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Franffurt a. M. 1301.
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
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Nummer 134
Freitag, den 15. Mai 1931.
194. Jahrgang
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(4 Dollar — 420 Markl. — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſchtz
ſede Verpfſichtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
aufträge und Leiſtung von Schadenerſatz. Beil
Konkurs oder geriſchticher Beſtreibung fäll jeder
Rabatt weg. Bankkonto Deutſche Banl und Darm
Kädter und Nationalban”.
Drnd ii Aaraa.
Unntſahniebang des A99.
gegen Gehaltskürzung.
Abſchiedsvorſtellung in Genſ.
Ber zieht in den Quai d Orſay?
TU. Paris, 14. Mai.
Die Sitzung des franzöſiſchen Miniſterrats begann am
Don=
nerstag vormittag 9.30 Uhr. Außenminiſter Briand unterbreitete
dem Staatspräſidenten und Miniſterpräſident ſein Rücktrittsgeſuch.
Briand iſt der Auffaſſung, daß die Abſtimmung der
Nationalver=
ſammlung ihm ſehr viel von ſeinem Preſtige genommen habe
und daß er die franzöſiſchen Intereſſen, die gerade jetzt mehr denn
je von einer Perſönlichkeit verteidigt werden müßten, hinter der
alle Volksvertreter wie ein Block ſtünden, nicht mehr mit der
glei=
chen Autorität vertreten könne. Miniſterpräſident Laval und
ſämtliche Miniſter haben im Anſchluß daran lebhäft auf den
Außenminiſter eingewirkt, damit er in Genf vor dem
Europa=
ausſchuß und dem Völkerbundsrat die Intereſſen Frankreichs in
dem Sinne verteidigt, wie in der Abſtimmung der beiden
Häu=
ſer zum Ausdruck gekommen iſt. Briand hat ſchließlich
ein=
gewilligt und ſich bereit erklärt, diesmal noch nach Genf zu
gehen. Alszweiter Hauptvertreter Frankreichs wurde
Frangois Poncet beſtimmt.
In politiſchen Kreiſen gilt Briand als zurückgetreten. Man
nimmt als ganz ſicher an, daß Briand ſofort nach ſeiner Rückkehr
aus Genf den Quai d’Orſay verläßt oder aber ſpäteſtens bei der
Uebergabe der Staatspräſidentſchaft am 13. Juni, die
bekannt=
lich den formalen Rücktritt der Regierung bedingt, eine
Neu=
betrauung mit dem Außenminiſterium ablehnt. Die Ernennung
Poncets zum zweiten Delegierten wird allgemein dahin
aus=
gelegt, daß Briand ſeinen Nachfolger in Genf einführen will.
Schon ſeit der Kandidatur Briands zu den Präſidentſchaftswahlen
herrſchte in politiſchen und parlamentariſchen Kreiſen die
Mei=
nung vor, daß er nach dem Ausſcheiden Briands aus dem Quai
dOrſay für wichtigere Aufgaben vorgeſehen ſei.
Briand iſt kol; die Berkräge leben!
Franzöſiſches Preſſe=Echo zur Präſidenkenwahl.
EP. Paris, 14. Mai.
Die Niederlage Briands bei der Präſidentenwahl iſt
den Pariſern nicht weniger überraſchend gekommen als
dem Ausland. Die Pariſer Preſſe ſucht vor allem die
Tragweite dieſer Niederlage dahin abzuſchwächen, daß ſie
ſagt, die Außenpolitik Frankreichs und ſeine Friedenspolitik
ſei dadurch nicht herabgemindert worden.
Man dürfe nicht ſagen, ſchreibt der „Matin”, daß von den
beiden Kandidaten der eine mehr den Frieden repräſentiere als
der andere. Beide wollten den Frieden mit allen Kräften ihres
Willens. Die geſtrige Abſtimmung ſei vielleicht auch eine
Mani=
feſtation gegen den Sozialismus geweſen, der der
große Wähler eines der Kandidaten ſein wollte und der nun ſein
Totengräber geworden ſei.
Der nationaliſtiſche „Avenir” drückt die Anſicht aus, nicht
Briand habe ſeiner Kandidatur einen Kampfcharakter gegeben,
ſondern die Parteien. Der Ausfall der
Präſidenten=
wahlkönne alſokeinen Zweifel über die Haltung
Frankreichs laſſen.
Die übrigen Blätter ſchreiben in ähnlichem Sinne, beſonders
die Links= und Regierungsblätter. Die äußerſten
Rechtsblät=
ter verſichern zwar, daß die Friedenspolitik Frankreichs nicht
be=
rührt worden ſei, fordern jedoch rundweg die Demiſſion des
Außenminiſters, insbeſondere die Coty=Blätter „Figaro”
und „Ami du peuple”; die gleiche Forderung ſtellen auch „Echo
de Paris” und „Paris Nouvelles”.
Das „Echo de Paris” ſchreibt: Was auch in Berlin und
Wien dazu geſagt werde, wir denken, daß der 13. Mai eine
ernſte Warnung an die Politik von 1925 bis 1931 geweſen
iſt und dazu beitragen wird, die europäiſche Ordnung
und den Frieden zu retten.
Der „Ami du Peuple” erklärt
Briand für politiſch tot.
Geſtern ſei ein nationaler Sieg erungen worden. Briand habe
ſich zu lange ſchon in den finſteren Bezirken des
Antipatriotis=
mus und der Anarchie herumgedrückt.
Beſonders bezeichnend iſt ein Ausſpruch des „Figaro” der
der Meinung iſt, daß nun eine Aera der „friedlichen
Feſtigkeit” ſich eröffnen werde. Doumer ſei einer
von denen, die glaubten, daß der Friede nur durch die
ge=
naueſte Einhaltung der Verträge und durch die
Ver=
teidigung der franzöſiſchen Rechte — mit dem Text in der Hand —
geſichert werden könne.
„Petit Journal” erklärt, Frankreich werde ziemlich zu
tun haben, um ſeine Feinde zu überzeugen, daß die geſtrige
Ab=
ſtimmung nicht eine Desavouierung der Politik Briands bedeute,
und um der Welt zu beweiſen, daß ſich das Geſicht
Frank=
reichs nicht geändert habe.
Das „Journal” ſtellt feſt, daß vom Standpunkt der
inter=
nationalen Politik das Abſtimmungsergebnis genau der letzten
Tagesordnung der Kammer über das deutſch=öſterreichiſche
Zoll=
abkommen entſpreche. Es beweiſe, daß das franzöſiſche
Volk eine Verſöhnungspolitik und eine
frei=
mütige internationale Zuſammenarbeit im
ſtrikten Geiſte der Verträge wolle. In der geſtrigen
Schlacht ſei das perſönliche Preſtige Briands im Spiel geweſen;
dieſe Schlacht ſei nicht ſchmerzlos beendigt worden.
Erſte Beſuche in Genf:
Curkius-Schober, Grandi-Henderſon.
Genf, 14. Mai.
Die erſten diplomatiſchen Fühlungnahmen haben bereits
begonnen. Kurz nach Ankunft der deutſchen Abordnungen fand
eine erſte Zuſammenkunft zwiſchen Curtius und Schober
ſtatt, in der die übereinſtimmende Haltung
Deutſch=
lands und Oeſterreichs bei der Behandlung der
Zoll=
union im Europäiſchen Ausſchuß und anſchließend im
Völker=
bundsrat erneut feſtgeſtellt worden iſt. In den
Er=
klärungen der Außenminiſter vor dem Europäiſchen Ausſchuß
düirfte ſich die
grundſätzliche Bereitwilligkeit zur Mitarbeit an allen
Plänen und Vorſchlägen ergeben, die von praktiſchem
Wert für die Geſundung der europäiſchen Wirtſchaft ſind.
Im Laufe des Vormittags ſtatteten Henderſon und Grandi
dem Generalſekretär des Völkerbundes einen Beſuch ab. Ferner
fand bereits eine längere Unterredung zwiſchen Henderſon
und Grandi ſtatt. Es ſoll eingehend die Abrüſtungsfrage
erörtert worden ſein. Als feſtſtehend wird angeſehen, daß die
Kandidatur Beneſchs für die Präſidentſchaft der
Ab=
rüſtungskonferenz erledigt iſt, dagegen die Wahl
Hender=
ſons zum Präſidenten der Abrüſtungskonferenz
weiteſtgehende Unterſtützung der meiſten Mächte
insbeſondere auch Italiens gefunden hat. Auf engliſcher
Seite ſoll ferner der Wunſch beſtehen, die
Abrüſtungskon=
ferenz nach London einzuberufen, jedoch wird auf
franzöſiſcher Seite nach wie vor Genf als Tagungsort verlangt.
Der Plan eines engeren vorbereitenden
Ausſchuſ=
ſes aus Vertretern der Großmächte zur Vorbereitung der
Ab=
rüſtungskonferenz ſteht von neuem zur Beratung. In der
Flottenfrage ſoll vereinbart worden ſein, in nächſter Zeit
neue Verhandlungen zwiſchen Frankreich,
Eng=
land und Italien aufzunehmen.
Grandi wird im Europaausſchuß den Vorſchlag machen, das
geſcheiterte Zollwaffenſtillſtandsabkommen
von 1930 von neuem zu prüfen, und die Möglichkeiten eines
Inkrafttretens dieſes Abkommens zu erwägen. Dieſer
Vorſchlag ſoll die Zuſtimmung der engliſchen Regierung
gefun=
den haben. Zu dem Antrag Grandis wird auf deutſcher
Seite die Auffaſſung vertreten, daß dieſer Vorſchlag ſich in
erſter Linie gegen Frankreich richte, da die bisherigen
Verſuche, dieſes Abkommen in Kraft treten zu laſſen, an dem
Widerſtand Frankreichs geſcheitert ſeien, während
Deutſch=
land das Abkommen bereits ratifiziert habe.
Prag iſt zufrieden.
EP. Prag, 14. Mai.
Die Prager Preſſe, namentlich die dem Außenminiſter
nahe=
ſtehende, betrachtet Briand als das Opfer des deutſch=
öſterreichi=
ſchen Zollunion=Planes. Mit beſonderer Genugtuung wird die
Wahl Doumers von der nationalen „Narodny Politika” und der
Preſſe des früheren Miniſters Stribrny aufgenommen, die
er=
klärt, Frankreich habe den Vater von vier gefallenen Söhnen
dem Verkünder von Paneuropa vorgezogen. Vom tſchechiſchen
Standpunkt aus ſei die Wahl Doumers zu begrüßen. — Die
Linkspreſſe ſieht in der Wahl Doumers eine Warnung an
Deutſchland.
Polniſche Schadenfrende über Briands Niederlage.
TU. Warſchau, 14. Mai.
Die Wahl Doumers wird von der polniſchen Preſſe mit einem
Seufzer der Erleichterung und mit unterdrückter Schadenfreude
über die Niederlage Briands aufgenommen. Briand gilt hier
als der Apoſtel der Verſtändigung mit Deutſchland und als
Schöpfer des Locarno=Vertrages, was abſolut ungeignet war, ihm
in Polen viel Sympathie einzutragen. Man traute Briand nicht
und iſt nun zufrieden, daß ein Mann zum Präſidenten der
fran=
zöſiſchen Republik gewählt wurde, der dem konſervativen Lager
näher ſteht.
Radikale Maßnahmen in Madrid:
Alſons” Privakeigenkum beſchlagnahmt.
Wahlanfechkungen.
TU. Madrid, 14. Mai.
Der Miniſterrat beſchloß die Beſchlagnahme des
ſämtlichen noch faßbaren Privateigentums des
Königs. Alle amtlichen Stellen und Bankiers ſind verpflichtet,
etwaige Guthaben, Depots uſw. an das Finanzminiſterium
aus=
zuliefern. Gleichzeitig erhielten ſämtliche ſpaniſchen konſularen
Auslandsvertretungen Anweiſungen, keine Verkaufsverträge des
Königs, die ſich auf ſein in Spanien liegendes Vermögen
be=
ziehen, notariell zu beglaubigen. Der
Nationalverſamm=
lung bleibe es vorbehalten, über die endgültige
Verwen=
dung des beſchlagnahmten Gutes zu beſtimmen.
Der Miniſterrat beſchloß weiter, die 2000 Gemeinden,
deren letztes Wahlergebnis angefochten worden iſt, am 31. Mai
neu wählen zu laſſen. Die neue Maßnahme iſt lediglich
gegen die Monarchiſten gerichtet. Bis zu den Wahlen
werden in den ſtrittigen Gemeinden, die monarchiſtiſche
Mehr=
heiten oder ſtarke monarchiſtiſche Minderheiten haben, die
repu=
blikaniſch=ſozialiſtiſchen Ausſchüſſe die Geſchäfte weiterführen.
Berlin, 14. Mai.
Der Bundesausſchuß des Allgemeinen Deutſchen
Beamten=
bundes hat nach einem Referat des Reichstagsabg. Dr. Völter
einſtimmig eine Entſchließung angenommen, in der es heißt, der
von der Reichsregierung eingeleitete allgemeine Abbau der Löhne
und Gehälter habe nicht zu der erſtrebten Belebung der Wirtſchaft
gführt, da er durch Verringerung der Maſſenkaufkraft die
Beſchäf=
tigungsloſigkeit der Induſtrie und der übrigen Wirtſchaftszweige
weiter habe vergrößern müſſen. Der Bundesausſchuß hält ſich
daher für verpflichtet, die Reichsregierung eindringlich vor einer
neuen Kürzung der Beamtengehälter zu warnen, beſonders
dieje=
nigen der unteren und mittleren Gruppen, die heute ſchon
viel=
fach in Not und Schulden geraten ſeien, könnten eine weitere
Ver=
ſchlechterung ihrers Lebensſtardards nicht ertragen, zumal auf der
anderen Seite wichtige Lebensmittel bereits wieder im Preiſe
ge=
ſtiegen und beſonders die Wohnungsmieten ſchon jetzt von dieſen
Beamtengruppen kaum noch beſtritten werden könnten. Hinzu
komme, daß die völlig ungerechte und unſoziale Form des
gegen=
wärtigen 6prozentigen Gehaltsabzuges gerade die am ſchlechteſten
geſtellten Beamten am ſchwerſten belaſte. Der Bundesausſchuß
weiſt ferner die Angriffe auf die Beamtenſchaft, die neuerdings
wieder von einem Teil der Oeffentlichkeit in völlig
verſtändnis=
loſer Weiſe erhoben würden, und die mehr und mehr zu einer
wahren Beamtenhetze ausarteten, auf das Schärfſte zurück und
bedauert, daß die Reichsregierung dieſem Treiben nicht
entſchie=
dener entgegentrete. Die Beamtenſchaft gewinne dadurch den
Eindruck, daß die maßgebenden Stellen dieſe mit unſachlichen
Mit=
teln erzeugte öffentliche Stimmung zur Rechtfertigung für eine
weitere Herabdrückung der Lebenshaltung der Beamtenſchaft
be=
nutze. Der BA. bringt ſchließlich zum Ausdruck, daß der A.D.B.
und ſeine Verbände den Kampf um eine Herabſetzung der
über=
aus langen Dienſtſchichten und Arbeitszeiten im Reichsbahnbetrieb
und den übrigen Verwaltungen nachdrücklich unterſtützten.
Kommuniſten-Aeberfall auf Stahihelmleuke.
WSN. Kaſſel, 14. Mai.
Am Mittwoch abend, kurz vor 12 Uhr, wurden in der
Hol=
ländiſchen Straße, in der Höhe der Ziegelei Bertram u. Richter,
etwa 20 Angehörige des Stahlhelms, die aus einer
Gründungs=
verſammlung in Obervellmar kamen, von angeblich 50 bis 80
Kommuniſten überfallen, die die Stahlhelmer mit Steinen
be=
warfen und mit Zaunlatten und Stöcken auf ſie einſchlugen.
Hier=
bei wurden ſieben Stahlhelmer verletzt, darunter
einer tödlich und einer ſchwer.
Verhafkung wegen Spionage zugunſten Polens.
Danzig, 13. Mai.
Der vor einigen Tagen in Danzig unter Spionageverdacht
verhaftete Student an der Techniſchen Hochſchule Falkenbacher
aus Ingolſtadt hat ein Geſtändnis abgelegt, daß er für den
polniſchen Nachrichtendienſt gegen Bezahlung gearbeitet und ſeit
Monaten für ihn in den deutſchen Grenzgebieten Spionage
ge=
trieben habe. Falkenbacher iſt über 20 Jahre alt und bayeriſcher
Staatsangehöriger. Er ſtand kurz vor dem Examen. In der
vergangenen Woche hat er einer anderen in Danzig vertretenen
ausländiſchen Macht angeboten, ihr Material, namentlich aus
Königsberg und auch aus den pommerſchen Grenzgebieten, zu
verſchaffen. Es konnte ihm nachgewieſen werden, daß er
an=
fangs April dieſes Jahres die Ferienlager des Deutſchen
Hoch=
ſchulringes in Stolp, Belgrad und Schmenzin unter der Maske
eines Biedermannes beſpitzelt hat. Faltenbacher mußte
ge=
ſtehen, daß er ein Agent des polniſchen Nachrichtendienſtes ſei
und den Auftrag habe, in Danzig und den deutſchen
Oſtpro=
vinzen zu arbeiten. Dabei habe er mehrere Reiſen auch in
Pommern erledigt. Von militäriſchen Stellen in Gdingen habe
er Informationen über ſeine Tätigkeit erhalten und ſei auch
von ihnen mit den nötigen Geldmitteln verſehen worden. Um
Faltenbacher als Provokateur in Danzig einſetzen zu können,
habe der polniſche Agent ihn aufgefordert, Mitglied der
Natio=
nalſozialiſtiſchen Partei zu werden. Faltenbacher ſollte als
an=
geblicher Nationalſozialiſt in Danzig irgendeinen politiſchen
Zwſchenfall mit einem Polen heraufbeſchwören, um eine Tat
zu konſtruieren und in die Welt hinauszupoſaunen: Ein Pole
ſei wieder einmal in Danzig von nationalſozialiſtiſchen
Elemen=
ten überfallen worden. Ein entſprechendes Aufnahmegeſuch
Falkenbachers iſt aber von der NSDAP. Anfang April
abge=
lehnt worden.
Mac Arkhurs Mobiliſierungsplan:
Jeder Amerikaner kriegsdienſtpflichkig!
TU. Waſhington, 14. Mai.
Generalſtabschef Mac Arthur hat am Mittwoch dem
kriegs=
politiſchen Ausſchuß den bisher geheimgehaltenen
Mo=
biliſierungsplan des amerikaniſchen Generalſtabes
vor=
gelegt. Danach ſoll das gegenwärtig 118 000 Mann
ſtarke Friedensheer, das ausdrücklich als
Rah=
menarmee bezeichnet wird, im Kriegsfall durch
Aushebung binnen kurzer Friſt auf vier
Mil=
lionen gebracht werden, was einer Effektivſtärke des
ameri=
kaniſchen Heeres am Weltkriegsende entſpricht. Weitere
ſieben Millionen wehrfähiger Männer im Alter von 21 bis 30
Jahren würden als Reſerve bereitſtehen. Weder Geiſtliche, noch
Kriegsdienſtverweigerer aus Ueberzeugung würden
von der Kriegsdienſtpflicht entbunden werben. Eine direkte
militäriſche Kontrolle der Kriegsinduſtrie ſei
nicht vorgeſehen, doch ſollen übertriebene Kriegsgewinne durch
entſprechend formulierte Verträge unmögrich gemacht werden.
Seite 2
Freitag, den 15. Mai 1931
Nummer 134
Aus der Landeshaupkſtadk.
Darmſtadt, den 15. Mai 1931.
Berkaufsſonnkag am 17. Mai.
Im Hinblick auf das bevorſtehende Pfingſtfeſt will die
Darmſtädter Geſchäftswelt, vor allem der Landbevölkerung, die
Möglichkeit geben, auch an einem Sonntag ihre Einkäufe in
Darmſtadt vornehmen zu können. Am 17. Mai, dem
„Darmſtädter Werbeſonntag” bietet ſich für jeden
die Gelegenheit, ſeine Pfingſtgeſchenke und ſeinen
Sommer=
bedarf in den Darmſtädter Geſchäften zu decken. Die Käufer
werden ſich alle von der Leiſtungsfähigkeit der Darmſtädter
Ge=
ſchäfte, von der beſonderen Preiswürdigkeit und Qualität der
feilgebotenen Waren überzeugen können. Die Geſchäfte ſind
von 1—6 Uhr nachmittags geöffnet.
der Heefiſch in der modernen Ernährung.
Wir müſſen als wichtig für unſere Ernährung verlangen, daß ſie
nahrhaft, ſchmackhaft, leicht verdaulich und geſund iſt und daß ſie vor
allem unſeren Geldbeutel nicht zu ſchwer belaſtet. Jede Einſeitigkeit iſt
natürlich zu vermeiden, weil nur die ſtändige Abwechſelung unſerer
Nahrungsmittel die Gewähr bietet, daß wir auch alle diejenigen Stoffe
in uns aufnehmen, die unſer Körper braucht.
Wenn man erfährt, daß im Jahre in Deutſchland je Kopf der
Be=
völkerung wohl 103 Pfund Fleiſch verbraucht werden, aber nur 18,8 Pfd.
des nahrhaften Fiſches, muß man unbedingt einer ſtärkeren Bevorzugung
der wertvollen Seefiſchnahrung das Wort reden. Seefiſche ſind überaus
leicht verdaulich, nahrhaft, ſchmackhaft, geſund und preiswert. Sie
ent=
halten in größerem Umfange für den Aufbau des menſchlichen Körpers
ſo hochwichtige Stoffe wie Choleſterin, Eiweiß, Kalk, Phosphor, Eiſen,
Jod, und vor allem Vitamine. Es ſei daran erinnert, daß z. B. der
wichtigſte Vitaminträger, der Lebertran, aus der Leber des Kabeliaus
(Dorſches) gewonnen wird.
Daß Fiſchfleiſch außerordentlich leicht verdaulich iſt, geht aus den
folgenden Zahlen hervor. Es werden vom Fiſchfleiſch ausgenutzt:
95,1 Prozent der Trockenſubſtanz.
96,0 Prozent der Stickſtoffſubſtanz,
91,0 Prozent der Fette,
97,0 Prozent Kohlehydrate,
77,5 Prozent der Mineralſtoffe.
Alſo bis auf ganz geringe Prozentſätze werden die im Fiſchfleiſch
enthaltenen Beſtandteile dem Aufbau und den Funktionen unſeres
Kör=
pers dienſtbar gemacht.
Seefiſch iſt deshalb nicht nur ein vorzügliches Nahrungsmittel für
breiteſte Volksſchichten, ſondern kann darüber hinaus auch als
ausgezeich=
nete Krankenkoſt empfohlen werden. Sein ſtarker Jodgehalt macht den
Seefiſch auch zu einem Vorbeugemittel gegen den Kropf; der Gehalt an
Kalk= und Phosphorverbindungen dient für die Knochenbildung und
zum Aufbau der Nervenſubſtanzen, auch für Zuckerkranke, bei Magen=
und Darmkrankheiten, bei Gicht, Nerven= und Hautkrankheiten ſind
See=
fiſche geeignete Diätnahrung.
Von der modernen Ernährungswiſſenſchaft und Ernährungspraxis
wird die Seefiſchnahrung mehr als bisher berückſichtigt, weil ſie Aufbau
und Funktionen unſeres Körpers wirkungsvoll unterſtützt und dazu
ge=
eignet iſt, den Menſchen geſund und leiſtungsfähig zu machen.
Mik dem Sonderzug nach Schwekingen u. Heidelberg
* Um es vorweg zu ſagen: Die Sonderzuggemeinde der
Neichsbahn=
direktion Mainz war diesmal beſonders ſtark. Sie umfaßte rund 1100
Teilnehmer, davon allein 350 von Darmſtadt — ein Beweis dafür, wie
ſehr die Ausflugs=Sonderzüge der Reichsbahndirektion Mainz immer
mehr Anklang beim Publikum finden. Daß Schwetzingen und
Heidel=
berg auf dem Programm ſtanden, zog ganz beſonders. Und in der Tat:
es war ein ſeltener Genuß — dieſe Fahrt in den lachenden Mai, in die
herrliche Schwetzinger Flieder= und Kaſtanienblüte, die uns den
Schwetzinger Schloßpark — in ſeiner Art wohl einzig in Deutſchland —
von ſeiner ſchönſten Seite kennen lernen ließ. Liebenswürdige Herren
vom Schwetzinger Verkehrsverein hatten die Führung durch den Park
übernommen, die den fremden Gäſten mit ebenſoviel Sachkenntnis wie
Sinn für Humor ſtolz die Schätze ihrer Vaterſtadt zeigten. Zum Schluß
des Rundganges gab es im Schloßgarten noch eine kleine Tanz=
Ueber=
raſchung, von Schwetzinger Kindern nach den Klängen eines
Streich=
orcheſters allerliebſt aufgeführt. Soll man noch die Schwetzinger Küche
loben, namentlich das traditionelle Spargeleſſen, das an
Schmackhaftig=
keit und Reichhaltigkeit nichts zu wünſchen übrig ließ? Und nun noch
einen Abſtecher nach Heidelberg. In bequemen Omnibuſſen fuhr man
neckaraufwärts bis Ziegelhauſen und von da über die Brücke auf dem
anderen Ufer wieder nach Heidelberg zurück. Immer wieder
ſinn=
betörend dieſer Blütenrauſch von Flieder und Kaſtanien. Mitten im
Blütenmeer, hineingebettet in junges Grün, der rote Sandſteinbau des
Schloſſes, zu ſeinen Füßen ſchickſalreiches Alt=Heidelberg, Romantik auf
Schritt und Tritt. Nur ſchweren Herzens trennen wir uns von der
Stadt, über die ſich langſam der Abend ſenkt. Durch die Maiennacht
trägt uns der Zug, den wir in Darmſtadt verlaſſen, nicht ohne herzlichen
Abſchied von Oberinſpektor Beck, der wie immer der
Sonderzuggemein=
b—r.
ſchaft ein treuer und ſelbſtloſer Berater war.
Vorschlußrunde um die
Deutsche Handballmeisterschaft
Sonntag, den 17. Hai, nachmittags 3 Uhr 30 Min
auf dem Stadion der Technischen Hochschule
Sportverein Darmstadt 1898
1. Spandauer Polizei-Handballklub
Vorher 2 Uhr 15 Min.
Sportverein 1898 (Ligareserven)
gegen Turngemeinde 1846, Darmstadt
Vorverkauf: Zeitungsverkauf Skurnik, Schalterraum der
Reichspost, Zigarrenhaus Becher, Grafenstraße,
Friseur-
geschäft Opp, Riegerplatz, und Schneider, Herdweg 28, I.,
für Erwerbslose, Jugend und Schüler: Hutgeschäft Herold,
Große Ochsengasse.
Schnellverkehr Darmſtadt—Heidelberg. Am 18. Mai wird
der Fernſprechverkehr zwiſchen Darmſtadt und Heidelberg auf
den Schnellverkehr umgeftellt. Geſprache nach Heidelberg ſind
dann in der gleichen Weiſe wie Geſpräche nach Frankfurt a. M.
und Mannheim anzumelden. Auf die Meldung des Amtes
antwortet der Teilnehmer: „Bitte Schnellverkehr!” Auf die
Meldung: „Schnellverkehr” ſind eigene Nummer, gewünſchter
Ort und gewünſchte Nummer anzugeben.
— Die Weintraubs=Synkopaters, die als die beſte Jazz=Band
Deutſchlands gelten, ſpielen vom Sonntag, 17. Maj bis
ein=
ſchließlich Mittwoch, 20. Mai — nur 4 Tage — im
Or=
pheum. Aus Hunderten von Preſſeurteilen nachfolgend einige
kurze Auszüge: „Berliner Morgenpoſt”: Weintraubs=
Synkopaters; hier übertreffen ſie ſich ſelbſt. Ihr Witz, ihr Eſprit
ſind unerreicht! Alle Muſikaliſchen ſind begeiſtert. „Berliner
Nachtausgabe‟: Dieſe Jazz=Band weiß wohl um Clownerien
beim Muſizieren, aber ſie hütet ſich, ſolche Effekte auf die Spitze
zu treiben. Bei allem Witz (und aller Sentimentalität), die die
Stimmung beherrſchen, bleibt eine wohltuende Sachlichkeit in dem
Enſemble. Ziel: In Rhythmus und Takt mit der Zeit in Kontakt
zu ſein! „Berliner Börſenzeitung”: Ein Clou für ſich
die Weintraubs als Orcheſter. Dieſe Leute nicht nur zu hören
ſondern vor allem zu ſehen, das iſt immer wieder ein
exzeptionel=
les Vergnügen! Kleine Preiſe von 1 Mark an. Kartenverkauf
wie bekannt.
Vortrag im Heaghaus über „Elektrizitätsverwendung im
Haushalt”. Es ſei nochmals darauf hingewieſen, daß Freitag
abend im Heaghaus ein Vortrag über „Die elektriſche Küche‟
ſtattfindet, der für viele Hausfrauen beſonders intereſſant ſein
dürfte. Nach Schluß des Vortrags wird jede gewünſchte Auskunft
gerne und unverbindlich erteilt.
— Im Uniontheater iſt heute Erſtaufführung des luſtigen
Mi=
litärſchwanks „Wenn die Soldaten . . . Charlotte Ander, Gretel
Theimer, E. Verebes und P. Heidemann ſind die Hauptdarſteller.
Regie: J. und L. Fleck. In weiteren Hauptrollen: Hermann
Thiemig. Ida Wüſt, Oskar Marion, Otto Wallburg. Jack
My=
long=Münz. Elſe Reval und Eugen Rex.
Hefſiſches Landeskheaker.
Großes Haus Kleines Haus Freitag;15. Mai 19.30—22.30 Uhr
Schwanda der Dudelſachpfeifer
I, Gr. 4, 5 u. 6
Preiſe 1—10 Mk. 19.30—22.15 Uhr
Die Wildente
Zuſatzmiete V1,13
Preiſe 1.20—6 Mk. Samstag;
16:Mai 20—22 Uhr
Sturm im Waſſerglas
Vorſtellung zu halb. Preiſen
T Gr. 2, 3, 7 u. 8
Preiſe 0.50—5 Mk. 20—22.30 Uhr
Liebesluſt
oder die weißen Schnhe
Preiſe 0,50—2.50 Mr. Ennan
17. Mai 19.30—-22.30 Uhr
Balerio
C 23
Preiſe 1—10 Mr. 19.30—22.15 Uhr
Zum letzen Male:
Der Graue
Zuſatzmiete 1V,11
Preiſe 1—5 Mk.
— Heffiſches Landestheater. „Schwanda, der
Dudelſack=
pfeifer” Volksoper von Jeromir Weinberger, gelangt heute Freitag
im Großen Haus (ſtatt der urſprünglich angekündigten Oper „Valerio”)
zur Aufführung. Die heitere Oper „Valerio” wird Sonntag, den
17. Mai, im Großen Haus unter muſikaliſcher Leitung des Komponiſten
Hans Simon in Szene gehen. — Bruno Franks erfolgreiche Komödie
„Sturm im Waſſerglas” wird morgen Samstag im Großen
Haus als Vorſtellung zu halben Preiſen mit den Kräften der
Erſtauf=
führung (Weſtermann, Schmitz, Hinz, Maletzki, Conradi, Goethe,
Pfaud=
ler, Baumeiſter, Schindler, Keßler, Kutſchera, Gallinger) zur
Darſtel=
lung kommen.
Ka2
Aus dem Gerichksſaal.
Aw. Als in der Inflationszeit die Millionen die Menſchen in
Deutſchland berauſchten und jeder Maßſtab der Werte verloren
ging, dachte auch ein kleiner Prokuriſt: Eigener Herr iſt beſſer
als ſein Leben lang Angeſtellter, und er machte ſich mit ſeinem
Erſparten, das den Wert von etwa 800 Goldmark hatte, einen
eigenen Betrieb auf. Aber ſei es nun, daß er nicht zum
ſelbſtän=
digen Arbeiten geeignet war, ſei es, daß die Konjunktur ſchlecht
war, das Geſchäft ging jedenfalls von Jahr zu Jahr ſchlechter.
Dazu kam, daß mehr Aufwand getrieben wurde, denn als
ſelbſtän=
diger Geſchäftsmann mußte man auftreten können und hielt ſich
deswegen ein eigenes Auto, der älteſte Sohn mußte ſtudieren uſw
Innerhalb fünf Jahren war der Traum verweht, und es gab ein
bitteres Erwachen. Beim Konkurs ergab ſich ein Defizit von
ins=
geſamt 18 000 Mark, und es ſtellte ſich heraus, daß man die ganze
letzte Zeit eigentlich auf Koſten anderer gelebt hatte. Die ließen
ſich das denn auch nicht gefallen, und einige von ihnen zeigten den
Vater und zwei ſeiner Söhne wegen Betrugs an, denn ſie hatten
noch in dem letzten halben Jahr teils Wechſel ſtatt barem Geld
gegeben, teils ſich Gefälligkeitswechſel ausſtellen laſſen, teils bei
Geſchäftsfreunden Anleihen gemacht, immer mit der Behauptung,
daß das Geſchäft glänzend gehe, man nur eben gerade kein Geld
flüſſig habe. Dazu wird der Vater beſchuldigt, die Bücher ſo
nach=
läſſig geführt zu haben, daß ſchlechterdings faſt nichts über den
Stand der Dinge daraus zu erſehen war. Sämtliche drei
Ange=
klagten beſtreiten in der Mittwochsverhandlung des
Bezirks=
ſchöffengerichts jede Schuld. Die Bücher habe der jüngere
Sohn nach den Angaben des Vaters nach beſtem Können geführt.
Der Vater will ſich ſelbſt erſt ganz kurz vor der
Konkursanmel=
dung ſeiner Lage klar geworden ſein. Und unwahre Angaben
hätten ſie niemals gemacht. Doch das Gericht iſt nach der
Be=
weisaufnahme der Anſicht, daß die Söhne vielleicht nicht ſo ſehr,
aber der Vater ganz genau über ſeine Lage Beſcheid wußte, und
es verurteilt, den Vater wegen Betrugsinzwei Fällen
und unſachgemäßer Buchführung zu zwei
Mona=
ten Gefängnis, denälteſten Sohnwegen Betrugs
in zwei Fällen zu Geldſtrafen von 150 und 200
Mark, und den zweiten Sohn wegen eines Betrugs
zu einer Geldſtrafe von 150 Mark. Den beiden Söhnen
werden mildernde Umſtände zugebilligt, dem Vater jedoch nicht,
da er es im genauen Bewußtſein ſeiner Lage nicht für nötig
hielt, ſich auch nur im mindeſten einzuſchränken.
* Skiflim im Union=Thegter. Geſtern vormittag trafen ſich die
Teilnehmer des März=Skikurſus der Techniſchen Hochſchule ſowie die
Teilnehmer des erſten Skikurſus, der vom Akademiſchen Skiklub
Darm=
ſtadt auf dem Waldemar=Peterſen=Gaus durchgeführt war, im Union=
Theater, wo der von Direktor Söllinger gedrehte Skilifm gezeigt wurde.
In ausgezeichneten Aufnahmen zeigt er das herrliche Skigelände bei
Ringlern. Der ſchon mehrfach in der Hochſchule vorgeführte Film hat
ein ganz neues Geſicht bekommen durch die neuen Aufnahmen aus dem
Uebungs= und Hüttenbetrieb. Die Zeitrafferaufnahmen am Schluß
er=
regten wie immer große Heiterkeit. Von großem Intereſſe war
nach=
mittags für die auswärtigen Teilnehmer die von Herrn Direktor
Söl=
linger geleitete Beſichtigung des Hochſchulſtadions.
Lokale Veranſtaltungen.
Die bierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betradhten.
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder KrilK.
— Chriſtlicher Verein junger Männer Darmſtadt
e. V. (Alexanderſtraße 22, Infanteriekaſerne). Am kommenden
Sonn=
tag, den 17. Mai, abends, hält Herr Dr. Grünwald in unſerem
Heim einen Vortrag unter dem Thema: „Die Großmächte der
Vergan=
genheit und Gegenwart‟. Wir möchten auf dieſen Vortrag ganz
beſon=
ders hinweiſen und laden dazu recht freundlich ein. Eintritt frei.
Johann Sirauß ſpielt!
Und wieder ſind es Tauſende, die ihm lauſchen. Zwar, die
Feſthalle iſt nicht beſetzt. Es iſt Himmelfahrt und ſchönes Wetter.
Da ſind 2000 Beſucher für Darmſtadt ſchon viel. Die aber kamen,
ſind begeiſtert.
Johann Strauß, der ehedem K. u. K. Hofballmuſikdirektor, iſt
einer der letzten Zeugen des verblichenen Glanzes vom
öſterrei=
chiſchen Kaiſerhof. Und er iſt als ſolcher Wahrer einer Tradition.
Er kennt keine Konzeſſion an den Geſchmack der Zeit. Auf ſeinem
Programm iſt für Jazz=Muſik kein Platz. Daß er trotzdem immer
wieder und immer noch den ſtarken künſtleriſchen Erfolg erzielt,
beweiſt, daß auch heute noch Wiener Walzerklänge, Muſik im
wie=
genden Rhythmus des Dreivierteltaktes geliebt und geſchätzt wird.
Und Johann Strauß iſt ja Walzerkönig, iſt ja der König der
Dreivierteltakt=Muſik.
Was an dieſem Orcheſter immer wieder feſſelt und in Bann
ſchlägt, iſt die Geſchloſſenheit des Klangkörpers, das
un=
bedingt verläßliche Aufeinander=Eingeſpieltſein. Dieſer
Klang=
körper orcheſtralen Zuſammengefügtſeins bedingt auch — trotz
zahlenmäßiger Einſchränkung gegen früher — eine Klang fülle,
die überraſcht, weil ſie in der Reinheit des Spieles immer noch
das Einzelinſtrument hören läßt, weil ſogar Johann Strauß
führende Geige, wenn er ſie mit dem Taktſtock vertauſcht,
herr=
ſchend, leitend herausklingt. Um ſo bewundernswerter iſt das,
als alle Mitglieder dieſes Orcheſters Künſtler, Virtuoſen ſind, die
ihre Kunſt eigenwillig auszuüben berufen ſind, die aber gerade
darum ſich ein= und unterordnen, die mit und für ihren Meiſter
ſich einſetzen um der Kunſt, um der Muſik willen.
Und noch eins: Dieſes Orcheſters Geigen klingen und jubeln
und tirilieren! Sie ſind gewohnt, Walzerklänge zu ſpielen, und
das Publikum, dieſe von ihnen zu hören. Aber der ſtärkſte Erfolg
des geſtrigen Abends in künſtleriſcher Hinſicht war nicht Strauß,
und nicht der Dreivierteltakt. Es war Franz Schuberts „Lied
aus Wien‟ Hier „ſchluchzten” die Geigen im leiſen,
zurück=
gehaltenen Jubel. Und Johann Strauß nahm dieſe Kompoſition
in einem ganz eigenen Tempo, wie er ja überhaupt allem, was er
mit ſeinem Orcheſter ſpielt, eine eigene Note gibt, es zu ſeiner
Kunſt ſtempelt oder gar umwertet. — Und dann hiernach
Schu=
berts Ave Maria. Geigenſolo mit Harfe! Das war köſtlich! —
Das Programm im übrigen wie gewohnt, Kompoſitionen der
Strauß=Generationen, Vater, Sohn und Enkel, dann J. Bayer,
Kalman, Ziehrer. Was nicht auf dem Programm ſtand, wurde
gewünſcht und liebenswürdig gewährt, wie „G’ſchichten aus
dem Wiener Wald”. An der ſchönen blauen Donau uſw. uſw.
— Dankbar und herzlich wurde Strauß gefeiert. Er darf immer
wiederkommen!
Die Comedian Harmoniſts fingen!
Am Samstag nachmittag im Radio, geſtern nachmittag auf
der Elektrola=Platte, und geſtern abend perſönlich im —
ausber=
kauften! — Orpheum! Das war ein Erfolg! Der ſtärkſte wohl
ſeit Jahren. Selten wurden Künſtler ſo gefeiert. So herzlich
und enthuſiasmiert. Von dem ſonſt ſo zurückhaltenden
Darm=
ſtädter Publikum. (Es war das beſte, das ſich geſtern im Oxpheum
traf!) Aber mit Recht! Es iſt wirklich eine ganz eigene, virtuos
ausgebildete Geſangskunſt, die von dieſem Quintett gepflegt und
geboten wird. Eine große Kunſt, die ſo liebenswürdig, ſo leicht,
flüſſig und heiter geboten wird, daß man ihr eine Schwere nicht
anmerkt.
Was den künſtleriſchen Erfolg bedingt? Nicht ganz leicht, das
zu ſagen. Vorhanden ſind gutes Stimmaterial von natürlicher
Klangſchöne, hervorragend geſchult im Einzelnen, und zur
Virtuo=
ſität herausgebildet im Zuſammenwirken, im Zuſammenklang
in minutiöſer Präziſion zwiſchen 1., 2. und 3. Tenor, Bariton und
Baß unter der ſicheren Führung des „Flügelmannes” Walter
Joſeph. Und die routinierte Herausarbeitung des Vortrags
unter Zugriff auf alle Wirkungsmöglichkeiten. Es ſind
aufein=
ander abgeſtimmt alle Geſten, alle Bewegungen, jeder
Augen=
aufſchlag, jede Nuance des Lächelns, der heiteren Auswirkung der
Geſänge. Einer greifts auf vom anderen. Ton und Klang,
Lä=
cheln und bewegliches Unterſtreichen der Pointen. Immer aber
bleibt im Vordergrund der Geſang! Darum auch die
unüber=
treffliche Wirkung im Radio, von der Platte, ſo man die Künſtler
nicht ſieht. Ary Leſchnikoff Erich A. Collin Harry
Frommermann, die drei Tenöre, Roman Cycowſki der
Bariton, und Robert Biberti, der ſeriöſe Baß, können
ſin=
gen. Verſtehen es, mit ihrem Geſang Tauſende, Hunderttauſende
in Bann zu ſchlagen. Und ſind offenſichtlich deutſche Künſtler,
deutſche Sänger, wie es ehedem die berühmten „Stettiner”
waren, trotz ihres ausländiſchen Enſembletitels.
Das Programm in erſter Linie und vorzugsweiſe auf Humor,
auf feine Komik geſtimmt. Vieles aus Elektrola=Platten ſchon
bekannt, vieles aus Tonfilm und Operetten. Auch die „G’ſchichten
aus dem Wiener Wald” ſtanden im Programm, und vieles
an=
dere aus „moderner” Muſik, und alles in eigener, wirkſamer Note
des Vortrags. — Stürmiſcher Beifall erpreßte viele Zugaben, die
gerne gegeben wurden. Man ſah nur freudige Geſichter. Auf der
*X
Bühne wie im Saal.
Gokkesdienft der Ifraelikiſchen Religionsgemeinde.
Hauptſynagoge.
Freitag, den 15. Mai: Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 30 Min.
Samstag, den 16. Mai: Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min,
Sabbatausgang 9 Uhr — Min,
Gottesdienſt an den Wochentagen.
Morgens 7 Uhr — Min. Abends 9 Uhr — Min.
Gebekzeiken in der Synagoge der Iſrgelikiſchen
Religionsgeſellſchaft.
Samstag, den 16. Mai: Vorabend 7 Uhr 30 Min. Morgens
8 Uhr. Nachmittags 4 Uhr 30 Min. Sabbatausgang 9 Uhr — Min,
Wochentags: Morgens 6 Uhr — Min. Abends 7 Uhr 45 Min,
Sonntag, 17. Mai: Bausch Chaudesch Siwan.
Tageskalender für Freitag, den 15. Mai 1931.
Heſſ. Landestheater Großes Haus, 19.30 Uhr Ende geg.
22 Uhr, T. Gr. 4, 5 u. 6: „Schwanda der Dudelſackpfeifer”
Kleines Haus, 19.30—22.15 Uhr, Zuſatzmiete VI. 13: „Die
Wildente‟ — Konzerte: Zur Oper, Schloßkeller,
Herrn=
garten=Café. Zum Tropfſtein. — Kinovorſtellungen:
Union=, Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.
en ersten zehn Jahren nur
die milde, reine, nach ärztlicher
Vor-
schrift füür die zarte, empfindliche Haut
der Kleinen besonders hergestellte
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Nummer 134
Freitag, den 15. Mai 1931
Seite 3
Aus Heſſen.
G. Ober=Ramſtadt, 13. Mai. Kleinrentner= und
Sozial=
rentnerfürſorge. Die Bezüge der Klein= und Sozialrentner
für Monat Mai werden am Freitag, den 15. ds. Mts., nur vormittags
von 8—12 Uhr, bei der Gemeindekaſſe ausgezahlt.
Gc. Seeheim, 13. Mai. Das Naturſchwimmbad im Stett=
Hacher Tal wurde am Sonntag nachmittag bei den Klängen fröhlicher
Muſik eröffnet. Der Beſitzer, Herr Rekowſky, hatte allerlei bauliche
Veränderungen vorgenommen. So wurde der Grund des Bades mit
Steinplättchen ausgelegt. Auch einige Badeluſtige hatten ſich bereits
am Sonntag eingefunden.
Cc. Alsbach, 13. Mai. Gemeinderatsbericht. 1. Das
Ge=
fuch des V. Plöſſer um den Betrieb einer Wirtſchaft wird genehmigt.
2. Die Obere Hauptſtraße ſoll für Kraftfahrzeuge und für den geſeunten
Durchgangsverkehr geſperrt werden. 3. Der Waldwirtſchaftsplan für
1932 wird genehmigt. 4. Der Laubtag wird bis zum 1. Juni ds. Js.
verlängert. Man einigte ſich, zwei Bauſparkaſſen, der der
Bezirksſpar=
kaſſe Zwingenberg und der Deutſchen Bau= und Siedlungsgeſellſchaft,
beizutreten. 5. Mit Rückſicht auf die ſchlechte Wirtſchaftslage wird von
dem Bau eines neuen Schulhauſes Abſtand genommen. Es folgen in
nichtöffentlicher Sitzung Beratungen über Unterſtützungsgeſuche.
S. Bensheim, 13. Mai. Kreisausſchußſitzung. Der
Kreis=
ausſchuß verhandelte in öffentlicher Sitzung die Klage der Gemeinde
Wattenheim gegen die Gemeinde Nordheim wegen Zahlung von
Ent=
wäſſerungskoſten. Die Gemeinde Wattenheim hat ein Gelände von ca.
105 Hektar entwäſſert, um brauchbares Acker= bzw. Wieſengelände zu
erhalten. Etwa 20 Hektar entfallen auf die Gemeinde Nordheim. Dieſe
Gemeinde weigert ſich, zu den Entwäſſerungskoſten beizutragen, weil
das in Frage kommende Gelände zum größten Teil bereits mit Pappeln
angepflanzt ſei, um daraus ſpäter einen ſogenannten Pappelwald zu
ſchaffen, der rentabel ſei. Die Gemeinde Nordheim beſtreitet, aus der
Endwäſſerung einen Nutzen zu haben. Da die Sachverſtändigen=Zeugen
in ihren Gutachten auseinandergingen, hat der Kreisausſchuß die
Ein=
holung eines Obergutachtens beſchloſſen. Nach Eingang des
Obergut=
achtens findet eine Ortsbeſichtigung mit anſchließender
Schlußverhand=
ung ſtatt.
W. Heppenheim a. b. B., 12. Mai. Tätigkeit des
Jugend=
amts Heppenheim. Zwei große und wichtige Aufgabengebiete
aus dem Tätigkeitsbereich des Jugendamts ſtellen einmal die
Fürſorge=
erziehung und dann die Schutzaufſicht der Jugendlichen dar. Ende
März 1931 befanden ſich insgeſamt 95 Jugendliche in der
Fürſorge=
erziehung, von denen 15 Zöglinge in Anſtalten untergebracht waren,
37 fanden in Familienpflegeſtellen Aufnahme, und 28 Zöglinge wurden
in Dienſt= und Lehrſtellen ausgebildet. Mit beſonderer Genehmigung
des Jugendamts blieben 15 Zöglinge bei den Eltern. Der
Schutzauf=
ſicht unterſtanden im vergangenen Jahre 7 Jugendliche. Im
Rechnungs=
jahr 1930 erreichten die zur Durchführung der Fürſorgeerziehung und
der Schutzaufſicht notwendigen Mittel die Höhe von 19 928 RM. Ein
verhältnismäßig neues Arbeitsgebiet, der Jugendämter iſt die
Jugend=
gerichtshilfe. Dieſe wurde im abgelaufenen Geſchäftsjahr in 19 Fällen
mit Erfolg in Anſpruch genommen. Die Führung der
Amtsvormund=
ſchaften ſtellt wohl die größte Aufgabe des Jugendamtes dar. Im
Ge=
ſchäftsjahre 1930 befanden ſich 557 Mündel unter Amtsvormundſchaft.
In den meiſten Fällen wurde die Vaterſchaft in öffentlicher Urkunde
ohne Einrede anerkannt. Unterhaltsprozeſſe mußten in 30 Fällen
durch=
geführt werden, die durch das Hilfsmittel der Blutgruppenunterſuchung
größtenteils gewonnen wurden. Nur in 25 Fällen ſind die Väter der
unter Vormundſchaft ſtehender Kinder unbekannt. Die Unterhaltsrente
für dieſe Kinder, die im Monat durchſchnittlich 30 RM. beträgt, konnte
in 270 Fällen ganz oder teilweiſe eingezogen werden. Der Geſamtbetrag
der Unterhaltsrenten, der größtenteils als Pflegegeld wieder
Verwen=
dung findet, beläuft ſich im Rechnungsjahr 1930 auf 64 167 RM. Ein
nicht unweſentlicher Betrag in Höhe von 55 145 RM. konnte ſeit
Be=
ſtehen der Amtsvormundſchaft den Mündeln auf Sparkaſſenkonten
an=
gelegt werden. Vier Kinder fanden im Jahre 1930 durch ihre Väter
ihre Abfindung. 23 Vollwaiſenkinder, 87 uneheliche Kinder und 6
lan=
deshilfsbedürftige minderjährige Kinder nahmen die Fürſorge für
hilfs=
bedürftige Minderjährige im verfloſſenen Jahre in Anſpruch, mit einem
durchſchnittlichen monatlichen Pflegegeld von 25 RM. — Im Alicenſtift
u. Darmſtadt und im St. Antoniusheim in Fulda befanden ſich 13
ſehwachſinnige Kinder, in der Taubſtummenanſtalt in Bensheim 4 taub=
Eumme Kinder und 10 epileptiſche Kinder in der Anſtalt zu Nieder=
Famſtadt. Dieſer Frſorgezweig erforderte im Geſchäftsjahr 1930 einen
Geſamtaufwand von 36 000 RM. Die Geſamtzahl der überwachten
Pflegekinder im Kreiſe Heppenheim belief ſich auf 258, wobei die von
auswärtigen Jugendämtern in unſerem Kreiſe untergebrachten Kinder
nicht berückſichtigt ſind. Der Krüppelfürſorge fielen im verfloſſenen
Jahr 26 Kinder zu, die einen Koſtenaufwand von 8339 RM.
verurſach=
ten. Dieſer Betrag wurde teilweiſe beſtritten durch Zuſchüſſe der Eltern
des Krüppelvereins, der Landesverſicherungsanſtalt und des Landes.
122 Kinder genoſſen durch die Kindererholungsfürſorge eine
Solbade=
oder Erholungskur teils in Bad=Nauheim Bad=Orb, Bad=Dürrheim,
teils auf dem Heuberg. Zu einem ſechswöchigen Erholungsaufenthalt
kamen 12 Kleinkinder nach dem Prov.=Kinderheim Einſiedel bei
Lin=
denfels. Schulſpeiſungen erhielten die Kinder der Gemeinden
Heppen=
heim und Viernheim. Unter Leitung eines prakt. Arztes fanden in den
meiſten Gemeinden des Kreiſes Mutter= und Säuglingsberatungsſtunden
während des ganzen Jahres ſtatt.
Ce. Klein=Hauſen, 13 Mai. Obmänner=Tagung des
Gaues Bergſtraße im Heſſ Sängerbund. Nach
wich=
tigen geſchäftlichen Mitteilungen des Vorſitzenden beſprach man das
ge=
plante Gruppenſingen beim Wertungsſingen am 5. Juli ds. Js. in
Bensheim und kam ſchließlich zu dem Entſchluß, es zu unterlaſſen, um
den Sängern Ausgaben zu erſparen, die gemeinſame Vorproben
benöti=
gen. Sodann verbreitete ſich Herr Inſpektor Eberlein=Lorſch über die
Vorteile, die der Vertrag der Allianz mit dem Heſſ. Sängerbund,
ähn=
lich wie ein ſolcher mit der Haſſia ſchon ſeit vielen Jahren beſteht, den
Vereinen bietet. Allgemeine Erregung rief es unter Sängern hervor,
zu hören, daß man die jahrzehntelange bewährte Arbeit der Lehrer=
Dirigenten zugunſten der Berufsdirigenten beſeitigen wolle. Eine
dies=
bezügliche Entſchließung wird den maßgebenden Stellen zugeleitet
wer=
den. Endlich machte der Obmann des Geſangvereins Liederkranz”=
Bensheim Vorſchläge zu einer würdigen Geſtaltung des Gauliedertages
in Bensheim, die wohlwollend beachtet werden ſollen. Nachdem die
Vereine „Liederkranz” Klein=Hauſen unter Herrn Wehling und „
Ger=
mania” Lorſch unter Herrn Lehrer Nau hübſche Liedgaben dargebracht
hatten, konnte nach Zſtündiger Dauer die Verſammlung durch den
Gau=
vorſitzenden, Herrn Lehrer Beltz=Seeheim, geſchloſſen werden. Er
ge=
dachte der geſchichtlichen Bedeutung dieſes Tages, an dem vor 60 Jahren
der Friede geſchloſſen wurde mit dem Wunſche, daß die deutſche
Sänger=
ſchaft mithelfen möchte zum endlichen Frieden im Volke ſelbſt.
Bm. Hofheim (Ried), 13. Mai. Vereinserfolge. Einen
be=
achtenswerten Erfolg konnte der hieſige Radfahrerverein „Viktoria=Blitz”
am Sonntag beim 35jährigen Stiftungsfeſt des Brudervereins Worms=
Pfiffligheim erringen, indem ſeine Reigenmannſchaft im Sechſer=
Kunſt=
reigen unter vier Bewerbern den 1. Preis erhielt. Die noch
jugend=
lichen Fahrer zeigten als jüngſte Mannſchaft in der höchſten Klaſſe eine
beſonders gute Leiſtung, welche allſeitige Bewunderung hervorrief.
Herzliches „All Heil”. — Auch in der edlen Sangesſache wurde unſer
Ort am Sonntag wiederum würdig vertreten. Das „Sängerquartett”
konnte unter Leitung ſeines ſehr geſchickten Dirigenten, Herrn Lehrer
Schmitt=Gernsheim, beim Liedertag des Nachbarvereins „Eintracht”
Bobſtadt einen Erfolg erringen, auf den der Verein mit Recht ſtolz ſein
darf.
Cp. Braunshardt, 13. Mai. Der Gemeinderat lehnte bei
Be=
ratung des Voranſchlags für 1931 dieEinführung einer Bürgerſteuer ab.
Wilhelm von Opel 60 Jahre.
Am heutigen Tage wird Geheimer Kommerzienrat Dr.=Ing.
e. h. Wilhelm von Opel 60 Jahre alt. Die Perſönlichkeit des
verehrten Jubilars iſt weltbekannt. In ſeiner engeren Heimat
erfreut ſich Wilhelm von Opel infolge ſeines volkstümlichen
Weſens und ſeiner engen Verbundenheit mit Land und Leuten
beſonderer Zuneigung. Wenn die Rüſſelsheimer Opelwerke in
der Kriegs= und Nachkriegszeit einen ſo bedeutſamen Aufſchwung
nehmen konnten, daß ſie zur größten Fahrradfabrik der Welt
und zur größten Automobilfabrik Deutſchlands geworden ſind,
Geheimrat Dr.=Ing. h. c. Wilhelm von Opel.
ſo iſt dieſe für unſer Heſſenland wirtſchaftlich ſo
bedeutungs=
volle Entwicklung in erſter Linie der überragenden
Führer=
perſönlichkeit Wilhelm von Opel zuzuſchreiben, der es
verſtan=
den hat, den Stürmen der Zeit trotzend das vom Vater ererbte
Werk nicht nur zu erhalten, ſondern in enger Arbeitsgemeinſchaft
mit ſeinen Brüdern und vielen Tauſenden bewährten
Mit=
arbeitern organiſatoriſch und fabriktoriſch auszubauen und immer
weiter zu vervollkommnen. Bahnbrechend waren die Opelwerke
auf dem Gebiete der Rationaliſierung des Produktionsvorgangs,
es darf nur daran erinnert werden, daß die Firma Adam Opel
das erſte deutſche Automobilgroßwerk war, das die Fabrikation
am laufenden Bande in großem Stile in die Tat umſetzte.
Mit der heſſiſchen Landeshauptſtadt verbinden Wilhelm
von Opel beſonders enge Bande. Seit 1913 gehört er der
In=
duſtrie= und Handelskammer Darmſtadt als von dem Vertrauen
ſeiner Wähler immer wieder berufener Vertreter ſeines
Wahl=
bezirks an. Unſere einheimiſche Techniſche Hochſchule, die ihn
in ſeiner Studienzeit zu ihren Schülern zählen durfte, hat ihm
in Anerkennung ſeiner hervorragenden Verdienſte um die
Ent=
wicklung der techniſchen Wiſſenſchaften verdientermaßen die hohe
Würde eines Doktor=Ingenieurs ehrenhalber verliehen.
Leider wird es nicht möglich ſein, dem hochgeſchätzten
Ju=
bilar an ſeinem Ehrentage perſönlich die Glückwünſche
darzu=
bringen, da er ihn, wie zuverläſſig verlautet, im engſten
Fami=
lienkreiſe in Zurückgezogenheit verbringt. Möge dem
jugend=
friſchen Sechziger, dem raſtlos tätigen ſchöpferiſchen
Wirtſchafts=
führer beſchieden ſein, noch recht lange zum Beſten unſerer
engeren Heimat und der deutſchen Volkswirtſchaft an weithin
ragender Stelle der weltberühmten Opelwerke erfolgreich zu
wirken!
Das
Barmstääter Tanfpien Baun
Bommer-Ausgabe
ist erschienen und an allen bekannten
Verkaufs-
stellen zum Preise von 80 Pfennig erhältlich.
Aa. Wolfskehlen, 12. Mai. Der Gemeinderat erklärte in
ſei=
ner am Montagabend abgehaltenen Sitzung die vorläufigen Steuerſätze
für das Rechnungsjahr 1930 für endgültig. Wegen der Pflaſterung der
Provinzialſtraße am Ortsausgang nach Griesheim ſoll erſt noch einmal
mit der Provinzialverwaltung Rückſprache genommen werden. Die
Ar=
beiten zur Verbeſſerung des Zugangs zu den Wieſen hinter Goddelau
ſollen ſobald wie möglich in Angriff genommen werden. Die Anfuhren
wurden bereits vergeben. Die weiteren Punkte der Tagesordnung
waren nicht weiter von Bedeutung.
Prassel-Kaffee
Steis
triseh geröstet
Sohnlstr. 10
Aa. Stockſtadt 13. Mai. Verkehrsunfall. Auf der
Land=
ſtraße zwiſchen hier und Goddelau ſtießen zwei Laſtkraftwagen, von
denen der eine mit Mehl beladen war, zuſammen. Beide Fahrzeuge,
beſonders der Anhängewagen des einen, wurden erheblich beſchädigt,
zumal eins davon in den Straßengraben geriet. Die Lenker der Wagen
kamen mit dem Schrecken davon.
Trauerfeier der Mainzer Handelskammer
für Chr. Scholz.
Im Sitzungsſaal der Induſtrie= und Handelskammer Mainz
fand am Mittwoch zum Gedächtnis des verſtorbenen
Präſiden=
ten der Induſtrie= und Handelskammer, Chr. Scholz, eine
Trauerkundgebung ſtatt. Der Platz des Verſtorbenen war mit
ſchwarz umhängten Lorbeerbäumen ausgefüllt. — Der 1.
Vize=
präſident, Herm. Sichel, hielt die Gedächtnisrede. Er
ſchil=
derte den Verſtorbenen als eine ſeltene Perſönlichkeit von hoher
Intelligenz und vornehmer edler Geſinnung. Mit ihm ſei für
die Induſtrie= und Handelskammer ein bedeutender Mann
da=
hingegangen, hochgeehrt und geachtet von allen die mit ihm in
Berührung kamen. Seine Arbeitskraft, ſeine zielſichere
Klar=
heit, verbunden mit unbeugſamer Energie hätten der Tätigkeit
der Kammer während ſeiner Amtsführung das Gepräge gegeben.
— Als Vertreter der Arbeitgeber=Verbände Mainz=Wiesbaden
widmete Fabrikant Ludwig Mayer dem Verſtorbenen ehrende
Worte. Er rühmte beſonders die unermüdliche Täigkeit des
Verſtorbenen während der Beſatzungszeit und des Ruhrkampfes,
um die Verbindung mit dem unbeſetzten Deutſchland aufrecht zu
erhalten. Der Verſtorbene habe ſich außerordentliche Verdienſte
um Handel und Induſtrie und darüber hinaus um alle
Berufs=
ſchichten erworben. — Es hielten ferner noch tief empfundene
Nachrufe, Kaufmann Scheuer für die Mainzer Börſe,
Kauf=
mann Schreiner, im Auftrage des Vereins Mainzer
Kauf=
leute, Kaufmann Groſch, namens der Oppenheimer
Kauf=
mannſchaft und Syndikus Dr. Chariſſé, für das Perſonal
der Kammer. — Zum Schluſſe der würdigen Trauerkundgebung
wurden noch verſchiedene Trauerdepeſchen des Heſſiſchen
Mini=
ſteriums, des heſſiſchen Geſandten in Berlin, Nuß, und
ver=
ſchiedener Verbände zur Verleſung gebracht.
Aa. Erfelden, 13 Mai. Feldbereinigung. Hinſichtlich des
zweiten Teiles der Feldbereinigung findet zur Entgegennahme der
Wünſche, welche die Beteiligten für die Bildung der neuen
Erſatzgrund=
ſtücke geltend machen wollen, eine Tagfahrt am Montag, den 18. Mai,
vormittags auf dem hieſigen Rathaus ſtatt.
Ca. Lorſch, 13. Mai. Am Sonntag hielt der Verein für Deutſche
Schäferhunde, Ortsgruppe Bergſtraße, in Lorſch eine wohlgelungene
Zuchtprüfung ab, zu der zahlreiche Hunde gemeldet waren. Als Richter
hatte man Herrn Zinſer (Offenbach) gewonnen, die Prüfung wurde von
Herrn Kahn (Lorſch) geleitet. Die Note vorzüglich wurde dreimal
ver=
geben, und zwar an: Grußhold (Schmitt), Beſitzer Herr Stein=
Bens=
heim, Führer Stegmann=Bensheim; an Uſann v. Altrhein, Beſitzer und
Führer Peter Schmitt=Lorſch; an Aſtor vom blauen Turm, Beſitzer und
Führer Mohr=Bensheim. Die Note ſehr gut gelangte an Urſula v
Alt=
rhein, Beſitzer Jean Levaſier, Führer Heinrich Dölger; an Jockel vom
Schnakenland, Beſitzer und Führer Theodor Bertram=Bensheim; an
Soffe v. Altrhein, Beſitzer Rödel=Bensheim, Führer Adam Walter=
Bensheim. Die Note gut erhielt Irna v. Schnakenland, Beſitzer Valentin
Helwig, Führer Jean Volk=Lorſch, und Ilo v. Schnakenland, Beſitzer
J. Brunnengräber=Lorſch, Führer Nikolaus Heinz=Lorſch.
Cp. Biebesheim, 13. Mai. Die Spar= und Darlehnskaſſe
Biebesheim konnte im vergangenen Jahre trotz der ſchlechten
wirtſchaft=
lichen Lage einen Umſatz von 2 078 060 RM. verzeichnen, der um rund
300 000 RM. höher war als derjenige des Vorjahres. Der Reingewinn
beträgt für 1930: 3095 RM. Die Spareinlagen erhöhten ſich auf
214000 RM.
p. Ober=Roden 12. Mai. Der Gemeinderat lehnte mit
Rück=
ſicht auf die ſchlechte wirtſchaftliche Lage den Ankauf von Gelände zur
Verbreiterung der Straße Ober=Roden—Urberach ab. Sodann trat man
in die Vorberatung zum Gemeindevoranſchlag für 1931 ein. Der
Voran=
ſchlag weiſt ein ungedecktes Defizit von 32000 RM. auf.
EPH. Michelſtadt, 13. Mai. Wiſſenſchaftlicher Kurſus.
Der diesjährige wiſſenſchaftliche Kurſus in Stockheim bei Michelſtadt iſt
am 16. und 17. Juni. Die Themata, die behandelt werden, lauten:
Apologetik im Religionsunterricht, Grundfragen einer evangeliſchen
Pädagogik, Goethes Religion im Lichte evangeliſch=reformatoriſchen
Glaubens, Der kulturelle Wert der muſikaliſchen Volkserziehung.
Refe=
renten ſind: Oberkirchenrat Dr. Müller, Studienrat Lic. Wißmann,
Dr. Barner und Prof. Dr. Noack. Für auswärtige Kurſiſten ſtehen
Wohnungen in Michelſtadt und Erbach zur Verfügung. Man darf wie
in früheren Jahren, ſo auch diesmal, mit zahlreicher Beteiligung
rech=
nen. Der Kurſus ſteht unter Leitung von Dekan i. R. Bernbeck=
Darm=
ſtadt und Kreisſchulrat Gerbig=Erbach, an die Meldungen zu richten und
die zu weiterer Auskunft gerne bereit ſind.
Dr. Neckarſteinach, 13. Mai. Auf Veranlaſſung vom
Odenwald=
klub, Ortsgruppe Neckarſteinach, führte die Odenwälder Heimatbühne
Schönau ein Stück „In einem kühlen Grunde”, ein Idyll aus dem
Frei=
heitskriege 1813—1815, auf. Genannt iſt es nach dem gleichnamigen
Volksliede von Joſeph Eichendorff, der das Lied in genannter Zeit an
der Mühle im Schönauer Tal bei Neckarſteinach dichtete. Herr Dr.
Schnell ſchenkte hier der Heimatbühne ein Stück, das im wahrſten
Sinne des Wortes ein Volksſtück genannt werden kann. Das Ganze hat
inen hiſtoriſch=kulturgeſchichtlichen Inhalt und iſt dazu angetan, die
Heimatkunde zu pflegen und dieſer Bewegung neue Freunde zuzuführen.
Hanz beſonders erfreut muß man ſein über die ſchauſpieleriſchen
Lei=
ſtungen und vor allem, ſprachtechniſch geſehen, verdient beſonders
her=
vorgehoben zu werden, daß die Ausſprache der Spieler von jeglicher
gezwungenen Form frei war: ſie redeten die Sprache des Volkes. Es
iſt zu wünſchen, daß man dieſer Spielſchar, die hier kulturelle
Pionier=
arbeit leiſtet, auch in anderen Städten Gelegenheit gibt, der Volksbühne
und dem Heimatgedanken zu dienen.
Dr. Neckarſteinach, 13. Mai. Am Dienstag vormittag begann hier
im Rathaus eine Sitzung des Kreistages für den Kreis
Heppen=
heim. Herr Kreisdirektor Pfeifer eröffnete 10.15 Uhr die Sitzung und
gedachte mit rührenden Worten zweier Mitarbeiter des Kreiſes. Herr
Schmidt aus Wald=Michelbach, der ſeit langem dem Kreistage
ange=
hörte, und eine Beamtin im Kreisamt, ſind ſeit der letzten Sitzung
geſtorben. Ihrer wird gedacht durch Erheben von den Sitzen. Der
Herr Kreisdirektor führt dann weiter aus, daß die Sitzung des
Kreis=
tages an einem ſo wichtigen Ort wie Neckarſteinach ſtattfinde, und
dankt dem Herrn Bürgermeiſter Schmidt für die vorbereitenden Arbeiten.
Alsdann werden zwei neu eingetretene Kreistagsmitglieder von dem
Vorſitzenden des Tages durch Handreichung verpflichtet. Die
Protokoll=
ührung wird ohne Widerſpruch dem ſeitherigen Schriftführer
übertra=
gen. Der Kreistag gilt als beſchlußfähig, da 20 Mitglieder anweſend
ſind und nur vier fehlen. Erwähnt wird noch von dem Vorſitzenden,
daß bei der Verteilung der Zinsverbilligung die Orte des Kreiſes mit
der größten Arbeitsloſenziffer, Birkenau, Wald=Michelbach und auch
jetzt Wimpfen, zur Vornahme von Notſtandsarbeiten berückſichtigt
wur=
den. Darauf geht man zur Tagesordnung über, die mit einem Bericht
der Kreiskaſſenrechnung für 29 beginnt. Der Prüfer,
Kreistagsabge=
ordneter Rohr, ſtellt mit Genugtuung feſt, daß die Kaſſenführung ſtimmt
und ein Ueberſchuß mit ins neue Jahr übernommen werden kann. Die
Hauptzeit jedoch nimmt die Beratung des Voranſchlags in Anſpruch.
Die Abſchaffung des zweiten Wagens bei dem Kreisamt führt zu einer
längeren Debatte. Weitere Anträge, die den Voranſchlag betreffen,
wer=
den einſtimmig angenommen. Um 2 Uhr iſt die Sitzung beendet und
die Teilnehmer begeben ſich zum gemeinſchaftlichen Mittageſſen zum
Hotel Schwalbenneſt. Am Nachmittag fand eine Beſichtigung der
Stau=
ſtufe der Kraftanlage ſtatt.
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Seite 4
Freitag, den 15. Mai 1931
Nummer 134
Corpsſtudenken kreffen ſich an der Bergſtraße.
Ueber der ſchönen alten Stadt Weinheim in Baden erhebt ſich auf
einer weitſchauenden Odenwaldhöhe über der Burgruine Windeck als
ein großartiges Kriegerdenkmal und Wahrzeichen deutſchen
Corpsſtuden=
tentums die Wachenburg, erbaut vom Weinheimer SC. Dieſer
zweitgrößte Corpsverband (mit dem Köſener SC.=Verband der
Uni=
verſitäts=Corps zu einem Zweckverband zuſammengeſchloſſen) umfaßt
die Corps der Techn. Hochſchulen und Bergakademien Deutſchlands. Er
wird am 18. und 19. Mai ſeine diesjährige Tagung auf der
Wachen=
burg abhalten. Gleichzeitig und zum Teil gemeinſam mit den aktiven
Corps tagt auch der Weinheimer Verband Alter
Corps=
ſtudenten. In Vorträgen und Beratungen wird u. a. zu den
wich=
tigen deutſchen Gegenwartsfragen eine Stellung genommen werden,
welche den Anforderungen der Zeit ebenſo entſprechen ſoll wie den
bewährten corpsſtudentiſchen Traditionen. Der Tagung gehen am 16.
und 17. Mai Schalungsvorträge und Ausſchuß=Sitzungen in Weinheim
voran.
e. Bad Wimpfen, 13. Mai. Muttertag=Feier. Zu Ehrung
des Muttertages war am Samstag abend beim „Anker” im Tal eine
Feier des Evang. Frauenvereins. Die Veranſtaltung dankte die
reich=
liche Mühe der Veranſtalter und aller Mithelfenden ſchon dadurch, daß
kaum ein freier Stuhl zu finden war. Vom Familienleben war in einem
Vortrag von Hübner=Darmſtadt eingehend die Rede. Herr Pfarrer
Raith bekräftigte Frau Hübners Ausführungen mit geradezu
begeiſter=
ten Worten. Weihevoll ſpielte der Pofaunenchor Neckarſulm ſeine
ſchö=
nen Weiſen. Es wurde geſungen und vorgeſungen. Gedichte
verſchö=
nerten den weiteren Verlauf des Abends. An unſere Kleinen muß
be=
ſonders gedacht werden, denn das, was eingeübte Worte und reizendes
kindliches Spiel als kleine Vorführungen vom „Arbeitstag des
Mütter=
leins” brachten, war in ſeinem tiefen Sinn ſo rührend und lieb, daß es
auf keinen Zuſchauer ſeine Wirkung verfehlte.
Au. Groß=Gerau, 12. Mai. Ferkelmarkt. Der Groß=Gerauer
Ferkelmarkt mußte erneut verboten werden, da in Worfelden wieder
die Seuche ausgebrochen iſt. — Ein Mädchen vermißt. Am
letz=
ten Sonntag ſetzte ein Motorradfahrer in Groß=Gerau am Bahnhof ein
Mädchen ab, er wollte es ſpäter, wenn er einige Beſuche erlegt hatte,
wieder abholen. Da der Mann ſich bis zum Abend nicht ſehen ließ,
machte ſich das Mädchen, daß den ganzen Tag in der
Bahnhofreſtaura=
tion gewartet hatte, auf den Weg, um den Mann zu ſuchen. Ein
Bahn=
beamter ſah das Mädchen am Abend auf dem Bahndamm. Jetzt nach
acht Tagen forſcht die Polizei aus Duisburg nach dem Verbleib des
Mädchens. Außer einer Karte, die das Mädchen am Sonntag in Groß=
Gerau geſchrieben hatte, haben die Angehörigen desſelben nichts mehr
gehört. — Ueberreichung der Geſellenbriefe. Am
Sonn=
tag fand in Groß=Gerau im. „Weißen Roß” eine Feier ſtatt, die von der
Metzgerinnung des Kreiſes Groß=Gerau veranſtaltet wurde. Im
Rah=
men dieſer Feier wurden den Junggeſellen die Geſellenbriefe überreicht.
Gewerbelehrer Klink hielt einen Vortrag über Milzbrand. Er legte
in anſchaulicher Weiſe die Bekämpfungsmaßnahmen dar. Obermeiſter
Schadt=Biſchofsheim hielt eine herzliche Anſprache. Ferner ſprach der
Leiter der Berufsſchule, Rektor Gebhard. Er wünſchte den Geſellen
Glück. Durch einige ſchöne Muſikvorträge erhielt das ganze ein recht
feierliches Gepräge. — Der Schützenverein Tell eröffnete am
Sonntag ſein diesjähriges Preisſchießen. Am Himmelfahrtstag und an
dem darauffolgenden Sonntag wird das Preisſchießen hier fortgeſetzt.
Es herrſchte ein reger Betrieb auf dem Schützenplatz, es war auch ein
Darmſtädter Schützenverein zu Gaſt. Die neue Schießhalle und die
neu=
ausgebauten Stände fanden allgemeine Anerkennung. —
Bezirks=
wettſchreiben der Stenographen. In Langen fand am
Sonntag das 26. Bezirkswettſchreiben ſtatt, bei dem der Gabelsberger
Stenographenverein Groß=Gerau, ſich den dritten Platz erkämpfte.
a. Offenbach, 13. Mai. Verabſchiedung des
Haushalts=
planes. Der Stadtrat verabſchiedete nach mehr als fünfſtündigem
Redekampfe, der in der Hauptſache von Kommuniſten, Sozialdemokraten
und Zentrum beſtritten wurde, den Haushaltsplan für 1931 gegen
Kom=
muniſten, Wirtſchaftspartei und Deutſchnationale. Durch die
Ausſchuß=
beratungen ſank die Abſchlußziffer von 35,598 auf 34,944 Millionen Mk.
Grundſteuer, Gewerbeſteuer, Sondergebäudeſteuer, Gemeinde=Bier= und
Bürgerſteuer wurden in der Ausſchußfaſſung in einer Abſtimmung
an=
genommen. Die Gemeindegetränkeſteuer wurde abgelehnt. Ein
Ver=
ſuch der Kommuniſten, durch Einbringung eines Dringlichkeitsantrages
die Wohlfahrtsunterſtützungsfrage nochmals aufzurollen, wurde ſchon zu
Anfang der Sitzung durch Ablehnung der Dringlichkeit abgewieſen.
Die Lage der Landwirtſchaft im Monat April 1031.
(Nach Berichten deutſcher Landwirtſchaftskammern.)
Nach Berichten der Landwirtſchaftskammern hat die Notlage der
Landwirtſchaft ein bisher unbekanntes Maß erreicht. Sie greift wie
auch der Präſident des Deutſchen Landwirtſchaftsrates auf der 61.
Voll=
verſammlung am 6. Mai erklärte, nunmehr mit ganzer Schärfe auch
auf den Weſten und Süden des Reiches über. Infolge des
ungenügen=
den Schutzes der Veredlungswirtſchaft beſitzen die Preiſe für alle
Erzeug=
niſſe dieſes Wirtſchaftszweiges einen verheerenden Tiefſtand, während
eine merkliche Verbilligung der Erzeugungsmittel nicht zu verzeichnen
iſt. Von Wirtſchaftlichkeit kann bei der augenblicklichen Marktlage nur
in Ausnahmefällen geſprochen werden. Die Belaſtung durch Steuern
und ſonſtige Abgaben drückt weiter ſchwer auf die
Landwirt=
ſchaft, und die Erwartungen nach Erleichterung durch die Oſthilfe in
dieſer Hinſicht wurden auf Grund der im Tempo völlig unzureichenden
Art ihrer Durchführung enttäuſcht. Der freie Verkehr auf dem
Grundſtücksmarkt ruht nach wie vor ganz; in der Hauptſache
kommen Zwangsverkäufe, die an Zahl geſtiegen ſind, in Betracht.
Eben=
falls unverändert ſchlecht ſind die Kreditverhältniſſe. Der
Mangel beſonders an kurzfriſtigen Krediten machte ſich bei der
Früh=
jahrsbeſtellung vor allem für die Kunſtdüngerbeſchaffung ſehr bemerkbar.
Infolge des kalten und regneriſchen Wetters, verbunden mit
Nacht=
fröſten, haben ſich die Beſtellungsarbeiten ſehr verzögert. Im
llgemeinen ſind jedoch Kartoffeln größtenteils gelegt und Rüben geſät.
Stark beeinträchtigt wurden infolge der kühlen Witterung Keimung
und Wachstum, ſo daß der durchſchnittliche Stand der Winterſaaten
vor=
erſt nur als mittelmäßig bezeichnet wird. Aus faſt allen Teilen
des Reiches werden Klagen nicht nur über Auswinterung, ſondern auch
über Mäuſeſchaden laut; insbeſondere ſind es die Klee= und
Luzerne=
felder, zum Teil auch Roggenfelder, die darunter zu leiden hatten.
Außerdem iſt vielerorts auch Schaden an Klee durch Kleekrebs beobachtet
worden. Die Grünlandflächen ſind überall infolge der kalten
Witterung in ihrer Entwicklung etwas zurück. Der Beſtand kann aber
im allgemeinen als befriedigend bezeichnet werden, ebenſo der Stand
der Ackerfutterſchläge.
In der Pferdezucht zeigt ſich das Beſtreben, die überalterten
Pferdebſtände durch Einſtellung junger Pferde zu verbeſſern. Die
Nachfrage nach Fohlen hat daher zugenommen. In der
Rindvieh=
zucht ſind die geringen Preiſe für Milch und Butter nicht ohne
Ein=
fluß auf die Haltung geblieben, die teilweiſe einen Rückgang zu
ver=
zeichnen hat. Aehnlich verhält es ſich bei der Schweinezucht:
auch hier iſt infolge kataſtraphaler Preisentwicklung ein teilweiſer
Rück=
gang zu beobachten. Das erhöhte Intereſſe für Schafzucht und trotz
niedriger Preiſe auch für die Geflügelhaltung hielt an.
Am Holzmarkt iſt entgegen den Erwartungen eine Belebung
noch nicht eingetreten. Der Verkauf des Rundholzes geht nur ganz
ſchleppend vor ſich. Die ungünſtige Witterung wirfte ſich auch hier in
einer Verzögerung der Bodenbearbeitung der Frühjahrskulturen aus.
Die Holzpreiſe ſind nach wie vor niedrig, die Abſatzmöglichteiten ſchlecht,
Die kalte Witterung hat die Pflanz= und Beſtellungsarbeiten beim
Feldgemüſe= und Gartenbau ebenfalls ſtark behindert. In
einzelnen Gegenden wurden neue Gemüſeanlagen unter Glas
eingerich=
tet. Die Preiſe für Wintergemüſe haben erheblich angezogen. An
aus=
ländiſchem Gemüſe waren nach wie vor Blumenkohl, Salat und Gurken
ſtark vorhanden. Soweit die Bcumblüte es erkennen läßt, ſind die
Ausſichten für die Stein= und Kernobſternte günſtig. Im
Weinbau war die Geſchäftslage im Berichtsmonat ſehr ruhig. Sehr
ſtark haben unter der rauhen Witterung die Tabakſetzlinge
gelit=
ten, ſo daß oft zu einer nochmaligen Anſaat der Anzuchtbeete geſchritten
werden mußte, da die Pflanzen erfroren waren. Die langſame
Ent=
nicklung des Frühlings war den vorbereitenden Arbeiten in der
Teich=
wirtſchaft ebenfalls hinderlich, ſo daß das Beſatzgeſchäft um die
Mitte April noch nicht zu Ende geführt war. Die Preiſe zeigen im
allgemeinen abfallende Tendenz, wenn auch bei geringerem Angebot bei
Flußfiſchen die Preiſe günſtiger waren.
Auf dem Arbeitsmarkt überſteigt im allgemeinen das
An=
gebot die Nachfrage. In bäuerlichen Betrieben machte ſich eine
Be=
darfseinſchränkung an Arbeitskräften bemerkbar. Beſonders ſtark war
die Nachfrage nach jungen, vor allem weiblichen Arbeitern, bis zu
18 Jahren.
Af. Neu=Ifenburg, 13 Mai. Reiterfeſt. Mit klingendem Spiel
begab ſich der hieſige Reiterverein am Sonntag nachmittag nach ſeiner
hinter dem Schwimmbad gelegenen Reitbahn, wo ſich zahlreiche
Zu=
ſchauer eingefunden hatten, um den etwa zwei Stunden dauernden
Dar=
bietungen der verſchiedenſten Art mit lebhaftem Intereſſe zu folgen. —
Schwimmbad=Eröffnung. Seit Sonntag ſind die beiden
Becken wieder gefüllt, und unſer ſchönes Bad durfte ſich gleich am erſten
Sonntag regſten Zuſpruchs erfreuen. Es iſt mit ſeinen ge flegten
Raſenflächen und ſonſtigen Anlagen wirklich ſehenswert und wird
zwei=
fellos auch dieſes Jahr wieder ſteigende Beſucherziffern aufzuweiſen
haben. — Muſikaliſche Abendandacht. Der Finkenſteiner
Singkreis unter Mitwirkung der Altiſtin Frl. Haar=Frankfurt a. M.
und des Organiſten Dr. Staiger=Friedberg hatten am Sonntag abend
eine zahlreiche Zuhörerſchaft in der evangeliſchen Kirche vereinigt, die
der Wiedergabe ſchöner, alter Muſik, vor allem Joh. Seb. Bachs mit
Andacht und ehrfurchtsvoller Ergriffenheit lauſchten. — Aus dem
Gemeinderat. In der letzten Sitzung gedachte der Bürgermeiſter
zunächſt des verſtorbenen Beigeordneten Konrad Ahl und des
verſtor=
benen Gemeinderats Adam Goebel. Die Anweſenden ehrten deren An=
Man iſt nur ſo alk, wie man ausſiehl.
deshalb benutze man das weltberühmte Exlepäng”. Gibt ergrautem
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denken durch Erheben von den Sitzen. Dann wurde der wiedergewählte
zweite Beigeordnete Bauer unter Verwveiſung auf den früher geleiſteten
Dienſteid erneut in ſeinen Dienſt eingewieſen. Die Tagesordnung ſelbſt
wurde danach ziemlich raſch und reibungslos erledigt. Der Verkauf von
Bauplätzen, vor allem an die Gemeinnützige Baugenoſſenſchaft zu
7.— RM. pro Quadratmeter für Eckplätze und 8,50 RM. für
Reihen=
plätze, wurde genehmigt. Die Amtsniederlegung zweier
Gemeinderats=
mitglieder wurde zur Kenntnis genommen, unter Billigung der von
ihnen angegebenen Gründe. Ueber 170 Geſuche um Befreiung von der
Müllabfuhr fanden Genehmigung, desgleichen zwei Konzeſſionsgeſuche,
da es ſich um Uebernahme beſtehender Wirtſchaften handelte. Der
Ver=
ſchmälerung der Dornhofſtraße auf 15 Meter Breite wurde zugeſtimmt
und ſchließlich dem Beſchluß des Schulvorſtandes beigetreten, für die
definitive Beſetzung der Stelle einer techniſchen Lehrerin die ſeitherige
Stelleninhaberin vorzuſchlagen. Der Ablehnung dagegen verfielen einige
Anträge der kommuniſtiſchen Fraktion, darunter auch der auf Auflöſung
des Gemeinderats.
Aa. Langen, 13 Mai. Im Alter von 83 Jahren iſt einer der
älte=
ſten hieſigen Einwohner, Schneidermeiſter Johann Adam Vetter 1.,
ge=
ſtorben. Der alte Herr war noch ſo rüſtig, daß er vor einem Jahre noch
Rad fahren konnte. Unter anderem war er Gründer des hieſigen
Ziegen=
zuchtvereins. — In nächſter Zeit wird im evangeliſchen
Gemeinde=
haus ein Kindergarten eröffnet, der von einer ſtaatlich geprüften
Kindergärtnerin geleitet wird. Der Kindergarten iſt im Sommer
wochentags von 8—12 Uhr vormittags und 2—5 Uhr nachm. geöffnet.
P. Eſſenheim, 13. Mai. Eingeſtelltes Verfahren. Die
Staatsanwaltſchaft Mainz hat nach einem umfangreichen
Ermittelungs=
verfahren, in welchem zahlreiche Zeugen vernommen wurden, das
Ver=
fahren gegen den hieſigen Bürgermeiſter wegen der Beſchuldigung der
Unterſchlagung von Waiſenbüchſengeldern zum Nachteil der heſſiſchen
Landeswaiſenkaſſe eingeſtellt, weil ſich die Beſchuldigungen als unwahr
erwieſen.
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N64
Mass kifrnnin Hans lir enslindtn IatisAntinng
K
Nummer 134
Freitag, den 15. Mai 1931
Seite 5
Lan die Deutſche Fußballmeiſterſchaft.
Einkrachl=Sieg in Düſſeldorf.
Eintracht Frankfurt — Fortuna Düſſeldorf 3:2 nach Verl.
Die Frankfurter Eintracht hat im Vorrundenſpiel um die
Deutſche Fußball=Meiſterſchaft im Düſſeldorfer Rheinſtadion vor
40 000 Zuſchauern den weſtdeutſchen Meiſter Fortuna Düſſeldorf
mit 3:2 Treffern verdient geſchlagen. Aber dieſer Sieg iſt den
Süddeutſchen nicht leicht gefallen, ſie benötigten eine
Spielver=
längerung, um ſich für die erſte Zwiſchenrunde der DFB.=
Meiſter=
ſchaft zu qualifizieren. Und doch hat die Eintracht eine große
Leiſtung vollbracht. Noch am Tage vor dem Spiel war der
ſüd=
deutſche Zweite zu einer Mannſchaftsumſtellung gezwungen, da
ſich der beſte Stürmer der Mannſchaft, Trumpler, im Training
einen Muskelriß zuzog. Man ſtellte Kron in den Sturm und holte
Schütz, dem erſt am Montag der Gipsverband abgenommen
wor=
den war, in die Verteidigung zurück. Schütz war noch invalid.
aber auch Stubb hat ſich von der Verletzung, die er im Spiel
gegen Bayern erlitt, nicht ganz erholt. Dieſes Handicap einer
invaliden Mannſchaft riß das ganze gewohnte Spiel der
Frank=
furter auseinander. Die Läufer mußten ſtändig bei der
Ver=
teidigung aushelfen, und die Halbſtürmer waren mehr in der
Läuferreihe als in dem Angriff zu finden. Dennoch waren aber
die Frankfurter noch um faſt eine Klaſſe beſſer als ihr Gegner.
Sie zeigten die weſentlich reifere Technik, aber auch die klügere
Taktik. Wenn trotzdem Fortuna zu einem ſo günſtigen Reſultat
kam und für längere Phaſen den Kampf offen halten konnte, ſo
iſt dafür in erſter Linie der rieſige Eifer der Fortuna
verant=
wortlich. Die Rheinländer griffen mit Schnelligkeit und Elan
immer wieder an, und waren ſie einmal in Tornähe, dann
wur=
den ſie mit ihrem geſunden Schußvermögen noch gefährlicher als
Hochgeſang, der einen Elfmeter verwandelte, die Führung. Kurz und einem ganz ruhigen Spiel werden ſich da die Fürther
vorher hatte Frankfurt einen Elfmeter verſchoſſen. In der 29.
Minute käm Eintracht durch Ehmer zum Ausgleich. 25 Minuten
nach der Pauſe holte ſich Fortung bei einem Durchbruch von
Köhler abermals die Führung. Vier Minuten ſpäter glich Ehmer
erneut aus, und bei dem 2:2 blieb es bis zum Abpfiff. In der
Verlängerung hatten die Frankfurter mehr Reſerven, und in der
120. Spielminute fiel durch ein Selbſttor von Albrecht die
Ent=
ſcheidung.
Neue Berwicklungen in der 23b.-Meiſkerſchaft.
Der DFB. hat dem Frankfurter Verein zugemutet, bereits
drei Tage nach dem ſchweren Düſſeldorfer Spiel in Altona das
Zwiſchenrundenſpiel gegen den Hamburger SV. auszutragen. Die
Frankfurter hätten alſo von Düſſeldorf aus ſofort nach Hamburg
weiterreiſen müſſen, denn eine Rückkehr nach Frankfurt am Frei= dem folgenden Programm fortgeſetzt: Gruppe Main:
Ger=
tag und neue Reiſe nach Hamburg am Samstag wären ja
ſinn=
los geweſen. Eine derartige Zumutung ſtellt eine
Sportorgani=
ſation, die Amateurgeſetze erläßt und Verſtöße gegen die
Ama=
teurgeſetze ſtreng ahndet.
Aus den obenerwähnten Gründen, zu denen ſich noch
Urlaubs=
ſchwierigkeiten verſchiedener Spieler geſellen, hat die Eintracht
dem DFB. erklärt, daß ſie am Sonntag nicht in Hamburg ſpielen
könne. Der DFB. gab dem Frankfurter Verein darauf die
Er=
widerung, daß er dann die Eintracht ausſchalten und den
Ham=
burger SV. kampflos zum Sieger erklären werde. Auch dieſe
Drohung hat die Eintracht nicht dazu bewegen können, von ihrer
Weigerung abzugehen.
Von Berliner Seite wird geſagt, daß die ſüddeutſchen
Ver=
eine alle Konſequenzen zu tragen hätten, da ſie ihre Vertreter, gensburg iſt Gaſt des FK. Teplitz und der VfB. Stuttgart tritt
zu ſpät gemeldet hätten. Bei einer „Ernennung” der
ſüddeut=
ſchen Vertreter wären die Verwicklungen vermeidbar geweſen, gib es die folgenden Länderſpiele: Oeſterreich — Schott=
Dazu iſt nur noch einmal zu ſagen, daß eine Meiſterſchaft kein
Lotterieſpiel iſt. Die Kandidaten für die Deutſche Meiſterſchaft
ſollen ſich im Kampf qualifizieren; im höchſten Maße
unſport=
lich iſt das Spiel am grünen Tiſch, durch das Los die Teilnehmer
zu „beſtimmen”.
S.=V. München 1860 ſüddeutſcher Dritter.
Das Münchener Wiederholungsſpiel der beiden
Troſtrunden=
ſieger, das erſt nach mannigfachen Schwierigkeiten zuſtande kam,
lieferte einen trefflichen Beweis dafür, daß die Terminbehand= Gewinnchancen hat. Leichter wird es der ſüddeutſche Meiſter
lung, wie ſie ſeitens des D.F.B. in dieſem Jahre vorgenommen
wurde, unhaltbar iſt. Beide Mannſchaften machten, was wirklich
nicht überraſchend kam, einen ſehr müden Eindruck und lieferten
bei weitem nicht die Partie, die dem Können eines ſüddeutſchen
Dritten entſprechen mußte. Münchens Sieg war, ſoweit unter
dieſen Umſtänden überhaupt ein Maßſtab gegeben iſt, verdient.
Vor allem war es die gute Leiſtung der Münchener in der erſten
und gegen Schluß der zweiten Halbzeit, die den Erfolg als
an=
gebracht erſcheinen laſſen. Beide Treffer von München 60 fielen
vor der Pauſe, und zwar beide Male durch den Linksaußen Thal= Bundestag ab. Die allmählich zu Ende gehende Saiſon
meyer. Kurz nach dem Wechſel wurde ein Netzſchuß von Hörnle bringt in Süddeutſchland Privatſpiele.
von dem Schiedsrichter als Tor gewertet, doch auf Reklamation
von München hin annullierte der Unparteiiſche den Treffer.
Lud=
wigshafens Ehrentreffer wurde dann erſt in der 29. Minute von
Berk erzielt.
Das Städteſpiel Würzburg—München endete mit einem
knap=
pen 6:5=Sieg der Münchener, nachdem Würzburg bei der Pauſe
noch 4:2 geführt hatte.
Der Spork des Honnkags.
Spiele um die Deutſche Fußball=Meiſterſchaft.
Das ſture Feſthalten des Deutſchen Fußball=Bundes an
ſeinem Meiſterſchaftsplan hat zu höchſt unerquicklichen und
un=
ſportlichen Verwicklungen geführt, die den ideellen Wert der
Meiſterſchaften erheblich herabmindern. Am Sonntag ſollen
nun einige weitere Spiele zur DFB.=Meiſterſchaft ausgetragen
werden. Der DFB. hat für dieſen Tag den folgenden
Spiel=
plan bekanntgegeben:
Vorrunde: München 60 gegen Meidericher Spiel=Verein
in München.
Erſte Zwiſchenrunde: Dresdener SC. — Holſtein
Kiel in Dresden; Hamburger SV. — Eintracht Frankfurt in
Altona; Hertha BSC. — SpVg. Fürth in Berlin.
Da ſich die Eintracht Frankfurt geweigert hat, drei Tage
nach ihrem ſchweren Spiel gegen Fortuna Düſſeldorf bereits
wieder in Altona zu ſpielen, ſo wird dieſes Treffen
wahr=
ſcheinlich ausfallen. Der Hamburger SV. dürfte kampflos in
die zweite Zwiſchenrunde kommen, ſofern er nicht ſelbſt
dar=
auf. verzichtet, einen ſo billigen Gewinn einzuheimſen. Sieht
man von diefem „Treffen” ab, ſo bleibt das Spiel in
Ber=
lin als intereſſanteſte Begegnung des Tages. Die SpVg. Fürth
iſt hier vor eine ſehr ſchwere Aufgabe geſtellt, ſie ſoll den
vorjährigen deutſchen Meiſter in ſeiner Höhle aufſuchen. Die
Fürther Kleeblättler haben gewiß neben ihrem guten Können
auch ſtarke Nerven, trotzdem zweifeln wir daran, ob ſie dieſer
Belaſtungsprobe gewachſen ſind. Die Süddeutſchen werden nicht
nur eine wiedererſtarkte Hertha=Mannſchaft, ſondern auch gut
ihr Gegner. Fortung übernahm auch in der 13. Minute durch 40 000 Zuſchauer gegen ſich haben. Nur mit einem ganz guten
durchſetzen können. — Weſentlich leichter hat es der dritte
ſüd=
deutſche Vertreter, München 1866, der in München gegen den
weſtdeutſchen Dritten, Meidericher Spielverein, antritt. Die
Münchener ſind zwar durch die ſchweren Entſcheidungsſpiele
gegen Phönix Ludwigshafen etwas mitgenommen, ihr
hervor=
ragendes techniſches Können müßte aber im Verein mit dem
Platzvorteil dazu reichen, Meiderich zu ſchlagen. — Bleibt das
Spiel in Dresden. Holſtein Kiel iſt längſt nicht in der Form,
mit der die Mannſchaft im Vorjahre ins Endſpiel kam. Der
Dresdener SC. verfügt zur Zeit nicht nur über das beſſere
Können, ſondern auch über die ausgeglichenere Mannſchaft. Er
ſollte auch — nach Kampf — Holſtein ſchlagen.
Das übrige Fußball=Programm.
Die ſüddeutſchen Aufſtiegsſpiele werden mit
mania 94 Frankfurt — VfB. Groß=Auheim, Viktoria Kahl —
FSV. Heuſenſtamm; Gr. Heſſen: Olympia Lorſch —
Vikt. Walldorf; Gr. Rhein: Germania Ludwigshafen —
Amicitia Viernheim; Gr. Württemberg: SV. Feuerbach —
Sportfreunde Eßlingen; Gr. Baden: FV. Offenburg — FC.
Rheinfelden, FC. Mühlburg — FC. 04 Singen; Gr.
Nord=
bayern: FSV. Nürnberg — SV. Weiden; Gr.
Süd=
bayern: Union Augsburg — FC. Straubing;
Privat=
ſpiele: FSV. Frankfurt — Wormatia Worms, 1. FC.
Pforzheim — Karlsruher FV., SV. Waldhof — 1. FC.
Nürn=
berg; Jubiläums=Blitzturnier der Offenbacher Kickers mit
Hanau 93, Union Niederrad und SV. Wiesbaden. Rot=Weiß
Frankfurt ſpielt in Köln gegen den Cl. f. R. Köln, Jahn
Re=
in Antwerpen gegen eine Stadtmannſchaft an. — Im Ausland
land in Wien; Belgien — England in Brüſſel; Oeſterreich —
Tſchechoſlowakei (Amateure in Wien.
Deutſche Handball=Meiſterſchaft.
Die Kämpfe um die Deutſche Handball=Meiſterſchaft der
DSB. werden am Sonntag mit der Vorſchlußrunde
fort=
geſetzt. Beide ſüddeutſchen Vertreter ſind noch im Rennen. Eine
ſehr ſchwere Aufgabe hat die Sp. Vg. Fürth vor ſich, die in
Bamberg gegn den Titelvereidiger Polizei Berlin nur ſchwache
SV. 98 Darmſtadt haben, er könnte zuhauſe zu einem
Sieg über den Pol. SV. Spandau kommen. — Neben dieſen
Meiſterſchaftstreffen gibt es in Süddeutſchland noch u. a. die
folgenden Privatſpiele: VfR. Mannheim—FSV. Frankfurt;
VfR. Mannheim — Eintracht Frankfurt (Damen); Rot=Weiß
Frankfurt — Eintracht Frankfurt; TSV. Langen — Wormatia
Worms.
Hockey.
Der Deutſche Hockey=Bund hält in Bad Neuenahr ſeinen
Tennis.
Tennisturniere in Saarbrücken und Frankfurt
finden am Sonntag ihren Abſchluß. In Paris nehmen unter
deutſcher Beteiligung die franzöſiſchen
Meiſterſchaf=
ten ihren Anfang. — Außerdem gibt es noch die
Davispokal=
ſpiele Italien — Holland in Mailand und Griechenland —
Tſchechoflowakei in Athen.
Fechten.
Ohne Erwin Casmir werden auch diesmal die
Meiſter=
ſchaften des Deutſchen Fechter=Bundes (Einzelkonkurrenzen)
ausgetragen.
Leichtathletik.
In Ulm tragen Ulm 94 und VfB. Stuttgart einen
Club=
kampf aus. In Roth bei Nürnberg trifft ſich eine ſtattliche
Anzahl der beſten ſüddeutſchen Leichtathleten. Sportfeſte mit
internationaler Beteiligung finden in Bremen und Gelſenkirchen
ſtatt. In Berlin ſteigt die große Jahnſtaffel der Turner.
Schwimmen.
Ein kreisoffenes Schwimmfeſt trägt Poſeidon Kaiſerslautern
aus. Verſchiedene deutſche Schwimmer von Rang beteiligen ſich
am Samstag und Sonntag an einem internationalen
Schwimm=
feſt in Wien.
Boxen.
Die Ländermannſchaft von Bayern trägt in Budapeſt
einen Repräſentativkampf gegen Ungarn aus. Der 1. Mainzer
Boxklub weilt in Luxemburg. Berufsboxkämpfe, an denen auch
Ludwig Haymann teilnehmen ſoll, ſind in Krefeld
vor=
geſehen.
Motorſport.
Das motorſportliche Programm des Sonntags iſt ſehr
um=
fangreich. Es ſieht u. a. die folgenden Veranſtaltungen vor:
Abſchluß der Dreitagefahrt des ADAC., Lückendorfer
Berg=
rennen (Erſter Lauf zur Deutſchen Bergmeiſterſchaft)
Zuver=
läſſigkeitsfahrt durch den Schwarzwald, Zuverläſſigkeitsfahrt
durch Württemberg, Ungariſche Touriſt Trophy und das
Hohen=
ſyburg=Rennen.
Radſport.
Die 11. Etappe der Deutſchland=Rundfahrt führt
am Sonntag von Magdeburg über 269,2 Kilometer nach
Ham=
burg. Im Ausland werden die Rundfahrten um Italien und
um Belgien fortgeſetzt. Bahrennen gibt es u. a. in Berlin,
Breslau und Bonn. Hinzu kommen noch diverſe deutſche
Straßen=
rennen für Amateure.
Pferdeſport.
Galopprennen gibt es am Sonntag in Grunewald, Leipzig,
Neuß und Paris.
Frankreich ſchlägt England 5:2 (3:1).
Das „Klaſſiſchſte Länderſpiel des internationalen
Sportkalen=
ders”, wie die Franzoſen ihren traditionellen Fußball=
Länder=
kampf gegen England bezeichnen, hat am Himmelfahrtstage in
Paris eine Senſation gebracht. Vor 30 00 Zuſchauern ſchlugen die
Franzoſen mit ihrem zwar kombinationsarmen, aber ſehr ſchnellen
und geſchickten Spiel die engliſchen Profis überlegen mit 5:2 (3:1).
Die Engländer zeigten ein akademiſches, faſt wiſſenſchaftliches
Spiel, ſie glänzten mit ihrer Technik und ihren
Täuſchungsmanö=
vern, aber die Franzoſen ſtellten ſich mit ihrem Abwehrſpiel
ge=
ſchickt auf das Syſtem der Engländer ein. „Beim Sieger hat der
Torwart Thépot einen hervorragenden Anteil am Erfolg.
Glän=
zend arbeiteten auch die beiden Verteidiger, und im Sturm
mach=
ten der Rechtsaußen Liberati und der Mittelſtürmer Mercier
durch wahre Serien von ruſchartigen Vorſtößen der engliſchen
Ab=
wehr das Leben ſchwer. England übernahm zwar in der 11.
Mi=
nute durch Waring die Führung, aber ſchon wenig ſpäter ſchoß
Liberati den Ausgleich. Kurz darauf hieß das Reſultat nach einem
Schuß von Liberati ſchon 2:1, und in der 30. Minute erhöhte der
Linksaußen Langillier auf 3:1. Die Engländer kämpften
verzwei=
felt um eine Wendung des Spiels, aber gegen den Elan der
Fran=
zoſen kamen ſie nicht auf. Delfour ſchoß bald nach der Pauſe ein
viertes Tor. Erſt gegen Spielende gewannen die Engländer klar
Oberhand. Stevenſon ſchoß das zweite Gegentor, aber auch der
Gegner war durch Mercier noch einmal erfolgreich. Der Jubel
der 30 000 im Stade de Colombes iſt ſchwer zu beſchreiben. Für
den engliſchen Fußball wird dieſer Tag ein ſchwarzer bleiben.
* Fußball im Kreis Skarkenburg.
Der Spielbetrieb am Sonntag, 17. Mai.
Das für den Sonntag vorgeſehene Endſpiel um den
Bezirks=
pokal zwiſchen Groß=Zimmern und Mörfelden iſt auf Pfingſten
verlegt worden. Ebenſo wurde das dritte Entſcheidungsſpiel um
die B=Meiſterſchaft zwiſchen Olympia Hahn und Germania
Eſcholl=
brücken wieder abgeſetzt. Dagegen finden zwei weitere
Verbands=
ſpiele der 4=Klaſſe, Gruppe Odenwald, ſtatt,
darun=
ter das wahrſcheinlich die Meiſterſchaft entſcheidende zwiſchen
Groß=Zimmern und Roßdorf in Groß=Zimmern. Ein erſtklaſſiger
Unparteiiſcher und Ueberwachung des Spiels durch die Behörde
ſcheint hier am Platze zu ſein. Als zweites Spiel ſteigt die
Be=
gegnung Germania Dieburg—VfR. Beerfelden.
Privatſpiele wurden bisher folgende bekannt:
1. FC. Langen—Germania Frankfurt=Schwanheim.
Viktoria Urberach-Haſſia Dieburg,
SV. Münſter—VfL. Neu=Iſenburg, Reſerve,
Germania Pfungſtadt, Reſerve—Boruſſia Dornheim.
Edelweiß Zwingenberg—T. u. SV. Meſſel.
Ferner ſoll Arheilgen in Frankfurt gegen die Pokalmannſchaft
des Süddeutſchen Meiſters Eintracht Frankfurt ſpielen.
Von großem Intereſſe iſt weiter das Blitzturnier des
SC Viktoria Griesheim, welches die
Jubiläumsveran=
ſtaltungen der Griesheimer abſchließt. Es ſpielen dort in
folgen=
der Reihenfolge: SV. Weiterſtadt—Chattia Wolfskehlen, Rot=
Weiß Darmſtadt—Viktoria Griesheim. SV. Weiterſtadt—Rot=
Weiß Darmſtadt, Chattia Wolfskehlen—Viktoria Griesheim, Rot=
Seite 6
Freitag, den 15. Mai 1931
Nummer 134
Weiß Darmſtadt—Chattia Wolfskehlen und Viktoria Griesheim—
Sportverein Weiterſtadt. Die Spiele beginnen um 2 Uhr und
dauern jeweils 15 Minuten.
In der Alten=Herren=Runde wurden für Sonntag
zwei Spiele bekannt: Viktoria Griesheim—SV. 98 Darmſtadt und
Germania Pfungſtadt—Union Darmſtadt.
Union Darmſtadt—Germania Eberſtadt 2:1 (0:0).
Vor einer anſehnlichen Zuſchauermenge trafen ſich obige
Geg=
ner im fälligen Rückſpiel auf der Rennbahn.
Eberſtadt iſt vorerſt im Vorteil, doch langſam macht ſich die
techniſche Ueberlegenheit der Unioniſten bemerkbar. Ein
Straf=
ſtoß, der zum 1. Tor für Union eingeſchoſſen wurde, wird vom
Schiri als Abſeits annulliert, auf der Gegenſeite hat auch Union
Glück, als Beck im letzten Moment auf der Linie rettet;
Eber=
ſtadts Umſtellung gegen den Vorſonntag macht ſich vorteilhaft
geltend.
Nach dem Wechſel iſt Union tonangebend. Angriff auf
An=
griff rollt gegen das Eberſtädter Tor, doch viel Glück und Latte
retten ſehr oft. Endlich bricht die rechte Seite durch, und die
Vor=
lage von Roth wird von Dony zum 1. Tor verwandelt.
Kurze Zeit darauf gleicht Eberſtadt aus. Kurz vor Schluß
kann Union das Reſultat auf 2:1 ſtellen. Schiedsrichter Becht=
Ober=Namſtadt konnte gefallen.
S.=V. 98, Jugend.
1. Jgd. — 1. Jgd. Griesheim, dort, Abfahrt mit Auto 12.15
Uhr (Marſtall). 2. Jgd. — 3. Jgd. Spv. 98, Stadion, 10.45 Uhr.
4. Jgd. — 2. Jgd. Eberſtadt, hier, 1.15 Uhr. 1. Schüler —
2. Schüler 98, Stadion, 9.45 Uhr. Das Jugendtraining beginnt
bereits heute abend.
Der Frankfurter Fußball=Pokal fiel an den S. C. Rot=Weiß,
der im Endſpiel den vollkommen unter Form ſpielenden
Pokalver=
teidiger Fußballſportverein mit 4:0 (2:0) ſchlug.
Der engliſche Pokalfinaliſt Birmingham beſiegte in Eſſen vor
15 000 Zuſchauern die verſtärkte Mannſchaft des Eſſener S.V. 99
nur knapp mit 1:0 (1:0).
Die Disqualifikation von V.f.L. Neckarau iſt wieder
aufgeho=
ben worden.
Hocken=Turnier auf dem Hochſchul=Stadion.
Wie ſchon erwähnt, veranſtaltet die Hockeyabteilung der
Tech=
niſchen Hochſchule Darmſtadt am kommenden Samstag und
Sonn=
tag, 16. und 17. Mai im Hochſchulſtadion einige Hockeywettkämpfe
zwiſchen führenden Vereinen der Umgebung Darmſtadts.
Als Gegner ſind nur erſtklaſſige Vereine verpflichtet, ſo daß
die Veranſtaltung das Intereſſe des Darmſtädter Sportpublikums
verdienen dürfte. Am Samstag, um 16.30 Uhr, ſpielt die
Tech=
niſche Hochſchule Darmſtadt zur Eröffnung des Turniers
gegen den ſpielſtarken T.V. 1817 Mainz. Da ſich die Gegner
ziemlich ebenbürtig ſind, wird es zu einem ſpannenden Kampf
kommen, deſſen Ausgang völlig offen iſt. Hierauf werden ſich der
Nachwuchs von H.C Heidelberg und T.V. 1860
Frank=
furt, die beſten ſüddeutſchen Jugendmannſchaften, in einem ſicher
ſehr friſchen Spiele meſſen.
Am Sonntag, um 10.15 Uhr, wird zuerſt das „zarte Geſchlecht”
für den ſchönen Hockeyſport propagieren. Die Damen des T.V.
1860 Frankfurt und der Eintracht Frankfurt werden ſich im
Kampfe gegenüberſtehen. Der Hockeyſport wird in dieſem Spiel
ſeine große Eignung als Damenſport voll beweiſen. Anſchließend
werden die Techniſche Hochſchule Darmſtadt und der
T.V. 1860 Frankfurt auf dem gepflegten Raſen des
Hoch=
ſchulſtadions die Schläger kreuzen.
Wie man ſieht, wird der Darmſtädter Sportwelt etwas
Außer=
gewöhnliches geboten werden. Eintrittspreiſe äußerſt niedrig.
S.=V. 98 — Merck 0:0.
Am Mittwoch abend fand auf dem Böllenfalltorſtadion das
erſte Treffen zwiſchen obigen Mannſchaften ſtatt. Die Gegner
lie=
ferten ſich ein ziemlich ausgeglichenes Spiel, und wenn das
Er=
gebnis mit 0:0 endete, ſo entſprach dies dem Spielverlauf. Auf
beiden Seiten wurden recht beachtenswerte Einzelleiſtungen
ge=
zeigt, und es wäre ſehr zu begrüßen, wenn durch eifriges
Trai=
ning auch das Zuſammenſpiel der Mannſchaften, das noch Wünſche
offen ließ, größerer Vollendung entgegengeht, damit hier endlich
der ſchöne Hockeyſport ſo zur Geltung kommt, wie er zwiſchen den
Hochburgen Frankfurt, Heidelberg und Mainz eigentlich zu
er=
warten wäre.
Tennis.
T.E. C. Darmſtadt, Jun.—T. C. Mannheim 4:11.
Gegen Mannheim, das für die junge Darmſtädter
Mann=
ſchaft einen harten Prüfſtein bildete, verloren die T.E.C.=
Ju=
nioren glatt. Colin, einer der wenigen routinierten Spieler in
der jetzigen Mannſchaft, gewann im Einzel den erſten Satz glatt
6:0, den zweiten nach Kampf 9:7: Voigt, zuverläſſig wie immer,
ſiegte in drei Sätzen. Die reſtlichen Herreneinzel wurden mehr
oder weniger knapp alle verloren. Bei den Juniorinnen verlor
im Spitzenſpiel das gänzlich untrainierte Frl. v. Weber 6:2, 9:7.
Frl. Reuling und Frl. Beuer ſiegten erfreulicherweiſe ganz glatt,
wobei beſonders die von Spiel zu Spiel beſſer werdende Leiſtung
von Frl. Reuling zu loben iſt.
Hatten die Darmſtädter in den Einzelſpielen ſich noch gut
ge=
halten (4:5 für Mannheim), ſo ſchraubten die durchweg beſſer
zu=
ſammenarbeitenden Badenſer im Doppel und im Gemiſchten
Dop=
pel das Punkteverhältnis auf 11:4. Im Doppel leiſteten
ledig=
lich Voigt=Külp tapferen Widerſtand, während im Mixed Frl.
Reuling=Colin und Frl. Beuer=Voigt erſt nach jeweils drei
har=
ten Sätzen den Mannheimern den Sieg überließen. Zu erwähnen
wäre noch, daß an Stelle von Rinn v. Hornier für T. E.C. ſpielte.
Am Sonntag ſpielen die Junioren in Mainz gegen den
Tennisclub mit Colin, Voigt, Langenbach, Külp, Münſter, Rinn,
v. Hornier, Schenk und Frl. v. Weber, Frl. Reuling, Frl. Beuer,
Frl. L. Ringer, während eine kombinierte Mannſchaft des T. E.C.
mit Frl. Loy, Frl. Ringer, Frl. Scriba, Frl. Baukloh und Claß,
Werner, Krämer, Dr. Merck, Hartmann, Bowden in Gießen zu
einem Wettſpiel antritt.
Die ſpaniſchen Davis=Spieler in Berlin.
Die ſpaniſchen Tennismeiſter Maier und Alonſo konnten im
Kampf gegen den Berliner Tennisclub Rot=Weiß am
Himmel=
fahrstag ihre Siegesſerie nicht fortſetzen. v. Cramm ſchlug den
Spanier Alonſo 6:3, 6:0, 6:3, und Prenn war über Maier 6:1,
1:6, 5:1 überlegen. Bei dieſem Stande wurde das Spiel wegen
des Regens abgebrochen und Maier überließ dem Berliner den
Sieg. — Im Doppel führten Maier=Alonſo gegen die jungen
Berliner Eichner=Zander 6:4, 6:0, 5:7, als die hereinbrechende
Dunkelheit zur Aufgabe zwang. Im Geſamtergebnis ſiegten die
Spanier 3:2.
Im Davis=Pokal Rumänien—Dänemark in Kopenhagen
füh=
den die Dänen 3:0. In Dublin führt Irland gegen Südafrika 1:0.
Bei einem Sportfeſt in Regensburg durchlief der
deutſche Rekordmann Helmuth Körnig (Charlottenburg) die 100
Meter in 10,3 Sek. Die Zeit liegt unter Weltrekord, es herrſchte
aber ein leichter Rückenwind.
Die 9. Etappe der Deutſchlandrundfahrt von
Liegnitz nach Berlin über 313 Kilometer wurde von dem
Dort=
munder Metze vor ſeinem Landsmann Stöpel im Endſpurt
ge=
wonnen.
Im Radkampf um Magdeburg ſiegte er heimiſche G. Bauer
in 4:36,00 vor den Berlinern Franke, Tadewaldt und Dubſchny.
Das 240=Kilometer=Straßenfahren „Rund um Paris” gewann
der Belgier Haemerlynck in 7:08.00 vor ſeinem Landsmann Ronſſe
und der beſten franzöſiſchen Klaſſe.
Das Handball=Städteſpiel Berlin—Barmen endete mit einem
Unentſchieden von 12:12,
Die deutſche Handball=Vorſchlußrunde.
Sb. 98 — Polizei Spandau.
Für das Sonntag nachmittag ½4 Uhr auf dem Stadion der
Techniſchen Hochſchule ſtattfindende Vorſchlußrundenſpiel um den
Meiſtertitel der Deutſchen Sportbehörde hat nunmehr der 1.
Span=
dauer Polizei=Handballclub ſeine Mannſchaft benannt. Die Gäſte
ſind in der Lage, für das Spiel gegen die 98er ihre ſtärkſte
Mann=
ſchaft zu ſtellen, und zwar:
Scholz.
Schmidt,
Vetter,
Kuchenbecker,
Piller,
Schönwieſe,
Böhme. Bruſt.
Bräuer,
Heiſing. Bonnet,
Auf die beſonders gut beſetzten Poſten haben wir ſchon
hin=
gewieſen. Hier iſt in erſter Linie Schönwieſe, der Mittelläufer
des deutſchen Länderteams, zu nennen, dann der talentierte
Tor=
wächter Scholz, der linke Verteidiger Schmidt, der früher in der
1. Mannſchaft des Polizeiſportvereins Berlin wirkte, und der
geſamte Innenſturm, deſſen Wurfkraft ſehr gut ausgeprägt ſein
ſoll.
Die Spandauer Mannſchaft hat eine bisher glänzend
verlau=
fene Spielzeit hinter ſich. Die Elf hat die diesjährige
Abteilungs=
meiſterſchaft der Abteilung A des Verbandes Brandenburgiſcher
Athletikvereine ungeſchlagen errungen. In den Endſpielen
um die Brandenburgiſche Handballmeiſterſchaft, an denen neben
dem Meiſter der Abteilungen A und B noch der Pommernmeiſter
Greif=Stettin — eine Reichswehrmannſchaft — beteiligt war,
be=
zwang Spandau die Stettiner ganz überlegen, während in dem
Entſcheidungsſpiel gegen den Meiſter der Abteilung B,
Polizei=
portverein Berlin, nach großem Kampf eine knappe und
ehren=
volle Niederlage hingenommen werden mußte. Die Vorrunde um
die deutſche Meiſterſchaft ſah die Spandauer Poliziſten auf
eige=
nem Platz im Kampf gegen den Norddeutſchen Meiſter, St. Georg,
Hamburg, der 5:2 bezwungen wurde. In der Zwiſchenrunde
hat=
ten die Spandauer gegen den Bezwinger von V. f. B. Aachen,
gegen Hannover 78, anzutreten; obwohl der Kampf in Hannover
ſtattfand, gelang den Poliziſten ein 10:8=Sieg. Die Spandauer
werden nicht gewillt ſein, ihre Siegesſerie durch eine Niederlage
in Darmſtadt eine Unterbrechung erleiden zu laſſen. Sie werden
alles aufbieten, auch dieſen Kampf zu beſtehen. So wird es bei
der wohl gleichen Spielſtärke beider Mannſchaften zu einem
har=
ten Kampf um den Sieg kommen.
Wir weiſen erneut auf die Anzeige hin, aus der die
Vorver=
kaufsſtellen erſichtlich ſind, und empfehlen wiederholt, ſich
Ein=
trittskarten ſchon im Vorverkauf zu löſen, um dadurch eine glatte
Abwicklung an der Platzkaſſe zu ermöglichen.
Handball in der 2.T.
Am Sonntag: Tv, Arheilgen—Sp.A. Merck, Walldorf-
Tgſ. Rödelheim. Nauheim—„Rot=Weiß‟ Darmſtadt (D. S.B.),
Worfelden—Groß=Zimmern, Beſſungen—A. S. C. Darmſtadt.
Büt=
telborn-Wallerſtädten. Seeheim—Groß=Bieberau, Buchſchlag—
Tv. Neu=Iſenburg 2., Stockſtadt—Alemannia Groß=Rohrheim,
Roßdorf-Beſſungen 2. Hahn-Bickenbach 2., Zell—Heppenheim 2.
und die unteren Mannſchaften von Reichsbahn Darmſtadt—
Pfung=
ſtadt.
Arheilgen kann ſeine vollzählige Elf gegen Merck nicht ſtellen,
ſo daß man auf eine Ueberraſchung gefaßt ſein darf. Ob es zu
einem Siege Walldorfs über Rödelheim reicht, iſt fraglich.
Nau=
heim empfängt die ſympathiſche Elf von „Rot=Weiß und muß ſich
gehörig anſtrengen, da die Gäſte kürzlich in Bensheim einen
ſchö=
nen Sieg erfochten haben. Worfelden wird den Odenwaldmeiſter
Groß=Zimmern kaum zu Wort kommen laſſen, wie die Ergebniſſe
beider Vereine in letzter Zeit anſagen. Beſſungen mißt ſeine
Kräfte mit dem Akademiſchen Sportklub und dürfte kaum um eine
Niederlage herumkommen. Wohl fällt die Mannſchaftsſtellung
ſtark ins Gewicht. Büttelborn ſollte mit Wallerſtädten glatt
fer=
tig werden. ebenſo Seeheim mit Groß=Bieberau.
Das Rückſpiel der Gaumannſchaft in Frankfurt wird um
4 Uhr auf dem Platze der Tgſ. Sachſenhauſen am Riedhof (
Mör=
felder Landſtraße) ausgetragen.
S.=Vgg. Arheilgen — Sp.=Cl. Dietzenbach.
Im weiteren Verlauf der Aufſtiegſpiele empfängt Arheilgen
am Sonntag, 10.30 Uhr, obigen Gegner. Dietzenbach hat wohl im
Vorſpiel eine empfindliche 10:1=Niederlage einſtecken müſſen, iſt
aber zu ſtarker Formverbeſſerung aufgelaufen. Das
letztſonntäg=
liche Reſultat gegen Braunshardt (5:4 für Dietzenbach) zeugt
jedenfalls dafür. Für Arheilgen ſteht viel auf dem Spiel, ein
Verluſt der Punkte entſcheidet endgültig den erſten Platz, bei
einem evtl. Sieg iſt es immer noch möglich, die Spitze zu
er=
reichen.
Um die Bundesmeiſterſchaft der Reichsbahn: Darmſtadt ſchlägt
Bundesmeiſter Kaſſel 10:4 (5:2).
Auf dem VfB.=Platz in Gießen ſtanden ſich in der Vorrunde
Kaſſel und Darmſtadt gegenüber. Nach Anſtoß von Kaſſel
über=
nimmt Arnold den Ball, und über Hartmann ſchießt Wolf bereits
in der erſten Minute den Führungstreffer. Durch Strafſtoß gleicht
Kaſſel aus und erhöht auf 2:1. Nach ausgeglichenem Feldſpiel
erhöhen Hartmann und Wolf bis zur Halbzeit die Partie auf 5:2.
Nach Wiederanpfiff ſchießen Hartmann und Wolf noch je 1 Tor.
Kaſſel verbeſſert auf 7:4. Schwer und erbittert ringt Kaſſel
wei=
ter, aber die Darmſtädter Hintermannſchaft vereitelt jeden
An=
griff. Hartmann und Schmidt erhöhen auf 9:4. Kurz vor dem
Schlußpfiff kann dann Hartmann, wunderſchön von Arnold
ab=
gegeben, zum 10. Tor einſenden. Das Spiel war verdient von
Darmſtadt gewonnen. Der Mannſchaft ein Geſamtlob. Die Grün=
Weißen wurden von den zahlreichen Zuſchauern nach dieſem fairen,
ſchönen Spiel ſtürmiſch begrüßt. Schiri Bender=Frankfurt leitete
korrekt und ſicher.
Am Sonntag, 2.15 Uhr, ſpielen Jgd. Rb. — Pfungſtadt, um
3.30 Uhr die 2. Mannſchaften.
Wiesbadener Automobilturnier.
Am letzten Tage des Internationalen Wiesbadener
Auto=
mobilturniers wurde die Geſchicklichkeitsprüfung durchgeführt,
an der ſich 35 Fahrer beteiligten. Insgeſamt 14 Aufgaben
hatten die Teilnehmer zu löſen, wobei verſchiedene Prüfungen
recht ſchwieriger Art zu abſolvieren waren. Die Ergebniſſe:
1. Kiefer=Duisburg, Mercedes=Benz, 132 Strafpunkte: 2. Graf
Lurani=Mailand, Alfa=Romeo, 135,5 Strafpunkte; 3. Wirtz=
Neu=
wied, Opell, 145,4; 4. Hedderich=Darmſtagt BMW.,
148,4; 5. Schnatter=Frankfurt, Stoewer, 149,2: 6. Dr. Noll=
Gießen, Auſtro=Daimler, 151; 7. Lucatto=Mailand, Alfa Romeo,
152,4 Strafpunkte.
Golf in Frankfurt.
Um den Rudi=Schwarz=Erinnerungspreis.
Unter zahlreicher Beteiligung und bei blendenden
Golfver=
hältniſſen wurden am Himmelfahrtstage die beiden erſten
Run=
den um den Rudi=Schwarz=Erinnerungspreis von dem
Frankfur=
ter Golf=Club durchgeführt. Als die „letzten Acht” wurden
er=
mittelt: Thea Haag nach Siegen über M. v. Biſſing und Frau
Klar, R. Merton jr. nach Siegen über Frl. Felner und A. Bloch,
R. Hirſch nach Siegen über Frl. Reinemann und Frau Hauck, Herr
Dewolff nach Siegen über Jarré und Schwarz. In der unteren
Hälfte ſind dies: R. Ladenburg nach Siegen über A. Fink und
W. Merton, K. Fellner nach Siegen über Stern=Roth und Grü=:
delſen, Feiſt=Belmont nach Siegen über Frl. D. Merton und A.
Merton, ſowie die deutſche Meiſterin Nora Benzinger, die Frau
Hellmann und ihren Vater, O. L. Benzinger, ſchlug.
Ein neues Sprinter=Talent iſt der Frankfurter Niemann
(Eintracht), der am Himmelfahrtstage im Frankfurter Stadion
in 11 Sekunden ſeine Klubkameraden Kraft, Metzner und
Eldra=
her überlegen ſchlug,
Veberraſchungsſieg von Chankilly
im Preis von Hamburg.
Die wertvollſte Frühjahrs=Prüfung, der mit 50 000 Mark an
Preiſen ausgeſtattete Große Preis von Hamburg, wurde in
Groß=
borſtel durchgeführt. Das Rennen endete mit einem
Ueber=
raſchungsſiege von Chantilly unter Pretzner, der leicht vor Lateran
und Grenadier erfolgreich blieb. Graf Jſolani hatte eine zu hohe
Bürde, ebenſo Ladro, ſo daß beide Pferde unplaciert blieben. Der
Renntag hatte einen glänzenden Erfolg, auch der Beſuch war ſehr
gut. Die Teilnehmerliſte hatte ſich inſofern geändert, als der
Oppenheimer Avanti nicht ſtartete und ſomit E. Grabſch für
Gre=
nadier frei wurde, während Pretzner den ſiegeichen Chantilly
ſteuerte. An den 2200=Meter=Ablauf gingen acht Pferde, unter
denen merkwürdigerweiſe die Dreijährigen fehlten. Zu Beginn
des Rennens ging Grenadier an die Spitze und führte ein ſcharfes
Rennen vor Lateran und Prellſtein. Graf Jſolani und Palfrey
folgten in großem Abſtand. In der Gegengeraden ging Chantilly
dann langſam nach vorn, und im Bogen lag er mit Grenadier auf
einer Höhe. In der Geraden ſicherte ſich dann Chantilly die
Füh=
rung, die er nicht mehr abgab. Das von Pretzner gut geführte
Pferd ſiegte in der ausgezeichneten Zeit von 2:23,8 vor Lateran
und Grenadier. Damit hat der Famulus=Sohn ſeine ſchon in
Hoppegarten gezeigte gute Form aufs neue beſtätigt.
Niendorfer Rennen, 3000 RM., 1600 Meter: 1.
Matthieſ=
ſens Adebar (Blume).
Preis vom Jäger, 3000 RM., 1200 Meter: 1. Halmas
Ti=
ranos (Grabſch).
Eppendorfer Rennen, 3000 RM., 1000 Meter: 1.
Oppenhei=
mers Maſſo d’Arezzo (Printen).
Winterhuder Rennen, 3000 RM., 1400 Meter: 1. v.
Oppen=
heims Marengo (Grabſch).
Großer Preis von Hamburg, 50 000 RM., 2200 Meter:
1. Nully Browns Chantilly (Pretzner), 2. Lateran, 3. Grenadier.
Toto: 136; Platz: 32, 28, 34. 1½—K. Ferner: Graf Jſolani,
Ladro, Palfrey, Orion.
Borſteler Ausgleich, 4000 RM., 1600 Meter: 1. Brunſchwigs
Fatime (Gehrke), 2. Iffezheim, 3. Caſtor. Toto: 106; Platz:
24, 18, 41. 2½—2 Lg. Ferner: Piemont, Liberator, Osram,
Virulin, Schnell da.
Lockſtedter Rennen, 3000 RM., 1200 Meter: 1.
Oppenhei=
mers Nero (Printen).
Himmelfahrts=Ausgleich, 3000 RM., 1400 Meter: 1. Schwar= W.
zes Schelm (Grabſch).
Deutſches Traber=Derby.
Cicero vor Adio und Flieder.
Am Sonntag hatten ſich auf der Ruhlebener Rennbahn
Tau=
ſende von Zuſchauern zu dem größten deutſchen Traber=Ereignis,
dem Deutſchen Traber=Derby, eingefunden. Das Rennen, war
mit 50 000 Mark ausgeſtattet und führte über 3200 Meter. Der
Start ging glatt vonſtatten. Der ſchärfſte Favorit Cicero, von
dem Vorjahresſieger Mills geſteuert, übernahm ſofort die
Füh=
rung, fiel jedoch dann durch einen groben Fehler weit zurück.
Erſt im Schanzenbogen gelang es ihm, den führenden Adio und
Antwort zu überholen, um ſich überraſchend an die Spitze zu
ſetzen. Auf der Geraden war Cicero dann nicht mehr zu holen
und ſiegte ſicher vor Adio, Flieder, Antwort, Klabautermann,
Edellinde und Querulant. Die Zeit des Siegers betrug 1:26,07,
die man in Anbetracht eines kurz vorher niedergegangenen
Wol=
kenbruches als ganz ausgezeichnet betrachten kann. Die Quoten
betrugen 16, 36, 13, 17. 24.
Im Magdeburger Ausgleich (3300 Mark) ſiegte Lampes
Papageno unter Höllein vor Roſenquarz und Kerner, die ſich in
den 2. Platz teilten. Toto: 25. Platz: 17, 20, 8.
Im Leipziger Himmelfahrts=Ausgleich (5000 Mark) ſiegte
v. Opels Sergius unter Narr vor Boa und Silvius. Toto: 24.
Platz: 15, 25. Den Preis von der Pleißenburg für Dreijährige
holte ſich Weißmanns Dominikaner unter H. Schmidt.
Zum Austragungsort der Olympiſchen Spiele
1936 iſt innerhalb des Olympiſchen Komitees Berlin mit großer
Mehrheit gewählt worden.
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M.
Freitag, 15. Maf.
15.20: Landeserziehungsrat Dr. Stöffler: Eindrücke aus engliſchen
Erziehungs= und Beſſerungsanſtalten.
16 30: Phorzheim: Nachmittagskonzert des Symphonie=Orcheſters
18.05: Stunde des Buches.
18.25: Syndikus Flach: Was bringt der neue Sommerfahrplan?
18.40: Das Milieu als Krankheitsurſache.
18.45: Amtsrichter Dr. Eggenſperger: Wann kann der Vermieter
und wann der Mieter kündigen?
19.10: Deutſche Opernmuſiker.
19.15: Aerztevortrag.
19 45: Richard. Wagner=Konzert; Ausf.: Das Philharm.=Orch., Soliſt:
R. Ritter (Tenor).
20.00: Feſtakt d. Jahresverſammlung d. Deutſchen Auslandsinſtituts.
21.30: Die große Hebammenkunſt; Komödie v. R. Walter.
22.50: Aus Greiners Großgaſtſtätten im Hindenburgbau: Tanzmuſik
der Kapelle Paul Godwin.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Freitag, 15. Maf.
9.00: Berliner Schulfunk: Ihr geht auf Fahrt. Der Schular
berät Euch.
10.10: Schulfunk: Beſuch bei den Huzulen.
15.00: Jungmädchenſtunde: Was wir leſen.
15.45: Dr. Meier: Vom Preßluftzug zur Einſchienenbahn.
16.00: Dr. H. Hajek: Die Volkskunde in Bildung und
Fortbildun=
des Lehrers.
16.30: Leipzig: Nachmittagskonzert.
17.30: P. Spatz: Das Leben in der Sahara
17.55: Dir. Scholtz: Die Bedeutung des Viehhandels in de
Volkswrrtſchaft.
18.15: Berlin: Dr. F. Röhr: Die ſozialen Aufgaben unſerer Zei=
18.40: Dr. Marcus: Skandinavien in der Weltliteratur des 19
und 20. Jahrhunderts.
19.10: Wiſſenſchaftlicher Vortrag für Aerzte.
19.30: Aſta Südhaus: Gefangene der Stadt.
20.05: Stuttgart: Feſtakt anläßlich der Hauptverſammlung de
Deutſchen Auslands=Inſtituts. Anſpr.: Generalkonſul Dr. h.
Wanner, Geheimrat Duisberg, Prälat Prof. Dr. Schreiber,
20.45: Tyll Ulenſpiegel. Funkſpiel von W. Niſſen und R. Seit
Muſit von W. Goehr.
Danach: A. d. Café Berlin: Tanzmuſik. Kapelle G. Nettelmann
Wekkerbericht.
Die neue Störung rückt oſtwärts weiter und verdrängt bereits den
hohen Druck. Ihre Warmluft brachte über Deutſchland weiteren
Tem=
veraturanſtieg, ſo daß die Morgenwerte ſchon über 15 Grad lagen. Der
Warmluftwelle folgt bereits etwas kühlere ozeaniſche Luft nach, welche
zunächſt zu Gewitterſtörungen mit vereinzelten Niederſchlägen führen
wird.
Ausſichten für Freitag, den 15. Mai: Wechſelnd wolkig mit
Auf=
heiterung, einzelne gewitterartige Niederſchläge, etwas kühler.
Ausſichten für Samstag, den 16. Mai: Teils heiter, teils wolkig,
Tem=
veraturen der Jahreszeit entſprechend.
Verantwortlich für Pollilk und Wirtſchaft: Rudelf Manpe; für Feuilleten, Reich un
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Bihnarn
ſür den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdſenft: Andreas Bauer;fü
„Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Retts
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteilungen: Willv Kuhle=
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt
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Seite 8
Freitag, den 15. Mai 1931
Nummer 134
Vor 300 Jahren wurde Rothenburg o. d. T. durch den Meiſferkrunk gerelkel.
Oben: Landsknechtsgruppe aus dem alljährlich ſtattfindenden Feſtſpiel.
Unten: Blick auf das Rödertor in Rothenburg.
Zun 25jährigen Jubiläum des Simplon=Tunnels.
Die Nordeinfahrt des Tunnels. — Unten links: Karte der Simplon=Strecke.
Vor 25 Jahren, am 14. Mai 1906, verkehrte der erſte Expreßzug durch den Simplon=Tunnel, der
20 Kilometer lang unter dem Simplonpaß hindurchführt und die Orte Brig (Schweiz) und
Domodoſſola (Italien) verbindet.
Landungsfahrt des „Graf Zeppelin”
nan üel.
Berlin, 14. Mai.
Das Luftſchiff „Graf Zeppelin” hat um 5,19
Uhr den Flughafen Staaken, auf dem es
wäh=
rend der Nacht am Ankermaſt lag, mit 40
Paſſa=
gieren an Bord verlaſſen und die Fahrt nach
Lübeck angetreten und landete Donnerstag früh
8 Uhr bei herrlichſtem Sommerwetter im
han=
ſeatiſchen Flughafen Lübeck=Travemünde, von
einer nach Tauſenden zählenden Menſchenmenge
jubelnd begrüßt. Nach dem Auswechſeln der
Fahrgäſte ſtieg das Luftſchiff um 8,30 Uhr zu
ſeiner Rundfahrt über die Oſtſee wieder auf.
„Graf Zeppelin” erreichte gegen 17.30 Uhr
Kiel. Er umflog die Stadt bis zur Förde
und zog dann an den Linienſchiffen und
Kreu=
zern vorbei, die Toppflaggen und ein
Begrü=
ßungsſignal geſetzt hatten. Um 17.45 Uhr kam
das Luftſchiff mit Kurs auf Oſtholſtein außer
Sicht.
„Graf Zeppelin” über Dänemark.
Das große Ereignis für ganz Dänemark war
am Donnerstag das Erſcheinen des „Graf
Zep=
pelin”. Begleitet von mehreren däniſchen
Mili=
tärflugzeugen, traf das Luftſchiff kurz vor 13,00
Uhr über Kopenhagen ein. Nach einer
Rund=
fahrt über der Stadt, wo es überall von
jubeln=
den „Menſchenmaſſen begrüßt wurde, nahm
„Graf Zeppelin” dann den Kurs an der Küſte
entlang, quer über den Belt nach Jütland und
flog dann ſüdwärts über Fredericia und
Flens=
burg.
Mit dem Balkon in die Tiefe geſtürzt.
Mannheim. Am Mittwoch abend gegen
9 Uhr löſte ſich am Hauſe Waldhofſtraße 79 ein
im fünften Stock nach dem Hof befindlicher
Bal=
kon, auf dem ſich vier erwachſene Perſonen
be=
fanden, und ſtürzte in den Hof. Die 30 Jahre
alte Ehefrau Knaus blieb ſchwer verletzt im
Hofe liegen und ſtarb auf dem Transport ins
Krankenhaus. Ihr Ehemann ſtürzte mit den
beiden anderen Perſonen auf den im vierten
Stock befindlichen Balkon. Alle drei zogen ſich
ſchwere Verletzungen zu.
Eine Mutter vergiftet ihre vier Kinder.
Troppau. In Rothwaſſer in Mähren hat
ſich eine furchtbare Familientragödie ereignet.
Eine Tiſchlersfrau, deren Mann nach
Frei=
waldau gefahren war, ſchickte den im Hauſe
anweſenden Gehilfen fort. Als er die Wohnung
verlaſſen hatte, hörte er furchtbare Schreie. Er
lief zurück und ſtellte zu ſeinem Entſetzen feſt.
daß die Tiſchlersfrau ihre vier Kinder mit Lyſol
vergiftet hatte. Obwohl ärztliche Hilfe bald
zur Stelle war, ſtarb ein Kind, während die
an=
dern in das Freiwaldauer Krankenhaus
ge=
bracht werden mußten.
Mord an einem wohlhabenden Schäfer.
Paris. In der Nähe von Montpellier
wurde ein Hirte, der mit ſeiner Schafherde wie
alljährlich in die dortige Gegend kam, ermordet
und ſeiner Barſchaft in Höhe von 100 000
Fran=
ken beraubt. In den letzten ſieben Jahren ſind
in dieſer Gegend allein drei Hirten unter
ähn=
lichen Umſtänden ermordet und ausgeraubt
worden.
Erkanzler Cuno
zum Prfſenen des Bermalungstis
des Deutſchen Muſeums gewähll.
Reichskanzler a. D. Geheimrat Dr. Wilh. Cuno,
der Generaldirektor der Hamburg=Amerika=
Linie, wurde zum Präſidenten des
Verwaltungs=
rats des Deutſchen Muſeums, in München
ge=
wählt. Der bisherige Präſident war
Reichs=
bankpräſident a. D. Dr. Schacht.
264 Stunden auf dem Schornſtein.
London. Der „Schornſteinſitzer in Tokio,
der ſich als Zeichen der Sympathie für die in
den Hungerſtreik eingetretenen Arbeiter ſeiner
Fabrik auf den Schornſtein ſetzte, iſt jetzt
zuſam=
mengebrochen und liegt vollſtändig erſchöpft auf
dem eiſernen Balkon an der Spitze des
Schorn=
ſteins. Er kann keine Nahrung mehr zu ſich
nehmen. Zwei Streikende verſuchten, ihn zum
Herunterkommen zu bewegen, aber er weigerte
ſich, ſo daß ſie ihn mit einem waſſerdichten Tuch
bedeckten, um ihn gegen den ſeit 36 Stunden
fallenden Regen zu ſchützen. Man befürchtet,
daß der Mann ſterben wird, doch beſteht keine
Möglichkeit, ihn von dem Schornſtein
herunter=
zubringen. Der Mann hatte am Dienstag
mit=
tag 264 Stunden auf dem Schornſtein geſeſſen.
Die Kownoer Staatsoper in Flammen.
Kowno. Die Staatsoper ſteht ſeit
Donners=
tag nachmittag 14 Uhr in Flammen. Da erſt
für 17 Uhr eine Vorſtellung angeſetzt war,
be=
fanden ſich um die Zeit der Brandentſtehung
noch keine Zuſchauer im Gebäude. Während
einer Probe brach in den Kuliſſen aus
unbe=
kannter Urſache ein Feuer aus, das ſchnell auf
die angrenzenden Garderoben= und
Requiſiten=
räume übergriff. Noch ehe die ſofort alarmierte
Feuerwehr einſchreiten konnte, brannten
ſämt=
liche Räume hinter der Bühne lichterloh.
Feuer=
wehr und Militär beſchränkten ſich angeſichts
der Größe der Feuersbrunſt darauf, den
Zu=
ſchauerraum vor unmittelbarer Feuersgefahr zu
ſchützen.
Rieſenbrand in Schirane.
500 Gebäude zerſtört.
London. Einer Meldung aus Tokio
zu=
folge, iſt am Donnerstag die Stadt Schirane,
etwa 150 Kilometer nördlich Tokios, von einem
Rieſenfeuer heimgeſucht worden. Ueber 500
Häuſer und öffentliche Gebäude ſind ein Raub
der Flammen geworden. 30 Perſonen werden
vermißt, 2500 Perſonen ſind obdachlos.
Das dritte deutſche Doppelſchrauben=Motor=
Rettungsboot „Konſul Kleyenſtüber”
gelangte nach zufriedenſtellender längerer
Pro=
befahrt in See von der Jacht= und Bootswerft
Fr. Lürßen, Vegeſack, zur Ablieferung an die
Deutſche Geſellſchaft zur Rettung
Schiffbrüchiger. Genannt nach dem 1924
verſtorbenen verdienten Vorſitzer des
Bezirks=
vereins Königsberg der Deutſchen Geſellſchaft
zur Rettung Schiffbrüchiger, iſt der neue Retter
in Seenot für die Station Pillau beſtimmt, der
im Bereich eines größeren Aktionsradius an der
Oſtſee eine beſonders wichtige Aufgabe zufällt.
Das neue Doppelſchraubenboot iſt ein
Schweſter=
fahrzeug der im Februar 1930 auf der Station
Norderney in Dienſt geſtellten „Bremen‟. Die
an ein derartiges Spezialfahrzeug zu ſtellenden
weitgehenden Anforderungen an Feſtigkeit,
Un=
verſinkbarkeit und Dauerhaftigkeit, ſind von der
Werft, in glücklichen Einklang gebracht mit
ſchnittiger Formgebung und glänzenden
See=
eigenſchaften. Ausgerüſtet iſt dieſer Bootstyp
mit 2 kompreſſorloſen Vier=Zylinder=Benz=
Die=
ſel=Motoren, mit einer Leiſtungsfähigkeit von je
72 PS., die eine Dienſtgeſchwindigkeit von 10½
Knoten gewährleiſten. Bemerkenswert iſt, daß
der Maſchinenraum durch ein waſſerdichtes
Längsſchott getrennt iſt, die beiden Motore
völ=
lig unabhängig voneinander arbeiten und vom
Steuerſtand aus bedient werden. Doppelte
Außenhaut und Doppelböden mit 23
waſſerdich=
ten Zellen gewährleiſten die Unverſinkbarkeit
des 16.17 Meter langen und eine Spantenbreite.
von 4,2 Metern beſitzenden Bootes, das einen
Tiefgang von 1,30 Meter beſitzt.
Funkentele=
graphie, Sprungnetz und Scheinwerfer gehören
zur Ausrüſtung. In der vor den Motoren
an=
geordneten Kajüte und auf Deck können etwa
100 Schiffbrüchige untergebracht werden.? Den
beſonders im Küſtenverkehr der Seeſchiffahrt
und Fiſcherei drohenden Gefahren durch Sturm
und Nebel ſetzt dieſes neueſte Boot im deutſchen
Rettungsdienſt nicht nur den harten Willen der
Retter, ſondern auch eine ſtarke techniſche
Lei=
ſtungsfähigkeit entgegen.
der belgiſche Biolinvirknoſe Pſaye †.
Eugene Yſaye,
der weltberühmte belgiſche Violinvirtuoſe, iſt
in Brüſſel im Alter von 73 Jahren einem
Herz=
leiden erlegen. Schon vor zwei Jahren mußte
dem Künſtler ein Bein amputiert werden.
Seitdem war er nicht mehr öffentlich aufgetreten.
Dasoffenherzige Lob
zeiner Besitzer ist wertvoll,- für Sie aber soll Ihr eigenes WMu.Atthit
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Urteil allein maßgebend sein. Deshalb: Setzen Sie sich
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Nummer 134
Freitag, den 15. Mai 1931
HELIA Sonntag vormittas 11½ Uhr letzte Wiederholuns MELIA
Kapitän Günther Plüschow’s
Silberkonder über Feuerland
Vorverkauf an der Tageskasse. Jugendliche haben Zutritt
Hente letzter Ta
Ab heute in Erstaufführung
Heute letzter Tag
im großen Doppelprogramm.
Anny Ondra
und Wlasta Burian
in dem neuen heiteren Tonfilm
Ein übermütiger Militärschwank aus
einer kleinen Garnison:
Ein eindrucksvolles Filmwerk
aus der kalifornischen Wüste.
Galgenvögel
(Helles Herves)
Regie: W. Wyler
In den Hauptrollen: Charles
Bickforo, Raymond
Hatton u. Fred Hohler.
Der Film bringt Bilder der
Steppe, Sandstürme, wild
da-
hinstürmende Reiter in
ab-
wechslungsreicher Folge und
zeigt das Schicksal dreier
Vagabunden unter der
glühen-
den Strahlen einer
unbarm-
berzigen Wüstensonne.
Im II. Teil:
Der einsane
Adler
Ein Heldenlied von
Kämpfen in den
Wolken
mit OskarMarion, Raim.
Heane, Donald Stuart,
Barbara Hent u. a.
Regie: J. und L. Fleck.
In den Hauptrollen:
Charlotte Ander, Ernst Verebes,
Gretel Theimer,PaulHeidemann
ein originelles Kleeblatt von
besonderer Mote.
Die weitere große Besetzung:
Hermann Thiemig, Ida Wüst, Oskar
Marion, Otto Wallburg, Jack Mylong-
Münz, Else Reval, Eugen Rex.
mit Roda-Roda, Berthe
Ostyn, Hans Götz, André Pilot
Nach der gleichnamigen Posse
von Bernh. Buchbinder, für
den Film bearb. v. Roda-Roda
Regie: Carl Lamac.
Eine Tonfilm-Humoreske von
unerhörtem Temperament und
einer Fülle urkomisch. Szenen.
Jedes Bild ein Lacbschlager.
Anny Ondra, das Mädchen
mit den schönen Beinen, und
Wlastn Burian, bekannt
als „falscher Feldmarschall”,
zusammen mit Roda-Roda
ergeben ein Dreigestirn. über
das man Tränen lacht.
Dazn ein reiebhaltiges
Beiprogramm.
Eine Situation jagt die andere und ein wahrer
Sprühregen von Frohsinn und Heiterkeit zwingt
in diesem lustigen Film auch den Grießgram
zum lachen.
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Beginn: 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr.
Jugendliche haben Zutritt
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Nummer 134=
Freitag, den 15. Mai 1931
Seite 11
23)
Slawia maind anstälet.
Roman von Alexandra von Boſſe.
Copyright 1930 by Karl Köhler u. Co., Berlin=Zehlendorf.
(Nachdruck verboten.)
„Ich kannte früher in Rom die Conteſſa Corſano, ſie war
doch, nicht wahr — eine Schweſter des Marcheſe?"
„Ah, die Conteſſa Flavia!” rief der alte Herr und ſtrich
ſich wohlgefällig den grauen Schnurrbart. „Ganz recht, eine
Schweſter des Marcheſe. Ah, ſie war eine ſchöne Frau, eine
ſehr ſchöne Frau, die Conteſſa Flavia Corſano.”
„Conteſſa Flavia.” wiederholte Richard, als ſuche er ſich zu
erinnern. „Es lebte damals eine Nichte bei ihr, mit gleichem
Namen, und wenn ich nicht irre, war ſie eine Tochter des
Mar=
cheſe.”
„Jawohl — jawohl!” nickte der Italiener. „Marcheſina
Flavia, ſeine älteſte Tochter, die ebenſo ſchön, vielleicht noch
ſchöner iſt, als ihre verſtorbene Tante es war. Man erzählt —
haha! — ſie ſei ihm durchgebrannt oder habe ſich entführen
laſſen. Weiß nicht, was daran wahr iſt, denn es wird in Rom
viel ſich Widerſprechendes darüber geredet. Er hat außerdem
noch zwei jüngere Töchter aus zweiter Ehe.”
Für dieſe intereſſierte Richard ſich nicht. Er konnte auch
ſein Geſpräch über die Roccaferris mit dem alten Herrn nicht
fortſetzen, denn der Zug hielt im Bahnhof Frascati, und er
mußte ausſteigen. Aber er war zufrieden mit dem, was er
auf ſo zufällige Weiſe erfahren hatte. Marcheſe Roccaferri,
Flavias Vater, wohnte in der Villa Valcena bei Frascati. Es
war nicht anzunehmen, daß es in Turin zwei Marcheſe
Rocca=
ferri gab, die beide eine Tochter mit Namen Flavia ihr eigen
nannten.
Jetzt war es für ihn eigentlich nicht mehr nötig, Falk
auf=
zuſuchen, er ging aber doch zu dem Albergo del Sole, wo der
Maler wohnen ſollte, fragte da nach ihm. Der Wirt ſagte
ihm, Signor Falk habe ſich nach Tusculano begeben, in jener
Gegend zu malen. Da Richard der kleine, außerhalb des Ortes
gelegene Gaſthof gefiel, der eigentlich nur eine Trattoria war,
beſchloß er, vorläufig dazubleiben. Er bekam das beſte
Frem=
denzimmer, das es gab, dasſelbe, darin Falk gewohnt hatte
und davor eine weinumſponnene Terraſſe ſich befand.
In der Trattoria unten gab es ausgezeichneten Wein, das
Eſſen, das ihm vorgeſetzt wurde, war ganz italieniſch, gut und
ſchmackhaft; alſo ließ es ſich hier leben. Und von hier aus
konnte er vorſichtig Erkundigungen über die Villa Valcena und
ihre Bewohner einziehen, vor allem zu erfahren ſuchen, ob
Flavia ſich tatſächlich aus ihrem Elternhauſe hatte entführen
laſſen und von wem.
Er ließ ſich ſein Gepäck aus Rom kommen, richtete ſich im
Albergo del Sole häuslich ein. Er war froh, von Rom fort zu
ſein, wo es noch unerträglich heiß war und wo er auf Schritt
und Tritt von wehmütigen Erinnerungen bedrängt worden war.
Aengſtlich hatte er es vermieden, während er in Rom war, durch
die Via delle Quattro Fontane zu gehen, wo in einem villen=
Mit Weßer!
krinkt die ganze Welk:
Besseren Kaßlee
Für weniger Geld!
artigen Hauſe ſeine Eltern viele Jahre lang gewohnt hatten.
Peinlich und ſchmerzlich zugleich wäre es ihm auch geweſen,
zufällig Riccardo Lanzi, dem Zio Checco, zu begegnen, dem
Manne, der ſeines Vaters Vertrauen ſo ſchnöde zu eigenem
Nutzen mißbraucht hatte.
Er fühlte ſich ſehr wohl in Frascati. Hier wohnte er billig,
hier konnte er italieniſche Sonne genießen und den Ueberfluß
an Früchten verſchiednſter Art, den gerade die jetzige Jahreszeit
bot. Feigen gab es, Melonen, Pfirſiche, Weintrauben und
an=
deres, alles in Ueberfülle. Für ein paar Soldi konnte ſich
jeder mehr als ſatt daran eſſen. Kein Wunder, daß das heitere
Volk von Frascati Sorgen nicht zu kennen ſchien.
Schon am folgenden Morgen nach ſeiner Ankunft machte
Richard einen Spaziergang, der ihn hinab in die Gegend führte,
wo die Villa Valcena, ſchon faſt in der Campagna draußen, lag.
Er kam durch Weingärten, die am Hange des Hügels ſich
herab=
zogen und von Mauern und Zäunen eingefaßt wurden, wie auch
die Obſtplantagen. Dann folgten Brokkoli= und Artiſchockenfelder.
Hier wurde in den Morgenſtunden überall gearbeitet, am
Nach=
mittag nicht mehr. Man hatte es hier in dieſem geſegneten
Lande nicht nötig, auch am Nachmittag zu arbeiten. Er kam an
verſchiedenen der bekannten prächtigen Villen vorüber, die in und
um Frascati, umgeben von ihren herrlichen Gärten, liegen, aber
alle von hohen Mauern umſchloſſen und für den Fremden
mei=
ſtens nur mit beſonderer Erlaubnis zugänglich ſind.
Villa Valcena lag weit ab, wo ſchon die Campagna beginnt
und auf einem vorgelagerten kleinen Hügel. Auch hier umſchloß
eine hohe Steinmauer den Park, über die blühenden Ranken in
Fülle herabhingen. Dunkle Zypreſſen ragten dahinter auf, das
Silbergrün der Steineichen und andere breitkronige Bäume. An
der Mauer entlang gehend, hörte Richard Brunnen rauſchen.
End=
lich gelangte er an ein hohes Gittertor, von dem aus eine breite
Allee dem Hauſe zuführte, deſſen weiße Mauern er durch
ver=
deckendes Gezweig ſchimmern ſah.
Neben dem großen Tor war ein kleines Gittertürchen, das ſich
öffnen ließ, aber Richard ging doch nicht in den Garten hinein,
um nicht etwa als zudringlicher Fremder hinausgewieſen zu
wer=
den. Es hatte keinen Zweck, da er doch nicht an hier Angeſtellte
Fragen über Flavia zu richten beabſichtigte. Nachdem er auf dieſe
Weiſe rekognoſziert hatte, ging er durch die Mittagsglut langſam
nach Frascati zurück.
Der Wirt des „Albergo del Sole”, der ihn perſönlich bediente,
während er zu Mittag aß, Signor Puccini, war ein geſprächiger
Mann und einer Unterhaltung mit ſeinen Gäſten nie abgeneigt.
Richard erzählte von dem Spaziergang, den er gemacht,
bewun=
derte die Vignen und Obſtplantagen, an denen er
vorübergekom=
men war, und die gute Ernte, die erwartet werden konnte.
End=
lich erwähnte er auch die Villa Valcena. Da ſtellte es ſich heraus,
daß Signor Puccini über die Familie Roccaferri und alle ihre
Mitglieder gut Beſcheid wußte. Eine Nichte von ihm diente in
der Villa als Hausmädel.
Richard ſtellte vorſichtig einige Fragen, die ein beſonderes
Intereſſe nicht verrieten, ſcheinbar nur aus müßiger Neugier
ge=
ſtellt wurden; mehr war nicht nötig, um den Wirt zu veranlaſſen,
ſich über die Familie Roccaferri eingehend zu äußern. Der
Mar=
cheſe, erzählte er, ſei nicht beliebt, denn er wäre ein tyranniſcher
und jähzorniger Herr, vor dem alles im Hauſe zitterte, am
mei=
ſten ſeine Frau, die ſanfte Marcheſe Gabriella, und ſeine beiden
kleinen Töchterchen, die Marcheſinas Annina und Jolanta. Dazu
ſei ſeine Schweſter, die alte Marcheſina Roſanna, ein wahrer
Teufel.
(Fortſetzung folgt.)
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