Darmstädter Tagblatt 1931


05. Juli 1931

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Einzelnummer 15 Pfennige

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Sonntag, den 5. Juli 1931.
Nummer 184
194. Jahrgang

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ſede Verpflichtung auf Erfüllung der Anzeigene
aufträge und Teiſſung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtlicher Beſtreibung fällt jeder
Nabat weg. Bankkonto Deutſche Bank und Daim=
ſädter
und Naiſonalbank.

Noch keine (inigung in Paris.
Die Berhandlungen dauern an. Neue Noke Hoovers in Paris überreichk. Die lehken amerikaniſchen
Forderungen. Endgültiger Abſchluß der Beralungen kaum vor Monkag.

Amerikas Skandpunkk.
Das franzöſiſche Communigué bedenket noch keine
prinzipielle Zuſtimmung Frankreichs
zum Hoover=Plan.
* In der geſtrigen Nacht haben die Franzoſen eine Art Sie=
gesbulletin
ausgegeben, aus deſſen ganzer Formulierung ent=
nommen
werden mußte, daß in den grundſätzlichen Fragen eine
Verſtändigung zwiſchen Amerika und Frankreich zuſtande gekom=
men
ſei, daß es ſich alſo nur noch um die Regelung kleinerer Fra=
gen
handeln könnte. Merkwürdigerweiſe iſt aber, obwohl in=
zwiſchen
faſt ein ganzer Tag verging, über die weiteren Einzel=
heiten
nichts mehr bekannt geworden. Im Gegenteil, nach dem,
was ſeither durchſickerte, läßt ſich vermuten, daß es ſich bei der
Einigung vorläufig nur um einen Bluff handelt, der haupt=
ſächlich
nur darauf berechnet iſt, die Vertagung der
franzöſiſchen Kammer zu erzwingen, was Herrn La=
val
auch wohl gelungen iſt. Sieht man ſich aber das Communiaué
einmal genauer an, dann iſt es in ſeinen Feſtſtellungen ſehr vor=
ſichtig
. Es ſagte nur, es ſcheine, daß die Einigung ſehr bald er=
zielt
werde. Seither hat aber der amerikaniſche Unterſtaatsſekre=
tär
Caſtle erklärt, daß im Weißen Hauſe das franzöſiſche
Communiqué nicht als eine prinzipielle An=
nahme
des Hoover=Planes angeſehen werde. Hier
klafft alſo ein Widerſpruch, der nicht zu überbrücken iſt. Er kann
erſt gelöſt werden, wenn weitere Einzelheiten bekannt werden.
Jedenfalls hat man vorläufig noch nicht den Eindruck, als ob Herr
Hoover vor der franzöſiſchen Regierung kapitulieren wolle. Er
hat zwar das grundſätzliche Zugeſtändnis gemacht, daß die unge=
ſchützten
Zahlungen weitergehen; dafür hat Frankreich ſich damit
einverſtanden erklärt, daß dieſe Zahlungen, ſofort wieder an
Deutſchland in Form eines Kredites zurückgehen, vermutlich un=
mittelbar
an die Reichsbahn, die ja nach der ganzen Konſtruktion
des Young=Planes die Trägerin der ungeſchützten Zahlungen iſt.
Dagegen tappt man wegen der anderen beiden Streitfragen, der
Rückzahlung dieſes Kredites und der Geſtaltung des Garantie=
fonds
, völlig im Dunkeln. Die Möglichkeit einer techniſchen Re=
parationskonferenz
hängt darüber hinaus weiter in der Luft, und
es könnte ſchon ſein, daß noch einige Tage vergehen, ehe man über=
haupt
klar ſieht, wie die Einigung über die praktiſche Durchfüh=
rung
des Hoover=Planes tatſächlich ausſieht.
Forkſekung der Pariſer Ausſprache
über die noch ſtrikkigen Punkke.
EP. Paris, 4. Juli.
Die franzöſiſch=amerikaniſchen Verhandlungen dauern an.
Schatzſekretär Mellon und Botſchafter Edge hatten heute mittag
von 12 Uhr 20 bis 1 Uhr 05 eine Beſprechung mit dem Finanz=
miniſter
Flandin. Im Verlaufe dieſer Unterredung wurden die
noch ſtrittigen Punkte erneut von beiden Seiten einer eingehen=
den
Prüfung unterzogen. Schatzſekretär Mellon hatte darauf
eine telephoniſche Beſprechung mit dem Präſidenten Hoover. Eine
neue Note des Präſidenten Hoover iſt hier eingetrof=
ſen
, die dem um 4 Uhr begonnenen franzöſiſchenMiniſter=
eatüberreicht
worden iſt. Sie enthält den endgültigen
Standpunkt der amerikaniſchen Regierung über
zie noch ſchwebenden Fragen. Der Miniſterrat hat
dazu Stellung genommen.
Franzöſiſcher Miniſterrak über die Hoover=Noke.
Nach Abſchluß des Miniſterrates wurde eine amtliche Ver=
autbarung
herausgegeben, in der es nur heißt: Die zuſtändigen
Niniſter hätten über den Stand der Verhandlungen Bericht er=
tattet
. Am Samstag abend, 21.30 Uhr, werde eine neue
ranzöſiſch=amerikaniſche Konferenz ſtattfinden.
Niniſterpräſident Laval fügte beim Verlaſſen des Elyfées hin=
u
, daß vor Montag kaum ein endgültiger Ab=
chluß
zu erwarten ſei, da ſich Schatzkanzler Mellon noch
inmal mit dem Präſidenten Hoover in Verbindung ſetzen will.
ſeber Einzelheiten befragt, verweigerte der Miniſterpräſident
de Auskunft.
Die kalie Duſche aus Waſhingkon und London.
Die Pariſer Nachmittagsblätter ſind einigermaßen überraſcht
ber gewiſſe aus Waſhington hierher gelangte Nachrichten, wo=
ach
Unterſtaatsſekretär Caſtle erklärt hat, eine
rinzipielle Einigung ſei noch nicht zuſtande
ekommen; das geſtern nachmittag veröffent=
ichte
Communiqus könne nicht als eine grund=
ätzliche
Annahme des Hooverplanes betrachtet
erden. Einigermaßen abkühlend haben auch die geſtrigen
rklärungen des Schatzkanzlers Snowden gewirkt,
ſonach Großbritannien bereits genug Opfer ge=
racht
habe und nicht mehr weiter auf dieſem Wege gehen
ſerde, eine Erklärung, die hier in dem Sinne ausgelegt wird,
ſie die Löſung des Problems über den Garantiefonds nicht
rleichtert.

Die Abendſihung.

Seit 21.30 Uhr ſind die franzöſiſch=amerikaniſchen Beſprechun=
gen
wieder im Gange. Es nehmen daran teil franzöſiſcherſeits:
Miniſterpräſident Laval, Außenminiſter Briand, Finanzminiſter
Flandin und Unterſtaatsſekretär Poncet; amerikaniſcherſeits:
Staatsſekretär Mellon, Botſchafter Edge ſowie zwei Mitglieder
der amerikaniſchen Botſchaft in Paris.

Verſtimmung in Paris.

London, 4. Juli.
Der Pariſer Reuter=Korreſpondent meldet: Die allge=
meine
Befriedigung, die in Frankreich über das
Zuſtandekommen einer Vereinbarung mit Ame=
rika
herrſche, werde gedämpft durch die Ausſicht
aufeine Konferenz der Unterzeichner des Young=
planes
, die wahrſcheinlich in London ſtattfinde und auf der
Snowden wieder den britiſchen Geldſchrank verteidigen werde.
Man habe es Frankreich überlaſſen, die Schwierigkeiten mit dem
Garantiefonds in Ordnung zu bringen, an dem Großbritannien
in erſter Linie intereſſiert iſt. Es iſt keine Zeit zuverlie=
ren
, wenn eine endgültige Einigung über die
Anpaſſung des Hoover=Planes an den Young=
Plan zwiſchen den Unterzeichnern, vor dem 15.
Juli, dem Datum der Zahlung Deutſchlands, er=
reicht
werden ſoll. Ferner meldet der Reuter=Korreſp., es
verlaute, daß die Franzoſen und Amerikaner ſehr verſtimmt über
Snowdens Haltung ſeien, dem ſie vorwerfen, daß er der Regelung
des Garantiefonds Schwierigkeiten in den Weg lege. Sie erklär=
ten
, wenn Großbritannien ſeine Mithilfe verſage, könnte eine
Löſung ſehr ſchwierig ſein. Die Franzoſen ſeien bereits dadurch,
daß man Snowdens hartnäckige Knauſereien kenne, zu einer ſchär=
feren
Haltung veranlaßt worden. Im übrigen ſei die britiſche
Einladung zu einer Konferenz der Unterzeichner des Young=
Planes noch gültig und es ſei jetzt Sache Frankreichs und der an=
deren
Mächte, ſich dazu zu äußern.
Der amerikaniſche Nakionalfeierkag
unker dem Eindruck der Pariſer Berhandlungen.
Waſhington, 4. Juli.
In dieſem Jahre herrſcht am amerikaniſchen Unabhängigkeits=
tag
im Weißen Hauſe und im Staatsſekretariat nervöſe Geſchäf=
tigkeit
ſtatt der in anderen Jahren gewohnten Todesſtille. Der in
den letzten zwei Tagen herrſchende Optimismus iſt nicht ins
Gegenteil umgeſchlagen, ſondern man glaubt nach wie vor daran,
daß Frankreich in allen in dem amerikaniſchen Memorandum vom
Mittwoch als weſentlich bezeichneten Punkten nachgeben
wird. Lediglich die große Enttäuſchung darüber, daß man nicht,
wie man ſehnſüchtig gehofft hatte, geſtern am Vorabend des gro=
ßen
amerikaniſchen Nationalfeiertages die Annahme des Hoover=
planes
bekanntgeben konnte, iſt die Urſache für die gegenwärtig
herrſchende gedrückte Stimmung. Präſident Hoover entſchloß ſich
um 11 Uhr amerikaniſcher Zeit, noch ſeinen geplanten Ausflug
nach Rapidan Camp anzutreten. Die Berichte über den Fort=
gang
der Verhandlungen werden ihm nach dorthin weitergeleitet,
um ihn auf dem Laufenden zu halten.

Stimſon in Gibralkar.

Der amerikaniſche Staatsſekretär Stimſon, der ſich auf der
Reiſe nach Italien befindet, traf heute hier an Bord des Damp=
fers
Conte Grande ein. Er ſtattete dem engliſchen General=
gouverneur
Sir Alexander Godley einen Beſuch ab und nahm an
einem Empfang im amerikaniſchen Konſulat teil. Stimſon ging
darauf wieder an Bord des Conte Grande und ſetzte ſeine Fahrt
nach Neapel fort.
Sihung des Reichskabinekts
über das Reparakionsproblem.
Berlin, 4. Juli.
Das Reichskabinett iſt am Samstag vormittag um 11 Uhr
zu einer Sitzung zuſammengetreten, in der ſowohl die außenpoli=
tiſche
Lage, wie innenpolitiſche Fragen beſprochen wurden. Die
Sitzung zog ſich bis in die erſten Nachmittagsſtunden hin. An
den Beſprechungen nahm auch Reichsbankpräſident Dr. Luther
teil. Das erſte Thema war die allgemeine Lage, zu der ſich im
beſonderen die an dem Reparationsproblem reſſortmäßig beteilig=
ten
Mitglieder ausführlich äußerten. In dieſem Zuſammenhang
wurde auch die gegenwärtige Finanz= und Wirtſchaftslage erör=
tert
, wobei die Möglichkeiten beſprochen wurden, die zur Sanie=
rung
von Staat und Wirtſchaft weiterhin noch ergriffen werden
könnten.
Die Germania ſchreibt über die Entwicklung, in Paris:
Sollte es ſich bewahrheiten, daß die franzöſiſche Regierung die
deutſchen Kredite der B. J. Z3. nur für die Reichsbahn, nicht aber
für die deutſche Reichsregierung zulaſſen will, ſo würde das ein
erneuter Beweis dafür ſein, mit welcher Hartnäckigkeit Frankreich
an der unbedingten Rückzahlbarkeit der geſchuldeten und geſtun=
deten
Summe feſthält und wie ſchwer es ſein werde, bei zukünf=
tigen
Reparationsverhandlungen weitergehende Zugeſtändniſſe
von Frankreich zu erlangen. Eines erſcheint jedenfalls bereits
ſicher, ſo ſchreibt das Blatt weiter, daß der Plan und die Klar=
heit
des urſprünglichen Hooverſchen Vorſchlags ſtark an Farbe
verloren hat, und daß der Moratoriumsplan, auch wenn er rück=
wirkend
vom 1. Juli an in Kraft geſetzt wird, nicht mehr hun=
dertprozentig
den von Hoover in ihn geſetzten Erwartungen ent=
Frechen kann.

* Das Chaos
in der franzöſiſchen Innenpolikik.
Die nachſtehenden Ausführungen unſeres Pariſer
A=Korreſpondenten, welche die innerpolitiſche Lage
in Frankreich zuſammenfaſſend erörtern, dürften für
unſere Leſer im Hinblick auf die bis zur Stunde
immer noch nicht abgeſchloſſenen franzöſiſch= amerika=
niſchen
Verhandlungen von beſonderem Intereſſe
ſein.
Die Schriftleitung.
Die Einigkeit, welche Kammer und Senat im Angeſicht einer
ſchwierigen außenpolitiſchen Situation bewieſen, könnte bei
oberflächlicher Betrachtung über die wahre Lage der franzöſiſchen
Innenpolitik hinwegtäuſchen. Denn äußerlich ſieht es ſo aus,
als ob hinter der Regierung eine tragfähige und homogene
Mehrheit ſtehen würde. In Wirklichkeit ſehen aber die Dinge
weſentlich anders aus. Es gibt nun einmal ein ungeſchriebenes
Geſetz im franzöſiſchen Parlamentarismus und dieſes beſteht
darin, keine Regierung über aktuelle außenpolitiſche Fragen zu
ſtürzen. Es gibt wohl Ausnahmen, aber ſie ſind äußerſt ſel=
ten
. Diesmal waren aber auch andere Faktoren am Werke,
welche die Kriſe verhinderten. Entſcheidend aber für die geſamte
Entwicklung der Dinge iſt die hoffnungsloſe Unent=
ſchloſſenheit
der Parteien gegenüber der innen= und
außenpolitiſchen Lage.
Als Pierre Laval ſeine Regierung bildete ſprach man von
ihm als von einem Politiker, der an der Spitze des Kabinetts
eine Verlegenheitslöſung darſtelle. Eine Linksregierung war un=
möglich
, Tardieu konnte als Miniſterpräſident nicht zurückkom=
men
, alſo griff man zu Laval. Selbſt die treueſte Regierungs=
preſſe
ſprach von ihm mit einer wohlwollenden Herablaſſung.
In der Tat, ſein Auftreten und ſeine Laufbahn ließen ihn nicht
als einen Staatsmann großen Formats erſcheinen. Seine Ge=
ſchicklichkeit
in Verhandlungen und Kompromiſſen wurde aner=
kannt
, das war aber auch alles. Man nahm mit ihm vorlieb,
denn ſchließlich wurde damals ein Miniſterpräſident für eine
gegebene Mehrheit geſucht ...
Laval hielt mehr als er verſprach. Er erwies ſich in ſchwie=
rigen
Situationen genau ſo geſchickt, wenn nicht geſchickter als
ſeine Vorgänger und fiel der Kammer bedeutend weniger zu
Laſt. Gewiß könnte man ihm vorwerfen, daß ihm das Schöpfe=
riſche
fehlt, doch dieſer Vorwurf könnte auch andere treffen.
Weit weniger dagegen als man erwartet hatte, bewährten
ſich das Kabinett als ganzes und die Regierungs,mehrheit!
Das Kabinett erwies ſich, trotzdem es Politiker von Rang in
ſeiner Reihe zählte oder vielleicht gerade deswegen , als
höchſt uneinig und ſchwerfällig. Und die Mehrheit ſie
exiſtierte einfach nicht. Die Situation hatte ſich eben
bedeutſam geändert. Heute iſt man auf der ſtändigen Suche nach
einer Regierungsmehrheit. Man ſucht ſie Tag und Nacht und
man findet ſie auch manchmal für Augenblicke. Dagegen iſt das
perſönliche Anſehen Lavals recht groß.
Die Abſtimmung in der Kammer über die Antwort auf den
Hoovervorſchlag ergab eine Mehrheit für die Regierung von
197 Stimmen. Aber 107 Sozialiſten mußten für die Regie=
rung
ſtimmen, ſonſt wäre ſie mit 17 Stimmen in der Minder=
heit
geblieben! Der Umſtand, daß die franzöſiſchen Sozialiſten für
eine Rechtsregierung ſtimmten, dieſelben Sozialiſten, die doch
grundſätzlich mit keiner bürgerlichen Regierung zuſammenarbei=
ten
, iſt mehr wie kennzeichnend. Nur bei einer ſo außerordent=
lichen
Situation, konnte er eintreten. Die Sozialiſten wollten
die Schwierigkeiten, die dem Hooverplan entgegenſtanden, aus
dem Wege räumen und darum haben ſie über die Köpfe der
bürgerlichen Linken hinweg die Regierung der Rechten gerettet.
Aber auf die Rettung durch die Sozialiſten konnte ſich die Re=
gierung
nur einmal verlaſſen. Und die ſozialiſtiſchen Stimmen
pflegen das Wort ſtammt von Léon Blum den Regierun=
gen
kein Glück zu bringen.
Die Regierung wurde alſo vor der Kammer durch die eigene
Mehrheit, oder wenigſtens von einem großen Teil davon, im
Stich gelaſſen, und die äußerſte linke Oppoſition mußte eingrei=
fen
. Vor dem Senat erfocht Laval einen ähnlichen Pyrrhusſieg,
der Unterſchied beſtand nur darin, daß von ſeiten des Senats
die Gefahr einer Kriſe nach dem Votum der Kammer nicht mehr
ernſtlich drohte.
Briand, der Außenminiſter, verhielt ſich während der ganzen
Debatte dem Vorſchlag Hoovers gegenüber völlig paſſiv. Er
ließ die Debatte über ſeinen Kopf hinweggehen, wie etwas, was
ihn nichts anging und ihn nicht einmal berührte. Er verlangte
von dem Parlament nicht einmal die Vollmachten, die eigentlich
in einem ſolchen Falle ſelbſtverſtändlich geweſen wären. Reſig=
nation
? Oder Selbſtvertrauen? Seine Freunde ſagen, er wolle
in der Kammer die nötige Rückendeckung haben gegen allzuweit
gehende Forderungen. Wie dem aber auch ſei, ſeine einzige
Manifeſtation während der ganzen Debatte war, daß er bei der
Rede Franklin Bouillons in der Kammer einſchlief.
Während die marxiſtiſchen Sozialiſten die Regierung rette=
ten
, blieb die bürgerliche Linke in der Oppoſition. In der
Kammer ſtimmte ſie gegen die Regierung, im Senat enthielt ſie
ſich der Abſtimmung. Dieſe Haltung entſpricht aber nicht allein
der unentwegten Oppoſition, in der ſie ſich befindet, ſondern
dem außenpolitiſchen Richtungswechſel, den ſie
vollzog. Vielleicht mit Rückſicht auf die Wahlen, vielleicht
aus anderen Gründen hat ſich die radikale Partei, mit Herriot
an der Spitze und von ihm geht die Wandlung aus in
außenpolitiſcher Hinſicht die Anſichten der Rechten zu eigen ge=
macht
. Sie betont zwar weiter ihren Pazifismus, aber das iſt
nur Theorie, in der Praxis kämpft ſie nicht mehr für die Ver=
ſtändigung
mit Deutſchland. Dieſe Wendung fällt zeitlich mit
dem Bekanntwerden des Planes der deutſch=öſterreichiſchen Zoll=
union
zuſammen. Die logiſche Folgerung aber aus dieſem Rich=
tungswechſel
wäre für die Innenpolitik der Abbruch der Brücken
zu den Sozialiſten; doch davon iſt vorläufig noch nicht das ge=
ringſte
zu bemerken.
Die Radikalen ſind gegenwärtig nicht ſtark genug, um ſelbſt
eine Regierung zu bilden. Sie können aber die Lage der Re=
gierung
ſo labil machen, daß dieſe gezwungen wird, ſtändig
mit Inen m rechnen. Ef alle Fälle iſt das Selbſtvertranen

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Seite 21

Sonntag, den 5. Iuli 1931

Nummer 184

der Radikalen in der letzten Zeit beachtlich gewachſen, da man
in Frankreich allmählich mit einem Ruck nach links bei den
nächſten Wahlen rechnet.
Bei dieſer peinlichen Lage iſt es der Regierung Laval kaum
zu verdenken, daß ſie ihren Haupttrumpf ausſpielte und die
Kammer in die Ferien ſchickte. Selbſtverſtändlich, daß hier die
peinlichen Verhandlungen mit den Amerikanern eine nicht uner=
hebliche
Rolle ſpielten, verſtändlich der Wunſch, ſich wenigſtens
vorübergehend einige Ellenbogenfreiheit zu verſchaffen. Die
Kriſis iſt vertagt. Das innerpolitiſche Chaos aber, das zurzeit
in Frankreich herrſcht, dauert fort.

Engliſcher Blokkenbeſuch in Kiel.
Cheguers wirkk ſich aus. England nimmk die freund=
ſchaftlichen
Beziehungen zu deutſchland wieder auf.
Kiel, 4. Juli.
Zum erſten Male ſeit dem Kriege ſtatteten heute engliſche
Kriegsſchiffe einem deutſchen Hafen einen Beſuch ab. Es han=
delt
ſich um das zweite britiſche Kreuzergeſchwader, das am heu=
tigen
Vormittag nach einer längeren Kreuzfahrt in der Oſtſee,
die es zuletzt nach Stockholm geführt hatte, zu einem mehr=
tägigen
inoffiziellen Beſuch in den Kieler Hafen einlief. Bald
nach 9 Uhr kamen die Kreuzer Dorſetſhire und Norfolk in
Kiellinie fahrend in Sicht, nachdem ſie bereits bei Kiel=
Feuerſchiff die deutſchen Begrüßungsoffiziere
und Lotſen an Bord genommen hatten. Bei Paſſie=
ren
des Friedrichsorter Leuchtturmes feuerte das Flaggſchiff des
engliſchen Geſchwaderchefs, die Dorſetſhire 21 Schuß Lan=
desſalut
, während zugleich am hinteren Maſt
die deutſche Flagge emporſtieg. Die Salut=
batterie
Friedrichsort erwiderte den Gruß und
hißte ihrerſeits die engliſche Flagge. Mit halber
Fahrt liefen die Kreuzer nun in den Hafen ein, der von zahl=
reichen
Booten bevölkert war, während ſich an den Fördeufern
viele Schauluſtige eingefunden hatten. Als die Dorſetſhire
das erſte der an den Bojen inmitten des Hafens ankernden
deutſchen Kriegsſchiffes erreicht hatte, begrüßte ſie die
Flagge des deutſchen Flottenchefs, Vizeadmiral
Oldekop, mit 15 Schuß, der von dem Linienſchiff
Schleswig=Holſtein mit 15 Schuß für den eng=
liſchen
Konteradmiral erwidert wurde. Gleich=
zeitig
intonierten die Bordkapellen die beider=
ſeitigen
Nationalhymnen. Auf ſämtlichen
Kriegsſchiffen hatten die Mannſchaften Parade=
aufſtellung
genommen. Das Feſtmachen an den Bojen,
flankiert von je zwei deutſchen Kriegsſchiffen, ging nunmehr mit
Unterſtützung zweier deutſcher Kutter glatt vonſtatten.
Kurze Zeit darauf begab ſich der engliſche Generalkonſul
Shephard zur Begrüßung an Bord der Dorſetſhire zur Be=
grüßung
ſeiner Landsleute. Nachdem der engliſche Generalkon=
ſul
Shepherd die Dorſetſhire verlaſſen hatte, wobei der übliche
Diplomatenſalut gefeuert wurde, begab ſich der engliſche Ge=
ſchwaderchef
, Konteradmiral Satley=Ruſhton, an Land, um den
Beſuch des engliſchen Generalkonſuls im Hotel Continental zu
erwidern. Im Anſchluß hieran ſtattete der Admiral dem Chef
der Marineſtation der Oſtſee, Vizeadmiral Hanſen, im Kom=
mandogebäude
einen kurzen Beſuch ab, dem weitere Beſuche beim
Oberpraſidenten der Provinz Schleswig=Holſtein, Kürbis, beim
Oberbürgermeiſter der Stadt Kiel, Dr. Lucken, und zuletzt beim
Flottenchef, Vizeadmiral Oldekop, auf Linienſchiff Schleswig=
Holſtein folgten. Beim letzten Empfang nahmen auch der
Befehlshaber der Aufklärungsſtreitkräfte, Konteradmiral Albrecht
und die Kommandanten der im Hafen liegenden deutſchen
Kriegsſchiffe teil. Später erwiderten die geſamten deutſchen
Herren die Beſuche an Bord des engliſchen Flaggſchiffes.
Kleine Aenderungen der Nolverordnung.
Der Reichskanzler hat vor einigen Tagen die einzelnen Reſ=
ſorts
beauftragt, die Notverordnung noch einmal durchzugehen
und darauf zu ſehen, daß dort, wo ſich bei ihrer Durchführung un=
angebrachte
Härten ergeben, Milderungen vorgenommen werden.
Namentlich das Reichsarbeitsminiſterium hat ſich veranlaßt ge=
ſehen
, einige Aenderungen vorzuſchlagen, die ſich auf die Kriſen=
ſteuer
, die Erwerbsloſenfürſorge und die Verſorgung der Kriegs=
beſchädigten
beziehen. Sobald die Entwürfe ſpruchreif ſind, wird
ſich das Kabinett bei nächſter Gelegenheit mit ihnen beſchäftigen.
Der Reichsrat will am 15. Juli in die Ferien gehen. Es iſt nicht
ausgeſchloſſen, daß ihm noch rechtzeitig die kleinen Aenderungen
der Notverordnung zur Verabſchiedung vorgelegt werden. Es dar
aber ſchon jetzt darauf hingewieſen werden, daß grundſätzlich
an der Notverordnung nichts geändert und vor
allem der finanzielle Nutzen nicht beeinträch=
tigt
wird.

Vom Tage.

Reichspräſident von Hindenburg ſandte an den Präſidenten
Hoover ein Glückwunſchtelegramm zum Unabhängigkeitstage, das
mit den Worten ſchließt: Ich hoffe aufrichtig, daß ſich die zwi=
ſchen
den Vereinigten Staaten und Deutſchland beſtehenden
freundſchaftlichen Beziehungen immer mehr feſtigen werden, und
daß die von Ihnen eingeleitete hochherzige Aktion ſich für die
ganze Welt ſegensreich auswirken möge.
Reichsaußenminiſter Curtius hat geſtern dem amerikaniſchen
Botſchafter Sackett einen Beſuch abgeſtattet, um ihm auch perſön=
lich
die Glückwünſche der Reichsregierung zum amerikaniſchen
Nationalfeiertag zu übermitteln.
Die deutſch=ſchweizeriſchen Verhandlungen über Abänderung
einiger Zollpoſitionen, namentlich Erhöhung der Einfuhrzölle für
Schuhe, ſollen in der nächſten Zeit wieder aufgenommen werden.
Aehnliche Verhandlungen ſollen auch mit der Tſchechoſlowakei
erfolgen.

Zu dem engliſchen Flottenbeſuch in Kiel ſchreibt der Daily
Herald, daß dieſer Beſuch, genau ſo wie der Beſuch in Chequers,
eine Bekundung der engliſch=deutſchen Freundſchaft darſtelle.
Der polniſche Geſandte in Waſhington teilte dem Staats=
departement
mit, daß ſeine Regierung vorbehaltlos das Hoo=
verſche
Angebot annehme.
In Poſen wurde in Anweſenheit des Staatspräſidenten
Moſcicki, der Witwe Wilſons, des Kardinalprimas, des amerika=
niſchen
Botſchafters in Warſchau, Willys, des polniſchen Botſchaf=
ters
in Waſhington. Filipowicz, und anderer Ehrengäſte im Wil=
ſon
=Park das von Paderewſki geſtiftete Denkmal zu Ehren des
verſtorbenen Präſidenten der Vereinigten Staaten, Woodrow
Wilſon, feierlich enthüllt.

Zwiſchen den ſtreikenden Webern und den unabhängigen In=
duſtriellen
des Induſtriebezirks Roubaix=Tourcoing iſt eine Eini=
gung
zuſtande gekommen. Zum 5. September tritt eine Lohnver=
minderung
nicht ein. 30 000 Arbeiter von den insgeſamt 120 000
Streikenden werden am Montag die Arbeit wieder aufnehmen.

Der franzöſiſche Marineminiſter Dumont hat einen Geſetz=
entwurf
über das Flottenbauprogramm für 1932/33 eingebracht.
Dieſes umfaßt vier Kreuzer zweiter Klaſſe von je 7500 To., einen
Torpedobootjäger von 2400 bis 2600 To., ein Torpedoboot, ein
Flußkanonenboot, ein Schiff für hydrographiſche Forſchungen. Das
Programm wird mit 1216,9 Millionen Franken veranſchlagt.
Der Herzog von Aoſta, ein Neffe des Königs von Italien, iſt
in Turin im Alter von 62 Jahren geſtorben.

Die Federal=Reſervebank ſoll bereit ſein, zuſammen mit den
Notenbanken der anderen Länder für eine Anleihe von 25 Mil=
lionen
Dollar für die mitteleuropäiſchen Länder aufzukommen,
welche durch das Hooverſche Feierjahr Zahlungsausfälle erleiden.

Die Polizeibehörden von Puna ſind einer anarchiſtiſchen Ver=
ſchwörung
auf die Spur gekommen, die angeblich die Ermordung
von Europäern in Indien zum Ziel hatte. Die Polizei hat meh=
rere
an dem Komplott beteiligte Studenten verhaftet.

Antformee-bor in Munchen.
Das Braune Haus von Landespolizei beſekzt.
München, 4. Juli.
Die Polizeidirektion München erläßt mit ſofortiger Wirkſam=
keit
eine ortspolizeiliche Vorſchrift, wonach es verboten iſt, auf
öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen einheitliche Kleidung
(Uniform, Bundestracht) ſowie Armbinden zu tragen, durch die
die Zugehörigkeit zu einer politiſchen Vereinigung oder zu einer
Schutzeinrichtung einer ſolchen zum Ausdruck gebracht wird. Die
Vorſchrift tritt am 15. Juli 1931 außer Kraft.
Am Samstag nachmittag gegen 3414 Uhr fuhren drei Laſt=
autos
der Grünen Landespolizei vor dem Braunen Haus vor.
Ein Teil der Mannſchaft begab ſich ins Haus. Dieſe Aktion der
Landespolizei gründet ſich lediglich auf die Verordnung der
Staatsregierung, die das Uniformverbot erweiterte und hatte
lediglich zum Ziele, dieſe Verordnung durchzuführen. Das mit
der Durchführung beauftragte Kommando der Landespolizei be=
ſetzte
das Braune Haus und ſtellte Poſten im Umkreiſe auf. Sämt=
liche
in Uniform betroffenen Angehörigen der S.A. wurden mit
den Kraftwagen zur Polizeidirektion zwecks: Feſtſtellung ihrer
Perſonalien gebracht. Sie wurden dann wieder entlaſſen. Die
polizeiliche Beſetzung dürfte in kurzer Zeit wieder aufgehoben
werden.
Brüning an Frau Streſemann.
Reichskanzler Dr. Brüning hat an Frau Streſemann folgen=
des
Telegramm gerichtet: Weil es mir aus dienſtlichen Gründen
unmöglich iſt, an der Feier der Enthüllung des Streſemann=
Ehrenmals in Mainz teilzunehmen, möchte ich dieſe feierliche
Stunde doch nicht vorübergehen laſſen, ohne Ihnen, ſehr verehrte
gnädige Frau, erneut zu verſichern, daß ich mit der Mehrheit des
deutſchen Volkes in Dankbarkeit des großen deutſchen Staats=
mannes
gedenke, der leider zu früh ſeiner Familie und dem Vater=
land
entriſſen worden iſt. Streſemann hat an Deutſchlands Zu=
kunft
geglaubt, er ſoll uns darin ein Vorbild ſein. Reichskanzler
Dr. Brüning.

Das franzöſiſche Parlamenk
Meie detlel geſchiat.
Laval der fortgeſekzten Skörungen ſeiner Politik
durch die Kammer müde.
EP. Paris, 4. Juli.
Am Samstag, um 2.30 Uhr morgens, verlas Miniſterpräſi=
dent
Laval in der Kammer das Schlußdekret, um das in den letz=
ten
Tagen und Stunden heftig gekämpft wurde. Die Kammer
hörte ſchweigend die Worte des Miniſterpräſidenten an. Keinerlei
Kundgebungen wurden laut. Im Namen der Radikalen erklärte
lediglich Herriot, daß er und ſeine Freunde als Zeichen des Pro=
teſtes
gegen dieſen verfrühten Schluß, den amtlichen Bericht
über die Sitzung nicht annehmen werde. Dieſer Bericht wurde
aber trotzdem gebilligt. Das Parlament iſt um 2.40 Uhr in die
Ferien bis November eingetreten, vorausgeſetzt,
daß es Miniſterpräſident Laval nicht für nötig
hält, das Parlament zu einer außerordentlichen
Sitzung einzuberufen, um über die demnächſt wohl zu=
ſtande
kommende Einigung über das Hooverſche Angebot die
Kammer zu unterrichten. Miniſterpräſident Laval ließ ſich bei
dem Entſchluß, das Parlament in die Ferien zu ſchicken, haupt=
ſächlich
von der Notwendigkeit leiten, die franzöſiſch=
amerikaniſchen
Verhandlungen in Ruhe zu Ende
führen zu können. Bei der überreizten Stimmung, nament=
lich
in der Kammer, wäre dies nicht möglich geweſen, wenn das
Haus noch tagen würde.
Belgien pochk auf die Einhalkung der Berkräge.
EP. Brüſſel, 4. Juli.
Eine Interpellation des katholiſchen Abgeordneten Sonzot
in der belgiſchen Kammer, in der dieſer den Hoover=Plan ver=
urteilt
und erklärt, die amerikaniſche Intervention
bewirke, daß man das Vertrauen in die Ver=
träge
verliere, gab dem Außenminiſter Hymans
Gelegenheit, bedeutſame Erklärungen über die
Haltung Belgiens zum Hoover=Angebot abzu=
geben
. Wenn die belgiſche Note in der Form ausgemäßigt ſei,
erklärte der Außenminiſter, ſo ſei ſie doch feſt in ihren Grund=
gedanken
. Nervöſe Geſten und laute Worte könnten nicht als
Baſis von Verhandlungen bilden, damit könne keine Politik ge=
macht
werde. Der belgiſche Botſchafter in Waſhington
habe detaillierte und genaue Informationen erhalten, in denen
vor allem an die feierlichen Verſprechungen er=
innert
wird, die Belgien nicht nur von den
Alliierten, ſondern auch von Deutſchland ge=
macht
worden ſeien. Belgien habe auf das Hoover=
Angebot nicht negativ antworten können, aber es habe for=
melle
Vorbehälte ausgedrückt. Es werde auf diplomati=
ſchem
Wege darüber verhandeln und niemals werde die Regie=
rung
die Rechte Belgiens opfern. Im Verlaufe der Verhand=
lungen
werde die Regierung ſich bemühen, alle nur wünſchens=
werten
Garantien zu erhalten. Der Außenminiſter erkannte an,
daß die Lage in Deutſchland ſehr ernſt geweſen ſei, ſie ſei auch
heute noch kritiſch. Aber dies ſei kein Grund, daß Frankreich
und Belgien dafür zu leiden hätten. Belgien habe unmöglich den
Hoover=Plan nicht annehmen können, aber alle Belgier ſeien
ſich mit der Regierung einig, um zu verlangen, daß das Land
nicht um ſeine Rechte betrogen werde, und dies habe die Re=
gierung
getan.
Der Sozialiſtenführer Vandervelde erklärte ſich mit den Aus=
führungen
einverſtanden.
Die neuen Männer der Sſterreichiſchen Kredikanſtalk.
Wien, 4. Juli.
Der öſterreichiſche Miniſterrat beſchäftigte ſich in einer mehrſtündi=
gen
Beratung mit der Kreditanſtalt und berief gleichzeitig den neuen
Vorſtand; u. a. als Vorſitzenden des Vorſtandes und Generaldirektor den
ehemaligen Miniſter Dr. Alexander Spitzmüller, und als Mitglieder des
Vorſtandes den Generaldirektor der Kontrollbank, Hofrat Dr. Franz Rot=
tenberg
, den Direktor der Hauptbank für Tirol und Vorarlberg, Dr.
Joſeph Joham, und den bisherigen Direktor der Kveditanſtalt und frü=
heren
Beſchaffungsdirektor der öſterreichiſchen Bundesbahnen, Ingenieur
Erich Heller. Weiter wurde beſchloſſen, in der nächſten Sitzung des
Nationalrates eine Vorlage über die Beſtellung eines Reorganiſations=
komitees
einzubringen. Dr. Spitzmüller berichtet über die von ihm be=
reits
getroffenen Maßnahmen zur Herabſetzung der übermäßigen Be=
züge
einſchließlich der Penſionen und nahm den Auftrag entgegen, un=
verzüglich
einen Plan über die Kürzung vorzulegen. Die Vorlage dar=
über
wird im Nationalrat eingebracht werden.

Joſef Winckler.
Zum 50. Geburtstag des Dichters.
Von Dr. Adalbert Schmidt, Wien.
Lange Zeit hindurch war der Dichter Joſef Winckler nur als
Lyriker bekannt. Seine noch vor dem Kriege ohne Namens=
nennung
veröffentlichten Eiſernen Sonette, die er letzlich unter
dem Titel Eiſerne Welt vom heutigen Blickpunkt aus weiter=
gebildet
hat, zeigen in ihm einen Lyriker, der in höchſt eigen=
williger
Weiſe nach einer Art Syntheſe von Geiſt und Technik
ſtrebt. Er kennt nicht romantiſche Weltflucht, kein Zagen vor den
Dingen der Wirklichkeit, aber er iſt auch kein Anbeter des mecha=
niſtiſchen
Säkulums, das einem ſeichten Materialismus huldigt.
Er erobert die Welt der Induſtrie für die Lyrik, aber nicht als
Naturaliſt, der Stoffmaſſen auf Stoffmaſſen häuft und ſich in
ihrer bloßen Aufzählung erſchöpft, ſondern er verſteht es, alles
Eindruckhafte dichteriſch zu geſtalten und mit mythenbildender
Kraft zu erfüllen. Wirklichkeitsſinn und Phantaſie feiern hier
eine wunderbare Vermählung. Dieſe Lyrik iſt das Bekemntnis
eines Tatmenſchen, der des Werktags Stirn den Heiligen=
ſchein
gibt, der ein hohes Lied der Arbeit und Pflicht ſingt:
Im Schwung des Hammers kreiſt die Ewigkeit,
Und jedem ſteht ein Ambos wohl bereit,
Daß ſein Gewaltſames gewaltig ſei.
Sei Tor und Baldur, Freund, verzweifel nicht;
Das Höchſte, Letzte bleibt die Tat, die Pflicht.
Es liegt in der Natur dieſer Lyrik, daß ſie gerade auf unſere
Gegenwart beſonders wirkt. Der Band Eiſerne Welt hat denn
auch ſchon das zwanzigſte Tauſend erreicht, für unſere lyrik=
fremde
Zeit ſicher ein ſtarker Erfolg. Von weit geringerer Wir=
kung
waren der Gedichtband Irrgarten Gottes und die Proſa=
dichtung
Der chiliaſtiſche Pilgerzug, Werke, die von der Zwie=
ſpältigkeit
und Hoffnungsloſigkeit der erſten Nachkriegsjahre er=
füllt
ſind, aber gleichwohl als dichteriſche Dokumente der da=
maligen
allgemeinen Depreſſion von zeitgeſchichtlicher Bedeutung
bleiben.
Den Namen des Erzählers Winckler trug der weſtfäliſche
Schelmenroman Der tolle Bomberg in weiteſte Kreiſe. Dieſer
Freiherr von Bomberg, ein reicher Adekiger im Münſterlande,
war eine hiſtoriſche Perſönlichkeit in der zweiten Hälfte des
neunzehnten Jahrhunderts, ein Verſchwender aus Paſſion, der
ſeinen Standesgenoſſen die unmöglichſten Streiche ſpielte und
ſchon zu ſeinem Lebzeiten zu einer Figur geworden war, der
man eine Tollheit nach der anderen andi
denen Stoff hat Winckler künſtleriſch gruppiert und geformt, mit
kernigem Humor und geiſtreichem Witz erfüllt, zugkeich aber jene

leife Tragik anklingen laſſen, wie ſie alle unſterblichen Schwank=
bücher
durchzieht.
Eine Art Gegenſtück zum Tollen Bomberg iſt das Buch
vom Doktor Eiſenbart, in dem Winckler den alten Gaukler
und Zauberer der Volksmedizin zu neuem Leben erſtehen läßt.
In Pumpernickel, Menſchen und Geſchichten um Haus
Nyland, bringt der Dichter Jugenderinnerungen aus der weſt=
fäliſchen
Heimat und deckt damit zugleich Weſen und Werden
ſeiner Perſönlichkeit auf.
Wincklers jüngſtes Novellenbuch Im Teufelsſeſſel umfaßt
vier Geſchichten aus Südtirol, die von den Zwieſpaltnaturen
und Miſchkulturem der von Bergen und Völkergrenzſcheiden ge=
fangenen
Menſchenſeelen künden. Als einigendes Band ſchlingt
ſich um dieſe Erzählung das tiefe Erlebnis Südtiroler Landſchaft
und die kraftvolle Geſtaltung grenzdeutſchen Schickſals. Im
Teufelsſeſſel zu Eppan empfindet der Dichter die urewige
deutſche Einſamkeit in der Welt und die alte Tragik verlorener
Volksſplitter zwiſchen hohen Grenzgebirgen. Beſonders die
dritte Geſchichte vom Kampf des Lehrers Tobias Oberkofel mit
den faſchiſtiſchen Machthabern iſt von ergreifender Gewalt, ohne
aufdringliche Tendenz, rein und unmittelbar empfunden, ein
ſeltenes Beiſpiel elementaren dichteriſchen Könnens. Sie läßt
uns von dem fünfzigjährigen Dichter noch manches ſtarke Buch
erwarten.

Heſſiſches Landeskheaker.
Sommerſpielzeit Bruno Harprecht.
Kleines Haus. Samstag, den 4. Juli 1931.
9, Spaniſche Fliege!
Schwank in drei Akten von Franz Arnold und Ernſt Bach.
In der Hamburger muſikaliſchen Bearbeitung von Bruno
Harprecht.
Bruno Harprecht bietet uns ein gepflegtes Luſtſpieltheater.
Seine Aufführungen kommen gefeilt und geſchliffen heraus und
ſind mit der Routine des geborenen Theatermannes ſo geſtaltet,
daß auch keine Pointe, ja nicht die leiſeſte Andeutung einer
ſolchen, unbehoben bleibt. Die zweite Woche ſeines ſommerlichen
Wirkens im Kleinen Haus beweiſt das aufs neue. Sicher, dieſe
Spaniſche Fliege in Harprechts Neuaufmachung, die in Ham=
burg
unzählige Wiederholungen erlebte, wird ſich auch hier wirk=
ſamſt
im Spielplan behaupten. Dieſer Schwank iſt nicht tot zu,
kriegen und er wirkt jetzt wie nen!

Bruno Harprecht hat Muſik zur Spaniſchen Fliege kom=
poniert
, richtige Schlagermuſik was iſt bei der Vielſeitigkeit
Bruno Harprechts eigentlich nicht von ihm zu erwarten?
und Geſangsſchlager dazu gedichtet, Duette und Soli, die auch
getanzt werden, kurz, er hat durch ſeine Hamburger Bearbei=
tung
einen Schwank mit Geſang und Tanz daraus gemacht, und
ohne dem Originaltext etwas zu nehmen den Schwank da=
durch
ſtark belebt, flüſſig und ſchlagkräftig erneut. Bei der
Muſik hat ihm Max Krohn geholfen. Joſeph Freunds
verſtändnisvolle muſikaliſche Leitung holte bei der geſtrigen Pre=
miere
alles heraus, was die im ſtarken Jazzrhythmus gehaltene
Muſik hergeben kann.
Im Enſemble ſtellten ſich eine ganze Reihe neuer Kräfte vor,
hinter deren Namen der Spielzettel a. D. (als Debüt) verzeichnet
(was bei einigen ſicher nur auf einen Druckfehler zurückzuführen
iſt), deren ganz vortreffliches Zuſammenſpiel aber erneut bewies,
wie fürtrefflich Bruno Harprechts Regie zu führen und zu leiten
vermag. Und ſämtliche Debütanten ausgezeichnet!
Den Moſtrichfabrikanten Klinke haben wir oft vor Harprecht
geſehen. Er ſpielt ihn in alter Friſche, mit gewohntem Tempe=
rament
und ſo ausgeprägtem Gefühl für die Geſtaltung dieſer
dankbaren Luſtſpielfigur, daß er ihr immer neue Pointe zu geben
verſteht; Lachſtürme entfeſſelt er. In dem Väterquartett gaben
vor allem Egon Clauder=Tiedemeyer und Walter Guß=
mann
=Wimmer ganz ausgezeichnete Charakteriſtiken, und Hans
Otto Hilke war der ſtets dozierende Reichstagsabgeordnete, wie
er zur Zeit der Entſtehung der Fliege typiſche Schwankfigur war.
Ein nettes, friſches, jugendlich=charmantes und temperament=
volles
, wie auch backfiſchverliebtes Paar Bräute ſind Annelieſe
Hartnack (Paula) und Hilde Gundlach (Wally), zwei viel=
verſprechende
, junge Kräfte, von denen man mit ſtarkem In=
tereſſe
weitere Leiſtungen erwartet. Gut auch die Vertreterin der
weiblichen Komik, der Frau Klinke, Charlotte Vogt= Wich=
mann
ſpielte dieſe Sittlichkeitsſchnüfflerin ausgezeichnet und
hielt ſich, was bemerkenswert, von jeglicher Uebertreibung fern.
In kleineren Rollen waren gut ins Enſen: le eingefügt
tätig: Frieda Eichelsheim, Helga Lornſen und Willy
Schneider.
Eine der friſcheſten, flott=eleganteſten, lebendigſten und ſympa=
tiſchſten
Figuren des Abends gab Axel Kreuzinger als Dr.
Fritz Gerlach! Auch von dieſem Künſtler erwarten wir mit
Spannung mehr. Willy Schmidgen=Schmieden gab den
Heinrich Meiſel mit der nötigen Naivität und unfreiwilligen
Komik, die dieſe Rolle erfordern. Alles in allem, wieder eine
ausgezeichnete Aufführung, für die herzlichſter Beifall und viele
Hervorrufe dankten. Die Herausrufe nahmen kein Ende. Als
wirkſamer Abſchluß das Väter=Enſemble mit Bruno Harprecht
als ſpaniſche Fliege in der Mitte, der eine Tarantella tanzte,
die den luſtigen Höhepunkt der ganzen Aufführung bildet. *

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[ ][  ][ ]

Nummer 184

Sonntag, den 5. Juli 1931

Seite 3

Mefematitte ehratd ir Mraniig.
Das Rheinland dankt ſeinem Befreier, dem verſtorbenen Reichsaußenminiſter Dr. Skreſemann.

Die Gedächknisfeier in der Stadthalle.
Ein Akk der Erinnerung und des Dankes.
* Mainz, 4. Juli. (Priv.=Tel.)
Mainz ehrt Streſemann, den Befreier der Rheinlande, durch
die Errichtung eines Ehrenmals. Genau ein Jahr nach der
Grundſteinlegung, bei der der langjährige Freund und Mit=
arbeiter
Streſemanns Miniſter a. D. Scholz die Gedächtnisrede
hielt, vollzieht ſich am heutigen Sonntage die Enthüllung und
Weihe des Streſemann=Ehrenmals.
Als Auftakt zu der eigentlichen Einweihung fand am
Samstag abend im großen Saale der Stadthalle in Mainz
ein Feſtakt ſtatt, der ungemein eindrucksvoll und würdig
verlief.
Zahlreiche prominente Perſönlichkeiten aus Politik und
Wirtſchaft nahmen daran teil, u. a. Reichsaußenminiſter Dr.
Curtius, Reichsbankpräſident Dr. Luther, Staatspräſident Dr.
Adelung, Miniſter Leuſchner, Reichstagspräſident Löbe, der Füh=
rer
der Deutſchen Volkspartei, Dingeldey, der Präſident des
Arbeitsausſchuſſes, Dr. Baum, Landtagspräſident Delp, Staats=
miniſter
Freiherr von Reibnitz, der frühere Reichsfinanzmiſter
Dr. Reinhold, ſowie Exz. Miniſter Dr. Becker, Juſtizſenator
Dumont als Vertreter der Freien Stadt Danzig, Staatsminiſter
a. D. Dr. Fiſchbeck, der Provinzialdirektor der Provinz Rhein=
heſſen
, Dr. Wehner, Freiherr Dr. Langwerth von Simmern in
ſeiner Eigenſchaft als Deutſchlands früherer Vertreter am Sitz
der Rheinlandkommiſſion, der Oberbürgermeiſter der Stadt
Mainz, Dr. Ehrhard, der Oberbügermeiſter der Stadt Frankfurt
am Main, Dr. Landmann, der Reichspreſſechef Miniſterialdirek=
tor
Dr. Zechlin, der rumäniſche Konſul Böhringer, der ägyp=
tiſche
Legationsſekretär Salim, der belgiſche Generalkonſul M. a.
Petrement, der engliſche Generalkonſul=Bonſequant. Der Völ=
kerbund
hatte den Stellvertretenden Generalſekretär Avenol ent=
ſandt
. Ferner ſah man noch die Gattin des verſtorbenen Reichs=
außenminiſters
Dr. Streſemann, die gleichfalls an dem Feſtakt
teilnahm.
Die Stadthalle war mit Einſchluß der Galerien, gut beſetzt.
Sie bot ein prachtvolles, feſtliches Bild. Reicher Flaggenſchmuck
in den Farben des Reiches und der Länder. In Rieſenausmaßen
leuchtete von oben herab der Reichsadler auf gelbem Tuch gleich
einem ſchirmenden Baldachin auf die zahlreiche Feſtverſammlung.
Der Mainzer Orcheſterverein ſpielte zur Einleitung des
Feſtaktes unter Leitung von Dr. Alfred Morgenroth die feier=
liche
Prometheus=Ouvertüre von Beethoven. Dann ſteigen die
Begrüßungsreden. Als erſter ſprach
der Präſidenk des Arbeiksausſchuſſes Dr. Baum
Er führte etwa aus:
Hier in dieſer Feſthalle, in der wir uns heute zur Ehrung
von Guſtav Streſemann zuſammenfinden, hat Streſemann eine
ſeiner letzten großen öffentlichen Reden gehalten umjubelt
von begeiſterten Zuhörern aller Parteien. Der plötzliche Tod
des großen Staatsmannes war für das beſetzte Gebiet von be=
ſonderer
Tragik. War Streſemann doch für uns der energiſche
Vertreter, das Symbol der Politik, die unſere Befreiung er=
ſtrebte
. Dieſem heißen Dankgefühl entſprang der Gedanke, ihm
in dieſer Stadt, dem Brennpunkt der feindlichen Beſatzung, ein
Ehrenmal zu errichten.
Zunächſt von dem Allgemeinen Deutſchen Automobil=Club,
dem Streſemann nahe ſtand, aufgegriffen, drang die Idee in
immer weitere Kreiſe, ſo daß es uns trotz der ſich immer ver=
ſchlechternden
Wirtſchaftslage gelungen iſt, das Ehrenmal zu er=
richten
. Ich danke von dieſer Stelle aus herzlich den vielen
Stiftern und Spendern und allen unſern Helfern. Innigen
und warmen Dank rufe ich unſerem Freunde und erſten Vor=
ſitzenden
, Kammerpräſident Chriſtian Scholz in Mainz nach,
der leider vor wenigen Wochen von uns ſchied. Ueber den Tod
hinaus wird unſere Verehrung dauern! Ich danke auch dem
Reich, den Ländern des ehemals beſetzten Gebietes, der Stadt
Berlin und der Stadt Mainz für ihre weitgehende Unterſtützung.
Ich begrüße zugleich die hier anweſenden Vertreter dieſer Ver=
waltungen
und danke ihnen für ihr Erſcheinen.
Dem Befreier des Rheins, der für dieſes Ziel ſein Leben
gab, gilt unſere Dankbarkeit, ihm werden wir die Treue halten,
ſo wie wir auch in den ſchwerſten Zeiten des Ruhrkampfes
unſerem Vaterland die Treue wahrten. Wieder ſteht das deutſche
Volk in hartem Kampf um ſeine Geltung! Morgen wird am
befreiten deutſchen Rhein das ſichtbare Ehrenmal aus edlem
deutſchen Stein Guſtav Streſemann geweiht. Laßt ihm in
unſerem Innern ein noch weit ſchöneres Denkmal erſtehen.
Laßt uns ihn ehren, indem wir in ſeinem Geiſte die Ugber=
zeugung
jedes deutſchen Bürgers, der eines guten Willens iſt,
achten und in der Stunde der Gefahr ohne große Worte als
deutſche Brüder in Einigkeit zuſammenſtehen.
So laßt uns ſchwörin und ſingen
In Nacht und Sturm hinein
Deutſch bis zum Todesringen
Und nicht als deutſch zu ſein!
Danach kam
Aberbürgermeiſter Dr. Ehrhard
zu Wort:
Auch die Stadt Mainz, ſo führte er aus, heißt Sie alle herz=
lich
willkommen, die Sie auf die Einladung des Ausſchuſſes zur
Errichtung eines Streſemann=Denkmals zu uns gekommen ſind.
Für uns Mainzer war der Reichsaußenminiſter Streſemann nie
der Vertreter irgendeiner politiſchen Richtung, wir ſahen in ihm
ſtets nur den deutſchen Staatsmann, wir verehren in ihm ſeit
dem 30. Juni vorigen Jahres den Befreier, des Rheinlandes.
Der Politik, die Deutſchland unter Streſemanns
Führung ging, folgten wir nicht aus irgend wel=
chen
parteipolitiſchen, oder ſonſtigen theoreti=
ſchen
Gründen, ſondern wir bekannten uns zu
ihr durch die überzeugende Sprache unſerer eige=
nen
Erlebniſſe belehrt.
Unſer altes Mainz, das im Laufe ſeiner langen Geſchichte
ſchon ſo manchen Sturm über ſich hat dahinbrauſen geſehen, hat
auch in den ſchweren Jahren der Nachkriegszeit wieder einmal er=
leben
müſſen, was es bedeutet, unter fremdem Machtbefehl ſtehen
zu müſſen. So haben wir von Anfang an aus tiefſtem eigenen
Erleben volles Verſtändnis der ſchweren Arbeit unſerer deutſchen
Staatsmänner, der Arbeit Guſtav Streſemanns, entgegengebracht,
die von höherer Warte für das Reich denſelben Kampf führten.
Wir wußten aus eigener Erfahrung, daß dieſes waffenloſe Rin=
gen
, allein geſtützt auf das Recht, nicht der Ausfluß von Schwäche
war. Wir fühlten uns perſönlich mit dieſen Staatsmännern ver=
bunden
, die für uns mit den Waffen, die uns ſo wohl bekannt
waren, ſtritten.
Darum haben die Glocken, die in der Nacht vom 30. Juni auf
den 1. Juli vorigen Jahres über unſere Stadt erklangen, nicht
nur die Freiheitsſtunde für uns verkündet, ſondern auch unſeren=

heißen Dank hinausgeläutet für alle die Männer, die für unſere
Freiheit gearbeitet hatten, vor allem auch für den, der in dieſer
Arbeit ſich aufgeopfert hatte.
Voller Freude und Zuverſicht hatten wir in jener Nacht die
Feuer an den Ufern des freien Rheins aufleuchten geſehen. Wir
konnten nicht ahnen, daß überkommene Vorurteile noch ſo ſtark
wären, daß man aus ihren Feſſeln ſich nicht befreien könnte, daß
wir der Freiheit nicht froh werden ſollten, weil man uns zwar
die äußere Freiheit geben, aber die Notwendigkeiten, die zu einem
geſunden Volksleben erforderlich ſind, nicht gewähren wollte.
So begehen wir dieſe Erinnerungsſtunden, während wieder
die Not unſer Volk aufs ſchwerſte heimſucht, während Tauſende
und Abertauſende geſunder, arbeitsfähiger deutſcher Männer und
Frauen vergebens nach Arbeit ſuchen und die Mittel, ihnen den
kärglichen Lebensunterhalt zu gewähren, kaum mehr aufgebracht
werden können; in der Hoffnung, daß dieſe Stunden, die dem
Geiſte, dem Guſtav Streſemann diente, gewidmet ſind, auch etwas
dazu beitragen, daß dieſer Geiſt weitere Fortſchritte in der Menſch=
heit
macht, auf daß die Völkerverſöhnung nicht mehr nur ein
Wort bleibt, ſondern Wirklichkeit werde. Dann, und nur dann
wird, wie auf die dunklen Tage des Jahres 1923 die Befreiung
des Rheinlandes, ſo auf unſere Not eine ſchönere Zukunft folgen,
in der unſer Volk ſeine Kräfte wieder frei betätigen kann im
Dienſte der großen Kulturaufgaben der Menſchheit.
Auf die beiden Begrüßungsreden folgten eine Reihe ein=
drucksvoller
, hochkünſtleriſcher Darbietungen. Zunächſt ſang die
Mainzer Opernſängerin, Frau Hanna Gorina mit ihrer
prachtvollen Sopranſtimme die Hallen=Arie aus Tannhäuſer. Der
bekannte Violin=Virtuoſe Diez Weismann=Berlin ſpielte
mit höchſter Meiſterſchaft das Adagio aus dem B=Dur=Konzert
von Bach, der Gymnaſtik= und Tanzkreis Müller=Gebhardi tanzte
beſchwingt einen Deutſchen Reigen nach der Muſik von Schubert.
Die Begleitung am Flügel hatte Kapellmeiſter Heinrich Schacker.
Anſchließend hielt dann
Skaglspräfidenk Adelung
eine mit großem Beifall aufgenommene Rede. Er führte
u. a. aus:
Heſſen nimmt an dem Ereignis, das uns zuſammengeführt
hat, lebhafteſten Anteil! Denn, wie dem Lande die ſchwerſten
Laſten der Beſetzung auferlegt waren, ſo empfand es auch am
unmittelbarſten die Erleichterungen, die die Räumung der be=
ſetzten
Gebiete mit ſich brachte. Ein beſonderes Maß
von Dankbarkeit verbindet deshalb Heſſen mit
Guſtav Streſemann, und wir begrüßen es beſonders, daß
das Denkmal, das ſeinen Namen trägt, in Mainz errichtet
wurde.
Zwar würde auch ohne ein Denkmal von Stein der
Staatsmann, deſſen Politik die Räumung herbeiführte, nicht ver=
geſſen
, denn
er hat ſich im Herzen der rheiniſchen Bevölkerung ein
unvergängliches Denkmal geſetzt.
Aber als der Gedanke laut wurde, dem Dank des Vaterlandes
in Form eines Ehrenmals am Rheinufer zu Mainz Ausdruck
zu geben, konnte ſich dieſem Plane niemand entziehen, der
es ernſt meinte mit der Politik der Verſtändigung der Völker,
die in Streſemann ihren hervortretendſten und erfolgreichſten
Mittler gefunden hat.
So iſt das Streſemann=Ehrenmal vollendet. Es kündet der
Gegenwart und den ſpäteren Geſchlechtern die Beſatzungsnot,
es kündet, daß es einem hervorragenden deutſchen Staatsmann
in ſchwerſter Zeit gelungen iſt, für ſein Vaterland einen weit=
hin
ſichtbaren Erfolg zu erzielen und einen weſentlichen Schritt
vorwärts zu kommen auf dem Wege zur Freiheit.
Von der vollen Freiheit und Gleichberechtigung im Rate
der Völker ſind wir allerdings noch weit entfernt. Nur
langſam bricht ſich der Gedanke Bahn, daß unter den
Laſten, die uns auferlegt ſind, nicht nur Deutſchland zu=
ſammenbricht
, ſondern daß davon die Wirtſchaft der gan=
zen
Welt erſchüttert wird. Und mit großer Sorge blicken
wir gegenwärtig nach Paris, ob man dort wohl die für
die Befriedung der Völker ſo ungeheuer wichtige Stunde
recht erkennen und den Weg finden werde, der zur Ge=
ſundung
der wirtſchaftlichen Lage führt. Streſemann war
der Idee der Völkerverſtändigung ein tapferer und zäher
Bahnbereiter. Unſagbar dornenvoll war der Weg, den er
zu gehen hatte. Als er nach Beendigung des Ruhrkampfes
ſein Amt übernahm, ſtand die furchtbare Gefahr des inne=
ren
Zerfalls Deutſchlands rieſengroß vor uns. Dieſe Ge=
fahr
hat die Politik Streſemanns abgewehrt. Es galt
in mühſeliger Arbeit gegen eine Welt voll Haß und Miß=
trauen
um Verſtändnis und Verſtändigung zu ringen, und
dem deutſchen Volke wieder einen Platz im Rate der Völker
zu ſichern. Einen anderen Weg gab es nicht und gibt es
auch heute noch nicht als den, den Streſemann das
deutſche Volk führte.
Wirklich nationale Energie wird ſich nie in
tönende und billige Kraftworte erſchöpfen, die
nur geeignet ſind, eine Mauer des Argwohns
neu zu befeſtigen, ſondern ſich darauf richten, alles zu
tun, was in uns liegt, um eine Atmoſphäre des Vertrauens zu
ſchaffen.
Daß das Werk Streſemanns zur Vollendung komme, daß
Deutſchland wieder ganz frei werde, daß auch das deutſche
Volk an der Saar wieder zu uns zurückkehre, iſt unſer
heißer Wunſch.
Aber das deutſche Volk muß in der gleichen Geſchloſſenheit, mit
der gleichen ausdauernden Opferbereitſchaft, mit dem im tiefſten
gefeſtigten nationalen Gefühl zuſammenſtehen, wie die rheiniſche
Bevölkerung in langer ſchwerer Beſatzungszeit. Es iſt unſere
ſtolzeſte Erinnerung, daß dieſes Volk am Rhein in
allen ſeinen Schichten ſeine Pflicht getan hat bis zum Aeußer=
ſten
in der Abwehr, im Leiden und im Dulden für ſein Volks=
tum
.
Und wer auch immer hierher kommen mag nach Mainz, ſoll
ſich in Ehrfurcht neigen vor dem Ehrenmal des Führers
der deutſchen Befreiungspolitik, ſoll geloben; esihmgleich
zu tun an wahrer Vaterlandsliebe, an Opfer=
mut
und Pflichttreue, es aber auch gleich zu tun den
deutſchen Männern und Frauen am Rhein, die dieſes ſchöne
deutſche Land ihrem Volke erhalten haben. Wenn das
deutſche Volk, Guſtav Streſemann ehrt, dann
ehrt es ſich ſelbſt.
Wieder erklang weihevoller Geſang durch den weiten Raum
der Stadthalle. Fritz Soot von der Staatsoper Berlin ſang die
Allmacht von Schubert in ſchöner künſtleriſcher Vollendung. Jetzt

zeigte ſich im Reigen der Redner der langjährige:

Reichskagspräſidenk Löbe.
der etwa ausführte:
Mit der erdrückenden Mehrheit des deutſchen Volkes, ja in
erſter Linie ehrt das Andenken des ſo früh verſtorbenen Staats=
mannes
Guſtav Streſemann, der Deutſche Reichstag, die
Volksvertretung, der er ſeit dem Jahre 1907 angehörte, in der der
29jährige ſeine politiſche Laufbahn begann, die ihn zu den höchſten
und einflußreichſten Stellungen im Staate geführt hat, in der er
ſeinen letzten Arbeitstag verbrachte und aus deren Sitzungsſaal
er ſeinen Weg zur letzten Ruheſtätte antrat. Es machte dem jun=
gen
Politiker Freude, ſich in dem politiſchen Kampf zu tummeln,
der damals gewiß ſcharf war, dem aber jene Ausartungen und
Niedrigkeiten fehlten, die ſpäter ſeine Arbeit verdüſterten. Als
Reichspräſident Ebert ihn zum Kanzler berief, lag tiefſte Dunkel=
heit
, wie heute wieder, über unſerem Lande. Doch unvergeſſen
bleibt es ihm auch in unſeren Tagen, daß er den zögernden Teil
der Volksvertretung zu dem ſchweren, aber unvermeidlichen Ent=
ſchluß
des Abbruches des Ruhrkrieges führte, der die Periode der
Inflation beſeitigte. Er riskierte den niedrigen, wenn auch
lächerlichen Vorwurf des Verräters, der zwar in an=
derer
Situation gegen ſeinen großen Vorgänger Bismarck auch
erhoben worden war, der aber doch eine tiefe Kränkung
des Mannes bedeutete, der nur das Beſte ſeines Vol=
kes
wolte. Unbeirrt durch alle Anfeindungen iſt er ſeinen
Weg gegangen, der unſer Land von ungerechten Beſchuldigungen
und von unerträglichen Laſten befreien ſollte. Esbleibt der
Gipfel des Undankes, der ihn traf, wenn die=
jenigen
Rheinlandräumung und andere Erleich=
terungen
gering ſchätzen, die wenige Jahve vor=
her
kleingläubig und mutlos den Satz produ=
ziert
hatten: Der Franzoſe geht aus dem Ruhr=
und Rheingebiet überhaupt nicht mehr heraus.
Streſemann wußte damals, was heute gilt, daß die Befrei=
ung
nicht gegen die übrige Welt, ſondern nur mit ihr vollendet
werden kann, und ſo bedeutet ſein Opfer von damals auch
eine Mahnung für unſere Tage. Nur mit dem Willen
zur Verſtändigung iſt das Werk zu vollenden, das er begann. Er
hatte dafür den Vorwurf der Schwäche und Nachgiebigkeit zu tra=
gen
, doch es kann das geſchichtliche Verdienſt Streſe=
manns
nicht ſchmälern, daß es ihm gelungen iſt,
Deutſchland als gleichberechtigtes Glied in die
Nationen der Welt einzureihen.
Je tiefer die Kränkungen, die man dem Lebenden zugefügt,
um ſo höher ſtellen wir, ſtellt die Mehrheit auch der heutigen
Volksvertretung das Andenken des großen Mannes, der ungeach=
tet
aller Unken und Fledermäuſe, die ihn umſchwärmt, ſeinen Weg
geſchritten iſt. Einſt wird auch bei den Irregeleiteten der Schleier
ſich lüften, einſt werden auch ſie oder ihre Nachkommen vor das
Denkmal Guſtav Streſemanns treten mit dem Bekenntnis: Habe
Dank, tapferer Führer, daß du halfſt den Weg ſuchen, der Deutſch=
land
zur Freiheit, der die Welt zum Frieden und zur Verſtändi=
gung
führt.
Der ausgezeichnete, von dem Mainzer Männergeſangverein
vorgetragene, ſtimmlich ſehr gut beſetzte und mit Verbe von Ka=
pellmeiſter
Auguſt König dirigierte Männerchor Die Freiheit
(Eichendorff) von Hch. Zöllner unterbrach die Redefolge, die
dann fortgeſetzt wurde durch die
Feſtrede des Oberſtudiendirekkors Dr. Becker=Kaſſel:
Der Feſtredner gab eine Charakteriſtik der Perſönlichkeit und
der politiſchen Tätigkeit Streſemanns. Er hatte früh erfaßt, daß
im Weltkampf nicht dieſer und jener Staat der eigentliche Ver=
lierer
iſt, ſondern dieſer alte Erdteil in ſeiner Geſamtheit. Aus
der Erkenntnis dieſer Schickſalsverflochtenheit war Streſemann
ein guter Charakter, und ſeine Politik der Verſtändigung und
der Zuſammenarbeit war keine Maske, hinter der ſich die Abſicht
verbarg, auf Schleichwegen die anderen zu überliſten. Aber die=
jenigen
haben ihm bitteres Unrecht getan, die aus der eigenen
Engſtirnigkeit ihres politiſchen Denkens hieraus wähnten, ihm die
Leidenſchaft des nationalen Gefühls abſprechen zu dürfen, die ſich
nicht ſcheuten, ihm ſeine Ehre abzuſprechen. Dieſer Mann,
von dem einer ſeiner ſchärfſten Kritiker nach ſeinem Tode ſchrieb,
er ſei ein glühender Deutſcher geweſen, keiner habe auf=
loderndere
Worte gefunden, wenn es dem Vaterlande galt, kann
nur verſtanden werden in der Leidenſchaft, die ſein totmatter
Körper noch zu unerhörtem Sieg des Willens über die verſagende
Natur aufpeitſchte, in der Leidenſchaft für ſein gequältes und zer=
riſſenes
Vaterland. Streſemann hat nicht dem Wahne
gehuldigt, als wenn das Internationale in der
Geſtaltung des menſchlichen Daſeins das
Höhere darſtelle, und daß man in dem Erreichten eine vor=
läufige
Form zu ſehen habe, dazu beſtimmt, einſt in der höheren
Form aufzugehen. Seine Worte galten der Sammlung der
Kräfte.
Sein Sinn für das Erreichbare zeichnete ihm den Weg, der
aus dem Kriege herausführen konnte die harte Selbſtbe=
zwingung
, einzugeſtehen, daß der Ruhrkampf verloren war und
in langwierigen Verhandlungen den Gegnern allmählich die
Trümpfe aus der Hand zu ſpielen, auf die ſie ihr Vorgehen
ſtützten. Daß dieſe Notwendigkeit weiterhin nicht verſtanden
wurde, hat ihm die bitterſten Erfahrungen eingebracht. Er hat
bewußt ſeiner Volkstümlichkeit ſein Anſehen geopfert, er hat
den Haß von Millionen erduldet. Er hat es getragen, aber ent=
ſetzlich
gelitten unter der Verkennung ſeines Lebens, dem Ziel,
das alle wünſchen müßten, der Freiheit des Volksbodens, der
Freiheit des Rheins, dieſes Schickſalſtromes unſeres Volkes, die=
ſes
echten Sinnbildes des deutſchen Lebens, den wir alle in
gleicher Liebe umfaſſen als Stück unſeres Lebens ſelber. Auf den
befreiten Rhein blickend, ſoll dieſes Ehrenmal unſeren Nach=
fahren
künden, daß hier wieder einmal die Entſcheidung über
das Geſchick unſeres Volkes gefallen iſt und dann werden alle
erkannt haben, was damals ſo mühſam ſich durchrang, daß das
Reich zu einer neuen ſelbſtändigen Politik nur kommen konnte,
wenn der Boden des Vaterlandes frei war von der Beſatzung.
Dieſen Weg mit ſeinen Entſagungen, mit ſeinen Opfern, mit
allen Verzögerungen und Rückſchlägen, mit ſeinem Maß an Lei=
den
und Prüfungen, konnte nur ertragen, wer unverſiegbare
Quellen in ſich barg. Er glaubte an ſich und ſeine Kraft, er
hatte den Mut, der heute ſo ſelten iſt, Verantwortung auf ſich
zu nehmen. Er glaubte an eine göttliche Führung ſeines Lebens
er glaubte an ſein Volk, für das er ſein Leben gab. Unſer Volk
wieder groß und mächtig zu ſehen unter den Völkern der Erde,
war ſein Ziel. Sorgen wir, daß der Weg dahin führt, daß
Deutſchland wieder einmal ſtolz und mächtig in der Welt ſteht
wie es war.
Anſchließend ſang die Feſtverſammlung den 1. Vers des
Deutſchlandliedes, deſſen Echo machtvoll durch den weiten Raum
klang. Nach einem Sprechchor von Hans Ludwig Linkenbach, ge=
ſprochen
von der Laien= und Jungſpielſchar Mainz, unter Leitung
von Karl Lambert, folgte der gemeinſame Geſang des 3. Verſes
des Deutſchlandliedes. Mit einem vom Mainzer Orcheſterverein
geſpielten Marſch fand der weihevolle Feſtakt, der ein Akt der
Erinnerung und des Dankes an den war, dem ein hartes Geſchick
die Krönung ſeines Lebenswerkes, die Befreiung der deutſchen
Rheinlande, zu erleben verſagte, ſein Ende.

[ ][  ][ ]

R4

RummerIH

Am heutigen Sonntag, 11 Uhr, folgt die Enthüllung des
Ehrenmals am Fiſchtorplatz. Die Schöpfer ſind die Mainzer Ar=
chitekten
Karl Henſel und A. J. Freitag. Aus der
Geſchichte der Entſtehung des Streſemann=Denkmals
iſt folgendes zu bemerken: Der Plan zur Errichtung des Denkmals
ging aus vom Mainzer Automobilklub, der alljährlich unter dem
Schutze der Reichsregierung eine Huldigungsfahrt an den deut=
ſchen
Rhein ausſchrieb. Für die Huldigungsfahrt 1930 war Außen=
miniſter
Dr. Streſemann als Redner vorgeſehen, Reichsminiſter
a. D. Dr. Becker=Darmſtadt übernahm die Vermittlung, und am
letzten Tage ſeines Lebens ſagte Dr. Streſemann zu, am Tage der
Freiheit die Rede zu halten. Dieſe Nachricht aber war ſchon ver=
bunden
mit der traurigen Kunde, daß Streſemann tot ſei. Für
den Mainzer Automobilklub ſtand es nun feſt, Streſemanns beſon=
ders
zu gedenken. Es tauchte der Plan des Ehrenmals auf, es
fanden viele Beſprechungen mit allen Parteien ſtatt, und der Ge=
danke
fiel auf fruchtbaren Boden. Vor allem waren der leider
allzu früh verſtorbene Fabrikant Scholz, Präſident der Mainzer
Handelskammer, und Geheimrat W. von Opel zur Tat bereit.
In einer Sitzung wurde von Herrn v. Opel ſofort ein Sekretariat
errichtet, das die vorbereitenden Arbeiten übernahm. Oſtern 1930
erſchien in den meiſten deutſchen Zeitungen der Aufruf. Er fand
einen lebhaften Widerhall. Am 5. Juli 1930, am erſten Sonntag
der Freiheit, wurde von Herrn Reichsminiſter a. D. Dr. Scholz
der Grundſtein gelegt. Nach der Feier entſtand für den Arbeits=
ausſchuß
viel Arbeit, es galt die Mittel für das Ehrenmal zu
ſchaffen. In der Sitzung des Arbeitsausſchuſſes am 26. Februar
1931 beſchloß der Arbeitsausſchuß, dem Vertreter aller Parteien,
mit Ausnahme der Radikalen, angehören, mit dem Bau zu begin=
nen
, da die Mittel für das Aeußere inzwiſchen zuſammengekom=
men
waren. Zuerſt wurde das alte Feſtungswerk am Fiſchtor ab=
geriſſen
und dann mit dem Bau begonnen. Weitere Stiftungen
und eine rührige Werbearbeit brachte auch die Materialien und
die Mittel für den Ausbau des Innern. An dem Bau, der ganz
aus deutſchem Material beſteht, haben 100 Arbeiter während
eines Vierteljahrees ihr Brot verdient. Dadurch iſt die Tat der
Dankbarkeit zur ſozialen Tat geworden.

Die Gedächtnisrede hält. Abgeordneter Eduard Dingeldey=
Darmſtadt, die Weiherede Reichsaußenminiſter Dr. Julius Cur=
tius
. Auch dieſe Veranſtaltung iſt mit muſikaliſchen Darbietungen
verbunden. Es wirken mit: Frau Hanna Gorina, die Mainzer
Sängerſchaft, der Mainzer Orcheſterverein, der Bläſerchor der
evangeliſchen Jugend Guſtavsburg. Zugänge zur Enthüllungs=
feier
: für Ehrenkarten vom Halleplatz aus, für die übrigen Teil=
nehmer
vom Fiſchtorplatz (Ewald Frey). Man bittet, die Plätze
bis ſpäteſtens 11 Uhr einzunehmen.

* Am 20. Juli wird der Haager Schiedsgerichtshof zuſammen=
treten
, um in öffentlicher Verhandlung feſtzuſtellen, ob die Deutſch=
Oeſterreichiſche Zollunion gegen das Genfer Protokoll vom 4. Ok=
tober
1929 verſtößt. Der Schiedsgerichtshof iſt durch den Völker=
bund
um eine Entſcheidung angegangen worden, allerdings erſt,
nachdem England den franzöſiſchen Vorſtoß gegen die Zollunion
dadurch abzudrehen verſucht hatte, daß es eine Klärung der juri=
ſtiſchen
Seite der ganzen Angelegenheit zum Vorſchlag brachte.
Für uns und unſeren öſterreichiſchen Nachbar iſt die Verhandlung
vor dem Schiedsgerichtshof von großer Bedeutung. Es ſind auch
von allen Beteiligten namhafte Juriſten nach dem Haag entſandt
worden. Die Zuſammenſetzung des Gerichtshofes gibt die Gewähr
für ſeine abſolute Ueberparteilichkeit. Er hat auch ſchon in frühe=
ren
Fällen Entſcheidungen gefällt, die durchaus, dem deutſchen
Standpunkt entſprachen. Man darf annehmen, daß es auch dies=
mal
zu einem für uns günſtigen Urteil kommt, zumal bei der
Vorbereitung der deutſch=öſterreichiſchen Zollunion gerade die
juriſtiſche Seite eine ſehr große Rolle geſpielt hat und die Reichs=
regierung
ſich erſt ein umfangreiches Gutachten darüber beſchafft
hatte, ob ein Widerſpruch gegen die Beſtimmungen des Genfer
Protokolls vorkiegt. Von dem Ausgang der Haager
Verhandlungen hängt das weitere Schickſal der
deutſch=öſterreichiſchen Zollunionsverhand=
lungen
ab. In den letzten Tagen mußte man aber die Beob=
achtung
machen, daß gewiſſe Kreiſe im Zuſammenhang mit den
Pariſer Verhandlungen unſere finanziellen Schwierigkeiten gerne
in der Weiſe ausbeuten möchten, daß wir auf die Zollunion ver=
zichten
und uns darüber hinaus noch auf ein Oſt=Locarno feſtlegen.

In der Oeffentlichkeit werden heute mancherlei Arten der
Ernährungsreform mit großem Eifer erörtert und empfohlen
(vegetariſche Ernährung, Rohkoſt, kochſalzfreie Ernährung, vita=
minreiche
Ernährung). Dazu kommt dann noch die Empfehlung
beſtimmter Nährſalzgemiſche wie Aufbauſalze. Unſer tägliches
Brot iſt ein beſonders beliebter Gegenſtand von allerhand Re=
formbeſtrebungen
geworden. Es gibt wohl ſchon an die hun=
dert
verſchiedener Reformbrotarten, die als beſonders geſund
ängeprieſen werden, und unter denen ſich auch zweifellos eine
ganze Anzahl recht guter, nahrhafter und ſchmackhafter Back=
erzeugniſſe
befinden. Aber wer ſoll ſich nun unter all dieſen
Koſtvorſchlägen auskennen? Prof. Strauß weiſt darauf hin, daß
für die Erörterung diätetiſcher Fragen viel mehr poſitive
Kenntniſſe und Erfahrungen notwendig ſind als für die Er=
örterung
ſozialer, politiſcher, ſportlicher und ähnlicher Fragen.
In dem Beſtreben, eine naturgemäße Ernährung für Geſunde
zu finden, dürfen wir uns nicht ohne weiteres von den Er=
fahrungen
an Kranken leiten laſſen. Die Verdauungswerkzeuge
des geſunden Kulturmenſchen ſind außerordentlich leiſtungs=
fähig
und können die verſchiedenartigſten Nahrungsmittel ver=
tragen
und ausnützen. Zwar haben die Menſchen ſeit Beginn
jeder Kultur ſich daran gewöhnt, die Nahrungsmittel durch
Kochen, Backen und Braten zuzubereiten, um die Ausnutzbar=
keit
und Verdaulichkeit zu ſteigern, aber wir vertragen auch
viele Nahrungsmittel im rohen Zuſtand. Andererſeits wird
bei der Zubereitung der Nahrung oft zuviel getan. Die Nah=
ritng
wird dann ſchwer, wenn ſie allzu hohe Anforderungen an
die Verdauungsarbeit ſtellt. Geſunde Menſchen vertragen frei=
lich
auch ſolche ſchwere Koſt. Eine ſchonende Ernährung iſt
aber auch für Geſunde angezeigt. Sie iſt notwendig, wenn bei
Geſunden oder Erholungsbedürftigen eine notoriſch unzweck=
mäßige
Ernährung vorliegt. So darf hier ausgeſprochen wer=
den
, daß in den Gaſtſtätten, ſogar in Kurorten, heute noch an
vielen Stellen der Fleiſchgenuß zu ſtark und der Obſt= und Ge=
müſegenuß
zu wenig betont wird.
Die eingangs erwähnten Ernährungsvorſchläge ſollten aber
nicht als allgemeine Ernährungsform gelten, ſondern als beſon=
dere
Krankendiät. Eine ſolche Djätbehandlung iſt notwendig
bei einer großen Anzahl von Stoffwechſel=, Verdauungs= und
Nierenkrankheiten, aber auch für die Behandlung anderer Lei=
den
, ſo z. B. für Herz= und Gefäßkrankheiten und bei Nerven=
krankheiten
kann ſie wertvolle Dienſte leiſten. Die Diät iſt
zu allen Zeit von den Aerzten als Heilfaktor hoch bewertet wor=
den
und ſicherlich in vielen Fällen der Behandlung mit Medika=
menten
und phyſikaliſchen Heilmitteln nicht nur gleichwertig,

Der Kampf um die Jugend. Die Kakholiſche Kirche beanſpruchk für ſich das Rechk

München, 4. Juli.
Der Bayeriſche Kurier veröffentlicht als erſtes deutſches
Blatt ein neues Rundſchreiben des Papſtes über die katholiſche
Aktion an die Patriarchen, Primate, Erzbiſchöfe, Biſchöfe und an=
deren
Oberhirten der Katholiſchen Kirche. In der Einleitung des
Schreibens heißt es, daß es nicht notwendig ſei, auf die Ereig=
niſſe
, die in letzter Zeit in Rom und in ganz Italien
ſtattgefunden hätten, im einzelnen einzugehen. Man babe
verſucht, tödlich zu treffen, was dem Pabſt als Vater
und Hirt der Seelen das Teuerſte geweſen ſei und immer ſein
werde, und die Art, in der dies geſchehen, ſei äußerſt
verletzend geweſen. Deshalb fühle der Papſt das Be=
dürfnis
und die Pflicht, ſich an den Katholizis=
mus
der ganzen Welt zuwenden, um die Wahrheit und
Gerechtigkeit in einer Sache zu verteidigen, die die vitalen Inter=
eſſen
und Rechte der Katholiſchen Kirche betreffe.
Das Rundſchreiben geißelt dann in harten Worten die Ge=
walttätigkeiten
, die begangen worden ſeien, und die Unehrer=
bietigkeiten
in Wort und Tat, die nicht einmal vor der Perſon
des Papſtes Halt gemacht hätten, insbeſondere auch die der Preſſe.
Da all dies ſich unter Beteiligung von Elementen in Parteiuni=
form
abgeſpielt habe, ſo ſteige einem notwendig der Gedanke auf,
daß die Anordnungen dazu von oben gekommen ſeien.
Das Rundſchreiben berichtet dann davon, daß man, wenn nicht
alle, ſo doch ſicher die hauptſächlichſten Erfindungen,
Lügen und Verleumdungen der gegneriſchen
Parteipreſſe in einem Dokument geſammelt
habe, was ſich klar und deutlich, wenn auch vorſichtigerweiſe nicht
offiziell, Botſchaft genannt habe. Von dieſem Dokument
heißt es in dieſem Rundſchreiben, daß dem Papſt ſelten ein
Dokument begegnet ſei, das ſo tendenziös ge=
halten
ſei und ſo im Gegenſatz zur Wahrheit und
zur Gerechtigkeit gegenüber dem Heiligen Stuhl
und gegenüber der katholiſchen Aktion ſtände.
In der Botſchaft wäre u. a. von dem ſchwarzen Undank der
Prieſter geſprochen worden, die ſich gegen die Partei ſtellten, die
nach ihrer Meinung die Garantie der religiöſen Freiheit für ganz
Italien geworden ſei. Das Rundſchreiben ſpricht dann weiter von
der Angſt und Sorge, die den Papſt wegen der An=
griffe
auf die Freiheit der Religion erfülle. Dieſe
Angriffe hätten ihren Höhepunkt in polizeilichen Maßnahmen ge=
funden
, was ſchließlich Gegenmaßnahmen des Heiligen Stuhles
herausgefordert hätte.
Mit unſagbarem Schmerz, heißt es dann in dem Rundſchrei=
ben
weiter, ſähe der Papſt, daß ſich in Rom und in ganz
Italien eine wahre und wirkliche Verſchwörung gegen
das, was der Kirche und ihrem Haupte das Teuerſte ſei, gegen
die Freiheit und Rechte der Seelen, entfeſſelt hätte,
obwohl er wiederholt feierlich erklärt und bezeugt hätte, daß die
katholiſche Aktion ſowohl kraft ihrer eigenen Natur und ihres
Weſens als auch durch ſeine klaren und kategoriſchen Weiſungen
und Anordnungen außer und über aller Parteipolitik ſtände.
In ſeinem Rundſchreiben geht der Papſt auch auf das Ver=
hältnis
zwiſchen italieniſcher Volkspartei und Katholiſcher Aktion
ein. Er behauptet dabei, daß niemand, der eine leitende Stelle
in der Volkspartei bekleidet hätte, gleichzeitig einen führenden
Poſten in der Katholiſchen Aktion hätte innehaben können. Die
Fälle, in denen frühere Ortsleiter der Volkspartei ſpäter Orts=
leiter
der Katholiſchen Aktion geworden wären, beſchränkten ſich
auf vier. Eine verſchwindende Zahl bei 250 Diözeſankomitees,
4000 Gruppen katholiſcher Männer und über 5000 Zirkeln der
katholiſchen Jugend! Das Rundſchreiben erklärt dann, daß weder
Papſt noch Kirche, weder Religion noch gläubige
Katholiken einen Grund zur Dankbarkeit hätten
gegenüber dem, der den Sozialismus und die
Freimaurerei zwar zuerſt hinausgewieſen, aber
ihnen danndas Torweit geöffnethabe."
Der Kampf, der jetzt geführt werde, heißt es in dem Rund=
ſchreiben
weiter, ſei kein politiſcher, ſondern ein moraliſcher und
ein religiöſer. Der Papſt verlangt, man ſolle dem Lande und der
Welt die Beweiſe dafür erbringen, daß die Katholiſche Aktion
Politik betrieben habe oder geplant habe, die eine Gefahr für den
ſondern ſogar überlegen. So iſt die vegetariſche Ernährung,
die als Heilnahrung aber nur in ihrer milden, d. h. Milch,
Käfe und Eier enthaltenden Form empfohlen werden kann,
als fleiſchfreie Nahrung in ſolchen Fällen angezeigt, bei denen
der Abbau der Verdauungsprodukte des Fleiſcheiweißes er=
ſchwert
iſt, z. B. bei der Gicht. Die Rohkoſt, die die ungekochte
Form der vegetabiliſchen Ernährung darſtellt, kann in ihrer
ausſchließlichen, Form ärztlich nur für kurzfriſtige Kuren, wie
das auch ſchon vor der Entſtehung einer Rohkoſtbewegung in
Form von Traubenkuren uſw. geſchehen iſt, empfohlen werden.
Daneben ſtellen einzelne Rohkoſtgerichte als Teil einer gemiſch=
ten
Koſt eine Bereicherung unſeres Speiſezettels dar, die auch
dem Feinſchmecker behagen wird. Bei aller Berückſichtigung
der Vitamine muß auch eine einfeitige vitaminreiche Koſt in
erſter Linie als Krankendiät angeſehen werden. Der geſunde
Erwachſene nimmt in ſeiner gewöhnlichen Koſtform ausreichende
Vitaminmengen auf. Dasſelbe gilt von den ſogenannten Nähr=
ſalzen
. Sie ſind in allen unſeren Speiſen reichlich enthalten.
Ein beſonderer Zuſatz von Nährſalzen zur Krankenkoſt kann
bisher weder praktiſch noch theoretiſch ſicher begründet werden.
Die kochſalzarme Diät iſt neuerdings durch die Propaganda
einer neuen Diätform bei beſtimmten Formen der Tuberkuloſe
populär geworden. Sie iſt ſchon früher von Strauß bei ge=
wiſſen
Kreislauferkrankungen ſowie bei Nierenkrankheiten er=
folgreich
verwendet worden. Auch hierbei handelt es ſich um
Krankenkoſt. Das gleiche gilt von jenen Koſtformen, die durch
Beſchränkung gewiſſer Nährſtoffe (kohlehydratreiche Koſt bei
Zuckerkrankheit, fettarme Koſt bei Fettleibigkeit, Leberdiät bei
bösartiger Blutarmut) bei beſtimmten Krankheiten ärztlich ver=
ordnet
werden.
Die guten Erfolge mit ſolchen Diätbehandlungen dürfen auf
keinen Fall zur Grundlage einer allgemeinen Ernährungsreform
gemacht werden. Sie ſind ausſchließlich auf ärztliche Verord=
nung
bei wirklich Kranken zu verwenden. Wenn man von einer
Ernährungsreform ſprechen will, ſo kommt nur eine Einſchrän=
kung
des Fleichgenuſſes und eine Steigerung der Obſt= und Ge=
müſenahrung
in Betracht. So hat die Agitation für eine Er=
nährungsreform
wenigſtens das Gute gehabt, daß ſie das In=
tereſſe
für die Beſeitigung gewiſſer Uebelſtände in der Ernäh=
rung
, insbeſondere eines zu großen Fleiſchkonſums und eines
zu geringen Obſt= und Gemüſeverbrauchs bei der Bevölkerung
erheblich geſteigert hat. Sehen wir doch, daß der Fleiſchkonſum
in Deutſchland vor 100 Jahren 13,6 Kg. pro Kopf und Jahr
betragen hat, bis zum Jahre 1870 auf 30 Kg., bis zum Jahre
1910 auf 40 Kg. und zurzeit auf 50,2 Kg. pro Kopf und Jahr
gewachſen iſt (Referiert nach Strauß Mediz. Welt‟). Dabei
entfällt heute der größte Verbrauch an Fleiſch und Wurſt auf
die Arbeiterbevölkerung, während die wirtſchaftlich meiſt beſſer=
geſtellten
Beamtenfamilien erſt an zweiter Stelle folgen. Der

Staat bedeute. Das Rundſchreiben zieht dann die Folgerung, daß
die Verdächtigung, ſtaatsfeindliche Politik zu treiben, nur der
Vorwand ſei, der Katholiſchen Aktion und auf dieſem Wege der
Kirche die Jugend zu entziehen. Lehramt und Erziehung aber
ſeien von Gott eingeſetzt, und die Kirche ſei damit beauftragt und
müſſe deshalb den guten Kampf für Freiheit und Gewiſſen kämp=
fen
. Es ſei ein ungerechtfertigter und mit dem Namen und Be=
kenntnis
eines Katholiken unvereinbarer Widerſpruch, wenn ein=
fach
Gläubige die Kirche und ihr Oberhaupt darüber belehren
wollten, was für eine chriſtliche Erziehung und Ausbildung der
Seele genüge; eine Auffaſſung vom Staate, die die junge Gene=
ration
ganz und ausnahmslos vom erſten Kindesalter bis zu den
Jahren der vollen Reife für den Staat in Anſpruch nehme, ſei
für einen Katholiken unvereinbar mit der katholiſchen Lehre und
auch nicht vereinbar mit dem natürlichen Recht der Familie. Ein
Eid, der Knaben und Mädchen auferlege, ohne jede Erörterung
Anordnungen auszuführen, die verlangen, daß man Hand anlege
an die Rechte der Kirche und der Seele, ſei unerlaubt. Angeſichts
der Schwierigkeiten in der heutigen Zeit, einen ſolchen Eid zu
verweigern, empfehle der Papſt vor Gott und dem eigenen Ge=
wiſſen
den Vorbehalt zu machen, unbeſchadet der Geſetze Gottes,
ſeiner Kirche und ähnlicher Reſervationen. Das Rundſchreiben
ſchließt mit dem Ausdruck der Beſorgnis für die nächſte Zukunft.

über den Hoover=Plan und Abräſleng.
Rom, 4. Juli.
Der italieniſche Außenminiſter Grandi gewährte dem ſtän=
digen
Vertreter der Aſſociated Preß eine Unterredung, in der
er ausführte: Zwiſchen Italien und den Vereinigten Staaten von
Nordamerika gibt es keine Meinungsverſchiedenheiten. Wir ha=
ben
den Vorſchlag des Präſidenten Hoover in ſeinem ganzen
Umfang angenommen. Der Vorſchlag Hoovers bietet den Vorteil
und die Möglichkeit ſofortiger Durchführung. Eines Tages wird
ſeine politiſche Weisheit noch deutlicher werden, durch die für
Amerika und Europa ſchmerzliche Ereigniſſe verhindert werden
könnten. Italien iſt weit davon entfernt, die Welt als in geogra=
phiſche
Abſchnitte geteilt anzuſehen, und es iſt auch gegen eine
Trennung Europas und Amerikas. Die Solidarität aller Län=
der
der Welt iſt notwendig. Ich weiß nicht, ſo fuhr Grandi fort,
ob. Stimſon über die Abrüſtungsfrage ſprechen will, jedenfalls
aber glaube ich, daß ſeine Ideen denjenigen Muſſolinis ent=
ſprechen
. Der Duce iſt ein Mann, der entſchloſſen iſt, ſeine Ini=
tiative
zum guten Ende zu führen. Solange es keine Ab=
rüſtung
gibt, iſt der Friede unſicher. Arbeit für
Abrüſtung bedeutet deshalb Feſtigung des Friedens. Ich erhoffe
noch immer ein franzöſiſch=italieniſches Flottenabkommen. Nach
der Anſicht Muſſolinis erfolgt der Wiederaufbau Europas auf
zwei parallelen Wegen, nämlich der Abrüſtung und der wirt=
ſchaftlichen
Zuſammenarbeit.
Präſident Hoover hat einen unſchätzbaren Beitrag zur wirt=
ſchaftlichen
Zuſammenarbeit gegeben. Jetzt müſſen wir uns mit
dem anderen Weg beſchäftigen. Die übermäßigen =
ſtungen
, wie ſie tatſächlich von mehreren Völkern betrieben
werden, ſind ein ſtörender Faktor, für die inter=
nationale
Zuſammenarbeit. Die Gläubigernationen
haben recht, ſich zu fragen, ob die von ihnen gebrachten Opfer zu
einer Verſtärkung des Zuſtandes der Unſicherheit dienen ſollen,
der dem allgemeinen wirtſchaftlichen Wiederaufbau abträglich iſt.
Andererſeits müſſen die der Reparationszahlungen beraubten
Etats entſprechende Kompenſationen finden, die ſich nur durch
Einſparungen bei den militäriſchen Ausgaben ermöglichen laſſen.
Hierin liegt nach meiner Anſicht der Zuſammenhang zwiſchen den
Militäretats, den Schulden und den Reparationen. Die italie=
niſche
Regierung hat ſich in dieſem Sinne bereits ans Werk ge=
macht
durch die im Hooverplan vorgeſehene Aufhebung der Ein=
kaſſierung
der Zahlungen und durch die italieniſche Vorbereitung
der Abrüſtungskonferenz. Keiner Initiative werden wir feind=
lich
oder zögernd gegenüberſtehen.

Fleiſchkonſum iſt in der Stadt viel größer als auf dem Lande.
Eine Rückkehr zu einer fleiſchärmeren und zugleich einfacheren
Ernährung wäre in geſundheitlichem und wirtſchaftlichem In=
tereſſe
unbedingt notwendig und ſtellt die einzige wirklich ver=
nünftige
Grundlage für eine Ernährungsreform dar.
Dr. med. Georg Kaufmann.

* Jean Izoulet: Paris Hauptſtadt der Religionen oder Die Miſ=
ſion
Iſraels. Ueberſetzt aus dem Franzöſiſchen von H. Klanke.
Verlag Theodor Weicher, Leipzig.
Dieſes Buch wurde offenbar aus dem Zwecke der deutſchen
Leſerſchaft zugänglich gemacht, um als Dokument über die herr=
ſchende
politiſche und religioſe Ideenwelt Frankreichs zu dienen.
Das iſt es aber nehmen wir es gleich vorweg nicht. Das
Werk Jzoulets iſt weltfremd und wurzelt nur ſehr wenig in der
Gedankenwelt Frankreichs. Auch das Kreuzband Wie man ſich in
Frankreich Paneuropa und den Weltſtaat denkt, iſt alſo nicht am
Platze, denn es handelt ſich hier um eine Sondermeinung, die
nur über die Weltanſchauung des Autoxs Aufſchluß gibt. Was noch
kein Werurteil bedeuten ſoll.
Jzoulet ſieht als Grund aller Dekadenzerſcheinungen der
Menſchheit die Dekadenz oder ungünſtige Entwicklung der Reli=
gion
und vor allem des Chriſtentums. Die Dekadenzſymptome
erblickt er in dem Verfall der Kirche und der Verfinſterung der
geiſtigen Welt‟. Die beiden geiſtigen Mächte ſind nach ſeiner
Auffaſſung Kirche und Univerſität. Die geiſtige Dekadenz er=
ſcheint
ihm als die Urſache einer Geſamtdekadenz. Dieſer Ge=
ſamtverfall
beſteht in der Geſetzloſigkeit, in der ſich die ganze
moderne Welt befindet. Eine Befreiung erwartet er nur von der
Religion. Die Religion ſoll aber nicht auf das Seelenheil und
das überirdiſche Leben gerichtet ſein, ſondern auf die Organiſie=
rung
des ſtaatlichen und ſozialen Lebens. Daher eine Abkehr
vom Chriſtentum und Rückkehr zur Lehre Moſes' die Volk, Staat
und Religion in ein harmoniſches Ganze vereinigen ſoll. Alſo
der Moſaismus in moderniſierter Form als Grund= und Weltreli=
gon
und das Judentum als Mittlervolk. Die praktiſchen Folge=
rungen
aus dieſer Theorie erblickt der Autor in der Errichtung
eines Moſeums in Paris, das die Hauptſtadt der Religionen
werden ſoll, und in der Organiſierung einer Ueberuniverſität mit
dem Sitze in Jeruſalem. Doch ſoweit wollen wir ihm nicht fol=
gen
. Sein politiſches Weltbild iſt ſoweit von der Realität ent=
fernt
, daß er ſich in Utopien verliert.
Um ſein Weltbild zu unterſtützen, bringt Jzoulet viel Inter=
eſſantes
, manche originelle Gedanken über Geſchichtsphiloſophie,
und auch manche richtige Erkenntnis über die Struktur der moder=
nen
Geſellſchaft und der Gefahren, die ſich daraus reſultieren. Das
verleiht dem Werk einen gewiſſen Wert. Das Material auf das
er ſich ſtützt hat er aber nicht genug ſorgfältig geprüft. Seine
Theorien fußen auf einer Verkennung der weltgeſchichtlichen Fak=
toren
und auf einem Mißverſtändnis der Religionen ſelbſt.
Der Stil, in dem das Buch geſchrieben iſt, macht es dem Leſer,
der nicht mit großer Geduld begabt iſt, unzugänglich. Der Ueber=
ſetzer
hätte den allzu perſönlichen Stil etwas ebnen ſollen. d. p.

[ ][  ][ ]

Sonntag, den 5. Juli 1931

Seite 5

Der Jiets=Konzern will Jührend sein

GExtra-
Gtabatt

(ausgenommen sind Netto- und Marken-Artikel)

A
Bmstjodo
Masdonnachhen
Rff
don benichne, die graßen Inahamndakichbeiten
leder weiß, was Saison-Ausverkauf bei Tietz bedeutet:
Große Läger, unerhörte Warenmengen, die unbedingt geräumt werden müssen! Zu welchen
herabgesetzten Preisen wir uns dieses Jahr für unsere hochwertige, modische Ware entschlossen
haben, zeigen Ihnen unsere Schaufenster und die im Hause aufgestapelte Ware! Die gesunkene
Kaufkraft und die Dotwendigkeit, Geld und Raum für neue Herbstware freizubekommen,
haben uns zu Preisfestsetzungen gezwungen, die alles Bisherige in den Schatten stellen. Bei Tietz
handelt es sich selbstverständlich bei der im Ausverkauf herabgesetzten und ausgelegten Ware
nur um die bekannten Tietz-Qualitäten: Eine gute, gebrauchsfähige Ware zum allernied-
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Nummer 184

Sonntag, den 5. Juli 1931

Seite 7

Aus der Landeshauptſtadk.
Darmſtadt, den 5. Juli 1931.

Wir ſtehen feſt in Einigkeit des Glaubens.
Zum Evangeliſchen Volkstag am 5. Juli.
Zum erſtenmal in der Geſchichte der Darmſtädter evangeli=
ſchen
Gemeinde, rufen dieſe die evangeliſchen Einwohner von
Darmſtadt alleſamt zu einem evangeliſchen Volkstag auf. Alle
evangeliſchen Gemeinden und Pfarramter der Stadt haben ſich
zuſammengefunden, um einen Tag
der Gemeinſchaft des Glaubens

zu begehen. In einer Zeit, da die wirtſchaftlichen Sorgen und
die Note des Alltags jeden einzelnen niederdrücken und über die
Geſamtheit unſeres Lebens wie ein ſchweres Wetter laſtet, ſoll
erinnert werden an die ſeeliſchen und religiöſen Kräfte, die aus
dem evangeliſchen Glauben kommen und noch in aller Not zeigen,
daß ſie ihm Halt und Stärke gegeben haben. Unſere Stadt, die zu
vier Fünftel eine evangeliſche iſt, will ein Bekenntnis ab=
legen
zum evangeliſchen Glauben, den Mächten der Liebe und der
Ewigkeitshoffnung, die allein imſtande ſind, unſere Sorgen zu
bannen, die Schwierigkeiten zu überwinden und zu einem neuen
Aufbau das Fundament zu legen. Ein EvangeliſcherVolks=
tag
, an dem alles andere ſchweigt und der Blick hinausgeführt
wird zu höherer Lebensbetrachtung und das Herz ſich hebt zu
freudigem Gottvertrauen.
Es ſoll aber ein Evangeliſcher Volkstag ſein. Von Volk
redet man heute viel und doch ſind wir weniger ein Volk als je.
Zu viel Klüfte, die uns trennen. Es gibt eigentlich nur einen
Boden, auf dem ſich noch alle Stände und Schichten unſeres Volkes
in Gemeinſamkeit finden können:

der Boden der Kirche.
Unſer Tag ſoll ein Volkstag ſein, in dem Sinn, daß alle
Kreiſe der Bevölkerung ſich an ihm beteiligen. Wenn die ſoge=
nannten
Gebildeten an der Pflege ihres perſönlichen Innen=
lebens
Genüge finden und die Gemeinſchaft nicht brauchen,
dann werden ſie ſich nicht wundern dürfen, wenn ſie eines Tages
iſoliert ſind. Der Evangeliſche Volkstag muß die Brücke ſchlagen
zwiſchen ihnen und ihrer Kirche. Ebenſo rufen wir die evangeliſche
Arbeiterſchaft auf, nicht um politiſche Dinge dreht es ſich
an dieſem Tag, ſondern einzig und allein darum, ob wir in der
zermürbenden Zeit der ſeelenzerſtörenden Maſchine, in der ſo=
zialen
Zeit der Liebloſigkeit auf die inneren Kräfte chriſtlichen
Glaubens und chriſtlicher Sittlichkeit Verzicht leiſten wollen oder
nicht, ob ſie erſetzt werden ſollen durch die öde Leere und das
Nichts.
Die Loſung unſeres Tages lautet: Wir ſtehen feſt in Einig=
keit
des Glaubens. In dieſem Zeichen ſtehen ſchon die Vormittags=
Gottesdienſte, die ebenſo wie Poſaunenblaſen und Glocken=
ſpielen
einen Teil unſeres Volkstages darſtellen. Die Nachmit=
tagsfeier
im Wald iſt durch die Anweſenheit des Herrn Prälaten
D. Dr. Dr. Diehl beſonders ausgezeichnet. Wenn Gott uns ſeine
Sonne ſcheinen läßt, ſoll es ein Tag der Freude, des Glaubens
und der Liebe werden. Ein Tag, der alle Brücken ſchlagen hilft
zum Bruder neben ſich und zum Ewigen über ſich. Ein Tag, der
uns aufrichtet und feſt macht,
8.
ein rechter Evngeliſcher Volkstag.

Die Rikkerſpornbläke,
eine Hoch=Zeit der Staudenblüte.
Wenn auch die Zahl der Blütenſtauden in unſeren Gärten
heute ſo groß iſt, daß von Frühjahr bis Winter bei entſprechender
Auswahl blühende Gewächſe immer im Garten vertreten ſind,
ſo gibt es doch Hoch=Zeiten der Staudenblüte, in denen einige oder
auch einzelne Hauptvertreter in ihrer Farben= und Leuchtkraft
der Blüten den Garten beherrſchen. Zurzeit erleben wir eine
ſolche Zeit der Ritterſpornblüte, die in ihrer Fülle und überwäl=
tigenden
Farbwirkung wohl kaum übertroffen wird. Ritterſporn
ſind uns allen, die wir Freude an der Natur haben, von Kind
her bekannt. Nicht bekannt aber iſt vielen, auch Gartenfreunden,
daß es heute weit über 100 verſchiedene Sorten von Ritterſporn
gibt, die in den verſchiedenſten Eigenſchaften den alten Sorten
weit überlegen ſind. Wir haben heute Ritterſpornſorten mit Blü=
tenriſpen
von 5070 Zentimeter Länge, dabei dicht beſetzt mit
großen Einzelblüten, ſo daß der Blütenſtand wie ein blauer, lan=
ger
Kolben wirkt. Es finden ſich Blüten darunter, die faſt die
Größe der Malven erreichen. Das Herrlichſte der neueren Sorten
aber ſind die Farben. Vom reinen Weiß bis zum tiefen Blau mit
allen Zwiſchenſtufen, namentlich dem leuchtenden Hellblau, finden
wir vertreten. Dazu gekommen ſind violette, lila und purpur=
Töne teilweiſe mit weißem Auge. Iſt die Einzelblüte dieſer neue=
ren
Sorten ſchon bezaubernd ſchön, ſo iſt der Anblick einer grö=
ßeren
Fläche von Ritterſporn überwältigend durch die Farbwir=
kung
. Zurzeit bietet ſich Gelegenheit, bei der weltbekannten, vor
den Toren Darmſtadts liegenden Staudengroßfirma Kayſer u.
Seibert in Roßdorf ſich ein ſolch überwältigendes Bild anzuſehen.
Wenn ich die Zahl der hier zurzeit in Blüte ſtehenden Ritterſporn
von über 100 000 nenne, wird man ſich eine Vorſtellung von der
Wirkung der Farbfläche machen können. Von weither leuchten die
am Hang ſtehenden weiß, hellblau, tiefblau im Wind ſich be=
wegenden
Blütenfelder. Auch von der Höhe kann man dieſes Rit=
terſpornfeld
erblicken, ebenſo wie die geſamte Staudengärtnerei
der Firma Kayſer u. Seibert. Der Blick mutet an wie ein bunter
Farbkaſten oder die Palette eines Malers, und iſt märchenhaft
ſchön. Klecksweiſe, möchte ich ſagen, ſind alle Farben gelb, blau,
weiß, rot, roſa uſw. hier verteilt. Es führte zu weit, wollte man
die Namen all der ſchönen Blüher hier anführen. Unerwähnt
bleiben dürfen jedoch nicht die in weiß, roſa und rot blühenden
etwa 30 000 Aſtilben und dann: die zum Teil ſchon blühenden
Phloxe, die in unſeren Gärten heute ſchon weit verbreitet ſind.
Die Roßdörfer Staudenkulturen ſind zurzeit eine Sehenswür=
digkeit
, wie wir ſie weit und breit nicht finden werden, und es
iſt dankbar zu begrüßen, daß die Firma Kayſer u. Seibert die Be=
ſichtigung
Gartenfreunden und Liebhabern jederzeit gern geſtattet.
Der Beſuch kann nur angelegentlich empfohlen werden und wird
für jeden Blumenfreund ein ganz beſonderer Genuß ſein. er.

Soangelischer Volkstag.
Festgottesdienste inallen Kirchen
Nachmittags 6½½ Uhr, pünktlich.
Waldfeier am Herrgottsberg,
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Erledigte Stelle. Erledigt iſt eine Schulſtelle für eine katho=
liſche
Lehrerin an de

Volksſchule in Gau=Algesheim. Kreis

Bingen. Die Dienſtwohnung iſt frei.
Zum Rektor der Techniſchen Hochſchule Darmſtadt iſt für
die Zeit vom 1. September 1931 bis zum 31. Auguſt 1932 der
ordentliche Profeſſor Dipl.=Ing. Erich Reuleaux gewählt und
vom Geſamtminiſterium beſtätigt worden.
Ernannt wurden: am 25. Juni der Oberjuſtizſekretär bei dem
Landgericht der Provinz Starkenburg Heinrich Bauer zum ge=
ſchäftsleitenden
Juſtizinſpektor bei dem Amtsgericht Ulrichſtein,
mit Wirkung vom 5. Juli 1931; am 26. Juni 1931: die Haupt=
wachtmeiſter
bei der Bereitſchaftspolizei Fritz Gieſe aus Nenn=
hauſen
, Johannes Holſtein aus Rathenow und Otto Zimmer
aus Groß=Eichen, die Polizeiverſorgungsanwärter Heinrich
Becker aus Sinkershauſen und Karl Schönbein aus Darm=
ſtadt
zu Polizeihauptwachtmeiſtern, ſämtlich mit Wirkung vom
1. Juli 1931 an; der Gendarmeriehauptwachtmeiſter a. Pr. Jakob
Rothaug aus Eſſelbach zum Gendarmeriehauptwachtmeiſter
mit Wirkung vom 1. Juli 1931 an: der Gendarmeriehauptwacht=
meiſter
Konrad Fröhlich aus Höchſt i. O. zum Gendarmerie=
meiſter
mit Wirkung vom 1. Juli 1931 an; der Gendarmerie=
hauptwachtmeiſter
Heinrich Wendel aus Reichelsheim i. O.
zum Gendarmeriemeiſter mit Wirkung vom 1. Auguſt 1931 an.
Heſſiſches Landestheater. Die Fernſprech= Vermitt=
lung
des Landestheaters iſt während der Theaterferien bis auf
weiteres nicht mehr durchgehend beſetzt, ſondern von 914 Uhr,
und von 17.30 Uhr bis zum Schluß der Abendvorſtellung. Sonn=
tags
von 1013,30 Uhr und von 18,30 Uhr bis zum Ende der
Vorſtellung. In den dazwiſchen liegenden Stunden iſt die Miet=
abteilung
über Nr. 3780, das Büro Sommerſpielzeit
Harprecht über Nr. 3782, die Tageskaſſe des Klei=
nen
Hauſes über die Staatsleitung Nr. 5001, Neben=
anſchluß
Nr. 674 zu erreichen. Die Tageskaſſe des
Kleinen Hauſes iſt wochentags von 9,30 bis 13,30 Uhr und
Sonntags von 11 bis 13 Uhr, ſowie abends eine Stunde vor Be=
ginn
der Vorſtellung geöffnet.

Sommerſpielzeit Bruno Harprecht im Heſſiſchen Landes=
theater
. Die Geſangspoſſe O, ſpaniſche Fliege die Bruno
Harprecht nach dem bekannten Schwank von Arnold und Bach
muſikaliſch bearbeitet und mit einer Reihe von ebenſo gefälligen
wie witzigen Geſangs= und Tanz=Schlagern ausgeſtattet hat, er=
zielte
bei ihrer geſtrigen Darmſtädter Erſtaufführung einen durch=
ſchlagenden
Heiterkeitserfolg. Heute findet die erſte Wiederholung
des amüſanten Stückes mit Bruno Harprecht (als Klinke) und der
übrigen Premierenbeſetzung ſtatt, und zwar wird dieſe Aufführung
als 2. Vorſtellung der Dienstag=Miete gegeben, da
am nächſten Dienstag, das Theater wegen einer auswärtigen
Gaſtſpiel=Verpflichtung des Enſembles geſchloſſen bleiben muß.
Im Union=Theater ſieht man nur noch heute Dina Gralla,
das Mädchen mit den Kulleraugen, in dem neuen Luſtſpiel= Schla=
ger
Kinder des Glücks. Regie: Alexander Esway. In den
Hauptrollen: Eckehardt Arendt, Kurt Veſpermann Vicky Werk=
meiſter
, Harry Hardt u. a. Dazu ein reichhaltiges Beiprogramm.
Jugendliche haben Zutritt.
Im Helia=Theater läuft heute und folgende Tage der große
Eichberg=Film Die Bräutigams=Witwe‟. Martha Eggerth, der
neuentdeckte Eichberg=Star, Fritz Kampers und Georg Alexander
ſpielen die Hauptrollen. Im tönenden Beiprogramm ein neuer
Micky=Film: Micky als Sträfling.

Hiſtoriſcher Verein. Der nächſte Ausflug des Hiſtoriſchen
Vereins führt am Sonntag, den 12. Juli, nach Oberheſſen, und
zwar in eine an Erinnerungen reiche Gegend, die von Darmſtadt
aus ſelten beſucht wird. Die Fahrt führt zuerſt nach Leuſtadt,
einer alten Waſſerburg, dann nach dem alten, ſchönen Kloſter
Konradsdorf, von dort nach Ortenberg, Lißberg und
Hirzenhain. Zur Führung ſind die beſten Kenner der Ge=
ſchichte
der dortigen Gegend gewonnen worden, die Herren Leh=
rer
Sauer in Oberlais und Heuſohn in Lorbach. (Näh. ſ. Anz.)

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Der mit ſtarkem Intereſſe erwartete Vortrag der Stuttgarter
Frauenärztin Dr. med. Kienle findet nur heute Sonntag,
abends 8, 30 Uhr, im Orpheum ſtatt. Der urſprünglich
für Montag abend geplante 2. Vortrag iſt polizeilich
unterſagt worden, und findet daher nicht ſtatt.
Der Kartenverkauf für den heutigen (einzigen) Vortrag iſt im
Zeitungs=Kiosk gegenüber dem Verkehrsbüro von 91 Uhr ſowie
Zeitungs=Kiosk am Paradeplatz von 16 Uhr und an der Or=
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Brieftauben. Nach dem gemeinſamen Wettflug von Linz
aus hat der Bund Heſſiſcher Reiſevereinigungen einen neuen
Wettflug mit Brieftauben aller Jahrgänge veranſtaltet. Ins=
geſamt
wurden diesmal in St. Pölten (535600 Km.) 2190 Tau=
ben
aufgelaſſen, und zwar morgens 4.55 Uhr. Die erſte Preis=
taube
kam 11.08 Uhr 46 Sekunden in Urberach an. Die etwa 600
Km. lange Strecke wurde von der Taube bei klarem Wetter mit
öſtlichem Winde in 6,13 Stunden zurückgelegt. Insgeſamt kamen
438 Preiſe zur Verteilung: eine ſilberne Bundesnadel ( Roden=
häuſer
, Ober=Ramſtadt) für drei Tauben mit einer Fluggeſchwin=
digkeit
von 3309,31 Meter und die bronzene Bundesmedaille (E
Moter, Ober=Ramſtadt) für drei Tauben mit einer Fluggeſchwin=
digkeit
von 3272,82 Meter.
Zum Poſtraub in Ernſthofen (Odenwald). Für die Ergrei=
fung
des Täters und die Wiederherbeiſchaffung des Geldes und
der Marken ſetzt die Oberpoſtdirektion Darmſtadt eine Belohnung
von 100 RM. feſt. Ueber die Zahlung und Verteilung der Beloh=
nung
entſcheidet allein die Oberpoſtdirektion Darmſtadt unter
Ausſchließung des Rechtsweges.

Werbewoche des V.9.A.
Tragt am Sonntag die Blumen des V. D. A. als Symbol
der Einheit aller Deutſchen in der Welt!
Verlaßt in eigener Not die Brüder nicht, die nicht das Glück
haben, im Reiche zu wohnen, die tagtäglich im Kampf um die Er=
haltung
ihres Volkstums ſtehen, und die die furchtbar drückende
ſeeliſche Pein nur ertragen können, wenn ſie gewiß ſind, daß die
Volksgenoſſen im Reich ſie auf ihren gefährdeten Außenpoſten
nicht verlaſſen. Ueber Sinn und Aufgabe des V. D. A, ſprach vor
Schülern und Schülerinnen aller Schulgattungen Direktor Troit,
der, von ſeiner Amerikareiſe heimkehrend, von der Erſtarkung des
deutſchen Einfluſſes in Amerika Erfreuliches zu berichten wußte.
Im Dienſte des V. D. A. ſpielt am Sonntag, von 11.30 bis 12.30
Uhr das Orcheſter der Ortsgruppe des Reichsvereins ehemaliger
Militärmuſiker unter Leitung von G. Greilich im
Garten des Alten Palais. Das Orcheſter hat ſich, ebenſo wie das
Stadtorcheſter, bereitwillig der guten Sache zur Verfügung geſtellt.

Burſchenſchafter-Schulungswoche.
Zur Streitfrage Deutſche oder lateiniſche
Schrift führte Herr Oberſtudienrat Pickert=Darmſtadt 100
Lichtbilder vor, die ergaben, daß der Eigenart unſerer Sprache
die deutſchen Zeichen beſſer angepaßt ſind. Die Fraktur bewirkt
deutlichere Wortbilder, die Schreibformen ſind handgerechter.
Unſere Buchſtaben eignen ſich auch für die Schreibmaſchine, und
ebenſo für Kurſivſchrift. Viele Bilder bewieſen, daß die Rückſicht
aufs Ausland uns nicht zwingt, dieſes Kulturgut zu unterdrücken.
Der Ausländer kann Fraktur leſen. Für unſere Volksgenoſſen
in der Fremde iſt ſie eine Brücke zur Heimat. Es wäre töricht,
den Beſtrebungen zur Abſchaffung der Fraktur nachzugeben.
Am Donnerstag, den 2. Juli, hielt Herr Gouvernementsſekre=
tär
a. D. L. Dietz aus Darmſtadt in bezug auf Kolonialfragen
einen Vortrag mit dem Thema: Die koloniale Not des deutſchen
Volkes‟. Der Vortrag begründete die unbedingte Notwendigkeit
von Kolonialbeſitz in Ueberſee.
Unter Bezugnahme auf die deutſchen Kolonien wurde die
Mandatsfrage eingehend beſprochen. Der Vortrag klang aus in
der Forderung auf Widerruf der kolonialen Schuldlüge und im
Anſchluß daran auf Aufrollung der geſamten Mandatsfrage mit
dem Endziel der Wiederherſtellung der deutſchen Kolonien. Im
Anſchluß an den Vortrag fand eine ſehr lebhafte und intereſſante
Ausſprache ſtatt, bei der außer dem Kolonialproblem auch das
deutſche Siedlungsproblem in Europa eingehend erörtert wurden.
Etwa 50 Lichtbilder aus den deutſchen Kolonien gaben ein an=
ſchauliches
Bild von den gewaltigen Leiſtungen der Deutſchen in
dieſen Gebieten.

* Kollektivausſtellung KröhMüller. Die heute, Sonntag,
zu Ende gehenden Kollektivausſtellungen Kröh und Müller zeigen
ſich heute noch zum letzten Male in dieſer Vollkommenheit, denn
die wieder in alle Winde gehenden Privatbeſitztümer geben wohl
nie mehr in dieſer geſchloſſen dargebrachten Ausſtellung eine ſolche
Klarheit in der Perſönlichkeitswertung, wie in dieſer Kunſtver=
eins
=Ausſtellung. Sind uns leider nur noch dieſe paar wahren
Sonntagsſtunden vergönnt, um uns letztmalig an dieſen Werken
zu erfreuen, ſo wird von nun an wohl der Wunſch nach Beſitz von
einem Kröh oder Hermann Müller immer für Freunde dieſer
beſchaulichen und herzerfreuenden Malkunſt lebendig bleiben, und
jeder, der nach ſeinem natürlichen Empfinden für eine einfache,
nicht nach Kunſtproblemen fragende Kunſtrichtung ſich anſchließt,
wird dort das ihm allezeit zuſagende nicht nur nach Geſchmack,
ſondern auch noch Kaufkraft Paſſende finden, wozu die gute Aus=
wahl
der dargebotenen Aquarelle und Slgemälde das Ihrige bei=
trägt
. Dem Kunſtverein ſei für dieſe wohlgelungene Veranſtal=
tung
ein aufrichtiger Dank aller Freunde dieſer zwei volkstüm=
lichſten
Darmſtädter Neſtoren dargebracht.
Die Brauerei Valentin Wagner hat die Faſſade ihres
bekannten Stammhauſes zum Goldenen Anker in der Ochſen=
gaſſe
erneuert und damit unſerer Altſtadt ein neues ſchönes
Schmuckſtück einverleibt. Es iſt dankbar anzuerkennen, daß die be=
kannte
Firma, trotz der Not der Zeit, keine Opfer ſcheute, um ſo
zur Verſchönerung unſeres Stadtbildes beizutragen und gleich=
zeitig
dem Handwerk Arbeit zu geben. Das vorhandene alte
Fachwerk des Gebäudes wurde freigelegt, ergänzt, und durch neue
Geſimsgliederungen erhielt die ganze Straßenfront ein einheit=
liches
Ausſehen. Die Planbearbeitung lag in den Händen des
Herrn Architekten Helmer, der es verſtand, den alten Charakter
des Hauſes vollkommen zu wahren. Die Zimmerarbeiten wurden
von der Firma Philipp Spieß, die Dachdeckerarbeiten von der
Firma K. Geider, die Weißbinderarbeiten, von der Firma K.
Schmidt, die Spenglerarbeiten von der Firma A. Benz und die
Bauarbeiten von der Firma Wilhelm Ganß. Baugeſchäft, ſämtlich
in Darmſtadt anſäſſig, ausgeführt. Ein Hauptſchmuckſtück der
neuen Faſſade bildet das in der hieſigen Kunſtſchloſſerei des Herrn
Emmel gefertigte Aushängeſchild, das den Goldenen Anker als
Sinnbild der alten Brauerei trägt und die Vorübergehenden zur
Einkehr einlädt.
Bühnenvolksbund ſchreibt uns: An den Plakatſäulen und
im Anzeigenteil rufen wir zum Beitritt in unſere Theaterge=
meinde
auf. Wir wiederholen unſeren Aufruf auch heute an die
Mieter, die zufolge ihrer Unzufriedenheit und Beſorgnis um die
Wahl des neuen Generalindendanten zum Mieterſtreik übertreten
wollen. Nichts iſt falſcher als dies. Das hieße das Landestheater
in ſeinem Beſtand gefährden. Unſere Aufgabe erblicken wir in
deſſen Erhaltung und in der Ermöglichung der Mitarbeit an ſei=
nem
Spielplan. Eine Organiſation von hunderten und tauſenden
Mietern in unſerem über ganz Deutſchland verbreiteten Verband
kann und wird der Intendant nicht überhören mit unſeren Wün=
ſchen
und Forderungen auf vornehmliche Pflege chriſtlicher und
deutſcher Kultur auf unſere Landesbühne. Leſen Sie unſer Flug=
blatt
und holen Sie Erkundigungen ein bei Chriſtian Arnold am
weißen Turm. Eine Miete von nur 14 oder 20 Vorſtellungen
macht es auch dem wirtſchaftlich Schwächeren möglich, ſein
Theater zu beſuchen. Minderbemittelte wählen unſere Vergün=
ſtigungen
oder die Wechſelmiete. In jeder unſerer Theaterge=
meinden
bringen wir einen gewählten Spielplan!
Der neue Unterrichtsplan des Gabelsberger Stenographen=
vereins
, Ballonſchule, iſt im Anzeigenteil der heutigen Ausgabe
veröffentlicht. Er bringt nicht nur neue Kurſe für Anfänger ſon=
dern
er bietet auch Gelegenheit zur Auffriſchung früher erworbener
Kenntniſſe in der deutſchen Einheitskurzſchrift und zur Erlernung
der Rede= und Debattenſchrift. Es wird auf die heutige Anzeige
des Vereins verwieſen.

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[ ][  ][ ]

Soite 8

Sonmtag, den 5. JnK 1931

Nummer 184

J

Seit Einführung der Einheitskurzſchrift hat die ſtenogra=
phiſche
Bewegung in Heſſen und in weiten Kreiſen des benach=
barten
Heſſen=Naſſau erneut größte Verbreitung gefunden. Das
ſtenographiſche Leben nahm in Stadt und Land mehr und mehr
zu. So kommt es, daß der Heſſiſch=Naſſauiſche Kurzſchriftverband
einer der größten im Deutſchen Stenographenbund geworden iſt.
Seine 51. Jahrestagung begann geſtern nachmittag. Zunächſt
wurde eine Vorſtandsſitzung abgehalten. Daran ſchloß ſich eine
von rund 300 Delegierten beſuchte Vertreterverſamm=
lung
im Gartenſaal des Städtiſchen Saalbaues an. Verbands=
vorſitzender
, Rechnungsdirektor Heinrich Werner, leitete die
Verſammlung. Zu Beginn der Verſammlung wurde ein Begrü=
ßungstelegramm
an den beſſiſchen Staatspräſidenten Dr. Adelung,
der auch das Protektorat über die Tagung übernommen hatte,
abgeſandt. Das Telegramm hat folgenden Wortlaut: Der Heſ=
ſiſch
=Naſſauiſche Kurzſchriftverband entbietet anläßlich ſeines 51.
Verbandstages dem Staatspräſidenten des Freiſtaates Heſſen in
Ehrerbietung herzliche Grüße. Er dankt der heſſiſchen Staatsregie=
rung
für die ſeitherige Förderung der Kurzſchrift und bittet um
weitere Unterſtützung bei Durchführung der Kurzſchrift bei den
heſſiſchen Behörden, und in den heſſiſchen Schulen. Außerdem
wurde ein Begrüßungstelegramm an den Bruderverband Rhein=
land
=Weſtfalen abgeſandt, der heute und morgen in Bielefeld=
Johannesberg tagt.
Der Vorſitzende wies bei einem Rückblick und Aufblick auf
die ſtenographiſche Bewegung im Verbandsgebiet mit Nachdruck
auf den nächſten Bundestag des Deutſchen Stenographenbundes
hin, der im Jahre 1935 in Wiesbaden abgehalten werden ſoll. Der
Verband umfaßt, wie aus dem Geſchäftsbericht hervorging, 129
Vereine mit 10 500 Mitgliedern und 3188 Unterrichteten im ver=
gangenen
Jahre. Im weiteren Verlauf ſeines Geſchäftsberichtes
wies der Verbandsvorſitzende auf die Bedeutung der Prüfungen
für Stenographielehrer und Geſchäftsſtenographen hin und be=
merkte
, daß am Prüfungsamt für ſtaatliche Stenographielehrer
zu Darmſtadt ſeit 1925 111 Perſonen ihre Prüfung mit Erfolg
abgelegt hätten. Beſondere Fürſorge müſſe man den Arbeitsloſen
zukommen laſſen, am beſten dadurch, daß man ſie im Rahmen des
Möglichen an den Kurſen teilnehmen laſſe. Eine größere Wer=
bung
an den heſſiſchen Schulen ſoll, wie der Vorſitzende mitteilte,
im Herbſt ſtattfinden. Im weiteren Verlauf der Vertreterver=
ſammlung
befaßte man ſich mit der Rechnungsablage, dem Vor=
anſchlag
und der Beratung über den neuen Satzungsentwurf.
Der neue Satzungsentwurf wurde unter Berückſich=
tigung
einiger redaktioneller Aenderungen, die aus der Mitte
der Verſammlung beantragt worden waren, einſtimmig an=
genommen
. Zum Geſchäftsführer des Verbandes wurde
Stadtinſpektor Ludwig Krapp=Darmſtadt neu gewählt. Der
52. Verbandstag ſoll 1932 in Bingen ſtattfinden. Ueber Kaſſe
und Voranſchlag erſtattete Auguſt Engelhardt=Mainz Be=
richt
, dem für ſeine umfangreiche Arbeit als Rechner herzlichſt ge=
dankt
wird. Beſchloſſen wurde die Abhaltung einer Herbſt= Ver=
treter
=Verſammlung in Frankfurt a. M., in der hauptſachlich Un=
terrichtsfragen
behandelt werden ſollen. Der Verbandsvorſtand
wurde in ſeiner alten Zuſammenſetzung einſtimmig wieder=
gewählt
.
Am Abend fand im großen Saal des Städtiſchen Saal=
baues
aus Anlaß des 70jährigen Beſtehens des Gabelsbergerſchen
Stenographenvereins von 1861 Darmſtadt ein Feſtabend mit
buntem Programm, das in der Hauptſache von dem Konzert=
Orcheſter Nola und einem Solo=Quartett des Heſſiſchen Lan=
destheaters
beſtritten wurde, ſtatt. Nach einer Begrüßungsanſprache
des Vereinsvorſitzenden, Stadtoberinſpektors Peter Meyer,
überbrachte Oberſtudiendirektor Pfaff als zweiter Bundesvor=
ſitzender
die Grüße und Glückwünſche des Deutſchen Stenographen=
bundes
Dresden, Oberlehrer Neſſel=Neuſtadt diejenigen des
Pfälziſchen Stenographenverbandes. Für den Verband ſprach
Rechnungsdirektor Werner, für den Kurzſchrift=Bezirk Darm=
ſtadt
Peter Heißt=Eberſtadt. Die Darbietungen, die unter der
Anſage des Opernſängers Hans Ney vom Landestheater raſch
abgewickelt wurden und eine ausgezeichnete Stimmung erzeugten,
ſtanden auf künſtleriſcher Höhe. Das gilt nicht nur von den Ge=
ſängen
des Quartetts (Iſterling, Horina, Wieſt und Schüppel)
und den entzückenden Tänzen der Tänzerin Wera Korſchan ( Lan=
destheater
), ſondern auch von dem Orcheſter und den Darbie=
tungen
aller übrigen Mitwirkenden. Im Laufe des Abend fand
ſchließlich noch eine Ehrung verdienſtvoller Mitglieder des Jubel=
vereins
ſtatt.
Heißt.
Die Palaſt=Lichtſpiele bringen heute und folgende Tage im
Stummfilm=Doppelprogramm den Abenteuerfilm Tarzan, der
Tiger mit Frank Merill als Tarzan und Natalie Kingſton. Im
zweiten Teil läuft der Film aus der Fremdenlegion Die Hölle der
Heimatloſen mit Norman Kerry, Imogen Robertſon, Juna Mar=
kowe
, Lewis Stone u. a.
Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher Erkran=
kung
ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt
zu rufen. Wenn dieſer nicht ereichbar iſt, dann ſind am Sonn=
tag
, dem 5. Juli 1931, folgende Aerzte zu deſſen Vertretung be=
reit
: Dr. med. E. Draudt, Heinrichſtr. 17. Telephon 2520;
Dr. med. Grode, Roßdörfer Straße 20, Telephon 1419; Dr. med.
Nauheim, Landwehrſtr. 14, Telephon 4200.
Es verſehen den Sonntagsdienſt und in der daran ſich an=
ſchließenden
Woche den Nachtdienſt vom 4. Juli bis 11. Juli die
Apotheke am Juſtizpalaſt, Bismarckſtraße 9, Einhorn= Apo=
theke
, Kirchſtraße 10½.

Helia.
Mit dem Filmprogramm war es in den letzten Wochen nicht
weit her, die Hitze machte ſich auch da ein wenig lähmend bemerk=
bar
. Da kommt zur rechten Zeit höchſt erfriſchend ein Luſtſpiel,
das leicht und harmlos und gar nicht anſtrengend aufs beſte die
Zeit vertreibt. Die Bräutigamwitwe, Martha Eg=
gerth
, iſt ein charmanter, vor kurzem entdeckter Star und ver=
dient
dieſe merkwürdige Verwandtſchaftsbezeichnung infolge von
Verwicklungen und Irrtümern, die den Inhalt des muſikaliſchen
Schwanks ausmachen und hier nicht vorweggenommen werden ſol=
len
. Geſagt ſei nur, daß Georg Alexander es iſt, der am
Vorabend ſeiner Trauung mit der Tochter eines Rechtsanwaltes
im Sektrauſch ein Tanzgirl heiratet am Morgen darüber höchſt
erſtaunt iſt und ſich nicht nur gegen die Liebesbezeugungen ſeiner
jungen Frau ſondern auch gegen die Zudringlichkeit ihrer Eltern
und die empörte Muskelkraft ihres geweſenen Bräutigams wehren
muß. Dieſe Sache iſt unter der Regie von Richard Eichberg ſo
charmant, ironiſch und mit ſoviel witzigen Einfällen gedreht wor=
den
daß das Ganze eine wirklich vergnügliche Angelegenheit iſt.
Ein Micky=Film ergänzt das unterhaltende Programm.
* Sfeuer= und Wirkſchaftskalender
für die Zeit vom 1. bis 15. Juli 1931.
Aufbewahren
Ausſchneiden!
1. Juli: Letzter Tag für die Entrichtung de Schulgeldes
für die Darmſtädter höheren Schulen und die gewerb=
lichen
Fortbildungsſchulen für Juni 1931 an die Stadt=
kaſſe
. (Schonfriſt bis 10. Juli 1931.)
5. (6.) Juli: Abgabe der Beſcheinigung an die Finanz=
kaſſe
, daß die Summe der im Juni 1931 abgeführten
Steuerabzugsbeträge mit der Summe der im Juni 1931
einbehaltenen Steuerbeträge übereinſtimmt. (Keine
Schonfriſt.)
5. (6.) Juli: Abführung der Lohnſteuer, für die in der Zeit
vom 16. bis 30. Juni 1931 erfolgten Lohnzahlungen.
Falls die bis zum 15. Juni 1931 einbehaltenen Beträge
200 RM. nicht erreicht haben, im Ueberweiſungsver=
fahren
Abführung der Lohnſteuer für die in der Zeit
vom 1. bis 30 Juni 1931 erfolgten Lohnzahlungen.
(Keine Schonfriſt)
Abführung der Ledigenſteuer, ſoweit dieſe im
Steuerabzugsverfahren entrichtet wird.
5. (6.) Juli: Ablauf der Schonfriſt für das am 25. Juni
1931 fällig geweſene erſte Ziel (Vorauszahlung) laut
gelbem Steuerbeſcheid (ſtaatliches Ziel) über Grund=
ſteuer
Sondergebäudeſteuer und Ge=
werbeſteuer
für das Rechnungsjahr 1931/32.
W. Juli: Ablauf der Schonfriſt für die Entrichtung des
Schulgeldes für die Darmſtädter höheren Schulen
und die gewerblichen Fortbildungsſchulen für Juni
1931.
M. Juli: Zahlung der Börſenumſatzſteuer ſoweit dieſe
im Abrechnungsverfahren entrichtet wird
10. Juli: Umſatzſteuer=Voranmeldung und =Vorauszahlung
für das 2. Vierteljahr 1931. Schonfriſt bis 15. Juli
1931.
10. Juli: Einkommenſteuer=Vorauszahlung für das 2.
Vierteljahr 1931. Nicht für Landwirte! Keine
Schonfriſt.
10. Juli: Körperſchaftsſteuer=Vorauszahlung für das
2 Vierteljahr 1931. Nicht für Landwirte! Keine
Schonfriſt.
10. Juli: Entrichtung des Zuſchlages zur Einkommen=
ſteuer
für Einkommen über 8000 RM. Nicht für
Landwirte!
10. Juli: Ledigenſteuer für veranlagte Steuer=
pflichtige
. Nicht für Landwirte!
10. Juli: Entrichtung des Zuſchlages für Aufſichts=
ratsmitglieder
. Nicht für Landwirte!
11. Juli: Nach Bekanntmachung der Stadtkaſſe Ablauf der
Schonfriſt für das 1. Ziel für 1931/32 von:
Gemeinde= Kreis= und Provinzialum=
lagen
und Sondergebäudeſteuer (Brauner
Steuerbeſcheid).
Filialſteuer in Darmſtadt.
Gebühren für Straßenreinigung, Müllabfuhr
und Kanalbenutzung in Darmſtadt.
Weiterhin Ablauf der Schonfriſt für die Abrech=
nung
der endgültigen Sondergebäude=
ſteuer
, Grundſteuer und Gewerbeſteuer für
für das Rechnungsjahr 1930 / 31 (Brauner Steuer=
beſcheid
unter 42).
15. Juli: Ablauf der Schonfriſt für die am 10. Juli 1931
fällig geweſene Umſatzſteuer=Voranmeldung und
=Vorauszahlung.
Beiträge zur Handwerkskammer.
Die Anforderungszettel werden erſt in der nächſten Zeit her=
ausgehen
können. Das am 30. Juni 1931 fällige erſte Ziel iſt ſo=
fort
nach Zuſtellung des Anforderungszettels zu entrichten.
Vermögenserklärung.
Auf die Mitteilungen im letzten Steuerkalender für die zweite
Junihälfte (Nr. 169 des Darmſtädter Tagblatts vom 20. Juni
1931) wird noch einmal verwieſen. Die Friſt zur Abgabe der Ver=
mögenserklärung
iſt am 30. Juni 1931 abgelaufen. Soweit Steuer=
pflichtige
die Erklärung noch nicht abgegeben haben ſollten, iſt
umgehende Abgabe dringend anzuraten.
H. W. Wohmann.
Stuhlverſtopfung. Nach den an den Kliniken für innere Krank
heiten geſammelten Erfahrungen iſt das natürliche Franz=Joſef=
Bitterwaſſer ein äußerſt wohltuendes Abführmittel. (TV.96

Dd. Arheilgen, 4. Juli.
Der Auftakt zur diesjährigen Tagung des Junglandbundes Heſſen=
Starkenburg war außerordentlich verheißungsvoll. Schon nachmittags
um 3 Uhr zog eine Abordnung der hieſigen Ortsgruppe mit Muſik=
begleitung
zur Main=Neckarbahn, um die ankommenden Vertreter der
auswärtigen Ortsgruppen und den Bundesvorſtand abzuholen. Pünkt=
lich
um 5 Uhr eröffnete der Provinzialvorſitzende Funk die zahlreich
beſuchte Vertreterſitzung des Junglandbundes. Ueber 200 Jungbauern
waren dem Ruf der Bundesleitung gefolgt. Der Vorſitzende der hieſi=
gen
Ortsgruppe, Karl Merlau, begrüßte die Erſchienenen im Namen
der gaſtgebenden Korporation. Provinzialvorſitzender Funk ergriff
dann das Wort zu einem kurzen geſchichtlichen Ueberblick über die Ent=
wicklung
des Bundes und ſeine Stellung im politiſchen und wirtſchaft=
lichen
Leben. Er betonte, daß die Bundesleitung immer verſucht, zum
Wohle der deutſchen und insbeſondere der heſſiſchen Bauern zu wirken,
und auch weiterhin aktiv in dieſem Sinne zu arbeiten. In einer lebhaf=
ten
Ausſprache wurden ſodann einige interne Fragen behandelt. Ge=
ſchäftsführer
Dumas=Darmſtadt behandelte nochmals ausführlich die
Stellungnahme des Junglandbundes zu den politiſchen Parteien, und
ſchlägt vor, den Mitgliedern darin freie Hand zu laſſen, jedoch die Land=
volkspartei
als die, die die Belange der Landwirtſchaft am beſten ver=
tritt
, zu unterſtützen. Vorſitzender Funk ſchließt ſodann die glän=
zend
verlaufene Sitzung mit einem dreifachen Land=Heil! Abends
um 8.15 Uhr trafen ſich die Jungbauern wieder am Verſammlungslokal
und marſchierten unter Vorantritt der Kapelle und zirka 20 Bannern
zuſammen mit den Altbauern in einem ſtattlichen Zug von 300 Mann,
zum Teil in einheitlich grünen Hemden, zum Feſtplatz. Dank des guten
Wetters wurde das Programm glatt abgewickelt. Kreisvorſitzender
Knöbel=Arheilgen hielt eine kurze kernige Begrüßungsanſprache, die
allgemeinen Beifall fand.

Zigeunermuſik im Orpheum.

Um es vorwe

end=Abend ein Abend, der es ſchwer macht geſchloſſene Räume
und Menſchennähe aufzuſuchen. Wer dennoch kam verhältnis=
mäßig
wenige hat es nicht bereut
Man brachte zweifellos falſche Erwartungen mit. Zigeuner
Zigeunermuſik das ſind für den romanleſenden Mittel=
europäer
feſtgelegte Begriffe. So ſchmelzende Geige . . . Hundert=
Pengö=Scheine in der Taſche des temperamentvollen Zigeuner=
primas
und erlebt ein hervorragendes, in der Hand ſeines
Leiters und Gründers H. Berény ſtraff diſzipliniertes Sinfo=
nieorcheſter
, das trotzdem, trotz der zuerſt faſt akademiſch er=
ſcheinenden
Auswahl ſeines Programms ſeinen Darbietungen
jene unnachahmlichen, bezaubernden Akzente eigenen Tempera=
ments
aufzuſetzen weiß.
Zigeunermuſik in ihrem guten mitreißenden Sinn blieben
die Improviſationen über ungariſche Volkstänze. Seelig be=
ſchwingt
tief ſentimental. Die Soliſten Arpäd Karolyi
(das Programm deklariert ihn als Zigeuner=Primas) am Cim=
bal
Elemer, Kiß und der Tarogato=Bläſer Läſzlo Va=
däſz
ernteten reichen Beifall. Starken, nicht endenden Applaus
fanden die vollendet geſpielten Improviſationen Lilly Gyenes,
der einzigen, dafür entzückend hübſchen Vertreterin des weib=
lichen
Geſchlechts im Enſemble.
Hervorragend, neu in dieſer grandioſen Interpretation, die
Ungariſche Rapſodie Nr. 2 Liſzts. Nicht vergeſſen ſeien die eigenen
Kompoſitionen Berénys das Cinka=Pauua, nach altungari=
ſchen
Motiven, und Czikoſz=Ritt".
So klein verhältnismäßig die Beſucherzahl war, ſo
wenig war das an dem ſtürmiſchen Beifall zu bemerken, der jeder
Darbietung des recht umfangreichen Abends dankte. Kaum eine
Nummer des Programms paſſierte, ohne daß der Beifall nicht
eine und mehrere Zugaben erzwungen hätte. Das ſöhnte
auch mit dem Publikum aus.
Ein entzückender Abend. Ein wundervoller Abend. Man
verzeihe mir, wenn ich das nochmals ſage.
* Motorrad in Brand. Am Schlachthofplatz geriet in den
geſtrigen Nachmittagsſtunden ein Motorrad in Brand. Die hin=
zugerufene
Rettungswache brauchte nicht mehr in Tätigkeit zu
treten, da der Brand bei ihrem Eintreffen bereits durch Paſſanten
gelöſcht war.
Fahrplan 1932/33. Die Vorarbeiten für den Jahresfahr=
plan
1932/33, der am 22. Mai 1932 eingeführt werden ſoll, be=
ginnen
in Kürze. Wenn auch unter den jetzigen Notverhältniſſen
mit der Einlegung neuer Züge Zurückhaltung geboten iſt, werden
doch wünſchenswerte Verbeſſerungen vorgenommen, ſoweit es ir=
gendwie
im Bereich der Möglichkeit liegt. Etwaige begründete
Wünſche auf Fahrplanverbeſſerungen für den nächſtjährigen Fahr=
plan
ſind, ſoweit der Bezirk der Reichsbahndirektion Mainz in
Frage kommt bis ſpäteſtens 20. Juli 1931 bei dieſer vorzubringen.
Der Bezirk Mainz iſt auf jedem Aushangfahrplan der Reichsbahn=
direktion
Mainz auf den Bahnhöfen kenntlich gemacht. Den maß=
gebenden
Körperſchaften und den Verkehrsverbänden wird emp=
fohlen
, die Beſprechungen mit ihren Mitgliedern und ſonſtigen
Beteiligten ſo einzurichten, daß ſie ihre Anträge der Reichsbahn=
direktion
rechtzeitig zuſenden können.
Briefkaſten.
AEn Ra Hbdna
M Lgdn. 3e Derdaned Mi d Te
E. 15. Donnerstag.

V.Im

(. der neuzeitliche Helfer, ist dal Für ( gibts kein, Hndemi. Je dicker die
Fettkrusten in Pfannen und Töpfen, in Flaschen und Dosen, um so mehr ist
( am Platze. Nichts widersteht seiner außerordentlichen Reinigengskraft!
Spülbecken, Badewannen, Putzeimer,, Bohnertücher, Mops, Fensterscheiben,
Böden, kurz; alles was im Haushalt frisch und, sauber sein soll, ruft
geradezu nach (l um schöner und geiner Är Werden ab je zwor!
Die begeisterten ( Verbrauchecinnen zählen nach Milliohen! Auch
Sie, dürfen da nicht fehlen. Auch. Sie müssen den gewaltigen Fort=
schritt
, den mühe- und sorgenlosen Haushaltsreinigung kemen
lernen, den (.0 bringt.
Verwenden Sie zum Geschirrabwaschen, Spülen und Reitffigen
LEBlfel ( auf 10. Lter
1Eimer heilzes Wasser.
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Haus- und Küchengerät. Hergestellt in den Persilwerken.
Aadza7

[ ][  ][ ]

Mummer IA4

Sonntag, den 5. Juli 1931

Seite 9

All=Darmſtadt. Berein für Ortsgeſchichke und Heimalkunde. 336. Beranſtalkung.

Trotz der ſommerlichen Schwüle hatte ſich ein zahlreicher Kreis
zuſammengefunden. Herr Philipp Weber berichtete über: Haus=
inſchriften
. Inſchriften an Geraten, auf Leichenſteinen und über
Marterlen
Der Redner führte unter anderem aus, daß zu dem weiten
Gebiet der Volkskunde auch die Hausinſchriften. Inſchriften an
Urväter Hausrat, auf Leichenſteinen und auch die Marterlen
gehören. Freunde des echten Volkstums empfinden es immer als
eine Lücke, daß auf dieſem Gebiete, ſo viel Kernhaftes, geſundes
und poetiſch Wertvolles im deutſchen Volkstum, dem verflachenden
Zeitgeiſt zum Opfer gefallen iſt.
Kein geringerer als Dr. Martin Luther, ſchreibt an
ſeinen Freund Wencislaus Link Prediger am heil Chriſt=
Spital zu Nürnberg) am 20. März 1536:
ſo bitt ich Euch,
Ihr wollet ſammeln laſſen alle deutſchen Bilder, Reimen Lieder,
Sprüche, Bücher, Meiſtergeſäng ſo bei Euch ſind gemeldet, ge=
dichtet
, gemacht, gedruckt, denn ich Urſach habe, warum ich ſie gern
hätte. Der Hausſpruch war in den vergangenen Zeiten das Merk=
zeichen
des individuellen Charakters des Hauſes, und in vielen Ge=
genden
hielt man ſtreng darauf. So mochte z. B. der Bauer in Weſt=
falen
in keinem Haus ohne Hausſpruch wohnen, und er ſagte;
Ein Haus ohne Spruch gleiche einem Ei ohne Salz,
Die ältere deutſche Sitte war. Teller, Krüge, Geräte uſw.
mit Sprüchen zu verſehen, dies fand dann ſpäter ſeine Fortſetzung
im Hausſpruch. Durch dieſe ſchöne alte Sitte wurde mancher Ort
zu einem offenen Buch ſittlicher Sentenzen, edler freier Bekennt=
niſſe
, tiefer Wahrheiten und nicht zuletzt von friſchem kernigen
Humor.
Man muß in unſerer Zeit ſchon weit über unſere Vaterſtadt
hinausgehen, um ſolche Sprüche zu finden, denn ſie ſind ſelten ge=
worden
; dieſe Goldkörner deutſchen Volkstums. Der Redner zeigte
an Beiſpielen, zunächſt an allerlei landläufigen Sprüchen, was
Allgemeingut war.
So gab es einige landläufige Sprüche, die auch über mancher
Haustür im alten Darmſtadt ſtanden; z. B. Wir bauen hier ſo
feſte, und ſind doch fremde Gäſte, wo wir ſollten ewig ſein, bauen
wir ſo wenig ein. Wer baut an Markt und Straßen, muß die
Leute reden laſſen‟. Der eine betrachts, der andere verlachts, was
macht’s. Ueber der Haustüre des bekannten Künſtlers, Profeſſor
Noack, in der Annaſtraße, war zu leſen: Willkommen wer’s
wohl meint, bleib draußen wer uns feind. Ob ſreudevoll, ob leide=
voll
, tritt ein Freund auf dein Wohl. An dem alten Fachweck=

haus des Bäckermeiſters Caſtritius in Beſſungen iſt heute noch fol=
gender
Spruch zu leſen: Dem Hausvater gebe Gott Glück und
Gnade. Dieweil er hier ſeine Wohnung habe; Und wenn er endlich
muß linaus. So geb ihm Gott ein beſſeres Haus, Dorten im
ewigen Leben. Das mög Gott allen frommen Hausleuten geben.
Am Haus iſt das Zeichen der Bäckerzunft, eine gekreuzte
Brezel und die Jahreszahl 1708. An dem zum Faſelſtall gehö=
rigen
Hauſe in Beſſungen ſteht ein Spruch auf einem eichenen
Türſtutz, der darauf hinweiſt, daß das Haus ein Hirtenhaus war:
Wiltu allhier ein Hürte ſein, ſo nimm dich an der Herde dein,
Und nimm die Hirtenpflicht in acht So wird bezahlt dein Hut
und Wacht. Ein zweiter Spruch hier lautet: Und du allhier
nimm eben wahr, was deinem Nachbar geſaget wahr. Soli deo
Gloria 1722. An dem rückſeitigen Eingang des ehemaligen
Hauſes zum Schwanen in der Kirchſtraße, deſſen Torbogen in die
Brandgaſſe verſetzt iſt, leſen wir noch: Der Herr bewahre Deinen
Eingang und Ausgang und das Haus mit den Seinen, vor Feuer
und Brand, von nun an bis in Ewigkeit, Amen. Viel war auch
der Spruch hier anzutreffen: Behüt uns Gott zu aller Zeit, vor
Maurer und vor Zimmerleut. Ein längſt vergeſſener Spruch
aus dem alten Darmſtadt, am Hoſpital vor dem Beſſunger Tor
(Kirchſtraße) lautete: Im ſechshundert elften Jahr. Dies Hoſpi=
tal
erbauet war: Und hat die erſte Fundation. Der Oberamt=
mann
hier gethan; Hans Philipp von Buſeck bekannt: Des
Standts und Namens Münch genannt, Alſo das Haus auch nennet
er, Auf daß es ſein Gedächtniß wär; Und anderen geben wollt
Urſachen, Dergleichen Stiftung nachzumachen; Zu Nutz der Armen

und der Kranken: Die dafür haben Gott zu danken. Darum o
lieber Leſer mild; Wann du Dein Haus beſorgen willt, Irgend
mit einem Teſtament, das durch dein Erben werd vollendt; So
denk zuforderſt drinn der Armen, So wird ſich Gott auch dein
erbarmen!
Deß weiteren ging der Redner auch auf Inſchriften im neuen
Darmſtadt ein. So auf der Künſtlerkolonie, am Eingang zum
Platanenhain. Auf der rechtsſeitigen Platte iſt zu leſen: Du
erſcheinſt ſchön im Horizonte des Himmels, du lebende Sonne,
die zuerſt lebte: Du gehſt auf im öſtlichen Horizont und füllſt die
Erde mit deiner Schönheit. Du biſt ſchön und groß und funkelnd
hoch über der Erde Deine Strahlen umarmen die Länder, ſo viele
du geſchaffen haſt. Auf der linksſeitigen Platte: Du ſüßer
Brunnen für den Durſtenden in der Wüſte! Er iſt verſchloſſen für
den der redet, er iſt offen für den der ſchweigt. Kommt der Schwei=
gende
ſo findet er den Brunnen. Neben vielen anderen Sprüchen
von dieſer Stätte, die der Redner zitierte: Sei noch der erwähnt,
der in der Kuppel beim Treppenaufſtieg zum Hochplateau vom
Hochreſervoir zu leſen iſt: Habe Ehrfurcht vor dem Alten: Und
Mut, das Neue friſch zu wagen; Bleibe treu der eigenen Natur;
Und treu den Menſchen, die du liebſt. An der Sonnenuhr am
Hochzeitsturm: Der Tag geht über mein Geſicht: Die Nacht, ſie
taſtet leicht vorbei: Und Tag und Nacht ein Gleichgewicht; Und
Nacht und Tag ein Einerlei; Und ewig kreiſt des Schattens
Schritt; Leblang ſtehſt du im dunklen Spiel; Bis dich des Le=
bens
Deutung trifft: Die Zeit iſt um, du biſt am Ziel.
Von hier aus führte der Redner ſeine Zuhörer durch das
engere und weitere Vaterland und zeigte an Beiſpielen den Reich=
tum
der Volkspoeſie. Z. B. an einem Buchbinderhaus in Bens=
heim
: Was die Gelehrten erdichtet, erfunden; wird hier geheftet,
beſchnitten und gebunden. An einem Fachwerkhaus daſelbſt:
Wie im Fachwerk außen ſich reiches Leben weißt; So ſei dies
Haus auch innen gegen Leid und Not gefeit. An einem Haus in
Alt=Frankfurt: Wer ſeine Zung nicht zügeln kann; und Uebel
red von jedermann; derſelbe wiß zu jeder Friſt; daß ihm mein
Haus verboten iſt. Ueber einer Schloſſerwerkſtatt: Wenn an
jedes loſe Maul; Ein Schloß müßt angeleget werden; Dann wär
die edle Schloſſerkunſt: Die beſte Kunſt auf Erden. An einem
Haus in der Marktſtraße in Groß=Umſtadt: Gott allein die ehr;
Alles was wir bauen; und ſehen, das muß verferben und ver=
gehen
; Wer Gott vertraut bleibt ewig ſtehen, Falentin Keller.
1718. Ferner: Gott ſchütz und ſchirme dieſes Haus; Laß Advo=
katen
und Apotheker drauß. Zahlreiche Sprüche aus dem Fran=
kenlande
führte der Redner an, ſo aus Wertheim Rothenburg,
Dinkelsbühl uſw.; z. B. Heiliger Florian, du ſakriſcher Schwanz.
Wir brauchen dich nimmer, Wir haben Aſſekuranz Herr Gott
behüte Korn und Wein. Der Hagel ſchlag die Fenſter ein. (Ueber
einem Glaſerhauſe.) Wenn ich könnt die Jungfern zieren,
Wie ich das Haus kann renovieren, So wär ich Meiſter in der
Welt, Und hätte mehr als jetzt an Geld.
Des weiteren bot der Redner eine reiche Fülle von Inſchrif=
ten
in Häuſern: Wenn die Henne kräht vor dem Hahn. Und das
Weib redet wieder den Mann, So ſoll der Mann das Weib auf
das Maul ſchlan. (In einem Bauernhaus.) An einem ſtillen
Ort in einer Gartenkolonie des Darmſtädter Gartenbauvereins:
Hier werden geſammelt von Mann und von Frau, Liebesgaben
für den Ackerbau, Drum ſitze mit Mut und drücke mit Kraft, Für
die arme notleidende Landwirtſchaft. In Metzgerläden: Ochſen,
Kälber und auch Schweine, haben Knochen und Gebeine; Darum
muß beim Fleiſchverwiegen, jeder ein paar Knochen kriegen.

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Pokalen, Ofeninſchriften. Inſchriften an Uhren, auf Tellern und
Schuſſeln; Karzerinſchriften, wie z. B. aus Heidelberg: 14 Tag
hier weilte, Weil er Schutzleut keilte: Und nicht enteilte. Sondern
geſtand; H. Bauer, med. cand. N. B. Iſt in dieſen zwei Wochen,
durchs Examen gekrochen. Leicht iſt, mein Freund, die Haft
in jeder Beziehung: du wandelſt leichten Herzens hinein, leich=
teren
Beutels hinaus.
Dann folgten aus der reichen Zahl der Marterlen eine große
Blütenleſe: z. B. Hier ruht in Gott N., N.; 26 Jahre lebte er
als Menſch und 37 Jahre als Ehemann. Im Leben ſo rot
wie Zinnober, im Tode wie Kreide ſo bleich, Geſtorben am 17. Ok=
tober
, am 19. war die Leich.
Der Redner beſchloß die reiche Fülle mit allerlei Grabinſchrif=
ten
, insbeſondere von oberheſſiſchen Friedhöfen. Er zeigte an den
gegebenen Beiſpielen, wie vielfach das Volk denkt und fühlt, wie
es ſeine Freude und ſein Leid zum Ausdruck bringt, und mahnte
auch, gerade auf dieſem Gebiete weiter zu ſammeln und das gute
Alte vor dem Vergeſſen zu bewahren.
Aus der Verſammlung dankte der 2. Vorſitzende, Herr Wil=
helm
Kaminſky, dem Redner für ſeine Darbietungen, die noch zu
einer anregenden Ausſprache Anlaß gaben, an der ſich die Herren
Lehrer Neeb, Dr. Diery, Herr Inſpektor Schnittſpahn u. a. be=
teiligten
. Nächſte Veranſtaltung wird durch Einladung bekannt
gegeben.

Lokale Beranftalkungen.
Die bierunter erſchelnenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten.
in leinem Talſe irgendwie als Veſprechung oder Kril.
Orthſcher Männerchor Turngemeinde
Beſſungen. Ausgehend von dem Gedanken, all ihren Mitglie=
dern
und Freunden trotz der trüben wirtſchaftlichen Verhältniſſe
einige freundliche, gemütliche Stunden verleben zu laſſen, haben
die genannten beiden Vereine beſchloſſen, ihr diesjähriges Som=
merfeſt
am Sonntag, 12. Juli, gemeinſam in ſämtlichen Räumen
der Beſſunger Turnhalle zu feiern. Schöne Illumination, Kinder=
beluſtigungen
und ſonſtiges werden gewiß dazu beitragen, das ge=
meinſame
Feſt verſchönern zu helfen.
Geſellſchaftsabend mit Tanz. Heute, Sonntag,
findet im Hotel=Reſtaurant Poſt am Hauptbahnhof in ſämtlichen
Parterreräumen der allerſeits beliebte ſchöne Geſellſchaftsabend
mit Tanz ſtatt. Alle Beſucher dieſes Abends werden immer wie=
der
gerne darauf zurückkommen. Es ſei beſonders auf die heutige
Anzeige hingewieſen.
Im Hotel Prinz Heinrich findet heute, Sonntag
abend, großes Gartenkonzert ſtatt. Der Beſuch iſt beſtens empfoh=
len
. (Vergleiche Anzeige.)
Konzert und Tanz im Orangeriehaus. Beſ=
ſunger
Herrngarten, ab 8 Uhr. Konzert mit Tanzeinlagen (Stadt=
Orcheſter) bei freiem Eintritt. (Siehe Anzeige.)
Im Wienerkronenbräukeller konzertiert heute
die Groß=Bieberauer Feuerwehrkapelle in Uniform, unter Lei=
tung
ihres Kapellmeiſters Kollbacher, bei freiem Eintritt. (Siehe
heutige Anzeige.)
Im Herrngarten=Café findet heute von 1112 Uhr
Frühkonzert ſowie Nachmittags= und Abendkonzert ſtatt.

Tageskalender für Sonntag, den 5. Juli 1931.
Heſſ. Landestheater Großes Haus: Geſchloſſen. Kleines
Haus, 20 Uhr: O, ſpaniſche Fliege Orpheum. 20.30 Uhr:
Vortrag von Frau Dr. Kienle: Frauenſchickſal, Kon=
zerte
: Zur Oper, Schloßkeller, Datterich. Sportpl.=Reſt. am
Böllenfalltor, Herrngartenkaffee Schuls Felſenkeller, Rummel=
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, Thünger Brauſtübl. Kaffee Jöſt, Orangeriehaus. Zum
Roſengarten. Hotel Prinz Heinrich, Wiener Kronenbräukeller,
Ludwigshöhe, nachm. 4 Uhr Kinovorſtellungen:
Union=, Helia= und Palaſt=Lichtſpiele. Gabelsberger
Stenographenverein 1861, 11.30 Uhr: Oeffentl. Feſt=
verſammlung
, 1518 Uhr: Gartenkonzert, 20.30 Uhr, im Städt.
Saalbau: Feſtball aus Anlaß des 70jähr. Beſtehens. Holz=
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Nummer 184

Sonntag, den 5. Juli 1931

Seite 13

Aus Heſſen.

Griesheim, 4. Juli. Gemeindevoranſchlag für
1931. Der Gemeinderat hatte bei der Verabſchiedung des Ge=
meindevoranſchlages
für das Rechnungsjahr 1931 die Barunter=
ſtützungen
in der Wohlfahrtspflege von 70 000 Mk. auf 116 000
Mk. heraufgeſetzt, dagegen aber eine 100prozentige Erhöhung der
Bier= und Bürgerſteuer abgelehnt. Der hierdurch entſtandene
Fehlbetrag ſollte durch Einſtellung eines Staatszuſchuſſes in Höhe
von 75 000 Mk. auf der Einnahmeſeite gedeckt werden. Auf die
vom Kreisamt Darmſtadt als Aufſichtsbehörde erhobene Bean=
ſtandung
hielt der Gemeinderat an ſeinem früher gefaßten Be=
ſchluß
feſt. Das Kreisamt hat darauf den vom Gemeinderat ver=
abſchiedeten
Voranſchlag wiederholt beanſtandet und darauf hin=
gewieſen
, daß die 100prozentige Erhöhung der Bier= und Bürger=
ſteuer
eine geſetzliche Verpflichtung der Gemeinde ſei, die durch
einen Gemeinderatsbeſchluß nicht aufgehoben werden kann, und
daß die Einſtellung eines Staatszuſchuſſes von 75 000 Mk. zum
Zwecke der Ausgleichung des Voranſchlages eine Maßnahme ſei,
die nicht gutgeheißen werden könne, da mit deſſen Eingang nicht
gerechnet werden könne. Das Kreisamt empfahl ſchließlich dem
Gemeinderat, den Voranſchlag, wie er von der Verwaltung auf=
geſtellt
wurde, gutzuheißen. Es bleibe dem Gemeinderat unbe=
nommen
, bei der Verabſchiedung des Voranſchlages zu erklären,
daß nach ſeiner Meinung der für Erwerbsloſenfürſorge vorge=
ſehene
Betrag nicht ausreiche, daß ihm aber im Intereſſe der Aus=
gleichung
und beſchleunigten Verabſchiedung des Voranſchlags
ſowie angeſichts der Unmöglichkeit weiterer Einnahmeerhöhung
oder Ausgabekürzung nichts anderes übrig bleibe, als den Voran=
ſchlag
in der von der Verwaltung vorgelegten Faſſung anzuneh=
men
. Der Gemeinderat hätte dann ſeinen Standpunkt gewahrt
und der Verwaltung die Möglichkeit in die Hand gegeben, die
Gemeindeumlagen auszuſchlagen und erheben zu laſſen. Falls der
Gemeinderat weiterhin auf ſeinen gefaßten Beſchlüſſen verharren
ſollte, müßte die Angelegenheit dem Kreisausſchuß vorgelegt wer=
den
. Der Gemeinderat beſchloß hierauf, den unter Rubrik 43 in
Einnahme geſtellten Staatszuſchuß in Höhe von 75 000 Mark zu
ſtreichen. Außerdem ſetzte er den für Wohlfahrtsunterſtützungen
vorgeſehenen Betrag von 116000 Mark auf 70 000 Mark herab
und ſah an Stelle der 100prozentigen Erhöhung der Bier= und
Bürgerſteuer, die einen Ertrag von 29 000 Mark erbracht hätte,
folgende Einnahmepoſten vor: Verwaltungskoſtenzuſchuß, der der
Gemeinde Griesheim als Arbeiter=Wohnſitzgemeinde für die
Jahre 1925 bis 1931 zuſteht, in Höhe von 12 000 Mark; außerdem
ſoll durch eine Beſteuerung des reichseigenen Grundbeſitzes ( Trup=
penübungsplatz
) eine neue Einnahme von 17 000 Mark geſchaffen
werden. Die 100prozentige Erhöhung der Bier= und Bürger=
ſteuer
wurde wiederholt abgelehnt. Der Voranſchlag liegt zur=
zeit
zur Einſicht offen. Das Kreisamt Darmſtadt hat nun mit
Verfügung vom 30. Juni d. J. die in der Gemeinde Griesheim
durch die Ortsſatzung vom 28. November 1930 eingeführte Bier=
ſteuer
mit Wirkung vom 1. Juli d. J. ab mit einem Zuſchlag von
100 Prozent belegt, und die Bürgerſteuer für das Rechnungsjahr
1931 auf den zweifachen Landesſatz feſtgeſetzt.
Aa. Eberſtadt, 4. Juli. Selbſtmord. Ein 17jähriger junger
Mann von hier hat ſich durch Einnehmen von Tabletten vergiftet.
Odenwaldklub. Die hieſige Ortsgruppe des Odenwaldklubs unter=
nimmt
am Sonntag eine Wanderung nach Lützelbach. Kirchliches.
Die Sprechſtunden in Kirchenſteuerangelegenheiten bei der evgl. Kirchen=
gemeinde
liegen auch in dieſem Jahre wieder Dienstags, nachmittags von
5.307 Uhr. Nur in den nächſten Wochen wird ausnahmsweiſe auch
Freitags nachmittags zur gleichen Zeit Sprechſtunde gehalten. Die
Sprechſtunden werden im Evgl. Gemeindehaus gehalten.
Cp. Pfungſtadt, 3. Juli. Erntebeginn. Auch in der hieſigen
Gemarkung hat man bereits mit dem erſten Gerſtenſchnitt begonnen.
Arbeitsvergebung. Die Stadt Darmſtadt beabſichtigt, die Her=
ſtellung
von Graben= und Pflaſterarbeiten an dem Ortsrohrnetz der
Gasleitung den ortsanſäſſigen Handwerkern zur Ausführung zu über=
tragen
. Die Unterlagen zu den Arbeiten können bei der Bürgermeiſterei
eingeſehen werden.
Cp. Pfungſtadt, 4. Juli. Ihren 81. Geburtstag beging
heute Frau Margarethe Polſter Wwe., wohnhaft Waldſtraße.
Cp. Hahn bei Pfungſtadt, 4. Juli. Der Gemeinderat beauf=
tragte
den Finanzausſchuß, für alle Gemeindebeamten und Gemeinde=
arbeiter
eine Dienſtordnung auszuarbeiten. Dabei teilte der Bürger=
meiſter
mit, daß im Wege des Schiedsgerichtsverfahrens die Beſchäfti=
gung
des Gemeinderechners mit 80 Prozent feſtgeſetzt worden ſei und
der Gemeinderechner nach Gruppe 7 eingeſtuft werde. Die Haftpflicht=
verſicherung
wurde neu abgeſchloſſen. Die Wanderlager ſollen mit 30
Prozent verſteuert werden. Ferner wurde die Ermäßigung der kom=
munalen
Sondergebäudeſteuer nach den allgemeinen Richtſätzen be=
ſchloſſen
.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 4. Juli. Obſt= und Gartenbau=
verein
. Wie alljährlich, bezieht auch in dieſem Jahre der Ver=
ein
wieder Torfmull. Zurzeit zirkuliert eine Beſtell=Liſte,
womit auch Proſpekte und Aufklärungsſchriften über die Verwen=
dungsmöglichkeit
des Torfmulles verteilt werden. Im übrigen
werden Beſtellungen durch den Vereinsdiener, Herrn H Speng=
ler
, dahier, entgegengenommen. Im Herbſte dieſes Jahres ver=
anſtaltet
der Verein vorausſichtlich wieder eine Lokalobſtausſtel=
lung
, um ſo mehr, als in dieſem Jahre die Ernteausſichten recht
günſtig ſind. Die Obſtbaumbeſitzer müſſen bereits jetzt ihr Augen=
merk
darauf richten, daß das Obſt ſich gut entwickelt und von
Schädlingen freigehalten wird. Spar= und Darlehens=
kaſſenverein
e. G. m. b. H. Auf den Beſchluß der General=
verſammlung
hin, die alten Papiermarkeinlagen mit 15 Prozent
des Goldmarkwertes aufzuwerten, häufen ſich bei der Kaſſe die

Anfragen, bis wann die Aufwertungsbeträge zur Auszahlung
kommen. Zur Aufklärung ſei mitgeteilt, daß dies vor dem Jahre
1932 überhaupt nicht und von da ab nur nach dem Stande des
Rückfluſſes der Aufwertungshypotheken ſtattfinden kann. Die Kaſſe
wird aber die Aufwertungseinlagen ab 1. Januar 1931 verzinſen.
Die Einlagebücher ſind zurzeit noch nicht vorzulegen, ſie werden
zu gegebener Zeit von ſeiten der Kaſſe eingefordert.
G. Ober=Ramſtadt, 4. Juli. Kirchenſteuer. In dieſen
Tagen werden die Kirchenſteuerbeſcheide für 1931/32 den Steuer=
pflichtigen
zugeſtellt und das hieſige evangeliſche Pfarramt hat
deshalb Sprechtage in Kirchenſteuerangelegenheiten auf Montag,
den 6., Mittwoch, den 8., und Donnerstag, den 9. Juli, jeweils
von 2,306,30 Uhr nachmirtags, im Pfarrhauſe feſtgeſetzt. Bei
Reklamationen iſt der vorjährige Steuerbeſcheid mitzubringen.
Die Reklamationen wegen Arbeitsloſigkeit der Pflichtigen wer=
den
jeweils Freitags von 57 Uhr im Pfarrhauſe entgegenge=
nommen
.

r Babenhauſen, 4. Juli. Das ſeltene Feſt der Goldenen
Hochzeit begehen am Sonntag im Kreiſe ihrer Kinder und Enkel
Herr Wagnermeiſter Philipp Hammann und Frau dahier. Das
Ehepaar, dem es infolge ſeiner allgemeinen Beliebtheit an ſeinem Ehren=
tag
an Aufmerkſamkeiten ſicher nicht fehlen wird, erfreut ſich noch einer
ausgezeichneten geiſtigen und körperlichen Friſche. Der Geſangverein
Sängerbund, gegründet 1840, unternimmt dieſen Sonntag ſeinen dies=
jährigen
Sommerausflug. Ein Fußmarſch führt die Sänger und
ihre Angehörigen vormittags von Darmſtadt aus über die Ludwigs=
höhe
, durchs Mühltal zum Frankenſtein. Gemeinſchaftliches Mittageſſen
und gemütliches Beiſammenſein iſt dann in Eberſtadt beim früheren
Vereinswirt, Herrn A. Peter, im Bergſträßer Hof,
In Harpertshauſen, 3. Juli. Am erſten Mittwoch im Juli wird
in unſerer Gemeinde ſchon ſeit langen Zeiten der im Volksmunde als
Ha geltag bezeichnete lokale Feiertag begangen. Wie ſich aus älteren
Urkunden ergibt, wurde dieſer Tag als Buß= und Bettag ſchon im 18.
Jahrhundert gefeiert, wobei man damals ſtreng darauf ſah, daß an
jenem gelobten Tage Menſchen und Vieh faſteten. Die Urſache zu dieſem
Feſttage ſoll eine große Viehſeuche geweſen ſein. Doch ſoll ferner ein
am 26. Juni des Jahre 1739 über unſere Gemarkung niedergegangenes
Hagelwetter mitbeſtimmend zur Feſtlegung dieſes Feiertages geweſen
ſein. Heute wird im Gottesdienſte dieſes Tages noch eines anderen
Hageltages gedacht, der am 12. Juni 1912 war, wobei ein ſchweres Un=
wetter
in wenigen Minuten die Saatfelder zerſtampfte und einen Ge=
ſamtſchaden
von etwa 2800 Mark verurſachte. Noch heute iſt es Sitte,
daß man an dieſem Tage keine Fleiſchſpeiſen zu ſich nimmt. Am
Morgen dieſes Tages fand ein von Herrn Dr. Roth vom Landwirt=
ſchaftsamt
Groß=Umſtadt geleiteter Feldrundgang ſtatt. Wenn die
heiße Witterung weiterhin ſo anhält, wird das Korn in wenigen Tagen
zur Ernte herangereift ſein.
Reichelsheim, 4. Juli. In der Nacht von Freitag auf
Samstag ereignete ſich hier ein trauriger Unglücksfall. Ein hie=
ſiger
Einwohner, Leonhard Schwinn, wollte abends um 11 Uhr
noch etwas friſche Luft ſchöpfen und ſetzte ſich anſcheinend auf die
Fenſterbank. Er ſchlief aber dabei ein und fiel durchs Fenſter auf
die Straße, wobei er ſich ſo ſchwere innere Verletzungen zuzog,
daß ſein Tod ſchon früh morgens um 5 Uhr eintrat. Der Ver=
unglückte
hinterläßt Frau mit ſechs kleinen Kindern, von denen
bis jetzt erſt zwei ſchulpflichtig ſind.
Dk. Wald=Michelbach, 3. Juli. Für Wanderer und Natur=
freunde
. Die Wegekommiſſion des hieſigen Verkehrsvereins hat im
Laufe des Frühjahrs für die Fremden empfehlenswerte Spaziergänge in
die Umgebung Wald=Michelbachs zuſammengeſtellt und die Wege ent=
ſprechend
markieren laſſen. Die Markierungen ſind gekennzeichnet durch
weiße Zahlen im weißen Kreis. Wegeinbiegungen ſind durch weißen
Pfeil markiert.
Ag. Lindenfels, 4. Juli. Die Arbeiten an der Weidmann=
ſtraße
nehmen nunmehr einen raſchen Verlauf. Geſtern iſt die
Dampfwalze eingetroffen, und wird nunmehr täglich in zwei
Schichten, jedesmal 7 Stunden, gearbeitet. In einigen Wochen
dürfte die neue Straße, welche Lindenfels=Oſt mit Winterkaſten=
Süd verbindet, dem öffentlichen Verkehr übergeben werden.
Der Kurbetrieb hat ſich langſam gebeſſert, und hofft man
nunmehr mit Beginn der Ferien, die zunächſt in Frankfurt begin=
nen
, daß die Gaſthäuſer und Hotels endlich beſetzt werden. Die
badiſchen Ferien beginnen erſt am 1. Auguſt und dauern bis 15.
September. Das Schwimmbad erfreut ſich täglich regen
Beſuches.
Hirſchhorn, 4. Juli. Waſſerſtand des Neckars am
3. Juli: 1,76 Meter; am 4. Juli: 1,70 Meter. (Morg. 5,30 Uhr.)
Gernsheim, 4. Juli. Waſſerſtand des Rheins am
3. Juli: 1,65 Meter; am 4. Juli: 1,60 Meter. (Morgens 5.30 Uhr.)

Korpulenz im Sommer
iſt beſonders läſtig. Bei übermäßiger Körperfülle oder Veranlagung
hierzu nehmen Sie morgens, mittags und abends 23 Toluba=
Kerne, die Sie in Apotheken erhalten.
IV. 9659

Aa. Reichenbach, 3. Juli. 30 Jahre Ohlyturm. Gelegentlich
der am Sonntag erfolgten Einweihung des neuen Ihrigturms auf dem
Lärmfeuer durch den Odenwaldklub darf daran erinnert werden, daß
der ebenfalls vom Odenwaldklub errichtete Ohlyturm auf dem Felsberg
in dieſem Jahre / ade 30 Jahre ſteht. Er wurde nämlich im Jahre
1901 erbaut.
Be. Hirſchhorn, 3. Juli. Kleine Urſache, große Wirkung.
Ein biederer Oberbayer, welcher beim hieſigen Kanalbau beſchäftigt iſt
und der ſich famos aufs Fenſterln verſteht, ſtieg dieſer Tage nachts
gegen 3 Uhr bei ihm gut befreundeten Damen im Hammerviertel drei
Stockwerk hoch, nur an einer Stange emporkletternd, vor deren Schlaf=
zimmer
. In der Dunkelheit ihren Galan nicht erkennend und des Fen=
ſterlns
noch unkundig, ſchrien die drei Mädchen aus Leibeskräften
Feuer‟. Der dabei wohnende Nachtbedienſtete im hieſigen Elektrizi=
tätswerk
meldete dies ſofort mit Horn der Feuerwehr, die mitſamt der
Feuerſpritze ſofort zum Löſchen erſchien. Der Scherz wird in allen
Variationen hier viel beſprochen und belacht.
n. Bad=Wimpfen, 3. Juli. Talmarkt. Unter glühender Som=
merhitze
fand vom 27.30. Juni der Wimpfener Talmarkt ſtatt. Trotz
der Hitze war der Markt ſehr gut beſucht: ſeit 1914 dürfte die Ausdeh=
nung
und der Beſuch des Marktes nicht ſo groß und vielſeitig geweſen
ſein als dieſes Jahr. Bei, den Geſchäften dürfte ſich der Geldmangel
fühlbar gemacht haben.
8. Lampertheim, 4. Juli. Tödlicher Unfall. Der 23jährige
Sohn Ludwig des Zimmermeiſters Volentin Sommer erlitt vorgeſtern
nachmittag in der Papyrus=Fabrik in Waldhof einen ſchrecklichen Tod.
Derſelbe war als Elektriker mit der Behebung eines Fehlers an einem
in Betrieb befindlichen Laufkran beſchäftigt. Hierbei wurde er von die=
ſem
erfaßt und ihm der eine Arm und die Körperſeite abgeriſſen, ſo daß
der Tod alsbald eintrat. Den ſchwergeprüften Eltern wird ob des Ver=
luſtes
eines braven Sohnes allgemeine Teilnahme entgegengebracht. Die
Handball=Mannſchaft des Turnvereins betrauerr in ihm eine ihrer
beſten Stützen. Aufgehobene Straßenſperre. Nachdem
nun die Kleinpflaſterarbeiten ſowohl in der Bürſtädter= als auch der
Mannheimer Straße vollendet ſind, wurde die nun ſeit einer Reihe von
Wochen angeordnete Straßenſperre aufgehoben. Dadurch iſt nun wieder
der direkte Verkehr von und nach Mannheim und Darmſtadt und Frank=
furt
hergeſtellt. Die Autofahrer werden ſich über dieſen neuen Teil der
Straße freuen, denn dieſe Stellen waren bei ihnen die gefürchtetſten auf
der ganzen Strecke. Wallfahrt. Am geſtrigen Tage unternahm
ein großer Teil der katholiſchen Gemeinde eine Wallfahrt nach Maria=
Einſiedel bei Gernsheim. Die Reichsbahn hatte hierzu eigens einen
EExtrazug von Mannheim=Waldhof und zurück verkehren laſſen, der An=
ſchluß
an die von und nach Viernheim abgehenden Züge hatte. Auch
mit dem Omnibus des hieſigen Kraftwagenbetriebs hatten viele den
Gnadenort aufgeſucht.
D. Biblis, 3. Juli. Beginn der Gurkenernte. Durch die
prächtige Witterung begünſtigt, ſetzt ſchon jetzt die Gurkenernte ein. Ver=
ſchiedene
Landwirte haben bereits in etlichen Teilen der Gemarkung Gur=
ken
geerntet. Bei den erſten Lieferungen (zirka 10000 Stück) wurden
pro 100 Stück 2 Mk. gezahlt. Dieſer Preis für die erſten Gurken iſt
gerade nicht beſonders hoch (es wurden in früheren Jahren verſchiedent=
lich
45 Mk. gezahlt), wird natürlich ſchon in den nächſten Tagen, wenn
die Ernte mit ihren Millionen Stück täglich einſetzt, noch ſtark reduziert
werden. Sehr viele Landwirte haben mit den Händlern und Einlegern
Akkorde für 4 Mk. pro Zentner getätigt; die Produktion und die Nach=
frage
werden jedoch, wie alljährlich, für den Preis beſtimmend ſein. Auf
alle Fälle hat der Landwirt des ſüdlichen Rieds durch den Gurkenanbau,
der ſich bereits in ganz gewaltigem Ausmaße bis nach Biebesheim er=
ſtreckt
, eine frühe und bei etwas Glück auch erkleckliche Einnahme.
Au. Groß=Gerau, 4. Juli. Der Schutzverein für entlaſſene
Strafgefangene in Heſſen hier in Groß=Gerau eine Konferenz.
Als Gäſte nahmen Kreisdirektor Dr. Merck und Bürgermeiſter Dr. =
decke
(Groß=Gerau) an der Tagung teil. Den Vorſitz führte Oberſtaats=
anwalt
Dapper=Darmſtadt, der auch einen Bericht über die Tätigkeit des
Vereins erſtattete. An Unterſtützungen ſind im letzten Jahre von dem
Verein 10 224 Mark ausgezahlt worden. In der Uebergangsſtation für
Strafentlaſſene auf Gur Hohenau ſind zurzeit 47 Strafentlaſſene unter=
gebracht
, die ſich freiwillig gemeldet haben, 27, die überwieſen wurden,
ein Fürſorgezögling und zwei geiſtig Beſchränkte, die zugelaufen ſind.
Vom heſſiſchen Staat erhalte der Verein jährlich 5000 Mark Zuſchuß.
Die Einnahme an Mitgliederbeiträgen betrug 11 846 Mk., die Geſamt=
einnahmen
22 129 Mk. Die Geſamtausgaben: 21 676 Mk., darunter 7897
Mark für Hohenau. An der Ausſprache beteiligten ſich Kreisdirektor
Dr. Merck Hill=Groß=Gerau und Oberſtaatsanwalt May=Darmſtadt.
Fräulein Grein von der Bahnhofsmiſſion Darmſtadt wurde in den Aus=
ſchuß
neu gewählt. Als nächſter Tagungsort wurde Mainz beſtimmt.
Im Anſchluß an die Tagung fanden ſich die Teilnehmer in der
Krone zu einem gemeinſamen Mittageſſen ein, von dort aus unter=
nahmen
ſie einen Ausflug nach Hohenau, wo die Uebergangsſtation für
Strafentlaſſene beſichtigt wurde.
Rheinheſſen.
Ah. Alzey, 4. Juli. Vor den fahrenden Zug ge=
ſprungen
. Spaziergänger ſahen in früher Morgenſtunde, wie
eine etwa 30 Jahre alte Frau, die kurz vorher noch freundlich ge=
grüßt
hatte, in ſchnellem Lauf auf das Eiſenbahngeleiſe zuſtürmte
in dem Augenblick, als ein Perſonenzug ankam. Die Frau über=
kletterte
das Eiſenbahngeländer, der Lokomotivführer ſah das Tun
der Frau, bremſte ſtark, konnte aber nicht verhindern, daß die Frau
ſich vor die Maſchine warf. Ehe der Zug hielt, war er ſchon über
die Unglückliche gefahren, die ſchrecklich zugerichtet wurde, aber,
als Zugperſonal und Spaziergänger hinzueilten noch ſchwache
Lebenszeichen von ſich gab. Nachdem man die Unglückliche zum
Alzeyer Bahnhof gefahren hatte, gab ſie den Geiſt auf. Wie ſich
nachher herausſtellte, handelt es ſich um die Gattin des Studien=
rates
R. Trübſinn ſoll die Urſache der Tat ſein.

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(IV.3549

Kr
A

[ ][  ][ ]

Seite 14

Sonntag, den 5. Inli=1931

Nummer 184

Der Naturolad bei Sberstadt a. d. B.
Ein=Beirag zur moderen Heimak=Erziehung, zum Nakur=und Heiwakſchuh.

Von Franz Kallenbach, Darmſtadt.

Veranlaßt durch amerikaniſche Vorbilder hat man im Bre=
dower
Forſt bei Berlin im vergangenen Jahr einen Naturpfad
angelegt. Wie die Umſchau berichtet, betreffen dort 70 Prozent
der auf den Tafeln angegebenen Erläuterungen Schädlinge von
Forſtgewächſen. Man verfolgt dort das Ziel, durch die lebendige
Anſchauung in der Natur, alſo durch eine Art Naturmuſeum
den Wanderer bekannt zu machen mit wichtigen Forſtſchädlingen
und anderen Naturtatſachen.
Angeregt durch dieſes Beiſpiel faßte der Verſchönerungs=
und Verkehrsverein in Eberſtadt an der Bergſtraße
unter ſeinem rührigen Vorſitzenden, Herrn Drogeriebeſitzer Phi=
lipp
Eyſenbach, den Entſchluß, auch in der Eberſtädter Ge=
markung
eine derartige Einrichtung zu ſchaffen. Die geologi=
ſchen
und hiſtoriſchen Teile wurden durch die Herren Dr.
Diehl, Burhenne und Dr. Weſp bearbeitet, der biolo=
giſche
durch den Verfaſſer dieſer Arbeit.
Der Weg des Eberſtädter Naturpfades geht zuerſt nach Oſten,
durch das reizvolle Mühltal, wo die zahlreichen Steinbrüche in=
tereſſante
Einblicke in den geologiſchen Aufbau und die
Entſtehungdes Odenwaldes gewähren. Am kühlen Grund
verläßt der Naturpfad die Landſtraße, benutzt einen ſchönen Wald=
weg
am unterſten Rande der Kohlberge und biegt bei der nächſten
Mühle über das rauſchende Bächlein wieder in das Mordachtal
zurück. Am Kreuzpunkt mit der Dieburger Straße wird durch die
Huhl, einen in der Römerzeit ſchon benutzten Weg, die Rich=
tung
nach Eberſtadt wieder eingeſchlagen. Bei den vor Eberſtadt
gelagerten Dünen geht der Weg halbrechts wieder in den Wald
zurück nach dem Riedberg, wo das Naturfreundehaus ſteht. Der=
von
der Modau herausgearbeitete Steilhang wird umgangen,
worauf der Schlußweg durch das Modautal wieder zum Anfang
des Naturpfades hinabführt.
Der Weg ſelbſt iſt durch gut ſichtbare, aber nicht ſtörende Rich=
tungszeichen
genau feſtgelegt. In gleicher Weiſe müſſen auch die
notwendigen Schilder, für derartige volksaufklärende Zwecke in
ſehr dezenter Form gehalten ſein. Am Anfang des Naturpfades
im Mühltal (beim Felſenkeller) ſoll eine Ueberſichtsſkizze gemein=
ſam
mit einer großen Tafel den Verlauf des Pfades erläutern.
Der Zweck dieſer Einrichtung iſt, unſere weiteſten Volksſchich=
ten
wieder vertrauter zu machen mit der Natur. Schon aus die=
ſem
Grunde muß einſeitiger Wiſſenskram vermieden werden.
Aehnlich wie ich das ſeit langen Jahren bei meinen biologiſchen
Heimatexkurſionen durchführe, wird die Pflanzenwelt eines jeden
Gebietes erfaßt vom Boden ausgehend, unter Berückſichtigung der
äußeren Einflüſſe wie Wärme Feuchtigkeitsverhältniſſe uſw. Die=
ſen
Zuſammenhängen dienen folgende Schilder: *)
Wir befinden uns hier im Sandgebiet der oberrheini=
ſchen
Tiefebene. Dieſe Sandmaſſen ſind die Reſte eines
Meeres, welches vor Jahrtauſenden die Rheinebene erfüllte. Nach
Ablauf des Meeres wurde, dieſes Sandgebiet in den folgenden
Trockenzeiten von charakteriſtiſchen Steppenpflanzen beſiedelt,
deren Ueberreſte in unſerer Sandflora als ein einzigar=
tiges
Naturdenkmal erhalten ſind. Alle dieſe Pflanzen
ſind an derart trockene Standorte angepaßt, durch verſchiedenſte
Schutzmittel, gegen eine zu ſtarke Waſſerverdunſtung, wie z. B.
durch ſtarke Behaarung, fleiſchige oder lederartige Blätter, tief=
gehendes
Wurzelwerk, reifartigen Wachsüberzug uſw. Beobachte
ſolche charakteriſtiſchen Sandpflanzen und ſchütze ſie vor der Zer=
ſtörung
! Die Rheinebene iſt heute noch die wärmſte Gegend
Deutſchlands mit geringer Jahresregenmenge.
Blick nach dem Eberſtädter Dünengebiet. In
dem heimiſchen Sandgebiet findet man oft charakteriſtiſche Dünen=
hügel
, die von Südweſten, der Hauptwindrichtung, allmählich an=
ſteigen
und gegen Nordoſten einen Steilabfall aufweiſen.
Die Kiefer iſt durch ihre tiefgehenden Pfahlwurzeln, die
Seitenwurzeln und durch die nadelförmigen Blätter mit geringer
Verdunſtungs=Oberfläche trockenen Standorten angepaßt. Sie iſt
ein Charakterbaum der Sandgebiete in der Rheinebene.
Die Sandſtrohblume (Immortelle) iſt durch ſtarken
Haarfilz geſchützt vor zu großer Waſſerverdunſtung. Vergleiche die
Aehnlichkeit mit dem Edelweiß! Schütze die Immortelle vor Aus=
rottung
! Leider wird ſie zum Binden von Sträußen und Kränzen
benutzt.
Die verſchiedenen Sandgräſer ſind durch einen
blaugrauen Wachsüberzug geſchützt vor zu großer Waſ=
ſerabgabe
. Außerdem ſind ihre Blätter alle ſehr ſchmal und des=
halb
mit kleiner Verdunſtungsfläche, teils ſogar borſtenförmig,
andere zuſammengefaltet oder auch hartknorpelig.
Der Beifuß iſt beſonders in der Jugend ſtark filzig be=
haart
. Seine Wurzel hat oft eine Länge von 1 Meter und mehr.
Suche im Sommer die ſchwer ſichtbaren Raupen der Beifußeule,
die mit ihrem graugrünen Körper die höckerigen Blütenknoſpen
nachahmen. Schutz gegen Tier und Menſch!

*) Die offizielle Einweihung des Naturpfades findet am Nach=
mittag
des 11. Juli ſtatt, worüber noch nähere Mitteilung ergeht.
Zur Einführung in das Weſen des Naturpfades werden, ſpäter
verſchiedene Exkurſionen und Lichtbildervorträge veranſtaltet.
**) In
ſtehen die wörtlichen Texte der
Naturpfadſchilder, deren Auswahl hier einen Einblick gewähren
ſoll in den Aufbau der ganzen Einrichtung.

Die Fetthenne iſt ebenfalls, ein Bewohner trockener
Standorte. Ihre dickfleiſchigen Blätter ſind (ähnlich wie der
Der Spargel iſt eine Charakterpflanze unſerer trockenen
tel, um ſtarke Waſſerverdunſtung zu verhindern.
Die Kiefer iſt ein ſehr lichtbedürftiger Baum. Im Schat=
ten
anderer Bäume geht ſie zugrunde, während andererſeits Buchen
unter den lichten Kiefern ſehr gut gedeihen können.
Das Habichtskraut wendet im grellen Sonnenſchein
ſeine weiß=filzige Blattunterſeite nach oben, um die ſtark wirk=
ſamen
Sonnenſtrahlen zurückzuwerfen und um ſich dadurch vor zu
Arten und Formen, ſo daß ihr Studium zu den ſchwierigſten Ge= rauben.
bieten der Botanik gehört.
pflanze. Der Beſenginſter meidet Kalkböden. Fahre mit einem
ſpitzen Hölzchen in die geöffnete Blüte! Beobachte bei großer Hitze mittel), beim Weiß= und Schwarzdorn (Verwendung der
ſchleudern der Samen. In ſtrengen Wintern erfriert der Beſen= (Verwendung des Holzes) uſw.
ginſter.
Kiefernzapfen. Um ihre Samen beſſer, herausholen zu können, ſten Giftpilz hin.
klemmt er die Zapfen in die Rindenriſſe der Kiefern und zerhackt
ſie. Die zerfetzten Zapfen liegen dann oft in Maſſe um die Specht= Giftpilz. Eine Gabelſpitze davon genügt, um den Tod herbeizu=
ſchmiede
herum.
mit ſeinen Freßzangen packen kann, um ſie auszuſaugen.
Aus dieſer kleinen Auswahl unſerer Schildterte erſieht man,
tung dient, ſowohl Auskunft gebend über die Bodenverhältniſſe, über ſtelle für Pilz= und Hausſchwamm=Beratung).
das landſchaftliche Gepräge, über die erdgeſchichtliche Entſtehung.
Unſer Naturpfad iſt kein Wegweiſer für die Sammler naturkund= wir hier nur den Wortlaut eines kleinen Teiles unſerer Schilder
licher Raritäten.
Auch die ungeheure und unerſchöpfliche Vielſeitigkeit der Na=
tur
tritt auf dieſe Weiſe recht in Erſcheinung. Ebenſo wird dem
ſelbſt erwachſen.
Gleich oberhalb des kühlen Grundes und im Mordachtal bietet
ſich Gelegenheit, mit den auffallendſten Merkmalen unſerer hei=
miſchen
Buchenwälder vertraut zu werden.
Der Buchenwald iſt charakteriſtiſch für den vorderen Gra=
nit
=Odenwald. Nur an ſeinen lichten Stellen befinden ſich Boden=
pflanzen
, beſonders Maiglöckchen, Waldmeiſter und Anemonen.
Dieſe vollenden, ihre Entwicklung vor dem Laubausbruch der
Buchen (Frühlingspflanzen).
Auf dieſe Weiſe werden die Beziehungen der Pflanzen zum
Licht augenſcheinlich. In dieſen Zuſammenhang gehört auch der
Hinweis:
Der Spitzahorn hat ähnlich geſtaltete Blätter wie die
Platane. Er wendet ſeine beblätterten Zweige dem Lichte zu.
Jedes Blatt ſtellt ſich ſo, daß es keinem anderen, die Helligkeit
wegnimmt (Blattmoſaik). Die aufrechtſtehenden Blüten entwickeln
ſich vor oder mit den Blättern.
Ebenſo: Das Gänſeblümchen blüht während des ganzen
Jahres. Seine Blüten, öffnen ſich morgens und ſchließen ſich
abends.
Die Beziehungen der Pflanzen zum Wind werden durch fol=
gende
Beobachtung klar:
Der Löwenzahn oder die Kuhblume. Seine Früchte
werden durch den Wind verbreitet.
Mit einer gefährlichen Pflanzenkrankheit werden wir bei der
Weimutskiefer bekannt:
Die Weimutskiefer ſtammt aus Nordamerika. Ihre
Nadeln ſtehen immer zu 5 in einem Büſchel. Wieviel Nadeln
ſtehen bei unſerer einheimiſchen Kiefer zuſammen, deren Wälder
im Volksmund hier Tanne benannt werden?
Der Weimutskiefern=Blaſenroſt iſt eine vom
Forſtmann ſehr gefürchtete Pilzkrankheit. In den dicken geblichen
Blaſen am Stamm und an den Zweigen werden Millionen von
Sporen gebildet, die der Wind verbreitet. So werden immer
neue Bäume angeſteckt und allmählich zum Abſterben gebracht.
Auch auf die ſelbſttätige Beobachtung wird durch
die Abfaſſung vieler Schildterte hingearbeitet.

Mem e e e Fier ergehen ſchnaßf.
Der Wieſenſalbei bewohnt trockene Wieſen und gra=
ſige
Wegränder. Fahre mit einem ſpitzen Hölzchen in die Blüte
und beobachte den Hebel=Mechanismus der Staubfäden! So wer=
den
die beſuchenden Inſekten mit dem Blütenſtaub beladen, damit
ſie ihn von der einen Blüte auf die Narbe der anderen bringen
und beſtäuben.
Das Waldgeißblatt überwuchert lianenartig Baum
und Strauch. Die Blüten ſind Nachtſchwärmerblumen, ſie öff=
nen
ſich abends und duften während der Nacht.
Bemerkenswert ſind auch die Hinweiſe auf diejenigen Pflan=
zen
, welche bei uns Fremdlinge ſind:
Die Nachtkerze iſt ein Einwanderer aus Nordamerika.
Stamm der Kakteen) Waſſerſpeicher für niederſchlagsarme Zeiten. Man trifft ſie beſonders auf Brachland, Schuttplätzen und Weg=
rändern
, ganz beſonders auch entlang der Eiſenbahnſchienen, ſo
Sandgebiete. Seine ſchmalen fadenförmigen Zweige ſind ein Mit= daß ſie nach und nach in die entlegenſten Teile unſeres Vaterlan=
des
eindringt. Ihre Blüten öffnen ſich abends. Name!
Das Frühlings=Greiskraut iſt ein vom Landwirt
gefürchtetes Unkraut, das aus dem Oſten eingewandert iſt. Seine
mit Flughaaren verſehenen Früchte ermöglichen eine außerordent=
lich
ſtarke und raſche Verbreitung.
Die Douglasfichte ſtammt aus dem weſtlichen Nord=
ſtarker
Waſſerverdunſtung zu ſchützen. Vergleich mit der hellen amerika. Ihr Harz iſt ſehr wohlriechend. Nur rohe Menſchen
Sommerkleidung! Die Habichtskräuter umfaſſen Hunderte von ſchänden, dieſen herrlichen Baum, indem ſie ihn ſeiner Zweige be=
Auch den volkskundlichen Beziehungen ſind ſehr viele
Der Beſenginſter mit winzigen Blättchen und ruten= Hinweiſe gewidmet, z. B. bei der Zaunrübe (Benutzung als
förmigen grünen Aeſten iſt eine charakteriſtiſche Trockenland= Alraun), bei der Hainbuche (hanebüchen, d. h. ſo derb und
zäh wie das Holz dieſes Baumes), beim Schöllkraut ( Warzen=
das
kniſternde Aufſpringen der Fruchthülſen und das weite Fort= Früchte uſw.), beim Pfaffenhütchen und Maßholder
Auch der praktiſchen Naturkunde iſt man in verſchie=
Die Spechtſchmiede: Der Buntſpecht iſt ein charak= dener Weiſe gerecht geworden. So weiſt ein ausführlicher Bericht
teriſtiſcher Bewohner unſerer Kiefernwälder und ein Freund der ſogar mit einer bunten Tafel verſehen) auf den gefährlich=
Der grüne Knollenblätterpilz iſt der gefährlichſte
führen. Er wächſt im Laubwald, beſonders unter Eichen. Der
Der Ameiſenlöwe ſitzt im Grunde dieſer merkwürdigen Hut kann grünlich, gelblich, aber auch weiß ſein. Charakteriſtiſch
Trichter. Nur die ſtarken Kiefernzangen ſehen heraus. Wenn die für ihn ſind die faſt weißen Blätter, auf der Hutunterſeite, der
Ameiſen an der ſteilen Böſchung des Trichters hinabrutſchen, Stiel=Ring, welcher als Schleier zuerſt die Blättchen ſchützend
ſchleudert ihnen der Ameiſenlöwe Sandkörnchen nach, bis er ſie überkleidet, und der Knollen am Stielgrund mit den weißen Haut=
fetzen
, die in der Jugend den ganzen Pilz umhüllen. Ueber alle
Pilzvergiftungen berichte ſofort an die Deutſche Geſell=
daß
dieſe Art der heimatkundlichen Aufklärungsarbeit jeder Rich= ſchaft für Pilzkunde in Darmſtadt (Heſiſche Landes=
Die Arbeit am Eberſtädter Naturpfad iſt noch nicht abge=
genügend
zur Beobachtung anregt in bezug auf die heimiſche Tier= ſchloſſen. Sie wird ſtändig weitergeführt und mit neuen Schil=
und Pflanzenwelt, nicht nur dem Namen nach ſondern auch Hinweiſe dern ausgebaut. Wer für andere Gegenden Intereſſe an unſe=
gebend
bezüglich der auffallendſten biologiſchen Erſcheinungen, rer Arbeit bezeugt, kann von dem Verfaſſer ſämtliche biologiſchen
warum dieſe Pflanzen angepaßt ſind an dieſe Verhälniſſe uſw. Schriftterte zur Einſicht erhalten. Des Raumes halber konnten
abdrucken. Für Verbeſſerungsvorſchläge iſt der Verfaſſer jederzeit
dankbar.
Wer glaubt, unſeren Naturpfad einmal durchrennen zu müſſen
Naturſchutz gedient, nicht nur durch die betreffenden Hinweiſe wie ein Muſeum oder wie eine kurzfriſtige Ausſtellung, bleibe
ſelbſt, ſondern vor allen Dingen auch durch das Bekanntwerden beſſer zu Hauſe. In jeder Jahreszeit wird man immer wieder
mit den Schönheiten und Schätzen unſerer Heimat; denn Natur= neue Beobachtungsanregungen in den vielſeitigen Schildertexten
und Heimatkenntnis führtunmittelbar zur Hei= entdecken. Beſonders unſeren Schulen wird der Naturpfad
matliebe, woraus Natur= und Heimatſchutz von mancherlei Gelegenheit zu reizvollen Heimatbeobachtungen gewäh=
ren
. Möge unſere Arbeit reiche Früchte tragen und immer wie=
der
begeiſterte Freunde für die Natur und für unſere Heimat er=
wecken
. Damit die Eberſtädter Naturpfadeinrichtung auch in die=
ſem
gedachten Sinne recht lange ihre ſegensreiche Tätigkeit aus=
üben
kann, empfehlen wir dieſe ganz beſonders auch dem Schutz
aller Naturfreunde.

Lindenſelſer Burgfeſt.
Der Burgfeſtausſchuß hat nun in den vorbereitenden Sitzungen die
Einzelheiten des diesjährigen Feſtes feſtgelegt. Den Auftakt bildet die
Burgbeleuchtung mit Feuerwerk am Abend des 18. Juli ausgeführt von
der Firma Beiſel, Heidelberg. Der Abmarſch der Muſik und des Fackel=
zuges
erfolgt nach dem Abbrennen des Feuerwerks von der Kapſtraße
aus. Der Vorabend wird immer ſehr ſtark beſucht, doch ſchließt ſich
immer nur ein kleiner Teil der auswärtigen Gäſte dem Zuge an. Es
ſei darum darauf hingewieſen, daß zu dieſer Vorſfeier auf der Burg kein
Eintritt erhoben wird.
Am 19. Juli beginnt das Trachtenſeſt. Der ganze Feſtzug gruppiert
ſich um die Idee der Bauernhochzeit, bei der in vielen Gruppen die ſchö=
nen
alten Odenwälder Trachten gezeigt werden, in den Sitten und Ge=
bräuchen
aus der Zeit, als der Großvater die Großmutter nahm. Der
Trachtenzug endigt auf dem inneren Burghof, dem Feſtplatz, wo dann
allen Bedürfniſſen Rechnung getragen iſt. Manches iſt hier diesmal neu
oder doch erneuert und erweitert, wie z. B. der Tanzboden, unter der
Burglinde, der jedes Jahr ganz befonders hart mitgenommen wurde.
Am 20. Juli bleibt das Feſt wie am Haupttage aber auf den Feſt=
platz
beſchränkt.
Aberheſſen.
h. Gießen, 4. Juli. Zwei ſchwere Verkehrsunfälle
ereigneten ſich in der Ludwigſtraße. Den einen Unfall verurſachte
ein Hund, der einem Radler ins Fahrrad lief und den Mann zu
Fall brachte. Der Radfahrer erlitt eine Gehirnerſchütterung und
wurde in die Klinik verbracht. An der gleichen Stelle ſtießen
kurze Zeit darauf zwei Autos zuſammen. Die Lenker beider Fahr=
zeuge
trugen leichte Verletzungen davon.
h. Aus dem Hüttenberg, 4. Juli. Eine Viehverwer=
tungsgenoſſenſchaft
für den Hüttenberg, Kreis Wetzlar,
und Schöffengrund wurde vorgeſtern in Wetzlar gegründet. Zum
Vorſitzenden wurde Landwirt Reitz=Hochelheim und zum Geſchäfts=
führer
Schmidt=Wetzlar gewählt.

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bei ihrem Heimgang uns von allen Seiten zu
teil wurden, ſind wir außerſtande, jedem einzelnen
perſönlich zu danken und bitten auf dieſem
Wege unſeren tiefgefühlſten Dank entgegen=
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Seite 18

Sonntag, den 5. Juli 1931

Nummer 184

Sart, Spiel und Fucnen
Die Bundes=Meiſterſchaften der Reichsbahn=Sportvereine
Werbeabend des Reichsbahn-Turn= u. Sporkvereins
in Darmſtadt haben begonnen.
begann. Die zahlreichen Gäſte hieß der 1. Vorſitzende, Betriebs=

Guke ſporkliche Leiſtungen am Samskag.
* Der Bund der Reichsbahn=Turn= und Sportvereine führt
ſeine diesjährigen Meiſterſchaften in Darmſtadt durch. Der Sams=
tag
brachte bereits einige ſchöne ſportliche Leiſtungen und auch
der Begrüßungsabend verlief in angeregter und freudiger
Stimmung.
Ueber alle Erwartungen hinaus hat durch Nachmeldungen die
Zahl der Teilnehmer beinahe das vierte Hundert erreicht, ein
glänzendes Ergebnis. Der Auftakt ging geſtern nachmittag im
fahnengeſchmückten Hochſchulſtadion vor ſich, wo die erſten
leichtathletiſchen Vorkämpfe und einige Entſcheidungen bereits
fielen. Leider waren nur einige hundert Zuſchauer erſchienen.
Das mag zum Teil daran liegen, daß die Propaganda nicht ge=
rade
ſehr intenſiv war, woran jedoch die Preſſe keine Schuld trifft.
Notwendige Unterlagen gingen ihr nicht zu. Einige Wünſche der
Teilnehmer werden wohl heute abgeſtellt ſein. Die Abwickelung
der Kämpfe am Samstag, zu deren Durchführung ſich die Spitzen
der hieſigen Turn= und Sportbehörden zur Verfügung geſtellt
hatten, verlief flott und überſichtlich. Die lange Fahrt der Akti=
ven
, die aus allen Gegenden und Ecken des Vaterlandes gekom=
men
waren, drückte wohl auf einige Ergebniſſe, doch durfte man
durchweg zufrieden ſein. Als die Gebrüder Helber erſt im Ren=
nen
lagen, alle ihre ſcharfen Konkurrenten abſchüttelten, da war
auch das Sportfieber bei den Zuſchauern ausgebrochen Beifalls=
ſtürme
umbrandeten die glänzenden Läufer aus dem Süden des
Reiches. Die erſten Siege fielen übrigens faſt ausſchließlich an
Süddeutſche
Um 4 Uhr entließ DSB.=Verbandsſportwart Klee=Frankfurt
die 200=Meter=Läufer in den Kampf, der ſich meiſt nur um die
Placierung für die heutigen Entſcheidungen entſpann. Daneben
ſprangen bereits die erſten Wettbewerber hoch und 6 Springer
qualifizierten ſich für die ſonntägliche Entſcheidung. Der beſte
Sprung ging über 1,65 Meter, drei allerdings ermüdete Münche=
ner
ſtachen ſich um 1,60 Meter. Die ſchweren Männer hatten
ſich um Diskus, Kugel und Hammer geſchart. Während im Kugel=
ſtoßen
die Entſcheidung heute fällt, holte ſich Furtwengler= Regens=
burg
im Hammerwerfen. Rödl=München im Diskuswerfen den
Sieg. Wenn er auch ſchon über die 40 Meter Grenze kam, wurde
ſein beſter Wurf über 3 7,60 Meter nicht überboten. Recht
ſchöne Kämpfe gab es bei den Ausſcheidungsläufen über 400 Mtr.,
110 Meter Hürden und 100 Meter. Hier waren mehrere Vor=
läufe
notwendig. Die beſte Zeit bei Gegenwind wurde mit
11,9 Sek. feſtgeſtellt. Der 1500=Meter=Lauf ſah über 20 Teilneh=
mer
am Start, nach der zweiten Runde ſonderte ſich die Spitzen=
gruppe
ab, aus der ſich H. Helber vor F. Helber und Kapp= Mün=
chen
als Sieger durchkämpfte. Zum Kampf über 5000 Meter hatte
man die Brüder Helber, Kapp=München und Fritz=Stuttgart favo=
riſiert
. Kaum, daß man ihnen den Vorkampf anſah, ſetzten ſich
nach der erſten Runde Kapp Anderſch=Breslau Helbert 2. und 1.
und Fritz an die Spitze. Nach der zweiten Runde lag zwiſchen
der Spitze und der Mittelgruppe ſchon ein Abſtand von 30 Metern.
Fritz fiel dann langſam zurück und Anderſch auf den 4. Platz.
Helber 1., der deutſche Meiſter, geht auf der Gegengeraden an
Kapp vorbei, der verbiſſen um den zweiten Platz kämpft und
Helber 2. ſicher hält. Nach der 7. Runde iſt die weit auseinander=
geriſſene
Spitze überrundet. Die drei Vorderläufer halten ihren
ſchönen Stil weiter durch, unter den anfeuernden Rufen des
Publikums geht Helber 1, in die letzte Runde. Kapp liegt bald
100 Meter, Helbers Bruder weitere 100 Meter zurück. Unter
dem begeiſterten Jubel der Zuſchauer zerreißt Helber 1. in 15:40
Minuten das Zielband.
Die 4X100=Meter=Staffel holt ſich dann Berlin in ſicherer
Form vor Breslau und München, deſſen Schlußmann im 100=
Meter=Tempo ſtilrein über die Bahn fegte und noch einmal die
Zuſchauer hinriß.
Dann wanderten Teilnehmer und Zuſchauer nach der Turn=
halle
am Woogsplatz, wo um ½9 Uhr der abwechſlungsreiche

ingenieur Dietz mit markigen Worten herzlich willkommen.
Beſonders warm begrüßte er den Präſidenten unſerer Reichsbahn=
direktion
Mainz, Dr. Schneider, Schulrat Haſſinger als Vertreter
des Staatspräſidenten Adelung, die Vertreter der Direktionen
Frankfurt und Mainz, die Amtsvorſtände den Bezirksſportleiter
Dr. Ziſſel, die Vertreter der Turn= und Sportbehörden und der
Darmſtädter Sportvereine. Im Namen der Darmſtädter Reichs=
bahner
wünſchte er den aus allen Gauen Deutſchlands herbeigeeil=
ten
Teilnehmern der Bundesmeiſterſchaften, die ſeit 4 Jahren das
erſte große ſportliche Ereignis des Bundes darſtellen, in dem ſport=
begeiſterten
Darmſtadt Sieg und frohe Stunden. Humorvoll
überbrachte Oberamtmann Eishauer die Wünſche des Bundes=
vorſtandes
. Die ſportliche Leiſtungsſteigerung der Reichsbahn=
Sportvereine zeige ſich am beſten darin, daß heute zwei welt=
bewegende
Sportereigniſſe alle Deutſchen angehen: die Welt=
meiſterſchaft
Max Schmelings und dann die Reichsbahnmeiſter=
ſchaften
. (Lebhafter Beifall.) Das ſinnvolle Feſtſpiel Fahnen=
ſchwur
mit plaſtiſchen Gruppen forderte auf zur Mitarbeit in
Treue und Idealismus: es klang aus im Lied der Deutſchen, das
die Anweſenden in tiefer Bewegung mitſangen. Die Grüße des
Main=Rhein=Gaues der Turnerſchaft überbrachte Oberlehrer
Roth, der gleichzeitig unter lebhaftem Händeklatſchen Turner
Wilhelm Pitzer den Gau=Ehrenbrief überreichte. Im Namen
des Staatspräſidenten Adelung und der Landesregierung fand
Schulrat Haſſinger, der unermüdliche Förderer und Freund
der Jugend und Leibesübung zu Herzen gehende Worte. Er
ſpornte jeden Einzelnen an, zu wirken zum Wohle des Vater=
landes
, um es herauszuführen aus der Not und Bedrängnis der
Gegenwart in eine hellere Zukunft.
Nach den mit Jubel aufgenommenen Rundgewichtsübungen
der Darmſtädter Reichsbahn=Sportler übermittelte Staatsanwalt
Dr. Mickel die aufrichtigen und freundlichen Grüße und Wünſche
des Deutſchen Fußballbundes und der Deutſchen Sportbehörde.
Sein Wunſch, wenn auch heute in getrennten Organiſationen, ſo
doch im Endziel einig an dem gemeinſamen großen Ziel zu arbei=
ten
, begegnete lebhafter Zuſtimmung. Das Planetentrio (der
Schwerathletik=Fachwart Albrecht, ſeine Vereinsbrüder Schneider
und Stiefel=Mannheim) jonglierten, ſogar bei verbundenen Augen,
mit erſtaunlicher Artiſtik das ſchwere Rundgewicht und ernteten
verdiente Beifallsſtürme. Dann begannen die Endkämpfe
um die Bundesmeiſterſchaften im Ringen. (Die Ergebniſſe ſiehe
nächſte Ausgabe.)
Heute folgen im Hochſchulſtadion um 8 Uhr die Bezirks=
ſchwimmkämpfe
, ab 9 Uhr Ausſcheidungen der Leichtathleten, die
Entſcheidungen beginnen um 15 Uhr. Das Handball= Meiſterſchafts=
ſpiel
ſteigt um 18 Uhr. Um 11 Uhr ringen in der Turnhalle am
Woogsplatz die Reichsbahnmeiſter gegen die Darmſtädter Poli=
ziſten
. Da die Endkämpfe ſpannenden Sport bringen, kann der
Beſuch nur empfohlen werden.

Bundes=Meiſterſchaften

Die Ergebniſſe:
Diskuswerfen (beſtarmig): 1. Rödl=München 37,60 Meter;
2. Hammer=Neuaubing 36,46; 3. Loibl=München 35,09; 4. Faltner=
Regensburg 32,13.
1500=Meter=Lauf: 1. H. Helber=Stuttgart 4:14,4; 2. F. Hel=
ber
=Stuttgart 4:16; 3. Meier=Kornweſtheim 4:22,9; 4. Rohleder=
Stuttgart 4:24,4.
5000=Meter=Lauf: 1. H. Helber=Stuttgart 15:40; 2. Kapp=
München 15:53,8; 3. Fritz=Stuttgart 16:40; 4. Anderſch= Bres=
lau
17:6.
4mal 400=Meter=Staffel: 1. Berlin 3:43,5; 2. Breslau 3:49,1;
3. München 3:52.
Hammerwurf (Klaſſe 1): 1. Furtwengler jun.=Regensburg
35,36 Meter; 2. Schwartz=Köln 32,26: 3. Falter=Regensburg 31,98.
Klaſſe 2: 1. Johann Furtwengler=Regensburg 32,56 Meter;
2. Zahner=Heilbronn 28,40; 3. Konzelmann=Stuttgart 21,61.

* Main-Rhein=Gan 9.T.
Die Fauſtball=Endſpiele in Pfungſtadt.
Wird ſich Beſſungen durchſetzen?
Die Ausſichten ſind jedenfalls die beſten, da die beiden Mit=
bewerber
, Nauheim und Pfungſtadt, bereits je eine Niederlage
einſtecken mußten. Die Pfungſtädter ſcheinen ſich für den zweiten
Platz zu behaupten. Die Titelkämpfe ſind auf den Nachmittag
verlegt, wo auch die Aelteren und die Turnerinnen ſpielen wer=
den
. Die 4=Klaſſe trifft ſich am Vormittag, da ſie die ſtärkſte
Beſetzung aufweiſt. Pfungſtadts Spielplatz iſt in guter Verfaſſung
und man hat noch raſch eine Brauſegelegenheit geſchaffen, die bei
dem heißen Wetter ſehr begrüßt werden wird.
Kindertreffen in Auerbach.
Für die Kinder des Südbezirkes iſt endlich der Tag gekom=
men
, da auch ſie im Wettkampf ihre Kräfte meſſen dürfen. Ein
Sechskampf in Ober= und Unterſtufe für Buben und Mädchen am
Vormittag. Auerbach bietet den Kindern Privatquartier. Bis
dann die Siegerverkündigung vorgenommen werden kann, beſchäf=
tigen
ſich Theo Hotz und Peter Keller mit den Kindern nach ganz
neuen Zielen. Oberaufſicht führt KinderturnwartWalter=Auerbach.
Radſpork.
Fünfte Etappe der Tour de France.
Das Reglement der diesjährigen franzöſiſchen Radrundfahrt
ſieht täglich einen anderen Start vor. Am Samstag wurden die
69 noch im Rennen liegenden Aſſe und Touriſten um 10,30
Uhr bei großer Hitze auf die fünfte Etappe geſchickt, die von Van=
nes
über 202 Km. nach der Hafenſtadt Les Sables am Atlanti=
ſchen
Ozean führte. Das Feld ließ wieder jede Aktionsluſt ver=
miſſen
, nur wer zufällig durch Reifenſchaden zurückfiel, verlor den
Anſchluß und ſo kam es, daß in Les Sables eine Spitzengruppe
von nicht weniger als 59 Fahrern eintraf. Den Etappenſieg ſicherte
ſich der ſpurtſchnelle Franzoſe Charles Pelliſſier nach 6:36,49
Std. vor ſeinem Landsmann A. Magne dem Wiener Bulla, dem
Italiener die Pacco und dem Belgier Demuyſere. Die reſtlichen
54 Fahrer der Spitzengruppe kamen gemeinſam auf den 7. Platz,
darunter auch bis auf Sieronſki und Uſſat alle Deutſchen. In
der Länderwertung liegen immer noch die vier ſtarken Mannſchaf=
ten
von Deutſchland, Frankreich, Belgien und Italien mit einer
Geſamtfahrzeit von 96:23,51 Std. gemeinſam auf dem erſten Platz.
In der Einzelwertung führt Charles Pelliſſier mit 32:08,17 Std.
vor ſeinem Landsmann A. Magne, dem Italiener di Pacco, dem
Belgier Demuyſere und einer Anzahl von weiteren Fahrern, dar=
unter
auch verſchiedenen Deutſchen, die alle noch die gleiche Zeit
haben.
Rudern.
Schlußtag der Henley=Regatta.
Der letzte Tag der großen Henley=Regatta auf der Themſe
brachte einen neuen Zuſchauerrekord. Die Ufer des Fluſſes waren
auf beiden Seiten von vielen Zehntauſenden Schauluſtigen um=
ſäumt
, und auf dem Waſſer bildeten längs der Regattaſtrecke
Tauſende von Booten Spalier. Die großen Entſcheidungen des
Tages fanden die ſtärkſte Anteilnahme der Maſſen. Im Rennen
um die Diamond=Sculls ſiegte erwartungsgemäß der auſtraliſche
Olympiaſieger Bobby Pearce der ſchon die Vor= und
Zwiſchenläufe leicht an ſich gebracht hatte, gegen den Engländer
Breatley in 10:03 Min. ganz überlegen. Der Große Achter fiel
an den London Rowing=Club, der Thames RC. in 7:33 Min. mit
einer Drittellänge ſchlug. Die Zeit war alſo um drei Sekunden
ſchlechter als im Zwiſchenlauf von London RC. gegen den Ber=
liner
RC. Beim Großen Vierer um den Steward=Cup kam der
London RC. zu ſeinem zweiten Erfolg, er ſiegte in 8:45 Min.
mit drei Längen gegen den italieniſchen Pacenza=Club. Thames=
RC. brachte den Wyfold=Cup in 9:13 gegen Veſta RC. an ſich und
im Thames=Cup wurde Magdalenen College in 7:42 Std. von
London RC. um drei Längen geſchlagen,

Leichkakhlekik.

Klubkampf: Rotweiß Darmſtadt SpV. Mörfelden.
Der auf heute, Sonntag, vormittags 9,30 Uhr, feſtgeſetzte
Klubkampf iſt in letzter Stunde von SpV. Mörfelden abgeſagt
worden.

Schulſchwimmen.

Am Mittwoch, den 8. Juli, nachmittags 2,30 Uhr werden
die vom Amt für Leibesübungen ausgeſchriebenen Schulſchwimm=
Wettkämpfe, beſtehend aus 10mal 50 Meter=Staffel, Bruſtſchwim=
men
, und 12mal 50 Meter Lagenſtaffel in Bruſt., Seite, Rücken
und Hühſchwimmen, für Schüler der Volks= und höheren Schulen,
in der 100 Meter Bahn des Großen Woogs ausgetragen. Für
beide Staffeln ſtehen Wanderpreiſe zur Verfügung. Gemeldet
haben: Ludwigs=Georgs=Gymnaſium, Realgymnaſium, Ballon=
ſchule
und Schillerſchule. Der Beſuch iſt dem Darmſtädter
Publikum nur zu empfehlen, zumal Eintritt nicht erhoben wird.
Englands Athlekik=Meiſterſchaften.
Bei dem heute Samstag auf dem Londoner Sportplatz Stamford
Bridge ausgetragenen Meiſterſchaftskämpfen der Amateur Athletie Aſſo=
ciation
belegte der Deutſche Dr. Peltzer in dem Lauf über eine halbe
Meile den dritten Platz. Die Zeit des Siegers Rampſon=England be=
trug
1 Minute 54,8 Sek.
Im Diskuswerfen wurde der Oeſterreicher Janauſch mit einem Wurf
von 138 Fuß 9 Zoll Zweiter. Den erſten Platz belegte der Ungar Ma=
daras
mit 141 Fuß 4,75 Zoll. Im 440 Yard=Lauf ging der Ungar
Barſi als Zweiter durchs Ziel; Dritter wurde der Oeſterreicher Rinner.
Die Zeit des Siegers Rampling=England betrug 48,6 Sek Im 120
Yard=Hürdenlauf ſtellte der bekannte engliſche Meiſter Lord Burghley
mit einer Zeit von 14,8 Sek. den Sieger.
Gute Akhlekikleiſtungen im Auslande.
Die finniſchen Leichtathleten warten immer wieder mit neuen groß=
artigen
Leiſtungen auf. Bei einem Sportfeſt in Helſingfors ſtellte
der alte Pörhöllä im Hammerwerfen mit 50,31 Meter einen neuen
Landesrekord auf. Lehtinen, der neue Weltrekordmann, kam über 5000
Meter in 14:31.7 bis auf 3,5 Sekunden an den Weltrekord von Nurmi
heran. In der 4X200 Meter=Staffel verhalf der deutſche Exmeiſter
Corts ſeinem Verein Kamraterna zum Siege.
Der ſchwediſche Olympiaſieger im Speerwerfen, E. Lundgniſt
der in Amſterdam mit 66,60 einen olympiſchen Rekord aufſtellte betätigte
ſich nach längerer Pauſe wieder aktiv und feierte bei einer Veranſtal=
tung
in Stockholm ſein come back mit einem Speerwurf von 66,13
Meter.
Bei den japaniſchen Hochſchulmeiſterſchaften in Tokio wurden zum
Teil ausgezeichnete Leiſtungen erzielt, wobei ſich die auch in Deutſch=
land
bekannten Leichtathleten Japans wieder beſonders hervortaten. Die
wichtigſten Ergebniſſe: 100 Meter: Yoſhioka 10,5; 200 Meter: Yoſhioka
213; 400 Meter: Nakafima 49,3; 800 Meter: Fujida 1:59,2: 15 00 Meter:
Hozaka 4:05,4; 10 000 Meter: Kitamoto 33:20,2; 110 Meter Hürden:
Fujita 15,3: 400 Meter Hürden: Yoſhiwara 57,8; Hochſprung: Ki=
mura
1,90 Meter: Stabhoch: Niſhida 4 Meter; Dreiſprung: Oſhima
15,2; Kugel: Saito 1331 Meter; Diskus: Iſabaſchi 41,3 Meter;
Speer: Sumihoſhi 62,73 Meter.
Die Tenniskämpfe in Wimbledon.
Das Samstags=Finale im Herren=Doppel der Tennismeiſterſchaften
von Wimbledon brachte, den Sieg des amerikaniſchen Paares Lott=van
Ryn über die Franzoſen Cochet=Brugnon mit 6:2 10:8 6:4 3:6 6:3.
Amerika hat damit den Weltmeiſtertitel im Herren=Einzel und Herren=
Doppel gewonnen. In der Vorſchlußrunde des Damen=Doppels unter=
lag
das engliſche Paar Fräulein Nuthall=Frau Whittingstall mit 4:6
8:6 6:4 dem Paar Fräulein MetaxaFrankreich und Fräulein Sigart=
Belgien. Das Finale im Damen=Doppel wurde ſchhießlich von Frau
Barron=Fräulein Mudford=England mit einem Sieg über Fräulein
Metaxa und Fräulein
irt mit 3:6
6:4 gewonnen.

Wie aus Chicago gemeldet wird, iſt Betty Robinſon, die
größte amerikaniſche Olympiahoffnung für den
100=Meter=Lauf, bei einem Flugunfall ſchwer verletzt worden.

Geſchäftliches.

Die verehrten Leſerinnen werden darauf hingewieſen, daß
am Montag, den 6., und Dienstag, den 7. Juli, bei der Firma
Fritz Müller, Seifen und Parfümerien, Darmſtadt, Ernſt=
Ludwigsſtraße, praktiſche Vorführungen der Labor=fac=
Erzeugniſſe ſtattfinden. Leider iſt hier nicht die Möglichkeit
geboten, nähere Einzelheiten mitzuteilen, und wird deshalb noch=
mals
dringend der Beſuch der praktiſchen Werbevorführung, die in
jeder Weiſe unverbindlich iſt, empfohlen.
Unſerer heutigen Auflage liegt ein Proſpekt der Firma Bottina
Schuhgeſellſchaft, Alleinverkauf Darmſtadt, Eliſabethenſtraße 34, In=
haber
Karl Schäfer, bei, worauf wir unſere Leſer an dieſer
Stelle aufmerkſam machen.
(10 261
ueber müde und ſchmerzende Füße
und ihren Einfluß auf das Allgemeinbefinden ſpricht Montag den
6. Juli, in der Aula des Realgymnaſiums, Darmſtadt,
Kirchſtraße 22, pünktlich abends 8 Uhr, eine geprüfte Schweſter der
Supinatorſchule, Frankfurt a. M. Bei der augenblicklichen Bedeutung
dieſes Themas iſt dieſer Vortrag jedem ſehr zu empfehlen. Näheres hier=
über
in der heutigen Anzeige.
Kühlanlagen für Gewerbe und Haushalt.
Der Fortſchritt der Hygiene und der harte Daſeinskampf zwingen
den Handel, ſoweit er ſich mit Nahrungsmitteln befaßt, ſeine Einrich=
tungen
zur Friſchhaltung auf den höchſtmöglichſten Stand zu bringen.
Und die Hausfrau: Ein Kühlſchrank, der ohne jede Bedienung
nach Eindrücken eines Steckers in die elektriſche Leitung ſichert nicht
nur ihre Speiſen vor dem Verderb, er liefert ihr auch Eis für die
Tafel und zur Erfriſchung in geſunden und kranken Tagen.
In 15 Millionen deutſchen Haushaltungen ſind ungeheure Werte
dem Verderb ausgeſetzt, wenn nicht für ſachgemäße Aufbewahrung ge=
ſorgt
iſt.
Kühlanlagen für gewerbliche Betriebe und Kühlſchränke für Haushal=
tungen
helfen zum Erwerb und helfen ſparen.
Es wird auf die Anzeige in der heutigen Ausgabe der Firma Eugen
Lacher, Darmſtadt, Wilhelminenſtraße 28, hingewieſen.
Die Natur in ihrer bewunderungswürdigen Weisheit und ſtannens=
werten
Fürſorge hat uns koſtbare Kräuter beſchieden, die uns als Vor=
beugungsmittel
und als Mittel zur Linderung unſerer Leiden zur Ge=
ſundheit
führen ſollen. In der richtigen Erkenntnis dieſer Kräuter, in
ihrer rationellen Pflege und Behandlung liegt das Weſen des Erfolges,
der Wirkung und der Geſundung. Nur ein richtig kombinierter, ver=
nünftig
zuſammengeſetzter Tee kann die Leiden der Menſchen erfaſſen
und verſcheuchen.
Vulneral=Tee iſt ärztlich empfohlen und beſonders begutachtet bei
Neigung zu Rheumatismus, Gicht, Iſchias und Arte=
rienverkalkung
. Vulneral=Tee iſt in ſämtlichen Apotheken erhält=
lich
. Die Begutachtung der heutigen Anzeige hierüber, aus der alles
weitere hervorgeht, wird hiermit ganz beſonders empfohlen.

Rundfunk=Programme.

Frankfurt a. M.
Gleichbleibendes Werttags=Programm. 5.55: Wetter, Gymnaſtik.
O 6.30: Gymnaſtik. 7.30: Konzert. o 8.30: Waſſerſtand.
11.50: Zeit, Wirtſchaftsmeldg., Nachr. Programm. o 12.00:
Konzert. O 12.55: Nauener Zeit. O 13.05: Konzert (Fortſ.). o
13.50: Nachrichten. O 14.00: Werbekonzert. 15.05: Zeit, Wirt=
ſchaftsmeldungen
. o 15.15: Gießener Wetterbericht. O 16.20 und
18.00: Wirtſchaftsmeldungen.
Sonntag, 5. Juli.
7.00: Hamburger Hafenkonzert. Glocken vom Großen Michel.
8.15: Morgenfeier in der Weißfrauenkirche.
9.15: Stunde des Chorgeſangs.
10.30: Leipzig: Bach=Kantate: Wer nur den lieben Gott läßt walten.
Mitw.: Städt. u. Gewandhaus=Orcheſter. Thomanerchor. Soliſten:
Hilde Lauquére=Hartmann (Sopran), H. Lißmann (Tenor), R.
Gerhardt (Baß), G. Ramin (Orgel), F. Sammler Cembalo).
C. Biebl (Oboe).
11.15: Mainz: Feierliche Enthüllung des Streſemamn=Denkmals.
12.10: Schallplattenkonzert. Bunte Platten.
13.50: 1. Auffällige Beobachtungen zur Frühjahrsbeſtellung.
Das Schönen des Weines. 3. Der Sommerſchnitt an den Obſt=
ſpalieren
.
14.00: Dr. Wagner: Die Landſchaft und die Landwirtſchaft. 2.
Rechtsanwalt Meiſch: Wichtige Rechtsfragen in der Landwirtſchaft.
15.00: Nürburgring: Großer Preis von Deutſchland für Motor=
räder
.
16.00: Wiesbaden: Konzert des Kurorcheſters.
18.00: Gräfin Sierſtorpff: Siedlungen im Saargebiet.
18.25: Auguſte Peters: Die dunklen Sterne.
18.50: Dr. Holl: Muſik und Geſellſchaft.
19.20: Wetter für die Landwirtſchaft. Sport.
19.30: Doktor Dolittles Abenteuer: Die große Seeſchnecke.
20.30: Abſchiedskonzert von Franz Völker.
22.15: Zeit, Wetter, Nachrichten, Sport.
22.35: Tanzmuſik.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Weller. Gleichbleibendes Werktags=Programm. 5.45:
Zeit, Wetter für den Landwirt. 6.30: Gymnaſtik. O 10.35, 13.30:
Nachrichten. O 12.00: Wetter für den Landwirt. 12.05: Schall=
platten
bzw. Schulfunk. O 12.55: Nauener Zeit. O 14.00: Schall=
platten
. O 15.30: Wetter, Börſe.
Deutſche Weller: Sonntag, 5. Juli.
7.00: Hamburger Hafenkonzert. Glocken vom Großen Michel.
8.00: Mitteilungen und praktiſche Winke für den Landwirt.
8.15: Wochenrückblick auf die Marktlage.
8.25: Dipl.=Landwirte Stauß und Tröſcher: Beſuch des Wirtſchafts=
beraters
auf einem Bauernhof.
8.55: Morgenfeier. Glockenſpiel der Potsdamer Garniſonkirche.
anſchl. Glockengeläut des Berliner Doms.
10.05: Wettervorherſage.
11.15: Mainz: Feierliche Enthüllung des Streſemam=Ehrenmals.
13.00: Mittagskonzert. Funkorcheſter.
14.30: Rektor Staar: Wie ſteht es um die Erholungsmöglichkeiten
unſerer Großſtadtkinder im Sommer?
15.00: Nürburgring: Großer Preis von Deutſchland für Motorräder.
15.40: Dichterſtunde. Das Werk Joſef Wincklers. (Zu ſeinem 50.
Geburtstag am 6. Juli).
16.10: Jugendſtunde: Märchen.
16.35: Blasorcheſter=Konzert.
18.15: Tasmania=Platz: Fußball=Städteſpiel, Berlin Leipzig des
Arbeiter=Turn= und Sportbundes.
18.40: E. Biſchoff: Aus fernen Zonen.
19.05: Hermine Behn: Minnelieder und Canzonetten.
19.30: Menſchen im Beruf: Der Muſeumsaufſeher.
20.00: Jean Gilbert dirigiert aus eigenen Werken. Mitw.: O. Faſſel
(Tenor). Berliner Sinfonie=Orcheſter, Fred. Bird=Tanz=Orcheſter.
Danach: Tanzmuſik des Fred Bird=Tanz=Orcheſters.

Wekterbericht.

Die Wetterlage ſteht auch in unſerem Gebiet jetzt mehr unter
dem Einfluß der Nordmeerſtörung. Stärkere Bewölkung folgt in
Begleitung der ozeaniſchen Warmluft und vereinzelt treten Nie=
derſchläge
auf. Der Witterungscharakter wird vorerſt weiter von
der aus Südweſten kommenden ozeaniſchen Luft beeinflußt, ſo daß
Bewölkung vorherrſcht und etwas Regen auftritt. Die Tempera=
turen
gehen dabei zurück, jedoch erfolgt die Abkühlung nur
langſam.
Ausſichten für Sonntag, den 5. Juli: Wechſelnd wolkiges Wetter
und zeitweiſe etwas Regen, warm, jedoch etwas kühler.
Ausſichten für Montag, den 6. Juli: Noch wechſelnd wolkiges
Wetter, kühler, jedoch nur vereinzelt noch etwas Regen.

Hauptſchriſtleitung: Rudolf Maupe
Verantwortlich für Polltik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuilleion, Reich um
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Böhmann,
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für,
Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Neite
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mittellungen: Willv Kuble.
Druck und Verlag: C. C. Wittich ſämtlich in Darmſtiadt.
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.

Die heutige Nummer hat 36 Geiten.

[ ][  ][ ]

Zummer 19

Sonntag, den 5. Juli 1931

Seite 19

Schmeling zum zweiten Male Weltmeiſter.
Young Skribbling verliert in der letzken Runde zum erſten Male durch k.0.

Die neue Arena zu Cleveland war in der Nacht zum Sams=
tag
der Schauplatz des Weltmeiſterſchaftskampfes zwiſchen dem
Titelverteidiger Max Schmeling und ſeinem amerikaniſchen Her=
ausforderer
Young Stribbling. Max Schmeling, der im ver=
gangenen
Jahre den Titel eigentlich dem Tiefſchlag ſeines Geg=
ners
Sharkey verdankte, hat diesmal in eindeutiger Weiſe den
Titel verteidigt und ſich zum zweiten Male als Weltmeiſter aller
Gewichtsklaſſen eingetragen. Schmeling hat einen ſehr klaren
Sieg errungen und außerdem ſeinem Gegner deſſen erſte k.=o.=
Niederlage in deſſen Laufbahn beigebracht. Stribbling, deſſen
Härte im Nehmen faſt ſprichwörtlich geworden war, wehrte ſich
auch diesmal heldenhaft bis zur letzten Runde, wo ihn aber kurz
vor Beendigung des Kampfes ſein Geſchick ereilte. Max Schme=
ling
hat ſeinen Titel mit Erfolg verteidigt und damit auch für
den deutſchen Boxſport im verwöhnten Amerika eine neue Lanze
gebrochen.
Schmeling, dem man in Amerika anfangs die geringeren
Ausſichten zubilligte, war ſchließlich doch noch allgemeiner Favorit
geworden und rechtfertigte dann auch glänzend das in ihn geſetzte
Vertrauen.
Am Schauplatz des Kampfes.
Die Zahl von 40 000 Zuſchauern bleibt zwar weit hinter den
ſonſt in Amerika gewohnten Ziffern zurück, übertrifft aber den=
noch
die auf grund des ſchwachen Vorverkaufs gehegten Erwar=
tungen
. Immerhin dürften die Veranſtalter nicht mehr als ihre
Unkoſten herausgeholt haben. Selbſtverſtändlich wohnte dem
großen Kampf die amerikaniſche Prominenz des Sportes, der
Wirtſchaft und der Politik bei. Unter den Zuſchauern ſah man
neben anderen ſportlichen Größen auch Exweltmeiſter Tunney,
der gerade von ſeiner Weltreiſe zurückgekehrt war. Außer ihm
war auch die andere Garde der alten Boxer aufmarſchiert. Selbſt=
verſtändlich
fehlte auch der italieniſche Rieſe Carnera nicht am
Ort des Kampfes. Gegen 9 Uhr erſchienen dann die beiden Boxer.
Zuerſt betrat der Amerikaner Stribbling den Ring, von den Zu=
ſchauern
zwar herzlich, aber nicht überwältigend begrüßt. Der
Beifall ſteigerte ſich jedoch gewaltig, als Max Schmeling den
Ring beſtieg. Die beiden Kämpfer ſchüttelten ſich zuerſt die
Hände. Dann kamen die üblichen Zeremonien. Ein Heer von
Photographen ſtürmte den Ring, und die beiden Kämpfer ſowie
der Ringrichter Blake mußten ſich immer und immer wieder der
neugierigen Kamera ſtellen. Selbſtverſtändlich ſtellten ſich auch
wieder Herausforderer ein, die den Sieger des Kampfes um den
Titel forderten, und zwar der Italiener Carnera und der frühere
Weltmeiſter im Halbſchwergewicht, Tommy Loughran. Fieber=
hafte
Spannung lag über dem weiten Oval des Stadions, als ſich
die Vorbereitungen langſam ihrem Ende näherten und der Be=
ginn
des Kampfes heranrückte.

Der Kampf beginnt.
Pünktlich um 10 Uhr nach amerikaniſcher Zeit ertönte dann
der Gong. Schweigend erlebte die Menge den Beginn des
Kampfes. Vierzig große, in ſieben Meter Höhe montierte Bogen=
lanpen
beſtrahlten den Ring und verbreiteten im Verein mit
den 250 über den Rängen befindlichn Lampen eine ſtarke Hitze,
die ſich mit der überſommerlichen Temperatur zu einem nicht
gerade idealen Aufenthalt verband.
Die erſte Runde brachte einen lebhaften und ausgeglichenen
Kampf, den Schmeling leicht diktierte. Die Runde ging mit
knappem Vorſprung an den Deutſchen. In der zweiten Runde
ergriff der Amerikaner zuerſt die Initiative. Schmeling deckte
aber ſehr gut ab und konnte ſo die Wirkung der keinesfalls un=
gefährlichen
Schläge Stribblings abſchwächen. Schmeling geht
dann wieder zum Angriff über und drängt den Amerikaner in
die Verteidigung, muß dabei aber noch einen Schlag Stribblings
hinnehmen. Die Runde endet ausgeglichen Die dritte Runde
geht dann als erſte an den Amerikaner. Stribbling kämpft jetzt
weniger offen und bringt einige Schläge an, die aber ohne Wir=
kung
bleiben. Auch die vierte Runde fällt noch an Stribbling,
der mit linken und rechten Geraden ſeinen Gegner bedrängt, ohne
jedoch dabei ſelbſt leer auszugehen. In der fünften Runde wech=
ſeln
die beiden Boxer längere Schlagſerien, die jedoch ohne Wir=
kung
bleiben, und in der ſechſten Runde iſt Stribbling wieder
angriffsfreudiger, kann aber trotz einiger Treffer den Deutſchen
nicht gefährden. Noch in der gleichen Runde geht dann Schme=
ling
zum Angriff über und ſchlägt dem ermüdeten Amerikaner
die Naſe blutig, um ſchließlich die Runde klar zu gewinnen. Die
ſiebente Runde geht ganz klar an den Deutſchen Er treibt den
Amerikaner vor ſich her und traktiert ihn mit Schlagſerien, denen
nur ein ſo widerſtandsfähiger Boxer wie Stribbling ſtandhalten
konnte. In der achten Runde iſt der Amerikaner wieder beſſer
auf dem Poſten. Er kann zwar Schmeling nichts anhaben, im=
merhin
aber die Runde ausgeglichen geſtalten. In der neunten
Runde erwarten die Zuſchauer die Entſcheidung. Stribbling iſt
total erſchöpft und kann die Runde kaum noch durchſtehen, zwingt
ſich aber dennoch bis zum Gongſchlag, um die zehnte Runde wie=
der
weſentlich friſcher zu beginnen. Hier ereilen ihn aber neue
Schläge Schmelings, und Stribbling kann ſich nur noch auf die
Abwehr beſchränken, iſt aber ſchließlich beim Gongſchlag völlig
groggy. In der elften Runde bringt der Kampf das gleiche
Bild. Schmeling treibt den völlig erledigten Amerikaner vor ſich
her, und dieſer, wohl ſchon völlig von ſeiner Niederlage über=
zeugt
, will nur dem k. o. entgehen, der ihn bisher noch nie ereilt
hat. Mit Mühe kommt er über die Runde. In der zwölften
Runde iſt Schmelings Ueberlegenheit noch größer. Er treibt den
Amerikaner wie einen Spielball vor ſich her kann ihn aber nicht
ausſchlagen, da ſich Stribling mit ſchier übermenſchlicher Kraft
auf den Beinen hält. Blutüberſtrömt hält der Amerikaner wei=

ter hin und die dreizehnte Runde nimmt faſt den gleichen Ver=
lauf
. In der vierzehnten Runde ſcheint Stribbling erledigt, aber
wie ein Wunder kommt er auch noch über dieſe Runde. In der
fünfzehnten Runde ereilte dann den Amerikaner doch ſein Ge=
ſchick
, die erſte Niederlage durch k. o. zu erleiden. Wankend be=
tritt
er den Ring, wird niedergeſchlagen, bleibt bis neun zu Bo=
den
, erhebt ſich als geſchlagener Mann und hängt ein Bild
des Jammers hilflos in den Seilen. Der Ringrichter beendet
ſchließlich auf den fairen Hinweis von Schmeling das Treffen
wegen Kampfunfähigkeit des Amerikaners und erklärt
Max Schmeling zum Weltmeiſter durch techniſchen k. a.
Max Schmelings Sieg bedeutet mehr als die bloße Vertei=
digung
ſeines Titels. Er hat allen Zweiflern und Nörglern be=
wieſen
, daß er ein Boxer ganz großen Formates ein wirklicher
Weltmeiſter iſt, daß er beharrlich einen Plan zurechtlegte und
verfolgte und ſich von niemanden von ſeinem ſich ſelbſt gezeigten
Weg verdrängen ließ, einem Weg, der ihn zum Erfolg führte.
Max Schmeling hat den Kampf nicht nur mit der Fauſt, ſondern
auch mit dem Verſtand und Geiſt gewonnen.

Zum Deutſchland=Flug.

Der letzte Nennungsſchluß für den vom Aeroklub von Deutſchland in
der Zeit vom 11.16. Auguſt veranſtalteten Deutſchlandflug ergab
30 Meldungen, nachdem mehrere Nennungen aus formalen Gründen zu=
rückgewieſen
worden waren. Die in der Ausſchreibung feſtgeſetzte Höchſt=
zahl
iſt alſo erreicht worden; die Beteiligung muß daher als über=
raſchend
ſtark angeſehen werden, zumal die Ausſchreibung nur ganz
moderne Flugzeuge, deren Muſter nach dem 1. Januar 1930 geprüft iſt,
zuläßt, und auch nur ſolche Flugzeuge, die mit deutſchen Motoren aus=
gerüſtet
ſind. Die ſtarke Beteiligung dürfte daher beweiſen, daß die Ab=
ſicht
des Veranſtalters die Prüfung weiten Fliegerkreiſen zugänglich zu
machen, erreicht iſt. Zahlreiche Privat=Sportflieger die ſich bisher noch
nicht an Wettbewerben beteiligten, ſtehen auf der Liſte. Beſonders er=
freulich
iſt auch die ſtarke Beteiligung der gkademiſchen Fliegergruppen.
Bedauern muß man jedoch, daß die Vereine des Deutſchen Luft=
fahrtverbandes
nur mit vier Maſchinen in Konkurrenz treten,
um ſo mehr, da der genannte Verband ſich gern als Träger des deutſchen
Sportfluges fühlt und hier gerade einmal eine praktiſche Gelegenheit ge=
habt
hätte, an der Förderung dieſes Sportes tatkräftig mitzuarbeiten.
Unter den alten bewährten Wettbewerbsfliegern ragen die Namen
der Afrikafliegerin Elli Beinhorn, der deuſchen und internatio=
nalen
Kunſtflugmeiſterin Lieſel Bach, der Rekordinhaberin Mar=
gret
Fusbahn, des Zweiten aus dem vorjährigen Europaflug,
Reinhold Poß, ſowie Fritz Siebel, Leo Croneiß, Oſter=
kamp
. Wolf Hirth hervor. Auch hinſichtlich der Flugzeuge und
der Motoren wird der Deutſchlandflug viel Neues bringen. Von den
genannten Maſchinen ſtehen die Klemmflugzeuge an erſter Stelle mit
17 Meldungen. Ihnen folgen diejenigen der Bayeriſchen Flug=
werke
mit 6, ferner Arado, Junkers, Gerner und Phönix. Die größte
Teil der Aparate iſt mit Argus As 8=Motoren ausgerüſtet, ſowie mit
Siemens S.H. 13 oder S.H. 13a‟. Von beſonderem Intereſſe iſt die
Beteiligung von zwei neuen Hirth=Motoren, die in ein Klemm=
Flugzeug und in die neue Gerner, G. II R. eingebaut ſind. Als neuer
Typ erſcheint weiterhin B. F.W. M. R7, die Croneiß fliegen wird.
Der Deutſchlandflug verſpricht alſo nicht nur in ſportlicher, ſondern
auch in techniſcher Hinſicht viel Aufſchlußreiches zu bringen.

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[ ][  ][ ]

Nummer 184

Sonntag, den 5. Juli

Einbernfung des Generalrakes der Reichsbank.
Wie der W.T. B.=Handelsdienſt erfährt, iſt der Generalrat der Reichs=
bank
für Sonntag, den 5. Juli, einberufen worden. Es ſoll die allgemeine
Lage beſprochen werden. Dabei wird auch das Ergebnis der Pariſer
Verhandlungen, über deſſen Einzelheiten man bis dahin Kharheit zu
haben hofft, Berückſichtigung finden.
Die Lage am Geldmarkt.
Die Berichtswoche erhielt ihr Gepräge vollſtändig durch den Halb=
jahresultimo
, dem man ſchon ſeit längerer Zeit mit Beſorgnis entgegen=
geſehen
hatte. Obwohl dieſer leichter überwunden werden konnte, als
man vielfach befürchtet hatte, ſind die Nachwirkungen bis in die letzten
Tage noch deutlich fühlbar geweſen. Allerdings darf die Tatſache nicht
verſchwiegen werden, daß die Lage leicht hätte kataſtrophale Formen an=
nehmen
können, wenn es der Reichsbank nicht gelungen wäre einen 100=
Millionen=Dollarkredit zu erhalten, wodurch die Schwierigkeiten weſent=
lich
abgemildert wurden. Die Geldſätze bewegten ſich bei anhaltend ſtar=
ker
Nachfrage auf einer Höhe, die ſeit langer Zeit nicht mehr zu ver=
zeichnen
geweſen iſt. Faſt die ganze Woche hindurch mußten für Tages=
geld
8 Prozent bezahlt werden. Das zur Verfügung ſtehende Angebot
reichte an manchen Tagen nicht aus, ſo daß verſchiedentlich Lombard=
kredite
in Anſpruch genommen werden mußten. Erſt gegen das Wochem
ende machten ſich Anſätze zu einer Erleichterung bemerkbar und der Ta=
gesgeldſatz
ging auf 7,5 Proz. zuriick. Monatsgeld war ſo gut wie nicht
angeboten und verharrte auf 7,75 Prozent für erſte Adreſſen. Waren=
wechſel
fanden nur wenig Intereſſe.
Die Hoffnungen, die man in eine Beſſerung der Deviſenmarktlage
geſetzt hatte, wurden bis jetzt immer noch nicht erfüllt. In der vergan=
genen
Woche hatte die Reichsbank wieder täglich größere Deviſenanfor=
derungen
zu befriedigen, ſo daß von einer Befeſtigung der Reichsmark
nichts zu merken war. Das Anhalten der Deviſennachfrage hatte ſeinen
Grund nicht zuletzt in der Beunruhigung, die durch die Verſchleppungs=
taktik
Frankreichs bei den Verhandlungen mit Amerika hervorgerufen
wurde. Die Unſicherheit über die Weiterentwicklung der Dinge mag zu
neuen Auslandsabziehungen in der Hauptſache Anlaß gegeben haben.
Nachdem London zu Beginn der Woche international etwas ſchwächer
lag, erfuhr die Tendenz ſpäter eine Befeſtigung. Der Ausgang der ſpa=
niſchen
Wahlen bewirkte zunächſt eine internationale Kursſteigerung der
Peſeta, die aber im Laufe der Woche zum größten Teil wieder verloren
ging. Bemerkenswert iſt noch die Erholung der argentiniſchen Deviſe
auf Grund des Hooverſchen Planes zur Unterſtützung Südamerikas, doch
konnte der erhöhte Stand nicht aufrecht erhalten werden.

Wirtſchafkliche Rundſchau.

Die Inderziffer der Großhandelspreiſe vom 1. Juli. Die von dem
Statiſtiſchen Reichsamt errechnete Indexziffer der Großhandelspreiſe iſt
mit 112,5 um 0,3 v.H. niedriger als in der Vorwoche. Die Indexziffern
für die Hauptgruppen lauten: Agrarſtoffe 107,3 (minus 0,9 v.H.), Kolo=
nialwaren
97,5 (plus 0,3 v.H.), induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren
103,4 (plus 0,2 v.H.) und induſtrielle Fertigwaren unverändert 136,5.
Rheiniſche Gummi= und Zelluloidfabrik A. G., Mannheim=Neckgrau.
Die ſeit dem Vorjahr zur J.G. Farbeninduſtrie gehörende Geſellſchaft
weiſt 1930 nach 186 164 RM. Abſchreibungen einſchl. 498 379 (506 739)
RM. Vortrag einen Reingewinn von 702630 (75283) RM. aus. A.K.
Millionen Reichsmark.
Rheiniſche Energie A. G., Köln Gasfernverſorgung Mittelrhein
G. m. b. H. Die ſchon ſeit längerer Zeit geführten Verhandlungen zwecks
Angliederung einer Reihe von Verſorgungsgeſellſchaften im weſtdeut=
ſchen
Bezirk haben nunmehr zur Uebertragung der bisher im Befitz der
Thüringer Gasgeſellſchaft befindlichen Anteile der Gasfernverſorgung
geführt. Bekanntlich wurde zur Durchführung dieſer Transaktion in
der letzten Hauptverſammlung das Aktienkapital der Rheiniſchen Energie
A. G. um 2,75 Mill. RM. auf 5 Mill. RM. erhöht.
Auguſt Annathan Leder A.=G., Frankfurt a. M. Die Geſell=
ſchaft
(nur noch Immobilienverwaltung) weiſt 1930 nach 41000
(800) RM. Abſchreibungen und einem Effektenverluſte von 96 491
(102 580) wieder einen Verluſt von 40 643 (55 428 RM. Gewinn)
aus. A.=K. 874 000 RM. und 226 000 RM. Reſerve. Die Vilanz
zeigt Kreditoren 2,43 (2,42) Mill. RM., Hypotheken 2,6 (3.1) Mill.
RM., andererſeits Immobilien 3,93 (3,97) Mill., Effekten 1,75
(1,84), Debitoren 0,28 (0,66), und Aktiv=Hypothek 0,12 (0,12) Mil=
lionen
RM.
Die Kapitalserhöhung der Preußiſchen Elektrizitätg A. G. und die
Stadt Frankfurt a. M. Die Preußiſche Elektrizitäts A.G., an der die
Stadt Frankfurt mit 15 Millionen RM. beteiligt iſt, hat in ihrer letzten
G.V. am 19. Mai 1931 eine Kapitalserhöhung um 30 Millionen RM.
(von 125 auf 155 Millionen RM.) beſchloſſen, die zu 120 Prozent durch=
geführt
wird. Auf die Stadt Frankfurt würden entſprechend ihrer ſeit=
herigen
Beteiligung nominell 3,6 Millionen RM. junge Aktien entfal=
len
, wofür der Bezugspreis zu 120 Prozent gleich 4 320000 RM. betra=
gen
würde. Da es für ausgeſchloſſen angeſehen wird, einen Betrag in
dieſer Höhe jetzt bereitzuſtellen, wird die Stadt von ihrem Bezugsrecht
auf die jungen Aktien der Preußiſchen Elektrizitäts A. G. und von dem
Optionsangebot der Vereinigten Elektrizitäts= und Bergwerks A. G., Ber=
lin
, vorausſichtlich keinen Gebrauch machen.
H.=V. der Daimler=Benz A.=G. In der Hauptverſammlung wurde der
Verluſt=Abſchuß genehmigt. Zu dem Aktienaufwand wurde von der Ver=
waltung
darauf hingewieſen, daß man bei im letzten Jahr geführten
Beſprechungen über einen Zuſammenſchluß die Notwendigkeit erkannt
habe, für eine ſolche Transaktion über eigene Aktien zu verfügen. Nach=
dem
die ,damaligen Verhandlungen geſcheitert ſeien, habe man es für
geboten erachtet, die für den genannten Zweck aufgekauften Aktien im
Werte von einem Achtel des Kapitals nicht wieder abzuſtoßen. Trotz des
Aktienaufkaufs ſei die Liquidität verbeſſert worden, ſo daß man ſelbſt
den üblichen Saiſonkredit von 35 Mill. RM. nicht benötigte. Im
laufenden Jahre weiſe der Umſatz einen Rückgang um 30 Stückprozent
und um 45 Wertprozent im Perſonenwagengeſchäft auf. Im Laſtwagen=
ban
ſei im Mai nach anfänglicher Fortſetzung der rückläufigen Bewegung
des letzten Jahres eine Wendung eingetreten, die ſich bis zur doppelten
Verkaufsziffer des Vormonats ſteigerte. Inzwiſchen ſei ein großer
Ruſſenauftrag zu allerdings ſehr gedrückten Preiſen hereingekommen.
Der Preisindex für Kraftwagen ſtellt ſich auf 5860 Prozent gegenüber

Brauerei A. G. und der Brauhaus Nürnberg A. G. iſt eine Intereſſen=
gemeinſchaft
zuſtande gekommen, die als Vorläufer einer noch engeren
Zuſammengehens angeſehen wird. Zunächſt wurde die Vereinbarung
getroffen, daß die Abnehmer der Tucher=Brauerei ihren Bedarf an Mi=
neralwaſſer
und Limonaden von der dem Brauhaus gehörenden Frän=
kiſchen
Getränkeinduſtrie, Nürnberg, beziehen ſollen, während umgekehrt
die Belieferung der Brauhauskunden mit Weißbier künftig von der Tn
cherſchen Brauerei erfolgen wird. Nähere Einzelheiten über dieſe J.G.
ſtehen noch aus.
Biehmärkte.
Dem Schweinemarkt zu Weinheim a. b. B. am Samstag, 4. Juli,
waren 616 Tiere zugeführt. Verkauft wurden 428 Stück, und zwar Milch=
ſchweine
das Stück von 510 Mk., Läufer das Stück von 1526 Mk.
Marktverlauf: gut.
Produkkenberichke.
* Mainzer Produktenbericht vom 3. Juli. Großhanvelspreiſe per
100 Kilo loko Mainz: Hafer 2020,50; Malzkeime 9,7511, Süddeutſches
Weizenmehl Spezial Null 39,90; Roggenmehl 60proz. 33,50; Weizen=
kleie
fein 10,50; desgl. grob 11,25; Roggenkleie 12,75; Biertreber 9,50
bis 10,25; Erdnußkuchen 13,2513,75; Kokoskuchen 1418,50; Palm=
kuchen
10,7511,25; Rapskuchen 1010,25; Sohaſchrot 13.5013,75;
Trockenſchnitzel 6,757,25. Tendenz: Abwartend.
Berliner Produktentendenzbericht vom 4. Juli. Einem bereits ſchwä=
cheren
Vormittagsverkehr folgten an den Wochenſchlußbörſen erneut
ziemlich erhebliche Preisrückgänge auf allen Marktgebieten. Das In=
landsangebot
von Brotgetreide alter und neuer Ernte tritt bei faſt völ=
liger
Zurückhaltung des Konſums, die in den günſtigen Witterungsver=
hältniſſen
und in den angeſpannten Kreditlage begründet iſt, ſtärker in
Erſcheinung, und ſelbſt bei Preiskonzeſſionen der Verkäufer kommt es
nur vereinzelt zu Umſätzen; Weizen iſt außerdem im Zuſammenhang
mit dem Angebot Danziger Materials vernachläſſigt. Am Promptmarkt
lauteten die Gebote 3 Mk., für Weizen und Roggen neuer Ernte 1,52
Mark niedriger. Der Lieferungsmarkt folgte dieſer Preisbewegung.
Weizen= und Roggenmehle werden nur für den notwendigſten Bedarf
gekauft und liegen gleichfalls ſchwächer. Für Hafer und Gerſte ergaben
he Preisnachläſſe.
ſich bei ſchleppendem Abſatz auch 1

Frankfurter Eergroßhandelspreiſe vom 4. Juli. Tendenz: ruhig.
Die Nachfrage des Konſums iſt infolge der Geldknappheit ſehr ſchwach.
Es notierten in Pfg. pro Stück ab loko Frankfurt: Bulgar. 7,57,75;
jugoſlaw, 7,257,50; rumän. 77,25; holländ 7 510; dän. 7,510;
belg.=flandr. 99,5; bayer, 7,758; deutſche Friſcheier je nach Größe
7,510,5; in= und ausländ. Mittel= und Schmutzeier 66,5.
Frankfurter Butter=Großhandelspreiſe vom 4. Juli. Infolge der
heißen Witterung war das Angebot ziemlich klein, ſo daß die Preiſe eine
Erhöhung erfuhren. Auslandsbutter 1 Faß (50 Kilo) 1,48: ein halb
Faß 1,50; in Halbpfundſtücken 1,52; deutſche Butter 1,40. Die Preiſe
verſtehen ſich in RM. für 1 Pfund.
Frankfurker und Berliner Effekfenbörſe.
Frankfurt a. M., 4. Juli.
Nachdem die Meldung über eine erzielte Einigung in Paris vor=
börslich
einen feſteren Unteron geſchaffen hatte, wobei auch die geſtri=
gen
Auslandsbörſen anregten, eröffnete der offizielle Börſenverkehr zum
Wochenſchluß in ziemlich abgeſchwächter Haltung, da in den Pariſer Ver=
handlungen
, nach Anſicht in Börſenkreiſen, bisher nur eine Teillöſung
erfolgt ſei und die Verhandlungen keineswegs als vollkommen abgeſchloſ=
ſen
betrachtet werden können, zumal Hoover nach neueſten Meldungen
mit dem bisherigen Ergebnis nicht zufrieden zu ſein ſcheint. Da auch
aus der Induſtrie überwiegend ungünſtige Nachrichten vorlagen, wie die
Stillegungen im Linoleumkonzern, neue Arbeiteventlaſſungen im weſt=
deutſchen
Kohlenbergbau und der Rückſchlag am Metallmarkt, ſchritt die
Spekulation zu Abgaben, zumal auch von der Kundſchaft Verkaufsorders
zur Ausführung kamen. Verſtimmung ging ferner von der immer noch
ſehr angeſpannten Lage am Geldmarkt aus. Bei relativ kleinen Umſätzen
ergaben ſich gegen die geſtrige feſtere Abendbörſe durchweg Kursverluſte,
die zunächſt meiſt bis zu 1,5 Proz. betrugen. Darüber hinaus verloren
Elektrowerte bis zu 3 Proz., und Kaliaktien von 35 Proz. J. G. Far=
ben
verloren 1,5 Proz. Am Montanmarkt betrugen die Rückgänge von
13 Proz., nur Gelſenkirchen ſetzten 0,75 Proz. höher ein. Auch Kunſt=
ſeide
= und Zellſtofßwverte lagen recht matt. Bankaktien blieben knapp
behauptet, aber Reichsbank minus 2 Proz. Am Anleihemarkt lagen
Altbeſitz erneut ſchwächer. Von Ausländern gaben Mexikaner in Ne=
aktion
bis zu 0,5 Proz. nach. Am Anlagemarkt blieben Goldpfandbriefe
ziemlich unverändert, während Liquidationspfandbriefe nicht uneinheit=
lich
, aber doch überwiegend ſchwächer notierten. Reichsſchuldbuchforde=
rungen
verloren 1,5 Proz. Im Verlaufe ſchwächten ſich die Kurſe durch=
weg
weiter ab, da von außen neue Verkäufe vorgenommen wurden.
Spezialwerte, wie Siemens, J.G. Farben und Schuckert, büßten noch=
mals
bis zu 3 Proz. ein. Danatbank minus 1 Proz. Die ſchwache Ten=
denz
hielt bis zum Schluß des Verkehrs an, wobei man auf die ſchwie=
rige
Lage der Rothſchild=ruppe als Folge der Wiener Vorgänge hin=
wies
. Das Kursniveau ſenkte ſich erneut bis zu 1 Proz. Eine ganze
Anzahl von Werten erlitten Tagesverluſte von 57 Proz. gegen geſtern
abend. Er ſpäter ſtellten ſich vereinzelt Erholungen um Bruchteile eines
Prozentes ein, doch blieb die Geſamtſtimmung matt. Am Geldmarkte
trat nur eine leichte Entſpanung ein. Tagesgeld 7,5 Proz. Am Deviſen=
markt
lag das Pfund international feſt, während ſich der Dollar gegen
Reichsmark etwas abſchwächte. Mark gegen Dollar 4.2132, gegen Pfde.
20.50¼. London-New York 4.8665, Paris 124.29, Mailand 92.93,
Madrid 51.2, Schweiz 25.13½; Holland 12.094/g.
Berlin, 4. Juli.
Nachdem die Tendenz heute vormittag und an der Vorbörſe im An=
ſchluß
an Frankfurt ziemlich feſt war, enttäuſchte der offizielle Börſen=
beginn
. Die geſtern abend in Paris bis auf zwei Punkte erzielte Eini=
gung
konnte eine ſtärkere Wirkung nicht auslöſen, da heute im Vorder=
grund
des Intereſſes die Lage des Geldmarktes ſtand. Die Nachfrage
nach Tagesgeld hat ſich weiter geſteigert; die heute fällige zweite Tranche
des Zwiſchenkredits für das Reich im Betrage von 20 Mill. RM. drückte
natürlich auf den Markt, ſo daß der Satz wieder um 1 Proz. anzog.
Die Börſe betrachtete die Geldmarktſituation mit gewiſſer Sorge und
ſchritt zu Abgaben, zumal auch von außen Material an den Markt kam.
Eindruckslos blieb die Mitteilung, daß man jetzt wieder die Möglichkeit
der Einführung deutſcher Werte an der Pariſer Börſe erörtere, und daß
dieſe Abſicht auch Gegenſtand der kommenden deutſch=franzöſiſchen Mini=
ſverbeſprechungen
ſein ſoll. Der neue Rückſchlag an den Metallmärkten
wirkte natürlich verſtimmend, ſowie auch die Mitteilung von den Zah=
lungsſchwierigkeiten
einer bekannten mitteldeutſchen Baufirma. Gegen
die geſtrigen Mittagsſchlußkurſe betrugen die Veränderungen bis zu 2
Prozent nach beiden Seiten. Im Verlaufe trafen neue Verkaufsorders
aus der Provinz ein, ſo daß das Anfangskursniveau bis zu 3 Prozent
unterſchritten wurde.

Zur Rückgabe des Elekkrizikätswerks Offenbach
durch die Main=Gaswerke A. 6., Ftankfurk a. M.
Bekanntlich fordert die Stadt Offenbach auf Grund des bei Ueber=
nahme
des Elektrizitätswerkes Offenbach durch die Main=Gaswerke AG.
vorbehaltenen Rechts die Rückgabe des Werkes. Die Sadt Offenbach er=
hält
ihr Elektrizitätswerk zurück und ſchuldet dafür einen Betrag von
1422 126 RM. Der Frankfurter Stadtverordnetenverſammlung liegt
nunmehr ein Antrag vor, mit der Maingaswerke A.G. und der Stadt
Offenbach Vereinbarungen dahingehend zu treffen, daß die Stadt Frank=
furt
a. M. von der Stadt Offenbach a. M. nominell 910 000 RM. Main=
Gaswerke=Aktien übernimmt, wofür ſie dafür die Schuld der Stadt Offen=
bach
gegenüber den Main=Gaswerken in Höhe von 1 422 126 RM. über=
nimmt
. Die Erfüllung dieſer Schuld ſoll ſeitens der Main=Gaswerke
A. G. bis 31. März 1941 geſtundet werden, die ſich verpflichtet, in den
nächſten zehn Jahren, die entſprechenden Ueberſchuß aufweiſen, jährlich
aus ihrem Ueberſchuß vor Verteilung der Dividende einen Betrag von
52 000 RM. an die Stadtgemeinde Frankfurt abzuführen. Bis zu dem
Zeitpunkt, an dem die Forderung der Main=Gaswerke A. G. in Höhe von
1422 126 RM. fällig wird, d. h. bis zum 1. Oktober 1941, würde dem=
nach
vorausſichtlich der Ueberpreis durch Zahlungen der Main=Gaswerke
A. G. an die Stadt Frankfurt bereits abgedeckt ſein. Frankfurt a. M.
hat alſo tatſächlich die zu übernehmenden Aktien nach zehn Jahren netto
mit ihrem Nominalbetrag zu bezahlen. Durch dieſe Transaktion erhält
die Stadt Frankfurt eine weitere Verſtärkung ihres Einfluſſes auf die
Maingas=Werke A. G., ohne daß ſie Leiſtungen zu übernehmen hat, die
ſie unangemeſſen überlaſten.
Vom ſüddeultſchen Eiſenmarkk.
Die vergangene Berichtswoche brachte eine weitere Abſchwächung
des Geſchäfts. Der Bedarf in Stabeiſen hat eine weitere Einbuße er=
litten
; in Formeiſen ließ die Nachfrage ſich noch einigermaßen gut an,
während in Blechen, Bandeiſen und Univerſaleiſen die Umſätze nach=
gelaſſen
haben. Von der Bauinduſtrie kamen nur wenige Objekte an
den Markt, die meiſt prompt ab Werk geliefert werden konnten, ſo daß
die gut ſortierten Handelsläger nur in geringem Umfange Abſatzmög=
lichkeit
hatten.. Der Provinzhandel hält mit Neukäufen ſehr zurück da
man noch durchweg auf den Vorräten ſitzt, die für den Frühjahrsbedarf
vorgeſehen waren, aber zum großen Teil nicht abgeſetzt werden konnten.
Auch die unſichere wirtſchaftspolitiſche Lage trägt zur Zurückhaltung gar
weſentlich bei, zumal die Geldeingänge immer ſchlechter werden. Die
Verbandspreiſe ſowohl wie die Verkaufspreiſe des Eiſengroßhandels=
verbandes
ſind unverändert.

Nach der Erhebung des Preußiſchen Statiſtiſchen Landesamtes vom
31. Mai ſind in Preußen 707669 vom Arbeitsamt anerkannte Wohlfahrts=
erwerbsloſe
gezählt worden (709 769 im April), ſo daß ſich im Mai eine
Abnahme um 2100 Wohlfahrtserwerbsloſe oder 0,3 Proz. (im April Zu=
nahme
um 27 205) ergibt. Im Vergleich zum September 1930 liegt die
Wohlfahrtserwerbsloſenzahl im Berichtsmonat noch um 260 466 oder 58B
Prozent höher.
Die Guß= und Armaturwerk A.G. in Kaiſerslautern ſchlägt für 1930
aus einem Reingewinn von 162 257 RM. (164 107) die Verteilung einer
Dividende von 10 Prozent (12) vor. Im Bericht wird mitgeteilt, daß
ſich der Umſatz dank des erhöhten Auslandsabſatzes günſtig entwickeln
konnte. Gegenwärtig ſei der Geſchäftsgang lebhafter.
Die Ludwig Weſſel Steingutwerke A.G in Bonn ſchließt das Ge=
ſchäftsjahr
1930 mit einem Verluſt von 1565 RM. ab, der auf neue Rech=
nung
vorgetragen werden ſoll. Die ſtark zurückgegangenen Abſatzmög=
lichkeiten
führten zu ſcharfen Preiskämpfen, die ein gewinnbringendes
Arbeiten nicht geſtatteten. Trotz des Nückganges der Bautätigkeit, von
der die Geſellſchaft ſtark abhänge, hätten ſich die Umſätze im laufenden
Jahre weiter erhöht.
Die Stadrberger Hütte Niedermarsberg A.G die ihre Belegſchaft
bereits von 500 auf 30 Mann abgebaut hatte, wird vorausſichtlich mit
dem 1. Auguſt den Reſt der Arbeiter entlaſſen und den Betrieb gänzlich
ſtillegen.
Nach den kürzlichen Erhöhungen ſind jetzt im Einklang mit der Er=
mäßigung
der Metallpreiſe auch die Preiſe für Metallfabrikate wieder
leicht ermäßigt worden. Als Grundpreiſe ſeit Anfang Juli gelten je
100 Kilo Kupferbleche 127 (129) RM., Kupferrohre 151,5 (153) RM.,
Kupferdraht 113,75 (115,5) RM. und Kupferſchalen 218 (220) RM.

Berliner Kursbericht
vom 4. Juli 1931

Deviſenmarkt
vom 4. Juli 1931

Berl. Handels=Geſ.
Danatbank. . . . . . .
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Bant
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bayr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdöl

104.50
104.50
100.
100.
47.
49.75
92.50
46.
93.50
68.50
36-25
99.
116.
67.25

Elektr. Lieferung 104.50
J. G. Farben
Gelſ. Bergw.
Geſ. f.elektr. Untern.
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Köln=Neueſſ. Bgw
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Untn.
Nordd. Wolle
Okerſchleſ. Koksw.
Orenſtein & Koppel

133.75
107.25
62.
53.875
78.
119.
5d.
57.50
65.
34.875
7.50
63.50
41

Mee
Rütgerswerke
Salzdetfurth Kali
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtoff
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Alkali 127.
Agsb.=Nrnb. Maſch
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch. 129.
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke

115.25
41.25
196.
87.25
45.
59.
18.75
40.
124.
30.75
51.50

Helſingfor=
Wien
Prag
Budape
Sofia‟
Holland
Oslo
Kopenhagen
Stockholm
London
Buenos=Aires
New York
Belgien
Italien
Paris

Währung
100 finn. Mk.
100 Schilline
100 Tſch. Kr.
100 Pengö
100 Leva
100 Gulden
100 Kronen
100 Kronen
100 Kronen
1 4.Stg.
1 Pap. Peſo
1 Dollar
100 Belga
100 Lire
100 Francs

Held,
10.593
59.20
12.473
73.46
3.047
169.38
112.71
112.71
112.86
20.475
1.35:
4.209
58.68
22.05
16.475

Brief=
0.613
59.32
12.493
73.60
3.05
169.72
112 9:
112.9.
113.08
10.515
1.357
1.217
58.80
22.09
6.51!

Spanien
Danzig
Japan
Rio de Janeiro
Zugoſlawien 1100 Dinar
Portugal

Athen
Iſtambu
Kairo
Kanada
Urugnah

Jsland
Tallinn (Eſtl.)
Riga
AA

Währung
Schweiz 100 Franke
100 Peſetas
100 Gulden
1 Yen
1 Milre
100 Escudo
100 Drachm.
1 türk. 2
1 ägypt. 2
1canad. Doll
1 Goldpeſo
100 isl. Kr.
100 eſtl. Kr.
100 Lats

Geld
81.535
40.16
81.88
2.079
0.321
7.433
18.64
5.457
21.00
4. 194
2.428
92.35
1 12.04
81.09

Nie
1.695
40.24
2.04
2.083
0.323
7.447
18.68
5.467
21.C4
4.202
2.432
92.53
112.26
81.25

Frankfurter Kursbericht vom 4. Juli 1931.

7% Dtſch. Reichsa
6%
5½ %Intem.,
6% Baden..
8% Bayern
7
8% Heffen
v. ?
6% Preuß. Staat.
8% Sachſen ..
.
7½ Thürigen. . . .
Dtſche. Anl. Kuslo=)
ſungsſch. 4‟/. Ab=
löſungsanl
..

Dtſche. Anl. Ablö=
ſungsſch
. (Neub.)
Deutſche Schutzge=
bietsanleihe
...
6% Hachen v. 29
8½ Baden=Baden.
6%Berlin ......."
8% Darmſtadt v. 26
v. 28
78 Drecden. ....
8% Frankfurt a.M
v. 26
6%
v. 26
8%Mginz......"
8% Mannheim v. 26
6%
v. 27
8½ München .....
8½ Nürnberg. . .
8% Wiesbaden

8% beſſ. Landesbk.
8% Golboblie
4½% Heſſ. Lbs.=
Hyp.=Bk.=Liquid.
4¾½% Kom.=Obl
8% Preuß. Lds.
pfbr.=Anſt. G. Pf.)1
726
8% Goldoblig

Ve
78.5
71.25
73.25
98.25
77.25
85.5
89
91.25
97.25
N6F

84
84.25

86
67.5
8921,

98.25
92
Mif
87
31.5

W Wen!
Bk. Girozentr. für
Heſſen Goldobl./ 93:/e
8½ Kaſſeler Land. Goldpfbr..
7½ Kaſſeler Land. Goldpfbr..
835 Naſſ. Landesb.
428 Biyn.obl
Dt. Komm. Sam=
mel
=Ablöſ.=Anl.
*AuslSer. I
. Ser, II
Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Nenbeſitz).
% Berl. Hyp.Bk.
4½½%Ligu.=Pfbr.
18% Frkf. Hyp.=Bk.
4½% Lig. Pfbr.
Pfbr.=B!
Liqu.
P
26 Mein. Hyp.=Bk. /100
½% Lig. Pfbr.
26 Pfälz. Hyp.=Bk.
4½½ Lig. Pfb=
8% Preuß. Boden=
cred
.=Bank . . . .
4½% Lig. Pfbr.
% Preuß. Centrl.
Bodencr.=Bank".
4½%6 Lig. Pfbr.
8% Rhein. Hyp. Bk.
% Lig. Pfbr.
Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Credit. . . . .
Südd. Bod.=
Cred.=Bank ....!
g. Pfb

98
94
85
100.5
97
85.5
90

11
96.5
96
87.5
981),
96
87
98.25
96
89.25
96.25
87
100
88.8
98.25
94

98
98.5
93.75
89

8% Württ. Hyp.=B./ 98.5

6% Daimler=Benz
8% Dt. Linol. Werke
V Kite gne
2 Mainkrw. v. 26
%6 Mitteld. Stahl.
8% Salzmannu. Co
7% Ver. Stahlwerke
8% VoigtckHäffner
F. G. Farben Bonds
5% Bosn. L.E.B.
L. Inveſt.
50 Bulg. Tab. v. 02
4½% Oſt. Schätze
4% Oſt. Goldrentel
5 %vereinh. Rumän
4½%
4%
4% Türk. Admin.
4½% 1. Bagdad
4% Zollanl.
4½½ Ungarn 1913
4½%
1914
Goldr.
42
1910
Altien
Alg. Kunſtziide Uni
N. E. G....... . ..
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Bemberg, J. P...
Bergm. El.=Werke
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Chem. Werke Albert
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aimfer=Benz.

64.5
89.5

NKr

88.75

Rr
36

5.85

83.25
93
97

84
153.25

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ſcheide
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71.75
106.75
39.5
28
159

R6
77

26.5
90
142
112.25
30.5

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115
64.5

59.75
51.5

37

153.5
24
110

84.75
52.5
45

Vogtländ. Maſchin.
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Bayer. Hyp. u. W./,
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Darm ſt. u. Nat.=Bk.
Dt. Ban und Dic.
Dt. Eff. u. Wechſell
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63.5

85.75

98
120
210
100.25
104
100
93
100
85.5
127.5
133
116
135
121
128.5
117.5

B3.5
49.5
49.5

94
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[ ][  ][ ]

Nummer 184

Sonntag, den 5. Juli 1931

Seite 21

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Sette 22

Sonntag, den 5. Juli 1931

Nummer 184

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die Rhönrad-Massenvorführung heute nach
mittag ab 2.30 Uhr im Hochschul-Stadion
anläßlich der Deutschen Reichsbahn-Bundesmeisterschaften

Eintritt: Stehplatz 0.50 Reichsmark und Sitzplatz 1. Reichsmark.

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Heute und folgende Tage

Der unübertreffliche musikalische Schwank
Die Bräutigams-Witwe
Regie: Rich. Eichberg
mit Martha Eggerth, Georg Alexander u. Fritz Kampers
V.10218 Beginn: 2, 405, 6.10 und 8.20 Uhr
Heute letzter Tag
!

Dina Gralla, das Mädchen mit den Kulleraugen
in dem lustigen Tonfilm
Kinder des Glücks
Jugendliche zugelassen.
Beginn: 2, 4.05, 6.10 und 8.20 Uhr
Heute und folgende Tage
K

Im Stummfilm-Doppelprogramm:
Tarzan der Tiger
Nene Abentener Tarzans im Urwald
sowie der Film aus der Fremdenlegion
Die Hölle der Heimatlosen
Beginn ab 2 Uhr, letzte Vorstellung 8.15 Uhr

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Willkür, sondern sichert Euch Einfluß auf
die Gestaltung seines Spielplans. Gebt des-
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[ ][  ][ ]

Nummer 184

Sonntag, den 5. Juli 1931

Seite 23

OAbt

Ein Roman aus der Induſtrie
von Hans Dominik

18)

Copyright by Ernſt Keils Nachf.. (Aug. Scherl), G.m.b. H., Berlin.

(Nachdruck verboten.)

Zuſammenſtöße aller Art paſſieren trotz ſtrengſter Sicher=
heitsvorſchriften
und Vorſichtsmaßnahmen täglich. Fatum
nennen es einige.
Das dachten wohl auch zwei Paare, die beſtrebt, möglichſt
ungeſehen zu bleiben ſich plötzlich in die Arme liefen. Wäh=
rend
James Headſtone Fräulein Dolly Farley im Loupre und
dieſe wiederum ihn auf einer geſchäftlichen Konferenz vermutete,
geſchah es, daß Headſtone am Arm Juliettes mitten im Park
von Saint=Cloud Dolly Farley am Arm Waldemars auf einem
ſchmalen Waldweg gegenüberſtand!
Der Tag hatte ſich ſo ſchön angelaſſen Sonnenſchein im
Herzen, Sonnenſchein in der Natur , daß keiner an ein Un=
wetter
dachte. Dieſes gänzlich unerwartete Zuſammentreffen be=
wirkte
, daß nur zwei der Beteiligten ihre Heiterkeit bewahrten.
Headſtone und Dolly nahmen ihr Souper an dieſem Abend
ſehr einſilbig ein. Jeder vermied es, dem anderen Vorwürfe
zu machen. Hatte doch jeder ein ſchon geſchloſſenes Konto vor=
übergehend
wieder geöffnet!
Die gegenſeitigen Fragen Juliettes und Waldemars, wie
lange ihr Aufenthalt in Paris dauern ſollte, wurden jedoch am
gleichen Tage entſchieden: Waldemar erhielt einen beſchwerten
Brief Dolly Farleys, in dem ſie ihn bat, Paris zu verlaſſen.
Und Juliette bekam ein dringendes Telegramm Boffins, ſofort
nach Ludwigshafen abzureiſen.
Daß in Wahrheit Headſtone dies Telegramm veranlaßt
hatte, war ihr ſofort klar. Der Auftrag in Ludwigshafen be=
ftätigte
ihre Auffaſſung. Er war ſo einfach, daß ihn die erſte
beſte Kreatur Boffins hätte erledigen können. In ihrem Hotel=
zimmer
dort fand ſie ein Eilpaket, das eine Handtaſche einfach=
ſter
Art enthielt. Dazu einen Brief, in dem ſie gebeten wurde,
ſich mittags um zwölf an einer beſtimmten Bank im Volkspark
einzufinden; dort würde eine einfache Frau ſitzen, neben ſich
eine Handtaſche von der gleichen Machart.
Juliettes Aufgabe beſtand nur darin, ohne mit der bereits
inſtruierten Frau ein Wort zu wechſeln, die Taſchen ungeſehen
auszutauſchen und nach Berlin zurückzukehren. In wenigen
Minuten war die Sache programmäßig erledigt. Bis zum
Abgang des Berliner Zuges blieben ihr noch einige
Stunden. Sie ſchickte ihr Gepäck zum Bahnhof und unternahm
einen Gang durch die Stadt. Sah in leiſer Wehmut die alten
Gaſſen und Plätze wieder, kam auch durch die Straße, in der ſie
früher gewohnt. Nicht ohne innere Bewegung blickte ſie zu den
Fenſtern der kleinen Dreizimmerwohnung hinauf, in der ſie
mit Wilhelm Hartlaub die erſten Jahre ihrer Ehe verlebt hatte.
Während ſie ſo ſtand, trat eine junge Frau, mit einem Kind
auf dem Arm, auf den Balkon. Das Kind griff jubelnd in
den Blumenflor auf der Brüſtung. Die Frau hob es lachend
ein paarmal in die Höhe, bis das Kind, vor Freude kreiſchend,
die Aermchen feſt um den Hals der Mutter ſchlang.
Juliette wandte ſich ab. Die Glückliche da oben . .. warum
du nicht? Vielleicht, wenn ſie auch Kinder gehabt hätten .. .
Doch nur kurz dieſer Ausflug in bürgerliche Romantik und Sen=
timentalität
. Schon an der nächſten Straßenecke war ſie wieder
die alte. Und wenn mir einer ein halbes Dutzend Kinder ver=
ſpräche
niemals ginge ich wieder zurück in dieſe Kleinbürger=
lichkeit
. Die ewigen Sorgen um Eſſen und Kleidung . . . Sie
ſchauderte zog den Pelz aus der Rue Albert feſter um ihre
Schultern.
Im Café des feinſten Hotels trank ſie ein Glas Tee. Ein
paar höhere Beamte aus ihres Mannes früherer Fabrik ſaßen

am Nachbartiſch. Ha, wie die Blicke immer wieder zu ihr hin=
flogen
! Früher, als ſie noch die einfachgekleidete Frau des
kleinen Chemikers war, hätte keiner den Kopf nach ihr gedreht
. . . ja, Kleider machen Leute!
Als der Zug aus der Halle des Bahnhofs hinausfuhr, ließ
ſie alle ſentimentalen Erinnerungen lächelnd zurück. Nach Ber=
lin
!. Morgen vielleicht nach London! Sie verſuchte ein wenig
zu ſchlummern, doch vergeblich. Die Eindrücke, die eben in Lud=
wigshafen
auf ſie eingeſtürmt waren, mochten doch wohl in
ihrem Unterbewußtſein weiterwirken. Immer wieder ſcheuchte
ihr der Gedanke: Wo mag wohl Wilhelm Hartlaub jetzt ſein,
was mag er treiben?, den Schlaf von den Augen.
Wittebold ſaß ſpät abends in ſeinem Zimmer, vor ſich einen
Briefbogen. Begann nach längerer Ueberlegung zu ſchreiben:
An die Rieba=Werke zu Händen des Herrn Generaldirektors
Kampendonk. Der Monteur Bernhard aus dem Inſtallations=
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büro iſt ein engliſcher Spion. Für welche Geſellſchaft er arbei=
tet
, ließ ſich noch nicht ermitteln. Dieſe Anzeige erfolgt, bevor
ſeine letzten Karten aufgedeckt werden konnten, um einen ſchwe=
ren
Schaden für das Werk zu verhüten.
Es beſteht folgender Plan: Bei der morgen ſtattfindenden
Erneuerung des Katalyſators in Tank B der Abteilung Gx
wird der Arbeiter Waſchke eine kleine Menge für ſich zurückbe=
halten
. Dieſe wird er entweder dem Monteur Bernhard direkt
oder dem Werkmeiſter Lehmann von 4p, ebentuell auch dem
Arbeiter Schmidt von M 2, zuſtecken. Es beſteht zugleich ein
dringender Verdacht, daß es Bernhard und einem ſeiner Kom=
plicen
durch Lehmanns Vermittlung gelungen iſt, von dem
Inhalt der Betriebsvorſchrift Ap 602 Kenntnis zu nehmen.
Zum Schluß wird an die Werkleitung die Bitte gerichtet,
nach dem Schreiber dieſer Mitteilung keine Nachforſchungen an=
zuſtellen
. Es wäre für beide Teile unzweckmäßig.
Wieder die Szene in Kampendonks Büro. Der Sekretär
kam hereingeſtürzt. Herr Geheimrat ein neuer Brief mit
dem geheimnisvollen Eichenblatt! Ich habe Herrn Doktor Wolff
ſchon benachrichtigt. Darf ich ihn hereinbringen?
Kampendonk war aufgeſprungen. Seine ſonſtige Ruhe hatte
ihn verlaſſen. Iſt denn bei uns der Teufel los? ſchrie er
wütend. Laſſen Sie Doktor Wolff eintreten! Her mit dem
Brief!
Als er zu Ende geleſen, reichte er Wolff das Schreiben,
trat dann, mit allen Anzeichen ſtärkſten Aergers, zum Fenſter.
Wolff griff nach dem Telephon, erkundigte ſich beim Leiter der
Gx=Abteilung, Dr. Leutwein, wann der Katalyſator gewechſelt
würde. In zwei Stunden? Gut! Dann kommen Sie, bitte,
ſofort hierher ins Büro des Herrn Geheimrats Kampendonk!

Der hatte vom Fenſter aus das Geſpräch mitangehört, drehte
ſich jetzt um, nickte Wolff beifällig zu. Zwei Stunden ... Da
läßt ſich allerlei vorbereiten. Er wandte ſich an ſeinen Sekre=
tär
, ſprach mit ihm ein paar Worte beiſeite. Dann wieder zu
Dr. Wolff: Ich muß jetzt unbedingt zu einer Konferenz ins
Werk. Sie kann vielleicht zwei Stunden dauern. Sollten Sie
mich in der Zwiſchenzeit brauchen, rufen Sie mich dort an!
Während der Konferenz bemerkten die anderen Teilnehmer
an Kampendonk eine ungewohnte Nervoſität. Und es ſtanden
doch nur verhältnismäßig harmloſe Dinge zur Verhandlung.
Gegen Ende der Beſprechung merkte man ihm ſogar an, daß er
mit unverholener Haſt zum Schluſſe drängte.
In ſein Zimmer zurückgekehrt, ſchritt er, immer wieder nach
der Uhr ſehend, raſtlos auf und ab. Kleine Veruntreuungen
und geringfügige Rezeptdiebſtähle kamen ja manchmal vor. Aber
dies waren Sachen von allergrößter Wichtigkeit; ein Bekannt=
werden
bei der Konkurrenz konnte unabfehbare Folgen haben.
Endlich das Telephon! Im Nu war er am Apparat, hörte
nur das eine Wort: Gelungen! Aufatmend legte er den Hörer
hin. Aber noch eine volle Stunde mußte er warten, bis Dr.
Wolff erſchien, um ihm Bericht zu erſtatten.
Deſſen Augen leuchteten. Wir haben das ganze Neſt aus=
gehoben
. Wieder hat ſich alles bewahrheitet, was unſer Anony=
mus
ſchrieb. Alle, außer dem Meiſter Lehmann, geſtanden auf
dem Fleck. Die Ueberrumpelung war dabei wieder ein wich=
tiges
Moment. Lehmann wollte leugnen, mußte aber bei einer
Konfrontation ebenfalls klein beigeben.
Wer iſt dieſer Bernharo, in dem ich den Spiritus rector
vermute? fragte Kampendonk.
Geborener Engländer; lebt aber ſchon ſeit dem Kriege
dauernd in Deutſchland. Näheres war bisher nicht rauszube=
kommen
, doch macht er den Eindruck eines gebildeten Mannes.
Ueber ſeinen Auftraggeber verweigert er jede Auskunft.
Kampendonk runzelte die Stirn. Ueber den Auftraggeber
müſſen wir uns unbedingt Gewißheit verſchaffen. Es iſt von
größter Bedeutung für uns.
Natürlich, Herr Geheimrat. Ich werde mein möglichſtes
tun. Habe ſchon ſtrengſte Poſtüberwachung angeordnet.
Trotz aller Vorſichtsmaßregeln war es nicht zu vermeiden,
daß von den beiden Spionagefällen einiges in die Werke drang.
Die Fama wollte ſogar wiſſen, daß ein hochbezahlter Kriminal=
beamter
engagiert ſei, der nur Kampendonk allein bekannt war.

(10271

Eine ſtille Villenſtraße in Rieba. Nur wenige elektriſche
Lampen erhellten ſie notdürftig.
Johanna Terlinden kam vom Beſuch einer Freundin. Es
war ſpäter geworden, als ſie gedacht. Eilig ſchritt ſie dem ent=
fernten
Autohalteplatz zu. Plötzlich ſah ſie einen einzelnen
Herrn im Schatten der Alleebäume wie wartend vor ſich her=
gehen
. Näher gekommen, ſchrak ſie zuſammen. War das nicht
Fortuyn? Ihr Herz klopfte ſtärker. Ohne oringende Veran=
laſſung
würde der ſie nicht in ſolch heikle Lage bringen. Was
lag da vor? Die letzten Schritte faſt laufend, ſtand ſie neben
ihm, rief ihn an: Walter!
Er drehte ſich beim Klang der Stimme haſtig um. Johanna
du?
In froher Ueberraſchung ſchlang er den Arm um ſie. Einen
Augenblick ruhte ſie an ſeiner Bruſt, dann machte ſie ſich haſtig
frei. Wie kommſt du hierher? Du warteſt auf jemand?
Die Freude über das unverhoffte Wiederſehen trieb ihm den
Schalk in den Nacken. Richtig geraten, Johanna: ich warte.
auf jemand.
Wohl als Ritter Toggenburg? verſuchte ſie zu ſcherzen.
Wieder richtig geraten, Johanna! Ich harre ſchon ſeit
einiger Zeit vergeblich auf das Erſcheinen einer jungen Dame.
(Fortſetzung folgt.)

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Seite 24

Sonntag, den 5. Juli 1931

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Rummer 184

Sonntag, den 5. Juli 1931

Seite 25

Die Sk. Skephanikirche in Bremen.

Die St. Stephanikirche in Bremen
wurde durch ein Rieſenfeuer heimgeſucht, das den Turm und das Dach völlig zerſtörte.

von der Kieler woche.

Die 6=Meter=Klaſſe hart am Wind.
Die traditionelle Kieler Woche hat begonnen. Die Meldeliſte weiſt nicht weniger als 99 teil=
nehmende
Boote aller Klaſſen auf.

Mailands neuer Haupkbahnhof in Bekrieb genommen.

Der neue Mailänder Rieſenbahnhof,
einer der größten in Europa, iſt ſoeben feierlich eingeweiht worden. Unſer Bild zeigt die Faſſade
des Empfangsgebäudes. Dahinter liegen die großen Eiſenkonſtruktionen der Hallen.
Englands modernſte Kreuzer beſuchen den Kieler Hafen.

Der engliſche geſchützte Kreuzer Dorſetſhire‟
und ſein Schweſterſchiff Norfolk (10 600 Tonnen, in Dienſt geſtellt 1930), Englands modernſte
Kriegsſchiffe, ſind am 4. Juli zu einem offiziellen Beſuch im Kieler Hafen eingetroffen und werden
dort bis zum 11. Juli bleiben.

Reich und Ausland.
Beim verſuchten Scheckſchwindel feſtgenommen.
Frankfurt a. M. Nachmittags erſchien
bei der Depoſitenkaſſe der Darmſtädter= und Na=
tionalbank
, in der Kaiſerſtraße, ein Mann, der
nur engliſch konnte und in der Hand ausländiſche
Zeitungen trug. Er legte am Schalter zwei
Trapellerſchecks der Amerika=Expreß=Company in
Höhe von je 20 Dollar vor und erbat den Gegen=
wert
in deutſchen Reichsmark. Gewitzigt durch
die vielen Scheckbetrügereien beſahen ſich die
Bankbeamten die Schecks eingehend und mußten
feſtſtellen, daß die Schecks geſperrt waren. Durch
das längere Warten wurde der angebliche Eng=
länder
wohl aufmerkſam. Er gab durch die Tür
Zeichen und verließ das Haus langſamen Schrit=
tes
. Schnell entſchloſſen liefen ihm die Bank=
beamten
nach und veranlaßten ſeine Feſtnahme.
In ſeinem Beſitz wurde noch ein Scheckbuch mit
mehreren Schecks über 20 und 50 Dollar auf die
gleiche Bank vorgefunden. Bei dem Feſtgenom=
menen
handelt es ſich um den Marineingenieur
Richard Hofmann aus Bukareſt. Der auf der
Straße wartende Komplize konnte leider nicht
ergriffen werden. Die beiden Betrüger waren
erſt aus Wiesbaden zugereiſt. Sie haben bei
kleineren Bankfirmen in Mainz und Wiesbaden
die gleichen Betrugsmanöver verübt, wobei ihnen
1600 RM. in die Hände fielen. Die Traveller=
Schecks ſollen aus einem auf der Eiſenbahn be=
gangenen
Taſchendiebſtahl herrühren, der ent=
weder
in London oder in Frankreich kürzlich be=
gangen
worden iſt.
Ein Großbetrüger ſtellt ſich ſelbſt.
Limburg. Am Donnerstag erſchien auf
der Polizeiwache in Limburg ein 50jähriger
Mann und erklärte, daß er ſich ſelbſt den Behör=
den
ſtellen wolle. Er ſei von verſchiedenen
Staatsanwaltſchaften ſeit langer Zeit geſucht
und habe inzwiſchen eine große Anzahl Betrü=
gereien
verübt. Die Beamten ſtanden dieſen Er=
klärungen
zunächſt ſkeptiſch gegenüber; es ſtellte
ſich aber bald nach näherer Nachprüfung heraus,
daß die Angaben zutreffen, und daß der Mann
es handelt ſich um einen gewiſſen Karl Lud=
wig
, geb, am 22. Februar 1875, in Langsdorf in
Oberheſſen , tatſächlich ein großes Sünden=
regiſter
aufzuweiſen hat. Ludwig hat in der Um=
gebung
von Frankfurt ſowie in Wiesbaden,
Mainz uſw. eine große Anzahl Geſchäftsleute be=
trogen
. Er gab ſich bei ihnen als Einkäufer für
Kantinen und ſonſtige Einrichtungen aus und
beſtellte in zahlreichen Lebensmittelgeſchäften
größere Poſten von Fleiſch, Wurſt, Käſe, Rauch=
waren
uſw. Die Waren, die er ſich ſofort zuſen=
den
ließ, verkaufte er umgehend wieder weit un=
ter
Preis. Im Weſterwald gelang es ihm, bei
einem Bauer, einige Waggon Kartoffeln her=
auszuholen
. Wenn es ans Bezahlen ging, machte
Ludwig Ausflüchte über ſchlechte: Qualität der
Waren oder gab ungedeckte Schecks. Als ihm die
Situation ſchließlich zu brenzlich wurde, zog er
es auf Anraten ſeiner Frau vor, ſich den Poli=
zeibehörden
zu ſtellen. Dieſe haben ihn in Haft
genommen.
Rekordleiſtung
eines oſtpreußiſchen Schüßen.

Der Oberlandjäger Arthur Pauly

tellte bei einem Schießwettbewerb in Röſchken
Oſtpr.) einen faſt unglaublichen Rekord auf.
2X2 15 Schuß ſchoß Pauly nicht weniger als
171 Ringe von 180 möglichen.

Im Rhein ertrunken.
Ba. Wiesbaden. Im Schierſteiner Strand=
bad
hatte der 31 Jahre alte Sohn des Schrei=
nermeiſters
Graubner, aus Wiesbaden ſich zu
weit in den offenen Rhein gewagt. Anſchei=
nend
war Graubner dieſer Anſtrengung nicht
gewachſen, denn er verſank plötzlich in den Flu=
ten
. Trotz eifrigen Suchens konnte er nicht mehr
gerettet werden, auch die Leiche iſt noch nicht
geländet.
Der Todesſturz vom Baum.
Ba. Wiesbaden. Auf der Idſteiner
Straße, am Bahnholz, entfernte der 30 Jahre
alte Arbeiter Karl,Hirſch von einem Kaſtanien=
baum
einige Aeſte. Plötzlich verlor Hirſch den
Halt und ſtürzte mit einem Aſt kopfüber aus
etwa 3 bis 4 Meter Höhe zu Boden. Das Sani=
tätsauto
brachte den Verunglückten mit einem
Schädelbruch ins Städt. Krankenhaus, wo er
kurz nach ſeiner Einlieferung an den Folgen des
Unfalles verſtarb.
Warnung vor zu raſcher Abkühlung
beim Baden.
Rheingönnheim. Die 13jährige Toch=
ter
des Fabrikarbeiters Philipp Wittemann in
Neuhofen wollte dieſer Tage im Rhein baden.
Beim Betreten des Waſſers trug ſie eine Läh=
mung
der linken Körperſeite davon. Das Mäd=
chen
wurde ſofort nach Hauſe gebracht, wo es
nach wenigen Stunden ſtarb. Der Arzt ſtellte
feſt, daß durch zu raſche Abkühlung eine Blut=
ſtockung
eingetreten war.
Ein Fall von echter Lepra.
Königsberg. In die mediziniſche Uni=
verſitätsklinik
wurde vorgeſtern ein Arbeiter un=
ter
Lepraverdacht eingeliefert. Nach Mittei=
lung
von zuſtändiger Stelle hat ſich der Verdacht

beſtätigt. Der Kranke iſt iſoliert worden,

Ein Ladenkaſſenräuber bei der Tat überraſcht
und erſchoſſen.
Recklinghauſen. Ein Handwerksburſche
hatte geſtern morgen den Verſuch gemacht, die
Kaſſe einer Schankwirtſchaft auszuplündern,
wurde aber dabei durch die Wirtin geſtört. Auf
ihre Hilferufe eilten ihr 29jähriger Sohn und
ihre Tochter herbei, worauf der Einbrecher auf
ſeinem Fahrrad die Flucht ergriff. Vor der Tür
ſandte ihm der Wirtsſohn eine Kugel nach, die
den Flüchtenden ſo unglücklich am Kopfe traf,
daß der Tod ſofort eintrat. Die Ermittlungen
der Mordkommiſſion ſind noch nicht abgeſchloſſen.
Der Tote iſt ein ſchweizeriſcher Staatsangehö=
riger
mit Namen Johann Fuege; er iſt 28 Jahre
alt und hat ſich bisher wohnungslos umherge=
trieben
.
Schwerer Unglücksfall in einem Kalibergbau.
Drei Tote.
Nordhauſen. In dem Kalibergwerk
Obergebra bei Bleicherode reeignete ſich geſtern
vormittag ein ſchweres Unglück. Vier Bergleute
wurden von größeren Steinmaſſen begraben.
Zwei Steiger und ein junger Hauer waren ſo=
fort
tot, ein vierter Bergmann wurde ſchwer
verletzt ins Krankenhaus gebracht.
Großer Waldbrand bei Peitz.
Peitz. In den Nachmittagsſtunden des
Freitags entſtand in dem Staatsforſt Peitz, un=
weit
der Lieberoſer Grenze durch Brandſtiftung
ein ſchwerer Waldbrand, dem faſt 450 Morgen
Wald zum Opfer fielen. Das Feuer breitete ſich
ſehr ſchnell aus. Als die Wehren eintrafen, hatte
das Feuer einen ſehr großen Umfang angenom=
men
. Es ſchlug in die Wipfel der geringen
Stangenhölzer und konnte erſt durch Gegenfeuer,
die an mehreren Stellen angelegt wurden, ge=
löſcht
werden. Etwas ſpäter entſtand an anderer
Stelle, ebenfalls durch Brandſtiftung, ein Wald=
brand
, der jedoch gelöſcht werden konnte. Der
Schaden iſt außerordentlich groß.

Ehemalige Kriegsgefangene
beſuchen die Oſtmark.
Um den vom Reiche abgetrennten oſtpreußi=
ſchen
Volksgenoſſen einen Beweis ihrer beſon=
deren
Verbundenheit zu geben, hat die Reichs=
vereinigung
ehem. Kriegsgefangener ihre diesjäh=
rige
Bundestagung nach Allenſtein verlegt.
Eine mit der Tagung verbundene Grenzland=
fahrt
ſoll allen Teilnehmern Gelegenheit zu
einem Studium der für das deutſche Volk un=
tragbaren
Verhältniſſe im Oſten geben. Die
Fahrt beginnt am Mittwoch, den 8. Juli, in
Berlin und führt von Swinemünde aus auf dem
Seewege nach Zoppot, Danzig, Marienburg, und
dann über Stuhm, Marienwerder an die Weich=
ſelgrenze
. Im Rahmen der eigentlichen Bundes=
tagung
am 11. bis 12. Juli in Allenſtein findet
zum 11. Jahrestag der Volksabſtimmung eine
große Grenzlandkundgebung am Abſtimmungs=
denkmal
ſtatt. Am Sonntag, den 12. Juli, wird
im Tannenberg=National=Denkmal die Weihe
eines vom Bildhauer F. Kormis=Frankfurt am
Main entworfenen Kriegsgefangenen=Ehrenmals
erfolgen. Nach einer Dampferfahrt über die
maſuriſchen Seen wird die Tagung am 14. Juli
in Königsberg ihren Abſchluß finden. Die An=
weſenheit
von Delegierten der Kriegsgefangenen=
verbände
in Danzig, Oeſterreich und der Tſche=
choſlowakei
wird von der Schickſalsgemeinſchaft
aller Stämme des geſamtdeutſchen Sprachgebiets
Zeugnis ablegen. Anfragen und Anmeldungen
ſind zu richten an F. Genée, Königsberg i. Oſtpr.,
Steinmetzſtraße 46.
51 Tote bei einem Beduinen=Ueberfall
in Marokko.
Paris. Im ſüdlichen Teil von Marokko
kam es in der Nacht zum Freitag zwiſchen den
Einwohnern eines unter franzöſiſcher Schutze
herrſchaft ſtehenden Dorfes und etwa 60 Be=
duinen
eines noch nicht unterworfenen Stammes
zu einem blutigen Kampf, als die Beduinen in
das Dorf eindrangen und es zu plündern ver=
ſuchten
. Im Verlaufe des Feuergefechts wur=
den
46 der Räubererſchoſſen, während es den
übrigen 14 gelang, die Flucht zu ergreifen. Auf
ſeiten der Angegriffenen ſind 5 Tote, darunter
das Oberhaupt des Dorfes, zu beklagen.
Schweres Zugunglück in Amerika.
25 Verletzte.
New York. Bei Newhaven, im Staate
Connecticut, ſtieß ein New Yorker Schnellzug
mit einem Perſonenzug zuſammen. Der erſte
Wagen des Perſonenzuges, der von der Loko=
motive
eingedrückt wurde, fing ſofort Feuer,
25 Fahrgäſte wurden durch Brandwunden und
Quetſchungen mehr oder minder ſchwer verletzt.
Ulkrakurzwellen
gegen innere Krankheiten.

Der neuerbaute Kurzwellen=Beſtrahler.
In Berlin wurde ein neuer Beſtrahlungs=
apparat
für mediziniſche Zwecke gebaut, der mit
Ultrakurzwellen von 100 Millionen Hertz pro
Sekunde arbeitet. Die 4=Meter=Strahlen durch=
dringen
alle Knochengewebe, ſo daß es jetzt auch
möglich iſt, einzelne erkrankte Hirnpartien ohne
Oeffnung der Schädeldecke zu beſtrahlen.

[ ][  ][ ]

Seite 26

Nummer 184
Sonntag, den 5. Juli 1931

Ttten Aas Taiel deii

Was ein Eichliger Seemann iſt.
(n) Kopenhagen. Was ein richtiger, welterfahrener Seemann
iſt, weiß ſchon was er zu tun hat. Sowohl im nüchternen als auch im
benebelten Zuſtande. Dies beweiſt ſchlagkräftig der Fall des Matroſen
Joſo Falcao, eines portugieſiſchen Seebären. Fall im doppelten Sinne
des Begriffes. Denn erſtens beſchäftigte der Vorfall die Polizei, und
zweitens fiel der wackere Joſo nach einem mehrtägigen Bummel durch
ſämtliche Hafen= und Nichthafenkneipen der Stadt Helſingör vollkom=
men
bewußtlos auf die Straße. Er erlitt eben Alkohol=Schiffbruch und
war nicht mehr imſtande, auch nur eine noch ſo kleine Klippe zu um=
ſchiffen
. Poliziſten fanden die Leiche, die kein Lebenszeichen von ſich
gab und keine Anſtalten machte, aus ihrem Rauſchſchlaf zu erwachen.
Da unterſuchten die Beamten pflichtgemäß, ob nicht vielleicht die Papiere
des Mannes eine Spur vermitteln könnten. Und fanden folgenden Brief
in der Taſche: An den ehrlichen Finder meiner Bierleiche! Du lieber,
guter, ſelbſtloſer Mitmenſch, tu mir doch den Gefallen und befördere
mich an Bord des portugieſiſchen Schoners Almeida, auf daß ich nicht
die Ausfahrt verſäume mein Brot verliere und alſo der Verzweiflung
preisgegeben werde. Der liebe Himmel wird Dir Deine Menſchen=
freundlichkeit
vergelten! Mit heißem Dank Dein ewig dankbarer Joſo
Falcao. Die lieben, guten, ſelbſtloſen Poliziſten von Helſingör taten
dem Scheintoten den erwünſchten Gefallen, um ſo mehr als der Brief in
einwandfreiem Däniſch abgefaßt war. Der Kapitän Joſos, ſelbſt Por=
tugieſe
, der kein Sterbenswort däniſch verſtand, zerbrach ſich nun darüber
den Kopf, durch welches Wunder ſein Matroſe in den Beſitz des däniſchen
Selbſtſteckbriefes gelangte, und ließ die Koffer des Senor Falcao
öffnen. Da kam ein Briefbündel zum Vorſchein etwa vierzehn
Briefe in allen wichtigeren Sprachen der Welt, aber desſelben Inhalts,
alle an den ehrlichen Finder der Alkohol=Leiche gerichtet! Die Briefe
waren ſorgfältig ſortiert, auf daß ſie ihr Eigentümer, der auch nur die
Mutterſprache beherrſchte, ja nicht verwechſele".
Die zwei Erben des Tietbändigers.
Paris. Vor einigen Monaten ereignete ſich in Limoges ein
großes Zirkusunglück. Die drei Löwen des Bändigers Gilbert Pezon
griffen ihren Herrn und Gebieter an und verletzten den Artiſten ſo
ſchwer, daß er nach langem Todeskampf perſchied. Sein einziger Sohn
erbte die wilden Tiere, die Zirkusausrüſtung ſowie den Namen des
Vaters. Dieſer Teil der Erbſchaft, der Name nämlich, war durchaus
nicht zu unterſchätzen. Die Dynaſtie Pezon ſchenkte im Laufe der
letzten Jahrzehnte der Welt ſo manchen famoſen Tierbändiger und hatte

ein Pezonſcher Thronanwärter vorhanden ſei, der ebenfalls geſteigerten
Wert auf die Führung des bekannten Namens legt. Ein wildfremder
Berufskollege, den der junge Pezon gar nicht perſönlich kannte, der jedoch
felſenfeſt behauptete, den Familiennamen zu Recht zu führen. Er habe
ſich dieſes Recht in aller Form erkauft, und zwar vom alten Tierbändiger
perſönlich. Pezon geriet in der Inflatiynszeit in Schulden, verlor ſeine
Menagerie und friſtete vorübergehend in Chalon ſur Saon als Bonbon=
verkäufer
ſein Daſein. Da hatte der Kollege die günſtige Gelegenheit
ausgenutzt und den Namen Pezon käuflich erworben. Noch dazu für ein
Butterbrot, für tauſend Papierfranken. Laut Vertrag räumte der Not=
leidende
dem Namenskäufer das uneingeſchränkte Recht ein, ſeinen
Familiennamen nach ſeinem Tode zu gehrauchen; er tat dies in dem ſiche=
ren
Glauben, daß der einzige Sohn mutmaßlich einen bürgerlichen
Beruf ergreifen würde. Dieſer ſtudierte nämlich Jura. Nun war aber
der künftige Rechtsanwalt durch den plötzlichen Tod ſeines alten Herrn
gezwungen, von dem weiteren Beſuch der Hochſchule abzuſehen und ſich
ſchleunigſt nach einem Broterwerb umznſehen. Aus Tradition wählte
er das gefährliche Handwerk ſeiner Ahnen und mußte die bittere Ent=
täuſchung
erleben, nicht, wie erhofft, der Perzon zu ſein. Wie alljähr=
lich
im Mai, wurde in Paris vor dem Porte de Vincennes der größte
Rummel von Frankreich, Fete du Trone genannt, abgehalten, und
Jean Pezon erwartete ein glänzendes Geſchäft. Er war nicht wenig
verwundert, als plötzlich gegenüber ſeiner Tierſchau ein anderer Zirkus
zu arbeiten begann, deſſen Lichtreklame ebenfalls das Auftreten des welt=
berühmten
Tierbändigers Pezon ankündigte. Nun kämpfen rechts Jean
Pezon der Legitime und links Pezon der Namenskäufer nicht nur gegen
wilde Tiere, ſondern gegeneinander. Bis die Gerichte entſcheiden wer=
den
, wer nun der befugte Erbe ſei ..
Die Zeitgenöfſiſche Moral des Monſieur Offenbach

Paris. Während ſich der biedere Jaeques Offenbach nur dar=
auf
beſchränkte, die Auswüchſe ſeines Zeitalters im Zerrſpiegel zu zei=
gen
, gehr jetzt ſein Namensvetter um einen gewaltigen Schritt weiter.
Monſieur Gaſton Offenbach, ein Reſtaurateur in Cannes, hat kürzlich
vor dem erſtaunten Kadi die Grenzen der zeitgenöſſiſchen Moral
ſcharf und eindeutig umriſſen. Seine Gattin lernte im Lokal ihres
eigenen Mannes einen ruſſiſchen Emigranten kennen, verliebte ſich im
Fluge in den ſchneidigen ehemaligen Gardeoffizier und überraſchte ihren
Herrn und Gebieter eines Abends mit der ſchlichten Bitte, er möge die
Güte haben, ſie freizugeben. Ich will deinem Glücke nicht im Wege
ſtehen, ſagte Monſieur Offenbach, machte eine pathetiſche Geſte und

beglüchwünſchte den neugebackenen Bräutigam ſeiner Frau zu deſſen
Wahl. Sie iſt eine Perle von Ehefrau beteuerte der Gatte und trank
eine Flaſche Sekt nach der anderen auf das Wohl des jungen Paares,
Warum ſollte er auch nicht? Er war ein Anhänger der ſogenannten
neuen Sachlichkeit, und außerdem tranken die Brautleute ſeinen
Sekt . . . Einige Zeit ſpäter feierten der Ruſſe und Frau Offenbach
in engem Freundeskreiſe ſogar offizielle Verlobung. Selbſtverſtändlich
ließ es ſich der Gatte auf keinen Fall nehmen, auch an dieſer intimen
Familienfeier teilzunehmen, wiewohl die Scheidung noch keine Woche
ausgeſprochen war. Nach zwei weiteren Wochen gelangte denn Madame
zur traurigen Erkenntnis, daß das Vermögen ihres Zukünftigen, wenn
auch nicht im Monde, ſo doch zumindeſt im ebenſo unerreichbaren Sowjet=
lande
liege. Daraufhin machte ſie dem Gardeoffizier a. D. derart unan=
genehme
Auftritte, daß dieſer ſich bewogen fühlte, die kaum getätigte
Verlobung zu löſen. Da meinte Meiſter Offenbach, ſeine Verfloſſene
könne getroſt zu ihm zurückkehren. Und alſo geſchah es denn auch: die
geſchiedene Frau Offenbach wurde zum zweiten Male Madame Offen=
bach
. Und ihr Gatte ſtrengte prompt einen Schadenerſatzprozeß gegen
den Ruſſen an wegen uneingelöſten Eheverſprechens! Der Verteidiger
des Bräutigams von Madame bemerkte hierzu, daß eine ſolche Forde=
rung
im ſchroffſten Gegenſatz zu den landläufigen Moralbegriffen ſtünde.
Da proteſtierte aber Offenbach II. ganz energiſch gegen dieſe Beleidi=
gung
Mag ſein, daß man eine ſolche Forderung früher einmal als
unmoraliſch bezeichnet hätte. Doch im Sinne der zeitgenöſſiſchen fran=
zöſiſchen
Moralanſchauung dürfte ſo etwas durchaus zuläſſig ſein!
Die Richter bekannten ſich komiſcherweiſe zu dieſer Auffaſſung, und ſo
haben ſie endlich einmal dokumentariſch feſtgehalten, wie es um die zei= Moral der grande Nation tatſächlich beſtellt iſt!!!
Amerika bekommk eine Nakionalhymne.
(a) New York. In dem ſogenannten zweiten amerikaniſch= eng=
liſchen
Kriege bombardierten engliſche Kriegsſchiffe anno 1814 Hafen und
Stadt Baltimore (Maryland). Der einheimiſche Rechtsanwalt Francis
Scott Key wurde als Parlamentär zu dem engliſchen Admiral geſchickt.
Während der Verhandlung begannen die Engländer mit dem Bom=
bardement
, und Key war an Bord des feindlichen Schiffes Augen= und
Ohrenzeuge des hölliſchen Schauſpiels. Er zitterte natürlich für ſeine
Landsleute und betete die ganze Nacht für den Sieg des Sternbanners.
Gegen Morgengrauen wurde ſodann die Sternflagge gehißt und ver=
kündet
, daß Baltimore, wenn auch faſt vollkommen zerſtört, dem Angriff
ſtandgehalten hatte. Miſter Key wurde in aller Eile ausgebobtet, und
die engliſche Flotte rüſtete zur Abfahrt. Unter den Eindrücken der
furchtbaren Nacht ſchrieb Key das Star=Spangled=Banner=Lied, das
ſeit dieſer Zeit ſozuſagen als amerikaniſches Nationallied weiterlebte,
ohne etwa die offizielle Nationalhymne der Vereinigten Staaten zu ſein.
Jetzt wird laut Senatsbeſchluß Hoovers Unterſchrift das unter ſp inter=
eſſanten
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Nummer 184

Sonntag, den 5. Juli 1931

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Tilman Niemenſchneider
Zum 4oo. Todestage des großen Würzburger Meiſters am 7. Zult 1931

Kopf vom Scherbenberg=Grabmal im Dom
zu Würzburg

iſt geradezu erſtaunlich, daß es zu ſeinen
Lebzeiten zumindeſt in ganz Franken außer
ihm keinen Plaſtiker gegeben zu haben
ſcheint. Alle fränkiſchen Bildwerke dieſer
Seit ſehen aus wie von ihm obgleich es
doch ganz unmöglich iſt, daß alle dieſe Män=
ner
durch ſeine Schule und Werkſtatt ge=
gangen
ſein können. Sein Einfluß war ſo
überragend, ſeine Geſtalt, ſeine Kunſt ſo
groß, daß neben ihm eine andere Indivi=
dualität
ſich nicht halten oder entwickeln
komte.
Dabei iſt Niemenſchneider nicht einmal
Franke. Der um 1460 Geborene kam erſt
1485 nach Würzburg, wo er zwei Jahre
ſpäter Meiſter wurde. Bis 1525 lebte er
dann als überaus angeſehener und wohl=
habender
Mann in dieſer wunderlich unein=
heitlichen
, geiſtig und ſeeliſch durch tiefſte
Klüfte auseinandergeſpaltenen Stadt bis
zu ſeinem fürchterlichen Suſammenſtoß mit.
der Gewalt des Staates und des geltenden
Herrenrechts: er hatte ſich auf die Seite der
aufſtändiſchen Bauern geſchlagen, war einer
ihrer Natsherren geworden, wurde gefan=
gen
, gefoltert und mit dem Cod bedroht, der
ihn ſicherlich ereilt hätte, wenn nicht ſeine
Bildniſſe für ihn gebeten hätten. Den

Die Literaturwillenſchaft einer älteren
Generation hat es geliebt, zu behaupten, daß
die deutſche Kunſt, die deutſche Dichtung in
einer Wellenlinie verlaufe, deren Höhen und
Ciefen um je etwa 300 Jahre auseinander=
lägen
Höhepunkte um 600, 1200, 1800,
Ciefpunkte um 980, 1500. Sie ſchloß dar-
aus
, daß es um das künſtleriſche Deutſchtum
in jenen Seiten nicht eben wohl beſtellt ge-
weſen
ſei, der deutſche Geiſt müſſe damals
eiigermaßen ermüdet und ſchläfrig geweſen
ſein.
Das trifft zu, wem man anmimmt, daß ſich
der deutſche Geiſt immer nur als Dichtung,
Philoſophie ode: Muſik manifeſtierte. Dann
iſt tatſächlich die Epoche, in der Goethe,
Hegel, Schubert, Beethoven, Jean Paul
ſchufen, unendlich überlegen jener um 1500.
Aber die Generation, die man um 1530 zu
Grabe trug, war nicht ſchlechter als die, die
um 1830 ſich dem Code zuneigte. Dürer,
Grünewald, die beiden Peter Viſcher,
Burkmair, Niemenſchneider, Stoß auch
dieſe Generation kann ſich ſehen laſſen, und
es iſt zu glauben, daß ſie im Weſen und
Werden des deutſchen Geiſtes keine gerin=
gere
Volle geſpielt hat als jene um 300
Jahre jüngere.
Es hat ſich gezeigt, daß nach dem Code
dieſer eminenten Künſtlergenerationen die
deutſche Kunſt in eine große Kriſe geriet
(ähnlich der, die die Literatur nach dem Weg=
ſterben
der Klaſſiker um 1830 durchzumachen
hatte), in eine Kriſe, die nicht einfach durch
das Naturereignis des Hinſchwindens aller
dieſer Männer zu erklären war, ſondern
ebenſoſehr daraus, daß ſich die Kunſt eine
neue Baſis ſuchen mußte. Was vor allem
die Größten jener Seit geſchaffen hatten,
war aus einem ganz reinen, ganz ſtarken und
ganz urſprünglichen Gefühl der Neligioſität
gequollen nun untergrub die Reformation
dieſe einfache Gläubigkeit, die Kunſt wan=
delte
ſich ins Geſellſchaftliche, Propagandi=
ſtiſche
, Profane, Formale, Perſönliche. Jene
großen Meiſter ſind in gewiſſem Sinne Letzte
geweſen in ihnen, in ihrer Kunſt ver=
klärte
ſich noch einmal das primitive, ſimple
und darum ſo ſtarke Gottgefühl, das aus
ſeiner Einheitlichkeit und Ungebrochenheit
das ganze Mittelalter geſpeiſt hatte und
gerade darum haftet ihren Schöpfungen ein
wundervoller, einzigartiger Schmelz an, eine
rührende Innerlichkeit, ein unbewußtes letz=
tes
Aufſchwingen, das hinreißen muß und ſie
zu einem der wenigen ganz großen Kollek=
tive
in der Geſchichte des menſchlichen Gei=
ſtes
macht.
Wie Dürer dieſe Epoche in der Graphik,
wie Peter Viſcher ſie als Erzgießer über=
haupt
hat, ſo Cilman Niemenſchneider als
Plaſtiker, beſonders als Bildſchnitzer. Es

Mann malt. Dieſer Johannes, fern von
jener Süße, die ihm etwa die italieniſchen
Maler ſtets zu leihen pflegen, iſt es der Kopf
eines Fertigen? Iſt es nicht ſo, daß ſich
unter den noch glatten Linien des Geſichts,
in dem ſchmalen, ſtreng geſchloſſenen Mund
bereits die Male und Marken des Alters,
der eigentlichen Vollendung verborgen hal=
ten
, die jener andere Kopf mit ſeinen Fur=
chen
, Linien, Nunzeln ſo prachtvoll, ja ge=
radezu
prunkhaft zeigt und mit Feierlichkeit,
Bewußtheit und äußerſter Würde trägt.
Gelernt mag Niemenſchneider in Schwa-
ben
haben, etwa an der Seite des Blau=
beurer
Meiſters. Geſchaffen hat er ſein
Leben lang in Würzburg und dennoch iſt
er nie ganz Süddeutſcher geworden. Wohl
iſt ſeine Paſſiwität ſüddeutſch, ſeine feine,
trübe, müde und herbe Süße, die Madonnen=
kinder
ſchafft, die an einer angeborenen
Wohlerzogenheit leiden. Und doch das
andere Blut verleugnet ſich nicht, ſtets iſt es
zu ſpüren, daß kein geborener Franke hier
am Werk iſt, ſondern ein gewordener. Er
kam von Mitteldeutſchland, vom Harz, von
Oſterode. Und dort iſt manches, etwa m Hil=
desheim
und Halberſtadt, was ſeinem tiefſten
Weſen näher ſtehen mag trotz aller Ab=
weichung
im Stil, im Formalen , als vieles
aus Franken und Schwaben, ſeiner Lehrſtatt
und Wahlhemat.
Wie wundervoll Niemenſchneider nicht
wr ſein Handwerk beherrſcht, ſondern wie
er ſein Material ztiefſt verſtanden hat,
zeigen die beiden Altäre von Creglingen und
Bibra. Der Verzicht auf Farbe ein
immerhin nicht leichtes für einen Holz=
ſchnitzer
hat nicht Verarmung, ſondern im
Gegenteil,Bereicherung des Maleriſchen zur
Folge. Das Licht färbt dieſe Figuren ſchöner
als jede Farbe, es könnte es hebt die
Limien heraus, es zeigt, daß hier die Plaſtik
ſchon faſt zur Malerei geworden iſt m der
reliefartigen Weiſe, in der ſie behandelt iſt.
In der großen Form dieſer Siguren iſt ſchon
alles erreicht und vorweggenommen, was an
Feinheit von den nachfolgenden Kleinmeiſtern
des Buchsbaums und des Alabaſters, der
Statuette und Plakette ſpäterhin erreicht
werden konnte.
Freilich entbehren alle dieſe Schöpfungen
jener aktiven Kraft, die etwa die Werke
Kraffts und Viſchers auszeichnet. Aber ſie
iſt ja auch ſelten genug geworden in der ſpät=
gotiſchen
Seit und mehr als erſetzt hat ſie
der Würzburger Meiſter durch den ſchwer=
mütigen
Hauber ſeiner Figuren, durch das
milde Spiel ihrer Oberflächlichkeiten, ihren
Ausdruck rührender Innigkeit, in der ſtets
etwas wie ein feines, leiſes Weinen iſt.
Daß Niemenſchneider in ſeiner ganzen
Schönheit und Bedeutendheit erſt ſeit kurzem
wieder erkannt, endeckt und gewürdigt iſt, iſt
im höchſten Grade typiſch für unſere Seit
vorhergehenden. Adam Krafft. Peter
Viſcher, dieſe Männer des Erzguſſes, der

Kopf des Johanues
aus dem Hochaltar zu Creglingen

Mittelſchrein des Verkündigungsaltars
in der Pfarrkirche zu Bibra
Schöpfer aber der Altäre von Nothenburg,
Creglingen und des Caubergrundes tötete
man doch nicht. Sicherlich hat dieſe Seit der
Angſt und Not Niemenſchneider ſchwer ge=
ſchädigt
überlebt hat er ſie jodenfalls
nicht lange. Am 7. Juli 155), ſechs Jahre
ſpäter, ging der Greis in die ewige Unſterb=
lichkeit
ein, die ihm ſeine Werke bereitet
hatten.
In dieſen Werken hat ſich die deutſche
Gotik, jene zauberhafteſte aller Manifeſta=
tionen
der Kunſt, das letzte, ſchönſte Denk=
mal
geſchaffen. Alles, was ſie vorher m
brauſender Kraft, in jugendlicher Friſche ge=
geben
hatte, hier iſt es noch einmal erſchie=
nen
, in gewandelter, älterer, doch nicht
minder reizvoller Geſtalt. Es iſt von tiefer
Symbolik, wenn ſich für Niemenſchneider der
Mann als Greis eigentlich vollendet alle
ſeine Siguren haben dieſen Sug um den
Mund, der von unjugendlichem Wiſſen um
die Seit, die Welt und ihre Dinge ſpricht.
Selbſt ſeine wundervolle Eva, dieſer ſchmale,
zierliche, kindjunge Körper, dieſes ganz ein=
ſache
und primitive Da=Sein ſelbſt ſeine
Eva iſt ſo: der kleine, zaghafte Mund ſpricht
ebenſo von dieſer Suende=Stimmung wie der
asketiſche, unjunge Jüngli gskopf des Jo=
hannes
vom Hochaltar zu Creglingen und der
wunderbare Schädel vom Grabmal Nudol)
von Scherbenbergs.
In dieſen beiden Köpfen iſt ganz deutlich,
wie ſich in Niemenſchneider eigentlich der

verhalten und offen zur Schau getragenen
Kraft und Nobuſtheit, mußten emer Seit
beſſer anſtehen, die ſo viel auf äußere und

Eva
äußerliche Wirkungung gab wie die frühere
(ohne indeſſen behaupten zu wollen, daß
ſolche und keine anderen Wirkungen von
beiden Erzgießern ausgingen). Die viel in=
timere
, ein bißchen weibliche und überfeinerte
Kultur des Cilman Niemenſchneider kommt
erſt heute wieder recht zur Geltung, da die
Seit (les extremes se touchent) härterer,
bitterer, robuſter geworden iſt als früher.
Die großen Verſteigerungen der letzten
und den Unterſchied zwiſchen ihr und der Jahre haben bewieſen, daß nicht wr die
Kunſtwiſſenſchaft, ſondern auch der inter=
nationale
Kunſthandel, der heute ja in erſter
Linie von Amerika und den verbündeten
engliſchen und holländiſchen Händlern dik=
tiert
wird, ſein Augenmerk auf dieſe Aera
der deutſchen Kunſt gelenkt hat. Und wenn
man die herrlichen Werke betrachtet, die alle
dieſe Meiſter der Wende des 14. Jahrhun=
derts
geſchaffen haben, kam man dieſe
Wünſche ſehr wohl verſtehen. Um ſo mehr
hat man die Pflicht, ein bißchen aufmerk=
ſamer
zu ſein, als man es bisher war.
Es iſt noch nicht lange her, daß ein nord=
deutſches
Muſeum verſuchte, ein ganz großes
Meiſterwerk, das in ſeinem Beſitz war, ms
Ausland zu verkaufen, und nur dem ſtrikten
Ausfuhrverbot, das infolge des Geſetzes für
Denkmalsſchutz erlaſſen werden konnte, iſt es
zu danken, daß dieſe Verſchleuderung deut=
ſchen
Kulturgutes unterblieb. Nur durch
einen glücklichen Sufall iſt das Germaniſche
Muſeum in Nürnberg durch Rückkauf aus
dem Ausland in den Beſitz eines nicht minder
koſtbaren Bildwerks gelangt, das ein bage=
riſches
Bistum während der Inflationsjahre
dorthin verkauft hatte. Das ſind nur zwei
Beiſpiele, wie bedroht heutezutage in
Deutſchland die großen Kunſtwerke ſind, wie
außerordentlich die Lockungen des ausländi=
ſchen
Kunſtkapitals. Und es iſt darum außer=
ordentlich
notwendig, darüber zu wachen, daß
dieſes unerſetzliche Gut Deutſchland erhalten
bleibe, auch dort, wo es nicht Beſitz des
Reiches oder der Länder iſt.
Hans Nabl.

Innnnnnannnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnannnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnngennnn!

[ ][  ][ ]

merhin beſſer ein Geſchäft, in dem die Konjunktur einmal kom=
men
muß, als eins, in dem der Betrieb immer flau iſt (und wo
außer bei der Eisfabrikation, iſt das heute nicht der Fall?).

Sommer Sonne, nach der man ſich noch ein paar Wochen
vorher die Augen ausſah, ſtrahlt in unerträglicher Kraft vom
Himmel weit und breit nichts, was Kühlung verſchaffen
kömnte Segen der modernen Cechnik, die wenigſtens ein
bißchen hilft, weil ſie das Paradoxon fertigbringt, mitten im
Sommer, mitten in der Somenglut Eis herbeizuzaubern.
Früher hat man ſich geholfen, indem man im Winter das Eis
der Slüſſe und Seen aushieb, in doppelwandige, durch Kork oder

Eismaſchine
Corfmull iſolierte Keller und Schuppen tat und dann, wenn man
es am dringendſten brauchte, hervorholte. Es konnte da ruhig
durch Wochen oder Monate lagern, ohne weſentlich an Schmelz=
waſſer
zu verlieren. Aber der Neuzeit genügt dieſes Eis in kei=
ner
Weiſe mehr. Sunächſt reicht die Menge, die man verfügbar
machen kann, indem man auf den Seen eiſt, nicht mehr für die
moderne Großſtadt mit ihren ungeheuerlichen Bedürfniſſen aus.
Ein paar Jahre lang half man ſich damit, indem man aus Schwe=
den
Eis importierte Schweden kam auf dieſe Weiſe unverhofft
zu einem neuen Exporthandelszweig , aber auch das langte auf
die Dauer nicht. Und außerdem iſt dieſes Natureis niemals
keimfrei, es genügt den Bedürfniſſen und Anforderungen der
neuzeitlichen Hugiene in keiner Weiſe.
So mußte die Cechnik in die Breſche ſpringen, und wie im=
mer
, wenn man es von ihr verlangte, ſprang ſie auch. Sie ſchuf
die modernen Eismaſchinen, die durch höchſt liſtige und ver=
ſchmitzte
Anwendung von eigentlich reichlich gegenſätzlichen
Naturgeſetzen, mitten im Sommer, unter glühheißen Dächern,
Polarkälte ſchaffen und Eis aus dem Nichts hervorzaubern.
Die Geſchichte iſt eigentlich ganz einfach (wie alles in der
Cechnik ganz einfach iſt nur muß die Sache erſt einmal er=

funden werden): bekanntlich hat ein gasförmiger Körper die
Eigenſchaft, ſich bei ſeiner Ausdehnung abzukühlen, bei ſeiner
Suſammenpreſſung zu erhitzen. Von dieſem phuſikaliſchen Geſetz
gehen alle Konſtruktionen von Eismaſchinen aus. Meiſt ſpielt
ſich der mechaniſche Vorgang dann ſo ab, daß Ammoniak, Schwe=
feläther
oder ähnliche Gaſe einen Kreislaufprozeß durchmachen.
Das heißt, man jagt ſie durch verſchiedene Nöhrenſyſteme, wobei
man ſie durch mechaniſche Arbeit einmal ausdehnt und damit
abkühlt, einmal wieder komprimiert
und erhitzt, je nachdem, wie man ſie
haben will, bis man ſie zum Schluß
wieder in ihr Anfangsſtadium ver=
ſetzt
und endlich von vorn anfängt.
Dabei nehmen die betreffenden
Gaſe höhere und tiefere Cempera=
turen
und Drucke an und treten mit
verſchiedenen Körpern in Berüh=
rung
, wodurch ein dauernder
Wärmeaustauſch ſtattfindet. Wenn
das Gas ſich auf ſeiner tiefſten
Cemperaturſtufe befindet, wird es
mit dem abzukühlenden Körper, in
unſerem Fall alſo mit keimfreiem
Waſſer, zuſammengebracht und übt
darauf ſeine Wirkung aus, indem
es ihm ſeme Wärme oder doch
wenigſtens einen Ceil von ihr ent=
zieht
. Es iſt, wie geſagt, ganz ein=
fach
nur muß es erſt einmal
jemand einfallen (hier übrigens war
es der Chemiker Linde, dem die
Sache einfiel).
und wer es verbraucht, das wiſſen
wir ja wir alle. Allein Berlin
verbraucht im Hochſommer täglich
30 000 Sentner Stangeneis ein
unheimlich großer Bedarf, wenn
man berechnet, daß damit auf einen
einzigen Berliner täglich etwa drei=
viertel
Kilo Eis kommt. Sehn Fa=
briken
arbeiten allein in Berlin an
der Herſtellung dieſer gewaltigen
Menge, die dann, ſoweit nicht die
großen Eiswerke eigene Handels=
organiſationen
beſitzen, durch die
bekannten weißen Wagen der Eis=
händler
vertrieben wird. Wo bleiben da die jämmerlichen
100 000 Sentner Wintereis, die man beſtenfalls früher auf=
ſtapeln
konnte? Nein die Eismaſchine iſt heute längſt kein
Luxusartikel mehr, man braucht ſie genau ſo dringend wie irgend=
einen
anderen lebensnotwendigen Betrieb.
Natürlich iſt die Fabrikation von Eis im höchſten Grad ein
Saiſongeſchäft. Swar wird im Winter auch Kunſteis verbraucht
man iſt ja ſogar ſchon davon abgekommen, im Winter für
den Winter zu eiſen, da die Fabriken billiger arbeiten , aber
immerhin beträgt der Bedarf nur einen verſchwindenden Bruch=
teil
des Sommerkonſums. So iſt wenigſtens hier, in dieſem In=
duſtriezweig
, eine Konjunktur vorhanden, die ſich in jedem, auch
dem ſchlechteſten Jahr, wiederholt, wenigſtens einen Geſchäfts=
zweig
gibt es, der es nicht nötig hat, über die ſchlechten Seiten zu
klagen, ſondern mit dem Produzieren einfach nicht nachkommt.
Allerdings, wie geſagt, es iſt das typiſche Saiſongeſchäft, und
auch ihm kann Petrus einen Strich durch die Rechnung machen,
wemn er Jahre ſchickt, in denen der Sommer und die Hitze abſolut
nicht kommen wollen. Dann ſtehen die Eiswerke da, ſchon längſt
zum Beginn der großen Kampagne gerüſtet und es geht und
geht nicht los. Das iſt die Kehrſeite des Geſchäfts aber im=

Ein Gang durch eine moderne Eisfabrik gehört zu den phan=
So alſo wird Eis gemacht taſtiſchſten Erlebniſſen der Großſtadt mit einem Schritt iſt
man aus der Gluthitze des ſommerlichen Fabrikraums mit ſeinen
30 Grad Wärme in einem anderen, wo Waſſer in einer Sohle
hängt, die immerwährend auf 10 Grad Kälte gehalten wird.
Dieſe Bleizellen ſind es, die 24 Stunden ſpäter das Waſſer in
Form eines blitzenden, erfriſchende Kühle ausſtrahlenden Eis=
blocks
entlaſſen.
Da gehen Maſchinen, Ammoniak dünſtet, Kompreſſoren fau=
chen
und heulen unter der Sommerſonne machen die Menſchen
Eis. Spotten der Natur und ihrer Geſetze, ſchaffen ſich ihren
eigenen Winter, ihren eigenen Nordpol. Moderne Cechnik macht
alles
Die Ledige
im Lichte der Generation.
Von Dr. Alice Salomon.
In meiner Jugend waren alte Mädchen alte Jungfern.
Nicht nur im Urteil unbarmherziger Mitmenſchen, ſondern nach
ihrer Weſensart. Das Leben hatte ſie dazu gemacht.
Eine Dichterin hat damals aus ihrer heimatlichen Provinz=
ſtadt
berichtet, daß ein Mädchen der Bürgerkreiſe drei Winter
tanzen durfte. Wenn ſie es dann nicht geſchafft hatte, mußte ſie
beim Wettbewerb um die heiratsfähigen Männer anderen Platz
machen.
Wie ſah das Leben der Unverheirateten damals aus? Wem
das Elternhaus ſich ſchloß, blieben ſie von Verwandten abhängig.
Sie wurden gedrückt oder ausgenutzt und galten daher allgemein
als unglücklich, vertrocknet, verbittert.
Aus der Frauenbewegung ging eine neue Generation hervor:
ſelbſtändig in frei gewählter Arbeit. Auch für die Unverheiratete
erhielt das Leben Würde. Viele unter dieſen Frauen trugen die
Eigenſchaften von Pionierinnen in ſich oder ein unzerſtörbares
Verlangen nach Wiſſen und Verantwortung.

Roheislager

KAe

Cerzett.
Eine Sommerfriſchengeſchichte.
Von O)ſip Kalenter.
Der Abend kam mit einer zarten, amethyſtenen D.mmerung
über die Terraſſe des Strandhotels. Ein blinder Geiger, wan=
dernd
mit ſeinem Inſ: ment, ſpielte, an das goldene Geländer
gelehnt, eine feine, träumeriſche Muſik. Es gab Seezunge in
S re Mornay, und alle Menſchen taten, als ob ſie keine Sorgen
hätten.
Ein herrlicher Cag! ſagte Profeſſor Lißmann laut in die
linde Abendluft. Ich habe nicht weniger als dreimal gebadet. . ."
Wir waren heute in Stubbenkammer, erklärte Großkauf=
mann
Nandat für ſich, ſeine Frau, ſeine drei wohlerzogenen Kin=
der
und die Bonne, Fräulein Marquerite. Was hat es eigent=
lich
mit dem Klaus Störtebecker auf ſich, der da gehauſt haben
ſoll? wandte er ſich an den dreimal gebadet habenden Profeſſor.
Iſt der authentiſch?"
Indes wurden an den zierlichen Ciſchen der Einzelgänger ſo
zierliche Dinge wie Kunſt, Eleganz, Sport erörtert und Aphoris=
men
über das Leben getauſcht.
Und was taten Sie, Herr Brettle? fragte Gerda Mau, die
Eboli des Stadttheaters in ...
Ich dachte angeſichts des Bankiers Jezower und der Ge=
heimrätin
Winternitz über die Vorzüge des Neichtums nach
antwortete der Maler Baptiſt Brettle, der vorläufig noch keine
Möglichkeit ſah, die Hotelrechnung zu begleichen.
Der blinde Geiger war in ſeiner feinen, träumeriſchen Muſik
ſoeben auf einer langen, ſehnſüchtigen Fermate angelangt, als
drei neu Angekommene die Cerraſſe betraten: ein Mann in mitt=
leren
Jahren, mit breiten Schultern, maſſivem Kopf, weltmänniſch
gelaſſenen Bewegungen, ein nicht minder eleganter, doch un=
gleich
jüngerer Mann, Cyp Menſou, und eine überaus ſchöne
junge Frau, deren zarte und ſtrenge Anmut ihresgleichen nur
noch auf Bildern Ghirlandaios fand. Dieſe Meinung äußerte
wenigſtens ſpäter Herr Brettle.
Bei ihrem Erſcheinen ſagte Herr Brettle weiter nichts als:
Die Senſation der Saiſon..."
Ein vornehmer und melancholiſcher Kellner placierte die drei
zwiſchen Nandats und Frau und Fräulein Sedlmeur. Frau
Sedlmeyr war dadurch in der Lage, noch am ſelben Abend zur
Diskuſſion zu ſtellen, daß die drei untereinander engliſch, mit

dem Kellner jedoch deutſch ſprachen. Und zwar fließend. Sie
ſelber gab ihrer Vermutung dahin Ausdruck, daß es ſich um
Deutſchamerikaner handeln dürfte.
Anders äußerte ſich Gerda May, die Eboli des Stadttheaters
in. . . Sie liebte es, dadurch zu verblüffen, daß ſie offen aus=
ſprach
, was die anderen insgeheim nicht einmal zu denken wag=
ten
, und ſagte in einem Jargon, den ſie ſich beſonders für ſolche
Fälle geſchaffen hatte:
Wer iſt nun welcher?
Wer wird gleich etwas Böſes denken! beſchwichtigte ſie
Baptiſt Brettle. (Er war von Karlsruhe und großer Seelen=
güte
.)
In der Cat blieb fürs erſte fraglich, mit welchem ihrer bei=
den
Begleiter die ſchöne junge Frau verheiratet war. Einen
Crauring trug, wie Frau Nandat mit Beſtimmtheit feſtgeſtellt
zu haben glaubte, keiner. Beide waren von ausgeſuchter
Liebenswürdigkeit, der Aeltere gegen die junge Frau von einer
feinen, ſelbſtverſtändlichen Ergebenheit, der Jüngere von einer
Art naiver Fröhlichkeit, die man, wenn auch bedenklich, ſo unter
Umſtänden vielleicht berechtigt fand.
Man kam an dieſem Abend zu keinem befriedigenden Neſultat.
Anderen Cags erfuhr man: die drei waren Graf und Gräfin
Kollofrath, Dresden, und eine gewiſſer Dr. Heude, Arzt.
Mehr als die Namen gelang ſelbſt Frau Sedlmeyr nicht zu
ergründen.
Sie lebten iſoliert, die fragwürdigen drei. Sie hatten, ohne
darum unnatürlich oder beſchränkt zu wirken, ihre beſondere
Atmoſphäre.
Die Gräfin fand man reizend, aber frivol. Den Grafen ſchar=
mant
, aber unvorſichtigt. In der Meinung über den jungen Mann
gab es kein Aber. Er war ein Dandy, nett, gut angezogen,
ſicherlich vermögend und der Medizin befliſſen nur aus Neigung.
Ein hübſcher Burſche, recht den Frauen gefährlich ..." Man
kannte dieſen Cyp.
Sie ſpeiſten zu dritt, ſie badeten zu dritt, ſie machten zu dritt
kleine Ausflüge in ihrem großen, eleganten Automobil (wobei
Dr. Heyde gewöhnlich am Volant ſaß).
Die Gräfin bildete den Geſprächsſtoff der nichts= und ſchön=
tueriſchen
jungen Herren, der erwachſenen Söhne, die mit ihren
Mamas das Hotel bevölkerten, der auf Naub aus ſeienden
Junggeſellen, deren jeder ſich für fähig hielt, die Nolle des Dok=

tors mit ebenſoviel Erfolg zu ſpielen. Kein Mittag, kein Abend
verging, ohne daß ſie, voll Wünſche ſüßer Art, an ihren Lippen
hingen, jedes Wort, das ſie ſprach, zu erhaſchen ſuchten, jeden
Biſſen, den ſie , regiſtrierten. (Und welch rührende Sorgfalt
entwickelte nicht der Graf bei den Speiſen, wie wählte er aus für
ſie, wie atmete alles, was er tat, zarte, innige, achtungsvolle
Liebe!)
Heute lachte ſie fünfmal, ſtellten ihre Bewunderer feſt.
Geſtern lag ſolch ſeltſamer Glanz in ihren Augen, bemerkte
der Maler Brettle fachmänniſch.
Wenn Sie ſie heute morgen auf ihrem Balkon geſehen hätten!
In einem ſilbernen Pyfama, wie ein Cornet von Rilke. . ."
Finden Sie nicht, daß ſie ſich in den wenigen Cagen, die ſie
K
hier iſt, ſchon ganz vorzüglich erholt hat?
Sie wird ſchöner mit jedem Cag.
Man weiß nicht, was noch werden mag, reimte Bankier
Jezower ſkeptiſch.
Doch bei ſo platoniſchen Feſtſtellungen blieb es nicht.
Man ſah die junge Frau morgens im Bade, in einem Crikot
von dunkelbrauner Seide. Und man ſchreckte nicht davor zurück,
die Details ihrer Schönheit in Worte zu faſſen.
Herr Brettle hatte wahrhaft ſybilliſch geſprochen: ſie war die
Senſation der Saiſon.
Bald wurde ſie es über die Maßen. Hatte man die drei bis=
her
unzertrennlich gefunden, ſo konnte man nun beobachten, wie
die Gräfin mehr und mehr die Geſellſchaft des jungen Arztes
vorzog.
Beim Bad begann es. Sie lief im Gegenſatz zu den erſten
Cagen, wo ſie, mit ſichtlicher Sorge von ihrem Mann betreut,
beinahe zögernd ins Meer gegangen war nunmehr mit dem
Jüngeren um die Wette gegen die weiße, hoch aufſtiebende Bran=
dung
, und an den ſtilleren Cagen ſchwamm ſie mit ihm hinaus,
weit, weit, wo kein Neugieriger ſie mehr belauſchen konnte, wo
ſie allein waren mit ſich und dem Meer und dem Himmel. In den
Augen des Mannes (ſeine mindere Ausdauer im Schwimmen hin=
derte
ihn lächerlicherweiſe daran, den beiden zu folgen) komnte
man dann deutlich Verſtimmtheit, Aerger, ja vielleicht an h
Eiferſucht leſen, und nicht ſelten, wenn die zwei, hold ermüdet,
zurückkehrten (wobei der junge Mann die Gräfin in einer ebenſo
dezenten wie vertrauten Weiſe am Arm ſtützte), gab es ge=
dämpfte
, ſanfte, engliſche Vorwürfe.

[ ][  ][ ]

Während einer beträchtlichen Periode gab es dann Ehefrauen
ohne Karriere und Frauen mit Karriere ohne Ehe. Beides
konnte man nicht vereinigen. Denn die Männer oder wenig=
ſtens
die wünſchenswerten Männer waren noch nicht bereit,
ſelbſtändige oder gelehrte Frauen zu heiraten. Die Haushalts=

führung war techniſch noch nicht erleichtert. Und vor allem: die
öffentliche Meinung wollte ſolche Doppelaufgabe zunächſt nicht
dulden.
Es iſt bisher viel zu wenig beachtet worden, daß der auf=
fallendſte
Unterſchied zwiſchen den Pionieren und den unverhei=
rateten
Frauen von heute in ihrer Stellung zum Geſchlechtsleben
liegt. Die Führerinnen jener Seit hatten ihr Siel faſt ausſchließi=
lich
auf die Beſeitigung von Seſſeln gerichtet, um ihre Ge=
ſchlechtsgenoſſinnen
frei zum Dienſt zu machen. Sie waren ſoziale
Führerinnen. In heutiger Seit verwenden viele unverheiratete
Frauen ihre ganze reformeriſche Energie darauf, das Geſchlechts=
leben
von allen überkommenen Sitten zu befreien. Das iſt im
weſentlichen eine individualiſtiſche Sorderung.
Wiſſenſchaftliche Cheorien und literariſche Meinungen ver=
künden
, daß dieſe Forderung notwendig ſei, daß ein unbefriedig-
tes
Criebleben zu körperlicher und ſeeliſcher Gefährdung führen
muß.
Es iſt von einer Führerin aus der Pionierzeit kürzlich die
Frage aufgeworfen worden, wie es mit dieſen Cheorien vereinbar
iſt, daß die erſten Generationen unverheirateter, berufstätiger
und ſozial arbeitender Frauen ohne Gelübde und ohne äußere
Sicherungen ein Leben des vollkommenen Sölibats geführt
haben noch dazu ohne jegliches Gefühl dafür, daß das eine
ſchwierige Aufgabe war oder daß ſie Mißdeutungen ausgeſetzt
ſein könnten.
Die darin angeführte Antwort einer Frau von internatio=
nalem
Ruf, die Jahrzehnte hindurch Gelegenheit hatte, Frauen
in allen Ländern zu beobachten, geht davon aus, daß dieſe Frauen
allerdings unter außergewöhnlichen Bedingungen arbeiteten. Sie
wollten den Beweis für die Befähigung ihres Geſchlechts zu
höheren Leiſtungen erbringen. Sie waren durch den Gedanken
angefeuert, den folgenden Generationen neue Bahnen zu eröffnen.
Sie ſagt:
Die meiſten unter dieſen Frauen ſind heute alt. Sie müßten
nach allen Negeln der modernen Pſychologie und Medizin von
Komplexen bedrängt und verbogen, freudlos und verkümmert
ſein. Iſt das wirklich ſo?
Wohl ſind ſie ſich bewußt, daß ihnen das Erleben vorent=
halten
blieb, das als das höchſte für die Frau gelten darf: die

Des Nachmittags begegnete man den beiden, wiederum allein,
in den tiefen Wäldern und auf den einſamen, vergißmeinnicht=
gerahmten
Seldwegen. Oder man ſah ſie in den ſtillen, am anderen
Ende der Inſel gelegenen Fiſcherdörfern oder in vergeſſenen, von
grüngoldenen Buchen verborgenen, weiland fürſtlichen Neſidenz
Einmal am Abend, bei der Nückkehr von ſolch einer Fahrt, ſaßen
ie ſchrecklich zu ſagen! Hand in Hand am Volant. Frau
Sedlmeyr hatte es deutlich von ihrem Balkon aus geſehen. Sie
verbot daraufhin ihrer Cochter, die Gräfin zu grüßen.
Muß noch hinzugefügt werden, daß die junge Frau auf den
Neunions, die ſie jetzt des öfteren beſuchte, weit mehr mit dem
marten Doktor als mit ihrem armen, nicht ebenſo parkeitſicheren
Manne tanzte?
Es war der von allen Hotelgäſten zur Belebung der Bade=
aiſon
heiß erſehnte Skandal.
Einzig die Geheimrätin Winternitz konnte ſich eine Seitlang
ſicht entſchließen, Anſtoß zu nehmen.
Hört mal, Kinder, ſagte ſie (denn ſie beſaß genügend Auto=
ität
, um ſich zuweilen ungeſtraft eines mütterlichen Cones be=
jenen
zu dürfen), ich finde bei alledem gar nichts. Wir leben
och nicht mehr im Mittelalter, wo die Frauen in ihre Kem=
aten
geſperrt wurden. Warum ſoll eine junge Frau nicht mit
inem jungen Manne ſpazierengehen? Warum ſoll ſie, wenn ſie
s tut, um jeden Preis ſeine Geliebte ſein? . . . Und dann: ſieht
er Mann aus wie ein Croddel? Er wird wiſſen, was er in ihr
eſitzt. Er wird ihrer ſicher ſein. Unter Edelmenſchen gibt es
eine Näuberromantik . . .
Das eben komplizierte ja den Fall ſo ungemein: der Graf ſah
eineswegs wie ein Croddel aus. Er hätte in jedem Lehrbuch
er Männlichkeit gute Figur gemacht. Und doch hatte man un=
mſtößliche
Beweiſe für ſeine Indifferenz...
Schließlich und ſo ward ſelbſt die Geheimrätin Winternitz von
yrem läſterlichen Optimismus bekehrt: auf einem an Biegungen
eichen Waldweg überraſchte ſie die Gräfin und den Doktor bei
inem Kuſſe; und das Schweigen, das ſie ſeitdem bewahrte, ſprach,
ſchien es den Debattierenden, Bände.

Einmal begegnete auch Herr Brettle den beiden im Walde.
Herr Brettle war einſt ausgegangen, um Pilze zu ſuchen, und
und . . . ein Motiv. In einer Lichtung, auf einem Hügel, war ihm
och über Hüget und Wofd em dianer Streifen Meer erfchrenen,

eheliche Gemeinſchaft und die Mutterſchaft. Aber weder ſie ſelbſt,
noch die Menſchen, die ſie gut kennen, entdecken an ihnen die
Abnormitäten, die jeder Anhänger der Freudſchen Lehre bei
ihnen ſuchen muß. Statt deſſen ſind viele unter ihnen widerſtands=
fähig
, lebendig, aktiv, dem Leben mit tauſend Intereſſen ver=
bunden
. Sie altern ohne Härte. Sie haben eine neue weibliche
Lebensform gefunden. Sie ſind durch die Inſichten in die Sexual=
ſphäre
, die die moderne Wiſſenſchaft und Literatur in ſo ver=
ſchwenderiſcher
Fülle gibt, weder beſonders angezogen noch ab=
geſtoßen
.
Unverſtändlich aber bleibt dieſen Frauen die Auffaſſung, daß
das Geſchlechtsleben den ganzen Inhalt des Daſeins bilden ſoll;
daß Neligion, Kunſt, Freundſchaft, Liebe zwiſchen Eltern und
Kindern nichts als verhüllte Libido ſein ſollen; daß eigentlich alles,
was nicht die Anziehung der Geſchlechter betrifft, kein rechtes
Erlebnis und kaum des Intereſſes wert iſt.
In dieſer Auffaſſung liegt in der Cat ein Gegenſatz der Gene=
rationen
. Selbſt wenn dieſer Cyp der gebildeten Frau, der in
den dreißig Jahren vor dem Kriege hervortrat, ein einmalige,
nie wiederkehrende Erſcheinung bleiben ſollte, müßten daraus
doch wichtige Folgerungen gezogen werden, die bisher von allen
Verfechtern der überragenden Bedeutung des Geſchlechtslebens
nicht ausreichend beachtet worden ſind.
Ganz gewiß ſind dieſe Unverheirateten an einem Stück Leben
vorbeigegangen. Aber ein jorentiniſches Sprichwort ſagt:
Wem Gott eine Türe ſchließt, dem öffnet er ein Fenſter. Sie
haben auch manches beſeſſen, was den Verheirateten vorenthalten
bleibt. Wie oft beneiden verheiratete Frauen dieſen Cypus.
Niemand reicht das Schickal alles. Immer iſt das Erleben
beſtimmter Inhalte mit dem Verzicht auf andere verknüpft. Die
verheiratete Frau hat ſelten ſo viel Freiheit wie die unverhei=
ratete
, Menſchen aller Kreiſe kennenzulernen und ihre Freunde
zu wählen. Sie ſieht weniger von der Welt und hat beſchränk=
tere
Möglichkeiten, ihre geiſtigen Intereſſen zu entwickeln, ſich in
eigener Auseinanderſetzung mit dem Leben ſelbſtändig zu formen.
Schließlich ein Letztes. Wer in der heutigen Generation Un=
verheirateter
glaubt, ſich durch Befreiung der Criebe von allen

Feſſeln die ganze Fülle der Erlebnismöglichkeiten ſichern zu kön=
nen
, geht an einem der größten Erlebniſſe vorüber: an dem Ge=
winn
der unvergänglichen Wahrheit, daß es keinen Weg zur
Beherrſchung des Lebens und ſeiner Aufgaben gibt, als die Herr=
ſchaft
über das eigene Sch.

Wie ſich die Sprache ändert.
Von J. Adams.
Der Gebrauch der Fremdwörter hat abgenommen. Man geht
unbedingt ſparſamer damit um, natürlich zum Vorteil der deut=
ſchen
Sprache. Da Beiſpiele am beſten jede menſchliche Be=
hauptung
erläutern, ſo dürfen wir wohl aus dem Reich der
Fremdwörter eine kleine Blütenleſe zuſammenſtellen! Wenden
wir uns einmal der Mitte des vergangenen Jahrhunderts zu, als
das Franzöſieren an der Cagesordnung war. Damals gab man
der Oberſchicht der Geſellſchaft, der ſogenannten Creme, den
Namen Hautevolée‟. Sie bewohnte den erſten Stock, die Bel=
etage
, bequem von ihren Nevenuen lebend. Ging dieſe Haute=
volée
auf Reiſen, ſo ſpeiſte ſie an der Cable dhöte‟. Daheim
aber gab ſie, ebenſo wie auch die Hautefinance, ihre Diners
und Soirées.
Lächelnd erſchienen die Damen zum Jourfix, wenn ſie ihm
nicht ein eventuelles Céte 4 téte vorzogen.
Mon dieu, man wußte, was ſich gehörte, woz beſaß man
denn ſein ſavoir vivre‟!
Es gab eine Seit, wo auch der Herr der Schöpfung auf
Taille, ſchwor, während die Dame nicht nur Curnüre trug,
ſondern auch Curnüre zu wahren wußte! Wie charmant
verſtand man das Drum und Dran weiblicher Kleidung zu be=
zeichnen
! Da gab es das ſogen. ſuivez=moi, ein am Nücken
der Dame, vom Halſe lang herabflatterndes Band, dem ſicher
mancher verliebte Blick gefolgt iſt. Beſcheiden cachierte‟
man ein etwas allzu gewagtes Decolleté mit dem zartverhüllenden
Modeſtie‟. Hoch aber über der kunſtvollen Coiffure türmte
ſich der lockige Chignon.
Man liebte es, die verſchiedenartigſten Arrangements zu
treffen, wie Picknicks und Bals champétres‟. Dann hüllten
ſich die Schönen ins ſchwanenbeſetzte Sortie de bal kurz,
man gab etwas auf Allüren und mokierte ſich über deren
Fehlen bei anderen mit einer gewiſſen Malice. Während
heute die Frau ſelbſt chauffiert, kannte man damals echauf=
fierte‟
Damen. Ueberhaupt war man ſehr zartbeſaitet in jenen
Cagen und leicht degoutiert. Selbſt das amüſanteſte Leben
verhinderte es nicht, daß ſich Frauen zuweilen ennuuierten,
wenn ſie gerade keine Luſt zum Promenieren hatten. Es
war aber auch die Blütezeit des Eſprits: man verſtand es noch,
Converſation zu machen, die Viſiten=Cournées florierten
und man goutierte ein Plauderſtündchen. Ueberhaupt war
man bis in die Fingerſpitzen ſoigniert und äußerſt difficile in
jeder Beziehung. Man liebte die Diſtinction war ſehr
diſtinguiert und ging mit Diskretion über viele Dinge des
Daſeins hinweg, die man heute ſchlichtweg beim Namen nennt.
Man verſtand, ſich trefflich zu menagieren.
Ein Mann der damaligen Seit hatte ſeine Meriten, er gab
ſein parole d’honneur und meditierte ebenſo über Welt und
Menſchen, wie die Frauen darüber mediſierten.
Sum Glück verfügte der Mann aber meiſt über eine gewiſſe
Bonhomie, die den Umgang mit ihm weſentlich erleichterte.
Hübſche Frauen adorierten Odeurs und wußten ſich, genau
wie heute, in jeder Weiſe zu embellieren. Selbſt wenn der Ehe=
mann
über die Extravaganzen der Coiletten den ernſteſten
Sermon hielt! Wie galant war man zu jener Seit, wie
empreſſioniert, ſeine Dienſte der Frau zu Füßen zu legenl
Mittelalterliche Frauen kannte man überhaupt nicht, es gab nur
Frauen entre deur ages, trotzdem dieſe weder Bubiköpfe tru=
gen
noch kurzberockt waren! Alit der Umgeſtaltung des Lebens,
vor allem auch gerade des weiblichen, kam die Urwüchſigkeit der
deutſchen Sprache wieder mehr zur Geltung. Dafür beſitzen
wir aber heute eine Anzahl berufstechniſcher Sprachen, von deren
Exiſtenz noch unſere Mütter keine Ahnung hatten. Die Sprache
eines Boxer=Champions iſt z. B. von der eines Cennis= Welt=
meiſters
ebenſo grundverſchieden, wie die Ausdrucksweiſe eines
Autlers von der eines Flugpiloten! Da aber die Jugend von
heute in allen Sportſätteln gerecht iſt, ſo wird ſie die Sache
ſchon deichſeln oder ſchmeißen (wie ſie ſich ſo hübſch auszu=
drücken
liebt!).
Auf jeden Fall bereichern die 2lenſchen jeder Epoche, wie
immer ihre Ideale auch geartet ſein mögen, den Sprachſchatz ihrer
Seit!

darauf gleich fremden, märchenhaften Vögeln die weißen Segel=
ſchiffe
zogen: ein Bild von ſeltenem Neiz.
Herr Brettle beſchloß, es zu malen.
Erſt rückte er mit Kohle und Skizzenblock an. Dann wagte
er ſich an die Ausführung. Seiner Gewohnheit zuwider: an Ort
und Stelle. (Hier ſieht mich niemand, ſagte er ſich, ſonſt ängſt=
licher
Natur, mutig.) Eben mit Feuereifer im zweifachen Blau
des Himmels und des Meeres ſchwelgend, jenes unglaubhaft über
den Bäumen ſchwebenden Meeres, ward er plötzlich von einem
Ausruf aufgeſchreckt, der nicht einmai unſanft geſchah.
Ach, wie komiſch, dieſe verkehrte Welt! Das Unterſte zu
oberſt. . ."
Es war die Gräfin, die das komiſch fand. Sie ſtand hinter
Herrn Brettle. Neben ihr der Doktor.
Uebrigens war ſie kein Waiſenkind in den Künſten, und als=
bald
entzündete ſich Herrn Brettles Geiſt an ihren Kenntniſſen
zu einer abgrundöden Jachſimpelei über Seeſtücke im allgemeinen
und im beſonderen (daß man richtiggehende Seeſtücke, bloß
Waſſer und Himmel, eben doch mr an der Nordſee malen könne,
während man hier an der ſanfteren Oſtſee mehr das Sdylliſche,
das Nomantiſche oder, wie im vorſtehenden Falle, das Oroniſche
aufſuchen müſſe); über die Maler von Dresden, die er alle dem
Namen nach, meiſt perſönlich kannte, und von Karlsruhe, die
hinwiederum der Gräfin nicht unbekannt waren, da ſie zwei
Semeſter in Heidelberg gehört hatte und damals ein wenig im
Badiſchen herumgekommen war . . .
Herr Brettle avancierte infolge dieſes und ähnlicher Ge=
ſpräche
zum Ciſchgenoſſen der verabſcheuungswürdigen drei. Herr
Brettle war innerhalb kurzem mit dieſen zuniſchen Verächtern
der Moral ein Herz und eine Seele. Wenden wir uns ab von
Herrn Brettle!
Auch die Gäſte des Strandhotels taten es.
Mit Ausnahme von Gerda May, der Eboli des Stadt=
theaters
in ..."
Gerda May glaubte es ſich ſchuldig zu ſein, den ſmarten Dok=
tor
zumindeſt kementernen, wenn irgend möglich, jedoch der ſchö=
nen
Frau abſperſtig machen zu müſſen.
Eines Abends im Kurhaus, beim Canz, ließ ſie ſich mit ihrem
Clan (einigen jungen Leuten, deren Geiſk ſo einfältig war wie
ihre Bügelfalten, Frau und Fräulein Sedlmeyr, die ſich im Glanze
der Diva zu ſonnen liebten, dem Bankier Jezower, der mit den
Dfeiten femer Seechs us Nonge wres Herzens zu treffen trach=

tete, und der Geheimrätin Winternitz, die ſich gern amüſierte)
in der Nähe der gräflichen (nunmehr) vier nieder. Gerda May
hatte eine Art, über drei Ciſche hinweg reizend zu ſein, die
ſchließlich auch Herrn Brettle überzeugte. Es wurde getanzt, ge=
lacht
, geſcherzt, und bald pendelte Herr Brettle, was ja beabſich=
tigt
war, zwiſchen dem gräflichen Ciſch und dem ihren.
Herrliche Menſchen, verſicherte der Maler unumwunden,
herrliche Menſchen! Denken Sie ſich, ſie haben mir bereits zwei
meiner Schinken abgokauft . ..
Sie Beneidenswerter! flötete die Schauſpielerin und legte
noch etwas Braun auf. Uebrigens, ich habe ein Anliegen. Nach=
dem
der Badearzt mir nicht helfen kamn, hätte ich gern Dr.
Heyde konſultiert. Ich ſpüre ſeit einiger Seit einen unbeſtimm=
baren
Schmerz in der Herzgegend. (Sie lächelte das Lächeln, das
ihre Bewunderer i . . . unwiderſtehlich nannten.) Könnten Sie
mir die Bekanntſchaft mit ..
Hallo, Herr Doktor! rief Baptiſt Brettle, der die Welt in
Wein getaucht ſah, was ſie ungemein vereinfachte, und in die
trauten Laute ſeiner Heimat verfiel. Schnell, komme Sie zu Hilf!
Der Dame iſcht ſchlecht geworde...
Am anderen Ciſch erhob ſich zur allgemeinen Verwunderung
ſtatt des eleganten jungen Mannes der breitſchulterige, maſſwe,
ungleich ältere und kam ſehr würdig, ſehr gemeſſen, ſehr gewich=
tig
herüber.
Herr Dr. Heyde Fräulein May.
Gerda May, die bis dahin keinerlei Schmerz in der Herz=
gegend
verſpürt hatte, verſpürte ihn jetzt.
Auch die anderen waren unſagbar enttäuſcht.
Das alſo war der Doktor? Und dann war der Jüngere der
Graf?. Und die Gräfin hatte mit niemand anderem als mit ihrem
ehelich vertrauten Manne geflirtet, kokettiert, Hand in Hand im
Volant geſeſſen, ſich geküßt? Und die Ehe war womöglich glück=.
lich? Frau Sedlmeur machte die ganze Sommerfriſche keine
Freude mehr.
Auf dem Heimweg, den er mit dem Gerda=Mauſchen Clan
nahm (die nunmehr allen Intereſſes baren drei waren längſt ge=
gangen
), erklärte Herr Brettle bewunderungsvoll:
Ein ſündhaftes Geld müſſen die Leute haben! Die Frau war
im letzten Winter leidend, und da nimmt der Kröſus einfach ſei=
nen
Hausarzt mit ins Seebad..
Hab ich’s nicht immer geſagt?! rief triumphierend die Ge=
beirafm
Wirtermitz. Ich fand dei alledem gar nichts..."

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Koljbri.
Von Dorothea Hollatz.
Kolibri iſt dieſes prunkloſe Wrack von Menſchenleben, das
zwiſchen Crebur und Biſchofsheim die Schafe weidet. Seine Haare
ſind brandrot, auf dem Gebirge ſeiner rechten Wange wuchert ein
blaues Muttermal, ſeine Augen ſchmale Spalten unter wilden
Brauen ſind grün, ſein Bart iſt ſcheckig und die beiden Eck=
zähne
, brüchige Pfeiler ſeiner Mannesjahre, ſchimmern zitronen=
gelb
. Dieſe Farbenpracht ſeines Aeußeren gab ihm ſeinen Namen.
Wie ſtill und behäglich iſt ſein Leben verlaufen! Der Süße
einer Sommernacht verdankte er einen Sohn, deſſen Mutter ihm

eine brave Frau wurde. Drei Generationen vertrauten ihm ihre
Schafe anz er kannte jedes, und mit der Wolle dieſer Schafe war
die Wonne ſeines Daſeins eng verflochten.
Nachdem ſeine Frau geſtorben, wurde er etwas merkwürdig.
Er verſtand ſich mit der Welt nicht mehr gut und lebte nur noch
auf der Weide bei den Cieren in beneidenswerter Sufriedenheit.
Aber an einem ſtrahlenden Sommertag nahm ihn das Schick=
ſal
mit dem bekannten rauhen Griff am Kragen: Sein Sohn
nämlich war auf den Gedanken gekommen, dem alten Vater ein=
mal
was Gutes zu gönnen. Kolibri ſollte verreiſen! Er ſollte den
Rhein bis Koln aufwärts fahren und mit der Eiſenbahn zurück=
kommen
. Niemals, brummte Kolibri, aber am Samstag wurde
er dennoch von ſeiner Schwiegertochter für die Reiſe hergerichtet.
Man konnte noch mit ihm Staat machen. Seine enzianblaue
Halsbinde, ſein Papierkragen, der wie Metall glänzte, das flie=
genpilzrote
Schnupftuch, der dunkelblaue Bratenrock unter dem
ſchwarzen Schlapphut das alles ergab keinen üblen Kolibri.
Der Sohn brachte ihn im Auto nach Mainz. Das war furcht=
bar
!. Aber mitgehangen, mitgefangen. Kolibri kniff Lippen und
Augen zuſammen und überſtand es. Der Sohn brachte ihn auch
aufs Schiff, aber dann blieb Kolibri allein mit einem Bündel
guter Natſchläge und Ermahnungen, mit emem Herzen voll

Angſt, daß es einen Stein hätte erbarmen können. O hätte er
nie eingewilligt! Man ſoll einen alten Kaktus nicht in ein Miſt=
beet
mit friſchem Gemüſe pflanzen; er fürchtet ſich und macht ſich
lächerlich.
In Bingen ſtand Kolibri noch an derſelben Stelle, von der er
ſeinem Sohn zugewinkt. Er ließ die wonnigſchönen Sommerufer
vorbeiziehen, ließ den ſtrahlenden Himmel über ſich und das blaue
deutſche Waſſer unter ſich, ohne daß ſein Herz berührt wurde,
ſtand ſtarr und kläglich. Mit der roten Fahne, die er haſtig aus
der hinteren Vocktaſche zog, wiſchte er ſich den Schweiß unter
dem Hutrand ab. Er hörte genau, daß eine Herde junger Dinger

ſich über ihn kuſtig machte. Er fühlte ſich hilflos und entblößt.
Ein Kellner frägte, ob er etwas eſſen wolle, aber Kolibri deutete
abwehrend auf ſeine vollgeſtopfte Caſche, in der ſich alles
Nötige befand. Um nicht in der Welt hätte er eſſen können.
Er, der gewohnt war, ſich unbeobachtet inmitten ſeiner Ciere,
zwiſchen Naps und blühendem Klee, den Wonnen einer niegeſtör=
ten
Mahlzeit hinzugeben, er konnte doch nicht hier im Kreuzfeuer
ungezählter Blicke die Eier ſchälen oder das Fleiſch von den
Knochen nägen.
Je luſtiger es auf dem Schiff zuging, deſto heftiger erfüllten
Grimm und Croſtloſigkeit ſein erſchrecktes Herz. Es wuchs in
ihm das, was den jungen Schweizer beim Klang des Alphorns
in den Strom ſpringen ließ: das große unendliche Heimweh. Es
hauchte in ſeine verwitterte Seele den einzigen Nat, der Kolibri
retten konnte, Flucht aus dieſer unverſtandenen, rauhen Welt,
Heimkehr zu ſeinen Cieren, zu ſeiner Wieſe. Armer Kolibri, nun
ſteht er hier inmitten aller Jugend und Schönheit, zwiſchen Freude
und Sonne, mitten auf dem ſchönſten Strom der Welt, verſtei=
nert
wie ein Gefangener, der zitternd wartet, daß der Kerker=
ſpalt
ſich öffnet, der ihm die Freiheit zurückgibt.
Als der Dampfer in St. Goar anlegt, packt es ihn: Jetzt oder
nie. Er ſtolpert über den Landungsſteg. An der Sperre heißt es:
Hallo, Sie haben ja bis Köln gelöſt, aber Kolibri ſieht und hört
nichts. Der Reſt ſeiner Vernunft treibt ihn zum Bahnhof.
Surück, zurück! hämmert ſein Gehirn. Ein Burſche hilft ihm am

Schalter. Kolibri erhält zwar die Karte, aber das übrige Geld iſt
ſamt dem Burſchen verſchwunden. Ein Mädel hilft ihm in den
richtigen Sug; ſeitdem iſt auch die Handtaſche fort. Vielleicht hat
er ſie ſtehen laſſen. Er kann doch nicht an alles zugleich denken!
Hungrig und zerſchlagen drückt er ſich in ſeine Ecke.
Lange fährt er, und als er endlich in Mainz iſt, da iſt es
Nacht. Er muß umſteigen und bekommt den letzten Zug nach
Biſchofsheim. Dabei vergißt er Hut und Negenſchirm. Auch hat
er ſeine Fahrkarte verloren und läßt dem Schaffner die Uhr zum
Pfand. Das iſt alles, alles gleich. Er kennt ſetzt die Namen und
Wege, er fühlt ſich wieder Menſch. Was tut es, daß er noch
zwei Stunden laufen muß, bis zu ſeiner Herde, er atmet Heimat,
Nacht, Wieſe und Himmel. Ueberſeelig ſtapft er ſeinem Glück
entgegen. Halsbinde und Kragen ſind zu ſchwer, und an der letz=
ten
Wegkreuzung legt er auch den Nock und die Stiefel ab. Er
iſt kein Harlekinz er kann doch nicht im Bratenrock zu leinen
Schafen kommen!
Kolibri macht einen Bogen um Crebur, und bald ſieht er ſeine
Herde im Mondſchein ſchlafen. Er wittert ſie und zittert vor
Glück. Die Tiere liegen dicht beieinander, ihre warmen, runden
Körper reiben ſich im Schlaf. Und Kolibri, der Ungeſchickte, der
Cölpelhafte, tritt behutſam zwiſchen ſie und legt ſich mit
umfangenden Armen zu ſeinen Geliebten. Im Hauche ihrer
ruhigen Atemzüge vergißt er den Cag, den ſchrecklichſten ſeines
Lebens, und hier, am pochenden Herzen der Erde, wird er wieder
Menſch, kein bejammernswertes Klümpchen Ungeſchick er iſt
brauchbares, fühlendes Weſen, das ſchluchzend vor Erkenntnis
ſein vogelbuntes Geſicht in die ſtaubige Wolle ſeiner ſchlafenden
Schafe preßt.
Süßer Jack Diamond
alſo ſtand mit einem Lippenſtift gekritzelt auf der Holzwand einer
Celephonzelle in einem großen Kino. In der Abgeſchiedenheit der
kleinen Kabuſe hatte ſich dieſes Liebesgeſtändnis einem Mädchen=
herzen
entrungen.
In dieſer Seit der ſeltſamen Prozeſſe, da allenthalben Nichter
Angeklagten begegnen, von denen ſie ſich auf der Schulbank ihres
jüriſtiſchen Seminars nichts träumen ließen, iſt das Bekenntnis
zum Verbrechertup bei haltloſen Menſchen nicht ungewöhnlich.
Immerhin iſt dieſer amouröſe Anruf der großen amerikaniſchen
Kriminalbeſtie auch heute noch auffallend.

Was mag da für ein kleines Mädchen vor dem Apparat ge=
ſtanden
haben? Vielleicht hatte ſie gerade von ihrem Geliebten
eine Abſage bekommen. Vielleicht kam ſie gerade von ihm, und
er hatte ſie enttäuſcht. Vielteicht belaß ſie überhaupt keinen Ge=
liebten
und hatte nur mit Cante Paula telephoniert und während
des Sprechens aus dem kleinen Fenſter=Guckloch geblickt, auf die
vorübergehenden Paare, auf das milde Licht der Bogenlampen,
auf den eleganten Auftrieb der Wagen, und hatte ſich dabei ge=
ſehnt
: wenn nur einer jetzt käme und ſie mitnehme, ſo ein großer,
ſtarker, gewalttätiger Kerl, reich dazu, der auch mit Hand=
granaten
umzugehen verſtände, und ſie einfach in einen Juwelen=
laden
pfefferte, wenn Mädi einen Schmuck brauchte.
Jack Diamond, verklärt von jener Glorie, die ſeltſamerweiſe
ſich noch um das Häupt des mickrigſten Alkoholſchmugglers wölbt,
iſt in Wahrheit wohl einer der widerſtehlichſten Verbrecher aller
Seiten. Denn er iſt weder ein Getriebener, noch ein Beſeſſener,
ſondern er iſt ein Geſchäftsverbrecher mit Organiſationstalent, ein
Millionenjäger, der für das Daunenbett eines kleinen Broadwau=
Mädels Menſchen mit Maſchinengewehren morden läßt. Finſter,
brutal, durch Beſtechung auf freiem Fuß, hat er nichts mit jenen
Näubern gemeinſam, die einſtmals das Volksgemüt verklärte,
weil es ihre privaten Naubzüge als Nacheakte Ausgeſtoßener
oder Unterdrückter wertete. Er iſt auch kein Herrenmenſch, vor
deſſen Machtfimmel ſich das Weibchen wohlig krümmen könnte.
Er hat nur eine Erkenntnis gehabt: daß das Billigſte auf der
Welt Menſchenleben ſind. Eine Erkenntnis, die er freilich mit
einer großen Anzahl von Heer= und Parteiführern teilt. Schlimm
muß es um das kleine Mädchen ſtehen, das ſich in ſeiner Sehnſucht
nach dem großen Unbekannten nichts Gewaltigeres weiß und
nichts Anbetungswürdigeres als dieſen ſchmutzigen, verbreche=
riſchen
Schnapsmillionär.
Süßer Jack Diamond! Dieſer Liebesſchrei in der Celephon=
zelle
zeigt, daß es an der Seit iſt, wieder ein bißchen ſtärker zu
ſcheiden zwiſchen denen, die ins Panthéon, und denen, die ins
Suchthaus gehören.
m. g.
Generalüberholen.
Von Hans Natonek.
Wenn ein Auto einige Jahre brav gelaufen iſt, läßt man es in
die Werkſtatt fahren und generalüberholen, damit es wie neu
werde. Das iſt man ſeinem Motor ſchuldig, zumal, wenn man
den Wagen verkaufen will. . . Und der Menſch?
Ich mörhte es einmal in meinem Leben ſo gut haben wie
ein 25-PS=Wagen, der generalüberholt wird. Einmal nur möchte
ich, wie jener, grundlich auseinandergenommen, unterſucht, ge=
reinigt
und friſch geölt werden. Ceile, die nichts mehr taugen,
werden erſetzt, Düſen, Gewinde und Ventile liegen organiſch
zerlegt ünter dem prüfenden Blick eines Stabes von Monteuren,
die rings um den Patienten ſtehen, wie der Profeſſor und die
Aſſiſtenten um den Operationstiſch.
Ich werde zu dem berühmten Interniſten M. gehen und ihm
ſagen: Bitte, Herr Profeſſor, ich möchte mich generalüberholen
laſſen. O nein, es iſt nicht an dem, daß ich krank bin. Ich bin
bloß nicht ſo geſund wie ein fabrikneuer Wagen. Ich laufe nicht
mehr ſo recht, der Motor zieht nicht, wie er ſoll, ich nehme nicht
mehr die Steigungen wie früher. Bitte, wo ſitzt der Fehler? Ich
möchte jeden Morgen losbrauſen mit 100 Kilometer Stunden=
geſchwindigkeit
, und bringe es nur noch auf Vierzig. Ich bin nicht
nehr ſo recht in Form; und in Form ſein iſt heutzutage alles, wo
jeder mit dem Sportmaß des Rekords gemeſſen wird. Vielleicht
handelt es ſich nur um eine kleine Störung. Sie meinen, ich ſollte
einen Pſychiater zuziehen? Aber bitte, mit Vergnügen. Am lieb=
ſten
auch noch einen Chirurgen. Und wenn das hohe ärztliche
Konſilium beiſammen iſt, liefere ich Ihnen meine Maſchinerie aus,
und Sie beginen, Organ für Organ zu zerlegen; bitte, vor allem
den Magen, denn nicht nur die Cräume, die ganze ſeeliſche Uebel=
keit
kommt aus dem Magen. Man iſt verſtimmt, weil man eine
Verſtimmung hat; man iſt unverdaulich, weil man nicht gut verdaut.
Ich bitte, auch die Gehirnganglien tüchtig zu ölen. Seit zehn
Jahren geben ſie ununterbrochen ihr Aeußerſtes her, es iſt ja
nicht viel, aber für manchen iſt ſchon das. Wenige das Aeußerſte.
Auch das Herz müſſen Sie gründlich vornehmen. Ceils iſt es zu
kalt, teils zu heiß; es reagiert auf die heftigſten Attacken mit=
unter
gar nicht, und auf die leiſeſte Berührung zu ſtark. Es iſt ſo
ſchrecklich unberechenbar geworden. Es wäre herrlich, wenn Sie
es, verehrter Herr Profeſſor, für ein paar Monate zu völligem
Stillſtand bingen könnten natürlich unbeſchadet der, Wieder=
aufnahme
ſeiner Cätigkeit. Ich meine, ſo ein hübſcher kleiner
Cod, ſo ein Cod auf Probe, würde mir ſehr gut tun iſt da
nichts zu machen, meine Herren Kapazitäten? Bitte, ſetzen Sie
mich außer Betriebl
Ich möchte dann zu mir ſagen können: Herrgott, iſt das ein
Kerl!, Friſch generalüberholt iſt halb neugeboren. Sie meinen,
das wird ein teures Vergnügen? O bitte, ganz meinerſeits. Mein
Verleger, der große Stücke (die ic) ihm ſchreiben ſol) von mir
hält, zahlt alles.

Weiß zieht und ſetzt in drei Zügen matt.
Prüfſtellung: Weiß: Kh7 Dg8 Tf1 Sc4 Bb5 d3 (6);
Schwarz: Kd5 Ta1 Lel Se6h4 Bc5 d4 e5 e7 g6 (10); 3-.

Das Leben.
De
."
W.
O
H....
L..
..
*
A..."
An Stelle der Punkte ſind Buchſtaben zu ſetzen, ſo daß neun
Wörter von untenſtehender Bedeutung entſtehen, deren jedes einen
Körperteil enthält; z. B.: Farmer. 1. Deutſcher Dichter,
2. deutſche Hauptſtadt, 3 Vogel, 4. ätzende Flüſſigkeit, 5. Bezeich=
nung
für Gewehr, 6. Pflanze, 7. deutſche Malerfamilie, 8. alte
Waffe 9. Schmetterling.
Die auf die ſtarken Punkte fallenden Buchſtaben nennen
etwas, ohne das das Leben nicht lebenswert wäre.
Carl Deubel.

Druck, Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckeret, Rbeinſtr. B. Verantwortl. für die Redaktion: Dr. 5 Nette Darmſtadt.

1 Dante, 2 Indianer 3 Eleonore 4 Plaid 5 Operette, 6 Eiſen,
7 Sand, 8 Ironie, 9 Emmeram, 10 Jota, 11 Serail. 12 Tanne,
13 Elſter, 14 Jſolde, 15 Niſami. Der Spruch lautet: Die Poeſie
iſt eine redende Malerei.
Dreierlei.
Held, Herd, Hemd.

Fernſpr. 1. 3234M2. Ulle Rechte vorbehalten Nachdr.*

Partie Nr. 80.
Geſpielt im Deutſchen Nationalturnier zu Swinemünde im Juni 1931.
Sizilianiſche Partie.

Beiß: Schwarz: 13. He3td4 raRg Rödl. Sämiſch 14. Dd2f2. eG-eb 1. e2e4 En5 15. Id 423 b7b5 2. Sg113 sbse8 16. g284 b5b4 3. d2d4 c5Kd4 17. Sc3d5 LegKd5 4. Sf3xd4
Sg816 18. e4xd5 e5xkt 5. 8b1e3
47d8 19. Le3sf4 St6d7 Schwarz lenkt in die Scheveninger 20, Lf3e4 Fa8t8 Variante ein, die ihm ein beengtes, 21. Td1d3 Db8b6 aber feſtes Spiel gibt. 22. Lf4e3 Db6e7 6. Lf1e2 efe6. 23. He3d4 Le7r6 7. 00
Ei8-e7 24. Le4xh741 Eine ſofort entſchei= 8. 12f4. dende hübſche Kombination. Es geſchieht gewöhnlich 8. Xh1, was 24.. Tg8sh7 k2f4 vorbereitet und dem Turm die g= 25. Ta3h34 Eh7g8 Linie einräumt. 28. Id4x16. 8d7af8 8....." 60 27. Df2h4 Defe5t 9. Lc1e3 L68d7 28. Dk112 Stéhb 10. Le 2f3 Da8b8 29. Dh4Xh5 k7t6. Ablich iſt a7a6 mit De7. 30. g485! Deßzdß 11. Dd1d2 Tf8d8 31. Dh5h74 Kg817 12. Ta141 Sc64d4 32. T128164 aufgegeben.

Silbenrätſel.
Aus den Silben: a al bi brandt cel che deſ dor e
er eu gel iſ ke kuſ land len lin liſt ma me mi
na nach nar ne nenz nir ra rab ran re rem rei
ſau ſe ſpie ſy te to. ve wa werb wo ziſ ſind 17 Wörter
zu bilden, deren Anfangs= und Endbuchſtaben, beide von oben
nach unten geleſen, den Anfang eines Vorfrühlingsliedes ergeben.
Die Wörter bedeuten: 1 Deutſche Stadt, 2 Verdienſt, 3. be=
rühmter
Maler, 4 Zeitabſchnitt, 5 däniſche Inſel. 6. Blume,
7 Stierkämpfer, 8 niederdeutſche Schalksgeſtalt, 9 Beiname des
Fuchſes in der Fabel. 10 alter Soldat, 11 Titel hoher kirchlicher
Würdenträger, 12 jüdiſcher Schriftgelehrter, 13 Stadt auf Si=
zilien
, 14 Kniegeigenſpieler, 15 Pelzwerk. 16 das Jenſeits der
Buddhiſten, 17 Jahrbuch.
Auflöſungen der Rätſel aus Nr. 27.
Uhren=Zahlenrätſel.

Aufgabe 611.
Nummer 422.
Erich Brunner in Moscia.
(Deutſches Wochenſchach, 1913.)

ID

II

Schach=

N

[ ][  ][ ]

Alſo wann ich Zeit hab, geh ich als ganz gärn zu ſo Ver=
ſteicherunge
, wo äbbes veraukzioniert wärd. Nemlich wann mer
Glick hott, dann kann mer do billich zu allerhand Sache kumme,
indem daß mer vorſichdich eneiſteichert. So bin ich beiſpiels=
meßich
aach zu meim aldhiſtoriſche Blumeſtender kumme, den wo
ich emol for annerthalbmackfuffzich uff=ere Nachlaßverſteicherung
erausgeſteichert hab. s is e Zierde vun meine ſtiehlvolle Ei=
richdung
; bloß, mer därf net ſo noh dro kumme, er fellt nemlich
zu leicht um, wie mer ſich valleicht noch erinnern kann, wann mer
dro denkt, daß ich emol bei meine Menſedickerei mit de Fieß
dewädder kumme bin, un hab mich dann aach noch uff=en Kugel=
kackduß
geſetzt, ſo daß ich noochher hinnerum ausgeſähe hab wie
en Ichel. Mit de Zeit hab ich mich allerdings an die Umfal=
lerei
gewehnt, dann mei Blumeſtender, ſo kunſtvoll er aach ge=
flochte
war, awwer er hatt ſcheints en Konſtruckzionsfehler; den
hork er vermudlich mit uff die Wäld gebracht. Er fellt nemlich
grundſätzlich um. Un weil er nu halt bei jeder Geläjenheit um=
fellt
, ſo hott mich däß mit de Zeit ſo a geheimelt, daß ich=em
de Name Stadtrat gäwwe hab.
Awwer dovo hab ich eichendlich net ſchwätze wolle, ſundern
vun de Verſteicherunge. Nemlich bei ſo Aukzione macht mer die
Beowachdung, daß wann ſo die billiche Sache an die Reih kumme,
do biede die Leit drufflos, als wann ihr Seelichkeid devo abhenke

dhet. Manchmol ſteichern ſe ſich ſällwert in die Heeh, wie’s emol
meine Freundin, de Endebärzelſen, gange is, die wo in ihrm
Feiereifer bei ſo=ere Aukzion ſich ſällwert iwwerſteichert hott, in=
dem
ſe for die geſammelte Werke vun de Kurtz=Malleer e Mack
gebodde hott, un ſchnell, eh ihr de Aukzioneer nor de Zuſchlag
gäwwe konnt, in ihre Uffreechung un Habſucht, e Mack un zehe
Fennich gebodde hott.
Wie geſagt, ſolang uff ſo Verſteicherunge die billiche
Sache dra kumme, do biede die Leit wie narriſch wann’s awwer
dann an die deierere Gäjeſtend geht, do kann ſich der Aukzioneer
heißer kreiſche, s mäld ſich niemand.
Un an die Aukzioneer muß ich als denke, wann ich unſer
Stadtverwaldung in ihre Not un Verzweiflung ſäh. Sie biet
Steiern aus, dann was ſoll ſe ſunſt noch ausbiete. Un ſie
kreiſcht ſich die Seel aus=em Leib: Hier, meine Herrſchaften, eine
Bircherſteier; waſchecht, unverwiſtlich, an däre kenne ſe Jahr=
zehnte
lang ihr Vergnieje hawwe! Awwer niemand will ſe.
Odder ſie rifft: Hier eine brachtvolle Bier= un Gedrenke=
ſteier
; brima=brima; wie die ſchäumt! Wer biet?!
Awwer kaaner mag ſe . .
Unner dene Umſtend muß doch jeder, dem wo mer ſei bische
Kabbidahl an Vernumft noch net ewäck geſteiert hott, begreife
un zugäwwe, daß ſich unſer Stadtverwaldung momendan in=ere
große Verläjenheit befindlich is. Sie hott’s net leicht. Un wann
ſe noch’ ſo liewenswärdich:= Bidd’ ſchee! ſeecht, awwer:s Loch
in ihrmiBiddſchee wärd dodevo net klenner, däß bleibt, dann die
beſte Flicklabbe hawwere bereits die Steiermacher vun Reich un
Staat ewäck geſchnabbt.
Un ich muß alſo ſchun ſage, es dhut mir in der Seele weh.
un es is en bedauerlicher Ablick, wann ich ſähe muß, wie unſer
niddergeſchlagene un kummervolle Stadtverwaldung erum ſchleicht
un for lauder Sparn net mehr waaß, wo ſe die Steiern her=
nemme
ſoll, um daß ſe noch mehr ſparn kennt. Un ich halt’s for
mei Flicht, ihr in ihrer Nod mit=e paar gude Steiervorunrat=
ſchleg
unner die gichtbrichiche Arm zu greife.
Nemlich wann mer’s recht is, hawwe ſe uffm Radhaus doch
bloß die Steiererheehunge abgelehnt. Neie Steiern weern
ſe alſo effennduwäll zugenglich . . . No un do will ich unſere
Stadtverwaldung in ihre namenloſe Nod beiſpringe, und will=ere
e paar neie Steierbleen aus de Armel vun meine Nachtjack ſchid=
dele
, vun dene ich a’nemm, daß ſe alle Baddeie recht ſin, un
daß die Steiern in jed Baddeibrogramm baſſe.
Do weer alſo erſtensmol e Nackiche Wadeſteier; mer
kann ſe aach Strimbſparſteier haaße. Die mißt mer
nadierlich ſtaffele. Weibliche Saigling vum zwanzichſte Jahr ab=
wärts
ſin ſteierfrei. Vum zwanzichſte bis dreißichſte Johr kennt
mer monatlich fimf Mack erhewe; vum dreißichſte bis värrzichſte
Johr; zehe Mack; vum värrzichſte bis fuffzichſte Johr: fuffzeh
Mack; iwwer fuffzich Johr: zwanzich Mack monatlich. Die Schebb=
baaniche
bezahle in jeder Klaß fuffzich Brozent Zuſchlag. Ehn=
lich
kennt mer aach die Mannsleit, die wo mit nackiche Knie
odder Briſt erum laafe, ſteierlich packe.

Zweidens: wie weer’s mit=ere Drebſcheibſteier?
Odder=ere Sunndagsmorjens=Bummel=Steier ?
Mer mißt do nadierlich dorch Beowachdunge feſtſtelle, wo meh.
zu hole is; bei dene, die wo awends die Drehſcheib am Faixe=
Eck bevölkern, odder bei dene, die wo Sunndagsmorjends nooch
de Kärch ſich uff de Rhein= un Wilhelmineſtroß braad mache;

wann mer net ſchlauerweis alle zwaa baade Effentuallidäde
gleicherweis ſteierlich faſſe will.
Die Verbraucherſteier is aach noch net ganz aus=
gebaut
. Zum Beiſpiel is noch net feſtgeſtellt, wieviel Luft aaner
verbraucht, odder wieviel Platz, uff de Quadradzendimeder be=
rechent
, jeder wahlberechdichte Bärjer mit ſeim Korbuß ver=
braucht
Aach do kennt mer, wann mer vernimfdicherweis e
Grenz zieht, bis zu dere e ſolcher Verbraucher ſteierfrei bleibt,
doch noch allerhand Steiereinnahme zuſamme bEge.
Um die ſogenannte Kobbſteier wärrn mer aach net
ganz erumkumme. Awwer aach die geheert geſtaffelt, un zwar
nach Dick=, Wärrſchings=, Knorrn= un Waſſerkebb. Die Hut=
nummer
is maßgäwend. Diejeniche, die wo kaan Kobb hawwe,
ſin ſteierfrei; diejeniche, die wo kaan Hut hawwe, bezahle fuffzich
Brozent Zuſchlag.
Die Gedrenkeſteier find vermudlich kaan Aklang. Awwer
wie weers mit=ere Feldwäwelſteier? Die kennt mer
ſogar nooch zwaa Seide ei dreiwe; erſtens muß derjeniche Steier
bezahle, der mehr wie en fingerbraad Dräſſe druff ſetzt, un
zweidens derjeniche, der wo ſich’s gefalle leßt.
Un vun de Feldwäwelſteier zu de Flaaſchworſcht=
ſteier
is kaan großer Schritt. Nemlich bekanntlich haaßt’s doch,
wer in Darmſtadt emol en Kringel Flaaſchworſcht gäſſe hott, der
is net mehr fortzubringe. Alſo is die Flaaſchworſcht e ganz her=
vorragendes
Steierobbjäckt. Erſtens is es emol e Inlandgewächs
un vun kaaner Widderung abhengich; un zweidens ruht kaan
Zoll druff. Un was die Haubtſach is, de greeßte Daal vun däre
Steier muß vun de Fremde gedrage wärrn, dann die aldei=
geſäſſene
Bärjer eſſe Schmierkees. Wann ſich die Metzjer druff
enausredde wolle, daß die Flaaſchworſcht net unner die Worſcht=
ſteier
, ſundern unner’s Waſſergeld falle dhet, ſo muß mer
däß als böswilliche Behaubdung zurickweiſe.
Vun=ere Raſierklingeſteier hab ich aach ſchun was
leide heern. Wann die ei gefiehrt wärd, mißt mer nadierlich
aach ’s Nackeraſſiern beſteiern, dann was de Mannsbilder
vorne recht is, is de Weibsleit hinne billich; wer ſich alſo kimf=
dich
die Hoorn aus de Ank raſſiern leßt, muß äwenfalls Steier
bezahle.
Vun de Beſchäfdichungsſteier halt ich dohärngäje net viel,
die bringt nix mehr ei. Ja frieher, wo mer die Rentner ge=
hatt
hott, dene ihr aanzich Beſchäfdichung dodrinn beſtande hott,
daß ſe de ganze liewe lange Dag nis wie Kubboh abgeſchnidde
hawwe, un die wo vun däre Beſchäfdichung als Schwiele an de
Hend hadde, wie en Stadtdaglöhner, alſo wie der Rentnerberuf
noch im Floribuß war, do hett ſich ſo e Beſchäfdichungsſteier
gelohnt; awwer heit
Wie weer’s dohärngäje mit=ere Fremdeſteier? Ich
maan do net, daß mer die Fremde beſteiern ſoll, die ſich emol im
Vabeigeh bei uns uffhalte, ſundern ich maan die Fremde,
die wo ſich unſer Städtche im Vabeifohrn agucke. Schun
de Dummbach hott druff hiegewiſſe, daß die Eiſebah’ en kollo=
ſaler
Nutze for Darmſtadt is dann wieviel Leit fahrn jetzt
an Darmſtadt vabei, die wo frieher nie vabeigefahrn weern.
Rächent mer do jetzt noch die Audomobill dezu, un erhebt vun

jedem Fremde, der wo an Darmſtadt vabei fehrt, valleicht en
Dorchsfahrtszoll, do dhet’s Gäld räjene.
Un ſchließlich un endlich, wie weer’s, wann mer aach noch e
Schimbfſteier eifiehrn dhet? Alſo was mich bedrifft, ich
bezahl gärn e paar Mack Steier, un daal dofor emol e band=
rolliertes
Rindsviech aus, mir kimmt’s net druff a' wann ich
emol iwwer ärchend en Bleedſinn, ſo recht aus vollem Härze
eraus ſchimbfe muß, und muß bläche. Awwer däß Baddei=
geſchimbf
, des leere Geſchwätz, die verlogene Schlagwörder, un
alles un jedes, was Deitſchland, un ſeim Aſähe, un ſeiner Zu=
kumft
, ſeim Beſtand, un ſeim Widderuffbau ſchadde dhut, däß
geheert ganz unhaamlich beſteiert. Un wann do aus Verſähe
aach emol en Miniſter, odder ſo, en Steierzeddel vorgeſetzt krickt,
ſo macht däß faſt gornix. ’s freecht ſich bloß, ob mer die Steier
als Gemeindeſteier gälde loſſe will. Odder ob mer net, ihrer
Ausgiewichkeid zulieb, widder e Reichsſteier draus macht. No,
in dem Fall kennt mer jo gewiſſe Ausdrick un Wörder de Ge=
meinde
als Sonderſteier iwwerloſſe. Zum Beiſpiel do kenn ich
ſo e Wort, eichentlich ſin’s jo 4 Wörter, un ich will ſe net hie=
ſchreiwe
, ſunſt ſtreiche die ſe mer uff de Redackzion jo doch widder
eraus alſo die Redewendung, dorch die de Götz vun Berlichinge
ſo beriehmt worrn is, ſie klinge zwar net ſchee; un is aach ganz
zwecklos, dann es dhut’s jo doch niemand, un wann’s noch ſo ſehr
vun Härze kimmt; alſo die geheert beſteiert. Im draude Familie=
odder
Freundeskreis, un ſälbſtredend im Thejader, wo ſich’s
jo um die Kulldur dreht, do will ich ſe als ſteierfrei gälde loſſe.
Awwer in de Effentlichkeit, bei bollidiſche Verſammlunge un ſo,
do geheert ſe beſteiert, un däß gehörich. Wer alſo do in=ere De=
badde
, odder, ſo, noch emol ſeecht kaa Angſt, ich ſchreib’s
net hie alſo wer däß ſeecht, muß e Mack
=Steier
bezahle. Un wer die Redewendung zu=ere Wälda ſchauung
erhebt, indem er ſeecht: Die ganze Wäld... der mißt nadier=
lich
uff de Kobb. der Bevölkerung e Mack bezahle; do gingt
Gäld ei‟.
Alſo, däß ſin ſo e paar vun meine, aus=em Nachtjackärmel
geſchiddelte Steierbleen, un die ſoll emol unſer Stadtverwaldung
bei ihre nechſte Steierverſteicherung uffim Rodhaus ausbiete, die
gehn ab, wie warme Weck
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: Halt, do hab ich noch e Steier
vergäſſe, nemlich die Radioſteier‟ Die mißt nadierlich
äwenfalls geſtaffelt wärrn, jeh nooch de Stunde, wo’s aaner
laud kreiſche leßt; awends nooch zehe Uhr mißte hunnerd Pro=
zent
Zuſchlag druff
*s gibt jo zwar aa Programmnummer, die wo mer aach
nooch zehe Uhr noch heern kann. Däß is, wann’s haaßt:
Funkſtille‟. Awwer däß is meiſtens die letzt Nummer, un
do hab ich leider kaan rechte Genuß devo, dann um die Zeit
ligg ich lengſt im Bedd, un heer ſe ſowieſo net mehr. Vun mir
aus kennde ſe däßhalb die ſälden Programmnummer öfter, un
ſchun awends vun acht Uhr ab eidräde loſſe, do hett mer doch
aach was devo
Nu gibt’s awwer Leit, die worde uff die Tagesneiichkeide‟,
die wo mer dorch Druck odder Schrift zu gewärbliche Zwecke
net weiderverbreide därf. Alſo ſo Leit kenne net ſchloofe, wann
ſe die net geheert hawwe. Un wann ſe ſe geheert hawwe,
kenne ſe erſt recht net ſchloofe. Dann es is meiſt nix Scheenes,
was mer de zu heern krickt, un ich maan, däß dhet mer de
annern morjend noch frieh genuch in de Zeidung läſe, un hett
dann de Dag iwwer Zeite es widder zu vergäſſe
Ehnlich wie mit de Funkſtille im Radio, is es mit de
Bollezeiferje im Heſſelendche. Die hawwe aach kaan annern
Zweck, als wie däre uffgeregte Menſchheit emol e bische Ruh zu
gönne, damit ſe ſich widdermol uff ſich ſälbſt beſinne kann. Sie
wärrn uff die Art emol uff e paar Woche, dorch die zwangs=
meßiche
Ferie vum Ich, befreid vun ihrm Leiden am Ich‟.
Un was die Bollezei is, die kann dodorch in de Böllezei=
ferje
widder mol ihrem eichendliche Beruf noochgeh, was
ſe jo die Woch dorch die groß Razzia in un um Darmſtadt be=
wieſe
hott. Ich maan, uff die Art weer uns Bärjer mehr ge=
dient
, als wann unſer Bollezei Dag for Dag, Awend for Awend
un Nacht for Nacht Verſammlunge un Umziech beſchütze mißt,
bei dene doch weider nix eraus kimmt, als wie e koſtſpielich
Gerichtsverhannelung un, jedenooch, e paar Woche, odder e paar
Monat Kittche. Un ich maan aach, daß mer unſer Kittche
needicher brauche kennte, als wie for die bollidiſche Hitzeblitz ..."
Hoffentlich widderholt die Bollezei die Razzias öfters,
damit mer widder mit Schiller ſage kenne: Denn den braven
Bircher ſchrecket nicht die Nacht, die den Beeſen ſchrecklich
wecket, denn das Auge des Geſetzes wacht.
Wann dohärngäje die Bollezei bloß driwwer zu wache‟
hott, daß die bollidiſche Kwehrkebb kaan Unfug a’ſtelle, dann
hott ſälbſtredend däß lichtſcheie Geſindel freie Baß un kann
ſeim ſchlechte Gewärwe noochgeh, zum Schade vun de gefamde
Bärjerſchaft . . ."

Der zeitgemäße Haushalt.

Speiſezettel vom 6.12. Inli 1931.
Montag, den 6. Juli:
Kerbelſuppe
Kartoffelauflauf mit Käſe ...
Grüner Salat ..
Dienstag, den 7. Juli:
Gebr. Grießſuppe ..
Bratwurſt
Römiſchkohl und Kartoffeln .....

Mittwoch, den 8. Juli:
Grüne Erbſenſuppe .
Quarkklöße mit Rahm
Donnerstag, den 9. Juli:
Obſtkaltſchnle
Makkaroniauflauf..
Pilzgemüſe .. . . . .
Freitag, den 10. Juli:
..
Reisſuppe .
Matjes=Heringe

Grüne Bohnen, Kartoffeln ..
Obſt.

Samstag, den 11. Juli:
Blumenkohlſuppe
Kirſchenmichel . . . . *
Sonntag, 11. Juli:
Klare Brühe*) mit Einlage".
Ente mit Erbſen, Kartoffeln
Fruchteis

* Breiſch wird Montag verwendet,

0,30 1,94 0,45 260 0.30 1,50 1,33 1: 3.13 0,60 * 2,75 3,35 0,60 * 1,05 2 * * 1.10 275 * = 0.30 . 1.20 * * * * 1,25 * * * - * * 0.40 3,.15 . 0,60 * * 2,50 3.0 0,40 5,75 1,60 775

Kartoffeln in der Schale kochen, in Scheiben ſchneiden. Küchen=
wunder
oder feuerfeſte Form gut buttern, 1 Lage Kartoffeln, in
Scheiben geſchnittener Tilſiter Käſe, Butterflocken, dann wieder=
holen
, als letzte Lage Käſe mit Butterflöckchen. Nun ſtellt man
dieſes etwa 10 Minuten in den Ofen, unterdeſſen quirlt man
3 Eier mit Salz und ½8 Liter Milch, gießt über den Auflauf und
backt 20 Minuten. (Man benötigt etwa ¼ Pfund Käſe.)
2½ Pfund trockenen Quark durchſchlagen, 5 Eier, Salz, 60 Gr.
Mehl gut durchrühren, auf ſtark bemehltes Brett legen, mit dem
Eßlöffel Klöße abſtechen, in kochendes Salzwaſſer, ſobald die Klöße
ſteigen, ſofort rausnehmen. Mit reicht Zucker und ſauren Rahm
dazu.
*
Fettflecke in Milchglasſcheiben. Wenn in den
matten Milchglasſcheiben Fettflecke entſtanden ſind, ſo reibe man
ſie mit einer halbierten Zwiebel ein und dann mit einem ſauberen
Lappen nach. Meiſt verſchwinden ſie ſchon bei einmaliger Be=
handlung
völlig.
Die Küche im Juli.
An Gemüſen herrſcht im Juli ſchon ein gewiſſer Reichtum,
ſtellen ſich doch neben den zarten Karotten ebenſolche Schoten,
grüne Bohnen, junge Kohlrabi, weiße Rüben, Blumenkohl, Stein=
pilze
und für wohlgefüllte Börſen Champignons zur Verfügung.
Salatgurken und Kopfſalat ſind weitere Gaumengenüſſe.
An Obſt ſind zu den köſtlichen Erdbeeren noch die Johannis=,
Him= und Brombeeren ſowie Kirſchen hinzugekommen, zu denen
ſich ſpäter noch die Pfirſiche und Aprikoſen geſellen.
An Schlachtfleiſch iſt namentlich das Hammel= und Kalb=
leiſch
von beſonderer Güte, ebenſo Rind= und Schweinefleiſch.
An Fiſchen ſtehen der Hausfrau neben Schellfiſch, Seelachs,
Barſch die etwas teureren Fiſchſorten: Aal, Hecht, Forelle, Lachs,
Schleie, Steinbutt, Seezunge, Krebſe und Garneelen zur Ver=
fügung
. Von beſonderer Preiswürdigkeit und Güte ſind auch wie=
A. L.
der die friſchen Heringe.
Hirſchragout. Ein in Stücke geſchnittenes Hirſchblatt
koche man mit Speck, Zwiebeln, Salz, Pfeffer, Gewürz, zerſchnitte=
nen
Pfeffergurken, Zitronenſchale und Gewürzkräutern und eini=
gen
Wachholderbeeren weich. Verkoche gebräuntes Mehl mit der
Kochbrühe zu dicker Soße, ſchmecke dieſe mit Eſſig und Zucker ab,
gebe das Fleiſch hinein und laſſe es noch 10 Minuten darin
E.
ziehen,

Schade, Elli, du hätteſt eine halbe Stunde früher kommen
ſollen! Der mit der weißen Hoſe war ſo ein hübſcher Junge!
(The paſſing Show.)
Paul, du haſt doch hoffentlich den Schirm da, den ich dir
geſtern geliehen habe?! Rein, den habe ich Julius geborgt!
Unangenehm! Der Freund meines Kollegen, der den Schirm
von ſeinem Kameraden geliehen hatte, ſagt, der rechtmäßige Be=
(Humour.)
ſitzer möchte ihn zurückhaben!
Die Verliebten. Was haſt du denn deiner Braut zum
Geburtstag geſchenkt? Ernen Lippenſtift aber das meiſte
Krf
davon habe ich ſchon zurückdekommen.

[ ][  ][ ]

Das Cape
Selbſt jene, die mit der Mode nicht in engſtem Kontakte
ſtehen, ſind in der Lage, den beſonderen Schick und die außerordent=
liche
Eigenart des Capes beurteilen zu können. Seine flotte und
gleichzeitig jugendliche Note fällt auch dem flüchtigen Beobachter
auf, ſo daß es durchaus erklärlich erſcheint, wenn man dieſer
Modeform größtes Intereſſe entgegenbringt.
Manche Damen waren vorerſt der Meinung, daß das Cape
nur ſehr ſchwer wieder Eingang in die Mode finden würde, weil
die großen Salons ſchon zu oft und vergeblich verſucht hätten,
dieſe Silhouette in den Vordergrund zu rücken.
Der große Erfolg dieſer Mode während der letzten Wochen
hat aber ſelbſt die Skeptiſchen eines anderen belehrt.
Eigentlich dürfte es nicht wundernehmen, daß dieſe Mode=
form
gerade jetzt durchzudringen imſtande iſt, denn ihr Erfolg
hat ſeinen Grund nicht nur darin, daß man für den Hochſommer
das Cape ſehr zu ſchätzen weiß (da es leichter und luftiger iſt als
jede andere Umhülle), ſondern iſt auch inſofern gerechtfertigt, als
man ja allgemein vom ſachlichen Bekleidungsſtil abgegangen iſt
und in jeder Hinſicht die dekorative Richtung betont, zu der ja
das Cape zweifellos zu zählen iſt, da es an und für ſich maleriſch
und phantaſievoll wirkt.
Wie dies ſchon ſo oft bei Moden geſchah, die anfänglich mit
größter Zurückhaltung aufgenommen wurden, war es auch dies=
mal
der Fall: das Cape, dem eigentlich niemand den großen Er=
folg
zutrauen wollte, ſteht mit einem Male im Mittelpunkt aller
modiſcher Diskuſſionen, ja iſt ſogar ſchon darüber hinaus, da es
in den führenden Werkſtätten zu den abſolut anerkannten Mode=
formen
zählt und ſogar ſchon eine gewiſſe Popularikit erlangen
konnte.
Dieſem Umſtande iſt es zuzuſchreiben, daß man dem Cape auf
allen Gebieten begegnet, es alſo nicht nur in der Trotteurkleidung
verwendet, ſondern auch in der nachmittäglichen Garderobe gerne
ſieht und natürlich für den Abend in zahlreichen Varianten zur
Geltung zu bringen trachtet, weil in dieſem Falle die eigenartigſten
Formen zu verzeichnen ſind, die vielfach die neue Biedermeier=
note
betonen, von der immer wieder die Rede iſt, da dieſer Stil
nach und nach beſonders die Abendmode zu beherrſchen beginnt
und mit außerordentlichem Beifall bedacht wird. Die abendlichen
Umhüllen aber begnügen ſich nicht mit der Capewirkung als ſol=
cher
, ſondern bringen ſie noch mit einem flotten Paletot=Effekt
in Verbindung, ſo daß auf dieſe Weiſe in Form des Cape= Pale=
tots
ein neues Schlagwort entſteht. Wir zeigen ein derartiges

Wendbare Hüte
ſind wohl die launigſte Modeſchöpfung, die man ſeit langer Zeit
zu ſehen bekam; ſie entſpringen offenbar dem Wunſche der Dame,
jedes einzelne Garderoberequiſit wirklich reſtlos auszuwer=
ten
, alſo auch den Hut für die verſchiedenſten Gelegenheiten ver=
wenden
zu können. Natürlich muß eine ſolche Form ganz weich
gearbeitet ſein, um bei der Umdrehung nicht zu leiden.
Faſt immer handelt es ſich hier um breitrandige Faſſons, die
auf einer Seite hell, auf der anderen aber dunkel und vollkommen
durchgeſteppt ſind, womit ſelbſt dem weichſten Materiale der nötige
Halt gegeben wird.
Mitunter haben dieſe Hüte rückwärts eine Laſche, durch die
das Hutband gezogen wird, womit eine ſolche Form jene Verſtei=
fung
erhält, die man wünſcht. Abgeſehen davon, entſteht auf
dieſe Weiſe auch ein aparter und vollkommener Farbkontraſt,

Modell in unſerer letzten Skizze; es handelt ſich hier um einen
ärmelloſen Paletot (natürlich aus dem Materiale des betreffen=
den
Abendkleides), der einen ſchmalen, rückwärts verknoteten
Leiſtchenkragen bringt, an den ein Cape angearbeitet iſt, das mit
drei Rüſchenreihen abſchließt. Der anmutigen Wirkung eines ſol=
chen
Modells (das den Cape=Effekt durchaus wahrt, aber inſofern
viel praktiſcher iſt, als man immerhin einen kompletten, tadellos
anliegenden Mantel beſitzt, der die Figur ſchmal und groß erſchei=
nen
läßt) wird ſich zweifellos niemand verſchließen können.
Im Gegenſatz zu dieſer beſonders phantaſiereichen Silhouette
ſtehen die ſchlichteren Capeformen, die man für Trotteurzwecke ver=
wendet
; hier ſei in erſter Linie an die verſchiedenen undurchſichti=
gen
buntdeſſinierten Seiden, wie Maroccain=Imprime, aber auch
an die immer noch gebräuchlichen Flamenga=Materialien, wie auch
an bunte Rohſeiden (Douppions) gedacht, die ſich ganz ausgezeichnet
präſentieren. Im allgemeinen handelt es ſich hier um ſchlichte
Laufkleider mit Gürtelgarnierung und gefälteter Rockpartie;
kleine Capes erſetzen die Aermel und ſind für heiße Tage ſicherlich
das Richtige; die einzige Garnierung pflegt aus einem hellen
Streifen an der Innenſeite des Halsleiſtchens zu beſtehen, der in
ſeiner Farbe mit dem Hut und den Handſchuhen übereinſtimmt.
(Bild 1.)
Von flotteſter Wirkung ſind auch die Capes, die die Strick=
mode
auf ihren neueſten Schaffungen zeigt; die letzten Modelle
ind aus einem ausgezeichneten, ganz poröſen Jerſey oder aus Sei=
denmilanaiſe
verfertigt, mitunter aber gibt es auch vorzügliche
Entwürfe, die in Bouclé zur Ausführung gebracht werden; ſolche
Modelle ſind für jeden Verwendungszweck und für jede Tageszeit
brauchbar, weil ſie ſich ebenſogut für die Promenade wie für Be=
ſuche
heranziehen laſſen und ſogar als kleine Kleider für die
Reiſe als abſolut ideal zu bezeichnen ſind. Ein flotter Lackleder=
gürtel
ſieht in Verbindung mit dieſen Strickmodellen entzückend
aus. (Bild 2.)
Die nachmittägliche Mode ſteht wie nicht anders erwartet
wurde im Zeichen des Imprimes, da man natürlich gerne die
Gelegenheit ergreift, durch Farbenfreude gute Wirkungen zu er=
zielen
. Die reizendſten Kleider verwenden heuer Sonnenpliſſés
als Attribute der Eleganz. Die kleinen Capeumhüllen, die hier
vorgeſehen werden, pflegen mit Fell gerandet zu ſein, womit eine
neuartig=originelle Note entſteht. Completkleider dieſer Art ſind
ebenſogut für den Nachmittag wie für den Abend verwendbar,
weshalb ihnen beſondere Beachtung geſchenkt wird. (Figur 3.)
Man ſieht alſo, daß die Cape=Linie in jeder Hinſicht Intereſſe
verdient und ſicherlich nicht nur eine Eintagsmode darſtellt, ſon=
dern
zweifellos auch auf die Entwicklung der kommenden Sil=
houette
beſtimmenden Einfluß nehmen wird. Willy Ungar.

Ein halbſportlicher Schuh
der ſich als beachtenswerte Variante der modernen Sandalen=
formen
darſtellt und mit ſeinem flachen Abſatz und der ſchmieg=
ſamen
Kreppgummiſohle als außerordentlich bequem bezeichnet
werden darf, ſollte in keiner Garderobe fehlen, da man für eine

ſolche Beſchuhung, die auch den Vorteil bietet, keineswegs koſt=
ſpielig
zu ſein, immer Verwendung hat.
Es gibt derartige Modelle (die in der Hauptſache für den
Weg zum Bade beſtimmt ſind) in Weiß mit ſtrandſchuhähnlicher
Verſchnürung (Bild 2), aber auch in beige=braun (Figur 1), in
dieſem Falle für kleine Ausflüge zum einfachen Trotteurkleide
gedacht ...!
Dieſe Art der Beſchuhung ſtellt das langentbehrte Mittelding
zwiſchen ſportlicher Note und Promenadeſtil dar, ſo daß dieſe
Faſſons dem allergrößten Beifall begegnen.
R. H.

Stranddreß und Waſſerball
in Uebereinſtimmung zu bringen, iſt eine Errungenſchaft der aller=
letzten
Mode, und man muß ſagen, daß hier eine Wirkung ent=
ſteht
, die entzückend iſt und im beſten Sinne auffällt.
Dieſe Geſamtwirkung wird natürlich in den Farben zum Aus=
druck
gebracht, was auch keineswegs ſchwierig iſt, da man Bälle
in allen Schattierungen bringt und ſie ſomit der Stranddreß an=
zugleichen
vermag. Man denke ſich alſo etwa einen aufpumpbaren
Rieſenwaſſerball in weiß=gelb=blau und trage zum Strandanzug

(oder zur Gymnaſtikdreß, wie man dieſe neue Variante des Py=
jamas
mit kurzer Hoſe auch zu nennen pflegt) einen geſtrickten
Pullover mit flächenhaften Intarſien in den oben erwähnten drei
Farben.
Natürlich kann man ein ſolches ärmelloſes, flott gegürtetes
Strickmodell nicht nur für dieſen Zweck heranziehen, da ja ſeine
Hauptverwendung für die Promenadeaufmachung gegeben iſt, in
welchem Falle jedes dieſer Pullover=Modelle (beiſpielsweiſe in
Verbindung mit einem weißen Faltenrock) ausgezeichnet wirkt.
Aber auch für den Tennisſport, für Segelbootfahrten
uſw. iſt ein ſolches Modell ſehr notwendig, wie man ſich ja über=
haupt
jetzt erſt vollkommen bewußt geworden iſt, daß die Urlaubs=
und Strandgarderobe ohne einen entſprechenden Pullover über=
haupt
nicht beſtritten werden könne. In unſerer Skizze zeigen wir
eines dieſer Strand=Pullover=Modelle in der früher erwähnten
neuartigen Verwendung, die ihnen nun auch auf dieſem Gebiete
ſicherlich viele Freunde bringen dürfte.
W. U.
Ein vornehmer Hund reiſt
ſtandesgemäß
denn wozu gehörte man ſonſt wohl einer geſuchten Raſſe an, wozu
in aller Welt beſäße man ſeinen Stammbaum mit Ahnen und
Urahnen, auf die man ſtolz ſein darf, wozu wäre man der grotesk
ausſehende, aber vollendet elegante Begleiter ſeines Frauchens,
wenn man ſich dann etwa auf Reiſen quälen, in unbequeme Ecken
verſtoßen laſſen, kurzum nur der Geduldete im Wagenabteil
ſein müßte
Ah. nein! Der moderne Hund hat Standesbewußtſein, weiß,
was er ſich ſchuldig iſt! Er wünſcht in einem entzückenden, hand=
lichen
Köfferchen zu reiſen, das die Farbe des übrigen Gepäcks ſei=
ner
Herrin hat und ſomit ihm und ihr zur Ehre gereicht. Dieſes
Köfferchen muß natürlich ſeitlich mit einer gelochten Wand ver=
ſehen
ſein, um die notwendige Luftzufuhr zu ſichern und auch ein
wenig Ausſicht zu gewähren (denn man will ſchließlich, auch wenn
man ein Hund iſt, ſehen, was vorgeht!) Auch muß ein Vorhang
vorhanden ſein, der aufzurollen iſt, gelegentlich aber ausgezeichnet
vor Zugluft ſchützt, denn der elegante Hund weiß, daß Ueber=
empfindlichkeit
eine vornehme Geſte ei ...!
W. U.

[ ][  ][ ]

Nummer 284

Sonntag den 5. Juft 1931.

Seite 35

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