Darmstädter Tagblatt 1931


23. Juni 1931

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Frankfurt a. M. 1304.
Nummer 172
Dienstag, den 23. Juni 1931.
194. Jahrgang

Bragegreihrl, Gbgcbol 225 Neſchemar, duch de Morgenzeitung ver Lanvesgaupiſiavt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort

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Finanz=Anzelgen 60 Neſchepfg. 92 mm breite Rellame=
zeiſe
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Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſcht
ſede Verpflichtung auf Erfüllung der Anzeigen=
aufträge
und Teiſtung von Schadenerſatz. Bel
Konkurs oder gerichtiſcher Beltreibung fälli ſeder
Rabatt weg. Banſkonio Deutſche Bank und Darm=
ſtädter
und Nationalbank.

Frankreich macht Schwierigkeiten.

England, Italien und Japan ſtimmen dem Vorſchlag Hoovers grundſäklich zu. Verärgerung in Paris.
Franzöſiſcher Miniſterrak am Dienskag. Vorbehalte Frankreichs zu erwarken.
Franzöſiſches Verlangen nach einer Morakoriums=Konferenz.
ein Betrag von ungefähr 700 Millionen, der für Sachlieferungen
reſerviert iſt. Man müßte alſo die zum Teil ſchon ausgeführten
Schwerpunkk Paris.

Zu langen Ueberlegungen keine Zeik.
Von unſerer Berliner Schriftleitung.
* Die Reichsregierung hat ſich, nachdem ſie ſofort ihre
uſtimmung zuder Anregung des amerikaniſchen

bräſidenten Hoover erklärte, in konſequente Reſerviertheit
urückgezogen. Der Kanzler hat am Montag ſehr viele Konferen=
en
gehabt. Er hat den Reichsbankpräſidenten empfangen. Auch
derren der Wirtſchaft waren bei ihm geweſen, um ſich mit ihm
ſber die Möglichkeiten zu unterhalten, die ſich aus dem Weltfeier=
ahr
ergeben können. Und in den Aemtern werden Ueberlegungen
mngeſtellt, wie, wenn die diplomatiſchen Verhandlungen zu Ende
eführt ſind, die eingeſparten Gelder am beſten verwendet wer=
en
. Dabei wird regierungsſeitig als ſelbſtverſtändlich voraus=
eſetzt
, daß an eine Aenderung der Notverordnung
flicht gedacht wird, daß aber auch andere Erleichte=
ungen
nicht in Frage kommen. Der Kanzler will
en früheren Fehler vermeiden, daß alle irgendwie zur Ver=
tgung
ſtehenden Gelder ſofort wieder verpulvert werden. Er
eht ſeine Aufgabe darin, zunächſt einen Re=
rvefonds
zu ſchaffen, um die Reichskaſſe von
ſen Ultimoſorgen zu entlaſten. Er will weiter darauf
bihe ſnarbeiten, die kurzfriſtigen Verpflichtungen mög=
ihſt
durch Anleihen abzulöſen, und das Gleichgewicht
platz ſes Haushalts, das nach der Notverordnnug doch zum Teil
ur auf dem Papier ſteht ſicherzuſtellen, darüber hinaus
ſie verbleibenden Beträge zur Befruchtung der
Virtſchaft benutzen. Darüber wird man aber eingehender
fſt ſprechen können, ſobald die Gefahr nicht mehr beſteht, daß

Sachlieferungsverträge jetzt kurzfriſtig löſen. Zu beachten iſt, daß
am 1. Juli bereits ein Viertel der Reparationsverpflichtungen für
das laufende Reparationsjahr erfüllt ſind. Die Schwierigkeiten,
die Frankreich macht, finden ihre Begründung in den Ueber=
ſchüſſen
, die den Franzoſen aus den deutſchen Reparationsleiſtun=
gen
nach Abzug ihrer Schuldenzahlungen an England und Ame=
rika
verbleiben. Man hat herausgerechnet, daß die Franzoſen im
laufenden Reparationsjahr etwa 410 Millionen Reinverdienſt
haben.

der Vorſchlag Hoovers korpediert.
hird. Nachdem England, Italien und Japan grundſätzlich bereits
re Zuſtimmung gegeben haben, bleibt, als große Unbe=
ſinnte
in der ganzen Rechnung nur Frankreich. Der
ſanzöſiſche Miniſterrat wird erſt am Dienstag zu=
ſmmentreten
. Aus der franzöſiſchen Preſſe aber iſt die
inze Verärgerung über das Vorgehen Hoovers herauszu=
nerken
. Frankreich fühlt ſich nun ſchon zum zweiten Male ausge=
ſaltet
und würde, wenn irgend möglich, aus egoiſtiſchen Grün=
dn
den ganzen Gedanken gerne zerſchlagen, zum mindeſten aber
urch lange Verhandlungen um ſeine Wirkſamkeit bringen. Dem
ſt Herr Stimſon aber ſofort entgegengearbeitet durch eine
ffentliche Erklärung, daß zu langen Ueberlegungen keine
bit mehr ſei. In Berlinerpolitiſchen Kreiſen wird
bshalb angenommen, daß die Franzoſen, ſich zu
uinem Ja entſchließen, welches ſie jedoch von Vorbehalten
hängig machen werden, um wenigſtens nachträglich noch einige
reifbaren Vorteile für ſich herauszuſchlagen. Man rechnet aber
nit der Möglichkeit, daß die Franzoſen trotz ihrer Zuſtimmung
fort Vorbehalte anmelden wegen ihrer Anſprüche auf
in ungeſchützten Teil der deutſchen Zahlungen, und die Ein=
ſerufung
einer Konferenz beantragen werden, um
ſeſe Anſprüche nachträglich durchzudrücken. Denn daß die Fran=
ſen
es darauf ankommen laſſen werden, einfach abzulehnen und
ſch dadurch in der ganzen Welt als Störenfried anprangern zu
ſen, daran will man in Berlin nicht glauben. Schon aus dem
men Grunde nicht, weil dieſe Taktik nicht viel helfen würde.
enn wenn der Hooverſche Vorſchlag nicht angenommen wird,
(nn iſt es unvermeidlich, daß Deutſchland ein Transfermorato=
rum
erklärt. Im Augenblick aber, wo dies geſchieht, iſt Frank=
ſich
nach dem Youngplan verpflichtet, einen Reſervefonds von
00 Millionen zur Verfügung zu ſtellen, um den Anteil, den Eng=
und aus den ungeſchützten Annuitäten in Höhe von 30 Millionen
ſhält, auch zinsmäßig ſicherzuſtellen. Bei dem Vorſchlag Hoovers
der würde Frankreich nur einen Ueberſchuß einbüßen, den es aus
in Zahlungen Deutſchlands gegenüber ſeinen Schuldenzahlungen
England und Amerika übrig behält. Das ſind 418 Millionen.
utſächlich Säre alſo der Mechanismus nach dem Youngplan für

Keine inkernakionale Konferenz.
Stimſon hält jede Konſerenz für überflüſſig.
zunfeſ auf de Bolſciſie aoners Mehnen.

EP. Waſhington, 22. Juni.
Präſident Hoover kehrte heute vormittag 9 Uhr nach dem
Weißen Hauſe zurück und begann ſofort wieder mit ſeinen Arbei=
ten
. Er war begleitet von Senator Root und dem Unterſtaats=
ſekretär
im Schatzminiſterium Mills.

Fankreich koſtſpieliger als eine Zuſtimmung zu dem amerikani=
ſen
Programm. Ganz abgeſehen von den Nachteilen, die ſich
raus für die diplomatiſche Stellung Frankreichs ergeben wür=
In. Nach Informationen, die am Montag abend in Berlin vor=
ſgen
und die ja noch kein abſchließendes Urteil geſtatten, wird
nan alſo damit rechnen können, daß die franzöſiſche Regierung
ſundſätzlich einem Moratorium zuſtimmt, das damit am 1. Juli
Kraft treten würde, daß aber Frankreich ſich eine Geltend=
ſachung
ſeiner beſonderen Anſprüche für eine auf Auguſt oder
Eptember einzuberufende Konferenz vorbehält.

Hoovers Vorſchlag in Zahlen.

* Von beſonderem Intereſſe iſt die finanzielle Seite des Hoo=
urſchen
Vorſchlages, ſoweit es ſich dabei um eine Entlaſtung
leutſchlands und die damit verbundenen Auswirkungen auf ſei=
in
Hauptgläubiger Frankreich handelt. Der ſogenannte Neue
Aan ſieht für das Reparationsjahr, das am 1. April zu laufen be=
unn
, Zahlungen in Höhe von 1618,9 Millionen vor. Hinzu
immt die Summe von 66,1 Millionen auf Grund, der Extra=
omachungen
mit Amerika. Belgien erhält als Teilzahlung für
e Marknotenbeſtände 21,5 Millionen. Die Verzinſung der
awesanleihe erfordert 86,7 Millionen und die der Younganleihe
ngefähr 90 Millionen. Nach dem Vorſchlag Hoovers ſollen die
zinen Jahreszahlungen auf ein Jahr ruhen. Vom 1. Juli 1931
s zum 30. Juni 1932 wären alſo insgeſamt 1500 Millionen
ict zu zahlen. Die Zahlungen für die Dawes= und Younganleihe,
ſe den Charakter von Privatanleihen haben, wären natürlich
ſitzuſetzen. Im Geſamtbetrage der Youngannnität befindet ſich

Eine Erklärung von weittragender Bedeu=
tung
gab der Staatsſekretär Stimſon vor
Preſſevertretern a b. Staatsſekretär Stimſon teilte mit, daß
die formelle Unterbreitung des amerikaniſchen Planes bei
den beteiligten Mächten bereits auf diplomatiſchem Wege
erfolgt ſei. Daß eine internationale Konfe=
renz
zur Diskuſſion über Hoovers Vorſchlag
einberufen werde, lehnte Stimſon rundweg ab.
Er betonte, die Angelegenheit dränge ſo ſehr,
daß man zu Konferenzen und langen Debat=
ten
keine Zeit habe. Was man brauche, ſei
eine ſofortige Zuſtimmung aller Mächte.
Nur das werde den benötigten pſychologiſchen Effekt aus=
löſen
und die ſpätere Ratifikation durch den Kongreß der
Vereinigten Staaten ſo gut wie ſicherſtellen. Wenn aber
die Aktion nicht einſtimmig erfolge, ſo könne überhaupt
nichts erreicht werden. Eile tue not; eine lange Debatte
würde alles zunichte machen.
Stimſon ging hierauf auf den Hindenburg=Brief ein, zu dem
er bemerkte, daß er erſt am Sonntag, alſo nach der Erklärung
Hoovers, hier eingetroffen ſei. Er erklärte, daß es nicht der Hin=
denburg
=Brief geweſen ſei, der Hoover zu einer ſofortigen Aktion
veranlaßt habe londern daß der Hindenburg=Brief
lediglich das Richtige des Hooverſchen Schrittes be=
ſtätigt
habe. Eine Frage nach der Abrüſtung beantwortete
Stimſon dahin, daß gutes Einvernehmen in einer gerechten Sache,
nämlich in der Erleichterung der Lage Deutſchlands, ſicher auch
gutes Einvernehmen in einer anderen Angelegenheit, nämlich in
der Einigung über Rüſtungsbeſchränkungen, im Gefolge haben
würde.

Macdonald begrüßt Hoovers Schrikk.
Die Konſervakiven und Liberalen ſchließen ſich der
Erklärung des engliſchen Premiers an.

Im Unterhaus gab Miniſterpräſident Macdonald am Mon=
tag
nachmittag eine Erklärung ab, in der er im Namen der
engliſchen Regierung Hoovers Schritt aufs
wärmſte willkommen hieß. Die engliſche Regie=
rung
, ſo betonte Macdonald, begrüße von ganzem Her=
zen
das Prinzip von Hoovers Vorſchlag. Sie ſei be=
reit
, bei der Ausarbeitung von Einzelheiten mitzuwirken,
um ohne Zeitverluſt praktiſche Ergebniſſe zu erzielen.
Namens der Konſervativen ſchloß ſich Baldwin, namens
der Liberalen Lloyd George dieſer Erklärung des Miniſter=
präſidenten
an.
Angeſichts der neuen Entwicklung der Dinge wird in Lon=
doner
politiſchen Kreiſen dem Mitte Juli erfolgenden Beſuch
Henderſons in Paris große Bedeutung beigemeſſen. Hen=
derſon
wird ſich auf der Reiſe nach Berlin am 15.
und 16. Juli zwei Tage in Paris aufhalten und
die geſamte Situation mit den franzöſiſchen
Staatsmännern beſprechen. Macdonald reiſt bekannt=
lich
direkt im Flugzeug nach Berlin.
Die amerikaniſche Regierung hat von den diplo=
matiſchen
Vertretern Deutſchlands und Englands die
Zuſicherung erhalten, daß ihre Regierungen mit dem
Präſidenten Hoover zuſammenarbeiten werden, um das einjäh=
rige
Moratorium für die Kriegsſchulden und Reparationszahlun=
gen
durchzuführen. Der britiſche Botſchafter teilte dem Staats=
departement
mit, daß die britiſche Regierung den Vorſchlag Hoo=
vers
begrüße. Der Botſchafter beriet heute vormittag mit dem
Unterſtaatsſekretär Caſtle die Lage. Dieſer hatte darauf eine
Beſprechung mit dem öſterreichiſchen Geſandten, der dem Vorſchlag
Hoovers im Namen Oeſterreichs zuſtimmte. Der italieniſche Bot=
ſchafter
teilte dem Staatsdepartement mit, daß er die Antwort
aus Rom nicht vor Dienstag vormittag erwarte. Der bulgariſche
Geſandte ſprach dem Staatsdepartement offiziell den Dank ſeiner
Regierung aus.

Nokdiskonk.

Die Erhöhung des Diskontſatzes um 2 Prozent mit einem
Schlage von 5 auf 7 Prozent ſtellt eine in der Geſchichte der
Deutſchen Reichsbank einzig daſtehende Maßnahme dar, wenn
man von den Vorgängen am Ende der großen Inflationsperiode
in Deutſchland abſieht und normale Wirtſchaftsverhältniſſe als
gegeben erachtet. Der Grund für dieſe außergewöhnliche Maß=
nahme
iſt in außerhalb der Entwicklung der deutſchen Wirtſchaft
liegenden Tatſachen und der beſonderen Zuſammenſetzung zu
ſehen, die ſeit Ende Mai der Run auf den deutſchen Deviſen=
markt
gehabt hat. Man hätte annehmen ſollen, daß die durch die
Abziehungen kurzfriſtiger Auslandsgelder aus Deutſchland und
den daraus folgenden außerordentlich großen Deviſenbedarf ent=
ſtandene
Lage ruhiger und ſachlicher, was auch für die mit Fach=
kenntniſſen
ausgerüſteten Kreiſe gilt, beurteilt worden wäre, was
leider nicht der Fall geweſen iſt, und daher zu einer Unſicherheit
geführt hat, deren Beſeitigung ſich ſchließlich als eine unbedingte
Notwendigkeit im Intereſſe der deutſchen Währung und der
Sicherſtellung eines ruhigen und normalen Wirtſchaftsverlaufes
herausſtellen mußte. Die Unruhe iſt bekanntlich von dem Zu=
ſammenbruch
der Oeſterreichiſchen Credit=Anſtalt ausgegangen
und hat ſich, ohne daß irgendwelche Folgerungen für die deutſche
Wirtſchaft und das deutſche Finanzweſen berechtigt waren, auf
Deutſchland als dem Zentralpunkt Mitteleuropas ausgedehnt.
Man weiß in Deutſchland genau, daß ein ſolcher Fall wie der
Zuſammenbruch der Oeſterreichiſchen Credit=Anſtalt als Folge
leichtfertiger Wirtſchaftsführung nicht bei uns vorkommen kann,
daß aber vor allem die Wirkung dieſes Zuſammenbruches durch
falſche Behandlung ſich nicht ſo hätte verſtärken können, wie es
leider geſchehen iſt. Sicherlich hat aber der Fall der Oeſter=
reichiſchen
Credit=Anſtalt die jetzige Kriſe des Auslandskredits
in Mitteleuropa eingeleitet, und von ihm ausgehend, hat ſich,
noch geſtützt auf andere Momente, die unglückliche Konſtellation
des deutſchen Deviſenmarktes mit Ausſtrahlungen auf den Geld=
und Kapitalmarkt ergeben. Den Höhepunkt dieſer Entwicklung
blidet die Erhöhung des Diskontſatzes durch die Deutſche Reichs=
bank
in dem ungewöhnlichen Ausmaß von 2 Prozent, und zwar
in einem Zeitpunkt, in dem ſich die internationalen Diskontſätze
der Notbanken zwiſchen 1½ Prozent (Amerika) und 2½ Prozent
(England) befinden. Der Notverordnung iſt damit der Not=
diskont
gefolgt. Er ſollte ein Warnungsſignal nicht nur bezüg=
lich
der Bedrängniſſe des deutſchen Deviſenmarktes, ſondern vor
allem hinſichtlich des Ernſtes der Lage, in der ſich Deutſchland
heute befindet, ſein. Damit iſt nicht etwa die Frage der Kredit=
ſicherheit
gemeint, ſie iſt nach wie vor dahingehend zu beant=
worten
, daß die Sicherheit in= und ausländiſcher Kredite in
Deutſchland auch heute außer allem Zweifel ſteht. Sondern,
worauf es ankam, war in erſter Linie zu zeigen, daß die Deutſche
Reichsbank als die Hüterin der Währung die Lage durchaus be=
herrſcht
und gewillt iſt, die Zügel feſt in der Hand zu behalten.
Der Reichsbankpräſident Dr. Luther hat in ſeiner Begründung
zur Diskonterhöhung betont, daß die Deviſenunruhe, wie über=
haupt
die allgemeine Unſicherheit und das Mißtrauen des Aus=
landes
mit ſeinen ungünſtigen Begleiterſcheinungen nicht auf die
Verhältniſſe der deutſchen Wirtſchaft zurückzuführen iſt, vielmehr
auf Ereigniſſe anderer Art. Man muß Dr. Luther für dieſe
Offenheit Dank wiſſen; denn tatſächlich geben ungeachtet der Fort=
dauer
der allgemeinen wirtſchaftlichen Schwierigkeiten die Lage
der deutſchen Wirtſchaft ſelbſt und die deutſchen Kreditverhält=
niſſe
keine Veranlaſſung für den eingetretenen Umſchwung in
der Auffaſſung des inländiſchen Publikums und des Auslandes,
der durch die draſtiſche Maßnahme eine Diskonterhöhung in
einem Zuge um 2 Prozent redigiert werden ſoll. Die offene Er=
klärung
des Reichsbankpräſidenten richtet ſich vor allem auch an
die internationalen Finanzkreife, die ſich durchaus in einem
Mißverſtändnis befinden, wenn ſie aus dem Fall der Oeſter=
reichiſchen
Credit=Anſtalt Folgerungen auf die Lage der deutſchen
Wirtſchaft ziehen; ſie iſt aber zugleich als ein Appell an die
internationale Finanzwelt einſchließlich der Notenbanken aufzu=
faſſen
, die Bereinigung dieſer öſterreichiſchen Angelegenheit
ſchnellſtens und endgültig durchzuführen.

Es war bereits oben erwähnt worden, daß auch die beſon=
dere
Zuſammenſetzung der Anforderungen an den deutſchen
Deviſenmarkt bzw. des Angriffs auf den Gold= und Deviſen=
beſtand
der Reichsbank zu der Diskonterhöhung geführt hat.
Denn zu den großen ausländiſchen Geldabrufen aus Deutſch=
land
traten verſtärkte Deviſenanſchaffungen des Inlandes im
Zuſammenhang mit den innerpolitiſchen Spannungen, die ſich
um die Notverordnung und in der Reparationsdiskuſſion kriſtal=
liſieren
, zu dem Mißtrauen des Auslandes geſellte ſich die
Nervoſität des Publikums, und ſo kam es, daß in einer kurzen
Zeitſpanne die Reichsbank durch Abgabe von Gold und Deviſen
ihre Valutenreſerven erheblich verringern und dadurch ihre Va=
lutenpoſition
verſchlechtern mußte. Als Abwehrmittel gegenüber
einer ſolchen Entwicklung ſtehen jeder Notenbank zwei Wege
zur Verfügung, der eine die Erhöhung des Diskontſatzes, der
andere die Kreditbeſchränkung bzw. Kreditreſtriktion, die beide
zu einer organiſchen Kreditverteuerung führen, nur mit dem
Unterſchied, daß die Kreditbeſchränkung als das ſchärfere Mittel
von noch einſchneidenderer Wirkung auf die Wirtſchaft iſt als
die Diskonterhöhung. Die Frage, ob die Diskonterhöhung ſelbſt
um 2 Prozent genügt, um die Deviſenlage zu ändern und damit
auch wieder Klarheit auf dem Geld= und Kreditmarkt zu ſchaffen,
kann augenblicklich nicht beantwortet werden. Daß diejenigen
Kreiſe der Wirtſchaft, die für eine Heraufſetzung des Diskonts
um nur 1 Prozent waren und ſich damit in einen Gegenſatz zum
Reichsbankdirektorium ſetzten, nicht Recht haben, beweiſt die
kritiſche Geſtaltung des letzten Ausweiſes der Reichsbank vom
15. Juni. Die Gold= und Deviſen=Reſerven der Reichsbank ein=
ſchließlich
der auf Wechſelkonto verbuchten Beſtände betrugen
Ultimo Mai rund 2770 Mill. RM. In dem Medioausweis
wird offen eine Verminderung des Goldbeſtandes in der zwei=
ten
Juni=Woche von 534,4 Mill. RM. ausgewieſen, wozu noch
ein Abgang von 8,6 Mill. RM. Deckungsdeviſen tritt. Dieſe
Summen ſtellen jedoch nicht den tatſächlichen Verluſt der Va=
lutenreſerven
dar, weil in der zweiten Juni=Woche noch eine
Verringerung der unter Wechſel und Schecks verbuchten Aus=
landswechſel
von mehr als 100 Mill. RM. eingetreten iſt. Die
Abgänge dürften ſich daher bei der Reichsbank allein in der
zweiten Juni=Woche auf rund 650 Mill. RM. belaufen, worin
aber nicht die Deviſenabziehungen vom Samstag, den 13. Juni,

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Seite 2

bis Dienstag, den 16. Juni, enthalten ſind; was mit der zwei=
tägigen
Abrechnungsfriſt zuſammenhängt. In dieſer Zeit hat
die Reichsbank noch ungefähr 200 Mill. RM. an Deckungsmitteln
verloren. Unter Einrechnung eines Verluſtes von rund 164
Mill. RM., der in dem Ausweis der Reichsbank für die erſte
Juni=Woche ausgewieſen wurde, ergibt ſich alſo ſeit Ultimo ein
Geſamtverluſt von etwas über 1 Milliarde RM., ſo daß der
Beſtand an Gold und Deviſen bei der Reichsbank auf etwa
1700 bis 1 750 Mill. RM. abgenommen hat. Ein ſolcher Entzug
an Deckungsmitteln iſt unſeres Wiſſens bei der Reichsbank inner=
halb
einer ſo kurzen Zeitperiode noch niemals vorgekommen,
ſelbſt in der kritiſchen Zeit nach den Reichstagswahlen im
September vorigen Jahres verteilten ſich die Deviſenverluſte auf
einen längeren Zeitraum. Die Vehemenz und der Umfang der
Abzüge hängt diesmal, und das iſt das beſondere Merkmal des
Juni=Runs auf den deutſchen Deviſenmarkt, mit den ſtarken
Geldabziehungen ausländiſcher Banken aus Deutſchland zuſam=
men
. Die deutſchen Banken, bei denen dieſe Abzüge erfolgten,
haben ſich bei der Reichsbank die nötigen Deviſen beſchafft, um
ihre eigenen Deviſenbeſtände nicht mobiliſieren zu müſſen. Dar=
aus
iſt auch zu erklären, daß in der zweiten Juni=Woche etwa
7 bis 800 Mill. RM. Wechſel zum Diskont eingereicht ſein
dürften, ein Betrag, der ungefähr das Dreifache des normalen
Anſteigens des Wechſelportefeuille bei der Reichsbank für dieſe
Woche ausmacht. Wenn trotz des außerordentlich ſtarken
Schrumpfens der Deckungsbeſtände die Deckung durch Gold und
Deviſen ſich nur auf 48,1 Prozent vermindert hat, ſo liegt dies
daran, daß der Notenumlauf in teilweiſen Parallelismus zu
den Deviſenabzügen zurückgegangen iſt. Auch der geſamte Zah=
lungsmittelumlauf
zeigt fallende Tendenz. Dadurch iſt natürlich
die Gefahr einer Unterſchreitung der geſetzlichen Notendeckungs=
grenze
von 40 Prozent durch Gold und Deviſen noch nicht ſo
groß. Am 6. Juni betrug der Umlauf an Reichsbanknoten
4079 Mill. RM. Im Durchſchnitt der letzten Jahre hat der
Notenumlauf von der erſten zur vierten Juni=Woche um rund
300 Mill. RM. zugenommen. Hiernach wäre, wenn der Noten=
umlauf
auch in dieſem Jahre die normale Ultimo=Ausdehnung
annimmt, und wenn die 40prozentige Deckung innegehalten wer=
den
ſoll, Ende Juni bei einem Notenumlauf von rund 4,4
Milliarden RM. ein Gold= und Deviſenbedarf von rund 1¾
Milliarden RM. erforderlich. Der gegenwärtige Beſtand der
Reichsbank an Gold und Deviſen von ſchätzungsweiſe 1700 bis
1750 Mill. RM. würde alſo gerade noch für den bei normalen
Ultimoanſprüchen notwendigen Bedarf genügen. Sollte die
40 prozentige Mindeſtdeckung des Notenumlaufs unterſchritten
werden, ſo würde nach den Beſtimmungen des Reichsbankgeſetzes
der Diskont weiter erhöht werden müſſen, oder aber es müßte
ſeitens der Reichsbank das bereits genannte Mittel der zwangs=
weiſen
Kreditverknappung mit allen ihren Folgeerſcheinungen
ungünſtiger Art angewandt werden. Jedenfalls ſtehen der
Reichsbank ausreichende Möglichkeiten zur Verfügung, um der
Deviſenlage wieder Herr zu werden, und ſie wiro dieſe Mög=
lichkeiten
auch rückſichtslos ausnützen, um eine Entwertung der
Mark in jedem Falle zu verhüten, was ihr nach den geltenden
Beſtimmungen des Reichsbankgeſetzes auch ohne weiteres gelin=
gen
würde.
Die Gefahr einer zwangsweiſen Krediteinſchränkung ſcheint
zunächſt von der deutſchen Wirtſchaft abgewendet zu ſein. Die
Deviſenanforderungen ſind, nach der Geſtaltung des Deviſen=
marktes
in den letzten Tagen zu urteilen, inzwiſchen erheblich
zurückgegangen, und damit hat ſich die Diskonterhöhung als
wirkſam genug erwieſen. Die Heraufſetzung des Reichsbank=
diskonts
um 2 Prozent, welche eine Kreditverteuerung um 40
Prozent bedeutet, hat, unterſtützt durch die, wenn auch langſam
fortſchreitende Beſeitigung der Schwierigkeiten in Oeſterreich,
vor allem aber durch die Behebung der Regierungskriſe in
Deutſchland, zu einer Eindämmung der Abwanderung auslän=
diſcher
Gelder aus Deutſchland geführt. Dabei haben ſicherlich
interne Maßnahmen der internationalen Notenbanken und ſoli=
dariſche
Rückſichtnahme auf die deutſche Notenbank mitgewirkt.
Auch dürfte die Einſicht des kreditkündigenden Auslandes zu=
genommen
haben, daß ſchließlich bei Fortſetzung der Abrufe die
deutſche Wirtſchaft gezwungen wird, große Waren= und Rohſtoff=
Vorräte auf den Weltmarkt zu werfen, was die im Zeichen des
Preisverfalles ſtehende Weltwirtſchaftskriſe nur verſchärfen
müßte; mit anderen Worten, die Urheber der Kreditkündigungen
würden durch ihre eigenen Maßnahmen mit neuem Preisverfall
an den internationalen Warenmärkten betroffen werden. Das
iſt aber nur ein ſchwacher Troſt für das neue ſchwere Zins=
opfer
, welches durch die Diskonterhöhung auf 7 Prozent der
deutſchen Wirtſchaft auferlegt worden iſt und ihr den Kon=
kurrenzkampf
auf den ausländiſchen Märkten mit den Indu=
ſtrien
anderer Länder, deren Landeszinsfuß heute 1,5 bis 2,5
Prozent beträgt, ungeheuer erſchweren muß. Die deutſche Wirt=
ſchaft
braucht in ihrer jetzigen Notlage in erſter Linie eine er=
hebliche
Kreditverbilligung, und es würde den Grundſätzen einer
nach rein wirtſchaftlichen Geſichtspunkten betriebenen Währungs=
politik
entſprechen, in dieſer Zeit den Diskontſatz auf das ver=
tretbare
niedrigſte Maß herabzuſetzen, um durch Kreditverbil=
ligung
den wirtſchaftlichen Tätigkeitsgrad zu ſteigern. Da die
zuſammengeſchmolzenen Gold= und Deviſen=Beſtände der Reichs=
bank
kaum noch einen Spielraum für die Ausdehnung des Noten=

In den deutſch=rumäniſchen Verhandlungen haben die beider=
ſeitigen
Delegationen am Montag in allen Punkten vollkommenes
Einvernehmen erzieit und den Vertragsentwurf paraphiert. Die
Unterzeichnung wird nach der Fertigſtellung der Urſchrift in den
nächſten Tagen erfolgen.
Während Botſchafter v. Hoeſch Berlin bereits verlaſſen hat
um ſich auf ſeinen Poſten zu begeben, haben in der Reichskanzlei
Beſprechungen mit dem deutſchen Botſchafter in Waſhington. Dr.
v. Prittwitz, ſtattgefunden, in denen die durch den Vorſchlag des
Präſidenten Hoover gegebene Lage eingehend durchgeſprochen
wurde.
Der Zechenverband hat heute den am 20. Juni durch den
Schlichter, Profeſſor Brahn, gefällten Schiedsſpruch, der das be=
ſtehende
Lohnabkommen im Ruhrbergbau bis zum 30. September
1931 wieder in Kraft ſetzt, abgelehnt.
In der Nähe von Dirſchau wurden ſieben Danziger Stahl=
helmer
, die aus Unkenntnis polniſches Gebiet betreten hatten, von
polniſchen Grenzſoldaten verhaftet.
Der frühere Präſident der franzöſiſchen Republik. Fallieres,
iſt im Alter von faſt 90 Jahren geſtorben. Er war 1883 Miniſter=
präſident
und von 1906 bis 1913 Präſident der Republik.
Die Wahlen in Bulgarien ergaben einen Sieg der demokra=
tiſch
=agrariſchen Oppoſition und eine ſchwere Niederlage der Re=
gierung
.

umlaufs bieten, ſo kommt es im Augenblick im weſentlichen
darauf an, neues Gold und neue Devifen herbeizuſchaffen, es
ſei denn, daß uns wieder beträchtliche Auslandsgelder zufließen.
Dieſe Beſchaffung kann aber nur dann erfolgen, wenn der Export
an induſtriellen Erzeugniſſen zumindeſt ſo hoch bleibt, wie ihn
gegenwärtig unſer aktiver Außenhandel ausweiſt, oder aber zu=
nimmt
.

Oeſterreichs Einverſtändnis mit dem Vorſchlag
Hoovers.

Waſhington, 22. Juni.
Der öſterreichiſche Geſandte hat am Montag vormittag im
Staatsdepartement vorgeſprochen. Er drückte dem Staatsſekretär
Stimſon die große Genugtuung ſeiner Regierung über Hoovers
ſpontanen Schritt und ihr volles Einverſtändnis mit dem Vor=
ſchlag
des Präſidenten aus.

EP. Brüſſel, 22. Juni.
Außenminiſter Hymans hat heute von den ihm telegraphiſch
übermittelten Vorſchlag des Präſidenten Hoover Kenntnis ge=
nommen
. Er ſetzte ſich ſofort mit den belgiſchen Sachverſtän=
digen
für Reparations=Fragen, Gutt, in Verbindung. Zu der
Beſprechung wurden ſpäter der Finanzminiſter Houtart ſowie
mehrere höhere Beamte des Außenminiſteriums zugezogen. Am
Nachmittag fand ein Kabinettsrat ſtatt, in dem Hymans einen
Ueberblick über die durch den amerikaniſchen Vorſchlag ge=
ſchaffene
Lage gab.
Außenminiſter Hymanns hat die diplomatiſchen Vertreter
Belgiens im Ausland angewieſen, mit den übrigen intereſ=
ſierten
Regierungen in der Angelegenheit Fühlung zu nehmen.

Frankreichs Hinweis auf ſeine Finanzlage
nicht gerechtfertigk.

Genf, 22. Juni.
Wie von unterrichteter Seite verlautet, mißt man auch zin
den führenden Kreiſen des Völkerbundsſekretariats dem Schritt
der Vereinigten Staaten größte Bedeutung bei. Man
bezeichnet ihn als eine der größten politiſchen Ini=
tiativen
ſeit Kriegsende und erklärt, daß es ſich hier
wahrſcheinlich um einen entſcheidenden Wendepunkt
handele. Selbſt die franzöſiſchen Kreiſe des Völkerbundsſekreta=
riats
können ſich dieſer Auffaſſung nicht entziehen. Man hört
weiter die Meinung, daß Frankreich unter dem Druck
der Weltmeinung wahrſcheinlich gezwungen iſt.
ſich in der einen oder anderen Form an dem Plan
zu beteiligen. Allerdings iſt man ſich auch darüber klar, daß
von Frankreich Schwierigkeiten zu erwarten
ſind, weil es von allen Beteiligten am unmittelbarſten
betroffen wird. Man teilt die Auffaſſung, daß ein etwai=
ger
Hinweis Frankreichs auf ſeine Finanzlage
nicht als gerechtfertigt angeſehen werden könne; denn
die finanzielle Stärke Frankreichs iſt auch hier
nur zu bekannt. In Kreiſen der Wirtſchafts= und Finanz=
organiſationen
des Völkerbundes hofft man, die Aktion Hoovers
werde zu einer Ankurbelung der Wirtſchaft beitragen, warnt
aber auch vor dem Glauben, daß die Weltwirt=
ſchaftskriſe
nun mit einem Schlage überwun=
den
werden könne. Im übrigen glaubt man auch hier, daß
England und Italien ſich ohne weiteres mit dem Plan Hoovers
einverſtanden erklären werden.

Schneidemühl, 22. Juni.
Am Sonntag abend wurde Schneidemühl von einem poln= Militärflugzeug überflogen. Die polniſche Maſchine wcn
an den weiß=roten Abzeichen deutlich erkennbar. Das Flugzeun
kam aus der Richtung Biſchke (Polen), überflog die Grenze bee
Küddowthal und wandte ſich dann nach Schneidemühl, wo es dri
Kcſernen, das Regierungsgebäude ſowie die Bahnanlagen n
niedriger Höhe überflog. Der Grenzbevölkerung hat ſig
infolge der wiederholten Ueberfliegungen eine außerordenk=
liche
Erregung bemächtigt.
Wie der Geſellige zu der Ueberfliegung Schneidemühll
durch ein polniſches Militärflugzeug noch erfährt, wurden an der
polniſchen Miiltärflugzeug an dem unteren Tragdeck die Num=
mer
Z 96 und am Rumpf das Zeichen 2. 1209 feſtgeſtellt. Es 7i
ſomit einwandfrei der Nachweis erbracht, daß es ſich um ein pol=
niſches
Militärflugzeug handelt. Außerdem konnte, wie das g
nannte Blatt weiter erfährt, der Nachweis erbracht werden, da
einwandfrei Spionage vorliegt. Dies geht aus folgendem hervon,
Am Sonntag, nachmittags, hielt auf dem Bahnhof in Schne
demühl ein Militärzug, der beladen war mit Attrappen vo=
Tanks und Panzerautos. Auf dem Bahnhof konnte beobachte
werden, wie ein polniſcher Eiſenbahnbeamter, die in Schneid=
mühl
den Zug wechſeln, ſich auffällig, für den Militärzug ir
tereſſierte und mehrere Male an ihm auf= und abging. Erſt, all=
dem
dienſttuenden Schupobeamten dies auffiel, verließ der po
niſche Eiſenbahner den Bahnſteig. Nicht viel ſpäter als nac
einer Stunde erſchien das polniſche Militärflugzeug über Schne5
demühl, um hier vor allem ausgerechnet die Reichswehrkaſerme
und den Bahnhof in niedrigſter Höhe zu überfliegen. Der Milä=
tärzug
war bereits abgefahren. Die Vermutung, daß das Flug=
zeug
vor allem dieſes Zuges wegen nach Scheidemühl gekommen
iſt, wird noch dadurch beſtätigt, daß der Flieger in geringer Höh=
die
ganzen Bahnanlagen auf längere Strecke abflog.

Beginn des Pfadfinder=Prozeſſes in Poſen.

Poſen, 22. Juni.
Vor dem Appellationsgericht wurde am Montag die Haupk
verhandlung in dem Prozeß gegen Burchard, Mielke und PreuE
der ſogenannte Pfadfinderprozeß, der ſeit April zweimal vertag
worden war, eröffnet. Den Angeklagten wird Grenzüberſchrei
tung ohne Paß, verſuchte Geheimbündelei und Spionage vorge=
worfen
. Dieſes Vergehen ſieht die Anklage in dem Beſuch deut=
ſcher
Pfadſinder in Deutſchland, wobei dieſe an Kurſen in de
Hochſchule für Leibesübungen teilgenommen haben, ferner in
brieflichen Verhandlungen mit der deutſchen Jugendbewegung
und in einer geplanten Wanderfahrt durch die Weichſelniederun
gen und die alten deutſchen Siedlungen, die jedoch nicht ſtattge
funden hat. In der erſten Inſtanz wurden die Angeklagten zu
mehrmonatigen Gefängnisſtrafen verurteilt. Der Staatsanwal=

ür

Dr. Kuziel aus Bromberg beantragte wiederum Ausſchluß den

Oeffentlichkeit. Die Verteidiger, beſonders Rechtsanwalt Grze=
gorzewſki
aus Poſen widerſprachen und verlangten Angabe den
Gründe, da nicht im geringſten ein Intereſſe daran beſtehe, daß
die Oeffentlichkeit über die Vorgänge nichts erfahre, und da auch
die Staatsſicherheit nicht gefährdet ſei. Nach kurzer Beratung
beſchloß das Gericht, die Oeffentlichkeit auszuſchließen. Für dem
Prozeß ſind mehrere Tage vorgeſehen. Das Urteil iſt am Don=
nerstag
zu erwarten.

Das Schickſal der Sachleiſtungen.

Berlin, 22. Juni.
In politiſchen Kreiſen beſchäftigt man ſich auch lebhaft mit
der Frage, was bei einer Einſtellung der Reparationszahlungem
am 1. Juli aus den Sachlieferungen werden wird. Es iſt nicht
daran zu zweifeln, daß auch die Sachleiſtungen mit eingeſtellk Weicht
würden. Sie betragen im laufenden Etats= und Reparationsjahr
etwa 450 Millionen RM. Natürlich werden gewiſſe Induſtriem
von einer Einſtellung dieſer Sachleiſtungen betroffen werden. In
unterrichteten Kreiſen hält man dieſen Schaden aber nicht für.
ſehr groß, da nach Anſicht der Fachleute mehr als die Hälfte.
ſchätzungsweiſe ſogar 60 bis 80 Prozent, normalen Exports in den
Sachlieferungen enthalten ſind. Ein großer Teil der Lieferun=
gen
würde dann alſo ganz automatiſch ganz auf den Export über=
gehen
. In Kreiſen der Reichsregierung iſt man der Auffaſſung.
daß die freiwerdenden Reparationsgelder in erſter Linie zur Re=
ſervebildung
und zur Konſolidierung kurzfriſtiger Kredite ver=
wendet
werden müſſen, daß es darüber hinaus aber auch notwen=
dig
ſein wird, einen Ausgleich für den Ausfall eines Teiles der
Sachlieferungen zu ſchaffen. Der Zweck des Schuldenfeierjahres
iſt ja gerade, die Wirtſchaft wieder zu beleben. 660 Millionen.
von der Annuität hat bekanntlich die Reichsbahn aufzubringen.
Es iſt zu erwarten, daß ein Teil dieſes Betrages für Zwecke der
Wirtſchaftsankurbelung Verwendung finden wird, um den Weg=
fall
der Sachleiſtungen wettzumachen.

endlie
eſſung
lag

Der diesjährige deutſche Aerztetag, der vom 18. bis 19. Juni
in Köln ſtattfand, zeigte in ſeinem Verlauf, daß auch der Aerzte=
beruf
in dieſer Zeit allgemeiner Not von der Sorge um die Zu=
kunft
erfüllt iſt. Der Kampf um die Erhaltung eines freien
Aerzteſtandes iſt ja ſchon ſeit vielen Jahren im Gang, und die
wirtſchaftliche Vereinigung der Aerzte, der nach ſeinem Grün=
der
als Hartmann=Bund bezeichnete Verband der Aerzte Deutſch=
lands
, hat manches erreicht und manchen guten Kampf gekämpft,
um die Vorbedingungen für die ungehemmte und natürliche
Form der ärztlichen Betätigung der künftigen Aerztegeneration
zu erhalten.
In den dem Aerztetag vorangehenden Verhandlungen des
Hartmannbundes am 16. und 17. Juni wies der Vorſitzende der
beiden großen ärztlichen Spitzenverbände, Geheimrat Dr. A.
Stauder, Nürnberg, darauf hin, daß die große Notzeit auch
vor den Türen der Aerzte nicht Halt gemacht hat. Die Ein=
führung
der Gewerbeſteuer, gegen die die Aerzte ſich ſtets auf
das Entſchiedenſte gewehrt haben, weil ſie der Idee der ärzt=
lichen
Tätigkeit abſolut weſensfremd iſt, hat große Opfer ge=
fordert
. Der Einkommensverluſt der Aerzte durch die Notver=
ordnung
beträgt mehr als 6 Prozent und erreicht mehrfach eine
döhe von 25 Prozent. Es iſt zu erwarten, daß die Kranken=
aſſen
verſuchen werden, die Arzthonorare weiter herabzuſetzen
ind eine Verminderung der zur Kaſſenpraxis zugelaſſenen Aerzte
zu erreichen. In einem ausführlichen Referat Gedanken zu
iner Reform der Krankenverſicherung wies Dr. Reichert,
Leipzig, darauf hin, daß die Krankenverſicherung der Vergangen=
heit
dem Arzt Aufgaben zugeteilt habe, denen er nicht ge=
achſen
ſein konnte. Der Kaſſenarzt wurde immer mehr Poli=
ziſt
. Das heutige Syſtem führt zum Ende der ärztlichen Tätig=
keit
als freier Beruf. Deshalb iſt eine Reform unerläßlich. Es
muß ein möglichſt einfacher, wenig bürokratiſcher Weg gefunden
verden, der dem Arzt das Helfen von Menſch zu Menſch er=
möglicht
und ihn von der alleinigen Verantwortung für die
wirtſchaftliche Verwendung der Heilmittel befreit. Die Frage,
vie den jungen Aerzten zu helfen ſei, die keine Ausſicht auf
Zukaſſung zur Krankenkaſſe haben und daher kaum in der Lage
ſein werden, eine ausreichende Berufstätigkeit zu finden, wurde
von Dr. Langbein, Pfullingen, Vorſitzender der Württem=
ergiſchen
Aerztekammer, in einem Referat Notverordnung und
ungärzteſchaft erörtert. Der Verſuch, den Zuſtrom zum Aerzte=
eruf
abzudämmen, hat verſagt. Der vorübergehende Aſſiſtenten=
Rangel, der zum Studium zu verlocken ſchien, iſt eine Täuſchung.

Man wird auf die Dauer die jungen Aerzte nicht von der
Kaſſenpraxis ausſchließen können. Der Referent ſieht nur einen
Weg zur Befreiung des ärztlichen Nachwuchſes aus den Klam=
mern
der Notverordnungen wie zur Befreiung der ganzen
Aerzteſchaft aus den Feſſeln des Kaſſenarztrechtes, die bewußte
Rückkehr zur Idee der freien Arztwahl, wie ſie in einer Zeit
ähnlicher Aerztenot Hartmann und ſeine Zeitgenoſſen gelehrt
haben.
Nach längerer Ausſprache faßte die Hauptverſammlung des
Verbandes der Aerzte Deutſchlands die Forderungen der Re=
ferenten
in einer Reſolution zuſammen, aus der noch folgende
Sätze hervorgehoben werden ſollen: Zur Mitarbeit an der für
den Herbſt geplanten Reform der ſozialen Verſicherungen er=
klärt
ſich der Hartmann=Bund bereit. Er hält an der Forderung
der Arzthilfe als Sachleiſtung feſt. Es kommt eine Aenderung
der Zulaſſungsordnung zur kaſſenärztlichen Tätigkeit dahin=
gehend
in Betracht, daß alle mindeſtens drei Jahre lang appro=
bierten
Aerzte, auch wenn ſie noch nicht ſelbſtändig niedergelaſſen
ſeien, in ein Arztregiſter eingetragen werden können. Not=
wendig
iſt die Ausſcheidung der Doppelverdiener. Vor der Zu=
laſſung
zum kaſſenärztlichen Dienſt ſoll eine dreijährige Tätig=
keit
als Aſſiſtent verlangt werden, die einer fortgeſetzten Tätig=
keit
als Vertreter gleichgeſtellt werden ſoll.

Am 18. Juni eröffnete dann Geheimrat Stauder den
50. Deutſchen Aerztetag, der keine Jubelfeier, ſondern eine

Arbeitstagung iſt. Auch die ärztliche Standespolitik iſt in dieſen
50 Jahren durch die Entwicklung Deutſchlands zu einem In=
duſtrielano
ſtark beeinflußt worden. Dies prägt ſich vor allem

in der deutſchen ſozialen Geſetzgebung aus. Eine Sozialver=
ſicherung
des arbeitenden Volkes wird es immer geben müſſen.
Ihre Entwicklung darf jedoch nicht zu einer Vernichtung der
Freiheit des ärztlichen Standes führen. Das große Werk der
Sozialverſicherung gibt der Aerzteſchaft keine volle Gleichberech=
tigung
mit den Trägern der Verſicherungszweige. Zu der viel=
umſtrittenen
ſozialpolitiſchen Frage, die ſich auf eine Aenderung
des § 218 bezieht, gab der Vorſitzende im Namen der Aerzte=
ſchaft
eine Erklärung ab, die beſagt, daß für den Arzt nur der
Grundſatz entſcheidend ſei, ob durch die Unterbrechung die Ver=
ſchlimmerung
einer beſtehenden Krankheit verhindert wird. Da=
bei
müſſen ſelbſtverſtändlich auch die wirtſchaftlichen Verhältniſſe
der Schwangeren geprüft werden. Die rein ſoziale Indikation
kann die ärztliche Standesorganiſation jedoch nicht gutheißen.
Die ſeit langem erhobene Forderung nach einer Reichs=
ärzteordnung
und Bildung einer Reichsärztekam=
mer
war als erſter Punkt auf die Tagesordnung geſetzt wor=
den
und wurde von Geheimrat Stauder damit begründet, daß

die Aerzteſchaft unter der gegenwärtigen Entwicklung leide und
bei ihrer Fortdauer eine Schädigung und Entartung des Stan=
des
befürchte. Der Arzt ſoll mehr ſein als ein Gewerbetreiben=
der
. Er ſoll ein öffentliches Organ der Geſundheitspflege des
deutſchen Volkes werden. Eine neue Aerzteordnung ſoll die
Selbſtverwaltung der ärztlichen Angelegenheiten herbeiführen.
Durch die Notverordnung des letzten Jahres iſt die Rechtsſtel=
lung
des Arztes außerordentlich verſchlechtert worden. Nur
wenn hier Aenderung geſchaffen wird, kann die kommende
Aerztegeneration im Stande ſein, ihren Dienſt am Staat und
für die Volksgeſundheit zu leiſten. Geheimrat Stauder fordert
die Ausübung der Berufsaufſicht über die geſamte Tätigkeit des
Arztes auch in der Sozialverſicherung nur durch die ſelbſtgewähl=
ten
Organe der Berufsvertretung.
Nach dem Einleitungsvortrag Geheimrat Stauders, der auf
die zahlreichen Vertreter der ſtaatlichen und kommunalen Be=
hörden
und die verſammelten Aerzte tiefen Eindruck machte,
folgten Begrüßungsreden durch die Miniſter Wirth und Hirt=
ſiefer
, Oberbürgermeiſter Adenauer, Vertreter der Univerſitäten
und wiſſenſchaftlichen Geſellſchaften. Miniſter Hirtſiefer über=
reichte
Geheimrat Stauder die Staatsmedaille für Verdienſte um
die Volksgeſundheit. Reichsminiſter Wirth betonte, daß er volles
Verſtändnis für die Forderungen der Aerzte habe und prufen
wolle, was von ihnen realiſiert werden könne.
Oberreichsanwalt a. D. Ebermayer, Leipzig, führte den
Nachweis, daß der Arzt nicht Gewerbetreibender im Sinne der
Reichsgewerbeordnung ſei und forderte die völlige Herausnahme
des Arztes aus dieſer Ordnung. Beſonders notwendig erſcheine
eine für das Reich einheitliche Regelung der Approbations=
frage
, vor allem auch der Frage über die Vorausſetzungen der
Entziehung der Approbation.
In einem öffentlichen Vortrag ſprach der bekannte Schul=
mann
Stadtſchulrat Dr. Hartnacke, Dresden, über die Ueber=
füllung
der akademiſchen Berufe. Er lehnt den ſogenannten
Numerus elausus ab, da durch ihn der Zuſtrom von Kräften
minderen Ranges gerade den ungeſchützten Studienzweigen zu=
geleitet
werde. Dagegen ſtellt er die Forderung nach einer Vor=
prüfung
zur Ermittlung der geiſtigen Höhenlage auf, die die
Möglichkeit einer Ausleſe ſchafft. Er fordert Vereinbarungen,
durch die in allen deutſchen Ländern die Zuerkennung der
Hochſchulreife auf etwa 2 Prozent des dazugehörigen Ge=
burtenjahrganges
begrenzt werde.
Am zweiten Verhandlungstage ſprachen Prof. von Müller,
München, und Prof. Adam, Berlin, über die ärztliche Fort=
bildung
. Ueber dieſe Vorträge wird noch berichtet werden.
Dr. K.

ſoch

[ ][  ][ ]

Nummer 172

Dienstag, den 23. Juni 1931

Seite 3

Preſſe fordert Reviſion. Die Pariſer Preſſe verſkeift ſich auf den Young=Plan.
Engliſch=amerikaniſcher Druck auf Frankreich?

Die Welk erwarket Ftankreichs Ja.

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Berlin, 22. Juni.
Die Berliner Abendblätter äußern ſich faſt alle in ausführ=
hen
Artikeln über die Bedeutung des Vorſchlages von Hoover.
Der Sozialdemokratiſche Preſſedienſt gibt der Erwartung
usdruck, daß Frankreich nicht aus Gründen des Preſtiges die
olwendigkeit der Stunde verkenne. Daß der Young=Plan,
wie er ſei, am 1. Juli 1932 wieder in Funktion
ten könne, werde wohl niemand annehmen.
In der Voſſ. Ztg. bezeichnet der frühere Finanzminiſter
ieinhold den Vorſchlag Hoovers als die Rettung.
r. Reinhold verweiſt auf die Opfer, die jedoch von
rankreich verlangt würden. An Frankreich
ege es jetzt, ob es den innerpolitiſchen Mut
ufbringen könne, durch eine große Geſte, mit
er es ſeinerſeits dieſen Akt internationaler
ſſolidarität auf wirtſchaftlichem Gebiet auf=
ſehme
, für die Ideen der Verſtändigung in Eu=
ſopa
einen großen Schritt nach vorwärts zu tun.
Die Germania ſpricht von einer Initiative im Intereſſe
merikas, die aber aufs ſtärkſte eine Initiative auch im Intereſſe
is europäiſchen Feſtlandes ſei. Hoovers Angebot könne
ſnd dürfe nicht beſchwert und verbunden wer=
en
mit politiſchen Forderungen und Belaſtun=
ſen
, die neue Opfer über Deutſchland brächten.
’s müſſe ſo genommen werden, wie es ſei, als ein
kirtſchaftliches Dokument. Alle die Fehler, die bis=
fng
in den finanziellen Auseinanderſetzungen der europäiſchen
lächte begangen worden ſeien und ſich ſo verhängnisvoll aus=
wirkt
hätten, fänden ihre Urſache in der Politik.
Der Börſen=Courier fragt: Wird Frankreich widerſtreben?
6 ſei jetzt die Frage, ob das reiche, von der Weltwirtſchafts=
ſtſe
noch verhältnismäßig am meiſten verſchonte Frankreich,
ts von 1661 Millionen RM. deutſcher Young=Zahlungen in
eſem Reparationsjahr allein 907 Millionen RM. erhalte, ſich
dem von Hoover geforderten Verzicht entſchließe.
Die D. A. Z. warnt vor übertriebenen Hoffnungen, die
ier das im Bereich der Realitäten Erzielbare hinausgingen.
(ir Zweifel ſei daran möglich, daß die Annuiätenreihe
s Young=Planes mit dem Weltmoratorium
ſtufgehört haben werde zu beſtehen. Hoovers ganze
2tion wäre vergeblich, wenn nach einjähriger Pauſe Deutſch=
ind
wieder im alten Ausmaß zu zahlen beginnen müſſe. Be=
hr
das Jahr ablaufe, müſſe die Neuregelung ſichtbar werden,
ie endlich die deutſchen Zahlungen in einer Höhe feſtſetze, deren
meſſung keine Zweifel an der Erfüllbarkeit aufkommen laſſe.
Die Börſenzeitung meint, werde der Hooverſche Vor=
i
lag Wirklichkeit, ſo ſei das ein Anfang, nicht mehr. An
ſs werde es liegen, den Anfang auszunutzen.
lit müßten feſthalten an der Tatſache, daß die Kriſe der Welt
d Deutſchlands nur überwunden werden könne durch grund=
gende
Reviſion des unerträglichen Young=
Uanes, und daß weder Kredite noch ein Moratorium, noch
n Aufſchub der Zählungen geeignet ſeien, dieſe Kriſe wirklich
beheben.
Der Lokalanzeiger ſieht ebenfalls in der Wirkung des ein=
ſtigen
Moratoriums für Deutſchland nur eine vorübergehende
kleichterung. Mit dem einjährigen Moratorium ſei für Deutſch=
hd
irgendetwas Entſcheidendes nicht geſchehen. Komme das
loratorium, dann ſei weiter nichts, als kurze Zeit gewonnen
ud zwar eine Zeit, die für Deutſchland benutzt werden müſſe.
Auch die Deutſche Tageszeitung erörtert die Schwierig=
ſten
, die Frankreich dem Plane Hoovers machen werde.
Die Deutſche Zeitung, die von einer Galgenfriſt ſpricht,
hingt Aeußerungen von führenden Männern der
ſechtsoppoſition. Oberfinanzrat Dr. Bang ſagt:
lir wollen keine Gnade, wir wollen unſer
ſecht! Alles das, was jetzt geſchieht, iſt lediglich eine weitere
hnauszögerung des einzigen Schrittes, der uns helfen kann,
hmlich die Anmeldung der Reviſion von Verſail=
bs
und Aufrollung der Kriegsſchuldlüge, als
r einzigen Rechtsgrundlage unſerer Verpflichtungen.
Dr. Goebbels hält den Hoover=Plan für einen vollkom=
nn
unzulänglichen Verſuch, das brennend gewordene Problem
ſr Tribute zu löſen. Auch bei Erlaß der Young=Zahlungen für
n Jahr werde es nicht möglich ſein, die deutſchen Finanzen in

Ordnung zu bringen und die verzweifelte deutſche Wirtſchaft zu
ſanieren. Pflicht und Aufgabe des nationalbewußten Deutſchen
ſei es, dafür zu ſorgen, daß die Tributfrage nicht verſchoben, ſon=
dern
endgültig gelöſt werde.
Dr. Quaatz fragt: Reicht das aus, was Amerika in Aus=
ſicht
ſtellt. Eine Erleichterung unſerer Auslandszahlungen von
1500 Mill. RM. würde eine Erleichterung unſerer Währungs=
ſpannung
bringen. Schon jetzt aber ſei klar, daß Frankreich zwar
eine Stundung ſeiner Schulden an Amerika gern annehme, aber
nur einen Teil der Erleichterung höchſtenfalls Deutſchland zugute
kommen laſſen werde.
Das Berliner Tagblatt iſt der Anſicht, daß zu einer neuen
Dauerregelung der Reparationsfrage auf Grund amerikaniſcher
Opfer Hoover keineswegs bereit zu ſein ſcheine. Europa müſſe
ſelbſt handeln, ſo ſage er, und an anderer Stelle ſeiner Botſchaft
heiße es noch deutlicher, Europa müſſe endlich mit der Abrüſtung
Ernſt machen. Sonſt iſt und bleibt die Reparatios= und Kriegs=
ſchuldenfrage
rettungslos verfahren.

Echo de Paris erwartet, daß die franzöſiſche Re=
gierung
beantragen werde, das vorgeſchlagene
Moratorium auf einer Konferenz zu beſprechen,
an der alle an den Reparationen intereſſierten
Mächte teilnehmen müßten. Auf dieſer Kon=
ferenz
müßten auch Garantien geſchaffen wer=
den
, damit nach Ablauf eines Jahres alles wie=
der
in die Ordnung des Youngplanes eintrete.
Der Temps meint Frankreich könne mit um ſo
größerem Rechte ſich nicht mit einer Einſtellung der
Reparationszahlungen einerſtanden erklären.
Frankreich habe nicht das Recht, über die Garantien hinweg=
zuſehen
, die der Young=Plan für die Bezahlung der Repara=
tionen
biete. Welche Erleichterungen man auch Deutſchland
außerhalb des Young=Plans gewähren würde, für Frank=
reich
bleibe der Young=Plan beſtehen. Die Aus=
führung
des Young=Plans müßten nach Ablauf der einjährigen
Friſt wieder normal feſtgeſetzt werden.
Journal des Débats gibt ſeiner Verwunderung darüber
Ausdruck, daß vor der Verkündung der Hoover=Botſchaft Frank=
reich
, das am meiſten intereſſierte Land, nicht befragt worden
ſei und knüpft an dieſe Bemerkung erneut Ausfälle gegen
Deutſchland.

Frankreich will nicht auf ſeinen Ankeil verzichken.

Paris, 22. Juni.
Das Echo de Paris veröffentlicht eine Erklärung einer un=
genannten
Perſönlichkeit der franzöſiſchen Regierung zum Vor=
ſchlage
Hoovers. In dieſer Erklärung heißt es u. a.: Die fran=
zöſiſche
Regierung hat noch nicht alle notwendigen Präziſionen
über die Modalitäten des amerikaniſchen Vorſchlages erhalten.
Der Miniſterrat wird übrigens erſt am Dienstag zuſammentre=
ten
, um über die ernſte Angelegenheit zu beraten. Ernſt iſt dieſe
Angelegenheit in der Tat, und die franzöſiſche Regie=
rung
will hoffen, daß es ſich bei dem Vorſchlage
des Präſidenten Hoover nicht um eine Beein=
trächtigung
der franzöſiſchen Rechte handelt,
da ſich Frankreich vom wirtſchaftlichen und vom politiſchen
Standpunkte aus geſehen nicht in der Lage befindet, auf
3 Milliarden Franken zu verzichten, die Frank=
reichs
Anteil an der geſchützten Annuität aus=
machen
, die durch die Beſtimmungen des Young=
Planes und die durch die im Haag unterzeichne=
ten
Texte feierlich garantiert worden iſt. Ame=
rika
kann nicht verlangen, daß ſein Verſuch, die
Wiederflottmachung der deutſchen Finanzen,
durch eine Operation vorgenommen wird, bei
der Deutſchland der alleinige Nutznießer zum
Schaden Frankreichs und der anderen Länder
Mitteleuropas ſein würde, die ihr Vertrauen
in Frankreich geſetzt hätten.

Enkhuſiaſtiſche Aufnahme der Erklärung Hoovers

Kein Enkgegenkommen Frankreichs.

Die franzöſiſche Preſſe nimmt den Beſchluß
Hoovers, wie ſich der Populaire ausdrückt, mit ſchlech=
ter
Laune und mit Mißtrauen auf.
Matin errechnet, welche Opfer Frankreich im
Falle der Verwirklichung der Hooverſchen Anregung bringen
müßte und hält drei Punkte für beſonders wichtig: 1. Frank=
reich
habe keinerlei Vorteile von einem Opfer, das
es ſozuſagen nur unter einem moraliſchen Druck bringen würde.
Die Deutſchen würden darin nicht eine Geſte des
Entgegenkommens Frankreichs ſehen. 2. Der
geſchützte Teil der Reparationen habe, vom finan=
ziellen
Standpunkt aus geſehen, einen unantaſtbaren
Charakter, durch die Zahlungsausſetzung würde ihm aber
dieſer Charakter genommen werden. 3. Bedenklich ſei
nicht die Einſtellung der Zahlungen, ſondern
die Schwierigkeit, ſie ſpäter wieder aufzu=
nehmen
.
Das Journal hält die Reviſion des Youngpla=
nes
für unvermeidlich.
Avenir erklärt, Hoover habe das Recht, die Zah=
lungen
, die die Alliierten Amerika ſchuldeten,
abzulehnen, aber nicht das Recht, Frankreich zu
zwingen, daß es ſich der Summen begebe, die ihm
zukommen, und die Franbreich notwendig
brauche.
Auch der Quotidien ſchreibt, Amerika könne die Rückzah=
lung
der Summen, die Europa ihm ſchulde, hinausſchieben, ſo=
gar
ſtreichen, aber Frankreich müſſe die Milliarden
wiederbekommen, die es ausgegeben habe, um
ſeine verwüſteten Städte und Dörfer wieder aufzubauen.

in England.
EP. London, 22. Juni.
Die Aufnahme von Hoovers Erklärungen in England iſt
ausnahmslos enthuſiaſtiſch. Politiker und Finanzleute aller Par=
teien
und Richtungen feiern den Schuldenaufſchub als die größte
und bedeutſamſte Tat ſeit dem Waffenſtillſtand. Allgemein wird
die Hoffnung ausgedrückt, daß dieſer Schritt des amerikaniſchen
Präſidenten einen Wendepunkt in der Weltkriſe bedeute und für
alle europäiſchen Länder, beſonders aber Deutſchland, die Ret=
tung
bringe. Beſorgnis erweckt lediglich der Gedanke, daß von
ſeiten Frankreichs Schwierigkeiten drohen könn=
ten
, da Frankreich nach dem Youngplan weſentlich größere Be=
träge
von Deutſchland zu beanſpruchen habe, als es an Amerika
abführe. Man befürchtet daher, daß Farnkreich entweder auf
dem Weiterempfang eines erheblichen Teiles ſeiner Reparationen
beſtehen oder politiſche Bedingungen für einen Verzicht auf die
ſtellen werde.
Financial Times nennt den Plan Hoovers den Fall
des Außentores, was ein Erfolg von nicht ge=
ringer
Bedeutung ſei. Die innere Citadelle habe aber
noch nicht kapituliert.
Birmingham Poſt betont, daß Hoover die Welt aufge=
fordert
hat, einen Schritt zu unternehmen, der niemals rück=
gängig
gemacht werden könne. Wenn das Moratoriums=
jahr
gut verläuft, dann wird wahrſcheinlich
niemand beſtrebter ſein, es zu wiederholen als
die Gläubigernationen. Selbſt eine einjährige Erleich=
terung
für Deutſchland unter dieſen Bedingungen wird die ge=
ſamte
Haltung Europas gegenüber dem Youngplan berühren.

Rückhaltloſe Billigung der Inikiakive Hoovers
in Amerika.

EP. Waſhington, 22. Juni.
Hoovers Erklärungen werden in politiſchen und finanziellen
Kreiſen durchaus gebilligt. Hervorragende parlamentariſche Füh=
rer
, darunter der republikaniſche Vorſitzende des Finanzausſchuſ=
ſes
, Senator Smoot, der bisher gegen eine Schuldenreviſion
war, der amerikaniſche Botſchafter in London, Dawes, ſowie
Bankier Owen Young, der Vater des Youngplanes, gaben
Preſſevertretern gegenüber Erklärungen ab, in denen ſie dem
Präſidenten Hoover ihre rückhaltloſe Billi=
gung
und Unterſtützung zuſicherten, da von den an=
gekündigten
Maßnahmen eine Beſſerung der Wirtſchaftslage im
In= und Auslande zu erwarten ſei.
Auch die amerikaniſche Preſſe äußert ſich im allgemeinen recht
günſtig zu dem Vorſchlag Hoovers. Mit Nachdruck unterſtreicht
man die Erwartung Hoovers, daß die europäiſchen Mächte das
Entgegenkommen der Vereinigten Staaten mit entſprechenden
Konzeſſionen auf dem Gebiete der Rüſtungen beantworten werden,
obwohl Hoover ausdrücklich erklärte, daß ſein Vorſchlag mit der
Abrüſtungskonferenz im nächſten Jahre nicht in Verbindung ge=
bracht
worden ſolle. Beſondere Erwähnung verdient in dieſem Zu=
ſammenhang
die Erklärung des Senators Borah, daß jede Aus=
dehnung
des einjährigen Zahlungsaufſchubes zwecklos wäre, wenn
nicht innerhalb dieſer Atempauſe ſämtliche Rüſtungen draſtiſch
herabgeſetzt und die deutſchen Reparationsleiſtungen der Zah=
lungsfähigkeit
des Deutſchen Reiches angepaßt werden. Man be=
obachtet
daher mit einiger Beſorgnis die Haltung Franreichs, das
neben den Vereinigten Staaten bei der Verwirklichung des Pla=
nes
das größte finanzielle Opfer bringen müſſe. In amerikani=
ſchen
Regierungskreiſen hofft man jedoch, daß die franzöſiſche Re=
gierung
ſich dieſem Verſuch, die Weltwirtſchaftslage zu beſſern,
nicht widerſetzen werde.

Die herrliche ſchleſiſche Landſchaft.

Von Hans Chriſtoph Kaergel.

Es iſt ein merkwürdiges Flecklein Erde. Wer es auch als
ſutſcher Menſch betritt, der wird irgendwie in ihm zu Haus
n. Es iſt ganz gleich, woher er kommt, ob aus Bayern, Fran=
n
, vom Rhein, aus der Lüneburger Heide, aus dem pommer=
ſen
oder brandenburgiſchen Wäldern, von den Seen Maſurens.
im Thüringer Wald oder vom Allgäu; irgendwie wird er ſich
Schleſien zu Hauſe fühlen. Dieſes merkwürdige deutſche
(no, das ſüdöſtlichſte Tor zum großen deutſchen Vaterland
ein kleines Deutſchland für ſich. Die Erde ſingt und klingt
ſter den Schritten das ewige Deutſchlandlied mit. Es iſt ſo,
8 müſſe Deutſchland in ſeiner äußerſten Landſchaft ſich im
ſinen ſelber offenbaren.
Wer einmal auf der ſchnellen Fahrt nach Breslau in
r Nähe von Liegnitz nach Süden ſah, dem wird der Zau=
n
der ſchleſiſchen Landſchaft offenbar geworden ſein. Er hat
was von der Seele der ſchleſiſchen Landſchaft ſelber erlebt,
inn mit ſeinem Blick wandert die Sehnſucht, die ſich ſelber
her Stufen hinaufhebt, bis ſie vor dem Altar des ſchleſiſchen
bchgebirges kniet. Von dieſer Sehnſucht lebt das ganze Land.
8 iſt dasſelbe Hinaufſehnen der Landſchaft wie im großen
Zterland. Von der breiten niederdeutſchen Tiefebene geht es
in Deutſchland in Stufen über das deutſche Mittelgebirge bis
im Hochaltar der Alpen hinauf. Schleſien ſpiegelt dieſe Sehn=
ſcht
im kleinen wider. Die Lüneburger Heide findet in der
lederſchleſiſchen Heide ihre kleine Schweſter: auch
er hocken die Wacholderbäume im Kiefernwald. Hier um
ſagan und Bunzlau, den alten Boberſtädten, rauſchen
ſermeßliche Kiefernwälder und dehnen ſich die weiten mit
Eidekraut überwücherten Höhen. Hier trifft man auch auf ein=
ſe
Menſchen, die in ihrer breiten Sprache an die niederdeut=
den
Bauern erinnern. Fahren wir aber den Bober entlang
S über die Oder, ſo ſind wir im Maſurenland. Am
Glawer See grüßt uns die geheimnisvolle Landſchaft Oſt=
ſeitßens
. Wer aber von Breslau aus die völlige Einſam=
a
ſucht, die er vielleicht aus Fontanes Wanderungen durch
kandenburg her kennt, der findet in der Militſcher Teich=
gend
noch die unberührte Natur, hört noch den Kranich
Meien und ſieht Vögel, die er ſonſt nur dem Namen nach
mat. In Breslau aber durchwandert er zwei Zeiten und

Welten. Auf der Dominſel iſt er im Mittelalter in einer ſüd=
deutſchen
gotiſchen Stadt, in der Schweidnitzer Straße hört er
den Pulsſchlag der Weltſtadt unſerer Zeit. Wenn er aber auf
der Libichshöhe ſteht, ruft ihn die Sehnſucht: Da erhebt ſich
wie eine Pyramide im zarteſten Blau ein ſeltſamer Berg in
der Ferne empor. Er iſt das Sinnbild Schleſiens: der Zobten.
Er iſt der Turmwächter vor den Bergen, die Sphinx, an der
jeder vorüber muß. Wie ein ungeheures Grabmal, wie ein von
der Natur geſchaffenes Ehrenmal, ruht er in der breiten ſchleſi=
ſchen
Ebene. Und nun hinein in die thüringiſchen Berge:
in das Bober=Katzbachgebirge. Hier darf man nicht
vergeſſen, auf den Großen Hau zu ſteigen, um mitten im
Thüringer Wald zu ſein. Die Katzbach rauſcht im Tale, und
von dem deutſchen Burgenland blieb auch hier ein Kranz auf
den Kuppen ſtehen. Da grüßt die Burg Nimmerſatt, die
Bolkoburg, die Burg Schweinhaus. Der Harz fin=
det
in der Hohen Eule ſeine Schweſter. Das wunderſame
Waldgebirge, ſolange vergeſſen, hält noch alle Reichtümer bereit,
die ein unberührtes Gebiet zu verſchenken hat. Etwas von
der Geſchloſſenheit des Schwarzwaldes findet der Wanderer aber
im Grafſchafter Ländel. Undurchdringliche Wälder um=
ſtellen
hier wie ein Kaſtell das Tal der Glatzer Neiße. Der
Glatzer Schneeberg hält hier Wacht und pflegt nachts
Zwieſprache mit ſeinem Bruder, dem Altvater, der, ſo nahe
gerückt dem Glatzer Bergland, doch unter fremder Macht
ſteht, obwohl die Menſchen um ihn her die ſchleſiſchen Lieder
ſingen wie im ganzen ſchleſiſchen Lande. Dann hat der Wan=
derer
in der Heuſcheuer einen kurzen Ausflug in die Sächſiſche
Schweiz. Die Quaderſteine der Sandſteingebirge bauten hier
ihre Burgen. Und dann ſind wir mitten im Bergkuppenland
der Rhön: es iſt das Waldenburger Bergland. Dieſe
Baſalt= und Porphyrkuppen mit dem Hochwald, dem
Heidelburger= und Sattelwald geben uns erſt den
Begriff von Gebirge. Jeder Berg ſteht als ſein eigener da.
Wie Blumen blühen zu ſeinen Füßen die roten Ziegeldächer der
Dörfer. Wer aber dann bei Sonnenſchein vom Hirſchberg
aus den Blick hebt, der glaubt, daß die Bergwelt der Alpen
ſich in dem hoheitsvollen Kranz des Rieſengebirges vor ihm
auftut. Selten wird ſelbſt dem Alpenwanderer ein ſo groß=
artiger
Anblick geſchenkt. Wo aber auch der Wanderer dann
hinkommt, ob er aus dem Elbetal aufſteigt oder aus der Lieb=
lichkeit
Agnetendorfs und den Schneegruben zuwandert, er
iſt immer von der Stille der Vorbergwelt mitten in das Alpen=
hochgebirge
geriſſen. Schweſterlich legt ſich an das Rieſengebirge
das waldreiche verträumte Iſergebirge an.
In dieſes Land Schleſien, das weit vor dem Kranz der
Berge ruht, ſind un die Städte eingeſtreut, die in ihrer Art

auch wieder das Deutſchlandlied ſingen. In den Wäldern Ober=
ſchleſiens
, von wo aus Eichendorffs Lied aufſtieg, erhebt ſich die
Weltſtätte der Arbeit: Beuthen, Gleiwitz, Hinden=
burg
, Königshütte Kattowitz, wie die Stätten an
der Ruhr. Ein kleines Nürnberg iſt die alte Stadt Neiße
mit ihrem herrlichen Markt. In Liegnitz begegnet uns der
ſchleſiſche Barock, der dem Würzburger Barock in nichts nach=
ſteht
. Görlitz prunkt mit ſeinen prächtigen Renaiſſancebauten
und einer koſtbaren Ratstreppe. Stünden die Türme Löwen=
bergs
in Süddeutſchland, die Schar der Wanderluſtigen ans
dem Reiche würde nicht enden; es iſt unſer kleines Rothenburg.
Der Hirſchberg findet ſeinesgleichen nicht wieder. Die Lau=
ben
um den Markt oder Ring wie wir es nennen, hat keine
niederdeutſche Stadt ſo ſchön ſich erhalten. Ich darf die 12
Apoſtel in Schömberg nicht vergeſſen, nicht den Grüßauer
Barock, nicht das . . . halt! Ich kann nicht alles nennen. Fahrt
ſelbſt ins ſchöne Schleſien und findet euch dort irgendwie zu
Hauſe. Vergeßt nicht, wenn ihr krank oder erholungsbedürftig
ſeid, daß Warmbrunn und Salzbrunn, Althaide, Reinerz und
Koweda, Charlottenbrunn und Landeck alle Gaben der Natur
bereit halten, um zu helfen und zu heilen.
So birgt das kleine Schleſien die Seele des großen Vater=
landes
. Kein Wunder, daß darum auch der ſchleſiſche Menſch ſo
deutſch iſt, daß man auf ihn bauen kann in jeder Not. So hält
er auch hier im Oſten die Wacht, und wer mit ihm auf den
Bergen oder in den Wäldern zuſammenkommt, wird einen lie=
ben
, etwas verträumten Menſchenſchlag kennen lernen, der das
wahr macht, was man von der Eigenart ſeines Menſchenſchlages
geprägt hat: ſie iſt die Trägerin der ſchleſiſchen Gemütlichkeit.
Land und Leute warten auf den deutſchen Menſchen! Ver=
geßt
nicht, daß eine Fahrt ins ſchöne Schleſierland immer eine
Hilfe ift für den Schleſier, der ſeine ſchwere Wacht im Oſten hält!

Der neue Führer durch die deutſchen Oſtſeebäder für 1931,
herausgegeben vom Verband Deutſcher Oſtſeebäder (E. V.), mit
Karte der Küſte iſt erſchienen. Der Führer enthält, wie alljähr=
lich
, die neueſten Nachrichten über die Bäder und Städte von
Schleswig=Holſtein bis zum Memelland, ihre Beſchreibung, ihre
Unterkunftsmöglichkeiten und ihren Reiſeweg. Nach dem das Bad
beſchreibenden Text befinden ſich die Anzeigen der Hotels und
Penſionen; die Fahrpläne der einzelnen Reedereien befinden ſich
im Anhang. Der Preis des Führers, der, 216 Seiten ſtark, in
dieſem Jahre in einer ganz neuen und modernen Aufmachung er=
ſchienen
iſt, beträgt 1 RM. zuzüglich 15 Pf. Porto, und iſt durch
die Auskunftsſtelle des Verbandes in Berlin, Streſemannſtr 128.

zu beziehen. Schriftliche Beſtellungen nur nach Berlin W 35,
Genthiner Sraße 27. Der Führer iſt auch in allen größeren
Städten ven den Reiſebüvs zu beziehen. (Nachnahme 1,45 RM.)

[ ][  ][ ]

Seite 4

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Nummer 172

Aus der Landeshauprſitor.
Darmſtadt, den 23. Juni 1931.
Skürzt die Pfeiler des Berſailler Verkrags!
Das Amt für politiſche Bildung der Darmſtädter Studenten=
ſchaft
erläßt folgende Erklärung:
In wenigen Tagen jährt ſich zum 12. Male die Stunde, in
der wir den ſchändlichſten, haßvollſten und ſchmachvollſten Frie=
densvertrag
unterzeichneten, der jemals einem beſiegten Volke
aufgezwungen worden iſt. Man kann der Zahl 12 ſymboliſche Be=
deutung
zuſchreiben: Ein Dutzend Jahre tiefſter deutſcher Not voll!
Die Uhr ſteht auf 12! Wann werden die Staatslenker der ehe=
maligen
Feindſtaaten erkennen, daß für Europa und die Welt
eine Schickſalsſtunde von vielleicht noch größerer Bedeutung als
die von 1914 geſchlagen hat?
Der Verſailler Vertrag! Der Klang, das Ausſprechen dieſer
drei Worte allein muß ſchon jedem. der ſich noch einen Reſt deut=
ſchen
Fühlens bewahrt hat, die Röte der Scham und des Zorns
ins Geſicht treiben. Und kaltes Grauſen erfaßt den, der die Be=
ſtimmungen
dieſes Friedensvertrages lieſt, vor ſo abgrundtie=
fem
, unmenſchlichem Haß, der aus jeder einzelnen Beſtimmung
ſpricht.
Dieſer Vertrag, dieſes Joch, unter das ſich 70 Millionen
Deutſche beugen mußten, lagert ſich auf zwei Pfeilern, mit denen
es ſteht und fällt:
Auf der Kriegsſchuldlüge und der Koloniallüge!
Und das iſt unſere Hoffnung: Dieſe Pfeiler ſind im Stürzen!
Unſere eherne Pflicht: Mit aller Kraft den entſcheidenden
Stoß zu führen!
Deutſche Männer und Frauen! Denkt ihr von Zeit zu Zeit
immer wieder einmal daran, was es heißt: Deutſchland iſt ſchuld
am Kriege? Damit tragen wir vor Gott und der Welt die Ver=
antwortung
für alle Toten dieſes Krieges, für alles Leid der
Mütter aller Völker, für alle Qualen der Verwundeten, Verſtüm=
melten
, Gefangenen, für den Zerfall von Sitte und Kultur, und
endlich noch die Verantwortung für einen ungeheuren materiellen
Schaden. Und dieſe Verantwortung beruht auf einer Luge! Und
dieſe Lüge iſt die Urſache der gegenwärtigen Not! Darum: Fort
mit der Kriegsſchuldlüge!
Fort aber auch mit der Koloniallüge! Ein Beſitz von gar nicht
hoch genug zu ſchätzendem Wert iſt uns geraubt worden, unter dem
lächerlichen Vorwand. Deutſchland könne nicht koloniſieren. Wa=
rum
haben denn tauſende Askaris freiwillig bis zum bitteren Ende
für Deutſchland gekämpft? Für eine Sache, die auch ſie für ver=
loren
hielten. Warum haben kürzlich in Tanga, trotz engliſchen
Drucks, die Schwarzen den deutſchen Auslandskreuzer mit einer
wahrhaft jubelnden Begeiſterung begrüßt? Die Wahrheit bricht
ſich Bahn, die Zeit arbeitet für uns! Nur jetzt kein Erlahmen im
Kampf gegen die Lüge!
Die akademiſche Jugend betrachtet es als Ehrenpflicht, dabei
in vorderſter Reihe zu ſtehen. In machtvollen Kundgebungen im
ganzen Reiche war ſie beſtrebt, Bevölkerung und Regierung wach=
zurütteln
. Auch in Darmſtadt wird am 25. Juni eine Kundgebung
veranſtaltet, zu der die Studentenſchaft alle deutſchen Männer und
Frauen aufruft. Zeit und Ort werden noch in dieſer Zeitung be=
kannt
gegeben.
Erledigte Stellen. Erledigt iſt eine Lehrerſtelle für einen
evangeliſchen Lehrer an der Volksſchule in Rinderbügen,
Kreis Büdingen. Dienſtwohnung vorhanden und ſofort beziehbar.
Erledigt iſt eine Schulſtelle für eine katholiſche Lehrerin an der
Volksſchule in Rüſſelsheim, Kreis Groß=Gerau. Dienſtwoh=
nung
iſt nicht vorhanden.
In den Ruheſtand verſetzt wurde: Am 12. Juni: der Juſtiz=
oberinſpektor
bei dem Amtsgericht in Mainz Andreas Stoffel
auf ſein Nachſuchen, mit Wirkung vom 1. Oktober 1931.
Arbeitsjubiläum. Am heutigen Tage begeht Herr Adam
Boßler, Arheilgen, Merckſche Kolonie 22, ſein 40jähriges Ar=
beitsjubiläum
bei der Firma E. Merck, Darmſtadt.
Vereinigte Kriegervereine der Haſſia‟, Darmſtadt. Die
Darmſtädter Studentenſchaft. Amt für politiſche Bildung, ladet
die Kriegervereine zu einer Kundgebung am 25. Juni für Wieder=
erlangung
der Kolonien ergebenſt ein. Zeit und Ort teilt die
Studentenſchaft in den Tageszeitungen noch mit.
Opernſchule der Städt. Akademie für Tonkunſt. Wie ſchon
bekanntgegeben, findet am Montag, den 29. Juni, als 2. Prü=
fungsaufführung
der Opernſchule der Städt. Akademie im Großen
Saal des Städt. Saalbaues, abends 8 Uhr, eine Aufführung der
Oper La Traviata von Verdi ſtatt. In den Hauptpartien ſind
beſchäftigt: Frl. Hert v. Hagen: Violetta. Vincenz Breſer: Alfred,
und Hermann Nahm: Vater Germont. Die kleineren Partien
werden geſungen von Waltraut Bernhardt (Flora), Annemarie
Ottenheimer (Annina) Georg Koop (Gaſton), Karl Ewald (Ba
ron Douphal), Hans Kern (Marquis), Channie Penk (Doktor).
Die Regie hat Heinrich Kuhn vom Heſſ. Landestheater Darmſtadt.
Als muſikaliſcher Leiter des Abends ſteht der Städt. Muſikdirek=
tor
Profeſſor Wilhelm Schmitt an der Spitze des Orcheſters der
Städt. Akademie für Tonkunſt (Inſtrumentalverein). Im Geſell=
ſchaftsakt
wirken außerdem Damen und Herren der Opernſchule
der Städt. Akademie mit. Karten von 1 bis 3 RM. im Sekreta=
riat
der Städt. Akademie für Tonkunſt, Eliſabethenſtraße 36,
Telephon 3500.
Heſſiſches Landestheafer.

Dienstag, den 23. Juni 1931

Seite 5

Gaſtſpiele des Heſſiſchen Landestheaters in Bad=Nauheim
Dienstag, den 23 Juni 1931: Der raſende Sperling
Donnerstag, den 25. Juni 1931: Zar und Zimmermann
Sonntag, den 28. Juni: Spiel im Schloß
Heſſiſches Landestheater. Beethovens Fidelio gelangt
heute Dienstag im Großen Haus außer Miete bei halben Preiſen
zur Aufführung. Als Gäſte wirken Johanna Heſſe (Leonore) und
Heinrich Hölzlin (Rocko) mit. Die muſikaliſche Leitung liegt in
Länden von Herrn Dr. Hans Schmidt=Iſſerſtedt, dem muſikaliſchen
Oberleiter der Städtiſchen Bühnen in Roſtock. Morgen Mitt=
voch
werden im Großen Haus Mascagnis Cavalleriaruſti=
cana
und Leoncavallos Bajazzo unter muſikaliſcher Lei=
tung
von Carl Maria Zwißler in Szene gehen. Alt= Hei=
delberg
von Wilhelm Meyer=Förſter wird in der erfolgreichen
Neuinſzenierung von Renato Mordo Donnerstag, den 25. Juni,
außer Miete letztmalig zur Aufführung kommen. Elſe Knott,
die für die nächſte Spielzeit an die Städtiſchen Bühnen in Eſſen
verpflichtet wurde und dort als erſte Rollen die Titelrolle in Carl
Zuckmayers Katharina Knie, die Franziska in Minna von
Barnhelm und das Gretchen im Fauſt ſpielen wird, verab=
ſchiedet
ſich mit dieſer letzten Aufführung von Alt=Heidelberg
als Käthi vom Darmſtädter Publikum. In dieſer Aufführung fin=
det
auch das letzte Auftreten von Franz Pfaudler ſtatt, der an
das Stadttheater in Königsberg engagiert iſt.

Der Odenwaldklub 1930/31.

Die Getreuen des Odenwaldklubs, des großen Heimat=
und Wandervereins, der ein Netz von Ortsgruppen vom Main im
Norden bis Bruchſal im Süden und vom Rhein im Weſten bis
Wertheim=Adelsheim=Wimpfen im Oſten ausgebreitet hat, rüſten
in dieſen Tagen zu ihrer alljährlichen großen Heerſchau. Zu Mil=
tenberg
a. M. ſoll ſie am 27. und 28. Juni 1931 ſein. Seine
alten Gaſſen werden widerhallen vom Friſchauf der frohgemuten
Wanderſcharen, die ſich jetzt ſchon mit 2000 Mitgliedern angemeldet
haben, die Tore Miltenberger Gaſtlichkeit werden ſich weit öffnen,
die Klubgenoſſen aus nah und fern gebührend zu empfangen.
Zur Tagung iſt in Nr. 6 der Vereinszeitſchrift Unter der Dorf=
linde
ein ausführlicher Jahresbericht erſchienen, aus dem
wir über die Entwicklung des Verbandes im abgelaufenen Jahre
folgendes entnehmen:
Der Odenwaldklub hat wie alle Vereine, die nicht rein auf
materielle Beſſerſtellung ihrer Mitglieder hinarbeiten, unter der
Not der Zeit zu leiden. Eine der vielen traurigen Folgen der
wirtſchaftlichen Notlage iſt ja die Tatſache, daß ſo manche Kultur=
arbeit
, die von Vereinen und Verbänden im Stillen für die All=
gemeinheit
geleiſtet wird, heute durch eine allgemeine Vereins=
flucht
gefährdet wird. Und zwar eine Vereinsflucht ſehr oft von
ſeiten von Leuten, die durch ihre ſoziale Stellung in erſter Linie
berufen wären, die Notwendigkeit ſolcher Arbeit anzuerkennen und
durch ihre Mitgliedſchaft zu unterſtützen gerade wegen und
trotz der allgemeinen wirtſchaftlichen Not. Ein Blick auf die
Jahresarbeit des Odenwaldklubs erweiſt die Richtigkeit dieſer Be=
hauptung
: 107 Ortsgruppen von 117 haben regelmäßige Wan=
derungen
unternommen, und zwar insgeſamt 1333 mit einer
Durchſchnittsbeteiligung von 27 Perſonen, d. h. alſo 36 000 Men=
ſchen
ſind hinausgeführt worden, um in der freien Natur neue
Kraft zu ſammeln für die Unraſt des Alltags. 2892 treue Wan=
derer
erhielten das goldene Abzeichen für ihre treue Teilnahme
an den Wanderungen (1929: 2722), darunter 708 Frauen und 426
Jugendliche. Die Spitzenwanderer erhielten bereits die 27. Aus=
zeichnung
! Schon dieſe Zahlen erhärten die Bedeutung der Wan=
dervereine
und zeigen, daß im Odenwaldklub kräftiges Leben pul=
ſiert
. Der Mitgliederverluſt von 1100 Mitgliedern iſt ſchmerzlich,
aber aus den Zeitverhältniſſen zu begreifen. Der Mitglieder=
ſtand
beträgt heute noch rund 13 500. Mitglieder, die aus wirt=
ſchaftlichen
Gründen ihren Beitrag nicht zu bezahlen in der Lage
ſind, werden beitragsfrei geführt: Eine Gemeinſchaft von Gleich=
geſinnten
will der Klub bewußt ſein. Neben den Wanderungen
ſteht die Arbeit des Klubs für die Erſchließung des Gebirges:
Ueber 3600 Kilometer Länge beſitzt die farbige Wegbezeich=
nung
, die in 24 Haupt= und 67 Nebenlinien das ganze Gebirge
nach wohldurchdachtem Plane durchzieht. Miniſterialrat Gun=
trum
mit ſeinen treuen Wegbezeichnern hält die Markierung in
Ordnung; neue Linien wurden auf der Rheininſel Kühkopf von
der Ortsgruppe Goddelau geſchaffen. Die neue Wegbezeich=
nungskarte
(im Verlage von Ravenſtein) mit Erläuterungs=
heft
iſt im Jahre 1930 herausgekommen und hat wegen ihrer
muſtergültigen Ausführung allgemein Anklang gefunden. Kar=
ten
im Maßſtab 1: 25000 von der Bergſtraße ſind ſchon in
früheren Jahren geſchaffen worden. Wieviele Wanderer be=
nutzen
die Wegbezeichnung, ohne dem Odenwaldklub ihr Scherflein
zu ihrer Erhaltung beizutragen? Wieviele benutzen die Bauten
des Klubs? 8 Ausſichtstürme, 2 Klubhäuſer, 38 Schutzhütten
und Tempel, 13 Ruheplätze, 16 Quellenanlagen werden vom Oden=
waldklub
unterhalten, ebenſo viele hundert Ruhebänke. Etwa
30 000 Mark wurden im abgelaufenen Jahre vom Geſamtverein
und den Ortsgruppen für die Erhaltung der Klubbauten aufge=
wandt
. In zahlreichen Eingaben wurden Verkehrsverbeſſe=
rungen
angeſtrebt und erreicht, in Zuſammenarbeit mit den
Verkehrsverbänden. Jedes Mitglied erhält die von Direktor Kiſ=
ſinger
geleitete Vereinszeitſchrift Unter der Dorf=
linde
monatlich. Und alle dieſe Arbeit leiſtet der Geſamtverein
für einen jährlichen Kopfbeitrag von 2 Reichsmark, zu dem die
einzelnen Ortsgruppen für ihre Bedürfniſſe noch verſchieden hohe
Zuſchläge erheben. Darum hat der Klub ein Recht zu verlangen:
Seid dankbar und unterſtützt die Klubarbeit
durch Mitgliedſchaft, auch wenn ihr ſelbſt nicht
mitwandern könnt! Vor allem haltet dem Klub
in dieſen Notzeiten die Treue!
Die Führung des Klubs hatte auch im abgelaufenen Jahre
Oberbürgermeiſter Mueller=Darmſtadt, dem ein 24gliedriger
Hauntausſchuß zur Seite ſtand. 20 Gemeinden unterſtützten
die Beſtrebungen des O.W.K. durch korporative Mitglied=
ſchaft
, eigentlich eine beſchämend geringe Zahl! Die wohl=

gelungene 48. Hauptverſammlung fand zu Dieburg ſtatk.
zahlreiche Gauverſammlungen und Sternwande=
rungen
führten benachbarte Gruppen zu froher Geſelligkeit zu=
ſammen
. Daß der Klub über einen ſtarken Stamm treuer Mit=
glieder
verfügt, beweiſt die Tatſache, daß wieder 122 Mitglieder
das Abzeichen für 25jährige und 14 für 40jährige Mitgliedſchaft
erhalten konnten. Die Zahl der Ehrenmitglieder des Ge=
ſamtklubs
beträgt jetzt 31. Höhepunkte der Veranſtaltungen der
Ortsgruppen bildeten die Wanderfeſte, deren 91 ſtattfanden;
zahlreiche andere Feſte wie Sonnwendfeiern und Heimatabende
ſind oft die Mittelpunkte des geſelligen Lebens der Dörfer und
Städtchen des Odenwaldes. 63 Ortsgruppen haben feſte Klub=
abende
. Zahlreiche Vorträge, zum großen Teil mit Licht=
bildern
, dienten der Belehrung und Ausgeſtaltung der Zuſammen=
künfte
, ebenſo die Tätigkeit der 14 Geſangsabteilungen und
18 Klampf= und Streichorcheſter. Bei den Wanderfeſten
finden meiſt die Stücke der Heimatdichter ihre Aufführung,
vor allem Werke von Bechtel, Becker, Buxbaum, Haßloch, Köſer,
Löffler, Schaffnit. Stoll u. a. Die Vereinszeitſchrift
Unter der Dorflinde erſcheint jetzt wieder monatlich in einer
Auflage von 16 000 Exemplaren; ihr vollwertig zur Seite ſteht
das Friſchauf, das Julius Münch für die Ortsgruppe Mann=
heim
herausgibt. Die Bauten des Klubs ſind in guter Ord=
nung
. Der Neubau des Ihrigturms auf dem Lärmfeuer
geht ſeiner Vollendung entgegen, die Wiederherſtellung des Wün=
zerturmes
auf dem Schimmelberg iſt nur noch eine Frage der
Zeit. Die Ortsgruppen arbeiten auch auf dem Gebiete des
Heimatſchutzes und der Volkskunde durch Erhaltung und
Pflege alter Sitten und Bräuche (Sonnwendfeuer, Faſtnachtsrad,
Sommertagszug, Spinnſtube) von Volkslied, =tracht und =tanz.
Zahlreiche Heimatmuſeen fanden Unterſtützung durch Mit=
arbeit
und geldliche Beihilfe. Dem Naturſchutz ſchenkte ein
beſonderer Ausſchuß und ein Netz von Vertrauensleuten im gan=
zen
Klubgebiet ihre Aufmerkſamkeit. Die Verkehrsfragen
hat auch im vergangenen Jahre Bürgermeiſter Daub in muſter=
gültiger
Weiſe bearbeitet; ſeine Arbeit erſtreckt ſich auf die Schaf=
fung
günſtiger Verkehrsverbindungen. Zuſammenarbeit mit den
Verkehrsverbänden wurde angeſtrebt. Dr. Finger=Darmſtadt
verwaltete die Auskunftsſtelle, die in zahlreichen Fällen
Wanderungen zuſammenſtellte, Sommerfriſchen vermittelte und
ſonſtige Auskünfte erteilte; der Verſand der Materiglien lag in
der Hand von Oberinſpektor Dang. Der Geſamtklub gehört als
führendes Mitglied der Bergwacht Odenwald an; insge=
ſamt
haben 17 Ortsgruppen 119 Bergwachtleute aufgeſtellt. Der
Heranbildung eines wanderfrohen Nachwuchſes dient der Jung=
odenwaldklub
. Er ſtand im abgelaufenen Jahre unter der
Leitung von Hauptlehrer Schuhmann=Schriesheim und um=
faßte
762 Mitglieder in 30 Jugendgruppen an 23 Orten. Der
Jungodenwaldklub iſt in 4 Bezirke geteilt und verfolgte ſeine Ziele
durch Wanderungen, Heimabende, Sternwanderungen, Sonnwend=
feiern
und einen Jugendtag. Aus 10 Jugendgruppen traten 42
Mitglieder über 21 Jahren ſatzungsgemäß in den Odenwaldklub
über Der Jugendherbergsverband. Gau Südheſſen
und Baden, wurden durch namhafte Geldbeiträge unterſtützt; die
Ortsgruppe Beerfelden hat eine eigene gemütliche Jugendherberge
geſchaffen. Der Odenwaldklub iſt Mitglied des Reichsver=
bandes
Deutſcher Gebirgs= und Wandervereine,
der 250 000 Mitglieder umfaßt. Der 39. deutſche Wandertag fand
in Blankenburg am Harz ſtatt und brachte einen völlig neuen
Vorſtand. Im Januar 1931 wurde der Verbandsvorſtand zu
Frankfurt a. M. endgültig konſtituiert; dieſem 7gliedrigen Vor=
ſtand
gehört auch der Schriftführer des Geſamtodenwaldklubs an.
Eine eindrucksvolle Sternwanderung am Himmelfahrtstag 1931
zu Friedberg i H warb für den deutſchen Wandergedanken.
Verſtändnisvolle Unterſtützung fand der Odenwaldklub auch im ab=
gelaufenen
Jahre durch zahlreiche ſtaatliche und ſtädtiſche Be=
hörden
; die Forſtbehörden Heſſens und Badens verſagten
ihm ebenſo wenig ihre Hilfe, wie die in Frage kommenden
Reichsbahn= und Oberpoſtdirektionen ſowie die
Preſſe aller Richtungen.
Dieſer gedrängte Ueberblick zeigt, daß auch im abgelaufenen
Jahre im Odenwaldklub eine Fülle nützlicher Arbeit geleiſtet
wurde, ebrenamtlich geleiſtet wurde in einiger Zuſammenarbeit
von Hauptausſchuß. Ortsgruppen und Mitgliedern. Möge dies
auch in Zukunft ſo bleiben, dann wird der Klub, der 1932 auf eine
50jährige Tätigkeit zurückblickt, auch die ſchweren Jahre gut über=
ſtehen
und an ſeinem Teile weiter mitarbeiten können an dem
Wiederaufbau unſeres Vaterlandes!
Dr. Götz=Darmſtadt.

Großes Haus Dienstag, 23. Juni Außer Mie e
Ra
Halbe Preiſe 0.50 5 Mk.
Fidelio Mittwoch, 24. Junt B 26
2022.45
Cavalleria rusticana hier. : Der Bajazzo
Preiſe 110 Mk. 20, Ende gegen 22.30 Uhr. Außer Miete
Donnerstag, 25 Juni Aeit=Heidelberg Kleine Pr. 0.504M: Freitag 26. Juni E 23
2022.4)
Preiſe 110 Mk.
Der Troubadour Samstag, 27. Juni Die drei Musketier: C26
19 30 Ende nach 22 Uhr
Pr. 110 Mr. Sonntag, 28. Juni 19 30, Ende geg. 22 45 Uhr Außer Miete
Halbe Preiſe 0.503 Mk.
Carmen Kleines Haus Freitag, 26. Juni 20, Ende egen 22 Uhr Außer Miete
Spiel im Schloß. Halbe Pr. 0.603 Mr. 20, Ende gegen 22 Uhr Samstagsmiete
1. Vorſtellung Eröffnungsvorſtellung der
Samstag, 27. Junt Sommerſpielzeit Bruno Harprecht
Arm wie eine Kiechenmaus Pr. 13 Mk 20, Ende gegen 22 Uhr Außer Miete.
Sonntag, 28. Juni Armwie eine Kirchenmaus Pr. 13Mk.

Ortsgewerbeverein und Handwerkervereinigung Darmſtadt.
Wer künftig ſchwere ſteuerliche Nachteile vermeiden will, der
wende der jetzt fälligen neuen Vermögensſteuererklä=
rung
größte Aufmerkſamkeit zu und orientiere ſich in unſerer
öffentlichen Steuerverſammlung am kommenden
Freitag, dem 26. Juni, abends 8 Uhr, im großen Saale der
Krone. Ein hervorragender Sachkenner wird dann alle Auf=
klärungen
geben, die insbeſondere für alle Gewerbetreibenden und
für alle Hausbeſitzer von größter Bedeutung ſind. Alle an der
neuen Vermögensſteuererklärung Intereſſierten ſind zu unſerer
Verſammlung herzlichſt eingeladen. (Näheres ſiehe Anzeige.)
Der Zyklus volkstümlicher Konzerte wird heute Dienstag
abend in dem Garten des Reſtaurant Rummelbräu fortgeſetzt.
Für dieſes Konzert iſt ein modernes Programm vorgeſehen, in
welchem die allerneueſten Tonfilmſchlager und die Revueoperette
Die drei Musketiere nicht fehlen werden. Perſönliche Leitung:
Matthias Weber. Am Mittwoch, dem 24. Juni, findet
wiederum im Rahmen dieſer volkstümlichen Konzerte im Garten
des Hotels Prinz Heinrich, untere Bleichſtraße, ein Operetten=
und Schlagerabend ſtatt, bei welchem, dem Garten angevaßt, das
Orcheſter in Streichmuſikbeſetzung ebenfalls unter Matthias
Webers Leitung den Gäſten Ablenkung und Erbauung bieten wird.
Obige volkstümlichen Konzerte finden bei freiem Eintritt ſtatt.
(Siehe auch Anzeige.)

schmerzlindernd
und belebendbei Rheuma,Ischias, 9.
Kopf=, Nerven= und Erkältungs=
ſchmerzen
, Ermüdung u. Strapazen A
55 Apotbeken und Drogerien.

7Meliſſ.=3Musk.=1Nelk.=6Zitr.=5 Zimt=u.
Lav.=Ol. 18, 14 Menth., 400Waſſ., 600 Spir.

Das Union=Theater bringt ab heute, nur drei Tage, in Neu=
aufführung
Harry Liedtke in der luſtigen Verwechſlungskomödie
Der Korvettenkapitän, mit Maria Paudler, Lia Eibenſchütz,
Hans Junkermann und Max Ehrlich. Regie; Rudolf Walther=
Fein. Dazu das gute Beiprogramm. Jugendliche haben Zutritt.
Beginn 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr.
Im Helia=Theater ſieht man nur noch heute und morgen
Conrad Veidt, Heinrich George und Trude von Molo in dem
großen Senſations=Drama. Der Mann, der den Mord beging.
Beginn 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr.
Die Palaſt=Lichtſpiele bringen ab heute im Doppelſpielplan
den ſenſationellen Abenteuerfilm Die geheimnisvolle Inſel, nach
dem Roman 20 000 Meilen unter dem Meere von Jules Verne,
und im 2. Teil den K=iminalfilm. Null Uhr mit Lionel Barry=
more
und Jacqueline Gadsdon. Beginn 3.30, 5.45 und 8.15 Uhr.
Auf die Fahrten des Rhein=Reiſe=Büros Siegfried Halm
in Mainz ſei nochmals hingewieſen. Die nächſte Fahrt nach Rüdes=
heim
. dem Orte echt rheiniſcher Stimmung, findet am Donners=
tag
, die ins Nahetal am nächſten Dienstag ſtatt. Karten ſind
jederzeit bei J. Ph. Leuthner, Ernſt=Ludwigsplatz, Telephon 787,
erhältlich. (Näheres ſiehe heutige Anzeige.)
Lokale Beranſtalkungen.
Im ideal gelegenen Sportplatzreſtaurant
finden wieder täglich Konzerte ſtatt ſowie jeden Mittwoch und
Samstag die beliebten Kaffee= und Kuchentage.
Im Wiener Kronenbräukeller finden dieſe
Woche zwei große Konzerte ſtatt. Das Dienstagskonzert iſt volks=
tümlich
gehalten und bringt für jeden Konzertbeſucher etwas. Für
Freitag iſt ein vaterländiſcher Abend vorgeſehen, wobei die Spiel=
leute
der früheren 115er unter Leitung von Herrn Kapellmeiſter
Willy Schlupp mitwirken. (Siehe Anzeige.)

Ergebnis der Angeſtellkenratswahlen.

Die Wahlen ſind jetzt allgemein durchgeführt worden, ſo daß
ein Geſamtergebnis feſtgeſtellt werden kann. Gegenüber dem Vor=
jahre
iſt ein allgemeiner Rückgang der Angeſtelltenräte zu ver=
zeichnen
. Viele Betriebe ſind für immer geſchloſſen worden, in
vielen anderen Fällen iſt die Zahl der Arbeitnehmer unter 20 ge=
ſunken
, was in erſter Linie für Klein= und Großhandelsbetriebe
in Frage kommt. Mehr als 400 000 ſtellenloſe Angeſtellte ſtellen
den Beweis für dieſe Angaben. Die nachſtehend veröffentlichte
Ueberſicht ſtellt eine Erhebung des Gewerkſchaftsbundes der An=
geſtellten
(GDA.) dar und enthält die von dieſem Bunde erfaßten
Betriebe. Dieſe Einſchränkung gilt für jede Verbandsſtatiſtik auf
dieſem Gebiete, da es im Weſen ihrer begrenzten Erfaſſungsmog=
lichkeiten
liegt, daß ſie nur einen Teilausſchnitt aus der Geſamt=
heit
geben kann.
Die Zuſammenſtellung ergibt: In 5129 Betrieben waren ins=
geſamt
18 601 Angeſtelltenratsſitze vorhanden, dem GDA. gehörten
7083 oder 38,1 v. H. als Mitglieder an, dem DHV. 2851 oder 15,3
v. H., und dem Z.d.A. 1919 oder 10,3 v. H. Die anderen Verbände
bleiben unter 10 v. H.
Die Revue des Lachens Sondergaſtſpiel im Orpheum.
Heute Dienstag, 23., morgen Mittwoch 24., ſowie Donnerstag,
25. Juni, abends 8.30 Uhr, gibt Mlle Baldini, die Meiſterin
der Grotesk=Komik, die vielgerühmte Vedette comique vom Mou=
lin
rouge Paris mit ihrem etwa 40 Perſonen umfaſſenden
vortrefflichen Revue=Enſemble ein nur 3 Tage währendes Gaſt=
ſpiel
im Orpheum. Das Enſemble verfügt über eine Reihe erſt=
klaſſiger
Varieté=Akte. Außer Mlle Baldini, die in ihren Sketches
das draſtiſchſte an Grotesk=Komik bietet, was man je von einem
weiblichen Komiker geſehen hat, ſind zu nennen: Boizoff und
Radovany, das fabelhafte ruſſiſche akrobatiſche Tanzpaar, fer=
ner
Oskar Andrex, der liebenswürdige Tänzer und Chanſonier
2 la Maurice Chevalier, Joſé Garrik, der ſtimmgewaltige Bari=
ton
, Beretta, der famoſe Komiker, Lilli Flor und Vally
Schwarz, die ausgezeichneten Sängerinnen, ſowie die raſſigen
und ausgeſucht ſchönen 16 Red Mills Girls. Der heutige
Premierenabend dieſer vielſeitigen Revue dürfte Ihnen lange in
Erinnerung bleiben! Die Baldini=Revue bildet überall das Tages=
geſpräch
! Alles Nähere iſt aus der heutigen Anzeige erſichtlich.
Siehe auch Plakattafeln!
Für die Sommerſpielzeit Bruno Harprecht im Heſſiſchen
Landestheater, die am kommenden Samstag ihren Anfang nimmt,
wird an allen Wochentagen eine Miete, umfaſſend je 7 Vorſtel=
lungen
, ausgegeben. Die Miete bietet bedeutende Vergünſtigun=
gen
und kann auf Wunſch auch in 2 Raten entrichtet werden, ſo
daß die Abnahme einer Miete nur wärmſtens angeraten werden
kann, zumal der Spielplan eine Anzahl ebenſo amüſanter wie er=
folgreicher
Neuheiten, u. a. Der goldene Anker, Roxi, Po=
litik
Der Muſtergatte‟. Das öffentliche Aergernis Konto 4
uſw. vorſieht. Einzeichnungen werden in der Mietabteilung des
Großen Hauſes 913.30 Uhr entgegengenommen. Eröffnet wird
die Sommerſpielzeit mit dem reizenden Luſtſpielſchlager Arm wie
eine Kirchenmaus von Fodor, mit Hildegard Warſitz vom Deut=
ſchen
Schauſpielhaus Hamburg und Direktor Bruno Harprecht in
den Hauptrollen.
Tageskalender für Dienstag, den 23. Juni 1931.
Heſſ Landestheater, Großes Haus, 20.0022.45 Uhr:
Fidelio Kleines Haus: Keine Vorſtellung. Orpheum.
20.30 Uhr: Die Revue des Lachens. Konzerte: Zur
Oper, Schloßkeller, Sportplatz=Reſtaurant am Böllenfalltor,
Herrngartenkaffee. Kinovorſtellungen: Union=,
Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.

BIOX-ULTRA ist dle schäu-
mende
Sauerstoff-Zahnpaste,
deren blologische Wirkung
wissenschaftlich anerkannt ist.

DberA

DIE

ZAHNPAST

der Dame vorhindert Zahnstelnansatz,
Lookerwerden der Zähne, spritzt nicht u.
ist hochkonzentziert, daher so sparsam.
Bi0K-ULTRA fördert gosunde Speichel-
sekretion
und erhält Zähne und Mund gesund.

[ ][  ][ ]

Seite 6

Dienstag, den 23. Juni 1931

unt Burmſiadt ,Bereint jur Beisgeſchichte und Heimatrande.

335. Veranſtaltung.

Ueber das Feuerlöſchweſen von ſeinen Uranfängen bis heute
mit beſonderer Berückſichtigung der Alt=Darmſtädter Verhältniſſe‟
ſprach Herr Hugo Stieſi (der Aeltere) vor einem angeregten
Hörerkreis in Alt=Darmſtadt.
Der Redner hatte die Ergebniſſe ſeiner Arbeit in drei Teile
eingeteilt: 1. Allgemeines, 2. Urzeit und Fortentwicklung,
3. Darmſtadt. Ausgehend davon, daß der Menſch zu allen Zei=
ten
mit den Elementen im Kampfe lag, und daß Feuersbrünſte
in älteren Zeiten bei der Bauweiſe mit Holzhäuſern und Stroh=
dächern
und bei den engen Gaſſen viel häufiger geweſen ſind,
zeigte der Redner, daß die erſten Anfänge des Feuerſchutzes in
Deutſchland im 13. Jahrhundert beginnen, die allerdings äußerſt
primitiv waren, bis dann Anton Platner in Augsburg 1518
die erſte einigermaßen brauchbare Feuerſpritze erfand. Dann
folgte die Zeit des Druck= und Saugſchlauches um 1672 erfunden
von van der Heiden in Amſterdam. 1846 wurde in Durlach in
Baden die erſte militäriſche Feuerwehr eingerichtet, der dann die
freiwilligen Wehren in Stadt und Land folgten. Eines der
älteſten Feuerlöſchgeräte, Feuerſpritze, Hydrophor genannt, aus
dem Jahre 1781 befindet ſich im hieſigen Landesmuſeum; dieſe
trägt folgende Inſchrift: Durch Fleiß und Arbeit ſtehe
ich, Johann Philipp und deſſen Sohn Johann
Peter Bach von Hungen verfertigte mich, vor die
Stadt Schlitz; anno 1781.
Im weiteren verbreitete ſich der Redner über Rettungswerk=
zeuge
, die Entwicklung der Löſchgeräte bis auf unſere heutige Zeit
und ging dann auf das alte Darmſtadt über.
Wenn man an die engen winkeligen Gaſſen des alten Darm=
ſtadt
denkt, kann man ermeſſen, wie ſehr eine Feuersbrunſt bei
uns gefürchtet war. Eine Feuersbrunſt wurde deshalb als eine
gemein Gefahr erachtet. Schon unter Philipp dem Großmütigen
mußte jeder der in Darmſtadt Bürger werden wollte, einen leder=
nen
Feuereimer liefern, und die geſamte Bürgerſchaft damals
1200 Einwohner bildeten die Feuerwehr. Um 1640 erließ Land=
graf
Georg II. Verordnungen über Feuer= und Nachtſicherheit.
1658 wurde dem neubeſtellten Nachtwächter aufgegeben, an 12
verſchiedenen Orten zu blaſen und zu ſingen, und zwar an
der Badeſtube am Döngesborn, am Schwanen in der Kirchſtraße,
auf dem Markt an Weitzels Haus, ehemalige Hofapotheke, am
Ochſen, Haus Bernet Ochſengaſſe, auf dem Geiſtberg, vor dem
Minnigerodiſchen Hauſe, auf dem Rittſtein, am Schultheißenbau
in der Langgaſſe, vor Culmanns Haus und vor Stadtſchreiber
Rhumbels Haus.
Die Feuerpolizei wurde ſehr ſtreng gehandhabt, und bei einem
Brand mußte der Hauseigentümer 510 Gulden Strafe bezahlen,
wenn er ſich nicht von dem Verdacht der Fahrläſſigkeit reinigen
konnte. Leiendecker (Dachdecker), Schornſteinfeger, Zimmerleute
und Maurer waren als Steiger bei dem Feuer verpflichtet. Die
Bedienung der Handſpritzen ſeit 1686 war Sache der Schmiede
und Schloſſer. Jeder Burger mußte während der Sommerhitze
ein Quantum Waſſer bereit halten, welche Anordnung vom Bür=
germeiſter
überwacht und im Verſäumnisfalle beſtraft wurde.
Sobald der Türmer auf dem Stadtkirchturm in der Stadt
oder Umgebung Feuerſchein gewahrte, mußte er alarmieren, und
der mit 6 Pferden beſpannte Spritzenwagen rückte aus und mit
ihm alle, die zur Löſcharbeit verpflichtet waren. Den Feuerläu=
fern
, d. h. den Rettungsmannſchaften, ſtand eine Zehrung von
Wein und Brot zu. Es gab auch manchen blinden Alarm, ſo im
Jahre 1611, wo die Feuerwehr nach Ober=Ramſtadt eilte und da=
ſelbſt
nur eine Hecke brannte.
Ueberall wurde auf die Feuerordnung ſehr acht gegeben, und
bei wem Brand ausbrach und ſich nicht verantworten konnte, wurde
beſtraft. So 1593 die Frau des Nikolaus Becker; dieſe hatte in
der Anweſenheit ihres Mannes in der Nacht das Licht in der
Stube nicht verwahrt, wodurch ein Feuer anging und die Flammen
zum Fenſter herausſchlugen, ſo daß die Glocken gezogen werden
mußten. 1663 wurden verſchiedene Bürger beſtraft, weil bei ihnen
die Feuerſtätten nicht in Ordnung waren und Holz im Ofenloch
gefunden worden war. Eine Feuerviſitation aus dem Jahre 1674
vermeldet: In Junker Walbrons Haus (heute Haus Scheid in
der Kirchſtraße) iſt der Schornſtein gar gefährlich. Immer wie=
der
erſcheint eine Verſchärfung der Feuerordnung, und der Feuer=

eimer ſpielt eine große Rolle. So mußte man im Jahre 1563
für die Erwerbung des Bürgerrechts ein Eintrittsgeld von 1½
Gulden zahlen und 15 Albus für einen ledernen Eimer. Eine
Quittung aus 1758 lautet: Johann Chriſtoph Strack zahlt ſein
Bürger geldt an die Statt mit Zehn Fünf Gulden, ſodann vor
ledernen Eimer und Schroht geld mit 5 Gulden, ferner vors
Weißen Haus 1 fl. 15 alb., ferner 1 fl. 5 Kr., ein Schreibgebühr
wird hierüber gebührend quittiert. Darmſtadt. d. 2. Okotber 1755.
J. G. Haußen.
1687 hatte der Jude David ein beſonderes Pech, er hatte Be=
ſuch
von ſeinem Frankfurter Geſchäftsfreund Aron Beer, dieſer
qualmte ſo ſtark mit ſeiner Pfeife, daß die Anwohner, von dem
Qualm erſchreckt, ins Haus eindrangen, um zu löſchen, jedoch es
brannte nirgends, und David mußte 5 fl. bezahlen. Die Quit=
tung
lautet: 5 fl. hat David Jud erlegt, weil in deſſen Haus Aron
Beer Jud zu Frankfurt, durch Tabak ſchmauchen ein Feuer erweckt,
ſo weiter nicht, als nur durch den ſtarken Dampf und keine Flam=
men
ausgebrochen. Nota Uebrige 5 fl. ſind ihm erlaſſen.
Immer wieder war man bemüht das Feuerlöſchweſen zu
verbeſſern. So ſandte am 9. Juli 1717 der Graf von Naſſau an
Landgraf Ernſt Ludwig einen Obriſten namens Frank, welcher
nach glaubwürdigen Atteſten in der Löſchung eines Feuers oder
eines in Brand geratenen Hauſes eine bewährte Wiſſenſchaft be=
ſitze
. Frank wurde hier freundlich aufgenommen und erbot ſich,
eine Probe abzulegen. In Gegenwart des Landgrafen, ſeiner Mi=
niſter
und Kavaliere ſollte ein vor dem Beſſunger Tor aufgeſtell=
ter
Holzſtoß, welcher innen mit Teer=Tonnen und Stroh gefüllt
war, in Brand geſetzt und danach gelöſcht werden. Sein Geheim=
nis
war ein Löſchmittel, präpariertes Löſchwaſſer eine Kom oſi=
tion
ſeines Sekreti ein Geheimmittel. Nach der Probe lehrte er
noch zwei Bürger ſein Arcanum=Geheimnis und zog von dannen
mit einer Entlohnung von 50 fl. Ueber das Sekretum iſt weiter
nichts bekannt geworden und dürfen wir heute ſagen, daß es etwa
ein Vorläufer des Minimax=Apparates geweſen ſein mag,
Sehr wichtig war immer die Waſſerfrage in Darmſtadt, und
ließ Georg I. zu dieſem Zwecke und als Hilfe bei Feuersgefahr
den Stadtteich, heutigen Großen Woog, anlegen. Ferner wurde
durch Ingenieur Hill ein Plan zur Faſſung aller Quellen im
Beſſunger Wald ausgearbeitet. Die Feuerlöſchordnung von 1767
blieb bis 1827 in Kraft. Der Stadttürmer hatte die Verpflich=
tung
, bei ſeinen öfteren Rundgängen beſonders auf Feuer zu
achten und ſofort zu melden. Dies geſchah durch Zuruf nach der
Schloßwache mit dem Sprachrohr, durch Heraushängen einer roten
Fahne bei Tag und einer roten Laterne bei Nacht nach der Rich=
tung
der Feuerſtätte und durch Anſchlagen der Turmglocke.
Alle Truppen rückten mit Sack und Pack aus den Kaſernen.
1849 wurde auf Anregung des bekannten Turnvaters Felſing
und einer Anzahl Darmſtädter Bürger eine freiwillige Feuerwehr
ins Leben gerufen, die unter der Loſung: Gott zur Ehr und
dem Nächſten zur Wehr! ihre Tätigkeit entfaltet. Der Redner
gab dann noch einen eingehenden Ueberblick über die Entwicklung
von der Freiwilligen Feuerwehr und Berufsfeuerwehr und ſchloß
ſeine reich zuſammengetragenen geſchichtlichen Ausführungen mit
einem mundartlichen Gedicht. Der Brand im Herrngar=
ten
. Lebhafter Beifall der Hörer wurde dem Redner für ſeine
ausgezeichneten Ausführungen zuteil, an die ſich die Dankesworte
des Vorſitzenden, Herrn Philipp Weber, anſchloſſen
An den Vortrag, der ein lebhaftes Echo auslöſte, ſchloß ſich
eine Ausſprache an, in der die Herren Buchhändler Saeng ſen.,
Kaufmann Schaaf, Dr. Diexy allerlei Erinnerungen an
Branderlebniſſe in Darmſtadt zum Beſten gaben. Herr Ph.
Weber berichtete noch über Brände von 1715 bis 1800, insbeſon=
dere
über den in der Brandgaſſe, die danach ihren Namen trägt
und von dem vermeldet wird: Am 11. Dez. 1793 in der Nacht
Brand bei Schreiner Hoß in der Brandgaſſe, welcher Brand hätte
wohl gedämpfet werden können, wenn da, wo der Brand ausbrach,
gleich Lärm wäre gemacht worden und unglücklicherweiſe der
Thurmmann nicht geſchlafen hätte.
Des weiteren gedachte der Vorſitzende des 70jährigen
Geſchäftsjubiläums des Alt=Darmſtadt=Mitgliedes Firma Vier=
heller
und wünſchte dem Geſchäft ein weiteres Aufblühen und
Vormärtsſchreiten im kommenden Jahrzehnt.
Nächſte Veranſtaltung am 2. Juli.

Prokeſte gegen die Nolverordnung.

Cg. Reinheim, 22. Juni.
Wie ſtark die Erregung unter der Beamtenſchaft durch die neue Not=
verordnung
iſt, beweiſen von neuem die Verſammlungen der Bezirks=
lehrervereine
Reinheim und Fränkiſch=Crumbach= Lichten=
berg
, in denen in ſchärfſter Weiſe das neue Unrecht, das die Notver=
ordnung
der Beamtenſchaft, und insbeſondere der Landbeamtenſchaft,
zufügt, gegeißelt wurde. Die Aufbeſſerung und Angleichung an die ge=
ſunkene
Kaufkraft, die die Beſoldungsreform von 1927 brachte, iſt völlig
dahin, und mit den vor Jahresfriſt in Heſſen bereits in Kraft getretenen
weitergehenden Kürzungsmaßnahmen für die heſſiſchen Beamten weſent=
lich
überſchritten. Beide Bezirksvereine wenden ſich in folgender Ent=
ſchließung
gegen die Beſtimmungen der Notverordnung:
Die Bezirkslehrervereine Reinheim und Fränkiſch=Crumbach= Lich=
tenberg
lehnen die Notverordnung der Reichsregierung vom 5. Juni 31
einmütig und geſchloſſen ab. Sie proteſtieren gegen die einſeitige, un=
gerechtfertigte
Belaſtung der Beamten, insbeſondere der Landbeamten,
ſowie gegen die Kürzung der ſozialen Zuſchläge. Die neuerliche Zurück=
ſetzung
der Landbeamten durch dieſe Maßnahmen gegenüber den Be=
amten
in der Stadt empfinden ſie als ganz beſondere Härte.

* 11. Verbandskag des Mikkeldeutſchen Küfer=
Innungs=Berbandes in Gießen.

Groß=Gerau, 22. Juni.
Das Ortskartell Groß=Gerau des B. B. B. Beam=
tenvereinigung
befaßte ſich vorgeſtern abend mit dem Inhalt der
neuen Notverordnung. Die Stimmung der Verſammlung fand ihren
Niederſchlag in folgender, einſtimmig gefaßten Entſchließung:
Die im Ortskartell Groß=Gerau des DBB. Beamtenvereinigung
zuſammengeſchloſſenen Reichs= Staats= und Gemeindebeamten, ſowie
die Beamten der Reichsbahngeſellſchaft und Penſionäre erheben ſchärfſten
Proteſt gegen die durch die 2. Notverordnung vom 5. Juni 31 erneut
der Beamtenſchaft im Vergleich zu anderen Berufen mit gleicher oder
beſſerer Leiſtungsfähigkeit auferlegten und durch nichts gerechtfertigten
Sonderbelaſtungen, ohne dadurch die Notwendigkeit eines allgemeinen
Notopfers zu verkennen.
Die Beamtenſchaft Groß=Geraus lehnt aus dieſer Einſtellung beſon=
ders
die Kürzung der Kinderzulage für das erſte Kind als vom ſozialen
Standpunkt aus für jedermann unverſtändlich ab. Durch dieſe Kürzung
werden ausſchließlich die Beamten betroffen, die nach ihrer Wirtſchafts=
lage
am meiſten auf die Fürſorge des Stagtes angewieſen ſind. Die
Kürzung muß darüber hinaus auch deswegen abgelehnt werden, da ſie
alle Beamte mit Kindern, ohne Rückſicht auf die Gehaltshöhe, gleich=
mäßig
trifft.
Völlig unverſtändlich iſt für die Beamtenſchaft Groß=Geraus die Be=
rechtigung
zu einer ſtärkeren Belaſtung der Beamten der Ortsklaſſen
B bis D. Es kann heute nicht beſtritten werden, daß der Beamte des
Landes und der Landſtädtchen gegenüber ſeinen ſtädtiſchen Kollegen in
der verſchiedenſten Weiſe wirtſchaftlich geſchädigt iſt. Die Preiſe der
Lebensmittel, die der Landbeamte zu kaufen genötigt iſt, ſind häufig auf
dem Lande höher als in der Stadt. Das gleiche trifft bei vielen Artikeln
des täglichen Lebensbedarfs zu, und iſt ſchon teilweiſe durch die Umſatz=
höhe
bedungen. Eine weitene und nicht unweſentliche Mehrbelaſtung
hat der Landbeamte für die Befriedigung ſeiner kulturellen Bedürfniſſe
und die Kinderausbildung. Die Maßnahme der Reichsregierung iſt da=
her
unverſtändlich und muß in den Kreiſen aller Beamten des flachen
Landes und der Landſtädtchen die größte Erbitterung hervorrufen. Durch
ſolche ungerechtfertigte und völlig unſoziale Maßnahmen muß zum
Nachteil des Staates und der Oeffentlichkeit das Vertrauensverhältnis
zwiſchen Reich bzw. Staat und ſeiner Beamtenſchaft aufs ſtärkſte er=
ſchüttert
werden.

Gießen, 22. Juni.
Der Mitteldeutſche Küferinnungsverband, der zuſtändig iſt für das
Gebiet der beiden Heſſenländer, der Rheinprovinz und des Saargebiets,
hielt hier in der Provinzialhauptſtadt Oberheſſens in den Tagen vom
20.22. Juni ſeinen elften Verbandstag ab, der ſich guten Beſuchs er=
freute
. Der Tagung voraus ging eine Sitzung des Verbandsvorſtandes
und eine Delegiertenverſammlung. Als Vertreter der Stadt Gießen war
Stadtrat Balſer, für die Handwerkskammern Kaſſel, Darmſtadt, Wies=
baden
, die Handwerkskammernebenſtelle Gießen Stadtrat Becker, von
der Handwerksförderungsſtelle Gewerbeſchulrat Dr. Bünnings=Gießen,
vom badiſchen Bruderverband Vogel=Heidelberg erſchienen. Der Reichs=
verband
deutſcher Böttcher, der Süddeutſche Verband (Stuttgärt, der
Bayeriſche, der Sächſiſche und der Saarländiſche Verband hatten Be=
grüßungen
geſandt, ebenſo das Kreisamt Mainz und der Provinzial=
direktor
von Gießen. In einem weit über den Rahmen des Verbandes
hinaus bedeutſamen Vortrag über Aktuelle Steuerfragen machte Shn=
dikus
Dr. Lindemann=Darmſtadt, von der Handwerkskammer, wertvolle
Ausführungen über die praktiſche Betätigung zur Begegnung der Steuer=
ſchraube
, die dahin zielten, daß das Handwerk nicht durch den Aufbrauch
der letzten Reſerven für die Lebensnotdurft bei Ueberwindung der Kriſe
einem neu aufſtrebenden wirtſchaftlichen Leben kraft= und mittellos
gegenüberſtehen muß. Wenn es auch auf das Maß der Steuern keinen
Einfluß hat, ſo hofft es doch durch geeignete Mittel und Wege einen
Weg in die Zukunft vorbereiten zu helfen. Dem beifällig aufgenom=
menen
Vortrag folgten Ausführungen des zweiten Vorſitzenden, Poth=
Darmſtadt, über die Anwendung von Konſervierungsmitteln für die
Haltbarmachung des Traubenmoſtes, durch die gegen die Verwendung
von Chemikalien Stellung genommen wurde. Ehrenobermeiſter J. B.
Wagner=Mainz, wie auch Obermeiſter Anton Schweinefleifch=Mainz, der
geſtern ſeinen 50. Geburtstag und ſein 25jähriges Geſchäftsjubiläum be=
gehen
konnte, ſetzten ſich für die Organiſation ein und forderten zu leb=
hafterer
Mitarbeit auf.
Zum Schluß wurden folgende Entſchließungen angenommen:
An den Fachverband der Faßbinder in Oeſterreich: Die erſtrebte Zoll=
union
gibt dem 11. Verbandstag des Mitteldeutſchen Küfer=Innungs=
Verbandes in Gießen Veranlaſſung, den Bruderverband des Fachver=
bandes
der Faßbinder Oeſterreichs und die Fachkollegen in Oeſterreich zu
begrüßen. Wir hoffen, daß die Zollunion der Anfang einer beſſeren Zeit
für die Wirtſchaft der beiden Bruderverbände ſein möge. An die
Handwerkskammern: Die neue Notverordnung des Herrn Reichspräſi=
denten
vom 5. Juni 1931 hat die Grenze des Tragbaren für den gewerb=
lichen
Mittelſtand nicht erſt erreicht, ſondern bereits weſentlich über=
ſchritten
. Der 11. Verbandstag des Mitteldeutſchen Küfer= Innungsver=
bandes
in Gießen richtet daher an die Spitzenvertretung des Handwerks
die Aufforderung, dahin zu wirken, daß das völlige Zuſammenbrechen
des Handwerksbetriebes geſetzlich vermieden wird.
Den Beratungen ſchloß ſich ein Gang durch die Univerſitätsſtadt
Gießen und ein Feſtkommers an. Für Montag iſt die Beſichtigung der
Ihring=Brauerei in Lich, der größten Heſſens, vorgeſehen.

2e

Briefkaſten.

Trfrose ift de irtztze Demstauittung beizufüger Anonyme Aufrogen Daden
nicht beantwortet. Die Beantwortung erſolgt ohne Nechtioerbindlſchtest.

A. A. 101. Die geſtellte Frage dürfte ſchwerlich zu bejahen ſein.
Anders läge allerdings die Sache, wenn die in Frage kommende Perſon
gegen einen im Geſchäftslokal eintretenden derartigen Verluſt, von dem
eine Kundin betroffen wird, bei einem Verſicherungsunternehmen ver=
ſichert
wäre. Natürlich hätte der Verſicherte dann die nötigen Schritte
bei dem Unternehmen einzuleiten.

Nummer 172

Aus Heſſen.

Dg. Arheilgen, 22. Juni. Impfung. Bei der am letzten Don;
nerstag in der Schulturnhalle ſtattgefundenen Impfung wurden hier=
nicht
weniger als 159 Erſtimpflinge geimpft. Die Zahl der
Kinder beträgt 119. Der Reviſionstermin iſt auf Donnerstag, dern
25. Juni, vormittags 9 Uhr, feſtgeſetzt worden. Kleinkinder
ſchule. Nachdem die hieſige Kleinkinderſchule vor einigen Wochern
wegen der hier unter den Kindern ſehr ſtark verbreiteten Maſern ge.
ſchloſſen werden mußte, konnte die Wiedereröffnung am heutigen Tagge
erfolgen. Hohes Alter. Frau Heinrich Anthes Wwe., Rat:
hausſtraße 2 wohnhaft, konnte dieſer Tage ihren 81. Geburtstag begehen:
Dienſtjubiläum. Herr Chriſtian Vöglin, Weiterſtädter Straße=
konnte
dieſer Tage auf eine 45jährige Tätigkeit bei der Firma E. Mera:
Darmſtadt, zurückblicken. Jahresfeſt des Blauen Kren.,
zes. Der hieſige Blaukreuz=Verein begeht am kommenden Sonntag.
den 28, ds. Mts., ſein 23. Jahresfeſt. Die Veranſtaltung ſoll der Zeit
und dem Zweck entſprechend in einfachem Rahmen gehalten werden
Am Sonntag vormittag findet unter Mitwirkung des hieſigen Kirchen= ein Feſtgottesdienſt ſtatt, in welchem Herr Pfarrer Rupo=
aus
Ludwigshafen die Predigt halten wird. Für nachmittags 3 Uhr iſt
eine Feſtfeier im Gemeindehaus geplant. Der Blaukreuz=Verein, der in
unſerer Gemeinde eine rege Tätigkeit entfaltet, verteilt hier jährlicht
neben anderen Zeitſchriften etwa 20 000 Rettungen und 5000 Be=
wahrungen
. Leichtathletiſcher Vereinswettkampf.
Auf dem Sportplatz am Arheilger Mühlchen finden am Mittwoch, dem
1. Juli, abends, leichtathletiſche Vereinswettkämpfe zwiſchen den Ver= Rot=Weiß Darmſtadt, Sportabteilung Merck und Sportvereinigung=
04 Arheilgen ſtatt. Die einzelnen Kämpfe, die eine gute Beſetzung zu=
verzeichnen
haben und gute Ergebniſſe bringen werden, verſprechen inter= Sport. Der 3000=Meter=Lauf z. B. ſieht 10 Teilnehmer am=
Start, die dieſe Strecke in 10:30 Min, durchlaufen werden.
J. Griesheim, 22. Juni. Die Gewerbeſcheine für 1931 ſind bis
Ende dieſes Monats gegen Entrichtung der Stempelgebühr von 2 Mk.
bei der Untererhebeſtelle hier einzulöſen. Die etwa noch im Beſitze
der Antragſteller befindlichen Gutſcheine für die Mietunterſtützungen
ſind ſofort bei der Gemeindekaſſe und Untererhebeſtelle zur Verrech=
nung
zu bringen, andernfalls ſie ihre Gültigkeit verlieren. Die Aus=
zahlung
des noch rückſtändigen Gemeindeanteils in der Klein= und
Sozialrentnerfürſorge (40 Prozent des Geſamtbetrages) für den Monat
März findet am Montag, 22. d. Mts., nachmittags von 3 bis 5 Uhr,
bei der Gemeindekaſſe ſtatt. Die Freigabe des nördlich der Staats=
bahn
gelegenen Teiles des Küchlersgrabens zu Badezwecken hat zu Be=
ſchädigungen
der Böſchungen und Sohle geführt, deren Wiederinſtand=
ſetzung
der Gemeinde erhebliche Koſten verurſacht. Aus dieſem Grunde
iſt nunmehr der genannte Lauf des Küchlersgrabens für Badezwecke
geſperrt worden. Der hieſige Evang. Frauenverein unternimmt am
Sonntag einen Ausflug nach Rohrbach, Lichtenberg und Reinheim. Ab=
fahrt
per Auto 8 Uhr vormittags am Gemeindeheim. Der Vorver=
kauf
der Eintrittskarten zum 50. Gauturnfeſt hat begonnen. Die Ein=
trittspreiſe
zu den einzelnen Veranſtaltungen ſind der Zeit entſprechend
ſo niedrig wie möglich gehalten.
F. Eberſtadt, 22. Juni. Sozial=Statiſtik. Aus einer ſo=
eben
aufgeſtellten Staſtik über die Zahl der Wohlfahrtsempfänger und
die Höhe der für ſie von der Gemeinde aufzubringenden Unterſtützungs=
koſten
entnehmen wir folgendes: Gegenwärtig werden 87 ledige und
alleinſtehende Männer und Frauen ſowie 158 Familien (Haushaltungen)
von der Wohlfahrtsfürſorge betreut. Für ſie wendet die Gemeinde
wöchentlich an Unterſtützungen insgeſamt 3 149,25 RM. auf. Da=
von
entfallen auf ledige und alleinſtehende Männer und Frauen: 415,75
RM., auf 35 Ehepaare ohne Kinder: 465,25 RM., auf 52 Ehepaare mit
einem Kind: 838,75 RM., auf 48 Ehepaare mit zwei Kindern: 915 RM.,
auf 15 Ehepaare mit drei Kindern: 346,50 RM. und auf 8 Ehepaare
mit vier und mehr Kindern: 168,00 RM. Auf das Jahr umgerechnet,
belaufen ſich die Aufwendungen der Gemeinde an Wohlfahrtsunter=
ſtützungen
ſomit auf 163 761,00 RM. Wie kataſtrophal ſich die Verhält=
niſſe
entwickelt haben, erſieht man daraus, daß in dem erſt vor einigen
Wochen verabſchiedeten Voranſchlag der Gemeinde für das Ri. 1931 für
den genannten Zweck nur 66 000 RM. bei Rubr. 27 (Armenpflege):
6000 RM. und bei Rubr. 43 (Erwerbsloſenfürſorge): 60 000 RM.
vorgeſehen ſind. Neben dieſen Aufwendungen hat die Gemeinde als
Anteil zu den Sozialrentnerunterſtützungen 40 Prozent der 60 000 RM.
betragenden Geſamtkoſten 24 000 RM., als Anteil zu den Klein=
rentnerunterſtützungen
40 Prozent der 26 000 RM. betragenden 6 e=
ſamtkoſten
10 400 RM. und als Anteil an der Kriſenfürſorge 9
Prozent der 75 000 RM. betragenden Geſamtkoſten 15 000 RM. auf=
zubringen
. Rechnet man hierzu noch die Krankenhaus= Anſtalts= und
Kurkoſten, die Anteile der Gemeinde an den Pflegekoſten ortsarmer
Geiſteskranker, Vollwaiſen uſw. von zuſammen 16 000 RM., ſo ergibt
ſich eine Geſamtbelaſtung des Gemeindebudgets mit Sozialleiſtungen
für das Ri. 1931 von 229 161 RM. Aus der Volksſchule.
Das diesjährige Jugendfeſt wird unſere Volksſchule am Mittwoch, den
24. Juni 1931, in Geſtalt einer einfachen Schulfeier begehen. Damit
wird eine Gedenkfeier für den großen deutſchen Staatsmann verbunden
werden, deſſen Todestag ſich am 29. Juni 1931 zum hundertſten Male
jährt und dem das deutſche Volk deshalb ſtets dankbar ſein wird, weil
er die Erbuntertänigkeit der damals noch zum größten Teil unfreien
Bauern und die Frondienſte (Hörigkeit) aufhob, den Städten und Ge=
meinden
das Selbſtverwaltungsrecht verlieh und die Selbſtverwalung
der oberſten und Provinzialbehörden einführte und organiſierte: Frei=
herr
Karl vom Stein. Nach dem uns vorliegenden Programm
wird die Feier aus verſchiedenen Muſikſtücken, Geſangs= und Gedichts=
vorträgen
beſtehen. Mittelpunkt der Feier wird die mit einem Sprech
chor verflochtene Anſprache des Lehrers Dr. Weſp bilden. Auf die
darauf folgende Verteilung der von der Gemeinde auch dieſes Jahr
wieder geſtifteten Johannisbwezeln ſchließen ſich Spiele und Spazien
gänge an, für deren Wahl und Ausdehnung den einzelnen Klaſſen freie
Hand gelaſſen iſt.
Cp. Pfungſtadt, 22. Juni. Hohes Alter. Landwirt Jakob
Bär 2. in der Bachgaſſe kann am Dienstag ſeinen 81. Geburtstag
begehen. Die hieſige Kommunale Wählervereinigung hat für ihre Mit=
glieder
eine koſtenloſe Steuerberatungsſtelle eingerichtet.
4k. Nieder=Ramſtadt 19. Juni. Baulandumlegung Lob
berg‟. Der Plan für die Neueinteilung der Grundſtücke iſt nunmehr
ſeitens des zuſtändigen Miniſteriums genehmigt. Er liegt nebſt den
übrigen Vorarbeiten von nächſten Montag an eine Woche lang auf dem
Rathaus zu Nieder=Ramſtadt zur Einſicht der Beteiligten offen. Ein=
wendungen
irgendwelcher Art müſſen innerhalb dieſer Friſt vorgebracht
werden, andernfalls ſie unberückſichtigt bleiben müſſen. Nach erfolgtem
Ablauf der Offenlegungsfriſt wird ein Termin angeſetzt, bei dem über
die vorgebrachten Wünſche und Einwendungen mit den Beteiligten ver=
handelt
wird. In dieſem Termin findet auch gleichzeitig die Wahl der
von den Grundeigentümern zu wählenden Mitglieder des Umlegungs=
ausſchuſſes
ſtatt. Es iſt für die in Betracht kommenden Grundeigen=
tümer
von großer Wichtigkeit, daß ſie die geſetzten Friſten beachten.
Hiervon hängt die Wahrung der berechtigten Intereſſen ab.
f Roßdorf, 22. Juni. Der Ortsgewerbeverein Roßdorf veranſtalte
am Donnerstag, den 25. d8. Mts. abends 8.30 Uhr, im Gaſthaus Zur
Germania einen Vortragsabend über die neue Vermögensſteuerklärung
ſowie Verhalten bei Reklamationen gegen die Einkommenſteuerbeſcheide.
Jedermann iſt dazu eingeladen; der Beſuch dürfte ſich lohnen. Am
Donnerstag, den 25. ds. Mts., nachmittags von 3 bis 4 Uhr, findet
Säuglingsberatungsſtunde in der Kleinkinderſchule ſtatt,
Herr Dr. med Baumann wird zugegen ſein.
Gernsheim, 22. Juni. Wafſerſtand des Rheins an
Pegel am 21. Juni 2,05 Meter, am 22. Juni 2,00 Meter.
Hirſchhorn, 22. Juni. Waſſerſtand des Neckars an
Pegel am 21. Juni 1,76 Meter, am 22. Juni 1,74 Meter.
D. Wattenheim, 22. Juni. Beigeordnetenwahl. Die mit
großer Spannung erwartete und für Wattenheimer Verhältniſſe äußerſt
ſenſationell aufgezogene Beigeordnetenwahl zeigte folgendes Ergebnis:
Nic. Neumann 133 Stimmen; Joh. Embach 103 Stimmen. 4 Stimmen
waren ungültig. Somit iſt alſo der ſeitherige Beigeordnete wieder=
gewählt
, und zwar diesmal auf die Dauer von 9 Jahren. Das Dorf
Wattenheim zählt 416 Einwohner, von denen 273 ſtimmberechtigt waren.
240 Perſonen machten von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Dem neuge=
wählten
Beigeordneten wurden ſtürmiſche Ovationen dargebracht.
44. Oppenheim, 22. Juni. Verurteilt wurde in der Straf=
gerichtsſitzung
des hieſigen Amtsgerichts der Geſchäftsführer der Firma
A. Nödling G. m. b. H. in Oppenheim Kaufmann K. Steitz wegen Ver=
gehens
gegen 8 253 Str. G.B. an Stelle einer verwirkten Gefängnis=
ſtrafe
von 1 Monat zu einer Geldſtrafe von 200 RM. und Jakob Steffan
wegen desſelben Vergehens an Stelle einer verwirkten Gefängnisſtrafe
von 1 Monat zu einer Geldſtrafe von 300 RM. Die Verurteilten haben
ſofort Brufung eingelegt.

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[ ][  ][ ]

Nummer 172

Dienstag, den 23. Jun 1931

Seffe 7

9. Tagung des Heſſ. Landesverbandes für das
Dekorateur=, Sattler= und Tapeziergewerbe.
Berzweiſelte Lage der Saktler= und Tapezierbekriebe. Nok des gewerblichen Mitkelftandes.
Abwehrkampf gegen die Laſtenüberbärdung.

Die Rhein= und Weinſtadt Oppenheim zeigte ſich am Sonntag, den
Juni d. J., anläßlich der 9. Tagung des Heſſiſchen Landesverbandes
F das Dekorateur=, Sattler= und Tapeziergewerbe in feſtlichem Ge=
mde
. Reicher Fahnen= und Girlandenſchmuck grüßte die Vertreter des
ſtler= und Tapeziergewerbes und die Gäſte, die zahlreich gekommen
pren. Sommerſonnenſchein verherrlichte noch das ſchöne Stadtbild
rd erhöhte den ſympathiſchen Eindruck.
Der Heſſiſche Landesverband war mit ſeinen Mitgliedern zuſam=
mngekommen
, um den Ernſt der Lage zu beſprechen und Rechenſchaft
geben über ſeine Tätigkeit überhaupt. Schon am Samstag, den
Juni, begannen die Sitzungen des Geſamtvorſtandes, wie der Ober=
riſtertagung
, in denen die umfangreichen und vielfachen Arbeiten für
Hauptverſammlung erledigt wurden. Am Samstag abend war der
ſizielle Begrüßungsabend im Weinhaus Hilbig, den zu Ehren
* ſchon erſchienenen Obermeiſter, Delegierten und Tagungsteilnehmer
Innung Oppenheim veranſtaltete. Im Verlauf des Abends wurde
ſens des zweiten Vorſitzenden. Herrn Obermeiſters Richter=Offenbach,
bont, daß man nicht gekommen ſei, Feſte zu feiern, ſondern die Be=
pspflicht
und Berufsſorge der Anlaß der Zuſammenkunft in Oppen=
m
war. Dem Sattler= und Tapezierhandwerk gehe es ſchlecht, ſehr
ſtecht. Der unterhaltende Teil des Begrüßungsabends war mit muſi=
liſchen
und geſanglichen Darbietungen ausgefüllt.
Die Hauptverſammlung am Sonntag, den 21. Juni, vor=
mtags
10 Uhr, wurde in der Wirtſchaftshalle auf der Landskrone
nchgeführt. Namens der Innung Oppenheim begrüßte Herr Ober=
uiſter
Meher die Anweſenden und entbot allen ein herzliches Will=

kommen. Die Eröffnung des 9. Verbandstages nahm der Vorſitzende,
Herr Sattlerobermeiſter L. Gottwald=Reinheim, mit herzlichem Worten
der Begrüßung vor. Er dankte für den freundlichen Empfang durch
die Innung Oppenheim und für die Arbeit und Mühe, die mit der
Vorbereitung der Tagung zuſammenhing.
Grüße der Handwerkskammer übermittelte deren Vorſitzender, Herr
Präſident Nohl, der zugleich auch im Namen des Ehrenmeiſters des
heſſiſchen Handwerks, Herrn Schmuck=Worms, und der Handwerks=
kammer
=Nebenſtelle Worms für die freundliche Einladung den Dank
ausſprach, mit dem Wunſche, aus der Tagung recht viel Wünſche und
Anregungen entgegennehmen zu können, um dieſen durch die Kammer
beſonderen Nachdruck zu verleihen. Gewerberat Stauffer= Ludwigs=
hafen
, der als Vertreter des Reichsfachverbandes für das Sattler= und
Tapeziererhandwerk, wie auch des Pfälziſchen Verbandes ſprach, wünſchte
gleichfalls der Tagung beſten Erfolg.
Ueber die Verbandstätigkeit referierte Geſchäftsführer Schwerer=
Darmſtadt. Der Vortrag umfaßte die Arbeiten auf organiſatoriſchem
Gebiet, ferner auf wirtſchaftlichem und fachlich=berufsſtändigem Gebiet.
Der Rechnungs= und Kaſſenbericht, vorgetragen von Herrn Tape=
ziermeiſter
Weber=Mainz, wurde genehmigt und nach Bericht der
Rechnungsprüfer dem Vorſtand Entlaſtung erteilt. Ueber Vergleichs=
proben
mit Füllmaterial und Vergleichsproben zur Faſerprüfung hielt
Tapeziermeiſter und Gewerbelehrer Bungardt=Fankfurt a. M. einen
ſehr belehrenden Vortrag. Der Syndikus der Handwerkskammer=
Nebenſtelle Worms, Herr Dr. Kayſer, ſpach über die finanzpolitiſchen

Forderungen des Handwerks an Reich, Länder und Gemeinden. Der
Referent forderte eine Neubewertung des Grundvermögens, wandte ſich
gegen die Heranziehung des Gewerbeertrages als Beſteuerungsgrund=
lage
, forderte Senkung der Realſteuer und Beſeitigung der Sonder=
gebäudeſteuer
im Intereſſe der Ankurbelung der Wirtſchaft und Be=
hebung
der Auftragsloſigkeit im Handwerk.
Die ſoziale Fürſorge im Handwerk behandelte in einem kurzen Re=
femt
Herr Adrian=Frankfurt a. M. als Vertreter der Südweſtdeut=
ſchen
Verſicherungsanſtalt für ſelbſtändige Handwerker und Gewerbe=
treibende
, Frankfurt a. M.
Die Vorſtandswahl ergab Wiederwahl des Geſamtvorſtandes in ſei=
ner
bisherigen Zuſammenſetzung. Die beſchloſſene Satzungsänderung.
wie der aufgeſtellte Haushaltsplan für 1931. fanden Zuſtimmung der
Verſammlung.
Als Tagungsort für den 10. Verbandstag wurde
Darmſtadt beſtimmt.
Unter Verſchiedenes kamen Kreditangelegenheiten zur Sprache die
durch den Vorſitzenden der Handwerkskammer, Herrn Präſident Nohl.
aufgeklärt wurden.
Der zweite Vorſitzende, Herr Obermeiſter Richter=Offenbach, ſchloß
hierauf gegen 230 Uhr die Hauppterſammlung mit dem Dank an die
Erſchienenen und gab dem Wunſch Ausdruck, daß die Teilnehmer in
ihren Innungen über die beachtliche Tätigkeit des Landesverbandes be=
richten
möchten.

Geſchäftliches.
Bruchleidende, ſowie die Herren Aerzte werden auf die
Anzeige der Firma Paul Fleiſcher, Freisbach (Pfalz), in der heu=
tigen
Nummer aufmerkſam gemacht.

Hauptſchriftleitung: Rudolf Maupe
Veranwortich für Polliſt und Wirtſchaft: Rudolf Maupe: für Feullleion, Neich mmt
Aueland und Heſſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Behmann;
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
Die Gegenwart, Tagesſplegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Reite:
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteiſungen: Willy Kußle
Druck und Verlag: C. C. Wlttſch ſämtlich in Darmſtiadt.
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückfendung nicht übernemmen.

Die heutige Nummer hat 42 Geiten

AHTUNaTKURNE -SOMMFREGE!
Bisher galt die Regel: Gas weg! und zwang zu ängstlicher Aufmerksam=
keit
und zaghaftem Abstoppen. Den Vornantrieb=Stoewer steuem Sie
mit ruhiger Gelassenheit im gleichen Tempo beim Ueberholen und Ause
weichen. Vornantrieb, Schwingachsen und Oeldruckbremse bieten
eine bisher nicht gekannte Fahrsicherheit. Durch günstige Raumausnutzung
größte Bequemlichkeit. Ihre Erholung beginnt am Start und nicht erst am Ziel.

ee

Darlehen, Hypoth.,
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falls
weniger, zum Kochen bringen. Nach-
dem
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send
kocht, noch 8-10 Minuten gründlich
durchkochen. Topf vom Feuer, 1 Flasche
Opekta Hüssig zu 95 Pfg. 1-2 Minnten
gut einrühren.
Auch aus sämtlichen anderen Früchten
kann man köstliche Marmeladen mit
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Es gibt auch Trooken-Opekta, das ist
Opekta in Pulverform. Beutelchen zu 25
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Vorsicht beim Opekta-Einkauf! Nicht zu
verwechseln mit ähnlich lauten-
den
Bezeichnungen. Opekta ist nur
echt mit dem dampfenden 10-Minnten-
Topf.

Rezept No. 2
Erdbeerkorte
mit kristallklarem Überguß
Man belegt einen Tortenboden mit Erdbeeren
bder beliebigen anderen Früchten (Kirschen,
Aprikosen usw.) und stellt dann in wenigen
Minnten den Ueberguß wie folgt her: Der
Saft einer Zitrone, 3 EBlöffel Wasser sowie 7 gut gehäufte Eßlöffel Zucker
werden unter Rühren zum Kochen gebracht (abschäumen). Nun wartet man
ungefähr 1 Minnte, bis die Kochbläschen sich verzogen haben, rührt 2½
Eßlöffel Opekta in die heiße Masse und schüttet diese regelmäßig über
das aufgelegte Obst. Die vorgeschriebene Menge Zucker darf keinesfalls
vermindert werden, da die Früchte selbst viel Feuchtigkeit haben und
der Geleeguß infolgedessen noch nachträglich stark Wasser zieht. Da der
Guß innerhalb 1 bis 2 Minuten fest wird, so hat das Uebergießen eiligst
gleichmäßig zu erfolgen. Dieser Guß ist kristallklar und stellt ein
reines Gelee dar. Die Qualität der Torte wird um ein Vielfaches ver-
bessert
, denn jetzt erst hat sie den reinsten Geschmack der Früchte, die
nicht mehr in schleimigem Ueberguß, sondern in kristallklarem, leuchtendem
(II K6 9043
Geleeguß eingebettet sind.

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[ ][  ][ ]

Nummer 172

Seite 8

Dienstag, den 23. Juni 1931

Zum 50. Male Grünauer Ruderregakta.

Skurm Zerſtörk den Hagenbeck=Zirkus im Praker.

Das Ziel der Grünauer Regattaſtrecke. Unten rechts: Boetzelen, der zuſammen mit Buhtz voraus=
ſichtlich
den Sieg im Zweier davontragen dürfte.
Zum 50. Male wird am Sonntag die traditionelle Ruderregatta in Berlin=Grünau ausgetragen.
Zu allen Klaſſen haben die beſten Mannſchaften aus ganz Deutſchland gemeldet.

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de Eigentun,
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inem frühe
Die erſte

Das zerriſſene Zirkuszelt im Wiener Prater.
Ein orkanartiger Sturm, der in den letzten Tagen Wien heimſuchte, hat beſonders das Zelt des
Zirkus Hagenbeck auf der Olympiawieſe im Prater arg mitgenommen. Die rieſige Zeltleinwand
wurde buchſtäblich in Fetzen geriſſen.

ſti daß der
ſenz auf ein
ſellene Konz

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Reic und Aumand.

Elekkrotagung Frankfurk a. M. 1931.

Große Ehrung Oskar v. Millers.

Frankfurt a. M., 22. Juni.
Die Elektrotagung Frankfurt 1931, die an=
läßlich
der Tagung des Verbandes deutſcher
Elektrotechniker und der Vereinigung der Elek=
trizitätswerke
ſowie aus Anlaß des Jubiläums
des 50jährigen Beſtehens der Frankfurter Elek=
trotechniſchen
Geſellſchaft in Frankfurt ſtattfindet,
wurde am Montag vormittag im Saalbau mit
einer eindrucksvollen Feier eröffnet. Prof. Dr.
Peterſen (A.E.G. Berlin) leitete die Verhand=
lungen
mit einer Begrüßung der rund 1200 Elek=
trotechniker
und Ehrengäſte ein. Insbeſondere
begrüßte er den Pionier der Elektrotechnik Exz.
Oskar v. Miller ſowie die Vertreter der Reichs=
und Staatsbehörden, des weiteren die Vertreter
der befreundeten Verbände und Vereine aus
Oeſterreich, Dänemark, Holland, Schweden und
der Schweiz. In ſeiner kurzen Anſprache wies
Prof. Peterſen auf die Bedeutung der letzten
50 Jahre für die Entwicklung der Elektrizität
hin und erinnerte an die damals einzig da=
ſtehende
Leiſtung Oskar v. Millers mit der Lauf=
fener
Großkraftübertragung anläßlich der In=
ternationalen
Elektrotechniſchen Ausſtellung im
Jahre 1891 in Frankfurt a. M.
Hierauf ſprach Exz. v. Miller über die
geſchichtliche Entwicklung der Uebertragung
elektriſcher Kraft auf weite Entfernungen in
den letzten 50 Jahren. Auf Grund ſeiner per=
ſönlichen
Erinnerungen über die geſchichtliche
Entwicklung der Kraftübertragung auf weite
Entfernungen rief Exz v. Miller in der Ver=
ſammlung
, die in andächtiger Stille den Ausfüh=
rungen
des greiſen Pioniers der Elektrotechnik
lauſchte, die Erinnerung wach an die Zeit vor
50 Jahren, als damals die erſten Projekte auf=
tauchten
, ferngelegene Induſtriegebiete mit elek=
triſcher
Kraſt über weite Strecken hinweg zu
verſorgen. Von gleicher Wichtigkeit wie die
Kraftübertragung iſt die Kraftverteilung. Exz.
v. Miller erinnerte an die großen Schwierigkei=
ten
, die bei den erſten Elektrizitätswerken zu
überwinden waren. Das neue Wechſel= bzw.
Drehſtromſyſtem geſtattete nun, eine ganze An=
zahl
von Städten von einer Zentrale aus mit
Strom zu verſorgen. Es entſtanden die Ueber=
landzentralen
, die allerdings nicht immer nach
rein techniſchen und wirtſchaftlichen Geſichtspunk=
ten
, ſondern häufig auf Grund von Zufällig=
keiten
ſich entwickelten, ſo daß eine Zuſammen=
faſſung
der Ueberlandzentralen zu größeren Ge=
bilden
ſich ſehr bald als nötig erwies. Das
größte dieſer Werke iſt das Rheiniſch=Weſtfäliſche
Elektrizitätswerk, welches eine Zentralleiſtung
von etwa anderthalb Millionen Kilowatt und
eine Jahresſtrommenge von etwa dreieinhalb
Milliarden Kilowattſtunden über ein induſtriell
hoch entwickeltes Gebiet verteilt. Exz. v. Miller
erläuterte zum Schluß das von ihm im Auftrage
des Reichswirtſchaftsminiſteriums verfaßte Gut=
achten
über die einheitliche Elektrizitätsverſor=
gung
des Reiches.

Ehrung Oskar von Millers durch die Stadt
Frankfurt.
Frankfurt a. M. Der Magiſtrat hat be=
ſchloſſen
, den Altmeiſter der deutſchen Elektro=
technik
, Oskar von Miller, in Erinnerung an
die vor 40 Jahren ſtattgefundene Internationale
Elektrotechniſche Ausſtellung in Frankfurt die
Ehrenplakette der Stadt Frankfurt zu verleihen
und eine Straße nach ihm zu benennen.

Der Skreifenrikt der Schuhpolizei um den Wanderpreis des Innenminiſters.

Profeſſor Piccard
über das Ergebnis ſeines Höhenflugs

Schwieriger Ritt durch hügeliges Waldgelände.
Im Berliner Grunewald fand ein Streifenritt der Berliner Schutzpolizei um den Wanderpreis
des Innenminiſters ſtatt, der über 12 Kilometer durch äußerſt ſchwierig gewähltes Gelände führte.

Zum 60. Geburkskag des Berliner
Hiſtorikers Profeſſor Brackmann.

Im Segelflugzeug über Breslau.

Ein übler Scherz.
Marburg. Im nahen Dorfe Cappel legte
ein junger Gymnaſiaſt ſcherzhafterweiſe mit ſei=
nem
Luftgewehr auf eine Gruppe ſpielender Kin=
der
an und drückte ab. Das Geſchoß traf einen
kleinen Jungen mitten in die Stirn, wo es
ſtecken blieb und durch einen Aerzt entfernt
werden mußte. Immer und immer wieder
muß vor derart üblen Scherzen, die ſchon
manches Opfer forderten, gewarnt werden.

Profeſſor Dr. Albert Brackmann,
der hervorragende Geſchichtsprofeſſor der Berli=
ner
Univerſität und Erforſcher der mittelalter=
lichen
Geſchichte, wird am 24. Juni 60 Jahre
alt. Im vorigen Jahre verließ Profeſſor Brack=
mann
den Lehrſtuhl der Berliner Univerſität, um
die Leitung des Reichsarchivs zu übernehmen.

Wolf Hirth,
der bekannte Stuttgarter Flieger, hat im motor=
loſen
Flugzeug einen 2½ Stunden langen Flug
über das Häuſermeer von Breslau ausgeführt.
Bekanntlich gelang es Hirth vor kurzem, im
Segelflugzeug die Wolkenkratzer von New York
zu überfliegen.

Tödlicher Sturz in der Scheune.
Lohr a. M. In Sackenbach bei Lohr ſtürzte
der in den 40er Jahren ſtehende Landwirt Karl
Dietrich von der Scheune auf die Tenne. Der
Tod trat bald darauf ein.

Ein Mutter tötet ihre vier Kinder.
Köln. Eine furchtbare Familientragödie
hat ſich vorgeſtern abend im benachbarten Fors=
bach
ereignet. Die 35 Jahre alte Frau des Fabrik=
arbeiters
Harbecke hat ihre Kinder im Alter
von vier bis zehn Jahren, drei Jungen und ein
Mädchen, in Abweſenheit ihres Mannes umge=
bracht
und ſich ſelbſt durch einen Halsſchnitt le=
bensgefährlich
verletzt. Die Tat iſt anſcheinend im
Zuſtande geiſtiger Umnachtung vollbracht wor=
den
.

Ein Betrunkener erſchießt einen Polizeiwacht=
meiſter
.
Ludwigsſtadt. Der Schwerkriegsbeſchä=
digte
Schlegel kam am Sonntag nacht betrunken
nach Hauſe und bedrohte Frau und Sohn mit

Erſchießen. Als Polizei zu Hilfe eilte, flüchtete
er vor den Beamten auf den Dachboden und gab
aus einem Revolver einen Schuß ab. Dieſer traf
den Gendarmeriewachtmeiſter Zenk in die Stirn,
ſo daß er kurz nach ſeiner Einlieferung ins
Krankenhaus verſtarb.

Ein Simplon=Expreß überrennt einen Autobus.
Bukareſt. Der Simplon=Expreß iſt bei

der Station Stirbeywod mit einem Autobus, deſ=
ſen
Führer die Warnungsſignale des Schranken=
wärters
unbeachtet ließ, zuſammengeſtoßen. Der
Autobus wurde zertrümmert. Drei Per=
ſonen
wurden getötet, vier verletzt. Der
Führer iſt entflohen. Die Maſchine des
Expreßzuges wurde ſtark beſchädigt.

Brüſſel. Zu Ehren von Prof. Piccarty // Aleinigke
fand in Brüſſel am Donnerstag nachmittag eine
wiſſenſchaftliche Sitzung ſtatt, an der das bel=
giſche
Königspaar, das Diplomatiſche Korps; ud ſchwer
Mitglieder der Regierung und eine Anzahl vom ügen, aber
Wiſſenſchaftlern ſowie der Direktor der Ballon=
fabrik
, Riedinger, teilnahmen. Franqui ſprack.
im Namen der Stiftung für wiſſenſchaftliche=
Forſchung. Weitere Reden hielten Kultusmi ſe große K
niſter Petitjean und namens der belgiſchen=
Wiſſenſchaft Prof. Bordet. In ſeiner Antwortt
gab Prof. Piccard einige Aufſchlüſſe über die=
Stratoſphäre. Die wiſſenſchaftlichen Schlußfol
gerungen aus ſeinem Höhenfluge ſeien deswegen=
nur
ſpärlich, weil die kosmiſche Strahlung zwi=
ſchen
15 000 und 16 000 Meter Höhe nur drek=
mal
hätte feſtgeſtellt werden können. Nichtg
deſtoweniger ſei es ſicher, daß dieſe Strahlunk
auf Radioaktivität beruhe. Piccard glaubt, be=
haupten
zu können, daß in der genannten Höht
die Leitfähigkeit für Gaſe nur halb ſo groß ſei,
wie in 10 000 Meter Höhe, daß die Strahlung
von Gaswolken herrühre und die Erde in ſe=
kundären
Strahlen erreiche. Als weiteres Er=
gebnis
ſeines Fluges betrachtet Piccard die ſolzei Or.
Möglichkeit für Flugzeuge, die Stratoſphäre bei
gleichbleibendem Brennſtoffverbrauch mit drei=
facher
Geſchwindigkeit durchfliegen zu können. 4 Ein In=
Die Flieger könnten ſich in ganz dichten Räumen
ohne jede Unbequemlichkeit ſtundenlang in der
Stratoſphäre aufhalten, was für größere Flüge
von Bedeutung ſei. Piccard hofft, daß die In=
duſtrie
eines Tages die hierfür erforderlichen
Flugzeuge bauen werde.

14 Opfer eines Autozuſammenſtoßes.

Prag. Ein Laſtauto mit 25 Bauarbeitern
ſtieß bei dem Dorfe Dobriſch in einer ſcharfen
Kurve mit einem mit Brettern beladenen Auto
zuſammen. Der Zuſammenſtoß war ſo heftig,
daß zwei Arbeiter ſofort tot waren und zwölf
mit ſchweren Verletzungen in das Krankenhaus
von Pribram geſchafft werden mußten, wo in=
zwiſchen
zwei weitere Schwerverletzte geſtorben
ſind. Nach den Ausſagen der Schwerverletzten
fuhr das mit Brettern beladene Auto auf der
falſchen Straßenſeite.

Ein Taucher im Wrack der St. Philbert.
Paris. Wie aus St. Nazaire gemeldet
wird, iſt es einem Taucher am Samstag ge=
lungen
, in das Wrack des St. Philbert ein=
zudringen
, und zwar in den Salon=1. Klaſſe.
Wider Erwarten wurde in dem Raum keine ein=
zige
Leiche gefundem. Die Inneneinrichtung iſt
durch das Eindringen des Waſſers vollkommen
zerſtört worden. Die Türen ſind ausgebrochen,
die Kajüten ſämtlich verſchlammt. Die Sachver=
ſtändigen
nehmen an, daß die Leichen durch die
Strömung bereits fortgeſchwemmt worden ſind.

Ein Laſtkraftwagen fährt in eine Menſchenmenge

Madrid. In Spanien, wo zurzeit die be= Wahl die Gemüter erregt und die
Menſchen noch mehr als ſonſt auf die Straße=
treibt
, hat ſich ein ſchweres Unglück ereignet. Als
am Sonntag in einem Dorfe die Einwohner auf
der Hauptſtraße in dichten Gruppen ſtanden, um.
einen Wahlredner zu erwarten, fuhr plötzlich ein.
Laſtkraftwagen in ſchnellſter Fahrt in die Menge=
hinein
. Drei Tote und 15 Schwerverletzte blie=
ben
liegen. Die Menge wurde von einer großen-
Erregung ergriffen, und es hätte wenig gefehlt.
ſo wäre der Chauffeur des Unglückswagens ge=
lyncht
worden. Noch im letzten Augenblick gee=
lang
es der Polizei, ihn zu ſchützen.

Fortuyn
M aus ti

ſen

Die Hitze in Amerika dauert an.
New York. Die furchtbare Hitzewelle, die=
einen
großen Teil der Vereinigten Staaten zur= heimſucht, hat auch am Sonntag den Tod
von etwa hundert Perſonen zur Folge gehabt;
allein in New York zählt man 20 an Hitzſchlag
Geſtorbene. Das Thermometer zeigte 93 Grad
Fahrenheit; alle öffentlichen Plätze ſind nachts:
zum Lagern und zur Ruhe freigegeben. Ein
großer Teil der Bevölkerung New Yorks iſt nach
dem Badeort Coney=Island geflüchtet.

[ ][  ][ ]

Nummer 172

Dienstag, den 23. Juni 1931

Seite 9

R

Mit den Augen geſtohlen...

Wie Werkſpione heuke arbeiken.
älle aus der Praxis. Frechheit, du ſiegſt! In Amerika ein
Sport. Schwere Gefährdung der heimiſchen Induſtrie.
Planmäßige Abwehrorganiſation erforderlich!
Zu der wachſenden Gefahr, die organiſierte Werk=
ſpionage
für die deutſche Induſtrie bedeutet, erhal=
ten
wir von unſerem Berliner E=n=Mitarbeiter fol=
genden
Bericht, der einen intereſſanten Einblick gibt,
mit welcher Raffiniertheit heute dieſer Krieg im
Dunkeln geführt wird.
Ein Ingenieur, bei einem über ganz Europa verbreiteten
ᛋd finanziell ſehr ſtarken Elektrokonzern angeſtellt, ſchied eines
icht ſehr ſchönen Tages aus ſeinem Betrieb aus und machte
ſelbſtändig. Allerdings nicht, ohne daß der große
bnzern, der es ſich finanziell leiſten konnte, ein ſcharfes Auge
af die künftigen Wege ſeines ehemaligen Angeſtellten warf;
mn, fagten ſich die Konzerngewaltigen: man muß das Seinige
ſiſammen halten und es nicht vor die Werkſpione werfen!
Da entdeckte denn alſo abermals eines nicht ſehr ſchönen
bges beſagter Konzern, da
Rigenieur, ſozuſagen die Ausſteuer zur Begründung ſeiner
genen Selbſtändigkeit von ſeiner früheren Arbeitsſtelle bezogen
ſtte: d. h.: er hatte eine ganze Menge Fabrikationsverfahren,
Eigentum des Konzerns waren, einfach mitgehen heißen, er
ſitte ſie in ſeinen eigenen Betrieb verpflanzt, mit dem er jetzt
ſinem früheren Arbeitgeber möglichſt Konkurrenz machte.
Die erſten Ermittlungen in dieſer zweifellos unter den Be=
uff
Werkſpionage fallenden Angelegenheit ergaben zweifels=
gi
, daß der Ingenieur ſich die Unterlagen zu ſeiner neuen Exi=
ſinz
auf einem Wege verſchafft hatte, der ihn, wenn es der be=
fihlene
Konzern wollte, empfindlich mit dem Strafgeſetz in Be=
uhrung
gebracht hätte. Die Polizei, von den Beſtohlenen auf
m Ingenieur und ſeinen Betrieb gehetzt, ging der Sache mit
gößter Energie nach, und die Recherchen gediehen vortrefflich,
66 zu einem Zeitpunkt, der erſtaunlicherweiſe in vielen
drartigen Verfahren vorkommt: als man nämlich bei der Krimi=
mpolizei
glaubte, daß nun alles für das kommende Strafverfah=
m
vorbereitet ſei, ließ der große Konzern wieder von ſich
hren und teilte mit, daß er ſich mit ſeinem früheren Angeſtell=
i
, dem Ingenieur geeinigt hätte; der Konzern habe die
nue Fabrik, das Konkurrenzunternehmen des Ingenieurs für
N Kleinigkeit von 280 000 Mark gekauft und damit ſei die
Agelegenheit erledigt . ."
Alſo, eine Firma wurde von einem Werkſpion beſtohlen
ud ſchwer geſchädigt, ſie ließ die Angelegenheit anfänglich ver=
fugen
, aber dann plötzlich belohnt ſie den Spion noch
bfür, daß er aus ſeiner ehemaligen Zugehörigkeit zu der be=
ſihlenen
Firma unrechtmäßig Kapital geſchlagen hatte.
Hinter den Kuliſſen hatte ſich nämlich folgendes abgeſpielt:
2r große Konzern hatte herausbekommen, daß hinter dem In=
gnieur
und ſeinem neuen Unternehmen ein ausländi=
ſter
Geldgeber ſteckte, der drauf und dran war, ganz
gichartige Unternehmen auch in anderen außerdeutſchen Län=
den
auf die Beine zu ſtellen: Unternehmen alſo, die dem Kon=
zen
ſchweren Abbruch getan hätten. Zudem hatte der Ingenieur
gade im Verlauf des gegen ihn gerichteten Unterſuchungsver=
fyrens
abermals eine große Anzahl von neuen Betriebsge=
hmniſſen
des Konzerns erfahren, ſo daß dieſer es ſchließlich
wzog, die Angelegenheit nicht zu allem Ueberfluß über die Ge=
chtsverhandlung
noch in die Oeffentlichkeit gelangen zu laſſen.
Mo zogles der Konzern vor, zu ſchweigen und den Werkſpion
mi teurem Geld aus dem Wege zu räumen.
Dieſe Geſchichte hört ſich ſo phantaſtiſch an, daß man geneigt
ſie nicht zu glauben. Sie hat ſich aber tatſächlich ſo zugetra=
zei
und iſt von dem Werkſpionage=Dezernenten der Berliner
Plizei Dr. Bartſch bearbeitet worden.
Aber dieſer Fall iſt noch längſt nicht der kraſſeſte, es gibt
nich wei: ſchlimmere, wie beiſpielsweiſe dieſen:
Ein Ingenieur hatte, ähnlich wie im vorigen Falle, ſeine
Abeitsſtelle aufgegeben und ein Konkurrenzunternehmen ins
Loen gerufen. Nur, daß dieſer Mann nicht die nötigen Be=
mbsgeheimniſſe
gleich mitbrachte, ſondern ſie ſich laufend
vai einem noch in den Dienſten der beſtohlenen Firma befind=
ligen
Werkmeiſter verſchaffte. Auch hier wurde die Polizei mit
d Angelegenheit befaßt, auch hier kam eines Tages der Be=
ſcheid
: man habe ſich geeinigt! Und der weitere Verlauf
de Geſchichte ſieht nun folgendermaßen aus: Die beſtohlene
Frma hatte dem Ingenieur ſein neues Unternehmen nicht nur
ihekauft, ſondern man hatte ihm noch eine Entſchädigung ge=
ſalt
gegen die Verpflichtung, in der fraglichen Branche im Ver=

lauf der nächſten zehn Jahre kein Geſchäft mehr aufzumachen.
Mit dieſem Gelde nebſt dem Werkmeiſter, der ihm früher
geholfen hatte, ging der Ingenieur nach Amerika, und rief dort
mit Geldern eines Konſortiums nicht weniger als acht rieſige
Betriebe ins Leben, in denen die geſtohlenen Betriebsgeheim=
niſſe
auf die nutzbringendſte Weiſe verwendet wurden!
Da blieb nicht viel zu tun, denn die Auffaſſungen und ge=
ſetzlichen
Beſtimmungen über Werkſpionage ſind in den verſchie=
denen
Ländern ſehr unterſchiedlich. Der Amerikaner be=
ſonders
hat ſo ſeine eigenen Anſichten darüber: er hält es, möchte
man faſt ſagen, für eine Art Sport, dem Konkurrenten die
Geheimniſſe abzujagen, etwa nach dem Grundſatz: Geſchieht dir
ganz recht, wenn du dich beſtehlen läßt, wenn ich mich auch
von dir beſtehlen laſſe, iſt es eben meine Schuld!
Daß in der letzten Zeit in deutſchen Werkſpionage=
angelegenheiten
auch Amerika eine Rolle ſpielt, iſt aller=
dings
weniger auf dieſe etwas merkwürdige Auffaſſung zurück=
zuführen
, ſondern faſt ausſchließlich auf die Wirtſchafts=
kriſe
, die in der ganzen Welt den Konkurrenzkampf härter und
robuſter hat werden laſſen.
Aber auch die Verfolgung von Werkſpionageangelegenheiten
innerhalb Deutſchlands iſt ſchwierig! Vor allem aus dem
Grunde, daß nach deutſchem Recht wohl die vollendete Werk=
ſpionage
ſtrafbar iſt, nicht aber der Verſuch. Wenn alſo durch
einen unvorhergeſehenen Zufall der Raub von Geſchäftsgeheim=
niſſen
nicht zur vollen Durchführung kommt, geht der Täter ſtraf=
frei
aus. Eine viel mildere Beurteilung greift auch Platz, wenn
jemand Betriebsgeheimniſſe erſt nach ſeinem Austritt aus der
Firma verwertet. Selbſtverſtändlich wirkt das in hohem Maße
ermutigend!
Vor allem kommt die Tatſache hinzu, daß die deutſche In=
duſtrie
mit ganz geringen Ausnahmen nichts tut, um ſich vor
Werkſpionen zu ſchützen: Die großen Induſtriewerke haben
wohl einen Werkskontrolldienſt, um zu verhindern, daß etwa ein
Arbeiter eine Holzkiſte im Werte von Mk. 1. mit nach Hauſe
nimmt aber ſie tuen nicht das Mindeſte, um den Diebſtahl
von Millionen durch die Werkſpionage zu verhindern. Als ein=
mal
ein auf dem Gebiete der Werkſpionagebekämpfung führender
Kriminaliſt dem Leiter eines ſolchen Induſtriewerkes gegenüber
ſeine Verwunderung ausſprach, daß das Werk jährlich für Ent=
wicklungs
= und Laboratoriumsverſuche die Kleinigkeit von 40
Millionen ausgebe, aber auch nicht einen einzigen Pfennig zum
Schutz gegen Werkſpionage, ſagte der Induſtrielle: Ja, Sie
haben Recht, man muß wahrhaftig was tun! Aber bis
heute iſt dort nichts geſchehen!
Dieſe Sorgloſigkeit der Induſtrie ſteigert ſich auf der ande=
ren
Seite geradezu zum Selbſtverrat: wenn die Induſtrie näm=
lich
die wertvollſten Geſchäftsgeheimniſſe unpatentiert läßt,
aus Angſt, die Konkurrenz möchte die Patentvorſchriften
nachleſen. Die Induſtrie fürchtet alſo den Patentſchutz!
Ein weiterer Punkt iſt die Tatſache, daß die Technik ſich ja
ſelbſt fortdauernd bekämpft: So wurde kürzlich von einem ganz
großen deutſchen Betrieb ein neuer Reproduktions=
apparat
auf den Markt gebracht, der es geſtattet, in zehn
Minuten mehrere Dutzend Kopien irgendeiner Blaupauſe oder
einer ſonſtigen Unterlage zu machen, und zwar ohne Photoplatte
und ohne ſonſtigen Rückſtand. Was das für die Werkſpionage
bedeutet, iſt unſchwer zu ermeſſen.
Welche ſonderbaren und kaum erdenklichen Wege die Werk=
ſpionage
gelegentlich geht, dafür iſt der folgende Fall kennzeich=
nend
: In Berlin gibt es eine Organiſation der Waren=
zeichen
=Intereſſenten. Der Vorſitzende dieſer Organi=
fation
hatte es ſich zur Lebensaufgabe geſtellt, auf ſeinem Ge=
biet
ein Konkurrenzunternehmen zu allen beſtehenden behörd=
lichen
Inſtitutionen aufzumachen; d. h., er wollte eine rieſige
Karthotek einrichten, die einfach alles enthalten ſollte, was es
auf dieſem Spezialgebiet gäbe. Das führte er mit bewunderungs=
würdiger
Energie und Ausdauer durch, binnen einiger Jahre
war ſein Unternehmen einzigartig, ſeine Ueberlegenheit wurde
von den behördlichen Stellen auch anerkannt.
Da eines Tages er traute ſeinen Ohren kaum erfuhr
er, daß ſeinem Konkurrenzunternehmen, mit dem er ſämtliche
behördlichen Stellen um Längen geſchlagen hatte, abermals
eine Konkurrenz entſtanden war. Er ging den Dingen auf den
Grund ein neues Unternehmen von der Art des ſeinigen war
einfach undenkbar, denn es gab eine Unmenge Material, das
nur er allein im Beſitz haben konnte!
Bei den Nachforſchungen ſtellte ſich heraus, daß der
Schöpfer der Konkurrenz ein Bote war! Ein Mann,
der bei der Organiſation der Warenzeichen=Intereſſenten als Bote
und Hausreiniger angeſtellt war. In jahrelanger Nachtarbeit
hatte er ſich Tauſende von Abſchriften aus der unbezahlbaren

Karthotek des Herrn Vorſitzenden gemacht und ſo ſein eigenes
Unternehmen auf die Beine geſtellt.
Die Angelegenheit wurde polizeilich aufgedeckt und vor allem
die Tatſache, daß hinter dem Boten und Hausreiniger zwei Geld=
leute
ſteckten, genügte dann, den tüchtigen Nachtarbeiter vor den
Richter zu bringen. Er wurde beſtraft, die Hintermänner waren,
wie das in ſolchen Fällen faſt immer zu ſein pflegt, nicht zu
faſſen ...
Aus allem hier Gefagten ſieht man, daß die Photogra=
phie
in der Werkſpionage nur eine ganz untergeordnete Rolle
ſpielt. Nicht etwa, weil es Methoden gibt, durch die jede Phoro=
platte
vor ihre Verwendung unbrauchbar gemacht werden kann,
ſondern weil die Werkſpionage faſt nur von Werksangehörigen
betrieben wird; und wenn Werksangehörige photographieren
wollen, können ſie ihr Vorhaben von vornherein verloren geben!
Der bisherige Schutz der deutſchen Induſtrie gegen Werk=
ſpionage
iſt, wie gefagt, völlig unzureichend. Beſonders wenn
man ſich vor Augen hält, daß ein Werkſpion manche Aehnlichkeit
mit einem Hochſtapler hat, zum mindeſten in der Art ſeines Auf=
tretens
. Wenn ein Spion vor dem Tor eines Betriebes vor=
fährt
, aus dem Wagen ſpringt, und dem Pförtner zuknurrt:
Direktor Schulze . . . oder Syndikus Wachler . . ., dann
macht der Sicherheitsbeamte pflichtſchuldigſt ſeinen Bückling,
nimmt die Hand an die Mütze und läßt den Unbekannteſten
paſſieren. Daß aber ein Werkſpion nicht unraſiert und mit aus=
gefranzten
Hoſen daher kommt, das ſagen ſich die Herren nicht,
die einen ſolchen Sicherheitsdienſt ins Leben rufen.
Werkſpionage bedeutet eine gewaltige Schwächung der deut=
ſchen
Induſtrie gegenüber der ausländiſchen Konkurrenz! Es
iſt jetzt wirklich an der Zeit, daß ſich die deutſche Induſtrie plan=
mäßig
und mit geeigneten Mitteln in dieſem Krieg im Dunkeln
zur Wehr ſetzt!

Glücklich verlaufene Schnelfahrt
des Schienen=Zeppelins.
Hamburg, 22. Juni. Der Propellerwagen des Diplom=
Ingenieurs Krukenberg ſtartete am Sonntag früh um 3,27 von
Bergedorf aus nach Spandau, wo er nach 1 Stunde 38 Minuten
glücklich verlaufener Fahrt um 5,05 Uhr eintraf. In Bergedorf

Der Schienen=Zeppelin Prof. Krukenbergs.
hatte ſich trotz der frühen Morgenſtunde ein zahlreiches Publikum
eingefunden, um der Abfahrt beizuwohnen. Ebenſo hatten ſich
an allen Stationen der Strecke viele Neugierige aufgeſtellt. Bei
der Schnelligkeit, mit der der Wagen die 257 Kilometer lange
Strecke bewältigt hat, iſt zu beachten, daß er mit Höchſtgeſchwin=
digkeit
nur auf einem kurzen Teil der Strecke fahren durfte.
Zwiſchen Wittenberge und Bad Wilsnack war ihm beiſpielsweiſe
von der Reichsbahndirektion eine Geſchwindigkeit von nur 60
Stundenkilometern vorgeſchrieben worden. Dagegen konnte er
zwiſchen Karſtädt und Wittenberge ſeine Geſchwindigkeit auf
230 Stundenkilometer erhöhen. Die vorgeſehene Zeit=
einteilung
iſt genaueſtens faſt bis auf die Sekunde eingehalten
worden. An der Fahrt nahmen Ingenieur Krukenberg, Diplom=
Ingenieur Stedefeld, Ingenieur Plack, Frau Krukenberg und
zwei Monteure teil.

Ein Roman aus der Induſtrie
von Hans Dominik

Copyright by Ernſt Keils Nachf.. (Aug. Scherl), G.m.b.H., Berlin.

(Nachdruck verboten.)

Bis vor Jahresfriſt hatte Fortuyn nur geſchäftlich mit
Drektor Terlinden zu tun gehabt. Da kam der Tag, der ihre
Gſchicke für immer verknüpfte. Ein Gastank im Werk war
udicht geworden Terlinden in unmittelbarer Nähe des Be=
hüters
bewußtlos zuſammengebrochen. Fortuyn drang als
eſter in den vergaſten Raum und rettete den Ohnmächtigen
m Freie. Zwar hatte ärztliche Kunſt vermocht, Terlinden am
Ceen zu erhalten; ſeine Geſundheit jedoch war für immer zer=
ſtürt
. Ein ſiecher Mann, verbrachte er ſeine Tage zwiſchen
Butt und Rollſtuhl. Und mit der Hartnäckigkeit, die hoffnungs=
* Kranken oft eigen iſt, drang er darauf, ſeinen Lebensretter
immer wieder in ſeinem Hauſe zu ſehen.
Fortuyn kam, ſo oft Clemens Terlinden nach ihm verlangte.
him aus tiefer Teilnahme für den Mann, den ein grauſames
Gſchick noch bei Lebzeiten aus der Reihe der Schaffenden geſtrichen
hate. Doch trotz ſeiner häufigen Beſuche gewann er zunächſt
kenen tieferen Einblick in Terlindens Ehe. Wenn er kam, emp=
fig
ihn regelmäßig Frau Johanna. Nach einem kurzen Geſpräch
ier Tagesneuigkeiten, gelegentliche Theaterbeſuche und der=
gichen
geleitete ſie ihn dann ins Krankenzimmer, holte eine
line Erfriſchung, ließ mit einem Scherzwort die beiden allein.
Bi alledem war Fortuyn Johanna Terlinden niemals einen
Ghritt näher gekommen. Kaum einmal ein Wort, das über die
mventionelle Unterhaltung hinausging. Wenn er ſich dann
ſiter verabſchiedete, brachte ſie ihn wieder zur Tür, entließ ihn
nt freundlichem Händedruck.
Eine ſeltſame Frau, die Johanna Terlinden! Jung, ſchön,
üller Lebensluſt, mußte ſie ihre beſten Jahre an der Seite eines
Afnungslos Kranken vertrauern, deſſen Ende nicht abzuſehen
ur. Sollte es nicht Stunden geben, in denen ihr Lebensmut
ſrſagte? Je öfter Fortuyn mit Johanna in Berührung kam,
ſſito mehr reizte es ihn, hinter das Gheimnis ihrer ewig gleichen
laske zu ſchauen. Ja, es geſchah ſogar, daß mitten in ſeiner Ar=
ſit
plötzlich das Bild dieſer Frau mit ihrem unenträtſelbaren
lcheln vor ihm auftauchte. Eine übermenſchliche Selbſtbeherr=
ſung
mußte ſie beſitzen. Obgleich er ſie auf das ſchärfſte be=
hachtete
, war es ihm nie gelungen, einen Blick in ihr Innerſtes
tun, der ihm ihr wahres Weſen enthüllt hätte. Wie mußte ſie
uden! Immer tiefer wurde ſein Mitleid mit ſolch qualvollem
lartyrium immer ſtärker, immer wärmer drängten ſeine Ge=
ihle
zu ihr hin

Ein trüber Novembertag endlich ſollte ihm die Löſung
bringen. Das erſtemal, daß Johanna ihn nicht bei ſeinem Ein=
tritt
empfing. Die Stimmung des Kranken, in der letzten Zeit
ſchon ſtark wechſelnd, war außerordentlich gereizt. Fortuyn verab=
ſchiedete
ſich bald. Zum Abend war eine Einladung zu einem
großen Feſt bei Kampendonk an ihn ergangen als Auftakt zu
den Winterfeſtlichkeiten, die teils in Rieba, teils in Neuſtadt ver=
anſtaltet
wurden. Als Fortuyn den Kranken verließ, blickte er ſich
beim Durchſchreiten der Vorzimmer vergeblich nach Johanna um.
Da glaubte er, aus einem verdunkelten Nebenzimmer ein unter=
drücktes
Weinen zu hören. Er ſchob den Vorhang beiſeite und
erkannte Frau Terlinden, die auf einer Ottomane lag, das Antlitz
in den Händen vergraben.
Zögernd trat er näher. Der dicke Teppich dämpfte ſeine
Schritte. Frau Johanna! Er faßte ihre Hände, ſchob ſie zur
Seite.
Sie richtete ſich haſtig auf, mühte ſich um Faſſung und Hal=
tung
. Ihre Hand taſtete nach dem Taſchentuch. Verzeihung,
Herr Fortuyn! ſtammelte ſie gequält. Ich wußte nicht, daß
Sie....
Gändige Frau! Ich bitte Sie ... was iſt Ihnen? Kann ich
Ihnen helfen? . . . Alles will ich tun für Sie, Johanna!
Waren’s ſeine. Worte, war’s ſeine Stimme, war’s ihre
Nähe?. In wildem Aufſchluchzen ſchlang ſie ihre Arme um ſeinen
Hals, drängte ſich an ſeine Bruſt. Ihre Maske war gefallen.
Hemmungslos floß über ihre Lippen, was ihr Herz ſo lange ver=
ſchloſſen
. Ich ertrag’ es nicht länger dies Leben einer Ver=
dammten
! Wäreſt du nicht, wo wäre ich längſt? Dich immer
wiederſehen, deine Stimme hören! Für alle Tage gibt es mir Troſt.
Wenn du wüßteſt, was ich all die Zeit erduldet wie ich
gekämpft, mich gezwungen hab’ ! Oft, wenn du fortgingſt und
wir draußen ſtanden, du den Mantel umhängteſt mein Herz
nach dir ſchrie zerſchlagen hätte ich den Spiegel mögen, der
mir mein gemacht gleichgültiges Geſicht mit ſeinem ewigen
Lächeln zuwarf. Deinen Arm hätt’ ich nehmen mögen und mit
dir gehen fort aus dieſem Gefängnis! Der Folter entrinnen,
die Leib und Seele martert!
Sie warf ſich auf die Otomane zurück, und Fortuyn kniete
neben ihr, ſprach linde Liebesworte. . . . Ihr Weinen ver=
ſtummte
. Langſam entwand ſie ſich ihm, richtete ſich auf. Ver=
zeih
, du Guter, du Lieber! Ich konnte nicht länger. . . . Zuviel

heute, was auf mich eindrang, mich alle Beherrſchung verlieren
ließ. Sie ſchmiegte die Hand auf ſeinen Arm. Das Feſt heute
abend. . . . Wochenlang hatt’ ich mich darauf gefreut. Heute
morgen begann’s: Er ſah wohl die Vorfreude bei mir. Mit
Klagen und Sticheln und Jammern und Aechzen brachte er mich
zur Verzweiflung. Das Feſtkleid, das ich gerade anprobiert hatte,
riß ich mir in Fetzen vom Körper, warf’s ihm vor die Füße . .."
Oh, er hat mich gequält!
Von neuem brach ſie in Schluchzen aus, ſuchte Halt und Troſt
an ſeiner Bruſt. Lange ſaßen ſie ſo. Dann machte ſie ſich ſanft
frei, ſah ihm voll in die Augen". Ihre Blicke tauchten ineinander
und ſein Mund fand die Lippen, die ihn ſuchten . .
Wochen, Monate waren verſtrichen. Wenn Clemens Terlin=
den
rief, kam Fortuyn, wie früher. Wie früher empfing ihn Jo=
hanna
. Wie früher begleitete ſie den Scheidenden. Doch niemals
wieder fanden ſich ihre Lippen im Kuß. Ein Druck der Hand nur
ein Winken der Augen".
Als Fortuyn jetzt eintrat, drängte Johanna ihn in das leere
Herrenzimmer. Legte den Arm um ſeine Schulter. Du Liebſter,
du Armer, was hat man dir getan!
Angſt, Sorge ließ ſie die Schranken durchbrechen, die ſie ſelbſt
ſtillſchweigend zwiſchen ſich errichtet hatten. Sie führte ihn zu
einem Diwan, ſetzte ſich, zog ihn neben ſich. Du wußteſt es ſchon,
als ich dich anrief?
Er nickte. Eine Angeſtellte brachte mir das Blatt in mein
Zimmer.
Durch eine Angeſtellte! Oh, wie häßlich das alles! Was haſt
du geſagt? Was denkſt du? Sprich doch!
Fortuyn fuhr mit der Hand beſchwichtigend über ihre heiße
Stirn. Gewiß! Es iſt ein böſer Streich, den mir meine Gegner
geſpielt haben!
Ein Schurkenſtreich! Wie Kampendonk dazu ſeine Hand bie=
ten
konnte? Ich verſtehe es nicht. Ich rief vorhin Onkel Düſter=
loh
an, um Näheres zu erfahren. Konnte ihn aber nicht erreichen.
Hm Düſterloh? murmelte Fortuyn vor ſich hin.
Du ſagſt das ſo zweifelnd? Meinſt du, daß er vielleicht .. ."
Ich traue ihm nicht. Daß er nicht mein Freund iſt, weiß
ich beſtimmt. Und ich hab’ auch das Empfinden, daß er meine
Beſuche bei euch ungern ſieht. Er ſpürte, wie ihr Arm leicht zu=
ſammenzuckte
. Kampendonk war nicht mehr zu erreichen, fuhr er
fort. Ich wäre ſonſt gleich zu ihm hin.
Kampendonk? fragte ſie mit unruhiger Stimme. Wie
wirſt du mit ihm ſprechen?
Er zuckte die Achſeln. Ebenſo wie mit dir. Das eine weiß
ich: Falls auch er ſich in ſeinem Vertrauen zu meiner Arbeit hat
erſchüttern laſſen, dann .
Wirſt du fort von hier gehen? Wirſt mich verlaſſen? Sie
umſchlang ihn mit beiden Armen. Nein das nicht! Ich werde
wahnſinnig, wenn ich hier allein bleibe. Ich gehe mit dir!
rtſetzung folgt.)

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Seite 10

Dienstag, den 23. Juni 1931

Nummer 172

Regeländerungen im Fußball.
Von der Tagung des Inkernalional Board.
Der International Board, die höchſte Regelbehörde im internatig=
nalen
Fußballſport, faßte auf ſeiner in Gleneagles (Schottland) abgeha
tenen Sitzung einige wichtige Beſchlüſſe. Die wichtigſte Aenderung t5
die zu Regel 4, wonach es dem Torwächter in Zukunft erlaubt if5
vier anſtatt bisher nur zwei Schritte zu laufen. Weiterhin wurde ein
3d. Güutieiſeſt oes MaineRgeingaues. Bandesieiſterſchaften der Reicsoagner Antrag auf Regel 5 angenommen, wonach bei einem falſchen Ein=
wurf
dieſer von der Gegenpartei wiederholt wird, nachdem bisher für

Slber Sale Tk Sacfiese

12. Gau=Frauenkurnen.
Ueber 1000 Teilnehmer in Griesheim gemeldet.
Die Turnvereine des Main=Rhein=Gaues ſtehen ganz im Banne des
Jubiläums=Gauturnfeſtes, das in den Tagen des 27.29. Juni in
Griesheim b. Darmſtadt ſtattfindet. Von den 77. dem Gau an=
gehörenden
Vereinen haben nur einzelne auf die Beſchickung durch Wett=
kämpfer
Abſtand genommen. Doch iſt trotz der wirtſchaftlichen Not, die
auch die Turnvereine erheblich drückt, eine Teilnehmerziffer wie noch nie
erreicht zu verzeichnen. Ueber 1000 Kämpfer und Kämpferinnen neh=
men
in den verſchiedenen Stufen und Klaſſen teil und werden Zeugnis
ablegen von der Breitenarbeit der D.T.=Vereine. Bemerkenswert iſt die
Beſetzung der Sonderklaſſe, ſowohl des Zwölfkampfes als auch des Zehn=
kampfes
. Der Zwölfkampf beſteht aus acht Geräte=, einer Frei= und drei
volkstümlichen Uebungen (Lauf. Wurf und Sprung). Neun Geräte=
und eine Freiübung hat der Zehnkämpfer zu meiſtern. Dieſe Konkur=
renz
verzeichnet als Teilnehmer die beſten Kunſtturner des Gaues. Be=
ſonders
in der Sonderklaſſe werden wie immer gelegentlich des Ringenz
um die Siegerehre Muſterbilder von Geſchicklichkeit, Körverbeherrſchung.
von Geiſtesgegenwart, Kraft und Mut geboten werden. Die nächſte
Klaſſe vereinigt in der Oberſtufe, ebenfalls im Zwölf= und Zehnkampf,
namhafte Meiſter, die ihr Können ſchon oft unter Beweis ſtellen konn=
ten
. Ob allerdings hier die altbewährten Kräfte die Spitze behaupten
werden, oder ob der hoffnungsvolle Nachwuchs, der ſich erfreulicherweiſe
gerade in dieſer Stufe bemerkbar macht, ſich der Siegerehren würdig
zeigt, muß abgewartet werden. Die Mittelſtufe hat gegen das Vorjahr
eine etwas ſchwächere Beſetzung erfahren, um ſo mehr haben anſcheinend
die einzelnen Vereine nur ſichere Anwärter, oder wenigſtens doch ſolche
Bewerber gemeldet, die Ausſicht haben, zu ſiegen. Es iſt ſchwer, im
gemiſchten Zwölfkampf eine ſichere Vorausſage zu treffen, faſt unmög=
lich
erſcheint dies für den Zehnkampf. Hier entſcheiden neben dem Kön=
nen
auch viele andere Umſtände über Niederlage oder Sieg. Die Unter=
ſtufe
hat naturgemäß die höchſte Beteiligungsziffer erreicht, welche die
des Vorjahres übertrifft. Die beiden Jugendklaſſen (Jungturner 1418
Jahren) beſtreiten einen Sieben= bzw. Neunkampf, und iſt auch hier
die Beteiligung eine recht gute zu nennen.
Die Frauenkämpfe verzeichnen einen Acht= und je einen 5=4= und
5B=Kampf. Erſteres iſt der höher zu bewertende, umfaßt er doch drei
Geräte=, drei Volksturnübungen und je eine Frei= und Handgerät=
übung
. Dem Leiſtungsvermögen der Turnerinnen angebaßt, werden
dieſe Kämpfe in einer Ober= und Unterſtufe ausgetragen. Das Melde=
ergebnis
verzeichnet die Teilnahme von über 300 Wettkämpferinnen.
Mit größter Spannung kann man jedenfalls dem Endergebnis der
Kämpfe des 50. Gauturnfeſtes entgegenſehen. Hie altbewährte Käm=
pen
, hie aufſtrebende, wagemutige Jugend im friedlichen Wettkampfe
um die Siegerehren, das ſind die Kennzeichen der Kämpfe am B. und
B. Jum in Griesheim.

Handball.

in Darmſtadk.

Bundesmeiſterſchaft der Reichsbahn Hagen Darmſtadt 5:4 (3:0).
In Düſſeldorf ſtanden ſich am Sonntag Hagen und Darmſtadt
im Vorſchlußſpiel um die Handballbundesmeiſterſchaft der Reichs=
Darmſtädtern an Körperkraft bedeutend überlegene Mannſchaft, anſtaltung wird am Samstag, den 8. Auguſt, durch einen Kommers im
und den Vorſprung bis Halbzeit zu halten. Die Darmſtädter
ließen ſich durch die überaus harte Spielweiſe des Gegners etwas
einſchüchtern und erzielten lediglich mehrere Latterſchüſſe.
Kurz nach Halbzeit erzielt Hagen noch ein 4. Tor aus klarem
Abſeits. In wenigen Minuten verringert Darmſtadt den Torun=
terſchied
auf 2:4 Tore. Jetzt glaubten die Hagener, die ihren
ſicheren Sieg ſchon entſchwinden ſahen, durch Umreißen und Um=
rennen
der Darmſtädter Spieler das Ergebnis mit aller Kraft
halten zu müſſen. Hierin wurden ſie noch unterſtützt durch einen
vollkommen unfähigen Schiedsrichter, der derartige Roheiten un=
geſtraft
dahingehen ließ. Erſt als ſchon ein 3. Darmſtädter Spie=
ler
ſchwer verletzt vom Platze getragen wurde, wies er den Ha=
gener
Mittelſtürmer vom Platze, gab aber ganz unverſtändlicher=
weiſe
einen Strafwurf für Hagen, der unter heftigen Proteſtrufen
des ſehr objektiven Publikums zum 5. Tor verwandelt wurde. Mit
nur noch 8 Spielern ſetzte jetzt Darmſtadt zu einem mächtigen
Endſpurt an, konnte aber das Torverhältnis nur auf 45 verbeſ=
ſern
. Der Darmſtädter Mannſchaft für ihr tapferes und anſtän=
diges
Verhalten ein Geſamtlob.
Kanu=Spork.
4. Hanauer Kanu=Treffen.
Am Sonntag fand bei günſtigem Wetter in Hanau die
4. Kanu=Regatta ſtatt. Es ſtarteten 12 Vereine mit 52 Booten
und 75 Fahrern. Die Entſcheidungen der meiſten Rennen fanden
erſt auf den letzten Metern ſtatt. Im Geſamtklaſſement ſtehen an
erſter Stelle Rheinbrüder Karlsruhe (11 Punkte) und Jung=
Deutſchland Darmſtadt (11 P.). vor Poſt Frankfurt (9),
Kanuklub 1922 Mainz (5 P.). Saarbrückener Kanuclub (5 P.)
und Frankfurter Kanuclub (3 P.).
Ergebniſſe.
Faltboot=Herausforderungspreis. Silberpaddel von der Kinzig,
1000 Meter: 1. Jung=Deutſchland Darmſtadt (Hans Schmank)
5.10,2: 2. Mainz 1922 5.10.4: 3. Poſt Frankfurt 5.26.
Zweier=Faltboot für Dame und Herr, 600 Meter: 1. Saarbrückener
K.=C. 3.12,4; 2. Jung=Deutſchland Darmſtadt (Grete Seh=
nert
. Max Thomas) 3.15,8: 3. Poſt Frankfurt 3.20,8.
Zweier=Kajak. 1000 Meter: 1. Rheinbrüder Karlsruhe 4.19,2;
2. Jung=Deutſchland Darmſtadt (FaslerSchmank) 4.199:
3. Frankfurter K.=C. 4.38,1.
Einer=Faltboot, Altersklaſſe 13, 600 Meter: 1. K.=C. Rhein=
brüder
Karlsruhe (Willy Krauer) 3221; 2. Jung= Deutſch=
land
Darmſtadt (L. Müller) 3.25.1: 3. Poſt Frankfurt 3.41.2.
Zweier=Faltboot, 1000 Meter: 1. K.=C. 1922 4.48.1: 2. Frankf.
K.=C. 4.51,9; 3. Jung=Deutſchland Darmſtadt (Schäfer, Mül=
ler
) 4.52,7.
Einer=Kajak. 1000 Meter: 1. Poſt Frankf. 4.51.1: 2. Rheinbrü=
der
Karlsruhe; 3. Jung=Deutſchland (Paul Fasler).
Kegler=Bereinigung Darmſtadt und Amgebung.
Verbandsklubmeiſterſchaften.
Am Sonntag konnten nur zwei Klubriegen der B=Klaſſe an=
treten
. Ihr Start iſt inſofern bemerkenswert, als ſie beide gegen
das Vorjahr weſentlich beſſere Reſultate erzielt haben. Kegelklub
Klu erreichte 2338 Holz, während Keglerluſt es auf 2428 Holz
brachte.
Der Stand der Vorkämpfe in der B=Klaſſe iſt nunmehr fol=
gender
: 1. Keglerluſt 2428 Holz, 2. Kranz Eberſtadt 1 2410
Holz, 3. Klu 2338 Holz, 4. Kranz‟ Eberſtadt 2. 2270 Holz.
Kegler=Bundesmeiſterſchaften
in Hamburg am 9. Auguſt 1931.
In dieſem Jahre hat der Verband Hamburg die Aus=
tragung
der Bundesmeiſterſchaften übernommen. Deſſen
erſt vor kurzer Zeit errichtete größte und ſchönſte Kegelſporthalle
in Deutſchland mit 50 Bahnen iſt wie keine andere dazu geeig=
net
. das Ringen um die höchſte Ehre im Deutſchen Keglerbund
nach jeder Richtung förderlich zum Austrag zu bringen. In 13
Gauen werden zurzeit die Einzel= und Gaumeiſter der Mannſchaf=
ten
ermittelt, die Anwartſchaft auf die Beteiligung um die Bun=
desmeiſterſchaft
haben.
An den Bundesmeiſterſchaften beteiligen ſich auch Mannſchaf=
ten
und Einzelmeiſter aus Danzig, Memel, Bodenbach. Auſſig und
Wien. Ferner ſind zur Teilnahme an der Bundesvorſtandsſitzung
Intereſſenten aus Holland. Rumänien, der Schweiz, ſowie die frü=
her
dem Deutſchen Keglerbund angehörenden Auslandsgruppen
gemeldet. Das vielfache Auslandsintereſſe an den Veranſtaltun=
gen
des Deutſchen Keglerbundes dürfte der beſte Beweis für die
Wertſchätzung des deutſchep Kegelſports ſein.

Der Bund der Deutſchen Reichsbahn=Turn= und Sportvereine hat
als Ort für die Austragung ſeiner Bundesmeiſterſchaften in
der Leichtathletik, im Handball, in der Schwerathletik
und im Boxen am 4. und 5. Juli, Darmſtadt beſtimmt. Der Bund
der Deutſchen Reichsbahn=Turn= und Sportvereine zählt mit zu den
größten Leibesübung treibenden Verbänden ſeiner Art in Deutſchland.
Mit ſeinen weit über 50 000 Mitgliedern und über 400 Einzelvereinen
leiſtet er auf dem Gebiete der Verbreitung der Leibesübung vorbild=
liche
Arbeit. In ſeinen Reihen, die ſich aus allen deutſchen Eiſenbah=
nern
und deren Angehörigen zuſammenſetzen, befinden ſich Turner und
Sportler, die über Deutſchlands Grenzen hinaus einen guten Namen
haben. Es kann nicht Wunder nehmen, wenn bei dem großen Intereſſe
an der Sache trotz allgemeiner ungünſtiger wirtſchaftlicher Lage die
Bundesmeiſterſchaften von aktiven Sportlern außerordentlich gut beſucht
werden. Das iſt an ſich erfreulich: andernteils muß aber auch die Feſt=
ſtellung
gemacht werden, daß viele davon gerne nach Darmſtadt kommen,
weil ſie der Ueberzeugung ſind, daß für die Vorbereitung und für die
Durchführung einer ſolchen großen Veranſtaltung Darmſtadt mit ſeiner
ſportliebenden Bevölkerung dafür wie geſchafen iſt. Die leichtathletiſchen
Wettkämpfe, zu denen bis jetzt ſchon über 20 Teilnehmer gemeldet ſind,
werden am 4. und 5. Juli im Hochſchulſtadion ausgetragen.
Auch das Endſpiel um die Handballbundesmeiſterſchaft findet auf dem
gleichen Platze ſtatt. Die Meiſterſchaften im Boxen und Ringen, die
ebenfalls eine große Beteiligung aufzuweiſen haben, finden am 4. Juli
im Feſtſaal der Turngemeinde 1846 ſtatt. Eine ganz be=
ſondere
ſportliche Ergänzung dieſer Veranſtaltung werden zweifellos die
in Ausſicht genommenen Vorführungen am Rhönrad bedeuten. Die
geübteſten Rhönradfahrer Deutſchlands werden zur Zeit zu einem Aus=
bildungskurſus
in Würzburg geſammelt. Die beſten etwa 50
Rhönradfahrer wollen dann als Abſchluß dieſes Kurſes in Darmſtadt
am 5. Juli im Hochſchulſtadion Maſſen= und Einzelübungen in Voll=
endung
zur Schau hringen. Welche Bedeutung man gerade dieſen Vor=
führungen
heute allerwärts entgegenbringt, beweiſt das Intereſſe einer
der größten Filmfabriken der Welt, der Paramount=New York, die das
alleinige Aufnahmerecht für einen Tonfilm dieſer Vorführungen er=
worben
hat. Mit dieſer Sondervorführung gewinnen die Bundesmeiſter=
ſchaften
des Reichsbahn=Turn= und Sportbundes in Darmſtadt zweifel=
los
eine anziehende Bereicherung.

Reichs=Arbeiter=Sporttag.
verbunden mit 40jähr. Jubiläum des Freien Athl.=S.V. 1891 Darmſtadt.
Alljährlich, zwei oder drei Sonntage nach Pfingſten, findet der
Reichs=Arbeiter=Sporttag, kurzweg Naſt genannt, ſtatt. Träger der Ver=
anſtaltung
ſind die örtlichen Arbeiterſportkartelle. Auch hier in Darm=
ſtadt
hat ſich dieſe Werbeveranſtaltung der Arbeiterſportler ſchon ſo gut
eingeführt, daß ſie ſchlecht aus dem ſportlichen Leben Darmſtadts weg=
zudenken
iſt. Wenn das Kartell Veranlaſſung nahm, dieſes Jahr den
Sporttag auf einen ſpäteren Termin zu legen, ſo deshalb, um in der
derzeitig ſchlechten wirtſchaftlichen Lage ein Mehr von Veranſtaltungen
zu verhindern. Grund gab das 40jährige Jubiläum des angeſchloſſenen
Freien Athletik=S.V. am 8. und 9. Auguſt d. Js. Die beiden Veranſtal=
tungen
wurden zuſammengelegt, um den Arbeiterſport in ſeiner großen
bahn=Turn= und Sportvereine gegenüber. Hagen, eine den Vielſeitigkeit dem Publikum intenſiv vor Augen zu führen. Die Ver=
gelingt
es ſchon in den erſten 10 Minuten drei Tore zu erzielen, großen Saale des Städt. Saalbaues eingeleitet, während am Sonntag,
9. Auguſt, die ſportlichen Wettkämpfe alle auf dem Platz der Freien
Turngemeinde ausgetragen werden. Für die Feier im Saalbau wurde
die bekannte Nibelungentruppe Worms, ſowie der Jugendbundmeiſter
der Athleten, Friedel Walter=Offenbach, gewonnen.

Tennis.

der
ſu be be
ſe Beſchluß

dieſe Regelverletzung ein Freiſtoß gegeben wurde. Unerwarteterweiſf
verfiel der ebenſo wichtige Antrag auf Aenderung der Regel 16 der Abb
lehnung. Bei einem Schiedsrichterball iſt alſo wie bisher Freiſtoß zu
geben, wenn der Ball. bevor er den Boden berührt hat, von einem Spie=
ler
geſtoßen wird. Die auf dem letzten Kongreß der F.FFA. in Berli=
genehmigten
Regeländerungsanträge zu Regel 1 (Einſtellung von Em
ſatzſpielern für verletzte Spieler) und zu Regel 17 (Bewegungsfreihefi
des Torhüters bei einem Elfmeterball auf der Torlinie) wurden tro=
energiſchſten
Betreibens der beiden kontinentalen Vertreter offiziell nich childen1
verhandelt, da ſie einen Tag zu ſpät eingereicht worden waren, urn ſ einer
die an und für ſich ſchlechten Beziehungen des International Boan
mit der FJFA., nicht noch weiter zu trüben, erklärte der Board ſchließs uberordent
lich, daß er es den kontinentalen Verbänden überlaſſe, es mit der Eim / hnie zu
ſtellung von Erſatzſpielern ſo zu handhaben wie bisher und im übrigem lnſcht.
anheimſtelle, den Antrag im nächſten Jahre erneut zu ſtellen
Der International Board tagt jährlich einmal und wechſelt mit vder aufzülle
ſeinem Sitz der Reihe nach in England, Schottland, Wales. Irland unz, m die
Paris letztere Stadt als Sitz des Präſidenten der FJFFA., welche all, maſchen 2.
Fußballſport treibenden Länder umſchließt mit Ausnahme der zur fzgreichen Me
Zeit noch ausſtehenden vier britiſchen Länder. Der Internationau ia behrentes
Board ſetzt ſich zuſammen aus je zwei Vertretern und dem Sekretärr ſiwerigleiten
der FFFA. Stimmberechtigt ſind aber nur die offiziellen Vertreter, ſuo pen Stiſkend
daß 10 Stimmen vorhanden ſind. Mit ihrer Vierfünftel=Mehrheit inn tegung 9.,
International Board geſtalten ſeit jeher die britiſchen Verbände die fürr ſiozentl. Salzt
die ganze Welt geltenden Negeln nach ihren Wünſchen. Dieſe Diktatum yol. Am Elel
hat in den Kreiſen der FFFFA. großen Unwillen erregt, und auf dem im Schucket
letzten Berliner Kongreß hat man aus dieſem Grunde dem Boarc ſtalien no
ſchärfſten Kampf angeſagt. Bezeichnend für die einſeitige Geſetzgebuns Pozntl.
des Boards iſt folgender Vorfall auf der letzten ſchottiſchen Tagungs ftü6 Prozeu
England hatte beantragt, dem Iriſchen Fußball=Verband (Nordirland5 ſſenlichen
es nicht zu geſtatten, daß er für ſeine Länderkämpfe die Spieler des beßl ſtieberg u
der FFFA., angeſchloſſenen Fußballverbandes des Priſchen Freiſtaates ni und
heranzieht. Dieſem Antrag, der nicht nur den politiſchen Verhältniſſem ſtiden
in Frland, ſondern auch den im Fußballſport allgemein gültigen Ge= ſſt ) Pro
ſetzen Rechnung trägt, ſchloſſen ſich auch die Vertreter der FFFFA., Dr.
Bauwens=Köln und Hirſchmann=Amſterdam, an; Schottland, Wales und ſ tu 4 Prot
Irland brachten jedoch den Antrag bei der Abſtimmung zu Fall.
ſular
* Kreisliga Südheſſen.
Stürme vor der Ruhe!
Man kann es ſcheinbar nicht recht überwinden, daß dieſes
Jahr 6 Wochen lang der Fußballſport vollſtändig ruhen ſoll.
Jedenfalls hat man noch im Laufe der letzten Woche gewaltige=
Kraftproben des Könnens gegeben: allerdings waren es nur zweii me
Vereine unſeres Kreiſes, die ſich hier ſehr rühmlich hervortaten.
Die Reſultate lauten: V.f.R. BürſtadtAlemannia Worms 130. d.ſo daß
Olympia LampertheimWormatia Worms komb. 2:1, Olympic mnnte jedoch
LampertheimSportvgg, Sandhofen 3:3, Oſtova OſthofenAles= d engen Grent
mannia Worms komb. 1:1. Daß die Bürſtädter Raſenſpieler uns weren geman
bedingt zu den beſten Mannſchaften unſeres Kreiſes zählen, bes) nent aursh
wieſen ſie erneut im Kampf gegen den Wormſer Bezirksligiſten; Noen.
Alemannia. Mit dem knappſten aller Ergebniſſe brachten ſie den men ernent
Sieg an ſich, aber die Leiſtung war groß; das Vorſpiel in Worms z0 gf 6.9.
vor etlichen Wochen ging ebenfalls (2:1) gewonnen. Aber auch güche En
Olympia Lampertheim wartete ſeiner großen Anhängerſchar mit iſ. Leiſtungen auf. Gegen die tüchtige Bezirksligamann=
ſchaft
des Rheinbezirks. Sandhofen, unentſchieden zu ſpielen, iſt hrid 050
ſo gut wie ein Sieg. Eine komb. Mannſchaft Wormatigs mußte Nach den 3
ſich ſogar, wenn auch knapp, ſo doch geſchlagen bekennen; Aleman= ſendbörſe
nias komb. Mannſchaft erzielte in Oſthofen ein Remis. Und nun ſts Geſchäſt
wollen wir hoffen, daß endlich die große Ruhepauſe kommt.
ſim a

Ausloſung für Wimblebon. Auffem und Krahwinkel ſtehen günſtig.
Das Organiſationskomitee für die am 22. Juni beginnenden inter=
nationalen
engliſchen Tennismeiſterſchaften auf den Grasplätzen zu
Wimbledon hat die Ausloſung für die Einzelſpiele vorgenommen. Die
gemeldeten deutſchen Spieler und Spielerinnen ſind dabei verhältnis=
mäßig
gut weggekommen. In der Damen=Meiſterſchaft, wo unſere Ver=
treter
die meiſten Ausſichten haben, nach vorn zu kommen, wurden Eilly
Auſſem oben und Hilde Krahwinkel unten geſetzt‟ Sie treten erſt in
der zweiten Runde in Aktion. Die Kölnerin trifft in ihrem erſten Spiel
auf die Franzöſin Goldſchmidt, während Frl. Krahwinkel ſich zunächſt
mit der Engländerin Slaneh auseinanderzuſetzen hat. Weniger gut iſt
die Düſſeldorferin Aenne Peitz daran, die gleich in der erſten Runde
mit der routinierten Engländerin Satterthwaite zuſammentrifft. Bei
den Herren iſt von unſeren Spielern nur Dr. Kleinſchroth beſon=
ders
begünſtigt. Er raſtet in der erſten Runde, muß aber dann gegen
den alten engliſchen Davispokalſpieler Collins antreten. Gottfried v.
Cramm hat es in der erſten Runde mit dem ungariſchen Spitzenſpieler
v. Kehrling zu tun, während Nourneh auf den Engländer Longman
trifft.
Der Radſporkt vom Sonnkag.
Die großen Ereigniſſe im Radſport ſpielten ſich am Sonntag
in der Hauptſache im Auslande ab. Neben kleinen Veranſtaltun=
gen
in Bochum, Dortmund und Erfurt erſtreckten ſich die
deutſchen Wettbewerbe auf den Straßenrennſport. Der Bund
Deutſcher Radfahrer und die Radfahrer=Union brachten verſchie=
dentlich
Meiſterſchaftsrennen zum Austrag. Einen neuen deut=
ſchen
Rekord gab es bei der 100=Km.=Mannſchaftsmeiſterſchaft von
Berlin, die ſich der Titelverteidiger Arminius in 2:34:41
holte und damit weit unter der Rekordzeit des Jahres 1929 blieb.
2:44,8 benötigte die Berliner DRU. Der frühere Berufsfahrer
Auguſt Brandes gewann die Bundesſtraßenmeiſterſchaft von
Hannover=Braunſchweig über 150 Km. in 4:28:30, und
das zweite Rennen, in Köln über 110 Km. ſah in 3:20:53
Breuer als knappen Sieger. Der Nürnberger Umben=
hauer
fuhr im Straßenpreis von Bayern ein ganz
großes Rennen und legte die 203 Km. in 6:36:59 zurück. Erſt
drei Minuten ſpäter traf der Magdeburger Weckerling als Näch=
ſter
ein. Die Oſtland=Grenzfahrt über 250 Km. verlor der Ber=
liner
Gottwald nur durch Pech, da ihm 100 Meter vor dem Ziel
die Kette riß und er den Reſt zu Fuß zurücklegen mußte. Sieger
wurde der Breslauer Kirchner in 8:45:00. In den Rennen in
Erfurt blieb der Exſtraßenfahrer Neuſtedt in den Dauerren=
nen
mit 99:997 Km. vor Lohott mit 99:630 Km. ſiegreich. Im
Ausland verdient der Sieg von Buſe=Berlin in der Rund=
fahrt
durch Nordbelgien erwähnt zu werden. Einen belgiſchen
Sieg gab es im franzöſiſchen Straßenderby über 300 Km. Im
Endſpurt gab der Bordeaux-Paris=Sieger Ghyſſels in 9:32:33
ſeinen Landsleuten Haemerlingk und Ronſe das Nachſehen. Linart
ſchlug in den Dauerrennen um den Großen Preis von Brüſſel mit
fünf Punkten den Franzoſen Graſſin (6 P.). Auf der Pariſer
Buffalo=Bahn ſpielten Dederichs und Schorn nur eine unterge=
ordnete
Nolle. Dederichs belegte in dem von Lacquehay vor
Wambſt gewomnenen Dauer=Rennen nur den letzten Platz.

Hu

A

Großer Aukopreis von Frankreich.
Chiron=Bazi überlegene Sieger. Carraciola ausgeſchieden
Bei idealem Wetter und in Anweſenheit von über 200000 (n
Zuſchauern wurde am Sonntag auf der Pariſer Autobahn von
Linas=Monthery der Große Preis von Frankreich für Automo=
bile
als 10=Stunden=Rennen ausgefahren. Leider wurden die
Erwartungen auf einen Erfolg der deutſchen Marke Mereedes=
Benz, die ſich nach 17jähriger Pauſe wieder an den Wettbewer=
ben
beteiligte, nicht erfüllt, denn ſowohl Carraciola=Merz als
auch Jwanafki=Stoffel mußten in der 28. bzw. 47. Runde wegen
Maſchinendefekts anhalten und ſchließlich aufgeben. Bis zu
dieſem Zeitpunkt waren die mit als letzte geſtarteten Wagen der
Deutſchen nie nach vorn gekommen und hatten mit dem Aus=
gang
des Rennens nichts zu tun. Der Große Preis war eigent
lich das Rennen nur einer Mannſchaft: Chiron=Varzi, die mit
ihrem blauen Bugatti noch vor Ablauf der erſten Stunde die
Führung erlangten, die ſie bis zum Schluß in gleichmäßiger
Schnelligkeit behaupteten und mit einer zurückgelegten Strecke
von 1258,825 Kilometern bei einem Stundenmittel von 1258
überlegene Sieger vor der italieniſchen Mannſchaft Campari=
Borzachini (1215122 Kilometer) auf Alfg Romeo wurden.

Geſtörte Weltmeiſter=Hoffnungen.
Der Ueberſchwergewichtler Primo Carnera iſt in ſeinen Welt=
meiſterſchaftshoffnungen
empfindlich geſtört worden. Er hoffte, ſchon be=
reits
im September mit dem Sieger des Treffens Schmeling Stribbling
kämpfen und ſelbſtverſtändlich auch beſiegen zu können. Nun macht ihm
aber die franzöſiſche Militärbehövde einen Strich durch die Rechnung.
Carnera hatte ſeinerzeit die Unvorſichtigkeit begangen, aus geſchäft=
lichen
Gründen die franzöſiſche Staatsbürgerſchaft anzunehmen. Als
Gegenleiſtung kommt nun ein recht unerwünſchter Geſtellungsbefehl.
Carnera ſoll beim 158. Infanterie=Regiment in Straßburg ſeine Fähig=
keit
als Wehrpflichtiger unter Beweis ſtellen, und das möglichſt bald.
Wir glauben indes nicht, daß der Rieſe geſonnen iſt, der freundlichen
Einladung ſeines neuen Vaterlandes Folge zu leiſten.
In Bamberg finden am 12. Juli die Concordia=Bahnmeiſterſchaften
1981 Mat.

An den engliſchen Leichtathletik=Meiſterſchaften in Stamford
Bridge nehmen nun doch auch Deutſche teil, und zwar Dr. Peltzer,
Körnig, Nöller, Mölle und die 4X100=Meter=Staffel des SC.
Charlottenburg.
Nundink Progranne.
Frankfurt a. M.
Dienstag, 23. Juni.
7.30: Bad Münſter a. St.: Konzert des Kurorcheſters.
15.20: Hausfrauen=Nachmittag. Ueber das Einmachen von Obſt und
Gemüſe.
16.30: Nachmittagskonzert des Funkorcheſters. Mitw.; J. Zunker
Kontrabaß), E. Seidenſpinner (Tenor).
17.50: Wirtſchaftsmeldungen.
18.00: Dr. Ruppel: Gutenberg.
18.30: Unterhaltungskonzert. Kompoſitionen von Erik Meyer= Hel=
mund
. Ausf.: Philharmoniſche Orcheſter Stuttgart. Soliſten: Käte
Mann (Sopran), M. v. Wiſtinghauſen GBariton).
19.30: Kaiſerſaal in Würzburg: Konzert des Würzburger Mozarte
Feſtes. Ausf.: Ria Ginſter (Sopran), J. Witt (Tenor), K. Wich=
mann
(Baßl. Städt. Orcheſter.
22,45: Schauſpielerporträt: Toni Impekoven.
23.00: Café Wilhelmsbau: Tanzmuſik der Kapelle Farkas Miska.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Dienstag, 23. Junt.
10.10: Schulfunk: Die Zeit der Klaſſiker.
15.00: Prof, Dr. Weitz: Brennendes Land. Der große Veſuvaus=
bruch
1906.
15.45: Reg.=Rat Dr. Diel: Wie kommen die Kleinhandelspreiſe für
Obſt und Gemüſe zuſtande?
16.00: C. Meißner: Stein und Goethe.
16.30: Leipzig: Nachmittagskonzert.
17.30: Prof. Dr. Mersmann: Einführung in die neue Muſik.
18.00: Min=Rat Prof. Peters: Der Gips im Hausbau.
18.30: Reg.=Rat Dr. Engelhardt: Die Idee des Univerſalismus in
der Geſchichte.
18.55: Wetter für die Landwirtſchaft.
19.00: Franzöſiſch für Anfänger.
19.30: Dr. Schmidt: Die Bedeutung der Effektenbörſe.
19.55: Wetter für die Landwirtſchaft,
20.00: Oslo: St. Hans=Feier in Maihaugen Norwegen).
21.35: Hamburg: Nachrichten, Wetter, Sport.
21.55: Aktueller Dienſt.
22.05: Oslo: St. Hans=Feuer in Maihaugen (Norwegen).
Weiterbericht.
Ausſichten für Dienstag, den 23. Juni: Zeitweiſe bewölkt, ſonſt auß=
heiternd
, trocken, nachts kühl.
Ausſichten für Mittwoch, den 24. Jun: Wenig Aenderung der Wet=
terlage
.

Ka9
Niorders einge
Det hoben.
die Kurs=

[ ][  ][ ]

Nummer 122

Dienstag, den 23 Juni

Huuffe an ven Borfen.
dſie Börſen unker dem Eindruck der Erklärungen
des amerikaniſchen Präfidenken Hoover.
Frankfurt a. M., 22. Juni.
Der amerikaniſche Plan zur Aufſchiebung der
ſchuldenzahlungen drückte ſich ſchon im Vorbörſenverkehr
einer ſtürmiſchen Aufwärtsentwickelung der
ſursbewegung aus. Zu Beginn des offiziellen Verkehrs zeigte
baußerordentlich ſtarke Deckungsnachfrage, die die Kurſe auf der gan=
n
Linie um 5 bis 15 Prozent in die Höhe trieb. Man war allgemein
Anſicht, daß ſich die Kreditlage nunmehr günſtig geſtalten werde.
dr Beſchluß der Reichsbank, die Notierung des Privatdiskonts heute
peder aufzunehmen, wurde gleichfalls als ein Zeichen dafür aufgefaßt,
die Reichsbank die Lage völlig beherrſcht. Den
ergiſchen Deckungen der Baiſſepartei ſchloß ſich das Publikum mit um=
ſigreichen
Meinungskäufen an: der Flut von Kauforders ſtand nur
iht begrenztes Angebot gegenüber, ſo daß ſich bei der Kursfeſtſetzung
Swierigkeiten ergaben. Eine ganze Anzahl von Notierungen mußten
gem Stückemangels ausgeſetzt werden. Die Führung in der Hauſſe=
wegung
hatten Siemens (plus 18 Prozent), J. G. Farben (plus 14
ſozent), Salzdetfurth (plus 17 Prozent) und Geffürel (plus 12 Pro=
pt
). Am Elektromarkt erhöhten AEG. ihren Kursſtand um 12 Pro=
rt
. Schuckert um 11 Prozent, Licht und Kraft um 10 Prozent. Von
Aliaktien noch Aſchersleben im Vordergrunde des Intereſſes (plus
Prozent). Am Montanmarkt zogen Buderus 5,5 Prozent, Rhein=
cI
6 Prozent, Mannesmann 7.45 Prozent, Harpener 8 Prozent und
Aſenkirchen 10 Prozent an. Holzmann ſtiegen um 9 Prozent, Zement
hdelberg um 5,25 Prozent. Von Kunſtſeideaktien lagen Aku 11 Pro=
gt
und Bemberg 8 Prozent höher. Von Chemienebenwerten werden
Geideanſtalt 10 Prozent. Deutſche Erdöl 11 Prozent und Metallgeſell=
aft
7 Prozent feſter gehandelt. Auch Schiffahrtsanteile ſchloſſen ſich
* allgemeinen Hauſſebewegung an und erzielten Kursbeſſerungen um
5 zu 4 Prozent. Bankaktien durchweg bis zu 3 Prozent, aber Reichs=
mkanteile
10 Prozent feſter. Deutſche Fonds: Altbeſitz plus 2 Prozent,
Rubeſitz plus 1 Prozent. Die Feſtigkeit des Aktienmarktes übertrug
ſit auch zum größten Teil auf die Rentenmärkte. Beſonders 7 prozen=
ie
Goldkommunalpfandbriefe und Liquidationspfandbriefe waren ſtär=
in
geſucht und meiſt bis zu 1 Prozent feſter. Die Beſſerungen evſtreck=
m
ſich ziemlich einheitlich auf alle Marktgebiete. Reichsſchuldbuch=
ſderungen
lagen 6 Prozent höher. 5,5prozentige Younganleihe konnte
ſt um 2 Prozent auf 69 Prozent befeſtigen. Bei Stadtanleihen be=
ugen
die Erhöhungen 12 Prozent. Auslandsrenten waren nur
mig beachtet.
Im Verlaufe trat eher noch eine Verſtärkung der Deckungsnachfrage
u ſo daß ſich die Hauſſe fortſetzte. Der andauernde Materialmangel
unmte jedoch das Geſchäft und die Umſätze hielten ſich daher in rela=
üengen
Grenzen. Lediglich in J. G. Farben und einigen Elektro=
wieren
gewann das Geſchäft größere Ausdehnung. Es ergaben ſich
mut Kursbeſſerungen um durchſchnittlich 3 Prozent, bei Geffürel um
Frozent. Die Börſe ſchloß in ſehr feſter Haltung. J. G. Farben
uten erneut um 4 Prozent anziehen. Am Geldmarkt ging Tages=
z
0 auf 6 Prozent zurück. Am Deviſenmarkt war ebenfalls eine
liche Entſpannung zu beobachten. Das Pfund und die Mark lagen
ieilich feſt. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2125, gegen Pfunde
19½, London-New York 4,8668, Paris 124,26, Mailand 92,93,
Rdrid 50,70, Schweiz mit 25.,09½ ſchwach, Holland 12,09.
Nach den überhitzten Steigerungen heute mittag konnte man an der
ſndbörſe wieder eine ruhigere Beurteilung der Situation feſtſtellen.
W Geſchäft war zwav noch weiter ſehr lebhaft, doch ſchritt die Speku=
ton
auf dem ſtark erhöhten Kursniveau wieder zu Glattſtellungen, ſo
Aſich der hohe Mittagskursſtand nicht überall behaupten konnte und
mchiedentlich Abſchwächungen bis zu 4 Prozent gegen den Berliner
Auß eintraten. Der Verlauf der Börſe war ſehr ſtarken Schwan=
ugen
unterworfen, wobei die Abſchwächungen nochmals bis zu 3½ Pro=
a
betrugen, doch ſtellten ſich die Mehrzahl der Kurſe bis zum Schluß
ower höher. Anleihen ſtill und nicht einheitlich.
Berlin, 22. Juni.
Die heutige Börſe ſtand natürlich ganz unter dem Eindruck der
fnlärung des amerikaniſchen Präſidenten Hoover, die Schuldenzahlun=
ehauf
ein Jahr auszuſetzen, und beantwortete dieſen Schrtit mit einer
ütniſchen Aufwärtsbewegung, wie man ſie ſeit Jahren nicht erlebt
m. Hoovers Erklärung wurde in der ganzen Welt mit Begeiſterung
gußenommen, nur in der franzöſiſchen Preſſe kann man eine gewiſſe
yiickhaltung und verſchiedentlich auch ablehnende Stimmen hören.
Auslandsbörſen waren ſelbſtverſtändlich ſehr feſt. Durch Hoovers
ſchitt hat natürlich auch die geſamte Geld= und Devifenſituation hier
invöllig anderes Bild bekommen, die Reichsmark hat ſich wieder er=
bhr
können, die Nachfrage nach Deviſen wird, man hofft, natürlich
gemger werden, ebenfalls glaubt man nicht mehr, mit Kreditreſtrik=
toen
rechnen zu müſſen, zumal die Reichsbank ihren Beſchluß vom
Lmstag, Wechſel nur noch an ihren Schaltern entgegenzunehmen und
biinn Privatdiskontſatz feſtzuſetzen, heute ſchon wieder rückgängig ge=
iacht
hat. Anregend wirkte ferner die kräftige Erholung der deutſchen
2Sete in New York, die anderen Momente, wie der erhöhte Ruhrkohlen=
abſitz
, der Schiedsſpruch für den Ruhrbergbau, das Zuſtandekommen
8ez Meſſingkartells uſw., traten ganz in den Hintergrund. Neben den
übeſtürzten Deckungen der Spekulation waren aus dem Reich große
Kſorders eingetroffen, auch das Ausland ſoll wieder Kaufintereſſe be=
Ainet haben. Faſt ſämtliche Werte erſchienen mit Plus=Plus=Zeichen,
und die Kursfeſtſetzung verzögerte ſich erheblich, da Materialmangel
Luſchte. Im Durchſchnitt gingen die Kurſe 10 bis 15 Prozent in die
Höe, doch waren darüber hinaus Beſſerungen bis zu 20 Prozent keine
Salenheit, Spenska gewannen ſogar 28 Mark.
Auch im Verlaufe ſetzten ſich die Kursſteigerungen fort, doch war
Eus Geſchäft ruhiger, da man bis 1 Uhr noch mit der Feſtſtellung der
geſ Kurſe beſchäftigt war. Deutſche Anleihen lagen ebenfalls mehr
ſt. Reichsſchuldbuchforderungen zogen zirka 6 Prozent an, auch aus=
Uinſiſche Renten ſchloſſen ſich der Aufwärtsbewegung an. Die Geld=
Aiu blieben unverändert. Am Pfandbriefmarkt iſt die Situation noch
uſch geklärt.
Die Reichsbank zur Hoover=Bolſchaff.
Nachdem ſich am Dienstag der letzten Woche wieder Ruhe am deut=
m
Deviſenmarkt eingeſtellt hatte, rechnete man im allgemeinen mit
iyn Anhalten des Rückganges in den Deviſenanforderungen. Uner=
ſet
trat jedoch am Freitag der letzten Woche eine Wendung ein; die
ichiſenanforderungen ſtiegen ſtark und wieſen auch am Samstag keine
minderung auf. Angeſichts dieſer Situation ſah ſich die Reichsbank
ewungen, die Kreditreſtriktion in Anwendung zu bringen. Die Folge
1ſ0 die Streichung der Privatdiskontnotiz am Samstag. Die Durch=
ihung
anderer Maßnahmen, etwa noch eine Diskonterhöhung oder
1)Herabſetzung der Deckungsgrenze oder die Inanſpruchnahme des
Zeeitſchaftskredits der Golddiskontbank in New York kamen wegen
IBſchlechten Eindrucks, den ſie im Ausland wie im Inland gemacht
öten, nicht in Frage.
Die Botſchaft des amerikaniſchen Präſidenten Hoover hat nun für die
ſt Reichsbank eine ganz neue Situation geſchaffen. Das Reichsbank=
hiktorium
erwartet von ihr vor allem ſtarke pſychologiſche Auswir=
1 uen, die zu einer allgemeinen Entſpannung und zu einer Aenderung
Inſer Mentalität in der ganzen Welt führen kann. Man rechnet da=
rit
daß das Ausland nicht im bisherigen Maße ſeine Kredite zurück=
ſſt
und daß auch im Inlande eine ruhigere Auffaſſung Platz greift.
Iier wird die Reichsbank die Kreditreſtriktion nur in der allermildeſten
7fan durchführen, d. h. es werden in jedem Falle Härten und Schärfen
TAſer Durchführung der Reſtriktion vermieden werden. Die Reichsbank
u auch, über den Halbjahresultimo ohne weitere Maßnahmen hin=
9qukommen. Bemerkenswert in dieſem Zuſammenhang iſt die Tat=
,, daß ſich der Notenumlauf in der letzten Woche weiter um 100
Mionen verringert hat, nachdem bekanntlich in Parallelismus zu den
Mfenanforderungen ſich ein Rückgang des Notenumlaufs vollzogen
Unter dieſen Umſtänden iſt heute von der Reichsbank die Privat=
Sontnotiz wieder eingeführt worden.
Die Wirkungen in London auf die Börſe.
Die erſte äußere Wirkung von Hoovers Erklärung war eine ſchon
ce in ſolchem Umfang nicht mehr erlebte Hauſſe an allen engliſchen
Aſen. An der Londoner Börſe ſchnellten nicht nur die Werte der
elſiſchen und deutſchen Anleihen in die Höhe, ſondern auch faſt alle
Srte der Induſtrie, Eiſenbahn=, Oel= und Bergwerkspapiere Aehn=
Erſcheinungen werden von den Börſen in Liverpool, New York,
Qo, Bombay, Schanghai gemeldet=

Erholung an der Pariſer Börſe.
Während der Vorſchlag des Präſidenten Hoover, ein einjähriges Mora=
torium
für alle Kriegsſchulden= und Reparationszahlungen durchzufüh=
ren
, in franzöſiſchen politiſchen Kreiſen mit einer Zurückhaltung auf=
genommen
worden iſt, die beinahe an Ablehnung grenzt, hat die Börſe
darauf in günſtigem Sinne reagiert. Seit zwei Jahren iſt keine ſo
ſchnelle und umfaſſende Hauſſe=Bewegung mehr feſtgeſtellt worden, wie
heute. Faſt ſämtliche Werte zogen beträchtlich an, und die Kurſe vieler
Papiere ſtiegen um 10 Prozent und mehr. So beſſerten ſich die Kurſe
der Bank von Frankreich um 870, der Suezkanal=Geſellſchaft um 630,
der Rio Tinto um 328 Franken. Die Dawes=Anleihe notierte 12010
gegenüber 11 350 am Samstag, die Youngplan=Anleihe 779 gegen 731.
Der Peſeta=Kurs ſtieg von 236 auf 246,50. Zu der Aufwärtsbewegung
trug die Feſtigkeit der ausländiſchen Börſen bei.
Efſekkenhauſſe auch in New York. deutſche Bonds
kräffig erholt.
Wall Street ſtand heute zu Börſenbeginn völlig unter dem Eindruck
der Hoover=Erklärung. Das Geſchäft hatte ein gewaltiges Ausmaß und
ſpielte ſich bei großer Aufregung ab. Der Umſatz erreichte bereits inner=
halb
der erſten halben Stunde etwa eine Million Stück Aktien, während
ſich der Umſatz innerhalb des geſamten Börſenverlaufs in der letzten
Zeit durchſchnittlich auf ungefähr 2 Millionen Stück pro Tag belaufen
hatte. Die Baiſſepartei war gezwungen, überſtürzte Deckungskäufe vor=
zunehmen
. Dadurch wurden Kursſprünge von 215 Dollar ausgelöſt.
Am Rentenmarkt waren vor allem deutſche Ohligationen kräftig befeſtigt,
Die Young=Anleihe hatte eine Kursbeſſerung von 4 Prozent zu ver=
zeichnen
. Auch an den Warenbörſen machte ſich eine optimiſtiſchere Be=
urteilung
der Situation ſtark fühlbar. Am Baumwollterminmarkt trat
eine Preiserhöhung von 2,53 Dollar je Ballen ein.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Die Durchführungs=Verordnung zur Notverordnung über die Aen=
derung
bes Tabakſteuergeſetzes iſt nunmehr erſchienen. Danach werden
mit Wirkung ab 1. Juli 1931 folgende Zigaretten=Preislagen. Packun=
gen
und Steuerſätze feſtgeſetzt:

geſetzt werden, wobei gleichzeitig die Buchwerte der Anlagen der Jetzt=
zeit
entſprechen. Die Bilanz zeigt u. a. das Aktienkapital mit 0,6, Re=
ſerve
mit 0,06 und Kreditoren 0,21 Mill. RM., andererſeits Gebäude
0,21, Grundſtücke 0,05, Werkzeugmaſchinen 0,04, Vorräte 0,19, Wechſel
0,024 und Debitoren 0,131 Mill. RM. Das neue Geſchäftsjahr ſtand
bisher noch ganz unter dem Zeichen der allgemeinen Kriſe.
Intereſſengemeinſchaft zwiſchen S. Bleichröder, Berlin, und Ge=
brüder
Arnhold, Dresden=Berlin. Die zwiſchen den beiden Firmen S.
Bleichröder, Berlin, und Gebr. Arnhold, Dresden=Berlin, zum gemein=
ſamen
Ausbau des Auslandsgeſchäfts gepflogenen Verhandlungen haben
die Zweckmäßigkeit einer engen Zuſammenarbeit auch im Inlande er=
geben
. Ein diesbezügliches Abkommen iſt geſtern mit Wirkung vom
1. Juli 1931 ab unterzeichnet worden. Unter voller Aufrechterhaltung
der Selbſtändigkeit beider Firmen treten Herr Dr. Paul v. Schwabach
ſen. in die Firma Gebr. Arnhold und die Herren Konſul Arnhold= Dres=
den
und Hans Arnhold=Berlin in die Firma S. Bleichröder als perſön=
lich
haftende Geſellſchafter ein. Die ſeit vielen Jahren beſtehende Inter=
eſſennahme
des Hauſes S. M. Rothſchild=Wien an der Firma S. Bleich=
röder
bleibt auch für die Folge beſtehen.

Produkkenberichte.

Mannheiwer Produktenbörſe vom 22. Juni. Weizen, inl. 3030,5:
ausl. zollbeg. 31,532,45: Roggen, inl. B.25B,4; Hafer inl. 19,5
bis 21: Futtergerſte 2,4521.25: Sohaſchror 12,5: Biertreber mit Sack
9.4510,25: Trockenſchnitzel 6,5; Wieſenheu, loſes 4,85,2; Luzern=
kleeheu
55,6: Stroh. Preßſtroh Roggen=Weizen 3.33,5: Hafer=Gerſte
2.83: geb. Stroh, Roggen=Weizen 2,72,9; Hafer=Gerſte 2.42,6;
Weizenmehl ſüdd. Spezial 0, mit Sack (Juni, Juli) 4040,5: (Sept.,
Okt.) 37,538: Roggenmehl mit Sack 3232,5:; Weizenkleie (feine) mit
Sack 10.5. Tendenz: Brotgetreide feſter, Futtermittel ruhig. Die
Börſe ſtand unter dem Eindruck der erhöhten In= und Auslandsforde=
rungen
.
Frankfurter Produktenbericht vom 22. Juni Weizen 295, Roggen
237,50240, Hafer 200, Weizenmehl ſüdd. Spezial 0 39,5040,50, dito
niederrheiniſches 39,5039,75, Roggenmehl 31,7533, Weizenkleie 10
10,25, Roggenkleie 11,50, Erbſen 2836, Linſen 2568, Heu ſüdd. 5,75
bis 7, Weizen= und Roggenſtroh drahtgepreßt 3, dito gebündelt 2,75 Tre=
ber
10. Tendenz: Roggen und Roggenmehl feſt, ſonſt ruhig, Furter=
mittel
rückgängig.

Piehmärkke.

Zigarettenpreislage Packung Banderole 2½ Pfg. 4, 10, 20, 50 30 Proz. 3ſ= Pfg. 3, 6. 9. 12 30 Proz. 4 Pfg. 5, 10, 25, 50 31 Proz. 5 Pfg. 5, 10, 25, 50 34 Proz. 6 Pfg. 10, 25. 35 Proz. 8 Pfg. 10, 25 38 Proz. 10 Pfg. 10, 25 40 Prox.

Das Reichs=Finanz=Miniſterium verfolgt mit dieſer Umänderung
der Tabakſteuerſätze und Neueinführung von Packungsgrößen den Zweck,
die Fabrikation von Konſum=Zigaretten zu erleichtern, um die Stag=
nation
im Zigarettenverbrauch zu überwinden und dem Konſum einen
neuen Impuls zu geben. Letzten Endes ſoll die Steuer der geſunkenen
Kaufkraft der Bevölkerung angepaßt werden, da nur ſo der Steuer=
ertrag
aus der Zigarette gehoben werden kann. Aus dem gleichen Be=
ſtreben
heraus wird der Einzelverkauf im weſentlichen
wieder zugelaſſen, auch werden ſtatt 9 Stück Zigaret=
ten
zu 40 und 50 Pfg. wieder 10 Zigaretten erhältlich
ſein. Die Zigaretteninduſtrie wird nach Vornahme der notwendigen
Umſtellungen dem Konſum dadurch einen weiteren Impuls zu geben
uchen, daß ſie kleine Packungen zu 3, 4 und 5 Stück in den entſprechen=
den
Preisklaſſen einführt.
Sanierung Hüttenwerk, Eiſengießerei und Maſchinenfabrik Michel=
ſtadt
A.=G., Michelſtadt Das Unternehmen weiſt 1931 wieder eine
Unterbilanz aus, um die ſich der Geſamtverluſt auf 131810 RM. er=
höht
. Nach einer Umſatzſteigerung in den erſten ſieben Monaten 1930
trat ein Rückſchlag in Kältereimaſchinen und anderen Fabrikaten ein.
Die Preiſe mußten geſenkt werden, während die Unkoſten nicht im
gleichen Verhältnis herabgedrückt werden konnten. Abſchreibungen auf
Außenſtände waren notwendig. Zur Deckung der Unterbilanz ſoll das
Aktienkapital im Verhältnis 2:1 von 600 000 auf 300 000 RM. herab=

Mannheimer Großviehmarkt vom 22. Jum. AuftriebZufuhren:
Ochſen 164, Bullen 161, Kühe 225, Färſen 306, Kälber 651, Schafe 16,
Schweine 2801, Arbeitspferde, 64, Schlachtpferde 55, Ziegen 3. Preiſe
für 50 Kilogramm Lebendgewicht in RM.: Ochſen: a) 4547, b) 36
bis 38, c) 3840; Bullen: a) 3638, b) 3234, c) 3032; Kühe: a) 34
bis 38, b) 232, c) 2224, d) 1518; Färſen: a) 4748, b) 4142,
c) 3639: Kälber: b) 6064, c) 5458, d) 4852, e) 4448: Schafe:
b) 3033: Schweine: b) 4446, c) 447, d) 4850, e) 4648, 5) 42
bis 45. Arbeitspferde: 8001700, Schlachtpferde: 50160; Ziegen: 12
bis 24. Marktverlauf: Mit Großvieh mittel geräumt; Kälber ruhig;
Schweine mittel, geräumt; Arbeitspferde ruhig, Schlachtpferde mittel.
Frankfurter Großviehmarkt vom 22. Juni Aufgetrieben waren
1229 Rinder, darunter 314 Ochſen, 107 Bullen, 418 Kühe und 368 Fär=
ſen
, ferner 601 Kälber, 29 Schafe und 4751 Schweine. Bezahlt wurde
pro Zentner Lebendgewicht: Ochſen al) 4449, a2) 4043, b) 3339,
Bullen a) 3842, b) 3437, Kühe a) 3539, b) 2934, c) 2228,
Färſen a) 4449, b) 4043, c) 3339, Kälber b) 5358, c) 4652,
d) 3545 Schafe nicht notiert, Schweine a) 4044, b) 4145, c) 4347,
d) 4246, e) 4043. Marktverlauf: Rinder ruhig, ausverkauft;
Schweine ſchleppend, ausverkauft; Kälber und Schafe ruhig, ausver=
kauft
. Fleiſchgroßhandelsmarkt: Beſchickung: 553 Viertel Rinder, 25
Kälber, 4 Hämmel und 302 halbe Schweine. Ochſenfleiſch 1 7076,
dito 2 6070, Bullenfleiſch 6770, Kuhfleiſch 2 5260, dito 3 3540,
Kalbfleiſch 7590, Schweinefleiſch 6265 Geſchäftsgang: ſchleppend.
Die Beſchickung war auf dem Rindermarkt etwas ſchwächer als in der
Vorwoche. Bei ruhigem Geſchäft wurde ausverkauft. Die Preiſe für
Ochſen und Färſen zogen etwas an, für Bullen und Kühe blieben ſie
gegenüber der Vorwoche gleich. 48 Prozent des Auftriebs wurden
wieder ausgeführt. Auch der Schweinemarkt war etwas ſchwächer als
in der Vorwoche beſchickt. Bei ſchleppendem Geſchäft wurde ausverkauft.
Die Preiſe bewegten ſich auf der Höhe des letzten Donnerstagsmarktes.
Kälber und Schafe wurden bei ruhigem Geſchäft geräumt.

Berliner Kursbericht
vom 22. Juni 1931

Oeviſenmarlt
vom 22. Juni 1931

Berl. Handels=Geſ.
Danatbank . . . . . ."
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Bank .
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bahr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi .
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdöl

Nafse
112.
100.75
100.75
47.875
77.
50.50
977.
44.50
91.
71.
40.
107
125.
70.50

Elektr. Lieferung
J. G. Farben
Gelſ. Bergw.
Geſ. f.elektr. Untern
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Rlöcknerwerke
Föln=Neueſſ. Bgw
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Untn.
Nordd. Wolle
Oberſchleſ. Koksw.
Orenſtein & Koppe

Iie
138.75
73.
106.
59.
58.50
80.50
130.
56.75
63.
73.
36.75
16.75
66.75
43.

Polyphonwerke
Rütgerswerke
Salzdetfurth Kali
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtoff
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Alkali
Agsb.=Nrnb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Drah
Wanderer.Werke

Mc
44. 625
189.75
91.50
85.
48.
137.50
55.
19.50
41.
410.
D
129.
34.75
50.

Helſingfors
Wien
Prag
Budapeſt
Sofia
Holland
Oslo
Kopenhagen
Stockholm
London
Buenos=Aires
New York
Belgien
Italien

Paris

Währung
100 finn. Mk.
100 Schilline
100 Tſch. Kr.
100 Pengö
100 Leva.
100 Gulden
100 Kronen
100 Kronen
00 Kronen
1 S.Sta.
11 Pap. Peſo
1 Dollar
100 Belga
100 Lire
100 Franes

Gelb
10.593
59.13
12.46
73.48
3.04
169.40
1 12.6
112.73
112.84
20.475
1.312
4.2085
58.55
22.035
16.475

Brieff
0.61
59.25
12.484
73. 62
3.05.
169.74
112 91
112.9
113.06
20.515
1.316
2165
18.67
2.07!
6.515

Schweiz
Spanien

Danzig
Japan
Rio de Janerro
Jugoſlawien
Portugal
Athen
Kairo
Kanada
Uruguay

Fsland
Tallinn (Eſtl.) 100 eſtl. Kr.
Mie

Währung
100 Franken
100 Peſetas
100 Gulden
1 Yen
1 Milreis
100 Dinar
100 Escudosl
100 Drachm.
Iſtambul 1 türk. 2
11 ägyvt. 2
1 canad. Doll
1 Goldpeſo
00 isl. Kr.
ſ100 Lats

Beld
81.63
40 16
81.87
2.081
0.313
7.455
18.62
5.458
aiois
4.197
2.418
92.35
112.03
81.63

Brief
e1.79
40.24
82.03
2.085
0.315
7.460
18.66
5.463
1.045
4.205
2.422
92.53
112.25
e1.79

Frankfurter Kursbericht vom 22. Juni 1931

P

5½%Intern.,
6%Baden .......
89 Bahern ......
.."
A
8% Heſſen v. 28
v. 29
88
6% Preuß. Staat.
8½ Sachſen ......"

7½ Thüringen. . ..
Dtſche. Anl. Auslo=
ſungsſch
. 4:/. Ab=
löſungsanl
. . . . . .
Dtſche. Anl. Ablö=
fungsſch
. (Neub.

Deutſche Schusge=
bietsanleihe
..

8% Hachen v. 2
8 Baden=Baden.
60 Berlin ......"
8% Darmſtadt v. 20
8% v. 28
7% Dresden....
8% Frankfurt a. M.
AAK
335
v. 26
8% Mainz.......
8% Mannheim v. 26
v.9
8o
8% München ....
8% Nürnberg. . ..
8% Wiesbaben

3% Heſſ. Landesbk.
8% Golbobli
4½% Heſſ. Lds.=
Hyp.=Bk.=Liquid
4¾% Kom.=Obl.
8% Preuß. Lds.
pfbr.=Anſt. G. Pf.
82 Goldoblig

95
1
69
1
3.
85
87.5
69.5
95.75
73

52
5.55

2.45
83.5
83
81.5
81.5
n3.75
94.5
78
70.5
87
R
89.75

977
89
87
81.5

99.5
96
Rr6

Landeskomm.
Bk. Girozentr. für
Heſſen Goldobl.
8% Kaſſeler Land.
kredit Goldpfbr.
7% Kaſſeler Land. Goldpfbr..
82 Naſſ. Landesbr.
7%
*
6%
4½F Liqu. Obl

Dt. Komm. Sam=
mel
=Ablöf.=Anl.
FAuslSer. I
Ser, II
Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Neubeſitz).

8% Berl. Hyp. Bk
7%
4½Liqu.=Pfbr.
8% Frkf. Hyp.=Bt.
7%
4½% Lig. Pfbr
8% Pfbr.=Bk
7%
½% Liqu
8% Mein. Hhp.=Bk
20
4½% Lig. Pfbr.
8% Pfälz. Hyp.=Bk.
4½%0 Lig. Pfbr.
8% Preuß. Boden=
cred
.=Bank . ..."
4½% Lia. Pfbr.
3% Preuß. Centrl.=
Bodencr.=Bank".
4½% Lig.Pfbr.
8% Rhein. Hyp.Bk
1.% Lig. Pfbr.
Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Fredit. . . .
8% Süod. Bod.
Cred.=Bank ...."
½% Lig. Pfbr.

95
97
85
98.25
93.25
85
90

A
67
11
96
94
86
96.5
96
4.25
97.5
96
89
97.5
91.75
88.25
99
89
A
Rr6
96.5
85.75
95.5
95
97
99
93.75
88

% Württ. Hyp.=B.
6 Daimler=Benz
3½ Dt. Linol. Werke
80 Klöckner=Werke
% Mainkrw. v. 26
Mitteld. Stahl
80 Salzmannu. Co
7% Ver,. Stahlwerke
8% BoigtckHäffne
J. G. Farben Bonds
5% Bosn. L.E. B.
5% L.Inveſt.
5 % Bulg. Tab.v. 02
4½% Oſt. Schätze
4% Oſt. Goldrente
5%vereinh. Rumän
4½%
4%
4% Türk. Admin.
4% 1. Bagdad
4½ Zollanl.
4½% Ungarn 1913
4½% 1014
Goldr
4%0
42
1910
Aktien
Rla. Kunſtziide Unie
A. E. G.
AndregeNoris Bahn
Aſchaffbg. Brauerei
Zellſtoff
Gemberg, J. P....
Bergm. El.=Werke
BrownBoverickCie.
Buderus Eiſen....
Eement Heidelbero
Karlſtadt
J. G. Chemie, Baſel
Chem. Werke Albert
Chade ...
Contin. Gummiw.
. Linoleum
Daimfer=Benz ...

86.5
62
88.5
75
74.5
86.75
95.5

.
D
5.75

96

67
92
*
40
56
82.25

26.5

Rift Fe
Erdöl
Gold=u. Silber=
ſcheide
=Anſtalt
Linoleumwerke
Eiſenhandel..
Dyckerhoff u. Widm
Eichbaum=Werger.
Elektr. Lieferg.=Ge
Licht u. Kraf
Eſchw. Bergweri.
EßlingenMaſchiner
Ettlingen Spinnerer
Faber & Schleicher
F. G. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Jetter
Felt. & Gnilleaume
Frankf. Gas i. Lig.
Hof.
Gelſen:. Bergwer
Geſ. f.eleftr. Untern
Goldſchmidt Th. .
Griyner Maſchinen
Grün & Bilfinger
Dafenmühle Frkft.
Hammerſen (Osn.
Hanauer Hofbrauh
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf.
HilpertArmaturfrb
Hindrichs=Aufſerm.
Hirſch Kupfer. . .. .
Hochtief Eiſen
Holzmann, Phil.
Zlſe Bergb. Stamml
Genüſſe
Junghans.
Kali Chemie
Aſchersleben
Kammgarnſpinn.
Karſtadt, R. .. . . ."
Klein, Schanzlin ..
Klöcknerwerke ....
Knorr C. H.......
Lahmener & Co. ..
Laurahütte ....."
Lech. Augsburg.

70
59.5
126
65

81
107.5
108
200
27
65
2
147

35
68.25
107
38
28.5
147

127
62
120
55
107
62.5
78
149
94.75
29
83

32.75
67
64
144
111
7

Mie Hich
Lüdenſcheid Metall
Lutz Gebr. Darmſt.
Mankr.=W. Höchſt.
Mainz. Akt.=Br. . . .
Mannesm.=Röhrer
Mansfeld Berg. ..
Metallgeſ. Frankf.
Miag, Mühlenbau.
MontecatiniMaild.
Motoren Darmſtadt
Deutz
Oberurſe!
Oberbedarf
Bhönix Bergbau.
Reiniger. Gebbert
Rh. Braunkohlen
Elektr. Stamm
Metallwaren".
Stahlwerke .."
Riebeck Montan. .
Roeder Gebr. ..
Rütgerswerte
Sachtleben A. G..
Salzdetfurth Kali
Salzw. Heilbronn
Schöfferhof=Bind..
Schramm. Lackfbr.
Schriftg. Stempel.
Schuckert Elektr. .
Schwarz=Storchen
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halste.
Südd. Immobilien
Zucker=A. G.
Soenska Tändſticks
Zellus Bergbau ...!
Thür. Liefer.=Geſ.
Tietz Leonhard
Tucher=Brauerei
Uinterfranken.
Veithwerke
Ver. f. Chem. Ind.
Stahlwerke
Strohſtoffabr.
ultramarin ..

18
57
110
65
59.25

37

49.75
72
109
5

43.5
120
194
167
42

125.5
75

155
21.5

28

Bogtländ. Maſchin.
Voigt & Haeffner.
Wahß & Freytag
Wegelin Rußfabrik
Weſteregeln Kali..
Zellſtoff=Verein ...
Waldhof... .."
Memel.

Allg. Dt. Creditanſt.
Badiſche Bank....
Bk. f. Brauinduſtr
BarmerBankverein
Baher. Hyp. u. W.
Berl. Handelsgeſ..
Shpothekbk..
Comm. u. Privatb
Darm ſt. u. Nat.=Bk.
Dt. Ban und Dic.
Dt. Eff. u. Wechſel
Dresdner Bank ...
Frankf. Bank.
Hyp.=Bank...
Pfdbr.=Bf...
Mein. Hyp. Pank
Oſt. Creditanſtalt
Pfälz. Hyp.=Bank
Reichsbank=Ant. . .
Rhein. Hyp.=Bank.
Südd. Bod.=Cr. Bk.
Wiener Bankverein
Württb. Notenbank

A.-G. .Vertehrsw./ 50.5
Allg. Lokalb. Kraftw! 91
7% Dt. Reichsb. Vzg
Hapag .....
49
Nordd. Lloyd. . . . . 50
Südd. Eiſenb.=Geſ.

126.75

Alltanz. u. Stuttg.
Verſicherung .. .
Verein. Verſ.
FrankonaRück=u. Ml
Mannh. Verſich
Otavt Minen
20
Schantung Handelsl

[ ][  ]

Seite 12

Denstag, den 23. Jnnf 1931

Nummer 172

Hichel
Krouenbrädkenter
Inh. Hans Tod Dieburgerstr. 97
Tel. 4348
Heute abend 8 Uhr volkstümliches
KONZERT
Leitung: Kapellmeister Willi Schlupp
Eintritt frei!
Voranzeige
Freitag, den 26. Juni, abends 8 Uhr
Vaterländischer Abend
des Stadtorchesters unter Mitwirkung
der Spielleute der ehemaligen 115er
Leitung: Kapellmeister Willi Schlupp
Eintritt frei! 9619
Merken Sie ſich Dieburgerſtr. 2 5

Ortsgewerbeverein und
Handwerker=Vereinigung
Darmſtadt.
Sffentlicher
Steuer-Vortrag
am Freitag, den 26. Juni, abds. 8 Uhr
im großen Saal der Krone‟,
O.-Regierungsraf Ta del, Darmstadt
ſpricht über:
Die Abgabe der neuen Bermögens=
ſteuer
=Erklärung und ihre Bedeutung
für die Einheitsbewertung ſowie die
Reichs= und Landesſteuern.
Alle Freunde von Handwerk und Ge=
werbe
, ſowie ſonſtige Intereſſenten, ins=
beſondere
die Hausbeſitzer, ſind freund=
(9624
lichſt eingeladen.
Der Vortrags-Ausschuß

Ab heute in Nenanfführung
Harry Liedtke
der populäre Filmstar
in der Iustigen Verwechslungskomödie
Ber
Korrchenkaptian
(Blaue Jungen= von der Marine)
Begie: Rndolf Walther-Fein
Weitere Hauptdarsteller sind: Maria
Pandler, Fritz Kampers, Lia
Eibenschätz und Hans Junkermann.
Eine See- und Landkomödie voll
prächtigen Humors. Herrliche Land-
schaftsaufnahmen
von Ragusa und
der Dalmatinischen Küste geben der
Iustigen Handlung einen trefflichen
Bahmen.
Daxu das gute Beiprogramm.
Ingendliche haben Zutritt
und zahlen nachmitt, halbe Preise.
Beginn: 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr

Ab heute

Im Doppel-Spielplan
Der gensationelle
Abentenerfilm:
Die geielknnsrche
Laser
nach dem bekannten Roman
20000 Heilen unter dem Meer
von Jules Verne.
Regie: Lncien Hubbard.
Dieser fantastische Film enthält
Unterwasserszenen von nie
gesehener Großartigkeit.
Im II. Teil:
Lionel Barrymore u. Jacqueline
Gadsdon in dem Kriminal-
Drama (V.9600
MuIlUNR
Das Meisterstück eines dentsch.
Polizeihundes.
Eine geheimnisvolle Villa mit
ihren verschiebbaren Wänden
bildet den Schauplatz einer
atemranbenden Verbrecherjagd.

O2
Nur noch heute und morgen
Conrad Veidt
ud Heinrich George
in dem großen Sensations-Tonfilm
Ber Mann, der
den Mora Bogrng
Nach dem gleichnamigen Roman
von Claude Farrére.
Regie: Kurt Bernhardt.
In weiteren Rollen: Trude v. Molo,
Friedr. Kaißler, Frieda Richard,
Gregory Chmara u. a.
Etwas ungemein Erregendes
liegt über diesem
grandiosen Filmwerk,
spannungsgeladen, in ständig sich
steigernd. Tempo rollt die hochdrama-
tische
und sensationelle Handlung ab.
Dazu das gute Beiprogramm.

Beginn: 3.30, 5.45 u. 8.15 Uhr. / Beginn: 3,45, 600 und 820 Uhr.

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THeute! Dienstag
A morg. Miltwoch, sowie Donnerslag g
nur B Tage
Sonder-Gastspiel
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Komik (v. Monl. RongeParis)
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tadelloſ. Sitz. Aus=
beſſerungen
billig.
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Großes Haus 20 bis nach 22.30 Uhr
Hessisches
Außer Miete
Landestheater

Dienstag
23. Juni 1931

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Jeden Mittwoch und Samstag Kaffee- und Kuchentag
Gut bürgerliche Küche Eigene Konditorei Zivile Preise. (9631
Mittwochs, Samstags u. Sonntags Gesellschaftstanz-Abende.

Woog, 22. Juni 1931.
mittags 7 Uhr 200 C
Woogs: Polizei : Wache.

Matthias Weber

freiem

Dienstag

Uhr,

Rummelbräu (Rheinstr. 101)
(Konzert findet beijeder Witterung statt)

jaak
nnng
Seeheim, Bergstraße
deute Soider ihend
Erübeer-Speisen, Erdbeer-Getränke. Tel.4.

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in 21 Bildern mit etwaß
Mitwirkenden 40
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darunter die fabelhaftef
Tanz-Sensation

Boizoff und
Radovany

der, famose Komiker

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den 23. Juni, von 19-21 Uhr, im
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ganzes Leben hinter Ihren Geschäfts-
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bares Geld kostet, von einem Nicht-
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Die vermißten Sparkaſſenbücher
Nr. 66 lautend auf Kaplan, Ida
Nr. 68364
Bauer, Eliſabeth
Nr. 70254
Gries, Marie
Kleinkurt, Hanna
Nr. 72121
Bretz, Theodor
Nr. 115218
werden nach § 23 der Satzung für kraft=
los
erklärt, wenn ſie nicht innerhalb von
3 Monaten bei uns vorgelegt werden.
Darmſtadt, den 19. Juni 1931.
Städtiſche Sparkaſſe Darmſtadt

ANNONCEN-ERPEDTTION
KOLOMIALKRIEGERDANK
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Wirwerden wirksamer und wirischaftköcher

6749a

Einträge in das Handelsregiſter A.
teilung A: Am 9. Juni 1931 hinſichtl.
der Firma: Roſt & Fiſcher, DarmſtädAty
Werkſtätten für Wohnungseinrichtungsn

ſtadt, übergegangen. Der Ueberga=
der
in dem Betriebe des Geſchäfts M.

Hermann Falck, Kaufmann in Dar=
gründeten
Forderungen und Verbir
lichkeiten iſt bei dem Erwerbe des G.
ſchäfts durch Kaufmann Hermann Fc
ausgeſchloſſen. Am 11. Juni 198
hinſichtlich der Firma: Levie & Wefil
Darmſtadt: Die Geſellſchaft iſt aufgelt5
Die Firma iſt erloſchen. Am 16. Jun
1931 hinſichtlich der Firma: Sigmu=
Salomon, Darmſtadt: Die Firma iſt e=
loſchen
. Abteilung ,B: Am 16. Juzu
1931 hinſichtlich der Firma: Paul W.=
& Co. Nachfolger, Geſellſchaft mit E=
ſchränkter
Haftung, Darmſtadt: Kauu=
mann
und Spediteur Paul Arnold
Darmſtadt iſt zum weiteren Geſchäft=
führer
beſtellt. Die Prokura der
Paul Arnold in Darmſtadt iſt erloſche
Am 18. Juni 1931 hinſichtlich d
Firma: Altermeiſter Fabrikation chem
techn. Produkte, Geſellſchaft mit w=
ſchränkter
Haftung, Darmſtadt: Die E=
ſellſchaft
iſt durch Beſchluß der Geſe
ſchafterverſammlung vom 8. Juni 19
aufgelöſt. Ernſt Lieſenfeld, Buchhalt
in Eberſtadt, iſt zum Liquidator beſtel.
Am 20. Juni 1931 hinſichtlich de
Firma: Maſchinenbauanſtalt Venule
& Ellenberger Aktiengeſellſchaft, Darm
ſtadt: Durch Beſchluß der Generalve=
ſammlung
vom 24. April 1931 iſt de
Geſellſchaftsvertrag geandert. (960
Darmſtadt, den 20. Juni 1931.
Amtsgericht I.

Hinſichtlich der nachſtehenden in unſ
rem Handelsregiſter eingetragenen Ham
ſelsfirmen: Abteilung A: 1. Konr
Koch, 2. Kunſtdruck Gerling & Erbe=
Kommanditgeſellſchaft, 3. Südweſtden:
ſches Privatbankgeſchäft E. Schickert.
Co., Abteilung B: 4. Omnia Radi==
Geſellſchaft mit beſchränkter Haftur)
und 5. Geſellſchaft zur Bekämpfung voi
Pflanzenſchädlingen und Pflanzenkran.
heiten in Weinbau und Landwirtſchan
mit beſchränkter Haftung, ſämtlich zu
Waſſerhöhe 3,93 m /Darmſtadt iſt am 27. Mai 1931 folgem
Luftwärme 23e c des eingetragen worden: Die Firm Reichska
Waſſerwärme vor= wird von Amtswegen gelöſcht. (96C) m Rundfur
Darmſtadt, den 19. Juni 1931. bernommer
Amtsgericht I.

iun

Zwangsverſteigerung.

Alle
üiſtoriſchen
(nigten Sta
Termin: Dienstag, den 30. Juni 1931, nachmittags ½4 Uhr, wer jaſ. al
im Sitzungsſaale Zimmer 219 des Neuen Gerichts= / Alfe zu bri
und die deu
gebäudes in Darmſtadt.
Hrundſtücke: Gemarkung Darmſtadt, Bez. 3, Bd. 9, Bl. 450. Yorſchläge
Flur 3 Nr. 698, Hofreite Nr. 101. Blumenthalſtraßs, nng für
114 qm. Schätzung: 10 500. RM
ſchlag erwa
Flur 3 Nr. 699, Grasgarten daſelbſt, 40 qm.
entſcheit
Schätzung: 500. RM.
Eigentümer: Katharina Sommer, Witwe von Heinris ſchwier;
Sommer, und Helene Sommer als Geſamtgut der be= türmt hal
endigten Errungenſchaftsgemeinſchaft und der Erben
Der erſt
gemeinſchaft.
folgt.
Darmſtadt, den 2. April 1931.
Glauben
Heſſiſches Amtsgericht I.
G0ß4s Präſden

Zuoungsberneigerang.

nen anget

Termin: Dienstag, den 18. Auguſt 1931, nachmittags 4 Uhr. Lenn die 5
im Sitzungsſaal, Zimmer 219 des Neuen Gerichts= ſahmen der
verordnung
gebäudes in Darmſtadt.
Hrundſtücke: Gemarkung Darmſtadt, Bez. 2, Bd. 10, Bl. 733; ſtern, und g
Flur 2 Nr. 736, Grabgarten Heinheimerſtraße, 92 am Aeußerſt
Schatzung: 1000. RM.
muten,
Flur 2 Nr. 737, Hofreite Nr. 75 daſelbſt, 167 M allem üb
Schätzung: 17 500. RM.
Flur 2 Nr. 7372 o, Grasgarten (Vorgarten) daſelbſt-, en, ſo iſt
30 qm. Schätzung: 500. RM.
ſich deſſen
Eigentümerin: Schwarzwälder Grundſtücks=Aktiengeſellſchaf den Höhe=
(9611a
in Freiburg im Breisgau.

Darmſtadt, den 22. April 1931.
Heſſiſches Amtsgericht Darmſtadt I.

Zwangsverſteigerung.

eintritt, f1
gar in

Termin: Dienstag, den 18. Auguſt 1931, nachmitt. ¼4 Uhr.
im Sitzungsſaale Zimmer 219 des Neuen Gerichts eleichtern,
ſüitßzt werden
gebäudes in Darmſtadt
Grundſtück: Gemarkung Darmſtadt, Bezirk 1, Bd. 9, Bl. 440 Ind Gemei=
Flur 1 Nr. 1178, Hofreite Nr. 34 Kiesſtraße, 192 am
Die vom
Schätzung: 16 000. RM.
Eigentümerin: Schwarzwälder Grundſtücks=Aktiengeſellſchafd Schätzung
(9608a Millionen
in Freiburg i. Br.
Darmſtadt, den 20. April 1931.
die bei de
Wirtſchaft=
Heſſiſches Amtsgericht I.

Zwangsverſkeigerung.

Termin: Dienstag, den 18. Auguſt 1931, nachmitt. ½4 Uhr.
im Sitzungsſaale Zimmer 219 des Neuen Gerichts=
gebäudes
in Darmſtadt
Grundſtück: Gemarkung Darmſtadt, Bez. 1, Bd. 22, Bl. 1094
Flur 1 Nr. 4, Hofreite Nr. 21 Kirchſtraße, 317 am-
Schätzung: 60 000. RM.
Eigentümerin: Schwarzwälder Grundſtücks=Aktiengeſellſchaft-
(9609a
in Freiburg i. Br., Belfortſtraße 28.
Darmſtadt, den 29. März 1931.
Heſſiſches Amtsgericht I.

Zwangsverſteigerung.

Termin: Dienstag, den 18. Auguſt 1931, nachmitt. 4¼ Uhr. Wſache
im Sitzungsſaale Zimmer 219 des Neuen Gerichts= er Schei
gebäudes in Darmſtadt.
Grundſtücke: Gemarkung Darmſtadt, Bez. 3, Bd. 1. Bl. 37 die fur auf

und Haus=
Einkomm
daß im Je
die Haush

Dazu kon
Dei Johren
wirtſcha
herkbar mat
ewaltige
Mit
hanzen Grö

und au

Flur 3 Nr. 680, Hofreite Nr. 107 Blumenthalſtraße ſiert ſind
152 qm. Schätzung: 14 000. RM.
Flur 3 Nr. 681, Grabgarten daſelbſt, 142 am. Schäts 0en werde
itten
zung: 1000. RM.

Eigentümerin: Schwarzwälder Grundſtücks=Aktiengeſellſchafe rzfriſt
(9610a Uſen
in Freiburg i. Br.

Darmſtadt, den 22. April 1931.
Heſſiſches Amtsgericht I.

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