Einzelnummer 15 Pfennige
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 191
Sonntag, den 12. Juli 1931.
194. Jahrgang
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Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſcht
jede Verpflſchtung auf Erfüllung der
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aufträkge und Leiſtung von Schadenerſatz. Bel
Konkurs oder gerichtlicher Beſtreibung ſällt jeder
Nabatt weg. Banklonto Deuiſche Banl und
Darm=
ſtädter und Nationalbank.
Amerikaniſche Silfe für Deutſchland.
Ungeheuerliche franzöſiſche Forderungen. — Frankreich erſtrebk Finanzkonkrolle über Deukſchland.
Amerika durchkreuzk Frankreichs polikiſche Pläne. — Mobiliſierung der amerikaniſchen Finanzmacht
zur Erleichkerung der deutſchen Zinanzkriſe.
Deutſche Demarche bei den Mächken.
Ein neuer Schrikt Hoovers!
TU. Berlin, 11. Juli.
Wie verlautet, hat die Reichsregierung in
Telegram=
men die hauptſächlichſtender am Hoover=Plan
be=
teiligten Regierungen über den gegenwärtigen
Stand der Dinge, wie er ſich nach den bisherigen
Finanz=
verhandlungen ergeben hat, unterrichtet. In dieſem
Zuſam=
menhang wird aus Waſhington berichtet, daß eine neue
Ak=
tion des Präſidenten Hoover bevorſteht.
Lukher erſtatket dem Kabinelk Berichl.
Der Reichsbankpräſident Dr. Luther iſt von ſeinem Abſtecher
nach London und Paris zunächſt einmal nach Berlin
zurückge=
kehrt, wo er am Samstag abend eintraf. Er wird ſich von hier
aus nach ſeiner Berichterſtattung im Kabinett nach Baſel begeben,
um womöglich dort ſchon am Sonntag abend an einer
Vorbeſpre=
chung der Notenbankpräſidenten teilnehmen zu können. Ueber das
Ergebnis der Reiſe läßt ſich noch nichts ſagen. Der
Reichsbank=
präſident hatte unmittelbar nach ſeiner Rückkehr eine Konferenz
in der Reichsbank. Von hier aus begab er ſich zum Reichskanzler
um an einer Beſprechung der Reparationsminiſter teilzunehmen
und vor allem das Freitag=Telephonat, das er mit dem Kanzler
über die Pariſer Verhandlungen hatte, durch ein eingehendes
Re=
ferat zu ergänzen. Was die Miniſterbeſprechung bringen wird,
muß abgewartet werden.
Verſchärffe Reſtrikkionsmaßnahmen der Reichsbank.
Am Samstag abend ſah die Lage ernſter denn je aus.
Die erheblich höheren Anforderungen am Deviſenmarkt, die heute
den Betrag von etwa 90 Mill. RM. erreicht haben, haben
die Reichsbank veranlaßt, die Kreditreſtriktionen in
berſchärfter Form durchzuführen. Sowohl in der
Pro=
vinz als auch in Berlin erfolgte eine ſtarke Sichtung des bei
der Reichsbank eingereichten Wechſelmaterials; die
hereingenom=
menen Wechſel ſind auf ein gegenüber den Vortagen geringes
Maß herabgeſetzt worden. Ueber weitere Maßnahmen
der Reichsbank liegen bis zur Stunde noch keine
Eutſcheidungen vor, auch der Generalrat der
Reichsbank iſt bisher nicht einberufen worden.
Die Reichsbank will anſcheinend erſt die Auswirkungen der
ver=
ſchärften Reſtriktionsmaßnahmen abwarten, abgeſehen davon,
daß natürlich das Ergebnis der Beſprechungen des
Reichsbank=
präſidenten Dr. Luther mit dem Reichskabinett eine gewiſſe
Klärung der Lage auch für die Reichsbank bringen wird.
Ernſte Zinanzlage.—Nachtfihung des Reichskabinekts
Die Beſprechung der Reſſortminiſter über die Kreditfrage, die
heute nachmittag um 18 Uhr begann und in der
Reichsbankpräſi=
dent Dr. Luther über ſeine Verhandlungen in London und Paris
Bericht erſtattet hat, dauert zurzeit (Um Mitternacht. Die
Schriftleitung.) noch an. Im Laufe des heutigen Nachmittags
wurden, wie bereits gemeldet, auf diplomatiſchem Wege Amerika
und die übrigen beteiligten Regierungen noch einmal auf den
Ernſt der Lage in Deutſchland aufmerkſam gemacht. Man geht
wohl nicht fehl in der Annahme, daß die neueſten amerikaniſchen
Meldungen auf dieſen Schritt zurückzuführen ſind, und man darf
deshalb mit Spannung den weiteren Entſcheidungen Amerikas
ent=
gegenſehen.
Teilnahrze führender Bankiers an der
Kabinetis-
ſikung.
Die Beratungen des Reparationsausſchuſſes des
Reichs=
kabinetts dauerten um 1 Uhr nachts noch an. An der Sitzung
nahmen auch führende Bankiers, u. a. die Direktoren
Waſſer=
mann und Solmſen von der Deutſchen Bank,
Sobern=
heim von der Kommerz= und Privatbank, Goldſchmitt
von der Darmſtädter und Nationalbank, und Ritſcher von der
Reichskreditanſtalt teil.
Die nächklichen Berakungen der Reichsregierang. —
Die Frage der Konfolidierung des Geldmarkkes.
Nach Redaktionsſchluß wird uns gemeldet: Die Beſprechungen
des Reparationsausſchuſſes des Reichskabinetts, an denen auch
füh=
rende Vertreten der deutſchen Banken teilnahmen, wurden um
22 Uhr beendet. Im Mittelpunkt der Ausſprache ſtand die
Wirt=
ſchaftslage und insbeſondere die Frage derjenigen Maßnahmen,
die ergriffen werden müſſen, um die Situation auf dem Geldmarkt
zu konſolidieren. Die Beſprechungen werden am Sonntag
vormit=
tag um 11 Uhr fortgeſetzt. Irgendwelche Beſchlüſſe ſind noch nicht
gefaßt worgen. Sollte dies notwendig werden, ſo wird eventnell
das Geſamtkabinett für den Sonntag nachmittag zu einer Sitzung
einberufem.
Schätfſke Ablehnung
der franzöſiſchen Anleihe=Bedingungen in Berlin.
Paris, 11. Juli.
Aus wirtſchaftlichen Kreiſen, die der Bank von Frankreich
naheſtehen, verlautet am Samstag vormittag, daß in London
und Paris folgender Plan für die finanzielle
Unterſtützung Deutſchlands ins Auge gefaßt
wor=
den ſei:
1. Bewilligung neuer kurzfriſtiger Kredite an die
Neichs=
bank, um dann in der Zwiſchenzeit eine gründliche Unterſuchung
der finanziellen Lage des Reiches durch eine Kommiſſion des
europäiſchen Ausſchuſſes vorzunehmen. Die Unterſuchung ſell
im Auguſt eingeleitet und der Bericht dem Europa=Ausſchuß im
September unterbreitet werden.
2. Falls die Unterſuchung zu befriedigenden Ergebniſſen
führt, und die von den Gläubigern aufgeſtellten Empfehlungen
vom Reiche angenommen werden, ſoll dem Reich eine
lang=
friſtige Anleihe bewilligt werden.
Der ſoeben in Berlin bekanntgewordene, angebliche Pariſer
Sanierungsplan wird an zuſtändiger Stelle als ſo phantaſtiſch
bezeichnet, daß für Deutſchland eine Annahme auch einzelner
Abſchnitte unter keinen Umſtänden in Frage kommt. Es wird
darauf hingewiefen, daß es ſich hier zum großen Teil üm alte
Gedanken handele, die ſchon verfſchiedentlich aufgetaucht und
regelmäßig auf Ablehnung geſtoßen ſeien. Hierzu gehöre vor
allen Dingen auch der erwähnte Unterſuchungsausſchuß des
Europa=Ausſchuſſes.
Amerika auf den Ernft der deutſchen Lage
Aufmeikſam gemacht.
w. New York, 11. Juli.
„Aſſociated Preß” meldet aus Waſhington: Die
Mobili=
ſierung, der amerikaniſchen Finanzmacht, als
ein Mittel zur Erleichterung der deutſchen
Finanzkriſe bildet zurzeit den Gegenſtand von Beſprechungen
höherer Regierungsbeamter in Waſhington. Kommentare zu den
beunruhigenden Meldungen über die deutſche Finanzlage, welche
heute Waſhingtoner Regierungskreiſe erreichten, waren zwar nicht
zu erhalten. Jedoch verlautet, daß das
Staatsdeparte=
ment und das Schatzamt ſich fortlaufend auf das
Genaueſte über die Situation in Deutſchland
unterrichtet halten.
Einige Regierungsbeamten äußerten — freilich nur als ihre
private Anſicht —, Präſident Hoover werde wohl
irgend=
welche Aktionen unternehmen. Jedoch werde die
Re=
gierung nicht direkt eingreifen. Es wurde auch nicht
angedeutet, welchen Weg Präſident Hoover gegebenenfalls
ein=
ſchlagen würde. Von Finanzexperten der Regierung wurden in
ganz inoffizieller Weiſe
drei Möglichkeiten der amerikaniſchen Hilſe
für Deutſchland
dargelegt:
1. Unbeſchränkte Kredite ſeitens der Reſerve Boards an die
Reichsbank, entweder in Form direkter Kredite oder durch
Dis=
kontierung von Wechſeln.
2. Eine große Kreditkonvertierung in Deutſchland ſeitens
der Privatbanken.
3. Indirekte Kredite an Deutſchland durch die Bank von
England.
Dabei wurde indeſſen darauf hingewieſen, daß die General
Reſerve Boards von der amerikaniſchen Regierung unabhängig
ſind, und man weiß heute noch nicht, ob Präſident Hoover ſich
veranlaßt ſehen wird, den General Reſerve Boards eine
Not=
aktion zugunſten Deutſchlands vorzuſchlagen.
Im Staatsdepartement und im Schatzamt wird erklärt, die
Beſprechungen mit den Bankiers hätten erwieſen, daß die
Ban=
kiers geſchloſſen hinter Hoovers Bemühungen ſtänden. Es iſt
da=
her unzweifelhaft, daß die Bankiers auf Hoovers Vorſchlag
ein=
gehen werden, falls ein Appell an ſie gerichtet wird. Jedenfalls
ſcheint die Frage der Wiederherſtellung des Vertrauens heute
im Vordergrund der offiziellen Beſprechungen zu ſtehen. In
Abweſenheit Caſtles erklärte der ſtellvertretende
Unterſtaats=
ſekretär Rogers vom Staatsdepartement, daß die Frage eines
Moratoriums für private Anleihen nicht
be=
ſprochen worden ſei. Präſident Hoover und ſtellvertretender
Staatsſekretär Caſtle hielten ſich im Wochenendlager in
Rapi=
dan auf.
Die amerikaniſche Botſchaft erwarkei Nachricht
aus Waſhingkon.
Wie wir erfahren, hält ſich der amerikaniſche Botſchafter in
ſtändiger Verbindung mit Waſhington. Botſchafter Sackett blieb
bis gegen ½2 Uhr in der Botſchaft, in der auch das geſamte
Bot=
chaftsperſonal verſammelt war. Der Botſchafter begab ſich zur
genannten Zeit vorübergehend nach Hauſe, er wird aber ſpäteſtens
um 743 Uhr wiederum in der Botſchaft anweſend ſein.
Die Woche.
Als der Präſident der Vereinigten Staaten vor Wochen
mit ſeinem Plan eines Schuldenfeierjahrs an die Oeffentlichkeit
trat, atmete die ganze Welt auf. Ein erſter entſcheidender
Schritt, ſo glaubte man, ſei damit getan, um der
Weltwirt=
ſchaftskriſis zu begegnen, unter der die Völker der
abendlän=
diſchen Ziviliſation leiden. Noch niemals vorher hatte Herr
Hoover ein ſo begeiſtertes Echo aller Orten gefunden wie dieſes
Mal, und an den großen Börſenplätzen zog neue Hoffnung
ein — aber ſchon nach wenigen Tagen folgte herbe Enttäuſchung.
Wenn gerade deutſcherſeits immer und immer wieder darauf
hingewieſen worden iſt, daß die augenblicklichen
Wirtſchafts=
nöte der Welt in erſter Linie politiſch bedingt ſeien bedingt
durch die verhängnisvollen Zuſtände, die durch die
Friedens=
ſchlüſſe von 1919 in Europa geſchaffen, deutlicher konnte dieſe
Theſe nicht bewieſen werden als durch die Ereigniſſe, die dem
Vorſchlag des Präſidenten Hoover alsbald folgten. Daß
Frank=
reich bei einer Annahme des erſten Hoover=Planes ganz gewiß
nicht ſchlechter daſtand als bei einer Erklärung des Transfer=
Moratoriums durch uns, leuchtet ohne weiteres ein. Aber nicht
die finanzielle Seite iſt es ja, die für die franzöſiſchen
Entſchlie=
ßungen beſtimmend war und iſt, man glaubte in Paris den
Augenblick gekommen, aus der wirtſchaftlichen Bedrängnis des
deutſchen Reiches politiſch Kapital zu ſchlagen und empfand alſo
ganz folgerichtig das Eingreifen des amerikaniſchen Präſidenten
in letzter Stunde als eine Durchkreuzung der eigenen Pläne.
Mit einer Erbitterung und Zähigkeit ohnegleichen und — auch
mit außerordentlichem Geſchick — verſuchte man die Abſichten
der Angelſachſen zu ſabotieren, und als das nicht gelang,
ver=
ſuchte man wenigſtens in erbittertem Feilſchen herauszuſchlagen,
was noch herauszuſchlagen war.
Trotz aller Abänderungen im franzöſiſchen Sinne kam
ſchließ=
lich ein Abkommen zuſtande, das den Young=Plan praktiſch
immerhin für ein Jahr außer Kraft ſetzt. Denn wenn wir auch
die ſogenannte ungeſchützte Annuität zunächſt an die
Inter=
nationale Zahlungsbank in Baſel entrichten müſſen, ſo
bekom=
men wir dieſen Betrag ja ſofort als Anleihe wieder zurück.
Auch wenn wir dieſe ſchließlich verzinſen müſſen, ſo bleibt
doch das finanzielle Ergebnis das, daß wir rund 1½ Milliarden
Kriegsentſchädigung, die bisher unſeren Etat belaſteten, in
die=
ſem Jahr nicht zu zahlen haben werden. Das iſt unſtreitig
eiſie ganz weſentliche Entlaſtung, eine Entlaſtung, die auch den
Optimismus der erſten Tage nach Veröffentlichung des Hoovei=
Plaues berechtigt erſcheinen ließe, — wenn wir nicht die
verhäng=
nisvollen politiſchen Begleiterſcheinungen hätten erleben müſſen,
die uns heute mit ernſter Sorge in die Zukunft ſchäuen laſſen.
Der Franzoſe iſt es gewohnt, mit ſeiner Kapitalmacht
poli=
tiſche Geſchäfte zu machen. Mit franzöſiſchem Gelde iſt ſeiner
Zeit die alte Barrieren=Politik Clemenceau’ſcher Färbung
finanziert worden, mit franzöſiſchem Gelde hat man vor der
letzten Genfer Ratstagung Jugoſlawien gekauft, mit
franzöſi=
ſchem Gelde hat man damals auch Oeſterreich an den Rand des
Abgrunds gebracht, um es zur Aufgabe des Zollunion=Planes
zu zwingen. Nach gleichem Muſter ſollte und ſoll jetzt auch
dem deutſchen Reiche gegenüber verfahren werden. Den Hoover=
Plan hat man nicht verhindern können. Zu groß war
ſchließ=
lich das Riſiko, vor der ganzen Welt ſür alle Zeiten als Shylock,
als der ewige Störenfried gebrandmarkt zu werden. Unſere
kurzfriſtige Milliardenverſchuldung an das Ausland,
insbeſon=
dere an Frankreich ſollte und ſoll den Franzoſen das Mittel
liefern, uns in die Knie zu zwingen. Seit Monaten wird ein
Kredit nach dem anderen aus Deutſchland zurückgezogen. Weit
mehr als 2 Milliarden ſind es nach vorſichtigſter Schätzung, die
wir auf dieſe Weiſe allmählich haben zurückzahlen müſſen. Daß
das möglich war ohne noch größere
Erſchüt=
terungen iſt ein erneuter Beweis für die
ſtau=
nenswerte Feſtigkeit und Zähigkeit der
deut=
ſchen Wirtſchaft. Aber daß der Gold= und
Deviſen=
beſtand der Reichsbank dadurch immer kleiner wurde, ließ ſich
natürlich nicht verhindern. Wir brauchten den
Ueberbrückungs=
kredit der ausländiſchen Notenbanken, wenn wir nicht zu
ſtar=
ken Kreditreſtriktionen mit all ihren bedenklichen Folgen greifen
wollten. Wir brauchen den großen langfriſtigen Kredit, über
den der Reichsbankpräſident Dr. Luther in dieſen Tagen in
London und Paris verhandelte. Wir brauchen ihn, da unſere
ohnedies kapitalarme Wirtſchaft die Milliardenbeträge nicht
entbehren kann, die ihr in dieſen letzten Monaten entzogen. Die
Angelſachſen haben die „Geſchäftstüchtigkeit”, der Franzoſen bei
den Verhandlungen über den Hoover=Plan erneut kennen
ge=
lernt. Sie haben wieder einmal deutlich geſehen, welche
Ge=
fahren aus der Einſtellung Frankreichs jeden Tag für die
euro=
päiſche Lage erwachſen können. Amerikaner und Engländer
wären an ſich bereit, uns die notwendige Kredithilfe zu
gewäh=
ren, weil ſie nur zu gut wiſſen, daß das Schickſal des deutſchen
Neichs von entſcheidender Bedeutung nicht nur für Europa,
ſondern auch für die geſamte Weltwirtſchaft iſt. Aber da man
offenbar wenig Luſt dazu hat, auch bei dieſer neuen Aktion
franzöſiſchen Sabotageverſuchen zu begegnen, hat man uns von
London her den guten Rat gegeben, uns doch mit Frankreich
zu verſtändigen, da man eine große Kreditaktion nur bei
fran=
zöſiſcher Beteiligung für möglich halte.
Ein ſonderbarer Vorſchlag in der Tat, ſonderbar
insbe=
ſondere in dieſem Augenblick, nachdem man eben erſt in London
und Waſhington nachdrücklich erklärt hat, daß die Sanierung
Deutſchlands eine rein wirtſchaftliche Angelegenheit ſei, die mit
der Politik nichts zu tun habe. Wir haben viele Jahre lang
die politiſche und wirtſchaftliche Verſtändigung mit unſeren
weſtlichen. Nachbarn geſucht. Wir haben für dieſe
Verſtän=
digung gewaltige Opfer gebracht. Aber Aber erſte Anfänge ſind
wir trotzdem nicht hinweggekommen. Will man es dem
deut=
ſchen Volke verdenken, daß es an die Erfolgsmöglichkeiten einer
ſolchen Politik nicht mehr glaubt, will man es ihm verdenken,
daß es, ausgeſogen bis aufs Blut, keine neue Opfer mehr
brin=
gen will, daß es der Auffaſſung iſt, daß es Sache Frankreichs
ſei, nun endlich einmal auch ſeinerſeits Verſtändigungswillen
zu zeigen. Glaubt man in London, daß wir in Deutſchland
ſchon die unerhörte Art und Weiſe vergeſſen hätten, in der nicht
nur die franzöſiſche Preſſe, ſondern auch amtliche Stellen auf
die bekannte Rundfunkrede des Reichskanzlers reagiert haben?
Hält man es vielleicht für eine „freundliche Geſte”, wenn wis
Seite 2
Sonntag, den 12. Juli 1931
Nummer 191
unter franzöſiſchem Druck auf den Plan einer deutſch=
öſterreichi=
ſchen Zollunion verzichten ſollen? Woher nimmt man den Mut,
von uns die Einſtellung des Panzerkreuzerbaus zu verlangen,
den gerade die Oſtpolitik der Franzoſen zur unerläßlichen
Not=
wendigkeit gemacht hat? Eine Regierung, die ſich unter dieſes
caudiniſche Joch zwingen ließe, würde hinweggefegt vom Sturm
der öffentlichen Meinung. Es wirkt faſt wie blutiger Hohn,
wenn in der franzöſiſchen Preſſe Garantien gegen die „politiſche
Unruhe” in Deutſchland gefordert werden, als ob man nicht
auch in Paris ſehr genau wüßte, daß dieſe politiſche Unruhe
bedingt iſt durch die unerhörte Erpreſſungspolitik, die die
Fran=
zoſen ſeit Jahren uns gegenüber treiben.
Ungeheuer ernſt iſt durch alles dies unſere Lage geworden.
Es iſt eine Nervenprobe ſchwerſter Art, die wir beſtehen müſſen.
Um ſo unverſtändlicher iſt es, wenn unſere ſogenannte nationale
Oppoſition gerade einen ſolchen Augenblick wählt zu einer
er=
neuten Kampfanſage an die derzeitige Regierung. Wir ſind der
Meinung, daß es eher Zeichen wahrhafter nationaler Geſinnung
wäre, wenn man bei einer ſo ernſten Lage unſeres Vaterlandes,
alle Kräfte einſetzen würde, um den nationalen
Selbſtbehaup=
tungswillen unſeres Volkes nach Möglichkeit zu ſtärken, anſtatt
in innerem Hader die Kräfte zu zerſplittern und uns ſo
ſchließ=
lich wehrlos dem Ausland auszuliefern.
M.
Amerikaniſch=franzöſiſch=engliſcher Reichsbankkredik?
* Am 16. Juli wird Rediskontkredit in Höhe von 100
Mil=
lionen Dollar, der uns vor kurzem eingeräumt wurde, fällig.
Ihn abzudecken, iſt ein Ding der Unmöglichkeit. Es ſcheint aber
Grund zu der Hoffnung vorhanden zu ſein, daß dieſer Kredit
verlängert und noch erweitert wird.‟ Die entſcheidenden
Be=
ſihlüſſe darüber wird die Bank für Internationale Zahlungen
in Baſel faſſen, die ſchon für Sonntag eine Zuſammenkunft der
Notenbankpräſidenten vorſieht, die zunächſt hören wollen, welche
Ergebniſſe der Reichsbankpräſident Dr. Luther aus Berlin
mit=
bringt, die dann die Lage Deutſchlands erneut prüfen und
ſchließlich die Verlängerung des 100=Millionen=Kredits
beſchlie=
ßen wollen. Von dieſer Seite her ſcheinen die Schwierigkeiten
zunächſt gebannt zu ſein. Es ſieht auch ſo aus, als ob der
amerikaniſche Privatkredit, der an die
Golddiskont=
bank auf Grund der Ausfallbürgſchaft der deutſchen Wirtſchaft
gegeben werden ſoll, in greifbare Nähe zu rücken beginnt,
ſo daß wir fürs Erſte über die kritiſchen Punkte
hinauskom=
men werden. Unklar iſt dagegen, ob man uns die Verlängerung
des 100=Millionen=Kredits bedingungslos zugeſteht. Zu
beden=
ken gibt eine Erklärung des engliſchen
Notenbank=
präſidenten in Baſel, wonach die Lage
Deutſch=
lands geprüft werden ſoll. Das kann heißen, daß die
Prüfung auf Grund der Angaben Dr. Luthers vorgenommen
werden ſoll. Es kann aber auch heißen, daß man darauf eine
Finanzkontrolle entwickeln will. Wir brauchen nur die
ſranzöſiſchen Preſſeäußerungen der letzten 48 Stunden
zuſam=
menzuſtellen, um uns ein Bild von den Wünſchen und
For=
derungen der Franzoſen, die auch in Baſel ein maßgebendes
Wort mitzuſprechen haben, zu machen. Die Zollunion und
das Panzerſchiff ſpielen nach wie vor eine große
Nolle, ebenſo die Forderung nach einer
Ver=
pflichtung der Reichsregierung, die frei
wer=
denden Beträge nicht in Rüſtungen anzulegen.
Allein hierin könnte ſchon der Wunſch nach einer
Finanzkon=
trolle zu ſuchen ſein, weil die mißtrauiſchen
Franzo=
ſen ſich kaum mit einer einfachen Erklärung zufrieden geben,
ſondern eine Garantie in einem Sinne fordern werden,
die eben nur ſo ausfallen kann, daß ſie die Verwendung
der Gelder überwachen. Keine deutſche Regierung kann
dieſe Forderung annehmen, ohne gleichzeitig ihr Todesurteil zu
unterſchreiben.
Uniformverbok für die N. 5. 2.A.P. in Baden.
Auf Grund des 8 8 der Verordnung des Reichspräſidenten
vom 28. März 1931 hat der Miniſter des Innern für den
Frei=
ſtaat Baden das Tragen einheitlicher Parteiuniformen oder
Bun=
deskleidung der Nationalſozialiſtiſchen Deutſchen Arbeiterpartei,
ihrer ſämtlichen Hilfs= und Nebenorganiſationen, insbeſondere
der Sturmabteilungen und Schutzſtaffeln und der Hitler=Jugend,
mit ſofortiger Wirkung verboten. Zu ſolchen Uniformen oder
Bun=
destrachten gehören alle Gegenſtände, die dazu beſtimmt oder
ge=
eignet ſind, abweichend von der bürgerlichen Kleidung die
Zuge=
hörigkeit zu den genannten Organiſationen zu kennzeichnen.
Mik Eierhandgranake
gegen „Im Weſten nichts Neues”.
Frankfurt a. M., 11. Juli.
Gegen Schluß der heutigen Abendvorſtellung des Remarque=
Films „Im Weſten nichts Neues” im Frankfurter Roxy=Palaſt
wurde von der Straße aus durch ein Fenſter eine Eierhand=
Vom Tage.
Der Prozeß gegen den braunſchweigiſchen Staatsminiſter
Dr. Franzen, der beſchuldigt wird, anläßlich der
Reichstagseröff=
nung am 13. Oktober v. J. den Landwirt Guth, als ſich dieſer
der Polizei gegenüber bei ſeiner Feſtnahme als der
national=
ſozialiſtiſche preußiſche Landtagsabgeordnete Lohſe ausgab.
be=
günſtigt zu haben, hat am Samstag im Schwurgerichtsſal des
neuen Berliner Kriminalgerichts begonnen.
Als Folge tätlicher Auseinanderſetzungen zwiſchen
kommuni=
ſtiſchen und nationalſozialiſtiſchen Studenten wurde die Berliner
Univerſität für Samstag nachmittag geſchloſſen.
Die engliſchen Kreuzer „Dorfetſhire” und „Norfolk” haben am
Samstag, nach achttägigem Aufenthalt, Kiel verlaſſen, um durch
den Nordoſtſeekanal in ihre Heimat zurückzukehren.
Zwei junge reichsdeutſche Reiſende, Reinhold Guſe und Paul
Kuhle, die am Mittwoch aus Finnland nach Riga gekommen
waren, warfen vier Fenſterſcheiben der deutſchen Geſandtſchaft ein.
Sie wollen die Tat angeblich aus Rache dafür begangen haben, daß
ihnen von der Geſandtſchaft eine Geldunterſtützung zur Heimreiſe
verweigert worden ſein ſoll. Die beiden Täter wurden verhaftet.
Aus Anlaß der Aufführung des Remarque=Films „Im Weſten
nichts Neues!” in den Palaſt=Lichtſpielen in Stuttgart kam es am
Freitag abend zu großen Demonſtrationen ſeitens der
National=
ſozialiſten.
Die engliſche Regierung hat den Staaten Frankreich, Italien,
Japan, Belgien, Vereinigte Staaten und Deutſchland
Einladun=
gen zur Hoover=Konferenz überſandt.
Den Vorſitz über die am 17. Juli beginnende
Sachverſtändi=
genkonferenz wird, wie verlautet, der Vertreter des engliſchen
Schatzamts, Leith Roß, führen.
In Cherbourg läuft am 18. Juli ein neues franzöſiſches
Unter=
ſeeboot vom Stapel, das auf den Namen „Eſpi” getauft wird.
Das Schiff hat eine Waſſerverdrängung von 1560 Tonnen. Es iſt
das letzte einer Serie von 6 Booten gleicher Größe.
Der amerikaniſche Staatsſekretär Stimſon begibt ſich am
Dienstag nachmittag mit dem Expreßzug von Rom aus direkt nach
Paris, wo er am Mittwoch eintreffen wird.
granate geworfen, die im Foyer im erſten Stock explodierte.
Glück=
licherweiſe war niemand im Foyer anweſend, ſo daß Menſchenleben
nicht zu Schaden gekommen ſind. Das Publikum bemerkte die
Ex=
ploſion der Granate größtenteils nicht, da die Detonation von ihm
als zum Film gehörend betrachtet wurde. Die Polizei, die die
Reſte der Granate ſichergeſtellt hat, hat noch in der Nacht eine
Unterſuchung eingeleitet.
Die wohlerworbenen Rechte
der Beamken.
Eine grundlegende Enkſcheidung des Reichsgerichts
Zum Beamken=Gehaltsabbau in den Ländern.
Leipzig, 11. Juli.
Der 3. Zivilſenat des Reichsgerichts gab am Samstag die
Gründe für eine ablehnende Entſcheidung in der Wartegeldklage
zweier zur Dispoſition geſtellter oldenburgiſcher Staatsminiſter
bekannt, die für das Recht der Staatsbeamten in den deutſchen
Ländern von grundſätzlicher Bedeutung ſein dürfte. Es handelt
ſich dabei in der Hauptſache um die Frage, ob ein
landesgeſetz=
licher Vorbehalt, die urſprünglich in Uebereinſtimmung mit
be=
ſtimmten Reichsbeamtengehältern feſtgeſetzten Gehaltsſätze der
Landesbeamten ſpäter wieder herabzuſetzen oder durch eine
Höchſt=
grenze zu beſchränken, vereinbar iſt mit der in Artikel 129 der
Reichsverfaſſung ausgeſprochenen Gewährleiſtung der
wohlerwor=
benen Rechte der Beamten.
Zu dieſer Frage wurden vom Reichsgericht folgende
grund=
ſätzliche Ausführungen gemacht:
Die Reichsverfaſſung will die „wohlerworbenen Rechte” der
Beamten ſchützen; welche Rechte aber im Sinne der
Reichsver=
faſſung wohlerworben ſind, muß den Geſetzen entnommen werden,
welche dieſe Rechte begründet haben. Werden z. B. vom Geſetz
Beamtenbezüge nur widerruflich oder auf beſtimmte Zeit
ge=
währt, ſo werden ſie nur mit dieſer Beſchränkung erworben; ſie
fallen weg mit dem Widerruf oder mit dem Ablauf der
beſtimm=
ten Zeit. In gleicher Weiſe — entgegen einer verbreiteten
Mei=
nung — iſt der Fall zu beurteilen, daß Bezüge durch Geſetze mit
dem Vorbehalt der Aenderung durch einfache Geſetze gewährt
wer=
den. Das Recht auf ſie wird nur mit dieſer ihm innewohnenden
Beſchränkung, nicht unabhängig von ihr, erworben.
Die auf dem Vorbehaltswege erfolgende Aenderung,
insbe=
ſondere Herabſetzung der Bezüge, verletzt daher nicht
wohlerwor=
bene Rechte.
Spee dei Poinn.
Schluß mit den Repakakionen! — Schluß mit der
Wien, 11. Juli.
Die „Neue Freie Preſſe” bringt in ihrer heutigen Ausgabe
eine Sonderbeilage über Deutſchland und ſeine wirtſchaftliche
Entwicklung mit Beiträgen von Bundeskanzler Dr. Bureſch,
Außenminiſter Dr. Schober und Handelsminiſter Heinl ſowie
namhafter Perſönlichkeiten aus Finanz= und Wirtſchaftskreiſen
Oeſterreichs und Deutſchlands. Bundeskanzler Bureſch
ſchreibt u. a.: Man hat in verſchiedenen Blättern des Auslandes
den Vorwurf erhoben, daß Oeſterreich mit ſeiner letzten
Zoll=
erhöhung in die Wege des Hochſchutzzolles eingetreten iſt. Ich
möchte dieſe Gelegenheit benutzen, um zu betonen, daß die
öſter=
reichiſche Zollſchutzgeſetzgebung aus notwendigen wirtſchaftlichen
Erwägungen heraus eine unabwendbar notwendige geworden iſt,
aber lediglich ein Mindeſtmaß deſſen bedeutet, was die
öſterrei=
chiſche Wirtſchaft zu ihrem Selbſtſchutz benötigt. Gerade
Oeſter=
reich hat immer gewartet, daß ſich
zwiſchenſtaat=
liche Löſungen finden würden, die es ihm
ermög=
lichen, von bedeutenden Erhöhungen ſeiner
Zölle abzuſehen. Dieſes Warten war aber
ver=
geblich. Unſer Staat iſt jederzeit geneigt, an einer Löſung
mit=
zuwirken, welche die gegenwärtigen Zollmauern in Europa
um=
legt. In der Zwiſchenzeit müßten wir natürlich unſer eigenes
Haus verſorgen, ſollte eine Vereinbarung entſprechender
Maß=
regeln nicht zum Schaden unſerer Geſamtbevölkerung ausſchlagen.
In dem Beitrag des Außenminiſters Dr. Schober heißk es:
Die Kataſtrophe, welche über die öſterreichiſch=ungariſche Monarchie
durch die Zerreißung des Wirtſchaftsgebietes hereingebrochen iſt,
hat nur eine Parallele, nämlich die gegenwärtige wirtſchaftliche
Not des Deutſchen Reiches. Beide deutſche Staaten ſind
hinſicht=
lich ihrer wirtſchaftlichen Depreſſionen Opfer der Politik. Die.
Aktion Hoovers kommt gerade zurecht, um das Unheil im letzten
Augenblick zu bannen. Aber das Weſentliche iſt, den Weg zu
zei=
gen, wie alles Unglück auf wirtſchaftlichem Gebiet abgewendet.
werden kann und der Wiederaufbau nicht nur Europas, ſondern
der Weltwirtſchaft anzupacken iſt. Dieſer Weg heißt: Schluß.
mit den Reparationen. Schluß mit der
Kriegs=
mentalität. Das bedeutet der Friede für die Wirtſchaft, aber,
auch der Friede für die ganze Menſchheit.
Skeinwürſe auf das amerikaniſche Konſulak in Köln.
Köln, 11. Juli.
Ein Fenſter des hieſigen amerikaniſchen Konſulats wurde am
Freitag nachmittag durch Steinwürfe zertrümmert. Ein
Konſu=
latsbeamter wurde durch die Glasſplitter des Fenſters verletzt.
Etwa 10 bis 15 jüngere Leute unter Führung einer älteren Frau
ſtellten ſich, während die Steine geworfen wurden, vor das Gitter
und riefen: „Gebt. die Neger frei!”. Es handelt ſich wahrſcheinlich
um eine Kundgebung gegen das Todesurteil gegen 10 junge
Neger, die ſich an weißen Mädchen vergangen haben ſollen und
dieſer Tage hingerichtet werden ſollten. Der Kölner
Polizeipräſi=
dent hat dem amerikaniſchen Konſul ſein Bedauern
ausgeſpko=
chen. Die Täter, vermutlich Kommuniſten, konnten noch nicht
er=
mittelt werden.
Beſihergreifung Oftgrönlands.
durch Norwegen.
Könfikt mit Dänemark.
Norwegen hat offiziell von Oſtgrönland Beſitz ergriffen. Es
handelt ſich dabei um das Gebiet zwiſchen 75 Grad 40 Minuten.
und 71 Grad 30 Minuten nördlicher Breite.
Die Entſcheidung über die Oſtgrönkandfrage wurde nachts.
in einem unter Vorſitz des Königs abgehaltenen Miniſterrat,
getroffen, um eine geeignete Grundlage zur Beilegung des
Strei=
tes mit Dänemark vor dem Internationalen Schiedsgerichtshof
im Haag zu ſchaffen, da die däniſchen Vorſchläge zur Löſung
dieſer lebenswichtigen Gebietshoheitsfrage nicht als
annehm=
bare Grundlage erſcheinen.
Der Oſtgrönland=Konflikt
vor dem Haager Schiedsgericht.
Die däniſche Regierung hat in einem heute vormittag
abge=
haltenen Miniſterrat beſchloſſen, den däniſch=norwegiſchen
Oſt=
grönlandkonflikt vor den Internationalen Gerichtshof im Haag
zu bringen.
*
Fragezeichen Südoſteuropa.
Randbemerkungen zu einer Flugreiſe.
Von André von Kän.
Die Handelsluftfahrt, vulgo Zivilfliegerei, iſt das Gebiet,
vor dem jeglicher Nationalchauvinismus zwangsläufig halt
macht. Ob deutſche, öſterreichiſche oder tſchechiſche
Luftverkehrs=
geſellſchaft: Sie müſſen Hand in Hand arbeiten an dem
immer=
fortwährenden Ausbau eines feſtgefügten europäiſchen
Luft=
ſtreckennetzes.
Und ſo nimmt es weiter gar nicht Wunder, daß ſelbſt die
Tſchechoflowakiſche Luftverkehrsgeſellſchaft eine ganze Reihe von
deutſchen Piloten beſchäftigt, die zum Teil ſogar eine führende
Stellung einnehmen.
Friedliche Zuſammenarbeit, Verſtändigung der Völker.
Die ungezählten Hangars auf dem Prager Flugplätz Kbely,
eine ganz ausgedehnte Siedlung von Fliegerſchuppen, laſſen den
Fluggaſt freilich auf andere Gedanken kommen.
Alles Militärflugzeuge! Der impoſante Flugzeugpark der
tſchechoſlowakiſchen Armee. Der Armee der Siegerrepublik
Tſchecho=Slowakei.
Friedliche Zuſammenarbeit? Verſtändigung der Völker?
Mit=
tels Bombenwerfer?!
Hier klafft ein Widerſpruch. Hier muß Abhilfe geſchaffen
wer=
den. Aber ſelbſtverſtändlich: Man iſt ſchon dabei und arbeitet mit
Feuereifer. Nicht etwa an einer Abrüſtung, Gott bewahre.
Viel=
mehr an der — Verlegung des Flugplatzes für Zivilflugzeuge.
Auf daß man nicht gleich bei der Landung merke, man ſei
eigentlich im Feindesland!
Praha, früher einmal Prag genannt, iſt die Hauptſtadt der
Tſchechoſlowakei, früher einmal Böhmen genannt.
Und doch iſt Praha öſterreichiſch, man möchte beinahe ſagen,
altöſterreichiſch geblieben. Durch die Bank.
Die Leute ſitzen den ganzen lieben Tag in den Kaffeehäuſern,
deren Zahl vielleicht ſogar die der Militärhangars überſteigt. Sie
trinken ihren Schwarzen, leſen treu und brav täglich dreimal ihre
Zeitungsberge durch, eſſen dann ihre Kalbshaxen mit Knödel,
ſchwelgen in ihrer oft kopierten, aber niemals erreichten „Weaner”
Gemütlichkeit, ſagen unentwegt „bitt ſchön” und nehmen die
tſchechoſlowakiſche Nationalverſammlung ebenſowenig ernſt, wie
dereinſt den weiland böhmiſchen Landtag.
Es gibt in Praha=Prag heute noch Kaffeehäuſer, in denen
man ſchnell vergißt, in der „Tſchechoſlowakei” zu ſein. Bis auf
die — Verwaltung des Waſchraumes iſt alles in deutſcher Hand.
Auf der Prager Straße erinnert jedoch nichts mehr an
Oeſter=
reich — bis auf die Gummiüberſchuhe der Herren, die herrlichen
„Galoſchen”, die jeder Gentleman treu und brav trägt. Auch die
— Herren Offiziere der Siegerrepublik.
Fragſt du, biederer Weltenbummler, einen Prager
Spazier=
gänger auf deutſch, ob er der deutſchen Sprache mächtig ſei,
ant=
wortet er nicht mehr tſchechiſch, wie in den Jahren nach dem
Um=
ſturz. Auch mußt du nicht mehr auf franzöſiſch fragen, um eine
deutſche Antwort zu bekommen. Die Tſchechen ſind geſchäftstüchtig
geworden: Die deutſche Reichsmark ſteht hoch im Kurs und hoch
in Ehren. Demnach ertönt auf dein zaghaftes „Sprechen Sie
deutſch?” in 99 von 100 Fällen die prompte Gegenfrage: „Was
wünſchen Sie?‟
Weder „Ja” noch „Nein”, ſondern herausfordernd=ſachlich:
„Was wünſchen Sie?‟
Die pſychologiſche Erklärung hierfür iſt klar und deutlich:
„Suchſt du, Fremder in Praha, einen Ort, ein Lokal, oder ein
Ge=
ſchäft, in dem du dein gutes ausländiſches Geld abzuladen
ge=
denkſt, kann der Prager deutſch. Sonſt aber nicht!
Daran läßt ſich nichts ändern. Der Berliner iſt ſchnoddrig, der
Wiener überſchäumend=höflich, und der Prager — tſchechiſch ..
In knapp anderthalb Stunden „rutſcht”, man aus Praha=
Kbely nach Wien=Aſpern.
Hier gibt es keine Militärhangars. Und das Militär trägt
neuerdings keine Galoſchen mehr. Auch keine Sterne, ſondern
preußiſch=deutſche Achſelſtücke. Allerdings etwas öſterreichiſch
ge=
färbt. Immerhin: Trotz des typiſch weaneriſchen „Reitpeitſcherl”,
mit dem er „gemütlich” herumfuchtelt, macht der öſterreichiſche
Rittmeiſter ernſthafte Anſtalten, den Anſchluß mitzumachen. Und
nicht nur der Rittmeiſter: Ganz Wien wird langſam ſtramm!
Die ſagenhafte Saloppheit an der ſchönen blauen Donau läßt
merklich nach: Der Verdeutſchungsprozeß marſchiert. Langſam,
be=
haglich, im Dreivierteltakt, aber doch. Allenfalls iſt der
allge=
meine Wille da, aus dem jahrhundertelangen Dornröschenſchlaf
zu erwachen. Vielleicht wird Wien doch noch einmal eine
richtig=
gehende deutſche Stadt. Ging es nicht dereinſt „Viribus unitis”,
will man es „Viribus Zoll=unitis” verſuchen.
Querſchnitt der zwölf Nachkriegsjahre: Tſchechiſch=Prag blieb
öſterreichiſch, und Oeſterreichiſch=Wien wird langſam deutſch!!!
Der nächſte Rutſch nimmt nur fünfviertel Stunden in
An=
ſpruch: Budapeſt.
Das Königreich ohne König träumt von der Vergangenheit
und von einer beſſeren Zukunft. Man rüſtet fieberhaft. Ohne
Ge=
wehre, ohne Kanonen. Ganz Ungarn rüſtet ſeit Jahren zu einm
Hoffnungsfeldzug. Gegen Trianon, gegen die Ungerechtigkeiten
der Friedensverträge.
Alles Zukunftsmuſik. Die Gegenwart iſt bitter und wird
immer bitterer.
Wirtſchaftskriſe, wachſende Arbeitsloſigkeit, S.O.S.=Rufe von
Handel und Gewerbe.
Und eine gewiſſe Iſoliertheit!
Der einzige europäiſche Staat, der ſeit Jahren einen
ziel=
bewußten Kampf um die friedliche Reviſion führt, ſehnt ſich nach
Verbündeten mit gemeinſamen Idealen und gemeinſamen
real=
politiſchen Zielen.
Die Orientierung iſt ſchwer, Freundſchaftsverträge ſind ja
eine ganz ſchöne Sache, nur bringen ſie Ungarn um keinen Schritt
weiter. Die erwünſchte enge Zuſammenarbeit mit dem Deutſchen.
Reich und mit Deutſch=Oeſterreich; iſt nicht ſo leicht; ſie, wurde
durch die bevorſtehende Zollunion Berlin=Wien noch erſchwert,
Immerhin: Man wäre allgemein gerne bereit, der 7Dritte, im
Bunde zu werden!
Budapeſt kämpft heroiſch um den „Platz unter deir Sonne‟.
Wien ſchwelgt in Hoffnungsfreudigkeit: „Viribus /Zoll=unitis”.
Prag verlegt den Flughafen für den Zivilluftvierkehr. Und
baut gleichzeitig den entlaſteten Militärflugplatz weſiter aus .. .
Südoſteuropa: Großes, brennendes Fragezeichen!!
* Ernſt Kantorowicz: „Kaiſer Friedrich der Zweite?”
Ergänzungs=
band: Quellennachweiſe und Exkurſe. 336 S. miit 5 Abbildun=. Georg Bondi Verlag, Berlin. Broſch. 110,50 Mk., geb.:
13,50 Mk.
Nicht zu Unrecht hat dieſes Erſtlingswerk des kjungen
Frank=
furter Profeſſors in kurzer Zeit eine Auflage vom 10 000
Exem=
plaren erlebt: es iſt die beſte Geſchichtsſchreibungs des 13.
Jahr=
hunderts, die wir beſitzen die trotz größter Bviſſenſchaftlicher
Gründlichkeit ſich wie ein Kunſtwerk lieſt und dadiarch ſeinen Weg
weit über die Fachkreiſe hinaus gefunden hat. Nun folgt der
ſeinerzeit verſprochene Ergänzungsband, der Annnerkungen und
Quellennachweiſe ſowie eine Anzahl Einzelunterkſuchungen
ent=
hält. Im allgemeinen hat ein ſolcher Band für dßen Laien kaum
ein Intereſſe, jedoch befinden ſich auch hier wiederu’m ſo viele für
das Geſamtbild jener Zeit wichtige Einzelheiten, kaß jeder, der
ſich mit der größten Zeit des deutſchen Mittelalteirs beſcäftigt,
viel Weſentliches finden wird. Außerdem macht er vuiele
Sonder=
abhandlungen über dieſes Gebiet namhaft und weiſt ſomit den
Weg zum Einzelſtudium. „Ich bin überzeugt, daß ddieſer Band
bei den Leſern des erſten Bandes großes Intereſſe fkinden wird
und darüber hinaus jedem, der aus der Vergangenhchit lernen
will, in Verbindung mit dem 1. Band ein Wegweiſer Kein kann.
F.W.
Nummer 191
Sonntag, den 12. Juli 1931
Seite 3
Nachahmenswerke Einmükigkeit der engliſchen Parkeien. — Arbeikerregierung und Konſervalive Appofikion
in gemeinſamer Fronk. — Ein Blick in die Zukunſt und über den Kanal.
England mit ſeiner Ehre zur Abrüſtung verpflichkel.
Deutſchland erwarket Taken.
keine Worke.
London, 11. Juli.
In der Albert Hall fand am Samstag nachmittag eine
große Friedens= und Abrüſtungskundgebung ſtatt, an der
Ver=
treter aller Parteien und aller Bevölkerungsklaſſen teilnahmen.
Der Andrang war ſo groß, daß noch zwei weitere
Verſamm=
lungen im Freien veranſtaltet werden mußten, denen die Reden
durch Lautſprecher übermittelt wurden. In der großen, von
mehr als 7000 Perſonen gefüllten Halle waren Abgeordnete von
17 chriſtlichen Kirchen und anderen Religionskörperſchaften, ſowie
von 40 ſozialiſtiſchen, konſervativen und liberalen Organiſationen
und vielen anderen Vereinigungen zugegen. Zahlreiche
aus=
wärtige Botſchaften und Geſandtſchaften hatten Vertreter
ent=
ſandt. Von der deutſchen Botſchaft war Geſandtſchafsrat Fürſt
Bismarck anweſend. Die Kundgebung wurde durch den
Feld=
marſchall Sir William Robertſon mit einer kurzen Anſprache
eröffnet. Darauf ergriff
Signatarmächte des Verſailler Vertrags haben ſich verpflichtet,
ihre Rüſtungen auf den niedrigſten Stand zu bringen, der mit
ihrer Sicherheit vereinbar iſt. Dem nächſten Kriege gegenüber.
verſagt die Vorſtellungskraft, und dennoch geht die Welt
ſtand=
haft, töricht und ſtumpfſinnig auf dieſe Kataſtrophe los. Sie
ſingt Friedenslieder und bereitet den Krieg vor.
Lloyd George ſchloß, indem er ſagte: Eine Aenderung werde
es nur geben, wenn die Grundfätze, die für das ſittliche Verhalten
des Einzelnen maßgebend ſeien, auf das Verhalten der Nationen
ausgedehnt würden.
Die Abrüſtungskundgebung ſchloß mit der Annahme
folgen=
der Entſchließung:
„Die Verſammlung begrüßt mit Wärme die kommende
Ab=
rüſtungskonferenz und fordert die Regierung auf, alles in ihrer
Macht Liegende zu tun, um eine wirkliche Verminderung der
Heere, Flotten und Luftſtreitkräfte der Welt zuſtandezubringen.”
das Wort und führte u. a. aus: Es handele ſich um eine
einzig=
artige Gelegenheit; denn im Saale ſeien nicht die Vertreter
von Parteien, ſondern die Vertreter einer vereinigten. Nation
anweſend, um den britiſchen Delegierten ihren Wunſch zu
be=
kunden, ſie möchten auf der Abrüſtungskonferenz Mut und
Weis=
heit zeigen. Der Premierminiſter warnte vor dem Standpunkt,
an die Zweckmäßigkeit von Rüſtungen zu glauben und verwies
auf die ungeheuer zunehmende Zerſtörungsſtärke der
Kriegs=
werkzeuge. Trotzdem erklärten, ſo meinte Macdonald, einige
Leute, die ſich für beſonders große Patrioten hielten, die
Ab=
rüſtung für ſchädlich. „Wiſſen dieſe Leute”, fragte Macdonald
mit erhobener Stimme, „daß die Ehre der Nation
feier=
lichſt verpfändet worden iſt? England iſt durch den
Verſailler Vertrag und den Vertrag von
Lo=
carno verpflichtet, auf Abrüſtung
hinzuarbei=
ten. Die Welt erwartet von Genf nicht nur Bekundungen der
Friedensliebe, ſondern eine Vereinbarung, die in Ziffern und
in Angaben über Tonnage, Mannſchaftsſtärke und Material zum
Ausdruck kommt. Wenn kein Progran; aufgeſtellt wird, das
Verminderung gegenüber dem jetzigen Rüſtungsſtand aufweiſt,
dann hat die Konferenz ihre Schuldigkeit nicht getan.”
Am Schluß ſeiner Rede ſagte Macdonald: Wir gehen nach
Genf entſchloſſen durch Argumente, durch Berufung auf chriſtliche
Dokumente und eingegangene Verpflichtungen, durch Hinweiſe
auf die Geſchichte und durch Appell an den geſunden
Menſchen=
verſtand, die Nationen der Welt zu veranlaſſen, ſich
zuſammen=
zuſchließen und dieſe ungeheuer ſchädliche Rüſtungslaſt zu
ver=
mindern.
Hierauf ergriff
das Wort. Er ſchloß ſich den Ausführungen des
Premier=
miniſters an, indem er ſagte: Wir’ſinddurch den
Ver=
trag mit unſerer Ehre zu internationaler
Ab=
rüſtung verpflichtet. Bäldwin verwies auf die
Rüſtungs=
verminderung, die England ſeit dem Kriege vorgenommen habe
und ſagte: Das Beiſpiel Englands ſei nicht befolgt worden.
Wir müßten auf eine Verminderung der Luftſtreitkräfte der
Welt dringen und verſuchen, einige Gleichheit für die
Luft=
ſtreitkräfte Weſteuropas zu ſchaffen.
Ferner wies Baldwin auf die Notwendigkeit der
Betei=
igung Rußlands an der Abrüſtung hin, denn andernfalls werde
die in Oſteuropa herrſchende Furcht vor einem ſo mächtigen
Nachbarn niemals verſchwinden. Er bemerkte ferner, alle
inter=
tationalen Probleme in Europa ſeit Verſailles ſeien dadurch
inendlich ſchwieriger geworden, daß die Vereinigten Staaten
ticht Mitglied des Völkerbundes ſeien.
rklärte in ſeiner Anſprache u. a.: Alle Parteien des Staates
eien bezüglich der Abrüſtung vollkommen einer Meinung. Alle
Hefſiſches Lant
Sommerſpielzeit Bruno Harprecht.
Kleines Haus. — Samstag, den 11. Juli.
(Im Hafen von Marſeille.)
Komödie in 4 Akten von Marcel Pagnol.
Dieſe Komödie iſt im Grunde eine ſehr ernſte Angelegenheit
nd hat vielleicht manchem, der gewohnt iſt, ſich in Harprechts
Sommertheater vor Lachen zu ſchütteln, anfangs eine
Enttäu=
hung bereitet. Das künſtleriſche Niveau der Komödie aber,
nd vor allem die fabelhaft gute Aufführung, getragen von ganz
usgezeichneter Rollenbeſetzung, ſicherten der Neuheit doch ſtarken
nd uneingeſchränkten Erfolg. Man muß es der Direktion
darprecht Dank wiſſen, daß ſie die tüchtigen Kräfte ihres
En=
mbles auch einmal in ernſten, tragiſchen Aufgaben ſich
ent=
ilten läßt und — auch nicht einer, nicht ein Träger der
klein=
en Rolle, blieb etwas ſchuldig!
Dieſe Komödie behandelt den Kampf eines jungen
Mar=
illers zwiſchen ſeiner Sehnſucht nach der Ferne des Meeres,
ach fernen Ländern, und ſeiner Liebe. Liebe zur Braut und
im Vater. Das Sehnen, das Meer, ſiegt in dieſem Kampf
nd bringt in die Komödie den ernſten Ton tiefer Tragik, mit
im es abſchließt. Eine Tragik, die gleichzeitig der Seelengröße
r Frau in ſchlichten Sätzen und Szenen ein Hohes Lied ſingt,
e den Geliebten ſelbſt aufs Meer ſchickt, wenn ihre Liebe und
ſelbſt auch daran zerbrechen.
Marcel Pagnol hat das gut, ſchlicht und unaufdringlich,
ſer ſehr wirkſam geſtaltet. Seine Charakterzeichnungen ſind
eiſterhaft, und allein ſie bringen das Quantum Humor, Satire
id (ganz wenig) Sarkasmus in die Handlung, die aus dem
chauſpiel, oder richtiger, anſtatt des Schauſpiels, die
Ko=
ödie formen.
Geſpielt wird, wie geſagt, wiederum meiſterlich. Hilde
undlach ſei zu allererſt genannt. Sie erſchöpft die
ſchwie=
ge Rolle der Muſchelverkäuferin Fanny, die alle Skalen
weib=
hen Liebesempfindens fordert, vom naiv werbenden Backfiſch
5 zum leidenſchaftlich fordernden und im reif gewordenen
eibtum Entſagenden faſt reſtlos. Ihre ſprachliche und
ſchau=
eleriſche Leiſtung zielt auf ganz ſtarkes, großes Niveau. —
Viktor Warſitz war ihr Partner im Liebesſpiel der
Ko=
die. Temperamentvoll, aber naiv, ſchlicht und natürlich ſpielte
den Dreiundzwanzigjährigen, der von Meeresſehnſucht und
=besweh hin= und hergeworfen, mit überzeugender Wahrhaf=
London, 11. Juli.
Schatzkanzler Snowden hat an den Präſidenten der BJ3.
ein Schreiben gerichtet, worin er mitteilt, daß England auf
ſämt=
liche deutſche Zahlungen aus dem Youngplan ab 15. Juli
ver=
zichtet.
Das Schreiben beſagt im einzelnen, daß die Regierungen von
Großbritannien, Auſtralien, Kanada, Neuſeeland und Südafrika
und die Regierung von Indien grundſätzlich den Hoover=
Plan angenommen haben. Gewiſſe Fragen bezüglich der
Methoden der praktiſchen Durchführung des Planes ſeien noch zu
regeln. Inzwiſchen werde am 15. Juli eine Monatszahlung auf
die deutſche Annuität fällig. Der Brief ſagt: „Aber ſelbſt wenn
die deutſche Regierung in der Lage wäre, dieſe Teilzahlung zu
transferieren, würde es offenbar mit der Annahme des
Grund=
ſatzes des Präſidenten Hoover unvereinbar ſein, ſie zu fordern.
Die oben genannten Regierungen haben deshalb beſchloſſen,
ſoweit ſie in Frage kommen, auf die Forderung nach
Zahlung der am:15. Juli fällig werdenden
Teil=
ſumme der ungeſchützten und geſchützten
Annui=
tät zu verzichten, ohne damit die Rechte der
In=
haber der deutſchen Auslandsanleihen von 1924
und der 5½prozentigen Internationalen
Deut=
ſchen Staatsanleihe vom Jahre 1930 (Young=
Plan) zu beeinträchtigen, und unter der
Voraus=
ſetzung, daß die Bedingungen der
Suspendie=
rungdieſer Zahlung und desſchließlichen
Trans=
fers des ſuspendierten Betrags denen der
abzu=
ſchließenden Vereinbarung entſprechen werden.
Die oben genannten Regierungen erachten es als notwendig,
hin=
zuzufügen, daß ihr Beſchluß zu dem Zweck gefaßt
wor=
den iſt, den in Deutſchland beſtehenden Schwierigkeiten
ent=
ſprechend den Vorſchlägen des Präſidenten Hoover durch eine
voll=
ſtändige Suspendierung des Transfers (ſowohl in Bar= als auch
in Sachlieferungen) Erleichterungen zu verſchaffen.
Selbſtverſtändlich darf dies nicht als eine
Schmä=
lerung der Rechte dieſer Regierungen aus dem
Haager Abkommen ausgelegt werden, ſofern
irgendwelche Zahlungen durch Deutſchland
transferiert werden ſollten.”
Der Inhalt dieſes Schreibens wurde den anderen
Regierun=
gen der Signatarmächte des Haager Abkommens vom 30. Januar
1930 und der amerikaniſchen Regierung übermittelt.
Der diplomatiſche Korreſpondent des „Daily Telegraph” iſt
im Hinblick auf die in Berlin verbreiteten Meldungen über einen
politiſchen Druck ſeitens der engliſchen Regierung auf
Deutſch=
land zu der Erklärung ermächtigt worden, daß die engliſche
Re=
gierung nicht beabſichtigt habe, die unter dem Hoover=Plan
tigkeit. Die kurze Szene zwiſchen ihm und dem Vater, in der die
beiden ſich in zart=biderber Zurückhaltung ihre Liebe geſtehen,
war mit das Beſte des Abends. Dieſen Vater gab Hermann
Bräuer. Eine ganz reife Leiſtung, feinſte Charakteriſtik, weil
ſie einfach Leben gab. Dann Paniſſe, der Segelmacher. Wie
Walter Gußmann, den ſpielte, in dem Gemiſch von Komik
und Tragik, das war meiſterhaft. Ebenſo Hans Emons in der
Rolle des Piquoiſeau. Auch Egon Clauder als Escartefique
war eine typiſch glänzend gezeichnete Figur, und Frieda
Eichelsheims reife Kunſt gab der Mutter Honorine ſoviel
blutvolles Leben, daß ihre Darſtellung vielleicht am beſten in das
Milieu der Handlung eingefühlt war.
Die kleineren Rollen lagen bei Wilhelm Schmieden, Carl
Eberhardt, Hanns Otto Hilke, Lilli Füchſel und
Annelieſe Hartnack in guten Händen. — Dr. Viktor
War=
ſitz’s Regie erſchöpfte alle komiſchen und tragiſchen Pointe der
Komödie, der Elli Büttners Bühnenbild eine ſehr treffende
Umrahmung gab. — Viele Herausrufe und Blumen für die
**
Hauptdarſteller!
* Liſzis Eliſabekh=Legende in Marburg.
Die großartige Aufführung der Legende von der Heiligen
Eliſabeth kennzeichnet den Höhepunkt des Eliſabethjahres, das
Marburg anläßlich des 700jährigen Todestages der „deutſchen
Heiligen” gefeiert hat. Eine Aufführung von großem Format mit
hervorragenden Soliſten gab dem Werk die Tiefe eines packenden
Erlebniſſes, dem ſich das Publikum ergriffen beugte. Eliſabeth
Mertz=Tunners edler Sopran erfüllte das Bild der
Heili=
gen, Paul Lohmann die Landgrafen Hermann und Ludwig,
Eva Jürgens die Landgräfin Sophie und Olaf Knut
Strandberg den ungariſchen Magnaten. Die Kapelle des
Staatstheaters Kaſſel und der Marburger Konzertvereinschor
ſtei=
gerten ſich unter ihrem Dirigenten Profeſſor Dr. Hermann
Ste=
phani zu einer dramatiſchen Leiſtung großen Formats, in der
das Formale ausgeglichen und gefeilt und das muſikaliſche Ele=
A. B.
ment mit wundervoller Deutlichkeit ſich präſentierte.
Kunfk, Wiſſenſchaft und Leben.
* In Köln=Mülheim wurde im Beſitze eines
Privat=
mannes ein hervorragendes Gemälde von hohem Kunſtwert als
echter van Dyck entdeckt. Es handelt ſich um die Darſtellung der
Kreuzigung Chriſti. Namhafte Sachverſtändige, wie Profeſſor
Waal=Brüſſel, haben die Echtheit ſchon beſtätigt.
* Die Krefelder Bühne iſt ſozuſagen über nacht und
ohne große Koſten in den Beſitz einer Drehbühne gekommen. Sie
iſt das Werk des techniſchen Oberleiters Junker, beſteht aus über
100 Teilen und kann innerhalb einer Viertelſtunde aufmontiert
werden. Die Beſchaffung erfolgte nach und nach aus den Geldern
des Fundus.
Deutſchland zu gewährende Finanzhilfe von irgendwelchen
poli=
tiſchen Bedingungen abhängig zu machen. Jedes Anſinnen, dies
zu tun, habe die engliſche Regierung ebenſo wie die der
Ver=
einigten Staaten mit Nachdruck abgelehnt. Wie der
Korreſpon=
dent hinzufügt, dürfte jedoch eine aus freien Stücken
Deutſch=
lands erfolgende Hinausſchiebung des Panzerkreuzerbaues und
eine Vertagung des Zollunions=Projektes um ein Jahr in
Lon=
don begrüßt werden.
Erfüllung der franzöſiſchen Forderungen
ausgeſchloſſen.
* Berlin, 11. Juli. (Priv.=Tel.)
„Die „Germania”, die dem Reichskanzler Dr. Brüning
nahe=
ſteht, bringt zu den außenpolitiſchen Vorgängen der letzten
Tage, einen längeren Artikel, der unzweifelhaft die Anſicht des
Reichskanzlers wiedergibt. Dieſer Artikel geht von der
Feſt=
ſtellung aus, daß die franzöſiſche Nachkriegspolitik
nur das eine Ziel kenne, die franzöſiſche
Vor=
machtſtellung in Europa aufrecht zu erhalten
und daß Frankreich den Wirtſchaftsdruck
macht=
politiſch auszunutzen ſuche. Dieſe Tendenzen ſeien
bereits aufgetaucht, ehe überhaupt der Young=Plan ſelbſt in
ſei=
nem ganzen Umfange zur Diskuſſion geſtellt worden ſei. Der
in der Pariſer Einigungsformel feſtgeſtellte Anſpruch
Frank=
reichs, über die wirtſchaftliche Verwendung der deutſchen
Er=
ſparniſſe aus dem Hoover=Plan Zuſicherungen von der deutſchen
Regierung zu verlangen, geht bereits an die Grenze deſſen
heran, was unter dem Geſichtspunkte einer rein wirtſchaftlichen
Hilfsaktion Deutſchland zugemutet werden konnte. Daß man
aber jetzt in Paris unverhohlen die bloße
Teil=
nahme an einer Kreditaktion zur Behebung
akuter Kaſſenſchwierigkeiten von politiſchen.
Bedingungen abhängig macht, welche
Deutſch=
land für die Zukunft binden ſollen, geht weit.
über das Maß deſſen hinaus was auch
einwirt=
ſchaftlich ſchwer ringender Staat um ſeiner
Zu=
kunft willen auf ſich nehmen könnte.
„Man verlangt in Paris, daß die deutſche Regierung die
Megaphone der nationaliſtiſchen Demagogie zum Schweigen
bringt, aber man liefert dieſem Nationalismus tagtäglich neue
Argumente, um gegen die heutigen Machtverhältniſſe zu Felde
zu ziehen. Man ſollte ſich in Paris ganz klar
dar=
über ſein, daß es in Deutſchland keine irgendwie
denkbare Regierung geben kann, die die
fran=
zöſiſchen Forderungen unterſchreibt, ohne
da=
mit gleichzeitig ihr Todesurteil zu
unterſchrei=
ben. Jedenfalls iſt es ausgeſchloſſen, daß
völker=
rechtliche oder innerpolitiſche Fragen durch ein
Diktat von außen her gelöſt werden, welches den
Stem=
pel der Einſeitigkeit trägt und mit den Lebensrechten eines
gleich=
berechtigten Mitgliedes der europäiſchen Communwealth
unver=
einbar iſt.
Die „D.A.3.” ſchreibt: Eine Nachgiebigkeit gegenüber Frank=”
reich würde die Regierung in den Abgrund reißen und ein
Kre=
ditabſchluß auch nur die augenblickliche Panik vielleicht beendigen.
Aber wer könnte garantieren, daß der darauf folgende politiſche
Wirrwarr nicht ſofort eine neue Panik hervorrufe?
Ernenker Ruf nach Rückgabe des Saargebiels.
Neuſtadt a. d. H., 17. Juli.
Die 11. Tagung des Bundes der Saarvereine, die heute
nach=
mittag mit einer Arbeitstagung der Delegierten der Ortsgruppen
aus dem Reich eingeleitet wurde, hat folgende Entſchließung
an=
genommen:
Berufen vom Bund der Saarvereine, haben ſich in Neuſtadt
a. d. Hardt Tauſende aus dem Saargebiet und dem übrigen Reich
zuſammengefunden, um erneut ihre Stimme zu erheben für das
Recht. Die Fremdherrſchaft, die dem Volke an der Saar im
Ver=
ſailler Vertrag aufgezwungen wurde, verletzt das
Selbſtbeſtim=
mungsrecht der Völker, deſſen Beachtung feierlichſt zugeſichert war.
Die Zwecke, die der Verſailler Vertrag mit der beſonderen
Saar=
regelung verfolgte, ſind durch die Entwicklung reſtlos überholt.
Das Volk an der Saar hat in völlig eindeutigen und einmütigen
Kundgebungen ſeit dem Beginn der Fremdherrſchaft fortgeſetzt die
Rückkehr des Saargebiets unter die deutſche, preußiſche und
baye=
riſche Regierung, die Rückgabe der Gruben an das Deutſche Reich,
die Wiederangliederung an das deutſche Zollgebiet gefordert. Es
erhebt dieſe Forderungen mit gleichbleibender Feſtigkeit auch
heute: Nicht nur als eine Wiedergutmachung begangenen
Un=
rechts, ſondern auch als eine Bürgſchaft für die Völkerverſöhnung,
die nicht vollendet ſein wird, ſolange das Unrecht an, der Saar
andauert, und als Vorausſetzung für die Geſundung der
Wirt=
ſchaft. Wenn aber die Hoffnung auf eine alsbaldige Befreiung
wiederum zuſchanden werden ſollte, dann bleibt dem Volk an der
Saar die feſte Zuverſicht, daß die Volksabſtimmung im Jahre 1935
die heiß erſehnte Rückkehr zum Vaterlande bringen wird.
Die Jahresmappe 1931 der Deutſchen Geſellſchaft für chriſtliche
Kunſt. (München, Ludwigſtraße 5.) 9 Tafeln in Autotypie
und Farbenkunſtdruck. 24 Seiten Text mit 53 Abbildungen,
Text von Prof. Dr. Ferdinand v. Werden=Eichſtätt.
In unermüdlich treuer Arbeit kämpft die Deutſche Geſellſchaft
für chriſtliche Kunſt ſeit vielen Jahren für Belebung und
Neu=
geſtaltung, für Förderung und Erſtarkung der religiöſen Kunſt.
Alljährlich erſcheint, in erſter Linie für die 12000 Mitglieder
beſtimmt, eine Jahresmappe, die in ca. 60 techniſch hervorragenden,
zum Teil farbigen Abbildungen über den jeweiligen Stand der
chriſtlichen Kunſt Bericht erſtattet. Erſtaunlich die Kraft, der
künſtleriſche Reichtum der diesmal dargebotenen Werke aus
Archi=
tektur, Plaſtik und Malerei. „Man möchte nicht glauben, daß in
dieſen Zeiten der Not und Verworrenheit ſoviel Gutes und
Star=
kes entſtehen konnte. Wohl liegt über den meiſten Werken der
Ernſt der Gegenwart, die abſichtliche Schlichtheit einer an Freude
und materiellen Gütern arm gewordenen Generation. Von der
dekorativen, ſchönheitlich=pathetiſchen Würde des Hiſtorizismus
und ſeiner Nachfahren iſt faſt nichts mehr zu finden. Plaſtik und
Malerei leben vornehmlich aus dem Geiſte eines tief innerlichen
Realismus in mittelalterlichem Sinne, Charakteriſierung geht vor
Typiſierung. Die Architektur beginnt wieder zu führen. Ihre
Bauten verraten da und dort ſo viel formale Aehnlichkeit mit
den dominierenden Profanbauten der Gegenwart, wie ſie zu allen
Zeiten ſchöpferiſcher Kultur unwiderlegbar aufgezeigt werden
kann. Mit großem Verſtändnis hat Profeſſor F. v. Werden=
Eich=
ſtätt die 43 Künſtlerperſönlichkeiten im Text der Jahresmappe
beſprochen und unter die intereſſanten Geſichtspunkte ſeiner
Ein=
leitung eingeordnet. Die Jahresmappe als vornehmſte
Erſchei=
nung der Literatur chriſtlicher Kunſt wendet ſich nicht nur an
Fach=
kreiſe, ſie iſt durchweg allgemeinverſtändlich geſchrieben und ſollte
von jedem Menſchen geleſen werden, den die Förderung religiöſer
Kunſt angeht, d. h. von jedem gläubigen Chriſten.
— Bereits ſeit 75 Jahren ſind Schriftleitung und Verlag von
Weſtermanns Monatsheften beſtrebt, ihren Leſern nur das Beſte aus
den Gebieten der Kunſt, Literatur und Wiſſenſchaft zu bringen. Jedes
Heft iſt ſtets eine neue Ueberraſchung und Freude, und man weiß nicht,
was man mehr bewundern foll, die Reichhaltigkeit des Inhaltes oder
die einfache, ſich ſtets gleichbleibende klare Linie, die ſich durch dieſe Hefte
zieht. Ein beredtes Zeugnis davon iſt die ſoeben erſchienene
Auguſt=
nummer, das 900. Heft. Wohl jeder, der es in die Hand nimmt, wird
etwas finden, was ihn beſonders intereſſiert. Nachdenkliches für ruhige
Stunden im Hauſe und Unterhaltung und Zerſtreuung in der feinen
Art, wie wir es uns für die Ferienzeit wünſchen. Hat man angefangen
zu blättern und zu leſen, ſo iſt man gefeſſelt und hört nicht eher auf,
als bis man die letzte Seite umgeſchlagen hat. Man kann kaum
Einzel=
heiten herausgreifen. Am beſten iſt es, jeder verſchafft ſich ſelbſt einen
Einblick. Das Heft iſt in jeder Buchhandlung zum Preiſe von 2.— RM.
zu haben. Nach einem Abkommen haben unſere Leſer das Recht, gegen
Einſendung von 30 Pfg. für Porto koſtenlos von dem Verlag Georg
Weſtermann, Braunſchweig, ein Probeheft zu verlangen. Wir bitten, im
eigenen Intereſſe von dieſer Vergünſtigung recht regen Gebrauch zu
machen.
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Nummer 191
Sonntag, den 12. Juli 1931.
Seite 5
Aus der Landeshaupkftadt.
Darmſtadt, den 12. Juli 1931.
— An der Eleonorenſchule (Lyzeum und Frauenſchule) in
Darmſtadt iſt zum 1. September 1931 die Stelle des
Studiendirek=
tors (Gehalt A 2b) zu beſetzen. Bewerbungen ſind bis 1. Auguſt
1931 bei dem Miniſterium für Kultus und Bildungsweſen
einzu=
reichen.
— Verſetzung in den Ruheſtand. Am 1. Auguſt 1931 tritt der
Kommunalforſtwart Heinrich Mack zu Hauſen auf Grund des
8 1 des Geſetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten vom
2. Juli bzw. 19. Dezember 1923 in Verbindung mit Artikel 2 des
Geſetzes über die Einſtellung des Perſonalabbaues in Heſſen und
zur Aenderung des heſſiſchen Perſonalabbaugeſetzes vom 8.
Okto=
ber 1925 in den Ruheſtand.
— Hohes Alter. Frau Katharina Habicht Wwe., hier,
Schulzengaſſe 7, begeht heute ihren 87. Geburtstag in ſehr dürftigen
Verhältniſſen.
— Kunſtausſtellung Darmſtadt 1931 Mathildenhöhe. Die
Ausſtellung bleibt nur noch dieſen und den nächſten Monat
ge=
öffnet. Für jeden, der ſie noch nicht geſehen hat, empfiehlt es ſich,
dies noch vor den Sommerferien zu tun. Sie iſt täglich von 10
bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt koſtet nur 50 Rpf. der
Kata=
log, der auch die Preiſe der Bilder enthält, nur 30 Rpf.
Schul=
klaſſen kann nach vorheriger Anſage der Beſuch ſchon von 8 Uhr
an geſtattet werden.
v. II.
— Sommerſpielzeit Bruno Harprecht im Heſſiſchen
Landes=
theater. Veranlaßt durch den außerordentlichen allabendlich
ſtür=
miſchen Erfolg, den der Schwank „O, ſpaniſche Fliege!” in
der muſikaliſchen Bearbeitung von Bruno Harprecht erzielte, wird
derſelbe am heutigen Sonntag, abends 20 Uhr, nochmals, und
zwar zum letzten Male, wiederholt Bruno Harprecht ſpielt
wiederum den „Moſtrichfabrikanten Klinke‟. Ab Montag gelangt
dann täglich die ausgezeichnete Neuheit „Zum goldenen
Anker” von Marcel Pagnol, die bei ihrer Darmſtädter
Pre=
miere mit großem Beifall aufgenommen wurde und einen
aus=
gezeichneten Erfolg verbuchen konnte, zur Aufführung, auf die
nunmehr hingewieſen ſei, als das Werk zu den intereſſanteſten
Novitäten des Bühnenſpielplans gehört.
Die Firma Parfümerie Fritz Müller, die 12 Jahre lang
ihre Geſchäftsräume in der oberen Rheinſtraße hatte, hat
ihre Verkaufsräume in die Ernſt=Ludwig=Straße 1 (früher
Ehr=
hardt=Laden) verlegt. Das neue Geſchäftslokal macht ſchon
äußer=
lich einen vornehmen Eindruck, gediegene Fenſterausſtattung iſt
auch hier zu bemerken. Zu begrüßen iſt die am Haus angebrachte
Normaluhr. In dem großen Laden kommt die Vielſeitigkeit des
Warenlagers vorteilhaft zur Geltung. Durch geſchickte Anordnung
iſt die räumlich nunmehr mit dem Hauptgeſchäft vereinigte Filiale
des Herrn Müller, die Firma Grodhaus, in ihrer Eigenart
ge=
wahrt worden. Der Inhaber der Firma hat es durch Fleiß und
Umſicht im Laufe der Jahre verſtanden, trotz der Schwere der Zeit
ſeinem Geſchäft immer wieder neuen Auftrieb zu geben, und durch
die Erwerbung des älteſten Seifengeſchäfts unſerer Stadt, der
er=
wähnten Firma Grodhaus (gegründet 1797), 135 Jahre alte
ge=
ſchäftliche Ueberlieferungen mit neuen praktiſchen Erfahrungen
unſerer modernen Zeit zu paaren.
— Der große Quo=Vadis=Film. Es iſt die Herrſcherzeit Neros,
als das weltbeherrſchende Rom auf dem Höhepunkt ſeiner Macht
ſtand. In dieſe finſtere Nacht des Heidentums und der inneren
Troſtloſigkeit leuchten ſieghaft die erſten Strahlen des jungen
Chriſtentums hinein. Nero, in ſeiner Grauſamkeit, Genußſucht
und feiger Angſt, ſteht im Vordergrund der Handlung. Die
groß=
artigen Bilder von dem Glanz und den rauſchenden Feſten der
Stadt, das Martyrium der Chriſten in der Arena, die den Löwen
vorgeworfen oder, an Wagen gebunden, zu Tode geſchleift werden,
das ſind Bilder, die man nicht wieder vergißt. In täglich drei
Vorſtellungen wird dieſes Filmwerk nur am Mittwoch.
Donners=
tag und Freitag in den Palaſt=Lichtſpielen gezeigt. Karten ſind
daſelbſt täglich im Vorverkauf zu haben.
—Eine Sitzung des Stadtrats findet am Donnerstag, dem
16. Juli 1931, um 17 Uhr, im Rathaus ſtatt. Die öffentliche
Sitzung hat folgende Tagesordnung: 1. Beſchaffung einer neuen
Waſchmaſchine für das Stadtkrankenhaus. 2. Lieferung von
Keh=
richtwagen und Kehrichttonnen. 3. Uebernahme der Bauten des
Lutherbauvereins. 4.=Gründung eines Rhein=Mainiſchen
Wirt=
ſchaftsverbandes; hier: Beitritt der Stadt. 5. Neubildung der
Steuerausſchüſſe. 6. Antrag Fröba und Genoſſen auf Aufhebung
der Mietberechtigungskarten. 7. Antrag der Fraktion der
Ge=
werbe= und Handwerkervereinigung, die Vergütung für die
Ab=
fuhr des gewerblichen Mülls betreffend.
— „Ein Weltreiſender” der 26jährige Friedrich Krüger
aus Berlin, der Darmſtadt eben paſſiert beſuchte geſtern unſere
Redaktion. Er erzählte einige ſeiner Erlebniſſe, die er ſpäter in
Buchform veröffentlichen will, u. a. wie er in Italien als
ver=
meintlicher Spion 8 Tage hinter „ſchwediſchen Gardinen”
zubrin=
gen mußte. Der junge Weltreiſende, der auf ſeinem Fahrrad
ſeit Monaten die europäiſchen Lande durchquerte, war bereits in
Oeſterreich, der Schweiz, Tſchechoſlowakei, Ungarn. Rumänien,
Jugoſlawien. Bulgarien, Griechenland, Finnland, Schweden,
Nor=
wegen und Dänemark. Ueberall hat er mit offenen Augen die
ihm unbekannte Welt angeſehen und tiefe Eindrücke geſammelt.
Er kehrt. in ſeine Heimat zurück, um nach Erneuerung ſeines
Reiſepaſſes nunmehr Belgien, Frankreich, Spanien, Portugal zu
befahren und dann auf dem Stahlroß, ſeinem treuen Begleiter,
Afrika zu durchqueren.
Ce Eliſabethenſchule. Vorgeſtern abend hielt die
Schul=
gemeinde in der Turnhalle ihre diesjährige Hauptverſammlung
ab, die der Vorſitzende, Herr Dr. med. Happich, leitete. Die
Ver=
ſammlung beſchloß, den Elternbeirat um einige Eltern erſt
kürz=
lich eingetretener Schüler zu erweitern, ferner erklärte ſie ihr
Einverſtändnis damit, die Beiträge zur Schulgemeinde für
Er=
gänzung der Apparatur, Erneuerung der Turngeräte und
Er=
höhung von Freiſtellen zu verwenden. Nachdem unter großem
Beifall der Vorſitzende wiedergewählt worden war, erſtattete Herr
Dr. Grünewald den Jahresbericht, deſſen Drucklegung in Ausſicht
geſtellt wurde. Als Wichtigſtes entnehmen wir ihm daß die
Schülerzahl auf nahezu 400 geſtiegen und 2 neue Schulklaſſen
hin=
zugefügt wurden, daß keine Klaſſe mehr als 30 Schüler zählt.
Der Neubau mit Schulſälen und Turnhalle iſt der beſondere Stolz
der Schule im letzten Jahre. Der ſtaatliche und namentlich der
ſtädtiſche Zuſchuß laſſen ſehr zu wünſchen übrig, ſonderlich in
An=
betracht deſſen, daß die Schule eine große Erſparnis für die Stadt
bedeutet. Die Beziehungen zum Heſſiſchen Kultusminiſterium ſind
die denkbar beſten. Sodann ergriff Herr Studienrat Knöpp das
Wort, um in friſcher, plaſtiſcher Weiſe ein Bild der
Erzieherper=
ſönlichkeit des württembergiſchen Pfarrers Flattich zu geben der
es in überaus praktiſcher Weiſe verſtand, durch Liebe und
herz=
lihes Vertrauen die Schüler innerlich zu überwinden und „
Men=
ſchen Gottes, zu allem guten Werk geſchickt”, aus ihnen zu machen.
Dankbarer Beifall lohnte den Redner für, die mancherlei
prak=
tiſchen Winke, die er den Eltern gegeben.
Frauenverein der Kaplaneigemeinde. Der Frauenverein
der Kaplaneigemeinde will Dienstag, den 14. Juli, einen
gemeinſamen Gang nach Traiſa machen. Wir treffen uns
nach=
mittags 2,30 Uhr am Böllenfalltor, von dort gehen wir durch den
Wald nach Traiſa; auch kann mit dem Kraftwagen gefahren
wer=
den. Ziel iſt das Erholungsheim Kleinſchmidt
Kreis=
ſtraße 45. Vorherige Anmeldung der Teilnehmerinnen bei den
Vorſtandsdamen bis ſpäteſtens Sonntag abend iſt erforderlich.
Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher Erkrankung
ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt zu
rufen. Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am Sonntag,
den 12. Juli 1931, folgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit:
Dr. med. Degen, Klappacherſtraße 1, Telephon 366; Dr. med.
Erb, Wenckſtraße 23, Telephon 1208; Dr. med. Sachs,
Hügel=
ſtraße 41, Telephon 726.
Es verſehen den Sonntagsdienſt und in der daran ſich
an=
ſchließenden Woche den Nachtdienſt vom11. Juli bis 18. Juli die
Merck’ſche Apotheke, Rheinſtraße 9, Beſſunger Apotheke,
Wittmannſtraße 1.
* Aus der Bautätigkeit
der Akademiſchen Bliegergruppe Darmſiadt e. P.
In der heutigen ſchnellebigen Zeit werden ſich vielleicht nur
noch wenige Leſer erinnern, was für eine ſchöne leiſtungsfähige
Maſchine D 18 der Akademiſchen Fliegergruppe, Darmſtadt, war.
Der Verluſt dieſes Flugzeugs war für die Gruppe ein harter Schlag.
Seit dem iſt ein Jahr ins Land gegangen. Bald nach jener
wenig=
ſtens für die Piloten noch gut abgelaufenen Landung im Mittelmeer
ſetzte eine rege Tätigkeit ein, die der Gruppe den Neubau eines
ebenſo leiſtungsfähigen Flugzeuges ſicherſtellen ſollte. Mit
ver=
einten Kräften arbeiteten an dem Plan das Staatsminiſterium,
die Techniſche Hochſchule und die Gruppe, und ſchließlich gelang es
in dieſem Jahr die Mittel für den Neubau einer ſolchen Maſchine
zu erhalten. Dieſer Vogel, der mit dem beſten deutſchen
Motor der 100=PS=Klaſſe ausgerüſtet wird und deſſen
Inſtrumen=
tenbrett allein mit ſeinen deutſchen Inſtrumenten einen Wert
von Mk. 1 200,— darſtellt, baut ſich natürlich nicht ſo einfach und
aus ſo geringen Mitteln wie ein Segelflugzeug. Die Gruppe
hatte aber durch die D 18 gezeigt, daß ſie auch den höchſten
An=
forderungen an Qualität in theoretihſcher und werkſtattechniſcher
Hinſicht gewachſen iſt, und nur dieſem guten Ruf konnte ſie es
zuletzt verdanken, daß ihr zu dem neuen Werk die immerhin großen
Mittel bereitgeſtellt wurden, allerdings mit dem Verlangen, daß
ſie über jeden verauslagten Pfennig eine genaue
Rechnungsprü=
fung und genaue Belege den Behörden vorweiſen muß.
Während ſolche wirtſchaftlichen Verhandlungen hin und her
gingen wurden ſchon eine Reihe von Vorverſuchen angeſtellt, da
es ſelbſtverſtändlich der Wille der Gruppe war, nicht die
verloren=
gegangene D 18 nachzubauen, ſondern auf Grund der gemachten
Erfahrungen eine vollkommene Neukonſtruktion herauszubringen.
Nachdem ſich nun dieſe ganzen Verhandlungen im Laufe des
ver=
gangenen Monats geklärt hatten, ſetzte in der Fliegergruppe ſofort
Hochbetrieb ein. Die geſamte Leitung der Konſtruktion ſowie
des Baues liegt wiederum in den bewährten Händen des Dipl.=
Ing. Fecher. Unter ſeiner Führung arbeiten im anſtrengendſten
10=Stunden=Dienſt ſieben Herren der Gruppe im
Konſtruktions=
büro. Dort entſtehen Zeichnungen und Berechnungen, die auf das
genaueſte ausgeführt ſein müſſen, da nur dann in Deutſchland ein
Flugzeug zugelaſſen wird, wenn auch die letzte Schraube auf ihre
Feſtigkeit nachgerechnet und von der Deutſchen Verſuchsanſtalt für
Luftfahrt für gut befunden worden iſt. Es handelt ſich hier alſo
nicht um die Anfertigung beſſerer Studienarbeiten, ſondern es
muß eine Arbeit geleiſtet werden, die vollkommen und in jeder
Beziehung den Arbeiten großer techniſcher Büros der Induſtrie
gleichwertig iſt. Die mitarbeitenden Herren ſind zum größten Teil
Studierende, zwei Herren eben fertig gewordene Dipl.=Ingenieure,
die noch das Werk mitvöllenden helfen.
In der Praxis der Werkſtatt wurde dagegen eine kleine
Aenderung des ſonſtigen Zuſtandes vorgenommen. Es iſt an ſich
tradionell in der Fliegergruppe, daß auch die Werkſtattarbeiten
in weiteſtem Maße von den eigenen Mitgliedern erledigt werden.
Aber in Anbetracht der Maſſenbelegſchaft des Konſtruktionsburos
und des Umſtandes, daß durch den kommenden Rhönwettbewerb
weitere 15—20. Mann auf Wochen hinaus feſtgelegt ſind, ſah ſich
die Gruppe gezwungen, für ihre Verhältniſſe umfangreiche
Ein=
ſtellungen vorzunehmen. Man wird ſicher gerne hören, daß die
Grupe ſieben arbeitsloſe Handwerker eingeſtellt hat und ſo nicht
nur einerſeits die Stadt der Sorge für ſieben, zum Feiern
ge=
zwungene Arbeiter enthebt, ſondern die Gruppe gibt auch
unge=
fähr pro Woche rund 500 RM. an Löhnen aus, die letzten Endes
in die Wirtſchaft der Stadt zurückfließen werden. Dieſe Notiz
mag insbeſondere rechtfertigen, wenn die Gruppe auch in dieſen
ſchweren Zeiten ſeitens des Staates und der Stadt unterſtützt
wird; in einem Monat ſind an Löhnen von der
Gruppe ungefähr ſo viel, in das Getriebe der
Stadt zurückgefloſſen, als von ihr der Gruppe an
Unterſtützung in dieſem Jahr gewährt wurden.
(Nachforderungen vorbehalten!) Selbſtverſtändlich ſind neben
die=
ſen Arbeitern auch noch alle ſonſt frei verfügbaren Kräfte in der
Werkſtatt beſchäftigt.
Auch der Herſtellungsprozeß der Maſchine wird vollkommen
induſtriegemäß beobachtet und als Unterlagen für ſpätere Bauten
feſtgeſtellt. Die Werkſtatt der Gruppe die ſich in der Hochſchule
befindet, iſt relativ klein, aber die zweckmäßigſte Ausnutzung jedes
Winkels und eine zwar maßvolle aber reiflich überlegte
Beſchaf=
fung von Maſchinen läßt hoffen, ſchon bis Anfang Oktober das
neue Motorflugzeug fix und fertig auf den Platz zu ſtellen.
Wir nehmen an, daß dieſe Zeilen zu dem nötigen Verſtändnis
in den hieſigen Kreiſen beitragen werden, wenn wir uns
gezwun=
gen ſehen, bei dieſer und jener Firma anzuklopfen und zu betteln.
Profeſſor Julius 3. Schilling
Aus den Darmſtädter Lichtſpieltheakern.
feiert heute, wie bereits in geſtriger Nummer mitgeteilt, ſeinen
80. Geburtstag in beneidenswerter körperlicher und geiſtiger
Friſche.
Berband der Schießvereine Deutſcher Jäger
(Sitz Neudamm).
Der Heſſiſche Jagdklub, Darmſtadt — als Gruppe des
vorge=
nannten Verbandes — hat die diesjährigen Schießen um die
Meiſterſchaften von Deutſchland auf Wurftauben und Wildſcheiben
auf den Ständen der privil. Schützengeſellſchaft Darmſtadt (Neues
Schießhaus) übernommen.
Es wird ihm, der den Ruf als eine der größten und
rührig=
ſten Jägervereinigungen unſeres Vaterlandes genießt, eine
Ehren=
pflicht ſein, dieſe Meiſterſchaftsſchießen zur Zufriedenheit aller
Teilnehmer durchzuführen. Nach dem einmütigen Urteil der
Fach=
leute des In= und Auslandes war den Meiſterſchaftsſchießen, die
der Heſſiſche Jagdklub ſchon einmal, und zwar im Jahre 1907 hier
zum Austrag brachte, ein ganz außerordentlicher Erfolg beſchieden.
Damals ging es um Ehrenpreiſe im Geſamtwert von zirka
25 000 Mark!
Wenn wir auch heute durch die wirtſchaftliche Not beſcheidener
geworden ſind, ſo ſoll der Gabentiſch doch jeden befriedigen. Mehr
wie die Hälfte aller Teilnehmer an den einzelnen Konkurrenzen
wird mit Ehrenpreiſen bedacht.
Am Sonntag, den 12., und Dienstag, den 14. Juli, ab 2 Uhr
nachmittags: Uebungsſchießen auf allen Ständen. Standgeld je
Scheibe 1 Mark, Wurftauben werden zu den Selbſtkoſten berechnet.
Freitag, den 17. Juli, ab 8 Uhr: Kartenſchießen auf
Wurf=
tauben und Wildſcheiben. Fortſetzung am 18. und 19 Juli.
Freitag, den 17. Juli, ab 5 Uhr nachm.: Mannſchaftsſchießen
auf Wurftauben um die Meiſterſchaft der Gruppen des Verbandes
der Schießvereine Deutſcher Jäger.
Samstag, den 18. Juli, vorm. ab 9 Uhr: Meiſterſchaft von
Deutſchland auf Wildſcheiben — 30 Schuß (10 auf lauf. Keiler, 5
auf lauf. Bock, 5 auf lauf Fuchs 10 ſteh. Bock). Auf laufenden
Reiler und ſtehenden Bock Voranſchlag. Laufenden Fuchs und
lau=
fenden Bock jagdliche Gewehrhaltung. Wildſcheiben: Syſtem
Eilers. Einſatz 10 Mark.
Sonntag, den 19. Juli, vormittags ab 8 Uhr: Meiſterſchaft
von Deutſchland auf Wurftauben 100 Tauben, 15 Meter, die
letzten 50 Tauben ohne Abruf. Einſatz 20 RM. Jagdliche
Ge=
wehrhaltung.
Ferner am Sonntag den 19. Juli: „Jagdſchießen um den
Großen Preis des Heſſiſchen Jagdklubs (10 Wurftauben=
Doublet=
ten) weiße und ſchwarze Tauben ohne Abruf. Nur die weiße
Taube darf beſchoſſen werden. Treffer ſchwarz: ein Strafpunkt.
Einſatz 3.— RM. Ehrenpreiſe, und außerdem Schießen um die
Ehrenſcheiben „Heſſen” und „Darmſtadt”. — 80 Meter, je Schuß
1.— RM. Nachkauf bis zum Treffer. Künſtleriſch ölgemalte
Schei=
ben, zirka 50 Zentimeter Durchmeſſer. Auch hierbei kommen
Ehrenpreiſe zur Verteilung.
Zugelaſſen ſind alle Jäger und Schützen deutſcher
Nationa=
lität. Ausführliche Programme ſind bei der Geſchäftsſtelle des
Heſſiſchen Jagdklubs. Darmſtadt, Heinrichsſtraße 21, anzufordern,
an die auch die Meldungen zu den einzelnen Schießen einzuſenden
ſind. Anmeldungen bis zum 15. Juli dringend erwünſcht.
Palaſt
bringt wiederum ein ſehr gutes Doppelprogramm ſtummer Filme.
Zwar iſt „Nachtredaktion”, ein Senſations= und
Aben=
teurerfilm aus der Chikagoer Verbrecherwelt, eine echt
amerika=
niſche Sache, die mit „Redaktion” nach deutſchen Begriffen ſehr
wenig zu tun hat, aber dieſer Film führt doch in den
amerikani=
ſchen Betrieb einer großen Zeitungsdruckerei und =Redaktion ein,
wenn auch mit allen von drüben gewohnten Uebertreibungen.
In erſter Linie allerdings ſpielt er in der „Unterwelt” Chicagos,
zeigt Kämpfe mit und gegen Verbrecher im Cut und im
Vorſtadt=
dreß mit dem ganzen Aufwand an Material und Menſchen, der
drüben zur Verfügung ſteht, auch für Filme, die irgendwelchen
Anſpruch auf „Kunſt” nicht erheben. Auch nicht wollen, weil
ſie in richtiger Erkenntnis der eigentlichen Filmaufgaben eben
Kino” ſind. Dabei hat die geſchickte Regie A. Eduard
Sutherlands eine Menge, von humoriſtiſchen, ſarkaſtiſchen
Mo=
menten eingeflochten, ſo daß der Film zum mindeſten beſtens
un=
terhält, und die Bildtechnik iſt meiſterhaft, die Fulle
intereſſan=
ter Bildfolgen unerſchöpflich, trotz einiger vermeidbarer Längen.
Ausgezeichnet ſpielt die bildhübſche Bebé Daniels. Neil
Hamilton und William Auſtric ſind ihr ſehr gute und
ſympathiſche Mitſpieler.
In „Der Halunke” ſpielt Adolphe Menjou nicht den
ſonſt gewohnten Böſewicht in Frack oder Smoking, ſondern eine
tragiſche (leidende) Figur. Er wird Opfer falſcher Freundſchaft
und dadurch feiner Liebe. Die Fabel des Films zieht das alte
Lied von verſchmähter oder verratener Liebe einmal anders, mit
weſentlich anderen Merkmalen und Auswirkungen auf und
ge=
ſtaltet die Handlung ſo bis zum letzten Schluß ſpannend
Schließ=
lich kommt es immer anders, als man vermutet. Das iſt ſehr
ge=
ſchickt gemacht und — es wird ausgezeichnet geſpielt. — „Der
Halunke”, (mit Adolphe Meniou, Alice Joyce und
Nor=
mann Trevor) entſtand nach der Erzählung von Michael
Arlen. Die Produktionsleitung hat William Le Baron,
die Regie Luther Reed.
— Promenadenkonzert. Sonntag, den 12. Juli, von 11 bis
12 Uhr, ſpielt das Stadtorcheſter unter Leitung ſeines
Kapell=
meiſters W. Schlupp bei günſtiger Witterung im Herrngarten
(Pergola) nach folgendem Programm: 1. Hoch Habsburg, Marſch
von Kral, 2. Ouvertüre z. Op. „Die Italienerin in Algier” von
Roſſini, 3. Geſchichten aus dem Wiener Wald. Walzer von
Strauß, 4. Anona. Intermezzo von Grey 5. Fantaſie aus der Oper
„Carmen” von Bizet, 6. Ernſt=Auguſt=Marſch von Blankenburg.
den Farkeien.
Die Staatspartei für Aufrechterhaltung
des 11. Auguſt als geſetzlicher Feiertag. Von
ſtaats=
parteilicher Seite wird uns mitgeteilt, daß der Abg. Schreiber
(Staatspartei) infolge eines Irrtums für den
volkspar=
teilichen Antrag, den 11. Auguſt (Verfaſſungstag) als geſetzlichen
Feiertag aufzuheben, geſtimmt hat. Der Abg. Schreiber hat nach
der Abſtimmung die Erklärung abgegeben, daß ſeine Abſtimmung
für den volksparteilichen Antrag auf einem Irrtum beruhe und
daß die Staatspartei ſelbſtverſtändlich für Aufrechterhaltung des
11. Auguſt als geſetzlicher Feiertag ſei.
Lotale Beranſtaltungen.
— Omnibus= und Dampferfahrten. Außer den ſchönen
Omni=
busfahrten ins Nahetal und nach Rüdesheim bietet das
Rhein=
reiſebüro Siegfried Halm in Mainz während der Ferienzeit auch
verſchiedene ſehr günſtige Dampferfahrten von Mainz bis Koblenz.
An Bord dieſer Schiffe iſt Muſik und Reſtauration. Karten ſind
jederzeit erhältlich bei Leuthner, Ernſt=Ludwigs=Platz 2. (Näheres
ſiehe Anzeige.)
Städt Saalbau. Heute abend Konzert des
Stadt=
orcheſters mit Tanzeinlagen im Gaxtenſaal. Anfang 8 Uhr.
Ein=
tritt frei, (bei ungünſtiger Witterung im Saal).
— Orangeriehaus. Heute Sonntag, abends 8 Uhr,
Konzert mit Tanz. Eintritt frei. Siehe Inſerat.
— Im Wiener Kronenbräukeller konzertiert heute
die Kapelle Rühlemann bei freiem Eintritt. (Siehe Anzeige.)
— Im Herrngarten=Café findet heute ab 11 Uhr ein
Frühkonzert unter Leitung von Kapellmeiſter Schlupp ſowie
Nach=
mittags= und Abendkonzert ſtatt.
— Im Pfungſtädter Biergarten „Zum
Datte=
rich” Kiesſtraße 27, findet heute ſowie jeden Mittwoch und
Sams=
tag großes Konzert ſtatt. Dazu die billigen 25=Pf.=Preiſe für
Speiſen und Getränke. (Siehe Anzeige.)
Im Schloßkeller ſpielt die bekannte ruſſiſche Kapelle
„Lutſchinuſchka”. (Siehe Anzeige.)
Tageskalender für Sonntag, den 12. Juli 1931.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus: Geſchloſſen. — Kleines
Haus, 20 Uhr: „O. ſpaniſche Fliege”. — Konzerte: Zur
Oper, Schloßkeller, Sportplatz=Reſt. am Böllenfalltor,
Herrngar=
tenkaffee. Schuls Felſenkeller, Rummelbräu, Thünger Brauſtübl,
Kaffee Jöſt Orangeriehaus. Zum Roſengarten, Hotel Prinz
Heinrich, Wiener Kronenbräukeller, Städt. Saalbau Hotel=
Reſt. Poſt. Theater Reſtaurant. Reſt. Handelshof. Datterich;
Ludwigshöhe, nachm. 4 Uhr. — Kinovorſtellungen:
Union=, Helia= und Palaſt=Lichtſpiele. — Turngem.
Beſ=
ſungen, ab. 17 Uhr, in der Beſſunger Turnhalle: Sommerfeſt.
Schmetterlingsklub 05, 16 Uhr, im Rummelbräu:
Sommerfeſt.
Seite 6
Sonntag, den 12. Juli 1931
Nummer 191
Any Heiſen.
J. Griesheim, 11. Juli. Am Sonntag feiert die Kleinkinderſchule
ihr 39. Jahresfeſt im Feſtſaal „Zum grünen Laub” hier. Die Kinder
wollen mit ihren Liedern und Spielen ihre Eltern und Angehörigen
er=
freuen. Auch der Poſaunenchor wirkt mit. Das Feſt beginnt um 3 Uhr
nachmittags, der Eintritt iſt frei. Der Erlös aus dem Verkauf von
Kaffee und Kuchen iſt für die Kleinkinderſchule beſtimmt. — Laut einer
Bekanntmachung der Bezirksſparkaſſe Groß=Gerau ſind die Zinſen und
aufgewerteten Hypotheken für das 1. Halbjahr 1931 mit 6 Prozent ſowie
diejenigen aus neuen Hypothekdarlehen für das 2. Vierteljahr 1931 mit
8 Prozent bei Meidung der Pfändung bis 15. Juli ds. J3. zu entrichten.
Aa. Eberſtadt, 11. Juli. Erntebeginn. Die Getreide=
Ernte nimmt allmählich ihren Anfang. Nach der Wintergerſte
wurde heute der erſte Roggenſchnitt getätigt.
F Eberſtadt, 11. Juli. Aerztlicher Sonntagsdienſt.
Den ärztlichen Sonntagsdienſt verſieht am Sonntag, den 12. Juli
1931, Dr. med. Blum. An ihn wende man ſich, wenn der
Haus=
arzt nicht erreichbar iſt.
Cu. Pfungſtadt, 11. Juli. Wohl infolge der pünktlich
verkeh=
renden Privat=Autobuſſe ſah ſich die Reichsbahn in letzter Zeit
wiederholt veranlaßt, — leider zu ſpät —, die Nebenlinie
Pfung=
ſtadt—Eberſtadt durch Einlegung verſchiedener Züge zu verbeſſern.
—Die Klagen mehren ſich auch hier in Pfungſtadt über die
Feld=
diebſtähle. Die Grundſtücksbeſitzer, können ihre Früherzeugniſſe
nicht zur vollen Reife kommen laſſen, ſondern müſſen ſie
früh=
zeitig abernten. Die Allgemeinlage fordert dringend die Bildung
eines Selbſtſchutzes.
Cu. Pfungſtadt, 10. Juli. Die Soz. Arbeiter=Jugend hat in
eigener Regie ein Heim zur Erſtellung gebracht, welches am 10.
d. M. zur Einweihung gelangt. Dem Vernehmen nach wird der
heſſiſche Staatspräſident zugegen ſein. Es würde lebhaft begrüßt
werden, wenn der Herr Staatspräſident die Anweſenheit benutzen
würde, und ſich an Ort und Stelle ein Bild der kataſtrophalen
Lage Pfungſtadts machen würde. Die vielen leerſtehenden
Fabri=
ken mit ihren Schornſteinen und der wöchentliche Aufwand an
Wohlfahrtsempfänger in Höhe von 4200 RM. reden eine ſtumme
aber um ſo eindringlichere Sprache. Es iſt notwendig, eine ſolche
Gelegenheit wahrzunehmen, damit der alte gute Ruf Pfungſtadts
nicht zum weiteren Nachteil der Gemeinde als Maßſtab
Anwen=
dung findet.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 10. Juli. Gemeinderatsbericht.
Auf Vorſchlag der Kommiſſion wird die Vergütung des Dipl.=Ing.
Scheibel=Darmſtadt für geleiſtete Vorarbeiten beim
Wohnungs=
tarif auf insgeſamt 200 Mk. feſtgeſetzt. — Inſtallateur Kögel aus
Ober=Ramſtadt hat darum nachgeſucht, ihm die Erlaubnis zur
Ausführung von elektr. Inſtallationsarbeiten innerhalb des
hie=
ſigen Ortsbereichs zu erteilen. Die Elektrizitätskommiſſion hat
dieſe nicht erteilt, weil einige Nachbarorte die gleiche Maßnahme
dem hieſigen Inſtallateur Huthmann gegenüber getroffen haben.
Hiergegen erhebt nunmehr die „Heag. Einſpruch und droht mit
Gegenmaßnahmen den hieſigen Inſtallateuren gegenüber, ſoweit
ſie zur Ausführung von Arbeiten im Stromverſorgungsgebiet
derſelben zugelaſſen ſind. Der Gemeinderat hat keinen Anlaß, den
ergangenen Beſchluß der Kommiſſion abzuändern, beauftragt aber
die Verwaltung, zunächſt einmal die Stellungnahme der hieſigen
Inſtallateure zu erkunden. — Auf Grund des Art. 13 des
Sonder=
gebäudeſteuergeſetzes wird beſchloſſen, auf Antrag die erhöhte
Sondergebäudeſteuer aus Billigkeitsgründen entſprechend den
vom Finanzminiſter für die ſtaatliche Sondergebäudeſteuer
gege=
benen Richtlinien zu erlaſſen oder zu ermäßigen. — Ein Antrag
der Brauereien auf Einzug der Bierſteuer von den Gaſtwirten
wird abgelehnt. — Im Zuſammenhang mit dem im Gebiete
zwi=
ſchen der Odenwaldbahn und der Provinzialſtraße durchgeführten
Fluchtlinienverfahren wird von ſeiten des Miniſteriums die
gleich=
zeitige Einleitung des Baulandumlegeverfahrens für dieſes
Bau=
quartier angeregt. Der Gemeinderat iſt derzeit nicht zu einem
ſolchen Beſchluſſe zu bewegen. — Als Termin für die
Beigeord=
netenwahl wird der 16. Auguſt I. J. und als derjenige für eine
etwaige Stichwahl der 22. Auguſt I. J. feſtgeſetzt. — Gemäß be= Verlangen Sie aber nur den echten Ebus=Tee. Verſuch überzeugt!
Ebus=
hördlicher Anordnung ſind die Steuerausſchüſſe neu zu bilden.
rat Hrch. Müller 5. und als Stellvertreter die
Gemeinderatsmit=
glieder Krautwurſt, Breitwieſer und Steiger beſtellt — Der
An=
trag des H. Steinmacher auf Anbringung einer Goſſe zur
Ablei=
tung des Regenwaſſers vor ſeinem Hauſe wird an die
Baukom=
miſſion verwieſen. — Der Preis für das an die Gemeinde zur
Ztr. feſtgeſetzt. — Ein Geſuch des Gg. Drauth um Gewährung
einer Abfindungsſumme auf ſeine ihm durch die Gemeinde
zuge=
billigte Wohlfahrtsunterſtützung zum Zwecke der Vergrößerung
ſeines Geſchäftes wird abſchlägig beſchieden. — Der Bericht über
bachregulierungsverbandes wird zur Kenntnis genommen. — Die und Körung verbunden war, erfreute ſich eines überaus zahl=
Inſtandſetzung von zwei Schulſälen während der Ferien ſowie, reichen Auftriebs und legte aufs neue Zeugnis ab von dem hohen
der Büroräume der Bürgermeiſterei wird beſchloſſen — Den Stand der Ziegenzucht in Groß=Umſtadt und Umgebung. Es
Schluß der Sitzung bildeten Stundungsanträge über Gemeinde= mögen etwa 200 Tiere, vorwiegend Zuchtböcke, geweſen ſein, die
gefälle, denen weitgehendſt ſtattgegeben wurde.
f. Roßdorf, 9. Juli. Statiſtiſches. Im erſten Kalenderhalb= lichen Pflege wurden denn auch zahlreiche Käufe getätigt.
jahr 1931 wurden in den hieſigen Standesamtsregiſtern beurkundet (die
in Klammern angegebenen Zahlen bedeuten diejenigen des gleichen
Zeit=
raums im Vorjahr): Geburten 33 (31), Eheſchließungen 13 (21),
Sterbe=
fälle 11 (16). — Beigeordnetenwahl. Die Amtszeit des ſeit= gemeiner Wertſchätzung in hieſiger Gemeinde erfreut; lehnt er
her demnächſt Neuwahl ſtattzufinden, die für den 16. Aug. vorgeſehen iſt.
G. Ober=Ramſtadt 9. Juli. Ausdem Gemeinderat
Ruhe=
ſtandsverſetzung des Nachtſchutzmanns Hofmann. Hierzu hat die Heſf bracht. Sein Gegenkandidat iſt Leonhard Fornoff.
Verſicherungsanſtalt für gemeindliche Beamte mitgeteilt, daß nach dem
Gutachten ihres Vertrauensarztes nur einſtweilige Ruheſtandsverſetzung ſammeln! Mit den Monaten Juli und Auguſt iſt die Zeit
ge=
des Hofmann mit Nachunterſuchung in eineinhalb Jahren, in Frage kommen, in der die meiſten wildwachſenden Beeren reifen. Für
komme. In Gemäßheit des Art, 14 des Heſſ. Verſicherungsgeſetzes für weite Kreiſe des Odenwaldes iſt das Verkaufen von Beeren ein
gemeindliche Beamte erklärt ſich der Gemeinderat bereit, falls ſich die
Dienſtfähigkeit Hofmanns ſpäter wieder ergeben ſollte, dieſen weiter zu jährlich wiederkehrender Nebenerwerb, und alt und jung
beteili=
beſchäftigen. — Bezüglich der Erbauung der elektriſchen Straßenbahn, gen ſich recht eifrig am Beerenſammeln. Leider bringt das
Beeren=
rat von einer kreisamtlichen Verfügung vom 24. v. M. Kenntnis. Er Reihe von Pflanzen und Sträuchern, deren Beeren und Früchte
beharrt in der Angelegenheit nach wie vor auf ſeinem Beſchluß vom giftig ſind. Immer wieder kommt es vor, daß Kinder und manch=
23. April d. Js. — Zum Baugeſuch des Adam Schanz 2., Nieder=Ram= mal auch Erwachſene während der Beerenzeit durch den Genuß
ſtädterſtraße 36 hier, wird dem Gemeinderat von einem Schreiben des giftiger Beeren mehr oder weniger ſchlimm erkranken. Gibt es
Hochbauamts Darmſtadt vom 30. vor. M. Kenntnis gegeben. Die Be= doch auch giftige Beeren, die genießbaren Beeren ſehr ähnlich ſehen.
freiung von den Beſtimmungen des Art, 9 in Verbindung mit Art. 30 Beſonders die Nachtſchattenarten ſind ſchon manchem zum
Ver=
der Allgemeinen Bauordnung bzw. mit 8 49 Abſ. 3 der Ausführungs= hängnis geworden. Die Früchte des ſchwarzen Nachtſchattens, der
verordnung zur Allg. Bauordnung, wird vom Gemeinderat erteilt. — gerne an Schutthaufen, Wegrändern und auf Aeckern wächſt, ſehen
Der Löſchung der auf den Grundſtücken der Baugenoſſenſchaft „
Selbſt=
hilfe” Ober=Namſtadt Flur 42 Nr. 239) B25ſto, 2331ſzo und 2335ſ,o den Heidelbeeren täuſchend ähnlich und ſind ſehr giftig. An freien
zugunſten der Gemeinde eingetragenen Sicherungshypotheken wird zu= Stellen im Walde reift jetzt die gefährliche Tollkirſche mit ihren
von Kanalbenutzungsgebühren ſind von 1. Anliegern der Adlergaſſe (Gg. nuß der Tollkirſche verleitet, die zu den giftigſten Beeren gehört.
Kehr 5. und Konſ.), 2. Konrad Fiſcher 11., 3. Anliegern der hinteren Ihr Genuß ruft Uebelwerden, Ohnmacht und Schwäche hervor, die
Ammerbachſtraße (Phil. Schellhaas 2. und Conſ.), 4. Anliegern der oft zum Tode führt. Zwiſchen Himbeer= und Brombeerſträuchern
Friedrichſtraße (Heinrich Weber 6. und Konſ.), 5. Firma G. F Heim wächſt auch der bitterſüße Nachtſchatten mit ſeinen giftigen läng=
Söhne und Mitbeteiligten, 6. Karl Fiſcher 11., 7. Friedrich Jakoby 2. lich=roten Beeren. Im Walde trifft man auch die Einbeere an,
und 8. Jean Dittmann Einſprüche eingegangen, die im Wortlaut be= deren giftige, blauſchwarze Frucht zwiſchen den vier Blättern ſehr
und unbegründet abgelehnt; die unter — und 8. erwähnten Einſprüche ſcharfen, brenzlichen Geruch der Blätter und Stengelteile, der ſich
verfallen auch ſchon wegen verſpäteter Einreichung der Ablehnung. —
Rohrmeiſter W. Rückert hat dem Kulturbauamt Darmſtadt in Ausfüh= beſonders beim Zerreiben bemerkbar macht. Eltern und Lehrer
rung eines früheren Gemeinderatsbeſchluſſes die Preisſätze für von ihm müſſen die Kinder immer wieder darauf aufmerkſam machen, daß
auszuführende Nohrverlegungsarbeiten mitgeteilt; ſie wurden nach Prü= ſie keine Beeren ſammeln und eſſen, die ſie nicht genau kennen.
fung durch das Kulturbauamt heute vom Gemeinderat anerkannt und Und wenn die Beere noch ſo ſchön, verlockend und appetitlich
aus=
genehmigt. Eine Aenderung erfahren lediglich die Preisanſätze für Her= ſieht, ſo ſoll man ſie doch ſtehen laſſen, ſolange man nicht
über=
ſtellen und Wiederzumauern von Mauerdurchbrüchen. Während der zeugend weiß, ob die Beere auch genießbar iſt.
Veratung dieſes Punktes verließ der Bürgermeiſter die Sitzung, und
wurde dieſelbe von Beig. Braband geleitet.” — Für das
Gemeinde=
anweſen Friedhofſtraße 11 wird ab 1. d. M. Jak. Neubert 1. als Haus= wohnern eines Gemeindehauſes, welche bereits ſeit einigen Tagen
verwalter beſtellt.
arbeiten für unſer Gemeindeblatt ſind ſoweit vorgeſchritten, daß Um ſich des Angreifers zu erwehren, ſchlug der Angefallene mit
die erſte Nummer als Werbenummer erſchienen iſt und bis zum einer Hacke nach demſelben und traf ihn derart, daß er bewußtlos
Samstag abend in allen Familien ſein ſoll. Sollte aus Verſehen, zuſammenbrach. — Auch bereits vor einigen Tagen kam es
zwi=
was vorkommen kann, eine Familie vergeſſen ſein, ſo ſind noch
Blätter bei dem Pfarramt zu haben.
G. Ober=Ramſtadt, 11. Juli. Obſtbaurundgang. Der einander einſchlugen, wobei beide verletzt wurden — Kirch=
Sonntag, den 12. Juli, nachmittags 3.30 Uhr, einen Obſtbaurund= muß wieder der Verkehr der Kreisſtraße Birkenau—Hornbach
um=
gang mit Zuſammenkunft am Bahnübergang (Bahnhofs=Allee), geleitet werden. Der Marktverkehr, der bereits in den letzten
Zahlreiche Beteiligung der Mitglieder iſt im Intereſſe unſeres. Jahren ſtark nachließ, ſcheint auch dieſes Jahr wieder minimal zu
heimiſchen Obſtbaues dringend erwünſcht. — Hohes Alter, werden, und wird mit der Zeit ſich vollſtändig verlieren. Der Ge=
Als eine unſerer älteſten Mitbürgerinnen beg.bt Frau Joſephine ſchirrmarkt war noch in den erſten Jahren nach dem Krieg gut
tag. Trotz einem arbeitsreichen Leben erfreu: ſich Frau Wider= verzeichniſſen war noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts
ſchein noch einer ſeltenen Rüſtigkeit, die ihr noch lange vergönnt der Markt oft von 70—80 Ständen aller Gewerbezweige, links
ſein möge.
(röffnung des Naturpfades bei Eberſtadt.
„Wanderer, folge dieſem Pfad!”
4a. Eberſtadt, 11. Juli.
Die neueſte Schöpfung des rührigen Verſchönerungs= und
Verkehrsvereins Eberſtadt, der bereits ausführlich beſprochene
Naturpfad (vgl. Nr. 184 d. Bl.), wurde am Samstag nachmittag vor
einem großen Kreis geladener Gäſte und Intereſſenten, Mitgliedern des
genannten Vereins, des Lehrerkollegiums uſw. ſeiner Beſtimmung und
der Oeffentlichkeit übergeben. Insgeſamt hatten ſich über 100 Perſonen
eingefunden, als kurz nach 5 Uhr nachmittags am Beginn des
Natur=
pfades der verdienſtvolle Vorſitzende des Verſchönerungs= und
Verkehrs=
vereins, Kaufmann Philipp Eyſenbach, das Wort zu einer herzlichen
Begrüßung ergriff.
Er kam in kurzen Worten auf die Bedeutung des Pfades zu ſprechen.
die ganz im Wirkungsbereich des Verſchönerungs= und Verkehrsvereins
liege. Neben der Belehrung ſolle der Pfad vor allen Dingen dem
Mühl=
tal und der Umgebung Eberſtadts Verkehr bringen. Er ſprach die
Hoffnung aus, daß die Arbeit nicht umſonſt getan ſei und ihre Früchte
zum Wohle der engeren Heimat bringen möge. Im weiteren Verlauf
ſeiner Ausführungen dankte er in erſter Linie den Mitarbeitern, die ſich
in uneigennütziger Weiſe in den Dienſt der Sache geſtellt hätten.
Ins=
beſondere dankte er den wiſſenſchaftlichen Arbeitern. Herrn Dr. Diehl=
Darmſtadt, Herrn Lehrer Franz Kallenbach=Darmſtadt, den hieſigen
Leh=
rern Burhenne und Dr. Weſp, Herrn Oberforſtmeiſter Hoffmann für
ſeine Unterſtützungen und den ſonſtigen Mitarbeitern, Herrn
Schrift=
führer Heißt, Herrn Weißbindermeiſter Meidinger für die Herſtellung
der Schilder und Tafeln und nicht zuletzt den hinzugezogenen Arbeitern.
Dann übergab er den Pfad dem Bürgermeiſter in den Schutz der
Gemeinde.
Herr Bürgermeiſter Dr. Uecker nahm mit Worten des Dankes
den ſeltenen Pfad in Schutz und Schirm der Gemeinde und ſprach vor
allem dem Verſchönerungs= und Verkehrsverein den Dank der
Geſamt=
gemeinde für das Werk aus. Auch er gebe ſich der Hoffnung hin, daß
der Pfad erhöhte Belebung des Mühltals bringen möge und ein
mar=
kantes Beiſpiel heimatlichen Naturſchutzes ſein und bleiben möge. Er
empfahl ihn daher insbeſondere dem Schutze des Publikums.
r. Babenhauſen, 10. Juli. Eine Schwimmabteilung
des Turnvereins 1891 von hier beteiligte ſich am letzten
Sonntag beim Kreisſtromſchwimmen in Gernsheim und brachte
recht beachtliche Siege mit nach Hauſe. — Die Ortsgruppe des
D. H.V. hielt eine Verſammlung im Gaſthaus „Deutſcher Hof” ab,
in der Kreisgeſchäftsführer Klaue=Frankfurt a. M. einen
Vor=
trag hielt über das zeitgemäße Thema: Warum Kampf für die
Angeſtelltenverſicherung?” In kräftigen Strichen zeichnete er ein
lebendiges Bild von den Vorgängen um die A.=V. in den beiden
letzten Jahren und forderte am Schluß ſeines Vortrags, daß das
Reichsarbeitsminiſterium unbedingt die Verpflichtung habe, die
Erſparniſſe und Rücklagen der A.=V. für das Alter gegen den
Zu=
griff anderer Stellen zu ſchützen, wenn nicht das Vertrauen in
den Verſicherungsgedanken überhaupt erſchüttert werden ſolle.
Am Ende der vortrefflichen Ausführungen des Vortragenden
nahm die Verſammlung einſtimmig eine Entſchließung an. Nach
einer lebhaften Ausſprache ſprach Herr Klaue noch ein kurzes
Schlußwort. — Kommenden Sonntag hält der Arbeiter=
Radfah=
rerverein „Friſch auf” ein Sommerfeſt ab. Es ſoll ein
Werbe=
feſt zugleich ſein. Alle hieſigen Vereine haben bereitwilligſt ihre
Mitwirkung zugeſagt; von den auswärtigen Vereinen ſeien
be=
ſonders die Kunſtreigenmannſchaften des Arbeiter=
Radfahrerver=
eins Fechenheim hervorgehoben. Die Muſik ſtellt die Kapelle Lautz.
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Für die hieſige Gemeinde wird als Ausſchußmitglied Gemeinde= Ballonpl. 11; Gardiſtenſtr. 17; Mühlſtr. 78, Ecke Nieder=Ramſtädterſtr.
* Reinheim, 11. Juli. Kleinkaliber=Schießen. Am
Sonntag, den 12. Juli, vormittags 8 Uhr beginnend, findet in
Ueberau das zweite Gauſchießen des Gaues Otzberg im Süd=
Fütterung des Faſelviehs gelieferte Kleeheu wird auf 2 Mk. pro, weſtdeutſchen Sportverband für Kleinkaliber=Schießen, verbunden
mit Werbeſchießen ſtatt. Es wird von ſeiten der Mitglieder rege
Anteilnahme erwartet.
Le. Groß=Umſtadt, 11. Juli. Ziegenmarkt. Der geſtern
die dieſer Tage ſtattgefundene Jahresverſammlung des Modau= hier abgehaltene Ziegenmarkt, mit welchem eine Prämiierung
vorgeführt wurden. Infolge der Raſſenreinheit und der vorzüg=
Am. Haingrund. 11. Juli. Die Amtszeit des ſeitherigen
Bei=
geordneten Gg. Thierolf iſt abgelaufen. Trotzdem dieſer ſich
all=
herigen Beigeordneten Nicolay läuft im Auguſt d. Js. ab. Es hat da= eine Wiederwahl ab. Deshalb wird am 19. dieſes Monats die
Wahl ſeines Nachfolgers ſtattfinden. Als Kandidat der „
Vereinig=
ten Arbeiter und Landwirte” iſt Lehrer Kaiſer in Vorſchlag ge=
Dk. Wald=Michelbach. 11. Juli Vorſicht beim
Beeren=
von Darmſtadt (Böllenfalltor) nach Ob.=Ramſtadt nimmt der Gemeinde= ſammeln beſonders für Kinder Gefahren mit ſich, denn es gibt eine
geſtimmt. — Gegen den Entwurf einer Ortsſatzung über die Erhebung tiefſchwarzen Früchten. Gar zu oft werden die Kinder zum
Ge=
kanntgegeben werden. Sämtliche Einſprüche werden als nicht ſtichhaltig verlockend ausſieht. Die Giftpflanzen erkennt man zum Teil am
Cf. Birkenau, 11. Juli. Schlägerei. Zwiſchen zwei
Be=
in Streit lebten, kam es vorgeſtern auf der Straße nach Hornbach
zu einem Zuſammenſtoß, indem der eine in betrunkenem Zuſtand
G. Ober=Ramſtadt, 11. Juli. Gemeindeblatt. Die Vor=; den anderen, der vom Felde nach Hauſe ging, anfiel und bedrohte.
ſchen zroei Bewohnern eines anderen Gemeindehauſes zu einem
Streit, bei welchem die beiden Streitenden mit Scheitholz auf=
Obſt= und Gartenbauverein Ober=Ramſtadt veranſtaltet heute, weihe. Bei der am nächſten Sonntag ſtattfindenden Kirchweihe
Widerſchein Witwe, Schafgraben. am 14. d. M. ihren 80. Geburts= beſchickt, geht aber nun auch immer mehr zurück. Nach alten Markt=
und rechts der Weſchnitz beſtellt.
Sodann ſchritt man einen Teil des Naturpfades ab. Sein Beginn
iſt durch eine große Tafel mit einer Ueberſichtsſkizze kenntlich gemacht,
auf der auch darauf hingewieſen wird, daß der Pfad ins Leben gerufen
ſei und unterhalten werde von dem Verſchönerungs= und
Verkehrsver=
ein Eberſtadt. Dann folgt die Aufforderung, dem Pfad zu folgen, da
er den Wanderer ein Stündchen anregend und belehrend durch die
herr=
liche Umgebung Eberſtadts führen werde. Der Naturpfad führt zunächſt
in einige Steinbrüche, dann die Hauptſtraße entlang bis zum „Kühlen
Grund”, vom Kohlberg bis zur Mahrsmühle in der Mordach dann durch
den Hahnweg (Hohl) über den Riedberg und zurück zu ſeinem
Aus=
gangspunkt.
Innerhalb des erſten Steinbruchs ergriff der Geologe Dr. Diehk=
Darmſtadt das Wort, um nach Worten des Dankes und der Anerkennung
dem Verſchönerungs= und Verkehrsverein Eberſtadt gegenüber einen
Ausſchnitt aus den geologiſchen Sehenswürdigkeiten des Naturpfades zu
geben. Er ſchilderte die Entſtehung des Odenwälder Randgebietes und
ging dann auf einzelne Sehenswürdigkeiten über. Dabei konnte er
nach=
weiſen, wie in einem einzigen Steinbruch des Mühltals nicht weniger
als ſechs verſchiedene Geſteine vorhanden ſind.
Danach ergriff Lehrer Kallenbach=Darmſtadt das Wort, um
vor allen Dingen die Grüße und Glückwünſche des Referenten für
Volks=
bildung im Kultusminiſterium, Herrn Schulrats Haſſinger, zu
überbringen, der leider heute am Erſcheinen verhindert ſei. Gleichzeitig
übermittelte er die Glückwünſche des Darmſtädter Lehrervereins und
ſeiner naturwiſſenſchaftlichen Vereinigungen. Lehrer Kallenbach ging
dann auf die reichhaltige und äußerſt lehrreiche Flora rings um den
Naturpfad ein, wobei er an Ort und Stelle einige Beiſpiele herausgriff
In einem weiteren Steinbruch gaben Dr. Diehl und Lehrer Kallenbach
ähnliche Erläuterungen. Auf dem Rückweg wurde im Kurhotel „
Schwei=
zerhaus” Naſt gehalten, bei welcher Gelegenheit Herr Lehrer
Bur=
henne lokalgeſchichtliche Erläuterungen gab, die im engſten
Zuſammen=
hang mit dem Naturpfad ſtanden.
Mit der Errichtung und Durchführung des Naturpfades, auf deſſen
weſentliche Einzelheiten zunächſt ungefähr 70 Schilder hinweiſen und
der noch weiter ausgebaut werden ſoll, hat ſich der Verſchönerungs= und
Verkehrsverein Eberſtadt unbedingt ein großes Verdienſt im Intereſſe
moderner Heimaterziehung erworben und ein Werk geſchaffen, deſſen
Bedeutung weit über den Rahmen der engeren Heimat hinausgeht.
Der grüne Knollenbläkkerpilz.
unſer gefährlichſter Giftpilz.
Die Kenntnis dieſes gefährlichen Giftpilzes iſt leider noch viel zu
wenig verbreitet, was durch die alljährlich wiederkehrenden
Pilzvergif=
tungen bewieſen wird. Der grüne Knollenblätterpilz iſt dabei der
Haupt=
übeltäter. Auf ſein Schuldkonto ſind die meiſten tödlich ausgehenden
Pilzvergiftungen zu verbuchen, in manchen Jahren bis zu zirka 100
Todesfälle in Deutſchland.
Sein Hut iſt gelblich bis grünlich, meiſt etwas faſerig geflammt; er
kann aber auch ganz weißlich vorkommen und ſomit Anlaß geben zu
einer leichtſinnigen Verwechſlung mit dem Champignon. Blätter, Fleiſch
und Stiel des Knollenblätterſchwammes ſind weißlich. Der Stiel iſt
zu=
weilen etwas gelb=grünlich getönt. Das wichtigſte Merkmal des
Knollen=
blätterpilzes iſt der Knollen am Stielgrund, oft allerdings
ganz unſichtbar, weil er mehr oder weniger in den Boden eingeſenkt iſt.
Die weißlichen Hautfetzen am Rande des Knollens umſchließen in der
Jugend den ganzen Pilz. Dieſe Jugendformen des Knollenblätterpilzes
ſind ganz weiß und kommen ähnlich wie Boviſte aus dem Boden. In
ſeinem oberen Teil trägt der Stiel einen herabhängenden weißen Ning,
welcher als Schleier die Blätter in der Jugend ſchützend überſpannt. Der
ganze Pilz wird gewöhnlich ungefähr 10—12 Zentimeter breit und ebenſo
hoch. Der Geruch dieſes gefährlichen Giftpilzes iſt
honigartig=
füßlich, bisweilen widerlich=ſüßlich, aber nicht unangenehm
kartoffelkeimartig, wie das meiſtens angegeben wird. Der grüne
Knol=
lenblätterpilz wächſt im Laubwald, beſonders unter Eichen.
Eine Verwechſlung des grünen Knollenblätterpilzes z. B. mit dem
Champignon dem Grünling oder mit grünen Täublingen kann nur
durch gröblichen Leichtſinn entſtehen. Der Champignon iſt leicht
an den anfangs roſa, zuletzt dunkel=ſchokoladebraun
wer=
denden Blättern, auf der Hutunterſeite zu erkennen. Eine” knollige
Scheide am Stielgrund fehlt ihm; der Geruch der Champignonarten iſt
angenehm würzig, öfters anisartig. Der im Kiefernwald
vorkom=
mende Grünling iſt ſofort kenntlich an ſeiner mehr oder weniger
gelben Farbe in allen Teilen; knollige Scheide und Ring fehlen ihm
gänzlich, wie dies auch bei den Täublingen der Fall iſt. Eßbare grüne
Täublinge ſollte nur der Kenner ſammeln.
Nach dem Bericht der mediziniſchen Fachkommiſſion der Deutſchen
Geſellſchaft für Pilzkunde kann eine Gabelſpitze voll vom
grü=
nen Knollenblätterſchwamm den Tod herbeiführen. Die
Gefährlichkeit iſt deshalb ſo außerordentlich, weil die Giftwirkung ſich
erſt nach 6—40 Stunden, meiſt mit Erbrechen und Durchfall, äußert.
Bei den geringſten Anzeichen einer Pilzvergiftung ſollte man für
ſofor=
tige gründliche Entleerung von Magen und Darm durch Brech= und
Abführmittel ſorgen, wie auch für ſofortige ärztliche Hilfe.
Man hüte ſich vor allen ähnlichen Pilzen, die eine Knollenſcheide am
Stielgrund beſitzen. Es gibt bei uns noch eine ganze Reihe von
an=
deren Knollenblätterpilzarten, die zum Teil ebenfalls
lehr giftig ſind (Fliegenpilz, Pantherpilz uſw.).
Nur ſolche Pilze darf man eſſen die man ganz
genau und als unſchädlich kennt. Im Zweifelsfalle wende
man ſich an die nächſte Pilzberatungsſtelle oder an die Deutſche
Geſell=
ſchaft für Pilzkunde, Darmſtadt (Heſſiſche Landesſtelle, für Pilz= und
Hausſchwamm=Beratung).
Um die Kenntnis des grünen Knollenblätterpilzes weitgehendſt zu
verbreiten, hat die Schriftleitung der „Zeitſchrift für Pilzkunde” in
Darmſtadt eine reichsbehördlich empfohlene bunte Wandtafel dieſes
ge=
fährlichſten Giftpilzes herausgebracht und für den Aushang in vielen
deutſchen Bahnhöfen geſorgt.
Alle vorkommenden Pilzvergiftungen wolle man bitte ſofort an die
mediziniſche Fachkommiſſion der Deutſchen Geſellſchaft für Pilzkunde
Dr. med Welsmann. Pelkum bei Hamm in Weſtfalen) oder an die
Deutſche Geſellſchaft für Pilzkunde in Darmſtadt mitteilen, da alle ſolche
Fälle von derſelben mit Unterſtützung durch das Reichsgeſundheitsamt
geſammelt und wiſſenſchaftlich bearbeitet werden.
Dp. Zwingenberg, 10. Juli. Die diesjährige
Kirſchen=
ernte iſt zu Ende. Nur noch vereinzelt ſieht man die ſpäteſten
Sorten auf dem Markte. Wohl kann der Ertrag ein ſehr guter
genannt werden; er ſteht jedoch hinter der Qualität der Vorjahre
erheblich zurück. Demzufolge waren auch die Preiſe ſehr gering.
Das Pflücken ergab oft einen mehr als ſchlechten Tagelohn. Sehr
viele Obſtzüchter ſind ſchon zu den früheſten Kirſchenſorten
überge=
gangen, da für dieſe beſſere Preiſe erzielt werden. Boden= und
Klimaverhältniſſe ſind in der hieſigen Gegend für frühe Sorten
günſtig. Auch die Johannisbeeren ergaben eine gute Ernte. Der
Preis bewegte ſich ſeither zwiſchen 10 und 15 Pfg. pro Pfund.
Da das Pflücken weniger Mühe macht, kann man mit dieſer
Ein=
nahme zufrieden ſein.
Dp. Zwingenberg, 11. Juli. Der Ausſchuß zur Beſchaffung
eines Ehrenmals für die im Weltkrieg Gefallenen hatte einen
glücklichen Gedanken, indem er Liſten in Umlauf bringt, in denen
die Einwohner einen Betrag einzeichnen können, welchen ſie aber
erſt nach und nach, wie es ihre Mittel erlauben, entrichten können.
Au verfloſſenen Sonntag wurden bereits nennenswerte Beträge
eingezeichnet. Hoffentlich bringt auch der kommende Sonntag in
dieſer Hinſicht wieder einen ſchönen Erfolg, auch durch den
Ver=
kauf von Marken als Bauſteine, damit Zwingenberg nun auch
recht bald ein Ehrenmal beſitzt.
Bd. Alsbach a. d. B., 11. Juli. Aufgeklärter
Ein=
bruch. Der dieſe Woche verübte Einbruch bei dem früheren
Gaſt=
wirt Hechler („Zur Krone”) hat ſeine Aufklärung gefunden. Als
Täter kommen drei Darmſtädter Arbeiter, welche bei dem
Be=
ſtohlenen ſchon öfters mit Kirſchenabmachen und ſonſtigen Arbeiten
beſchäftigt waren, und mit den Oertlichkeiten vertraut ſind, in
Frage. Der Verdacht bewegte ſich gleich in dieſer Richtung, es
wurden Hausſuchungen vorgenommen und zwei von den dreien
gleich feſtgeſetzt, während ſich der dritte einer Feſtnahme durch
eilige Flucht entzog. Bei letzterem wurden auch zwei
Bettüber=
züge gefunden, welche aus einem früheren Diebſtahl bei dem
hieſi=
gen Metzgermeiſter Glock herrühren. Einer der Täter iſt ſchon
öfters wegen Eigentumsdelikte vorbeſtraft, ſo daß ihm jetzt wieder
Gelegenheit geboten ſein dürfte, längere Zeit hinter
Gefängnis=
mauern auf neue Taten zu ſinnen. Wie wir noch erfahren, ſoll es
ſich bei dem Einbruch um eine Summe von zirka 150 Mark
han=
deln. — Anläßlich ihres 90. Geburtstages wurde Suſanne Kreis
Witwe ſeitens der Gemeinde ein Andenken mit Begleitſchreiben
der Bürgermeiſterei überreicht.
— Gernsheim, 11. Juli. Waſſerſtand des Rheins am
10. Juli 2,18 Meter, am 11. Juli 2.41 Meter.
Nummer 191
Sonntag, den 12. Juli 1931
Seite 7
W Heppenheim a. d. B., 11. Juli. Stand der
Bauar=
beiten des Schwimmbades. Zuverſichtlicher blickt man in
die Zukunft und glaubwürdiger erſcheint der Termin, an dem das
ſtädtiſche Schwimmbad den Badeluſtigen übergeben wird,
betrach=
tet man den Stand der Bauarbeiten. Das Baſſin liegt in ſeiner
ſtattlichen Ausdehnung von 65 Metern im Betonbau fertig und
zerfällt in eine Abteilung für Nichtſchwimmer mit einer
Ausdeh=
nung von 15 Metern und einer Tiefe von 40 Zentimetern, die ſich
bis 1.20 Meter erhöht. Eine Betonmauer trennt dieſe Abteilung
von der der Schwimmer. Ueber 50 Meter, erſtreckt ſich dieſes
Schwimmbaſſin und erreicht eine Tiefe von 1,50 Meter, 2,50 Meter
bis 4,50 Meter. Dieſer Teil iſt für das Austragen von
Schwimm=
wettkämpfen ſehr gut geeignet und muſtergültig angelegt. Fünf
mit weißen Platten ausgelegte Längsrinnen zeigen dem
Schwim=
mer ſeine Bahn. Ein 4 Meter hoher Turm ſorgt für Abwechſlung
und Turmſpringen. Die Waſſeranlagen ſind fertiggeſtellt und
werden vom Elekrizitätswerk aus mit Waſſer verſorgt. Für den
Notfall iſt eine Pumpenſtation errichtet, die beim Verſagen der
üblichen Waſſerverſorgung in Tätigkeit tritt und das Waſſer aus
der Stadtleitung entnimmt. Wenn auch die Wirtſchaftsräume
erſt ausgehoben werden, das Anlegen von Kabinen, An= und
Aus=
kleideräumen, der Toilettenanlagen und des Luftbades noch Wochen
in Anſpruch nimmt, kann mit der vorläufigen Eröffnung des
Ba=
des am 26. Juli wohl gerechnet werden. — Stand der Reben.
Die Entwicklung der Weinberge macht gute Fortſchritte. Die
Fruchtanſätze können als ſehr gut bezeichnet werden. Die Beerchen
haben ſchon eine beachtliche Größe angenommen. Allerdings hat
der Sauerwurm einzelne Lagen ſehr heimgeſucht. Die 3. Spritzung
iſt beendet und eine vierte erſcheint notwendig, da die Witterung
der letzten Woche das Auftreten der Peronoſpora befürchten läßt.
Die Rebgelände ſind bis jetzt noch wenig von der
Blattfallkrank=
heit betroffen. Der Flug der Sauerwurmmotten hat begonnen
und damit iſt die Gefahr eines Befalles durch den Sauerwurm
recht groß geworden. Es gilt nun für den Winzer auf der Hut
zu ſein und den rechten Augenblick zur Bekämpfung nicht zu
ver=
ſäumen.
D. Biblis, 11. Juli. Gemeinderatsſitzung. Nach
kur=
zer Beſprechung gab Herr Bürgermeiſter A. Kärcher die einzelnen
Punkte der Tagesordnung bekannt. Bürgſchaft in der
Tagdangelegenheit Bogen 4 der hieſigen Jagd:
Der Pächter J. Nord=Mannheim verſtarb vor etlichen Monaten;
ſein Bürge kann infolge der wirtſchaftlichen Notlage die Jagd
nicht übernehmen. Es hat ſich jedoch ein anderer Pächter der
belgiſche Konſul in Mannheim, bereit erklärt, die Jagd vorläufig
auf ein Jahr zu übernehmen, allerdings mit einer Kürzung des
Pachtes um 100 Mark. Der Gemeinderat geht auf dieſen Antrag
ohne Abſtimmung ein. Mit zwei weiteren Pächtern ſollen für die
kommenden Jahre Verhandlungen gepflogen werden. — Die
Er=
nennung eines Stellvertreters, für den ſeitherigen Faſelwärter
brachte verſchiedene Abſtimmungen, da nicht weniger als 14
Offer=
ten für dieſen ausgeſchriebenen Poſten eingegangen waren. In
engere Wahl kamen die Bewerber Gg. Angert, Joh. Arnold, L.
Ries, Joh. Höger, von denen Gg. Angert mit einer Stimme mehr
vor Joh. Höger dieſen Poſten übertragen bekam. Die näheren
Bedingungen werden noch bekanntgegeben. — Ernennung
von Hilfsfeldſchützen. Die vielen Diebſtähle in der
Ge=
markung, hauptſächlich ſeit Beginn der Gurkenernte, bedingen
ſo=
fortige Ernennung von Hilfsfeldſchützen, da für die große
Gemar=
kung ein Feldſchütz zu wenig iſt. Es können drei Bewerber in
Frage kommen, die bis zum 1. November d. J. als Hilfsfeldſchützen
im Arbeitsverhältnis bei der Gemeinde beſchäftigt werden können.
— In nichtöffentlicher Sitzung kamen darauf noch verſchiedene
private Anträge zur Erledigung.
D. Biblis, 11. Juli. Unfall. Auf der Landſtraße Biblis
—Bobſtadt, unweit des Bahnüberganges der Strecke Biblis—-
Mannheim, kam der Bahnbeamte J. K. von hier mit ſeinem
Motorrad in der gefährlichen Kurve zu Fall und zog ſich
verſchie=
dene Verletzungen zu. Der Beifahrer B. Sch. kam mit geringen
Hautabſchürfungen davon: das Motorrad wurde ſtark demoliert.
Au. Crumſtadt, 11. Juli. Die Felddiebſtähle
neh=
men überhand. In letzter Zeit klagen die Landbewohner ſehr
ſtark über das Ueberhandnehmen der Felddiebſtähle. Einigen
hie=
ſigen Landwirten wurden die Gurkenfelder von Unberechtigten
vollſtändig abgeerntet. Sogar Kartoffeläcker werden ſchon von
den Dieben heimgeſucht, obwohl dieſelben noch ganz grün ſind.
Die Beunruhigung unter der Landbevölkerung über dieſes freche
Treiben der Diebe wächſt von Tag zu Tag.
Laſtauko in den Rhein geſtürzk. — 3 Kinder erkrunken
* Eich, 11. Juli. Ein entſetzliches Unglück hat ſich Freitag um 19.30
Uhr hier ereignet. Das Laſtauto des Fuhrunternehmers Belzer 1. von
Gimbsheim fuhr mit etwa 100 Zentnern Kies nach Eimsheim. Der
Chauffeur hatte acht Kinder zu ihrem Vergnügen mitgenommen. Am
Rhein, in der Nähe von Eich, kam das Auto plötzlich ins Rutſchen und
ſauſte ſamt den Kindern in den Rhein. Dem Chauffeur gelang es, einen
Teil der Kinder in aller Eile vom Wagen herabzureißen, doch konnte er
nicht verhindern, daß drei Kinder mit dem Wagen in den Fluten des
Rheins verſchwanden und ertranken. Alle Rettungsverſuche waren
er=
folglos.
Bm. Hofbeim (Ried), 11. Juli. Schwerer
Betriebs=
unfall. Bei der Arbeit ſchwer verunglückt iſt geſtern vormittag
der 45jährige verheiratete Bahnarbeiter Ludwig Dinges von hier.
Derſelbe iſt bei der Bahnmeiſterei Biblis als
Bahnunterhaltungs=
arbeiter beſchäftigt und arbeitete er in ſeiner Rotte an einer
Gleisunterhaltung zwiſchen Biblis und Groß=Rohrheim, woſelbſt
die Stopfarbeit mittels Stopfmaſchine bewältigt wird. Es fand
gerade auf der Strecke die wöchentliche Lohnzahlung ſtatt, als
ein Güterzug von Groß=Rohrheim und ein ſolcher von Biblis kam.
Wahrſcheinlich hatte der Verunglückte den herannahenden Zug
nicht bemerkt, wollte wieder ins Gleis treten, wurde aber dabei
von der Lokomotive erfaßt und zur Seite geſchleudert. Das
auf=
merkſame Lokomotivperſonal des entgegenkommenden Zuges hat
zum Glück den Vorfall ſofort gemerkt und ſeinen Zug ſchnellſtens
zum Halten gebracht, ſonſt wäre der Verunglückte ſchließlich im
Nachbargleis überfahren worden. Im Packwagen brachte man ihn
nach Biblis, von wo er mittels Krankenautos dem Wormſer
Kran=
kenhaus zugeführt wurde.
Af. Neu=Iſenburg, 11. Juli. Ferien. Die Sommerferien
der Real= und Volksſchule begannen am geſtrigen Freitag und
dauern vier Wochen. — Gemeiner Racheakt. Einem
hieſi=
gen Gärtner wurde von Bubenhand ein großer Teil ſeiner
Bohnenernte, über 400 Stangen, durch Uebergießen mit Säure
ver=
nichtet. Polizeiliche Ermittelungen ſind im Gange, auch wurde
ein Beamter des Heſſiſchen Landwirtſchaftsamtes zugezogen.
Hühnerdiebſtähle. In einer der letzten Nächte wurde in
der Geflügelfarm Waldfriede eingebrochen und kurz darauf in
nächſter Nähe des Main=Neckar=Bahnhofs. Es wurde jedesmal
eine große Anzahl Hühner an Ort und Stelle abgeſchlachtet und
mitgenommen. — Gauturnfeſt. Zu dem anfangs Auguſt
da=
hier ſtattfindenden Turnfeſt des Gaues Main=Offenbach=Hanau
haben ſchon rund tauſend Turner ihre Beteiligung an den
Wett=
kämpfen angemeldet. Im Feſtzug werden über 50 Vereinsfahnen
zu ſehen ſein.
4a. Langen. 11. Juli. Unfall. Ein hieſiger Maurer
ver=
unglückte an ſeiner Arbeitsſtelle in Frankfurt durch einen Sturz
aus vier Meter Höhe. Der Unglücksfall entſtand dadurch, daß bei
Abbruchsarbeiten das ſich unter ihm befindliche Mauerwerk
lok=
kerte und ihn mit in die Tiefe riß. Er wurde ſchwer verletzt ins
Krankenhaus gebracht. — Der hieſige Gewerbeverein hat
beſchloſſen: mit Rückſicht auf die Zeitverhältniſſe von dem
dies=
jährigen Vereins= und Familienausflug Abſtand zu nehmen.
Wieſenſchluß. Vom kommenden Montag ab iſt das
Befah=
ren der Wieſen, auch mit Handwagen, verboten.
Oberheſſen.
Bg. Vilbel, 11. Juli. Vorgeſtern abend mußte das
Großflug=
zeug der Strecke Berlin-Paris, D 2082 „Heſſen” wegen
Motor=
defekts notlanden. Die Landung gelang auf einer Wieſe nebei
der Nidda glatt. Der Bordfunker benachrichtigte alsbald den
Flughafen Frankfurt a. M., und bald war ein Wagen des
Luft=
verkehrs Frankfurt a. M. zur Stelle, der die vier Paſſagiere nach
Frankfurt brachte.
Kundfunk-Programme.
Frankfurt a. M.
Gleichbleibendes Werktags=Programm. 5.55: Wetter, Gymnaſtik.
O. 6.30: Gymnaſtik. o 7.30: Konzert. e 8.30: Waſſerſtand.
o 11.50: Zeit, Wirtſchaftsmeldg., Nachr., Programm. o 12.00:
Konzert. O 12.40: Nachrichten, Wetter, Programm. O 13.05:
Kon=
zert (Fortſ.). O 13.50: Nachrichten. 14.00: Werbekonzert. o
15.05: Zeit, Wirtſchaftsmeldungen. o 15.15: Gießener
Wetter=
bericht. 6 16.20 und 18.00: Wirtſchaftsmeldungen.
Sonntag, 12. Juli.
7.00: Hamburger Hafenkonzert. Glocken vom Großen Michel.
8.15: Morgenfeier.
9.30: Stunde der Bühne.
11.15: Bad Homburg: Automobil=Schönheitswettbewerb.
11.35: H. Rosbaud: Die Neuorganiſation der Stunde des
Chor=
geſangs.
12.00: Schallplattenkonzert.
13.50: 1. Die Erkrankung der Kartoffelſtauden. — 2. Das
Schö=
nen des Weines. — 3. Der Sommerſchnitt an den Obſtſpalieren.
14.00: Landwirtſchaftsrat Dr. Greve und ein Kaſſeler Bürger:
Was fordert der Verbraucher und was können wir ihm geben?
— 2. Freifrau von der Malßburg: Wir Landfrauen im Strome
der Zeit.
15.00: Kaſſel: Weſtdeutſche Leichtathletikmeiſterſchaften. —
Darm=
ſtadt: Süddeutſche Leichtathletikmeiſterſchaften.
15.30: Große deutſche Kundgebung für das abgetrennte Saar= und
Pfalzgebiet.
16.45: Nachmittagskonzert. Funkorcheſter.
18.00: R. Geck: Aus der Werkſtatt des Redakteurs.
18.25: Prof. Dr. Oehler: Das Lebenswerk von Nietzſches Schweſter
zu ihrem 85. Geburtstag.
18.50: Naſtätten: Naſſauiſcher Bauerntag. Hörbericht.
19.20: Wetter für die Landwirtſchaft. — anſchl.: Sportnachrichten.
19.30: Klavierkonzert. Hubert Gieſen.
20.00: Cannſtatt: Konzert des Philharm. Bläſer=Orcheſters.
21.00: Fürs Herz, fürs Hirn, fürs Zwerchſell. Ein bunter Abend.
22.30: Zeit, Wetter, Nachrichten, Sport.
22.50: Karlsruhe: Tanzmuſik der Kapelle Haas=Mahagonny.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Sonntaa. 12. Julf.
6.30: Funk=Gymnaſtik.
7.00: Hamburger Hafenkonzert: Frühkonzert auf dem Motorſchiff
„Monte Olivia” — Die Glocken vom Großen Michel.
8.00: Praktiſche Winke für den Landwirt.
8.15: Wochenrückblick auf die Marktlage.
8.25: Dipl. Landwirt Deichmann: Erntebergung und
Erntever=
wertung.
8.55: Morgenfeier: Stundenglockenſpiel der Potsdamer
Garniſon=
kirche. — Anſchl.: Glockengeläut des Berliner Doms.
10.05: Wettervorherſage.
11.00: Orgelmuſik.
11.30: Elternſtunde: Marie Bartſch: Ich zeige meinen Kindern
Berlin.
12.00: Mittagskonzert des Leipziger Funk=Orcheſters.
14.00: Jugendſtunde: Dr. Braun: Uebertragung aus dem Zelt=
Lager Rowe (Oſtſee).
14.30: Cellomuſik: Ausf.: E. Stegmann, J. Bürger (Flügel).
15.10: H. Teßmer: Hugo son Hoffmansthal zum Gedächtnis.
15.30: Freilichttheater des Herz Jeſu=Kloſters i. Neuſtadt a. d. H.:
Jundgebung für das Saargebiet. — Begrüßung: Senatspräſident
Andres, Schriftleiter P. Scheuer, Oberbürgermeiſter Dr. Neikes,
— Pfälzer Sängerbund. — Feſtanſprache: Miniſterpräſident Dr.
Held. — Entſchließung der Saarvereine.
— Entſchließung der Saarvereine.
16.45: Lunapark: Blasorcheſter=Konzert.
18.00: E. Biſchoff: Aus fernen Zonen.
18.30: G. L. Leſzczynſkf: Alte und neue Lyrik des Orients.
19.00: Konzert: E. Joh. Bach (Klavier).
19.50: Sportnachrichten.
20.00: Deutſchlöfft erzählt Heiteres.
20.2 Volkstümliches Konzert: Sol.: Romana Hambrigk (Sopran),
A. Indig (Violine), G. Zeelander (Violoncello), E. Knobel (
Kla=
rinette). A. Zillicher (Fagott).
22.15: Nachrichten. — Anſchl.: Tanzmuſik der Kapelle R. Gaden.
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Seite 8
Sonntag, den 12. Juli 1931
Nummer 191
Odenuälder „Kerlst
Heidelbeermann, du dicker Knopp
Hoſcht die Häfel vollgeroppt
Juchheehh! — Juchhihh!
Sonderbar! Der Odenwald iſt doch eine weſentlich rauhere
Gegend als die ihm im Süden und Weſten nicht fernen
Weinbau=
gebiete — und doch iſt ſein „Herbſt” jetzt in der Gluthitze des Juli,
während der Pfälzer und rheinheſſiſche „Herbſt” in eine viel
ſpä=
tere Zeit fällt. Der Rhein=Herbſt wird angekündigt und begleitet
durch Freudenſchüſſe, da herrſcht frohes Treiben; denn man erntet,
was man in langer und mühevoller Arbeit gepflanzt und gepflegt
hat — der Odenwälder „Herbſt” ſieht wohl auch Frohſinn und
jugendlichen Uebermut, im übrigen bringt er viel ſchwere Arbeit
und koſtet Schweißtropfen ohne Zahl — alſo dort nach ſchwerer
Arbeit eine freudvolle Ernte, hier ohne jegliche Vorbereitungen
auch eine Ernte, aber eine arbeitsreiche.
Die Heidelbeerernte, die Weinleſe des Odenwaldes, iſt in
beſtem Gange und liefert reiche Erträge, pro Pfund werden 20 Pf.
— 18 Pf. — 20 Pf. bezahlt. Zuweilen haben die Preiſe — d. h.
die einheimiſchen Aufkäufer — Neigung tiefer zu gehen, — da
kom=
men abends an die Ortsausgänge Autos von auswärts und ſiehe
da, die Preiſe halten ſich, oder gehen wieder in die Höhe.
Son=
derbar! —
In manchen Orten des Odenwaldes richten ſich die
Sommer=
ferien nach der Heidelbeerernte und heißen darum
Heidelbeer=
ferien, dieſe Maßnahme hat zwei Seiten. Wirtſchaftlich betrachtet,
iſt es für ärmere Volkskreiſe von großem Vorteil, wenn die ganze
Familie von morgens früh bis abends ſpät dem Pflücken obliegen
kann, denn jetzt gilt es, ſo manche Mängel in Kleidung und Be=
ſchuhung zu beheben, wofür ſonſt keine Zeit des Jahres
Gelegen=
heit böte. Um die andere Seite, die geſundheitliche für die Jugend,
würdigen zu können, müßte man ſchon einmal ſo eine Tagestour
mitmachen. Verſuchen wirs. Wir ſuchen das Aelteſte und
Faden=
ſcheinigſte, was unſere Garderobe bietet, aus, ein großer Korb
für die Geſamternte und pro Kopf ein weiteres Gefäß als „
Ropp=
häfel” iſt eiſerner Beſtand. Als Mundvorrat gibts Brot, geſchmiert
oder ungeſchmiert, als Trunk eine Flaſche mit Kaffee. Jetzt gehts
hinaus. Wenn die Leſe ſchon einige Zeit gedauert hat, dann iſt
der Marſch zum Ziel etwas länger, ½ Std., ½ Std., wohl auch
1 Std. Der große Korb mit dem Proviant wird an markanter
Stelle niedergeſetzt, das Ropphäfel wird umgebunden, nun
be=
ginnts. Man geht meiſt gebückt, zuweilen wird gekniet, Kinder
legen ſich wohl auch hin. Gar flink bewegen ſich die Hände, denn
es herrſcht Wettbewerb: jedes will abends die meiſten Becher voll
gepflückt haben. Solange man im Schatten pflückt, iſt die
Be=
ſchwer noch nichr ſo groß bietet man aber an kahlen Stellen ſeinen
Rücken ſtundenlang den ſengenden Sonnenſtrahlen dar, dann wirds
ungemütlich. Mittags wird etwas geruht, doch fängt die Jugend
ſchon an Ring=, Spring= und Kletterübungen zu veranſtalien,
darum wird zur Arbeit gerufen. Bis dann der Abend naht, iſt
alle Pflückluſt geſchwunden, und die gute Laune ſtellt ſich erſt
wie=
der ein, wenn man dem Nachbar die größere Ausbeute zeigen kann
oder wenn beim Verkauf der Ertrag größer iſt, als man ihn in
Gedanken taxiert hatte. — So, einen Tag hätten wir nun
mit=
gepflückt, hier auf dem Papier, in Wirklichkeit iſts noch viel
müh=
ſamer. Und wenns erſt mehrere Tage nacheinander ſein ſoll!
Doch die Tagesarbeit muß bald dem Halbtag weichen, denn die
Kinder ſtreiken. Wohltätig iſt in der Heidelbeerzeit ein unter=
brechender Regen, er bringt die nötigen Pauſen verſieht aber auch
die Sträucher mit dem Naß, das für das weitere Ausreifen der
noch grünen Früchte Vorbedingung iſt. Eine regenloſe
Heidel=
beerernte iſt bald vorbei, eine von Regen unterbrochene dagegen
dauert ſchon 4—6 Wochen. — Die Kehrſeite der Heidelbeerferien
wäre alſo die, daß ſie manchen Kindern keine Erholungs=, ſondern
eine ſchwere Arbeitszeit iſt. Würde man aber keine Ferien geben,
dann hätten die betreffenden Kinder doppelte Beſchwer: Schule
und Ferien, und wenn Ferien ſind, bleiben immerhin noch einige
Erholungstage.
Wenn die Preiſe für die Pflückenden unrentabel werden,
dann behalten ſie die Beeren für den Hausgebrauch, ſie werden
eingekocht oder zu Wein verarbeitet oder gedörrt. In jeder Form
hat die Frucht eine ausgezeichnete geſundheitliche Wirkung auf
Magen und Darm. Bei Abführen genügt eine Handvoll
getrock=
neter Beeren oder ein Gläschen Heidelbeerwein, um alles in
Ordnung zu bringen. Manche füllen die gekochten Früchte als
Mus in Flaſchen ab; wer beim Entkorken, auch des Weins, nicht
die nötige Vorſicht walten läßt, der wird untilgbare Spuren an
Decke und Wände zaubern, Kleckſe und ganze Flächen. Schwarz
werden aber auch Zähne und Mund beim Genuß der Heidelbeeren;
mit ein paar Tropfen Eſſig, über die ſchwarzen Stellen
hinge=
ſtrichen, beſeitigt man dieſe Schönheitsfehler. Weiſen
Taſchen=
tücher oder Kleidungsſtücke ſchwarze Andenken an die
Heidelbeer=
zeit auf, dann feuchtet man die Stellen an und hält ſie über
Schwefeldämpfe, die Flecken verſchwinden.
Vor etwa fünf Jahrzehnten verkamen die Heidelbeeren noch
ungenützt im Wald, man holte wohl für ſich einen Topf voll zu
einem Kuchen; ganz arme Leute pflückten einige Töpfe voll für
einen Hungerlohn, damit wars aber getan. Es ſtellten ſich dann
Aufkäufer ein, die die Beeren über Hamburg nach England uſw.
verfrachteten, es wurden pro Pfund 5 bis 8 Pfg. bezahlt, damals
immerhin etwas, und ſo wurde im Laufe der Jahre die
Heidel=
berernte zu einem wirtſchaftlichen Faktor der im Haushalt
mancher Familie eine weſentliche Rolle ſpielt, und auch die
Ge=
ſchäftswelt fühlt deren Einfluß, wenn auch nicht gerade in
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ſchlaggebender Weiſe.
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ſagen wir auf dieſem Wege Allen unſeren
herzlichſien Dank.
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Weiterſtadt, den 10. Juli 1931.
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ſagen wir allen auf dieſem Wege unſeren
aufrich=
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alle Liebe und Treue, die der lieben Entſchlafenen
während, ihrer langen Leidenszeit von ſeiten ihrer
vielen Freunde und Bekannten zuteil geworden iſt.
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Anna Haag.
Darmſtadt, den 11. Juli 1931.
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100 FALLEN
In 60 von 100 Fällen verlangt der
deufsche Autokäufer nach Leistung
und Preis ein Fahrzeug — wie
ClTROEN es baut. & (
In 60 von 100 Fällen ist CITROEN
der Wagen, der vermöge seiner
Konstruktion, seiner
Geräumig-
keit, seiner Ausstattung und vor
allem seiner Wirkschaßlichkeit den
ANSPRÜCHEM — wie der KAUF-
KRAFT des deutschen
Aufomobi-
listen mit am BESTEN gerecht wird.
CAI
Zylinderinbalt C. CöF. Sechssylinder 2,5 Liter
C6F
Zylinderinhalt Limousine, 5 Sitze, 4 Türen, 6 Fenster
Limousine, 7 Sitze, 4 Türen . .."
Sportcabriölet, 5 Sitze, Reisekoffer. .
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Neuzulassun-
gen im Jahr 1931 fallen in die
Klasse der mittelstarken Wagenvon
1200 bis 3300 ccm Zylinderinhalt.”
IN 60 VON 1OO FALLEN
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B E R N
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Willy.Holzinger, Rundeturmstr. 16, Tel. 4343
[ ← ][ ][ → ]Seite 10
Sonntag, den 12. Juli 1931
Nummer 79T
Gemeinſame Manöver der amerikaniſchen Luftflokke auf hoher See.
Luftſchiff „Los Angeles” (3. R. III) überfliegt das rieſige Flugzeugmutterſchiff „Lexington”.
Dieſes eindrucksvolle Bild veranſchaulicht die militäriſchen Machtmittel, die Amerika im Falle
eines Krieges einzuſetzen hätte. Hunderte von Flugzeugen können mit einem Flugzeugmutterſchiff
über den Ozean gebracht werden und, von Luftſchiffen unterſtützt, ihre vernichtende Bombenlaſt
über feindliche Schiffsgeſchwader oder gar das Feindesland ſelbſt abwerfen.
Vor einer Annekkion Ofkgrönlands durch Norwegen?”
Grönländiſche Küſtenlandſchaft.
Der Konflikt zwiſchen Norwegen und Dänemark um den Beſitz von Oſtgrönland hat ſich erheblich
zugeſpitzt, da die norwegiſche Regierung offenbar beabſichtigt, das von einem Walfiſchfänger
betretene Gebiet als Eigentum Norwegens erklären zu laſſen.
Neue Wagen für den Expreßauk-Verkehr der Reichsbahn.
Ein neuer Dieſel=Triebwagen für den Stückgutverkehr
iſt jetzt von der Reichsbahn in Betrieb genommen worden. Die Schnelligkeit der Beförderung von
Expreßgütern iſt damit erheblich vergrößert worden.
Zwei Gemälde im Werke von 240 000 M. geſtohlen. — 48 000 M. Belohnung
Frankfurta. M. In der Villa des
Gene=
raldirektors Dr. Caſpar in Frankfurt a. M.=
Sindlingen wurde ein ſchwerer Einbruch verübt.
Die Täter drangen mittels Nachſchlüſſels in die
Villa ein, wo ſie einen Original van Dyck im
Werte von 200 000 RM. und einen echten
An=
tones Palamedeſz im Werte von 40 000 RM.,
unter Zurücklaſſung der Rahmen ſtahlen. Beide
Gemälde ſind auf Holz gemalt. Der van Dyck
ſtell: den „Chriſtus Gang zum Kreuz” dar und
hat eine Größe von 32,4 X 45 Zentimeter. Der
Palamedeſz zeigt eine „muſizierende Geſellſchaft”
und iſt 56X74 Zentimeter groß. Am Freitag
abend waren Beamte der Landeskriminalpolizei
am Tatort, um die Ermittlungen aufzunehmen;
poreiſt fehlt aber noch jede Spur von den
Tä=
tern. Offenbar handelt es ſich um Spezialiſten
für Bilderdiebſtähle, denen genau bekannt war,
daß in der Villa des Dr. Caſpar eine wertvolle
Gemäldeſammlung vorhanden iſt.
Wie noch erinnerlich, war bereits am 31. 1.
d. J. ein großer Einbruch in die Villa des Dr.
Caſpar verübt worden, bei dem die Täter es
ebenfalls nur auf Bilder abgeſehen hatten.
Da=
mals erbeuteten ſie Gemälde im Werte von
60 000 RM. Die Aufklärung dieſes Diebſtahls
iſt bis heute noch nicht gelungen. Damals
hat=
ten die Täter den geſtern geſtohlenen van Dyck
bereits zum Mitnehmen in einen Teppich
einge=
wickelt, waren aber bei ihrer Arbeit geſtört
wor=
den, ſo daß ſie das koſtbarſte Stück liegen laſſen
mußten, das ſie nun diesmal mitgehen hießen;
denn zweifellos handelt es ſich bei beiden
Ein=
brichen um ein und dieſelben Täter. Die
Ver=
ſicherungsgeſellſchaft und der Geſchädigte haben
für die Wiederherbeiſchaffung der Bilder eine
Belohnung von 20 Prozent des Wertes
ausge=
ſetzt. Die Kriminalpolizei hat noch in den
Nacht=
ſtunden auf dem Funkwege die Beſchreibung der
Bilder verbreitet, um Kunſthändler vor dem
Ankauf zu warnen und die Grenzſtationen auf
die Bilder aufmerkſam zu machen, falls ſie ins
Ausland gebracht werden ſollen.
Reich und Ausland.
Südſee=Inſulaner im Frankfurter Zoo.
Im Laufe der kommenden Woche wird eine
große Südſee=Völkerſchau, beſtehend aus 35
Män=
nern und Frauen, von den nördlich von Neu=
Caledonien liegenden Loyalty=Inſeln Mare und
Lifou eintreffen. Dieſe, erſtmalig in Europa
ge=
zeigte Schau iſt bisher nur in den Zoologiſchen
Gärten Leipzig und Köln vorgeführt worden,
be=
ſonders in letzterem mit ſo großem Erfolg, daß
eine Verlängerung des Gaſtſpiels um eine Woche
ſtattfand. Die völkerkundliche Wiſſenſchaft hat
an dieſer Darbietung bisher ein
außerordent=
liche Intereſſe bewieſen. Die Loyalty=Inſulaner
zeigen ſich als hervorragende Bogenſchützen,
Speerwerfer, Ruderer und Schwimmer. Da auch
auf dieſen Inſeln die Kultur mehr und mehr
vor=
dringt, beſteht die Gefahr, daß binnen abſehbarer
Zeir die alten heidniſchen Sitten und Gebräuche
in Vergeſſenheit geraten. Es iſt daher
außer=
ordentlich zu begrüßen, daß die alttraditionellen
Kriegs= und Feſttänze, ſowie die teils ſehr
ſchönen, zumeiſt ſchwermütig anmutenden
Ge=
ſänge von den Mitgliedern der Truppe noch
un=
verfälſcht vorgeführt werden können.
Leichte Erdſtöße bei Köln und Aachen.
Köln. Am Freitag nachmittag, gegen 18
Uhr, wurden, wie bereits aus Düren gemeldet,
auch in Köln zwei kurz aufeinanderfolgende
Erdſtöße verſpürt, die ſich vor allem in den
Außenbezirken der Stadt bemerkbar machten. Es
handelt ſich um Wellenbewegungen von Weſten
nach Oſten, deren Stärke nicht beſonders groß
war. Aehnliche Meldungen von Erdſtößen
kom=
men aus Aachen und Eſchweiler. Das
Obſerva=
torium Aachen beſtätigte die Wahrnehmungen
der Erdſtöße. Das Taunus=Obſervatorium teilt
mit: Das Taunus=Obſervatorium verzeichnete
ein Nahbeben. Der erſte Anſatz wurde um 17.58
Uhr M.E.3. aufgezeichnet. Das Maximum der
Bewegung war 21 Sekunden ſpäter zu verſpüren.
Die Herdentfernung betrug etwa 110 Kilometer.
Die Bodenbewegung betrug, auf dem Taunus
1/100 Millimeter. Nach einer Mitteilung der
Erdbebenwarte in Aachen ſind die Urſachen des
Erdbebens wahrſcheinlich tektoniſche Brüche in
der Nordſee. Dort ſind durch Schollenbewegungen
Preſſungen entſtanden, die der Herd von
Erd=
beben ſein können.
Raubüberfall bei Köln.
Köln. Am Freitag nachmittag wurde in
Longerich eine 52jährige Frau aus Köln von
zwei Männer überfallen und beraubt. Die Frau
fuhr mit ihrer 28jährigen Tochter im
Kraft=
wagen zu einer Bauſtelle in Longerich, um dort
Lohngelder in Höhe von 3800 RM. abzuliefern.
Als ſie im Begriff war, an der Bauſtelle den
Wagen zu verlaſſen, ſtürzten zwei Männer mit
dem Ruf „Hände hoch!” auf ſie zu. Die
Män=
ner bedrohten die Frau mit der Schußwaffe und
raubten den geſamten Lohnbetrag, der ſich im
Auto in einer Baſttaſche befand. Der
Kraft=
wagenführer und der hinzukommende Ehemann
der Frau wurden ebenfalls gezwungen, die
Hände hochzuheben. Die beiden Täter gaben
mehrere Schüſſe ab und flüchteten dann in einem
bereitſtehenden Kraftwagen in der Richtung nach
Köln.
Mehrere Todesopfer des Unwetters
im Unterelbegebiet.
Stade. Die Schäden, die durch das
Hoch=
waſſer, die Regenfälle und die Stürme im
Un=
terelbegebiet angerichtet wurden, ſind zum Teil
noch größer, als man anfänglich angenommen
hat. Auch mehrere Menſchenleben fielen dem
Hochwaſſer zum Opfer. Zwiſchen Buxtehude und
Altkloſter kenterte ein Paddelboot. Von den
bei=
den Inſaſſen iſt ein elfjähriger Knabe von der
reißende Eſte, die durch das Hochwaſſer ſtark
an=
geſchwollen war, fortgeriſſen worden. Die Leiche
konnte noch nicht geborgen werden. Auf einer
Wieſe in Tiſte ſpielten mehrere Kinder, als
plötzlich ein vierjähriges Mädchen von der
ſtar=
ken Strömung erfaßt wurde und ertrank. Die
Leiche wurde ebenfalls noch nicht gefunden. Bei
Rendsburg ſind an der unteren Eider an
mehre=
ren Stellen die Deiche gebrochen und weite
Landflächen überflutet worden. Auf der Strecke
Otterndorf—Altenbruch iſt ein Stück des
Bahn=
dammes unterſpült und abgetrieben worden.
Mit dem geſtohlenen Motorrad in den Tod.
Leipzig. In der Nacht zum Samstag
ſtahlen in Leipzig=Lindenau zwei Männer ein
vor einem Kaffeehaus ſtehendes Motorrad und
fuhren damit in ſchnellem Tempo davon. Der
Fahrer verlor die Gewalt über das Rad und
fuhr mit aller Wucht gegen eine Wand. Beide
Männer erlitten bei dem Sturz ſo ſchwere
Ver=
letzungen, daß der eine auf dem Transport, der
andere kurze Zeit nach der Einlieferung ins
Krankenhaus ſtarb. Die Perſonalien der Toten
konnten noch nicht feſtgeſtellt werden, da ſie
kei=
nerlei Papiere bei ſich hatten.
Freitod zweier Hamburger Kriminalbeamtinnen.
Hamburg. Vor einigen Tagen wurden
auf der Norder Hallig, bei der Nordſeeinſel
Pellworm, zwei weibliche Leichen aus dem
Waſ=
ſer geborgen. Die Nachforſchungen haben
er=
geben, daß es ſich um Beamtinnen der Hamburger
Kriminalpolizei, die 34jährige Inſpektorin
The=
reſe Dopfer und die 35jährige Oberſekretärin
Maria Fiſcher handelt. Beide Beamtinnen
hat=
ten mit ihrer Vorgeſetzten, der Regierungsrätin
Erkens, ſeit einiger Zeit ernſte Mißhelligkeiten.
Es ſoll ſogar mehrfach zu Zuſammenſtößen im
Amt gekommen ſein. Dem Leiter der
Hambur=
giſchen Kriminalpolizei, Regierungsdirektor Dr.
Schlanbuſch, teilten die beiden Beamtinnen
brief=
lich mit, daß ſie nach Pellworm gefahren ſeien,
von wo ſie wahrſcheinlich nicht mehr zurückkehren
würden. Als ein ihnen nachgeſandter Beamter
auf Pellworm eintraf, war das Unglück bereits
geſchehen.
Einweihung des Kriegsgefangenen=Ehrenmals
bei Hohenſtein.
Königsberg. Im Anſchluß an die 15.
Bundestägung der Reichsvereinigung
ehemali=
ger Kriegsgefangener in Allenſtein fand am
Samstag vormittag im Rundbau des
Tannen=
berg=Nationaldenkmals bei Hohenſtein die
Weihe des Kriegsgefangenen=Ehrenmals in
Gegenwart der Vertreter zahlreicher Behörden
ſtatt.
Großfeuer in der Königsberger Städtiſchen
Werfthalle.
Königsberg. Kurz vor 1.30 Uhr nachts
brach in der Königsberger Städtiſchen
Werft=
halle ein Großfeuer aus, zu dem ſofort ſämtliche
Löſchzüge der Feuerwehr und ein
Motorlöſch=
boot ausrückten. Auch mehrere Züge
Schutz=
polizei und eine Kompagnie Reichswehr wurden
von der Brandſtelle angefordert. Welchen
Um=
fang das Feuer annehmen wird, iſt vorläufig
noch nicht überſehbar. — Das Großfeuer auf der
Königsberger Städtiſchen Werfthalle konnte dank
des entſchloſſenen Eingreifens der Feuerwehr
nach etwa einſtündiger Arbeit auf ſeinen Herd
beſchränkt werden.
Die beiden noch vermißten Münchener Touriſten
wohlbehalten nach Chamonix zurückgekehrt.
Paris. Die beiden noch vermißten
Mün=
chener Alpiniſten Welzenbach und Merkl ſind
am Freitag wohlbehalten in Chamonix
einge=
troffen. Sie erklärten, ſie ſeien vom Schneeſturm
überraſcht und dadurch gezwungen worden,
gu=
tes Wetter abzuwarten.
Brandkakaſtrophe
in einem Hunsrückdorf.
Der Brandſtifter umgekommen.
Köln. Der Hunsrückort Lindenſcheid wurde
von einer ſchweren Brandkataſtrophe heimgeſucht.
Das Feuer, das in der Scheune des
Gemeinde=
vorſtehers entſtand, griff auf die umliegenden
Baulichkeiten über, ſo daß innerhalb kurzer Friſt
fünf Scheunen und ein Wohnhaus
niederbrann=
ten. Das Vieh konnte zum Teil in Sicherheit
gebracht werden. Dagegen wurden ſämtliche
Einrichtungsgegenſtände, die geſamten
Erntevor=
räte, landwirtſchaftliche Maſchinen uſw. reſtlos
vernichtet. Der entſtandene Schaden iſt gewaltig.
Wie die Feſtſtellungen ergaben, liegt
Brandſtif=
tung vor. Der 27jährige Sohn des
Gemeinde=
vorſtehers, der ſeit längerer Zeit zu
Schwermuts=
anfällen neigte und ſchon öfters
Selbſtmordab=
ſichten geäußert hatte, hat die Scheune ſeines
Vaters in Brand geſteckt. Seine Leiche wurde
unter den Trümmern aufgefunden.
Schwerer Unfall bei einem Autorennen.
Paris. Havas berichtet aus Buenos Aires,
daß bei dem Autorennen Navarro—Santa Fé
in Wagen infolge Verſagens der Steuerung
in die Zuſchauermenge raſte. Fünf Perſonen
wurden getötet und 20 verletzt.
Dampfer Göte geſunken.
Stockholm. Während der letzten
Sturm=
tage iſt bei der Inſel Oeland der ſchwediſche
Dampfer „Göte” geſunken. Der Kapitän
er=
trank, während die übrige Beſatzung gerettet
werden konnte. — Von dem finniſchen Dampfer
„Marie”, der mit ſeiner elf Mann ſtarken
Be=
ſatzung als verloren angeſehen wird, hat der
deutſche Dampfer „Nürnberg” acht Perſonen
ge=
rettet, die übrigen drei ſind anſcheinend
umge=
kommen. — Das als verloren gemeldete Motor=
Segelſchiff „Gertrud II” aus Hamburg iſt in
Karlskrona eingetroffen. Der Kapitän berichtet,
daß ſein Schiff mehrere Tage lang einem
fürch=
terlichen Sturm ausgeſetzt war. — Auch der
ver=
mißte deutſche Dampfer „Girngard” iſt nach
ſchwerer Fahrt in Oskarshamm eingetroffen.
Das erſte Originalbild von der
Heim=
kehr der Well=Rundflieger.
Poſt und Gatty nach ihrer Ankunft auf dem
Rooſevelt=Field=Flugplatz in New York.
Unſer Bild zeigt eine Aufnahme der Welt=
Rundflieger Poſt und Gatty unmittelbar nach
ihrer Landung in New York. Die Strapazen
der 8½tägigen Reiſe rund um die Welt ſind
ihnen deutlich anzumerken. Tatſächlich waren
die Flieger nach der großartigen Erreichung
ihres Zieles am Zuſammenbrechen.
(Bildtelegramm aus London.)
Nummer 191
Bautt!
Sonntag, den 12. Juli
Neueſte Nachrichte,
Verſchärfung am deukſchendeviſenmarkt
Die Reichsbank vor der Nolwendigkeit weikerer
ſcharfer Maßnahmen.
Die Verzögerung der Kreditaktion für die Reichsbank hat zu
einer weſentlichen Verſchärfung der Lage am Deviſenmarkt
bei=
getragen. Man ſchätzt die geſtrigen Deviſenanforderungen au
mindeſtens 100 Millionen. Als die Hauptplätze, von denen die
Deviſenabzüge kommen, werden die Schweiz und Holland
ange=
ſehen. Die Reichsbank hat Anweiſungen gegeben, die auf eine
Verſchärfung der Reſtriktionsmaßnahmen hinauslaufen, wenn auch
ſoweit wie möglich einſtweilen noch an einer individuellen
Hand=
habung feſtgehalten wird. Die Nachricht, daß amerikaniſche
Bank=
kreiſe bereit ſind, einen 200=Millionen=Dollar=Kredit zu
gewäh=
ren, übt keine pſychologiſchen Wirkungen aus, weil dieſer Kredit
nur als die Beteiligung eines größeren Kredits, zu dem England
und Frankreich beitragen wollen, betrachtet wird.
Die Börſe war unter dem Einfluß der neuen Deviſenaktivität
ſtark verflaut bei Kursabſchwächungen von 6—8 Prozent
gegen=
über den Anfangskurſen. Ein Baiſſeangriff auf die
Großbank=
aktien mit dem augenblicklichen Ziel, die Kurſe unter pari
herun=
terzudrücken, wurde jedoch abgeſchlagen. Die Reichsbank ſieht ſich
angeſichts der neuen Beurteilung der Lage vor die Notwendigkeit
weiterer ſchärferer Maßnahmen geſtellt. (Es wird auf die
Aus=
führungen im politiſchen Teil verwieſen.)
wirkſchaftliche Rundſchau.
Die Indexziffer der Großhandelspreiſe vom 8. Juli. Die
vom Statiſtiſchen Reichsamt für den 8. Juli berechnete Indexziffer
der Großhandelspreiſe lag mit 112,1 um 0.4 v. H. niedriger als
in der Vorwoche. Die Indexziffern für die Hauptgruppen
lau=
ten: Agrarſtoffe 106,0 (—1,2 v. H.) Kolonialwaren 98,1 (— 0,6
v. H.), induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren unverändert 103,4
und induſtrielle Fertigwaren unverändert 136,5.
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmſtadt,
Neue Verfahren. Offenbach a M.: Fa. A. Kaufmann G. m.
b. H., Lederwarenfabrik. Anmeldefriſt 12. 8., Gläubigerverſammlung
6. 8 Prüfungstermin 3. 9. Wörrſtadt: Fa, Wilhelm Schick u. Ernſt
Schick, Dampfziegelei, in Wallertheim. Anmeldefriſt 10 8.,
Gläubiger=
verſammlung 30. 7., Prüfungstermin 20. 8. Worms: Fa. H. Kräuter,
Papierwaren, Inh. Wilhelm Schneider. Anmeldefriſt 1. 8.,
Gläubiger=
verſammlung 25 7., Prüfungstermin 10. 8. Beendete
Kon=
kurſe. Wöllſtein (Heſſen): Arbeiter Guſtav Heeb von Tiefenthal
Mainz: Kfm. Philipp Petry, Hdl. m Schokolade. Darmſtadt: Kfm.
Rudolf Schmidtmann. Offenbach a. M.: Fa. Ludwig Schmetzer A.=G.
Neue Vergleichsverfahren. Bad Nauheim: Kfm. Adolf
Wolf. Vergleichstermin 22. 7. Offenbach a. M.: Fa. Peter Hinkel
G. m. b. H. in Mühlheim, Lederwarenfabrik. Vergleichstermin 6. 8.
Beendete Vergleichsverfahren. Mainz: Helene Herrmann,
geb. Secker, in Bodenheim; Kfm. Felix Lemel. Offenbach a. M.: Fa
Wolf, Inh. Louiſe Wolf, Lederwarengeſchäft. Bensheim: Fa.
Bauſtoff=
werke A.=G.
Rexroth=Lynen A.=G., Michelſtadt i. O. Die mit einem
Aktien=
kapital von 500 000 RM. arbeitende Holzwarenfabrik erzielte per 31.
März 1931 einen Bruttogewinn von 193 593 RM. Generalunkoſten und
Steuern beanſpruchten 223 217 RM. Nach Abſchreibungen von 30 558
RM. ergibt ſich ein Verluſt von 60 182 RM. Aus der Bilanz (alles in
RM.): Grundſtücke 32300, Gebäude 223 997 Maſchinen 105 712,
Holz=
vorrate 452 965, Warenvorräte 82 809 Debitoren 88642; andererſeits
neben den genannten Aktienkapital=Rücklagen 25 405, Hypotheken 145 000,
Verbindlichkeiten 60 230, Delcredere 4010.
Pfälziſche Mühlenwerke A.=G., Ludwigshafen a. Rh. Die
General=
verſammlung der Geſellſchaft erledigte die Regularien und beſchloß,
das Aktienkapital von 10 Mill. RM. auf 12 Mill. RM. zu erhöhen. Das
geſetzliche Bezugsrecht der Aktionäre bleibt ausgeſchloſſen. Die durch
die Kapitalerhöhung zufließenden Mittel werden zum Ausbau des
Lei=
tungsnetzes und zur Abdeckung der laufenden Verpflichtungen verwendet.
Neu in den Aufſichtsrat wurden gewählt Erſter Bürgermeiſter Dr.
Ecarius, Ludwigshafen a. Rh., und Generaldirektor Köppchen vom
R. W. E.
Frankfurter Armaturenfabrik AG., Frankfurt a. M. Die
GV. genehmigte einſtimmig den bekannten Abſchluß mit einem
Reingewinn von 1915 RM., der vorgetragen wird. Die früheren
AR.=Mitglieder Bankier Weinſchenk und Juſtizrat Dr. Pachten
legten Proteſt ein gegen den Beſchluß des Umtauſchverhältniſſes
von 3 Frankfurter Armaturenaktien gegen 2 F.=Butzke-
Bern=
hard=Joſef=Aktien, da ihnen das Umtauſchverhältnis als zu
un=
günſtig ſchien für die allerdings nur geringe Zahl von
außen=
ſtehenden Aktionären. Infolgedeſſen ſtimmten beide Herren auch
gegen den Fuſionsvertrag mit der F. Butzke-Bernhard Joſef AG.
Berlin, der jedoch mit 3837 gegen 70 Stimmen angenommen
wurde. Die Verwaltung erklärte daß ſie in dem
Umtauſchver=
hältnis eine Benachteiligung der Aktionäre nicht erblicken könne,
ſondern daß das Verhältnis gerechtfertigt ſei, weil Butzke einmal
große Reſerven beſitze und andererſeits die Butzke=Aktien
börſen=
fähiger ſeien. Der Frankfurter Betrieb wird im beſchränkten
Umfange aufrechterhalten, um die Wünſche der ſüd= und
weſtdeut=
ſchen Kundſchaft befriedigen zu können. Die Stapelfabrikation
wird in Berlin konzentriert. Die augenblickliche Lage der
Geſell=
ſchaft ſei im Zuſammenhang mit der Situation auf dem
Bau=
markte ſchlecht. In neuerer Zeit ergeben ſich einige Anzeichen für
eine beſſere Zukunft.
Continental=Hotel= und Großgaragen A.=G. Wiesbaden. Das
Un=
ternehmen, das noch im September 1929 eine Kapitalerhöhung von 1,5
auf 2,25 Mill. RM. zur Erweiterung des Geſchäftsbereichs vornahm,
wird der zum 31. Juli einberufenen Hauptverſammlung Anzeige gemäß
8 240 HGB. erſtatten. Eine Sanierung iſt durch Zuſammenlegung des
Grundkapitals im Verhältnis von 5:1 vorgeſehen. Der letzt
ausgewie=
ſene Abſchluß war der per 31. Dezember 1928, bei dem ein Reingewinn
von 197 776 RM. verzeichnet wurde, aus dem eine 7prozentige Dividende
zur Verteilung gelangte.
Anklageerhebung gegen die Gebrüder Lahuſen. Die
Juſtiz=
preſſeſtelle Bremen teilt mit: In der Nordwolle=Angelegenheit
hat die Staatsanwaltſchaft Bremen durch Stellung des Antrags
auf Vorunterſuchung gegen G. Karl Heinz und Friedel Lahuſen
Anklage erhoben, wegen Vergehens gegen die Beſtimmungen des
Handelsgeſetzbuches §§ 312 und 314, Ziff. 1. Die weiteren
Er=
mittlungen liegen in den Händen des Unterſuchungsrichters. Ein
Grund zum Erlaß eines Haftbefehls beſteht zurzeit nicht, da ein
Verbrechen im Sinne des Strafgeſetzbuches nicht in Frage kommt
und Fluchtverdacht oder Verdunkelungsgefahr angeſichts der
ſo=
fort getroffenen Sicherungsmaßnahmen nicht beſteht. Zunächſt
wird es Aufgabe der Vorunterſuchung ſein, und iſt auch bereits
in die Wege geleitet, beſchleunigt eine gründliche Nachprüfung
der Buchführung der Nordwolle und der in Frage kommenden
Tochtergeſellſchaften anzuſtellen.
Piehmärkte.
Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. d. B. am 11. d. M.
waren 400 Tiere zugeführt. Verkauft wurden 376 Stück, und
zwar Milchſchweine das Stück von 5 bis 12 Mk., Läufer das Stück
von 13 bis 26 Mk. Der Marktverlauf war ſehr gut.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 11. Juli:
Getreide. Weizen: Juli 52½, Sept. 53.50, Dez. 57½; Mais:
Juli 57½, Sept. 51.50, Dez. 46½; Hafer: Juli und Sept. 26.25,
Dez. 29; Roggen: Juli 34.25, Sept. 36½, Dez. 40.50.
Schmalz: Sept. 7,85, Okt. 7.75. Dez. 7.20.
Speck, loko 8.12½.
Schweine: leichte 7.40—7.65, ſchwere 5.75—6.55:
Schweine=
zufuhren: Chicago 9000, im Weſten 43 000.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 11. Juli:
Schmalz: Prima Weſtern 8,60; Talg, xetra, loſe 278.
Getreide. Mais, loko New York 71½; Mehl, ſpring wheat
clears 3.90—4.25: Fracht: nach England 1,6—2,3 Schilling, nach
dem Kontinent 8—8.50 Cents.
Kakao. Die Kakaobörſe war heute geſchloſſen..
Frankfurker und Berliner Effekienbörſe.
Frankfurt a. M., 11. Juli.
Die Wochenſchlußbörſe eröffnete in etwas freundlicherer
Stim=
mung, da die Spekulation nach den letzttägigen Abgaben einige
Deckungsnachfrage bekundete. Es lagen keinerlei Nachrichten vor,
die dem Geſchäft einen nennenswerten Antrieb hätten geben
kön=
nen. Die Ausſichten auf die Erlangung eines größeren Kredits
werden etwas zuverſichtlicher beurteilt. Die Meldungen von den
Auslandsbörſen blieben ohne größeren Einfluß auf die
Tendenz=
geſtaltung, obwohl aus New York etwas höhere Kurſe vorlagen.
Nach den erſten Kurſen kam einiges Material heraus, ſo daß die
Kurſe zum Teil wieder unter das Abendbörſenniveau
zurück=
gingen. Die herrſchende Unſicherheit ſpiegelt ſich beſonders in der
uneinheitlichen Kursgeſtaltung wider. Während verſchiedene
Pa=
piere, wie Phönix, J. G. Farben, Siemens und Reichsbankanteile,
bis zu 2 Prozent feſter gewertet wurden, büßten andere Werte,
ſo Rheinſtahl, Hapag. Metallgeſellſchaft und vor allem Zellſtoff
Waldhof bis zu 2½ Prozent ein. Auch die Kunſtſeideaktien
neig=
ten zur Schwäche. Wayß u. Freytag lagen auf ſtärkeres Angebot
3 Prozent niedriger und erſchienen mit Minus=Minus=Zeichen.
Bankaktien bleiben bei kleinen Umſätzen gut behauptet.
Im Verlaufe ſenkten ſich die Kurſe bei faſt völliger
Stagna=
tion erneut um bis zu 1 Prozent. Der Schluß der Börſe war
ausgeſprochen ſchwach, da die ſchwache Haltung der Reichsmark
und die hohen Deviſenanforderungen (ca. 100 Millionen) ſehr
verſtimmten. Auf Abgaben der Kuliſſe und Verkäufe des
Publi=
kums ergaben ſich Kurseinbußen bis zu 4 Prozent. Scharf
ange=
griffen waren auch Schiffahrtspapiere, die Tagesverluſte bis zu
5 Prozent zu verzeichnen hatten. Erſt kurz vor Schluß machte ſich
für einige Papiere auf Interventionen der Großbanken eine
ge=
ringfügige Erholung bemerkbar. Die Geſamtſtimmung blieb
jedoch ſehr unſicher und ſchwach.
Von der Frankfurter Börſe. (Stückzinsberechnung. —
Kapi=
talertragsſteuer.) Durch die Bekanntmachung vom 31. Juli 1930
ſteuer vom 1. Auguſt 1930 ab in Fortfall kommt. Nach einem jetzt
erſtatteten Gutachten des Reichsfinanzshofs ſind die
Schuldver=
ſchreibungen mit Zuſatzverzinſung hinſichtlich des Grundzinſes
und der zuſätzlichen Verzinſung kapitalertragsſteuerpflichtig. Bei
der Stückzinſenberechnung für Schuldverſchreibungen mit
Zuſatz=
verzinſung iſt daher abweichend von der obigen Bekanntmachung
die Kapitalertragsſteuer vom Tage dieſer Bekanntmachung ab in
Abzug zu bringen.
Berlin, 11. Juli.
Nach ziemlich ſchwacher Vorbörſe konnte ſich zwar gegen die
niedrigen Taxen eine leichte Erholung durchſetzen, doch ergaben
ſich immerhin noch 1= bis 3proz. Verluſte gegen geſtern mittag
Schluß. Eine gewiſſe Verſtimmung ging von den franzöſiſchen
Preſſeäußerungen zu den Kreditverhandlungen Luthers mit
Frank=
reich aus, da hier politiſche Forderungen mit der Anleihefrage
verbunden werden. Auch Betrachtungen in der heutigen
Morgen=
preſſe über die Deviſenſituation und eine mögliche Verſchärfung
der Kreditreſtriktionen der Reichsbank trugen zu der
Zurückhal=
tung und Unſicherheit bei. Dagegen nahm man die Londoner
Meldungen, nach denen die engliſchen Banken beſchloſſen hätten,
keine weiteren Kreditkündigungen in Deutſchland mehr
vorzu=
nehmen, gut auf. ebenfalls eine New Yorker Nachricht, daß der
am 16. Juli fällige 100=Millionen=Dollarkredit der Reichsbank in
jedem Falle prolongiert wird, und man in Wallſtreet die
Ein=
räumung eines 200= bis 300=Millionen=Dollarkredits glaubt,
al=
lerdings unter der Vorausſetzung, daß die Reichsbank ſchärfere
Maßnahmen zur Bekämpfung der Kapitalflucht zuſagt. Von
an=
deren Momenten war noch erwähnenswert die Einſtellung von
50 000 Arbeitern bei der Reichsbahn, die feſtere New Yorker Börſe
von geſtern, die erneute Ermäßigung des Kupferkartellpreiſes um
0.52½ Cents die Errichtung eines internationalen Zinkkartells
uſw. Das Geſchäft war ſehr gering, aus der Provinz kam etwas
Material heraus, während die Spekulation ſich durchaus
abwar=
tend verhielt. Im Verlauf konnten ſich zunächſt kleine Erholungen
durchſetzen, die aber ſpäter meiſt wieder verloren gingen. Deutſche
Anleihen lagen etwas ſchwächer.
Produkkenberichke.
Mainzer Produktenbericht. Großhandelspreiſe per 100 Kilo
loko Mainz am Freitag, dem 10. Juli 1931: Hafer 20—20,50,
Futtergerſte 18,75—19,50. Malzkeime 9,75—11, ſüdd Weizenmehl,
Spezial 0 40,50—40,75, 60proz. Roggenmehl 33—33,50,
Weizen=
kleie, fein 10,75, dto. grob 11,50, Roggenkleie 12,75, Biertreber
9,75—11. Erdnußkuchen 13,75—14, Kokoskuchen 14—18,25,
Palm=
kuchen 10.50—11. Rapskuchen 9,75—10,25, Soyaſchrot 13,75—14,
Trockenſchnitzel 7—7,50. Tendenz: Unſicher durch die neuen
Regierungsmaßnahmen.
Frankfurter Eiergroßhandelspreiſe. Preiſe in Pf per Stück:
Bulgariſche
—7½, jugoſlawiſche 7½—7½, rumäniſche 7—
holländiſche 7½—10, däniſche 7½—10, belg.=flandriſche 9—9½,
bayeriſche 7½4—8, deutſche Friſcheier 7½10, in= und ausländiſche
Mittel= und Schmutzeier 6—6½. Tendenz: ruhig, Abſatz ſchwach.
Frankfurter Buttergroßhandelspreiſe. Tendenz: feſt. Holl.
Butter 1 Faß (50 Kg.) 1,56, ½ Faß 1,58, in Halbpfundſtücken 1,60,
deutſche Butter 1.45. Die Preiſe verſtehen ſich in Mark für ein
Pfund im Großhandelsverkehr.
Berliner Produktenbericht vom 11. Juli. Die
Wochenſchluß=
börſe bot ein überwiegend ſchwächeres Bild, das Geſchäft hielt ſich
in engen Grenzen. Die Umſatztätigkeit beſchränkte ſich in der
Hauptſache wieder auf den handelsrechtlichen Lieferungsmarkt;
Juliweizen ſetzte auf Deckungen infolge der fehlenden
Andienun=
gen 6 Mark höher ein, dagegen waren Sichten neuer Ernte
ange=
ſichts der günſtigen Witterungsverhältniſſe auf Realiſationen um
1½2 Mk. abgeſchwächt. Roggen eröffnete 2½ Mk. niedriger. Für
Weizen alter Ernte zeigte ſich wieder Nachfrage zu behaupteten
Preiſen. Roggen alter Ernte iſt vernachläſſigt. Für Neugetreide
lauten die Gebote etwa 2 Mk. niedriger ohne daß ſich aber
nen=
nenswertes Geſchäft entwickelt, da die Forderungen wenig
nach=
giebig ſind. Am Mehlmarkte iſt keine Belebung zu verzeichnen.
Hafer liegt am Promptmarkte bei ſtillem Geſchäft ziemlich ſtetig,
am Lieferungsmarkte waren die ſpäteren Sichten rückgängig. Das
Heſchäft in neuer Wintergerſte iſt wieder geringer geworden, da
Forderungen und Gebote ſchwer in Einklang zu bringen ſind.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
Die Arbeiten für den Umbau des Bahnhofs Augsburg=Oberhauſen
im Werte von 8,5 Millionen Reichsmark ſind, wie bekannt wird
nun=
mehr von der Reichsbahngeſellſchaft vergeben worden. Dieſe Arbeiten,
die etwa 1½ Jahre in Anſpruch nehmen ſollen, wurden einer
Arbeits=
gemeinſchaft übertragen, der u. a. außer drei Münchener Baufirmen die
Ph. Holzmann u. Co. A.=G. und die Dyckerhoff u. Widmann angehören.
Wie wir erfahren, hat ſich die Eiſenhandlung Lindemann u.
Frank=
furth, Kaſſel=Bettenhauſen, gezwungen geſehen, die Zahlungen
einzu=
ſtellen. Die Firma ſtrebt mit ihren Gläubigern einen gerichtlichen
Ver=
gleich an. Ueber die Höhe der Unterbilanz läßt ſich noch nichts ſagen, da
der Status erſt feſtgeſtellt wird.
Die Tüllgardinenfabrik A. u. P. Mattes in Groß=Gerau hat ſich
laut „Konfektionär” an ihre Gläubiger gewandt und ſtrebt einen
Ver=
gleich an. Nach dem Status belaufen ſich die Aktiven auf ca. 156 650
RM., von denen Vorrechtsforderungen mit 105 466 RM. abzuſetzen ſind,
ſo daß freie Aktiven von 51 183 RM. verbleiben. Die Geſamtpaſſiven
belaufen ſich auf insgeſamt 229 982 RM.
Da die Alt=Wiesbadener Bäckerinnung nunmehr verbilligtes
Roggen=
mehl von der Reichsgetreidegeſellſchaft erhält, hat die Innung beſchloſſen,
ab Montag den Preis für ein Dreipfundbrot um 2 Pfg. zu ermäßigen.
Miniſterpräſident Laval empfing geſtern im Anſchluß an den
Mini=
ſterrat eine Abordnung der Bergarbeiter aus dem Departement Pas de
Calais. Er ſetzte ihnen auseinander, welche Maßnahmen die Regierung
bereits ergriffen habe bzw. zu ergreifen gedenke, um die Kohlenkriſe zu
bekämpfen. Die Regierung beabſichtige, den Anfang mit der Schaffung
eines Lizenzregimes für die Kohleneinfuhr zu machen.
Der Leiter der Belgiſchen Nationalbank, Franck, iſt geſtern abend in
Paris eingetroffen.
Die Ziffern der engliſchen Außenhandelsbilanz für den Monat Juni
weiſen einen weiteren Rückgang auf. Die Einfuhr hatte im Juni einen
Wert von 68 641 763 Pfund, was gegenüber dem Monat Mai einen
Rückgang um 930 789 Pfund bedeutet. Die Ausfuhr belief ſich auf
29 431 861 Pfund und war damit gegenüber dem Monat Mai dem Werte
nach um 4 463 568 Pfund rückläufig.
Der Londoner Goldpreis ſeit dem 8. Juli 1931 ſtellte ſich für eine
Unze Feingold 84 sh 10¼ d, für ein Gramm Feingold demnach 32,7375
Pence.
Berliner Kursbericht
vom 11. Juli 1931
Oeviſenmarkt
vom 11. Juli 1931
Berl.Handels=Geſ.
Danatbank. . . . . . .
Deutſche Bank u. 1
Disconto=Geſ. 1
Dresdner Bank
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bahr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Ga=
101.
100.25
100.—
100.—
41.75
70.—
44.—
85.—
42.50
85.50
68.50
30.—
92.—
104.62!
Wee
Clektr. Lieferung
J. G. Farben
Helſ. Bergw.
Geſ. f.elektr. Untern
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Untn.
Nordd. Wolle
Oberſchleſ. Koksw.
Orenſtein & Koppel
Reke
94.—
123.75
5a.
99.—
54.—
43.—
65.—
110.—
45.75
S.—
29.—
2.875
55.—
34.—
Me
Rütgerswerke
Salzdetfurth Jali
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtoff
Verein. Stahlwerk
Weſteregeln Alkal
Agsb.=Nrnb. Maſch
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Drah
Wanderer=Werke
410-
37.25
180.—
7.
07.50
37.—
115.—
52.125
18.—
37.—
124.—
Weeie
28.—
48.—
Helſingfors
Wien
Prag
Budapeſt
Sofia
Holland
Eslo
Kopenhagen
Stockholm
London
Buenos=Aires
New York
Belgien
Italien
Paris
Währung
100 finn. Mk.
00 Schilline
100 Tſch. Kr.
100 Pengö
100 Leva
100 Gulden
100 Kronen
100 Kronen
1100 Kronen
1 S=Stg.
11 Pap. Peſo
1 Dollar
100 Belga
100 Lire"
100 Francs
Geld
0.593/ 10,61:
59.24
12.472
73.43
3.047
169.5c
112.74
112.74/
112.86
20.47:
1.30
58.79
22.055 22.095
16.49
Zrieff
59.36
2.492
73.57
3.053
169 9
12 9
112.9
13.08
20.515
1.312
4.209 4.217
58,91
16.53
Schweiz
Spanien
Danzig
Japan
Rio de Janetro
Portugal
Mige
Iſtambu
Kairo
Kanada
Uruguay
Fsland
Tallinn (Eſtl.)
Liga
Brief
81.92
40.04
82.04
2.085
0.311
.452
18.70
5.465
—
21.05
4.206
2.382
92.55
112.29
81.27
4
Frankfurter Kursbericht vom 11. Juli 1931.
72 Dtſch.Reichsan:
5½%Intern.,
6%Baden ..
8½ Bayern
8% Heſſen
v. 291
88 Preuß. Staat
8% Sachſen
72 Thüringen..
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. X=
Ab=
löſungsanl.. . . . .
Dtſche. Anl.
Ablö=
ſungsſch. (Neub.
Deutſche
Schutzge=
bietsanleihe ..
8% Aachen v. 29
80 Baden=Baden.
6%Berlin ....."
8O Darmſtadt v. 26
v. 28
70 Dresden.
8% Frankfurt a.M
v. 2
v. 26
8% Mainz......
8% Mannheim v. 26
v. 27
82 München ...
8% Nürnberg. .
8% Wiesbaden
3% Heſſ. Landesbk.
88 Goloblit
4½% Heſi Lds.
Hyp.=Bk.=Liquid.
4¾0 Kom.=Obl.
8% Preuß. Lds
pfbr.=Anſt. G. Pf.)
s2 Gobdoblig
9a5
7.75
67.5
9.5
83.5
86.5
38.25
97
70
W We
Bk. Girozentr. für
Heſſen Goldobl.
8% Kaſſeler Land. Goldpfbr..
7½ Kaſſeler Land.
kredit Goldpfbr.. / 92.5
82 Naſſ. Landesbt. /100
14½½ „Lic. Obl
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
+AuslSer. I
Ser, II
Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Neubefitz).
M
934,
98
84.5
7
86
89
63
82.5
77
78
82
94
75
68.5
78.25
84.5
86.5
96
892
92
85.5
00
96
96
8 Berl. Hyp.Bk.
4½%nLicu.=Pfbr
8% Frkf. Hyp.=Bk.. / 98
4½% Lig. Pfbr.) 84
Pfbr.=Bk./ 98.25
Liat
82 Mein.bhp.=Vk./100
Lig. Pfbr.
41
8‟ Pjälz. Gyp. Br./100
4½ Lig. Pfbr./ 87.5
82 Preuß.
Boden=
cred.=Bant
4½% Lig. Pfbr
8% Preuß. Centrl.=
Bodencr.=Bank".
4½0 Lig. Pfbr.
82 Rhein. Hyp. Bk.
4½2 Lia. Pfbr.
2 Rhein.=Weſtf.
Bo.=Credit.
8% Südd. Bod.=
Cred.=Bank.
42% Ba. Pfbr.
97.25
96
85
96
95.5
87
94
6% Daimler=Benz
8% Dt. Linol. Werke
82, Klöckner=Werkel
Mainkrw. v. 26
O Mitteld. Stahl.
18% Salzmannu. C=
7% Ver. Stahlwerk
82 BoigtckHäffner
F. G. Farben Bondsl 83.5
50 Bosn. L.E. B.
L. Inveſt.
9 Bulg. Tab. v. 02/ 27.25
Oſt. Schätze
4% Oſt. Goldrente
5%vereinh. Rumänl 7.2
14½%
13.9
5.8
4% Türk. Admin.
„ 1. Bagdadl 2.45
Zollanl.
%6 Ungarn 1913/
1914)
4½½
Goldr.
1910
42
98
89.5
97.5
82.75
97.5
9s
85
98
98.5
93.75
82.5
Aktien
Alg. Kunſtziide Unie
A. E. G. ....
Andrege Noris Zahn
Aſchaffbg. Brauere‟
„ Zellſtoft
Bemberg, Jf. P..
Bergm. El.=Werke
BrownBoverickCie
Buderus Eiſen..
Cemeni Heidelberg
Karlſtadt
J. G. Chemie, Baſe
Chem. Werke Albe
Contin. G=
Linolen;
Daimter=Benz ..."
69.5
85
521/,
84
58
36.25
50
83
150
33.5
3
Mne e
Erdöl.
Gold=u. Silber
ſcheide=Anſtalt
„ Linoleumwerke
„ Eiſenhandel.. .
Dyckerhoff u. Widm)
Eichbaum=Werger.
Elektr. Lieferg.=Geſ.
Licht u. Kraft
Eſchw. Bergwert..
EßlingenMaſchinen
Ettlingen Spinnerei
Faber & Schleicher
F. G. Farbeninduſtr
Feinmech. (Jetter)
Felt. & Gnilleaume
Frankf. Gas i. Lig.
Hof..
Gelſen:. Bergwer!
Heſ. f.eleltr. Untern.
ldſchmidt Th. ..
Britzner Maſchinen
Grün & Bilfinger.
Hafenmühle Frkft.
Hammerſen (Osn.
Hanauer Hofbrauh.
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf.
HilpertArmaturfrb.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kupfer. . ...
Hochtief Eſſen
Holzmann, Phil.
Ilſe Bergb. Stamn
Genüfſe
Junghans
Kali Chemie
Aſchersleben
Kammgarnſpinn.
Karſtadt, R.
Klein, Schanzlin
Klöckneriverke
„hmener & Co.
Laurahüt
ſech. Augsburg . . .
70
54.5
114
55
98
104
206
123
27.25
34s
26
161.75
63
127
51
a
59
65
94
86
10.25
10.1
87
142
103.2r
29
Löwenbr. Münch.
Lüdenſcheid Metall
Lutz Gebr. Darmſt.
Mainkr..W. Höchſt.
Mainz. Akt.=Br. . . .
Mannesm.=Röhren
Mansfeld Berg.
Metallgeſ. Frantf.
Miag, Mühlenbau.
MontecatiniMaild.
Motoren Darmſtad
Deutz
Oberurſel
Oberbedarf
Phönix Bergbau ..! 39
Reiniger. Gebbert
Rh. Braunkohlen
„ Elektr. Stamm / 86.25
„ Metallwaren.
Stahlwerke
Riebeck Montan.
Roeder Gebr.
Rütgerswerte
Sachtleben A. G.
Salzdetfurth Kali 1176
Salzw. Heilbronn 1175
Schöfferhof=Bind.. /145
Schramm, Lackfbr.
Schriftg. Stempel
Schucker: Elettr. 1115
Schwarz=Storchen.
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halste. 1142
Südd. Immobilien
Zucker=A. G.
Soensfa Tändſtids
Tellus Bergbau ..
Thür. Liefer.=Geſ..
Tietz Leonhard
Tucher=Brauerei
Anterfranken . . . . .! 84*=
Beithwerke
er.
Me R
Voigt & Haeffner.
Wahß & Frehtag. 21
Wegelin Rußfabrikl 17
Weſteregeln Kali.. 1113.5
Zellſtoff=Verein..
Waldhof.... . .!/ 59
Memel,
Zaré
70
125
24
Allg. Dt. Creditanſt.
Badiſche Bank... .
Bk. f. Brauinduſtr.
BarmerBankverein
Bayer. Ohp. u. W. 115.5
Berl. Handelsgeſ.,
Cypotliekbk..
Comm. u. Privatb
Darm ſt. u. Nat.=Bk.
Dt. Bank und Dic.
Dt. Eff. u. Wechſell
Dresdner Bank ...
Frankf. Bank
„ Hhp.=Bank
Pfdbr.=Bk.
Mein. Hyp. Bank
Oſt. Creditanſtalt
Pfälz. Kyp.=Bank
Reichsbank=Ant. . .
Rhein. Hyp.=Bank.
Südd. Bod.=Cr. Bk.
Wiener Bankverein
Württb. Notenbank
A. .G. f. Vertehrsw.
Allg. Lokalb. Kraftw
7% Dt. Reichsb. Vz
Hapag
Nordd. Lloyd.
Südd. Eiſenb.=Gei
6u
84
122
22
97.75
209
100
100.25
100
95
100
84
120
1275
116
125.5
120
128
117
80.75
20
48
36.25
107
427
Allianz. u. Stuttg.
Verſicherung . . . 200
Verein. Verſ. 185
FrankonaRie
Mannh. Verſi
Otavi Minen
Schantung Handel
De
H
Seite 12
Sonntag, den 12. Juli 1931
Nummer 191
* Die ſüddeutſchen Meiſterſchaften der Leichtathletinnen und
athleten im Hochſchul=Stadion hatten am Samstag einen
über=
raſchend guten Publikumsbeſuch zu verzeichnen, und mehr als
2000 Zuſchauer wurden durch die erſten Kämpfe um die
höchſte Ehre des ſüddeutſchen Verbandes reſtlos gefeſſelt und
begeiſtert. Bereits am Samstag, an dem viele Teilnehmer erſt
angereiſt kamen, und manche Leiſtungen dadurch etwas
benach=
teiligt hätten werden können, gab es ſchöne, ſpannende Rennen
mit zum Teil ſehr beachtlichen Verbeſſerungen der vorjährigen
Leiſtungen.
Dabei hat ſich gezeigt, daß der größte Teil der von uns
favo=
riſierten Bewerber bei den Frauen und Herren ſich durchgeſetzt
oder wenigſtens für die am Sonntag fallende Entſcheidung
quali=
fiziert hat.
Die Wettkämpfe wickelten ſich am Samstag dank der
ausge=
zeichneten Vorbereitungen flott und reibungslos ab, ſo daß die
=Bewerber oft auf die Minute genau ins Rennen gehen konnten.
Zunächſt kamen
zu ihrem Recht: Hochſprung und Stabhochſprung wurden
gleich=
zeitig abgewickelt. Von den 6 Stabhoch=Wettbewerbern, unter
denen leider Reeg=Rüſſelsheim fehlte, konnte der vorjährige
Mei=
ſter Speck=Pforzheim in ſehr ſauberer Form ſeinen Titel
ver=
teidigen: er ſprang die gleiche Höhe von 3,60 Meter wie im
Vor=
jahre. Allerdings kam er beim Training ſchon an 1,70 Meter
her=
an. Hinter ihm rangieren Waibel und Demetz=Stuttgart mit 3.50
Meter und 3,30 Meter. Grabke=Eintracht Frankfurt erreichte 3,20
Meter. Völker=Schwetzingen 3,10 Meter.
Im Hochſprung gab es einen erbitterten Kampf, der ſich
zwiſchen der Spitzengruppe über eine Stunde hinzog; ſchließlich
mußte die Entſcheidung über die Plätze durch Stechen entſchieden
werden. Fliſter=Kickers Stuttgart war die Ueberraſchung,
denn er konnte ſich mit 1,815 Meter unangefochten Titel und
Sieg erſpringen, während der vorjährige Meiſter Böwing=
Mün=
chen, der nicht anweſend war, nur 1,77 Meter erreicht hatte.
Bon=
neder=Jahn Regensburg, Fuchs=Kreuznach 07 und Hammerich=
Polizei Karlsruhe erreichten alle drei in mehrfachen Verſuchen
1,765, während Brodbeck ſeine frühere Leiſtung von 1,80 Meter
nicht erreichte, ſondern mit Lechler=DSV. München bei 1,715 Meter
endete.
Schon ſind die Hürden aufgeſtellt und die erſten Vorläufe über
die 110 Meker Hürden-Skrecke
beginnen. Es ſind zwei Vorläufe notwendig, zum erſten Lauf
ent=
läßt Gruppenſportwart Schröder=Frankfurk 4 Läufer: Welſcher=
Frankfurt, Meiſenberger=Poſt München, Barth=Stuttgarter
Kik=
kers, Schonig=Stuttgarter Kickers. Mit 15,7 geht Welſcher
un=
angefochten als Erſter aus dem Vorlauf. Aus dem zweiten
Vor=
lauf, an dem Schwedhelm=SV. Wiesbaden, Koßbiel=Saar 05, Sack=
Eintracht Frankfurt teilnehmen, geht Wedhelm mit 16,8 Sek. als
Beſter hervor. Im Entſcheidungslauf gibt es ſpäter dann ein
ſcharfes Rennen zwiſchen Welſcher und Sack, doch durch ſeine
fabel=
hafte Technik holt Welſcher bis zum Band einen, ſicheren
Vor=
ſprung heraus und paſſiert in 15,3 Sek. das Ziel. Mit 7/
Sekun=
den hat er ſeine vorjährige Meiſterſchaft verteidigt.
Zur Meiſterſchaft über 400 Meker
haben einige Gemeldete zurückgezogen, ſo daß nur 2 Vorläufe
not=
wendig waren. Aus dem erſten gingen Metzner=Eintracht
Frank=
furt (51,4 Sek.) und Jonas=J. G. Frankfurt (52) mit Müller=
Mün=
chen 60 (52,1), aus dem zweiten Vorlauf Nehb=Raſtatt 04 (51,7),
Münzinger=Stuttgarter Kickers (52) und Maerten=J. G.
Frank=
furt (52,2) als Teilnehmer für die Entſcheidung hervor, die am
Sonntag erſt fällt.
Die 200 Meier für Herren
machten 3 Vorläufe notwendig. Für die Entſcheidung
qualifizier=
ten ſich Kurz=Offenbach 99 (22,6 Sek.), Drentwett=Schwaben
Augs=
burg (22,6), Kohler=Stutt. Kickers (22,7), Eldracher=Frankfurt, der
Titelverteidiger (22,8), Geerling=Frankfurt und Münzinger=
Stutt=
garter Kickers (22,9). Weingärtner=SV. 98 ſchied bereits im erſten
Vorlauf aus, auch die guten Leute Mährlein und Stahl
vermoch=
ten ſich nicht für die Entſcheidung durchzukämpfen.
Lebhafte Aufregung erregten die
Ausſcheidungsrennen über 8oo Meker
für Männer. Im erſten Vorlauf führten zunächſt Fink=Stuttgart
(VfB.) vor Paul=Stuttg. Kickers und L. Leunig=Eintracht Frankf..
dahinter dicht gedrängt Schilling=Eintracht Frankf., Wöll=J. G.
Frankf., Stepp=A.S.C. Darmſtadt. Beim Beginn der 2.
Kurve unternimmt Stepp unerwartet einen Vorſtoß, überſprintet
alle Vordermänner, und während die Zuſchauer unruhig werden
in der Annahme, er könne in der Zielgeraden das Tempo nicht
durchhalten, zerreißt er, ohne ſich auszugeben, in 2:02,4 Min. das
Zielband. Im zweiten Lauf, der vom Start weg in dichtem Rudel
die Läufer um die Bahn führt, bleibt zunächſt Abel=Mannheim=
Neckarau und Jenuwein=München 60 an der Spitze. Kraut=SV. 98
hält zunächſt dicht auf, erſt in der Zielgeraden fällt er ab. Das
ſchärfere Tempo ergibt ſich auch aus der Zeit, denn Abel hat
be=
reits in 2:01, Jenuwein in 2:01,4 das Ziel paſſiert. Lang=
Heil=
bronn und Scherer=Pol. Nürnberg=Fürth paſſieren in 2:01,6 das
Ende und kommen ſo noch in die Entſcheidung, die ſicherlich ein
ausgezeichnetes Rennen bringen wird. Die Zeit des Vorjahres
(Paul) betrug nur 1:57 Min.
Heiß war der Tag, und 10 Kilometer wollen in dem
drücken=
den Sonnenſchein gelaufen ſein.
Sieben Läufer ſtellten ſich zum 10 000-Meter=Skark.
fünf hielten die Strecke durch: Lindner=SV. 98, der allerdings
durch die anſtrengenden Vorbereitungen der Meiſterſchaften in
den beiden letzten Wochen überanſtrengt und durch eine fiebrige
Erkrankung in den letzten Tagen indisponiert war, ſowie Lenz=
Cannſtadt gaben unterwegs auf. Der vorjährige Meiſter Kapp=
München, der am vergangenen Sonntag bei den
Reichsbahnmei=
ſterſchaften gelaufen war, hatte abgeſagt. Das Rennen war bald
für die Zuſchauer entſchieden, denn nach 6 Runden hatte ſich die
Spitzengruppe deutlich herausgeſchält: Helber 1=Reichsbahn
Stuttgart, Werner=Raſtatt 04 und Bertſch=V.f.B. Stuttgart mit
Siegel=Poſt Frankfurt führten. Mit gleichmäßigem Schritt um=
kreiſte Helber die Bahn, überholte bald Reinhardt=Schwetzingen
1898, der eine Weile neben dem Meiſter verharren konnte, dann
aber zurückfiel, bis ihn Bertſch überrundete. Sieger wurde
Helber 1 in 33:58,6 Min., während der vorjährige Meiſter
Kapp die 10 Kilometer in 33:32,2 Min. hinter ſich brachte.
Aller=
dings hatte der neue Meiſter auch keinen Gegner und brauchte
ſich niemals anzuſtrengen. Seine Reſerven waren groß genug,
denn er ſtartete ſpäter bei 1500 Meter mit und ſtand 1200
Me=
ter ſehr gut durch. Auf der letzten Runde verſuchte der
blond=
gelockte Werner einen energiſchen Endſpurt und zwang dadurch
auch Bertſch, ſeinen Schritt zu beſchleunigen. Wenn ſich dadurch
auch der Abſtand zwiſchen den Spitzenreitern verkürzte, reichte es
zu einer Verſchiebung der Plätze nicht mehr. Den tapferen
Läu=
fern wurde vom Publikum lebhafter Beifall entgegengebracht.
Auf dem Raſen hatten inzwiſchen die
zum Spiel benutzt, und die jungen Walküren der erſten Garnitur
ſtießen ſchon im Vorkampf 10 und mehr Meter. In der
Entſchei=
dung verbeſſerte die Meiſterin Tilly Fleiſcher ihren
vorjäh=
rigen Wurf von 12,12 Meter auf 12,315 Meter und liegt nur
noch 54 Zentimeter hinter dem deutſchen Rekord. Erna v. Hayn=
TSG. Rodheim ſchaffte ſich mit 11,44 Meter an die zweite Stelle
und kam dadurch plötzlich in die erſte Reihe, denn Frl.
Schmidt=
bauer blieb einen halben Meter zurück.
Auch im Diskuswerfen wurde T. Fleiſcher Meiſterin,
denn ihre Konkurrentin, Milly Reuter, die den deutſchen
Rekord mit 38,34 Meter hält, kam „nur” auf 36,69, während
Tilly 36,75 Meter unter ſich brachte und damit ihren vorjährigen
Meiſterwurf um über einen Meter verbeſſerte. Auch hier mußte
ſich Gertraud Schmidtbauer=Poſt Nürnberg mit dem dritten Platz
begnügen, immerhin erzielte ſie achtbare 32,745 Meter.
der jeweils Geliebten löſte die 4X400=Meter=Staffel für Männer
aus. Vom Start weg geht München 60 vor Darmſtadt 98 in
Front, dann geht die Nürnberger Polizei auf, wird von Kickers
Stuttgart überholt, auch Darmſtadt kämpft um den 3. Platz, JG.
Farben verliert in der entſcheidenden Geraden an Boden, und
unter ungeheurer Anfeuerung gelingt es den
titelvertei=
digenden Stuttgarter Kickers in 3: 25, 2 Min.
den Sieg zu behalten. Sie haben damit die vorjährige
Beſtleiſtung von 3:28,8 und ihre beſte Leiſtung der Saiſon von
3:31,2 unterboten. Auch der auf 2. Stelle landende JG.=Frankf. ihre beſte Zeit der Saiſon von 3:27 auf 3:25,4 verbeſſert.
Ueber alles Erwarten gut hielt ſich die Staffel des Darmſtädter
Sportverins 98, der in 3:27,6 Min. hinter München 60 (3:25,2
Min.), die ihre bisher beſte Zeit herausliefen.
Die 200 Meter Vorkämpfe für Frauen fielen aus. Die Uebung
wird heute Sonntag ſofort als Entſcheidung ausgetragen. Nach
den 100 Meter=Läufen der Alten Herren, wobei nacheinander
Pfeil=SV. 98, Wöbbke=SV. 98 und Söllinger=ASC. Darmſtadt in
Front liegen, folgen die beiden Ausſcheidungsläufe über
Im eiſten Lauf ſtarten Fink=VfB. Stuttgart, hinter dem
Hetzel=FSV. Frankfurt — der in der 3. Runde aufgibt —,
Schil=
gen=ASC. Darmſtadt, Reutelshöfer=1. FC. Nürnberg, Arnold=
Stuttg. Kickers, Lang=Heilbronn 96 liegen. Arnold, Lang, Fink
übernehmen nacheinander die Führung, von der 1. Runde an liegt
Schilgen an letzter Stelle, beim Eintritt in die letzte Runde ſetzte
er ſich dann an 3. Stelle, wird in der letzten Kurve noch einmal
eingeſchloſſen, dann aber ſchallt es aus Hunderten von Kehlen
„Schilgen!” Tempol, und er läßt ſeine Freunde nicht im Stich,
ſpielend berühren ſeine Füße den Boden, ſchon liegt er in
Füh=
rung, hat 3 Meter Vorſprung, vergewiſſert ſich, daß keiner au ihn
herankommt und zerreißt, verhalten laufend, vor Arnold, Fink
und Lang, die mit ihm in die Entſcheidung kommen, das Zielband.
Der zweite Vorlauf iſt ebenſo erbittert. Kettner=Stuttgarter
Kickers, Lohberger=Eintracht Frankfurt, Rath=Stuttg. Kickers,
Kaufmann=FSV. Frankfurt, Hofmann=München 60. Helber I=
Stuttgart, Habdank=Ulm 94, Wöll=J. G. Frankfurt ſtarten, und nur
4 von ihnen können in die Entſcheidung eintreten. Hofmann,
Kettner, Rath, Kaufmann löſen ſich in der Führung ab. Vor der
letzten Runde gibt Helber I, der von den vorhergehenden 10 Km.
ermüdet ſcheint, auf. Bald haben die Kickers die Spitze und geben
ſie nicht mehr ab. Aus der letzten Runde gehen nur noch in
fol=
gender Linie Kettner, Rath, Habdank, Lohberger hervor, die
ſich für die Entſcheidung durchgekämpft haben.
Zum Staffelkampf 4X100 Meter
haben 7 Mannſchaften gemeldet, und es ſind zwei Vorläufe
not=
wendig. Zunächſt gehen VfB. Stuttgart, Polizei Mannheim, Saar
05 und Eintracht Frankfurt 1. nach einem von den Saarländern
verurſachten Fehlſtart ins Rennen. Die ausgeglichenen Läufer
liegen zunächſt ziemlich gleich, Polizei Mannheim und Eintracht
ſchaffen wiederholt einige Meter Vorſprung heraus, die jedoch
nicht lange vorhalten. Am letzten Wechſel übergeben Eintracht
und Saar faſt gleichzeitig den Stab, der Schlußmann der Eintracht
holt dann einen Zentimetervorſprung vor Saar und Polizei
Mannheim heraus. (Zeiten 43,1, 43,4, Polizei und Stuttgart
un=
bekannt.)
Im zweiten Lauf lagen, zunächſt München 60 und Kickers
Stuttgart vor der zweiten Mannſchaft der Eintracht in Führung.
Nach dem zweiten Wechſel trat aber die beſſere Steherkraft der
Eintrachtler zutage, und mit 43,1 Sek. ſiegten ſie vor München 60
(43,4) und Kickers Stuttgart (43,9). Die Zeit des vorjährigen
Meiſters, Kickers Stuttgart, betrug 43,1 Sek., und es dürfte am
heutigen Sonntag über die 4X100 Meter=Strecke ein erbittertes
Rennen um Bruchteile von Sekunden geben.
Den Schlußkampf beſtritten
Für viele der über 2000 Zuſchauer war dieſe athletiſche Uebung
noch neu, und ſie blieben faſt bis zum Abſchluß der Kämpfe. Liſt=
Neu=Iſenburg machte es dem Titelverteidiger Steinberger=
Regens=
burg ſehr ſchwer. Leider kam er zweimal mit der Kugel auf den
Boden, und erſt außer Konkurrenz konnte er die größte Weite
mit 43,87 Meter erreichen. Steinberger, der zunächſt von Mang=
Regensburg, dem deutſchen Meiſter, überboten war, ſetzte ſich in
der Entſcheidung durch und blieb mit 43,56 Metern — im
Vor=
jahr hatte er bei 42,65 Metern den Titel errungen — erneut
Sie=
ger, während Mang mit 43,06 auf dem 2. Platz, Liſt mit 42,20
Metern auf dem 3. Platz landete.
Am Abend waren Kampfrichter und Verbandsvertreter noch
einige Minuten gemütlich beiſammen. Die Aktiven waren ſchon
zeitig in die Federn gekrochen, denn die weiteren Entſcheidungen
beginnen bereits heute vormittag 9.20 Uhr pünktlich! Da das
ſchöne Wetter anzuhalten verſpricht, ſind heute wieder ſpannende
Kämpfe zu erwarten.
Das
Songtags-Prograrzm
iſt äußerſt reichhaltig und bringt vormittags um 9.20 Uhr
100 Meter=Lauf für Frauen, Vorlauf; 9.30 Uhr Hochſprung für
Frauen — Entſcheidung —: 10 Uhr 100 Meter=Vorläufe für
Män=
ner; 10.15 Uhr Speerwurf für Frauen — Entſcheidung —: 10.30
Uhr Weitſprung für Männer — Vorkampf — 11 Uhr
Ballweit=
wurf für Frauen — Entſcheidung —, 800 Meter=Lauf für Frauen
— Entſcheidung —; 11.15 Uhr Kugelſtoßen für Männer —
Vor=
kampf —: 11.30 Uhr 4X100 Meter für Frauen — Vorläufe —
Weitſprung für Frauen — Entſcheidung —: 11.45 Uhr
Zwiſchen=
lauf, 100 Meter=Zwiſchenlauf für Männer; 12 Uhr Speerwerfen
für Männer — Vorkampf —, 400 Meter Hürden für Männer
— Vorläufe —. Nachmittags: nur Entſcheidungen: 15 Uhr
Auf=
marſch aller Teilnehmer: 15.20 Uhr 1500 Meter=Lauf für Männer;
15.20 Uhr Kugelſtoßen für Männer; 15.25 Uhr 100 Meter für
Frauen; 15.30 Uhr 100 Meter für Männer; 15.35 Uhr 400 Meter für
Männer; 15.40 Uhr Weitſprung für Männer: 16 Uhr 800 Meter
für Männer: 16.10 Uhr 200 Meter für Männer: 16.20 Uhr
Speer=
werfen für Männer; 16.25 Uhr 4X100 Meter für Frauen; 16.30
Uhr 5000 Meter für Männer; 16.30 Uhr Dreiſprung für Männer;
17.10 Uhr 4X1500 Meter für Männer: 17.30 Uhr 200 Meter für
Frauen; 17.30 Uhr 400 Meter Hürden für Männer und 17.40 Uhr
4X100 Meter für Männer.
Es iſt für die Freunde des ſchönſten, weil durch keine
Un=
fairheiten zu beeinträchtigenden Raſenſportes eine Auswahl der
ſpannendſten Uebungen für Frauen und Männer vorgeſehen, und
wer irgend kann, ſollte es nicht verſäumen, den Kämpfen um die
ſüddeutſchen Meiſterehren beizuwohnen, werden doch die
Sieg=
gekrönten ſchon in wenigen Tagen bei den deutſchen
Meiſterſchaf=
ten die Farben des Südens vertreten.
Entſcheidungen vom 1. Tag, Samstag, den 11. Juli 1931.
Hochſprung für Männer: 1. Fliſter, Kickers Stuttgart, 1,815
Meter; 2. Bonneder, Jahn Regensburg, 1,765; 3. Fuchs,
07 Kreuznach, 1,765; 4. Hammerich, Pol. S.V. Karlsruhe,
1,765: 5. Brodbeck, V. f. B. Stuttgart, 1,715; 6. Lechler,
D.S.V. München, 1,715 Meter.
Diskuswerfen für Männer: 1. Schaufele Cannſtadt=
Stutt=
gart, 39,55 Meter; 2.*Buchgeiſter, S.V. Univ. Freiburg,
38,89; 3. Höller, 1880, Frankfurt a. M., 37,15;,4. Enders,
Eintracht Frankfurt a. M., 35,68; 5. Schneider, Opel
Rüſ=
ſelsheim, 34,15 Meter.
Stabhochſprung für Männer: 1. Speck Sp.C. Pforzheim, 3,60
Meter; 2. Waibel, V.f.B. Stuttgart, 3,50; 3. Demetz,
Stuttgarter Kickers, 3.30; 4. Grabke, Eintracht Frankfurt,
3,20: 5. Völker, Sp. Schwetzingen, 3,10; 6. Reiſer, Polizei
Karlsruhe, 3,00 Meter.
10 000,Meter=Lauf für Männer: 1. Helber1., R. u. P.S.V.
Stuttgart, 33.58.0 Min.; 2. Bertſch, V.f.B. Stuttgart, 34.05.0;
3. Werner, Raſtatt 04, 34.06.0; 4. Siegel, Poſt Frankfurt
am Main, 34.42.0 Minuten.
Kugelſtoßen für Frauen: 1. Fleiſcher, Eintracht Frankfurt
a. M., 12,315 Meter; 2. v. Hayn, T. u. S.V. Rodheim,
11,445; 3. Schmidbauer, Poſt=S.V. Nürnberg, 10.920;
4. Egger, Phönix 02 Mannheim, 10,310; 5. Waigele, Pol.=
S.=V. Stuttgart, 9,680; 6. Bernert, Pol.=S.=V. Stuttgart,
9,595 Meter.
110 Meter Hürden für Männer: 1. Welſcher. Eintracht
Frankfurt, 15,3 Sek.; 2. Sack, Eintracht Frankfurt, 15,8;
3. Schwedhelm, S.=V. Wiesbaden, 16,3; 4. Meiſenberger,
Poſt München, 16,5 Sek.; 5. Koßbiel, Saar 05 Saarbrücken,
16,6 Sekunden.
4X400=Meter=Staffel für Männer: 1. Kickers Stuttgart
3,25,2 (Ske.) Min.; 2. J.G.=S.V. Frankfurt 3,25,4; 3. SV.
60 München 3,27,0; 4. S.V. 98 Darmſtadt 3,27,6; 5. Ulmer
F. V. 94 3,29,4.
Diskuswerfen für Frauen: 1. Fleiſcher Eintr. Frankfurt,
36,75 Meter; 2. Reuter, 1880 Frankfurt, 36,69 Meter;
3. Schmidbauer, Poſt Nürnberg, 32,745 Meter.
Hammerwerfen für Männer: 1. Steinberger, Jahn
Re=
gensburg, 43,56 Meter; 2. Mang, Jahn Regensburg, 43,055;
3. Liſt, T.V. Neu=Iſenburg, 42,20; 4. Stärker, Spvg. Fürth,
31,20; 5. Bonneder, Jahn Regensburg, 30,65; Liſt, außer
Konkurrenz, 43,87 Meter.
Dreikampf für alte Herren.
Klaſſe A (32—36 Jahre): 1. Söllinger, A.S.C. Darmſtadt,
2099,60 Punkte: 2. Anding, Schweinfurt 05, 2018,30 Punkte;
3.Eineder, A. S.V. München, 1954,60 Punkte; 4.
Stuben=
beck, V.f.B. Zweibrücken, 1806,30 Punkte.
Klaſſe B (37—42 Jahre): 1. Angſtmann Eintracht
Frank=
furt, 1576,85 Punkte; 2. Pfeil, S.V. 98, Darmſtadt, 1498,25;
3. Heim, Kreuznach 07, 1487,45; 4. Hausmann, S.V.
Stutt=
garter Kickers, 1480,51: 5. Krichel, S.V. 98, Darmſtadt,
1370,40; 6. Wagner, Phönix Mannheim, 1026,60 Punkte,
Klaſſe C (über 42 Jahre): 1. Schäfer, S.V. 98 Darmſtadt,
1131,55 Punkte; 2. Wöbke, S.V. 98, Darmſtadt, 1041,20
Punkte; 3. Kaltwaſſer, Merck Darmſtadt, 777,95 Punkte.
Deutſch-füdafrikaniſcher Tenniskampf.
Der zweite Spieltag. — Deutſchland führt mit 4:2.
Der deutſch=ſüdafrikaniſche Tenniskampf auf den Rot=Weiß=
Plätzen in Berlin war am Samstag bereits weſentlich beſſer
be=
ſucht als am Vortage. Es gab an dieſem Tage wieder einige ſehr
ſchöne Kämpfe. Im erſten Spiel ſiegte der vom Deutſchen Tennis=
Bund kaltgeſtellte Daniel Prenn über den ſüdafrikaniſchen
Davispokalſpieler Raymond nach großer Ueberlegenheit mit 6:0,
6:2, 6:1. Auch das zweite Einzelſpiel des Tages fiel an die deutſche
Mannſchaft. Mit einer prächtigen Energieleiſtung fertigte Dr.
Landmann den Südafrikaner Harris in fünf Sätzen mit 0:6,
3:6, 6:4, 6:2, 6:2 ab. Der ſo gut begonnene Tag endete
aller=
dings mit einer deutſchen Niederlage, im Doppel waren die
Süd=
afrikaner Kirby/Farqueharſon beſſer eingeſpielt als die deutſche
Kombination Prennſv. Cramm, ſie gewannen auch verdient mit
6:3, 8:6, 6:2. Deutſchland führt ſomit nach Abſchluß der Spiele
des zweiten Tages mit 4:2.
Nummer 191
Sonntag, den 12. Juli 1931
Seite 13
Fußballmannſchafken in der Ruhezeik.
Was in der Pauſe zu kun bleibt.
Viel zu kurz und zu lang gleichzeitig iſt die Ruhezeit im
deut=
ſchen Fuball. Zu kurz, weil jeder Sport mit beinahe 11 Monaten
Saiſon ein Unding iſt, zu lang, weil die fehlende, wirkliche
Spitzen=
klaſſe in allen Verbänden des DFB. Einnahmeſehnſüchte bei den
Vereinen nach unbefriedigender Verbandsſpielzeit nie zur Ruhe
kommen läßt; mögen dieſe Einnahmen im Sportfrühjahr noch ſo
klein und zweifelhafter Natur ſein.
Die ſechs Wochen Sperrzeit ſind natürlich in ganz beſonderer
Weiſe dienſtbar zu machen, hier heißt es genau einteilen, da in
dieſem Jahre ſchon mit dem zweiten Auguſtſonntag der
Punkte=
kampf von neuem beginnt.
Für die Kampfmannſchaften iſt bis zum erſten Drittel des
Juli unbedingte Ruhe zu empfehlen. Die Bälle ſollten „unter
Siegel” gehalten werden. Der Ruf nach Leichtathletik, der immer
noch erſchallt, kann heute für die Fußballmannſchaften, die
Sonn=
tag für Sonntag im Wettſpiel ſtehen, ungehört verhallen.
Voll=
kommenes Ruhen in jedem Sport iſt bei ſolchen aufreibenden
Sai=
ſons unbedingt richtig. Im modernen Fußballtraining ſind die
Teile der Leichtathletik, die der Fußballer zur Ergänzung braucht,
ja das ganze Jahr hindurch enthalten. Leichtathletik treibende
Fußballer zur Zeit der Leichtathletikſaiſon fallen gern dem
eige=
nen Ehrgeiz „zum Opfer”; denn die Verſuchung iſt oftmals groß,
dann in Meetings, wenn auch zweiter Ordnung, an den Start zu
gehen. Das kann ſich der Spitzenfußballer aber nicht mehr leiſten.
Früher war dies ganz anders. Dieſes abſolute Ruhen von etwa
drei Wochen erzeugt öfters die Befürchtung, daß die Mannſchaften
die Fühlung untereinander verlieren. Es iſt daher taktiſch ganz
gut, wenn gemeinſame Ausflüge u. a. in dieſer Zeit
unternom=
men werden. Hier ſind ſchon manchmal Mißſtimmungen geklärt
worden, die ſich immer wieder während der Saiſon eingeſtellt
haben.
Nach dem erſten Drittel des Juli aber ſollte in dieſem Jahre
das ſyſtematiſche Training wieder beginnen. Die erſten zwei
Wochen mögen ſo gehalten werden, daß einmal Training mit.
einmal ohne Ball ſtattfindet. Darum läßt man in der letzten
Juliwoche neben dem Konditionstraining ein Uebungsſpiel
ſtei=
gen. Erfahrungsgemäß werden ſolche Spiele der erſten
Garni=
tur gegen die Reſerven oftmals ſehr hart. Eine verkürzte
Spiel=
zeit und zeitweilige Ausſchaltung „übereifriger” Kämpfer ſind
hier Vorbeugungsmittel. Dann beginnt auch ſchon die Saiſon,
die in dieſem Jahre nur einen Sonntag mit einem Privatſpiel
bringen wird. Da Punktſpiele im Auguſt die Gefahr mit ſich
bringen, daß eine zu große Hitze immenſe Anſtrengungen
erfor=
dert, ſo wird auch in den Wochen des Auguſt das Training mit
dem Ball beſchränkt werden müſſen. Am beſten hält man es ſo,
daß der letzte Trainingstag, am beſten Donnerstag, vor einem
Wettſpiel, ohne Ball ſtattfindet, während das erſte Training der
Woche (am beſten Dienstag) der Ballkontrolle uſw. gewidmet iſt.
Es iſt klar, daß bei Punkteſpielen im heißen Auguſt bei den
Spielern der Spitze danach zu ſehen iſt, daß das Baden ſich im
richtigen Rahmen hält, ſonſt ſind Uebermüdungen unvermeidlich.
Man muß bei der bevorſtehenden langen Saiſon in
Süddeutſch=
land auch nicht nur darauf Wert legen, zahlreiche Reſerven zu
haben, ſondern ſie auch ſchon in den erſten Spielwochen einſetzen,
um in der Hitzeperiode rationell mit dem vorhandenen
Mate=
rial zu „wirtſchaften” Vor der Unpopularität, die ein ſolches
Vorgehen, das dann vom Vereinsfanatiker „Experimentieren mit
Mannſchaftsaufſtellungen" geſcholten wird, mit ſich bringt, darf
keinesfalls zurückgeſchreckt werden.
Je nach der Witterung in den Auguſtwochen mit
Verbands=
ſpielen, bleibt zu überlegen, ob man nicht die natürliche
Sehn=
ſucht nach Strandbauern uſw. am beſten ſo befriedigt und
gleich=
zeitig ſich dienſtbar macht, indem man das Konditionstraining
mit ſolchem gemeinſamem Baden verbindet und als Abſchluß
dann den Maſſeur arbeiten läßt.
Durch den frühen Beginn der Meiſterſchaftsſpiele und
Ver=
mehrung der Punktetreffen iſt die Nützung und genaue
Eintei=
lung der Sperrzeit von größter Wichtigkeit geworden.
Jeden=
falls iſt viel ſorgfältiger porzugehen, als zu Zeiten, da vor den
Punktetreffen vier oder noch mehr Privatſpiele ein Experimen:
tieren und Abwägen zuließen, ohne daß fühlbare Frühverluſte
in der Meiſterſchaft zu befürchten waren.
Likelkämpfe
der ſüddeukſchen Schwimmer in Ulm.
Nur mäßige Leiſtungen am erſten Tage.
Bei ſchönem Wetter und gutem Beſuch nahmen am Samstag im
Ulmer Roßmannbad die ſüddeutſchen Schwimm=Meiſterſchaften 1931
ihren Anfang. Bei den Herren gab es trotz ausgezeichneter Beſetzung
nur mäßige Leiſtungen. Bei den Damen wurden dagegen die Leiſtungen
des Jahres 1930 verbeſſert. In den beiden Staffelmeiſterſchaften der
Herren fielen die Siege erwartungsgemäß an den Göppinger
Schwimm=
verein 04. Bei den Damenſtaffeln gab es Duelle zwiſchen dem
Damen=
ſchwimmverein München und Göppingen 04, die beide von den
Mün=
chenerinnen ſicher gewonnen wurden. Bei den Einzelkämpfen der
Her=
ren gab es zwei Ueberraſchungen. Ueber 100 Meter Rückenſchwimmen
verlor der Titelverteidiger Dr. Frank=Heidelberg gegen den Karlsruher
Fuchs, und über 200 Meter Freiſtil verſchenkte der Favorit Neitzel=
Göp=
pingen durch taktiſch falſches Schwimmen den Sieg. Das Kunſtſpringen
der Damen fiel erwartungsgemäß wieder an die deutſche Meiſterin Frl.
Jordan=Nürnberg.
Die Ergebniſſe des erſten Tages: Damen:
Freiſtil=
ſtaffel über 3 mal 100 Meter: 1. Damen=SV. München, 4:20,4; 2. SV.
Göppingen 04 4:37. Lagenſtaffel (100—200—300 Meter): 1. Damen=SV.
München, 6:35,3: 2. SV. Göppingen 04, 6:40,8. Kunſtſpringen: 1. Frl.
O. Jordan, Bayern 07 Nürnberg, 84,64 Punkte; 2. Schlüter, Verein für
volkstümliches Schwimmen, München, 74,70 Punkte. Herren:
Lagen=
ſtaffel (100, 200, 100 Meter): 1. SV. Göppingen 04, 5:24,1: 2. SV.
Neptun Karlsruhe, 5:24,4. Bruſtſtaffel 4 mal 200 Meter: 1. SV.
Göp=
pingen 04, 12:13,1 (Alleingang). Bruſtſtaffel 4 mal 200 Meter (Vereine
ohne Winterbad): 1. SV. Ansbach, 14:24,7 (Alleingang). 200 Meter
Freiſtil: 1. Rinderspacher, V.f.v.S., München, 2:29,/4: 2. Neitzel=
Göp=
pingen 04, 2:29,8; 3. Rappelt, V.f.v. S. München, 2:31,4. 100 Meter
Rücken: 1. Fuchs, Neptun Karlsruhe, 1:18; 2. Dr. Frank. Nikar
Heidel=
berg, 1:18,8.
177 Skundenkilomeker im Mokorbook!
Das Rekordboot „Miß England II” in voller Fahrt.
Unten links: Kaye Don.
Auf dem Gardaſee hat der Weltrekordfahrer Kaye Don in ſeinem
Rennboot „Miß England II” ſeine Höchſtleiſtung aufs neue
be=
trächtlich überboten. Er erreichte eine Geſchwindigkeit von 177,39
Kilometer in der Stunde.
Gießener Ruder-Regalta.
Die 26. Gießener Ruder=Regatta, die zugleich als Jubiläums=Negatta
des Lahn=Regattaverbandes aufgezogen wurde, nahm am Samstag ihren
Anfang. Von den 23 gemeldeten Vereinen erſchienen 21 am Start.
Außerdem fielen auch einige Rennen wegen ungenügender Meldung oder
Zurückziehung ganz aus, und im übrigen gab es ziemlich viel
Zwei=
kämpfe. Die Rennen wurden durch Windſtille und glattes Waſſer
be=
günſtigt. Den beſten Eindruck hinterließen die Mannſchaften der
Gieße=
ner Rudergeſellſchaft, die 4 Rennen gewinnen konnten. (Bahnlänge
2000 Meter.)
Der Tennisländerkampf Deutſchland — Italien kommt am 19. und
20. September auf den Plätzen im Nerotal zu Wiesbaden zum Austrag.
Bei der Tour de France liegt in der Einzelbewertung von den
deut=
ſchen Fahrern Metze auf dem achten und Thierbach auf dem zehnten
Platz.
Der Deutſchamerikaner Ernie Schaaf ſchlug in Boſton den Carnera=
Bezwinger Jimmy Maloney in der dritten Runde k.o.
Der Davispokalkampf England — Tſchechoſlowakei in Prag endete
im Geſamtergebnis mit 4:1 für England, das nun im Interzonenfinei
demnächſt in Paris auf Nordamerika trifft.
Geſchäftliches.
Sie verlangen zuviel von ihrer Haut! Sie
ſetzen ſie recht oft und lange der Sonne aus, um raſch braun zu
werden. Das empfindliche Hautgewebe iſt dieſe Behandlung nicht
gewöhnt — Sie bekommen Sonnenbrand. Cremen Sie dagegen
die Haut mit dem neuen 4711” Allwetter=Creme ein, ſo tritt
dieſe läſtige Erſcheinung nicht auf. „4711” Allwetter=Creme, die
ideale Freiluft=Creme, iſt ein bewährter Helfer im Kampf gegen
ſchmerzhaften Sonnenbrand. So intenſiv wirken ſeine hochaktiven
Nähr= und Aufbauſtoffe, daß er ſich ſelbſt in feuchte Haut leicht
einreiben läßt und kein Glanz zurückbleibt. Auf die Bräunung
hat „4711” Allwetter=Creme ſehr förderlichen Einfluß. Ihr Teint
bekommt bald die erſehnte Sommerfarbe — ſtets aber bleibt Ihre
Haut glatt, friſch und geſund.
Arterienverkalkung iſt eine Krankheit, die nach
ärztlichen Feſtſtellungen in den letzten Jahren ſehr ſtarke
Ausbrei=
tung gefunden hat. Der ſchleichende und bosartige Charakter
dieſer Krankheit macht ſie gefürchtet. Es iſt daher begrüßenswert,
daß Herr Geheimer Medizinalrat Dr. med. Schroeder in allgemein
verſtandlicher Weiſe die Adernverkalkung in einer Broſchure
be=
ſpricht und gleichzeitig auf ein Mittel hinweiſt, das aus edlen
Pflanzen= und Blutſalzen beſteht und ſich in der Praxis
hervor=
ragend bewährt hat. Dieſe Broſchüre erhalten Intereſſenten auf
Verlangen umſonſt und portofrei von der Firma Robert Kühn,
Berlin=Kaulsdorf 70. Es wird auf das Inſerat in der heutigen
Nummer verwieſen.
Wekterberichl.
Ueber Frankreich und Süddeutſchland iſt es zur Ausbildung
eines geſchloſſenen Hochdruckkerns gekommen, in deſſen Bereich das
Wetter ſich freundlicher geſtaltet. Wenn auch in Norddeutſchland
durch die Ausläufer der nördlichen Störungen unter Zufuhr
ozeaniſcher Luft noch Bewölkung herrſcht, ſo wird ſich doch bei uns
und im ſüdlichen Teil des Reiches infolge der abſinkenden
Luft=
maſſen des Hochs der Himmel mehr aufheitern. Dabei kommt die
Sonnenſtrahlung wieder ſtärker zur Geltung, ſo daß die
Tem=
peraturen tagsüber weiter anſteigen.
Ausſichten für Sonntag, den 12. Juli: Teils aufheiternd, teils
be=
wölkt, weitere Erwärmung und trocken.
Ausſichten für Montag, den 13. Juli: Nach zunächſt vielfach
hei=
terem Wetter mit kräftiger Erwärmung aufkommende
Ge=
witterneigung.
Hauptſchrifteitung: Rudelf Maupe
Verantworüſch für Polltik und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feuilleten, Reich um
Aucland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport Karl Böhmann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart” Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Nette:
fär den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteilungen: Willy Kuble.
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 22 Geiten
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[ ← ][ ][ → ]Seite 14
Sonntag, den 12. Juli 1931
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 191.
Sonntag, den 12. Juli 1931
Seite 15
OWbb
5)
Es wurde ihm klar, daß Clemens: Gefühle für ihn ſich
gewandelt hatten. Um Klarheit zu gewinnen, wandte er ſich
eines Tages an Johanna. Schon bei ſeinen erſten Worten
merkte er, wie ſie in ängſtliche Unruhe geriet, als habe ſie eine
ſolche Frage längſt befürchtet. Je weiter er ſprach, deſto
ver=
ſtörter wurde ſie. Wandte ſich ſchließlich ab, um die Träne
zu verbergen, die über ihr Geſicht rann. Am Zucken ihrer
Schultern merkte er ihre Erregung, legte den Arm um ſie. „Was
haſt du, Johanna? Du weinſt? Hab’ ich dir weh getan?”
„Sie ſchüttelte den Kopf, ewiderte dann ſtockend, mit
beben=
der Stimme: „Was du da andeuteſt, hab’ ich ja ſchon immer
mit Bangen erwartet. Ach, Walter — nun iſt alles aus! Ein
anderer hat Clemens” Ohr gewonnen — hat ſich nicht geſcheut,
ſein ohnehin verdüſtertes Gemüt durch böswillige Andeutungen
mit Argwohn und Mißtrauen zu erfüllen.”
Fortuyn war blaß geworden. „Sicherlich Düſterloh, der
erbärmliche Wicht!” knirſchte er. „Und ich kann mich nicht
wehren — mir ſind die Hände gebunden .. . Kann den
Ver=
leumder nicht zur Rechenſchaft ziehn, mich vor Clemens nicht
verteidigen! Kann ich’s überhaupt noch wagen, dem ins Geſicht
zu ſehen? Muß ich nicht immer die ſtumme Frage aus ſeinen
Augen leſen: Haſt du mir deshalb, das Leben gerettet, um
mir mein Weib zu .."
Da ſchrie Johanna laut auf, preßte ihm die Hand auf
den Mund. „Nicht das Wort, Walter! Du haſt ihm nichts
geraubt — ihm gehörte ſchon längſt nichts mehr! Wer weiß,
ob er mich nicht ſchon ganz verloren hätte, wenn du nicht
ge=
weſen wärſt! Nur daß ich mich immer wieder auf dein
Kom=
meu freuen konnte — die einzige Freude in dieſem freudloſen
Leben —, ließ mich hier ausharren. Wer darf über uns richten?
Es war mein natürliches Recht, mich an dich zu klammern —
in meiner Not . . ." Jede Zurückhaltung war geſchwunden.
Ohne Schen gab ſie ihre Gefühle preis, ließ ihn in ihr Herz
blicken, das in wildem Begehren nach ihm ſchrie. „Was willſt
du nun tun, Walter?” drängte ſie ihn. „Unſer Haus meiden
— mich verlaſſen?” Ihre Finger umkrampften ſeine Arme, ihr
Leib bebte wie im Fieber. Ein drohendes Leuchten in ihren
unnatürlich großen Augen ..
Sanft löſte er ihre Hände, ſtrich ihr beruhigend über die
heiße Stirn. „Dich verlaſſen? Niemals, Johanna!‟ Er neigte
ſeinen Mund zu ihrem Ohr. „Du mußt vernünftig ſein —
dich in die Lage fügen! So oft wie bisher kann ich nicht zu
euch kommen. Um den Schein zu wahren, unliebſamen Fragen
vorzubeugen, will ich hin und wieder Clemens auch weiter
beſuchen. Und du, Johanna, mußt ſtark und geduldig ſein,
wie unſer Schickſal es fordert. Habe Vertrauen, Liebſte! Alles
wird noch gut!‟ Den Arm um ihre Schulter geſchlungen, ging
er zur Tür, drückte ihr feſt die Hand. „Tapfer ſein, Johanna!”
Kaum hatte ſich die Tür hinter ihm geſchloſſen, da rief die
Klingel des Kranken. Johanna eilte in ihr Zimmer, fuhr ſich
ſchnell mit einem feuchten Tuch über die Augen. „Lache, Bajazzo!”
ging’s durch ihr Herz, während ſie nach dem Krankenzimmer
eilte. Als ſie eintrat, lag wieder die Maske der ewig gleich=
mütigen, freundlichen Miene auf ihrem Antlitz.
Ein Roman aus der Induſtrie
von Hans Dominik
Copyright by Ernſt Keils Nachf., (Aug. Scherl), G.m.b. H., Berlin.
(Nachdruck verboten.)
„Was hatteſt du denn noch ſo lange mit Fortuyn zu
reden?” kam es griesgrämig vom Krankenbett.
Sie fühlte das verſteckte Lauern, das in der Frage lag.
„Tapfer ſein!“ Die letzten Worte Fortuyns klangen in ihr,
gaben ihr die Kraft, frei und natürlich zu antworten. „Wir
ſprachen von dem alljährlichen Sommerfeſt, das die Direktion
veranſtaltet.”
„Ihr ſuchtet wohl ſchon die ſchönſte Toilette aus für dich?"
ſagte Clemens biſſig.
Ohne auf ſeinen anzüglichen Ton einzugehen, erwiderte ſie
heiter: „Ach, leider iſt Doktor Fortuyn in ſolchen Fragen wenig
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zuſammenſein und weiß nachher nicht, was ſie für ein Kleio
an hatte.”
„Na — jedenfalls brennſt du doch darauf, das Feſt
mit=
zumachen?" Clemens war ärgerlich, weil ſie auf ſeinen
Aus=
fall hin ſo ruhig blieb.
„Vorläufig hab’ ich mich noch gar nicht entſchloſſen.” Ein
gleichgültiges Achſelzucken. „Du kannſt ja Kampendonk fragen,
dem ich antwortete, daß meine Teilnahme ungewiß ſei.”
Clemens hielt die Augen geſchloſſen. Sie ſah, wie es in
ſeinem Geſicht arbeitete, wie er nach neuen, verletzenden
Wor=
ten ſuchte. Beide hatten das Klingeln draußen überhört,
merk=
ten erſt auf, als Düſterloh in der Tür erſchien. Nach
flüch=
tiger Begrüßung ließ Johanna ihn mit Clemens allein.
In ihrem Zimmer auf den Diwan hingeſtreckt, lag ſie, die
eine Hand unterm Kopf, die andere auf das klopfende Herz
gepreßt. Immer nur der eine Gedanke in ihr: Was ſoll
wer=
den — wie ſoll das enden? Immer wieder dies Quälen,
Sticheln — und jetzt auch noch Onkel Düſterloh da . . . Ich kann
mir ſchon denken, wie der Heuchler ihn mit ſeinen Anſpielungen
wieder aufputſchen wird; und nachher, wenn er weg iſt, bekomm'
ich’s zu fühlen.
Ihr Blick ging auf die Uhr. Schon über eine halbe
Stunden vergangen . . . Düſterloh noch bei Clemens? Oder
iſt er fort, ohne daß ich ihn gehört habe?
Da klopfte es. Das Mädchen fragte, ob Herr Direktor
Düſterloh die gnädige Frau ſprechen könnte. Johanna nickte.
Düſterloh trat ein. Das Programm, das er ſich für heut
zurechtgelegt hatte, war auf eine neue Melodie abgeſtimmt. Er
nahm Platz, ſchlug mit der Fauſt auf den Tiſch. In
burſchi=
koſem Ton fing er an zu poltern: „Das kann ſo nicht
weiter=
gehn! Ich begreife nicht, wie du das überhaupt aushälſt.
Clemens war unerträglich heute. Ich gab mir alle Mühe, ihn
auf andere Gedanken zu bringen, aber er ließ ja nicht locker ."
Düſterloh ſtockte. Johanna hatte ihm ihr Geſicht zugewandt,
ſah ihn voll an. Wie um ſich größere Sicherheit zu geben,
ſprach er immer lauter. „Er iſt verrückt! Einfach verrückt!
Eine Marotte, von der er nicht loskommt! Ich hab' mir den
Mund fußlig geredet — konnte ihn aber nicht davon
ab=
bringen
„Was meinſt du denn, Onkel Franz?” ſagte Johanna ganz
gleichmütig.
„Ja — hat er denn dir gegenüber davon nichts merken
laſſen? Er hat was gegen Fortuyn. Bildet ſich ein, der wäre
dein Courmacher.”
„Ach, Onkel, du weißt ja, was Clemens ſich alles
ein=
bildet! Ich bin’s nachgerade gewohnt, daß er Grillen fängt.
Gewiß — er hat mir auch damit in den Ohren gelegen. Um
ihn zu beruhigen, hab’ ich Fortuyn gebeten, ſeine Beſuche
ein=
zuſchränken. Gott, Onkel Franz, das iſt ja nur eins von vielen.
Wenn du wüßteſt, was er alles ausſinnt, um ſich und andere
zu quälen".
Düſterloh war aufgeſtanden, trat zu ihr heran. „Ich
ver=
ſtehe nicht, Johanna, wie du dies Leben ertragen kannſt. Ich
bin wirklich beſorgt um dich. Früher oder ſpäter müſſen doch
deine Nerven verſagen. Ja — aber wie ſoll man’s ändern?”
Er ſchien zu überlegen. „Halt — jetzt habe ich’s. Ich nehme
meinen Sommerurlaub ſchon jetzt, und wir machen zuſammen
eine Reiſe".
Johanna deutete nach dem Krankenzimmer. „Und was
wird mit ihm?"
„Um Clemens brauchſt du dich nicht zu ſorgen! Ich werde
ihn ſchon dazu bringen, daß er ſeine Einwilligung gibt. Eine
tüchtige Krankenſchweſter, als Erſatz für dich, iſt bald gefunden.
Vielleicht folgt er auch der Anregung, die ich ihm vorhin gab.
Ich hab' ihm von dem Profeſſor Bocke in Angelfingen erzählt,
Der Mann unterhält da ein Sanatorium für Lungenkranke und
iſt Spezialiſt für Gasvergiftungen. Du weißt, derartiges
paſ=
ſiert ja heute reichlich oft. Clemens wehrte zwar ab, aber
viel=
leicht nimmt er doch mit dieſem Wunderdoktor Fühlung.
Ob’s=
freilich noch hilft? Er hob die Schultern. „Na — ſchaden kann’s
auf keinen Fall! Jedenfalls mußt du ſo oder ſo mal aus der
Miſere hier raus!”
(Fortſetzung folgt.)
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Von Geheimrat Prof. Dr. phil, Dr.=Ing. h. c. Ch. Wiegand, Leiter der Ausgrabungen bei Pergamon.
Vor neuen Pergamon=Ausgrabungen.
Der Berliner Muſeumsdirektor Profeſſor Dr. Ch.
Wiegand, eines der bekannteſten Mitglieder der
Preußiſchen Akademie der Wiſſenſchaften, hat durch
ſeine aufſehenerregenden Ausgrabungen bei
Perga=
mon in den letzten Jahren ein Glanzſtück
wiſſenſchaft=
licher Arbeit geleiſtet, dem das Intereſſe der ganzen
Welt ſich zuwandte. Auch in dieſem Jahre wird
Ge=
heimrat Wiegand die Ausgrabungen bei Pergamon
fortſetzen. Kurz vor ſeiner Abreiſe nach Kleinaſien
nahmen wir noch Gelegenheit, den Gelehrten über die
Siele der neuen Ausgrabungen und das bisher
Er=
reichte zu befragen. Geheimrat Wiegand äußerte ſich
zu unſerem Korreſpondenten darüber folgendermaßen:
Heit der große Pergamon=Altar eine der Hauptzierden
der Berliner Muſeen geworden iſt, hat ſich das Intereſſe für
Dergamon und alle mit den Ausgrabungen
zuſammenhängen-
den Fragen in breiteſten Kreiſen des Publikums bemerkbar
gemacht. Sicher mit Necht, denn das Altertum, das dort
wieder zutage gefördert wird, erſchließt uns das Bild einer
verſunkenen Welt, das auch für uns Heutige noch
lehr=
reich iſt.
Dergamon war im alten Kleinaſien ungefähr das, was
— um ein heutiges Bild zu gebrauchen — uns Wiesbaden
iſt, nur noch in einem viel großartigeren Maßſtabe; denn ein
Cheater, das 30—40 000 Menſchen faßte, und
Wandelhal=
en, die über 1000 Meter lang ſind, hat heute kein deutſches
und auch kein ausländiſches Bad. Die Kenntnis dieſer
ver=
ſunkenen Welt verdanken wir zunächſt dem griechiſchen
Reiſeſchriftſteller Pauſanias.” Schon er hat feſtgeſtellt, daß
Pergamon das große Heiligtum des Heitgottes Asklepios
enthielt, das im 4. Jahrhundert v. Chr. von einem gewiſſen
Ariſtarcos geſtiftet worden war. Dieſer hat ſich in der
Um=
gegend von Pergamon ein Bein gebrochen, und die Heilung
wollte in Dergamon nicht gelingen. Er reiſte deshalb nach
Epidauros in Griechenland, wo ein Heiligtum des Asklepios
weithin berühmt war. Dort wurde er geheilt, und als Dank
dafür führte er den Asklepios=Kult in Pergamon ein.
Wir kennen durch Pauſanias auch die wechſelvollen
Schickſale dieſes Ortes, der ſich zu einem Heilbad ganz großen
Stils im Laufe der Seit entwickelt hatte. Aus ſeinen
Be=
ſchreibungen iſt aber nicht zu entnehmen, wo ſich das
Heilig=
tum und die übrigen Anlagen befunden haben. Dieſe
Kemt=
nis verdanken wir vielmehr dem philoſophiſchen Schriftſteller
Aelius Ariſtides, der um die Mitte des 2. Jahrhunderts nach
Chriſti in Pergamon die Kur gebrauchte. Seine
Aufzeich=
nungen waren derart genau, daß es ſelbſt heute noch möglich
war, den Weg von der Stadt zu dem Heiligtum und dem
Kurbrunnen ganz genau zu verfolgen. Er ſchilderte, wie er
neben dem Staditheater (deſſen Nuinen heute noch
vorhan=
den ſind und das einſt 30—40 000 Beſuchern Naum bot)
durch ein Cor geſchritten ſei — auch dieſes Cor, das ſchon
Pauſanias erwähnt, ſteht heute noch — und in eine rieſen=
hafte Säulenhalle aus blaßrotem Crachytgeſtein eingetreten
ſei. Das war die Wandelhalle, die ſich über einen Kilometer
lang zu dem Heiligtum hinzog und deren Spuren man heute
noch überalt in den Aeckern und Wieſen findet. An ihrem
Ende ſtanden die Propyläen, und im Innern eines großen
Hofes, der mit Statuen geſchmückt war, lag unter einer alten
Platane der Kurbrunnen. Ariſtides erzählt auch, wie er ſich
der Kur unterzogen habe, die — um in heutigen Bildern zu
ſprechen — halb, Kneipps Waſſerkur, halb Selkes Lehmkur
geweſen iſt. Auch von zahlreichen Kurerfolgen, die an das
heutige Marienbad erinnern, weiß er zu berichten. Man
trieb gymnaſtiſche Uebungen, Sport und Jagd, aber auch die
Kurkapelle und ein Varietée fehlten nicht. Alle dieſe
Ein=
richtungen wurden aber vom Cempel des Asklepios
über=
ſchattet, der in ſeiner ganzen Herrlichkeit beſchrieben wird.
Bis vor wenigen Jahren war dies für uns eine völlig
verſunkene Welt. Die Cürken haben auf den Crümmern vor
einer Neihe von Jahren eine Moſchee, eine Kaſerne und ein
Bezirkskommando gebaut, und ſich — da es ſo bequem war
— die Steine dazu von dem Crümmerfelde geholt. Manches
ging verloren dadurch, aber vieles konnte gerettet werden,
als 1928 unſere ſuſtematiſchen Ausgrabungen begannen.
Was wir in den erſten drei Monaten fanden, waren zunächſt
zwei gewaltige Nundbauten. Die quadratiſche Nundfläche
des einen Baues hatte 50 Meter Seitenlänge, die des
zwei=
ten ſogar 60 Meter. Bei dem erſten führte eine- 14 Meter
breite Freitreppe mit 22 Stufen empor zu einer ſechsſäuligen
korinthiſchen, giebelgekrönten Vorhalle, hinter welcher der
eigentliche Cempelraum lag. Dieſer Cempelrqum wies ſieben
Niſchen auf, voön denen die mittelſte (7 Meter breit)
zweifel=
los das Kultbild des Asklepios enthalten hat. Boden und
Wände waren mit Marmor verkleidet, und eine Kuppel von
40 Meter Durchmeſſer (!), die innen ganz mit farbigem
Glasmoſaik ausgelegt war, überwölbte den Naum.
Der zweite, noch größere Nundbau beſteht aus 2
Stock=
werken; das untere zeigt einen kreisrunden Kern, um den ſich
drei konzentriſche Kreiſe von Pfeilern und Mauern ziehen.
Da dieſes Untergeſchoß nur auf der Südſeite eine Neihe von
Fenſtern aufweiſt, die Nordſeite dagegen dunkel iſt und wohl
nur durch Lampen erhellt war, dürfte dies der Platz für die
Inkubationen, für den heiligen Tempelſchlaf, geweſen ſein,
bei dem die gläubigen Patienten die göttlichen
Offenbarun=
gen oder Anweiſungen erwarteten. Der Oberſtock birgt ſechs
halbkreisförmige Kapellen, die von einer rieſigen Kuppel
überdacht wurden. Es iſt vorläufig noch nicht geklärt, ob
man es hier mit einem zweiten Cempel oder einem
Behand=
lungsraum für Kranke zu tun hat.
Unſere Ausgrabungen haben dann 1930 noch eine 126.
Meter lange Wandelhalle ans Cageslicht befördert, welche
zweigeſchoſſig war und aus Marmor beſtand. Es iſt wohl
als ſicher anzunehmen, daß das ganze Bad ringsum von
der=
artigen, ein Nechteck bildenden Säulenhallen umgeben war,
die als Kolonnaden dienten, und eine Umrahmung des Kur=
und Feſtplatzes darſtellten. An der Nordweſtecke machten
wir in einem Verſuchsgraben noch die Entdeckung, daß hier
noch ein großes Cheater verſchüttet liegt (das 4. in
Perga=
mon 19). Löwenfüßige Sitzbänke aus weißem Marmor und
einen Ceil des Marmorfußbodens der Orcheſtra haben wir
ſchon feſtſtellen können, ſodaß es ſich zweifellos um ein großes
Cheater handelt.
Su einem Kurpark, den dieſe Kolonnaden einſchloſſen,
gehört aber auch ein Kurbrunnen, und dieſem ſind wir auf
intereſſante Weiſe auf die Spur gekommen. Wir fanden
nämlich im Untergeſchoß des größeren Nundbaues eine
ge=
heimnisvolle Cür. Sie führte zu einem 80 Meter langen und
5 Meter hohen bzw. breiten Gang, der mit Marmor
aus=
gelegt war. Am Ende des Ganges führte eine Creppe zum
Cageslicht empor, und hier ſprudelte die antike Heilquelle
in verſchwenderiſcher Fülle. Kein Sweifel, daß wir da das
einſtige Becken des Kurbrunnen finden werden, das wir im
vorigen Jahr wegen Eintritt der Winterregenzeit nicht mehr
bergen konnten.
Hier wird in dieſem Jahre unſere Arbeit einſetzen, die
zunächſt dem Kurbrunnen, dann dem Cheater und den
Ko=
lonnaden gelten ſoll. Dann ſoll das ganze Innere dieſes
Bezirks durchforſcht werden, der im vorigen Jahr noch ein
limples=Cabakfeld geweſen iſt. Die Klärung aller Fragen
in archäologiſcher, mediziniſcher und techniſcher Beziehung
wird noch eine Arbeit von etwa 2—5 Jahren ſein.
Die Entdeckung der alten Heilquelle war für die jetzt in
Pergamon lebenden Cürken (annähernd 20000) eine
Sen=
lation. In dieſem Lande bedeutet Waſſer, und vor allem
gutſchmeckendes Waſſer, eine Koſtbarkeit. Es entſtand bald
die Legende, daß dieſes Waſſer für junge Mütter und Kinder
beſonders gut ſei. Und als nun gar ein Kind in den Schacht
fiel und ſich nicht verletzte, ſtieg das Anſehen der Quelle ins
Maßloſe, und ein Wiederaufleben des Asklepios=Kults
er=
ſcheint mir durchaus nicht unwahrſcheinlich, trotzdem jetzt
Mohammedaner die Gegend bevölkern. Die mun einſetzenden
Arbeiten dieſes Jahres verſprechen eine neue, große
Aus=
beute, deren archäologiſche Bedeutung noch gar nicht
abzu=
ſehen iſt.
Baunnngarnnreß
TEHAAEHÄE!
W
Aanne
[ ← ][ ][ → ] Wenn Sie plötzlich Millionär
wurden.
Achtzehn Antworten auf eine nengierige Frage.
Wer von uns hat nicht ſchon im Craum wie im
Wachen ſich ausgemalt, was er tun würde, wenn er
plötzlich Millionär würde? Es ſoll ja manchmal
vor=
kommen, daß einer wirklich Millionär wird, daß
irgendein ausgewanderter Urahn plötzlich einem
nichts=
ahnenden Nachkommen ſo eine kleine runde
Dollar=
million hinterläßt. Aber nur ſelten bekommt man
ſolche Glückspilze wirklich vor die Augen — meiſtens
iſt man auf Vermutungen, was ſie mit dem Gelde
machen, angewieſen. Wir haben deshalb einmal unter
unſeren Seitgenoſſen verſchiedene gefragt, was ſie
machen würden, wenn ſie plötzlich Millionär würden
— hier die Antworten:
Der Arzt:
„Wenn ich Millionär wäre, würde ich dieſe Million und mich
ſelbſt der Erforſchung der ſchlimmſten Geißel der Menſchheit
in geſundheitlicher Hinſicht, der Erforſchung des Krebſes, zur
Verfügung ſtellen. Je mehr Geld dafür da Mt, m ſo mehr
For=
ſcher können, ohne durch materielle Sorgen der eigenen Perſon
abgelenkt z werden, an diefer großen Menſchheitsaufgabe
arbeiten.”
Der Richter:
„Wem ich Millionär wäre, würde ich eine Stiftung machen
für all die, die heimatlos und mittellos aus den Gefängniſſen und
Suchthäuſern kommen. Glaucben Sie mir, immer, wenn ich
ſo=
einen armen Ceufel verurteilen muß, denke ich daran: Was wird
aus dir, wenn du die Strafe verbüßt haſt und wieder in die
Ge=
meinſchaft der Menſchen aufgenommen werden ſollſt? Immer
denke ich, welche ungeheure Verantwortung wir auf uns nehmen,
wenn wir den Verbrecher aus der Welt, in der er nun doch
ein=
mal lebt, herausholen, ihn wurzellos machen, um ihn dann wieder
in die Welt, aber nun wurzellos geworden, hineinzuſtellen? Alles,
was an Fürſorge für die entlaſſenen Sträflinge getan wird, iſt
anerkennenswert — aber wie wenig iſt es im Vergleich zu der
ſeeliſch-körperlichen Not! Hier würde ich eigreifen, wenn ich
Millionär wäre.”
Der Maler:
„Ich würde Stipendien geben an begabte junge Künſtler, aber
Stipendien, die ſchon in der Jugend ausgezahlt werden, damit die
jungen Menſchen reiſen kömen und Gottes Welt in ihrer
uner=
hörten Vielfarbigkeit ſehen. Neiſen, fremde Länder, fremde
Menſchen, iſt das große Erlebnis für jeden Künſtler. Er ſollte
es haben, ſolang er noch jung und umerbraucht iſt. Späterhin
nimmt man doch nur ſich ſelbſt und ſeine Müdigkeit und ſeme
Abhängigkeit von Bequemlichkeit mit.”
Der Schanſpieler:
„Kennen Sie nicht den berühmten (Witz von dem Schauſpieler,
der ein Cheater übernimmt? Kinder”, ſagt er zu ſeinen Kollegen
„Heut’ bin ich noch ein anſtändiger Menſch, morgen bin ich
Cheaterdirektor. Alſo, wem ich Millionär würde, würde ich
erſt mal Cheaterdirektor werden. Dann würde ich einen
Spiel=
plan machen, einen Spielplan — ſoviel Bombenrollen, wie ich
ſpielen würde, gäb’ es gar nicht, und die Dichter müßten erſt
geboren werden, ſie zu ſchreiben. Dann würde ich alle
mißliebi=
gen Kollegen an mein Cheater engagieren, mit ordentlichen Gagen,
Srauenſieg.
Novelle von Knnt Hamſun.
Ich war Straßenbahnſchaffner in Chikago.
Suerſt war ich auf der Halſted-Linie angeſtellt, einer Bahn
zwiſchen Stadtzentrum und Viehmarkt. Wir vom Nachtdienſt
waren alles andere eher als geſchützt auf dieſer Limie wegen all
der fragwürdigen Leute, die den Weg zur Nachtzeit paſſierten.
Wir durften auf niemand ſchießen und wiemand töten, weil die
Straßenbahngeſellſchaft gegebenenfalls erſatzpflichtig war; ich
meinesteils hatte auch keinen Nevolver und mußte darum meinem
Stern vertrauen. Uebrigens, ganz wehrlos iſt man ſelten: So
hatte ich den Schwengel der Bremſe, der ſich im Nu abnehmen
ließ und ein treffliches Hilfsmittel abgab. Das heißt, mehr als
einmal habe ich ſeiner nicht bedurft.
So ſtand ich alle Weihnachtsnächte hintereinander auf meinem
Straßenbahnwagen, ohne daß etwas vorgefallen wäre. Es kam
ein großer Crupp Irländer vom Viehmarkt her und befrachtete
meinen Wagen ganz und gar; ſie waren beſoffen und hatten
Fla=
ſchen bei ſich, gröhlten nach Noten und wollten nicht recht ans
Hahlen heran, trotzdem wir ſchon angefangen hatten zu fahren.
Sie hätten der Geſellſchaft nun wieder ein ganzes Jahr lang,
abends und morgens, fünf Cents gezahlt, ſagten ſie, und nun ſei
Weihnachten, und da wollten ſie einmal nicht zahlen. Sie war
gar nicht ſo unſinnig, dieſe Auffaſſung; aber ſie frei durchzulaſſen,
wagte ich nicht, aus Furcht vor den „Spionen”", die im Dienſte
der Geſellſchaft ſtanden und über die Ehrlichkeit der Schaffner
zu wachen hatten.
Sur nächſten Weſhnacht war ich auf die Cottage=Linie
ge=
kommen. Das war eim großartiger Wechſel. Ich hatte jetzt einen
Sug von zwei, manchmal drei Wagen; das Publikum in dieſem
Stadtteil war vornehm, und ich mußte meine Fünfer in
Hand=
ſchuhen einſammem. Sum Erſatz fehlte hier alle Spannung, und
man wurde es bald mide, die Villenmenſchen anzuſehen und
an=
zuhören.
Ein kleines Erlebnis war mir dann doch vorbehalten:
Am Heiligen Abend fuhr ich=am Vormittag meinen Wagen
hur Stadt hineim, ich hatte damals Cagesdienft. Ein Herr ſteigt
verſteht ſich — aber zu ſpielen würden ſie nichts kriegen, michts
— was mir nicht beliebte. Auch würde ich einen Seitungskonzern
gründen, wo an Stelle des politiſchen Leitartikels
Cheaternach=
richten ſtänden. Und, und — aber ich fürchte, daß ich ſchließlich
mit eier Million bald pleite ſein würde.”
Der Cheaterdirektor:
„Wenn ich Millionär wäre, hätte, das für mich nur einen
Sinn, wenn ich gleichzeitig ein großer Schauſpieler wäre. Dann
würde ich nur Star ſein wollen — Star mit allen Launen, allen
Capricen, allem Durcheinanderbringen von Spielplänen, Kollegen,
Dispoſitionen, Konventionalſtrafen, denn ich könnte es mir ja
leiſten. Und dann würde ich mir ein Privattheater einrichten, wo
ich alles proben könnte, von rechts bis links, und alle Strömungen
der Seit einfangen, ohne daß mich irgendeiner hindern könnte.
Und Landtag und Reichstag und Stadt und Stadtväter und
Miniſter und Kritiker könnten mich — er=,götzen”.”
Der Cechniker:
„Wenn ich Millionär wäre, würde ich endlich meie neue
große Erfindung für die Verbeſſerung der Flugzeugmotoren in
die Praxis umſetzen. Ahnen Sie, was es heißt, eine Erfindung
zu machen, in ſchlafloſen Nächten ſie durchzudenken, ſie
durchzu=
konſtruieren, immer wieder, immer wieder; das Modell
auszu=
probieren, zu beſſern, zu verwerfen, wieder neu zu formen? Zu
wiſſen, daß der große Wurf gelungen iſt — und nicht das Geld
zu haben, wirklich zu bauen, wirklich Verſuche mit dem
lebendi=
gen Modell zu machen, weil das elende Geld fehlt? Wiſſen Sie,
was das heißt, Monat für Monat dazuſitzen in der Angſt, ei
anderer, Glücklicherer würde einem zuvorkommen; herumzulaufen
von Pontius zu Pilatus und niemanden zu finden, der die Sdee
finanziert. Ja, wem ich Millionär würde —
Die kleine Verkäuferin:
Wenn ich Millionär wäre, möchte ich entweder Mannegum
bei Redfern oder Patou ſein oder eie große Lebedame oder ein
Stern in Hollywood — ein Vamp am liebſten. Aber ich fürchte,
dort imponiert eine lumpige Million noch nicht ſehr. Vielleicht:
bleibe ich doch lieber große Dame hier — und dann will ich bei
der Chefin zur Modenſchau erſcheien — und kein Kleid wird
mir gut geng ſein, und jedes zu teuer. Platzen ſoll ſie.”
Der Sehnjährige:
Wem ich Milſionär wäre, würde ich mit eier Bande
Cun-
gens auswandern, übers große Waſſer, nach Amerika, wo noch
Indianer ſind. Wir würden von den Nothäuten ein großes Stück
Land pachten und ein paar Squaws daz, und würden genan ſo
leben wie Winnetou, der rote Gentleman — mr aufs Skalpieren
lege ich keinen Wert.”
Die Mutter:
„Wen ich Millionär wäre, würde ich beftimt das Gebd für
Kinderheime ausgeben, für Kinder, die in Not, in Angſt, unter
Mißhandlungen aufwachſen. Nichts iſt für eme Mutter
furcht=
barer als der Gedanke, daß Kinder in Kummer, Elend, Verkom=
menheit aufwachſen. Aber ich weiß, das Unglück auf der Welt
iſt ſo groß, daß meine Million mr einen Cropfen auf den heißen
Stei bedeutet. Aber — wem man auch nur ein Kinderherz
ruhig und glücklich machen kam, ſchon das iſt Glück für einen
ſelbſt.”
Die Politikerin:
„Ich würde eine Million ausſetzen der Partei, weiche die
Ab=
geordnetenſitze an die Männer und Frauen gleich gerecht verteilt.
Jetzt iſt es doch ſo, daß die Frauen, obwohl ſie die Mehrzahl der
Wählerimen darſtellen, mr mit einem Bruchteil an der Beſetzung
der Abgeordnetenpoſten beteiligt ſind. Sie ſollten eimmal ſehen,
auf und fängt ein kleines Geſpräch mit mir an; mußte ich in den
Wagen hinem, ſo wartete er, bis ich auf die hinterſte Plattform,
wo mein Platz war, zurückkam, und nahm das Geſpräch wieder
auf. Er war um dreißig herum, blaß, trug einen Schmrrbart
und war ſehr vornehm gekleidet, aber ohne Ueberrock, trotzdem
es ziemlich kalt war.
Ich bin von zu Hauſe fortgefahren, wie ich ging und ſtand,
ſagte er. Ich wollte meiner Frau zuvorkommen.
Weihnachtsgeſchenke, bemerkte ich.
Ganz rechtl antwortete er und lächelte.
Es war aber ein ganz ſeltſames Lächeln, eine Grmaſſe mit
dem Munde, ein nervöſes Feixen.
Wieviel verdienen Sie? fragte er.
Es iſt das keine ungewöhnliche Frage im Yankeelande, und ich
gab alſo an, wieviel ich verdiente.
Wollen Sie zehn Dollar extra verdienen? fragte er.
Ich ſagte: Ja.
Er nahm ſeine Brieftaſche heraus und reichte mir ohne
wei=
teres die Banknote. Er bemerkte, er habe Vertrauen zu mir.
Was ſoll ich tun? fragte ich.
Er verlangte, meinen Seitplan zu ſehen und ſagte: Sie fahren
heute acht Stunden?
Ja.
Auf einer Ihrer Couren ſollen Sie mir einen Dienſt leiſten.
Hier an der Ecke der Monroeſtraße kommen wir über einen
Schacht, der zu dem unterirdiſchen Kabel himmterführt. Es iſt
ein DDeckel über dem Schacht; dieſen Deckel hebe ich ab und ſteige
hinunter.
Sie wollen ſich das Leben nehmen?
Nicht ganz. Aber ſo tun will ich.
Aha!
Sie ſollen Ihren Wagen anhalten und mich ans dem Loch
herausſchaffen, auch wenn ich Widerſtand leiſte.
Das ſoll geſchehen.
Ich danke Ihnen. Ich bin übrigens micht geiſteskrank, wie
Sie vielleicht annehmen. Ich tue das alles memer Frau wegen;
ſie ſoll ſehen, daß ich mir habe das Leben nehmen wollen.
Ja. Sie wird in „Che grip” ſitzen.
wie ſchnell die Parteien zr gerechten Verteilung kommen
wür=
den, wenn die Million winkt. Ich glaube, es gäbe gar nicht ſo
viel Millionen, wie man verteilen müßte — und es würde dann
nicht lange dauern, bis auch all die Geſetze geändert wären, die
trotz der auf dem Papier ſtehenden Gleichberechtigung die Frauen
doch noch benachteiligen.”
Die Klavierlehrerin:
„Wenn ich Millionär wäre, würde ich eine Propaganda
zu=
gunſten der Muſikwelt machen, die jetzt durch Nadio und
Gram=
mophon verdrängt iſt. Sugegeben, daß früher viel Dilettantismus
in der Muſik war, aber ebenſo muß doch zugegeben werden, daß
gerade in Deutſchland die gute Hausmuſik in hoher Blüte ſtand.
Sie ſchwindet mehr und mehr, und damit die wirtſchaftliche Baſis,
auf der ich mit meien Kollegen ſtehe. Aber — wenn ich wirklich
Millionär wäre — wäre mir das vielleicht nicht ganz leicht?”
Der Ueberſeedentſche:
„Wem ich Millionär wäre, ich würde wieder hinausgehen
und draußen leben, draußen neu beginnen wollen; ganz fern von
Europa, fern von Jazz und dem, was man Siviliſation nennt,
ganz neues Land entdecken, erforſchen, mit allen Gefahren, allen
Kämpfen und allen Saubern, die keiner kennt, der nicht auf
Forſchungsreiſen durch neue Welten gegangen iſt.”
Der Angeſtellte:
„Wem ich Millionär wäre, würde ich alle Cage ſo leben,
wie ich am Sonntag lebe: auf meinem Paddelboot fahren,
Mo=
torrad fahren, meinen Abendſkat haben und mein Nadio:
Sonn=
tags mal einen guten Cropfen, aber ſelten; die Kinder was
ordentliches lernen laſſen; vergnügt ſein; daß die Gasrechnug
oder eine kaputte Hoſe kein Weltunglück bedeuten; mal em Buch
leſen, mal ſchwofen gehen — aber alles hübſch gemütlich. Und
richtig, meinem Vorgeſetzten mal auf den Kopf ſpucken, aber
richtig und wirklich.”
Der Sportfex:
Wem ich Millionär wäre, würde ich in jeder Stadt einen
erſtklaſſigen Golfplatz einrichten, denn man kann ja vie wiſſen,
ob und wo man eine Autopanne hat, und ſchnell, um die Seit zu
vertreiben, ein paar Bälle ſchlagen will.”
Die Schneiderin:
Wem ich Millionär wäre, hätte ich ein paar ſehr geſchickte
DDetektivzeichner, die ſich bei der Konkurrenzfirma einſchmuggeln
und die neueſten Modelle, die noch nicht vorgeführt werden,
heimlich kopieren müßten. Einen Cag vor der Konkurrenz käme
ich dann mit meiner Modenſchau — was meinen Sie, wie lange
es da wr bei meiner einen Million bleiben würde?"
Die Hausangeſtellte:
„Wenn ich Millionär würde, würde ich an einem Cage
hinter=
einander das ganze Geſchirr im Eßmmer und in der Küche
zer=
töppern und mich an dem Geſicht der Gnädigen erfreuen. Und
dann würde ich mir ein eigenes Haus einrichten und viele
Dienſt=
boten halten, die würde ich ſchön exerzieren — wie man das
macht, habe ich ja dei meinen verſchiedenen Snädigen zur Genüge
gelernt.”
Das Kiud:
„Wem ich Millionär wäre, würde ich mir mr alie acht Cage
den Hals und die Ohren waſchen.”
Der Millionär:
„Was hätt ich ſchon davon, wenn ich Millionär wäre?”
Ich ſtutzte. Che grip war der Wagen, auf dem der Führer
ſtand und lenkte; er war offen und ohne Wände, es war halt
darin während des Winters, und niemand ſetzte ſich dann hinein.
Sie wird in Che grip fahren, wiederholte der Mam. Sie hat
es in einem Brief an ihren Liebhaber verſprochen, heute darin
zu fahren und ihm ein Seichen zu geben, wenn ſie kommt. Ich
habe den Brief geleſen.
Noch eins: Wie können Sie wiſſen, welchen Sug Ihre Frau
benutzt?
Darüber bekomme ich telephoniſch Nachricht. Ich habe
Leute, die ihre Schritte lenken. Meine Fran wird ein braunes
Pelzkoſtüm tragen; Sie können ſie leicht erkennen — ſie iſt ſehr
ſchön. Wenn ſie ohymächtig werden ſollte, ſo ſchaffen Sie ſie in
die Apotheke an der Monroeecke.
Ich fragte:
Haben Sie auch mit meinem Führer geſprochen?
Ja, ſagte der Mann. Und ich habe ihm die gleiche Summe
gegeben wie Ihnen. Aber ich will nicht, daß Ihr zwei miteinander
ſpaßen ſollt über die Sache. Ihr ſollt gar nicht davon reden.
Sie poſtieren ſich auf Che grip, wenn Sie ſich der
Monroe=
ſtraße nähern, und halten gut Ausguck. Sehen Sie meinen Kopf
über dem Schacht, ſo geben Sie das Haltezeichen, und der Sug
komt zum Stehen. Der Führer wird Ihnen helfen, mich zu
übermannen und aus dem Schacht hervorzuziehen, wenn ich auch
behaupte, ſterben zu wollen.
Wir ſprachen noch von dieſem und jenem; der Mann fuhr bis
zur Endſtation mit, und als mein Sug umkehrte, fuhr auch er mit
zurück.
An der Ecke der Monroeſtraße ſagte er:
Da iſt die Apotheke, in die Sie meine Frau bringen ſollen,
wenn ſie ohnmächtig wird.
Dann ſprang er ab.
Ich war um zehn Dollar reicher;/ Gott ſei Dank, es gab doch
auch glückliche Cage im Leben! Den ganzen Winter hatte ich
mich über Bruſt und Nücken mit einer Schicht Seitungen wattiert
gegen den ſchneidenden Wind; bei jeder Bewegung kmarrte ich
in der unangenehmſten Weiſe, und die Kameraden hatten ihren
Spaß mit mir. Nun ſollte es unter anderem zu einer Pelzweſte
von wunderdarer Dichte reichen! Wem die Kameraden des
Mit guten Natſchlägen iſt
Brüning verſehen!
Briefe an den Reichskanzler zum bevorſtehenden Beſuch
der engliſchen Staatsmänner.
möchten uns erlauben, Ihnen eine Brüning—Macdonald=
Sigarette vorzuſchlagen . . ." — „Laſſen Sie ſich nicht wieder
einſeifen!” — „Mit der Bezahlerei geht das überhaupt nicht
mehr!” — „Eine gemeinſame deutſch=engliſche Kriegsflotte!”
Der bevorſtehende Beſuch Macdonalds und
Hender=
ſons in Berlin hat wieder zahlreiche Leute auf den Plan
gerufen, etwas zu Deutſchlands Nettung zu tun. Wie ſich
verſchiedene Privatleute mit Villen am Wannſee darum
geriſſen haben, den beiden engliſchen Staatsmännern ihre
Villen zur Verfügung zu ſtellen, ſo haben ſich ſehr viele
Landsleute brieflich an den Herrn Reichskanzler gewandt,
um ihm Vorſchläge für das deutſche „Chequers” zu
machen. — Unſer Berliner Stg.=Mitarbeiter gibt im
Nachfolgenden eine kleine Blütenleſe ſolcher „Vorſchläge‟
wieder.
Es geht waſchkorbweiſe mit jeder Poſt. Es geht jedesmal
waſchkorbweiſe, ſobald irgend etwas Wichtiges bevorſteht. Denn
es gibt viele „Politiker” in Deutſchland, die mit ihren Ideen den
Herrn Neichskanzler unbedingt befruchten wollen. In ſolcher
des Reiches Steuermann ſie alle ſelber leſen wollte, käme er nie
dazu, den politiſchen Kurs abzuſetzen und ein ordentliches Beſteck
zu machen.
Viele von dieſen Suſchriften ſind gut gemeint, viele bösartig.
Jede iſt auf jeden Sall eine ſchwere Belaſtung des ganzen
Ge=
ſchäftsbetriebes, denn jeder Briefſchreiber, wenn er auch im
guten Glauben ſchreibt, ſollte ſich eigentlich ſagen, daß vermutlich
auch berufene Köpfe auf gleiche Gedanken von gleicher Güte und
vielleicht ſogar noch beſſere kommen werden.
Dem Sinne nach vernünftig, wenn auch nicht unbedingt
ori=
ginell iſt es zum Beiſpiel, wenn jemand ſchreibt: „Sohr geehrter
Herr Neichskanzler! Su dem bevorſtehenden Beſuch der
eng=
liſchen Miniſter möchte ich Sie ganz beſonders auf die
Bedeu=
tung der Kolonien für Deutſchland hinweiſen. Unſere ganze
Arbeitsloſigkeit wäre mit einem Schlage vorüber, wenn dem Neiche
zum mindeſten die afrikaniſchen Beſitzungen zurückgegeben werden
würden. Im Namen vieler Deutſcher erſuche ich Sie, die
kom=
mende Gelegenheit unbedingt beim Schopfe zu erfaſſen. Laſſen
Sie die engliſchen Herren nicht eher wieder fort, als bis ſie Ihrer
Forderung zugeſtimmt haben. Ein bißchen gut Sureden und
Handeln — das ſage ich Ihnen als Geſchäftsmann — hat noch
nie ſeine Wirkung verfehlt.
Ein anderer, der Conart ſeines Briefes nach zu urteilen ein
Berliner, drückt ſich bedeutend derber aus: Mit der Bezahlerei
geht das überhaupt nicht mehr. Erzählen Sie man den Herren
meinen Fall als Exemplo: Bei mir kommt der Gerichtsvollzieher
nicht bloß jede Woche einmal, ſondern jeden Cag, und meine
Frau und mein Sohn Emil haben ſchon den leibhaftigen
Vor=
ſchlag gemacht, daß wir dem Gerichtsvollzieher ein Schlafzimmer
bei uns einrichten wollen, daß er es nicht immer ſo weit zu uns
hat. Sie können verſichert ſein, hochzuverehrender Herr
Neichs=
kanzler, wenn Sie das die Herren aus England und Huwern
(gemeint iſt wohl Hoover. D. Ned.) erzählen, werden Sie im Nu
alle Schulden für Deutſchland ſtreichen, weil ſie bei das Elend
einfach weinen müſſen
HImmf
Verblüffend und neuartig iſt ein anderer Vorſchlag, vielleicht
ſogar — das Ei des Kolumbus: „Wenn die Engländer kommen,
müſſen Sie ſagen, Deutſchland und England möchten hinfort eine
gemeinſame Kriegsflotte haben, und wir machen
ge=
meinſame deutſch=engliſche Fahnen und zahlen zu Jahne und
Kriegsflotte zu, und ſind ſtark wie noch nie!”
Aus dem Briefe einer Frau, die viel im Ausland gelebt hat,
erfährt Brüning die volle Wahrheit: „Laſſen Sie ſich nicht
wie=
der einſeifen, wie unſer Vaterland vor dem Weltkrieg eingeſeift
worden iſt. Ich als Frau, die viel in der Welt herumgekommen
iſt, habe mancherlei gehört, was ſo geſprochen wird, und ich habe
mir daraus eine gute Meinung bilden können. Erſt kürzlich habe
ich von meinen Freunden aus New York erfahren, daß zum
Bei=
ſpiel die ganze amerikaniſche Moratoriums=Angelegenheit nichts
weiter iſt, als ein aufgelegter Börſenſchwindel. Und ſo, wie das
Moratorium lediglich für Herrn Pierpont Morgan Gewinne
abwirft, ſo wird auch der britiſche hohe Beſuch nebſt allen
Su=
ſicherungen, die auf dem Papier gemacht werden, nichts weiter
ſein, als ein Vorteil, den nur zu gut bekannte britiſche Kreiſe
auf Koſten Deutſchlands zu erzielen ſuchen. Laſſen Sie ſich nicht
einſeifen, Herr Reichskanzler, ſage ich nochmals, und geben Sie
bitte diesmal ganz beſonders acht! Ein ganzes Volk lenkt ſein
Auge auf Sie!”
Natürlich fehlen auch nicht allerlei geſchäftliche Vorſchläge
und „Anregungen”. So verſpricht ſich eine Großhändlerfirma
folgendes: „Da, wie wir glauben, der Beſuch der engliſchen
Miniſter in Deutſchland nicht ganz unbemerkt bleiben dürfte,
möchte ſich die Schaffung einer beſonderen Beſuchs=Sigarrette
und =Sigarre empfehlen. Wir können ohne große Schwierigkeit
einen bei uns lagernden Poſten entſprechend etikettieren, wenn
wir Ihre Genehmigung bekommen, und würden wir die Sigarren
und Sigaretten dann „Brüning=Macdonald=Sigaretten” bzw.
„Brüning=Henderſon=Sigarren nennen. Selbſwerſtändlich würde
es uns zur beſonderen Ehre gereichen, wenn der Herr
Neichs=
kanzler 10 Mille ,Brüning=Macdonald=Sigaretten' und 10 Kiſten
„Brüning=Henderſon=Sigarren” als Beſuchsrauchwaren anbieten
laſſen würden, und bitten wir für koſtenloſe Lieferung lediglich
um telephoniſchen Anruf unter . . .
Ebenfalls geſchäftstüchtig zeigt ſich eine Sportartikelfirma:
„Im Hinblick auf den bevorſtehenden geehrten Beſuch aus
Eng=
land glauben wir, Ihre Aufmerkſamkeit auf die
Lebensgewohn-
heiten der zureiſenden Herren lenken zu müſſen. Da zumindeſt
der eine der Herren Miniſter, ſicherlich aber auch noch eine ganze
Anzahl Herren des Gefolgs auf der Innehaltung ihres
morgend=
lichen Golfſports beſtehen werden, erlauben wir uns, Ihnen
eine Preisliſte der entſprechenden Sportgeräte nachſtehend zu
behändigen. Wir würden die Geräte zu Nettopreiſen liefern
können und uns ſogar zu einem Nabatt von 25 Proz. verſtehen,
wenn bei den Verlautbarungen ſeitens Ihres Bureaus die Preſſe
ſo informiert würde, daß unſer Name dabei genannt wird . . ."
Ein Kapitel für ſich nehmen die Einladungen zu privaten
Ver=
anſtaltungen und Beſichtigungen ein. So erbieten ſich zahlreiche
Liedertafeln, am Bahnhof, unterwegs bei der feierlichen
Ein=
holung, ſowie vor der Neichskanzlei oder der Wohmung der
bri=
tiſchen Gäſte zu ſingen, und ganz naiv ſchreibt ein Vorſtand:
„Wir ſtehen nicht an, die Macht des Liedes als einen beſonders
wirkſamen Faktor für die Politik zu empfehlen. Es kamn kein
Sweifel ſein, daß auch das härteſte Gemüt ſchmelzen muß, wenn
es Lieder hört, die aus der Ciefe der deutſchen Volksſeele
quellen..
Ein anderer Männerchor bittet gleichzeitig um Angabe, ob
die Abſingung von „God ſave the King” erwünſcht wäre —
Ein reicher Kleinhändler, der offenbar ſein Glück mit —
Bismarckheringen gemacht hat, bittet um die Ehre, die engliſchen
Gäſte bei ſich zu begrüßen und bewirten zu dürfen, — „da ich eine
große Sammlung von Herings — Spezialitäten habe, wird ein
Beſuch meines „Muſeums” — wie ich es wohl ohne
Uebertrei=
bung nennen darf — ſicherlich äußerſt anregend auf die Herren
wirken!"
Alſo, — was kann uns noch paſſieren: Mit den beſten
Nat=
ſchlägen iſt Brüning jedenfalls verſehen!!
Schwimmunterricht ohne Lehrer.
Von Dr. Hein; Franzmeyer.
Jeder Deutſche ein Schwimmer! Seit
Jahr=
zehnten ertönt, immer eindringlich wiederholt, dieſer Nuf; aber
wie weit ſind wir noch von der Erfüllung dieſer Forderung
ent=
fernt! Bedarf ſie einer Begründung? Die furchtbare Feſtſtellung,
daß noch immer in Deutſchland der naſſe Cod mehr als 6000 Cote
jährlich erfordert, beantwortet dieſe Frage hinreichend. Daß noch
vor einem Menſchenalter vur etwa jeder dreiunddreißigſte des
Schwimmens kundig war, und heute bereits — jeder zwanzigſte,
iſt ein höchſt magerer Croſt, ſelbſt im Hinblick darauf, daß der im
faſt allen Schulen eingeführte Schwimmunterricht dieſen
Hundert=
ſatz ſchon in naher Sukunft noch erheblich verbeſſern dürfte. Es
darf kein Nuhen und Naſten geben, ehe es nar mehr ebenſowenig
Nichtſchwimmer wie Analphabeten gibt!
Wer nicht ſchwimmen kann und zum Lernen zu bequem iſt,
pflegt wenigſtens einige Ausreden ſchnell zur Hand zu haben. Su
den beliebteſten gehört auch die, daß es am Ort an einem Lehrer
fehlt. Stichhaltig iſt ſelbſt dieſer Einwand nicht. Es geht auch
ohne Lehrer, wenn nur der erforderliche Wille vorhanden iſt.
Doch ehe wir ſchildern, wie man in ſolchem Falle am beſten
ver=
fährt, ſeien erſt einige allgemeine Natſchläge von Wichtigkeit
gegeben.
Daß man nicht erhitzt ins Waſſer geht, ſondern den Körper.
vorher langſam und ordentlich abkühlt, dürfte wohl jeder wiſſen.
Daß aber auch die Cemperatur des Waſſers vom Badenden
beachtet werden ſollte, wird vielfach zum Nachteil der Geſundheit
überſehen. Als empfehlenswerteſte Waſſertemperatur für
Schwimmer ſind 18 Grad Celſius anzuſehen. Das haben Verſuche
ergeben, die den Gewichtsverluſt des Körpers nach einem 400-
Meter=Schwimmen bei gleicher Geſchwindigkeit in verſchieden
warmem Waſſer feſtſtellten. Die Einbußen des Körpergewichts
betrugen bei:
20 Grad 500 Gramm,
17 Grad 160 Gramm,
24 Grad 420 Gramm,
12 Grad 550 Gramm,
18 Grad 150 Gramm,
9 Grad 850 Gramm.
Auf Schwimmer, die an dieſe in unſeren Bädern eingeführte
Waſſertemperatur von 18 Grad gewöhnt ſind, wirkt Waſſer von
höherer Cemperatur leicht ermüdend; es beeinträchtigt
infolge-
deſſen auch ihre Leiſtungen. Das iſt die Erklärung für die
Nie=
derlage bewährter deutſcher Schwimmer bei Wettkämpfen im
Auslande, z. B. gegen die Ungarn, da ſie in dem warmen Waſſer
der Budapeſter Bäder ſtarten mußten. Umgekehrt fühlen die
Ungarn ſich ſtets benachteiligt, wenn ſie in unſerem, für ſie
un=
gewohnt kühlen Bädern ſchwammen.
Beim Schwimmen unterſcheidet man verſchiedene Arten des
Schwimmens: Den Bruſt=, Rücken=, Seiten= und Kraulſtil.
„Kannſt du kraulen?” So wird in Schwimmerkreiſen recht oft
gefragt. Hätte man vor dreißig Jahren dieſe Frage geſtellt, ſo.
würde ſie wohl kaum jemand verſtanden, ſicherlich aber nicht mit
einem Ja beantwortet haben. Heute iſt dieſe Schwimmart, mit
der die größten Schnelligkeiten erreicht werden, ſo verbreitet, daß
jeder Schwimmer von Namen ſie beherrſcht. Naturſchwimmer
zeigen ſehr oft Schwimmbewegungen, die ſtark an das
Schwim=
men von Hunden erinnern, die ins Waſſer geworfen wurden.
Kraulen iſt eigentlich nichts anderes, als ſolch ein „Hundeln”,
nächſtemal kämen und ſich an mich heranmachten, um mich zu hören,
wie ich knarrte, ſo würde ich es nicht dulden . . .
Ich machte zwei, ich machte drei Couren zur Stadt; nichts
geſchieht. Als ich eben zum vierten Male von der Cottageſtation
abfahren wollte, ſteigt eine junge Dame auf und nahm Platz in
Che grip. Sie trug ein braunes Pelzkoſtüm. Als ich zu ihr nach
vorne kam und ihre Sahlung in Empfang nahm, ſah ſie mich mit
dem ganzen Geſicht an. Sie war ſehr jung und ſchön; die Augen
tief unſchuldig und blau.
Wir rollten der Stadt zu.
Von meiner Plattform bemerkte ich, daß der Führer plötzlich
mit der Dame zu ſprechen begann. Was konnte er ihr zu ſagen
haben? Es war ihm außerdem nicht geſtattet, ſich während des
Dienſtes mit den Paſſagieren zu unterhalten. Su meier großen
Verwunderung ſehe ich, daß die Dame ſich ſogar einen Platz
näher an das Fenſter heranſetzt, und da ſteht er nun an ſeiner
Maſchine und hört geſpannt zu, was ſie ſagt.
Weiter rollen wir in die Stadt hinein, halten an und laſſen
Leute einſteigen, halten an und ſetzten Leute ab — alles geht
ſeinen Gang. Wir nähern uns der Monroeſtraße. Ich denke bei
mir: der exzentriſche junge Mann hat ſich ſeine Stelle klug
aus=
geſucht, die Monroeecke iſt eine ſtille Ecke, wo man ihn kaum
ſtören wird beim Hinabſteigen in den Schacht. Und ich denke
weiter, daß ich dann und wann die Leute der
Straßenbahngeſell=
ſchaft in dieſen Schächten habe ſtehen und ausbeſſern ſehen, was
da unten in Unordnung geraten ſein mochte. Aber ſollte es
ein=
mal einem Arbeiter einfallen, in dem Loch ſtehen zu bleiben, wenn
der Sug darüber fuhr, er würde ſchlecht und recht um mehrere
Soll kürzer werden; die Gabel, die von Che grip aus zu dem
Kabel hinabführte, würde ſeinen Kopf vom Halſe trennen. Da
Aonroe die nächſte Straße war, ging ich nach vorn auf den
Che grip.
Weder der Führer noch die Dame ſprachen jetzt. Das letzte,
was ich bemerkte, war, daß der Führer mickte, als ſei er mit ſich
über etwas ins reine gekommen; dann ſtarrte er geradeaus und
führ mit voller Geſchwindigkeit drauf zu. Und es war doch der
große Pat, der Irländer, den ich als Führer hatte. „Slack her
abit”, ſagte ich im Jargon zu dem Führer. Das heißt: Fahr‟
en diſchen fochter. Ich jah nämtich einen ſchwarzen Pukt mit=
ten auf dem Geleiſe; es konnte ein Menſchenkopf ſein, der aus
dem Boden herausragte.
beſorgt eines möglichen Unglücks wegen, dachte ich: was wird ſie
Der große Pat jedoch verlangſamte die Fahrt nicht. Ich
Burſche, der in ſeinem Loche ſtand, das Geſicht uns zugekehrt.
Da ſetzte ich die Pfeife an den Mund und ließ ein ſtarkes
Halte=
ſignal ertönen; Pat fuhr mit gleicher Geſchwindigkeit; in einer auf einem Wagentritt und ruft mich an. Es war der große Pat.
Glocke, ſie läutete, und dann ſprang ich nach vorn und ergriff die Kleidern und hatte ſich den Bart abnehmen laſſen.
Bremſe. Doch es war zu ſpät, kreiſchend fuhr der Sug über den
Schacht, bevor er zum Stehen kam.
Ich ſprang ab; ich war verſtört und beſann mich nur darauf,
daß ich einen Mann angreifen ſollte, der Widerſtand leiſten
würde. Aber ich beſtieg gleich wieder Che grip und hatte
über=
haupt an keinem Fleck Nuhe. Auch der Führer war wie verſtört,
er fragte ohne Sinn und Verſtand, ob Leute in dem Schacht
geweſen ſeien, und wie es habe kommen können, daß er nicht
an=
hielt. Die junge Dame rief: Fürchterlich! Fürchterlich! Ihr
Geſicht war blutlos, und krampfhaft hielt ſie ſich am Sitze feſt.
Aber ſie wurde nicht ohmmächtig, und kurz darauf ſtieg ſie ab
und ging ihrer Wege.
Es ſammelten ſich viele Leute an; wir fanden den Kopf des
Verunglückten unter dem hinterſten Wagen; ſein Leib ſtand noch
in dem Schacht. Die Gabel der Maſchine hatte ihn unter dem
Kinn erfaßt und ſeinen Kopf mitgeriſſen. Wir ſchafften den Coten Ja, adieu, ſagte Pat. Hör' mal, wieviel haſt dn von dem
vom Geleiſe weg; es kam ein Konſtabler hinzu, der ihn
fortbrin=
gen ſollte. Der Konſtabler ſchrieb auch viele Namen auf, und
mir konnten alle Paſſagiere bezeugen, daß ich geläutet und
gepfiffen hatte. Uebrigens hatten wir Straßenbahnleute ſelbſt
unſerem Bureau Napport zu erſtatten. Der große Pat bat mich
um ein Meſſer. Das Meſſer müſſe ich ihm überlaſſen, ſagte er,
knöpfe abſchneiden.
Damit ging er.
Es war nichts zu machen, ich mußte ſelbſt zur Station fahren;
es ſtanden jetzt mehrere Süge hinter mir, die nur darauf warte=
Ich ſah mir auch die Dame an, ſie hatte die Augen auf den= ten, daß ich von der Stelle komme. Und da ich von früher ein
ſelben Punkt geheftet und griff hart an ihren Sitz. Schon iſt ſie bißchen Uebung mit der Maſchine hatte, lief es ohne Unfall ab.
*
tun, wenn ſie ſieht, daß es ihr eigener Mann iſt, der ſterben will. Eines Abends zwiſchen Weihnachten und Neujahr war ich
dienſtfrei und ſchlenderte durch die Stadt. Als ich an einen
rief ihm zu, es ſeien Menſchen in dem Baſſin — keine Aende= Bahnhof kam, trat ich einen Augenblick ein, um mir den
gewal=
rung. Wir ſahen jetzt deutlich den Kopf; es war der tolle junge tigen Verkehr da drimen anzuſehen. Ich ging ganz bis auf einen
der Perrons hinaus und ſchaute mir einen Sug an, der abfahren
ſollte. Plötzlich ertönt mein Name; ein lächelnder Mann ſteht
Viertelminute mußte ein Unglück geſchehen. Ich ſchlug an die Es dauerte eine Weile, bis ich ihn erkannte; er ſteckte in feinen
Mir entfuhr ein kleiner, erſtaunter Schrei.
Pſt, nicht ſo laut! Wie iſt die Affäre eigentlich abgelaufen?
fragte Pat.
Wir ſind vernommen worden. Man ſucht dich.
Pat ſagte:
Ich reiſe in den Weſten. Was hat man hier vom Leben?
Ich nehme mir ein Land, ich werde Farmer. Verſteht ſich, ich
habe das Geld dazu. Wenn du mitkommen willſt, wollen wir uns
drüben bei Frisco Land ſuchen.
Ich kann nicht weg.
Eben denk’ ich dran: hier iſt dein Meſſer. Schönen Dank.
Nein, ſiehſt du, das Leben bei der Straßenbahn hat keie
Su=
kunft. Ich habe drei Jahre gedient und bis jetzt nie Gelegenheit
gehabt, die Sache an den Nagel zu hängen.
Der Sug pfiff.
Mann bekommen, der überfahren wurde?
Zehn Dollar.
Soviel habe ich auch bekommen. Na, er war eigentlich ein
ehrlicher Sahler. Aber die Frau war tüchtiger.
Die Frau?
Die junge Frau, ja. Ich habe ein kleines Geſchäft mit chr
er wolle in einen ruhigen Hausflur gehen und da ſeine Uniform= gehabt. Es kam ihr nicht an auf ein=, zweitauſend, dem ſie
wollte den Mann loswerden. Wenn ich jetzt ein leichteres, Leben
Eerjangen Hi —geſiehts von ihrem Sebe.
aber techniſch weſentlich verfeinert und darum eleganter und
wirkungsvoller. Oft wird man von Leuten, die noch nicht
ſchwim=
men können, gefragt, mit welcher Schwimmweiſe man am beſten
enfange. Da muß man, wenn man ehrlich ſein wil, ſagen, daß
das ziemlich gleithgültig iſt, ſofern der Betreffende nur das Siel
verfolgt, ſich ſicher und zwanglos im Waſſer zu fühlen. Mit dem
durch Bewegungen über Waſſer halten können, iſt es nämlich
keineswegs getan. Die dazu erforderlichen Bewegungen lernt
man innerhalb weniger Stunden. Wochen und Monate dauert
es aber in der Regel, bis man mit dem feuchten Element ſo
vertraut iſt, daß man wirklich als Schwimmer anzuſprechen iſt.
Wielerntmannun alleinſchwimmen? Sunächſt,
indem man ſich an das Waſſer gewöhnt, damit man keine Angſt
mehr hat, wenn mal Waſſer in die Augen, in die Naſe oder gar
in den Mund dringt. Das Schwimmenlernen iſt
erfahrungs=
gemäß für den Anfänger ein ſtändiger Kampf mit der Atmung.
Er muß vor allem das Waſſerſchlucken, das der
waſſer=
gewöhnte Schwimmer nicht kennt, vermeiden lernen. Das läßt
ſich auch zu Hauſe in der Waſchſchüſſel oder in der
Bade=
wanne üben. Nachdem man langſam eingeatmet hat, taucht man
das ganze Geſicht unter und ſieht zu, wie lange man das,
abge=
ſchloſſen von aller Atemluft, aushält. Allmählich verſucht man
auch, die Augen unter Waſſer zu öffnen. Anfänglich
denkt man, das ginge nicht; aber bald ſieht man ein, daß das
wirklich kein großes Kunſtſtück iſt. Nun legt man einen
Gegen=
ſtand, eine Münze oder dergl., auf den Boden der Waſchſchüſſel
und ſucht, alle Einzelheiten genau zu erkennen. Wenn man das
täglich übt, wird man bald eine Minute lang mit
geöff=
neten Augen unter Waſſer aushalten können.
Iſt man ſoweit, dann geht man zur Badeanſtalt oder in das
freie Bad an eine ſichere Stelle. Hier wird dann weiter gelernt.
Man ſtellt ſich in hüfttiefes Waſſer, hebt die Arme
hoch, atmet halbtief ein und taucht mit offengehaltenen Augen
den ganzen Körper unter, indem man in die tiefe
Knie=
beuge geht. Fühlt man ſich darin ſicher, ſo verſucht man, im
Waſſer Purzelbäume zu ſchlagen oder gar einen Handſtand
zu machen. Auch das Suchen oder Cauchen nach einem Celler
iſt eine hier angezeigte Uebung.
Nun probiert man einmal, ein „Paket” zu machen. Das
geht ſo: man atmet tief ein, geht unter Waſſer in die tiefe Hocke,
indem man den Rücken recht krumm macht, den Kopf zwilſchen
die Knie nimmt und dieſe feſt mit den Armen umfaßt. Während
dioſer Uebung hält man den Atem möglichſt lange an und ſtößt
erſt, wenn man ſich wieder aufgerichtet hat, langſam die Luft
her=
aus. Damit man das „Pakot” im Waſſer leicht ausführen kann,
übt man es erſt gründlich zu Hauſe auf dem Crockenen. Im
Waſſer aber wird man bei dieſer Uebung merken, daß man ganz
automatiſch an die Waſſeroberfläche gehoben wird, daß man alſo
— „ſchwimmt”. Nun braucht man nur noch Arme und Beine
auszuſtrecken, und man ſchwimmt wie ein Brett auf dom Waſſer.
Die Arme müſſen aber dicht an die Ohren gelegt werden, die
Hände liegen flach, mit geſchloſſenen Fingern auf dem Waſſer.
Stößt man ſich in dieſer Haltung von einem feſten Gegenſtand —
etwa von der Wand des Schwimmbaſſins — mit einem Fuße ab,
ſo gleitet man wie ein Boot durch das Waſſer. Kann man das
alles, ſo hat man die Schwimmlage erlernt, das weitere iſt nicht
mehr ſchwer.
Man übt nun noch zu Hauſe die Arm= und
Beinbe=
wegungen des Bruſtſchwimmens, macht alſo „
Crocken=
ſchwimmen”. Man fängt mit den vorgehaltenen Armen an, führt
ſie ſeitwärts und atmet dabei langſam ein. Nun werden Arme
und Beine gebeugt. Dann grätſcht man beide Beine rocht weit
zur Seite und ſchlägt ſie zuſammen zur Ausgangsſtellung. Die
Arme werden nach vorn geführt, und dabei wird die Luft
lang=
ſam ausgeſtoßen. Man mache das nach dem ſtillen Kommando:
Eins, zwei, drei!
Beherrſcht man dieſe Schwimmbewegungen, dann braucht
man ſie nur noch aus der ſchon orlernten Schwimmlage heraus im
Waſſer zu üben (aber nicht haſtig, ferner langſam und ruhig ein=
und ausatmen!) und — man kann ſchwimmen.
Gibt es auch Altersgrengen fürdas
Schwim=
men?. Auf dieſe Frage iſt verneinend zu erwidern, daß
n jedes Alter und jedes Geſchlecht lich die Freude des Schwimmens
gönnen darf, daß allerdings die Dauer des Badens und des
Schwimmens ihre individuellen Grenzen haben muß. Ebenſo wie
wir drejährige Kinder kennen, die ſchon ſchwimmen, kennen wir
auch Herren und Damen, die noch im höchſten Alter geſund und
friſch regelmäßig ſchwimmen. Und darum gilt auch die Ausrede
nicht, wenn jemand behauptet, er ſei ſchon zu alt, um noch
ſchwimmen zu lernen. Sofern er nämlich geſund iſt und leinen
Körper mühelos beherrſcht. Daß Vierzigjährige, ja ſogar
Fünf=
zigjährige und noch Aeltere ſchwimmen lernen, manchmal
logar recht leicht, ſtellt durchaus keine Ausnahmeerſcheinung dar.
Jeder Schwimmer ein Retter! Dereinſt wird
auch dieſer nur allzu berechtigte Ruf ertönen. Suerſt aber muß
der erſte Schritt getan ſein:
Jeder Deutſche ein Schwimmer!
OK
Zreiſeabenteuer geſucht.
Von Klara Cennyſon.
„Neiſeabenteuer ſind wieder aktuell! Bringen Sie mir ſechs
Spalten Handlung, Cempo. Keine Schreibtiſchmache. Und
wo=
möglich kein vertauſchter Koffertrick!”, Chefredakteure haben
leicht reden. Leider haben ſie außerdem ein gutes Gedächtnis.
Sonſt könnte man etwas aus den vorjährigen Beſtänden
auffri=
ſchen. Aber, wie bereits angedeutet, er merkt’s gleich, und ich
werde mich hüten, es noch einmal zu probieren.
„Alſo, gehn wir ſechs Spalten Handlung und Cempo ſuchen,”
ſeufzte ich, zog das neue, für den Urlaub beſtimmte Koſtüm an,
packte in meinen eleganteſten Koffer wei Caſchentücher, nahm
die Reiſeſchreibmaſchine und eilte zum Bahnhof. Wenn ich mit
dem D=Sug zur übernächſten Station fuhr, konnte ich dort den
Gegenzug erreichen und am Abend wieder zu Hauſe ſein. Es gab
heute Nühreier mit grünen Bohnen zum Nachtmahl. — Wenn
man beruflich zu Neiſeabenteuern verpflichtet iſt, muß man in der
Wahl ſeines Wagenabteils Vorſicht üben. Ich hatte den Sug
abgeſchritten, doch es ſah ziemlich traurig aus. Alte Herren,
junge Herren, Sirmenvertretungen, Familien mit ſauer riechenden
Babys, ſchulentronnene Backfiſche, eine unternehmungsluſtige
Großmama, drei fidele Bureaufräuleins, und weit und breit kein
einziger Hochſtapler. Wo dieſe Leute nur ihre Geſchäfte
erledi=
gen?. Wahrſcheinlich auch vom Schreibtiſch aus. Und da ſträubt
ſich der Herr Chefredakteur gegen die Schreibtiſchmache eines
Reiſefeuilletons? Ideen hat er! Schließlich entſchied ich mich
für ein Abteil, aus dem Schreibmaſchinengeklapper ertönte. Den
darin ſitzenden blonden Herrn, der offenbar Anträge für ſeine
Hirma zuſammenſtellte, würde ich wohl nicht ſtören, wenn ich
ſpäter vielleicht auch ſchreiben ſollte.
Sch lehnte am Fenſter, ſchaute in die vorüberziehende
Land=
ſchaft und wartete auf eine Eingebung. Aber wie das ſo iſt, ſie
kam nicht. Cante Eugenia fiel mir ein, die Gasrechnung, ein
Lenzgedicht, eine Schachtel Seifenflocken, Mauki, die
Angora=
katze, Stoff für eine pädagogiſche Betrachtung, alles, alles
an=
dere — nur kein Reiſeabenteuer. Uebrigens ein ganz nett und
intelligent ausſehender Menſch, dieſer tippende Herr
Handlungs=
reiſende, bemerkte ich nach einer Weile, als ich einen Blick auch
in das Wageninnere warf. Energiſches Kinn, kleiner
Schnurr=
bart, helle Augen hinter einer Hornbrille. „Wie wäre es, wenn
man ihn in ſeinen Geſchäftsberichten ſtören würde? Und
plötz=
lich begannen lich ſchattenhaft, dann immer deutlicher die
geſuch=
ten Umriſſe einer Handlung zu entwickeln. Jetzt noch etwas
Cempo, und der Herr Chefredakteur ſollte zufrieden ſein.
Leiſe flatterte mein ſeidenes Halstüchlein zur Erde. Mein
Gegenüber tippte. Ein Handſchuh folgte. Es tippte. Der zweite
Handſchuh. Er ſpannte ein neues Blatt ein. Mit Krach fiel
mein eleganteſter Koffer. Er tippte noch immer. Mit einem
entrüſteten Seitenblick hob ich die Sachen auf und ſtieß dabei
unabſichtlich an den fleißigen Mann. „Entſchuldigen,” ſagte ich.
Bitte ſehr”, antwortete or und tippte weiter. So was lollte ein
Reiſeabenteuer werden!. Nahe daran, den Fall aufzugeben,
be=
merkte ich auf dem Gang einen pullmanbemützten Neiſenden, der
im Vorübergehen neugierig hereinſpähte. Er war meine letzte
Nettung. „Hal” ſchrie ich angſtvoll und hielt beide Hände an
den Mund. Ich habe das einmal bei Greta Garbo geſehen und
finde es eindrucksvoll. Jetzt war es mir gelungen. Der
Ma=
ſchinenſchreiber ſchaute auf: „Fehlt Ihnen etwas, gnädige Frau?”
Ich deutete nach der Cür, an der, wie gerufen, der Mann mit
der Pullmanmütze nochmals vorüberging, und ſchluchzte: „Helfen
Sie mir, mein Herrl. Ich werde verfolgt. Nehmen Sie dieſe
Ookumente an ſich, ich beſchwöre Siel‟. Dabei ſchüttelte ich
wild die zwei Caſchentücher in meinem eleganteſten Koffer und
hielt ihn flehend dem blonden Herrn entgegen.
„Ah”, machte er überraſcht und ſprang auf, um den Vorhang
vor die Cür zu ziehen. Dann befreite er mich von meinem Koffer,
verſteckte ihn unter Seitungen und ſah mich erwartungsvoll an.
„Ja”, ſagte ich geheimnisvoll, „er iſt nämlich ein Oetektiv.”
Die Augen des Blonden begannen hinten den Gläſern zu funkeln.
„Ein Oetektiv? Was Sie nicht ſagen. Dann ſind wir ja
Lei=
densgenoſſen!” — „Leidensgenoſſen —?” hauchte ich. Der
Blonde hüſtelte verſchämt. Verbündete muß es wohl beſſer
heißen. Ich glaube, gnädige Frau, wir beide reiſen in derſelben
geheimen Miſſion. Oder ſollten die Konſtruktionspläne in Ihrem
Koffer mur ein Sufall ſein?” In Ermangelung einer paſſenderen
Antwort ſchüttelte ich ſtumm das Haupt.
„Vertrauen gegen Vertrauen, Gnädigſtel. Geſtatten, daß ich
mich vorſtelle: Numero dreiunddreißig A.!"
„Fünfundzwanzig B!” erwiderte ich mit zierlicher Verneigung,
und das Herz klopfte mir bis zum Hals. Da war ich in eine
richtige Senſation getappt! Nach ein paar taſtenden
Bemerkun=
gen hatte ich es heraus: der Mann war das, was ich ſcheinen
wollte: Induſtrieſpion. Klara, du biſt ein tüchtiges Mädchen,
und der Herr Chefredakteur wird Augen machen — ſo groß!
Worüber unterhalten ſich Spione? Sie fachſimpeln natürlich.
„Zahnbürſte?” fragte er. Ich hatte kteine blaſſe Ahnung, aber
antwortete unbefangen: „Nein, Dauerwurſt!” — „Hm,
inter=
eſſant” meinte der Mann und ſah mich durchdringend an; „
viel=
leicht Schnürſchuh minus drei?” Schweißtropfen perlten auf
mei=
ner Stirn; das tun ſie immer, wenn ich in großer Verlegenheit
bin. Aber ich ſagte hochmütig: „Null Komma fünf! Plem plem
mache ich immer nur mit Rhabarber, denn Gummi Arabicum
reicht weiter als Rheuma und hält ſich länger als Knopflöcher.”
Nun wurde der blonde Spion verlegen und drehte an ſeiner
Reiſeſchreibmaſchine. „Ganz meine Anſicht. Jünfundzwanzig B.,
aber nun muß ich meinen Bericht an die Sentrale beenden!”
Sprach’s und begann wieder zu tippen.
In dieſem Augenblick lief der Sug in meine
Beſtimmungs=
ſtation ein; Schreibmaſchine aus dem Netz reißen, Koffer
er=
greifen, zur Cür ſpringen, war das Werk von zehn Selunden.
„Laſſen Sie ſie doch nicht laufen!” kreiſchte der blonde Spion
hinter mir her. „Warum denn nicht?” hörte ich den
Pullman=
bemützten noch ſagen, dann ſtand ich auf dem Bahnſteig, ſtürzte in
den zur Abfahrt bereiten Gegenzug, und blonder Spion ſamt
Oetektiv glitten an mir vorüber. Mit der höchſten
Geſchwindig=
keit eines Mietautos ſauſte ich vom Bahnhof nach Hauſe. Cempo,
Cempo; keine grünen Bohnen, kein Rührei, ſchnell ſchreiben, ſo
lange das Erlebnis noch in allen Nerven nachzitterte. In Jacke
und Hut riß ich den Deckel von der RNeiſeſchreibmaſchine. Aul
— ich hatte bei meinem übereilten Ausſteigen die falſche erwiſcht.
Der Bericht an die „Sentrale” ſteckte noch drinnen. Er lautete:
Seite 3
als eine Dame hereinſtürzte. Nicht mehr ganz jung, aber noch
immer von betörendem Zauber und mit jener raffinierten Eleganz
gekleidet, die den Unerfahrenen wohl verblüfft, dem Kenner aber
ſofort die Abenteurerin großen Stils verrät. Aufſchluchzend
warf ſie lich vor mir nieder und umklammerte meine Knie. „
Ret=
ten Sie mich, verſtecken Sie dieſe Pläne!” flehte ſie und hielt
mir dabei eine rote Saffianmappe entgegen. Nein, ich war kein
Barbar!. Mochte ſie zehnmal eine Verbrecherin ſein, für mich
blieb ſie ein bezauberndes, hilfeſuchendes Weib. —
Die Stunden mit der ſchönen Induſtrieſpionin Numero
Fünf=
undzwanzig B. — das war ſie nämlich — gehören zu den
wun=
dervolſten und zugleich intereſſanteſten meines Lebens. Um ihr
Vertrauen zu gewinnen, gab ich mich für einen der ihrigen aus.
Das Studium aller Geheimakten über den modernſten Zweig des
internationalen Spionagedienſtes letzte mich in die Lage, die
Unterhaltung in der unter Induſtrieſpionen üblichen
Chiffre=
ſprache zu führen, ſo daß die Frau nicht den leiſeſten Verdacht
ſchöpfte. Sie erzählte mir offen, daß ſie die Früchte ihrer dunklen
Cätigkeit nicht mehr wie einſt in hohlen Hahnbürſten, ſondern in
Dauerwürſten beförderte. Meine Kenntnis von einem
Korre=
ſpondenzſuſtem mittels unberückſichtigt gelaſſener Oeſen von
Schnürſchuhen ergänzte ſie dahin, daß hierfür nun der neue
Spionagerode Null Komma fünf in Anwendung ſei.
Photogra=
phiſche Aufnahmen (Plem Plom) machte ſie mit einer als
Puder=
doſe verkleideten Kamera (Phabarber); das Honorar (Gummi
Arabicum) betrug pro Photo meiſt zehntauſend Einheiten der
betreffenden Landeswährung (Rheuma) —
Hier bricht das Reiſefeuilleton meines Kollegen ab, und
da=
mit auch meines. Sechs Spalten Handlung, Cempo, keine
Schreibtiſchmache — hoffentlich wird es dem Herrn
Chefredak=
teur paſſen. Nur den Koffertrick kann ich ihm nicht erſparen;
es gibt keine Reiſeabenteuer ohne vortauſchte Koffer.
(Berechtigte Ueberſetzung von V. 6. Urbanetz.)
Nummer 423.
Aufgabe 612.
Voita Koſek in Bohumilitz
(1. Preis, Ceſkoflovensky Sach, 1927.)
A
b
Den
Prüftellung: Weiß: Ket Dbs Hel 542 4:
Schwarz: Kg1 Uh1 8g5 Bk4 g2 (5) 3-.
Aufgabe 613.
Francesko Somma in Palermo.
(Schweizeriſche Schachzeitung, 1929.)
Weiß: Ka1 Te2 d6 Lf3 h2 Sa6 (6);
Schwarz: Ka7 Ta8 Bb7 (3).
Matt in zwei Zügen.
Löſungen der Aufgaben 602—606.
602. L. S. Penroſe. 1. Preis, London Obſerver, 1920—1921. (Kg4 Dg3 Td5
T41 h6 8e7 k1 Bd8 15; Ket Tg1 Uh1 Bd3 47 e83 e5 12 k6: 24.) Satzmatte:
1. .. . Tg2. C.g2) Grimſhaw=Verſtellungen 2. Lk3 (D:e2) 4t: 1. .. Bes
2. 842 R. Löſung: 1. Ks4-h5! Tg2 Cg2, Be2, K:t5) 2. Dk3 (Dg4, D:43,
Dr4) X. Ein ſchönes Zugwechſelſtück mit Anderung aller Satzmatte und einem
Mehr=
matt.
603. S. Herzſprung. Nationaltidende, 1884. (Ke2 Da5 Tc2g2; Ke6 Ta8 Ba6;
34k.) 1. Da5-el1 Kd5 (8, 47) 3. Kd1 Kd4 (45, 48. 47, 48) 3. Tgd 2.4
1..... Kk5 (k6, k2) 2. Kk1 Kk4 (t5, 18, k7, k8) 3. Tet 2.4. Ein klaſſches
Meiſterwerk. Dem ſchw. E ſtehen nach dem Einleitungszug alle 8 Fluchtfelder offen.
unter den 10 Echomattbildern liegen 2 am Rande (W. Pauly).
604. N. Rutberg. Nha Dagligt Alehanda, 1924. (Eh8 De6 Ta6 e6; Xh1 Dg2
Bd4 15 h8: 3=.) 1. Na6ra21 Kg1 2. Dg61 Dg5 3. Tel 4: 1..... 7h2
2. Dg81 D42 3. Tih6 4: 1.... Bh5 2. D451 De4 3. Tel /. Entzückende
D=Feſſelungsſpiele.
605. F. Hertmann. 1. Preis, Chemnitzer Wochenſchach, 1926. (Ke2 Db5 Tg2
Ia8 g8 Set e6 B13: Kt5 Da8 Ta7 68 Lg1 845 B42 b4 b6 es 14 19,2 4)
1. Se4-aß! droht 2. D43 F. 1.... Se7 (8e3) 2. 8g7 (844) F. Eine gute
Darſtellung des Schör=Themas: „Mit dem Schlüſſelzuge entfeſſelt Weiß eine ſchwarze
Figur und feſſelt zugleich eine weiße Figur; Schwarz hinwiederum entfeſſelt in der
Themapariante mit der von Weiß entfeſſelten Figur ziehend die von Weiß gefeſſelte
weiße Figur ſeinerſeits, mit der ſchließlich Weiß das Matt gibt.”
608. M. Havel. Zlata Praha, 1903. (Ka8 Tg2 g5, Kh1 Li8: 4R.) 1. Tf2-d21
Le7 2. 7414 Xh2 3. Nig7: 1... Ih6 2. 7h54 Kg1 3. Pih6; 1. ... he7
2. Nb5 Ub4 ((5) 3. P:l; 1.. .. Ib4 2. Ta7 Le7 (48) 3. Pill. Die Miniatur
enthüllt feine Gegenſpiele der Türme mit dem Läufer.
—
Rätſel
u
zahle
2 2— 1 2 5 Die Wörter bedeuten von links nach rechts: Rote Farbe,
Aufenthaltsort Nietzſches in den Alven. — Von oben nach unten:
Arabiſcher Titel Betäubung bei Operationen, Erziehungsanſtalt,
flüſſiges Körperſekret.
Auflöſungen der Nätſel aus Nr. 28.
Das Leben.
Raimund. Darmſtadt. Wendehals, Lguge, Feuerrohr,
Finger=
hut, Holbein, Armbruſt, Totenkopf. — „Das Gehirn”.
Silbenrätſel.
1 Deſſau, 2 Erwerb. 3 Rembrandt 4 Woche, 5 Island,
6 Narziſſe, 7 Toreador, 8 Eulenſpiegel, 9 Reineke, 10 Veteran,
11 Eminenz, 12 Rabbi, 13 Syrakus, 14 Celliſt, 15 Hermelin,
16 Nirwana, 17 Almanach. — Das Lied lautet: Der Winter
ver=
ſchnaubte, der Lenz iſt nah
Druck, Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rbeinſtr 23. — Verantwortl für die Redaktion Dr 5 Nette Darmſtadt. Fernſpr. 1 2389 2392 — Alle Rechte vorbebalten. Nachdr. verboten.
[ ← ][ ][ → ] Alſo ich hab’s ſchun emol geſagt, un wann ich’s net geſagt
hab, hab ich mer’s gedenkt un ſag’s jetzt. Nemlich mit de
Bolle=
dick is däß ſo e Sach wie mit=em Wädder, dann ſie kann’s kaam
recht mache, un wie ſe’s macht, is es verkehrt.
Jetzt, was ſo die Bolledicker bedrifft, do gibt’s nemlich drei
Sorde. Nemlich ſolchene, die wo aus Leiweskräfte, un wie als
wann ſe’s bezahlt kreechte, immer ausgerechend uff die Bolledick
ſchimbſe, die wo grad gemacht wärd —
—. Mer kann Gift
druff nemme, daß die vun de Bolledick gornix verſteh.
Zweidens gibt’s ſolchene, die wo jedem, ob er’s heern will
odder net, krambfhaft verzehle: „alſo ich, wann ich in de
Bolle=
dick was zu ſage hett, ich dhet=ſen weiße, ich dhet dorchfohrn un
Ordnung neibringe; awwer „die do owwe”, die hawwe jo kaan
Endlich awwer gibt’s driddens ſolchene, wo es bollidiſche
Handwerk dadſächlich un eichehendiſch bedreiwe; zum Beiſpiel als
Vorſitzender vun=eme Stammdiſch, odder im Kegelklub, odder
Bircherverein, odder vun ärchend=ere Organiſatzion odder
Frack=
zion, odder ſo. Un ſo Art Bolledicker kenne’s als geläjendlich zu
gehowene Stelle un Tiddel bringe, un kenne ſogar in de
Stadt=
rat, odder in de Landdag, un ſogar in die Reſchierung enei
klorre=
formiert wärrn; un do kann mer dann ſei blau Wunner erläwe,
un kann awermals Gift druff nemme, un zwar dodruff.
No, mir kann’s Worſcht ſei, uff was mer bei däre dritte Sord
vun Bolledicker Gift nemme will. „Ich ſtelle anheim” wie mer ſo
ſchee ſeecht. — Awwer wann’s vum Handwerk haaßt, es hett en
golderne Boddem, was bekanntlich jeder Handwerksmaaſter
ohne weideres begeiſtert zugibt, dann kann mer vun de Bolledick
ſage, ſie hott en dobbelte Boddem, weshalb mer bei ihr ſtets
uff allerhand Iwwerraſchunge gefaßt ſei muß; dann do wärd als
uff amol aus Schwazz — Weiß, un manchmol aach aus Rot —
Torniſterblond: mehrſtendaals awwer aach aus=eme Xe U. Un
däß is in de klaane Bolledick wie in de große, un wie aach in de
ganze große, nemlich gehubbt wie gedubbt, Jacke wie Hoſe,
Dſchöm=
ber wie Bullohwer, un Babbdeckel wie
No un wann mer do en korze Blick uff den in Kraft gedrädene
„Huwer=Blan” wärfe, do ſähe mer jo dro, was die große un klaane
Bolledicker am liebſte draus mache dhete. — Die große driwwe
iwwerm Rhei, indem ſen am liebſte vermaſſele dhete, obgleich ſe
ſo dhu, als gotterſprich was krawwelt do, un driefe nor ſo vun
Edelmud un Härzlichkeid, womit ſe allerdings in de Wäld
ver=
mudlich wenich Eidruck ſchinne kenne; un bei uns ſchun gornet —
—. Un die klaane Bolledicker, bei uns im liewe deitſche
Vaderland, indem ſe unſere Reichsreſchierung ausgerächent in ihre
ſchwerſte Stund in de Ricke falle. Dann die wolle jo net, daß däß
geſchieht, was ſe wolle, ſundern ſie wolle, daß des Gäjedaal vun
dem geſchieht, was ſe wolle, ſunſt baßt’s en net in ihrn Kram. Un
ſie wolle drum aach net zugäwwe, daß der Huwerblan de erſte
Schritt zu ere Weltverſtendichung is, der wo, trotz dene
widderſpenſtiche Franzoſe, die Hoffnung keime leßt, daß dem
wei=
tere Schritte folche miſſe, wann aach net grad im
Barademaſch=
tembo. — Was ſich jeder an de zehe Finger abklaviern kann. Dann
wann’s ſchun ſchwer fellt, uns in Deitſchland gäjeſeidich zu
„ver ſtendiche”, um wieviel ſchwerer is es erſt mit ſo=ere „
Welt=
verſtendichung”,
Awwer loſſe mer däß bollidiſche Geſaires un ſchwätze mer
liewer vum Wädder, däß is ungefehrlicher, un do kann mer
nie=
mand beleidiche, als heechſtens däß Wädder ſällwer, un im
iww=
riche kann mer iwwers Wädder grad ſo gut un ſo ausgiewich
ſchimbfe, wie iwwer die Bolledick, bloß daß mer do kaa Angſt zu
hawwe brauch, mer kennt am End mit=em Strofrichter, odder
mit=ere Nodverordnung zum Schutze der Rebbublick in Konnflickt
kumme. Schwätze mer alſo liewer vum Wädder, dann, wie ge=
ſagt, s Wädder is wie die Bolledick, es kann’s kaam recht mache.
Odder is es annerſt? — Hott mer net die vorich Woch
reſſen=
niert, wie’s ſo ſchee ſummerlich haaß war, daß beinoh die Milch
in de Küh ſauer worrn is, un die Hinkel faſt haddgeſoddene Eier
gelegt hedde, un daß mer mit de Stiwwel Fingerabdrick in de
Aßfalt dricke konnt, un nachts net gewißt hott, wie mer ſich in’s
Bett leje ſollt, daß mer net ſchwitzt — — — Un hott mer net die
Woch geſcholle, wie’s ſo a genehm kiehl is worrn, daß mer ruhich
ſein Windermandel a ziehe konnt, falls mer’n net
vorſichdicher=
weis „hinner die Stadtkärch” gedrage hatt, damit die Modde net
dra geh.
Alſo ehrlich geſagt, des Wädder dhut, was in ſeine Kräfte
ſteht, un leßt jeden uff ſei Koſte kumme, der wo gezwungenermaße
ſei Ferie dehaam verbringe muß. Es leßt aamol ſo haaß
värrn, daß mer glaabt, mer weer in Affriga wo’s am ſchwärzſte
is; un leßt’s dann widder ſo kiehl wärrn, daß mer maant, mer
weer in de Neeh vum Nordpol erum. Uff die Art ſpart mer des
Gäld for e Affrigaraas, wie aach for=e Nordlandsraas, de „
Grie=
ſemer Exert” un de „Große Woog” erſetze aam baades.
Iwwrichens, was die Ferjeraaſe bedrifft, ſo mecht ich bemärke,
daß mer dodraus, ob aans dehaam bleibt odder fortgeht
noch lang net uff ſei Eikummensverhältniſſe ſchließe kann. Ich
hab beiſpielsmeßich neilich bei Diräcktersleit geflickt, un do is
mer beilaifich geſagt worrn, daß die diß Johr dehaam bliewe,
weil ſe ſich’s net leiſte kennde. Zufellicherweis kenn ich awwer
a vun dem ſeine Tibbmädcher, un die hott mer freideſtrahlend
geſagt, ſie gingt diß Johr in ihre Ferje nooch Owwerbayern. Alſo
es kimmt aach bei de Ferje ganz uff die Aſprich a. Wer beſcheide
is, kann ſich meiſtens mehr leiſte, als wer hoch enaus will. un
net ſo weit reicht, wie er gern mecht, odder glaabt, ſeim Alſähe
ſchuldich zu ſei.
Drotzalledem hab ich de Eidruck, als bliewe aach die „
Beſchei=
dene” diß Johr dehaam. Un do wunnerts mich eichendlich, wann
ich läſe muß, daß de Badebedrieb im Große Woog
noochge=
loſſe hett. En blauſiewele Grund kann aam niemand ſage,
dann unſer Woog is ſchenner in de Reih, wie je, un die paar
Feddaage, die ſchenniern en große Geiſt net, un geheern ſozuſage
dezu. — s Bedauerliche is nor, daß der mangelhafte Badebeſuch
widder en neie Einnahme=Ausfall for unſern ſchwindſichdiche
Stadtſäckel bedeide dhut. — No in dem Fall bleibt unſere
Stadt=
verwaldung nix annerſter iwwrich, als daß ſe nechſtens, wann’s
widder ſo haaß wärd, daß mer glaabt, mer dhet dauernd in=eme
Dambfbad erumlaafe, vun de ganze Bevelkerung de Preis for=e
Dauerdambfbadkadd eiziehe dhut; un ferner kennt ſe,
bei=eme effennduälle Gewidderräje, vun jedem, der wo devo
ver=
wiſcht wärd, de Preis for=e Duſch erhewe. Uff die Art dhet ſich
die Mindereinahm am Große Woog dick widder ausgleiche.
Jedenfalls, wer heit was „einemme” will, muß ſich barwariſch
aſtrenge. Mer ſieht’s bei de momendaniſche „Säuſſohn=
Ausver=
kaif”, die wo am Mondag morjend in Darmſtadt ausgebroche ſin.
—Was ſich diß Johr die Darmſtädter Geſchäftsleit a geſtrengt
hawwe, um uns a zuziehe, ohne uns auszuziehe, indem ſe uns for
wenich Gäld vun Kobb bis zu Fuß nei „beſchaale” un ausſtaffiern
— alſo däß is allerhand Hand. — No, de Aſturm am Mondag
morjend war dann ach denooch; s war e Bild, wie aus de
Nod=
zeit, wann’s ärjendwo en Handkees odder e Pund Kartoffel
gäwwe hott. De weibliche Daal vun de Bevelkerung hott ſchun
vor acht Uhr vor de Ladediern geſtanne, un ſich gedrengt, als
dhet’n en Engel de Wähk in’s Parradies zeiche. — Noja, mer
wolle ehrlich ſei un unſer weibliche Schwäche ei geſteh: ſo=en
Aus=
verkaaf is for die meiſte aach en Wähk ins Parradies; wann aach
zwiſche dem, was die Eva ſeinerzeid „gedrage” hott, un dem, was
die heidiche Mode vorſchreibt, immerhie noch e klaaner
Unner=
ſchied ſichtbar is, aanerlaa, ob de „Gärdel” iwwerm odder
unnerm Blinddarm ſitzt, vorausgeſetzt, daß mer noch ſo e
ald=
frenkiſch Stickche Möwel im Bauch hott; dann bekanntlich is aach
de Blinddarm unner die Mode gefalle — mer „dreegt” en heit
net mehr, er is net mehr modärn
Ja, ja, des Wädder, die Bolledick un die Mode, die drei
hawwe’s fauſtdick hinner de Ohrn ſitze.
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm! Weil mer in Owichem grad e klag
bische die klaa, die middel un die groß Bolledick geſtriffe hawwe,
do kenne mer aach emol e Aag uff unſer Verkehrsbolledick
wärfe, dann aach do kann mer ſage: „Der aa hällt’s un der anner
leßt’s net geh” — Vergleiche: Bahnbaubrojäckt Seeheim
—Jugenheim und Darmſtadt — Owwer=Ramſtadt!
— Wann mer nehmlich glaabt, mer hett des Glick, do ziggt aaner
odder der annere vun dene Verdragspartner ſei Zuſag zurick. Die
Bahnbaubauerei hott wärklich e verdeiwelt Ehnlichkeid mit dem
„Huwer=Blan”; ſchließlich wärd aach in dem Fall weider nix
iww=
rich bleiwe, als daß mer kimfdichhie laafe miſſe, wann mer fahrn
wolle.
No, ſie hawwe jo neilich in de Haubtausſchußſitzung vum
Ver=
kehrsverein e diesbezichlich „Endſchließung” gefaßt — wann’s alſo
jetzt net fluttſcht, dann waaß ich net—
Wie geſagt, s is ſchun e Theater mit ſo=ere Art
Verkehrs=
bolledick, un däßhalb verſtendlich, wann ſich de Verkehrsverein
aach mit unſere verkehrte Theaterbolledick beſchäffdicht.
(Spät kommt ihr, doch ihr kommt .!) — Noochdem ſich awwer
bereits alle Stammdiſch, Birchervereine, Organiſatzione un
Frack=
zione ſchun mit dere Ageläjenheid befaßt, un mehr odder wenicher
abgefunne hadde, bliewe for de Verkehrsverein kaa Lohrbeern mer
zu ernte, un drum hott mer beſchloſſe, kaan Beſchluß zu faſſe
Uff die Art war aach däre Katz geſtraad, un die Haubtſach: es is
widder mol was geſchähe
Solle mer uns zum Schluß aach noch emol mit de heſſiſche
Bolledick beſchäftiche? Ich maan, däß kennte mer uns ſchenke,
dann unſer Landdag, der ſchun ſeit eme Johr in de Aggonie liggt,
ſchickt ſich äwe a, in Scheenheit zu ſtärwe. Däß wärd em zwar
ſchwer gelinge, dann wer net in Scheenheit geläbt hott, kann
aach net in Scheenheit ſtärwe; däß is emol ſo . . . .
Iwwrichens hawwe ſe ſich im Landdag noch emol — in
Abedracht der kummende Wahl — driwwer geſtridde, ob mer die
Abgeordentezahl erunner=, odder es Wahlalter eruffſetze
ſoll. Un do is ausgerächent de Herr Galm uff die vernimfdich
Idee kumme, un hott gemaant, mer ſollt die Indelliſchents
eruffſetze. — No wann die jeder der wo nechſtens in de
kum=
mende Landdag gewehlt wärd, vorher e „Indelleſchentsbriefung”
ableeche muß, ich glaab do brauche mer uns iwwer die
Abge=
ordentezahl kaa Kobbweh zu mache, dann do wärrn verflucht
wenich iwwrich bleiwe
Daß unſer jetzich Reſchierung die Sucht hatt, ſich zu
Läbb=
zeide noch e Denkmal zu ſetze, kann mer verſteh. Zu dem Zweck
hott ſe die nei „Gemeinde=Ordnung” erſchaffe. Awwer
ich vermud, aach do ſteht vorerſt des Meiſte uff=em Babier. Un
wann mer ſich do uff de Freiherr vom Stein berifft, ſo kann ich
em Herr Werner net unrecht gäwwe, nemlich was die Art „
Ge=
meinde=Ordnung” bedrifft, wie mer ſe äwe hawwe, do kann mer
vun „Ordnung” ſchun net mehr gud redde. Un ich glaab, der
demogradiſche Freiherr, wann der heit noch läwe dhet, der dhet
ſich im Grab erumdrehe
Iwwrichens, den „Freiherr vom und zum Stein” hott mer in
de letzte Woche iwwerall im deitſche Vaderland recht grindlich
ge=
feiert, als aan vun unſere beſte Deitſche (obgleich’s aach aaner
vun dene berichdichte „Freimaurer” war, wie beiſpielsmeßich de
Blicher un de Fichte!). Zu Läbbzeide hatt=er allerdings aach
mehr Deitſche zum Feinde gehatt, als er ſich un ſeine große
Idee winſche konnt. — s ſcheint alſo ſchun ſei Richdichkeit zu
hawwe, daß in Deitſchland e großer Staatsmann erſt hunnerd
Johr dod ſei muß, bis mer ſei Bedeidung erfaßt un erkennt —
No, do bin ich emol geſpannt, wen mer in awermals hunnerd
Johr aus unſere Zeit als großen Staatsmann feiert.
Wärk=
lich, do bin ich doch emol geſpannt.
Obſt, z. B. geſchälte Pfirſiche, gießen. Muß tags vorher zubereitet
werden. Humor
I IR
Speiſezettel für die Zeit vom 13. bis 19. Juli 1931.
(Mitgeteilt vom Hausfrauenbund Darmſtadt, e. V.)
Die Koſten des Speiſezettels ſind für 6 Perſonen berechnet.
Montag, den 13. Juli:
Ochſenſchwanzſuppe
0.30
Gefüllte Tomaten mit Fleiſch (Reſt vom Sonntag)
2.75
und Reis und Tomatentunke .
Mk. 3.05
Dienstag, den 14. Juli:
Grüne Bohnenſuppe
0.50
Speck=Pfannkuchen mit Salat . ..
2.70
Mk. 3.20
Mittwoch, den 15. Juli:
0.80
Rohkoſtplatte
Reisauflauf mit Fruchtſaft . .
2.02
Mk. 2.,82
Donnerstag, den 16. Juli:
0.40
Rahmſuppe
3.70
Gulaſch mit Spätzle, Salat
Mk. 4.10
Freitag, den 17. Juli:
0.30
Gerſtenſuppe
Gebackene Fiſchkoteletts mit Kartoffelſalat
2.50
0.40
Obſt. .......
Mk. 3.20
Samstag, den 18. Juli:
. 0.90
*
Gemüſeſuppe
„ 1.50
Kochfleiſch (Eintopfgericht) .
Flammerie mit Obſtſaft .. . . 0.95
Mk. 3.35
Sonntag, den 19. Juli:
: 0.50
Tomatenſuppe
Schmorbraten mit Kohlrabi . .. z .. 4.22
. * 0.30
Kartoffeln
*Weingelee über Obſt (Pfirſich) .. . . 1.75
Mk. 6.77
* Weingelee. ½ Liter Apfelwein, Saft 1 Zitrone mit 150
Gramm Zucker aufkochen, ½ Stunde ſtehen laſſen. 10 Blatt weiße
Was man aus Johannisbeeren alles bereiten kann.
Nun ſind auf dem Markt wieder die Johannisbeeren
er=
ſchienen und ſtehen der Hausfrau in Maſſen zur Verfügung. Mit
ihrem Gehalt an Fruchtzucker, an Eiweiß und 7,3 % Kohlehydraten
ſollten ſie ſo oft wie möglich auf dem Tiſch erſcheinen. Und zwar
möglichſt als Friſchkompott, alſo ungekocht, nur von den
Stielen geſtreift, abgewaſchen und mit Zucker beſtreut. Einige
Stunden vor dem Genuß zubereitet, bilden ſie einen köſtlichen
Nachtiſch. Ebenſo eine
Johannisbeer=Kaltſchale, zu der man ½ Pfund
Johannisbeeren zum Kochen aufſetzt, dieſe dann durch ein Sieb
ſtreicht und eventuell noch mit einigen Taſſen Waſſer verdünnt.
Darauf gut geſüßt, mit Kartoffelmehl leicht ſämig gemacht und
mit 1 Teelöffel Butter abgeſchmeckt, wird die recht kalt geſtellte
Kaltſchale entweder mit Schneeklößchen oder eingebrocktem
Zwie=
back ſerviert.
Johannisbeer=Grütze. 1 Taſſe Hafergrütze, dick
aus=
gequollen, miſche man mit 1 Taſſe Johannisbeerſaft und 1 Taſſe
geſchmorten Johannisbeeren, ſüße gut und verdicke, nochmals aufs
Feuer gebracht, die Maſſe eventuell noch mit etwas angerührtem
Kartoffelmehl. Dann in Taſſenköpfe oder gefällige Formen
ge=
füllt, ſchmeckt dieſe Grütze, ausgeſtürzt, mit kalter Milch an heißen
Sommertagen ſehr gut.
Leckere Johannisbeertörtchen. Von Mürb= oder
Hefeteig backe man kleine, mit Rand verſehene, runde Törtchen,
die man recht dick mit eingezuckerten Johannisbeeren füllt. Mit
geſüßtem Eiſchnee oder Schlagſahne gitterartig beſpritzt, laſſe man
die Törtchen nochmals in der heißen Ofenröhre einige Minuten
„überlaufen” damit die Garnitur leicht bräunt.
— Im Verlag Dr. Selle=Eysler A.G., Berlin SW. 68, iſt
wie=
der ein ſchmuckes Heft der „Eleganten Welt” geſtartet. Was dieſer
Sommer an modiſcher Schönheit und intereſſanter
Lebensgeſtal=
tung zu bieten vermag, zeigen die prachtvollen Bilder in
glän=
zender Wiedergabe. Mit Entzücken wird jede Dame beobachten
mit welchen neuen Reizen die führendſten Modekünſtler ihre
Schöpfungen immer wieder ausſtatten. Den Rittern vom Steuer
ſtellen ſich die Sieger der Schönheitskonkurrenz für Automobile
auf der Grunewald=Rennbahn in herrlichen Photos vor. Man
braucht nicht zu betonen, daß auch die Beiträge mit praktiſcher
und geſellſchaftlicher Note den Leſer und Beſchauer in
liebens=
würdigſter Weiſe feſſeln.
Noch nicht im Bilde.
„Sagen Sie mal, Ober, werden denn bei Ihnen die
Tiſchtücher überhaupt einmal gewechſelt?”
„Das weiß ich nicht, mein Herr, ich bin erſt ſeit vier
Wochen hier!“
Um Mitternacht kommt Herr Popper nach Hauſe. Seine
ttin empfängt ihn: „Wo warſt du ſo lange?” — „Mit meinen
eunden noch etwas kaufen. — „Hm. hm, konderbar, konderbar",
rmelt Frau Popper. — „Warum ſagſt du konderbar, Lieb=
Weil du kaufen ſagſt, du Lump!" (Nebelſpalter
1g:
Beim Zahnarzt. „Was koſtet es nun, Herr Doktor, daß Sie
die beiden Zähne gezogen haben?” — „Zwanzig Mark!
Vie, und das nennen Sie ſchmerzloſe Behandlung
Der Eiferſüchtige. „Lotte hat ihren Mann endlich von ſeinen
igen Reden über Sparſamkeit geheilt!“ — „Wie hat ſie denn
z fertiggebracht?” — „Sie hat ihm ihren neuen Badeanzug vor=
(Everybodys Weekly.)
führt!“
Die Lllodein)Stunden
Wenn man die verſchiedenen
Garderobe=
ſtücke, die eine Dame im Verlaufe eines
Tages braucht, Revue paſſieren läßt, gelangt.
man bei aller Beſcheidenheit nachgerade zu
einer ziemlich ſtattlichen Anzahl und erſt dann
merkt man, daß die Mode wirklich eines ſehr
eingehenden Studiums bedarf, wenn man
nicht Gefahr laufen will, da und dort einen
Fehlgriff zu tun, indem etwas beſorgt wird,
das ſich nachher als durchaus erläßlich, wenn
nicht gänzlich überflüſſig erweiſt. Da aber die
gegenwärtigen Verhältniſſe ganz und gar
nicht dazu angetan ſind, experimentieren zu
können, iſt es immer gut, einen beſtimmten,
modiſchen „Plan” zu verfolgen, der einem bei
den Beſorgungen für die betreffende Saiſon
immer ſehr dienlich iſt und einen gleichzeitig
vor unnötigen Ausgaben bewahrt.
Im Grunde genommen kommt ja immer
ein beſtimmter Garderobe=Standard in Frage,
gleichviel, ob es den Bedarf, für die Stadt
oder für die Urlaubsreiſe zu decken gilt.
Und nur manche wenige Stücke, deren
An=
ſchaffung aber im allgemeinen auch weniger
ins Gewicht fällt, ſind ausgeſprochene
Attri=
bute der Ferienreiſe!
Am allerbeſten wird man ſich über die
allernotwendigſten Garderobeſtücke ein Bild
machen, wenn man ſich den Bedarf für die
einzelnen Stunden des Tages vor Augen
führt:
Darum wollen wir mit unſerem Thema
„Die Mode — in 15 Stunden” einen raſchen
Rundgang durch alle Gebiete der Mode
unter=
nehmen, um auf dieſe Weiſe nichts außer acht
zu laſſen.
Beginnen wir alſo mit den Morgenſtunden:
8 Uhr früh: Die Dame trägt entweder
ein Schlafpyjama oder ein Nachthemd,
entſchei=
det ſich aber gerade in letzter Zeit viel häufiger
für das Hemd, weil ſie es (wenn ſie darüber
noch eine kurze morgendliche Paletotumhülle
aus Flanell oder einem ſatinierten — eventuell
geblumten — Waſchmaterial trägt) ſehr gut
auch an Stelle eines Hauskleides am
Sonnen=
balkon oder im Garten, ebenſo aber auch für
die Morgenſtunden in der Sommerfriſche
tra=
gen kann. Die neuen Nachthemden ſind faſt
immer einfach, natürlich ganz lang geſchnitten
und mit einem ſchmalen Bandgürtel verſehen;
die einzige Garnierung beſteht aus einem
Spitzenſattel, wobei man auf eine
wenig=
empfindliche Spitze Wert legt, die bei der
Reinigung keinen Schaden nimmt (Bild 1).
9 Uhr früh: Die Dame geht an den Strand.
Die Badedreß iſt ein Kapitel, das der
elegan=
ten Frau beſonders am Herzen liegt, da ſie
hier in Art und Farbe des Trikots ihre
per=
ſönliche Note zum Ausdruck zu bringen
ver=
mag; noch viel wichtiger als der
Schwimm=
anzug aber iſt ein originelles Pyjama;
aller=
dings wird hier oft inſofern „geſündigt”, als
mit unzulänglichen techniſchen Mitteln oder
auch mit mangelndem Geſchmacke Strandanzüge
geſchneidert werden, die ſehr übertrieben,
da=
bei aber von Eleganz weit entfernt ſind. Das
Pyjama neueſten Stils ſoll aber möglichſt ein=
fach, dabei durchaus originell ſein und muß
über dem Schwimmanzuge getragen werden
können, da die Dame gerne ohne Badetaſche an
den Strand geht, um nicht belaſtet zu ſein.
Die richtigſte Löſung dieſes keineswegs
un=
komplizierten Modethemas bietet wohl eine
Pyjamahoſe aus geblumten, nicht allzu
ſchwe=
rem Frottierſtoff, die auf eine Paſſe gearbeitet
und mit Trägern gehalten iſt. Eine ſolche
Frot=
tierhoſe bietet den Vorteil, immer nett
aus=
zuſehen und gegebenenfalles auch an Stelle
eines Badetuches verwendet werden zu können,
womit man in der Lage iſt, den Bademantel,
der den großen Nachteil hat, ſchwer
transpor=
tabel zu ſein, gänzlich auszuſchalten; im
übri=
gen kann man eine ſolche Pyjamahoſe nach
dem Bade ſelbſt über das feuchte
Schwimm=
trikot tragen, da das Frottiermaterial die
Näſſe im Augenblicke aufſaugt und ſehr raſch
abtrocknet, ohne die unſchönen Waſſerflecke zu
zeigen, die ſich bei Seidenpyjamas immer
wie=
der bemerkbar machen. Der große Strandhut
iſt eine reizende Vervollſtändigung der
Bade=
dreß.
11 Uhr vormittags: Heißeſte Sonne, ſo daß
man ein Trikot wünſcht, in dem man gut
ab=
brennen kann; es gibt hier neue, tief
ausge=
ſchnittene „Sonnenbadanzüge”, die es
ermög=
lichen, die unſchönen „Sonnenkonturen” zu
vermeiden, die bei den Trikots der früheren
Saiſons an der Tagesordnung waren (Bild 3).
1 Uhr: Es iſt Zeit, zu Tiſch zu gehen; in
vielen Sommerfriſchen iſt es zwar möglich und
üblich, die Mahlzeiten im Pyjama
einzuneh=
nen, doch ziehen manche Damen dennoch ein
leichtes Kleid vor; man verfertigt es aus
Shantung oder aus dem neuartigen Douppion
in einer ſchönen (lichtechten) Farbe: eine
ein=
fache Faltenfaſſon mit breitem Gürtel iſt immer
am kleidſamſten und kurze Aermel ſind für den
Hochſommer natürlich außerordentlich beliebt
(Letzte Skizze der oberen Reihe).
3 Uhr nachmittags: Die frühen
Nachmittags=
ſtunden verwendet man immer gerne für
Boots= und Segel=Touren und trägt zu dieſen
Gelegenheiten einen weißen Rock mit einer
blauen, ſchmal=gegürteten Bordjacke, die
ent=
zückend ausſieht. Natürlich gibt es dieſe
Jäck=
chen auch in anderen Farben, wobei Kirſchrot,
Giftgrün und Schwefelgelb als beliebte
Schat=
tierungen gelten (Figur 1 untere Reihe).
5 Uhr nachmittags: Die Zeit des Tanztees.
iſt gekommen; für ſolche Gelegenheiten wünſcht
man ein anmutiges und gleichzeitig dekoratives
Kleid und wird ſich zweifellos für ein buntes
Gazemodell entſcheiden; die halblange Form iſt
ſicherlich die allerbeſte, da ein derärtiges Kleid
gelegentlich auch für den Abend heranzuziehen
iſt. Ein kleines Schirmchen, mit dem gleichen
Imprimemateriale beſpannt, ſieht ganz
ent=
zückend aus. . .
7 Uhr: Die Sonne ſteht ſchon tief, es iſt
auch kühler geworden. Darum raſch zum
Tennisplatz! Das Allereinfachſte iſt hier
erfah=
rungsgemäß das Richtigſte, denn die ſportliche
Note darf ja unter keinen Umſtänden umgangen
werden. Ein ſchlichtes, leicht=glockiges Kleid,
wie wir es als vorletzte Zeichnung bringen,
wird unbedingt am allerbeſten gefallen.
heranzuziehen, weil es maßvoll, beſcheiden und
dabei reſtlos vornehm wirkt.
Außerdem iſt es in dieſem Falle auch
ver=
hältnismäßig leicht, die verſchiedenen Attribute
der Aufmachung anzuſchaffen, da ja faſt jede
Dame einen ſchwarzen Hut, eine ſchwarze
Handtaſche, eine ſchwarzeweiße Kette, die
rich=
tigen Handſchuhe u. ſ. f. beſitzt, während für
Garderobeſtücke in einer paranten Modefarbe
mmer erſt die verſchiedenen Kleinigkeiten
be=
ſorgt werden müſſen, was nicht nur viel Mühe.
verurſacht, ſondern auch neuen Ausgaben
gleich=
kommt, denen man ja gerne aus dem Wege
geht.
Die Schwarz=Weiß=Note hat für den
Som=
mer in den großen Salons ſicherlich eine nicht
zu leugnende Popularität erlangt, wofür ſchon
der Umſtand ſpricht, daß man dieſe Idee in
den verſchiedenſten Materialien zum Ausdruck
bringt und ſomit Schwarz=Weiß zu allen
Tages=
zeiten ſehen wird.
Ganz entzückend ſind die ſchwarz=weißen
ſommerlichen Koſtüme, die entweder aus
einem ganz beſonders poröſen fresko= oder
panamaartigen Stoff, oder aber aus einem
kompakten, aber doch nicht zu ſchweren
Seiden=
material (etwa aus Marokko=Krepp) hergeſtellt
ſind.
Es handelt ſich hier vielfach um „Schößel=
Jacken”, die aber ſehr „maßvoll” gehalten ſind,
11 Uhr nachts: Nun das Allerwichtigſte:
das Abendkleid! Es ſoll ſeine Trägerin, die
man bisher nur in einfacher Aufmachung zu
ſehen Gelegenheit hatte, nun vollkommen
ver=
wandeln; darum wird die lange Linie, die
ge=
legentlich durch Schößel=Formen bereichert
Lllode-Schach.
Die neuen Schwarz=Weiß=
Schaffungen.
Kontraſtreiche Farbeffekte gelten ſeit jeher
als außerordentlich beliebt, ſo daß die elegante
Frau dieſe Wirkungen ſehr zu ſchätzen weiß,
umſomehr als ſie immer viel vornehmer ſind
als jeder Effekt, der aus Garnierungen
gleichviel welcher Art — geholt wird.
Eine Zuſammenſtellung verſchiedener
Far=
ben lediglich als ſchneidertechniſche Arbeit zu
werten, wäre ganz entſchieden unrichtig, da ſich
ja gerade hier eine Frage des kultivierten
Ge=
ſchmackes aufwirft, womit jeder Dame die
Möglichkeit gegeben iſt, ihren geſchulten
modi=
chen Sinn zur Geltung zu bringen.
Immer wieder iſt man ja in der Lage
feſt=
zuſtellen, daß eine wirklich elegante Frau
nie=
mals durch auffällige Garderobeſtücke mit
kom=
plizierter Machart hervortritt, ſondern durch
jene feinen modiſchen Effekte zur Geltung
kommt, die beiſpielsweiſe aus einer richtigen,
mit abſoluter Sicherheit getroffenen
Kompoſi=
tion der Farben entſtehen.
Natürlich gibt es gar manche
Zuſammen=
ſtellungen, die zwar ſehr ſchick, jedoch „gewagt”
ſind, wodurch es leicht erklärlich erſcheint, wenn
ſich die elegante Frau immer wieder gerne zu
Schwarz=Weiß bekennt, das jene Note
darſtellt, die immer Aktualität beſitzt und auch
der Tagesmode nicht in dem Maße
unterwor=
fen iſt, wie ausgeſprochene Modefarben.
Schwarz=Weiß iſt abgeſehen davon auch
außerordentlich kleidſam und für jeden Zweck
Die neueſte Moderichtung ſchreibt
ſeltſamer=
weiſe für den Sommerabend Satin als letzte
Neuheit vor, doch gilt auch Georgette,
Rou=
main, Bilitis und Gaze als ſehr aktuell. Ein
ſchönes Kleid mit fließender, aus unten
ver=
breiterten Teilen zuſammengeſetzter Rockpartie
und einem drapierten Oberteil führt unſer
zweites Bild vor Augen; als Vervollſtändigung
iſt ein ſchwarzer Paletot mit flügel=ähnlichen
Halbärmeln vorgeſehen, der gegebenenfalls auch
am unteren Rande mit weißem Fell beſetzt ſein,
unter allen Umſtänden aber ungefüttert bleiben
kann. Falls eine ſolche Umhülle aber auch zu
Abendkleidern in anderer Farbe getragen
wer=
den ſoll, tut man gut daran, ſie entweder
un=
verbrämt zu laſſen oder aber mit ſchwarzem
Pelzwerk zu beſetzen, da auf dieſe Weiſe jene
Neutralität gewahrt wird, die ſich immer
wie=
der als zweckentſprechend erweiſt.
Auch die Hauskleidung und die
Pyjama=
mode hat die Schwarz=Weiß=Kontraſte
aufge=
griffen.
Wie reizend wirkt beiſpielsweiſe ein weißer
Haus= oder Strandanzug mit breit=gelegtem,
ſchwarzem Gürtel und einem kurzen, ſchwarzen
Bolerojäckchen (letzte Skizze).
Man kann zweifellos an Hand unſerer
Bil=
der genau feſtſtellen, daß die ſchwarz=weiße
Kontraſtmode auf allen Linien außerordentlich
Robert Hohenberg.
erfolgreich iſt!
wird gerne gewahrt. Das Kleid ſelbſt kann
durch einen großen Blütentuff in der Taille
inen ſchicken Effekt erhalten. Spitze, Gaze oder
auch die neuartigen Satinſeiden ſind als
be=
vorzugte Gewebe der ſommerabendlichen Mode
zu bezeichnen (Letztes Bild).
Willy Ungar.
die Linie alſo nur ahnen laſſen, ohne ſie —
wie dies vor einigen Monaten der Fall war
— allzuſehr zu betonen. Der Rock und der
größte Teil der Jacke ſind aus ſchwarzem
Material gearbeitet, während der „Rahmen”
der Jacke in weiß ausgeführt iſt. Weiße
Handſchuhe und ein weiß=ſchwarzer Schirm
bilden die richtige Vervollſtändigung eines
ſolchen Trotteurmodells.
Die Nachmittagsmode ſteht mit ihren
ſchö=
nen Imprimés vielfach auch im Zeichen der
Schwarz=Weiß=Kontraſte; mitunter werden
dieſe Schaffungen mit einfarbigem weißem
oder ſchwarzem Material kombiniert und mit
weißen Garnituren aus Georgette, Piqué oder
Organdy verſehen.
Unſere dritte Figur führt ein ſehr ſchickes
Seiden=Nachmittagskleid (mit ſchwarzem
Muſter auf weißem Grunde) vor Augen. Der
helle Beſatz der Rockpartie läßt die Wirkung
des Imprimés noch deutlicher hervortreten.
Ein weißer, ſogenannter „Cape=Latzkragen”
mit Rüſchenrandung iſt eine ganz entzückende
Garnierung. Die kurzen, mit Volants
abſchlie=
ßenden Aermel erfreuen ſich allgemeiner
Be=
liebtheit. Sommerkleider dieſer Art werden
nit breitrandigen, weißen Hüten getragen,
deren Aufputz nur aus einem ſchmalen Bande
beſteht.
Große Erfolge hat die ſchwarz=weiße Mode
bei der abendlichen Kleidung zu verzeichnen,
da ſich hier der Vorteil bietet, von der Saiſon
inſofern unabhängig zu ſein, als ein Modell
dieſer Art nicht nur jetzt getragen werden
ann, ſondern auch ſpäterhin ſehr gute Dienſte
leiſten wird.