Einzelnummer 1.5 Pfennige
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 198
Sonntag, den 19. Juli 1931.
194. Jahrgang
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ſ41 Dollar — 420 Mark.
Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſcht
ſede Verpflichtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
aufträge und Leiſtiung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtlicher Beltreibung ſällt jeder
Rabatt weg. Bankkonto Deutſche Bank und
Darm=
ſtädter und Nationalbant.
Bekämpfung der Kapital= und Steuerſlucht
Energiſche Maßnahmen zur Einkreibung von gehamſterken ausländiſchen Zahlungsmikkeln und
hinker=
zogenen Skenern. — Drakoniſche Skrafen für Berſtöße gegen dieſe Verordnung.
Der Ernſt der Lage Deutſchlands.
Ungeheure Krafkanſtrengungen erforderlich,
um über die Kriſe hinwegzukommen.
* Berlin, 18. Juli. (Priv.=Tel.)
Die Notverordnung gegen die Kapital= und Steuerflucht iſt
ſchärfer ausgefallen, als man es urſprünglich annehmen durfte.
Die weſentlichſten Merkmale ſind die Eintreibung von
ge=
hamſterten ausländiſchen Geldſcheinen oder auch
Geldern, die inausländiſcher Währung angelegt
ſind und die Eintreibung hinterzogener Steuern.
Mit dem erſten Teil der Verordnung hofft man, die
Deviſen=
beſtände der Reichsbank vergrößern zu können, der
zweite Teil ſoll dazu dienen, dem Reiche die Einnahmen
ſicher zu ſtellen, die ihm durch die Steuerflucht
bisher entgangen ſind. Für Verſtöße gegen dieſe
Ver=
ordnung ſind drakoniſche Strafen vorgeſehen.
Die Verordnung des Reichspräſidenken
gegen die Kapikal= und Skeuerflucht.
Berlin, 18. Juli.
Die angekündigte Verordnung des Reichspräſidenten gegen
die Kapital= und Steuerflucht iſt heute abend veröffentlicht
worden.
Auf Grund des Art. 48, Abſ. 2, RV. wird darin u. a.
ver=
ordnet:
Erſter Abſchnitt:
Anzeigepflicht.
Erſter Titel:
dmüih
Anzeigepflicht gegenuoer der Reichsbank.
8 1.
(1) Unbeſchränkt Steuerpflichtige, denen ausländiſche
Zah=
lungsmittel gehören oder Forderungen in ausländiſcher
Wäh=
rung zuſtehen, ſind verpflichtet, innerhalb einer von der
Reichs=
regierung zu beſtimmenden Friſt die Zahlungsmittel und
For=
derungen der Reichsbank zu den allgemeinen
Geſchäftsbedingun=
gen anzubieten und ihr auf Verlangen zu verkaufen und zu
über=
tragen.
(2) Von dieſer Verpflichtung iſt befreit, wer innerhalb der
Friſt der Reichsbank die ausländiſchen Zahlungsmittel oder
Forderungen anzeigt und darlegt, daß er der angezeigten Werte
zu Zwecken bedarf, die volkswirtſchaftlich gerechtfertigt find.
(3) In dieſen Fällen prüft die Reichsbank, ob die
ange=
gebenen Zwecke volkswirtſchaftlich gerechtfertigt ſind. Iſt dies
nicht der Fall, ſo kann die Reichsbank verlangen, daß die
auslän=
diſchen Werte verkauft und übertragen werden.
(4) Für Perſonen, die unter die Vorſchriften der Abſätze
1 bis 3 fallen und ſich bei Beginn der in Abſ. 1 erwähnten Friſt
im Auslande befinden, läuft die Friſt früheſtens eine Woche nach
der Rückkehr in das Inland ab.
(5) Dieſe Verpflichtungen erſtrecken ſich auf ſolche
auslän=
diſche Wertpapiere, die nach dem 12. Juli 1931 gegen
auslän=
diſche Zahlungsmittel oder Forderungen in ausländiſcher
Wäh=
rung erworben ſind.
8 2.
(1) In gleicher Weiſe wie ein Eigentümer hat die in 81
be=
zeichneten Verpflichtungen zu erfüllen:
1. Wer einen anzeigepflichtigen Gegenſtand als ihm gehörig
beſitzt.
2. Wer durch einen Treuhänder, durch eine
Erwerbsge=
geſellſchaft oder in ſonſtiger Weiſe die Verfügungsmacht
über einen anzeigepflichtigen Gegenſtand ausübt.
(2) Wer nach den Vorſchriften der Reichsabgabenordnung
die Pflichten eines Steuerpflichtigen zu erfüllen hat, iſt
verpflich=
tet, auch der Reichsbank gegenüber die in § 1 bezeichneten
Ver=
pflichtungen des Steuerpflichtigen zu erfüllen.
8 3.
(1) Zahlungsmittel im Sinne dieſer Verordnung ſind
Geld=
ſorten (Münzgeld, Papiergeld, Banknoten und dergleichen),
Aus=
zahlungen, Anweiſungen, Schecks und Wechſel mit Ausnahme
von Scheidemünzen.
(2) Forderungen in ausländiſcher Währung im Sinne dieſer
Verordnung ſind Forderungen, bei denen der Gläubiger
An=
ſpruch auf Zahlung in effektiver ausländiſcher Währung hat. Als
Forderungen in ausländiſcher Währung gelten nicht
auslän=
diſche Wertpapiere und Forderungen, die mit einer längeren
Friſt als drei Monate kündbar ſind.
8 4.
Die Verpflichtung der Steuerpflichtigen nach §8 1 bis 3
können auch erfüllt werden gegenüber Kreditinſtituten, denen die
Reichsbank gemäß 8 1 der Verordnung über den Verkehr mit
ausländiſchen Zahlungsmitteln vom 15. Juli 1931 die
Befug=
nis zum An= und Verkauf von ausländiſchen Zahlungsmitteln
verliehen hat.
8 5.
(1) Wer den Vorſchriften der 88 1 bis 4 vorſätzlich oder
fahrläſſig zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis beſtraft. Bei
vorſätzlicher Zuwiderhandlung kann in beſonders ſchweren
Fäl=
len auf Zuchthaus bis zu zehn Jahren erkannt werden.
(2) Neben der Freiheitsſtrafe kann auf Geldſtrafe erkannt
werden. Der Höchſtbetrag der Geldſtrafe iſt unbeſchränkt.
(3) Neben der Strafe iſt auf Einziehung der Werte zu
er=
kennen, hinſichtlich derer den Vorſchriften der 88 1 bis 4
vor=
ſätzlich oder fahrläſſig zuwidergehandelt worden iſt.
(4) Neben der Strafe kann angeordnet werden, daß die
Be=
ſtrafung auf Koſten des Verurteilten öffentlich bekannt zu
machen iſt.
Zweiter Titel.
Anzeigepflicht gegenüber den Skeuerbehörden.
§ 6.
(1) Unbeſchränkt Stenerpflichtige (§ 2 des
Vermögensſteuer=
geſetzes) haben über Beteiligungen der in Abſ. 3 bezeichneten Art
dem Finanzamt bis zum 31. Juli 1931 Anzeige zu erſtatten.
(2). Wird eine Geſellſchaft nach dem 24. Juli 1931 gegründet
oder wird nach dem 24. Juli 1931 eine Beteiligung an einer
Ge=
ſellſchaft erworben, ſo iſt die Anzeige binnen einer Woche, von
der Gründung der Geſellſchaft oder von dem Erwerb der
Beteili=
gung an gerechnet zu erſtatten.
(3) Die Anzeigepflicht beſteht für Beteiligungen, auch
mittelbare, an einer Geſellſchaft, an denen nicht mehr als fünf
Perſonen oder deren Angehörige zuſammen zu mehr als der
Hälfte beteiligt ſind.
(4). Wer den Vorſchriften der Abſätze 1 bis 3 vorſätzlich
zu=
widerhandelt, wird beſtraft wie wenn er eine Steuerhinterziehung
begangen hätte. In beſonders ſchweren Fällen kann auf Zuchthaus
bis zu zehn Jahren erkannt werden. Wer den Vorſchriften der
Abſätze 1 bis 3 fahrläſſig zuwiderhandelt, wird beſtraft, wie wenn
er eine Steuergefährdung begangen hätte. Die Vorſchriften über
das Steuerſtrafverfahren gelten entſprechend.
8 7.
1). Durch die Verpflichtungen, die nach den S8 1 bis 4 der
Reichsbank gegenüber zu erfüllen ſind, wird für Perſonen,
die eine Vermögenserklärung abzugeben haben,
die Verpflichtung nicht berührt, die
ausländi=
ſchen Zahlungsmittel und die Forderungen in
ausländiſcher Währung dem Finanzamt
anzu=
zeigen.
(2). Zu dieſem Zwecke ſowie im Hinblick auf die VorſchKften
über Steueramneſtie wird die Friſt für die Abgabe der
Vermögenserklärung bis zum 31. Juli 1931
ver=
längert. Wer ſeine Vermögenserklärung
be=
reits abgegeben, jedoch anzeigepflichtige Werte
darin nicht angegeben hat hat nachträglich bis zum
31. Juli 1931 dieſe Werte dem Finanzamt
anzu=
zeigen.
(3). Wer bis zum 31. Juli 1931 ſteuerpflichtiges Vermögen
einer beſtehenden Rechtspflicht zuwider dem Finanzamt nicht
an=
zeigt, wird wegen Steuerzuwiderhandlung nach den Vorſchriften
der Reichsabgabenordnung beſtraft. Bei vorſätzlicher
Zuwider=
handlung kann in beſonders ſchweren Fällen auf Zuchthaus bis
zu zehn Jahren erkannt werden.
Zweiter Abſchnitt.
Ree
Steueramnneſtie.
§ 8.
(1) Wer ſteuerpflichtiges Vermögen oder ſteuerpflichtiges
Ein=
kommen oder ſteuerpflichtigen Gewerbeertrag einer beſtehenden
Rechtspflicht zuwider der Steuerbehörde nicht angegeben hat, wird
von der Strafe wegen dieſer Steuerzuwiderhandlung und von der
Verpflichtung, die in Abſatz 2 bezeichneten Nachzahlungen zu
leiſten, frei, wenn er in der Zeit, ſeitdem dieſe Vorſchrift im
Reichsgeſetzblatt verkündet iſt, bis zum Ablauf des 31. Juli 1931
nicht angegebene Werte dem zuſtändigen Finanzamt oder einer
andern Behörde der Reichsfinanzverwaltung oder der
zuſtän=
digen Behörde anzeigt.
Abſatz 2 regelt die Befreiung von der Nachzahlungspflicht.
Abſatz 3 beſtimmt die Ausnahmen von der in Abſatz 1 und 2
vorgeſehenen Straffreiheit und Befreiung von der
Nachzahlungs=
pflicht. Der dritte Abſchnitt,
A.
Steueraufſicht,
beſagt im § 9, in welcher Faſſung die Reichsabgabenordnung vom
22. Mai 1931 anzuwenden iſt. Er beſtimmt dabei u. a.: Wer nach
den bei der letzten Veranlagung getroffenen Feſtſtellungen
Rein=
einkünfte gehabt hat, die eine gewiſſe vom Reichsminiſter der
Finanzen zu beſtimmende Grenze überſchreiten, iſt verpflichtet,
ſeine Einnahmen und Ausgaben fortlaufend aufzuzeichnen und
alljährlich eine Zuſammenſtellung über ſein Vermögen
anzufer=
tigen. Von dieſer Verpflichtung kann das Finanzamt
Erleichte=
rungen widerruflich bewilligen.
Der vierte Abſchnitt, der die Schlußvorſchriften
ent=
hält, verfügt im 8 10:
Wer von dem Vorhaben oder der Ausführung einer in der
Verordnung mit Strafe bedrohten Handlung glaubhafte Kenntnis
erhält, iſt verpflichtet, der Behörde hiervon Anzeige zu erſtatten.
§ 11 ermächtigt die Reichsregierung zur Durchführung dieſer
Verordnung Rechtsverordnungen und Verwaltungsverordnungen
zu erlaſſen.
8 12.
(1) Dieſe Verordnung tritt mit ihrer Verkündung in Kraft.
(2). Den Zeitpunkt, wann die Vorſchriften des erſten und des
zweiten Abſchnittes ſowie die Vorſchruift des § 10 außer Kraft
treten, beſtimmt die Reichsregierung.
Die Verordnung iſt unterzeichnet vom Reichspräſidenten,
vom Stellvertreter des Reichskanzlers und Reichsminiſter der
Finanzen, vom Reichsminiſter des Innern und vom Staatsſekretär
für das Reichswirtſchaftsminiſterium.
Deutſche Schickſalstage.
Von
Eduard Dingeldey, M. d. R.
In Anbetracht der geſpannten außen= und
innenpolitiſchen Lage dürften die Ausführungen des
Führers der Deutſchen Volkspartei, Dingeldey,
M. d. R., für unſere Leſer von beſonderem
Inter=
eſſe ſein.
Die Schriftleitung.
In der Entwicklung der letzten Tage mit ihren ungeheuren
Schlägen gegen das Gefüge des deutſchen Gelomarktes und der
Wirtſchaft iſt die Ruhe und Beſonnenheit bewundernswert
ge=
blieben, mit der das deutſche Volk bis zum Augenblick dieſe
Entwicklung trägt. War ſchon die Wirkung der letzten
Notver=
ordnung mit den Entbehrungen, die breiteſten Schichten
aufer=
legt wurden, gefahrdrohend, um wie viel mehr die
Erſchütte=
rungen, die durch den Zuſammenbruch eines der größten
Bank=
inſtitute, durch die gewaltſame Verkürzung der Gelddecke vom
Auslande her im deutſchen Volk verurſacht wurden. Die
Preſſe=
organe der Kommuniſten, Handzettel und Flugblätter,
Straßen=
redner und Betriebsagitatoren verſuchen, die Leidenſchaft der
unter den Entbehrungen leidenden Schichten bis zum äußerſten
zu treiben. Ich hoffe, daß die Regierung endlich dem
unerhör=
ten offenen Hohn auf Ordnung und Staatsautorität, der von
dieſen Seiten ausgeht, mit brutaler Gewalt entgegentritt. In
ſolchen Tagen wie heute kann eine Regierung nicht durch
Nach=
ſicht, ſondern nur durch feſten Willen und Zielbewußtſein ihre
Autorität erhalten. Auch ein Teil der nationalſozialiſtiſchen
Preſſe tut leider alles um Verwirrung und Erregung zu
ſtei=
gern. Liegen hier noch agitatoriſche Bedürfniſſe der Oppoſition
um jeden Preis vor, um wie viel ernſter iſt das Verhalten der
ſozialdemokratiſchen Partei zu werten! Der Zuſammenbruch
tauſender von wirtſchaftlichen Unternehmungen iſt und bleibt die
Folge der ungeheuerlichen öffentlichen Laſten, die dieſen
Unter=
nehmungen die Lebenskraft geraubt haben. Wo ſchädliche, wo
Menſchen, deren Egoismus auch in dieſen Notzeiten keine
Gren=
zen kennt, etwa durch ihre Fehler Unternehmungen zum
Zuſam=
menbruch geführt haben, dort muß mit rückſichtsloſer Schärfe
von der Staatsgewalt und vom Strafrichter durchgegriffen
wer=
den. Die Privatwirtſchaft dient ſich nur ſelbſt und ihrer
Zu=
kunft, wenn ſie mit Nachdruck und ohne jede Beſchönigung in
jedem Falle die Diffamierung und die Beſtrafung von
angeb=
lichen Wirtſchaftsführern verlangt, wo ſolche Sumpfblüten
emporgeſchoſſen ſind. Gerade auch die Deutſche Volkspartei hat
deshalb in dieſen Tagen der Verwirrung an der gegebenen
Stelle nachdrücklich ſcharfes Zugreifen gefordert. Die
Sozial=
demokratie aber wagt es, in ihrem Aufruf an das deutſche Volk
mit einer beiſpielloſen Entſtellung der objektiven Wahrheit den
Fanatismus der Maſſen gegen die Wirtſchaftsführer insgeſamt,
gegen ihr Pflichtgefühl und ihr vaterländiſches Bewußtſein
auf=
zupeitſchen. Die Wahrheit iſt, daß die Fälle „Nordwolle” und
„Danatbank” gleich allen anderen Zuſammenbrüchen während
dieſer letzten Jahre, wenn auch in einem ungeheuer verſchärften
Ausmaße und ſozuſagen im letzten Krankheitsſtadium, den
Be=
weis dafür erbringen, was wir immer vertreten haben:
Wirt=
ſchaft und Staatsordnung unſeres Volkes werden ins Unglück
kommen, wenn die durch das nachrevolutionäre Syſtem und
durch den Sozialismus geſchaffene Verfälſchung der
privatwirt=
ſchaftlichen Grundſätze beſeitigt wiro.
Aber das ſind Folgerungen, die ausgekämpft werden müſſen,
ſo oder ſo, wenn wir jetzt an einen Wiederaufbau der Wirtſchaft
herantreten. Schlimmer iſt, daß die Sozialdemokratie dieſe
Ver=
hetzung von Maſſen durch einen feierlichen Aufruf und durch
weitere Aufſätze des Vorwärts in einem Augenblick betreibt,
in=
dem das Leben der Nation von außen bedroht iſt. Wir fühlen
doch alle, daß die Kräfte, die durch das Diktat von Verſailles
Deutſchland zerſtückeln und am Wiederaufſtieg für alle Zeiten
hindern wollten, im Augenblick wieder an der Arbeit ſind, um
die finanziellen Zuſammenbrüche mit rückſichtsloſen
Erpreſſun=
gen auszunutzen. Dabei zeigt ſich, daß die Ausſtrahlungen der
ungeheuren Erſchütterungen im Raume Mitteleuropas, (denn
voran gingen ja bekanntlich die großen Zuſammenbrüche in
Oeſterreich und Ungarn) an unſeren Grenzen nicht halt machen.
Die Vaſallenſtaaten Frankreichs, Polen und Tſchechoſlowakei,
ſind bereits davon berührt, und die ſtolze Sicherheit des
eng=
liſchen Geldmarktes iſt gleichfalls von der franzöſiſchen
Macht=
politik bedroht.
Es iſt ein hiſtoriſcher Augenblick, in dem ſich endgültig
ent=
ſcheiden wird, ob Europa und Deutſchland in Europa gerettet
werden kann, durch eine entſchloſſene großzügige, auf dem
Boden wirklich gleichen Lebensrechtes errichtete Zuſammenarbeit.
Deutſchland hat dazu immer wieder ſeine Bereitſchaft bekundet.
Nicht an uns iſt es, die Bereitſchaft aufs neue zu beweiſen, wohl
aber an denjenigen, die die wirtſchaftliche Hilfe an entehrende
politiſche Bedingungen knüpfen wollten. An dieſer Stelle wurde
die entſetzliche Lage, in die auswärtige Bedrohung in
Verbin=
dung mit den Erſchütterungen im Iulande unſer Volk bringt,
vor wenigen Tagen richtig gekennzeichnet. Es geht um unſer
Leben als Nation! In jedem anderen Volk wäre es eine platte
Selbſtverſtändlichkeit, daß in einem ſolchen Augenblick
Schuld=
fragen, innere Gegenſätze, wirtſchaftliche
Streit=
fragen rückſichtslos beiſeite geſtellt und alle Kräfte zu einer
geſchloſſenen Abwehrſtellung nach außen zuſammengefaßt
wür=
den. Mehr wie einmal haben das engliſche und das franzöſiſche
Volk ein Beiſpiel dafür gegeben. Heute dreht es ſich doch, weiß
Gott, nicht um die Austragung der Frage, ob die Annahme des
Young=Plans, ob die ſtaatsſozialiſtiſchen Gedankengänge in
unſerem Wirtſchaftsleben oder ob die innere Zerfleiſchung und
die Zerſtörung jeglicher Autorität durch hemmungsloſe Agitation,
oder ob alle Faktoren zuſammen in die heutige Lage hinein
ge=
führt haben. Feſt ſteht nur eins: alle drei Uebel müſſen
rückſichtslos beſeitigt werden, wenn Deutſchland
leben ſoll. Welche ſtolze vaterländiſche Geſte könnte eine
wirk=
lich nationale Oppoſition in dieſem Augenblick machen, wenn
ſie erklären würde: Wenn die Reichsregierung wirklich
entſchloſ=
ſen iſt, Ehre und Beſtand der Nation gegen fremde
Beoräng=
nis zu verteidigen, ſo ſtehen wir hinter ihr, wir ſind zur
Mit=
verantwortung für dieſen Kampf bereit und ſtellen die inneren
Fehden zurück. Ganz anders leider ſchallen die Parolen aus
dem Lager dieſer Oppoſition. Sturz der Regierung Brüning,
das iſt die einzige Weisheit, die ihre Führer in einem Augenblick
Seite 2
Sonntag, den T9. Juli 1931
ausſprechen, in dem nur die ſtärkſte Zuſammenfaſſung aller
er=
reichbaren nationalen Kräfte der Größe und dem Ernſt der Lage
und der Not entſprechen. Die Sozialdemokratie ihrerſeits führt
ſeit Tagen einen erbitterten Kampf für eine Verſtändigung mit
Frankreich, das in dem Augenblick, in dem von den franzöſiſchen
Zeitungen, die im Gegenſatz zur deutſchen Preſſe ihre Stellung
gegenüber dem auswärtigen Verhandlungsgegner immer im
Einvernehmen mit der eigenen Regierung wählen, eine lange
Liſte von Forderungen präſentiert wird, deren Anerkennung
einem zweiten Diktat von Verſailles gleich käme. Die
Sozial=
demokratie hat beſtritten, daß Herr Wels in London die
Panzer=
kreuzerfrage aufgerührt habe. Das aber iſt auch gar nicht der
Kernpunkt. Der Kernpunkt iſt vielmehr die Frage; hat Herr
Wels in London als Wortführer einer deutſchen Partei jedes
derartige Anſinnen im gegenwärtigen Augenblick als
unannehm=
bar und entehrend abgelehnt? Die bekannte linksdemokratiſche
Preſſe des Berliner Tageblatts, und gewiſſe Montagszeitigungen
tun ſeit Wochen das ihrige, um die Verhandlungsſtellung
Deutſchlands zu erſchweren. Das iſt das Geſamtbild einer
Nation, die ſich für die Abwehr drückendſter Zumutungen rüſten
muß, daß auch in dieſer Stunde die innere Zerfleiſchung
triumphiert. Unſer Ruf nach Konzentration der Kräfte, der
eine Sebſtverſtändlichkeit für jede andere ehrliebende Nation iſt,
fand taube Ohren.
So gehen der Reichskanzler und der Reichsaußenminiſter
einen unſäglich ſchweren Gang über Paris nach London. Eine
Ablehnung dieſer Konferenz wäre bei der Lage Deutſchlands
Wahnſinn geweſen. Kein wahrer Patriot an der Spitze des
Reiches könnte es verantworten, wenn er nicht die letzte
Chance nützen wollte, zu einer wahren Verſtändigung, die
deut=
ſches Leben und Lebensrecht achtet, zu gelangen. Die Gefahren,
die auf die deutſchen Miniſter in Paris lauern, ſind
ungeheuer=
lich. Die Erklärungen des Reichskanzlers und unſeres Freundes
Curtius in den letzten Tagen aber geben mir die Sicherheit, daß
ſie nichts ertragen und zu nichts ſich verpflichten werden, was
gegen das Ehrgefühl, was gegen die Nationale und
wirtſchaft=
liche Lebensfreiheit unſeres Volkes ſich richtet. Sollten ſich
allerdings die von der franzöſiſchen Preſſe
veröffentlichten „Bedingungen” als die
Grund=
lage erweiſen, auf der die franzöſiſchen
Staats=
männer eine angebliche „Verſtändigung” uns
an=
tragen wollen, ſo kann hier nur die einzige
Antwort gegeben werden: Eine deutſche
Regie=
rung, die das unterſchreiben wollte, würde im
ſelben Augenblick die Grundlage ihrer Exiſtenz
im deutſchen Volke verloren haben. Die nächſten
Tage werden uns Klarheit bringen. Vielleicht geht dann noch
einmal und mit der verſtärkten Wucht eines ungeheuer ernſten
Schickſals der letzte Ruf an alle, die es angeht, ob ſie Helfer
ſein wollen in der Abwehr eines unſäglichen Verhängniſſes.
Das Volk, ſeine Beſonnenheit, ſeine Ruhe und ſein Ernſt in
dieſen Tagen ſind bewundernswert. Staatsgefährliche
Agita=
toren, die das Volk aufpeitſchen wollen, ſind mit der gleichen
Brutalität, die dieſer Kommunismus ſelbſt ſeinerſeits zu üben
pflegt, nieder zu halten. Das Geſchlecht der Führer, das ein
beſonnenes und zu einiger Abwehr bereites Volk, verlangen
könnte, findet es leider heute nicht. So liegt eine ungeheure
Verantwortung auf den Wenigen, die ſie zu tragen bereit ſind.
Eines nur ſteht feſt: Neue Erpreſſungen, neue entehrende
For=
derungen dürfen unter keinen Umſtänden bei dieſen
Verantwort=
lichen Nachgiebigkeit finden. Verſtändigung — ja! Aber eine
großzügige Verſtändigung, die ſich frei macht von den
Wahn=
ſinnsmethoden des Verſailler Syſtems!
Vom Tage.
Im Krankenhaus zu Groß=Gerau iſt der Erwerbsloſe Hans
Wem=
höfer, der bei den blutigen Vorgängen am Donnerstag durch einen
Lungenſchuß ſchwer verletzt wurde ſeinen Verletzungen erlegen.
Da=
mit hat die Bluttat ein zweites Todesopfer gefordert.
Die geſamten Kreditinſtitute, öffentlich=rechtliche Banken und
Bank=
inſtitute Sparkafſen, Großbanken, haben ſich heute Samstag zu einer
Gemeinſchaft zuſammengeſchloſfen mit dem Zweck, den Schwierigkeiten
im Kreditverkehr, wie er in den letzten Tagen in Erſcheinung getreten
iſt, vorzubeugen.
Der Bankier Pierpont Morgan iſt am Freitag abend an Bord
ſei=
ner Jacht von New York unvermutet nach England abgereiſt. Niemand
hat vorher etwas von dieſem Reiſeplan gewußt. Morgan gedenkt bis
zum November in Europa zu bleiben.
Gandhi hatte eine dreiſtündige Unterredung mit dem indiſchen
Vize=
könig Lord Willingdon. Die Beſprechungen, die ausſchließlich
Beſchwer=
den über die Nichteinhaltung des Delhi=Paktes durch England galten,
ſollen am Montag fortgeſetzt werden.
In Peking iſt am Freitag eine amtliche Erklärung herausgegeben
worden, der zufolge in zwei Bezirken der Provinz Honan allein in den
letzten zwei Jahren 395 152 Perſonen von Kommuniſten und Banditen
getötet worden ſind. Verſchiedene Städte die mehrfach von den
Negie=
rungstruppen eingenommen und dann wieder von den Kommnniſten
erobert wurden, haben auf dieſe Weiſe über die Hälfte ihrer Einwohner
eingebüßt.
Nummer 798
Begrenzte Aufhebung der Sparkaſſenſperte
Bedürfnisnachweis unker Umſtänden erforderlich. — Barauszahlungen für Löhne, Gehälker uſw.
unbeſchränkk. — Einzahlungen unbegrenzl. — Ueberweiſungen keils zuläſſig, keils beſchränkk.
Beſtimmungen über die Erhebung von Wechſelprokeſten.
Die Lockerung des Zahlungsverkehrs.
* Berlin, 18. Juli. (Priv.=Tel.)
Ueber den Inhalt der Notverordnung zur Auflockerung des
Zahlungsverkehrs hat bereits am Freitag abend Reichsminiſter
Treviranus in einer Rundfunkrede Mitteilungen gemacht.
Da=
nach ſoll die Möglichkeit gegeben werden, Sparguthaben bis zu
20 Mark täglich abzuheben. Von laufenden Konten dürften bis
100 Mark, im Ueberweiſungsverkehr bis 2000 Mark und im
enge=
ren Kreiſe der Banken bis 15 000 Mark erhoben werden. Ferner
ſolle das Wechſelmoratorium abgebaut werden. Nach dem neueſten
Stand der Meldungen regelt die Notverordnung den
Zahlungs=
verkehr für die Zeit vom 20. bis 23. Juli. Geſtattet ſind den
Ban=
ken Auszahlungen bis 5 Prozent des Guthabens, höchſtens
aber 100 Mark; auf Sparkonten können bis 20 Mark gezahlt
werden, evtl. kann Nachweis des Bedürfniſſes gefordert werden.
Unbeſchränkte Auszahlungen erfolgen für Löhne,
Steuern, Sozialverſicherungen und Frachten für
angekommenes Gut. Auszahlungen auf nach dem 15. Juli
ent=
ſtandenes Guthaben ſind unbeſchränkt. Ferner werden in der
Notverordnung geregelt der Ueberweiſungsverkehr, Fragen der
Wechſelproteſte und der Scheckverkehr, Reichspoſt, Reichsbank,
Golddiskontbank unterliegen keinen Beſchränkungen im Zahlungs=
und Ueberweiſungsverkehr.
Die Nolverordnung.
Die am Samstag ſpät abends erſchienene dritte
Notverord=
nung über die Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs nach den
Bankfeiertagen enthält im einzelnen folgende Beſtimmungen.
In der Zeit vom 20. bis 23. Juli (Montag bis
Donners=
tag) gelten folgende Beſtimmungen:
Artikel 1.
S 1. Die Kreditinſtitute dürfen an Kontoinhaber
Baraus=
zahlungen ohne beſondere Zweckbeſtimmungen nicht über 5 Proz.
des am 19. Juli vorhandenen Guthabens, insgeſamt aber
höch=
ſtens 100 Mark leiſten. Bei Guthaben bei Sparkaſſen
oder Sparbücher, (bei Banken, Sparkaſſen aller
Art uno Genoſſenſchaften) beſchränkt ſich der Betrag
auf höchſtens 20,
Mark. Die Auszahlung kann vom
Nachweis eines Bedürfniſſes abhängig gemacht werden. Auf
jeden Kreditbrief, der vor dem 14. Juli 1931 ausgeſtellt iſt,
dür=
fen bis zu 100. — Mark ausbezahlt werden, wenn der
Be=
rechtigte ſich außerhalb ſeines Wohnortes aufhält. Unbeſchränkt
dürfen Barauszahlungen für Löhne, Gehälter uſw. geleiſtet
wer=
den. ebenſo für Arbeitsloſen= und Kriſenunterſtützungen, für
Lei=
ſtungen der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege, der
Sozial=
verſicherung, an Verſicherte aus anderen öffentlichen oder
priva=
ten Verſicherungsverhältniſſen, Steuern, Gebühren und ſonſtigen
öffentlichen Abgaben, Frachten, ſoweit der Empfänger die
Be=
nachrichtigung eines Verkehrsunternehmens über den Eingang
von Gütern vorlegt, ſowie die Beträge an die
Reichsmonopol=
verwaltung für Branntwein.
§ 2. Die Annahme von Einzahlungen
unter=
liegt keiner Beſchränkung. Ueber Guthaben, die nach
dem 15. Juli aus dieſer Einzahlung an Reichsbank uſw.
ent=
ſtanden ſind, kann frei verfügt werden. Das gleiche gilt für
die nach dem 25. Juli 1931 an die Kreditinſtitute überwieſenen
Löhne, Gehälter, Ruhegehälter, Verſicherungsgebührniſſe uſw.
§ 3. Ueberweiſungen ſind unbeſchränkt zuläſſig
ſo=
weit ſie erforderlich ſino, um die in vorgenanntem Sinne
zu=
gelaſſenen Barauszahlungen zu ermöglichen, ſoweit ſie ſich
inner=
halb desſelben Inſtituts vollziehen und in Durchführung des
Geſetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitsloſenverſicherung
an einen Verſicherungsträger zur Erfüllung einer Beitragspflicht
bewirkt werden, endlich aus Guthaben, über die im vorgenannten
Sinne freiverfügt werden kann.
Ueberweiſungen ſind weiter zuläſſig zwiſchen allen von den
Bankfeiertagen betroffenen Kreditinſtituten insgeſamt bis zur
Höhe der Hälfte des jeweiligen Guthabens und höchſtens bis
insgeſamt Mk. 2000.
aber nur auf ein bereits beſtehendes
Konto eines Dritten.
Von den Beſchränkungen bleiben diejenigen Ueberweiſungen
unberückſichtigt, die auf den Vereinbarungen des
Ueberweiſungs=
verbandes beruhen. Die Ueberweiſungen im Sinne der
Be=
ſchränkungen dürfen nur mit der Maßgabe ausgeführt werden,
daß auch neu entſtehende Guthaben des Empfängers denſelben
Beſchränkungen unterliegen. Ueberweiſungen von alten Konten
auf Poſt= und Reichsbank=Girokonto dürfen nicht vorgenommen
werden.
§ 4. Inſoweit die Kreditinſtitute nach den Vorſchriften der
88 1—3 Barauszahlungen und Ueberweiſungen nicht vornehmen
dürfen, gelten auch die Tage vom 20. bis 23. Juli als ſtaatlich
anerkannt allgemeine Feiertage.
Artikel 2.
Bei Wechſeln, deren Fälligkeitstag in der Zeit von Samstag,
den 11. bis Samstag, den 18. Juli liegt, kann die Erhebung ges
Proteſtes noch am Montag, den 20., und Dienstag, den 21. Juli,
darf jedoch nicht in der Zeit von Mittwoch den 22. bis Freitag
den 24. Juli einſchließlich geſchehen. Beim Fälligkeitstag in der
Zeit von Sonntag den 19. bis Donnerstag den 23. Juli kann die
Erhebung des Proteſtes nicht vor dem 3. Werktage und darf noch
am 4. und 5. Werktage nach dem Zahlungstage geſchehen. Für
die Kreditinſtitute gelten hinſichtlich der Erfüllung ihrer eigenen
Verbindlichkeiten aus der Annahme von Wechſeln vom Montag,
den 20. Juli, ab keine Beſchränkungen des Zahlungsverkehrs. Die
beſonderen Vorſchriften bezüglich der Danatbank bleiben
un=
berührt.
Artikel 3.
§ 1. Wird ein Schuldner durch die Erklärung von
Bankfeier=
tagen oder die danach getroffenen Maßnahmen ohne ſein
Ver=
ſchulden gehindert, eine Zahlungsverbindlichkeit zu erfüllen, ſo
gelten unbeſchadet der Erfüllungspflicht die beſonderen
Rechts=
folgen wegen der Nichtzahlung als nicht eingetreten. Die auf
Geſetz oder Vertrag beruhende Pflicht zur Zahlung von
Verzugs=
zinſen wird hierdurch nicht berührt.
§ 2. Bei Verſteigerung eines Grundſtückes oder Schiffes kann
die Beſchwerde gegen Zuſchlag mangels Sicherheitsleiſtung auf
das Unvermögen der Sicherheitsleiſtung infolge der Bankfeiertage
(16. bis 23. Juli) geſtattet werden.
Artikel 4.
Reichspoſt, Reichsbank und Golddiskontbank unterliegen
hin=
ſichtlich des Zahlungs= und Ueberweiſungsverkehrs keinen
Be=
ſchränkungen.
Artikel 5.
§ 1. Verſieht eine ſcheckfähige Perſon einen auf ſie gezogenen
vor dem 1. Auguſt 1931 ausgeſtellten Verrechnungsſcheck mit einem
Beſtätigungsvermerk, ſo wird ſie hierdurch dem Inhaber zur
Ein=
löſung verpflichtet. Die Verpflichtung aus der Beſtätigung erliſcht,
wenn der Scheck nicht innerhalb der Vorlegungsfriſt zur
Ein=
löſung vorgelegt wird, Für einen beſtätigten Scheck, auf dem eine
Unterſchrift gefälſcht iſt, gelten die Vorſchriften des Scheckgeſetzes
entſprechend. Der Bezogene iſt nur nach vorheriger Deckung
be=
fugt, Schecks mit Beſtätigungsvermerk zu verſehen. Als Deckung
gilt nur ein Guthaben im Kontokorrent= oder Scheckverkehr oder
einer ſonſtigen laufenden Rechnung. Nicht in Anſpruch
genom=
mene Kredite oder nicht fällige Forderungen aller Art bleiben bei
der Berechnung des Guthabens unberückſichtigt.
§ 2. Die Beſtätigung begründet nicht die Verpflichtung zur
Entrichtung des Wechſelſtempels oder einer landesgeſetzlichen
Ab=
gabe.
§ 3. Ein Bezogener, der vorſätzlich einen nach dem 31. Juli
1931 ausgeſtellten Scheck mit einem Beſtätigungsvermerk verſieht
(bezw. entgegen der geſetzlichen Vorſchrift), wird, ſofern die Tat
nicht nach anderen Vorſchriften mit höherer Strafe bedroht iſt, mit
Gefängnis bis zu 3 Jahren oder mit einer Geldſtrafe beſtraft.
Fahrläſſigkeit wird mit Geldſtrafe geahndet. Wer vorſätzlich ohne
die paſſive Scheckfähigkeit zu beſitzen, einen Scheck mit
Beſtätigungs=
vermerk verſieht wird mit Gefängnis und Geldſtrafe oder einer
dieſer Strafen beſtraft, auch hier ſteht auf Fahrläſſigkeit
Geld=
ſtrafe. Die Verordnung tritt mit dem 19. Juli in Kraft.
gez. Stellvertreter des Reichskanzlers und
Reichsfinanzminiſter Dr. Dietrich.
* Geſehlicher Mikkagsſchlaf.
Athener Sommertage.
Von unſerem ſtändigen Berichterſtatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
C.R. Athen, Juli 1931.
Siebenmal am Tage wechſelt der Hymettus ſeine Farben,
und wenn er das ſiebente Farbenkleid angelegt hat, dann kommt
das Dunkel der Nacht, dann gleicht der langhingezogene,
charak=
teriſtiſche Bergeszug Attikas einem kunſtvollen Scherenſchnitt, der
ſich am hellen Abendhimmel abhebt. Schnell ſenkt ſich die Nacht
über Athen herab und mit ihr kommt die langerſehnte Kühle;
dann freut ſich Athen, daß die Gluthitze des Tages ſich wenigſtens
ein wenig herabmilderte.
Jetzt erſt wird Athen lebendig; es erwacht wie aus einem
Tagesſchlummer, die Balkons, die Straßen und die Plätze füllen
ſich, es iſt, als hätte das Leben die Sommerſonne gefürchtet und
wagte ſich erſt jetzt, nachdem der heiße Sonnenball feurigrot
hin=
ter den zackigen Bergen des Peloponnes und dem blutgetränkten
Akrokorinth verſank, unter die ſternenfunkelnde Wölbung des
kla=
ren griechiſchen Nachthimmels.
In Athen zur Abendzeit zu ſchlafen, iſt faſt ein Ding der
Un=
möglichkeit; es gibt in ganz Athen kaum einen
Men=
ſchen, der es wagte, ſich vor Mitternacht zu Bett
zu begeben. Theater, Kinos und Kabaretts ſchließen nach ein
Uhr nachts und die letzteren erſt beim Anbruch des neuen Tages.
Aber auch dann iſt die Hitze in der Stadt noch groß — kaum, daß
man ein Auge ſchließen kann. Hinzu kommen noch die Mücken,
die Quälgeiſter, die mit ihrem brennenden Stich und dem
unauf=
hörlichen Summen den Ruheſuchenden zur Verzweiflung
brin=
gen können. Ueberall ſind Mückennetze aufgeſpannt, die die
Quäl=
geiſter in reſpektvoller Ferne halten, doch iſt es wiederum nicht
jedermanns Sache, ſolch ein Gewebe über ſich zu ſpannen, das die
friſche Luft und Kühlung doch nur abhält.
Am Mittag glaubt man, die Straßen Athens ſeien
ausgeſtor=
ben. Autobuſſe und Straßenbahnen verkehren nur noch ſelten,
ſelbſt der energiſche Verkehrspoliziſt gönnt ſich die wohlverdiente
Ruhe und läßt die paar Menſchen und Gefährte laufen, in welcher
Richtung ſie immer wollen. Keinen Schatten gibt es, in dem man
Schutz vor den glühenden Strahlen der Sonne finden könnte,
langſam und bedächtig macht man ſich mittags auf den Heimweg
und landet dann wie ein eben aus dem Waſſer gezogener
Selbſt=
mörder in ſeiner Wohnung. Mit einer geradezu klaſſiſchen
Ener=
gieloſigkeit wirft man ſich auf ſein Lager und verſchläft den
Nach=
mittas — wenn man ſich’s leiſten kann —, um erſt gegen Abend
das Haus wieder zu verlaſſen. Mittags, zwiſchen 1—4Uhr
ungefähr, hat ſogar die Athener
Polizeidirek=
tion allen ruheſtörenden Lärm im Sommer
ver=
boten; das Mittagsſchläfchen der Athener wird
durch die hohe Obrigkeit wirkungsvoll geſchützt.
Zwiſchen 1—4 Uhr wird in Athen nicht geſtohlen, niemand
er=
mordet, kein Dieb, kein Raubmörder gefangen genommen. Um
dieſe Zeit gibt es kein Stelldichein, keine Rendez=vous unter einer
Normaluhr, da ſucht kein Gläubiger ſeinen Schuldner heim
ganz einfach! — Athen ſchläft!
Abends aber ſchwirrts und ſurrts in den Staßen, wogen die
Menſchen auf und ab, jagen die Autos hin und her. Eine „
Aus=
wanderung” aus Athen hat eingeſetzt, und das Ziel dieſer
Völkerwanderung iſt der ſaroniſche Golf, die
Seebäder in Alt= und Neu=Phaleron. Die ganze
Küſte iſt in ein Meer von Licht getaucht, die Tauſende von
elektri=
ſchen Lampen, ſpiegeln ſich in der nahen wogenden See, deren
Wellen ſich rauſchend am Strande brechen. Die Tiſche ſind bis
ganz nahe an den Strand herangeſetzt, oft müſſen die äußeren
weißgedeckten Tiſche geräumt werden, weil der Giſcht der Wogen
über ſie und die Stühle ſpringt und das feuchte Element ſich den
zarten und ſchicken Toiletten der Damen gegenüber recht
rückſichts=
los benimmt. Draußen, in der Ferne, fahren hell erleuchtete
Damp=
fer vorüber, die warnenden Leuchttürme ſenden regelmäßig ihr
Blinklicht über die weite Fläche, während ein Blick in die
aller=
nächſte Nähe tanzende Paare und elegante Geſellſchaft ſichtet.
Weiter am Strande entlang machen ſich in einfacheren Bierlokalen
die unteren Schichten des Volkes breit, während in dem heutigen
Lido Athens, dem Badeort Glyfahda, ſich die vornehmſten
Athener einfinden. Der „dernier Cri” in den Sommerfriſchen
Athens, die dem Wechſel der Mode unterliegen wie die Kleidung
der Athenerinnen, nennt ſich Luzza. Eine lange Kette von
elegan=
ten Automobilen durchſtreift die Attiſche Ebene, um dieſen
neueſten, allerneueſten Badeort, der weit hinter den Bergen des
Hymettus liegt, zu erreichen. Ein herrlicher Strand, begrenzt mit
friſchen Pinien, lädt zum Baden ein, zum Sich=Hineinwerfen in
die wogenden Fluten.
Andere wieder, denen das Meer nicht zuſagt, flüchten in
die nahen Berge, in den ſchon in römiſcher Zeit bekannten
vornehmen Villenort Kephiſſio, wo einige Luxushotels mit
Ter=
raſſen und elegantem Betrieb ihre Pforten geöffnet haben. Der
Athener aber, der aus irgend welchen Gründen nicht mit hinaus
konnte, der an die heiße Stadt gefeſſelt wurde, der ſucht zum
min=
deſten das grüne Zappeion oder den Abhang des Lykabettus auf,
die beiden einzigen Stätten in Athen, wo des abends ein kühles
Lüftchen leiſe zu verſpüren iſt.
Muß man aber ganz zu Hauſe bleiben, dann erklettert man
die Stufen, die zur Terraſſe führen. Alle Häuſer in Athen ſind
mit einer Terraſſe ausgeſtattet, die mit zu den unentbehrlichſten
Lebensbedingungen gehört. Hat man nicht gerade das Pech, zu
tief im Tal zu wohnen, ſo genießt man von hier herrliche
Rund=
blicke und hat noch den Vorteil, ſich das Schieben und Stoßen und
den Kampf und Sturm auf die Gefährte zur Heimfahrt zu
er=
ſparen. Hier oben wird meiſtens — wenn es ſich irgendwie machen
läßt — das Abendeſſen eingenommen, und man bleibt dann ſitzen,
um mit Ungeduld das erſte kühle Lüftchen zu erhaſchen, das erſt
zur ſpäteren Abendzeit über die belebte Terraſſenſtadt Athen
da=
hinſtreicht. Ueberall auf den Straßen, in den Parks, den
Bade=
orten, auf den Terraſſen und in den Kellern der Tavernen gibt
es nur ein Geſprächsthema, nicht wie bei uns von
Steuern, Laſten und Reparationen, ſondern von
der Megali Seſti, von der großen Hitze, die an
den heißeſten Tagen bis zu 42 Grad im Schatten
ſteigen kann.
Wandert man nachts durch die Straßen, die nun gerade nicht
im vornehmen Zentrum liegen, ſo muß man wirklich aufpaſſen,
daß man ſeine Mitbürger nicht etwa „aus Verſehen” tottritt!
Die ärmere Bevölkerung ergreift die Flucht vor den dunſtigen
Kellerwohnungen, in denen ſie zu hauſen verdammt iſt, und legt
ſich einfach vors Haus auf das Straßenpflaſter! Da ſieht man ein
größeres dunkles Etwas, das ſich plötzlich zu dehnen und zu recken
beginnt oder von der Hitze gequält aufſtöhnt, man muß vorſichtig
vom Bürgerſteig heruntergehen, um nicht über ſolch’ ein
ſchlaf=
ſuchendes Hindernis hinwegzuſtolpern.
So liegen ſie, bis am Morgen hinter dem dunklen
Berges=
rücken des Hymettus die Sonne wieder aufgeht, das Leben wieder
erwacht, ſein Lärmen und geſchäftiges Treiben von neuem
be=
ginnt, die Kinder wieder tollen und die Weiber kreiſchend
da=
zwiſchen fahren, und über all' dieſem Gelärme und Getöſe, über
all' dieſem lebhaften Tun und Treiben das glühende Tagesgeſrirn
ſeine ewige Bahn zieht, das gegen Mittag neue Ruhe erzwingt.
Theodor Storm: „Lena Wies und Anderes”. Aus Deutſche
Sammlung Reihe Literatur und Sprache. 2. Band. Verlag
Dr. Karl Moninger, Karlsruhe i. B.)
Das hübſch ausgeſtattete Büchlein, beſchaulich und beſinnlich,
dem Verlag gedankt! Der Darmſtädter Maler A. M.
chwindt hat das dem Inhalt ſo traulich angepaßte
Um=
hlagbild gezeichnet und dem Büchlein für uns beſonderen Wert
egeben. Der Band bringt drei ſelten einzeln veröffentlichte
ovellen ganz verſchieden gearteten Inhalts. Es bedeutet immer
jeder einen Genuß und einen Gewinn, Storms Geſtalten in
er Geſchloſſenheit an ſich vorüberziehen zu ſehen. Die Welt,
der ſie leben hebt ſich plaſtiſch heraus; die Ereigniſſe um ſie
rum ſind nicht alltäglicher Art und feſſeln den Leſer bis zum
usklang.
Nummer 198
Sonntag, den 19. Juli 1931
Seite 3
der Empfang der Deutſchen in Paris. — Die erſte Fühlungnahme zwiſchen Brüning und Laval. Curkius
und Briand. — Anſchließend Beſprechung im Miniſterpräſidinm. — Flandin überreicht die
franzöſiſchen Vorſchläge. — Beiderſeils Wunſch zur Zuſammenarbeif.
Chancen für Deutſchland
auf dem heißen und gefährlichen Boden von Paris?
* Der Reichskanzler Dr. Brüning und der Außenminiſter Dr.
Curtius ſind am Samstag nachmittag in Paris angekommen. Sie
haben kurze Zeit nach dieſer Ankunft die erſte
Unterhal=
tung mit den Vertretern der franzöſiſchen
Re=
gierung gehabt, die am Sonntag vormittag im
er=
weiterten Kreiſe ihre Fortſetzung finden ſoll. Es
werden dann noch der engliſche Außenminiſter Henderſon, die
Amerikaner Stimſon und Mellon und der italieniſche
Außen=
miniſter Grandi anweſend ſein. Beide Konferenzen ſollen dazu
dienen, der Londoner Miniſterzuſammenkunft einen Start zu
geben. Mit welcher Situation wir am Sonntag abend zu rechnen
haben werden, läßt ſich heute natürlich nicht überblicken.
Die deutſchen Vertreter ſind mit dem ehrlichen Willen
ge=
kommen, ein erſprießliches Einvernehmen zwiſchen
Deutſch=
land und Frankreich herzuſtellen.
Wie weit bei der Gegenſeite dazu ernſthafte Neigung vorliegt,
wird ſich wohl erſt in der erweiterten Beſprechung am Sonntag
vormittag herausſtellen. Vorläufig ſind wir noch darauf
an=
gewieſen, aus der franzöſiſchen Preſſe
Rück=
ſchlüſſe auf die Abſichten Lavals und ſeiner Mitarbeiter zu
ziehen. Jedenfalls läßt ſich am Samstag eine etwas
fried=
lichere Stimmung verzeichnen, die aber vielleicht nur
des=
wegen zur Schau getragen wurde, um die deutſchen Miniſter nicht
mit Mißtönen zu empfangen.
Daß die Pariſer Regierung die Abſicht hat, und vielleicht
noch hat, dem Reichskanzler und dem Außenminiſter ſehr
weitgehende Forderungen in Austauſch für eine Betätigung
Frankreichs an einer großen internationalen Anleihe
zu=
gunſten Deutſchlands zu ſtellen, hat jetzt der amerikaniſche
Unterſtaatsſekretär Caſtle beſtätigt, der aber gleich
hinzu=
gefügt hat, daß man die bisher bekannt gewordenen
fran=
zöſiſchen Vorausſetzungen für eine Anleihe Deutſchlands
als „undiskutierbaren Verſuchsballon” betrachte.
Caſtle fügte ſogar hinzu, Präſident Hoover habe, als Stimſon ihm
dieſe Forderungen mitteilte, erklärt, daß Amerika ſie
un=
möglich diskutieren könne, und daß die
franzö=
ſiſchen Staatsmänner nach ihrer Unterhaltung
mit Dr. Brüning ſelbſt einſehen würden, daß ſie
undurchführbar ſeien. Wir glauben, guten Grund zu der
Annahme zu haben, daß der Reichskanzler, falls Herr Laval
ihm die bekannten Forderungen offerieren ſollte, ihm eine ſehr
eindeutige Antwort erteilen und gleichzeitig
auseinander=
ſetzen wird, daß
es für jedes Volk eine abſolute Unmöglichkeit ſei, eine
An=
leihe aufzunehmen und dafür politiſche Konzeſſionen, dazu
noch ſehr weitgehender Natur, zu machen.
In dieſem Zuſammenhang darf auf einen Artikel in der „
Ger=
mania” bezug genommen werden, die bekanntlich über ſehr gute
Beziehungen zum Kanzler verfügt. Der Kommentar zur Abreiſe
des Kanzlers nach Paris erſcheint uns inſofern beſonders
be=
deutungsvoll, weil man aus ihm erkennen kann, daß der
Kanz=
ler entſchloſſen iſt, 100prozentigen Widerſtand
zuleiſten, ſofernman dazu übergehen ſollte, ihn
in eine Abwehrſtellung zu drängen.
Der Reichskanzler iſt ſich auch der Tatſache bewußt — ſeine
ganze politiſche Vergangenheit gibt hierfür zuverläſſigſte
Bürgſchaft — daß es für ſeine Pariſer Verhandlungen
Gren=
zen gibt, die keine deutſche Regierung überſchreiten kann.
Er iſt ſich eins mit dem Empfinden des ganzen Deutſchen
Volkes, daß eine finanzielle Hilfsaktion, die hinter dieſen
Grenzen geſucht und gefunden wird, in ihr Gegenteil
um=
ſchlägt und die deutſche Zukunft, um deren Sicherung wir
heute ringen, erneut auf das Schwerſte beeinträchtigen
muß. Wir haben zu dem Reichskanzler das uneingeſchränkte
Vertrauen, daß er auf dem heißen und gefährlichen Boden
von Paris mit allen Mitteln um Deutſchlands Recht und
Deutſchlands Glück kämpft und die Lebensrechte eines bis
zum Aeußerſten gequälten Volkes nicht preisgeben wird.
* Heſſiſches Landeskheaker.
Sommerſpielzeit Bruno Harprecht.
Kleines Haus. — Samstag, den 18. Juli.
Schwank in drei Akten von Nocl Coward.
Deutſch von Bruno Frank.
Das Entzückendſte an dieſer höchſt bühnenwirkſamen Luſtſpiel=
Neuheit iſt — der Schluß! Wenn das gegenſeitig aber nicht
mit=
einander verheiratete Ehepaar ſich kratzend und prügelnd am
Bo=
den wälzt und das Grammophon dazu „Dein iſt mein ganzes
Herz!” ſpielt, während die beiderſeitigen Partner leiſe und lachend
durch die Türen verſchwinden — einem neuen, ſchwer erkämpften
Liebesglück entgegen.
Mehr ſoll von dem Inhalt des fidelen Luſtſpiels, das trotz
(leicht vermeidbarer) Längen, beſonders im zweiten Akt, voller
Originalität und Spannung iſt, nicht verraten werden. Es würde
den Beſuchern der heutigen Sonntags=Nachtvorſtellung die Pointe
öten. Denn die Spannung ob des endlichen Ausganges der
tetig wechſelnden Ehe=Tragikomödien iſt das beſte an dem
Luſt=
piel. —
Und die Aufführung! Wieder ganz ausgezeichnet. Dr.
Viktor Warſitz hat, die Neuheit mit viel Geſchmack inſzeniert
ind die wenigen aber ſehr dankbaren Rollen ſind durchaus
glück=
ich beſetzt. Die netteſte Erſcheinung in dieſem Ehequartet iſt
Zennet Chaſe, den Axel Kreuzinger ſehr fein und burſchikos,
ehr heiter und derb, immer aber ſympathiſch im Spiel, das
jeg=
iche Uebertreibung vermeidet, verkörpert. Eine ebenſo hübſche
die temperamentvolle gleich ſympathiſch ſpielende Partnerin iſt
hm Hilde Weißner als Helen Prynne. Das zweite Paar findet
leich gut im Spiel Verkörperung durch Robert Harprecht=
Zegur, der ſich ſehr gut durch die trefflich beherrſchte Rolle
ier einführte und Anja Soki, die wiederum reife Begabung
ir ſentimentale Luſtſpielfigur zeigte. — Lilli Füchſel war in
er kleinen Rolle der nieſenden Louiſe recht gut. —
Die Neuheit gefiel dem ſehr gut beſetzten Hauſe ſehr. Man
hrie vor Lachen und ſpendete mit herzlich dankendem Beifall auch
Ae*
Uumen.
Wenn die Pariſer Reiſe in einem Teil der deutſchen Preſſe ſehr
ſcharf formulierten Einwendungen begegnet, wenn man ſogar in
letzter Stunde rät, davon Abſtand zu nehmen, ſo iſt, ſo ſagt die
„Germania”, dies ganz unverſtändlich. Die Pariſer
Ver=
handlungen ſind bei aller Skepſis, die auch wir zum
Ausdruck gebracht haben, immerhin eine Chance. Man
mag ſie noch ſo ſehr gering bewerten — die Pariſer Preſſe gibt
hierzu genügend Anlaß — und man mag noch ſo wenig auf ein
gutes Ergebnis hoffen: ſo widerſpricht es doch dem
deutſchen Intereſſe, dieſe Chance unausgenützt
zu laſſen.
Die Ankunfk in Paris.
Paris, 18. Juli.
Das hiſtoriſcher Ereignis des erſten Beſuchs eines deutſchen
Reichskanzlers in Paris ſpielte ſich am Samstag nachmittag in
dem mit Menſchen vollgepfropften Bahnhof ab. Pünktlich 14,05
Uhr lief der Zug ein. Im abgeſperrten Kreis erwarteten
Mini=
ſterpräſident Laval, Außenminiſter Briand und Unterſtaatsſekretär
Franoois Poncet und ein ganzer Stab franzöſiſcher Beamter die
deutſchen Gäſte. Als dieſe unter der Wagentüre erſchienen —
in ihren Mienen ſpiegelte ſich der ganze Ernſt der Lage in
Deutſch=
land wider — und von der Menge erblickt wurden, erbrauſten
Rufe: „Es lebe der Friede!” durch den Raum, durchſetzt von den
Rufen „Es lebe Briand! Es lebe Frankreich!‟ Die deutſchen
Miniſter wurden herzlich von den franzöſiſchen Perſönlichkeiten
begrüßt. Der deutſche Botſchafter von Hoeſch und Botſchaftsrat
Dumont, die bis zur Grenze ihnen entgegengefahren waren,
ſtell=
ten die deutſchen Miniſter vor.
Nach dem Verlaſſen des Bahnſteiges wurden die Miniſter dem
Kreuzfeuer der Photographen ausgeſetzt. Nachdem ſie dieſe
mo=
derne Pflicht erfüllt hatten, entkamen die deutſchen Gäſte durch
einen Seitenausgang der zahlreichen Menſchenmenge, die ſich an
ſie heranzudrängen verſuchte. Das Auto fuhr ſie ſofort zur
deut=
ſchen Botſchaft, wo ſie ſich einige „Augenblicke ausruhten.
Miniſterpräſident Laval und Außenminiſter Briand begaben ſich
in ihre Miniſterien, um die letzten Vorbereitungen für die um
halb 5 Uhr beginnende Konferenz zu treffen.
Die amtliche Verlaukbarung.
Kurz vor 20 Uhr wird von franzöſiſcher amtlicher Seite die
dereits angekündigte gemeinſame Mitteilung herausgegeben. Die
Verlautbarung iſt in optimiſtiſchem Tone abgefaßt. Von
beſon=
derem Intereſſe iſt die Mitteilung, daß der franzöſiſche
Finanzminiſter Flandin im Laufe der Sitzung den
deut=
ſchen Verhandlungsteilnehmern die Vorſchläge
ſeiner Regierung offiziell zur Kenntnis
ge=
brachthat. Die Beſprechungen zwiſchen den deutſchen und
fran=
zöſiſchen Miniſtern ſollen im Laufe des Sonntags fortgeſetzt
wer=
den. Die amtliche Verlautbarung hat folgenden Wortlaut:
Miniſter Laval hat um 13,30 Uhr den Beſuch des Reichskanzler
Brüning erhalten. Die beiden Staatsmänner haben zunächſt eine
private Beſprechung geführt, der ſonſt niemand beiwohnte. Zur
gleichen Stunde hat Außenminiſter Briand am Quai de Orſay den
Beſuch des Reichsaußenminiſters Dr. Curtius erhalten. Um 16.30
Uhr begab ſich Dr. Curtius nach dem Miniſterpräſidium, begleitet
vom deutſchen Botſchafter von Hoeſch, Staatsſekretär von Bülow
und Miniſterialdirektor Graf Schwerin. Es trafen weiter von
franzöſiſcher Seite Außenminiſter Briand und die Miniſter
Flan=
din, Pietry ſowie Frangois Poncet und Philippe Berthelot ein.
Im Laufe der Beſprechung, die ſodann zwiſchen den deutſchen
und franzöſiſchen Regierungsvertretern ſtattfand, hat der Kanzler
Dr. Brüning den franzöſiſchen Miniſtern detaillierte Informationen
über die Finanz= und Wirtſchaftslage ſeines Landes und über die
gelöſten Aſpekte der Probleme erteilt.
Finanzminiſter Flandin hat die Vorſchläge der franzöſiſchen
Regierung bekannt gegeben hinſichtlich der Vorausſetzungen, die ins
Auge gefaßt werden konnten, um die gegenwärtige Kriſe
abzu=
ſchwächen, wenn nicht gar zu löſen.
Ein ausgedehnter Meinungsaustauſch fand anſchließend ſtatt.
Er trug einen außerordentlich offenen und herzlichen Charakter
und bezog ſich nicht nur auf die Maßnahmen, die geeignet
er=
ſcheinen, die finanzielle Kriſe zu überwinden, ſondern auch auf die
Stoß=Heufzer unſeres Sommer=Direkkors.
Hab’ ich in finſt’rer Mitternacht
Die Kaſſenreviſion gemacht
Dann iſt es mir ein ſchwerer Hieb.
Wo denn mein Publikum verblieb!
Ich hatte an den „Gold’nen Anker”
Geklammert mich, wie en Todeskranker.
Zumal der „Guſtav” längſt tat ſchielen,
Weil er ihn ſelber wollte ſpielen.
Reklame brauſt wie Donnerhall,
Das Haus blieb leer auf jeden Fall.
Mein Vater, mein Vater, wie ging das nur an!
Hat das durch ihr Schließen die Bank getan?
Ich grolle nicht. — Denn, was ich noch nicht hatte,
Das bringt mir ſicherlich „Der Muſtergatte",
Los bin ich alle Schwulitäten,
Kommen des Nachts „Intimitäten‟
Es füllt das Haus ſich, daß die Balken krachen,
Steigt „Roxi erſt, „Sie werden lachen!”
Drum kommt, ihr Heiner, ſtürmt mein Haus,
Denn bald muß ich zum Städtl hinaus!
Trotz Brüning, Luther, Schacht und Kuno
Bleibt ſtets gewogen
Eurem
Bruno.
Von Deutſchlands Hohen Schulen.
Berlin: Der Direktor des phyſikaliſch=chemiſchen Inſtituts Profeſſor
Mex Bodenſtein, beging am 15. d3. Mts. ſeinen 60. Geburtstag.
Der aus Magdeburg gebürtige Chemiker wurde 1930 zum Präſidenten
der Deutſchen Chemiſchen Geſellſchaft gewählt.
Jena: Der Kammergerichtsrat a. D. Geheimer Juſtizrat Dr. fur.
Hans Delius in Berlin konnte am 12. Juli ſein goldenes
Doktorjubi=
läum ſeiern. Die rechts= und wirtſchaftswiſſenſchaftliche Fakultät der
Univerſität Jena erneuerte ihm aus dieſem Anlaß das Diplom.
Kiel: Die Mediziniſche Fakultät der Chriſtian=Albrechts=Univerſität
hat dem Aſſiſtenten am Anthropologiſchen Inſtitut, Dr. med. Lothar
Loeffler, die venia legendi für das Fach Anthropologie, menſchliche
Erblehre und Eugenik verliehen.
Leipzig: Wegen der Uebertragung des Lehrſtuhls für ſpezielle
Patho=
logie und Therapie in der mediziniſchen Fakultät ſind Verhandlungen
mit dem außerordentlichen Profeſſor Dr. Schoen imn Leipzig eingeleitet
worden. — Die Britiſh Aſſociation of Dermatology und Syphologty
hatte zu ihrem letzten Kongreß in Briſtol Dr. med. Tibor Benedek
aus Leipzig eingeladen, ein Korreferat zum Hauptverſammlungsthema
zu übernehmen. Dr. Benedek hat dieſen Vortrag dort gehalten. — Der
emerit. Profeſſor der deutſchen Sprache und Literatur Dr phil. K. von
Bahder vollendete am 15. Juli ſein 75. Lebensjahr. Er wurde 1856
ſeine Gymnaſialausbildung in Darmſtadt
in Heidelberg geboren, erhiel
und ſtudierte an den Unive
ſitäten Erlangen, München, Leipzig und.
Heidelberg, woler 787promowierte.
Geſamtbeit der franzöſiſch=deutſchen Beziehungen mit dem beide= Wunſche, eine dauernde Zuſammenarbeit der beiden
Län=
der in die Wege zu leiten.
Die Beſprechungen zwiſchen den deutſchen und den franzößſcen
Miniſtern werden am Sonntag nachmittag ſortgeſett werder.
Sonntag, 10 Uhr, wird eine allgemeine Konjerenz ſtattfirden, die
die Vertreter aller Länder vereinigen wird, die an der Korjeren;
von London teilnehmen werden und ſich zur Zeut in Paxis
be=
finden.
* Das gemeinſame Communiqué iſt, wie nicht anders zur
er=
warten war, in einem freundlichen Ton gehalten. Ueber die II
lichen internationalen Höflichkeitsformen — darunter fallt an. 5.
die Betonung des Wunſches nach einer deutſch=franzöſiſhen
Zu=
ſammenarbeit — geht jedoch die Verlautbarung nicht hinaus.
Be=
greiflicherweiſe waren im Verlauf der Ausſprache auch keine
Ent=
ſcheidungen zu erwarten. Kein vernünftiger Menſch konnte damit
rechnen, daß ſchon am Samstag irgendeine Entſcheidung fallem
würde. Wie ſich die Dinge in Paris weiter entwickeln werden,
bleibt trotz allem Optimismus, den man dort zur Schau trägt,
abzuwarten.
Der erſte Eindruck.
Die franzöſiſche Auffaſſung.
* Paris, 18. Julf.
Von gewöhnlich gut unterrichteter franzöſiſcher Seite
verlau=
tet heute abend über die deutſch=franzöſiſche Miniſterkonferenz,
daß im allgemeinen der erſte Kontakt zwiſchen den deutſchen und
franzöſiſchen Miniſtern hoffnungsvoll verlaufen ſei.
Reichs=
kanzler Brüning habe auf den franzöſiſchen Miniſterpräſidenten
Laval einen günſtigen Eindruck gemacht. Die franzöſiſchen
Dar=
legungen ſollen bei den deutſchen Miniſtern keinen heftigen
Widerſpruch hervorgerufen haben, womit jedoch noch nicht geſagt
ſein ſoll, daß ſie die von den Franzoſen vorgeſchlagene
Zoll=
verpfändung als Sicherheit für die geliebene Summen
angenom=
men hätten. Die franzöſiſche Theſe, daß eine loyale und
frei=
mütige Zuſammenarbeit zwiſchen den beiden Ländern dem
deut=
ſchen Kredit zugute kommen könne, ſcheine vom Kanzler erkannt
worden zu ſein, wie überhaupt Brüning es verſtanden habe, bei
den franzöſiſchen Miniſtern Vertrauen zu erwecken. Dies wird
in franzöſiſchen Kreiſen als charakteriſtiſches Merkmal des
heu=
tigen Tages bezeichnet. Im übrigen könne man im Augenblick
nicht mit Beſtimmtheit ſagen, ob die Beſprechungen eine Löſung
der finanziellen Kriſe in Deutſchland bringen werden. Die
Hal=
tung der franzöſiſchen Regierung auf der Londoner Konferenz
hänge davon ab, daß man ihr feſte Zuſicherungen über das
Programm gebe und daß die Verhandlungen ſich nicht auf die
Reviſion des Youngplanes oder der Abrüſtung erſtrecken. Nur
wenn Frankreich dieſe Zuſicherungen erhalte, werde es ſeine
Miniſter nach London entſenden.
Der deutſche Skandpunki.
Auf deutſcher Seite hat man am Abend des erſten Pariſer
Tages der deutſch=franzöſiſchen Beſprechungen den Eindruck, daß
ſchon die bloße Tatſache des Beſuches der deutſchen Miniſter in der
franzöſiſchen Oeffentlichkeit eine ſtarke Entſpannung ausgelöſt habe.
Sehr freundlich war der Empfang, der dem Reichskanzler und
dem Außenminiſter von der am Bahnhof verſammelten Menge
und den franzöſiſchen Miniſtern zuteil wurde. Die Beſuche des
Kanzlers bei Miniſterpräſident Laval und des
Reichsaußen=
miniſters bei Briand dienten der Vorbereitung der nachfolgenden
gemeinſchaftlichen Beſprechung. Wie bei der Zuſammenkunft in
Chequers, ſo wurde auch in der deutſch=franzöſiſchen Ausſprache
offen und vertrauensvoll die ganze
internatio=
nale Lage erörtert, alſo nichtnurdie finanziellen
und wirtſchaftlichen Probleme, ſondern auch
be=
ſonders die Finanzlage Deutſchlands und die
Weltkriſe. Dabei haben ſich die deutſchen Miniſter mit ihren
franzöſiſchen Kollegen naturgemäß auch freimütig und rückhaltlos
über die Hilfsmöglichkeiten auf finanziellem Gebiete unterhalten,
wobei die Auffaſſung hervortrat, daß von beiden Seiten alles
getan werden müſſe, um zu einer deutſch=
fran=
zöſiſchen Zuſammenarbeit zu gelangen. Da dieſes
Fragengebiet in eine weitere Zuſammenarbeit einmündet,
die nicht nur auf Deutſchland und Frankreich beſchränkt bleiben
kann, ſondern als ein internationales Problem
be=
trachtet werden muß, iſt eine Konferenz auf Sonntag vormittag
anberaumt worden, zu der auch die übrigen ausländiſchen
Mi=
niſter, die zur Zeit in Paris weilen, alſo von England, Amerika,
Italien und Belgien zugezogen werden. Dieſe Konferenz wird
vorausſichtlich bis Mittag dauern und mit einem gemeinſchaftlichen
Frühſtück bei Miniſterpräſident Laval enden. Ueber die beſonderen
deutſch=franzöſiſchen Probleme wird Sonntag nachmittag
verhan=
delt. Heute abend findet eine zwangloſe Ausſprache zwiſchen den
deutſchen Miniſtern, dem engliſchen Außenminiſter Henderſon und
dem amerikaniſchen Staatsſekretär Stimſon ſtatt.
— Der Mozart=Almanach. Im Verlag der Wiener
Akademi=
ſchen Mozart=Gemeinde iſt der vornehm ausgeſtattete, mit reichem
Bildſchmuck verſehene Mozart=Almanach erſchienen, der aus Anlaß
des Mozart=Gedenkjahres 1931 farbenreiche Schilderungen aus
dem Leben und Wirken des Meiſters bringt, einen aufſchlußreichen
Einblick in die Ideengeltung Mozartſcher Kunſt gewährt, um
gleichzeitig in überzeugender Weiſe für dieſe großen Kulturwerte
von internationaler Bedeutung neue Freunde zu werben. (
Aus=
lieferung bei Breitkopf u. Härtel, Leipzig.)
Tt. Kaiſer und Kabinettschef (Rudolf v Valentini)
darge=
ſtellt von Bernhard Schwertfeger. Verlag Gerhard Stalling,
Oldenburg. 1931. 254 Seiten.
Die Darſtellung von Schwertfeger gründet ſich auf eigene
Aufzeichnungen und auf den Briefwechſel des Wirklichen
Gehei=
men Rats Rudolf v. Valentini, des bekannten letzten
Kabinetts=
chefs des Kaiſers, der von 1908 bis Januar 1918 Chef des
Gehei=
men Zivilkabinetts war und in dieſer Stellung reichlich
Gelegen=
heit hatte, an entſcheidenden politiſchen Fragen mitzuwirken. Aber
es iſt nicht nur die hohe Stellung des Herrn v. Valentini, die das
Buch ſo leſenswert macht, ſondern ganz beſonders die vornehme
Sachlichkeit, das überall vorhandene Streben nach Objektivität
und ſchließlich das ſichtliche Beſtreben, die eigene Perſon
zurück=
treten zu laſſen, alles zuſammen Momente, die das Werk in einen
ſichtlich beabſichtigten und berechtigten Gegenſatz ſtellen zu der Art
und Weiſe, in der Fürſt Bülow glaubte, in ſeinen Memoiren
hiſtoriſche und politiſche Elemente „darſtellen” zu können.
Gewiß fällt auch bei Valentini manches bittere Wort, ſo
über Michaelis, den Kanzler der hundert Tage, oder über den
Gegenſatz zwiſchen politiſcher und militäriſcher Leitung im Kriege,
den nicht wie 1870 ein über den Dingen ſtehender Herrſcher
auszu=
gleichen vermochte, aber der Leſer ſpürt bei Valentini überall
den ehrlichen Willen und den glühenden Vaterlandsfreund. Das
Urteil der Oeffentlichkeit über Valentini, das nach dem
Zuſam=
menbruch oft ſehr hart erklang, beginnt ſich zu ſeinen Gunſten
zu wandeln.
Auch über die Zeit, da Valentini als Landrat, als
Regie=
rungspräſident und als vortragender Rat im Geheimen
Zivil=
kabinett ſeinem Könige und ſeinem Lande treu diente, enthält
das unbedingt leſenswerte Buch wertvolle Beiträge zur
preußiſch=
deutſchen Geſchichte der letzten Jahrzehnte. Vermiſſen wird der
politiſcharbeitende Leſer allerdings ein Namensregiſter.
Albert H. Rauſch: Das Land um Friedberg und Bad=Nauheim.
Heraus=
gegeben und verlegt von den Verkehrsvereinen Friedberg und Bad=
Nauheim, ſovie der Bad= und Kurverwaltung Bad=Nauheim. Preis
70 Pfg., zuzüglich Porto. Auslieferungsſtelle: Buchhandlung Carl
Bindernagel in Friedberg i. H.
Kein nüchtern aufgemachter, ortsüblicher Führer mit ſtarrem,
ver=
ſtaubtem Hiſtorismus! Nein — ein lebendiges, köſtliches Kleinod, dies
fein ausgeſtattete Büchlein mit ſeiner wohltuend klaren Titelſeite. Ein
erleſenes, ſtark perſönliches und dadurch echtes Kunſtwerk, durchſtrömt
vom Herzblut reiner Heimatliebe, die uns durch die Natur geleitet als
den göttlichen Garten ſchöpferiſchen Künſtlertums.
Seite 4
Sonntag, den 19. Juli 1931
Nummer 198
Die Ankwork der Wirkſchaft
auf die Borwürfe der S.P.2.
Die Vorwürfe gegen die Wirtſchaft
und das kapikaliſtiſche Syſtem unberechtigt.
Zu dem Aufruf der Sozialdemokratiſchen Partei erläßt die
weſtdeutſche Wirtſchaft einen Gegenaufruf, in dem
ſie die darin enthaltenen Vorwürfe gegen die
Wirtſchaft und das kapitaliſtiſche Syſtem als
un=
berechtigt zurückweiſt. Der Aufruf, der ſich an die
Angeſtellten und Arbeiter wendet, hat folgenden Wortlaut:
Schwere Wirtſchaftsnot laſtet auf allen Schichten der
Bevöl=
kerung. Aufs äußerſte bedroht iſt die Lebensgrundlage
jedes Einzelnen. Im Kampf um den wirtſchaftlichen
Wiederauf=
ſtieg ſind wir um Jahre zurückgeworfen. Die in den
Dienſt politiſcher Machtbeſtrebungen geſtellten rückſichtsloſen
Kre=
ditkündigungen ſeitens unſerer Auslandsgläubiger haben die
Blutleere unſeres Wirtſchaftskörpers verhängnisvoll
offen=
bart.
Selbſt dieſe Stunde bitterſter Not nutzt die Sozialdemokratie
dazu aus, parteipolitiſche Geſchäfte zu betreiben, um
ihre Selbſtherrſchaft zu ſtärken. In einem Augenblick, in dem
Werksleitung und Arbeiter mehr denn je auf Gedeih und Verderb
zuſammengehören, ruft ſie in einer Kundgebung „An das deutſche
Volk” zu einem verhetzenden und zerklüftenden
Klaſſenkampf auf. Sie will eine Wirtſchaftsordnung
zer=
ſchlagen, die unſerer ſtändig angewachſenen Bevölkerung
Jahr=
zehnte hindurch Arbeit und Brot gegeben hat. Sie will ſtatt
deſſen wirklichkeitsfremde Parteiprogramme
durch=
führen, deren Erprobung bisher keineswegs geſicherte Einkommen,
ſondern überall nur Hunger und Elend gebracht hat.
Mit aller Entſchiedenheit weiſen wir es zurück, daß
einzelne von uns ſelbſt aufs ſchärfſte verurteilte Auswüchſe
privat=
kapitaliſtiſcher Betätigung aus durchſichtigen Gründen
verallge=
meinert und der Geſamtwirtſchaft zur Laſt gelegt werden. Solche
unehrlichen Methoden brandmarken ſich ſelbſt als ein Verſuch, die
Schuld auf den anderen abzuwälzen nach dem Motto: „Haltet den
Dieb!” Mit einzelnen Fehlhandlungen und Zuſammenbrüchen
einer mißhandelten Privatwirtſchaft will man die tauſendfach
größeren Fehler und Mißſtände der halbſozialiſtiſchen öffentlichen
Wirtſchaft verdecken. Es iſt nicht wahr, daß das private
Un=
ternehmertum nach Rettung durch den Staat und nach der Hilfe
des Auslandes ruft. Wahr iſt es und in dem Aufruf der
Sozial=
demokratie nachzuleſen, daß dieſe der Privatwirtſchaft böswillig
unterſtellten Forderungen ein immer wiederkehrender
Programm=
punkt der Sozialdemokratie ſelbſt ſind.
Nur der entſchloſſene, von ſtaatsſozialiſtiſchen Hemmniſſen
be=
freite Einſatz der eigenen Kraftreſerven kann die Wirtſchaft aus
der Not der Gegenwart herausführen. Nicht ein Kampf aller
gegen alle, der die aufbauwilligen Kräfte lähmt und
zer=
ſtört, ſondern ein Kampf aller für alle iſt dringendes
Ge=
bot der Stunde. Nur wenn wir, anſtatt gegeneinander zu hetzen,
miteinander und füreinander zuſammenhalten, dürfen wir hoffen,
die deutſche Wirtſchaft und damit das ganze deutſche Volk gegen
den Anſturm von draußen zu ſichern.
Der Aufruf iſt unterzeichnet vom Verein für die bergbaulichen
Intereſſen, von der Nordweſtlichen Gruppe des Vereins Deutſcher
Eiſen= und Stahlinduſtrieller und vom Verein zur Wahrung der
gemeinſamen wirtſchaftlichen Intereſſen in Rheinland und
Weſt=
falen.
Richklinien
zur Nolverordnung gegen die Preſſe.
Der Reichsminiſter des Innern Dr. Wirth hat zu
Ausführun=
gen der zweiten Verordnung des Reichspräſidenten zur Abwehr
politiſcher Ausſchreitungen vom 17. Juli in einem Schreiben an
die oberſten Reichs= und Landesbehörden Richtlinien
heraus=
gegeben, in denen es u. a. heißt:
Die Verordnung ſoll eine verantwortungsbewußte
ſach=
liche Kritik in anſtändiger Form an den Maßnahmen und
Kund=
gebungen der Reichs= und Landesbehörden weder unterbinden noch
erſchweren. Sie hat den Zweck, der Brunnenvergiftung
entgegenzutreten, wie ſie im politiſchen Kampf
durch Verſchweigung und Entſtellung wahrer
und Behauptungfalſcher Tatſachen inletzter Zeit
in bedauerlichem Umfange geübt worden iſt. Zu
dieſem Zwecke wird den oberſten Reichs= und
Landes=
behörden innerhalb ihres Zuſtändigkeitsbereiches ſowohl das
Recht eingeräumt, die Aufnahme von
Entgeg=
nungen zu den von der Zeitung aufgeſtellten
Be=
hauptungen zu verlangen, wie auch die Möglichkeit
ge=
währt, ihrerſeits die Aufnahme von Kundgebungen zu verlangen,
an deren Bekanntwerden ein öffentliches Intereſſe beſteht, die die
Zeitung aber trotzdem nicht veröffentlicht. Eine Stellungnahme
zu ſolchen Kundgebungen ſteht den Zeitungen nach wie vor frei.
Nur zu einer amtlichen Entgegnung iſt eine Erwiderung in der
gleichen Nummer ausgeſchloſſen.
Das Recht, die Aufnahme von Kundgebungen zu verlangen,
ſoll beſchränkt bleiben auf Veröffentlichungen öffentlichen
Charak=
ters, an deren Bekanntwerden ein erhebliches öffentliches
Inter=
eſſe beſteht. Eine kleinliche Handhabung der Verordnung iſt
un=
bedingt zu vermeiden.
Auch iſt darauf ,Bedacht zu nehmen, daß zu einer Miteilung
der Zeitung ſtets nur eine amtliche Entgegnung eingeſandt wird.
Die Reichsregierung wird zum Zwecke der Herſtellung der in dieſer
Beziehung erforderlichen Einheitlichkeit die Preſſeabteilung der
Reichsregierung mit der Aufgabe betrauen, ſämtliche von den
ver=
ſchiedenen Reichsreſſorts gewünſchten Kundgebungen und
Ent=
gegnungen entgegenzunehmen. Es dürfte ſich empfehlen, daß die
Länder in gleicher Weiſe eine einheitliche Stelle für dieſen Zweck
beſtimmen. Es iſt aber auch erforderlich, daß bei der Handhabung
des § 1 die nötige Einheitlichkeit zwiſchen Reich und Ländern
her=
geſtellt wird. Es muß vermieden werden, daß von Reich und
Land ohne gegenſeitiges Einverſtändnis in derſelben Sache
Enr=
gegnungen veröffentlicht werden.
Unkerzeichnung des deutſch=ungariſchen
Handels=
vertrages.
Die in Berlin begonnenen und ſeit Ende Juni in Genf
fort=
geführten deutſch=ungariſchen Handelsvertragsverhandlungen
ſind zum Abſchluß gekommen. In dem heute hier unterzeichneten
Handelsvertrag, der den erſten Tarifvertrag zwiſchen beiden
Staa=
ten darſtellt, iſt entſprechend den letzten Beſchlüſſen der
europäi=
ſchen Studienkommiſſion des Völkerbundes deutſcherſeits für
un=
gariſchen Weizen ein Vorzugszoll gewährt worden, der zu ſeiner
Inkraftſetzung der Zuſtimmung der meiſtbegünſtigten Länder
be=
darf. Der Vertrag tritt nach dem Austauſch der
Ratifikations=
urkunden in Kraft. Es iſt jedoch eine Verſtändigung darüber in
Ausſicht genommen, daß der Vertrag ganz oder in einzelnen
Tei=
len ſchon vor Austauſch der Ratifikationsurkunden beiderſeits
vor=
läufig angewendet wird.
Die Beſteuerung von Auslandsreiſen.
Hundert Mark für jeden Grenzüberkrikk
bis zum 1. Okkober 1931.
* Berlin, 18. Juli. (Priv.=Tel.)
Aus der Notverordnung über die Erhebung einer Gebühr, für
Auslandsreiſende, die am Dienstag in Kraft tritt, iſt erſichtlich,
daß die Reichsregierung nicht die Abſicht hat, für eine längere
Dauer von jedem Auslandsreiſenden eine Gebühr von 100 RM.
zu erheben, die übrigens den Länderkaſſen zufließen ſoll. Sie
trägt ſich ſogar mit der Abſicht, die Verordnung, wenn es möglich
iſt, noch vor ihrem Ablauf, am 1. Oktober 1931, außer Kraft zu
ſetzen. Die kurze Dauer muß einiges Erſtaunen hervorrufen, weil
man urſprünglich den Eindruck hatte, als ob die Regierung
mindeſtens für die Dauer des Hoover=Feierjahres das
Hinaus=
fließen von mehreren Millionen Markfür
Reiſe=
zwecke verhindern wollte. Nur ſo hätte die Verordnung
eigentlich auch einen finanziellen Nutzen gehabt. Es ſcheint aber,
daß die im Ausland ſich bemerkbar machende Verſtimmung
doch dazu beigetragen hat, der Verordnung nur eine kurze
Lebensdauer zu geben und damit gleichzeitig zum Ausdruck
zu bringen, daß keineswegs die Abſicht beſteht, den
Nachbarländern wirtſchaftlichen Schaden
zu=
zufügen, ſondernnur zu zeigen, daß in den Wochen
ſchwerſter wirtſchaftlicher Not der deutſche
Bür=
ger im Lande bleibenmuß, ſchonweil esangeſichts
der zuſammengeſchrumpften Deviſenbeſtände der
Reichsbank unmöglich iſt, ihn mit ausreichenden
ausländiſchen Noten zu verſehen.
Aufgrund des Art. 48 Abſ. 2 der Reichsverfaſſung wird
ver=
ordnet:
8 1.
1. Für jede Reiſe eines Reichsangehörigen, der im Inlande
ſeinen Wohnſitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat, in das
Aus=
land wird eine Gebühr von 100 RM. erhoben. Die Gebühr iſt
vor Antritt der Reiſe bei der zuſtändigen Paßbehörde zu
entrich=
ten, die die Entrichtung in dem Paß vermerkt. Die Gebühr fließt
in die Landeskaſſe.
2. Die Vorſchriften des Abſ. 1 finden auf den kleinen
Grenz=
verkehr keine Anwendung.
8 2.
Ein Reichsangehöriger (§ 1), der ohne den Vermerk (8 1)
aus dem Reichsgebiet ausreiſt, wird mit Geldſtrafe nicht unter
1000 RM. oder mit Gefängnis beſtraft.
8 3.
Die Reichsregierung iſt ermächtigt, Beſtimmungen zur
Durch=
führung dieſer Verordnung zu erlaſſen. Hierbei kann ſie die
Er=
hebung der im § 1 bezeichneten Gebühr anderen als den
zuſtän=
digen Paßbehörden übertragen und in dieſen Fällen Zuſchläge zu
der vorgeſchriebenen Gebühr bis zu 100 v. H. vorſchreiben.
8 4.
Dieſe Verordnung tritt am 22. Juli 1931 in Kraft; ſie tritt
am 1. Oktober 1931 außer Kraft. Die Reichsregierung iſt
er=
mächtigt, die Verordnung zu einem früheren Zeitpunkt außer
Kraft zu ſetzen.
Berlin, 18. Juli 1931.
Der Reichspräſident
(gez.) von Hindenburg.
Karl Dörr
und Frau Marianne, geb. Zeh 1
Vermählte Darmstadt, 19. Juli 1931. Kirchstr. 16 Heinrichstr. 169 * * Die kirchliche Trauung findet heute um 2½ Uhr in der Schloßkirche statt.
K (*
O A
Oo
Dr. Nayſer
Ernſt=Ludwigſt. 1,II
Sprechſt.: 8—9, 3-—
hat die ärztliche
Tätigkeit wieder
aufgenommen. (*fsg
Von der Reiſe
zurück
Facharzt f.
Chirur=
gie u. Krankheiten
der Harnorgane,
Weyprechtſtraße 14.
(TV10824)
Siütker!
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Am Donnerstag abend entſchlief ſanft unſere liebe
Mutter, Großmutter, Urgroßmutter,
Schwieger=
mutter und Tante
Frau Elifabeth Haun Wwe.
am Vorabend ihres 93. Geburtstages.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Johanna Rupp Wwe., geb. Haun
Eliſabeth Reiner, geb. Haun.
(10923
Darmſtadt, den 16. Juli 1931.
Grüner Weg 19.
Die Beerdigung fand in aller Stille ſtatt.
Statt beſonderer Anzeige.
Heute verſchied ſanft nach kurzem ſchwerem
Leiden aus einem arbeitsreichen Leben
mein lieber Mann, unſer guter Vater,
Schwiegervater und Großvater
Bnhein Seht II.
Landwirt.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Georgenhaufen. Traiſa, den 18. Juli 1931.
Die Beerdigung findet Montag, den 20. d. Mts,
nachmittags ½4 Uhr ſtatt. 10934
Dankſagung.
Allen Bekannten, die am Ableben unſeres lieben Freundes
Heren Carl Eggert
ſo regen Anteil nahmen, ſagen wir hiermit im Namen
ſeines z. Zt. noch abweſenden Vaters herzlichſten Dank.
Beſonderen Dank gebührt allen denjenigen, die ſein
An=
denken durch Spenden von Blumen ehrten und der
Ver=
einigung ehemaliger Leibgardiſten (Reg. 115) für die treue
Kameradſchaft bis zum Grabe. Auch der Schweſtern des
Städt. Krankenhauſes müſſen wir gedenken und für die
liebevolle, aufopfernde Pflege unſere Dankbarkeit
aus=
ſprechen.
Stephanie Bille
P. Meſſerſchmitt.
10899)
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die bewährten
Dauerbrenner
soweit Vorrat, mit
20 Rapatt
im Ausverkauf wegen Geschäftsübergabe
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ab 19. Juli
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Dr. RLitz Groos
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zuchtgeräte und —
Prut- Apparate 10% Rapatt.
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HHören Sie mal, was steht da für ein Unsinn?"
he, die Hühner-
„„Ach wissen Sie, das ist für s
augen haben und „Lebewohl‟ * nicht kennen,
die brauchen eben 3 Stunden länger!
Gemeint ist natürlich das berühmte, von vielen Aerzten
mpfohlene Hühneraugen-Lebewohl mit druckmilderndem
Filzring für die Zehen und Lebewohl-Ballenscheiben für die
Fußsohle, Blechdose (8 Pflaster) 75 Pfg., Lebewohl-Fußbad
gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel (2 Bäder)
50 Pfg erhältlich in Apotheken und Drogerien, sicher zu haben:
Adler-Drog. Anton Fischer, Frankfurterstr. 12—14. Drog. U.
Hübner, Karlstr, 56; L. Petri Nachf. Inh. W. Preußer,
Roß-
dörferstr. 5; Chr. Schwinn Inh. W. Reich, Drog., Rheinstr. 8.
Drog. Ph. Secker Nfl., Ludwigshöhstr. 1. (II. Dr.418
Nummer 198
Sonntag, den 19. Juli 1931
Seite 5
Aus der Landeshaupkſkadt.
Darmſtadt, den 19. Tuli 1931.
— Höchſte Auszeichnung. Herr J. Oßwald, Schuhmaßgeſchäft,
hier. Nieder=Ramſtädter Str. 7
I, erhielt auf der Deutſchen
Schuhmacher=Fachausſtellung in Chemnitz die Goldene Medaille
und Ehrenpreis.
— Sommerſpielzeit Bruno Harprecht im Heſſ. Landestheater.
Der heutige Sonntag bringt mit der Erſtaufführung des
Luſt=
ſpiels. Sie werden lachen!” (Roxi) von Barry Conners
ein außergewöhnlich luſtiges, zwiſchen Komödien= und
Schwank=
übermut hin= und hergleitendes Stück, das eine wirklich charmante
und vergnügliche Sache iſt. Conners hat damit nicht nur der Bühne,
ſondern auch deren Publikum ein Stück geſchenkt, das mit ſeinem
überſprudelndem Witz überall willkommen iſt, weil man allerorts
gerne ein paar Stunden herzlich lacht. Das innige Vergnügen
das dieſe liebenswerte Neuheit bereitet, fand demzufolge überall
in praſſelndem Beifall ſeinen äußeren Widerhall und einen
durch=
ſchlagenden Erfolg.
Als Nachtvorſtellung (Beginn
22,45 Uhr) findet heute die zweite und letzte Aufführung des
amüſanten Schwank=Schlagers „Intimitäten” von Noel
Coward, der geſtern einen ſtürmiſchen Heiterkeitserfolg errang,
ſtatt. Die verehrl. Beſucher werden darauf aufmerkſam gemacht,
daß nach Schluß der Nacht=Vorſtellung nach den Hauptrichtungen
Straßenbahn=Verbindung beſteht. — Die 2. Rateder
Miete iſt in der Zeit vom 15. bis 25. Juli an der Tageskaſſe
des Kleinen Hauſes zu entrichten.
— Gas=Vortrag. Es iſt eine bekannte Tatſache, daß manche
Hausfrauen ſich über die vielſeitigen Verwendungsmöglichkeiten
eines modernen Gasbackofens im Unklaren ſind. Um allen
Haus=
frauen Gelegenheit zu geben, ſich von der Vielſeitigkeit und
Lei=
ſtungsfähigkeit eines Gasbackofens zu überzeugen, veranſtaltet das
ſtädt. Gaswerk am nächſten Donnerstag, dem 23. Juli, abends 8
Uhr, im Bürgerhof, Eliſabethenſtraße 2 einen Vortrag mit
prak=
tiſchen Vorführungen. Außer dem Grillen und Braten wird das
Einkochen im Gasbackofen eingehend beſprochen. Gleichzeitig wird
darauf aufmerkſam gemacht, daß die Möglichkeit beſteht, auch im
Winter die großen Vorteile des Gaskochens zu genießen. Denn die
Anſchaffung eines Gasheizofens macht den Kohlenherd überflüſſig
und bat den Vorteil der Sauberkeit und Arbeitserleichterung. Auch
für die Wirtſchaftlichkeit iſt durch die Anwendung des
Wohnungs=
ifs Sorge getragen, bei dem das Gas zu dem Vorzugspreis von
Pf pro Kubikmeter geliefert wird. Intereſſenten erhalten über
alle dieſe Fragen in unſerem Ausſtellungsraum, Grafenſtraße 30,
oder auch in unſeren Vortragsabenden bereitwilligſt Auskunft.
(Siehe heutige Anzeige.)
Bund Alter Herren der „Höheren Landesbauſchule” E. V.
Darmſtadt, hielt geſtern ſeinen Bundestag ab. Nachmittags
fand eine öffentliche Tagung im „Fürſtenſaal” ſtatt, in der das
Hauptreferat Studienrat Hainz hielt. Abends wurde im
Kon=
kordiaſaal ein Feſtabend veranſtaltet. Wir kommen auf die
Tagung morgen ausführlich zurück.
—Promenadenkonzert. Sonntag, den 19. Juli, vormittags von
11—12 Uhr. ſpielt das Stadtorcheſter unter Leitung ſeines
Kapell=
meiſters W. Schlupp bei günſtiger Witterung im Herrngarten
nach folgendem Programm: 1. Hoch= und Deutſchmeiſter, Marſch,
Ertel. 2. Ouvertüre zur Oper „Fra Diavolo”, Auber. 3. Wein,
Weib und Geſang, Walzer, Strauß. 4. Am Lagerfeuer,
Charakter=
ſtück, Siede, 5. Potpourri aus der Operette, Schwarzwaldmädel”,
Jeſſel. 6. Deutſchlands Sonnenwende, Marſch, Straßmann.
Das Union=Theater bringt nur noch heute und morgen den
deutſchen Abenteurer=Tonfilm „Dämon des Meeres” mit Wilhelm
Dieterle, Liſſy Arna und Anton Pointer in den Hauptrollen.
Im Helia=Theater läuft nur noch heute und morgen ein
neuer Tonfilm, der die brennendſten Tagesfragen der
Sexual=
wiſſenſchaft behandelt — ein Film, der zur Beſinnung ruft und
alle angeht. In den Hauptrollen ſpielen: Albert Baſſermann,
Toni pan Eyck, Hans Stüwe. Elſe Baſſermann und Ad.
von Schlettow.
— Palaſt=Lichtſpiele. Der „Cuo vadis”=Großfilm in neuer
Faſſung läuft nur noch heute und morgen. Die Beſucher waren
begeiſtert und hingeriſſen von der beiſpielloſen Wirkung der
Maſſenaufnahmen im Zirkus und des brennenden Rom, in
Wirk=
lichkeit naher tönender Wiedergabe.
Wochenmarkt=Kleinhandelspreiſe vom 18. Juli (per Pfd.
bzw. Stück). Gemüſe: Kohlrabi 5—8, Karotten 5—6, Gelbe
Rüben 8—1
10, Rote Rüben 10—15, Spinat 30, Römiſchkohl 10—15,
Rotkraut 25—30. Weißkraut 10—15. Wirſing 12—15.
Stangen=
bohnen 20—25, Buſchbohnen 8—12, Wachsbohnen 12—15 Erbſen
20—25 Zwiebeln 12—15, Knoblauch 80, Tomaten 25—50
Endi=
vienſalat 10—12, Kopfſalat 8—12, Salatgurken 20—50, Einmach=
Kartoffeln:
Blumenkohl 20—80, Rettich 5—20.
gurken 1—
Frühkartoffeln 6—7. Spätkartoffeln 5—6. Obſt: Pfirſiche 45—60
Aprikoſen 40—50, Kirſchen 20—30 Johannisbeeren 20—25,
Stachel=
beeren 20—25, Himbeeren 50, Heidelbeeren 20—30, Zitronen 4—10,
Bananen 45—50. Eßwaren: Süßrambutter 170—190,
Land=
butter 150—160, Weichkäſe 30—35 Handkäſe 4—15 Eier (friſche)
9—11. Wild und Geflügel; Hühner 80—120, Enten 100,
Tauben 60—80, Reh 60—140
Fleiſch= u Wurſtwaren:
Rindfleiſch (friſch) 74—100, Kalbfleiſch 100. Schweinefleiſch 98—
110, Dörrfleiſch 120, Wurſt 50—140. Wurſtfett 60, Schmalz (
aus=
gelaſſen) 80.
— Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher
Erkran=
kung ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt
zu rufen. Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am Sonntag,
den 19. Juli 1931, fölgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit:
Dr. med. Jockel, Oſannſtraße 50, Telephon 4784; Dr. med.
Stern I., Wendelſtadtſtr. 5, Telephon 1260; Dr. med. Stern II.,
Ludwigsplatz 6, Telephon 2587.
Es verſehen den Sonntagsdienſt und in der daran ſich
an=
ſchließenden Woche den Nachtdienſt vom 18. Juli bis 25. Juli die
Löwenapotheke, Ballonplatz 11, Adlerapotheke,
Wilhel=
minenplatz 17, Hirſchapotheke, Nieder=Ramſtädterſtraße 21.
Aus den Parkeien.
— Große Anfrage der N. S.D A. P.. Im Hinblick auf
die Feier des 11. Auguſt und die Durchführung von Erntearbeiten
in der Landwirtſchaft fragt Abg. Dr. Werner (N.=S.) bei der
Regierung des Volksſtaates Heſſen an: 1. Was gedenkt die
Re=
gierung zu tun, um angeſichts der troſtloſen Finanz= und
Wirt=
ſchaftslage, die auch in dieſem Jahre durch Mehrheitsbeſchluß der 25. Juli: 2. (gemeindliches) Ziel der Gemeinde= Kreis=
Regierungsparteien erzwungene Feier des 11. Auguſt
ohne Belaſtung der Hauptſtaatskaſſe und der übrigen öffentlichen
(Gemeinde= uſw.) Kaſſen durchzuführen? 2. Iſt die Regierung
bereit, die ſie ſtützenden Parteien zu den Koſten des
Parteifeier=
tags am 11. Auguſt heranzuziehen, da in den öffentlichen Kaſſen
am 11. Auguſt kaum noch Geld vorhanden ſein dürfte? 3. Wird
die Regierung in dieſem Jahre der dringenſten Not für eine
gleichmäßige Handhabung der Maßnahmen zur Durchführung von
landwirtſchaftlichen Arbeiten, insbeſondere von Erntearbei
ten am 11. Auguſt Sorge tragen? Iſt ſie bereit, um jedes Miß= 25. Juli: Entrichtung der Filialſteuer in der Stadt
Darm=
verſtändnis und jeden Mißbrauch örtlicher Inſtanzen zu verhüten,
eindeutige Anweiſungen zu geben, die die Ausführung von
Erntearbeiten am 11. Auguſt ohne weiteres geſtatten, ohne
daß, wie im Vorjahre mehrfach geſchehen, mancherorts um die
Er=
laubnis dazu nachgeſucht werden muß?
(Nat.=S.) befaßt ſich mit Verfaſſungsfeiertag und Gewiſſenszwang.
In der Anfrage heißt es: Im vergangenen Jahre mußten ſich zettels ſofort zu bezahlen.
etwa 25 Bürgermeiſter des Kreiſes Gießen, die man durch
Fern=
ruf vor das Kreisamt lud, um einer Strafe aus dem Wege zu
gehen, ſich durch Unterſchrift verpflichten, am 11. Auguſt eine
Verfaſſungsfeier vorzunehmen, obgleich ſie ſämtlich nicht auf dem
Boden der Weimarer Koalition ſtanden. Im benachbarten Kreiſe / De Nemmter erſcheinenden Notizen ſind ausſchſießlich als Hinweiſe auf Anzeien m betrachtmn
Alsfeld iſt etwas Aehnliches an Verfügungen uſw. nicht geſchehen.
Abg, Dr. Werner (Nat.=S.) fragt an: Iſt die Regierung bereit,
Gemeinden frei zu überlaſſen, um Gewiſſenszwang und Reibungen bei ungünſtiger Witterung. Der gute Beſuch der letzten
Tanz=
zu vermeiden?
Hessischer kaadhluß Darmstadt
Der zweite Tag der großen Meiſterſchaftskonkurrenzen ſah
wiederum äußerſt regen Schießbetrieb, ſowohl im
Wurftauben=
ſtand, wie an den Ständen auf laufende Wildſcheibe. Beide
Meiſterſchaften werden heute Sonntag zum Austrag gebracht.
Während die Tontaubenſtände heute weſentlich nur
zum Kartenſchießen benutzt wurden, und zwar bis in den
ſinkenden Abend hinein, die Nerven für die heutige ſtärkſte
Bean=
ſpruchung zu ſtählen, das Auge an die jeweils wechſelnde
Beleuch=
tung zu gewöhnen, kurz zu trainieren, wurde auf Laufendes
Wild mit der Büchſe (Kugel) bereits heute um die Meiſterſchaft
gerungen. Allerdings konnte dieſe noch nicht zum Austrag
ge=
bracht werden, da heute zum Haupttag noch eine ganze Anzahl
auswärtiger Schützen erwartet werden, darunter die gefürchtetſten
Konkurrenten, die „großen Kanonen”. Auch hier wird in
Darm=
ſtadt „Jagdlicher Anſchlag” verlangt, ſelbſt auf
ſchnü=
renden Fuchs, was den meiſten, nicht auf dieſen Anſchlag
erzogenen Schützen erhebliche Schwierigkeiten bereitet und die
Schießreſultate merklich beeinflußt. Nur auf flüchtenden
Keiler iſt Voranſchlag zugelaſſen, dafür aber iſt die Schneiſe,
die der Keiler überfällt, nur vier Meter breit. Es werden alſo
auf allen Ständen höchſte Anforderungen geſtellt, die eine
aus=
gezeichnete Schule für jegliches Schießen darſtellen.
Das Kartenſchießen auf laufende Wild=Scheiben hatte
eine ſehr große Anzahl von Teilnehmer gefunden, die hier teilweiſe
um die zahlreichen und ſehr ſchönen Preiſe ſchoſſen, teilweiſe wohl
auch nur zum Training, zur Selbſtprüfung ob Ausſichten für die
Meiſterſchaft vorhanden. An die Schießen um die
Meiſter=
ſchaft von Deutſchland beteiligten ſich geſtern 25 Jäger,
die bis in den ſpäten Abend ſich in friedlichem Wettbewerb maßen.
Die Entſcheidung fällt, wie bemerkt, erſt heute.
Die bisher erzielten beſten Reſultate und damit das
Auf=
rücken in die vorderſte Reihe in der Entſcheidung um die
Meiſter=
ſchaft konnten ſpät Abends wie folgt berechnet werden:
Aufflüchtenden Keiler ſchoſſen von Petrow=Berlin
von 50 erreichbaren Ringen 48. Ihm gleich blieb mit ebenfalls
48 Ringen Müller=Sprendlingen. An zweiter, bzw. dritter
Stelle ſteht mit 47 Ringen Dr. Schroeder=Frankfurt a. M.
Auf flüchtenden Bock ſteht mit 21 Ringen von 25
er=
reichbaren Müller=Sprendlingen an erſter Stelle. Dr.
Schroeder=Frankfurt folgt als zweiter mit 19 Ringen und
Hege=
meiſter Hinz=Darmſtadt als dritter mit 18 Ringen.
Auf ſchnürenden Fuchs, die ſchwierigſte Scheibe, ſchoß
Jakob Goebel=Darmſtadt von 25 erreichbaren Ringen 20,
eben=
ſo Badicke=Schönfeld. An zweiter bzw. dritter Stelle ſteht
hier M. Schulz=Berlin mit 17. Ringen.
Auf ſtehenden Rehbock ſchoß Dr. Schroeder=
Frank=
furt von 50 erreichbaren 45 Ringe, blieb damit weitaus beſter, vor
den beiden Nächſtfolgenden, Auguſt Schoeberle=Maiz und
Schulz=Berlin, die je 40 Ringe ſchoſſen, während Jak. Goebel=
Darmſtadt es auf 39 Ringe brachte. — Dieſe Glücklichen gehen
alſo heute mit guten Ausſichten in die letzten und ſchwerſten
Konkurrenzen, die allerdings noch ungeahnte Ueberraſchungen
bringen können. —
Ueberraſchend reich iſt der „Gabentiſch” ausgeſtattet. In
dem kleinen Reſtaurationsſaal auf zwei langen Tafeln ſind die
Preiſe ausgeſtellt, die dem glücklichen Schützen winken und die
Tauſende von Mark an Wert repräſentieren. Es iſt erfreulich,
daß ſämtliche Preiſe, ſoweit ſie nicht geſtiftet wurden,
ausnahms=
los in Darmſtädter Geſchäften gekauft worden ſind.
*49
Gralsglocken elekfriſch.
Die neuen Gralsglocken von Bayreuth werden ausprobiert.
Jörg Mager hat eine neue elektriſche Konſtruktion erfunden, die
als Gralsglocke bei den Bayreuther Feſtſpielen Verwendung
fin=
den ſoll. Bekanntlich haben die Glocken im erſten und dritten Akt
des „Parſival” eine führende Stimme, ſo daß man ſich bei jeder
Aufführung um den Vollklang und die exakte Reinheit ihres
Tones ſorgſam bemüht.
Empfehle meine preiswerten Speiſen und Getränke
im Städtiſchen Ratskeller und Saalbau=Gaſfſtätte
Anerkannt gute Küche, ff. Weine und Spezialbiere
(10913
* Sleuer= und Wirkſchaftskalender
für die Zeit vom 16. bis 31. Juli 1931.
Ausſchneiden!
Aufbewahren!
15. Juli: Siehe letzten Steuerkalender in Nr. 184 des „
Darm=
ſtädter Tagblatts” vom 5. Juli 1931.
20. Juli: Abführung der Lohnſteuer für die in der Zeit vom
1. bis 15. Juli 1931 erfolgten Lohnzahlungen im
Mar=
kenverfahren und im Ueberweiſungsverfahren; im
letz=
teren jedoch nur dann, wenn die in der erſten Hälfte
des Kalendermonats einbehaltenen Lohnſteuerbeträge
für ſämtliche in einem Betriebe beſchäftigten
Arbeit=
nehmer den Betrag von 200.— RM. überſtiegen haben.
(Keine Schonfriſt.)
Ferner Abführung der im Steuerabzugsverfahren
ein=
behaltenen Ledigenſteuer und der
Kriſen=
lohnſteuer.
und Provinzialumlagen für das
Rechnungs=
jahr 1931/32. Brauner Steuerbeſcheid. Schonfriſt bis
5. Auguſt 1931.
25. Juli: Zahlung der Müllabfuhr=,
Straßenreini=
gungs= und Kanalbenutzungsgebühr in der
Stadt Darmſtadt laut grauem Gebührenbeſcheid 2. Ziel
für das Rechnungsjahr 1931/32. Schonfriſt bis 5. Auguſt
1931.
ſtadt, 2. Ziel für das Rechnungsjahr 1931/32 laut
wei=
ßem Steuerzettel. Schonfriſt bis 5. Auguſt 1931.
Beiträge zur Handwerkskammer.
Die Anforderungszettel werden etwa am 25. Juli 1931 her=
— Eine weitere große Anfrage des Abg. Dr. Werner ausgehen können. Das am 30 Juni 1931 bereits fällig gewordene
1. Ziel für 1931/32 iſt nach Erhalt des Anforderungs=
H. W. Wohmann.
Lokale Veranſtalkungen.
in keinem Falle irgendwſe als Beſprechung oder Krih.
— Orangeriehaus, Beſſunger Herrengarten.
die Feier des Verfaſſungstages in der Art ihrer Durchführung den Jeden Sonntag abend Konzert mit Tanzeinlagen, auch
Konzerte bürgt für einige genußreiche Stunden. (Siehe Inſerat.)
10jähriges Beſtehen der Vereinigung ehem. 116er
* Geſtern abend feierte im Fürſtenſaal die Vereinigung
ehe=
maliger 116er Darmſtadt ihr 10jähriges Beſtehen. Den ſchweren
Zeitverhältniſſen angepaßt wurde dieſe Feier in einfachſtem
Rah=
men abgehalten, ſie bildete durch den ernſten Vortrag über unſere
Kriegsgräber an der Weſtfront faſt mehr eine Gedenkfeier für
unſere gefallenen Brüder. An der Veranſtaltung nahm eine große
Zahl von Mitgliedern teil, die von dem Vorſitzenden der
Vereini=
gung Dr. Silberbach herzlich willkommen geheißen wurden.
In ſeiner Begrüßungsanſprache zeichnete er in großen Zügen
die Entwickelung der Vereinigung in den zehn Jahren ihres
Be=
ſtehens und wies auf die markanteſten Daten in der Geſchichte der
Vereinigung hin. Am 18. Juli 1921 fand die erſte
Gründungs=
verſammlung ſtatt; am 20. und 21. Auguſt desſelben Jahres war
der erſte 116er Tag in Gießen; und im Oktober fand die
Grün=
dung des 116er Verbandes ſtatt. In den folgenden Jahren
wa=
ren der Vereinigung infolge der ſchweren Auswirkungen der
In=
flation Rückſchläge nicht erſpart geblieben, aber dank der Leitung
und dem treuen Aushalten der Mitglieder konnte ſie ſich ſehr
bald wieder erholen. In aller Erinnerung wird noch die
Divi=
ſionsfeier im Orangeriegarten ſein. Das Jahr 1925 brachte der
Vereinigung einen ſtarken Zuwachs an Mitgliedern. Im
Sep=
tember desſelben Jahres konnte der denkwürdige Tag der
Denk=
malsweihe für die gefallenen 116er begangen werden. Das
fünf=
jährige Stiftungsfeſt wurde in Niederbeerbach abgehalten.
In=
folge der raſtloſen Tätigkeit beſonders der Vereinsmitglieder
Achtelſtädter und Weil konnte der Vereinigung ein Fonds für
eine Fahne geſchaffen werden, die 1927 geweiht wurde. Schließlich
gedachte noch der Vorſitzende der Ehrenmitglieder und widmete
am Schluß ſeiner Ausführungen den Verſtorbenen der
Vereini=
gung einen warmen ehrenden Nachruf. Im Anſchluß an dieſe
Anſprache hielt Dr. Luley einen Lichtbildervortrag „Ueber
un=
ſere Kriegsgräber an der Weſtfront”. In einer großen Reihe
guter photographiſcher Reproduktionen zeigte der Redner die
Stätten, an denen ſich das goße Weltringen abſpielte und an
denen Tauſende und Abertauſende gefallener Deutſcher ruhen.
Sein Gang führte über die Schlachtfelder Flanderns, der Somme,
Chemin des Dames, Champagne, des Argonnerwalds, Yperns,
der Vogeſen, bis nach Verdun. Ueberall zeigten erſchütternde
Bilder die großen Friedhofe unſerer gefallenen Helden. Er
un=
terſtrich beſonders die ſegenreiche Arbeit des Volksbundes
deut=
ſcher Kriegsgräberfürſorge, er wies aber auch auf den Kontraſt
hin, der vielfach zwiſchen der Anlage deutſcher und franzöſiſcher
und amerikaniſcher Friedhöfe beſteht. Er betonte beſonders, daß
es nationale Pflicht ſei, die Friedhöfe unſerer Gefallenen in
einem würdigen Zuſtand zu halten, und bat, den Volksbund
deut=
ſcher Kriegsgräberfürſorge nach Kräften zu unterſtützen.
Der Vorſitzende gab mit ſeinem Dank für den ausführlichen
Vortrag der Hoffnung Ausdruck, daß die Anregungen auf
frucht=
baren Boden gefallen ſein mögen. Er zeigte dann einige
Kriegs=
bilder, die beſonders Angehörige des ehemaligen Regiments 116
an ernſte Zeiten erinnerten, und weiter Photographien von
Er=
innerungstagen der Vereinigung ehemaliger 116er (z. B. von der
Denkmalsweihe uſw.).
Ein lebendes Bild ſtellte Bismarck als Schmied des Deutſchen
Reiches dar. Muſikaliſche Darbietungen verſchönten den Abend.
Bei geſelliger Unterhaltung und beim Austauſch alter
Erinne=
rungen verbrachten die Mitglieder noch einige gemütliche
Stun=
den So verlief das 10jährige Gründungsfeſt der Vereinigung
ehe=
maliger 116er dem Ernſt der Zeit angepaßt in echt
kameradſchaft=
lichre Weiſe.
— Ausflugſonderzug in die Eifel zur Abtei Maria Laach am
Laacher See. Am Sonntag, den 2. Auguſt, wird von der
Reichs=
bahndirektion Mainz ein Ausflugſonderzug in die Eifel nach
Nie=
dermendig zum Beſuche von Maria Laach und dem Laacher See
gefahren. Er wird uns zunächſt rheinabwärts über Koblenz nach
Andernach und dann weſtlich nach Niedermendig bringen, wo der
majeſtätiſche See, „Das Auge der Eifel”, auf der Höhe den Krater
erloſchener Vulkane ausfüllt. Beherrſcht wird See und Landſchaft
durch die mächtige Kirche und Abtei Maria Laach. Die Kirche iſt
ein Kunſtjuwel anmutigſter Pracht, in deſſen Innerem edelſte
Einfachheit herrſcht. Wegen der Beſichtigung des Eifelſtädtchens
Niedermendig, der Beſichtigung der mächtigen Kirche zu Maria
Laach, der Teilnahme an der liturgiſchen Veſper uſw. geben
Hand=
zettel erſchöpfende Auskünft, die während der Fahrt verteilt
wer=
den. Sehr lohnend iſt auch eine Fahrt oder ein Rundgang um den
See. Eine beſondere Ueberraſchung, die nicht nur lebhaftes
In=
tereſſe erwecken, ſondern auch große Freude auslöſen wird, wird
die Beſichtigung der ober= und unterirdiſchen Betriebe der
Rhei=
niſchen Baſaltwerke in Niedermendig bieten, die für die Dauer
der Beſichtigung auch Steinſägerei und Poliermaſchinen in Gang
ſetzen wird. Die Rückfahrt ab Niedermendig wird um 18.50 Uhr
angetreten, ſo daß die Sonderzugteilnehmer alle rechtzeitig
wie=
der in der Heimat eintreffen. Alles weitere beſagen die Aushänge
auf den Bahnhöfen und bei den Mitteleuropäiſchen Reiſebüros.
Tageskalender für Sonntag, den 19. Juli 1931.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus: Geſchloſſen. — Kleines
Haus, 20 Uhr: „Sie werden lachen”; 22,45 Uhr:
Nachtvor=
ſtellung „Intimitäten”. — Konzerte: Zur Oper.
Schloß=
keller, Sportplatz=Reſtaurant am Böllenfalltor,
Herrngarten=
kaffee, Hotel=Reſtaurant Poſt, Schuls Felſenkeller, Gaſthaus
zum Roten Löwen, Datterich, Schweizerhaus Eberſtadt.
Rum=
melbräu, nachm. 4 Uhr: Ludwigshöhe. — Darmſt.
Päda=
gogium, Martinſtraße 34, von 11—13, 15—18 Uhr:
Kunſt=
ausſtellung.
inovorſtellungen: Union=, Helia=
und Palaſt=Lichtſpiele.
Erhältlich
LApotheken
uDrogerien
VertriebfüS 4. 9
GlogaucC9
Chicage
Seite. 6
Sonntag, den 19. Juli 1931
Nummer 198
Aus Heifeil.
Dg. Arheilgen, 18. Juli. Lieferungs=Vergebung. Die
Gemeinde hat die Lieferung von 50 Zentner Hafer für das
Faſel=
vieh zu vergeben. Die Lieferung erfolgt auf dem
Submiſſions=
wege und kann auch in kleineren Mengen erfolgen. Angebote ſind
bis ſpäteſtens Montag, den 20. Juli, nachmittags 5 Uhr, bei der
Bürgermeiſterei einzureichen. Mit den Angeboten ſind Muſter
vorzulegen. — Arbeiter=Wohlfahrt. Um den Kindern
einen angenehmen Ferienaufenthalt zu bieten, hat die hieſige
Orts=
gruppe der Arbeiter=Wohlfahrt auch in dieſem Jahre wieder einen
Kinderaustauſch vorgenommen. Seit einigen Tagen weilen eine
Anzahl fremder Kinder hier, die hier ihre Ferien verbringen. Die
Kinder ſtammen aus dem kleinen Städtchen Lauſcha in Thüringen,
wo die Not beſonders groß iſt. Von den 6000 Einwohnern dieſes
Städtchens ſind nicht weniger als 3000 Unterſtützungsempfänger.
Die Leute verdienen ſich dort ihren Lebensunterhalt faſt
ausſchließ=
lich durch Heimarbeit für Glasbläſereien, wobei auch die Kinder
tüchtig zupacken müſſen, ſo daß dieſen Kindern die Ferien bei uns
beſonders gut bekommen werden. Gleichzeitig ſind auch eine
An=
zahl Kinder von hier nach Thüringen gefahren, welche aber nicht
nach Lauſcha, ſondern in eine andere Gegend kommen und dort
ihre Schulferien verbringen. Weiter weilten 40 Kinder von hier
die letzten 8 Tage zu einem Ferienaufenthalt im Heim der
Darm=
ſtädter Naturfreunde (Rimdimdim), die am Sonntag die Rückreiſe
antreten. Die Kinder, denen es daſelbſt ſehr gut gefallen hat und
die dort gut verpflegt wurden, treffen am Sonntag (19. Juli),
abends 6,45 Uhr, am Nordbahnhof ein. Die Koſten dieſes
Ferien=
aufenthaltes hatte ebenfalls die Arbeiter=Wohlfahrt übernommen.
Aus den Vereinen. Der Geſangverein „Sängerluſt”
unternimmt am Sonntag (19. Juli) einen Familienausflug nach
Meſſel. Der Abmarſch erfolgt um 1.30 Uhr von der früheren
Balzerpumpe. — Der Ev. Jungmädchenverein lädt ſeine
Mit=
glieder, die evangeliſche Jugend und ſeine Freunde für Sonntag
(19. Juli) zu einem Abend ein, bei dem die Teilnehmer von ihren
Eindrücken der Fahrt nach Hannover zur Bundestagung, von
Bethel und ihrer Heimreiſe erzählen werden. Lichtbilder werden
dieſe Berichte vervollſtändigen. — Die Stenographen=Vereinigung
begibt ſich am gleichen Tage nach Erfelden, um dort am Altrhein
dem Waſſerſport zu huldigen. Die Abfahrt erfolgt vormittags um
6,30 Uhr vom Löwen. — Die Mitglieder und Freunde des
Geſang=
vereins „Liederzweig” treffen ſich am Sonntag abend zu einem
ge=
mütlichen Beiſammenſein bei Gaſtwirt Ernſt Jung in Kranichſtein,
und die Freiwillige Feuerwehr beteiligt ſich mit einer Abordnung
von etwa 30 Mann an dem Feuerwehrfeſt in Urberach. — Die
Kinder des Arbeiter=Turn= und Sportvereins begeben ſich am
Sonntag zum Kindertreffen nach Sprendlingen, und die 1 und
die 1b Fußballmannſchaft fahren nach Griesheim a. M. Abends
trifft ſich der geſamte Verein in Schneiders Bierhalle — Auch die
1. Handballmannſchaft des Turnvereins (D. T.) geht nach
aus=
wärts und nimmt an dem Handballturnier in Griesheim a. M.
teil Die 2. und die Jugendmannſchaft des Vereins tragen
Freund=
ſchaftsſviele in Erzhauſen aus, und die Schwimmer begeben ſich
nach Jugenheim zum Gauſchwimmen.
J. Griesheim, 18. Juli. Sommerſerien. Mit dem
heu=
tigen Tage beginnen die diesjährigen Sommerferien an er
hieſi=
gen Volksſchule, dieſelben dauern drei Wochen und endigen am
Samstag, den 8. Auguſt.
Volksbücherei. Die hieſige
Volksbücherei bleibt während den Sommerferien geſchloſſen. Die
erſte Entleihung bzw. Rückgabe von Büchern findet wieder am
12. Auguſt ſtatt. — Dem Herrn Schuhmachermeiſter Johannes
Deltau von hier wurden aus Anlaß ſeines 70. Geburtstages
und 45jährigen Geſchäftsjubiläums zahlreiche Ehrungen zuteil.
Unter anderem wurde ihm von der hieſigen Gewerbe= und
Hand=
werker=Vereinigung eine Ehrenurkunde und vom Bezirksverband
Darmſtadt für Handwerk und Gewerbe ein Glückwunſchſchreiben
überreicht.
4a. Eberſtadt, 18. Juli. Ferienbeginn. Die diesjährigen
Sommerferien, haben begonnen. Die Schulen wurden am heutigen
Samstag geſchloſſen. — Beginn des Dreſchens. Obwohl die
Getreide=Ernte durch das ungünſtige Wetter eine ſtarke Verzögerung
er=
leidet, iſt mit dem Dreſchen bereits begonnen worden. In der Alten
Darmſtädter Straße wurde Ende der Woche die erſte Dreſchmaſchine
auf=
geſtellt. — Sommerfahrten der Jugendgemeinde. Die Ev.
Jugendgemeinde unternimmt demnächſt zwei Sommerfahrten, die ſchon
lange geplant ſind und daher trotz der Ungunſt der Zeitverhältniſſe
durchgeführt werden ſollen. Die eine Fahrt führt nach Rothenburg,
Taubertal und Speſſart und die andere in den Odenwald, Schwarzwald
und nach Stuttgart — Sommernachtfeſt. Auf dem
Pfeiffers=
berg findet am Sonntag abend (19. Juli) ein Sommernachtfeſt ſtatt.
Mit=
wirkende ſind Muſikverein „Edelweiß”, Turngeſellſchaft E. V. und Ge= hält am Sonntag vormittag um 6 Uhr eine Uebung ab, zu welcher auch
ſangverein „Frohſinn”. Bei ungünſtiger Witterung findet die Veran= die Pflichtfeuerwehr zu erſcheinen hat. — Geſtern morgen haben auch die
ſtaltung im Saale des „Bergſträßer Hofes” ſtatt.
Jubiläum
des Fußballvereins. Der Fußballverein, Germania” kann in
dieſem Jahre auf ein 20jähriges Beſtehen zurückblicken. Der Verein,
deſſen Mannſchaften in der C=Klaſſe zu ſpielen begannen, ſpielt jetzt als
Abteilungsmeiſter der 4=Klaſſe bei den neuen Verbandsſpielen in der Krone‟ (Guſtav Hilgers) eingeladen und erwartet zahlreiches Erſcheinen,
Kreisliga. Auch an Mitgliederſtärke und Anſehen hat er in den letzten Die Handballmannſchaft des Vereins hat am verfloſſenen Sonntag gegen
läumsveranſtaltung mit Rückſicht auf die Zeitverhältniſſe Abſtand
genom=
men werden.
Eberſtadt a. d. B., 18. Juli. Die Großherzoglichen Herr= Zwingenberger auf einem ſchlechten Platz gegenüber. Es war ein hartes
ſchaften beſichtigten geſtern die L. Diefenbachſche Seidenraupen= Spiel, welches mit einem Sieg 5:2 (4:0) für Schwanheim endete. — Der
zucht in der Modauſtraße.
bahn=Partehalle. Die „Heag” läßt gegenwärtig ihre Wartehalle Spaziergang nach dem Auerbacher Schloß und dem Melibokus
unter=
in der Neuen Darmſtädter Straße einer gründlichen Renovierung
unterziehen Unter anderem iſt durch Abteilen des Warteraums für
Fahrgäſte ein neuer Zwiſchenraum zum Ausgeben der Wochen= und
Monatskarten geſchaffen worden. Auch die Außenfront der Wartehalle
wird einer Erneuerung unterzogen.
Hanau hatte eine Beſichtigungsfahrt nach hier unternommen. Mit
der ſtattlichen Zahl von 80 Teilnehmern beſichtigte man am
Vor=
mittag das Hofgut Heil Habitzheim. Auf aus der Wirtſchaft in
entgegenkommender Weiſe bereitgeſtellten Leiterwagen wurde eine
für den Landwirt intereſſante Gemarkungsrundfahrt
vorgenom=
men. Unter Leitung von Domänenrat Reinhard und dem Ver= Anweſenden insbeſondere den Referenten, der ſich gern bereit
er=
einsvorſitzenden, Gutspächter Albert, Dottenfelder=Hof, ging die
Fahrt weiter nach Groß=Umſtadt wo im Gaſthaus „Zur Brücke‟
ein gemeinſchaftliches Mittageſſen eingenommen wurde. Am
Nachmittag beſichtigte man das Muter= und Verſuchsgut der Land= ihren Vorläufern, wie gemeiner Wert” „Wehrbeitragswert”
wirtſchaftskammer, deſſen muſtergültige Anlage und Einteilung
allſeitige Anerkennung fand. Beſondere Bewunderung zollte man dem Reich, den Ländern und Gemeinden benutzt worden; durch
der Weinberganlage und dem Umſtädter Wein, und war über= die Einheitsbewertung auf Grund des
Steuervereinheitlichungs=
raſcht, daß ein ſo guter Tropfen hier zur Reife gelangt. Auch für geſetzes vom 1. Dezember 1930 ſoll nun dieſem Uebelſtande
abge=
den 31er ſind bis heuer alle guten Vorausſetzungen ſowohl
quali=
tativ wie quantitativ getroffen. Der Behang der Weinberge iſt
ein überaus guter, und erfreuten ſich die Reben, abgeſehen von
einigen lokalen Störungen, bis zu den letzten Tagen einer
gerade=
zu idealen Witterung. Hochſommerliche Temperaturen, verbun= werbe= und Vermögensſteuer werde künftig nur alle drei Jahre
den mit hinreichender Boden= und Luftfeuchtigkeit, beförderten das neu veranlagt werden. Eine Umſtellung kann jedes Jahr
bean=
men Wetters für Menge und Güte des Jahrganges 1931 die er= zent vorlägen. In Zukunſt würden keine Einheitswerte mehr
er=
wünſchten Vorbedingungen gegeben ſind. Allerdings förderte
dieſes feuchtwarme Wetter andererſeits auch die
Weinbergskrank=
heiten, ſo daß trotz durchſchnittlich dreimaligem Spritzen und zwei= amt zur Einſichtnahme für die Steuerpflichtigen offengelegt
wer=
maligem Stäuben und Schwefeln der Peronoſporapilz verſchiedent= den. Dem Steuerpflichtigen ſeien weiter die zur Verfügung
lich an Blättern und Trauben zu ſehen iſt. — Beſonders üppig ſtehenden Rechtsmittel ganz erheblich eingeſchränkt worden;
künf=
ſerer Weinberge iſt bis jetzt „gut bis ſehr gut”.
Heſſens älteſtem Lehrer. Am letzten Donnerstag fand die
Beiſetzung des Lehrers Martin Pullmann i. R. ſtatt. Ein ſtattlicher
Lei=
chenzug gab dem Lehrerveteranen, der nahezu ſein 96. Lebensjahr vol= vom Ertrag erhoben werden und nicht wie zurzeit vom
Anlage=
lendet hatte, das Ehrengeleite. Voran ging der B.L.V. Breuberg
ge=
ſchloſſen, ihm folgte der Gemeinderat und der Schulvorſtand. Neben der Ertrag unter 6 Prozent des Gewerbekapitals, dann würde
vielen auswärtigen Freunden und Gäſten war auch das Kreisſchulamt
Erbach durch Herrn Schulrat Gerbig vertreten. Die feierliche Amts= letzthin den Steuerpflichtigen zugegangenen Fragebogen in allen
handlung am Grabe verſah Herr Pfarrer Römheld=Sandbach. In ein= Einzelheiten durchgeſprochen, wobei der Redner wertvolle
Finger=
drucksvoller Weiſe würdigte er den Verſtorbenen als Menſch, Lehrer,
Kirchenrechner u. Organiſten. Seitens der Gemeinde und des
Schulvor=
ſtandes übermittelte Herr Bürgermeiſter Koch die letzten Dankes= und
Liebesworte. Die letzte Dankesbezeugung im Auſtrage, der Kirchen= rungen im Beſitzſtand gegenüber dem Jahre 1928 eingetreten ſeien.
gemeindevertretung Sandbach=Neuſtadt überbrachte Herr Bürgermeiſter Sonderkulturen gehörten in die Einheitsbewertung hinein, der
Hallſtein=Hainſtadt. In beſonders bewegten, trefflichen und herzlichen
Worten gedachte, der Vorſitzende des B.L.V. Breuberg, Herr Schmidt=
Sandbach, des heimgegangenen Lehrerveteranen wegen ſeiner großen
vereins widmete Herr Rektor Weber=Erbach ſeinem Ehrenmitgliede für wähnte er z. B., daß Gärtnereien, die ihre Erzeugniſſe ſelbſt
ver=
ſeine vorbildliche Treue und Liebe treffliche Worte der Anerkennung und kauften, als Landwirte betrachtet und darnach eingereiht würden.
des Dankes. Sämtliche Vertreter der genannten Körperſchaften legten
prächtige Kränze nieder — Heſſens älteſter Lehrer ruht nun aus. Sein lich benutzten Räume, gemeiner Wert oder Wirtſchaftswert der
Leben war voll Streben, ſein Leben galt der Arbeit, ſein Leben war ein Maſchinen und Werkzeuge; ebenſo über die Bewertung der Außen=
Vorbild in Familie, Gemeinde, Schule, Kirche und Staat.
am 17. Juli: 1,90 Meter; am 18. Juli: 1.95 Meter.
* 3. Jahresverſammlung der Vereinigung Liebighaus.
Geſtern vormittag fand in der Techniſchen Hochſchule die
3. Jahresverſammlung der Vereinigung Liebighaus zu Darmſtadt
ſtatt. Geheimrat Dr. von Weinberg eröffnete die zahlreich
beſuchte Verſammlung, wobei er mitteilen konnte, daß das
Darm=
ſtädter Liebighaus im Jahre 1930 einen ſehr regen Beſuch zu
ver=
zeichnen hatte. Dank der Regierung habe das Archiv des
Liebig=
hauſes dadurch einen bedeutenden Zuwachs erhalten, daß ihm die
Akten über die Begründung der Salzſäurefabrik im oberheſſiſchen
Bad Salzhauſen überlaſſen wurden. Es ſind Akten aus einer Zeit.
wo über die chemiſche Induſtrie ganz andere Vorſtellungen wie
heute herrſchten, und darin beſteht der dokumentariſche Wert des
neuen Archivzuwachſes. Dr. Karl Merck, neben Dr. Weinberg
Mitglied des Vorſtandes der Vereinigung erſtattete nun die
Jahresrechnung, die eine günſtige finanzielle Lage der
Geſell=
ſchaft erkennen läßt. Am Anfang dieſes Jahres betrug das
Ver=
mögen rund 7062 RM., darunter eine Stiftung der Société de
Chemie Induſtriel zu Paris in Höhe von 2000 Mark. Die
Ver=
einigung hat an die Stadt eine Schuld von 19 500 Mark in
jähr=
lichen Raten von 1000 Mark abzutragen. Die Stadt hat das Geld
außer dieſer günſtigen Bedingung auch ohne Zinſenanſpruch zur
Verfügung geſtellt.
Im Namen der Hochſchule begrüßte Rektor Profeſſor Dr.
Wöhler die Verſammlung mit aufrichtig guten Wünſchen für
ferneres Gelingen ihrer ſchönen und wichtigen Beſtrebungen, das
Andenken an Darmſtadts größten Sohn und ſein weltbedeutendes
Lebenswerk lebendig zu erhalten, weiten Kreiſen die Bedeutung
und Entwicklung ſeiner Großtaten darzutun und ferner die
Stätte ſeiner Geburt und erſten Jugend zur Pflanz= und
Pflege=
ſtätte der chemiegeſchichtlichen Tradition Darmſtadts
auszugeſtal=
ten. Das iſt wirklich ein Ziel, unſerer aller Arbeit wert und
würdig. Man macht den Wiſſenſchaften der Technik zuweilen den
Vorwurf, daß ſie im Vorwärtsſtürmen zurückzublicken ſich nicht
Zeit laſſen, für ihr geſchichtliches Werden nicht den Sinn und das
Verſtändnis aufzubringen vermögen, wie die Geiſteswiſſenſchaften.
In der Tat findet die Geſchichte der Technik an ihren
Pflege=
ſtätten, den techniſchen Hochſchulen, noch nicht die nötige
Um=
ſorgung, wie ſie an den Univerſitäten der Geſchichte ihrer
Wiſſen=
ſchaften zuteil wird. Mangel an Pietät gegenüber dem Früheren,
auf dem wir Gewordenen ſtehen, will man darin ſehen, als die
charakteriſtiſche Eigenſchaft eines jungen Emporkömmlings, im
Gegenſatz zum alten Adel der Geiſteswiſſenſchaften. So wird es
Zeit, dem Anſehen und Verdienſt der Technik gemäß ſich darauf
zu beſinnen, „wie es ward”, und nicht nur des Preſtiges willen:
Wer die Vorderen nicht ehrt, iſt der Zukunft nicht wert. Sich an
den Taten eines Großen zu begeiſtern mit dem Vorſatz, ihm als
Helden die Wege zum Olymp hinauf ſich nachzuarbeiten, iſt ſtets
wieder die Triebfeder zu neuen Taten edler Motive. Muß da
nicht der Rektor einer Techniſchen Hochſchule Sie meine Herren.
als Träger, als Vermittler ſolcher vornehmen Beſtrebungen
will=
kommen heißen, erſt rechr in einer Zeit größter wirtſchaftlicher
Not, in der die Sorge für das Morgen die Erinnerung an geſtern
brutal zu ertöten droht, für Pflege der Tradition nichts mehr
übrig iſt? Und nun gar erſt, wenn es ſich um die Geſchichte der
Chemie unſerer Stadt handelt, die außer Liebig, dieſem ganz
Großen, unſerer ſchönen Wiſſenſchaft eine ſo gewaltige Zahl
wei=
terer Größen geſchenkt oder doch zu ihrer Größe entwickelt hat.
Der Stadt mit der chemiſchen Atmoſphäre und ihrem
Bürger=
meiſter Buxbaum ſei für Anregung und Ausführung des
Wieder=
aufbaues des Geburtshauſes Liebigs immer wieder gedankt,
Die Techniſche Hochſchule aber mit einer chemiſchen
Abtei=
lung, die nicht weniger als 7 planmäßige Chemie=Profeſſoren hak,
fühlt ſich verpflichtet und daher berechtigt, an dieſem Werke
mit=
zuhelfen. So wird es verſtändlich, daß unſere chemiſche Abteilung
als bleibender und blühender Träger ſolcher Chemie=Tradition
an Ihrem Werke mitarbeiten, Ihrer Organiſation in geeigneter
Weiſe eingegliedert ſein möchte, und mich beauftragt hat.
Ver=
mittler dieſer Bitte zu ſein
Nach Erledigung geſchäftlicher Angelegenheiten, wie Jahres=
und Rechenſchaftsbericht uſw. hielt der Vorſitzende, Geheimrat Dr.
Dr.=Ing. e. h. A. von Weinberg=Frankfurt einen
wiſſenſchaft=
lichen Vortrag „Ueber die Natur der organiſchen
Doppelverbindungen‟. Dieſe Doppelverbindungen ſtellen
eines der bedeutendſten Probleme der Chemie dar, gibt es doch,
wie der Vertragende zu Beginn ausführte, keinen natürlichen und
künſtlichen Farbſtoff, der nicht auf Doppelverbindungen beruht.
Ja, die Energie des Lebens von Pflanze und Tier ſei das
Ge=
heimnis der Wirkungen von Doppelverbindungen.
Weinberg=
nannte ſie geradezu das fundamentale Mittel der Natur, dem
Leben die notwendige Energie zuzuführen. Er gab darauf, mehr
in Form des perſönlichen Miterlebens und Beteiligtſeins an der
Geſchichte der Erforſchung der Doppelverbindungen, einen
Ueber=
blick über die ſich ſeit ſeiner Jugend folgenden Theorien auf dieſem
Gebiet, wo wohl das größte Problem die große Beweglichkeit der
Bindungen iſt. Kurz vor dem Weltkrieg lieferte Weinberg ſelbſt
eine ſogenannte Schwingungstheorie. Nach dem Krieg ging die
Forſchung der Doppelverbindungen weiter, und es war
ſchließlich=
nicht unintereſſant, zu erfahren, wie heute Chemie und Phyſik an
ſich entſprechenden Ergebniſſen in Hinſicht der
Doppelverbindun=
gen arbeiten.
Dr. Karl Merck fand am Schluß des
Vor=
trags Worte aufrichtigen Dankes der Verſammlung für dieſen
Vortrag. Nach gemeinſamem Mittageſſen vieler Teilnehmer
brachte der Nachmittag verſchiedene Beſichtigungen, u. a. des
Großh. Porzellanmuſeums im Schloß, wo Graf Hardenberg gern
die Führung übernahm.
Dr. Bickenbach, 18. Juli. Einbrecher ſtatteten heute nacht in
dem Friſeurgeſchäft von Peter Gehron, dem Konſumgeſchäft (Filiale
von Darmſtadt) und in der Filiale von Braunwarth u. Gebhardt einen
Beſuch ab. In jedem Geſchäft drangen ſie durch ein Fenſter vom Hof
aus ein, woraus zu ſchließen iſt, daß die Einbrecher mit den
Oertlich=
keiten vertraut waren. Bei Braunwarth u. Gebhardt mußten ſie erſt
zwei dicke Eiſenſtangen entfernen. Mit einem Glasſchneider haben ſie
die Fenſterſcheiben durchſchnitten. Vielleicht könnten es dieſelben
Ele=
mente ſein, die vor einigen Jahren in einer hieſigen Schreinerei
ge=
legentlich eines Einbruches einen Glasſchneider ſtahlen, aber nicht
er=
mittelt wurden. Der Erfolg ihrer anſtrengenden Arbeiten war gering.
In dem Friſeurgeſchäft fanden ſie zirka 2 RM. Wechſelgeld in der
La=
denkaſſe; außerdem nahmen ſie noch eine Packung und einige Schachteln
Zigaretten mit. Im Konſum erbeuteten ſie anſcheinend nichts, da kein
roter Pfennig in der Kaſſe war; bei Braunwarth u. Gebhardt fielen
ihnen zirka 5 RM. in die Hände, die roten Pfennige ließen ſie liegen.
Hier warfen ſie noch einige Sachen in den Hof, wohl aus Zorn, weil ſie
nicht mehr Geld gefunden. Aus wirtſchaftlicher Not ſind die Einbrüche
nicht erfolgt, da ſie ſich in den Lebensmittelgeſchäften an Lebensmitteln
nicht vergriffen haben. Auch haben ſie keinen Durſt gehabt, denn an
Wein und Likören haben ſie in den drei Geſchäften nichts entwendet.
Ein Polizeihund konnte leider wegen der ſchweren Regengüſſe in der
letzten Nacht nicht angeſetzt werden. Die polizeilichen Ermittelungen
wurden heute morgen aufgenommen; es wird jedoch ſchwer fallen, einen
greifbaren Erfolg zu erzielen, um den lichtſcheuen Elementen das
Hand=
werk zu legen.
Dp. Zwingenberg, 17. Juli. Die Freiwillige Feuerwehr
Kommuniſten in Zwingenberg einen Umzug veranſtaltet. Zu
irgend welchen Zuſammenſtößen iſt es nicht gekommen. — Der
Deut=
ſche Turnverein in Zwingenberg hat ſeine Mitglieder zu einer
Verſammlung auf Samstag, abends 20.30 Uhr, in das Gcſthaus „Zur
Jahren ſtark zugenommen. Wie verlautet, ſoll von einer größeren Jubi= die erſte Mannſchaft des Vereins Schwanheim, in Schwanheim ein
Freundſchaftsſpiel ausgetragen, welches Herr Hammel=Auerbach als
Schiedsrichter gerecht leitete. Der Schwanheimer Elf ſtanden nur zehn
Katholiſche Jungfrauenverein Fürth i. Odw. hat geſtern
unſerem Städtchen einen Beſuch abgeſtattet. Vormittags 9 Uhr fand in
4a. Eberſtadt, 16 Juli. Renovierung der Straßen= der hieſigen Kirche ein Hochamt ſtatt. Daran anſchließend wurde ein
nommen.
Bt. Auerbach, 16. Juli. Steuererklärung. Am
Diens=
tag abend fand im Auerbacher Haus” ein vom
Ortsgewerbever=
ein veranſtalteter öffentlicher Vortragsabend ſtatt. Als Referent
war Herr Oberregierungsrat Kadel vom Landesfinanzamt in
Ct. Umſtadt, 18. Juli. Der landwirtſchaftliche Kreisverein Darmſtadt gewonnen worden, der über die Einheitsbewertung
und Vermögensſteuererklärung ſprach. Die Veranſtaltung war
gut beſucht. Neben Mitgliedern des Ortsgewerbevereins hatten
ſich auch noch Landwirte und ſonſtige Intereſſenten eingefunden,
ſogar aus dem nahen Bensheim waren einige Gäſte anweſend. Es
begrüßte der erſte Vorſitzende, Herr Berufsſchullehrer Scherer, die
klärt habe, in ſeiner Heimatgemeinde den Intereſſenten durch
einen aufklärenden Vortrag zu dienen. Zunächſt behandelte der
Vortragende die Entſtehungsgeſchichte der Einheitsbewertung mit
und „Ertragswert‟. Dieſe ſeien als Maßſtab verſchiedentlich von
holfen werden. Alle Länder ſind nun angehalten, dieſe
Einheit=
lichkeit einzuhalten. Die Finanzverwaltung erſtrebe durch dieſe
Vereinheitlichung einen verringerten Verwaltungsapparat; ſo
haben die Einheitswertfeſtſetzungen ſechs Jahre Gültigkeit: Ge=
Wachstum der Weinberge derart, daß bei weiterem Anhalten war= tragt werden, ſobald künftig Veränderungen in Höhe von 5
Pro=
teilt werden, ſondern die feſtgeſetzten Einheitswerte würden in
Liſten zuſammengeſtellt und dieſe Steuerliſten dann am Finanz=
und ſchön ſtehen die Jungfelder. Alles in allem; der Stand un= tig könne nicht wegen jeder Kleinigkeit der Reichsfinanzhof
ange=
rufen werden, der Steuerwert müſſe in einem ſolchen Falle min=
43. Neuſtadt mit Burg Breuberg 18. Juli. Beiſetzung von deſtens 200 RM. betragen. Die Koſten für den Rechtsbeiſtand im
Steuerverfahren werden künftig dem Steuerpflichtigen nicht mehr.
erſetzt werden. Ab 1. April 1932 ſoll die Gewerbeſteuer nur noch
und Betriebskapital und vom Gewerbeertrag. Bliebe allerdings
dieſer Satz angenommen werden. Es wurden ſodann noch die
zeige für deren Ausfüllung gab. So wurde zunächſt der Bogen
L„Anhang L‟) behandelt, wobei es beſonders darauf ankäme dem
Finanzamt kurz die Erklärung zu geben, ob und welche Verände=
Mehrertrag wird mit dem 18fachen Betrag hinzugerechnet. Es
verbreitete ſich der Referent in dieſem Zuſammenhange näher
über die Tätigkeit des Gutachterausſchuſſes. Ueber die Bearbei=
Verdienſte um Schule und Lehrerſtand. Als Vertreter des Heſſ. Lehrer= tung des „Anhang Gew” gab er wertvolle Aufklärung. So er=
Er gab ſodann näheren Aufſchluß über den Mietwert der
gewerb=
ſtände. Ueber die Einheitsbewertung der Häuſer beſtünden nun
— Hirſchhorn, 18. Juli. Waſſerſtand des Neckays/ 5 Bewertungsſätze; ſo ſei für das flache Land in Heſſen die
Be=
wertungsziffer 11 in Anſatz zu bringen, während dieſe für die der Ausgeſteuerten zu erwarten.
Städte geringer ſei. Die Feſtſetzung der Rohmiete die der
Ein=
heitsbewertung zugrunde gelegt werden ſolle, ſei oft ſehr
ſchwie=
rig. In der Ausſprache wurde von Herrn Semmler=Bensheim der
Vorſchlag gemacht, daß hierfür wohl eine Handhabe in dem
Wehr=
beitrag gegeben ſei, wenn man dieſen mit 5 Prozent in Anſatz
brächte. Bei der Bewertung der Villen würde nach wie vor der
Wehrbeitragswert als Grundlage zu dienen haben. Am Schluſſe
ſeiner Ausführungen betonte der Redner nochmals die
Wichtig=
keit der Einheitsbewertung. Dieſe Werte würden dann bis 1938
gelten und es könne ſich daher ein Fehler, den man heute machen
würde, 6 Jahre lang auswirken. Auch erwähnte er noch, daß es
für den Steuerpflichtigen ſehr ratſam ſei, ſich Abſchriften ſeiner
Erklärungen anzufertigen, um auf dieſe jederzeit in einem
ge=
gebenen Falle zurückgreifen zu können. Iſt er über ſeine
abge=
gebenen früheren Erklärungen nicht mehr informiert, hat er
jeder=
zeit das Recht, dieſe beim Finanzamt vorher einzuſehen. Die
Finanzämter ſeien angewieſen, nicht allein die Intereſſen der
Finanzämter zu wahren, ſondern auch den Steuerpflichtigen
Bei=
ſtand zu leiſten, wo er für notwendig erachtet wird. Die
Ausfüh=
rungen wurden mit großem Beifall aufgenommen. In der
Aus=
ſprache wurde von verſchiedener Seite um ſpezielle Auskunft
ge=
beten; ſo wurden u. a. angeſchnitten: Zuſammenſetzung und
Bil=
dung der neuen Steuerausſchüſſe bei den Finanzämtern,
Bewer=
tung von Bauland, Sondergebäudeſteuer, Filialſteuer,
Beſteue=
rung der Weingüter Beſteuerung der Villen und Beſteuerung
der alten Häuſer. Vom Vorſitzenden des Ortsgewerbevereins,
ſowie einem Teilnehmer aus der Verſammlung wurde Herrn
Oberregierungsrat Kadel der Dank für ſeine erſchöpfende
Auf=
klärung abgeſtattet.
W. Heppenheim a. d. B., 16. Juli. Maſchinendefekt.
Kurz vor Heppenheim erlitt die Maſchine des beſchleunigten
Per=
ſonenzugs Freiburg—Cleve, der fahrplanmäßig um 15,27 Uhr hier
eintreffen ſollte, einen Kolbenbruch. Heizer und Lokomotivführer
konnten nach Zſtündiger Arbeit den Schaden ſoweit proviſoriſch
reparieren, daß die defekte Maſchine durch eine von Weinheim
kommende Erſatzlokomotive auf ein Nebengleis abgeſchleppt
wer=
den konnte. Große Unruhe bemächtigte ſich der Reiſenden, die
größtenteils auf Anſchlußzüge in Frankfurt rechneten. Nach
50 Minuten Verſpätung erfolgte die Weiterfahrt. —
Bau=
tätigkeit. Die Bautätigkeit der hieſigen Stadt muß im
ver=
floſſenen Geſchäftsjahr als eine ſehr rege bezeichnet werden. Durch
die private Bautätigkeit wurden allein 81 Wohnungen errichtet
und 11 Altersheime im Bau begonnen. Die Finanzierung des
Wohnungsbaus wurde ermöglicht durch die den Privaten durch
Vermittlung der Stadt zur Verfügung geſtellten verbilligten
Landesbaudarlehen. Von 132 eingereichten Baugeſuchen im Jahre
1930 kamen 128 zur Ausführung. Ausgeführt wurde 29
Wohn=
häuſer, 28 Einfriedungen. 14 Umbauten und Faſſadenänderungen,
2. Garagen, 4 Käminanlagen, 7 Werkſtättenbauten und
Waſch=
küchen, 33 Kanalanſchlüſſe 6 Heizungsanlagen, 1 Hofreiteteilung
und das Schwimmbad. Im ſtädtiſchen Krankenhaus wurde das
Wirtſchaftsgebäude mit Schweine= und Hühnerſtall und einer
Futterküche errichtet, die längſt erforderliche Zentralheizung
ein=
gebaut und die Warm= und Kaltwaſſerleitungen für die noch
an=
zuſchaffenden Waſchtiſche in den Krankenzimmern verlegt. Der
Amtshof wurde reſtauriert und die Jugendherberge mit 80 bis
100 Betten errichtet. In dem durchgeführten Erweiterungsbau
des katholiſchen Marienhauſes werden Kleinkinderſchule.
Näh=
ſchule, Bibliothek und 11 Altersheime untergebracht werden. Ferner
wurde die Töchterſchule reſtauriert, in der Oberrealſchule eine
Lehrwerkſtätte und ein Raum für Amtsgehilfen geſchaffen. Von
dem weit verzweigten Kanalnetz mit 16 229 laufenden Meter
fal=
len auf Miſchſyſtemkanäle 4531 Meter, auf Regenwaſſerkanäle
5426 Meter und auf Schmutzwaſſerkanäle 6272 Meter. Neu
kana=
liſiert wurden ein Teil der Kettelerſtraße, die Zollhausſtraße und
die kleine Feldſtraße, ferner 33 Kanalhausanſchlüſſe durchgeführt.
g. Gernsheim 17. Juli. Beim Ausgraben von Fundamenten im
Bauquartier der Gemeinnützigen Baugenoſſenſchaft in der Römerſtraße
wurden durch Genoſſenſchaftsmitglieder ſehr intereſſante Funde
gemacht. Neben Scherben wurde ein vollſtändiger Napf, ſowie eine B
Zentimeter lange eiſerne Speerſpitze vorgefunden. Den werwollen Fund
förderte das Genoſſenſchaftsmitglied Johann Götz zutage. Es handelt
ſich um ein Bruchſtück eines Inſchriftenſteines, das erſte Stück dieſer Art
in Gernsheim. „Die ſämtlichen Gegenſtände wurden dem Fundmuſeum
der hieſigen Realſchule zugeführt. Unter Führung von Herrn
Gewerbe=
lehrer Dipl.=Ing. Winter=Heppenheim und Herrn Reallehrer Möſinger=
Gernsheim fand eine Beſichtigung der Gernsheimer
Sehenswür=
digkeiten durch den Altertumsverein Viernheim ſtatt. Es wurden
be=
ſichtigt u. a die katholiſche Kirche (deren Innenausmalung iſt einzig),
Schöfferdenkmal, Realſchule, die Wallfahrtskapelle Maric Einſiedel und
die keramiſche Werkſtätte unſeres heimiſchen Künſtlers, des akademiſchen
Bildhauers Adam Winter. — In den Monaten April, Mai und Juni
wurden in der hieſigen Herberge insgeſamt 1041 Wanderer
ver=
pflegt, und zwar 939 Wanderer über 20 Jahre und 102 Wanderer unter
30 Jahren. — Zurzeit wird der Winkelbach von ſeiten eines
Gerns=
heimer Unternehmers einer Reinigung unterzogen. — Seitens des
Gaſt=
wirtevereins Gernsheim wurde innerhalb der Offenlegungsfriſt
Ein=
ſpruch gegen die Getränkeſteuerortsſatzung erhoben. In der nächſten
Sitzung hat ſich der Gemeinderat damit zu befaſſen. Für den hieſigen
Gemeindewald wurde auf Anregung des Forſtamts Gernsheim der
Er=
laß einer Polizeiverordnung bei dem Kreisamt Groß=Gerau nach Art. 64
der Kreis= und Provinzialverordnung beantragt. Der Gemeinderat wie
auch die Lokalpolizeibehörde haben ſich zu dem Entwurf diesbezüglich
ge=
äußert. Es wird das Betreten der Beſtände des Gernsheimer
Gemeinde=
waldes außerhalb der Wege durch Angehöriger fremder Ortſchaften in
den Monaten April bis September, ſowie das Befahren der Schneiſen
und Waldwege mit Fuhrwerken durch Nichtnutzungsberechtigte des
Gernsheimer Waldes während des ganzen Jahres verboten. — Die im
ſüdlichen Bauquartier neu anzulegende Straße führt künftighin die Be=
Augenblicklich beträgt die Zahl der
zeichnung „Burgſtraße‟,
Unterſtützungsempfänger in der gehobenen Fürſorge 103 Sozialrentner
und B Kleinrentner. 44 Ausgeſteuerte ſtehen bei der Gemeinde in
Arbeit. Bis zum Winter iſt eine ganz enorme Steigerung der Zahl.
Nummer 198
Sonntag, den 19. Juli 1931
Seite 7
Aus den Gemeindepariamenten.
G. Michelſtadt, 18. Juli. Aus dem
Gemeindeparla=
ment. Die geſtrige öffentliche Gemeinderatsſitzung erfreute ſich
einer außergewöhnlich ſtarken Zuhörerſchaft, alle Parteien waren
vertreten, während man ſonſt nur größtenteils Erwerbsloſe als
Zuhörer ſah. Es wäre dringend zu wünſchen, daß gerade von
bürgerlicher Seite die Sitzungen regelmäßig beſucht werden. Kurz
nach 6 Uhr eröffnete Bürgermeiſter Neff die Sitzung, der
Ge=
meinderat war vollzählig erſchienen, auch die beiden Beigeordneten
waren anweſend. Vor dem Platze des Beigeordneten Künzel,
deſſen Amtszeit am 22. Juli abläuft, ſtand ein großer
Blumen=
ſtrauß. — Zunächſt wurde über die Anſchaffung eines
Röntgen=
apparates für das ſtädtiſche Krankenhaus beraten.
Beigeord=
neter Künzel als Dezernent für das Krankenhaus berichtet über
die ſeitherigen Verhandlungen und Beſprechungen in dieſer Sache.
— Nach ſeinen Ausführungen wurde das Krankenhaus bei
Be=
urkundungen z. B. bei Berufsgenoſſenſchaften wegen des Fehlens
eines Röntgenapparates nicht als vollgültig anerkannt, auch ſonſt
hatte ſich das Fehlen eines Röntgenapparates ſchon unliebſam
bemerkbar gemacht. So mußten mehrmals Kranke nach einer
an=
deren Anſtalt transportiert werden, um Röntgenaufnahmen von
ihnen erhalten zu können. Alles dies müſſe unbedingt abgeſtellt
werden, zumal der Ankauf geſchehen könne, ohne daß die Stadt
finanziell dadurch belaſtet würde. Bürgermeiſter Neff gab noch
bekannt, daß zurzeit Verhandlungen mit einer anderen Anſtalt
im Gange ſeien, um eine Dauerbelegung des hieſigen
Kranken=
hauſes durch dieſe Anſtalt mit 10—12 Perſonen zu erreichen, doch
ſei auch als Bedingung hierbei das Vorhandenſein eines
Röntgen=
apparates gefordert worden. — Es wurde ſodann auch einſtimmig
die Anſchaffung des Röntgenapparates beſchloſſen, welches Syſtem
genommen werden ſoll, ſoll die Krankenhausdeputation in
Ge=
meinſchaft mit den hieſigen Aerzten entſcheiden. — Nun kam der
Hauptpunkt der ganzen Tagesordnung: Beigeordnetenwahl. In
einer der letzten Sitzungen hatte ſich der Gemeinderat ſchon einmal
mit dieſer, durch den Ablauf der Amtszeit des ſeitherigen
Beige=
ordneten Künzel geſchaffenen Lage beſchäftigt und war damals
die Sache bis zur Bekanntgabe der neuen Landgemeindeordnung
zurückgeſtellt worden.
Nach dieſer Landgemeindeordnung, die
neue ſowohl als auch die ſeitherige weiſen in dieſem Punkt keinen
großen Unterſchied auf, haben Landgemeinden unter 20 000
Ein=
wohner außer dem Bürgermeiſter noch 1 Beigeordneten zu wählen,
jedoch kann der Gemeinderat mit Genehmigung der
Aufſichtsbe=
hörde jederzeit einen weiteren Beigeordneten wählen laſſen.
Für die ſozialdemokratiſche Fraktion ſtellte nunmehr Gemeinderat
Kopp folgenden Antrag: Die ſozialdemokratiſche Fraktion
bean=
tragt, den Poſten des Beigeordneten Künzel nicht mehr zu
be=
ſetzen, da der jetzige Bürgermeiſter ja nur ſehr ſelten Vertretung
braucht und dafür ja Beigeordneter Nord da ſei. — Falls es ſich
ſpäterhin für notwendig erweiſen ſollte, daß man einen weiteren
Beigeordneten brauche, dann könne ja ein ſolcher immer noch
ge=
wählt werden. — Gemeinderat Marquardt von der bürgerlichen
Fraktion wendet ſich gegen dieſen Antrag und betont insbeſondere,
daß er keine Veranlaſſung ſehe, beſonders da dieſe beiden
Beige=
ordneten ja keine Bezahlung erhalten, nicht wieder wie ſeither
einen zweiten Beigeordneten zu beſtellen. — Sein Fraktionkollege
Gemeinderat Rein wendet ſich ebenfalls ſcharf gegen den
ſozial=
demokratiſchen Antrag. Er kann es insbeſondere nicht verſtehen,
daß, als ſeinerzeit Beigeordneter Nord gewählt wurde, dieſelben,
die jetzt einen Beigeordneten haben wollten, drei verlangt hatten.
Der 2. Beigeordnete ſei heute noch ſo nötig wie er früher
ge=
weſen ſei. Auch der kommuniſtiſche Vertreter Gemeinderat Weber,
verlangt unter Hinweis auf die bei der Wahl Nord von der SPD.
gemachten Forderung die Wahl eines 2. Beigeordneten. Hierauf
wurde die Sitzung auf kurze Zeit unterbrochen, die
ſozialdemo=
kratiſche Fraktion zog ſich mit dem Bürgermeiſter und
Beigeord=
neten Künzel zur Beratung zurück. Wir möchten Bürgermeiſter
Neff hierzu den guten Rat geben, in Zukunft bei dieſen Sachen
im Saale zu bleiben, die herrſchende Spannung wird nur noch
verſchärft, wenn er als Vorſitzender und damit Unparteiiſcher an
parteipolitiſchen Beratungen innerhalb einer ſolchen Sitzung
teil=
nimmt. — Nachdem die ſozialdemokratiſche Fraktion wieder in den
Saal zurückgekehrt iſt, wird die Sitzung wieder eröffnet und gibt
Gemeinderat Strauß den Standpunkt dieſer Fraktion bekannt.
Er hält die jetzige, unruhige Zeit nicht geignet für einen
Wahl=
kampf. Weiter erklärt er die damalige Forderung nach drei
Bei=
geordneten damit, daß man damals ſchon in Betracht zog, daß
Beigeordneter Künzel doch bald ausſcheide und dadurch dann doch
nur noch zwei Beigeordnete vorhanden geweſen ſeien.
Beigeord=
neter Nord weiſt noch darauf hin, welche Arbeit der eine
Beige=
ordnete nur allein mit der Betreuung des Krankenhauſes habe,
weiter könne es doch vorkommen, daß der Bürgermeiſter
beur=
laubt ſei oder erkranken könne und der eine Beigeordnete, der
ihn vertreten könne, ebenfalls durch Krankheit oder dergl.
ver=
hindert ſei. Mit dieſen Sachen müſſe immer gerechnet werden und
könne man dann nicht ſchnell einen zweiten Beigeordneten wählen.
Nachdem noch Gemeinderat Marquardt erklärt hatte, daß er keinen
ſtichhaltigen Grund ſehe, um einen zweiten Beigeordneten nicht
zu wählen und um Feſtſetzung des Wahltages bat, ging es zur
Abſtimmung. Der Antrag Kopp als der weitgehendſte wurde
zu=
erſt vorgenommen und mit 10 gegen 8 Stimmen angenommen.
Damit iſt die Wahl eines zweiten Beigeordneten abgelehnt. Für
den Antrag Kopp ſtimmten: die ſozialdemokratiſche Fraktion,
Bür=
germeiſter Neff und Beigeordneter Künzel, dagegen: die
bürger=
liche Fraktion, Beigeordneter Nord und der kommuniſtiſche
Ver=
treter, Gemeinderat Weber. Im Anſchluß daran überreichte
Bür=
germeiſter Neff dem ſeitherigen Beigeordneten Künzel in
An=
erkennung ſeiner 6jährigen erfolgreichen Tätigkeit als
Beigeord=
neter und Dezernent des Krankenhauſes ein Bild des hieſigen
Rathauſes. — Für den Geſamtgemeinderat ſpricht als älteſtes
Mitglied Gemeinderat Strauß, für die Krankenhausdeputation
Gemeinderat Heinz Worte der Anerkennung, worauf
Beigeord=
neter Künzel dankt. — Der nächſte Punkt betraf eine
Jagdpacht=
angelegenheit, die mehrmals in Gemeinderatsſitzungen zur
De=
batte ſtand. Um die Sache aus der Welt zu ſchaffen, hatte der
Finanzausſchuß dem Gemeinderat vorgeſchlagen, dem betreffenden
Jagdpächter für dieſes Jahr einen Nachlaß von 10 Prozent, alſo
von 1500 auf 1350 RM. zu gewähren.
Der Gemeinderat
be=
ſchloß dementſprechend. — Auch der Waldwirtſchaftsplan wurde
wie vorgelegt einſtimmig genehmigt.
Das Ausſtandsverzeichnis
1928, das mit einem Betrag von 122 436,22 RM. abſchließt, von
denen inzwiſchen zirka 77 000 RM. eingegangen ſind, wurde
eben=
falls einſtimmig angenommen. — Von der Aufſichtsbehörde war
eine Erhöhung der Bierſteuer und Bürgerſteuer um 50 Prozent
empfohlen worden, was jedoch vom Gemeinderat einſtimmig
ab=
gelehnt wurde. Als Mitglieder des Steuerausſchuſſes beim
Finanz=
amt wurden beſtimmt Bürgermeiſter Neff, als deſſen Vertreter
für Gewerbe Gemeinderat Schöll, für Landwirtſchaft
Beigeord=
neter Nord. — Für die Sonderſteuer 1931 wurde noch beſchloſſen,
um Härten zu vermeiden, daß dieſelben Ermäßigungen, die das
Finanzamt dem Steuerpflichtigen gewährt, auch von ſeiten der
Stadt gewährt werden ſollen.
— Unter Punkt 10 der
Tagesord=
nung lag ein Geſuch des ſeit Dezember wegen Krankheit
beur=
laubten Baumeiſters Meyers um Penſionierung vor, was
ein=
ſtimmig genehmigt wurde. — Punkt 11: Ablöſung einer
Mark=
anleihe, es handelt ſich hier um eine Anleihe zur Aufwertung der
alten Schulden. — Der Betrag von 19 444 RM. ſoll nun in Raten,
beginnend im Jahre 1932, abgedeckt werden. — Unter
Verſchie=
denes wurden verſchiedene kleinere Sachen teils entſprechend
er=
ledigt, teils an die zuſtändigen Ausſchüſſe verwieſen.
Beigeord=
neter Nord wurde noch als zukünftiger Dezernent für das
Kran=
kenhaus ernannt. — Damit war die überaus reichhaltige und
in=
tereſſante Sitzung zu Ende; in nichtöffentlicher Sitzung wurden
noch verſchiedene interne Sachen beſprochen.
d. Rimbach i. Odw., 18. Juli. Gemeinderatsſitzung
Vor=
geſtern abend fand unter dem Vorſitz des Herrn Beigeordneten Schmitt
unter Anweſenheit von 9 Gemeinderatsmitgliedern eine öffentliche
G=
meinderatsſitzung ſtatt „Punkt 1: Auf Grund der Verfügung des Heſſ.
Kreisamts Heppenheim vom 11. Juli 1931 wird als
Steuerausſchußmit=
glied für die Gemeinde Rimbach mit Münſchbach für die Amtsperiode
Mitte 1931 bis Ende 1935 Herr Bürgermeiſter Schäfer und als deſſen
Stellvertreter Herr Beigeordneter Schmitt von dem Gemeinderat
be=
ſtellt. — Punkt 2: Der Gemeinderat lehnt den Wirtſchaftsplan über den
Wald der Gemeinde Rimbach für das Wirtſchaftsjahr 1932 ab, da das
Heſſ. Forſtamt Birkenau den Bau des früher beſchloſſenen Waldweges in
dem Wirtſchaftsplan nicht vorgeſehen hat. — Punkt 3: Die
Bedürfnis=
frage zu dem Geſuche der Turngenoſſenſchaft e. V. zu Rimbach um
Er=
laubnis zum Betriebe einer Schankwirtſchaft in ihrer neu erbquten
Turn=
halle wird von dem Gemeinderat mit 6 gegen 3 Stimmen bejaht.
Eine nichtöffentliche Sitzung ſchloß ſich an, in der verſchiedene
Fürſorge=
angelegenheiten ihre Erledigung fanden.
p. Eppertshauſen, 18. Juli. Der Gemeinderat genehmigte
in ſeiner letzten Sitzung den Waldwirtſchaftsplan für 1932. Außerdem
wurde die Anſchaffung zweier Ziegenböcke als Ergänzung für das
Faſel=
vieh beſchloſſen. Als Mitglied des Steuerausſchuſſes wurde Peter Hch.
Reiß wiedergewählt. Stellvertretendes Mitglied des Steuerausſchuſſes
und Karl Euler. Die kommunale
ſind Peter Anton Scharf
Sondergebäudeſteuer ſoll nach den kreisamtlichen Richtlinien zur
Er=
hebung gelangen.
Ca. Lorſch, 18. Juli. Aus dem Gemeinderat. Vor einer
zahlreichen Zuhörerſchaft faßt der Gemeinderat folgende Beſchlüſſe. Vor
Eintritt in die eigentliche Tagesordnung gibt Herr Bürgermeiſter Huba
folgende Mitteilungen: a) In der Zeit vom 2. bis einſchließlich 16. Juli
hat eine außerordentliche Reviſion der Gemeindekaſſe ſtattgefunden. Ueber
das Ergebnis derſelben wird ſpäter noch Mitteilung ergehen. b)
Wald=
rezeß. Der Bürgermeiſter verlieſt zwei Schriftſtücke des mit der Sache
beauftragten Rechtsanwalts Joſef in Darmſtadt. Nach deſſen Urteil
beſteht für den Prozeß wenig Ausſicht auf Erfolg. Trotzdem will die
be=
treibende Gemeinde Viernheim den weiteren Verlauf der Verhandlung
abwarten. Der Gemeinderat nimmt hiervon Kenntnis c) Filialſteuer.
Die Erhebung der vom Gemeinderat ſeinerzeit beſchloſſenen Filialſteuer
iſt bereits früher von der vorgeſetzten Verwaltungsbehörde abgelehnt
worden. Der Proteſt der Gemeinde konnte hieran nichts ändern. Der
Bürgermeiſter bringt ein Schreiben des Miniſteriums zur Kenntnis, in
dem die Ablehnung ausführlich begründet wird. d) Ehrenmal. Die
Vorarbeiten zum Gefallenen=Ehrenmal ſind ſoweit vorgeſchritten, daß
die Einweihung desſelben ſchon am 2. Auguſt ds. Js. ſtattfinden ſoll.
Ein vom Bürgermeiſter in Vorſchlag gebrachtes Komitee, beſtehend aus
Gemeinderat, den Vorſtänden der Kriegervereine, Soldatenvereine,
Kriegsbeſchädigten= und Kriegsgefangenen=Vereinen findet den Beifall
der Gemeindevertreter. Der Gemeinderat beſchließt hierauf über
fol=
gende Punkte: 1. Wirtſchaftskonzeſſionsgeſuch, Lindenſtraße 14. Es
han=
delt ſich um die Wirtſchaft des ſeitherigen Beſitzers Lange, die jetzt von
Valentin Denefleh als Pächter weiterbetrieben wird. Da es ſich um eine
ſchon lange beſtehende Wirtſchaft dreht, wird die Bedürfnisfrage
einſtim=
mig bejaht. 2. Ausbau der Linden= und unteren Bahnhofſtraße. Durch
die im Vorjahre in dieſen Straßen vorgenommenen
Kanaliſationsarbei=
ten ſind dieſe derzeit in einem unhaltbaren Zuſtand. Der Gemeinderat
hat deshalb bereits früher beſchloſſen, die Straßen zu aſphaltieren. Der
von der Verwaltung von der Weſtdeutſchen Wegebaugeſellſchaft eingeholte
Voranſchlag erfordert einen Geſamtbetrag von etwa 35000 Reichsmark,
wovon die Reichsbahn als Angrenzer rund 3500 Reichsmark beizutragen
hätte. Die Verwaltung wird beauftragt, die Vorarbeiten vorzunehmen,
insbeſondere die Verhandlungen mit der Reichsbahn aufzunehmen.
3. Der Feldſchutz in der Gemarkung Lorſch. Herr Bürgermeiſter Huba
führt aus, daß infolge der in verſtärktem Maße auftretenden
Felddieb=
ſtähle es notwendig ſei, das Feldſchutzperſonal zu verſtärken. Er ſchlägt
weiter vor, die Arbeitszeit auf dem Felde wie auch im Vorjahre zu
be=
ſchränken ſowie die Forſtverwaltung um Unterſtützung zu erſuchen. Die
Gemeindevertreter ſehen die Notwendigkeit dieſer Maßnahmen ein und
ſchließen ſich den Ausführungen des Herrn Bürgermeiſters an. Als
Aushilfsfeldſchützen werden nach einer kurzen Debatte die beiden
vor=
jährigen, Joſef Jakob und Ludwig Levaſier dahier, benamt. Die
Feſt=
ſetzung der Arbeitszeit wird, von der Wirtſchaftskommiſſion geregelt.
4. Die Ergänzung der Nachtpolizei. Ein Schutzmann iſt vor kurzem
ausgeſchieden. Man will die Nachtpolizei wieder auf ihre alte Stärke
bringen. Die Gemeinde hat von ihrem Vorhaben dem Kreisamt
Kennt=
nis gegeben, worauf dieſes geantwortet hat, daß eine Ausſchreibung der
Stelle im Lorſcher Anzeiger ungeſetzlich ſei. Für die Stelle kämen nur
Kriegsbeſchädigte und Verſorgungsanwärter in Betracht. Außerdem
kämen nur ſolche Bewerber in Frage, die in die kreisamtliche
Bewerber=
liſte aufgenommen ſeien. Für die fragliche Stelle ſind bereits 4
Bewer=
ber vorgemerkt, dabei der Lorſcher Johannes Diehl an erſter Stelle. Der
Gemeinderat ſtimmt mit 13 gegen 4 Stimmen dafür, daß Herrn
Johan=
nes Diehl das Amt eines Nachtſchutzmannes übertragen wird. 5.
Feſt=
ſetzung der endgültigen Gemeindenmlagen pro 1930. Gemäß dem
Vor=
ſchlag wird der Betrag endgültig auf den Betrag von 65 360,10 RM.
feſtgeſetzt und die Erhebung einſtimmig beſchloſſen. 6. Die kommunale
Sondergebäudeſteuer 1931; hier: die Durchführung ihrer Erhöhung nach
Artikel 13a des Sondergebäudeſteuergeſetzes vom 13. Dezember 1930. D
Ermäßigungsgrundſätze werden zur Kenntnis gebracht; der Gemeinderat
macht dieſe zu ſeinen eigenen. 8. Vergebung von Baudarlehen. Bei der
Zuteilung von verbilligten Baudarlehen erhielt Lorſch für das Jahr
1931 nur 2 Darlehen. Dieſe ſollen an Herrn Jakob Gärtner 6. und
Herrn Michael Herd ausgegeben werden.
8 Lampertheim, 17. Juli. Freitod. Während ſeine Frau
auf Arbeit war, vergiftete ſich der in den dreißiger Jahren ſtehende
Schwerkriegsbeſchädigte V. W. mit Leuchtgas. W. litt ſehr an
ſei=
ner Erkrankung und iſt dies wohl als Grund anzunehmen, daß er
Hand an ſich legte. Er hinterläßt Frau und drei unmündige
Kin=
der.
Außerordentliche Generalverſammlung
der Vereinsbank. Zu einer ſolchen hatte die Bank in den
großen Saal des „Reichsadler, eingeladen, der eine große Zahl
Genoſſen folgten. Vor Beginn der Verſammlung legte der
ſeit=
herige Vorſitzende des Aufſichtsrates, Herr Hermann Wegerle, die
Verſammlungsleitung nieder. Auf allgemeinen Wunſch übernahm
dieſe Herr Martin Jakob Kärcher 2. Der derzeitige Leiter der
Bank konnte infolge Erkrankung nicht anweſend ſein. Nachdem
der Bankbeamte Guldner zum Schriftführer und die Herren
Lud=
wig Bräuler und Johann Halkenhäuſer zu Urkundsperſonen
er=
nannt worden waren, erſtattete Herr Jakob Ziegler als Mitglied
der Prüfungskommiſſion für etwaige Verfehlungen ſeitens des
Vorſtandes und Aufſichtsrates hierüber Bericht. Seinen
Ausfüh=
rungen war zu entnehmen, daß der Zuſammenbruch der Bank
nicht allein der Wirtſchaftskriſe, ſondern zum größten Teil der
mangelhaften Geſchäftsführung zuzuſchreiben ſei, da ſowohl
Vor=
ſtand als Aufſichtsrat nicht die laut Genoſſenſchaftsgeſetz
vorge=
ſchriebenen Paragraphen beachtet hätten und die
Generalverſamm=
lungsbeſchlüſſe, von ihnen nicht ausgeführt worden ſeien. Der
Reviſionsverband habe wiederholt auf die Ueberſchreitung der
Kreditgrenze von 25 000 RM. und die ungeſicherten Kredite
hin=
gewieſen. Hierdurch erkeide die Bank einen Verluſt von 127 000
RM. Wegen Regreßleiſtungen habe die Kommiſſion auch mit
den Verwaltungs= und Aufſichtsorganen Verhandlungen
ange=
knüpft, jedoch ſeien die von dieſen gemachten Anbietungen ſo
ge=
ring, daß der Weg der Klage beſchritten werden müſſe. Es wurde
deshalb aus der Verſammlung der Antrag geſtellt,
Prozeßbevoll=
mächtigte und einen Rechtsbeiſtand zu ernennen. Hierzu wurden
die Herren Jakob Ziegler und Jean Würtemberger und als
juri=
ſtiſcher Beiſtand Rechtsanwalt Löſch beſtimmt. Von verſchiedenen
Seiten war auch auf die hohen Prozeßkoſten hingewieſen und
an=
geregt worden, man möge ſich doch auf einem gütlichen Wege mit
den leitenden Organen verſtandigen, jedoch war die Mehrheit für
Beſchreitung des Rechtsweges. Der frühere Direktor und dann
Mitglied des Aufſichtsrates, Herr Jakob Eberhard, erklärte
dar=
auf, daß er weder die Bilanz vom 31. 12. 30, noch vom 23. 2. 31
anerkannt habe, da die in dieſen enthaltenen
Verluſtabſchreibun=
gen viel zu hoch ſeien. Was ihre Schuldfrage betreffe, ſo ſei ja
bereits ein gerichtliches Verfahren im Gange und dieſes ſolle man
doch zuerſt einmal abwarten. Regreßanſpruche könnten ja noch in
zwei Jahren geſtellt werden. Da der ſeitherige Aufſichtsrat
voll=
ſtändig zurückgetreten war, mußte Erſatzwahl vorgenommen
wer=
den. Aus dieſer gingen hervor: Jakob Ziegler, Fritz Schärges,
Adam Gabler, Adam Schlatter, Karl Rupp, Ludwig Bräuler,
Jakob Günderoth, Heinrich Kropp und Martin Jakob. Nach
Klä=
rung verſchiedener Anfragen bezüglich Verrechnung von Guthaben
mit den bereits angeforderten weiteren Stammanteilen,
bemän=
gelten die beiden ſeitherigen Aufſichtsratsmitglieder Adam und
Philipp Jakob Knecht, daß man während des ganzen Abends nur
von Regreßpflicht geſprochen, aber nicht von der Einziehung der
Außenſtände, und wird deshalb angeregt, an die Schuldner
ernſt=
hafter heranzutreten. Die oft ſehr bewegte Verſammlung dauerte
bis gegen 12 Uhr nachts.
WSN. Lampertheim, 18. Juli. Grober Unfug zweier 12 Jungen. Einen bodenloſen Leichtſinn bewieſen zwei
zwölfjährige Buben von hier, indem ſie in Augenhöhe über die
Poſt=
ſtraße eine Schnur ſpannten. Nur durch ſeine Geiſtesgegenwart wurde
ein Motorradfahrer vor ſchwerem Schaden bewahrt, der im letzten
Augenblick die Schnur entdeckte und ſich noch rechtzeitig bückte, ſo daß
ihm nur die Mütze vom Kopfe geriſſen wurde. Die beiden Uebeltäter
wurden feſtgeſtellt.
Gernsheim, 18. Juli. Waſſerſtand des Rheins
am 17. Juli: 2,15 Meter; ſam 18. Juli: 2.18 Meter.
Cp. Crumſtadt. 17. Juli. Reinigung der Modau.
Die Bachſohle der Modau wird demnächſt einer gründlichen
Rei=
nigung unterzogen. Die Arbeiten werden von Erwerbsloſen
aus=
geführt werden.
Oberheſſen.
WSN. Bad=Nauheim, 16. Juli. Deutſchlandsreiſe des
New Yorker Beethoven=Männerchores. Der
Beet=
hoven=Männerchor von New York, der vor ſechs Jahren auf ſeiner
Deutſchlandreiſe auch unſere Stadt beſuchte und hier ein Konzert
gab, wird auch im nächſten Jahre anläßlich des Sängerfeſtes in
Frankfurt a. M. wiederum eine Deutſchlandreiſe unternehmen und
dabei ebenfalls Bad=Nauheim beſuchen. Der genannte Verein,
der bereits 70 Jahre beſteht, hat eine Anzahl von Mitgliedern
heſſiſcher Abſtammung und Geburt. Der Ehrenpräſident und
Vorſitzende des Reiſekomitees, Philipp Lenges, iſt geborener
Darmſtädter der erſte Vizepräſident, Louis Ries, ſtammt aus
Grünberg. Die Reiſeleitung liegt in den Händen der Firma
Wil=
liam L. Strauß u. Sons, deren Senior=Teilhaber geborener
Fried=
berger iſt und alljährlich unſer Bad beſucht.
h. Friedberg, 18. Juli. Die Wanderausſtellung für
Ge=
ſundheitspflege wird demnächſt in 12 Gemeinden unſeres
Krei=
ſes ſtattfinden. Damit ſollen Vorträge und Ausſprachen über
Be=
kämpfung der Volkskrankheiten, Heilung und Verhütung, über ſoziale
Fürſorge uſw. verbunden werden. Vilbel ſoll als erſter Ausſtellungsort
Mitte September vorgeſehen werden. Vom Kreiſe Friedberg aus wird
die Ausſtellung auch die anderen Kreiſe Oberheſſens beſuchen.
h. Gießen, 18. Juli Exemplariſche Strafe für einen
Straßenräuber. Drei Straßenräuber hatten mehrere junge Leute
aus Wohnbach nachts auf dem Heimwege überfallen, ausgeplündert,
ſchwer mißhandelt und mit Totſtechen bedroht. Der Anführer der
Räu=
berbande hatte ſich vor dem Schöffengericht Gießen zu verantworten und
erhielt füe ſein Verbrechen 4 Jahre Gefängnis.
— Wegen
ſchwe=
rendienſtlichen Verfehlungen hatte ſich ein Oberſekretär des
Finanzamtes Friedberg vor dem hieſigen Schöffengericht zu
verantwor=
ten. Der Angeklagte hatte als Vertreter des Kaſſenvorſtehers
Fehl=
buchungen und Verrechnungen vorgenommen. Auch hatte er ungedeckte
Schecks hingegeben, ſo daß Betrug vorlag. Das Gericht erkannte für den
ungetreuen Beamten auf 1 Jahr Zuchthaus und 150 RM. Geldſtrafe.
WSN. Schotten, 18. Juli. Unfälle beim Schottener
Motorradtraining. Bei dem geſtrigen Training zum
Motor=
radrennen „Rund um Schotten” ereigneten ſich einige Stürze, die jedoch
zum Glück kein Menſchenleben forderten. Der jüngere der beiden Grafen
Henckel von Donnersmarck erlitt einen Bruch des Schulterblattes. Ein
Monteur wurde mit einer unbeſetzten Seitenwagenmaſchine aus einer
Kurve getragen, wobei ſich die Maſchine mehrmals überſchlug. Der
Fah=
rer erlitt einen Bruch des Schlüſſelbeins und eine leichte
Gehirnerſchüt=
terung.
Geginnt die große Bequemlichkeit
beim Waſchen zarter Sachen mik Versil.
Kaltes Wasser und etwas Persil, die
ein-
fachste und billigste Art, Sachen aus Seide,
Kunstseide oder Wolle zu pflegen.
Persil macht alles Umständliche überflüssig.
Persil hilft sparen. Sie brauchen kein heißes
Wasser zu bereiten. Sie brauchen kein
an-
deres Waschmittel zu kaufen. Nehmen Sie
nur TEßlöffel Persil auf je 2 Liter Wasser.
Sie crücken das Stück im milden, kalten
Persilbad durch, und rasch verschwindet
aller Schmutz. Ins erste Spülwasser ein
Schuß Essig, das frischt die Farben wieder
auf. Und dann das Trocknen: Einwickeln
des Stücks in weiße, saugfähige Tücher
ent-
fernt die Feuchtigkeit. Hiernach ausbreiten
auf weißem Tuc, in Form ziehen und
trocknen lassen, nicht in Sonne und
Ofen-
nähe, nicht aufhängen.
Fsofst
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Sonntag, den 19. Juli 1931
Nummer 198
Zweckloſes Heldentum: 11000 Tote gegen 30 Tote.
Von Arnold Höllriegel. *)
Ich mache einen Ausflug auf die Hochebene von Kerreri,
oen Schauplatz der Schlacht vom 2. September 1898, in der
Kitchner die Mahdiſten vernichtet hat.
Ich ſitze auf einem Felsblock, habe Bücher und Karten vor
mir und ſuche die letzte große romantiſche Schlacht des
neun=
zehnten Jahrhunderts recht zu verſtehen, vielleicht den letzten
typiſchen Anſturm des Illams gegen die weſtliche Ziviliſation.
Vor mir der ruhig ſtrömende Nil. Der Höhenzug, auf
deſſen Kamm ich jetzt ſitze, begegnet dem Nil an der Stelle, wo
Kitchner lagerte. Ein befeſtigtes Lager, am linken Flügel mit
einem „Seriba”=Wall aus dornigem Mimoſenreiſig und ſonſt
von Schützengräben umgeben. Im Lager ſind
zweiundzwanzig=
tauſend Mann, Aegypter und Engländer. Das iſt nicht eine
von den phantaſtiſch improviſierten Expeditionen, mit denen man
immer wieder vergeblich die Derwiſche niederzuwerfen verſucht
hat, ſeit ſiebzehn Jahren. 1885 iſt Khartum dem Mahdi erlegen
und General Gordon hat ſterben müſſen, weil die Erſatzarmee
auf pittoreske Weiſe hoch zu Kamel durch die Wüſte kommen
wollte. Diesmal hat Kitchner ſich die Bahn gebaut, eine
erſtaun=
liche Eiſenbahn quer durch den nackten, glühenden Sand. Dieſer
Fluß im Rücken des Lagers iſt voll von modernen
Kanonen=
booten. Im Lager ſelbſt die beſte, die neueſte Artillerie.
Maſchi=
nengewehre in Mengen. Die engliſchen Truppen aus den
be=
währteſten Regimentern, vortrefflich verpflegt und gerüſtet.
Da iſt alſo, in dem befeſtigten Lager General Kitchners, das
Ein de sieele: Europa mit ſeinen tödlichen Waffen, Europa
ſchon vorbereitet auf ſeinen gräßlichen Bruderkrieg, die Technik
des neuen Zeitalters faſt ſchon fertig, das vollendete neunzehnte
Jahrhundert, großartig, prunkvoll und morobereit.
Dann ertönen arabiſche Trommeln, und Mohammeds
ſieben=
tes Jahrhundert marſchiert heran, faſt unverändert.
Das letzte wirkliche Heer des Iſlams, denn ſpäter hat
höch=
ſtens der moderne Nationalismus mohammedaniſcher Völker
Armeen ins Feld geſchickt, die letzten Sarazenen, die letzte Welle
der großen Flut, die der Prophet von Mekka dreizehn
Jahrhun=
derte vorher aufgewühlt hatte.
Vierzigtauſend dunkelhäutige, heiße Menſchen, die meiſtens
von arabiſchem Blut — noch genau ſo gläubig, fanatiſch,
allah=
trunken wie zur Zeit des Propheten, ganz unberührt vom
Wan=
del der Zeiten. Menſchen mit Schild und Lanze, mit
Zwei=
händerſchwertern, manchmal in dem altſarazeniſchen
Kettenpan=
zer. Sie haben moderne Gewehre erbeutet und gebrauchen ſie
kaum, das iſt etwas Fremoes, dem man kein rechtes Vertrauen
ſchenkt. Dieſe Leute wollen mit Kreuzfahrerſchwertern das Fin
de siécle in Stücke hacken.
Was für ein Anblick (träume ich, auf meinem Felsblock vor
der leeren Landſchaft, auf der die Sonne brütet) — welch ein
epiſcher Anblick, wie ein Geſang aus dem Rolandslied! Das
arabiſche Heer kommt über die Höhen, langſam. Im Zentrum
die Baggara, Stammesgenoſſen des Khalifa Abdullahi, der dieſe
wilden Beduinen ſelber führt. Sein rieſiges ſchwarzes Banner,
das einzige ſchwarze, iſt hoch in der Luft, die frommen Texte, mit
denen es ganz benäht iſt, verkünden den Sieg, unfehlbaren,
ſiche=
ren Sieg für die Gläubigen.
*). Die Derwiſchkämpfe im Sudan unter der Führung des
Erwarte=
ten Mahdi hat Arnold Höllriegel in ſeinem neueſten Werk:
„Die Derwiſchtrommel” (Volksverband der Bücherfreunde. Wegweiſer=
Verlag G. m. b. H., Berlin=Charlottenburg 2, Berliner Straße 42/43,
382 Seiten, in Halbleder gebunden 2,90 RM.) an Hand eigener
Nach=
forſchungen auf einer Reiſe durch den Sudan unter ganz neuen
Geſichts=
punkten meiſterhaft geſtaltet. Vorliegender Abſchnitt iſt dieſem
hoch=
intereſſanten Werk entnommen.
Und Fahnen, Fahnen zu Hunderten. Jeder Emir führt
ſeine Fahne, es gibt weiße und blaue und grüne und gelbe.
Wie eine Blumenwieſe erſcheint das Feld, wie eine
Blumen=
wieſe, in der ein fruchtbarer Wind wühlt
Sie kommen näher. In dieſen Herzen iſt gar kein Zweifel.
Daß hier bei Kerreri die große Entſcheidung gegen die
Eng=
länder fallen ſoll, weiß der ganze Sudan ſchon ſeit dreizehn
Jahren: der Mahdi hat es vor ſeinem Tode prophezeit, und
ſeit=
her hat man auf eben dieſem Gelände alljährlich die große
Heerſchau gehalten und den Sieg, den gewiſſen, ſchon vorher
ge=
feiert.
Und dann: der Angriff des Glaubens gegen Lee=Enfield=
Gewehre, Kanonenboote, Schnellfeuerbatterien.
Niemals
nachher, nicht während all der blutigen Greuel des Weltkrieges,
hat man Aehnliches mehr geſehen. Durch ein Feuer, das
Feſtungsmauern erſchüttert hätte, kommen ſie näher und
näher —
Gemetzel ſondergleichen, Heldentum ohne Zweck. Bei alledem
kommt dieſer epiſche Heeresſturm dem Gegner nicht nah genug,
um die blanke Waffe zu brauchen; die Verluſte des
anglo=
ägyptiſchen Heeres ſind winzig, während die Derwiſche ſterben,
—
ſterben
Da der große Sturm auf das Lager endlich
ge=
brochen iſt, liegen ſie da in ihren hellen Gewändern, wie eine
Wieſe voll weißer Blumen, die eine Maſchine gemäht hat — —
Es iſt faſt unglaublich, daß noch ein Derwiſchkrieger am Leben
iſt; dennoch wiederholt ſich, da Kitchner nun den Befehl zum
Vorrücken gibt, auf Omdurman, auf Khartum, wiederholt ſich
noch zweimal das gleiche unfaßbare Schauſpiel, dieſer Angriff
der wilden Romantik auf eiſerne Technik, dieſer Kampf zwiſchen
Schlachtgeſängen und Lydditgranaten, zwiſchen Bannern und
Panzerſchiffen —
—.
Elftauſend Tote des Derwiſchheeres fand man auf dem
Schlachtfeld; viele Tauſende, die mit der Todeswunde flohen,
fand man nicht. Von den Soldaten Kitchners ſind in der
Schlacht keine fünfzig geſtorben.
*
Die Schweiz.
Landſchaft und Baukunſt.
Wiederum ein Standard=Bildwerk des Atlantis=Verlags;
Berlin, in der Reihe „Orbis Terrarum”. Martin
Hür=
limann iſt der Verfaſſer des Textes und Herausgeber. Dieſer
ausgezeichnete Kenner der Schweiz — Künſtler und Schriftſteller
und Forſcher zugleich — hat das wundervolle Werk ſeinem lieben
Prof. Hans Wehrli, Zürich, in Freundſchaft und Dankbarkeit
ge=
widmet. Wahrlich, wenn dieſes Werk ein Denkmal der
Dank=
barkeit ſein ſoll, kein Schöneres und Wertvolleres iſt denkbar.
In den Stolz darauf, daß ein deutſcher Verlag in
wirtſchaft=
licher Notzeit wie die der Gegenwart den kühnen
Unternehmer=
mut aufbringt, in dieſer aufopfernden Weiſe Kulturarbeit
zu leiſten, die vor der Welt in beſtem Sinne Aufbauarbeit
iſt, miſcht ſich Bewunderung für das aus Hunderten von
ein=
zelnen Bauſteinen gefügte Kunſtwerk, das auch der Band
Schweiz, wie alle Werke des Orbis=Terrarum=Unternehmens,
darſtellt.
Keine andere Kunſt, auch kein noch ſo umfangreiches
völker=
kundliches Werk vermag die Schönheiten, richtiger dieCharakteriſtik,
die kulturelle und landſchaftlicheEigenart einesLandes,eines Volkes,
dem Laien gleich oder ähnlich eindringlich zu erſchließen, wie dieſe
Orbis=Terrarum=Bücher. Im textlichen Beiwerk auf das äußerſte
Maß deſſen beſchränkt, was verſtehend, leitend und führend
un=
bedingt notwendig, läßt man im übrigen ausſchließlich dem
Bild das Wort. Hier aber, in der Auswahl und dem Gefüge
des Bildwerkes ſind Künſtler am Werk, die
gleichzei=
tig Wiſſenſchaftler und Forſcher ſind.
Das iſt es, was dieſen Büchern das künſtleriſche Niveau
von Einmaligkeit gibt.
Wenn dem ebenſo umfaſſenden wie umſtrittenen Begriff des
Wortes „Bildreportage” eine Erſcheinung unſerer Zeit, einmal
der ominöſe Beigeſchmack der Tages= oder Augenblicksſenſation
genommen ſein wird, wenn man die ganze Größe und
Bedeu=
tung dieſes modernen, bei weitem noch nicht annähernd
er=
ſchöpfend ausgewirkten Begriffes einmeal erkannt haben wird,
dann wird vielleicht das Zeugnis „hervorragende Bildreportage‟
für Werke dieſer Art das höchſte Lob bedeuten.
Und dennoch iſt das unendlich mehr, als etwa Bildkunde
vom Tage oder ſeinen Ereigniſſen. Was dieſe durch eine
Ver=
vielfältigungskunſt von niegeahnter Vollendung Tauſenden
zu=
gängig gemachte Bildfülle, an Schönheit der Landſchaft, der
gigantiſchen in ihrer Einſamkeit erſchütternd gottnahen Natur
vermittelt, iſt von unvergänglichem Wert, weil es
Bau=
ſtein der Kultur iſt.
Hürlimann ſpricht im Text zunächſt von der Schweizeriſchen
Eidgenoſſenſchaft, und zwar von dem, was im allgemeinen nicht
bekannt iſt, denen, die als Ferienreiſende die Berge bezwingen
oder in Tälern Erholung ſuchen, auch nicht denen, die den
Schweizer aus ſeinem allgemeinen Anteil an der Ziviliſation zu
kennen glauben. Er führt zurück in die früheſte mitteleuropäiſche
Geſchichte, da ſchon am Fuße der Alpen, dieſes einſt drohenden
Walles gegen die alte Kulturwelt des Mittelmeeres,
alleman=
niſche und burgundiſche Stämme eine blühende Kulturlandſchaft
ſchufen. Er zeigt die Schweiz, die zwar ein kleines,
unwirt=
liches Land, die aber ein Land, auf dem der Segen reifen Glücks
zu liegen ſcheint. Und nach klug gefügtem Abriß aus der
Ge=
ſchichte der Schweiz, ihrer Politik, Landſchaft und Volkheit, die
ſie in all dem großen erſchütternden Weltgeſchehen der Zeiten oft
eine Rolle ſpielen ließ, bis ſie in den ruhenden Pol der „
Neutrali=
tät” hineinwuchs, führt er in das gigantiſch Bildhafte dieſer
einzigartigen Landſchaft ein.
Geſchichtlichen und ſtatiſtiſchen Angaben über die einzelnen
Kantone, 22 an der Zahl, folgen dann die 283 Bildtafeln
mit kurzen Erläuterungen. Von Baſel führen ſie bis auf die
Paßhöhe des St. Gotthard, „deſſen kahle Granitfelſen die
be=
deutendſte Feſtung der Schweiz bilden, Symbol der eiferſüchtig
bewachten Unabhängigkeit der Eidgenoſſenſchaft.” — Was
dazwi=
ſchen liegt, das iſt von ſo wunderbarer Schönheit und
Erhaben=
heit, ſei es irgendwo ein ſtiller Winkel, mit einem ſchlichten
Kapellchen, ſei es ein Bauernhaus am ſtillen oder rauſchenden
Bergbach, ſei es die grandioſe Einſamkeit eines von ewigem
Schnee demantglitzernder Krone geſchmückten Bergrieſen,
ſonneumgleißt oder föhnumtoſt, daß dieſe Schönheit mit Worten
nicht zu ſchildern iſt.
Max Streeſe.
* Adolf Baumbach: Zivilprozeßordnung (Stand vom 15 April
1931). Sechſte völlig durchgearbeitete und vermehrte Auflage.
Verlag von Otto Liebmann, Berlin.
Der bekannte Taſchenkommentar der ZPO. mit
Gerichtsver=
faſſungsgeſetz aus der Feder des hochangeſehenen Juriſten
emp=
fiehlt ſich allein ſchon aus der Tatſache heraus, daß er nun in
6. Auflage erſcheint, nachdem die 5. nach noch nicht 1½ Jahren
vergriffen iſt. Für den Juriſten iſt ein ſolches Erläuterungsbuch,
wenn es nun auch recht angeſchwollen iſt, unter den heutigen
wirtſchaftlich anormalen Verhältniſſen ein unentbehrlicher und
zuverläſſiger Ratgeber. Zahlreiche Stichproben bezeugen, daß die
bewährte Arbeit auf den neueſten Stand gebracht iſt. Wir
unter=
laſſen nicht, noch beſonders hervorzuheben, daß bis 31. Auguſt
1931 ein Vorzugspreis von 18 Mark beſteht, der für Abonnenten
der „Deutſchen Juriſtenzeitung” ſich um weitere 2 Mark ermäßigt.
Juſtizrat Lindt, in Darmſtadt.
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555
Pfälziſche Preſſeß
Zeitung für Südweſtideuſchland.
3mm5
una
[ ← ][ ][ → ] Die Borſen deiden geichteffen.
Erhebungen über die Höhe aller zurzeit in
Deutſch=
land laufenden Börſen=Engagemenks.
Der Berliner Börſenvorſtand hat beſchloſſen, mit Rückſicht auf
die Beſchränkung des Zahlungsverkehrs die Eröffnung der
Wert=
papier= und Metallbörſe vorläufig auszuſetzen . Soweit der
Zah=
lungsverkehr es geſtattet, wird über die Wiedereröffnung Beſchluß
gefaßt werden. Das Communiqué iſt ſehr vorſichtig gehalten.
Man darf aber wohl annehmen, daß die Berliner Börſe und
auch die Börſen im Reiche bis zum Monatsende
geſchloſſen bleiben, weil man erſt einmal dafür ſorgen muß,
daß der Zahlungsverkehr genügend gefeſtigt wird, damit er nicht
vor Aufgaben geſtellt wird, die er nicht zu bewältigen vermag.
Intereſſant iſt übrigens, daß der Gedanke aufgetaucht iſt,
Er=
hebungenüber die Höhe aller zur Zeit in
Deutſch=
land laufenden Börſenengagements zu veranſtalten
Selbſtverſtändlich ſollen die Erhebungen vertraulich durchgeführt
werden. Ihr Ergebnis wird dann dem Reichskabinett
unter=
breitet, damit es ſeine Beſchlüſſe über die Wiedereröffnung des
geſamten Börſenverkehrs in Deutſchland entſprechend abſtimmen
kann.
Berliner deviſen=Feſtſehung.
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Von den ausländiſchen Börſen.
Die New Yorker Börſe war zu Beginn ſehr feſt. Die großen
Werte hatten ſtarke Kursgewinne zu verzeichnen.
Die Brüſſeler Börſe war durch die ausgezeichneten
Dis=
poſitionen der ausländiſchen Märkte günſtig beeinflußt und eröffnete feſt.
Die Amſterdamer Börſe war behauptet, das Geſchäft
aller=
dings flau.
Starke Goldabgänge an der Bank von England Beträchtliches
Auf=
ſehen erregt die Mitteilung der Bank von England, daß heute
Gold=
barren im Werte von 1 155 836 Pfund Sterling nach dem Kontinent
ver=
ſchifft worden ſind. Dies erhöht den Geſamtverkauf der Bank von
England an Goldbarren in dieſer Woche auf 8 096 345 Pfund Sterling.
Man befürchtet in Citykreiſen, daß weitere Goldzurückziehungen in der
Bank von England nächſte Woche vor ſich gehen werden.
*
Auf Grund in letzter Zeit in Moskau mehrfach erfolgter
Ab=
lehnung= der deutſchen Mark als Zahlungsmittel in Ausländer=Läden
hat die Valuta=Sektion des Finanzkommiſſariats der Sowjet=Union der
Preſſe eine Mitteilung zugehen laſſen, in der erklärt wird, daß eine
ſolche Ablehnung auf Grund beſtehender Geſetze nicht zuläſſig ſei. Die
Sowjet=Union werde diejenigen, die eine Annahme der deutſchen Mark
abgelehnt hat, zur Verantwortung ziehen.
Der Beſchluß der Kopenhagener Hauptbanken
über die Behandlung von Guthaben deutſcher Banken iſt in der
Information von „Politiken” unrichtig dargeſtellt worden. Der
Be=
ſchluß beſagt nur, daß die Kopenhagener Hauptbanken in gleichem
Um=
fange wie die deutſche Notverordnung das Guthaben dieſer Banken in
Deutſchland ſperrt, auch das deutſche Guthaben bei den betreffenden
Kopenhagener Banken ſperren, aber eben nur, wie ausdrücklich zu
be=
tonen iſt, in dieſem Umfange. Hat alſo eine deutſche Bank ein Guthaben
in einer der Kopenhagener Banken, dieſe Kopenhagener Bank aber kein
Guthaben bei einer deutſchen Bank, ſo ſteht das Guthaben der deutſchen
Bank zur freien und vollen Dispoſition.
Wirkſchaftliche Rundſchau.
Die Inderziffer der Großhandelspreiſe vom 15. Juli. Die vom
Statiſtiſchen Reichsamt für den 15. Juli berechnete Indexziffer der
Großhandelspreiſe ſtellt ſich auf 112,3. Die gegenüber der Vorwoche
eingetretene leichte Erhöhung um 0,2 v. H. iſt auch durch ein Anziehen
der Preiſe für Schlachtvieh und Vieherzeugniſſe bedingt, das ſich jedoch
im Rahmen der Preisſchwankungen der letzten Wochen hielt. Die Preiſe
für Brotgetreide ſind an der Mehrzahl der Märkte geſunken. Die
Er=
höhung der Indexziffer für Agrarſtoffe auf 107,2 (plus 1,1) wurde durch
Rückgänge der Indexziffern für Kolonialwaren auf 96,3 (min. 1,8 v.H.),
für induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren auf 103,0 (minus 0,4 v.H.
und für induſtrielle Fertigwaren auf 136,3 (minus 0,1 v.H.) nahezu
aus=
geglichen.
Dringliche Sicherheit der Giro=Sammeldepots. In den letzten Tagen
find bei den Banken zahlreiche Anfragen der Depotkundſchaft
eingegan=
gen, inwieweit die Eigentumsrechte bei den Sammeldepots gewahrt
ſeien. Vielfach wird hierbei, wie die Stempelvereinigung betont, das
Sammeldepot mit dem ſogenannten „Stücke=Konto” verwechſelt, mit dem
es nichts zu tun hat. — Das Stücke=Konto gewährt den Depotkunden
nur einen ſchuldrechtlichen Anſpruch auf Lieferung von Wertpapieren,
während im Gegenſatz hierzu bei den Sammeldepots das Eigentum an
den ſammelverwahrten Wertpapieren in der Geſtalt des Miteigentums
unter allen Umſtänden erhalten bleibt. Dieſer herrſchenden Meinung
des Schrifttums iſt die Rechtſprechung gefolgt.
Abrechnungsgemeinſchaft der Kreditinſtitute. Die geſamten
Kredit=
inſtitute, öffentlich=rechtliche Banken und Bankinſtitute, Sparkaſſen und
Großbanken haben ſich geſtern zu einer Gemeinſchaft
zuſammengeſchloſ=
ſen mit dem Zweck, den Schwierigkeiten im Kreditverkehr, wie er in den
letzten Tagen in Erſcheinung getreten iſt, vorzubeugen.
Die Chemiſchen Werke Lothringen ſehen ſich infolge der
ſchlech=
ten Wirtſchaftslage auf dem Stickſtoffmarkt gezwungen, ihre
Be=
triebe zum Herbſt dieſes Jahres ſtillzulegen. Durch die
Still=
legung werden etwa 400—500 Arbeiter zur Entlaſſung kommen.
Deukſche Wirtſchaftskennlinien.
(Monatsmittelwerte.)
Soweit die geſamte Preislage durch den amtlichen
Großhandels=
index gekennzeichnet wird, hat vom Mai zum Juni wieder ein leichter
Preisrückgang ſtattgefunden. Dieſer Preisrückgang kommt allerdings
in einer Senkung der Lebenshaltungskoſten nicht zum Ausdruck. Die
Baukoſten ſind ſogar wieder etwas in die Höhe gegangen. Bei den
Getreidepreiſen gleicht die beträchtliche weitere Preiserhöhung für
Rog=
gen den Rückgang des Weizenpreiſes aus. Die Viehpreiſe zeigen
gegen=
über dem Mai wenig Veränderung.
Der vom Statiſtiſchen Reichsamt ermittelte Aktienkursdurchſchnitt
zeigt für den Juni eine weitere Senkung, die auch durch die
Kursſteige=
rungen bei der Bekanntgabe des Hoover=Plans nicht ausgeglichen
wer=
den konnte. Die Zahl der Konkurſe iſt im Juni ungefähr auf der
glei=
chen Höhe geblieben wie in den vorhergehenden Monaten, die
Ver=
gleichsverfahren haben etwas abgenommen. Die Geldſätze ſind
bekannt=
lich im Zuſammenhang mit der ſtarken Diskonterhöhung der Reichsbank
bedeutend in die Höhe geſchnellt; bei der Darſtellung der
Monatsdurch=
ſchnittswerte kommt die ganze Höhe dieſer Geldverteuerung noch nicht
voll zum Ausdruck.
Die Ruhrkohlenförderung hat ſich im Juni nicht weſentlich gegen
die vorhergehenden Monate geändert.
Höhere Konkursquote Fränkiſch=Hefſiſche Ein= und Verkaufs=
Genoſ=
fenſchaft. Der Konkurs dieſer Genoſſenſchaft hat nach der erfolgten
Schlußverteilung inſofern für die Gläubiger noch eine Ueberraſchung
gebracht, als ihnen noch eine Nachtragsquote von 11,03 Proz. gezahlt
wird, ſo daß dann insgeſamt 41,03 Proz. zur Ausſchüttung gelangten,
Der Konkurs hat innerhalb der Genoſſenſchaftsbewegung großes
Inter=
eſſe erregt, da die Gründer und Direktoren der Genoſſenſchaft ſich vor
Gericht zu verantworten hatten und auch Freiheitsſtrafen erhielten.
Handelsverkehr mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Der
deutſche Konſul in Seattle, Herr Reinhardt, hält am Freitag, den 31. 7.,
bei der Außenhandelsſtelle für das Rhein=Maingebiet in Frankfurt am
Main, Börſe, Sprechſtunden über die wirtſchaftlichen Verhältniſſe in
ſeinem Amtsbezirk (Staaten Waſhington, Oregon, Idaho, Montana,
Wyoming und Territorium Alaska) ab. Firmen, die an den
Sprech=
ſtunden teilnehmen wollen, werden gebeten, dies der Außenhandesſtelle
für das Rhein=Mcingebiet, Frankfurt a. M., Börſe, bis zum 25. Juli
mitzuteilen, damit eine Verteilung der Beſucher auf die zur Verfügung
ſtehende Zeit ſtattfinden kann.
Amerikaniſche Kabelngchrichten.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 18. Juli:
Getreide. Weizen: Juli 52,50, September 53,50. Dezember
57½; Mais: Juli 59½, September 54, Dezember 46,75; Hafer;
26¾, September 27½, Dezember 29½; Roggen: September
Ju
36,25, Dezember 40.
Schmalz: Juli 7,75, September 7.80, Okt. 7,75. Dez. 7.30.
Speck, loco 8,00.
Schweine: Leichte 7,55—7,80, ſchwere 6,50—6,60;
Schweine=
zufuhren in Chicago 8000, im Weſten 29 000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 18. Juli:
Schmalz: Prima Weſtern 8,50: Talg, extra loſe 33.
Getreide. Mais: loco New York 73½; Mehl: ſpring wheat
clears 4—4,25; Getreidefracht nach England 1,6—2,3 sh, nach
dem Kontinent 8—8½ C.
Vom füddeukſchen Eifenwarkk.
Die kriſenhafte Zuſpitzung am deutſchen Geldmarkt hat auch den
ſüddeutſchen Eiſenmarkt ſtark ungünſtig beeinflußt. Die augenblicklichen
Verhältniſſe machen es dem Handel unmöglich, auf lange Sicht zu dis
ponieren, und man beabſichtigt, nur den gerade anfallenden Bedarf in
Form= und Stabeiſen zu befriedigen. In Blechen und Bandeiſen lag
das Geſchäft ganz darnieder. Insbeſondere das Werksgeſchäft geſtaltete
ſich vollkommen luſtlos. Infolge der vorliegenden Ruſſenaufträge
fin=
den die Werke noch hinreichende Beſchäftigung für einige Wochen. In
den Verbandspreiſen und den Verkaufspreiſen der ſüddeutſchen
Unter=
verbände ſind keinerlei Aenderungen eingetreten und vorerſt auch
nicht=
zu erwarten.
ho=
Produkkenverichte.
Die Butterpreiſe in Deutſchland. Nachdem noch Ende der Vorwoche
die Stimmung an den europäiſchen Buttermärkten recht feſt war, haben
die Vorgänge in der letzten Woche in Deutſchland die Bewegung
unter=
brochen. Die recht beträchtlichen Mengen, die vom Ausland in den
deutſchen Häfen eingetroffen waren, wurden faſt nur gegen Deviſen
frei=
geſtellt. Zum Teil wurde die lagernde Ware ſogar zurückgezogen.
Die
in Deutſchland verfügbaren Mengen wurden dadurch naturgemäß
ge=
ringer, wodurch andererſeits die Preiſe anziehen konnten. Im Ausland
macht ſich das Fehlen der deutſchen Aufträge erheblich bemerkbar. Der
Verkehr war an den deutſchen Handelsplätzen nicht ſonderlich groß. Für
die friſchen Ankünfte konnten mühelos höhere Preiſe erzielt werden. Die
Verſteigerung der Meiereiverbände für Schleswig=Holſtein erzielte
höhere Preiſe, im Durchſchnitt 128,89 gegen 123,28 in der Vorwoche. Der
flotte Verkehr, der bislang mit ſibiriſcher Butter ſtattfand, iſt für uns
in Deutſchland vorläufig ſo gut wie lahmgelegt.
Frankfurter Buttergroßhandelspreiſe. Die ausländiſchen Firmen
haben ſich bereit erklärt, auf Kredit zu verkaufen. Das Ausland iſt
je=
doch allgemein recht zurückhaltend. Das Geſchäft iſt bei der herrſchenden
Situation recht ſtill; man hofft, mit den alten Beſtänden
durchzukom=
men. Preisaufſchläge werden nach Möglichkeit vermieden.
Auslands=
butter 1 Faß (50 Kilo) 160 RM. im halben Faß 162 RM., in
Halb=
pfundſtücken 164 RM. Deutſche Butter 150 RM.
Frankfurter Eiergroßhandelspreiſe. In den letzten Tagen war
in=
folge der Geldmarktſituation ein Nachlaſſen der Kaufkraft zu beobachten.
Die Händler haben den Beſchluß gefaßt, vorläufig für die nächſten Tage
nur Ware gegen Bezahlung in deutſchem Gelde vom Auslande zu
kau=
fen. Der Verkauf von Eiern iſt gegenüber dem Vorjahre um rund 50
Prozent zurückgeblieben. Es notierte in Pfg. pro Stück ab loko
Frank=
furt a. M.: Bulgar, 8,5; Jugoſlaw. 8,5; Rumän. 8; Rußl. 8—7,5;
Holl. 8,25—10; Dän. 8,5—10; Belg. 9,5—10; Bay. 8—8,5; deutſche
Friſcheier 8,25—10,50; in= und ausländiſche Mittel= und Schmutzeier
6,25 bis 6,75 Pfg.
Berliner Produktentendenzbericht vom 18. Juli. Der Regen iſt, wie
im Vorjahre, für die deutſche Ernte ſehr zur Unzeit eingetreten Einige
Gebiete des deutſchen Oſtens haben zwar Nutzen für die Kartoffelernte,
aber die Einbringung der Halmfrüchte erleidet zumindeſtens eine
Ver=
zögerung, wenn nicht gar mit gewiſſen Qualitätsverſchlechterungen zu
rechnen iſt. Das Angebot in allen Getreidearten alter Ernte iſt
gegen=
wärtig ziemlich klein; keineswegs beruht dieſe Tatſache aber auf einer
Zurückhaltung der zweiten Hand, ſondern iſt größtenteils auf die
Wit=
terungseinflüſſe zurückzuführen, andererſeits brauchen auch keine
Be=
fürchtungen hinſichtlich etwaiger Verſorgungskalamitäten gehegt zu
werden, ſchon albein im Hinblick auf die noch vorhandenen
Brotgetreide=
reſerven in öffentlicher Hand, die jetzt ſchon ſeit einiger Zeit dem Markt
zugeführt werden. Die Verſorgungsnachfrage hält an; vereinzelt
wer=
den auch weiter etwas höhere Preiſe ſowohl für Getreide als auch für
Mehl bezahlt.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die zuſtändigen Reichsbehörden haben, wie die Fr. Ztg.
er=
fährt, die Gewährung eines Sondermoratoriums für die
Nord=
deutſche Wollkämmerei abgelehnt. In beteiligten Kreiſen nimmt
man daher an, daß nunmehr ein Konkurs unvermeidlich iſt.
Ebenſo wie das Berliner Polizeipräſidium hat auch die Frankfurter
Polizei für eventuell erforderliche Maßnahmen zur Durchführung der
Notverordnung einen Deviſenkommiſſar, und zwar den
Kriminalkom=
miſſar Römer, der bereits in der Inflationszeit einen ähnlichen Poſten
inne hatte, ernannt.
Auf der Tagesordnung der auf den 18. Auguſt einberufenen
Generalverſammlung der Hanauer Kleinbahn=Geſellſchaft A.=G.
die den Abſchluß für das verfloſſene Geſchäftsjahr genehmigen ſoll,
ſteht weiter Zuſammenlegung des Aktienkapitals. Laut
General=
verſammlung vom 24. November 1924 wurde das Kapital von
750 000 Mk. in voller Höhe auf Reichsmark umgeſtellt.
Die im Juli 1930 von der Stadtgemeinde Baden=Baden und dem
Badenwerk gegründete Städtiſche Werke A.G. Baden=Baden verzeichnet
einen zufriedenſtellenden Geſchäftsgang. Das am 31. März 1931
abge=
laufene erſte Geſchäftsjahr war befriedigend, ſo daß eine Dividende von
9 Prozent ausgeſchüttet werden kann.
Die Offenbacher Fahrradſattel= und Taſchenfabrik E. Lehner A. G.,
Offenbach a. M., ſchließt das Geſchäftsjahr 1930 mit einem Verluſt von
16 466 RM. ab. In der Bilanz erſcheinen Immobilien mit 148 000 Mk.
Warenvorräte mit 22000 Mk., Debitoren mit 6021 Mk., Darlehen mit
46 206 Mk. und Kreditoren mit 5356 Mk. Die G.V. beſchloß, das A.K.
im Verhältnis 2:1 zuſammenzulegen.
Die Badiſche Sauerſtoff=Induſtrie A.G. in Raſtatt erzielte 1930
einen Betriebsüberſchußvo n 172 095 RM., dem Unkoſten, Steuern und
Abſchreibungen von 151 487 RM. gegenüberſtehen, ſo daß ſich ein
Rein=
gewin
n von 20 607 RM. ergibt. Die Bilanz zeigt u. a. Außenſtände
von 2
949 RM., Warenbeſtände von 4230 RM., Darlehen von 30000
RM. und Schulden in Höhe von 60 364 RM.
Die Mechaniſche Bindfadenfabrik Oberachern (Baden), die mit einem
Aktienkapital von 750 000 RM. arbeitet, erhöhte ihren Vorjahresverluſt
von 27 999 RM. im Jahre 1930 auf 161844 RM. Nach Auflöſung des
Reſervefonds von 42000 RM. verbleibt ein vorzutragender Verluſt von
119 844 RM. In der Bilanz erſcheinen Waren mit 498 249 RM.,
Debi=
toren mit 121 657 RM., Akzepte in Höhe von 94 587 RM. und
Kredito=
ren mit 407 384 RM.
Wie der ſchwediſche Zelluloſe=Verband mitteilt, iſt nunmehr
ein endgültiges Abkommen zwiſchen den Zelluloſeerzeugern in
Schwe=
den, Finnland, Norwegen, Deutſchland, Memelgebiet. Deutſch=
Oeſterreich, Tſchechoſlowakei über eine 30 prozentige Droſſelung
der Zelluloſeherſtellung, und zwar mit Wirkung vom 1. Juli bis
30. Juni 1932 zuſtandegekommen.
Die Federal Reſervebank wies am Freitag einen Rekoxd=
Gold=
beſtand von 4965 Millionen Dollar gegenüber 4 548 Millionen
Dollar im Vorjahre aus.
Die Federal Reſerbebank teilt mit, daß der größte Teil der
Gold=Einfuhr im Juni aus Deutſchland gekommen ſei, und zwar
156 Millionen Dollar woraus hervorgeht, wie ſehr bereits im
vergangenen Monat die Kreditzurückziehungen von amerikaniſcher
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Nummer 198
Sonntag, den 19. Juſt 1931
Seite 11
Die Münchener Erſah=Ausſtellung für den niedergebrannken Glaspalaſt.
Zu Bernhard Shaws 75. Geburkskag.
G. B. S. in allen Lebenslagen.
Links: Shaws Erfindung: Das drehbare Sommerhäuschen, das der ſonnenfreudige Dichter
ſtets nach der Sonnenſeite wendet. Rechts oben: Der 75jährige Shaw iſt ein begeiſterter
Waſſerfreund. Rechts unten: Auch ſein Kleinauto ſteuert er natürlich allein.
Die Arktisfahrt des „Graf Zeppelin”
findet ſtakl.
Friedrichshafen. Auf eine Anfrage an
den Luftſchiffbau Zeppelin, ob. angeſichts der
gegenwärtigen ſchwierigen Situation, die zur
Abſetzung der Englandfahrt des „Graf
Zeppe=
lin” geführt hat, auch die geplante Arktisfahrt
aufgegeben würde, teilt dieſer mit, daß eine
ſolche Maßnahme nicht beabſichtigt iſt und im
gegenwärtigen Stadium der Vorbereitungen
auch nicht mehr möglich erſcheint. Die
Polar=
ausrüſtung, ſo wird von ihm berichtet, iſt
be=
reits vollſtändig beſchafft, und die nötigen Um=
und Einbauten am Luftſchiff ſind ausgeführt
worden. In Leningrad ſind von der ruſſiſchen
Regierung mit erheblichem Koſtenaufwand die
Vorbereitungen getroffen worden. Zwei
Ameri=
kaner und ein Schweizer Gelehrter ſind ſeit
einigen Tagen ſchon in Friedrichshafen, neben
den drei ruſſiſchen Gelehrten, die ganz beſonders
für die Durchführung der Fahrt in Betracht
kommen. Im beſonderen iſt aber darauf
hinzu=
weiſen, daß die Expedition zum weitaus
größ=
ten Teil vom Auslande finanziert wird und
der von einem deutſchen Verlag zur Verfügung
geſtellte Betrag nur einen unbedeutenden Teil
der großen Koſten ausmacht. Den noch
fehlen=
den geringen Reſtbetrag wird man nach Anſicht
des Luftſchiffbaues beſtimmt durch die
Poſtbe=
förderung hereinbringen. Reichsmittel werden
überhaupt nicht mehr in Anſpruch genommen
werden. Solches wird feſtgeſtellt, iſt auch in
keinem Stadium der Vorbereitungen ins Auge
gefaßt worden.
Der Direktor des Kadewe verunglückt.
Berlin. Der Direktor des Kaufhauſes des
Weſtens Emil Weile iſt geſtern nachmittag gegen
16 Uhr bei einem Automobilzuſammenſtoß an
der Kreuzung der Motz= und Bamberger Straße
ums Leben gekommen.
Vier weitere Todesopfer des Budapeſter
Hauseinſturzes.
Budapeſt. Im Laufe der
Aufräumungs=
arbeiten des zuſammengeſtürzten Neubaues
wur=
den aus den Trümmern vier tote Arbeiter
ge=
borgen.
Amerikaniſche Flieger wollen einen
neuen Weltflugrekord aufſtellen.
Die amerikaniſchen Flieger Hugh Herndon (links)
und Clyde Pangborn
wollen verſuchen, den Weltflugrekord Poſt und
Gattys, die in 8½ Tagen um die Erde flogen,
zu brechen. Sie benutzen dazu eine
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maſchine, mit der ſie 8000 Kilometer ohne
Lan=
den und Zwiſchentanken fliegen können und die
eine Durchſchnittsgeſchwindigkeit von 200
Kilo=
meter pro Stunde leiſtet.
Eingang zu der neuen Ausſtellung im Deutſchen Muſeum.
Durch tatkräftige Unterſtützung von amtlichen Stellen und privaten Kunſtfreunden iſt in den
Räumen des Deutſchen Muſeums in München eine Ausſtellung von Werken der Künſtler eröffnet
worden, die durch den Brand des Glaspalaſtes ihrer Werke beraubt wurden. Der Erlös der
Ausſtellung ſoll den Grundſtock für die Neuerrichtung des Glaspalaſtes bilden.
Räume der Staatsanwaltſchaft, in denen ſich
wichtiges Aktenmaterial befand, wurden
ver=
nichtet. Weitere Akten ſind durch das Waſſer bei
den Löſcharbeiten zerſtört worden. Die
Mann=
ſchaften der Freiwilligen Feuerwehr und der
Eiſenbahner reichten zur wirkſamen Bekämpfung
des Feuers nicht aus, ſo daß Mannſchaften des
Inf.=Reg. Nr. 9 zur Hilfeleiſtung herangezogen
werden mußten.
Die Beiſetzung des Erzbiſchofs Söderblom.
Erzbiſchof Nathan Söderblom wurde am
Samstag mittag in der Kirche zu Upſala
beige=
ſetzt. Der König von Schweden, das ſchwediſche
und norwegiſche Kronprinzenpaar, die belgiſche
Kronprinzeſſin, Prinzeſſin Margarete von
Däne=
mark und Vertreter der chriſtlichen Kirchen aus
beinahe allen Kulturländern waren zugegen.
Aus Deutſchland u. a. Biſchof Ihmela. Der Sarg
wurde von Studenten aus den
Landsmannſchaf=
ten, deren Inſpektor der Verſtorbene geweſen iſt,
aus der erzbiſchöflichen Reſidenz in den Dom
getragen. Auf dem Wege bildeten große
Men=
ſchenmengen Spalier. Domprobſt Profeſſor
Bri=
lioth, der Schwiegerſohn des Erzbiſchofs,
ver=
richtete das Begräbnis.
Oben links: Luftſchiff „Graf Zeppelin”. Rechts: Dr. Hugo Eckener. Unten links: Profeſſor
Samoilowitſch, der ruſſiſche Arktisforſcher. Rechts: Der ruſſiſche Eisbrecher „Malygin”, mit dem
„Graf Zeppelin” in der Arktis zuſammentreffen wird.
Am 24. Juli ſtartet „Graf Zeppelin” von Friedrichshafen zu ſeiner Reiſe ins Polargebiet. Bei
den Wein=Inſeln ſoll das Luftſchiff mit dem ruſſiſchen Eisbrecher „Malygin” zuſammentreffen und
Poſt austauſchen, bei den Kamenew=Inſeln iſt eine Anbordnahme des ruſſiſchen Profeſſors
Oranzew vorgeſehen.
dur Arttisjahrt des „Graf deppeln.
Berlin
R.
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Arktis=Karte mit der vorausſichtlichen Flugroute des „Graf Zeppelin”.
Geſtändige Brandſtifterin.
Kirchhain. Als am Mittwoch abend ein
erſt im vorigen Jahr neu erbautes Wohnhaus in
Langenſtein (Kreis Kirchhain) bis auf die
Grundmauern niederbrannte, vermutete man
ſofort auf Grund verſchiedener Anzeichen
Brand=
ſtiftung. Der Verdacht lenkte ſich auf die
Eigen=
tümerin des Hauſes, die Ehefrau Kratz, die auch
nach ihrer Einlieferung in das Marburger
Ge=
fängnis ein Geſtändnis ablegte. Sie lebte
an=
geblich mit ihrem Manne in unglücklicher Ehe
und ſollte das Haus verlaſſen. Um auch ihrem
Ehemann das Heim zu nehmen, ſetzte ſie das auf
dem Boden befindliche Stroh mit einer Kerze
in Brand.
Das Stargarder Gericht in Flammen.
Berlin. Wie aus Stargard (Pommern)
gemeldet wird, ſchlug während eines heftigen
Gewitters geſtern nachmittag ein Blitz in das
am Gerichtsplatz liegende Landgerichtsgebäude
ein, das gleich darauf in hellen Flammen ſtand.
Der Dachſtuhl ſowie der linke Flügel des dritten
und des zweiten Stockwerkes ſind völlig
ausge=
brannt. Der Schwurgerichtsſaal und mehrere
Reich und Ausland.
Schweres Autounglück in der Pfalz.
Neuſtadt a. d. H. Freitag abend gegen
21 Uhr fuhr auf der Schöntaler Straße nach
Neuſtadt das Auto des Kommerzienrates
Engel=
mann (Mitbeſitzer der Papierfabrik Hoffmann
u. Engelmann, Neuſtadt a. d. H.) auf ein
Lang=
holzfuhrwerk des Fuhrwerkbeſitzers Pfaff von
hinten mit ſolcher Wucht auf, daß ein
Langholz=
ſtamm das Auto vollſtändig durchbohrte und
noch zwei Meter hinter dem Auto herausragte.
Die im Wagen ſitzende Frau des
Kommerzien=
rates wurde an Hals und Bruſt durch den
Holz=
ſtamm derart gequetſcht, daß ſie kurz darauf
ſtarb. Die Urſache des Unglücks iſt darauf
zu=
rückzuführen, daß, wie feſtgeſtellt wurde, das
Langholzfuhrwerk nur am Wagen und nicht, wie
es Vorſchrift iſt, auch am Ende der
Langholz=
ladung beleuchtet war. Das Auto mußte kurz
vorher einem anderen Auto ausweichen und
hatte deshalb abgeblendet, was ebenfalls dazu
beigetragen hat, daß der Chauffeur das
Lang=
holzfuhrwerk nicht wahrnehmen konnte. Der
im Auto ſitzende Kommerzienrat wurde durch
Glasſplitter leicht verletzt, während der
Chauf=
feur völlig unverletzt blieb.
Verhaftung von Karl und Heinz Lahuſen.
Bremen. Nachdem die mit großer
Beſchleu=
nigung durchgeführten Ermittlungen des
Unter=
ſuchungsrichters in Sachen Lahuſen nunmehr zu
dem Ergebnis geführt haben, daß dringender
Tatverdacht beſteht, daß nicht nur, wie bisher
angenommen, Vergehen gegen die Beſtimmungen
des Handelsgeſetzbuches, ſondern darüber hinaus
Konkursverbrechen und Betrug durch Führung
von Geheimkonten, falſchen Buchungen und
ins=
beſondere Einſtellung fingierter Forderungen in
Frage komme, iſt am Freitag nachmittag auf
Antrag der Staatsanwaltſchaft der Haftbefehl
gegen die Angeſchuldigten Karl und Heinz
La=
huſen erlaſſen und vollſtreckt worden, weil
nun=
mehr Fluchtverdacht geſetzlich begründet iſt.
Helbſtſchuß der arbeikswilligen
Skudenken an der Berliner Univerſikät
Ein Mitglied des Selbſtſchutzes kontrolliert
die Ausweiſe.
Die arbeitswilligen Studenten aller Parteien
an der Berliner Univerſität haben einen
Selbſt=
chutz gebildet, um die Wiederholung von
poli=
iſchen Zuſammenſtößen innerhalb der
Univer=
ität unmöglich, zu machen. Vor allem ſollen
remde Elemente von der Univerſität
ferngehal=
ten werden.
Seite 12
Sonntag, den 19. Juli 1931
Nummer 198
Saoet. Shiee und aben
Großer Preis von Deutſchland
für Aukomobile.
47 Wagen auf dem Nürburgring. — Die beſten europäiſchen
Rennfahrer am Start.
Vierzehn Tage nach den großen Motorradrennen iſt der
Nürburg=
ring an dieſem Sonntag den Automobilen vorbehalten. Der Große
Preis von Deutſchland für Wagen, der im vorigen Jahre ausfallen
mußte, erlebt eine Wiederauferſtehung, wie man ſie ſich imponierender
nicht denken kann. Mit 47 Nennungen hat das Rennen eine Beſetzung
erfahren, wie ſie bisher noch in keinem „Großen Preis” von Europa zu
verzeichnen war. Aber nicht nur die quantitative Beſetzung, ſondern
ge=
rade die qualitative Beteiligung wird dem Nürburgring ſeinen bisher
größten Renntag beſcheren. Die beſten Automobilrennfahrer aus
Deutſchland, Frankreich, Italien England, ja ſogar aus Amerika
kom=
men nach der idealen Rennſtrecke in der Eifel. So fehlt nur noch die
Gunſt des Wettergottes; wenn am Sonntag die Witterung auch nur
einigermaßen günſtig iſt, dürfte der Nürburgring vielleicht auch ſeinen
bisher größten Publikumserfolg zu verzeichnen haben.
Unter den 47 gemeldeten Wagen befinden ſich 13 deutſche Fabrikate
nämlich 7 Mercedes=Benz. 3 DKW. 1 BMW. und 1 Neander. Mit
insgeſamt 22 Wagen ſtellt Frankreich allerdings eine ſtärkere Streitmacht,
darunter befinden ſich allein 10 Bugattifabrikate, ſowie mehrere Wagen
der Firmen Amilear und Salmſon. Die italieniſche Firma Maſerati
ſcheint mit ganz beſonderen Abſichten nach dem Nürburgring zu
kom=
men, denn ſie entſendet gleich vier Wagen mit den beſten Fahrern. Aus
Italien kommen außerdem noch zwei Wagen anderen Fabrikates.
Eng=
and iſt mit fünf, und Amerika mit einem Wagen (Shaſers) vertreten.
Das Verhältnis der Fahrer zeigt ein etwas anderes Bild: hier
ran=
gieren Deutſchland und Frankreich mit je 15 Mann an der Spitze; es
folgen Italien mit 7. England mit 4, ferner mit je einem Fahre,
Oeſterreich, Spanien, Amerika, Belgien, die Schweiz und die
Tſchecho=
ſlowakei.
Die deutſchen Motorſportfreunde wird natürlich in erſter Linie das
Abſchneiden des ſtarken Mercedes=Benz=Aufgebotes intereſſieren, deſſen
Fahrer ſchon ſeit eimigen Tagen im Training ſind. Hier finden wir den
vielfachen Sieger auf Mercedes=Benz: Rudolf Carraciola, den
europäi=
ſchen Bergmeiſter H. Stuck, ferner Manfred von Brauchtiſch, Spandel=
Nürnberg, Fürſt Hohenlohe=Jagſtfeld, Momberger=Frankfurt, Werner,
Walb und Merz. Drei DKW.=Frontantrieb=Maſchinen ſehen Simons,
Theiſen und Bauhofer am Steuer, während ein 1000er DKW. von
In=
genieur Macher=Berlin gefahren wird. Von den deutſchen Bewerbern
iſt außerdem noch der DKW.=Kompreſſor mit Weichelt zu erwähnen.
Demgegenüber ſteht ein gewaltiges Aufgebot an ausländiſchen
Fahrzeu=
gen, z. T. auch beſetzt mit beſten deutſchen Fahrern. So von Morgen
und Burggaller auf Bugatti. Dann kommt die franzöſiſche Bugatti=
Mannſchaft mit Chiron, dem Sieger von 1929, Varzi, Divo und
Bou=
riat, ferner Lehoux, Zanelli, Wimille und Eart Howe, ſowie endlich
Jvanovſky=Paris, der einen Mercedes=SSK. fährt. Zum erſten Male
in der Geſchichte des europäiſchen Rennſports kommt auch ein
Ameri=
kaner, Shafer auf Shafer=Spezial. Bei einem Vergleich dieſer
unge=
wöhnlich ſtarken Beſetzung der erſten Wertungsgruppe muß man
aber=
mals ein Duell zwiſchen Mercedes=Benz und Bugatti erwarten, das ſich
diesmal aber zu einem Dreikampf ausgeſtalten wird, da man den
italie=
niſchen Vertretern von Maſerati und Alfa Romeo allererſte Ausſichten
zuſprechen muß. Beſonders das Maſerati=Team umfaßt mit Fagioli,
Drehfuß, Biondetti und dem berühmten Engländer Sir H. Birkin
Fah=
rer von wirklicher Klaſſe.
Die mit 23 Fahrzeugen nicht weniger ſtark beſetzte zweite
Wertungs=
gruppe ſieht u. a. auch eine Neukonſtruktion des bekannten Ingenieurs
Neander, die von Volkhardt=Düſſeldorf geſteuert wird, im Wettbewerb.
Es folgen ſieben Amilear mit Steinweg, Graf Arco Zinneberg, Loridant,
Scaron, Frings, Benoit und Rouleau. Auf Riletz erſcheint der
Eng=
länder Dudleyz Froy, auf Salmſon u. a. Graf Premoli, Decaroli und
Canotti. Ein DKW., zwei Auſtin, zwei Midget beſetzt mit Urban=
Em=
merich und Capt. F. H. S. Samuelſon, ein BMW. und die drei bereits
erwähnten OKW. Frontantrieb vervollſtändigen die Liſte der kleinen
Wagen. — Die 24 Wagen der großen Klaſſe haben 22 Runden: 500 Klm.,
die der kleinen Klaſſe 18 Runden: 433 Klm. zu fahren. Das Rennen
beginnt morgens um 10 Uhr und dürfte gegen 3 Uhr beendet ſein.
Rund um Schokken.
3. Lauf um die Deutſche Mokorrad=Meiſterſchaft.
Ueber 120 Fahrer gemeldet.
Das am 19. Juli auf einer zwölfmal zu durchfahrenden 17,4
Kilometer langen Rundſtrecke bei Schotten (Oberheſſen) vom
Vogelsberger Automobil= und Motorradklub (DMV.) zum achten
Male wiederholte Motorradrennen, bei dem alljährlich über
50 000 Zuſchauer feſtgeſtellt wurden, iſt auch diesmal als dritter
und vorletzter Lauf zur Deutſchen Motorradmeiſterſchaft für alle
Kategorien ausgeſchrieben und verſpricht ſowohl nach den mit
Unterſtützung der Heſſiſchen Regierung getroffenen
Vorbereitun=
gen wie auch der Quantität und Qualität der eingelaufenen
Mel=
dungen ein motorſportliches Ereignis allererſten Ranges zu
wer=
den, deſſen Bedeutung nicht hinter der des am gleichen Tage
aus=
getragenen Automobilrennens auf dem Nürburgring zurückſteht.
Nahezu 150 Meldungen liefen aus allen Teilen des Reiches
ein, eine Meldeziffer, die bisher noch von keinem Motorradrennen
erreicht wurde und deshalb als eine Rekordziffer angeſprochen
werden muß. Der Veranſtalter ſah ſich gezwungen, dieſen
Nen=
nungsſtrom zu ſtoppen, um die Rennſtrecke nicht zu überlaſten.
Deshalb wurden alle Nennungen, die die Zahl 120 überſteigen,
zurückgewieſen. Die zugelaſſenen 120 Teilnehmer unterteilen ſich
in 56 Lizenz= und 64 Ausweisfahrer.
Es werden drei Rennen gefahren: 1. Rennen für Maſchinen
mit Beiwagen, das nur von Lizenzfahrern beſtritten werden kann,
die beſten Beiwagenfahrer wie Kürten, Ehrlenbruch, Schneidt,
Weyres, Kahrmann, Möritz uſw. ſind hier am Start. Das
Ren=
nen führt über 3 Runden — 52 Kilometer; 2. Rennen für
Aus=
weisfahrer, die zwei Runden — 348 Kilometer zu abſolvieren
haben: 3. Meiſterſchaftsrennen der Kategorien bis 250, 350, 500
und über 500 ccm.
Das Meiſterſchaftsrennen
beginnt um 12,15 Uhr und weiſt folgende Beſetzung auf: In der
Kategorie bis 250 ccm; Klein=Frankfurt (Horex), Kahrmann=
Fulda (Herkules), das DKW.=Team Geiß=Pforzheim. Heide=
Wei=
denau, Krumm=Zeppenfeld und Kohfink=Bietigheim, die
Ardie=
fahrer Reuter=Sinzheim und Thomann=Vaihingen, ſowie
Raufen=
barth=Oberurſel (Bücker) und Plapp=Hanau (Herkules)
In der Kategorie bis 350 ccm haben gemeldet: Schul=
Frank=
furt (Norton), Frhr. v. Schoeler=Berlin (Rudge), Bertholet=Köln
(Rudge), das Imperiateam Loof=Godesberg, Schminke=Godesberg,
Schanz=Godesberg und Lohmann=Corbach, Ley=Nürnberg (
Tri=
umph) Claes=Bonn (UT.). Ahlswede=Hamburg (AJS.). Graf
Henckel (AJS.), Schneider=Düſſeldorf (Velocette), Ströh=
Ham=
burg (Norton), Herbert=Nürnberg (Viktoria)
In der Halbliterklaſſe, in der die ſchnellſte Zeit des Tages
gefahren werden dürfte, ſtarten: Huth=Breslau (NSU.), Klein=
Frankfurt (Horex), Bauhofer=München, Ferley=Eſſen und Frentzen=
Bonn (DKW.) Pätzold=Köln (Sarolea), Soenius=Köln (
Motoſa=
coche), Franke=Dresden (OD.) und Fleiſchmann=Nürnb. (Triumph).
In der Kategorie über 500 cem ſind gemeldet: Jecker und
Weyres=Aachen (beide auf Harley) Prelle=Altenhagen Teich=
Koelzin, Roeſe=Düſſelſdorf und Kratz=Oberohmen (alle auf BMW.).
Rüttgen=Erkelenz (NSU.) und Hiller=Feuerbach (Gillet).
in deren Punkttabelle Ruth
Bis auf die Halbliterklaſſe,
(NSU.) durch zwei Siege mit 10 Punkten und 5 Punkten
Vor=
ſprung führt iſt in allen anderen Kategorien die Lage noch völlig
ungeklärt. Es dürfte jedoch anzunehmen ſein, daß Seiß in der
Kategorie bis 250 ccm einen Punktvorſprung vor Kahrmann
er=
zielt. — In der Kategorie bis 350 ccm hat der Godesberger Loof,
der in der Meiſterſchaftstabelle mit einem Punkt Vorſprung führr,
ſich die Unterſtützung einer ganzen Fabrikmannſchaft geſichert.
In der Kategorie bis 1000 ccm leidet der führende Preſſe an
Sturzverletzungen, ſo daß Roeſe, ſcharf bedroht von Rüttgen, zum
Siege kommen, ſollte.
Die 8. Nakionalen Jugend=Wekkkämpfe
des Hofereis 2e Zurmſal.
Heute vormittag um 9 Uhr werden im Stadion am
Böllen=
falltor die Kämpfe unſerer Jung=Leichtathleten beginnen. Viel
Arbeit wird an dieſem Vormittag zu leiſten ſein, bis die Beſten
feſtſtehen, die die Entſcheidungen der 8. Nationalen Jugend=
Wett=
kämpfe nachmittags ab 3 Uhr beſtreiten werden. Die
Teilnehmer=
zahlen in den einzelnen Diſziplinen ſind teilweiſe erſtaunlich. So
werden im 100=Meter=Lauf der Klaſſe 4 insgeſamt 48 Läufe zu
den Vorläufen antreten, über 200 Meter ſind es 30 und über 1500
Meter werden bei 32 gemeldeten Teilnehmern gar Vorläufe
er=
forderlich. Auch die 3000 Meter haben mit 30 Läufern eine ganz
erſtklaſſige Beſetzung gefunden. 24 Diskuswerfer müſſen am
Vor=
mittag ihre Beſten ermitteln; auch 20 Hochſpringer kämpfen um
die Teilnahme an der Entſcheidung. Der Dreikampf dieſer Klaſſe
und auch das Kugelſtoßen ſind ſehr ſtark beſetzt. Ueber 400 Meter
wird durch die große Teilnehmerzahl die Vorentſcheidung ſehr
hart werden. Die ſtärkſte Beteiligung hat mit dieſen Zahlen die
Klaſſe 4 aufzuweiſen, aber auch die B=Klaſſe ſieht über 100 Meter
27 und über 200 Meter 15 Läufer am Start. In dieſer Klaſſe ſind
die Mittelſtrecken ebenfalls ausgezeichnet beſetzt, ebenſo der
Weit=
ſprung, das Speerwerfen und der Dreikampf. In der C=Klaſſe
werden unſere, jüngſten Leichtathleten 21 Sprinter ſtellen, die
außerdem nicht nur den Weitſprung und das Ballweitwerfen,
ſon=
dern zumeiſt auch noch den Dreikampf beſtreiten. Die
Entſcheidun=
gen in den Dreikämpfen werden bereits im Laufe des Vormittags
fallen, alle anderen Entſcheidungskämpfe werden am Nachmittag
abgewickelt.
Eine ſehr gute Beſetzung, die beſonders ſpannende und
inter=
eſſante Kämpfe erwarten läßt, haben auch die verſchiedenen
Staf=
feln aufzuweiſen. Die 4mal 100=Meter=Staffel wird in den drei
Klaſſen gelaufen. Die 3mal 1000=Meter=Staffel der 4=Jugend und
auch deren Olympiſche Staffel verſprechen eine Delikateſſe zu
wer=
den. Daß die Schwedenſtaffel der B=Jugend nicht viel nachſtehen
wird, iſt bei ihrer guten Beſetzung klar. Heiß umſtritten wird
wieder einmal der Sieg in der 10mal ½=Runde=Staffel zum
Ab=
ſchluß ſein. Wir freuen uns auf dieſe beſtimmt prachtvollen
Kämpfe unſerer Jung=Leichtathleten, denen hoffentlich gutes
Wet=
ter beſchieden iſt. Wir wünſchen dieſen 8. Nationalen Jugend=
Wettkämpfen des Sportvereins 98 Darmſtadt einen ſchönen
Ver=
lauf und nicht zuletzt auch einen guten Beſuch. Die Leiſtungen
unſerer Jugend ſind den Gang nach dem Stadion am
Böllenfall=
tor zweifelsohne wert.
* Fußball im Kreis Skarkenburg.
Der Darmſtädter Kreistag brachte dem Kreis eine neue Führung.
In Verfolg der Verwaltungsreform im Süddeutſchen Fußball=
und Leichtathletikverband hat in Darmſtadt der erſte, Kreistag
des neuen Kreiſes Starkenburg ſtattgefunden. Neuer” Kreis iſt
inſofern etwas zuviel geſagt, als das Kreisgebiet das alte
ge=
blieben iſt; die Neuerung wirkt ſich ſo aus, daß die bisherigen
beiden Gaue Bergſtraße und Dreieich verſchwinden und der Kreis
zum erſtenmal als verwaltungstechniſche Inſtanz in Kraft tritt.
Neu oder wieder hinzugekommen iſt lediglich Germania
Ober=
roden als Kreisligaverein, und ferner iſt durch den Beitritt des
FV. Trebur ein weiterer Verein mehr gewonnen worden. In
dieſem Zuſammenhang iſt ſchließlich noch zu regiſtrieren, daß der
Kreis annähernd 60 Vereine (vier Bezirksliga, 14 Kreisliga und
der Reſt untere Klaſſen) umfaßt. Sehr ſtark hat ſich die ohnehin
ſchon im Bezirk führende Handballbewegung des Kreiſes
ent=
wickelt; zu den ſchon beſtehenden Mannſchaften ſind zwei neue
Ver=
eine hinzugekommen und in weiteren vier Fußballvereinen
wur=
den Handballabteilungen neu gegründet. In der Leichtathletik iſt
der Kreis in der Gruppe Heſſen dominierend, was auch,
verhält=
nismäßig gewertet, für den ganzen Bezirk der Fall ſein dürfte.
Zu der Darmſtädter Tagung waren zirka 40 Vereine
er=
ſchienen. Da die Kreisleitung ſchon ſeit Jahren in beſten Händen
liegt, wickelte ſich der Kreistag ohne größere Schwierigkeiten ab.
ein Beweis des gegenſeitigen Vertrauens zwiſchen Vereinen und
Führung. Aus der Tagung ſelbſt ſeien hier nur die weſentlichſten
Punkte angeführt. Die Situation bei der Bezirksliga (SV. 98
Darmſtadt. 1. FC. Langen. Viktoria Urberach und Viktoria
Wall=
dorf) iſt bekannt, ebenſo, daß die Kreisliga im kommenden Jahr
mit 14 Vereinen ſpielt, von denen drei ab= und dafür zwei
auf=
ſteigen bis nach zwei Jahren die Zahl 12 im Kreis erreicht iſt.
Wegen des Beginns der Verbandsſpiele findet noch einmal eine
Ausſprache der Kreisleitung mit den Vereinen ſtatt. Die B=Klaſſe
im Kreis ſoll aufgehoben werden ſo daß die unteren Klaſſen im
Kreis als Sammelklaſſe ſpielen. Dieſe ſoll — wie ſchon im
Vor=
jahr — in drei Gruppen (Dreieich, Odenwald und Bergſtraße=Ried)
ſpielen. Auch hierüber wird noch Näheres bekanntgegeben
werden.
Die Entlaſtung der alten Behördenmitglieder erfolgte
ein=
ſtimmig, und ſo gingen auch die Neuwahlen ziemlich reibungslos
vonſtatten. Da der alte Kreisvorſitzende, Herr Dröll (ASC.
Darmſtadt), vom Verbandsvorſtand als Vorſitzender des neuen
Gruppengerichts Heſſen in Ausſicht genommen iſt ebenſo der
frühere Vorſitzende des Dreieichgaues, Zeng=Egelsbach, als
Bei=
ſitzer, ſo ſchieden beide genannte Herren von vornherein für eine
Wahl aus. Vorgeſchlagen als Kreisvorſitzender wurde der frühere
Vorſitzende des Gaues Bergſtraße, Schäfer (SV. Groß=Gerau),
der auch einſtimmig gewählt wurde. Ebenſo einſtimmig erfolgte
die Wiederwahl von Wolff (Germania Pfungſtadt) als
Kreis=
ſpielwart (Handball), und von Lindner (SV. 98 Darmſtadt)
als Kreisſportwart (Leichtathletik). Die weiteren Aemter
wur=
den wie folgt beſetzt: Erlewein (Haſſia Dieburg)
Kreis=
jugendobmann Lohr (FV. Sprendlingen) Jugendbeiſitzer,
Müller (Viktoria Griesheim) Schiedsrichterbeiſitzer, Meyer
(Polizei=SV. Darmſtadt) Klaſſenleiter Gruppe Odenwald. Die
Leitung der übrigen Klaſſen wird von den gewählten Herren nach
Ausſprache vorgenommen werden.
Alles in allem darf man von dem erſten Kreistag des Kreiſes
zufrieden ſein, und da auch die Leitung des Kreiſes in guten
Händen liegt, ſo ſollte ſeine Entwicklung eine ſtetige ſein.
Waſſerball.
Am Sonntag, den 26. Juli, ſpielen Jung=Deutſchland Darmſtadt
und der Württembergiſche Meiſter. SV. Göppingen, im Vorſpiel um
die Weſt=Grmppenmeiſterſchaft. — Am Dienstag, den B. Juli, ſpielt
Jung=Deutſchland in einem Freundſchaftstreffen gegen den
Oeſterreichi=
ſchen Meiſter W.A.C. Wien. Man iſt in eingeweihten Kreiſen geſpannt,
wie die erſte Mannſchaft von Jung=Deutſchland die gewiß ſchweren
Spiele überſtehen wird. Wir werden noch darauf zurückkommen.
Helen Madiſon (U. S.A.) ſtellte im 1500=Meter=
Freiſtilſchwim=
men mit 23.17,4 Min. einen neuen Weltrekord auf.
Am zweiten Tage der internationalen bayeriſchen
Tennismeiſter=
ſchaften in München war das Wetter ſehr ſchlecht. Am Vormittag konnte
überhaupt nicht geſpielt werden, und am Nachmittag kamen lediglich
einige Einzelſpiele zur Durchführung. Mit den Doppel=Konkurrenzen
kann erſt am Sonntag begonnen werden. Immerhin ſind im Damen=
Einzel bereits die Teilnehmer an den Vorſchlußrunden ermittelt worden
und bei den Herren ſtehen die „letzten Acht” feſt.
Das diesjährige 7. internationale Rennen auf den Schauinsland
weiſt ein Rekordnennungsergebnis von rund 190 Meldungen ſchon beim
erſten Nennungsſchluß auf. Damit ſind die erſten Nennungsergebniſſe
aller, bisherigen Jahre weit übertroffen worden. Nur noch acht Tage
trennen uns von der wichtigſten internationalen Sportveranſtaltung.
Die 16. Etappe der franzöſiſchen Radrundfahrt wurde am Samstag
mit der nur 102 Kilometer langen Etappe von Gab nach Grenoble
fort=
geſetzt. Nachdem auch noch der Belgier Ghyſſels wegen ſeiner
Sturz=
verletzungens aufgegeben hatte, gingen noch 47 Fahrer an den Start.
Gleich zu Beginn der Etappe war der 1256 Meter hohe Col Bayard zu
überwinden, deſſen Abfahrt als beſonders gefährlich bekannt iſt. Nach der
Hälfte des Rennens bildeten ſich in einer kurzen, aber heftigen Jagd
zwei Gruppen, die getrennt dem Ziele zuſtvebten. In der erſten Gruppe
gewann wieder einmal der Franzoſe Charles Pelliſſier den Endſpurt
nach einer Fahrzeit von 3:31,43 Std, ſehr knapp vor dem Deutſchen
Handball.
Turnverein Offenbach-Turngemeinde Darmſtadt 1846, 1. und 2. Mſch.
Heute nachmittag 4 Uhr empfängt die erſte Mannſchaft der Tgde. 46
die erſte Mannſchaft des Turnvereins Offenbach auf dem Platze der
Turngeſellſchaft Darmſtadt, Kranichſteiner Straße. Offenbach, der
Kreisklaſſe angehörend, konnte vor vier Wochen das Vorſpiel dortſelbſt
überzeugend für ſich entſcheiden (9:5). Allerdings mußten die 46er mit
Erſatz antreten, und werden es deshalb nicht unverſucht laſſen, das
Rück=
ſpiel für ſich zu entſcheiden. Dies kann ſelbſtverſtändlich nur geſchehen,
wenn jeder Einzelne vom Siegeswillen beſeelt iſt und ſein Möglichſtes
tut, und dann kann der Erfolg nicht ausbleiben. Vor dem Spiel der
erſten Mannſchaften ſtehen ſich die zweiten Manrſchaften vorgenannter
Vereine gegenüber. Es iſt mit zwei ſchönen Spielen zu rechnen, und
jeder, der Zeuge ſein wird, wird den kleinen Nachmittagsſpaziergang
nach dem Sportplatz Kranichſteiner Straße nicht bereuen.
Rhönradſportgeſellſchaft Darmſtadt.
Seit 1. Juli hat ſich in Darmſtadt eine neue Vereinigung gebildet,
welche aus der 1. Darmſtädter Rhönſportriege und Freunden des
ſchö=
nen Rhönradſportes ſich zuſammenſetzt. Die Uebungsabende ſind
Mitt=
wochs und Freitags, abends ab 8.30 Uhr, im großen Saale des
Chauſſe=
hauſes (Heidelberger Straße); auch können an dieſen Abenden noch
An=
meldungen zur RSGD., dem Patenverein der Rhönradſportgeſellſchaft
Würzburg, erfolgen. Zu dem am 5. Auguſt beginnenden Kurſus für
Anfänger (erſter Lehrgang) liegt bis 31. Juli eine Einſchreibliſte an
den Uebungsabenden auf. — Die Rhönradſportgeſellſchaft Darmſtadt
pflegt Turnen und Gymnaſtik an und in dem Rhönrad zur körperlichen
und geiſtigen Ertüchtigung. — Die Leitung der Uebungsabende iſt durch
geeignete Lehrkräfte in ſicheren Händen, denen langjährige Erfahrung
auf Tarnieren zugrunde liegt.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Gleichbleibende Werktags=Programim. 5.55: Wetter. Gymnaſtik.
6.30: Gymnaſtik. o 7.25: Wetter, o 8.30: Waſſerſtand.
11.50: Zeit, Uirtſchaftsmeldungen, Programm. o 12.00: Konzert.
6 12.4: Nachrichten, Wetter, Programm. o 13.05: Konzert
(Fortſetzung). o 13.50: Nachrichten. 14.00: Werbekonzert.
15.05: Zeit, Wirtſchaftsmeldungen. o 15.15: Gießener
Wetter=
bericht. 16.20 und 18.00: Wirtſchaftsmeldungen.
Sonntag. 19. Juli.
7.00: Bremer Hafenkonzert; Großes Geläute v. Bremer Dom.
8.15: Kaſſel: Morgenfeier.
10.00: Nürburgring: Internatl. Rennen des A. v. D.; Großer Preis
von Deutſchland für Wagen: Staffelreportage; Am Start.
11.30: W. Weyrauch: „Senſenmänner”.
12.00: Schallplattenkonzert.
13.20: 1. Kurze Erörterungen zur bevorſtehenden Getreideernte.
2. Das Schönen des Weines. — 3. Vermehrung d. Erdbeeren.
3.30: Nürburgring: Während des Rennens.
14.00: Wolfshagen: Siebenhundertjahrfeier der Stadt Wolfshagen.
14.15: 1 K. Buſemann: Was geht in der Welt vor und was geht
es mich an?
2. Landwirtſchaftsrat Zimmer:
Stoppelbearbei=
tung und Zwiſchenfruchtbau.
: Stunde der Jugend: Kaſperletheater.
1630: Nachmittagskonzert: Mitw.: Hilde Kefer=Bluthardt (
So=
pran), H. Lingor (Tenor), O. Seyfert Flügeh.
18.00: Kurze Proſa von Friedrich Burſchell.
1825: Dr. Schmitt: Papſttum und ſoziale Frage von Leo 13, bis
zu Pius 11.
18.50: Gewerbeoberlehrer Eberhard: Der unbekannte Wilh. Buſch.
Wetter für die Landwirtſchaft, Sportnachrichten.
19.20:
19.30: Der Deutſche im Ausland: Ein kleiner Reiſe=Knigge. — K.
Edſchmid: 5. In fremden Kontinenten.
20,05: München: Konzert des Rundfunkorcheſters: Sol.: W.
Dom=
graf=Faßbaender GBariton), Gertrud Schuſter=Woldan (Violinel,
22.00: Zeit, Wetter, Nachrichten, Sport.
22.30: Berlin: Tanzmuſik der Kapelle Alfred Beres.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Gleichbleibendes Werktags=Programm. 5.45.
7.00, 18.55: Zeit, Wetter für den Landwirt. o 6.30: Gymnaſtit
— anſchl. Frühkonzert. O 10.35, 13.30: Nachrichten. 6 12.00: Wetter
für den Landwirt. 12.05: Schallplatten bzw. Schulfunk. o 12,55:
Nauener Zeit. o 14.00: Schallplatten. o 15.30: Wetter, Börſe.
Deutſche Welle: Sonntag, 19. Juli.
6.30: Funkgymnaſtik.
7.00: Bremer Hafenkonzert. Glocken vom Bremer Dom.
8.00: Mitteilungen und praktiſche Winke.
8.15: Wochenrückblick auf die Marktlage.
8.25: Prof. Dr. Wundſch: Fiſcherei=Wirtſchaft in kl. Naturgewäſſe=
8.55: Morgenfeier. Glockenſpiel der Potsdamer Garniſonkirche,.
anſchl. Glockengeläut des Berliner Doms.
10.05: Wetter.
eierſtunde (Arbeiter=Kultux=Kartell Berlin).
11.00:
11.30: Elternſtunde: Dr. Weigl: Das häßliche Kind.
12.00: Mittagskonzert der Funk=Kapelle.
13.30: Nürburaring: Internationales Rennen des A.V.D. Großer
— Während des Rennens;
Preis von Deutſchland für Wagen.
Staffelreportage: Dr. Wenzel, Dr. Ernſt, Dr. Laven.
14.00: Jugendſtunde: Märchen. Sprecher: Margarethe Merrbach.
1430: Willy, Hezel (Bariton): Lieder von Beethoven, Brahns,
Schüt, Wolf.
14.45: Tanzſtücke aus fünf Jahrhunderten.
15.10: Dr. Blaß lieſt: Die Kleinſtadt gerät in Aufregung (von W.
Veſper).
15.30: Wien: Zweite Arbeiter=Olympiade. Maſſenfrefübungen der
Kinder.
15.50: Nachmittagskonzert. Muſikkorvs der Kommandantur Berlin.
Als Einlage: Rennbahn Grunewald: Großer Preis von Berlin.
17.45: Dichterſtunde: M. Felix Mendelsſohn: Eigene Grotesken u.
Kurzgeſchichten.
18.10: Menſchen im Beruf: G. A. Claſſe: Der Leuchtturmwächter.
18.35: A. T. Wegner: Das Blutfeſt von Kerbela.
19.00: M. Kehrig=Korn lieſt: Heiteres und Nachdenkliches von
Fritz Müller=Partenkirchen.
20: Unterhaltungsmuſik.
19.5
3920: Sportnachrichten.
0: Potsdamer Straße 17a. Hörſpiel von W. Finck und E.
Jacobſohn.
22.15: Wetter=, Tages= und Sportnachrichten.
Danach: Tanz=Muſik der Kapelle Alfred Beres.
Stöpel und dem Italiener di Paces=
Wetterbericht.
Durch den Einfluß der nördlichen Störung iſt ein neues
Regengebiet über unſeren Bezirk hinweggezogen, und geringer
Temperaturanſtieg hat eingeſetzt. An der Rückſeite des
umfang=
reichen Tiefs gelangt kühlere Luft abwärts, welche auch für uns
maßgebend ſein wird. Sie verurſacht weiter unbeſtändiges
Wet=
ter, und Schauer treten auf.
Ausſichten für Sonntag, den 19. Juli: Fortdauer des
unbeſtändi=
gen Wetters, dabei vorübergehend aufheiternd, Regenſchauer,
kühl.
Ausſichten für Montag, den 20. Juli: Bewölkung zurückgehend und
mehr aufheiternd, noch kühl.
Hauptſchriftleltung: Rudolf Manve
Veraniwortlich für Pollik und Wirtſchaft: Rudelf Maupe; ſür Feuilleton. Reich und
Augland und Heſche Nachrichten: Mar Streeſe; fr Sport: T. D. Dr. C.H. Qnetſch
fär den Handel: Dr. C. H. Queiſch: für den Schlußdlenſti: Andreas Baueri.
ſür „Dſe Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wont: Dr. Herbert Nette
für den Inſeratentell und geſchäftiſche Mittellungen: Willy Kuble:
Druck und Verlag: C.C. Wlttich — ſämtliſch in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſtipte wird Garantie der Rüchſendung nicht übernommen.
Die benttge Nmmmer hat 20 Seiten.
[ ← ][ ][ → ]Aan
HnInn
Ennnnn
Deen Mch uie Techte Hinsorwerseksss
Die Ferienreiſe
und wie man zu ihr kommt.
Wo alles reiſt, da werden Sie doch nicht — zuhauſe
bleiben? Das haben Sie heute wahrlich nicht mehr nötig.
Und wenn Sie Ihren Urlaub im vergangenen Jahre
viel=
leicht in der Laube Ihres Schrebergartens verbracht haben
— in dieſem Sommer müſſen und werden Sie auf jeden
Fall an die See oder in die Berge fahren! Erholung tut
Ihnen not! Wie nervös Sie ſind! Wie blaß! Sie ſehen
aus wie eine ausgetrocknete Sitrone. Jeder Menſch kann
Ihnen auf den erſten Blick anſehen, daß Sie Sorgen haben.
Sorgen wegen der bevorſtehenden Sommerreiſe. Urlaub iſt
ja ganz ſchön, aber . . . Sie rechnen hin und her. Es will
nicht langen. Sie wundern ſich über Ihren Kollegen, der
mit Kind und Kegel an die See fährt. Wie hat er das
mög=
lich machen können, da er in der gleichen Gehaltsklaſſe iſt
wie Sie? Wie der ſich im Dünenſande aalen wird, denken
Sie etwas bitter, wochenlang rauſcht ſchon die Oſtſee in
Ihre ſchlafloſen Nächte. Sie träumen von gebräunten
Wangen und regelmäßigem Herzſchlag, ach, Sie träumen
nur davon und machen ſich im übrigen ſchon mit dem
Ge=
danken vertraut, daß Sie Ihren Sommerurlaub wieder in
der Laubenkolonie verbringen werden.
Im Vertrauen geſagt: mir ging es im vorigen Sommer
mit meiner Urlaubsreiſe ebenſo wie Ihnen. Meine Mittel
hätten mir höchſtens eie Neiſe zu Cante Adele erlaubt.
Wenn ich Ihnen ſage, daß Cante Adele Haare auf der
Obertippe und auf den Sähnen hat und ſtundenlang über
Säuglingspflege erzählen kann, werden Sie verſtehen, daß
ich auf dieſe Neiſe verzichte und nur meine arme,
erholungs=
bedürftige Frau mit den Kindern in Gottes Namen zu
Cante Adele ziehen ließ. Ich aber blieb in meiner Laube
draußen vor den Coren der Stadt. Wie Siel
Wenn ich dann ſo traurig geworden war, daß ich nur
mit Mühe gegen die Cränen ankämpfen konnte, ſchwor ich
mir hoch und heilig, daß ich die nächſten Sommerferien ganz
beſtimmt nicht in der Laubenkolonie zwiſchen Gemüſebeeten
und Vogeſcheuchen verbringen würde. Schwüre ſind heilig.
Die Laube dort draußen wird mich vier Wochen lang nicht
ſehen, ich reiſe an die Seel Wie Siel
Nun ſchütteln Sie wehmütig das Haupt. Ich wiederhole
aber: „Wie Sie!” Und wenn Sie nun Ihr Haupt ſo lange
ſchütteln, daß es abzufallen droht, ich ſage Ihnen, daß Sie
mit mir an die See reiſen. Sie, ein Junggeſelle vielleicht,
oder höchſtens zweifacher Vater, glauben, auf die
Sommer=
reiſe verzichten zu müſſen? Sehen Sie mich an: mir geht es
ganz beſtimmt nicht beſſer als Ihnen, und zudem bin ich
Vater von einem halben Dutzend Gören, und dennoch fahre
ich im den nächſten Cagen mit der ganzen Jamilie los. Seit
drei Cagen ſtehen bei mir alle Koffer gepackt, und meine
Kinder brüllen es auf der Straße aus: „Wir fahren an die
See!”
Da Sie mir in Ihrer Laube ſo außerordentlich leid tun,
will ich Sie in das Geheimnis meiner diesjährigen
Sommer=
reiſe einweihen. In meiner Nachbarſchaft braucht es
natür=
lich niemand zu wiſſen, nicht wahr? Sie werden ſchweigen
und — reiſen! Alſo: ich reiſe auf Abzahlung! So, nun
wiſſen Sie es!. Nun kommt Ihnen die Erleuchtung. Ich ſehe
Ihr Geſicht verklärt lächeln, von einem verheißungsvollen
Wort beſtrahlt: „Abzahlung!”. Nun wiſſen Sie, warum ich
in dieſem Sommer nicht in der Laube meines Gartens bleibe,
ſondern an die See fahre, obwohl meine finanziellen
Ver=
hältniſſe gegenüber dem Vorjahre nicht im geringſten beſſer
geworden ſind.
Nun wiſſen Sie auch, daß Sie es nicht nötig haben, ſich
den Kopf über Ihre Sommerreiſe zu zerbrechen. Sie atmen
erleichtert auf. Das wußten Sie noch gar nicht, daß es auch
Sommerreiſen auf Abzahlung gibt. Das iſt Ihnen neu!
Aber ſagen Sie im Ernſt, iſt der Gedanke denn gar ſo
ab=
wegig, auf Abzahlung zu reiſen, wo man Klaviere und ganze
Wohnungseinrichtungen auf Kredit kauft? Oſt die
Sommer=
reiſe auf Kredit nicht nur eine notwendige Ergänzung
un=
ſeres bisherigen Ceilzahlungsweſens? Iſt es etwa eine
Schande, auf Abzahlung an die See zu reiſen? Bei einem
Drittel Anzahlung und ſechsmonatiger Abzahlung? Hat ſich
Ihr Kollege nicht eine Wohnungseinrichtung gekauft, die
er noch bei ſeiner ſilbernen Hochzeit wird abzahlen müſſen?
Fährt Ihr Chef nicht in einem Auto, das er in Grund und
Boden gefahren haben wird, ehe der Wagen ganz abgezahlt
iſt? Sollen Sie nicht auf Ceilzahlung an die See reiſen
dür=
fen? Bedenken Sie, iſt das ganze Daſein nicht ein Geſchäft
mit lebenslänglicher Abzahlung? Krankheiten ſind
Sah=
lungsbefehle, der Gerichtsvollzieher iſt der Cod, und der letzte
Herzſchlag iſt der Offenbarungseid! Geben Sie alſo den
ſelbſtmörderiſchen Gedanken, Ihren Urlaub in der
Lauben=
kolonie oder gar bei Cante Adele zu verleben, ruhig auf, und
machen Sie’s wie ich: reiſen Sie auf Abzahlung!
An die Naten, mein Herr, denke ich jetzt überhaupt nicht,
das ſchadet der Geſundheit. Ich habe Erholung ebenſo nötig
wie Sie. Ich wäre überhaupt froh, wenn ich ſchon im Suge
ſäße. Denn dieſe Reiſevorbereitungen imn der Samilie ſtellen
kommt, um vielleicht feſtzuſtellen, daß das geſuchte Obfekt im
anderen Koffer ſein muß.
Auch wenn man auf Abzahlung reiſt, hat man viele
Sor=
gen. Wenn ich daran denke, welches Nätſelraten nach der
Reiſe über die fälligen Naten anheben wird, dann fühle ich
mich ſo erholungsbedürftig, daß keine Kuh genug Milch
geben kann, um meinen täglichen Bedarf zu ſtillen, wenn ich
wieder zu Kräften kommen ſoll. Meine Frau hat ſich zwei
Sommerkleider auf Abzahlung gekauft oder vielmehr von
mir kaufen laſſen, die Kinder haben neue Kleider und Schuhe
bekommen, ſogar Bademäntel, natürlich auf Abzahlung. Do
ich noch nie an der See geweſen war, erwies es ſich als
not=
wendig, meine Garderobe zu vervollſtändigen. Einen
Bade=
anzug, der mir nur etwas zu weit geworden iſt, hatte ich ja
ſchon von dem Schwimmbaſſin in der Laubenkolonie her, ein
Bademantel fehlte mir, und helle Strandhoſen und weiße
Schuhe. Sie ſehen alſo, daß unſere Sommerreiſe mit allem
Drum und Dran tatſächlich eine Erholungsreiſe auf
Ceil=
zahlung iſt. Sogar der neue Koffer iſt nach den bekannten
Bedingungen gekauft. Aber es ſieht uns niemand an, daß
wir auf Abzahlung reiſen, wir ſind genau ſo fröhlich wie die
anderen Neiſenden.
In ſelbſtloſer Weiſe, das werden Sie zugeben müſſen,
habe ich Sie hier in das Geheimnis meiner diesjährigen
Sommerreiſe eingeweiht. Weil Sie mir ſo leid tun in Ihrer
Laube zwiſchen Gemüſebeeten und Vogelſcheuchen.
Schrei=
ben Sie noch heute an die Penſionsleitung der Villa
Sor=
genfrei am Oſtſeeſtrande. Weiſen Sie ſich über Ihre
Ein=
kommensverhältniſſe aus, und zahlen Sie ein Drittel der
Summe an, die der Aufenthalt koſten wird, der Neſt erledigt
ſich „von ſelbſt” in ſechs Monatsraten. Heute braucht
nie=
mand mehr ſeinen Urlaub bei der Cante Adele zu verleben.
Im Seitalter der Ceilzahlung kann man auch Erholung in
an die Umſicht und Geduld des Ehemannes ſolche
Anforde=
rungen, daß er ſich wirklich erholungsbedürftig fühlt, wenn
die Koffer alle gepackt und die Fahrkarten endlich gelöſt ſind.
Das Kofferpacken iſt die anſtrengendſte Arbeit, die man ſich
denken kann. Da ſoll die und das noch unbedingt hinein,
obwohl man ſchon mit dem ganzen Körpergewicht auf den
Koffer drücken muß, wenn die Schlöſſer einſchnappen ſollen.
Und hat man endlich das Kunſtſtück zuwege gebracht, dann
fällt es der geliebten Gattin ein, daß irgendein Stück noch
gebraucht wird, ein ſehr nötiges, unentbehrliches, ein Stück,
das gewöhnlich ganz unten verpackt liegt. Dann beginnt
man auszupacken, bis man auf den Grund des Koffers
Monatsraten kaufen. Wenn Sie unternehmungsluſtig ſind,
fahren Sie ſogar im eigenen Auto an die Oſtſee. Auf
Ceil=
zahlung natürlich! Nehmen Sie auch ein Faltboot mit und
ein Wochenendzelt! Alles zu bekannten Bedingungen!
Morgen ſehen Sie uns zum Bahnſteig eilen! Bleiben
Sie dann einen Augenblick ſtehen, und, Hand aufs Herz,
Verehrteſter: ſehen Sie uns etwa an, daß wir auf
Abzah=
lung reiſen!? Kann irgendein Menſch auf dieſer Welt
be=
haupten, daß wir keine echten Ferienreiſenden, ſondern nur
lolche auf Ceilzahlungen ſind? Und wenn auch! Es iſt
für=
wahr keine Schande! Es iſt im Gegenteil modern. Das
Allermodernſte. Sommerreiſe auf Abzahlung.
HHHAAHAnananaEraagnagnnnnnngannnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnanannnnnnnEnnnnnnnnnnnnnnnnnnznnnnnnnnnngnnngnnnnnnnnnnnnnnnrnnnnß
[ ← ][ ][ → ] Eiſenbahnkataſtrophe .
Und was die Reichsbahn dagegen kut.
Von Carl Otto Windecker.
Leider lieſt man in der letzten Heit wieder recht oft von
Eiſenbahnunfällen und Entgleiſungen, die Menſchenleben
forder=
ten. Es ſoll Leute geben, die, ängſtlich geworden, vor Antritt
einer Neiſe eine Lebensverſicherung abſchließen.
Vergegenwär=
tigt man ſich jedoch das Verhältnis dieſer Unfälle zur
Geſamt=
kilometerzahl, die alltäglich von der Reichsbahn befahren wird,
ſo bleibt doch die Catſache beſtehen, daß die Eiſenbahn auch heute
noch das ſicherſte Verkehrsmittel iſt.
Wie man weiß, bemüht ſich die Reichsbahn, ſelbſt techniſche
Verbeſſerungen zur Erhöhung der Betriebsſicherheit ausfindig
zu machen. Aber alle dieſe Verſuche und Neueinführungen werden
die Haupturſache aller Unglücksfälle nicht ausſchalten: den
un=
ſeligen Sufall. Dieſer Erkenntnis folgend, beſchränkt ſich die
Neichsbahn auch nicht auf Verbeſſerungen, ſondern verſucht
gleichzeitig bereits eingetretene Unfälle durch raſcheſte
Hilfelei=
ſtung in ihrer Auswirkung abzuſchwächen.
An faſt allen größeren Bahnhöfen, zumeiſt in nächſter Nähe
der Lokomotivſchuppen, ſieht der Reiſende hin und wieder
ein=
mal ſehr kurze Süge ſtehen, deren Waggons mit dem Noten
Kreuz bemalt ſind, während die Lokomotive davor, ohne
Beman=
mung, ſtets unter Dampf und abfahrtbereit iſt. Es ſind die
ſo=
genannten „Hilfszüge” der Neichsbahn, die im Fall eines
Eiſen=
bahnunglücks ſofort zur Unfallſtelle eilen kömen, um erſte Hilfe
zu leiſten.
Dieſe Hilfszüge ſind i Einzelnen nicht nach einem allgemeinen
Plan ausgeſtaltet, vielmehr hat die Reichsbahn=Geſellſchaft es
den einzelnen Betriebswerken überlaſſen, hier ihre praktiſchen
Erfahrungen in Anwendung zu bringen. Dieſer freie und mit
Eifer betriebene Wettbewerb zwiſchen den einzelnen Aemtern
wird letztlich nur zum Vorteil des Publikums gereichen. Das
Innere eines ſolchen Hilfszuges iſt ſehr intereſſant.
Durchweg beſtehen dieſe Süge aus drei Waggons, vor denen
ſtets eine unter Dampf gehaltene Bereitſchaftslokomotive ſteht.
Die drei Wagen ſind zweckmäßig ſpezialiſiert in Gerätewagen,
Mannſchaftswagen und Arztwagen. Der Materialwagen enthält
alle für eine erſte Hilfe erforderlichen Hilfsmittel techniſcher Art.
In dem Hilfszug, den ich beſichtigen konnte, war dieſer erſte
Wagen, unter äußerſter Ausnützung des vorhandenen, ſehr
be=
ſchränkten Naumes eine muſtergültige Werkſtatt im kleinen
naturgemäß auf die beſondere Verwendung zugeſchnitten. Ein
eingebauter, ſtarker Benzinmotor treibt eine Lichtmaſchine, die
die erſte und oberſte Vorausſetzung für einen eventuellen
nächt=
lichen Unfall erfüllt: Licht und nochmals viel Licht zu geben. Nicht
nur, daß der Waggon an allen vier Ecken mit eigenen,
hervor=
ſchiebbaren und drehbaren Lampen verſehen iſt, — im Innern des
Waggons lagern eine große Anzahl großer Scheinwerfer von
ver=
ſchiedener Voltſtärke und Reichweite. Ein 12-Volt=
Scheinwer=
fer, der im Bedarfsfalle mittels eines Kabels vorne auf die
Loko=
motive montiert wird, ermöglicht bei einer Reichweite von
an=
nähernd 500 Metern ein raſches und gefahrloſes Heranfahren an
eine noch nicht genau bekannte Unfallſtelle. Ein großer
Sonnen=
brenner für nächſte Entfernung ſorgt für taghelle Beleuchtung.
Dazu kommen ſtarke Scheinwerfer, die auf hohen Aaſten mon=
tiert werden und ſo eine Unfallſtelle auch im weiteren Umkreis
erhellen. Sweckmäßig hat man die Spitzen dieſer Maſten
ſchrau=
benförmig geſtaltet, ſo daß ſie ſich leicht auch auf Schotter oder
ſteinigem Boden aufſtecken laſſen. Lange, auf Cragtrommeln
aufgerollte Kabel vervollſtändigen dieſe Ausrüſtung. Die
Steck=
kontakte für die verſchiedenen Voltſtärken befinden ſich
prak=
tiſch an den Außenſeiten des Waggons.
Beſonderes Augenmerk erhielt auch die Einrichtung mit
Schneideapparaten. Auch hier hat man Apparate, die nach
be=
ſonderen Angaben, ihrem Sweck entſprechend gebaut ſind und
zweifellos jedem zünftigen Einbrecher große Freude bereiten
würden. Die Erfahrungen — wie oft gilt es, mit dieſen
Appa=
raten ein Menſchenleben aus höchſter Not zu retten — haben
hier ausgeſprochene Spezialapparate geſchaffen, von
verſchiede=
ner Reichweite, Mundſtück, Biegung uſw. Auch der
Betriebs=
ſtoff hat eine Erneuerung erfahren. An Stelle der früheren
un=
handlichen Azetylenbomben, die außerdem im Winter die
Nei=
gung zeigten, einzufrieren, verwendet man jetzt kleinere Bomben
mit einer Spezialfüllung, die jedes Einfrieren unmöglich macht.
Sehr praktiſch iſt ferner eine kleine, auf eine handliche Tragbahre
montierte Bombe, die em raſches Subringen an die Unfallſtelle
ermöglicht.
Sehr viel Naum beanſpruchen die vielen, in allen Größen und
Arten vorhandenen Hebewerkzeuge, maſchinell und hydraulich,
mit Hand= und Motorbetrieb. Sur Bedienung des eingebauten
Motors wird Heißluft von der Lokomotioe zu dem dann mit
Waſſerdruck arbeitenden Kolben geleitet. Die verhältnismäßig
häufigen, aber zumeiſt unbedeutenden Entgleiſungen von Waggons
oder Lokomotiven beanſpruchen ein ganzes Arſenal von
Hilfs=
mitteln. Selbſt Wagen, deren Näder mehr wie vier Meter von
den Geleiſen abgedrängt ſind, werden durch einfache, ſinnreich
konſtruierte Laufſchienen, Schlitten und Sugvorrichtungen uſw.
auf den geraden Weg der Ordnung zurückgebracht. Große, ſtarke
Ketten und Flaſchenzüge dienen dem Wiederaufrichten geſtürzter
Fahrzeuge. — Eine eigene Celephonanlage mit langen Kabeln
ermöglicht einen Anſchluß beliebig auf freier Strecke an eine
be=
ſonders markierte Leitung.
— Hinzu kommen ſelbſtverſtändlich
Hunderte von Werkzeugen, Hebeln, Schraubenſchlüſſeln, in großen
Kaſten unter dem Waggon liegen Bohlen und Metallplatten in
allen Längen und Größen als Unterlagen bei weichem Untergrund.
Sweckentſprechend iſt auch der Mannſchaftswagen
ausgerü=
ſtet. Den Sug begleiten mindeſtens 10 Mann, von denen
wieder=
um mindeſtens fünf in Krankendienſt und in der Bedienung der
Spezialmaſchinen ausgebildet ſein müſſen. Selbſtverſtändlich iſt
man bemüht, nach und nach die ganze Belegſchaft des
Betriebs=
werkes im Spezialdienſt auszubilden. Unter den Bänken des
Mannſchaftswagens liegen ebenfalls Bohlen und Holzpflöcke, in
einem Schrank hängen Arbeits= und Ueberkleider. Eine kleine
Küche mit Waſſerbaſſin und Gaskocher würde ſelbſt einer
Haus=
frau Spaß machen. Im gepolſterten Abteil der Aerzte und
höhe-
ren Begleitbeamten liegt ſtets ein ſogenannter „bildlicher”
Fahr=
plan, der — allerdings nur dem Fachmann — einen leichten und
raſchen Ueberblick über alle Strecken ermöglicht. Ein
zuſammen=
ſetzbarer Unterſchiebwagen für Waggons mit Achſen= oder
Näderbruch iſt ſinnreich an das Wagenäußere angebracht.
Der Arztwagen iſt ein Krankenhaus en miniature. Der
vor=
dere Ceil des Wagens iſt als Operationsraum eingerichtet, mit
Operationstiſch und Oberlicht, Gaskocher und
Deſtillations=
apparat, Inſtrumenten und Verbandsſchrank, mit Waſſerleitung
und Handdouche, die aus großen Waſſerbehältern geſpeiſt
wer=
den, deren Waſſer täglich dreimal erneuert wird.
Warmwaſſer=
vorrichtung, Celephon und Sauerſtoffaparat ergänzen dieſe
Ein=
richtung. Su einer großen Anzahl Cragbahren kommt eine
Doppelreihe gut abgefederter Betten, deren weißer Bezug zum
Schutz gegen Staub und Nuß ſtets unter dicken Leinentüchern
ge=
halten iſt. Vielfach haben alle Waggons doppeltes Licht, alſo
Gas und elektriſche Beleuchtung, damit im Fall des Verſagens
der einen Lichtquelle keine Seit verloren geht. Ein Kleinlicht
brennt in allen Waggons immer.
Im Falle eines Alarms läuten gleichzeitig bis zu 150
Alarm=
glocken in den umliegenden Beamtenwohnungen. Bei
Mann=
ſchaftsmangel werden die Leute durch den nächſten Großbahnhof
erſetzt, der gleichzeitig auch dem Fahrleiter einen beſonderen
Fahrbefehl aushändigt. Vom Großbahnhof aus erfolgt auch die
Abſendung des Nachzugs, der zur Unterſtützung des Hilfszuges in
jedem Falle folgt.
Eine beſondere, für dieſen Fall reſervierte Celephonanlage in
nächſter Nähe des Hilfszuges geſtattet eine ſofortige Verbindung
mit den einzelnen Stellwerkhäuſern zur Freigabe der Geleiſe.
Auch hierbei darf keine Sekunde Heit verloren gehen — eine
Vorſchrift beſteht, daß der Hilfszug bereits ſechs Minuten nach
Alarmmeldung ſeinen Standort verlaſſen muß, um im
Groß=
bahnhof den Fahrbefehl in Empfang zu nehmen.
Verſchiedene ohne Vorankündigung angeſetzte Probealarme
mit folgenden Uebungen halten Hilfszug und Mannſchaft auf dem
Stand der Schlagfertigkeit, den er im Ernſtfalle benötigt.
Kinder der Sremde ſehen dich an.
Begegnungen auf einer Weltreiſe.
Von S. H. Wertheimb.
Wer ſich Kind weiß, kehrt zur Mutter
zurück. (Laotſe.)
Alle kleinen Kinder ſind einander gleich, ſagt ein
gleichgül=
tiger Menſch, den die Liebe zum Naturreinen, Cierhaften, die
Freude an der Erforſchung der Quellen allen Seins und Lebens
noch nicht zur Beſchäftigung mit dem Kinde, zur Beobachtung
ſeiner kleinen und doch ſo wichtigen Welt, ſeines Lebens und
Fühlens zwang.
Kein Kind gleicht dem anderen — ſo ereifert ſich eine liebende
Mutter, die in dem Auge ihres, nur des eigenen Kindes die Welt
neu erſtanden ſieht und ihre Cräume und Hoffnungen, die das
eigene Leben ihr verſagte, in dem Kinde verwirklicht wünſcht.
Jede Mutter hat den Welterlöſer, das Genie geboren.
Beider Anſicht trifft nicht vollkommen zu, wenn auch der
In=
ſtimkt der Mutter der Wahrheit näher kommt. Selten zwar,
nur ſehr ſelten wird der Welt ein Genie oder ein Erlöſer
ge=
boren. Genial aber im Sinne der naturgemäßen Einſtellung zum
Leben, im Sinne der inſtinktiven, reinen Empfindung iſt jedes
Kind.
Mögen die Unterſchiede zwiſchen den Kindern einer Naſſe und
einer Nation ſchon groß ſein, ſo empfindet man ſie beſonders ſtark
bei den Kindern fremder Völker. Jedes Kind iſt gerade in ſeiner
urſprünglichen Naturverbundenheit ſtärkſter Ausdruck ſeines
Der Segen des Schattens.
Eine Novelle von Hans Här.
Georg Frank hatte Geld und Seit. Er gehörte zu jenen
ſel=
ten gewordenen Söhnen begüterter Väter, jenen Menſchen des
Gleichgewichtes, die heranreifen, ohne angefochten zu werden. Er
kam früh in die Geſellſchaft, war in der Opernloge ſo ſicher wie
auf dem Cennisplatz, ſpielte leidlich Klavier und meiſterhaft Golf.
Als Gymnaſiaſt hielt er ſich ſtets an das Mittelmaß und blieb
auch dabei, als er von der Schulbank in den Hörſaal überſiedelte
und ſchlecht und recht ſein Nechtsſtudium abſolvierte. Der junge
Burſchenſchaftler haßte Ueberſchwang und Uebermaß und,
ob=
wohl er die Mittel zu bunter Lebensweiſe beſaß, hielt er ſich
zurück. „Er iſt unheilbar ſchüchtern!” flüſterten die Süchſe, wenn
er ernſt und einſilbig vor den blühenden Mädchen ſtand, die ſich
den gutgewachſenen, klaräugigen Jungen gerne vorſtellen ließen.
Die Kameraden meinten, Georg ſei „ſanft beſchränkt‟. Dieſes
Urteil ſtand feſt. Georg bereitete ſich auf das Referendarexamen
vor, aber er blieb der gute, ſanft beſchränkte Junge.
Bis die immer Neugierigen auf ſeltſame Ergebniſſe ſtießen,
die den ſtillen, farbloſen Menſchen in anderem Lichte zeigten. Da
ſah ihn einer der Kommilitonen in ſpäter Nachtſtunde aus einer
Gaſſe kommen, in der viel Armut wohnt. Da begegnete ihm ein
junger Landrichter an der Peripherie der Stadt, als er in
eifri=
gem Geſpräch mit gebräunten, verſchliſſenen Wanderburſchen
ſtand, die er mit Geldſpenden verabſchiedete. Einer wollte Geore
am Hafen geſehen haben, am Ladeplatz. Er habe ſchwere Kiſten
geſchleppt und weidlich ſchmutzig ausgeſehen. Dann entdeckten ſie
ihn eines Cages beim Volkskonzert in einem Vorſtadtpark an
der Seite eines ſchlicht gekleideten Mädchens, das mit
verſonne=
nen Augen in die Flut der Lichter ſah. Da wollte ſofort der Spott
aufziſchen über den edlen Herrn mit dem Bankkonto, der das
arme Mädchen aus dem Volke wie in einem kitſchigen Eilm zu
märchenhaftem Glück entführt. Aber da war gleichzeitig eine
eigenartige Gewalt, und dieſe ging von dem braunhaarigen
Mädchen aus, von ſeinem blaſſen, ernſten Geſichte, deſſen ſtrenge
Schönheit auch i billigen Kleidchen nicht unterging.
Der „gute Junge” wurde ganz rätſelvoll, ſeine Stille rückte m
ein ſo vieldeutiges Swielicht, daß ihm bald die wildeſten Legenden
nachliefen. Ein ganz Kluger kombinierte Schauerliches. Er hatte
einmal etwas von krankhaften Menſchen gehört, die ein
Doppel=
leben führen, m Lichte des Cages als gepflegte Herren
erſchei=
nen, nachts aber in dunklen Quartieren untertauchen, wo ſie ſich
„gewöhnlichen” Vergnügen hingeben. Ein Mediziner ſah den
guten Georg Frank in der Hörigkeit eines kleinen Weibteufels.
Ein Kenner der zeitgenöſſiſchen Literatur vermutete in ihm einen
anderen Chriſtian Wahnſchaffe, der allen „fluchwürdig
erwor=
benen” Reichtum der Väter von ſich wirft, um ſich mit den
Aus=
geſtoßenen zu verbrüdern.
Aber Georg Frank war zu nüchtern, um ein romantiſcher
Apoſtel zu werden. In ihm hatte ſich einfach und klar erfüllt,
was dem Kinde zuerſt leiſe im Blute kreiſte, ſpäter aber zur
riſchen Armut. Denn die Franks waren vor fünfzig Jahren
unabweislichen Forderung wurde: die Sehnſucht nach der
ſchöpfe-
nicht an Seſſel gewöhnt. Der Großvater war noch Werkmeiſter
geweſen, hatte noch bei den Profilen der hydrauliſchen Preſſe,
bei der Walzenſtraße, beim ziſchenden Strahl des flüſſigen Stahles
heißen Dienſt verrichtet. Aber dieſer Großvater hatte auch eine
begnadete Frau heimgeführt. Sie war ein ernſtes, willensſtarkes
Mädchen mit kaſtanienbraunem Haar, und ſie wurde eine
uner=
müdliche, anmutige Frau, die kluge Mutter der ſieben Kinder,
die ſie ihrem Manne gebar, deren Entwicklung ſie mit ſicherem
Inſtinkt belauſchte und förderte. Dabei konnte ſie herb ſein, und
es geſchah ſogar, daß der Werkmeiſter in den Geruch
unmänn=
licher Nachgiebigkeit kam. Aber er erkannte, wem er verdankte.
daß ein kleines Gehalt hinreichte, um vier Jungen und drei
Mäd=
chen ſaubere Kleidung zu geben, ſie kräftig zu ernähren, die
Mäd=
chen auszuſteuern und die Knaben ſtudieren zu laſſen. Er liebte
ſeine Frau nach Jahrzehnten noch ſo närriſch und verſpielt wie
am Cage der Verlobung.
Als dieſe nie ermattende Frau lebte ſie m den Bildern fort,
die m Hauſe des Generaldirektors, des erfolgreichſten ihrer
Söhne, ernſt und freundlich auf Georg, den Spätgeborenen, der
erſt nach ihrem Hinſcheiden zum Leben kam, niederſahen. Für
Georg war ſie wie eine Cote, er ſpürte ihr Blut in ſeinem Blute
und ließ ſich von dem Großvater ſoviel erzählen von dem Leben
dieſer Ahne, vom ſtillen Kampf der „kleinen Leute”, von dem
Druck engen Lebens, aber auch vom Segen der Armut, von der
umerbrauchten Kraft, die gerade in „kleinen Leuten” wach iſt.
Der Enkel konnte den bitteren Unterton dieſer Erzählungen
noch nicht deuten, er verſtand ihn erſt ſpäter. Da fiel ihm wieder
manches Wort ein, und da verſtand er, daß der alte Werkmeiſter,
trotz allen Stolzes auf ſeinen emporgekommenen Jungen, dem
Vater Georgs zutiefſt entfremdet war. Swar war Georgs Vater
nicht gefühlsarm, aber herriſch, ſehr herriſch. Er hatte lange
kämpfen müſſen, bis er den Erfolg erzwang, mun koſtete er ſeine
Macht. Er hatte die Cochter eines hohen Regierungsbeamten
geheiratet, eine ſchlanke Dame, die dem Konzertflügel mit
Nou=
tine gebot, aber die innere Kälte ſchon im grauen Blick verriet.
In den erſten Jahren der Ehe ſchenkte ſie zwei Mädchen das
Leben, und erſt zehn Jahre ſpäter gab ſie dem Gatten als kaum
noch erhofften Nachkömmling den Sohn — Georg. Früh zeigte
ich, daß Georg ſich in Sprache und Phyſiognomie nach dem Bilde
des Vaters entwickelte. Freilich lebten um die feine Naſe, um
die empfindlichen Mundwinkel auch andere Süge, wie ſie die
würdige Frau auf den Porträten zeigte. Doch keine körperliche
Eigenſchaft hätte in Georg den Sohn jener gertenſchlanken Frau
vermuten laſſen. Georg liebte, Georg haßte ſeine Mutter nicht.
Er blieb ihr fern, denn Muſik und Neitſport nahmen ſie ſo ſehr
in Anſpruch, daß der Knabe Wartung und Umgang faſt nur bei
den Bedienſteten und beim Großvater fand.
Da ſetzte ſich in ihm eine unauslöſchliche Neigung zu ſchlichten
Menſchen feſt, da verblaßte das Bild der lebendigen Mutter
Landes. Im Antlitz der Kinder ſteht mehr, als in den gelehrten
Werken über Landſchaft, Leute und Verhältniſſe. Darum
ge=
hören auch zu dem Wertvollſten und Schönſten, das man auf
Keiſen genießen kann, die Begegnungen mit Kindern.
Mutkerliebe und Rizinusöl.
Vor wenigen Minuten war er zur Welt gekommen, der jüngſte
Sproß der großen Eskimofamilie, als mich auch ſchon eine der
Frauen mit größter Freude und Aufregung in die Kammer rief.
Dort lag auf dem Lager von Fellen und Cüchern die junge
Mut=
ter, ſchweratmend, und das ſchwarze, feuchte Haar an den
Schläfen verwirrt — am Fußende ein ledernes Geſtell auf Füßen,
hinter einem Berg von Cüchern das Neugeborene, braunrot, die
ſchmalen Augenſchlitze noch geſchloſſen. Mühſam hob die junge
Dem kleinen Burmanen ſchmeckt die grüne Sigarre
vorzüglich.
Irau den Kopf. Man wird dem Kleinen doch nichts zuleide tun?
Nein, die alten Frauen — ſind es Canten oder Großmütter?
Alle ſind untereinander verwandt, ſchwierig, ſich in dieſen
Fami=
lienverhältniſſen auszukennen — die alten Frauen lachen und
heben das Kleine aus dem Wuſt der Hüllen.
Sugleich kommt eine andere mit einem Copf voll Fett und
reibt das Kind gründlich ein. Es iſt zugleich, ganz abgeſehen von
der beabſichtigten kosmetiſchen Wirkung, ein Akt der
Säube=
rung. Denn an Waſſer traut ſich ein richtiger Eskimo nun
ein=
mal nicht heran.
Dann rückt man das Geſtell an die Seite des Lagers, und ein
großer, flacher Bottich wird gebracht, in dem eine ölige, ſtark
fettige Flüſſigkeit bis zum Nande ſchwimmt. Das kleine,
inzwi=
ſchen ſauber gebündelt, liegt in ſeinen Decken und bekommt einen
„Schnuller” aus Holz zwiſchen die winzigen Lippen geſchoben,
daran hängt ein Schlauch, der in den Bottich mündet. Das
Kleine beginnt vorſichtig und mühſam zu ſaugen. Was iſt in der
Schale? Nun, was ſoll anders darin ſein, als das gute
Nizinus=
öl. Das Beſte für neugeborene Kinder.
Die Mutter taucht ihre Hand in die Schale. Nein, es iſt
weder zu warm noch zu kalt. Und während ſie geſpannt den
Aus=
druck des angeſtrengten Geſichtchens beobachtet, öffnen ſich lang=
ſam und ſehr zögernd die ſchmalen, kleinen Augen. Mutter und
Kind ſehen einander an
Kleine Japanerin empfängt.
Einmal im Jahr hat die kleine Japanerin ihren großen Cag.
Es iſt das Feſt der Puppen, an dem ſich das Intereſſe der All=
HImmmmTmmmfmnmfTmkmf
neben dem ſtarken Eindruck einer Coten, die beziehungsvoll in
ihm ſprach. Georg, der von jeder eigenen Anſchauung der Not
ferngehalten wurde und darum auch nichts von dem Streit da ſie in dem verhaltenen Rhythmus anmutig ſchreiten ließ. Da
draußen verſpürte, verfiel bald dem Glauben, mr bei den Armen
gebe es Neinheit und Freude: er wurde ein unüberlegter
Wohl=
ſtraße und wurde dafür zum Schatzhüter der Nothäute ernannt.
— Später zeigte ſich dieſe Gebefreude in vernünftigeren Formen,
ler. Er nahm hungrige Werkſtudenten zum Mittagstiſch mit und
wurde in kraftvollem Entſchluß ſelbſt Werkſtudent, ohne durch
äußere Not gezwungen zu ſein. Er fühlte eine prickelnde Kraft
in ſeinen Adern, wenn er am Ladeplatz des Hafens die ſchweren
Laſten hob. Sein Vater hätte den Kopf geſchüttelt, wenn er ihn
bei dieſer Arbeit angetroffen hätte, aber ſeine Großeltern hätten ſie abends müde und matt war.
ihn gewiß verſtanden. Die Arbeiter liebten ihn und hielten ihn
für den „armen Ceufel”, der durch Not gezwungen ſei, ſein
Studium ſo ſchwer zu beſtreiten. Sie ahnten nichts von ſeiner
kaltem Wetter einen Schnaps mit ihm. Und einmal geſchah es
auch, daß ſie ihm eine Eintrittskarte zu einem großen
Arbeiter=
dann im Saaleingang begrüßten und ſeine gepflegte Erſcheinung
ſahen, wurden ſie doch ſtutzig, aber ſie wußten ja, daß „dieſe
Akademiker” immer einen „Fetzen” im Schrank behielten, auch zitterte unter dem Glück, das ſich ſo warm über ſie breitete. Der
dann, wenn ſie nicht eine Brotrinde zu knabbern hatten. So ſah
er auch zum erſten Male die braunhaarige, blaſſe Eliſabeth Groll, daß er ſeine Nolle beibehalten mußte, wenn er Eliſabeth nicht
die ſo ſtark an die Bilder jener Frau in ſeinem Heimathauſe er= verlieren wollte. Nichts hätte ſie raſcher entfremdet als die
Ent=
innerte.
Sie war ihm ſofort im Innerſten vertraut, und es war auch Lebensſtiles war.
ihr, als ob ſie ihm ſchon ſehr nahe geweſen ſei. Als die Kapelle
gemeinheit ausſchließlich auf die kleinen Mädchen konzentriert.
Schon am frühen Morgen ſieht man die Kinder, ſchön geputzt, in
den Straßen, und vom Mittag an beginnen ſie, einander Beſuche
zu machen. Es iſt eine hochoffizielle Sache, und auch die ärmſte
Frau würde nicht daran denken, dem fünf= oder zehnjährigen
Cöchterchen die Aufſicht über die kleineren Geſchwiſter zu
er=
teilen. Jede Mutter hat genügend damit zu tun, die
Puppen=
ausſtellung ſo originell und hübſch herzurichten, als nur möglich.
Dieſe Puppen ſind ja die Hauptſache. Jedes kleine Mädchen
hat eine regelrechte Sammlung, kein Gaſt gerät in Verlegenheit,
Ob er nicht doch lieber davonlaufen ſoll?
Kleiner Chineſe wit ſeinem Brüderchen.
in bezug auf ein kleines Geſchenk. Eine Puppe ſelbſtverſtändlich.
Je origineller, je „weiter her”, um ſo ſchöner. Denn dieſe
Samm=
lung iſt ja nicht eigentlich zum Spielen beſtimmt, ſondern mehr
zum Anſchauen. Sie ruht m Mutter Kaſten und wird meiſt nur
einmal im Jahr hervorgeholt und aufgebaut.
Pyramidenförmig, hinter der offenen Cür oder beim Fenſter
damit recht viele den Schatz bewundern können — bei den
wohlhabenden Familien im Garten der Landbeſitzung, iſt die
Puppenſammlung auf einem Ciſch oder Geſtell aufgeſtellt.
Japa=
niſche Puppen in allen Crachten und Größen, Nachbildungen
indiſcher Cempelbilder, afrikaniſche Strohpuppen und — etwas
V
Hmmmmfſctunenegrnrnafcff
K
zer, und ſie wiegte ſich ernſt in ſeinen Armen. Er bat ſie auch zu
einem modernen Canz und ſpürte ihr faſt nervöſes Feingefühl, das
ahnte er zum erſten Male eine Cragödie, und am kommenden
Abend, als er Eliſabeth wiedertraf, erzählte ſie ihm dann auch in
täter. Er liſtete dem Vater Geld ab, um rauhe Jungens mit großen Sügen alles. Sie hätte es nicht getan, hätte ſie geahnt,
Kuchen zu füttern, er verſchenkte ſeine belegten Brote, gab ſein daß er nicht der arme Werkſtudent ſei, als den ſie ihn in einem
Caſchengeld der Kriegskaſſe der Apachen aus der grauen Kraut= Gemiſch von Mitgefühl und Bewunderung raſch liebgewonnen
hatte. Sie war die Cochter eines Ingenieurs, der ſich früh dem
Crunke ergeben hatte, hatte das Lyzeum beſucht, war muſikaliſch
er half den Armen der Landſtraße und ſuchte bedürftige Künſt= vorgebildet und mit Geſchmack beleſen. Der Vater, der ſeinen
Dienſt immer mehr vernachläſſigte, verlor ſeine Stellung. Bald
darauf verfiel er in unheilbare Krankheit, und nun mußte
Eliſa=
beth Schule und Konſervatorium verlaſſen, mußte für ſich und
ihre Mutter, eine ſtille, kränkelnde Frau, Unterhalt verdienen.
Nun arbeitete ſie tagaus, tagein in einer großen Bügelſtube, bis
An den Wochenabenden ſchloß ſie ſich mit ihrer Mutter ein,
nähte oder las, bis ihr die Augen zufielen. Oder ſie hörte — es
war ihr einziger Genuß — bei den Hausnachbarn Nadio aus
Herkunft, von ſeiner eigenartigen Neigung, und das war gut ſo. einem Detektorgerät. Dann geſchah es wohl, daß der Nuf des
Sie ſtellten ihm ihre Frauen und Mädchen vor und tranken bei! Lebens, der da aus dem ſchwarzen Käſtchen quoll, ſie übermächtig
ergriff und in ihr Blut drang. Aber bald bezwang ſie ſich wieder
und beſann ſich auf das Unabänderliche. Bis ſie auf jenem Feſte,
feſte im Stadtteil St. Michael in die Hand drückten. Als ſie ihn zu dem ſie ſich mit Widerſtreben einladen ließ, den jungen
Werk=
ſtudenten fand. Es war ſo beglückend, daß er ſich ernſt und
zurück=
haltend zeigte, daß er gepflegte Worte ſprach, wie ſie ſelbſt. Sie
ſtille Georg, der in ſeeliſchen Dingen ſo klug war, begriff raſch,
deckung, daß ihr Kamerad ein Menſch aus dem Bezirk des großen
Als er aber Neferendar geworden war und überdies erfuhr,
von getragener Muſik zum Canz überging, holte er ſie zum Wal= daß ſeine Studiengenoſſen auf die Spur ſeines abſeitigen Armen=
ganz Feines — eine europäiſche Puppe mit Augen zum Auf= und
Suklappen. — Je mehr Puppen, um ſo größer der Stolz.
Am Nachmittag empfängt die kleine Japanerin ihre
Freun=
dinnen und Freunde. — Die kleinen Buben tun gelegentlich mit,
obwohl ſie ihren eigenen Feiertag wenig ſpäter haben. — Die
hochgetürmten Friſuren glänzen, viele kleine Fächer werden
be=
wegt, und die Holzſchühchen klappern. Dabei geht alles ungeheuer
konventionell vor ſich. Die „Dame des Hauſos” tauſcht
Höflich=
keiten mit den Gäſten aus, ehe man die Puppen an eine kleine
Ein Oſchungel=Kind, kleine Inderin aus Dekhan.
Cafel zum Mahl ſetzt und ſchließlich ſelbſt bei allerlei Naſchwerk
ſich erfriſcht. Dann verbeugen ſich Gäſte und Gaſtgeber höflich
— man geht zum nächſten Beſuch.
Und am Abend wandern all die luſtigen Puppen wieder in
Mutters Kaſten, denn das kleine Mädchen ſoll all die koſtbaren
Stücke ihren Cöchtern vererben, genau wie es Mutter und
Groß=
mutter getan haben . . . Ein großer Feiertag geht mit Lampions
und Umzügen zu Ende — ein Cag, an dem die kleine Japanerin
ganz „erwachſen” geſpielt hat . . .
Ein kleines Negerlein in der großen Wüſte.
Ein kleines Negerlein ſtand mutterſeelenallein mitten im
gel=
ben Sand. Grünlich=ſchwarz, ſorgſam eingefettet, glänzte ſein
kleiner, draller Körper in der Sonne. Es trug den runden, glatten
Kinderbauch und die kleine Haarſträhne, die man ihm auf dem
glattgeſchorenen Schädel gelaſſen hatte, mit großem Stolz und
durchdrucktem Kreuz. Ein wohlhabendes Kind, ein „angezogenes”
Die fünfjährige Japanerin geht zum Puppenfeſt.
Kind. Es trug nämlich um das Fußgelenk einen Stahlreif und
um den Hals die Kette aus Kaurimuſcheln, die die liebe,
aber=
gläubige Mutter ihm ſchon bei der Geburt zum Schutz gegen
böſe Geiſter. umgelegt hatte und jedes Jahr durch eine neue Reihe
ergänzte.
Da ſtand das kleine Negerlein — und nahm keine Notiz von
uns. Wir riefen es an — für eine Sekunde blickten uns die
MTTff
Ke
Ke
daſeins gekommen waren, da ſchickte er Eliſabeth eines Abends
in einem Eilbrief eine Karte zum Symphoniekonzert. Sie erſchrak
über dieſe Einladung in eine Welt, für die ihr jeder Schmuck
fehlte, aber ſie ahnte noch nichts von der Ueberraſchung, die auf
ſie wartete. Doch als er ihr am Portal des Konzerthauſes im
eleganten Abendanzug entgegentrat, wurde es ihr plötzlich leer
ums Herz, und als er ſie im Saal durch die Stuhlreihen führte,
tanzten die Lichter vor ihren Augen. Und als er nun
nacheinan=
der ernſte, in ſtrenges Schwarz gekleidete Herren grüßte, kam
kein Wort über ihre Lippen. Sie betrachtete ihn ſtumm, als er
mit kämpferiſch erhobenem Haupte neben ihr ſaß. Sie begriff
wohl, daß er ſie in dieſer Stunde aus ihrer Armut heraushob.
.—
— —
—
Sie wußte alles. Sie fühlte, daß er ſich in dieſer feſtlichen Welt
zu ihr bekannte, der Sohn eines reichen Hauſes. Dennoch war
dies alles nur ein leichtfertiges, unverantwortliches Spiel, das
verwehte und ſie im Schmerz zurückließ! Und wieder, als das
große Orcheſter ſtark und aufwühlend die erſten Cakte der
Beet=
hovenſchen Eroica zu ſpielen begam, betrachtete ſie ihn. Faſt
haſſend und unendlich wehe.
Da taſtete ſich ſeine Hand ganz leiſe in ihre Hand, er hatte
ihren Kampf verſpurt. Da, als ſie das Klopfen ſeines Blutes
fühlte, war es ihr, als ob aus dieſem Blute eine gute, kluge Frau
ihr zuſpräche und ihr den Mut zum Glück eihauchte. Da fand
Georg Frank auch einen anderen Bundesgenoſſen: den Großen,
der aus dem Orcheſter ſprach und ihr nun in ſeiner leid= und
freudetiefen Muſik vom Leben eines kämpfenden Menſchen
er=
zählte. In dieſen Klängen ſchmolz ihre Angſt, in dem verklärten
Crauermarſch der Sumphonie löſte ſich ihr Leid, und als der letzte,
ſtrahlende Takt verklang, lag ihre Hand noch feſter, inniger in
der Hand des Kameraden.
Die ſchöpferiſche Armut erfüllte die andere Seite ſeines Seins.
Aber ein gütiger, milder Schatten hat dabei geholfen. Der
Schatten einer Frau, deren Leben ſo köſtlich war wie die Seit der
Reife, der Eliſabeth nun entgegengeht.
ſchwarzen Augen forſchend an, dann rollten ſie zurück, und wir
hatten das Nachſehen auf das Bläulich=Weiße des Augapfels.
Angeſtrengt blickte das Kind zum Horizont — der ganze Korper
ſchien zu horchen. Plötzlich ſchnellte es davon — mit einem hellen,
durchdringenden Schrei, wie ein kleiner Vogel. Der Sand
wir=
belte unter den ſchwarzen Füßchen. Wir ſahen noch immer nichts.
Viel ſpäter, als wir ſchon in der Niederlaſſung an der Quelle
unſere Waſſerſchläuche gefüllt hatten, kam aus jener Nichtung
ein kleiner Sug. Voraus ein rieſiges Laſttier, ſtolz „geführt” von
unſerem kleinen Negerlein — und dahinter ein paar Männer.
Darunter eine, dem das Kind immer wieder ſein ſtrahlendes
Ge=
ſicht zuwendete — ein beſonders junger Burſch — der Vater...
Denn Negerkinder haben ſchärfere Augen und Ohren, als
wir wiſſen. Von dem liebenden Inſtinkt ganz zu ſchweigen.
Ein ſechsjähriger Künſtler in Burma.
In der Negel ſind alle Kinder den Fremden gegenüber
un=
geheuer ſcheu. Sie verſtecken ſich hinter den Seltwänden und
Hüttentüren, und es dauert Stunden, bis man ſie mit bunten
Glasperlen oder ſonſtigen Herrlichkeiten hervorlocken kann. Dann
kommen ſie näher, die Hände auf dem Rücken, die kleinen,
zögernden Füße jederzeit zur Flucht bereit.
Ein kleiner Burſche war dabei, der mit beſonderem Intereſſe
die Glaskugeln betrachtete. Es war, das fiel uns auf, nicht wie
bei den anderen allein die kindliche Freude an der Buntheit und
an der Form. Er ſchien zu überlegen. Dann griff er blitzſchnell
zwei weiß und ſchwarz marmorierte Kugeln aus der Schachtel und
ſchoß davon.
Wir fanden ihn hinter einer Hütte, ganz vertieft in ſein Spiel.
Er hatte emen Berg feuchten Lehms vor ſich und knetete
For=
men — Kamele, Büffel, Ninder. Nichts ſchien ihm zu gefallen.
Schließlich fand ein Büffel Gnade vor ihm — und die kleinen,
ſehr ſchlanken Hände drückten links und rechts in den Kopf die
beiden Glasperlen. Die Wirkung war verblüffend.
Woher hatte der kleine Kerl dieſes Können, dieſen
außer=
gewöhnlichen Blick. Er arbeitete mit dem Lehm wie ein
Bild=
hauer, zerdrückte die Formen, die ihm nicht ſchön erſchienen, und
unaufhörlich formten die ſchmalen, braunen Finger Geſtalten,
während die Augen des kleinen Burſchen für ganz andere Dinge
intereſſiert ſchienen.
„Sein Vater hat die größten Herden”, ſo erklärten ein paar
Frauen ſpäter. „Schon als Vierjähriger hat er mit den jungen
Cieren geſpielt. Er wird wohl einmal Prieſter werden und
Cempelfiguren machen . . ." Nun, vorläufig ſchien ihn nichts auf
der Welt zu intereſſieren, ausgenommen die Ciere.
Wenig ſpäter ſahen wir ihn eſſen. Vor ſich eine Schüſſel mit
Reis, darin ein Löffel zum „Auflegen”, aber neben dem Löffel
tauchte die Hand in den Celler und führte die Reiskörner zum
Mund — ſehr ſchnell ging es. „Warum nimmſt du nicht den
Löffel?” — „Meie Hand iſt doch viel ſauberer”, ſagte er
ver=
ächtlich.
Kleie, ſchwarze Künſtlerhand.
Mütter und Kinder.
Je weiter nach Oſten, um ſo ſtärker prägt ſich die Empfindung
ein: ernſt, toternſt ſind die Kinder. Nicht allein die buddhiſtiſchen
Knaben, die den Göttern geweiht ſind und als Prieſternovizen
auf den gewaltigen Cempelſtufen ſitzen, Stunden um Stunden,
auch die Kinder in Burma mit den kunſtvollen Friſuren, die dicken
grünen Sigarren im Mund, die kleinen Hindus und die winzigen
ſchlitzäugigen Chineſen — es iſt, als trügen ſie die ganze Schwere,
das Geheimnis und die Einöde der heimatlichen Landſchaft in
den Augen.
Lachen? Lachen ſieht man ihre Mütter, wenn ſie die Kleinen
auf den Arm heben. Und darin unterſcheiden ſie ſich nicht im
geringſten von der europäiſchen Mutter.
„Sag’s ihr auf Schallplatte!
Humoreske von Paul Bergenholt.
Fünfundzwanzig Jahr iſt der Martl Hambichl mit der
Geno=
fefa, geb. Krottl, in Ehegemeinſchaft, und in all der Seit hat die
Frau, die von der ſanften Güte der Namenspatronin auch nicht
eine Spur hat, auf dem Hof das ſchärfſte Negiment geführt; auch
gegen den Martl, der ja als armer Schlucker in das reiche
An=
weſen hineinheiratete. Dieſe 25 Jahre haben dem Manne, der
wegen des lieben Friedens und auch aus ſeiner früheren Armut
ſchweigen lernte, ein Lächeln gegeben, das ſtumm, aber auch bitter
iſt vor verhaltenem Ingrimm. Und eins ſteht feſt in der Seele
des Martl: Einmal, einmal wird er es ihr ſagen, was für ein
hölliſches Weibsbild ſie iſt!
Nun rückt der nahende Silberhochzeitstag auch ihn ein wenig
in den Mittelpunkt der Ereigniſſe. Die Genofefa will an dieſem
Feſttag alle Verwandten und Bekannten um ſich haben. Der
Pfarrer wird erſcheinen, nach dem Kirchgang wird man eſſen,
trinken, Neden halten, tanzen. Dazu hat man ja ein
Grammo=
phonl ... Freilich: Ein paar Canzplatten wird der Martl noch
beſorgen müſſen! Und dazu ſoll er in die Wienerſtadt! Und er
geht auch hin, hat einen freien, friedlichen Cag vor ſich, atmet auf,
freut ſich an dem bunten Creiben, wittert Morgenluft, aber
dar=
unter ſchwelt heimlich ſeine Bitterkeit!..."
Vor einem Grammophongeſchäft lieſt er: „Sag’s ihr auf
Schallplatte!” Und er denkt, was das nun wieder Neues ſein
mag? . . . Aber das wird ihm ja das liebe Fräulein, das in der
Cür des Ladens ſteht und einmal in die Sonne blinzelt, wohl ſagen.
Alſo tritt er ein, und die Junge fragt:
„Der Herr wünſchn?
— „Eine Canzplattn, wann i kriegn
könnt!” ſagt er, und ſie betut ſich: „Aber gernl. Solls ebbes vom
Lanner, Strauß, Millöcker, Heuberger ſei?. . . Oder aus ner
neuen Operettn in Schlager?”
Das aber iſt dem Martl ganz egal, denn ſeine Gedanken
kreiſen um das Plakat: „Sag’s ihr auf Schallplatte!” und er
wittert dahinter irgendwelche noch unbekannte Möglichkeiten.
Drum faß er ſich Mut:
„Wos iſt des mitm Plakatl?”, fragt er und lieſt nochmals
Buchſtaben um Buchſtaben: „Wie machet man denn des, wann
ma einr wos auf der Plattn ſagt?” erkundigt er ſich bei der
Jungen, und die ſagt ihm:
„Der Herr beſprechens ſelber d‟ Plattn!. . . Und nacha,
da=
heim, hört mans akkrat wiedr ausm Grammophon! . . . Allens
ganz genau!”
Die erſt vagen Gedanken des Martl Hambichl nehmen nun
eine beſtimmte Nichtung, kreiſen um die Genofefa, nehmen etliche
Bitterkeit aus der Seele auf und verdichten ſich zum Wunſch,
ihr auf dieſe neumodiſche Art einmal gründlich die Meinung zu
ſagen. Und ſo geht er, befremdet zwar von dem Neuen, aber
ganz erregt von ſeinem Wunſch, in das Aufnahme=Kabinett,
„Kann ma do allens ſagn, was ma will?” fragt er.
„S Grobſt und’s Feinſt!” lacht das Fräulein.
„Nein ſchimpfn kann ma aa?” will er wiſſen.
„Jofreili wanns des wolln!” beſtätigt die Junge.
„Und d‟ Plattn laß nix aus drvo?” iſt er beſorgt.
„Aber nit s Gringſte!” beruhigt ihn das Fräulein.
„Ma mueß aſo anhörn, wos i ſag?” fragt er begierig.
„Do kann ſi keinr wehrnl. . . s ſei grad, daß . ."
„Daß wos?. . . Des mueß i wiſſn?!” horcht er auf
„Daß ma d‟ Plattn abſtelln tät!” erklärt ſie.
„Des kann man nit hindern?” fragt er enttäuſcht.
„Freili, wann man n Abſtellhebel fortnimmt!” erklärt ſie ihm
und zeigt ihm das auch gleich an einem der Apparate. Da reibt
ſich der Martl die Hände und pratſcht ſich eins auf’s Knie, daß es
ſo knallt:
„Fein iſt dest. . . Nobell. .. Grad nobel iſts!”...
Und dann reckt er ſich vor der Plattenaufnahme wie vor
einem Gegner, dem er’s nun einmal gründlich geben wird. Suerſt
freilich iſt ſeine Stimme noch etwas zaghaft, weil es eigentlich
unvorſtellbar iſt, daß er ſich hier einmal ſo auslaſſen darf, wie
er’s möchte, und wie es der jahrelang gehäufte Groll fordert.
Aber mehr und mehr ſtrafft ſich ſein Mut:
„Heunt alſo iſt unſer Silbertagl... Und do derf i aa woll
ein Wörtl redn, nit wohrl. . . Denn i ghör doch drzu, nit wohr?
— Und nun tut der Martl einen imaginären Blick über die
zahl=
reichen Feſtgäſte:
„S begrüeß aſo olle Verwandtn und Freunde und Bekanntn,
bſonders dn liabn Herrn Pfarrl.. Und dann aa di, Genofefal”
— Und da ihm keiner ins Wort fallen kann, entfaltet er ſich,
und die Augen brennen:
„Wann i di ſo anſchau, Weib, kann i’s mir mit denkn, daß
i fünfundzwanzge Johr nebn deiner ausgehalten habl . . . Denn
ſchlimmr als d tiefſt Hölln ſinds gwen, d Johrnl . . . Und
ſek=
kierſt hoſt mi und d' andren aufm Hof, daß s wia ma ſagt, auf
kei Kuhhaut nit aufigeht! . . . So iſt des gwen!.. . Und
ſek-
red i, dr Martl Hambichll. . . Und du biſt ſtad und haltſt’s
Mäul. . . Un i ſag allweil: Der Oberteifi in dieſr Ehhöll is d‟
Genofef gwenl.. . Ein Satan is grad ein Engerl dodergegnl. . ..
Wia ein Schindr hat des Lueder mi gſchundn, der Satansknochn,
der elendig! . . . Aber heunt ſag is dir: Aus und gar is! Grad
aufn Silbertagl... Und dodergegn feit ſi nix!. . . Denn i ſags
dir auf Schallplattn! . . . Daß’s aa alle hörn, was fürn
Elends=
menſch i Eſl gheirot habl. . . So!”
Damit verläßt er das Kabinett, putzt ſich den Sornſchweiß
von der Stirne, ſchnauft erregt, wartet auf die Platte, zahlt und
mimmt ſie mit nach Haus. Und am Silbertag, als die Genofefa
ihre Herrſchaft krönen will, und alle ſitzen geſpannt da, und der
Pfarrer und der Bürgermeiſter haben ſchon geredet — da legt
der Martl die Platte auf’s Grammophon, deſſen Abſtellhebel er
zuvor ſchon abmontiert hat! Und es iſt eine faſt teufliſche Freude
in ihm, wenn er denkt, was jetzt kommen wird! Und als die erſten
Worte erklingen, geht er aufrecht von dannen ins nächſte
Wirts=
haus. Aber er ſitzt da nicht lange. Denn nun kommt der
Schwa=
ger bald hinter ihm hergegangen:
„Sollſt heimkimma, läßt d. Genofef di bittn!“
„Wos?. . . Die und bitten?! . . . Daß i nit lach!”
„Allweil ſchön bitten tät d: Genofef!” ſagt der Schwager. Und
dann erzählt er dem aufmerkſam und lachend Lauſchenden:
„Erſt hats ein Mordswut kriegt!. . . Als d‟ Platten abr nit
aufhört, und der Pfarr ſteht auf und ſagt: „Grad Unrecht hatr
nit, der Martl”. .., da hats ſi inm Grund und Bodn gſchamt,
d: Genofef, und is in die Kammer!”
„Aſo, des hat dr Pfarr geſagt?” fragt der Martl.
„Freilil. .. Und nu tät d: Genofef ſchön bittn!“
„Wos ſoichene Plattn doch wert is!” freut ſich der Martt,
ſteht auf und geht heim, wo die Frau ſtumm und ſtarr in einer
Ecke ſitzt. Geſagt hat ſie nichts. Aber als ſie wieder zu den
Gäſten reinkommt, ſetzt ſie ſich neben den Martl, und der iſt ſehr.
aufgeräumt und flüſtert ihr zu:
Allweil hab amol gredt, gelt? . . . J, der Martl!”
Er ſagt das aber nicht ungut Und die Frau verſucht ein
ſauerſüßes Lächeln. — Doch ſoll ſeither die Ehe viel beſſer
ge=
worden ſein..."
Endſpielſtudie 46.
Nummer 424.
Alexei Troitzky in Penſa.
(Troitzy=Buch, 1924.)
Weiß zieht und gewinnt.
Prüfſtellung: Weiß: Kh1 Lb4 d5 Bh5 (4);
Schwarz: Kh6 Tg8 Ba5 (3); W. gew.
Löſung der Endſpielſtudie 45.
H. Rinck. 150 Fins de Partie. (Kd1 Dd3 Bf4; Kd5 Dh8 Bc6 d6 g5 h7.
Weiß zieht und gewinnt.) 1. Dd1—a4: Ke6 2. Bf5+1 Ke7 oder f7 3. Da7+
Kf8 oder g8 4. Db(a)8+ Kg7 5. Bf6+ und gewinnt. 2. . . . . K:f5 3. De4+
Kf6 4. Dd4+ und gewinnt. Nicht 2. De4+(:) wegen Kd 7(7)1
Briefkaſten. J. M. — Ihre Nummer 540 iſt nebenlöſig mit 1. Tc4!
2. So3 +3. N:T, 4. Ta5 +. Wir würden uns freuen, bald wieder
eine Zuſendung von ihnen zu erhalten.
F. H. — Ihre Aufgaben 370, 371 und 376 künnen wir wegen
Neben=
löſungen leider nicht verwerten. 370 ſcheitert an 1. Db5 und Db8.
371: 1. Sb2 ++1 376: 1. Td4 +.
Rätſel II
Kreuzworträtſel.
Die Wörter bedeuten von oben nach unten: 1 Papagei. 2
Un=
gläubiger, 3 Auerochs, 4 Halbedelſtein, 5 Franzöſiſcher
Schrift=
ſteller, 7 Kleines Raubtier, 8 Raubfiſch, 9 Sonnengott 10
Geiſt=
liches Lied, 14 Bekräftigungsformel, 15 Weinmaß, 16 Nutztier, 18
Beleuchtungskörper, 19 Vermächtnis, 20 Trinkſtube, 21 Nordiſche
Göttin der Unterwelt, 22 Tierkadaver, 23 Europäiſche Haup=ſtadt,
28 Stadt in Aegypten, 29 Gegenſatz von Feigheit, 31
Zahlenglücks=
ſpiel, 33 Deutſcher Dichter (18. Jahrh.), 34 Silbermünze, 36
Sing=
ſtimme, 37 Gleichwort für ſelten, 38 Heilmethode, 40 Zahl.
Von links nach rechts: 2 Kopfbedeckung, 6 Schweizer Kanton,
Held, Halbgott, 11 Ruſſiſches Handelsgewicht, 11. Gebirge in
Inneraſien, 12 Leichtes Luſtſpiel, 13 Hohes Ziel, 15 Tonſtufe, 17
Gefrorenes, 18 Gleichwort für Kosmos, 20 Strauch, 22 Singvogel,
24 Viehfutter, 25 Vorgebirge, 26 Japaniſches Nationalſpiel, 27
Büchergeſtell, 30 Arabiſche Grußformel, 32 Marokkaniſche
Küſten=
landſchaft, 33 Landwirtſchaftlicher Beſitz, 35 Richtblei, 36 Teil der
Kirche, 38 Handwerkszeug des Maurers, 39 Langes ſchmales
Holz=
ſtück, 41 Haustier, 42 Raubtier, 43 Lurche, 44 Fluß i, d. Steiermark.
Auf Urlaub.
Recht, Stern, Stand. Mann. Stein, Kunde, Arzt, Bär, Wind.
Jedem der obigen Wörter iſt ein anderes. aus ebenſoviel
Buchſtaben beſtehendes Wort vorzuſetzen, ſo daß Doppelwörter
ent=
ſtehen, deren Anfangsbuchſtaben eine Urlaubsbeſchäftigung nennen.
Silbenrätſel.
Aus den Silben: al an anſ ba bach bach be biſ hra
e eb, eg er erb eſ ful ga ge ge
char de, de do
ge gen gold i i in in ki leigh li lied lun ma man
pe pe qui
men mi mo mut nau ner nett ni nur o
ra re re ri rif ſau ſchen ſe ſo ſo ſo ſtinkt ſtoff ſw
ta ti ti uſ wer zi zi zin ſind 27 Wörter zu bilden, deren
Anfangs= und Endbuchſtaben, beide von oben nach unten geleſen,
ein Zitat aus einem Gedichte von Schiller ergeben (ch — ein
Buchſtabe)
Die Wörter bedeuten: 1 Nutzpflanze, 2 mathematiſche Wiſſen=
4 europäiſcher Strom. 5 Storchvogel,
ſchaft, 3 flüſſige Speiſe.
6 deutſche Dichterin, 7 Naturtrieb, 8 altdeutſches Epos, 9
bekann=
ter Läufer, 10 landwirtſchaftliches Gerät, 11 berühmter britiſcher
Seemann 12 nördliches Volk, 13 Elementarſtoff 14
Lohnverzeich=
nis, 15 Linie auf der Wetterkarte 16 Vorratshaus, 17 Rübe,
18 Hülſenfrucht, 19 Teilhaber, 20 Zeitabſchnitt, 21 heiliges An=
23 Dienſtrang 24 italieniſcher Maler,
denken, 22 Biſchofsmütze,
25 Widerruf, 26 Stadt in Bayern, 27 Gedicht.
Auflöſungen der Rätſel aus Nr. 29.
Zaunrätſel.
Druck, Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hoſbuchdruckerei, Rheinſtr. 23. — Verantwortl. für die Redaktion: Dr. 5 Nette. Darmſtadt.
[ ← ][ ][ → ] Nemlich alſo, un deß geheert aach emol geſagt, un was
wohr is, därf mer ſage, ſecht als mei Freundin, die
Endebär=
zelſen, un fengt dann zu ſchwätze un zu läſtern a, zu verleimde
un zu lieje, daß ſich die Balke bieje, un de Himmel ſei blau
Fabb verliert, un die Sunn ſchwarz wärd. Awwer in aam
hott ſe recht, un däß is mir jetzt ganz aanerlaa, wann ſe recht
hott, hott ſe recht, bloß kimmt’s wunnerſelte vor, un ſtimmt
mehrſtendaals hinnedrei doch widder net. —
Awwer jetzt, däß muß ich ſällwer ſage, alſo dodrinn hott
mein Freund= und Zeitgenoſſin recht, wann ſe ſeecht, daß
hei=
dichendags eichendlich die ganz Wäld ſich ſo ziemlich ſällwer
im Wähk weer, un mit ſich ſällwer net gud ſei, un ſich ſällwer
zum Boſſe läwe dhet, drotz Gemf, Lokarno, Schäcker un wie die
Völkerverſehnungsortſchafte all haaße .."
8 is awwer aach gewiß und wohr, wo mer äwe hieguckt, is
Krach und Späckdagel, un wo mer hiehorcht, is die
Menſch=
heit aus em Haische, un ſchimbft iwwer die Zeit aus dauſend
und drei Grind, un aus hunnerddauſend un vier Urſache, un
zufridde is eichendlich ſo recht niemand mehr, un bei uns in
Deitſchland ſchon gornet, was ja zwar kaa Wunner is, dann
die Zufriedenheit is e aſch ſälde Blenzche worrn; ich glaab, noch
net emol uff=em „Ewerſchter Nadurſchutzpad”, den woſe
neilich ei geweiht hawwe, is es zu finne. Dann warum? —
Eijano, mit de Zufriedenheit is heit kaa Geſchäft mehr zu
mache; for die Zufriedenheit wärd heit niemand mehr bezahlt,
ſundern härngäje ehnder for’s Maule un Drotze, for’s
Uffbe=
gehrn un Kragehle
Alſo, wie geſagt, alles is unzufridde, närchendswo heert
mer däß Liedche, wo ſo ſchee affängt un haaßt: „Freund ich
bin’s zufrieden, geh es wie es will
Freilich, bei uns
geht’s ſeit einicher Zeit, wie’s will, awwer es is aach denooch
un meiſtens hinnerſchdevörderſcht.
Un es is däßhalb jo aach net ewäck zu leichne: der Jammer
in Deitſchland is groß; awwer noch größer is des
Gejam=
mer. Beſunners däßhalb, weil ſich mit Vorlieb aach die
Kreiſe dra bedeiliche, die wo eichendlich Grund un Urſach hedde,
vun ganzem Härze zufridde zu ſei, ſoweit ſe geſund ſin un
Arweid hawwe. Awwer des Lammendiern und Jammern
ge=
heert heit emol zum gude Ton in alle Läwenslage, des Nage
am Hungerduch is heit große Mode, un wann’s aach des
Hun=
gerduch in ärchend=ere Summerfriſch is. Un mer jammert jo
aach net aus Rickſicht un Mitgefiehl uff die, wo wärklich äwe
es Brot kaum iwwer Nacht im Haus hawwe, ſundern mehr aus
de Angſt eraus, die annern könnde denke, mer hett noch was.
Un wann mer heit an freecht: „no wie geht’s?
— dann ſeecht
der ſchnell: „ach no, ich habb aach kaans”, weil er glaabt
mer wollt=en abumbe. — Odder beiſpielsmeßich, wie de
Datt=
rich zu ſeim Freund Spirwes ſeecht: „Sie kennde mer en
Ge=
falle dhu” — wo der ſchnell druff erwidert: „Ich hab kaa Geld
bei mer!“ Un ſo is äwe die ſtehende Redensart, wo mer
enaus geht: „Kaa Gäld ham=mer aach!"
Alſo: kaa Gäld is des aanziche wo mer hott.
Annerer=
ſeits wärd awwer doch aus jedem klaane Alaß heit e „Feſt”
gemacht. Bald wärd was ei geweiht, bald wärd wo um die
Wett getornt, gelaafe, geſchwumme, gefochte, geſunge; wo ſich
nor e Hawwerkiſt uffdreiwe leßt, ſchun ſchwingt ſich ſo en
„Feſtredner” druff un hellt e Redd; bald wärd ärchendwo en
„Maddſch” ausgefochte, daals mit de Fieß, daals mit de Hend;
Räjemends=. Badalljons= und ſunſtiche Dääg fehle aach net,
iweſo fehlt’s net an „Deitſche” „nadzionale” un „
rebubblika=
tiſche‟ Dääg, wo die Daalnehmer aus alle Windrichdunge
zu=
ammegedrummelt wärrn; jeder Wärt, der wo e „
Näwezim=
ner” hott, hott aach ſicher en gude Freund, der wo ärchend en
Verein in’s Läwe rifft; aus alle fimf un zehe Johr wärd e
„Juwiläum gemacht —. Un de Schlußreffereng: „s is kaa
Bäld do — —
Daß bei all dem die Rechierung hergeht un legt aach noch
Bankfeierdääg” ei”, will mer zwar net recht in die Kobb,
iwwer ſoviel ſcheint mir doch de Fall zu ſei, daß däß mit=ere
Feier” an ſich nix zu dhu hott, ſundern ganz im Gäjedaal.
In ob die „Bankfeierdääg” zu de bewegliche oder
un=
ewegliche Feierdääg zehle, ſteht aach noch net feſt; zu de „
kirch=
iche” zehle ſe awwer net, däß is ſicher. Jedenfalls wärd’s ſo
ei, daß die Bankfeierdääg in e „beweglich” Zeid falle, un mit
inſere „unbewegliche” Bankrottsſtimmung zuſamme henke. —
Dohärngäje ſin an de „Bankfeierdääg” im Härrngadde net
ie „Verhältniſſe”, ſundern die — naßkalde Awende ſchuld. . .
Awwer däß mag nu ſei, wie’s will, jedenfalls, die „
Bank=
eierdääg” un die „Bollezeiferie” baſſe uff=enanner wie die
Fauſt uff’s Aag. Mer hett däßhalb aach „Bankferie” un
Bollezeifeierdääg” ſage kenne; denn eben wo Begriffe feh=
len, da ſtellt allemol widder ein Wort zur rechten Zeit ſich ein.
— Odder kann jemand den Sinn vun dene zwaa Wörter
be=
greife? — Ich hab ehnder des Gefiehl, als wann genau es
Gäjedaal vun dem erauskemt, was gemaant is, odder was
mer ſich wenichſtens in ſeine kindliche Unſchuld drunner vorſtelle
dhut. Nemlich: die Bollezei hott kaa Ferie, un die Banke
hawwe kaa Feierdääg, ſundern aller Vermudung nooch
hawwe ſowohl die Bollezei=, wie aach die Bankbeamte in de
nechſte Zeit alle Hend voll zu dhu . . ."
Däßhalb hott aach die Rechierung die Order ausgäwwe:
„Nerfen behalten!“ — Däß is des aanziche, was mer
behalte därfe. Die Steiern doharngäje miſſe weider bezahlt
wärrn —
Aans awwer ſteht feſt: die Siddewatzion is ernft ſehr
ernſt, un es liggt mir färn, gar dodriwwer witzele zu wolle,
obgleich ich nooch wie vor meim Grundſatz hulldich: „Humor
verlorn, alles verlorn‟
wann ich aach net ableichne will,
daß es mit=em Humor doch ſo e eiche Sach is; mancher lärnts
nie. Awwer was mer lengſt gelärnt hawwe kennte, is däß,
daß es mit dem ewiche Jammern und Lamediern net gedho is:
„Was nitzen uns die ſchweren Sorchen, was nitzt uns unſer
Weh und Ach, was nitzt es, daß mir alle Morchen, beſeufzen
unſer Ungemach; mir machen unſer Herzeleid nur greeßer dorch
die Draurichkeid . . ."
Däß is e Lied aus ere Nodzeid in
Deitſchland, die net geringer war, wie unſer, un ſie is aach
iwwerwunde worrn —
Mir wärrn aach unſer iwwerwinde, wann mer die
Närfe behalte. Un wann mer uns weder vun de „Schkilla‟
rechts, noch vun de „Karribdiß” links de Kobb verdrehe
loſſe, ſundern wann mer uns ſage, daß zum Exembel dorch
Schtreik, Sabbodaaſch, Uffruhr, Raiwerei un Plinderung nix
geſchafft un nix gedho is; wann uns aach die Radikaliſte
glaawe mache wolle, daß erſt im allgemeine Dorchenanner erſt,
wann es Owwerſte zu unnerſt geſchmiſſe is, erſt wann alles
kabudd un futſchigado gemacht is, erſt wann afach alles voll=
kumme un radikahl korz un klaa geſchlage un in dauſend Fätze
verriſſe is, daß dann erſt die Beſſerung kumme kann, weil’s
nehmlich in dem Fall, ohne weiteres ſo klar is wie Kleesbrieh,
daß es dann net mehr ſchlimmer kumme kann.
Ich geheer zu dene, die der beſcheidene Maanung ſin, daß
die Art „Raddikahl”kurbehandlung, die wo uns do vun dene
Beſſerwiſſer links un rechts emfohle wärd, net ganz es
Rich=
diche ſei kennt, ſundern daß däß ungefehr grad ſo is, wie wann
e Dockter en Kranke, dem wo er zur Beſſerung helfe ſoll, erſt
emol korzer Hand dodſchlage, un zu de verwunnerte
Hinner=
bliewene ſage dhet: Alſo däß wärrn ſe eiſſähe, ſchlechter
kann’s jetzt dem Pazzient net mehr geh, alſo muß
nodwen=
nicherweis die Beſſerung affange!
No es is jo allerdings die Frog net ſo ohne weideres
befriedichend uffgekleert, ob’s unner de gäjewärdiche Umſteno
de Dode, odder de Lewendiche beſſer geht. Awwer däß is ſicher,
die Dode brauche ſich wenichſtens nemmehr iwwer den ganz
unglaabliche un himmelſchreiende Bleedſinn, un iwwer die
gradezu rieſengroße un piramidale Narretei zu ärchern, mit
däre mir Deitſche uns äwe des Läwe ſchwer, un jeder
Re=
chierung aach den beſcheidenſte Erfolch faſt unmeechlich mache.
Grad jetzt ſteht unſer deitſcher Staat widdermol im ſchwerſte
Ringe mit allerhand „getreie” Freund un Nachbarn un
der=
gleiche. Un unſer Rechierung kann ſich weder uff ihrn
Gäld=
ſack, noch uff Bajonädder, Flugzeich un Kanone ſtitze, ſundern
bleeslich uff unſer Verdraue — Endziehe mir ihr däß
grad jetzt no dann wärrn mer vermudlich ſehr bald allen
Grund un Urſach hawwe, zu heile un mit de Zeh zu klappern,
zu jammern un zu lamediern. Awwer dann ſoll mir nor
kag=
ner kumme, und ſoll ſage, ſo un ſo . . . . . .
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm! Zu Owichem weer noch
noochzu=
drage, daß mer aach die Woch in Darmſtadt die Brob uff’s
Exembel hott mache kenne, wie’s mit aam ſeine Närfe beſtellt is.
Zu dem Zweck ſin Verſchiedene uff die Banke un die Sparkaß
gelaafe, weil ſe geglaabt hawwe, ihr Gäld weer widder hie. Un
do hott mer’n zur Beruhichung geſagt, daß mer kaa Bange zu
hawwe braicht, es weer genuch Gäld do, es weer bloß kaans do.
Odder, um mich banktäſchnich auszudricke, mir hedde kaa
Im=
flatzion, ſundern e Deflatzion. Awwer die meiſte konnte mit
däre Deffinatzion nix afange. Mer konnt=ſen net verdenke, dann
mer hott ſe aamol uff die Schleif gefiehrt. . .
Zum allgemeine Verſtendnis mecht ich=en awwer de
Unner=
ſchied zwiſche 1923 un 1931 klar mache. Alſo uffgebaßt: bei=ere
Imflatzion hawwe mer Iwwerfluß an Mangel, un bei=ere
Deflatzion — Mangel an Iwwerfluß . . . kabbiert? —
Deshalb kaa Angſt, dann, wie geſagt, es is genug Gäld do,
es is bloß kaans do! — Zu dem Zweck hott die Rechierung jo aach
gäſtern die nei Nodverordnung beträffs de auslendiſche
Bankguthawe erloſſe. — Endlich!—
Im iwwriche, was mich bedrifft, ich brauch iwwerhaubt kaa
Gäld — wann die annern kaans wolle. . ."
Was dohärngäje den Krambohl am Mittwoch bedrifft, ſo
hawwe ſich wohl die meiſte, die wo do „per Zufall” enei kumme
ſin, en Nerfe kitzel devo verſproche. Es ſoll awwer bei manche
mehr gebitzelt hawwe. —
No, ich hab jo ſeinerzeit aach
„per Zufall” e Horn devo gedrage, un kumm for’s erſte „per
Zufall” net mer in ſo en Zufall enei.
Nadierlich ſin jo aach am letzte Middwoch die meiſte nor ſo
„per Zufall” enei kumme, un ſie miſſe ſich däßhalb ſchun damit
abfinne, wann ſe äweſo „per Zufall” a radiert krickt hawwe. —
Mer wärd däßhalb gud dhu, wann mer es macht wie ich, un geht
dem „Zufall” kimfdich aus em Wähk, un dhut unſere Bollezei
ihrn ua’gnehme Dienſt net noch ſchwerer mache. Dann die
Bolle=
zei is defor do, Ruh un Ordnung zu halte, un ſie wärd dobei
aach ihr Närfe behalte, wann mer ſe net zum „Uhz” halte. Un
wann=ſe ſich grad des letztere unner de heidiche Umſtend net
mehr lenger gefalle leßt, hott ſe recht. — Wann’s unnerm alde
Reſchiem mitunner als emol Unruhe gäwwe hott, do hott e „
Bickel=
haub” geniecht. Wann’s heid en Gummiknibbel ſei muß — is däß
de Bollezei ihr Schuld . . .
Wie mer ſich awwer kinſtlich iwwer jeden „Dreck” uffreeche
kann, hawwe mer bei de letzte Stadtratsſitzung geſähe, wo mer
zwar ausnahmslos net grad vum Hunnerdſte ins Dauſendſte
kumme is, awwer doch vun de „Nodzeit” uff die „Millabfuhr”.
Was dohärngäje unſern unausgeglichene Edad bedrifft, ſo ſeecht
mer ſich jedenfalls; der wärd im Lieje gud —
— un geht in
Ferie.
No, do will ich unſere Stadträt empfähle, die
hunnerd Mack for den Grenzpaß net zu vergäſſe. .. . .
Der zeitgemäße Haushalt.
Speiſezettel vom 20. bis 26. Juli 1931.
(Mitgeteilt vom Hausfrauenbund Darmſtadt, e. V.)
Die Koſten des Speiſezettels ſind für 6 Perſonen berechnet.
Nontag, den 20. Juli:
Brotſuppe
0,30
Gefüllte Gurken mit Kartoffeln
1.90
J5K
ienstag, den 21. Juli:
Haferſuppe
0,30
Riſotto mit Tomatentunke".
1.30
1,60
Nittwoch den 22. Juli:
Zwiebelſuppe
0,30
2.10
Schweinekoteletten
mit Bohnenſalat, Kartoffeln
1.20
3,60
onnerstag, den 23. Juli:
0,30
Gerſtenſuppe
1,80
Tomaten mit Pilzen gefüllt
62
Kartoffeln
2,35
reitag, den 24. Juli:
0,50
Gemüſeſuppe
2,00
gebr. Fiſchfilets
0,70
mit Salat und Kartoffeln".
0,80
Heidelbeeren mit Milch
4,00
amstag, den 25. Juli:
0.30
Kartoffelſuppe
2.20
Arme Ritter mit Kompott .
250
onntag, den 26. Juli:
0,50
Kräuterſuppe
..
3,60
Kalbsbraten
1.00
mit grünen Bohnen, Kartoffeln
1.,80
Vanille=Eis
6,90
Kleingeld als Erſatz für Gewichte. Fehlt es an dieſen bei
r Küchenwaage, ſo halte man ſich einige Pfennig= und 5=
Pfennig=
icke zur Verwendung als ſolche bereit, und zwar wiegt 1 Pfg.
Gramm, alſo 5 einzelne Pfennigſtücke 10 Gramm. Von 5=
Pfen=
gſtücken wiegen 2 Stück 5 Gramm, ſo daß man alſo mit Hilfe
H.
eſer Münzen jedes kleinſte Quantum abwiegen kann.
Haben Sie ſchon einmal Obſt=Aufläufe verſucht? Die während
der Sommermonate eingeführte Umſtellung des Speiſezettels ſieht
vor allem eine Bevorzugung der „leichten”, d. h. gemüſe= und
obſt=
reicheren Gerichte vor. Zu dieſen ſind auch die verſchiedenen
Auf=
läufe zu zählen, unter denen namentlich diejenigen mit Obſt
vor=
züglich ſind und der Deviſe nachkommen: „Eßt mehr Früchte!‟ Zu
dieſen Aufläufen kann man alles Obſt verwenden, das man
unge=
kocht, lagenweiſe mit zuvor dick ausgequollenem Reis, Grieß,
alt=
backenen Semmeln, Haferflocken, Nudeln uſw. in eine mit Butter
ausgeſtrichene, feuerfeſte Auflaufform ſchichtet. Darauf wird eine
Taſſe Milch mit 1—2 Eiern, 1 Eßlöffel Mehl, ½ Teelöffel Salz
und 1—2 Eßlöffel Süßſtofflöſung ſcharf verquirlt und über den
Inhalt gegoſſen. Mit kleinen Butterflöckchen belegt, backe man
den Auflauf bei Mittelhitze 34—1 Stunde. In der Form
aufge=
tragen, reiche man dazu entweder eine warme oder kalte
Vanille=
oder Mandelſoße. Erkaltet in Scheiben geſchnitten, ergibt er
je=
doch auch ein kuchenartig ſchmeckendes, Butter und Aufſtrich
ſpä=
rendes „Zubrot” zum Nachmittagskaffee.
V.
Auflauf von Schwarzkirchen. 125 Gramm in Milch dick
aus=
gequollenen Reis gebe man lagenweiſe in eine Auflaufform mit
1 Pfund entſtielten ſüßen Schwarzkirchen, die obere Schicht muß
Reis ſein. Dann verquirle man 1 Taſſe Milch mit 1 bis 2 Eiern,
½ Teelöffel Salz und 1 Eßlöffel Mehl, ſüße nach Geſchmack und
gieße dieſe über den Inhalt. Obenauf mit Butterflöckchen belegt,
backe man den Auflauf bei Mittelhitze ½—1 Stunde. Man
ſer=
viere ihn in der Form mit warmer oder kalter Vanilleſoße. L.
Auflauf von altbackenen Semmeln und Aprikoſen. Hierzu
ſchneide man altbackene Semmel in Scheiben, mit denen man den
Boden bedeckt. Darauf gebe man eine ſolche von halbierten
Apri=
koſen, die man reichlich mit Zucker beſtreut, laſſe wieder Semmel
folgen. Obenauf mit Semmeln abſchließnd, verquirle man den
Aprikoſenſaft mit 1 Ei und 1 Teelöffel Kartoffelmehl und backe
den Auflauf bei Mittelhitze ½—1 Stunde.
M.
Auflauf von Ringäpfeln. Den Boden einer Auflaufform
be=
decke man mit Semmelſcheiben, Zwieback oder Gebäckreſten und
gebe darauf eine Lage Ringäpfel, die man 1—2 Tage in kaltem
Waſſer weichen ließ. Beſtreue dieſe mit 2 Eßlöffeln Korinthen oder
Roſinen, laſſe wieder Semmel folgen, mit denen man abſchließt,
worauf man den geſüßten Apfelſaft mit 1 Eßlöffel Mehl. 1 Ei
und 1 Meſſerſpitze Salz verquirlt, darüber gießt, um den Auflauf
bei Mittelhitze 34—1 Stunde zu backen.
Ameiſen auf ſichere Weiſe zu vertreiben. Um ſie reſtlos aus
Küche, Speiſekammer und Keller zu vertreiben, ſtelle man eine
Miſchung von 2 Teilen gelöſter Pottaſche und 3 Teilen Honig in
flachen Schalen auf den Fußboden. Auch ein mit ſtarker
Honig=
löſung getränkter Schwamm lockt ſie an, worauf man den Schwamm
in einen Eimer mit kochendem Waſſer wirft und ſie dadurch tötet.
Ferner beſeitigt ſie auch eine mit Hefe verrührte Honiglöſung auf
ſchnellſte Weiſe.
IR1
Hum
Or
Gekränkt.
Der Verteidiger eines wegen Taſchendiebſtahls
Ange=
klagten plädiert auf einfachen Diebſtahl.
„Was, einfach?” unterbricht ihn der Angeklagte unwillig,
„Sie hätten nur ſehen ſollen, wie ſchwierig es war!”
Es gibt Ausnahmen. „Schmeicheleien wirken doch immer bei
Frauen.
„Das kommt drauf an! Wenn ich zu meiner Frau
ſage, daß ſie in ihrem alten Hut reizend ausſieht, dann wirkt das
gar nicht!“
Péle=Méle.)
Seemannsliebe. Euch Matroſen iſt in der Liebe nicht zu
trauen! Ihr habt doch in jedem Hafen eine Braut!”
— „Erlaube
mal! Das iſt aber ſtark übertrieben! Im Augenblick habe ich
weder in Barcelona noch in Yokohama eine
(Humoriſt.)
Der Zahnarzt. „So, der Zahn iſt raus! Es kommt mir aber
vor, als ob noch ein Stück Wurzel drin geblieben iſt!“
„Das
kann ſchon ſtimmen! Wir hatten geſtern Mittag
Schwarz=
wurzeln.
(Mouſtique.)
Es wird wärmer, Fritzchen (der Prügel bekommen ſoll):
„Nicht zu doll, Mama, du weißt doch, ich habe ſchon meine
Som=
merheſe an!
(Pages Gaies.)
Kunſtausſtellung. „Papa, warum ſetzen denn die Maler
im=
mer ihren Namen auf das Bild?‟
„„Dummer Junge! Damit
(Paſſing Show.)
man weiß, wo oben und wo unten iſt!“
Flache Handtaſchen
ſind immer ſchick, doch wird ihnen vielfach zum Vorwurf gemacht,
daß ſie nicht genügend Faſſungsraum bieten und ſomit eigentlich
nur für den Abend verwendbar wären.
Darum bringen die einſchlägigen Ateliers jetzt viele Modelle,
die zwar flach wirken, aber derart „ausgebaucht” ſind, daß man
darin ziemlich viel unterzubringen vermag. Auf dieſe Weiſe wird
nicht nur der Mode Rechnung getragen, ſondern auch auf den
prak=
tiſchen Verwendungszweck Rückſicht genommen.
Natürlich gibt es hier vielerlei Ausführungen, die immer
ganz von der übrigen Aufmachung unabhängig gemacht werden, da
es in letzter Zeit zur Selbſtverſtändlichkeit wurde, zwiſchen
Hand=
taſche und Kleid eine ſchicke Uebereinſtimmung zu ſchaffen.
Ein intereſſantes Modell bringen wir in der erſten Skizze;
es iſt aus hellem Leder (mit dunkler oder metalliſcher Prägung)
gearbeitet und wird an einem großen Metallring getragen, der
zu den neueſten Montierungsarten zählt.
Eine nicht weniger aparte Exotenledertaſche mit metalliſchem
„Hufeiſenträger” führt unſere zweite Skizze vor Augen.
Zu den intereſſanteſten Modellen aber gehören wohl die
vie=
len zweifarbigen Taſchen, die in Lack immer ausgezeichnet
wirken. Schwarz=weiß iſt hier ganz beſonders beliebt, doch richtet
ſich die Farbe (wie ſchon früher erwähnt wurde) ganz nach der
Schattierung der Aufmachung (unterſtes Bild).
W. U.
(( .
Das „Arbeitsbeſteck" fur den Garten
ſteigert zweifellos die Freude an der Tätigkeit am eigenen Grund
und Boden, denn ſchließlich iſt es ja auch nicht alltäglich, daß alle
Behelfe in ſo reizender Art zuſammengeſtellt ſind: der große und
der kleine Spaten, die Schere, das Gartenmeſſer, der Baſtſpindel,
und zwar alles mit übereinſtimmendem Griff aus farbig lackiertem
Holz mit Metalleinlagen, ſo daß der Garnitureindruck im voraus
gegeben iſt.
Eine gelungene Idee iſt auch ein ganz primitiver, nur mit
Holzwolle gefüllter „Arbeits=Polſter”, auf dem man während
klei=
ner Gartenarbeit knien kann, ſo daß die Strümpfe ſehr geſchon
werden.
Der Polſter iſt mit buntem Kreton überzogen, der mit dem
Materiale des Arbeitskleides oder der Schürze übereinſtimmen
ſoll. Das früher beſprochene Körbchen mit dem Arbeitsbeſtee
R. H.
zeigen wir in unſerer Skizze.
Die „Sicherheitsnadel”— als Schmuckſtück
iſt ſicherlich kein alltäglicher Gedanke und entſpringt einer
ſpie=
leriſchen Modelaune, die trotz ihrer Ungewöhnlichkeit in
allerkür=
zeſter Zeit zahlloſe Anhängerinnen beſitzen wird. Allerdings iſt
eine ſolche entweder aus Stahl gearbeitete und tadellos verchromte
oder aber aus Silber oder Gold verfertigte Sicherheitsnadel
be=
ſonders zur ſportlichen Aufmachung außerordentlich ſchick, da ihre
„abſichtliche Primitivität” immer ungemein reizvoll wirkt. Man
verwendet dieſe Nadeln einerſeits zur Fixierung der Krawatte
oder des Schals (Skizze oben), andererſeits auch an Stelle der
Gürtelſchließe, womit eine ſchicke Neuheit gegeben iſt. (Unteres
W. U.
Bild.)
Die „Puppen=Galerie‟
an der rückwärtigen Scheibe des Autos iſt keineswegs — wie mir
ſchon manche vorwarfen — eine bloße „Kinderei”, denn alle die
kleinen Figuren, die natürlich von lieber Hand „verehrt”, und
nicht etwa gekauft ſein müſſen, ſind nicht mehr und nicht weniger
als „die Schutzgeiſter” des Wagens
Da iſt die kleine Bäuerin mit ihren luſtigen, einwärts
ge=
richteten Beinen. Sie lächelt ſo unendlich dumm, daß ſie mir im
Nu meinen Mißmut zu vertreiben vermag, wenn es eine Panne
gibt. . ."
Der „Struwel=Peter” ermahnt mich, doch ab und zu einen
Blick in den Spiegel zu tun, um nach längerer Fahrt mit dem
Kamm durch die Haare zu fahren, ehe man aus dem Wagen ſteigt!
„Matroſe” und „Schotte” ſind Sinnbilder des Sports und
des Weltenbummelns, das „Girl” iſt eine liebvertraute
Beglei=
terin. Der kleine „Satan” warnt mich vor zu großer
Stunden=
geſchwindigkeit. Oder verlockt er mich gar zu raſchem Tempo?”
„Micky=Maus”, „Alfred” uſw. ſind Konzeſſionen an die
Tages=
mode. Natürlich werden Sammler in kürzeſter Zeit über eine
derart ſtattliche Anzahl von „Auto=Mascottes” verfügen, daß ſich
die Notwendigkeit ergeben wird, die Galerie allwöchentlich zu
wechſeln, um keinem „Mitgliede” Unrecht zu tun.
Allenfalls iſt mit dieſen Automascottes (ich weiß es aus
eigener Erfahrung!) die Möglichkeit gegeben, dem Fahrer größte
Freude zu bereiten, denn eine „Puppengalerie” kann niemals zu
groß ſein!
Wie entfernt man:
Obſtflecke.
Man ſpannt die befleckte Stelle ſtraff über einen Topf oder
eine Schüſſel und läßt tropfenweiſe kochendes Waſſer darauf fallen.
Nach wenigen Sekunden iſt der Fleck ſpurlos verſchwunden.
Kaffeeflecke.
Man betupft ſie am beſten ſofort mit gereinigtem Glyzerin
und wäſcht ſie dann in lauwarmem Waſſer aus. Dies Verfahren
ſollte man bei Kaffeedecken ſtets ſofort anwenden, da ſonſt bei der
Wäſche immer häßliche Ränder zurückbleiben.
Weiße Ränder,
die dadurch entſtanden ſind, daß man auf polierte Möbel ein
heißes Gefäß geſtellt hat: Man muß ſofort mit einem weichen
Korken, den man in Oel und Zigarrenaſche getaucht hat,
aus=
dauernd reiben. In den meiſten Fällen wird die Mühe mit
Er=
folg belohnt werden.
Stockflecke,
die ſich beſonders leicht bilden, wenn die Wäſche in feuchten
Räumen aufbewahrt wird. Man weicht die betreffenden Stellen
in Buttermilch ein, der man etwas Zitronenſaft, ein wenig
Benzin und etwas Borax zuſetzt. Man muß den Stoff wenigſtens
zwei Tage in dieſer Beize liegen laſſen und ihn dann in üblicher
Weiſe in warmem Seifenwaſſer auswaſchen. Die Miſchung iſt
3 Liter Buttermilch, Saft einer halben Zitrone, 3 Eßlöffel Benzin,
2 Eßlöffel Borax.
Roſtflecke.
Man entfernt die Roſtflecke aus allen weißen Stoffen auf
ſichere und unſchädliche Weiſe durch Eintauchen in kochenden
Zitronenſaft. Man muß mit warmem Waſſer tüchtig nachſpülen.
Bei alten Flecken muß man das Mittel wiederholt anwenden.
Schmutz= und Fettflecke.
Sie weichen meiſt dem Reiben mit einer durchgeſchnittenen
rohen Kartoffel; das angenehme dabei iſt, daß dieſe Behandlung
keine Ränder hinterläßt.
Oelflecke.
Man ſoll mit einem Wattebäuſchchen heißes Kartoffelmehl
auf dem Stoff verreiben und das Mehl dann mit ſauberer Bürſte
vorſichtig herausklopfen. Bekommt man in Bücher Fettflecke,
ſo legt man das beſchädigte Blatt zwiſchen Löſchpapier und plättet
es mit heißem Bügeleiſen. Der Fleck verſchwindet ſehr raſch. Das
gleiche Verfahren (Bedecken mit Löſchpapier und Bügeleiſen)
wen=
det man an, wenn auf Teppiche oder Tiſchdecken Stearin= oder
Wachsflecke durch tropfende Kerzen entſtanden ſind.
Blutflecke.
Man legt den Fleck ſofort in ſtarkes Eſſigwaſſer.
Flecke durch Kopierſtifte.
Man legt die Flecke nur für kurze Zeit in eine kräftige
Bleichwaſſerlöſung; der Stoff wird gar nicht angegriffen.
Natür=
lich darf man die Miſchung nicht allzu kräftig machen und den
Stoff nicht länger darin laſſen, als unbedingt notwendig iſt. Der
unangenehme Geruch verſchwindet bei dem ſpäteren Durchwaſchen
ſofort.
Tintenflecke.
Man legt den friſchen Fleck in Milch. Aber dieſe Behandlung
hilft auch nur, wenn man ſie ſofort anwendet, wie bei allen
Flecken die Loſung ſein muß, nichts auf die lange Bank zu
ſchieben.
Das Kinderpyjama für den Strand
ſoll leicht und luftig, und abgeſehen davon auch gut waſchbar ſein,
weil ſich ja oft die Notwendigkeit ergibt, ein ſolches Stück abends
zu reinigen, um es am nächſten Morgen wieder verwenden zu
können. Am reizendſten iſt zweifellos die Zuſammenſtellung einer
weiten Pyjamahoſe mit einem durch Träger gehaltenen, ſchürzen=
latzähnlichen Oberteil, wobei der ſchmale Gürtel nicht fehlen darf.
Mitunter arbeitet man dieſe Kinder=Strandanzüge aus Leinen
und beſtickt ſie (ohne aber zu verabſäumen, die Farbechtheit des
Garnes vorher genau zu prüfen) mit kleinen Blütenmotiven. Aber
auch verſtreut verwendete, luſtige Embleme (wie „Micky=Maus”,
„Felix” und „Alfred”) nehmen ſich auf einem ſolchen Pyjama in
primitiver Sticktechnik ſehr gut aus. Der breitrandige Strohhut
iſt mitunter für den Strand ſehr wichtig, wenn man nicht will,
daß das Kind den Kopf zu lange der grellen Sonne ausſetzt.
Für jedweden Sport
iſt ein ſchlichter Flauſchpaletot außerordentlich empfehlenswert,
denn er deckt das Kleid und ſieht immer ordentlich aus und iſt
ausgezeichnet am Platze, wenn man — vom Sporte erhitzt — eine
entſprechende Umhülle benötigt. Flauſchmäntel dieſer Art werden
natürlich durchaus „ſachlich” geſchnitten, haben breite Revers,
aufgelegte Taſchen, ſind an allen Kanten abgeſteppt und werden
mit einem Gürtel verſchloſſen. Während man in früheren Jahren
dieſe Umhüllen nur aus weißem Material herſtellte, ſchätzt man
in letzter Zeit auch die verſchiedenen paſtellfarbenen Flauſchmäntel,
begegnet aber auch vielen, in intenſiven Schattierungen gehaltenen
Modellen, etwa flauſchigen Umhüllen in Kornblau, Brandrot oder
Giftgrün, die ſehr ſchick ausſehen. Zum Tennis, für die
Prome=
nade im Kurort, für Motorbootfahrten und für Urlaubsreiſen zur
See ſind ſolche Mäntel geradezu unentbehrlich. (Skizze.)
W. U.
Moderne Badetiere
dürfen nicht naturaliſtiſch gehalten ſein, wie die Gummitiere des
Vorjahres es waren, ſondern ſollen ſo phantaſiereich als nur
mög=
lich wirken, weil ſie nur dann jene grotesk=heitere Note zu bieten
vermögen, die man am Strande ſo ſehr liebt. Man kann alſo
erwarten, heuer allem erdenklichen Bade=Getier das Geſchöpfen
aus Ur=Ur=Zeiten nachgebildet zu ſein ſcheint, zu begegnen.
Waſ=
ſerſchlangen aus Gummi werden die Badenden von einem Schreck
in den anderen jagen, überdimenſionierte Seepferde werden
ſicher=
lich launig wirken, und der Widerſinn einer „Dackel=Echſe” — wie
wir ſie im Bilde zeigen, wird alle Badenden unterhalten! Die
verſchiedenen Badetiere dürfen mit Fug und Recht als ſehr
rei=
zende Mode bezeichnet werden, weil ſie einen angenehmen
Zeit=
vertreib darſtellen und im Bade Belegentlich heiterſten Unter=
R. H.*
haltungsſtoff ſichern!
Nummer 198
Seite 19
Sonntag, den 19. Juli 1931
DTaagbbllaft
Ein Roman aus der Induſtrie
von Hans Domtnik
32)
Copyright by Ernſt Keils Nachf., (Aug. Scherl), G.m.b. H., Berlin,
(Nachdruck verboten.)
Einen Augenblick vergaß Düſterloh alles andere. Immer
wieder klangen die Worte Kampendonks in ſeinem Ohr: „Es
dürfte Ihnen doch bekannt ſein, daß es nicht geſtattet iſt,
wich=
tiges ſchriftliches Material aus den Mauern des Werkes zu
irgendwelchen Zwecken zu entfernen.” Und er, Düſterloh, hatte
ausgerechnet die ſo ſtreng behuteten Kundenliſten bei ſich in
ſei=
ner Leipziger Wohnung! Am Monatsende mußte er in der
Aufſichtsratsſitzung einen Vortrag über die Abſatzgeſtaltung des
letzten Halbjahres halten. Als Unterlagen brauchte er dazu die
Kundenliſten und Abſatzaufſtellungen. Statt dieſe Arbeit in
ſeinem Büro im Werk zu machen, hatte er ſich das ganze
Ma=
terial im Auto mit nach Leipzig genommen. Dort lag es nun
ſchon ſeit Wochen. Für die in= und ausländiſche Konkurrenz
mußte die Kenntnis dieſer Liſten von allergrößter Bedeutung
ſein. Kämen ſie einem Unberufenen in die Hände, würde das
Werk kaum wiedergutzumachenden Schaden erleiden.
Düſterloh ging zu einem Wandſchrank, holte ſich eine Flaſche
ſchweren Weins, füllte ſich ein Glas, ſtürzte es hinunter. „Ach
was!” murmelte er vor ſich hin. „Ich ſehe Geſpenſter am hellen
Tage! Wie hatte Adrienne oder Gallardo wiſſen können, daß
ich die Kundenliſten zu Hauſe habe und wie lange ich ſie
da=
behalte? Niemand außer Lohmann und mir weiß ja davon —
und Lohmann iſt doch zweifellos ein Ehrenmann!
Er trank zu ſeiner Beruhigung noch ein zweites Glas Wein
und ſetzte ſich wieder an ſeinen Schreibtiſch. Aber zu arbeiten
vermochte er nicht. Seine Gedanken kehrten immer aufs neue
zu den Ereigniſſen des Vormittags zurück: Als die Uhr die
letzte Nachmittagsſtunde ſchlug, wurde ihm etwas leichter
zu=
mute. In einer weiteren Stunde würde ſein Bote, der
Büro=
deiner Wittebold, ihm die Kundenliſten bringen.
Wittebold war, wie Düſterloh ihn geheißen, in Leipzig
ſofort mit einer Autodroſchke vom Bahnhof zu deſſen Wohnung
in der Sedlitzer Straße gefahren. Als er in den Vorgarten
trat, öffnete ſich gerade die Haustür, und eine ältere Frau,
mit dem Staubtuch in der Hand, kam heraus. Wittebold zog
den Hut. „Guten Tag! Sind Sie vielleicht Frau Körner?”
„Ja — ich bin die Wirtſchafterin des Herrn Direktors.
Was wollen Sie denn?”
„Ich heiße Wittebold und bin von Herrn Düſterloh
hierher=
geſchickt worden. Ich ſoll Akten holen, die in einer Mappe auf
ſeinem Schreibtiſch liegen. Hier iſt ein Brief, wo der Herr
Direktor das auch noch mal aufgeſchrieben hat.”
Frau Körner nahm achtlos das Papier. „Die Akten wollen
Sie holen? Ja, gewiß — die liegen auf ſeinem Schreibtiſch.
Iſt aber in ſchweres Paket. Kommen Sie doch lieber ſelber
mit rauf und holen Sie ſich’s!
Oben auf dem Flur machte Wittebold einen Augenblick halt,
ſah ſich um.
„Das letzte Zimmer auf dem Gang!” ſagte Frau Körner.
„Da müſſen wir hin!“
Im ſelben Augenblick klingelte es unten. Die
Wirtſchaf=
terin blieb unwillkürlich ſtehen, hörte, wie das Dienſtmädchen
die Haustür öffnete und ein Mann hereinkam.
Gleich darauf klang es von unten: „Frau Körner, der
Monteur iſt da! Will die elektriſche Flurlampe in Ordnung
bringen!“
„Gott ſei Dank!” rief die Wirtſchafterin. „Das war ja
nicht mehr zum Aushalten mit der verflixten Lampe!” Frau
Körner überſchüttete den Monteur mit einer Flut von Klagen
über die ſchleche Inſtallation. Dreimal ſchon hätte der Chauffeur
daran herumgepuſſelt, aber das hätte nichts geholfen; die
Lei=
tung ſei immer wieder kaputt gegangen. Wie konnte Frau
Körner auch wiſſen, daß die Attentate auf die „verflixte Lampe‟
ausgerechnet von Herrn Direktor Düſterloh ſelbſt verübt worden
waren! Denn der Weg von ſeinem Zimmer zu den
Appar=
tements des Fräulein Adrienne L’Eſtoile führte über dieſen
Flur, und die hundertkerzige Birne erhellte unnötig nächtliche
Exkurſionen, die ein anderes Ziel als die Toilette anſtrebten".
Währenddeſſen ſtand Wittebold vor der Tür zu Düſterlohs
Arbeitszimmer. Da die Frau Körner nicht die Abſicht zu haben
ſchien, den Monteur ſo ohne weiteres freizugeben, rief
Witte=
bold aus dem Hintergrunde: „Ich habe Eile, Frau Körner!
Muß zur Bahn!”
„Ach, gehn Sie doch rein und nehmen ſich die Mappe
ſel=
ber weg!“
Als Wittebold eintrat, war es ihm, als bewege ſich ein
Vorhang, der das Arbeitszimmer von einem anderen trennte.
Gleich darauf hörte er eine Tür dieſes Nebenzimmers ins
Schloß fallen.
Hm, dachte er, hab’ anſcheinend hier jemand verſcheucht!
Seine Hand taſtete über das Kiſſen des Schreibtiſchſtuhles. Es
war noch warm; ein Federhalter mitten auf dem
Schreib=
tiſch noch tintenfeucht: die Klappe der Ledermappe
zurückge=
ſchlagen. Ein paar Schriftſtücke ragten heraus, als wären ſie
in größter Haſt eingeſchoben.
„Hm. hm!” Wittebold ſchob die Schriftſtücke glatt. „Ganz
ſicher hab’ ich da jemand geſtört.”
Sein Blick fiel auf das
Löſchpapier der Schreibunterlage. Er kannte die breiten,
ener=
giſchen Schriftzüge Düſterlohs. Was er da auf dem Löſchblatt
ſah, war die feine Schrift einer Frauenhand.
Es zuckte ihm in den Fingern, das Löſchblatt abzulöſen.
Doch es war bereits ſtark benutzt, und ſein Fehlen mußte
un=
bedingt auffallen. Er zog die Mappe an ſich. Allerdings, ſie
war recht ſchwer. Doch was war das? Durch den Druck der
Mappe beim Wegziehen hatten ſich ein paar Zeitungen
ver=
ſchoben, unter denen jetzt ein halbbeſchriebener Foliobogen zum
Vorſchein kam. Der trug dieſelben Schriftzüge, wie ſie in
Spiegel=
ſchrift auf dem Löſchblatt ſtanden.
Mit ſchnellem Blick überflog Wittebold den Inhalt. Wieder
zuckte es in ihm, das Blatt mitzunehmen. Doch er beherrſchte
ſich, nahm die Mappe und ging hinaus. Der Monteur ſtieg
gerade auf eine Leiter. Frau Körner ſah er eben noch die
Treppe hinunter verſchwinden. Während er ſich mit Mühe um
die Leiter herumzwängte, hörte er auf dem unteren Flur ein
Telephongeſpräch. Es war zweifellos die Stimme des
Fräu=
leins Adrienne, die ſprach. Er hatte den Klang damals vom
Hotel her noch gut im Ohr; der franzöſiſche Akzent war
un=
verkennbar.
Wittebold fand die Arbeit des Monteurs an der
Decken=
lanipe anſcheinend äußerſt intereſſant. Er blickte nach oben und
beobachtete genau, wie der Monteur die Schrauben der
Lampen=
faſſung löſte. Auch wenn der ſeinen Gedanken: „Du dummes
Luder da unten, was haſte denn da zu gucken?” laut
ausge=
ſprochen hätte, würde das Wittebold nicht geſtört haben; denn
er horchte angeſtrengt nach dem Telephongeſpräch hin.
Wie es ſchien, eine ſchlechte Nachricht für Fräulein Adrienne.
Er hörte, wie ſie jetzt ſagte: „Wie meinſt du, Onkel Albert? . ..
Sehr ſchlimm? . . . Ach, du machſt mir aber Angſt! Iſt ſie denn
bei Beſinnung, die gute Tante? Ach — die arme Pate! ...
Sie möchte mich ſehen? Ja, gewiß — ich würde ja auch ganz
gern bei ihr ſein . . . aber die weite Reiſe!" Ich bin hier in
Leipzig . .. Was ſagſt du? Der Arzt gibt keine Hoffnung?
Wie ſchrecklich! Dann komme ich natürlich —! Nur weiß ich
nicht, wann der nächſte Zug fährt. Ich packe ſofort. Morgen
bin ich ſchon in Baſel!”
Bei den letzten Worten war Wittebold auf die Treppe
zu=
gegangen, warf durch die Geländerſproſſen einen ſchrägen Blidk
nach unten. Die gute Frau Körner horte das Geſpräch zwar
auch mit an, hatte aber, um nicht zu neugierig zu ſcheinen, der
Franzöſin den Rücken zugekehrt und wiſchte mit dem
Staub=
lappen den Wandſockel ab. So konnte ſie auch nicht ſehen,
was Wittebold ſah: daß nämlich Fräulein Adrienne beim
Telephonieren eine bemerkenswert maleriſche Stellung einnahm.
In läſſiger Haltung ließ ſie den rechten Arm auf der Gabel
des Apparates ruhen, ſo daß überhaupt keine Verbindung mit
dem Amt zuſtande gekommen ſein konnte.
Ganz gute Schauſpielerin, dieſes Fräulein Adrienne! dachte
er. Aber wohl noch nicht lange genug auf der Bühne. Sonſt
würde ihr der kleine Kunſtfehler mit der Telephongabel nicht
unterlaufen ſein. Sie hätte beſſer getan, zur nächſten Poſtſtelle
zu gehen und ein Telegramm an ſich aufzugeben; dann ſchnell
nach Haus, den Telegraphenboten abgefangen, vom Formular
die Aufgabeſtelle abgeriſſen . . . Na, jedenfalls: die Dame
be=
reitete ihren Abgang vor. Deubel noch eins! Jetzt hieß es
aber ſich ſputen!
Wittebold rief das nächſte Auto an, fuhr zur Bahn. Sein
Zug ging erſt in einer halben Stunde. So hatte er noch Zeit,
ſich beim Portier zu erkundigen, wie die Züge nach Baſel gingen.
Sechzehn Uhr drei Minuten fuhr der nächſte. —
In Rieba angekommen, begab ſich Wittebold auf
ſchnell=
ſtem Wege ins Werk zu Direktor Düſterloh. Der nahm mit
merklichem Aufatmen die Liſten entgegen. Doch ehe er Zeit
ge=
funden hatte, etwas zu ſagen, war Wittebold ſchon wieder
draußen, eilte zu Fortuyn. „Ich hätte eine kleine Bitte, Herr
Doktor. Möchten Sie mir wohl dreißig Mark leihen?
Gern. Hier haben Sie das Geld!”
Wittebold dankte kurz, ging ſchnell zur Tür, rief, halb
ſchon von draußen: „Es iſt nicht für mich, Herr Doktor! Ich
brauch’s für gewiſſe Zwecke!”
Am nächſten Autoſtand nahm er eine Droſchke nach Leipzig
zum Hauptpoſtamt. Dort rief er Düſterlohs Telephonnunmmer
an. Frau Körner meldete ſich.
„Iſt vielleicht Fräulein Adrienne LEſtoile zu ſprechen?”
fragte Wittebold mit verſtellter Stimme.
die Dame iſt fort. Sie will nach Baſel zu
„Nein
ihrer . . ."
Hier hängte Wittebold ab, während Frau Körner noch
lange dem tauben Telephon die Gründe auseinanderſetzte,
wes=
halb das Fräulein ſo plötzlich abreiſen mußte.
(Fortſetzung folgt.)
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