
falls
in einer beſonderen Verordnung eine Abänderung der Re=
lation
zwiſchen Silbergeld und Notenumlauf herbeigeführt wer=
den
. Dieſe Frage wird in den kommenden Tagen in den Krei=
ſen
der Reichsregierung behandelt, während die Probleme der
Staatsaufſicht erſt nach der Rückkehr des Reichskanzlers erörteri
werden ſollen.
Zuſchläge für Skeuerrückſtände.
w. Berlin, 20. Juli.
In den letzten zwei Wochen ſind die Steuereingänge außer=
ordentlich
ſtark zurückgegangen. Eine pünktliche Steuer=
zahlung
iſt aber dringend erforderlich. Eine heute
erlaſſene Verordnung enthält im weſentlichen die gleichen
Beſtimmungen, wie ſie im Dezember 1923 die 2. Steuernotver=
ordnung
getroffen hatte. Die wichtigſten Beſtimmungen lauten
dahin, daß für rückſtändige Beträge an Einkommen=,
Körperſchafts=, Vermögens=, Erbſchafts=, Umſatz=,
Grund=, Gewerbe= oder Hauszinsſteuer für die
Zeit vom 1. Auguſt 1931 ab Steuerzuſchläge in
Höhe von 5 Prozent halbmonatlich erhoben wer=
den
. Eine Erhebung von Verzugszuſchlägen findet jedoch dann
nicht ſtatt, falls die Steuerbehörde für die Rückſtände eine Stun=
dung
bewilligt hat. Geſtundete Steuern ſind, ſofern nicht zinsloſe
Stundung bewilligt iſt, mit jährlich 5 Prozent, je nach der beſon=
deren
Lage des einzelnen Falles, zu verzinſen. Für die ſogenann=
ten
Aufſchubzinſen (insbeſondere bei Zöllen) beträgt der Zinsſatz
in Zukunft 10 Prozent jährlich, doch bleibt es für Beträge, die
vor der Verkündigung der neuen Verordnung aufgeſchoben wer=
den
, beim bisherigen Zinsfuß, bei denjenigen Steuern, bei denen
nicht die neuen Vorſchriften über Verzugszuſchläge Platz greifen
(z. B. bei Verbrauchsſteuern) werden bei nicht rechtzeitiger ( unbe=
fugterweiſe
unterlaſſener) Zahlung Verzugszinſen erhoben, die für
die Zeit vom 1. Auguſt 1931 ab 2 Prozent monatlich betragen.

Hie kaneeliſchen Mger.
Du unvernünftige Kreatur ..."
Von
E. Oberbeck.
Im Jahre 1479 wandte ſich der Rat der Stadt Bern an
das geiſtliche Gericht in Lauſanne mit der Bitte, die räuberi=
ſchen
Inger, alſo die Engerlinge und Käfer, vor ſeinen Stuhl
zu laden. Die Geſchichte berichtet nicht, ob ſich die Maikäfer
damals alle vor dem Gericht einfanden. Das wäre vielleicht
nicht gerade ſehr erfreulich für den hohen Gerichtshof geweſen,
denn wenn das Jahr 1479 nur ein mittleres Maikäferjahr war,
dann wären die Richter, ohne einen Spruch gefällt zu haben,
ſchnell geflüchtet. Früher hatte man eben doch ein engeres per=
ſönliches
Verhältnis zu allem, was da kreucht und fleucht als
heute. Nur die Kinder und manche Großſtädter ſehen den
Maikäfer noch mit poetiſchen Augen durch die Mailuft ſchwir=
ren
. Vielen Städtern fehlt etwas, wenn ſie auf ihrem morgend=
lichen
Maiausflug keine Maikäfer von den Bäumen ſchütteln
können. Sein brauner Rock hat für ſie noch einen romantiſchen
Schimmer. Für die Kinder iſt der Maikäfer der freudig be=
grüßte
Frühlingsbote. Er beißt nicht, kratzt und ſticht nicht; er
läßt ſich leicht fangen und ohne Scheu betrachten. Die Freude
iſt groß, wenn er auf gute Zureden in Form von Sprüchen
vom Handteller losſchwirrt. Der Gärtner und der Landmann
wollen von dem Schädling allerdings nichts wiſſen und ver=
nichten
ihn, wo ſie ihn treffen. Das war ſchon ſo in alten
Zeiten. Die Maikäferplage war aber oft größer als die pri=
mitiven
Vernichtungsmittel. Und da man ſich nicht anders zu
helfen wußte, griff man zu abergläubiſchen Mitteln. Sie halfen
zwar nicht, belebten aber die Phantaſie und beruhigten etwas
das Gemüt. So in Griechenland und Rom und natürlich auch
in Deutſchland wo man zurzeit des Mittelalters eine ganze
Reihe von Beſchwörungsformeln kannte.
Zu derartigen Beſchwörungsformeln gehörte auch die ein=
gangs
erwähnte Bitte der Staot Bern an das geiſtliche Gericht
in Lauſanne. In Verfolg dieſes hochnotpeinlichen Prozeſſes
gab man den Angeklagten gerechterweiſe auch einen Verteidiger.
Man konnte ja nie wiſſen, welche Macht ſich hinter der unheim=
lichen
Landplage verbarg. Als Verteidiger wurde der fürnehme
Ratsherr Johannes Perrodati aus Freiburg gewählt. Vor dem
Prozeß erließ der Biſchof in der ganzen Umgebung von Bern
folgende Bekanntmachung: Du unvernünftige, unvollkommene
Kreatur, Du Inger! Deines Geſchlechts iſt nicht geweſen in der

Arche des Noah. Im Namen meines gnädigen Herrn und Bi=
ſchofs
von Lauſanne, bei Kraft der hochgelobten Dreifaltigkeit und
bei Gehorſam gegen die heilige Kirche gebiete ich Euch allen und
jeden, in den nächſten ſechs Tagen zu weichen von allen Orten,
an denen wächſt und entſpringt Nahrung für Menſchen und
Vieh! Im Falle des Ungehorſams ſollten ſie am ſechſten Tage
nachmittags um ein Uhr vor dem Richterſtuhl des Biſchofs in
Wiflisburg erſcheinen.
Dieſe Aufforderung war wohl nur erlaſſen, um den ge=
plagten
Bernern Mut zu machen, ſelbſt tatkräftig die Vernich=
tung
zu betreiben. Die Maikäferplage muß aber ſehr groß
geweſen und über die menſchliche Vernichtungskraft gegangen
ſein, denn der Biſchof war am ſechſten Tage rechtzeitig zur
Stelle. Die böſen Inger aber fürchteten das Urteil und blieben
aus. Nun erfolgte eine zweite, etwas kräftigere Einladung, in
der die räuberiſchen Inger als verfluchte Unſauberkeit, die Ihr
nicht einmal Tier heißen und genannt werden ſollt, betitelt
wurden. Es war nicht möglich, mit den Maikäfern ein ſchiedlich=
friedliches
Abkommen zu treffen, das die Invaſion beendete.
Deshalb mußte der Bannfluch erfolgen: Wir, Benedikt von
Montferrand, Biſchof von Lauſanne, haben gehört die Bitte der
großmächtigen Herren von Bern und uns gerüſtet mit dem hei=
ligen
Kreuze und allein Gott vor Augen gehabt, von dem allein
die gerechten Urteile kommen. Danach ſo gravieren und beladen
wir die ſchändlichen Würmer und bannen und verfluchen ſie.
daß ſie beſchwört werden in der Perſon Johannes Perrodati,
ihres Beſchirmers, und von ihnen garnichts bleibe denn zum
Nutzen menſchlichen Brauches. Der Ratsherr Perrodati muß
ein ſchlechter Beſchivörer geweſen ſein, denn nach den Berichren
ſteigerte ſich die Maikäferplage in der Berner Gegend. Nicht
viel beſſer erging es dem Biſchof von Chur, der im Jahre 1481
den Maikäfern befahl, in ein ödes Tal zu fliegen, wo ſie durch
Hunger umkommen ſollten. Die Maikäfer, too ſie als Land=
plage
auftraten, haben auch wiederholt einzelnen Menſchen, die
als Hexen verrufen waren, übel mitgeſpielt. So wurde um
dieſe Zeit die Liegnitzer Gegend von einer ſchrecklichen Mai
käferplage heimgeſucht. In Liegnitz fand man die Urheber des
Unheils in zwei alten Frauen, die ſich dadurch verdächtig machſ=
ten
, daß ihnen Mailäfer aus den Taſchen hervorkrochen. Das
Gericht beſchloß, die beiden Frauen gebungen und nackend in
einen Maikäferhaufen zu legen. Blieben ſie von den Käfern
verſchont, ſo waren die Angeklagten unſchuldig. Die angeb=
lichen
Uebeltäterinnen erlitten nur Schaden an ihren Nerben
und enigingen dem Feuertode.

In den ſpäteren Jahrhunder:
Mitteln bei der Bel
räuberiſchen Jngern wich, und ziran

zu rationellen
3D7 den
als Kunſt=

dünger auf. Nach dem Grundſatz, Böſes mit Böſem zu ver=
treiben
, verarbeitete man lange Zeit hindurch die Maikäfer zu
einer Art Kompott, das in den Apotheken als Heilmittel ver=
kauft
wurde. Auch als Speiſe diente der Maikäfer und das
nicht nur den Hühnern. Auch der Feinſchmecker Goethe ſoll ſich
einmal eine Portion Maikäfer einverleibt haben, allerdings
ohne zu wiſſen, was er eigentlich . Man erzählt ſich, daß
Goethe im Jahre 1805 den Profeſſor Beireis, der an der von
Napoleon Bonaparte im Jahre 1809 geſchloſſenen Univerſität
Helmſtedt lehrte, beſuchte. Beireis war ein Sonderling und
ſtand in dem Rufe eines Zauberers. Er wurde deshalb auch der
Caglioſtro von Helmftedt genannt. Profeſſor Beireis bewirteie
Goethe mit prachtvollen Krebſen. Goethe war entzückt, er wun=
derte
ſich aber, wie Beireis zu den Krebſen komme, da die
Gegend doch arm an Landſeen ſei. Der Gaſtgeber klärte Goethe
auf und verriet ihm, daß ſie keine Krebſe, ſondern Maikäfer
gegeſſen hätten, die Beireis auf eine von ihm erfundene Art
mäſte. Goethe ſoll dieſe Mitteilung mit gutem Humor auf=
genommen
haben. Zum Schluß ſei noch eine alte Erinnerung
an größere Maikäfer aufgefriſcht, nämlich an die Gardefüſiliere
der alten Armee, die den Namen Maikäfer trugen. Die
Bezeichnung ſtammt wohl daher, daß die Gardefüſiliere Ende
April, Anfang Mai zu ihren Frühjahrsübungen ausrückten und
wie Maikäfer angeſchwirrt kamen. Daß ſie keine Landplage
waren, kann man am beſten von den Frauen erfahren, die
damals noch jung waren und mit Freuden auf das Heran=
ſchwirren
dieſer Maikäfer harrten.
* Stop vor Shaw! Ein Londoner Blatt bringt dieſes Erleb=
nis
einer Automobiliſtin: Die Dame hat es eilig.: Sie raſt alſo
durch die Straßen der Hauptſtadt, muß aber unvermutet vor dem
gebieteriſch ausgeſtreckten, weiß behandſchuhten Arm eines Police=
man
Halt machen. Und dies nicht einmal in dem Wirbel des Ver=
kehrs
, nicht einmal an einer Straßenkreuzung, ſondern vielmehr in
einer abgelegeneren Straße, die ſie beſonders flott zu durchſauſen
glaubte. Da ſie ſich nach der Urſache der plötzlichen Störung um=
blickt
, ſieht ſie einen alten Herrn, der planlos, in Gedanken ver=
loren
, auf dem Fahrdamm herumirrt und anſcheinend gar keine
Anſtalten macht, die gegenüberliegende Straßenſeite zu gewinnen.
Ungehalten wendet ſie ſich alſo an den Hüter der Verkehrsordnung
und erkundigt ſich nach dem ſonderbaren Alten, der ihr faſt in den
Wagen hineingerannt wäre. Dieſer gibt folgende Erklärung:
Wir haben Anweiſung, den geſamten Straßenverkehr abzuſtoppen,
wenn Bernard Shaw die Straße überquert. Und richtig brach=
ten
, da dieſer Befehl des Londoner Polizeiamts anſcheinend noch
immer nicht genügend bekannt war, die Zeitungen am nächſten
die Mahnung: Automobiliſten! Halt, wenn ein weiß=
härtiger
, weißhaariger Herr, ohne nach rechts und links zu blicken,
die Straße überquert!

[ ][  ][ ]

Nummer 200

Dienstag, den 21. Juli 1931

Seite 3

Die Zollunion vor dem Saager Gerichtshof.
Verſtößt die Zollunion gegen den Verkrag von Sk. Germain und das Genſer Prolokoll vom Okkober 1922?
Leſterreichiſcher und iſchechiſcher Ankrag auf Ernennung eines Richlers ihrer
Staaksangehörigkeik vom Gerichtshof abgelehnk.

Beginn der Haager Verhandlungen.
Haag, 20. Juli.
Der Ständige. Internationale Gerichtshof iſt am Montag in
öffentlicher Sitzung zuſammengetreten, um ſich auf Antrag des
Völkerbundsrats mit dem deutſch=öſterreichiſchen Zollabkommen zu
beſchäftigen, über deſſen Vorbereitung die deutſche und die öſter=
reichiſche
Regierung durch Protokoll vom 19. März 1931 überein=
gekommen
ſind. Bekanntlich wurde dem Haager Gerichtshof
durch Entſcheidung des Völkerbundsrats vom 19. Mai d. J. fol=
gende
. Frage zur gutachtlichen Entſcheidung vorgelegt:
Würde ein zwiſchen Deutſchland und Oeſterreich auf der
Grundlage und in den Grenzen der Grundſätze des Proto=
kolls
vom 19. März 1931 hergeſtellter Zuſtand vereinbar
ſein mit dem Artikel 88 des Vertrages von St. Germain
und dem erſten Genfer Protokoll vom 4. Oktober 19222
Das ſchriftliche Vorverfahren, auf das die jetzigen Hauptver=
handlungen
zurückgehen, iſt bereits am 1. Juni abgeſchloſſen wor=
den
. An den Verhandlungen beteiligten ſich nur fünf Mächte,
nämlich Deutſchland, Oeſterreich, Frankreich, die Tſchechoſlowakei
und Italien. Zu der heutigen Eröffnungsſitzung hatte ſich ein
großes internationales Publikum eingefunden, unter dem man
Hahlreiche Angehörige des Haager diplomatiſchen Korps, Vertre=
ter
der holländiſchen Behörden, Mitglieder der Haager Akademie
für Internationales Recht, ſowie eine größere Anzahl Vertreter
der holländiſchen und internationalen Preſſe bemerkte.
Genau um 10,30 Uhr ertönte der Ruf: La Cour! worauf
ſich alle Anweſenden erhoben und die Mitglieder des Richterkolle=
giums
den Saal betraten, um ſodann an dem im Hintergrund auf
einer Erhöhung aufgeſtellten Gerichtstiſch Platz zu nehmen, in
der Mitte der japaniſche Präſident Adatci. Deutſchland wird
durch den Direktor des Berliner Inſtituts für Internationales
und Völkerrecht, Profeſſor Bruns, Oeſterreich durch den Völker=
rechtler
Profeſſor Dr. Sperl vertreten.
Der Präſident des Gerichtshofes erſtattete in der heute er=
öffneten
Sitzung einen kurzen Ueberblick über die am Rechtsſtreit
um die Zollunion beteiligten Mächte und deren Prozeßvertreter.
Er gab bekannt, daß ſowohl der Vertreter Oeſterreichs wie auch
der Vertreter der Tſchechoſlowakei beim Gerichtshof unter Bezug=
nahme
auf Artikel 31 des Statuts und Artikel 71 des Reglements
des Gerichtshofes den Antrag geſtellt hätten, daß dem Gerichtshof
für den vorliegenden Streitfall ein Richter ihrer Staatsange=
hörigkeit
beigefügt werden ſolle. Infolgedeſſen habe der Gerichts=
hof
die beteiligten Länder davon in Kenntnis geſetzt, daß er ſich
vor dem Eintritt in die eigentlichen Verhandlungen erſt mit die=
ſer
Frage befaſſen müſſe. Da der Vertreter der öſterreichiſchen
Regierung den Wunſch geäußert habe, ſeinen Antrag näher zu be=
gründen
, erteilte er zunächſt Profeſſor Kaufmann das Wort.
Profeſſor Kaufmann betonte zu der Frage, ob Oeſterreich das
Recht habe, die Einſetzung eines Richters ad hoe zu verlangen,
da es möglicherweiſe mit Deutſchland als eine Partei angeſehen
werden müſſe, daß im vorliegenden Verfahren von beſtimmten
Parteien nicht geſprochen werden könnter. Wollte man dies aber
dennoch tun, ſo könnte man höchſtens Oeſterreich als die eine Par=
tei
und Frankreich, Italien und die Tſchechoſlowakei als die an=
dere
Partei anſehen, während Deutſchland lediglich als eine am
Ausgang des Verfahrens intereſſierte Macht am Prozeß teil=
nehme
. Man habe ſomit die Tatſache vor ſich, daß die eine Par=
tei
durch zwei Richter, nämlich das franzöſiſche und italieniſche
Mitglied des Richterkollegiums, vertreten ſei, während Oeſterreich
als die andere Partei überhaupt keinen Richter ſeiner Nationali=
tät
aufzuweiſen habe.
Nachdem noch der tſchechoſlowakiſche Vertreter einen tſchecho=
ſlowakiſchen
Antrag begründet hatte, teilte der Präſident mit,
daß ſich der Gerichtshof zur internen Beratung über die Anträge
der Vertreter Oeſterreichs und der Tſchechoſlowakei zurückziehen
müſſe.
Nach einer halben Stunde wurde die Entſcheidung verkündet,
daß der Gerichtshof ſowohl den Antrag Oeſterreichs wie den der
Tſchechoſlowakei abgelehnt habe.
Die Sitzung wurde hierauf auf heute nachmittag 16 Uhr ver=
tagt
. Am Nachmittag ſollen ſofort die eigentlichen Plädoyers
beginnen.

* Likeratiſche Erziehung.

Das Buch iſt eine verdienſtvolle und meiſterliche Arbeit des bekann=
ten
Praktikers und Theoretikers und man mag zu der Grundauffaſ=
ſung
der Probleme der Kultur, der Schule, der literariſchen Erziehung
ſtehen ſo oder ſo: Jeder wird anerkennen müſſen, daß Nüttgers in die=
ſem
Buche auf verhältnismäßig engem Raume die brennenden Fragen
ſeines Themas ſo allſeitig umfaſſend, ſo tiefſchürfend und vor allem ſo
faſt ohne Polemik und immer nur im Dienſte der Sache ergründend
durchdacht und in edler, manchmal gehobener Sprache dargeſtellt hat,
wie wohl noch keiner vor ihm. Das Kriterium des Ganzen iſt wohl
ſeine Auffaſſung von der Planerziehung, die er nach dem Verſagen der
natürlichen Gemeinſchaften der Vergangenheit im Staat als notwendig
erachtet. Er holt weit aus, indem er über Erbgut und alſo die Grund=
lagen
allen kulturellen Lebens ſpricht, und was er über den Menſchen
und die Gemeinſchaft ſagt, über die objektive Erſcheinung der Welt im
Vätererbe, wie er argumentiert und die beſondere Welt des Kindes pſy=
chologiſch
erhellt und vor allem, wie er behutſam und mit der Vor=
ſicht
des Forſchers ſeine eigenen Erfahrungen ſprechen läßt, das iſt alles
nicht nur wiſſenſchaftlich bedeutſam (und erfreuend durch die vielen Er=
kenntniſſe
allgemeiner Art, die am Wege geſpendet werden), ſondern
auch in der ſprachlichen Geſtaltung wahrhaft anerkennenswert
Man könnte (wie von außen her) ſagen, daß Rüttgers zwiſchen den
Wolgaſtſchen Anſchauungen und denen der Altersmundartleuten ſtehe,
zwiſchen ihnen wiederum und der Auffaſſung des formenden Prinzips
Vaupels; Rüttgers zieht alles dies in ſeine Betrachtungen der Jugend=
ſchriften
(des Sachbuches, des künſtleriſchen Kinderbuches uſw.) hinein;
aber ſeine Betrachtung ſelbſt und darin liegt ihr Wert iſt durch=
aus
eigene und ſelbſtändige, weder von hier noch dort abhängige For=
ſchung
. So iſt er denn auch niemand zuliebe und niemand zuleide; er
ſpricht mit der gleichen Hochachtung von Wolgaſt und Berthold Otto
und hat wohl nicht ganz unrecht darin, daß er das ſeinerzeitige Miß=
verſtehen
darin ſieht, daß das eigentliche Sachbuch wohl noch unter der
Bewußtſeinsſchwelle der damaligen Ausſchüſſe ſchlief, denn ſonſt würde
Fürſt Bismarcks Lebenswerk wohl nicht abgelehnt worden ſein. Es
iſt gut ſo, daß Rüttgers weniger kämpft als ergründet und ſich nicht an
die Theorien, ſondern an die Früchte hält. Schließlich iſt ja auch
Vaupels Satz, daß für die Jugend ſchreiben, heißt: Tatſachenſtücke in
der Mentalität des Kindes zur Einheit zu bringen, ſo weit, daß er tat=
ſächlich
alles in ſich erfüllte Werk, ſei es von hier oder dort, jedes ohne
Theorie gewordene gute Jugendbuch umfaſſen kann nicht zuletzt ſogar
und vielleicht gerade die, die aus dem Vorſatz, für die Jugend und
ttwa kindertümlich ſchreiben zu wollen, enrſtanden ſind.
Wie jedes wahrhaft tief greifende Werk fordert Rüttgers Buch auch
fum Widerſpruch heraus der letztlich in einer anderen Auffaſſung der
Planerziehung, in einer anderen Wertung alſo auch des Erbgutes im
Verhältnis zur Gegenwartswelt des Kindes reſultieren wird. Aber
elbſt dieſer Widerſpruch kann angeſichts des Buches nicht anders als
elbſt eine innerſte Bemühung um das Problem ſein. Intereſſant ſind
des Verfaſſers Ausführungen über die Mentalität im Uebergangsalter;
*) Severin Rüttgers: Literariſche Erziehung. Ein Verſuch über
die Jugendſchriftenfrage auf ſoziologiſcher Grundlage, 152 Seiten. Kart.
,80 RM. Verlag Julius Beltz, Langenſalza.

Anhaltbare Zufkände
an der deutſchen Ofkgrenze.
Polniſcher Grenzbeamker ſticht deutſchen Beamken
auf deukſchem Gebiet mit ſeinem Seikengewehr nieder
* Berlin, 20. Juli. (Priv.=Tel.)
Der Deutfche Geſandte in Warſchau wird in den nächſten
Tagen Gelegenheit haben, die Aufmerkſamkeit der polniſchen Re=
gierung
auf eine neue ſchwere Grenzverletzung zu lenken, die
diesmal aus dem Rahmen der polniſchen Uebergriffe inſofern
herausragt, weil ein polniſcher Grenzbeamter auf deutſchem Ge=
biet
, in der Nähe von Gilgenburg, einen deutſchen Beamten
mit ſeinem Seitengewehr niedergeſtochen und dann noch von der
anderen Seite der Grenze her mit ſeiner Schußwaffe bedroht hat.
Die zuſtändigen preußiſchen Behörden ſind im Augenblick
noch damit beſchäftigt, die Angelegenheit zu unterſuchen. Bei
Zwiſchenfällen längs der Grenze war es bisher Gepflogenheit,
daß die Landratsämter auf direktem Verhandlungswege jeweils
den Verſuch gemacht haben, eine Beilegung der Streitigkeiten
herbeizuführen. Dieſer Fall liegt aber ſo ſchwer, daß der zu=
ſtändige
preußiſche Landrat ſich nicht mit ſeinem polniſchen Kol=
legen
in Verbindung ſetzen darf. Es iſt vielmehr Sache des
Auswärtigen Amtes, die entſprechenden diplomatiſchen Schritte
zu unternehmen, ſo bald der Tatbeſtand einwandfrei feſtge=
ſtellt
iſt.
Ein polniſches Milikärflugzeng bei Schneidemähl
gelandel.
Schneidemühl, 20. Juli.
Am Montag nachmittag, kurz nach 16 Uhr, ging ein polniſches
Militärflugzeug bei Schneidemühl nieder. Das Flugzeug wurde
zuerſt gegen 16 Uhr über dem Neuen Markt in Schneidemühl ge=
ſichtet
. Es flog in etwa 150 Meter Höhe, ſo daß die polniſchen
Hoheitszeichen deutlich zu erkennen waren. Außerdem waren die
Nummer 68 und ein großes T (das Abzeichen des Fliegerregiments
in Thorn) und die Kontrollnummer 31 154 ſichtbar. Die Flieger
landeten ſchließlich, nachdem ſie einige Rundflüge über der Stadt
ausgeführt hatten, auf dem ehemaligen Flugplatz an der Kro=
janker
Chauſſee. Die beiden Inſaſſen des Flugzeugs ſind Ange=
hörige
des 4. polniſchen Fliegerregiments in Thorn. Es handelt
ſich um den polniſchen Kapitän Turoſienſki, der als Beobachter.
flog, und um den polniſchen Sergeanten Johann Wisniewſki. Die
beiden feſtgenommenen Flieger gaben an, von Thorn nach Kolo
geflogen zu ſein. Sie wollen ſich auf dem Rückwege nach Thorn
in dem Gewitter und dieſigen Wetter verflogen haben. Plötzlich
wollen ſie bei blauem Himmel unter ſich eine größere Stadt be=
merkt
haben. Da ſie annahmen, daß ſie bereits in Deutſchland
ſeien, landeten ſie, um weiteren Schwierigkeiten, wie ſie angaben,
aus dem Wege zu gehen. Photoapparate ſind bei den Fliegern
nicht gefunden worden. Sie werden zurzeit von der Geſchäfts=
ſtelle
Ia der hieſigen Polizeidirektion vernommen.
*
* Wir regiſtrieren auch dieſe Fälle, die einen neuen Be=
weis
für die unhaltbare Oſtgrenze liefern. Notwen=
dig
iſt, daß endlich einmal die ſtändigen polniſchen Grenzverletzun=
gen
einem Gremium von internationaler Bedeutung unterbreitet
werden.

was er über Wagnis und Abenteuer und das Soziale und Gegenwär=
tige
in der Jugendſchrift ſagt intereſſant und ſelbſt für Lehrer, Dich=
ter
, Verlage richtunggebend und zur Verantwortung leitend wie
denn überhaupt das ganze Buch in einer ernſten Neigung und Liebe,
wohl im reichen Wiſſen und tiefen Denken, zuletzt aber in einer volklich=
menſchlichen
Verantwortung gründet. .
Erich Bockemühl.

Dr. Max Pulver: Symbolik der Handſchrift (Orell Fußli Verlag.)
Man darf ohne Uebertreibung ſagen, daß der größte Teil aller
Bücher über die verſchiedenen Charakterdeutungskünſte wie Graphologie,
Handleſen, Aſtrologie uſw. wertlos ſind. Es kann nicht anders ſein,
da zur Beurteilung von Charakteren auch die beſte Intelligenz, ja nicht
einmal die heute ſo beliebt gewovdene Intuition ausreicht. Grundbedin=
gung
für einen Deuter menſchlicher Charaktere iſt etwas, was heute nur
noch in ſehr wenigen Berufen verlangt wird und darum immer ſeltener
wird: ein Menſch von hohem Eigenniveau. Ein Charakter iſt immer
nur von gleicher Ebene aus, nie aus der Froſchperſpektive zu verſtehen,
aus ihr iſt nur die berüchtigte Kammerdienerpſychologie, angewandt auf
Helden, möglich. Das bedeutet natürlich nicht, daß nur ein Goethe oder
Napoleon einen Goethe oder Napoleon verſtehen könne. Mit den Füßen
auf gleichem Niveau mit bedeutenden Menſchen ſtehen, heißt noch nicht
mit dem Scheitel in dieſelbe Höhe ragen. Darum haben wir vorzüg=
liche
Goethebiographien, die nicht gerade von einem Goethe geſchrieben
ſind.
In dieſem Sinne iſt auch das Pulverſche Buch vorzüglich zu nennen.
Pulver erweiſt ſich darin als Menſch von Niveau mit weiter Schwin=
gungsbreite
. Dazu kommt ſeine Spezialbegabung, ein außerordentlicher
pſychologiſcher Spürſinn, der aber an ſich noch nicht die Befugnis gäbe,
einen Bismarck und auf der nächſten Seite einen Gewohnheitsverbrecher
menſchlich zu beurteilen.
Pulver bricht mit der zu einſeitigen Anwendung des freilich ſehr
fruchtbaren, von Klages eingeführten Begriffes des Formniveaus und
geht bei ſeiner Beurteilung vom Weſensgehalt aus. Das iſt ein ent=
ſchieden
individualiſtiſcher Standpunkt. Der wahrhaft individuelle
Menſch ſteht inſofern jenſeits von Gut und Böſe, als er weder an das
Urböſe noch an den Wert ſtrenger Moralgrundſätze glaubt. Er weiß,
daß die kollektiven Mächte des Guten und des Böſen jede Pſyche be=
wegen
und daß der Wert eines Menſchen darin liegt, wie er dieſe Mächte
geſtaltet, nicht aber in der exakten Erfüllung einer ſeinem Weſen auf=
gezwungenen
Moral. Von dieſem StSandpunkt aus begreifen wir die
negativen Züge in Schriften wertvoller Menſchen und die oft das Krimi=
nelle
ſtreifenden Züge in Schriften beſonders tugendhafter Schreiber.
Die allgemein für ſchön gehaltene Schrift verliert ſehr an Wert durch den
in ihr aufgedeckten Mangel an Weſensgehalt.
Im Einzelnen ſcheint mir vieles noch im Fluß mancher Befund des
Verfaſſers noch nicht endgültig zu ſein, ſo etwa die allzu negative Be=
urteilung
der ſogenannten Deckformen. Sie zeigen an, daß etwas ver=
borgen
wird. Das aber iſt allein noch nicht negativ zu bewerten. In
manchem Leben iſt es geradezu ein ethiſcher Erwerb, daß allmählich
durch Erfahrung gelernt wird, mancherlei zu verbergen. So muß z. B.
jeder Menſch, der andere pſychiſch zu beeinfluſſen hat, er muß es ver=
ſtehen
, bisweilen eine Richtung im Verhalten fortzuſetzen, die ſeiner
tieferen Einſicht in das Weſen des zu =Behandelnden nicht wehr ganz
ertfpricht,ida erffonftfdifenfoendern gführdensEmnte. Arsict Fem

Die finanzpolikiſche Lage.
Von
Reichsminiſter a. D. Prof. Dr. Moldenhauer, M. d. R.
Seit Montag dieſer Woche hat der deutſche Geldmarkt, aber
auch der internationale Kapitalmarkt eine Erſchütterung er=
fahren
, wie wir ſie in der Welt ſeit dem großen Baring=Krach
zu Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts
nicht mehr erlebt haben. Erſchüttert fragt der deutſche Bürger,
fragt aber auch die ganze Welt, wie nach der großangelegten
Hoover=Aktion dieſer Zuſammenbruch kommen konnte. Der letzte
Grund für dieſe Kataſtrophe liegt darin, daß die deutſche Wirt=
ſchaft
nach dem Kriege zu labil aufgebaut worden iſt. Dem aus=
gebluteten
Deutſchland mutete man Jahr für Jahr große Tri=
butzahlungen
zu, die das Kapital weiter abfließen ließen, und
glaubte, dieſes Verfahren dadurch finanzieren zu können, daß
man Deutſchland in größtem Umfang kurzfriſtige ausländiſche
Kredite zur Verfügung ſtellte. Man hatte ein großes, man darf
ruhig ſagen, zu großes Vertrauen in die Kraft der deutſchen
Wirtſchaft. Man hatte aber auf der anderen Seite ein zu ſtarkes
Mißtrauen in die politiſche Entwicklung. So half man nicht mit
langfriſtigen Anleihen, ſondern gewährte im großen nur kurg=
friſtige
Kredite, die man mit der entſprechenden Riſikoprämie
ausſtattete. Wenn im letzten Wochenbericht des Inſtituts für
Konjunkturforſchung darauf hingewieſen wird, daß ſich für eine
ſolche Verſchuldung zahlreiche Parallelen in anderen Ländern
finden, ſo wird überſehen, daß die Kapitalarmut Deutſchlands
und ſeine politiſche Ohnmacht Gefahrenquellen waren, die die
kurzfriſtige Verſchuldung in Deutſchland anders betrachten laſ=
ſen
. Ohne dieſe Auslandsgelder wäre die Expanſion der öffent=
lichen
Hand und der privaten Wirtſchaft in Deutſchland, die wir
jetzt beklagen, kaum möglich geweſen. Das ganze Gebäude mußte
in dem Augenblick zuſammenbrechen, in dem das Vertrauen des
Auslandes in das Gegenteil umſchlug und dieſes Mißtrauen auch
die Reihen der eigenen Bevölkerung erfaßte. Es iſt ökono=
miſch
unmöglich, eine Wirtſchaft in ſo ſtarkem
Maße, wie es in Deutſchland geſchehen, auf
kurzfriſtige Kredite aufzubauen und dann in
ganz kurzer Zeit dieſe Baſis zu zerſtören.
Das Mißtrauen des Auslandes ſetzte nach den September=
wahlen
ein und führte zu den erſten ſtarken Deviſenabzügen.
Es trat dann vorübergehend eine Beruhigung ein, die einem
erneuten Mißtrauen Platz machte, als man ſah, daß die Welt=
wirtſchaftskriſe
die vom Frühjahr erhoffte Erholung in Deutſch=
land
nicht brachte und der Augenblick immer näher kam, in dem
Deutſchland gezwungen ſein würde, das Transfermoratorium zu
erklären. Zur Panik ſteigerte ſich dieſes Mißtrauen, als die
Oeſterreichiſche Kreditanſtalt zuſammenbrach
und im Ausland die Beſorgnis entſtand, daß ähn=
liche
Vorgänge auch in Deutſchland möglich
ſeien. Zu ſpät griff der Präſident Hoover ein.
Vielleicht hätte dieſes Eingreifen aber noch
eine günſtige Folge gehabt, wenn nicht durch die
Politik Frankreichs die Durchführung des
großen Planes um vierzehn Tage verzögert worden
wäre, eine Zeitſpanne, die die Nervoſität aufs äußerſte ſtei=
gerte
und dem Ausland zeigte, daß wieder Frankreich verſuchen
würde, die wirtſchaftlichen Fragen zu politiſchen Erpreſſungen zu
benutzen. Es iſt ſicher leicht, nachher Kritik zu üben; trotzdem
darf nicht verſchwiegen werden, daß man ſich in den Kreiſen der
Reichsregierung und auch der Reichsbank hätte ſagen müſſen, daß
das Freijahr Hoovers im Ausland als die Zah=
lungseinſtellung
Deutſchlands betrachtet wer=
den
müßte, und deshalb Maßnahmen zu treffen
waren, die den deutſchen Kredit ſchützten. In
jenem Augenblick wäre es möglich geweſen, einen erheblich
höheren Rediskontkredit als 100 Millionen Dollar aufzunehmen
und damit eine größere Beruhigung zu ſchaffen. Alsman da=
mals
erkannte, daß nicht nur das Ausland ſeine

Grunde bin ich der auf Erfahrung gegründeten Anſicht, daß Schriften
auch hochſtehender Menſchen ohne jede Deckform äußerſt ſelten ſind.
Deckforben in der Kurzbuchſtabenzone, welche die Geführlsſphäre anzei=
gen
, ſind z. B. die Regel bei Denktypen, die eine gewiſſe Scheu haben,
Gefühle zu zeigen, ſolche aber in der Intimität wohl haben.
Dieſe wenigen Andeutungen werden dem Leſer ſchon zeigen, daß in
dieſem Buch in die Tiefen der menſchlichen Pſhchologie vorgeſtoßen
wind, ſoweit ſie heute zugänglich ſind, vor allem iſt das Unbewußte
ungleich mehr berückſichtigt als in der um Klages gebildeten Gruppe,
deren große Verdienſte übrigens mit keinem Wort geſchmälert werden.
Darum empfiehlt ſich die Lektüre auch für die, welchen es weniger um
Graphologie, als um Menſchenkunde zu tun iſt. Sie werden Stellen
finden, die man nur mit Spannung leſen kann, ſo ſehr berühren ſie die
Geheimniſſe jeder menſchlichen Seele. Oscar A. H. Schmitz.
Wörterbuch zur deutſchen Literatur. Von Oberſtudienrat Dr. H. Röhl.
Zweite, völlig neu bearb, und verm. Aufl. (Teubners kleine Fach=
wörterbücher
Bd. 14 VII und 279 S.). Geb. 6,80 RMM. Verlag von
B. G. Teubner in Leipzig und Berlin. 1931.
Es gibt heute eine ganze Anzahl Literaturlexika, die ſich durch be=
trächtlichen
Umfang auszeichnen und deren Anſchaffung erhebliche Koſten
verurſacht. Viele literaturgeſchichtlich Intereſſierte werden jedoch lieber
zu einem handlichen und bei der augenblicklichen wirtſchaftlichen Lage
billigeren Nachſchlagewerk greifen, ſofern es gediegen, reichhaltig und
zuverläſſig iſt. Das Wörterbuch zur deutſchen Literatur von Hans
Röhl erfüllt dieſe Anforderungen aufs beſte. Soeben iſt es in zweiter er=
weiterter
Auflage erſchienen, die eine völlige Neubearbeitung darſtellt.
Etwa 800 Stichwörter ſind neu hinzugekommen, ſo daß ſich deren Geſamt=
zahl
jetzt auf zirka 200 beläuft.
Andrs Maurois: Die Fabrik. Geheftet RM. 3., in
Leinen RM. 5.. (München, Piper).
Ein junger Mann kommt aus dem Kriege zurück und will
ſich nun ſeinen Idealen und ſeiner Liebe zu einer jungen Künſt=
lerin
hingeben. Aber die von den Vätern ererbte Fabrik fängt
ihn ein. Wie er, der zuerſt auf die Berufsmenſchen herabſah, ſich
immer mehr von all dem entfernt, was er einſt geliebt hat, und
von der Fabrik ſchließlich ſelbſt in einen Berufsmenſchen verwan=
delt
wird das erzählt Maurois hier in ſeiner bezwingenden
Weiſe. Aufregende Kriſen, ein Streik, genießeriſches Badeleben,
Provinzidyll und Großſtadttrubel ziehen farbig vor dem Leſer
vorüber. Ein Roman, ebenbürtig Maurois ſo erfolgreichen
Wandlungen der Liebe‟.
Bayer=Schellenberg: Das Recht der Erdgeborenen
Leipzig, Bernhard Steffler Verlag. 178 Seiten. 8. Broſchiert
RM. 3.20, Ganzleinen RM. 4.50.
Das Buch behandelt die aktuellſte Frage der Gegenwart, die
ſoziale und politiſche Nor Deutſchlands. Der Verfaſſer ſtellt mit
rückhaltloſer Offenheit die Diagnoſe, die in einem freimütigen
Bekenntnis der ſozialen Ungerechtigkeiten und Mißverhältniſſe
beſteht. Das Problem wird klar und ſcharf angefaßt, aber mit
perſönlicher Lebendigkeit behandelt. Der Heilungsprozeß wird
nicht von einem verlogenen Idealismus erwartet, ſondern iſt
durchaus auf die Baſis des natürlichen Egoismus geſtellt. Nur
von der Mentalität und den Intereſſen des Individuums aus
Famn das Gemeinweſen aufgerichtet und gefund erhalten werden.

[ ][  ][ ]

Ceite 4

Nredite zurückzog, ſondern gleichzeitig auch
die Kapitalflucht in Deutſchland einſetzte, hätte
man ſich nicht ſcheuen ſollen, die Deviſenbe=
ſtimmungen
zu erlaſſen, vielleicht noch in abgeſchwächter
Form, die zu erlaſſen man ſich am 15. Juli genö=
tigt
ſah. Das Zaudern von Regierung und
Reichsbank iſt dem deutſchen Volk ſehr teuer zu
ſtehen gekommen. Man glaubte, durch einen großen Aus=
landskrdeit
die Schwierigkeiten bannen zu können. Aber das
Angebot der deutſchen Wirtſchaft von 500 Mil=
lionen
RM. Haftſumme blieb angeſichts des
politiſchen Widerſtandes von Frankreich ohne
jede Wirkung. Man hatte alles auf die Karte des aus=
ländiſchen
Kredits geſetzt. Als dieſer nicht kam, ſtand man der
Lage unvorbereitet gegenüber. Verſchärft wurde die Situation
dadurch, daß der Nordwolle=Konzern mit einer rieſigen Schul=
denlaſt
zuſammenbrach und in ſein Schickſal die Danat=Bank mit
verwickelte. Es iſt wohl anzunehmen, ſoweit man heute unter=
richtet
iſt, daß bei ruhigen Verhältniſſen die Danat=Bank den
Stoß überwunden hätte. Es iſt auch zuzugeben, daß die Ge=
rüchte
, die vor Monaten leiſe auftauchten, dann ſich immer mehr
verdichteten, in den Kreiſen der Danat=Bank eine geſteigerte
Nervoſität ausgelöſt haben, die ſchließlich durch den Abzug von
faſt einer Milliarde Einlagen zur Zahlungsunfähigkeit der Bank
führte. Aber es iſt wohl auch richtig, daß, wenn ſich die Geld=
frage
kritiſch geſtaltet, der Zuſammenbruch in der Regel zuerſt
an der ſchwächſten Stelle erfolgt, und das ſcheint doch im Aufbau
des deutſchen Bankweſens die Danat=Bank geweſen zu ſein.
Als am Montag früh die Danat=Bank ihre Schalter ſchloß,
wäre an ſich nur für die Kunden der Bank eine bedrohliche Lage
eingetreten, über deren ſchwere Folgen für die Wirtſchaft kein

Dienstag, den 21. Juli 1931

Nummer 208

Zweifel beſtand. Daß aber in den folgenden Tagen unſer
Geldverkehr vollkommen zuſammenbrach hängt
mit zwei Urſachen zuſammen. Durch die ſtarken Deviſen=
abzüge
war die Reichsbank mit ihrem Gold= und Deviſenvorrat
an der Grenze der Notendeckung angelangt. Der vermehrten
Nachfrage nach Noten war ſie infolgedeſſen nicht gewachſen. Dieſe
vermehrte Nachfrage kam aber in dem Augenblick, in dem ſich
nun der Bevölkerung, in der noch die Erinnerung an die
Inflation lebte, eine Panik bemächtigte und alle ängſtlich
gewordenen Menſchen verſuchten, ihre Sparkaſſen= und Bankgut=
haben
ſo ſchnell wie möglich abzuheben. Es iſt ſchwer, der Bevöl=
kerung
klarzumachen, daß damals die Inflation entſtand, weil
das Reich, deſſen Ausgaben weit über die Einnahmen hinaus=
gingen
, fortgeſetzt bei der Reichsbank Geld aufnahm und ſo zu=
ſätzliche
Kaufkraft ſchaffte. Das Verhältnis der umlaufenden
Noten zur Warenmenge wurde damit immer weiter zugunſten
des Notenumlaufs geändert, mit der Wirkung, daß die Kaufkraft
der Banknoten von Tag zu Tag ſank. Wir erleben im
Augenblick das Entgegengeſetzte; ein großer
Teil der Bevölkerung legt die Banknoten in den
Strumpf und entzieht ſie dadurch dem Verkehr,
während auf der anderen Seite die Deviſen ab=
gezogen
werden. Die Reichsbank, das Zentral=
noteninſtitut
, das den Notenumlauf regulieren
ſoll, iſt auf einmal nicht in der Lage, dieſe
Funktion in genügendem Umfang zu erfüllen.
Welche Möglichkeiten boten ſich? Man hat zunächſt zwei
Tage die Schalter der Banken und Sparkaſſen geſchloſſen. Auch
die nachträgliche, wie erwähnt billige, Kritik darf nicht ver=
ſchweigen
, daß man den Run am Montag hätte vorausſehen und
die Bankfeiertage ſofort hätte einführen ſollen. Dadurch wurde
zunächſt einmal die weitere Störung des Notenumlaufs verhin=

dert, indem man überhaupt dieſen Umlauf für zwei Tage unter=
band
. Dieſe Friſt benutzte man zu den weiteren Vorbereitungen.
Man ſetzte langſam den Umlauf wieder in Gang, indem man zu=
nächſt
die Auszahlungen auf die Lohnzahlungen beſchränkt und
ferner für dieſe Woche den Zahlungsverkehr mit dem Ausland
aufhebt, im übrigen aber ſtarke Einſchränkungen im Deviſenver=
kehr
vornimmt. Auf der anderen Seite gibt man der Reichsbank
die Möglichkeit, den Notenumlauf zu vergrößern, indem ſie von
dem Recht der Herabſetzung der Deckungsgrenze Gebrauch macht.
Die Erhöhung des Diskontſatzes auf 10 Prozent gibt der Reichs=
bank
das Recht, die Deckungsgrenze von 40 auf 32 Prozent her=
abzuſetzen
. Man wird darin keine Bedenken erblicken können;
die Deckung war vor dem Kriege nicht größer. Mit Recht hat
man dagegen die Vorſchläge, eine zweite Währung zu ſchaffen
oder die Rentenmarkſcheine auszugeben, abgelehnt, weil die Ge=
fahr
beſtand, daß man zwiſchen beiden Zahlungsmitteln einen
Unterſchied gemacht und das ſchlechte Geld das gute verdrängt
hätte.
Es bleibt abzuwarten, wie dieſe Maßnahmen ſich auswirken.
Es hängt unendlich viel von der Selbſtdeſzi=
plin
der Bevölkerung ab, die große Unannehmlichkeiten
in Kauf nehmen muß. Es hängt aber auch ſehr viel
von dem Verhalten des Auslandes ab. Geht der
Deviſenabzug in der Weiſe weiter wie bisher, ohne daß
auf der anderen Seite Kredite zur Verfügung geſtellt werden, ſo
muß auch der internationale Zahlungsverkehr mit Deutſchland
mit der Zeit in die ſchwierigſte Lage geraten. Das hat nicht nur
ſeine große Rückwirkung auf den deutſchen Handel, und damit
auf die deutſche Wirtſchaft, es trifft aufs ſchwerſte auch
das Ausland. Es bleibt die Hoffnung, daß ſchließlich die
Vernunft ſiegt und die Erkenntnis, daß deutſcher Zuſammenbruch
auch die ſchwerſten Gefahren für das Ausland hervorruft, zu
einer befriedigenden Löſung der Kriſe auf dem Geldmarkt führt.

Mariechen Eischer
Karl Mahr
grüßen als Verlobte
Nieder-Ramstadt, def 20. Juli 1931. (

Diplom=Ingenieur Mariin Förſter
und Frau Irmgard, geb. Pickert
geben ihre Vermählung bekannt

Charlottenburg

Juli 1931.

Darmſtadt

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es ge=
fallen
, meine innigſigeliebte, treue
Mutter, Schwägerin und Tante
Frau
Wilhelmine Eiſenhauer, Bw.
geb. Kiefer
im Alier von 52 Jahren zu ſich in
die Ewigkeit zu nehmen.
In tiefem Schmerz:
Die trauernde
Frl. Johanna Eiſenhauer.
Darmſtadt, den 20. Juli 1931. (*
Die Beerdigung findet am Mitt=
woch
, den 22. Juli, nachmittags
3 Uhr, auf dem alten Friedhof
ſtatt.

Todes=Anzeige.

Todes=Anzeige.
Allen Freunden, Verwandten und
Bekannten die traurige Nachricht,
daß meine liebe Braut
Elifabeth Götz
am Samstag Nacht nach kurzem,
ſchweren Leiden im blühenden
Alter von 23 Jahren entſchlafen iſt.
In tiefer Trauer:
Willy Zörgiebel.
Darmſtadt, den 20. Juli 1931.
Gr. Kaplane gaſſe 1.
Die Beerdigung findet amDienstag
mittag ½4 Uhr auf dem Waldfried=
hof
ſtatt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme bei dem Heimgange
unſerer lieben Entſchlafenen
Miyt. Maftt
ſagen wir Allen, beſonders Herrn
Pfarrer Goethe für die troſtreichen
Worte am Grabe, ſowie für die
zahlreichen Blumen= und Kranz=
ſpenden
innigſten Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Raunheim, Darmſtadt.

Trauergarderobeng
werden in einigen Stunden
ſchwarz gefärbt
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Läden: Marktpaſſageneben Firma
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Gott dem Allmächtigen hat es gefallen Sonntag früh meinen
innigſtgeliebten Gatten, unſeren lieben treuſorgenden Vater, Sohn,
Bruder, Schwager und Onkel
Friedrich Thöt
Kanzlei=Oberſekretär
nach kurzem, ſchwerem, in Geduld, ertragenem Leiden, im Alter
von 43 Jahren in die Ewigkeit abzurufen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Eliſabeth Thöt und Kinder.
Darmſtadt, Mornewegſtraße 12.
Die Einäſcherung findet am Mittwoch, nachmittags um 3½ Uhr,
auf dem Waldfriedhof ſtatt.
(10960

Statt beſonderer Anzeige.
Am Freitag, den 47. Juli entſchlief ſanft unſere liebe Schweſter
Zulte Tanomann
und wurde auf ihren Wunſch in der Stille auf dem Wald=
friedhof
eingeäſchert.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Auguſfe Landmann.
Dr. med. Guſitav Landmann.
Darmſiadt, den 21. Juli 1931.

Es iſt uns traurige Pflicht, von dem Ableben unſeres Haus=
meiſters

Herrn
Diheint Ouniel
Kenntnis zu geben.
Seiner aufopfernden Tätigkeit, ſowie ſeiner eifrigen Pflicht=
erfüllung
werden wir allezeit ein ehrenvolles Andenken be=
wahren
.
Der Akademiſche Chor
im Sondershäuſer Verband.
Darmſiadt, den 21. Juli 1931.

Todes=Anzeige.
Am Samstag, den 18. ds. Mts., entſchlief meine
liebe Mutter, unſere liebe Großmutter, Urgroß=
mutter
und Schweſter
Frau Marie Heß Wwe.
geb. Hein
im 84. Lebensjahr.
Die trauernden Hinterbliebenen:
i. d. N.
Frau Sophie Dexheimer Bwe., geb. Heß.
Darmſtadt, Aliceſtr. 18, den 19. Juli 1931.
Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 22. Juli
ds. Js., vorm. ½12 Uhr, auf dem alten Friedhof
Nieder=Ramſtädterſtraße ſtatt.
Von Beileidsbeſuchen bitten wir Abſtand zu nehmen.

Todes=Anzeige.
Heute verſchied ganz unerwartet aus ſeinem
arbeitsreichen Leben unſer langjähriges Mitglied

und 1. Vorſitzender

Mrr Auun erotg /.
Intiefer Trauer; Turnverein Semd.
Semd, den 20. Juli 1931.
(10978
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 22. Juli,
nachmittags 1 Uhr, ſtatt.

Marine=Verein
Darmſtadt und
Umgegend.
Unſer lieber Kamerad

iſt am Sonntag früh ge=
ſtorben
.

Die Einäſcherung findet Mittwoch,
den 22. Juli, nachmittags 3½ Uhr,
auf dem Waldfriedhof ſtatt.
Um dem Kameraden die letzte Ehre
zu erweiſen, werden die Kame=
raden
gebeten, vollzählig zu er=
ſcheinen
.
Der Vorſtand.

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Nummer 200

Dienstag, den 21. Juli 1931

Seite 5

Aus der Landeshaupkftadk.
Darmſtadt, den 21. Juli 1931.
Lichtſpielihegter.
Darmſtadt beſitzt in U.=T. und Helia zwei erſtklaſſige Licht=
ſpieltheater
, die jeder Großſtadt eine Zierde wären, und beſitzt
in Palaſt ein drittes Lichtſpieltheater, das ſich, ſagen wir,
immerhin noch ſehen laſſen kann. Unſere Lichtſpielbühnen haben
auch, wie verſichert wird und wie wir aus Eigenem wiſſen, eine
rührige Direktion, die ſich die Pflege guten Programms an=
gelegen
ſein läßt, was allerdings nicht hindert, daß wir eine
Reihe von Filmen, von denen die Welt ſpricht, hier noch nicht
zu ſehen bekamen.
Darmſtadts Lichtſpielbühnen zählten mit zu den erſten, die
ſich ſ. Zt. der Not gehorchend vielleicht reſtlos auf Ton=
film
umgeſtellt und die bekannten teuren Apparaturen
Nadelton und Lichtton angeſchafft haben. Trotzdem (oder
vielleicht deswegen?) hat der Beſuch ſtändig nachgelaſſen.
In den letzten Wochen waren die Theater oft gähnend leer. Die
Propagierung des Tonfilms zum Nachteil des heute völlig ver=
nachläſſigten
ſtummen Films iſt gegen faſt einmütige Stellung
der ernſthaften und pflichtbewußten Filmkritik erfolgt. Auch
wir haben ſehr oft auf die Gefahr hingewieſen, die den Licht=
ſpieltheatern
droht, wenn der gute ſtumme Film vernachläſſigt
wird, zum mindeſten ſo lange der Tonfilm noch nicht das
Stadium der Qualität erreicht hat, das der ſtumme Film
in jahrzehntelangem Ringen hatte.
Seit Tagen läuft, einmal bereits verlän=
gert
der ſtumme Film Cuo radis in Palaſt=
lichtſpiele
vor ſtändig ausverkauftem Hauſe,
während die beiden anderen Theater ebenſo ſtändig leer ſind!
Bedarf es eines ſchlagenderen Beweiſes für die richtige Ein=
ſtellung
der Kritik?
Die Lichtſpieltheater=Beſitzer ſind, wir wiſſen das, in einer
gewiſſen Zwangslage. Zuſammenſchluß und Beweisführung
nach Darmſtädter Muſter in vielen deutſchen Städten muß end=
lich
auch die auf ihre Geld=Allmacht pochende Induſtrie
*
überzeugen.

Das Hilfswerk des V. 9.A.
Wer es noch nicht wußte, dem iſt in dieſen traurigen Tagen
klar geworden, daß wir Freunde draußen in der Welt brauchen,
und daß es Torheit, wenn nicht Selbſtmord bedeutet, wenn wir
unſere Außenpoſten, die wir in den Deutſchen jenſeits der Grenzen
haben, nicht ſchützen und ſtützen. Es wird ein Ruhmestitel der
Bewohner unſerer Stadt bleiben, daß ſie in höchſter eigener Not
ihr Scherflein geopfert haben zur Erhaltung der deutſchen Schule,
als ſie jüngſt der Verein für das Deutſchtum in ſeiner Werbewoche
zu tatkräftiger Hilfe aufrief. Heute darf geſagt werden, daß das
Ergebnis der Sammlungen alle Erwartungen übertroffen hat.
Daß die Geſamtſumme hinter den Leiſtungen vergangener Jahre
zurückſteht, iſt ſelbſtverſtändlich und in der bitteren Not der Ge=
genwart
begründet. Aber angeſichts dieſer erſchütternden Tat=
ſache
iſt der Erfolg der Sammlung erſtaunlich zu nennen. Er be=
ruht
einmal auf dem bewährten Opferſinn, der ſich auf die Ein=
ſicht
ſtützt, daß es eine wahrhaft vaterländiſche Tat zu fördern gilt,
zum andern auf dem unvergleichlichen Sammelfleiß, in dem die
Studenten, die Auslandsdeutſchen, die Schülerinnen, die Schüler
aller Schulen, nicht zuletzt die Volksſchüler, außerdem die gerade
in Darmſtadt anweſenden Schleſierinnen miteinander wetteifer=
ten
. An dem großen Erfolg hat aber auch die unübertreffliche
Organiſation ihren vollen Anteil, ein weſentliches Werk der
Frauenortsgruppe, unter Leitung ihrer bewährten Vorſitzenden
Frau Dr. Koepke. Aufrichtiger Dank ſei auch dem Stadt=
orcheſter
und der Ortsgruppe des Vereins ehemaliger Mili=
tärmuſiker
geſagt, die ſich uneigennützig in den Dienſt der
guten Sache geſtellt und durch ihre lockenden Weiſen für die
Sammler ſehr ergiebige Volksaufläufe verurſacht haben.

Ernannt wurden: Am 27. Juni: der Oberamtsrichter bei
dem Amtsgericht in Alsfeld Heinrich Engel zum Oberamtsrich=
ter
bei dem Amtsgericht in Zwingenberg; der Oberamtsrichter
bei dem Amtsgericht in Groß=Umſtadt Adolf Grohrock zum Ober=
amtsrichter
bei dem Amtsgericht in Dieburg; der Amtsgerichts=
rat
bei dem Amtsgericht in Homberg Richard Schaeg zum Amts=
gerichtsrat
bei dem Amtsgericht in Butzbach; der Amtsgerichtsrat
bei dem Amtsgericht in Ulrichſtein Walter Eberhard zum
Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht in Hungen; der Amts=
gerichtsrat
bei dem Amtsgericht in Schlitz Rudolf Page zum
Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Nieder=Olm. Am 3. Juli
1931 wurde der Oberjuſtizſekretär bei dem Amtsgericht Lorſch
Philipp Bundſchuh zum Oberjuſtizſekretär bei dem Landgericht
der Provinz Starkenburg ernannt.
In den Ruheſtand verſetzt wurden: Am 15. Juli auf ihr
Nachſuchen: der Lehrer an der Volksſchule zu Dietersheim, Kreis
Bingen, Johann Joſeph Mohr, der Fortbildungsſchullehrer an
der Fortbildungsſchule zu Darmſtadt Karl Kunkel, der Lehrer
an der Volksſchule zu Pfaffen=Beerfurth, Kreis Erbach, Ludwig
Beckenhaupt; ſämtlich mit Wirkung vom 1. Auguſt 1931 an.
In den Ruheſtand treten auf Grund des § 1 des Ge=
ſetzes
über die Altersgrenze der Staatsbeamten vom 2. Juli 1923
bzw. 19. Dezember 1923 in der Faſſung des Geſetzes vom 8. Okto=
ber
1925 (Reg.=Bl. S. 249) Am 1. Auguſt: Rektor Ernſt Kadel
an der Volksſchule zu Erzhauſen. Kreis Darmſtadt: Rektor Bern=
hard
Steinemann an der Volksſchule zu Froſchhauſen, Kreis
Offenbach: Lehrer Auguſt Hahn an der Volksſchule zu Lieder=
bach
, Kreis Alsfeld: Rektor Robert Lang an der Volksſchule zu
Beerfelden, Kreis Erbach i. O.; Stadtſchulrat Joh. Löſch zu
Darmſtadt. Am 1. September: der Lehrer im einſtweiligen Ruhe=
ſtand
Wilhelm Keller zu Groß=Gerau.
Erledigt iſt die Stelle eines Amtsvorſtandes des Forſtamts
Bad Nauheim. Meldeſchluß: 15. Auguſt 1931.
Handelsverkehr mit den Vereinigten Staaten von Amerika.
Der deutſche Konſul in Seattle, Herr Reinhardt, hält am
Freitag den 31. Juli 1931. bei der Außenhandelsſtelle
für das Rhein=Maingebiet in Frankfurt a. M., Börſe, Sprech=
ſtunden
über die wirtſchaftlichen Verhältniſſe in ſeinem Amts=
bezirk
(Staaten Waſhington, Oregon, Idaho, Montana. Wyo=
ming
und Territorium Alaska) ab. Firmen, die an den Sprech=
ſtunden
teilnehmen wollen, werden gebeten, dies der Außen=
handelsſtelle
für das Rhein=Maingebiet. Frankfurt a. M., Börſe,
bis zum 25. d. M. mitzuteilen, damit eine Verteilung der Be=
ſucher
auf die zur Verfügung ſtehende Zeit ſtattfinden kann.
Sommerſpielzeit Bruno Harprecht im Heſſiſchen Landes=
theater
. Heute Dienstag und die folgenden Tage gelangt die über=
mütige
Luſtſpiel=Novitat Sie werden lachen! (Roxi) von
Barry Conners zur Aufführung. Schwankſtürme der Heiterkeit
erſchütterten bei der Premiere, wie die Preſſe berichtet, das
ſonntäglich ausverkaufte Haus, vor allem wirkte wieder die fa=
moſe
Darſtellung.
Union=Theater. Ab Dienstag findet im Union=Theater
die Erſtaufführung des großen Fox=Films U. 13 ſtatt. Der Film
ſchildert den Untergang eines U=Bootes in der chineſiſchen See,
die grauenhaften Stunden, welche die Mannſchaft in den engen
Kammern erlebt, und die wunderbare Rettung im letzten Augen=
blick
.
Das Union=Theater bringt nur noch heute den 100 prozen=
tigen
Sexual=Ton= und Sprechfilm Gefahren der Liebe‟.
Im Palaſt=Theater, Grafenſtraße 18, wurde des großen
Erfolges wegen der Rieſenfilm Quo vadis nochmals verlängert.

Deutſche Gaſtfreundſchaft.
Um das Gefühl der Verbundenheit aller Deutſchen in der
Welt zu ſtärken, veranſtaltet der V.D.A. alljährlich in großem
Ausmaße Studienfahrten für die auslandsdeutſche Jugend. Die
jungen Menſchen, die, jenſeits der Grenzen wohnend, ihr Deutſch=
tum
in feindlicher Umwelt erhalten wollen und um ihr Volkstum
täglich ringen müſſen, ſollen mit ihren Augen und Herzen erkennen,
wie es im alten Vaterland ausſieht, wie es in guter deutſcher
Familie hergeht, wie man im Inland mit Verſtändnis und Opfer=
bereitſchaft
den Kampf da draußen begleitet und fördert. Dieſe
Fahrten auslandsdeutſcher Jugend, die natürlich keine nennens=
werten
Koſten verurſachen dürfen, beruhen auf der Grundlage
deutſcher Gaſtfreundſchaft. In dieſer Tugend haben ſich die Darm=
ſtädter
niemals übertreffen laſſen. So hat jetzt die Frauenorts=
gruppe
des Vereins für das Deutſchtum im Ausland deutſche Ju=
gend
aus Schleſien und Finnland zu Gaſt gehabt. Den
Familien, die auf den Ruf von Frau Dr. Koepke und ihrer
Vorſtandsdamen in ihrem Heim die Gäſte beherbergten und be=
glückten
, ſei öffentlich aufrichtiger Dank geſagt. Sie haben ein
gutes Werk getan und haben einen Lohn, der reichlich lohnet, in
dem erhebenden Bewußtſein, deutſche Geſinnung und deutſchen
Stolz geſtärkt und unſere Außenpoſten zu zähem Beharren er=
mutigt
zu haben. Die Schleſierinnen, um deren Betreuung ſich
auch der Schleſierverein, die Viktoriaſchule und Eleonorenſchule
verdient gemacht haben, kamen aus dem an Polen abgetretenen
Oberſchleſien. Die Gruppe aus Finnland kam aus der deutſchen
Schule zu Helſingfors die gegenwärtig Dr. Philipp
Krämer leitet, den Darmſtädtern wohlbekannt als Schriftſteller
und Lehrer an der Liebig=Oberrealſchule.

Mik dem Sonderzug nach Wimpfen.
* Trotz des ſchlechten Wetters am vergangenen Sonntag hatte
ſich eine ſtattliche Anzahl von Teilnehmern zu der Sonderzugfahrt
der Reichsbahndirektion nach Kochendorf und Wimpfen eingefun=
den
. Das ſchlechte Wetter verdarb aber weiter keinem die Sonn=
tagslaune
, die man immer hat, wenn einem Ueberraſchungen be=
vorſtehen
. Die erſte Ueberraſchung brachte die Beſichtigung des
Salzbergwerkes in Kochendorf, das in ſeiner Art kaum hinter
dem berühmten Salzbergwerk von Reichenhall zurückſteht. Beſon=
ders
nachhaltigen Eindruck hinterließ der Große Feſtſaal, in dem
muſikaliſche Darbietungen einer Knappſchaftskapelle fröhliche
Stimmung auslöſte. Auch die übrigen, aus dem Salzgeſtein ge=
hauenen
Räume entzückten ſowohl in der Einfachheit, als auch
in der überwältigenden Größe ihrer Linienführung. Ungeteilten
Beifall bei jung und alt fanden die ſogenannten Bergmanns=
rutſchen
, die eifrig in Anſpruch genommen wurden. Nach dem
Mittageſſen, das in Kochendorf eingenommen wurde, fuhr man
mit der Bahn nach dem neueſten heſſiſchen Bad. Wimpfen, deſſen
Stadtverwaltung und Bevölkerung den Fahrgäſten vom Rhein
und vom Großen Woog einen herzlichen Empfang bereitete.
Unter Vorantritt einer Kapelle eroberte man friedlich das in
herrlichem Blütenſchmuck prangende Städtchen, deſſen prachtvolle
Silhouette zu Häupten des Neckar ſchon von weitem ſichtbar war.
Nach der Begrüßung vor dem Rathaus vertraute man ſich liebens=
würdigen
Führern zu einem Rundgang durch die Stadt an bei
deren Beſichtigung man unwillkürlich Vergleiche mit der Perle
des Mittelalters, Rothenburg ob der Tauber, zog. Nicht umſonſt
wird Wimpfen auch das Rothenburg ob dem Neckar genannt.
Prächtige mittelalterliche Bauten, wie die Hohenſtaufenpfalz,
idylliſche Winkel, zahlreiche Türme und Tore, alte, verträumte
Gaſſen, Arkaden, Kreuzgänge und Brunnen zogen uns für Stun=
den
in ihren Bann. Leider wurde ein ausgiebiges Genießen durch
häufige Regenſchauer beeinträchtigt. Um ſo lebhafter war beim
Abſchied der Wunſch, in Wimpfens Mauern recht bald wieder und
noch längere Zeit bei freundlicherem Wetter verweilen zu können.

ogar Kettenraucher schützen sich durch

vor Kafarrh und
nach Tabak rie-

chendem Atem!

Aus dem Gerichtsſaal.
Aw. Nachdem ein Maurer aus Viernheim wegen
Einbruchdiebſtahls im Rückfall er hatte aus einem
verſchloſſenen Stall ſechs Enten geſtohlen, ſie gebraten und mit
einem oder mehreren Genoſſen verzehrt zu einem Jahr
Gefängnis verurteilt worden war, verhandelte das Be=
zirksſchöffengericht
am Montag gegen einen Arbeiter
aus Darmſtadt, der wegen Beleidigung, Körper=
verletzung
und Sachbeſchädigung angeklagt war. Der
Mann hatte ſich am 10. Januar auf das Wohlfahrtsamt begeben
und verſucht, Unterſtützung für ſeine kranke Frau zu erhalten. Er
wurde von einer Stelle zur anderen geſchickt und konnte nirgends
zufriedengeſtellt werden. Als er nun vor der Türe des Direktors
einige Zeit warten mußte, unterhielt er ſich mit anderen Warken=
den
, und die Unterhaltung ging naturgemäß nicht im Flüſterton
vor ſich, ſo daß ſich bald einer der Beamten, der, wie er ſagt, für
die Ruhe und Ordnung im Dienſtgebäude zu ſorgen hat, bewogen
fühlte, ihn zur Ruhe zu ermahnen. Die Aufforderung behagte
dem Angeklagten nicht. Mit einer ſanften Handbewegung, wie
er ſagt, mit einem Stoß, verſichert der Beamte, ſchob er ihn zur
Tür zurück: mit ihm verhandle er hier nicht. Der Beamte, der
den Angeklagten ob ſeines aufgeregten Weſens wohl ſchon kannte,
ergriff einen in der Ecke ſtehenden Stock und drohte damit dem
Angeklagten. Dieſer empörte ſich außerordentlich darüber. Er
ſauſte zur Tür und nahm den Stock, den der Beamte neben die
Tür geſtellt hatte, an ſich. Als der Beamte darauf die Tür hin=
ter
ſich abſchloß, holte er ſich unten einige Arbeitsloſe zur Unter=
ſtützung
, er beſtreitet das zwar ganz energiſch, Tatſache war jedoch,
daß er mit ſieben oder acht Leuten zurückkehrte und man nun
anfing, mit gemeinſamen Kräften die Tür einzudrücken und = ein=
zuſtoßen
. Drinnen hieb er dem Beamten mit dem Stock auf den
Kopf, nach einem anderen warf er mit einem Stuhl. Er tobte ſo,
daß ihn zwei Beamte des herbeigerufenen Ueberfallkommandos
nur mit Mühe beruhigen und bewältigen konnten. Ja", iſt
heute ſeine ſtändige Redensart, wenn ich in ſo tobendem Zuſtand
bin, dann weiß ich net mehr, was ich mache tu! Gleichwohl weiß
er über die Einzelheiten des ganzen Vorfalls genau Beſcheid. Es
war vor etlichen Monaten bereits einmal eine Verhandlung ange=
ſetzt
, doch hatte man Begutachtung in Heppenheim angeordnet.
Dort wurde feſtgeſtellt, daß er erblich belaſtet und ein ſchwerer
Pſychopath ſei, daß ihm aber der § 51 nicht zugebilligt werden
könne.. Das Gericht kommt auf Grund der Beweisaufnahme zu
der Anſicht, daß ſich der Angeklagte als Rädelsführer des Land=
friedensbruchs
ſchuldig gemacht habe und verurteilt ihn gemäß
dem Antrag des Staatsanwalts wegen Landfriedensbruchs, in
Tateinheit mit Körperverletzung, ſchweren Hausfriedensbruchs
und Sachbeſchädigung zu insgeſamt einem Jahr und zwei
Wochen Gefängnis. Mildernde Umſtände werden ihm in=
folge
ſeiner Veranlagung zugebilligt, doch glaubt das Gericht in
Anbetracht der Vorſtrafen des Angeklagten auf eine derart hohe
Strafe erkennen zu müſſen. Die Unterſuchungshaft wird mit
einem Monat und zwei Wochen angerechnet. Das Gericht erläßt
Haftbefehl, da ein Fluchtverſuch angeſichts der hohen Strafe be=
gründet
erſcheint. Beinahe berſtend vor innerer Wut, klopfte er
den als Zeugen erſchienenen Beamten auf die Schulter: Wir
ſprechen uns ja noch darüber, meine Herren!"
Es wird dann im Schnellgerichtsverfahren gegen
einen 39jährigen Schiffsheizer aus Mainz wegen
Widerſtands und Körperverletzung verhandelt. An=
läßlich
der geſtrigen Beerdigung der beiden Kommuniſten in
Groß=Gerau hatte die Kommuniſtiſche Partei die Erlaubnis er=
halten
, in geſchloſſenem Zuge zum Friedhof zu ziehen, um der
Feierlichkeit dort beizuwohnen. Ein geſchloſſener Rückzug jedoch
war ausdrücklich verboten worden. Die Kommuniſten aber kehr=
ten
ſich nicht daran, ſo daß die Polizei einſchreiten mußte. Da=
bei
tat ſich der Mainzer Schiffer beſonders hervor, indem er plötz=
lich
von hinten herausſtürmend mit der Fahnenſtange auf einige
Poliziſten einſchlug. Dabei iſt er nach ſeiner Ausſage ſelbſt kein
Kommuniſt, ſondern nur mit einem Kameraden mitgegangen. Er
iſt ſehr ſtill und weiß zu ſeiner Verteidigung nichts vorzubringen.
Das Gericht verurteilt ihn gemäß dem Antrag des Staatsanwalts
wegen Widerſtands in Tateinheit mit Körperverletzung zu ins=
geſamt
fünf Monaten Gefängnis. Der Schiffer nimmt
das Urteil an. Ein Haftbefehl wird nicht ausgeſprochen.

Handwerk und Geldkriſe.
Eine Bitke an das Bublikum.
Die Heſſiſche Handwerkskammer, Sitz Darmſtadt, ſchreibt
uns: Durch die Geldkriſe ſind weite Kreiſe des ſelbſtändigen
Handwerks in eine kataſtrophale Lage geraten. Bereits ſeit
Wochen war eine Zurückhaltung bei Zahlung der Handwerker=
rechnungen
bei Behörden, beſonders aber bei Privaten feſtzu=
ſtellen
, ſo daß die notwendigen Gelder für Lohnzahlungen, für
Materialien und für die Lebensführung meiſt nur durch Bank=
kredite
oder Abhebung von Sparguthaben, ſoweit ſolche vor=
handen
, möglich waren, und dieſe Kredite und Rücklagen da=
durch
bis zur äußerſten Grenze ausgeſchöpft ſind.
Wir richten deshalb die Bitte an alle, die es irgend er=
möglichen
können, daran zu denken, daß auch die Handwerker
ihre Gehilfen rechtzeitig entlohnen, daß ſie ihren Verpflichtun=
gen
nachkommen, ihre Familien unterhalten müſſen und dazu
nur durch ſchnellſte Zahlung ihrer Rechnungen in der Lage ſind.

Ein unerwarketes Biederfinden.
Eine freudige Ueberraſchung erlebte dieſer Tage ein hieſiger
Bürger.
Der betreffende Herr, im Weltkriege Angehöriger der 5 Kom=
pagnie
Reſerve=Infanterie=Regiments 87 hatte in den ſchweren
Kämpfen bei Arras im Auguſt 1918 das Unglück, verwundet in
die Hände des Feindes zu geraten. Ein hilfsbereiter engliſcher
Krankenträger brachte den leidenden Deutſchen ins Feldlazarett
und erhielt von ihm zum Dank und Angedenken ein Buch mit
ſelbſtgefertigten Skizzen aus dem Kriege übereignet.
Jetzt, nach 13 Jahren, wollte jener Samariter der den auſtra=
liſchen
Truppen angehörte und heute in Neu=Süd=Wales wohnt,
das Erinnerungsſtück gern wieder in der Hand ſeines einſtigen
Beſitzers ſehen, der es gewiß nur ſchweren Herzens damals fort=
gab
. Er wandte ſich dieſerhalb an das Deutſche General=Konſulat
in Sydney und fragte an, ob Adolf Sch.... wohl noch zu er=
mitteln
und unter den Lebenden ſei. Dann möge man jenes
Kriegsandenken mit den beſten Grüßen ihm wieder zuſtellen.
Unſer Auswärtiges Amt trat an das für ſolche Nachforſchungen
nach Angehörigen des Deutſchen Heeres im Weltkriege zuſtandige
Zentralnachweiſeamt für Kriegerverluſte und Kriegergräber in
Berlin=Spandau heran.
In kürzeſter Friſt konnte hier, trotz der ſpärlichen Angaben,
aus dem umfangreichen Kartei= und Stammrollenmaterial der
Truppenteil und Verbleib des Geſuchten feſtgeſtellt werden. Er
war in engliſcher Pflege geweſen und im Herbſt darauf geſund in
ſeine Heimat zurückgekehrt. Ganz unerwartet hielt er nun vor
wenigen Tagen das Buch in Händen, dem er einſt als Neunzehn=
jähriger
ſeine Kriegseindrücke anvertraut und das über Land und
Meer den Weg zu ihm zurückgefunden hatte.
Das menſchenfreundliche und verſtändnisvolle Verhalten des
damaligen Krankenträgers bei Croiſilles wird ſeinen Lohn finden
in des einſtigen Kriegsgegners herzlichem Dank und freundlichen
Grüßen, die ſchon auf dem Wege zu jenem engliſchen Herrn nach
Auſtralien ſind.
Wie man uns hierbei mitteilt, ſind ſolche Zeichen kamerad=
ſchaftlicher
Verbundenheit zwiſchen ehemaligen Kriegsgegnern
jetzt keine Seltenheit mehr. Häufig gelangen Andenken ähnlicher
Art aus amerikaniſchem oder engliſchem Privatbeſitz an das Zen=
tralnachweiſeamt
in Spandau mit der Bitte, ſie den Eigentümern
oder den Hinterbliebenen Gefallener zuzuſtellen oder zu danken
für eine in den Wechſelfällen des Krieges empfangene Freund=
lichkeit
. Bei einigermaßen ausreichenden Angaben gelang es faſt
ſtets, dieſe Wünſche zu erfüllen.

Schwerer nächtlicher Verkehrsunfall auf der Griesheimer
Straße. Zu dem geſtern bereits mitgeteiten tödlichen Unfall mel=
det
der Polizeibericht: Am 19. Juni 1931, gegen 23 Uhr, iſt auf
der Straße Griesheim-Darmſtadt ein Motorradfahrer tödlich ver=
unglückt
. Bei dem Verlebten handelt es ſich um einen bei der
Firma Opel=Rüſſelsheim beſchäftigten Betriebsſchloſſer mit Namen
Auguſt Seifert, geboren am 11. April 1901 zu Oberwallmenach, in
Rüſſelsheim, Haßlocher Straße 60, wohnhaft geweſen. Seifert
fuhr mit einem Motorrad Richtung DarmſtadtGriesheim. Un=
gefähr
200 Meter unterhalb der Eiſenbahnbrücke ſtieß er mit
einem aus entgegengeſetzter Richtung kommenden Kraftwagen,
mit dem Kennzeichen II N 15024, Führer Kaufmann Johann
Gallenmüller in Nürnberg, Wieſenthalſtraße 20 wohnhaft, zuſam=
men
. Durch den Zuſammenſtoß wurde Seifert gegen den Kühler
des Autos geſchleudert, und zwar mit ſolcher Wucht, daß der Tod
auf der Stelle eintrat. Kriminalpolizei und Erkennungsdienſt
waren unmittelbar nach dem Unfall zur Tatbeſtandsaufnahme
anweſend. Gericht und Staatsanwaltſchaft ſowie ein Beamter
der Dampfkeſſelinſpektion als Sachverſtändiger haben ſich am Vor=
mittag
des 20. Juli an der Unfallſtelle zur Augenſcheinnahme ein=
gefunden
. Die Unterſuchung über die Schuldfrage iſt eingeleitet.

Warnung vor einem Betrüger. Am 11. und 13. Juli 1931
erſchien in Darmſtädter Geſchäften kurz vor 19 Uhr ein Unbekann=
ter
, der ſich fälſchlicherweiſe als Studienrat Dr. Rinck und Dr.
Lehnhardt aus Darmſtadt ausgab und auch Poſtkarten mit dieſen
Adreſſen vorzeigte. Der falſche Studienrat erſchwindelte ſich in
einem Falle ein Herrenhemd und drei Kragen, in einem anderen
Falle 10 RM. unter gleichzeitiger Beſtellung von Büchern. Die
Bezahlung der Wäſche und die Rückzahlung der 10 RM. ſollte
am nächſten oder übernächſten Tage durch einen ſeiner Schüler er=
folgen
Beſchreibung: Etwa 35 Jahre alt, 1.70 Meter groß,
ſchlank, bartlos, ſchwarzes, geſcheiteltes Haar, trug blauen Anzug,
dunklen Selbſtbinder, runden, ſchwarzen Hut und Hornbrille. Per=
ſonen
, die über den Schwindler nähere Angaben machen können,
werden gebeten, bei dem Polizeiamt Darmſtadt, Hügelſtr. 31/33,
Zimmer 29a, vorzuſprechen, oder der nächſten Polizeidienſtſtelle
Mitteilung zu machen. Auf Wunſch werden Angaben dieſer Art
ſtreng vertraulich behandelt.

Sittlichkeitsverbrecher. Am 15. Juli 1931 wurde ein in der
Altſtadt wohnhafter Hilfsarbeiter wegen Sittlichkeitsverbrechens,
begangen an einer ganzen Anzahl von Knaben unter 14 Jahren,
ermittelt und feſtgenommen. Nach den kriminalpolizeilichen Feſt=
ſtellungen
hat der Feſtgenommene eine ganze Anzahl von Schü=
lern
an ſich gelockt, dieſen dann Verſprechungen gemacht und ſich
anſchließend in den Waldungen der Umgebung Darmſtadts oder
auch in ſeiner Wohnung an ihnen vergangen. Der Feſtgenom=
mene
wurde dem zuſtändigen Richter vorgeführt; er kam in Unter=
ſuchungshaft
.
Brieftaſfen.

Jeder Rufrage iſt die letzte Bezugsquittung betzufigen. Anongme Arfagen warten
nicht beantwortet. Die Beantwortung erfolgt ehne Rechtsverdkbsichtett.

M.K., Groß=Zimmern. Teerflecken in Kleidern behandelt
man zuerſt mit ungeſalzener Butter oder Seifenſpiritus. Der
Flecken wird dann mit Benzin (Vorſicht, feuergefährlich!) aus=
gewaſchen
. Da es ſehr verſchiedene Arten von Teer gibt, emp=
fehlen
wir, den Ripsmantel lieber einer chemiſchen Reinigungs=
anſtalt
anzuvertrauen.

Lekale Beranfaltungen.
Die blerunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten.
in keinem Faſſie irgendwie als Beſprechung oder Krit /
Evangeliſche Stadtmiſſion Darmſtadt.
Mühlſtraße 24. Am Dienstag, den 21. Juli, findet nachmittags
um 4 Uhr wieder eine Frauenbibelſtunde durch Frau Miſ=
ſionar
Hofmann=Lindenfels ſtatt. Hierzu ergeht freundliche
Einladung.
Sportplatz=Reſtaurant am Böllenfalltor,
idealer Aufenthalt, günſtige Straßenbahnverbindung. Jeden
Mittwoch und Samstag Kaffee= und Kuchentag. Täglich erſtkläſſi=
ges
Künſtlerkonzert. Mittwochs, Samstags und Sonntags ver=
ſtärkte
Kapelle und große Geſellſchafts= und Tanzabende.

Tageskalender für Dienstag, den 21. Juli 1931.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus: Geſchloſſen. Kleines
Haus, 20 Uhr: Sie werden lachen. Konzerte: Zur
Oper, Schloßkeller, Sportplatz=Reſtaurant am Böllenfalltor,
Herrngartenkafee. Kinovorſtellungen: Union=
Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.

[ ][  ][ ]

Seite 6

Dienstag, den 21. Juli 1931

Nummer 200

der Eulbacher Markk.

b. Erbach, 20. Juli. Maſſenbeſuch trotz tagelangen
Dauerregens. Grau und düſter hingen in den letzten Tagen
Regenwolken über den Bergen und Tälern des herrlichen Oden=
waldes
. Paſſend zu der Stimmung tiefſten Peſſimismuſſes, die die
wirtſchaftlichen und politiſchen Ereigniſſe der letzten Wochen über
Deutſchlands geplagte Bevölkerung gebracht haben. Endloſe Re=
genfälle
verwandelten unſere ſtillen Bächlein in reißende,
ſchmutzige Waſſerläufe, die in den tiefer gelegenen Stellen Felder
und Wieſen überſchwemmten. Die Vorbereitungen zum großen
Odenwälder Volksfeſt gehen trotz aller Schwierigkeiten weiter,
Man hofft auf das ſprichwörtliche Glück, hofft auf das Erbacher
Wieſenmarktswetter. Wohl ſelten finden Barometer und Wetter=
nachrichten
der Zeitungen und des Rundfunks mehr Intereſſe, als
dies im Odenwald in den letzten Tagen der Fall war. Doch dies=
mal
ſollten alle Hoffnungen zu ſchanden werden. Es regnete, reg=
nete
und hörte halt nimmer auf. Heute hat es nur einmal ge=
regnet
, konnte man am geſtrigen Abend ſagen. Trotz alledem
und das iſt wieder ein Beweis dafür, daß der Erbacher Wieſen=
markt
mehr iſt als ein gewöhnlicher Jahrmarkt ein Verkehr, der
den Beobachter bei dieſer Witterung ſtaunen macht. Endlos ſind
die Reihen der Omnibuſſe und Autos. Tauſende kommen mit den
Zügen der Reichsbahn. Der Odenwald gibt ſich ſein traditionelles
Stelldichein in ſeinem Mittelpunkt in dem alten hiſtoriſchen
Kreisſtädtchen Erbach. Fahrrad und Motorrad, die man ſonſt
am Wieſenmarkt in Erbach zu Tauſenden zählen konnte, fielen
diesmal als Verkehrsmittel faſt aus. Kein Wunder, nach dem,
was wir vorher vom Wetter geſagt haben. Auf dem geweichten
Feſtplatz im ſtädtiſchen Sport= und Erholungspark herrſchte Hoch=
betrieb
. Eine neue Stadt iſt hier wiederum erſtanden. Ein Zelt=
lager
, das Erbach alljährlich zur ſelben Zeit (nun ſchon ſeit faſt
130 Jahren) ein eigenes Gepräge gibt. Ueberaus zahlreich ſind
die Verkaufsgeſchäfte. Bude an Bude in endlos langer Reihe. Hoff=
nungsloſe
Geſichter der Verkäufer! Viel Publikum mit leeren
Taſchen! Zeichen der Zeit Ueberaus gut iſt der Vergnügungs=
park
beſetzt. Schaubuden aller Art, Schießbuden, ein Hippodrom,
Auto=Bahn (als Neuheit für Erbach ein großer Opel=Selbſtfahrer,
der mit vier Kleinwagen der Rüſſelsheimer Weltfirma ausge=
ſtattet
, viel Zuſpruch und Bewunderer findet) Kinder=Karuſſells,
Kabaretts, Hunde= und Affentheater, kurzum alles, was eben zum
Wieſenmarkt gehört, Lebhafter Betrieb in den geräumigen Bier=
zelten
. Dieſe ſind ſehr gut beſetzt ab man daraus aber auf guten
Umſatz ſchließen kann? Neu ſind die zwei Stimmungskapellen.
Geſunder Humor bringt es zuwege, den Marktbeſucher Grillen
Grillen ſein zu laſſen . Bald iſt alles in Stimmung! Die Freude,
die ſchon Ur= und Großväter genoſſen haben, ſtehen auch der Ge=
genwartsgeneration
wenigſtens derjenigen des Odenwaldes in
bezug auf den Erbacher Wieſenmarkt zu. Für das leibliche
Wohl unſerer Gäſte war in vortrefflicher Weiſe geſorgt. Bier=
preiſe
reduziert Lebensmittelpreiſe ebenfalls. Grundfaktoren
für erhöhten Umſatz das wird ſicher für die genannten Ge=
ſchäftszweige
in bezug auf den erſten Feſttag zutreffen. Leider
mußte der erſtklaſſig vorbereitete große Flugtag der Sportflieger=
vereinigung
Mainz=Wiesbaden ausfallen. Dieſe Veranſtaltung
fällt jedoch nicht aus, ſondern wird bei günſtiger Witterung an
einem ſpäteren Sonntag ſtattfinden. Am heutigen Montag findet
das große Reiterfeſt des Odenwälder Reitervereins ſtatt. Hierzu
ſind äußerſt zahlreiche Nennungen ergangen. Auch die Rennen der
oberſten Rennbehörde, die am Sonntag, den 26. Juli d. J., ſtatt=
finden
, ſind ſehr gut beſetzt.

Aa. Meſſel, 19. Juli. Die Landwirtſchaftliche Be=
zugs
= und Abſatzgenoſſenſchaft G. m. b. H. konnte im
abgelaufenen Geſchäftsjahr einen Reingewinn von 364,29 RM.
verzeichnen. Die Geſamthaftſumme betrug zuletzt 18 200 RM. bei
einem Mitgliederſtand von 178 Perſonen.
F. Eberſtadt, 20. Juli. Unfall. Ein Unfall, der verhältnis=
mäßig
glimpflich abgelaufen iſt, ereignete ſich heute nachmittag
zwiſchen 2 und 3 Uhr am Hauſe Neue Darmſtädter Straße 8. Ein
dreirädriger Tempowagen, Beſitzer Auguſt Adami, Frankfurt
a. M., kam infolge des naſſen Wetters ins Rutſchen, ſtellte ſich
quer zur Fahrbahn und erfaßte in dieſem Augenblick einen Rad=
fahrer
, dieſen vom Rad ſchleudernd. Es handelte ſich um den
22jährigen Ludwig Büttel, wohnhaft Alte Darmſtädter Str. 39,
der außer einer Rißwunde am Hinterkopf eine Quetſchung des
linken Oberſchenkels und eine Verletzung des linken Armes erlitt.
Dr. med. Gaßner leiſtete dem Verunglückten die erſte Hilfe. Die
polizeilichen Ermittelungen über die Schuldfrage wurden ſofort
eingeleitet.

Aa. Eberſtadt, 20. Juli. Beginn der Solbadekuren.
Mit Beginn der Sommerferien haben am heutigen Montag die
auf die Dauer von vier Wochen berechneten Solbadekuren für
Kinder begonnen. An den Solbadekuren nehmen ungefähr 50
Kinder (Knaben und Mädchen) teil. Die Solbäder werden unter
Leitung des Gemeindebademeiſters Wilhelm Dieter verabfolgt,
die Auſicht darüber hat das Kreiswohlfahrtsamt. Erfreulicher=
weiſe
haben ſich zur Ueberwachung der Kinder einige Hilfskräfte
zur Verfügung geſtellt. Nach den Bädern erhalten die Kinder in
einem Schulſaal Liegekuren. Dann geht es in die Volksküche zu
einem ſchmackhaften Eſſen und im Anſchluß daran auf den Ried=
berg
, wo die Kinder je nach der Tageszeit verpflegt werden, Spa=
ziergänge
unternehmen oder Spiele ausführen. Die Einteilung
iſt derart getroffen, daß an einem Tage die Knaben und am an=
deren
Tage die Mädchen in regelmäßiger Abwechſlung die Bäder
erhalten. Die Koſten für die Kuren werden in der Hauptſache
durch das Kreiswohlfahrtsamt und die Gemeinde getragen.
Das Sommernachtsfeſt, das für den Sonntagabend auf
dem Pfeiffersberg geplant war, mußte mit Rückſicht auf die Un=
gunſt
der Witterung in den Saal des Berſträßer Hofes verlegt
werden. Neben den Klängen des Muſikvereins Edelweiß trugen
beſonders die Darbietungen des Geſangvereins Frohſinn und
der Turngeſellſchaft EV. zur Unterhaltung bei. Sportlehr=
kurſns
. Die Turngeſellſchaft EV. führte am Samstag abend
und Sonntag vormittag im großen Saale, ihres Vereinslokals
Zum Bergſträßer Hof unter Leitung des Verbands= und Gau=
ſportwarts
Ludwig Feutner=Mörfelden einen Sportler=Lehrkurſus
für ihre Aktiven durch. Leider konnten die praktiſchen Anwendun=
gen
dazu wegen des ſchlechten Wetters nicht auf dem Turnplatz
durchgeführt werden.

Aa. Eberſtadt, 20. Juli. Ausflug des Obſt= und Gar=
tenbauvereins
. Der Obſt= und Gartenbauverein Eberſtadt
unternahm am Sonntag, trotz des ungünſtigen Wetters, einen
Omnibusausflug nach Oppenheim. Neben den Sehenswürdigkeiten
Oppenheims (Katharinenkirche und Landskrone) intereſſierten ſich
die Teilnehmer vor allen Dingen für die Weinberg= und Obſt=
baumanlagen
der Heſſiſchen Lehr= und Verſuchsanſtalt für Wein=
und Obſtbau.
Cp. Pfungſtadt, 19. Juli Mietunterſtützung aus
Anlaß der Sondergebäudeſteuer. Vom Montag ab
werden Anträge auf Gewährung von Mietunterſtützung auf dem
Baubüro der Bürgermeiſterei entgegengenommen.

Aa. Nieder=Beerbach, 20. Juli. Feuerwehrinſpektion.
In Gegenwart des Kreisfeuerwehrinſpektors Karpfinger= Darm=
ſtadt
fand eine Inſpektion der Freiwilligen Feuerwehr ſtatt. Mit
der Inſpektion war ein Brandangriff auf eine Mühle verbunden.
Unter dem Kommando von Guſtav Spieß löſte die Wehr ihre Auf=
gabe
zur Zufriedenheit. Bei der Uebung wirkte auch die Arbeiter=
ſamariterkolonne
Nieder=Beerbach mit.
G. Ober=Ramſtadt, 20. Juli. Verſchiedenes. Die ſtarken
Regenfälle der letzten Tage haben in den landwirtſchaftlichen Ar=
beiten
einen gewiſſen Stillſtand gebracht. Kaum waren die Land=
wirte
in der Lage, den täglichen Bedarf an Grünfutter einzuholen.
Die Getreidereife verzögert ſich, und auch der zweite Kleeſchnitt
kann nicht vorgenommen werden. Die Frucht, beſonders Hafer,
hat ſich ſtellenweiſe ſtark gelegt. Die Kernobſtausſichten ſind in
dieſem Jahre hier durchweg gut, ſowohl die Apfel= als auch die
Birnbäume zeigen im allgemeinen einen guten Behang. Er=
öffnung
. Im Hauſe Darmſtädter Straße 99, hier, hat Herr Ar=
thur
Heinz jr. eine Kaffeewirtſchaft mit Ausſchank alkoholfreier
Getränke eröffnet. Ergänzung des Gemeinderats.
In der am 22. d. M., abends 8 Uhr, ſtattfindenden Gemeinderats=
ſitzung
wird an Stelle des ausgeſchiedenen P. Knorr der Zimmer=
ſiann
Peter Frankenberger 4. in den Gemeinderat eingeführt und
berpflichtet werden. Bauweſen. Die von der Gemeinde er=
tichteten
Flachbauten gehen ihrer Vollendung entgegen. Wegen
deren Verkauf führt die Gemeinde zurzeit mit den Intereſſenten
Verhandlungen. Gemeindeſteuer. Die in dieſen Tagen
fur Ausgabe gelangenden Steuerbeſcheide für Gemeinde, Kreis
und Provinz enthalten im erſten Teib die Feſtſetzung und Abrech=
ſiung
der 1930er Steuern und alsdann die 1931er Zielbeträge, die
entſprechend dem Realſteuerſenkungsgeſetz um je 6 Prozent bei der
Grundſteuer für Gebäude und landw. Grundſtücke und um je-12

über deſſen Toben an den am ſtärkſten betroffenen Orten wir
geſtern bereits berichteten, liegen heute noch eine Anzahl Mel=
dungen
vor:
Bb. Bensheim, 20. Juli. Die Waſſersnot des geſtrigen Sonn=
tagabends
hat hier ganz beſonders in der Fehlheimerſtraße und
in der Taubertsgaſſe unheilvolle Folgen gezeitigt. Während die
Rodenſteinſtraße und Promenadenſtraße kaum ſichtbare Verhee=
rungen
durch das erſtere kreuzende Waſſer des Winkelbaches auf=
zuweiſen
hatten, wurde die Fehlheimerſtraße, von der Einfahrt
zum Schmittſchen Baugeſchäft abwärts, übel zugerichtet. Die
Brücken zu den einzelnen Grundſtücken ſtanden in kurzer Zeit
halbmeterhoch unter Waſſer, das mit reißender Gewalt dahin=
brauſte
und Unmengen von Schutt, Geröll, Holz und dergleichen
mit ſich führte. Die tiefer gelegene Taubertsgaſſe nahm das
mächtig anſtürmende Waſſer auf, am Bahndamm bildete ſich ein
ganzer See. Die Vorgärten der Häuſer an der Fehlheimerſtraße
wurden überſchwemmt. In der Taubertsgaſſe mußte das Vieh
angeſeilt und aus den Ställen geführt werden. Die bei Fackel=
ſchein
arbeitenden Feuerwehrleute wurden ebenfalls bei der Frei=
haltung
der Brückenübergänge angeſeilt. Fieberhaft arbeitete
alles an den Grundſtückseingängen, die trotzdem arg verſchlamm=
ten
, ſo daß ſich die Gärten und Hauskeller bald voll Waſſer ſtell=
ten
. Die Fehlheimerſtraße gleicht ſtellenweiſe einer Schlammbahn.
In der Nähe der Effax=Fabrik, in der Rheinſtraße, kam es zu
einem Dammbruch. Seit 1883 ſoll die Fehlheimerſtraße nicht ſo
ſtark unter Waſſerkataſtrophen gelitten haben, wie geſtern. In
den Kartoffelfeldern ſind die Knollenfrüchte maſſenhaft ausge=
ſchwemmt
worden; die Frucht liegt durchweicht am Boden.
O. Lautertal. Am Sonntag, gegen 6 Uhr nachmittags ging
in der Umgebung Reichenbachs ein wolkenbruchartiger Regen
nieder Da infolge der anhaltenden Regenperiode das Erdreich
kein Waſſer mehr aufnehmen konnte, wurden im Augenblick die
Waſſermaſſen ins Tal geführt. Die Hauptſtraße in Reichenbach
glich einem reißenden Bach. Es war unmöglich, ohne Notbrücken
von einer Straßenſeite auf die andere zu gelangen. Von 6.30
Uhr an ſtieg das Waſſer der Lauter bis zum Rande der Ein=
faſſungsmauern
, und trat an den gefährdeten Stellen im Unter=
dorf
über die Ufer. Keller und Ställe füllten ſich alsbald mit
Waſſer, und in den tiefgelegenen Hofreiten ſtieg es ſogar bis in
die Stuben. Die Feuerwehr war ſogleich zur Stelle und brachte
Kühe, Pferde und Schweine in Sicherheit. Das Waſſer ſtieg noch
bis 7.30 Uhr an. Am ſchwerſten mitgenommen wurden wieder
die Hofreiten Oppenheimer Neff und Schneider, ſowie die anlie=
genden
Häuſer. Selbſtverſtändlich richtete das Hochwaſſer auch
in den Pappdeckelmühlen Brücher u. Tempel wieder großen Scha=
den
an. Es war ein Glück, daß es am Tage geſchah, ſo daß man
die Gefahr überall gleich erkennen und abhelfen konnte. Es iſt
für die Betroffenen ſchwer, nachdem erſt im Oktober vorigen
Jahres das gleiche Unglück über ſie hereingebrochen war. An die=
ſer
Stelle ſei noch an zwei Unwetterkataſtrophen im Lautertal
erinnert. In der Walterſchen Chronik leſen wir vom Jahre 1611:
Am 26. Juli iſt ein grauſam Gewäſſer zu Reichenbach geweſt.
Mehrere Hofreiten unter Waſſer. Schier ein Kind und eine
Kuh ertrunken. In Elmshauſen in einem Haus die Bettladen
aufgehoben, in den Mühlen viel Schaden. In Bensheim Sturm
geläutet. Der Gräfin Fiſchkaſten wurde bis auf die Bensheimer
Wieſen geſchwemmt. Eine andere furchtbare Ueberſchwemmung
war in der Neujahrsnacht von 1882 auf 1883. Das Unterdorf
bis herauf zum Rathaus ſtand damals unter Waſſer. Der Got=
tesdienſt
am nächſten Morgen mußte ſogar ausfallen, da es den
Leuten nicht möglich war, in die Kirche zu kommen und auch eine
große Anzahl noch gegen die Waſſersnot zu kämpfen hatte.
Bt. Auerbach, 20 Juli. Am Sonntag wurde unſere Bevöl=
kerung
wieder geängſtigt und in die größte Bangigkeit verſetzt,
um nicht wieder in den Weinbergen und in der Feldflur durch
Ueberſchwemmungen geſchädigt zu werden. Infolge der ſtarken
Niederſchläge am Nachmittag, brachte das Waſſer wieder größere
Geröllmaſſen von den Hängen aus den Weinbergen mit. Da ſich
diesmal das Wetter bis weit in den Odenwald hineinzog, ſtiegen
der Winkelbach und der Viehwegsbach zu ſolch hoher Fluthöhe
an, daß die Dämme die Waſſermaſſen kaum faſſen konnten. In
der Bachgaſſe konnte ſich ein junger Mann, der einen ſtarken Bal=
ken
aus dem Waſſer herausholen wollte, kaum retten; er wurde
von dem Waſſer umgeriſſen und mit fortgeführt. Unterhalb der
Hoffmannſchen Fabrik war in dem Viehwegsbach die alte Damm=
bruchſtelle
, die nach dem letzten Unwetter vom 31. Mai d. J.
mit Faſchinen ausgebeſſert worden war, wieder durchgeſpült wor=
den
, wodurch das Gewann. Die Wildhub wieder zum großen
Teil unter Waſſer geſetzt wurde. Die hieſige Feuerwehr, die wie=
der
alarmiert worden war, konnte hier bald mit Erfolg abdäm=
men
. Weit größer war die Gefahr an der Einmündung des Vieh=
wegsbachs
zum Winkelbach. Im Winkelbach war die Fluthöhe
derart hoch, daß die dortige Bruchbrücke das Waſſer gerade
noch faſſen konnte. Da aber das Waſſer im Winkelbach höher
ging, als in dem Viehwegsbach, ſtaute ſich vor der Einmündung

der Waſſerlauf des Viehwegsbaches und ging über das nördliche
Ufer und überſchwemmte das Gewann Im Bruch. Die Feuer=
wehr
war auch dort gleich zur Stelle, verſtärkte und erhöhte den
Damm. Zur Vorſorge wurden alle Schließen des Viehwegsbachs
nach der Bahnweide und der Herzwieſe gezogen, daß das
Waſſer dorthin abfließen konnte; es wurde dadurch nicht allein
das Waſſer des Viehwegsbachs, ſondern auch noch Waſſer aus
dem Winkelbach in die Wieſen in den beiden Gewannen abge=
leitet
. Zwiſchen der Grasgärtenſchließe und der Grabenwieſen=
ſchließe
wurde der Damm auf der Oſtſeite des Winkelbachs an
einer Stelle überſpült, ſo daß die dortigen Aecker im Gewann
(Grebenwieſe) auch Waſſer bekamen. Indem die Feuerwehr
an dieſer Stelle den Damm mit Sandſäcken erhöhte und verſtärkte,
konnte größerer Schaden vermieden werden. Der größte Schaden
iſt in unſerer Gemarkung in dem Gewann Tagweide entſtan=
den
. Dort iſt ungefähr 300400 Meter unterhalb der Pfarr=
häuschenbrücke
der weſtliche Damm des Winkelbachs in einer
Breite von zirka 15 Meter durchgebrochen, wodurch das Gewann
überſchwemmt wurde. Die Feuerwehr hat die ganze Nacht ver=
ſucht
, mit Sandſäcken den Durchbruch abzudämmen; ſie konnte je=
doch
die Arbeit bis zum Morgen nicht bewältigen.

Ds. Fränkiſch=Crumbach, 20. Juli. Unwetter. Am Sonn=
tag
entlud ſich über unſerer Gemarkung ein wolkenbruchartiges
Gewitter, das in der Landwirtſchaft große Schäden verurſachte.
Ganze Fluren von Getreidefeldern, die vorher in voller Pracht
ſtanden, ſind jetzt dem Erdboden gleichgewalzt. Auch Obſtbäume
wurden teilweiſe umgeknickt oder durchgeſpalten. Allgemein darf
überhaupt geſagt werden, daß das fortdauernde Regenwetter für
die Landwirtſchaft gerade in dieſer Jahreszeit von erheblichem
Schaden iſt.
* Pfaffen=Beerfurth i. O., 20. Juli. Am Sonntag abend ging
über unſere Gegend ein wolkenbruchartiger Regen nieder. Das
Waſſer kam ſo raſch und in ſolchen Mengen, daß die Leute in
den tiefer gelegenen Stellen gezwungen waren, das Vieh in
Sicherheit zu bringen. Das Waſſer drang in Keller und Ställe ſo
ſtark ein, daß dasſelbe an manchen Stellen die Höhe von einem
Meter erreichte. Das überaus reichliche Ueberlaufen des Hinter=
baches
iſt in der Hauptſache auf die ſchlechte Kanaliſierung und
andere Hinderniſſe an dem Abfluß zurückzuführen. Da wiederholt
Unfälle vorkamen, iſt es ſehr bedauerlich, daß bis jetzt keine Ab=
hilfe
geſchaffen wurde.
A. Schlierbach, 20. Juli. Hochwaſſer. Geſtern Nachmit=
tag
, zwiſchen 5 und 7 Uhr gingen über unſere Gegend mehrere
ſchwere, wolkenbruchartige Regengüſſe nieder. Gewaltige Waſſer=
maſſen
ſtürzten von der Seidenbucher Höhe vom Winkler Buch,
von der Kolmbacher Höhe und von Lindenfels her in den Schlier=
bach
, der in kurzer Zeit reißend anſchwoll und hier beinahe ein
Meter hoch über die Ufer trat und die Straßen überſchwemmte.
In niedergelegene Keller und Ställe drang das Waſſer ein. Da
es aber am Tag war, konnten die Leute ſofort die Waſſermaſſen
abdämmen. Stellenweiſe mußten bereits Viehſtälle geräumt wer=
den
. Schwerer Schaden entſtand auf den Feldern. Das Ge=
treide
liegt da wie gewalzt. Kurz vor der Ernte iſt das um ſo
ſchlimmer, da nun zu befürchten iſt, daß die Frucht auf dem Boden
zu Wachſen anfängt, wenn ſie nicht bald eingebracht werden kann.
Die Kartoffel= und Dickrübenfelder ſind ſtellenweiſe ganz auf=
geriſſen
. Die Provinzialſtraße iſt ſtellenweiſe ganz vom Oberbau
entblößt und muß repariert werden.

Aa. Eberſtadt, 20. Juli. Hochwaſſer der Modau. In=
folge
der ſchweren Regengüſſe der letzten Tage, beſonders der am
Sonntag abend niedergegangenen Niederſchläge, führt die Modau
von ihrem Oberlaufe her große Waſſermaſſen mit ſich, die ihren
allgemeinen Pegelſtand zeitweiſe bis auf einen Meter in die
Höhe brachten. Soweit aber das Mühltal zwiſchen Nieder= Ram=
ſtadt
und Eberſtadt in Betracht kommt, ſind faſt keine Ueber=
ſchwemmungen
zu verzeichnen, was beſonders darauf zurückzu=
führen
iſt, daß das Bachbett der Modau im Mühltal erſt kürz=
lich
ausgehoben wurde.
D. Biblis, 20. Juli. Unwetter. Ueber das ſüdliche Ried
gingen in der Samstagnacht, ebenſo am Sonntag nachmittag
heftige Unwetter hin, die durch wolkenbruchartige Regengüſſe
großen Schaden anrichteten. Teilweiſe waren die Ortsſtraßen
20 Zentimeter unter Waſſer; im Unterdorf drang das Waſſer in
Keller und tiefgelegene Ställe ein. In der Gemarkung ſchlugen
die wolkenbruchartigen Regengüſſe das Obſt von den Bäumen.
Wohl war der Regen für die Spatkartoffeln ſehr gut, durch ſeine
Wucht ſchlug er jedoch das noch ſtehende Getreide vollſtändig
nieder, ſo daß manche Getreidefelder wie gewalzt daliegen. Ueber=
haupt
hat das bereits geſchnittene, noch nicht gebundene und zu
Haufen zuſammengeſtellte Getreide durch den fortgeſetzten Regen
der letzten acht Tage ſtark gelitten. Hauptſächlich die Gerſte iſt
im Liegen bereits gewachſen; der Riedbauer iſt beſorgt um die
vor Wochen noch ſo günſtig ausſehende Getreideernte die durch
das eingebrochene ſchlechte Erntewetter ernſtlich gefährdet iſt.

Prozent bei der Gewerbeſteuer vom Kapital und Ertrag gegen=
über
den 1930er Beträgen gekürzt ſind. Bei Abrechnung von Nach=
(Abſchluß=) oder Herauszahlungen ſind mit den neuen Steuerbe=
ſcheiden
auch die vorläufigen Steuerbeſcheide 1930 vorzulegen.
f. Roßdorf, 20. Juli. Todesfall. Der zweitälteſte Ein=
wohner
unſeres Dorfes, Frau Margarete Nicolay, geb. Schäfer,
iſt im Alter von 90 Jahren geſtorben. Mit ihr iſt eine allſeits be=
liebte
und geachtete Perſönlichkeit dahingegangen. Ein ſtattlicher
Leichenzug gab ihr das letzte Geleite. Frau Nicolay war ſeit 44
Jahren im Witwenſtande. Trotz ihres hohen Alters konnte ſie
bis vor einigen Tagen vor ihrem Tode noch ſtricken und leſen.
In der Grabrede ſchilderte der Ortsgeiſtliche die Verſtorbene, die
von echtem Gottvertrauen beſeelt war, als eine vorbildliche Frau,
wert der Nacheiferung.
f. Roßdorf, 20. Juli. Aus dem Gemeinderat. Beige=
ordneter
Nicolay eröffnete an Stelle des beurlaubten Bürgermei=
ſters
die Sitzung. Die Brauereivereinigung Darmſtadt und Um=
gebung
bittet um Einzug der Bierſteuer direkt von den anſäſſigen
Wirten, was abgelehnt wird. Die Erhöhung der kommunalen
Sondergebäudeſteuer 1931 ſoll auf Antrag aus Billgkeitsgründen
entſprechend den von dem Herrn Finanzminiſter für die ſtaatliche
Sondergebäudeſteuer gegebenen Richtlinien ermäßigt oder erlaſſen
werden, ſoweit eine Berückſichtigung der Richtlinien nicht ſchon
bei Feſtſtellung des der kommunalen Sondergebäudeſteuer 1931
zugrunde gelegten vorläufigen ſtaatlichen Sondergebäudeſteuer=
ſolls
der Pflichtigen ſtattgefunden hat. Anträge auf Ermäßigung
oder Erlaß ſind ſpäteſtens bis zum Ablauf der Rechtsmittelfriſt
für den kommunalen Steuerbeſcheid 1931 bei der Bürgermeiſterei
zu ſtellen. Als Mitglied des Steuerausſchuſſes wurde Gemeinde=
rat
Grünewald wiederum gewählt, als Stellvertreter die Ge=
meinderäte
Rückert und Becker. Pflaſterermeiſter Meyer bittet
bei Herſtellung der Hausanſchlüſſe der Ernſt=Ludwig=Straße auch
um Anſchluß ſeines Anweſens in der Taunusſtraße. Der Ge=
meinderat
ſteht dem Antrag wohlwollend gegenüber, jedoch ſoll
eine endgültige Beſchlußfaſſung nach Benehmen mit der Baulei=
tung
erſt zu gegebenem Zeitpunkte erfolgen. Die Finanzkom=
miſſion
hat für Frau Hebamme Häuſer und die zurzeit in Aus=
bildung
als Hebamme befindliche Frau Gertrude Schüler Ver=
träge
ausgearbeitet, die mit einer kleinen Abänderung Annahme
finden.
T Waſchenbach, 20. Juli. Der in den 60er Jahren ſtehende
Landwirt Jakob Neff iſt ſeit einigen Tagen ſpurlos verſchwunden.
Da der Genannte in letzter Zeit durch die wirtſchaftliche Rotlage,
von einer gewiſſen Schwermut befallen war, ſo dürfte ſich wohl
die Annahme, daß er freiwillig in den Tod gegangen iſt, be=
ſtätigen
.
Br. Seckmauern, 20. Juli. Für die am 2. Auguſt ds. Js. ſtattfin=
dende
Beigeordnetenwahl ſind 3 Kandidaten aufgeſtellt, und
zwar vom Zentrum der ſeitherige Beigeordnete Franz Wolfſtädter, fer=
ner
von der Sozialdemokratiſchen Partei Georg Trumpheller und von
der K.P.D. Aug. Walther 2. Auf der Schiffswerft Erlenbach a. M.,
die ſeither immer gut beſchäftigt war, wurden letzte Woche 20 Arbeiter
wegen Arbeitsmangel entlaſſen.
Bk. Schaafheim, 20. Juli. Schwerer Unglücksfall. Vor=
geſtern
abend gegen 8 Uhr war der 66jährige Landwirt Heinrich
Roth 11. mit Aufräumungsarbeiten wegen der bevorſtehenden Ernte in
ſeiner Scheune beſchäftigt, dabei ſtürzte er ab und fiel mit dem Kopf
auf die zementierte Tenne, wobei er ſich eine ſo ſchwere Kopfverletzung
zuzog, an der er 3 Stunden ſpäter verſchieden iſt. Roth hinterläßt eine
Witwe und 3 erwachſene Söhne, von denen 2 derbeiratet ſind. Es iſt
eine ſeltſame Tragik, daß der Schwiegervater des Bedauernswarten,
Bäckermeiſter Jakob Breitwieſer, vor 20 Jahren genau auf die he Art
tödlich er ſeiner Scheune verunglückte.

Ap. König i. Odw., Stahlbad, 20. Juli. Trotz der wirt=
ſchaftlichen
Notlage, die für die Kur das Schlimmſte befürchten
ließ, betrug in unſerem Stahlbad die Gäſtezahl am 14. Juli ſchon
mehr als 1100. Es iſt dies ein beſtimmtes Zeichen dafür, daß ſich
das Stahlbad König infolge ſeiner herrlichen Lage und ſeiner
preiswerten Verpflegung einer allgemeinen Beliebtheit und
Wertſchätzung bei den Erholungſuchenden erfreut. Aus dem
Gemeinderat. Geſuche einiger Kanalanlieger um Stundung
der Kanalbenutzungsgebühren bis zur Entſcheidung über ein gegen
die diesbezüglichen Ortsſatzungen gerichtetes Verwaltungsſtreit=
verfahren
wurden mit dem Hinweis abgelehnt, daß nach vorlie=
genden
Erklärungen amtlicher Stellen für die Kläger keine Aus=
ſicht
auf ein obſiegendes Urteil beſteht, und andererſeits das Zu=
ſammenfallen
mehrerer Zielbeträge bei ihrer Entrichtung für die
Antragſteller zu Härten führen müßte, Zu dem Konzeſſionsgeſuch

jaht, da es ſich hier um die Uebernahme eines gleichartigen Be=
triebes
handelt. Dem Antrag des Schloſſermeiſters Chriſtian
Schäfer auf Herſtellung des Weges nach den Kreuzäckern wurde
entſprochen. Der an Hand von Plänen eingereichte Vorſchlag des
Herrn O. Mühlhäuſer, hier, zum beabſichtigten Umbau der Waſſer=
leitung
zur Behebung des zeitweiſe auftretenden Waſſermangels
wurde in wohlwollende Erwägung gezogen und ſoll dem Kultur=
bauamt
Darmſtadt zur Begutachtung vorgelegt werden. Eine Lie=
ferung
von 50 laufenden Metern Zementröhren wurde der Firma
Dyckerhoff u. Widmann A.=G., Wiesbaden=Biebrich a. Rh., zum
Preiſe von 3,40 Mk. per Meter übertragen und im Submiſſions=
wege
der Bauunternehmer Joh. Jakob Fleckenſtein 1. mit dem
Verlegen der Kanalröhren, in der Schulſtraße beauftragt. Die
hier entſtehenden Koſten betragen 91,80 Mk. Dem gemeinſamen
Antrag der Müller Ludwig Luſt 2. und Georg Hofferbert 4. wurde
dahingehend entſprochen, daß ſich die Gemeindeverwaltung an den
nachgeſuchten Inſtandſetzungsarbeiten des Mühlgrabens beteiligr.
Ueber die Anlage eines Streichwehres ſoll zunächſt ein Koſten=
voranſchlag
des Gemeindebaumeiſters Koch Aufſchluß geben. In
Ausführung einer Verfügung des heſſiſchen Kreisamtes Erbach
wurde als Vertreter der Gemeinde König im Steuerausſchuß
Herr Bürgermeiſter Hofferbert und zu deſſen Stellvertreter Herr
Beigeordneter Kaufmann Heinrich Keller und Herr Konrad Volt,
Zimmermann, gewählt. Bezüglich Beſtellung eines Dienſtman=
nes
, was die Einführung einer Dienſtmannordnung erforderlich
macht, erhält Herr Bürgermeiſter Hofferbert durch den Gemeinde=
rat
den Auftrag, das Erforderliche vorzubereiten. Zur Bekämp=
fung
des Nachtlärms uſw. wird für die Sommermonate ein Hilis=
nachtſchutzmann
eingeſtellt. Die Stelle ſoll im Wege öffentlicher
Bewerbung, die bis zum 22. d. M. auf dem Rathaus zu erfolgen
hat, beſetzt werden.
m. Vom ſüdlichen Odenwald, 20. Juli. Heidelbeerernte.
Futterausſichten. Andauernd heiße Witterung iſt der Heidel=
beerernte
unzuträglich und kürzt dieſelbe ab, ein tageweiſer Regen ver=
längert
ſie, nach ihm beginnt die Ernte ſozuſagen immer wieder von
neuem. Die nun ſchon einige Tage anhaltende Regenperiode legt die
ganze Ernte aber lahm; die Beeren werden überreif und verkommen, die
Pflückenden haben Hausarreſt. Die Preiſe ſind auch von 20 Pf. pro Pfd.
auf 12 Pf. zurückgegangen, damit wird beſſeres Wetter vorausgeſetzt
die Hausverwertung, d. h. die Wein= und Musbereitung beginnen;
denn bei dieſen niedrigen Preiſen iſt der Selbſtkonſum dieſer Frucht am
rentabelſten. Was der Heidelbeerernte ſchlecht bekommt, das nützt
der Futterernte um ſo mehr. Die Heuernte war meiſt ausgezeichnet, und
bei der herrſchenden Wisterung entwickelt der zweite Futterſchnitt ein
ſo üippiges Wachstum, daß auch dieſer ebenſo ertragreich zu werden ver=
ſpricht
. Für hieſige Gegend, wo mit der Getreideernte noch nicht be=
gonnen
iſt, hat der Regen alſo im allgemeinen noch keinen Schaden
gebracht

[ ][  ][ ]

Nummer 200

Dienstag, den 21. Juli 1931

Seite 7

Vor 90 und 100 Jahren.

Von Pfarrer Arthur Ackermann, Nordheim im Ried.
Eb. In dieſen Tagen ward unſer älteſter Einwohner neun=
zig
Jahre alt, während unſere älteſte Einwohnerin ihren hun= 1653 gegründet hatte. Erſt ſeit 1850 haben wir eine zweite
dertſten Geburtstag feierte. Was ſind das doch für Zahlen: Schule, deren erſter Lehrer Adam Chriſtmann war. Bei Grün=
90 und 100 Jahre. Da kommt uns der Gedanke: wie mag’s wohl, dung der erſten Schulſtelle gibt es hier noch kein eigentliches Schul=
damals
bei uns ausgeſehen haben, als dieſe Alten geboren wur= haus. Der Lehrer wohnt in einem gemieteten Haus und erteilt
den? So wollen wir jetzt einmal zurückgehen in jene Zeiten.
Wir ſchreiben 1841. Wo jetzt unſer Rathaus ſteht, ſehen wir angekauft, das bis 1811 im Gebrauch iſt. Auf dem Anweſen von
ein altes, gar gebrechliches Haus, das alteRathaus. Es läu= Landwirt Peter Fiſenko in der Kirchſtraße ſtand dieſes Haus.
tet noch keine Rathausglocke, denn dieſe wird erſt 1865 von dem
Hlockengießer Andreas Hamm in Frankenthal gegoſſen. Einen als einziger evangeliſcher Lehrer. Er war gebürtig von Hohenſül=
Furm hat das alte Rathaus auch nicht, mithin auch keine Uhr, zen im Kreis Worms, kam 1834 von Odernheim bei Alzey hier=
Dieſe wird erſt 1874 von Uhrmacher Ritzert von Groß=Umſtadt in her und hatte 125 Kinder zu unterrichten. Er ſtarb 1854 im
unſerem Rathausturm aufgeſtellt. 1864 wird unſer neues Rat= 45. Lebensjahre. Sein Grab auf unſerem Friedhof wird von
haus in Gebrauch genommen.
Im Rathaus ſchaltet und waltet vor neunzig Jahren Bür= unterhalten. Die katholiſche Schule wird in der katholi=
germeiſter
Jakob Chriſtmann, der 32 Jahre lang dieſes ſchen Schule von Lehrer Peter Wetzel aus Fehlheim gehalten.
Amt bekleidete. Eine gar lange Amtszeit!
Unſere Kirche, deren Langhaus aus dem Jahre 1817 ſtammt, haus beſteht heute noch, es iſt das in der Rheinſtraße gelegene
während ihr Turm 200 Jahre alt iſt, ward vor neunzig Jahren jetzige Gemeindehaus.
gerade im Innern neuhergerichtet. Die Pfarrei Nord=
heim
umfaßte damals noch die Gemeinden Hofheim und Bob=
ſtadt
. Erſt 1844 wird die ſelbſtändige Pfarrei Hofheim errichtet. Strickſchule für ſämtliche Schulmädchen der Zivilgemeinde er=
Als Pfarrer amtiert 1841 hier Johann Georg Keiber. Er iſt richtet. Als Lehrerin wird Katharina Billau mit einem jähr=
1809 in Villingen in Oberheſſen geboren, und war vor ſeiner lichen Gehalt von 32 Gulden beſtellt.
Nordheimer Tätigkeit Hauslehrer im benachbarten Forſthaus =
gersburg
. Wegen ſeiner früheren Beteiligung an Studentenver= 1841 auf der Südſeite durch eine ihm gleich große Fläche ver=
bindungen
mußte er längere Zeit warten, bis er im Pfarrdienſt größert. Dieſer neue Friedhof wird evangeliſcherſeits am Sonn=
Verwendung findet. Er kommt 1838 als Pfarrvikar hierher und tag vor Allerheiligen 1841 durch Pfarrer Keiber, katholiſcherſeits
wird von Dekan Külp ordiniert. Dekan Külp iſt über vier Jahr= durch Pfarrer Klein aus Wattenheim an Allerheiligen einge=
zehnte
hier tätig und ſtirbt 1842. Sein Grab auf unſerem Fried= weiht,
hof wird von ſeinem Urenkel dem Major und Kammerrat Külp
zu Darmſtadt, unterhalten. Pfarrer Keiber wirkt bis 1876 hier, ſie ſich hier durch ein gutes Einvernehmen zwiſchen
in der Chriſtnacht dieſes Jahres ſcheidet er von dieſer Welt, um den beiden Konfeſſionen und damit auch ihrer Geiſtlichen
in Darmſtadt beerdigt zu werden.
Das älteſte Nordheimer Pfarrhaus ſtand einſtens jetzt ab die Verſtorbenen nicht mehr geſondert nach ihrer Konfeſ=
auf
dem Anweſen des Landtagsabgeordneten Glaſer. Das jetzige ſion zu beerdigen. Der Evangeliſche ſoll neben dem Katholiken
Pfarrhaus gehörte dem früheren Pfarrer Friedrich Karl Wil= ruhen. Freudig ſtimmte der Orts= und beiderſeitige Kirchenvor=
helmy
, von dem noch ein Nachkomme, Oberſtleutnant Wilhelmy, ſtand dieſem Uebereinkommen zu, das ſpäter auch von den ober=
in
Hanau lebt. Pfarrer Wilhelmy erbaute das Pfarrhaus 1775 ſten Behörden genehmigt wird Das ſteinerne Kreuz auf unſe=
und verkaufte es ſechs Jahre ſpäter an die Gemeinde In frühe= rem Friedhof iſt ein Vermächtnis des hier verſtorbenen Komman=
ren
Zeiten betrieb der Pfarrer, auch hier ſeine Landwirtſchaft, deurs, des Herrn von Zu Rhein. Im Jahre 1841 wird die Be=
So wird gerade vor neunzig Jahren, in der Pfarrhofreite der erdigung durch die Nachbarn des Verſtorbenen abgeſchafft. Von
Pferde= und Schweineſtall umgebaut und der Kuhſtall ganz neu der Gemeinde angeſtellte Totengräber und Totenträger beſorgen
gebaut.
von da ab dieſe traurige Arbeit.

Vor neunzig Jahren gibt es hier nur eine Schule, die man
dort auch den Unterricht. Erſt 1710 wird ein eigenes Schulhaus
Vor neunzig Jahren ſtand hier Philipp Konrad Birkenhauer
einem ſeiner Verwandten, dem Notar Dr. Reinhardt in Mainz,
Er hat in unſerer Zeit 25 Kinder zu unterrichten. Dieſes Schul=
Im Jahre 1840 wird bier auch eine Induſtrie= oder
Da ſich der Friedhof als zu klein erweiſt, wird derſelbe
Aus der damaligen Zeit ſei zum Schluß noch berichtet, daß
auszeichnet. So kamen 1841 die beiden Geiſtlichen überein, von

Die Angelfiſcherei im heſſiſchen Reckar.
Bn. In weiten Kreiſen der Angler beſtehen immer noch Un=
klarheiten
darüber, was unter einer einfachen Hand=
angel
, welche allein zum Angeln im heſſiſchen Teile des Neckars
erlaubt, zu verſtehen iſt. Die Folgen hiervon ſind ſtändige Klagen
der Berufsfiſcher und Strafanzeigen. Von zuſtändiger Seite wird
uns nochmals der Begriff der einfachen Handangel erläutert
und eine einwandfreie Aufklärung gegeben, die alle Zweifel aus=
ſchließt
.
Das heſſiſche Fiſchereigeſetz verſteht unter einer einfachen
Handangel: Eine Angel mit einer Schnur, ohne Kurbel, an der
ſich nur ein einfacher Angelhaken mit nur einem natürlichen oder
künſtlichen Köder unter Ausſchluß von lebenden, toten oder
künſtlichen Fiſchen befindet. Die einfache Handangel muß bei be=
wegtem
Waſſer mit dem Strome treiben können, jede Beſchwerung
iſt unſtatthaft. Auch muß die Angel ſtets in der Hand des Fiſchers
bleiben und darf nicht an das Ufer geſteckt werden. Das Angeln
bei Dunkelheit iſt erlaubt, aber nicht bei künſtlicher Beleuchtung.
Das Angeln kann auch von einem Nachen aus betrieben werden,
einerlei ob dieſer im Fluß treibt, oder dort verankert iſt. Voraus=
etzung
zum Angeln im heſſiſchen Teile des Neckars iſt der Beſitz
einer Fiſchereikarte der zuſtändigen Behörde.
Aus dieſer Aufklärung iſt klar zu entnehmen, daß alſo das
Angeln mit der Grundangel und mit Kurbel unterſagt iſt,
und bei Zuwiderhandlung der Angler außer der Strafe mit dem
Einzug ſeiner Fiſchereikarte rechnen muß.
Cr. Steinbach bei Fürth, 20. Juli. Ausder Gemeindever=
valtung
. Am Donnerstag, den 16. d. M., nachmittags 7.30 Uhr,
and in der Wohnung des Herrn Beigeordneten Schütz unter dem Vor=
itz
desſelben und in Anweſenheit von 6 Gemeinderatsmitgliedern eine
urdentliche öffenliche Gemeinderatsſitzung ſtatt. Unter dem Punkt Mit=
eilungen
gab der Vorſitzende dem Gemeinderat verſchiedene Gemeinde=
ngelegenheiten
bekannt. Unter dem Punkt 2 wurde der Wirtſchafts=
lan
für das Wirtſchaftsjahr 1932 genehmigt. Punkt 3 war Bildung eines
Steuerausſchuſſes für die Amtsperiode Mitte 1931 bis Ende 1935. Der
Bemeinderat beſchließt, daß die Vertreter der Gemeinde Fürth die Ge=
neinde
Steinbach in den Steuerausſchuß=Sitzungen mit vertreten ſollen.
e. Bad=Wimpfen, 17. Juli. Kurfeſt. Der Kurgarten im ſchönen
Blütenſchmuck war das Ziel von wohl über 2000 Beſuchern, darunter
iele Fremde. Von Baum zu Baum ſchlangen ſich buntfarbige Lam=
ions
=Girlanden, die gepflegten Raſenflächen waren umſäumt von
Hunderten grünen, gelben, roten und blauen kleinen Lichtern. Das
todern gebauten und ſchön gelegene Kurmittelhaus ragte majeſtätiſch, ge=
chmückt
mit einem grünen Lichtermeer, aus dem Hintergrunde und gab
em ganzen eine weihevolle Stimmung. Programmäßig wurde zuerſt
in Reigen des Jungodenwaldklubs vorgeführt. Die junge Schar er=
ötzte
die Zuſchauer mit ihren friſch=frohen Tänzen. Die beiden Geſang=
ereine
Konkordia und Cornelia mit ihren bewährten und geſchätzten
dirigenten ernteten viel Lob und Beifall. Die Turner gaben ihr Beſtes
nd hielten die Zuſchauer im Bann. Dank und Anerkennung erhielt
uch die fleißige Stadtkapelle für ihre Leiſtungen. Den Abſchluß des
(bends bildete das herrlich gelungene Feuerwerk. Mit dem Wunſche,
echt bald wieder einen ſo ſchönen Abend verleben zu können, trennte
ran ſich. Der Stadtverwaltung, beſonders Herrn Bürgermeiſter Sailer,
ebührt Dank und Anerkennung für die große Mühe. Krieger=
enkmal
Bad Wimpfen am Berg. Gedenket der Toten des
rieges und deſſen, wofür ſie ſtarben. In dieſem Gedanken hat man
nſerem Kriegerdenkmal in den letzten Tagen einen einheitlichen und
üirdigen Blumenſchmuck gegeben, der allgemein lebhafte Bewunderung
ervorrief. Allen denen, die zum Gelingen dieſer Arbeit beigetragen
der ein Scherflein dazu hergegeben haben, gebührt Dank. Wie man
ört, iſt noch die Anpflanzung einer Hecke rechts und links des Denkmals
eplant, damit das Denkmal nach beiden Seiten des alten Friedhofes hin
nen ſchönen Abſchluß erhält.
Hirſchhorn, 20. Juli. Waſſerſtand des Neckars am
3. Juli 2,28 Meter, am 20. Juli 4,28 Meter.
O. Reichenbach, i. O., 20. Juli. Rudi=Wünzer=Ruhe. Zu
hren des verſtorbenen Odenwaldfreundes Rudi Wünzer hat der
eſige Verkehrsverein mit Einverſtändnis von Wünzers Angehörigen,
ne Nuhe nach ihm benannt und mit einer Tafel verſehen. Die Rudi=
Füinzer=Ruhe befindet ſich zwiſchen dem Ehrenmal und dem Borſtein
nd bildet einen der ſchönſten Ausſichtspunkte in der Umgebung Reichen=
ichs
. Weit über die Odenwaldberge hin ſchweift von hier der Blick,
der die Burgen der Bergſtraße bis hinüber zum Rhein. So ſtellt dieſe
uhe eine ganz einfache aber würdige Chrung des bekannten Odenwald=
eundes
dar und dürfte insbeſondere bei den Mitgliedern des Oden=
aldklubs
, die in unſere Gegend kommen, Beachtung finden.
Seeheim, 20. Juli. 2. Stiftungsfeſt und Ver=
flichtungsfeier
des Bundes Königin Luiſe. Das
deite Stiftungsfeſt feierte die Ortsgruppe Jugenheim=Seeheim
eſes Jahr in den Räumen der Ortsgruppenführerin Frau Roſa
ürr im Stettbachertal. Eine beſondere Weihe wurde dem Abend
durch gegeben, ernſt und feierlich war die Stimmung. Auf
ne kurze Begrüßung der Ortsgruppenführerin folgte ein Vor=
ag
der zweiten Ortsgruppenführerin, Frl. G. Boſſe, über die
Hottloſen=Bewegung. Mit einem Ausſpruch Bismarcks: Wir
eutſche fürchten Gott, ſonſt nichts auf der Welt! endete der
ortrag. Einige Worte der Gauführerin Frau Stiebler, und Ge=
ng
beendeten den erſten Teil der Feier. Nach einer kurzen Kaffee=
uſe
fand die feierliche Verpflichtung von einigen Kametadin=
n
ſtatt. Die Gauführerin hielt eine ſehr ernſte, eindringliche
aſprache über die Pflichten im Bunde, echte Kameradſchaft in=
nander
übergehend in unſeren Wahlſpruch: Ich dien Sie ſchloß
it einem Ausſpruch der Kronprinzeſin Cecilie, der Schirmherrin
S Bundes Königin Luiſe: Deutſch ſein heißt gut ſein,
eu ſein und echt, kämpfen für Freiheit Wahrheit und
echt. Deutſch ſein, heißt ſtark ſein, zähe und hart, gilts
beſchützen , die altedeutſche Art. Zwei Konzertſtücke, Prälu=
um
von Bach, und Ich ruf zu dir, Herr Jeſu Chriſt, auch von
ach, erhöhten die feierliche Stimmung. Gedichtvorträge und Ge=
ng
beſchloſſen den ſchönen Abend.

Groß=Gerau, 20. Juli. In den Berichten über die Blut=
tat
, der zwei Arbeitsloſe zum Opfer fielen, wurde anfänglich
der Name eines Kaufmannes Schad genannt, der mit der An=
gelegenheit
in Verbindung geſtanden haben ſoll. Es wurde
gleich richtig geſtellt, daß nicht er es war, der die Piſtole zur
Verfügung ſtellte. Wir werden jetzt gebeten, darauf aufmerk=
ſam
zu machen, daß der genannte Karl Schad nicht identiſch iſt
mit dem Beſitzer Wilhelm Schad des Groß=Gerauer Möbel=
und Warenhauſes, Frankfurter Str. 6.
Gernsheim, 20. Juli. Waſſerſtand des Rheins
am 19. Juli 2,28 Meter, am 20. Juli 2,62 Meter.
Cp. Schneppenhaufen, 18. Juli. Beigeordnetenwahl. Der
Gemeinderat hat als Termin für die fällige Beigeordnetenwahl den 16.
Auguſt beſtimmt. Außerdem genehmigte er die neuen Steuerausſchlags=
ſätze
.
Da. Egelsbach, 18. Juli. Das Standesamtsregiſter weiſt
aus dem 2. Vierteljahr 1931 nach: 9 Geburten, 6 Sterbefälle, 4 Ehe=
ſchließungen
. Am heutigen Tage konnte Herr Daniel Ries geiſtig
und körperlich friſch, ſein 86. Lebensjahr vollenden. Herr Ries iſt Vete=
ran
von 1870/71 und 1866.

Einweihung des Pharmazenkiſchen Laborakoriums
des Liebig=Mmeums Gießen.
* Gießen 19. Juli. Die Tagung der Geſellſchaft Liebig=
Muſeum in Gießen war für die pharmazeutiſche Wiſſenſchaft und
den Apothekerſtand ein bedeutungsvolles Ereignis, die zahlreiche
und hervorragende Vertreter entſandt hatten. Außerdem waren
etwa 20 noch lebende Nachkommen und Verwandte Juſtus v. Liebig
aus Amerika, der Schweiz und dem Reich erſchienen. Leider waren
vom Vorſtand der Geſellſchaft Direktor Dr. Fritz Merck=Darmſtadt,
Direktor Dr. Buchner=Hannover durch eine Englandeiſe am Er=
ſcheinen
verhindert. Der wiſſenſchaftliche Sachbearbeiter des Mu=
ſeums
, Dr. Fritz Hildebrandt=Hannover, mußte infolge eines Auto=
unfalles
abtelegraphieren. Geheimer Medizinalrat Univerſitäts=
Profeſſor Dr. Sommer=Gießen gab in ſeiner Begrüßungsanſprache
einen kurzen Rückblick über die langwierigen Verſuche der Wieder=
herſtellung
des pharmazeutiſchen Laboratoriums Juſtus v. Liebigs,
die ſeit 1911 andauerten. Bereits 1914 wurde mit der Wieder=
herſtellung
der alten Herde begonnen, die durch den Krieg und
Inflation unterbrochen und erſt durch die Vermittelung einer
Spende fortgeſetzt wurde. Bei der Rekonſtruierung halfen neben
Literaturangaben beſonders ein alter Inſtitutsdiener Fink. Zur
Vollſtändigkeit fehlen nur noch ein alter Deſtillationsapparat und
ein durch einen Rauchabzug gegen giftige Gaſe geſchützter Arbeits=
tiſch
, für deren Aufſtellung die Mittel fehlen. Heute ſtehen im
Laboratorium noch das Diorama des chemiſchen Laboratoriums zu
Liebigszeiten, das Modell einer Apotheke von Waslé in Schlitz,
eine Schenkung von Frau Dr. Flimme, in der zuerſt das künſtliche
Indigo hergeſtellt wurde, und eine Ausſtellung von Liebigs Fleiſch=
extrakt
. Durch Vermittlung von Dr. Kortum. einem Nachkommen
von Prof. Wurzer=Marburg, Liebigs Freund, konnten hochinter=
eſſante
Briefe und Erinnerungen u. g. auch über Analyſe von
Mineralquellen, die eine methodiſche Fortſetzung ſpäter in Bad
Salzhauſen und Nauheim gefunden hat, ausgeſtellt werden.
Von den anweſenden Nachkommen konnte der Vorſitzende be=
ſonders
Georg Liebig, den 83jährigen Neffen J. v. Liebigs aus
Lauenſtein, C. Liebig aus Valparaiſo, Geſchwiſter Knapp aus
Baſel, Exzellenz, Frau Geheimrat A. v. Harnack, geb. Thierſch,
Medizinalrat Dr. Thierſch aus Dresden, Landgerichtsrat Jöckel=
Gießen u. a. begrüßen. Der langjährige, erfolgreiche Mitarbeiter
des Muſeums, Univerſitäts=Profeſſor Dr. Kurt Brand=Marburg,
hielt die Feſtrede über das Thema: Der Einfluß von Juſtus
v. Liebig auf die Entwicklung der pharmazeutiſchen Chemie mit
einer eingehenden Ueberſicht über die Entwicklung des von Liebig
in Gießen gegründeten chemiſch=pharmazeutiſchen Lehrinſtituts,
von dem Wurzer ſpäter ſagte, daß die hier gelehrte Pharma=
zeutie
die Pflanzſchule für Techniker, Apotheker uſw wurde, und
der Förderung, die dadurch dem Apothekerſtand geſchaffen wurde.
Nach dem mit Beifall aufgenommenen Vortrag überreichte
Geh.=Rat Sommer Univ=Prof. Dr. Brand für ſeine verdienſtvolle
Tätigkeit die Goldene Liebig=Medaille, die der Geehrte als eine
Auszeichnung des geſamten Apothekerſtandes, zumal Liebig wie
Brand ſelber aus dieſem hervorgegangen ſind, aber auch als Aus=
druck
der verbindenden Kollegialität der Gießener Alma mater
Audonioanz der Brand früher angehörte, entgegennahm Die
erſte Medaille einer neuen, von Konſervator Dr. Oskar Paret=
Stuttgart beſorgten Ausgabe wurde Med.=Rat Dr. Thierſch=
Dresden verliehen für eine wertvolle Ueberlaſſung von Erinne=
rungen
und als der Seele des heutigen Liebigtags, die um ſo höher
eingeſchätzt werden, als Med.=Rat Dr. Thierſch verlockenden Ange=
boten
des Auslandes ſtandgehalten und ſeinen Patriotismus be=
wieſen
hat. An Hand ſeiner beſonderen Methodik der Familien=
forſchung
ſprach Geh.=Rat Sommer noch über die Nachkommen=
ſchaft
Liebigs und von ſeinen Geſchwiſtern, wobei er beſonders
der Mithilfe von Prof. Gottfr. Praetorius=Darmſtadt
gedachte.
Aus der Familie Klung fehlen noch Angaben, die in beſchei=
denem
Maße ſehr wichtig für das vorhandene Material ſein
können. Mit Dr. Hildebrandt zuſammen ſoll die Herausgabe von
40 Briefen Liebigs erfolgen. Am Schluß der Tagung überreichte
Georg Merck=Darmſtadt namens ſeiner Mutter die Gol=
e
Wöhler=Medaille als Geſchenkgabe für das Muſeum. Die
Familienglieder Liebigs verſammelten ſich auf der Liebigs=
höhe
, dem einſtigen Wohnſitz J. v. Liebigs, zu intimerem Aus=

tauſch.

K=

Machthadlen-Einggeihung . Kauheine

Nauheim, 20. Juli.
Wie wir bereits kurz berichteten, wurde am geſtrigen Sonn=
tag
in Nauheim die Großmarkthalle des Gemüſe= und Obſtgroß=
marktes
(Stoga=Großmarkt) in Nauheim eingeweiht. Damit iſt
ein großer Schritt zur Förderung des Abſatzes der landwirtſchaft:
lichen Produkte und zur Standardiſierung und ſomit zur Beſſe=
rung
der Lage der deutſchen Landwirtſchaft ganz allgemein ge=
tan
, ſtehen doch bereits dieſem Gedanken annähernd 2500 in land=
wirtſchaftlichen
Genoſſenſchaften zuſammengeſchloſſene Landwirte
nahe. Die Feier war in beſcheidenem Rahmen gehalten, dem
Ernſt der Zeit entſprechend. Die Bedeutung dieſes Werkes kam
aber ſchon rein äußerliche in der ſehr zahlreichen Beteiligung an
dieſer Einweihungsfeier zum Ausdruck. Unter den Ehrengäſten
bemerkte man u. a. Miniſter Korell, Kreisdirektor Dr. Merck die
Vertreterinnen des Hausfrauenbundes die Vertreter der Heſſi=
ſchen
Landwirtſchaftskammer und landwirtſchaftlicher Organiſa=
tionen
.
Die Teilnehmer an der Feier verſammelten ſich in der feſt=
lich
geſchmückten Halle. Die vorzügliche Muſikkapelle leitete das
Programm mit dem Choral Das iſt der Tag des Herrn ein Es
folgte der erhebende Geſangsvortrag des Geſangvereins Ein=
tracht
Nauheim Die Himmel rühmen‟. Die Begrüßungs=
anſprache
hielt der Vorſitzende des Aufſichtsrats Wilh. Berz,
der u a. folgendes ausführte:
Warenüberfluß und wirtſchaftliches Elend, dem ſelbſt das
glückliche Amerika nicht entgehen konnte, halten in der ganzen
Welt unvermindert an. Möge unſere deutſche Heimat, die gerade
in dieſen Tagen eine bemerkenswerte Widerſtandskraft gezeigt
hat, die in den letzten Wochen Gold= und Deviſenabzüge von ge=
waltigem
Ausmaß über ſich ergehen laſſen mußte, möge unſer
ſchwer um ſein Daſein ringendes Volk doch recht bald einer beſſeren
und ſchöneren Zukunft entgegengehen. Dieſen Wunſch, dieſe Hoff=
nung
ſtelle ich der heutigen Feier der Einweihung der Markthalle
des Gemüſe= und Obſtgroßmarktes Nauheim voran. Dunkle Wol=
ken
zeigten ſich ſchon am politiſchen Himmel, als wir unter zahl=
reicher
Beteiligung am 16. November 1930 den Grundſtein zu
dieſer Halle legten.
Um der Leiſtungsfähigkeit der Genoſſenſchaft wie überhaupt
den ganzen Verhältniſſen in Gegenwart und Zukunft gebieteriſch
Rechnung zu tragen, ſollte kein ſtolzer Bau errichtet werden,
ſondern eine Halle exſtehen, die nur ihrem ureigenſten, ſatzungs=
gemäßen
Zwecke, der Förderung des Anbaues und der Verwertung
von Gemüſe und Obſt dient, eine Halle, die heute mit der Weihe
endgültig ihrer Vollendung und Beſtimmung entgegengeführt
werden ſoll. Nicht geringe, oftmals aber auch ganz unberechtigte
Schwierigkeiten haben die Erſtehung der Halle gefährdet. Um
ſo mehr iſt es in dieſer feierlichen Stunde für uns, insbeſondere
aber für die Organe der Genoſſenſchaft, Aufſichtsrat und Vorſtand.
ein Gebot, zu erkennen, was uns der Bau dieſer Halle bedeutet
und aus welcher Geſinnung heraus er geſchaffen wurde. Mit der
heutigen Feier, die nur einfach und ſchlicht ſein kann, wollen wir
vor aller Oeffentlichkeit zeigen, daß wir trotz aller auferlegten
Beſchränkungen und allergrößter wirtſchaftlicher Not die Kraft
finden, nicht abzulaſſen von dem von uns als richtig erkannten
und nun einmal eingeſchlagenen Weg. Eine Genugtuung iſt es
uns hier, ſagen zu dürfen, daß viele behördlichen Stellen, ihre
Freude über das erſtandene Werk uns zum Ausdruck gebracht und
ihr Bedauern ausgeſprochen haben, heute nicht hier ſein zu kön=
nen
. Eine große Anzahl von Telegrammen iſt eingegangen von
Geſchäftsfreunden mit dem Wunſche, daß ſich der Markt gut
weiter entwickeln möge.
Der Redner hieß dann beſonders alle Ehrengäſte willkommen,
namentlich u. a. Miniſter Korell, Miniſterialrat Becker, Kreis=
direktor
Dr. Merck, die Vertreter des Kreisamts Mainz, des Land=
wirtſchaftskammerausſchuſſes
, der Landwirtſchaftskammer, der
Heſſiſchen Landwirtſchaftsämter, den Abg. Glaſer, die Vertreter
der Bauernſchaft, der Landwirtſchaftlichen Zentralgenoſſenſchaft,
des Reichsverbandes des deutſchen Gartenbaues, den Bürger=
meiſter
von Nauheim die Vertreterinnen des Verbandes Deutſ=
Hausfrauenvereine, Landesverband Heſſen, die Vertreter der he=
freundeten
landwirtſchaftlichen Verbände und Organiſationen der
Preſſe uſw. und beſonders alle anweſenden Mitglieder. Mögen

alle die Ueberzeugung mit nach Hauſe nehmen, daß der Nauheimer
Markt ſeine Halle nicht zum Selbſtzweck allein ſchuf, ſondern daß
es ſein Beſtreben iſt, im Verein mit den Nachbargenoſſenſchaften
und darüber hinaus den Abſatz der landwirtſchaftlichen Erzeug=
niſſe
in weitgehendſtem Maße aufzunehmen, wobei er ſich nicht der
Tatſache verſchließt, daß auf dem Gebiete der Standardiſierung
noch ganz erhebliche Arbeit geleiſtet werden muß zum Wohle unſe=
res
Vaterlandes.
Die Leitung der Genoſſenſchaft weiß ſich eins mit ihren Füh=
rern
in Reich und Land, daß die Lage des deutſchen Obſt= und
Gemüſebaues dringender Hilfsmaßnahmen bedarf. Die Ueber=
ſchwemmung
des deutſchen Marktes droht die mit großen Koſten
geſteigerte inländiſche Produktion ſowie die Förderung des Ab=
ſatzes
lahmzulegen. Wir ſind von der Notwendigkeit überzeugt,
daß nur durch äußerſte Anſpannung aller eigenen Kräfte in den
Erzeugerkreiſen an der Ueberwindung der wirtſchaftlichen Not
mitgearbeitet werden muß, um der Staatshilfe die erforderliche
Ergänzung zu verſchaffen. Dazuſind aber notwendig in
ſich feſtgefügte Genoſſenſchaften mit klaren
volkswirtſchaftlichen Grundſätzen. Hierfür möge
uns dieſe Halle Sinnbild und Bürgſchaft ſein.
Nach dem Muſikſtück, Largo von Händel, hielt Direktor Feld=
mann
eine Weiherede, in der er auf die Vorgeſchichte der
Halle und deren Entwicklung beſonders hinwies. Mit dem Wunſche,
einig zu ſein, und einem herzhaften Glück auf ſchloß er ſeine
Anſprache.
Miniſter Korell dankte namens der heſſ. Staatsregierung
und beſonders für ſein Miniſterium, ſowie im Namen der Staats=
behörden
und Landwirtſchaftsämter für die Einladung. Er wies
auf die Bedeutung der Halle, für die Landwirtſchaft hin. Eine
Aenderung der Warenverteilung nach modernen Grundſätzen ſei
unbedingt nötig. Die Landwirte bilden zuſammengeſchloſſen eine
Macht, möge daher enges Zuſammenarbeiten die Landwirtſchaft
wieder hoch führen. Als Patengeſchenk übergab der Miniſter
aus ſeinem Dispoſitionsfonds 500 Mark der Marktgemeinſchaft
Nauheim für irgend einen Zweck. Er ſchloß mit den Worten, nicht
die Halle, nicht der Körper, der Geiſt iſt es, der lebendig macht.
Abg. Glaſer (Ldbd.) ſprach für die Heſſ. Landwirtſchafts=
kammer
und ſeine Fraktion. Die Halle beweiſe, daß in Nauheim
und Umgebung geſunder genoſſenſchaftlicher Geiſt herrſche. Mit
Gottvertrauen in ſchwerer Zeit müſſe man durch Geiſt und Fleiß
die Situation zu meiſtern verſuchen, dann werde man nicht unter=
gehen
.
Es folgten dann eine große Reihe von Glückwunſchanſprachen,
u. a. von Dr. Hillemann für die heſſ. Landw. Genoſſenſchaft Darm=
ſtadt
und die landw. Zentralgenoſſenſchaft, von Frau Prof. Al=
tendorf
für die Hausfrauenverbände, wobei die Rednerin be=
ſonders
auf die Unterſtützung der Landwirtſchaft durch die Hausfrau
hinwies, durch Beherzigung der Pflicht, deutſche Waren zu kaufen
und zu verkonſumieren, von Landesobſtbauoberinſpekor Pfeif=
fer
auch für den Reichsverband des deutſchen Gartenbaues Ber=
lin
, und von Landwirt Jakobi=Königſtädten, der beſonders auf
die Notwendigkeit engſten Zuſammenſchluſſes hinwies. Der Bauer
wolle nichts anderes, als das erhalten, was er von ſeinem Vater
ererbt habe, er arbeite für ſein Vaterland und ſein Volk. Im
Anſchluß an dieſe Anſprachen brachte Miniſter Korell ein begei=
ſtert
aufgenommenes dreifaches Hoch auf Deutſchland aus. Die
Strophe Einigkeit und Recht und Freiheit wurde ſtehend ge=
ſungen
.
Nach einer Geſangsdarbietung durch die Sängervereinigung
Germania Nauheim hielt Direktor Bernhardt einen kur=
zen
Vortrag über Werdegang und Ziele der Genoſſenſchaft
Schließlich ſprachen noch ihre Glückwünſche aus der Vorſitzende
des Bezirksausſchuſſes der Landwirtſchaftskammer für den Kreis
Groß=Gerau und Bürgermeiſter Kaul, der zugleich einen hiſto=
riſchen
Ueberblick über die Tätigkeit der Nauheimer gab, bis ſie
ſich intenſiv der Landwirtſchaft zuwandten.
Mit einem Geſangsvortrag, der Arbeiter=Sport= und Sänger=
vereinigung
Empor zum Licht und einigen Muſikſtücken war die
Feier beendet. Abends bildete ein ſtark beſuchtes volkstümliches
Konzert den Abſchluß des bedeutungsvollen Tages für Nauheim
und das ganze Gerauer Land.

[ ][  ][ ]

Seite 8

Reich und Ausland.
700-Jahr-=Feier der Stadk Wolfhagen.
Wolfhagen (Bez. Kaſſel). Die Stadt
Wolfhagen feierte am Samstag und Sonntag
ihr 700jähriges Geburtstagsfeſt. Die ganze
Stadt prangte im Feſtſchmuck. Am Samstag vor=
Mttag wurde die Feier mit einer Weiheſtunde
auf dem Ehrenfriedhof, wo man der Gefallenen
gedachte, eingeleitet. Der Nachmittag gehörte
Bem Sport. Samstag abend verſammelte ſich
die Bürgerſchaft im Feſtſpielzelt zu einer allge=
meinen
Feſtverſammlung. Am Sonntag ſtrebte
eine wahre Völkerwanderung per Auto, Omni=
bus
, Leiterwagen, mit Fahrrädern und zu Fuß
der Feſtſtadt zu. Am Morgen um 7 Uhr hatten
Bürgergardiſten in ihren hiſtoriſchen Uniformen
die Tore und die Wachen am Marktplatz beſetzt.
Um 9.30 Uhr hatte ein Feſtgottesdienſt in der
Stadtkirche ſtattgefunden, dem ſich um 11 Uhr
ein Konzert auf dem Marktplatz anſchloß. Von
1 Uhr ab bildete ſich auf ſämtlichen Straßen,
die der Feſtzug durchziehen mußte, ein dichtes
Spalier von Zuſchauern. Auf der Ehrentribüne
vor dem Rathaus hatten u. a. Oberpräſident
Haas, Regierungspräſident Dr. Friedensburg,
Landeshauptmann von Pappenheim und der
Kaſſeler Oberbürgermeiſter Dr. Stadler Platz
genommen. Kurz nach 2 Uhr ſetzte ſich die Spitze
des von Willi Schmidt, Kaſſel, zuſammenge=
ſtellten
, impoſanten Zuges in Bewegung. Er
bot eine lückenloſe Chronik der Geſchichte der
Stadt Wolfhagen. Am Abend bildete ein großes
Feuerwerk den Abſchluß des glänzend verlau=
fenen
Heimatfeſtes.

Prof. Hermann Hendrich tödlich verunglückt.
Schreiberhau. Der Ehrenbürger der
Gemeinde Schreiberhau, der bekannte Maler
Profeſſor Hermann Hendrich, wurde am Sams=
tag
nachmittag beim Ueberſchreiten des Bahn=
überganges
vom Zuge erfaßt; er wurde zur
Seite geſchleudert und erlitt durch den Sturz
ſo ſchwere Verletzungen, daß der Tod auf der
Stelle eintrat. Profeſſor Hendrich hat ein Alter
von 77 Jahren erreicht.

Ein Auto mit fünf Perſonen in die Lahn
geſtürzt.
Naſſau (Lahn). Am Sonntag früh ſtürzte
ein Perſonenwagen auf der kurz hinter der
Stadt ſteil abfallenden Straße nach Bad Ems,
anſcheinend durch Verſagen der Steuerung, in
die Lahn. Die fünf Inſaſſen, davon drei Kin=
der
, konnten, da der Wagen nicht ganz unter=
gegangen
war, glücklicherweiſe gerettet werden;
ſie wurden ins Krankenhaus gebracht. Der
Wagen, eine Limouſine, konnte durch Pferde
wieder aus dem naſſen Element geborgen
werden.
Flugzeuge verfolgen Brieftaube.
Bochum. Im Auftrage der Staatsanwalt=
ſchaft
Bochum verfolgten am Sonntag vormit=
tag
, gegen 11 Uhr, zwei Sportflugzeuge des
Luftfahrtvereins Eſſen=Oberhauſen eine Brief=
taube
, die zu erpreſſeriſchen Zwecken einem
Bochumer Bürger zugeſandt worden war. Das
Unternehmen gelang glänzend. Von beiden Flug=
zeugen
aus konnte der Schlag feſtgeſtellt und
photographiert werden, in dem die Taube ein=
flog
. Der im Kraftwagen folgenden Polizei
gelang es dann, an Hand einer abgeworfenen
Skizze die ſofortige Verhaftung des mutmaß=
lichen
Täters vorzunehmen, der von einem
Bochumer Bürger 200 Mark erpreſſen oder an=
dernfalls
ſeinen Bauernhof in Brand ſtecken
wollte.
Schwerer Omnibus=Unfall.
Wetter (Landkreis Hagen/Ruhr). In der
als gefährlich bekannten Kurve auf der Chauſſee
WetterGrundſchöttel verlor am Sonntag nach=
mittag
der Chauffeur eines Privatautobuſſes
die Gewalt über den Wagen. Er lenkte dieſen
geiſtesgegenwärtig in den Straßengraben, wo
der Omnibus umſchlug. 15 Inſaſſen wurden ver=
letzt
, davon vier ſchwer. Mehrere Perſonen
wurden in das Krankenhaus in Wetter ein=
geliefert
.
Schwere Bluttat.
Weiden (Oberpfalz). Eine ſchwere Blut=
tat
wurde in der Nacht zum Sonntag in dem
Dorfe Wendersreuth verübt. Das Gaſtwirtsehe=
paar
Schieder wurde vorgeſtern früh in ſeiner
Wohnung ermordet aufgefunden. Auch ihr zwei=
jähriges
Kind war durch einen Beilhieb ſchwer
verletzt worden und iſt ſpäter ſeinen Ver=
letzungen
erlegen. Unter dem Verdacht der
Täterſchaft wurde der Bruder des Gaſtwirts
verhaftet und in das Landgerichtsgefängnis
in Weiden eingeliefert.

Zum 50. Geburkskag des Ober=
präſidenken
von Heſſen=Raſſan.

Der Oberpräſident von Heſſen=Naſſan,
Auguſt Haas,
ert am 21. Juli ſeinen 50. Geburtstag. Ge=
ren
in Waldbröl (Rheinland), war er län=
re
Zeit hindurch Beigeordneter der Stadt
öln und Mitglied des Provinziallandtags und
Provinzialausſchuſſes der Rheinprovinz.

Dienstag, den 21. Juli 1931

Nummer 20

Funkbild von der Ankunft der ungariſchen Ozeanflieger in Budapeft.

Die Ozeanflieger Alexander Magyar (links) und Georg Endres fahren in Budapeſt ein.
Mit einem Flug von 13 Stunden 50 Minuten ſtellten die ungariſchen Flieger Magyar und Endres
einen neuen Rekord in der Ueberfliegung des Ozeans auf. Die Flieger, die den ganzen Weg in
dichtem Nebel hatten zurücklegen müſſen, landeten wenige Kilometer vor Budapeſt, von wo ſie im
Triumph nach der ungariſchen Hauptſtadt eingeholt wurden.

30 000 Kilomeker im Segelſchiff
über den Ozean.
Der Segelkutter Gullmarn
im Hafen von Sidney.
Oben links: Der Auſtralier Benſon.
Rechts: Der Norweger Anders Johannſon.
In einem acht Meter langen Fiſchkutter
ſind der Norweger Johannſon und der
Auſtralier Benſon von Schweden über
Nordamerika durch den Panama=Kanal
bis nach Auſtralien geſegelt. Die faſt
30 000 Kilometer lange Fahrt wurde
unter ungeheuren Strapazen in zehn Mo=
naten
zurückgelegt.

0raf Hespeiin sar deing Hahri veien.

Friedrichshafen. Das Luftſchiff Graf
Zeppelin, das am kommenden Freitag zu ſeiner
für ſechs Tage berechneten Arktisfahrt aufſteigen
wird, iſt für die Zwecke dieſer Fahrt ſo gut wie
umgebaut, ſo daß ſchon in den nächſten Tagen
eine letzte Werkſtättenfahrt ausgeführt werden
kann. Die Halle bietet das Bild einer General=
überholung
des Luftſchiffes, denn diesmal han=
delt
es ſich ja nicht um eine Paſſagierfahrt, ſon=
dern
um eine wiſſenſchaftliche Expedition. Die
Paſſagiergondel iſt äußerlich wie innerlich voll=
kommen
verändert. An Stelle des bisherigen
Bodenbezugs iſt eine waſſerdichte, gummierte
Hülle getreten. Der Puffer iſt verſchwunden.
Man baut einen ſtärkeren und größeren an, der
eine Waſſerverdrängung von zirka 5 bis 6
Tonnen aufweiſen ſoll. Der Peilring hängt jetzt
ſieben Meter unter der Bugſpitze, weil die Peil=
verſuche
gezeigt haben, daß er zu nahe der Funk=
ſtation
laa. Neue Entlüftungsanlagen ſind an=
gebaut
, ebenſo hat man zur Vornahme photo=
graphiſcher
Aufnahmen in einem Raum einer
ziemlich weit nach hinten liegenden Schlafkabine
einen Durchlaß=Schacht eingebaut. Ein ſolcher
befindet ſich auch ungefähr in der Mitte des
Schiffes. An dieſer Stelle will der ruſſiſche Luft=
fahrtſachverſtändige
Prof. Moltſchanow einen
gasgefüllten Ballon von etwa 2 Meter Durch=
meſſer
ablaſſen. Dieſer Ballon iſt mit einem
Gewicht beſchwert, das beim Aufſtoß auf das
Eis automatiſch ausgelöſt wird. Man rechnet
damit, daß dieſer Ballon bis 15 000 Meter auf=
ſteigen
kann. Außer dem Meßapparat führt er
einen beſonders konſtruierten Funkſender von
größter Leichtigkeit mit ſich, der die Wiſſen=
ſchaftler
im Luftſchiff drahtlos über die gemeſ=
ſene
Temperatur= und Feuchtigkeitsverhältniſſe
unterrichten ſoll. Für die Bodenforſchung ſteht
eine Reihe von Schlauchbooten zur Verfügung,
die dieſer Tage auf dem Bodenſee ausgeprobt
wurden. Auf dieſen Gummiſchlauchbooten will
man Eisſchlitten, Zelte, Proviant uſw. beför=
dern
. Außerdem ſtehen ein Rettungsboot aus
Gummi und zwei Kajaks zur Verfügung. Für
die magnetelektriſchen Meſſungen iſt unter Be=
ſeitigung
ſämtlicher Stahlteile ein Schlafraum
hergerichtet worden. Das Innere der Paſſagier=

gondel, aus der ſämtliche Möbel uſw. entfernt
ſind, zeigt einen einzigen, zirka zwei Meter
langen, ſchmalen Tiſch, zu dem aus leichteſtem
Metall noch Sitzgelegenheiten angefertigt wer=
den
. Ebenſo iſt der geſamte Proviant in der
zweckentſprechendſten Weiſe untergebracht, und
um weiteren toten Ballaſt zu erſparen, hat man
ſogar den größten Teil der Küche abmontiert.
Man wird das Eſſen von Papptellern nehmen,
um dieſe dann über Bord zu werfen. Drei
Mannſchaftsaufenthaltsräume haben der Unter=
bringung
der zahlreichen wiſſenſchaftlichen In=
ſtrumente
weichen müſſen. Die Schlafräume
ſind verkleinert uſw. Das Luftſchiff, das Zwi=
landungen
in Berlin und Leningrad vornehmen
wird, hat außer den 16 Fahrtteilnehmern
29 Mann Beſatzung.
Zwei amerikaniſche Gäſte

Links: Der amerikaniſche Polarforſcher Lin=
colm
Ellsworth nimmt im Auftrage der Ameri=
kaniſchen
Geographiſchen Geſellſchaft an dem
Arktisflug des Graf Zeppelin teil. Rechts:
Der amerikaniſche Zinkmillionär William B.
Leeds wird ſich durch Teilnahme an der Polar=
fahrt
den Ehrennamen des erſten Nordpol=
touriſts
erwerben.

Aufruf zur Schaffung eines Söderblom=Fonds.
Stockholm. Hier wurde ein Aufruf er=
laſſen
, in dem die geſamte Bevölkerung Schwe=
dens
aufgefordert wird, an der Bildung eines
Fonds teilzunehmen, der den Namen des ver=
ſtorbenen
Erzbiſchofs Söderblom tragen ſoll.
Der Fonds ſoll zur Verwirklichung der großen
Gedanken Söderbloms ökumeniſche Arbeit,
Völkerverſtändigung, Friede, die Einheit der
Kirchen uſw. dienen. Der Aufruf iſt vom
Kronprinzen und 30 hervorragenden Perlönlich=
keiten
unterzeichnet.

Eisbrecher Malygin zur Polarfahrt
ausgelaufen.
Moskau. Der Eisbrecher Malygin hat
Samstag abend ſeine Fahrt in die Arktis an=
getreten
. An Bord befanden ſich ausländiſche
Reiſende und Vertreter der ausländiſchen und
der Sowjetpreſſe. Der Eisbrecher trägt 12000
Briefe mit ſich, die dem Graf Zeppelin in der
Polarzone übergeben werden ſollen. Genau um
Mitternacht verließ der Malygin das Weiße
Meer.

Der Rieſenbrand in Waßzecz.
6 Tote, 20 Schwerverletzte.
Prag. Ueber den bereits gemeldeten Rie=
ſenbrand
erhalten wir noch folgende Einzelbei=
ten
: Der Brand, der faſt die ganze Ortſchaft
Waſzecz vernichtete, wütete ununterbrochen bis
Sonntag abend. Er hat ſechs Menſchenleben ge=
fordert
. Vier Kinder, die allein zu Hauſe waren.
verbrannten, ebenſo zwei Männer, die bei den
Rettungsarbeiten ohnmächtig wurden und in
die Flammen fielen. 18 Schwerverletzte wurden
ins Krankendaus gebracht. Die geſamte Habe
der Bevölkerung, 130 Rinder, 120 Pferde und
160 Schweine, außerdem viele landwirtſchaftliche
Geräte und Maſchinen fielen den Flammen zum
Opfer. Nach Schätzungen der Bezirkshauptmann=
ſchaft
beträgt der Schaden 35 Millionen Kronen,
wovon nur 5 v. H. durch Verſicherung gedeckt
ſind. Insgeſamt ſind 5400 Menſchen obdachlos
geworden. Lebensmitte! und 20 Eiſenbahn=
wagen
mit Holz für Wohnbaracken ſind bereits
an der Unglücksſtelle eingetroffen. Ueber die
Urſache des Erandes iſt noch nichts bekannt.
doch wird Brandſtiftung angenommen, da an
drei verſchiedenen Ortsteilen zu gleicher Zeit
Feuer ausbrach. Ein Feuerwehrauto ſtürzte auf
der Fahrt zur Brandſtelle in einen Graben, wo=
bei
fünf Feuerwehrleute leicht und zwei ſchwer
verlezt wurden.

Ein ſchwerer Erdſturz in Ungarn.
Budapeſt. Wie A Regel aus Zala
Egerſzeg berichtet, hat ſich bei Erdarbeiten in
der Gemeinde Gutorfölde ein folgenſchwerer
Erdſturz ereignet, bei dem fünf Arbeiter getötet
wurden und zwei lebensgefährliche Verletzungen
erlitten haben. Die Frau des einen Todesopfers
iſt irrſinnig geworden. Insgeſamt waren 20
Perſonen verſchüttet.
Schwere Verkehrsunfälle im Saargebiet.
Saarbrücken. Im Saargebiet ereigne=
ten
ſich am Sonntag zwei ſchwere Verkehrsun=
fälle
. Auf der Straße nach Ormersheim rannte
der Kraftwagen des Miniſterialrats Dr. Becker
gegen einen Maſt. Dabei ging di. Windſchutz=
ſcheibe
in Trümmer und zerſchnitt der Ehefrau
Becker die Halsſchlagader. Die Verletzte ſtarb
kurz darauf. Dr. Becker und eines ſeiner Kinder
wurden leicht verletzt. Ein weiteres Unglück
iſt auf das ſchuldhafte Verhalten eines betrun=
kenen
Chauffeurs zurückzuführen. Beim Ueber=
holen
in einer Kurve raſteder Wagen gegen
ein Geländer, das er durchb/é! Das Fahrzeug
fiel die Böſchung hinunter. Dabei wurden die
drei Inſaſſen ſchwer verletzt;
Einſturzunglück ix einer Kirche.
20 Todesopfer.
Paris. Während eines Gottesdienſtes
brach, wie aus Sao Paolo de Leanda, portugie=
ſiſche
Kolonie Angola, gemeldet wird, das Chor=
ſtück
zuſammen. 20 Gläubige wurden getötet,
etwa 200 verletzt. 80 Verletzte mußten ius
Krankenhaus gebracht werden.
Naturkataſtrophe in Südmexiko.
London. Der ſüdliche Teil Mexikos iſt,
in London eingetroffenen Meldungen zufolge,
in den letzten 24 Stunden von ſchweren Erd=
ſtößen
, verbunden mit außergewöhnlichen Regen=
fällen
, heimgeſucht worden. Mehrere Städte
ſind überflutet worden; zahlreiche Menſchen
ſind ertrunken. Einzelheiten liegen noch nicht
vor.
Zuſammenſtoß zweier Militärflugzenge.
New York. In der Nähe von Hartford
(Conneckticut) ſtießen zwei Militärflugzeuge in
der Luft zuſammen. Zwei Inſaſſen wurden ge=
tötet
, während ſich zwei andere durch Fallſchirm=
abſprung
retten konnten.
Brand einer Petroleumquelle in Amerika.
Sieben Tote.
Mount Pleaſant (Michigan). Eine
Petroleumquelle geriet hier in Brand. Durch
das nach allen Richtungen ausgeſchleuderte
brennende Erdöl wurden ſieben Perſonen getötet
und mehrere ſchwer verletzt.
Ein Komplott gegen Jack Diamond aufgedeckt.
Kairo (Staat New York). Polizeibeante A
und Detektive nahmen acht Mann feſt, die an=
geblich
Jack Diamond töten wollten. Außerdem
beſchlagnahmten ſie 30 Maſchinengewehre, Ge=
wehre
und Revolver.

Hohe Ehrung
eines deutſchen Chemikers.

Profeſſor Fritz Haber,
der weltberühmte deutſche Chemiker und Direk=
tor
des Kaiſer=Wilhelm=Inſtituts für Chemie,
wurde von der engliſchen Geſellſchaft der chemi=
ſchen
Induſtrie anläßlich ihres 50jährigen Jubi=
läums
zum Ehrenmitglied ernannt.

[ ][  ][ ]

Nummer 200

Dienstag, den 21. Juli 1931

Seite 9

DWb

William Walker.

Während es James Brookek) gelang, eine Herrſchaft auf
Borneo zu begründen und auch zu behalten, und de Tounens**),
wenigſtens, nachdem er ſeine Rolle als König von Araukanien
ausgeſpielt hatte, glücklich in ſeine Heimat zurückkehren konnte.
war ein anderer Abenteurer, William Walker, nicht ſo glücklich.
Er konnte ſich allerdings auch mit einem ſo hervorragenden und
charaktervollen Manne wie Brooke nicht meſſen und war mehr
der Typ eines verwegenen, allerdings durchaus talentierten
Glücksritters, ja Freibeuters. Walker war Amerikaner und iſt
am 8. Mai 1824 zu Naſhville im Staate Teneſſee als Abkömm=
ling
einer ſchottiſchen Familie geboren. Er wirkte zuerſt als
Arzt, dann als Rechtsanwalt in New Orleans, San Franzisko
und Marysville. Schon im Oktober 1853 unternahm er einen
Freibeuterzug in die mexikaniſchen Staaten Sonora und Nieder=
Kalifornien, um bei den in Mexiko dauernd herrſchenden in=
neren
Wirren Vorteile für ſich und für die Amerikaner heraus=
zuſchlagen
. Aber die Expedition endete mit einem Mißerfolg.
In der kleinen mittelamerikaniſchen Republik Nicaragua,
die aus den Parteikämpfen und Aufſtänden niemals herauskam,
hatte ſich 1854 die Demokratiſche Partei unter Franzisko Caſtel=
lon
und dem General Maximo Jerez gegen den Präſidenten Cha=
morro
erhoben und im Mai 1854 Leon genommen. Sie bela=
gerten
dann die Hauptſtadt Granada, in der ſich Chamorro ein=
geſchloſſen
hatte. Als dieſer am 12. März 1855 ſtarb, trat Joſe
Maria Eſtrada an ſeine Stelle und ſetzte den Kampf gegen die
Belagerer ſo energiſch fort, daß Caſtellon William Walker zu
Hilfe rief. Dieſer, der ſich übrigens ſchon vorher den Titel Oberſt
zugelegt hatte, landete im Juni 1855 mit einer kleinen Schar
deutſcher und amerikaniſcher Abenteurer bei Realajo, einem
kleinen Hafenort, ſchlug die ihm entgegengeſtellten Truppen und
eroberte am 14. Oktober 1855 die Hauptſtadt Granada. Er er=
richtete
nun eine neue Regierung, ließ ſich zum Oberbefehlshaber
der Truppen ernennen und beherrſchte das Land mit diktatori=
ſcher
Gewalt. Der amerikaniſche Geſandte erkannte namens
der Vereinigten Staaten ſeine Regierungsgewalt an. Hiergegen
legten im Dezember 1855 die Regierungen von Honduras, San
Salvador und Coſta Rica Verwahrung ein, ohne aber zunächſt
etwas zu unternehmen. Inzwiſchen hatte Walker durch aus Kali=
fornien
und ſelbſt aus New York eintreffende Verſtärkungen
ſeine fremden Söldner auf 1200 Mann verſtärkt und beabſichtigte
nun, die Moskitoküſte in Beſitz zu nehmen. Dieſe war ſeit 1848
von den Engländern beſetzt, und ſo geriet Walker in Konflikt
mit dem mächtigen England und legte dadurch den Grund zu
ſeinem Untergang. Am 9. März 1856 erließ Coſta Rica eine
förmliche Kriegserklärung gegen Walker, der ſich ſpäter auch Gua=
temala
, San Salvador und Honduras anſchloſſen. Dieſe drei
Staaten verhielten ſich aber zunächſt abwartend, während Coſta
Ric, vor allem ermutigt durch die Ausſicht auf engliſche Hilfe,
allein losſchlug. Die Coſtaricaner brachen in Nicaragua ein und
ſchlugen Walker mehrere Male. Aber auch im Lande ſelbſt er=
hoben
ſeine Gegner wieder ihr Haupt. Sogar der durch ſeinen
Einfluß ernannte proviſoriſche Präſident und Chef der Zivilver=
waltung
, Patricio Rivas, wartete nur auf eine Gelegenheit, um
ſich gegen ihn zu erklären. Es gelang dann Rivas, ſich der Ge=
walt
Walkers durch die Flucht zu entziehen und in Verbindung
mit dem Miniſter des Auswärtigen, Maximo Jeres, ein Manifeſt
gegen ihn zu verbreiten. Guatemala, Honduras und San Sal=
wador
ſchloſſen jetzt ein Defenſiv= und Offenſivbündnis gegen den
fremden Abenteurer ab, der, ungeachtet einzelner Niederlagen,
durch Zuzug aus Nordamerika die Mittel fand, das Verlorene
wiederzugewinnen und ſich zu behaupten.
In Bezug auf die inneren Verhältniſſe Nicaraguas verfuhr
Walker ohne die geringſte Rückſicht auf die beſtehenden Geſetze.
Er ließ Wahlen veranſtalten, bei denen alle Mittel der Gewalt
und Liſt in Bewegung geſetzt wurden, um ihn als Präſidenten
auch der Form nach an die Spitze der Republik zu ſtellen, wie er
als Oberbefehlshaber der bewaffneten Macht tatſächlich ſchon ihr
Beherrſcher war. Walker zeigte ſich auch grauſam, wo es darauf
ankam, ſeine Autorität zu befeſtigen, und ließ, um nur eines
anzuführen, den General Salazar erſchießen, weil dieſer ſich für
Rivas erklärt hatte. Um ſich Geld zur Bezahlung ſeiner Truppen
zu verſchaffen, zog er das Eigentum viele reicher Bürger unter
dem Vorwande ein, daß ſie ſich der Gerechtigkeit entzogen hätten
lind Verräter ſeien, nachdem er ſie durch Drohungen und Ver=
folgungen
zur Flucht gezwungen hatte. Dieſes Uebermaß von
Willkür und Bedrückung erſchöpfte endlich die Geduld der An=
hänger
nationaler Unabhängigkeit. Der Präſident von Coſta
Rica, der ſich durch Beſiegung ſeines Nebenbuhlers Caſtro in
ſeiner Stellung befeſtigt hatte, Raphael Mora, bereitete ſich jetzt
ernſtlich zu einem Angriff auf Walker vor, und Guatemala und
San Salvador folgten dem Beiſpiel. Walker unterlag dieſen
vereinigten Angriffen, nachdem er viele Beweiſe von Mut und
Tätigkeit gegeben hatte, und mußte froh ſein, als Kapitän Davis,
von der Marine der Vereinigten Staaten, zwiſchen ihm und
einen Gegnern einen Vertrag vermittelte, der ihm und ſeinen
Leuten freien Abzug verſchaffte. Am 1. Mai 1857 ſchiffte er ſich
ruf ein amerikaniſches Schiff ein und kehrte nach New York zu=
rück
. Für den Augenblick war Walker außerſtande, etwas zu
anternehmen.
Da aber bald darauf Nicaragua und Coſta Rica in Streit
gerieten, flößte dieſe Uneinigkeit Walker die Hoffnung ein, ſich
vieder in Mittelamerika feſtſetzen zu können. Im Dezember 1857
internahm er eine neue Expedition, landete an der Mündung
des San=Juan=Fluſſes in Nicgragua, überraſchte ein kleines
Fort, nahm vier Dampfſchiffe weg und erließ eine Proklamation,
n der er ſich Präſident und Oberbefehlshaber von Nicaragua
rannte. Er unterlag jedoch bald und wurde gezwungen, ſich wieder
rach den Vereinigten Staaten einzuſchiffen. Walkers neues Er=
cheinen
in Zentralamerika hatte die Wirkung, Nicaragua und
Soſta Rica, die ſchon zum Krieg miteinander bereit waren, zu
verſöhnen.
Durch Vertrag vom 28. November 1859 trat England, um
ich ſeines Handels wegen in Mittelamerika beliebt zu machen,
inige kleine nIſeln und die Mosquitoküſte an Honduras ab. Die
Ibtretung dieſes Gebietes hatte unter den Einwohnern, die lie=
er
unter dem mächtigen britiſchen Schutze ſtehen, als zu einer
leinen, unrubigen Republik wie Honduras gehören wollten,
roße Unzufriedenheit erregt. Sie wandten ſich an Walker, der
e bei ihrem Widerſtand unterſtützen ſollte, und der die ihm dar=
ebotene
Gelegenheit, ſich von neuem in die Angelegenheiten
jentralamerikas einmiſchen zu können, begierig ergriff. Er brachte
dieder ein Korps von einigen hundert Abenteurern zuſammen.
zu ſeinem Unglück hatte er ſich aber in ſeinen Berechnungen und
Sorausſetzungen geirrt. Er glaubte, daß die Uebergabe von Eng=
and
an Honduras ſchon vollzogen ſei, und daß er es demnach nur
rit letzterem zu tun habe. Der Präſident von Honduras hatte
ber, als er von Walkers Invaſionsplan Kunde erhielt, die Ein=
erleibung
des neuen Gebietes abſichtlich verzögert, um Walker
rit der britiſchen Macht in Kolliſion zu bringen. Walker lan=
ete
am 27. Juni 1860 an der Küſte von Honduras, nahm die
ſafenſtadt Truxillo, wo er Waffen und Munition fand, und er=
eine Proklamation, in der er erklärte, nur die Regierung,
ber nicht das Volk von Honduras bekriegen zu wollen. Hon=
uras
und die anderen Staaten Mittelamerikas wurden durch den
ihnen Einfall überraſcht, trafen aber eiligſt Anſtalten zum
Viderſtand. Trotzdem würde wohl Walker, wenn er es allein mit
ieſen Gegnern zu tun gehabt hätte, ſich behauptet haben. Aber

wenige Tage nach ſeiner Landung erſchien das engliſche Kriegs=
ſchiff
Jcarus vor Truxillo und verlangte unter Androhung von
Feindſeligkeiten, von Walker die Auslieferung einer bedeutenden
Geldſumme, die engliſchen Untertanen gehöre und ſich in der
Stadtkaſſe befinde. Es war dies gar nicht der Fall, aber der eng=
liſche
Kommandant ſuchte einen Vorwand, um gegen Walker ein=
ſchreiten
zu können. Dieſer, zu ſchwach, um ſich in Truxillo länger
behaupten zu können, verließ die Stadt und zog landeinwärts.
Von nun an begannen Walkers Unfälle. Außer den Engländern,
die ihm auf dem Fuße folgten, ſah er ſich auch den Angriffen der
herbeieilenden Linientruppen von Honduras ausgeſetzt, und die
Bevölkerung, die ſich vorher paſſiv verhalten, ſtand jetzt ebenfalls
gegen ihn auf. Am 23. Auguſt 1860 wurde er entſcheidend ge=
ſchlagen
. Nach der Küſte gedrängt, irrte er mehrere Tage lang
auf einer einſamen und ungeſunden Sandebene umher, ein Schiff
erwartend, das ihm aus den Vereinigten Staaten Verſtärkung
bringen ſollte. Als dasſelbe endlich ankam, wurde es von dem
Icarus am Landen gehindert. Zuletzt war Walker von allen

Seiten umringt und mußte ſich ergeben. Er ſtellte ſich dem Kom=
mandanten
des Jcarus, der ihn aber den Behörden von Hon=
duras
auslieferte. Dieſe verurteilten ihn zum Tode und ließen
ihn am 12. September 1860 in Truxillo erſchießen. Seine Genoſ=
ſen
wurden begnadigt.
Walker war kein gewöhnlicher Menſch und trug etwas von
den großen Eroberern in ſich. Er war in Europa geweſen, be=
ſaß
eine bedeutende Bildung, wurde aber von einem unbändigen
Ehrgeiz zu den verwegenſten Handlungen getrieben. Die chriſt=
liche
Ergebung, mit der er in den Tod ging, überraſchte ſeine
Feinde. Er hatte ſeinen katholiſchen Glauben mitten in ſeinem
wilden Leben nie verloren, erfüllte vor ſeinem Tode alle Vor=
ſchriften
ſeiner Kirche und trug bis zum Richtplatz ein Kruzifix
in ſeinen Händen.
Nicaragua aber konnte ſeinem Schickſal nicht entgehen. Unter
vielen Erſchütterungen nur konnte es ſeine Freiheit noch längere
Zeit bewahren, aber die letzten Jahre brachten es doch tatſächlich
unter die Herrſchaft der Amerikaner, deren Truppen (nicht etwa
Freiſcharen, ſondern reguläre, ſehr ehrbare Soldaten der U. S. A.)
das Land beſetzt halten natürlich nur zum Schutz der lieben Ein=
wohner
gegen die Willkür böſer Präſidenten, der Freiheit der
(mit amerikaniſchem Gelde beeinflußten) Wahlen und anderen
edlen Zwecken, wie ja heutzutage bekanntlich jede noch ſo ſcham=
loſe
Unterdrückung anderer Völker nur noch unter dem Namen
Sch.
der Kultur und Humanität geſchieht.

Spact, Splel und Jucnen

12. Main=Rheingau=Sporkfeſt in Darmſtadk.
Ein glänzendes Melde=Ergebnis.
Eine der letzten Gauveranſtaltungen im Main=Rhein=Gau für
das Wettkampfjahr 1931 iſt das 12. Gauſportfeſt am Samstag und
Sonntag, den 25., und 26. Juli, auf dem Sportplatzgelände der
Turngeſellſchaft Darmſtadt an der Kranichſteinerſtraße. Wenn die
Meldeliſte, entgegen 41 Vereinen im Vorjahre, heute ſchon die
Teilnahme von 40 Vereinen verzeichnet, ſo iſt bis zum endgülti=
gen
Meldeſchluß (22. Juli) zu erwarten, daß die Zahl noch weſent=
lich
überſchritten wird. Die vorjährige Teilnehmerzahl von 337
iſt heute mit über 400 Teilnehmern bereits überſchritten. Als be=
ſonders
gut ſind die Meldungen der Turngemeinde und Turn=
geſellſchaft
Darmſtadt Griesheim, Langen und Arheilgen zu ver=
zeichnen
. Walldorf, Ober=Ramſtadt (Tv. und Tgſ.), ſind alle mit
namhaften Spitzenkönnern in Lauf, Wurf und Sprung zur Stelle.
Die Fülle der abgegebenen Meldungen, ſowie die reichhaltig ge=
haltene
Wettkampffolge macht es dieſerhalb erforderlich, bereits
am Samstag, den 25. Juli, nachmittags 5 Uhr, mit den Mehr=
kämpfen
zu beginnen, und zwar finden ſtatt: Mittelſtufe= Vier=
kampf
, Unterſtufe=Dreikampf und Jugend=Klaſſe 2= Drei=
kampf
. Der erſtere hat 30, der zweite 75 und der letzte 51 Teil=
nehmer
aufzuweiſen. Die Zeiteinteilung für Sonntag, den 26.
Juli, ſieht vor: 8 Uhr Beginn der Mehrkämpfe: Turner= Ober=
ſtufe
(Sechskampf), Turnerinnen (Ober= und Unterſtufe)= Vier=
kampf
, Jugendklaſſe 1=Dreikampf. Ab 10 Uhr: Altersklaſſe 1 und
2: Dreikampf. Ab 8 Uhr: Vorkämpfe in den Einzelwettbewerben
aller Klaſſen und Stufen. Von 2 Uhr bis 3,30 Uhr: Entſcheidungs=
kämpfe
, 3.30 Uhr: Aufmarſch der Teilnehmer (Freiübungen).
4 Uhr: Fortſetzung der Entſcheidungskämpfe in Einzelwettbewerben
und Staffeln. Außer den drei obengenannten Klaſſen ( Mehr=
kämpfe
) ſind am Sonntag beteiligt, in der Oberſtufe=Mehrkampf
15, in den Einzelkämpfen 48 Teilnehmer. Mittelſtufe 62, Unter=
ſtufe
95, Jugendklaſſe 94 Einzelkämpfer. 33 Teilnehmer treten in
der Jugendklaſſe 1 zum Dreikampfe an. In den beiden Alters=
klaſſen
(Dreikampf) verzeichnet das Meldeergebnis 23 Teilnehmer.
Sehr gut beſetzt ſind die Wettbewerbe der Turnerinnen mit 11
Mehrkämpferinnen und 15 Einzelkämpferinnen in der Oberſtufe
und 43 Mehr= und 49 Einzelkämpferinnen in der Unterſtufe. Ins=
geſamt
ſind in den Klaſſen der Turner 31, bei den Turnerinnen 8
Staffeln gemeldet. Durch die glänzende Beſetzung aller Kämpfe
dürfte daher zu Recht das Sportfeſt des Main=Rhein=Gaues als
Groß=Sportveranſtaltung, deren Beſuch auf das wärmſte empfoh=
len
werden kann, zu bezeichnen ſein.
Kegler-Bereinigung Darmſtadt und Umgebung.
Am vergangenen Sonntag fanden ſich 18 Männer auf der
Bahn in der Turnhalle ein, um mit den Verfaſſungskämpfen zu
beginnen. Sie fanden Bahn und Material in beſter Verfaſſung
vor. Der Auftakt war ein guter, was die verſchiedenen, ſehr be=
achtlichen
Reſultate bewieſen. Es erreichten die Mindeſtleiſtung
und darüber: 1. Frank=,Chattia 556 Punkte, 2. Kern=,Kranz
Eberſtadt 556, 3. Mees, Einzelmitglied 554, 4. Wörner=Kranz
Eberſtadt 550, 5. Katzenmeier=Kranz Eberſtadt 532, 6. Brunner=
Kranzacht 524, 7. Lautenſchläger=,Chattia 520, 8. Hucke=Gut
Holz Eberſtadt 519, 9. Schimpf=Kranz Eberſtadt 510.

Schießſpork.

Vgl. Nr. 194 vom 15. Juli.
*Vgl Nr. 196 vom 17. Juli.

Bei dem am Sonntag, den 12. Juli, auf den Ständen am Karlshof
ſtattgefundenen Meiſterſchaftsſchießen der Schützengeſellſchaft Weid=
mannsheil‟
Darmſtadt wurde der Schütze A. Netz mit 122 Ringen der
1. Vereinsmeiſter, Schütze Hermann Junk mit 119 Ringen der 2. Ver=
einsmeiſter
für das Jahr 1931. Dieſe Vereinsmeiſterſchaft wurde auf
50 Meter nach Kartell=Sportordnung ausgetragen.
Die alten Herren des Vereins rangen um die Siegespalme, und es
gelang dem Schützen Joh. Romig, mit 118 Ringen den 1. Meiſtertitel,
dem Schützen Karl Wagner mit 106 Ringen den 2. Meiſtertitel zu er=
reichen
.
Bei dem 2. Quartalſchießen, welches am 30. Juni ſeinen Abſchluß
erreichte, konnten wieder 4 Schützen ausgezeichnet werden, und zwar die
Schützen Theo Bormuth, Paul Greim. Heinrich Habich und Georg
Kunitſch.
Alle Freunde des Schießſportes werden höflichſt eingeladen. Die
Schießſtunden finden jeden Freitag abend 8.30 Uhr bei Herrn Gunder,
Schloßgartenplatz, und Sonntags vormittags auf den obengenannten
Schießſtänden ſtatt.

zu0gr. Zoppoler Tenniskurnier.

Ue)/ ang. Die Entſcheidungen.

Au=
Im interncke.- Zoppoter Tennisturnier, das eine große
Anzahl von hervorrage n Spielern und Spielerinnen aus dem
In= und Auslande zuſanynenbrachte, wurden am Sonntag pro=
grammäßig
die Schlußrunden ausgetragen. Im Herren=Einzel um
die Meiſterſchaft des Oſtens konnten ſich die bekannten Berliner
Spieler Heydenreich und Dr. Zander nicht behaupten und muß=
ten
den Sieg dem jungen Zok=oter Pietzner überlaſſen, der im
Endkampf Heydenreich mit 3:6, 2 6:1 6:4 ſchlug. Im Damen=
Einzel um die Meiſterſchaft der F. fen Stadt Danzig war die Ber=
linerin
Frl. Hammer ihren Gegne nnen von Anfang an haus=
hoch
überlegen. Im Schlußſpiel gew gin Frl. Hammer gegen Frl.
Poſſelt=Lodz mit 6:0, 6:1. Eine klein Senſation gab es im Her=
ren
=Doppel. Hier unterlag das bekann. Berliner Paar Dr. Zan=
der/Eichner
im Finale der Roſtocker ombination Frenz/Rahe
mit 6:8 7:9 0;6. Im Damen=Doppel hauptete ſich das Paar
Frau Schiering=Berlin/Frl. Poſſelt=Lod im Schlußkampf mit
4:6, 7:5, 6:3 gegen Frl. Hammer=Berlin/Frau Bauer=München.
Die letzte Konkurrenz dieſes Turniers, das Hemiſchte Doppel, ſah
die Berliner Kombination Frl. Hammer/Tüschel gegen Frl. Ro=
dowſki
=Bromberg/Pietzner=Zoppot mit 7:5, 6:4 ſiegreich.

Neue Spiel=Verpflichtungen.H.
Eintracht Fankfurt hat ſich für den 2. Au, ſt Sparta Prag
nach Frankfurt verpflichtet. Bekanntlich unterldeln die Süddeut=
ſchen
beim Vorſpiel in Prag nur mit dem knapp. / Ergebnis von
3:2, ſo daß jetzt in der neuerlichen Begegnung Gel, enheit zur Re=
vanche
gegeben iſt. Rot=Weiß Frankfurt weilt an' emſelben Tag
in Stuttgart beim V.f.B. Stuttgart. Weitere Sr elverpflichtun=
gen
vom 2. Auguſt ſind: Ulm 94 DSV. München ind FV. Zuf=
fenhauſen
Phönix Karlsruhe.
Bei der 18. Etappe der Tour de France gab es’ m Montag
eine Maſſenankunft. In der 32köpfigen Spitzengrupr befand ſich

Freiburger Beigrekord.
Eine ausgezeichnete Beſetzung.
Das Internationale Rennen um den A.D.A.C.=Bergrekord
und den Großen Bergpreis von Deutſchland in Freiburg i. Br.
am 26. Juli hat ein hervorragendes Meldeergebnis gebracht. Die
Nennungsliſte umfaßt neben den Meldungen faſt aller prominen=
ter
deutſcher Fahrer auch ſolche aus Frankreich, Oeſterreich, Eng=
and
, Ungarn, Luxemburg, Italien, aus der Schweiz und der
Tſchechoſlowakei, ſo daß in dieſem Jahre der Kampf um den Berg=
rekord
von Kraftrad= und Kraftwagenfahrern von neun Nationen
beſtritten wird. Die Anmeldungen hatten bereits am 15. Juli die
Zahl 100 weſentlich überſchritten. Beſonders hoch iſt in dieſem
Jahre die Beteiligungsziffer an Sport= und Rennwagen, von
denen bereits 50 gemeldet ſind.
Beſonders intereſſant iſt, daß beim Schauinslandrennen der
Engländer Tom Bullus auf einer 600 ccm=NSU.=Maſchine teil=
nehmen
wird. Bullus, der bekanntlich im Vorjahre die ſchnellſte
Zeit des Tages beim Freiburger Rennen erzielen konnte wird
hier zum erſten Male nach ſeinem beim Großen Preis von Oeſter=
reich
erlittenen Unfall wieder an den Start gehen.
An Motorradfahrern von Rang verzeichnet die Meldeliſte bis
jetzt u. a. Kohkink=Bietigheim, Bauhofer=München, Brütſch= Jun=
gingen
Soenius=Köln, Weyrres=Aachen, Hiller=Feuerbach und
Geiß=Pforzheim. Für das Autorennen meldeten u. a. Sandri= Bo=
logna
, Günter=Berggaller, Carracciola, Prinz von Leiningen,
Hans Stuck von Villiez, von Morgen und auch Toni Bauhofer
wird ſich wiederum als Rennfahrer im Kraftwagen verſuchen.

Frl. Heublein=Barmen verbeſſerte erneut ihren eigenen Welt=
rekord
im Kugelſtoßen für Frauen auf 13,16 Meter.
Der Zuſtand von Werner Krüger iſt nach wie vor ſehr ernſt.
Für den beliebten Schrittmacher beſteht immer noch Lebensgefahr.

Geſchäftliches.

Lotterie=Verlegung. Das Thüringiſche Miniſterium ge=
nehmigte
die Verlegung der Ziehung der Eiſenacher Geldlotterie
vom 16. und 17. Juli auf 27. und 28. Auguſt. Die Ziehung mußte
verlegt werden wegen der gegenwärtigen ungünſtigen Geſchäfts=
lage
. Loſe ſind noch zu haben in den im Inſerat angegebenen
Verkaufsſtellen und bei der Lotteriebank. G. m. b. H., in Eiſenach.

Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Dienstag, 21. Juli.
7.30: Bad Homburg: Frühkonzert des Kurorcheſters.
15.20: Hausfrauennachmittag.
16.30: Wiesbaden: Konzert des Städt. Kurorcheſters.
18.15: B. Reifenberg: Malereien in Frankreich.
18.40: Zeit, Programm.
18.45: Prof. Dr. Hildenbrandt: Antoine Watteau (zum 200. Todes=
tag
des Künſtlers am 18. Juli 1721).
19.15: Freiburg: Studio=Aufführung; Deutſche Geſangsmuſik der
Gegenwart. Ausf.: Martha Martin (Sopran). Heidi Katz ( Kla=
vier
), Elma Doflein (Violine und Bratſche), Dr. E. Katz Erkl).
19.10: Zeit, Wetter, Wirtſchaftsmeldungen.
19.50: Unterhaltungskonzert des Philharm. Orcheſters, Stuttgart;
Soliſt: Coſtis Stellakis (Tenor).
21.15: Flieger auf dem Atlantik; Drama von W. E. Schäfer.
22.10: Zeit, Wetter, Nachrichten, Sport.
22.30: Karlsruhe: Tanzmuſik der Kapelle Haas=Mahagonny.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Dienstag, 21. Juni.
15.00: W. Gauthier: Das Tier im Aberglauben der Nordafrikaner,
16.00: Leipzig: Nachmittagskonzert.
17.00: Dr. Krammer: Die Frau auf dem Throne: Eliſabeth von
England.
17.30: Prof. Dr. Großmann: Die chemiſche Produktion Deutſchlands.
18.00: Prof. Dr. Ing. Siedler: Moderne Bautechnik. Die Groß=
ſtadtſiedlung
.
18.30: Prof. Dr. Mever: Wie ſind die Alpen entſtanden?
19.00: Dr. Jordan: Die engliſchen Dominions: Land und Leute
in Kanada.
19.30: Geh. Rat Dr. Demuth: Die deutſche Kriſe von außen
geſehen. anſchl.: Wetter für die Landwirtſchaft.
20.00: Tanz im Freien. Orcheſter des Weſtd. Rundfunks.
21.00: Tages= und Sportnachrichten.
21.15: Dreitauſend Jahre Parlamente und Prozeſſe: Paulskirche
Frankfurt a. M. Hiſtoriſches Hörſpiel a. d. Jahre 1848, von R.
Frank und G. Lichey.
22.00: Nachrichten.
22.20: Aktueller Dienſt.
22.30: Inſtrumental=Kabarett des Scarpa=Orcheſters.

Wekkerbericht.

auch die geſamte deutſche Mannſchaft

ſo

Allmählich rückt das nördliche Störungsſyſtem, deſſen Randſtörun=
gen
und Ausläufer anhaltend unſer Wetter beeinflußt haben, oſtwärts
ab. Kaltluft dringt an der Rückſeite vor, welche ihren Weg nach dem
Feſtland nimmt. Sie wird bei uns wohl zu wechſelhaftem Wetter und
zur Abkühlung führen, jedoch kommt die Wolkendecke mehr zum Auf=
reißen
, und vorübergehende Aufheiterung ſetzt ein Einzelne Schauer
ſind vorerſt zu erwarten. Mit dem von Weſten einſetzenden Barometer=
anſtieg
ſind ſpäter Ausſichten für beſſeres Wetter vorhanden.
Ausſichten für Dienstag, den 21. Julk: Kühles, immer noch kein be=
ſtändiges
Wetter, jedoch etwas mehr aufheiternd, einzelne Schauer,
nordweſtliche Winde.
Ausſichten für Mittwoch, den 22. Juli: Ruhigeres und allmählich
beſſeres Wetter, jedoch für die Jahreszeit kühl.
Hauptſchriftleitug: Rudolf Mauve
Verantwortlſch für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feuilleton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: J. V.: Dr. C. H. Quetſch;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer;
für Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Neite
für den Inſeratenteil und geſchäftiche Mittellungen: Willy Kuble:
Druck und Verſag: C. C. Wittich ſämtlich in Darmſtiadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht Übernommen.

Die heutige Nummer hat 12 Seiten.

[ ][  ][ ]

Nummer 200

Dienstag, den 21. Juli

Ruhiger Berkehr bei Banken und Sparkaſſen.

Nach den hier auch aus dem Reich vorliegenden Nachrichten,
hat ſich geſtern bei den Groß= und Privatbanken der Verkehr
rahig und glatt abgewickelt. Ein Andrang an den Kaſſen iſt nir=
gends
erfolgt und die Inanſpruchnahme der Banken kann auch
nach der weiteren, mit dem heutigen Tage eingetretenen Auflocke=
rung
des Zahlungsverkehrs als normal angeſehen werden. Bei
den Sparkaſſen, die bekanntlich in der Zeit vom 20. bis 23. Juli
bis zu 20 RM. auszahlen dürfen, iſt die Lage ebenfalls recht ruhig.

Helſingfors
Wien
Prag
Budapeſt
Sofia
Holland
Oslo
Kopenhagen
Stockholm
London
Buenos Aires
New York
Belgien
Italien
Paris
Schweiz

Geld
10.598
59.
12.47
73.46
3.052
169.73
112.49
112.49
112.64
20.43
1.298
4.209
58.69
22.02
16.53
81.92

Brief
10.618
59.33
12.49
73.60
3.058
170.07
112.71
112.71
112.86
20.47
1.302
4.217
58.81
22.06
16.57
82.08

Geld
Spanien 38.96
Danzig
81.02
Japan
2.080
Rio de Janeiro 0.299
Jugoſlawien 7.443
Portugal
18.58

Athen
Iſtanbul
Kairo
Kanada
Uruguay
Island
Tallinn
Riga
Bukareſt
Kaunas

5.445
20.95
4.196
2.288
92.16
111.89
80.92
2.499
42.02

Brief
39.04
81.18
2.084
0.301
7.467
18.62
5.455
20.99
4.204
2.292
92.34
112.11
81.08
2.505
42.10

Das Bremer Bankhaus Schröder
ftellk vorübergehend ſeine Zahlungen ein.
Bremen, 19. Juli.
Von der J. F. Schröder, Kommandit=Geſellſchaft auf Aktien
in Bremen, wurde am Sonntag gegen Mitternacht ein Commu=
nigué
ausgegeben, wonach das Unternehmen im Hinblick auf die
allgemeine ſchwere Wirtſchaftskriſe gezwungen iſt, ſeine Kaſſen
für dieſe Woche zu ſchließen. Es ſind Schritte zur Durchführung
einer Stützungsaktion unter Mitwirkung auswärtiger Wirt=
ſchaftskreiſe
eingeleitet worden.
Das größte Bremer Privatbankhaus J. F. Schröder Bank=
Kommanditgeſellſchaft a. A. ſchließt für dieſe Woche ihre Schalter
und bemüht ſich, wie ſie mitteilt, mit Berliner und ausländiſchen
Wirtſchaftskreiſen um eine Stützungsaktion. Die allgemeine wirt=
ſchaftliche
Kriſe habe dieſe Maßnahme verurſacht. Die Bank war
eine der rührigſten Privatfirmen Deutſchlands und ermöglichte
vor allem die führende Stellung Bremens in der Großſchiffahrt.
Sie arbeitete dem Zuſammenſchluſſe Nordd. Lloyd und Hapag ſo=
wie
der Hamburg=Südamerika=Linie ſtark vor. Mitberührt außer
der Schiffahrt werden von dieſer Zahlungseinſtellung noch Hoch=
ſeefiſchereien
und eine Reihe von Induſtrien aus Bremen und
der Unterweſer. Am ſchärfſten betroffen werden wohl die Schiffs=
bauintereſſen
von Schroder, die Deſchimag. Hier iſt es ihr be=
kanntlich
nicht gelungen, den großen Sanierungsverſuch in der
Schiffsbauinduſtrie erfolgreich durchzuführen.
Berliner Handelsgeſellſchaft Schröder Bremen.
Die Berliner Handelsgeſellſchaft teilt über ihre Beziehungen
zu der Schröderbank folgendes mit:
Im Jahre 1922 haben wir bei Umwandlung der Firma
Schröder u. Weyhauſen in die J. F. Schröder=Bank, Kom.=Geſ.
a. A., eine Beteiligung übernommen, welche ſich durch Hinzu=
ziehung
von Bremer Intereſſenten vermindern ſollte. Sie be=
trägt
heute 12 Prozent des A. K., alſo 1,8 Mill. RM. Das Bremer
Inſtitut wollte und ſollte von uns völlig unabhängig ſein und
wir haben deshalb auch der Verwaltung zu keiner Zeit angehört.
Die bankgeſchäftliche Verbindung mit der Firma wurde in der=
ſelben
Weiſe wie mit unſerer übrigen Bankierkundſchaft ſtets aus=
ſchließlich
auf gedeckter Baſis geführt, und auch der zurzeit von
der Firma bei uns in Anſpruch genommene Kredit iſt durch die
üblichen bankmäßigen Sicherheiten (erſtklaſſige Wertpapiere mit
reichlicher Marge, darunter etwa zur Hälfte feſtverzinsliche Werte)
voll gedeckt.

Die pfälziſche Induſtrie lehnt vorläufig Ferngasverſorgung ab. Der
Verband pfälziſcher Induſtrieller hat an ſeine Mitglieder ein Rund=
ſchreiben
herausgegeben und um die Stellungnahme zu der Frage der
Ferngasverſorgung gebeten. Faſt alle pfälziſchen Induſtriellen zeigen
wenig Intereſſe für eine Ferngasverſorgung in der Pfalz. Einzelne
Firmen, darunter ganz bedeutende, haben eine Beteiligung an einer
Ferngasverſorgung völlig abgelehnt. Maßgebend für dieſe völlige Ab=
lehnung
war wohl die Tatſache, daß die Errichtung einer Fernleitung
große Koſten für die Induſtrie mit ſich bringen würde. Deshalb könne
eine rein induſtrielle Verwendung des Gaſes nicht in Betracht kommen.
Es handelt ſich hier allerdings lediglich um eine vorläufige Ablehnung.
Der Verband pfälziſcher Induſtrieller wird für die nächſte Zeit einen
unabhängigen Sachverſtändigen beſtellen, der die Firmen über die Aus=
breitungsidee
und über alle wirtſchaftlichen Fragen und Möglichkeiten
dieſes Projektes unterrichten ſoll. Erſt dann dürfte die endgültige Ent=
ſcheidung
fallen.
15prozentige Aufwertung im Saargebiet. Die Regierungskommiſſion
veröffentlicht im Amtsblatt die neue Aufwertungsverordnung, die einen
Aufwertungsſatz von 15 Prozent vorſieht. Der Landesrat hatte bei
Beſprechung des Verordnungsentwurfes eine Aufwertung von 23 Pro=
zent
gefordert. Das Miniſterium der Regierungskommiſſion für die An=
gelegenheiten
des Innern iſt nach der Verordnung im Einvernehmen
mit dem Miniſter für wirtſchaftliche Angelegenheiten ermächtigt, einen
höheren einheitlichen Aufwertungsſatz als 15 Prozent feſtzuſetzen, wenn
das geſamte aufgewertete Sparkaſſenvermögen eine höhere Aufwertung
rechtfertigen ſollte.

Produkkenberichte.

Mannheimer Produktenbericht vom 20. Juli. Weizen inländ. ( zoll=
begünſtigt
) 29,5030,50, Roggen ausländ. 31,2532,50, Hafer inländ.
192,50, Futtergerſte 18,5019, Sohaſchrot (Mannheimer Fabrikat,
prompt 13,2513,50, Biertreber mit Sack 10,2511,25, Trockenſchnitzel

Wirtſchaftliche Rundſchau.

Vor Errichtung einer neuen Girozentrale im Rheinland. In der
Mitteilung über die Stützungsaktion der Landesbank der Rheinprovinz
wurde bereits erwähnt, daß als Erſatz für den durch die Schwierigkeiten
der Bank in Fortfall gekommenen Liquidationsrückhalt der rheiniſchen
Sparkaſſen eine neue Konſtruktion geſchaffen worden iſt, und zwar durch
Errichtung eines Sonderfonds. Jetzt aber will man darüber hinaus
gehen und verhandelt ſoeben, wie die F. Z. erfährt, in Köln über die
Errichtung einer neuen Girozentrale für das Rheinland, ſo daß die
Landesbank vorerſt aus dieſer Funktion ganz ausſcheidet. Es ſoll ſich
aber nur um ein Proviſorium handeln. Die endgültige Entfcheidung
wird wohl bis Wiedereintritt normaler Verhältniſſe vertagt werden.
Wieder Kartellverhandlungen in der rheiniſch=weſtfäliſchen Seifen=
induſtrie
. Neuerdings ſind die Beſtrebungen zu einem Zuſammenſchluß
der bedeutenden rheiniſch=weſtfäliſchen Seifeninduſtrie wieder aufgenom=
men
worden. Die äußerſt ſcharfen Konkurrenzverhältniſſe ſeit Freigabe
der Seifenpreiſe durch den heute noch beſtehenden Verband rheiniſch=
weſtfäliſcher
Seifenfabriken in Köln hätten eine Reihe von kleineren Be=
trieben
bereits zum Erliegen gebracht. Die Konkurrenzverhältniſſe hät=
ten
teilweiſe zu bedenklichen Auswüchſen geführt. Durch die jetzt wie=
der
aufgenommenen Kartellverhandlungen hoffe man, die Konkurrenz
der einzelnen Fabriken zu mildern und eine Stabiliſierung der Preiſe zu
erreichen.

mit Sack (Südd. Großmühlenpreis ab Mühle) Juli=Auguſt 41,25, Sep=
tember
=Oktober 36, Roggenmehl mit Sack (60 Prozent) 33,5034, feine
Weizenkleie mit Sack 10,75. Tendenz ſtetig, wegen der ungeklärten Lage
ſind Käufer und Verkäufer zurückhaltend. Die Börſe verkehrte in ſtetiger
Haltung.
Frankfurter Produktenbericht vom 20. Juli. Bei kleinem Geſchäft
lagen die Preiſe am Frankfurter Produktenmarkt zum Wochenbeginn
etwas feſter, da die Niederſchläge in den letzten Tagen größere Zufuhren
verhindern. Einiges Intereſſe beſtand für Weizen mit plus 5. RM.,
Wintergerſte n. E. mit plus 2,50 RM. und Hafer ebenfalls 2,50 RM.
feſter. Das Geſchäft beſchränkte ſich nach wie vor auf den laufenden
Bedarf und die Umſatztätigkeit iſt daher ſehr gering. Am Mehlmarkt
blieb das Angebot in Weizen= und Roggenmehl prompter Lieferung
napp, und es beſteht laufender Konfumbedarf. Weizenmehl lag bis zu
0,75 RM. und Roggenmehl (60 Prozent Ausmahlung) 1. RM. höher.
Für Futtermittel beſteht auch heute geringe Nachfrage, und die Preis=
beſſerungen
betrugen bis zu 0,25 RM. Es notierten in RM.: Weizen
230295 nom., Roggen 240 nom., Wintergerſte neuer Ernte 187,50 bis
192,50, Hafer 20032,50, Weizenmehl ſüdd Spezial 0 40,7541,50,
Roggenmehl (60 Prozent Ausmahlung) 3334, Weizenkleie 10,7511,
Roggenkleie 11,25, Erbſen je nach Qualität für Speiſezwecke 3236,
Linſen 2568, Heut ſüdd. gut geſ., trochen, neuer Ernte 3,504, Weizen=
und Roggenſtroh drahtgepr. 3, dito gebündelt 2,75, Treber getrocknet
10,5011,50. Tendenz: ſtetig. Kartoffelnotierungen: Erſtlinge 4,905,
Böhms Allerfrühſte Gelbe 3,603,70 RM.
Berliner Produktenbericht vom 20. Juli. Die anhaltenden, zum
Teil erheblichen Niederſchläge laſſen die Befürchtung bezüglich einer
Verſchlechterung des Ernteergebniſſes ernſtere Formen annehmen und
bewirken in dem an ſich ſchon mäßigen Getreidegeſchäft eine weitere Um=
ſatzbehinderung
. Das knappe Angebot prompter Ware aus der Pro=
vinz
wird von den zum Teil ſchwach verſorgten Mühlen auf Baſis er=
höhter
Forderungen dringend aufgenommen, da ja die neue Ernte und
damit Lieferung neuer Ware vielleicht nicht unerheblich hinausgezögert
werden kann. Beim Weizen fürchtet man ganz beſonders wegen der
Oualität. Hafer und Gerſte, letztere in guter Wintergerſte, kommen
nur wenig heraus und werden höher bezahlt. Weizenmehl ſtill, Roggen=
mehl
knapp und feſter.

Mannheimer Viehmarkt vom 20. Juli Auftrieb: 176 Ochſen, 188
Bullen, 250 Kühe, 391 Färſen, 706 Kälber, 38 Schafe, 3268 Schweine,
4 Ziegen. Preiſe für 50 Kilogramm Lebendgewicht in RM.: Ochſen
a) 4547, b) 3537, c) 3739; Bullen a) 3335, b) 2931, c) 2729;
Kühe a) 3035, b) 2228, c) 1820, d) 1416; Färſen a) 4648,
b) 4042, c) 3537; Kälber b) 5055, c) 4448, d) 3840, e) 2834;
Schafe b) 3032; Schweine nicht notiert. Marktverlauf: Mit Großvieh
ruhig, kleiner Ueberſtand; mit Kälbern rnhig, langſam geräumt; mit
Schweinen anfangs lebhaft, ſpäter mittel, geräumt.
Frankfurter Viehmarkt vom 20. Juli Aufgetrieben waren;
Rinder 1398, darunter 29 ſeit dem letzten Markt, ſowie 312 Ochſen,
157 Bullen, 496 Kühe und 404 Färſen. Ferner 542 Kälber, 64
Schafe und 6065 Schweine, darunter 1441 ausgeführt. Bezahlt
wurden pro Zentner Lebendgewicht: Ochſen: a1) 4447. a2) 39
bis 43, b) 3238; Bullen: a) 3639, b) 3135; Kühe: a) 34
bis 36, b) 3033. 6) 2229; Färſen: a) 4447. b) 3945,
c) 3238: Kälber: b) 5055, c) 4049, d) 3543: Schafe:
nicht notiert: Schweine: a) 4548, b) 4649, c) und d) 4650,
e) 4448. Marktverlauf: Rinder; ruhig, Ueberſtand: Schweine:
mittelmäßig, ausverkauft; Kälber und Schafe: ſchleppend, ge=
räumt
. Fleiſchgroßhandelspreiſe: Ochſenfleiſch I 6875, dito II
5565; Bullenfleiſch 6568; Kuhfleiſch II 4050. dito III 30
bis 40; Kalbfleiſch I und II 7095: Schweinefleiſch 4865.
Geſchäftsgang; mittelmäßig. Eingebracht waren: 525 Viertel
Rinder, 35 Kälber, 6 Hämmel, 348 halbe Schweine. Auf dem
Rindermarkt war die Beſchickung ſtärker als in der Vorwoche. Bei
ruhigem Geſchäft verblieb Ueberſtand. Die Preiſe gaben etwas
nach. Etwa 48 Prozent des Auftriebs wurde wieder in die um=
liegenden
Verſorgungsgebiete ausgeführt. Auch der Schweine=
markt
war ſtärker als in der Vorwoche beſchickt. Bei mittel=
mäßigem
Geſchäft wurde ausverkauft. Die Preſe bewegten ſich
auf der Höhe des vorwöchigen Hauptmarktes. Kälber und Schafe
wurden bei ſchleppendem Geſchäft geräumt.

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Vom Holzmarkk

ſchreibt uns unſer Mitarbeiter: Auf die Holzwirtſchaft hat die
Illiquidität der Danatbank mit den Auswirkungen, die dieſe
bisher hatte, tiefen und, wie nicht anders zu erwarten iſt, einen
den Geſchäftsgang ſchwer hemmenden Eindruck gemacht. Es muß
zwar zum Ausdruck gebracht werden, daß gerade das Holzgewerbe
mit der Danatbank direkt nicht beſonders eng verknüpft war,
aber indirekt beeinflußt das Ereignis doch ſehr ſtark die Abneh=
merkreiſe
, ſo z. B. die Käufer von Möbeln, die induſtriellen Kun=
den
, die größeren Holzbedarf haben, und ſchließlich auch den Bau=
markt
. Man bedenke, daß die Bank etwa 280 000 Kontokorrent=
kunden
in Deutſchland hatte. Zu Inſolvenzen iſt es bisher am
Holzmarkt infolge dieſer Bankilliquidität nicht gekommen. Man
hofft auch, daß ſolche Konſequenzen vermeidbar ſind, und daß doch,
wo nunmehr der Diskontkredit fehlen ſollte, andere Inſtitute, vor
allem auch die Reichsbank, helfen werden. Daß unter den heu=
tigen
Verhältniſſen die leichte Nachfrage nach Stammkiefer pol=
niſcher
und ruſſiſcher Herkunft, die vorlag, aufhörte, iſt verſtänd=
lich
. Indeſſen glaubt man nicht an eine längere Bedarfsloſigkeit,
ſondern hofft, daß nach Eintreten einer gewiſſen Beruhigung der
Bedarf wieder in den mäßigen Grenzen, die er zuvor hatte, auf=
leben
wird Man hatte im allgemeinen mit leichten Preisauf=
beſſerungen
am Bauholzmarkt, die im Intereſſe der Sägewerks=
induſtrie
wünſchenswert waren, gerechnet. Doch kann man dieſe
Erwartung vorläufig wohl aufgeben, da eine Verteuerung des
Zinsfußes eintreten dürfte, die das Baugeſchäft noch unrentabler
machen, wird, als es ſchon iſt. Etwas Nachfrage beſtand nach
blanken, aſtfreien Seitenbrettern, 20 und 30 Millimeter ſtark, aus
dem Rheinland.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 20. Juli:
Getreide. Weizen: Juli 52.50, Sept. 53½, Dez. 57½; Mais:
Juli 57¾, Sept. 51½, Dez. 45½; Hafer: Juli 25½, Sept. 26.50,
Dez. 29½; Roggen: Juli 34, Sept. 36, Dez. 39%.
Schmalz: Juli 7.75, Sept. 7.80, Okt. 7.72½, Dez. 7.25.
Speck: 8.00.
Schweine: leichte 7.457.75, ſchwere 5.506.50; Schweine=
zufuhren
: Chicago 40 000, im Weſten 107 000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 20. Juli:
Schmalz: Prima Weſtern 8.50; Talg, extra, loſe 338.
Getreide. Mais, loko New York 71.50; Mehl, ſpring wheat
clears 4.004.25; Fracht: nach England 1,62,3 Schilling, nach
dem Kontinent 88.50 Cents.
Kakao. Tendenz: willig; Umſätze: 90; Lokonotiz: 5½8;
Juli 5.03, Sept. 5.18, Okt. 5.28, Dez. 5.45, Jan. 5.55, März 5.73,
Mai 5.87.
Kleine Wirkſchaftsnachrichken.
Der Ueberweiſungsverband e. V., zu dem ſich am Samstag eine An=
zahl
größerer Banken und Bankfirmen zuſammengeſchloſſen haben, wird
ſeine Tätigkeit am Dienstag aufnehmen.
Wie verlautet, hat die Deutſche Orientbank ihre Filialen in Kon=
ſtantinopel
und Smyrna wieder eröffnet. Man hofft, auch in Aegypten
das Geſchäft in Kürze wieder aufnehmen zu können.
Die deutſche Kupfererzeugung ſtellte ſich im Juni 1931 auf 4682
Tonnen gegen 4945 Tonnen im Maj 1931. Die deutſche. Kupferraffi=
nadeproduktion
(Rafinfade= und Eelektrolytkupfer) betrug im Monat
Juni 1931 11488 Tonnen gegen 10 938 Tonnen im Mai 1931.
Im Nechnungsjahr 1930/31 ſind nach amtlichen Aufſtellungen als
Ertrag der kommunalen Getränkeſteuer (einſchl. der Gemeinde= Bier=
ſteuer
) vereinnahmt worden (in Mill. RM.): in Preußen 47, in Bayern
13,2, in Sachſen 10,6, in Württemberg 3,6, in Baden 2,9, in Thürin=
gen
2, in Heſſen 0,9, in Oldenburg 0,2. Der Geſamtertrag der kom=
munalen
Getränkeſteuer hat alſo im abgelaufenen Rechnungsjahr rund
80 Mill. RM. betragen.
Von der Juſtizpreſſeſtelle Bremen wird mitgeteilt: Das ganze
Buchungsmaterial der Nordwolle nebſt Unterlagen wird beſchlagnahmt
and der Deutſchen Treuhand A.=G. zur Verfügung geſtellt, die es ihrer=
ſeits
, ſoweit es zur Fortführung der Nordwolle erforderlich, der Nord=
wolle
aushändigt.
Für die Ettringer Baſaltlavainduſtrie, Weiberner Tuffſtein= und
Nette=Brohltaler Traßinduſtrie iſt folgender Schiedsſpruch gefällt wor=
den
: In der Lohnſtreitſache zwiſchen dem Induſtrieverband für Mayen
und Umgebung und den beteiligten Arbeiterorganiſationen fällte
der ſtaatliche Schlichtungsausſchuß folgenden Schiedsſpruch: Der Schlich=
tungsausſchuß
vertagt ſich auf den 30. Juli. Das bisherige Lohnabkom=
men
bleibt bis zur Entſcheidung des dann gefällten Spruches in Kraft,
Die ſeit 1795 beſtehende Bankfirma Jacob Jſaac Weiller Söhne,
Frankfurt a. M., hat ihre Zahlungen eingeſtellt. Die Verbindlichkeiten
belaufen ſich auf ca. ½ Mill. RM. Man erſtrebt einen außergericht=
lichen
Vergleich. Zurzeit iſt eine Treuhandfirma mit der Aufſtellung
eines genauen Status und der Nachprüfung der Verhältniſſe beſchäftigt.
An der Frankfurter Börſe ſpielt die Firma eine beſondere große Rolle
ſeit langem nicht mehr.
Die vor einiger Zeit in Zahlungsſchwierigkeiten geratene Mecha=
niſche
Textilwarenfabrik vorm. Heinrich Keller A.=G., Offenbach, ſchlägt
in einem gerichtlichen Vergleichsverfahren eine Quote von 30 Prozent
und einen Beſſerungsſchein von 10 Prozent vor. Für den 28. Juli
wurde ein Termin angeſetzt.
Allein in der Provinz Badajoz (Spanien) gibt es wie der dortige
Gouverneur mitteilt, mehr als 80000 Arbeitsloſe. An die Regierung
iſt die dringende Aufforderung gerichtet worden, zur Behebung dieſer
Lage, die den Behörden große Sorge bereitet, Maßnahmen zu ergreifen.
Der Budapeſter Börſenrat hat verfügt, daß die Gffektenbörſe vom
20. bis 23. Juli geſchloſſen bleibt. Auch der Warenterminmarkt bleibt
bis auf weiteres geſchloſſen.

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[ ][  ][ ]

Nummer 200

Dienstag, den 21. Juli 1931

Sattatt

Ein Roman aus der Induſtrie
von Hans Dominik

33)

Copyright by Ernſt Keils Nachf.. (Aug. Scherl), G.m.b.H., Berlin.
(Nachdruck verboten.)

Als Wittebold aus dem Poſtamt trat, ſchlug es gerade vier
Uhr. So ſchnell er auch zum Bahnhof eilte, kam er doch erſt auf
den Bahnſteig, als die Kupeetüren zuflogen und der Beamte
den Stab zur Abfahrt hob. Er rannte am Zug entlang bis
zum erſten Wagen zweiter Klaſſe, ſtellte ſich auf die Zehen=
ſpitzen
, ſuchte mit den Augen die Zugfenſter ab. In einem Ab=
teil
glaubte er beſtimmt Adrienne zu erkennen. Vorſichtshalber
fragte er bei den Beamten der Fahrkartenſchalter, erzählte eine
glaubhafte Geſchichte von Verfehlen und Zugverſäumen und er=
fuhr
zu ſeiner Beruhigung, daß eine Dame von dem Ausſehen,
wie er Adrienne beſchrieb, tatſächlich ein Billet nach Baſel
genommen hatte.
Der nächſte Zug nach Rieba ging zwar erſt in einer knappen
Stunde. Aber das war nicht ſchlimm. Kurz vor ſechs würde
er an Ort und Stelle ſein und Dr. Wolff noch erreichen können.
In Rieba eilte er ſofort zu einem der Fernſprechautomaten
im Bahnhof.
Wolff ſaß in ſeinem Büro und hatte gerade einen Fall
vor, der nach langem Bemühen jetzt endlich Erfolg verſprach.
Ein engliſcher Korreſpondent in der Abteilung CB 16 war nicht
der junge Kaufmann Friedrich Windeys aus Hannover, ſon=
dern
hier fehlte noch ein kleines Stückchen, bevor Wolſf
zur Entlarvung ſchreiten wollte wahrſcheinlich ein Chemiker
aus Edinburg.
Das Schrillen des Telephons riß ihn aus ſeinem Grü=
beln
. Er warf einen Blick auf die Uhr. Sechs. Wer wollte
da noch was? Hier Wolff, Rieba=Werk . . . Was? Wie?
. . . Eichenblatt. Was ſoll das heißen? . . . Wer ſind Sie?
Der Mann, der die beiden Briefe mit einem Eichenblatt unter=
zeichnete
? Der Bleiſtift in Wolffs Hand zerbrach, ohne daß
er’s merkte. Wichtige Sache für mich?
Nicht ohne Mühe zwang er ſeine Stimme zu ruhigem
Sprechen. Mit friebriger Hand ſchrieb er nieder, was die Stimme
am anderen Ende der Leitung ſagte. Sprach, als der andere
geendet, haſtig ſeinen Dank und ſtürmte hinaus. Auf der
Straße ſprang er in das nächſte Auto und fuhr zu Kampen=
donk
.
Als er in deſſen Zimmer geführt wurde, ließ er Kampen=
donk
gar nicht erſt zu Worte kommen, ſprudelte los: Ver=
zeihung
, Herr Geheimrat, für meine Haſt! Aber ich habe da
eben einen telephoniſchen Anruf bekommen vom Schreiber
der Eichenblattbriefe . . . Hören Sie, bitte! Er entfaltete ſei=
nen
Zettel, las: Eine hnge Dame, namens Adrienne L'Eſtoile,
hat eine Woche lang in Leipzig bei Direktor Düſterloh gewohnt.
Ich habe die Dame in dringendem Verdacht, während dieſer
Zeit in der Abweſenheit des Herrn Direktor, die Kundenliſten

und Abſatzaufſtellungen kopiert zu haben. Die Dame hat heute
nachmittag Leipzig verlaſſen und iſt mit dem Zug ſechzehn Uhr
drei Minuten nach Baſel abgefahren. Falls ſie keine Kom=
plicen
hat, müſſen die Kopien ſich in ihrem Gepäck befinden.
Unglaublich! Unerhört! Iſt denn Düſterloh ganz von
Gott verlaſſen? brach Kampendonk los. Das wird ja immer
toller! Natürlich ſofort zugreifen! Auf jede Gefahr hin! Einen
Augenblick! Er griff zum Telephon, meldete ein dringendes
Ferngeſpräch nach Leipzig an. Es iſt auf alle Fälle gut, wenn
wir erſt feſtſtellen, daß die Dame ſich tatſächlich im Hauſe
Düſterlohs aufgehalten hat. Wann iſt ſie gefahren? Sechzehn
Uhr drei Minuten? Der Geheimrat zog die Uhr. Hm!
dann dürfte ſie jetzt in der Nähe von Gotha ſein . . . Wohin
wollen Sie ſich wenden? Nach Eiſenach?
Nein, Herr Geheimrat. Ich glaube, Frankfurt iſt vorzu=
ziehen
. Die dortige Polizei iſt beſſer auf derartige Manöver
eingeſpielt. Sie kann Beamte nach Hanau ſchicken, die dort
den Zug beſteigen und ſchon während der Fahrt die Dame er=
mitteln
."
Es ging auf Mitternacht, als Dr. Wolff vom Riebaer
Polizeiamt aus in der Villa Kampendonks anrief. Herr Ge=
heimrat
, die Dame iſt verhaftet! Die Papiere hat man ihr ab=
genommen
!
Wittebold hatte ſich in ſeiner Wohnung als Erſatz für das
verſäumte Mittageſſen ein kleines, frugales Mahl bereitet und
wollte ſich eben ein bißchen aufs Ohr legen, da kam Frau
Lniſe Schappmann herein und brachte ihm einen Brief. Einen
ſchönen Gruß von Frau Kanzleirat Gerland . . . Portiers klei=
ner
Auguſt hat eben den Brief for Sie abgegeben.
Wittebold ſchnitt den Umſchlag auf. Ein heller Glanz trat
in ſeine Augen. Stand doch da, daß die Frau Kanzleirat Ger=
land
ſich die Ehre gäbe, Herrn Wittebold am Abend zu einer
Taſſe Tee einzuladen . .
Frau Schappmann, die ſtets voll Stolz von ſich ſagte:
Bei mir Staub? Bei mir können Se von die Diele eſſen!
dieſe Frau Schappmann fand plötzlich viel Staub in Witte=
bolds
Zimmer. Sie wiſchte krampfhaft auf der Mahagoni=
kommode
, obwohl doch ſelbſt mit dem Mikroſkop dort kein Stäub=
körnchen
zu entdecken war. Dabei ſchielte ſie immer nach dem
Brief, der vor Wittebold auf dem Tiſch lag. Sie brannte
innerlich voll Neugierde, zu erfahren, was da wohl drinſtehen
mochte.
Doch ſie wartete vergeblich auf ein Wort aus Wittebolds
Mund. Der ſaß da, wie in tiefes Nachdenken verſunken; ſchien
gar nicht zu ſehen, daß ſie noch da war. Vergebens räuſperte
ſie ſich ein paarmal recht laut; ſtieß ſchließlich ſogar ärgerlich

Seite 11

die beiden koftbaren Prunkrömer, ihren Stolz, heftig zuſammen.
daß es einen lauten Klang gab. Alles umſonſt.
Endlich konnte ſie ihre Neugierde nicht länger meiſtern.
Nach ein paar vernehmlichen Hm hm! trat ſie von un=
gefähr
vor Wittebold hin und ſagte in ſanfteſtem Flüſterton:
Nun Herr Wittebold? Was ſchreibt Ihnen denn die gute
Frau Kanzleirat? Was iſt denn das ſo Wichtiges, daß Sie
es noch am Abend erfahren müſſen? Hat es nicht bis morgen
früh Zeit?
Wittebold, aus ſeinen Gedanken aufgeſtört, ſah ſie einen
Augenblick fragend an. Was meinten Sie, Frau Schapp=
mann
? Der Brief da was da drinſteht? Nun eine
Einladung für heute abend.
For Ihnen, Herr Wittebold? Unbegrenztes Staunen, ver=
miſcht
mit Hochachtung, lag in Luiſes Worten.
Jawohl, Frau Schappmann: for mir! antwortete Witte=
bold
lächelnd. For mir! Darüber wundern Sie ſich wohl?
Na aber ſelbſtverſtändlich, Herr Wittebold! Darüber
wundere ich mir ſehr. Is doch eine ganz ungewohnte Ehre,
die Ihnen Frau Kanzleirat da antut.
Nun ja, Frau Schappmann wie man’s gerade nimmt.
Ich denke mir, daß Fräulein Tilly mit mir ſo einiges zu be=
ſprechen
hat, wozu ſich im Labor keine Zeit findet. Na er
ſah nach der Uhr , in einer Stunde werden wir klüger
ſein. Bringen Sie mir doch, bitte, etwas warmes Waſſer
zum Raſieren! Ich will mich gleich zurechtmachen.
Als am nächſten Morgen Fortuyn durchs Laboratorium
ging, nickte er Tilly Gerland bedeutungsvoll zu. Die folgte
ihm in ſein Zimmer.
Nun, Fräulein Tilly, wie war’s? Iſt er gekommen? Ja?
Und hat er freiwillig erzählt oder haben Sie es nur mit weib=
lichem
Scharfſinn herausgeholt?
Tilly ſchuttelte den Kopf. Nein! Das hatte ich nicht
nötig. Im Gegenteil! Mir kam es vor, als ob der Mann
danach gelechzt hätte, mal eine Seele zu finden, der er ſein
Herz ausſchütten könne. Und ich kann Ihnen verſichern, Herr
Doktor Fortuyn, er hat alles ausgeſchüttet, was er auf dem
Herzen hatte. Die äußerſten Winkel hat er ausgefegt. Er
konnte ſich kaum genugtun mit Selbſtanklagen, Beteuerungen
. . . Es iſt natürlich ſo, wie Sie vermuteten. Faſt ließe ſich
das abgegriffene Wort gebrauchen: Cherchez la femme‟! Und
nun will ich Ihnen noch einmal ohne alle Beſchönigung das
alles wiedererzählen, was er ſich geſtern abend von der Seele
geredet.
Während Tilly erzählte, ſchaute Fortuyn ſie immer wieder
verwundert an. Wie doch, von Frauenmund erzählt, ſolch
gewiß tragiſches Schickſal viel ſtärker packte! Doch in Er=
innerung
an die groben Vertrauensbrüche, wie ſie im Werk in
der letzten Zeit ſo häufig paſſiert waren, ſuchte Fortuyn ſich
von dem Eindruck, den Tillys Schilderung auf ihn ausgeübt,
wieder frei zu machen.
(Fortſetzung folgt.)

Tetlte

Heimgeſucht. Alle angewandten Mittel blieben erfolg=
los
. Der Zufall brachte mich auf Ihre Zucker’s Pa=
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mich von der Flechte, die ſeitdem nie mehr auſtrat.
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[ ][  ]

Seite 12

Dienstag, den 21. Juli 1931

Nummer P0

Sommer-Spielzeit
Bruno Harprecht
im Hess. Landestheater.
Dienstag, den 21. Juli
und folgende Tage
Dienstag=Miete, 4. Vorſtellung
Anfang 20 Uhr Ende 22.15 Uhr
Sie werden lachen!
(Roxi)
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Luſtſpiel in 3 Akten v. B. Conners.

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Einträge in das Handelsregiſter Ab=
teilung
A: Am 13. Juli 1931 hinſicht=
lich
der Firma: Möbelfabrik Karl Klenk
Nachf. Lambeck & Co., Darmſtadt: Die
offene Handelsgeſellſchaft iſt aufgelöſt.
Geſchäft ſamt Firma iſt auf den bis=
herigen
Geſellſchafter Paul Lambeck,
Kaufmann in Darmſtadt, als Einzel=
kaufmann
übergegangen. Am 16.
Juli 1931 hinſichtlich der Firmen: 1.)
L. Schmidt=Rauch, Darmſtadt: Geſchäft
ſamt Firma iſt auf Charlotte geborene
Dörr, Ehefrau des Kaufmanns Arthur
Kaſtner in Darmſtadt, übergegangen.
Der Uebergang der in dem Betriebe
des Geſchäfts begründeten Forderungen
und Verbindlichkeiten iſt bei dem Er=
werbe
des Geſchäfts durch Arthur Kaſt=
ner
Ehefrau Charlotte geborene Dörr
ausgeſchloſſen 2.) Philipp Herold,
Darmſtadt: Kaufmann Philipp Sattler
in Darmſtadt iſt in das Geſchäft als
perſönlich haftender Geſellſchafter ein=
getreten
. Die nunmehrige offene Han=
delsgeſellſchaft
hat am 1. Juli 1931 be=
gonnen
. 3.) Adolph Rady, Agen=
turengeſchäft
. Darmſtadt: Die offene
Handelsgeſellſchaft iſt aufgelöſt und die
Firma erloſchen. 4.) Gebrüder Wie=
ner
, Darmſtadt: Geſchäft ſamt Firma
iſt auf die unter der Firma Kronen=
brauerei
Wiener Aktiengeſellſchaft vorm.
Gebrüder Wiener Darmſtadt im Han=
delsregiſter
Abteilung B eingetragene
Aktiengeſellſchaft mit allen Aktiven und
Verbindlichkeiten nach Maßgabe der
Bilanz per 31. März 1931 und des Ver=
trags
über die Errichtung der Aktien=
geſellſchaft
vom 9. April 1931 überge=
gangen
. Die Firma wird daher ge=
löſcht
.
Abteilung B: Am 13. Juli hinſicht=
lich
der Firma: Ludwig Alter Aktien=
geſellſchaft
, Darmſtadt: Durch Beſchluß
der Generalverſammlung vom 29. Juni
1931 iſt der Geſellſchaftsvertrag geän=
dert
. Neueintrag am 16. Juli 1931:
Firma: Heſſiſche Sperrholz= und Fur=
nier
=Geſellſchaft mit beſchränkter Haf=
tung
. Sitz: Darmſtadt. Gegenſtand
des Unternehmens: Vertrieb von Sperr=
hölzern
, Furnieren, Leim und ſonſtigen
Bedarfsartikeln aller Art für ſämtliche
holzverarbeitenden Betriebe. Stamm=
kapital
: 20 000, Reichsmark. Ge=
ſchäftsführer
: Leopold Neu, Kaufmann,
Martin Henſchke, Kaufmann, Kurt
Ellermann, Kaufmann, ſämtlich in
Darmſtadt. Zur Vertretung der Ge=
ſellſchaft
ſind jeweils nur zwei Ge=
ſchäftsführer
gemeinſam berechtigt.
Der Geſellſchaftsvertrag iſt am 3. Juni
1931 feſtgeſtellt und am 9. Juli 1931
geändert worden. Als nicht einge=
tragen
wird bekanntgemacht: Die drei
Geſellſchafter Leopold Neu, Martin
Henſchke und Kurt Ellermann bringen
ein Warenlager, beſtehend aus Sperr=
hölzern
und Furnieren, im Werte von
5000 RM., ein, wovon auf die Stamm=
einlagen
der Geſellſchafter Neu 2250.
RM., Henſchke 2250, RM., Ellermann
500, RM. angerechnet werden. Oef=
fentliche
Bekanntmachungen der Geſell=
ſchaft
erfolgen im Deutſchen Reichsan=
zeiger
.
Neueintrag am 16. Juli 1931: Firma:
Pla=Sa=Ro Pflanzenſäfte= Vertriebsge=
ſellſchaft
mit beſchränkter Haftung.
Sitz: Darmſtadt. Gegenſtand des Un=
ternehmens
: Handel mit pharmazeuti=
ſchen
Erzeugniſſen jeder Art, ſowie der
Verlag und Vertrieb von Fachzeitſchrif=
ten
, beſonders der Vertrieb von Pflan=
zenſäften
unter der geſetzlich geſchützten
Marke Pla= Sa=Ro. Stammkapital
20 000 Reichsmark. Geſchäftsführer:
Wilhelm Knuſt, Kaufmann in Offen=
bach
a. Main. Die Geſellſchaft wird
durch einen oder mehrere Geſchäftsfüh=
rer
vertreten. Jeder Geſchäftsführer iſt
für ſich allein vertretungsberechtigt.
Der Geſellſchaftsvertrag iſt am 22. Mai
1930 feſtgeſtellt und am 30. Mai 1930
und am 15. Juni 1931 geändert. Der
Sitz der Geſellſchaft iſt von Mannheim
nach Darmſtadt verlegt.
Als nicht eingetragen wird bekannt
gemacht: Die Bekanntmachungen der
Geſellſchaft erfolgen nur durch den
(10954
Deutſchen Reichsanzeiger.
Darmſtadt, den 18. Juli 1931.
Amtsgericht I.

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Mahnung an Gedanken-
losigkeit
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Dazu das (7.109/4
gute Beiprogramm.

Beginn: 3.45, 6.00 u. 8.20 Uhr. / Beginn: 3.45, 6.00 und 8.15 Uhr

Ab heute!
Ein großes fabelhaftes Filmwerk
das mit der goldenen Fotoplay-
Medaille ausgezeichnet wurde.
Der hochsensationelle erste Sub-
marinefilm
in tönender Fassung.

(Das Geheimnis des U-Bootes)
Ein Heldenlied auf die zahllosen
Unterseebootsleute aller Natio-
nen
, die an Heroismus, Selbst-
verleungnung
u. übermenschlicher
Ausdauer unglaubliches geleistet
haben.
Regie: John Ford.
Dazu
das gute Beiprogramm.

Infolge der weiter anhaltenden
Nach frage müssen wir die
Vorführungen zu dem Groß-
Film aus der Zeit der
Christenverfolgung
duo vadis!
mit Emil Jannings als
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verlängern
Heute
unwiderruflich
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2, Kullmann, Ohnacker,
Petrenz; außerdem bei Wilh.
Bauch Friedrich Hartmann.
Bankg. Louis Krämer, Heinr.
Marguth, Kerl Rechel, Paula
Volk, Hugo de Waal. (110947

Nun versuchen Sie einmal
Notelebentd
das ist Opekta in Pulverform. Auch Trocken-Opekta hat sich überaus
schnell die Gunst der Hausfrauen erworben; denn es ist das beste
Trocken-Gelierpulver, das es gibt und schon in kleiner
Packung zu 25 Pfg.,
hinreichend für 2 Pfd. Marmelade, erhältlich. Die Anwendung ist
überaus einfach, und wir bringen hier ein einheitliches
Rezept für alle Früchte:
a) Marmelade: / Pfd. Früchte, gut zerdrücken, aufs Feuer setzen
und den Inhalt einer Packung zu 25 Pfg. in die Fruchtmasse streuen.
Die Früchte unter Rühren zum Kochen bringen und etwa 1 Minute
durchkochen lassen, jetzt 1 Pfd. Zucker hinzu, 4-5 Minuten brausend
durchkochen. Bei Stachelbeeren und Johannisbeeren nimmt man
Vorsicht
soger 1½½, Pfd. Früchte und 1½, Pfd. Zucker und eine Packung zu
bei Opekta=Einkauf.
25 Pfg., sonst genau wie oben.
Nur echt
mit dem dampfenden b) Gelees: /. Pfd. ( VgLtr.) Fruchtsaft und 2. Pfd. Zucker,
10-Minuten=Eopf.
sonst genau wie oben.
Genaueste Gebrauchsanweisung ist jeder Packurig aufgedruckt.
Doppelte Portionen kocht man 6-7 Minuten, vierfache Portionen 10 Minuten.
Zur Aufklärung: Trotz unserer vielfachen dringlichen Hinweise werden von manchen
Hausfrauen immer noch unsere Kochvorschriften durch willkürliche oder unbewußte Anderung
der Mengen an Frucht, Zucker und Opekta, oder durch beifügen von Wasser falsch an-
gewandt
, was unbedingt zu Fehlkochungen führen muß. Machen Sie jetzt mal mit Trocken-
Opekte den kleinsten Versuch zu 25 Pfg., beachten Sie genau das Rezept, das jeder
Packung aufgedruckt ist, und wir übernehmen alsdenn für unbedingtes Gelingen
volle Garantie.
Opekta flüssig, wie bisher, jedoch in verstärkter Qualität: Normalflasche RM. 95,
Doppelflasche RM. 1.70.
In allen Drogerlen und guten Lebensmittelgeschäften zu haben.
Koche mit Opfekta, aber koche richtig!

Opekta-Gestellschaft m. b. H., Köln-Nippes

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für 25 zu verk.
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wie neu durch
Bettfedernreinigung
-modernster Anlage
Jakob Heymann
Tapeziermeister (275a
Teleton 970 Bessungerstraße 55

Zwangsverſteigerung.
Termin: Donnerstag, den 17. September 1931, nachmittags
½4 Uhr, im Sitzungsſaale Zimmer 219 des Neuen
Gerichtsgebäudes in Darmſtadt.
Grundſtücke: Gemarkung Darmſtadt, Bezirk 5, Band 40, Bl.
2436: Flur 5 Nr. 1025, Hofreite Nr. 13, Hofgarten=
ſtraße
, 258 qm. Schätzung: 2500. RM.
Flur 5 Nr. 1026, Grabgarten, daſelbſt (jetzt Eich=
wieſenſtraße
), 495 qm. Schätzung: 3500. RM.
Eigentümer: Georg Ludwig Enes in Darmſtadt, Beſſunger
Straße 59.
Darmſtadt, den 1. Mai 1931.
(10952a
Heſſiſches Amtsgericht I.

Zwangsverſkeigerung.
Termin: Dienstag, den 15. September 1931, nachmittags
344 Uhr, im Sitzungsſaale Zimmer 219 des Neuen
Gerichtsgebäudes in Darmſtadt.
Grundſtücke: Gemarkung Darmſtadt, Bezirk 1, Band 15,
Blatt 768:
Flur 1 Nr. 1815, Grabgarten, Soderſtraße, 70 qm.
Schätzung: 1000 RM.
Flur 1 Nr. 1816, Hofreite, Nr. 56 daſelbſt, 226 qm.
Schätzung: 19 000 RM.
Eigentümerin: Schwarzwälder Grundſtücks=Aktiengeſellſchaft
in Freiburg im Breisgau.
Darmſtadt, den 13. Mai 1931.
(10949a
Heſſiſches Amtsgericht I.

Zwangsverſteigerung.
Termin: 15. September 1931, nachmitt. 4 Uhr, im Sitzungs=
zimmer
219 des Neuen Amtsgerichtsgebaudes in
Darmſtadt.
Grundſtück: Gemarkung Darmſtadt, Bezirk 1, Band 22,
Blatt 1103:
Flur 1 Nr. 1285, Hofreite, Nr. 44, Karlſtraße,
536 gm. Schätzung: 5000. RM.
Eigentümerin: Schwarzwälder Grundſtücks=Aktiengeſellſchaft
in Freiburg im Breisgau.
Darmſtadt, den 13. Mai 1931.
(10950a
Heſſiſches Amtsgericht I.

Zwangsverſkeigeru
Termin: Dienstag, den 15. September 1931, nachmittags
½4 Uhr, im Sitzungsſaale Zimmer 219 des Neuen
Gerichtsgebäudes in Darmſtadt.
Grundſtücke: Gemarkung Darmſtadt, Bezirk 2, Band 2,
Blatt 162:
Flur 2 Nr. 734, Hofreite Nr. 77, Heinheimerſtraße,
155 qm Schätzung: 17 500, RM.
Flur 2 Nr. 73470 Grasgarten (Vorgarten) da=
ſelbſt
, 30 qm. Schätzung: 250. RM.
Flur 2 Nr. 735, Grasgarten, daſelbſt, 27 qm. Schät=
zung
: 250, RM.
Eigentümerin: Schwarzwälder Grundſtücks=Aktiengeſellſchaft.
in Freiburg im Breisgau.
Darmſtadt, den 22. April 1931.
(10951a
Heſſiſches Amtsgericht I.

Zwangsverfkeigerung.
Termin: Dienstag, den 15. September 1931, nachmittags
4½ Uhr, im Sitzungsſaale Zimmer 219 des Neuen
Gerichtsgebäudes in Darmſtadt.
Grundſtücke: Gemarkung Darmſtadt, Bezirk 4, Band 3,
Blatt 509
Flur 4 Nr. 659, Grabgarten. Eliſabethenſtraße,
47 qm. Schätzung: 500. RM.
Flur 4 Nr. 660, Hofreite Nr. 45, daſelbſt, 413 qm.
Schätzung: 35 500. RM.
Eigentümerin: Schwarzwälder Grundſtücks=Aktiengeſellſchaft.
in Freiburg im Breisgau.
(10 948a
Darmſtadt, den 8. Juni 1931.
Heſſiſches Amtsgericht Darmſtadt I.

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