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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illnſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Origlnal=Auffätze und eigenen Nachrichten mr mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 143
Sonntag, den 24. Mai 1931.
194. Jahrgang
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Franfurt g. M. 1301.
Die Minderheitenfrage vom Rat auf den Herbſt vertagt
Polens Bericht zu ſpäk eingereichk und völlig ungenügend. — Keine Gewähr für eine grundſähliche
Um=
ſtellung der polniſchen Minderheikenpolikik in Oberſchleſien. — Henderſon unkerſtühk nachdrücklichſt den
deutſchen Skandpunkk. — Frankreich und Polen müſſen nachgeben.
Deutſchland forderk Verkagung.
Frörkerung des Berichts über die Lage der deutſchen
Minderheit in Polen im Sepkember.
Genf, 23. Mai.
Auf der Tagesordnung der Schlußſitzung des
Völkerbunds=
rates ſtand als wichtigſter Punkt der Bericht über die Lage der
eutſchen Minderheit in Oſtoberſchleſien. Berichterſtatter iſt der
papaniſche Delegierte Yoſhiſawa. Dr. Curtius hatte den
Ratsvorſitz an den britiſchen Außenminiſter
Henderſon abgetreten, um, wie im Januar, für
ieſe Frage die notwendige Handlungsfreiheit
uhaben. Die in den letzten Tagen ununterbrochen geführten
Werhandlungen wurden bis in die vorige Nacht fortgeſetzt und
waren am Samstag in den frühen Morgenſtunden wieder
aufge=
grommen worden. Nahezu unüberbrückbare
Schwie=
igkeiten hatten ſich, wie vorauszuſehen war, daraus
ſergeben, daß Polen ſeinen Bericht über die
Maß=
nahmen, die es entſprechend der Aufforderung des
Völkerbunds=
nates vom Januar zu ergreifen hatte, entgegen dem Wunſch
ſees Völkerbundsrates zu ſpät eingereicht hatte.
Plußerdem iſt der Bericht in ſeinen wichtigſten Teilen materiell
ungenügend und bietet keine Gewähr für eine grundſätzliche
Um=
ſtellung der polniſchen Minderheitenpolitik in Oberſchleſien. Der
Bericht, den Yoſhiſawa vorgelegt hatte, lief darauf hinaus, die
Debatte abzuſchließen. Die deutſche Delegation hat eine Ver=
Fragung auf die nächſte Tagung des Rates im September
durch=
ggeſetzt. Wenn das nicht möglich geweſen wäre, dann hätte der
woeutſche Außenminiſter gegen den Bericht geſtimmt und ihn
da=
ſourch zu Fall gebracht. Der Völkerbundsrat hat aber
entſpre=
chend dem deutſchen Antrag, der von dem engliſchen
ſelußenminiſter nachdrücklichſt unterſtützt wurde,
oie Erörterung des Berichts über die Lage der deutſchen
Min=
ſoerheiten in Polen auf September vertagt.
Curkius übergibt Henderſon den Borfiß.
Nach Erledigung der Abrüſtungsfragen im Völkerbundsrat
Eſiehe Seite 2) übergab Dr. Curtius den Vorſitz an Henderſon,
um in der Erörterung der Minderheitenfrage freie Hand zu
Gaben.
Yoſhiſawas Berichk
über die Lage der deutſchen Minderheit in Polen.
Der von dem japaniſchen Delegierten Yoſhiſawa wiederum
eerſtattete Bericht über dieſe Frage erinnerte daran, daß der Völ=
Vierbundsrat im Januar hinſichtlich der Zwiſchenfälle in Polen
ſeinen Unterſchied zwiſchen direkter und indirekter
Verantwortlich=
fkeit der polniſchen Behörden gemacht habe. Was die erſte Frage
Getreffe, ſo ſchlage der heutige Bericht vor, der Völkerbundsrat
nolle ſich darauf beſchränken, von den Maßnahmen der polniſchen
Megierung Kenntnis zu nehmen.
Bezüglich der zweiten Frage müſſe man ſofort feſtſtellen,
daß unter den von der polniſchen Regierung erwähnten
Maßnahmen ſich nicht diejenige befand, die nach Auffaſſung
gewiſſer Mitglieder des Völkerbundsrates das geeignetſte
und wirkſamſte Mittel dargeſtellt hätte, um die beſonderen
Verbindungen, die etwa zwiſchen den Behörden und den
Aufſtändiſchenverbänden beſtehen, verſchwinden zu laſſen.
Der Bericht ſpricht die Hoffnung aus, daß der ganze
Völ=
ſkerbundsrat einmütig eine wirklich poſitive
Ent=
pannung und eine ſehr merkliche Beſſerung in
ſen Beziehungen zwiſchen den Behörden und
er Minderheit feſtſtellen könne und erwähnt in
die=
ſem Zuſammenhange eine Reihe von Dokumenten, insbeſondere
ein Zirkular des Wojwoden von Schleſien an die Staroſten und
Polizeidirektoren vom 20. März 1931, worin erklärt wird, die
Tatſache, daß ſie Ehrenvorſitzende der einen oder anderen ſozialen
Organiſation und insbeſondere des Verbandes der ehemaligen
chleſiſchen Kriegskämpfer ſind, könne in keiner Weiſe für die
Wehörden ein Grund ſein, irgendwie die betreffende Vereinigung
täu bevorzugen. Der Bericht erklärt ferner, der Völker=
Hundsrat müſſe es jetzt als ſeine Hauptaufgabe
Getrachten, künftig den Zuſtand normaler
Be=
iehungen zwiſchen den polniſchen Behörden
und der deutſchen Minderheit herzuſtellen, und
es beſtehe die Gewißheit, daß die polniſche
Regierung in Zukunft nichts unterlaſſen werde,
um geeignete Maßnahmen zu ergreifen, damit
ein ſolches Ergebnis endgültig geſichert
wer=
wen könne. In der Erwartung, daß die von der polniſchen
Megierung bisher ergriffenen und weiter im Sinne der
Januar=Verhandlungen des Völkerbundsrats
u ergreifenden Maßnahmen, einen Fortſchritt auf
em Wege zur Schaffung einer dauernden und befriedigenden
Form der Minderheitenbehandlung darſtellen, ſchlug der
Be=
richterſtatter vor daß der Völkerbundsrat die An=
Belegenheit für erledigt erklären ſolle,
Dr. Curkius widerſekt ſich der Verabſchiedung
des Berichts und fordert Verkagung.
Dr. Curtius ſprach ſein Bedauern darüber aus, daß der
Be=
richt der polniſchen Regierung nicht, wie es der Völkerbundsrat
in ſeiner Entſchließung vom Januar verlangt hatte, vor der
gegenwärtigen Ratstagung vorgelegt worden ſei. Er ſei der
deutſchen Delegation erſt am Dienstag dieſer Woche, alſo erſt im
Laufe der jetzigen Ratstagung, zugegangen. Deshalb habe die
deutſche Regierung den Bericht nicht ſo gründlich prüfen können,
wie es ihre Verantwortung erfordere. Eine Reihe von
Zweifels=
fragen ſei noch vorhanden, die durch ſorgfältiges Studium der
Einzelheiten und durch Verwertung des in der Oeffentlichkeit
bereitgeſtellten Materials gelöſt werden müßten.
Die mitgeteilten polniſchen Maßnahmen reichten
anderer=
ſeits nicht aus, um heute ſchon feſtzuſtellen, daß das
Ver=
trauen zwiſchen der polniſchen Regierung und der deutſchen
Minderheit, ſo wie es der Beſchluß der letzten Ratstagung
als notwendig bezeichnete, wiederhergeſtellt worden ſei und
daß wieder normale Verhältniſſe hinſichtlich der
Minder=
heiten in Polen beſtehen. Dr. Curtius beantragte
dem=
gemäß, die Angelegenheit auf September zu vertagen.
Polen widerſpricht der Berkagung.
In Vertretung des anweſenden, aber an ſtarker Heiſerkeit
leidenden polniſchen Außenminiſters erklärte der ſtändige
pol=
niſche Vertreter beim Völkerbund, Sokal, daß er den Bericht
des japaniſchen Delegierten, obwohl die polniſche Regierung
nicht in allen Einzelheiten derſelben Auffaſſung ſei, ohne
Vor=
behalt annehme. Der polniſche Vertreter
wider=
ſprach entſchieden der Vertagung. Er erklärte, Polen
habe gewiſſenhaft und loyal ſeine Verpflichtungen erfüllt. Die
Ordnung in den Grenzgebieten, die während der letzten
Wahl=
kampagne vorübergehend geſtört geweſen ſei, ſei wieder
herge=
ſtellt und die Zuſammenarbeit zwiſchen der Minderheit und der
Mehrheit der Bevölkerung habe große Fortſchritte gemacht. Die
Offenlaſſung der Frage würde ein Hindernis für.
die Befriedung der Verhältniſſe bedeuten.
Frankreich lehnk den deutſchen Verkagungsankrag ab.
Durch dieſe Stellungnahme der polniſchen Regierung wurde
der Antrag des japaniſchen Berichterſtatters zur Ausſprache
ge=
ſtellt. Der japaniſche Vertreter erklärte, er könne eine Annahme
des Berichtes nicht verlangen, da einzelne Mitglieder des
Völ=
kerbundsrates den Bericht ablehnten.
Der Vertreter Frankreichs, Poncet, lehnte
ſodann den deutſchen Vertagungsantrag
aus=
drücklich ab. Der Hinweis von Dr. Curtius auf das
ver=
ſpätete Eintreffen des Berichtes der polniſchen Regierung ſei
nicht ſtichhaltig. Entſcheidend ſei die Tatſache, daß das
Haupt=
ziel des Ratsbeſchluſſes vom Januar, die Wiederherſtellung der
Lage und die Entſpannung in den Beziehungen der deutſchen
Minderheit, erreicht ſei. Er beantragte Annahme des japaniſchen
Berichtes und Abſchluß der Verhandlungen über die
oberſchle=
ſiſche Frage. Dem Antrag auf Abſchluß der
Aus=
ſprache ſchloß ſich der ſüdſlawiſche
Außenmini=
ſter Marinkowitſch an.
Curlius beſteht auf Berkagung.
Dr. Curtius erklärte darauf, er könne die Auffaſſung der
franzöſiſchen Regierung in keiner Weiſe teilen, daß eine
vier=
tägige Friſt zur Prüfung des polniſchen Berichtes genüge. Es
handele ſich in dieſer Frage um eine Angelegenheit, die weit
über den Rahmen der normalen Ratsberichte hinausgehe. Die
Januar=Verhandlungen des Völkerbundsrates über die
ober=
ſchleſiſche Frage hätten die geſamte Bevölkerung in
Oberſchle=
ſien aufgerüttelt.
Der Rat habe der polniſchen Regierung dreierlei
Maß=
nahmen auferlegt: 1. Strafmaßnahmen, 2.
Entſchädigungs=
verfahren, 3. Stellungnahme zu den Vorwürfen über die
indirekte Verantwortlichkeit der polniſchen Regierung für
die Vorfälle in Oberſchleſien. Er ſei nicht in der Lage,
ſämtliche Einzelheiten zu prüfen, an denen nicht
vorbei=
gegangen werden könne. Es müſſe beſonders geprüft
wer=
den, warum von den 200 vor den Gerichten zur
Verhand=
lung gelangenden Fällen in Oberſchleſien lediglich in 50
Fällen Verurteilungen von ganz geringfügiger Bedeutung
erfolgt ſeien, warum keine Diſziplinarmaßnahmen gegen
die höheren Beamten erfolgt ſeien, die entſcheidend an den
Vorfällen in Oberſchleſien beteiligt geweſen ſeien. Er halte
es daher für dringend notwendig, daß jetzt feſtgeſtellt
wer=
den müſſe, ob die vom Völkerbundsrat geforderte
Befrie=
dung in Oberſchleſien erreicht ſei.
Falls, der Völkerbundsrat jetzt einen endgültigen Beſchluß
faſſe, ſo beſtehe die Möglichkeit, daß die Minderheit ſehr ſchwere
Bedenken gegen die abſchließenden Feſtſtellungen des
Völker=
bundsrats erheben könnte. Der Völkerbundsrat dürfte ſich dem
unter keinen Umſtänden ausſetzen. In dem Bericht der
polni=
ſchen Regierung werde der deutſchen Minderheit der Vorwurf
der Fälſchung von Dokumenten und illohalen Verfahren gemacht.
(Fortſetzung auf Seite 2, Spalte 19
*Die Woche.
Die Genfer Verhandlungen, in deren Vordergrund der
deutſch=öſterreichiſche Zollunionsplan ſtand, ſind vorüber und in
allen europäiſchen Ländern geht man nunmehr daran, die
Er=
gebniſſe dieſer Genfer Tagung zu werten. Das iſt natürlich
nicht ſo ganz einfach, insbeſondere ſo lange die Einzelheiten
über die verſchiedenen perſönlichen Beſprechungen noch nicht
be=
kannt ſind, nicht ſo ganz einfach auch, da die verſchiedenen
Kom=
mentare bei uns und anderwärts naturgemäß vielfach ſehr ſtark
durch innerpolitiſche Rückſichten beeinflußt ſind. Umſo mehr
ſollte man ſich bemühen, zunächſt einmal rein ſachlich sine ira
et studio an die Dinge heranzugehen, damit man nicht in den
Irrgarten reiner Kombination gerät. Daß unſere
außenpoli=
tiſche Lage, ganz allgemein geſprochen vor der diesmaligen
Genfer Ratstagung außerordentlich ernſt war, haben wir
ſeiner=
zeit ausführlich erörtert. Es iſt ja deswegen auch Dr. Curtius
deutſcherſeits mehrfach der Vorwurf gemacht worden, daß er
ſich mit dem Zollunionsplan unter den vorliegenden Umſtänden
übernommen habe. Man fürchtete in dieſen Kreiſen, daß die
deutſche Außenpolitik zu wenig in der Hand habe, um ſich dem
ſcharfen Widerſtand der Franzoſen gegenüber durchzuſetzen. Auf
der anderen Seite aber waren es gewiß nicht allein
innerpoli=
tiſche Rückſichten, die den deutſchen Außenminiſter vorwärts
trieben, ſondern in erſter Linie die Ueberzeugung, daß gerade die
außenpolitiſche Entwicklung ein längeres Abwarten nicht mehr
vertrug, ſondern ein energiſches Zugreifen verlangte. Wenn
man dieſe Auffaſſung für richtig hält, wird man auf der
ande=
ren Seite aber auch logiſcher Weiſe nicht ſagen können, daß
wir in Genf eine Niederlage erlitten hätten. Da wir die Widerſtände
der Politik des Quai d’Orſay genau kannten, da Franzoſen und
Tſchechen ſchon vorher immer wieder die Behauptung aufgeſtellt
hatten, die geplante deutſch=öſterreichiſche Zollunion widerſpreche
den mit Oeſterreich geſchloſſenen Verträgen, blieb uns von
vorn=
herein nichts anderes übrig, als einer juriſtiſchen Prüfung
die=
ſer Frage zuzuſtimmen. Nur zwei Möglichkeiten gab es alſo in
Genf: Sofortige juriſtiſche Prüfung durch den Völkerbund ſelbſt
oder Ueberweiſung an das Haager Schiedsgericht. Von dieſen
beiden Möglichkeiten kam aber die erſte praktiſch niemals
ernſt=
lich in Frage, ſo daß wir von vornherein mit einer
Ueberwei=
ſung an das Haager Schiedsgericht rechnen mußten. Wenn
dieſe jetzt mit unſerer Zuſtimmung erfolgte, ſo iſt das ganz
ge=
wiß kein Mißerfolg, umſo weniger, als vorerſt ja wirklich kein
Anlaß beſteht, die Unparteilichkeit des Haager Schiedsgerichts
ernſthaft in Zweifel zu ziehen. Weit unerfreulicher iſt ſchon die
Tatſache, daß die deutſchen und öſterreichiſchen Vertreter zuſagen
mußten, die offiziellen Zollunionsverhandlungen zu vertagen
bis die Entſcheidung des Haager Schiedsgerichtshofes dem
Völ=
kerbundsrat nochmals vorgelegen habe. Das bedeutet eine
Ver=
tagung auf mindeſtens ein halbes Jahr, und in deutſchen
Rechtskreiſen iſt man bereits bemüht, daraus eine ſchwere
per=
ſönliche Niederlage des deutſchen Reichsaußenminiſters zu
kon=
ſtruieren. Gewiß, dieſe Vertagung iſt außerordentlich
unerfreu=
lich, wobei es nicht einmal weſentlich iſt, daß weitere offizielle
Verhanolungen vorerſt nicht ſtattfinden können, da die
eingehen=
den Vorbeſprechungen der Einzelheiten, die uns ja auch der
Genfer Beſchluß nicht verbieten kann, ohnedies zweifellos noch
erhebliche Zeit in Anſpruch genommen hätten. Weſentlich iſt
vielmehr, daß die Franzoſen einige weitere Monate gewonnen
haben, um Oeſterreich unter möglichſt ſtarken Druck zu ſetzen, und
daß uns dann nochmals in Genf Auseinanderſetzungen
bevor=
ſtehen, von denen wir bereits diesmal einen Vorgeſchmack
be=
kommen haben. Daß ſich der Völkerbundsrat, ſo ſchrieb dieſer
Tage die Deutſche Allgemeine Zeitung über den Urteilsſpruch
des höchſten internationalen Gerichtshofes die rein politiſche
Eutſcheidung vorbehalten habe, ſei eine rein machtpolitiſch
be=
ſtimmte Zumutung, ein Beweis für die mangelnde Gleichgeltung
Deutſchlands, ein ſchwerer Angriff auf das deutſche Preſtige.
Die Zeit ſei nunmehr gekommen zu überlegen, ob wir in Genſ
oder außerhalb Genf ſtärker ſind. Das ſchießt zweifellos weit
über das Ziel hinaus, und mit Recht wird demgegenüber in
einer amtlichen Erklärung feſtgeſtellt, daß ein Vorbehalt, den
deutſch=öſterreichiſchen Plan ſpäter gegebenenfalls auch noch unter
politiſchen Geſichtspunkten zur Erörterung zu bringen, lediglich
von einzelnen Gegnern des Plans gemacht worden ſei, ohne
daß der Nat dem zugeſtimmt hätte. Von deutſcher Seite ſei
dieſem Verſuch der Gegner auf das Beſtimmteſte
entgegenge=
treten worden. Wenn der franzöſiſche Außenminiſter es für
zweckmäßig hielt, in Genf die deutſche Außenpolitik ſcharf
anzu=
greifen, und wenn der deutſche Außenminiſter dieſen Angriffen
ſcharf und beſtimmt entgegentrat, ſo iſt das doch gewiß keine
Niederlage des deutſchen Außenminiſters.
Wir haben in der Zollunionsfrage in Genf zweifellos
kei=
nen hundertprozentigen Erfolg davongetragen. Das ſollte mit
aller Deutlichkeit feſtgeſtellt werden. Aber ebenſo deutlich auch, daß
ein ſolcher hundertprozentiger Erfolg nach Lage der Dinge von
vornherein ausgeſchloſſen erſcheinen mußte. Und man kann wohl
ohne Uebertreibung ſagen, daß ſich die ſehr weitgehende Skepſis
geſviſſer deutſcher Kreiſe diesmal nicht als berechtigt erwieſen
hat. Das hat ſich auch bei der Behandlung der Frage der
ober=
ſehleſiſchen Minderheiten geſtern gezeigt, bei der die Polen trotz
ſtarker franzöſiſcher Unterſtützung mit ihrem Standpunkt nicht
durchgedrungen ſind. Auch die Wiederernennung Gravinas zum
Völkerbundskommiſſar in Danzig iſt als ein erfreulicher deutſcher
Erfolg zu buchen.
Der „Sieger” in Genf heißt weder Briand noch Curtiug,
ſondern Henderſon, der ſich mit außerordentlichem Geſchick
durch=
zuſetzen verſtanden hat, ganz abgeſehen davon, daß der engliſche
Außenminiſter nunmehr endgültig zum Vorſitzenden der
künfti=
gen Abrüſtungskonferenz ernannt worden iſt. Unterlegen aber
iſt in Genf der europäiſche Gedanke. In Kreiſen der deutſchen
Sozialdemokratie geht man gegen die Zollunion an, weil ſie uns
in Gegenſatz zu Briand gebracht habe, zu Briand, dem großen
Friedensapoſtel, und man regiſtriert eifrig all die Ovationen,
die dem „Pan=Europäer” von der franzöſiſchen Linken
neuer=
dings dargebracht werden. Man kann dem europäiſchen
Ge=
dauken wirklich keinen ſchlechteren Dienſt erweiſen. Ganz
ab=
geſehen von allem anderen, einen großen Erfolg hat der
deutſch=öſtereichiſche Zollunionsplan unſtreitig gehabt: „Er hat
den franzöſiſchen Außenminiſter gezwungen, endlich einmal ſein
wahres Geſicht vor aller Welt zu enthüllen. Vor dem Genſer
Seite 2
Sonntag, den 24. Mai 1931
Nummer 143
Völkerbundsrat ſprach diesmal ein Mann, der nur das eine
Ziel kennt, die europäiſche Vormachtſtellung Frankreichs zu
er=
halten und auszubauen, und darüber konnte keine rhetoriſche
Verbrämung hinwegtäuſchen. Während Millionen kaum wiſſen
wie ſie ſich das tägliche Brot verſchaffen können, bemüht man
ſich auf der anderen Seite um die Löſung des Problems, die
Ueberſchüſſe der Nahrungsmittelproduktion unterzubringen. Die
gewaltigen Induſtriewerkſtätten Europas ſtehen leer, Millionen
Hände ſind zum Feiern gezwungen, weil für die
Induſtrie=
erzeugniſſe kein genügender Abfatz vorhanden iſt. Das ſind die
Ergebniſſe einer Politik, die mit dem Zufammenbruch
Deutſch=
lanos im Jahre 1918 begann, und an der man unbedingt
feſt=
halten möchte zum höheren Ruhme Frankreichs. Wie richtig der
Gedanke Streſemanns war, die Hand zu bieten zu einer
deutſch=franzöſiſchen Verſtändigung auf breiteſter Grundlage
jeder Tag erweiſt es von neuem, aber von neuem erweiſt es
auch jeder Tag, wie wenig Verſtändnis man dieſem Gedanken in
Frankreich auch heute noch entgegenbringt. In der Politik aber
darf man nicht Phantomen nachjagen, ſondern man muß
nüch=
tern mit den Tatſachen rechnen, ſo unerfreulich ſie auch ſein
mögen.
Unſere wirtſchaftliche Lage ſchreibt uns in immer ſteigendem
Maße das Gefetz des Handelns vor. So peinlich man das auch
in Paris und London empfinden mag, man wird ſich auch dorr
an den Gedanken gewöhnen müſſen, daß der Young=Plan ſich
bereits jetzt totgelaufen hat, daß die Kriegstributfrage endlich
ge=
löſt werden muß, wenn nicht verhängnisvolle Folgen entſtehen
follen. Es iſt kein fröhliches Pfingſtfeſt, das die Völker Europas
dieſes Jahr feiern. Zu wenig tragen ſie in ſich von dem heiligen
Geiſt, der einſt über die Jünger des Herrn ausgegoſſen wurde.
M.
Schwere polniſche Angriffe gegen Curkius.
(Fortſetzung von Seite 1, Spalte 2.)
Im weiteren Verlauf der Ausſprache über den Oberſchleſien=
Bericht kam es zu ſchweren Angriffen des Polen Sokal gegen
Dr. Curtius. Sokal erklärte, Dr. Curtius ſcheine den Bericht
der polniſchen Regierung in allen Einzelheiten zu kennen. Der
Vertagungsantrag ſei daher völlig unbegründet. Er proteſtierte
aufs ſchärfſte gegen die Bekanntgabe des Berichtes der polniſchen
Regierung an die Minderheit in Oberſchleſien. Der Bericht ſei
nur für den Rat beſtimmt. Die Zweifel von Dr. Curtius an
einer in Oberſchleſien bereits erfolgten Befriedung ſeien durch
die Feſtſtellungen des Berichts des japaniſchen Berichterſtatters
zerſtreut.
Er müſſe dringend, vor einer Vertagung warnen, da
dadurch gefährliche Folgen eintreten würden. Die polniſche
Regierung lehne im Falle einer Vertagung ausdrücklich
die Verantwortung für neue Unruhen in Oberſchleſien ab.
Dr. Curtius antwortete ſofort, er habe erwartet,
daß die polniſche Regierung für den deutſchen
Vertagungsantrag im Hinblick auf den
außer=
ordentlich verſpäteten Eingang des polniſchen
Berichts Verſtändnis haben würoe. Er be
dauere, daß dieſes Verſtändnis nicht vorhanden
ſei.
Er habe die größten Zweifel bei einer Prüfung des
Berich=
tes empfunden, ob die tatſächlich von Polen behauptete
Beruhigung ſoweit vorgeſchritten ſei, daß eine endgültige
Feſtſtellung des Völkerbundsrates möglich ſei. Die
pol=
niſchen Befürchtungen einer weiteren Verſchärfung der
Lage in Oberſchleſien im Falle einer Vertagung ſtänden
im Widerſpruch zu dem Bericht der polniſchen Regierung.
Die deutſche Regierung werde ſelbſtverſtändlich während der
Zwiſchenzeit keinerlei Verſchärfung der Lage zulaſſen.
Henderſon erklärt: „Polen darf ſich der
2
Verankworkung unker keinen Amſkänden enkziehen.
Der britiſche Außenminiſter Henderſon unterſtützte in ſeinem
Schlußwort zu dieſer Diskuſſion in entſchiedenſter Weiſe den
deut=
ſchen Standpunkt. Henderſon erklärte, er empfinde weiteſtgehende
Sympathie für den deutſchen Standpunkt. Die polniſche
Regie=
rung ſei durchaus zu tadeln, daß ſie dieſen Bericht ſo ſpät
ein=
gereicht habe und könne nicht erwarten, daß der Rat in einer ſo
ſchwierigen Angelegenheit in kürzeſter Friſt einen Beſchluß faſſe.
Dr. Curtius ſei durch die Leitung der Ratstagung, ſowie durch
die Verhandlungen im Europa=Ausſchuß ſo überlaſtet geweſen, daß
er unmöglich die notwendige Zeit habe finden können, den
pol=
niſchen Bericht zu prüfen. Er ſelbſt hege ernſte Zweifel, ob der
Völkerbundsrat in einer ſo wichtigen Angelegenheit jetzt bereits
eine endgültige Entſcheidung treffen dürfe.
Er lehne jedoch auf das nachdrücklichſte die Erklärung der
polniſchen Regierung ab, daß ſie jetzt bereits die Verant=
Vom Tage.
Reichspräſident v. Hindenburg hat geſtern früh Berlin
ver=
laſſen, um über die Pfingſtfeiertage einen etwa achttägigen
Er=
holungsaufenthalt auf dem Lande zu verbringen.
Der Reichspräſident hat dem Prälaten Dr. Kaas, der am
Samstag ſeinen 50. Geburtstag feierte, ſeine Glückwünſche
ausge=
ſprochen.
Die in Aachen tagende Hauptverſammlung des Vereins für
das Deutſchtum im Auslande wählte an Stelle des ausſcheidenden
Vorſitzenden, Exzellenz von dem Buſche=Haddenhauſen,
Reichswehr=
miniſter a. D. Dr. Geßler zum 1. Vorſitzenden. Kontreadmiral
a. D. Seebohm wurde zum 1. ſtellvertretenden und
geſchäftsführen=
den Vorſitzenden und Oberrealſchuldirektor Dr. Barta=Wien zum
2. ſtellvertretenden Vorſitzenden gewählt.
Bei der Einweihung des Streſemann=Denkmals in Mainz
am 5. Juli wird der Völkerbundsrat, wie in der Schlußſitzung
be=
ſchloſſen wurde, durch den bis zur nächſten Tagung amtierenden
Ratspräſidenten, den deutſchen Außenminiſter Dr. Curtius,
ver=
treten ſein.
Die Weizenkonferenz iſt am Samstag beendet worden.
Be=
ſchloſſen wurde die Einſetzung eines ſtändigen Ausſchuſſes zur
Weiterbehandlung der noch ungelöſten Fragen.
Die privaten Beſprechungen, die in Genf zwiſchen Briand und
Grandi, im Beiſein von Maſſiggli und Roſſo ſtattfanden, haben
zu einer Einigung dahin geführt, daß am 15. Juni eine
Zuſammen=
kunft in Rom ſtattfinden ſoll, auf der man verſuchen werde, eine
Regelung der Flottenfrage zu erreichen.
Die 64. Tagung des Völkerbundsrates iſt in der heutigen
Schlußſitzung des Rates auf den 1. September d. J. feſtgeſetzt
worden.
Dem heimkehrenden Außenminiſter Briand haben ſeine Freunde
am Freitagabend einen triumphalen Empfang bereitet.
Der ſpaniſche Miniſterrat hat die ſofortige Einführung der
vollſtändigen Religionsfreiheit in Spanien beſchloſſen.
In dem Belgrader Prozeß gegen eine Terroriſten=Organiſation
vor dem Gerichtshof zum Schutze des Staates wurde geſtern das
Urteil gefällt. Von den 25 Angeklagten wurden 24 wegen
Vor=
bereitung und Durchführung terroriſtiſcher Anſchläge unter
angeb=
licher Mithilfe ausländiſcher Behörden verurteilt, und zwar drei
zum Tode, zwei zu 20 Jahen. 5 weitere zu 18, 16 und 15 Jahren,
die übrigen zu je 8 Jahren Kerker.
Die ägyptiſchen Parteien haben ihre Kandidaten für die am
Juni ſtattfindenden Parlamentswahlen bereits aufgeſtellt. Um
die 150 Parlamentsſitze kämpfen 273 Kandidaten, von denen allein
195 den Regierungsparteien angehören.
wortung für die Folgen eines Vertragsabſchluſſes ablehne.
Die polniſche Regierung dürfe ſich unter keinen Umſtänden
der Verantwortung entziehen. Die Vertagung der
Ober=
ſchleſien=Frage auf den September erſcheine daher unbedingt
notwendig. Henderſon erklärte ſodann als Präſident des
Rates, er nehme an, daß ſein Vertagungsantrag auf
keiner=
lei Widerſtand ſtoße und ging ſofort zum nächſten Punkt
der Tagesordnung über. Die Vertreter der franzöſiſchen und
der polniſchen Regierung erklärten, ſie ſähen ſich gezwungen,
ihre Oppoſition gegen den deutſchen Vertagungsantrag
zurückzuziehen, da Henderſon in ſeiner Eigenſchaft als
Rats=
präſident die einſtimmige Annahme des deutſchen Antrages
gewünſcht habe.
Die Annahme des deutſchen Vertagungsantrages durch den
Rat führte ſodann zu einem polniſchen Gegenzug. Der polniſche
Vertreter beantragte unverzüglich Vertagung der Frage der
Zu=
laſſung zu den deutſchen Minderheitenſchulen in Oberſchleſien mit
der gleichen Begründung, wie ſie Dr. Curtius vorgebracht hatte.
Er habe keine genügende Zeit gehabt, das für die deutſche
Min=
derheit günſtig ausgefallene kürzliche Gutachten des Haager
Ge=
richtshofes zu prüfen.
Polens Berpflichkung zum Schut der deutſchen
Aork
Minoe geil.
Auf der Septembertagung des Rates wird damit die
ober=
ſchleſiſche Frage erneut verhandelt werden. Jedoch kann für dieſe
Verhandlung der Bericht des japaniſchen Berichterſtatters nicht
mehr als maßgebend angeſehen werden, ſo daß der
Völkerbunds=
rat auf der Septembertagung notwendigerweiſe feſtſtellen muß,
ob tatſächlich die polniſche Regierung die ihr vom Rat im Januar
auferlegte Verpflichtung zum Schutze der deutſchen Minderheit in
Oſtoberſchleſien erfüllt und insbeſondere die Beziehungen zum
Aufſtändiſchenverband gelöſt hat.
Reichsaußenminiſter Dr. Curtius und die übrigen Mitglieder
der deutſchen Delegation haben am Samstag abend mit dem
fahr=
planmäßigen Zuge die Rückreiſe nach Berlin angetreten, wo ſie am
Pfingſtſonntag erwartet werden.
Die Schlußſihung des Völkerbundsrakes.
Der deutſche Ankrag auf Offenlegung des
Rüſtungs=
ſtandes abgelehnk.
Genf, 23. Mai.
Der Völkerbundsrat hatte in der letzten Sitzung ſeiner 63.
Tagung außer der Angelegenheit der Minderheiten in Polen,
noch Offenlegung des Rüſtungsſtandes zu behandeln. Der
ſpa=
niſche Außenminiſter legte als Berichterſtatter über die
Ab=
rüſtungsfrage ſeinen Bericht über die verſchiedenen Anträge zur
Feſtſetzung eines einheitlichen Fragebogens über den
Rüſtungs=
ſtand vor, der darin gipfelte, daß die Vorſchläge der
bri=
tiſchen Regierung, obwohl ſie nicht ideal ſeien, im
gegenwärtigen Augenblick die Grundlage der
Bemühungen in dieſer Angelegenheit bilden ſollten, und
zwar nach den von dem japaniſchen Ratsmitglied aufgeſtellten
Grundſätzen der Gleichmäßigkeit, Allgemeinheit und
Gleichzeitig=
keit. Der Bericht beſagt, daß die an der Abrüſtungskonferenz
teil=
nehmenden Staaten eingeladen werden, Mitteilungen über ihren
Rüſtungsſtand an Hand des engliſchen Vorſchlages dem
General=
ſekretariat des Völkerbundes zur Weiterleitung an die
Ab=
rüſtungskonferenz vorzulegen.
Ae
Skimmenkhalkung Denkſchlands. — Eine Erklärung
Dr. Curkius”.
Die deutſche Delegation war entſprechend ihrer
grundſätzlichen Einſtellung in der Abrüſtungsfrage nicht
der Lage, dieſem Bericht zuzuſtimmen. Der deutſche
Außenminiſter Dr. Curtius begründete daher ſeine
Stimment=
haltung mit folgenden Ausführungen:
„Ich habe ſchon kürzlich dargelegt, daß es die Abſicht der
deut=
ſchen Regierung war, durch die Aufſtellung eines alle weſentlichen
Rüſtungsfaktoren umfaſſenden Fragebogens der Konferenz ein
vollſtändiges und überſichtliches Bild der geſamten auf der Welt
vorhandenen Rüſtungen zu verſchaffen. Ich habe auch darauf
hin=
gewieſen, daß ein ſolches vollſtändiges Material über die
vorhan=
denen Rüſtungen für die Konferenz nach meiner Anſicht unbedingt
notwendig iſt, einerlei, ob ſie ſich an die Klauſeln des
Konven=
tionsentwurfs halten will oder nicht. Ich kann es nur auf das
lebhafteſte bedauern, daß der uns vorliegende Berichtsentwurf in
Anlehnung an einen ſtark umſtrittenen Vorentwurf es unterläßt,
dafür Sorge zu tragen, daß der Konferenz bei ihrem Zuſammentritt
das für ihre gedeihlichen Arbeiten erforderliche Material
voll=
ſtändig zur Verfügung ſteht. Ich fürchte, daß in den Augen der
öffentlichen Meinung der Konferenz damit ein ſchlechter Dienſt
erwieſen iſt. Jedermann wird ſich fragen, welche Gründe denn die
Staaten veranlaßten, von den Perſonalbeſtänden, die ihnen be
einem Kriegsausbruch zur Verfügung ſtehen, nur einen kleinen
Bruchteil und von dem vorhandenen Landkriegsmaterial
über=
haupt keine Ziffern, nicht einmal die Zahl ihrer ſchweren Geſchütze
und ihrer Tanks bekanntzugeben, ehe ſie ſich an den
Verhandlungs=
tiſch ſetzten, um im gegenſeitigen Einvernehmen über die
Herab=
ſetzung ihrer Rüſtungen zu beſchließen.
Nachdem auch die wahrlich ſchon beſcheidenen Vorſchläge des
britiſchen Vertreters in den Bericht nicht reſtlos aufgenommen
ſind, iſt es mir als deutſchem Vertreter nicht möglich, einen
Be=
richt anzunehmen, der weſentliche Rüſtungselemente beiſeite läßt
und ſo wenig dem Grundgedanken des Artikels 8 der Satzung
entſpricht, wo es heißt, daß die Staaten „in offenſter und
voll=
ſtändigſter Weiſe” ihre Rüſtungselemente anzugeben haben. Auf
der anderen Seite will ich jedoch nicht ſoweit gehen, durch
Ab=
lehnung des Berichts das Zuſtandekommen der erforderlichen
Ein=
ſtimmigkeit zu verhindern und damit eine, wenn auch unzureichende
Maßnahme zur Durchführung der Entſchließung des Rates vom
24. Januar d. J. unmöglich zu machen. Ich enthalte mich daher
der Stimme.”
Der Rat hat damit einen Entſchluß gefaßt, der im offener
Widerſpruch zu den Beſtimmungen des Völkerbundspaktes ſteht,
dem ausdrücklich auf Wunſch Wilſons die Verpflichtung zur unein
geſchränkten Veröffentlichung des geſamten Rüſtungsſtandes der
einzelnen Länder feſtgelegt wird. Der Beſchluß bedeutet ferner eine
ſchwere Gefährdung der kommenden Ab=üſtungskonferenz, die nich
in der Lage ſein wird, einen Vergleich des Rüſtungsſtandes
vor=
zunehmen. Damit iſt die entſcheidende Grundlage des geſamten
Abrüſtungsproblems vom Völkerbundsrat ſelbſt aufs Schwerſte
er=
ſchüttert worden.
Die Tagung des Rates wurde ſodann mit einem Appell des
deutſchen Außenminiſters, der den Vorſitz im Rat nach Abſchluß
der Oberſchleſien=Ausſprache wieder übernommen hatte,
abge=
ſchloſſen, indem er die Regierungen zur Beteiligung an dem
Nan=
ſen=Fonds für das internationale Flüchtlingswerk aufforderte.
Legende von Karl Röttger.
„Der Geiſt weht, wo er will” — und wann er in den
Men=
ſchen niederfährt, iſt es oft wie das Einſchlagen eines Blitzes, daß
der Menſch danach wie in Flammen ſteht. So war es auch bei
jenem Franziskus von Aſſiſi, den ſie hernach zum Heiligen der
Kirche machten, der aber darüber hinaus mehr war: nämlich eine
brennende Flamme der Liebe zu aller Welt. Es geſchah einmal,
im Beginne ſeiner Laufbahn, daß dieſer Prophet, noch unbekannt,
daß dieſer Bettler und Knecht Gottes und der Menſchen durch das
Land ſtrich, durch die Landſchaft Spoleto, und daß er gegen die
Stadt Foligno hinzukam, doch nicht hineinging, ſondern in den
Gefilden und Hügeln blieb, als ſuche er etwas und finde es nicht.
Doch war es ihm ſelbſt nicht bewußt. Denn wie ſehr auch immer
ein Frommer im Auftrag des Höchſten geht — es wird ihm oft
nicht bewußt. Und um ſo beſſer, je weniger es ihm bewußt wird.
Es war Frühſommer, und das Land war von einem
unbe=
ſchreiblichen Himmel überwölbt. Feierlich hoch und weit ſtanden
die Haine im Lichte, und in der tiefen Stille ſchien eine hohe Zeit
angebrochen für die geſegnete Landſchaft. Blühen und Reifen
ſtan=
den Hand in Hand: welkte langſam der Blumenflor in den
Wäl=
dern und auf den Wieſen, begann gleichzeitig ſchon das Reifen
gol=
dener Früchte im Grün, und begann auf den Feldern die Frucht
höher zu ſtehen, hatten die Duftblüten der Reben ſich ſchon in
fun=
kelnde Kügelchen verwandelt . ..
Der tiefe breite Atemzug der Nächte war wie Muſik in der
Seele des Heiligen. Einmal geſchah es, daß eine Hirſchkuh, die um
den Abend aus dem Walde trat, geradenwegs auf den Heiligen
zuging, der unter einer Eiche ſaß und eine Blume in der Hand
hielr, eine Narziſſe, daß ſie vor ihm ſtand, ihn anſah, die Naſe an
ſeine Hand legte, leckte und ſtill weiter ging. Ein ſolcher Frieden
ging von ihm aus. Unbegierig, in Liebe die Hand auf das Haupt
des Tieres zu legen, ſah er ihm nach, legte er ihm das Licht ſeines
Auges auf Haupt und Rücken, während es hinging, das Haupt
ſenkte und zu freſſen begann. Dem zurückkehrenden Blicke des
Heiligen offenbarte ſich das Wunder der himmelblauen Libelle,
die ein paarmal vorbeiſtrich, auf einen zarten Halm ſich
nieder=
ließ und leiſe im wenigen Wind ſchaukelte.
Er ſchlief viel draußen unter den Bäumen und ließ das heiße
Herz im Tau des Himmels kühlen, lauſchte dem Traumgurren der
Tauben, dem ſchwirrenden Fluge der Eulen und dem
tauſend=
fachen Grillenlied der Wieſen. Ging tags die Eidechſen grüßen,
die auf heißem Stein den Tag verſchwiegen und blinzelnd des
Tages Sonne lobten. Manchmal trat er in die Hütte eines Armen
oder in eines Bauern Haus, einen Trunk, ein Stück Brot, eine
Frucht zu erbitten. Einer Bäuerin nahm er das Kind vom Arm,
da ſie mit den Mähern ins Feld ging, und hatte Geduld, das
Kleine zu hüten, in Schlaf und Wachen, bis zum Mittag. Ein
andermal trug er Brot und Milch den Arbeitern im Felde zu ...
Als ſie aber am Abend, halb in Spott, nicht wiſſend, daß es
der Heilige ſelber ſei, der mit ihnen redete, ihn fragten, ob er
auch predigen könne, antwortete er beſcheidenen Lächelns: nicht
mehr, als eben Gott ihm die Redegabe verliehen. Sie hielten es
für eine einfältige Antwort und meinten, er ſolle zeigen, was
„Das Pfingſtfeſt” von Haus Multſcher (1400—1457).
und wieviel Gott ihm an Weisheit verliehen. Da begann der
Heilige die Rede vom vermeintlichen und wahren Paradies; und
begann ſeine eigene Geſchichte zu erzählen, doch ſo, daß ſie’s nicht
errieten, er ſelbſt ſei der Jüngling, der, in der Schönheit und
Vol=
lendung eines reichen Lebens lebend, eben dieſes Leben länger als
einen Zuſtand der Glückſeligkeit vermeint habe . . . Freunde,
Frauen, Wein und die Freuden des Tafelns,
der Spiele im Freien, der Maskenfeſte in den
Sälen — und mit dem Ohr den Klängen der
Muſik nachhorchend, begehrend, daß Muſik
nim=
mer ende . . ."
Wahrlich, es könnte einen ein Paradies
dün=
ken, ſagte einer, als er’s beſchrieb. Aber nur,
ſolange das Herz blind iſt, ſagte der Heilige,
nicht länger; das Sehendwerden geſchieht ſtracks
in die Hölle hinein".
Wie das möglich ſei, wollten ſie wiſſen, wie
das möglich ſei, wenn man reich ſei und im
Glück lebe?
Der Heilige ſprach: Weil eben niemand im
Glück lebt, der ſo lebt . ."
Aber es ſei doch ein beſſeres Leben als in
Armut und Not?
Eben das ſei nicht gewiß, antwortete der
Hei=
lige. Denn jener reiche Jüngling ſei von Gott
aus einem glückſeligen Sommertag (wie dieſem)
ſtracks in die Hölle des Siechtums geſtoßen, au
daß er ſehend werde. Mit ſeiner Hand griff Gott
in die Bruſt des Jünglings, als er in einem
ſchmählichen und grauſamen Fieber lag, nahm
ihm das Herz aus der Bruſt und ſprach: Wir
müſſen es entſchälen, auf daß die Augen des
Herzens offen liegen . . . Siehe, du haſt nur
das deine geſehen, nicht auch das andere. Haſt
nicht geſehen, wieviel Hölle das Erdendaſein
ent=
hält. So, und nun ſchaue. Damit ſetzte die Hand
Gottes dem Jüngling das Herz wieder in die
Bruſt, wo es nackt, rot und ſchmerzend im Blute
lag und ſchmerzhaften Auges ſchaute — und ſah:
die Qualen der Krankheit, die Not einſamen
Sterbens, den Hunger der Armen. Gewalt des
Menſchen gegen den anderen, Mord, Raub, den
Kampf des Tieres und Tieres Blutdurſt gegen
das andere — kurz: das Leiden der Kreatur”.
Weiter ſagte einer aus der Schar der
Zu=
hörer, als der Heilige ſchwieg, denn die Stille
war wie der Brand einer ungeſprochenen Frage.
So fuhr der Heilige fort: Gott ließ den
Kran=
ken geneſen; aber ſein Herz lag unbehütet und
wiſſend fortan in der Bruſt, ſchmerzend von
aller Not, die das von Blindheit befreite
Nummer 143
Sonntag, den 24. Mai 1931
Seite 3
Zum Andenken an Schlageker, an alle Todesopfer des Ruhrkampfes und der Beſahungszeif,
an die ſchwerſte Zeit unſerer Geſchichte.
Machkvolles Bekennknis
für die Einheit und Freiheit des Reiches
zu Füßen des ſtählernen Schwurkreuzes in Düſſeldorf.
Düſſeldorf, 23. Mai.
Unter überaus ſtarker Beteiligung fand am Samstag
nach=
nrittag in Gegenwart des Reichsminiſters Treviranus als
Ver=
treter der Reichsregierung, des Vizepräſidenten des Reichstages
von Kardorff, des Reichskanzlers a. D. Cuno und Reichsminiſter
a. D. Jarres und Becker, die dem „Ruhrkampfkabinett”
angehör=
ten, ſowie von Vertretern der Landesregierungen, des
Reichs=
wehrkommandos, der Provinzen,
Regierungs=
bezirke, der Städte und zahlreicher anderer
weltlicher und kirchlicher Behörden auf der
Das
Holzheimer Heide bei Düſſeldorf die feierliche
Einweihung des Schlageter=Nationaldenkmals
ſtatt, das deutſche Volksgenoſſen Albert Leo
Schlageter und allen denen ſchufen, die
wäh=
rend der Jahre 1921 bis 1925 Opfer des
wider=
rechtlichen Einmarſches in die Lande an Rhein
und Ruhr wurden. Die Angehörigen
Schlage=
ters und der übrigen Todesopfer nahmen an
der Feier teil. Schon am frühen Vormittag
ſetzte der Anmarſch der zahlreichen Verbände Iaf68
und Vereine ein, die mit ihren Fahnen und
Bannern geſchloſſen an dieſer Feier teilnahmen.
Mehr als 25 000 Menſchen füllten zu Beginn
der Feier die geräumigen Denkmalsanlagen.
Nach einem Orcheſtervortrag leitete der
Vorſitzende des Denkmalsausſchuſſes, Dr. Max
Schlenker, Düſſeldorf, die Weihefeier mit einer
Anſprache ein, in der er u. a. ausführte:
Drei Denkmäler in Deutſchlands
Grenz=
marken mahnen an das ſchickſalsſchwerſte
Jahrzehnt der Geſchichte des Reiches:
Tannenberg, wo Hindenburg das Vaterland
vor ruſſiſcher Ueberflutung rettete. Der Stein
aeuf dem Annaberg in der Südoſtmark zum
Ge=
denken an den Heldenkampf der Oberſchleſier,
und hier das ſtählerne Schwurkreuz, geweiht
dem Andenken Albert Leo Schlageters und dem
aller Todesopfer des Ruhrkampfes. Dieſe drei
Weiheſtätten legen Zeugnis ab für die auf
immer geſchmiedete Einheit der Deutſchen.
Redner ſtreifte die Ereigniſſe ſeit 1914 und
ſchilderte, wie in der Stunde der höchſten
Ge=
fehr die Not des Vaterlandes das Volk an. Das Denkmal, deſſen ſtählernes Kreuz ſich 27 Meter hoch erhebt, befindet ſich an der
Ahein und Ruhr zu einem ſtahlharten Block, Stelle, wo Schlageter am 26. Mai 1923 von den Franzoſen wegen angeblicher
zuſammenſchmiedete und die unzerbrechliche
Front des paſſiven Widerſtandes aufwachſen
ließ. Tauſende Volksgenoſſen aller Stände
bißten ihre mannhafte deutſche Haltung in fremder Kerkerhaft,
1F0 000 mußten Haus und Hof verlaſſen, 141 erlitten den Tod,
darunter als edelſtes Opfer Albert Leo Schlageter, der an dieſer
Sctelle vor franzöſiſchen Gewehren ſein Leben aushauchte.
Nicht umſonſt ſind, die Opfer gebracht worden. Aus dem
Widerſtand an der Ruhr wuchs das Reich zur neuen Einheit
zuſammen,
mit der die Weltpolitik rechnen muß. Der Erinnerung an die
ſcowerſte Zeit unſerer Geſchichte ſoll das Denkmal gewidmet ſein,
geweiht Albert Leo Schlageters und den anderen Todesopfern des
Ruhrkampfes geweiht den Angehörigen der Opfer als Stätte
ſtller Trauer und Gedenkens, geweiht dem Volk an Rhein und
Ruhr für ſeine unerſchütterliche Treue zum Reich.
Aufragen ſoll das Kreuz als mahnendes Schwarzeichen, vor
dem das deutſche Volk und vor allem die deutſche Jugend den
Treu=
ſchwur und das Bekenntnis zu ſeiner Geſchichte und zu ſeiner
natio=
ualen Selbſtbehauptung ablegt, und hinübergrüßen ſoll es in die
Oſtmarken des Reiches als Zeugnis dafür, daß am Rhein ebenſo
wie an der Oder und an der Weichſel die Wacht für das
Deutſch=
tum gehalten wurde. Das Denkmal ſoll in eine beſſere Zukunft
hinüberragen als ewige Mahnung, daß wir als Volk und Staat
verkümmern müſſen, wenn wir uns nicht mit allen Faſern an den
Boden unſeres Vaterlandes klammern und in ihm die ſtarken
Wurzeln unſerer Kraft finden wollen.
Im Namen des Ausſchuſſes für die Errichtung eines
Schla=
geter=National=Denkmals übergab der Redwer das vollendete
Werk Herrn Oberbürgermeiſter Dr. Lehr als Vertreter der Stadt
Düſſeldorf. Oberbürgermeiſter Dr. Lehr bezeichnete das Denkmal
als ein Denkmal der duldenden Heimatliebe, der Liebe, die
Jahr um Jahr die furchtbarſten Leiden ertrug, in dem
Bewußt=
ſein, daß ſie getragen werden mußten, wenn Heimat und
Vater=
land wieder frei werden ſollten. Möge das Denkmal uns die
kom=
menden Geſchlechter in der Erinnerung an gemeinſames Leiden
und Mitleiden dazu erziehen, im Deutſchen immer und zuerſt den
Volksgenoſſen, den Schickſalsgenoſſen zu ſehen.
Schlageker=Nakional=Denkmal in Düſſeldorf.
Spionage erſchoſſen wurde.
Märtyrern der Heimat, Märtyrern der Treue gilt dieſes
Denkmal. Ihre Treue fordert unſere Treue. Mit dem Dank an
die Toten übernehme ich dieſes Denkmal in die Obhut der Stadt
Düſſeldorf, in die Obhut aller meiner Mitbürger, in die Obhut
jedes Düſſeldorfers heute und in kommender Zeit. Wir werden
dieſe Gedenkſtätte als ein Mal der Heimatliebe bewahren, pflegen
und verehren.
Die Weiherede
hielt der Oberbürgermeiſter von Duisburg=Hamborn,
Reichs=
miniſter a. D., Dr. Jarres. Er erinnerte an die furchtbaren
Leiden der Beſatzungszeit und das große nationale Erlebnis der
Ruhrkampfzeit und fuhr dann u. a. ſort: Wäre Schlageter in
einem anderen Lande gefallen, ſo gefallen, wie er fiel, er wäre
zum Heiligen gemacht worden und man hätte ihn gefeiert und
geprieſen in allen Schichten und Parteien ſeines Volkes.
Be=
ſchämenderweiſe war es bei uns anders. Zwar ging ein eiſiges
Entſetzen, ein erſchütterndes Grauſen durch alle deutſchen Lande,
als bekannt wurde, daß in der Morgenfrühe des 26. Mai 1923
eine widerrechtlich eingedrungene feindliche Militärmacht mit
aus=
drücklicher Zuſtimmung ihrer Heimatregierung gewagt hatte, im
von nun an auf allen Wegen ſah. Und er ging in die Nacht
hnaus, daß er mit Gott rede: Haſt du mich aus Fieber und
Siech=
tam aufſtehen laſſen, ſo ſag mir: warum? Daß ich ein wiſſendes
Herz in der Bruſt trage? und in Schmerzen des Erkennens
ver=
gehe? Warum iſt dein Paradies nicht geblieben?
Siehe, da antwortete ihm in aller Welt keine Stimme, als
nir eine kleine, zage in ihm ſelber: weil der Menſchen Herzen
blind ſind. Auch das deine war blind und hat ſo teil gehabt am
bl. inden Tun, das die Erde zur Hölle macht. Darum, ſo das Herz
eines Menſchen ſehend wird und aus Blindheit aufwacht — iſt
das nicht nur das Aufwachen in eine Hölle, ſondern auch zum
allererſren Beginn des neuen und wahrhaften Paradieſes, das nun
freilich nicht iſt, ſondern werden ſoll . . .
Wodurch? fragte eine leiſe Stimme, als der Heilige ſchwieg.
Eben durch ſolche Berufung. Denn als jenem Berufenen und
ſehend Gemachten das geſchah, daß Gott ſelbſt in ihm zu reden
be=
gann, da bekam ſein Herz, das ſchmerzend nackt in ihm lag, ein
neues Kleid, in dem es ſehend blieb und doch umhüllt war: die
unendlichen Flammen eines namenloſen Mitleids hüllten es, daß
er hinging, ſein Leben zu opfern, in lebendiger Tat für ſeine
Brüder ...
Es war dunkel geworden, als der Heilige dieſe Rede beendet
hatte, und ſie ſaßen, vor ſich hinblickend, dunkel und
nachdenk=
ſam...
In dieſem Schweigen entwich ihnen der Prediger in die Nacht,
obne daß ſie es merkten.
* Calderon in Deutſchland.
Zu des Dichters 250. Todestag (25. Mai).
Von allen ausländiſchen Poeten der Neuzeit hat außer
Shakeſpeare keiner in Deutſchland ſo ſtarke Aufnahme gefunden
wre der ſpaniſche Dramatiker Calderon. Als dieſer vor 250 Jahren,
ant 25. Mai 1681, einundachtzigjährig zu Madrid ſtarb, hatte er
ein Leben hinter ſich, das dem Jeſuitenzögling ſchon in
Jüng=
liigsjahren poetiſche Lorbeeren in einem Dichterwettſtreite zu
Ehren des heiligen Iſidorus eingetragen, ihn dann vom
könig=
lichen Hofe ins Heer und in die Kämpfe um Mailand und
Flandern und gegen die aufſtändiſchen Katalonier geführt hatte.
un d ihn ſchließlich während ſeiner letzten drei Jahrzehnte im
geiſt=
lichen Stande als königlichen Hofſchauſpieldichter und
Ehren=
kaplan zugleich Gott und den Muſen dienen ließ. Das
Drei=
geſtirn der Autorität, dem dieſer typiſche Dichter der
Gegen=
reformation mit allen ſeinen Werken, rund 120 Schauſpielen und
70 Autos (geiſtlichen Feſtſpielen), huldigte, der Autorität der
Kerche, des Königtums und der chriſtlichen Gefellſchaft, dieſes
Dreigeſtirn ſtrahlt längſt nicht mehr in ungetrübtem Glanze am
ſpaniſchen Himmel, ja iſt gerade in dieſen Tagen des Calderon=
Ferbiläums ſo gut wie erloſchen, aber den Stolz der Spanier
auf dieſen ihren Lieblingsdichter wird keinerlei Wandlung und
Umſturz mindern. Calderon bleibt einer der größten
Bühnen=
kenner und Bühnenbeherrſcher, die die Welt geſehen hat, bleibt
auch da, wo man ſeine Stoffe ablehnt, wirkſam durch ſeine
Meiſterſchaft im Theatraliſch=Künſtleriſchen und durch die
lyriſch=
romantiſche Stimmung, die über ſeine Schöpfungen zauberhaft
ausgegoſſen iſt.
Aus dieſen Geniezeichen ſind auch Calderons Triumphe in
Deutſchland zu erklären. Wir denken dabei nicht an die
Aus=
gaben einzelner Werke im Original, die man aus höfiſchen
Gründen ſchon gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Wien und
Köln veranſtaltet hat. Aber bemerkenswert iſt, daß Leſſing,
Shakeſpeares Bahnbrecher, dem die Calderonſche Welt ſicherlich
fern lag, ſich 1750 nach dem Vorangehen einiger Unberufenen
an des Spaniers berühmteſten Schauſpiel „Das Leben ein
Traum” verſuchte. Zehn Jahre ſpäter hat der in zahlreichen
Sprachen und Literaturen bewanderte Ansbacher Joh. Friedr.
Freiherr von Cronegk aus dem Reichtum des ſpaniſchen
Theaters Calderon durch eine Ueberſetzungsprobe hervorgehoben,
zugleich wurde „Das Leben ein Traum” von der bekannten
Schauſpielerin Neuber für die Bühne bearbeitet, und wieder
zwanzig Jahre ſpäter der „Richter von Zalamea” als „
Amt=
mann Graumann oder die Begebenheiten auf dem Marſche” von
Friedrich Ludwig Schröder, dem großen Theaterreformator, auf
die Bühne gebracht. So wären noch einige Anläufe zu nennen,
entſcheidend aber für die volle Aufnahme Calderons wurden die
Bemühungen der Romantiker und Goethes. Tieck, die Brüder
Schlegel und Schelling entzückten ſich an dem ſpaniſchen Dichter,
doch nur Auguſt Wilhelm Schlegel ſetzte ſich in Vorträgen und
durch Ueberſetzung der Stücke „Die Andacht zum Kreuze‟, „Ueber
allen Zauber Liebe‟ „Die Schärpe und die Blume‟, „Der
ſtand=
hafte Prinz” und. Die Brücke von Mantible” nachhaltig für ihn
ein. Nachdem Schiller ſchon mit Calderon bekannt geworden
war und trotz mancher Bedenken „eine hohe Kunſt” und „die
ganze Beſonnenheit des Meiſters” an ihm gerühmt hatte, wurde
Goethe durch A. W. Schlegel zu dem Spanier geführt. Während
ſeines Aufenthalts in Italien hatte er freilich ſchon 1786 und
ſpäter auf deutſchen Bühnen plumpe Verballhornungen
Cal=
deronſcher Stücke geſehn, ohne ihren eolen Urſprung zu ahnen.
Nun lernte er von 1802 ab in den Schlegelſchen Ueberſetzungen
den echten Calderon mit ſteigender Bewunderung kennen.
Shakeſpeare gleich, ja ſogar über ihm, das war ſein erſter
Ein=
druck von der „Andacht zum Kreuz‟. Der „Standhafte Prinz”
aber begeiſterte ihn in einem Briefe an Schiller vom 28. Januar
1804 zu jener Lobeshymne, die mit den Worten ſchließt: „Ich
möchte ſagen, wenn die Poeſie ganz von der Welt verloren
ginge, ſo könnte man ſie aus dieſem Stück wieder herſtellen”.
Goethe iſt dem Spanier, wie die Annalen zeigen, bis in ſeine
letzten Lebenstage treu geblieben. Als er am 11. Januar 1811
den „Standhaften Prinzen” in Schlegels Ueberſetzung im
Frieden einen Deutſchen auf deutſchem Boden ſtandrechtlich zu
füſilieren. Aber dann wurde dieſer doch dem ganzen deutſchen
Volke gehörende Mann in das Parteigezänk gezogen und
Gegen=
ſtand parteipolitiſcher Ausbeutung für und wider. Eine häßliche
Erinnerung, welche es auch allein verſtändlich macht, daß erſt acht
Jahre nach dem Schandtage der Erſchießung dieſes Denkmal an
der Stätte furchtbaren Geſchehens fertiggeſtellt iſt. Heute iſt
dieſer Tag endlich gekommen, ein Ehrentag für Düſſeldorf, die
Rheinlande und das Vaterland. Denn die hier geehrt werden,
haben ihrem Vaterlande, ihrem Volke Ehre gemacht. Wir wollen
es nicht vertuſchen, daß wir ſtolz darauf ſind, derartige bis zum
letzten Opfer entſchloſſene Männer und Frauen in unſerer Mitte
gehabt zu haben. Ja, man muß rückſchauend vielleicht bedauern,
daß manche dieſer prächtigen Vorkämpfer im Streite um deutſches
Recht angehalten worden ſind, das zu tun, was dem Kampfe
viel=
leicht eine für uns beſſere Wendung gegeben hätte. Albert Leo
Schlageter habe Dank, ewigen Dank! Bleibe ein Segen und
Bei=
ſpiel der deutſchen Jugend, deren Beſter einer Du warſt in
ſchwe=
rer Zeit! Habt Dank auch Ihr, Ihr 141, denen dieſer Denkſtein
gilt! Wo immer Ihr lebtet, wo immer Ihr ſtarbt, Euer wird
man in Ehren gedenken im deutſchen Volke. In der Geſchichte
Eurer engeren Heimat iſt Euer Name bereits feſtgehalten für
immer. Hier am Rhein iſt dieſer Name nunmehr auch
einge=
meißelt für alle Zeiten, und wer des Kampfes gedenkt um die
Freiheit des Rheines, deſſen Entſcheidung an der Ruhr fiel, der
wird auch an dieſem, Eurem ſchlichten Heldentum geweihten
Denk=
mal nicht vorübergehen. Nehmt dafür nochmals Ehre und Dank!
Das Kreuz aber ſei uns — den Hinterbliebenen — und —
das Schickſal will es ſo — den Bleibenden im Kampfe um
Deutſchlands Recht und Leben ein Mahnzeichen,
Euch gleichzuſeinin Treue und Trotz.
Deutſches Mißgeſchick wandeln wir nur, wenn wir endlich
lernen, ein Volk zu ſein, ſo wie es Hindenburg will, das
Kleine und Trennende vergeſſen, einig im Willen, die
deutſche Not zu zwingen.
Das ſei der Sinn dieſer Stunde! Möge aus der Aſche aller derer,
die für uns ſtarben, möge von dieſer nunmehr geweihten Stätte
ſolcher Segen ausgehen! Das walte Gott!
Für die deutſche Jugend ſprach Dr. Peter Derichsweiler als
Mitglied der Studentenverbindung , Falkenſtein=Freiburg, der
Schlageter während ſeiner Studentenzeit in Freiburg angehörte.
Er betonte, daß Schlageter uns ein Vermächtnis des
echten Vaterlandsbegriffes hinterlaſſen hat:
ſelbſtvergeſſen zu glauben und zu ſterben um des
Ganzen willen. In dieſem Vermächtnis unſeres toten
Heldenbruders wird ſein Geiſt zeitüberdauernd im deutſchen Volke
fortleben. Sein Opfertod verpflichtet die deutſche
Jugend. Möge ſie die Wehr aufgreifen, die ſeiner
erſtarren=
den Hand entfiel und mit den Waffen des Geiſtes ſeinen Kampf
zum Siege führen.
Ernſte Mahnung Cunos zur Einigkeik.
Reichskanzler a. D. Cuno beſchloß die Weihefeier mit
fol=
gender eindrucksvoller Anſprache:
Das weltgeſchichtliche Ereignis des ſtillen Kampfes an Rhein
und Ruhr, deſſen Blutopfer dieſes ſchlichte Kreuz des Gedenkens
und der Mahnung geweiht iſt, fällt in jene Zeit deutſcher Not,
für die ich als Reichskanzler die politiſche Verantwortung trage
und die trotz aller Drangſal und Bedrückung für das geſamte
nationale Deutſchland immer groß und unvergeßlich bleiben wird.
Denn
während der Ruhrabwehr hat das deutſche Volk in allen
ſeinen Schichten und Parteien zum erſten Male wieder
ein=
mütig Front gemacht gegen fremde Willkür und Anmaßung.
Bei der gerechten Abwehr dieſes rechtloſen militäriſchen Angriffs
auf ein friedliches Volk wurde an dieſer Stelle der deutſche Soldat
und Offizier Albert Leo Schlageter, dem ſein Leben nichts, ſein
Vaterland aber alles war, auf Grund eines Fehlſpruchs
unzu=
ſtändiger Richter von franzöſiſchen Kugeln hingerichtet. Er ſtarb
als ein Held, betrauert von einer Nation. Seine letzte Tat war
die Verſöhnung mit Gott, ſein letztes Wort ein Gruß an
Deutſch=
land. So waren ſeine letzten Stunden ein heroiſches Beiſpiel
da=
für, was ein Menſch auch mitten im Frieden für ſein Vaterland
an Schwerem und Allerſchwerſtem erdulden kann, wenn ihn
wahrer Glaube an einen Gott und wahre Liebe zu ſeinem
Vater=
land beſeelt. Damit iſt er uns für alle Zeiten das Symbol des
wahren Deutſchen geworden.
Als ewiges Wahrzeichen für ihn und für die anderen, die
in der Abwehr an Ruhr und Rhein ihr Leben ließen, ragt
dieſes Kreuz über die Lande und grüßt alle Deutſchen mit
der tiefernſten Mahnung, einig zu ſein und treu wie die es
waren, für die es errichtet iſt, und ſich über alle Partei=
und Klaſſengegenſätze hinweg die Hand zu reichen zu
ge=
meinſamer Arbeit am Vaterland wie in jener Zeit, von der
das Denkmal Zeugnis gibt. Dieſe Mahnung iſt in einer
Weimarer Hoftheater hatte aufführen laſſen, war er ſich
be=
wußt, „damit der Bühne eine ganz neue Provinz erobert” zu
haben. Andere Stücke („Das Leben ein Traum”, „Die große
Zendbia”, „Der Arzt ſeiner Ehre‟, „Die Tochter der Luft” u. a.)
folgten auf der Weimarer Bühne, und zu den Schlegelſchen
kamen weitere Ueberſetzungen, beſonders die hervorragende von
J. D. Gries in ſechs Bänden mit 15 Stücken. Goethe
be=
gleitete alle dieſe Bemühungen mit größter Anteilnahme, wenn
auch der maß= und kritikloſe Calderon=Kultus der Romantiker
ſeine urſprüngliche Begeiſterung abkühlte: nach wie vor erklärte
er Calderons Dramen für „Muſter theatraliſcher
Vollkommen=
heit” rühmt er ſeinen Kunſtverſtand, ſeine „Bretterhaftigkeit”
und ſeine Meiſterſchaft im Techniſchen, ſah aber auch ſeine
„Abſurditäten”, ſeinen Mangel an Natur und Gemüt ſowie
ſeine Gebundenheit in Konventionellem. Daß es Calderon
trotz=
dem gelang, „dem Unverſtand eine Kunſtvernunft zu verleihen”
und „die abſurdeſten Gegenſtände wirkungsvoll zu geſtalten”,
in dieſer meiſterhaften Beherrſchung des Widerſprechenden
er=
blickte Goethe die Macht des Genies.
Von Goethe ermuntert, ſuchten auch andere Calderon für
die deutſche Literatur zu erobern, ſo der Freiherr Otto von der
Malsburg und der Leipziger Verleger Keil mit neuen
Aus=
gaben überſetzter Schauſpiele. Auch die geiſtlichen Feſtſpiele
fanden im Laufe des 19. Jahrhunderts ihre Verdeutſcher, an
deren Spitze der Dichter Joſeph v. Eichendorff erſcheint.
Deut=
liche Spuren Calderonſchen Einfluſſes zeigen vor allem die
myſtiſchen Schlußſzenen des Goetheſchen Fauſt, dann die
Schick=
ſalstragödie, auf deren berühmteſtes Beiſpiel, Grillparzers
Ahnfrau”, die Ideenwelt des Spaniers abgefärbt hat. Der
öſterreichiſche Dichter hatte ſich früh mit dem ſpaniſchen vertraut
gemacht, hatte in ſein Drama „Der Traum, ein Leben” die
Lehre Calderons von der Nichtigkeit aller irdiſchen Güter
übernommen, hatte dann über den „Naturmaler” Lope und
ſeinen Gegenſatz, den „großartigen Manieriſten” Calderon,
treff=
liche Worte geſagt und die deutſchen Dichter ermahnt, ſie ſollten
bei dieſem „komponieren” lernen. Auch Platen hatte Calderon
auf Form und Gehalt ſeiner Liebespoeſie und mancher ſeiner
Dramen wirken laſſen. Wichtiger war, daß Immermann dem
großen fremden Dichter nicht nur eine tiefdringende
Charakteri=
ſtik widmete, ſondern ihm auch einen Ehrenplatz unter den
Autoren ſeiner Düſſeldorfer Muſterbühne einräumte; dort wurde
zum erſtenmal in Deutſchland „Der wundertätige Magus”
ge=
ſpielt. Von Späteren haben ſich beſonders Graf Schack und der
Kölner Johannes Faſtenrath für Calderon eingeſetzt. Bis in
die neueſte Zeit ſind dieſe und jene ſeiner Stücke immer wieder
neu überſetzt oder aufgeführt worden. Erſt im 20. Jahrhundert
ſind Calderon=Bühnen bei uns entſtanden, z. B. in München und
Berlin, und noch jüngſt hat man zu Einſiedeln in der Schweiz
die barocke Kunſt der Calderonſchen Myſterien durch „Einſiedler
Dr. Karl Berger.
Feſtſpiele” zu neuen Ehren gebracht.
Seite 2
Sonntag, den 24. Mai 1931
Nummer 12
Zeit ſchmerzlicher Zerſplitterung der deutſchen Kraft und
ſchier endlos wachſender Bedrängnis von außen nötiger
denn je. Nur ein Volk, das einig iſt in dem Willen zum
Wiederaufbau, kann nach innen die Ordnung ſchaffen, die
für das Wohl aller Volksgenoſſen die unbedingte
Voraus=
ſetzung iſt. Nur ein Volk, das einig iſt in dem Willen zu
Frieden und Freiheit, kann nach außen einen
gleichberech=
tigten und unabhängigen Platz im Rate der Völker
er=
ringen.
Dann wird auch der Tag nicht ferne ſein, wo die Menſchen
jen=
ſeits unſerer Grenzen erkennen werden, daß ein geſundes
und mächtiges Europa undenkbar iſt ohne ein
geſundes und freies Deutſchland. Eine Nation, die
in und nach dem Kriege ſo unerhörte Leiſtungen vollbracht und
ſo gewaltige Entbehrungen erlitten hat, ohne den Glauben an
ſich ſelbſt und an die Zukunft zu verlieren, ein ſolches Volk im
Herzſtück Europas kann nicht auf die Dauer politiſch minderen
Ranges und minderen Rechtes ſein, wenn Europa und die Welt
jemals geſunden ſollen.
In dieſer Weiheſtunde, in der die Gedanken des ganzen
deut=
ſchen Volkes ſich mit uns vereinigen, laſſen Sie uns, die wir das
Glück haben, die Stunde an geheiligter Stätte zu erleben,
Emp=
fänger und Mittler jener tiefernſten Mahnung für alle
Volks=
genoſſen ſein, die mit uns von gleicher Liebe zum Vaterland
er=
füllt ſind.
Im Zeichen des hier errichteten Kreuzes wollen wir feierlich
geloben, wie Schlageter und die anderen Toten, deren Namen
dieſes Denkmal trägt, bis zum letzten Atemzug mit all unſerer
Kraft gemeinſam, ohne Unterſchied von Partei und Stand, in
Einigkeit und Recht um die Freiheit des deutſchen Volkes zu
ringen. Deutſchland muß leben, auch wenn wir ſterben müſſen!
Unſer Deutſchland lebe hoch!
Eine Enkſchließung des V. 2.A.
Aachen, 23. Mai.
Auf der Hauptverſammlung des Vereins für das Deutſchtum
im Ausland wurde am Samstag nach einem Vortrag Dr.
Ammen=
des über die Lage der deutſchen Volksgruppen in Europa folgende
Entſchließung gefaßt: „Die Hauptverſammlung ſtellt erneut feſt,
daß die auslandsdeutſchen Gruppen in Europa mehr oder minder
ſtark durch ihre Staaten in der Freiheit ihrer nationalen und
kulturellen Entwicklung beeinträchtigt werden. In zahlreichen
Staaten leben die deutſchen Volksminderheiten immer noch in
einem unerträglichen Zuſtand offener Verfolgung der
ſelbſtver=
ſtändlichen nationalen Daſeinsrechte als Menſch, Staatsbürger
und Volksbürger, wie es beſonders die Verhältniſſe in Südtirol
beweiſen. Auch in fortgeſchrittenen Staaten, wie in der
Tſchecho=
ſlowakei, ſehen ſich die Deutſchen ſtändig einer zielbewußten
Zu=
rückdrängung durch ein genau berechnetes Syſtem des
Zuſammen=
wirkens ſtaatlicher und privater Kräfte ausgeſetzt. Der VDA.
for=
dert als ſittliche und rechtliche Notwendigkeit die unbedingte
Ach=
tung der nationalen Lebensrechte aller Volksminderheiten.
Zur Realſteuerbelaſtung in Preußen
und heſſen.
Vom Heſſiſchen Finanzminiſterium erhalten wir die
nach=
ſtehende Zuſchrift:
In der letzten Freitagsnummer des Darmſtädter Tagblatts
wird als Muſterbeiſpiel für den Steuerbelaſtungsvergleich ein
Haus angeführt, das am Stichtag (31. Dezember 1918) mit 40
Prozent ſeines Wertes belaſtet geweſen iſt; dieſer Fall iſt
offen=
bar gewählt, weil in Preußen Belaſtungen zwiſchen 30 und
60 Prozent bei der Hauszinsſteuer berückſichtigt werden können,
während Heſſen mit den meiſten anderen Ländern ſich eng an
den Reichstarif gehalten hat. Nach dieſem Tarif wird nämlich
ein Haus ſteuerlich nur dann begünſtigt, wenn ſeine Belaſtung
am Stichtag 30 Prozent nicht überſtiegen hat. Würde das
Bei=
ſpiel alſo auf ein ſolches Haus abgeſtellt worden ſein, oder
auch auf ein Haus mit mehr als 60 Prozent Belaſtung, ſo
wäre das Ergebnis zu Gunſten von Darmſtadt und nicht von
Wiesbaden ausgefallen. In Darmſtadt wäre von dieſem Haus
232 Reichsmark weniger Steuern zu zahlen als in Wiesbaden,
wenn es mit 30 Prozent belaſtet geweſen wäre und wenn die
Gemeindegrundſteuer mitgerechnet wird. Die
Gemeindegrund=
ſteuer gehört da auch zur Realſteuerbelaſtung und beträgt bei
dem gewählten Beiſpiel in Wiesbaden 900 RM., in
Darm=
ſtadt aber nur 433 RM. Um objektiv zu ſein, hätte der Artikel
ausſprechen müſſen, daß das gewählte Beiſpiel kein typiſches
Muſterbeiſpiel für die durchſchnittliche Belaſtung ſein kann, weil
die Häuſer mit einer Belaſtung von 30 bis 60 Prozent in der
Minderzahl ſind, alſo den Durchſchnitt nicht darſtellen und daß
deshalb das Reſultat für den Durchſchnitt nicht zutreffen kann.
Ueberhaupt iſt es nicht unbedenklich, aus Einzelbeiſpielen Schlüſſe
auf die Belaſtung der Allgmeinheit zu ziehen. Vergeſſen wurde
ferner, daß in vielen heſſiſchen Gemeinden die
Sondergebäude=
ſteuer weniger als 47½ Prozent der Friedensmiete beträgt, weil
viele Gemeinden in Heſſen die Sondergebäudeſteuer nicht voll
ausſchöpfen (etwa ein Fünftel). In einer ſolchen heſſiſchen
Ge=
meinde kann trotz der Ausdehnung der preußiſchen Staffelung
auf Häuſer mit Belaſtungen bis zu 60 Prozent ein Haus
im ganzen doch weniger Realſteuerlaſten tragen müſſen als in
Preußen. Höher als 6 Prozent rentierende Häuſer werden
aller=
dings in Heſſen und Baden künftig ſtärker als in Preußen zu=
Sondergebäudeſteuer herangezogen, dagegen iſt es umgekehrt bei
den gering rentierenden Häuſern. Was iſt ſozial gedacht
rich=
tiger? Dazu kommt, daß die letzten Steuererhöhungen, die
ſ=
viel Erregung in den Hausbeſitzerkreiſen hervorriefen, erheblich
abgeſchwächt worden ſind. Der Finanzminiſter hat den
Finanz=
ämtern in den letzten Tagen Richtlinien gegeben, die darauf
hinausgehen, trotz der höheren Hausrente Ermäßigungen
ein=
treten zu laſſen, wenn die Leiſtungsfähigkeit des Hausbeſitzers,
wie ſich dieſelbe in ſeinem Geſamteinkommen ausdrückt,
be=
ſchränkt iſt.
* Genſer Bilanz.
Frankreich konnke ſich in Genf diesmal
nichk durchſehen.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 23. Mai.
Die Tagung in Genf konnte zu Ende geführt werden, ohne
daß die heftigen Zuſammenſtöße, die Frankreich befürchtete,
er=
folgt wären. In den diplomatiſchen Kreiſen atmet man auf und
zieht die Bilanz der Tagung, welche zwar recht bewegt war, aber
an grundſätzlichen Löſungen nicht viel brachte. Der Streit über
die Zollunion iſt vertagt. In zwei Monaten wird im Haag die
Entſcheidung fallen. Das iſt eigentlich alles, was man über
dieſe Punkte ſagen kann. Frankreich konnte eine
poli=
tiſche Stellungnahme des Völkerbundes zu der
Frage der Zollunion nicht durchdrücken. Die
fran=
zöſiſchen Nationaliſten ſind darüber unzufrieden. Man behauptet
hier, daß zwiſchen Paris und Berlin eine gewiſſe Entſpannung
folgen wird, ebenſo wie zwiſchen Paris und Rom. Aber
Frank=
reich konnte ſeine Hilfstruppen, die Kleine Entente, nicht um ſich
ſcharen; Beneſch und Marinkowitſch kokettieren zurzeit mit
Muſſolini.
Auf wirtſchaftlichem Gebiete hat ſich Rußland vorerſt den
Weſtmächten genähert, die weitere Entwicklung der ruſſiſch=
fran=
zöſiſchen Beziehungen muß nichtsdeſtoweniger ſehr vorſichtig
beur=
teilt werden.
Eine Inflation von Komitees — ein halbes Dutzend — iſt
die Folge des franzöſiſchen Projektes für die Reorganiſierung
Europas. Das franzöſiſche Projekt wurde von der
Studienkom=
miſſion der europäiſchen Federation zur Grundlage für ihre
wei=
teren Arbeiten gewählt, aber das geſchäftsführende Komitee hat
den franzöſiſchen Vorſchlag, ſo übel zugerichtet, daß ſelbſt Herr
Francois=Poncet ihn nur ſchwer wiedererkennen kann. Das
wich=
tigſte wurde geſtrichen. Was übrig blieb, iſt von ſo allgemeiner
Natur, daß alle Möglichkeiten offen bleiben.
Das landwirtſchaftliche Kreditinſtitut iſt zuſtande gekommen.
Aber drei wichtige Signaturen fehlen: England, Holland und
Schweden halten ſich noch zurück.
Zuſammenfaſſend läßt ſich ſagen, daß in Genf für die
Wirt=
ſchaftskriſe nur Beſänftigungsmittel — vorgeſchlagen wurden.
Von wirklich durchgreifenden Maßnahmen wurde nicht einmal
geſprochen. Das bedeutet noch keine Kritik, aber dieſe Feſtſtellung alu
drängt ſich doch auf.
Die franzöſiſche Rechte hat ſich darauf beſonnen, daß Briand
nicht ewig in Genf bleiben kann, und da man ihn im Elyſée nicht
unterbringen konnte, fühlt man ſich höchſt unbehaglich. Briand
in der Regierung, das iſt für die Rechte kein Idealzuſtand, Briand
außerhalb der Regierung, das kann für die Rechte 1932 eine
rieſige Wahlniederlage bedeuten.
Und dann noch Extra-Auslagen in
Kurzwaren
von deren Billigkeit Sie sich in Ihrem
eigensten Interesse überzeugen müssen
Unsere Schaufenster sagen Ihnen über
die Preiswürdigkeit schon viel-unsere
Extra-Auslagen im Parterre noch mehr.
Wir erwarten Sie bei
Beginn des Verkaufs
Dienstag 8½ Uhr.
8143
[ ← ][ ][ → ] Aus der Landeshaupkſkadt.
Darmſtadt, den 24. Mai 1931.
* Die Sprache des Geiſtes.
Die göttlichſte Empfindung ſtrömt aus der
Seel' in die Zunge, und flammend verkündigt
ſie die großen Taten Gottes in einer neuen
Sprache, und das war die Sprache des Geiſtes.
Goethe.
„Wer Ohren hat zu hören, der höre!"
Das iſt eines der pfingſtlichen Elementarworte.
Gehe auf den Markt, und vernimm die Sprache, die man dort
ſpricht! Höre die Händlerſprache der Zeit! Gehe an die
Parla=
mente und an die Verhandlungstiſche! Lauſche manchem
Katheder=
wort! Laß dich umſchwirren von den Glitzerlauten der
Geſell=
ſchaftsſprache! Auf die wenigſten Geſpräche paßt der Goethiſche
Satz, „daß ſie herrlicher ſind als Gold und Licht!” Gehe in die
Vortragsſäle zu den berühmten Rednern!
Ich glaube, es wird dir ergehen wie mir und manchem
an=
dern ehrlichen Sucher: Man iſt erſtaunt, wenn man wirklich
hin=
zuhören weiß, wie wenig man jene Sprache vernimmt, deren
Ele=
mente ganz groß und rein, gottesquellhaft, urſprungsecht, eben
von der „Seel' in die Zunge ſtrömen”. Wie wenig hört
man die geniale Sprache, die des herrlich und heilig drangvollen
Herzens, des göttlich durchflammten Geiſtes! Dagegen, wie oft iſt
es das Wort durch die Maske, durch das Sieb des rein
Verſtand=
lichen, das Wort, das oft nur ein berückendes Mittel zum Zwecke
Darſtellt, das verdieneriſche, das beſtellte, das papageienhafte oder
Das gefährlichſte, das Schlagwort! Allerenden viel Feuerwerk und
ſehr wenig echter, pfingſthafter Flammengeiſt!
Aber es braucht nicht immer dieſer letzte zu ſein. Das
Ele=
ment des ſtill und heiter Veſtaliſchen, der reinen, unauslöſchbaren
Glut iſt von dem gleichen Werte. Es gibt eine Pfingſtlichkeit, die
zieht ſich durch ein ganzes Leben und trägt an ſich die Anmut
der Verhaltenheit, iſt ariſtokratiſches Prinzip aus dem Verborgenen.
Geht es dir nicht, wie es mir ergangen iſt? Man iſt mitten
in einem Menſchenpfingſten ſolcherart, wo man es nimmer
ver=
mutet.
An irgend einem Krankenbette war’s, in einem Leidwinkel,
in den du wie von ungefähr kamſt, oder in einem
Altmenſchen=
ſtüblein, geſchah es, da die leibhaftige Einfalt hinter ein paar
Blumentöpfen ſaß.
Irgendeine Begegnung blühte zum unvergeßlichen Ereignis:
in irgend einem Vortrage erlebteſt du’s, — du wollteſt erſt gar
nicht hingehen —, daß du unerwartet die „neue Sprache”
ver=
nahmſt, daß du hinhören mußteſt mit deinem ganzen ergriffenen
Menſchen, innerlich aufgepflügt wurdeſt wie nie zuvor, und es
wie Himmelsſaat über dich fiel!
O welch ein Köſtliches ward dir zuteil, da du in deiner
Ein=
ſamkeit in einer Abendſtunde, während vielleicht draußen ein
Regen= oder Winterſturm dein Aſyl umbrauſte, die einzig große
Pfingſtlichkeit eines Dichterbuches erfuhrſt, daß es nicht mehr aus
Deinem Leben geht!
Weißt du noch jene unſagbar herrliche Stunde, da Muſik über
Dich wehte, himmelszungenvoll, da Beethovens Herzgewalt in dich
einbrach, mauerbrechend!
Wer in irgendeiner Weiſe, vor allem aber in der Liebe, der
Freundſchaft nie die „neue Sprache” im Sinne Goethes erlebte,
wder ſie ſelbſt, vom Augenblicke und ſeiner göttlichen Empfindung
üiberwältigt, ſprach, „mit andern Zungen redete”, ſage nicht: er ſei
ein wahrhafter Menſch geweſen und habe das Leben wirklich
erlebt.
Er blieb Maske, Kopie, Schablone, Geleiſe, aber war nicht
Quell und urhaft herrlicher Sturz, nicht Frühling und Jugend,
mdlerhafter Aufſchwung und gottſeliger Gipfel über verſchweltem
Tale.
Pfingſten iſt da, das heißt: hindurch zum Göttlichen, werde
rein und echt, würdig für den Flammengruß der Höhe!
Hindurch, und ſei es zunächſt für Augenblicke nur, zu jener
Geiſt= und Herzensſprache, die aus dem gottbewegten Innern
bre=
chend, das fremde Innere berührt!
Telephoniſcher Bericht unſeres M. St. Redaktionsmitgliedes.
Die Tatſache, daß der Aachener Intendant Heinrich
R. Strom, ſeit 4 Jahren Leiter des Aachener Stadttheaters,
in der Reihe der Kandidaten für den Poſten des
General=
intendanten des Heſſiſchen Landestheaters an ausſichtsreichſter
Stelle ſteht, und gelegentliche Anweſenheit in Aachen
veranlaß=
den mich zu einem Beſuch und liebenswürdigſt gewährter
Unter=
haltung mit dem Intendanten, aus der das Nachſtehende, ganz
gleich, ob Strohm nach Darmſtadt kommt oder nicht, für unſere
Leſer von Intereſſe ſein dürfte:
Zunächſt Perſönliches: Sympatiſche ernſt=energiſche
Erſchei=
nung. Kluges Geſicht, hohe Stirn des Geiſtesarbeiters, in dem
dunkelumränderte Augen von vielen Stunden nächtlicher
Tätig=
keit zeugen. Schlicht, offen, begeiſtert, aber faſt feurig, wenn
die Unterhaltung auf künſtleriſche Tätigkeit, auf ſein Theater
Auf die Frage nach ſeinem Bildungs= und
Theaterkünſt=
leriſchen Werdegang erfahre ich folgendes: Intendant Strohm
kam nicht aus dem Schauſpiel. Er erzählt:
„36 Jahre alt, bin ich ſeit rund zehn Jahren Bühnenleiter.
In Verbindung mit meinen Univerſitätsſtudien in Bonn, Köln
und Kiel (Literatur= und Theaterwiſſenſchaft, Philoſophie und
Pſychologie, Kunſt= und Kulturgeſchichte) wurde ich
ſchauſpie=
leriſch ausgebildet von Intendant Dr. Albert Fiſcher in Bonn
und Oberſpielleiter Robin Robert (damals Kiel). Anſchließend
an eine Tätigkeit als Regie=Aſſiſtent der Oper und des
Schau=
piels an den Vereinigten Städtiſchen Theatern Kiel unter
Intendant Dr. Max Alberty begann ich im Herbſt 1920 als
Geſchäftsleiter und Regiſſeur der Rheiniſchen Landesbühne
Düren. Im Frühjahr 1921 berief mich das Bayeriſche
Staats=
miniſterium für Unterricht und Kultus zum Aufbau und zur
anſchließenden Leitung der Bayriſchen Landesbühne München,
die ich als Intendant bis Herbſt 1925 führte, um dann das
Würzburger Stadttheater zu übernehmen, deſſen Arbeit ſeinerzeit
unter meiner Leitung viel beachtet wurde.
1927 wurde ich einſtimmig von allen Parteien (von den
Deutſchnationalen bis einſchl. Kommuniſten) zum Intendanten
des Stadttheaters Aachen gewählt. Ich werte es als einen
beſonders erfreulichen Erfolg meiner Arbeit, daß ich auch
beute noch das gleiche Vertrauen bei allen
Stel=
len der Stadtverwaltung und des
Theateraus=
ſchuſſes genieße. Es dürfte ein immerhin ſeltener Fall ſein,
daß auch der Finanzausſchuß einmütig poſitiv zum
Inten=
danten ſteht. Nach einer Mitteilung der Aachener Stadwverwal=
Sprache der Liebe, des reinen Menſchen, Sprache, darin der
Himmel mächtig iſt, daraus ein Stück Ewigkeit tönt! —
Ach, Sprache der Pfingſten, läute auf, daß ein Neues werde,
darin der Geiſt der Höhe ſchöpfervolle Heimſtatt habe!
Sprache der Pfingſten, der endlichen Erlöſung!
Beginnen wir damit im Kleinſten, daß ſich ein Großes baue!
Liebe und Treue, ihr pfingſtlichen Schweſtern, es ſegne Euch
der heilige Geiſt!
Tagung des Reichsverbandes bildender Künftler
Deutſchlands in Darmſtadk.
Vom 7. Juni bis 11. Juni findet in dieſem Jahr die Tagung
des Reichsverbandes bildender Künſtler Deutſchlands in
Darm=
ſtadt ſtatt. Dieſe Tagung der deutſchen Künſtlerſchaft ſollte
ur=
ſprünglich in Wien ſtattfinden, dem Gauverband Volksſtaat Heſſen
gelang es, die Tagung für Darmſtadt zu gewinnen. Der RVbKD.
zählt über 10 000 Mitglieder, ſein Sitz iſt Berlin, der Vorſtand
gehört als Mitglied dem Reichswirtſchaftsrat an und wird zu
dieſer Tagung die namhafteſten deutſchen Künſtler aus allen Gauen:
Königsberg, Danzig, Breslau, Berlin. Hamburg. Dresden, Leipzig,
Köln, Düſſeldorf, Frankfurt a. M., Stuttgart, Karlsruhe,
Nürn=
berg, München uſw. nach Darmſtadt entſenden. Urſprünglich auf
das rein wirtſchaftliche Moment organiſiert wurde 1927 in der
Erkenntnis, daß das wirtſchaftliche ſich vom künſtleriſchen Moment
in den meiſten Fällen nicht trennen läßt, die Umwandlung in
einen allgemeinen Reichsverband beſchloſſen. Künſtler aller
Rich=
tungen und Beſtrebungen ſind in ihm vereinigt, ſo bedeutet der
RVbKD. auch für Heſſen die Umfaſſung der geſamten heſſiſchen
Künſtlerſchaft im Rahmen des Gauverbands Volksſtaat Heſſen.
Die auswärtigen Gäſte treffen ſich nach Empfang durch den
hie=
ſigen Gauverband am Abend des 7.
Juni auf der Terraſſe des
ſtädtiſchen Saalbau. Der 8. Juni iſt der offizielle Empfangstag
durch den Herrn Staatspräſidenten Dr. h. c. Adelung im heſſiſchen
Staatsminiſterium, am Abend durch den Herrn Oberbürgermeiſter
Mueller in der Orangerie. Ein bedeutender Lichtbilder=Vortrag
von Dr. Karl Freund über, Malerei” in der Aula der höheren
Landesbauſchule und eine Führung im Heſſiſchen Landesmuſeum
von Dr. Perard beleben den Empfangstag. Dienstag, den 9. Juni,
und Mittwoch, den 10. Juni, werden von den internen
Verhand=
lungen, die im großen Rathausſaal am Markt ſtattfinden, voll in
Anſpruch genommen, am 9. abends findet ein gemütliches
Zu=
ſammenſein der Auswärtigen und hieſigen Gäſte auf dem
Ober=
waldhaus und am 10. die Feſtvorſtellung im Heſſiſchen
Landes=
theater ſtatt. Der 11. Juni bringt die Delegierten im
Sonder=
autobus über die Bergſtraße, Worms, Oppenheim nach Mainz, der
Schlußakt iſt der Empfang durch die Stadtverwaltung der Stadt
Mainz im Kurfürſtenſchloß.
Die Kunſtausſtellung Darmſtadt
1931, die am 7. Juni (Beginn der Tagung) im
Ausſtellungsge=
bäude auf der Mathildenhöhe eröffnet wird, ſteht im Rahmen der
Tagung des Reichsverbandes bildender Künſtler. An ihr ſind alle
heſſiſchen Einzelgruppen, gleich welcher Richtung ſie angehören,
be=
teiligt. Sie iſt von der Neuen heſſiſchen Arbeitsgemeinſchaft für
bild, Kunſt, der wiederum die Beauftragten des Gauverbandes
Volksſtaat Heſſen als Mitglied angehören veranſtaltet. Dieſe
Ausſtellung verſpricht einen klaren Ueberblick über das geſamte
heutige Kunſtſchaffen Heſſens alter und neuer Schule und gewinnt
dadurch an ganz beſonderer Bedeutung.
Speisen Sie Pfingsten im
Städt. Rafskeller u. Saalbau-Gaststätte
Auserwählte Mittag- und Abend-Essen.
Bestbekannt gute Küche. — Civile Preise. (8156
— Das Nürnberger Intime Theater ſetzt heute,
Pfingſtſonn=
tag, den 24. Mai, und morgen, Pfingſtmontag, den 25. Mai,
abends 8 Uhr, ſein auf kurze Zeit berechnetes Gaſtſpiel im
Or=
pheum fort. — Das etwa 20 Darſteller umfaſſende Enſemble
bringt den größten Schwank der beliebten Schwank=Autoren
Arnold und Bach „Hulla di Bulla” zur Aufführung. — Dank
der ausgezeichneten Darſtellung des Intimen Theaters konnten
zum Beiſpiel in Nürnberg 60 Aufführungen in Szene gehen.
Wer an den Pfingſtfeiertagen ſeine Abende in beſter Laune
ver=
bringen will, beſuche die Gaſt=Vorſtellungen der Nürnberger im
Orpheum!
Kleine Preiſe von 1 Mk. an. Kartenvorverkauf
an den Feiertagen; „Verkehrsbüro von 11—1 Uhr Kiosk am
Paradeplatz 1—6 Uhr, Orpheumskaſſe von 11—
Uhr und ab
3 Uhr ununterbrochen. Kaſſaruf 389. (Siehe Anzeige.)
Schloßmuſeum. Am erſten Feiertag iſt geſchloſſen. Am
zweiten Feiertag iſt die erſte Führung um 10 Uhr vormittags,
die nächſten um 11 und 11.30 Uhr. Der Eintrittspreis zu dieſen
Führungen iſt für Erwachſene auf 50 Pfg. und für
Militär=
perſonen und Kinder auf 30 Pfg. ermäßigt. Die Madonna des
Bürgermeiſters Meyer von Baſel, von Hans Holbein d. Jg., kann
ſtets geſondert von den Führungen beſichtigt werden.
— Städtiſches Muſeum. Das Städtiſche Muſeum
Schloß=
graben 9 iſt am 1. Pfingſtfeiertag geſchloſſen. Am 2. Feiertag iſt
es wie jeden Sonntag vormittags von 11 bis 1 Uhr und
nach=
mittags von 3 bis 5 Uhr geöffnet.
Heſſiſches Landestheaker.
Großes Haus Kleines Haus Pfingſt=Sonntag,
24 Mai 18.30—22 15 Uhr
4 24 Tannhäuſer
Preiſe 1—10 Mk ifee
Der Graue
Außer Miete
Preiſe 0.60—3 Mk. Pfingſt=
Montag,
25. Mai 19, Ende gegen 22.30
Vorſtellung zu halb. Preiſen
Der Hauptmann von Köpenich
Außer Miete
Preiſe 0 50—5 Mk. 19.30—22 15 Uhr
Ariadne auf Naxos
Zuſatzmiete 1II,12
Preiſe 1.50—7.50 Mk. Dienstag
28. Mai 19.30, Ende gegen 23 Uhr
Vorſtellung zu halb. Preiſen
Viktoria und ihr Huſar
Außer Miete
Preiſe 0 50—5 Mk. 20—21.45 Uhr
Der Mann, den ſein Gewiſſen trieb
Zuſatzmiete 1,1
Preiſe 1.20—6 Mk. Mittwoch,
27. Mai 19.30—22 Uhr
Turandot
H12, Bühnenvolksbund
Preiſe 1—10 Mk. Keine Vorſtellung Donnerstag,
28. Mai 19,30. Ende gegen 22.30 Uhr
Pentheſilea
E 25, T Gr. 6, 7 u. 8
Preiſe 1—10 Mk. 19.30—22 Uhr
Ariadne auf Naxos
Zuſ.=M. WI,14
Gr. 1u. 2
Preiſe 150—.50 Mk. 19. Mai 19.30, Ende gegen 22.30 Uhr
Pentheſilea
D 34. 1, Gr. 3, 4 u. 5
Preiſe 1—10 Mk. Keine Vorſtellung Samstag,
30. Mai 19.30—-22.30 Uhr
Einmaliges Gaſtſpiel
Eliſabeth Bergner
mit Enſemble
Amphytrion 38
Außer Miete
Preiſe 1—10 Mk. 19.30—22 Uhr
Ariadne auf Naxos
Zufatzmiete V.14
Preiſe 1.50—7.50 Mr. Sonntag,
31. Mai 17—22 Uhr
Parſival
K18 Bühnenvolksbund
Preiſe 1.20—12 Mk. 20—22.30 Uhr
Im weißen Röß!
Außer Miete
Preiſe 0.60 bis 3 Mr.
Gaſtſplele des geſiſchen Landestheaters in Bad=Nauheim:
Sonntag, 24, Mai: X 93. Mittwoch, 27 Mai: Der Kaiſer vonAmerika,
— Heſſiſches Landestheater. Richard Wagners Oper „
Tann=
häuſer”
wird heute, Pfingſtſonntag, im Großen Haus unter
muſikaliſcher Leitung von Karl Maria Zwißler in Szene gehen.
Die Titelpartie ſingt Reiner Minten vom Städtiſchen Theater
in Leipzig als Gaſt. In den übrigen Hauptrollen: von Stoſch,
Mitrovic, Herrmann, Stralendorf. Harre, Reinecke a. G. vom
frankfurter Opernhaus, Kuhn, Overlack. — Friedrich Forſters
ſchülertragödie „Der Graue”, die eine außerordentlich
leb=
hafte Beachtung beim Publikum gefunden hat, wird heute,
Pfingſt=
ſonntag, im Kleinen Haus außer Miete bei halben Preiſen
wie=
derholt. Die Titelrolle ſpielt Theodor Leitner. Die Rolle der
Selma Schwan wird erſtmalig von Inge Conradi dargeſtellt. —
In Bad=Nauheim wird gleichzeitig „X
z” von Klabund
ge=
geben.
Carl Zuckmayers Schauſpiel „Der Hauptmann
von Köpenick” das bereits auf eine ungewöhnliche
Erfolgs=
ſerie zurückblicken kann, wird morgen, Pfingſtmontag, im Großen
Haus als Volksvorſtellung zu halben Preiſen außer Miete
wie=
derholt. — Im Kleinen Haus wird morgen, Pfingſtmontag, die
neuinſzenierte. Ariadne auf Naxos
von Richard Strauß
unter muſikaliſcher Leitung von Dr. Karl Böhm mit der
Pre=
mierenbeſetzung in Szene gehen.
Der Operettentenor Karl
Piſtorius von der Städtiſchen Bühne Frankfurt gaſtiert am
Diens=
tag, den 26. Mai, in der Aufführung „Viktoria und ihr
Huſar” als Koltay.
tung hat der Finanzausſchuß noch kürzlich „dem von größtem
Erfolg für die Aachener Bühne begleiteten Wirken des
Inten=
danten höchſte Anerkennung ausgeſprochen . . . die
hervorragen=
den Leiſtungen für das Aachener Stadttheater während der
bis=
herigen Wirkſamkeit einſtimmig in wärmſter Weiſe anerkannt.
. . . Es herrſchte einſtimmig der Wunſch und die Hoffnung, das
große Können des Intendanten Strohm noch lange dem
Aachener Stadttheater zu erhalten.”
Ich habe ſeinerzeit das Aachener Theater von Grund auf neu
aufgebaut und habe (ohne daß das bisherige Perſonal gegen
mich auftrat) an genau 30 Stellen im Soliſten=Enſemble neue
Kräfte verpflichtet, die ſolchen Erfolg hatten, daß in den
fol=
genden Jahren faſt nur diejenigen erſetzt zu
wer=
den brauchten, die einen Aufſtieg an größere
Bühnen machten. (Um nur zwei Beiſpiel zu nennen: eine
Anfängerin wurde nach dem 1. Bühnenjahr in Aachen als
1. Altiſtin an die Sächſiſche Staatsoper Dresden ein
Chor=
ſänger aus Hagen, den ich in 5 Jahren — ab Würzburg
Schritt für Schritt förderte, ab kommender Spielzeit als
Charakterkomiker nach Darmſtadt verpflichtet.) Ich darf allgemein
ſagen, daß ich Jahr für Jahr ein überdurchſchnittliches Enſemble
zuſammenſtellen konnte, wofür eine weitere große Zahl früherer
Mitglieder ſpricht, die heute einen anerkannten. Namen im
Theaterleben haben.
Es dürfte kaum einen Leiter eines Provinztheaters geben,
deſſen Aufführungen ein derartiges internationales Echo fanden,
wie dies u. a. bei unſerer Feſtaufführung zum Lütticher
Muſik=
feſt und bei anderen Gelegenheiten, bei unſeren Gaſtſpielen
für die Wagnervereeniging Amſterdam (Gaſtſpielreihe mit
Lei=
tern und Sängern der Opern Berkin, Dresden, Paris), ſowie
in Rotterdam der Fall war. Bei allen dieſen Aufführungen
handelte es ſich um Inſzenierungen von mir, wie ich überhaupt
auch als Regiſſeur im Schauſpiel und in der Oper unbeſtrittenen
Erfolg hatte.
Betonen möchte ich noch, daß ich mit dem Geſamtperſonal
(von den Soliſten bis zu den Bühnenarbeitern) und mit allen
beteiligten Angeſtelltenorganiſationen in einem wirklichen
Ver=
trauensverhältnis ſtehe, das z. B. in den vier Jahren meiner
Aachener Tätigkeit bei aller Betonung einer gerade beim Theater
notwendigen ſtraffen und klaren Führung noch durch keinen
einzigen Zwiſt getrübt wurde. In gleich gutem Verhältnis
ſtehe ich zu den Publikumsorganiſationen. Wichtig ſcheint mir
auch, daß ich alle Einzelheiten eines „gemiſchten” Betriebes von
der Pique auf kennen gelernt habe und wirklich in der Lage
bin, die Fäden in meiner Hand zu vereinigen.
Daß das Bemühen um Vorwärtsſchreiten im Künſtleriſchen
und Kulturellen nicht unter Preisgabe einer ver= und künſtleriſcher Auseinanderſetzung ſein
antwortungsbewußten Finanzgebarung er=
folgte, dürfte die Tatſache beweiſen, daß das Aachener
Stadt=
theater in dem am 1. April abgelaufenen (wirtſchaftlich
zweifel=
los ſehr ſchwierigen) Etatsjahr 1930/31 ſeine höchſten bisherigen
Einnahmen erzielte.”
Auf meine ſcherzhafte Anerkennung ſeiner Gewandtheit im
Beantworten von Interview=Fragen geſteht Intendant Strohm,
daß er dieſe allerdings vorhandene Gewandtheit im
Aus=
lande erworben, wo bekanntlich journaliſtiſche Interviews viel
intenſiver gepflegt werden wie in Deutſchland.
Ich gehe dann zu konkreter Frageſtellung über. Zunächſt
über evtl. Bewerbung um den Darmſtädter Poſten.
Eine ,Bewerbung” kommt nicht in Frage. Richtig iſt,
daß ich gerade das Darmſtädter Theater beſonders ſchätze und
liebe. Ich bin aber unbeſcheiden genug, zu glauben, daß ich nach
meiner Aachener Tätigkeit Anrecht auf einen größeren Sprung”
erworben habe." Ich bitte darin um Gottes Willen keine
Selbſt=
überhebung zu ſehen, ſondern nur die nüchterne Notwendigkeit
meiner Zukunft gegenüber verantwortlich zu handeln. In
Berlin ſtand ich ſchließlich nach Ausſchaltung aller nur noch
mit Prof. Ebert in letzter Konkurrenz. Meine Kandidatur
wurde — als einzige von allen — von keiner Zeitung
ange=
griffen, von vielen aber gefördert. Ich kann es mir alſo nicht
leiſten, in Darmſtadt, vielleicht aus einem Grunde, der garnicht
bei mir zu liegen braucht, nicht gewählt zu werden.
Wenn ich nach Darmſtadt komme, möchte und müßte
ich dort auch wirklich einige Jahre ohne
anders=
wohin zu ſchauen, arbeiten!“
Auf die Frage nach politiſcher Einſtellung, beſonders
dar=
nach, ob und wie weit der Intendant im Theater ein politiſches
Kampfmittel ſieht und es als ſolches ausnutze, hörte ich etwa
folgendes:
„Mein ſelbſtverſtändliches Recht der freien Meinung unter
allen Umſtänden aufrechterhaltend, ſtehe ich auf dem Standpunkt,
daß Kunſt, daß vor allem das Theater, mit
Partei=
politik nichts zu tun hat. Ich gehe ſelbſtredend
keiner Kritik, auch keiner politiſchen, aus dem Wege, aber das
Theater muß als bedeutender Kulturfaktor über jeder
Par=
teipolitik ſtehen. Ich habe unter dieſen Geſichtspunkten
hier erreicht, daß alle Parteien eine poſitive Haltung
zum Theater ſowohl wie zu meiner Perſon
ein=
nehmen. Daraus darf aber nicht etwa geſchloſſen werden, daß
mein Theater nun etwa kein Geſicht hat. Vom Gegenteil können
Sie ſich leicht überzeugen. Ich will erreichen, daß jede
Partei=
gruppierung die Geſinnung anerkennt, die Tatſache,
daß das Theater ein Boden ernſteſter geiſtiger
kann und ſoll. Gewiß ſind m=Einzetfällen Einwendungen
Seite 6
Sonntag, den 24. Mai 1931
Nummer 143
*
Unſere Päonie, die bei uns aber faſt nur Pfingſtroſe ge
in=
wird, weil ſie um die Pfingſtzeit blüht, gehört mit zu den ſchöt. ſten
Spätfrühlings= und Vorſommerblumen. Kraftvoll, üppig, wie die
Geſundheit ſelbſt, ſteht ſie in den Gärten. Ihre Blüten ſind um
die Pfingſtzeit, da die Roſen noch nicht blühen, ein herrlicher
Schmuck. Beſonders, wo es in den Gärten auf Fernwirkung
an=
kommt, iſt die Pfingſtroſe an der richtigen Stelle. Wegen ihres
geſunden Ausſehens und auch wohl, weil ſie viel in ländlichen
Gärten angepflanzt worden iſt, wird die Blume auch die „
Blumen=
bäuerin”, die „Bauernroſe” und die „Bäuerin unter den Blumen”
genannt. Die Päonie war bereits im alten Griechenland eine
be=
kannte Blume, der man auch große Heilwirkungen zuſchrieb. Nach
griechiſchen Ueberlieferungen ſoll die Blume ihren Namen
erhal=
ten haben nach Päon, einem Sohne Endymions, der Herrſcher über
die Landſchaft Päonien war. Ebenfalls nach griechiſchen
Ueber=
lieferungen wurde dereinſt Pluto, der Gott der Unterwelt, durch
die heilenden Wirkungen einer Päonie von ſchwerem Leiden
be=
freit. Die Pfingſtroſe blieb dann auch bei anderen Völkern eine
Heilpflanze, und ſie iſt es noch heute. In Deutſchland ſoll ſie nach
dem Volksglauben beſonders gegen die Gicht helfen. Daher trägt
ſie auch noch den Namen Gichtroſe. Aus dem Samen der Pflanze
ſtellt man Ketten zuſammen, die zahnenden Kindern umgehängt
werden. So ſoll das Zahnen leichter ſein. Wie bei den Griechen
war die Päonie auch bei den alten Römern eine bekannte Schmuck=
und Heilpflanze. Aus Wurzeln, Blättern und Samen ſtellten ſich
die Römer eine Salbe her, die beſonders gegen den Angriff
wil=
der Tiere und gegen Schlangenbiß helfen ſollte. Wenn die
Pfingſt=
roſe Heilung bringen ſoll, ſo darf ſie jedoch nur während der Nach
ausgegraben werden. Im heutigen Italien, wo im Volke vielfack
voch eine große Furcht vor dem „böſen Blick” beſteht, wird, der
Samen der Pfingſtroſe auch dagegen angewendet.
Wenige Vorſommerblumen dürfte es geben, die in den
ver=
ſchiedenſten Ländern Europas eine ſo weite Verbreitung gefunden
haben wie die Pfingſtroſe. Zu dieſer weiten Verbreitung hat auch
beigetragen, daß ſie ſo ziemlich auf jedem Boden dankbar iſt, mit
Ausnahme von naſſem Boden. Die Pfingſtroſe verlangt zwar eine
gewiſſe Feuchtigkeit, kann aber keinen naſſen Untergrund
ver=
tragen. Auf gutem Boden kommt ſie zwar beſſer fort, als auf ganz
leichtem, doch laſſen ſich auch auf weniger gutem Boden noch ſchöne
Pflanzen heranziehen, wenn nur genügend friſcher Dünger in den
Boden gekommen iſt und der Boden nicht zu trocken gehalten wird.
Beim Einpflanzen der Pfingſtroſe wird oft der Fehler gemacht,
das Wurzelwerk tief in die Erde zu bringen. Darunter leidet dann
das Wachstum wie das Blühen. Im allgemeinen darf die
Wurzel=
krone nicht mehr als 5—6 Zentimeter mit Boden bedeckt ſein. Nur
auf einem ſehr leichten Boden kann das Wurzelwerk etwas tiefer
ſtehen. So manche, die die Pfingſtroſe einpflanzen, ſind enttäuſcht,
weil die Blumen nur ſpärlich hervorkommen. Dann kann wohl die
Anſicht entſtehen, die Pfingſtroſe tauge nicht für den zur Ver
fügung ſtehenden Boden, und ſie wird dann wieder ausgeriſſen.
Dem iſt entgegenzuhalten, daß die Pflanze ihre ſchönſten Blüten
nicht gleich im erſten Jahre hervorbringt, ſondern erſt ſpäter, etwa
nach drei Jahren. Die Lage für den Anbau der Pfingſtroſe kann
ſonnig oder auch zeitweiſe beſchattet ſein. Sehr gut iſt es, wenn
die Blüten ſogleich nach dem Verblühen abgeſchnitten werden
Auch müſſen gelb gewordene Blätter ſtets entfernt werden. In
der Farbe der Blüten iſt ſchon die größte Mannigfaltigkeit
er=
reicht, ſo daß jeder ſeine Lieblingsfarbe auswählen kann. Man
kennt die Pfingſtroſe mit leuchtend roten Blüten, es gibt andere
Arten, die Blüten in roſa und gelb hervorbringen, manche haben
Blüten, die wie feines Elfenbein ausſehen. Noch mehr
Farben=
abtönungen ließen ſich anführen. Auch in den Formen zeigen ſich
mancherlei Abweichungen.
— Verein Ludwig=Georgs=Gymnaſium. Die diesjährige
Haupt=
verſammlung des Vereins Ludwig=Georgs=Gymnaſium fand am
Freitag, abends 6 Uhr, in dem Feſtſaal des Ludwig=Georgs=
Gymnaſiums zu Darmſtadt ſtatt. Den Jahresbericht erſtattete der
Vorſitzende, Sanitätsrat Dr. Noellner, den Kaſſenbericht der
Rechner, Profeſſor Dr. Maſſing. Die Mitgliederzahl des Vereins
iſt weiter im Wachſen begriffen. Die Zinſen des anläßlich des
300jährigen Beſtehens des alten Gymnaſiums geſammelten
Stif=
tungskapitals, ſowie die Mitgliederbeiträge des abgelaufenen
Vereinsjahres wurden beſtimmungsgemäß den Satzungen des
Ver=
eins entſprechend teils wohltätigen Zwecken zugeführt, teils für
den Ausbau des Landheims des LGG. verwandt. Dem Vorſtand
und dem Rechner wurde Entlaſtung erteilt. Es iſt zu hoffen,
daß der Verein, der bereits trotz ſeines kurzen Beſtehens ungemein
ſegensreich gewirkt hat, auch weiterhin neue Freunde gewinnt,
ſeien es ehemalige Schüler der beiden Gymnaſien, Eltern der
jetzigen Schüler oder Freunde des Gymnaſiums.
— Reichsbahn=Omnibuslinie Darmſtadt — Roßdorf —
Habitz=
heim. Im Einvernehmen mit den Gemeinden und den
Inter=
eſſenten wird die Omnibuslinie Darmſtadt—Roßdorf-Habitzheim
am 24. Mai 1931 (1. Pfingſtfeiertag) nicht bedient. Am zweiten
Feiertag, den 25. d. M., verkehrt der Omnibus wie an
Sonn=
tagen. Die Mittagsfahrt Darmſtadt 12,20 Uhr und die
Abend=
fahrt Darmſtadt ab 18,00 Uhr werden bis Habitzheim
durch=
geführt.
Die Weltkriſe der Wirkſchaft und des Arbeiksmarkkes.
Im Rahmen der Vorleſungen der Heſſ. Verwaltungsakademie
hielt geſtern abend Miniſterialrat Dr. Dr. Berger=Genf das
letzte Referat ſeiner Vortragsfolge über obiges Thema. In gro
ßen Zügen rief er den Inhalt ſeiner beiden vorangegangenen
Vor=
träge zurück, insbeſondere zeichnete er nochmals die Hauptfaktoren
der neuzeitlichen Wirtſchaft, um dann auf Spezialbetrachtungen
über Einflüſſe auf die Wirtſchaftslage einzugehen. Die
un=
geheure Ausdehnung, die Tiefe und Dauer der Kriſe ſei ein
be=
ſonderes Merkmal der jetzigen Kriſe, die die ganze Welt umfaßt
habe. Wie in Deutſchland, liege auch in England, den
Ver=
einigten Staaten von Amerika und der größten Zahl der übrigen
europäiſchen Länder die Wirtſchaft darnieder, überall ſei eine
Steigerung der Arbeitsloſigkeit zu bemerken, überall ſeien
ge=
waltige Preisſtürze, Gewinnverluſte feſtzuſtellen. Wenn man die
Dauer der Kriſe nach dem äußeren Verlauf meſſe, ſo könne man
vielleicht einwenden, daß frühere Kriſen auch Jahre hindurck
dauerten, aber er müſſe betonen, daß der Anfang der Kriſe bis
in den Weltkrieg oder Weltfrieden zurückreiche. Man könne
dar=
auf hinweiſen, daß 1922 nur 19 000 Arbeitsloſe vorhanden waren
Aber auch das ſei ſchon als eine Kriſenerſcheinung, eine Erſchei
nung des Ausverkaufs in Deutſchland zu werten. Und die
heu=
tigen 4,2 Millionen Arbeitsloſen, dieſe unnatürlich hohe Ziffer
ſei gleichfalls letzten Endes eine Kriegsfolge. Die deutſche Wirt
ſchaft kranke an dem Mißverhältnis zwiſchen Kapital und Arbeit.
Auch England, z. B. der Bergbau, der Schiffsbau, ſei ſeit dem
Kriege kaum aus der Kriſe herausgekommen. Gewiß, es habe
jähe Aufſtiegsperioden gegeben, die man aber als Phaſen eines
Wirtſchaftsfiebers anſprechen könne. Unwillkürlich dränge ſich
der Gedanke auf, daß neben den üblichen Kriſenurſachen auch an
dere, die Kriegs= und Friedensſchlüſſe, mittelbar und
unmittel=
bar für die Kriſe verantwortlich ſeien. Der Referent ſtellte
Ver=
gleiche zwiſchen der Wirtſchaftslage der einzelnen Länder vor und
nach dem Kriege auf. Dabei wies er auf das Aufblühen des
Ueberſeeverkehrs hin. Früher fand ein einigermaßen geſunder
Güteraustauſch ſtatt, während nach dem Krieg die ganze Ein= und
Ausfuhr infolge entſtandener Induſtrien in allen Ländern geſtört
wurde. Einige Länder profitierten ſchon während des Krieges an
der Wertezerſtörung in Europa. Die überſeeiſchen Länder
ſtampf=
ten eigene Induſtrien aus der Erde oder entwickelten ſchon
vor=
handene, um nun von ſich aus die früher exportierenden euro=
Vorkriegswirtſchaftliche
Verbin=
päiſchen Länder zu beliefern.
dungen wurden zerriſſen.
Grenzneugeſtaltung europäiſcher
Länder nach dem Kriege, Abtrennung größerer Induſtriegebiete
brachten enorme Veränderungen auf induſtriellem Gebiete.
Poli=
tiſcher Ehrgeiz einzelner Länder trat zu all dieſen Erſcheinungen
hinzu. Im allgemeinen fand eine unerhörte Steigerung der
Produktion ſtatt, aber der Verbrauch hielt nicht ſtand. Auch die
Lohngeſtaltung ſei unter Berückſichtigung der Arbeitszeit nicht
auf Konſumtionsſteigerung eingeſtellt geweſen, denn auch da, wo
die Theorie der hohen Löhne durchgeführt wurde, zeigte ſich, daß
zwar die Löhne der Beſchäftigten ſich ſteigerten, aber die Zah
der Beſchäftigten zurückging, ſo daß damit die Lohnquote
tatſach=
lich zurückging und gleichzeitig der Verbrauch nicht mehr
ausrei=
chend gewährleiſtet war. Die oſtaſiatiſchen
Depreſſionserſchei=
nungen infolge des ungeheuren Sturzes der Silberpreiſe wirkten
ſich auf die europäiſche Weltwirtſchaft ungeheuer aus. Im
Hin=
blick auf all die gezeichneten Symptome ſei er in gewiſſem Sinne
peſſimiſtiſch für die Zukunft. Wenn auch vielleicht eine kleine
Rückbildung möglich ſei, ſo könne auf natürlichem Wege doch die
Kriſe nicht beſeitigt werden. Solange die Zahlung der Tribut
laſten beſtehen bleibe, ſei mit ihr eine ungeſunde, unnatürliche
Kapitalverwendung erzwungen. Die ungeheure Störung der
Gleichgewichtslage durch die Zinsgeſtaltung uſw. und die faſt
ver=
hängnisvolle internationale Verflechtung binde dem beſten Lande
die Hände. Die Frage ſei heute: Wie komme man aus der
un=
glückſeligen Lage heraus? An die internationale Welt müſſe die
Forderung gerichtet werden: Kehrt um und helft, denn nur durch
internationales Zuſammenarbeiten könne Beſſerung erwartet
werden. Man müſſe an die Herabſetzung der Reparationskaſten,
an eine Geſundung der Schuldner, die ſchließlich alle Schuldner
Amerikas ſeien, herangehen. Das Reparationsproblem müſſe vor
allem gelöſt werden. Weiter müſſe man die Produktion
inter=
national regeln. Nur eine ldyale, eine ehrliche internationale
Zuſammenarbeit der Völker ſei der einzige ſichere Weg, die Kriſe
zu beſeitigen, ja ſie ſei vielleicht der einzige Weg, die gegen
wärtige geſellſchaftliche Ordnung zu retten. Vielleicht werde ein
gewiſſer Selbſterhaltungstrieb die Regierungen aller Länder
end=
lich zu dieſer notwendigen internationalen Verſtändigung führen
Aber man dürfe trotz allem den Mut nicht verlieren und auch
hoffen, daß die Entwicklung der Dinge ſich bald günſtiger geſtalte
und eine allgemeine Einſicht der Völker Platz greife. — Die
Aus=
führungen des Referenten wurden von den ſehr zahlreichen
Zu=
hörern mit lebhaftem Beifall aufgenommen.
Wochenendfahrk nach dem Schwarzwald.
Die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. veranſtaltet am (
und 7. Juni eine Wochenendfahrt nach dem Schwarzwald. Ein
Sonderzug wird in beſchleunigter Fahrt die Wochenendler vor
Frankfurt aus nach Freiburg bringen. Der Fahrpreis beträgt
für jede Perſon nur die Hälfte des gewöhnlichen Fahrpreiſes, z. B
von Frankfurt a. M. nach Freiburg und zurück 11,20 RM.
Abfahrt des Sonderzuges erfolgt in Frankfurt a. M. am 6. Junf
(Samstag) um 8.10 Uhr. Der Sonderzug hält unterwegs noch in
Buchſchlag=Sprendlingen, in Langen, Darmſtadt Bensheim und
Weinheim. Ankunft in Freiburg 12,58 Uhr. Für den
Aufent=
halt in Freiburg liegt ein mit großer Sorgfalt ausgearbeitetes
Programm vor. Es iſt aber niemand verpflichtet, ſich an den
vorgeſehenen gemeinſamen Beſichtigungen und Wanderungen zu
beteiligen. Um den Teilnehmern die Mühe für die Beſchaffung
einer Uebernachtungsgelegenheit abzunehmen, vermittelt die
Reichsbahn koſtenlos billige Unterkünfte in Hotels, Gaſthäuſern.
Privatpenſionen uſw. Wer eine ſolche Vermittlung wünſcht, gebe
dies bei der Löſung der Sonderzug=Fahrkarte, ſpäteſtens bis zum
19. Mai. an. Für den Sonntag ſind Ausflüge z. B. nach dem
Schauinsland, nach Kirchzabern, nach Güntherstal, nach Hote
Halden und Notſchrei uſw. vorgeſehen. Für die am Sonntag mit
dem Sonderzug in Richtung Bärental weiterfahrenden
Teilneh=
mer ſind beſonders empfehlenswerte Wanderungen nach dem Feld
berg und weiter nach dem Schauinsland oder ab Bahnhof
Höll=
ſteig durch die Ravennaſchlucht nach Hinterzabern und Titiſee
geplant. Die einzelnen Gruppen werden von kundigen Führern
koſtenlos geführt. Die Rückfahrt erfolgt mit dem Sonderzug ab
Bärental um 16.36 Uhr, ab Freiburg um 18,20 Uhr, die Ankunft
in Frankfurt um 23.11 Uhr.
Zu dieſem von Frankfurt aus verkehrenden Sonderzug wird
von Gießen nach Frankfurt ein beſonderer Anſchlußzug gefahren
werden. Die Anwohner der von Fulda, von Bad Homburg, von
Cronberg, von Hochheim, von Niedernhauſen und von Goldſtein
nach Frankfurt führenden Strecken haben ſowohl für die Hin= wie
für die Rückfahrt äußerſt günſtige Anſchlüſſe mit fahrplanmäßigen
Zügen. Für die Fahrt von dem Heimatbahnhof nach Frankfurt
und zurück ſind für die Benutzung dieſer fahrplanmäßigen Züge
gewöhnliche Fahrkarten bzw. Sonntagskarten zu löſen.
Wer an dieſer lohnenden Wochenendfahrt Intereſſe hat, wende
ſich an die Fahrkartenausgabe eines Bahnhofes. Dort wird ihn
jede gewünſchte Auskunft gerne erteilt werden. Wünſchen von
Vereinen uſw. auf gemeinſame Unterbringung in dem Sonderzug
wird entſprochen.
Aus dem Gerichtsſaal.
Aw. Das Bezirksſchöffengericht verhandelte, am
Freitag gegen einen jungen Kommuniſten. Am 14.
No=
vember, an demſelben Tag, an dem der Schloſſer Amend einen
Polizeiwachtmeiſter mit ſeinem Spazierſtock in den Hals geſtochen
hatte, wurde der Angeklagte ſiſtiert, weil er eine Waffe bei ſich
tragen ſollte. Man fand bei ihm eine Stahlfeder, die als
Schlag=
werkzeug recht geeignet iſt. Der Angeklagte erhielt einen
Straf=
befehl über drei Monate Gefängnis wegen
Waffen=
mißbrauch, Tragens von Waffen zu politiſchen
Ge=
legenheiten. Der Angeklagte erhob Einſpruch und gibt an,
er habe die Feder auf der Straße gefunden und ſie zu ſeinem
Schutze mitgenommen. Dabei iſt der junge Mann ein Bärenkerl.
mit dem wohl ſo leicht keiner fertig wird. Das Gericht glaubt
ihm denn auch ſeine Ausreden keineswegs und beſtätigt den
Strafbefehl. Es bewilligt ihm aber für zwei Monate eine
dreijährige Bewährungsfriſt. Es iſt nicht leicht, dies dem
Ange=
klagten klar zu machen, der meint, die Bewährungsfriſt wolle er
annehmen, das andere aber nicht.
— Verbilligung des Automobil=Reiſeverkehrs. Im Zeitalter
des Preisabbaues darf es dankbar begrüßt werden, daß der All
gemeine Deutſche Automobil=Club die Gebühren für die Abgabe
von Kraftwagen=Grenzkarten (Triptiks und Carnets de passages
en douane) ab 20. Mai d. J. um weitere 2.— Mark pro
Grenz=
karte ermäßigt hat. Hiernach koſtet z. B. eine Grenzkarte nach
Oeſterreich ſtatt 6.— Mk. nur noch 4.— Mk. und Grenzkarter
nach anderen Ländern 6.— Mk. ſtatt 8.— Mk. Wird eine
Bank=
bürgſchaft beigebracht, ſo werden die Grenzkarten nach Oeſterreich
überhaupt koſtenlos abgegeben.
Grenzkarten nach anderen
Ländern koſten dann nur noch 3.— Mk. Bei dieſen billigen
Ge=
bühren wird es ſich empfehlen, ſtatt der z. B. bei Reiſen nach
Oeſterreich oder nach der Schweiz erhältlichen zeitlich begrenzten
Vormerkſcheine eine das ganze Jahr gültige Grenzkarte zu
er=
werben. In Weſtdeutſchland können
die billigen ADAC.=
Grenz=
karten an folgenden Orten bei den ADAC.=Ausgabeſtellen (
alpha=
betiſch geordnet) bezogen werden:
Aachen Bremen. Dillingen
Saar), Dortmund. Elberfeld. Eſſen
Frankfurt, Geldern, Koln,
Krefeld, Lebach, München=Gladbach, Munſter, Saarbrücken,
Sulz=
bach, Trier.
— Wochenmarkt=Kleinhandelspreiſe vom 23. Mai 1931.
Spar=
geln, 1. Sorte 60—70, 2. Sorte 30—40. Kohlrabi 20—35. Karotten
30—35, gelbe Rüben 6—10, Spinat 12—15, Römiſchkohl 12—20.
Erbſen 30—40, Zwiebeln 15—20. Knoblauch 80, Rhabarber 12
bis 15, Tomaten 60—100, Kopfſalat 15—20, Salatgurken 70—100
Blumenkohl 50—100. Rettich 10—
Meerrettich 80—100.
Spät=
kartoffeln Ztr. 400—500, Tafeläpfel 30—60, Wirtſchaftsäpfel
bis 40, Apfelſinen 5—15, Zitronen 4—10, Bananen 50—60,
Süß=
rahmbutter 170—200, Landbutter 140—150. Weichkäſe 25—35,
Handkäſe 4—12, friſche Eier 9—10, Hühner 70—100. Enten 120.
Tauben 60—80, friſches Rindfleiſch 74—100. Kalbfleiſch 100.
Ham=
melfleiſch 100, Schweinefleiſch 90—110, Dörrfleiſch 120. Wurſt 60
bis 140. Wurſtfett 60, Schmalz, ausgelaſſen. 80.
möglich, aber ich bin bereit, mitzugehen, ſobald es ſich um
ernſte Fragen handelt in der künſtleriſchen Geſtaltung.
Perſönlich bin ich aus dieſen Gründen kei
nerlei politiſche Parteibindungen eingegan
gen. Und ich habe mein Theater nie von
parteipoli=
tiſchen Dingen beinfluſſen laſſen. Auch bei
Ge=
legenheit ſcharfer Kritik waren höhere Geſichtspunkte maßgebend
Nebenbei bemerkt, in Berlin hat das Zentrum, obwohl ich aus
einer ſtark katholiſchen Stadt komme, gegen mich geſtimmt.”
Ich ſchneide dann gewiſſe Fragen der Regie an. „Unter
allen Umſtänden hat beſonders in der Regie die Ehrfurcht
vor dem Werke grundlegend zu ſein. Gewiß iſt es
künſt=
leriſch zu rechtfertigen, wenn (auch klaſſiſche) Werke dem
ge=
änderten Geſchmack entſprechend inſzeniert werden, vielleicht auchk
„bearbeitet” Unter keinen Umſtänden aber darf dadurch der
Geiſt des Werkes, ſeine künſtleriſche Tendenz gebogen werden
Werktreue hat aller Bühnenarbeit gegenüber gewahrt zu
bleiben. Uebrigens haben Sie ja in Darmſtadt auf dieſem
Gebiete hochbegabte Kräfte, die nur richtig geführt
werden müſſen. Es widerſpricht der Ehrfurcht vor dem
Werke, wenn die Regie, veräußerlichend, ſich aufdringlich in den
Vordergrund ſtellt, die Regie ſoll dem Werke dienen, nicht
um=
gekehrt.
Schließlich zu finanziellen Fragen: „Es iſt allerdings ein
Märchen, wenn gefagt wird, das Aachener Theater bedarf keines
Zuſchuſſes. Es hat einen feſten Zuſchuß von 700 000 RM.
Aber ich habe in den letzten Jahren ſtets, wenn der
Zuſchuß=
bedarf ſich vermehrte, erreicht, dieſen Mehrbedarf durch
Mehreinnahmen zu decken. Dieſe aber erreichte ich
durch eine grundlegende Aenderung des künſtleriſchen Niveaus
Meiner Spielplangeſtaltung galt ſtets das Ziel, die
Beſucher ins Theater zu ziehen, nicht, ſie abzuſchrecken. So
hat Aachen es fertig gebracht, gerade in den letzten
Kriſen=
jahren die höchſten Einnahmen zu erzielen. Mein
Spielplan muß ſo ſein, daß man jeden Abend das Theater
beſuchen kann. Es iſt falſch, neben Schlechtem eine Reihe
ganz großer Leiſtungen zu ſtellen. Das
Geſamt=
niveau muß gut ſein! Man darf nicht „ſchmieren” und
dafür ein paar „tolle Leiſtungen” herausbringen. Nur ein
Theater von möglichſt hohem Durchſchnitt
er=
füllt ſeine kulturelle Aufgabe.”
Soweit die Unterhaltung mit Intendant Strohm, der die
Gelegenheit wahrnahm, am geſtrigen Samstag abend den zur
V. D. A.=Tagung hier anweſenden Preſſevertretern eine
inter=
eſſante erfolgreiche Uraufführung zu bieten, nämlich
„Ueber allen Zauber Liebe” aus Anlaß des 250.
Ge=
burtstages Calderons in freier Nachdichtung von Wilhelm
von Scholz=
* Heſſiſches Landeskheaker.
Großes Hans. — Samstag, den B3. Mai.
Penkhefilea.
Ein Trauerſpiel von Heinrich von Kleift.
Wie ein erratiſcher Felsblock ragt das genialiſche Werk
Kleiſts in die heutige, künſtleriſch armere Zeit. Und doch
ſpannen ſich Parallelen von damals zu heute. Verwirrung
des Gefühles beherrſcht Pentheſilea, Amphitryon, die Marquiſe
von O. Verwirrung des Gefühls erfüllt markante Werke der
heutigen Literatur bis zu Bruckners „Krankheit der Jugend”
Innere Unruhe und wirtſchaftliche Erſchütterung trieben Kleiſt
von Stadt zu Stadt. Wie heute, rang damals ein geknechtetes
Volk um ſeine Freiheit gegen fremde Vorherrſchaft und hatte in
Kleiſt einen ſtarken Rufer zur Freiheit
Von den Franzoſen zu Unrecht als Spion verhaftet, ſchriel
er in den Felsgewölben des Schloſſes Joux am Nordabhang
des Jura an „Pentheſilea”: „Unſere Fenſter waren mit
dreifachen Gittern verſehen, und wie viele Türen hinter uns
verſchloſſen wurden, das weiß ich gar nicht; und doch hießen dieſe
Behältniſſe anſtändige und erträgliche Wohnungen. Wenn mar
uns Eſſen brachte, war ein Offizier dabei gegenwärtig; kaum.
daß man uns, aus Furcht vor ſtaatsgefährlichen Anſchlägen,
Meſſer und Gabel zugeſtand.‟ Erſt nach vier Monaten wurde
Kleiſt freigelaſſen und vollendete in Dresden die ſo ſeltſame
wie großartige Dichtung.
Verwirrung des Gefühls! Liebe und Haß, Haß
und Liebe fallen mit der Wucht eines Sturzbaches auf
Penthe=
ſilea nieder. Idyllen des reinſten, herrlichſten Liebesſpieles
wechſeln mit Szenen furchtbarſter Kämpfe, — geſchaffen aus
genaliſcher Künſtlerſchaft!
Die Bühne hat oft um „Pentheſilea” gerungen. Kleift
hatte Zweifel: „Ob Pentheſilea” ſchrieb er an die Schweſter,
„bei den Forderungen, die das Publikum an die Bühne macht
gegeben werden wird, iſt eineFrage, die dieZeit entſcheiden muß. Ichk
glaube es nicht und wünſche es auch nicht, ſo lange die Kräfte
unſerer Schauſpieler auf nichts geübt werden, als Naturen
wie die Kotzebueſchen und Ifflandſchen ſind, nachzuahmen”
Ich ſah glänzende Pentheſileen. Bei Reinhardt in
Berlin Mary Dietrich: entzückend in der ſilbern
ſchimmern=
den Jugendlichkeit ihrer ſchlanken, ſtahlbiegſamen Erſcheinung!
In Weicherts glänzender Inſzenierung in Frankfurt Gerda
Müller; in keuſcher Liebe und ſinnloſer Wut, in der
Ver=
einigung aller Leidenſchaften und Triebe eine Geſtalt von
uner=
hörter dramatiſcher Wucht! Karl Ebert, Fritta Brod, Helene
Weigel ihr zur Seite: welche Aufführung vor zehn Jahrenl
Demgegenüber hatte das heutige Darmftadt einen ſchweren
Stand! Beſſie Hoffarth hat nicht das große Format für
eine Pentheſilea, wie ſie nach Kleiſts gigantiſcher Dichtung
dem Geiſte vorſchwebt. Doch gelang ihr in überraſchender
Weiſe, eine Geſtalt zu ſchaffen, die feſſelte, ja zeitweiſe packte.
Beſſie Hoffarths Talent entwickelte ſich an dieſer Rolle ins
Breitere, Vollere, Menſchlichere. Ihre Pentheſilea hatte ihre
Stärke in den geſpannten, bewegten Szenen. Da ſchöpfte ſie
aus einer vollen, gelöſten Begabung, war bewegt und
über=
zeugend, ftets getragen von einer ſtarken künſtleriſchen
Intelli=
genz. Die lyriſchen Liebesidylle, die zum Roſenfeſt der
ſieg=
gekrönten Jungfrauen aufruft, hatte noch nicht den hellen
froh=
lockenden Klang der Kleiſtſchen Dichtung. Doch in der
Ent=
wicklung Beſſie Hoffarths iſt ihre „Pentheſilea” eine ſchöne,
verheißungsvolle Stufe.
Für Achilles fehlten Franz Kutſchera alle entſcheidenden
Eigenſchaften: Größe, Glanz, Stärke. Mit freundlichem Lächeln
allein kann man den Peliden nicht ſpielen!
Um Pentheſilea ſcharten ſich die Fürſtinnen: Inge
Con=
radi voll warmer Töne als Prothoe, Elſe Knott dramatiſch
eindrucksvoll in dem Bericht von Achills Tod, Sybil Peac
ſchön anzuſchauen in der Begleitung. Als Oberprieſterin fugte
ſich Martha Schild a. G. freundlich in das Bild.
Weniger geſchloſſen wirkte die Schar der Griechen.
Her=
mann Gallinger gab eine wirkungsvolle Schlachterzählung;
auch Kurt Weſtermann war als Diomedes am Platze.
Sieg=
fried Nürnberger dagegen wirkte als Odyſſeus viel zu laut
und polternd; auch die drei Herren, die den erſten Schlachtbericht
lieferten, waren zu ſehr auf Theaterlärm eingeſtellt..
So hatte die Aufführung, die von Carl Ebert inſzeniert
und von Wilhelm Reinking ausgeſtattet war, ihre Stärken
und ihre Schwächen. Die Drehbühne ſicherte in geſchickter
Ver=
wendung einen raſchen Ablauf. Die Schönheit und dramatiſche
Wucht der Kleiſtſchen Dichtung bewieſen von neuem ihre Un=
Z.
vergänglichkeit.
„Gaſtroſophie‟. Ein Brevier für Gaumen und Geiſt. Neue Wege zu
Tafelfreude und Geſelligkeit mit 40 Bildern, Rezepten und Menüs
von Dr med., H. Balzli. Steif karton 3,60 RM., vornehmer
Geſchenkleinenband 4,80 RM. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart,
Birkenwaldſtraße 44.
Es gibt eine Kunſt, ja ſelbſt eine Weisheit des Eſſens: wer auf den
Höhen des Lebens zu wandeln wünſcht, muß von ihnen wiſſen und ſie
üben. Dieſes neue, graziös geſchriebene Buch des bekannten Ernäh
rungsforſchers, zeigt uns unter Berückſichtigung aller Forderungen der
modernen Ernährungshygiene, neue Wege zu Tafelfreude und Geſellig
keit. Es zeigt, wer ein Gaſtroſoph iſt und wann man Gaſtroſoph wird
gibt intereſſante Einzelheiten über Nahrungsbedarf und
Nahrungsbe=
dürfnis, zeichnet die moderne Ernährungshygiene und neben vielen
ſon=
ſtigen intereſſanten Einzelfragen wird die Berechtigung und
Notwendig=
keit des Komforts und des Lurus nachgewieſen.
Orphenm.
Die Luſtſpielverfaſſer Arnold und Bach, deren „Wahren
Imkob” man zurzeit im Film belachen kann, kommen über die
PFingſttage im Orpheum mit ihrem größten Schwankerfolg
„Gulla di Bulla” zur Aufführung. Was über das
Filmluſt=
äel geſagt werden konnte, gilt hier in geſteigertem Maße: ein
aler Schwank mit endloſem Lacherfolg, ſtrotzend von luſtigen
Ernfällen und komiſchen Situationen. Im Mittelpunkt ſteht ein
enotiſcher Monarch. Abdur di Bula — das hiſtoriſche Vorbild iſt
moch in friſcher Erinnerung — der Deutſchland bereiſt und in
ſei=
nu=m Land, in dem die Frauen noch verſchleiert gehen, Reformen
und europäiſche Sitten einführen will. Das Berliner Palais, in
mm er empfangen wird, iſt aber zugleich der Wirkungsplatz einer
fllmgeſellſchaft, ſo daß man manchmal nicht weiß, wo der Film
infhört und die (Theater)=Wirklichkeit anfängt. Daß der exotiſche
Herrſcher galanten Abenteuern zugänglich iſt, iſt ebenſo
ſelbſtver=
tandlich, wie, daß ſein Finanzminiſter Geſchäfte machen will,
imßerdem nimmt der Schwank die Gelegenheit wahr, allerhand
hi iriſche Feſtſtellungen zu machen, z. B., über die deutſche
Be=
erſterung für alles Fremde und die Titel= und
Ordenbewunde=
umg auch in Republiken. So iſt das Stück wirklich geeignet,
ſinige Stunden beſter Laune und Unterhaltung zu verſchaffen,
zu=
mal die Aufführung in der Beſetzung des Nürnberger
In=
ti men Theaters ausgezeichnet iſt und ſehr zum Erfolg des
A' ends beiträgt. Da hier nicht alle 20 Darſteller genannt
wer=
arr können, ſei nur auf Alfred Schnös und Karl
Morvi=
ſus (als Generaladjutant und Finanzminiſter des Königs), auf
Karl Ludwig Lindt als friſchgebackener Generalkonſul des
frem=
ſa Staates, auf den urkomiſchen Hanns Merk und von den
dirmen auf die entzückende Gretelotte Braxis vom
Luſtſpiel=
ſaus Berlin, und die äußerſt ſympathiſche Traute Reimann
ſingewieſen.
Wer über die Feiertage lachen will, hat hier die beſte
Ge=
ey enheit.
— Hallenbad. Mit der Eröffnung der Sommerbadezeit im
lwog iſt das Hallenbad an Sonntagen geſchloſſen. Wie aus dem
I5 zeigenteil hervorgeht, iſt der Werktagsbadebetrieb vom Diens=
. dem 26. d. M. (3. Pfingfeiertag), anſtatt von ſeither um
Uhr ſchon um 8 Uhr geöffnet, und zwar Montags bis
einſchließ=
ſia. Freitags von 8—12,30 Uhr und von 15 bis 19.30 Uhr.
Sams=
ae.s durchgehend von 8—19,30 Uhr. Montag. Dienstag. Mittwoch
w Donnerstag iſt Gelegenheit zu einem Familienbad in der
Näinnerhalle. Das Heilbad im Erdgeſchoß (Heißluft= und
Dampf=
ae) ſteht wie ſeither Dienstag und Donnerstags den Frauen, an
eir übrigen Tagen den Männern zur Verfügung. Die
Heilbade=
beilung im 1. Stock (elektriſche und Maſſagebäder) wird
Diens=
aa.s und Donnerstags für Männer, an den übrigen Tagen für
fmuen offen gehalten. Die verſchiedenſten Bäderarten, wie
jawimm=, Wannen=, Brauſe=, Dampf=, Heißluft=, elektriſche und
ſichtennadelbäder, auf Wunſch mit und ohne Maſſage, ſind bei der
amrmſtädter Bevölkerung bekannt. Jederzeit entgegenkommendes
zweperſonal ſteht den Badegäſten zur Verfügung. In den
Heil=
aſrabteilungen verſehen gut ausgebildete Fachleute als Maſſeure
uieen Dienſt. Die ſehr niedrig gehaltenen Bäderpreiſe machen es
unh dem Geringſtbemittelten möglich, den Körper und Geiſt ſtär=
„Den Genuß eines Bades ſich zu verſchaffen. Verbilligt werden
ie ſchon ſtark geſenkten Bäderpreiſe noch weiter durch die
Aus=
ane von Zehner= und Fünferkarten für alle Bäder und
Monats=
nuten für Schwimmbäder. Darmſtadt hat mit der ſtädtiſchen
ſaweanſtalt eine Stätte der Körperpflege und Körperkultur, wie
icm ſie ſelten in gleicher Vollendung in anderen Städten antrifft.
n. Intereſſe der Volksgeſundheit kann daher der Ausſpruch „
Je=
m Deutſchen wöchentlich ein Bad” in dem ſchönen Hallenbad
ſohrgemacht werden.
— Promenaden=Konzert. Sonntag, den 24. Mai (
Pfingſt=
imtag) von ½11 bis ½12 Uhr, ſpielt das Stadt=Orcheſter unter
eitung ſeines Kapellmeiſters W. Schlupp bei günſtiger Witterung
nHerrngarten (Pergola) nach folgendem Programm: 1
Regens=
uy ger Turnermarſch von Kleiber, 2. Ouvertüre zur Oper „Fra
iinbolo” von Auber, 3. „Mondnacht auf der Alſter”, Walzer von
erras, 4. Fackeltanz Nr. 1 von Meyerbeer, 5. Fantaſie aus der
er „Der Schwur” von Mercadante, 6. „Unſere Grenadiere
—
Nyrrſch von Blankenburg
fingſtmontag, den 25. Mai,
ur 11 bis 12 Uhr, ſpielt das Stadt=Orcheſter unter Leitung
ſei=
ei Kapellmeiſters W. Schlupp bei günſtiger Witterung im Herrn=
Nibelungen=
glten (Pergola) nach folgendem Programm:
h von Sonntag. 2. Ouvertüre zur Oper „Wenn ich König
Ca,
Kch
” von Adam.
id Geſang”, Walzer von
„Wein. Weib
drrauß, 4. „Die türkiſche Schaarwache
von Michaelies, 5.
Fan=
nure aus der Oper „Carmen” von Bizet, 6. „Regimentskinder”
ſrurſch von Fucik.
An beiden Feiertagen finden nachmittags
no abends Künſtlerkonzerte ſtatt.
* Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher
Erkran=
un g ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt
rrufen. Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind an den
bei=
ei- Feiertagen folgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit:
Im erſten Pfingſtfeiertag: Dr. med. Berger.
Wil=
elnninenſtraße 5 Telefon 187; Dr. med. Wagner, Annaſtr. 3.
med. Wertheim. Dieburger Straße 73.
e efon 322: T
ehefon 4614. — Am zweiten Pfingſtfeiertag: Dr. med.
Dr. med. Vidal
zigefers, Zimmerſtr. 8, Telefon 2000
ſtftsſtr. 25 Telefon 1110; Frl. Dr. med. Vaubel,
Heinrich=
rü-ße 100, Telefon 1645.
Es verſehen den Sonntagsdienſt und in der daran ſich
an=
hräeßenden Woche den Nachtdienſt vom 23. Mai bis 30. Mai die
öwenapotheke, Ballonplatz 11, Adlerapotheke,
Wilhel=
unjenplatz 17, Hirſchapotkeke, Nieder=Ramſtädterſtr. 21.
Sonntag, den 24. Mai 1931
Man tut ein paar Schritte vors Städtchen, biegt ab in einen
mit Gras bewachſenen Feldweg und wandert durch
frühſommer=
liche Fluren. Zwiſchen hohen zartgrünen Roggenfeldern, au
bunter Wieſe: erſte pfingſtliche Raſt! Den Wandermantel breitet
man aus und legt ſich mitten in die ſchöne grüne Pfingſtwelt.
Fern donnert ein Auto über die Berge, auf der Fahrt nach dem
Pfingſtglück.
Hier iſt es!
Ich raſte und male pfingſtliche Wieſen. Da ſind die
funkeln=
den Blüten des Hahnenfußes; kleine goldene Pfingſtſonnen.
Da=
neben ſtehen die zarten weißen Blüten der Sternmiere. Sie
haben wie im Traum in der blendenden Pfingſtſonne die Augen
halb geſchloſſen. Weiße Falter ſchaukeln über die Wieſe, heiter
wie pfingſtliche Gedanken, beſchwingt wie Träume.
Vom Waldfriedhof der kleinen Stadt tönt plötzlich
Trauer=
geſang: ernſt und feierlich. Ueberirdiſch tröſtlich klingt dazwiſchen
hoch aus dem Blau des Himmels das Lied der Lerche.
Ich raſte in der bunten Wieſe und male. Male die
leuch=
tenden Dolden der Möhre, die ſchimmernden Lichter” des
Löwenzahn und die braungoldenen Blüten des Sauerampfers.
Male die pfingſtlichen Bäume. Längs der Straße ſtehen ſie, wie
Pilgerſcharen. Gruppen ſtehen an Hängen und Halden. Und in
den nahen Wäldern ſtehen ſie, große Armeen.
Ich male das Zittern des Graſes und die zarte weiße Wolke
überm Horizont. Male das Goldgrün junger Saaten und das
Dunkelgrün des Luzernefelds.
Male die einſam Wandernden der pfingſtlichen Landſchaft:
dort die Frau im dunklen Gewand, dort den Bauern auf dem
Flurgang.
O ihr ſchönen Hügel rund um mich, ihr weiten
ſchimmern=
den Berge!
Von der bunten Wieſe zum rauſchenden Bach! Pfefferminz
duftet. Die großen Blätter der Peſtwurz leuchten in der Sonne:
ſelbſt grune ſchimmernde Sonnen.
Zwiſchen hohen Bäumen, nahe dem rauſchenden Bach, ſteht
die goldene Madonna. Wie ſchön biſt du, holde Pfingſtmadonna
am Bach!
Und ich komme auf meiner Wanderſchaft durch das
Pfingſt=
paradies zum „grünen Tor”
ein Grasweg führt zwiſchen hohen
grünen Hecken empor. Bald werden roſa Heckenroſen blühen am
„grünen Tor
In einen kleinen ummauerten Berggarten bin ich dann
ge=
kommen, in das Konzerthaus einer Amſel. Raſt auf dem
ſamt=
blauen Teppich von kriechendem Günzel. Wie wundervoll iſt das
Blau dieſer Blume. Und drüben über dem Talgrund liegt die
kleine Stadt. Und Wälder hängen traumverloren an Halden und
Hängen.
Vom Berggarten ins Tal der Morre! Viele Talwieſen ſind
ſchon gemäht. Nur die Blätter der Peſtwurz ſtehen noch, wilde
grüne Blatturwälder, an den Ufern. Ich überſchreite den Bach
und wandere mitten durch den hohen Blätterwald . .
Der Pfingſttag geht zur Neige. Ich habe wenig geſehen von
den lauten Feſten, welche heute ringsum gefeiert wurden
Aber ich ſah die fromme Heiterkeit deutſcher Landſchaft.
Schön wie ein Pſalm iſt Pfingſten in der weltfernen
Ein=
ſamkeit des Odenwaldes.
E. B.
*
2
„Golf jr.”, die Modeform der Saison!
— Lukasgemeinde. Die Haupt=Mitgliederverſammlung des
Frauenvereins findet Donnerstag, den 28. Mai 1931. nachmittags
5,30 Uhr, im Gemeindehaus, Kiesſtraße 17, Saal 2. ſtatt. Auf
den Jahresbericht folgen der Kaſſenbericht, der Voranſchlag und
die Vorſtandswahl. Die Mitglieder werden herzlichſt eingeladen,
zur Hauptverſammlung zu kommen, um ſich über die Tätigkeit
ihres Vereins zu unterrichten und ſie mit warmem Anteil zu
fördern.
Briefkaſten.
Ieder Anrrage iſt die letzte Bezugsaulitung beizufügen. Anenye Anfragen werden
ſicht beantwortet. Die Beantwortung erfolgt obne Rechtsverbindlichteit.
L. Eberſtadt. Eine Anweiſung des heſſiſchen Finanzminiſters an
das Landesfinanzamt Darmſtadt vom 21. April beſtimmt: Betragen die
von einem Steuerpflichtigen für ein Gebäude aufgewendeten Koſten für
laufende oder große Inſtandſetzungarbeiten in der Zeit vom 1. April
1929 bis 31. März 1932 nachweisbar zuſammen mehr als 75 v. H.
der einjährigen Friedensmiete dieſes Gebäudes, ſo iſt die
ſtaatliche Sondergebäudeſteuer für 1931 auf Antrag zu ermäßigen; die
Ermäßigung für 1931 beträgt zwei Drittel des nachgewieſenen
Mehraufwandes aus den genannten drei Rechnungsjahren, jedoch
nicht mehr, als die aus Art, 13 a des Sondergebäudeſteuergeſetzes ſich
für 1931 ergebende Erhöhung der Staatsſteuer. Dieſe Ermäßigung iſt
im
zunächſt für das Rechnungsjahr 1931 zu bewilligen. Wir verweiſen
übrigen auf die Ausführungen in Nr. 9 der „Neuen Heſſ. Haus= und
Grundbeſitzer=Zeitung” vom 1. Mai 1931, S. 132.
Seite 7
* Aus den Darmſkädter Lichtſpieltheakern.
Union=Theater.
„Olympia” oder „Hochſtapler der Liebe” ſpielt in
den Geſellſchaftsſphären des alten k. und k. öſterreichiſchen
Regi=
mes und beſchreibt das Abenteuer eines Rittmeiſters, der ſich aus
Liebe zu einer Fürſtin ſelbſt als Hochſtapler ausgibt. Die ganze
Affäre ſcheint aber wohl kaum in Wirklichkeit je vorkommen zu
können, ſelbſt wenn man berückſichtigt, daß gerade die
unmöglich=
ſten Dinge im Leben ſelbſt paſſieren. Einen humoriſtiſchen Zug
erhält der Film durch das überbetont zeremonielle Gebaren der
ilten Fürſtin. Die Schauſpieler fühlen ſich alle gut in ihre
ſchweren Rollen ein, die Milieuſchilderung und die Regie J.
Feyders läßt nichts zu wünſchen übrig. Ein reichhaltiges
Bei=
programm geht dieſem Hauptfilm voraus.
— Das Pfingſt=Programm der Lichtſpieltheater. Im
Union=
heater läuft der deutſchſprachige Tonfilm „Olympia
(Hochſtapler der Liebe) nach dem Schauſpiel von Franz Molnar
mit Nora Gregor in der Hauptrolle. Dazu das gute
Beipro=
gramm. Beginn: 2.00, 4.05, 6.10 und 8.20 Uhr.
Das
Helia=
heater zeigt noch bis auf weiteres den witzigen
Tonfilm=
ſchwank „Der wahre Jakob”
nach dem gleichnamigen
Büh=
nenſtück von Arnold und Bach. Ralvh. A. Roberts, Felix
Breſ=
ſart u. a. ſpielen die Hauptrollen. Dazu ein entzückender
Micky=
film „Mickys Wochenende” und das gute Beiprogramm. Beginn;
2.00, 4.05. 6.10 und 8.20 Uhr. — Am Pfingſtſonntag wird
in den Palaſt=Lichtſpielen. Grafenſtraße, das Filmwerk
„Cyankali”
von Dr. Friedr. Wolf zum letzten Male
vorge=
führt. Beginn: 2.00, 4.05 6.10 und 8.20 Uhr. Ab Pfingſtmontag
bringen die Palaſt=Lichtſpiele ein großes Stummfilm=
Doppel=
programm, und zwar das ſenſationelle Wildweſt=Abenteuer „Der
Schimmelreiter” mit Fred Thomſon, dem kühnen Präriereiter
in der Hauptrolle, und im zweiten Teil das ſpannende Filmwerk
„Bunte Lichter” mit Nancy Carroll, Rich. Arlen und Paul Lukas
als Hauptdarſteller, Beginn: 2.00. 4.05, 6.10 und 8.20 Uhr.
Reinhalten der Straßen und Wege. Da es vorgekommen
daß Perſonen infolge von auf den Straßen herumliegenden
Obſtſchalen und Obſtkernen ausgeglitten ſind und Schaden
ge=
nommen haben, richtet das Polizeiamt an die Einwohnerſchaft
das Erſuchen. Obſtabfälle jeber Art nicht auf die Straße zu
wer=
fen. Das Unterlaſſen dieſer Unſitte gebietet einmal die ſchuldige
Rückſicht
auf die Mitmenſchen, beſonders auf ältere Leute und
inder, ſowie das Intereſſe, das jedermann daran hat, daß die
ſtraßen nicht verunreinigt werden. Auf die ſtraf= und
zivil=
rechtlichen Folgen ſolcher Ungehörigkeiten wird beſonders
auf=
merkſam gemacht.
Lokale Veranfkalkungen.
Die bierunter erſche
en ſind ausſchließlſch als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten.
enden 5
im ſeinem
irgendwie als Beſprechung oder Krit
Der D. H. V.. Ortsgruppe Darmſtadt: 1.
Feier=
tag: Zeltlager im Landheim, Abmarſch 2 Uhr ab Böllenfalltor.
2. Feiertag: Frühſchoppen ab 10,30 Uhr im „Wiener
Kronenbräu=
keller”. Dieburger Straße.
— Im Pfungſtädter Biergarten — Reſtauranr
Datterich, Kiesſtraße 27, finden an beiden Pfingſttagen ab
5 Uhr die ſo ſehr beliebt gewordenen Groß=Konzerte ſtatt.
Orangeriehaus, Beſſunger Herrngarten: An beiden
Pfingſttagen, abends 8 Uhr, Konzert des Stadt=Orcheſters
Pfingſt=
montag Tanz=Einlagen. Eintritt frei. (Siehe heutige Anzeige.)
Im Hotel Prinz Heinrich am alten Bahnhof findet
Pfingſtmontag Gartenkonzert mit Tanz ſtatt. Der Beſuch iſt
beſtens zu empfehlen.
Tageskalender für Pfingſt=Sonntag, den 24. Mai 1931.
Heſſ. Landestheater Großes Haus, Anfang 18.30 Uhr,
Ende 22,15 Uhr, A 24: „Tannhäuſer” — Kleines Haus,
An=
fang 19,50 Uhr, Ende 22,15 Uhr: „Der Graue", außer Miete.
Orpheum. 20.15 Uhr: „Hulla di Bulla, Schwank in
3 Akten. — Konzerte: Zur Oper, Schloßkeller, Rheingauer
Weinſtube, Datterich, Sportplatz=Reſtaurant am Böllenfalltor,
Reſtaurant Rhönring, Café und Bar Martini, Brauerei Schul,
Sport=Café=Reſtaurant am Meßplatz. Reichshof, Hotel=
Reſtau=
rant Poſt, Monopol, Zum Tropfſtein, Alter Ratskeller,
Gaſt=
haus zum roten Löwen, Orangeriehaus, Chauſſeehaus Zum
Haferkaſten, Rummelbräu, Wiener Kronenbräukeller, Café Jöſt,
Reſtaurant Bürgerhof, Schweizerhaus Eberſtadt, Herrngarten=
Café, Hotel Prinz Heinrich; Luwigshöhe, nachm. 4 Uhr. —
Frühkonzert; von 11.15—13 Uhr im Café=Reſtaurant
Oper, ab 11 Uhr Herrngarten=Café. —
Kinovorſtellun=
gen: Union=, Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.
Tageskalender für Pfingſt=Montag, den 25. Mai 1931.
Heſſ. Landestheater. Großes Haus, Anfang 19 Uhr Ende
gegen 22,30 Uhr, Vorſtellung zu halben Preiſen: „Der
Haupt=
mann von Köpenick”, außer Miete. — Kleines Haus, Anfang
19.30 Uhr, Ende 22,15 Uhr: Ariadne auf Naxos
Zuſatzmiete
II. 12. — Orpheum. 20,15 Uhr: „Hulla di Bulla” Schwank
in 3 Akten. — Frühkonzert ab 11 Uhr vormittags:
Herrn=
garten=Café. — Konzerte: Zur Oper, Schloßkeller,
Rhein=
gauer Weinſtube, Datterich, Sportplatz=Reſtaurant am
Böllen=
falltor. Reſtaurant Rhönring, Café und Bar Martini,
Brau=
erei Schul, Sport=Café=Reſtaurant am Meßplatz, Reichshof,
Hotel=Reſtaurant Poſt. Monopol, Zum Tropfſtein, Alter
Rats=
keller, Gaſthaus zum roten Löwen, Orangeriehaus,
Chauſſee=
haus, zum Haferkaſten. Rummelbräu, Wiener
Kronenbrau=
keller, Café Jöſt, Reſtaurant Bürgerhof. Schweizerhaus
Eber=
ſtadt, Herrngarten=Café, Horel Prinz Heinrich; Ludwigshöhe,
nachm 4 Uh
Kinovorſiellungen: Union=, Helia=
und Palaſt=Lichtſpiele.
V 127.
Das geht blitzschnell! Angebrannte, angetrocknete Speisereste,
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Seite 8
Sonntag, den 24. Mai 1931
Nummer 143
Ländliches Reit- und Fahrkurnier in Pfungſtadk.
Der Junglandbund Heſſen=Starkenburg veranſtaltet am Sonntag,
den 31. Mai 1931, in Pfungſtadt ein größeres ländliches Reit= und
Fahrturnier. Die Meldungen hierzu ſind außerordentlich zahlreich
ein=
gegangen. Es wird mit einer Beteiligung von etwa 150 Pferden
ge=
rechnet. Allein ſechs vorgeſchrittene Reitabteilungen und elf Anfänger=
Reitabteilungen haben zur Konkurrenz gemeldet. Auch die Beteiligung
am Schaufahren, wofür beſondere Konkurrenzen in ein= und
zwei=
ſpännigen Kutſch= und Ackerwagen ausgeſchrieben ſind, iſt ſehr rege.
Das Programm ſieht weiterhin Trabreiten, Jagdſpringen, ſowie
Reiter=
ſpiele vor. Auch hierzu ſind die Nennungen in großer Zahl erfolgt.
Damit auch eine Beteiligung der ſtädtiſchen Reiter möglich iſt, ſind zwei
beſondere Konkurrenzen — ein Geländeritt und ein Jagdſpringen —
für dieſe ausgeſchrieben, zu denen ebenfalls bekannte Reiter aus
ſtädti=
ſchen Kreiſen gemeldet haben.
Ganz Pfungſtadt ſieht mit großen Erwartungen dieſem Turnier
entgegen, das wieder Zeugnis davon ablegen ſoll, wie der Reitſport auch
in der Provinz Heſſen=Starkenburg ſtändige Fortſchritte macht und neue
Anhänger findet.
Es wird noch beſonders darauf hingewieſen, daß die Aufſtellung des
Zuges, die die geſamten Reiter zum Sattelplatz bringt, um 1 Uhr
ſtatt=
findet, und die Konkurrenzen bereits um halb 2 Uhr auf dem Reitplatz
beginnen. Der Beginn mußte eine halbe Stunde früher geſetzt werden,
da die Nennungen ſo zahlreich eingegangen ſind, daß die Abwickelung
des Programmes rechtzeitig beendet werden kann.
Um 8 Uhr abends findet ein Reiterabend mit Preisverteilung im
„Rheiniſchen Hof” in Pfungſtadt ſtatt.
Verkehrsverein Rokhenberg i. Odw.
Man ſchreibt uns: Mit Eintritt der Frühjahrszeit, hat auch der
Verkehrsverein Rothenberg Verbeſſerung für den Fremdenverkehr
her=
ſtellen laſſen. Durch Anlegen von Fußwegen und Aufſtellen von
Ruhe=
bänken an beſonders ruhigen Stellen, die dem Erholungsſuchenden die
nötige Ruhe und vor allem eine wunderbare Fernſicht ermöglichen.
Rothenberg i. Odw. mit Kordelshütte und Ober=Hainbrunn
inmit=
ten herrlicher Waldungen gelegen, iſt erſt ſeit einigen Jahren dem
Frem=
denverkehr erſchloſſen. Abſeits der Verkehrsſtraßen in beſchaulicher Ruhe,
500 Meter über dem Meere, genießt Rothenberg mit Recht den Ruf
eines Luftkurortes und iſt durch eigenen Omnibusverkehr zu jeder
Ta=
geszeit bequem von Hirſchhorn am Neckar und Beerfelden im
Oden=
wald in knapp 20 Minuten mit wunderbarer Fernſicht auf guten
Stra=
ßen zu erreichen. Von Hirſchhorn kommend, windet ſich die Straße
den Berg hinan und bringt den Fremden in das zu Rothenberg
ge=
hörige, am Bergeshang gelegene Kordelshütte, durch herrliche
Wal=
dungen und Wieſenſchluchten führt die Straße nach Rothenberg, ein
ſauberes und ſchmuckes Dörfchen, das dem Fremden in jeder Beziehung
bietet, was er ſucht. Schmucke Gaſthäuſer, die dem Fremden jede
Be=
quemlichkeiten bieten, ſowie ſchöne Anlagen und Ruheplätzchen laſſen
den Crholungſuckenden nichts vermiſſen.
Rothenberg kann ſich infolge ſeiner wunderbaren Lage jedem
Luftkurort des Schwarzwaldes ſowie des Odenwaldes gleichſtellen. Nach
Süden Ausſicht nach dem badiſchen Schwarzwald, im Weſten die
Krei=
dacher Höhe, Waldmichelbach und Tromm im Norden bis zur
Sens=
bacher Höhe, im Oſten Katzenbuckel. Eberbach am Neckar und die ſich
dort anſchließende Höhe bis Dielbach. Alle in der Umgegend liegende
Städte mit ihren Sehenswürdigkeiten wie Hirſchhorn. Neckarſteinach,
Heidelberg Eberbach a. N., Erbach und Michelſtadt können in
Halb=
tagsausflügen beſucht werden.
Wer unſer ſchönes Dörfchen einmal geſehen, wird es nicht mehr
vergeſſen und gern nach Rothenberg zurückkehren.
von Wölfersheim.
J. Griesheim, 23. Mai. Gemeinderatsber icht. 1. Auf
Grund eines Gemeinderatsbeſchluſſes vom 17. Juli 1930 wurden den
ausgeſteuerten Erwerbsloſen die Krankenverſicherungsbeiträge für ihre
Weiterverſicherung aus der Gemeindekaſſe erſetzt. Der hierdurch
ent=
ſtandene Aufwand betrug pro Monat zirka 1000 Mark. Dieſer Beſchluß
wurde durch nachfolgenden Beſchluß des Gemeinderats vom 28. April
1931 wieder aufgehoben und beſtimmt, daß anſtelle der früheren
Rege=
lung eine vertragliche Vereinbarung mit den drei hieſigen Aerzten zu
treten hat, wonach dieſe die ärztliche Behandlung der ausgeſteuerten
Erwerbsloſen auf Koſten der Gemeinde übernehmen, wofür die ſeitherige
Pauſchalvergütung der Aerzte von je 60 Mk. pro Monat auf je 100 Mk.
pro Monat feſtgeſetzt wurde. Wenn auch nunmehr die Gemeinde für
die entſtehenden Arznei= und Krankenhauskoſten aufzukommen hat, ſo
bedeutet dieſe Neuregelung für die Gemeinde trotzdem eine ſehr
be=
trächtliche Erſparnis. Die Kommuniſtiſche Partei hat nun, nach
Ab=
ſchluß des neuen Aerztevertrages, der zunächſt für die Monate Mai und
Juni gelten ſoll, einen Antrag auf Aufhebung der Neuregelung geſtellt.
Der Antrag wurde mit 9 gegen 7 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen
abgelehnt. — 2. Auf Beſchluß des Gemeinderats vom 28. April 1931
wird zur Zeit eine Anzahl von Ausgeſteuerten bei den
Herſtellungs=
arbeiten der gemeinheitlichen Entwäſſerungsgräben gegen einen
Stun=
denlohn von 85 Pfg. bei einer 32 Stunden=Beſchäftigung pro Woche
be=
ſchäftigt. Ein kommuniſtiſcher Antrag verlangt eine Erweiterung der
Stundenzahl von 32 auf 40 Stunden pro Woche. Dieſer Antrag
ver=
fiel mit 16 Stimmen gegen 1 Stimme ebenfalls der Ablehnung. —
Auf Vorſchlag des Heſſiſchen Hochbauamtes in Darmſtadt ſollte eine
Verbreiterung der Hintergaſſe und Schulgaſſe auf je 12,80 Meter
vor=
genommen werden. Dieſes Anſinnen wurde laut Gemeinderatsbeſchluß
vom 18. September 1930 abgelehnt und dem Hochbauamt der Vorſchlag
unterbreitet, das Wohnhaus Ecke Obendorferſtraße und Hintergaſſe auf
Staatskoſten anzukaufen, worauf durch Niederlegung dieſes Hauſes die
gefährliche S=Kurve, die ſich von der Hintergaſſe bis zur Schulgaſſe
hin=
zieht, beſeitigt werden könnte. Auf dieſe Anregung wurde jedoch bis
jetzt nicht eingegangen. Auf eine wiederholte Empfehlung des
Hochbau=
amtes wegen der Straßenverbreiterung beharrt der Gemeinderat auf
ſeinem früheren Beſchluß. — 4. Dem Geſuch des Radfahrervereins
„Conus” und der Sängervereinigung „Germania” auf Sperrung der
Frankfurter Straße von der Sandgaſſe bis zur Rathenauſtraße während
ihrer Vereinsfeſte wurde entſprochen. — 5. Dem Paul Dehlinger auf
Hofgut Weilerhof wurde für Aufſtellung von 3½ Maſten für die
elek=
triſche Leitung des Pumpwerkes am Küchlersgraben auf ſeinem Gelände
eine jährliche Anerkennungsgebühr von 25 Mark aus der Gemeindekaſſe
bewilligt. — 6. Ein Antrag des Kreisamtes auf anderweitige Feſtſetzung
der Wohnungsmieten in den Gemeindehäuſern wurde der Verwaltung
zur Erledigung der Vorarbeiten überwieſen. — 7. Der
Touriſtenver=
ein „Naturfreunde” beabſichtigt, an der Provinzialſtraße Darmſtadt—
Griesheim außerhalb des Ortsbauplanes eine Jugendherberge zu
er=
richten. Die erforderliche Genehmigung wurde erteilt. — 8. Der
Ge=
meinderat beſchloß einſtimmig, daß die vom Herrn Miniſter des Innern
in ſeiner Verfügung vom 27. April 1931 an die Kreisämter empfohlenen
Richtlinien für die Ermäßigung der Sondergebäudeſteuer auch für die
Gemeinde zu gelten haben. — 9. Dem Vorſchlag der Städtiſchen
Be=
triebe in Darmſtadt betr. Verlegung einer neuen Druckleitung für die
hieſige Waſſerleitung, die längs der Provinzialſtraße Darmſtadt—
Gries=
heim verläuft, und für den die Gemeinde Griesheim einen verlorenen
Baukoſtenzuſchuß von 25 000 Mark aufzubringen hätte, wurde im
Prin=
zip einſtimmig zugeſtimmt. Die Waſſerleitungskommiſſion wurde mit
der Führung der erforderlichen Verhandlungen beauftragt. — 10. Die
die hieſigen Wirte beliefernden Bierbrauereien ſind an die Gemeinde
mit dem Erſuchen herangetreten, die Bierſteuer für die Folge von den
Gaſtwirten zu erheben. Das Erſuchen wurde abgelehnt. — 11. Der
Schüler Peter Melk. Sohn von Philipp Melk 3. hier, hat bei einer
Turnübung infolge Herunterfallen von dem Turngerät körperliche
Schä=
digungen davongetragen. Ein Erſatzanſpruch des Vaters wurde von
der Haftpflichverſicherung abgelehnt, da ein Verſchulden der Schule nicht
nachgewieſen werden konnte. Ein wiederholter Antrag des Vaters um
Gewährung einer Entſchädigung aus Billigkeitsgründen wurde gegen
die Stimmen der Kommuniſten abgelehnt. —
Durch das Unwetter
vom 7. Mai d. Js., das von einem wolkenbruchartigen Regen begleitet
war, wurden größere Fluren im unteren Feld unter Waſſer geſetzt und
die Kulturen vernichtet. Ein Antrag der Grundbeſitzer auf Gewährung
einer Entſchädigung durch die Gemeinde wurde abgelehnt, da eine
Ver=
antwortlichkeit der Gemeinde nicht vorliegt — 13. Der Freien
Turner=
ſchaft ſoll auf ihr Erſuchen der Gemeindefeſtplatz im Dürren Kopf zur
Abhaltung von Raſenſpielen vorübergehend überla en werden. Die
Regelung bezüglich der Vergütung wurde der Finanzkommiſſion
über=
wieſen. — 14. Gegen die Errichtung eines Kleinkaliber=Schießſtandes
im Walde hinterm Felſenkeller durch den Kleinkaliber=Schützenverein
findet der Gemeinderat nichts zu erinnern.
O. Erzhauſen, 23. März. Aus dem Gemeinderat.
Bildung von Bachfeger=Verbänden. Schon ſeit
Menſchen=
gedenken beſteht in vielen Gemeinden für die Anwohner von Bächen und
Flüſſen die Verpflichtung, prozentual mit Beiträgen zur Reinigung und
Inſtandhaltung der Bäche (laut Bachgeſetz) beizutragen. Schon oft
wurde verſucht, dieſe Verordnung abzuſchaffen, oder eine andere
Rege=
lung zu treffen, was aber bis jetzt noch nicht gelungen iſt. Auf
An=
regung des Miniſteriums ſollen nun Bachfegerverbände ins Leben
ge=
rufen werden, die unter dem Vorſitz des Herrn Regierungsrats Wolf
gemeinſam das Intereſſe der beteiligten Gemeinden ins Auge faſſen
ſollen. Der Gemeinderat hat hierzu Stellung genommen. —
Der
An=
trag des G. Haaß, betr. Neuregelung ſeiner Kinoſteuer, wurde erledigt.
Die kommunale Sondergebäudeſteuer, hier: Ermäßigung derſelben
bei Aufnahme von Reparaturhypotheken, wurde zurückgeſtellt. — Der
Antrag des Obſt= und Gartenbauverbandes, betr. Gewährung eines
Zu=
ſchuſſes, wurde abgelehnt. — Der Antrag um Arbeitsbeſchaffung für
Ausgeſteuerte wurde zurückgeſtellt und beſchloſſen, daß der geſamte
Ge=
meinderat am 31. Juni, früh um 9 Uhr, einen Rundgang unternimmt,
wobei Vorſchläge über etwaige Arbeitsmöglichkeiten an Ort und Stelle
gemacht werden. Ueber dieſe Vorſchläge wird dann die Finanz= und
Betriebskommiſſion beraten. — Laut Bekanntmachung des Kreisamtes
wurde mitgeteilt, daß für 1931 keine Baudarlehen bewilligt ſind.
Die Rechnungen über ausgeführte Arbeiten an den Gemeindehäuſern
wurden genehmigt.
Oberheſſen.
Wie die Verwaltung der Hefrag uns mitteilt, iſt der
Beſchluß=
die Wölfersheimer Betriebe zum 1. Juli d. J. ſtillzulegen, rüch
gängig gemacht worden. Der Geſamtbetrieb ſoll vorerſt
weiter=
geführt werden
h. Grünberg, 23. Mai An der Kreisſäge tödlich ver
unglückt iſt der Landwirt Chr. Schombert. Trotzdem er in die
Gie=
ßener Klinik befördert wurde, iſt er an den Folgen der Verletzungen
geſtorben. — Mit dem Fahrrad geſtürzt iſt der 21 Jahre altze
Arbeiter K. Sagrauske aus Merlau. Mit einem Arm= und Beinbruc
wurde er in die Klinik nach Gießen verbracht.
4a. Eberſtadt, 23. Mai. Proteſt der Mieterſchaft. Dieſer
Tage hielt der hieſige Mieterſchutzverein eine äußerſt gut beſuchte
Vr=
ſammlung ab, in der der Geſchäftsführer des Landesverbandes heſſiſcher.
Mitervereine. Fuchs=Mainz, über allgemeine Mieterfragen und die
Lok=
kerung des Mieterſchutzgeſetzes referierte. Zum Schluß der
Verſamm=
lung wurde eine Entſchließung angenommen, in der die Mieterſchaft
verlangt, daß die Sonderſteuer reſtlos erfaßt und für den Wohnungsbau
verwendet wird. Weiter wird von der heſſiſchen Regierung verlangt,
daß gegen die Auswirkungen der neuen Beſtimmungen des 8 6. Abſ.
des Mieterſchutzgeſetzes Vorſorge getroffen und darüber hinaus bei der
Reichsregierung Schritte unternommen würden, um die Befeitigung
dieſer Beſtimmungen zu erlangen. — Dienſtjubiläum. Dieſer
Tage konnte der Weichenſteller Friedrich Schmitt ſein 30jähriges
Dienſtiubiläum bei der Bahn begehen. — Eröffnung der
Kanin=
chen=Ausſtellung. Am heutigen Samstagnachmittag wurde die
in den Räumlichkeiten des Gaſthauſes „Zum Schwanen” untergebrachte
Verbands=Kaninchenausſtellung eröffnet, die anläßlich des 25jährigen
Jubiläums des Kaninchenzuchtvereins Eberſtadt abgehalten wird. Die
Ausſtellung weiſt eine gute Beſchickung mit Raſſetieren aller Art in
eini=
gen hundert Exemplaven auf. Sehr ſtark haben ſich an der Ausſtellung
die benachbarten Kaninchen= und Kleintierzuchtvereine von Pfungſtadt.
Ober=Ramſtadt und Griesheim beteiligt. — Diebſtahl. In einer der
letzten Nächte wurde aus einem Pflanzgarten der Salatbeſtand eines
Die
Ge=
ganzen Stück Landes von unbekannter Hand geſtohlen.
meindebade=Anlage in der Eleonorenſchule iſt während der
Pfingſtfeiertage geſchloſſen. — Dringende Standesamtsangelegenheiten
können auf der Bürgermeiſterei am zweiten Pfingſtfeiertag
vor=
mittags von 10 bis 11 Uhr erledigt werden.
F. Eberſtadt, 23. Mai. Kleine Nachrichten. Die
Gemeinde=
badeanlage in der Eleonorenſchule iſt während der Pfingſtfeiertage
ge=
ſchloſſen. — Für dringende Standesamtsangelegenheiten iſt der
Bürger=
meiſter am zweiten Feiertag von 10—11 Uhr auf der Bürgermeiſterei
zu ſprechen. — Aerztlicher Sonntagsdienſt. An den beiden
Pfingſtfeiertagen verſieht Dr. med. Aſcher den Sonntagsdienſt. An
ihn wende man ſich, wenn der Hausarzt nicht erreichbar iſt.
Cp. Pfungſtadt, 23. Mai. Die Spar= und
Darlehens=
kaſſe G. m. b. H., Pfungſtadt, konnte nach dem vorliegenden
Jahresbericht und der Bilanz für das abgelaufene Geſchäftsjahr 1930
in dieſem Jahre bei einem Geſamtumſatz von 397 855,62 RM. einen
Reingewinn von 2 500,33 RM. verzeichnen. Die Spareinlagen
erreich=
ten eine Höhe von 58 501,13 RM. Die Geſamthaftſumme —
Nitglieder=
zahl 67 — ſtellte ſich am Ende des Geſchäftsjahres auf 33 500 RM.
Cp. Hahn bei Pfungſtadt, 23. Mai. Ausbruch der Maul=
und Klauenfeuche. Die Maul= und Klauenſeuche iſt hier unter
dem Viehbeſtand eines Landwirts ausgebrochen. Das Kreisamt hat
da=
her angeordnet, daß der Faſelſtall bis auf weiteres geſchloſſen belibt,
Seuchengehöft und Ort wurden als Sperrbezirk, und die Gemarkung
als Beobachtungsgebiet erklärt.
G. Ober=Ramſtadt, 22. Mai. Lichtbildervortrag im Obſt=
und Gartenbauverein. Das in der Natur vorhanden geweſene
biologi=
ſche Gleichgewicht zwiſchen Inſekten und Vogelwelt iſt durch die
Ent=
fernung der Hecken und Gebüſche, die immer ſeltener werdenden Baum=
und Mauerhöhlen zerſtört worden, und den gefiederten Baumhütern
fehlt es an den nötigen Schutz= und Niſtplätzen, und ſo treten die
Obſt=
bauſchädlinge immer ſchlimmer bei uns auf. Deshalb ſpielt für unſer
engeres und weiteres Vaterland die Bekämpfung der Schädlinge eine
wichtige Rolle. Dieſe läßt ſich aber nur mit gutem Erfolge durchführen,
wenn die auftretenden Schädlinge rechtzeitig von den Obſtbaumbeſitzern
entdeckt werden. Es iſt aus dieſem Grunde mit Freuden zu begrüßen,
daß der hieſige Obſt= und Gartenbauverein im Gaſthaus. Zum weißen
Roß” hier einen öffentlichen Lichtbildervortrag durch Herrn Lehrer
Röſch halten ließ, der relativ gut beſucht war. Der Referent hatte ſich
der Mühe unterzogen, die ſchlimmſten Obſtbaufeinde in unſerer
Gemar=
kung zu photographieren, in etwa 30 trefflichen Bildern den
anweſen=
den Intereſſenten vor Augen zu führen und die Schädlingsarbeit und
notwendigen Bekämpfungsmaßnahmen gründlich zu erläutern. Mit
ge=
ſpannter Aufmerkſamkeit folgten die Anweſenden dem Vortrag und
über=
zeugten ſich, daß die Blut=, Blatt= und Schildlaus, beſonders die komma=
und auſternförmige, der Weidenbohrer, Splint= und Borkenkäfer,
Gold=
after und die Wühlmaus in unſeren Baumbeſtänden einen ſo großen
Schaden verurſachen, daß deren Bekämpfung energiſch gehandhabt
wer=
den muß. Nach einer kurzen Pauſe gedachte Herr Röſch des Vogelſchutzes
und ließ eine hübſche Serie Bilder von gefiederten Feinden der
Obſtbau=
ſchädlinge Niſthöhlen und Futterplätzen auf der Leinwand Revue
paſ=
ſieren, und empfahl geeignete Vogelſchutzmaßnahmen.
Herr
Privat=
lehrer Adolf Würtenberger teilte ergänzend mit, daß er eine ſehr
gute Wühlmausfalle ſelbſt angefertigt habe und bereit ſeit, dieſelbe den
Intereſſenten vorzuzeigen und anfertigen zu lernen — Hierauf gab
Herr Rektor i. R. Hofmann die ſeither üblichen
Bekämpfungsmaß=
nahmen gegen Wühlmaus und die Weidenbohrer bekannt, deren
Zer=
ſtörungsarbeit bei uns zahlreiche Bäume zum Opfer fallen. Weiter
be=
dauerte er daß gegen den Apfelwickler nicht energiſcher vorgegangen
und keine Klebringe zum Abfangen des Weibchens angelegt würden,
da=
mit das Wurmſtichigwerden des Kernobſtes verhütet werden könne. An
die Vorführungen im Lichtbild, betonte er, ſolle ſich gelegentlich der
demnächſtigen Obſtbaugänge an Sonntagnachmittagen die Muſterung
der Schädlingsarbeit an den Bäumen anſchließen. Dem Vortragenden
dankte er herzlich für ſeine große Mühewaltung und forderte die
An=
weſenden auf, demſelben als Zeichen der Dankbarkeit einen
Hochachtungs=
ſchluck zu widmen, dem kräftig entſprochen wurde.
— Gernsheim, 23. Mai. Waſſerſtand des Rheins am
22. Mai: 1,71 Meter; am 23. Mai: 2,08 Meter.
Hirſchhorn. 23. Mai. Waſſerſtand des Neckars am
22. Mai: 2,46 Meter; am 23. Mai: 2.35 Meter.
h. Gießen B3. Mai Die evangeliſch=kirchlichen
Frauen=
vereine Oberheſſens hielten im Kaffee Leib ihre
Hauptver=
ſammlung im Beiſein von Superintendent Dr. Wagner ab. Nach dem
Jahresbericht der Geſchäftsführerin Wahrendorf iſt die Mitgliedſchafr
auf rund 40 000 angewachſen. Im Mittelpunkte der Tagung ſtand ein
Vortrag von Frau Agnes Schnapper=Heidenheim über: „Wie können
evangeliſche Frauen die Gottloſen=Bewegung bekämpfen?
Die
Aus=
führungen der Rednerin hinterließen einen tiefen Eindruck.
Rundfunk-Pragramme.
Frankfurt a. M.
Gleichbleibendes W.r.tags. Programm. 5.55: Wetter, Gymnaſtik.
6.30: Gymnaſtik. O 7.30: Kurkonzert. O 8.30: Waſſerſtand.
O 11.40: Zeit, Wirtſchaftsmeld. Nachr. Programm. 0 11.50: Kon=
Ga tpl.). 6 12.40: Nachr., Wetter, Sport, Programm.
12.55: Nauener Zeit. 13.05: Konzert (Schallplatten) Fortſ.
13.50: Nachrichten. 14.00: Werbekonzert. 15.05: Zeit,
Wirt=
ſchaftsmeldungen. O 15.15: Gießener Wetterbericht. O 16.20:
Wirt=
ſchaftsmeldungen.
Sonntag, 24. Mai.
7.00: Hamburger Hafen=Konzert; Glocken vom Großen Michel.
8.30: Bad Kreuznach: Frühkonzert des Kurorcheſters.
9.30: Kircheneinweihung im Frankfurter Kinderdorf Wegſcheide bei
Bad Orb.
11.00: Elſe Lasker=Schüler: Vortragsſtunde.
11.30: Leipzig: Bachkantate: „Alſo hat Gott die Welt geliebet”;
Mitw.: Das Städt. u. Gewandhausorch., Thomanerchor; Soliſten:
Laßner (Baß), G. Ramin (Orgel), F. Sammler (Cembalo),
Prof. Wollgandt (Violine),
Münch=Holland (Violoncello),
Biebl (Oboe 1), W. Heinze (Oboe 2), F. Rein EEngliſch Horn).
12.00: Schallplattenkonzert.
13.50: Zehnminutendienſt der Landwirtſchaftskammer Wiesbaden.
14.00: E. Nebhut: Jungfliegertreffen auf der Waſſerkuppe (
Mikro=
phonbericht).
14.30: Erna Pinner: Frauen in Afrika und im Orient.
15.00: Nachmittagskonzert des Rundfunk=Orcheſters.
16.30: Berlin: Länderſpiel Deutſchland — Oeſterreich.
18.15: Stunde der Jugend: Pole Poppenſpäler; Funkhörſpiel von
Annelieſe Dieffenbach.
19.05:
Dir. H. Curiel: Die Kroll=Oper.
19.30
Sonderwetterdienſt f. d. Landwirtſchaft; Anſchl.: Sportnachr.
19.4(
Blasmuſik d. Philharmoniſchen Orcheſters, Stuttgart.
20.30: Ein Pfingſtausflug auf dem Neckar; Heiteres Hörbild von
W. Reichert und C. Struve.
21.30: Der Spiegel des Amnon; Feſtliches Sendeſpiel zum 250.
To=
destag des Pedro Calderon de la Barca von H. G. Raeger,
22.45: Zeit, Wetter, Nachrichten, Sport.
23.00: Köln: Tanzmuſik der Kapelle Harry Head.
Montag, 25. Mai.
7.00: Hamburger Hafenkonzert; Glocken vom Großen Micher.
Urſulinen=Kloſter Frankfurt a. M.: Katholiſche Morgenfeier
9.
): Stunde des Chorgeſangs;, Ausf.: Geſangverein „Froſinn”,
Stockſtadt a. Rhein.
10.30: Dolf Sternberger: Die junge Generation.
11.00: Vortrag.
11.30: Grotesken von Mynona: Gebratenes Sphinxfleiſch.
12.00: Joh.=Strauß=Konzert (Schallplatten).
14.00: 1. Prof. Dr. H. Kranz: Was geht in der Welt vor und
was geht es mich an? — 2. Agnes Gewecke=Berg: Heſſiſche
Volks=
lieder.
15.00: Aachen: Rheinlandkundgebung: Feſtzug des Vereins für das
Deutſchtum im Ausland.
16.00: Konzert des Städt. Kurorcheſters Wiesbaden.
18.00: Prof. Dr. Oehler: Was tun die Vereinigten Staaten für ihre
Büchereien?
18.25: E. Jacobſohn: Was man als Reporter ſo alles erlebt.
18.50: Dr. S. Goldſchmidt: Politik im Rathaus.
19.20: Sonderwetterdienſt f. d. Landwirtſchaft. Anſchl.: Sportbericht.
19.30: Doktor Dolittles Abenteuer 8. „Die Gerichtsverhandlung”
n Hugh Lofting.
20.30: Opernkonzert: Aus unbekannten Verdi=Opern.
2.30: Zeit, Wetter, Nachrichten, Sport.
22.50: Tanzmuſik. Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Gleichbleibendes Werktags=Programm. 5.4
Zeit, Wetter für den Landwirt. o 6.30: Gymnaſtik. O 10.35, 13.30
Nachrichten. O 12.00: Wetter für den Landwirt. O 12.05:
Schall=
platten bzw. Schulfunk. O 12.55: Nauener Zeit. O 14.00: Schall
platten. O 15.30: Wetter, Börſe.
Deutſche Welle: Sonntag, 24. Mai.
6.00: Frühkonzert. — Als Einlage: Funk=Gymnaſtik.
): Hamburger Hafenkonzert; Glocken vom Großen Michel.
8‟
Von der Avus: Start zur Zehnländerfahrt über 10000 mm
des Automobilclubs von Deutſchland.
9.50: Glockengeläut des Berliner Doms.
10.00: A. d. Kaiſer=Wilhelm=Gedächtniskirche: Pfingſtgottesdienſt.
11.00: Aachen: Ausſchnitt aus der Rheinlandkundgebung anläßlich
der 51. Jahrestagung des Vereins für das Deutſchtum im
Aus=
land.
11.30: Leipzig: Bach=Kantate: Alſo hat Gott die Welt geliebet.
Mitw.: Städt. u. Gewandhausorcheſter, Thomanerchor. Soliſten:
O. Laßner (Baß). G. Ramin (Orgel), F. Sammler CCembalo)
Prof. Wollgandt (Violine), H. Münch=Holland (Violoncello), H.
Biebl (Oboe 1). W. Heinze (Oboe 2), F. Rein Engliſch Horn).
12.00
A. Kantorowicz: Pfingſten in Cladow. Erzählung.
Mittagskonzert des Leipziger Sinfonieorcheſters.
12.3
1400.
Jugendſtunde: Pfingſtmärchen.
Soliſtenkonzert. (Beethoven, Händel, Gluck, Brahms)
14.30
Mittſommertag. Von Auguſt Strindberg.
15.30:
16.00: Blasorcheſter=Konzert.
Einlage: Programm der Aktuellen Abteilung (Sport).
18.15: Prof. Dr. Saitſchick: Die frohe Botſchaft des Geiſtes.
19.00: Ein Herratsantrag in der Niederwallſtraße. Einakter v. Vor.
20.00: Orcheſterkonzert des Berliner Sinfonie=Orcheſters. Werke von
Tſchaifowſky, Mendelsſohn=Bartholdy, Joh. Strauß, Grieg u. a.
22.00: Wetter= Tages= und Sportnachrichten.
22.30: Frühlingsnacht auf dem Dampfer „Albert Ballin”.
Deutſche Welle: Montag, 25. Mai.
6.00: Frühkonzert. Blasorcheſter Otto Kermbach.
Als Einlage: Funkgymnaſtik.
8.55: Morgenfeier. Glockenſpiel der Potsdamer Garniſonkirche.
anſchl. Glockengeläut des Berliner Doms.
10.0
Wettervorherſage.
Beniamin Gigli ſingt. (Schallplatten,
110
11
1.30
Pater Rektor Hoffmann: Vom Glauben an unſere Jugend,
Mittagskonzert des Danziger Stadttheater=Orcheſters.
12.0
14.50:
Jugendſtunde: Märchen.
Alte Muſik. Alice Ehlers (Cembalo), R. Ermeler (Flötel.
14.30:
Artur von Sacher=Maſoch lieſt eigene Novellen.
15.00
15.30: Mandolinenorcheſter=Konzert. Ausf.: „Vereinigte Finleſche
Mandolinen=Chöre: Sempre vivo, Heimatklänge 09, Symphonie,
Santa Lucia.
16.00: Unterhaltungsmuſik. Hansheinrich Dransmann und ſein
Or=
cheſter.
Einlage: Hoppegarten: Jubiläumspreis, Strecke 2000 m — Preiſe
21.500.— Mk.
18.15: Ferdinand Bonn lieſt heitere Geſchichten.
18.45: Klaviertrios. Werke von Beethoven, Fr. Schubert. Mitw.;
J. Schwarz (Flügel), B. Schwarz (Violine), E. Mainardi (
Violon=
cello).
19.45: Sportnachrichten.
20.00: Pfingſtfahrt in blühendes Land.
portnachrichten.
22.00: Wetter= Tages= und
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182o,
[ ← ][ ][ → ]Sonntag, den 24. Mai 1931
Seite 9
Nummer 143
Deutſchtums=Arbeit in Nachen.
51. Jahreskagung des Vereins für das Deutſchkum im Ausland.
Von unſerem zur Tagung entſandten M. St.=Redaktionsmitglied.
Gewerbeoberlehrer Hackfeldt, für den Reichsverband der
Deutſche aller Länder vereinigt Euch!
hauptamtlichen Lehrerſchaft deutſcher Berufsſchulen;
Mehr als je iſt das deutſche Volk heute durch die
Friedens=
nerträge ein Volk der Zerſtreuung geworden, denn von den
000 Millionen Deutſchen, die auf der Erde wohnen, leben
an=
pähernd 40 Millionen außerhalb der Reichsgrenzen in den ver=
Shiedenſten Ländern und Erdteilen. Ein großes Volk können
wir aber nur dann ſein und bleiben, wenn alle Deutſchen,
Feichsdeutſche und Auslandsdeutſche, ſich feſt verbunden fühlen.
Much die 40 Millionen Auslandsdeutſcher müſſen daher unſerem
Volkstum und unſerer Kultur erhalten bleiben. Dies Ziel
verfolgt ſeit vielen Jahren der Verein für das
Deutſch=
um im Ausland” (V. D. A.), indem er überall im
Aus=
land deutſche Schulen, Kindergärten, Büchereien und andere
Sildungsanſtalten und Kultureinrichtungen gründet und
unter=
ſrützt und dadurch beſonders der auslandsdeut=
Shen Jugend die Möglichkeit bietet, in das
ſeutſche Geiſtesleben hineinzuwachſen und ſich
ruch draußen in der Fremde als Deutſche zu
füh=
den. Sein großes Ziel kann der V.D.A. jedoch
nrur dann erreichen, wenn jeder Deutſche, welchem
Staate und Stande, welcher Konfeſſion und
Par=
geirichtung er auch angehören mag, ſich ihm an=
Shließt. Die diesjährige Tagung des Vereins
Eir das Deutſchtum im Ausland ſoll für jeden
ine Mahnung ſein: tritt dem V.D.A. bei und
ſeilf dadurch die große deutſche Volksgemeinſchaft
aller Deutſchen der Welt herbeiführen!
Aachen, 21. Mai.
Deutſchtumsarbeit, deutſche Volksarbeit im
befreiten Rheinlande! Unter dieſem Signum
ſteht heuer die V.D.A.=Arbeit in Aachen, zu der
rrus allen Gauen des Vaterlandes und der
deut=
ſahen Auslandsgebiete, beſonders aus den
abge=
rrennten Gebieten, Vertreter und Vertreterinnen
arſchienen ſind.
Zahlen ſprechen.
Mit über 16 000 ordentlichen Teilnehmern
ſeürfte die Zahl eher zu niedrig als zu hoch
an=
vegeben ſein. Schon ſeit geſtern nachmittag und
abend ſind die Straßen Aachens belebt mit
Frem=
ſoen, die zur T. D.A.=Tagung kamen. Aachen trägt
reichen Feſtſchmuck in Girlanden, Flaggen und
Fahnen. Im Laufe des heutigen Freitags ſind
Stwa 21 Sonderzüge hier eingetroffen, die die
Jugend= und die Schulgrupen und ihre Führer
mach Aachen brachten.
Von Prominenten und offiziellen Perſönlich=
Eeiten ſind u. a. erſchienen: Admiral a. D. See=
Hohm; Reichsminiſter a. D. Dr. Krohne=Stettin;
Vizepräſi=
ſoent des Preuß. Landtags Exz. v. Kries=Berlin; Mitglied des
Reichstags Dr. Matz=Berlin; Frau Dr. Spohr=Berlin,
Mit=
glied des Landtags; Hofrat Bartſch=Wien; Fürſt zu Wied;
Prinz Vikrtor zu Wied; Generalſekretär Dr. Amende=
Wien; Oberbürgermeiſter Dr. Adenauer=Köln; Direktor
Ber=
minger=Innsbruck; Oberpräſident der Rheinprovinz Dr. Fuchs;
MMiniſterialrat Dr. Krauthauſen, Preuß. Miniſterium des
Innern”. Oberkonſiſtorialrat Siebert des evangel. Konſiſto=
Fiums Rheinland: Miniſterialrat Dr. Haslinde, Vertreter
wes Preuß. Miniſters f. Kunſt und Volksbildung; Prof. Dr.
Eckert, Deutſche Kolonialgeſellſchaft; Generalſekretär Böhler,
athl. Schulorganiſation Düſſeldorf; Schmidt, Leiter der
Aus=
landsabteilung des Gewerkſchaftsbundes der Angeſtellten.
Ham=
ſurg; Dr. Schlenker, Vertreter des Langnamenvereins,
Düſ=
ſſeldorf; von Tſchudi, Haag, vom Verbande deutſcher Ver=
Eine in den Niederlanden; Oberſtudien=Direktor Schmidt=
Bonn. Vertreter der deutſchen Akademie in München; Frl.
Meinshagen=Remſcheid, Reichsverband der Volksſchul=
Eehrerinnen; Paſtor Zahn=Aachen vom rhein. Provinzausſchuß
ffür innere Miſſion; Studienrätin Bruns=Aachen, als
Ver=
mreterin des deutſchen Philologinnenverbandes: Dr. Kopp=
BBerlin vom Reichsverband für das kath. Auslanosdeutſchtum;
Ein rüſtiger Wanderer.
Auch der Pionier der Deutſchtumsarbeit, der 82jährige
Ober=
regierungs=Rat a. D. Dr. Groos=Pforzheim iſt in Aachen
er=
ſchienen. Dr. Groos wandert zu allen VDA=Haupttagungen zu
Fuß. Auch in dieſem Jahre iſt der 82=Jährige von Münſter
am Stein zu Fuß nach Aachen gewandert.
Begrüßungstelegramme und Briefe gingen u. v. a. ein von
Reichskanzler Brüning: „Dem Verein für das
Deutſch=
tum im Ausland und den zur Dankeskundgebung für das
Rhein=
land zur Treuekundgebung für den deutſchen Volksgedanken
ver=
ſammelten Vertretern des Deutſchen Volkes aus aller Welt
wünſche ich einen erfolgreichen Verlauf der Tagung. Möge
der Gedanke der Verbundenheit aller Deutſchen im Geiſte der
dürfen. Für die Arbeiter insbeſondere kann der freie Gebrauch
ihrer Mutterſprache in Ländern fremden Volkstums oft genug
zur Vorausſetzung für den Kampf um ihren Aufſtieg werden.
Die Deutſchen im Auslande ſind nicht, wie es manchmal ſcheinen
möchte, nur wohlhabende Kaufleute, ſondern meiſtens
Volksge=
noſſen, die hart mit dem Daſein ringen. Dieſe Deutſchen haben
denſelben Anſpruch an uns Sozialiſten auf den Schutz ihrer
kul=
turellen Rechte, wie unſere Volksgenoſſen im Mutterlande. Wir
dürfen nicht nur die nationaliſtiſchen Ausſchreitungen
Ein=
zelner ſehen, ſondern müſſen das Deutſchtum im Ausland in
ſeiner Geſamtheit beurteilen. Ich wünſche der Tagung des
Vereins für das Deutſchtum im Ausland reichen Erfolg.”
Frauenkagung.
Blick anf Aachen,
lte Kaiſerſtadt.
Kulturgemeinſchaft durch die Arbeit des VDA in immer
wei=
tere Volkskreiſe getragen werden und beſonders auch die Jugend
begeiſtern und ſie zur Arbeit und Opfern anſpornen.”
Vom Deutſchen Volksbund in Argentinien;
Erzbiſchof Dr. Schulte, Köln: „Der 51. Jahrestagung
des Vereins für das Deutſchtum im Ausland, die in den
be=
vorſtehenden Pfingſttagen zu Aachen ſtattfindet, entbiete ich die
herzlichſten Grüße und den innigen Wunſch, es möge der
Ver=
lauf der Verſammlung in jeder Hinſicht befriedigen und für die
edlen, vaterländiſchen, friedlichen Ziele des Vereins in
erfreu=
lichem Grade förderlich ſein.”
Kommerzienrat Dr. h. c. Röchling: „Hüterin zu ſein
deutſchen Sprach= und Kulturgutes auf der ganzen Welt, iſt eine
große und heilige Aufgabe, zu der alle Deutſchen gleich
berech=
tigt und gleich verpflichtet ſind. In dieſem Sinne grüßen wir
aus dem Saargebiet in dankbarer Anerkennung des bisher
Geleiſteten den Verein für das Deutſchtum im Ausland bei
ſeiner erſten Tagung im befreiten Rheinland.”
Reichstagsabgeordneter Sollmann: „Die
ſozia=
liſtiſche Arbeiterbewegung bekämpft jede Art von
Unterdrückung. Zur geiſtigen Freiheit gehört vor allem das
Recht jedes Menſchen, ſich ungehindert der Sprache ſeines
Volks=
tums bedienen und ſeine Kinder in dieſer Sprache erziehen zu
Freitag früh ſchon um 9,30 Uhr — während ſtändig Züge mit
der V.D.A.=Jugend einliefen und in zahlreichen Trupps die
friſchen Mädel und Jungen glänzenden Auges, ſelbſtändig und
ſelbſtbewußt, voran ihre Wimpelträger, den Quartieren zuſtrebten
und ſo das Straßenbild eindrucksvoll belebten — begann im
Ballſaal des Konzerthauſes unter der Leitung der Vorſitzenden
der Magdeburger Frauenortsgruppe, Frau Urſula Bootz, die
Frauentagung. Zur Einleitung ſang ein friſcher Mädchenchor zur
Orcheſterbegleitung, die ebenfalls von Schülerinnen ausgeführt
wurde (Viktoriaſchule), unter Leitung ihres Dirigenten, Lehrer
Sonn, Händels Chor „Heil dir, Deutſchland‟. Ein ausgezeichnet
geſprochener Prolog „Aquisgrania grüßt die Tagung” (von J.
Starmanns=Aachen) eröffnete den Reigen der
Be=
grüßungsanſprachen. Der Gruß der Vorſitzenden
galt neben vielen anderen beſonders dem
Vertre=
ter des Hauptvorſtandes, Admiral Seebohm.
Grußanſprachen von Vertreterinnen der
Orts=
gruppen und befreundeter Frauenverbände aus
Aachen, Magdeburg, des Reichsverbandes deut
ſcher Frauenverbände aus Liegnitz, der
öſterrei=
chiſchen Verbände (Südmark), Vertreterinnen aus
Nordſchleswig, dem an Dänemark abgetretenen
Gebiet, aus Eſtland, aus Siebenbürgen und dem
Banat, aus Czernowitz, Ober=Steiermark.
Aus allen Reden klang Begeiſterung für die
V.D. A.=Volksarbeit und letzte Hingabe an dieſe,
die mächtig im Anſchwellen iſt, klang die Freude
darüber, daß die Tagung im befreiten Rheinland
ſtattfinden kann, und klang der Dank an die
Be=
völkerung der Rheinlande für ihr treues,
opfer=
reiches Aushalten; klang aber auch die
Erkennt=
nis des vollen Ernſtes der Lage des deutſchen
Volkes, beſonders der Auslandsdeutſchen=Volksnot,
die zu lindern und den
Volksgemeinſchaftsgedan=
ken zu pflegen die V.D.A.=Arbeit erfordert und
zum wichtigſten ſtaatstragenden Faktor geſtaltet.
Admiral Seebohm grüßte die Frauen des
V. D. A., die zu ernſter Arbeit zahlreicher wie je
zuvor erſchienen ſind, grüßte beſonders eine Dame
aus dem Fernen Oſten (Colj Braco), die den Mut
und Opferſinn aufbrachte, hier zu erſcheinen. Der
Admiral anerkannte dankend Bedeutung und Wert
der Frauenarbeit, beſonders für den V. D.A.
Den Begrüßungsanſprachen folgten Referate
und Ausſprachen über die Grenznot im
Oſten. Not im Weſten, ihre Wirkung auf
Deutſchland und Europa, an der Frau Dr.
Spohr=Berlin (M. d. L.) und Vertreterinnen
aus den abgetretenen Gebieten, ſich beteiligten.
Erſchütternde Tatſachen wurden bekannt! Dinge,
die jedem Deutſchen in Herz und Hirn gebrannt werden ſollten.
Tiefſtes Unrecht, Rechtsbeugung, Geſchichtsfälſchung, haßerfüllter
Vernichtungskampf beſonders des Slawentums gegen alle was
Deutſch heißt — eine ungeheuer anwachſende Welle, die in
abſeh=
barer Zeit zermalmend ſich über das Deutſchtum wälzen wird,
wenn nicht rechtzeitig und richtig „Dämme” errichtet werden,
wenn vor allem nicht der „Korridor” verſchwindet, dieſer
furchtbare Wechſelbalg, der mit größter Wahrſcheinlichkeit die
Ur=
ſache des nächſten Krieges in Europa ſein wird. Und — wenn
nicht wie z. 3. das Polentum in den deutſchen Gebieten
künſtlich gezüchtet wird (!). —
Die eindrucksvolle Frauenkundgebung fand nach kurzer
Mittags=
pauſe ihre Fortſetzung mit Ausſprachen über deutſches Schickſalsland.
Die Nachmittagsbeſprechung galt in erſter Linie Eupen=
Malmedy. Der Regierungspräſident von Aachen nahm auch
Ge=
legenheit, die Preſſevertreter über die durch das Friedensdiktat
geſchaffene grenzpolitiſche Lage Aachens zu unterrichten, da
Aachen beſonders wirtſchaftlich durch die Losreißung von Eupen=
Malmedy ſehr benachteiligt iſt. Eine Grenzlandfahrt ſchloß ſich
an. Eine Sitzung des Hauptausſchuſſes und ein gut verlaufener
Begrüßungsabend ſchloſſen den erſten Tag ab. Unter anderem
war auch von Reichspräſident von Hindenburg ein herzliches
Begrüßungstelegramm eingegangen.
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Nummer 143
Sonntag, den 24 Maf
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 22. Mai.
Die Stimmung neigt wieder zu Peſſimismus. Die politiſche
Geſtaltung iſt daran hauptſächlich ſchuld, am drückendſten ſind aber
doch die rein wirtſchaftlichen und finanziellen Momente. Die
un=
günſtigen Nachrichten aus London, Wien und Madrid, hemmen
jede Unternehmungsluſt. Die niedrige Diskonttaxe wird,
beſon=
ders in England und den Vereinigten Staaten, auch für viele
Schwierigkeiten verantwortlich gemacht — nach unſerer Meinung
wird die Bedeutung der offiziellen Diskontpolitik, obſchon ſie
be=
reits viel Unheil angerichtet hat, diesmal ſtark überſchätzt. Die
eigentlichen Urſachen der Kriſe ſcheinen aber doch mehr in der
Struktur der modernen Wirtſchaft zu ſuchen ſein.
Die Lage an der Effektenbörſe blieb weiter troſtlos, die
Ent=
wertung der Aktien iſt in vielen Fällen ſehr bedeutend. In den
zuſtändigen Kreiſen hat man wenig Hoffnung, daß eine normale
eſchäftstätigkeit bald einſetzen wird. Von einer eventuellen
Ein=
führung ausländiſcher Werte erwartet man wenig gutes,
ebenſo=
wenig rechnet man auf einen Aufſchwung des Anleihemarktes.
Auf dem Rohſtoffmarkte dauert die Depreſſion weiter
an; die optimiſtiſchen Hoffnungen am Jahresanfang haben ſich
nicht erfüllt. Der franzöſiſche Kohlenmarkt leidet viel unter
der ungünſtigen Lage der Schwerinduſtrie. Ueber den
Abſatzrück=
gang ſowie über die Größe der Vorräte liegen aber noch keine
Statiſtiken vor. Eine weitere Schwierigkeit für den franzöſiſchen
Kohlenbergbau bildet die Herſtellung der chemiſchen
Neben=
produkte, die eine zeitlang ertragreich war, jetzt aber wegen des
allgemeinen Abſatzmangels nur eine Quelle der Ueberproduktion
und gefährliche Konkurrenz für die ſowieſo ſchwer kämpfende
che=
miſche Induſtrie bildet. Die Nachricht von der Herabſetzung der
die
Dividenden bei den großen Kohlenbergbaugeſellſchaften —
Dividenden der Kohlenbergwerke waren bekanntlich immer ſek
mäßig — rief an der Börſe ſtarke Beſtürzung hervor. Es ſind
ſchon Maßnahmen getroffen worden, um die Lage des
Kohlenberg=
baues zu erleichtern. So vor allem Tarifbegünſtigungen.
Lohn=
ſenkungen und Verträge mit den ſtaatlichen Betrieben. Die
aus=
ländiſche Konkurrenz iſt aber drückend, um ſo mehr, da die
Her=
ſtellungskoſten der ausländiſchen Kohle bedeutend niedriger ſind,
als die der franzöſiſchen.
Ueber die wirkliche Lage der Schwerinduſtrie iſt man
noch nicht genügend unterrichtet. Es ſind jedenfalls Alarmgerüchte
in Umlauf. Sie enthalten aber ſicherlich viel Unwahres. Die
Schwerinduſtriewerte erfuhren eine ſtürmiſche Baiſſe. Von der
Kriſe werden vor allem die großen Betriebe getroffen, während
die kleineren ſich viel widerſtandsfähiger erweiſen.
Der Metallmarkt lag ſehr deprimiert und die
fortwäh=
rende Baiſſe der Preiſe verurſachte ebenfalls Beſtürzung in den
Wirtſchaftskreiſen. Die Entwertung der Metallpreiſe iſt
kataſtro=
phal und übertraf die ſchlimmſten Erwartungen. Nur in den
neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es ſo niedrige
Preiſe, doch hatte damals das Geld noch einen ganz anderen Wert.
Die Kupferpreiſe haben ſich inzwiſchen etwas erholt,
nachdem ſie den Rekordtiefſtand des Jahres 1885 erreicht haben.
Trotzdem hält man weitere Preisſtürze nicht für ausgeſchloſſen, de
der Abſatz ſehr gering iſt und die Vorräte ſich ravid anhäufen. In
w York werden eifrige Verhandlungen geführt, um
Maßnah=
men zur Stützung der Preiſe zu treffen. Vor allem würde es ſich
um Einſchränkungsmaßnahmen handeln, die aber bisher nur zu
ſehr geringen Erfolgen geführt haben. An den Verhandlungen
nehmen nicht nur die amerikaniſchen, ſondern auch die
europäi=
ſche
und afrikaniſchen Produzenten teil.
Die Zinkpreiſe ſind ſo entwertet wie ſie ſeit ihrer
ſtati=
ſtiſchen Erfaſſung niemals waren. Man verſucht, den Zinkmarkt
ebenſo wie den Kupfermarkt durch Produktionseinſchränkungen zu
reorganiſieren. Doch die Einſchränkungsmaßnahmen, wie dies die
Statiſtiken bezeugen, wurden nicht überall gleichermaßen
durchge=
führt. Am meiſten ging die nordamerikaniſche Produktion zurück
(37 v. H.) in geringerem Maße die europäiſche, während die
mexi=
kaniſche ſehr ſtark zugenommen hat. Das verurſachte eine große
Verſtimmung in den Kreiſen der Produzenten, es hat ſich wieder
erwieſen, daß bei Produktionseinſchränkungen immer die kleineren
Unternehmer profitieren.
Die Bleipreiſe lagen ſchwach. Die Produktion war in
den erſten drei Monaten von 1931 um zehn von Hundert niedriger
als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, der Abſatz ſoll noch
mehr zurückgegangen ſein.
Der Kalimarkt blieb weiter deprimiert, dagegen hat ſich
der Phosphatenmarkt etwas erholt, die Phosphatenpreiſe zeigen
eine relative Feſtigkeit. Preisherabſetzungen ſind nicht erfolgt
und alles deutet darauf hin, daß die jetzigen Preiſe für die meiſten
Phosphatenſorten eine zeitlang keine Aenderung erfahren.
Der Nitratenmarkt lag etwas feſter, als man es
er=
wartet hat, trotz der landwirtſchaftlichen Kriſe war der Abſatz
nicht ſo kataſtrophal, wie es vielfach befürchtet wurde.
Insbeſon=
dere die Induſtrie des künſtlichen Nitrates hat größere
Beſtellun=
gen erhalten, während die Lage am chileniſchen Markt weiter
ziemlich ungünſtig bleibt.
Auf dem Petroleummarkte iſt die Lage ziemlich
un=
verändert. Es iſt unableugbar, daß die Verhinderung der
Ueber=
produktion nicht gelungen iſt und, daß ſelbſt in den Vereiniaten
Staaten die Produktion ſtatt zurückzugehen, im Wachſen begriffen
iſt. Die Preiſe ſind demgemäß ſchwach und weitere
Preisſenkun=
gen können nicht vermieden werden.
Kleine Wirkſchaftsnachrichken.
Der Deutſche Reichsanzeiger wird eine Bekanntmachung
veröffent=
lichen, nach der die Reichsregierung die Auflöſung des durch das Geſetz
vom 15. April 1926 begründeten Ausſchuſſes zur Unterſuchung der
Er=
zeugungs= und Abſatzbedingungen der deutſchen Wirtſchaft (Enquete=
Ausſchuß) zum 30. Juni 1931 verfügt.
Die vor zwei Wochen vom Metallarbeiterverband Gladbach=Rheydt
ausgeſprochene Geſamtkündigung iſt hinfällig geworden, da der
Lohn=
kampf jetzt durch einen Schiedsſpruch des ſtaatlichen
Schlichtungsaus=
ſchuſſes geändert worden iſt. Dieſer Spruch iſt von beiden Seiten
an=
genommen worden. Er ſieht vor, daß die bisherigen Tariflöhne vom
Juni ab um 8 Prozent geſenkt werden. Das Abkommen iſt bis Ende
Oktober d. Js. unkündbar.
Die C. W. Bohnert A.G., Frankfurt a. M., ſchließt per 1930 mi
einem Verluſt ab, nachdem noch im Vorjahre 10 Prozent Dividende ar
480 000 RM. A.K. gezahlt wurden. (G.V. am 17. Juni.)
In der Rheinſchiffahrt ſind die Schiedsſprüche vom 2. März, bet
Rahmentarif, vom 11 Mai, betr. Gehalts= und Lohntarif und vom 2
und 28. März, betr. Gehalts= und Lohntarif für Maſchiniſten und He
zer, vom Reichsarbeitsminiſter für verbindlich erklärt worden.
Der Aufſichtsrat der Bayeriſchen Motorenwerke AG. Münche
beſchloß für das abgelaufene Geſchäftsjahr eine Dividende nicht z
verteilen (i. V. 7 Prozent). Der kleine Gewinn wird vorgetragen
Der Umſatzrückgang beträgt 9 Prozent.
Die Hauptverſammlung der Elektrizitäts AG. vorm. Schucker
u. Co. Nürnberg, genehmigte den Abſchluß mit 11 gegen 12
Pr=
zent Dividende, und wählte anſtelle des geſtorbenen Dr. Arthu
Salomonſon, Miniſterialdirektor a. D. Geh.=Rat Dr. Ernſt Juſ
Aufſichtsratsvorſitzender der AG. Sächſiſche Werke neu in den Au
ſichtsrat.
Die tſchechiſche Schuhfabrik T. u. A. Bata gründete unter
Beteili=
gung ihrer däniſchen, ſchweizeriſchen und holländiſchen Filialen eine
neue Geſellſchaft in Luxemburg, die die Ein= und Ausfuhr von Schuh=
und Lederwaren ſowie deren Fabrikation bezweckt und auch alle
finan=
ziellen Operationen in dieſem Zuſammenhang vornehmen ſollen.
Am 27. Mai wird eine ungariſche Abordnung in Berlin eintreffen,
um deutſch=nugariſche Handelsvertragsverhandlungen aufzunehmen.
Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß dieſe Verhandlungen
auf der Grundlage des ungariſch=öſterreichiſchen Handelsvertrags
ge=
führt werden.
Die Zeichnungen für die neue italieniſche Anleihe überſteigen
be=
reits drei Milliarden. Beim Austauſch eines alten Schatzſcheins gegen
einen neuen in Vareſe ergab ſich, daß der Beſitzer eine Prämie in Höhe
von einer Million Lire gezogen hatte, ohne daß er davon wußte.
Die Nationalbank von Argentinien hat ihren Diskontſatz von 7 auf
85 Prozent herabgeſetzt.
Förderung und Erzeugung.
Die Zahlen der Steinkohlenförderung zeigen immer noch keine
Beſſerung, vielmehr nimmt die Förderkurve von Steinkohle trotz
einiger Schwankungen immer noch einen weiter nach abwärts
gerichteten Verlauf. Für Braunkohle iſt gerade im Lauf des
letz=
ten Jahres der Abſturz der Förderziffern noch viel ſteiler als bei
der Steinkohle. Die Köksgewinnung, die im März eine leichte
Beſſerung aufgewieſen hatte, iſt im April viel weiter
herunter=
gegangen, ſo daß der bisher ſchlechteſte Wert des Februar noch bei
weitem unterſchritten iſt.
Die Roheiſengewinnung zeigt ebenfalls bisher keinerlei
Beſ=
ſerung, ebenſo ſtagniert die Rohſtahlgewinnung völlig. Die
Walz=
eiſenzahl für April lag bei Abſchluß der Tafel noch nicht vor.
Die Stromerzeugung in den privaten Kraftwerken der
In=
duſtrie hat ſich im März etwas gehoben — in der gegenwärtigen
Zeit immerhin eine beachtenswerte Erſcheinung. Die Zahl der
ertiggeſtellten Neubauwohnungen geht in den erſten Monaten
des Jahres immer zurück, der gegenwärtige Tiefſtand beleuchtet
edoch beſonders deutlich die ungünſtige Lage im Baugewerbe.
Dieſe wird auch durch den Zementabſatz gekennzeichnet, der trotz
einer gewiſſen Beſſerung im April ganz weſentlich niedriger
ge=
jegen hat als ſelbſt noch vor einem Jahre. Die Kaliabnahme der
Landwirtſchaft geht bereits wieder ſtark zurück.
Bom Holzmarkt
ſchreibt uns unſer Mitarbeiter: Die Sägewerke, die in den
Win=
ter= und Frühjahrsmonaten faſt ausnahmslos erheblich weniger
Rohholz einſchnitten als 1930 —
teilweiſe betrug dieſe
Vermin=
derung der Produktion bis zu 75 Prozent —, ſtehen jetzt am Ende
ihrer ſaiſonmäßigen Arbeitstätigkeit und müſſen feſtſtellen, daß
höchſtens 25 Prozent fertiggeſtellter Schnitthölzer bisher verkauft
werden konnten. Ein ungünſtiges Ergebnis, das auf die Kriſis
m Abſatz zurückgeführt werden muß. Es wird viel geſchobertes
Schnittholz auf den Sägewerken geben. Auf der anderen Seite
wird aber die Tatſache als ein günſtiges Symptom für die weitere
Entwicklung des Holzmarktes in Fachkreiſen gedeutet, daß auf den
Holzplätzen der Wiederverkäufer nur verhältnismäßig kleine
Mengen alter Ware eingelagert ſind. Dadurch wird die
Auswir=
kung der Ueberproduktion vom Einſchnitt 1931, die in einzelnen
Sortimenten beſteht, aufgefangen. Uebrigens hat der
Preisrück=
gang, von dem ſeit etwa einem Jahr zu ſprechen war, nunmehr
haltgemacht, was der Sägewerksinduſtrie wieder eine
Kalku=
lationsmöglichkeit, die abhanden gekommen war, gibt. —
Nach
aſtreinen Seitenbrettern, blank und angeblaut, beſtand Nachfrage
aus den Bezirken um Herford, Bad Oeynhauſen, aus dem
Frei=
ſtaat Sachſen und auch aus dem Rheinland. Dieſes Material hat
in Weſtdeutſchland, nachdem die
Verkaufspreiſe weſentlich
er=
mäßigt wurden, wieder den Wettkampf mit den amerikaniſchen
Hölzern erfolgreich aufgenommen. Der Abſatz von Oregon pine
iſt weſentlich geſchmälert worden. Die Kreditlage im Hlzgewerbe
iſt günſtiger geworden, das Vertrauen hat ſich gefeſtigr, es waren
inr einige wenige und unbedeutende Inſolvenzen zu melden.
Nachdem in den letzten Monaten ſehr viele Betriebe ausgeſchieden
ſind, iſt das Betätigungsfeld für die weiterverarbeitenden
Unter=
nehmungen des Holzgewerbes erheblich größer und lohnender
geworden.
Produkkenberichte.
Mainzer Produktenbericht vom 22. Mai. Großhandelspreiſe pro 10
Kilo loko Mainz: Weizen 29,25—30,25; Rheinheſſ. Roggen 20,50—21
Hafer 21—21,50; Futtergerſte 21,50—23; Malzkeime 11,50—12,50;
Süddeutſches Weizenmehl Spezial Null 41,90; Roggenmehl 60prozent.
—30,50; Weizenkleie fein 13,25—13,50, desgl. grob 14—14,50;
Rog=
genkleie 14,50; Biertreber 10,75—11,50; Erdnußkuchen 13—13,75;
Ko=
koskuchen 13,75—17,75; Palmkuchen 11,50—12; Rapskuchen 10,25—10,75;
Sohaſchrot 13,50—13,75; Trockenſchnitzel 7,75—8,25. Tendenz: Ruhig,
kleines Geſchäft wegen der bevorſtehenden Feiertage,
Frankfurter Eiergroßhandelspreiſe. Die letzten Tage vor Pfingſten
brachten dem Eiergeſchäft weiter eine leichte Belebung des Abſatzes, der
jedoch faſt ausſchließlich auf die billigen Sorten ſich beſchränkte. Die
Preiſe zeigten verſchiedentlich wieder leichte Rückgänge, ſo für
Hollän=
der, Dänen, Italiener und Ruſſen. Deutſche Friſcheier waren ziemlich
gut gefragt. Das Angebot war noch groß, dürfte aber in den nächſten
Wochen weſentlich kleiner werden da die deutſche Produktion ihren
Höhepunkt erreicht haben wird. Dagegen iſt mit ſtärkeren Zufuhren
von billigen Eiern aus Oſteuropa zu rechnen, deſſen Wirkung auf den
Abſatz deutſcher Eier je nach Qualität verſchieden ſtark ſein wird. —
Es notierten in Pfg. pro Stück ab loko Frankfurt a. M.: Italiener
—8,75; Bulgaren 7,50—7,75; Jugoſlawen 7—7,50; Rumänen 6,75—
7,00; Ruſſen 6—6,50; Holländer 7—9,50; Dänen 7—10; Belgier 8,25
bis 8,75; Bayern 7,50—7,75; deutſche Friſcheier 6,50—8,25; Franzoſen
am Markte.
nicht
Frankfurter Buttergroßhandelspreiſe. Nachdem bereits Anfangs der
Woche die Butternotierung heraufgeſetzt worden war, erfolgte heutt
eine abermalige Erhöhung. Die verhältnismäßig ſtarken
Preisſteige=
rungen ſind vor allem auf die erheblich geringer gewordenen deutſchen
Zufuhren zurückzuführen. Die Nachfrage hat dagegen vor dem
Pfingſt=
feſt etwas zugenommen. Die Tendenz wurde daher als befeſtigt
be=
zeichnet. Es notierten: Auslandsbutter 1 Faß (50 Kilo) 1,46, einhalb
Faß 1,48, in Halbpfundſtücken 1,50, deutſche Molbereibutter 1,40—1,45
Die Preiſe verſtehen ſich i Mark pro Pfund im Großhandelsverkehr;
Die Läge am Geidtarit.
In der abgelaufenen Woche zeigte es ſich erneut, daß der deutſche
Geldmarkt unabhängig von der Geſtaltung der internationalen
Geld=
marktverhälrniſſe ſeine eigenen Wege geht. Trotz der durch die
kür=
lich vorgenommene Diskontſenkungen in New York und London en
ſtandenen Zinsgefälle hat kein ſtärkerer Zufluß von ausländiſchen
Geld=
mitteln eingeſetzt, wofür wohl in erſter Linie die politiſche Lage in
Deutſchland verantwortlich gemacht werden muß. Am Frankfurter Platz
war die Tendenz im Laufe der Woche nicht einheitlich. Während an
einigen Tagen Tagesgeld ſehr leicht war, beſtand namentlich gegen Ende
der Woche in Anbetracht des durch die Feiertage verurſachtetn
größe=
ren Bedarfs regere Nachfrage, die den Satz auf 5 Prozent anziehen ließ
Hierbei war naturgemäß auch der bevorſtehende Ultimo von
entſcheiden=
dem Einfluß. Monatsgeld blieb ziemlich unverändert mit 51/s Proz.
Warenwechſel fanden zeitweiſe einiges Intereſſe.
Am Deviſenmarkt beſtand gegen das Wochenende Nachfrage für
Deviſen gegen Reichsmark. Nach dem im Anſchluß an die
Diskontſenk=
ung erfolgten Rückſchlag erfuhr das engliſche Pfund zu Beginn der
Woche international eine erhebliche Befeſtigung, doch trat ſpäter wieder
eine leichte Reaktion ein. Verſchiedentlich wurde die Anſicht vertreten,
daß mit den kürzlichen Diskontermäßigungen keineswegs ein
endgülti=
ger Zuſtand erreicht ſei, ſondern daß die Lage nach wie vor recht wenig
ſtabil bleibe. Insbeſondere die neuerliche Ermäßigung des New Yorker
Privatdiskonts wird als Vorſtufe für eine weitere Herabſetzung des
offiziellen Satzes der Bundesreſervebank aufgefaßt. Durch beträchtliche
Kurseinbußen fiel die Peſeta auf; die Tatſache, daß die ſpa
viſe ſo außerordentlich empfindlich auf jede Yeldung über politiſche
Schwierigkeiten im Lande reagiert, kann als ein Beweis dafür gelten,
wie wenig ſich die finanziellen Verhältniſſe dort bis jetzt konſolidiert
haben. Paris zeigte kaum Schwankungen. Eine neuerliche
Abſchwä=
chung erfuhr die argentiniſche Deviſe, wogegen ſich Rio etwas beſſer
behaupten konnte.
Die Arbeitsmarkklage in Heſen und Heſſen=Naſſau.
Die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes in der erſten Hälfte des
Monats Mai ließ in faſt allen Arbeitsamtsbezirken und Berufsgruppen
merklich nach. Die Zahl der Arbeitſuchenden insgeſamt ging nur um
rund 6400 gleich 2,4 Prozent auf 261 655 zurück; im vorigen
Berichts=
abſchnitt war ſie um rund 12000 oder 4,3 Prozent gefallen. Von den
großſtädtiſchen Arbeitsamtsbezirken hatte einzig der ſtark
landwirt=
ſchaftlich durchſetzte Bezirk Kaſſel größere Abnahme (um 705).
Frank=
furt und Wiesbaden wurde nur um 39 und 83 Arbeitſuchende entlaſtet.
Mainz hatte ſogar eine Zunahme um 134 Arbeitſuchende. Ferner iſt
deren Zahl im Bezirk Offenbach leicht geſtiegen. Die
Aufnahmefähig=
keit des Arbeitsmarktes lag nach wie vor hauptſächlich bei den
Saiſon=
berufen, wobei aber die Landwirtſchaft nach Beendigung der
Frühjahrs=
beſtellung und wegen der üblichen Ruhepauſe bis zum Beginn der
Hack=
fruchtbearbeitung keinen nennenswerten Bedarf an Arbeitskräften hat.
die Zahl der Hauptunterſtützungsempfänger in der
Arbeitsloſenver=
ſicherung fiel um 8278 auf 105 295 (vor einem Jahre waren 106 690
Hauptunterſtützungsempfänger vorhanden); in der Kriſenunterſtützung
befanden ſich 49 152 Hauptunterſtützungsempfänger, 47 weniger als zum
Beginn der Berichtszeit.
Wirkſchaftliche Rundſchau.
Die Indexziffer der Großhandelspreiſe vom 20. Mai. Die von dem
Statiſtiſchen Reichsamt für den 2. Mai berechnete. Indexziffer der
Großhandelspreiſe iſt mit 113,1 gegenüber der Vorwoche um 0,4 v.H
geſunken. Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten: Agrarſtoffe
indu=
109,0 (minus 0,5 v.H.), Kolonialwaren 95,2 (minus 0,8 v.H.),
ſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren 103,3 (minus 0,2 v.H.) und induſtrielle
Fertigwaren 137,0 (minus 0,2 v. H.).
Der Linoleum=Konzern 1930. Der mit Spannung erwartete Bericht
über den Linoleum=Konzern 1930 bezeichnet den Umſatz im erſten halben
Jahr unverändert, während im zweiten Halbjahr eine ſtärkere
Schrumpfung des Geſchäftes eintrat, ſo daß der Geſamtumſatz um etwa
15 Prozent geringer war. Der Brutto=Ueberſchuß im Geſamt=Konzern
tellt ſich auf 12,45 (12,86) Mill. RM. Dieſes befriedigende Ergebnis
ei in der Hauptſache dem Zuſammenſchluß zu verdanken. Stillgelegt
wurden entſprechend dem Rationaliſierungsplane die Betriebe in
Del=
menhorſt und Verlin. Sie bilden eine wertvolle Produktionsreſerve.
Abgeſchrieben wurden, auf die induſtriellen Werte des Konzerns 3,612
(4,24) Mill. RM. Die Geſamtmobilien betragen buchmäßig 4291 (44,5
Mill. RM. Die Konzern=Bilanz 1930 zeigt (alles in Mill. RM.), das
Aktienkapital unverändert mit 60,67, Reſerven 9,587 (9,57), Anleihen
3,97 (30,66) und Gläubiger 13,05 (20,79). Auf der anderen Seite
er=
cheinen Grundſtücke mit 3,59 (3,56), Fabrikgebäude 25,43 (25,37),
Wohn=
häuſer 2,4 (2,05), Maſchinen 12,17 (13,06), Mobilien 42,91, Kaſſe und
Wechſel 1,42 (1,47), Banken und Poſtſcheck 8,32 (4,51), Warenſchuldner
13,59, Darlehen an Sarlino 8,76 (8,05), Darlehen an Oleum 12,96,
ſon=
ſtige Darlehen 1,89, Wertpapiere und Beteiligungen 2,41 (3,35) und
Vor=
räte 27,60 (37,10 im Vorjahre zuſammen), ſonſtige Darlehen 10,96.
Debi=
toren 2,30). Die Bilanzſumme ging um 10 auf 120,54 Mill. RM.
zurück. Die Gewinn= und Verluſtrechnung zeigt einen Bruttogewinn
von 12,45 (12,86) Mill. RM. gegenüber 3,61 (4,24) Abſchreibungen und
5,58 außerordentlichen Abſchreibungen, ſo daß ein Reingewinn von 3,26
(8,62) Mill. RM. verbleibt, woraus 5 Prozent Dividende auf die
Kon=
zernwerke vorgeſchlagen werden.
Cornelius Heyl A.G. Worms. Die Vorſchläge des Vorſtandes zu
dem Abſchluß für das Geſchäftsjahr 1929/30 wurden in der Bilanzſitzung
des Aufſichtsrats genehmigt. Der Reingewinn in dieſem Geſchäftsjahr
beträgt 686 925 RM.; außerdem ſtehen aus früheren Jahren 245 476
RM. zur Verfügung. Es wurde vorgeſchlagen, der demnächſtigen G.V.
vorzuſchlagen, auf die Vorzugsaktien für die beiden letzten Jahre die
ſtatutenmäßige Dividende von je 6 Proz. und auf die St.=A. für 1929=
1930 eine Dividende von 4 Prozent zu verteilen. Dieſe Ausſchüttung
rfordert zuſammen 768 000 RM. Die alsdann noch verbleibenden
164 401 RM. ſollen auf neue Rechnung vorgetragen werden. (G.V. am
12. Juni.)
Die Verhandlungen des Internationalen Stahlkartells. Lt. „
Jour=
née Induſtrielle” hat das Direktionskomitee des Stahlkartells ſeine
Ver=
handlungen zur Erneuerung des Kartells auf etwas anderer
Grund=
lage als bisher fortgeſetzt, und angeſichts ſeines früheren Beſchluſſes,
ein Tonnageprogramm für die Ausfuhr aufzuſtellen, die Prüfung der
Exportquoten für jede Gruppe begonnen. Es wurde beſchloſſen, für
die Aufſtellung dieſer Quote die Ziffern aus dem Jahre 1927 als
Grund=
age zu nehmen. In ſpäteren Verhandlungen ſoll dieſe Prüfung
fork=
geſetzt werden.
Neue Verhandlungen über rufſiſche Schiffsbeſtellungen. Dieſer Tage
anden in Hamburg neue Verhandlungen zwiſchen den Ruſſen und
deur=
ſchen Reedereien über den Verkauf fahrbereiter Tonnage an die Rate=
Handelsflotte ſtatt. Wie verlautet, haben auch dieſe Verhandlungen zu
keinem poſitiven Ergebnis geführt, da von den deutſchen Reedereien die
von den ruſſiſchen Unterhändlern geforderten langfriſtigen Kredite
ab=
gelehnt werden und überdies eine Reichsgarantie für dieſe ruſſiſchen
Käufe nur in Frage kommen dürfte, wenn von den deutſchen Reedereien
entſprechende Neubeſtellungen bei deutſchen Werften gemacht werden
würden.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 23. Mai:
Getreide. Weizen: Mai 86½, Juli 58½, September 58½,
De=
nber 61,75; Mais: Mai 55, Juli 55,25, September 53½,
De=
mber 47,75; Hafer: Juli 27,25, September 26½, Dezember
1,25: Roggen: Juli 38½, September 38.
Schmalz: Mai 7.42½, Juli 7.47½, September 7,57½,
Ok=
ber 7,50.
Speck, loco 8,15.
Schweine: Leichte 6,60—6,80, ſchwere 5,75—6,10; Schweine=
Es notierten nach Meldungen aus New York am 23. Mai:
Schmalz: Prima Weſtern 8,15; Talg, extra loſe 334,
Getreide. Weizen: Rotwinter 90½; Mais: loco New York
69½; Mehl: ſpring wheat clears 4,10—4,50; Getreidefracht nach
England 1,6—2,3 ch, nach dem Kontinent 8—8½,
Kakao: Tendenz willig, Umſätze 19, Loconotiz 4½; Juli 4,67,
September 4,82, Oktober 4,88, Dezember 4,99, Januar 1932 5,06,
März 5.19, Mai 5,34.
Nummer 143
Sonntag, den 24. Mai 1931
Seite 11
441
AMautent zur Seſcherdenhen
Schwimmſpork=Rundſchau.
Der Ruf „Rückkehr zur Beſcheidenheit”, der zur Zeit bei allen
Sportverbänden erhoben wird, hat für den Schwimmſport beſondere
Bedeutung. Betrachtet man nur ganz oberflächlich die Terminliſte der
kommenden Monate, dann erkennt man ſofort den erheblichen Rückgang
ſchwimmſportlicher Veranſtaltungen. Die vepräſentativen und offiziellen
Wettkämpfe von Verband, Kreiſen und Gauen bilden den
Hauptbeſtand=
teil des Terminkalenders. Reine Vereinsveranſtaltungen ſind ſtark
zu=
rückgegangen. In einzelnen Gegenden gibt es ſo gut wie keine
Schwimm=
feſte mehr, die nur einigermaßen über den örtlichen Rahmen
hinaus=
ragen.
Als Grund für dieſe Tatſachen wird überall die Geldknappheit als
Folge der wirtſchaftlichen Depreſſion angegeben. Es ſoll zugegeben
wer=
den, daß eine knappe Vereinskaſſe nicht zu riskanten Undernehmungen
reizt, wahrſcheinlich ſind aber die Gelder im geſamten Verbandsgebiete
gleichmäßig knapp. Merkwürdigerweiſe gibt es dabei noch Gegenden, wo
eine Schwimmſportveranſtaltung die andere jagt, und das ſind nicht
ein=
mal die Plätze, die man mit dem ſchönen Titel „Hochburgen” bezeichnet.
In Thüringen zum Beiſpiel, das ſportlich auf verhältnismäßig
ſchwa=
cher Stufe ſteht, herrſcht reges ſchwimmeriſches Leben; vom Rheinland,
deſſen Verkehrsverhältniſſe vorteilhaft ſind, gar nicht zu ſprechen. Auch
Württemberg hat dauernd Betrieb. Andere Gegenden ſcheinen reſtlos
zu ſchlafen. Das leidige Geld ſcheint alſo doch nicht der alleinige Grund
zur Paſſivität zu ſein, ebenſo wenig der Mangel an zugkräftigen
Sport=
lern. — Man iſt in der Nachkriegszeit in ein
Stadium der Bequemlichkeit
hineingeſchliddert, aus dem man jetzt nicht herausfindet. Es war
natür=
lich einfach, eine Ausſchreibung loszulaſſen, auf Koſten mehr oder
weni=
ger finanzkräftiger Gönner ſich die notwendigen Cracks kommen zu laſſen
und dann, ohne Rückſicht auf ein ev. Defizit, ein großes Schwimmfeſt
aufzuziehen. Nun gibt es dieſe Sportmäcene nicht mehr in ſo großem
Maße, die Herren Vereinskaſſierer ſind allmählich auch vorſichtiger
ge=
worden, alſo läßt man die Sache ganz bleiben.
Vielleicht laſſen ſich die Vereine einmal von ihren älteren
Mitglie=
dern erzählen, wie man
in den Aufbaujahren des Sports
gearbeitet hat. Mit welch lächerlich geringen Mitteln man damals ſchöne
und auch ſportlich wertvolle Veranſtaltungen zuſtande gebracht hat.
Vielleicht laſſen ſie ſich aber auch einmal ſagen, wie beſcheiden man zu
jener Zeit war. Das damalige Publikum ließ ſich auch nicht mit
wert=
loſen Veranſtaltungen abſpeiſen, ſeine Anſprüche waren ſtets mehr als
zeitentſprechend. Und doch iſt es gegangen. Es gab aber etwas, was
heute abhanden gekommen iſt, nämlich Gemeinſchaftsſinn im
Intereſſ=
der Sache. Grundſatz jeden Vereins war Unterſtützung des
Nachbarver=
eins in ſportlichen Dingen auf Baſis der ſelbſtverſtändlichen
Gegenſeitig=
keit. Ob nun der Verein A. eine wertvollere oder größere Mannſchaft
als Gegenleiſtung ſtellte, danach fragte niemand. Heute rechnet man
auf und verlangt obendrein noch Koſtenzuſchüſſe, Hotelquartier und alle
möglichen Dinge, ſoweit es die Amateurbeſtimmungen bei Einäugigen
zulaſſen. Früher beſtand die Außenpolitik der Schwimmvereine in
ge=
meinſamer Arbeit an der Sache. Heute iſt es ein Konkurrenzkampf
ge=
worden, bei dem nur noch der finanziell ſtärkſte Verein beſtehen kann.
Aber auch
die Innenpolitik der Vereine
iſt anders geworden. Anſtelle der früheren ſtillen und namenloſen
Ver=
einsſchwimmwarte iſt heute der Herr ſportliche Leiter oder der
Verufs=
trainer getreten. Merkwürdigerweiſe haben aber die Aktiven früher
entſprechend den damaligen Verhältniſſen ohne Zweiſel relativ
weſent=
lich mehr geleiſtet. Es ſei daran erinnert, daß vor dem Kriege der
deut=
ſche Schwimmſport international eine weit ſtärkere Stellung hatte als
heute. Um techniſche Dinge nur zu ſtreifen, ſei bemerkt, daß ein Kurt
Bretting ſchon 1912 100 Meter Crawl in 1:01 Minuten ſchwamm und
daß die damaligen deutſchen Springer mehr leiſteten als ihre
derzeiti=
gen Nachfolger. Damals gab man beſtimmt weniger Geldmittel aus.
Man will nicht zurückſchauen auf die Jahre der mühſeligen Kleinarbeit,
die den Sport ſo groß gemacht hat.
Die frühere ſchwimmſportliche Veranſtaltung hieß mit Recht
Sitnn.
Ihr ſportliches Niveau war dadurch nicht ſchlechter, daß man in
Un=
kenntnis moderner Technik ſchlechtere Zeiten ſchwamm. Aber die
Schwvimmfeſte waren Feſte im wirklichen Sinn, nicht nur ein Abhetzen
ſo und ſo vieler Konkurrenzen. Man braucht deshalb nicht gleich ins
Lager des „Volkstümlichen” abzuſchwenken, aber Schaunummern waren
früher eine zugkräftige Bereicherung der Programme.
Merkwürdiger=
weiſe gibt es heute im ZeZialter des, techniſchen Sportes in Amerika,
deſſen Schwimmſport an der Spitze ſteht, keine noch ſo große
Veranſtal=
tung ohne Schaunummern. Dort im Lande der Nekorde macht man
noch, oder wieder, „Schwimmfeſte”, bei uns dagegen nur Wettbewerbe.
Früher war eine
Schwimmveranſtaltung Sache ſämtlicher Vereinsmitglieder,
heute müſſen drei Mann die Sache machen. Früher kannte jedes paſſive
Mitglied die Aktiven des Vereins und ihre Leiſtungen. Man gehörte
eben zuſammen. Heute ſind Aktive und andere Mitglieder zwei Vereine
im Verein, die miteinander überhaupt nichts gemein haben als vielleicht
Vereinsfanatismus, aber nur, wenn es gegen den verhaßten
Konkurren=
ten geht: Die Sache ſelbſt kommt in zweiter Linie. Vieles, was heute
viel Geld koſtet, wurde früher umſonſt gemacht.
Der Schwimmſport iſt ſo vielſeitig, daß auch ohne Hilfe von Cracks
oder Intereſſengemeinſchaften dem anſpruchsvollſten Zuſchauer etwas
Darmſtädker Sporkkalender.
Pfingſonntag, den 24. Mai 1931.
Handball.
15.30 Uhr: Müllersteich: Fr. Tgde. — Ludwigshafen.
Fußball.
15,00 Uhr: Rennbahn: Union — B. S. C. Schweinheim.
Pfingſtmontag, den 25. Mai 1931.
Handball.
15,00 Uhr: Pol.=Platz: Damen Pol. — Rot=Weiß Frankfurt.
15,30 Uhr: Müllersteich: Fr. Tgde. — Fürth.
Fußball.
11.00 Uhr: Exz.=Platz: Eintracht — Herrnsheim 1919.
geboten werden kann. Aber man muß Kleinarbeit leiſten, wenn man
mit geringen Mitteln etwas aufziehen will. Dazu gehört aber mehr als
der Ehrgeiz nach Rekorden oder Punkten in der Tabelle. Dazu gehört
Einſatz für die Sache, dazu gehören Opfer, die durchaus nicht in Geld
beſtehen müſſen. Rückkehr zu den beſcheidenen Formen früherer Zeiten,
das iſt der Weg zum Aufbau für, ſchwimmſportliche Veranſtaltungen
ohne große Koſten. Wird er nicht begangen, dann wird der deutſche
Schwimmſport für die deutſche Oeffentlichkeit in abſehbarer Zeit nur
noch aus den wenigen Großveranſtaltungen im Jahre beſtehen.
Dar=
über hinaus wird er nur noch im engſten Kreiſe der eigenen Anhänger
weiterleben. Und das ausgerechnet in Zeiten eines ungeahnten
Auf=
ſchwunges der allgemeinen Schwimm= und Badebewegung im Volk.
Dr. E. Buſſard=Frankfurt a. M.
Kreisliga Südheſſen.
Wie alljährlich, finden auch dieſes Jahr über die Pfingſtfeiertage
wieder zahlreiche Freundſchaftsſpiele ſtatt. Verſchiedene
Ver=
eine werden wieder eine kleine Pfingſtreiſe unternehmen; hauptſächlich
die linksrheiniſchen Vertreter der ſüdheſſiſchen Kreisliga wird man auf
Reiſen finden. Leider konnten nicht alle Vereine definitiv über ihre
Gegner Beſcheid geben, immerhin ſind einige recht vielverſprechende
Begegnungen bekannt. Es treffen ſich unter anderem: FV. Biblis—
Alemannia Worms, Ligamannſchaft; FV. Biblis—Spv. Walldorf komb.;
FV. Biblis—Spv. Arheilgen; „Konkordia Gernsheim—Spv. Mörfelden;
Konkordia Gernsheim-Haſſia Dieburg; FV. Hofheim—Alemannia
Worms, komb.; FV. Hofheim-Wormatia Worms, komb.; Spv.
Ar=
heilgen—V.f.R. Bürſtadt; „V.f.L. Lampertheim—Alemannia Worms,
Pokalelf; „Spv Weinheim-Viktoria Neuhatſen; Olympia Worms—
Wormatia Worms; Spv. Horchheim—FV. Karlsruhe, komb.; Norm.
Pfiffligheim—V.f. R. Fehlheim; „FV. Gimbsheim-Vorwärts Bobſtadt;
Vf. L. Bensheim—98 Darmſtadt, komb.; Klein=Hauſen—VfR.
Mann=
heim, Reſerve; Olympia Biebesheim—Spv. Hahn; Groß=Rohrheim—
Rheingold Hamm. — Wir ſehen alſo, ein recht ausgiebiges Programm,
das fedoch mit dieſen Aufzeichnungen noch lange nicht erſchöpft ſein
dürfte.
Die Jung=Athleten des Sportvereins 1898 treffen ſich am Montag,
(2. Pfingſtfeiertag), vormittags um 7 Uhr, am Botaniſchen Garten, am
Waldeingang (Roßdörfer Straße) zu einer Wanderung, nach dem
Otz=
berg und Breuberg. Wartezeit 15 Minuten, alſo Abmarſch um 7.15
Uhr pünktlich.
Aus deutſchen Bädern.
Bad Soden am Taunus.
das bewährte Heilbad für Katarrhe. Aſthma und Herzleiden, hatte
im vergangenen Jahre ebenſo wie alle übrigen Kur= und Badeorte
unter der Ungunſt der wirtſchaftlichen Verhältniſſe zu leiden.
Wenn aber die Frequenz nur um 5 Prozent gegen das Vorjahr
zurückgeblieben iſt, ſo verdankt Taunus=Soden dieſen
verhältnis=
mäßig geringen Rückgang ſeinem Charakter als ausgeſprochenes
Heilbad mit ſeit über zwei Jahrhunderte anerkannten
Heilerfol=
gen. „Sein unermeßlich reicher Schatz an natürlichen Heilmitteln
(26 Quellen, darunter der naturwarme Thermalſolſprudel) und
ſein gleichmäßig mildes Schonungsklima bilden ihre
unerſchütter=
liche Grundlage.
Nicht erſt durch die Ungunſt der Jetztzeit gezwungen, ſondern
ſchon ſeit Jahren ſind in Bad Soden am Taunus weſenilich
ver=
billigte Pauſchalkuren eingeführt, (28 Tage ab RM. 250.—
ein=
ſchließlich Arzt und Kurmittel) die ſich ganz beſonders in dem im
Vortaunus bekanntlich ſehr frühzeitig einſetzenden Frühling
gro=
ßer Beliebtheit erfreuen. Alle Kurmittelhäuſer, darunter das
weltbekannte in ſeinen Einrichtungen unerreichte Inhalatorium
ſind geöffnet. Von Oſtern ab hält ſich auch das Kurhaus mir
Hotelbetrieb zum Empfang ſeiner Gäſte bereit.
Wer daher mit Aſthma, Katarrhen und Herzleiden behaftet
oder auf die Beſeitigung von katarrhaliſchen
Erkrankungserſchei=
nungen des Winters bedacht iſt, wird in Baden Soden am Taunus
Linderung bzw. Heilung ſeines Leidens finden. Auskunft durch
die Bade= und Kurverwaltung.
Vom Salzachgau.
Nach einem langandauernden, ſchneereichen Nachwinter iſt nun
der Frühling mit ſeiner Blütenpracht im ſogenannten
Rupertie=
winkel” eingezogen und alle die Orte im Salzachgau rüſten eifrig,
um ihre Sommergäſte würdig zu empfangen. Da iſt zunächſt der
in einem weiten Talkeſſel gelegene in neueſter Zeit gern
aufge=
ſuchte Eiſenbahnknotenpunkt Freilaſſing und das liebliche
Teiſendorf. zwei Orte, die durch zeitgemäße Einrichtungen, wie
moderne Familienbäder, ſtaubfreie Straßen uſw., alle
Vorbedin=
gungen, die heute von einem Sommerfriſchler geſtellt werden,
er=
füllen. Auch die alte Schifferſtadt Laufen mit dem nahen
Abtsdorferſee und den auf öſterreichiſchem Ufer liegenden,
auf ſchattigen Waldwegen leicht erreichbaren Haunsberg mit
prächtiger Fernſicht macht alle Anſtrengungen, um in die Reihe
der Sommerfriſchorte eingereiht zu werden. Von hier führt eine
Kraftpoſtlinie über Tittmoning, einem reizenden Salzachſtädtchen
mit weithin ſichtbarer Burg mit Wehrgang und Söller, die einſt
Jagdſchloß der Salzburger Fürſtbiſchöfe war, nach der alten
Bur=
genſtadt Burghauſen. Hier findet nicht nur der Sommergaſt
abwechſlungsreiche Spaziergänge in der prächtigen Umgebung und
das landſchaftlich ſchönſtgelegene Freibad im ganzen
Voralvenge=
biet, ſondern es bietet ſich auch dem Hiſtoriker ein reiches Feld
für geſchichtliche Forſchungen in der glanzvollen Vergangenheit
von Stadt und Burg. Für Zerſtreuung werden an ſchönen
Sonn=
tagen in derSaiſon Promenadekonzerte und hiſtoriſche Tänze
ſor=
gen, auch Serenaden im Burghof, ausgeführt von Salzburger
Künſtlern, ſollen ſtattfinden. Auch der freundliche Ort Waging
am gleichnamigen 12 Km. langen und 2 Km. breiten See
ge=
legen, iſt als einfache ländliche Sommerfriſche ſehr zu empfehlen.
Von Burghauſen aus iſt der berühmte Wallfahrtsort Altötting
mit herrlichen Kirchen, ſeiner Gnadenkapelle und der ſehenswerten
Schatzkammer mit Eiſenbahn oder Auto ſchnell erreichbar.
Aus=
künfte über Gaſthof= und Privatzimmer, ſowie Penſionspreiſe
er=
teilen die örtlichen Verkehrsvereine und das Verkehrsbüro
Burg=
hauſen (Rathaus, Telephon 551).
Geſchäftliches.
Zwei Aufklärungstage über Fußleiden und ihre Heilung
veranſtaltet die bieſige Chaſalla=Schuhgeſellſchaft m.
b. H., Rheinſtraße 6, vom 26. Mai bis 27. Mai inkl.. Die Vorträge
werden völlig koſtenlos von einem namhaften Fußexperten
ge=
halten und ſind nach Bedarf mit Fußunterſuchungen, wie auch
Meſſungen mit patentierten „Chaſalla”=Apparaten verbunden.
Jedermann iſt daraufhin in der Lage, vorhandene oder in der
Entſtehung begriffene Fußleiden mit zweckentſprechenden
ortho=
pädiſchen Mitteln ſyſtematiſch zu beheben oder abzuwehren,
aus=
genommen Spezialfälle des Chirurgen uſw.
Die diesjährige Erfolgsſerie der Triumph=Werke Nürnberg
iſt wirklich beſtechend. Nach der Oſtpreußenfahrt, bei der die
bei=
den geſtarteten ſteuer= und führerſcheinfreien SK. 200 als einzige
in der Klaſſe bis 200 ccm am Ziel eintrafen und dazu noch
ſtraf=
punktfrei weitere 3 SSK Luxu. 350 ccm mit goldenen Medaillen
ausgezeichnet wurden, hören wir von dem glänzenden
ſtrafpunkt=
freien Abſchneiden des Triumph=Teams bei der ADAC. 3=Tage=
Harzfahrt. Die Fahrer Fleiſchmann, Luthardt und Rieß aus
Nürnberg wurden alle drei mit der goldenen Medaille
ausge=
zeichnet.
Die Veranſtaltung kann beſtimmt als die ſchwerſte
Zuver=
läſſigkeitsprüfung Deutſchlands bezeichnet werden, was die
enormen Ausfälle auch deutlich genug beweiſen. Es war eine
un=
erhört ſchwierige Geländeprüfung mit ungewohnten
Anforderun=
en an Material und Fahrkunſt, da die Strecke über Stock und
Stein, durch Waſſergräben führte. Die ſchönen eleganten Triumph=
Maſchinen waren, wie bereits geſagt, den ihnen geſtellten
Auf=
gaben vollkommen gewachſen, ob Wald und Feldweg, ob
berüch=
tigte Rodelbahn oder glatte Aſphaltſtraße, immer konnten die
ein=
zelnen Fahrer die SSK 350 ccm o
v. ſtrafpunktfrei über die
einzelnen Prüfungsſtrecken bringen. Auf dem Brockengipfel war
die Zuſtandsprüfung eingeſchaltet, die mehr als genau
durchge=
führt wurde und auch hier war das Triuph=Team ſtrafpunktfrei.
Wir möchten nicht verfehlen, den Triumph=Werken Nürnberg A=G.
zu dem großen Erfolg, mit dem ſie die hohe Qualität ihrer
Ma=
ſchinen erneut bewieſen haben, unſere beſten Glückwünſche
auszu=
ſprechen.
Wekterberichl.
Ausſichten für Sonntag, den 24. Mai: Dunſtig und bewölkt mit
Auf=
heiterung, wärmer, Neigung zu lokalen Gewitterſtörungen.
Ausſichten für Montag, den 25 Mai: Warmes Wetter, Zunahme der
Gewitterneigung oder vereinzelte Niederſchläge.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Polltlk und Wirtſchaft: Rudolf Me
Feuilleton, Reich um
für
Sport: Karl Böhmann;
Ausland un
Zeſſiſche Nachrichten: M.
Sireeſe: K
deſ: Dr. C.
für den Ho
H. Qneiſch; ſür den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart”,„ Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr
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10
Nummer 143
Sonmtag, den 24. Maf 1931
Seite 13
Wieder Kakapultflugdienſt von Bord der „Bremen”.
Das Kaiſerdock in Bremerhaven nach der Erweikerung ferkiageſtellt.
Katapultſtart des Flugzeugs „New York” von Bord des Ozeandampfers „Bremen”.
Mit Anbruch des Sommers wird auf den beiden größten deutſchen Ozeanſchiffen „Europa” und
„Bremen” der Flugdienſt wieder aufgenommen werden. Die Flugzeuge werden mit Katapult
geſtartet und erreichen das Reiſeziel einen halben Tag früher als das Schiff.
Das Kaiſerdock II in Bremerhaven
iſt jetzt um 67 Meter verlängert worden, um auch die größten Dampfer aufnehmen zu können.
Die Anlage ſtellt nach dem Umbau das zweitgrößte Trockendock der Welt dar.
Reich und Ausland.
Ein Wirt von ſeinem Untermieter um drei Mark
erſtochen.
Frankfurt a. M. Am Freitag abend kam
eis in der Lahnſtraße zwiſchen dem Gaſtwirt
Wen=
dielin Köhler und ſeinem Untermieter, dem
ar=
beitsloſen Schuhmacher Hild, zu Streitigkeiten
wegen einer elektriſchen Anlage im Werte von
drei Mark. Dabei ergriff plötzlich Hild ein
feſt=
ſtehendes Meſſer und tötete den 40jährigen
Gaſt=
uiirt Köhler durch mehrere Stiche. Hild wurde
fiſtgenommen und gab an, in Notwehr gehandelt
zur haben.
Tödlicher Motorradunfall.
Wiesbaden. Vergangene Nacht forderte
em Motorradunfall wieder zwei Menſchenleben.
Der Muſiker Koch fuhr in der Platterſtraße mit
ſtänem Motorrad gegen einen Baum. Er erlitt
ſcowere innere Verletzungen und war ſofort tot.
Tzer auf dem Soziusſitz mitfahrende Schloſſer
Stpäth, der dem Muſiker kurz vorher bei der
Beſeitigung einer Panne behilflich war, und nur
mitfuhr, um die Behebung des Fehlers zu
kon=
trollieren, erlitt einen ſchweren Schädelbruch, an
diſſen Folgen er ſchon bei ſeiner Einlieferung ins
Krankenhaus ſtarb.
Zwei Motorradfahrer tödlich verunglückt.
Mannheim. Auf der Straße zwiſchen
Meckarau und Freudenheim ereignete ſich ein
ſchweres Motorradunglück. Der 26jährige
Schloſ=
ſar Friedrich Klump und der 30jährige Händler
Arritz Muley wollten ein Motorrad ausprobieren.
Siie kamen dabei, vermutlich einer an der Straße
ſtiehenden Schutzſtange zu nahe und ſtürzten.
Da=
biei erlitten beide ſo ſchwere Verletzungen, daß
Hlump bei der Einlieferung in das Krankenhaus
bereits geſtorben war, während Muley bald
darauf ſtarb.
Gasvergiftungen in Nürnberg.
Nürnberg. Bei ſtädtiſchen Facharbeiten
uu der Vorſtadt Mögeldorf ereignete ſich geſtern
mittag ein ſchweres Unglück. Zwei Arbeitern,
dze infolge Gasvergiftung bewußtlos geworden
waren, wollte ein dritter Arbeiter Hilfe
brin=
gaen, wobei er ebenfalls eine Gasvergiftung
er=
lict. Alle drei Arbeiter ſind der Vergiftung
er=
logen. Bei den erſten Bergungsverſuchen der
Twten erlitten auch zwei Feuerwehrleute trotz
Gasmasken ebenfalls ſchwere Gasvergiftungen.
Zuurzeit iſt man bei ihnen mit
Wiederbelebungs=
verſuchen beſchäftigt.
Verbrecheriſcher Anſchlag auf einen Güterzug?
Nürnberg. Der aus Richtung Bamberg
kammende Eilgüterzug 5322 fuhr am Samstag
mittag in der Nähe des Einfahrtſignals von
Fürth auf einen am Gleis liegenden Kultivator
auf und ſchleuderte ihn beiſeite. Es wird ein
vrbrecheriſcher Anſchlag angenommen. Für die
Ergreifung der Täter iſt eine Belohnung von
200 Mark ausgeſetzt worden. Perſonen wurden
nicht verletzt. Der Schaden iſt gering.
Schweres Grubenunglück bei Schmiedefeld.
Bisher 4 Tote geborgen.
Schmiedefeld Kr. Saalfeld. Am
Sams=
tag ſtürzte bei Arbeiten im Schachte auf der
hie=
ſiuxen Eiſenſteingrube die Bühne ein und
ver=
ſa üttete 6 Mann von der Frühſchicht, die auf der
Schachtſohle gearbeitet hatten. Durch die
Geiſtes=
gngenwart des Betriebsführers konnten im
letz=
tem Augenblick vier weitere Mann zurückgeriſſen
weerden. Der Schacht hat eine Tiefe von 50
Me=
tenn ohne Seitenſtollen. Die Rettungsarbeiten
wurden ſofort aufgenommen. Bis zum Mittag
waren vier Tote geborgen. Zwei Verſchüttete
be=
ſiiden ſich noch unter den Trümmern. Die
Ber=
buungsarbeiten verurſachen große Schwierigkeiten,
d= ungefähr 100 Lohren Geſteinsmaſſen beiſeite
ſchaffen ſind. Man vermutet, daß ſich beim
Näederlegen eines Streben ein Steinblock gelöſt
hert, wodurch die Bühne in den Schacht ſtürzte.
Das Skreſemann=Ehrenmal in Mainz vor der Vollendung.
Blick in den Innenraum mit der Büſte Streſemanns.
Das Ehrenmal für den verſtorbenen Reichskanzler und Außenminiſter Streſemann in Mainz
geht ſeiner Vollendung entgegen und ſoll am 5. Juli feierlich eingeweiht werden.
Erſtes Originalbild von den Unruhen in Kairo.
Ausgebrannter Straßenbahnwagen in Kairo, den die Wafd=Anhänger in Brand ſteckten.
Anläßlich der Wahlen zum ägyptiſchen Parlament kam es in Kairo und anderen Städten
Aegyptens zu ſchweren Zuſammenſtößen zwiſchen der Polizei und den Anhängern der Wafd=Partei.
Die Kämpfe zogen ſich über mehrere Tage hin und koſteten bisher über 30 Tote.
Werkſtättenfahrt des Do. X 2.
Altenrhein. Von den beiden
Schweſter=
flugſchiffen des Do. X, die ſeit vorigem Jahr
auf der hieſigen Dornierwerft für Rechnung der
italieniſchen Regierung im Bau ſind, hat eines,
der Do. X 2 heute früh eine kurze
Werkſtätten=
fahrt ausgeführt. Das Flugſchiff ſtartete gegen
8 Uhr morgens vor der Altenrheiner Werft er=
hob ſich leicht in die Luft und führte einen
kur=
zen Flug quer über den Bodenſee aus. Nach
etwa 20 Minuten iſt das Flugſchiff wieder vor
der Altenrheiner Werft gelandet. Außer der von
der Werft geſtellten Beſatzung befanden ſich auch
einige Mitglieder der italieniſchen
Abnahmekom=
miſſion an Bord. Weitere Flüge zum Einfliegen
des Flugſchiffs ſind für die nächſte Zeit in
Aus=
ſicht genommen.
Holland banf Rieſenzeppeline
für die Skrecke nach Holländiſch=Indien.
London. Wie „Daily Expreß” meldet, ſind
die holländiſchen Pläne für den Bau von
Rie=
ſenzeppelinen nunmehr fertiggeſtellt worden, die
mit 100 und mehr Paſſagieren den regelmäßigen
Verkehr zwiſchen Holland und Holländiſch=Indien
in 4½ Tagen bewältigen ſollen. Mit dem Bau
der Luftſchiffe ſoll in Kürze begonnen werden.
Hinter dem Plan ſtehen die Niederländiſche
Dampfſchiffahrtsgeſellſchaft und der Königl.
Hol=
ländiſche Lloyd in Amſterdam. Die
Sachverſtän=
digen haben ſich erſt nach eingehendem Studium
aller in Betracht kommenden Luftfahrzeuge zum
Zeppelintyp entſchieden, der allein hinreichende
Schnelligkeit, Sicherheit und Rentabilität auf
dieſer Rieſenentfernung vereine.
Unwetterkataſtrophe in Rumänien.
Bukareſt. Mehrere Stadtviertel von
Ga=
latz wurden infolge der ſtarken Regengüſſe der
letzten Tage derart überſchwemmt, daß die
Stra=
ßen geräumt werden mußten. Die Rettung der
Bewohner konnte in vielen Fällen nur über Not=
Brücken oder in Kähnen erfolgen. Viele
Häu=
ſer ſtürzten ein. Beſonders kataſtrophal ſind die
Wirkungen des Unwetters in dem Viertel Neu=
Galatz, wo 500 Häuſer unter Waſſer ſtehen. Auch
im Zentrum der Stadt ſind ſchwere Schäden zu
beklagen. In der Provinz mußten infolge der
Ueberſchwemmungen mehrere Dörfer geräumt
werden. Menſchenleben ſind nicht zu beklagen:
Bankräuber fliehen in einem geſtohlenen
Flugzeug.
Pontiac (Michigan). Eine
Verbrecher=
bande, der es gelungen war, bei einem
Bankein=
bruch eine Summe in Höhe von rund 60 000
Mark zu erbeuten, iſt in einem gleichfalls
ge=
ſtohlenen Flugzeug entflohen. Man machte ſich
ſofort an ihre Verfolgung, ſo daß ſie zu einer
Landung in der Nähe von Chatham gezwungen
waren und das Flugzeug im Stiche laſſen
muß=
ten. Sie konnten in Toronto verhaftet werden,
wo man ſie daran erkannte, daß in ihrem
Hotel=
zimmer der erbeutete Betrag in einer Zeitung
aus Pontiac eingewickelt aufgefunden wurde.
Skudium an einer deutſchen Univerſikät
als Haupkpreis eines amerikaniſchen
Skudenkenweikbewerbs.
Miß Mary Kennedy,
eine junge amerikaniſche Studentin, iſt die
Ge=
winnerin eines Wettbewerbs, den das Inſtitut
für internationale Erziehung in Waſhington
ausſchrieb. Der Preis beſteht in der Gewährung
aller Mittel für ein vollſtändiges Studium an
einer beliebigen deutſchen Univerſität.
Seite 14
Sonntag, den 24. Mai 1931
Nummer 143
Statt Karten.
Unſer Hans=Walter iſi heute angekommen.
Ferdinand Löſch und Frau
Elli, geb. Pröbſiel.
Arheilgen, den 22. Mai 1934
Zt. Privatklinik Dr. Wolff und Dr. Hoffmann
z=
Darmſtadt, Riedeſelſtr. 32.
Statt Karten.
Ihre Verlobung beehren sichanzuzeigen
Lina Dächert
Willi Seibert
Pfingsten 1931
Eberstadt a. d. B.
N. Darmstädterstr. 56
Darmstadt
Kahlertstr. 17
Adelheid Hoffmann
Theo Dicke
Verlobte
Darmſtadt, Pfingſten 1934
Rhönring 41
Heinrichsftraße 70
Mathilde Lauth
Wilhelm Emich
Verlobte
Pfingsten 1931
Schornsheim (Rheinhessen)
Darmstadt
Ihre Verlobung geben bekannt
Maja Winter
Dr.=Ing. Adolf Gehbauer
Groß=Gerau
Mainzerſtraße 15
Darmſiadt
Nieder=Ramſtädterſtraße 69
O7
I6r 3530 3r 3 2rr2r2 442
Ihre Verlobung geben bekannt
Erna Sting
Eduard Leuze
Darmstadt
Palleswiesenstr. 26
Gerichtsteferendar
Pfingsten 1931
Sondelfingen
K4
Afr 2r434542
Statt Karten
Dr. Julius Fetzer
Geftrud Fetzer geb. Knapp
Vermählte
Darmstadt
Roquetteweg 7
Bingen a. Rh.
Rochusstr. 6
Im Wingeri 8
Statt Karten.
Kätha Lehr
Ernſt Barthel
Verlobie
Pfingſten 1934
8151
Rhönring 25
Statt Karten.
Lena Hey
Adolf Velten
Verlobte
Ihre Vermählung beehren ſich anzuzeigen:
Walter Weisgerber, Metzgermeiſter
Anna Weisgerber, geb. Volz
Darmſtadt, den 20. Mai 1931.
Kiesſtraße 59
Kirchliche Trauung am 1. Pfingſifeiertag, nachmittags 2 Uhr,
in der Stadtkapelle.
Liſelott Eggersſ
Als Verlobte grüßen
cand. rer. gymn.
Dipl. Ing. Baron Gert Zoege
Warie Baumenn
von Manteuffel
Wendelin Först
Verlobte
Potsdam und Berlin
Pfingſien 1931 (8157
Rhönring 33 () Heidelbergerstr. 28
Darmstadt
N.-Ramstädterstr. 11
Pfingsten 1931
Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen
Betty Maul
Reinhold Hartmann
Chefdekorateur
Im Wingert 17
Baden-Baden
Pfingsten 1931
Hermann Ling
U. Frau Grefel, geb. Schupp
beehren sich ihre Vermählung anzuzeigen
Darmstadt, Viktoriastraßa 55, I.
Pfingsten 1931
Otto Dude
Elſe Dude
geb. Kräuter
Vermählie
Darmſiadt
Rhönring 125
Kirchl. Trauung: 2. Pfingſitag, nachmittags 2 Uhr in der
Martinskirche
Hilde Steger
Karl Aßmuth
Verlobte
Heinheimerstr. 42 Rhönring 13
Pfingsten 1931
Herbert Knötzele
Gretel Knötzele
geb. Schweinsberger
Vermählte
Die kirchliche Trauung findet am
2. Feiertag 2½ Uhr in der
Petrus-
kirche statt.
Darmstadt, Sandbergstr. 35
Heute iſt unſere liebe Mutter, die treu ſorgende
Groß=
mutter ihrer 4 Enkel, unſere gute Schwägerin u. Tante
Frau dr. Hans Schott Awe.
verwitw. Dr. Rudolf Schwarz
geb. Anna Eppelsheimer
erlöſt von langem Teiden für immer von uns gegangen.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
Hedwig Kohlſchütter, geb. Schott
Emilie Schott
Dr. Reinhard Kohlſchütter.
Darmſiadt, den 22. Mai 1931.
Martinſtr. 2½
Die Beerdigung findet am Dienstag, den 26. Mai, ½12 Uhr,
von der Kapelle des Friedhofes an der Nied.=Ramſtädterſtraße
aus ſtatt.
18163
Todes=Anzeige.
Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung.
daß mein lieber Gatte, unſer guter Vater,
Schwie=
gervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel
Georg Muller
im 56. Lebensjahr nach langem ſchweren Leiden
ſanft entſchlafen iſt.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Lenchen Müller, geb. Salomon
und Kinder.
Darmſtadt, den 23. Mai 1931.
Ballonplatz 3.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 26. Mai,
nach=
mittags 2½ Uhr, auf dem alten Friedhof an der
Nieder Ramſtädterſtaße ſtatt
Todes=Anzeige.
Am Freitag früh entſchlief nach langem, mit
Ge=
duld ertragenem Leiden meine liebe Mutter,
Groß=
mutter, Urgroßmutter, Schweſter und Tante
Frau
Eiſe Henrich Owe.
geb. Aßmuth
im nahezu 82. Lebensjahr.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Clara Eichentopf Wwe.
geb. Henrich.
(
Darmſtadt den 23. Mai 1931.
Ludwigshöhſtr. 20.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 26. Mai 1931,
vormittags 11 Uhr, von der Kapelle des Waldfriedhofs
aus ſtatt.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unſere
liebe, gute Mutter, Großmutter,
Schwieger=
mutter, Schweſter und Tante
Polz
geb. Olbert
Hauptlehrerswitwe
nach langem ſchweren Leiden im Alter von
71 Jahren zu ſich zu nehmen
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Fritz Lautenſchläger
Nieder=Ramſtädterſtr. 64
Willi Volz u. Frau, Roßdörferſir. 87.
Darmſiadt, den 22. Mai 1931.
18176
Die Beerdigung ſindet Dienstag, den 26. Mai,
nach=
mittags 3 Uhr, auf dem alten Friedhof an der Nieder=
Ramſtädterſiraße ſtatt.
Todes=Anzeige.
Plötzlich und unerwartet
ver=
ſchied unſer langjähriges
Ver=
einsmitglied
Kamerad
Beerdigung findet am
Diens=
tag, den 26. Mai, nachmittags
2½ Uhr auf dem alten
Fried=
hof. Nieder=Ramſtädterſtr., ſtatt.
Zuſammenkunft um 2¼ Uhr
am Portal des Friedhofes. Um
zahlreiche Beteiligung der
Ka=
meraden wird gebeten.
8146)
Der Vorſtand.
Schönheit hat kein Alter!
igem Tett kann
Mit ab
der ein
5o
A 3e
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[ ← ][ ][ → ]
Nummer 143
Sonntag, den 24. Mai 1931
Seite 15
Statt beſonderer Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben Mann, unſeren
guten Vater, Schriegerſohn, Schwager, Neffe, Vetter und Onkel
Herrn Ludwig Grahn
heute vormittag, wohlverſehen durch die hl. Sterbeſakramente in die
Ewigkeit abzurufen.
In tiefer Trauer:
Marga Grahn, geb. Gerbens.
Giſela, Roſemarie und Karl=Heinz.
Darmſtadt, Weiterſtädterſtr. 8, den 23. Mai 1931.
Die Beerdigung findet Dienstag, nachmittags 4 Uhr, von der Kapelle
des alten Friedhofes. Nieder=Ramſtädterſtraße, aus ſtatt.
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im Leib=Dragoner Regiment Nr. 24.
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Die Beerdigung findet ſtatt am
Dienstag, den 26. Mai d. J.,
vor=
mittags 10½ Uhr auf dem
Fried=
hof an der Nieder=Ramſtädterſtr.
Wir bitten um zahlr. Beteiligung.
Der Vorſtand.
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Seite 16
Sonntag, den 24. Mai 1931
Nummer 143
Einträge in das Handelsregiſter
Ab=
teilung 4: Am 18. Mai 1931
hinſicht=
lich der Firma: Dr. Otto C. Strecker,
Darmſtadt: Marie Effler in Darmſtadt
und Marie=Luiſe Colliſchonn in
Darm=
ſtadt ſind zu Geſamtprokuriſten beſtellt
derart, daß ſie gemeinſchaftlich zur
Ver=
tretung der Geſellſchaft und zur
Zeich=
nung der Firma befugt ſind.
Am
19. Mai 1931 hinſichtlich der Firmen:
Chriſtian Hörr, Darmſtadt: Alfred
Mickel, Kaufmann in Darmſtadt, iſt
zum Prokuriſten beſtellt.
2. Georg
Thies Nachfolger,
Hofmuſikalienhand=
lung, Darmſtadt: Die Firma iſt
er=
loſchen. — Abteilung B: Am 16. Mai
1931 hinſichtlich der Firmen: 1.
Darm=
ſtädter Samenhandels= u. Verwertungs=
Aktiengeſellſchaft, Darmſtadt: Durch
Be=
ſchluß der Generalverſammlung vom
. April 1931 iſt die Geſellſchaft mit
Wirkung von dieſem Tage an aufgelöſt.
Der bisherige Vorſtand Ernſt Hermes,
Kaufmann in Darmſtadt, iſt zum
allei=
nigen Liquidator beſtellt.
Indu=
ſtrie, Gemeinnützige Baugeſellſchaft mit
beſchränkter Haftung, Darmſtadt: Durch
Beſchluß der Geſellſchafterverſammlung
vom 28. April 1931 iſt die Firma
ge=
ändert in: Induſtrie, Geſellſchaft für
Werkswohnungen mit beſchränkter
Haf=
tung. — Nach dem gleichen Beſchluß iſt
jetzt Gegenſtand des Unternehmens:
Er=
ſtellung und Verwaltung von
Klein=
wohnungen, die Forderung des
Baues
ſolcher Wohnungen und die Betei
ung
an verwandten Unternehmungen.
Durch den vorerwähnten Beſchluß iſt
der Geſellſchaftsvertrag geändert und
ergänzt.
(8197
Darmſtadt, den 23. Mai 1931.
Amtsgericht I.
In unſer Handelsregiſter wurde
ein=
getragen:
Nr. 14: Firma Gg.
Ber=
nius 3. in Reinheim: Die Firma iſt
er=
loſchen.
Nr. 70: Firma Georg Nikolaus
Stühlinger III. zu Reinheim: Das
Ge=
ſchäft nebſt Firma iſt im Wege des
Pachtvertrags auf den Kaufmann
Mar=
tin Süßmann in Reinheim
übergegan=
gen. Die Firma wird mit dem Zuſatz
„Nachfolger” weitergeführt. Die im
Be=
triebe des Geſchäfts begründeten
Ver=
bindlichkeiten gehen nicht auf den
Nach=
folger über. Die Prokura des Richard
Burger jun. in Reinheim iſt erloſchen,
ebenſo die Geſamtprokura des Kauf=
Kauf=
manns Friedrich Weber und des
manns Heinrich Boll, beide in
Rein=
heim.
(8175
Reinheim, den 11. Mai 1931.
Heſſiſches Amtsgericht.
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Verſteigerung.
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Soesem den
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Wem ich an Pfingſten in meiner Kindheit denke, ſo
ver=
bindet ſich damit unlösbar das ſonnenleuchtende Bild eines
alten Gartens voll Flieder= und Goldregenduft, über dem ſich
ein tiefblauer Himmel ſpannte, und einer weinumſponnenen
Laube, durch welche der Stamm einer herrlichen, breitäſtigen
Ulme ging. Im Laufe der Jahre hatte dieſe Laube immer
mehr an Vollkommenheit zugenommen und zuerſt ein
beteer-
tes Dach, dann einen Holzfußboden und ſchließlich
ſonnen=
ſchützende Markiſen bekommen. Sie war unbedingt die
ſchönſte Laube im ganzen Garten, welcher deren noch eine
Anzahl in primitiverem Suſtande beſaß. Unſer Haus, eine
regelrechte Mietskaſerne, beherbergte viele kinderreiche
Familien, die ſich alle beim Einzug eine Laube ſicherten,
ſo=
lange der Vorrat reichte. Dieſe Lauben waren das Glück
unſerer Kindheit, und die Großſtadtkinder, die keinen
eige-
nen Garten und nicht frohe Spielkameraden kennen, die
wiſſen gar nicht, was für ein großes Stück Poeſie ſie aus
ihrem Leben ſtreichen müſſen. Wie reizend waren die
gegen=
ſeitigen Beſuche in den Lauben mit unſeren Puppen, das
Cheaterſpielen, wobei die nächſte Laube als Garderobe, die
übernächſte als Erfriſchungsraum in den Pauſen dientel
Oder wenn ſich zwei mal „böſe” waren, wie intereſſant
ge=
ſtaltete ſich dann die Laube als Schmollwinkel oder
Verſöh=
nungsbude! Es kam aber auch vor, daß zwei ſich „gut”
waren, ſehr „gut” — und dieſe zwei verſchiedenerlei
Ge=
ſchlechts und in der Maienzeit des Lebens waren —, dann
war es in den Lauben erſt recht ſchön. Man tat ſo, als
küm=
merte man ſich nicht umeinander, las in einem Buch und
blinzte doch oft und öfter durch die Weinranken hinüber,
und wenn das mal zu gleicher Seit geſchah, daß die Augen
ſich haſchten und ineinander verſanken — wie war es doch
da auf einmal ſo heiß und eng in dem kühlen Gezelt und
doch ſo urſchuldig ſelig in dieſer gründämmernden Enge!
Doch ich wollte ja von unſerer Laube zu Pfingſten
erzäh=
len, wo ſie uns imer am liebſten war. fingſten mußte es
ſchönes Wetter ſein, das ging gar nicht anders, und ich kann
mich auch, ſo viel ich nachdenke, nicht auf ein verregnetes
Seſt beſinnen. Da war ſchon in aller Frühe ein fröhliches
Leben im Garten, man hörte Caſſen klappern, Löffel klirren
und lachende Surufe hinüber und herüber erſchallen. Auf
dem Ciſch ſtand ein großer Fliederſtrauß, und der mächtige,
ſchokoladenüberzogene Napfkuchen — denn Semmeln gabs
gottlob an beiden Seiertagen nicht —, und wir Kinder
prang=
ten in ſteifgeſtärkten, hellen Kattunkleidern und weißen
Schürzchen. Wie da der Cau in tauſend klaren Cröpfchen
an Gras und Blume hing, wie alles blühte und duftete — es
war unbeſchreiblich ſchön. Auch die kleinſten Herzchen
emp=
fanden da tief die Wonnen der Unberührtheit eines
er=
wachenden Cages, und wir Kinder meinten, daß man auch
der Natur ganz genau das Feſtgewand anſähe. Als wir aber
dem Vater erklären ſollten, wieſo und warum, da wußten
wir alle keine regelrecht begründete Antwort.
In der Laube aber wurde nun getafelt. O, wenn man
heute noch den Appetit von damals hätte! Wie ſchmeckte
doch alles ſo herrlich! Und dann ſangen die Glocken von
der Stadt herüber. Wir kannten ſie alle recht gut, vor allem
die tiefe von der Martinskirche. Die tönte lang nach und
miſchte ſich mit den helleren Klängen der Herz=Jeſu=Glocke.
Dann das hohe ſchnelle Geläut, das kam von den
barmher=
zigen Brüdern, und das zaghafte zögernde Klingen, das wie
eine tränenreiche Altſtimme zum Gottesdienſt lud, das war
die ſchöne Glocke drüben von St. Markus. Und die Klänge
ſchwollen zu mächtigen, feierlichen Akkorden an und tönten
harmoniſch durcheinander, in die Stille des feſttäglichen
Morgens hinein und läuteten uns Andacht in das Herz, daß
wir ganz ſtill ſaßen und jeder ſeinen Gedanken nachhing. Und
ein kleiner Poet unter uns, der wußte, daß man beim
Muſi=
zieren ſchon ſtill ſein muß, meinte flüſternd: „Sieh, Mama,
nun machen die Englein Muſik für uns!‟ Das Knirpschen
faſtete, die beiden Hände und ſchaute ganz froh, an dem
Schokoladenkuchen vorbei.
Die Mutter ließ dann abräumen, worauf ſich alles zur
Kirche begab, die im Schmuck der friſch=grünen Birken
ungemein maleriſch ausſah. Vor jedem Haus ſtanden zu
beiden Seiten der Eingangstür zwei ſchlanke, jungfräuliche
Birkenſtämme, ſogenannte „Pfingſtmaien”; die fächelten
mit ihren jungen Blättchen und zitterten im leichten Winde
und ſahen unendlich lieblich aus. „Komm, heil’ger Geiſt,
kehr bei uns ein”, ſang die ganze Gemeinde zu brauſenden
Orgelklängen. Das tat der Organiſt auch nur am
Pfingſt=
feiertag, daß er alle Negiſter zog und das kleine Gotteshaus
mit all den Andächtigen wie durch ein wogendes Meer von
Conwellen überfluten ließ. Nachher war der Vater ganz
einverſtanden damit, daß die Poeſie des Pfingſtmorgens
gegen Mittag allmählich materiellere Geſtaltung annahm;
er fand, daß zur Abwechſlung nach Flieder= und
Goldregen=
auch der Spargel= und Feſtbratengeruch recht angenehm ſei.
Am Nachmittag wiederholte ſich dasſelbe Bild wie am
Morgen. In allen Lauben ein fröhliches Creiben und
gegen=
ſeitiges Beſuchen. Sur Feier des Cages rauchte der Vater,
der ſparſame, genügſame Mann, eine Sigarre und erzählte
von weiten Neiſen, die er in jüngeren Jahren unternommen.
Seine lebendige Art der Schilderung lockte erſt den einen,
dann den anderen Hausbewohner an, ſtehen zu bleiben, bis
ſchließlich ſämtliche Laubeninſaſſen herbeikamen. Des Vaters
köſtlicher Humor tat ſeine Wirkung; ſein Vortrag war
überaus anſchaulich und von allerlei luſtigen Einfällen
durch=
würzt, ſo daß namentlich für die Jugend jedes Erlebnis ſich
zu einem plaſtiſchen Bilde auswuchs. Und wenn dann der
Cag in Dämmerung und Abend überging, wenn in allen
Lauben rotverſchleierte Lampen aufleuchteten, wie war das
erſt recht köſtlich für uns. Geheimnisvolle Schleier wob die
Nacht um unſeren Garten, den wir ſonſt nur ſelten um dieſe
vorgeſchrittene abendliche Stunde ſahen, und der nun eine
ganz andere Geſtalt für uns annahm. Phantaſtiſche Bilder
aus Märchen und Sagen, die vom beſonderen Sauber der
Nacht erzählten, ſpannen uns ein, während Marienwürmchen
ihr lautlos neckiges Spiel um uns trieben und der Mond die
ganze Umgebung mit ſeinem ſchimmernden Silberlicht
über=
goß. Armverſchlungen wandelte man in den wohlbekannten
Wegen, die am Tag ſo viele munter ausſchreitende Füße
begingen, Wege, die nun, in der fremdartigen Beleuchtung,
ſo ganz anders, ſo geheimnisvoll anmuteten. Wie ſchön. und
voll Poeſie war damals die Welt in der Maienzeit, in der
Pfingſtzeit des Lebens.
Ennnannnnnnnganannnnnnnnnnnnn
Aanz
HHHAHEnnnanannneEnennnnt
HAnAI
[ ← ][ ][ → ] Ueber die Unterſchatzung des
Publikums in unſeren Cheatern.
Von Nudolf G. Binding.
In einer der bedeutendſten und kultivierteſten Städte unſeres
Landes wurde jüngſt ein ſehr ſchlechtes Cheaterſtück aufgeführt.
Es war angeblich ein Luſtſpiel. Ich beſuchte an jenem Abend die
Uraufführung nicht gerade mit großen Hoffnungen, aber ohne
Angſt und Voreingenommenheit. Denn die Bühne der Stadt,
von der ich ſpreche — ja ſogar die Bühnen dieſer Stadt
ſtehen in ihren Darbietngen auf großer und gleichmäßiger Höhe.
Ich darf daher verraten, daß es die Stadt F. iſt, von der ich
ſpreche. Indes: Das Stück war ſchlecht. — Woher ich das weiß?
oder welches Kennzeichen ich dafür habe? — Es gibt einen ganz
untrüglichen Beweis für ſolche Fälle, den das Publikum liefert:
teilnahmslos davonzugehen. Kein Menſch von unten bis oben
und von oben bis unten in den Nängen konnte die geringſte
Ceil=
nahme oder mehr als ein erzwungenes Vergnügen aufbringen.
Kein Menſch — das darf man mir glauben — hätte ſich das
an=
gebliche Luſtſpiel zum zweiten Mal angehört. Ein Stück aber,
gebliche Luſtſpiel zum zweiten Male angehört. Ein Stück aber,
nicht wert, daß man es das erſtemal ſieht. Eine ſolche Forderung
mag für andere Darbietungen und andere Bühnen, für Filme,
Sirkus, Varieté, Belehrungen und Vorträge übertrieben ſein.
Für das Cheater — die Kunſt alſo — iſt ſie ſicher nicht
über=
trieben. Ich geſtehe, daß es ein faſt untrüglicher Wertmeſſer für
ein gutes Stück iſt, ſich zu fragen, ob man es wohl ein zweites
Mal ſich anſehen würde — hier oder ſpäter. Die Aufführung, die
Darſteller ſprechen natürlich mit; aber ich ſagte ja ſchon, daß die
Aufführung dieſes Cheaters, und ſo auch dieſe, von der ich ſpreche,
auf großer Höhe ſtanden.
Warum führt man ein ſolches Stück auf?
Ich ergreife die
Partei des Publikums gegen das Cheater. Man unterſchätzt das
Publikum. Dies hat ſehr gewichtige Folgen. Wenn man es
unterſchätzt, wird der theaterfreudige und theatergewohnte Ceil,
dies fühlend, nach und nach ausbleiben. Der noch nicht
theater=
gewohnte Ceil, der junge und unerfahrene Nachwuchs, aber wird
früh enttäuſcht und erhält jedenfalls von der Wichtigkeit und
Bedeutung, ich möchte ſagen: Heiligkeit des Cheaters, eine ganz
falſche Vorſtellung. Dieſe Theaterjugend erhält einen falſchen
Maßſtab. Sie wird nicht dadurch in das Cheater gezogen, daß
man ihr derartiges zmutet. Ein Cheater aber, welches eine
dauernde Inſtitution ſein will, muß ſich ſein Publikum erziehen.
Das Schlechteſte, was ihm angetan werden kann, iſt — wie in
dieſem Falle — zu unterſchätzen. Und in dieſer Beziehung ſteht
die Stadt, von der ich ſpreche, nicht allein da. Eine ähnliche und
vielleicht noch häufigere Unterſchätzung erfährt da und dort das
Publikum anderer Städte, und dann wundert man ſich, daß da
und dort nach und nach der Cheaterbeſuch zurückgeht oder, wenn
er nicht zurückgeht, doch nun trotz allerhand Verſuchen — unter
denen auch der weiterer Unterſchätzung zu nennen iſt — der
Be=
ſuch und die Anteilnahme am Cheater nur mit Not und durch
geheime Freikarten aufrechtzuerhalten iſt kein rechtes Leben
aufweiſt.
Man denkt, ich überſchätze das Publikum? — Das Publikum
als Ganzes hat vielleicht nicht ein unbedingtes Verſtändnis für
gute Stücke. Aber es hat als Ganzes ſicher einen unbeſtreitbaren
Inſtinkt für ſchlechte: eben jenen verzweifelten Ausdruck,
un=
beteiligt davonzugehen. Es iſt durchaus möglich und iſt
vor=
gekommen, daß das Publikum ein dichteriſch wertvolles, ein
gutes Stück ablehnt. Aber es geht aus einem ſolchen Stück nicht
völlig unbeteiligt davon. Es iſt wahr: das Publikum benimmt
ſich vielfach heutzutage ſchlecht oder verſtändnislos in den
Cheatern. Es lacht an den falſchen Stellen. Es iſt, je
aufgeklär=
ter es ſein ſollte (beſonders auf den teueren Plätzen), leicht
belei=
digt. Es hat keinen oder wenig Humor gegenüber ſeinen eigenen
Schwächen oder den Schwächen der Geſellſchaft, die ihm auf der
Bühne ſehr geiſtreich oder vielleicht zunächſt ſehr kraß vorgetra=
gen und vorgehalten werden. Die Wirklichkeit und Wahrheit
des Dichters iſt ihm oft unbequem, daher es ſie in ſeine eigene,
bequemere und bekanntere umkorrigieren möchte. Es kommt
vielfach kühl und ohne große Bereitſchaft in die Cheater. Es
hat wenig Achtung vor Kunſt und Dichtung und iſt der Anſicht,
das ſei eine Art Luxus. Es tut ein gutes Werk, wenn es
er=
ſcheint (manche wenigſtens denken und fühlen ſo). Es wird oft an
der falſchen Stelle des Stückes moraliſch und liebt das
Sentimen=
tale. Es iſt bereit, Kitſch ſchön zu finden, und ſchmunzelt über
ſeine Bereitſchaft. Es wird leicht vom Szeniſchen, ſelbſt von den
Kuliſſen, von Ausſtattung, Koſtüm und Nequiſit beeinflußt und
weiß nicht, daß Hamlet im Frack und im Kleid unſerer Seit zu
ſpielen den Schauſpielern unſerer Seit im Grunde überzeugender
gelingen müßte als auch nur eine einzige Bewegung in den
Crach=
ten, Gewohnheiten und Sitten einer vergangenen, die ſie nicht
kennen und nur obenhin zu erlernen vermögen. (Eine andere
Nolle ſpielt die Maske des Schauſpielers. Dieſe darf und ſoll
das Publikum durchaus wichtig nehmen. Die Maske des
Schau=
ſpielers bildet einen inneren, weſentlichen Ceil allen
Cheater=
ſpielens. Von ihr ging alles Cheater aus. Sie hat eine ungeheure
Ausdrucksfähigkeit und Ausdruckspflicht, die dem äußeren
Aus=
ſtattungs= und Kuliſſenweſen nicht zukommt.)
Alle die Sehler, die hier aufgeführt wurden und vielleicht noch
andere, macht das Publikum. Aber es macht dieſe Fehler eben
zum guten Ceil deswegen, weil man es — ſeit langem zu gering
einſchätzt. Man hat nämlich vergeſſen, was eigentlich ein
Publi=
kum im Cheater iſt. Das Publikum i Cheater — ich meine
jetzt die großen ſtädtiſchen und ſtaatlichen Cheater, die ſich als
Cräger einer öffentlichen Aufgabe fühlen — iſt doch wohl nichts
anderes als das Volk im Cempel ſeiner Kunſt. In einem Cempel
alſo jener Kunſt, ohne deren fortwährende Wirkſamkeit ein Volk
unmittelbar eines gewaltigen, von ihm ſelbſt geſchaffenen Wertes
verluſtig gehen würde. Denn Kunſt iſt ein Ausdruck der Nation.
An dieſem Ausdruck der Nation kann das Publikum in den
Cheatern in einer ganz beſonderen Weiſe, nämlich gleichzeitig
und als eine Gemeinde, teilnehmen. Es iſt durchaus keine
un=
zuſammenhängende, zufällige Menge, ſondern zu beſonderem
Sweck verſammelt. Und auch wenn das luſtige Stück geſpielt
wird, iſt dies ſo; denn es iſt eine ernſte Sache um die Heiterkeit.
Es iſt aber auch eine ernſte
Sache um das Publikum. Ich
glaube nicht, daß es einen
ein=
zigen Menſchen in einem Chea=
Wehe
ter geben wird, den nicht immer
von neuen wieder der geſentte. W6
Vorhang, der Naum, die Ge=
meinſamkeit, die Erwartung mit
einer gewiſſen Seierlichkeit und
Nt
Seſtlichkeit umgibt. Die
Ge=
meinde des Cheaters, das
Publi=
kum, will berührt werden. Es iſt
A
nicht zu gleichem verſammelt wie T
bei einer Wählerverſammlung
oder einem Fackelzug. Es iſt im=
*
mer noch ſo wie in Athen: daß
der Oberprieſter des Dionyſos
*
und der einfache Laſtträger zu
Fr G.
gleicher Seit im Cheater ſitzen
R
und daß die Vorſtellung ſie in
gleicher Weiſe angeht. Zu beiden
wird zu gleicher Seit geſprochen
— nicht das eine Wort zur
Ga=
lerie und das andere Wort zur
Loge oder zum Marmorſeſſel des
V
Dionyſosprieſters. Nur durch die
fluchwürdige und erniedrigende
17
Serlegung des Publikums in
Wreddsesitm ihen
Anſpruchsvollere und
Weniger=
anſpruchsvollere hat man die
Einheit des Publckums getrennt. Man ſpielt Schmarren, m
einen gewiſſen Ceil des Publikums (wie man meint) zu befrie
digen und unterſchätzt damit das Publikum. Man ſieht es nich
als „Volk im Cempel ſeiner Kunſt” und als Einheit an, und
kann man ſich nicht wundern, wenn es dieſe Einheit nicht mehi
iſt. Der Hoheprieſter des Dionyſos und der Laſtträger gehey
nicht mehr gemeinſam ins Cheater, ſondern jeder in das Stücks,
das ſeitens der Cheaterdirektion im Hinblick auf ihn ausgewählt
iſt. Der Dichter hat kein Publikum und das Publikum keinen
Dichter. Weiß man, was das für ein Volk heißt? Es hat
kei=
nen Ausdruck der Nation, keinen Ausdruck ſeiner ſelbſt, keinen
Ausdruck der Menſchheit. Statt des Dichters ſetzt man dem
Publikum — aus Gründen, wie man meint — ſo ab und zu, u
ja nicht zu anſpruchsvoll zu ſein, einen Wechſelbalg., für die
Anſpruchsloſen” vor. Wie kommt ein ſolcher in das Heiligtums
Und wenn man ſchon das Heiligtum nicht gelten laſſen wollte, das
Stadt=Cheater muß man doch wohl gelten laſſen. Als
öffent=
liche Inſtitution, als Bedürfnis des Volkes, als dunkel
empfun=
denen kulturellen Saktor — zu Laſt oder Vorteil (man weiß es
nicht genau) — erkennt man es ja durch hohe Suwendungen
au=
öffentlichen Geldern an. Darf auch mr der geringſte Ceil dieſer
öffentlichen Suwendungen für ein Stück ausgegeben werden, aus
dem das Publikum teilnahmslos nach Hauſe geht? Ein Stück.
das nur der Sweiteilung des Publikums in Anſpruchsvolle und
Anſpruchsloſe ſeine Sulaſſung verdanken kann? Wir ſagen nein
und ſind ein Ceil des Publikums. Es iſt nicht richtig, daß das
Publikum, welches in ſtädtiſche oder ſtaatliche Cheater geht,
un=
ſich, angeſtrengt von der Arbeit des Cages, teilnahmslos vor ein
leeres Spiel zu ſetzen. Nichts iſt ermüdender als Langeweile. Ee
wird ſich nicht langweilen. Es ſucht zwar vielleicht und gewiß
auch das Lachen, den Canz, den Witz und ſelbſt die Poſſe (als
volkstümliche Aeußerung), aber nicht die Oede, die Geiſtloſigkeit
und die Unterſchätzung. Das Cheater hat, wenn es auch ſeinerzeit
eine höfiſche Angelegenheit war, doch nie aufgehört, von ſeiten
der Dichter — alſo von ſeiten derer, die der Nation in ihrem
Werk Ausdruck geben — als eine Angelegenheit der
Nation genommen zu werden. Es iſt, da heute die höfiſchen
Cheater in Deutſchland verſchwunden ſind, nun der Pflege und
Hilfe der Städte und des Staates anheimgefallen. Dieſer
Heim=
fall gäbe nn endlich den Grund und die Pflicht, das Cheater
auch von dieſer Seite als nationale Angelegenheit zu erfaſſen.
Es iſt nur ein Nicht=Loskommen von früherem Mißachten und
eine Vergeßlichkeit, wenn man denkt, man dürfe und ſolle in den
Cheatern das Volk auch langweilen.
Für eine nationale Angelegenheit aber gibt es nur ein
Publikum: die Nation. Ich erkläre, daß ich ſowohl zu ſozial
als zu national veranlagt bin, um darauf zu verzichten, mit dem
Oberbürgermeiſter und ſeinem Vertreter, und dem letzten
Laſt=
träger zugleich einer Uraufführung beizuwohnen — natürlich
eder. Aber ich will nicht das beſchämende Gefühl haben, daß
das Publikum auch nur ein einziges Mal unterſchätzt wird.
Wir ſuchen immer nach Dingen, die uns einigen. Wo wir ſie
aber haben, wo wir wirklich ein Publikum zuſammenkriegen, das
dieſen Namen verdient — in den öffentlichen Cheatern —, da
nehmen wir die Gelegenheit nicht wahr. Da wird von Staat und
Stadt zwar — wie oft — manches, aber durchaus nicht das
Selbſtverſtändliche getan: das Publikum als Publikum, d. h. die
Nation im Cempel ihrer Kunſt, nicht zu unterſchätzen. Wird man
aufhören? Wird man es unterlaſſen, ſich an ſeiner Nation und
an dem, was man hat, ebenſowohl als an dem, was man hofft
im ganzen Lande zu verſündigen?
Die Ausſchüttung
des heiligen Geiſtes.
Von Erich Boyer.
Ich entreiße dieſes Erlebnis den Ciefen meines
Erinne=
rungsvermögens wr mit ſenem gelinden Schauer unmännlichen
Schamgefühls, das uns befällt, wem wir zu nicht ganz taktvollen
und moraliſch nicht ganz einwandfreien Jungenſtreichen innerlich
Stellung zu nehmen haben. Vor nicht ſehr langen Jahren habe
ich es noch gut und gern an feuchtfröhlichen Stammtiſchen
dröh=
nendem Gelächter begeiſterter Altersgenoſſen preisgegeben. Dann
kam eine Seit, in der ich es ad acta legte als eine Sache, die
mich nichts angeht, weil ſie ſich in der Periode jedem Menſchen
zugeſtandenen jugendlichen Uebermuts, ſozuſagen unter den
Sit=
tichen des wohlwollenden Paragraphen 51 begeben hat. Heute
drängt es mich wiederum, ſie ſo darzulegen, wie iſt ſie heute
über-
ſehe. Nicht, um mich zu rechtfertigen, ſondern um an dem
unfrei=
willigen Cräger der Hauptroäe, der heute noch lebt, die Schuld
in Form einer öffentlichen Beichte abzutragen.
Der Vorfall, von dem ich berichten will, hat ſich zugetragen
in einer Seit, die auch für ſchwerwiegendere Verfehlungen eine
Entſchuldigung iſt, im Frühling des Jahres 1919. Was ſich
da-
mals ſo auf den Bänken unſerer Pennälerklaſſe herumdrückte,
war eine etwas unterernährte Bande jugendlicher Cagediebe,
denen nichts auf der Welt heilig war, es ſei denn, der Glaube
an die eigene Unfehlbarkeit. Wir hatten den Weltkrieg mit
halbwegs offenen Augen miterlebt, hatten mancherlei Ideale
ſtürzen ſehen, und was da nicht von der Seiten Lanf geſtürzt wor=
den war, das ſtürzten wir eben ſelber, auf ein bißchen mehr oder
weniger kam es uns gar nicht an. Unſer Denken und Sinnen
bezog ſich in poſitiver Richtung auf die rotbemützten
Schülerin=
nen der nahen Handelsſchule, in negativer Nichtung hohnlächelnd
auf die Ablehnung all deſſen, was verzweifelte Pädagogen über
das Chaos der Nachkriegszeit hinüberzuretten verſuchten
Ich weiß nicht, ob es für die Jugend von damals andere
Möglichkeiten überhaupt gegeben hat. Die jüngeren Lehrkräfte
hatte der Krieg gefreſſen. So ruhte das ſittliche Wollen der
Schule auf den Säulen, die nur noch ſtanden, weil ihr morſches
Gefüge ſchon anno 1914 kriegsuntauglich geweſen war. Greiſen,
die von uns nicht nur durch Jahrzehnte, ſondern durch die
Ent=
fernung geiſtiger Welten getrenut waren.
Ihr pflichtgemäßes Beginnen, uns in die Sucht und Ordnung
ihrer ſittlichen Welt zu zwängen, war längſt nicht mehr Angriff,
ſondern Verteidigung. Verteidigung mit der falſchen Caktik
eines Generals, der da glaubt, daß er der Angreifende ſei; der
in offener Schlachtlinie kämpft, wo er gut daran täte, aus feſten
Poſitionen den angreifenden Gegner zu zermürben. Unſere
Leh=
rer wußten nicht, daß ſie Irrtümer zu beſeitigen hatten. Sie
ſahen nur Verderbtheit und böswilligen Widerſtand und wirkten
alſo mit den aggreſſiven Mitteln des Cierbändiger. Es ſiegte
nicht, wer den ſchärferen Verſtand, ſondern wer die beſſeren
Nerven hatte. Und wir hatten zweifellos die beſſeren
Profeſſor Sink unterrichtete in Mathematik — und da Not
am Mann war, auch in Geſchichte und Neligion. Er ſah genau
ſo aus, wie ſich der berühmte kleine Moritz einen Profeſſor
vor=
ſtellt. Er trug des Alltags einen hohen Sulinder, Feiertags aber
einen grauen Silzhut, weil der Sylinder alt, der Silzhut aber neu
war. Darunter ſah man dam em ſorgenvoltes altes-Geſicht und
einen ſchütteren, wehenden Siegenbart, der beſtrebt ſchien, einen
Kautſchukkragen und eine mottenzerfreſſene /Dauerkrawatte 7.
verbergen. Im Grunde ſeines Herzens mochte er die Seele von
einem Menſchen ſein. Seine waſſerhellen Augen ſtrahlten
jeden=
falls, wem er ſich unbeobachtet wähnte, in unendlicher Gute.
Aber der Kampf mit der unbotmäßigen Generation der kleinen
Stadt hatte ihm eine rauhe Schale verliehen. Er war ein
gries=
grämiger Polterer, es gehörte gar nicht viel böſer Wille
daz=
ihn für einen argliſtigen Ceufel zu halten, deſſen Streben danaß
ging, uns alle aus den Gleiſen zu werfen. Wir bekämpften ihn
in entpfrechender Weiſe. Sie hätte in jedem anderen Sall ihn ins
Irrenhaus, uns zumindeſt aus der Schule bringen müſſen. Daß
beides nicht eintrat, beweiſt nur, daß er über eine
außergewoyn=
liche Willenskraft und insgeheim über ein geradez
unangebrag=
tes Maß von menſchlicher Güte verfügte.
Es war auch in unſerer Schule alter Brauch und Sitte, eine
große Pfingſtfeier zu veranſtalten, an der neben Schülern und
Lehrkörper auch die Honoratioren der Stadt und die Eltern der
Schüler teilnahmen. Sie wurde verbrämt durch den Vortrag
geiſtlicher Geſänge und brachte als Höhepunkt die Vorleſung
einer Art Pfingſtpredigt, deren Inhalt, vom Grundgedanken des
hohen Seſtes ausgehend, für gewöhnlich jenen Geiſt betraf, den
in die Herzen und Seelen ohrer Söglinge einzuimpfen Siel und
Streben der Schule war."
In früheren Jahren ſoll jeweils ein Oberprimaner Verfaſſer
dieſer Nede geweſen ſein. Später iſt man davon abgekommen, ſei
es, weil man wähnte, ein Schüler würde dem Ernſt der Zeiten
nicht gerecht werden können, ſei es, weil ſich in unſerer
Gene=
ration niemals der ſolchen Beginnens Würdige gefunden hat. Die
Rede wurde mehr von einem Prokefſor verfaßt und vom
ten knapp beim Anſatz abgeſchnitten. Dieſelben Gewichtsmengen
Blumenernte für Parfüms.
gelten für Orangenblüten, deren Duft weniger für reines
Par=
füm als vornehmlich als Fundierung der teuren und koſtbaren
Von Pierre Lorrent.
Phantaſiegerüche verwendet wird.
Märchengleich glitzern Kriſtallflakons hinter Schaufenſtern
großer Parfümerieläden. Unerſchwingliche Preiſe ſtellen ſie oft
Kdar, dem der meiſtens geringe Inhalt von betäubendem Duft iſt
echte” Ware, aus Edelblüten gewonnen. Es iſt intereſſant, das
Blütenparadies zu ſuchen, das dieſe teuren Cropfen und
Cröpf=
dchen liefert, um der Eleganz und letzten Endes auch der Erotik
u dienen.
Bei Genua beginnt die italieniſche Niviera, und damit auch
Das Blütenparadies. Nelkenfelder, Culpenbeete, Noſenplantagen
lettern von der Küſte den Berg empor, von Palmen und
Kak=
teen eingefaßt. In Ventimiglia, bei San Nemo, iſt dreimal
wöchentlich der Blumenmarkt zu ſehen. Wagenweiſe werden die
ſchönſten und vollſten Blüten, zu je 500 Stück gebunden, um
einen Preis verkauft, für den man in einem Geſchäft
Mittel=
geuropas zwei Brotwecken und nichts darüber erſtehen kann. Die
WBlütenpracht der meiſten Blumengeſchäfte des Kontinentes
beſonders während der kalten Saiſons — ſtammt aus
Venti=
miglia.
Dort beginnt die franzöſiſche Riviera. Mentone, Monte
Karlo, Nizza paſſiert der Sug, der ſo viel beſchriebene Train
wleu der Reichen. Ueberall Blumen, Palmen.
Cannes! — Wer hat nicht ſchon von der Stadt der reichſten
Reichen gehört, wo alle Märchen von Luxus und Pracht zur
Wahrheit werden? — Am Bahnhof wartet ein Pulman=
Auto=
ſar mit der Aufſchrift:
„La Colle — Vence — Pegonas”.
Die Straße windet ſich zwiſchen hundertjährigen
Weinplan=
ttagen, mafeſtätiſchen Parks und verträumten Landſitzen, die von
oldigem Sonnenlicht und goldigem Reichtum umglitzert ſind, und
biegt in ein Cal ein: La Colle; an dieſes ſchließen ſich die Cäler
TVence und Pegonas.
Eine neue, nie geſchaute, kaum erträumte Welt erſteht. Sanft
ſteigen die Hügel an. Keine Wieſen oder Wälder, Gärten oder
elder bedecken die Hänge, ſondern Blumen . . . Blumen . . .
eein Meer von Blumen .."
Noſen in allen Farben blenden das Auge. Chaotiſch miſchen
ſich alle Nuancen zu einer erhabenen Farbenharmonie, wie ſie der
genialſte Maler nicht erſinnen kann. 120 Kilometer weit dehnt
ſich die Noſenwelt: volle, ſchwere Blüten, taufeucht, lachen zur
Sonne empor und ſchwängern die Luft, ſtellen mit ihrem köſtlich
Friſchen Duft Houbigant, Coty, Cher ami, und wie ſie alle auch
heißen mögen, in den Schatten. Und zwiſchen den Noſenſtöcken
Inſeln von blühenden Orangenbäumen.
In dieſen Cälern wird „La Rose de mai” gezogen, jene
Roſenart, die am beſten zur Parfümeriebereitung geeignet iſt.
Um einen Liter Noſeneſſenz herzuſtellen, der, mit Alkohol ver=
Dünnt, hundert Liter teuerſtes Noſenparfüm ergibt, werden
un=
endlich viele, vollerblühte Noſen benötigt. Die drei Cäler, La
Wolle, Vence und Pegonas, liefern jährlich 80 000 Kilogramm
oſenblüten.
Es ſei hinzugefügt, daß in dieſes Gewicht nicht die Blüten=
Ftengel eingerechnet werden, denn bei der Ernte werden die Blü=
Die Arbeiter erhalten für das Ernten von einem Kilogramm
beider Blütenarten 5 Francs. Das Blütenſchneiden erfordert
aber Routine, und das Verſchneiden eines Stockes bringt die
ſofortige Entlaſſung mit ſich. Auch bei dieſer Arbeit gibt es
Akkordſätze: ein Mann muß täglich mindeſtens 70 Kilogramm
oder zwei Säcke, eine Frau 40 Kilogramm an Blüten
einbrin=
gen, um zur Erntearbeit als Saiſonarbeiter zugelaſſen zu
wer=
den. Es gibt hoch qualifizierte Blumenſcharfrichter!
So herrlich das Cal der Noſen iſt, ſo prachtvoll, märchenhaft
der Blick über das duftende Blütenmeer, ſo traurig ſtimmt es,
Berge abgeſchmittener Blüten ſich türmen zu ſehen, die mit
bauchigen Schaufeln auf Laſtautos verladen werden, um in nahen
Werkſtätten der chemiſchen „Kulturarbeit” zum Opfer zu fallen.
Der höhere Wert.
Von Coni Harten=Hoencke.
Man zündet die Lampen an nach einem gemütlichen
Sonn=
tagsnachmittags=-Kaffeeſtündchen. Die Kinder ſind ins
Spiel=
zimmer geſchickt. Man raucht eine Sigarette und trinkt einen
ruſſiſchen Kirſchlikör. Natürlich wird über die Ehe geredet,
nach=
dem man der ſchlechten Seiten und der verkehrten Politik
genug=
ſam gedacht hat.
„Ja, ſehen Sie, gnädige Frau: ſein individuelles Leben muß
man doch gänzlich aufgeben, wenn man heiratet!
Das kann nur ein Mann ſagen. Oder nein —? Es iſt ein
junges Mädchen, das geſprochen hat. Aber ein verheirateter
Mann pflichtet ihr vollkommen bei.
„Selbſtverſtändlich. Für ſich ſelbſt iſt man überhaupt nichts
mehr. Man arbeitet und arbeitet und ſorgt wur für Frau und
Kinder.”
„Und die Frau arbeitet nur noch für Haus und Familie”, ſetzt
das junge Mädchen hinzu.
„Aber wieſo geben ſie denn damit beide ihre Individualität
auf?” fragt die Hausfrau, als ob ſie erſtaunt ſei. Sie iſt es
frei=
lich nicht, ſie hört dieſe Anſicht ſeit vielen Jahren immer wieder,
früher allerdings nur vom Mann. Neuerdings kommen alſo auch
die Frauen hinzul
„Das fragen Sie doch nicht im Ernſt, gnädige Frau? Wie
ſoll man irgend etwas für ſich ſelbſt, etwas Eigenes, etwas
ge-
ſchloſſenes Ganzes werden und bleiben, wenn man nur immer
au=
den anderen Rückſicht nehmen, das tun muß, was auch dem
ande-
ren paßt oder für die Kinder getan oder gelaſſen werden muß
wenn man keinen Schritt mehr frei und unabhängig in der Welt
tun kam, keinen Groſchen mehr für ſich allein ausgeben darf
und ſo weiter
„Gewiß”, unterſtützt jetzt das Mädchen den Regierungsrat,
„Heute kann ich mein verdientes Geld für das verwenden, was
ich wirklich gern tue, für Studieren oder Muſizieren oder
Amü=
ſieren. Ich kann ſparen für eine Neiſe oder ein neues Kleid
Niemand hat mir dreinzureden. Dabei kann ich meinen eigenen
Geſchmack entwickeln, meine Kenntniſſe vervollſtändigen, mir
Freude holen, wann und wie und wo ich will. Was habe ich aber
nachher, wenn ich heirate? Nichts von alledem. Ueberall bin ich
unfrei und behindert, wenn nicht finanziell, dann durch das, was
der Mann will oder nicht will, eder durch Kinder und
Hauswirt=
ſchaft.
Jetzt miſcht ſich auch der Hausherr ins Geſpräch.
„Sie wollen alſo überhaupt nicht heiraten, Fräulein
Ger=
trud?‟
„Ich kann das begreifen,” meint der Regierungsrat, „
ob=
gleich ich mir eigentlich noch nie überlegt hatte, daß die Sache
für die Frau jetzt faſt ebenſo liegt wie für den Mann.”
„Schade, daß Ihre Frau heute nicht mit dabei iſt, Herr
Negie=
rungsrat” bemerkt die Hausfrau lächelnd. „Ich würde ſo gern
auch ihre Auffaſſung hören.”
„Oh, meine Frau! Die iſt natürlich ganz anderer Anſicht.
Die geht ganz in ihrem Haus und ihren Kindern auf.”
„Sie findet alſo nicht, daß ihre Individualität dabei verliert?“
„N — nein — das glaube ich nicht —
„Sie iſt befriedigt von ihrer Cätigkeit, und es wird ihr nicht
ſchwer, alles mit Ihnen zu beſprechen und ſich nach Ihrer beider
Entſchluß zu richten, und ihr Geld ſo auszugeben, wie es für die
ganze Familie am beſten iſt
„Verzeihung, gnädige Frau, aber meine Frau hat kein
eige=
nes Geld. Vor der Ehe war ſie Privatſekretärin bei ihrem
Onkel, dem Geheimrat Bohnſen.”
„Ei, der Cauſend!” meint der Hausherr. „Da hat ſie es doch
gewiß gut gehabt und hübſch verdient!”
„Hat ſie es denn gar nicht ſchwer gefunden, das alles
auf=
zugeben?” fragt das junge Mädchen lebhaft intereſſiert.
Der Regierungsrat ſieht ratlos aus. „Das — ja, das weiß
ich eigentlich nicht
„Das iſt wohl keine Frage”, verſichert die Hausfrau. „Es
wird ſie ſchon genug Ueberwindung gekoſtet haben, bald in
die=
ſer, bald in ſener Hinſicht. In ihrem Fall war es ja vielleicht
nötig, die eigene Berufstätigkeit ganz aufzugeben, was doch
lange nicht immer der Fall iſt. Die Verhältniſſe liegen ja bei
jeder Ehe verſchieden. Aber Ihre Frau hat wohl das, was ſie
aufgab, als — nun — ich möchte ſagen, als ihre Koſten für etwas
anderes, ſehr Wertvolles angeſehen. Ihr werden Mann und
Heim und Kinder eben etwas ſehr Wünſchenswertes, ſehr
Koſt=
bares ſein. Iſt Ihre Familie das nicht auch für Sie, Herr
Ne=
gierungsrat? Etwas, was Ihnen im Grunde mehr wert iſt als
alles, was Sie ſich für Ihr Geld ſonſt kaufen könnten,
Ver=
gnügen und Sport und Reiſen und Abenteuer. Und wenn es
Ihnen im Grunde mehr wert iſt als alles, was Sie als lediger
Mann haben könnten, dann muß Ihr ganzes Weſen das doch
auch verlangt haben, mehr verlangt haben als jenes andere, und
muß alſo Ihrer Individualität auch mehr entſprechen. Sie
kön=
nen dann Ihr wirkliches und beſtes Eigenweſen in oder durch die
Ehe gar nicht verloren haben oder aufgeben müſſen. Im
Gegen=
teil
Hier muß der Hausherr herzlich lachen, und die Gäſte
ſtimm-
ten — freilich etwas zögernd — ein.
„Nun fehlt nur noch, daß du uns Schwarz auf Weiß beweiſt,
wir wären nur in der Ehe freie Menſchen und die Ehe ent=
wickelte erſt unſere eigentliche Individualität!” ſagt er und winkt
ſeiner Frau mit den Augen zu
„Das Beweiſen könnt Ihr jetzt ſelbſt tun”, ruft die
Haus=
frau fröhlich. „Und du, lieber Mann, könnteſt uns noch einer
Kirſchlikör einſchenken. Noch eine Sigarette, Fräulein Gertrud?
Wrimus der Oberprima verleſen — ein Kompromiß, der allen
Anforderungen am eheſten gerecht werden konnte.
Im Jahre 1919 wurde Profeſſor Eink beauftragt, die Rede
zu verfaſſen, nicht Fink, der Mathematiker, ſondern Fink, der
Lehrer für Geſchichte und Neligion. Er hat ſich dieſes Auftrages
mit Würde und Geſchick entledigt, die Nede war, ſoweit ich das
getzt noch beurteilen kann, vorzüglich gelungen. Das Manuſkript
wurde unſerem Primus — er hieß Lehmann und nicht anders
beierlich überreicht und mit warmen Worten ans Herz gelegt
UInd dann konnte das Schickſal ſeinen Lauf nehmen.
Ich weiß nicht mehr, wer damals den hölliſchen Plan
aus=
geheckt hat, wahrſcheinlich lag er „in der Luft”. Jedenfalls
wurde beſchloſſen: das Manuſkript am Cage vor der Feier zu
ſkehlen und durch ein anderes zu erſetzen, das — ganz und gar in
dieſem Sinne gehalten war. Der ehrenvolle Auftrag, die
Nedak=
ion dieſes Pamphlets zu übernehmen, wurde mir zuteil. Ich
„bernahm ihn mit vor Freude bebendem Herzen, wie ein junger
Krieger, dem die Auszeichnung widerfährt, die Fahne ſeines
Megimentes tragen zu dürfen.
Es hat alles „wie am Schnürchen” geklappt. Die Aula der
SSchule war dicht gefüllt mit einer feſtlichen Menge. Die
Vor=
rage geiſtlicher Geſänge hatten die richtige Stimmung für das
Unhören der großen Rede geſchaffen. Lehmann, der Primus,
nrat bleich, aber mit der Entſchloſſenheit des ehrgeizigen Strebers
auf das Podium. Er verneigte ſich und ſchmetterte unter
atem-
oſer Stille den Wortlaut des Cextes in den Saal.
Die Ausſchüttung des heiligen Geiſtes.
Die Ausſchüttung des heiligen Geiſtes
Es folgten dann
ie Sätze, wie ſie Profeſſor Fink niedergeſchrieben hatte, unver=
Riundert üder eine gute Seite lang, ich war klug genug, dem Leh=
mann einen guten Start zu gönnen, die Wirkung mußte dann um
ſo größer ſein.
Wir ſahen es alle mit teufliſchem Grinſen, als Lehmann das
erſtemal zuſammenzuckte, unſicher weiter leſend, wir hörten alle
das mißfällige Gemurmel um uns herum, das Necken und
Wen=
den der Köpfe, das grenzenloſe Staunen der Profeſſoren bot ſich
unſeren lüſternen Blicken, Profeſſor Fink ſaß bleich und wie vom
Schlag gerührt auf ſeinem Stuhl, er bewegte die Lippen, aber
es kam kein Laut aus ſeinem Munde.
Lehmann hätte aufhören müſſen, er mußte wiſſen, daß das
nicht mehr die Rede war, die er ſtudiert hatte. Aber Lehmann
war ein Streber. Es war ſeine/Pflicht, zu leſen, und ſo las er
eben, las, las, las —
„.. die Ausſchüttung des heiligen Geiſtes iſt uns in dieſer
Cagen ein neues, früher nie geahntes Symbol. Es bedeutet die
Abkehr von allen Irrtümern des geſtrigen Cages, den Anbruch
einer neuen Morgenröte der Freiheit des Denkens und Fühlens,
unſeren Schülern den Beginn einer neuen Epoche, die all ihren
Wünſchen und Forderungen gerecht wird, den Lehrern die
Ver=
kündigung des Grundſatzes, daß es ihre Pflicht nur ſein kann, die
Schüler gewähren zu laſſen, ihnen Freund und Bruder zu ſein auf
allen ihren Wegen
Er kam nicht weiter. Dort, wo Profeſſor Fink
zuſammen=
geſunken auf ſeinem Stuhle ſaß, ertönte ein dumpfer, faſt
tieri=
ſcher Schrei — und das war nur das Signal für den nun
los=
brechenden Sturm der Entrüſtung, in dem unſere Jubelrufe:
„Weiterleſen!, weiterleſen!” untergingen. Der Direktor ſtürzte
aufs Podium, riß dem verdutzten Lehmann das Mamſkript aus
der Hand, um den Profeſſor Eink ſammelte ſich eine Gruppe
rot=
köpfiger, wild geſtikulierender Menſchen, wie die Sache weiter
verlief, weiß ich nicht, denn wir haben ſchleunigſt das Weite
ge=
ſucht.
Ich weiß nur, daß die vermeintliche Untat des Profeſſor=
Fink während der Pfingſtfeiertage der Geſprächsſtoff im
Städt=
chen war, daß es, da an dieſen Cagen keine Zeitungen erſchienen,
keine Möglichkeit gab, ihn zu rehabilitieren. Wir haben ihn als
Lehrer nicht mehr erlebt, er nahm einen langen Urlaub und iſt
dann nach einigen Jahren in den Nuheſtand getreten. Die
Unter=
ſuchung verlief im Sande, ſie ſcheiterte an der Phalanx unſerer
„Kameradſchaft”, die der errungene „Sieg” auf die Dauer
ge=
feſtigt hatte.
Ein anderer, jüngerer Lehrer würde ſich über dieſen
Dummen=
jungenſtreich und über das ſinnloſe Geſtammel, das ihm als
Pfingſtrede” unterſchoben worden war, hinweggeſetzt haben,
Für Fink aber war es der endgültige Zuſammenbruch jener Welt,
die er vertrat, die endgültige Gewißheit, daß ſeine Schüler
un=
widerruflich der Verderbnis verfallen und nicht mehr zu retten
waren. Seine große Güte verlor das Objekt, an dem ſie ſich
auswirken konnte.
Wenn er aber dieſe Blätter zur Hand nimmt — und ich will
dafür ſorgen, daß das geſchieht — dann mag er die Verſicherung
hinnehmen, daß wir alleſamt doch noch recht brauchbare
Mit=
glieder der menſchlichen Geſellſchaft geworden ſind, moderne
Menſchen vielleicht, aber Menſchen auf jeden Fall, die mit ihm
eines Sinnes ſind, wenn es gilt, ein Volk zur ſittlichen und
ſozia=
len Gemeinſchaft zu erziehen. Und ich erhoffe von ihm jenen
güti=
gen Blick des Verzeihens und Verſtehens, den wir an ihm in
jenen vergangenen Cagen bemerkten, wenn wir ihm wieder
ein=
mal beſonders heftig zugeſetzt hatten.
Kleine Anweiſung
Maikäfer zu fangen.
Von Nichard Gerlach.
Die Maikäfer ſind wie kein anderes Inſekt allgemein
geſam-
melt und beliebt, einerlei, ob ſie ſelbſt damit einverſtanden ſind
oder nicht. Jedes Kind weiß, daß die männliche Maikäfer=
Füh=
lerkeule aus ſieben großen Blättchen beſteht, die weibliche
da=
gegen nur aus ſechs geringeren. Nach der ſchwarzen, roten oder
weißbeſtäubten Farbe des Halsſchildes unterſcheidet man
Schu=
ſter, Könige und Müller. Die gewöhnliche Art iſt etwas größer
und kräftiger, die zierlicheren Noßkaſtanien=Maikäfer haben am
Ende des Aftergriffels noch ein beſonders nettes Köpfchen.
Mit dieſen Kenntniſſen und einer oben durchlöcherten
Zigarrenkiſte ausgerüſtet, begibt ſich der Knabe auf die Jagd.
Wenn ich hier einige bewährte Maikäfer=Fangmethoden
aus=
plaudere, ſo nur unter der Bedingung, daß keine Beine
aus=
geriſſen werden und daß überhaupt alle ſchmerzhaften und
un=
nültzen Experimente mit den Käfern unterlaſſen werden. Das iſt
kein Kunſtſtück, den Ueberlegenen gegen ein Cier zu ſpielen, das
nur zappelt, aber nicht beißt oder ſticht.
Nachdem die Engerlinge ſich drei Jahre lang an Wurzeln
vollgefreſſen haben, verwandeln ſie ſich erſt in Puppen und dann
in fertige Käfer. Soweit ſind ſie ſchon im November. Einen
Winter müſſen ſie noch unter der Erde aushalten. Sobald die
Cemperatur zwanzig Grad überſchreitet, bohren ſich die Käfer
durch die Oberfläche und erſcheinen je nach dem Jahr zuweilen
ſpärlich, zuweilen maſſenweiſe.
Wenn es vorher kühl war, iſt der erſte warme Cag ein
vor=
trefflicher Maiſtäfer=Jagdtag. Linde Abende werden zum
Schwärmen bevorzugt. Der tiefe Baß verrät die ſurrenden
Käfer. Sie ſuchen ſich jetzt einen Baum, der möglichſt im Freien
ſteht, alſo nicht mitten im dichten Walde, ſehr gern eine Eiche
oder Birke, minder zahlreich umſchwirren ſie Buchen und
Lär=
chen. Wer ſcharf aufpaßt, kann einen langſam dahinfliegenden
Maikäfer wohl auch mit der Hand oder mit der Mütze haſchen.
Aber die Dämmerung dient dem richtigen Maikäfer=Fänger nur
dazu, ein paar geeignete Bäume für den nächſten Morgen
aus=
zuſeundſchaften. Zu ſtarke Bäume kommen von vornherein nicht
in Betracht, weil man ſie nicht ſchütteln kann.
Die beſte Seit für den Fang iſt ſechs oder ſieben Uhr früh.
Denn an warmen Cagen fliegen die Käfer um acht Uhr ſchon
wieder ab. An kalten Cagen unter zehn Grad iſt die Jagd ganz
ausſichtslos, weil die Käfer ſich in der Nacht vorher im Boden
verkriechen. An trüben, zweifelhaften Cagen ſitzen die Maikäfer
den ganzen Cag über feſt.
Mit dem Sigarrenkaſten und einer Stange zum Schütteln der
einzelnen Zweige, die am beſten oben einen Haken hat, gehen
wir zuverſichtlich ans Werk. Wir probieren unſer Glück auch bei
einem Swetſchenbaum, und hier trudelt nach einem kurzen Nuck
wahrhaftig ein halberſtarrter Käfer ins Gras. Er liegt auf dem
Nücken und ſtrampelt mit den Beinen, aber es hilft ihm nichts,
ſchon ſitzt er in der Kiſte.
Nicht der große zuſammenhängende Wald, ſondern die
Feld=
gehölze beherbergen die meiſten Maikäfer. Lockere Waldränder
abzuſuchen, lohnt ſich faſt immer. Die Flugzeit der Maikäfer iſt
auf die Dauer der erſten ſprießenden Criebe beſchränkt. Sobald
die Blätter verhärten, können die Käfer ſie nicht mehr freſſen
und müßten verhungern, wonn ſie nicht auch ſonſt an Ermattung
eingingen. Sie hängen alſo ſehr von der Witterung ab und
ſter=
ben ſpäteſtens Mitte Juni.
Wenn wir gewiſſenhaft alle freiſtehenden, ſonnbeſchienenen
Laubbäume abklopfen, kann es an der Ausbeute nicht fehlen.
Ja, in einem ſogenannten Flugjahr, das alle vier Jahre in
ge=
wiſſen begrenten Gebieten uneinheitlich auftritt, kommt es vor,
daß Hunderttauſende von Maikäfern in einem Nevier
eingeſam=
melt werden. Dann freilich reichen die Sigarrenkiſten nicht mehr
aus, dann werden unter den Bäumen Cücher geſpannt, und die
Käfer plumpſen wie Aepfel hinein. Für dieſe muß man dann
ſchon einen Sach mitnehmen.
Hoffen wir, daß es ein mittleres Maikäferjahr wird, wo die
Jagdgründe für die Jugend zwar hinreichend verſehen ſind, jedoch
dem grünen Wald nicht zuviel Blätter abgezwickt werden.
Hof=
fen wir, daß jede eifrige Sigarrenkiſte ein kleines Sortiment von
Müllern, Königen und Schuſtern enthalten wird.
Das Geſchenk.
Von Grete Jacques.
Die ſüße Dreijährige hat neue Schuhe bekommen. Stolz
und ſelbſtbewußt paddelt ſie darin herum. Denn was ſie tut,
kann man nicht gehen nennen. Von uns zu den Dienſtleuten, zur
Nachbarin, zum Holzfäller, zum Hund in die Wieſe zu den
Kühen, wieder zu uns zurück. Das Entzücken erſchöpft lich nicht.
Da geſchieht es zufällig, daß der kleine Fuß in einen warmen,
rauchenden Kuhfladen tritt. Auf einer Weide etwas durchaus
Mögliches. Die Kleine betrachtet ſich das Unglück. Denn das iſt
es, wenn man ſich einen ſo glänzenden, nagelneuen, feierlichen
Schuh beklext, mit dem man eben die ganze Welt bezaubert hat.
Einen Augenblick nun ſcheint es, als wäre ſie der Situation nicht
gewachſen. Die Unterlippe wird merklich länger. Aber das
dauert nicht lange. Was ſie nun tut, iſt einwandfrei logiſch und
großzügig. Sie ſetzt lich auf den Boden, löſt mit den winzigen
Fingern die Schnürbänder, ſtreift die Schuhe ab, läßt ſie liegen,
ohne ihnen auch nur einen Blick zu gönnen, und geht barfuß ihren
Weg zurück. Der Schuh war beſudelt, ſein Nimbus dahin.
Nichts konnte das dreijährige Gemüt mehr an ſolchen Beſitz
fel=
ſeln. Folglich ..."
Kind, wie hab ich dich beneidet!
Nur ſo bezwingt man das Leben!
Aber wir Großen, ausgeſtoßen aus dem Paradies der
Ein=
falt, ſind ja, ſind des Glückes verluſtig gegangen, dem Elend auf
nackten Sohlen zu entlaufen.
Iſt Lebensfreude lehrbar?
Von Anita Braun.
Im erſten Augenblick werden 99 Prozent meiner Leſer die
Frage verneinen. Sie werden ſagen: Lebensfreude it eine Gabe;
man beſitzt ſie oder beſitzt ſie micht, ebenſo wie Seichen- odes
Muſiketalent.
Der Vergleich iſt teilweiſe richtig. Aber — bitte, denke=
Sie einen Augenblick nach: was würde aus der größten zeich
neriſchen oder muſikaliſchen Begabung, wenn ſie nicht richti
geleitet würde?
„Schon recht,” wird man erwidern, „aber einen unbegabtert
Menſchen Seichnen oder Muſike lehren zu wollen, wäre hoff.
mungslos. Das Calent aber ſetzt ſich durch und findet ſein
Wegel So auch die Gabe der Lebensfreude ..."
Weit gefehltl!. Es iſt erfreulich und günſtig, ja von
entſchei=
dender Bedeutung für ein Menſchenleben, ob Lebensfreude es
erfüllt oder nicht. Es iſt wichtiger als zeichnen und ſingen zu
kön-
nen, wichtiger als alle Lehrfächer der Welt. Wichtiger ſogar als
die Lehre der Pflichterfüllung, die ohne Lebensfreude nur ſchau
und trocken iſt und nur ſchöpferiſch ſein wird. Und doch begehem
viele Eltern und Erzieher den Fehler, Pflicht als Leitmotiv derr
Erziehung über alles zu ſtellen.
Nicht in jedem jungen Menſchen liegt der Keim der Lebens—
freude. Oft ſtaunt man über den mächtigen Willen zum Leben,
der Kindern aus ärmeren und armen Volksſchichten innewohnt:
Noch öfter aber findet man unter den Sprößlingen vermögenden
Eltern kümmerliche, von Minderwertigkeitskomplexen erfüllte
Weſen, obwohl es ihnen zu ihrem leiblichen Wohl an nichts
ge=
bricht. Weſche Einflüſſe da mitſprechen, ob Vererbung,
Ein-
drücke vor der Geburt, ob auch nur falſche Behandlung, ein
ein=
ziger taktiſcher Fehler der Erziehung — iſt von Fall zu Fall
ver=
ſchieden. Aber dieſer Mangel iſt imſtande, ein ganzes Ledem
zu verbitern und zur Unfruchtbarkeit zu verdammen.
Lebensfreude nenne ich nicht das blindvergnügte Drauflos—
leben jener Menſchen, die das Daſein als ewig blauen Himmell
ſehen und ein perſönliches Necht auf Wohlergehen zu haben
glau=
ben. Dennoch iſt ſie bedingt durch geſundes Selbſtbewußtſein,
kräftige, realiſtiſche Auffaſſung, die ſich mit Idealismus paart,
offene Augen für die Schönheiten der Welt. Sie fördert dem
Menſchen, ſein Aeußeres, ſeine Leiſtungen, vielleicht ihm mehr
als alles andere die Sympathien ſeiner Umgebung. Darum
ſolte=
jeder Erzieher ſein Augenmerk darauf richten, den Sögling dies:
geſunde Selbſtbewußtſein — d. h. Selbſtvertrauen — zu lehren,
Fröhliche Umſchau in der ſchönen Welt, deren erſte
Schatten=
ſeiten und Enttäuſchungen dadurch leichter verſchmerzt werden:
— Freude am oigenen Körper, an deſſen Geſundheit, Pflege und
Erhaltung, Freude an allem Schönen im Leben — auch an der
ernſten Pflichterfüllung, die dann viel roſiger ausſieht. Wo
Lebensfreude nicht vorhanden iſt, kann ſie auf dieſe Weiſe
ge=
weckt werden. Während man zu ſelbſtbewußte Menſchlein oft
dämpfen muß, ſollten gerade ſolche, die ſich minderwertig fühlen,
zum Selbſtvertrauen erzogen werden.
Vor allem: Freude am Daſein durch Freude am eigenen Ichl
Kein leeliſches Verkrüppeln durch Demütigung und Erziehung m
willenloſer Unterwerfung. (Solche Schäden heilen in ſpäteren
Jahren nur ſchwer)
Freude an Leiſtungen körperlicher Art durch Sport und Spiel,
an geiſtigen durch entſprechendes Craining und Schulung des
Willens! Das erzielt geſteigerte Leiſtungen, auch bei den
Schwäch=
ſten. Es erzielt Lebensfreude im höchſten Sinne, die allein für
das ganze ſpätere Leben maßgebend und fruchtbar ſein wird!
Eſel=Anekdoten.
Der kaum 20jährige Börne befand ſich in einem Kreiſe
diſputierender Herren und wurde wider Willen ins Geſpräch
g=
zogen. Ein ſchon ältlicher Herr, der ſeine ungereimte Meinug
mit großer Hitze verteidigte, fuhr den jungen Börne, der iMm
zu widerſprechen gewagt hatte, mit den Worten an: „Sie junger
Mann, Sie wagen es, mir zu widerſprechen? In Ihren Jahren
war ich noch ein Eſel. „Da haben Sie ſich aber gut konſerviertſ!
ſagte Börne raſch.
Lichtenberg wurde von einem Grobian auf ſeine großen
Ohren aufmerkſam gemacht. „Es iſt wahr”, entgegnete der
Philoſoph „für einen Menſchen ſind meine Ohren zu groß, die
Ihrigen für einen Eſel zu klein”.
Voltaire begab ſich eines Tages zu dem Dichter Piron, traf
ihn jedoch nicht zu Hauſe und ſchrieb das Wort „Eſel” auf
Pirons Zimmertür.
Piron, der ſeine Schrift ſofort erkannte, ſucht Voltaire am
nächſten Tage auf. „Ich komme, Ihren Beſuch zu erwidern,
ver=
ehrter Freund!”
„Den von geſtern! Sie waren ſo freundlich, mir ihre
Viſiten=
karte auf der Zimmertür zu hinterlaſſen.”
Aufgabe 602.
L. S. Penroſe.
(1. Preis, London Obſerver, 1920—1921.)
b d
Weiß zieht und ſetzt in zwei Zügen matt.
Prüfſtellung: Weiß: Kg4 Dg3 Td5 1d1h6 Se7 11 Bd6 15 (G);
Schwarz: Ket Tg1 Uh1 Bds 47 8 a5 12 16 (9); 24.
Aufgabe 603.
S. Herzſprung.
(Nationaltidende, 1884.)
Weiß: Ke2 Da5 Te2 g2 (4);
Schwarz: Ke6 Ta8 Ba6 (5).
Matt in drei Zügen
Löfungen der Aufgaben 594—597.
594. A. Ellermann. 1. Preis. Good Companion 1920. (K15 De7 Tc1 h5
Ib5 12 Ge8 14 Ba3 24 46 03; Toh De8 lo8 g1 8as o4 8be 4s a7 17 34
1. 8o8—r6! Mit dieſem effektvollen Schlüſſelzug gibt der Springer die Deckung
des B46 auf, ſo daß nun auf 1. .. Se4sBes t nicht 2. De7sSesckk folgen kann.
Dafür folgt aber 2. K15—e44/1), da der Einleitungszug die Verteidigung 2.
B:7—45 geſtört hat. Auch die übrigen Mattſpiele ſind ſehr fein.
595. J. Hartong. Tijdſchrift v. d. Ned. Schaakb., 1927. (Kh8 Da8 Ld3 h2
Sas 45 BbS S K4; T44 1a7 8h1 Be7: 34.) 1. 103—151 beg 2. Da74
K:d5 3. Be44, 1.. .. L:t5 2. Da41 K:dß 3. Dett: 1..... 8g3 2. 1g14
Ke5 8. Sotr; drei weiße Steine geben auf ein und demſelben Felde (e4) je ein
Muſtermatt. 1.. Keß 2. Bb4t Kd4 3. Besg.
598. C. S. Kipping. 1. Preis. Dutſch Eaſt Ind. Ch. Aſſn. 1928. (Ke7 vru
Tb7es La7 e6 8at g5 Bd5 g8 g6 h7: Ka6 De2 Tb2 h5 Lt2 8e6 Bd7 17:
B.) 1. Te3—a 31 Seſ+ (Sg74, Sd4+, Sttt, Sobtz. BRSgbt, 8d84, 815.4)
2. K4Bd7 (KsBt7, K16, Kd6, Sa6, Les, K88d8, K318). Durch das
ausge=
zeichnete Springerrad von Schwarz werden acht Linienöffnungen und ſechs
Linien=
verſtellungen (Bi=Falves) bewirkt!
597. G. Heatheote und F. Scheel. Hamphſire Poſt, 1915. (Ket D41 Tet h2
Uhs Seß g2 Bb4 43 g6; Kbs Dg3 Ta2 b8 La3 Bh8; 23tt.) 1. Ne4—o8:
Schwarz kann elfmal Schach geben, worauf neunmal der Damenfang erfolgt.
I Kätſel
II
Re ne
Die Wörter bedeuten von oben nach unten: 1 Baum 2 berühmter
ſpaniſcher Violinvituoſe, 4 italieniſche Stadt (Provinz Neapel). 5
Ge=
treideſpeicher, 7. Name der Jungfrau Maria, 8 japeniſches Gewand
10 weiblicher Vorname. 11 indiſcher Schickſalsbegriff 13 Teil der
Grau=
bündener Alpen, 14 Werkzeug des Maurers, 15 Taufzeuge, 16
Feuer=
werk, 18 berühmter flämiſcher Maler, 19 Kurort in Graubünden,
D deutſche Stadt. 21 italieniſche Münzeinheit, 22 mohammedaniſcher
Faſtenmonat. B Fluß zum Finniſchen Meerbuſſn, 25 Planet, 26
Muſik=
inſtrument, 28 Nagetier.
Von links nach rechts: 3 Geſellſchaftslokal, 5 Bezeichnung ſpan.
Ge=
birge, 6 buddhiſt’ſcher Mönch, 8 Gewicht, 9 Wildſchwein, 11 Art Zettel
12 Sakramentshäuschen, 15 Geſamtanſicht einer Landſchaft, 17
Bezeich=
nung der gſiatiſchen Küſtenländer am Mittelmeer, 19 Frucht, 21
Buch=
ſtabe, B römiſcher Kaiſer, 24 Zufluß der Moſel. 26 durch Petrarea
ge=
feierte Dame, 27 franzöſiſcher Revolutionär. 29 altes ſchwediſches
Königs=
geſchlecht, 30 Diskuſſion, 31 italieniſcher Dichter.
Auflöſungen der Rätſel aus Nr. 21.
Wabenrätſel.
Druc. Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 23. — Verantwortl. für die Redaktion: Dr. H Nette. Darmſtadt. Fernſpr. 1. 2389—2392. — Alle Rechte vorbehalten Nachdr. verboten
[ ← ][ ][ → ] „Vom Eiſe befreid ſind Strom un Bäche durch — —” halt.
däß Zidad hott jo de Geethe uff die Oſtern geminzt gehatt. Alſo
noch emol vun vorne: „Fingſten das lübliche Feſt war
gekom=
men . . . ."
No, vun wäje „lübliche” Feſt un ſo. Muamendan, wo ich däß
ſchreib, ſieht’s grad net ſo lüblich aus, ſundern es macht ehnder
de Eidruck, als hett ſich die Sofie, die naßkalde Maiheiliche, odder
Scheiheiliche, die wo ſeid Johr un Dag hinner dene drei eiskalde
Brieder her is, un ſcheemt ſich net, alſo muamendan ſieht’s grad
ſo aus, als hett ſich die naßkald Sofie mit ihre Drebbelnas diß
Johr eines anneren beſunne, un wollt uns, nooch
Altjumfer=
manier, die Pingſtfeierdäg verekele.
No, was däß bedrifft, ſo hoff ich doch ſtack, daß der Mai ſei
gude Erziehung un Herkunft net vergäſſe dhut, un waaß, was ſich
geheert un was der Brauch is, un leßt’s „pingſtele”, damit mer
waaß, daß Feierdag is, un äbbes vun dem Pingſtgeiſt
ver=
ſpiert, der wo die Kebb hell un licht mache ſoll .. .."
Allmählich un ſo pö=a=pö pingſtelts jo iwwerall e bische,
be=
ſunners in de Kebb. vun dene, dene wo de Pingſtgeiſt ganz beſun
eners ins Härnkäſtche geſtieje is. In Gemf drunne hott’s ſogar
der=
maße gepingſtelt, daß der Briand ſei ganze aalgladde
Geſchwätzich=
kkeid vergäſſe hott, un is ſaubohneſtrohgrob worrn. No in dem Fall
fis es jo verſtendlich, dann er hatt en Mordsrooges im Bauch, vun
wväje ſeine abgeklitſchte Bräſidendewahl. Un den Zorn iwwer die
Slamaſch mußt er doch ärchendwie un ärchendwo an de Mann
Wringe; s geht jo im gewehnliche Läwe aach oft ſo, un wann ſich
eiſpielsmeßich en Brinzibal dehaam iwwer ſei Fraa geärcherd
ſhott, dann leßt er meiſtens ſein Zorn im Geſchäft an ſeim
Buch=
ſalder aus; un wann ſich de Buchhalder im Geſchäft iwwer ſein
Brinzibal geärcherd hott, dann leßt er ſein Zorn dehaam an ſeine
Fraa aus. Däß zeicht zwar net vun=ere gude Kinnerſtubb, awwer
gs is ſo. Un ganz beſunners beim Herr Briand, der kann halt ſe=
„franzöſiſch Erziehung” net verleichne.
Freilich, erreicht hott jo der gude Briand mit ſeim Zorn aach
met viel — weil mer jo im Zorn nie was erreicht. Un wann er
geglaabt hott, der Kurtzius un de Schober ließe ſich vun ihm in’s
Boxhorn jage, ſo hott er ſich grindlich gediſche. Allerdings, der
Doſe=Zoliunions=Plan geht for’s erſte jetzt an’s Haager
Schieds=
gericht, do wärrn ſich die Allerweldsjuriſte erſtemol mit erumhaage.
Doher der Nome: „Haager” Schiedsgericht!
Alſo, ehrlich geſagt, erreicht hott der Kurtzius un ſei
öſter=
reichiſcher Kolleech, der Schober, aach net viel, ſundern ganz im
Bäjedaal. Awwer bei dem Pingſtgeiſt, der wobekanntlich in Gemf
cerrſche dhut, un wo däß ganze Friedensgeſchwätz bloß druff enaus
laaft, daß aaner e Aag drum gibt, wann der anner kaans hott,
alſo wie geſagt, bei däre Art „Pingſtlerei”, do ſoll aner was
Ver=
mtimfdiches erreiche. Ich ſag bloß: Abriſtungskumferenz!
— un do wärd mer ſchun wiſſe, wie’s bei dene pingſtelt . . . . ."
Ganz beſunners aſch pingſtelts awwer aach bei unſere
Reichs=
reſchierung, un zwar in bedräffs dem Breisabbau, der wo
ſtich beiſpielsmeßich bei unſerm dägliche Brod gieb uns heute ſo
mnärkwärdich ausgewirkt hott, daß grad es Gäjedaal vun dem
erauskumme is, was ſich unſer hoche Reichsreſchierung in ihre kind
liche Unſchuld drunner vorgeſtellt hott. Un es allermärkwärdichſte
as, daß an däre Brodbreiserheehung niemand Schuld ſei will; ja
ſdaß noch net emol jemand en Nutze devo hott, wedder die Bauern
moch die Bäcker. Alſo do ſteht aam de Verſtand ſtill, un do is es
ſaus mit de Pingſtlerei. Aa Glick, daß unſer Bäcker uff’s
Rogge=
muähl net a gewieſe ſin, ſundern kenne ihr Kundſchaft noch mit
Törte un Märwes ſäddiche, ſunſt mißte mer glatt verhungern. Un
ſcomit find ſich ſcheints aach unſer verehrliche Reichsreſchierung ab
ſindem ſe ſich ſeegt: wer kaa Gäld hott for Brod, der ſoll Kuche
ßäſſe. — Aach en Standpunkt!
Daß es die Woch in unſerm Landdag groß gepingſtelt hott,
ſkennt mer nu grad net ſage. Un grad beim Edad vun dem mehr
wdder wenicher beliebte Miniſterium for Arweit un Wärtſchaft,
war mer uff allerhand geſpannt. Dann däß is doch bekanndlich
grad däß Miniſterium, däß wo es ganze Johr iwwer die meiſt
Arweit un Wärtſchaft macht. Awwer grad bei dene ſo wichdiche
Beradunge konnt mer widder ſage: Verſchwunden iſt der Spiriduß.
Des Flächmah iſt geblieben! — Sie hawwe zwar „berade” un
„Iwwerſtunde” gemacht uff Deiwel kumm raus — awwer s is
kaa Deiwel erei kumme, in den ehemaliche Reitſaal, die Benk
warn meiſtens leer, leerer am leerſte, un der Landdagsbräſendend
ſoll, wie mer ſich erzehlt, als zuletzt an Blatzangſt gelidde
hawwe.
Alſo wie geſagt, grad in Bezugnahme uff die Arweit un
Wärtſchaft, do weers uns a genehm gewäſe, wann’s unſere
Land=
dägler mol recht grindlich „gepingſtelt” hett, un mer hett emo
erfahrn kenne, wie ſie ſich die „Beſſerung” eichentlich denke,
Awwer grad do hawwe ſe ſich märkwärdicherweis korz gefaßt. Ja
wann ſich’s drum dreht Wäldbolledick zu dreiwe, däß wo
be=
kanntlich ihr Spezialfach is, wann=ſe’s aach nix a geht; odder wann
ſich’s drum hannelt, ob mer den Kürten hierichte, odder in Watt
wickele ſoll, Deiwel aach, do kenne ſe losleeche, do kenne ſe dermaße
ihr Weisheit verſpritze, un ſich in die Raaſch redde, daß ſe ſich
hinnenooch gäjeſeidich ſäckzionsweis um Verzeihung bitte miſſe . . .
Däß haaßt, ich will jo net grad ſage, daß ſe in Bezugnahme
uff die gude Lehrn, die wo ſe de annern ſo gärn gäwwe, dißmol
verſagt hette. Im Gäjedaal. So hawwe ſe beiſpielshaft unſere
heſſiſche Landwärt den gude Rat gäwwe, ſie ſollte ſich mehr uff
die Glashauskulldurn wärfe. Awwer der Landdags=
„Glaſer” hott abgewunke, vun wäje Glashauskulldurn, un hott
gedankt for Obſt un Siedfrichte. Vermudlich is=em Angſt for de
„Schärwe”, die wo’s gäwwe kann, wann ſich uff amol die heſſiſche
Bauern uff die Glashauskulldurn wärfe.
No, ſoweit ich vun däre „Glashauskulldur” was verſteh, ſo
mecht ich näwebei bemärke, daß ich, was däß bedrifft, der unmaß
gäbliche Maanung bin, daß mer „Glashauskulldurn” in
Deitſch=
land grad genuch hawwe; leider kimmt uns der Kohl, der wo
dodrinn geplanzt wärd, nor e bische aſch deier . . . ."
Un iwwerhaubt maan ich, wann mer in=eme Glashaus ſitzt,
do ſoll mer net nor net mit Staa wärfe, ſundern aach net ſoviel
vun „Kulldur” redde. Un damit kemt ich jetzt uff unſer moraliſche
Kulldurbadea ſtald, was ſich „Landestherjader” nennt.
Alſo ich hab do ſo des Gefiehl, als dhets do verſchiedene Härrn
jetzt äwenfalls ganz iwwerrenziſch „pingſtele‟.
— Dann ich
ſäh einiche, die ſtehn jetzt uff aamol do, mit ihrm geweſchene Hals,
un kenne noch net emol „Babb” ſage, obgleich ſe noch vor dre
Woche mit Menſche= un mit Engelszunge geredd hawwe, un hawwe
gemaant, es Bräſtiech vun unſerm ganze Heſſeländche gingt in die
Binſe, wann mer unſern Indendand net halte dhet. . . . .
Un heit? —
Freilich, wie ich vor värrzeh Dag den Verglich gezoge hab,
zwiſche Darmſtadt als „Ganniſohnſtadt”, un Darmſtadt als „
Ther=
jaderſtadt”, do hott mei Härz un mei Seel net dro gedenkt, daß
unſer Kulldur=Schenneralfeldzeichmaaſter ſo raſch widder nach
Berlin entwetze dhet. Awwer ich därf valleicht in aller
Beſchei=
denheit dra erinnern, daß ich ſchun vor zwaa Jahr mir zu
be=
märke erlaabt hab, daß mir hier kaa Therjader mache for die
Darmſtädter Borſchuah, odder Broleede, ſundern haubtſächlich
mit dem Blick uff Berlien.
Ei geweihte Kreiſe hawwe mir däß domols aſch iwwel
ge=
numme. Awwer wer hatt dann widder mol Recht? — Märkwär=
dich is nor, daß diejeniche welche, die wo allawendlich mit unſern
Herrn Indendand beiſamme geſäſſe un geiſtreiche Geſpräche
ge=
fiehrt hawwe, den Schnubbe net gemärkt hawwe . . . . .
Awwer es ſoll mer nor heit kaaner kumme, un ſoll ſage, unſer
Indendand hett ſei Theater däßhalb ſo „fluchtordich” im Stich
ge=
loſſe, weil er hier die neediche Aerkennung net gefunne hett. Däß
hott mit de Aerkennung gornix zu dhu, ſundern unſer Therjader
hott ſich nooch m Krieg langſam zum „Sprungbrätt” endwiggelt.
Awwer dodefor is es uns zu ſchad un aach zu deier. Mir kenne
uns nu’ emol kaa „Experimendier=Therjader” leiſte; ab un en
Walzer. Hoffe mer alſo, daß es de maßgäbliche Kreiſe iwwer
Pingſte mol orndlich pingſtelt, un daß es en dißmol gelingt
en Kulldurkabbideen zu finne, der wo unſer Therjaderſchiff mit
Geſchick dorch den Strohm der Zeit lawiert, ohne daß er alle
gebodd uff Klibbe ſteeßt ..
Daß=en aach die Woch uffim Rodhaus „gepingſtelt” hott,
ſoll net unerwehnt bleiwe, wenn ich aach ſage muß, daß dodezu,
waaß Gott, net viel geheert hott. Schließlich hott mer ſich geſagt
es kimmt ſälde was Beſſeres nooch, un hot däßhalb behalte,
was mer hatt —
Einiche vun unſere Stadträt hott’s allerdings aach annerfter
gepingſtelt, un zwar derart, daß ſe der Maanung worn, mer
ſollt die Borjemaaſterpöſtcher uffm Subbmiſſionswähk
ver=
gäwwe, edwa an de Wenichſtnehmende. Un ich glaab,
aach in dem Fall hedde ſich welche gefunne, dann es gehe jo ſeid
einicher Zeit Verſchiedene ſchwanger, un maane, ſie kemde
dem=
nechſt als Borjemaaſter nidder. No die ſolle ſich emol kag
Kobbweh mache, wann mer en neie Borjemaaſter brauche,
dann jedenfalls kaan aus em Geſtüd ...
Alſo korzum mer därf ſich die Sache agucke wie mer will,
ſo merkt mer doch, daß es ſo pö=a=pö iwwerall e bische pingſtle
dut. Bloß; es pingſtelt jedem annerſt. Beim aane ſo, beim
annern kunndreer, un kaam gefellts, un jeder mecht die Wäld
nooch ſeim Guſto umkrembele, ganz Worſcht, was for=e Miß
geburt debei erauskimmt, wann nor er ſein Brofidd un ſei
Bläſier un ſei Lüſte debei befriedriche kann. —
No, ſie kenne jo dobei mitunner viel Unheil a’ſtelle un
dorch=
enanner mache, awwer die Wäld „als Ding an ſich”, wie die
Filleſofe ſage, die miſſe ſe ſchun ſo loſſe wie ſe is; gottſeidank.
Un ſo därfe mer uns aach diß Johr widder an unſere ſcheene
Nadur un de iwwriche Gewäxe erfreie, un därfe ſtolz ſei uff
unſer ſchee Heſſelendche, däß wo ſich widder erausgebutzt hott
daß es de Staat all is, un daß es ausſieht, wie e jung ſchee
Braut, im ſcheenſte Hochzeitsſchmuck. Hoffe mer alſo, daß der
Mai noch waaß, wo er ſein Nome herhott, un daß er, wie
geſagt, ſei gud Erziehung un Herkunft net vergißt, un leßt’s
iwwer die Feierdäg orndlich pingſtele, ſo daß jeder, der we
noch defor empfenglich is, edwas vun dem Pingftgeiſt verſpiert,
der wo die Kebb hell und licht, un die Herze freehlich mache
ſoll ...
In dem Sinn:
Freehliche Pingſte allerſeits!
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: Halt zum Schluß noch e klaa
Standpauk for die, die maane, ſie kenne in ihre Habſucht die
ſchee Goddeswäld folldern un malldrädiern, indem ſe uff ihre
„Ausfliech” alles abrobbe, was=ſen in de Wähk kimmt, noch
dem Grundſatz „Schmicke dein Heim uff Koſte deiner
Mit=
menſche!” — Nemlich mer muß alle Johr mit Bedriebnis wioder
feſtftelle, daß ſo in de Friehlingszeit, un beſunners am
Him=
melfohrdag un an Pingſte, wo die Stuwwehocker mol enaus
mache, e grauſich Morde unner die Bliede un Blume ahebt, ſo
daß, nooch ſo „allgemeine” Wanderdage, es draus als ausſieht,
als hett en Storm die Bäum verfetzt, un en Hagelſchlag weer
Meine Herrſchafte, däß is
iwwer die Wiſſe niddergange. — —
e Verſindigung an de Nadur, die ſich insbeſunnere unſer Kinner
jeden Standes, ja als mitunner ganze Schulklaſſe zu
ſchulde kumme loſſe. Däßhalb ihr Eltern un Lehrer, geht gäje
däß unvernimfdiche Dreiwe mit alle Maßnahme vor! — Mer
kann däß net oft genuch ſage un brediche. Un vernimfdiche
Eltern wärn däß aach dhu. Freilich viele vun dene ſogenannte
„Eltern” ſin als ſelbſt net beſſer un vernimfdicher wie die
raubluſtich Jugend. Sie nenne däß: „Freude an der Nadur!” un
unner dem Vorwand ſtärze ſe ſich uff alles, was do grient
un blieht . . ."
Un in dem Sinn mecht ich hoffe, daß der ſcheene Spruch
den wo mer drauß in unſere Wälder läſe kann, endlich emol
zum Allgemeingut unſerer Erziehung wärrn mecht, nehmlich:
Laß die Blumen ſtehn
Und den Strauch
Andere, die vorübergehn
Freun ſich auch!
Der zeitgemäße Haushalt.
Küchenzettel für die Zeit vom 25. bis 31. Mai.
(Mitgeteilt vom Hausfrauenbund Darmſtadt.)
Die Koſten des Speiſezettels ſind für 6 Perſonen berechnet.
Montag, den 25. Mai:
0,60
Rahmſuppe
3,00
Schnitzel
1,60
mit Gurkenſalat und Pommes=frites
0.45
Obſttörtchen (Vorrat)
5,65
Dienstag, den 26. Mai:
.. .20.30
Tomatenſuppe
.
.......... . . 0,70
Milchreis
mit Kompott . . . . .. ..... . 0.70
1,70
Mittwoch, den 27. Mai:
0.30
Ochſenſchwanzſuppe (Würfel)
*
2.45
Pfannkuchen mit Spinat gefüllt.. .
275
Donnerstag, den 28. Mai:
0,40
Kerbelſuppe
.
2,35
Rindsrouladen
mit Kartoffeln und Salat . .. .. . 0,60
3,35
FFreitag, den 29. Mai:
0.30
Sagoſuppe
„
.. 1,60
Fiſchfilet
mit Kartoffeln und Salat . . . . . ... . 0,60
1,75
Makin mit Preißelbeeren . . ..
475
Samstag, den 30. Mai:
„. 0,50
Kräuterſuppe
Rohe Grießklöſe mit brauner Butter . . . .. 1,25
und Salat ....... 0.45
2,20
Sonntag, den 31. Mai:
0,50
Spargelſuppe . ...
Schmorbraten
.. . . . . 2,70
..
mit Gelberübchen . .. . . . .. . DoN
.. . 0.15
und Kartoffeln . . . ..
.."
1.10
Kaffeecreme
.r...-
495
Rohe Grießklöße, für drei Perſonen: ½ Pfund grober Grieß,
100 Gramm Margarine, 3 Eier, Salz, Muskat. — Die Butter
wird ſchaumig gerührt, dann 3 ganze Eier mit dem Grieß, Sal;
und Muskat tüchtig zuſammengerührt. In Salzwaſſer kochen.
Kaffeecreme: 6 Eßlöffel Zucker mit 6 Eigelb ½ Stunde
ſchaumig rühren, dazu ½ Liter ſehr ſtarken Kaffee=Extrakt, geſt.
Vanille und 6 Blatt eingeweichte, gut ausgedrückte und in 2
Eß=
löffer heißen Waſſers gelöſte Gelatine. Wenn die Creme zu ſtocken
anfängt, unterzieht man ſie mit dem feſten Schnee von 6 Eiweiß.
In eine Glasſchale füllen.
* * *
Das zweckmäßige Verpacken der Winterſachen.
Nun heißt es, die Winterſachen aus den Schränken zu verbannen
und ſo zu verwahren, daß ſie gegen die gefräßigen Motten
ge=
ſichert ſind. Bei dieſem Verfahren ordne man die Beſtände
zu=
gleich auf ihre weitere Brauchbarkeit und rangiere dabei alles
das aus, was abgetragen iſt und ein nochmaliges Moderniſieren
nicht mehr lohnt. Der ſicherſte Mottenſchutz beſteht nun in
fleißigem Klopfen aller Pelze und Wollſachen, den von jeher die
Pelzhändler anwenden. Ihm kommt Räucherung mit echt
perſi=
ſchem Inſektenpulver gleich, das man in dichtem Schranke auf
heißes Eiſenblech ſchüttet, auf dem es raſch dichten Qualm
er=
zeugt, der die Motten aus ihrem Verſteck treibt, ſo daß ſie
zu=
ſammengekehrt werden können. Werden dann die Kleidungsſtücke
noch in friſchbedrucktes Zeitungspapier gewickelt, das man in
mehrfacher Lage am beſten zu Säcken abſteppt und über den
Klei=
dern zuſteppt, dann kann man ſie, wie angegeben, beruhigt ſich
ſelbſt überlaſſen. Alle Behälter ſollten aber an Ritzen, Lücken
und Türen gut abgedichtet werden, damit die zudringlichen
In=
ſekten nicht eindringen und ihre Eier ablegen können.
Einfache Entfernung von Kaffeeflecken aus
Tiſchwäſche. Reine Kaffeeflecken, alſo ohne Milchzuſatz, waſche
man einfach mit ſtarkem Salzwaſſer aus, zu dem man au
einen halben Liter 25 bis 30 Gramm Kochſalz verwendet. Aeltere
Flecken dagegen weiche man darin zuvor ein.
Speckknödel zu Sauerkohl (fleiſchlos). ¼ Pfund
kleinwürflig geſchnittenen, kräftig geräucherten Speck brate man
hellgelb, gebe eine walnußgroße, würfliggeſchnittene Zwiebel
hinein und gieße, wenn dieſe durchgedünſtet iſt, eine Obertaſſe
voll kleinwürfliggeſchnittenes, altbackenes Weißbrot dazu, Darauf
gebe man dieſe Miſchung mit einem verquirlten Ei, etwas Muskat,
Salz und 1 Obertaſſe voll Milch in eine Schüſſel, verrühre ſie mit
ſoviel Mehl, daß ein weicher Teig entſteht, laſſe ihn einige Stunden
ruhen und koche die daraus geformten Klöße von mittlerer
Apfel=
größe in ſtark wallendem Salzwaſſer etwa 8—r0 Minnten: G.
IDe
Humor
Das Talent.
„Nicht wahr, Herr Lehrer, Arturchen hat doch originelle Ideen?”
„Ja, Frau Papendiek, beſonders in der Orthographie!”
Im Zoologiſchen Garten. „Du, Paul, ob wohl di
.Giraffe
„
Na=
auch einen Schnupfen bekommt, wenn ſie naſſe Füße hat
(Herold.)
türlich, es dauert nur ein bißchen länger!
Der Beweis. „Heute habe ich fünf Fliegen totgeſchlagen, drei
männliche und zwei weibliche!“ — „Woher willſt du denn wiſſen,
„Die zwei ſaßen auf
ob es männliche oder weibliche waren?
dem Spiegel, und die drei an der Bierflaſche!
Der Sohn des Theaterdirektors war zum erſten Male in der
Schule geweſen. „Na, Klaus, wo ſitzt du denn in der Klaſſe
erkundiot ſich ſeine Mutter. — „Parkett, zweite Reihe links!“
(Tidens Tegn.)
iſt die fachmänniſche Antwort.
Der Verkäufer. Dieſer Apparat iſt wirklich hervorragend.
gnädige Frau. Die halbe Arbeit im Haushalt wird Ihnen dadurch
(Herold.)
abgenommen!“ — „Gut; dann beſtelle ich zwei!“
2
Kontraſtierende Jarben und Materialien.
Die neueſte Mode liebt bekanntlich
Kontraſte auf allen Linien. Dies
äußert ſich nicht allein in den Faſſons
der letzten Schaffungen (man weiß ja
längſt, daß die Trotteurgarderobe
be=
ſonders ſchlicht, die nachmittägliche
Auf=
machung aber demgegenüber ganz
auf=
fallend phantaſiereich iſt)), ſondern
macht ſich auch in den
Materialzuſam=
menſtellungen und in den Farben
bemerkbar, da immer wieder verſucht
wird, aus Kontraſt=Schattierungen
aparte Effekte zu holen, gleichviel ob
es ſich um ein Promenadeſtück, um ein
nachmittägliches Modell oder um ein
Abendkleid handelt.
Im übrigen ſind ſich die führenden
Salons in dieſer Auffaſſung durchaus
einig, ſo daß in allen maßgebenden
Werkſtätten dieſe Note betont wird.
Die elegante Frau findet dieſe
neue Richtung ſicherlich ſehr kleidſam
und zollt den Kontraſteffekten
außer=
ordentlichen Beifall, wodurch ſchon nach
kurzer Zeit eine gewiſſe Popularität
geſichert war.
Natürlich erſcheint damit der Mode
ein ſehr weites Feld eröffnet, da es Q8
für dieſe Auslegung der
Farbkompo=
ſition eigentlich keine Grenzen gibt und
der Phantaſie jede Möglichkeit gelaſſen
wird.
Darum iſt es auch beſonders ſchwer.
dieſe Richtung in ihren zahlloſen
Varianten zu beſprechen, und man
muß ſich wohl oder übel damit
be=
ſcheiden, einige maßgebende
Kombina=
tionen herauszugreifen, die eben für
die neue Mode als typiſch zu bezeichnen
ſind.
Es wäre vielleicht vor allen Dingen
weſentlich, zu erörtern, welche
Far=
ben man heuer zu kombinieren pflegt.
Eine Zuſammenſtellung, die ſich
einem geradezu aufdrängt, wenn es ſich
um dieſe Frage handelt, iſt ſchwarz mit
weiß, das heuer immer wieder zu ſehen
iſt und ausnehmend gut gefällt. Auch
ſchwarz—roſa iſt noch immer
gebräuch=
lich, trotzdem es ja ſchon im Vorjahre
beifällige Aufnahme fand und viel
getragen worden war. Sehr apart wirkt
tiefes Marine= mit hellem
Himmel=
blau, ebenſo ſchick aber dunkelblau mit
zarter Lindfarbe (Chartreuſe).
Natür=
lich kommen hier auch die verſchiedenen,
immer ſehr eleganten „
Abſchattie=
rungen” in Frage, wie: ſchwarz—grau,
beige—braun, efeu mit zartem
hell=
grün uſw.
Oft kann der Kontraſt nicht allein aus der Farbe, ſondern auch
aus der Struktur und Art des Materials geholt werden.
So zum Beiſpiel verarbeitet man gerade für die Sommerſaiſon
wieder gerne Georgette mit Spitze, andererſeits auch Spitze mit
Mouſſeline=Imprime, wodurch ſich ſehr ſchöne, maleriſche
Wir=
kungen ergeben.
Ein Modell dieſer Art haben wir im Mittelbilde feſtgehalten;
es handelt ſich um eine jener Schaffungen, die ein Mittelding
Blumenhut und Rüſchenhandſchuhe.
Klingt dieſe Verbindung nicht wie die Beſchreibung eines
Modebildes aus der Biedermeierzeit? Und doch handelt es ſich um
die allerneueſten und mondänſten Attribute der eleganten
Auf=
machung, die eben in jeder Hinſicht beſonderen Phantaſiereichtum
N
betont wiſſen will und daher auch außerordentlich maleriſch und
kleidſam iſt, wenn auch die Sachlichkeit dabei nach und nach in
Vergeſſenheit gerät.
Die Blumenhüte hat man ſich als kleine Kappen aus Stroh,
Seide oder Filz vorzuſtellen, die ringsum eine turbanartige, aus
kleinen Blüten gebildete Randung bringen, die natürlich mit der
Note des Kleides und mit ſeiner Farbe abſolut harmonieren
müſſen.
Die neueſten Handſchuhmodelle ſtehen hinter der
phantaſiereichen Note der letzten Hutſchaffungen ſicherlich nicht
zurück. Handelt es ſich um ganz eigenartige Stücke mit halbhohen
Stulven, die mit zwei Lederrüſchen abgeſchloſſen werden.
Mitunter iſt es möglich, den Effekt noch dadurch zu erhöhen,
daß die Rüſchen in einer vom Handſchuh abſtechenden Farbe ge=
wiſche
nachmittäglichem und abendlichem Kleide darſtellen, alſo
außerordentlich verwendbar ſind, weil ſie jedem Bedarf gerecht
zu werden vermögen. Man hat ſich hier den Oberteil und den
Anſatz der Aermel aus einem ſtiliſierten, groß=oramentierten
Imprimé zu denken, während für die glockige Rockpartie ſowie für
die angeſetzten Aermelkelche Spitze in der Grundfarbe des bunten
Materials heranzuziehen wäre. — Der Hut kann zwar innen mit
dem Imprimé des Kleides beſpannt ſein, müßte aber dann außen
halten und mit der Stepparbeit am Handrücken in
Uebereinſtim=
mung gebracht werden.
Die beiden intereſſanten Neuheiten, und zwar den modernen,
kleinen Blumenhut und den originellen Handſchuh (der ſehr bald
große Popularität erlangt haben dürfte, weil es ſich ja hier um
eine höchſt originelle Note handelt, die überdies den Vorteil hat,
ungemein kleidſam zu ſein) führen wir in unſerem Bilde vor
Augen.
W. U.
Das „Stirnband‟
iſt in Verbindung mit den neueſten Strohhutmodellen der Saiſon
vielfach zu ſehen.
Anfangs iſt man zwar geneigt, dieſes höchſt originelle Detail
als kokette Modelaune zu werten; wenn man aber verſucht, ſich
Nre
ein wenig in die Eigenart der neueſten Hutmode zu vertiefen,
wird man bald erkennen, daß es ſich hier nicht etwa um eine
will=
kürlich geſchaffene Neuheit, ſondern um eine ſich aus der
Beſonder=
heit der neueſten Hutmode ergebende Notwendigkeit handele.
Die allerneueſten Schaffungen ſind nämlich nicht nur ſehr
klein, ſondern werden auch vollkommen aus dem Geſicht gerückt
getragen (wodurch der ganze Haaranſatz ſichtbar wird), ſo daß der
Hut jeden Halt verlieren müßte, wenn man nicht durch das oben
beſprochene „Stirnband”, das von einer Innenſeite des Hutmodells
zur anderen führt, einen Ausweg ſchaffen und dadurch dem Hut
die abſolute Paßform geben würde.
Der Spielanzug
M.
NN
der ſowohl für Mädchen als auch für Knaben verwendbar iſt,
wird aus farbigem, groben Leinen hergeſtellt, ſieht ganz
ent=
zückend aus und iſt für Haus und Garten während der warmen
Jahreszeit ſicherlich das Richtigſte. Natürlich muß darauf geachtet
werden, abſolut waſchechtes Leinen heranzuziehen, da jedes
an=
dere Material, das ſchon nach kurzer Zeit die Farbe einbüßt, ein
arger Fehlgriff wäre.
Der Oberteil ſoll wie der eines Badeanzuges geſchnitten ſein,
während die Höschen mit Gummizug abgeſchloſſen werden,
wo=
durch ſich die ſogenannte Pumphoſenform” ergibt, die praktiſch
iſt und das Kind in der Bewegung nicht behindert. Der ſchmale
Gürtel iſt immer nett. Eine ſeitliche Taſche iſt den Kindern
erfahrungsgemäß ſehr willkommen.
Unterhalb eines ſolchen Spielanzuges wird vielfach ein
weißes Hemdchen mit kurzen Aermeln getragen (Skizze), das
R. H.
immer nett und ſauber wirkt.
unter allen Umſtänden einfarbig
bleiben, um dieſem Modell einen
ruhi=
gen Akzent zu geben.
Ganz beſonders elegant wirken
Far=
benkontraſte bei „kleinen Seidenklei=
9
dern”, die heuer bekanntlich in den
führenden Salons viel Beachtung
fin=
den, da ſie jene Aufmachung darſtellen,
für die die elegante Frau geradezu
ſchwärmt.
Ein hell=ſeidenes Trotteurkleid mit
in der Mitte geknöpfter, leicht glockiger
Tunika über einem geraden, engen
Grunde, führen wir im letzten Bilde
vor Augen. Dunkle Kontraſteffekte
werden nur in Form des breit=gelegten
Gürtels, der kleinen Kugelknöpfe und
der Zackenrandung der Kragenpartie
herangezogen, wobei die Farbe
natür=
lich mit der Schattierung der Umhülle
übereinſtimmen muß.
Der Mantel ſelbſt iſt nichts anderes
als ein gerader Paletot, der nach wie
vor am beſten gefällt und nur durch
intereſſante Fellgarnierungen am
un=
teren Rande in wirkungsvoller Art
be=
lebt wird.
Das Neueſte iſt heuer ein Beſatz aus
„Affenhaar”, das nach langer Zeit
wie=
der in Mode gekommen iſt und beweiſt,
daß leichtes Pelzwerk im Sommer
durchaus an der Tagesordnung iſt und
ſogar zu den markanteſten Attributen
einer eleganten Aufmachung zählt,
(Letztes Bild.)
Natürlich kommen die Farb= und
Materialkontraſte auch bei den neueſten
Schaffungen der Strickmode zur
Gel=
tung: hier gibt es in letzter Zeit
Ent=
würfe von beſonderer Eigenart und
Eleganz, die nicht allein durch die
tech=
niſche Vollendung des Materials,
ſon=
i dern auch durch den aparten Schnit
A
feſſeln.
Großer Beliebtheit erfreuen ſich die
verſchiedenen Boucls=Complets”, die
jene „körnige” Struktur haben, die man
*
heuer ſehr ſchätzt und die an das
moderne „Chryſanthemen=Stroh”
ge=
mahnt.
Natürlich erfordert ein ſolches Com,
plet auch eine intereſſante, nicht all=
tägliche Garnierung, weshalb man hier
mit Vorliebe die neuartige „Jerſey=
Spitze” heranzieht, die der Strickmode
ganz neue Möglichkeiten eröffnet und
ſicherlich noch viel von ſich reden machen
wird.
In unſerem erſten Bilde iſt das Bouclé=Complet
mit Jerſey=Spitzen=Sattel und damit
zuſammen=
hängenden, langen Aermeln zu ſehen, die unter den
halb=
langen, mit glockigem Anſatz abſchließenden Aermeln des Jäckchens
hervorkommen.
Sicherlich iſt eine ſolche Aufmachung durchaus dazu angetan,
allgemeine Aufmerkſamkeit zu erregen und der Strickmode neue,
Willy Ungar.
große Erfolge zu bringen.
Die aparte Tragart dieſer Schaffungen, die als intereſſante
Vorläufer der neuen Mode gelten dürfen, führt unſer Bild vor
V.v.
Augen.
Nummer 143
Sonntag, den 24. Mai 1931
Seite 23
32)
Sitgg wain Pe
Roman von Alexandra von Boſſe.
Cophright 1930 by Karl Köhler u. Co., Berlin=Zehlendorf.
(Nachdruck verboten.)
Es herrſchte Halbdunkel in dem kleinen Saal, weil das
Wet=
ter trübe war, außerdem die Kronen hoher Bäume das Licht
dämpften. Er war ſteif mit alten ſchönen Empiremöbeln
einge=
richtet, die Polſter der gradlinigen Sofas und Seſſel mit
zartge=
blümtem Seidenſtoff überzogen. Einige kleine Perſer deckten den
marmorgetäfelten Fußboden. Richard fand aber nicht Zeit, ſich
um=
zuſehen, denn kaum hatte der Diener die Tür hinter ſich geſchloſſen,
als am entgegengeſetzten Ende des Saales eine Tür ſich öffnete
und eine hohe, ſchlanke Frauengeſtalt hereinkam.
Ihr war jedenfalls die Anweſenheit eines Fremden noch nicht
gemeldet worden, ſie wurde davon überraſcht, verhielt den Schritt
und blickte Richard fragend an. Sie trug ein weißes Kleid, das
loſe an ihrer Schlankheit bis an die Knöchel herabfiel, und ſie
hatte ſchwarzes Haar. Nur das ſah Richard zunächſt, und daß ſie
die alte Gräfin nicht ſein konnte. Im nächſten Augenblick
er=
kannte er ſie:
„Flavia!”
Er wußte nicht, ob er den Namen laut gerufen hatte. Sie
ſo unerwartet vor ſich zu ſehen, überraſchte und verwirrte ihn ſo
ſehr, daß er wie erſtarrt regungslos ſtehen blieb, gar nicht fähig
war, eine Bewegung zu machen oder etwas zu ſagen. Sie war
nicht mehr das zarte, kindliche junge Mädchen, das er geliebt
hatte, eine vollerblühte junge Frau ſtand vor ihm, blickte ihn aus
dunklen Augen ſtolz und fremd an.
Flavia erkannte ihn offenbar nicht. Es war halbdunkel im
Saal, und gewiß hatte er ſich in den acht Jahren der Trennung
weit mehr verändert als ſie. Er trug aber gerade heute der Hitze
wegen einen ganz leichten, hellgrauen Anzug, der ihn jugendlicher
erſcheinen ließ, und als er das Haus betrat, hatte er den weichen
Hut abgenommen, hielt ihn zuſammengedrückt in der Hand. Und
gerade jetzt brach die Sonne durch das Gewölk, ſandte einen
Strahl durch die Scheiben des mittleren Fenſters, ſo daß er
plötz=
lich in heller Beleuchtung ſtand, während um ihn der Raum
dun=
kel blieb. So ſtand er in der breiten Lichtbahn, wie zuweilen auf
Gemälden eine Gottheit oder ein Heiliger dargeſtellt wird, den
allein ein vom Himmel geſandter Strahl beleuchtet.
Da erkannte ihn Flavia. Ihre Augen weiteten ſich vor
namen=
loſem Entſetzen, und abwehrend hoben ſich ihre Hände.
„Flavia!” ſagte er tonlos.
Sie machte einige taumelnde Schritte ihm entgegen, und ehe
er es hindern konnte, ſank ſie vor ihm auf die Knie, hob beide
Hände flehend und abwehrend zugleich gegen ihn auf.
„Richard — Richard!” ſtammelten ihre erblaßten Lippen.
„Ich war dir treu — ich war dir treu! Glaube mir, ich war es,
bis ſie mir ſagten, du ſeieſt nicht mehr am Leben — nicht mehr
am Leben —
Dieſe letzten Worte wiederholte ſie immer wieder wie
irr=
ſinnig.
Er wußte nicht, daß ſie ihn tot glaubte und eine Erſcheinung
zu ſehen vermeinte, durch die Plötzlichkeit ſeines Anblicks erſchreckt
und verwirrt. Sie ſah nicht die Veränderung in ſeinen Zügen,
und der Sonnenſtrahl vergoldete ſein Haar, ſie ſah ihn, genau wie
ſie ihn zuletzt geſehen, einen ſchlanken, blonden Jüngling; und da
ſie wußte, daß dieſer Richard, nicht mehr unter den Lebenden
weilte, war ſie für den Augenblick überzeugt, ſeinen Geiſt zu ſehen,
der ihr erſchienen, ſie für ihre Untreue zur Rechenſchaft zu ziehen.
Richard konnte ſich das namenloſe Entſetzen, das aus ihrem
Blick ſprach, darum nicht erklären. Er ſah ſie knien, ſah ihre
flehende Gebärde, trat ſchnell auf ſie zu und hob ſie ſanft
em=
por. Er mußte dabei den Arm um ſie legen, ſie zu ſtützen. „
Fla=
via, faſſe dich!” bat er leiſe. „Von mir haſt du nichts zu fürchten.”
Sein Geſicht war ihr nun nah und nicht mehr von dem
Son=
nenſtrahl magiſch beleuchtet. Sie fühlte, da er ihre Hand ergriff,
die lebendige Wärme der ſeinen. Sie ſah zu ihm auf, und
lang=
ſam wich das Entſetzen aus ihrem Blick, machte faſſungsloſem
Staunen Platz. Ihre freie Hand taſtete an ſeinem Arm herauf,
über ſeine Bruſt, ſtreichelte über ſeine Wange, als wollte ſie ſich
ſo vergewiſſern, daß wirklich ein lebendiger Menſch vor ihr ſtand.
„Du lebſt? Du lebſt?” fragte ſie mit verſagendem Atem. „Du
lebſt!
rief ſie, ſich aufrichtend.
„Ja, ich lebe!” ſagte er, ihr in die Augen blickend, und ein
Lächeln leuchtete in ſeinen Augen auf.
„Man ſagte mir — man ſagte —”, ſtammelte ſie, noch immer
zitternd, „du ſeieſt tot — gefallen
„Man glaubte es, aber wie du ſiehſt, lebe ich noch.”
Da ſank ihr Kopf an ſeine Bruſt, und haltloſes Schluchzen
er=
ſchütterte ihren Körper. Sein rechter Arm hielt ſie umſchloſſen.
ſeine rechte Hand ſtreichelte über ihr ſchwarzes, ſeidenweiches
Haar, und leiſe ſprach er ihr zu: „Faſſe dich, Flavia, beruhige dich,
geliebtes Herz. Sieh, es iſt in Deutſchland gar nichts
Ungewöhn=
liches nach dieſem Kriege, daß einer, der tot geglaubt wurde, noch
aus ferner Gefangenſchaft heimkehrt.”
Sie ſchien nicht zu hören. An ſeiner Bruſt ruhend, weinte ſie
leiſe, wie verzweifelt weiter. Sie merkten es beide nicht, wie die
Tür nach der Vorhalle ſich öffnete, darin für einen Augenblick
das verwunderte Geſicht des alten Dieners ſich zeigte und wieder
verſchwand. Langſam führte Richard Flavia zu einem der kleinen,
ſteifbeinigen Sofas, ließ ſie hier ſanft niedergleiten und ſetzte ſich
neben ſie. Weiter ſprach er zu ihr, erklärte, wie es gekommen, daß
er ſo lange verſchollen geblieben und keine Nachricht hatte geben
können. Er küßte ſie leiſe und zärtlich, ſie duldete es, ſie entwand
ſich ſeiner Umarmung nicht. Sie dachte nicht an Oreſte. Für den
Augenblick hatte ſie vergeſſen, daß es einen Oreſte gab, mit dem
ſie verlobt war, den zu heiraten ſie nahe daran geweſen. Sie gab
ſich ganz der beſeligenden Wonne hin, den Geliebten, den ſie tot
geglaubt, lebend vor ſich zu ſehen, und mit leidenſchaftlicher Glut
erwiderte ſie ſeine Zärtlichkeit.
„Richard, mein Richard!” ſagte ſie weich. Sie ſprach gut
Deutſch, das ſie von ihrer Mutter, einer Oeſterreicherin, als Kind
gelernt hatte. Sie ſprach es mit weichem, einſchmeichelndem
Ton=
fall, wie ſchmelzend, und mit Entzücken hörte er ſeinen Namen
aus ihrem Munde. Die ganzen Jahre ihrer Trennung waren wie
nicht geweſen, ſie waren wieder jung, jung und heiß ihre Liebe,
wie einſt.
Alles, was ſie einſt für Richard empfunden, war wieder in
Flavia lebendig geworden. War ihre Leidenſchaft durch die lange
Trennung verblaßt, ſo daß ſie ſich ſelbſt nicht mehr klar war, ob
ſie Richard, kam er zurück, noch lieben würde — jetzt während ſeine
Arme ſie umſchlangen, ſein Mund ihren Mund ſuchte und ſie ſein
Herz an ihrem ſchlagen hörte, wußte ſie, daß ſie nie aufgehört
hatte, ihn, nur ihn allein zu lieben, und daß nichts auf der Welt
ſie von ihm trennen konnte.
Auch er gab ſich ganz dem Glück dieſer Stunde hin, dieſem
traumhaften Glück. So unerwartet war dieſes Wiederſehen
ge=
kommen, ſo ſehr waren ſie beide davon erſchüttert, daß ſie darüber
alles um ſich her vergaßen.
Richard glitt vom Sitz herab auf die Knie, küßte Flavias
Hände und drückte ſeinen Kopf an ihre Knie.
„Geliebte! Geliebte!” flüſterte er.
Durch Tränen blickte ſie zu ihm nieder, ihre Hand ſtrich leiſe
über ſein Haar. Da gewahrte ſie den ſilbernen Schimmer an
ſei=
nen Schläfen und erſchrak. Ganz plötzlich kamen ihr die Jahre
zum Bewußtſein, die zwiſchen dem Einſt und Jetzt lagen, und
traumhaft ſtiegen Bilder vor ihr auf von den Gefahren, Qualen
und Entbehrungen, die er durchgemacht, bis ein gütiger Gott
ihn wieder zu ihr geführt. Sie beugte ſich herab und küßte ſeine
Schläfe; leiſe, liebkoſend, ſtrichen dann ihre Finger über den
ſil=
beinen Schimmer:
„Ich liebe dich, ich liebe dich”, flüſterte ſie, „ich habe nie
auf=
gehört, dich zu lieben!“
Aber nun erhob er ſich, wie aus einem Traum erwachend,
ſtand vor ihr, ſah auf ſie herab. Sie ſah nun auch die
Verände=
rung an ihm, ſah die Linien, die alles, was er durchgemacht, in
ſein Geſicht eingezeichnet hatten. Es war nicht mehr das Geſicht
eines jungen Siegfrieds, es war das Geſicht eines gereiften
Man=
nes, hager, gefurcht und voll Härten, die früher nicht darin
ge=
weſen. Aber ſchöner, liebenswerter noch erſchien es ihr.
„Flavia”, ſagte er, ihre linke Hand in ſeinen beiden haltend,
„was ich kaum zu erhoffen gewagt, es iſt unfaßbare Wirklichkeit.
Iſt ſie das? — Du biſt noch mein, biſt bereit, als mein Weib mir
zu folgen, wohin ich dich führen werde?"
„Ich bin dein, ich gehe mit dir, wohin es auch ſei”, erwiderte
ſie, ihm in die Augen blickend. Doch während ſie es ſagte,
er=
innerte ſie ſich an Oreſte, Schrecken durchzuckte ſie. „Mein Gott,
ich vergaß —” murmelte ſie erbleichend.
„Du vergaßeſt — was?” fragte er.
„Oreſte — Gott, mein Gott!”
Nur ſein Blick fragte, und ſie erhob ſich, nahm ſeinen Arm,
lehnte ſich an ihn, während er ihre linke Hand noch hielt.
„Richard, du mußt alles wiſſen.”
Sie erzählte, wie ſie um ihn gebangt, als keine Nachricht mehr
von ihm kam, was zuerſt durch die Kriegserklärung Italiens
ver=
ſtändlich war, aber, wie dann, als nach Kriegsende kein
Lebens=
zeichen von ihm kam, nach und nach, wie ſehr ſie ſich dagegen
ſträubte, die Ueberzeugung in ihr wuchs, daß er nicht mehr lebte.
Sie erzählte, wie ihr Vater immer wieder verlangte, daß ſie
hei=
raten ſollte, wie er endlich einen ihr widerwärtigen Gatten
auf=
zudrängen verſuchte, ſo daß ſie gezwungen war, ihr Vaterhaus
heimlich zu verlaſſen.
„Sieh, Richard,” fuhr ſie fort, „da bot mir Oreſte Fronchi,
mein Vetter, Aſyl im Hauſe ſeiner Mutter, hier auf Raſano und
ich nahm es an. Selbſtlos bot er mir es an, auch noch, als ich
ihm mein Geheimnis anvertraute, meine heimliche Ehe mit dir.
Er liebte mich, er umwarb mich ſeit Jahren; lebteſt du, war keine
Hoffnung für ihn, daß er mich je ſein würde nennen können,
dar=
über ließ ich ihn nicht im Zweifel. Dann, vor einigen Wochen,
brachte er mir die vermeintliche Gewißheit, daß du ſchon vor ſechs
Jahren gefallen wärſt. Oh, Richard, betrog er mich? Warſt du
verſchollen?”
Richard ſchüttelte den Kopf. „Ich war amtlich für tot
er=
klärt.
„Und nun”, geſtand ſie, „willigte ich ein, ihn zu heiraten,
mich durch dieſe Heirat vor weiterer Bedrängung durch meinen
Vater zu ſchützen. Ich meinte, da ich Oreſte gern hatte, ohne ihn
doch zu lieben, könnte ich mit ihm glücklich werden, indem ich ihn
glücklich machte, der mich ſo treu und heiß liebte. Es war ein
Irr=
tum”, ſetzte ſie hinzu, und wie ein Schauer ging es durch ihre
Ge=
ſtalt, „wir wären unglücklich geworden, er und ich, das erkenne
ich jetzt, da Gottes Gnade dich noch rechtzeitig zu mir geführt,
Ge=
liebter.”
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