Darmstädter Tagblatt 1931


30. Juni 1931

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Ginzelnummer 10 Pfennlge

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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche iluſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 179
Dienstag, den 30. Juni 1931.
194. Jahrgang

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Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streilt
erliſche
jede Verpflichtung auf. Erf
35.
der
aufträge und Teiſung von Schadenerſatz
Hei
Jonkurs oder ge
her Beitreibung fälli jeder
Nabatt weg.
Deutſche
and und Darme
lädter und Nalonabani.

Die Pariſer Entſcheidung auf Mittwoch bertagt.
Die bisherigen franzöſiſch=amerikaniſchen Verhandlungen ergebnislos. Die Meinungsverſchiedenheiten
beſtehen weiter. Frankreich bleibt unnachgiebig. Die Enkſcheidung wieder verkagk.
Das Weiße Haus erwartet daher heute abend die Entſcheidung
darüber, ob die franzöſiſche Regierung zu einem Eingehen auf
Deutſchland in Erwarkung
den Plan Hoovers bereit iſt. Man betrachtet die Lage hier zwar
als delikat, aber nicht als hoffnungslos, doch iſt man ſich darüber
des Pariſer Ergebniſſes.
im klaren, daß das amerikaniſche Parlament nie auf den Plan

* Ueber die letzte Phaſe der Pariſer Verhandlungen, die in
den frühen Nachmittagsſtunden des Montag, zu einer längeren
Pauſe führten, um inzwiſchen dem franzöſiſchen Miniſterrat Ge=
legenheit
zur Beratung zu geben, iſt an unterrichteter Berliner
Stelle noch nichts bekannt. Man weiß nicht einmal, ob die Dinge
wirklich ſchon ſoweit gediehen ſind, daß bei der Fortſetzung der
Beſprechungen am Montag abend um 9.30 Uhr für den Lauf der
nächſten Zeit mit einem endgültigen Abſchluß zu rechnen iſt. Die
Amerikaner haben zwar bis zum Sonntag die deutſche Regierung
auf dem Laufenden gehalten. Der amerikaniſche Botſchafter in
Berlin, Sackett, hat am Sonntag und auch am Montag vormittag
noch im Auswärtigen Amt vorgeſprochen und dabei den Eindruck
hinterlaſſen, daß Herr Hoover nicht bereit iſt, den ſehr weitgehen=
den
franzöſiſchen Forderungen entgegenzukommen. Jedenfalls
hält er daran feſt, daß, ſelbſt wenn Deutſchland die ungeſchützten
Annuitäten in Reichsmark an die B. J.3. weiterzahlen und als
Kredit zurückerhalten ſollte, die Rückerſtattung erſt nach längerer
Friſt erfolgen darf, damit Deutſchland wirklich ein ganzes Jahr
zur Erholung hat.
Die deutſche Regierung hat allen Verſuchen der Franzoſen,
ſie unmittelbar in die Verhandlungen hineinzuziehen, widerſtrebt,
weil ſie wohl mit Recht fürchtet, daß dann der Augenblick kommen
könnte, daß Amerika ſich desintereſſiert und die Regelung der
Zahlungen einer deutſch=franzöſiſchen Ausſprache überläßt, die
dann auf unſere Koſten gehen würde. Deshalb hat auch in Berlin
bisher keine Neigung beſtanden, einer Einladung nach Paris zu
entſprechen, ſolange die franzöſiſch=amerikaniſchen Verhandlungen
noch nicht zum Abſchluß gekommen ſind. Ob dann noch Raum für
eine Einladung iſt, bleibt abzuwarten. Die Art, wie der fran=
zöſiſche
Miniſterpräſident in der Kammer aufgetreten iſt, und der
ganze Ton der Franzoſen könnte es angezeigt erſcheinen laſſen,
vielleicht den Gedanken an einen ſolchen Beſuch zurückzuſtellen, bis
die Atmoſphäre in Paris wieder beſſer geworden iſt. Indeſſen
ſind das ſpätere Sorgen.
Zur Stunde dreht ſich alles um die Frage, ob und auf wel=
cher
Linie die Franzoſen und die Amerikaner ſich finden. Mellon
ſcheint darauf zu beſtehen, daß die Verſtändigung unter allen Um=
ſtänden
noch vor dem 1. Juli erreicht wird, damit zu dieſem Zeit=
punkt
dann die Erleichterungen für Deutſchland in Kraft treten
können. Geſichert aber iſt das Ergebnis noch keineswegs. Es
iſt theoretiſch wenigſtens immer noch möglich, daß die franzöſiſche
Regierung hartnäckig bleibt und es auf einen Bruch ankommen
läßt. Wenn auch niemand recht daran glauben will, daß die
Franzoſen die Gefahr einer ſolchen Iſolierung auf ſich zu nehmen
wagen. Kommt es dagegen zu einer Einigung, dann wird ver=
mutlich
Frankreich den übrigen Hauptgläubigerſtaaten eine ent=
ſprechende
Mitteilung zukommen laſſen, von denen wohl weiter
keine Schwierigkeiten zu erwarten ſind, und dann erſt wird man
an Deutſchland herantreten, das ja bisher nur ſeine Zuſtimmung
zu dem Hoover=Plan ausgeſprochen hat, das aber wahrſcheinlich,
wie die Dinge liegen, auch einem abgeänderten Hoover=Plan bei=
treten
würde, aus der Ueberlegung heraus, daß damit vom 1.
Juli ab ein volles Transfer= und Aufbringungs=Moratorium für
ein Jahr geſichert iſt und dadurch eine Anlaufsmöglichkeit gewon=
nen
wird, um inzwiſchen eine völlige Neugeſtaltung des Young=
Planes betreiben zu können.
Die Pariſer Beſprechungen über den Hoover=Plan.
EP. Paris, 29. Juni.
Die franzöſiſch=amerikaniſchen Verhandlungen über den Hoo=
ver
=Plan wurden heute vormittag 10.30 Uhr wieder aufgenom=
men
. Auf amerikaniſcher Seite waren Schatzſekretär Mellon und
der Botſchafter Edge, auf franzöſiſcher Seite Miniſterpräſident La=
val
, Außenminiſter Briand, Finanzminiſter Flandin und Unter=
ſtaatsſekretär
Franklin=Bouillon zugegen. Die Konferenz dauerte
bis 12.15 Uhr. Der Miniſterpräſident verlas ein Communiqué,
das lediglich betont, daß ein neuer Gedankenaustauſch ſtattgefun=
den
habe. Für heute nacht 21.30 Uhr iſt eine neue Konferenz ein=
berufen
worden. Die Tatſache, daß zwiſchen dieſen beiden Be=
ſprechungen
ein Miniſterrat angeſetzt wurde, der um 6 Uhr be=
gann
, ſcheint zu beweiſen, daß die franzöſiſchen Unterhändler ſich
außer Stande ſehen, dieſe hochwichtigen Verhandlungen ohne Bil=
ligung
des Geſamtminiſteriums und des Präſidenten der Repu=
blik
, der dem Miniſterrat vorſteht, weiterzuführen.
Inzwiſchen wird Mellon ſich, wie ſchon mehrmals in den letz=
ten
Tagen, telephoniſch mit dem Weißen Haus in Verbindung
ſetzen. Der deutſche Botſchafter v. Hoeſch wird heute abend dem
Außenminiſter Briand einen Beſuch abſtatten. Der Eifer, mit
dem alle dieſe diplomatiſchen Beſprechungen geführt werden, be=
ſtätigt
anſcheinend, daß Präſident Hoover unbedingt ſeinen Vor=
ſchlag
bis zum 1. Juli angenommen ſehen möchte. Schatzſekretär
Mellon dürfte auf dieſen Punkt auch beſonders heute morgen hin=
gewieſen
haben.
Amerika gegen Berwäfſerung des Hoover=Plans.
Waſhington, 29. Juni.
Nach einer längeren Konferenz mit Hoover gab Unterſtaats=
ſekretär
Gaſtle heute die poſitive Erklärung ab, daß Amerika keinen
Vorſchlag annehmen werde, der nicht dem Sinn und dem Zweck
des Hooverplanes vollkommen entſpreche. Wie hier verlautet, hat
Mellon dieſes Verlangen heute früh dem franzöſiſchen Miniſterprä=
ſidenten
unterbreitet, der einen Miniſterrat einberief und mit
Mellon eine weitere Konferenz uach Ende der Kabinettsſitzung
verabredete,

Hoovers eingehen werde, wenn er zu ſehr verwäſſert und ſein
eigentlicher Zweck einer völligen Atempauſe für Deutſchland ver=
eitelt
werde. Dies wurde der franzöſiſchen Regierung heute ganz
klar zum Ausdruck gebracht.
v. Hoeſch bei Briand. Doumer beim deutſchen
Bolſchafter.
Der angekündigte Beſuch des deutſchen Botſchafters v. Hoeſch
beim Außenminiſter Briand hat heute abend ſtattgefunden. Der
Präſident der Republik, Doumer, hat heute nachmittag dem deut=
ſchen
Botſchafter v. Hoeſch einen Beſuch abgeſtattet. Es handelt
ſich um einen Höflichkeitsbeſuch, wie ihn der Präſident der Repu=
blik
den diplomatiſchen Vertretern ſämtlicher Länder in Erwide=
rung
auf die Glückwünſche des diplomatiſchen Korps anläßlich ſei=
nes
Amtsantritts abſtattet.
Noch keine Einigung.
Die franzöſiſch=amerikaniſchen Verhandlungen über das
Hoover=Angebot und die von der franzöſiſchen Regierung dazu
gemachten Vorſchläge wurden am Montag abend im franzöſi=
ſchen
Miniſterpräſidium fortgeſetzt. Nach Schluß der Sitzung,
die etwa 1½ Stunden dauerte, wurde ein kurzes Communiqus
ausgegeben, in dem es heißt: die amerikaniſchen Unterhändler
Mellon und Edge würden ſich mit Waſhington in Verbindung
ſetzen, um die amerikaniſche Regierung von dem Stand der
Verhandlungen zu unterrichten. Eine neue Zuſammenkunft ſei
für den Mittwoch vormittag vorgeſehen.
Miniſterpräſident Laval weigerte ſich, den anweſenden Preſſe=
vertretern
irgendeine Mitteilung zu machen. Auf den Hinweis
eines Journaliſten, daß man mit der Vertagung der Beſprechun=
gen
bis zum Mittwoch über das in dem Vorſchlag des Präſi=
denten
Hoover feſtgeſetzte Datum hinausgehe, erwiderte der
Miniſterpräſident achſelzuckend, dann müſſe man eben dieſe Friſt
überſchreiten. Der Unterſtaatsſekretär Francois Poncet erklärte,
beide Parteien hielten hartnäckig an ihrem Standpunkt feſt.
Man verzichte jedoch nicht auf die Hoffnung, doch noch zu einer
Einigung zu gelangen.

Zu den franzöſiſch=amerikaniſchen Verhandlungen über
Hoovers Angebot teilt die Information mit, es beſtünden über
die Rückzahlungs=Modalitäten noch ziemlich große Meinungs=
verſchiedenheiten
. Frankreich verlange, daß die unaufſchieb=
bare
Annuität nach fünf Jahren, die aufſchiebbare Annuität
ratenweiſe in fünf Jahren zurückgezahlt werde; die Amerikaner
dagegen ſchlügen die Rückzahlung der beiden Annuitäten in 25
bzw. 37 Jahren vor.
Reichsbahn und Hoover=Plan.
BB. Berlin, 29. Juni. (Priv.=Tel.)
Das Feierjahr des Hooverplanes bringt für Deutſchland ins=
geſamt
eine Entlaſtung von 1500 Millionen, von denen 660 Mil=
lionen
der Reichsbahn zugute kommen. Es iſt deshalb durchaus
erklärlich, daß ſich die Oeffentlichkeit bereits lebhaft mit der Frage
befaßt, wie dieſe freiwerdenden Summen nutzbringend anzulegen
ſind. In dieſem Zuſammenhang dürfte jedoch die allgemeine
Finanzlage der Reichsbahn eine beſondere Rolle ſpielen. Wie wir
hören, hat die Reichsbahn bereits 227 Millionen ihrer Reſerven
zur Abdeckung des Defizits des laufenden Jahres in Anſpruch neh=
men
müſſen. Das wird jedoch kaum genügen, um bis zum Ende
des Haushaltsjahres durchzukommen, und man rechnet bereits da=
mit
, daß die Reichsbahn mindeſtens 450 Millionen der etwa 500
Millionen betragenden Reſerven in Anſpruch nehmen muß. Da=
mit
wären alle Reſerven aufgebraucht, ſo daß die Reichsbahn ohne
irgendwelche Rücklage ins neue Rechnungsjahr gehen müßte. Die=
ſer
Zuſtand wäre fraglos auch für die Tarifpolitik der Reichsbahn
von größerer Bedeutung. Das Reparationsfeierjahr bringt nun
der Reichsbahn im laufenden Haushaltsjahr, da Feierjahr und
Haushaltsjahr nicht zuſammenfallen, eine Erſparnis von 330 Mil=
lionen
. Aber auch dieſe Summe ſteht der Reichsbahn nicht ohne
weiteres zur Verfügung, da das Reparationsaufkommen der
Reichsbahn dem Reich zunächſt als Steuer zufließt, ſo daß der
Reichsverkehrsminiſter erſt dann in Verfolg der Vorſchläge der
Reichsbahn, im Einvernehmen mit dem Reichskabinett, die Frage
der Verwendbarkeit dieſer Summen klären kann.
Es iſt jedoch kaum damit zu rechnen, daß auf Grund der
Reparationserſparniſſe eine Tarifſenkung vorgenommen wird,
die bei Ablauf des Feierjahres ohnehin wieder rückgängig ge=
macht
werden müßte. Inwieweit eine Erweiterung des Ar=
beitsbeſchaffungsprogramms
der Reichsbahn in Frage kommen
kann, läßt ſich noch nicht überblicken. Zunächſt rechnet man jeden=
falls
damit, daß die durch das Reparationsfeierjahr erzielten
Erſparniſſe in Reſerve geſtellt werden, um damit das neue
Haushaltsjahr der Reichsbahn zu ſichern. Was nun das im
Zuſammenhang mit der letzten Notverordnung der Reichsbahn
geplante Arbeitsbeſchaffungsprogramm betrifft, ſo ſtehen nach
wie vor die bindenden Zuſicherungen des Stahlwerksverbandes
über einen 100=Millionen=Kredit noch aus und ebenſo bedarf
auch noch die Frage des vom Reich zur Verfügung zu ſtellenden
60=Millionen=Kredits der endgültigen Klärung, was wahrſchein=
lich
im Zuſammenhang mit der Entſcheidung über die Repara=
tionserſparniſſe
erfolgen wird.

Die Verlängerung
des Berliner Verkrages.
Der nunmehr erfolgten Verlängerung des Berliner Vertra=
ges
(Siehe auch, S. 3) zwiſchen Deutſchland und der Sowjet=
union
vom Jahre 1926 gingen diplomatiſche Verhandlungen
voraus, die vom deutſchen Botſchafter von Dirkſen mit dem
Außenkommiſſar Litwinow in Moskau gepflogen wurden.
Während ſeines Berliner Aufenthaltes hat Herr von Dirkſen
über das Ergebnis dieſer Verhandlungen Bericht erſtattet, und
die Reichsregierung ermächtigte ihn, die Verlängerung des
Vertrages vorzunehmen. Die Verlängerung des Vertrages iſt
keine Ueberraſchung, da eine Abänderung der politiſchen und
wirtſchaftlichen Neutralitätsbeſtimmungen eine völlige Verände=
rung
der Grundlage der ſeit Rapallo traditionellen Freund=
ſchaftspolitik
des Deutſchen Reiches gegenüber Rußland bedeuten
würde. Die Verlängerung des Vertrages bringt keine ihalt=
lich
neuen Beſtimmungen, ſo daß er nach wie vor keinerlei
Spitze gegen irgendeine Macht oder Mächte=
gruppe
beſitzt. Die Verlängerung des Vertrages iſt lediglich
dem Wunſche der beiderſeitigen Regierungen entſprungen, dem
allgemeinen Frieden zu dienen. Sie iſt eine Anerkennung der
Tatſache, daß das gemeinſame Intereſſe an der Erhaltung und
Feſtigung des Weltfriedens trotz der Verſchiedenheit der politi=
ſchen
und wirtſchaftlichen Struktur der beiden Staaten Deutſch=
land
und der Sowjetunion die Möglichkeit gibt, in dieſen Frie=
densfragen
vor dem Weltforum zuſammenzuarbeiten.
Der Berliner Vertrag hatte bisher keine Kündigungsfriſt
enthalten. Es war lediglich vorgeſehen, daß die beiden Regie=
rungen
ſich rechtzeitig vor Ablauf der auf fünf Jahre bemeſſe=
nen
Vertragsdauer über die Verlängerung des Vertrags ver=
ſtändigen
würden. In dem vom deutſchen Botſchafter von Dirk=
ſei
und dem Außenkommiſſar Litwinow nunmehr unterzeichneten
Protokoll über die Verlängerung des Vertrages wird in dem
Vertrag eine neue Beſtimmung eingebaut, wo=
nach
der Vertrag jederzeit, d. h. nicht nur am Jahres=
tage
der Unterzeichnung, mit einer einjährigen Friſt
gekündigt werden kann. Allerdings darf dieſe Kün=
digung
erſtmalig am 1. Juli 1933 ausgeſprochen werden,
ſo daß der Vertrag zunächſt auf zwei Jahre ver=
längert
wird. Auch das deutſch=ruſſiſche Schlich=
tungsabkommen
vom Jahre 1929 wird in ſeinen Friſten
dem Berliner Vertrag angeglichen, kann ſomit eben=
falls
jederzeit mit einjähriger Friſt, erſtmalig am 1. Juli 1933,
gekündigt werden.
Die Ratifizierung des Protokolls über die Verlängerung
des Berliner Vertrages hat auf deutſcher Seite der Reichstag
vorzunehmen, auf ruſſiſcher Seite das Zentralexekutivkomitee
der Sowjetunion, da es ſich um einen neuen Staatsvertrag
handelt. In Zukunft wird es einer ſolchen Ratifizierung durch
die geſetzgebenden Inſtanzen nicht mehr bedürfen, da der Ver=
trag
, falls er nicht gekündigt wird, automatiſch weiterläuft.
Gerade in ſeinen wirtſchaftlichen Neutralitäts=
beſtimmungen
iſt der Berliner Vertrag ein Muſter für
den von Litwinow in der Genfer Europa=Kommiſſion vorge=
ſchlagenen
wirtſchaftlichen Nichtangriffspakt im Weltmaßſtabe,
der dort grundſätzlich als wichtige Maßnahme auf dem Wege
zur Sicherung des Wirtſchaftsfriedens und hiermit auch der
politiſchen Beziehungen zwiſchen den einzelnen Ländern an=
erkannt
wurde. In dem Vertrag iſt bekanntlich ſtipuliert, daß,
wenn gegen einen der vertragsſchließenden Teile von einer
Mächtekoalition ein wirtſchaftlicher oder finanzieller Boykott
verhängt werden ſollte, ſich der andere vertragſchließende Teil
einer ſolchen Koalition nicht anſchließen würde. Wichtig iſt
in dieſem Zuſammenhang auch die Beſtimmung wonach die
beiderſeitigen Regierungen in freundſchaftlicher Fühlung mit=
einander
bleiben, um über all ihre beiden Länder gemeinſam
berührenden Fragen politiſcher und wirtſchaftlicher Art eine
Verſtändigung herbeizuführen.
Wenn auf Grund gewiſſer Veröffentlichungen im Auslande
darüber Lärm geſchlagen worden iſt, daß die ruſſiſche Aner=
kennung
des deutſchen Standpunktes inbezug auf ein ſogenann=
tes
Oſtlocarno einen Beſtandteil des nunmehr verlängerten
Vertrags darſtelle und daraus der Schluß gezogen wurde, daß
der Vertrag eine aggreſſive Spitze gegen Polen enthalte, ſo
entſpricht dies in keiner Weiſe den Tatſachen. Der ableh=
nende
deutſche Standpunkt gegenüber einem
Oſtlocarno iſt weltbekannt, und wurde beim Abſchluß des
Locarno=Paktes gegenüber allen Unterzeichnern und ſogar gegen=
über
Frankreich durchgeſetzt. Die Anerkennung dieſes
Standpunktes durch die Ruſſen bedeutet eine
Selbſtverſtändlichkeit, die ein Abweichen der Sowjet=
union
von dieſer Linie die deutſch=ruſſiſchen Beziehungen auf
eine völlig neue Grundlage ſtellen würde. Vollkommen unbe=
gründet
iſt die Inſinuation, daß die Mitteilung über die Ver=
längerung
des Vertrages mit der Abſicht erfolgt ſei, die ruſſiſch=
franzöſiſchen
Verhandlungen zu ſtören. Ganz abgeſehen davon,
daß die Verlängerung des Vertrages in dieſem Zeitpunkt ein=
fach
aus dem Grunde erfolgen mußte, weil der Vertrag am
9. Juni d. J. ablief, hegt Deutſchland keinerlei
Beſorgnis im Zuſammenhang mit den Pariſer
Nuſſenverhandlungen und würde auch keine Einwen=
dungen
gegen einen ruſſiſch=franzöſiſchen Nichtangriffspakt er=
heben
.
Es iſt zu hoffen, daß die Verlängerung des Berliner Ver=
trages
zu einer Beſeitigung der zwiſchen Deutſchland und Ruß=
lano
noch immer beſtehenden Schwierigkeiten und Reibungs=
flächen
beitragen wird. Auf dieſem Gebiet iſt es unter ande=
rem
das traurige Schickſal des Deutſchtums in Rußland, das
weite Kreiſe des deutſchen Volkes mit Sorge erfüllt, ein Ge=
biet
, auf dem die Sowjetregierung durch kluges Entgegenkom=
men
ſehr viel zur Feſtigung der deutſch=ruſſiſchen Beziehungen
tun könnte. Aber auch rein wirtſchaftliche Fragen bedürfen in
mehr als einer Hinſicht einer endgültigen Bereinigung, die nach
der durch die Verlängerung des Berliner Vertrages erfolgten
Bekräftigung der zwiſchen den beiden Ländern beſtehenden
freundſchaftlichen Beziehungen in Angriff genommen werden
müßte.

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Seite 21

Dienstag, den 30. Juni 1931

Nummer 179

Auch das Schlichkungsabkommen
mit dem Verkrag in Einklang gebracht.

Berlin, 29. Juni.
Der deutſche Botſchafter in Moskau, Dr. Dirkſen, und der
ſtellvertretende Volkskommiſſar für auswärtige Angelegenheiten der
Sowjetunion, Kreſtinſki, haben durch Unterzeichnung eines Proto=
kolls
den am 24. April 1926 zwiſchen dem Deutſchen Reich und
der Union der ſozialiſtiſchen Sowjetrepubliken geſchloſſenen Vertrag
ſowie den dazu gehörigen Notenwechſel verlängert. Gleichzeitig
iſt das zwiſchen den beiden Regierungen am 25. Januar 1929 ge=
ſchloſſene
Schlichtungsabkommen mit der Geltungsdauer des ge=
nannten
Vertrages in Einklang gebracht worden.
In dem unterzeichneten Protokoll wird der Abſicht der beiden
Regierungen Ausdruck verliehen, durch die Verlängerung des Ver=
trages
die zwiſchen dem Deutſchen Reich und der Union der ſoziali=
ſtiſchen
Sowjetrepubliken beſtehenden freundſchaftlichen Beziehun=
gen
fortzuſetzen, die im Intereſſe beider Länder liegende Zuſam=
menarbeit
weiterzupflegen und zugleich zur Sicherung des allge=
meinen
Friedens beizutragen. Der Vertrag kann mit einjähriger
Kündigungsfriſt erſtmalig am 30. Juni 1933 gekündigt werden,
andernfalls läuft er automatiſch weiter. Das Protokoll unterliegt
der Ratifikation.
Der evangeliſche Kirchenverkrag unkerzeichnet.
Berlin, 29. Juni.
Im preußiſchen Staatsminiſterium ſind am 29. Juni die Rati=
fikationsurkunden
zu dem Vertrage Preußens mit den evangeli=
ſchen
Landeskirchen zwiſchen dem Präſes D. Friedrich Winckler
und dem preußiſchen Miniſterpräſidenten Dr. Braun ausgetauſcht
worden. An dem Austauſchakt nahmen die preußiſchen Staats=
miniſter
Dr. Hirtſiefer, Dr. Steiger, Dr. Höpker=Aſchoff, Dr.
Schreiber, Dr. Schmidt und Grimme ſowie die geſetzlichen Ver=
treter
der evangeliſchen Landeskirche teil.
Wiederaufbauprogramm der Wirkſchaftsparkei.
Berlin, 29. Juni.
Für Ende dieſer oder Anfang nächſter Woche iſt eine Sitzung
des Parteivorſtandes der Wirtſchaftspartei vorgeſehen, in der die
Vertreter der Reichstagsfraktion. Bericht über den Stand der bis=
herigen
Vorarbeiten zum ſogenannten Wiederaufbauprogramm
der Wirtſchaftspartei erſtatten werden. Das in Ausarbeitung be=
findliche
Programm ſieht bekanntlich eine Reform der Verwal=
tung
und eine grundlegende Aenderung der geſamten deutſchen
Finanzwirtſchaft vor mit dem Ziel der Wiederankurbelung der
Wirtſchaft und der Verminderung der Arbeitsloſigkeit. Die Geſetz=
entwürfe
ſollen jedoch erſt nach Erledigung der ſchwebenden außen=
politiſchen
Verhandlungen der Regierung und der Oeffentlichkeit
übergeben werden.
Die Parlamenkswahlen in Ungarn.
BP. Budapeſt, 29. Junk.
Das Ergebnis des geſtrigen erſten Wahltages hat die über=
wältigende
Mehrheit des Regierungsblocks im Parlament be=
ſtätigt
. Es wurden in Wahlbezirken mit offener Abſtimmung 163
Abgeordnete, das ſind etwa 70 Prozent der Abgeordneten, ge=
wählt
. 90 Prozent davon gehören dem Regierungsblock an.
Die geſtern gewählten Abgeordneten verteilen ſich wie folgt:
Regierungsblock 148; und zwar Einheitspartei 124, Chriſtlich=
ſoziale
Wirtſchaftspartei 15; Parteiloſe 9. Rechtsoppoſition 10,
und zwar Legitimiſten 8, Nationalradikale Partei 1, Raſſenſchütz=
ler
1. Agrariſche Oppoſition, das iſt die Partei der unabhängigen
kleinen Landwirte, 4; Bürgerliche Links=Oppoſition 1. Am
ſchlechteſten hat die Links=Oppoſition abgeſchnitten, da die Sozia=
liſten
in den offenen Wahlbezirken kein Mandat, die bürgerlichen
Kandidaten nur ein Mandat erzielten.

*
Eiweiß aus Rohle.
Zu der Nachricht, daß es dem Profeſſor
Dr. Glund gelungen iſt, Eiweiß aus der Kohle
ſynthetiſch herzuſtellen, wird uns geſchrieben:
Die Bedeutung der Erfindung. Viehfutter aus Kohle?
Eiweiß als Nahrungsmittel. Die Beſtrebungen zur ſynthe=
tiſchen
Herſtellung von Eiweiß.)
Profeſſor Dr. Wilhelm Glund machte bei der General=
verſammlung
der Geſellſchaft für Kohletechnik in Dortmunt
die aufſehenerregende Mitteilung, daß es ihm gelungen ſei,
Eiweiß aus der Kohle ſynthetiſch herzuſtellen, oder vielmehr,
wie man richtiger ſagen muß, gewiſſe Bauſteine des Eiweißes
auf ſynthetiſchem Wege zu erzeugen. Die dahingehenden Be=
ſtrebungen
, an denen Profeſſor Emil Fiſcher und Profeſſor
Abderhalden ſchon ſeit längerer Zeit arbeiten, werden mit
großer Aufmerkſamkeit verfolgt, da die künſtliche Herftellung von
Eiweiß von größter wirtſchaftlicher Bedeutung werden muß. Ei=
weißſtoffe
kommen im Eisweiß der Vogeleier, im Blut, in der
Milch und in vielen Säften des tieriſchen und des Pflanzen=
körpers
vor und ſind wichtige Nahrungsmittel, da ſie in
Magenſaft und im Pankreasſaft verdaut werden und zum Auf=
bau
des tieriſchen Körpers dienen. Die Nahrungsmittel wer=
den
in ihrer Bedeutung zum Teil danach bewertet, welchen Ge=
halt
an Eiweiß ſie haben. Fleiſch und Fiſche gelten darum als
beſonders hochwertige Nahrungsmittel, weil in ihnen das Eiweiß
in leicht verdaulicher Form vorhanden iſt. Aus dieſen Grün=
den
geht ſchon ſeit Jahrzehnten das Beſtreben der Forſchung
dahin, Eiweißkörper auch künſtlich zu ſchaffen. Es ſind jetzt
rund 100 Jahre her, daß der berühmte Chemiker Friedrich Wöh=
ler
zum erſten Male durch künſtliche Herſtellung des Harnſtoffes
den Beweis dafür erbrachte, daß organiſche Verbindungen außer=
halb
des Organismus dargeſtellt werden können. Seitdem ſind
ähnliche Beſtrebungen vielfach durchgeführt worden. Es handelt
ſich nun darum, auch eine ſynthetiſche Darſtellung des volks=
wirtſchaftlich
hoch bedeutſamen Eiweißes zu finden.: Die
Kohle=Chemiſche=Wiſſenſchaft in Deutſchland hat in den letzten
Jahren beträchtliche Fortſchritte gemacht und fand allmählich
einen Weg, zwiſchen einigen Chemikalien der Kohle und den
Bauſteinen des tieriſchen Eiweißes eine Verbindung herzuſtellen.
Sowie einmal dieſer Weg gefunden war, waren die größten
Schwierigkeiten überwunden, die ſich bisher dieſen Arbeiten ent=
gegenſtellten
. Prof. Glund arbeitet ſeit vielen Jahren an einem
Verfahren: beſtimmte Ammoniumſalze aus Kohle zu gewinnen
und dieſe als Hefenährmittel zu verwenden. Das waren die
erſten Anfänge ſeiner Forſchungsarbeiten, aus denen ſich dann

Vom Tage.
Die Eintragungsliſten zum Stahlhelm=Volksbegehren auf
Auflöſung des Preußiſchen Landtags ſind von der Bundesleitung
des Stahlhelms bekanntlich am 15. d. M. dem preußiſchen Landes=
wahlleiter
zur Prüfung zugeleitet worden. Wie wir an zuſtän=
diger
Stelle erfahren, ſind die Prüfungsarbeiten des Landes=
wahlleiters
jetzt ſoweit gediehen, daß mit ihrem Abſchluß am
Dienstag zu rechnen iſt.
Das Ergebnis des kommnniſtiſchen Volksbegehrens auf Auf=
löſung
des Braunſchweigiſchen Landtags wurde am Montag abend
offiziell bekanntgegeben. Die erforderliche Stimmenzahl von 10
H. der 346 000 Wahlberechtigten iſt wider Erwarten über=
ſchritten
worden.
Dr. Karl Leon, Graf du Moulin und Konſul Rolf Reiner
haben gegen die Münchener Poſt
wegen der gegen die Genann=
ten
in dieſem Blatte veröffentlichten Artikel Klage erhoben.
Die nationaliſtiſche franzöſiſche Zeitung Victoire ſetzt ſich
für eine Reviſion des Verſailler Vertrages und ein Bündnis mit
Deutſchland ein.
Die Nachricht, daß der ſpaniſche Finanzminiſter Prieto der
Mandatskommiſſion des Völkerbundes den Wunſch Spaniens mit=
geteilt
habe, daß dieſes auf ſein marokkaniſches Protektorat ver=
zichten
wolle, wird von der Pariſer ſpaniſchen Botſchaft auf das
energiſchſte dementiert.
Um der Aufſtandsbewegung in Burma Herr zu werden, hat
die burmeniſche Regierung beſchloſſen, die Führer der kürzlichen
Erhebungen bis auf wenige Ausnahmen zu begnadigen. Als Be=
dingung
für die Begnadigung wird von den Führern die Abgabe
eines Verſprechens verlangt, der Regierung in Zukunft keinen
Widerſtand mehr zu leiſten und ihr nach Möglichkeit durch Ver=
ſchaffen
von Informationen bei der Wiederherſtellung der Ruhe
behilflich zu ſein.
Meldungen aus Lima zufolge iſt in der Garniſon von Enzeu
(Peru) eine Militär=Revolte ausgebrochen. Die Revolutionäre
proteſtieren gegen die von der Junta dem Oberſten Sanchez Cerro
erteilte Erlaubnis, wieder nach Peru zurückzukehren.

Schtagereien an der Beriiner Unvverſiral.
Vorübergehende Schließung der Univerſikäk.
Berlin, 29. Juni.
Die Berliner Univerſität wurde heute mittag gegen 12 Uhr
wegen Unruhen von Anhängern radikalpolitiſcher Parteien, die
innerhalb der Univerſität angezettelt wurden, auf Anregung des
Rektors für den Reſt des Tages geſchloſſen und von einem Polizei=
kommando
geräumt. Zu der Vorgeſchichte der Unruhen erfahren
wir noch folgendes:
Am vergangenen Samstag veranſtalteten die kommuniſtiſchen
Studenten in der Halle einen Stehkonvent, was die Nationalſozia=
liſten
veranlaßte, für heute vormittag als Gegendemonſtration
ebenfalls einen Konvent anzuberaumen. Die Polizei erhielt vor
der geplanten Aktion rechtzeitig Kenntnis und zog verſtärkte Strei=
fen
in der Umgebung der Univerſität zuſammen, um ſofort eingrei
fen zu können. Gegen 11 Uhr bemerkten Kriminalpoliziſten einen
Trupp Kommuniſten, die geſchloſſen in die Univerſität einzogen,
worauf der Rektor dem Reviervorſteher die Erlaubnis gab, mit
einem Kommando das Univerſitätsgebäude zu betreten. Das Er=
ſcheinen
der Polizei löſte bei den Studenten große Mißbilligung
aus, und im Laufe der Erregung, die durch Abſingen nationalſozia=
liſtiſcher
und kommuniſtiſcher Lieder noch geſteigert wurde, wurden
mehrere ſchwarze Bretter heruntergeriſſen. Als die Auseinander=
etzungen
zu Tätlichkeiten auszuarten drohten, ſchloß der Rektor die
Univerſität und die Polizei räumte nach Eintreffen von Verſtär=
kung
das Gebäude. Kurz nach 12 Uhr erſchienen der Kommandeur
Heymannsberg und Polizeivizepräſident Dr. Weiß in der Univer=
ſttät
, um ſich mit dem Rektor über die weiteren Maßnahmen zur
Aufrechterhaltung der Ordnung ſchlüſſig zu werden. Vor der Uni=
verſität
und am Opernplatz bilden ſich dauernd erregte Studenten=
gruppen
, die Polizei ſorgt jedoch rechtzeitig für Aufrechterhaltung
der Ordnung.
Der Rektor geſtattete den Nationalſozialiſten für heute eine
Proteſtkundgebung, die in Anweſenheit des Rektors um 11 Uhr
im Vorgarten der Univerſität ſtattfand und ſich in würdiger Form
vollzog. Die Teilnehmer leiſteten der Aufforderung des Rektors,
in Ruhe auseinanderzugehen, allmählich Folge. Es entwickelte ſich
jedoch im hinteren Univerſitätsgarten eine Schlägerei zwiſchen
Nationalſozialiſten und Kommuniſten, die zu einer neuen Erregung
unter den Studenten führte. Der Rektor ließ darauf, um weiteren
Tätlichkeiten vorzubeugen, die Univerſität räumen und ſchließen.
Der Rektor der Friedrich=Wilhelm=Univerſität teilt mit, daß
das Univerſitätsgebäude, das Aulagebäude und das Gebäude
Dorotheenſtraße 6 (alſo die in der inneren Stadt gelegenen, dem
allgemeinen Vorleſungsbetrieb dienenden Räume) am Dienstag.
den 30. Juni, geſchloſſen bleiben, im Laufe des Tages findet ſeine
außerordentliche Sitzung des akademiſchen Senates ſtatt, der zu
den Vorfällen in der Univerſität am 27. und 29. Juni Stellung
nehmen wird.

in jahrelanger Arbeit das Verfahren der ſynthetiſchen Eiweiß=
herſtellung
aus Kohle ergab. In erſter Reihe hat dieſes Ver=
fahren
für die Tierernährung Bedeutung, wenn auch heute noch
nicht daran gedacht werden kann, daß man auf dieſe Weiſe etwa
große Vorräte von Futtermitteln künſtlich bereitſtellen könnte
Die Forſchung befindet ſich erſt im Anfangsſtadium. Bedeutſam
iſt aber in erſter Reihe die Tatſache, daß es überhaupt zum

Prof. Dr. Wilhelm Glund

erſten Male gelungen iſt, Eiweißbauſteine aus Kohle zu ge=
winnen
und dadurch eine Brücke zu ſchlagen zwiſchen den Chemi=
kalien
der Kohle und dem Eiweiß. Vor der Hand iſt alſo die
Bedeutung der Forſchungsergebniſſe in erſter Reihe auf wiſſen=
ſchaftlichem
Gebiete zu ſuchen. Sie bedeuten einen weſentlichen
Schritt auf dem Wege der Gewinnung künſtlicher Ernährungs=
ſtoffe
aus Kohle, der ſeit Jahrzehnten geſucht und offenbar jetz
tatſächlich gefunden worden iſt. Zwiſchen den theoretiſchen Er=
folgen
der Wiſſenſchaft und den praktiſchen Forderungen des
Lebens beſtehen aber auf zahlreichen Gebieten die engſten Ver=
bindungen
. Arbeiten, die wie die von Hertz anſcheinend nur rein
wiſſenſchaftlichen Zwecken gedient haben, haben ſich im Laufe der
Entwicklung als eminent praktiſch erwieſen und zu der Geſtal=
tung
des Rundfunks geführt, der nicht nur in kultureller, ſon=

Deutſch=polniſcher Luftkrieg.
Polen will jetzt ſeine Flugzenge nnmerieren.
* Berlin, 29. Juni. (Priv.=Tel.)
Der deutſche Geſandte in Warſchau ift ſeit einigen Wochen
gezwungen, beinahe täglich im polniſchen Außenminiſterium vor=
zuſprechen
, um die Aufmerkſamkeit der polniſchen Regierung
auf die fortgeſetzten Grenzverletzungen der polniſchen Flieger zu
richten. Erſt am Samstag iſt wieder, wie bereits von uns
kurz gemeldet, in Johannisburg in Oſtpreußen ein polniſcher
Doppeldecker geſichtet worden, der das Abzeichen der polniſchen
M.litärflieger trug und der in etwa 200 Meter Höhe die Stadt
überflog, um ſich dann in Richtung Arys, wo ſich ein großer
Truppenübungsplätz befindet, zu entfernen. Wir haben es in
dieſem Fall wieder mit polniſcher Luftſpionage zu tun. Erſt
vor einigen Tagen wurde hinter Schneidemühl ein polniſcher
Flieger beobachtet, der ſich über den Bahnanlagen aufhielt und
das Verladen deutſcher Truppen verfolgte. Es iſt natürlich un=
gemein
ſchwer, fremden Fliegern Luftſpionage nachzuweiſen.
Wiederholt war es uns zwar möglich, polniſche Flugzeuge in
unſere Gewalt zu bringen. Es ſind aber niemals photo=
graphiſche
Apparate aufgefunden worden. Es ließen ſich auch
keinerlei Anhaltspunkte für Luftſpionage feſtſtellen, wahrſchein=
lich
deswegen nicht, weil die Flieger kurz vor ihrer Notlandung
ihre photographiſchen Apparate über Bord geworfen haben
dürften, die dann nicht wieder aufzufinden waren.
Die Polen haben unſerem Geſandten gerade in den letzten
Tagen immer wieder erklärt, daß ſie die Grenzverletzungen nicht
billigen, daß ſie Unterſuchungen einleiten würden und daß mit
einer diſziplinariſchen Beſtrafung der Schuldigen zu rechnen
ei. Derartiges haben ſie aber auch in der Vergangenheit ver=
ſichert
. Trotzdem hat die Zahl der Grenzverletzungen nicht ab=
genommen
, woraus zu ſchließen iſt, daß ſie uns fortgeſetzt mit
leeren Verſprechungen hinhalten und nichts unternehmen, was
geeignet wäre, die polniſchen Flieger von den deutſchen Grenzen
fernzuhalten. Auf die letzten veutſchen Vorſtellungen hin iſt
inſofern ein kleiner Erfolg zu verzeichnen, als die polniſche
Regierung in Warſchau erklärt hat, daß in Zukunft die polni=
ſchen
Militärflugzeuge neben ihren rot=weißen Abzeichen auch
große Nummern und Buchſtaben führen werden, die ſo ange=
bracht
ſein werden, daß man die Bezeichnung vom Boden aus
erkennen kann. Damit will die polniſche Regierung zum Aus=
druck
bringen, daß ſie zu Beſtrafungen ſchreiten wird, ſobald
bei neuerlichen deutſchen Beſchwerden ſich an Hand unſerer
Beobachtungen ergeben hat, daß tatſächlich die Flieger polniſches
Gebiet verlaſſen haben. Daraus geht hervor, daß es der War=
ſchauer
Regierung bisher offenbar nicht möglich war, die Grenz=
verletzungen
zu ahnden, weil ſehr wahrſcheinlich die in Frage
kommenden Flieger die Ueberfliegung deutſchen Gebietes abge=
ſtritten
haben und ihnen ſonſt die Grenzverletzungen nicht nach=
gewieſen
werden konnten. Wir glauben aber, daß auch das
neue Verfahren nicht genügen wird, weil ſich die Polen ſicher=
lich
in ſo großer Höhe halten werden, daß die Ziffern oder
Buchſtaben nicht genau zu erkennen ſind.
Vertagung der Kommiſſionsarbeiten
des Europa=Ausſchuſſes.
Genf, 29. Juni.
In den vorbereitenden Arbeiten des Studienausſchuſſes für
die föderative Geſtaltung Europas (Europaausſchuß), der ſich
bekanntlich eine wirtſchaftliche Neuordnung zum Ziele geſetzt
hat, iſt inſofern ein bemerkenswertes Ergebnis zu verzeichnen,
als man heute, veranlaßt durch die ſchwebenden
Neparations= und Schuldenerörterungen, ſich in
Genf darüber klar geworden iſt, daß es ſich empfehle,
zunächſt die weitere Entwicklung dieſer Fragen
abzuwarten und die Kommiſſionen des Europa=
ausſchuſſes
, die zurzeit noch tagen, bzw. für Juli Tagungen
vorgeſehen hatten, auf Ende Auguſt zu verſchieben.
Das gilt ſowohl von dem Komitee der 10 europäiſchen Sach=
verſtändigen
, die heute daraufhin ihre Arbeiten ausgeſetzt und
auf den 18. Auguſt vertagt haben, wie von dem ſogenannten
Koordinationsausſchuß, deſſen Tagung nun doch entgegen den
urſprünglichen Abſichten heute von Mitte Juli auf Ende Auguſt
verſchoben worden iſt. Unmittelbar darauf, am 3. September,
tritt dann das Plenum des Europaausſchuſſes in
Genf zuſammen, um zu der Lage Stellung zu nehmen.

dern auch in wirtſchaftlicher Beziehung große Bedeutung erlangt
hat. Man könnte noch zahlreiche Beiſpiele anführen, die den
engen Zuſammenhang zwiſchen Wiſſenſchaft und Praxis dartun.
Nun handelt es ſich bei der Herſtellung von Eiweiß um ein
Problem, das hauptſächlich der Förderung der Wirtſchaft zu
dienen geeignet iſt. Bei den hohen Preiſen, die für tieriſches Ei=
weiß
gezahlt werden müſſen, und die zwiſchen 5 Mark und 15
Mark für das Kilogramm betragen, kann die ſynthetiſche Her=
ftellung
von Eiweiß aus Kohle von erheblichem Einfluß auf die
wirtſchaftliche Geſtaltung Deutſchlands werden. Insbeſondere
käme dieſes Eiweiß als Viehfutter in Betracht, da es ein ſehr
hochwertiges Futtermittel darſtellen würde. Es iſt zu hoffen,
daß, nachdem einmal die Möglichkeit der Gewinnung künſt=
licher
Ernährung aus Kohle nahegerückt iſt, die weiteren Ar=
beiten
auf dieſem Gebiete ſich auch ſo günſtig entwickeln, daß in
abſehbarer Zeit tatſächlich ernſthaft mit der ſynthetiſchen Herſtel=
lung
von Eiweiß aus Kohle gerechnet werden kann. Voraus=
ſetzung
iſt auch dann, daß das ſogenannte ſynthetiſche Eiweiß
billiger iſt, als das natürliche. Aber die bisherigen erſten Erfolge
laſſen erwarten, daß das künftige ſynthetiſche Eiweiß ſich erheb=
lich
billiger ſtellen wird, als das teure natürliche.
Karl Anders.

Sben Hedin: Mätſel der Gobt‟. Die Fortſetzung der Großen Fahrt
durch Inneraſien in den Jahren 19281930. Mit 74 Abbildungen
und 2 Karten. Geh. 13. RM., Ganzleinen 15. RM. Verlag F.
A. Brockhaus, Leipzig.
Spen Hedin durchforſcht ſeit nahezu 40 Jahren Inneraſien. Als er
ſeine erſte Expedition unternahm, ging er mit wenigen Gefährten und
Tieren in ein Gebiet, das nahezu unbekannt war. Seine zahlreichen,
auch in Deutſchland gerne geleſenen Bücher über ſeine Expeditionen
drachten mehr und mehr Licht über dieſe geheimnisvollen Länder, aus
denen ungezählte Völkerſchaften aufgebrochen ſind, um die ganze alte
Welt zu überfluten. Ungeheuer iſt der Gegenſatz zwiſchen ſeinen erſten
Expeditionen und heute. Er hat jetzt nur noch ſelten Gelegenheit, ſelbſt
als Forſcher zu arbeiten, und dies iſt, wie aus manchen Zeilen hervor=
geht
, ein bitterer Verzicht. Er iſt der Verwalter und Organiſator eines
kleinen Heeres, das ſeine Poſten in die verſchiedenſten Gegenden des
weſtlichen Chinas entſendet, um die Meteorologie, Geologie, Zoologie
und Botanik dieſes Landes zu ſtudieren und erſtaunliche etnologiſche und
oe3
archäologiſche Funde macht. Sven Hedin ſelbſt rief die Expedition ind
Leben, ihm wurden die Mittel zur Verfügung geſtellt, er hat die Be
ziehungen zu zahlreichen chineſiſchen Gelehrten und den Behörden, die
der Expedition erſt ungeſtörtes Arbeiten ermöglichen Er befindet ſick
bald bei ſeiner Gruppe in Urumtſchi, dann in Peking und Nanking,
reiſt kurz nach Amerike, ſucht dann wieder einen lamaiſtiſchen Tempel in
der inneren Mongolei zu kaufen, und kehrt quer durch Aſien nach Schwe=
den
zurück. Soweit er nicht ſelbſt bei den Forſchungen zugegen war, be=
richtet
er nach den Briefen und Tagebüchern ſeiner Mitarbeiter, die ihm
ihre abenteuerlichen und ſpannenden Erlebniſſe berichten. Jeder, der
die früheren Bücher und Reiſen Spen Hedins kennt, wird mit größtem
Intereſſe auch dieſes neue Werk leſen.
D. H.

[ ][  ][ ]

Nummer 179

Dienstag, den 30. Juni 1931

Seite 3

Das engliſche Unterhaus zur Reparationsfrage.
Kanada, Auſtralien, Neuſeeland, Südafrika und Indien ſtimmen dem Vorſchlag Hoovers zu.
Die Dominions mit Ausnahme Südafrikas mit dem engliſchen Angebok einverſtanden.
England begrüßt die bevorſtehende deutſch=franzöſiſche Ausſprache.

Macdonald forderk Abrüſtung.
England erwarkel das Zuſtandekommen
einer inkernakionalen Abrüſlungskonvenkion.
EP. London, 29. Juni.
Miniſterpräſident Macdonald gab in der heutigen Unter=
hausſitzung
die formelle Erklärung ab, daß die Regierungen von ſtimmung mit Macdonald, daß England alles in ſeinen Kräften
Kanada, Auſtralien, Neuſeeland, Südafrika und Indien den Hoo=
verſchen
Plan warm begrüßt und prinzipiell der Einſtellung ſämt= zuführen. Eine weitere einſeitige Abrüſtung Englands lehnte
licher Reparationszahlungen Deutſchlands für ein Jahr zuge=
ſtimmt
haben, falls der Hooverſche Vorſchlag die Annahme der
übrigen Gläubigerländer finde. Das Angebot der engliſchen Re=
gierung
auf Ausdehnung des Moratoriums auf die Kriegsſchul=
den
der Dominions an England iſt nach den Mitteilungen Mac=
donalds
von den Regierungen Auſtraliens, Neuſeelands und In=
diens
mit Dank angenommen worden, während die Südafrika=
niſche
Union es mit Worten der Anerkennung abgelehnt habe.
des Moratoriumsplanes das entſtehende Defizit im engliſchen
Haushalt auszugleichen gedenke. Snowden lehnte eine Beant=
wortung
mit der Begründung ab, daß es verfrüht ſei, bereits jetzt
die Maßnahmen bekannt zu geben, die bei Annahme des Hoover=
ſchen
Planes zur Deckung des Fehlbetrages im Staatshaushalt
ergriffen werden würden.
Miniſterpräſident Macdonald nahm in einer längeren Rede
zur nächſtjährigen internationalen Abrüſtungskonferenz Stellung.
Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Verhandlungen dieſer
Konferenz zu einer internationalen Konvention führen werden,
die ſich nicht nur zu Prinzipien und Abſichten bekenne, ſondern
auch beſtimmte Standards feſtſetzen werde. Die Abrüſtung müſſe
international ſein. England habe bereits ein Beiſpiel der Ab=
rüſtung
gegeben. Nun ſei die Reihe an den anderen Völkern.
Englands Vorbereitungen für die Konferenz, deren unge=
Parteien anerkannt werde, habe die Form der Schaffung eines
Unterausſchuſſes des Reichsverteidigungskabinetts angenommen,
in dem alle drei Parteien vertreten ſind. Ob England ſich für die
Sache intereſſiere oder nicht, das Haus dürfe nie die beſonderen
Verpflichtungen vergeſſen, unter die England ſeinen Namen ge=
ſetzt
habe.
Macdonald zitierte dann im einzelnen die Verpflichtungen
des Artikels 8 der Völkerbundsſatzungen, des Teiles V des Ver=
ſailler
Vertrages, die Antwort der alliierten Mächte auf die Be=
merkungen
der deutſchen Delegation zu den Friedensbedingungen
und ſchließlich das Schlußprotokoll der Locarno=Konferenz. Der
Premierminiſter betonte dabei: Selbſt wenn wir verſuchten, uns
dieſen Verpflichtungen zu entziehen, könnten wir es nicht. Sie
ſind endgültig feſtgelegt.
Es ſei traurig, fuhr er fort, daran zu denken, daß geſtern der
Jahrestag der Unterzeichnung des Friedensvertrages geweſen ſei,
der, wie auch immer ſeine Wirkungen zu gewiſſen Zeiten geweſen
ſein mögen, in ein Bekenntnis des Glaubens an den Frieden ge=
kleidet
ſei und in keinem Punkt mehr ein Verſprechen energiſcher
Handlung und treuen Verhaltens darſtelle, als in der Erklärung,
die während der Unterzeichnung des Friedensvertrages zugunſten
der Abrüſtung Europas abgegeben worden ſei, und zwar nicht,
weil eine Nation die Waffen mißbraucht habe, ſondern weil jede
Nation offen eingeſtand, daß in fortgeſetzter Rüſtung weder Frie=
den
noch Sicherheit liege.
Die engliſche Politik habe in Genf bereits vieles zur Ver=
hütung
von Kriegen geleiſtet. Durch die Haager Friedensklauſel
ſei erzielt worden, daß die Löſung von Streitfällen nicht mehr in
den Händen der unmittelbar beteiligten Parteien ruhe, ſondern vor
einen Schiedsgerichtshof komme. Eine günſtige Wirkung für den
Weltfrieden habe die Londoner Flottenkonferenz gehabt. Auch
der Beſuch Brünings und Curtius' in Chequers und der bevor=
ſtehende
Gegenbeſuch in Berlin würden befriedend auf Europa
einwirken.
Macdonald begrüßte weiter die Ankündigung über eine be=
vorſtehende
Zuſammenkunft zwiſchen deutſchen und franzöſiſchen
Staatsmännern und erklärte, daß eine ſolche Ankündigung in der ſoll baldigſt bekanntgegeben werden.

jetzigen unruhigen und niederdrückenden Kriſenzeit ein Anlaß zur
Freude wäre.
Die Initiative des Präſidenten Hoover habe deutlich gezeigt,
daß ein gegenſeitiger guter Wille von günſtigen Folgen und Aus=
wirkungen
begleitet, und daß die Welt keineswegs ein ſo troſt=
loſer
Ort ſei, wie oberflächliche Zyniker dies immer wieder be=
haupteten
.
Der Führer der Oppoſition, Baldwin, dankte dem Miniſter=
präſidenten
für ſeine Erklärungen und verlangte in Ueberein=
Stehende tun müſſe, um eine Herabſetzung der Rüſtungen herbei=
Baldwin entſchieden ab, da die britiſche Regierung bereits im
Intereſſe des Friedens ein ernſtes Riſiko auf ſich genommen habe.
Der Berliner Beſuch.
* Berlin, 29. Juni. (Priv.=Tel.)
Die diplomatiſchen Vorbereitungen der Reiſe Macdonalds
und Henderſons nach Berlin ſino nunmehr zum Abſchluß ge=
Schatzkanzler Snowden wurde befragt, wie er bei Annahme kommen. Der Termin der Reiſe ſteht bereits ſeit längerer
Zeit feſt. Die engliſchen Gäſte werden am Freitag, dem 17.
Juli, vormittags, in Berlin eintreffen und im Hotel Kaiſerhof
als Gäſte der Reichsregierung Wohnung nehmen. Sie befinden
ſich ſomit in allernächſter Nähe der Reichskanzlei und des Aus=
wärtigen
Amtes. Für den Samstag und Sonntag iſt ein
Wochenendausflug nach dem Jagdſchloß Hubertusſtock vorge=
ſehen
, das dem preußiſchen Miniſterpräſioenten Otto Braun vom
preußiſchen Staat zur Erholungsſtätte zur Verfügung ſteht. Die
Reichsregierung ſelbſt beſitzt keinerlei Schlöſſer oder Landbeſitze
wie etwa die engliſche Regierung. Man hatte zwar verſucht,
die engliſchen Gäſte einen Tag auf der Havel herumzufahren
und mit ihnen auf einem Haveldampfer die politiſchen Geſpräche
zu führen. Das Projekt zerſchlug ſich jedoch, und auch Ange=
bote
von privater Seite wurden abgelehnt. Schließlich kam
man darauf ab, zu einem Wochenendausflug das Jagdſchloß
Hubertusſtock zu wählen. Aber auch das iſt gerade kein glück=
heure
Bedeutung von allen Mitgliedern des Hauſes und allen licher Ausweg, weil hier der preußiſche Miniſterpräſident Otto
Braun als Gaſtgeber die Honneurs macht, und die Reichsregie=
rung
ſelbſt nur die Nolle eines Gaſtes ſpielt.
Die ikalieniſche Einladung in Berlin überreicht.
Berlin, 29. Juni.
Auf Grund der deutſchen Anregung weiterer freundſchaftlichen
Ausſprachen entſprechend der in Chequers ſtattgehabten Zu=
ſammenkunft
hat der italieniſche Miniſterpräſident den deutſchen
Reichskanzler und den Reichsaußenminiſter durch Vermittelung
des italieniſchen Botſchafters in Berlin zu einem Beſuch in Rom
in naher Zukunft einladen laſſen. Der Herr Reichskanzler und
der Herr Reichsaußenminiſter haben die Einladung des italieni=
ſchen
Miniſterpräſidenten mit Dank angenommen. Der Zeitpunkt
des Beſuches bleibt ſpäterer Vereinbarung vorbehalten.
Polniſche und iſchechiſche Zuſkimmumng
zum Hoover=Plan.
EP. Waſhington, 29. Juni.
Das Staatsdepartement hat von der amerikaniſchen Botſchaft
in Prag die Nachricht erhalten, daß die Tſchechoſlowakei
den Hooverſchen Plan annehme und in der nächſten
Woche darauf antworten werde. Der polniſche Geſchäfts=
träger
hat dem Staatsdepartement die Erklärung abgegeben, daß
ſeine Regierung den Plan Hoovers ebenfalls an=
nehmen
werde.
Frangois Poncek ſoll franzöſiſcher Botſchafter
in Berlin werden.
In politiſchen und parlamentariſchen Kreiſen wird heute
abend mit Beſtimmtheit behauptet, die franzöſiſche Regierung
werde den Unterſtaatsſekretär beim Miniſterpräſidenten, Fran=
sois
Poncet, zum Botſchafter in Berlin ernennen. Die Ernennung

Die Corkes=Wahlen in Spanien.
Wahlerfolg des republikaniſch=ſozialiſtiſchen
Regierungsblocks.
EP. Madrid, 29. Juni.
Die allmählich einlaufenden Ergebniſſe der Cortes=Wahlen
in Spanien beſtätigen mehr und mehr den Eindruck, daß der
republikaniſch=ſozialiſtiſche Regierungsblock faſt überall einen
überwältigenden Sieg errungen hat.
In verſchiedenen Landesteilen haben die Autonomiſten Er=
folge
zu verzeichnen, vor allem natürlich in Katalonien, wo der
Sieg der Freunde des Oberſten Macia von vornherein außer
Frage ſtand; daneben in der Provinz Navarra, wo die ſepa=
ratiſtiſch
eingeſtellten Anhänger der alten Burbonen=Dynaſtie, die
ſogenannten Jaimiſten oder Karliſten, einen Erfolg davontru=
gen
, und ſchließlich in San Sebaſtian, wo die autonomiſtiſchen
Nationaliſten ſiegreich blieben. Bemerkenswert iſt ſchließlich
die vernichtende Niederlage der Kommuniſten,
die ſelbſt in ihren Hochburgen Barcelona, Bilbao und Sevilla
nur unbedeutende Stimmenzahl auf ſich vereinigen konnten und
daher höchſtwahrſcheinlich keinen Kandidaten durchbringen wer=
den
. In Sevilla iſt der bekannte revolutionäre
Fliegermajor Franco durchgefallen. Da Franco
aber auch in Barcelona aufgeſtellt iſt, dürfte er trotzdem in die
Cortes einziehen. Es beſtätigt ſich, daß ſämtliche Mitglie=
der
der Regierung gewählt worden ſind. Einen be=
ſonders
großen Erfolg hatte Außenminiſter Lerroux zu verzeich=
nen
, der in nicht weniger als ſieben Wahlkreiſen durchgekom=
men
iſt. Da auch die Partei des Außenminiſters, die Radi=
kalen
, einen die Erwartungen weit übertreffenden Erfolg buchen
kann, der ihr ermöglichen wird, in den Cortes eine Art Schieds=
richterrolle
zwiſchen Links und Rechts zu ſpielen, dürfte Ler=
roux
, der bisher ſchon eine der hervorragendſten Perſönlichkeiten
der Republik war, in Zukunft noch beträchtlicher an Einfluß und
Bedeutung gewinnen.
Unter den Volksvertretern, die in die Cortes einziehen, be=
findet
ſich auch eine Frau, die der radikalſozialiſtiſchen Partei
angehörende Advokatin Victoria Kent, die von der proviſoriſchen
Regierung ſeinerzeit mit der Generaldirektion des Gefängnis=
weſens
betraut worden iſt. Der ehemalige liberale Außen=
miniſter
Santiago Alba iſt in Zamora gewählt worden. Unter
allgemeiner Ueberraſchung hat die Provinz Galicia den Finanz=
miniſter
der Diktatur Primo de Riveras, Calvo Sotelo, in die
Cortes entſandt. Dieſe Wahl iſt als ein Ausdruck der Unzu=
friedenheit
zu bewerten, die die von der proviſoriſchen Regie=
rung
verfügte und mit der Entlaſſung von 18 000 Arbeitern ver=
bundene
Einſtellung des Baues der Bahn Zamora=Orenſe unter
der Bevölkerung der Provinz hervorgerufen hat.
Im Wahlbezirk Barcelona, der 18 Abgeord=
nete
in die Cortes zu entſenden hat, wurden 14
Kandidaten der Republikaniſchen Linken Kata=
loniens
gewählt, darunter der Präſident der Gene=
ralidad
, Macia, der Bürgermeiſter von Barcelona, Aguade,
der ſpaniſche Botſchafter in Rom, Alomar, der Fliegermajor
Fronco, der Schriftſteller Venturas Gaſſol, der in der Gene=
ralidad
die Leitung des Unterrichtsweſens inne hat, und der
Studentenführer Sbert, der unter der Diktatur wiederholt wegen
ſeiner revolutionären Tätigkeit in der Studentenſchaft mit den
Gefängniſſen Bekanntſchaft machte. Von den vier Sitzen der
Minderheit ſind nur zwei beſetzt worden, und zwar durch den
Regionaliſten Abadal und den ſpaniſchen Wirtſchaftsminiſter
d’Oliver. Für die beiden übrigen Sitze ſind Stichwahlen er=
forderlich
.
Nach Bekanntwerden ſeines Wahlerfolges hielt Präſident
Macia eine Rede, in der er u. a. erklärte: Nach dieſen
Wahlen regiert man uns nicht mehr von Madrid
aus. Wir ſind unſere eigenen Herren, aber wir
wollen die Brüder der anderen ſpaniſchen Völker ſein.
Außer der Advokatin Victoria Kent wird noch eine zweite
Frau in die Cortes einziehen, nämlich die republikaniſche
Schriftſtellerin Clara Campoamor.
Das neue bulgariſche Kabinekt.
Sofia, 29. Juni.
Das Abſchiedsgeſuch Liaptſcheffs und die Ernennung der
Mitglieder des neuen bulgariſchen Kabinetts Malinoff ſind vom
König gleichzeitig unterzeichnet worden. Das neue Kabinett
ſetzt ſich folgendermaßen zuſammen: 3 Demokraten: Präſident
und Außenminiſter Malinoff, Inneres Mouchonoff, Finanzen
Cherghinoff, 3 Agrarparteilern: Landwirtſchaft Chitcheff, Kultus
Mouraxieff, öffentliche Arbeiten Jordanoff, 2 Liberale: Handel
Potroff, Juſtiz Varbenoff, ein Radikaler: Eiſenbahn Koſtourkoff.
General Kiſſoff, der jetzige Kriegsminiſter, wird weiterhin im
Amte bleiben.

* Zweite Prüfungs=Aufführung
der Opernſchule.
20 Traviaka
Oper von Piave, Muſik von G. Verdi.
Auch dieſer Abend im Saalbau fand ein großes, ſtark inter=
eſſiertes
Publikum. Es war mit Recht begierig, die vielen,
guten Stimmen der Schülerinnen und Schüler, die kürzlich im
Konzert tüchtige Proben ihres Könnens abgelegt hatten, nun
auf den Brettern, die die Welt bedeuten, ſich bewähren zu ſehen.
Und in der Tat ergab ſich das erfreuliche Bild eines durchweg
uinſtändigen Niveaus, aus dem einzelne Leiſtungen ſogar bereits
als nahezu bühnenfertig herausragten.
Das Gelingen des immerhin anſpruchsvollen Werkes iſt
nicht nur für die Geſangsmeiſter: Profeſſor Beines,
Hanne Perron, Mathilde Weber, denen die Schüler
ihre techniſche Ausbildung verdanken, ein Zeugnis, ſondern
auch für die Opernſchule ſelbſt, die in Paul Ottenheimer
für Partienſtudium und Enſemblegeſang, in Heinrich Kuhn
für dramatiſchen Unterricht ausgezeichnete Lehrer, in Profeſ=
or
Schmitt einen umſichtigen Dirigenten beſitzt, und ſchließ=
lich
eine Prüfung für das Akademie=Orcheſter, das in
ſolchen Aufgaben ſeine Ausbildung im Enſembleſpielen für die
Oper erhält. In allem hat die Opernſchule ihre Leiſtungsfähig=
keit
bewieſen, ſich des Rufes und der Beliebtheit, deren ſie ſich
erfreut, wert gezeigt.
Die Aufführung ſtand unter der ſicheren muſikaliſchen Lei=
tung
Prof. Schmitts, und der erprobten Spielleitung
Heinrich Kuhns. Die zweckmäßigen Bühnenbilder hatte
Elli Büttner gebaut.
Von den Einzelleiſtungen überragte Hertha v. Hagen als
Violetta, die im Mittelpunkt jeder Szene ſteht, alle anderen. Es
iſt eine ſchwere Rolle mit geſanglich und darſtelleriſch höchſten An=
forderungen
, die große Koloraturtechnik ebenſo ſehr verlangt, wie
lyriſchen Belcanto, und ohne dramatiſche Begabung nicht möglich
iſt. Frl. v. Hagen beſitzt für alle dieſe Aufgaben, die ſie vorläufig
natürlich noch nicht erſchöpfen kann, wichtige Vorbedingungen ſchon
jetzt in hohem Maße. Ihre muſikaliſche Entwicklung hat einen
langen Weg gebraucht. Jetzt ſcheint ſie einem erreichbaren Ziel
zuzuſtreben. Ihre Stimme ſcheint eine ſehr vorteilhafte Wandlung
durchgemacht zu haben. Die frühere Kälte und Sprödigkeit hat
einer fülligen Wärme Platz gemacht, die große Ausdrucksfähigkeit

ermöglicht. Dies und ihr flüſſiges Material, das in der Höhe
ſeine beſten, klingenden Töne hat, beſtimmt ſie zur dramatiſchen
Koloraturſängerin, nicht zur Koloraturſoubrette. Ihre pikante Er=
ſcheinung
, ihr Spieltalent und offenbar ſtarke Muſikalität werden
ihr in dieſem Fach den Weg bereiten helfen. Der heutige ſchöne
Erfolg für ihre fleißige, durchdachte und muſikaliſch erſtaunlich be=
herrſchte
Leiſtung darf zu beſten Hoffnungen berechtigen.
Neben ihr muſikaliſch am reifſten ſchien Hermann Nahm
als Vater Germont. Von hin und wieder ſtörenden Detonierungen
abgeſehen, kam ſein warm gefärbter, gut behandelter Bariton in
dieſer dankbaren lyriſchen Rolle zu beſter Wirkung. Vincens
Breſer als Alfred iſt darſtelleriſch noch ungewandt, muſikaliſch
aber weſentlich fortgeſchritten. Dem Ausdruck fehlt noch Vergei=
ſtigung
, dem Vortrag Leichtigkeit, der Ausſprache Klarheit. Es
gibt nicht viele Tenöre mit ſolcher natürlichen Beſtimmtheit. Sei=
ner
hellen Tonfarbe und der müheloſen Höhe nach ſtrebt er wohl
zum italieniſchen Heldenfach.
Außer dieſen Dreien gibt es in dieſer Oper nur noch kleine
Nebenrollen. Der Kenner weiß aber zur Genüge, welche Klippen
an Einſätzen und Enſembleſtellen ſie bergen. Dank einer muſter=
haften
Einſtudierung konnten alle Darſteller in Ehren beſtehen,
über deren ſtimmliches Material und geſangliches Können bei Ge=
legenheit
des Konzerts meiſt ſchon berichtet wurde‟ Es waren
die Damen Waltraut Bernhardt, Annemarie Ottenhei=
mer
, die Herren Georg Koop, Karl Ewald, Hans Kern
v. H.
und Channie Penk.

Burgkmair=Ausſtellung und Jubiläum in Augsburg.
Die bisherigen Einzelmeldungen können nunmehr dahin zu=
ſammengefaßt
werden, daß die anläßlich des Gedächtniſſes des
Burgk=
400. Todestages des Augsburger Malers Han=
mair
d. A. geplante Ausſtellung nunmehr für Augsburg
endgültig geſichert iſt. Die Ausſtellung wurde am Donnerstag,
Juni, vormittags 11 Uhr eröffnet und wird vorausſichtlich
5 Wochen lang zu ſehen ſein. Eine ſpätere Ueberführung der Aus=
ſtellung
nach München kommt entgegen früher beſtandener Abſich=
ten
nicht zur Durchführung. Neben den in der Staatlichen Ge=
mäldegalerie
Augsburg an ſich befindlichen Baſilikenbilder werden
die Gemälde Burgkmairs faſt vollzählig dank des Entgegenkom=
mens
zahlloſer Galerien und Mäzene zuſammenkommen, ſo daß
ſich nach dieſer Seite hin ein faſt lückenloſer Ueberblick über das
Wirken und Schaffen Burgkmairs ermöglicht. Auch der überwie=
gende
Teil der Handzeichnungen Burgkmairs wird zur Ausſtel=
lung
kommen. Dagegen wurde auf den Verſuch der Erfaſſung der
ganzen graphiſchen und Goldſchmiedearbeiten Burgkmairs in An=
betracht
der begrenzten Raumverhältniſſe verzichtet. Immerhin
wird das Graphiſche Kabinett, das die Abteilung der Holzſchnitte
beſorgt, auch über das graphiſche Wirken Burgkmairs erſchöpfend
aufklärendes Material bringen. Die Ausſtellung findet in den

ſämtlichen Sälen der Staatlichen Gemäldegalerie Augsburg an
der Katharinengaſſe ſtatt. Unabhängig von dieſem der Initiative
Dr. Dornhöffers und unbekannten Stiftern zu dankenden Unter=
nehmen
veranſtaltete die Stadt Augsburg am Tage der Eröffnung
der Ausſtellung einen eigenen Burgkmair=Feſtakt im Goldenen
Saal des Rathauſes, bei dem Profeſſor Albrecht Schmid=Baſel
die Feſtrede hielt.

Preisausſchreiben Puppenſpiel und Schule.
Der Deutſche Bund für Puppenſpiele zeigt in Verbindung mit
den Blättern für das geſamte Puppenſpielweſen Der Puppen=
ſpieler
ein Preisausſchreiben mit dem Thema Puppenſpiel und
Schule an, bei dem ein Geſamtbetrag von 600 RM. ausgeſetzt
iſt. Der Betrag ſoll unter den drei beſten Arbeiten verteilt wer=
den
. Die geſamte deutſche Lehrerſchaft iſt zu dieſem Preisaus=
ſchreiben
eingeladen. Einſendungen aller Art von Arbeiten, die
das Thema Puppenſpiel und Schule betreffen, ſind erwünſcht.
Annahmeſchluß iſt am 15. September 1931. Dem Prüfungsaus=
ſchuß
gehören an: Schulrat Heinrich Haſſinger, Referent für
Jugendpflege und Volksbildung des Heſſiſchen Miniſteriums für
Kultus und Bildungsweſen. Darmſtadt; Univ.=Prof. Dr. Carl
Nieſſen, Köln: Geh. Reg.=Rat Benno von Polenz, Langebrück
(Sachſen); Reichskunſtwart Dr. Redslob, Berlin: Dir. Dr. Hugo
Schmidt, Hainichen (Sachſen); Lehramts=Aſſeſſor Friedrich Löwen=
haupt
, Lahr (Baden); Lehrerin Ida Schmidt, Magdeburg; vom
Vorſtand des Deutſchen Bundes für Puppenſpiele: Wilhelm
Löwenhaupt, Offenburg (Baden); Otto Wasmann, Jena, und
Schriftleiter Fritz Wortelmann, Bochum.
Die Bedingungen
des Preisausſchreibens ſind enthalten in Heft 8 des Puppen=
ſpielers
, das gegen Einſendung von 50 Pf. als Probeheft vom
Schacht=Verlag, Bochum, bezogen werden kann.

Arnolb Höllriegel: Die Derwiſchtrommel. Das Leben des Erwarteten
Mahdi. 384 Seiten. In Halbleder gebunden. (Volksverband der
Bücherfreunde, Wegweiſer=Verlag G. m. b. H., Berlin= Charlotten=
burg
2.)
Die Lebensbeſchreibung des Mahdi Mohammed Achmed, die dieſes
Buch enthält, jenes Mannes, der die letzte große Offenſive des ſtreit=
baren
Jslams geführt, den Sudan erobert, den engliſchen General Gor=
don
beſiegt hat, beruht nicht auf Erfindung, ſondern in allen Einzel=
heiten
auf hiſtoriſchen Zeugniſſen. Höllriegel hat auf einer Reiſe durch
den Sudan den Sohn des Mahdi kennen gelernt und von ihm ſehr wich=
tige
, bisher ganz unbekannte Mitteilungen über die Lebensgeſchichte
dieſes ſeltſamen Mannes empfangen. Somit muß das vorliegende Werk
als die erſte ohne Voreingenommenheit geſchriebene Biographie
des Mahdi gewertet werden. Das phantaſtiſche Abenteuer dieſer großen
Exiſtenz, die unglaubliche Fülle farbenreicher Epiſoden, die prachtvollen
Geſtalten rings um den Mahdi, und ihm im Kampf gegenüber, der ſo
bemerkenswerte Charakter ſeines chriſtlichen Gegenſpielers Gordon, all
das hat Höllriegel, dieſer international beſtbekannte Autor, faſzinierend
und meiſterhaft geſtaltet in dieſem Buche wiedergegeben.

[ ][  ][ ]

Seite 4

Dienstag, den 30. Jmt T331

Todes=Anzeige.
Nach langem ſchweren und mit großer Geduld ertragenen Leiden hat
es Gott dem Allmächtigen gefallen, meine innigſigeliebte Frau, meine
treuſorgende Mutter, Schweſter, Schwägerin und Tante
Frau Margarethe Göckel
geb. Lemp
heute Abend zu ſich in die Ewigkeit abzuberufen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Wendel Göckel
Theodor Göckel jr.
Darmſtadt, Pankratiusſtr. 43, Treis (Heſſen), den 28. Junf 1931.
Die Beerdigung ſindet morgen Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, auf
dem Waldfriedhof ſtatt.
(9952

Todes=Anzeige.
(Statt Karten.)
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, am Sonntag Abend um
9 Uhr meine liebe, herzensgute, unvergeßliche Frau, meine innigſi=
geliebte
, treubeſorgte Mutter, Schweſter, Schwiegertochter, Schwägetin,
Tante und Couſine
Frau Margarete Lehmann
geb. Kiſtinger
im Alter von 54 Jahren zu ſich in die Ewigkeit abzurufen.
Im Namen der krauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Lehmann, Pol.=Inſpektor
und Tochter Eliſabeth.
Darmſtadt, Mählſtraße 43. den 29. Juni 1931.
9036
Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. Jull, nachmittags
4 Uhr vom Portale des alten Friedhofs, Nieder=Ramſtädterſtraße
aus ſtatt.
Von Belleidsbeſuchen bittet man glltigſt Abſtiand zu nehmen.

Ich habe meine
Zrall. Täüigkeit
wieder
aufgenommen.
Dr. Degen.

Dr. Paul
Sunispe
Stadtkrankenhaus.
verreiſt
bis Anfang Auguſt.

Heute entſchlief nach ſchwerem Leiden unſere
liebe Mutter und Großmutter
Frau Marie Sternfeld
geb. Klappach
Witwe des Univerſitätsprofeſſors Geb. Nat Proſeſſor
Richard Sternfeld.
In tiefſiem Schmerz=
Frau Eliſabeih Leydhecker,
geb. Sternfeld
Dr. med. Oito Lendhecker
und 3 Enkelföhne.
Darmſtadt, den 29. Juni 1931.
9977
Einäſcherung auf Wunſch der Entſchlaſenen in der Stille,
Beiſetzung in Zehlendorf.


7


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Lie nre
hen

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*
P


e

Wer

1950

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme bei dem
Heimgang meiner innigſtgeliebten Gattin, Schweſter,
Schwägerin und Tante
Frau Eba Eliſabeth Schimpf
geb. Wolff
ſage ich auf dieſem Wege meinen herzlichſten Dank.
Insbeſondere danke ich Herrn Pfarrer Irle für ſeine
troſtreichen Worte am Grabe, den beiden Schweſtern
der Petrusgemeinde für ihre liebevolle Pflege während
der Krankheit, für die Kranz= und Blumenſpenden,
ſowie allen denen, die ihr das letzte Geleite gaben.
Der tieftrauernde Catte:
Wilhelm Schimpf, Förſter I. R.
Darmſtadt, den 29. Juni 1931.

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Darmſtadt, den 15. April 1931.
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Das Schulgeld für den Monat Juni
1931 für die hieſigen höheren Schulen,
ſowie die ſtädt. Maſchinenbau=, Ge=
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=, Handels= und Haushaltungs=
ſchulen
iſt bei Meidung der Beitreibung
und Koſtenberechnung bis zum 10. Juli
I. Is. an die unterzeichnete Kaſſe zu
zahlen.
Darmſtadt, den 30. Juni 1931.
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Der Miniſter des Innern hat durch
Verfügung vom 11. d. Mts. die Auf=
hebung
der Fluchtlinien für den
zu ſchließenden Teil des Schollwegs
von der Dieburger Straße bis zum
Olbrichweg mit Wirkung von dem Zeit=
punkt
ab, an dem das Baugeſuch des
Alicehoſpitals bei der Baupolizeibehörde
eingereicht wird, genehmigt. Der feſtge=
ſtellte
Bebauungsplan liegt gemäß Art. 7
der Allgemeinen Bauordnung bei dem
ſtädtiſchen Hochbauamt zur Einſicht offen.
Darmſtadt, den 25. Juni 1931.
Der Oberbürgermeiſter, (st.9953

[ ][  ][ ]

Seite 5

Bus iur und das din dei P.O...

EPH. In einer Zeit, in der in unſerem Volke ſo viel Zerſpaltung,
Feindſchaft und gegenſeitige Kämpfe iſt, rufen die evangeliſchen
Gemeinden Darmſtadts und ihre Kirchenvorſtände alle ihre Glie=
der
zu einem großen Tag der Sammlung und der Ge=
meinſchaft
. Der Eangeliſche Volkstag am 5. Juli
ſoll ein Tag werden, an dem ſich das Band der Zuſammengehörig=
keit
, das alle Evangeliſchen umſchlingt, feſter zieht, an dem Brücken
geſchlagen werden zwiſchen allen Schichten und Ständen unſeres
Volkes. Es ſoll ein Volkstag ſein im wahren Sinne des Wortes.
Arm und reich. Gebildete und Einfache, Handwerker und Bauern,
Geſchäftstreibende und Akademiker und Arbeiter Sozialdemokra=
ten
und Deutſchnationale, alle ſollen ſehen, daß es noch einen
Boden der Gemeinſchaft gibt, auf dem ſie ſtehen: neben dem ge=
meinſamen
Volkstum der gemeinſame evangeliſche
Glaube, der alle verbindet.
Je größer das Ringen um den wirtſchaftlichen Beſtand unſe=
res
Volkes wird, je mehr die ſoziale Not ſteigt, deſto inniger ſoll
dieſe ſoziale Verbundenheit erſcheinen, deſto mehr aber ſollen ſick
die Evangeliſchen hinweiſen laſſen auf die ſtarken ſeeliſchen Kräfte,
die uns bleiben, daß der Quell, der ſeit der deutſchen Reforma=
tion
in unſerem Volke ſprudelt, nicht verſiege. Daß in Treue zu
den eigenen Gütern deutſch=proteſtantiſche Lebens= und Weltauf=
faſſung
eine neue Stärke des inneren Menſchen entſteht, der ſich
von der Not nicht beugen läßt. In dieſem Sinne rufen die evan=
geliſchen
Gemeinden alle Evangeliſchen zum Volkstag. Am Vor=
mittag
werden in allen Kirchen Feſtgottesdienſte ſtattfinden, die
Kirchen werden geſchmückt ſein, Poſaunenchöre und Kurrenden
auf den Straßen durch ihre Choräle zur Beſinnung aufrufen. Am
Nachmittag wird am Herrgottsberg eine große evangeliſche
Waldfeier ſein. Eine ernſte Feier bildet den Auftakt, dabei
wird auch der Vertreter der Kirchenbehörde zu Worte kommen.
Die Feſtrede wird Pfarrer Probſt aus Frankfurt halten. Da=
nach
wird ſich ein frohes Treiben entfalten an dem ſämtliche
Jugendvereine der Stadt mit ſehr ſchönen heiteren und ernſten
Darbietungen ſich beteiligen. Mehrere ſehr wertvolle Frei=
ichtaufführungen
werden gleichzeitig an verſchiedenen
Stellen des großen Geländes dargeboten werden. Für die Kin=
der
iſt eine beſondere Ueberraſchung vorgeſehen. Die Veranſtal=
tung
beginnt ſehr pünktlich um 3.30 Uhr und endet gegen 6 Uhr
nach einer kurzen Schlußfeier mit einem gemeinſamen Zug vom
Böllenfalltor bis zum Tierbrunnen.

In den Ruheſtand verſetzt wurden: am 22. Juni: die tech
niſche Lehrerin an der Volksſchule, zu Mörfelden, Kreis Groß

Von Fritz Carl Badendieck=Berlin.

berz, der Lehrer an der Volksſchule zu Wetterfeld, Kreis Schot=
ten
. Andreas Sitzler, ſämtlich auf ihr Nachſuchen mit Wirkung
vom 1. Juli ab: die Lehrerin an der Volksſchule zu Bensheim
a. d. B., Katharina Dorn, auf ihr Nachſuchen mit Wirkung vom
Auguſt an; der Rektor an der Volksſchule zu Bürſtadt, Kreis
Bensheim, Lorenz Maixner, auf ſein Nachſuchen, vom 1.
Auguſt an.
Auf Grund des § 1 des Geſetzes über die Altersgrenze der
Staatsbeamten vom 2. Juli 1923 bzw. 19. Dezember 1923 in der
Faſſung des Geſetzes vom 8. Oktober 1923 (Reg.=Bl. S 249) tritt
am 1. Juli in den Ruheſtand der Lehrer Wilhelm Vonalt an
der Volksſchule zu Worms.
Oeſterreichiſcher Generalkonſul. An Stelle des nach Oeſter=
reich
übergeſiedelten Herrn Hermann von Paſſavant wurde Herr
Friedrich Egger zum öſterreichiſchen Generalkonſul ernannt. Die
Dienſträume des Generalkonſulats in Frankfurt a. M. werden in=
folgedeſſen
ab 30. Juni nach Kettenhofweg 22 verlegt. Amtsſtun=
den
von 912 Uhr. Telephon 77 766.
Hohes Alter. Am Montag, den 29. Juni, beging Frau
Margarete Müller, geb. Kramer, Sandbergſtraße 4, ihren 89.
Geburtstag.
Jubiläen. Am 1. Juli d. J. werden es 30 Jahre, daß
Frl. Auguſte Wagner. Neue Niederſtraße 16, hier, bei der
Firma Adolf Geiger, Ludwigsplatz 10, als Angeſtellte tätig iſt.
Die bekannte Dampf=Wäſcherei und Bügelanſtalt Edel=
wei

Inh. Dapper, begeht am 1. Juli ihr 25jähriges Geſchäfts=
Jubiläum.

Eine Jahresüberſicht über die Lage der deutſchen Volksgrup=
pen
, beſonders in Europa, pflegt ein Bild der Not und des Kamp=
fes
zu ſein. Die auf der Nationalitätentagung in Genf formu=
lierte
Forderung, daß nationale Minderheiten in Fremdſtaaten
das ſittliche und juriſtiſche Recht haben müſſen, mit ihrem Mutter=
lande
und untereinander Fühlung zu halten, iſt in der Praxis
faſt durchweg nicht anerkannt. Der Gedanke einer Kultur= und
Notgemeinſchaft aller Deutſchen lebt trotzdem weiter und hat auch
im vergangenen Jahre nicht zuletzt in der Arbeit des VDA. ſei=
nen
Ausdruck gefunden.
Nicht aus abſtrakten Gedankengängen, ſondern aus der wirk=
lichen
Arbeit ſind die erſten Schutzvereine entſtanden. Das Bei=
ſpiel
Mitterers, eines Südtiroler Volksprieſters, hat die Vereins=
gründer
in Wien, Frankfurt Berlin und Karlsruhe zur nach=
ahmenden
Tat begeiſtert, Arbeit und Opfer ziehen ſich als ein
Leitfaden durch die ganze Schutzvereinsgeſchichte hindurch. Wirk=
liche
, ins Volk dringende, vom ganzen Volk getragene Arbeit,
Unterſtützungsarbeit nach draußen. Werbearbeit im Lande iſt auch
heute noch die Stärke des VDA. und das von anderer Seite häu=
fig
angeſtaunte Geheimnis des Erfolges.
Man iſt vielfach der Anſicht, daß in dieſem Jahrzehnt der
Nachkriegszeit, das man nicht ganz mit Unrecht das volks=
deutſche
Jahrzehnt genannt hat, erſt alle die nun im
ſiegreichen Vormarſch begriffenen Gedanken über das Verhältnis
von Volk und Staat zueinander über die Verbundenheit aller
Menſchen gleicher Nationalität, über ihre gegenſeitige Hilfspflicht
über das Recht zur autonomen Geſtaltung des überlieferten Kul=
turlebens
, über die Minderheitenfrage im juriſtiſchen und politi=
ſchen
Sinne geprägt und gedacht worden ſind. Das iſt ein Irr=
tum
. Aus der Geſchichte der Schutzarbeit geht hervor, daß ſchon
die Männer der Gründungszeit vor 50 Jahren in aller Klarheit
Gedanken und Forderungen ausgeſprochen haben, die man in be=
ſtimmten
weſentlich begriffstheoretiſch eingeſtellten Kreiſen der
volksdeutſchen Bewegung als neueſte und eigenſte Errungenſchaft
empfindet. In der Nachkriegszeit ſind dieſe oben genannten Ge=
danken
, die ſich durch die geſamte Vereinsgeſchichte hindurchziehen
und die beim Zuſammenbruch 1918 von dem damaligen Vorſitzen=

den des VDA. von Reichenau in einem klar gegliederten Natio=
nalitätenprogramm
zuſammengefaßt und in einer tauſendköpfigen
Verſammlung in Berlin begeiſtert aufgenommen und zu einem
Aufruf an das deutſche Volk erhoben worden ſind, nochmals mit
aller Deutlichkeit ausgeſprochen worden. Der Gedanke der Zu=
ſammengehörigkeit
aller Deutſchen ohne Unterſchied der Staats=
angehörigkeit
, der Partei und der Konfeſſion, die Idee der Volks=
verbundenheit
in gegenſeitiger Hilfspflicht iſt immer das reine
hohe Ziel des Vereins für das Deutſchtum im Ausland geweſen.
Es iſt nicht Schuld der in den Vorkriegsjahrzehnten mit weit=
ausſchauendem
Blick für ihr Volk wirkenden Männer, daß ihre
Worte auf unfruchtbaren Boden fielen. Es iſt abgeſchmackt, eine
Bewegung, wie es in wirklich rückſtändigen Kreiſen hier und da
noch vorkommt, reaktionär zu nennen, deren Ideen heute als
Minderheitenproblem die ganze europäiſche Welt bewegen. Die
ſchönſte Anerkennung für den Verein für das Deutſchtum im Aus=
land
ſind daher die Worte geweſen, die der langjährige Ehren=
vorſitzende
des VDA., Reichspräſident und Generalfeldmarſchall
v. Hindenburg, an die Spitze der VDA.=Geſchichte geſetzt hat, und
die in ihrer knappen, inhaltsreichen perſönlichen Prägung in
wenigen Sätzen zuſammenfaſſen, was alle volksbewußten Deut=
ſchen
empfinden:
Der Verein für das Deutſchtum im Ausland darf das
Verdienſt für ſich in Anſpruch nehmen, vor 50 Jahren zuerſt
ür den Gedanken der Volksverbundenheit aller Deutſchen
über die Staatsgrenzen hinweg eingetreten zu ſein
In einem halben Jahrhundert treuer, hingebungsvoller
Tätigkeit hat der Verein die Saat ausgeſtreut, deren Ernte
jetzt zu reifen beginnt. Aus dem Bewußtſein, einem großen,
arbeitſamen und tüchtigen Volke anzugehören, können alle
ſeine Glieder Mut ſchöpfen für die Ueberwindung der gegen=
wärtigen
Not.
Ich wünſche dem Verein in ſeinem Jubiläumsjahre eine
weitere Aufwärtsentwicklung, ſo wie ſie beſonders das letzte
Jahrzehnt gebracht hat. Not hat Opferſinn geweckt. Opfer
und Arbeit werden die deutſche Not brechen.

Herbſt dieſes Jahres will der Evangeliſche Bund das Stück zu
Gehör bringen. Eine große Anzahl Damen und Herren des evan=
geliſchen
Darmſtadt haben ihr Einverſtändnis mit dem Vorhaben
des Bundes dadurch bekundet, daß ſie dankenswerterweiſe der
Bitte um Beitritt zum Ehrenausſchuß entſprochen haben. Nachdem
in dieſer Beziehung dank der freundlichen Unterſtützung der evan=
geliſchen
Einwohner Darmſtadts die Vorarbeiten ſchnell zu einem
Ergebnis führten, ergeht jetzt an alle Evangeliſchen unſerer Stadt
die herzliche Bitte, ſich als Mitſpielende zur Verfügung zu ſtellen,
ſoweit Luſt. Liebe und Begabung zum Spiel vorhanden ſind. Die
Zahl der Mitwirkenden iſt ſo groß, daß niemand annehmen ſoll,
er werde nicht mehr gebraucht. Auch in früheren Jahren verhall=
ten
der Ruf und die Bitte an die ſpielbegabten Einwohner nicht
ohne Erfolg. Schon oft gaben die Evangeliſchen beiderlei Ge=
ſchlechts
Proben ihres ſchauſpieleriſchen Konnens, wenn es galt,
der edlen und ſchönen Sache des deutſch=enangeliſchen Glaubens
in ſebſtloſer Weiſe einen Dienſt zu tun. Es wird daher gebeten,
ſich ſofort in die Liſten der Mitſpielenden einzutragen, die an
nachfolgenden Stellen aufgelegt ſind: Muſikhaus Arnold. Ernſt=
Ludwig=Straße 5; Zigarrengeſchäft Mylius, Herdweg 2; Papier=
haus
Paul. Wendelſtadtſtraße 20; Herrn Schorlemmer, Illig=
weg
32: Papierhandlung Stelzer. Ecke Kies= und Nieder= Ram=
ſtädter
Straße; Papierhandlung Weiß, Schloßgartenſtr. 1; Buch=
handlung
Waitz, Eliſabethenſtraße 16.
Vortrag. In Gemeinſchaft mit dem Hausfrauenbund ver=
anſtaltet
die Direktion der ſtädtiſchen Betriebe am nächſten Don=
nerstag
, abends 8 Uhr, im Bürgexhof, Eliſabethenſtr. 2. einen
Sondervortrag mit dem Thema Fruchtſaftbereitung und Ein=
kochen
auf dem Gasherd. Nachdem das Einkochen im Gasback=
ofen
den Beifall aller Hausfrauen gefunden hat, iſt es berechtigt,
zu behaupten, daß dieſe neue Einkochmethode bedeutende Vor=
teile
bietet gegenüber den früheren Verfahren. Die Gläſer nur
n den Gasbackofen zu ſtellen und nun dem Einkochvorgang zu
überlaſſen, ohne auf die Temperatur achten zu müſſen, iſt für jede
Hausfrau eine in der heißen Jahreszeit, beſonders willkommene
Entlaſtung, da Waſſerbad und Einkochapparat überflüſſig ſind.
Daß auch Fruchtſäfte viel angenehmer und leichter herzuſtellen
ſind als ſeither, davon können ſich die Hausfrauen in dem nächſten
Vortrag ſelbſt überzeugen. Nach dem Vortrag bietet ſich Gelegen=
heit
, Wünſche und Anregungen vorzubringen, wodurch ein gedeih=
liches
Zuſammenarbeiten zwiſchen Hausfrau und Gaswerk ange=
ſtrebt
wird.
Sonderfahrten im Monat Juli in modernen Großkraft=
wagen
. Das Reiſebüro Wilhelm Köhler, G. m. b. H., Darm=
ſtadt
, Luiſenplatz 1, hat eine Reihe, ſchöner Sonderfahrten für
Monat Juli ausgearbeitet. Beſonders empfohlen werden die
Ferienreiſen, die in bequemen Allwetter=Wagen mit Reiſeführer
durchgeführt werden. (Näh. ſ. Anz.)

Eiſenbahnunfall bei Nieder=Ramſtadt.
* Geſtern nachmittag entgleiſte der fahrplanmäßig 4.06 Uhr
die Strecke paſſierende Güterzug 8981 bei der Einfahrt nach Nie=
der
=Ramſtadt. Die Lokomotive und der Packwagen
ſtürzten um. Die Strecke war bis Mitternacht geſperrt,
der Verkehr wurde durch Umſteigen aufrecht erhalten. Verletzt
wurde glücklicherweiſe niemand. Die Urſache des Verkehrsunfalls
iſt noch nicht vollſtändig geklärt.

Sonderfahrt nach dem Bodenſee.
Die von der Reichsbahndirektion Mainz für die Zeit vom
bis 5. Juli d. J. in Ausſicht genommene Sonderfahrt nach dem
Bodenſee hat die zur Ausführung dieſer Reiſe erforderliche An=
zahl
von Voranmeldungen nicht annähernd erreicht, ſo daß dieſer
Zug leider nicht verkehren kann. Es hat die Erfahrung gezeigt,
daß viele Reiſeluſtige ihren Entſchluß recht lange verzögern. wo=
durch
die mehrtägigen Reiſeunternehmungen einfach unmöglich
gemacht werden. Nur bei rechtzeitiger Voranmeldung iſt es der
Reichsbahndirektion Mainz möglich, in Zukunft mehrtägige Fahr=
ten
zu unternehmen, die erhebliche Vorarbeiten erforderlich
machen. Für bereits gelöſte Sonderzugfahrkarten und Schiffs=
karten
für die Bodenſeerundfahrt wird das Fahrgeld an den glei=
chen
Schaltern zurückgezahlt.

51. Verbandskag
des Heſſiſch=Naſſauiſchen Kurzſchrifl-Berbandes.
F. Am 4. und 5. Juli 1931 wird Darmſtadt wieder einmal
im Zeichen der geflügelten Feder ſtehen. Der Heſſiſch=Naſſauiſche
Kurzſchrift=Verband, deſſen Gebiet die Kurzſchriftbezirke Aſchaffen=
burg
, Bergſtraße, Darmſtadt, Frankfurt a. M.=Höchſt. Gießen,
Mainz und Offenbach=Hanau mit mehr als 10 000 Mitgliedern
umfaßt, verſammelt an den beiden Tagen ſeine Jünger vom be=
ſchwingten
Stift in der heſſiſchen Landeshauptſtadt zu einer gro=
ßen
Heerſchau aus Anlaß des 51 Verbandstages.
Dieſe wird ſich beſonders am Sonntag fühlbar machen, wenn
Darmſtadt ſeit Oktober 1930 der Sitz des Verbandes die
1200 Stenographen für einen guten Tag beherbergen wird, die
ſich zur Teilnahme an dem großen, am Vormittag in den höheren
Schulen am Kapellplatz (Realgymnaſium und Ludwigs= Oberreal=
ſchule
) ſtattfindenden Verbands=Schnellſchreiben an=
gemeldet
haben. Mit dieſer Verbandstagung iſt eine Jubel=
feier
des Gabelsberger Stenographenvereins
von 1861 (Verein für Einheitskurzſchrift) verbun=
den
der in dieſem Jahre auf ſein 70jähriges Beſtehen
zurückblicken kann. In den Händen dieſes Vereins liegen die nun
ziemlich abgeſchloſſenen Vorbereitungen für die Tagung, deren
Protektorat als Zeichen der Anerkennung für die verdienſt=
volle
Tätigkeit des Verbandes auf dem Gebiete der Kurzſchrift
zur hohen Freude aller Kunſtgenoſſen Staatspräſident
Dr. h. c. Adelung übernommen hat.

Im Union=Theater läuft ab heute in Erſtaufführung ein
Tonfilm aus dem Seemannsleben Stürmiſch die Nacht. Walter
Jankuhn, der gefeierte Tenor, Maria Solveg, Marie Ney, Hertha
Guthmar, Bernhard Goetzke u.
a. ſind in tragenden Rollen
beſchäftigt. Regie: Curt Blachnitzki, Muſik: Charly Gaudriot mit
ſeinem Jazzorcheſter, und Dr. de la Cerda mit dem Wiener Ra=
dio
=Orcheſter. Dazu ein reichhaltiges Beiprogramm.
Das Helia=Theater zeigt ab heute den Tonfilm aus der
Varietéwelt mit 100prozentigem deutſchem Dialog Artiſten.
Regie: John Cromwell und A. Edward Sutherland. Die Haupt=
darſteller
ſind: Hal Skelly und Nancy Carroll. Außerdem wirken
noch eine weitere Reihe beſter Kräfte mit. Dazu das gute Bei=
programm
. Die Eintrittspreiſe ſind ab heute herabgeſetzt.
Die Palaſt=Lichtſpiele warten ab heute mit einem neuen
Stummfilm=Doppelprogramm auf, und zwar ſieht man den Sen=
ſationsfilm
Der Kriminalreporter, Regie: George Melford
mit Lewis Stone und Marceline Day, und den Film Durchs
Brandenburger Tor (Solang noch unter den Linden . . .) mit
Fritz Kampers, June Marlowe, Paul Henkels u. v. a.
Schulgeldmahnung. Das Schulgeld für den Monat Juni
1931 für die hieſigen höheren Schulen, ſowie die Städtiſche
Maſchinenbau=, Gewerbe=, Handels= und Haushaltungsſchulen, iſt
nach der heutigen Bekanntmachung, bei Meidung der Beitreibung
und Koſtenberechnung, bis zum 10. Juli 1931 an die Stadtkaſſe,
Grafenſtraße 28, zu zahlen.

Schwurgerichk.

Um 10 Mark vier Menſchen ins Gefängnis.
Aw. Das Schwurgericht beginnt ſeine diesmalige Tagung
mit einer Anklage wegen Meineids gegen drei Lam=
pertheimer
Maurer und wegen Anſtiftung zum
Meineid gegen einen Lampertheimer Maurermeiſter. Es
war im Jahre 1928. Beſagter Maurermeiſter führte für einen
Weißbinder einen Hausbau aus. Das Haus war bereits bis zum
Dach gediehen, auch die Latten waren ſchon auf dem Dach be=
feſtigt
, als ein Beamter der Berufsgenoſſenſchaft kam, um den
Bau zu kontrollieren. Er mußte dabei feſtſtellen, daß ein in den
Unfallverbütungsvorſchriften vorgeſchriebenes ſog. Fanggerüſt fehlte,
das zum Schutze ſowohl der auf dem Dach beſchäftigten Arbeiter,
als auch der Paſſanten dient. Er machte einen Bericht, und der
Naurermeiſter erhielt daraufhin einen Strafbefehl über 10 RM.
Seinen Arbeitem ſagte er, er habe einen Strafbefehl über
60 RM. erhalten. Er würde ſich das aber nicht gefallen laſſen,
ſondern Einſpruch erheben. Erſt behauptete er, er ſei zur Er=
ſtellung
des Fanggerüſtes nicht verpflichtet geweſen, ſondern der
Bauherr, der Weißbinder. Dann behauptete er plötzlich, das Fang=
gerüſt
ſei dageweſen, das hätten aber die Spengler, die es bei der
Anbringung der Dachkandeln geſtört habe, wieder abgemacht.
Seine Leute inſtruierte er dahin, dasſelbe zu ſagen. Es kam nun
zu einem Beweisermittlungsverfahren. Ein Aſſeſſor des Ober=
verſicherungsamtes
kam nach Lampertheim und vernahm die an=
gegebenen
Zeugen dort auf der Bürgermeiſterei. Die drei heu=
tigen
Angeklagten bekräftigten die Ausſagen ihres Arbeitgebers,
der Strafbefehl wurde zurückgezogen. Die Sache war ſchön und
gut, bis eines Tages der Bruder des einen der auch bei dem
Maurermeiſter arbeitete, entlaſſen wurde. Da lief die Mutter
zur Polizei und zeigte die ganze Sache an. Zwei von ihnen, ein
29jähriger und ein 69jähriger Maurer, noch nie vorbeſtraft, geben
die Sache ſofort zu. Sie hätten um der Arbeit willen gelogen,
denn heute müſſe man ja froh ſein, wenn man Arbeit habe. Der
dritte iſt vermöge ſeiner Intelligenz überhaupt nicht imſtande,
falſch oder richtig auseinander zu halten. Der Vorſitzende gibt
ſich die größte Mühe, ihm alles klar zu machen, aber der Ange=
klagte
muß ſelber ſagen er ſei nun ganz zerſtreut im Kopp. Der
Maurermeiſter behauptet einmal, er habe die Leute nicht ange=
ſtiftet
, und dann wieder er hätte das Gerüſt ja gar nicht machen
brauchen. Eine große Schwierigkeit erhebt ſich, als der eine Ver=
teidiger
die Anſicht vertritt, der Aſſeſſor des Oberverſicherungsamts
habe überhaupt nicht die Befugnis gehabt, Eide abzunehmen. Es
erweiſt ſich als notwendig, den Präſidenten des Oberverſiche=
rungsamtes
und den Referenten für das Perſonalweſen vom Mi=
niſterium
für Arbeit und Wirtſchaft darüber zu hören. Beide
Herren ſind ſich ſelbſt darüber im Zweifel, da der Aſſeſſor ſeiner=
zeit
nicht feſt angeſtellt war, alſo kein Miglied des Verſicherungs=
amtes
war. Der Staatsanwalt Dr. Klein iſt der Anſicht,
daß der Aſſeſſor die Befugnis hatte, daß alſo die drei wegen Mein=
eids
und der Maurermeiſter wegen Anſtiftung zum Meineid zu
beſtrafen ſeien. Er beantragt für den Maurermeiſter ein Jahr
und ſechs Monate Zuchthaus, da er in frivolſter Weiſe ſeine Macht
als Arbeitgeber ausgenützt habe. Für die übrigen beantragt er
die Mindeſtrafe von je einem Jahr Zuchthaus, und iſt bereit, evtl.
Gnadengeſuche auf das Wärmſte zu befürworten. Sollte das Ge=
richt
wider Erwarten dazu kommen, die Eidesbefugnis des Aſſeſ=
ſors
nicht anzuerkennen, ſo ſeien die Angeklagten zum mindeſten
wegen verſuchten Meineids zu verurteilen. Der erſte Vertei=
diger
hält dafür, daß der Aſſeſſor nicht zur Eidesabnahme befugt
war, denn nach dem Geſetz ſei nur ein Mitglied des Oberverſiche=
rungsamtes
dazu befugt. Infolgedeſſen ſeien die Angeklagten frei=
zuſprechen
. Auch der zweite Verteidiger plädiert auf Freiſpruch.
Um 7.30 Uhr verkündet der Vorſitzende das Urteil. Der
Maurermeiſter wird wegen Verleitung zum ver=
ſuchten
Meineid zu einem Jahr Gefängnis, und
die drei anderen wegen verſuchten Meineids zu
je acht Monaten Gefänignis verurteilt. Das Ge=
richt
iſt der Anſicht, daß der Aſſeſſor tatſächlich nicht zur Abnahme
von Eiden befugt war. Infolgedeſſen könne kein vollendeter Mein=
eid
in Betracht kommen. Die Angeklagten ſeien aber auf jeden
Fall ſtrafbar, denn ihre Abſicht, etwas wiſſentlich Falſches zu be=
ſchwören
, bleibe ja nach wie vor beſtehen. Die Angeklagten hät=
ten
ſich ja in einer gewiſſen Zwangslage befunden, denn ſie mußten
ja wohl mit Arbeitsentlaſſung rechnen, wenn ſie die Wahrheit
ſagten, aber immerhin ſei es doch recht frivol, in derart leicht=
ſinniger
Weiſe eine Behörde zu täuſchen. Die bürgerlichen Ehren=
rechte
werden ſämtlichen Angklagten auf drei Jahre aberkannt.
Offenbacher Mieterbaugenoſſenſchaftsprozeß. Das in dieſem
Monſtreprozeß am 3. Januar verkündete, in Nr. 6 von uns mit=
geteilte
Strafkammerurteil iſt nun mit 451 Maſchinen
ſchriftſeiten Begründung den Angeklagten zugeſtellt und
damit die Friſt zur Reviſionsbegründung in Lauf geſetzt worden.
Mit einer Verhandlung vor dem Reichsgericht dürfte wohl erſt
im Laufe des kommenden Winters zu rechnen ſein.

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94

Ludwigstraße 13

SALASTAST

Ladwisstraße 13

[ ][  ][ ]

Seite 6

Dienstag, den 30. Juni 1931

Nummer 179

* Haus Neys Abſchied von Darmſtadk.
Nicht von der Bühne des Landestheaters herab hat Hans
Ney Abſchied genommen. Nicht von der Stätte, an der er ſieben
Jahre in geradezu vorbildlicher Pflichterfüllung und Treue die
Thearerbeſucher lachen oder weinen machte. Sein Abſchied erfolgte
von neutraler Stätte, von einer, die in ähnlicher Form ſein zu=
künftiger
Wirkungsbereich ſein wird. Hans Ney will zum
Varieté, will Kabarettiſt werden! Wenn ein ſo vielſeitiger
Künſtler dieſen Wechſel freiwillig vollzieht, werden ſeine Gründe
ſtichhaltig ſein.
Seinen Abſchied feierte Hans Ney im Schloßkeller. In Form
eines großen Bunten Abends. Alle, nein nicht alle,
aber viele, ſehr viele ſeiner Freunde oder die ſeines Humors,
waren erſchienen, einen Abend in Heiterkeit, in engem Konnex
mit heiterer Kunſt zu verleben und Hans Ney nochmals, zum letz=
ten
Male Dank zu ſagen und Beifall zu klatſchen, dem Künſtler
das Salz ſeines beruflichen Daſeins zu geben. Der Schloß=
keller
war bis in den Garten hinein überfüllt! Ganz aus=
gezeichnete
, temperamentvolle, auf Stimmung und Jazz=Rhythmus
eingeſtellte vielſeitige Muſik des Attraktionsorcheſters
Willi Walter gab den mitreißenden Rahmen für die Dar=
bietungen
des Bunten Abends, der im Weſentlichen Deklamatio=
nen
, Geſang und Tanz brachte, nachdem man Hans Ney im wah=
ren
Sinne des Wortes ſtürmiſch begrüßt. Franz Pfaudler,
der bisherige Fachkollege, übernahm mit köſtlichem Humor die
Leitung des Abends. Ein glänzender vielſeitiger Conferencier.
Köſtlich in ſeiner Selbſtironie, ſogar neue Witze und Schlager
brachte er! Bis er Herrn Spiera, den Sänger, ankündigte, der
allen anweſenden Damen mehrfach mit Heldentenorſtolz und
Sicherheit verſicherte, daß ihnen ſein ganzes Herz ſei, wofür mit
lebhaftem Beifall, wie mehrfach noch am Abend gedankt wurde.
Obwohl es nicht Tauber und nicht Völker war, die das gleiche
ſchon oft in Darmſtadt verſicherten, ſicher nicht ſchöner und lauter!
Und wieder Pfaudler! Wieder neue Schlager, und dann
Frl. Koſchan! Die entzückende Tänzerin. In feinen, leicht gro=
tesken
Solotänzen. Herzlichſte Ovationen.
Zwiſchendurch oft, und immer wieder gern gehört, die
Knutſch=Kapelle: Röhrig, der Vielſeitigſte, mit dem treff=
lich
gemeiſterten Akkordeon, und Schroeder, der ausgezeichnete
Geiger! Beide zuſammen eine Einmaligkeit. Stimmung! Stim=
mung
! Immer wieder erhöht durch Pfaudler! Schade, daß wir
auch den verlieren!
Eine ſeriöſe Sache, ein Xylophon=Solo, bot feine Technik,
gute künſtleriſche Interpretation Herr Roßmannjr., der viel=
verſprechende
Sohn unſeres Schlagzeugers! Dann wieder
Tanz. Frl. Garbe, eine der Jüngſten und Beſten unſeres
Landestheater=Balletts. Gute, ſehr gute Tanz=Kunſt! Jugend,
Schönheit, Technik, Tanz!!
Dann die Senſation und das Selbſtverſtändliche: Hans
Ney, der Gefeierte, Abſchiednehmende! Geſang: Trink= und
Weinlieder. Ernſt Overlack (der uns auch verläßt; er geht nach
Wuppertal), ſang dann. Zuerſt einen Schmarren! Aber geſanglich
ausgezeichnet. (Am Flügel Siegfried May!) Dann aber Kunſt:
Ich bin nur ein armer Wandergeſell und ähnliches! Ernſt Over=
lack
ohne Koſtüm, die Hemdsärmel hochgekrempelt! Das gab
Stimmentfaltung! Technik! Schmelz! Aber, wie geſagt,
geſanglich wundervoll! Stürmiſcher Applaus! Overlack! Overlack!
Eine Viertelſtunde lang!
Zum Sprachrohr des Publikums erkühnten ſich Julius
Simon Faßler und andere. Man ſpendete Hans Ney viele
herzliche Worte, Blumen, griechiſch=römiſche Statuen, Schwarte=
magen
(!) und andere Dinge. Vor allem aber von Herzen viel
viel Glück!!
Das Programm verſchönten noch der Grotesk=Komiker Leo
Renner, der viel beſſer noch als Couplet=Singen die Kapelle
grotesk dirigieren konnte, das Geſangsquartett des Lan=
destheaters
mit Pepita‟!!! Dann aber mit einem ausge=
zeichnet
geſungenen, ſchlichten Volkslied. Und vieles wiederholte
ſich. Und man rauſchte immer wieder Beifall und feierte Hans
Ney! Und feierte ihn viel mehr noch im weiteren Verlauf des
Abends, im inoffiziellen Teil, der bis zum frühen Morgen
dauerte. Hans Ney darf mit ſeinem Abſchied zufrieden ſein. Wir
wünſchen ihm in Berlin ſtets den gleichen Erfolg!
Aus den Parkeien.
Deutſch=nationale Frauengruppe. Wie ſchon
mitgeteilt, wollen wir uns morgen Mittwoch, den 1. Juli,
nachmittags 4 Uhr, zu unſerer monatlichen Zuſammenkunft auf
dem Heiligen Kreuz treffen. Es werden unſere Frauen alle
dringend erſucht, vollzählich zu kommen. Unſere Landtagsabgeord=
nete
Frau Heräus und der Landesgeſchäftsführer Freiherr von
Schilling werden uns intereſſante und wichtige politiſche Mittei=
lungen
machen. Gäſte willkommen, auch Herren. Zuſammenſein
hinterer Saal, Hauptgebäude.
Lokale Veranſtalkungen.
Die dierunter erſcheinenden Rotizen ſind ausſchſießlich als Hinweiſe auf Anzeigen m betrochten.
keinem Falſe irgendwie als Beſprechung oder Krit
Der Zyklus volkstümlicher Konzerte wird in
dieſer Woche fortgeſetzt: Dienstag, den 30. Juni, im Heſſiſchen
Hof und Mittwoch, den 1. Juli, im Prinz Heinrich (untere Bleich=
ſtraße
) Matthias Weber wird Dienstag einen Abend im Mili=
tärmuſikſtil
geben, wobei nur gern gehörte und für dieſe Beſetzung
beſonders geeignete Stücke zu Gehör kommen werden. Am Mitt=
voch
im Prinz Heinrich wiederum Operetten= und Schlagerabend
dieſe Konzerte unter Herrn Webers Leitung bieten Ablenkung
und Erbauung. (Siehe auch Anzeigen.)
Hausfrauenbund. Wir machen nochmals darauf auf=
nerkſam
, daß heute, 3.30 Uhr, in unſeren Räumen, Heidelberger
Straße 47, das Einwecken von Obſt und Obſtſäften praktiſch vor=
geführt
wird. Dieſer Vortrag iſt zugleich Beratungsſtunde und
fur jedermann zugänglich.
Heute findet im Herrngarten=Café anläßlich des
Jahrestages der Rheinlandbefreiung ein großer Rheiniſcher Abend
ſtatt, unter Leitung von Kapellmeiſter Schlupp.
Das Waldreſtaurant Neues Schießhaus ver=
anſtaltet
von Dienstag, den 30. Juni bis Samstag, den 4. Juli,
eine Kaffee= und Kuchentag=Woche. Gedeck 1. Mk. (Siehe An=
zeige
.)
Sportplatz=Reſtaurant und Café am Böl=
lenfalltor
. Schattiger, ſtaubfreier Garten. Heute Abſchieds=
abend
der Kapelle Carlie Fornoff.
Vereinskalender.
Starkenburger Automobilklub (A.D.A. C.)
Mitgliederverſammlung Dienstag, den 30. Juni 1931, abends 8.30
Uhr, im Klublokal Reichshof. Tagesordnung: Mitteilung über
die durch den Klub erreichbaren Verbilligungen des Betriebs=
ſtoffes
und Vorführung eines neuartigen Auspufftopfes zur
weſentlichen Betriebsſtofferſparnis.

Tageskalender für Dienstag, den 29. Juni 1931.
Heſſ. Landestheater. Großes Haus: Geſchloſſen. Kleines
Haus. 2022.45 Uhr: Arm wie eine Kirchenmaus, Kon=
erte
: Zur Oper, Schloßkeller, Herrngartenkaffee, Sportplatz=
Reſt. am Böllenfalltor, Wiener Kronenbräukeller Kino=
vorſtellungen
: Union=, Helia= und Palaſt=Lichtſpiele,
Kunſtausſtellung Mathildenhöhe
geöffnet von
18 Uhr. Reſt. Kaiſerſaal, Grafenſtr. 18, 20.30 Uhr:
Vortrag von P. Menzel Warum krank ſein?

11. Deutſches Sängerbundes=Feft.
SBK. Der Konzertausſchuß des 11. Deutſchen Sängerbundesfeſtes
in Frankfurt a. M. iſt ſeit Monaten fleißig an der Arbeit. Er
ſteht in ſtändiger Verbindung mit den Bünden, Gauen und Vereinen,
die Sonderkonzerte angemeldet haben, und iſt zur Zeit bemüht, die ein=
geſandten
Programme zu prüfen und nach ihren verſchiedenen Stil= und
Weſensarten zu ſichten. Es liegt im Intereſſe der mit der Einſendung
der Programme noch rückſtändigen Bünde, Gaue und Vereine, möglichſt
bald das bisher Verſäumte nachzuholen. An eine Feſtlegung der Vor=
tragsfolgen
bis ins kleinſte und letzte iſt dabei nicht gedacht. Eine ge=
wiſſe
Abänderungsmöglichkeit muß den Programmen einſtweilen noch
verbleiben, ſchon im Hinblick auf die aus dem Staatspreiswettbewerb
hervorgehenden, zur Uraufführung in Frankfurt a. M. beſtimmten
Werke. Schon jetzt geben die Vorarbeiten ein deutliches Bild von dem
erfreulichen Vorwärtsſtreben der Bundesvereine, und die vorläufige
Ueberſicht gibt dem Konzertausſchuß die Gewißheit, daß das Frankfurter
Feſt in künſtleriſcher Beziehung den hohen Erwartungen entſprechen
wird, die an es geſtellt werden.
Auch in den äußeren Umriſſen läßt ſich die Konzerttätigkeit der
drei Feſttage ſchon einigermaßen überfehen. Aus der Fülle der Veran=
ſtaltungen
heben ſich neben den Hauptkonzerten und den zahlreichen
Sonderkonzerten mehrere offizielle Veranſtaltungen des Deutſchen Sän
gerbundes hervor, die inſofern etwas ganz Neues für unſer Bundesfeſt
bedeuten, als zum erſten Male gemiſchte Chöre mitwirken oder ſogar
ihre Hauptträger ſind. Dieſe Veranſtaltungen ſind auf die drei Konzert=
tage
verteilt. Am Eröffnungstage (Donnerstag) wird im Anſchluß an
die Weiheſtunde für den Tag des deutſchen Volkstums in der Feſthalle
eine große Kantate ihre Uraufführung erleben; am darauffolgenden
Freitag ſoll die Schöpfung als Jubiläumsfeier anläßlich der 200. Wie=
derkehr
des Geburtsjahres Haydns geboten werden, und am dritten Tag
wird Beethovens Neunte Symphonie in der großen Sängerhalle als
triumphierender Schluß die Konzerttätigkeit krönen,
Die geplante Kantate, deren Komponiſt vorläufig nicht genannt wer=
den
ſoll, erfordert neben großem Orcheſter nicht weniger als ſechs Män=
nerchöre
, einen gemiſchten Chor, einen Frauenchor, einen Knaben= und
Mädchenchor, die ſämtlich mit Ausnahme der Kinderchöre von der Stadt
Kaſſel unter Führung von Dr. Laugs geſtellt werden. Haydns Jubiläums=
konzert
wurde Profeſſor Fritz Gambke übertragen, der es mit der Ar=
beitsgemeinſchaft
Sängerchor des Lehrervereins Frankfurt a. M. und
Frankfurter Singakademie herausbringen wird. Die Leitung der Neun=
ten
Symphonie hat wiederum der Obmann des Muſikausſchuſſes des
Deutſchen Sängerbundes, Dr. Laugs, übernommen.

Aus Heiſen.

Schmerzlindernd,
und belebend bei Rheuma,Oschias, a.
Kopf=, Nerven= und Erkältungs= 8

zMeliſſ.=3Musk.=1Nelk.GBitr.=5Bimt=u. ſchmerzen, Ermüdung u. Strapazen !
Lav.=Ol. 18,14Menth.,400Waſſ.,600 Spir. S7 Apotbeken und Drogerſen

Sommerſpielzeit Bruno Harprecht im Heſſiſchen Landes=
theater
. Ladislaus Fodors liebenswürdige Luſtſpiel=Neuheit
Arm wie eine Kirchenmaus errang bei ihrer Premiere
dank der charmanten Handlung und ausgezeichneten Darſtellung
bei Preſſe und Publikum einen durchſchlagenden Heiterkeitserfolg,
der auch den beiden erſten Wiederholungen in nicht minderem
Maße zuteil wurde. Es ſei daher auf die heutige Aufführung von
Arm wie eine Kirchenmaus, in der wiederum Hildegard War=
ſitz
vom Deutſchen Schauſpielhaus in Hamburg und Direktor
Bruno Harprecht die Hauptrollen ſpielen, ganz beſonders hinge=
wieſen
. Morgen und folgende Tage weitere Wiederholungen.
Miet=Einzeichnungen, und zwar für alle Wochentag=
Vorſtellungen werden bis einſchließlich Freitag dieſer Woche noch
täglich in der Mietahteilung entgegengenommen.
Auf die Fahrten des Rhein=Reiſe=Büros Siegfried Halm
in Mainz ſei nochmals hingewieſen. Die nächſte Fahrt nach =
desheim
, dem Orte echt rheiniſcher Stimmung, findet am Don=
nerstag
, die ins Nahetal am nächſten Dienstag ſtatt. Karten
ſind jederzeit bei J. Ph. Leuthner, Ernſt=Ludwigsplatz, erhältlich.
(Näheres ſiehe heutige Anzeige.)
Taubſtummengottesdienſt. Sonntag, den 5. Juli, nachmit=
tags
2.30 Uhr, findet im Gemeindehaus der Kiesſtraße Taub=
ſtummengottesdienſt
ſtatt. Wegen Fahrtausweis wende man ſich
an Pfarrer Heß, Hügelſtraße 6.
Nächſte Dampferabfahrten der Hamburg=Amerika=Linie
Auſtral=/Kosmos=Linien). Ohne Verbindlichkeit. Aenderungen
vorbehalten. Nach New York: D. Hamburg ab Hamburg
D. Deutſchland ab Hamburg 8. 7., al
7., ab Cuxhaven
7. M. S. Milwaukee ab Hamburg 11. 7.. ab Cux=
Cuxhaven 9
). New York ab Hamburg 14. 7., ab Cuxhaven 15.
haven 12. 7
Albert Ballin ab Hamburg 22. 7., ab Cuxhaven 23. 7. M
St. Louis ab Hamburg 25. 7., ab Cuxhaven 26. 7. D. Hamburg ab
D. Deutſchland ab Hamburg
Hamburg 30. 7., ab Cuxhaven 31. 7.
Nach Kanada (Gemeinſchaftsdienſt
v. 8., ab Cuxhaven 6. 8.
Hapag/Lloyd): D. Cleveland (Hapag) ab Cuxhaven 19. 7. Nach
Boſton, Philadelphia, Baltimore, Norfolk (Ge=
D. Hannover
meinſchaftsdienſt Hapag/Lloyd) ab. Hamburg:
D. Holger (Lloyd) 22. 7.
(Lloyd) 1. 7. D. Eifel (Hapag) 11. 7
J.
Nach der Weſtküſte Nordame=
Harburg (Hapag) 1.
2
Eſte
rikas (Gemeinſchaftsdienſt Hapag/Lloyd) ab Hamburg:
D. Vancouver (Lloyd)
Loyd) 1. 7. M.S. Oakland (Hapag) 11.
5. 7
Kiel
2. 7. Nach Cuba ab Hamburg: D. Syra 2. 7. T
Nach Mexiko (in Gemeinſchaft mit der Ozean=Linie) ab Ham=
burg
: D. Syra (Hapag) 2. 7. D. Werra (Ozean) 14. 7. D. Kiel
Nach Weſtindien
Hapag) 25. 7.
Roland (Ozean) 6.
und der Reede=
in
Gemeinſchaft mit der Roland=Linie, Bremen
H. C. Horn, Flensburg) ab Hamburg: M.S. Mimi Horn 4. 7
Friderun (Lloyd) 18. 7. D. Rugia
Orinoco (Hapag) 11.
(Hapag) 25. 7. Nach den Weſtindiſchen Inſeln in Ge=
meinſchaft
mit der Reederei H. C. Horn, Hamburg) ab Hamburg:
7. M. S. Wald=
M. S. Zulia (Horn)
6. D. Feodoſia (Hapag)
Nach der Weſtküſte Zentral=
traut
Horn (Horn) 28.
merikas (Gemeinſchaftsdienſt Hapag/Lloyd) ab. Hamburg:
D. Eſte (Lloyd) 1. 7. M.S. Orinoco (Hapag) 11. 7. M.S. Oakland
Nach der Oſtküſte
Hapag) 11. 7. D. Witell (Lloyd) 21.
S.
M
Südamerikas ab Hamburg: D. Württemberg 11.
25.
7 D. Li=
Oſiris 15. 7. D. General Mitre 25. 7. D. Phoenicia
Nach Südbraſi
guria 1. 8. D. General Sann Martin 9. 8.
ien (in Gemeinſchaft mit der Hamburg=Südamerikaniſchen
Dampfſchiffahrts=Geſellſchaft und dem Norddeutſchen Lloyd) ab
Paraguay
D.
Hamburg: M.S. Pernambuco (H.S.D.G.)
Hapag) 23. 7. Nach der Weſtküſte Südamerikas (in
Gemeinſchaft mit der Roland=Linie, Bremen) ab Hamburg: D.
A
Erlangen
). Ansgir (Roland) 9.
Amaſis (Kosmos) 2. 7.
Adolf von Baeyer (Kosmos) 23.
(Roland) 11. 7
Nach
ſtaſien (Gemeinſchaftsdienſt Hapag/Lloyd) ab. Hambur
M.S
M. S. Burgenland (Hapag)
Ermland (Hapa
) Franken (Lloyd) 11. 7. M.S. Vogtland
Fulda (Lloyd) 8.
(Hapag)
5. 7. M.S. Friesland (Hapag) 18
M. S. Trave
(Lloyd) 22. 7. Nach Niederländiſch=Indien ( Gemein=
ſchaftsdienſt
der Deutſch=Auſtraliſchen Dampfſchiffs=Geſellſchaft,
Aktiengeſellſchaft, Hamburg, und der N. V. Nedeerlandſche Stoom=
vaart
Maatſchappij Oceaan): D. Uckermark (Hapag) ab Ham=
burg
8. 7.
Maron (Oceaan) ab Hamburg 22. 7. D. Freiburg
Hapag) ab Rotterdam
28.
Nordmark (Hapaa) 5. 8. Nach
Auſtralien (Gemeinſchaftsdienſt der Deutſch=Auſtraliſchen
Dampfſchiffs=Geſellſchaft,
amburg, des Norddeutſchen Lloyd. Bre=
men
, und der Reederei Alfred Holt u. Co., Liverpool) ab Ham=
burg
: D. Neckar (Lloyd
2.
Bitterfeld (Hapag) 18.
Moſel (Hapag)
Nach Südafrika (Deutſch=Auſtraliſche
Dampfſchiffs=Geſellſchaft, Aktiengeſellſchaft, Hamburg) ab. Ham=
uurg
: D. Eſſen 18. 7. D. Naumburg 22. 8. HamburgRhein=
Linie ab Hamburg: D. Mannheim ca. 2.
7. D. Frankfurt ca.
7. D. Köln ca. 11.
Straßburg ca. 16.
Hamburg
London=Linie; Wöchentlich drei Abfahrten Mitgeteilt
durch das Reiſebüro der HamburgAmerika=Linie, Luiſenplatz 1,
Telephon 130809.

Wixhauſen, 29. Juni. Der hieſige Geſangverein Sänger=
luſt
der am Sonntag an dem Geſangswettſtreit in Somborn teil=
nahm
, konnte einen ſchönen Erfolg erringen, indem er in der 1. Stadt=
klaſſe
bei ſtarker Konkurrenz den 3. Preis erhielt,
T. Gräfenhauſen, 29. Juni. Die letztjährige Bilanz der hieſigen
Spar= und Darlehnskaſſe e. G. m. b. H. weiſt einen Rein=
gewinn
von 4738,38 RM. auf. Der Geſamtumſatz beträgt 802 441,06 Mk.
Die Spareinlagen erreichten zuſammen mit den Aufwertungsſparein=
lagen
die anſehnliche Summe von 289 439,27 RM. Die Geſamthaftſumme
dieſer Genoſſenſchaft betrug im vergangenen Geſchäftsjahr 98 000 RM.
G. Ober=Ramſtadt, 29. Juni. Vom Roten Kreuz. Die Ar=
beitsgemeinſchaft
der Freiw, Sanitätskolonne vom Roten Kreuz und des
Alice=Frauenvereins, aus deren Mitgliederreihen ſich eine ganze Anzahl
Damen und Herren als Sammler anläßlich des Rot=Kreuztages zur Ver=
ügung
geſtellt hatte, fagt allen Spendern für die gute Sache der Näch=
ſtenliebe
herzlichſten Dank. Am geſtrigen Sonntag fand eine in allem
gut verlaufene Uebung, der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Ro=
ten
Kreuz an der Holzſchneiderei Hanſtein in der hinteren Bauſtraße
ſtatt Baulandumlegung. Nachdem die Vorarbeiten für die
Baulandumlegung Am Schachmühlenweg Gemarkung Ober=Ramſtadt
beendet, ſoll am Mittwoch, 15. Juli d. Js., nachmittags 3,30 Uhr, in
Rathaus zu Ober=Ramſtadt über den Umlegungsplan verhandelt und
abgeſtimmt werden. Die Pläne und Unterlagen liegen in der Zeit vom
30. Juni bis einſchließlich 14. Juli, jeweils vormittags von 812 Uhr
im Bürgermeiſtereibureau offen. Die Beteiligten ſind aufgefordert, in
der eingangs erwähnten Tagfahrt zu erſcheinen und abzuſtimmen, widri=
genfalls
ſie als zuſtimmend angeſehen werden.
f. Roßdorf, 29. Juni. Die Odenwälder Hartſtei=
Induſtrie A.=G. in Darmſtadt errichtet zur Zeit bei ihrem hieſigen
Betrieb eine Teer=Makadam=Anlage. Die Anlage hat die Aufgabe,
Baſaltſchotter verſchiedener Korngrößen mit Bitumen und Teer zu ver
miſchen. Der benötigte Schotter wird der beſtehenden Steinbrechanlage
entnommen und von dort durch Kippwagen über eine Brücke einem
Vorſilo zugeführt, welches ſechs Taſchen zur Aufnahme der verſchiedenen
Korngrößen enthält. Aus dieſen Taſchen gelangen die Steine durch
maſchinell angetriebene Aufgabeſchuhe auf ein Förderband und von dieſem
über ein Becherwerk in eine Trockentrommel, in der ſie von der an=
haftenden
Feuchtigkeit befreit werden. Aus der Trockentrommel gelangen
die Steine über Becherwerk in zwei nebeneinander liegende Abkühlſilos.
Aus letzteren gelangen die Steine über ein Becherwerk auf eine Miſch=
bühne
in ein zirka acht Tonnen faſſendes Silo. Auf der Miſchbühne
ſind zwei mit Dampf beheizte Miſcher aufgeſtellt, in welche die Steine
aus dem darüber befindlichen Silo über ein Meßgefäß gelangen. In
den Miſchern werden die Steine mir einer beſtimmten Menge Teer ge=
miſcht
, der aus den unter der Miſchbühne angeordneten Teerbehältern
nach entſprechender Erwärmung nach den Miſchern gepumpt wird. Aus
den Miſchern gelangt die fertig gemiſchte Maſſe in ein Silo und aus
dieſem direkt in den Eiſenbahnwagen. Der Antrieb der einzelnen Ma=
ſchinen
erfolgt durch Elektromotore. Die Errichtung der Anlage bedeutet
einen großen Forſchritt, und was insbeſondere zu begrüßen iſt, für
eine Reihe Perſonen Arbeitsfeld.
Cg. Reinheim, 29. Juni. Bürgermeiſterwahl. Bei der au
geſtrigen Tage ſtattgefundenen Bürgermeiſter=Wiederholungswahl ge
es eine unerwartete Wendung der Wählerſchaft. Während die vorige
für ungültig erklärte Wahl ein Stimmenverhältnis von 712 für Goebel
und 715 für Vollrath hatte, erhielt Herr Dr. Gg. Hch. Goebel bei der
geſtrigen Wahl 881 Stimmen, während Herr Bürgermeiſtereiſekretär Hch
Vollrath nur 637 Stimmen erhielt. Ein Wahlkampf hatte über=
haupt
nicht ſtattgefunden; das Ergebnis war in ſtiller Werbung zur
Reife gebracht worden. Schmutzig war der Verſuch eines Anhängers der
Kandidatur Vollrath (ohne daß Herr Vollrath ein ſolches Verhalten bil
ligte), das außerordentlich traurige Schickſal der Familie Seibold, das
vor wenigen Tagen berichtet wurde, ſo wenig zu achten, die Beerdigung
von ſich aus ſtatt am Samstag auf den Wahlſonntag verlegen zu wollen,
vas aber durch die Angehörigen verhindert wurde. Das Verhalten hat
viel Unwillen erregt, beſonders hinſichtlich darauf, daß am Wahlſonntag
auch noch das Reiterfeſt hier ſtattfand, und dem Kandidaten beträchtlich
geſchadet.
Ds. Fränkiſch=Crumbach, 29. Juni. Motorradunfall. Ir
Spachbrücken ereignete ſich ein Motorradunfall, der leicht hätte ſchlim
Folgen haben können. Herr Phil. Klinger, ein jüngerer Brude
des hieſigen Fahrlehrers Wilh. Klinger, hatte ein Fräulein auf de
Soziusſitz, mit dem er nach Darmſtadt fahren wollte. Oberhalb vor
Spachbrücken überholten ſie das Fuhrwerk Wagen mit anhangend
Mähmaſchine des Konvikts in Dieburg. Der Motorradfahrer we
längſt am Fuhrwerk vorbei und hatte den Ort erreicht, als plötzlich d
Fuhrwerk in raſendem Tempo hinter ihnen her die ſteile Straße na
dem Ort hineinrannte. Die anhängende Mähmaſchine, die in weiten
Bogen ausſchleuderte, warf den Motorradfahrer, der auf dem nicht b
ſonders rühmenswerten Pflaſter nicht ſtark fahren konnte, um, ſo daß
der Fahrer und das Fräulein unter die Mähmaſchine zu liegen kamen
und nicht unerhebliche Verletzungen davontrugen. Beide Verletzte muß
ten nach Hauſe gebracht werden, wo ſie ärztliche Hilfe in Anſpruch na
men. Wie ſich ſpäter herausſtellte, iſt dem Fuhrmann die Leine zer=
riſſen
, ſo daß er die Gewalt über ſeine Pferde verloren hat.
r. Babenhauſen, 29. Juni. Selbſtmordverſuch. Dieſer Tag
hat ſich der 32jährige ledige Wilh. Perſchbacher von hier in dem
Fabrikgebäude der Konfurter Mühle mit einem Flobertgewehr ein
Schuß in die Herzgegend beigebracht. Schwerverletzt wurde er in eine
Kraftwagen ins Rochushoſpital nach Dieburg verbracht. An ſeinem A=
kommen
wird gezweifelt. Wie man hört, ſollte P. in den nächſten Ta=
gen
eine Freiheitsſtrafe antreten. Das wird vielleicht der Beweggrund
zur unglückſeligen Tat geweſen ſein. Heu= und Spargelernt
gehen ihrem Ende zu. Mit dem diesjährigen Ertrag ſind die Landwirte
ſehr zufrieden. Am Dienstag, 30. Juni, findet hier vormittags ein
Feldrundgang durch unſere Gemarkung ſtatt. Alle Landwirte ſind
dazu eingeladen; die Zuſammenkunft findet am Rathaus ſtatt.
Wiebelsbach, 29. Juni. Das Ortskartell Lengfeld des Deutſchen
Beamtenbundes faßte folgende Entſchließung zur letzten Notver
ordnung: Die am 27. Juni 1931 in Wiebelsbach verſammelten Mit=
glieder
des Ortskartells Lengfeld des Heſſiſchen Beamtenbundes erheben
gegen die letzte Notverordnung ſchärfſten Widerſpruch, da ſie ſozial wie
virtſchaftlich einen ſchweren Mißgriff darſtellt. Sie fordern ſofortige
Beſeitigung der untragbaren Härten, die beſtehen: 1. in der Kürzung
des Kinderzuſchlags; 2. in der in keiner Weiſe gerechtfertigten Unter=
ſcheidung
der Ortsklaſſen.
Le Raibach, 29. Juni. Bürgermeiſterwahl. Nachdem Bür=
germeiſter
Peter Wolff krankheitshalber ſein Amt nach 12jähriger Amt
zeit niedergelegt hat, fand geſtern die Wahl ſeines Nachfolgers ſtatt. Be
äußerſt reger Wahlbeteiligung erhielt Landwirt Adam Wolff 2
und Schloſſer Wilhelm Heldenberger 56 Stimmen. Erſterer iſt
ſomit gewählt.
Dh. Rohrbach i. Odw., 29. Juni. Die Heidelbeerernte hat
begonnen, und unſer einſames Odenwalddörfchen bekommt wieder Leben,
Morgens um 6 Uhr kommen ſchon die Sammler mit allerlei Beförde
rungsmitteln, wie Rad. Wagen, ſogar Autos, denn der Weg iſt für
manche gar weit. Früher war es für die armen Leute in unſerer Ge=
gend
ein ſchöner Verdienſt, konnten ſie doch mit dem Erlös die nötigen
Kleidungsſtücke für das nächſte Jahr beſchaffen. Die Ernte dauerte da
immer drei, auch vier Wochen. Heute iſt das anders, denn jeder ſam=
nelt
, und in 810 Tagen iſt die Ernte zu Ende. Die Erträge ſind dies
Jahr gut zu nennen, und der Preis bewegt ſich zwiſchen 183 Pfg.
* Weiher i. Odw., 27. Juni. Der Odenwald=Jahn=Gau hält am 4.
und 5. Juli ds. Js. in Weiher ſein Gauturnfeſt ab. Den Vor=
bereitungen
nach zu ſchließen, wird es ſich würdig dem vorjährigen in
Waldmichelbach anreihen. Samstags abends findet ein Kommers ſtatt,
bei dem beſonders namhafte auswärtige Kräfte mitwirken werden. Am
Feſtſonntag, morgens 8.15 Uhr, beginnt das Wetturnen. Um 14 Uhr iſt
der Feſtzug, nach welchem ſich das weitere Programm auf dem Feſtplatz
bwickeln wird. Abends ſchließt das Feſt mit einem Ball. Weiher wird
durch ſeine Lage im Weihertale, an der Bahn Mörlenbach= Waldmichel=
ſach
, alljährlich im Sommer von vielen Fremden beſucht. Möchte der
Ort auch am Sonntag, den 5. Juli, zum Gauturnfeſt des Odenwald=
Jahn=Gaues das Ausflugsziel für viele Freunde der edlen Turnſache
ſein.

[ ][  ][ ]

Nummer 179

Dienstag, den 30. Juni 1931

Seite 7

Die Entwäſſerung des weſtlichen
Gemarkungsteiles der Gemeinde Griesheim.

J. Griesheim, 28. Juni.
Im Sommer 1930 trug ſich die Gemeinde Griesheim mit dem Ge=
danken
, zur Beſchäftigung der Wohlfahrtserwerbsloſen Entwäſſerungs=
arbeiten
in der Gemarkung durchzuführen. Vom Miniſterium für Arbeit
und Wirtſchaft, Abteilung für Ernährung und Landwirtſchaft, wurde
der Gemeinde vorgeſchlagen, den Küchlersgraben als Hauptentwäſſe=
rungsgraben
auszubauen und zur Verbeſſerung der Vorflut des Küch=
lersgrabens
in dem Landgraben ein kleines Pumpwerk an der Mün=
dung
aufzuſtellen. Von einer Ausführung der Entwäſſerungsanlagen
gemäß des Vorſchlags des Generalkulturplanes für das heſſiſche Ried
ſollte zurzeit abgeſehen werden, da hierbei die Beteiligung der Gemar=
kungen
Wolfskehlen und Goddelau Vorausſetzung war; dieſe Beteiligung
war, nach früheren Beſtrebungen zu urteilen, jetzt nicht zu erwarten.
Der Generalkulturplan ſieht vor, die Gemarkung Griesheim unter dem
Landgraben hindurch nach den alten Neckarſchlingen, die dort der
Scheidgraben durchzieht, zu entwäſſern. Der Scheidgraben ſoll als
Hauptſammler das Waſſer zu einem geſchloſſenen Rohrkanal leiten, der
wiederum das Waſſer dem Altrhein bei Erfelden zuführen ſoll; hierbei
wäre eine künſtliche Hebung der Zuflußmengen nicht erforderlich. Um
alsbald eine Entwäſſerungsanlage für die Gemarkung zu erhalten be=
ſchloß
die Gemeindevertretung in der Sitzung vom 2. Juli 1930 die Aus=
führung
des vom Miniſterium für Arbeit und Wirtſchaft empfohlenen
Projekts. Die Finanzierung ſollte mit Hilfe der Zinsverbilligung des
Landes Heſſen erfolgen, die bei Beſchäftigung von Wohlfahrtserwerbs=
loſen
für einen Betrag von 75 000 RM. zugeſichert wurde. Weiter
wurde von der Rentenbankkreditanſtalt ein Darlehen von 35 000 RM.
zur Verfügung geſtellt, das mit Hilfe des Reiches zinsverbilligt wird;
endlich erhält die Gemeinde aus der Weſthilfe einen einmaligen ver=
lorenen
Zuſchuß von 10 000 RM.
Im Auguſt 1930 erfolgten die Geländeaufnahmen für die Ausfüh=
rung
der Arbeiten; nach Sicherſtellung der Mittel wurde unter der Bau=
leitung
des Kulturbauamtes Darmſtadt mit den Arbeiten zum Ausbau
des Küchlersgrabens am 17. September und für das Pumpwerk am 23.
September 1930 begonnen. Die Arbeiten ſind bis auf einige Nacharbeiten
fertiggeſtellt.
Der Küchlersgraben wurde vorerſt bis zum Pferchdamm auf eine
Länge von rund 2700 Metern ausgebaut; das Sohlengefälle beträgt 0,3
pro Mille, die Sohlenbreite wechſelt zwiſchen 1,80 und 10 Meter, die
Böſchungen ſind eineinhalbfach angelegt und die durchſchnittliche Graben=
tiefe
beträgt 1,501,70 Meter. An der Mündung des Küchlersgrabens in
den Landgraben iſt das Pumpwerk errichtet. Die Leiſtung iſt auf 120
Liter in der Sekunde (in der Minute 7200 Liter oder in der Stunde
432 000 Liter) bei etwa 1,20 Meter Förderhöhe begrenzt; es gelangte ein
Pumpenaggregat zuv Aufſtellung. Der Pumpenraum iſt als Brunnen
von 2,0 Meter Lichtweite ausgebaut und iſt ab Fußboden des Hochbaues
rund 3,55 Meter tief. Ueber dem Brunnen iſt das Gebäude für den
Motor und die elektriſchen Schaltanlagen errichtet. Als Entwäſſerungs=
pumpe
wurde ein MAN=Schraubenſchaufler gewählt, der von einem
ſenkrecht ſtehenden Elektromotor angetrieben wird; Pumpe und Motor
ſind unmittelbar miteinander gekuppelt. Den Betriebsſtrom liefert das
Ueberlandwerk Mainz, er wird vom Weilerhof ab durch Freileitung dem

Pumpwerk zugeführt. Die Bedienung des Pumpwerkes kann durch eine
Schwimmereinrichtung automatiſch erfolgen, d. h. die Pumpe fängt bei
einem beſtimmten Waſſerſtand im Küchlersgraben von ſelbſt mit dem
Fördern des Waſſers in den Landgraben an und hört bei entſprechender
Abſenkung des Waſſerſpiegels im Küchlersgraben mit dem Pumpen wie=
der
auf. Vom Küchlersgraben führt ein kurzer Stichgraben zum Saug=
rohr
der Pumpe, das Druckrohr der Pumpe kreuzt einen Feldweg und
iſt im Landgraben durch eine Rückſchlagklappe geſchützt. Ein freier Aus=
lauf
des Waſſers vom Küchlersgraben in den Landgraben iſt bei ent=
ſprechend
niedrigem Waſſerſtand im Landgraben durch einen geſchloſſenen
Rohrkanal von 600 Millimeter lichter Weite aufrecht erhalten. Auch
dieſer Kanal wird im Landgraben bei hohem Waſſerſtand durch eine
Rückſchlagklappe abgeſchloſſen, zur Sicherheit wurde noch ein Schieber
eingebaut. Die Maſſe der geſamten Erdbewegung beträgt ca. 17000
Kubikmeter. De eine Verbreiterung des Küchlersgrabens von 3 Meter
auf 6,50 Meter erfolgt iſt, wurde der Ankauf von 19 868 Quadratmeter
Privat=Wieſengelände erforderlich, deſſen Erwerb einen Koſtenaufwand
von 7077,40 RM. verurſachte. Es gelangten weiter noch zur Ausfüh=
rung
: die Errichtung einer neuen Feldwegbrücke und von 9 Fußgänger=
ſtegen
, der Einbau einer Stauſchleuſe zum Halten des Waſſers im Ober=
lauf
des Grabens in trockenen Zeiten, die Verlegung eines neuen Rohr=
durchlaſſes
von 1000 Millimeter Lichtweite in der Provinzialſtraße und
die Unterfangung des Eiſenbahndurchlaſſes. Der Geſamtaufwand der
Anlage beziffert ſich auf ca. 120 000 RM. Die Arbeiten wurden durch
die Firmen Peter Ritter 5. (Griesheim), J. Vetter (Stockſtadt a. Rh.)
und Rödner u. Hauf (Trebur) ausgeführt. An Lieferungen und Arbei=
ten
waren noch beteiligt: Firma Karl Hofmann Nachf., Inh. Ferdinand
Kirſtein (Griesheim) Philipp Haſſinger Witwe. Inhaber Peter Haſſinger
(Griesheim), Heinrich Merker Wiwe (Griesheim) und Philipp Melk
(Griesheim). Der Probelauf im Pumpwerk erfolgte am B. Dezember
1930. Das Pumpwerk war bis jetzt ſchon häufig in Betrieb und hat den
Waſſerſpiegel im Küchlersgraben zur Zeit der Bauarbeiten öfters ſchon
bis faſt auf Grabenſohle abgeſenkt. Der Grabenaushub wurde auf ent=
ſprechendes
Gelände verteilt und planiert und iſt heute ganz beſeitigt.
Die Ausführung der Arbeiten litt ſehr unter ungünſtigen Witterungs=,
Grundwaſſer= und Untergrundverhältniſſen; der Ausführung ſtellten ſich
mancherlei Schwierigkeiten entgegen.
Bei den Arbeiten wurden, von einigen Stammarbeitern der Unter=
nehmer
abgeſehen, nur Griesheimer Wohlfahrtserwerbsloſe beſchäftigt
und ungefähr 4000 Tagewerke geleiſtet. Bei den Erdarbeiten zum Aus=
bau
des Küchlersgrabens wurden täglich bis zu 30 Wohlfahrtserwerbs=
loſe
beſchäftigt.
Im Generalkulturplan iſt ermittelt, daß in der Gemarkung Gries=
heim
847 Hektar Gelände zu verbeſſern ſind, davon ſind 246 Hektar ver=
ſumpft
. Dieſe ganze Fläche wird durch die jetzt ausgeführten Anlagen
noch nicht verbeſſert. Das Pumpwerk und der Hauptgraben können nur
als Grundlage für den weiteren Ausbau der Entwäſſerungsanlagen die=
nen
. Nach und nach muß ein ſyſtematiſch angelegtes Grabennetz geſchaf=
fen
und gut unterhalten werden. Erſt dann kann von einer entſprechen=
den
Abſenkung des Grundwaſſerſpiegels und einem wirkungsvollen Ar=
beiten
der Anlage zum Nutzen der Landwirtſchaft gerechnet werden.

Zur Neckarkanaliſakion.
Auch hier wurden ſchon rechtzeitig die nötigen Vorkehrungen ge=
troffen
, um größeren Schaden durch das kommende Hochwaſſer zu ver=
hüten
. An den beiden Bauſtellen in Rockenau und Hirſchhorn hatte man
es noch rechtzeitig verſtanden, alle Geräte, die vielleicht durch die ſtarken
Waſſermaſſen weggeſchwemmt werden konnten, durch Taue zu befeſtigen.
Rüſtungen und Bretter, die noch nicht feſt eingebaut waren, wurden aus
den Baugruben noch bis ſpät in die Nacht hinein herausgeſchafft und
an höheren Plätzen ſicher aufgeſtapelt. Die Motoren und Pumpen wur=
den
abmontiert und aus den Baugruben gebracht. Um 10 Uhr nachts
fehlten an den Spundwänden noch 30 Zentimeter bis zur Ueberflutung.
Da nun die Baugruben ſchon außerordentlich tief ſind gegenüber dem
Waſſerſpiegel des Stromes, mußten auch die ſchweren Bagger beraus=
geſchleppt
werden. Bei einem derſelben war dieſe Arbeit mit beſonde=
ren
Schwierigkeiten verknüpft, jedoch nach einigen Stunden gelang es,
ihn auch auf einem beſonders erhöhten Platz aufzuſtellen. Darauf wurde
von der Waſſerbaubehörde, um größeren Schaden zu verhüten, das
Füllen der Baugruben mit Waſſer angeordnet. In Hirſchhorn hatte
man vorſorglich ſchon früher beſondere Oeffnungen aus den Spundwän=
den
mit Schneidbrennern herausgeſchnitten, und durch Schieber ge=
ſchloſſen
. Jetzt war es möglich, da der gewaltige Druck von der Strom=
ſeite
auf der Bauſeite keinen Gegendruck finden konnte, ein Eindrücken
der eiſernen Spundwände zu verhüten. Die Schieber wurden hochge=
zogen
, und mächtig ſchoß das Waſſer in die ausgedehnte Baugrube hin=
ein
. Da aber dieſe Waſſermenge den Bauplatz nicht ſchnell genug füllen
konnte, wurde der Anſchluß der Spundwände an das Ufer unterbrochen
und nun rauſchten dann auch noch größere Waſſermaſſen, mächtige
Steine der ehemaligen Uferbefeſtigung mit ſich reißend, hinein in die
Stätte langer und mühſeliger Arbeit. Aber, der Hauptzweck, ein Ein=
drücken
der Umfaſſungswände zu verhüten, war erreicht durch dieſe vor=
ſorglichen
Maßnahmen, die von der zuſtändigen Baubehörde angeordnet
worden waren. Man ſah denn auch bei dieſem Hochwaſſer keinerlei
Geräte und Bauhölzer den Neckar hinabgleiten, und die Baufirmen ſind
vor Schaden bewahrt. Da nun im Laufe des heutigen Tages ein Rürk=
gang
des Waſſers beobachtet werden konnte und das Stromwaſſer be=
reits
30. Zentimeter tiefer als dasienige innerhalb der Einfaſſungs=
wände
ſteht, hat man mit der Montage von Pumpen und Motoren
begonnen. Es wird jedoch erforderlich ſein, dieſelben 2 bis 3 Tage
laufen zu laſſen, bis die Baugruben vollſtändig entleert ſind. Während
auf der rechten Uferſeite die Arbeiter nicht beſchäftigt werden konnten,
war es auf dem linken Bauabſchnitt möglich, den größten Teil von
ihnen mit Montagearbeiten von neuen Betonſchüttmaſchinen und Gleis=
verlegungen
zu beſchäftigen.

Nauheim bei Groß=Gerau, 29. Juni. Für den Kreisfeuer=
wehrtag
haben bereits 15 Freiwillige Wehren mit einer Geſamt=
beteiligung
von 500600 Wehrleuten in Uniform zugeſagt. Mehrere
Wehren kommen mit Spielmannſchaften und einzelne bringen ſogar ihre
kompletten Muſikabteilungen mit. Nach Eingang der noch rückſtändigen
Meldungen iſt mit einer Beteiligung von 9001000 Mann zu rechnen.
Erſtmalig wird dieſes Jahr von der feſtgebenden Wehr vor den erſchie=
nenen
Kreis=, Vereins= und Gemeindevertretern außer dem üblichen
Brandangriff eine Paradeauffahrt der erſten Spritze mit Schlauchwagen
vorgeführt. Seither wurde dieſe Auffahrt von einer Abordnung der
geſamten Wehren des Kreiſes ausgeführt und konnte durch die verſchie=
denen
Anſichten der Beteiligten nicht das Gewünſchte bringen. Mit die=
ſer
Neuerung wird eine einheitliche Vorführung erzielt, und iſt ſomit
beſonders den Wehren=Vertreter Gelegenheit zur anvegenden Kritik
gegeben.
Hirſchhorn a. N., 29. Juni. Waſſerſtand des Neckers
am 28. d. M.: 2,05 Meter; am 29. d. M.: 1,90 Meter.

Bei den Reihern in Zwingenberg am Neckar.
Von Waldvogel.
Schon längſt war es mein Wunſch, auch einmel die Reiherkolonie bei
Zwingenberg am Neckar zu beſuchen, die neben der Neiherkolonie auf
dem Kühkopf wohl noch die einzige in unſerer näheren Umgebung ſein
dürfte.
Es war ein herrlicher Juni=Nachmittag, als wir von Zwingenber
im herrlichen Neckartal aufbrachen, um nach kurzer Wanderung ſtrom=
aufwärts
unſer Ziel zu erreichen.
Die Heuernte war in vollem Gange, überall waren fleißige Hände
mit Mähen und Heumachen beſchäftigt, und trotz der vielen Arbeit be=
kam
man von den lieben Menſchen freundliche Antwort und Beſcheid
auf alle Fragen, die man hatte und ſtellte.
Zwiſchen mit hohem Graſe beſtandenen und auch bereits gemähten
Wieſen eilte der Neckar in raſchem Laufe dahin, und eine angenehme
Kühle empfing uns, denn der mit ſtarkſtämmigem Laubwald bewachſene,
ziemlich ſteil aufſteigende Hang ſtand vor der Sonne und brachte den
erſehnten Schatten.
Dicht am Waſſer lagerten wir auf einer gemähten Wieſe und hatten
auf etwa 150 Meter vor uns ein Bild, das ſelten zu ſehen iſt und wel=
ches
das Herz des Naturfreundes höher ſchlagen ließ.
Schon ehe wir raſteten hörten wir einen Lärm, wie vielſtimmiges,
verſtärktes Froſchquaken; bald traten auch Einzellaute hervor: rauhes
Krächzen, heiſere Krä und kurze , , ſowie heiſeres Quicken der
eben flüggen Jungen.
Uns gerade gegenüber ſtreckte ein dürrer Stamm ſeine kahlen Aeſte
aus dem grünen Laubdach, und auf ihnen ſaßen acht Reiher, und in
zwvei Horſten, die ſich ebenfalls in dem Geäſt befanden, ſtanden und ſaßen
drei bzw. zwei flügge Junge. Es war ein herrliches Bild, die hellen
Hälſe und Brüſte der in den grünen Baumkronen ſitzenden Jungreiher
zu betrachten, denn die Vögel hoben ſich prächtig in dem dunklen Grün
ab. Es waren meiſt Jungreiher, die ihre erſten Ausflüge machten; 54
Stück zählte ich, welche die belaubten Beumkronen als Ruheſitz gewählt
hatten.
Intereſſant war es, mit dem guten Zeißglas zu beobachten, wenn die
alten Vögel von ihren Jagdflügen heimkehrten und fütterten. Flügel=
ſchlagend
und ſchreiend wurden ſie von den hungrigen Jungen empfan=
gen
, die zu ſättigen ihnen manch weiten Weg und Mühe koſteten.
Die Nahrung der Reiher beſteht hauptſächlich aus Fiſchen, aber auch
Fröſche, Waſſerinſekten und Mäuſe werden nicht verſchmäht.
So ſah ich im verfloſſenen Jahre einem ſogen. Mäuſejahr auf
Aeckern am Altrhein öfters 10 bis 20 Reiher die Mäuſejagd eifrig aus=
üben
,
Die Sonne ſank immer tiefer, und leichter Nebel wob ſich über den
Wieſen. In der Luft zeigten Milane ihre Flugkünſte, und Krähen ſuch=
ten
ſchreiend ihre Schlafbäume auf. Dieſe Spitzbuben ſind immer in der
Nähe, um in unbewachten Augenblicken Eier zu rauben, was auch der
Milan gelegentlich tut. Krähen und Milane ſind meiſt regelmäßig in
der Nähe von Reiherkolonien zu finden!
Hochbefriedigt von dem Geſehenen und Gehörten kehrten wir wie=
der
nach dem ruhigen Dörfchen zurück, in deſſen Hintergrund das ſtolze
Schloß Zwingenberg, von den letzten Sonnenſtrahlen getroffen, ſich
wunderbar abhob, und ſagten im Stillen der Badiſchen Forſtbehörde
Dank dafür, daß ſie dieſe Naturdenkmäler ſchützt und behütet.

Du. Jugenheim, 29. Juni. Am Sonntag nachmittag ereignete ſich
in dem hieſigen Gemeinde=Schwimmbad ein Unfall. Die 13jährige
Voß aus Pfungſtadt wurde durch andere Perſonen vom holen Sprung=
turm
herabgeſtoßen. Sie fiel unglücklicherweiſe auf die zum Abſpringen
beſtimmten Betonklötze und hierauf bewußklos ins Waſſer. Durch den
dienſthabenden Bademeiſter Dingeldein wurde das Mädchen ſofort her=
ausgeholt
, worauf der anweſende Arzt, Herr Dr. Klingelhöffer, die erſte
Hilfe leiſtete. Die Verletzungen ſollen nicht ſehr ſchwerer Natur ſein
Das Bad war ſo überfüllt, daß es zeitweiſe geſperrt werden mußte;
über 3000 Beſucher wurden am vergangenen Sonntag gezählt.

Der Hoherodskopf wieder erreichbar.
Die Straße Breungeshain-Hoherodskopf ſoll für den
Omnibusverkehr freigegeben werden.
Schotten 26. Juni. Der Vorſtand des Geſamt=VHC. hatte auf dem
Hoherodskopf eine Sitzung. Hierbei nahm er Gelegenheit, mit dem
anweſenden heſſiſchen Landforſtmeiſter Rückſprache zu nehmen über die
Sperrung der Oberwaldſtraßen für den Omnibus= und Laſtkraftwagen=
verkehr
. Durch dieſe Sperrung iſt der geſamte obere Vogelsberg von
den Rundfahrten aus den benachbarten Bädern Bad Nauheim, Bad Hom=
burg
und Bad Salzſchlirf vollkommen abgeſchnitten worden, ſehr zum
Schaden der am Fremdenverkehr intereſſierten Bevölkerung. Landforſt=
meiſter
Heſſe erklärte, die heſſiſche Forſtverwaltung ſei durchaus nicht
verkehrsfeindlich eingeſtellt, er ſelbſt wiſſe auch ſehr wohl, daß der Be=
völkerung
des oberen Vogelsbergs durch Sondermaßnahmen geholfen
werden müſſe, aber Förderung des Verkehrs ſei nicht Aufgabe der Forſt=
verwaltung
, ſondern des Innenminiſteriums und der Provinzialverwal=
tungen
. Außerdem habe auch der heſſiſche Landtag den Wegebaufonds
der Fortſtverwaltung von 400 000 auf 200 000 RM. gekürzt, ſo, daß
irgendwelche Sonderaufwendun n ſich von ſelbſt verbieten würden.
Um jedoch zu zeigen, daß er grundſätzlich bereit ſei, den vom Vogels=
berger
Höhen=Club und verſchiedenen anderen Seiten her an ihn ge=
richteten
Wünſchen entgegen zu kommen, ſoll zunächſt die Straße Breun=
geshain
Hoherodskopf für den geſamten Verkehr freigegeben werden.
Die Forſtverwaltung will den Weg von der Breungeshainer Gemar=
kungsgrenze
bis an den Waldrand an die Provinz abgeben und ſich
verpflichten, die Strecke vom Waldrand bis zu den Klubhäuſern des
VHC. auf dem Hoherodskopf ſtets für jeden Verkehr freizugeben und
inſtandzuhalten. Da der Provinz durch die Uebernahme der kurzen
Wegſtrecke (1,7 Kilometer) keine allzu hohen Koſten erwachſen dürften
und die Forſtverwaltung ſogar bereit iſt, die Koſtenverteilung erſt nach
mehrjähriger Benutzung feſtzulegen, iſt damit zu rechnen, daß die
Straße nach dem Hoherodskopf ſchon in den nächſten Tagen für den
Omnibus= und Laſtkraftwagenverkehr freigegeben wird.

WSN Gießen, 29. Juni. Ein Toter und drei Schwerver=
letzte
bei einem Motorrad=ungkück. Geſtern abend fuhr
auf der Landſtraße Butzbach-Lich der Metzger Karl Kaus aus Burk=
hardsfelden
(Kr. Gießen) mit ſeinem Motorrad, auf dem er ſeine Braut
Anna Gundel aus Lich mit ſich führte, zwei vor ihm fahrende Nadler
an, und zwar ein Mädchen namens Marie Fuchs aus Göbelnrod (Kr.
Gießen) und den Emil Schultheiß aus dem gleichen Ort. Die Mo=
torradler
und die Radler ſtürzten bei dem ſchweren Zuſammenſtoß, ſo
daß Kaus und ſeine Braut Schädelbrüche davontrugen, während Marie
Fuchs ſchwere Kopfverletzungen erlitt und Schultheiß ein Bein dreimal
brach. Die Verunglückten wurden nach erſter ärztlicher Hilfeleiſtung der
chirurgiſchen Klinik in Gießen zugeführt, wo Kaus heute morgen ver=
ſtorben
iſt. Es iſt ungewiß, ob die drei Schwerverletzten mit dem Leben
davonkommen. Die Radler und auch die Motorradler kamen von einem
Radfahrerfeſt in Eberſtadt bei Lich. Der Unglücksfall ereignete ſich, als
der offenbar nicht ganz nüchterne Motorradfahrer die Radler überholen
wollte.
Bad=Nauheim, 29. Juni. Keglerheimweihe. Trotz der
derzeitigen Wirtſchaftsnot hat ſich in Bad=Nauheim ein Intereſſent ge=
funden
, der dem Kegelſport ſoviel Vertrauen entgegenbrachte, daß er
eine Sporthalle mit 4 Bahnen 3 Aſphalt= und eine amerikaniſche
Bahn erſtehen ließ. Dieſe Sportſtätte wurde dem Verbande Bad=
Nauheim zur Verfügung geſtellt und am Sonntag durch den Gau=
vorſitzenden
Philipp Hartmann=Frankfurt eingeweiht. Die Sporthalle
präſentiert ſich in ihrer muſtergültigen Herſtellung als ein wahrer
Schmuckkaſten. Mit der Weihe iſt eine Sportwoche verbunden, zu der
19 Städtemannſchaften auf H.=Bahnen und Aſphaltbahnen ſowie 56
Klubriegen Meldungen abgaben. 65 Mann bewerben ſich um das Sport=
abzeichen
.
m. Aus dem Lande, 27. Juni. Landwirtſchaftliches. Die
Landwirtſchaftsämter ſetzen eifrig ihre belehrende Tätigkeit fort durch
Abhalten von Gemarkungsrundgängen, zuweilen ſchließt ſich dem Rund=
gang
noch ein Vortrag an. Rundgänge haben feſtgeſetzt das Landwirt=
ſchaftsamt
Gau=Algesheim für 20 Orte, das Landwirtſchaftsamt Butzbach
für 14 Orte, das Landwirtſchaftsamt Groß=Gerau für 4 Orte, das Land=
wirtſchaftsamt
Mainz für 1 Ort, das Landwirtſchaftsamt Michelſtadt
für 3 Orte, das Landwirtſchaftsamt Lich für 5 Orte, das Landwirtſchafts=
amt
Reichelsheim i. Odw. für 14 Orte, das Landwirtſchaftsamt Groß=
Umſtadt für 16 Orte. Die Landwirtſchaftskammer weiſt die landwirt=
ſchaftlichen
Lehrlinge auf den Bezug des für die Prüfung vorgeſchriebe=
nen
Merkbuches hin, das ſtatt durch die Deutſche Landwirtſchaftsgeſell=
ſchaft
jetzt billiger durch die Landwirtſchaftskammer zu haben iſt. Dieſes
Merkbuch muß während der Lehrzeit mindeſtens ein Jahr geführt ſein,
wenn deſſen Inhaber die Prüfung ablegen will.

Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Dienstag, 30. Juni.
7.30: Bad Ems: Frühkonzert des Kurorcheſters.
20: Hausfrauen=Nachmittag: Warum zähes Rumpſteak, trockenes
Schnitzel, faſeriges Kochfleiſch, ſitzengebliebenes Gebäck?
16.30: Nachmittagskonzert des Funkorcheſters.
18.15: Dr. Wahl: Am Rande der ſpaniſchen Revolution.
Zeit, Programmänderungen.
18.40:
Oberrea.=Rat Dr. Kümmerlen: Militärverſorgung.
18.45
19.10: Zeit, Wetter, Wirtſchaftsmeldungen.
19.15: Engliſche Marſchmuſik auf Schallplatten.
19.45: Jolanthe. Lyriſche Oper von Tſchaikowſky.
Trier. Ein Städte=Hörbild.
21.00
Berlin: Actualis: Belgien und die Abrüſtung. Zeitbericht.
.
22.30: Zeit. Wetter, Nachrichten, Sport.
Königswuſterhauſen.

Deutſche Welle: Dienstag, 30. Juni.
10.10: Schulfunk: Fröhlicher Kehraus zum Schulſchluß.
15.00: Engliſch für Fortgeſchrittene.
15.45: Dr. Hilde Nathan: Die Beſeitigung der gewerbsmäßigen
Hausangeſtellten=Vermittlung
188
Herwarth Walden: Lebt der Expreſſionismus noch?
Leipzig: Nachmittagskonzert.
16.3
17.30
Dr. Hoffmann=Harniſch: Der Teufelsadvokat.
18.00: Baurat Stiegler: Die Beheizung der Wohnräume.
18.30:
Dr. Jordan: Land und Leute in Neuſeeland.
18.55:
Wetter für die Landwirtſchaft.
19.00
Franzöſiſch für Anfänger.
19.20: Prof. Dr. Kretſchmer: Die Züchtung der genialen Begabung.
19.45: Wetter für die Landwirtſchaft.
19.45
Stettin. Querſchnitt durch eine Stadt.
21.15: Heitere Stunde.
22.15: Wetter= Tages= und Sportnachrichten.
22.30: Unterhaltungs= und Tanz=Muſik.

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für den Handel: Dr.
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[ ][  ][ ]

Seite 8

Dienstag, den 30. Juni 1931

Nummer 179

Provinzialfeuerwehrfeſt in Erbach.

Feſtkommers.
b. Erbach i. O., 29. Juni.
Was man nach den Entwicklungen der politiſchen Verhältniſſe in
den letzten Jahren nicht mehr glauben konnte, iſt doch noch möglich:
Es gibt in unſerem deutſchen Vaterlande noch Ideale, die auf ſo ſtar=
kem
Fundament ſtehen, daß ſie politiſche Gegenſätze, wenn auch nur auf
einige Zeit, überbrücken können. Durch Erbachs Straßen bewegte ſich
am Samstag abend um 9 Uhr ein ſtattlicher Zug von Feuerwehr=
leuten
, voran verſchiedene Kapellen. Die Erbacher Vereine aller Rich=
tungen
(Deutſche Turner und Freie Turner, Bürgerliche Geſangvereine
und Arbeitergeſangvereine u. a.) waren der Einladung, bei dem Ghren=
tag
unſerer heimiſchen Wehr mitzuwirken, in großer Zahl gefolgt. Der
Kreuzritterfanfarenmarſch von Henrion eröffnete die Feier, ihr eine
feierliche Stimmung von vorherein verleihend. Anſprechend bringt der
Männergeſangverein Liederkranz den Chor O du mein Deutſchland
von Mangold zum Vortrag. Frl. Gretel Schmidt grüßt die Feuerwehr=
leute
mit einem glänzend geſppochenen Prolog. In der Anſprache be=
grüßt
Bürgermeiſter Dengler die erſchienenen Wehren und Deputationen,
beſonders den Vorſitzenden des Provinzverbandes, Herrn Knaup=
Rimbach. Sein Dank gilt allen, die bei den Vorbereitungen zu dem
großen Feſt ihre Arbeitskraft in den Dienſt der guten Sache ſtellten.
Herr Knaup=Birkenau überbringt die Grüße des Provinz= und Landes=
verbandes
, ſowie diejenigen der Verbände von Heſſen=Naſſau und
Bayern. Der Stadtverwaltung und der geſamten Einwohnerſchaft dankt
er mit herzlichen Worten für die umfangreichen Feſtarbeiten und für
den überaus herzlichen Empfang, dem man kaum ſonſt wo ausgeprägter
finden könne. Stadt und Einwohnerſchaft dürfen auf ihre Freiwillige
Feuerwehr, die er als muſtergültig bezeichnet, ſtolz ſein und gratuliere er
zu dieſer Wehr. Auf den Geiſt der Feuerwehr und den des Feſtes ein=
gehend
, betont er mit erhobener Stimme, daß die gezeigte Einigkeit
nicht nur äußerlich, ſondern tief verwurzelt ſei. Wehe dem, ſagte er,
der ſich getrauen ſollte, dieſen Geiſt durch Hereintragen politiſcher Zer=
würfniſſe
zu trüben oder zu ſtören. Die beiden Chöre des Arbeiter=
geſangvereins
Vorwärts! Hör uns o Volk und Brüder reicht die Hand
zum Bunde fanden ungeteilten Beifall. Eine Glanznummer waren
die Leiſtungen der Deutſchen Turner am Barren. Auch die Turnerinnen,
die anſprechende Freiübungen zeigten, gaben ihr Beſtes. Als dritter
Männerchor trat der Tugendbund=Erbach auf, der die Lieder Aus
weiten Fernen kehr ich wieder und Heimat und Vaterland zum Vor=
trag
brachte und ſtürmiſchen Beifall fand. Die vorzügliche Feſtkapelle,
unter Leitung des Herrn Reubold=Erbach, war in ihren Leiſtungen nicht
zu überbieten. Weitere Männerchöre brachte der Männergeſangverein
Liederkranz mit: Oho du ſtolzes Mädel und. Die Käfer und die
Blumen, die ob ihres humoriſtiſchen Einſchlages lebhaft gefeiert wur=
den
. Wenn irgendeine Kritik am Platze iſt, ſo muß dieſe darin be=
ſtehen
, daß die Feſthalle ob ihrer baulichen Konſtruktion in bezug auf

Akuſtik vollſtändig ungenügend iſt, was aber ſchließlich mit der Feuer=
wehr
nichts zu tun hat. Feuerwehrmann Strauß=Oreieichenhain, der
als Blitzdichter auftrat, erntete für ſeine hervorragenden humoriſtiſchen
Darbietungen toſenden Beifall, der ihm wiederholt zu Rezitationen auf
die Bühne rief. Ein ſchneidiger Marſch von Stuberhofer Tapfere
Wehr gab der wundervoll verlaufenen Feier einen würdigen Abſchluß.
Dem Vernehmen nach ſoll man Feuerwehrleute in den verſchiedenſten
Lokalen unſerer Stadt bis weit in den Morgen hinein bei trauter
Geſelligkeit bemerkt haben. Im Verkehr mit der Bevölkerung konnte
mein meinen, die Bekanntſchaften beſtänden bereits ſeit Jahren. Ja, ja,
die Erbacher Gemütlichkeit iſt eine Gabe der ſchöpferiſchen Natur, um
die uns Erbacher ſchon viele beneidet haben.

Der Haupkfeſtkag.

Glühende Sonnenhitze ſchon in den Vormittagsſtunden, das Thermo=
meter
zeigt ſchon um 10 Uhr über 30 Grad im Schatten an. Die Züge
aus allen Richtungen bringen andauernd neue Menſchenmaſſen. Frei=
willige
Feuerwehren mit Muſikkapellen und Spielmannsgügen ſtellen das
Gros der Feſtbeſucher. Man hört in allen Ecken nichts als Feſtmuſik.
Flott geſpielte Märſche, gut umiformierte Wehren, ſchneidiger Aufmarſch
geben zuſammen ein erhebendes Bild, das an längſt entſchwundene Zei=
ten
erinnert, an die Zeit, in der unſer deutſches Vaterland noch eine
Wehr hatte, die auf einen eventuellen Weltbrand gerüſtet war. Die
Freiwillige Feuerwehr Erbach hat ortskundige Führer in genügender
Zahl geſtellt, die die bei uns eingekehrten Kameraden mit den hiſtori=
ſchen
und natürlichen Schönheiten unſeres Städtchens bekannt machen.
Das Schloß ſteht mit ſeinen weltberühmten Sammlungen im Mittel=
punkt
des Intereſſes. Die Sammlungen waren am geſtrigen Tage von
über 5000 Perſonen beſucht! Wenn dieſe Zahl auch nicht an diefenige,
die Michelſtadt an Pfingſten angeblich 16 000
hatte, heranreicht.
ſo iſt ſie für unſere Verhältniſſe immerhin beachtlich. Allgemeines In=
tereſſe
begegnet der großen Feſtübung, für die ein Plan aufgeſtellt iſt,
der dieſelbe allen Wehrleuten erläutert. Eine wahre Pracht war es,
unſere heimiſche Feuerwehr bei der Uebung zu ſehen. Exakt, ſicher und
mit einer vollendeten Ruhe, die allein Fehler der Aufregung vermeiden
kann, wurde die Uebung durchgeführt. In das Lob, das die Wehr für
ihre Leiſtungen erntete, teilen ſich die beiden Kommandanten. Müller
und Helm, mit all ihren tapferen Wehrleuten. Der Uebung, die ihren
Zweck, den anderen Wehren Schulübung zu ſein, in vollem Maße er=
füllte
, lag folgende Annahme zugrunde: Brandobjekt Rathaus und an=
liegende
Gebäude. Im Heizungskeller des Rathauſes iſt Feuer aus=
gebrochen
, das an dem aufgehäuften Brennmaterial reichliche Nahrung
findet. Das Feuer hat ſich durch die anſtoßende Türe zum Treppenhaus
ſehr raſch bis zum erſten Stock entwickelt. Die Wehr hat nun die Auf=
gabe
, aus den Büroräumen und dem Dachgeſchoß wichtige Akten der
Verwaltung zu bergen und die angebauten Wohnhäuſer zu ſchützen.

Außerdem fällt ihr die Aufgabe zu, einen ſchwer verunglückten Feuer=
wehrmann
mittels einer Marinetrage aus dem Dachgeſchoß zu bergen.
der den bereitſtehenden Sanitätern vom Roten Kreuz übergeben wird.
Weiter geben zwei Feuerwehrmänner aus dem Dachgeſchoß über der
Stadtkaſſe Notſignale. Sie müſſen mittelz des Sprungtuches gerettet
werden. Selbſtverſtändlich geben die zur Verfügung ſtehenden Schlauch=
leitungen
inzwiſchen dem wütenden Element wirkſames Gegengift:
Waſſer. Alle zur Verfügung ſtehenden Einrichtungen ſind in Funktion.
Ungeheure Waſſermaſſen liefern die Hydranten, die Motorſpritze ( Magi=
rus
, 800 Liter Minutenleiſtung), an den Handpumpen ſtehen kräftige
Wehrleute in Tätigkeit, als ob es um die Rettung von Millionen ginge!
Es ſind 11 Schlauchleitungen an der Arbeit. Das Brandobiekt war in
künſtliche Rauchwolken gehüllt. Eine Frage, nämlich die, ob die Wehr=
leute
im Ernſtfalle auch ohne Rauchmasken in die verräucherte Hölle ge=
gangen
wären, wie hier, wollen wir nicht beantworten, das mag ein
Fachmann tun! Davon abgeſehen, war die Uebung ein voller Erfolg.
Die Kritik, die durch die Herren Branddirektoren der größeven Städte
Heſſens ausgeübt wurde, ließ nur eine Stimme des Lobes höven. Die
Erbacher Wehr wurde ihren Gäſten als Vorbild hingeſtellt. Und das
mag ihr Lohn ſein, für all ihre Arbeit, mit der ſie in hingebender Weiſe
das Feſt vorbereitet und durchgeführt hat. Als um 1 Uhr die Wehren
mit klingendem Spiel an der Bahn und in den anliegenden Straßen an=
traten
, war die Hitze ſchier unerträglich geworden. Die Straßen, durch
die der Feſtzug geführt werden ſollte, mußten erhebliche Abſtriche er=
fahren
. Der Feſtzug ſelbſt, der von einer berittenen Gruppe des Oden=
wälder
Reitervereins geführt wurde, war in ſeiner Aufmachung und in
ſeinem Umfange, wie ihn Erbach, das größte Feſte ſchon oft gefeiert
hat, nur einmal größer geſehen hat, und zwar gelegentlich der Hundert=
jahrfeier
des Gulbacher Marktes 1924. 25 Kapellen und Spielmanns=
züge
fanden Verwendung. Wohl 7000 Menſchen mögen an demſelben
teilgenommen haben. Die Erbacher Vereine hatten ſich, ohne Nückſicht
auf die politiſche Richtung, ebenfalls zahlreich angeſchloſſen. Wenn auch
das friſche Birken= und Tannengrün durch die ungeheure Hitze ſtark ge=
litten
hatte, ſo boten die reichgeſchmückten und beflaggten Straßen doch
ein wunderbares Bild. Auf dem Feſtplatz begann bald ein reges Leben
und Treiben. Die Hitze hatte den an und für ſich ſchon großen Feuer=
wehrdurſt
an die Grenze des Erträglichen geſteigert. Im Augenbli
wanen die geräumigen Bierzelte, die Feſthalle und der große Platz
Unter den Linden überfüllt. Der Konſum des Erbacher Jakobiner=
bräus
war ein erheblicher. (Vielleicht wird dies bei kommenden Ge=
legenheiten
noch beſſer, wenn die Abſicht der Brauereien, ihre Klein=
verkaufspreiſe
zu revidieren, durchgeführt iſt.) Auch am Abend
herrſchte auf dem geräumigen Feſtplatz Hochbetrieb. Auch der Feſtball
in der Feſthalle war gut beſucht. Der Tag fand durch das Feuerwerk,
das an der Eulbacher Straße, in umittelbarer Nähe des Feſtplatzes, ab=
gebrannt
wurde, einen glänzenden Abſchluß. Eine Glanzleiſtung, di
uns die Möglichkeit gibt, die Feuerwerkerei Otto Günther=Darmſtadt
für ähnliche Veranſtaltungen aufs Beſte zu empfehlen. Das Feſt bil=
det
einen Markſtein in der Geſchichte der Freiwilligen Feuerwehr E
bach, wie auch in derjenigen des Provinzverbandes Starkenburg. Unſ
ren Gäſten, wenigſtens der überwiegenden Mehrheit, wird der Beſuch
Erbachs unvergeßliche Erinnerung bleiben und das danken wir neben
der Feuerwehr unſerer gaſtfreundlichen Bevölkerung in ihrer Geſamtheit.

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gut zerdrückt (nach Belieben Saft einer
Zitrone) mit vorerst / Pfd. Zucker zum
Kochen bringen. Nachdem es auf der
ganzen Obertläche brausend kocht, noch
7-8 Minuten gründlich durchkochen, dann
weitere 2½ Pfd. Zucker hinzu (aber keines-
falls
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gut einrühren.
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Bezeichnungen. Opekta ist nur echt
mit dem dampfenden 10-Minuten- Topf.

Rezept
R
Kirschtorte
No.2
mit kristallklarem Ueberguß
Man belegt einen Tortenboden mit Kirschen
oder beliebigen anderen Früchten (Erdbeeren,
K
Aprikosen usw.) und stellt dann in wenigen SSrmn

Minuten den Uberguß wie folgt her: Der Saft
s
Pr
einer Zitrone, 2 Eßlöffel Wasser sowle 6 gut
gehäufte Eßlöffel Zucker werden unter Rühren zum Kochen gebracht ( ab-
schäumen
). Nun wartet man ungefähr eine Minute, bis die Kochbläschen sich ver-
zogen
haben, rührt 2½ Eßlöffel Opekta flüssig in die heiße Masse und schüttet
diese regelmäßig über das aufgelegte Obst. Die vorgeschriebene Menge Zucker
darf keinesfalls vermindert werden, da die Früchte selbst viel Feuchtigkeit
haben und der Geleeguß infolgedessen noch nachträglich stark Wasser zieht. Da
der Guß innerhalb i bis 2 Minuten fest wird, so hat das Ubergießen eillgst gleich-
mäßig
zu erfolgen. Dieser Guß ist kristallklar und stellt ein reines Gelee
dar. Die Oualität der Torte wird um ein Vielfaches verbessert, denn jetzt erst
hat sie den reinsten Geschmack der Früchte, die nicht mehr in schleimigem
Uberguß, sondern in kristallklarem, leuchtendem Geleeguß eingebettet sind.
Wünscht man den Uberguß etwas reichlich, so erhöht man die genannten
Mengen je um die Hälfte, also 1½ Zitrone, 3 Eßlöffel Wasser, 9 Eßlöffel
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[ ][  ][ ]

Nummer 179

Dienstag, den 30. Juni 1931

Seite 9

Die Sonne geht Anfang Juli erſt gegen 8½ Uhr
Wends unter, nachdem ſie uns 16¾ Stunden lang ihre
Licht= und Wärmeſtrahlen zugeſandt hat. Ende Juli
erfolgt ihr Untergang nach einem Tageslauf von 15¾
Stunden bereits um 8 Uhr abends. Der Juli iſt der
wärmſte Monat, und es erregt daher ſtets Verwunde=
rung
, daß gerade zu dieſer Zeit die Erde am weiteſten
von der Sonne abſteht. Die Erde bewegt ſich nämlich
nicht in einem genauen Kreis um die Sonne, ſondern
in einer eliptiſchen Bahn. Ihr geringſter Abſtand von
der Sonne kann dabei 147 Millionen Kilometer betra=
gen
, der größte 152 Millionen Kilometer. Am 5. Juli
durchläuft die Erde den ſonnenfernſten Punkt ihrer
Bahn. Daß es dann trotzdem bei uns ſo warm iſt, liegt
daran, daß der Tag ſoviel länger iſt als die Nacht und
außerdem die Sonnenſtrahlen während der Mittagszeit
beſonders ſteil auf die Oberfläche antreffen, wodurch ſie
eine ſtärkere Kraft entfalten. Die Sonnenferne im Juli
und die Sonnennähe im Januar mildern bei uns die
Hitze des Sommers und die Kälte des Winters.
Der Sternenhimmel zeigt ſich am 1. Juli um
10 Uhr abends, am 15. Juli um 9 Uhr abends und am
31. Juli um 8 Uhr abends ſo, wie ihn unſere Sternkarte
darſtellt. Hoch am Himmel ſteht ein heller glänzender
Stern, die Wega in der Leyer. Sie bildet zuſammen
mit den Sternen Atair im Adler und Deneb im Schwan
ein großes, ſich über den ſüdöſtlichen Himmel erſtrecken=
des
rechtwinkliges Dreieck. Die fünf wichtigſten Sterne
des Schwans ergeben ein liegendes Kreuz, das in die
Milchſtraße eingebettet iſt. Dieſe iſt auf unſerer Karte
vom Nord= bis zum Südhorizont zu verfolgen. Sie durch=
quert
dabei die Sternbilder Perſeus, Kaſſiopeia,
Kepheus, Schwan, Adler und Schütze. Von dieſen zu=
letzt
genannten Sternbildern iſt beſonders leicht die
Kaſſiopeia zu erkennen, die, in nordöſtlicher Himmels=
richtung
ſtehend, die Geſtalt eines gedruckten lateiniſchen
W beſitzt. Unterhalb von ihr befindet ſich das lang=
geſtreckte
Sternbild der Andromeda, an das ſich nach
inks Pegaſus und ferner Delphin, Waſſermann und
teinbock anſchließen. Faſt genau im Süden ſteht der
Antares, der rötlich funkelnde Hauptſtern des Skorpion.

Darüber befinden ſich einige größere Sternbilder, die
jedoch keine beſonders hellen Sterne enthalten. Von
auffallendem Glanze ſind nur Arktur, der in der Ver=
längerung
des von den Schwanzſternen des Großen
Bären gebildeten Bogens ſteht, und Spika in der Jung=
frau
. Regulus im Löwen, Kaſtor und Pollux in den
Zwillingen ſowie Kapella im Fuhrmann kommen wegen
ihrer horizontnahen Stellung wenig zur Geltung.
Von den Planeten bleiben Jupiter und Merkur
während des ganzen Monats unſichtbar. Venus iſt als
Morgenſtern vor Sonnenaufgang etwa eine halbe
Stunde lang am Oſthimmel zu erkennen. Mars iſt noch
immer am Abendhimmel ſichtbar. In ſchnellem Laufe
wandert er aus dem Löwen in das Sternbild der Jung=
frau
hinein. Auf unſerer Karte ſteht er faſt genau im
Weſten tief am Horizont. Während er ſich ſeinem
Untergange zuneigt, erſcheint im Südoſten Saturn, der
fernſte der mit bloßem Auge ſichtbaren Planeten. Da
er nur langſam durch die Tierkreisbilder hindurchläuft
ein ganzer Umlauf beanſprucht rund 30 Jahre
hält er ſich noch wie im Vorjahr im Sternbild des
Schützen auf. Durch ſein merkwürdiges Ringſyſtem, das
in großen Fernrohren, wie zum Beiſpiel dem der
Berlin=Treptow=Sternwarte, beſonders ſchön ſichtbar iſt,
löſt er ſtets das Staunen eines jeden Beſchauers aus.
Der Mond iſt zu Beginn des Monats abnehmend.
Am 8. Juli iſt Letztes Viertel, am 15. Neumond, am
22. Erſtes Viertel und am 29. Vollmond. Bei ſeinem
Lauf über den Sternhimmel zieht er am 21. Juli vor
dem Stern Spika in der Jungfrau vorüber. Man be=
obachte
dieſe intereſſante Erſcheinung möglichſt mit einem
Feldſtecher von 8 Uhr abends an. Man wird dann
ſehen, wie der noch nicht zur Hälfte beleuchtete Mond
dem Stern langſam näher rückt und wie plötzlich gegen
8½ Uhr das Licht des Sterns verlöſcht. Spika iſt dann
hinter dem dunklen Teil des Mondes verſchwunden und
taucht erſt dreiviertel Stunden ſpäter am hellen Rande
des Mondes wieder auf. Da eine Bedeckung eines ſo
hellen Sternes ſehr ſelten iſt, ſo vergeſſe man nicht,
dieſes Ereignis zu beobachten.

an der Oſtſee.

Die Nahurwunder der Halbinſel Darß.
Von Hermann Ulbrich=Hannibal.

Bengt Berg, der große Naturforſcher und Vogel=
kenner
, hat in letzter Zeit die Aufmerkſamkeit weite=
ſter
Kreiſe auf die deutſche Oſtſee=Halbinſel Darß ge=
lenkt
, indem er in der Berliner Wochenzeitung
Grüne Poſt vorſchlug, hier einen deutſchen Urwild=
park
zu errichten. Die letzten Wiſente, die zur Zeit
in Boitzenburg (Mark Brandenburg) und in
Springe bei Hannover gezüchtet werden, ſollen
nach Bengt Bergs Vorſchlag auf dem Darß eine
neue Heimat finden, ebenſo wie der Elch, der jetzt
noch in Oſtpreußen auf der Kuriſchen Nehrung ge=
hegt
wird.
RDN. Die als der Darß bekannte pommerſche Halbinſel an
der mecklenburgiſchen Grenze iſt eines der naturuppigſten Gebiete
Norddeutſchlands. Dazu von einer eigenartigen Vielſeitigkeit,
die ihresgleichen ſucht. Urwüchſig, alterskräftig der Darßwald
im Innern der Halbinſel; maleriſch, verträumt, die niederen
Strohdachkaten auf dem weiten Wieſenplan, über den an man=
chen
Tagen beinahe greifbar die Nebelelfen hüpfen; wind
zerwühlt die von hohem Strandhafer bewachſene Dünenkette an
der Nordküſte; und ſturmumtoſt der weſtliche Küſtenſaum, wo
die heftigen Winde dräuend über das Meer kommen und jeden
Baumwuchs am Strande zu verhindern ſuchen

Der große Darßwald hat von jeher durch ſeinen kräftigen,
orrigen Baumwuchs und durch ſeinen Wildreichtum Jäger und
aturfreunde an ſich gezogen. Bereits zu Beginn des 18. Jahr=
inderts
fanden ſich Zar Peter der Große und die
önige von Polen und Dänemark, die mit ihren
ruppen vor Stralſund ſtanden, zur Jagd auf dem Darß
i. Nach dem großen Brande Kopenhagens im 18. Jahrhun=
t
holten ſich die Dänen aus dem wegen ſeines Holzreichtums
kannten Darßwald das Holz zum Wiederaufbau ihrer Haupt=
dt
. Aus der deutſchen Forſtgeſchichte weiß man, daß der Darß
r hundert Jahren wegen ſeines Wildreichtums der einzige
önigliche Forſt war, aus welchem auf den beſtimmten Tag Rot=
lo
geliefert werden konnte.
Heute macht uns der bekannte ſchwediſche Naturſchriftſteller
id Ornithologe Bengt Berg darauf aufmerkſam, daß ſich auf
m Darß noch geheimnisvolle Erlenbrüche, ſogar tropiſche
tangrovenwälder hinter den Dünen ausbreiten, die ein ideales
evier für Elche und Auerwild ſein könnten.
Ungefähr eine Quadratmeile breitet ſich der Darßwald von
r Südküſte der Halbinſel bis zum Leuchtturm Darßer Ort aus,
hne von menſchlichen Sieolungen unterbrochen zu werden. Er
ildet das größte zuſammenhängende Kiefern=
evier
Deutſchlands. Weitverzweigt recken ſich die ſtarken
tämme mit ihren verſchlungenen Aeſten empor. Efeuranken
ettern an den alten Kiefernſtämmen bis hoch in die Wipfel
nein. Früher teilten Eiben mit den Kiefern die Freund=
haft
. Heute ſind es urwüchſige, oft Jahrhunderte alte Buchen,
je den Hauptreiz des Darßwaldes bilden. Von ihren gewun=
nen
, knorrigen, geſpenſterhaften Stämmen laden ſie ihre Aeſte
eit nach allen Seiten aus, legen ſie oft dicht über dem ſchatten=
unklen
Waldboden weit dahin oder verſchlingen ſie mit den
eſten der ſtarken Nachbarſtämme zu dichtem Zweiggewirr,
urch das kein Sonnenſtrahl dringt. Außer ihnen kommen
uptſächlich Erlen in dichten, undurchdringlichen Brüchen vor
und auch die in Deutſchland ſeltene Stechpalme iſt hier mit
ewundernswerten Exemplaren vertreten. In der Nähe der
jeſtküſte nimmt der Baumwuchs ſonderbare Formen an. Dort,
o der hohe Strandhafer ſich vor dem Winde beugt und die
arken Aeſte, der Bäume zu den eigenartigſten Formen ge=
reht
ſind, richten die Kiefern und Buchen als Windwuchs ihre
weige vom Winde ab . . .
An der Oſtſeite dieſes ſtattlichen Waldes breitet ſich im
ünen Wieſengelände der Badeort Prerow aus. Er iſt
gentlich ein Konglomerat von kleinen Dörfern, das ſich mit
inen maleriſchen Strohdachkaten weit nach allen Seiten breit=
nacht
. In dieſe ländliche, bunte Umgebung haben ſich die
ſotels und Penſionen ſympathiſch eingepaßt, ſo daß dieſes
lte Fiſcher= und Seemannsdorf nichts von ſeinem maleriſch
erben, norddeutſchen Reiz eingebüßt hat, ſeitdem es auf An=
gung
des Oberförſters Schmidt vom Darß am Ausgang des
rigen Jahrhunderts zu einem Badeort geworden iſt.
Am Südweſtende des Waldes liegt die ſchmucke Künſtler=
lonie
Ahrenshoop, das Worpswede des Darß, das wie
diddenſee einen großen Stamm von Künſtlern und ſonſtigen
eiſtigen Menſchen als ſtändiges Publikum hat.
Auch die am Südrand des Waldes, am Bodden, liegenden
Darßdörfer Born und Wiek dürfen nicht unerwähnt bleiben;

echte Heidedörfer, in denen viele Naturfreunde im Sommer in
Wald und Waſſer Erholung finden.
Die abgeſonderte Lage und menſchenleere weite Ausdeh=
nung
haben den Darßwald auch zu einer Heimat der Tiere ge=
macht
. Wildſchweine, alte Keiler ſuhlen ſich hinter urwüchſigem,
undurchdringbarem Dickicht. Der Rotwildbeſtand beträgt 150
bis 200 Stück. Rothirſche, von denen man in dem hohen Adler=
farn
, der oft eine Höhe von 6 Metern und eine Blattlänge von
1½ Meter erreicht, nur die Geweihe ſieht, ſpringen durch das

*.
Sturmkiefern
es Darß.

Gehege und laſſen im Herbſt ihren mächtigen Schrei weit durch
den Wald dröhnen. Rehe finden unter den hohen Farnkräutern
einen ſicheren Unterſchlupf. Füchſe ſchleichen umher. Dachſe
Iltiſſe und Marder ziehen auf Raub aus, und Schlangen und
Schleichen raſcheln auf dem Waldboden.
Noch reichhaltiger iſt die Vogelwelt im Darßwald. Auf
großen Kiefern und Eichen in der Nähe der Küſte horſten noch
Seeadler. In den Wipfeln alter Kiefern haben Fiſchadler ihre
Horſte. Wander= und Turmfalken, Milane, Habichte und Mäuſe=
buſſarde
gehen ungeſtört ihrem Raubzug nach; hoch in den
Lüften kreiſen Habichte. Der ſchwarze Waldſtorch, der bis vor
kurzem noch auf den Bäumen niſtete, iſt jetzt leider verſchwunden.
Sein hehres Trompetenſignal läßt der Kranich erſchallen, der an
den vermoorten Waldſeen und Tümpeln ſeine Brutſtätte hat. Der
eltene Zwergfliegenſchnäpper läßt ſeine Stimme durch den Wald
hallen, und die Sandregenpfeifer können hier friedlicher als an
den anderen deutſchen Küſtenſäumen leben. Ornithologen haben
feſtgeſtellt, daß der Darß ein Treffpunkt der ſeltenſten Vogel=
arten
aus den Familien der Schnepfen, der Regenpfeifer und
der Schwimmer iſt.

* Die Weligefahr der Rauſchgifte.
Die Meldungen über die große Ausdehnung des Schmug=
gels
von Rauſchgiften und über die Beſchlagnahme großer
Mengen von Opium, Heroin, Kokain uſw. an verſchiedenen
Stellen der Erde, werfen grelle Schlaglichter auf die ungeheure
Gefahr, durch die die Menſchheit bedroht wird. Als den eigent=
lichen
Herd dieſer Seuche, die beſonders in den Großſtädten
gewiſſe Kreiſe ergreift und das Verbrechertum vermehrt, hat
man Konſtantinopel feſtgeſtellt. Hier gibt es drei große
Fabriken, die Morphium und Heroin in beträchtlichen Mengen
herſtellen; zwei von ihnen produzieren je eine Tonne im Mo=
nat
. Dieſe Rauſchgifte gelangen nicht unter den Sicherheits=
maßregeln
in den Handel, die bei allen andern derartigen Fa=
briken
angewendet werden, ſondern ſie gelangen auf unter=
irdiſchen
Schmuggelwegen in die verſchiedenſten Länder und
untergraben die Geſundheit der weißen und ſchwarzen, der gel=
ben
und braunen Völker. So wurden kürzlich in New York
zwei Tonnen dieſer Drogen, die einen Wert von etwa 10 Mil=
ionen
Mark darſtellten, beſchlagnahmt; das iſt die größte
Menge, die jemals in den Vereinigten Staaten bisher feſtge=
ſtellt
worden iſt. Dieſelbe Stelle, die der Alkoholſchmuggel in
Amerika einnimmt, beanſprucht dieſer Rauſchgiftſchmuggel im

anderen Teilen der Welt; er bedeutet die beſte Methode, um
raſch viel Geld zu verdienen, freilich auf eine recht gefährliche
Weiſe. Alljährlich wird durch die Polizeimaßnahmen den
Schmugglern ihre Arbeit erſchwert; die Ueberwachung wird
immer ſtrenger, aber da infolge dieſer Seltenheit die Drogen
für die dem Laſter Verfallenen immer teurer werden, ſo lohnt
ſich das Geſchäft immer mehr, und die Schmuggler laſſen ſich
durch nichts abſchrecken. Man hat berechnet, wie F. W. Memory
in einem Londoner Blatt ausführt, daß der normale Engros=
Preis dieſer Gifte für die, die geheimen Quellen kennen, etwa
500 Mark für das Kilogramm beträgt, aber die Süchtigen er=
halten
niemals den gierig begehrten Stoff, für ſolche Summen,
ſondern ein Schuß, der etwa 20 Milligramm wiegt koſtet
wenigſtens eine Mark. Das bedeutet alſo, daß ein Kilogramm,
das im Großhandel für 500 Mark erworben wurde, im Klein=
handel
dann 48 500 Mark bringt. Dieſe ungeheuren Gewinne
werden aber noch dadurch vermehrt, daß das Rauſchgift meiſt
mit Zuſätzen verſehen iſt und ein Schuß gewöhnlich weniger
wiegt als 20 Milligramm. Der Schmuggel mit Rauſchgiften
iſt ein ſehr ſchwieriges Geſchäft, das einer weit verbreiteten
Organiſation bedarf, die von einer überlegenen Perſönlichkeit
geleitet wird. In London war lange Zeit der Kopf dieſer
ganzen Induſtrie ein Chineſe namens Chang, der vor einigen
Jahren ausgewieſen wurde; ſeitdem iſt man rückſichtslos gegen
den Schmuggel vorgegangen, ohne ihn aber ausrotten zu können
Die Gefahren dieſer Seuche liegen nicht ſo in der Untergrabung
der Geſundheit Einzelner als in der damit zuſammenhängenden
Steigerung der Verbrechen. Der Opium= oder
Kokain=Süchtige wird durch ſein Laſter in einen Zuſtand verſetzt,
der hin zu jedem Verbrechen fähig macht. Dieſe ſehr bedenkliche
Seite des Rauſchgiftſchmuggels hat kürzlich ein beſonderer Ken=:
ner, der Chef der Notterdamer Polizei, A. H. Sirks, der zu=
gleich
Mitglied der Kommiſſion des Völkerbundes gegen den
Rauſchgifthandel iſt, hervorgehoben. Es iſt bekannt, fagte er,
daß die rückſichtsloſen Mörder der Verbrecherbanden von
Chicago faſt alle Kokainſüchtige ſind, und das Gleiche wurde
über die Verbrecherwelt von New York berichtet. Unter dem
Einfluß dieſes Rauſchgiftes entwickeln ſie nicht nur eine ver=
zweifelte
Kühnheit, ſondern zeigen auch außerordentlichen Blut=
durſt
und Grauſamkeit. Mit dem Kampf gegen das Rauſch=
gift
trifft man alſo zugleich das Verbrechertum. Es gibt aber
auch Länder, in denen dieſe Seuche die ganze Bevölkerung Ge=
droht
, wie z. B. in Aegypten, wo gegen 500 000 Menſchen von
dem Laſter ergriffen ſind und immer weitere Kreiſe anſtecken.
Daher ſind die Maßnahmen im Nillande beſonders umfaſſend
und haben zur Gründung eines beſonderen Aufklärungsbüros
geführt. Dem Leiter dieſes Büros, Generalmajor Ruſſel, iſt
es geglückt, die Hauptquelle in Konſtantinopel ausfindig zu
machen, von wo der größte Teil des nach Aegypten gelangen=
den
Morphiums her ſtammt. Die Droge wird mit Chinin,
Aſpirin, Alaun und beſonders viel mit Mehl aus Menſchen=
knochen
vermengt, nach Aegypten eingeführt und dort mi=
einem
Gewinn verkauft, der zwiſchen 1700 und 20000 Prozent
ſchwankt. Die Verdienſte der Schmuggler ſind alſo ungeheuer
groß, und dieſer Anreiz iſt es, der ſie alle Gefahren gering
achten läßt und ſie veranlaßt, immer neue Mittel und Wege
zu erfinden, um die Menſchheit mit dieſen ſo überaus gefähr=
C. K.
lichen Giften zu verſeuchen.

Geſchäftliches.
Die geehrten Hausfrauen werden auf die im Fürſtenſaal
ſtattfindenden Vorführungen des Elektro=Küchenmeiſter auf=
merkſam
gemacht. Ueberall, wo dieſes Wunder der Technik vor=
geführt
wurde, wurde er mit großer Begeiſterung aufgenommen.
(Näheres im heutigen Inſerat.)
Iſt die Befreiung von Arterienverkalkung
möglich ?
Dieſe Schickſalsfrage für Hunderttauſende von Leidenden be=
antwortet
eingehend und allgemeinverſtändlich eine Broſchüre
velche ganz koſtenlos und portofrei von der Kronen=
Apotheke Berlin W 8, Block 184, Friedrichſtraße 160, an jeder=
mann
verſandt wird. Man beachte auch das diesbezügliche In=
ſerat
. Die hochintereſſanten Ausführungen über die moderne Hor=
montherapie
und das Arterien=Hormonmittel Organoid
nach Geheimrat Dr. Sieber ſollte ſich ſofort jeder für ſeine Ge=
ſundheit
Intereſſierte durch Poſtkarte anfordern.
Stehen Sie morgens zehn Minuten früher auf!
Brauſen Sie oder reiben Sie Ihren Körper mit kaltem Waſ=
ſer
ab und frottieren Sie ihn danach gut. Reiben Sie dann den
ganzen Körper dünn mit Nivea=Oel oder Nivea=Creme
ein. Zum Schluß machen Sie bei offenem Fenſter ein paar Frei=
übungen
. Sie fühlen ſich danach noch einmal ſo wohl und gehen
dann friſch und fröhlich an Ihre Arbeit.

Wetterbericht.
Ausſichten für Dienstag, den 30. Juni: Vorübergehend bewölkt und Ge=
witterneigung
oder vereinzelt gewitterartige Schauer mit leichter
Abkühlung.
Ausſichten für Mittwoch den 1. Juli: Mehr aufheiternd und wieder
Rg

[ ][  ][ ]

Seite 10

Dienstag, den 30. Juni 1931

Nummer 179

Heiuf and Ausand.
Nene dentſche Erfindung:
Tonſilme aus Papier.

Ingenienr Fritz Pfleumer=Dresden
hat eine Erfindung gemacht, die bei Bewährung
die Filmtechnik vor ganz neue Tatſachen ſtellen
dürfte. Statt des teuren Zelluloidſtreifens be=
nutzt
Pfleumer zur Tonaufnahme ſchmale Strei=
fen
aus Japan=Papier, die mit Eiſenſtaub
beſtreut und magnetiſiert werden.

Das Urteil im Heidelberger Wohnungsbau=
Prozeß.
Heidelberg. Im Prozeß gegen die Ge=
ſchäftsführer
der im vergangen Jahre unter
Millionenverluſten zum Nachteil des Kloſters
der Armen=Schul=Schweſtern in Speyer zuſam=
mengebrochenen
Heidelberger Wohnungsbau=
G. m. bH. wurde geſtern, am 9. Verhandlungs=
tage
, das Urteil verkündet. Rechtsanwalt Lud=
wig
Müller wurde wegen fortgeſetzter Untreue
und einfachen Bankerotts zu 3 Jahren 3 Mona=
ten
Gefängnis, Diplomkaufmann Alfred. Gold=
ſchmidt
wegen desſelben Vergehens zu 1 Jahr
Gefängnis verurteilt. Die Unterſuchungshaft
wird beiden voll angerechnet.
Nordlandfahrt des Graf Zeppelin.
Friedrichshafen. Das Luftſchiff Graf
Zeppelin tritt heute früh eine für mehrere
Tage berechnete Nordlandfahrt an, die das Luft=
ſchiff
nach Norwegen, etwa bis Bergen, und
von dort nach Island führen wird. In Reyk=
javik
wird das Luftſchiff Poſt abgeben und auf=
nehmen
. Der urſprünglich für nachts 12 Uhr
vorgeſehene Start iſt auf heute früh 5.30 Uhr
feſtgelegt worden. Das Luftſchiff wird von Dr.
Eckener geführt werden.
Ein Reichsbannerauto verunglückt.
Leisnig. Bei der Rückfahrt von einem
Gautreffen des Reichsbanners Schwarz=Rot=Gold
in Döbeln fuhr am Sonntag abend auf der
Staatsſtraße zwiſchen Döbeln und Leisnig ein
mit 17 oder 18 Reichsbannerleuten beſetzter Laſt=
kraftwagen
, vermutlich infolge Verſagens der
Steuerung, gegen einen Baum. Sämtliche In=
ſaſſen
des Wagens bis auf einen wurden ver=
letzt
, davon ſieben ſchwer. Der Wagen wurde
vollſtändig zertrümmert.
Ein Laſtkraftwagen in den Fluß geſtürzt.
Kaſſel. In Hoheneiche ereignete ſich am
Sonntag ein ſchwerer Verkehrsunfall. Ein Laſt=
kraftwagen
mit Anhänger, der mit ſieben Tonnen
Fellen beladen war, ſtürzte bei dem Verſuche,
einem Milchwagen auszuweichen, über das ſtei=
nerne
Geländer der Brücke einige Meter tief
in die Sontra. Laſtkraftwagen und Anhänger
wurden vollſtändig zertrümmert. Der Wagen=
führer
und der Beifahrer wurden lebensgefähr=
lich
verletzt.
Vier Kinder ermordet.
Pollanten bei Berching, Oberpfalz. Die
vier Kinder des verwitweten Landwirts und
Maurers Michael Stiegler wurden am Montag
früh ermordet aufgefunden. Die Kinder, von
denen das älteſte 16, das jüngſte 8 Jahre alt
war, waren mit einer Axt erſchlagen. Als mut.
maßlicher Täter kommt der eigene Vater in
Frage, der ſeit den frühen Morgenſtunden flüch=
tig
iſt.
Ein unverſenkbares Schiff.

Das Modell des unverſenkbaren Schiffes
wird zu Waſſer gebracht.

Ein franzöſiſcher Mathematiker Chartrain kon=
ſtruierte
das Modell eines Schiffes, das durch
keine noch ſo ſchwere Zerſtörung des Körpers
zum Sinken gebracht werden kann. Das fran=
zöſiſche
Marineminiſterium macht gegenwärtig
mit einem 4 Meter langen Modellboot Verſuche.

Naſſau, 29. Juni.
Das untere Lahntal mit ſeinen bekannten
Erinnerungsſtätten an den großen preußiſchen
Staatsmann Freiherrn vom und zum Stein in
Naſſau und Frücht wurde am Montag, am hun=
dertſten
Todestage Steins, zum Schauplatz der
offiziellen Gedächtnisfeier der Reichs= und
Staatsregierung. Die Geburtsſtadt Naſſau hatte
zu dieſem Ehrentag feſtlichen Schmuck angelegt.
Triumphbogen und Flaggen grüßten die ankom=
menden
Gäſte. Im lauſchigen Schloßpark hinter
dem Steinſchen Schloß, überſchattet von hohen
Bäumen, begann um 10 Uhr, bei herrlichem Son=
nenſchein
, die Feier, die mit der Ouvertüre zu
Goethes Egmont von Beethoven, geſpielt vom
Emſer Kurorcheſter unter Leitung von Muſik=
direktor
Barth, eingeleitet wurde.
Oberpräſident Haas nahm darauf das Wort
zu einer Begrüßungsanſprache. Er wies dann
darauf hin, daß die Beziehungen des Freiherrn
vom Stein zu ſeiner Geburtsſtadt Naſſau niemals
abgeriſſen ſeien. Hier, an ſeiner Geburtsſtätte,
gedenke heute der Freiſtaat Preußen und der
Bezirksverband Naſſau mit großer Dankbarkeit
des Mannes, der für den Staat Preußen, und
darüber hinaus für ein großes, einiges Deutſch=
land
und die Freiheiten und Rechte ſeiner Volks=
genoſſen
ſo vieles geleiſtet und gelitten habe."
Nach ihm ſprach der preußiſche Innenmini=
ſter
Severing, der auf die bereits ſtattge=
fundenen
Gedächtnisfeiern in Berlin und Frank=
furt
a. M. hinwies. Die preußiſche Staatsregie=
rung
habe es aber für ihre Pflicht gehalten, auch
an dieſer Feier in der Kleinſtadt teilzunehmen.
Wir hätten die ſchweren Zeiten des Kriegs und
der Nachkriegszeit nicht überwinden können,
wenn wir nicht das Steinſche Bewußtſein gehabt
hätten, daß jeder mit dem Wohlſtand ſeines Lan=
des
ſteht und fällt. Das danken wir Stein und
ſeinem Werk und ſehen in ihm auch einen Garan=
ten
für die nächſte Zukunft. Ich habe die Ueber=
zeugung
, ſo fuhr der Miniſter fort, daß auch die=
ſer
Prüfung die Grundlagen des preußiſchen und
des deutſchen Staatsweſens ſtandhalten werden.
Anknüpfend an das Schillerwort Feſten Mut in
ſchweren Leiden, Hilfe, wo die Unſchuld wei=
et
...", forderte der Redner zum Schluß auf,
dieſes Wort lebendig zu machen, dann zollten
wir damit Stein den beſten Dank.
Als Vertreter der Selbſtverwaltungsver=
bände
nahm darauf Dr. Mulert, der Präſident
des Deutſchen und Preußiſchen Städtetages, das
Wort. Er umriß noch einmal in großen Zügen
das gewaltige Werk Steins, wobei er die Selbſt=
verwaltung
der Gemeinden und ihre Mitarbeit
am Staat als eines der größten Ziele bezeichnete,
das Stein veranlaßte, 1808 ſeine Städteordnung
zu ſchaffen. Stein habe früh genug erkannt, daß
der Weg von der Gemeinde zum Staat nur über
diejenigen Kreiſe führe, die es angeht. Daß die
Gemeinden in der heutigen Notzeit bisher im=
mer
in der Lage geweſen ſind, ihre ſtets wachſen=
den
Aufgaben zu erfüllen, hat nicht zuletzt ſeinen
Grund darin, daß Stein die Gemeinden in ihrer
heutigen Verwaltungsform geſchaffen hat. Wenn
Stein auf der einen Seite die Heranziehung der
Bevölkerung zu praktiſcher Mitarbeit am Staate
auf ſeine Fahne ſchrieb, ſo betonte er auf der an=
deren
Seite ſtark und bewußt den Grundſatz der
Führerperſönlichkeit. Das Werk Steins hatte
aber noch ein Ziel: Neben der Heranziehung
des einzelnen Menſchen zum Staate, hatte ſich
Stein auch das Ziel geſetzt, die Gemeinden her=
anzuführen
an die poſitive Mitarbeit am und
mit dem Staate. Dieſes Ziel hat Stein nicht er=
reicht
. Das große Reformwerk Steins reifte in
einer Zeit tiefer Erniedrigung. Mir ſcheint, ſo
ſagte Dr. Mulert zum Schluß, daß es auch heute
nicht richtig iſt, die Zeit der Beruhigung und
Feſtigung abzuwarten. Die Schwierigkeiten der
Not erfordern Arbeit! Wenn der Gedanke an
eine Reichsreform durchgeführt werden würde,
ich könnte wir keine beſſere Feier, keine ſchönere
Ehrung jenes Mannes denken, von dem wir
heute alle ſprechen, als dieſe.

Ueberreichung des Daily=Mail=Preiſes
an den Segelflieger Kronfeld.
London. Dem öſterreichiſchen Segelflieger
Kronfeld wurde vorgeſtern auf dem Flugplatz
Hamworth durch den Herzog von Sutherland für
ſeinen erfolgreichen doppelten Flug über den
Aermelkanal der Daily=Mail=Preis von 1000
Pfund Sterling überreicht. Der öſterreichiſche
Geſandte, Baron Franckenſtein, Lord Stone=
hawen
und der Maſter of Sempill ſprachen dem
Flieger ihre Glückwünſche aus. Auf dem Flug=

Nach einem Geſangsvortrag des Naſſauiſchen
Geſangvereins Liederkranz folgte die Gedächtnis=
rede
des Staatsminiſters a. D. und Präſidenten
des Preußiſchen Oberverwaltungsgerichts Dr.
Drews. Er behandelte die Perſönlichkeit
Steins und die Bedeutung ſeines Reformwerks.
Er würdigte dabei beſonders die Bedeutung der
Selbſtverwaltung.
Nach einem Geſangsvortrag des Männer=
geſangvereins
Naſſau nahm dann der Vertreter
des Reichsinnenminiſters, Miniſterialdirektor
Menzel, das Wort. Er wies darauf hin, daß
die Reichsregierung die diesjährigen Verfaſ=
ſungsfeiern
unter dem Namen des Freiherrn
vom Stein begehe. Sie wolle damit zurückgehen
auf Fundamente, die tiefer liegen als die Dinge
des Tageskampfes und des Jahreskampfes. Der
Beſinnung auf Steins unerſchütterlichen Glau=
ben
ſolle die Feier dienen. Anknüpfend an ein
Bild von Klinger, legte er deſſen Titel Den=
noch
auch dieſer Feier zugrunde. Und mit die=
ſem
Wort forderte er die Anweſenden zum Hoch
auf, das deutſche Vaterland auf. Gemeinſam
ſang man dann die dritte Strophe des Deutſch=
landliedes
.
Anſchließend lud Graf Kanitz die Anwe=
ſenden
zu einer Beſichtigung des Schloſſes ein,
für deſſen Inſtandſetzung in den Zuſtand zur Zeit
des Freiherrn vom Stein er der Reichs= und
Staatsregierung für ihre Beihilfe dankte. Un=
ter
Führung des Direktors des Berliner Hohen=
zollernmuſeums
, Dr. Hildebrand, der die
Inſtandſetzung des Schloſſes geleitet hatte, fand
dann eine Beſichtigung der hiſtoriſchen Räume
ſtatt und weiterhin der Steinſchen Stammburg
und des Denkmals am Naſſauer Burgberg.
Feierſtunde an der Früchter Grufl.
In langer Autokolonne begaben ſich die
Ehrengäſte am Nachmittag in ſchöner Fahrt an
die Gruft des Freiherrn vom Stein. Dort nahm
nach einem Vortrag des Früchter Kirchenchors
unter Leitung von Pfarrer Steinmetz der evan=
geliſche
Landesbiſchof D. Kortheuer das Wort
zu einer tief durchdachten Gedächtnisanſprache.
Nach einem Lied des Früchter Kirchenchors
legten folgende Behördenvertreter Kränze an
der Gruft nieder: Miniſterialdirektor Dr. Men=
zel
für die Reichsregierung, Staatsſekretär Dr.
Abegg für die preußiſche Staatsregierung, Lan=
deshauptmann
Dr. Thaer=Breslau für die preu=
ßiſchen
Provinzen, Dr. v. Stempel für den Deut=
ſchen
Städte= und Preußiſchen Landgemeindetag,
Landrat Niewöhner für den Kreis St. Goars=
hauſen
, Landrat Scheuern für den Unterlahn=
kreis
, Bürgermeiſter Simons für die Geburts=
ſtadt
Naſſau, Landesbiſchof D. Kortheuer für
die Evangeliſche Landeskirche, der Rektor der
Univerſität Göttingen und Graf Kanitz für die
Nachkommen Steins.
Nach Abſchluß dieſer erhebenden Feierſtunde
fuhren die Gäſte nach Bad Ems, wo im Staat=
lichen
Kurhaus eine Teeſtunde den Ausklang
dieſes Feſttages für des großen Staatsmannes
Heimatland bildete.
Kranzniederlegungen am Stein=Denkmal
in Berlin.
Berlin. Aus Anlaß des 100. Todestages
des Reichsfreiherrn vom und zum Stein wurden
am Montag vormittag an dem Denkmal des
großen Staatsmannes auf dem Dönhoffplatz von
der Reichsregierung, von der preußiſchen Staats=
regierung
und von der Stadt Berlin Kränze nie=
dergelegt
. Der Kranz der Reichsregierung trägt
die Inſchrift Dem Wegbereiter deutſcher Ein=
heit
und Freiheit, Reichskanzler und Reichsregie=
rung
!, der der preußiſchen Staatsregierung
Dem Führer zum Volksſtaat, die preußiſche
Staatsregierung! Der Magiſtrat von Berlin
hat auf ſeinen Eichenkranz mit einer Schleife
in den Berliner Farben die Worte Magiſtrat
und Stadtverordneten von Berlin und das
Stadtwappen der Reichshauptſtadt ſetzen laſſen.

platz war auch der ehemalige König Alfons von
Spanien anweſend.
Selbſtmord der Gattin Lupu Picks.
Berlin. In ihrer Wohnung in Wannſee
wurde die 46 Jahre alte Gattin des vor kurzem
verſtorbenen Filmregiſſeurs Lupu Picks, Alber=
tine
Pick, mit Veronal vergiftet, tot aufgefun=
den
. Aus einem Abſchiedsbrief ging hervor, daß
ſie ihrem Leben ein Ende bereiten wolle, weil
ſie ohne ihren Mann nicht weiterleben wolle.

Der Uralzeff=Prozeß.
Das Plädoyer des Staaksanwalks.
Dresden, 29. Juni.
Im Uralzeff=Prozeß begannen am Montag
früh die Schlußvorträge mit dem Plädoyer des
Staatsanwalts, der u. a. ausführte: Das große
Intereſſe, das die Oeffentlichkeit dieſem Prozeß
entgegengebracht habe, gelte beſonders Uralzeff
und der Raiffeiſenbank, deren Mißwirtſchaft zu
einer der fürchterlichſten Kataſtrophen führte, die
in der Bankwelt einzig daſtehe. Der Prozeß habe
ein trübes Bild zweier deutſcher Anwälte ge=
zeichnet
, die um der Gelder willen ihre Ehre mit
Füßen traten. Der Prozeß ſei weiter deswegen
bemerkenswert, weil es ſich um einen modernen
Betrüger handele. Die Angeklagten hätten ſich
gegenſeitig in Verſchlagenheit überboten. Um
einen politiſchen Prozeß handele es ſich nicht.
Zwar habe Uralzeff verſucht, ſeine Anſprüche ge=
gen
die Raiffeiſenbank durch politiſche Parteien
einzutreiben; aber dieſe ſeien nicht für einzelne
ihrer Mitglieder verantwortlich. Die Raiffeiſen=
bank
=Angelegenheit war ſolange eine Privatan=
gelegenheit
, als nicht öffentliche Gelder zu ihrer
Stützung herangezogen werden mußten. Das ſei
aber der Fall. Um die Wirtſchaft Uralzeffs dann
zu begreifen, müſſe man ſich in die Zeit der In=
flation
zurückverſetzen. Er habe ſich ſchnell zum
Multimillionär aufgeſchwungen. Er habe ſeiner
Umgebung durch Beredtſamkeit und entſprechen=
des
Auftreten imponiert. Die Raiffeiſenbank
habe den Boden bereitet, auf dem Uralzeff
ſtrauchelte. Das ſei zwar keine Entſchuldigung,
laſſe aber ſeine Verfehlungen milder erſcheinen.
Er habe vom April 1923 bis Ende 1924 Kredite
von etwa 8 Millionen erhalten. Das ſei ein
Drittel des geſamten Aktienkapitals der Bank.
Mit dieſen Geldern will Uralzeff Geſchäfte ge=
macht
haben, für die aber keine Unterlagen
exiſtieren. Hätten ſie wirklich beſtanden, ſo ſei
die Bank von der Ethik eines ſoliden Bank=
geſchäfts
unberührt geblieben. So habe ſie Gel=
der
hergegeben, die beiſpielsweiſe zur Beſtechung
amtlicher Perſonen der ruſſiſchen Handelsdelega=
tion
dienen ſollten. Auf die Frage, wie es mög=
lich
war, daß eine Bank derartige Geſchäfte
machen konnte, gebe es nur eine Antwort: die
Direktoren hätten ſich nie um die Kreditgeſchäfte
ihres Inſtitutes gekümmert, ſondern ſie einem
ihrer unzuverläſſigſten Prokuriſten überlaſſen.
Vielleicht ſpreche auch der Zufall mit, daß die
Bank an Uralzeff groß verdienen wollte. Acht=
undvierzig
Prozent Zinſen, Speſen uſw. hätten
an einem Bauern niemals verdient werden
können, ſondern nur an einem Großſpekulanten.
Die Leitung der Bank hätte ſich mitſchuldig ge=
macht
.
Der Staatsanwalt kam in ſeinem Plädoyer
auch auf die Raiffeiſenbank zu ſprechen. Sie
habe, ſo erklärte er, geradezu ungeheuerlich ge=
wirtſchaftet
. Sie habe die Aktien zu dem rieſigen
Ueberpreis von 7,1 Millionen gekauft, und die
Direktion will nichts davon gewußt haben, ob=
wohl
die Transaktion damals ausdrücklich an
der Börſe und in der Preſſe beſprochen worven
ſei. Die Bank habe dann die Aktien mehrfach
angeboten, ohne einen Käufer zu finden. Inzwi=
ſchen
ſei ihr Wert auf höchſtens 2,1 Millionen
RM. geſchätzt worden. Sie habe die Aktien Ural=
zeff
als gutes Geſchäft angeboten, obwohl ihr
der Minderwert ſchon bekannt war. Die Bank
habe alſo Uralzeff in der gröblichſten Weiſe ge=
täuſcht
. Man müſſe es Uralzeff glauben, wenn
er ſagt, er habe ſich auf das Wort der Bankleiter
verlaſſen. Die Oſtwolle=Aktien ſeien heute noch
ganze 200 000 RM. wert. Die Raiffeiſenbank ſet
nicht nur durch Uralzeff, ſondern durch ihre
eigene Schuld ruiniert worden. Uralzeff habe
auf verſchiedenen Wegen verſucht, ſeine Schadens=
erſatzanſprüche
zu realiſieren, und man müſſe ihm
glauben, daß er von der Rechtsmäßigkeit ſeiner
Anſprüche überzeugt war. Anſchließend daran
ging der Staatsanwalt zur Charakteriſierung
der anderen Angeklagten über.
Skrafankräge im Uralzeff=Prozeß.
Nach faſt ſiebenſtündigen Ausführungen
ſtellte Staatsanwaltſchaftsrat Dr. Stephan die
Strafanträge. Der Strafantrag gegen den An=
geklagten
Uralzeff lautete wegen Betrugs und
Urkundenfälſchung in 16 Einzelfällen, unter Zu=
billigung
mildernder Umſtände, auf eine Ge=
ſamtſtrafe
von 4 Jahren Gefängnis und Aber=
kennung
der bürgerlichen Ehrenrechte auf die
Dauer von drei Jahren, ſowie Anrechnung der
Unterſuckungshaft; gegen den Angeklagten Dr.
Steinmetz wegen gemeinſchaftlich verübten Be=
trugs
eine Gefängnisſtrafe von 6 Monaten, An=
rechnung
der Unterſuchungshaft, Aufhebung des
Haftbefehls und Zubilligung einer Bewährungs=
friſt
; gegen den Angeklagten Schrade wegen Ur,
kundenfälſchung und Beihilfe zum Betrug in 10
Einzelfällen, unter Zubilligung mildernder Um=
ſtände
auf eine Geſamtſtrafe von 1½ Jahren
Gefängnis, ſowie Anrechnung der Unter=
ſuchungshaft
; gegen den Angeklagten Bedenl
wegen gemeinſchaftlich verübten Betrugs, Ur=
kundenfälſchung
und Beihilfe zum Betrug, un=
ter
Zubilligung mildernder Umſtände, auf eine
Geſamtſtrafe von 2 Jahren Gefängnis, Aberken=
nung
der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer
von 2 Jahren ſowie Anrechnung der Unter=
ſuchungshaft
, und gegen den Angeklagten Rifczes
auf eine Geſamtſtrafe von 8 Monaten Gefäng=
nis
, die durch die Unterſuchungshaft als ver=
büßt
gelten. Die Straftaten Dr. Türks und
die Stellung des gegen ihn gerichteten Straf=
antrages
wird am Dienstag den Abſchluß des
Plädoyers des Staatsanwaltes bilden.

Poſt und Catty nach Nome geſtartet.
Chabarowſk. Die beiden amerikaniſchen
Flieger Poſt und Catty ſind am Montag zur
Fortſetzung ihres Fluges um die Welt nach
Nome geſtartet.
Ueber 200 Todesopfer der Hitzewelle
in den Vereinigten Staaten.
Chicago. Die Hitzewelle im mittleren
Weſten der Vereinigten Staaten hält unvermin=
dert
weiter an. Die Zahl der infolge von Hitz=
ſchlägen
und Ertrinken getöteten Perſonen hat
ſich bereits auf über 200 erhöht. Ein Nachlaſſen
der Hitze iſt vorläufig nicht zu erwarten.

Segelflugzenge mit Rakekenſkark.

Das Einſetzen der Startrakete in das Segelflugzeug.

In Matland wurden erfolgreiche Verſuche gemacht, Segelflugzeuge mit Raketen ſtarten zu laſſen.
Die Rückſtoßkraft der Rakete ſoll dem Flugzeug die nötige Anfangsgeſchwindigkeit geben, die ſonſt
nur durch maſchinellen Vorſpann erreicht werden kann.

[ ][  ][ ]

Baden=Badener Autotage.

Von großem Sport und ſchönen Wagen.

Baden=Baden, 29. Juni.
Autotage an der Oos ... nur wer ſie einmal miterlebt
hat während der 11 Jahre des Beſtehens vom internationalen
Baden=Badener Autoturnier, weiß, wie ſportfroh und ſchön ſie
ſind, wie abwechſlungsreich und wie freudig, und was für
Nutzwert ſie haben! Alle führenden Automobilfabriken ſchicken
zur Schönheitskonkurrenz ihre ſchönſten Wagen. Privatleute, die
ſich den Wagen ihres Geſchmacks kauften oder Karoſſerien nach
ihren Wünſchen fertigen ließen, wollen auf Baden=Badens Kur=
hausplatz
Beſtätigung ihrer Geſchmacksrichtung durch Preiszuer=
kennung
haben. Es gab Jahre, da ſah man dieſen Aufmarſch
der ſchönen Wagen mit einem lachenden und einem weinenden
Auge. Die Amerikaner waren gekommen mit ihrem preiswerten
Großſerienbau, mit neuen Formen, mit uns unbekanntem
Komfort. Deutſchlands Automobilinduſtrie aber hatte mit
Deflation und Inflation gekämpft . . . mußte aufholen.
Sie hat dies Handicap gewonnen! Das war der große,
überzeugende Eindruck der Baden=Badener Schönheitstage. Was
hier vor mondänem Publikum auf ſonnigem Kurhausplatz an
Spitzenleiſtungen deutſchen Autobaus gezeigt wurde, das reifte
die Ueberzeugung; wir habens geſchafft! Unſere Automobil=
fabriken
, die Mercedes=Benz und Maybach, Horch, Adler Wan=
derer
und Brennabor, Stoewer und Opel, Hanſa, OKW. und
wie ſie alle heißen, die haben hier im Tale der Oos Wagen
gezeigt, die Spitzenleiſtungen waren in Paarung von Schönheit,
Ausſtattung, Gebrauchswert und Linienführung. 101 Wagen
waren es, die um das Goldene Band von Baden=Baden kon=
kurrierten
. An drei verſchiedenen Tagen paſſierten ſie die Jury
und das Publikum. Erſt kamen die Wagen aus Privatbeſitz
dran, dann die von Automobilfabriken und Händlern vorge=
führten
, und in der Schlußprüfung alle jene, die in den Vor=
läufen
erſte Schönheitspreiſe errungen hatten. Das waren
31. unter ihnen galts den Schönſten zu finden. Man ſah
Pullmann=Limouſinen in vornehmem Schwarz, ſah ſchnittige
Sportwagen in ſchlanker Linienführung, Reiſe=Cabriolets von
Raſſe und Klaſſe (nebenbei bemerkt: das Cabriolet iſt Trumpf.
Es beherrſcht den deutſchen Markt der Wagen für Anſpruchs=
volle
), und immer und immer wieder mußte in der großen
Schlußprüfung vor erweiterter Jury der eine und der andere
ſchöne Wagen ausſcheiden, bis endlich! der Schönſte ge=
funden
war. Adler zeigte Limouſinen und ein wunderhübſches
Cabriolet nach Entwürfen von Profeſſor Grupius. Der Bau=
haus
=Stil iſt gewiß auch im Karoſſeriebau ſchön. Techniſch
hat er unbedingt Vorzüge. Hier aber wo es das Schönſte zu
finden galt, konnte die geradlinige, ſchmuckloſe Form ſich nicht
behaupten. Auch die Horch kamen nicht in die letzte Entſchei=
dung
. Alle Horch waren ſchön, ja, Meiſterſtücke des Karoſſerie=
baus
waren es. Und auch Horch haätte es mit neuen Stil=
formen
und neuen Farbtönen verſucht. Vergebens. Die Jury
fand Schönere. Die bildhübſchen Wanderer, die ſchönen, ach ſ=
preiswerten
Brennabor, die raſſigen Auſtro=Daimler ſie alle
entzückten. Wenn aber in der Schlußprüfung der von Fräulein
Krämer (Mannheim) geſteuerte Mercedes=Benz, Typ Mannheim=
Sport, ſeine Runden auf dem Kurhausplatz fuhr, dann gab es
immer und immer wieder Bravorufe und nicht enden wollen=
des
Hände=Klatſchen.
Mit Recht!
Denn dies in ſeiner Tieflage und Linien=
ſchlankheit
vorbildliche Wägelchen war auch in ſeiner Karoſſerie=
farbe
ſo nett (hellbeige mit hellzitronengelb abgeſetzt), daß es
jedem gefallen mußte. Ueberhaupt: der neue Mercedes=Benz=
Typ Mannheim=Sport beherrſchte die Schönheitskonkurrenz.
Was es jahrelang nicht gegeben hatte: den raſſigen, mittelſtarken
deutſchen Sportwagen, der Reiſebequemlichkeit mit Schnelligkeit
gepaart, der iſt erſchienen, ſchöner und preiswerter, als man
zu hoffen gewagt hatte. Dies Wägelchen war des Goldenen
Bandes würoig. Dann gab es zwei Silberne Bänder‟. Die
wurden dem Großen Mercedes, dem Luxus=Reiſewagen für
41000 Mark, Achtzylinder=Motor von 200 PS. Kompreſſor,
Schnellgang, und einem öſterreichiſchen Gräf u. Stift=Wagen zu=
erkannt
. Spitzenleiſtungen deutſchen Autobaus, die auch das
Goldenen Bandes würdig geweſen wären, waren jene drei
(von den 101 Bewerbern übrig gebliebenen), die das Blaue
Band erhielten: ein fabelhaft bequemer Maybach ( Reiſecabrio=
let
non plus Ultra) des Maybach=Typs Zeppelin ( Zwölf=
zylinder
=Motor mit Schnellgang), der raſſiſche Mercedes=Benz,
Typ Mannheim=Sport, des Fräuleins Charlotte Haack ( Rüſſels=
heim
) und ein echter, rechter Reiſewagen, ein Mercedes=Benz,
Typ Nürburg, mit gut abgeſetzter, ſportgrauer Cabriolet=
Karoſſerie.
Aber auch ſportlich gabs Spitzenleiſtungen im Autoturnier
an der rauſchenden Oos. Bei der großen 96=Stunden=Sternfahrt
um den Europapreis von Baden=Baden gilt es, auf beliebig zu
wählender Strecke täglich bis 600 Km. Luftlinie zurückzulegen
und ſich Scheitelpunkte und Durchfahrten durch Landeshaupt=
ſtädte
beſcheinigen zu laſſen. Je weiter die Landeshauptſtadt von
Baden=Baden entfernt war, deſto höher war ihre Durchfahrts=
bewertung
. Der lettiſche Juſtizminiſter Magnur, ſporterprobte
Damen, die vielbewährten Herrenfahrer Major a. D. von Lin=
denau
und C. W. Andrege, ſie alle hatten gemeldet. Nun
Andreae und v. Lindenau hatte im Kampf um den Europa=
preis
die Anforderungen an Wagen und Körper überſpannt.
Andrege rammte in Polen ein Holzfuhrwerk. Andrege kam
vor polniſchen Schnellrichter . .. wurde freigeſprochen, jagte
weiter nach Baden=Baden, hatte ob des Unfalls vierzigſtündigen
Aufenthalt zur Kühlerreparatur ſeines vielbewährten Brennabor=
Achtzylinders ... traf erſt nach Zielſchluß ein. Und von
Lindenau mordete auf Litauens Schotterſtraßen einen Reifen
nach dem anderen und opferte den Schlaglöchern polniſcher
Wege ein Federblatt nach dem andern. Und doch und dennoch:
er landete mit ſeinem 10/50er Mercedes=Benz in Baden=Baden.
Die beiden Verſpäteten erhielten Sonderpreiſe. Recht fol
Den Europapreis aber gewann durch ihre mutige Fahrt von
Reval über RigaDanzigBerlin, nach Baden=Baden eine
Dame: Frau Peternella Whiteaker, mit einem Engländer ver=
heitatete
Holländerin, die in Riga anſäſſig iſt. Große Spitzen=
leiſtung
hatte der Kleinwagenfahrer C. Hansberger vollbracht.
Seinen Kleinwagen trudelte er innerhalb 100 Fahrtſtunden ab
Bonn über LuxemubrgParisBrüſſelHaagBerlin-Prag
Wien nach Baden=Baden und legte dabei faſt 3300 Km. auf
europäiſchen Landſtraßen zurück. Vielbewährte Sportlady, Frau
Annemarie Gaſtell (Mainz) jagte ihren DKW.=Wagen, Liliputa=
ner
aller Teilnehmerwagen, über 2560 Km. Und immer allein
am Steuer! Alle Achtung vor ſolchem Können und ſolchem
Schneid!
Das traditionelle Bergrennen endete mit Flaggen auf Halb=
maſt
. Max Graf Hardegg (Wien), erſt dreiundzwanzigjähriger,
ſchneidiger Sportfahrer, flog mit ſeinem Bugatti aus einer
Kurve heraus. Der Wagen überſchlug ſich ... Graf Hardegg
erlitt Schädelbruch und ſtarb. Jene Sportleiſtungen aber, die
auf der 10 Km. Bergſtrecke von Geroldsau hinauf zum herr=
lich
ſchönen Plättig vollbracht worden waren, waren Großlei=

ſtungen. Am erfolgreichſten war das deutſche Bugatti=Team der
Fahrer von Morgen, Prinz Leiningen und E. G. Burgaller.
Alle drei errangen erſte Klaſſenpreiſe, von Morgen war im
Bergwagenrennen, ſchnelſter aller Fahrer. Auf BMW. und
Amilcar wurden die anderen Klaſſen gewonnen. Alle Sieger
aber, die auf den deutſchen und die auf den franzöſiſchen Wagen,
fuhren deutſche Reifen, die drei Rekordfahrer des Bugatti=
Teams deutſche Continental. und Hans Stuck . . .?" War
auf ſeinem Mercedes=Benz=Rennwagen am Start, konnte aber
nicht ſtarten, weil Hardeggs Todesſturz zu viele Menſchen auf
die Strecke gebracht hatte, ſo daß Rennfahrt gefährlich war.
In lachender Sonntagsſonne gabs Geſchicklichkeitsprufung
auf dem Baden=Badener Kurhausplatz . . im feſtlichen Kurhaus=
ſaal
gabs am Sonntag abend die Verteilung der ſchönen, der
wertvollen Preiſe, und das Fazit des 11. Baden=Badener:
ein Autoturnier von großem Erfolg! Für deutſchen Sport,
deutſche Wagen, deutſchen Automobilismus!
Siegfried Dverſchlag.

Turnier in Wimbledon.
Die letzten Vier im Herren=Einzel.
Bei ausgezeichnetem Wetter wurden am Montag in Wimbledon die
allengliſchen Tennismeiſterſchaften wieder lebhaft gefördert. Während
die Doppelſviele noch in den erſten Runden ſtechen und die Damen=
Einzelſpiele am Montag ganz ruhten wurden im Herven=Einzel bereits
die Teilnehmer für die Vorſchlußrunden ermittelt. Es ſind dies auf der
einen Seite die Amerikaner Shields und Wood, und auf der anderen
Seite der Franzoſe Jean Borotra und der Cramm=Bezwinger Perry,
der einzige übriagebliebene Engländer. Amerikas hoher Favorit, Frank
Sbields, ſchlug den jungen engliſchen Spitzenſpieler Bunnt Auſtin nach
einem hartnäckig geführten Fünfſatzkampf 6:3, 2:6, 5:7, 7:5, 6:1. Der
zweite amerikaniſche Vertreter, Sidnen Wood, gab dem Engländer Hug=
hes
4:5, 6:4, 6:3, 6:1 das Nachſehen. Perry kam durch ein 6:4. 8:6,
5 über den Amerikaner van Ryn in die Vorſchlußrunde während
Jean Borotra über, den Japaner Viro Sato 6:2, 63, 4:6, 6:4 ſieg=
reich
blieb.
In den Dopvelſpielen ſchied nun auch das letzte deutſche Paar ans.
Eilly Auſſem tvon Cramm, die in der zweiten Nunde Frl. Jedrzejowſka=
J. Sato 63, 6:4 geſchlagen hatten, unterlagen in der dritten Nunde
gegen Miß Lycett=Bouſſus mit 8:6. 6:4.

Hilde Krahwinkel,
die erfolgreiche weſtdeutſche Spielerin, hat ſich beim Tennisturnier
von Wimbledon bis zu den letzten Acht durchgekämpft.
Schwerakhlekiſche Bundesmeiſterſchaften
dermeſcher.
Wir haben bereits auf die ſchwerathletiſchen Meiſterſchaften
im Rahmen der Bundesmeiſterſchaften der Reichsbahner am kom=
menden
Samstag und Sonntag hingewieſen. Am Sonntag vor=
mittag
, anſchließend an die Entſcheidungskämpfe im Boxen, findet
im großen Saale der Turngemeinde am Woogsplatz ein
Mannſchaftsringkampf zwiſchen Polizei Darmſtadt und dem
inzwiſchen hier feſtgeſtellten Reichsbahn=Bundesmeiſter
ſtatt. Zweifellos wird dieſer Mannſchaftskampf in den ſchwerathle=
tiſchen
Veranſtaltungen das meiſte Intereſſe beanſpruchen. In ſie=
ben
Gewichtsklaſſen werden die in vielen harten Kämpfen erprob=
ten
Darmſtädter Poliziſten beweiſen, daß ſie auch gegen die Reichs=
bahn
=Meiſter mit Erfolg beſtehen können.
Pferdeſporl.
Rennen zu Horſt=Emſcher.
Guthoffnungs=Preis. Für Zweijährige 2200 Mk., 1000 Meter:
1. Weltmanns Champagner (Raſtenberger), 2. Meerkönig, 3.+ Gals=
½ Lg. Ferner
worthy, 3. Pilot. Toto: 23; Platz: 13, 2, 10, 6
liefen: Stober, Agilis Liebgard, Ordensbanner, Scholle Souvenir.
Preis der Knappen. Für Dreijährige 2300 Mark. 1200 Meter:
1. Caſtelyns Mentha (Lommatzſch), 2. Feldkopf. 3. Ma Chere. Toto:
34; Platz: 12. 11, 12. 24 Lg. Ferner: Gold Heels, Wardenia, Quar=
taner
. Nab, Harpunier, Porta Nigra.
Rudolf Ehlers=Rennen. 2200 Mk. 1400 Meter: 1. Janninks Peter
Sonnenſchein (Kleine), 2 Schüſſeltreiben, 3. Attis. Toto 25: Platz:
½ Lg. Ferner: Ilſenburg, Baden, Harniſch, Bandage,
15. 15. 13. 1
Bungard=Ausgleich; Ausgleich III. 2200 Mk., 2400 Meter: 1 Wort=
manns
Nemrod (Sauer), 2. Selim, 3. Raindrop. Toto: 7; Pl.: 18,
14. 18. 16 Lg. Ferner: Perle Noire II, Schäferburg, Himalaya, Mar=
bod
, Miami, Olympionike.
Maximilian Reichsfreiherr von Fürſtenberg Rennen. Ehrenpreis
und 3500 Mk., 1800 Meter: 1. Weltmanns Orion (Raſtenberger), 2. Sze=
geban
, 3. Piniole. Toto: 24; Platz: 14. 18, 21. Kopf½ Lg. Ferner
liefen: Audi Mongole, Oceanus, Guter Ton.
Hypolit=Ausgleich; Ausgleich III. 1600 Mk. 1600 Meter: 1. Blu=
mes
Miſper (Hänel), 2. Negro, 3. Panzer, Toto: 77; Platz: 18, 14.
8. 84 Lg. Ferner: Augapfel, Giftmiſcher, Eichenkrone, Mirjam,
Babette.
Weidwald=Hürbenrennen; Ausgleich II. 2700 Mk., 2800 Meter:
Dilthehs Stahleck (Broda), 2. Bundſchuh, 3. Maikater. Toto: 23;
Platz: 24, 76. 1½3 Lg. Ferner: Claretta, Tuckhühnchen.

Der Deutſche Fußball=Verband, in der Tſchechoſlowakei feierte am
Sonntag das Jubiläum ſeines Wjährigen Beſtehens.
Schweizer Fußballmeiſter wurden die Grashoppers Bürich, die ihr
letztes Endſpiel gegen Urania Genf mit 0:0 abſchloſſen.
Die Radrennen in Aachen endeten mit einem Siege des Leipziger
Hille vor N. Wolke und dem Frankfurter Chriſtmann.

Darmfäder Zumerſchaf. e. 5.

Glänzende Erfolge beim Gauturnfeſt in Griesheim.
Bei den am Samstag und Sonntag in Griesheim ſtattgefun=
denen
Wettkämpfen des 50. Gauturnfeſtes konnten die Darmſtädter
Turnvereine ſehr gute Erfolge mit nach Hauſe nehmen. In faſt
allen Klaſſen wurden Darmſtädter Turner auf den erſten zehn
Plätzen Sieger, und erfüllten damit die in ſie geſetzten Erwar=
tungen
voll und ganz. Die nachfolgende Siegerliſte (mit Aus=
nahme
der bereits veröffentlichten Altersturner) gibt Aufſchluß
über die im Männerturnen errungenen Siege.
Sonderklaſſe, 10=Kampf: 2. Schwinn, Tgm. D. 46 174 P.;
4. Banyay. 46, 166. Oberſtufe, 10=Kampf: 9. Kuhn, Tgſ. D. 75,
163: 15. Knopf. 75. 15
7: 17 Banyay, L 46, 154: 17. Müller,
Beſſ. 154: Mittelſtufe. 10=Kampf: 5. Inthertal, 46 170;
6. Schäfer, 75. 167: 13. Meyer 46, 159; 14. Lehmann, 75. 158
15. Maul, Beſſ. 157: 17. Debhardt, Beſſ., 155; 18. Aßmuth. Beſſ,
154: 20. Fleck, 46. 152:
21. Thon, 46 151; 22. Cheſt 46, 150:
24. Vollhardt. Beſſ., 146: 26. Gölz, Beſſ., 143: 27 Lecerf, 75.
143; 29 Hartmann. 46 140. Unterſtufe, 10=Kampf: 10. Speng=
ler
, Beſſ., 162: 12. Grönig. 75, 160; 13. Meyer. 46, 159;
16. Meser, K. 46, 156: 21. Müller, Beſſ., 151; 22. Pfahlberger,
Beſſ. 150: 31. Hofferberth, 46 141: 32. Wintermeier, 46, 140;
35. Heidt, Beſſ., 1377 38. Vonderſchmidt, 46, 134. Jugendklaſſe 4:
8. Ferner, Reichsbahn=Tv., 111; 29. Hettinger, Reichsb. 89.
12=Kampf: Sonderſtufe: 4. Blumenſchein 46. 182 P; 5. Karn,
45. 179
10. Schieferdecker, 46, 163: Oberſtufe: 13. Kling 46,
169. Mittelſtufe: 1. Schneider jun, 75, 203: 3. Roth Reichsb.,
193: 12. Werner, 46, 177; 12. Sandrock, Akad. Tv. Alemannia,
177: 20 Schaulinſki, Alemannia, 167; 21 Worret, 46, 166.
Unterſtufe: 3. Vierheller, 75, 194: 12. Deißroth, J., 75. 179
17. Deißroth. Herm., 75. 173: 19. Bänger, 46, 170: 24. Knobloch,
Eiſenbahn, 162.
Wie im Männerturnen, ſo kann man auch von einem ſehr
guten Abſchneiden der Turnerinnen bei den Frauenturnwett=
kämpfen
in Griesheim ſprechen. Faſt alle Wetturnerinnen der
Darmſtädter Vereine konnten bei der großen Zahl von Wett=
kämpferinnen
ſich gut halten und einen Sieg für die Vereinsfarben
erringen. Nachſtehend die Darmſtädter Siegerinnen:
Oberſtufe: Wannermacher, 75., 8=Kpf.: 2. Sieg, 5a=Kpf.:
2. Sieg, 5b=Kpf.: 4. Sieg; Fiſcher=65. 3., 9., 1.: Luiſe Niebel=46
4., 5.; Gretel Niebel=46 5., 5., 10.; Beimert=75 7. 15., 7.;
Becker=75 7. 3. 8.: Rett=75 8. 10, 5 : Schultheis=46 11., 12., 9.;
Kienzke=46 13., 19. 12.: Glock=46 13. 8. 19.: Fertig=Beſſ. 15.,
19.: Creter=Beſſ. 21., 8., 22.; Vogelmann=46 23, 13. 28.:
Schieferdecker=46 24., 7.
Brehn=46 24. 9. 25.; Rehfuß=46
25. 10.,
Knörzer=46 28., 26, 23.; Hörr=75 29, 18.
: Fran=
kenfeld
=46 30., 16.
Seip=46 31., 25., 26;. Reinig=46 32., 30.,
23.: Swiderewaky=Beſſ. 37,, 15., 5.; Fick=75 39., 11. ; Schade=
46 43.,
Sauer=75 , 8.
Schmidt=46 13..
Neumann=Eiſenbahn , 13. ; Bebbler=46 , 21., ; Hart=
mann
=46
Unterſtufe: Röth=75 2., 1. 10.; Mohr=
Beſſ. 7., 20. 7.; Koch=Eiſenb. 8, 3. 13.: Ziegler=75 16. 15., 17.:
Eiſemann=Beſſ. 17., 19. 26.; Fornoff=75 24, 8., 39.; Sehnert=Beſſ.
25., 17. 21.;: Seip=46 41., 28., 35.7 Stahl=Beſſ. 40. 33., 44.:
Henkel=Beſſ. 41,
22., 48.: E. Ehrhardt=75 43, 26., 47.: Schaefer=46
47. 40. 46.; Henkel=Beſſ. 52, 29. 51.: Schwaerzel=75 , 11.,
Ihrig=Beſſ. 68, 41.,
Schmidt=Beſſ.
Reckow=75 62., 20., *
57., 30, 57.; Will=Eiſenbahn , 32. ; Schaefer=Eiſenbahn
26..
Klubkampf Rok-Weiß 5V. 98 A5C. 90:79:43 p.
Der am Sonntag vormittag im Hochſchulſtadion vom A. S. C.
durchgeführte Klubkampf, der drei Darmſtädter Vereine, nahm
einen ſehr intereſſanten, flotten Verlauf. Leider lagen uns die
Ergebniſſe bis Sonntag nacht noch nicht vor. Es ſtarteten mei=
ſtens
Athleten, die noch wenig an Wettkämpfen teilnahmen. Die
Ergebniſſe ſind, durchaus befriedigend und laſſen bei vielen
Kämpfern Verbeſſerungen der Leiſtungen erwarten. Jeder
Kämpfer konnte nur an einem Wettbewerb teilnehmen.
Ergebniſſe der jeweils 3 Beſten: 100 Meter: 1. Münz, 98,
2. Becker, ASC. 12,1 Sek., 3. Scheriebele, ASC. 12.1
S 200 Meter: 1. Samesreuther, ASC.
Sek.
16. 2. Wieſeneck,
98, 24,7. 3. Lütrighaus, ASC., 25.1 Sek. 400 Meter: 1. Eiſen=
hauer
, 98. 54.
2. Hartnacke. ASC., 55.2, 3. Lehmann. ASC. 56
Sek. 800 Meter: 1.
ſebel. 98.
2:08 6. 2. Bader. ASC., 2:08,8,
Geſſer, RW. 2:11,
Sek.
3000 Meter: 1. Hanſen, ASC.
9:57,8. 2. Müller, 98. 10:12,0. 3. Leiß. 98. 10:26,5 Sek
4X100
Meter=Staffel: 1. 98 47 Sek., 2. ASC. 47,5, 3. RW. 482.
381000 Meter: 1. 98 8:45.4. 2. ASC. 8:47,1. 3. RW. 9:31.
Schwedenſtaffel: 1. ASC. 2:09,8, 2. 98 2:10.4 3. RW. 2:16,8.
15 Rundenſtaffel: 1. ASC. 6:04. 2. 2. 98 6:08,4, 3. RW. 6:17 1.
Kugelſtoßen: 1. Hornfiſcher, 98. 10,66 Meter, 2. Marquard. 98,
9.87 Meter, 3. Moldenhauer. ASC., 9,68 Meter,
Diskuswer=
fen
: 1. Portner, ASC., 29,66 Meter, 2. Roſenau, RW., 26.96 Me=
ter
, 3. Starkloff. ASC., 26,63 Meter. Speerwerfen: 1. Bünte,
ASC. 43,53 Meter, 2. Florin, ASC. 40,87 Meter 3. Marquard,
98, 38,08 Meter.
Weitſprung: 1. Bolland. ASC., 5,74 Meter,
2. Gunſt, 98, 5,40 Meter, 3. Schulz, ASC., 5,38 Meter.
Heute: Abendtreffen im Hochſchulſtadion.
Der Akad. Sport=Club führt heute abend 19 Uhr auf dem
Hochſchulſtadion eine Abendveranſtaltung durch, die eine ſehens=
werte
ſportliche Angelegenheit zu werden verſpricht.
Den Rahmen bildet ein Sprinter=Dreikampf über 50. 100
und 200 Meter. Turngeſ 1875 Sporty 98 und ASC. ſtellen
ihre beiden beſten Sprinter. Bei der 38800 Meter=Staffel für
Damen haben die Darmſtädter Läuferinnen Gelegenheit, zu zei=
gen
, daß ſie in Süddeutſchland eine nicht zu unterſchätzende Rolle
ſpielen. Den Höhepunkt bildet die 3X1000 Meter=Staffel mit
Eintracht Frankfurt. Turngeſ. 1875. Sportverein 98 und A.S.C.
Es werden ſich die beſten ſüddeutſchen Staffeln und die Turner=
Meiſterſtaffel des 9. Kreiſes einen harten Kampf liefern. Als
Abſchluß folgt eine 4X100 Meter=Staffel, zu der Turngeſ., SV. 98
und A.S.C. antreten.
Sppg. Arheilgen Rot=Weiß Merck.
Zwiſchen obengenannten Vereinen kommt es am Mittwoch
abend 6. 30 Uhr, am Arheilger Mühlchen, zu einem
Klubkampf. Gelaufen werden 100, 400, 800. 3000, 4X100, 3X1000
Meter Staffeln. Sprungkonkurrenzen: Weit= und Hochſprung,
Wurfkonkurrenzen: Speerwerfen, Kugelſtoßen und Diskuswerfen.
Wie man hört, will Habich. Spp. 98, mit Genehmigung über 3000
Meter für Merck ſtarten. Der vielverſprechende jugendliche Treuſch=
Arheilgen hat dann Gelegenheit, ſich einmal mit ihm zu meſſen. Ge=
laufen
wird auf einer 380 Meter langen Aſchenlaufbahn, die ſich
in beſter Verfaſſung befindet. Eintritt äußerſt niedrig.
Kraftſpork.
Athletik=Sportverein 1895. Darmſtadt.
Bei dem Gaufeſt des Odenwaldgaues, das dem Polizei=Spv.
übertragen war, errang unter ſtarker Konkurrenz Athl.=Spp. 9
folgende Preiſe: Stemmen: Leicht: Seibert, 1. Gaumeiſter: Halb=
ſchwer
: A Knauff 1. Gaumeiſter; Mittel: G. Aßmuß 3. Gaumei=
ſter
und B. Funk. 5. Gaumeiſter. Altersklaſſe: Leicht: L. Rühl
Gaumeiſter und J. Marloff 3. Gaumeiſter. Ringen, Alters=
klaſſe
Leicht: I. Morloff 1. Gaumeiſter.
Jugend: Leicht: E.
Schuchmann 1. Gaumeiſter. Dreikampf: Mittel: Fr. Knauff
Gaumeiſter und B. Funk 2. Gaumeiſter.
Gewichtwerfen:
Leicht: G. Schleidt ir., mit 12,42 Meter, 1 Gaumeiſter. Speer=
werfen
, Mittel: Fr. Knauff 2. Gaumeiſter
Schleuderball:
Mittel: Fr. Knauff 3. Gaumeiſter,
Man erſieht, daß der
Athletik=Spp. zurzeit in guter Verfaſſung iſt.

Die heutige Nummer hat 14 Geiten.

2 Ratschläge für die Schönheitspflege auf der Reise

1. Zur natürlichen Bräunung der Haut fette man vor und nach der Beſonnung die Haut, insbeſondere
Geſicht und Hände, mit Ereme Leodor gründtch ein; man erzielt dann ohne ſchmerzhafte Rötung eine

geſunde, ſonnengebräunte Hautfärbung. Ereme Leodor fettfrei, rote Packung, fetthaltig, blaue Pachung

Tube 60 Pf. und 1 Mark, Leodor=Edel=Seife 50 Pf. In allen Chlorodont=Verkaufsſtellen zu haben.

eitspflege auf der Reise
herrlich erfriſchenden Zahnpaſte Chlorodont, die auch an den Seitenflächen nſt Hüfe der Chlorodont=
Zahnbürſte einen elfenbeinartigen Glanz erzeugt. Chlorodont=Zahnpaſte. Tube 54 Pf. und 90 Pf.,8
Chlorodont=Zahnbürſte 1 Mark, Chlorodont=Kinderbürſte 60 Pf., Chlorodont=Mundwaſſer 1 Mark.

[ ][  ][ ]

Nummer 129

DarmſtädterCagblatt

Dienstag, den 30. Junf

GeſſNeueſte Nachrichten

Vom Holzmarkt

ſchreibt uns unſer Mitarbeiter: Die Nacfrage nach Schnitthölzern hat
ſich gehoben, nachdem die auſſen= und innenpolitiſche Lage ſtch ettuns
verlärt hat. Freilich, ein Aufſchwung iſt am Holzmarkt einſtweilen
nicht zu erſuarten, dazu zeichmet ſſich die künftige Geſtaltung der Geſamt=
lage
noch nicht deutlich genug ab. In Fachrreiſen hat man vor allem
tenig Hoffnnng auf eine Belebung der Bautätigreit, und dieſe mühtte
eintieten, wollte man mit einem gerenelten Abſatz des Wauholzes reih=
nen
. Alles in allem klammert man ſich an die Hoffnung, die ſich aud
dem Vorgehen Hoovers herleiten läſſt. Leider hat die Mübelinduſtrie
durch den Zuſammenbruch des Mühel=Cohn einen ſtarken Stoſt erhal=
ten
, und es iſt auch neuerdings eine Piautiſchlerei grüßeren Umfanges in
einem nürdlichen Worort Graſ=Berlins infolge des Zuſammenhruchs der
Lerche u. Niopert A.=G., inſolvent gewvorden. So bringt jeder Tag
faſt neue Erſchilitterungen, und bevor dieſe nicht abgeklungen ſind, iſt
nüht daran zu denken, daß der Platzholzhandel im Einkauf aus ſeiner
Zuriiekhaltung heraustritt. Die Beſtellungen, die ſetzt aus den Kreiſen
bes Holzverbrauchs vorliegen, beſchränken ſich auf kleinere Mengen.
Man denrt nur an Ergänzungen der Holzläger, aber nicht an die früher
tiblicken Auffüllungen. Die Nachfrage nach Stammkiefer
uugr beſcheiden.
etſwas Muſſenware mit zirka 70 Prozent 1. Klaſſe aing uach Leipzic und
Halle. Ein Einſchnitt aus dem Jahre 1928, der einer norddeutſchen
Firma, die in Liqnidation trat. gehürt, wurde zu einem Geſamtpreis
vont etſug 70 00 Mark an ein Grubenholzunternehmen in Norddeutſch=
land
verkauft. Ii übrigen fehlt es an Küufern grüſſerer Produktlonen.
Nalfrage beſtand nach 20 Millimeter Schalbrettern, filr die eine Heine
Wreſohefeſtigung eintrat. Mundholz iſt nur ſchver verkäuflich, es kam=
inen
bei der vorgeriukten Jahreszeit uur Waſſerholzvartien in Frage.
Geſucht zuaren Xanthölzer 9/8 und 9/10 Zentimeter, die aber nur in
gerlugen Mengen vorhanden ſind. Aus Nica werden neuerdings Erlen=
ſihnitthölzer
angeboten, Kleinere Poſten wurden bereits verkauft.

Wirtiſchaltliche Rundſchau.

Gebr Lutz AG. Darmſtadt. Die Geſellſchaft berichtet über 30/91
von verhütltnismäßig befriedigendem Verkauf der Maſchinen und Geräte
Die Preiſe waren infolge des großen Ausverkaufs mehrerer Spezialfi=
men
der Wranche gedriſckt. An Außenſtänden wurden rund AXM MM
abgeſchrieben, daneben noch rund (Xw MM, auf Waren und Mohſtoffe.
Drei Gebäude ſind zu annehmbaren Bedingungen vermietet. Man i
heſtrebt die Warenbeſtände ſo aut wie möglich weiterhin zu veräußern
Es ergiht ſich für 1930/91 wieder ein Verluſt, und zuuar von 33 188 MM.
(194 082 MM.), um den ſich der vorzutragende Geſamtverluſt auf 239 505
MM. erhöht. Die Pilanz zeigt unverandert 575 G0 NM. A.0 er=
mſßiate
Hypotheken von 73 00 MM. (94 G-), ſonſtige Verbindlichkeiter
rund 100w (R0) 9M gegenüber 307 00 (310000) MM., Grund=
ſtilcke
, 61(w (94 00) MM. Waren und Vermietepark, 4200 (15 07)
MM. Kaſſe und Wechſel, ſowie 700 (19 000) MM. Außenſtände. G.V.
am 7. Fult
Neue Möhr=WVerke W. G., Ober=Mamſtadt bei Darmſtabt Unter füh=
render
Weteiligung der Holding=Geſellſchaft für Automobilwverte A. G.,
Davos, über deren Neugrülndung wir bereits berichteten wurde ſoeben
die Neue Mühr=Werke A. G. Ober=Namüladt bei Darmſtadt, gearündet
mit einem Kapital von 1 Million MM. Hiervon werden eingebracht
das im Verſteigerungsverfahren ertorbene Grundvermögen mit ſämt=
lſchem
Zubehör, Warenvorräten, Fabrikationsreihten, ſowvie die ſeit der
Wiederaufnahme des Betriebes bereits erfolgten Neuinveſtierungen, für
den Geſamtbetrag von 925 00 RM: der Neſt wird bar eingezahlt. Die
Geſellſchaft beabſichtiat, das Unternehmen der in Konkurs befindlichen
Möhr=Auto 9. G, in Ober=Namſtadt zu übernehmen und weiterzuführen.
Seit April d. Js. befindet ſich das Werk wieder in Betrieb auf Grund
eines für Mechnung der neuen Geſellſchaft abgeſchloſſenen Pachtvertrags.
Der Aufſichtsrat beſteht aus Naufmann Leo Begen=Davos Naufmann
Sieqmund Weil=Heinzheimer in Zürſch, N.=A., Dr. Hans Zoller=Zürich;
der Vorſtand aus Joos Heintz und Ernſt Becker.
Maſchinenfabrir Hartmann 9. G., Offenbach a. M. Die G.V. der
Geſellſchaft genehmlgte einſtimmig den bekannten Abſchluß für das Ge=
ſchäftsjahr
1930 und beſchloß, den ausgewieſenen Verluſt von 42 788 Mk.
(1. V. Au 877 Mr. Reingeſinn) auf neue Rechnung vurzutragen.
Trapp u. München A.G. in Friedberg (Heſſen). Die Generalver=
ſammlung
dieſer Geſellſchaft genehmigte den Abſchluß für 1990. Der
Werluſt von 19 930 9M. wird vorgetragen (1.
Meingeſinn von
1574 MM, die vorgetragen werden). Weiter wurde beſchloſſen. Sitz
und Betrſeb der Geſellſchaft nach Dresden zu verlegen. Hiervon ver=
ſpreibe
ſich die Firma Vorteile für den Vertrieb, da Dresden als Zen=
trale
der deutſchen photograpbiſchen Induſtrie allt. In Verbindung
mit weiteren Nationaliſierungsmaßuahien ſolle bierdurch das Ergebnis
des neuen Jahres möglichſt günſtia geſtaltet wverden.
Porpburtverke AVeinheim=Schrieshrim A. G. Am Samstag fand in
Weinheim die Generalverſammlung der Porphurwerke Weinheim= Sihries=
heim
A. G, ſtatt. Das Geſchäftsjahr 1990 ſchließt mit einem Verluſt von
9044,94 NM. ab, welcher vorgetragen wird. Dem Aufſichtsrat und
Vorſtand wurde Entlaſtung erteilt. Der erhebliche Miſckgang der Abſatz=
mdalſchkeiten
in Straßen= und Wahnmaterial ſoivie die weitere rilckläu=
fide
Preisheivegung, die durch den reichsſeitlg geforderten allgemeinen
Preisabbau noch weſentlich verſchärft wurde, haben das Ergebnis un=
Hünſtig beeinflußt. Teilwelſe mußte verkürzt gearbeitet werden. Ein
Betrſeh lag die letzten vier Monate des Jahres ſtill. Zur Zeit wird
in beiden Vetrieben gearbeitet.
Dus WVieuer Haus Mutbſchilb, Zu der Nachricht, daß das Haus Noth=
ſchild
ſich aus Oeſterreich zuriſckzuziehen beabſichtige, und im Zuſammen=
hange
damit auch ſeinen großen Grundbeſitz bei Waidhofen an der Aubs
veräußern wolle erfahren ſir, daß das Haus Rothſehild im Zuſammen=
hange
mit den Angelegenheiten der Creditanſtalt Verluſte erlitten habe,
daß aber die daraus gezugenen Folgerungen nicht den Tatſachen ent=
ſpreihen
. Insbeſondere iſt zuie wir hüren, die Mitteilung aus der Luft
geariffen daß das Haus Nothſchild beabſichtige, ſich aus Oeſterreich zu=
riickzuziehen
.
Blehmärkte.
Mannbeiiter Gruſtiehitarkt voit 20. Junk. Auftrieb Zu
bren: Oihſen 159, Bullen 169, Kühe 208, Färſen 409. Hülber 949.
Silnfe 27. Schveine 9½5, Preiſe für 50 Na. Lebendgewicht in AM.
Oihſen: a) 4547. b) 9099, c) 9410, Bullen: a)
B.
294
r)M92: Kühe: a) 3438, b) 9833, c) 2224, b) 1418; Fürſen;
n) 4748, b) 4149. c) 9699: Kälber: b) 5056. c) 4650, d) 4044
e) 9399; Schafe: b) 9032: Schneine: b) 4446. c) 4647. d) 47 bis
e) 4446. f) 4143. Marktverlauf: Groſiwwieh mittel geräumt,
Hülber ſchlepvend. Ueberſtand. Schlelne; mittel geräumt.
Fraukfurter Schladhtviehmarkt vum 20. Junl. Der Auftrieb des
heutien Hauptmauktes beſtand aus: 1270 (1230) Mindern, darunter 92.
Ochſen. 127 Wullen, 422 nühen und 950 Färſen. ferner
aus: 591 (601
wälbern. 54 (20) Schafen und 5117 (4751) Scheinen. Marktver=
inuf
: Minder ruhig, ausverkauft. Schweine mittelmäſſia. geringer
Ueberſtand. Kälber und Schafe ſehleppend. geräumt. Norddeutſche Käl=
ber
über Notiz. Bezahlt wurde pro Zeutner Lebendgewicht in Mark
Oihſen: a1) 4419: a2) 4043: b1) 2399: Bullen: a) 9842, b) 9437.
Wühe: a) 2599, b) 2994, c) 222; Färſen: a) 4448, b) 4043,
71330; Nälber: a) , h) 5257, c) 4551, d) 2544: Schafe infolge
des geringen Auftriches nicht nottert. Schieeine: a) 4144. b) 4145,
() 4347. d) 4946, r) 4044. Verglicken mit den Preiſen des letzten
Gauptmarktes wuaren Oihſen. Wullen. Kühe und Färſen je 1 Neichsmarl
niedriger notiert. Kälber tendierten zum letzten Nebenmarkt 1 Mark
und Schiveine 12 Mark niedriger. Fleiſcharoſwarkt: Veſihik=
kung
: 406 Viertel Mindfleiſch. 43 ganze Välber, 3 Hämmel und 200
Schueine-GHälften. Preis für 1 Jeutuer friſches Fleiſch in Mark. Oihſen=
uud
Mindfleiſch 1. 7070 2. 0070. Bullenfleiſch 6270. Kuhfleiſch 1.-
M60, 9. 9540. Nalbfleiſch 1.
759). Schierinefleiſch 1. 6265.
Cſchäftsgaua des Fleiſchgroßimarktes: ſehlepbend.
Melallnotlerungen.
Die Vierliner Metalltermine vom 29. Juni ſtellten ſich
Juli 77,60 (73.25) Auguſt 78.25 (79.50), Sept. 79.50
(80 50) Okt 80.25 (81) Nov. 80.25 (81
Dez. 80.25 (81.25) Jan.
25 (81.50), Febr. und März 81.50 (81,75), April 81.75 (81.75)
*
1 81.75 (82). Juni 77.75 (7875). Tendenz: ſtramm.
Für
I
Jult und Auguſt 26 (27.50), Sept. 20 (28) Okt und Nov.
20.50 (28). Dez. bis April 27 (28) Mai 27.50 (28). Juni 25.50
7.50). Tendenz:
ubig. Für
17 (28), Auguſt
,50
28.25 (28,75),
75 (28
i.
). November 28.75
99.25). Dex 20 (29.50) Jan 29.25 (20.50), Febr.
29.25 (29.75),
März und Aprik 29.50 (30) Mai 30 (30.25), Juni 27 (28)
Ten=
den
: feſt. Die erſten Zahlen bedeuten Geld. die in Klammern
Briek.

Die Berliner Metallnotierungen vom 29. Juni ſtellten ſich für
Elektrolytkupfer, prompt eif Hamburg, Bremen oder Notterdam
(Notierung der Vereinigung für die deutſche Elektrolytkupfer=
notiz
) 87 NM. Die Notierungen der Kommiſſion des Berliner
b
Metallhörſenvorſtandes (die Preiſe verſtehen
Lager in
Deutſchland, für prompte Lieferung und Bezahlung) für Origi=
Blöcken. Walz= oder
nalhüttenaluminium, 98- bis 99proz.,
Drahtbarren auf 170 NM, desal in Walz= oder Drahtbarren
(üproz. 174 RM. Reinnickel 98. bis 90proz 350 RM., Antimon
Negulus 5153 RM., Feinſilber (1 Kilogr, ſein) 4143 RM.
Frankſurker und Berliner Eſſektenbörſe.
Fraukfurt a. M., 29. Juni.
Die Börſe eröffnete zu Beginn der neuen Wocle auf der ganzen
Linie in ſchſicherer Haltung. Nachdem noch am Samstag im Hinblick
auf die amerlkaniſch=franzüſiſche Ausſprache eine zuverſichtliche Stim=
mung
geherrſcht hatte, beurteilt man die Verzögerung der Verhand=
ungen
ungünſtiger und ſiehr in Vörſenkreiſen eine Verminderung der
Ausſichten für eine Algemeinverſtändigung. Da auch von der Kund=
ſillaft
im Zuſammenhaug mit dem bevorſtehenden Halbiahresultimo
meiſt Verkaufsorders eingetroffen wuaren, nahm die Spekulation gleſch=
falls
einige (lattſtellungen vor, ſo daß trotz des feſten Schlluſſes der
Neſv Yorker Börſe, die Tendenz zur Sclväche neigte. Verſclnedentlich
vollte man auch Abgaben von einigen Großbanken feſtneſtellt haben.
Bei ſehr kleinem Geſchäft ergaben ſich gegen die ſchon etwugs ſchtpächeren
Samstagsſchlußrurſe durcheg Kursriſckgänge bis zu 2,5 Prozent. Am
Nentenmarkt blieben deutſche Anleihen knapp gehalten, während von
Anslandsrenten Mexikaner feſt notierten. 5,5prozentige Goldmexikaner
10,25 (9,5). Die Tendenz des feſtverzinslichen Marktes iſt ruhig. Gold=
pfaudbriefe
unverändert, Liquidationspfandbriefe eher etwvas ſchnvächer
Stadt= und Induſtrieanleihen etwa behauptet. Neichsſchuldbuchforde=
rungen
verloren 1 Prozent. Im Verlaufe konnten ſich die Kurſe bei
allerdings weiter kleinſtem Umſatz auf einige Meinungskäufe um bis zu
Prozent erholen. Am Geldmarkt war noch keine Entſpannung zu
verzeſchnen. Tagesgeld wuar zu 7.5 Prozent weiter geſucht: auch Monats=
geld
zu erhöhten Sätzen ſtärker gefragt. Am Deviſenmarkt ergaben ſich
keine beſonderen Veränderungen. Man nannte Mark gegen Dollar
2135, gegen Pfunde 20,49¾, LondonNew York 4 9645, Paris 124,27,
Malland 92,96, Madrid 51,60, Schweiz 25,16½½ ſchvächer, Holland 1209.
Die erneut vertagten franzöſiſihramerikaniſchen Verhandlungen wirk=
ten
an der Abendbörſe weiter verſtimmend, ſo daß die Tenden
weiterhin als ſchwächer zu bezeichnen war. Hinzu kamen neue Verkäufe
des Publikums zu Geldbeſchaffungszwecken für den morgigen Zahltag
und Halbiahresultimo ſowie die ſchwvache Eröffnung der Neſv Yorker
Vörſe. Bei ſehr geringem Umſatz ſuar die Kurswſtaltung gegen den
Verliner Schlußf zunächſt nicht einheitlich, doch ernaben ſich im Verlaufe
meiſt Abſchſächungen um bis zu 1 Prozent.
Verlin. 29. Junk.
Schon im heutigen Vormittagsverkehr konnte man in den Bülros
auſſerordentlich ſtarke Zuriſckhaltung feſtſtellen, und obwohl Kurſe nicht
geuannt wurden, glaubte man doch eher mit einem ſchwäiheren Börſen=
beginn
rechnen zu können. Den Erwartungen entſprechend rröffnete
die Börſe dann auch durchweg ſchwächer. Vor allem drilckte die Unge=
ſuißiheit
, die durch die erneute Vertaqung der franzöſiſch=amerikaniſchen
Verhandlungen in Paris auf heute entſtanden iſt, und man wartet
mit Spannung vorerſt das Ergehnis der heutigen Beſprechungen ab.
In Anbetracht des morgigen Zahltages und Halbjahres=Ultimos herrſchte
natitrlich ebenfalls wuenia Unternehmungsluſt, und die Svekulation ver=
hielt
ſich ziemlich vaſſiv, ſo daß die herauskommende Ware vom
Auslande und auch von der Kundſchaft lagen Verkaufsaufträge vor
nur zu 1 bis 3 Prozent gedriſckten Kurſen, au Soezlalpapieren ſogar bis
in 5 und 7 Prozent Aufnahue fand. Abgeſehen von der feſteren New
Yorker Börſe und der neuen Kupferpreiserhöhung um 0.25 Dollarcents
waren die übrigen vorliegenden Momente nicht gerade günſtiger Natur.
So verſtimmte die Nachricht von der beabſichtiaten Veſchränkung der
deutſchen Steinkohleneinfuhr nach Frankreich durch die franzöſiſche Ne=
nierung
, ferner die Mitteilung, daß vom Stahlwerksverband nicht, wie
vor elnigen Tagen beriihtet, mit den Nuſſen wegen einer Vergröſſerung
der beſtehenden Aufträge, ſondern nur wegen der flnanziellen Bedingun=
den
verhandelt ind. Im Verlaufe ſetzten ſſch die Mickgänge zunächſt
bis 2 Prozent ſeiter fort, ſpäter konnten ſich aber die Kurſe leſcht er=
holen
. Geld war heute natürlich ſteif. Tagesgeld ſtellte ſich auf 8 bis
10 Prozent, Monatsgeld auf 7.5 bis 8,75 Prozent, und Warenwechſel
auf 7.5 Prozent zirka. Deviſen waren heute nicht mehr ſo ſtark gefragt.
nachdem die Anſehaffungen für den Uktimo am Samstag beendet waren.
Deviſe Schweiz lag weiter ſehr ſchugcb.

Produktenberichte.

Mannheimer Produktenbericht vom 20. Junk. Die Kurſe verſtehen
ſich per 100 Kilo netto waggonfrei Mannheim ohne Sack. Weizen, inl.
29,7590,50; zollbegülnſtigter 31,5032,50; Noggen, ausl. 24,00; Hafer,
inländiſcher 19,2521,25; Futtergerſte 20,5021,00; Sohaſchrot 12,75
bis 13,00; Biertreber 9,5010,00; Trockenſchnitzel 6,256,50; Wieſen=
hen
(loſes) 4,805,20; Luzernekleehen 55,60; Stroh, Preßſtroh Nog=
gen
=Weizen 3,303,50; desal. Hafer=Gerſte 2,803,00; Stroh, geb.
Stroh Noggen=Weizen 10,5010,90; desgl. Hafer=Gerſte 2,402,65:
Weizenmehr Spezial Null, mit Sack, JuniJuli 4044, Sept.Oktober
37,50; Noggenmehl, 60proz. 32,5033,00; Weizenkleie (feine) mit Sack)
1010,25. Tendenz: uneinheitlich. Auslandsofferten unverändert. In=
landsangebot
in neuer Ernte reichlicher. Getreide alter Ernte gut be=
hauptet
.
Fraukfurter Produktenbericht vom 20. Juni. Der Frankfurter Pro=
duktenmarkt
verkehrte für Noggen und Noggenmehl infolge des immer
knapper werdenden Angehots in ſehr foſter Haltung, während im übri=
gen
das Geſchäft ſehr ruhig war. Die Preiſe für Weizen. Weizen
mehle und Futtermittel blieben unverändert. Im ganzen machte ſich
eine ſtarke Zuriickhaltung bemerkbar, auch im Hinblick des für die
Frucht ſehr günſtigen Wetters. Es notierte: Weizen 295, Noggen
bis 255, Hafer 197,5030, Weizenmehl ſüdd, Spezial 0 39 5040,50,
dito niederrhein, Spezial 0 30,2539,75, Noggenmehl 32,7535, Weizen=
kleie
10,00; Noggenkleie 11,0011 25: Erbſen 3036, Linſen 2568. Heu
üidd. neuer Ernte 9,50, alter Ernte 5.00, Weizen= und Noggenſtroh
drahtgeprefit 3.00, dito gebündelt 2,75, Treber getrocknet 9,7510,25.
Die Preiſe verſtehen ſich in Mark, für Getreide je Tonne, für alles
übrige je 100 Ka.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 29. Junk:
Getreide. Weizen: Juli 58½, Sept. 59.75. Dez. 64.50; Mais:
Juli 61.50, Sept. 66.25. Dez. 54.50; Hafer: Juli 30.50, Sept. 31,
Dez. 33¾; Noggen: Juli 38¾, Sept. 41. Dez. 44.75.
Schmalz: Juli 8,22½, Sept. u. Okt. 8.37½; Speck, loko 9.12½.
Schweine: leichte 7.257.40, ſchwere 5.756.60; Schweine=
zufuhren
: Chicago 40 000, im Weſten 121 000.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 29. Juni:
Getreide. Mais, loko New York 75.50; Mehl, ſpring wheat
clears 3.954.45; Fracht: nach England 1,62,3 Schilling, nach
dem Kontinent 88.50 Cents.
Kakao. Tendenz: feſt: Umſätze: 2.87: Lokonotiz: 6½;
Mai G.62, Juli 5.80, Sept. 6.04, Okt. 6.14, Dez. 6.28, Jan. 6.39,
März 6.50.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
Die G.V. der Süddeutſchen Immobilien=Geſellſchaft A. G Frankfurt
am Main, genehmigte einſtimmig den bekannten Abſchluß für 1930 und
beſchloß, den Geſamtverluſt von 500 911 9M. auf neue Rechnung vor=
zutragen
.
Die J. Kunkel u. Cie. A.G. in Aſchaffenburg erzielte 1930 einen
Reingewinn von 17 513 MM. (43 708), über deſſen Verwendung keine
Angaben gemacht werden. In der Bilanz erſcheinen Debitoren mit
0,43 (0,48), Waren mit 0,07 (0,14) und Kreditoren mit 0,07 (0,13) Mill.
9M. A.6. 180000 RM.
Die Heinrich Lanz A.G. in Mannheim, die ſchon einige Male ihre
G. V. vertagt hatte, beruft nun auf den 20. Juli eine neue G.V. ein, in
der die Abſchlüſſe für 1929 und 1930 vorgelegt werden ſollen. Der Be=
ſchäftigungsgrad
iſt derzeit befriedigend und bewvegt ſich auf anſteigender
Linſe. Der Auftragsbeſtand hat ſich in den letzten Wochen gebeſſert.
Die G.V. der Hefftſchen Kunſtmühle A.G., Mannheim, in der von
2,6 Mill. 9M. 2 Mill: RM. A.K, vertreten waren, erledigte einſtimmig
die Neaularien und beſchloß antragsgemäß die Verteilung einer auf 8
(10) Prozent gekürzten Dividende.
Sowohl in den Kreiſen der Häuteverwertung als in denen der Leder=
induſtrie
ſind Beſtrebungen im Gange, eine Neuordnung der unhalthar
gewordenen Verhältniſſe auf den Häuteauktionen herbeizuführen. In
Nürze werden diesbezülgliche Verhandlungen zwiſchen dem Geſchäftsfül=
renden
Ausſchuß des Intereſſenverbandes deutſcher Häuteverwertungen
und der Vierzehner=Kommiſſion der deutſchen Lederinduſtrie ſtattfinden.
Das Internationale Kupferkartell hat den Preis erneut von 9,09½
Dollarcent je Lib. auf 9,27½ Dollarcent eif Nordſeehäfen beraufgeſenzt.

Verliner Kurobericht
vom 29. Juni 1931

Deutſce Sant und Sibrentu Gefenſchäft

Deviſenmarkt
vom 29. Juni 1931

O
Dunatbank. . . . . .
deutſche Mank u.
Disconto-Geſ.
Dresdner War!
Dapag
Hanſa Dampfſch.
Norbn. Llond
I.E. G
Waur. Motorenw.
J. P. Wemberg
Weramtann Elektr.
Werl. Maſch.-Mnu
Conti-Gumit
Deutſche Cont Gas
Deutſche Erdd

Ma
111.
101.
101.-
49.125
51.6
96.25
49.7
1.876
70.5C
39.26
04.I
126.
67.50

Viektr. Bieſerung 413.
3.
Farben
Gelſ. Weraw.
Geſ. f.elektr. UInter
Harpener eraban
boeſch Eiſen
Bhtl. Holzmann
Nalt eiſchereleben
Wücknerwerke
göln-Neueſſ. Waw.
Manwesm. Möhr.
Maſch.-Mau=Untn. / 30.125
Norbd. W0olle
Oberſchlef. Korsw
Orenſtein & Koppel

135.
73.75
108.75
62.
54.25
79.76
125.
50.375
58.
G
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43.

Meee
Mütgerewerke
Salzbetfurth Kall
Deonh. Tietz
Verein. Wlanzſtof
Verein. Etahlwerke
Veſteregeln Mlkalt
Aasv..Nrnb. Maſch.
Aaſalt Linz
Verl. Karlsr. Ind.
Hirſch aupfer
Hohenlohe,WVerke
Jindes Eismaſch.
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Wanderer-Werke

Ne
3.25
206.
.
11.50
46.75
130.
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42.25
130.
30.50
29.
34.
63

Oelltnators
Wien
Prag
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Kopenhagen
Stockho
Dondor
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Italien
Paris

Wüährung
1100 finn. Mi
100 Schillin
100 Tſch.Kr
00 Pengöb
100 Leva
100 Gulden
100 Kronen
100 Kronen
100 Kronen
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Pap. Peſo
Dollar
100 Belga
100 91
100 Frane*

GeId
10.59
59.163
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Gio
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12.69 11291
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1.,
1

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16.47

Ariel
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99
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169.69
112.921
1193.00
20.515
1.360
4.217
.7
2.074
16.511

Schwent
Spanten
Danzia
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Mio de Janetrolt Milre
Jugoſlavvien
Portugal
Aihen
Iſtambul
Katro
Nanada
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Joland
Tallinn (Eſti.
Miag

Währung GeIb Rie 100 Franken 21.56 61.54 100 Peſetas 39 96 39.96 100 Gulden G Men 2.0 522 2 Dinar 7.431 7au5 100 Gscndos ues 100 Drachin. 5.457 5.467 1türk. 4 1 äaypt. 4 21.00 21.04 1canad. Doll 4.198 204 Woldpeſo 2.4 e
0 isl. Kr. 92. 53 100 eſtl. 2.04 112.26 100 Lat= s1.00 11.24

onalbank, Kommanditgeſelſchaft
Frankfurter Kursbericht vom 29. Juni 1931.

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Baden-Waden.
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* Darmſtadt v. 26
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9½ Fraurfurt a. 4
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136
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[ ][  ][ ]

Nummer 179

Dienstag, den 30. Juni 1931

Seite 13

DTgdbalae

13)

Ein Roman aus der Induſtrie
von Hans Dominik

Copyright by Ernſt Keils Nachf..
Sie ſcheinen an Ihrem gefährlichen Beruf Gefallen zu

finden?
Allerdings! Mich reizt dieſes nervenkitzelnde Spiel immer
wieder. Am verlockendſten, im Krieg Spion zu ſein ..
Ah! Sie waren es? Sie ſah ihn bewundernd von der
Seite an.
Vier Jahre lang für England in der Türkei.
Erzählen Sie doch!
Verzeihung! Später! Da kommt er! Bosfeld hob win=
kend
die Hand. Famos! Wie nett daß ich Sie hier begrüßen
kann, Herr Direktor! rief er dem Herrn, der eben, eine Akten=
taſche
unterm Arm, aus dem Hauſe Nr. 50 trat, ſchon von
weitem zu.
Der ſchüttelte ihm, mit einem Seitenblick auf die Begleiterin,
erfreut die Hand.
Ausgezeichnet! Was machen Sie in Berlin, Herr Bosfeld?
Geſchäfte! Nichts als Geſchäfte! Bosfeld ſtand einen
Augenblick überlegend. Geſtatten Sie, verehrte Frau Johnſon,
daß ich Ihnen Herrn Dixektor Düſterloh aus Leipzig vorſtelle?
Die Dame in der Mitte, ſchritten ſie plaudernd weiter,
Düſterlohs Blicke ſtreiften bewundernd die ſchöne Engländerin.
Was haben die Herrſchaften heut abend vor? erkundigte er
ſich. Man merkte, er wäre gern dabeigeweſen.
Eigentlich nichts, Herr Direktor. Wollen nur zuſammen
zu Abend eſſen. Dann geh’ ich in mein Hotel. Vielleicht, daß
Herr Bosfeld . . ."
Mit einigem Herzklopfen hatte Juliette dieſe
erſten Worte ihrer Rolle geſprochen.
Hier fiel ihr Partner helfend ein: Wüßten Sie uns einen
Vorſchlag zu machen, Herr Düſterloh? Ich war lange nicht hier.
Wo ißt man jetzt am beſten;
Ich würde das Reſtaurant Lathi empfehlen.
ſ" Angenommen! Und was unternehmen Sie heut abend?
Nichts lieber Bosfeld! Ich fahre morgen früh nach Rieba
zurück. Habe den Abend noch frei.
Vielleicht leiſten Sie uns Geſellſchaft? Es würde uns ſehr
freuen. Ich glaube doch, mit Ihrer Zuſtimmung zu ſprechen,
gnädige Frau?
Aber ſelbſtverſtändlich, Herr Bosfeld. Wenn Herr Direktor
Luſt hat .. ."
Wäre mir eine Ehre, Gnädigſte! Nur geſtatten Sie, bitte,
daß ich ſchnell noch mal mein Hotel aufſuche, um mich umzu=
kleiden
.
Juliette tauſchte einen raſchen Blick mit Bosfeld. Der zog
die Uhr. Dürfte es nicht ein wenig ſpät werden, gnädige
Frau?
Wie meinen Sie, Herr Bosfeld? fragte Düſterloh.
Verzeihung, lieber Herr Direktor; gnädige Frau hat näm=
lich
Hunger ...
Bitte tauſendmal um Entſchuldigung! Natürlich bin ich
unter dieſen Umſtänden ſofort bereit, die Herrſchaften zu beglei=

(Aug. Scherl), G.m.b. H., Berlin.

(achdruck verboten.)

ten. Muß nur wegen meines unvorſchriftsmäßigen Anzugs um
Rückſicht bitten.
Hat doch nichts zu ſagen! Wir nehmen ja nur ein einfaches
Souper.
Das Souper war längſt genommen. Ein paar leere Silber=
halſige
ſtanden am Boden, die im Verein mit Bosfelds ſprühen=
dem
Humor die Stimmung hoch geſteigert hatten. Dazu das
luſtige Lachen der Frau Johnſon . . . Düſterloh war ſelig. Auf
ſein Geheiß brachte der Kellner eine Flaſche älteſten Burgunder
ſeine Lieblingsmarke, Frau Johnſon trank mit Kennermiene.
Warf ihm über den Rand des Glaſes einen anerkennenden Blick
zu. Galt er dem Wein galt er dem, der ihn gewählt? Düſter=
lohs
Herz brannte lichterloh.
Dieſes entzückende Weib! Wie war Bosfeld zu ihr gekom=
men
? Er glaubte kein Wort von dem, was er über ſie erzählt
hatte. Doch einerlei: mochte ſie nun die Witwe des engliſchen
Majors ſein oder ſonſt jemand es war jedenfalls eine hoch=
gebildete
, überaus reizvolle Frau.
Endlich wie lange ſchon hatte er darauf gewartet! er=
hob
ſich der Leipziger, um hinauszugehen. Duſterlohs Kompli=
mente
wurden feuriger; ſeine Blicke begannen eine immer deut=
lichere
Sprache zu reden.
Juliette ging völlig in ihrer Rolle auf. Und ein prickelndes
Gefühl ſagte ihr, daß jetzt der Hauptmoment komme; denn Bos=
felds
Blick hatte ihr das Stichwort zugeworfen.
Die Aktentaſche da drüben auf dem Seſſel neben Düſterloh . .
Der galt’s! Barg ſie doch die koſtbare Beute..."
Die Kapelle des Reſtaurants ſetzte laut ein. Ein neues
Stichwort bedeutete das in dem aufregenden Spiel ...
Wie meinten Sie, Herr Direktor? Unmöglich, bei dieſer
Muſik etwas zu verſtehen! Juliette war aufgeſtanden, glitt zun
anderen Tiſchfeite hinüber, an der Düſterloh ſaß, wollte ſich auf
den Seſſel neben ihn ſetzen. Da erſt ſchien ſie die Aktentaſche
zu bemerken . . . Düſterloh ſtreckte die Hand aus, um ſie weg=
zu
nehmen; doch Juliette hatte ſie ſchon ergriffen, ſtellte ſie hinter
Düſterlohs Platz an die Niſchenwand und ſetzte ſich nun nah an
ihren Tiſchgenoſſen heran, wie um ihn beſſer zu hören.
Und jetzt begann ſie ihr Spiel; bald weit in den Seſſel zül=
rückgelehnt
, bald dicht zu Düſterloh vorgebeugt, ließ ſie ihn in
betörendem Wechſel alle Vollkommenheiten ihre Reize bewun=
dern
. Dazu ihr berückendes Geplauder, ihr Lachen . . . Düſter=
loh
ſank immer tiefer in ihren Bann, vergaß Zeit und Raum.
UInd ſchreckte erſt auf, als Bosfeld plötzlich zurückkam. Der
etzte ſich, ohne ſcheinbar Juliettes Platzwechſel Beachtung zu
ſchenken, auf ſeinen Stuhl. Seine Hand glitt ſuchend in die
Taſche. O weh!. Wo iſt mein goldner Krayon geblieben? Er
ſtand auf, überlegte.
Vielleicht haben Sie ihn draußen verloren? ſagte Düſter=
loh
, der ihn gern noch einmal loswerden wollte.

Möglich! Bosfeld ging um den Tiſch herum und verließ
hinter Düſterlohs Rucken die Niſche. Unbemerkt nahm er dabei
die Aktentaſche mit hinaus.
Juliettes Herz klopfte ſtärker. Der entſcheidende Akt begann.
Acht Minuten! So lange mußte ſie Düſterloh von jedem ande=
ren
Gedanken fernhalten. Sie beſann ſich auf ihre jetzten und
feinſten Künſte, die einen Heiligen hätten verführen können.
In Düſterlohs Gehirn wirbelte es wie im Faſchingstrubel.
Was war das für ein Teufelsweib! Bald ſchien ſie nachzugeben,
bald wehrte ſie kühl; bald ſchien ſie zu locken, bald ſtieß ſie ihn
zurück. Wild taumelten ſeine Gedanken und Gefühle durch=
einander
.
Und Juliette ſelbſt? Auch ſie im Taumel . . . im Taumel
des aufregendes Zwanges ihrer Rolle. Das war ja nicht der
Provinztölpel, für den ſie ihn anfangs gehalten; das war ein
raffinierter Frauenkenner, der wohl ſchon manche Feſtung er=
obert
hatte. Nie hätte ſie ihr Spiel ſo gut durchführen können,
wäre nicht Düſterloh der Mann geweſen, der tatſächlich ein
Frauenherz erwärmen konnte. Den jetzt ganz bezwungen, ihn
ſo vollſtändig gefeſſelt zu haben, daß er nichts anderes dachte und
ſah als ſie ... wie prickelnd das berauſchende Gefühl, das ſich
in wollüſtiger Süße über ſie legte ..
Ein lautes Huſten am Niſcheneingang. Bosfeld ! Ein
Blick von ihm: Gelungen! Die Mappe glitt unhörbar auf ihren
Platz..
Als man ſich endlich trennte, ſchied Düſterloh, nicht ohne
die Hoffnung, die reizende Engländerin in nächſter Zeit wieder=
zutreffen
.
Und als er am nächſten Morgen nach Rieba kam, führie
ihn ſein erſter Weg zum Archiv. Im Begriff, in das Zimmer
zu treten, ſtieß er auf den Bürodiener Wittebold, der dienſt=
befliſſen
die Tür vor ihm aufriß.
Düſterloh ging an die Tiſchſchranke, nahm ein Schriftſtück
aus ſeiner Mappe und legte es auf die Platte. Hier bringe
ich Ihnen das Fortuynſche Expoſé wieder! rief er Dr. Hempel
zu, der auf einer Leiter ſtand und in einem Regal ſuchte.
Danke ſchön, Herr Direktor! Schon wieder da aus Berlin?
Ja, lieber Doktor. Beinahe hätt’ ich geſagt: leider‟. Es
war ſehr nett. Aber wegen der Sitzung morgen mußte ich ja
heute zurück.
Während Düſterloh das Zimmer verließ, ſchob Wittebold
ſeine Mappe, auf der Taſchplatte weiter, bis er neben dem
Schriftſtück ſtand, das der Direktor hingelegt hatte. Wenn Herr
Doktor jetzt keine Zeit haben, komm’ ich ſpäter wieder!
Nein, nein! Ich bin gleich fertig.
Während Wittebold ſprach, hielt er die Augen angeſtrengt
auf das Schriftſtück geheftet und las die Titelzeile: Expoſé, be=
treffend
die Elektroſyntheſe von Kautſchuken. Da blieb ſein
Blick auf der rechten oberen Ecke des erſten Blattes haften. Er
ſchaute ſich ſchnell nach Hempel um; der turnte immer noch oben
auf ſeiner Leiter. Wie unbewußt brachte Wittebold ſeine Hand
auf das Schriftſtück und verfſchob dabei ein wenig die über=
einanderliegenden
Blätter. Beim dritten, vierten unwillkür=
lich
beugte er den Kopf tiefer über das Dokument
die gleiche
Beobachtung wie beim erſten. Beim letzten man hatte da
vielleicht etwas haſtig gearheitet unverkennbar die Spur ..."
(Fortſetzung folgt.)

O

MäNMLICH

Chanffeur;
gek. Autoſchloſſ. m.
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Seite 14

Dienstag, den 30. Juni 1931

Sommerspielzeit
Bruno Harprecht
im Hess. Landestheater.
Dienstag, 30. Juni
Antang 20 Uhr Ende 22.30 Uhr
Dienstag-Miete
und tolgende Tage.
Gastspiel Hildegard Warzitz
vom Deutschen Schauspielhaus
9908a
Hamburg.
Arm wie eine
Kirchenmaus
Lustspiel in 3 Akten von L. Fodor.
In den Hauptrollen
H. Warsitz. Bruno Harprecht.

Der derzeitigen wirtschaftlichen Lage eines größeren Teiles unserer Besucher Rechnung tragend,
haben wir, trotz der durch den Tonfilm verursachten höheren Unkosten
die Eintrittspreise auch im Union- und Helia-Theater
ab heute wie folgt ermäßigt:

III. Platz .. . . . . . . Mk. 0.80
II. Platz . . . . . . . . Mk. 1.00

Neue Eintrittspreise:
I. Platz . . . . . . . . . Mk. 1.30
Sperrsitz .. . . . . . Mk. 1.50

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Ab heute in Erstaufführung

Der neue deutsche Tonfilm aus
dem Seemannsleben
Walter Jankuhn, der gefeierte
Tenor und Marla Solveg in:
Stürmisch
die Nach
Regie: Curt Blachnitzki.
Weitere Hauptdarsteller: Maria Ney,
Hertha Guthwar, Bernhard Goetzke,
Georg John u. v. a.
Dieser spannende Film zeigt das
wechselvolle Schicksal zweier junger
Menschen. Der Höhepunkt ist ein
aufregender Kampf zwischen einem
Schmugglerschiff und der Seepolizei.
Dazu das gute Beiprogramm.

Ab heute

Im großen Stummfilm-
Doppelprogramm
Ein Sensationsfilm aus der
Verbrecherwelt
Der Kriminalreporter
von Chicago
Regie: George Meltord.
In den Hauptrollen. Lewis Stone,
Marceline Day u. a.
Der Film aufregend, atembe-
klemmend
rollt in immer wieder-
kehrenden
Höhepunkten vorüber.
Im II. Teil.
Ein Film aus Deutschlands schwer. Zeit
Durchs Brandenburger Tor=
(So lang noch untern Linden)
mit Fritz Kampers, June Marlowe,
Panl Henkels. Aribert Mog, Anton
Pointner u. a.

Beginn: 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr.

Beginn: 3.45 Uhr (V.9023
Letzte Vorstellung 8.15 Uhr

Ab heute in Erstaufführung
Ein Tonfilm aus der Varieté-Welt
Hal Skelly und Naney Carroll
Artisten
nach dem gleichnamigen Bühnenstück
von George Manker Watters und
Arthur Hopkins.
Regie: John Cromwell.
100% deutscher Dialog
Das durch die Inszenierung von Max
Reinhardt zum Ereignis gewordene
Theaterstück zeigt hier als Tonfilm
die jdeale Verbindung von plastischer
Bühnenwirkung und filmischer Viel-
seitigkeit
in höchster Vollendung.

Beginn: 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr

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der Rheinlandbetreiung.
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