Mr 30. Jrt
Mrr
Tat
Ter T
A
A1
KTT
Bezugspreis:
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Zeri wödheniſicdh 7mallgen Crſcheinen vom 1. Ma
Anzeigenpreis:
Nr 9. Mal 2us Reichtmark und 22 Pfennig
Detragegebühr, abgebolt 225 Reichtmark, durch die
Upenturen 2.46 Reichsmart ſrel Haus. Poſibezugsprele.
im Mal ohne Beſtellgeld monatſch 278 Reſchemart.
Terintwortlichkeſt für Aufnahme von Anzelgen an
MPimmten Tagen wird nicht übemommen.
Nicht=
nichelnen einzelner Nummern infolge höberer Gewall
brrechtigt den Bezſeher nſcht zur Kürzug des
znzugspreiſet. Beſiellungen und Abbeſtellungen durch
Frrmruf obne Verbindlſchkelt für uns. Poſiſcheckonio
Franffurt a. M. 1301.
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Auffätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet
Nummer 145
Mittwoch, den 27. Mai 1931.
194. Jahrgang
7 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſadt 25 Neichentz)
FinanzAnzelgen 40 Reſchspfg. Reliamezelle (92 mah
breit) 2 Reichsmart. Anzeigen von auewärts 40 Reſchepfg4
Finanz=Anzelgen 60 Reichepfg. 92 mm breite Rellames
zeille 3.00 Reichsmart. Alle Preiſe in Reichsmard
(1 Dolſar — 420 Markl. — Im Falle höberes
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streil uſw., erliſchk
ſede Verpſichtung auf Erfüllung der Anzeigen
aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bell
Kondurs oder gerſchtiſcher Beiſtelbung fänlt ſedes
Rabat weg. Danllonto Deuiſche Bonl und Darm=
Kädter und Nationalbank.
Unterndriengte Mawenchaften gegen die Beuumen.
Anleihepläne für Deutſchland gegen Preisgabe des geplanken deutſch=öſterreichiſchen Zollabkommens.
Inkernakionale Finanzhilfe für Oſterreich ohne deutſche Bekeiligung. — Durchbrechung der Meiſtbegünſtigung
im öſterreichiſch=ungariſch=ikalieniſchen Verkrag. — Auf der Suche nach neuen Formeln.
Reparakionsanleihe-Gerichke.
Was Deukſchland braucht,
IR ein gründlicher Abbau ſeiner Reparakionslaſten.
London, 26. Mai.
Der diplomatiſche Korreſpondent des „Daily Herald”
mel=
det, daß jetzt die Frage einer internationalen Anleihe in Höhe
von zwei Milliarden Mark für Deutſchland ernſtlich erwogen
werde, die durch England, Frankreich und Italien zu garantieren
märe. Verantwortliche Kreiſe erachten dies als die einzige
Mög=
lihkeit, um einen Zuſammenbruch des Youngplanes und der
Reparationszahlungen zu verhindern. Der Fall der
Weltmarkt=
reiſe und die wirtſchaftliche Kriſe in Deutſchland hätten eine
4age hervorgerufen, die man im Haag nicht vorausgeſehen habe.
Da Deutſchland in Gold zu zahlen habe, ſo hätten ſich die
4aſten um 30 v. H. über den Betrag erhöht, den
das Youngkomité als die höchſte Grenze der
Zah=
lungsfähigkeit Deutſchlands feſtgeſetzt habe
4inzu komme noch der Fehlbetrag im Reichshaushalt.
Es ſtehe außer Zweifel, daß die deutſchen Miniſter in
Chequers auf die Verzögerung der Durchführung des
öſter=
reichiſch=deutſchen Zollabkommens hinweiſen würden und
daß daher Deutſchland einen anderen Ausweg finden
müſſe.
Soeutſchland könne zwar ein Moratorium für die ungeſchützten
ählungen fordern, aber es ſei wahrſcheinlich, daß Dr.
Brü=
ing lieber für eine vollſtändige Reviſion der
9ahlungen in Höhe von 1620 Millionen Mark
eiintreten werde, die ſaſt überwiegend nach Frankreich
gin=
gen. Selbſt für den Fall, daß eine Reviſion
ver=
weigert werden ſollte, ſei es wahrſcheinlich,
daß Deutſchland ſich außer Stande erklären
werde, ſeine Geſamtverpflichtungen oder auch
ur einen Teil derſelben begleichen zu können.
Deshalb werde die Aufnahme einer Zwei=Milliarden=
Markanleihe für Deutſchland erwogen, die zu einem
nie=
drigen Zinsſatz herausgebracht werde und durch die
an=
deren großen europäiſchen Mächte garantiert werden ſolle.
Dieſe Frage werde durch das neue Komité für
Internatio=
nale Anleihen nachgeprüft werden.
Sollte biß zum Zuſammentritt der Völkerbundsverſammlung
imn September keine Antwort vorliegen, ſo ſei es kaum
zweifel=
haft, daß dann Deutſchland die Gläubigermächte von der
Un=
niöglichkeit unterrichten werde, die vollen Zahlungen zu leiſten.
Man könne mit der Erklärung eines Moratoriums kurz daraf
nechnen, falls bis dahin keine neue Regelung erfolgt ſei.
* Dieſe Behauptung iſt inſofern intereſſant, als man
ver=
muten könnte, daß ſie auf offiziöſe Quellen zurückgeht, da der
Daily Herald” bekanntlich das Organ der Labour Party iſt
ſand infolgedeſſen die beſten Beziehungen zur Regierung
Macdonald unterhält. An Berliner amtlicher Stelle iſt aber
von derartigen Beſtrebungen nicht das geringſte bekannt. Man
ſteht hier auf dem Standpunkt, daß es gar keinen Zweck hätte,
uns mit einer Anleihe unter die Armee zu greifen, und im
äbrigen alles beim Alten zu laſſen. Dadurch würden unſere
Schwierigkeiten nur verewigt werden. Was Deutſchland braucht,
iſt ein poſitiver Abbau ſeiner Reparationslaſten. Im übrigen
würden wir, wenn wir wirklich eine große Anleihe erhielten,
nur in den alten Fehler verfallen, daß unſere
Reparationsver=
pflichtungen mit Hilfe ausländiſcher Gelder bezahlt würden,
und daß wir dann binnen kurzem ſchon auf dem gleichen Punkt
angelangt wären, auf dem wir uns jetzt befinden.
Zurück=
gewieſen, werden muß ſchließlich der Verſuch, die Zollunion
gegen eine Anleihe auszuhandeln. Die Zollunion iſt für
Deutſchland und Oeſterreich eine Lebensnotwendigkeit. Ein
Verzicht auf ſie um den Preis einer Anleihe — und wäre dieſe
auch noch ſo groß — wäre viel zu teuer bezahlt. Deutſchland
rnuß es jedenfalls mit aller Entſchiedenheit ablehnen die
Zoll=
nion zur Grundlage eines politiſchen Tauſchgeſchäftes zu
machen.
Eine amerikaniſche Stimme für Schuldenregulierung.
New York, 26. Mai.
Der Finanzſachverſtändige Thomas Woodlock behandelt in
eeinem Artikel im „Wall Street Journal” das
Kriegsſchul=
wroblem und ſchreibt dazu u. a.:
Deutſchlands Zahlungen an die Alliierten
lbildetzen den Kernpunkt der ganzen Frage. Die
tatſächliche Laſt der Deutſchland auferlegten
ZZahlungen ſei derartig, daß der Lebensſtandard
bis zum Gefahrenpunkt herabgedrückt ſei. Nichts
würde mehr dazu beitragen, die Weltwirtſchaft anzukurbeln, als
ein wirklicher Friede zwiſchen Deutſchland und Frankreich, ſowie
Maßnahmen, die deutſche Reparationslaſt wenigſtens erträglich zu
igeſtalten. Amerika könnte es ſich wohl leiſten, die Zahlungen im
gleichen Verhältnis, wie Deutſchlands Laſten modifiziert würden,
eebenfalls zu modifizieren. Eine ſolche Löſung müßte vor der
Ab=
rüſtungskonferenz und den Wahlen in Preußen im nächſten Jahre
erfolgen.
Ein weiterer Torpedo gegen die Zollunion
auf dem Umweg über die Sſterreichiſche Kredikanſtalt
Wien, 26. Mai.
Wie der Wiener Vertreter der „T. N.” erfährt, iſt unter
Zu=
ſtimmung der Bank von England ein internationales
Finanz=
anſtalt Mittel über die entzogenen hinaus zur Verfügung
ſtel=
len ſoll. Dem Konſortium gehören das Londoner Haus
Roth=
ſchild, die Anglo=Internationale Bank ſowie das franzöſiſche
Bankhaus Lazare Fréres an. Im Zuſammenhang hiermit
ver=
lautet, daß ein franzöſiſch=deutſches Bankenkonſortium Intereſſe
für die im Regierungsbeſitz befindlichen Aktien der Kreditanſtalt
bekunde. Der franzöſiſche Vertreter ſoll bereits auf dem Wege
nach Wien ſein.
Eine Beſtätigung dafür, daß Deutſchland, oder deutſche
Banken, gemeinſam mit franzöſiſchen Banken eine
Stützungs=
nicht zu erhalten. Ebenſo iſt hier nichts von einer Beteiligung
deutſche Banken bekannt. Man muß daher dieſem
Ver=
ſuch auf dem umwege über die Kreditanſtalt,
die bekanntlich 75 v. H. der öſterreichiſchen
Indu=
ſtrie kontrolliert, der öſterreichiſchen
Wirt=
ſchaft ohne deutſche Beteiligung Hilfe zu brin= und zu den meiſten, von dieſem in nächſter Zukunft noch zu
Die maßgebenden Kreiſe der Kreditanſtalt
ge=
hören bekanntlich zu den ſchärfſten Gegnern der
Zollunion. Durch die gemeldete
internatio=
nale Finanzhilfe würden derartige Tendenzen
ſomit nur verſtärkt werden.
Das Geheimnis des Dreieck=Verkrages.
* Unmittelbar vor der Genfer Ratstagung haben die
Oeſter=
reicher mit den Italienern und Ungarn Verträge abgeſchloſſen,
die ein dreieckiges Verhältnis zwiſchen den drei Staaten herſtellen.
Ueber den Inhalt waltete bisher ſtrengſtes Geheimnis, ſo daß
man nicht einmal wußte, ob die Konſtruktion dieſer Verträge
der Zollunion ſein ſollte, oder, von Oeſterreich aus geſehen, eine
Art Rückverſicherung für den Fall des Scheiterns der Zollunion.
Soweit wir wiſſen, hat es die Wiener Regierung für richtig
ge=
halten, in Berlin vorher Aufklärung über ihre Abſichten zu
geben. Erſt allmählich ſickerten einzelne Nachrichten durch, die es Allerdings iſt Mr. Henderſons
Internationalis=
ermöglichten, ſich ein Bild von den Abſichten des Dreieckvertrages
zu machen. Daraus ergibt ſich, daß das Kernſtück dieſes
Vertrages in Tranſiterleichterungen und einer
Rückvergütung der Zölle beſteht, ſo daß alſo zwar
formell die einzelnen Handelsverträge mit ihren bisherigen
Zoll=
ſätzen beſtehen bleiben, daß aber im Abrechnungsverfahren etwa
den Italienern ein Teil der Zölle nachträglich zurückvergütet
wird. Das iſt in der Theorie wenigſtens eine Durchbrechung
der Meiſtbegünſtigung, und es iſt noch ſehr fraglich, wie
ſich nach der Unterzeichnung dieſer Verträge die übrigen Staaten
dazu ſtellen. Politiſch intereſſant iſt auch hier wieder das
Suchen nach einer neuen Formel ausder
Erkennt=
nis heraus, daß die Meiſtbegünſtigung durch die
Entwicklung überholt iſt. Die Italiener haben ſich in
Genf nicht gerade als Freunde der deutſch=öſterreichiſchen
Zoll=
union gezeigt, hauptſächlich deshalb, weil ſie nicht ſehen, wie ſie
dabei auf ihre Koſten kommen können. Das dürfte ſich auch bei
den Beſprechungen zwiſchen Herrn Dr. Curtius und Herrn Grandi
herausgeſtellt haben. Wir entnehmen aber aus dieſem
Dreieck=
vertrag, daß auch die Italiener von der Notwendigkeit einer
Aenderung des europäiſchen Zollſyſtems durchdrungen ſind und
daß ſie ſich vielleicht doch noch zur Zollunion bekehren, ſobald es
möglich iſt, ihnen nachzuweiſen, daß ſie dabei ihre Rechnung
finden.
Der Rumänien-Verkrag im Reichskabinelt.
In Genf iſt es zu einer neuen Fühlungnahme zwiſchen den
rumäniſchen Vertretern und dem deutſchen Außenminiſter wegen
der Fortſetzung der Handelsvertragsverhandlungen mit
Rumä=
nien gekommen, die durch das mehr als eigenartige Verhalten
der Bukareſter Regierung nicht eingeleitet werden konnten. Die
Rumänen hatten nun in Genf dem Reichsaußenminiſter
nahe=
gelegt, die Verhandlungen jetzt fortzuſetzen. Sie haben aber von
kabinett vorbehalten hatte, endgültigen Beſchluß über die
Wie=
deraufnahme der Verhandlungen mit Rumänien ſelbſt zu faſſen.
Die Reichsregierung wird ſich wahrſcheinlich in ihrer
Mittwochs=
ſitzung auch mit der rumäniſchen Angelegenheit beſchäftigen. Doch
iſt nicht damit zu rechnen, daß ſchon in dieſer Sitzung
Entſchei=
dungen fallen werden,
Zwiſchen Genf und Chequers.
Henderſons Europa=Polikik.
Von unſerem (O=Korreſpondenten.
London, 25. Mai.
Der Völkerbundsrat hat während ſeiner letzten Tagung den
britiſchen Außenminiſter, Mr. Arthur Henderſon, zum
Vor=
ſitzenden der für den Februar nächſten Jahres anberaumten,
großen Abrüſtungskonferenz gewählt. Ob dieſe zur feſtgeſetzten
Friſt ſtattfinden wird oder nicht, iſt allerdings noch nicht ganz
gewiß. Doch die auf Mr. Henderſon entfallene Wahl iſt
trotz=
dem von großer praktiſcher Bedeutung. Sie iſt bemerkenswert,
weil ſie gerade in dieſem politiſch ſo überaus kritiſchen
Augen=
blick erfolgt iſt. Während des Disputes um die deutſch=
öſter=
reichiſche Zollunion iſt Enropas Spaltung inzwei, ſich
ſchroff gegenüberſtehende Lager wieder mit
erſchrek=
konſortium gebildet worden, das der Oeſterreichiſchen (Kredit= kender Deutlichkeit zu Tage getreten. Die Gefahr weiterer
Kom=
plikationen iſt nicht von der Hand zu weiſen. Europa ſchreit
förmlich nach einem ehrlichen Friedensmakler. Unter dieſen
Umſtänden kommt der Wahl Arthur Henderſons zu dieſem, ein
großes Maß von Takt und Unparteilichkeit erforderndem Amte
eine weit über den unmittelbaren Zweck hinausgehende
Bedeu=
tung bei: die in Genf verſammelten europäiſchen Staatsmänner
haben ihm hiermit — bewußt oder unbewußt — eine Art
öffent=
lichen Vertrauensvotums erteilt, das umſo wichtiger iſt, als bis
zum Zuſammentritt der Abrüſtungskonferenz faſt noch ein Jahr
vergehen wird und dieſes jedenfalls mit einer großen
diplo=
matiſchen Aktivität in ganz Europa ausgefüllt ſein dürfte.
Für die Rolle eines „unparteiiſchen Dritten”
aktion für die Kreditanſtalt eingeleitet haben, war in Berlin, iſt Mr. Arthur Henderſon zur Zeit in der Tat
weſent=
an dem engliſchen internationalen Bankenkonſortium durch lich beſſer geeignet, als irgend ein anderer ſeiner europäiſchen
Kollegen. Erſtens wegen ſeiner Eigenſchaft als Außenminiſter
eines Landes, das immerhin recht abſeits der kontinentalen
Ver=
quickungen ſteht. Dann aber auch wegen ſeiner perſönlich mehr
oder weniger unvoreingenommenen Einſtellung zum Völkerbunde
gen, mit größtem Bedenken entgegen ſehen, entſcheidenden Angelegenheiten. Ein Vergleich mit Briand, der
ſich im „Daily Herald” findet, charakteriſiert das „Genfer Antlitz”,
Henderſons vielleicht deutlicher, als manches andere. Gewiß,
meint das Labour=Blatt, auch Briand glaubt an den
Völker=
bund und auch er iſt ein ehrlicher Kämpfer für den hehren
Ge=
danken des europäiſchen Friedens. Doch immerhin ſchimmert
bei ihm mitunter deutlich die Abſicht durch, den Völkerbund als
Inſtrument einer eigenen nationalen Politik benutzen, und auf
dieſem Inſtrument je nach Laune und Bedarf ſpielen zu wollen.
Ganz anders Arthur Henderſon. Vor dem Vorwurf eines
machiavelliſtiſchen Mißbrauchs des Genfer Apparats iſt er über
alle Zweifel erhaben. Sein ganzes Verhalten zum Völkerbunde
iſt weſentlicher einfacher, unkomplizierter, offener und daher
„lohaler”, als die oft etwas undurchſichtige und ſtets raffiniert
vom deutſch=öſterreichiſchen Standpunkt aus eine Unterſtützung ausgeklügelte Politik ſeines Kollegen Briand. Und irgendwie
hat Henderſon doch einen größeren Sinn für den Begriff des
Internationalen, als der ganz im Boden ſeiner heimatlichen
Erde wurzelnder und von ihr völlig umfangener Ariſtide
Briand.
mus (er iſt im Nebenberuf auch Vorſitzender der Zweiten
Sozialiſtiſchen Internationale) der europäiſchen Friedensſache
nicht immer in dem Maße von Nutzen geweſen, wie man das
gerne gewünſcht hätte. Namentlich Deutſchland hat dieſes
mehr=
fach zu ſpüren bekommen. Bekanntlich hat ſich die Labour=
Party ſtets mit allen anderen europäiſchen Sozialiſten, vor allem
mit den Franzoſen und den Bolſchewiken (in denen die Labour=
Miniſter ja immer noch „Sozialiſten” ſehen . . .), weſentlich
beſſer verſtanden, als mit ihren deutſchen Genoſſen von der
SPD. Beſonders den Sowjetruſſen gegenüber (und hiermit
ſtreift man eine der Schwächen Mr. Arthur Henderſons) hat ſich
der britiſche Außenminiſter oft von einer weit über das Maß
des Gewöhnlichen hinausgehenden Hilfsbereitſchaft gezeigt. Ihrer
neuerlichen Verſicherung, daß Moskau nichts erwünſchter wäre,
als „ein proſperierendes und friedliches Eurowa” hat er
ſo=
fort und aufs Wort Glauben geſchenkt. Und Labours
Hilfs=
bereitſchaft Moskau gegenüber ging in den letzten Monaten
ſo weit, daß es durch großzügige Kreditgewährungen gar den
berüchtigten Fünfjahresplan gefördert hat. Dagegen hat Labour=
England für das Schickſal Deutſchlands bisher lange nicht das
gleiche Verſtändnis aufzubringen vermocht, ſelbſt wenn
Deutſch=
lands Nöte, wie mehrfach geſchehen, der britiſchen Regierung
aus ſozialiſtiſchem Munde geſchildert worden ſind.
Indeſſen iſt mit Mr. Arthur Henderſon in gleichem Maße,
wie er ſich mit den leidigen europäiſchen Fragen, vor allem in
Genf, zu befaſſen hatte, eine allmähliche und in letzter Zeit gar
recht auffallende Wandlung vor ſich gegangen: ſein
euro=
päiſcher Horizont hat ſich von einer Genfer
Ta=
gung zur anderen ſichtlich geweitet. Schon ſein
* Berlin, 26. Mai. (Priv.=Tel.) tapferes Eintreten für die Rechte der Minderheiten während
früherer Völkerbundstagungen überraſchte in angenehmer Weiſe.
Und während der letzten Genfer Zuſammenkunft zeigte er
aber=
mals, daß es ihm in ſeinen Bemühungen um die Feſtigung des
europäiſchen Friedens durchaus ernſt iſt. Denn Henderſon —
und durch ſeinen Mund England — gibt ſich heute keinen
Illu=
ſionen mehr darüber hin, daß Europa zur Zeit die ſchwerſte
Wirtſchaftskriſe ſeit Menſchengedenken durchzumachen hat. Um
ihm eine poſitive Antwort nicht erhalten, weil ſich das Reichs= dieſe Kriſe wirkſam zu bekämpfen, ſagt er ſich, iſt es vor allem
erforderlich, in Europa wirklich ſtabile politiſche und
wirtſchaft=
liche Zuſtände zu ſchaffen. Dieſes Werk kann eine einzige
euro=
päiſche Regierung, wie mächtig ſie auch ſein mag, nicht mehr
vollbringen. Nur ein wirklich freundſ haftliches
Zuſammen=
arbeiten aller europäiſcher Staaten wird unſerm kranken und
Eeite 2
Mittwoch, den 27. Mai 1931
Nummer 145
notleidenden Kontinent wieder Geneſung und Wohlſtand
brin=
gen können. Dieſes ſind die Lehren, die die gegenwärtige Not
England erteilt hat: die Verſchuldung der Staaten untereinander
muß revidiert, die ſinnloſe Aufhäufung der Goldreſerven
ange=
halten, die Zollmauern niedergeriſſen werden. Und was die
Frage der deutſch=öſterreichiſchen Zollunion anbelangt, die die
europäiſchen Großmächte zur Zeit in zwei ſich ſchroff
gegen=
überſtehende Lager geſchieden hat, ſo iſt es erforderlich, will man
eine Kataſtrophe verhüten, dieſem Problem in erſter Linie
Auf=
merkſamkeit zu ſchenken und es durch gemeinſame
freundſchaft=
liche Bemühungen, ſo bald wie möglich auf friedlichem Wege
zu löſen.
Dieſe Ausführungen Henderſons, ergänzt durch andere
eng=
liſche Stimmen, geſtatten es, ſich auch eine recht klare
Vorſtel=
lung vom Verhalten der engliſchen öffentlichen
Meinung zur deutſch=öſterreichiſchen Zollunion
und den mit ihr verbundenen Fragen zu machen. Vor allem
rechnet England, wie gewöhnlich, ſo auch jetzt, auf die
Wunder=
wirkung der Zeit. „Bis der Haager Gerichtshof ſeinen
Be=
ſchluß gefaßt hat”, ſagt man ſich in England, „werden die
Ge=
müter ſich hüben und drüben ſchon etwas beruhigt haben und
wird eine Löſung leichter zu erzielen ſein ." Immerhin
hat Frankreichs brutales Vorgehen in dieſer Frage und vor
allem ſein Doppelſpiel in der Flottenfrage in England einen
ſehr nachhaltigen Unmut hervorgerufen. Ferner: die Art
Frank=
reichs, „in Hyſterie zu verfallen, ſobald Deutſchland überhaupt
etwas tut” und die Gepflogenheit Frankreichs, „ſein Beto auf
alles zu legen, was ihm nur irgendwie nicht in den Kram
paßt”, werden in England als überaus gefährlich bezeichnet,
vor allem wegen der ſchweren Rückwirkungen, die ſeine gegen
Deutſchlands und Oeſterreichs Einigungsbeſtrebungen gerichtete
Politik über lang oder kurz in Europa hervorrufen muß. „
Zu=
mal” meint der Obſerver, „Frankreich ſelbſt ſein Recht auf volle
nationale Einheit ſtets als geheiligt zu betrachten pflegt und
Frankreichs Vaſallen, all die Polen, Tſchechen, Serben,
Rumä=
nen uſw., doch alles drangeſetzt haben, um ihre in den
Nach=
barländern verſtreuten Volksgenoſſen wieder unter einen Hut
zu bringen und dieſes ſelbſt ungeachtet deſſen durchführeen, daß
ſie bei dieſer Gelegenheit Millionen und Abermillionen neuer
Minderheiten ſchufen . . ." Deutſchlands und Oeſterreichs Recht
zum Abſchluß einer Zollunion — und, wie überall betont wird,
auch zur Verwirklichung des vollen politiſchen Zuſammenſchluſſes
— wird von engliſcher Seite nochmals ausdrücklich und
unum=
wunden anerkannt. Und viele Blätter benutzen die Gelegenheit,
um Deutſchland und Oeſterreich nachdrücklichſt zu raten, trotz
aller Widerſtände, in der Verteidigung ihrer gerechten Sache
feſt zu bleiben und ſich durch keinerlei Schreckmanöver von ihrem
guten Recht abbringen zu laſſen . . ."
So oder ähnlich ift ungefähr die — unter allen Umſtänden
günſtige — Stimmung, die die deutſchen Reichsminiſter,
wenn ſie Anfang Juni nach England kommen,
hier vorfinden werden. Sie harmoniert mit dem zur Zeit
un=
bedingt freundſchaftlichen Verhalten der Labour=Regierung
Deutſchland gegenüber. England hat ja, ſchon durh die Tatſache
der Einladung allein, die Stellung Deutſchlands als
erſtklaſ=
ſigen europäiſchen Machtfaktors, ausdrücklich vor aller Welt
be=
tont. Die Zuſammenkunft von Chequers wird daher für die
nächſte Zukunft Deutſchlands von einer nicht zu unterſchätzenden
Bedeutung ſein. Von den Problemen, die dabei vorausſichtlich
beſprochen werden, wird als ſelbſtverſtändlich ungenommen, daß
vor allem die Fragen der Zollunion und der Tributreviſion
(für die die Stimmung hier keineswegs ungünſtig iſt)
eingehen=
der erörtert werden dürften. Doch wie weitumſaſſend die
Aus=
ſprache in Chequers wohl ſonſt noch ſein wird, das zeigt unter
anderem auch ſolch eine Nachricht wie die, daß Henderſon
an=
geblich den deutſchen Außenminiſter ſchon in Genf gebeten
hätte, in Sachen der Erneuerung des deutſch=ruſſiſchen Vertrages
keinerlei Beſchlüſſe zu faſſen, ehe man ſich nicht in Chequers
auch hierüber freundſchaftlich ausgeſprochen habe . . .
Deutſchland wird ſich alſo aller Vorausſicht nach vor wichtige
Entſchlüſſe geftellt ſehen. Es wird aber nicht nur ſelbſt zu
entſcheiden haben. Es wird auch auf gewiſſe Entſcheidungen
der Mächte dringen: Brüning und Curtius werden in Chequers
ſicher Deutſchlands Verlangen nach Abrüſtung
der Anderen wieder mit allem Nachdruck vorbringen und auf
unbedingten Zuſammentritt der großen Abrüſtungskonferenz am
angeſetzten Termin (Februar 1932) beſtehen. Hierin werden
ſie bei Henderſon gewiß auf volles Verſtändnis und auf
weit=
gehendſte Erfüllungsbereitſchaft ſtoßen. Henderſons
Sichein=
ſetzen für die Abrüſtungsfrage iſt durchaus ehrlich und
unan=
fechtbar. Sie iſt für ihn in weiteſtem Maße auch eine Frage
des perſönlichen Preſtiges, ja, eine Lebensfrage überhaupt. In
die Weltgeſchichte als der Vorſitzende der erſten großen
Ab=
rüſtungskonferenz derMenſchheit einzugehen, iſt kein geringes
Ding, ſelbſt nicht für einen britiſchen Außenminiſter. Und ſo
weit es von ihm abhängen wird, wiro er ſicher alles
dran=
ſetzen, was in ſeinen Kräften liegt, um im nächſten Jahre im
Februar das auf ihn entfallene hohe Amt des Vorſitzenden der
Abrüſtungskonferenz in Ehren anzutreten und ſeine hiſtoriſche
Miſſion einem erfolgreichen Ende zuzuführen.
Von Dr. Herbert Nette.
Es iſt nicht möglich, für Rudolf Pannwitz, den heute
Fünfzig=
jährigen und faſt Unbekannten, eine Formel zu finden. Es gibt
in der Gegenwart keinen Standort, der es erlaubt, ſein
Geſamt=
werk in ſeiner vollen Ausdehnung und Höhe zu überblicken.
Da=
gegen iſt in dieſem Werk, in das die großen Denkwelten ſeit der
Sumerern ein= und aufgegangen ſind, alles gegenwärtige
Geiſtes=
ſchaffen übergriffen und in eine höhere Potenz einbezogen. Das
erweiſt ſich nur am Werk ſelber, nicht an den flüchtigen
Finger=
zeigen, die hier gegeben werden.
Um alſo anzudeuten, was nicht ausgeführt werden kann;
Pannwitz iſt einer der ganz großen Architekten des Geiſtes. Er iſt
geſchichtlich der rechtmäßige Fortſetzer von Goethes
Naturwiſſen=
ſchaft und er, nicht Klages oder ſonſt wer, iſt der Vollender von
Nietzſches kulturſchaffenden Strebungen. Pannwitz gibt eine neue
Idee vom Leben und eine neue Denkweiſe, ſein Werk iſt eine Ideen=
und Begriffeſchöpfung in ſofortiger vielfältiger Anwendung. Der
eine große Teil, ſein Dichtwerk muß hier außer Betracht bleiben,
für ſein vielſchichtiges Gedankenwerk die Beſchränkung auf wenige
Bücher eingehalten werden. Von deren Inhalt ſoll, ſo gut es
ver=
ſtanden wurde, einiges angedeutet oder in ſeinen eigenen Worten
wiedergegeben werden.
Die höchſte und geſchloſſenſte Erhebung des vielgipfeligen
Werkes iſt bisher der „Kosmos Atheos”, von dem die erſten
bei=
den Teile vörliegen (wie alle Bücher von Pannwitz im Verlag
von Hans Carl, München=Feldafing). Kosmos Atheos bedeutet,
daß der Kosmos und Gott zweierlei ſind, daß die Perſpektive des
Philoſophen keine vorgeformte Harmonie vorausſetzen kann,
ſon=
dern eine Harmonie ſchaffen muß. Damit iſt kein Gegenſatz zur
Religion, wohl aber zu aller myſtiſchen Wiſſenſchaft ausgeſprochen.
Der erſte Teil enthält eine Geſchichte der Vokal= und
Inſtrumen=
talmuſik vom Altertum her und gibt eine neue Muſiklehre, in der
die zu eng gewordenen Bindungen aufgelöſt und an ihre Stelle
neue umfaſſendere Bindungen geſchaffen werden, Geſetze, die
un=
verbrüchlich gültig ſind, weil ſie auf Grundtatſachen der Natur
und des Geiſtes beruhen. Welche allgemeinſte Bedeutung dieſen
Geſetzen, hauptſächlich dem Formgeſetz der Tönefolgen, der Skala
im Gegenſatz zu dem der Akkordfolge, der Kadenz zukommen, wird
erſt aus dem Gefüge des Geſamtwerks begreiflich. Der Anfang
einer neuen Vokalmuſik, wie ſie hier gefordert und geiſtig
ermög=
licht wird, liegt in den „Goethe=Geſängen” von Pannwitz vor.
Der zweite Teil enthält die Naturphiloſophie. Er beginnt
mit dem Axenkreuz und entwickelt von ihm aus ohne Beweis
durch die von Kant und Goethe geforderte Evidenz den pytha=
Vom Tage.
In Karlsruhe überfielen Kommuniſten einen Propagandazug der
N. S. D.A.P. Dabei wurde ein Mitglied der N. S.D.A.P. zu Tode
ge=
prügelt.
Dr. Reißenberger, Miniſterialrat im öſterreichiſchen
Finanzmini=
ſterium und ſtändiger Börfenkommifſar, reiſte nach Berlin ab, um an
Verhandlungen in Angelegenheit der Oeſterreichiſchen Ereditanſtalt
teil=
zunehmen.
Geſtern nachmittag fand eine Sitzung des polniſchen Miniſterrats
ſtatt, in der der Beſchluß gefaßt wurde, daß die Geſamtregierung die
Demiſſion einreichen wird.
Die belgiſche Regierungskriſe iſt noch nicht gelöſt. Die Ausſichten
auf baldige Löſung der Kriſe ſind gering. König Albert hat geſtern
ſeine Beſprechungen zur Löſung der Kriſe fortgeſetzt.
Der Textilarbeiterſtreik in Roubaix=Tourcoing hat weiter an
Um=
fang zugenommen. Die Vorarbeiter und das Aufſichtsperſonal der
Textilwerke haben ſich der Bewegung angeſchlofſen.
Der Madrider päpſtliche Nuntius wird infolge der letzten
Zwiſchen=
fälle, denen zahlreiche Kirchen und Klöſter zum Opfer gefallen ſind, und
wegen der durch die ſpaniſche Regierung erfolgten Verletzung des
Kon=
kordates von 1881 das Land verlaſſen und nach Rom zurückkehren.
Das ſpaniſche Finanzminiſterium erklärt in einer offiziellen Note
daß die Regierung mit der Verwaltung des Petroleum=Monopols nicht
zufrieden ſei. Der Verwaltungsrat der Monopolgeſellſchaft wird neu
organiſiert werden. Die Regierung werde darin die Mehrheit haben
und die Präſidentſchaft übernehmen.
Eine Bekanntmachung der Fasciſtiſchen Partei Roms gibt
Richt=
linien für die Schaffung neuer Fasci, der Frauen=Fasei, denen jede
italieniſche Frau beitreten kann, die das 22. Jahr erreicht hat. Die
Frauen=Fasci werden anſchließend an die männlichen Organiſationen
gegründet, haben eine ähnliche Führerorganiſation und dieſelbe Diſziplin,
Bei den Manövern, der baltiſchen Sowjetflotte iſt am Dienstag
nachmittag das U=Boot 9 aus bisher noch unbekannten Gründen
ge=
funken. Abgeſandte Flugzeuge ſtellten die Lage des geſunkenen U=Bootes
feſt. Zwei Hilfsſchiffe ſind an die Unfallſtelle entſandt worden, um das
U=Boot zu heben.
Pädagogiſches Inſtikuk und Parikäl.
a. Zu dieſer Frage ſchreibt der „Schulbote für Heſſen”, das
Organ des Landeslehrervereins, am 23. Mai: „Die ſo häufig
an=
geführten Gründe, daß es ſich um eine Erſparnismaßnahme und
um eine wirtſchaftliche Hilfe für Mainz handele, widerlegen ſich
ſelbſt durch den ſpäteren Beſchluß, ein Inſtitut in Gießen zu
er=
richten. Daß es ſich um eine konfeſſionelle Frage handele,
kann im allgemeinen nicht geſagt werden, wenn die
Zuſammen=
legung der Inſtitute auch ihre konfeſſionelle Seite hat. So kann
der nunmehr geſchaffene Zuſtand, daß ſowohl das Direktorat des
Mainzer Inſtituts und das Referat im Kultusminiſterium in
katholiſchen Händen liegen, vom Standpunkt der Paritat aus
nicht gebilligt werden. Im übrigen hätte bei der politiſchen
Behandlung dieſer wichtigen Frage beachtet werden müſſen, daß
ſie eben in weiten Kreiſen der heſſiſchen Bevölkerung als eine
konfeſſionelle Frage empfunden wird . . . Außerdem ſoll
ſich die Deutſche Lehrerverſammlung in Frankfurt a. M. mit der
Angelegenheit befaſſen. Die Vertreter werden ermächtigt, im
Sinne einer entworfenen Entſchließung auf der Deutſchen
Lehrer=
verſammlung zu wirken.” — Es iſt beabſichtigt, den Direktor des
bisherigen Inſtituts in Darmſtadt als Stellvertreter des
Direk=
tors in Mainz zu verwenden. Wie man hört, iſt jedoch Dr. Vogel
nicht geneigt, auf dieſe Regelung einzugehen.
Die Jungdeukſchen fordern Arbeitsdienſt.
* Berlin, 26. Mai. (Priv.=Tel.)
Die jungdeutſchen Reichstagsabgeordneten haben an die
Reichsregierung und an die Regierungen der Länder eine
Ein=
gabe gerichtet, worin ſie ſich erneut für das Syſtem des
freiwilli=
gen Arbeitsdienſtes einſetzen mit beſonderer Berückſichtigung der
gegebenen Möglichkeiten. Die Jungdeutſchen ſind darüber
ver=
ärgert, daß ſie bei den bisherigen Beſprechungen ausgeſchaltet
waren. Tatſächlich hat ja die Reichsregierung die Vorſchläge der
Brauns=Kommiſſion bereits zu einer erſten Beſprechung mit den
Vertretern der großen Wehrverbände benutzt. Für die nächſte
Zeit iſt eine neue Beſprechung vorgeſehen, in der man hoffentlich
über die theoretiſchen Erörterungen hinauskommen wird.
Briand kritt nichk zurück.
Nach Informationen aus zuverläſſiger Quelle ſoll
Außenmini=
ſter Briand ſich endgültig entſchloſſen haben, ſein Rücktrittsgeſuch
zurückzuziehen. Wie das „Echo de Paris” am Dienstag meldet,
ſoll dieſe Entſcheidung am Mittwoch nach Schluß des
Miniſter=
rats amtlich veröffentlicht werden. Der Miniſterat wird ſich faſt
ausſchließlich mit den Ergebniſſen der Genfer Tagung befaſſen.
Die Kammer tritt am Donnerstag wieder zuſammen, doch ſoll
Miniſterpräſident Laval angeblich beſchloſſen haben, die
Behand=
lung der Interpellation auf die Zeit nach der Neubildung des
Kabinetts zu vertagen. Das „Echo de Paris” nimmt an, daß das
Kabinett nicht umgebildet wird, da der neue Staatspräſident den
Miniſterpräſidenten Laval vermutlich bitten werde, die
Regie=
rungsgeſchäfte unverändert weiter zu führen. Briand iſt am
Dienstag früh aus Cocherel nach Paris zurückgekehrt.
goräiſchen Lehrſatz, die Vielecke, den goldenen Schnitt, die Zahl
und den Raum, der hier der einzig wirkliche: Raum der
Lebens=
formen iſt. Ueber die Begriffe der Intenſität, der Verdichtung
und inneren Teilung, des Uebertretens in die nächſte Dimenſion
erfolgt der Uebergang zur Phyſik und zu den organiſchen und
Be=
wußtſeinsſphären. — Hier wäre von Rechtswegen ein genaues
Referat, die Herausarbeitung der leitenden Ideen und
Klar=
legung des inneren Aufbaues geboten. Das iſt vorderhand nicht
möglich, da trotz des Beſtehens von Philoſophieprofeſſuren noch
nicht ein Verſuch bekannt geworden iſt, das Werk im einzelnen zu
erklären und als Ganzes auszulegen. Herauszuarbeiten wäre der
Unterſchied euklidiſcher und nicht=euklidiſcher Mathematik zu der
hier geſchaffenen und angewandten dynamiſchen oder genetiſchen
Mathematik. Das Weſentliche dieſer iſt, daß ſie den
unmittel=
baren Uebergang zu allen Lebenserſcheinungen ermöglicht, da ſie
die Lebensformen der Bewegungsräume entwickelt. Damit iſt der
Bruch zwiſchen mechaniſcher und organiſcher Welt geheilt.
Was hiermit verwirklicht wird, iſt eine Phänomenologie und
Morphologie, die ſich gegen gleichfalls ſo genannte
Pſeudowiſſen=
ſchaften unverwechſelbar abhebt und nur mit Goethes
Weltſichtig=
keit vergleichbar iſt. Dieſe Welt iſt bewußtſeinskritiſch aufs
ge=
naueſte begrenzt, eine vollkommene Erkenntniskritik iſt die
Vor=
ausſetzung und ein Beſtandteil des Kosmos Atheos. Die Geſetze,
gegen die jeder Materialismus und Myſtizismus, zwei Seiten
der=
ſelben Sache, verſtößt, werden hier aufgeſtellt und innegehalten.
„Sehr vieles, was gedacht wird, darf nicht gedacht werden, nicht
weil dieſes Ding, ſondern weil dieſer Art nicht gedacht werden
kann, ſo wenig wie mit den Ohren geſehen, mit den Beinen
ge=
flogen werden kann. Das ſind keine ewigen Grenzen vor einem
Unerforſchlichen, ſondern es iſt der Unterſchied zwiſchen einer
Gieß=
kanne und einer Pappelſpitze.‟ Die Methode von Pannwitz ſetzt
das Denken in Einklang mit der Natur des Denkens und dem
Denken der Natur.
Gibt der Kosmos Atheos eine Kritik der mathematiſch=
phyſi=
kaliſchen Axiomatik, ſo die „Staatslehre” eine ſolche der Seelen=
und Geſellſchaftslehre. Ihr Gegenſtand iſt der Menſch als
Herr=
ſchaftsgebilde und die menſchlichen Herrſchaftsgebilde. Gegen die
Soziologie wird erkannt, daß es die Maſſe der Individuen,
den Atomismus als Natur, gar nicht gibt und daß auf dieſe
Scheinwirklichkeit eine Lehre von den menſchlichen Daſeinsformen
ſo wenig gegründet werden kann wie die Kryſtallographie auf
Konglomerate oder eine Chemie auf Miſchungen ſtatt
Verbindun=
gen. An ihre Stelle wird die ſteigende Reihe der menſchlichen
Geſellſchaftung aufgebaut, die von den elementariſchen
Mäch=
ten über organiſche Formen zum Staat, einem Geiſtigen, führt,
Was ſo ſtufenmäßig benannt wird, ſind nicht Gegenſtände noch
Begriffe, ſondern die Denkbilder, in denen allein die
Lebens=
prozeſſe verſtanden werden. Das iſt immer wieder durcheinander
Die Tagesordnung
der Herofttagang des Heterbandeg.
Neuordnung des Völkerbundsſekrekariaks.
Reichsminiſter Dr. Curtius hat in ſeiner Eigenſchaft als
am=
tierender Präſident des Völkerbundes die 12. ordentliche
Vollver=
ſammlung des Völkerbundes zum 7. September nach Genf
einbe=
rufen. Der Europaausſchuß ſowie der Völkerbundsrat treten
be=
reits am 3. September zuſammen. Als beſonderer Punkt ſteht
auf der Tagesordnung der Vollverſammlung die ſeit Jahren
ge=
forderte und im vorigen Jahre zum erſten Male zur Verhandlung
gekommene Neuordnung des Völkerbundsſekretariats im Sinne
einer weitgehenden Beteiligung der übrigen Mächte, die, wie
Deutſchland, heute im Völkerbundsſekretariat heute völlig
unge=
nügend vertreten ſind.
Auf der Tagesordnung des Rates ſtehen die Abrüſtungs= und
die Minderheitenfrage. In der Minderheitenfrage, die trotz der
Madrider Beſchlüſſe des Völkerbundsrates eine weſentliche Ver
beſſerung und Umgeſtaltung des völlig ungenügenden
Minderhei=
tenvertrages des Völkerbundsrates bringen ſollte, iſt noch keine
Aenderung eingetreten, da die üblicherweiſe tagenden
Dreier=
ausſchüſſe für die Minderheitenfragen bisher ſämtliche
Angele=
genheiten ohne jede Bekanntgabe erledigt haben.
Das Abrüſtungsproblem
auf der Tagung der Völkerbundsligen.
Budapeſt, 26. Mai.
In der heutigen Plenarſitzung des Weltverbands der Völker,
bundsligen ſtand das Thema der Abrüſtung zur Diskuſſion. Im
Anſchluß an die Vorarbeiten, des Abrüſtungskomitees in Paris
war eine ausführliche Reſolution zuſtande gekommen, die den
Verſuch macht, den Standpunkt der abgerüſteten Staaten mit dem
der Siegerſtaaten in Einklang zu bringen. Der deutſche Vertreter,
Staatsſekretär a. D. Freiherr von Rheinbaben, hatte dieſer
Reſo=
lution zugeſtimmt, in der eine einſchneidende Herabſetzung der
Weltrüſtung durch einen 25prozentigen Abſtrich an den geſamten
Ausgaben für militäriſche Zwecke gefordert wurde. Die
Vertre=
ter Frankreichs, Englands und anderer Staaten verpflichten ſich,
in ihren Ländern für die grundſätzliche Gleichberechtigung der
abgerüſteten Staaten in Bezug auf die Art der Rüſtungen
ein=
zutreten.
Der entſcheidende Satz der Reſolution lautet: Auf jeden Fall
iſt der Weltverband der Völkerbundsligen der Meinung, daß die
Prinzipien der Beſchränkung und der Herabſetzung der Rüſtungen
für alle Staaten die gleichen ſein müßten.
Freiherr von Rheinbaben betonte darüber hinaus den
natür=
lichen und grundſätzlichen Wunſch des deutſchen Volkes, über die
1932 zunächſt herzuſtellende Gleichheit der Bewaffnungsart in der
jetzigen Aktion zu einem vollen Rüſtungsausgleich zu kommen. Er
wies auf den engen Zuſammenhang der Rüſtungen mit dem
wirt=
ſchaftlichen, finanziellen und ſozialen Leben der Völker hin und
betonte die wachſende Enttäuſchung des deutſchen Volkes, die zur
offenen Kriſe führen müßte, wenn die Abrüſtungskonferenz 1932
die deutſche Gleichberechtigung nicht anerkenne,
„Die Verkräge nicht für die Ewigkeik geſchaffen.”
Der belgiſche Nationalverband der Kriegsverletzten und
Frontſoldaten hat ſeinen diesjährigen 113. Kongreß in Paris
abgehalten. Nach dem Abſchluß der Tagung fand am Montag
ein Feſteſſen ſtatt, bei dem der franzöſiſche Kriegsminiſter
Maginot eine Anſprache hielt, in der er darauf hinwies,
daß es im Intereſſe des Friedens notwendig ſei, die Verträge
zu achten. Belgien und Frankreich hielten an dieſen Verträgg
feſt, die das Ergebnis ihres Sieges und der Niederlage de
Angreifer geweſen ſeien, und zwar hielten ſie nicht nur darum
an ihnen feſt, weil ſie die Grundlage des Rechts bedeuteten (!)
ſondern auch, weil die Friedensverträge den Anſpruch der Sieger
auf Wiedergutmachung der Kriegsſchäden feſtſtellten ſowie
dar=
überhinaus die notwendigen Garantien für ihre Sicherheit
ent=
hielten. Verträge ſeien gewiß nicht für die Ewigkeit
geſchaffen, doch dürfe jetzt noch nicht an ihnen
gerührt werden. In jedem Falle aber werde man unter
keinen Umſtänden zulaſſen, daß die
Friedens=
verträge — die nur auf Grund einer zwiſchen
den Siegermächten erzielten Uebereinſtimmung
abgeändert werden könnten — einſeitig
ange=
fochten würden. Der Frieden könne nur auf der Achtung
vor den internationalen Abmachungen beruhen. Schließlich ſtellte
Maginot die Frage, wozu alle Friedensmaßnahmen und die
ganze Schiedsgerichtsbarkeit führen ſollten, wenn man
gleich=
zeitig erlauben wollte, daß die Friedensverträge als eine Art
„duantité negligeable” betrachtet würden.
geworfen worden und daraus iſt der Unſinn entſtanden, den man
über alle Fragen der Gemeinſchaft bis herauf zum Staat geredet
hat. Auch in der Staatslehre wird kein konſtruiertes
Formen=
ſyſtem hingeſtellt, ſondern eine organiſch fortſchreitende produktive
Formenbildung gemäß den Geſetzen des Denkens entwickelt.
Eine weitere große Klarſtellung betrifft den Unterſchied von
unmenſchlichen, übermenſchlichen und menſchlichen Mächten.
Ver=
wechſelt der Menſch das, ſo wird er für Ereigniſſe, die außerhalb
der menſchlichen Urſachenfolge liegen, Perſonen oder Gruppen
ver=
antwortlich machen und dadurch nicht nur die menſchlichen Kreiſe
verwirren, ſondern auch gegen das Außer= und Uebermenſchliche
ſich jede vernunftgemäße Stellung ſelbſt abſchneiden. Heute
ver=
wechſelt man das dauernd. — An dem großen Beiſpiel von
Napo=
leons Sturz zeigt Pannwitz, wie ſich in dieſem Fall die
unmenſch=
lichen Mächte: Element, Zufall, Natur und Schickſal, und die
über=
menſchlichen: Geſchichte und großer Menſch, mit den menſchlichen
Mächten verſchränkt haben. Dabei erweiſt ſich, daß ſolche
Geſamt=
lagen nur in Geſamtſchickſalen erkennbar werden, nicht aber aus
eindeutigen Urſachen und Folgen zu verſtehen ſind. „Die
Er=
klärung aus Urſachen iſt die unwiſſenſchaftliche, die aus Kraften
die materialiſtiſche, die aus Mächten die ſchöpferiſche.”
Es iſt das gleiche Denken, Geiſt im Einklang mit der Natur,
aus dem die Geſetze der Muſik, der Politik, des lebendigen
Wachs=
tums folgen. Der Goldene Schnitt gilt auch hier. „Die
Natur=
form menſchlicher Herrſchaftsgebilde, die in ihrer höchſten
Kunſt=
form, der Hierarchie, am einheitlichſten kryſtalliſiert iſt, zeigt das
Gleichgewicht des Goldenen Schnittes. Alſo daß in einer
hoch=
ſtrebenden Staffelfolge jeder Einzelne ein Mittlerer iſt, genau
ſo=
viel befiehlt, wie er gehorchen muß, ſo auch noch Gottes kaiſerlicher
Vertreter. Alſo daß für jede Stelle des ſich verjüngenden
Bau=
werkes durch ihr Doppelverhältnis nach oben und unten
Herr=
ſchaft und Dienſt in ſtetiger Weiſe erfüllt, aufgehoben und
aufge=
wogen ſind und das ganze Herrſchaftsgebilde geiſtig angeſchaut
ein in ſich ruhend=ſchwingender Kreis, keine Vertikale mehr iſt.”
Die Ahnungsloſigkeit der Spezialiſten wird finden, daß dies
Philoſophie und weit ab von der Notwendigkeit des Tages ſei.
In Wirklichkeit geht es immer um dieſe Notwendigkeit, auch
Pannwitz behandelt die aktuellen Probleme, nur daß er ſie
an=
ders behandelt. Man kann ſein ganzes Werk pädagogiſch nennen,
wenn man darunter die Verwandlung des Menſchen verſteht.
„Die Freiheit des Menſchen” iſt die umfaſſende Ueberſchrift ſeines
Hauptwerks, von dem der Kosmos Atheos ein Teil iſt. Freiheit
des Menſchen bedeutet ihm nicht, „er habe jede beliebige Freiheit,
auch nur des Urteils, noch minder, er ſei zu allen inneren oder
äußeren Stellungnahmen verpflichtet. Es bedeutet leider viel
Schwereres als ſolche Ueberheblichkeiten. Dieſes, daß er ſein
rich=
tiges Verhältnis und Verhalten zu dem, was ihn ernſtlich angeht:
Nummer 145
Mittwoch, den 27. Mai 1931
Seite 3
Brünings Geheimnis.
der Schleier über die neue Rolverotönung
noch nicht gelüfkei.
Von unſerer Berliner Schriftleitung.
* Der Reichskanzler hat ſich inkognito über Pfingſten einen
larzen Urlaub gegönnt, iſt aber am Dienstag nachmittag wieder
nach Berlin zurückgekehrt und ſieht ſich nun vor einer
arbeits=
reichen Woche. Am Mittwoch herrſcht noch die
auswär=
tige Politik vor. Ein Beſuch des Reichsaußenminiſters beim
Kanzler iſt vorgeſehen. Am Nachmittag ſoll dann das
Reichskabi=
nett den Bericht von Dr. Curtius entgegenehmen und mit einer
kurzen Billigung dieſes Kapitel zum Abſchluß bringen, um dann
vom Donnerstag ab in Permanenz über die neue
Aotverordnung beraten zu können. Eine Reihe von
Ent=
würfen hängt in den verſchiedenen Reſſorts fertiggeſtellt,
wohl=
verſtanden zunächſt aber als Referentenentwürfe, die vom Ka=
1inett beraten und dann einheitlich in einer Notverordnung
zu=
ſummengefaßt werden ſollen.
Wenn der Kanzler am Mittwoch vormittag die
Sozialdemo=
kraten empfängt, dann kann er ihnen immer noch nicht viel ſagen.
Herr Breitſcheid wird alſo am Donnerstag vor ſeine Fraktion
tre=
ten müſſen, ohne über Einzelheiten im Bilde zu ſein.
Ebenſo=
wenig wird der ſozialdemokratiſche Parteitag, der am nächſten
Sonntag ſeinen Anfang nimmt, ſchon irgendwelche Unterlagen für
die Beurteilung der kommenden Notverordnung haben. Da die
Abreiſe des Kanzlers und des Außenminiſters nach Chequers
wahrſcheinlich am Donnerstag darauf erfolgen wird, hat das
Ka=
hinett gerade eine Woche Zeit, um ſich einig zu werden. Der
ge=
raue Termin der Veröffentlichung ſteht noch nicht feſt, da der
Kanzler vorher auch noch zur Berichterſtattung zum
Reichspräſi=
denten muß.
In Berliner politiſchen Kreiſen wird angenommen, daß alle
Vorbereitungen für eine Veröffentlichung etwa am Samstag der
nächſten Woche oder am Montag der übernächſten Woche getroffen
werden. Dafür ſprechen. zum Teil auch taktiſche Erwägungen, weil
das Kabinett vor dem Widerſtreit der Intereſſen ſteht, ob es die
Notverordnung noch gerade in den ſozialdemokratiſchen Parteitag
hineinplatzen laſſen will, auf die Gefahr hin, daß dann die
So=
zaldemokraten ihre Fraktion in der Uebereilung auf irgendwelche
Beſchlüſſe feſtlegen, oder ob es mit der Veröffentlichung warten
will, dann aber auf das Stimmungsmoment verzichtet, daß die
Reſonanz der deutſchen Oeffentlichkeit für die Unterhaltung in
Thequers den Nachweis erbringt, daß Deutſchland nun wirklich am
Ende ſeiner Leiſtungsfähigkeit angelangt iſt.
Die Sozialreform.
* Die Gerüchte, die über die Pläne der Regierung über die
Reform der Sozialpolitik in Umlauf ſind, haben
begreiflicher=
weiſe gerade in Arbeiterkreiſen zu einer ſtarken Unſicherheit
ge=
ftihrt. Die Spitzen der drei Gewerkſchaftsorganiſationen haben
deeshalb an den Reichsarbeitsminiſter eine gemeinſame Eingabe
derichtet, worin ſie ihrer Sorge um die geſamte
Sozialgeſetz=
gebung Ausdruck geben und einer Verſchlechterung der
Verſiche=
ungsbedingungen widerſprechen. Auf der anderen Seite können
aber auch ſie die Schwierigkeiten, vor denen die Regierung ſteht,
icht einfach überſehen. Die Regierung muß ſich zu entſcheidenden
Eingriffen entſchließen, wenn ſie es nicht zu einer Finanzkata= kommen laſſen will. Dabei wird vermutlich die Reform
der großen Verſicherungsverbände bis zum Herbſt zurückgeſtellt
werden, weil hier Eile nicht ſo notwendig iſt. Die Umgeſtaltung
der Arbeitsloſenfürſorge aber verträgt keinen Aufſchub mehr. Die
Braunskommiſſion will in dieſer Woche ihre Vorſchläge
fertig=
ellen, die vermutlich dahingehen werden, die bisherige
Dreitei=
lung der Arbeitsloſenfürſorge zu laſſen und neben die eigentliche
Werſicherung die Arbeitsloſenfürſorge zu ſtellen, in der die Kriſen=
und Wohlfahrtsfürſorge zuſammengelegt würden. Das würde in
her Organiſation ſchon einige Erſparniſſe bringen, die aber nicht
ausreichen. Deshalb wird darüber hinaus auch noch erwogen,
iinzelne Gruppen, wie die Saiſonarbeiter, unter beſondere
Be=
hingungen zu ſtellen und im äußerſten Notfalle die Renten
all=
gemein zu kürzen. Aber endgültige Entſcheidungen darüber ſind
auch in der Braunskommiſſion noch nicht gefallen, noch weniger
in Kabinett, dem dieſe Vorſchläge dann zugeleitet werden. Bei
den Gegenſätzen, die hier in der Beurteilung der Lage und der
Abhilfsmittel zwiſchen dem Finanzminiſter und dem
Arbeits=
niiniſter beſtehen, wird es ohnehin ſchwierig genug ſein, zu einer
Werſtändigung zu kommen, die der Kanzler aber erzwingen will,
ahe er nach Chequers fährt. In Verbindung mit der neuen
Not=
verordnung ſoll ein Aufruf an das deutſche Volk erlaſſen werden,
der es den ganzen Ernſt der Lage erkennen läßt und allen
Schichten der Bevölkerung nahelegt, die letzte Prüfung auf ſich zu
nrehmen, um Deutſchland das Rüſtzeug für den Kampf gegen die
Reparationen zu ſchaffen.
ſeelber ausfinden und vermögen muß.” Solches oder ein anderer
Satz „Handelt jeder an ſeinem Platze ſelbſt, ſo iſt ſofort alles
beſſer”, könnte allzu einfach erſcheinen, aber aus dem
Allerſchwer=
ſken ſolgt, wenn es ganz durchdrungen, das ganz Einfache.
Die praktiſche Summe ſeiner Erziehungslehren hat Pannwitz
im dem Roman „Das neue Leben” niedergelegt. Das iſt nicht ſein
bedeutendſtes, aber vielleicht ſein zentrales Buch, Schnittpunkt
ſiner Denkwelten, zu denen es deshalb am erſten den Zugang
er=
möglicht. Dieſer Roman enthält die bedeutendſten
Naturſchilde=
rungen ſeit Goethe und Stifter, zuſammen mit den Zeichnungen
von Pannwitz ſind ſie der Beginn einer neuen Augenwelt, die die
Seele, ja den Geiſt einer Landſchaft erfaßt, aber nicht das eigene
Innere in ihre andersartige Selbſtändigkeit hineinlegt. Neben der
Landſchaft, mit ihr in Beziehung und doch jedes in ſeiner Sphäre
bleibend, ſtehen die inneren Ereigniſſe und die Geſpräche. Das
Offenſichtliche wird ausgeſprochen, das Rätſelhafte hingenommen,
die Dinge der äußeren und inneren Welt einfach ausgeſagt wie ſie
ſind. Anſtelle der modernen Gehirnwucherungen waltet hier
Soetheſches Ins=Enge=bringen, ſtatt Doktrinen ſtehen die
Er=
ſsheinungen, ſtatt Hypotheſen werden die wirklichen Verbindungen
gezeigt. Große Wiſſenſchaft.
Es iſt unerläßlich, zu oberflächlicher Abrundung wenigſtens
noch zu nennen „Die Kriſis der europäiſchen Kultur”, eine
Ge=
ſchichte der Formungen und Entformungen der politiſchen und
geiſtigen Idee Europa, und das letzte Buch „Logos Eidos Bios”,
das in aphoriſtiſcher Form die Erkenntniſſe des Kosmos Atheos
weiterführt bis in die zentralen Fragen der Biologie.
Bei all dem handelt es ſich nicht um Gedanken über die ganze
Welt, ſondern um ſchichtweiſe Vergeiſtigung der Stoffülle der
gan=
ven Welt. — Sollte das Drohende in letzter Stunde vorüberziehen
und wider alle Wahrſcheinlichkeit die Erde nicht vorübergehend
fur Hölle werden, ſo wird unter denen, die das Zeitalter gerettet
waben, zuvorderſt Rudolf Pannwitz zu nennen ſein.
* Uraufführung in Aachen.
Zum 250. Todestag Calderons.
„Ueber allen Zauber Liebe!”
Wilhelm von Scholz hat Calderons Luſt=, Schau= und
Trauer=
wiel „Ueber allen Zauber Liebe” frei nachgedichtet und das
2lachener Stadttheater hat das Wagnis unternommen, dieſe
Cal=
veron=Nachdichtung zu verlebendigen. Es war ein Wagnis, aber
s iſt gelungen.
Was ein Theater, was Spielleitung und Darſtellung
konn=
en den Erfolg zu erſtreiten, war geſchehen. Wilhelm von
Scholz hat dieſen faſt drei Jahrhunderte alten Calderon „
ver=
ſhakeſpearet”. Heiterer Beginn mit Rüpelſzenen und Sommer=
Die bevorſtehenden Miniſterbeſprechungen
in Chequers.
EP. London, 26. Mai.
Mit Bezug auf die bevorſtehenden Beſprechungen der
deut=
ſchen Miniſter mit ihren engliſchen Kollegen auf dem Landgut
des Premierminiſters Macdonald bringt heute das Blatt Lord
Beaverbrooks, der „Evening Standard”, die etwas ſenſationell
klingende Nachricht, daß Außenminiſter Henderſon nicht die
Ab=
ſicht haben ſoll, ſeinen Erholungsaufenthalt während der Zeit der
Anweſenheit der deutſchen Miniſter zu unterbrechen. Die
ſchwie=
rige Aufgabe, mit den Deutſchen zu verhandeln, bliebe auf dieſe
Weiſe allein dem Miniſterpräſidenten Macdonald vorbehalten. —
Dieſe Behauptung des Blattes wird in engliſchen politiſchen
Kreiſen für völlig unglaubwürdig erklärt und ſteht auch in kraſ=
ſeſtem Widerſpruch zu den häufigen Aeußerungen Henderſons,
in denen er ſeiner Freude über das bevorſtehende Zuſammenſein
mit den deutſchen Staatsmännern offen Ausdruck gab.
Zu der kommenden deutſch=engliſchen Zuſammenkunft in
Che=
quers ſchreibt der „Temps”, dies bedeute durchaus nicht, daß die
engliſche Regierung bereit ſei, in dieſer oder jener Frage ihre
Haltung zu ändern und direkt oder indirekt das deutſche Spiel
mitzumachen. Die Politik des engliſchen Kabinetts ſei eine
weſentlich engliſche Politik, die ſich in aller Unabhängigkeit
ent=
wickele, die aber von der Idee der Annäherung der Völker, der
Verminderung der Rüſtungen und der Konſolidierung des
Frie=
dens beherrſcht ſei. Niemand könne an der Aufrichtigkeit der
eng=
liſchen Anſtrengungen und der hohen Auffaſſung von Legitimität
zweifeln, wenn es ſich darum handele, die Baſis der beſtehenden
Verträge zu garantieren.
Uegemsuelsfordrrangen der beutſcen Scyrer.
99. Beriteierverfämmrang
us Zeutſchen Behterbrreing.
Die Deutſche Lehrerverſammlung, veranſtaltet vom Deutſchen
Lehrerverein, der mit ſeinen 150 000 Mitgliedern die größte
deutſche Lehrerorganiſation darſtellt, findet in dieſem Jahre in
Frankfurt a. M. ſtatt. Die Reihe der Veranſtaltungen wurde am
25. Mai durch eine Feier, in der Paulskirche eröffnet.
Die Stätte, wo die 48er tagten, iſt auch für die deutſche
Lehrer=
ſchaft bedeutſam. Aus dem Geiſte jener Jahre ſind ihre
Schul=
forderungen hervorgegangen, von denen ein weſentlicher Teil
trotz der veränderten ſozialen und kulturellen Lage der
Gegen=
wart noch Gültigkeit hat. Profeſſor Dr. Gieſe ſprach über das
Thema „Deutſche Einheit — deutſche Bildung”. Die
bereits 1848 in der Paulskirche aufgeſtellten grundlegenden
For=
derungen über die Geſtaltung des deutſchen Bildungs= und
Er=
ziehungsweſens wurden auch in die Weimarer Verfaſſung
über=
nommen, aber immer noch fehlt es, wie damals, an der
Ver=
wirklichung.
Am Dienstag tagte in dem mit den Reichsfarben geſchmückten
großen Saale des Zoologiſchen Gartens die 39.
Vertreter=
verſammlung des Deutſchen Lehrervereins. Aus
allen Gauen Deutſchlands hatten ſich die Vertreter der Provinzial=
und Landesvereine eingefunden. Außerdem war eine große Zahl
von ſonſtigen Beſuchern anweſend, als kurz nach 9 Uhr der
Vor=
ſitzende des Deutſchen Lehrervereins, Schulrat Wolff=Berlin,
die Arbeitstagung unter Verzicht auf jede feierliche Begrüßung
eröffnete. Den Jahresbericht erſtattete. Herr Raeppel=Berlin,
der Schriftleiter der Allgemeinen Deutſchen Lehrerzeitung, der
an einigen typiſchen Beiſpielen den Sinn und die Richtung der
Arbeit des Deutſchen Lehrervereins darlegte. Zur allgemeinen
beamtenpolitiſchen Lage führte er aus, daß das
Berufsbeamten=
tum aus dem Obrigkeitsſtaat in den Volksſtaat übernommen
wurde, ohne daß es bisher in die innere Struktur des Volksſtaates
eingebaut worden ſei. So iſt z. B. das Maß der ſtaatsbürgerlichen
Freiheit des Beamten nicht umgrenzt. Nach der Anſicht des
Deut=
ſchen Lehrervereins darf die ſtaatsbürgerliche Freiheit des
Beam=
ten nicht eingeengt werden, und alle politiſchen Rechte müſſen ihm
uneingeſchränkt zuſtehen, wobei er ſich allerdings bei der
Aus=
übung dieſer Rechte eine gewiſſe Zurückhaltung auferlegen müſſe.
In engem Zuſammenhang mit dieſer Frage ſteht die
ſtarke Beunruhigung der Beamtenſchaft, die aus dem
Wech=
ſel der Regierungen und der Regierungsmethoden erwächſt.
Die von den Beamten infolgedeſſen häufig verlangte Umſtellung
führt zu völliger Rechtsunſicherheit und wächſt ſich auch zu einem
Schaden für das Volksganze aus.
Die Aufgabe, die ſich der Deutſche Lehrerverein geſetzt hat, iſt
dreifacher Art. Er vertritt zunächſt als Berufsgewerkſchaft die
oben gekennzeichneten Fragen wirtſchaftlicher und rechtlicher Art.
Aus der Tatſache, daß die deutſche Volksſchule, das Inſtitut, an
dem die deutſchen Lehrer arbeiten, unfertig iſt und des Ausbaues
bedarf, ergibt ſich die pädagogiſche Aufgabe des Deutſchen
Lehrer=
vereins als zweites Weſensmerkmal. Die Vertretung der für die
Einrichtung und den Ausbau der deutſchen Schule maßgebenden
Forderungen führt zum dritten, der ſchulpolitiſchen Aufgabe des
Deutſchen Lehrervereins. Es handelt ſich darum, die deutſche
Volksſchule einzubauen in den deutſchen Volksſtaat. Wir ſind
darauf angewieſen, mit den Formen, Mitteln und Möglichkeiten
des Volksſtaates unſer ſchulpolitiſches Programm zu
verwirkli=
chen. Dieſe Aufgabe wird dem Deutſchen Lehrerverein zurzeit
außerordentlich ſchwer gemacht. Die Verſammlung nahm die
Ausführungen mit großem Beifall auf.
Der nächſte Punkt der Tagesordnung umfaßte eine Reihe von
Satzungsänderungen. Es wurde beſchloſſen, die Vertreterver=
ſammlung wie ſeither alle Jahre, die Hauptverſammlung des
Deutſchen Lehrervereins alle 2 Jahre ſtattfinden zu laſſen. Der
Geſchäftsführende Ausſchuß des Deutſchen Lehrervereins wird ſich
künftig aus 13 Mitgliedern des Berliner Verbandes und 15
Mit=
gliedern der übrigen Verbände zuſammenſetzen.
Kaſſebericht und Voranſchlag für das laufende Geſchäftsjahr
werden nach eingehenden Darlegungen des 1. Schatzmeiſters,
Müller=Berlin, ohne weſentliche Aenderungen angenommen.
Die Wahlen brachten die einſtimmige Wiederwahl des 1.
Vor=
ſitzenden, Schulrat Wolff=Berlin. Die Verſammlung nahm dieſes
Wahlergebnis mit lebhaftem Beifall auf und brachte auch dadurch
zum Ausdruck, wie ſehr ſie dem bewährten Führer des Deutſchen
Lehrervereins zu Dank verpflichtet iſt, daß er in einer Zeit
ſchwerſter wirtſchaftlicher Not und der daraus ſich ergebenden
ſchulpolitiſchen und pädagogiſchen Bedrängnis der Schule auf
ſei=
nem verantwortungsvollen Poſten aushält.
Die nachſtehende
Entſchließung zur Schul= und Beamtenpolitik
wird einſtimmig angenommen:
„Die Vertreterverſammlung des Deutſchen Lehrervereins
ſpricht ihr lebhaftes Bedauern darüber aus, daß das Reich ſeit
Einführung der Verfaſſung außer dem Grundſchulgeſetz in keinem
einzigen Falle von dem Artikel 10 Gebrauch gemacht hat, um die
wichtigſten Schulbeſtimmungen der Reichsverfaſſung
durchzufüh=
ren. Selbſt bei dieſem Geſetz iſt aber der vorgeſehene Abbau
pri=
vater Vorſchulen immer noch nicht erfolgt. In vielen Fällen
könnte das Reich geſetzgeberiſch vorgehen, ohne ſich und die
Län=
der finanziell zu belaſten. Während der Gedanke einer
Verlän=
gerung der Schulpflicht die Oeffentlichkeit ſtark beſchäftigt, iſt in
einer Reihe von Gliedſtaaten des Reiches noch nicht einmal die
achtjährige Volksſchule allgemein durchgeführt. Sehr dringend iſt
auch von Reichs wegen eine Entſcheidung darüber, was unter der
in Artikel 174 erwähnten „beſtehenden Rechtslage” des
Volks=
ſchulweſens in den einzelnen Ländern zu verſtehen iſt, damit nicht
bei jedem Regierungswechſel die Schule in Unruhe verſetzt werden
kann. — Ganz notwendig iſt die Verabſchiedung eines
Reichs=
geſetzes über das Beamtenrecht, das die in der
Reichsver=
faſſung den Beamten und Lehrern zugeſicherten Rechte gegen
jeden Geſinnungsdruck und jede Willkür ſichert.”
Für uns in Heſſen iſt es beſonders bedeutſam, daß der Deutſche
Lehrerverein ſich ebenfalls den vom Heſſiſchen Landeslehrerverein
in der Frage der Aufhebung des Darmſtädter
Päda=
gogiſchen Inſtituts angenommenen Standpunktes zu eigen
machte und in einer Entſchließung dieſe rückſchrittlichen
Beſtrebungen verurteilt. Die
Entſchließung zur Lehrerbildung
hat folgenden Wortlaut:
„Der Deutſche Lehrerverein hat wiederholt die einheitliche
Regelung der Lehrerbildung durch Reichsgeſetz gemäß Art. 143
der R.V. verlangt; Vorbildung auf einer voll ausgebauten
höhe=
ren Schule, berufswiſſenſchaftliche Ausbildung durch mindeſtens
ſechsſemeſtriges Studium auf einer Hochſchule. — Welche
Fol=
gen das Fehlen einer reichsgeſetzlichen
Rege=
lung nach ſich ziehen kann, zeigen die
bedauer=
lichen Vorgänge in Heſſen und Thüringen. — Die
Loslöſung der Lehrerbildung von der Hochſchule (Heſſen) und die
Herabſetzung der Studiendauer von 3 auf 2 Jahre (Thüringen)
haben alle Freunde der Lehrerbildung ſchmerzlich enttäuſcht. Die
Vertreterverſammlung des Deutſchen Lehrervereins wendet ſich
mit Entſchiedenheit gegen die in ſolchen Regelungen zum
Aus=
druck kommenden rückſchrittlichen Beſtrebungen und fordert erneut
eine reichsgeſetzliche Regelung der Lehrerbildung nach den
For=
derungen des Deutſchen Lehrervereins”.
Die Verhandlungen der Vertreterverſammlung wurden kurz
nach 4 Uhr geſchloſſen.
nachtstraum=Verzauberungen leiten über zum Ernſt, da Ulyſſes
Liebe zu Circe ihm, der eben erſt den Gefahren der Sirenen
entronnen, und ſeinen Griechen gefährlich zu werden beginnt,
und klingen aus in Trauer da Circe den geliebten Mann, der ſich
wieder gefunden, ziehen laſſen muß und im Trennungsſchmerz —
Haß war längſt Liebe geworden — zuſammenbricht.
Dieſer Weg iſt künſtleriſch nicht ohne gefährliche Klippen, die
beſonders die Regietechnik bedrohen. Walter Falk der
Spiel=
leiter, dem Gerd Richters Bühnenbilder gut zur Hand gingen,
ward ihrer Herr. Er bot eine Inſzenierung, die geiſtige
Einſtel=
lung auf gutes Niveau hielt, ohne etwa ganz mit Intellekt zu
arbeiten. Selbſt die luſtige Verlegung von Teilen der Handlung
in die Zuſchauerreihen und die Zaubereien und Verwandlungen
auf offener Szene, damit engſte Textverbindung der
Griechen=
handlung mit dem Heute, fanden ſehr glückliche, geſchickte
Lö=
ſungen. Beſonders die geſchickte Herausarbeitung und
Unter=
ſtreichung der dichteriſchen Schönheiten des (weitaus beſten!)
letz=
ten Aktes ſicherten den vollen, ehrlichen und verdienten Erfolg. —
Gegen die Darſtellung ließe ſich einiges ſagen, doch war nichts
ſo verfehlt, daß es unbedingt gerügt werden müßte. Ferdinand
Marians Ulyſſes hätte man eine gefährlichere, verführeriſchere
Circe gewünſcht. Ausgezeichnet waren Fritz Wendel und Heini
Handſchumacher die Träger der grotesken Komik. Das
Zu=
ſammenſpiel flott und minutiös.
Dieſer Calderon verdient es ſich eine Zeitlang auf den
Bühnen zu halten. Wir haben nicht allzu viele „moderne‟
Luſt=
ſpiele, die auch dichteriſchen Wert repräſentieren.
Max Streeſe.
Frankfurker Muſikbrief.
Brecht—Hindemith: „Lehrſtück”.
Neueinſtudierung „Undine‟.
Im Rahmen einer Szenenaufführung der Frankfurter
Opern=
ule wurde Bert Brechts und Paul Hindemiths „Lehrſtück” zum
rſten Male aufgeführt. Der Leiter der Opernſchule,
Ober=
giſſeur Dr. Graf, wies darauf hin, daß es Aufgabe einer
odernen Opernſchule ſei, die Schüler praktiſch auch mit der Oper,
e die Ideen der Zeit verarbeite vertraut zu machen. Dieſe Oper
ſerde wohl auch die Oper der Zukunft ſein. Idee dieſes „
Lehr=
ſcks”: Hilft der Menſch dem Menſchen? Nach Brechts
Demon=
ation nein. Da werden einem kranken Menſchen die
Glied=
aßen abgeſchnitten — ein höchſt äſthetiſcher Genuß — und
hilf=
s laſſen ihn die Mitmenſchen allein. Dieſe Szene auf der Szene,
e als Beweismittel für die Richtigkeit der Behauptung des
Dichters” dient erläutert die eigentliche Haupthandlung: Ein
dlich abgeſtürzter Flieger wendet ſich Rettung heiſchend an
die ihn auffinden. Man will ihm zunächſt Waſſer und ein
iſſen reichen, auf Anordnung eines Mitmenſchen wird das
ſaſſer ausgegoſſen und das Kiſſen zerriſſen. Die moraliſche
ſandlung des Fliegers ſoll ſich vollziehen, damit er dem Tode
Auge ſehen kann. „In ſeiner kleinſten Größe überſteht der
Denkende den Sturm”, allem muß er innerlich entſagt haben um
frei ſterben zu können. Der umſtehende Chor, der die Menſchheit
vertritt bringt ihm dieſe Weisheit bei. — Ein „Lehrſtück” —
nein! Ein armſeliges, gedankenakrobatiſches, faſt kindiſches
Ge=
bilde, zu dem P. Hindemith die Muſik geſchrieben hat. Traurig
nur, daß ein Muſiker von den geſunden Qualitäten P.
Hinde=
miths, der doch einer der wenigen Modernen iſt, der uns wieder
zur Wahrheit in der Kunſt führen könnte, ſich aus naheliegenden
Gründen derart vor den Karren des Zeitgeiſtes ſpannen läßt.
Wieviel nicht nur techniſches Können in dieſem Komponiſten ſteckt,
beweiſt beſchämend die Muſik zu dieſem „Lehrſtück”. — Die
Auf=
führung war regiemäßig (Dr. Graf) glänzend der Chor der
Opern=
ſchule klang prachtvoll und die Leiſtung H. Weigands als Flieger
war von auffallender Innerlichkeit.
Vorangegangen war eine auf die Bühne verlegte Wiedergabe
der muſikaliſch nicht gerade ſehr wertvollen Kaffeekantate von
J S Bach. Daß man nicht einſieht, daß ein derartiges Beginnen
ſtiliſtiſch nicht zu verantworten iſt — die Muſik Bachs verträgt
keine Ablenkung durch Eindrücke der Bühne! — Daß es aber mit
dieſer „künſtleriſchen” Einſtellung ungefähr gleichläuft daß am
Schluſſe der Aufführung eine Reklame von Schepelers Kaffee auf
der Leinwand erſchien (!!) Pekunjäre Gründe ſollen hierfür
maßgebend geweſen ſein. Vielleicht kann eine Aufführung der
Walküre künftig nur durch eine Lichtbildreklame der Preiſe des
Rennbahnkaffees ſaniert werden.
Das Opernhaus hat mit der Neueinſtudierung der „Undine‟
ein gutes Werk, auch der Kaſſe gegenüber getan. Das geſund und
unbeeinflußbar empfindende Publikum, das leider immer noch
nicht laut genug ſich gegen die Verkrampftheit der Opern der Zeit
wehrt, braucht und will derartig primitive Werke. Die
Auffüh=
rung wahrte den romantiſchen Charakter (Regie Scheel, Dirigent
Seidelmann); von den Bühnenbildern L. Siewerts iſt das erſte
und das letzte beſonders hervorzuheben. Soliſtiſch ſtanden der
menſchlich packende Kühleborn R. vom Scheidts und die innerliche
Undine E. Kandts im Mittelpunkt.
D. W. Kn.
— Deutſcher Hotelführer 1931. Verlag „Deutſche Hotel=Nachrichten
ver=
einigt mit Küche und Keller”, Heinr. Eisler, Hamburg 3.
Der Deutſche Hotelführer 1931 iſt nur noch in einem Punkt mit den
Ausgaben der früheren Jahre zu vergleichen: in der vollſtändigen
Auf=
zählung ſämtlicher dem Reichsverband der Deutſchen Hotels,
Reſtau=
rants und verwandter Betriebe e. V. angeſchloſſenen Hotels und
Gaſt=
ſtätten. Der geſamte übrige Inhalt dagegen iſt außerordentlich
erwei=
tert und ſehr viel überſichtlicher gegliedert worden. Während der alte
Hotelführer nur die Bettenzahl erwähnte, gibt der neue auch Auskunft
über die Anzahl der Bäder eines Hauſes, ob fließendes Waſſer
vorhan=
den iſt, führt die Minimal= und Maximalpreiſe für Einzel= und
Doppel=
zimmer nach Qualität und Jahreszeit an, mit und ohne Bad, den
Be=
dienungszuſchlag für Logis, vollen Penſionspreis, wiederum nach
Mini=
mal= und Maximalpreiſen, die Preiſe für die einzelnen Mahlzeiten und
gibt außerdem Auskunft, ob ein Haus mit Zentralheizung,
Zimmer=
telephonen und Fahrſtuhl ausgeſtattet iſt und welche öffentlichen Näume
vorhanden ſind.
Seite 4
Mittwoch, den 27. Mai 1931
Nummer 145.
DARMSTADT-MARKFL UND.
ERNST-LLDMIGS-PLAT
2oroo nane eimes Bombenarikels
MANNLICH
Kaſſierer
in Seide Waschstoffen, Kleider-
stoffen, Weißwaren, Gardinen,
Dekorationsstoffen inbeträchtlichen
Mengen. k 1er ist wieder unglau b- 1O h. Dilliger Kauf ermöglicht! Butst Schuhe zufg!
Herren-, Damen-, Kinder-, Sport- und
Billig! Wander-Schuhe Blillg!
Total-Ausverkauf
Mercedes-Schuhhaus
J. Sauerwein, Elisabethenstraße 25 ¼
(Städt. Läden)
(82561
O
Matratzen- und
Polstermöpel
aller Art
Heinrich Schmidt
der bereits mit dem
Inkaſſo von Wochen
raten beſchäftigt und
ſehr energiſch iſt, zum
Mitinkaſſo v.
Wochen=
raten geſucht. Ang.
u. 8 111 Gſchſt.
Arheilgerstraße 66 (5918a
Werkstätte Heidelbergerstraße 49
Fahrräder
beſte Fabrikate,
auf bequeme
Ratenzahlung.
Donges & Wieſt,
Heinrichſtraße 52.
(7936b)
Guterh. Motorrad
zu kauf. geſ. Ang. m.
Pr. u. Marke u. S 104
Geſchäftsſtelle.
Pflanzenkübel
aus trockenem eich.
Spaltholz m. Anſtr.
in allen Größen.
10%Rab. J. Schanz
Küfermeiſter,
Teich=
hausſtr. 40. (5715a
Opel 4 PS.
4eſitz.,off.,zugel.,verſt.
zu verk., nehme evt.
Motorrad in Zahlung
Ang u. 8 108Geſchſt. ”
Woog, 26. Mai 1931.
Waſſerhöhe 3,90 m.
Luftwärme 24‟ C.
Waſſerwärme
vor=
mittags 7 Uhr 220C.
Woogs=Polizei=Wache:
750 ccm,
B. M. W. Touren,
4000 Km. gelaufen.
preiswert zu verk.
Dieburgerſtr. 19, I.
Gukerhaltene
Mokorwagen
kaufen Sie ſtets
preiswert, auch auf
Teilzahlung
(Garantie)
J. Donges & Wieſt,
Heinrichſtraße 52.
(7935b)
Diri=Wagen
offen od. geſchl., z
kaufen geſucht. Off
u. S. 102 Geſch.
Gebrauchke
Mokorräder
von Mk. 50.— an.
Teilzahlung.
Heinrichſtraße 52,
Werkſtätten. (79341
Lieferwagen
(Dreirad), gebr., zu
kaufen geſ. Prs.=
An=
geb. unt. S 101 Gſch.
Univerſiell=
Dreirad=
Liefer=
wagen
in allerbeſiem
Zuſiand,
ſehr billig
abzugeben
H. Rolenihal
Ludwigsplatz.
(8240)
NSU-Motorrad
350 ccm., mit Soz.=
Sitz ℳ 90.—
Pankratiusſtr. 21
(Laden). — (8264b
Limouſine
13/40, ſehr gut
er=
halt. bill. abzugeb.
Müller & Ober
Rheinſtr. 39, (8261
Laſt=- und
Lieferwag.
Pritſchenwagen
Kaſtenwagen
aller Arten
ſpottbillig.
J. Donges
4 Wieſt
Heinrichſtraße 52.
(7194a)
EXlstenz!
Wir ſuchen für den dortigen Bezirk einen
rührigen Herrn (evtl. Dame) zur
Ueber=
nahme der
General-Vertretung.
Es handelt ſich um eine konkurrenzloſe
Neuheit. (2mal patentamtl. geſchützt). Ohne
Fachkenntniſſe große Umſätze zu erreichen.
Notwendiges Kapital Mk. 1 bis 2000.—
Angebote unter S.90 Geſchäftsſtelle. (6218
können Sie täglich
verdienen durch
den Alleinverkauf
Etwas Kapital erforderlich. Nur kurz
entſchloſſene Herren wollen ſich melden
Handelsagent Johann Imm
Offenbach=Bürgel
Garantiert
lohnende, dauernde
Hornärvert
ScHRTNRE (Heinkähler) 23.-
MAScHINEN 3 Liter . . . 8.50
GLXSER
0.25
TORNEN
0.95
durch
Ueber-
nahme einer
leimstrickerei
Vorkenntnisse
nicht ertorderlich)
Verlangen Sie
Gratts-
prospekt von W.378
Gustav Missen &Co.
Hamburg 6.
Gegründet 1883.
Ton-Butterkühler mit Glaseinsatz, ½ Pfund 0.45
Limonaden-Gläser, optisch .
... 0.30
Zitronen-Pressen . . . .
... . 0.20
Strohhalme, gebleicht . . . . . . . 100 Stück 0.25
Spargel-
Bowlen
Platten, Kocher, Heber
in Kunstglas, Krystall, Schleifgles,
usw. sehr preiswert
Preßglas, Messing sowie Steinzeug usw.
Leiſtungsfähige,
truſtfreie ſüddeutſche
Margarinefabrik
ſucht für Darmſtadt
Der Fruco-Schnell-
Kochtopt
kocht in 10 Min, allie Spelsen.
Viele Dutzende la
Anerken-
nungen aus Darmstadt.
8241
Ludwigs-
I. Hoseninar platz
Umgebung tüch=
tigen, bei der
ein=
ſchlägig. Kundſchaft
gut eingeführten,
ſolventen
Verkreker
Angeb. ſind unter
R. 169 a. d. Verlag
d. Blattes zu richt.
(7910b)
ACHTUNG!
Sichere
Existenz im
Hause!
Gesucht
werden ehrliche
Personen zwecks
Errichtung einer
Maschinen-
Heimstrickerel.
Geboten wird
laufende
Beschäftigung
für uns IV.8023
zu hohen Preisen.
Kein Rislko und
keine Vorkenntnisse
erforderlich.
Verlangen Sle sofort
unverbindl. Ansk.
Pr. IHerstian & Co.
Berlin-Halensee 77
Kurfürstendamm 146
Wir ſuchen
allerorts ſtrebſame
Perſonen f. 1.
Be=
ſchäft. v. d. Wohng.
aus uſw. nach unſ.
Arbeitsunterlagen.
woch.-verdienſ
bis 90 Mark.
Kapital nicht
erfor=
derl. Verdienſt
ſo=
fort. Angeb. unter
222 an die Ann.=
Exped. M. Lückertz,
Münſter i. W.
(TN8180)
mit Ia Ruf zur
Lei=
tung einer
Bera=
tungsſtelle. Anfangs
ev. als Nebenberuf.
Sicheres Einkomm.,
garant, ſtreng reelle
Sache. Näh. Rich.
Müller, München51.
(II.8224)
Ueberall richt, wir
Bez.=Filialen ein u.
ſuchen je eine
zuver=
läſſige Perſon,
Be=
ruf gleich, als
Be=
zirksſtellenleiter. —
Kapit u. Lad. nicht
erf. Dauernd hohes
Eink. Vulkos=
Indu=
ſtrie Trier H. D. 1.
UISS
2.45)
Eriſtenz
geboten für Herren
Klein=Lebens=
Ver=
ſicherung. —
Vor=
värtskommen biet.
wir einigen Herren
durch unſ. bewährte
Werbemethode mit
Zwangsſparuhren
(Monats= u. Woch.
beiträge).
Meldun=
gen Donnerst. vm.
v. 10—12 Uhr Reſt.
Reichshof, Rheinſtr.
(F7849)
Adreſſenſchreiber
geſucht. Poſtfach 2.
Berlin=Steglitz.
Erstklassiger
Eis Fachmann
(Konditor) zur Errichtung einer
Eiskonditorei gesucht.
Offerten mit näheren Angaben
unter R D 941 an die
Geschätts-
stelle d. Blattes erbeten. (8270
Melallwaren-
ſchitent
Stelle einen neuen
Maſſenartikel zur
Verfügung. gegen
irgendeine
Beſchäf=
tigung im Betrieb.
Ang. u. S. 91 Gſchſt
(8219)
—
WEiBLIcK
Lächt. Friſeuſe
per ſof. od. ſpät. geſ.
Hans Strecert
Rheinſtr. 31 (emd
Oe
Schneiderin
und Lehrmädchen für
feine
Damenſchneide=
rei ſofort geſucht
E. Beſt
Ernſt=Ludwigſtr. 15.(
Tüchtiges, ſolides (*
Servierfräulein
geſ. Vorzuſtell. nachm
„Mühltal” ober=Ramſtad
Alleinmädchen mit
Zeugn. geſ. Ernſt=
Ludwigſtr. 18 II.
Berf. Mädchen
(od. Frau), die kocht,
wäſcht, näht, m.prima
Zeugn. vd. Referenz.
in 2 Perſ.=Haushalt,
tagsüb. z. 1. 6. geſ
Hobrechtſtr. 49 (*
zwiſchen 3 u. 5 Uhr.
Fleißiges 9
braves Mädchen
für Geſchäftshaushalt
per ſofort geſucht.
Metzgerei Bädes
Dieburgerſtr. 14 (8248
Fleiß. Mädch, (
ſchul=
frei) vorm. u. mehrere
Male b. n. d. Sp. geſ.
Näh. Geſchäftsſt. (*
Saubere
Skundenfran
od. Mädchen wegen
Wegz. unſerer
ſeit=
herigen in hieſiger
Bäckerei p. 1. Jun
geſucht. Angeb. unt.
S. 79 a. d. Gſchſt.*
Kinderlieb. Mädch.
nicht unt. 10 Jahr.
nachm. z. Ausfahr.
eines kl. Kind. geſ.
eg. klein. Entgelt.
Nah. alt Bahnhof.
Ang. u. S. 71 Gſch.
Jung. Mädchen
3mal 2 Stunden in
er Woche geſucht.
Bauder,
Hindenburgſtr. 49.
I
WElBLICH
Geſchäftst. Fräulein
a. gutbürg. Hauſe,
geſt. auf 1a Zeugn.
u. Ref., ſucht paſſ.
Stelle als Hilfe i.
Geſchäft, ev.
Haus=
halt. Auch firm in
Buchhaltung.
Angeb. unter S. 89
a. d. Geſchſt. (8217
Ehrl., flß. Mädchen
ſucht Stellg. in
Pri=
vat z. 1. Juni, evtl.
tagsüber. Näh. in
der Geſchäftsſtelle.
Frl. hat Tage frei
i. Flicken, Tag 2 ℳ
Ang. u. S. 78 Gſch.*
Mt
Jung. Bautechniker
(Hoch= u. Tiefbau),
flott, Zeichner. mit
erſtkl. Zgn., ſ. Stelle
auch als Volontär,
ev. m.
Intereſſen=
einlage. Ang. unt.
S. 73 a. d. Gſchſt.*
Schneider
18 Jahre, ſucht
Stel=
lung als Hausburſche,
nimmt auch andere
Arbeit an. Ang. unt.
S113a. d Gſchſt. 78252
Haben Sie gut geschlafen?
Diese überflüssige Frage brauchen Sie nicht
zustellen, wenn Sie Ihre Federbetten reinlgen
und aufdämpfen und Matratzen neu- und
aufarbeiten lassen bei
au5sa
Friedrich Eigenbrodt
Karlstr. 66 a. d. Annastr. und Herdweg 18, Fernruf 1692
Verſäumen Sie nicht
dieſe günſtige
Kauf=
gelegenheit!
1 Herrenzimmer mit
160 cm br. Schrank
in Eiche mit poliert.
Türen, kompl. RM.
595.—, 1Schreibtiſch,
nußb, poliert, RM.
25 —, 1
Küchen=
ſchrank, 21ürig, RM.
40.—, 1Küche,
natur=
laſiert, RM. 225.—
Gg. Mederle
Schreinermeiſter,
Bleichſtraße 27. (8263
2 gebr.
Nähmaſchi=
ten preiswert zu
verk. Alexanderſtr.
Nr. 17½, Laden.
Für Gartenbeſitzer!
Große gute Zink=
Badewanne zu vk.*
Karlſtr. 73. Hth. I
Hochapartes
Speiſe=
dinnter
eiche mit
nuß=
baum. Büfett m.
Vitrinenaufſatz,
Kredenz Zugtiſch
n. Polſterſtühle.
Nur Mua
Mk. 525.-
Möbel=
Müller
Harlsstr. 47/49.1-
Vergiß die Räder
nicht zu schmieren!
Sonsk rosten sie"
drun: inserteren!
und soar im
erfolg-
bringenden Darm-
Addter Tasbiadt
DARMSTADT-OAHNSTR.4
FERNRUF:5949
Erstklassige Ausführung
in Herren-Stärkewäsche,
Damen- u. Haushaltungs-Wäsche.
Annahmestellen in allen Stadtteilen,
283a
Der Landwirtſchaftskammer=Ausſchuß
für Starkenburg teilt mit, daß die am
Freitag, den 29. Mai 1931,
in Darmſtadt (Pferdemarktplatz)
vor=
geſehene Verſteigerung von
Herdbuch=
bullen und Ebern wegen Maul= und
Klauenſeuche nicht ſtattfindet. (8235
Am Donnerstag, den 28. Mai
1931, nachmittags 3 Uhr, verſteigere
ich in meinem Verſteigerungslokal
Luiſen=
ſtraße 32 zwangsweiſe meiſtbietend
(8262
gegen Barzahlung:
1 Schreibtiſch, 1 Abbiegemaſchine, ein
Motorrad, 1 Bücherſchrank, 1
Rauch=
tiſch, 1 Backenſeſſel, 1 Schreibmaſchine,
1 Klavier,1 Uhr, ſowie Möbel aller Art,
Darmſtadt; den 27. Mai 1931.
Jung
Stellv. des Gerichtsvollziehers Weinheimer
in Darmſtadt
Helkene
Gelegenhen.
echt Silber, ſchwer
2 Meſſer Gabeln,
Löffel, Deſſertmeſſer
u. =gabeln,
Kaffee=
löffel 74 Teile,
nur Mk. 240.—.
Kurk
Rheinſtraße 22. (*
Schlafzimmer
mit Nußb. abgeſetzt
nur 525.— Teilz.”
Odenw. Möbelhaus
Eſchollbrückerſtr. 18
Gebr. Roederherd,
links, billigſt
abzu=
geben. —
Schützen=
ſtraße 12,
Hinter=
bau, parterre. (*
Ea.8000 Plattziegel.
ev. ganz. Dachſtuhl
(19X8 m) u. Fenſter
zu verkaufen.
Die=
burgerſtraße 80. (
Ein faſt neues
baddelboof
mit Kiſſen, Kolter
kompl. unter günſt.
Beding. zu verkauf.
Griesheim b. Dſt.
Ludwigſtraße 56.
(8253)
d.- u. hr. Rad
neu. bill. zu vkf.
Soderſtraße 59.
Rohrplattenkoffer,
faſt neu, preiswert
abzugeben. Koop,
Liebfrauenſtr. 93, II
Leere Kiſten
laufend bill. abzug.
Eliſabethenſtr. 44,
Mittelbau.
5-Zim. Haus!
Im
Johannesvier=
tel iſt ein ſchönes
4X5=Zim.=Haus m.
Bad. Vor= u. größ.
Rückgarten ſof. zu
verkaufen und nach
Vereinbarung z.
be=
ziehen. Angeb. unt.
S. 92 a. d. Geſchſt.
(8242)
Grundſtück zu kauf.
geſucht. Ang. unt.
S. 38 a. d. Gſchſt.*
Die beiden
jung. Herren,
die den ſchwarzen
Hutkoffer am 23. 5.
nachm. in d. Nähe
des alt. Bahnhofs
aufhoben, werd.
ge=
beten, ihn ſofort im
Fundbüro.
Hügel=
ſtraße, abzugeben.
Belohng. zugeſich.
Nummer 145
Mittwoch, den 27. Mai=1931
Seite 5
Aus der Landeshauplftaut.
Darmſtadt, den 27. Mai 1931.
Sichäd Kchdäf N S tundde Bi F e
n 21. Mai: der Amtsarzt Medizinalrat Dr. med. Friedrich
och in Worms unter Belaſſung ſeiner Amtsbezeichnung „
Medi=
z nalrat” zum Kreisarzt des Kreisgeſundheitsamts Schotten und
der Anſtaltsarzt Medizinalrat Dr. Fritz Hofmann in Gießen
„iter Belaſſung ſeiner Amtsbezeichnung als „Medizinalrat” zum
Amtsarzt bei dem Kreisgeſundheitsamt Worms, beide mit
Wir=
fung vom 1. Juni 1931; die Vermeſſungsreferendare
Diplom=
genieure Kurt Foltz, Walter Herbert, Heinrich
Kuhl=
ann, Ludwig Weckerle, ſämtlich in Darmſtadt, zu
Vermeſ=
ſungsaſſeſſoren.
Berufs=Vereinigung evangel. Hausangeſtellten. Die
evan=
geliſchen Hausangeſtellten der einzelnen Jugendbünde haben ſich
im März dieſes Jahres zuſammengeſchloſſen. Alle Richtungen
haben ſich an dem Zuſammenſchluß beteiligt, und zwar
Reichsver=
band ev., weiblicher Jugend, Stadtmiſſion e. V., Verein
Freun=
dinnen junger Mädchen, Sonntags=Verein, Bund deutſcher
Ju=
gend. Die Hausangeſtellten der Gemeinde=Vereine, die ſich
viel=
l icht noch nicht beteiligt haben, desgl. alleinſtehende ev.
Haus=
angeſtellte, ſeien beſonders auf die erſte Zuſammenkunft der
Haus=
arigeſtellten hingewieſen, die am Donnerstag, den 28. Mai, um
92 Uhr im Freundinnen=Heim ſtattfindet. Dort wird Frau
Weiße das Kochen der friſchen Gemüſe nach neueſter Art
vor=
fähren. Durch ſolche Abende wird das techniſche Können der
Mädchen gefördert, außerdem erfahren die Mädchen bei dem
Zu=
mmenſein, daß ſie nicht alleinſtehen, ſondern daß hier viele
Mädchen in gleicher Lage ſind und helfende Hände finden, die ſich
eines im Hausberuf alleinſtehenden Mädchens annehmen. Schon
jetzt wird darauf hingewieſen, daß Anfang Juni Frl. Fielitz,
Burkhard=Haus, Berlin, die Schöpferin des ev. Hausangeſtellten=
Perbandes, nach Darmſtadt kommt und den Mädchen einen
Abend widmen wird, desgl. daß die Mädchengruppe des
Freun=
drnnen=Vereins an dem Jahresfeſt auf der Orbishöhe teilnehmen
will. Alle näheren Einzelheiten werden Donnerstag bekannt
ge=
geben und durchgeſprochen.
Turngemeinde 1846 — Schwimm=Abteilung. Die
Turn=
gemeinde 1846 — Schwimmabteilung hat mit dem Beginn dieſer
Woche ihren Schwimmbetrieb vom Hallenbad an den großen Woog
verlegt. Die Uebungszeiten für die Vereine der D. T. finden
regelmäßig Montags und Donnerstags, ab 5.30 Uhr. am Woog
fatt. Die Turngemeinde 1846 beginnt am Donnerstag, den
B. Mai. Während des Sommers iſt jedoch auch Mittwochs,
abbends von 8 bis 9 Uhr, im Hallenbad (große Halle) Gelegenheit,
las Schwimmen auszuüben. Eigentlicher Auftakt für den Beginn
icres Sommerbetriebs bildet ein gemeinſamer Ausflug der
Turn=
gemeinde 1846 — Schwimmabteilung am Sonntag, den 31. Mai,
ach dem Mineral=Naturbad im Stettbacher Tal bei Jugenheim.
Die Anlage des Bades mit ſeinem mächtigen Sprungturm, einer
7D=Meter=Bahn und einer Plantſchgelegenheit läßt es auch zu,
dort=
ſ=lbſt ſchwimmeriſche Veranſtaltungen aller Art auszuführen. Die
Schwimmabteilung der Turngemeinde 1846 wird dort am
Sonn=
tmg nachmittag einige ſchwimmeriſche Darbietungen bringen.
Näheres wird noch bekanntgegeben. Alle Mitglieder der
Turn=
temeinde und deren Freunde werden zu recht zahlreicher
Betei=
ſägung eingeladen. Treffpunkt und Abmarſchzeit wird ebenfalls
roch mitgeteilt.
B.
— Die Gefahren des Badens an unbeaufſichtigten und
ver=
otenen Stellen. Die herannahende Sommerzeit mit ihrem
um=
ſngreichen Freibadebetrieb läßt es angezeigt erſcheinen, auf die
Sefahren hinzuweiſen, die mit dem Baden an unbeaufſichtigten
und verbotenen Stellen verknüpft ſind. Es muß dringend vor der
Benutzung ſolcher Stellen zum Baden gewarnt werden. Der
Man=
gel an Hilfseinrichtungen, plötzliche Tiefen im Flußbett,
Ver=
ſuumpfung und Verkrautung des Bodens Steilheit des Ufers uſw.
reben häufig Anlaß zu Unglücksfällen, die in den letzten Jahren
Einen erheblichen Umfang angenommen haben. Aufgeſtellte
War=
mungs= und Verbotstafeln, die auf die Gefährlichkeit des Badens
an der betreffenden Stelle hinweiſen, müſſen durchaus beachtet
werden.
— Orpheum. Hulla di Bulla”, Schwank in drei Akten
von Arnold und Bach, in der ausgezeichneten Aufführung des
Entimen Theaters Nürnberg bleibt nur noch drei
age auf dem Spielplan, Darmſtädter Tagblatt” ſagt:
Die Aufführung in der Nürnberger Beſetzung iſt ausgezeichnet.
wirkſame Aufführung, die für die warmen Tage beſonders
ange=
raten ſei; man vergißt vor Lachen nämlich, zu ſchwitzen!‟ Das
Drpheum iſt gut ventiliert, ſo daß die Hitze gar nicht läſtig
emp=
nunden wird. Es gelten kleine Preiſe von 1 Mk. an
Vorver=
hauf: Verkehrsbüro und Hugo de Waal. Für telephoniſche
Beſtel=
rungen Kaſſaruf 389.
— Volkshochſchule. Als Abſchluß unſerer
Vogelſtimmenwan=
gerungen findet am Samstag, dem 30. Mai eine Führung im
Seſſiſchen Landesmuſeum, Abteilung Vögel, ſtatt, unter Leitung
ſoes Herrn Vonderheit. Die Teilnehmer treffen ſich um 16 Uhr
im Oſtportal des Muſeums, dem Theater gegenüber. Gebühren
„verden nicht erhoben.
Bibelabend im Chriſtlichen Verein Junger Männer,
Alexan=
verſtraße 22 (Inf.=Kaſerne). Der Menſchen Plan? Gottes Plan!”
Iſt das Thema der heutigen Bibelbeſprechung. Wir laden zu der
Stunde heute, abends 8.30 Uhr, jedermann herzlich ein.
Heſſiſches Landeskheaker.
Großes Haus Kleines Haus Mittwoch,27. Mai Mi7 Mie
Turandot
H12, Bühnenvolksbund
Preiſe 1—10 Mk Keine Vorſtellung Donnerstag,
28. Mat 19,30. Ende gegen 22.30 Uhr
Pentheſileg
E 25, T Gr. 6, 7 u. 8
Preiſe 1—10 Mr. 19.30—22 Uhr
Ariadne auf Naxos
Zuſ.=M. VI, 14 T, Gr. 1u.2
Preiſe 1 50—7.50 Mk. Freitag,
29. Mai 19.30, Ende gegen 22.30 Uhr
Penthefileg
D 24. T, Gr. 3, 4 u. 5
Preiſe 1—10 Mr. Keine Vorſtellung Samstag,
30. Mai 20—22.30 Uhr
Im weißen Nößl
Außer Miete
Halbe Preiſe 0.60—3 Mk. 19.30—32 Uhr
Ariadne auf Naxo3
Zuſatzmiete V.14
Preiſe 1.50—7.50 Mk. Sonntag;
31. Mai 17—22 Uhr
Parſival
K18 Bühnenvolksbund
Preiſe 1.20—12 Mk. 20—22,15 Uhr
Der Kaiſer von Amerika
Außer Miete
Halbe Preiſe 0.60—3 Mk.
Heſſiſches Landestheater. Puccinis Oper „Turandot”
wird heute. Mittwoch, im Großen Haus, unter muſikaliſcher
Lei=
tung von Karl Maria Zwißler, mit Anita Mitrovic in der
Titel=
wartie und Sattler, Kienzl, Lohmann, Heyer, Spira, Vogt, Kuhn,
Schocke in den übrigen Hauptrollen in Szene gehen. — Kleiſts
Trauerſpiel „Phentheſilea” wird in der Inſzenierung von
Darl Ebert morgen, Donnerstag, und übermorgen, Freitag, im
(broßen Haus wiederholt. — Spielplanänderung. Infolge
einer Dispoſitionsänderung der Bergner=Tournee hat Frau
Eli=
abeth Bergner leider das in Ausſicht genommene Darmſtädter
Haſtſpiel mit der Komödie „Amphitruon 38” abſagen müſſen.
Daher wird wie urſprünglich vorgeſehen am Samstag, den
30. Mai, im Großen Haus „Das weiße Rößl” Sonntag, den
31. Mai, im Kleinen Haus „Der Kaiſer von Amerika”
Segeben. — Carl Werckshagen, der Dramaturg des
Heſſi=
ſichen Landestheaters, wurde von Direktor Robert Volkner für die
Spielzeit 1931/32 als Dramaturg für Schauſpiel und Oper an das
Neue deutſche Theater in Prag verpflichtet.
Die Anruhen in Heſſen im Jahre 1848.
„Alk=Darmſtadt”, Berein für Ortsgeſchichle und Heimalkunde. (332. Beranſtalkung.)
Zu Eingang des Vortragsabends berichtete der „Protokoller”,
Herr Hugo Stieſi, „der Aeltere”, über den ſtattgehabten
traditionellen Waldrundgang der „Alt=Darmſtädter” am
Himmel=
fahrtsmorgen, der diesmal unter der Führung von Herrn Förſter
Hermann Klipſtein, auf allerlei verborgenen Waldpfaden „rings
um die Ludwigshöhe” gegangen war, und zu dem ſich eine
ſtatt=
liche Teilnehmerzahl eingefunden hatte.
Als Redner des Vortragsabends ſprach Herr Regierungsrat
F. Reuter über „Die Unruhen in Heſſen im Jahre
18 48‟. Der geſchätzte Redner führte unter anderem folgendes aus:
„Vor allem möchte ich Ihnen darlegen, wie ich, ein friedlich
geſinnter Staatsbürger, dazu komme, über die Unruhen von 1848
zu ſprechen. Nachhaltige Eindrücke, die ich noch aus meiner
frühe=
ſten Jugendzeit herübergenommen habe, die ſich bei einem
Antur=
nen der Turngemeinde vor nunmehr 69 Jahren ereigneten, wo der
erſte Sprecher der Turngemeinde, Kupferdrucker Heinrich
Fel=
ſing, vor den verſammelten Turnern ſprach, und ich mit meinem
Vater dieſer Feier beiwohnen durfte, gaben mir die Quellen zu
meinem Vortrag.
Die Turner wurden ebenſo wie die Burſchenſchafter nach den
Befreiungskriegen 1813 und 1815 als ſtaatsfeindlich angeſehen,
weil ſie für ein einheitliches Deutſchland eintraten. Obwohl
im=
mer wieder erklärt wurde, daß Turnen mit der Politik nichts zu
tun habe, wurden die Turner als ſtaatsfeindliche Elemente
ange=
ſehen, und man ging ſoweit, daß man das Turnen ſogar in den
Schulen verbot. — In den Verhandlungen des 1844er Landtags
ſpiegelte ſich bereits der Kampf der Ideen; und in
Uebereinſtim=
mung hiermit häuften ſich die polizeilichen Maßregeln gegen die
Wirkſamkeit der Preſſe. Insbeſondere drang man in dieſem Jahre
auf die Verbeſſerung des Gerichtsweſens. Anlaß hierzu gab die
Angelegenheit des in Unterſuchungshaft verſtorbenen Pfarrers
Weidig.
Ein neues Polizeiſtrafgeſetz, gegen das ſich insbeſondere die
öffentliche Meinung in Rheinheſſen ſtellte, weil es die rheiniſche
Geſetzgebung bedrohte, wurde von der Regierung durchgeſetzt.
In Mainz war die Aufregung infolge des Bedrohtſeins der
rheiniſchen Geſetzgebung derart geſtiegen, daß ſich die Regierung
zur polizeilichen Einſchreitung gegen die dortigen
Bürgerverſamm=
lungen veranlaßt ſah.
Um die freie Meinungsäußerung durch Wort, Schrift,
Druck=
ſchriften zu unterbinden, war die Zenſur eingeführt. Die
Bevöl=
kerung als Volk zu bezeichnen war verboten. Das Wort Freiheit
zu gebrauchen, war nicht erlaubt, und wer bei dem aus über 30
Einzelſtaaten beſtehenden Deutſchland für ein einheitliches
Vater=
land ſchwärmte, war ſtaatsfeindlicher Umtriebe verdächtig.
Als in Paris am 2. Februar 1848 das Königtum geſtürzt
worden war, gingen die politiſchen Wellen auch nach Deutſchland
über. Veranlaßt durch die gänzliche Mißachtung der öffentlichen
Meinung ſeitens der Regierungsorgane.
Der Preſſe war nicht die mindeſte freie Bewegung geſtattet.
Willkür in der Verwaltung war ein lebhafter Gegenſtand der
Klage. Die Handhabung der Gerichtseinrichtungen hatte das
Ver=
trauen auf die Staatsrechtspflege aufs tiefſte erſchüttert.
Es war daher nicht zu verwundern, daß eine fieberhafte
Be=
wegung in allen deutſchen Ländern ſich zeigte.
In Darmſtadt wurden die Ereigniſſe am 23. Februar abends
durch die Zeitungen bekanntgegeben. Ein eigentümliches
Zu=
ſammentreffen zwiſchen meteorologiſchen und politiſchen
Ereigniſ=
ſen iſt an jenem Tage feſtzuſtellen.
Der Weſtwind, der den Frühling verkündete, wuchs am
Nach=
mittag dieſes Sonntags zu einem furchtbaren Sturm. Zahlreiche
p. Ermäßigung der Fahrpreiſe im Bodenſeeſchiffsverkehr.
Vom 1. Juni ab werden die 1. Platz=Preiſe erheblich zurückgeſetzt,
während für die 2. Platz=Rückfahrkarten eine kleine Erhöhung
eintritt. Für bis 15 Perſonen berechnete Geſellſchaftsreiſen wird
ebenfalls Preisermäßigung bis zu 40 Prozent gewährt.
Verſuchs=
weiſe werden ferner 3 Monate gültige Fahrſcheine für Familien
mit 60 Coupons bis zu 30 Fr. und 22 Fr. 50 Rp. ausgegeben.
Dieſe Fahrſchſeine bringen gegenüber einfachen eine Ermäßigung,
die für 2. Platz 25 Prozent ausmacht.
p. Erleichterungen bei der Sondergebäudeſteuer. In Nr. 114
vom 25. April wurde über die vom heſſiſchen Finanzminiſter den
Finanzämtern erteilten Anweiſungen berichtet. Der in Ziffer
1—3 daſelbſt enthaltene Tatbeſtand ſetzt rechtzeitige
An=
tragſtellung beim Finanzamt voraus. Dieſe letztere wird
gerade oft ſeitens der Steuerpflichtigen aus Unkenntnis verſäumt.
Der preußiſche Erlaß betr. Hauszinsſteuer vom 28. Oktober 1927
erläutert nun auch die Behandlung verſpäteter
Er=
mäßigungsanträge. Der Miniſter hat dort angeordnet,
daß auch derartigen Anträgen aus Billigkeitsgründen
nachgekommen werden kann, ohne daß ein Rechtsanſpruch auf die
Ermäßigung mehr beſteht und ohne daß die Maßnahme
rückwir=
kende Kraft bezüglich geleiſteter Zahlungen hat. Gegen die
Ablehnung eines ſolchen Antrags wäre ein Rechtsmittel nicht
gegeben. Dieſe Sachbehandlung dürfte ſich auch in Heſſen
empfehlen.
Warnung vor einer Schwindlerin. Eine Schwindlerin
ſpricht in Darmſtadt bei alleinſtehenden Damen vor und bittet um
Zuweiſung von Näharbeiten, um ſich damit etwas verdienen zu
können. Im Laufe der Unterhaltung kommt ſie ganz von ihrem
Begehren ab und hält um Geld an. Auf Befragen gibt ſie auch
irgendeinen Namen und eine Wohnung an Bei näherer
Nach=
prüfung ſtellt es ſich heraus, daß Name und Wohnung falſch
ange=
geben ſind.
Spaziergänger hatte das Frühlingswetter hinausgelockt, die aber
dann vor dem immer mehr wachſenden Orkan ſich in Hotels und
Wirtſchaften flüchten mußten. Der Sturm warf die Schornſteine
dutzendweiſe von den Dächern, und in der damals neu angelegten
Georgenſtraße hatte er beſonders ſtark gehauſt. Dieſer Sturmwind
konnte als Anzeichen dafür angeſehen werden, was folgen würde.
In den erſten Tagen des März waren die Ideale der
Revo=
lution bereits in ganz Süddeutſchland bekannt, man forderte
allenthalben Volksbewaffnung, Deutſches Parlament, Vereins=
und Verſammlungsrecht, Preſſefreiheit, Schwurgerichte und
Münd=
lichkeit und Oeffentlichkeit des gerichtlichen Verfahrens
Am 7. März brandete die Woge ſchon bis zum Sitzungsſaal
der heſſiſchen Zweiten Kammer, in der ein von den Abgeordneten
Reh und Gagern geſtellter Antrag auf „Kräftigung des Deutſchen
Bundes” zur Beratung ſtatt. Ein gleicher Antrag auf Wechſel der
Regierung war geſtellt worden
Eine von hunderten von Bürgern unterzeichnete Adreſſe, die
am gleichen Tage im Saale des „Trauben” beſchloſſen worden
war, forderte dasſelbe. Aus Mainz, Offenbach, Gießen kamen
gleichlautende Adreſſen. Die Loſung lautete: Abdankung des
Großherzogs und ein Miniſterium Gagern. Im Laufe des
fol=
genden Nachmittags hatte ſich die Nachricht verbreitet, daß der
Erbgroßherzog von München zurückkehre, woer zu Beſuch weilte. Nun
eilten die Darmſtädter in hellen Haufen zum Main=Neckar=Bahnhof.
Hier wurde der Erbgroßherzog von einer Abordnung aus
Bürger=
kreiſen empfangen und zum Palais geleitet. Am Abend fand im
„Traubenſaal” eine große Bürgerverſammlung ſtatt, in der eine
beſondere Adreſſe der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt
be=
ſchloſſen wurde. Nach Schluß der Verſammlung zogen die Bürger
vor die Wohnungen der Abgeordneten, und in den Straßen
er=
klangen Lieder, wie „Die Wacht am Rhein”, „Brüder reicht die
Hand zum Bunde”, „Hinaus mit frohem hellem Klang”, uſw.
Montag, der 6. März, gehört zu den wichtigſten Tagen in der
heſſiſchen Geſchichte. Darmſtadt zeigte ein vollſtändig verändertes
Bild. Die Menge ſtaute ſich auf dem Luiſenplatz, und mit dem
Gruße „Guten Tag Bürger” begrüßte man ſich. Flugblätter
flogen aus den Fenſtern des Miniſteriums, die von der Menge
freudig aufgefangen wurden, die das von Gagern gegengezeichnete
Edikt vom 6. März enthielten
Im weiteren ging der Redner auf die Bewegung auf dem
Lande ein. Ferner auf den ſogenannten „Frankfurter Putſch” auf
den Einfall Struves ins badiſche Oberland, und gab ein Bild der
Verfaſſung aus jenen Tagen
Es war ein in großen Umriſſen gezeichnetes Bild vom
Wer=
den des kommenden Deutſchlands und den Urſprüngen bei uns im
Heſſenlande.
Der groß angelegte Vortrag wurde mit reichem Beifall
ent=
gegengenommen, an den ſich eine lebhafte Ausſprache anſchloß;
woran ſich die Herren Rentner Louis Geiſt, der mit
Jugend=
erinnerungen aufwartete. Herr Buchhändler Saeng ſenior, Herr
Dr. Diery, Herr Rudolf Anton, ſowie Frau Hauptmann Hoffmann,
die einen wertvollen Brief an ihren verſtorbenen Vater aus jenen
Tagen zur Verleſung brachte, beteiligten.
Der Vorſitzende, Herr Philipp. Weber, ſchloß mit
herz=
lichen Dankesworten an den Redner des Abends die
Verſamm=
lung und brachte noch einige zeitgeſchichtliche Gedichte und Lieder,
wie das „Klobenlied”, eine Dichtung auf Hecker, u. a. zur
Vor=
leſung, die ein Schlaglicht auf die Geſchichte jener Tage warfen.
Nächſte Veranſtaltung am 4. Juni: Vortrag von Herrn
Rudolf Anton über: „Was uns die Gräber
berühm=
ter Perſönlichkeiten auf dem Darmſtädter
Fried=
hoferzählen.”
Verein der Freunde des Heſſiſchen Landeskheakers.
Auf die Nachricht von der Berufung Profeſſor Eberts nach
Berlin hat ſich auch der Vorſtand des Vereins der Freunde des
Heſſiſchen Landestheaters mit den Fragen befaßt, die durch dieſe
Berufung für unſer Theater ausgelöſt werden. Der Vorſtand
be=
dauert den Weggang Profeſſor Eberts ſehr; er gedenkt der
be=
deutenden, von nachhaltigem Erfolg für den künſtleriſchen Ruf
unſerer Stadt begleiteten Theaterleiſtungen der letzten Jahre; er
gedenkt mit beſonderer Dankbarkeit der Anteilnahme des
Inten=
danten an den Beſtrebungen und Veranſtaltungen des Vereins,
der gegründet wurde, ein wohlmeinender Mittler zwiſchen Theater
und theaterfreundlicher Bevölkerung zu ſein.
Eben aus dieſer Beſtimmung erwächſt dem Vorſtand die
Pflicht, auch in dieſem Augenblick, an dem die beiden
beſtimmen=
den und verantwortlichen Leiter unſeres Landestheaters zu
er=
ſetzen ſind, die berechtigten Wünſche der hieſigen Theaterfreunde
nachdrücklich auszuſprechen. Er tut dies in folgender, einmütig
gefaßter Entſchließung:
„Der Vorſtand des Vereins der Freunde des Heſſiſchen
Lap=
destheaters mißt der bevorſtehenden Wahl eines neuen
Inten=
danten die allergrößte, vielleicht entſcheidende Bedeutung für
Zu=
kunft und Fortbeſtand unſeres Landestheaters bei. Er iſt der
Ueberzeugung, daß der berechtigten Sorge um das umkämpfte und
gefährdete Inſtitut nur Genüge getan iſt: wenn der neue
Inten=
dant nicht nur gewillt, ſondern auch fähig iſt, den Ruf des
Heſſi=
ſchen Landestheaters als einer Stätte hoher und eigenartiger
künſtleriſcher Arbeit zu wahren; wenn er weiter durch keine
Bin=
dung an weltanſchauliche oder parteiliche Dogmen in ſeiner
künſtleriſchen Tätigkeit gehemmt iſt; wenn ſeine bisherige
Tätig=
keit die Gewähr bietet, daß er die beiden Zweige theatraliſcher
Kunſt, Oper und Schauſpiel, beherrſcht, und ſchließlich Verſtändnis
zeigt für die notwendigen Beſchränkungen, die ihm eine Notzeit
auferlegt.”
Der Verein der Freunde des Heſſiſchen Landestheaters, iſt
überzeugt, daß jede Abweichung von dieſen Forderungen
verhäng=
nisvoll werden muß für ein Inſtitut, deſſen künſtleriſche Arbeit
und kulturelle Sendung dem Lande Heſſen und der Stadt
Darm=
ſtadt nicht geringe, aber auch nicht unbegrenzte Opfer wert ſind.
Betrüger in Förſtersuniform feſtgenommen. Am 21. Mal
1931 wurde in Hanau der angebliche Förſter Willy Weih, geb.
am 23. Februar 1894 in Rudolſtadt, wegen Unterſtützungsbetrugs
feſtgenommen. Er ſprach bei einem in Hanau wohnhaften Jäger
vor und bat um eine Unterſtützung, da er angeblich ſeine
Brief=
taſche verloren habe. Er gab an, von Kirberg im Tanus zu
kom=
men, woſelbſt er einen Hund, welchen er mit ſich führte, abgeholt
habe. Ueber die Herkunft des Hundes verweigert er jede
An=
gabe. Es beſteht die Vermutung, daß er den Hund irgendwo
er=
ſchwindelt oder geſtohlen hat. Weih führte eine Anzahl Adreſſen
von bekannten Förſtern und Jägern der näheren Umgebung, wie
Frankfurt a. M., Offenbach, Darmſtadt, Wiesbaden, Friedberg,
Bad=Nauheim und Mainz bei ſich, die er aller Wahrſcheinlichkeit
nach um Unterſtützung angegangen hat oder angehen wollte.
Außerdem hat er auch noch Aufzeichnungen über Namen von
Jägern aus anderen Gegenden Deutſchlands, wie Stuttgart,
Karlsruhe, Mannheim, Worms Düſſeldorf, Dortmund, Köln,
Kaſſel. Hamburg, Bremen, Berlin, Stettin und Breslau in
ſei=
nem Beſitz, ſo daß die Annahme nicht unbegründet erſcheint, daß
er auch ſonſt Betrügereien begangen hat.
Perſonenbeſchrez=
bung: 1,77 Meter groß, kräftig, rotblondes Haar, kurz
geſchni=
ten, hat rotblonden geſtutzten Schnurrbart, hat an der linken
Backe drei kleine Warzen, trägt Augengläſer, ferner iſt er mit
einer kompletten Förſtersuniform bekleidet. Beſchreibung
des Hundes: Hündin mittleren Schlages, 1—1½ Jahre alt,
Pudelpointer (Griffon), eisgrau, braunen Kopf und Behang,
rechte Vorderhand braun, braunes Blatt, ebenſo braunen Rücken
und linke Hinterhand Perſonen, die durch den vorſtehend
beſchrie=
benen Betrüger geſchädigt worden ſind, oder hinſichtlich des
Hun=
des, den er im Beſitz hatte, Angaben machen können, werden
er=
ſucht, umgehend der Kriminalpolizei Darmſtadt, Hügelſtr. 31/33,
Zimmer 3. Nachricht zu geben.
hrt bei Störungen der Verdauungs- und Harnorgane und bei Stoftwechselkrankheiten
Dlabetes)
Brunnenschriften durch das Fachlnger Zentralbüro,
Berlin108 W2, Wilhelmstr. 38- Erhältllch in Fiineralwasserhandlungen, Apotheken, Drogerlen wawe
sowie bai-Prtedrich -Schaefer, Darmstadt, Ludwigsplatz 7, Telefon 45
Seite 6
Mittwoch, den 27. Mai 1931
Nummer 145
Die deutſche überſeeiſche Auswanderung
über deutſche und fremde Häfen im Kalenderjahre 1930.
Nach der im „Nachrichtenblatt der Reichsſtelle für das
Auswan=
derungsweſen” veröffentlichten amtlichen Darſtellung aus der Zeitſchrift
„Wirtſchaft und Statiſtik” haben im Kalenderjahre 1930 nach den
vor=
läufigen Ergebniſſen 37 085 Deutſche die Heimat mit überſeeiſchem
Reiſe=
ziel verlaſſen. Unter der Geſamtzahl waren 19 816 oder 53,4 v. H.
männlichen und 17 269 oder 46,6 v.H. weiblichen Geſchlechts.
Einſchließlich der Auswanderung Deutſcher über Antwerpen
dürf=
ten im Jahre 1930 rund 37 300 Deutſche nach überſeeiſchen Ländern
aus=
gewandert ſein. Gegenüber den Vorjahren ſind ausgewandert:
Abnahme gegen das Vorjahr
Perſonen
im Jahre
abſolut
Prozent
61379
1927
57 241
1928 „
48 734
1929
1930 „ „ „ rd. 37 300
Die Haupturſache für den fortſchreitenden Rückgang der überſeeiſchen
Auswanderungszahlen liegt weniger in einem Nachlaſſen des
Auswan=
derungsdranges, als vielmehr in den immer mehr verſchärften
Einwan=
derungsbeſtimmungen der Haupteinwanderungsländer, vor allem der
Vereinigten Staaten von Amerika, Argentiniens, Braſiliens und
Ka=
nadas. So haben die Vereinigten Staaten zum Schutze des
einheimi=
ſchen Arbeitsmarktes nach neueſten Meldungen das Kontingent aller zur
Einwanderung zugelaſſenen Staaten für zwei Jahre auf nur 10 v.H.
der ſeit dem Juli 1929 geltenden Quoten herabgeſetzt. (Deutſchlands
Quote war auf rd. 25000 Perſonen feſtgeſetzt), als Folge der von der
Arbeiterunion (American Federation of Labour) und anderer Stellen
entwickelten Propaganda. Argentinien erhebt ab 1. Januar 1931 für
die Viſierung der Päſſe von Einwanderern durch die Konſulate 33
Gold=
peſos, das ſind rd. 129 RM., Braſilien, Kanada und Auſtralien
verbie=
ten zeitweiſe jede Einwanderung. Kuba ſetzte für Deutſchland eine Quote
von 100 Perſonen jährlich feſt.
Auf die einzelnen Häfen verteilen ſich die deutſchen Auswanderer in
den letzten drei Jahren folgendermaßen:
Die Auswanderung über Hamburg ging demnach ſtärker zurück als
über Bremen und erreichte im letzten Jahre den tiefſten Stand ſeit dem
Kriege. — Von der Geſamtzahl der Auswanderer gingen im Jahre
1930 25 073 (67,61 Prozent) nach den Vereinigten Staaten von Amerika,
4575 (12,34 Prozent) nach Britiſch=Nordamerika (Kanada); an dritter
Stelle ſtand Argentinien mit 2933 (7,91 Prozent). Der Reſt verteilte ſich
auf andere Länder.
— Helia=Theater. Ein ganz beſonderes filmiſches Ereignis
für Darmſtadt iſt die heutige Premiere der „Dreigroſchenoper”
des größten deutſchen Bühnenerfolges als Tonfilm. Frei nach
Bert Brecht und mit der Originalmuſik von Kurt Weil, unter der
Regie von G. W. Pabſt, ſind in dieſem Tonfilm die tragenden
Rollen, mit Rudolf Forſter (Mackie Meſſer) Carola Neher
(Polly), Reinhold Schünzel (Tiger=Brown), Fritz Raſp (
Pea=
chum), Valeska Gert (Frau Peachum), Lotte Lenja (Jenny),
Ernſt Buſch (Straßenſänger), Hermann Thimig (Pfarrer),
Wla=
dimir Sokolow (Smith) ſowie Paul Kemp. Guſtav Püttjer,
Oskar Höcker, Kraft Raſchig und Herbert Grünbaum beſetzt. Für
die Kameraarbeit zeichnet F. A. Wagner, für die Bauten
An=
drei Andrejew, für den Ton A. Janſen verantwortlich. Die
muſi=
kaliſche Leitung lag in den Händen von Theo Mackeben. Muſik:
Lewis Ruth Band Beginn: 3.45 6.00 und 8,20 Uhr.
— Das Union=Theater zeigt ab heute in Neuaufführung Mady
Chriſtians in dem Großtonfilm. Dich hab ich geliebt”, Regie;
Rudolf Walter Fein. Weitere Hauptdarſteller: Hans Stüwe,
Walter Jankun, Karl Platen. Marion Conradi und Sophie
Pa=
gay. „Dich hab ich geliebt” war einer der erfolgreichſten
deut=
ſchen Tonfilme der vergangenen Saiſon. Dazu das gute und
aktuelle Beiprogramm. Beginn: 3.45, 6.00 und 8,20 Uhr.
— In den Palaſt=Lichtſpielen läuft nur noch heute und
mor=
gen im großen Stumm=Film=Doppelprogramm das ſenſationelle
Wild=Weſtabenteuer „Der Schimmelreiter” mit Fred. Thomſon,
dem kühnen Präriereiter, und ſeinem Pferd „Silverking” in den
Hauptrollen. Im zweiten Teil ſieht man das ſpannende
drama=
tiſche Filmwerk „Bunte Lichter”. Beginn: 3.45, 6,00 und 8,20 Uhr.
Aus den Parkeien.
— Deutſche Volkspartei, Ortsgruppe
Darm=
ſtadt. Heute abend ſpricht im Jagdzimmer, des
Saalbaureſtau=
rants Herr Dr. jur. W. Wellmann im Rahmen einer RiV.=
Mitgliederverſammlung über: Grundlagen, Sinn und
Gegenwartsbedeutung des Liberalismus. Die
Mitglieder der DVP.=Ortsgruppe und der RiV. ſind herzlichſt
ein=
geladen.
Deutſchenationale Frauen=Gruppe. Wir machen
unſere Frauen auf zwei Tagungen aufmerkſam, die in den nächſten
Tagen ſind und zu deren Beſuch wir alle Mitglieder und Freunde
unſerer Sache dringend einladen. Morgen, Donnerstag, wird in
Worms, im Feſthaus, der Evangel. Ausſchuß unſerer Partei
tagen, bei dem Präſes D. Storck und Frau von Tiling=Berlin
ſprechen werden. Beginn ½3 Uhr. — Dienstag, den 2. Juni:
Frauentagung in Auerbach. Hier werden Frau Heräus und Frau
Dr. Eliſab. Spohr=Berlin reden. Beginn 12.30 Uhr. Nachmittags
geſell. Zuſammenſein, muſikaliſche Darbietungen.
Lokale Beranſtalkungen.
Die bierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchlleßlich als Hinwelſe auf Anzeigen zu Laand
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritik.
Hoffmänniſches Inſtitut. Wir erinnern nochmals
an die Zuſammenkunft ſämtlicher Schülerinnen heute. Mittwoch,
4 Uhr, auf dem Heiligen Kreuz.
— Herrngarten=Café. Heute Operetten=Abend.
Briefkaffen.
Dr Anfroge iſt die ſetzte Beuugsgutttung betzufügen. Anonvme Anfragen Dad
nicht beantwortet. Die Beantwortung erfolgt obne Rechtsverbindlichteit.
„Darlehen.” Natürlich können Sie ſich auch jetzt noch einen
Schuld=
ſchein ausſtellen laſſen, inhaltlich deſſen der Darlehensnehmer bekennt,
daß er von Ihnen im Jahre 2 ein Darlehen in Geſtalt der Hingabe von
2 Zahl Aktien (Gattung) im Nennwerte von 7500 Mark erhalten habe
mit dem ausgeſprochenen Zwecke, dem Darlehensnehmer die weitere
Lebensexiſtenz zu retten. Die Unterſchrift des Schuldners muß nicht
gerade gerichtlich oder notariell beglaubigt werden, doch empfiehlt ſich
im vorliegenden Falle die Beglaubigung. Den Wortlaut der Abfaſſung
des Scheines entnehmen Sie aus der gegebenen Darſtellung.
Vaterſchaft. Als Vater eines unehelichen Kindes gilt, wer der
Mutter innerhalb der Empfängniszeit beigewohnt hat, es ſei denn, daß
auch ein anderer ihr innerhalb dieſer Zeit beigewohnt hat. Als
Empfängniszeit gilt die Zeit vom 181. bis 302. Tage vor dem Tage der
Geburt des Kindes mit Einſchluß ſowohl des 181. als des 302. Tages.
Die Möglichkeit beſteht, daß mehrere Perſonen rechtskräftig als
Väter” desſelben unehelichen Kindes erklärt werden. Das Kind hat in
ſolchem Falle gegen alle „Väter” Anſpruch auf Unterhalt, ohne daß
dieſen gegenſeitig ein Anſpruch auf Ausgleichung zuſtände. Das Kind
kann alſo nach ſeinem Belieben jede dieſer Perſonen oder auch ſämtliche
auf den vollen Unterhalt in Anſpruch nehmen.
Tageskalender für Mittwoch, den 27. Mai 1931.
Heſſ. Landestheater Großes Haus. 19.30 Uhr, H 12:
„Turandot”
Kleines Haus:; Keine Vorſtellung!
Orpheum. 20.15 Uhr: Hulla di Bulla”. Schwank in drei
Akten. — Konzerte: Zur Oper Schloßkeller, Herrngarten=
Café. Sportplatz=Reſtaurant am Böllenfalltor, Hotel=Reſt. Poſt,
Zum Tropfſtein, Schuls Felſenkeller, Alter Ratskeller;
Ludwigshöhe (4 Uhr) — Kinovorſtellungen: Union=
Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.
Aus Heſſen.
F. Eberſtadt, 26. Mai. Kirchenmuſikaliſche Abendfeier.
Der erſte Pfingſtfeiertag, in deſſen gut beſuchtem Vormittags=
Gottes=
dienſt der Kirchenchor mitwirkte, klang am Abend in einer
kirchenmuſi=
kaliſchen Abendfeier aus. Sie wurde eingeleitet durch das ſinfoniſche
Orgelwerk: „Komm Gott, Schöpfer, heiliger Geiſt,” von Bach, dem
unſer geſchätzter Organiſt, Lehrer Eidemüller, durch ſeine ſtark
einſetzende Kraft eine ſo vollendete muſikaliſche Ausdeutung zu geben
wußte, daß die Hörer in tiefe Andacht verſanken. Als einen uns nicht
unbekannten, ſtets willkommenen Gaſt hörten wir im Laufe des Abends
Frau Horn=Stoll=Darmſtadt in vier prächtigen, weihevollen
Lie=
dern, die Herr Eidemüller auf der Orgel tadellos begleitete. Als erſtes
erklang das Mendelsſohnſche Lied: „Höre, Iſrael, deinem Gott”; als
zlveites „Pfingſtbitte”, als drittes „Loblied” und als letztes „Mein
gläu=
biges Herz frohlocke, ſing, ſcherze” von Bach. Die herrliche
Sopran=
ſtimme der Sängerin zeichnete ſich durch einen ganz beſonderen
Wohl=
klang aus, wodurch die Geſänge eine Wiedergabe erfuhren, die zum
reſt=
loſen, andächtigen Genießen wurde. Die einzelnen Lieder umrahmte
Lehrer Eidemüller durch das Bachſche Orgelſpiel: „Herr Jeſu Chriſt,
dich zu uns wend”, und das Buxtehudeſche „Wie ſchön leuchtet der
Mor=
genſtern”. Auch hierbei durfte man das techniſche Können, die
Beſee=
lung und die Klangfülle des Vortrags bewundern. Mit der
Bachſchen Kantate „Komm heiliger Geiſt, Herre Gott”, ein Werk,
das hohe Anforderungen ſtellte, nichtsdeſtoweniger aber auch eine
glän=
zende Wiedergabe erfuhr, wurde die ausgezeichnete Feierſtunde, die im
übrigen liturgiſch ausgeſtaltet war, beſchloſſen.
f. Roßdorf, 26 Mai. Schwimmbad. Bei herrlichem Wetter
hat unſer ſchönes Schwimmbad am Samstag ſeine Pforten geöffnet; der
Zuſpruch war zufriedenſtellend. Den Zeitverhältniſſen Rechnung
trag=
gend, ſind die Eintrittspreiſe gegenüber dem Vorjahr ermäßigt worden.
Ober=Ramſtadt, 26. Mai. Die geſamte Bevölkerung von Ober=
Ram=
ſtadt wird zu dem heute abend ſtattfindenden Vortrag der Heag
im Saalbau Eliſenbad eingeladen.
Das
Durmstädter Tanrbian Paun
Bommer-Ausgaße
ist an allen bekannten Verkaufsstellen zum
Preise von 80 Pfenntg erhältlich.
7614
Bz. Reinheim, 26. Mai. Bürgermeiſterwahl. Da die
Bür=
germeiſterwahl vom 16. November 1930 beanſtandet und vom
Kreisaus=
ſchuß für ungültig erklärt wurde, findet eine nochmalige Wahl am B8.
Juni ſtatt. Die Wählerliſten hierzu liegen von Dienstag, den 26. Mai,
bis einſchließlich Montag, den 1. Juni, während den Büroſtunden von
vormittags 8—12 Uhr, nachmittags von 2—5 Uhr und Sonntags von
9 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags zu jedermanns Einſicht offen.
Da ſeither Reinheim einen Wahlbezirk hatte, iſt es jetzt in zwei Bezirke
geteilt. Der erſte Bezirk umfaßt die Buchſtaben von A—L und wählen
im Sitzungsſaal des Rathauſes, der zweite Bezirk die Buchſtaben von
M—Z und wählen im Schulhauſe. Durch dieſe Einrichtung iſt den
Wählern Rechnung getragen, denn ſeither war bei 1600—1700 Wählern
der Andrang zu groß, hauptſächlich mittags. Es iſt zu empfehlen, von
der Einſicht der Wählerliſte regen Gebrauch zu machen, damit man nicht
an der Wahlurne zurückgewieſen wird.
Ct. Reinheim i. O., 26. Mai. Der Reit= und Fahrverein des
vor=
deren Odenwaldes hält, wie wir erfahren, ſein diesjähriges Sommer=
Reit= und Fahrturnier nach einer Unterbrechung von mehreren
Jahren wieder in Reinheim ab In gütiger Weiſe wurde von ſeiten
der Gemeindeverwaltung Reinheim zu dieſer Veranſtaltung der
Feſtplatz zur Verfügung geſtellt. Wie aus den Ausſchreibungen
erſichtlich iſt, dürfte das diesjährige Programm ein recht
reich=
haltiges ſein. Wettkämpfe der Reitabteilungen, Geſpannprüfungen,
Jagdſpringen, Reiterprüfung, Paarſpringen und Reiterſpiele werden in
ihrer Vielſeitigkeit das Intereſſe der Pferdeſport treibenden Bevölkerung
Starkenburgs hervorrufen. Der Einwohnerſchaft Reinheims und
Um=
gebung ſind aber ſicherlich die Reinheimer Reiterfeſte von damals als
einzige und erſtmalige derartige Veranſtaltung im vorderen Odenwald
noch in beſtem Gedenken, und wünſchen wir den ländlichen Reitern für
dieſes Jahr wieder gleiches Gelingen.
n. Reichelsheim i. Odw., 26. Mai. Muß das ſein?. Am erſten
Pfingſtfeiertag fand hier eine Doppelhochzeit ſtatt. Der eine Bräutigam
war Mitglied eines Geſangvereins, der andere Mitglied eines
Turn=
vereins. Nach alter Sitte iſt es den Vereinen Ehrenpflicht, ihren
Mit=
gliedern an dieſem ihrem höchſten Feſte ein Ständchen zu bringen. So
war es auch hier vorgeſehen. Der Geſangverein wollte bei der Trauung
in der Kirche ſingen, der Turnverein des Abends einen Fackelzug
ver=
anſtalten. Aber — am Tage vorher verbot ein Wachtmeiſter den
Ver=
einsleitern, die gefaßten Pläne zur Ausführung zu bringen, und zwar
auf Grund einer Verordnung, wonach das Marſchieren in
Gruppen=
kolonnen verboten ſei. Die Vereine mußten ſich alſo in unauffälliger —
„unformierter” Weiſe an ihr Ziel begeben, um mit dem Geſetz nicht
in Konflikt zu kommen. Muß das ſo ſein?
Le. Groß=Umſtadt 26. Mai. Hohes Alter. Unter einer
ver=
hältnismäßig großen Anzahl von Achtzig= bis Neunzigjährigen unſerer
Stadt feiert der in weiten Kreiſen bekannte Fabrikant Jakob Bock
näch=
ſten Freitag ſeinen 86. Geburtstag. In ſeltener Rüſtigkeit zeigt er noch
heute ein großes Intereſſe für alle wirtſchaftlichen und politiſchen Fragen,
Dabei erfreut er ſich einer ſehr guten Geſundheit, die ihn befähigt, täglich
noch 3—4ſtündige Spaziergänge zu machen und darin ſeine ſchönſte
Er=
holung zu finden.
Ct. Groß=Umſtadt, 26. Mai. 12 Stuten vom heſſiſchen Arbeits= und
heſſiſchen Wagenſchlag hatten die Landwirte der umliegenden Orte von
Groß=Umſtadt zur Körung vorgeführt. Das Material war ein
durch=
weg ſehr gutes, und die Vorführung brachte den Beweis, daß der
Land=
wirt Wert auf gute Pferde legt und das Intereſſe an der Pferdezucht
unbedingt wieder lebhafter iſt. Die Körkommiſſion ſetzte ſich zuſammen
aus Oekonomierat Dettweiler als Vorſitzender, Dr. Denker von der
Landwirtſchaftskammer Darmſtadt und Landwirt Schneider aus Utphe,
Oberheſſen. Es wohnten der Körung noch bei: Landesſtallmeiſter Hertel,
Graf Konrad zu Erbach=Erbach, der Vorſitzende des
Landwirtſchaftskam=
merausſchuſſes, Heil=Habitzheim, und Erbgraf, Alexander=Jagdſchloß
Eulbach. Das Pferdematerial befriedigte im allgemeinen; der
Haltungs=
zuſtand war durchweg ſehr gut, der Hufbeſchlag ließ in manchen Fällen
zu wünſchen übrig. Einzelne Pferde waren beſonders gut, und 2
konn=
ten als Elitepferde Aufnahme ins Pferdeſtammbuch finden. Eine
ſelbſt=
gezogene Belgier Stute von Gutspächer Heil=Habitzheim und eine
ein=
geführte Oldenburger Stute, Beſitzer Landwirt Ludwig Weber, Groß=
Umſtadt.
b. Erbach, 26. Mai. Waldbrand. Am erſten Pfingsfeiertag,
nachmittags, brach im Revier Eulbach des Grafen zu Erbach=Erbach ein
Waldbrand aus, der von dem zuſtändigen Förſter rechtzeitig bemerkt
wurde. Bei den Löſcharbeiten taten ſich beſonders die Bewohner des
Parktorhauſes Hubertus (Gebhardt) hervor, die in unmittelbarer Nähe
der Brandſtelle wohnen. Jedoch waren auch die Feuerwehren von
Würz=
berg, Bullau. Erlenbach und Erbach an der Brandſtelle erſchienen. So
konnte das wütende Element auf einen kleinen Herd beſchränkt werden.
Das Feuer entſtand auf einer Kahlhiebfläche und wurde durch den
ſtar=
ken Wind in einen angrenzenden Kiefernbeſtand getrieben, wo es an den
Bodenhölzern reichliche Nahrung fand. Der Brandherd war etwa 2½
heſſiſche Morgen groß. Das Feuer verurſacht haben Wandervögel, die
— kaum glaublich, aber wahr — an einer derart gefährlichen Stelle ihre
Mahlzeit abkochten. Sie konnten leider nicht mehr feſtgeſtellt werden.
Hoffentlich iſt auch dieſer Fall für viele Wanderer eine ernſte Warnung.
— Pfinaſtverkehr. Die Pfingſtfeiertage, an denen in dieſem
Jahre eine tropiſche Hitze herrſchte, brachten unſerem Städtchen auch
heuer einen Fremdenverkehr größten Umfangs. Autos, Motorräder,
Omnibuſſe und andere Fahrzeuge ſah man in ſonſt ungewohnter Zahl
nach allen Nichtungen die herrliche Frühlingslandſchaft durchfahren. Die
Sammlungen im Schloß Erbach hatten einen ſehr großen Beſuch. Im
Durchſchnitt hatten alle Gaſtſtätten ein gutes Geſchäft. Doch ſah man
auch — ein Zeichen der Zeit —, beſonders an ſchönen Waldſtellen, viele
Wagen halten, deren Inſaſſen es ſich im grünen Waldlager bequem
ge=
macht hatten und dort ſich ihr mitgebrachtes Mahl köſtlich munden
lie=
ßen. Altem Brauch gemäß waren, die öffentlichen Brunnen unſeres
Städtchens in herrlichem Birkengrün geſchmückt und mit ſinnigen
Sprü=
chen verſehen, was von den Wanderfreunden mit ſichtlichem Behagen
wahrgenommen wurde. — Geſchäftseröffnung. An Pfingſten
eröffnete Herr Jakob Heilmann, Bäckerei in Erbach, in der Bahnſtraße
ein neues Café. Das Lokal verfügt über eine ſehr ſchöne Ausſtattung
und bietet Erholungsbedürftigen gemütlichen Aufenthalt. Außer dieſem
neuen Betrieb exiſtieren in Erbach zwei weitere gleicher Art, das Café
Glenz und das Café Odenwald (Theſing).
Ba. Uinter=Moſſau, 26. Mai. Ausſtellung. Am erſten
Pfingſt=
feiertag fand hier im Saale des Gaſthauſes „Zum Odenwald” (Beſ.
Arras) eine beſondere Ausſtellung ſtatt. Die Schneidermeiſterin Frl.
Schneider=Darmſtadt zeigte die in einem dreiwöchigen Zuſchneidekurſus
von ihren Schülerinnen hier angefertigten Arbeiten den zahlreichen
in=
tereſſierten Beſuchern. Alle waren ſehr zufrieden. — Impfung
fin=
det am Montag, den 1. Juni, nachmittags um 5.30 Uhr, im oberen
Schulhaus ſtatt. Die Nachſchau iſt eine Woche ſpäter. —
Preis=
kegeln. Das diesjährige Preiskegeln auf der Kegelbahn des „
Deut=
ſchen Kaiſer” wurde geſtern beendet. 1. Sieger wurde wieder Gg.
Lein=
berger mit 27 Kegeln, 2. war K. Hofmann (26) und 3. Ldw. Neff (25),
Gut Holz!
Dd. Hetzbach i. Obw., 26. Mai. Der hieſige Verein „Klub der
Na=
turfreunde” hat es ſich zur Aufgabe gemacht, ſeinen Mitgliedern in
die=
ſem Jahre einen ſchönen Ausflug nach dem Nationaldenkmal zu
berei=
ten. Der Ausflug findet am 31. Mai ſtatt, und fährt der Verein
ge=
ſchloſſen mit dem Frühzug von Erbach bis Rüdesheim. Daſelbſt
Früh=
ſchoppen, dann Aufſtieg und Beſichtigung des Nationaldenkmals. Rückgang
über Aßmannshauſen, dann Rheinüberfahrt nach Bingerbrück. Rückfahrt
mit Rheindampfer bis Mainz. Ab Mainz dann wieder Rückfahrt mit der
Bahn. Unter der bewährten Leitung ſeines Vorſtandes, der Herren
Georg Johe und Georg Hauk, verſpricht dieſer Ausflug ſeinen
Mitglie=
dern ein dauerndes Gedenken an dieſe herrliche Rheinfahrt.
m. Beerfelden, 26. Mai, Pfingſttreiben und anderes. Das
herrliche Pfingſtwetter brachte unſerem Städtchen und unſerer Gegend
einen Verkehr wie ſonſt ſelten, allerdings hatte man den Eindruck, als
ob auf Himmelfahrt der Autoverkehr ſtärker war, an Wanderleuten
da=
gegen wimmelte es geradezu. Unſere Jugendherberge war dauernd voll
belegt, und zahlreiche Wandergruppen fanden weitere Unterkunft. —
Unſere beiden Fußballvereine boten dem ſdortlichen Publikum die nötigen
Unterhaltungsgelegenheiten, die denn auch gern ausgenutzt wurden. Auf
dem einen Sportplatz ſtanden Beerfelden" gegen eine Mannſchaft von
Frankfurt Rot=Weiß. Ergebnis für V. f. R. Beerfelden 8:1. — Pfingſten
bildete auch heuer wieder den Zeitpunkt der
Wiederſehens=
feiern für die 50= und 60=Jährigen. Während früher dieſe
Feiern auf verſchiedene Tage fielen, erhöht jetzt der gemeinſame
Zeit=
punkt ihre Bedeutung und Feierlichkeit. Da ſich die Gleichalterigen des
ganzen Kirchſpiels (11 Ortſchaften) zuſammenfinden, ſo ergibt ſich immer
eine ſehr ſtattliche Zahl. In geſchloſſenen Reihen, der Geiſtliche voran,
ſo zogen ſie am Pfingſtſonntag zum Vormittagsgottesdienſt ein, der
Kirchenchor wirkte mit, der Geiſtliche gedachte auch nach dieſer Richtung
der Bedeutung des Tages. Nachmittags fanden ſich denn die Feiernden
zu gemütlichem Beiſammenſein ein: Da tauſchte man ernſte und heitere
Erinnerungen, ſchwelgte man in Gedanken froher Jugendtage, und
end=
los war die Zahl der Lieder, die dazwiſchenhinein mit Begeiſterung
und Hingabe geſungen wurden. Man trennte ſich in der Hoffnung. bei
der nächſten Wiederſehensfeier, nach 5 oder 10 Jahren, wieder vollzählig
zuſammenkommen zu können.
Dh. Unter=Oſtern i. Odw., 26. Mai. Es wird uns geſchrieben: Als
geſtern drei ältere Herren von hier von einer Beerdigung zu
Reichels=
heim heimkehrten, begegneten ihnen 6 oder 7 Motorradfahrer. Dieſe
hatten ein ſtarkes Tempo und wirbelten viel Staub auf. Der eine Herr
hob den Fahrern ſeinen Stock drohend entgegen, was aber nur wegen
des Staubes war. Als die Fahrer das ſahen, ſtoppten ſie ab und
hiel=
ten ſtill, gingen zu den drei Herren, zerbrachen dem einen den Stock und
beſchimpften ſie mit allerlei Koſenamen. Es waren lauter junge
Bur=
ſchen, und daher iſt es um ſo mehr zu verurteilen, weil die Fußgänger
Leute waren zwiſchen 60—70 Jahren.
f. Nnterflockenbach i. O., 26. Mai. Liedertag im Odenwald.
Am Pfingſtſonntag hielt der Rhein=Main=Gau, 11. Bezirk des Deutſchen
Arbeiter=Sängerbundes, in unſerem mit Fahnen und Kranzgewinden
feſtlich geſchmückten Ort einen Liedertag ab, an dem ſich 24 heſſiſche
Ge=
ſangvereine mit annähernd 1200 Sängern und Sängerinnen beteiligten,
Inmitten des Ortes, rings umkränzt von den Höhen des Gorxheimer
Tales, war das etwa 1000 Perſonen faſſende, mit Beſuchern vollbeſetzte
Feſtzelt aufgeſtellt, in welchem vormittags 9 Uhr das Wertungsſingen
ſeinen Anfang nahm. Zunächſt hielt der Bezirks=Gauvorſitzende Voll=
Auerbach die Willkommensanſprache, in der er die Beſtrebungen des
Bundes auf dem Gebiete der Kunſt erläuterte. Dann ſang der
feſt=
gebende Männergeſangverein „Liederkranz” Unterflockenbach unter
ſei=
nem Dirigenten Fath den Begrüßungschor „Morgenrot”. Hierauf
nahm das Wertungsſingen der 24 Männerchöre ſowie von vier
gemiſch=
ten Chören (Birkenau. Reichenbach, Lampertheim und Zwingenberg),
nebſt dem Frauenchor aus Zwingenberg ſeinen Verlauf, der ſich bis in
die Nachmittagsſtunden erſtreckte. Es wurden die beſten Perlen des
Volksliederſchatzes zum Vortrag gebracht. Die großenteils recht
anfehn=
lichen Leiſtungen ernteten volle Anerkennung. Nach Abſchluß des
Wer=
tungsſingens hielt Dr. Ehrenheid=Frankfurt a. M. die Kritik ab.
Die am Nachmittag von über 1000 Sängern vorgetragenen Maſſenchöre
„Tord=Volleſon” und „Ich warte dein” fanden den ſtürmiſchen Beifall
der gewaltigen Zuhörermenge. Am Montag ſchloß ſich ein Volksfeſt an.
Der feſtgebende Verein darf trotz der hohen Koſten, die die Errichtung
des Feſtzeltes erforderte, mit voller Befriedigung auf die wohlgelungene
Veranſtaltung zurückblicken.
O. Reichenbach i. Odw., 2. Mai. Schule aufgroßer Fahrr.
Der hieſige Jugendherbergsleiter, Herr Lehrer Schlörb, befindet ſich mit
14 Schülern der Volksſchule auf einer 9rägigen Pfingſtwanderung. Die
Fahrt führt durch den Schwarzwald zum Bodenſee. Der Heimweg geht
abermals durch den Schwarzwald, über den Feldberg, durch das
Höllen=
tal nach Freiburg. Von hier aus wird mit der Bahn die Heimfahrt
angetreten. Dadurch, daß auf der ganzen Wanderung die
Jugendher=
bergen als Quartiere benutzt werden können, ſind die Koſten, die zum
größten Teil aus dem Erlös von Theaterabenden gedeckt werden, ſehr
gering. — Die Muſikantengilde Darmſtadt die in der hieſigen
Jugendherberge einige Tage Quartier genommen hat, verſchönte den
Morgengottesdienſt am Pfingſtmontag mit einigen älteren
Pfingſt=
liedern. — Schwimmbad. Das hieſige Naturſchwimmbad wurde
ab Pfingſten wieder geöffnet und erfreute ſich Pfingſten über infolge des
ſchönen Wetters eines ſehr guten Beſuches.
j. Aus dem Odenwald, 26. Mai. In Nächſtenbach wurde auf
einer Anhöhe auf der Nordſete des Knappſchen Anweſens ein
Bronze=
fund gemacht. Es wurden bronzene Schwerter, Lanzenſpitzen,
Arm=
bänder, Ringe und ein Freundſchaftsreifen mit zwei Ringen
aufgefun=
den. Der Fund ſtammt nach ſachverſtändigem Urteil aus der Zeit 2000
bis 1000 vor Chriſti Geburt. Es iſt hiermit bewieſen, daß im
Nächſten=
bacher Tale, eine halbe Stunde von Weinheim entfernt, ſchon in früher
Vorzeit Anſiedlungen beſtanden haben.
Dc. Neckarſteinach, 26. Mai. Ein Bootsunglück ereignete ſich
hier durch Unvorſichtigkeit zweier junger Leute. Wie ſchon ſo dir, I9
verſuchten auch dieſe beiden jungen Leute mit einem Kanu=Boot ſich an
einen zu Berg fahrenden Schleppzug anzuhängen. Durch allzu ſtarken
Wellengang des letzten Laſtſchiffes mißlang jedoch der Verſuch. Das
Boot mit ſeinen beiden Inſaſſen wurde abgetrieben und gelangte, unter
den hier vor Anker liegenden Groß=Bagger. Während es dem Derrn
noch rechtzeitig möglich war, ſich an den Haltetauen des Baggers zu
retten, kam die Dame mit dem Boot unter den Bagger. Aufmerkſam
gemacht durch Badegäſte von dem gegenüberliegenden Strandbad,
konn=
ten Schiffer und der Maſchiniſt zu Hilfe eilen. Es gelang, die Dame
zwiſchen dem Bagger und einem anliegenden Laſtſchiff noch lebend
her=
vorzuholen. Sie hatte nur Verletzungen leichterer Natur aufzuweiſen
und kam ſo mit dem Schrecken davon. Wertgegenſtände ſind vertoren
gegangen und das Boot ſelbſt wurde ſtark beſchädigt. — Mit Sonder=
Omnibuſſen trafen die Bäckermeiſter von Gießen und Umgegend hier
ein. Sie hielten ſich zwei Tage hier auf und nahmen neben den üblichen
Schiffsrundfahrten eine Beſichtigung der Sehenswürdigkeiten unſerer
Stadt vor.
— Gernsheim, 26, Mai. Wafſerſtand des Rheins am
25. Mai 2,36 Meter, am 26. Mai 2,06 Meter, morgens 5.30 Uhr.
— Hirſchhorn, 26. Mai. Wafſerſtand des Neckars am
25. Mai 1.96 Meter, am 26. Mai 1.92 Meter.
Nummer 145
Mittwoch, den 27. Mai 1931
Seite 7
e Bol Wiufen, 8. Mal. Stadtbeleich. Am eiſte.
Wfingſttag abends fand hier eine Beleuchtung der Stadtilhouette und
ver Hohenſtaufen=Kaiſerpfalz ſtatt. Viele Tauſende waren gekommen
nund haben ſich das Schauſpiel der Beleuchtung angeſehen. Es war eine
werliche Front, die aus dem dunklen Untergrund des ſteilen Berghangs
mit ſeinem Buſch= und Laubwerk in glühender Lohe emporſtieg zum
Nachthimmel. Alles Unweſentliche, alles Ablenkende und Störende war
verſchwunden, nur die reinen Linien und Formen der Architektur dieſer
nomaniſchen Bauweiſe traten in der roten Glut des bengaliſchen Feuers
um ſo klarer und edler hervor. Die zierlichen Säulenreihen der
Ar=
raden wanen das Entzücken eines jeden Beſchauers, ſie wirkten wie ein
einernes Märchen. Wuchtig reckten ſich die beiden Türme der Pfalz
und der Zackengiebel des Steinhauſes hervor. Vom roten Turm bis
zuum Mathildenbad ein zuſammenhängendes Bild von überwältigender
Schönheit. Aus dem Dunkel des „Gaages” leuchteten da und dort die
wten Feuer und ließen das. Laubwerk wie feines Filigranwerk er=
Eheinen: Die Neckarfluten gaben das herrliche Bild zurück. Feierlich
ang Kreutzers Nachtgebet. „Schon die Abendglocken klangen”, von der
Stadtkapelle intoniert, übers Tal. Andächtig ſtand die Menge, lauſchte
and ſchaute hinauf zu der Waberlohe der ſtolzen Stadt auf dem Berg.
uch wer das Schloß zu Heidelberg in feuriger Glut erſtrahlen ſah, wer
wilsbergs ſteile Feſte in Feuer und Nauch der Tillyſchen Beſchießung
geſehen, der ſtand hier aufs neue gebannt und hingeriſſen.
e. Bad=Wimpfen, 26, Mai. Unfall. Der Motorradfahrer Hch.
Smil Klenk II. von hier erlitt auf der Fahrt von Neckarſulm nach
(Sochendorf durch einen unglücklichen Sturz vom Motorrad drei
Rip=
venbrüche und einen Knöchelbruch. Er wurde ins Krankenhaus nach
Veckarſulm übergeführt — Jubiläumsfeſt. Der Geſangverein
Wornelia”, Bad=Wimpfen im Tal, hält am 31. Mai und 1. Juni ſein
Djähriges Jubiläumsfeſt ab. Von 9 Uhr ab findet Feſtgottesdienſt
unter Mitwirkung des Jubelvereins und des Kinderchors ſtatt. Halb
2. Uhr Aufſtellung des Feſtzuges. Nach dem Feſtzug Feſtakt: Geſangs=
und Muſikvorträge auf dem Lindenplatz. Abends Feſtball im Gaſthaus
„Bum Anker”. Mittags halb 3 Uhr Kinderfeſtzug und Kinderfeſt.
Du. Jugenheim a. d. B., 26. Maf. Wir hatten über Pfingſten einen
außerordentlich ſtarken Fremdenverkehr zu verzeichnen. Ganz beſonders
ſparken Zuſpruch hatte das Gemeinde=Schwimmbad, welches einige Tage
wor dem Pfingſtfeſt in Betrieb genommen wurde. Die neuangelegte
Waſſer=Rutſchbahn war ſtändig belegt. Alt und jung rutſchte hier
unte=
allen möglichen Schikanen ins Waſſer. Ein Großlautſprecher ſorgte für
gruſikaliſche Unterhaltung. Die ſchön angelegten Blumenbeete, wie
über=
eupt die allgemeine Ordnung und Sauberkeit erfreuten alle Beſucher.
A—m erſten Feiertage wurden ca. 1500, am 2. Tage 2000 Beſucher gezählt.
Mit welcher Vorliebe heute dem Waſſerſport gehuldigt wird, ſieht man
naraus, daß das in der Gemarkung Seeheim liegende Naturſchwimmbad
(Privatbeſitz) ebenfalls überaus ſtark beſucht war. Nach den neueſten
1.nterſuchungen der im Badebecken befindlichen Quellen ſollen dieſelben
tohlenſäure= und mineralhaltig ſein. Auch hier wurde in fortſchrittlicher
Weiſe eine große kühle Kaffehalle neu errichtet. Die Schwimmbäder
md ohne Zweifel neue Anziehungspunkte für Jugenheim geworden.
Zwingenberg, 25. Mai. Zwingenbergfahrt der
deut=
ithen Landsmannſchaft am 31. Mai 1931. Die am 1. März
1868 gegründete deutſche Landsmannſchaft hält in jedem Jahre (
Sonn=
turg nach Pfingſten) ein Erinnerungsfeſt in Zwingenberg ab. Zu
Zwin=
genberg wurden am 2. Juni 1868 die von den Konventen der einzelnen
fünf Landsmannſchaften genehmigten Niederſchriften von den erſten
Char=
merten der Gründungs=Landsmannſchaften unterſchrieben. Es waren
hrer vertreten die Landsmannſchaften: 1. Ghibellinia, Tübingen:” 2.
Srerdenſia, Göttingen; 3. Teutonia (Gheute Tuskonia), Bonn; 4. Makaria
(neute Saro Makaria). Würzburg; 5. Teutonia., Halle; außerdem der
zweite Chargierte der Makaria, Würzburg. Die diesjährige
Zwingen=
bergfahrt iſt die 38te, denn dieſe Tradition wurde von der älteſten
Orts=
gruppe des Gaues „Rhein=Main=Neckar des A.H.L.C. Frankfurt” von
den Gründungsmitgliedern der deutſchen Landsmannſchaft und Mit=
Ariedern des H.A.L.C. Frankfurt im Jahre 1898 in das Leben gerufen.
Greh. San.Nat Dr. Bömel. Makaria und Chibellimia, verſtorben als
Artrektor des Städt, Krankenhauſes zu Frankfurt a. M., als
Vorſitzen=
dev und ſein Freund, der mit 82 Jahren vor kurzem verſchiedene
achriftſteller Dr. Ganter, Chibellinia, Tuiskonia, als Schriftführer,
haben bis zu ihrem Tode die Zwingenbergfahrt geleitet. Die
Vereini=
gung alter Landsmannſchafter Darmſtadts und der Darmſtädter
Lands=
zu annſchafter=Konvent werden ſich an der Zwingenbergfahrt beteiligen,
d eſesmal zum erſtenmal unter Benutzung der Heag=Autobuſſe. E.K.
W. Heppenheim a. b. B., B. Mai, Autounfakl. Auf der
9oarmſtädter Straße, an der Einfahrtſtelle zum Hotel „Halber Mond”,
ium es am 1. Pfingſtfeiertag nachmittag zu einem heftigen
Zuſammen=
ſwoß zwiſchen einem Motorradfahrer und einem Auto. Ein in der
Rich=
tung Laudenbach fahrendes Auto bog plötzlich an der bezeichneten Stelle
an, als es mit einem dieſe Straße daherkommenden Motorradfahrer
zrſammenſtieß. Der Anprall war ſo ſtark, daß die auf dem Soziusſitz
ſtch befindliche Dame über den Fahrer hinweg geſchleudert wurde,
wäh=
nend der Fahrer ſelbſt unter das Rad zu liegen kam. Die Verletzungen
der Dame waren — ein reiner Zufall — nur geringer, und äußerer
4atur, der Fahrer aber erlitt nicht unerhebliche Quetſchungen und eine
4serletzung der Schlagader. Durch ſofortiges Eingreifen der
Sanitäts=
bolonne wurde ein Verbluten verhindert und ein Ueberbringen des
Ver=
unglückten in das Krankenhaus ermöglicht. Wen die Schuld an dem
ſchweren Zuſammenſtoß trifft, wird die Unterſuchung ergeben. —
4sfingſtverkehr. Selten erfreute ſich unſer Kreisſtädtchen eines
ſtolchen Zuſpruchs wie gerade an Pfingſten. Aus allen Gegenden lockte
daas herliche Frühjahrswetter die Wanderer aus dem monotonen Alltag
brraus in die duftende blühende Natur. In den Gaſtſtätten und Hotels
herrſchte lebhaftes Treiben. Dieſe zeigten eine ſolche Ueberfüllung, daß
ſtelbſt Privatquartiere zur Unterbringung der Gäſte notwendig wurden.
— Junge Störche. Ein herrliches Schauſpiel bietet ſich dem
Be=
ſhauer beim Beobachten der Familie Langbein auf dem Dache des
Park=
bwtels „Halber Mond‟. Drei funge Störche recken hungernd ihre langen
ſeälſe, ungeduldig die Rückkehr der mütterlich beſorgten Alten mit
Nah=
nung erwartend.
De. Groß=Hauſen, 26. Mai. Schwerer Autounfall. Ein
ſichwerer Autounfall ereignete ſich geſtern auf der Provinzialſtraße
Groß=
ſeauſenGroß=Nohrheim in unmittelbarer Nähe des Forſthauſes
Jägers=
huurg. Der aus Groß=Hauſen ſtammende Förſter Ludwig Dörſam vom
dorſthaus Heilig Kreuz bei Bingen, der von Schwanheim kommend, wo
n= an der ſilbernen und goldenen Konfirmationsfeier der zum Kirchſpiel
SSchwanheim zählenden alten Konfirmanden teilnahm, fuhr mit ſeinem
Aruto an der Straßenkreuzung Langwaden—Groß=Rohrheim—
Groß=
ſeauſen gegen einen vor dem Forſthausgarten ſipehenden Taxometer und
mrußte beſinnungslos mit Kiefern= und Schädelbrlich ins Krankenhaus in
98ensheim eingeliefert werden. Seine Frau, die ſofort benachrichtigt
wurde, traf ſchon um 8 Uhr in Bensheim ein, wo ſie ihren Mann in
hoffnungsloſem Zuſtand antraf. Die genaue Urſache des Unglücks iſt
noch nicht feſtgeſtellt, die Ausſagen gehen ſehr auseinander. Bei ſeinen
Vor=
gieſetzten und Freunden iſt Dörſam als ruhiger, nüchterner und zuverläſſiger
ASeamter beliebt. Dieſem Autounfalle ging vor einigen Tagen einige
Weter entfernt ein Motorradunfall voraus, wobei ſich der Fahrer und
der Soziusſitzer ſo erheblich verletzten, daß beide ihren Verletzungen
urlegen ſind.
Min af Len Nodau, 2. Ma. des Der dimtetſchef.
Die überaus günſtige Witterung in Verbindung, mit der reichlichen
Feuchtigkeit, die der Monat Mai brachte, haben in der Natur wahre
Wunder bewirkt. Für den Sandboden ) „odgaues konnte ſich der
Landwirt keine beſſere Witterung wünſchen. So weiſen denn auch die
Feldfrüchte und die Futtergewächſe in dieſem Jahre einen Stand auf,
wie er ſchon lange nicht beobachtet wurde. Das Korn, das in den
weit=
aus meiſten Teilen des Rodgaues die einzige Getreideart bildet, ſteht
ſehr gut und verſpricht eine gute Ernte. An manchen Stellen beginnt
es ſich allerdings zu lagern, da es dort zu fett ſteht. Man ſieht es an
dem üppigen Stand des Noggens, daß die Landwirte kein Geld geſcheut
haben, um die dem dürſtigen Boden fehlenden Nährſtoffe durch
künſt=
lichen Dünger zu erſetzen. Die Kartoffeln ſtehen ebenfalls ſehr gut.
Dasſelbe kann von den Futtergewächſen geſagt werden, ſo daß es dem
Landwirt nicht an Grünfutter mangelt. Das Heugras hat durch die
reichliche Feuchtigkeit jetzt ſchon einen Stand erreicht, wie er in anderen
Jahren um dieſe Zeit nicht zu verzeichnen iſt. Es kann alſo mit einer
ſehr guten Heuernte gerechnet werden, die in dieſem Jahre
verhältnis=
mäßig früh einſetzen dürfte. Die Spargelernte iſt in vollem Gange. Der
Ertrag iſt ſehr gut und übertrifft ſtellenweiſe ſogar die Erwartungen,
ſo daß das Angebot ſehr groß iſt. Die Preiſe ſind dementſprechend ſehr
zurückgegangen. Es werden von den Händlern für die 1. Sorte noch 35
bis 40 Pfg. pro Pfund bezahlt. Viele Landwirte bringen ihre Spargel
ſelbſt in die Stadt, wo ſie durchſchnittlich 50 Pfg. pro Pfund löſen. Die
Obſtblüte nähert ſich ihrem Ende. Die große Blütenpracht, die man in
dieſem Jahre bei faſt allen Obſtſorten beobachten konnte berechtigt zu
den ſchönſten Hoffnungen auf eine gute Obſternte. Die gefürchteten
Mai=
fröſte ſind nicht eingetreten. Alles in allem kann man ſagen, daß der
Landwirt des Nodgaues hoffnungsvoll in die Zukunft ſchauen kann. Ein
Lichtblick in dieſer ſchwern Beit.
Bh. Nieder=Roden, 26. Mai. Straßenarbeiten. Die
Pro=
vinzialſtraße Ober=Noden—Dudenhofen-Tannenmühle, die im vorigen
Jahre neu hergeſtellt worden war, wird jetzt geteert. Vom Ortsausgang
Ober=Noden bis Kilometer 21 war die Straße bereits im vorigen Jahre
geteert worden. Die Arbeiten werden von der Firma Theodor Ohl=
Limburg ausgeführt, die am vergangenen Freitag damit begonnen hat.
Die Fortſetzung dieſer Provinzialſtraße in der Nichtung Hanau, die
Straße Tannenmühle—Groß=Steinheim, die wegen ihres ſchlechten
Zu=
ſtandes von den Kraftfahrzeugen gemieden wurde, wird in dieſem Jahre
gewalzt. Die Anfuhr des Schotters iſt bereits erfolgt.
— Stockſtadt a. Rh., 26. Mai. Das Rheinbad bietet
durch ſeine romantiſche Lage, durch ſteten Zufluß von
friſchem klarem Waſſer, eine wirkliche Erholung für jung und alt. Direkt
bei der Anſtalt befindet ſich ein ſchöner Spielplatz und iſt außerdem
Ge=
legenheit zum Aufſtellen von Fahrzeugen aller Art. Günſtige
Zuaver=
bindungen nach allen Richtungen und Sonntagsfahrkarten auch an
Mitt=
woch= und Samstag=Nachmittagen ermöglichen es, ſich mit wenig
un=
koſten in den Genuß eines den Körver ſtärkenden Rheinbades zu ſetzen.
Eine Erfriſchungshalle ſorgt für das leibliche Wohl.
Au. Nauheim b. Groß=Gerau 26. Mai. Auto= und
Benzin=
diebſtahl. In der Nacht auf Pfingſtmontag wurde in der Tankſtelle
Voltz, am Eingang von Nauheim, ein frecher Einbruch verübt. Gegen
12.30 Uhr erſchien vor der Tankſtelle ein 6=Zylinder=Adler=Reiſewagen.
Die in dem Wagen ſitzenden zwei Männer öffneten mittels Dietrich die
Türen zur Tanſſtelle und zum Oelſchrank und entwendeten 8 Kannen
und 60 Liter Benzin. Der Beſitzer der Tankſtelle, Voltz, beobachtete
den Vorgang, nahm aber an, einer ſeiner Gehilfen würde Benzin
ver=
abfolgen. Erſt als das Auto ſich in Richtung Biſchofsheim entfernte,
nahm er wahr, daß keiner ſeiner Gehilfen anweſend war und die Türen
erbrochen worden waren. Er verfolgte die Täter darauf mit ſeinem
Opelwagen. In Mainz=Biſchofsheim gelang es ihm. die Täter zu ſtellen
und ſich die Nummer ihres Wagens zu notieren. Dabei entkamen aber
die Täter aufs neue. Voltz ſetzte die Fahrt bis Mainz fort, ohne jedoch
eine Spur von den Einbrechern zu entdecken. Bei der Rückfahrt erfuhr
er auf ſeine Erkundigungen, daß die Täter in Biſchofsheim nach einem
geeigneten Quartier gefragt hätten. Ihnen war die Gaſtwirtſchaft
Güt=
lich genannt worden. Als Voltz hier nachfrug, ſtellte er tatſächlich feſt.
daß die beiden hier Quartier genommen hatten. Die inzwiſchen
benach=
richtigte Polizei nahm die beiden feſt. Dabei ſtellte ſich heraus, daß ſich
beide Einbrecher unter falſchem Namen einlogiert hatten, und daß die
Nummer ihres Wagens gefälſcht war. Im weiteren Verhör ergab ſich.
daß auch das Auto geſtohlen war. Auch ein ſcharf geladener
Trommel=
revolver wurde den Verbrechern abgenommen. Beim Verhör des einen
Burſchen gelang es, dem anderen, zu entkommen. Bei der
nachfolgen=
den Unterſuchung des Autos wurde feſtgeſtellt, daß es eine Menge
Schmuggelware enthielt, u. a. zwei Zentner Schokolade Spitzen
Schmuck=
ſtücke, Spirituoſen uſw. Anſcheinend hat man zwei gefährliche
Verbre=
cher unſchädlich gemacht. Die weitere Unterſuchung iſt im Gange.
4n. Trebur, 36. Mai. 40 Fahre Deutſcher
Männerge=
ſangverein Trebur. Der Deutſche Männergeſangverein Trebur
feierte am Pfingſtſonntag in ſchlichter Feier ſein. 40jähriges Beſtehen.
Umrahmt war die Feier von Muſikvorträgen des Orcheſters Schmenger
und Geſangsvorträgen des Männerchors des feſtgebenden Vereins. Als
Geſangsſoliſtin überraſchte Mathilde Walde mit ſehr ſchönen Vorträgen,
während Heinrich Gimbel (Bioline) mit ſeinen ausgezeichneten
Darbie=
tungen zur Verſchönerung der Feier beitrug. Der Vorſitzende des
Vereins gab einen kurzen Ueberblick auf die Geſchichte des Vereins und
nahm die Ehrung herdienter Mitglieder vor. Das Ehrendivlom
erhiel=
ten Landwirt Chriſtian Kraft und Wagner Philipp Engel. Chriſtian
Kolb wurde mit der ſilbernen Ehrennadel und einer Plakette des
Geſſi=
ſchen Sängerbundes für 40jährige Mitgliedſchaft ausgezeichnet. Lehrer
Heldmann, der verdienſtvolle und langjährige Dirigent des Vereins,
wurde durch eine Blumenſpende geehrt. Den Schluß des Abends bildete
eine Aufführung des Feſtſpiels von Benno Schnell „Des Liedes Macht”
und ein von den Damen des Vereins aufgeführter „Kußwalzer”.
z. Offenbach, B. Mai. Zur Reichstagung des
republi=
kaniſchen Lehrerbundes. Während in der Woche nach
Pfing=
ſten im benachbarten Frankfurt die Deutſche Lehrerverſammlung tagt,
findet hier bekanntlich die Reichstagung des republikaniſchen
Lehrer=
bundes ſtatt. Die Tagung des Lehrerbundes wird gleichzeitig als erſter
Kurſus für ſtaatsbürgerliche Erziehung für den Freiſtaat Heſſen und
die Provizen Heſſen=Naſſau und Rheinland durchgeführt. Da die
Vor=
träge die Berufsarbeit der Lehrer befruchten ſollen und deshalb eine
möglichſt große Beſucherzahl erwünſcht iſt werden den heſſiſchen
Leh=
rern nach einer Verfügung des Miniſters für Kultus und
Bildungs=
weſen vom 21. April 1931 für den Beſuch der Hauptverſammlung am
28. Mai die Reiſekoſten britter Klaſſe, ein Tagegeld von zwei Mark
und, falls Uebernachten nötig iſt, ein weiterer Betrag von fünf Mark
gewährt. Bei der Knappheit der Mittel erfolgt Erſatz der Unkoſten nur
auf Meldung.
P. Rüffelsheim, 2. Mai. Exploſionsbrand in einem
Autoomnibus. Am Pfingſtmontag nachmittag geriet auf der
Landſtraße bei Rüſſelsheim ein Autoomnibus aus Stuttgart=Cannſtatt,
der eine größere Ausflugsgeſellſchaft in den Rheingau befördert hatte,
infolge Exploſion im Vergaſer in Brand. Die Exploſionsflamme war
in den Benzintank übergeſprungen. Ein des Weges kommendes
Per=
ſonenauto glarmierte die Berufsfeuerwehr der Obelwerke, welche den
Brand binnen weniger Minuten durch fünf Schaumlöſchapparate er=
ſtickte. Der Wagen iſt bis auf die Eiſenteile vollſtändig ausgebrannt.
Ein Glück war es, daß die Reiſegeſellſchaft den Omnibus, der in Mainz
einen Reifendefekt erlitten hatte, ihre Reiſe von Mainz aus per Bahn
fortſetzte, ſo daß der Omnibus zur Zeit der Exploſion nur von dem
Chauffeur beſetzt war, der ſchwere Brandwunden an den Armen erlitt.
Der beſchädigte Wagen wurde nach Nüſſelsheim abgeſchleppt.
Rheinheſſen.
eie Wehnt.
Ah. Der Pfingſtverkehr am Rhein. Begünſtigt durch das gute
Wet=
ter, hatte der Pfingſtverkehr am Rhein einen Rekord aufzuweiſen.
Be=
ſonders in den Städten Bingen und Rüdesheim ſetzte der Verkehr ſehr
ſtark ein. Der Verkehr beweiſt wiederum, daß die Fähre unbedingt
not=
wvendig war und es ein Unrecht iſt, daß man die Hindenburgbrücke
ſperrte. — Großen Verkehr brachte die Abhaltung des Burſchentages am
ſthein den Städten Bingen und Rüdesheim. — In den Weinorten im
Rheingau und am Mittelrhein herrſchte ebenfalls ein ſehr reger Verkehr.
Sehr viele Vereine hatten den Rhein als Ausflugsziel gewählt. Die
Pfingſtfeiertage waren für die Bevölkerung am Rhein — was ſelten in
dieſer Notzeit vorkommt — erfolgreiche Tage. Wiederholungen dieſer
Art wären der Bevölkerung, die hauptſächlich faſt nur vom
Fremden=
verkehr lebt, zu wünſchen nud zu gönnen, da Weinbau und
Landwirt=
ſchaft kaum ihren Mann ernähren und die Gemeinden ſchwer um ihre
Exiſtenz zu kämpfen haben.
* Die 118. Süödeutſche Zentral=Häute=Auktion fand geſtern im
Kaſino „Hof zum Gutenberg” ſtatt. Zur Verſteigerung gelangten 6229
Großviehhäute, 8663 Kalb= und Freſſerfelle und 395 Hammelfelle. Bei
normalem Beſuch und flottem Verkauf wurde bei leicht rückgängigen
Preiſen ausverkauft.
* Ein fünfjähriger Knabe ertrunken. Montag abend kurz vor 19
Uhr ſtürzte ein fünfjähriger Knabe von der Waſchbrücke an der
Straßen=
brücke in den Rhein und ertrank. Es handelt ſich um das Kind der
Familie König aus der Löhrſtraße. Alle Verſuche, das Kind zu retten,
waren erfolgslos. Die Mutter, die bei dem Unglück zugegen war, brach
ohnmächtig zuſammen und mußte heimgeſchafft werden.
* Feſtnahme eines Brudermörders in Mainz. Durch die
Nhein=
polizei wurde Samstag vormittag in einem Klebperboot auf dem Rhein
der ſteckbrieflich verfolgte Adalbert Stutz aus Kreuznach feſtgenommen.
Er ſoll im Frühjahr 1997 dort ſeinen Bruder erſchoſſen haben und war
dann nach der Tſchechoflowakei geflüchtet. Auf dem Wege mit dem
Boot nach Belgien wurde er jetzt hier feſtgenommen. Er wird auch von
der Staatsanwaltſchaft Zittau wegen Unterſchlagung von 7700
tſchechi=
ſchen Kronen ſteckbrieflich geſucht.
* Tödliche Folgen. Vor einigen Tagen ſtürzte eine 75jährige
Sozial=
rentnerin aus dem Raupelsweg rücklings die Treppe hinab und zog ſich
außer einem Schenkelbruch eine ſchwere Kopfverletzung zu. Geſtern iſt
die Verunglückte im Krankenhaus infolge der ſchweren Verletzungen
ge=
ſtorben.
Mainzer Tageskalender für Mittwoch, den 27. Mai Konzerthaus
Liedertafel: 20 Uhr: Konzert der „Comedian Harmoniſts‟ — Ufg=
Palaſt: Tonfilm „Das Schickſal der Renate Langen”, — Staatstheater
Wiesbaden. Großes Haus: „Der Barbier von Sevilla”. Anfang 19.30
Uhr. Kleines Haus: 5. Tanzabend. Anfang 20 Uhr. — Kurhaus
Wiesbaden. 11 Uhr: Frühkonzert am Kochbrunnen. 16 und 20 Uhr:
Konzert.
— Wafferſtands=Nachrichten vom 26. Mai Rhein; Hüningen
2.47, Kehl 3,63, Maxau 5.54. Mannheim 481, Mainz 2,09. Bingen 301,
Caub 3,52, Köln 3,47 Meter, Main: Schweinfurt 0,37. Würzburg
114, Lohr 1,52, Steinheim 2,43, Hanau 3,05, Koſtheim (Staatspegel)
1,74, dito Waſſertiefe 3,74 Meter.
4d. Oppenheim, 26. Mat. Proteſtder Gaſtwirte. In einer
vollzählig beſuchten Verſammlung der hieſigen Gaſtwirte erhoben dieſe
Proteſt gegen einen Beſchluß des Stadtrates, wodurch dieſer in
gehei=
mer Sitzung die Konzeſſionsgeſuche zweier Stadträte genehmigte,
Oppen=
heim hat bei einer Einwohnerzahl von etwa 3800 Seelen bereits 36
Gaſt=
ſtätten, ſo daß auf rund 100 Einwohner eine Gaſtſtätte entfällt. —
Beginnender Aalfang. Zum Fange der Aale, die jetzt
ſtrom=
aufwärts wandern, wurden im Laufe dieſer Woche im Anhange eines
Schweizer Dampfers vier holländiſche Aalſchokker nach dem Altrhein
gebracht. — Die hieſige Wäldcheskerb, die Fahnenweihe der
Weinbergsarbeiter zu Nierſtein und die Jubiläumsfeier des
Nacken=
heimer Turnvereins nahmen bei überaus zahlreichem Zuſpruch einen
ſchönen Verlauf. — Verhaftet wurden hier ein Forſthſtudent aus
Kopenhagen und ein Muſikant aus Mainz; erſterer wegen
Paßver=
gehens, Betrugs und Landſtreicherei. Beide wurden nach der
Verneh=
mung in das Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert.
4d. Dalheim, B. Mai. Die hieſige Pfarrſtelle, ſeither
von Vikar Blümler verwaltet, wurde dieſem nunmehr definitiv
über=
tragen. Pfarrer Blümler, der ſchon nahezu 3 Jahre hier tätig iſt und
ſich großer Beliebtheit erfreut, iſt in Mainz geboren und war früher
Hilfsgeiſtlicher an der Luthergemeinde in Worms.
Oberheſſen.
b. Gießen, 26. Mai. Sparmaßnahmen der Stadt
Gie=
ßen. Große Einſparungen hat die Stadt in ihrem Etat für 1931 bei
dem Kabitel Schulen vorgeſehen. Während im Vorjahre die Zuſchüſſe
für Studienanſtalt. Gymnaſium. Realgymnaſium, Oberrealſchule.
Ge=
werbe= und Maſchinenbauſchule, Handelsſchule, Aliceſchule, Volksſchule
210 738 Mk. betrugen, ſo ſind im Haushalt für 1931. 179 161 Mk.
ein=
geſtellt, was eine Erſparnis von über 30 000 Mk. bedeutet. Weiter
wurde der Zuſchuß des Stadttheaters um 69 000 Mk. gekürzt und auf
313 000 Mk. feſtgeſetzt. Für die Zwecke der Landesuniverſität ſind im
Voranſchlag 8810 Mk. gegen 11 420 Mk. in 1930, vorgeſehen.
h. Gießen, 23. Mai. Mit dem Voranſchlag der Provinz
Oberheſſen für 1931 wird ſich am 6. Juni der Provinzialtag
be=
ſchäftigen. Er ſchließt in Einnahmen und Ausgaben mit je 4639800
RM. gegenüber 4 074 810 RM. im Vorjahre ab. Hiervon entfallen auf
die Betriebsrechnung 4306 500 RM., gegen 3 773 716 RM. in 1930, und
auf die Vermögensrechnung 333 300 NM. gegen 301 094 RM. in 1930.
An der Spitze der Ausgaben ſtehen für Bauweſen 3 197000 RM., denen
an Einnahmen 1842300 RM. gegenüberſtehen. Die Geſamtausgaben
beziffern ſich auf 4 306 500 RM., die Einnahmen auf 2 474 500 RM. Es
verbleibt ein Fehlbetrag von 183200 RM., der durch
Betriebsüber=
ſchüſſe des Provinzial=Waſſerwerks Inheiden, des Ueberlandwerkes
Wöl=
fersheim und aus Provinzialumlagen gedeckt werden ſoll.
h. Gießen, 25. Mai. Ein ſchweres Autounglück ereignete
ſich geſtern abend 7 Uhr am Ortsausgang Kleinlinden. Ein Kraftwagen
aus Wiesbaden, der einem Oberſtleutnant gehörte und vom
Dragoner=
tag heimfahren wollte, ſtürzte infolge ſtarken Bremſens um und wurde
ſchwer beſchädigt. Der Oberſtleutnant blieb unverletzt, während der
mitfahrende Kamerad ſchwere Kopfverletzungen davontrug. Er wurde
ſofort der Klinik zugeführt. Zum Glück ſind die Verletzungen nicht
lebensgefährlich.
DTAMNLN ALO NOtIE UiO TATLN!
MERCEDES-BENZ bedeutet Rekord: dle „1000 Mellen” von
Bres-
cla gewinnt Caracclola in tollster Fahrt — Tag
und Nacht, Kurven- und Gebirgsstrecke — mit
über 100 km Stundendurchschnltt gegen der
Welt beste Fabrikate, schnellste Rennfahrzeuge
und beste Fahrer!
MEROEDES-BENZ bedeutet Spltzengualität: auch in der
klein-
sten Type zu RM. 5980 das edle Material, die
hohe Lebensdauer, der echte Fahrkomfort und
die vollendete Formgestaltung der Weltmarke!
MEROEDEO-BENZ
MERCEDES-BENZ
MEROEDES-BENZ
bedeutet Zuverlässigkeit: auch dle kleinste.
Type „Stuttgart 200” der Weltmarke vollbringt
gigantlsche Leistungen — s0 als
schwerst-
beanspruchte Berliner Droschke weit über
300 000 km in ununterbrochenem Betrieb!
bedeutet Okonomle; nicht nur im
Personen-
wagenbau, sondern auch im Nutzfahrzeugbau
vollkommene Wirtschaftllchkelt. Und durch die
Mercedes-Benz-Rohölnutzfahrzeuge 78 M
Brennstoffersparnis!
BEDEUTET BESTLEISTUNGEN AUF ALLEN GEBIETEN
DES MODERNSTEN KRAFTFAHRZEUGBAUS1
DAIMLER-BENZ AKTIEN-GESELLSCHAFT. VERKAUFSSTELLE FRANKFURT A. M.
Verwaltung und Reparatur für Personenwagen: Frankenallee 139— 149 — Reparatur für Lastwagen: Hanauerlandstraße 106 - 108, Fernruf 41057. — Ausstellung: Rathenauplatz 14
Fernruf Maingau 75241-43. Vertretung: „Krattfahrzeug‟ Motorwagen-Verkaufsbüro Otto Heinrich Graf Hagenburg, Darmstadt, Elisabethenstraße 34. Fernruf 4104. (VT 104
Seite 8
Mittwoch, den 27. Mai 1931
Blick auf die Einweihungsfeier während der Rede des Oberpräſidenten von Pommern,
Dr. von Halfern. — Im Hintergrund rechts die neueröffnete Brücke.
Am Freitag vor Pfingſten wurde die Uſedomer Bäderbrücke, die eine der größten Klappbrücken
Deutſchlands darſtellt, feierlich für den Verkehr freigegeben.
Kal
irflugzeuge jehk auch auf dem Lande.
Engliſches Bombenflugzeug kurz nach dem Katapultabſchuß.
Auf dem engliſchen Militärverſuchsflugplatz von Famborough (Grafſchaft Hampſhire) wurden
erfolgreiche Verſuche unternommen, das auf See erprobte Katapultſtartſyſtem auch auf dem Lande
durchzuführen. Schwere Bombenflugzeuge konnten mit der neuen Vorrichtung ſicherer und weit
ſchneller geſtartet werden, als das bisher möglich war.
Reich und Ausland.
Ueberfall und Mordverſuch.
Eine Frau am hellichten Tage überfallen
und durch Meſſerſtiche und Knüppelſchläge
verletzt.
Schlüchtern, 26. Mai.
Die Ehefrau Stein, aus dem abgelegenen
Kreisort Nenſtall, befand ſich mit ihrem
Fahrrad zwiſchen Steinau und Freienſteinau
un=
terwegs, als ſie von einem jüngeren Mann, der
gleichfalls auf dem Rad fuhr, überfallen und
die Straßenböſchung hinuntergeworfen wurde.
Dort verſetzte ihr der Täter zwei Meſſerſtiche in
Bruſt und Arm. Die ziemlich ſtarke Frau ſetzte
ſich energiſch zur Wehr. Hierbei wurde das
Meſſer auf einen harten Gegenſtand abgelenkt,
ſo daß ſich die Klinge vollſtändig umbog.
Offen=
bar trug der Täter, der als ein junger Mann
von 20 bis 22 Jahren geſchildert wird, eine
Ver=
letzung davon. Der Unhold ergriff hierauf
einen Knüppel und verſetzte der Frau mehrere
heftige Schläge auf den Kopf. Die
Ueberfal=
lene raffte ſich auf und ging dem Burſchen
gleich=
falls mit einem Prügel zu Leib, wobei ſie laut
um Hilfe ſchrie. Als ein in der Nähe
arbeiten=
der Landwirt auf die Rufe der Frau ſich näherte,
ergriff der Täter in der Richtung Steinau a. d.
Str. die Flucht. Er muß ſpäter abgebogen und
im nahen Wald verſchwunden ſein. Am Tatort
wurde das zum Ueberfall benutzte Meſſer ſowie
der Knüppel aufgefunden. Der Täter wird als
jüngerer Menſch von ſchlanker Geſtalt
geſchil=
dert, der unverarbeitete Hände und keine
Kopf=
bedeckung hatte. Er trug grau=grünen
Sport=
anzug. Er war etwa 1,68 Meter groß.
Zigeunerſchlacht.
Oberhauſen. Infolge
Familienſtreitig=
keiten entſtand im Wohnlager einer
Zigeuner=
familie am erſten Pfingſtfeiertag eine große
Schägerei, bei der Beil und Meſſer eine Rolle
ſpielten. Die Ehefrau Mettmann erhielt einen
Schuß in den Oberſchenkel. Drei Söhne der
Fa=
milie Mettmann wurden ebenfalls durch Schuß=
und Stichverletzungen mehr oder weniger ſchwer
verletzt. Bei einem beſteht infolge eines
Lungen=
ſchuſſes Lebensgefahr. Die vier Verletzten
wur=
den dem Krankenhaus zugeführt. Die
nichtver=
letzten Familienmitglieder mußten den Weg zur
Polizeiwache antreten.
Vom Dampfer in den Rhein geſprungen.
Oberlahnſtein. Auf dem kurz nach
6 Uhr die Landeſtelle paſſierenden
Perſonen=
dampfer der Köln—Düſſeldorfer
Rheindampf=
ſchiffahrtsgeſellſchaft ereignete ſich ein tragiſcher
Vorfall. Als der Dampfer in der Mitte des
Stromes aufgedreht hatte, äußerte ein Mann
aus Bonn, der ſich mit ſeiner Familie an Bord
befand, daß er am liebſten ins Waſſer ſpringen
möchte. Ehe jemand ihn hindern konnte, ſchwang
er ſich über die Reeling, trieb noch eine Strecke
weit auf den Fluten und verſank dann zum
Ent=
ſetzen der Paſſagiere in dem Strom, ohne noch
einmal zum Vorſchein zu kommen.
Opfer des Rheines.
Andernach. Zehn Teilnehmer einer
größeren Reiſegeſellſchaft aus dem Ruhrgebiet,
die längere Zeit am Namedyer Werth lagerte,
badeten im Rhein, wobei ſie gegenſeitig durch
Hilferufe leichtſinnig Gefahr vortäuſchten.
Plötz=
lich verſank ein 23jähriger Mann in den Fluten.
Man hielt ſeine Hilferufe für einen Scherz. Als
man den Ernſt der Lage erkannte, war an eine
Rettung des jungen Mannes nicht mehr zu
den=
ken. Die Leiche konnte noch nicht geborgen
wer=
den.
Weißenthurm. Auf der Höhe des
Weißenthurmer Sportplatzes ertrank ein 23jähr.
Mann im Rhein. Er hatte ſich beim Baden zu
weit in die Stromrinne gewagt und verſank
plötzlich vor den Augen zahlreicher anderer
Badegäſte, ohne daß ihm Hilfe gebracht werden
konnte.
Drei Schweſtern ertrunken.
Glarus. In Oberſee ſind am
Pfingſtmon=
tag bei dem ſogenannten Waag drei Schweſtern,
die 15, 16 und 17 Jahre alten Töchter des
Feld=
hüters Melchior Landolt aus Näfels ertrunken.
Die jüngſte von ihnen hatte verſucht, an einer
abſchüſſigen Stelle zu baden und war dabei in
den See gerutſcht. Die beiden anderen
Schwe=
ſtern wurden bei dem Verſuch, der Ertrinkenden
Hilfe zu leiſten, mit in die Tiefe gezogen.
Bootsunglück auf dem Chiemſee.
Traunſtein. Ein bedauerliches
Boots=
unglück, bei dem zwei Brüder den Tod fanden,
ereignete ſich am Pfingſtmontag auf den
Chiem=
ſee. Der 17jährige Hans Stark fuhr in einem
beſchädigten Boot mit ſeinem achtjährigen
Bru=
der auf dem See. Plötzlich ſtürzte der Kleine
aus dem Boot hinaus; als der Bruder ihm zu
Hilfe kommen wollte, verſanken beide vor den
Augen der Mutter. Einer der beiden Brüder
wurde geborgen, doch blieben
Wiederbelebungs=
verſuche erfolglos. Die Leiche des anderen
Bru=
ders konnte noch nicht geborgen werden.
Im Strudel des Rheinfalles bei Schaffhauſen
ertrunken.
Baſel. Zwei junge Männer aus Zürich
hatten mit Kameraden eine Faltbootfahrt vom
Bodenſee zum Rheinfall bei Schaffhauſen
un=
ternommen. Die Beiden kamen trotz Warnung
mit ihrem Boot dem Rheinfall zu nahe, gerieten
in den Strudel und ertranken.
13 Perſonen in der Weichſel ertrunken.
Warſchau. Wie aus Krakau gemeldet
wird, ereignete ſich ſtromabwärts von Krakau
ein tragiſcher Unfall, dem elf Menſchenleben
zum Opfer fielen. Zwiſchen Mielen und
Tarnobr=
zeg wird die Ueberfahrt über die Weichſel mit
einer Fähre bewerkſtelligt. Da der Andrang
beſonders groß war, nahm der Fährmann ſtatt
der vorgeſchriebenen 25 Perſonen 32 mit. Als
ſich die Fähre einige Meter vom Ufer entfernt
hatte, kenterte ſie infolge der Ueberbelaſtung. Da
die Weichſel an der Unglücksſtelle beſonders
tief und das Ufer ſehr ſteil iſt, konnten elf
Per=
ſonen, meiſtens Arbeiter, nicht gerettet werden.
Bis jetzt ſind neun Leichen geborgen worden. Der
Fährmann wurde feſtgenommen. — In der
Nähe von Warſchau kenterte ein Boot auf der
Weichſel. Die beiden Inſaſſen ertranken.
Falſchgeldfabrik aufgedeckt.
Neuwied. Am Pfingſtſonntag wurde auf
dem Kirmesplatz in Neuwied ein 22jähriger
Mann beim Vertrieb falſcher 50=Pfg.=Stücke
feſtgenommen. Die von der
Landeskriminal=
polizeiſtelle Köln aufgenommenen Ermittlungen
führten zur Aufdeckung einer Falſchgeldfabrik.
Weiter wurden noch drei Perſonen
feſtgenom=
men, die auch überführt werden konnten, außer
den 50=Pfg.Stücken noch 2= und 3=Mark=Stücke
hergeſtellt zu haben. Das geſamte Fälſchergerät
wurde beſchlagnahmt.
Ein Laſtkraftwagen überſchlägt ſich.
Bamberg. Am Abend des erſten
Pfingſt=
feiertages ereignete ſich auf der Straße zwiſchen
Hollfeld und Bamberg, bei Scheßlitz, ein ſchwerer
Autounfall. Ein Schnell=Laſtwagen, der mit
30 Perſonen beſetzt war, kam plötzlich ins
Schleudern, überſchlug ſich und begrub faſt alle
Inſaſſen unter ſich. 25 der Inſaſſen wurden mehr
oder weniger ſchwer verletzt. Vier
Schwerver=
letzte wurden ins Scheßlitzer Krankenhaus
ge=
ſchafft, wo geſtern morgen der zehn Jahre alte
Arbeiterſohn Schütz aus Bamberg ſeinen
Ver=
letzungen erlegen iſt. Die übrigen Verletzten
wurden ins Bamberger Krankenhaus gebracht,
wovon die Leichtverletzten nach ärztlicher
Be=
handlung wieder entlaſſen wurden. Bei den
drei noch in Scheßlitz liegenden Verletzten
be=
ſteht zurzeit Lebensgefahr. Die Schuld an dem
Unglück ſoll den Fahrer treffen, der, als er die
drohende Gefahr bemerkte, ſich durch einen
Sprung in Sicherheit gebracht haben ſoll. —
Infolge der ſchweren Verletzungen bei dem
Laſtkraftwagenunfall bei Scheßlitz iſt auch der
66jährige Werkmeiſter a. D. Krauß aus
Bam=
berg geſtorben. Die Zahl der Schwerverletzten
beträgt elf, von denen noch einer in
Lebens=
gefahr ſchwebt. Von den 31 Inſaſſen des
Kraft=
wagens wurden alle verletzt.
Schwerer Unfall eines Theaterwagens.
Todtmoos. Ein mit 12 Perſonen
beſetz=
ter Schnellaſtwagen des Kurtheaters Bad
Dürr=
heim geriet zwiſchen St. Blaſien und Todtmoos
infolge Verſagens der Bremſen und der
Steue=
rung in ein ſo ſchnelles Tempo, daß er ſich
über=
ſchlug. Die etwa 40 Jahre alte Schauſpielerin
Sprettke wurde getötet, während die übrigen
Mitglieder der Theatergruppe, die ſich zum Teil
durch Abſpringen zu retten verſuchten, mehr
oder weniger ſchwer verletzt wurden. Die Truppe
befand ſich auf dem Wege nach Todtmoos, wo
ſie am Abend ſpielen wollte.
Ein Motorrad fährt gegen einen Eiſenbahnzug.
Kottbus. Ein ſchwerer Motorradunfall,
der zwei Menſchenleben forderte, ereignete ſich
auf der Station Burg. Der Zimmermeiſter
No=
weck aus Burg hatte mit ſeinem Vetter einen
Motorradausflug unternommen. Auf der
Rück=
fahrt verſuchte der Fahrer an der Kreuzung der
Spreewaldbahn mit der Chauſſee nach Burg noch
vor einem herannahenden Zuge die Gleiſe zu
überqueren. Das gelang ihm nicht, und er fuhr
mit voller Wucht gegen die Maſchine. Beide
Fahrer wurden gegen die Maſchine geſchleudert
und waren ſofort tot.
Schweres Unwetter am Pfingſtmontagabend.
Hannover. In den ſpäten Nachtſtunden
des Pfingſtmontag kam auf der Strecke zwiſchen
Gütersloh und Hamm ein ſchweres Gewitter
zum Ausbruch, das von ſtarkem Hagelſchlag
be=
gleitet wurde. Der Hagel ging faſt in der Größe
von Taubeneiern nieder, ſo daß auf den
Fel=
dern großer Schaden angerichtet wurde. Das
Gewitter erſtreckte ſich vom Bergiſchen Land
über den Teutoburger Wald bis zur Weſer.
Ein weiteres Opfer des Einſturzunglücks
in Greifswald.
Stralſund. Das ſchwere Einſturzunglück
in Greifswald hat ein weiteres Todesopfer in
der zehnjährigen Urſula Schneider aus Berlin
gefordert, die an den Folgen ihrer Verletzungen
in der Klinik geſtorben iſt.
Opfer der Berge.
Drei Tote, mehrere Verletzte.
München. Der ſtarke Pfingſtverkehr in den
Alpen hat drei Tote, drei Schwerverletzte und
mehrere Leichtverletzte als Opfer gefordert. Im
Wilden Kaiſer iſt am Pfingſtſonntag der
Mün=
chener Karl Brendl tödlich abgeſtürzt. Die Leiche
wurde geborgen. Am Pendling verunglückten
die beiden Münchener Joſef Mayr und Roſa
Brandſtetter durch Abſturz. Mayr iſt tot, ſeine
Begleiterin ſchwer verletzt. Im Gebiet des
Schachen bei Paxtenkirchen wurde der Touriſt
Fränkel aus der Gegend von Weilheim tot
auf=
gefunden. An der Fleiſchbank=Oſtwand
verun=
glückten zwei Touriſten aus Innbruck durch
Ab=
ſturz. Einer derſelben, namens Aufkirchner, trug
dabei ſchwere Armverletzungen davon. Am
Waſ=
ſerſchloß des Balchenſee=Werkes ſtürzte der
Mün=
chener Franz Ritt ab und blieb mit ſchweren
Verletzungen liegen. Weiter hat ſich noch eine
Reihe von Unfällen zugetragen, die aber
glimpf=
lich abgelaufen ſind.
Nummer 145
Tragödie in der Wüſte.
Kairo. Zugleich mit der Nachricht,
der Leiter der Vermeſſungsabteilung in d.
Wüſte Clayton für die Verdienſtmedaille vorg,
ſchlagen worden iſt, werden Einzelheiten ein
ſchrecklichen Tragödie bekannt. Ende Febru
fand Elayton in der Wüſte eine Gruppe völ,
erſchöpfter Beduinen. Sie erzählten ihm, da
ſie bei der Beſetzung der Oaſe von Kufra
dun=
die Italiener geflüchtet und nun ſchon vie
Wochen in der waſſerloſen Wüſte umhergeir,
ſeien. Noch weitere Gruppen von Beduine
ſeien unterwegs. Nachdem die Beduinen na
Wadi Halfa gebracht worden waren, machte ſi
Clayton ſofort mit drei Automobilen auf di
Suche. Er fand noch drei Gruppen von Flüct
lingen, die er in Sicherheit brachte. Wievil
Beduinen in der Wüſte zugrundegegangen ſin
ſteht noch nicht feſt. Die letzte Gruppe von 6e
retteten hatte urſprünglich aus 42 Perſonen )
ſtanden und war auf 19 zuſammengeſchrumpft
die anderen waren unterwegs liegen gebliebe
und verſchmachtet.
Abreiſe der zweiten deutſchen Himalaja=
Expedition.
München. Die zweite deutſche Himalai
Expedition, die wiederum unter Führung de
Notars Paul Bauer ſteht, hat geſtern vormitto
München verlaſſen, um nach Zürich abzureiſet,
Die Expedition, die mit dem gleichen Ziele roi
im Jahre 1929 aufgebrochen iſt, hat ſich die Be
zwingung des 8580 Meter hohen Cangchend
zönga, des dritthöchſten Berges der Erde, zun
Ziel geſetzt. Die erſte bayeriſche Expedition wa
durch einen ſchweren Wetterſturz am Cangchend
zönga in 7400 Meter Höhe zur Umkehr
g=
zwungen worden.
Heute Start Profeſſor Piccards?
Augsburg. Bei der zurzeit herrſchende
Hochdruckwetterlage beſteht die Wahrſcheinlich
keit, daß Profeſſor Piccard heute erneut ver
ſuchen wird, ſeinen Stratoſphärenflug durchsu
führen. Profeſſor Piccard, der während de
Pfingſtfeiertage verreiſt war, traf geſtern mor
gen mit ſeinem Aſſiſtenten Kipfer wieder i
Augsburg ein und begab ſich ſofort nach der
Ballonfabrik. Als Zeitpunkt des neuen
Starf=
iſt die vierte Morgenſtunde anzunehmen.
Eröffnung des 24. Deutſchen Geographentages
in Danzig.
Danzig. Unter Teilnahme von 800 Ee
lehrten aus dem Reich und dem benachbarta
Ausland ſowie in Anweſenheit von Vertretem
aus Politik und Wirtſchaft wurde geſtern vor
mittag hier der 24. Deutſche Geographentag er
öffnet. Den Kongreß, mit dem der Deutſch
Geographenverein zugleich das Feſt ſeines 5/
jährigen Beſtehens begeht, leitete eine Be
grüßungsanſprache des Prof. Dr. Friederichſen=
Breslau, des Vorſitzenden des Zentralausſchu
ſes, ein.
Dreiſter Inwelendiebſtahl in Bukareſt.
Bukareſt. Ein ſenſationeller Juwelen
diebſtahl wurde hier am Pfingſtſamstag verüb=
Ein elegant gekleidetes Paar betrat in den
Mit=
tagsſtunden ein Juwelengeſchäft in einer der be
lebteſten Straßen Bukareſts und wünſchte Brit
lanten zu kaufen. Der Juwelier legte den
Kun=
den eine Kaſſette mit wertvollen. Diamante
vor, worauf die Dame noch ein Brillantenarm)
band zu ſehen wünſchte, das in einer Ecke de
Geſchäfts ausgelegt war. Während der Juwo
lier das gewünſchte Armband holte, ergriff da
Paar die Kaſſette und ſtürzte mit ihr auf die
Straße, wo es im Augenblick in dem Menſcher,
gewühl verſchwand. Der Wert der Kaſſette, i1
der ſich 1200 Brillanten befanden, wird au
über 6 Millionen Lei geſchätzt. Es handelt ſie
offenbar um eine international organiſiert
Bande.
31 Todesopfer des Pariſer Pfingſtverkehrs.
Paris. Die beiden Pfingſttage haben
ſchwere Opfer unter den Ausflüglern gefordert.
die ſich durch das herrliche Sommerwetter ins
Freie hatten hinauslocken haſſen. Bei zahl.
reichen Unfällen auf den Landſtraßen uſw. wur.
ben 31 Perſonen getötet und etwa 100 verletzt.
einige davon lebensgefährlich. — Im Baſtille;
Bahnhof ſtießen vorgeſtern infolge falſchea
Weichenſtellung zwei Perſonenzüge zuſammen
wobei 50 Perſonen leicht verletzt wurden.
Zugentgleiſung. — Zwei Tote.
Bei St. Mihiel entgleiſten geſtern nachmittag
die hinteren Wagen eines nach Verdun
ab=
gehenden Perſonenzuges. Zwei Reiſende
wur=
den getötet, vier verletzt.
Zehn Tote bei einem Bergwerksbrand
in Hinterindien.
Madras. Bei dem Brande eines
Gold=
bergwerks in Kolar (Maiſſur) wurden zehn:
Perſonen getötet. Etwa 60 Perſonen werden!
noch vermißt.
Der engliſche Diamankenkönig Joel T=
mit der
gen He
„Solly” Joel,
einer der reichſten Männer Europas, der
Be=
ſitzer zahlreicher Diamantenfelder, ſtarb in New
Market (England) im 66. Lebensjahr. Sein
Vermögen wird auf 400 Millionen Mark
ge=
ſchätzt.
Nummer 145
die ſchwere Exploſion in den belgiſchen Waffenwerken Coquerill.
Mittwoch, den 27. Mai 1931
Seite 9
Vernebelungsübungen an einem Induſtriewerk in Nordfrankreich.
Blick auf die brennenden Fabrikanlagen in Lüttich=Seraing.
Inn den berühmten Waffenwerken von Coquerill in Lüttich=Seraing ereignete ſich ein ſchweres
Exploſionsunglück, das ein Todesopfer und 15 Schwerverletzte forderte. Der Schaden wird auf
2½ Millionen Mark berechnet.
Die Werke von Descamps in Linſelles (Nordfrankreich) werden eingenebelt.
Als Probeübung für den Luftkrieg von morgen wurde in Nordfrankreich die Vernebelung eines
großen Induſtriewerkes durchgeführt. Für Stunden war das Werk von der Luft aus völlig
unſichtbar.
Aus veint deulſcen Sfien.
Sahordr and ſeint Marigtaf nurt.
Am Großſchiffahrtskanal der Oder, 40 Kilometer von Stettin
mt der Odermündung, liegt Schwedt, die Hauptſtadt der
ehemali=
ym Herrſchaft gleichen Namens. Schwedt wird ſchon 1138
er=
vähnt, erſcheint 1265 als Stadt und kam 1479 endgültig an
Brandenburg. Vom Jahre 1481 an regierten die Grafen von
Hohenſtein in Schwedt, nach deren Ausſterben im Jahre 1609
Schwedt der Uckermark zugeteilt wurde. Das Schloß zu Schwedt
iente im 17. Jahrhundert mehrfach als Witwenſitz der
Kur=
ürſtinnen von Brandenburg; nach einem großen Brande wurde
dess Schloß im Jahre 1684 von der Kurfürſtin Dorothea neu
er=
gatt. Im Jahre 1689 wurde die Herrſchaft Schwedt dem dritten
MS ehne des Großen Kurfürſten aus zweiter Ehe, Philipp Wilhelm,
uegeben, der ſich ebenſo wie ſeine Söhne „Markgraf von Bran=
Iberaburg=Schwedt” nannte; hier ſei des Markgrafen Karl von
Schwedt beſonders gedacht.
„Markgraf Karl” — ſo hieß er kurzweg in der preußiſchen
Inmee — war einer der bedeutendſten Generale des Großen
kanigs, und wenn ſein Name hinter dem alten Deſſauer,
Schwerin, Winterfeld, Keith, Zieten und Seydlitz zurückſteht, ſo
aßt ſich dies nur dadurch erklären, daß der „Markgraf Karl”,
noch Schwerins und Keiths Heldentode immer mehr des großen
Friedrich ſtändiger Gehilfe — vielleicht ſogar ſeine rechte Hand —
wurde und daher mehr als andere „im Schatten des Titanen”
tad. Es iſt ſicherlich nicht unintereſſant feſtzuſtellen, daß
Kruch für das Denkmal Friedrich des Großen Unter den Linden
n Berlin urſprünglich den „Markgrafen Karl” als eine der vier
Rriterfiguren auserſehen hatte.
Schon als Kronprinz war Friedrich der Große ſeinem ſieben
fachre älteren Vetter „Markgraf Karl” ſehr zugetan, und wußte,
as er ſich auf ihn unbedingt verlaſſen konnte; mit ihm hat
Lrwnprinz Friedrich als Gefangener in Küſtrin auf geheimem
Bege korreſpondiert, ja er weihte ihn ſogar in ſein zartes
iebesverhältnis mit Frau von Wreech, der jungen, ſchönen
5chloßherrin von Tamſel, ein. Markgraf Karl wurde 26jährig —
n Jahre 1731 — Herrenmeiſter des Johanniterordens; er war
n erſter Linie Soldat, aber im Gegenſatz zu der Rauhheit des
hen Deſſauers mit feiner geiſtiger Bildung und mit Neigung
ü. Kunſt und Wiſſenſchaft. Die gemeinſame Teilnahme des
enonprinzen Friedrich und des Markgrafen Karl an der
Rhein=
mpagane im Jahre 1734 vermehrten noch die Gefühle
gegen=
eiriger Zuneigung und Wertſchätzung.
Im erſten Schleſiſchen Kriege nahm Markgraf Karl
rühm=
ichſten Anteil an der nächtlichen Erſtürmung von Glogau und
n den Schlachten bei Mollwitz und bei Chotuſitz. Im hellſten
ichte ſtrahlt ſein. Name in der Schlacht bei Mollwitz: Schon
hen das preußiſche Heer erſchüttert, Graf Neipperg hatte
be=
eits eine Siegesbotſchaft nach Wien abgeſandt und König
sräedrich hatte auf dringendes Anraten ſeiner Generale das
Schlachtfeld verlaſſen, da befahl der Feldmarſchall Graf Schwerin
en preußiſchen Gegenangriff. Als Schwerin erkannte hatte,
aß3 der feindliche Oberbefehlshaber ſeinen linken Flügel gegen
en unter den Klängen des Deſſauer Marſches durchgeführten
griff des preußiſchen rechten Flügels nur dadurch halten
on nte, daß er Truppen ſeines rechten Flügels zur Verſtärkung
e beiholte, da ſchickte er dem jungen General Markgrafen Karl
en Befehl, mit ſeiner erſten Brigade des preußiſchen linken
flägels dem Feinde im Geſchwindſchritt zu Leibe zu gehen:
nie klingendem Spiel rückte die ganze Front wie eine einzige
enade Schnur wie auf dem Exerzierplatze, von der Abendſonne
eleuchtet, auf den Feind los, der ſichtlich erſchreckt nicht den
Nut hatte, weiteren Widerſtand zu leiſten und ſich zur Flucht
damdte. Bewundernd hat ein öſterreichiſcher Offizier über den
Ingriff der Brigade des „Markgrafen Karl” geſagt, daß er „ſein
eStage nichts Süperberes geſehen habe‟. Der Name des „
Mark=
rafen Karl” war aber der erſte in der Liſte der Verwundeten.
„Die gloriöſe Aktion von Jägerndorf”, deren Friedrich der
hroße in ſeinen Werken gedenkt und dabei ſich im höchſten Maße
obenswert über den „Markgrafen Karl” ausſpricht, war nicht
ur eine Glanzleiſtung allererſten Grades: durch ſeinen Sieg
ber die öſterreichiſche Uebermacht und durch die Erbeutung
ſte rreichiſcher Fahnen verwandelte „Markgraf Karl” die nieder=
Orückte Stimmung der preußiſchen Hauptarmee in eine frohe
Siegeszuverſicht, die es König Friedrich ermöglichte,
Hohenfried=
eig zu ſchlagen! Auch an dem Ruhm von Hohenfriedberg und
uwr hat „Markgraf Karl” Anteil.
Gleich ſeinem königlichen Vetter Friedrich genoß Markgraf
arl die faſt elf Friedensjahre zwiſchen dem zweiten Schleſiſchen
no dem dritten Schleſiſchen, dem Siebenjährigen Kriege. Der
De Menſchenfreund Markgraf Karl fano Muße, ſeinen Neigun=
Ae= nachzugehen, er lebte in der Hauptſache auf ſeinen Gütern
ſr.=edrichsfelde, Quilitz und Friedland in der Mark und
Weſter=
ue9 und Wegeleben bei Halberſtadt, ſich den Künſten und
Ocſſenſchaften hingebend; mit ſeiner Ernennung zum General
ei. Infanterie hatte Markgraf Karl die höchſte ihm zugängliche
nlitäriſche Staffel erreicht, denn in damaliger Zeit war es
Nauuch, daß die Prinzen des hohenzollerſchen Königshauſes auf
ſe Feldmarſchallswürde verzichten mußten; dies wurde dem
Varkgrafen Karl nicht leicht und Friedrich der Große ſah ſich
veranlaßt, ihm in drei Briefen zu verſichern, daß ihm nichts
ferner läge, als ihn zu kränken.
Zu Beginn des Siebenjährigen Krieges hielt Markgraf Karl
die Sachſen in ihrem Lager bei Pirna eingeſchloſſen; den
Ent=
ſatz der Sächſiſchen Armee durch die Oeſterreicher machte er durch
das Anlegen eines Syſtems von Verhauen unmöglich, ein
Elb=
übergang des eingeſchloſſenen Sächſiſchen Heeres wurde durch
die preußiſche Artillerie verhindert. Der Umſicht und Tatkraft
des Markgrafen Karl verdankt es König Friedrich, daß die
Sächſiſche Armee nach ſeinem bei Loboſitz über die Oeſterreicher
erfochtenen Siege kapitulierte.
Im zweiten Jahre des Siebenjährigen Krieges iſt als ein
ganz beſonderes Verdienſt des Markgrafen Karl hervorzuheben,
daß es ihm gelang, einen im höchſten Grade verderblichen Zwiſt
in der königlichen Familie durch ſeine Vermittelung wenigſtens
ſo beizulegen, daß die gegen Preußen verbündeten feindlichen
Staaten keinen Triumph buchen konnten: Nach dem
Unglücks=
tage von Kolin hatte der ſeeliſch ſehr niedergedrückte König
Friedrich ſeinen Bruder und Thronfolger Auguſt Wilhelm den
Oberbefehl über die böhmiſche Armee übertragen; die Folge
dieſer wenig glücklichen Wahl war ein dem Thronfolger vom
König vor verſammelter Generalität ausgeſprochener ſcharfer
Tadel, demzufolge der Prinz die Armee verließ und ſich in
lauten Klagen Luft machte. Der Vermittelung des Markgrafen
Karl gelang es nun, den Thronfolger von ſeiner Flucht in die
Oeffentlichkeit abzuhalten, in Sonderheit ihn dazu zu bewegen,
von einer Veröffentlichung ſeiner Verteidigungsſchrift und ſeines
Briefwechſels mit dem Könige abzuſehen.
Im heftigſten Schlachtgetümmel von Hochkirch führte
Mark=
graf Karl, von ſeinem treuen Mohren Pietro begleitet, unter
dem Rufe: „Pietro und brave Preußen ſcheuen kein Feuer!”
das erſte Bataillon Kannacker zum Angriff, während das zweite
Bataillon ſeines eigenen Regiments „Markgraf Karl” den
Kirch=
hof von Hochkirch heldenmütig verteidigte: Markgraf Karl war
es auch, der im Getümmel der Schlacht zum Schutze des Königs
eine Schwadron Leibhuſaren beorderte; beim Morgengrauen
halten Seydlitz und der verwundete Markgraf Karl neben
König Friedrich.
Nach dem in Breslau verlebten Winter 1758/59, in dem er
König Friedrich oft Geſellſchaft leiſtete, war es dem Markgrafen
Karl vergönnt, an der unglücklichen Schlacht bei Kunersdorf
nicht teilzunehmen — auch Kolin war ihm erſpart geblieben —;
deſto glänzender iſt des Markgrafen Karl Teilnahme in den
Schlachten bei Liegnitz und bei Torgau. Hier bei Torgau
be=
fehligte Markgraf Karl den linken Flügel des erſten Treffens
der Heeresabteilung des Königs. Wenn das Buch der Geſchichte
meldet, daß Zieten mit ſeiner Heeresabteilung der blutigen
Schlacht bei Torgau die ſiegreiche Wendung gegeben hat, dann
darf nicht unerwähnt bleiben, daß des Markgrafen Karl Regiment
einen kühnen Bajonettenangriff unternahm und ſich mit den
tapferen Regimentern Forcade, Prinz von Preußen, Garde und
Grenadiere auf den erkämpften Süptitzer Höhen ein nächtliches
Stelldichein gab; Markgraf Karl ſelbſt wurde in der Schlacht
bei Torgau zum dritten Male verwundet.
Im Jahre 1761 operierte Markgraf Karl mit ſeinem
ſelb=
ſtändigen Kommando — mehrere Wochen hat ihm der König
ſogar die Hauptarmee anvertraut — ſehr geſchickt gegen die
Oeſterreicher. Dies war ſein letztes Feldzugsjahr, denn im
folgenden Jahre lag Markgraf Karl krank in Breslau; er ſtarb
am 22. Juni 1762. König Friedrich ſchrieb an ſeinen Bruder
Heinrich: „Der arme Markgraf iſt tot; er war der ehrenwerteſte
Mann, guter Patriot und mein guter und alter Freund!‟ Des
Königs Schreiben an den Marquis d’Argens enthält den Satz:
„Mein armer Markgraf iſt tot; ich bin davon tief ergriffen.
Das war der ehrenhafteſte Mann von der Welt!” Am 28. April
1763 wurde Markgraf Karl in der Hohenzollerngruft des Domes
in Berlin beigeſetzt. Der Nachwelt iſt ſein Bild zu Pferde neben
dem Feldmarſchall Keith auf der Vorderſeite des Sockels des
Denkmals Friedrichs des Großen Unter den Linden in Berlin
erhalten worden.
Mit Schloß und Stadt Schwedt iſt preußiſch=deutſcher
Reiter=
geiſt auf’s engſte verbunden: hat doch der große Reitergeneral
von Sehdlitz in ſeiner Jugend im Schloſſe zu Schwedt
Pagen=
dienſte beim „tollen Markgrafen” geleiſtet, und iſt die Stadt
Schwedt doch ſeit dem Ende des Siebenjährigen Krieges bis lich ein bekannter Facharzt für Orthopädie die heute ſo
verbrei=
zur großen Heeresauflöſung nach dem Weltkriege Stabsgarniſon
des 1. Brandenburgiſchen Dragoner=Regiments Nr. 2 — der
Schwedter Dragoner — geweſen, mit Ausnahme des Zeitraums
von 1849—1867, da während dieſer achtzehn Jahre die Reitſchule
ſich in Schwedt befand, die dann nach Hannover verlegt wurde.
Aus der Geſchichte des am 24. April 1689 gegründeten
2. Dragoner=Regiments ſeien hier einige Glanzleiſtungen
er=
wähnt: So trübe der Tag von Kolin war, für das 2. Dragoner=
Regiment erſtrahlt er in der Kriegsgeſchichte in goldenen Lettern! wird am Donnerstag, den 28 Mai, im Schuhhaus Gottlieb
Die „Normann=Dragoner” — ſo hieß das Regiment damals — 1
bildeten mit den „Rochow=Küraſſieren”, deren Kommandeur der
36jährige Oberſt von Sehdlitz war, die Brigade Kroſigk. Im s
Trabe auf dem Schlachtfelde von Kolin angelangt, erkennen
Brigade= und Regiments=Kommandeure klar die Lage: Ohne das ſtungsfähigkeit und Wiederherſtellung Ihrer Lebensfreude.
Eintreffen des Regiments Prinz von Preußen abzuwarten
mar=
ſchieren beide Regimenter auf und attackieren. Tödlich getroffen
ſinkt General von Kroſigk vom Pferde, aber wie ein eiſerner
Keil brechen die „Normann=Dragoner” unter ihrem Kommandeur
Major von Pomeiske und die „Rochow=Küraſſiere” unter Oberſt
von Seydlitz in die feindlichen Linien, bohren ſich den Weg
durch die Maſſen und reiten auch das feindliche zweite Treffen
nieder. Dieſe meiſterhafte Attacke konnte vorübergehend auf
einem Teile des Schlachtfeldes die Lage wiederherſtellen, das
Schickſal der verlorenen Schlacht aber nicht abwenden, weil die
Reitermaſſen fehlten. Der Große König hat mit ſeiner
An=
erkennung nicht gekargt: Die beiden Regiments=Kommandeure
erhielten den Schwarzen Adlerorden, außerdem wurden ſie
be=
fördert, und zwar der Oberſt von Seydlitz zum Generalmajor,
der Major von Pomeiske zum Oberſtleutnant, von den Normann=
Dragonern — den Schwedter Dragonern — wurden noch 3
Offiziere zu Majors und 6 Offiziere zu Hauptleuten befördert,
auch wurde ein Leutnant ernannt; es ſei hier erwähnt, daß die
Benennung „Rittmeiſter” bei den Dragonern erſt unter König
Friedrich Wilhelm II. aufkam.
Der „goldene Mützenadler”, den die „Schwedter Dragoner”
über der Kokarde trugen, baſiert auf einem ſchneidigen Attacken=
Ueberfall auf ein franzöſiſches Fouragierkommando im
Befrei=
ungskriege: das alarmierte Regiment „Schwedter Dragoner”
ließ ſich keine Zeit die Uniform und Pferdeausrüſtung
vorſchrifts=
mäßig in Ordnung zu bringen, ſondern ſchlug einfach in Mütze
und auf Decke den Feind in die Flucht; die Dragoner ſteckten
ſich die von den Feinden erbeuteten Helmadler an die Mützen.
Als König Friedrich Wilhelm III. einſt das Regiment mir den
erbeuteten goldenen Mützenadlern ſah, ſagte er: „eigentlich nicht
erlaubt das”; auf des Kommandierenden Generals Frage, ob
es abgeſtellt werden ſollte, erwiderte der König: „Kann immer
ſo bleiben”. Später — im Jahre 1861 — wurde das Tragen
der „goldenen Mützenadler” dem Schwedter Dragoner=Regiment
durch allerhöchſten Befehl genehmigt.
Die Keſſelpauken, welche die „Schwedter Dragoner” führten,
wurden im ſpaniſchen Erbfolgekriege am 11. Juli 1708 in der
Schlacht von Oudenaarde in Flandern erbeutet, in der die
Ver=
bündeten unter dem Herzog von Marlborough und dem Prinzen
Eugen von Savoyen einen entſcheidenden Sieg über die
Fran=
zoſen unter dem Herzog von Burgund und dem Herzog von
Vendöme erfochten.
Als beſondere Auszeichnung trugen die Offiziere des
Schwedter Dragoner=Regiments” den Adlerkorbſäbel und die
Fähnriche alte franzöſiſche Chaſſeurſäbel.
Die Auflöſung des ruhmreichen alten Heeres hat den
Reiter=
geiſt der „Schwedter Dragoner” nicht ſterben laſſen: dieſer
Reiter=
geiſt lebt weiter, und zwar in dem in der Stadt Schwedt an
der Oder ſtehenden Reiterregiment 6, deſſen eine Schwadron den
„goldenen Mützenadler” des Dragoner Regiments Nr. 2 — der
Schwedter Dragoner — als Tradition weiter trägt.
Der Geiſt und die Taten der alten deutſchen Armee brauchen
das Licht nicht zu ſcheuen: je größer das Dunkel der deutſchen
Gegenwart iſt, deſto heller erſtrahlt ihr Ruhm! Der deutſche
Reitergeiſt, der in Schwedt an der Oder bei den „Schwedter
Dragonern” eine ganz beſondere Heimatſtätte hatte, wird auch
in Zukunft — beritten oder motoriſiert — weiterleben und „den
Gegner allemal zuerſt attaquieren”!
In ſeinem Gedicht „Nächtliche Heerſchau” läßt Freiherr
Joſeph Chriſtian von Zedlitz den Kaiſer Napoleon in
mitternächtlicher Stunde die Parade über ſein Heer
abnehmen. Im kraſſen Gegenſatz hierzu braucht der große
König Friedrich das Licht der Sonne nicht zu
ſcheuen! Wenn der „alte Fritz” in Walhall auf ſeinem
Lieb=
lingsſchimmel Condé die Parade über ſeine ſiegreichen Truppen
abnimmt, dann leuchten ſeine großen blauen Augen beſonders
er=
freut, wenn er unter ſeinen Generalen den „Markgrafen
Karl von Schwedt” erkennt, und an dem Lüften ſeines
Dreimaſters vor den „Schwedter Dragonern” erkennen
dieſe deutlich die beſondere Zufriedenheit und Anerkennung des
Großen Königs.
Ei.
Geſchäftliches.
Es klingt wie ein Wunder, wenn Sie hören, daß auch Ihnen die
Möglichkeit gegeben iſt, übermäßige Körperfülle durch ein einfaches
Mit=
tel zu beſeitigen. Wollen Sie ſchlank und geſchmeidig werden, ſo
wen=
den Sie ſich vertrauensvoll an Frau Klara Maſt, Bremen,
welche Ihnen gern koſtenlos das Mittel bekannt gibt.
Als „moderne Volkskrankheit” bezeichnete,
kürz=
teten Fußleiden. Er ſchrieb in dieſem Zuſammenhang weiter:
„Das Dr.=Scholl=Syſtem iſt bereits, ſeit drei Jahrzehnten aus dem
Stadium des Experiments heraus. Es bringt Heilbehelfe, die
unter Verwendung jeder orthopädiſchen Neuerung langjährig
aus=
probiert ſind und jeder wiſſenſchaftlichen Unterſuchung
ſtandhal=
ten.” Wenn auch Sie von Ihren Fußbeſchwerden befreit werden
wollen, bedienen ſie ſich des Dr. Scholl=Fußpflege=
Syſtems. Es wird Ihnen helfen, wie es ſchon Millionen
Men=
ſchen geholfen hat. Ein Fuß=Spezialiſt der Deutſchen Scholl=Werke
u. Georg Dequis, Reichelsheim i O., Schuhwaren, pcrſönlich
anweſend ſein und Fußprüfungen und Beratungen bei allen
Fuß=
leidenden koſtenlos und ohne jede Kaufverpflichtung vornehmen.
Verſäumen Sie dieſe Gelegenheit nicht; jeder Tag, den Sie ohne
Fußſchmerzen verbringen, bedeutet eine Steigerung Ihrer Lei=
Die Verlobung unserer Tochter Dorotea mit
Herrn Ernst von Holleben zeigen wir
hler-
durch an
Robert Freiherr Löw
von und zu Steinfurth
Vorsitzender der land- und forstw.
Berufs-
genossenschaft für Hessen
Regierungerat a. D.
Emmy Freifrau Löw
von und zu Steinfurth
geb. Lorentz
Darmstadt im Mai 1951
seco
Statt Karten.
Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen
Dipl.-ing. Albrecht Herzog
U. FrauLUise, geb. Schulmeyer
Darmstadt, im Mai 1931.
Landskronstr. 76.
Kirchliche Trauung: Donnerstag, den 28. Mai,
nach-
mittags 3½ Uhr, in der Pauluskirche.
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es
gefallen unſere liele Tochter,
Schweſter und Schwägerin
Anna Völger
35 Jahre alt, nach kurzer, ſchwerer
Krankheit zu ſich zu nehmen.
Am Montag, den 25. Mai entſchlief
meine liebe Mutter, unſere gute
Schwieger=
mutter und Großmutter
Raigelmne Ramiier
im Alter von 88½ Jahren.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Friedrich Kämmler.
Darmſtadt, Riedeſelſtraße 68.
Die Beerdigung findet Mittwoch, nachmittags
2½ Uhr, vom Portale des Waldfriedhofs
aus ſtatt.
Am 2. Pfingſifeiertage entſchlief ſanft und
gottergeben nach kurzer Krankheit unſer liebes
Fräulein
im Alter von 73 Jahren.
Frau Magd. Haun, Wwe.
Herrngartenſtraße 23.
Die Beiſetzung findet am Donnerstag, den 28. d8. Mts.
vormittags 11 Uhr auf dem Friedhofe Nieder=
Nam=
ſtädterſtraße, ſtatt.
(
Im Namen d. trauernd. Hinterbliebenen:
Marie Völger III. Bwe.
Arheilgen, den 25. Mai 1931. (
Die Beerdigung findet
Donners=
tag; nachmittags 17.30 Uhr, auf
dem Friedhof in Arheilgen ſtatt.
Dienstag früh verſchied nach
langem Leiden meine liebe Frau,
unſere gute Mutter,
Schwieger=
mutter und Großmutter
geb. Günther
im 6s. Lebensjahre,
Im Namen d. trauernd. Hinterbliebenen:
Karl Leonh. Fornoff
und Kinder.
Darmſtadt, Viktoriaplatz 2.
Die Beerdigung findet
Donners=
tag, 28. Mai 1931, um 4 Uhr, auf
dem Waldfriedhof ſtatt.
8e34) Rheinſtraße 1
Meine Sprechſtunden fallen am 27.
und 28. Mai aus
Dr. Schimmel
Frauenarzt
WV.s2ss
Wilhelminenſtraße 22.
Habe meine Praxis nun wieder auf-
genommen
Habe meine Sprechstunden
wieder aufgenommen
Walter Baer, Dentist
Heinrichstr. 46 (J) Teleton 1846
Individuelle Fußpflege
Dremed. HeHadsen Hähneraugen, Hornhant, eingen. Mägel
Facharzt für Hautkrankheiten
Röntgen- und Lichtbehandlung fär
Hautkrankheiten.
Obere Rheinstr. 6 (IV 8258
Für 2 Auto=Laſtzüge
zum 1. 7. Beiladung nach Oberheſſen,
Richtung Friedberg, Gießen, Grünberg
geſucht.
(8233
1. Dlefenbach & Sohn, G.m.b. H.,
Pankratiusſtr. 13. — Tel. 2483.
Schnelltransporte
aller Art übernimmt Neumann,
Eliſa=
bethenſtr. 30. Tel. 2055, 3029. (64260
verden schmerzlos entfernt von ärztlich
geprüftem Personal. (8255
Eußleiden
Ueber Senk-, Platt- und Spreizfüße
kosten-
ose Auskunft, Rat und Hilfe. Kein
Schuh-
verkauf. Schreiben Sie eine Karte für
Hausbesuch.
SPATH, Emilstr. 25, Tel. 1725
Damen= u. Kinder=
Kleider
werden gutſitzend u.
billig angefertigt.
Kirchſtraße 19, I.
(6676a)
Ketten
A
werden zur kosten-
Iosen Pußpräfung und
Beratung ohne jede
Kauf-
verpflichrung eingeladen.
(n Huss-Spemalist
des Dr. Scholl Pußpflege-Syſtems iſt am
Donnerstag, den 23. Mai
zur persönlichen Beratung anwesend.
Einerlei ob Sie Hühneraugen, Hornhau,
Ballen, Schmerzen in Puß und Bein,
Schwellung am Knöchel oder Riſt haben,
Dr Scholls kusspflege-System
briagt Ihnen rasch und sicher Hilfe.
Georg &. Gottlieb Deguis, Schuhwaren
Reichelsheim/0denw. (VI.3259
Arterienverkalkung
Ihre Vorboten und Beglelterschelnungen wie:
nober Blutdruck, Atemmot, Schwin delanfälle, Herz.
beschwerden, Schlatlosigkelt, Glcbt, Rbeuma
bekämpfen Ble durch
„Radiosclerin‟ wr. Nr. 913 344,
die seit Jahren bewührten radiumhalltigen Brunnen-Tabletten (mit konto
Radiumgehalt). Nach Gutachten erster med. Autoritdten bewirkt reines
Radium-
sals Entkalkung der Gefäße und damit eine bessere Blutzirkulation, swie
normale Funktion der lebenswichtigen Organe, besonders des Drüsenaustem.
und Wioderherstellung geistiger und körperlicher Frische, Orig.-Röhre Mk. 2.50.
Oris--Packs. mit 5 Röhren Mk. 11.— Orig.-Packg. mit 10 Röhren Mk. 20.—
Zu haben in allen Apotheken.
Literahu mit ärztlich. Gutachten, klinischen Berichten und Probe-Tabl, kosten
or durch: Radioselerin-Gesellschaft m. b. H., Berlin SW 68/21
J 300
Wegen bevorstehendem
TMOT
empfehlen wir uns bei Bedarf von
Herren-und Damenkonfektion
zu ganz besonders niedrigen
Ausnahme-Preisen!
8239
ALLIOS
Darmstadt, Elisasethenstraße 6
Dr. 5. Groos
Ohrenarzl.
Vertreter:
Dr. Buß,
Hölgesſtraße 14,
Nr. Rechel.
Luiſenplatz 1,
Dr. Rockemer,
Mühlſtraße 12.
Dr. Rechel
Ohren=, Naſen=,
Halsfacharzt
zurück.
(8254b)
Bin. 6226
Privat-Schneider- Unterricht
Gründliche Ausbildung an eigener Garderobe
Zuschnelden,
Klelder-, Mäntel-,
Wäsche-Nähen
Tonl Hanau -Meisterin
Elisabethenstragse 70, I. Telefon Nr. 4243 S
Sind Sie mit dem Erfolg
Ihrer Reklame zufrieden.
— oder meinen Sie nicht, dass
vielleicht doch noch ein besseres
Er-
gebnis zu erzielen wäre? Wenden
Sie sich einmal vertrauensvoll an uns!
Ganz gewiß läßt sich ein Weg finden,
für Ihr Unternehmen und Ihre Waren
noch erfolgreicher zu werben. Unsere
20jährige Erfahrung auf allen Gebieten
moderner Kundenwerbung steht
Ihnen zur Verfügung — unter
Um-
ständen völlig kostenlos! Wo es gilt,
mit geringeren Reklamekosten grö-
Beren Erfolg zu erzwingen — da ist das
rechte Arbeitsfeld für uns. Also — bitte:
schrelben Sie uns noch heute — unsere
Antwort wird Ihnen interessante
Auf-
klärungen bringen — selbstredend
unverbindlich!
ANNONCEN-ERPEDITION
KOLOMALKRIEGERDANK
BERLNW 35
(IT.80A4
Wir werben wirksamer und wirtschaftlicher
[ ← ][ ][ → ]Nummer 145
Mittwoch, den 27. Mai 1931
Seite 11
Sport, Sptel und Jurnen
SZweikes deutſches Jungflieger=Treffen
aaf oer Baſſerlagpe.
Wafſerkuppe, 26. Mai. Der Deutſche Luftfahrerverband hatte auch
in dieſem Jahre wieder zu Pfingſten ſeine Jungflieger zum zweiten
d utſchen Jungfliegertreffen und Modellwettbewerb für Segelflugmodelle
auf der Waſſerkuppe zuſammenberufen. Trotz der Zeitnöte waren 470
Auungflieger aus allen Gegenden Deutſchlands ſeinem Rufe gefolgt.
Srhon am Samstag trafen die Jungflieger aus den entfernteſten
Gegen=
den, aus Flensburg, Hamburg, Bremen, Sachſen, Schleſien,
Württem=
rg, dem Saargebiet uſw., ein.
Eingeleitet wurde das Treffen durch einen Fackelzug nach dem
Flie=
gerdenkmal, wo eine Heldengedenkfeier ſtattfand. Der 1. Vorſitzende des
Zeutſchen Luftfahrer=Verbandes, Staatsminiſter a. D. Dominieus.
helt die Gedenkrede, die in einem Hoch auf unſer Vaterland ausklang.
Arn Pfingſtſonntag vormittag ſtellten ſich die Jungflieger mit 227
Mo=
a Uen dem Starter. Wenn auch der Wind von 8—10 Sekundenmetern
zir nächſt wenig günſtig erſchien und große Anforderungen an die
Teil=
vehmer ſtellte, wurden doch die Leiſtungen des vergangenen Jahres
er=
icht. Die großen Modellbaukanonen, wie Winkler=Berlin, die
Weißen=
fillſer, die Mitteldeutſchen, die Frankfurter uſw., erzielten Flugzeiten
uen 4 bis 5 Minuten und Strecken bis zu 2000 Metern. Sieger wurden
lit Klaſſe 4. der Senioren Dittmar=Schweinfurt mit 1910 Metern
uind Gutſch=Dresden mit 1250 Metern. Letzterer erzielte auch die
hachſte Flugdauer mit 3:37 Minuten. In Klaſſe B der Junioren
er=
zielte Heilmann=Greiz mit 700 Meter Strecke und Schienerer
mät 2:02 Minuten die beſten Leiſtungen. Am Montag führte das
For=
ſoungsinſtitut der Rhön=Roſſitten=Geſellſchaft, die auch in dieſem Jahre
ie benswürdiger Gaſtgeber war, einen Schleppſegelflug mit Riedel am
eEeuer des Motorflugzeugs und dem Frankfurter Weltrekordmann
19roenhoff am Steuer des Segelflugzeugs vor. Des weiteren zeigte
Aroenhoff auch in zwei gelungenen Starts das neue Geheimnis der
Waſſerkuppe, die ſchwanzloſe Maſchine des Ozeanfliegers Koehl, des
„Ciegenden Dreiecks”, Lippiſechs (Rhön=Roſfitten=Geſellſchaft). Welch
großes Intereſſe auch die Behörden an der Veranſtaltung nahmen,
be=
u es die Anweſenheit des Oberregierungsrats Geyer vom
Reichsver=
eSrsminiſterium. „Bei herrlichſtem Wetter fand die großzügige und
rei=
hengslos verlaufene Veranſtaltung am Montag abend ihren Abſchluß.
Bafferbalt.
Jung=Deutſchland — Rol=Weiß Darmſtadk.
Am Freitag abend 20 Uhr nehmen die
Gaumeiſterſchafts=
ſtäele im Waſſerball mit dem Spiel der beiden Darmſtädter
Lokalriva=
le, Jung=Deutſchland und Rot=Weiß, ihren Anfang. Nach den harten
Kämpfen im letzten Winter iſt man ſehr geſpannt auf das erſte
Zuſam=
nentreffen im freien Waſſer. Da der 1. Frankfurter SC. der einzige
meitere Teilnehmer an den Spielen iſt, wird ſchon das erſte Spiel am
Freitag abend eine Art Vorentſcheidung bringen. Wir kommen auf das
Siel noch zurück.
Leichkathlefik.
Sportverein 1898 in Altendiez.
Verbunden mit dem 20jährigen Beſtehen des SV. Viktoria
n 11 Altendiez, fanden am 1. Pfingſtfeiertag die 11. Nationalen
eächtathletiſchen Wettkämpfe ſtatt. Die Sommerglut der letzten
Woche hatte die ſchon lockere Schicht der nur 300 Meter langen
Lnufbahn in eine Staubmaſſe verwandelt, ſo daß die erzielten
Zeiten nur ſehr mäßig waren. Durch die Gaſtfreundlichkeit der
Lnndbevölkerung, die jedem Sportler bekannt iſt, der einmal in
dieeſer Gegend geſtartet iſt, war es möglich, ſtarke Konkurrenz aus
Areſt= Mittel= und Süddeutſchland am Start zu ſehen. Habich,
Hebel und Krauth belegten folgende Plätze: 800 Meter:
Krautb SV. 98, 2:14,3, 2. Waldorf. SC. Koblenz 1900,
Jäger, VfB. Gießen. 1000 Meter: 1. Holſtein, ASC. Köln=
Marienburg, 2:56,7, 2. Simon, VfB. Gießen, 3. Barwick VfB.
Frankfurt a. M. 4. Hebel, SV 98 3000 Meter: 1. Schaaf,
EleV. Gießen 1900, 9:442, 2. Habich, SV. Darmſtadt 1898,
Krandbreite zurück, 3. Obelod, VfB. Wiſſen, 4. Gerhard. SV.
Greßen 1900.
In dem geſtrigen Bericht ſüddeutſche Medenſpiele muß das
Swiel, Kleinlogel / Tücher — Fuchs Wetzel richtig heißen 8:6,
12B, 6:3.
Mit 5:3 Toren verlor Uruguay in Montevideo den Endkampf um
due ſüdamerikaniſche Fußballmeiſterſchaft gegen Argentinien.
In der 2. Runde wurde in Valencia Spaniens
Halbſchwergewichts=
meiſter Martinez von dem Italiener Bernasconi k.o. geſchlagen.
Die Radfernfahrt Brüſſel—Antwerpen-Brüſſel wurde von dem
Bel=
mer Joly gewonnen, während die deutſchen Teilnehmer unplaciert
blreben.
Der Davispokalkampf Japan — Aegypten wird vom 2. bis 4. Juni
in Paris durchgeführt.
Zußball.
* Kreisliga Sudheſſen.
Die zahlreichen Begegnungen über Pfingſten hatten ſehr ſtark unter
der ſommerlichen Hitze zu leiden. Die Vereinsleitungen müßten
ver=
nünftig ſein und alle Spiele erſt am Abend gegen 6 Uhr austragen
laſſen. Der Bibliſer FV. ſpielte an zwei Tagen zu Hauſe, und zwar
am 1. Feiertag gegen Walldorf komb. 5:2, verlor dagegen am
Pfingſt=
montag gegen Sppgg. Arheilgen 2:5 „Edelweiß” Zwingenberg blieb
mit 7:5 Toren über die Bibliſer Reſervemannſchaft ſiegreich. Ein
Wochen=Abendſpiel der Bibliſer gegen die 1. Mannſchaft von Alemannia
Worms in Worms ging 1:6 verloren. FV. Hofheim verlor in einem
Abendſpiel in Worms gegen Wormatia komb. 0:6, über Pfingſten war
Alemannia Worms in Hofheim zu Gaſt. Das Spiel der 1. Mannſchaften
endete 3:2 zugunſten der Gäſte. „VfL. Lampertheim verlor gegen die
Pokalmannſchaft Alemannias 1:3 und gegen Haſſia Dieburg 2:4. Das
Spiel gegen Alemannia nahm leider einen ſchlechten Ausklang, da eine
Keilerei einſetzte, wobei ſich hauptſächlich der Lampertheimer Tormann
unrühmlich herportat. Die Bürſtädter Raſenſpieler blieben am Samstag
abend in Bensheim 4:2 ſiegreich, verloren dagegen in Arheilgen am
erſten Feiertag 2:3. Olympia Worms konnte ein Pokalſpiel gegen Spp.
Weinsheim 5:0 gewinnen. Die Vereine des Niedgaues ſtellten über die
Feiertage folgende Reſultate auf: Zwingenberg —
Turnerfußballmann=
ſchaft Biebesheim 7:1; Hüttenfeld — Starkenburgia Heppenheim Reſ.
4:4; Bobſtadt — Gimbsheim 2:6, Nückſpiel am Pfingſtmontag 3:1 für
Bobſtadt; „Spv. Herrnsheim — Olympia Biebesheim 3:1; Olympia
Biebesheim — Spv. Hahn 3:0; Klein=Hauſen — Olympia Lorſch komb.
2:5; Groß=Rohrheim — Rheingold Hamm 7:0; Klein=Hauſen — VfR.
Mannheim (Privatmannſchaft) 1:3. Es waren alſo im Gau Ried
ſämt=
liche Vereine über die Feiertage eifrig bei der Sache.
Ein Beſchluß auf dem letzten Verbandstag, wonach die Gaue
auf=
gelöſt werden ſollen, machte eine Beſprechung der
füdheſſi=
ſchen Vereine notwendig. Die Tagung fand in Worms ſtatt und
war überraſchender Weiſe ſehr gut beſucht. Die Tagesordnung wickelte
ſich programmgemäß ab; die Ausführungen der einzelnen Nedner
gipfel=
ten darin, daß der geographiſch ſehr gut zuſammengeſtellte
Südheſſen=
kreis ſo bleiben ſoll, wie er ſeither eingeteilt war. Es wurde zum
Schluſſe auch eine Reſolution gefaßt, in der feſtgelegt wurde, daß kein
Verein vom Südheſſenkreis abgetrennt werden ſoll.
Heidelberg=Edingen — Fr. Turngemeinde Darmſtadt 1:2,
Heidelberg — Fr. Turngemeinde Darmſtadt 1:4.
Die erſte Elf der Fußballabteilung der Fr. Turngemeinde
Darmſtadt weilte über Pfingſten im herrlichen Neckartal. Am
erſten Feiertag war ſie Gaſt bei dem Arb.=Fußballverein Edingen
und konnte nach werbendem Spiele einen 2:1=Sieg erzielen. Am
2 Feiertag war Freie Turnerſchaft Heidelberg der Gaſtgeber.
Nach der 1:0=Niederlage, die Darmſtadt im Vorſpiel auf
heimi=
ſchem Gelände erlitt, war man auf den Ausgang dieſes Spieles
geſpannt. Nach überzeugendem Spiele gelang es den
Darmſtäd=
tern, einen 4:1=Sieg herauszuholen. Angeſichts der Reiſeſtrapazen
und der drückenden Hitze dürften beide Reſultate der Mannſchaft
hoch anzurechnen ſein.
Pferdeſpork.
Deutſche Reiterſiege in Oeſterreich.
In dem Internationalen Reit= und Fahrturnier in Laxenburg bei
Wien zeigte Deutſchland ausgezeichnete Leiſtungen. Im Preiſe von „St.
Georg” ſiegte Graf Hohenau=Deutſchland mit Neſtor, im Amazonenpreis
ſprang den Sieg Ella Poſchinger=Deutſchland in 1:09,/4, in der großen
Reiterprüfung der Herren beſetzte Oberleutnant Holſt=Deutſchland mit
Landsknecht in 1:41,2 und mit Meerkatze in 1:46 die beiden erſten Plätze.
Dritter war Oberleutnant Viebig=Deutſchland in 1:54,3.
Rennen zu Karlshorſt.
1. Luftieus=Hürdenrennen: Lehrlingsreiten, 2300 Mark, 3000 Meter:
1. Starkes Teneriffe (Bielke), 2. Donizetti, 3. Pronto. Toto: 10.
5—W.
2. Preis von Illniſch: Jagdrennen, für Vierjährige 3000 Mark 3000
Meter: 1. Janſens Oſtfranke (Oſtermann) 2. Saharet, 3.
Kriegs=
ſpiel. Toto: 30, Platz: 13, 27, 13. 7—8 Lg. Ferner; Mark,
Lieb=
haberei, Harold, Friederike, Lorenz.
3. Reſidenz=Jadrennen; Hervenreiten, 3500 Mark, 4000 Meter: 1.
Weſter=
kamps Hohenfels (Bartels), 2. Vigor, 3. Teutobod Toto: 67.
Platz: B, 16. W.—H. Ferner: Morgenpracht, Ernani,
4. Ausgleich der Vierjährigen: Jagdrennen, Ausgleich I, 5000 Mark,
3400 Meter: 1. Scharrs Hetmann (W. Schmidt), 2. San Domenico,
3. Riviera. Toto; 43. Platz: 17, 19 25. ½—6 Lg. Ferner;
Tam=
bur, Fenelon, Gulbrand, Servus, Rheinart.
5. Glücksrad=Hürdenrennen: Ausgleich III, Verloſungsrennen, 4000 Mk.,
3000 Meter: 1. v. Sternfeldts Spala (Kreienbring), 2. Peterſilie,
3. Mignoma. Toto: 49. Platz: 14, 13, 17. ½—½ Lg. Ferner;
Schlagbaum, Rotbuche, San Marco, Blocksberg, Lieblos, Kundry.
6. Orradian=Jagdrennen: 8500 Mark, 4000 Meter: 1 Ebbeslohs Fritz
Fromm (Thiel), 2. Menelaos, 3. Frundsberg. Toto: 30. Platz:
B, 34, 18. 8—7 Lg. Ferner: Grimouchoun, Credulite, Felſen,
Tornado, Madona d’Arezzo.
7. Narciß=Flachrennen: Herrenreiten, 3000 Mark, 1600 Meter: 1. v.
Moreaus Ledum (Staudinger), 2. Page, 3. Soldat. Toto: 26.
Platz: 26, 16. 19. H.—1½. Ferner: Leuchtturm, Seppl, Moslem,
Marburg, Frohwalt.
Rennen zu Dresden.
1. Preis von Großenhain: Ehrenpreis und 3200 Mark, 2000 Meter:
1. Tenevers Tenever (Höllein), 2. Firlefanz, 3. Lyſias. Toto: 30.
Platz: 13, 2. 2½—4 Lg. Ferner: Daiſy II.
2. Dreijährigen=Verkaufsrennen: 3200 Mark, 1200 Meter: 1. Sauerlands
Pracht (Grabſch), 2. + Beryll, 2. + Garde. Toto: 16. Platz: 16,
25, 12. H.—+. Ferner: Immerfreude, Schönau, Goldenes Tor.
3. Preis von Bühlau: Ehrenpreis und 3200 Mark, 1600 Meter: 1.
Wu=
thenaus Oceanus (Murphy), 2. Goldener Ehrenſchild, 3.
Immer=
treu. Toto: 2. Platz: 14, 27. 1—1 Lg. Ferner: Mazedonier,
Andura.
4. Zwinger=Ausgleich: Ausgleich II1. 3200 Mark, 1900 Meter: 1. v.
Opels Graf Leiſter (Narr), 2. Gilgameſch, 3. Metamorphoſe. Toto:
52. Platz: 19, 25, 18. H.—K. Ferner: Damon, Elpi, Henvill,
Tannenberg II, Mungo, Virradat, Vela. Erich, Viktoria.
5. Preis von Dresden: Ehrenpreis und 5000 Maxk 1600 Meter: 1.
Sam=
ſons Garibaldi (4 aynes), 2. Prellſtein, 3. Tarquinius Superbus.
„Toto: 84. Platz: 22, 15. K.—1. Ferner: Dianthus, Reichsmark.
6. Preis von Wachau: 3200 Mark, 1100 Meter: 1. Mülhens: Gogol
(Huguenin), 2. Sphinx, 3. Aſta, Toto: 29 Platz 17, 36. 2½—K.
Ferner: Schattenmorelle, Faſanenhenne, Hiſtoria.
7. Elbe=Ausgleich: Ausgleich III. 3200 Mark, 1400 Meter: 1. Weils
Luftballon (Sajdik), 2. Sonnenſtrahl, 3. Schelm. Toto: 25. Platz:
15, 27, 19. 1½—2 Lg. Ferner: Boa, Seefalke, Eilboote, Tramonto,
Rheinluſt, Jambus, Indra, Norjana.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M..
Mittwoch, 27. Mai,
15.20; Stunde der Zugend.
16.30: Greiners Großgaſtſtätten im Hindenburgbau:
Nachmittagskon=
zert der Kapelle P. Godwin.
18.15: Stadtrat Kahn und H. Heßler: Kann es beſſer werden?
18.40: Zeit evtl. Programmänderungen.
18.45: Pref. E Beutel: Gibt es Leben auf den Sternen?
19.10: Zeit, Wetter, Wirtſchaftsmeldungen.
19.15: Kleine Proſa von M. Barth.
19.45: Moſaik=Programm.
22,40: Zeit, Wetter, Nachrichten. Sport.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Mittwoch. 27. Mai.
9.30. Univ.=Prof. Dr. Hellpach: Berufsſchule und Volksſchule.
14.45; Kindertheater. Ein Frühlingsmärchen.
15.45: Emilie Burg=Görg: Was bringt die D.L.G.=Ausſtelluns
Hannover unſeren Landfrauen?
16.00: Lehrer Graffunder: Erfahrungen im Landesſchulheim.
16.30: Hamburg: Nachmittagskonzert.
17.30: Dr. Felber: Muſik in Märchen.
18.00: E. Clemens: Techniſche Kurzweil während der Bahnfahrt.
18.30: Prof. Dr. Hoetzſch: Die großen Mächte der Gegenwart.
18.55: Wetter für die Landwirtſchaft.
19.00: Min.=Rat Teieſſy: Die Strafverſetzung als Diſziplinarmittek.
19.20: Prof. Schultze u. Prof. Dr. Waldmann: Der neue Stil in
der Kunſt.
anſchl. Wetter für die Landwirtſchaft.
20,00: Neuntes Europäiſches Konzert. Werke von Mendelsſohn=
Bar=
tholdy, Schumann, Brahms. Gewandhaus=Orcheſter.
21.30: Grete Maria Markſtein: Liebesbriefe berühmter Frauen.
22.00: Wetter=, Tages= und Sportnachrichten.
Danach; Tanzmuſik der Kapelle Gerhard Hoffmann.
Weiterbericht.
Obwohl der hohe Druck, welcher Mitteleuropa mit in ſeinen Bereich
nimmt, ſich nordöſtlich verlagert, ſo hält die Hochdruckwetterlage weiter
ſtand. Außer aufkommenden Wärmegewittern bleibt das heitere Wetter
fortbeſtehen.
Ausſichten für Mittwoch, den 27. Mai: Außer einzelnen
Gewitter=
ſtörungen warmes und meiſt heiteres Wetter.
Ausſichten für Donnerstag, den 28. Mai: Wenig Aenderung der
Wetterlage.
Hauptſchriftlettung: Rudolf Maupe
Verantwortlich für Polliik und Wirtſchaft: Rudeif Maupe: für Feuilleten, Reich um
Aueland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Böhmann;
für den Handel: Dr. C. 8. Queiſch; ſür den Schlußdienſt: Andreas Bauer;ſ0=
„Die Gegenwart”,„ Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert. Neite:
für den Inſeraienteil und geſchäftliche Mittellungen: Willy Kuble:
Oruck und Verlag: C. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt.
Fär unverlangte Manuſtripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 14 Geiten
Heute ist
TIIIäer Pdoent
MIelZ
bei
Gratis-Ausgabe von Luftballons
Heute billig
Fruchthaus Freeſt
Elifabethenſt. 37 Schuſterg. 15 Taunusſt. 39
0.38
Bfund Spargel, I.
1.00
Bfund ſaftige Orangen".
1.20
Bfund Imperial Orangen
0.50
Bfund Tomaten (ſchnittfeſt)
0.25
ſtaftige Eitronen
0.55
Bfund neue Kartoffeln.
0.50
B3fund Herzkirchen
Lieferung frei Haus, (8272) Telefon 4380
Photo=Sonderliſte
hundert. günſt.
Ge=
legenheitsk. in
Ka=
meras uſw. frank.
Teilzhlg. Ankauf
Kameratauſch /
ſpe=
ſenfreie Lieferung.
Katal. frei Photo=
Brenner, Köln 16,
Hoheſtr. 88. Größt.
Photoh. (1K5.7885
Jagdkeilhaber
f ſchöne Odenwäld
Jagd geſucht. Off.
u. S. 105 Geſch. (*
Au
1 Pfd. Bohnerbeize
2 Farben-Trault, Eschollhr. Sfr. 5 (399a
Bücher, Bilder, Foto-Rahmen
Foto-Alben
besonders preiswert
(330a
bei
Wagner
7 Elisabethenstraße 7
Rieſenſchlager
in erſtklaſſigen
Fifdeff
zu noch nie
dagewe=
ſenen Preiſen!
Fr. Gütting,
Schuchardſtraße 10.
(7244a)
Heirat! Frl., anf.
30, ev. m. aufricht.
Charakter, m. 3000
Mk. Barvermög, u.
noch Liegenſchaften,
wünſcht m. anſtänd.
Herrn, auch Arb..
ebenſo Ww. m. 1-2
Kindern, bek. zu w.
Anonym zweckl.
Zu=
ſchr. u. S. 83 Gſchſt.
Wurſch?
Jg. Mann 20 J. a..
ev., wünſcht a. dieſ.
Wege ein Mädel,
18—20 J. alt, kenn.
zu lernen zw. ſpät.
Heir. Off. m. Bild
S. 94 Geſchſt (*
Anonym zwecklos!
Frl., 39 F, m. 8=jähr.
Jungen, herzensgut,
ſucht groß,, ſchlanken
Herrn kennen z. lern.
zw. ſpät. Heirat.
An=
gebote unt, S 110 an
die Geſchſt
Für Mark 1.-
Sie erhalten Ihr
gründlich ge reinigt,
geölt und fahrfertig
Fahrrad=Hahn
Schwanenſtraße 20,
Ecke Schloßgartenpl.
(3464a)
Spritzschutz-Absatz
Regenwetter
jetzt
angenehmer!
- denn Sie brauchen
nicht mehr zu befürchten,
beim Gang über die
Straße Ihre Strümpfe zu
beschmutzen.
Der neue patentierte
„Excelsſor”-Spritzschutz-
Absatz verhütet ſegliche
Schmutzspritzer mit
Sicherheit — außerdem
gehen Sie elastisch und
sicher auf diesem
moder-
nen Gumml-Absatz.
Saubere Strümpfe,
elegantes
Aussehen,
trotz Regenwetter
durch
[ ← ][ ][ → ]Nummer 145
DarmſtädterCagblatt,
Mittwoch, den 27. Maf
BeſſNieuefte Nachrchten
Der Ausweis der Reichsbank.
Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 23. Mai 1931 hat ſich
in der dritten Maiwoche die geſamte Kapitalanlage der Bank in
Wechſeln und Schecks, Lombards und Effekten um 100,7 Mill. auf
1600,3 Mill. RM. verringert. Im einzelnen haben die Beſtände
an Handelswechſeln und =ſchecks um 13,1 Mill. auf 1430,5 Mill.
RM. zugenommen, die Lombardbeſtände um 113,8 Mill. auf 67.1
Mill. RM. abgenommen. Die Reichsſchatzwechſel, an denen am
Ende der Vorwoche keine Beſtände vorhanden waren, werden mit
10 000 RM. ausgewieſen.
An Reichsbanknoten und Rentenbankſcheinen zuſammen ſind
169,5 Mill. RM. in die Kaſſen der Reichsbank zurückgefloſſen, und
zwar hat ſich der Umlauf an Reichsbanknoten um 158,5 Mill. auf
3751,4 Mill. RM., derjenige an Rentenbankſcheinen um 11,0 Mill.
auf 392,5 Mill. RM. verringert. Dementſprechend haben ſich die
Beſtände der Reichsbank an Rentenbankſcheinen auf 45,8 Mill.
RM. erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 374,4 Mill. RM.
eine Zunahme um. 95,0 Mill. RM.
Die Beſtände an Gold und deckungsfähigen Deviſen haben ſich
um 25,9 Mill. auf 2567,0 Mill. RM. erhöht. Im einzelnen haben
die Goldbeſtände um 131 000 RM. auf 2370,4 Mill. RM. und die
Beſtände an deckungsfähigen Deviſen um 25,8 Mill. auf 196,6
Mill. RM. zugenommen.
Die Deckung der Noten durch Gold allein erhöhte ſich von
60,6 Prozent in der Vorwoche auf 63,2 Prozent, diejenige durch
Gold und deckungsfähige Deviſen von 65 Prozent auf 68,4 Prozent.
Wirkſchaftliche Rundſchau.
Ausloſung der Heſſiſchen Hypothekenbank. Betreffs der
aus=
geloſten Stücke verweiſen wir nochmals auf unſere
Veröffent=
lichung vom 23. Mai an dieſer Stelle. Bemerkt ſei folgendes:
Bei der erſten Ausloſung am 16. Mai 1930 wurden gezogen: 4,5=
Prozentige Liquidationsgoldpfandbriefe Reihe 1—23 außer den in
der Notiz vom 23. angegebenen Stücken von den Pfandbriefen zu
1000, 200 und 50 Goldmark alle Stücke, deren Nummern die
End=
zahl 10, 46, 51, 53 (nicht 43) und 62 tragen. Die Heſſiſche
Hypo=
thekenbank gibt auch über die Umtauſchmöglichkeiten Auskunft.
Umgründung der Röhr=Auto A.=G., Ober=Ramſtadt. Die
Um=
gründung der Röhr=Auto A.=G. in Konkurs, deren geſamte
An=
lagen und Betriebe, vor wenigen Wochen, aus der Maſſe von
ſchweizeriſchen Intereſſenten als Ganzes erworben wurden, als
neue A.=G. ſteht bevor. Die neue A.=G. ſoll, wie verlautet, in die
ſoeben erſt neu mit einem A.K. von 850 000 Schweizerfranken und
250 000 Schweizerfranken=Obligationen gegründete, ſchweizeriſche
Holdinggeſellſchaft für Automobilwerke A.=G. Davos eingebracht
werden.
Viehmärkke.
Mainzer Viehmarkt vom 26. Mai. Auftrieb: 11 Ochſen, 7
Bul=
len 307 Kühe oder Färſen, 131 Kälber, 795 Schweine. Marktverlauf:
Mäßig belebt, langſam geräumt. Preis pro 50 Kilo Lebendgewicht:
Ochſen b) 35—37, Bullen c) 32—35, Kühe a) 32—35, b) 25—30, c) 18
bis 22, Färſen a) 44—48, Kälber c) 54—62, d) 44—53, Schweine c) 48
bis 50, d) 50—52.
Mannheimer Viehmarkt vom 26. Mai. Auftrieb: 143 Ochſen, 108
Bullen, 191 Kühe, 286 Färſen, 585 Kälber, 11 Schafe, 2751 Schweine,
70 Schlachtpferde, 121 Wagen= und Arbeitspferde, 6 Ziegen. Preiſe für
50 Kilo Lebendgewicht in Reichsmark: Ochſen a) 45—48, b) 36—40,
c) 38—42, Bullen a) 46—40, b) 33—35, c) 30—33, Kühe a) 34—38, b) 28
bis 33, c) 23—25, d) 14—18, Färſen a) 46—49, b) 42—44, e) 37—40,
Kälber a) 65—69, b) 60—64, c) 54—57, d) 45—50, Schafe a) 32—34,
Schweine b) 45—46, c) 45—47, d) 46—47, e) 44—46, f) 42—44. Preiſe
pro Stück in Reichsmark: Wagen= und Arbeitspferde 800—170),
Schlacht=
pferde 40—140. Marktverlauf: Großvieh ruhig, Ueberſtand; Kälber
mit=
tel, geräumt; Schweine ruhig, langſam geräumt; Pferde ruhig.
Frankfurter Viehmarkt vom 26. Mai Auftrieb: 798 Rinder, vom
letzten Markt 40 — 838, 234 Ochſen, 66 Bullen, 318 Kühe, 180 Färſen,
422 Kälber, vom letzten Markt 61 — 483, 21 Schafe 3536 Schweine, vom
letzten Markt 359 — 3895 Marktverlauf: Rinder ruhig, geräumt;
Schweine ſchleppend, nahezu ausverkauft; Fettſchweine faſt
unverkäuf=
lich; Kälber und Schafe ruhig, geräumt. Preiſe: Ochſen al) 45—48,
a2) 40—44, b1) 35—39, Bullen a) 40—43, b) 35—39, Kühe 35—38, b) 29
bis 34, c) 22—28, Färſen 45—48, b) 40—44, c) 36—39 Kälber b) 58—63,
c) 52—57, d) 40—51, Schafe nicht notiert, Schweine b) 47—49, c) 48—50,
d) 47—49, e) 46—48 Fleiſchgroßhandelspreiſe:
Ochſen=
fleiſch 1 65—76, dito 2 55—65, Bullenfleiſch 65—70 Kuhfleiſch 2 45—55,
dito 3 36—45, Kalbfleiſch 1 95—105, dito 2 70—90 Schweinefleiſch 58
bis 65. Geſchäftsgang langſam. Auftrieb: 447 Viertel Rinder, 79
Käl=
ber, 1 Schaf, 414 halbe Schweine. — Auf dem Rindermarkt entſprach der
Auftrieb der an den Märkten nach Feiertagen üblichen Beſchickung. Bei
ruhigem Geſchäft wurde geräumt. Die Preiſe hielten ſich auf der Höhe
der Vorwoche. Etwa 48 Prozent wurden wieder in die umliegenden
Verforgungsgebiete ausgeführt. Auch auf dem Schweinemarkt war die
Beſchickung entſprechend geringer. Bei ſchleppendem Geſchäft wurde
nahezu ausvkauft. Die Preiſe zogen gegenüber der Vorwoche an.
Fettſchweine waren faſt unverkäuflich. Kälber und Schafe wurden bei
ruhigem Handel geräumt.
Mekallnokierungen.
Die Berliner Metallnotierungen vom 26. Mai ſtellten ſich für
je 100 Kilogramm für Elektrolytkupfer prompt cif Hamburg.
Bre=
men oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die Deutſche
Elektrolytkupfernotiz) auf 85.75 RM. — Die Notierungen der
Kommiſſion des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe
ver=
ſtehen ſich ab Lager in Deutſchland, für prompte Lieferung und
Bezahlung) ſtellten ſich für Originalhüttenaluminium. 98= bis 99., in Blocken, Walz= oder Drahtbarren auf 170 RM., desgl.
in Walz= oder Drahtbarren 99proz. 174 RM. Reinnickel 98= bis
99proz. 350 RM.. Antimon Regulus 51—53 RM., Feinſilber
(1 Kilogr. fein) 36.50—38.50 RM.
Produkkenberichte.
Berliner Produktenbericht vom 26. Mai. Nach ruhigem, aber
ſtetigem Vormittagsverkehr zeigte die erſte Produktenbörſe nach
den Feiertagen ein ſchwächeres Ausſehen. Infolge der
vorzüg=
lichen Witterungsverhältniſſe trat das Angebot von Getreide
neuer Ernte ſtärker in Erſcheinung, und die Preiſe gaben am
Effektiv= und Lieferungsmarkte um eine bis zwei Mark nach. Das
Offertenmaterial von Weizen und Roggen zur prompten
Liefe=
rung bleibt mäßig, und die Forderungen ſind wenig nachgiebig.
Auf der anderen Seite beſteht aber auch nur vorſichtige Kaufluſt
der Mühlen infolge des völlig ungenügenden Mehlabſatzes. Am
Lieferungsmarkt waren die Mai=Sichten unter einigen Deckungen
behauptet, zumal die heute beſichtigten Weizen=Partien zum
grö=
ßeren Teile von unbefriedigender Qualität waren und den
An=
dienungsvorſchriften nicht entſprachen. Weizen= und Roggenmehle
zu wenig veränderten Preiſen angeboten. Gerſte ſtill.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 26. Mai:
Getreide. Weizen: Mai 85, Juli 68.25, Sept. 59.75. Dez. 63;
Mais: Mai 55.25, Juli 56½, Sept. 53.50, Dez. 47.50; Hafer: Juli
u. Sept. 26¾, Dez. 29.25; Roggen: Juli 39½, Sept. 39.50. Dez.
42.50.
Schmalz: Mai 7.35, Juli 7.42½, Dez. 7.55, Okt. 7.52½.
Speck, loko 8.70.
Schweine: leichte 6.40—6.65, ſchwere 5.65—6.10!
Schweine=
zufuhren: Chicago 18 000, im Weſten 95 000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 26. Mai:
Schmalz: Prima Weſtern 8.10; Talg, extra, loſe 8.25.
Getreide. Weizen: Rotwinter 90.50; Mais, loko New York
70½X: Mehl, ſpring wheat clears 4.10—4.50; Fracht: nach England
1.6—2,3 Schilling, nach dem Kontinent 8—8.50 Cents.
Kakao. Tendenz: willig; Umſätze: 158; Lokonotiz: 4.75;
Juli 4.58, Sept. 4.73, Okt. 4.79, Dez. 4.91, Jan. 4.97, März 5.10,
Mai 5.23.
Schwarzer Dienskag.
Frankfurker und Berliner Effektenbörſe.
Neue Kursſtürze für alle Standard=Papiere.
Frankfurt a. M., 26. Mai.
Die Börſe eröffnete nach der Unterbrechung durch die
Pfingſt=
feiertage in ſehr ſchwacher Haltung. Die wenig freundliche
Stim=
mung des faſt geſamten Auslandes gegenüber Deutſchland, die
man nach der Genfer Konferenz feſtſtellen zu müſſen glaubte, die
ſchwierige Finanzlage Amerikas, in deſſen Zuſammenhang ein
Senator ſich gegen jede Herabſetzung der Reparationsſchulden
aus=
ſprach, haben die Börſe verſtimmt. Hinzu kamen noch die ſchwache
Haltung in Wallſtreet, die Zahlungseinſtellung eines alten
Wie=
ner Bankinſtituts, und die ungeklärte innerpolitiſche Lage. Da
auch zum heutigen Liquidationstage wider Erwarten ſtärkeres
Material heraus kam, das zum großen Teik aus Selbſtexekutionen
herrührte, ergaben ſich bei der ſchwachen Aufnahmeneigung der
Börſe gegenüber den Freitagsſchlußkurſen recht prägnante
Kurs=
rückgänge. Die Umſatztätigkeit hielt ſich dabei in ziemlich engen
Grenzen. Stark betroffen wurden Elektrowerte, von denen A. E.G.
Grenzen.
Im Verlaufe blieb die Tendenz zwar ſchwach, doch kam die
Abwärtsbewegung der Kurſe zum Stillſtand, da die Banken etwas
intervenierten. Vereinzelt wurden auf dem ermäßigten Niveau
kleine Deckungen vorgenommen, ſo daß ſich für ein paar Werte
Beſſerungen um Bruchteile eines Prozentes ergaben. Die
Liqui=
dationskurſe per Ultimo Mai zeigten ſehr ſtarke Veränderungen,
in der Mehrzahl betrugen die Unterſchiede von 15—35 Prozent,
bei Salzdetfurth 55 Prozent. Die vorübergehende Erholung wurde
ſpäter durch eine erneute Abſchwächung der Kurſe abgelöſt, wobei
die Schwäche der Reichsmark verſtimmte. Tagesgeld zum Ultimo
unverändert 5 Prozent. Monatsgeld 5½—6½ Prozent. Am
De=
viſenmarkt lagen Deviſen gegen Reichsmark ſehr feſt. Man nannte
Mark gegen Dollar 4,2040, gegen Pfunde 20.45½, London — Nem
York 4,8650. —Paris 124.38, —Mailand 92,93. — Madrid 50,20
ſchwach. Schweiz 25.17 feſter, Holland 12,10½.
An der Abendbörſe war zu Beginn eine Erholung nicht
zu verzeichnen, da immer noch Zurückhaltung herrſcht in
Nachwir=
kung der neuen Wiener Inſolvenz und der innen= und
außennoli=
tiſchen Diskuſſionen. Erſt im Verlauf trat eine leichte Erholung
ein auf feſtere New Yorker Kurſe. Eine Sonderbewegung
verzeich=
nete Bemberg, die von 65½ auf 68 Prozent anſprangen. Farben
ſchloſſen 128,5. Von Kurſen ſind zu nennen: Deutſche 101, Danat
120, Reichshank 133. Gelſenkirchen 64,5, Rheinſtahl 62,25.
Rhein=
braun 136, Aſchersleben 117, Weſteregeln 120. Salzdetfurth 176.25.
Havag 48. AEG. 86, Siemens 136. Schuckert 108,5, Felten 70, Licht
und Kraft 96, Holzmann 69,5, Aku 55,5, Chade 245.
Berlin 26. Mai.
Die erſte Börſe nach dem Pfingſtfeſt brachte außerordentlich
ſchwache Kurſe. Zwar hatte man bereits im Vormittagsverkehr
im Hinblick auf das ſchwache Ausland und auf die neue nicht
un=
bedeutende Bankinſolvenz Auſpitz, Lieben u. Co. in Wien
nied=
rigere Kurſe geſchätzt, doch übertraf der Beginn des Verkehrs die
vorbörslichen Erwartungen bei weitem. Ein Drittel aller
Ter=
minpaviere erſchien mit Minus=Minuszeichen und Verluſte bis
zu 6 Prozent waren die Regel. Es lag faſt überall ſtärker Ware
im Angebot, was z. T. darauf zurückzuführen war, daß infolge der
dreitägigen Verkehrsunterbrechung eine Stauung der
Ultimover=
käufe eingetreten war. Die Feſtſetzung der erſten Notierungen
erlitt ſtarke Verzögerungen, und die Börſenkommiſſare waren ſtark
in Anſpruch genommen. Die Spekulation bekundete ſo gut wie
gar keine Aufnahmeneigung, zumal die April=Bilanzen der
Ban=
ken und die ungeklärte innen= und außenpolitiſche Lage die
Unter=
nehmungsluſt nicht anzuregen vermochten. Papiere wie
Salzdet=
furth und Ilſe waren 9½ bis 12½ Prozent gedrückt. Im einzelnen
ließ ſich nicht feſtſtellen, ob Liquidationen für Wiener Rechnung,
Exekutionen oder New Yorker Abgaben die Hauptſchuld an den
großen Abſchlägen trugen.
Im Verlaufe blieb die Stimmung ſchwach, obwohl ſich bei
einigen, anfangs beſonders ſtark in Mitleidenſchaft gezogenen
Werten geringfügige Erholungen durchzuſetzen vermochten. Im
allgemeinen ergaben ſich jedoch weiter Rückgänge bis zu 1½
Pro=
zent. Anleihen verhältnismäßig widerſtandsfähig.
Bankzuſammenbruch in Oeſterreich.
Großes Aufſehen hat in der geſamten Oeffentlichkeit der
Zu=
ſammenbruch des alten Bankhauſes Auſpitz, Lieben & Co.
her=
vorgerufen. Sofort nach Bekanntwerden der Lage dieſer Bank
haben die Verhandlungen eingeſetzt, die zu einer Hilfsaktion
führen ſollen. Die Verbindlichkeiten des Bankhauſes
be=
laufen ſich auf ungefähr 30 Millionen Schilling, die
zum größten Teil durch Effekten gedeckt ſind. Zu den Gläubigern
der Firma zählen in erſter Linie Wiener Bankhäuſer, aber auch
ausländiſche Kreditgeber, die bei ruhiger Liquidation des
Bank=
hauſes zum größten Teil befriedigt werden dürften. Die geplante
Hilfsaktion ſtützt ſich in erſter Linie auf den großen Privatbeſitz
der Geſellſchafter des Bankhauſes. Auch der Banken=Verband will
helfend eingreifen. — Ueber das tragiſche Ende des Hofrats Dr.
Schüller, eines der Geſellſchafter der Bank, wird bekannt: Hofrat
Ludwig Schüller hatte am Samstag mittag ſein Büro verlaſſen
und iſt nicht mehr nach Hauſe zurückgekehrt. Da er durch die
Schwierigkeiten des Bankhauſes in ſehr gedrückter Stimmung
war, befürchtete man, daß er ſich ein Leid angetan haben könnte.
Dieſe Befürchtung iſt am Sonntag zur Gewißheit geworden.
die Sanierung der Leſterreichiſchen Kredik=Anſtall,
Wie amtlich mitgeteilt wird, iſt der Direktor der
Amſter=
damer Bank, van Hengel, am Sonntag abend auf Erſuchen der
öſterreichiſchen Regierung in Wien eingetroffen, um als
Unpar=
teiiſcher mit den maßgebenden Stellen die mit der Rekonſtruktion
der Kredit=Anſtalt zuſammenhängenden Fragen zu erörtern. Er
hatte wiederholt eingehende Beſprechungen mit der Regierung
und den Vertretern der National=Bank und wurde auch vom
Vorſtand der Kredit=Anſtalt über alle Einzelheiten der
Sanie=
rung informiert. — Ueber das Ergebnis dieſer Beſprechungen
teilte van Hengel mit, daß er überzeugt ſei, daß die eingeleitete
Zuſammenarbeit aller in Betracht kommenden Stellen eine
durch=
aus geeignete Grundlage für den Fortbeſtand der Kredit=Anſtalt
bilde. Van Hengel hat ſich bereit erklärt, ſich zu dieſem Zweck
der Regierung auch weiterhin zur Verfügung zu ſtellen.
Die beiden Pfingſtfeiertage waren mit intenſiven
Verhand=
lungen ausgefüllt, die den Zweck hatten, die Modalitäten für die
Sanierung und Weiterführung der Kredit=Anſtalt feſtzulegen.
Die Beſprechungen hatten ein durchaus günſtiges Ergebnis. Für
die Kredit=Anſtalt werden erhebliche ausländiſche Mittel zur
Ver=
fügung geſtellt werden, die dem Inſtitut auf Grund einer neuen
Regierungsaktion beſchafft worden ſind. Die öſterreichiſche
Regie=
rung hat ſich durch Vermittlung der Pariſer und Berliner
Regie=
rung an franzöſiſche und deutſche Banken gewandt. Dieſer
Inter=
vention iſt es zu verdanken, daß bereits heute deutſches Geld in
genügendem Ausmaße bereitgeſtellt ſein wird. Für Mittwoch
iſt die Ueberweiſung der aus Frankreich kommenden Summe zu
erwarten. Gleichzeitig werden ſich auch engliſche Kreditinſtitute
an der Aktion beteiligen.
Kleine Wiriſchaftsnachrichten.
Der vom Statiſtiſchen Reichsamt errechnete. Aktienindex
(1924/26 — 100) ſtellt ſich für die Woche vom 19. bis 23. Mai
1931 auf 80,7 gegenüber 83,5 in der Vorwoche, und zwar in der
Gruppe Bergbau und Schwerinduſtrie auf 73,4 (76,7), Gruppe
ver=
arbeitende Induſtrie auf 71,2 (74,1) und Gruppe Handel und
Ver=
kehr auf 103,8 (105.9).
Die deutſche Produktion von Original=Hüttenweichblei
ein=
ſchließlich kleinerer Mengen Hartblei ſtellte ſich im April 1931 auf
7794 To. gegen 10 081 To. im Monat März 1931.
Für den 4. und 5. Juni d. J. iſt nach Braunſchweig eine
Ta=
gung der Kalkinduſtrie anberaumt. Für den 6. Juni iſt eine
Be=
ſichtigung der Düngekalkſchau im Rahmen der Wanderausſtellung
der Deutſchen Landwirtſchaftsgeſellſchaft in Hannover vorgeſehen.
Die 4 Milliarden Lire=Anleihe, die zur Konventierung oder
Einlöſung der in dieſem Herbſt fällig werdenden neunjährigen
Schatzſcheine dient, iſt bereits, am Tage vor dem Schlußtermin
überzeichnet worden. Die neuen Schatzſcheine, für die eine
zehn=
tägige Zeichnungsfriſt vorgeſehen war, haben wiederum eine
Lauf=
zeit von neun Jahren.
Berliner Kursbericht
vom 26. Mai 1931
Deutſche San
Oeviſenmarkt
vom 26. Mai 1931
Ma
Danatbank. . . . . ."
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Ban!
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bayr. Motorenw.
F. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdöl
107.—
120.75
101.—
1o0.50
49.875
69.—
51.375
86.75
42.75
67.375
60.—
44.—
104.—
114.50
60.—
Elektr. Lieferung
J. G. Farben 131.—
Gelſ. Bergw.
Geſ. f. elektr. Untern
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Köln=Neueſſ. Bow
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Untn
Nordd. Wolle
Oberſchleſ. Koksw.
Orenſtein & Koppe
94.—
63.50
91.50
50.50
47.25
72.—
118.50
49.—
52.25
64.—
33.—
39.75
63.—
39.—
Polyphonwerke
Rütgerswerke
Salzdetfurth Kali
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtof
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Alkali
Agsb.=Nrnb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Drah
Wanderer=Werke
126.—
45.—
180.—
94.—
84.—
44.25
121.50
56.50
19.50
35.50
110.25
36.50
120.—
37.125
43.—
Helſingfors
Wien
Prag
Budapeſ
Sofia
Holland
Oslo
Kopenhagen
Stockholm
London
Buenos=Aires
New Yorl
Belgien
Italien
Paris
Währung
100 finn. Mk.
100 Schilling
100 Tſch. Kr.
100 Pengö
100 Leva
100 Gulden
100 Kronen
100 Kronen
1100 Kronen
1 2=Sta.
11 Pap. Peſo
Dollar
100 Belga
100 Lire
100 Francs
Raid
10.573
9.065
12.451
73.25
3.046
168.88
112.44
112.53
112.64
20.44
1.280
1.202
58.465
21.98
15 431
Brieff
0.593
9.185
2.471
73.39
3.05‟
169.2:
112 7
12.71
112.86
20.48
1.284
4.210
58.585
22.02
16.471
Schweiz
Spanien
Danzig
Fapan
Rio de Janeirol
Fugoſlawien
Portugal
Athen
Iſtambu
Kairo
Kanada
Uruguan
Fsland
Tallinn (Eſtl.)
Riga
Währung
100 Franker
00 Peſetas
00 Gulden
1 Yen
Milreis
100 Dinar
00 Escudos
100 Drachm.
türk. 2
ägyvt. 42
canad. Doll.
Goldpeſo
00 isk. Kr.
100 eſtl. Kr.
00 Lats
Beld
81.24
40 24
81.70
2.076
0.281
7.413
18.90 18.94
5.447
20.95
4.199
2-448
92.16
111.7
90.95
Ree
81.40
40.32
8:.86
2.040
(.263
27
E.457
21.00
4.207
2.452
92.34
171.96
e1.11
Frankfurter Kursbericht vom 26. Mai 1931.
7% Dtſch. Reichsar
6%
5½ %Intern., „
6% Baden ......"
8% Bahem ....."
6% „ ...
8% Heſſen v.28
v. 22
6% Preuß. Staat.
8% Sachſen ....."
..."
7½ Thüringen..
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. 4:/.
Ab=
löſungsanl.
Dtſche. Anl.
Ablö=
ſungsſch. (Neub.
Deutſche
Schuvge=
bietsanleihe .. . .
8% Aachen v. 29
8½ Baden=Baden
6% Berlin ......
8% Darmſtadt v. 26
9%
v. 28
7% Dresden...
8% Frankfurt a. M
v. 26
63
v. 2e
8% Mainz......"
8% Mannheim v. 26
6%
v. 27
8% München ....
8½ Nürnberg. . .
8% Wiesbaden
99.5
84.25
—
76‟.
100
81.5
91
94
951,
99.75
77.5
85
54.3
4.525
8% beſſ. Landesbk.
8% „ Golbobligl
4½% Heſſ. Lds.
Hyp.=Bk.=Liguid
4¼% „Lom.=Obl
8% Preuß. Lbs.
pfbr.=Anſt. G. Pf.
82 Gobeble
2.1
81
Are
85.25
74.5
82
94
91.1
28.5
95
95.5
88.75
84.25
100
93,5
80 Landeskomm.=
Bk. Girozentr. für
Heſſen Goldobl.
8½ Kaſſeler Land. Goldpfbr..
7½ Kaſſeler Land. Goldpfbr..
6%
8% Naſſ. Lamdesbk.
72o „ „
6% „
4½% „Liqu. Obl
—
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
+AuslSer.
„ „ Ser. II
Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Neubeſitz).
—
18% Berl. Hyp. Bk.
*
4½%„Liqu.=Pfbr.
8% Frkf. Hyp.=Bk.
7% „
4½% — Lig. Pfbr.
18½% „ Pfbr.=Bk.
2 „
4½2
„ Liqu.
826 Mein. Hyp.=Bk.
„
„ Lig. Pfbr.
6 Pfälz. Hyp.=Bk
4½% „ Lig. Pfor
8½ Preuß.
Boden=
cred.=Bank. ...
4½% Lig. Pfbr.
8% Preuß. Centrl.
Bodencr.=Bank
4½% „ Lig. Pfhr
18% Rhein. Hyp.Bk.
Lig. Pfbr.
Rhein.=Weſtf.
Vo.=Frebit.
8 Süldd. Bod.,
Cred.=Bank
Z-Aa. Pfbr.
52.5
71.75
11
100
97
89.5
89.1
*
99.75
97
91:/=
100
91.75
101.5
90.25
99.75
25.5
90
100.5
95.25
9AR
18% Württ. Hyp.=B.
6% Daimler=Benz
39 Dt. Linol. Werke
82 Klöckner=Werke
V Mainkrw. v. 26
v Mitteld. Stahl.
8% Salzmannn. Co
7% Ver. Stahlwerke
8% VoigtcHäffne.
J. G. Farben Bonds
5% Bosn. L. E. B.
5% „ L.Inveſt.
5% Bulg. Tab.v. 02
4½% Oſt. Schätze
4% Oſt. Goldrente
5%vereinh. Rumän
4½%
42o
4% Türk. Admin.
4% „ 1. Bagdadl
42 „ Zollanl.
4½% Ungarn 1913
1914
4½%
4½
Goldr.
1910
49 „
Aktien
Alg. Kunſtziide Unie
A. E. G. .........
AndreaeNoris Zahr
Aſchaffbg. Brauere
Zellſtoff
Bemberg, J. P..
Bergm. El.=Werke
BrownBoverickCie
Buderus Eiſten...
Cement Heidelber=
Karlſtadt
J. G. Chemie, Baſel
Chem.Werke Albert
Chade ..... ..."
Contin. Gummiw.
„ Linoleum
Daimnset.
66.5
95.5
93
79.5
79.5
94
93
15.75
28
36.75
3.3
17.2
14.9
57
86.5
100
—
Kd
69.5
50
38.5
57
90
160.5
—5
Dt. Atl. Telegr.
„ Erdöl ......"
Gold=u.
Silber=
ſcheide=Anſtalt
„ Linoleumwerke
„ Eiſenhandel. . .
Dyckerhoff u. Widm
Eichbaum=Werger.
Elektr. Lieferg.=Geſ.
Licht u. Kraf
Eſchw. Berawerk..
EßlingenMaſchinen
Ettlingen Spinnerei
Faber & Schleicher
J. G. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Jetter)
Felt. & Gnilleaume
Frankf. Gas i. Lig.
Hof ..
Gelſent. Bergwerk
Geſ. f.elektr. Untern.
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger.
Hafenmühle Frrft.
Hammerſen (Osn.
Hanauer Hofbrauh
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf.
Hilpert Armaturfrb.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kupfer. ..
Hochtief Eſſen
Holzmann, Phil.
Ilſe Bergb. Stamm
„ „ Genüſſel
Junghans ..
Kali Chemie ...."
„ Aſchersleben
Kammgarnſpinn.
Karſtadt, R. .. . .
Klein, Schanzlin".
Klöcknerwerke .. .
Knorr C. H......."
Lahmeyer & Co.
Laurahütte ....."
Lech, Augsburg...
56.5
1181),
59.75
80
96.25
200
30
78.75
82
129.22
31
36
92
39
29.5
157
132
48
72.5
69.25
23.5
97
34
36.5
109
162
02
0r
Mene Mi
Lüdenſcheid Metal
Lutz Gebr. Darmſt.
Mainkr.=W. Höchſt.
Mainz. Ait.=Br. . . .
Mannesm.=Röhren
Mansfeld Berg.
Metallgeſ. Frankf.
Miag, Mühlenbau.
MontecatiniMaild.
Motoren Darmſtadt
Deutz
Oberurſel
Oberbedar
Phönix Bergbau ..
Reiniger. Gebbert
Rh. Braunkohlen".
„Elektr. Stamm
Metallwaren ..
„ Stahlwerke ...
Riebeck Montan. .
Roeder Gebr. .
Rütgerswerke".
Sachtleben A. G.
Salzdetfurth Kali
Salzw. Heilbronn
Schöfferhof=Bind..
Schramm. Lackfbr.
Schriftg. Stempel
Schuckert Elektr. . .!
Schwarz=Storchen.
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halsfe
Südd. Immobilien
Zucker=A. G.
Scnska Tändſticks
Tellus Bergbau .."
Thür. Liefer.=Geſ..
Tietz Leonhard ..
Tucher=Brauerei
Unterfranken ..
Beithwerke
Ver. f. Chem. Ind
„ Stahlwerke ...
145
40
1320,
62
113.5
33
e
77
120
177
175
159
43
Aafre
Afre
35.5
51
45
104.5
Mee Mie
Voigt & Haeffner.
Waß & Frehtag.
Wegelin Rußfabrik
Weſteregeln Kali..
Zellſtoff=Verein...
„ Waldhof... ...
Memel ..
28
73.5
65
Allg. Dt. Creditanſt./ 89.75
Badiſche Bank. . . . 140.5
Bk. f. Brauinduſtr.
BarmerBanlverein! —
Bayer. Hyp. u. W.! —
—
Berl. Handelsgeſ.
„ Hypothekbk.. /210
Tomm. u. Privatb/104.75
Darmſt. u. Nat.=Bk. 120.5
Dt. Bank und Dic. 100.75
Dt. Eff. u. Wechſel/ 92
Dresdner Bank .. . 100.5
Frankf. Bank ... . 88.25
„ Hyp.=Bank".
Pfdbr.=Bk. . . . . /145.75
Mein. Hhp. Tank ..
Oſt. Creditanſtalt
Pfälz. Hhp.=Bank
Reichsbank=Ant. . .
Rhein. Hyp.=Bank.
Südd. Bod.=Cr. B!
Wiener Bankverein
Württb. Notenbank
A.-G. 1. Verfehrsw.
Allg. Lokalb. Kraftw
7% Dt. Reichsb. Vzg
Hapag ......
Nordd. Lloyd. . . .
Südd. Eiſenb.=Geſ.
Allianz. u. Stuttg.
Verſicherung ..
„ Verein. Verſ.
FrankonaRück- u. M
Mannb. Verſich
—
Otavi Minen
Schantung Handell
136
Uz
134
44.5
50
O
[ ← ][ ][ → ]Nummer 145
Mittwoch, den 27. Mai 1931
Seite 13
34)
Roman von Alexandra von Boſſe.
Copyright 1930 by Karl Köhler u. Co., Berlin=Zehlendorf.
fügen würde, ohne zu verſuchen, es abzuändern, und ihm bangte deten Tatſache gegenüber würe er ſie nicht verſagen. Wenn aber
für Flavia.
mir zu nehmen.”
Richard, iſt auch mein heißeſter Wunſch, aber wie könnte ich das?
Soll ich mit kraſſem Undank lohnen, wo ich zu ſoviel Dank ver= beſchafft hatte, in ihren Händen waren, darunter auch die
beglau=
pflichtet bin? Unmöglich kann ich Gräfin Amadea verlaſſen, ehe bigte Abſchrift aus dem Kirchenbuch, die verlangt worden war,
Unglück.”
Sie hatte ſich wieder auf das ſchmale Sofa geſetzt, ſie lehnte hatte ſie ſie gefunden, an ſich genommen und in ihrer Kaſette
ver=
an ihm und erzählte, wie liebevoll die alte Gräfin ſie aufgenom= wahrt. Es waren darin alle für eine zivile Trauung notwendigen
men, als ſie Valcena hatte verlaſſen müſſen.
„Ach, ich wünſchte, ich hätte Valcena nie verlaſſen”, endete nicht möglich geweſen.
ſie. „Denn nun muß ich gegen meinen Willen denen Leid
zu=
fügen, die mir ſelbſtlos Wohltaten erwieſen.”
„So ganz ſelbſtlos war das wohl nicht”, meinte er. „Dadurch
machte es Bronchi dir faſt unmöglich, ſeiner Werbung nicht
Ge=
hör zu geben, ſobald feſtſtand, daß ich nicht mehr lebte.”
„Damals war das noch nicht der Fall.”
Doch konnte er es als faſt gewiß annehmen.”
„Ja, auch ich mußte es annehmen”, murmelte ſie und ſeufzte
tief auf. „Ah. wäre ich nur weiter in Valcena geblieben! Hätte
ich nur weiter den Kampf mit meinem Vater aufgenommen! Domenico Sartis Unterſchrift hatte Richard beſeſſen, doch war
Zwingen konnte er mich nicht. Die Zeiten ſind vorüber, da ein er ihm während ſeiner Gefangenſchaft abhanden gekommen. Ein
Menſch gegen ſeinen Willen zu einer Heirat gezwungen werden guter Engel gab ihm nun ein, Flavia zu bitten, ihm alle ſie
be=
konnte. Aber ich war ſo müde des Kampfes, der ſchon durch treffenden Dokumente zu übergeben, damit er, ſobald er in Rom
Jahre dauerte.”
ſei, alles für ihre zivile Trauung vorbereiten könne.
„Mein armes, liebſtes Herz.”
„Nun ſteht mir dieſer neue Kampf bevor” ſprach ſie weiter, habe, holte Flavia die Mappe, und gemeinſam ſuchten ſie alle
„aber um deinetwillen, Richard, wollte ich Schlimmeres noch auf Papiere heraus, die ſie betrafen, worauf Richard ſie in ſeiner
mich nehmen. Und ich will es, es ſoll zum guten Ende führen! Brieftaſche verwahrte, ohne zu ahnen, wie wichtig das ſpäter für
Ja, ich will, ich werde Oreſte überzeugen, daß nicht zu ſeinem Un= ſie werden ſollte. Dann ſchieden ſie ſchweren Herzens von einander,
glück, ſondern zu ſeinem Glück Gott dich noch zu rechter Zeit zu nur für wenige Tage, wie ſie meinten.
mir zurückführte. Denn wie hätte ich jemals mit ihm glücklich
werden können, während in meinem Herzen die Liebe zu dir nicht
erloſchen war? Und ſo hätte ich ihn unglücklich gemacht.
Unbe=
dingt würde er über kurz oder lang entdeckt haben, daß ich ihn
nicht liebte.”
Auf ihre Bitten mußte Richard etwas eſſen und ein Glas tatſächlich lebte, in Erfahrung brachte, daß er in München war.
Wein trinken, dann verabredeten ſie, daß Richard nach Rom zu= Dort ſeine Wonung ausfindig zu machen, war dann nicht
rückkehren ſollte, wohin ihm Flavia, ſobald „Oreſte zurückgekehrt ſchwer. Oreſte glaubte ſich am Ziel. Er wollte zunächſt
ver=
war, folgen wollte.
„In wenigen Tagen vielleicht ſchon”, ſagte ſie zuverſichtlich, leicht war er, überlegte Oreſte, wie ſo viele Deutſche, gänzlich
Von Rom aus wollten ſie dann nach Valcena fahren, ge= verarmt und ließ ſich überreden, gegen Zahlung einer größeren
meinſam vor ihren Vater treten und von ihm die Anerkennung Summe ein ehrenwörtliches Verſprechen abzugeben, ſich Flavia
(Nachdruck verboten.)
Richard glaubte nicht, daß Bronchi dem Unabänderlichen ſich ihrer ſchon achtjährigen Ehe erbitten. Flavia meinte, der
vollen=
doch, ſo ändere es nichts daran, daß ſie ſeine Gattin ſei, und ſie
„Mein Wunſch wäre es”, ſagte er, „dich gleich, heute, mit würde mit ihm nach Deutſchland gehen. Dort könnten ſie dann,
wenn Richard es wollte, ſich noch nachträglich der zivilen Trau=
„Mit dir zu gehen, gleich heute, ſo wie ich gehe und ſtehe, ung unterziehen, um ihrer Ehe auch geſetzliche Gültigkeit zu geben.
Dabei erinnerte ſich Flavia, daß alle Dokumente, die Oreſte
Oreſte zurückgekommen iſt. Das iſt undenkbar! Es gäbe ein Oreſte hatte in der Eile ſeiner Abreiſe die Mappe mit dieſen
Dokumenten in ſeinem Zimmer liegen laſſen, ein Buch dort holend,
Papiere, bis auf ihren Geburtsſchein, den zu beſchaffen, bisher
2ch, Tentstsig, bielig
Ist die Ernährung der Kinder mit
HuFehe und fischer Milch
Eine Abſchrift aus dem Kirchenbuch, einen Trauſchein mit
Nach kurzem Zögern, ſich fragend, ob ſie ein Recht dazu
Dreizehntes Kapitel.
Verhängnisvolle Begegnung.
Es hatte lange gedauert, bis Oreſte Bronchi, der zuerſt in die
Pfalz gereiſt war, dort, nachdem er feſtgeſtellt, daß Richard Droſten
ſuchen, den Mann zu beſtimmen, auf Flavia zu verzichten. Viel=
nie wieder zu nähern und ſie niemals wiſſen zu laſſen, daß er
noch am Leben war. Gab er dies Verſprechen, war es nicht
nötig, ihn gänzlich zu beſeitigen, denn dann erfuhr Flavia nie,
daß er lebte. Es gab niemand, der es ihr melden konnte, da
niemand etwas von ihren Beziehungen zu dieſem Droſten wußte.
Da er in München lebte, war es zudem ausgeſchloſſen, ihn ohne
Aufſehen völlig zu beſeitigen.
Aber als Oreſte Nichards Wohnung ausfindig gemacht und
bei der Majorswitwe, bei der Richard eine dürftige möblierte
Kammer gemietet hatte, nach ihm fragte, erfuhr er zu ſeinem
Entſetzen, daß der Geſuchte bereits vor längerer Zeit nach
Ita=
lien abgereiſt ſei.
Nach Italien abgereiſt!
Bronchi ſagte ſich gleich, daß Droſten nach Italien gereiſt
war, um Flavia aufzuſuchen und ihr zu melden, daß er lebte.
Bronchi überlegte raſch. Droſten hatte leider Zeit genug gehabt,
ungehindert nach ihr zu ſuchen. Er hoffte aber, es könnte
mög=
licherweiſe doch nicht geglückt ſein, ſie aufzufinden, da niemand
wußte, wo ſie ſich befano, auch ihr Vater nicht; dafür hatte er
vielleicht den Marcheſe Roccaferri aufgeſucht, hatte dieſem alles
geſtanden. Danach wurde es möglicherweiſe bekannt, daß Flavia
vor dem Kriege eine heimliche Ehe mit einem Deutſchen
einge=
gangen war, und indirekt konnte die Kunde, daß dieſer Deutſche
noch lebte, zu Flavia dringen.
Vor einigen Tagen hatte ſie ihm geſchrieben, da war ſie noch
ahnungslos geweſen, aber was konnte inzwiſchen ſich ereignet
haben. Er mußte ſofort zurück, mußte Flavia mit
undurch=
dringlichem Wall umgeben, bis es ihm gelang, den Mann zu
finden, der ihr und ſein Glück bedrohte; und war der Menſch
nicht bereit, darauf zu verzichten, es weiter zu bedrohen, dann
mußte er ſterben.
Bronchi hatte ſein Auto zur Verfügung, aber er entſchloß
ſich, mit der Bahn zu fahren, glaubte mit der Bahn ſchneller
nach Raſano zurückkehren zu können. Jede Minute war
koſt=
bar. Sein Chauffeur ſollte das Auto nach Italien zurückfahren.
Er reiſte noch am gleichen Abend ab. Am Abend des folgenden
Tages traf er in Forli ein, wollte von da ſofort weiter nach
Raſano, obgleich es bereits dunkel war.
In dem kleinen Hotel San Marko, wo er bekannt war,
unterhandelte er mit dem Manager, der neu eingeſtellt war und
ihn nicht kannte, wegen eines Mietautos oder eines Wagens, um
nach Naſano zu fahren, als der Hotelbeſitzer ſelbſt dazukam, ihn
erkannte und freudig begrüßte. Er verſuchte, Bronchi zu
über=
reden, doch die Nacht über in Forli zu bleiben, weil die Straße
nach Raſano zum Teil ſo ſchlecht ſei, im Dunkeln gefährlich,
und nach dem Kriege ſich ja allerlei Geſindel herumtriebe.
Zu=
dem ſei ein Mietauto in Forli nicht zu haben. Dabei erinnerte
er ſich plötzlich an den jungen Deutſchen, der nach Bronchi
ge=
fragt, dann nach Raſano gefahren war und vor einer Stunde
zurückkehrte. Der hatte ja natürlich den Grafen in Raſano nicht
angetroffen, aber als er zurückkam, ſich nicht darüber geäußert.
Und er ſagte:
„Ah, da fällt mir ein, Herr Graf, daß ein Fremder, der
geſtern hier ankam, nach Raſano fuhr, Sie zu beſuchen, und —‟
„Was — ein Fremder? Und nach Raſano iſt er gefahren?”
unterbrach ihn Bronchi in größter Erregung.
(Fortſetzung folgt.)
p. 1. Juli zu
Laden vermieten,
Grafenſtr. 31. Zu
er=
frag; daſelbſt. 8230a
Taunusſtr. 47, eine
ſchöne helle
Werk=
ſtätte mit Waſſer und
Kloſett zu vermieten.
7783a
Verkfälle
Karlſtr. 12. hell, 50
am, m. L. u. Kraft.
Näh. Vdh. 1. St. (526a
Wendelſtadtſt. 23,
herrſchaftliche
7-Zim.-Wohng.
m. reichl. Zubeh. z.
1. Juli z. vm. (*smg
Rheinſtraße 12½
mod. 6=Zi.=Wohng.,
3. Stock. Parkett,
Erker, 3 Balk., Bad,
Nebenräume, z. vm.
Näh. 2. Stock. (6671a
Herrſchaftliche
FZim. Wohng.
in der mittl.
Wil=
helminenſtr.
Erd=
geſchoß, zum 1. Juli
1931 zu vermieten.
Näh. Hausbeſitzer=
Verein, Telef. 560.
(8105b)"
Sonnige 5=Zimmer=
Wohnung, Neubau.
Badez. Diele, Balk.,
ruh. Lage, z. verm.
Näh. Geſchäftsſt. (
Waldſtr. 46, I.
Beſchlagnahmefreie
5-Zim.-Wohn.
p. 1. Juni 1931 zu
verm Näh i. Büro
Waldſtr 46. (8265b
Seide= und Waschstohfe
Wasch-Kunst-Seide
neueste Musterungen . . . Meter
Toussah, naturfarbig
reine Seide
Meter
Douppion-Druck
letzte Neuheit, reine Seide . Meter
Kunstseiden-Voile
für elegante Sommerkleider Meter
Wenige Nettoartikel
ausgenonmen.
2 3lttdlels
mit Küche in
(
Einfamilien=
haus, große,
ſchöne Zimmer
mit Balkon,
Zentral=
Heizung,
Annaſiraße,
zu vermieten
Angebote unt.
S 81 an die
Ge=
ſchäftsſt. ds. Bl.
erbeten. (8239
freie Lage, 7 Zimmer, Badezimmer,
große Veranda elektriſches Licht und
Gas nebſt reichl. Zubehör, zum 1. Juli
zu vermieten. Näheres 1. Stock (7658a
Neuzeitliche
8 Zimmer=Wohnung
per ſofort zu vermieten. Angebote unter
R. D. 888 an die Geſchäftsſtelle, (84539
6 Zimmer-Wohnung
deren sämtliche Räume vollkommen
neu hergerichtet sind und die schon
immer beschlagnahmefrei war, nebst
Zwei Mansarden-Zimmern und 2Kellern
Sofort zu vermieten.
und eine gleiche Wohnung Im ersten
Stock für ersten Jull, besonders
ge-
eignet f.Arzt, Rechtsanw, od. Büro. (7117a
Höbel-Indnstrie Feidel, Darmstadt.
2 leere Zimmer
an Einzelmieter in
beſt. Hauſe ſof. z. vm
Ang. unt, S 107 an
die Geſchſt.
Groß. Manſd.=Zim.
m. Küche, beſchlgfr.
ſof. zu vm. Einzuſ.
Donnerstag, 28. 5.
vorm. 10-12. nachm.
2.5 Uhr Darmſtr.
Nr. 12. Manſarde*
Schönes grß. leeres
Zim. m. Balkon, ev.
Küchenben, in gut.
Lage ſof. zu vm. (*
Ang. u. S. 72 Gſch.
1Zimmer m
Küchen=
raum, Gas, elektr.,
3.=Heizung.
Garten=
ſtück, p. 1. Juni z.
ver=
mieten. Anzuſehen
vorm. 10—12 Uhr
Näh. Geſchſt. (*257
Schöne, moderne
5=Zimm.=Wohnung,
1. Stock, m. elek. L.
u. Waſſerleitg., pro
Monat 60 ℳ Miete
zu vermiet (8136b
Andreas Schultheiß,
Groß=Zimmern,
Angelſtraße 20.
Grüner Weg 25, II.
z. 1. 8. gut möbl.
Wohn= u. Schlafz.,
auch als Einzelzim.
a. lbſt. an
Dauer=
mieter zu verm.
Vornehm möblierte
Zimmer
ſof beziehbar. (473a
Hügelſtr. 15, Laden.
Rheinſtr 75
f8185b)
Eichbergſtr. 11, gut
möbliertes Zimmer
mit ſep. Eingang, in
ruhiger Lage, zu
ver=
mieten. (8227a
Beckſtr 78, I.
gut möbl. Zim. m. el.
L. in ruh. freier Lage
ev. m. Penſ. z. vm. ſ*
Magdalenenſtr. 21, 1. St.,
möbl. Zim. zu vm. (Umd
Viktoriaſtr. 42, pt., gr. g.
ſonn, möbl. 3. zu vm. (*
Steinackerſtr. 1, II.
Gr. möbl. Zimmer,
elektr. Licht z verm.”*
Wendelſtadtſt.34½
fdl. m. 3. z. v. Esim
Heidelb.=Str. 23, pt.
gr., ſ. g. möb, 3. m.
Chaiſel., gt. Klav.
el. L. am 15. 6. 3. v.*
Möbl. Zim. ſofort
bill. z. vm. Anzuſ.
zw. 5 u. 6 Uhr abds.
Näh. Geſchäftsſt. (*
Bismarckſtraße 53
gut möb. Zim. mit
Schreibtiſch z. vm.*
gut mbl. Zim.z verm möbl. Wohn= und
mit od. ohne Penſivu, /Schlafz. an ſol. Hrn.
f. 45.-0 mon. z. v.* Riedeſelſtraße 25, I
ſchön möbl. Wohn=
u. Schlafzimmer m.
Zentralheizg., evtl.
Alleinzimmer, p. 1.
Juni zu vermieten.” Grafenſtr. 18, II. r.
(Zentrum), gemütl.
möb. Zim. z. vm * Schleiermacherſtr. 18
1. St. möb. 3. ſof. 3. v.* Hügelſtraße 63, III.
z. 1. 6. hell. frdl. 3., e1 L., herrl. Ausſ. n
Pal.=Gart, zu vm.
Lauteſchlägerſtr. 22,I grß. g. möb. 3. z. v.*
Liebigſtraße 10, II.
mb. 3. z. vm. (*mdf
Neckarſtraße 22, Hths. b. Schneider,
möbliertes Zimmer
(*
zu vermieten. Ohlyſtraße 71, pt.
2 ſchöne gr. Zim m. Balkon, ſehr hübſch u. behagl. möbl., zu
vm. ev Küchenben.: Kinderl. Ehep. ſucht
2 Zim. m. Küche Wendelſtadtſtr. 26,II
gut möbl. Zim. m.
el. L., Schreibt u. /
Balk zu vm. Ems Sep. Zim. z. v., daſ
gebr. Diwan z. vkf.
Wenckſtr. 6. I. (* Für die heiße Jahreszeit:
Eisschränke von RMk. 30.— an
für Private u. Gewerbe, in allen Größen u. Systemen — wie auch Trocken-
ſuche für
ſolventen Mieter,
kleine Familie, komfortable, neuzeitl.
5—6 Zimmer=Wohnung
in nur guter freier Lage zum Mietpreis
von RM. 160.— bis ca. RM. 200.—
(8228
Angebote an
J. Gläckert, Darmstadt,
Wohnungstauſch — Möbeltransport,
Bleichſtraße 29.
Ehep. ſ. 2 Zim.Wohn.
m. Manſ, evt. 3 kleine
Zim.,Mietkarte vorh.
Angeb. unter S 106
an Geſchäftsſtelle. *
Schneiderin ſucht
einf. möb. Manſd.=
Zim. oh. Bettwäſche.
Ang. u. S. 80 Gſch.*
Stud, ſucht leer, bill.
Zimmer (auch Manſ.)
Ang. u. 8 109 Gſch.
Junges Ehep. ſucht
2 Zim. mit Küche,
Darmſtadt eventl.
Vorort. Ang. unt.
S. 88 a. d. Gſchſt.*
an die Geſchäftsſt. * Möbliertes Zimmer
—mgl. Nähe
Marien=
platz, ſofort geſucht.
Angeb unter S. 86
a. d. Gſchſt. erbet.*
Möhl. Zimmer
von berufst. Herrn
geſucht. Angeb u.
S. 82 a. d. Gſchſt.
Eis — Elektrisch — vollautomatisch — werden im Betrieb vorgeführt.
Eismaschinen und Konservatoren
Eugen Lacher, Großküchen-Einrichtungen
Fernruf 4986
Wilhelminenstraße 28
8271
(Eingang Heinrich
2 möbl. Zimmer f.
j. Ehep. mit 2 Kd.
geſucht. Oſtviert,
be=
vorzugt. Angeb. u.
S. 99 a. d. Geſch.*
Möb. Zim. geſucht,
ev. mit Klavierb.
Nähe Pauluskirche.
Off. u. S. 100 Gſch.*
Franz. (Kurſe,
Ein=
zelſt 50 3). Off. u.
R. 200 a d. Geſchſt.
(7058b)
Wer erteilt
Privat=Unterricht
in Kurzſchrift?
Off. mit Preis u.
S. 95 a. d. Geſch. (*
ab 1. Juni für
An=
fänger in Engliſch,
Franz., Ital. Span.,
Ruſſ. u Schwediſch.
Für Fortgeſchritt.
Eintritt jederzeit.
Handelskorreſp.
Sonder=Abteilung:
Ueberſetzungen.
Berlih=Schule
Wilhelminenſtr.
Tel. 613. (8250bl
„Wittmann=
Makut ſtraße 301.
(274a)
Grdl Klavierunterricht
Frau Nanny Kaiſer,
Viktoriaſtr. 42, II.
Gediegene Ausbild.,
leichtfaßl. Methode
f. Anfäng. u.
Voran=
geſchrittene.
Uebe=
gelegenheit. Honor.
(338a
mäßig.
Gründlichen (2230a
Klavier=Unterricht
für Anfänger und
Fortgeſchritt. erteilt
L. Indorf.
Schwanenſtraße 72.
Suche m. mit 1000
ℳ an ein g.
Unter=
nehm. zu beteilig.”
Ang. u. S. 98 Gſch.
Größ. Fabrik
nahe Darmſtadt,
flotte Beſchäftig.,
mit groß. Erfolg,
ſucht
größeres
Kapikal
zur Ausdehnung
gegen erſte beſte
Sicherheit und
hohem Zins.
Angeb. u. S. 65
a. d.
Geſchäfts=
ſtelle. (8188b /
Darlehen
an jedermann. bis
zu 3000 ℳ vergibt
Vorſchuß= u.
Kredit=
verein. Gefl. Anfr.
unt. S. 97 Gſchſt.
Guterh.
Kinderſtühl=
chen z. kf. geſ. Prs.=
Ang. u. S. 70 Gſch.*
Handwägelchen
zu kaufen geſucht.
Kiesbergſtr. 56, pt.
Gebr. Gartenſchlauch
zu kauf. geſ. Angeb.
mit Größen= und
Preisangabe erbet.
unt. S. 77 Gſchſt. *
Telefon=Anſchluß
zu kaufen geſ. Ang.
mit Preis u. S. 76
a. d. Geſchäftsſt. (
Gebr. Nähmaſchine
zu kauf. geſ. Off. u.
S. 93 a. d. Geſch.*
eiig
zu kauf. geſucht
Ang m. Preis u.
P. F. 660 an die
Geſchäftsſt.
(8268
Flaſchen
kauft ſtets A.
Zwick=
ler, Schwanenſt. 12.
Telefon 1760.
Achkung!
Weg. dring. Bedarf
zahle ich ſtaunend
hohe Preiſe für
getragene. Kleider,
Schuhe uſw. Jetzt
Holzſt. 7
M. Wiwiecki.
Poſtkarte genügt.
2 Drahth.=Foxterr.,
8 Woch, alt, ſelten
ſchön, Ia Stammb.
Kiesſtraße 57, II.,
5—8 Uhr.
1 Ruſſenpferd
mit Geſchirr und
Federrolle
zu verkaufen.
Freese
Stiftſtr. 101. (8273
Reinraſſige
Merfſtäiff
zu vk. Dieburg, Gr.=
Zimmernerſtr. 10.
2341
Zinsloſes Geld
für Neubauten, Umbauten, Hauskauf,
Hypotheken=Ablöſung, zu Ausſteuer und
Studienzwecken, Abfindung von Miterben.
Bau= und Wirtſchaftshilfe
G. m. b. H.,
Neuſtadt albdt. (1.768
Seite 14
HELIA Heute die grosse Premiere! HELIA
Ein ganz besonderes filmisches Ereignis.
Der größte deutsche Bühnenerfolg als Tonfilm
Mittwoch, den 27. Mai 1931
Senſakion!
Nummer 145
Ein DNEILM DER TOSIS-WARNER PR0DUkTION FREI MACM BRECHTIMUSIK VON WEiu
Regie: G. W. Pabst
Die Hauptdarsteller:
Rudolf Forster Polly Peachum.
Macky Messer
Garola Neher
Fritz Rasp
Reinh. Schünzel Peachum
Tiger Brom . . .
Der Bettlerkönig von London
Der Polizeichef von London
und viele andere
Der Inhalt des Films darf durch das Bühnenstück, an das er sich anlehnt, im wesentlichen
als bekannt vorausgeselzt werden. Es ist außerdem eine Beschreibdung davon mit den Songs
an der Kasse erhältlich. — Der Film ist von der Bildstelle des Zentral-Instituts für Erziehung
und Unterricht als künstlerisch wertvoll anerkannt.
Im tönenden Beiprogramm: Phil. Ohmann und Vietor Arden
die bekannten Virtuosen auf zwei Konzertfügeln
Beginn 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr.
4AN
V.8220
Ab heute in Neuaufführung
Mady Christians
die beliebte Darstellerin in dem Groß-Tonflm
Dich
hab joh geliebt
In weiteren Hauptrollen:
Hans Stüwe, Walther Jankuhn,
Carl Platen, Marion Conradi u.
Sophie Pagay.
Mady Christians spielt in diesem Film
eine große Künstlerin, die, berauscht von
Wein und Ruhm, ein galantes Abenteuer
mit einem berühmten Kollegen hat.
Dazu das gute Beiprogramm
Beginn: 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr.
Nur noch heute und morgen
Im großen Stummfilm-Doppelprogramm
Fred Thomson
der kühne Präriereiter in dem sensationellen
Wildwest-Abenteuer
Der
Schimmelreiter
Regie: Lloyd Ingraham und A. Winkler.
Der Film spielt in den Steppen Nordamerikas
und bringt verwegene Wettrennen,
Ueber-
fälle und aufregende Kämpfe.
Fred Thomson und sein Schimmelhengst
„Silver King” stehen an der Spitze der
Darstellenden.
Im II. Teil:
Das spannende, dramatische Filmwerk:
„Bunte Lichter”
Regie: Doroty Arzner.
In den Hauptrollen: Nance Carroll, Bich.
Arlen und Panl Lukas.
Beginn : 3,45, 6.00 und 8.20 Uhr.
Maſſenverkauf
erſt=
klaſſiger
Fahrradreifen
Schläuche
zu außergewöhnlich
billigen Preiſen.
Fr. Gükting
Schuchardſtraße 10.
2245a).
Trinkt d. erfriſch.
Heil= u.
Geſund=
heitsgetränk der
Odenwälder
Edelquelle.
Aerztl. empf. geg.
Magen= u.
Darm=
leiden.
Rheuma=
tismus.
Nieren=
u. Zuckerkrankh.,
auch
harnſäure=
treibde. Wirkung.
Viele Dankſchrb.
beweiſ. d. Erfolg.
Vertrieb f.
Darm=
ſtadt u. Umgebg.:
Gg. Helmſtädter,
Viktoriaſtr. 54.
(8159a)
Pickierte kräftige
Tomaken
St. 10 Pf., 11St. 1ℳ/
Som.-
Blumen=
pflanzen
Stück 2 und 3 Pfg.
Gärt=
nerei Barban
Dieburgerſtr. 105,
nächſt der Ringſtr.
Wöchentlich
Transp.-Geleg.
n. Frankfurt,
Offen=
bach, Hanau, Fulda,
Heidelberg,
Mann=
heim, auch Beilad.,
Umzüge ſow.
Trans=
porte jed. Art üb.
bei prompt. u. bill.
Berechn. Fr. Löchel,
Arheilgerſtraße 66.
Telefon 270. (Emt
Tapelenaufziehen
per Rolle 70 Pf.
Chaiſelongne
aufarbeiten 15 ℳ
Matrahen
aufarbeiten 10 ℳ
von hieſigem
Tape=
ziergeſchäft. Angeb.
unt. S. 84 Gſchſt.
AAooh diole
Ab heute beginnt der billigeVerkauf.
lch kaufte große Lagerposten Waschstoffe
bedeutend unter regulärem Preis.
Nicht der Preis macht es, sondern Sie müssen
sich die Qualitäten ansehen.
Hasch-Mousseline
schöne, moderne Dessins
0.58, 0.48,
Hasch-Kunslseide
hochglänz. Oual.,
pracht-
volle Muster . . . 0.78,
Leſir Leinen
imit., besond. gute
Ouali-
täten, . . Atr. 0.55, 0.45,
Panama
80 cm breit, echt
Indan-
threnfarbig . . . . Atr.
3 Herien Woll-Mousseline
in nar allerbest. Oualit.
prachtr. Must., i. groß.
FarbenSortiment Utr. Aosy Has,994
Reinseid. Fonlard
Honan-Seide
reine Seide, in allen mod.
ca. 90 cm br., ganz schwere
„.Atr.
Utr. 6
Onalität
Farben
Crepe Georgelte
Bed. Georgelle
prachtvolle Oualit., neueste
Muster.
„ Mtr.
uni Farben, großes
Sorti-
ment
... Mtr.
Grole
Posten 1 4ocher Biohte d. Baue mänter
zu ganz außergewöhnlich billigen Preisen
Geschäftshaus
DrlelTela
Das
Darmstadt / Ludwigstraße 15 8243
Haus der Vertrauens-Oualitäten
Sportplatz Café
„Bölenfalltor”
(8266
Wachm. Konzert!
Heute
Kaffee- und Kuchentag
Abends Tanz
Großes Haus 19.30—22 Uhr
Hessisches
Landestheater
Mittwoch
27. Mai 1931
H 12
Bühn.-Volksb.
Turandot
Oper in 3 Akten von G. Puccini
Preise 1—10 Mk.
Kleines Haus
Luftkurort
Ludwigshöhe
Teleph. 591
Heute nachmittag 4 Uhr
Konzerk
ausgeführt vom Stadtorcheſter
Eintritt frei (8226
Ein größ. Poſten
ausgezeichnete
Brause-
Limonade
in gefl. Verpackung
als Markenartikel
weiterverkäufl.,
um=
ſtändeh. ganz billig
abzugeben. Ang. u.
S. 74 a. d. Gſchſt.*
Ladung für Köln
Ende d. Mts. geſ.
Rote Radler,
Telefon 3079. *
Damen- und Herren Priseur
Nach mehrjähriger gemeinsamer Tätigkeit
mit meinem Bruder Lndwig übe ich
nunmehr meinen Beruf allein
In und außer dem Hause
zu ermäßlgten Preisen aus.
lch bitte, mir das seither entgegengebrachte
Vertrauen auch weiterhin zu schenken.
Eugen Lederen
Spezialist im Ondalieren und Bubikopfschneiden
Gastspiel Intimes Uhenter Nürnberg
woch, 27.
Der tolle Lachschlager
derstag, 28.
ag, 29.
Hulladi Bulla
Ia1 31
(8246
von Arpold und Bach.
Preise v. NIk. 1.— nn Karten:
Verk.-Büro u. de Waal. Rheinstr. 14
MERRNGARTEN-CAFE
Mittwoch abend 8 Uhr
8274
O PERETTEN-ABEND
Liegeſtühle
Gartenſchirme
Verandaſchirme
Hängematten
Wafſerbälle
Rechen
Gießer
Kinder
Eimer
am billigſten
Leurnach
jetzt
Rirchſtraße 21.
(8251)
Zemenk
Aul=
außer Syndikat
liefert ab Lager
und frei Bauſtelle
in jeder Menge
Nonnß
Holz, Kohlen
Landwehrſtr. 21/23,
Telef. 2250, (6425g
Auf vielseitigen Wunsch im
Hotel „Goldene Krone” in Jugenheim
2 Gastspiele der weltbekannten
Weintraubs-Syngopators
die deutschen Jazzkönige
am: Samstag, den 30. Mal 1931, abends 8 Uhr (20 Uhr)
Gesellschaftsabend mit Tanz
Eintritt einschl. Tanz Mk. 1.50.
Sonntag, den 31. Mal 1931, nachmittags 15,30 Uhr bis 18 Uhr
Großer Tanz im Freien
(bei schlechtem Wetter im Festsaal.) Eintritt einschl. Tanz Mk. 1.—.
Vorverkauf: Autobus- und Eintrittskarten zu ermäßigten Preisen im
Hotel-Restaurant
Bendel
Georgenstraße 1½
Ueberall bekannt die wirklich
gute Küche!
Frühstück von 0.50 an
Mittagessen v. 0.90 an
Abendessen v. 0.80 an
Weine
7yo Ltr. . . von 0.23 an
1/. Ltr. . . von 0.55 an
Biere
Eder-Bräu
das bayerische
Qualitätsbier
Im 1. Slock Dachnarlen!
oAlter Ratskellero
Heute Mittwoch 3344a
Tanzabend.
9
ohlen u. neue Füße
an getr. Strümpfe id. Art vom
gröbst. Woll- bis feinst.
Seiden-
strumpf. Füße nicht abschneiden.
trickerei Sohmidt
Teichhausstr. 34, I. Telef. 2536
Saalbau Elisenbad Die Anwendungsmöglichkeiten der
neuesten elektrischen Geräte
im Haushalt, Gewerbe und Landwirtschaft
Eintritt trei! Verlosung. Kostproben Schaflplattenkonzert.
V.773 VORTRAG
von Herrn A. Heß
Mittwoch, d. 27. Mai, abds. 8 Uhr
Hess. Eisenbahn A. G.
Darmstadt