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Franfurt a. M. 1304.
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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 132
Mittwoch, den 13. Mai 1931.
194. Jahrgang
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aufträge und Leiſtung von Schadenerſatz. Bel
Konkurs oder gerſchtlſcher Beſtreibung fäll jeder
Nabatt weg. Banſtonto Deuiſche Banl und
Darm=
ſtädter und Nationalbant.
M
Zollunion und Reviſion.
Hinzuziehung des Reichsbankpräſidenken zu den Berakungen des Kabineits. — Wiener Gerüchte
über Bildung eines Blockes gegen die franzöſiſchen Pläne in Umlauf. — Der Alpdruck der Reparakionen.
* Das Kabinekk wieder verkagk.
Leſterreichiſche Handelsverkrags=Berhandlungen
mit Italien und Ungarn vor dem Abſchluß.
Von unſerer Berliner Schriftleitung.
Das Reichskabinett hat auch am Dienstag ſeine
Beratun=
gen über die Genfer Verhandlungen, die wieder unter
Hinzu=
ziehung des Reichsbankpräſidenten Dr. Luther erfolgten, nicht
zu Ende geführt. Die Tatſache der wiederholten Vertagung
klingt an ſich bedenklich und könnte leicht einen Vorwand für
neue Gerüchte bilden. Die Aufklärung iſt aber verhältnismäßig
harmlos. Es hat ſich nämlich herausgeſtellt, daß der Kanzler
ſchon vor langer Zeit für den Dienstag vormittag einer
Ab=
ordnung von Allgäuer Milchbauern einen Empfang verſprochen
hatte, der ſich nun nicht gut im letzten Augenblick verſchieben
ließ. Die Deputation war in einer Stärke von acht Mann
er=
ſchienen. Sie wegzuſchicken war unmöglich. Infolgedeſſen mußte
die Kabinettsſitzung, da auch über den übrigen
Diens=
tag ſchon diſponiert war, auf den Mittwoch verſchoben
werden.
Die Beſprechung über die Zollunion iſt im weſentlichen
ab=
geſchloſſen. Der Reichsaußenminiſter hat aber auch über die
übrigen Deutſchland interreſſierenden Punkte der Ratstagung,
die diesmal unter ſeinem Vorſitz ſtattfindet, ausführlich
berich=
tet, u. a. über Danzig, Memel und Oberſchlefien.
Von entſcheidender Bedeutung bleibt aber doch für
uns die Abrüſtung und die Zollunion, und die
Her=
anziehung des Reichsbankpräſidenten läßt den Schluß offen, daß
die Reparationsfrage ſowie die internationale
Kreditmöglichkeiten nach wie vor in die Debatte
hin=
einſpielten. In der Zollunion ſelbſt iſt unſer Weg ja klar
vor=
gezeichnet. Wir werden unter allen Umſtänden darauf beſtehen,
daß die Verhandlungen zwiſchen Berlin und Wien fortgeſetzt
und zu Ende geführt werden, unabhängig davon, wie weit
in=
zwiſchen der Wirtſchaftsausſchuß des Völkerbundes mit der
Durchberatung der Pläne Briands gedeiht. Eine merkwürdig
gefärbte Ente hat man aber von Wien aus auffliegen laſſen.
Danach ſoll Oeſterreich den Italienern und Deutſchland den
Ungarn den Beitritt zu dem Zollvertrag angeboten haben,
offen=
bar mit der Abſicht, den Kreis der Intereſſenten auf dieſe
Weiſe zu erweitern und einen großen Block gegen die
fran=
zöſiſchen Pläne zu bilden. An amtlicher Stelle wird das
aller=
dings beſtritten. In dem erſten Entwurf iſt zwar der Beitritt
anderer Staaten vorgeſehen, aber es will nicht einleuchten, daß
eine derartige Möglichkeit ſchon jetzt in Ausſicht genommen
werden ſoll.
Vermutlich handelt es ſich hier auch nur um eine
Verwech=
ſelung. Oeſterreich hat in der letzten Zeit
Handelsvertrags=
verhandlungen mit Italien und auch mit Ungarn geführt, die
ſchon zum Abſchluß reif zu ſein ſcheinen. Dadurch würde ein
dreieckiges Verhältnis gebildet, das die wirtſchaftspolitiſche Lage
Oeſterreichs nach Süden und nach Oſten erleichtern könnte. In
dieſen Verbeſſerungen iſt bereits der Abſchluß der Zollunion
mit Deutſchland berückſichtigt, die Tatſache der Zollunion alſo
gewiſſermaßen international anerkannt, in der gleichen Form,
wie das bei den Verhandlungen zwiſchen Deutſchland und
Rumänien auch vorgeſehen war, die dann im letzten Augenblick
von Rumänien auf franzöſiſchen Druck hin abgeſagt wurden.
Die grundſähliche Vereinbarung
zwiſchen Ikalien, Oeſterreich und Ungarn.
Rom, 12. Mai.
Im Zuſammenhang mit der bekannt gewordenen
grundſätz=
lichen Vereinbarung zwiſchen Italien, Oeſterreich und Ungarn zur
Steigerung des beiderſeitigen Güterverkehrs durch
Krediterleichte=
rungen im Warenverkehr und Tansportweſen wird in einem
römi=
ſchen Blatt von einem Abkommen geſprochen, das ſich nicht nur
auf dieſe drei Staaten beſchränke, ſondern allen Staaten zum
Beitritt offenſtehen ſoll. Von gut unterrichteter italieniſcher Seite
wird zu dieſer Darſtellung mitgeteilt, es handele ſich um zwei
getrennte Vereinbarungen zwiſchen Italien und Oeſterreich, bzw.
Ungarn, denen allerdings jeder Staat beitreten könne.
Erklärungen Schobers vor ſeiner Abreiſe nach Genf.
Der öſterreichiſche Vizekanzler Schober erklärte heute abend
vor ſeiner Abreiſe nach Genf Preſſvertretern gegenüber, die ganze
Bevölkerung Oeſterreichs ſei einer Meinung ,daß es höchſte Zeit
geweſen ſei, das Gewiſſen Europas aufzurütteln. Dies ſei durch
den deutſch=öſterreichiſchen Plan einer Zollunion geſchehen. Die
von der öſterreichiſchen Regierung ſoeben mit großer Mühe
ab=
gewendete Kataſtrophe des größten öſterreichiſchen Bankinſtituts
ſtelle wohl unleugbar die akute Notwendigkeit einer wirklichen
Hilfe für Oeſterreich dar. Dieſer Blitz aus heiterem Himmel
werde dazu beitragen, daß der gemeinſame Notſchrei Oeſterreichs
und Deutſchlands in Genf verſtanden werden wird.
Deutſch=öſterreichiſcher Berkrag über die Anſchluß=
und Uebergangsverhälkniſſe im Eiſenbahnverkehr.
Am 9. d. M. haben die bevollmächtigten
Vertre=
ter des Deutſchen Reiches und der Republik
Oeſterreich, Miniſterialdirektor im deutſchen
Reichsverkehrs=
miniſterium Vogel und Sektionschef im Bundesminiſterium für
Handel und Verkehr Dr. Pöſchmann in Innsbruck, einen den
beiderſeitigen Verkehrsbedürfniſſen voll Rech=
nung tragenden Vertrag über die Anſchluß=
und Uebergangsverhältniſſe im
Eiſenbahnver=
kehr vereinbart. Die Urkunden werden in nächſter Zeit
in Berlin unterzeichnet werden, und es iſt zu hoffen, daß der
Vertrag nach Erteilung der notwendigen Genehmigungen durch
die beiden Staaten eheſtens in Kraft treten wird.
Rumänien wünſcht Wiederaufnahme der
Verhand=
lungen mit Deutſchland.
* Der rumäniſche Geſandte in Wien hat dem Auswärtigen
Amt den Wunſch der Bukareſter Regierung nach
Wiederauf=
nahme der deutſch=rumäniſchen Verhandlungen übermittelt. Die
Reichsregierung hat dieſe Angelegenheit vorläufig zur Kenntnis
genommen und ihre Entſcheidung bis nach dem Abſchluß der
Genfer Beratungen vertagt. Es zeigt ſich alſo, daß die
Ru=
mänen wieder anknüpfen möchten, um über die Brüſkierung,
die ſie der deutſchen Delegation haben zuteil werden laſſen,
hinwegzukommen. Die Rumänen behaupten auch, daß ſie an
dieſem ganzen Zwiſchenfall ſchuldlos wären, daß vielmehr die
Verantwortung dafür der deutſche Geſchäftsträger in Bukareſt
trage, der ſich ſeiner Aufgabe nicht gewachſen gezeigt und
un=
richtig nach Berlin berichtet hätte. Die amtlichen Stellen
ſchwei=
gen ſich auf dieſe Vorwürfe vorläufig noch aus. Richtig iſt wohl,
daß der deutſche Geſchäftsträger in Bukareſt nicht ſonderlich
ge=
ſchickt taktiert hat und daß ſein Uebereifer dem weiteren Gang
der Verhandlungen nur geſchadet hat. Aber ſelbſt dann bleibt
doch die Art, wie der rumäniſche Außenminiſter den an ſich
möglichen Abſchluß der Verhandlungen vorläufig zu verhindern
gewußt hat, eine ſchwere Provokation, zumal, nachdem Briand
ſich dieſes Erfolges ſehr laut gerühmt hat.
-Inkernakionaler Zahlungsaufſchub?
* Wir haben uns nach allen Andeutungen, die von
Re=
gierungsſeite gekommen ſind, darauf eingeſtellt, daß im Laufe
des Sommers von der deutſchen Regierung Schritte zur
Revi=
ſion des Youngplanes getan werden und getan werden müſſen.
Der Kanzler und ſoeben auch der Finanzminiſter Dr. Dietrich
haben aus ihrer Ueberzeugung eigentlich kein Hehl gemacht,
daß wir mit unſerer Leiſtungsfähigkeit am Ende ſind und vor
der Unmöglichkeit ſtehen, die Kriegsentſchädigung in der
gefor=
derten Höhe weiterzuzahlen, daß wir alſo handeln müſſen, ohne
Rückſicht darauf zu nehmen, daß vielleicht im Augenblick die Andererſeits hatte das alte ſpaniſche Wahlrecht die Gruppierung
weltpolitiſche Lage einem ſolchen Verſuch nicht ſonderlich
gün=
ſtig iſt. In welcher Form allerdings der Vorſtoß erfolgt,
dar=
berührt es, wenn gerade jetzt davon geſprochen wird, die
Reichsregierung habe auf eine Reviſion des Tributplanes
ver=
zichtet und wolle nur den Vorſchlag des internationalen
Zah=
lungsaufſchubs zur Diskuſſion ſtellen, in der Form, daß zwar
die finanziellen Verpflichtungen auf Deutſchland beſtehen
blei=
ben, aber für etwa fünf Jahre ſuſpendiert würden, ſo daß
dann die Zahlungen am Ende der vom Youngplan vorgeſehenen
langen Kette nachzuholen wären.
Ein ſolches Moratorium — das iſt der Gedauke — würde
dem deutſchen Etat vorübergehend zwar Luft bringen, würde
alſo die Möglichkeit geben, endlich das Gleichgewicht zwiſchen
Einnahmen und Ausgaben zu gewinnen und durch Kredite
von außen her auch die Wirtſchaft wieder in Gang zu ſetzen, ſo
daß dann nach dieſer Atempauſe eine an ſich fundierte
Volks=
wirtſchaft wenigſtens die theoretiſchen Vorausſetzungen für die
Abſtoßung der Reparationslaſten bieten könnte. Ob dieſe
Be=
rechnung richtig iſt, läßt ſich nach den Erfahrungen, die wir
beim Dawesplan gemacht haben, einigermaßen beſtreiten. Jeder
Unternehmungsgeiſt würde eben doch gelähmt, ſo lange der
Druck der Ueberbelaſtung auf uns liegt. Wir halten aber den
Gedanken überhaupt für utopiſch. Denn er geht davon aus,
daß nicht nur unſere Gläubiger uns Stundung geben, ſondern
daß unſere Gläubiger auch bei ihrem Gläubiger Amerika einen
entſprechenden Aufſchub erhielten. Daran iſt aber vorderhand Landesfarben, die Auflöſung des Senats, die Verdrängung der
nicht zu denken. Die Verhandlungen der Internationalen
Han=
delskammer in Waſhington haben deutlich genug gezeigt, daß
Herr Hoover jedem internationalen Schuldenausgleich ablehnend
gegenüberſteht und ganz ſicher nicht darüber mit ſich reden
läßt, bevor nicht wenigſtens in der Abrüſtung ein poſitiver
Fortſchritt erzielt iſt. Vorläufig werden alſo die Vereinigten
Staaten auf keinen Pfennig verzichten wollen, und ſolange wird
bei den Siegermächten wahrſcheinlich auch keine Geneigtheit
be=
ſtehen, Deutſchland gegenüber den Großmütigen zu ſpielen. Von
einer ſolchen Schuldenſuſpendierung können wir uns
infolge=
deſſen keinen Erfolg verſprechen, wenn ſie nicht in
unmittel=
barer Verbindung mit einem ſofortigen Nachlaß der
Young=
zahlungen beſteht. Denn erſt dann, wenn die Kriegsentſchädi= grenze das volle Gehalt und ſämtliche Zulagen, die nicht ſelten
gung der Leiſtungsfähigkeit des verarmten deutſchen Volkes
und der verarmten deutſchen Wirtſchaft angepaßt iſt, läßt ſich an
eine innere langſame Beruhigung und an einen ſyſtematiſchen
Wiederaufbau denken.
Landwirkſchaftliche Meliorakionen
und freiwilliger Arbeitsdienſt.
Amtlich wird mitgeteilt: Im Reichsminiſterium für
Ernäh=
rung und Landwirtſchaft fand eine Beſprechung mit Vertretern
der Landesregierungen und der zentralen
Meliorationskreditinſti=
tute ſtatt über die Förderung von landwirtſchaftlichen
Meliora=
tionen, die nach Anſicht des Brauns=Ausſchuſſes zur Beſchäftigung
geeignet ſind. Es ſoll zunächſt zur Heranziehung von
Meliora=
tionskrediten von den vorhandenen Zinsverbilligungsmitteln ein
verſtärkter Gebrauch gemacht werden.
Ernüchkerung in Spanien.
Von unſerem ſtändigen Berichterſtatter.
v. Gss. Madrid, 8. Mai.
Nachdem der erſte Freudenrauſch verflogen iſt, mit dem die
Menge das große Ereignis der Geburt der Republik in ganz
Spanien gefeiert hat, beginnt die Kritik ihr Haupt zu erheben
und die Handlungen der neuen ſpaniſchen Regierung unter die
Lupe zu nehmen.
Während die geſamte Linkspreſſe natürlich jeden Akt, ſei er
geſchickt oder ungeſchickt, ohne Vorbehalt lobpreiſt und
ſämt=
liche Vorfälle bedenklichen Charakters als harmloſe Epiſoden ſich
hinzuſtellen bemüht, zeigt die katholiſche und konſervative Preſſe
mit erfreulicher Klarheit die Gefahren auf, die miniſterielle
Uebereilungen und Unüberlegtheiten in ſich ſchließen. Wenn man
ſich vor Augen hält, daß die heutige Regierung ſich ſelbſt nur
proviſoriſch nennt, daß ihre Mitglieder, ſolange ſie noch im
Kampf mit der Monarchie lagen, ſich heiſer ſchrieen und lahm
ſchrieben über den diktatorialen Machtmißbrauch der letzten
mon=
archiſchen Regierungen, dann berührt es zum mindeſten
merk=
würdig feſtſtellen zu müſſen, daß die gleichen Leute heute
gerade ſo oder mit noch mehr Diktaturmitteln
arbeiten wie ſeinerzeit die Miniſter des Königs, nur mit
dem Unterſchied, daß die letzteren noch einen Rechtstitel für
ihre Handlungen beſaßen, der der proviſoriſchen Regierung
gänzlich fehlt.
Am 14. April kamen die Revolutionäre zur Macht, für den
21. Juni haben ſie die Wahlen angeſetzt; die
dazwiſchen=
liegenden zehn Wochen werden dazu benutzt, Spanien ſo
umzu=
krempeln, wie das die ſozialiſtiſch=republikaniſchen Miniſter für
richtig halten. Man ſollte meinen, daß eine proviſoriſche
Re=
gierung ſich darauf beſchränken müßte, für die
Aufrechterhal=
tung der Ordnung zu ſorgen, die Staatsmaſchine in Gang zu
halten und mit möglichſter Beſchleunigung dem jetzt angeblich
ſouveränen Volk Gelegenheit zu geben, ſeinen Willen in einer
Nationalverſammlung zum Ausoruck zu bringen. Statt deſſen
lieſt man im Verordnungsblatt täglich neue Dekrete,
die tief in das Staatsleben eingreifen, ſeine
organiſche Struktur verändern und eine einſeitige
Intereſſen=
politik darſtellen. Das ſtärkſte Stück, das auf dieſem Gebiete
geleiſtet wurde, iſt ohne Zweifel die Verordnung über die
Herabſetzung des Wahlalters von fünfundzwanzig
auf dreiundzwanzig Jahre ſowie die Neuregelung des
geſamten Wahlrechts. Die erſte Maßnahme ſoll lediglich
bezwecken, die republikaniſche Mehrheit ſicherzuſtellen, die zweite
dient der künſtleriſchen Mattſetzung der Minderheit. Es iſt für
niemand ein Geheimnis, daß die ſpaniſche Jugend leichter noch
als die anderer Länder revolutionären Ideen zugänglich iſt
und daß ſie im Triumph der Republik über die Monarchie ihren
ureigenſten Sieg erblickt. Selbſtverſtändlich bedeutet alſo die
Zulaſſung zweier Jahrgänge jüngerer Leute zur Wahl einen
ungeheuren Machtzuwachs für die Sozialiſten und Republikaner.
zwiſchen Mehrheit und Minderheit ſo verankert, daß vierzig
Prozent der Abgeordnetenſitze für die letztere reſerviert blieb,
über iſt das letzte Wort noch nicht geſprochen. Um ſo ſeltſamer während nunmehr für die Minderheit lediglich zwanzig Prozent
ſichergeſtellt werden, eine relative Mehrheit wird
alſo künſtlich zur abſoluten Majorität gemacht.
Man fragt ſich vergebens, mit welchem Recht die Regierung
der=
artig tiefgreifende Veränderungen vornimmt und man ſucht
außerdem vergeblich nach der Logik in dieſen Maßnahmen. Die
Regierung behauptet, durch den Volkswillen, der ſich in den
letzten, unter dem alten Syſtem durchgeführten Gemeindewahlen
geäußert habe, zur Macht berufen worden zu ſein. Warum
alſo, wenn ſie ihres Sieges ſo gewiß iſt, läßt ſie den Landtag
nicht auch nach dieſem Syſtem wählen — oder befürchtet ſie
etwa Ueberraſchungen? Intereſſant iſt auch feſtzuſtellen, in
wel=
cher Weiſe die Reſpektierung des Volkswillens überall dort
ver=
ſtanden wird, wo er ſich dem heutigen Syſtem entgegenſtellt. Die
Prozedur iſt ſehr einfach. In all den Gemeinden,
deren Wahl eine monarchiſche Mehrheit
erge=
ben hat, werden republikaniſch=ſozialiſtiſche
Komitees eingeſetzt, die kurzerhand die
ört=
liche Gewalt an ſich reißen und die Monarchiſten zum
Tempel hinausjagen. Monarchiſche Minderheiten aber werden
einfach mit Gewalt verhindert, ihre Sitze einzunehmen. Proteſte
gegen dieſe primitiven Formen der Machtbehauptung ſind
zwvecklos, ſie fliegen in den Papierkorb.
Diktatoriale Maßnahmen ſind ferner die Umänderung der
Kirche aus den Schulen und Kaſernen, die Erhöhung des
Geldumlaufs um zweihundert Millionen, die
Prozeſſierung der früheren Miniſter und einer Anzahl von
Ge=
nerälen, die Zugeſtändniſſe an die katalaniſchen
Selbſtändigkeits=
wüinſche, die Einführung des erſten Mai als offiziellen
Feier=
tages, die Anerkennung Sowjetrußlands u. a. m. Natürlich
gehört hierher auch das Beſtreben des Kriegsminiſters, das alte
Offizierkorps aufzulöſen, zu welchem Zweck Maßnahmen
er=
griffen wurden, die den Etat in einer noch nie dageweſenen
Weiſe belaſten. Man ſtelle ſich vor, daß der Miniſter den
vier=
undzwanzigtauſend ſpaniſchen Offizieren freiſtellt, ſofort ihren
Dienſt zu liquidieren, wofür ihnen bis zur geſetzlichen
Alters=
beträchtliche Summen ausmachen, garantiert werden. Dabei
iſt das Durchſchnittsalter der Majore dreißig Jahre und das
Gehalt zirka achttauſend Peſeten jährlich! Für die neue Armee
hält der Miniſter fünftauſend Offiziere für genügend — alſo
müſſen zwanzigtauſend gehen — ohne daß dadurch eine
Ent=
laſtung des Kriegsbudgets herbeigeführt würde.
Unter Berückſichtigung all der genannten Dinge kann man
natürlich, wenn man ehrlich bleiben will, die Zukunft der
ſpa=
niſchen Republik nicht durch jene roſige Brille ſehen, mit der
die geſamte Linkspreſſe des Auslands ſie zu betrachten ſich
be=
müht. Vor allem ſind es zwei große Gefahrenmomente, die
heute ſchon deutlich erkennlar ſind: der katalaniſche
Separatismusund der andaluſiſche
Kommunis=
mus. Trotz aller Verſicherungen der Madrider Regierung über
von Arbeitsloſen oder für freiwilligen Arbeitsdienſt beſonders, die Herzlichkeit der Beziehungen zwiſchen Madrio und Barcelona
zeigt ſich bei jeder Gelegenheit der fanatiſche Wille Kataloniens,
unter allen Umſtänden mit allen Mitteln die abſolute
Selbſtän=
digkeit durchzuſetzen, ſelbſt gegen einen etwaigen Majoritäts=
Ecte.2
Nummer V32
beſchluß der kommenden Nationalverſammlung.
Selbſtverſtänd=
lich wäre ein katalaniſcher Sieg auf dieſem Gebiet das
Auf=
ſtandszeichen für die baskiſchen Provinzen und das
nordweſtliche Spanien, d. h. für Galizien. In Andaluſien
aber hat die primitive kommuniſtiſche Idee derartig Wurzeln
geſchlagen, daß ſelbſt eine Aufteilung der dortigen Latifundien
heute keine befriedigende Löſung mehr ſein dürfte. Nimmt man
dazu die letzten Ereigniſſe in Afrika; den Aufſtand
der eingeborenen Arbeiter, hinter denen natürlich wieder der
kommuniſtiſche Einfluß ſteht, ſo wird es klar, daß nur eiſerne
Energie den Staat in ſeinem heutigen Rahmen wird
zuſammen=
halten können. Treten aber noch die Sozialdemokraten — ſo
wie ſie das angekündigt haben — nach Einberufung der
Na=
tionalverſammlung aus der Regierung aus, dann kann heute
ſchon vorausgeſagt werden, daß dieſe Energie von keiner der
dann folgenden Regierungen aufgebracht werden kann — außer
von einer neuen Militärdiktatur, womit man zur Befolgung des
portugieſiſchen Beiſpiels käme
Zahlreiche Klöſter gehen in Flammen auf.
Madrid, 12. Mai.
Die Madrider Unruhen hatten am Montag einen
derar=
tigen Umfang angenommen, daß die Regierung ſich zur
Durch=
führung ſcharfer Maßnahmen gezwungen ſah. In Madrid
konnte die Ruhe erſt in den Abendſtunden wieder hergeſtellt
werden. Die in Brand geſteckten Kirchen und Klöſter haben
allein in der Hauptſtadt die Zahl zehn erreicht. Bei den
Zu=
ſammenſtößen wurden drei Perſonen getötet und 16 verwundet.
In Valencia gelang es der Polizei, eine aus Italienern,
Franzoſen und Spaniern beſtehende kommuniſtiſche Bande
feſt=
zunehmen, die ſich mit der Herſtellung von Exploſivſtoffen
be=
ſchäftigte. In Cordoba hat der Pöbel ein Kloſter in Brand
geſteckt. In Granada flammten die Unruhen ebenſo wie in
Malaga trotz des Kriegszuſtandes am Dienstag erneut wieder
auf. In Granada fielen den Flammen 6 Kirchen und 2
Klö=
ſter zum Opfer. Eine Kirche wurde mit Bomben geſprengt.
In Malaga dauern die Plünderungen von Läden an. Es
wurden ſogar Angriffe auf die Polizeikaſerne verſucht, die
jedoch von den Poliziſten mit der Waffe abgewehrt werden
konnten. Mehrere Perſonen wurden verwundet. Es beſteht die
Abſicht, zur Wiederherſtellung der Ordnung mehrere Regimenter
von Sevilla nach Malaga zu legen. Der Kardinalerzbiſchof von
Sevilla hat als Vorſichtsmaßnahme die Räumung ſämtlicher
Klöſter durch die Orden angeordnet. In Alicante konnten die
Ordensbrüder nur mit der größten Anſtrengung vor der
er=
regten Menge gerettet werden. 4 Klöſter wurden ein Raub der
Flammen. Die Abendpreſſe bezeichnet den Sachſchaden, der
durch die letzten Unruhen entſtanden iſt, allein in Madrid auf
über 40 Millionen Peſeten. Für ganz Spanien dürfte die
Summe von 100 Millionen Peſeten nicht übertrieben ſein. In
einem Madrider Jeſuitenkloſter fiel eine der wertvollſten
Biblio=
theken mit 100 000 Bänden den Flammen zum Opfer. In
Sevilla verbrannte eine Menge wertvoller und ſeltener Bilder.
Auch in Malaga fielen große Koſtbarkeiten dem Pöbel zum
Opfer, ſo der berühmte Chriſtus von Mena. Die biſchöfliche
Sommerreſidenz Murchia wurde von der Menge gleichfalls in
Brand geſetzt. In Sevilla hat ſich das Volk bis zur
Aus=
rufung des Kriegszuſtandes ebenſo zügellos benommen wie in
Madrid. Der Finanzminiſter will die Schließung der Börſen
bis Ende der Woche aufrecht erhalten. Während der
Ab=
weſenheit des Außenminiſters, der z. Zt. in Genf weilt,
über=
nimmt der Miniſterpräſident Zamorra die Leitung des
Außen=
mniniſteriums. In Madrid herrſcht augenblicklich Ruhe.
Der ſpaniſche Miniſterpräſident Zamorra hielt eine durch
Radio verbreitete Rede, in der er ſein Bedauern über die
Vor=
fälle zum Ausdruck brachte. Die Regierung werde ſich immer
auf der Seite des Volkes befinden, wolle aber verhindern, daß
dieſes irre geleitet und dem Chaos in die Arme getrieben
werde. Er betonte, daß die Regierung feſt entſchloſſen ſei, unter
keinen Umſtänden die Auflöſung der Bürgergarde zu dulden,
die der Republik treu ergeben ſei.
Der 2.9.B. an den Reichskanzler.
Die Bundesleitung des Deutſchen Offizier=Bundes hat ſich in
einem Schreiben an den Herrn Reichskanzler gewandt und
gefor=
dert, daß im Hinblick auf die in der Tagespreſſe umlaufenden
Ge=
rüchte über in Ausſicht ſtehende Gehalts= und Penſionskürzungen,
welche ſchon ziemlich beſtimmte Form angenommen haben, von
Maßnahmen dieſer Art unter allen Umſtänden abgeſehen werden
möge, weil jede weitere Kürzung der Verſorgungsgebührniſſe der
Altpenſionäre und deren Hinterbliebenen eine noch weitergehende
Verelendung dieſer Kreiſe zur Folge haben müßte.
Zum Too. Lodesiag
von Satttets Hrand Aucter 413. Matz.
Von Prof. Dr. phil. h. e. Karl Berger.
Das Leben Chriſtian Gottfried Körners (1756—1831) fällt
in die zugleich unſeligſte und erhabenſte Epoche deutſcher
Ge=
ſchichte, in eine Zeit, die wie keine andere die Schattenſeiten,
aber auch die Größe und Herrlichkeit deutſchen Weſens
offen=
bart. Das durch tauſendfache Zerſplitterung zu politiſcher
Ohn=
macht verdammte, ſchließlich von Fremden geknechtete deutſche
Volk, deſſen Maſſe in dumpfer Enge tatenarm dahinlebte, hat gerade
damals eine unerſchöpfliche Fülle von großen Perſönlichkeiten
auf allen Gebieten des Schauens und Schaffens, des Forſchens
und Handelns hervorgebracht, künſtleriſche, geiſtige und
mili=
täriſch=politiſche Führer, die eine Wiedergeburt und die innere
und äußere Befreiung der Nation bewirkten, zugleich aber der
Welt (nach einem Worte Taines) Ideen ſchenkten, hinreichend
für das Denken von Jahrhunderten. Unter dieſen
Perſönlich=
keiten nimmt Körner, wenn auch ſelber kein ſchöpferiſcher Geiſt,
als Genoſſe der Größten einen beſonderen Rang ein. Goethe
war ſchon vier Jahre vor ſeinem Bunde mit Schiller zu ihm
als dem Gatten Minna Stocks, der Tochter jenes tüchtigen
Kupferſtechers, in deſſen Dachſtube ſich einſt der Leipziger
Stu=
dent im Radieren und Holzſchneiden geübt hatte, in ein nahes
Verhältnis getreten und blieb dem charaktervollen, vielſeitig
ge=
bildeten Mann zeitlebens eng verbunden; Wilhelm von Humboldt
und ſeine Gattin Karoline, eine der edelſten deutſchen Frauen
zählten zu den intimſten Freunden des Körnerſchen Hauſes;
Heinrich von Kleiſt verkehrte während ſeiner Dresdener Zeit am
liebſten in dieſem muſikliebenden Kreiſe, und E. M. Arndt
war 1813 bei den Eltern Theodor Körners einquartiert; er
fand in dem Hausherrn einen Mann, der „an Kenntniſſen den
beſten Deutſchen ebenbürtig, an Geſinnung und Treue den
mei=
ſten überlegen war.” Und ſo ließen ſich noch viele bedeutende
Menſchen in dieſem Zuſammenhang nennen, doch bei keinem
wird die lebendige Wirkung Körners ſo klar, wie in ſeiner
ein=
zigartigen Freundſchaft mit Schiller.
Zum Freund und Ratgeber eines Dichters dieſer Art war
der drei Jahre ältere Sohn eines glaubensfeſten und
grundſatz=
ſtrengen Leipziger Theologieprofeſſors durch Naturanlage,
Bil=
dungsgang, Charakter und Geiſtesrichtung wie geſchaffen. Wie
Schiller unter dem Druck einer Erziehungskaſerne, ſo war
Kör=
ner in der harten Schule freudloſer Pflichterfüllung und
welt=
feindlicher Frömmigkeit herangewachſen. Auch bei Körner hatte
Mittwoch, den 13. Mai 1331
Vom Tage.
In unterrichteten Berliner Kreiſen rechnet man mit der
Veröffent=
lichung einer Notverordnung über die Sanierung des Reichshausbalts
und der Sozialverſicherungen in den erſten Tagen des Juni.
Der Preußiſche Landtag verabſchiedete endgültig das neue
Polizei=
verwaltungsgeſetz. In der weiteren Debatte zur dritten Etatsleſung
ſprach Miniſterpräſident Braun über die Oſthilfe.
Auf Grund des § 5 Ziffern 1 und 13 des Geſetzes zum Schutze der
Republik vom 25. März 1930 hat der Polizeipräſident die in Berlin
er=
ſcheinende periodiſche Druckſchrift „Nationalſozialiſtiſcher
Parlaments=
dienſt — N. S.P.D.” einſchließlich der Kopfblätter mit ſofortiger
Wir=
kung bis zum 10. Juni 1931 einſchließlich verboten. Das Verbot umfaßt
auch jede angeblich neue Druckſchrift, die ſich fachlich als die alte
dar=
ſtellt
Das Schöffengericht Charlottenburg verurteilte den
Reichstagsab=
geordneten Dr. Goebbels wegen Beleidigung des Profeſſors Dr.
Nie=
benfahm von der Techniſchen Hochſchule zu 5000 Mark Geldſtrafe vder
100 Tagen Gefänanis.
Der Mann, der den Mordanſchlag auf Prof. Günther=Jena verübt
hat, iſt von der Polizei verhaftet worden. Er hat ein Geſtändnis
ab=
gelegt. Es handelt ſich um einen kürzlich nach Jena zugereiſten
Aus=
länder, der erſt 18 Jahre alt iſt.
Die Nachverhandlungen über den Rahmentarifſchiedsſpruch für den
Ruhrbergbau, die am Dienstag im Reichsarbeitsminiſterium ſtattfanden,
ſind ergebnislos abgebrochen worden. Die Entſcheidung liegt nunmehr
beim Reichsarbeitsminiſter.
Der engliſche Außenminiſter Henderſon iſt geſtern vormittag in
Paris eingetroffen. Er wurde bei ſeiner Ankunft von Chef des
Proto=
kolls de Fouquers begrüßt.
Die amerikaniſche Regierung beabſichtigt, angeſichts des
Milliarden=
fehlbetrages im laufenden Staatshaushalt ungefähr 40 kleinere
Feſtungs=
garniſonen aufzuheben, um an Unterhaltungskoſten zu ſparen.
*
Aus cnde der Londoher
Slotten=
verhandlungen.
Frankreich hofft auf ein Tauſchgeſchäft in Genf.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 12. Mai.
Das Schickſal des Navalabkommens iſt bis auf weiteres in
die Hände des franzöſiſchen Außenminiſters zurückgelegt. Ein
optimiſtiſches Communiqus des Foreign Office und peſſimiſtiſche
Kommentare der Weltpreſſe, das iſt das Ende, oder wenigſtens
das vorläufige Ergebnis einer diplomatiſchen Arbeit, welche
fünfzehn Monate dauerte. In Genf ſollen die Verhandlungen
wieder aufgenommen werden, ſagen die offiziellen
Informatio=
nen. Was das zu bedeuten hat, darüber ſind mehrere
Mei=
nungen erlaubt. „Daily Telegraph” behauptet zum Beiſpiel,
daß die Verhandlungen vertagt worden ſind. Das iſt vielleicht
etwas zu ſcharf formuliert. In Genf ſtehen alle Möglichkeiten
offen. Von der Zuſammenkunft der drei Außenminiſter kann
in der letzten Minute eine Rettung kommen.
Inzwiſchen mußte Henderſon zugeben, daß bei den
Ver=
handlungen ein Mißverſtändnis vorlag, das heißt, er mußte
ſeine zu früh angeſtimmten Siegesgeſänge abblaſen. Die
Labour=
leute ſollen im Unterhaus eine unangenehme Viertelſtunde
durchlebt haben, als Henderſon die Frage vorgelegt wurde, wie
er ſich zu ſeinen Erklärungen nach ſeiner Rückkehr von Italien
heute verhält. Die Stimmung iſt aber auch in Paris nicht
be=
ſonders glänzend. Die Marinekommiſſion der franzöſiſchen
Kam=
mer hat den Marineminiſter Charles Dumont aufgefordert, an
dem franzöſiſchen Standpunkt in der Frage der Erneuerung der
veralteten Schiffseinheiten ſtrikte feſtzuhalten. Und endlich
be=
ginnt in Italien wieder die alte Preſſekampagne gegen
Frankreich.
Wenn man die bisherigen Ergebniſſe zuſammenfaßt, muß
man bei aller Objektivität feſtſtellen, daß es unmöglich iſt,
auf dem techniſchen Gebiete eine Einigung zu
erzielen. Was die Methoden der diplomatiſchen Arbeit
be=
trifft, ſo drängen ſich zwei Feſtſtellungen auf. Erſtens: fünfzehn
Monate lang wurde auf Grund eines Mißverſtändniſſes, einer
Fiktion verhandelt. Das Geſtändnis ſtammt von Henderſon.
Zweitens — und dies ſollte man gerade jetzt, da die Methoden
der deutſchen Diplomatie ſo vielfach kritiſiert und verdä htigt
werden, nicht aus dem Gedächtnis verlieren — die
Verhanolun=
gen wurden auf eine ſolche Art geführt und die Einigung auf
eine ſolche Art annonciert, daß die öffentliche Meinung in
Deutſchland und auch in anderen Ländern auf das ſtärkſte
be=
unruhigt wurde.
Die letzte Ausſicht des Navalabkommens beſteht in der
Hoffnung auf ein mehr oderweniger verhülltes
diplomatiſches Tauſchgeſchäft in Genf.
Inwieweit dadurch die Chancen der allgemeinen
Abrüſtungs=
konferenz berührt werden, kann man noch nicht wiſſen
die ſchwer auf ihm laſtende Erziehungsweiſe die Gegenſätze
ſei=
ner Natur zu voller Entwicklung gebracht: Glaubenszwang und
Gebundenheit an herkömmliche Lebensregeln bewirkten einen
un=
widerſtehlichen Drang nach eigenem Erkennen und Erleben, aus
finſterer Entſagung erblühte dem nach friſchen Lebensquellen
dürſtenden jungen Herzen eine helle Luſt an allen edlen Freuden
der Welt, insbeſondere an dichteriſchen und muſikaliſchen
Ge=
nüſſen, die ihm der puritaniſche Sinn des Vaters als
über=
flüſſig oder gar ſündhaft hingeſtellt hatte. Den Wahlſpruch:
vitam impendere vero, ſein Leben der Wahrheit zu weihen,
be=
tätigte der junge Student zu Leipzig und Göttingen durch
fauſtiſches Ringen auf den verſchiedenſten Gebieten der
Wiſſen=
ſchaft außer der Gottesgelahrtheit, für die der Theologenſohn von
vornherein verloren war; aber weder die altklaſſiſche Literatur
noch die Aufklärungsphiloſophie der Garve und Platner, weder
Mathematik und Naturwiſſenſchaft noch das trockene „
Brot=
ſtudium” damaliger Jurisprudenz vermochten ſeinen
Erkenntnis=
durſt und Tatendrang zu befriedigen. Ein Verſuch mit dem
akademiſchen Lehramt als Privatdozent zu Leipzig mißglückte
ebenſo wie eine erſte Beamtentätigkeit als Notar und
öffent=
licher Schreiber. Endlich gab ihm eine große, als Begleiter eines
jungen ſächſiſchen Grafen unternommene Bildungsreiſe durch
Deutſchland, Holland, England, Belgien, die Schweiz und
Frankreich was ihm fehlte; zu ſeiner vielſeitigen theoretiſchen
Bildung die lebendige Anſchauung menſchlicher Fähigkeiten und
Leiſtungen in Handel und Wandel, Künſten und Gewerben,
Sitten und Einrichtungen. Mit geſchärftem Blick und gereiftem
Verſtändnis kehrte der junge Gelehrte nach anderthalb Jahren
(Oſtern 1781) in ſein Amt zurück: der Fülle ſeiner Ideen war
nun eine feſte Grundage gegeben, und ſein Denken blieb fortan
mit der gegenſtändlichen Wirklichkeit eng verknüpft; in der
leben=
digen Teilnahme an den jeweils auftauchenden großen Fragen
und Erſcheinungen der Zeit war er nun nicht nur durch ſein
warmes Empfinden, ſondern auch durch ſicheres Urteil über den
echten Wert der Menſchen und Dinge geleitet.
Dieſe ganze Entwicklung hatte Körner dem Geiſte und den
Lebensformen ſeines Elternhauſes entfremdet. Seine ſchwer
er=
rungene, innere Selbſtändigkeit wurde auf eine harte Probe geſtellt,
als er allen Familienvorurteilen zum Trotz Minna Stock, die
von dem Vater ſchroff abgelehnte „Kupferſtechermamſell”, zu
ſei=
ner Braut und Gattin machen wollte. Dieſer charakterſtärkende
Kampf um die Rechte des Herzens, aus dem der Sohn erſt nach
dem Tode der Eltern als voller Sieger hervorging, näherte die
Liebenden allen Dichtern und Dichtungen, die ihrer eigenen
lei=
denſchaftlichen Stimmung gegen Standesvorurteile und alle
ſtarren Geſetze überlebten Herkommens Ausdruck gaben. Ihre
glühendſte Bewunderung aber galt dem jungen ſchwäbiſchen
Kraftgenie, dem Dichter der „Räuber” und von „Kabale und
Gieichverechtigang
auch für enkmilikariſierke Zonen.
Berechtigkes deutſches Berlangen nach Schaffung
enkmilikariſierter Zonen jenſeits der Grenzen.
Genf, 12. Mai.
Die Frage des entmilitariſierten Rheinlandes ſpielte heute,
wenn auch nur mittelbar genannt, eine intereſſante Rolle bei
den Beratungen des Völkerbundsausſchuſſes für vorbeugende
Kriegsverhinderung. Zu den bis jetzt noch nicht genauer
feſt=
gelegten Maßnahmen des Rates zur vorbeugenden
Kriegsver=
hinderung ſoll nach den verſchiedenen Vorſchlägen auch die
Verpflichtung für alle Staaten gehören, Truppen, die im Falle
von Streitfällen in fremdes Gebiet eingedrungen ſind, auf
An=
ordnung des Rates entweder hinter eine vom Völkerbundsrat
bezeichnete Linie zurückzuziehen oder aus entmilitariſierten
Zonen zurückzuziehen. — Der deutſche Vertreter, Dr. Göppert,
wies darauf hin, daß im Falle nur einſeitig entmilitariſierte
Zonen beſtünden, dieſe Verpflichtung auch nur einſeitig
durch=
geführt werden könne, während andererſeits das Ziel der
vorbeugenden Maßnahmen zur
Kriegsverhin=
derung doch ſein müſſe, Zwiſchenfälle zu
bei=
den Seiten der Grenze zu vermeiden. Der Rat
müſſe deshalb das Recht haben, auch auf der
anderen Seite der Grenze, wo keine
entmilita=
riſierte Zone beſtände, die Zurückziehung
dro=
hender Truppenanſammlungen hinter eine
be=
ſtimmte Linie anzuordnen.
Der franzöſiſche Vertreter Maſſigli wandte ſich
gegen dieſe Auffaſſung mit der Bemerkung, die
ent=
militariſierten Zonen ſeien geſchaffen, um einen
Dauerzuſtand des Gleichgewichtes
herbeizufüh=
ren und ſie hätten zu Friedenszeiten nur ſehr geringen Wert.
In Zeiten internationaler politiſcher Spannungen jedoch
ge=
wännen ſie erſt ihre ganze Bedeutung. Die Vorſchläge
Göp=
perts müßten eine vollſtändige Umwälzung des durch die
ent=
militariſierten Zonen geſchaffenen Gleichgewichte herbeiführen.
Die Zonen ſelbſt hätten ſchon den Zweck, Zuſammenſtöße
zwi=
ſchen Truppen zu vermeiden. Man könne auch nicht von
einem Staat, zu deſſen Vorteil eine einſeitige
entmilitariſierte Zone geſchaffen ſei,
verlan=
gen, daß er ſich dieſes Vorteils begebe. —
Lord Robert Cecil vertrat jedoch ebenfalls den
Stand=
punkt, daß der Rat die Möglichkeit haben müſſe, die
Zu=
rücknahme der Truppen auch über die
Grenz=
linie der entmilitariſierten Zone hinaus
an=
zuordnen, beſonders dann, wenn dieſe Zonen zu klein
und unter Bedingungen geſchaffen ſeien, die
nicht mehr den modernen Kriegsmethoden
ent=
ſprächen.
Dr. Göppert wies darauf hin, daß man auch den Fall
vorſehen müſſe, wo der nicht durch entmilitariſierte Zonen
ge=
bundene Staat die Verpflichtung der Entmilitariſierung durch
Truppenteile verletzt, die auf fremdes Gebiet eindrängen, da
ſonſt beſtimmten Staaten nur eine einſeitige Verpflichtung
auf=
erlegt würde.
Der Ausſchuß nahm ſchließlich den erſten Hauptartikel an,
in dem ſich die Staaten verpflichten, im Falle eines
internatio=
nalen Streitfalles die Beſchlüſſe des Völkerbundsrates
nichtmili=
täriſchen Charakters zur Beilegung des Streites im Voraus
anzunehmen und durchzuführen. Ferner wurde beſchloſſen, daß
der Völkerbundsrat verpflichtet ſein ſoll, bei einem militäriſchen
Einfall in fremdes Gebiet eine ſofortige Zurückziehung der
Truppen zu verlangen, während die Regierungen ſich
ver=
pflichten, die Zurückziehung der Truppen vorzunehmen. In
dieſem Fall ſoll der Rat eine Demarkationslinie feſtſetzen, hinter
die ſich die Truppen zurückzuziehen haben. Die Kontrolle der
vom Rat beſchloſſenen Maßnahmen ſoll ſich nach engliſchem
An=
trag nur auf die Feſtſetzung der Demarkationslinie, dagegen
nicht auf eine Feſtſtellung der gegenſeitigen Truppenbeſtände
be=
ziehen. Der Ausſchuß beſchloß ferner, daß ſich die Maßnahmen
des Völkerbundsrates lediglich auf den Fall drohender
Kriegs=
gefahr zu beziehen haben, da im Falle eines offenen
Kriegs=
ausbruchs der Kelloggpakt und die allgemeinen Beſtimmungen
des Völkerbundspaktes Anwendung finden.
Liebe”, dem Hohenliede der vorurteilsloſen Liebeswahl. Es
iſt bekannt, wie Körners und ſeiner Freunde Huldigung an den
damaligen Mannheimer Theaterdichter dieſen aus äußerer und
innerer Bedrängnis erlöſte und im April 1785 nach Sachſen in
die Nähe ſeiner Verehrer und Verehrerinnen führte. Damit
begann zwiſchen dem Dichter und Körner, der ſchon 1783 eine
ſichere Stelle als Rat beim Dresdener Oberkonſiſtorium
ange=
nommen hatte und auch weiterhin in anderen hohen Aemtern als
Richter und bei der Verwaltung dem ſächſiſchen Staate diente,
eine Freundſchaft fürs ganze Leben, die beider hohe
Erwar=
tungen über alles Hoffen und Begreifen erfüllte.
Schiller ſah ſich am Herd und im Herzen des Freundes nach
jahrelangen Wirren und Nöten endlich geborgen; er fand einen
neuen, feſten Grund für ſeine ganze Weiterentwicklung.
Zu=
nächſt wurde er durch Körner von leidigen und läſtigen
Geld=
ſorgen befreit; aber nicht daß dieſer gab, ſondern wie er gab,
ſeine Zartſinnigkeit und edle Offenheit im Helfen, war für den
vom Schickſal Gehetzten ein beruhigendes und erhebendes
Er=
lebnis. Auch über innere Kriſen half der Freund ihm hinweg.
Wie ein Siegesfeuer flammt aus den Tagen beglückenden
Zu=
ſammenslebens mit Körner und den Seinen das Jubellied „An
die Freude” empor. Eine neue Lebensanſicht erwuchs dem
taten=
luſtig Vorwärtsdrängenden im Verkehr mit dem abgeklärten
Manne, in deſſen „klügelndem Verſtande” und ruhiger
Sachlich=
keit ein Gegengewicht geboten war zu des Dichters allzu
ſtür=
miſchem Temperament. Mit dem Freundſchaftserlebnis ſetzte bei
Schiller ein ungeheurer Prozeß der Selbſtläuterung und
Selbſi=
umwandlung ein, der ſeinem ganzen Schauen und Schaffen,
Denken, Fühlen und Wollen eine neue Richtung gab. Aber auch
Körner erlebte eine Neugeburt: in der innigen Berührung mit
der ſchöpferiſchen Natur entwickelte ſich das reproduktive
Ver=
mögen des vielſeitig Empfänglichen, die Fähigkeit, ſich in das
Wollen und Weſen eines Werkes einzufühlen und ihm nach
ſeiner Eigenart gerecht zu werden. Je weniger er ſich ſelbſt
zum ſchaffenden Künſtler berufen fühlte, deſto unbefangener
konnte er in der liebenden Teilnahme an der Vervollkommnung
des Dichters die innerſten Kräfte ſeiner Seele entfalten; ſich
hingeben, ohne auf eigene Selbſtändigkeit zu verzichten. Auch
als beider Lebenswege ſie äußerlich trennten, blieben ſie ſich
innerlich nahe, und Schiller fand tauſendfachen Anlaß, des
Freundes „Talent zur Begeiſterung” ſeine auf allen Proben
ſtandhaltende Zuverläſſigkeit, Treue und unbeſtechliche
Wahrhaf=
tigkeit zu rühmen. In den Jahren, wo abſtrakte Geiſtesarbeit
den Genius des Dichters faſt zu erſticken drohte, ward Körner
nicht müde, dieſen bei ſeinem großen Namen zu rufen und
wieder und wieder auf die Höhe ſeiner dichteriſchen
Beſtim=
mung zu fordern. Mochten auch Mißverſtändniſſe auftauchen,
Nummer 132
Mittwoch, den 13. Mai 1931
Seite 3
Etatrede des Wirtſchaftsminiſters.
Miniſter Korell zur grundſäklichen Wirkſchaftspolitik der Regierung: „Keine Zurückdrängung des
ſtaak=
lichen Einfluſſes auf die Privakwirkſchafk.” — Lohnabbau und Preisſenkungsakkion.
Zu hohe Spanne zwiſchen Agrarinder und Konſumenkenpreis.
Der Juſkizekak verabſchiedel.
„... mit dem Ausdruck des Bedauerns..."
* Der Heſſiſche Landtag verabſchiedete geſtern den Juſtizetat,
in deſſen Einzelberatung keine neuen Geſichtspunkte gegenüber
der Generalausſprache in die Erſcheinung traten. In der
Frei=
tagſitzung hatte der ſozialdemokratiſche Abg. Rechtsanwalt
Sturmfels eine ſehr ſcharfe Attacke gegen die Juſtiz geritten und
Miniſterialdirektor Neuroth Fälſchung vorgeworfen. Dieſen
un=
geheuerlichen Vorwurf konnte Abg. Sturmfels, trotzdem ihn die
Genoſſen Kaul und Widmann möglichſt zu ſchützen ſuchten, nicht
aufrechterhalten, und er betrat ſofort zu Sitzungsbeginn das
Red=
nerpult, um als reuiger Sünder ſeine „in der Erregung”
ge=
machte Aeußerung unter dem Ausdruck des Bedauerns
zurück=
zunehmen. Das Hohe Haus unterließ jeden Zwiſchenruf. Der
Angegriffene „Genoſſe‟ Dr. Neuroth beſtätigte, er habe mit
ſei=
nen Ausführungen den Abg. Sturmfels nicht beleidigen,
ſon=
dern nur feſtſtellen wollen, daß dieſer bei ſeiner Kritik wichtige
Feſtſtellungen der Staatsanwaltſchaft nicht zur Verleſung
ge=
bracht habe. — So war die Freundſchaft wieder hergeſtellt.
Zu vorgerückter Stunde begründete dann der Miniſter für
Arbeit und Wirtſchaft ſeinen Etat. Er rechnete den
Landbund=
vertretern vor, was Heſſen ſchon für ſeine hochſtehende
Land=
wirtſchaft getan habe. Leider ſei der Genoſſenſchaftsgeiſt der
Bauernſchaft noch nicht ausgeprägt genug, ſonſt hätten weitere
Erfolge eintreten können. Bei der Beſprechung der
Preisſen=
kungsaktion kritiſierte der Miniſter ſehr ſcharf das Verhalten des
Milchhandels, der Bäckerorganiſation und einzelner Kartelle.
Hoffentlich bringe die nächſte Notverordnung den Ländern die
Möglichkeit, bei böſem Willen mit Zwangsmaßnahmen
ein=
greifen zu können. Angeſichts der Kürzung des Realeinkommens
müßten ſämtliche Berufsſtände das Wort „Verdienen” klein
ſchreiben. Zum Schluß kündigte der Miniſter an, daß Heſſen
mit allen Mitteln auf eine Verſtändigung zwiſchen
Arbeitneh=
mern und Arbeitgebern hinarbeiten wolle, aber dem Dogma der
„freien Wirtſchaft” zuliebe keine Zurückdrängung des ſtaatlichen
Einfluſſes und der Rechte der Arbeitnehmer aller Kategorien
mitmachen könne. — Der Miniſter wurde wiederholt durch
Zwiſchenrufe von rechts und ganz links unterbrochen, die
Er=
widerung auf ſeine Ausführungen wurde jedoch auf Mittwoch
vertagt.
Präſident Delp eröffnet die Dienstagſitzung um 10.30 Uhr
mit folgendem
Nachruf für den verſtorbenen Abg. Scholz. (D. V. P.).
In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai iſt der
Landtagsabge=
ordnete
Chriſtian Scholz
aus Mainz nach einer Bruchoperation verſchieden. Herr Scholz
gehörte dem Landtag ſeit dem 15. Februar 1921 an. Während des
2. und 3. Landtags war er ſtellvertretendes Mitglied des 1.
Aus=
ſchuſſes und ſeit Herbſt 1924 ordentliches Mitglied des Heſſiſchen
Staatsgerichtshofes. Herr Scholz erfreute ſich im Landtag wie
außerhalb desſelben großer Wertſchätzung. Seine ruhige
Kampfes=
art, ſeine große Sachlichkeit bei allen Beratungen und ſein
vor=
nehmer, lauterer Charakter erwarben ihm ſtets die Hochachtung
ſeiner politiſchen Gegner. Das Heſſenland, dem er auch
beſon=
ders während der Beſatzungszeiten in hervorragender Weiſe
ge=
dient hat, verliert in ihm einen großen Führer der heſſiſchen
Wirt=
ſchaft und das Parlament einen verdienſtvollen Abgeordneten. —
Der Landtag wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Es folgt die Einzelberatung des Juſtizetats.
Abg. Sturmfels (Soz.)
nimmt in einer perſönlichen Erklärung den Vorwurf der
Fäl=
ſchung gegen Min.=Direktor Dr. Neuroth mit dem Ausdruck des
Bedauerns zurück.
Abg. Kaul (Soz.)
macht ſich die Kritik des Abg. Sturmfels vom Freitag zu eigen.
Es ſei unbeſtreitbar, daß das Mißtrauen in der republikaniſchen
Bevölkerung gegen die Rechtſprechung ſtark gewachſen ſei. Die
Vollſtreckung der Todesſtrafe widerſpreche der Menſchenwürde, und
Heſſen möge an der ſeitherigen Praxis, Todesurteile nicht zu
voll=
ſtrecken, feſthalten.
Schiller durfte am Ende doch erklären, er habe des Getreuen
„Herz nie auf einem falſchen Klange überraſcht”.
Die Treue, die Körner dem Lebenden gehalten, hielt er auch
dem allzufrüh Dahingerafften: er ward als erſter Herausgeber und
Biograph der Betreuer des Schillerſchen Lebenswerkes, dann der
Behüter des herrlichen Denkmals ihrer Freundſchaft, ihres
Briefwech=
ſels. Der Geiſt Schillers half dem Körnerſchen Ehepaare auch die
furchtbarſten Schickſalsſchläge ihres Lebens, den Schlachtentod
des Sohnes Theodor und das plötzliche Hinſcheiden der Tochter
Emma, überſtehen. „Mehr Deutſcher als Sachſe” mochte Vater
Körner nach den Befreiungskriegen dem ehemaligen
Rheinbund=
ſtaate nicht mehr dienen: auf Befürwortung Wilhelms von
Hum=
boldt wurde er 1815 als Staatsrat ins preußiſche
Kultus=
miniſterium nach Berlin berufen. Noch 16 Jahre lebte er dort,
ſeine Arbeitskraft zwiſchen ſeinem amtlichen Berufe und
wiſſen=
ſchaftlichen Beſchäftigungen teilend. Seine Hauptlebensarbeit
galt in dieſen Jahren neben der liebevollen Pflege des
Schiller=
ſchen Angedenkens der Sammlung und Sichtung der von ſeinem
Sohne nachgelaſſenen Schriften. Daß beide, der Freund und
der Sohn, lebendig blieben in deutſchen Herzen, war Körners
Troſt und Erquickung bis zu ſeinem Scheiden am 13. Mai 1831.
Mit ihm war ein Mann dahingegangen, in dem, nach einem
Worte der Grabrede, „das Beſte der alten und neuen Zeit
ver=
einigt war.”
Elly Ney — Beethoven=Abend.
Städt. Saalbau. Großer Saal. — Dienstag, den 12. Mai.
Elly Ney bewies an ihrem hieſigen Beethoven=Abend, der
erfreulich viele Hörer in den Saalbau gelockt hatte, daß ſie
völlig auf der Höhe ihrer Künſtlerſchaft ſteht. Sie ſtand derart
über allem Techniſch=Irdiſchen im Bereich künſtleriſcher
Geiſtig=
keit, daß ſie die vorgetragenen Werke Beethovens ſo wahr und
ihrer Art gemäß vortrug, wie es nur wenige wagen, daß ſie
auf jeglichen Effekt um ſeiner ſelbſt willen verzichtete, und in
einer Schlichtheit und Empfindungswärme vortrug, daß ihr
Spiel ergreifend wirkte. Sie iſt eine Spielerin von ganz
un=
gewöhnlichem Temperament, und hatte ſich drei der am ſtärkſten
ſubjektiven Sonaten des Meiſters ausgewählt, die letzte, Op. 111
in C=Moll, die Cis=Moll Sonate aus Op. 27 und die
Appaſ=
ſionata. Es wäre nicht möglich zu ſagen, welches der drei Werke
am beſten ausgeführt war, man konnte reſtlos genießen und
ernpfinden, daß die Auffaſſung der Künſtlerin ſo einer inneren
Notwendigkeit und Ueberzeugung entſprach, daß ihr gegenüber
jede Kritik verſtummen mußte. Beſonders intereſſant war der
Aufbau der Cis=Moll Sonate, deren erſter Satz ungewohnt
langſam, faſt ſtarr in ſchmerzlicher Reſignition, deren Allegretto
Abg. von der Schmitt (Komm.)
ſpricht der Juſtizverwaltung das uneingeſchränkte Mißtrauen der
Kommuniſten aus. Nach den Erklärungen des
ſozialdemokrati=
ſchen Min.=Direktors Neuroth ſollten die Nationalſozialiſten aus
Dankbarkeit dem Juſtizminiſterium ein Vertrauensvotum
aus=
ſprechen.
Abg. Weſp (Zentrum)
fordert ſchärfſte Beſtrafung der Arbeitgeber die Sozialbeiträge
der Arbeitnehmer unterſchlagen. Die bisherige Tätigkeit der
Arbeitsgerichte wirke ſich namentlich durch die Bevorzugung des
Vergleichsverfahrens ſehr ſegensreich aus. Die Zulaſſung von
Rechtsanwälten zu den unteren Stufen der Arbeitsgerichte
lehn=
ten die Gewerkſchaften ab.
Abg. Galm (Komm. Opp.)
wünſcht die Einrichtung von Rechtsauskunftsſtellen bei ſämtlichen
Amtsgerichten.
Abg. Böhm (Dntl.)
anwalt zahlloſen Ermordeten in die gebrochenen Augen geſehen
habe. Wer Blut vergieße, deſſen Blut müſſe wieder vergoſſen
werden. (Zuruf Sturmfels: „Barbarei!”.)
Abg. Dr. Wolf (Parteilos)
macht in vielen Fällen die Wirtſchaftslage oder die Praxis der
Kaſſen dafür verantwortlich, wenn Sozialbeiträge unterſchlagen
würden. In ſo klaren Fällen, wie Kürten und Haarmann ſei
Schnelljuſtiz unter Ausſchluß der Oeffentlichkeit durchaus
am Platze.
Arbeitsminiſter Korell
erwidert, daß in vielen Fällen Schmutzkonkurrenz zur
Unterſchla=
gung von Sozialbeiträgen geführt habe; hier ſei ſchärfſte
Beſtra=
fung am Platze. (Sehr richtig!)
Zu Kapitel Strafanſtalten erheht. Abg. von der
Schmitt (Komm.) ſcharfe Kritik an dem Syſtem des
Strafvoll=
zuges und der Bezahlung der Gefangenenarbeit.
Abg. Dr. Werner (Nationalſoz.)
weiſt die Vorwürfe des Vorredners zurück. In vielen Fällen zeige
der Strafvollzug in Heſſen eine unverantwortliche Milde und
Großzügigkeit, die zu Heuchelei der Sträflinge führe. Daß die
Todesſtrafe an Scheuſalen wie Kürten und Haarmann vollſtreckt
werden müſſe, darüber gebe es im geſunden Volksempfinden nur
eine zuſtimmende Meinung. (Sehr richtig!)
Abg. Weckler (Zentrum)
erklärt, daß die kommuniſtiſchen Beſchwerden tatſächlich
unbegrün=
det ſeien. Auch der Fall Meon liege umgekehrt. Meon werde
in Butzbach genau behandelt wie jeder andere Inſaſſe und ſei nicht
der Neffe des Biſchofs von Mainz.
Abg. Donat (Dem.)
wünſcht Zuſammenlegung der Strafanſtalten Butzbach und
Marienſchloß.
Abg. Kunkel (D. V. P.)
fordert Einſchränkung der gewerblichen Arbeit in den
Strafan=
ſtalten.
In der Abſtimmung wird der geſamte Juſtizetat in der
Faſſung des Ausſchuſſes beſtätigt.
Es folgt der Etat des Miniſteriums für Arbeit
und Wirtſchaft.
Miniſter Korell
erklärt u. a.
Die Aufhebung des Miniſteriums für Arbeit
und Wirtſchaft ſei beantragt worden, und man wiſſe wohl,
daß er der Miniſter perſönlich der Aufhebung nicht entgegenſtehe.
Das Miniſterium für Arbeit und Wirtſchaft ſei im letzten Jahre
ein Wohlfahrtsamt großen Stiles
geworden. Der Miniſter verwies insbeſondere auf die Hilferufe
der Kleingewerbetreibenden, welche keinen Rechtsanſpruch auf
Unterſtützung hätten. Mit dem Mittel der Zinsverbilligung habe
er in manchen Fällen helfen können. Um Aufträge für die
Wirt=
ſchaft habe ſich das Miniſterium energiſch bemüht.
Vom Perſonal des Miniſteriums ſelbſt ſind auf Inhaber
geſetzt 7 Stellen — 12,5 Prozent. Abgebaut wurden bereits
4 Beamte, mit einer Erſparnis von 16 428 RM. Von 474
Stel=
lea im Geſamtreſſort ſind 62 — 12 Prozent auf Inhaber geſetzt
und 21 Stellen zum Verſchwinden gebracht worden. Man ſolle
angeſichts ſolcher Zahlen etwas vorſichtiger mit dem Vorwurf
mangelnder Sparſamkeit ſein. Weitere 30 000 RM. wurden an
ebenfalls ſehr zurückhaltend vorgetragen wurde, und dann folgte
unmittelbar, ohne jede Caeſur das in Tempo und Dramatik
auf die Spitze getriebene Schluß=Preſto.
Außer den Sonaten ſpielte die hervorragende Künſtlerin
der geringen Zahl der Variationen von dem alten Prinzip der
tion Tonart und Melodienverlauf des Themas aufgibt, dann
Andante favori in E=Dur, den Satz, der von Beethoven,
ur=
ſprünglich als Mittelſatz der großen Waldſteinſonate gedacht
war und als Zugabe einen der kleinen frühentſtandenen Varia= im Beſitze ihrer Kuſine Tinette iſt. Er findet Anknüpfungspunkte an
tionszyklen. Alle Vorträge fanden begeiſterten Beifall, und die
F.N.
Künſtlerin wurde lebhaft gefeiert.
Von Deutſchlands Hohen Schulen.
Heidelberg: Am 6 Mai 1931 verſchied hier im Alter von 72 Jahren
der Kirchenhiſtoriker Geheimrat Hans von Schubert.
Berlin: Der Privatdozent Dr. Hans Friedrich Roſenfeld in
Berlin wurde als ordentlicher Profeſſor der gemaniſchen Philologie an
die Univerſität Abo in Finnland berufen.
Bonn: In der katholiſch=theologiſchen Fakultät iſt Dr. Karl
Schä=
fer für die Fächer neuteſtamentliche Exegeſe und bibliſche Theologie als
Privatdozent zugelaſſen worden.
— Gingen Sie ſchon einmal auf Entdeckungsreiſen mit der „neuen
linie‟? Im Maiheft gehts nach Holland. Paul Fechter ſchreibt
über „die Landſchaft der weiten Räume”; das iſt das charakteriſtiſche
Wort, und im Bildwerk dazu, da iſt der charakteriſtiſche Blick!
Hollän=
diſche Architektur in modernſten Beiſpielen, holländiſches Kunſtgewerbe
mit den dämoniſchen Puppengeſchöpfen Harry van
Tuſſen=
broeks: zum erſten Mal dann für eine breitere Oeffentlichkeit die
Schätze der Kunſtſammlung Kröller=Müller aus dem Haag.
Ueberraſchungen durch „die neue linte”: als erſte deutſche Zeitſchrift
bringt ſie, kaum daß die „Deutſche Bauausſtellung 1931” in Berlin
ihre Tore öffnete, bereits eine ihrer intereſſanteſten Schöpfungen: in
farbigen Zeichnungen ſehr ſchön den „Ring der Frauen‟. Dazu ein
Interview mit dem Meiſter Peter Behrens. Im Modenteil
Früh=
ſommliches—Sommerliches — Literariſche Koſtbarkeit dieſer „neuen
linie‟: „Das Ende vom Lied — Vom Lied ohne Ende”, eine Novelle
von Hans Johſt, — der Name ein Mann, der Mann ein Dichter.
Er kommt heiter diesmal, leichten Schritts aus der Welt der Kuliſſen,
aber er verläßt ſein Niveau nicht. Sollten Sie nicht Beſcheid wiſſen:
Sie kaufen „die neue linie” für 1 Mark in allen Buchhandlungen.
Ver=
lag Otto Beyer, Leipzig/Berlin.
Ap. Zwiſchen den Zeiten. Roman von Guſti Jirku. (Verlag von
E. P. Tal u. Co. in Wien VII. Preis geh. 2,25 Mk.)
Der Roman ſpielt in der Nachkriegszeit in Jugoſlawien. Dort, im
Süden des alten Oeſterreich, lebt eine gräfliche Familie auf einem Gut,
das ſchon ſeit hunderten von Jahren in Beſitz der Familie geweſen
Zinsverbilligung neu hinzugebracht. Wenn die Hauptabteilung 7
mit einem Mehrzuſchuß von 127 747 RM. abſchließe, ſo ſei daran
ſchuld die Neuvorſehung von 250 000 RM. Zinszuſchuß für
Not=
ſtandsarbeiten; ſonſt wäre ein Wenigerzuſchußbedarf von 122 253
RM. vorhanden geweſen.
Man müſſe daran denken, wie die verſchiedenſten Stände
der Wirtſchaft alle gegeneinander in
Kampf=
front ſtünden. Beſonders ungerecht ſei der Vorwurf
parteipoli=
tiſcher Entſcheidungen in Wirtſchaftsfragen und der
Intereſſe=
loſigkeit an ſozialen Fragen. Wir ſind keine vorausſetzungsloſen
Wirtſchaftswiſſenſchaftler, ſondern Politiker; aber an dieſer Stelle
der Staatsverwaltung ſeine Parteipolitiker, ſondern Anwälte der
Geſamtheit, und wo Intereſſen kollidieren, keine Kompromißler
von Fall zu Fall, ſondern Vollſtrecker ſozialer und ethiſcher
Grund=
ſätze zum Schutze der Schwächeren und zum Nutzen
der Geſamtheit.
Der Miniſter wandte ſich dann einer Darſtellung der
Förderungsmaßnahmen für die Landwirtſchaft
zu. Er erinnerte an den hohen Stand des landwirtſchaftlichen
Schulweſens, bei dem leider jetzt auch Einſchränkungen hätten
ſtatt=
finden müſſen. Die Feldbereinigung ſei trotz der ſchwierigen
Geldverhältniſſe weiter gefördert worden. Eine Verbilligung der
Koſten werde konſequent durchgeführt. Für das Ried und andere
Entwäſſerungsgebiete ſei dasſelbe der Fall. Man dürfe den
Plan, größere Verbände zu den Koſten heranzuziehen, nicht
ab=
weiſen. Ein Geſetzentwurf ſei in Vorbereitung. Für beſonders
wichtig bezeichnete der Miniſter die begonnene Umſtellung des
Vogelsbergs zur Grünlandwirtſchaft durch die
Beiſpielswirtſchaf=
ten, welche ſich befriedigend entwickeln. Die Glashauskulturen
arleiteten techniſch in Heſſen ausgezeichnet, aber ſie, ebenſo wie
die neuen genoſſenſchaftlichen Märkte, litten unter ausländiſcher
Schleuderkonkurrenz und mangelndem genoſſenſchaftlichen Geiſte
unter den Landwirten. Der Miniſter ſagte einigen Führerinnen
der Hausfrauenvereine in Heſſen Dank für ihre Propaganda für
erklärt, er ſei Anhänger der Todesſtrafe, weil er als Staats= die einheimiſche Produktion. Für den Rebenbau und für die
Be=
kämpfung der Reblaus geſchehe was finanziell tragbar ſei. Der
Rebmuttergarten in Heppenheim ſei als eine Muſteranlage von
Reichsſtellen anerkannt worden. Bei dieſen Maßnahmen ſei gern
mit der Landwirtſchaftskammer zuſammengearbeitet worden.
Wenn der Beitrag des Staates zur Landwirtſchaftskammer
ge=
kürzt werden mußte, ſo nur aus allgemeinen
Sparſamkeits=
gründen.
Die Not des bäuerlichen Betriebes, die Ueberlaſtung mit allen
möglichen Ausgaben und die geringe Einnahme für die Produkte
ſeien ihm wohl bekannt. Dabei verſpürten die Konſumenten zu
oft den Rückgang des Preiſes nicht in genügendem Maße und
er=
höben noch ungerechte Vorwürfe gegen die Landwirtſchaft.
Die Preisſenkungsaktion
ſei eine ſehr ſchwierige Frage welche die gröbſten Vorwürfe gegen
das Miniſterium geboren habe. Der Miniſter habe immer
aner=
kannt, daß bei den Detailiſten entſprechende Preisſenkungen
vor=
genommen worden ſeien. Er habe anerkannt, daß die Fleiſchwaren
geſenkt worden ſeien. Aber ebenſo ſei es ſeine Pflicht geweſen auf
anderen Gebieten, wo der Abſchlag nicht genügend oder zu
lang=
ſum, dagegen der Aufſchlag ſehr raſch und ohne Berückſichtigung
der Wirkung auf weite Kreiſe vorgenommen worden ſei,
einzu=
wirken. Der unbefriedigende Zuſtand in der Preisſpanne zwiſchen
Mehl= und Brotpreis liege in der verſchiedenartigen Gewinnhöhe.
In Heſſen ſchwanke der Milchpreis zwiſchen 11 und 30 Pfg. pro
Liter. Die Preisſenkung ſei hier am Widerſtand des
Milch=
handels geſcheitert. Den Landesregierungen fehlten Mittel, um
gegebenenfalls ihren Willen zu erzwingen.
Der Miniſter ging dann über zu den
Maßnahmen für Induſtrie, Gewerbe und Arbeiterſchaft.
Es ſei aus ſehr kompetentem Munde anerkannt worden, daß das
Handwerk die denkbar beſte Unterſtützung durch das Miniſterium
für Arbeit und Wirtſchaft gefunden habe. Man brauche nur an
den Schutz des Handwerks in Lehrlingsfragen und an die
Be=
mühungen um Ueberweiſung von Aufträgen an das heſſiſche
Ge=
werbe zu denken. Gar manchem Handwerker und
Gewerbetreiben=
den ſeien unter Beiſeiteſchiebung aller bürokratiſchen Hemmungen
Erleichterungen jeder Art gegeben worden. Die Geſandtſchaft in
Berlin habe ſich für Aufträge an das heſſiſche
Ge=
werbe energiſch und mit Erfolg eingeſetzt. Auf dem Gebiete
des Erbauens von Wohnungen ſei in den vergangenen Jahren
Heſſen mit an der Spitze aller deutſchen Länder marſchiert. Der
Reinzugang an Wohnungen auf 1000 der Bevölkerung betrage
im Reiche 31,5 Prozent, in Heſſen 38,8 Prozent. Für das Jahr
1930 konnten nur 10 Millionen RM. bereitgeſtellt werden. Auf
die Städte entfielen im ganzen 6 100 000 RM. Für die
Land=
gemeinden konnten 4 425 000 RM. Verwendung finden.
Bei der Vergebung von Bauarbeiten haben ſich teilweiſe
er=
hebliche Preisſenkungen ergeben.
Vermutlich werden die neuen Bauten ſich etwa um 15 bis
20 Prozent billiger ſtellen als bisher.
Für 1931 ſind in Heſſen nur 5 Millionen für den Wohnungsbau
bis jetzt verfügbar. Von den verfügbaren 5 Millionen werden
vorweg für die Verzinſung und Tilgung der aufgenommenen
An=
leihen für die Landgemeinden 2 500 000 RM. und ebenſoviel für
die Stadtgemeinden beanſprucht. Das bedeutet daß für das Jahr
1931 in Heſſen nur ein Betrag aus den Rückflüſſen und den
auf=
kommenden Zinſen in Höhe von 1 513 000 RM. zur Verfügung
ſteht. Zieht man hiervon Koſten für Zuſatzdarlehen für
Kriegs=
beſchädigte, Kinderreiche und Tuberkuloſekranke,
landwirtſchaft=
liche Siedlungen und eine Reſerve von zuſammen 513 000 RM. ab,
ſo bleibt zur Verwendung für reine Baudarlehen ein Reſtbetrag
Perſonal= und Sachkoſten abgeſetzt und der Feldbereinigung zur von 1 Million RM. Dem Vorwurf der Vermieter, daß in Heſſen
iſt. Während die alten Familienmitglieder an ihrer Tradition und der
ſtarven Adelsmoral feſthalten, mit der geliebten Vergangenheit
ver=
bunden ſind und das Heute nicht mehr verſtehen, ſuchen ſich die Kinder
Tinette und Cary mit der neuen Zeit abzufinden. Dieſes Zeitgemälde
bildet den Hintergrund für eine etwas myſtiſche Geſchichte einer
Perlen=
die Variationen in P=Dur, Op. 34, in denen Beethoven trotz ſchnur, eines koſtbaven Erbſtückes, das im Beſitze einer Verwandten des
gräflichen Hauſes war, die es aber, um die Schulden ihres Geliebten
Formalvariation völlig abweicht, und ſchon in der erſten Varia= zu bezahlen, verkauft hat. Sie will, um einen Skandal zu verhüten,
eine genaue Kovie der Perlen anfertigen laſſen. Ihr Geliebter Serge
Bogdanoff, ein aus Rußland geflohener Abenteurer und
Herzens=
bezwinger, verſpricht ihr, eine gleiche Perlenſchnur zu verſchaffen, die
die Familie und gewinnt die Liebe der Tinette, mit der er ſich auf einer
Reiſe an einem fremden Orte trifft. Sie verſtrickt ſich in Leidenſchaft,
gerät mit ihrer Adelsmoral in ihrem Herzen in Konflikt, aus dem ſie
keinen Ausweg findet und gibt ſich den Tod, nachdem ſie ihm die
Perlen=
ſchnur hinterlaſſen hat, die ſie dem ſchenken will, der ſie am liebſten hat.
Die Geliebte des Bogdanoff kommt — wie, wird nicht geſagt —, in den
Beſitz der Perlenſchnur und ſchenkt ſie dem Bruder der Tinette. Damit
ſchließt der Roman, ohne daß man über das Schickſal der beteiligten
Perſonen weiteres erfährt. Der Roman, mit dem eine neue talentvolle
und begabte Schriftſtellerin an die Oeffentlichkeit tritt, iſt feſſelnd und
geiſtvoll geſchrieben, wenn es auch dem Leſer mehrfach überlaſſen bleibt,
die Motive der handelnden Perſonen und den Zuſammenhang der
Hand=
lung ſelbſt herauszufinden.
Baedekers Italien von den Alpen bis Neapel. Mit 532 (VI. und 492)
Seiten, 34 Karten, 41 Plänen und 23 Grundriſſen. 8. Auflage 1931.
Leipzig, Karl Baedeker. 12.50 RM.
Mehr als andere Völker hat gerade der Deutſche von jeher die
beſon=
deren Werte, die in einer Auslandsreiſe liegen, erkannt, und auch trotz
aller Wirtſchaftsnöte läßt ſich die Sehnſucht nach der Sonne des Südens
bei uns nicht unterdrücken. Selbſt bei ſchmalem Beutel macht mancher
das ſcheinbar Unmögliche möglich. Wer nur die Hauptpunkte Italiens
beſuchen will, findet auch in dieſer kurzen Ausgabe des Baedeker, die
ſelbſtändig neben der größeren, dreibändigen ſteht, einen altbewährten
kundigen Führer, der billiger und mit größerem Verſtändnis leitet als
der beſte Fremdenführer an Ort und Stelle. In verdichteter Faſſung.
aber nicht etwa trocken zuſammengeſtrichen, ſondern in neuer Formung.
werden die Hauptreiſeziele ſachkundig und ſo vollſtändig dargeſtellt, wie
es der Raum irgend zuließ, ſo vor allem Mailand, Venedig, Turin,
Genua, Florenz, Rom und Neabel und ihre engere und weitere
Um=
gebung, die oberitalieniſchen Seen, wie die Albaner= und Sabinerberge
bei Rom, Pompeii, Capri uſw. Und wer ein modernes Mißtrauen
emp=
findet gegen das „klaſſiſche Bildungsideal” und gegen Muſeumsbeſuche,
der wird überraſcht ſein, wieviel Neues er hier erfährt über die füngſte
Entwickelung im Land des Fascismus und des neugebildeten
Kirchen=
ſtaates, über Landſchaft und Städtebau, Autoſtraßen und Seebäder. —
Das Jahr 1931 bringt in Italien einen Abbau der Hotelpreiſe und
wie=
der mancherlei Fahrpreisermäßigungen ſo vom 1. April 1931 bis 30.
Juni 1932 für das 700. Jubiläumsjahr des heil. Antonius von Padua.
Hierzu ſei das vorliegende Reiſehandbuch aufs wärmſte empfohlen.
Die Recklingshäuſer Zeitung hat aus Anlaß ihres 100jährigen
Be=
ſtehens eine umfangreiche Sondernummer herausgegeben, die Anſpruch
darauf erheben darf. Intereſſe auch außer Recklingshauſen zu erwecken.
Nummer 132
Seite 4
für die Lockerung der Zwangswirtſchaft nichts
ge=
ſchehen ſei, und daß erſt von einem Nachfolger beſſeres zu erwarten
ſei ſtehe der Miniſter genau ſo gegenüber wie der Anklage der
Mieterorganiſation, daß nur der Hausbeſitz das Ohr des Miniſters
habe. Beide Vorwürfe ſeien unberechtigt und die Exzeſſe in der
Agitation der Intereſſenten verwerflich.
Der Miniſter ging dann zu den ſozialen Fragen im
engeren Sinne über und wies auf die energiſche
Förde=
rung der Sonntagsruhe in den letzten Jahren hin. Die
Herabſetzung der Arbeitszeit ſei in Heſſen in der
großen Mehrzahl der Betriebe durch die Not der Wirtſchaft
be=
reits erzwungen worden. Wo noch Ueberſtunden und
Sonntags=
arbeit geleiſtet würde, habe das Miniſterium und die
Gewerbe=
aufſicht eingegriffen; allerdings auch hier unter Berückſichtigung
lebenswichtiger Intereſſen der Induſtrie, da wo Ausnahmen
ge=
boten erſchienen. Das Miniſterium für Arbeit und Wirtſchaft
habe im letzten Winter die nochmalige Gewährung einer
Win=
terbeihilfe an die Allerbedürftigſten ermöglicht. Mit
be=
ſonderer Genugtuung erwähnte der Miniſter ſodann die
Bereit=
ſtellung von Mitteln zur Zinsverbilligung von Arbeiten der
Pro=
vinzen, Kreiſe und Gemeinden, um ausgeſteuerte
Wohlfahrts=
ernerbsloſe zu beſchäftigen. Wohl 5000 Ausgeſteuerte fanden auf
dieſem Wege Brot. Im Grunde genommen ſei die zuerſt
ver=
ſpottete Maßnahme nichts anderes, als der neuerliche Vorſchlag
der Brauns=Kommiſſion.
Das Problem der Landwirtſchaftspolitik
enthüllt ſich an der augenblicklichen Lage, daß gute Getreidepreiſe
alsbald zur Erhöhung des Brotpreiſes führen. Eine dauernde
Er=
höhung des Brotpreiſes iſt indeſſen bei der gegenwärtigen Lohn=
und Gehaltsſenkungspolitik und der Verarmung weiteſter Kreiſe
unerträglich. Hinzu komme, daß die hohen Preiſe für
Futtermit=
tel in ſcharfem Kontraſt ſtünden zu den geſenkten Lebendvieh=
und Milchpreiſen. Endlich werde man an einer Erhöhung der
Zölle für landwirtſchaftliche
Veredelungs=
produkte nicht vorbeikommen, wenn die unbedingt notwendige
Qualitätsverbeſſerung und gleichbleibende Ware erzielt werden
ſolle. Es zeichnen ſich bei dieſer Lage neue Wege der
Agrarpolitik bereits ab. Die Kontingentierung der
Zucker=
rübenproduktion durch die Intereſſenten iſt ein Weg planmäßiger
Selbſthilfe. Auch die neue Art, beſtimmte Mengen von Getreide
zu verbilligten Zöllen hereinzulaſſen, iſt ein Weg der Abkehr vom
ſtarren Zoll= und Handelsſyſtem zu ſtaatlich beeinflußter
Getreide=
politik. Es werde ſich zeigen, ob
das Reich nicht noch weitere Eingriffe in die Importpolitik
vornehmen müſſe.
um gerechte Preiſe für Landwirtſchaft und Konſument zu
garan=
tieren. — Der Hanſabund hat dieſer Tage ſehr energiſch wiederum
eine vom Staate vollſtändig
freie Wirtſchaftspolitik
gefordert und betont, daß in ihr die Hilfskräfte für den
Neuauf=
bau der Wirtſchaft vorhanden wären. Die ungeheuren und gar
oft fehlgeleiteten Inveſtitionen an Kapital, die überſtürzte
Mecha=
niſierung und Rationaliſierung der Produktion, die Produktions=
und Preispolitik der Kartelle und Truſte hat ſich frei auswirken
können, und jetzt erleben wir ſchaudernd die Folgen. Die
Ma=
ſchinen ſtehen zu einem großen Teil ſtill, die Fabrikpaläſte leer
und die Warenvorräte können nicht gekauft werden. Das
er=
ſcheine nicht gerade beweiskräftig füt den Segen der freien
Wirt=
ſchaft im liberaliſtiſchen Sinne. Die immer wieder betonte freie
Wirtſchaft ſcheine vielmehr der Sturmbock gegen die deutſche
Sozialpolitik werden zu ſollen. Warum diskutierten Arbeitgeber
nicht über die Frage der Arbeitszeitherabſetzung, ſondern lehnen
ſie rundweg ab? Die Tariflohnpolitik wird ebenſo berannt. Die
Senkung der Löhne und Gehälter hat ohne Zweifel zu einer
Sen=
kung des Reallohnes geführt, inſofern die Senkung der Löhne und
Gehälter größer als die des Lebenshaltungsindex iſt.
Demgegen=
über iſt nach unſerer Meinung an den ſozialen und Arbeitsrechten
der Angeſtellten und Arbeiter feſtzuhalten. Nicht allein aus
Humanität, ſondern ebenſoſehr in wohlverſtandenem Intereſſe der
Wirtſchaft. Die Heſſiſche Regierung wird auf der Seite des
ſozialen Rechts kämpfen. Sie wird alle Bemühungen unterſtützen,
die eine Verſtändigung zwiſchen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
erzielen ſollen, aber ſie wird dem Dogma der freien Wirtſchaft
Mittwoch, den 13. Mai 1931
zuliebe keine Zurückdrängung des ſtaatlichen Einfluſſes und der
Rechte der Arbeitnehmer aller Kategorien mitmachen können.
Das Haus vertagt ſich um 2 Uhr auf Mittwoch 10 Uhr.
Tagesordnung: Fortſetzung der Hauptausſprache zum
Wirtſchafts=
etat.
Landes=Lehrerverein und Pädagogiſche Inſtikute.
Der Hauptvorſtand des Heſſiſchen Landes=Lehrervereins
nahm zu der nunmehr beſchloſſenen Zuſammenlegung der
Päda=
gögiſchen Inſtitute in Mainz einſtimmig nachſtehende
Ent=
ſchließung an:
„Der Heſſiſche Landtag hat durch ſeine Beſchlüſſe vom
23. April 1931 die heſſiſche Lehrerbildung auf eine Bahn
ge=
drängt, die, verglichen mit den Forderungen, die der Deutſche
Lehrerverein ſeit Jahrzehnten erhebt, einen
unbezweifel=
baren Rückſchritt darſtellt. Die Landtagsmehrheit hat der
Regierung den Weg freigemacht, die bereits vor der Abſtimmung
begonnene Auflöſung des Darmſtädter Pädagogiſchen Inſtituts
zu vollenden, indem ſie die überaus bedeutungsvolle Frage der
Lehrerbildung zu einer Angelegenheit der Verwaltung
degra=
dierte. Regierung und Landtag ließen die von
den verſchiedenſten Seiten vorgebrachten
ſchwerwiegenden Gegengründe völlig
unbe=
achtet, obwohl ſie niemals widerlegt wurden
und zu keiner Zeit ſtichhaltige Gründe für die
Aufhebung des Inſtituts am Orte der
Hoch=
ſchule angeführt werden konnten. Der Heſſiſche
Landes=Lehrerverein ſieht ſich deshalb veranlaßt, gegenüber der
Haltung der Regierung und der Landtagsmehrheit ſchärfſten
Proteſt einzulegen und ſein tiefſtes Bedauern und Befremden
auszuſprechen. Er erwartet, daß die in Ausſicht geſtellte
Er=
richtung eines Pädagogiſchen Inſtituts an der
Landesuniverſi=
tät Gießen in kürzeſter Friſt erfolgt.”
Das Inkrafikreken des Milchgeſehes.
Der Reichsrat beſchäftigte ſich in ſeiner Vollſitzung am
Diens=
tagabend mit der Verordnung über das Inkrafttreten des
Milch=
geſetzes und einer erſten Verordnung zur Ausführung des
Milch=
geſetzes.
Die Ausſchüſſe haben vorgeſchlagen, das Milchgeſetz, mit
Aus=
nahme des Paragr, 38, am 1. Januar 1932 in Kraft zu ſetzen,
da die erforderlichen Ausführungsvorſchriften der Länder noch
längere Zeit in Anſpruch nehmen, aber gleichzeitig mit dem
Milchgeſetz in Kraft treten müſſen. Nach Paragraph 38 ſind die
oberſten Landesbehörden ermächtigt, Erzeugerbetriebe und
milch=
verarbeitende Betriebe zur Abſatzregelung zuſammenzuſchließen.
Dieſe Ermächtigung ſoll ſchon am 15. Mai 1931 in Kraft treten.
Alle ſchon beſtehenden Milchhandelsbetriebe ſollen neu
konzeſſio=
niert werden; ſie ſollen nur vom Nachweis einer beſtimmten
Um=
ſatzmenge befreit ſein, wenn ſie den Betrieb ſchon bei Verkündung
des Milchgeſetzes am 8. Auguſt 1930 ausgeübt haben. Eine Reihe
von Uebergangsbeſtimmungen bringt Erleichterungen, für die
Uebergangszeit ſowohl für Milchhandelsbetriebe, wie für die
Landwirte, die zur Milchabgabe einer Konzeſſion bedürfen. Alle
dieſe Milchhändler und Landwirte ſind bis zum 1. April 1932
weiter zugelaſſen. Die Friſt kann verlängert werden. In der
Ausführungsverordnung werden in den Begriffsbeſtimmungen
für Milch und Milcherzeugniſſe folgende vier Milchſorten
aufge=
führt: Vollmilch, minder= oder fettarme Milch, Markenmilch,
Vor=
zugsmilch. Auch zubereitete Milch gilt als Milch im Sinne des
Geſetzes, insbeſondere alſo die paſteuriſierte Milch. Die
Ausfüh=
rungsverordnung enthält ferner die Vorſchriften zum Schutze der
menſchlichen Geſundheit. Die Ausführungsvorſchriften ſollen
gleichfalls am 1. Januar 1932 in Kraft treten. Gemäß den
Vor=
ſchlägen der Ausſchüſſe würden beide Verordnungen vom Plenum
des Reichsrats genehmigt. Sodann faßte der Reichsrat noch
Be=
ſchluß über die Neubildung des Bewertungsbeirates.
Beſorgniſſe des deutſchen Einzelhandels
wegen der Enkwicklung der Sozialverſicherung.
Frankfurt a. M., 12. Mai,
Auf der Geſchäftsführerkonferenz der Mitgliedsverbände der
Hauptgemeinſchaft des deutſchen Einzelhandels, die heute im
Ple=
narſaal der Frankfurter Induſtrie= und Handelskammer ſtattfand,
äußerte ſich Oberregierungsrat a. D. Dr. Tiburtius zur
allge=
meinen Lage der heutigen Wirtſchaftspolitik. Er ging von der
Feſtſtellung aus, daß die durch die Preisſenkungsaktion entfeſſelte
Debatte über Handelsſpanne und Unkoſtenbildung im
Einzelhan=
del heute in der Oeffentlichkeit eine gerechtere Beurteilung des
Handels erkennen laſſe. Der Einzelhandel habe über das Maß
ſeiner Unkoſten hinaus Preisſenkungen vorgenommen. Der Redner
erwähnte, daß die von der Reichsbahn vorgenommene
Tarifſen=
kung ſich hauptſächlich auf Rohſtoffe erſtrecke und den Stückgütern
daher nicht zugute komme. Er forderte eine weitere Senkung der
Koſten der öffentlichen Hand, ohne jedoch eine Gehaltskürzung der
Beamten zu beabſichtigen. Die allgemeine Konjunkturlage und
die Stellung des Auslandes zur Reparationsfrage ließen keine
günſtige Prognoſe für die Zukunft zu. Landtagsabgeordneter
Neumann empfahl in ſeiner Anſprache, einzelne Etatprüfungen
vorzunehmen und nach engliſchem Muſter hierbei zu verfahren. Es
folgten noch kurze Referate verſchiedener Mitglieder der
Geſchäfts=
führung über einzelne Fachgebiete (Fragen der Steuerſenkung, der
Ladenmieten, des Wettbewerbs, des Zugabeweſens, der
Verkaufs=
beratung und der Rationaliſierung), an die ſich rege Debatten
anſchloſſen.
Der Sozialpolitiſche Ausſchuß der Hauptgemeinſchaft des
deut=
ſchen Einzelhandels hat ſich in ſeiner Sitzung eingehend mit der
Arbeitsmarktlage, der Not der Einzelhandelsgeſchäfte und ihren
Auswirkungen auf die Perſonalpolitik der Einzelhandelsbetriebe
befaßt. Wenngleich hervorgehoben wird, daß Kurzarbeit in
ge=
wiſſen Arten von Einzelhandelsbetrieben nicht anwendbar ſei
und deshalb jeder Zwang abgelehnt wird, iſt der
Sozialpoli=
tiſche Ausſchuß doch zu der Auffaſſung gelangt, daß auch das
Mit=
tel freiwilliger Kurzarbeit in beſtimmten Gruppen des
Einzel=
handels nicht nur zur Unkoſtenſenkung, ſondern auch beſonders zur
Vermeidung drohender Entlaſſungen in der bevorſtehenden
ſtil=
len Saiſon größte Beachtung verdiene. Eine allgemeine, auf
ge=
ſetzlichem oder verwaltungsmäßigem Zwange beruhende
Einfüh=
rung einer 40=Stundenwoche komme für den Einzelhandel nicht
in Betracht. Mit großer Sorge vird von der Arbeitgeberſchaft
im Einzelhandel die Entwicklung der Sozialverſicherung,
beſon=
ders die finanzielle Zukunft der Arbeitsloſenverſicherung,
be=
trachtet. Der wiederholt erörterte Vorſchlag einer weiteren
Bei=
tragserhöhung in der Arbeitsloſenverſicherung wird als völlig
ungangbar bezeichnet.
Die Sanierung der Arbeitsloſenverſicherung ſei lediglich durch
entſcheidende Reformmaßnahmen zu erreichen. Auf dem Gebiete
der Sozialverſicherung warnt der Sozialpolitiſche Ausſchuß der
Hauptgemeinſchaft vor Verſuchen, die Selbſtändigkeit der
Ange=
ſtelltenverſicherung irgendwie zu beeinträchtigen. Der
Einzel=
handel verlangt die volle Aufrechterhaltung dieſer
berufsſtändi=
ſchen Verſicherung, unter Ausſchluß aller Beſtrebungen, die auf
eine erhebliche finanzielle Beanſpruchung oder gar organiſatoriſche
Angliederung der Angeſtelltenverſicherung an andere Zweige der
Sozialverſicherung hinzielen.
Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen
Philipp Demmel
und Frau Ria
geb. Assfalg
Träuung: Donnerstag, 14. Mai, 2 Uhr, in der
St. Ludwigskirche.
Meine liebe Frau, meine gute Mutter
Eictd Hrant
geb. Mühlhäuſer
iſi äm 10. Mai wohlvorbereitet in die
Ewigkeit abgerufen worden.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Georg Frank und Tochter
Hoffmannſir. 21.
Die Beerdigung hat in aller Stiſte
ſtatt=
gefunden.
Das Seelenamt findet in St. Ludwig am
Freitag, den 15. Mai, 8½ Uhr ſtatt.
Statt Karten.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teil=
nahme bei dem Hinſcheiden unſeres lieben
Entſchlafenen
Löſermann Mager
ſagen wir Allen unſern herzlichſien Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Karoline Mayer.
T7533
rtte
DEGERLOCH-STUTTGART
1. physikal., diätet., homöop. Heilverfahr
Aerztücher Leiter: Dr. med, KATZ.
TT.3041
Fräulein ſucht
An=
ſchluß an ebenſolch.
zw. gemeinſ.
Spa=
ziergänge. Ang. u.
. 178 a. d. Gſchſt.*
Todes=Anzeige.
Heute verſchied nach ſchwerem Leiden, unſere
herzensgute Mutter, Großmutter u. Urgroßmutter
Murgüreie Selbel
geb. Heinz
im Alter von 75 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Gräfenhauſen, den 12. Mai 1931.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 14. Mai,
nachmittags 3 Uhr ſtatt.
(7565
Todes=Anzeige.
Am 11. Mai verſchied nach kurzer Krankheit
unſer lieber Bruder und Onkel
Senamin Beint
nach kaum vollendeten 67. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Zürich, Frankfurt, Cöln, Darmſtadt,
den 11. Mai 1931.
(7505
Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. d. Mis.,
vormittags 11 Uhr, vom Portale des iſrael. Friedhofs
aus ſtatt.
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Nummer 132
Mittwoch, den 13. Mai 1931
Aus der Landeshaupkftadk.
Darmſtadt, den 13. Mai 1931.
—Ernannt wurde: Am 27. April: der Oberförſter Fritz
Köh=
ler zu Wimpfen zum Forſtmeiſter des Forſtamts Raunheim, vom
1. Mai lfd. Js. an.
— Erledigte Stelle. Erledigt iſt die Lehrerſtelle für einen
evangeliſchen Lehrer an der Volksſchule in Kortelshütte, Kreis
Erbach, im Odenwald: Dienſtwohnung iſt vorhanden und frei.
— Ruheſtandsverſetzungen. Auf Grund des § 1 des Geſetzes
über die Altersgrenze der Staatsbeamten vom 2. Juli 1923 bzw.
19. Dezember 1923 in der Faſſung des Geſetzes vom 8. Oktober
1925 (Reg.=Bl. S. 249) treten am 1. Juni 1931 in den Ruheſtand:
Rektor Jakob Frank zu N
Seite 5
feld, Lehrer Georg Hofmann an der Volksſchule zu Altheim,
Kreis Dieburg.
EPH. Pfarrperſonalien. Durch die Kirchenregierung wurde
dem Pfarrer Friedrich Bernbeck zu Mainz die evangeliſche
Pfarrſtelle im erſten Bezirk der Chriſtusgemeinde zu Mainz.
De=
kanat Mainz, dem Pfarrer Friedrich Wacker zu Offenheim die
evangeliſche Pfarrſtelle, zu. Heppenheim a. d. Wieſe, Dekanat
Worms, dem Pfarrverwalter Georg Otto Blümler zu
Dahl=
heim die evangeliſche Pfarrſtelle zu Dahlheim, Dekanat
Oppen=
heim und dem Pfarrer Ernſt Sahner zu Erndtebrück die
evan=
geliſche Pfarrſtelle zu Rodheim v. d. H., Dekanat Rodheim,
über=
tragen.
Einführung von Erkennungsmarken für die
Kriminalpoli=
zei. Nachdem die Verſtaatlichung der Ortspolizei von Mainz und
Worms durchgeführt iſt, werden ſämtliche ſtaatliche
Kriminalpoli=
zeibeamten ſowie die Leiter und Vorſteher der
Kriminalabteilun=
gen neben ihren Perſonalausweiſen mit einheitlichen
Erkennungs=
marken ausgerüſtet. Die Erkennungsmarken, die innerhalb jeden
Polizeiamts fortlaufend numeriert ſind, tragen auf der
Vorder=
ſeite unter dem heſſiſchen Hoheitszeichen die Ortsbezeichnung des
ſtaatlichen Polizeiamts, auf der Rückſeite die Nummer des
betref=
fenden Beamten. Sie werden an einer Kette befeſtigt in der
Taſche getragen. Als Ausweis bei exekutiviſchen
Amtshandlun=
gen gilt zukünftig die Erkennungsmarke. Der Perſonalausweis
dient dem Kriminalbeamten nur in Sonderfällen, insbeſondere
Behörden gegenüber, mit denen er außerhalb ſeines Dienſtortes
in Verbindung tritt, als Ausweis.
— Heſſiſches Landesmuſeum. Das Heſſiſche Landesmuſeum iſt
am Donnerstag, 14. Mai 1930 (Himmelfahrtstag) wie an
Sonn=
tagen, in der Zeit von 10 bis 13 Uhr unentgeltlich geöffnet. Am
1. Pfingſtfeiertag bleibt das Muſeum geſchloſſen, dagegen iſt es
am 2. Pfingſtfeiertag von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Der Eintritt
iſt frei.
— Heſſiſche Spielgemeinſchaft. Die letzte Aufführung, des
Lokalſtückes „Liebesluſt oder die weißen Schuhe”
fin=
det am kommenden Samstag, 16. Mai, 20 Uhr, im Kleinen Haus
bei kleinen Preiſen ſtatt. Es ſoll damit all denen, die die letzte
Aufführung nicht beſuchen konnten. Gelegenheit geboten werden,
ſich an Rüthleins köſtlichem Ausſchnitt aus dem Kleinbürgerleben
Darmſtadts ſo behaglich zu ergötzen, wie es vor ihnen ſchon ſo
viele Hunderte tun konnten. Eine nochmalige Wiederholung iſt
mit Rückſicht auf die zu Ende gehende Spielzeit unmöglich.
Vor=
verkauf ab Mittwoch.
— Muſikverein. Am kommenden Freitag, dem 15. Mai,
fin=
det im Anſchluß an die um 8 Uhr beginnende Geſamtprobe die
Mitgliederverſammlung ſtatt. Nachher wird unſer Dirigent, Herr
Dr. Böhm, mit ſeiner Gattin bei zwangloſem Beiſammenſein zum
letzten Male vor ſeinem Weggang von Darmſtadt in der Mitte
des Vereins weilen. Es wird um zahlreiche Beteiligung gebeten.
Heſſiſches Landestheaker.
Großes Haus Kleines Haus Mittwoch,13. Mai 19.30—22 Uhr
Turandot
B23, T. G. 1
Preiſe 1—10 Mk MMifr7 Mice
Die Wildente
Zuſatzmiete V 12
Preiſe 120—6 Mk. Donnerstag,
14. Mai 20—22.30 Uhr
Meine Schweſter und ich
Vorſtellung zu klein. Preiſen
Außer Miete
Preiſe 0.50—4 Mk. 19.30—22.15 Uhr
Zar und Zimmermann
Vorſtellung zu halb. Preiſen
Außer Miete
Preiſe 0.60 bis 3 Mk. Freitag,
15. Mai 19.30—22.30 Uhr
Schwanda der Dudelſachpfeifer
1, Gr. 4, 5 u. 6
Preiſe 1—10 Mr. 19.30—22.15 Uhr
Die Wildente
Zuſatzmiete Vl,13
Preiſe 1.20—6 Mk. Samstag,
16. Mai 30—22 Uhr
Sturm im Waſſerglas
Vorſtellung zu halb. Preiſen
T Gr. 2, 3, 7 u. 8
Preiſe 0.50—5 Mk. 20—22.30 Uhr
Liebesluſt
oder die weißen Schuhe
Preiſe 0.50—2.50 Mr. Sonntag,
17. Mai 19.30—-22 30 Uhr
Valerio
C23
Preiſe 1—10 Mr. 19.30—22.15 Uhr
Zum letzen Male:
Der Graue
Zuſatzmiete 1V,11
Preiſe 1—5 Mk.
— Heſſiſches Landestheater. „Pentheſilea” von Kleiſt
wird als nächſte Schauſpiel=Premiere des Großen Hauſes am 23.
Mai zur Aufführung kommen. Die Inſzenierung beſorgt Carl
Ebert (Bühnenbild: Wilhelm Reinking) Die Titelrolle wird
Beſſie Hoffart ſpielen. — Puccinis Oper „Turandot” wird heute
Mittwoch im Großen Haus unter muſikaliſcher Leitung von Karl
Maria Zwißler mit Anitra Mitrovic in der Titelrolle in Szene
gehen. — Im Kleinen Haus findet heute Mittwoch die erſte
Wie=
derholung der „Wildente” von Ibſen in der neuen
Inſzenie=
rung von Günter Haenel ſtatt. — „Meine Schweſter und
ich”, der ſtärkſte Bühnenerfolg, der letzten Jahre, erlebt morgen
Donnerstag im Großen Haus bereits das Jubiläum der 30.
Auf=
führung. Die Vorſtellung findet außer Miete bei kleinen Preiſen
mit der Premierenbeſetzung ſtatt. — Lortzings „Zar und
Zim=
mermann” wird morgen Donnerstag im Kleinen Haus außer
Miete als Vorſtellung zu halben Preiſen in Szene gehen.
Muſika=
liſche Leitung: Erwin Palm.
Spielplanänderung. Am Freitag, den 15. Mai, gelangt im
Großen Haus ſtatt der Oper, Valerio” von Hans Simon, Jaromir
Weinbergers Volksoper „Schwanda, der
Dudelſack=
pfeifer” zur Aufführung.
Kundgebung der Deutſchen Polkspartei.
Deutſche Schickſalsfragen.
* Zu einer öffentlichen Kundgebung hatte geſtern abend die
Deutſche Volkspartei aufgerufen. Als Redner, waren
General=
oberſt v. Seeckt und der Führer der D V.P.
Reichstagsabgeord=
neter Dingeldey angekündigt. Die Turnhalle am Woogsplatz
erwies ſich als zu klein und mußte polizeilich geſperrt werden. Nach
Muſikſtücken der ehemaligen Militärmuſiker unter der ſtraffen
Lei=
tung Mickleys eröffnete der Landesvorſitzende der D.V.P.,
Landtagsabgeordneter Dr. Niepoth,
die Verſammlung und widmete zunächſt den verſtorbenen
Abge=
ordneten Haury und Scholz einen warmen Nachruf. Es iſt
erfreu=
lich, erklärte der Redner, daß die Namen Seeckt und Dingeldey,
von denen jeder ein Programm verkörpert, ihre Anziehungskraft
erneut bewieſen haben. Zuſammen mit unſerem
Reichspräſiden=
ten, Generalfeldmarſchall v. Hindenburg, deſſen treueſte
Anhän=
ger die der Deutſchen Volkspartei ſind, hat v. Seeckt das
ruhm=
reiche Feldheer in die Heimat geführt und, beengt und
drang=
ſaliert durch das Verſailler Diktat, die neue Reichswehr
organi=
ſiert, zu einem ſtarken Inſtrument des Reiches gemacht, ſie
frei=
gehalten von parteipolitiſchen Einflüſſen. Dafür ſchuldet ihm das
deutſche Volk großen Dank. Dingeldey, der 7 Jahre lang Führer
der D.V.P. in Heſſen war, iſt zu unſerer Freude zum Führer der
Geſamtpartei erwählt worden. Er hat die in ihn geſetzten
Er=
wartungen, wie wir das im voraus wußten, reſtlos erfüllt und
der Partei die Aktivität zurückgegeben, die Grundlage für jeden
Erfolg iſt.
Generaloberſt von Seeckt
ergriff dann, von einem minutenlangen Beifallsſturm begrüßt, das
Wort. Es war für mich, begann er, bei meinen Vorträgen in
den Hochſchulen Tübingen, Freiburg und Karlsruhe eine große
Freude, zu ſehen, wie die akademiſche Jugend bereit iſt, zu hören
und zu lernen, ſich zu beſchäftigen mit Wehrfragen, die mehr und
mehr in den Vordergrund des Intereſſes rücken Trotz aller
Gegenwartsnöte glaubt die Jugend mit uns an die Zukunft des
Reiches. In den letzten Jahren traten Wehrfragen etwas in den
Hintergrund die weltpolitiſche Entwicklung ſchiebt ſie immer
ſchär=
fer in den Kreis der aktuellen, zur Entſcheidung ſtehenden
Pro=
bleme. Jeder einſichtige Staatsmann wird verſuchen, die
Lebens=
notwendigkeiten ſeines Volkes auf friedlichem Wege zu erreichen.
Deutſchlands wehrpolitiſche Entwicklung iſt diktiert von der
Ent=
wicklung der Weltpolitik insbeſondere der Politik auf
euro=
päiſchem Raum. Deutſchland in ſeiner geographiſch ungünſtigen
Lage iſt umringt von hochbewaffneten Nachbarn. Im Oſten ſteht
das Rätſel Rußland, das mit allen Mitteln ſein Ziel, die
Welt=
revolution, anſtrebt. Englands inſulariſche Sicherheit iſt durch
die Kriegstechnik überholt. Frankreichs Geſamtrüſtung hat einen
erſtaunlichen Höchſtſtand zu verzeichnen, ſeine Grenzen im Oſten
ſchützt ein rieſiger Verteidigungswall, Frankreichs Forderung nach
Sicherheit gegen einen deutſchen Einfall dient nur dazu die
fran=
zöſiſche Vorherrſchaft in Europa zu verewigen und Deutſchland
nie=
derzuhalten. Auf der anderen Seite verfolgt Polen die gleichen
Ziele expanſiver Art. Wenn ein Land von einer Gefährdung
ſei=
ner Sicherheit ſprechen kann, dann iſt es das abgerüſtete
Deutſch=
land. Seit Jahren verhandelt man in Genf über die Abrüſtung
der Siegerſtaaten. Die Ergebniſſe laſſen ſich nicht allzu
optimi=
ſtiſch beurteilen. Im Februar nächſten Jahres ſoll die große
Ab=
rüſtungskonferenz ſtattfinden. Deutſchlands Forderungen auf der
Konferenz ſind zwangsmäßig gegeben. Wir müſſen uns in erſter
Linie berufen auf Artikel 8 der Völkerbundsſatzung, in erſter Linie
alſo, daß die übrigen Staaten in dem gleichen Maße abrüſten wie
Deutſchland. Jeder von uns weiß, daß dieſe Forderung eine
ideelle iſt, der die Konferenz nicht zuſtimmen wird. Niemals wird
Frankreich ſeine Zehntauſende von Flugzeugen vernichten, ſeine
eben erſt mit Milliardenkoſten gebauten Feſtungen ſchleifen, ſeine
Kriegsſchiffe verſchrotten, noch die allgemeine Wehrpflicht
ab=
ſchaffen. Verſagt die Konferenz, dann muß Deutſchland zu einem
anderen Ausgleich in der Rüſtungsfrage kommen. Die
Bezeich=
nung Angleich. Ausgleich oder Parität der Rüſtungen iſt von
untergeordneter Bedeutung. Artikel 8 muß volle Anwendung auf
Deutſchland finden, das nicht mehr wie bisher ein Staat
minde=
ren Rechtes oder geminderter Souveränität ſein darf.
Deutſch=
land will über ſeine Sicherheit, über den Grad ſeiner
Wehraus=
rüſtung ſelbſt beſtimmen. Wenn dieſe Forderungen nicht erfüllt
werden, dann hat Deutſchland die Freiheit, zu tun, was es für
ſeine Sicherheit und ſein Leben als notwendig erachtet. (Beifall.)
Grundſätzlich für Deutſchland muß bei der Konferenz ſein, die
aus=
drückliche und uneingeſchränkte Anerkennung unſeres Rechtes und
die Möglichkeit, unſere Sicherheit in die Tat umzuſetzen, zu
erhal=
ten. Was wir dann, insbeſondere angeſichts unſerer
wirtſchaft=
lichen Lage, tun, iſt unſere Sache. Wir ſtehen zwangsläufig vor
einer Reviſion des Youngplans. Ob wir zu einem Deutſchland
befriedigenden Ergebnis kommen, weiß niemand. Die
Fortzah=
lung dieſer Tribute iſt auf die Dauer unmöglich, und Deutſchland
will die Zahlungen nicht mehr leiſten, weil wir nicht mehr können
und nichts mehr haben. Wie wäre unſere Situation, wenn wir
noch ein zur Verteidigung unſeres Landes ausreichendes Heer
be=
ſäßen, das Sanktionen der Gläubigerſtaaten entgegentreten
könnte? Würden die polniſchen Expanſionsgelüſte auf Oſtpreußen
und weiteres deutſches Land ſo unverhüllt und ungehemmt zutage
treten, wenn wir eine Wehr im Oſten beſäßen? Iſt heute
Deutſch=
land ſtark genug, gegen einen eventuellen Einbruch des
Bolſche=
wismus einen Wall zu bilden zum Schutze deutſchen Landes und
deutſcher Kultur, ja, Europas? Deutſchland will das Recht, zu
leben — das wird uns heute ſchwer gemacht — und das Recht,
ſich zu wehren, wenn es angegriffen wird. Dieſen Lebenswillen
und Wehrwillen wach zu halten, muß die Aufgabe jedes Deutſchen
ſein, an welcher Stelle er auch immer ſtehen mag. (Lebhafter
Beifall.)
Landtagsabg. Dr. Niepoth verlieſt den Paſſus aus dem
neuen Aktionsprogramm der D.V.P., das den Wehrgedanken und
den Wehrwillen als heiliges Gut bezeichnet und mit allen Mitteln
fördern will.
Reichskagsabgeordneker Dingelden
dem die Verſammlung eine rauſchende Ovation bereitet, weiſt
darauf hin, daß die wirtſchaftliche Kriſe in Deutſchland zu einem
erheblichen Teil darauf beruht, daß in den letzten zehn Jahren
die wirtſchaftlichen Wahrheiten verleugnet und ſozialiſtiſchen und
parteipolitiſchen Gedankengängen nachgejagt wurde. Wir müſſen,
erklärte Redner, ſicherlich alle Möglichkeiten wahrnehmen, um die
Laſten, die Deutſchland von außen her aufgebürdet ſind, los zu
werden. Es wäre gewiſſenlos, dem Volk die Hoffnung
vorzugau=
keln, daß durch ſolche Verhandlungen nach draußen wir von allen
Nöten befreit werden könnten, ohne zu ſagen, was das deutſche
Volk aus Eigenem dazu tun muß.
Ich habe Verſtändnis für unſere akademiſche Jugend, die unter
traurigen Zeichen des inneren Krieges und äußerer Demütigung,
unter Sorgen für eine zukünftige Exiſtenz aufwächſt. Eine Saat
des Haſſes und des Unglaubens wird in ihre Seele gelegt, ſo daß
es verſtändlich wird, wenn ſie in eine Romantik einer
glanzvolle=
ren Zukunft flüchtet. Die Sehnſucht nach größerem Glück der
Na=
tion iſt ein Weſenselement der deutſchen Jugend von je geweſen.
Aber es war ebenſo ſtets Pflicht der Politiker, mit ſchonungsloſem
Verantwortungsmut die Gegenwart aufzuzeichnen und die Jugend
aufzufordern, poſitiv Hand anzulegen an das Werk, das im
Augen=
blick zum Nutzen des Volkes getan werden muß.
Kaum jemals ſtanden wir vor ſo entſetzlichen Gefahren für
den Staat, für die Wirtſchaft und die Seele des Volkes, wie
gerade heute.
Nur der wird vor der Geſchichte beſtehen können, der in dieſem
Augenblick den Mut aufbringt, die Dinge ſchonungslos ſo zu
ſchil=
dern, wie ſie ſind, der die Veranwortungsfreudigkeit beſitzt,
unbe=
kümmert um die Gunſt der Maſſen, nur nach ſeiner inneren
Ueber=
zeugung auch auf unpopulärem Wege die Maßnahmen zur
Ret=
tung des ganzen Volkes zu beſchließen. Wir dürfen uns auf
die=
ſem Wege nicht tragen laſſen von parteipolitiſchen Leidenſchaften,
uns kann nur leiten der unerſchütterliche Glaube an die Kraft
un=
ſeres Volkes und ſeiner Zukunft.
Der Rückgang der Einnahmen in den Kaſſen des Reiches der
Länder und der Gemeinden ſpiegelt die Wirtſchaftskraft unſeres
Volkes und die geſamte Wirtſchaftsſituation wider. Heute müſſen
wir die Schulden zahlen, die in einer völligen Verkennung des
Weſens des parlamentariſchen Syſtems durch den
hemmungs=
loſen Wettlauf der Parteien um die Gunſt der Wählermaſſen
ent=
ſtanden ſind. In den letzten zehn Jahren iſt durch die Entartung
des Syſtems eine Steigerung der Anſprüche des Einzelnen, der
Berufe, der Klaſſen und der Parlamente eingetreten, die ſich jetzt
fürchterlich auswirkt. die den Mut und den Willen zur
Selbſtver=
antwortung eintauſchte gegen die Neigung, alle Sorgen für ſich
und ſeine Angehörigen dem Staat und der Allgemeinheit zu
über=
antworten. Ob Großgrundbeſitz, ob Großinduſtrie, von oberſten
bis zum unterſten Glied der Wirtſchaft, allen iſt gemeinſam dieſe
verhängnisvolle Einſtellung. Man klagt das privatwirtſchaftliche
Syſtem an und will nicht ſehen, daß das, was in Deutſchland
entſtand, nicht mehr privatwirtſchaftlich war, ſondern eine
ver=
hängnisvolle Verbindung darſtellt urſprünglich privatwirtſchaft
licher Gedanken mit rein ſozialiſtiſchen Wirtſchaftprinzipien, was
zu dem heutigen Staatsſozialismus führte.
In Maſſenverſammlungen nach Schuldigen ſuchen zu wollen,
iſt nutzlos, entſcheidend bleibt, den Mut zu entſchloſſener Umkehr
aufzubringen.
Die Abkehr bedeutet, daß wir Milliardenſummen an den
Ausgaben der öffentlichen Hand abſtreichen müſſen, daß wir
den Staat ausſchalten müſſen aus vielen Bezirken der
wirt=
ſchaftlichen Betätigung, damit das verantwortliche Spiel der
Kräfte ſich auswirken kann.
Die Flucht in eine Romantik kann kein verantwortungsbewußter
Deutſcher mitmachen. Wir haben Verſtändnis daß ein Teil des
Mittelſtandes in ſeiner Verzweiflung in das Lager des
Radika=
lismus flüchtete. Erſcheinungen, die ihr Gutes haben können,
wenn ihnen zugrunde liegt der Wille zu wahrhafter deutſcher
Größe. Was aus einer ſolchen Bewegung zu machen iſt für die
Geſchichte des Volkes, darüber entſcheiden nicht die Motive des
Einzelnen, der in die Bewegung hineinging, darüber entſcheidet,
ob ſich Perſönlichkeiten an der Spitze der Bewegung finden, die
die Kraft und den Mut zur Verantwortung aufbringen, in der
Stunde der Gegenwart ſich zu Taten zu bekennen. (Sehr richtig!)
Das größte Verhängnis, das über dem Nationalſozialismus
ſchwebt, iſt der Widerſpruch zwiſchen den Propagandarufen und
ins Volk getragenen Lehren auf der einen Seite, und dem
völli=
gen Verſagen gegenüber der Aufgabe, in dieſer Gegenwart mit
Hand anzulegen. (Lebh. Beifall.) Wenn der Propagandachef der
N. S. D.A. P., Dr. Goebbels. im Reichstag auf die Frage, was die
Nationalſozialiſten in verantwortlicher Stelle tun werden,
ant=
wortete, das geht niemand etwas an, ſo iſt das ein Irrtum. Das
geht ſelbſtverſtändlich das ganze deutſche Volk an. Im
Reichs=
tag haben die Nationalſozialiſten mit den Kommuniſten den
So=
zialdemokraten, den von ihnen in Verſammlungen ſo heftig
be=
fehdeten Marxiſten geſtimmt. Zur Reform des Sozialſyſtems, der
Beſchneidung der öffentlichen Hand und zu anderen entſcheidenden
Fragen haben die Nationalſozialiſten noch keine klare Stellung
genommen.
Der Rückgang der Einnahmen des Reiches zwingt zu raſchem
und entſchloſſenem Handeln. Neue Steuern und neue Schulden
dürfen zur Deckung des entſtehenden Defizits nicht angewandt
werden. Es bleibt nur Beſchneidung der Ausgaben der
öffent=
lichen Hand, bis auf die Dinge, die eine Lebensnotwendigkeit
dar=
ſtellen. In der ſchweren Situation der Gemeinden infolge der
ſteigenden Sozialausgaben muß das Reich die Kommunen
zwin=
gen, ihre Ausgabenwirtſchaft rückwärts zu revidieren, auf das
Maß, das mit ihrer Leiſtungsfähigkeit in Einklang ſteht.
Ge=
rade in den Gemeinweſen haben parteipolitiſche Zwecke die
ſchlimmſte Auswirkung gezeitigt. Die Reform der Sozialpolitik
iſt im Gange. Nicht der iſt ſozial, der immer wieder Erhöhung
der Anſprüche und Erfüllung dieſer Anſprüche verſpricht, ſondern
der der die Verſicherungseinrichtungen geſunden läßt, damit der
Arbeiter nicht eines Tages mit leeren Händen und papierenen
An=
ſprüchen vor leeren Staatskaſſen ſteht. (Beifall) Von der
Arbeits=
loſenverſicherung werden heute nur noch 40 Prozent der
Arbeit=
ſuchenden betreut. Dieſer Widerſinn mit dem eigentlichen Zweck
der Arbeitsloſenverſicherung zwingt unerbittlich dazu. die
Ver=
ſicherung ſo zu geſtalten, daß ſie lebensfähig bleibt. Dazu gehört
die Herausnahme der Saiſonarbeiter und die generelle Prüfung
der Bedürftigkeit. Das wird den Widerſtand der
Sozialdemokra=
ten und Nationalſozialiſten finden. Wenn wir uns die
Millionen=
beſtände an Kohlen in unſeren Kohlenbezirken vor Augen führen,
die Preiſe der ausländiſchen Konkurrenz, die bis hierher vorſtoßen
kann beachten dann müſſen wir unſere Produktion befreien von
den hohen Laſten der öffentlichen Hand.
Amerika, das früher immer als Beiſpiel angeführt wurde,
hat die Lehren, daß hohe Löhne und Einkünfte die Kaufkraft auto=
7502
LLawigstraße 13
DARMSTADT
[ ← ][ ][ → ]Seite 6
Mittwoch, den 13. Mai 1931.
Nummer 132
matiſch heben und die Wirtſchaft beleben, aufgegeben. Man hat
auch dort eingeſehen, daß aus einer Volkswirtſchaft nicht mehr
herausgeholt werden kann, als ſie tatſächlich an Produktion leiſtet.
Auch die wirtſchaftliche Wahrheit muß ſchonungslos aufgezeichnet
werden. Ohne ſchwere Umformungen und Auseinanderſetzungen
wird es auch bei uns nicht abgehen. Der Sinn der Vertagung des
Reichstags lag in der Erkenntnis, daß trotz aller Einſicht in den
führenden Köpfen dieſes Parlament aus Rückſicht auf die
Wäh=
lermaſſen unpopuläre Maßnahmen nicht auf ſich nehmen wollte.
Mit der inneren Sanierung unlöslich verbunden iſt die Be=
freiungspolitik nach außen.
Die bittere Geſchichte der Reparationen hat uns gelehrt, daß wir
uns nicht wehrlos in einen Kampf um die Herabſetzung oder
Streichung der Reparationen einlaſſen dürfen, daß wir Stöße von
außen eine Zeitlang aushalten können. Die internationale Lage
iſt für eine Reviſion nicht günſtig, doch ſind wir durch die
Ent=
wicklung zum Vorſtoß gezwungen. Mit Briands Vorſtoß gegen die
wirtſchaftspolitiſch notwendige Zollunion zwiſchen Deutſchland
und Oeſterreich ſind die Masken gefallen. Der Beſchluß der
franzöſi=
ſchen Kammer zeigt, in welchem Geiſte in Genf gegen uns gekämpft
werden wird. Beſchämend iſt die Haltung der Linken, die
ange=
ſichts des franzöſiſchen Widerſtandes ins Schwanken gerät und der
Rechtsradikalen, die aus einem Mißerfolg für ſich Kapital ſchlagen
möchten. Wir ſollten von den Franzoſen in dieſem Augenblick
lernen, daß alle inneren Händel aufzuhören haben, wenn ſchwere
Auseinanderſetzungen mit fremden Nationen durchzuhalten ſind.
(Lebhafter Beifall.)
Um klare Wege innen= und außenpolitiſch zu haben, muß der
Preußiſche Landtag noch in dieſem Jahre aufgelöſt werden, um
eine einheitliche und geſchloſſene Front bilden zu können. Wir
ſtehen in einer weltgeſchichtlichen Situation. Den Sirenengeſängen
von Paris, an einem Kreuzzug wirtſchaftlicher Art gegen
Sowjet=
rußland teilzunehmen, werden wir ſolange verſchloſſen bleiben,
bis die Staatsmänner, von denen die Lockungen kommen, bereit
ſind, die deutſche Freiheit und den deutſchen Lebensraum
anzuer=
kennen und einzuräumen. (Lebhafter Beifall.)
Gegen die Gottloſenpropaganda gegen die Vergiftung der
geiſtigen und ſeeliſchen Kräfte müſſen wir Front machen durch
Stärkung der inneren Abwehrkräfte des Volkes. Dazu iſt aber
notwendig, daß die Flut von Haß und Neid, von perſönlicher
Ver=
unglimpfung der andersdenkenden Volksgenoſſen aufhört. Eine
Gemeinſchaftsarbeit der nationalſozialiſtiſchen Bewegung oder
An=
dersdenkenden iſt möglich unter der Vorausſetzung, daß ſich die
Zuſammenarbeit in den Formen vollzieht, die der menſchlichen
Ge=
meinſchaft würdig ſind. (Sehr richtig!)
Trotz der Flut von Haß und Leidenſchaft gehen wir den Weg
zur inneren und äußeren Freiheit weiter unter Wertung der
Möglichkeiten, die uns verblieben ſind. Ein Muſter deutſcher
Pflichterfüllung bis zum äußerſten, echteſter Staatsgeſinnung und
innerer Volksgemeinſchaft iſt uns Reichspräſident v. Hindenburg,
der uns in dieſer ſchweren Zeit hoffentlich noch lange auf ſeinem
Poſten erhalten bleiben möge trotz der unglaublichen Anmaßung
der Nationalſozialiſten, die glauben, ihm nationale Geſinnung
ab=
ſprechen zu können. Die Geſchichte unſeres Volkes zeigt, daß es
im Kampfe um den Lebensraum, um die Freiheit ſeines Lebens
und ſeiner Arbeit ſtets ſich durchſetzte trotz aller Bedrückung und
Unterdrückung. Und auch jetzt wird der Kampf zu einem
glück=
lichen Ende führen, wenn er geführt wird mit dieſer Kraft des
nationalen Stolzes, der Begeiſterung und dem Mut, wie er uns
in der flammenden Sprache:
Einigkeit und Recht und Freiheit,
Sind des Glückes Unterpfand!
(Lebhafter Beifall.)
Nach dem Geſang der erſten Strophe des Deutſchlandliedes
ſchloß Abg. Dr. Niepoth die Verſammlung mit dem Appell,
mit der D.V.P. zuſammen den Kampf um die innere Sanierung
und die äußere Befreiung durchzuführen. Den Saalſchutz hatte der
Stahlhelm übernommen.
— Evangeliſcher Bund. Aufführung des Guſtav=
Adolf=Feſtſpiels von Devrient. Das Jahr 1931 ſteht
im Zeichen der Guſtav=Adolf=Erinnerung. 1631 iſt Guſtav Adolf
in Deutſchland gelandet. Damit erhielt der 30jährige Krieg ſeine
Wendung zugunſten des Proteſtantismus. Noch einen ſchweren
Verluſt, erlitt die evangeliſche Sache durch den Untergang von
Magdeburg. Von Sieg zu Sieg zog der Schwedenkönig bis zu
ſeinem Tod auf dem Schlachtfeld 1632. Es ziemt ſich, dieſer
Er=
eigniſſe beſonders zu gedenken. Es ſoll dies geſchehen durch die
Aufführung des noch heute eben ſo wirkſamen Guſtav=Adolf=
Feſt=
ſpieles von Devrient. Bereits im Jahre 1894 hat in Darmſtadt
unter Anteilnahme der ganzen Bevölkerung — da es ſich um eine
rein hiſtoriſche Darſtellung handelt, auch der katholiſchen — eine
vom Evang, Bund veranſtaltete Aufführung des Feſtſpiels
ſtatt=
gefunden. Damals waren nicht weniger wie 14 Wiederholungen
nötig. Den Ehrenausſchuß bildeten führende Männer und Frauen
unſerer Stadt aus allen Schichten und Ständen, und es iſt heute
noch erhebend zu ſehen, wie ſich damals alle Kreiſe zu einer
wur=
digen Ausgeſtaltung vereinigten. Wir hoffen, daß es möglich iſt,
auch in dieſem Guſtav=Adolf=Erinnerungsjahr gleich wertvolles
und Anziehendes leiſten zu können. In den nächſten Tagen
wer=
den Einladungen zur Bildung eines Ehrenausſchuſſes an weiteſte
Kreiſe gehen, und wir hoffen, daß man ſich überall gerne zur
Verfügung ſtellt. Da geplant iſt, die Feſtſpiele weit über den
Rahmen von Darmſtadt hinaus der ganzen Provinz zugänglich zu
machen, ſo ſteht zu hoffen, daß auch in wirtſchaftlicher Beziehung
Darmſtadt Gewinn von den Aufführungen hat. Auch aus dieſem
Geſichtspunkt heraus dürfen wir hoffen, daß die Veranſtaltung den
lebhafteſten Intereſſen aller Darmſtädter Kreiſe begegnet.
Nam=
hafte Darmſtädter Laienſpieler haben bereits ihre Mitwirkung
zu=
geſagt. Der Spielausſchuß hat ſeine Tätigkeit bereits
aufge=
nommen.
— Verband Evangeliſcher Frauenvereine. Die
Hauptver=
ſammlung des Verbandes Evangeliſch=Kirchlicher Frauenvereine
in Heſſen iſt am Montag, den 18. Mai, nachmittags 2.30 Uhr im
Rummelbräu. Jahresbericht, Rechnungsablage, Voranſchlag,
Vor=
trag von Frau Agnes Schnapper, Heidenheim. „Wie können wir
Frauen die Gottloſenbewegung bekämpfen?”
Die deutſchen Jazz=Könige kommen! Die berühmten
Weintraubs=Synkopaters, die beſten und
vielſeitig=
ſten Jazzkünſtler Deutſchlands, geben ab Sonntag, 17. Mai,
im Orpheum ein kurzes Sondergaſtſpiel. Nachdem ſchon eine
Reihe der namhafteſten Vertreter berühmter ausländiſcher
Ka=
pellen, wie Bobbie Hind. Sam Wooding, Chocolade Kiddies, hier
mit großem Erfolg geſpielt haben, iſt es von größtem Intereſſe,
nun auch die prominenteſten Vertreter des deutſchen Jazz hier
be=
grüßen zu können. Die Weintraubs haben auch Weltruhm
er=
langt, eine imenſe Fülle in= und ausländiſcher Kritiken und
Lob=
preiſungen geben hiervon Kenntnis. Preſſeauszüge und weitere
Mitteilungen folgen. Kleine Preiſe von 1 Mark an.
Karten=
verkauf wie üblich. (Siehe Anzeige.)
— Comedian Harmoniſts! Das Programm der ausgezeichneten
Jazz= und Schallplatten=Sänger, die morgen Donnerstag, abends
8.15 Uhr, im Orpheum ein einmaliges Gaſtſpiel geben,
bringt die ſchönſten und ausgeſuchteſten Lieder, worin die
Indi=
vidualität dieſes Künſtlerſextetts am originellſten zum Ausdruck
kommt. Unter anderem gelangen zum Vortrag: „Liebling, mein
Herz läßt dich grüßen
!” (W. R Heymann), „Heut” fahr ich
mit dir in die Natur” (Sarony), „Wie wundervoll küßt
Anne=
marie” (Clare, Pollak und Richmann), „Wir ſind von Kopf bis
Fuß” und „Baby” von Fr. Holländer, „Serenade der Hofſänger”
und „Marie, Marie” von Mark Roland. „Du biſt nicht die Erſte‟
(W. Jurmann), ferner auf vielſeitigen Wunſch „Puppenhochzeit”
„Bin kein Hauptmann” und „Geſchichten aus dem Wiener Wald”
Ferner: „Veronika, der Lenz iſt da (W. Jurmann), „Wochenend
und Sonnenſchein” (Milton Ager). Heut’ nacht hab ich geträumt
von dir” (E. Kalman). „Ich hab für dich nen Blumentopf
be=
ſtellt” (E. Bootz) uſw uſw. Der Kartenverkauf hat begonnen Es
empfiehlt ſich, gute Plätze im Vorverkauf zu ſichern. Das
Gaſt=
ſpiel kann nicht wiederholt oder verlängert werden.
Wegen Vornahme von Kanalbauarbeiten werden die
Beck=
ſtraße von Landgraf=Georg=Straße bis Sonderſtraße, die
Soder=
ſtraße von Beckſtraße bis Inſelſtraße, die Darmſtraße von
Gervi=
nusſtraße bis Beckſtraße, die Heinrich=Fuhr=Straße von Beckſtraße
bis Heidenreichſtraße vom 13. Mai 1931 bis auf weiteres für
Fahrzeuge aller Art geſperrt.
Darmſtädter Zuriſtiſche Geſellſchaft.
Im Mittelpunkt des 32. Vortragsabends der Darmſtädter
Juriſtiſchen Geſellſchaft ſtand ein Vortrag des Rechtsanwalts Dr.
Hermann Neuſchäffer=Darmſtadt über „Monopolmißbrauch
und Kontrahierungszwang”. Ueber den engeren Rahmen des
Themas hinaus geſtaltete ſich der inhaltlich und der Form nach
gleich vollendete Vortrag zu einer grundſätzlichen
Auseinander=
ſetzung mit dem alten und ewig neuen Problem des Verhältniſſes
der Rechtsſprechung zur Geſetzgebung. Der Geſetzgeber iſt bei
Auf=
ſtellung der Geſetzesnormen darauf angewieſen, von denjenigen
ſozialen und wirtſchaftlichen Tatbeſtänden auszugehen, die ſeiner
Zeit typiſch ſind. In Perioden ruhiger Entwicklung werden aus
dieſer Zeitbedingtheit kaum Nachteile erwachſen. Anders in einer
Zeit wie der unſeren, in der die ökonomiſche und ſoziale Struktur
einer grundlegenden und zugleich ſprunghaften Wandlung
unter=
liegt. Hier erwächſt der Rechtsſprechung die ſchwierige, aber auch
dankbare Aufgabe, neue Tatbeſtände in alte, auf ſie eigentlich gar
nicht zugeſchnittene Normen einzufangen. In welchem Umfange
und mit welchem Erfolg die deutſchen Gerichte, und vor allem
das Reichsgericht, dieſer Aufgabe gerecht geworden ſind, verſuchte
der Vortragende an den beiden im Vortragsthema bezeichneten
Fragenkomplexen darzulegen, die um deswillen beſonders glücklich
gewählt ſind, weil ſich in ihnen der Kampf zwiſchen
Individualis=
mus und Kollektivismus, der unſer Wirtſchaftsleben beherrſcht,
widerſpiegelt und weil aus ihnen erſichtlich wird, wie dieſer
Kampf auch im Rahmen des Rechts ſeinen Austrag findet.
Unſer bürgerliches Richt wird, ſo führte der Redner etwa
aus, von dem Grundſatz der Vertragsfreiheit beherrſcht. Gegen
die Monopolbildung als ſolche läßt ſich daher von der Seite des
Privatrechts nichts einwenden. Deſſen Mittel könne vielmehr erſt
dann eingeſetzt werden, wenn der Monopolinhaber ſeine
wirt=
ſchaftliche Machtſtellung beim Anbieten von Waren oder
gewerb=
lichen Leiſtungen übermäßig ausnutzt, wenn er mit ihr „
Miß=
brauch” treibt und dadurch gegen die guten Sitten verſtößt.
(§ 138 BGB.) Unter dieſem Geſichtspunkt hat das Reichsgericht
in der Rechtsſprechung der letzten Jahre gewiſſe
Geſchäfts=
bedingungen der Reichsbahn, die Verbandsbedingungen der
Spe=
diteure und Transportunternehmungen, die Geſchäftsbedingungen
der Auskunfteien und Großbanken, die Vereinbarungen zwiſchen
den Herſtellern und Wiederverkäufern von Markenartikeln auf
ihre Zuläſſigkeit geprüft. Im einzelnen Fall hat es das
Eingrei=
fen davon abhängig gemacht, ob es ſich um einen Monpolinhaber
handelt, der lebensnotwendige Waren oder Leiſtungen anbietet,
die der Abnehmer bei anderen in gleicher Güte, nur zu erheblich
ungünſtigeren Bedingungen erhalten kann. In dem häufigen Fall
des Ausſchluſſes der Haftung für das eigene Verſchulden oder für
das Verſchulden der leitenden Angeſtellten oder der Beſchränkung
der Haftſumme auf einen beſtimmten Höchſtbetrag ſtellt das
Reichsgericht darauf ab, ob ſich der Monopolinhaber übermäßig
ſichere, indem er ohne wirtſchaftliche Notwendigkeit die geſetzliche
Haftungsregel umkehrt und den Abnehmer übermäßig belaſtet.
Feſte Regeln darüber, wann ein Mißbrauch vorliegt, laſſen ſich
natürlich ſchwer aufſtellen. Die Grenzen ſind flüſſig. Es kommt
alles auf die Umſtände des Falles an. Doch darf ſich die
richter=
liche Nachprüfung nicht darauf beſchränken, den individuellen
Ver=
trag und ſeine Wirkung auf die unmittelbaren Vertragspartner
zu unterſuchen. Im Vordergrund der Beurteilung muß vielmehr
die Erwägung ſtehen, daß nach dem Willen des Monopolinhabers
überhaupt nur Verträge dieſes Inhalts zuſtande kommen, daß alle
Verträge ſo wie der beanſtandete ausſehen ſollen. Ob und
inwie=
weit der Geſamtablauf der Wirtſchaft durch ein ſolches Vorhaben
geſchädigt wird, iſt die entſcheidende Frage.
Aus der Unzuläſſigkeit der als unſittlich erkannten
Be=
dingungen folgt unter Umſtänden eine Schadenserſatzpflicht des
Monopolinhabers. Iſt der Monopolinhaber aber darüber hinaus
poſitiv verpflichtet. Verträge zu angemeſſenen Bedingungen
abzu=
ſchließen? Mit dieſer Frage leitete der Referent zu dem zweiten
Teil ſeines Vortrages über. Die Gerichte lehnen den
Kontrahie=
rungszwang als Folge einer Monopolſtellung bisher faſt
durch=
weg ab, weil er im Geſetz keine Begründung finde. Doch drängt
die Entwicklung nach der Auffaſſung des Vortragenden zur
Be=
jahung des Kontrahierungszwanges: Der Inhaber eines
lebens=
notwendigen Monopols muß für verpflichtet erachtet werden zu
angemeſſenen Bedingungen abzuſchließen, wenn er nur zu
über=
mäßigen Bedingungen kontrahieren will, und er muß, ſoweit es
im Rahmen ſeines Betriebes überhaupt möglich iſt, gezwungen
werden können, ſich jedem kreditwürdigen Abnehmer zur
Ver=
fügung zu ſtellen. In ſcharf durchdachten pointierten
Ausfüh=
rungen ſuchte der Referent den Nachweis zu führen, daß ſich dieſe
Folgerung ſchon aus dem geltenden Recht — gleichſam im Wege
einer Vorwegnahme des Schadenserſatzanſpruches — herleiten
laſſe. Ob man dieſer auf den erſten Blick kühnen rechtlichen
Kon=
ſtruktion folgen mag oder nicht, jedenfalls iſt ſie ein intereſſantes
Beiſpiel dafür, wie man mit den Mitteln des geltenden Rechts
an die Löſung neu auftauchender Probleme heranzugehen
be=
ſtrebt iſt.
Anſpielend auf ein Wort Savignys ſchloß der Redner mit
der Feſtſtellung, daß man der Rechtsſprechung und Rechtslehre
unſerer Zeit die Bereitwilligkeit und Befähigung zu
rechtsſchöpfe=
riſcher Täigkeit und lebendiger Fortentwicklung des Rechts nicht
wohl abſprechen könne.
Darmſtädker Werbeſonnkag am 17. Mai 1931.
Viele Menſchen haben durch die Arbeitsbeanſpruchung des
Werktags nicht Zeit und Muße, ihre Einkäufe mit der nötigen
Sorgfalt tätigen zu können.
Um allen Gelegenheit zu geben, ihren Sommerbedarf in Ruhe
decken zu können, wird die Darmſtädter Geſchäftswelt auf dieſe
Tatſache Rückſicht nehmen und am Sonntag, dem 17. Mai, in der
Zeit von 1 bis 6 Uhr nachmittags ihre Geſchäfte öffnen, um
da=
mit eine Gelegenheit zum Kauf, insbeſondere auch für die
Land=
bevölkerung, zu ſchaffen.
Darmstädter Pahrplan-Buch
Sommer-Ausgabe
ist erschienen
Volkshochſchule. Die nächſte heimatgeologiſche
Wanderung, geleitet von Dr. Diehl", führt am Sonntag,
dem 17. Mai, nach Groß=Umſtadt—Frau Nauſes. Wir fahren mit
Sonntagskarte um 8 Uhr vom Oſtbahnhof nach Groß=Umſtadt.
Rückfahrt von Wiebelsbach 18.07 Uhr. — Für die Aufführung von
„Meine Schweſter und ich” am Donnerstag im Großen
Haus und „Zar und Zimmermann” im Kleinen Haus des
Landestheaters erhalten unſere Mitglieder ermäßigte Karten
in unſerer Geſchäftsſtelle.
Die neue Rechtslage in der Kriegsopferverſorgung. Zu dieſem
Thema ſprach in der ſtark beſuchten Monatsverſammlung der
Orts=
gruppe Darmſtadt des Zentralverbandes deutſcher
Kriegsbeſchä=
digter und Kriegerhinterbliebenen nach einem kurzen geſchäftlichen
Teil der Verſorgungsvertreter des Zentralverbandes, Kam. Rett.
Der Vortragende ging zunächſt auf die tiefe Beunruhigung ein,
die die letzten Notverordnungen und die Gerüchte über geplante
weitere Verſchlechterungen in die Reihen der Kriegsbeſchädigten
und Hinterbliebenen getragen haben. An Hand eines aus der
täglichen Praxis zuſammengeſtellten Zahlenmaterials gab der
Vortragende in 1½ſtündigen Ausführungen einen Ueberblick über
die Einwirkungen der Notverordnungen auf Lebenshaltung und
Geſundheit zahlreicher Kriegsopfer. Mit Unmut und Entrüſtung
nahm die Verſammlung zahlreiche Beiſpiele zur Kenntnis, eine
berechtigte Entrüſtung, die ſich noch ſteigerte, als man erfuhr, daß
Reichsminiſter Dr. Dietrich noch am 26. April Preſſevertretern
er=
klärt hatte, daß man auch vor den geſetzlich feſtgelegten Anſprüchen
nicht halt machen werde wenn, die Vorausſetzungen dazu gegeben
ſeien‟. Das bedeute alſo in ſchlichtem Deutſch, daß weitere
Spar=
maßnahmen und Abbauverordnungen folgen werden, und daß
ge=
rade diejenigen, die dem Vaterland Glieder und Geſundheit, Väter
und Söhne geopfert haben, wie kein anderer Volksteil
Sparmaß=
nahmen und Abbauverordnungen in fortgeſetzter Häufung über ſich
ergehen laſſen müſſen. In dieſem Sinne wurden 3 Entſchließungen
einſtimmig angenommen und den zuſtändigen Stellen zugeleitet.
Nach einigen weiteren geſchäftlichen Mitteilungen ſchloß der
Vor=
ſitzende, Kam. Maul, die Verſammlung mit dem Hinweis, daß
auf der Geſchäftsſtelle des Zentralverbandes, Rheinſtr. 47, jeder
koſtenlos Rat und Hilfe erhält.
Fahrplan der Landkraftpoſten Darmſtadt. Vom 16. Mai ab
werden die Fahrzeiten der nachmittags von hier abgehenden
Land=
kraftpoſten 1. (Rundfahrten über Eberſtadt, Jugenheim,
Balk=
hauſen. Beedenkirchen. Allertshofen, Ober= und Nieder=Beerbach,
Kühler Grund, Villenkolonie Eberſtadt) und 2. (Rundfahrten über
Ober=Ramſtadt, Lichtenberg, Klein=Bieberau, Ober=Modau,
Neutſch, Waſchenbach, Traiſa) Stunde früher gelegt: die
Rund=
fahrten beginnen alſo in Darmſtadt um 15.30 ſtatt 16 Uhr. Sie
haben ſich in der kurzen Zeit ihres Beſtehens als billige Reiſe=
und Warenbeförderungsgelegenheit in weiten Kreiſen der
Oeffent=
lichkeit große Beliebtheit erworben.
— Waſſerſport. Sonderfahrten nach Erfelden (Altrhein).
Die beliebten Fahrten an den Altrhein (Erfelden) werden auch
am Himmelfahrtstage, dem 14. Mai, durchgeführt. Außer in den
Vorverkaufsſtellen Adelmann. Rheinſtraße, und Hartmann,
Zigar=
renhandlung, Grafenſtraße, können Karten und Plätze im
Reiſe=
büro W. Köhler G. m. b. H., Luiſenplatz 1. Telephon 2418, beſtellt
werden.
Ausflug=Sonderzug an Chriſti Himmelfahrt. Der für
Don=
nerstag, den 14. Mai, nach Schwetzingen und Heidelberg in
Aus=
ſicht genommene Verwaltungsſonderzug wird beſtimmt verkehren.
Schwetzingen mit ſeinem reizvollen Märchengarten, die Stadt des
Spargels, und die Muſenſtadt Heidelberg, die Perle des Neckars,
ſind Reiſeziele, die beſuchenswert ſind und nachhaltige Eindrücke
hinterlaſſen. Es iſt zu erwarten, daß die Fahrkarten für die zur
Verfügung ſtehenden Sitzplätze bereits am Mittwoch vergriffen
ſind.
Aus dem Gerichtsſaal.
Aw. Maſſenkro Salys iſt kein hübſcher Burſche, aber er ſcheint
mit ſeinen 24 Jahren doch Eindruck auf kleine Mädchenherzen zu
machen. Eines Tages redete er ein ſolches Mädchen aus
Büttel=
born an, nachdem ſie ihm in mehrmaligem Vorbeigehen
ver=
heißungsvoll zugelächelt hatte, und ſie machten in der Folge des
öfteren Spaziergänge miteinander in die Wälder Darmſtadts.
Elſe ſchien Maſſenkro — der ihr erzählt hatte, er ſei eines reichen
Ungarn Kind — innig zu lieben, denn beinahe jedesmal gab ſie
ihm Geld. Sie muß ſelber ſagen daß er ſie nie darum bat, aber
er wußte es ihr in geſchickten Geſprächswendungen anzudeuten.
Als ſie eines Tages von der Mutter ihr Sparkaſſenbuch forderte,
um Maſſenkro eine größere Summe zu übergeben, wurde der das
aber zu bunt und ſie beauftragte den Bruder mit Nachforſchungen
nach Maſſenkro. Und o Schreck — er entpuppte ſich als ganz
ge=
wöhnlicher Deutſcher mit dem einfachen Namen Karl. Maſſenkro
iſt ungariſch und heißt Pferdeknecht, und als ſolcher hatte er einſt
bei Herrn Salys in Ungarn gedient. In nicht endenwollendem
Wortſchwall beteuert heute Karl alias Maſſenkro vor dem
Amts=
richter ſeine vollkommene Unſchuld. So vollkommen erſcheint ſie
dieſem jedoch nicht und er verurteilt Maſſenkro wegen
Be=
trugs zu zwei Wochen Gefängnis, die durch die
Unter=
ſuchungshaft als verbüßt gelten. „Dankeſchön” verabſchiedet ſich
Maſſenkro von dem Richter.
Ein Heidenheimer Student war wegen
Zech=
betrugs angeklagt, doch, obwohl er yin Luftikus zu ſein ſcheint.
konnte ihm eine Betrugsabſicht nicht einwandfrei nachgewieſen
werden, ſo daß er freigeſprochen wurde. — Ein anderer
junger Mann dagegen, der ſich von einem hieſigen Schneider einen
Anzug erſchwindelt hatte und dann ausgerückt war, erhielt drei
Monate Gefängnis.
Einen Seitenſprung, deſſen Folgen nachher beſeitigt werden
ſollten, haben eine junge Frau und ihr Liebhaber mit
75 und 130 Mark Geldſtrafe wegen verſuchter
Ab=
treibung zu büßen.
Zum Räuberüberfall in Wixhauſen! Wie bereits
be=
richtet, haben die Täter in der Nacht zum 10. Mai in Wixhauſen".
bei dem Metzgermeiſter Mannheimer einen Einbruch verübt
und dabei auf den Sohn des Geſchädigten geſchoſſen, ohne ihn
zu treffen. Die Täter fuhren mit einem Perſonenkraftwagen
in die Nähe von Wixhauſen, ſtellten ihn hinter einer dort
be=
findlichen Dreſchhalle, auf und fuhren nach der Tat mit dem Wagen
davon. Auf die eingegangenen Nachrichten hin wurden
umfang=
reiche Ermittlungen des Landeskriminalpolizeiamtes im Verein
mit der Kriminalpolizei Darmſtadt getätigt, die zur Feſtſtellung
und Ergreifung der Täter führten. Einer der Täter konnte
flüchten. Es handelt ſich um den 20jährigen Metzger Joſef
Huſeck aus Darmſtadt. Er iſt 1,66 Meter groß, von ſchlanker
Statur, hat mittelblondes, langes nach hinten gekämmtes Haar,
ſchmales, bartloſes Geſicht und etwas aufgeworfene Lippen.
Be=
ſondere Kennzeichen: Verkrüppelter Zeigefinger an der linken
Hand. Huſeck trug bei ſeiner Flucht dunklen Anzug und ſchwarze
Halbſchuhe mit Gummiabſätzen.
Perſonen, die Angaben zur Ergreifung des Huſeck machen
können, werden gebeten, der nächſtliegenden Polizeibehörde oder
dem Landeskriminalpolizeiamt Mitteilung zu machen.
— Verkehrsunfall. Um 8.15 Uhr geſtern früh überſchlug ſich
ein mit zwei Perſonen beſetztes Motorrad mit Seitenwagen, das
aus Eſſen kam und auf dem Wege nach Italien war. Die
Ma=
ſchine überſchlug ſich durch Anziehen der Vorderradbremſe, ſo daß
ſie in Rückenlage kam. Glücklicherweiſe geriet der Wagen nicht
in Brand, trotzdem Oel und Benzin über die heiße Maſchine
lie=
fen. Beide Perſonen lagen unter dem Wagen. Die Frau im
Seitenwagen trug erhebliche Verletzungen im Geſicht davon, ſie
erlitt u. a. einen Naſenbeinbruch und mußte ins Krankenhaus
ge=
bracht werden. Der Fahrer ſelbſt kam mit leichten
Hautabſchür=
fungen und Verſtauchung des rechten Handgelenks davon.
Oeffentliche Impftermine werden von heute ab in der
Rundeturmſchule, in der Ohlyſchule ſowie in der Mornewegſchule
abgehalten. Die näheren Termine hierfür ſind aus der heutigen
Bekanntmachung zu erſehen.
Ausklopfen, Ausſchütteln, Abkehren uſw. von Bettwerk,
Teppichen, Kleidungsſtücken, Staubtüchern und dergleichen nach
Straßen, öffentlichen Plätzen und Vorgärten hin. Das
Polizei=
amt bringt in Erinnerung, daß das Ausklopfen, Ausſchütteln,
Ab=
kehren uſw. von Bettwerk, Teppichen, Kleidungsſtücken,
Staub=
tüchern und ähnlichen Gegenſtänden nach Straßen, öffentlichen
Plätzen und Vorgärten hin gemäß § 366. Ziffer 8 des
Reichsſtraf=
geſetzbuches und Artikel 292 des Polizeiſtrafgeſetzes unſtatthaft und
mit Strafe bedroht iſt. Weiter machen wir darauf aufmerkſam,
daß das Klopfen von Teppichen, Bettwerk, Möbeln und
der=
gleichen ſowie ähnliche mit Geräuſch und Staubentwicklung
ver=
bundene Verrichtungen regelmäßig nur werktags in den
Vor=
mittagsſtunden zwiſchen 9 und 11 Uhr vorgenommen werden
ſollten!
Es verſehen den Sonntagsdienſt und in der daran ſich
an=
ſchließenden Woche den Nachtdienſt vom 14. Mai bis 16. Mai die
Löwenapotheke, Ballonplatz 11, Adlerapotheke,
Wilhel=
minenplatz 17, Hirſchapotkeke, Nieder=Ramſtädterſtr. 21.
Nummer 132
Der heſſiſche Richkerverein
hielt in Bensheim a. d. B. ſeine Hauptverſammlung ab. Der Tag
war glücklich gewählt: Bensheim prangte im Schmuck der
Apfel=
blüte, die Bergſtraße zeigte ſich in ſtrahlendem Sonnenſchein von
ihrer ſchönſten Seite. Die Beteiligung entſprach leider nicht den
Erwartungen. Die wirtſchaftliche Not, unter der die höheren
Be=
amten gleich allen anderen Ständen zu leiden haben, hatte viele
vom Erſcheinen abgehalten.
Im Mittelpunkt der Tagung ſtand ein Vortrag des
Oberamtsrichters Hofmeier=Altenſtadt über die
Rechtspflegeord=
nung, ein Thema, das vom rechtspolitiſchen und berufsſtändiſchen
Standpunkt gleicherweiſe bedeutſam iſt, gilt es doch, durch eine
neue Abgrenzung der Zuſtändigkeit zwiſchen den Richtern
einer=
ſeits und den Beamten des mittleren Juſtizdienſtes andererſeits
eine Löſung zu finden, die den Erforderniſſen der Sparſamkeit
Rechnung trägt, ohne doch die Güte und Unabhängigkeit der
Rechtspflege zu beeinträchtigen.
Anſchließend gab der Vorſitzende des Heſſiſchen Richtervereins,
Oberlandesgerichtsrat Dr. Schneider, einen Ueberblick über die für
den Verein und ſeine Mitglieder bedeutſamen Ereigniſſe des
ver=
fkoſſenen Jahres. Er wies unter anderem darauf hin, daß am
Tage zuvor in der Juſtizdebatte des Landtags von einzelnen
Red=
nern verletzende Angriffe gegen die Richter erhoben und daß
ins=
beſondere die Unparteilichkeit der Richter in politiſchen Prozeſſen
angezweifelt worden ſei. Er begrüßte es, daß der Vertreter des
Juſtizminiſteriums ſofort Veranlaſſung genommen habe, dieſen
unberechtigten Angriffen ſcharf entgegenzutreten. Er verband
da=
mit unter dem Beifall der Verſammlung das Gelöbnis, daß die
heſſiſchen Richter trotz aller Angriffe und Anfeindungen unbeirrt
beſtrebt bleiben werden, ihre ſchwere Aufgabe in voller
Unpartei=
lichkeit zu erfüllen.
In der anſchließenden Ausſprache wurde eine Reihe
ſtandes=
politiſcher Fragen erörtert. Der Vertreter des Juſtizminiſteriums,
Staatsrat Dr. von Eiff legte in längeren Ausführungen die
Stellungnahme der Juſtizverwaltung zu den erörterten Punkten
dar. Landgerichtsdirektor Keller ergriff als Mitglied des
Land=
tags das Wort. Auch die Frage des Nachwuchſes wurde berührt.
Die Ueberfüllung der juriſtiſchen Berufe nimmt beängſtigende
Formen an. Der Durchführung des immer wieder empfohlenen
Numerus elausus ſtehen Bedenken grundſätzlicher und
Schwierig=
keiten techniſcher Art entgegn. Ein anderer Weg zur Abhilfe iſt
bisher nicht gefunden, und doch muß in Kürze ein Wandel
ein=
treten, ſoll nicht die Integrität des Anwalts= und Richterſtandes
gefährdet werden.
Der Vorſtand wurde durch Zuwahl des Landgerichtsrats Dr.
Sack=Mainz und des Gerichtsaſſeſſors Dr. Beſt=Gernsheim ergänzt.
An die dreiſtündigen Beratungen ſchloſſen ſich ein gemeinſames
Mittageſſen im „Deutſchen Haus” und ein Spaziergang zur Zeller
Mühle an. Von Oberamtsrichter Vetzberger=Bensheim ſorgſam
vorbereitet, verlief der geſellige Teil der Veranſtaltung, den
Zeit=
verhältniſſen entſprechend einfach, aber deshalb nicht weniger
har=
moniſch und befriedigend.
Dch.
— Gabelsberger Stenographenverein (gegr 1861) Darmſtadt
(Ballonſchule). Der Verein, der wiederholt über große Erfolge
auf ſeinen Gebieten berichten konnte, hatte auch bei dem
Bezirks=
wetkampf anläßlich des 26. Bezirkstags des 23 Vereine
umfaſſen=
den Kurzſchriftbezirks Darmſtadt am vergangenen Sonntag in
Langen einen außergewöhnlich ſchönen Erfolg zu verzeichnen. Mit
zirka 130 Teilnehmern erhielt der Verein 26 Ehrenpreiſe, 97 erſte,
5 zweite und 4 dritte Preiſe. Insgeſamt waren ausgegeben
wor=
den bei einer Beteiligung von 400 Wettſchreibern 44 Ehrenpreiſe,
:287 erſte, 40 zweite, 15 dritte Preiſe. Bei den Preiſen des
Ver=
eins befand ſich u. a. in 240 Silben die höchſte und beſte mit einem
Ehrenpreis ausgezeichnete Arbeit des Mitglieds Hans Fiſcher, der
Ddafür den Ehrenpreis der Stadt Langen erhielt. Im übrigen
ſhatte der Verein aber auch in allen übrigen Abteilungen von 60
Silben bis 240 Silben aufwärts die beſten Leiſtungen zu
verzeich=
men und die erſten Ehrenpreiſe erhalten. Im beſonderen trat dies
ſhervor bei den Abteilungen von 120 Silben aufwärts, alſo bei
wen Abteilungen, die vorwiegend für die Praxis in Frage
kom=
unen. Der Verein wurde allerſeits zu ſeinem außerordentlich
ſchö=
men Erfolge beglückwünſcht. — Im übrigen ſei bei dieſer Ge=
Tegenheit darauf hingewieſen, daß der Verein im Juli ds. Is in
WVerbindung mit dem 51. Verbandstag des Heſſiſch Naſſauiſchen
Rurzſchriftenverbandes, der dieſerhalb hierher verlegt wurde, ſein
F0jähriges Beſtehen feiert. Für den Verbandstag iſt der Verein
Feſtgebender Verein. Das Nähere über die Veranſtaltungen wird
vemnächſt in beſonderen Anzeigen in dieſem Blatt
bekannt gegeben werden. Schon jetzt ſei aber hier
mit=
geteilt, daß Herr Staatspräſident Dr. h c. Adelung das Protekto=
Fat über beide Veranſtaltungen (Verbandstag und 70jähriges
Stiftungsfeſt des Vereins) übernommen hat.
— Der Bund der techniſchen Angeſtellten und Beamten.
Orts=
verein Darmſtadt, hielt ſeine Monatsverſammlung im Kaiſerſaal
ab. Im Mittelpunkt dieſes erfolgreichen Abends ſtand das
Refe=
tat des Kollegen Stanowſky von der Gauverwaltung Frankfurt
am Main mit dem Thema: „Das Reichsarbeitsgericht und ſeine
Rechtſprechung vom ſozialen Standpunkt‟. Der Redner verſtand
es, in vorzüglicher Weiſe die Aufmerkſamkeit der geſamten
Ver=
ſeammlung auf ſich zu feſſeln. Er gab einen kurzen Abriß über die
Entwicklung des Rechts und über die Entwicklung des Richter=
Fandes. An Hand praktiſcher Beiſpiele zeigte er dann die heutige
Rechtſprechung des Reichsarbeitsgerichts, insbeſondere mit
Stel=
lungnahme zum ſozialen Standpunkt. Nachdem noch der neue
Tarifvertrag für das Baugewerbe und verſchiedene andere
Fra=
gen erledigt waren, fand der lehrreiche und intereſſante Abend
ſeinen Abſchluß.
— Der Name Albert Schweitzers iſt in aller Mund. Das wird
an dem großen Gelehrten und Künſtler bewundert, daß er das
Opfer gebracht hat, in den afrikaniſchen Urwald zu gehen und dort
ein Krankenhaus zu bauen und zu leiten, um den Negern zu
hel=
ſen in ihren Nöten. — An Chriſti Himmelfahrt findet in der
Stiftskirche ein Miſſionsgottesdienſt ſtatt, in dem Direktor D.
Ihmels von der Leipziger Miſſion die Feſtpredigt hält und dann
unſere Diakoniſſe Jenny von Stebut abordnet zum Dienſt in dem
Miſſionsſpital zu Madſchame (Oſt=Afrika). Schon im Jahre 1912
war die erſte Miſſionsdiakoniſſe Friedrike Steinacker nach
Oſt=
affrika ausgeſandt worden, die dann 1919, nachdem ſie die ganze
Eriegszeit dort verbracht hatte, wieder in die Heimat zurückkehrte,
— Um 3 Uhr nachmittags findet, wenn möglich im Stiftsgarten,
EEne Nachfeier mit Anſprachen ſtatt (Jahresbericht des Stifts und
Bilder aus der afrikaniſchen Miſſion). Das Miſſionsopfer und
der Erlös eines Miſſionsverkaufs in den neuen Räumen der
tabegſchule, ſoll zur Ausreiſe der Miſſionsſchweſter verwandt
werden.
EPH. Martinsgemeinde. Am Himmelfahrtstage findet
wie=
der um 8 Uhr vormittags am Hartig=Denkmal unter Mitwirkung
des Poſaunenchors ein Waldgottesdienſt ſtatt. Der
Hauptgottes=
dienſt iſt wie ſtets um 10 Uhr in der Kirche. — Am Sonntag, den
7. Mai, veranſtaltet unſer Jugendverein einen Elternabend.
Nach langen Vorbereitungen und mit viel Hingebung iſt eine
große Aufführung in die Wege geleitet. Es ſoll zur Darſtellung
kommen „Die Bauernführer” von Walter Flex. Das Jugendwerk
des gefallenen Dichters iſt von hingebender Kraft und verrät
be=
reits die Größe des Verfaſſers. Es behandelt den geſchichtlichen
Scoff des Bauernkrieges von 1525. Die Gemeinde iſt herzlichſt
ſazu eingeladen. Der Eintritt koſtet 30 Pfg.
EPH. Himmelfahrtgottesdienſt im Wald. Auch dieſes Jahr
ſindet wieder am Himmelfahrtstage vormittags 8 Uhr ein
evan=
zeliſcher Waldgottesdienſt am Hartig=Denkmal ſtatt. Der Po=
gunenchor der Martinsgemeinde wird dabei mitwirken.
Mittwoch, den 13. Mai 1931
Seite 7
Das neue Bauſparkaſſengeſetz und das Handwerk.
Von K. Pauli, Frankfurt a. M.
Seit zwei Jahren arbeiten die geſetzgebenden Körperſchaften
an dem B.S.G., auf das nicht nur die Bauſparkaſſen und
Bau=
ſparer, ſondern auch das notleidende Handwerk warten.
Nachdem bereits im Februar 1931 dieſes Geſetz vom Reichsrat
angenommen wurde, hat nun auch der Reichstag ſeine
Zuſtim=
mung erteilt. Angebot und Nachfrage auf dem Gebiete der
Bau=
ſparkaſſen wird nunmehr eine ſehr erwünſchte Klärung erfahren,
die der Stützung des Vertrauens zu dem kollektiven
Bauſpar=
gedanken ſehr dienlich ſein wird.
Bemerkenswert iſt, daß alle die ſeither ſchon
anerkann=
ten großen Bauſparkaſſen dieſes Geſetz mit Freude
be=
grüßen, an dem ſie auf Veranlaſſung des
Reichsarbeitsminiſte=
riums ſelbſt mitgearbeitet und ihre eigenen Beſtimmungen
be=
reits ſeit Jahren dem B.S.G. angeglichen haben, während ein
großer Teil der vielen nachgegründeten Unternehmen das Geſetz
bekämpft oder nach ihrem Sinne umzubiegen verſucht haben.
In dieſer Wahrnehmung liegt die pſychologiſche Einſchätzung
ihres wirtſchaftlichen Wertes als Bauſparkaſſe ſelbſt und ebenſo
die Selbſterkenntnis darüber, welche Bauſparkaſſen in Zukunft
weiter Berechtigung haben werden, maßgeblich am wirtſchaftlichen
Aufbau des Volkes und an der Arbeitsbeſchaffung für das
Hand=
werk mitzuarbeiten.
Der Präſident des „Deutſchen Handwerkerbundes”, Herr G.
Voigt, M. d. L., hat vor kurzem zur Frage der Bauſparkaſſen wie
folgt Stellung genommen, die im Allgemeinintereſſe hier
wieder=
gegeben werden ſoll:
„Wenn Sie bedenken, daß jeder achte Deutſche vom Bauen
lebt, daß das Baugewerbe als Schlüſſelwirtſchaft bezeichnet
wer=
den kann, daß aus wirtſchaftlichen, hygieniſchen und kulturellen
Gründen alles geſchehen muß, um die Bauwirtſchaft
anzurkur=
beln und namentlich den Bau von Eigenheimen zu fördern —
ſo können Sie verſtehen, warum wir gerade vom Deutſchen
Handwerkerbund aus die in Deutſchland mächtig ſich entwickelnde
Bauſparbewegung mit ſtarkem Intereſſe beobachten und uns mit
einer der führenden Organiſationen dieſer Art verbündet haben.
In den breiten Maſſen des Handwerkertums ſollen ſich
die=
jenigen Formen des Bauens entwickeln, die die Sparkräfte der
weniger kapitalkräftigen Schichten des deutſchen Volkes
mobili=
ſieren und durch Ablöſung von Hypothekenkrediten durch
zins=
freie langfriſtige Kredite zu einer Entſchuldung auch des
Hand=
werkers, namentlich auf dem Lande, führen.
In dieſem Sinne hat ſich jetzt die „Bauhilfe des Deutſchen
Handwerkerbundes” mit der „Darmſtädter Bau= und
Siede=
lungsgemeinſchaft” zuſammengetan.
Der Aufbau dieſer Gemeinſchaft iſt derart, daß bereits ſeit
1929 die Beſtimmungen des kommenden Bauſpargeſetzes, an dem
ich mitarbeiten konnte, verwirklicht ſind. Ihr gerechtes
Wer=
tungsſyſtem verhindert, daß der kapitalkräftige Sparer auf
Koſten der Groſchen der Minderbemittelten ſchnell zu einem
billigen Darlehen kommt. Durch das offene Gruppenſyſtem der
D.B.S. iſt in der Praxis die Höchſtwartezeit ganz erſtaunlich
herabgedrückt. Z. B. haben die 771 Darlehens=Empfänger aus
den Vergebungen von 1930 (nach Einzahlung von 10 v. H, der
Darlehensſumme) im Durchſchnitt kaum ein Jahr gewartet.”
Dieſer Stellungnahme eines wirklichen Fachmannes iſt nichts
hinzuzufügen. Lediglich ſoll geſagt werden, daß die
Auswirkun=
gen des Bauſparkaſſengeſetzes durch dieſe Stellungnahme bereits
fühlbare, klärende und bereinigende Strahlen ausſenden, die für
die Oeffentlichkeit und das Handwerk von ganz beſonderer
Bedeu=
tung ſind.
Das Geſetz tritt ab 1. Oktober 1931 in Kraft. Die Schaffung
dieſes Geſetzes iſt eine volkswirtſchaftliche Tat, die nicht nur die
Anerkennung des kollektiven Bauſparens durch das Reich
beſtä=
tigt, ſondern dem Bauſpargedanken auch die Tür zum Vertrauen
des Volkes öffnet.
* Aus den Darmſtädter Lichtſpieltheakern.
Zwei heitere Filme.
Marh Pickford und Douglas Fairbanks, ſpielen in
Der Widerſpenſtigen Zähmung” unter Sam
Tay=
kors Regie einen recht temperamentvollen und luſtigen Film.
Zwar hat der bewegliche Douglas Fairbanks ſchon Filmrollen
ge=
ſpielt, die mehr von ihm verlangten, vor allem von ſeiner
ſport=
lichen und gymnaſtiſchen Betätigung. Und die bildhübſche Mary
Pickford hat ebenfalls ſchon ſympathiſchere Mädchen verkörpert als
die kratzbürſtige Kathatina des Paduaner Edelmanns Baptiſta,
Und von Shakeſpeares „Der Widerſpenſtigen Zähmung” weicht der
Film ſehr erheblich ab. Schließlich ſoll er aber auch keine
Ver=
filmung Shakeſpeares ſein. Er baut ſich eine eigene luſtige
Hand=
lung auf die ſehr hübſch und unterhaltend durchgeführt wird.
Eine Reihe netter Bilder — für den deutſchen Geſchmack nur
etwas blaß — verlebendigt die luſtige Handlung, in der noch
Edwin Maxwell, Dorothy Jordan, Clyde Cook ihre
Rol=
len recht gut ſpielen.
In dem reichhaltigen Beiprogramm läuft unter anderem ein
ſehr guter, wenn auch ſchon etwas abgeſpielter Amerikaner=Film,
ein Schulbeiſpiel dafür, wie die Amerikaner es verſtehen, auch
an=
ſpruchsloſe Luſtſpielfilme mit ſtärkſtem Aufwand an Menſch, Tier
XX
und Material mit ſtärkſten Spannungen zu verſehen.
Eine andere humoriſtiſche Filmart wird im Helia geſpielt.
Er und ſeine Schweſter” iſt ein heiterer, eigens für die
Leinwand bearbeiteter Tonfilm, der viele luſtige Momente bringt.
Vor allem das friſche Spiel der entzückenden, ſchlanken und
ſym=
pathiſchen Anny Ondra verleiht der Handlung Schwung und
Leben. Anny als kleines Kammerkätzchen eines berühmten
Varietéſtars kommt mit Hilfe ihres Bruders und des
Briefträger=
vereins auf die Bühne und führt ihre Rolle trotz aller heiteren
Zwiſchenfälle bis zur glücklichen Verlobung” zu Ende. Roda
Roda, der auch den Film bearbeitete, iſt mit ſeiner urkomiſchen
Mimik wie geſchaffen für dieſes Luſtſpiel. Vlaſta Burian reiht
ſich glänzend ſeinen beiden Partnern an. Der flotte, wenn auch
in ſeiner Handlung reichlich anſpruchsloſe Film hat ſo viele
lächerliche Situationen, daß man unwillkürlich mitlachen muß.
Im Beiprogramm wird ein Kulturfilm „Das Entſtehen der
Schaufenſterpuppen”, ein amerikaniſcher Groteskfilm und die
Wochenſchau gezeigt,
— In den Palaſtſpielen, Grafenſtraße läuft ab heute im
gro=
ßen Doppelprogramm ein Filmwerk aus der kaliforniſchen Wüſte
„Galgenvögel” mit Charles Pickford, Raymond Hatton und Fred
Kohler in den Hauptrollen, Regie: W. Wyler. Der Film bringt
Wüſtenbilder, Sandſtürme, dahinſtürmende Reiter und zeigt das
Schickſal dreier Bankräuber. Im zweiten Teil ſieht man den
großen Fliegerfilm „Der einſame Adler” mit Aufnahmen von
aufregenden Flugkämpfen und Abſtürzen. Der Film gibt eine
Schilderung des Lebens einer deutſchen und engliſchen
Kampf=
ſtaffel.
— Die Kaufmänniſche Stenographen=Geſellſchaft macht
noch=
mals auf ihre am Mittwoch den 13. und Freitag, den 15. d. M.,
abends beginnenden Kurſe für Anfänger in der Reichskurzſchrift
aufmerkſam. Die Kurſe finden in den eigenen Räumen der
Ge=
ſellſchaft, Ecke Zeughaus= und Schleiermacherſtraße (Eingang nur
Schleiermacherſtraße) ſtatt. Die Geſchäftsſtelle der Geſellſchaft gibt
auch während der Tagesſtunden bereitwilligſt Auskunft. Kurſe
in Maſchinenſchreiben für Anfänger und Vorgeſchrittene können
täglich begonnen werden.
Wochenendfahrk nach dem Schwarzwald.
Die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. veranſtaltet am 6.
und 7. Juni eine Wochenendfahrt nach dem Schwarzwald. Ein
Sonderzug wird in beſchleunigter Fahrt die Wochenendler von
Frankfurt aus nach Freiburg bringen. Der Fahrpreis beträgt
für jede Perſon nur die Hälfte des gewöhnlichen Fahrpreiſes,
z. B. von Frankfurt a. M. nach Freiburg und zurück 11.20 RM.
Die Abfahrt des Sonderzuges erfolgt in Frankfurt a. M. am
6. Juni (Samstag) um 8.10 Uhr. Der Sonderzug hält unterwegs
noch in Buchſchlag=Sprendlingen, in Langen, Darmſtadt
Bens=
heim und Weinheim. Ankunft in Freiburg 12.58 Uhr. Für den
Aufenthalt in Freiburg liegt ein mit großer Sorgfalt
ausgearbei=
tetes Programm vor. Es iſt aber niemand verpflichtet, ſich an
den vorgeſehenen gemeinſamen Beſichtigungen und Wanderungen
zu beteiligen Um den Teilnehmern die Mühe für die
Beſchaf=
fung einer Uebernachtungsgelegenheit abzunehmen, vermittelt die
Reichsbahn koſtenlos billige Unterkünfte in Hotels, Gaſthäuſern,
Privatpenſionen uſw. Wer eine ſolche Vermittlung wünſcht, gebe
dies bei der Löſung der Sonderzugfahrkarte, ſpäteſtens bis zum
29. Mai, an. Für den Sonntag z. B. ſind Ausflüge z. B. nach
dem Schauinsland, nach Kirchzabern, nach Güntherstal, nach Hotel
Halden und Notſchrei uſw. vorgeſehen. Für die am Sonntag mit
dem Sonderzug nach Richtung Bärental weiterfahrenden
Teilneh=
mer ſind beſondere empfehlenswerte Wanderungen nach dem
Feld=
berg und weiter nach dem Schauinsland oder ab Bahnhof Höllſteig
durch die Ravennaſchlucht nach Hinterzabern und Tittiſee geplant.
Die einzelnen Gruppen werden von kundigen Führern koſtenlos
geführt. Die Rückfahrt erfolgt mit dem Sonderzug ab Bärental
um 16.36 Uhr, ab Freiburg um 18.20 Uhr, die Unkunft in
Frank=
furt um 23.11 Uhr.
Zu dieſem von Frankfurt aus verkehrenden Sonderzug wird
von Gießen nach Frankfurt ein beſonderer Anſchlußzug gefahren
werden. Die Anwohner der von Fulda, von Bad Homburg, von
Cronberg, von Hochheim, von Niedernhauſen und von Goldſtein
nach Frankfurt führenden Strecken haben ſowohl für die Hin= wie
für die Rückfahrt äußerſt günſtige Anſchlüſſe mit
fahrplanmäßi=
gen Zügen. Für die Fahrt von dem Heimatbahnhof nach
Frank=
furt und zurück ſind für die Benutzung dieſer fahrplanmäßigen
Züge gewöhnliche Fahrkarten bzw. Sonntagskarten zu löſen.
Wer an dieſer lohnenden Wochenendfahrt Intereſſe hat, wende
ſich an die Fahrkartenausgabe eines Bahnhofes. Dort wird ihm
jede gewünſchte Auskunft gerne erteilt werden. Wünſchen von
Vereinen uſw. auf gemeinſame Unterbringung in dem Sonderzug
wird entſprochen.
Lokale Veranftalkungen.
Aus den Parkeien.
— Deutſche Volkspartei, Frauengruppe. Wir
erinnern nochmals an die heute nachmittag auf dem Heiligen
Kreuz ſtattfindende geſellige Zuſammenkunft. Unſere geſchätzte
Landtagsabgeordnete, Frau Maria Birnbaum, hat ſich in
dankens=
werter Weiſe bereit erklärt, einen Vortrag zu halten. Wir bitten
um zahlreiches Erſcheinen.
— Ausder Deutſchnationalen Volkspartei. In
Frankfurt tagte der Geſchäftsführende Ausſchuß der
Deutſchnatio=
nalen Volkspartei, der vollzählig erſchienen war. Es wurde mit
Freude feſtgeſtellt, daß die Mitgliederzahl und der
Verſammlungs=
beſuch ſeit einer Reihe von Monaten im Anwachſen iſt. Nachdem
eine Reihe organiſatoriſcher Fragen behandelt worden waren,
wurde folgende Entſchließung einſtimmig angenommen:
Den heſſiſchen Abgeordneten wird der Dank für ihre Tätigkeit im
Landtag ausgeſprochen. Sie werden erſucht, die bisher
beſchritte=
nen Wege weiter zu gehen, ſich insbeſondere allen Maßnahmen zu
widerſetzen, die auf eine weitere ſteuerliche Belaſtung der
Bevöl=
kerung, insbeſondere des ſtädtiſchen und ländlichen Grundbeſitzes.
hinauslaufen. Die D.N.VP. lehnt wie ſchon ſeit Jahren, auf
das entſchiedenſte jegliche Steuererhöhung ab. Sie ſieht den Weg
zur Sanierung der Finanzen in der Senkung der Ausgaben.”
Die blerunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweſſe auf Anzeigen zu betrachten.
in keinem Falle irgendwſe als Beſprechung oder Krit”
— Bibelabend im Chriſtlichen Verein junger
Männer, Alexanderſtraße 22 (Inf. Kaſerne). Heute, Mittwoch,
abends ſpricht Herr Miſſionar Richter von der Herrnhuter
Brü=
dermiſſion in unſerem Kreiſe. Wir laden unſere Mitglieder,
ſo=
wie deren Angehörige und Freunde unſeres Vereins zu dieſem
Abend herzlich ein. Ebenſo laden wir ſchon heute zu dem Vortrag:
„Die Großmächte der Vergangenheit und Gegenwart ein, den Herr
Dr. Grünwald am Sonntag, den 17. Mai, abends, in unſerem
Heim hält.
— Sportplatzreſtaurant und Café
Böllenfall=
tor. Heute der beliebte Kaffee= und Kuchentag mit Konzert.
Abends Tanz. Chriſti Himmelfahrt Frühkonzert. (Siehe Anz.)
Vereinskalender.
— D. H. V., Ortsgruppe Darmſtadt
Himmelfahrts=
tag: Ausflug in den vorderen Odenwald. Abfahrt 7.25 Uhr mit
der Straßenbahn vom Luiſenplatz zur Endſtation Eberſtadt=
Frankenſtein.
Kirchliche Nachrichken.
Schloßkapelle Kranichſtein. Am Himmelfahrtstag, vorm. 8 Uhr:
Gottesdienſt. Pfarrer Grein=Arheilgen.
Die Chriſtengemeinſchaft (in der Städtiſchen Akademie für
Ton=
kunſt, Eliſabethenſtraße). Donnerstag, den 14. Mai (Chriſti
Himmel=
fahrt), vorm. 10 Uhr: Menſchenweihehandlung mit Predigt.
Evangeliſche Gemeinſchaft, Schulſtraße 9. Donnerstag (
Himmel=
fahrt) den 14. Mai: Gemeindeausflug nach dem Kirchberg; daſelbſt
Got=
tesdienſt. Treffpunkt: Tierbrunnen. Abmarſch pünktlich 9 Uhr.
Tageskalender für Mittwoch, den 13. Mai 1931.
Heſſ Landestheater, Großes Haus, 19.30—22 Uhr B 23.
I, Gr. 1: „Turandot”. — Kleines Haus, 19.30—22.15 Uhr.
Zu=
ſatzmiete V 12: Die Wildente” — Konzerte: Zur Oper,
Rheingauer Weinſtube, Schloßkeller, Datterich. Sportplatz=Reſt.
am Böllenfalltor, Sport=Café am Meßplatz. Zum Tropfſtein,
Alter Ratskeller, Hotel=Reſtaurant Poſt —
Kinovorſtel=
lungen: Union=, Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.
Seite 8
Mittwoch, den 13. Mai 1931
Nummer 132
Aus Heſſen.
Das Frühlingskrenzkrauk.
(Mitteilung aus der Heſſiſchen Hauptſtelle für Pflanzenſchutz.)
In den letzten Jahrzehnten iſt aus dem Oſten Deutſchlands ein
Unkraut zu uns gekommen, das durch ſeine ſchnelle
Vermehrungs=
fähigkeit immer weitere Verbreitung anzunehmen droht; es iſt
dies das Frühlingskreuzkraut (Senecio vernalis)
Die Hauptblütezeit liegt im Monat Mai. Aus den Samen,
die bis zum Herbſt keimen, entwickelt ſich im Laufe des Winters
eine Blattroſette, aus dem im Frühjahr die blättertragenden
Blü=
tenſtengel hervortreiben. Die Blätter, die buchtig gefiedert ſind,
ſind ober= und unterſeits zottig behaart. Der Blütenſtand iſt ein
Körbchen mit leuchtend gelben Blüten. Die Samen haben eine
ſchirmförmige Haarkrone, die ihnen weite Verbreitung durch
Flie=
gen ermöglicht.
Wo finden wir das Frühlingskreuzkraut nun in der
Haupt=
ſache? Stets ſind die Kleefelder ſtark in Mitleidenſchaft gezogen,
während es in Getreidefeldern oder auf Hackfruchtfeldern kaum
in nennenswerter Menge auftritt. Hauptſtandorte bilden dann
noch ſchwach bewachſene Böſchungen, Schuttſtellen, überhaupt alle
Stellen, die außerhalb der landwirtſchaftlichen Kulturflächen
liegen.
Dies erklärt ſich aus dem Entwicklungsgang der Pflanze. Wie
ſchon erwähnt, iſt die Hauptblütezeit im Mai; die meiſten Samen
keimen dann noch im Laufe des Sommers, ſo daß ſie bei der
Herbſt=
bearbeitung des Feldes zugrunde gehen. Die wenigen Samen, die
erſt im Frühjahr keimen, entwickeln ſich aber nur zu ſpärlichen
Pflanzen. Anders verhält es ſich auf Feldern mit mehrjährigen
Kulturpflanzen, wie z. B. auf Kleeſchlägen. Dort können die
jun=
gen Pflanzen ungeſtört wachſen, ſo daß ſie meiſt ſchon beim erſten
Schnitt reife Samen haben oder doch ſo weit in der Entwicklung
vorgeſchritten ſind, daß ſie, abgeſchnitten, noch nachreifen.
Die=
jenigen Pflanzen aber, die nicht zu tief abgemäht ſind, treiben
neue Schoſſe und kommen ſpäter nochmals zur Blüte. Es iſt ſo
das Frühlingskreuzkraut das typiſche Unkraut der Kleefelder, was
auch ſchon daraus hervorgeht, daß an zahlreichen Stellen ſein erſtes
Auftreten gerade auf Kleefeldern beobachtet worden iſt.
Was iſt nun gegen die Verbreitung des Frühlingskreuzkrautes
zu tun? Man muß verſuchen, durch rechtzeitiges Jäten und
Ab=
hacken der Pflanzen vor der Blüte die Abſamung und die
Verbrei=
tung der Samen zu verhindern. Hierbei iſt noch zu beachten, daß
blühend ausgeriſſene Pflanzen die Samen noch ausreifen können
darum iſt vor allem die ſofortige Entfernung der ausgeriſſenen
Pflanzen nicht dringend genug anzuraten. Werden die Pflanzen,
was man leider ſehr häufig finden kann, einfach auf die Feldwege
oder gar in die Ackerfurchen geworfen, ſo bildet man von hier aus
eine neue Verſeuchungsquelle für die benachbarten Kulturflächen.
Selbſtverſtändlich müſſen auch die an Wegrainen und Feldwegen
wachſenden Pflanzen in gleicher Weiſe ausgerottet und vernichtet
werden. Gerade hier bleibt das Unkraut ſehr oft bis zur
Voll=
reife ſtehen und überſchwemmt die ganze Umgebung mit Samen.
Dr. Becker.
Dd. Arheilgen. 12. Mai. Gemarkungsrundgang. Der
Obſt= und Gartenbauverein unternahm am Sonntag nachmittag einen
Gemarkungsrundgang, an dem ſich ungefähr 20 Perſonen beteiligten.
In Anbetracht der lehrreichen und intereſſanten Beobachtungen und
Beratungen iſt es eigentlich zu bedauern, daß ſich nicht mehr Teilnehmer
dazu einfanden. Die Beſichtigung galt den Obſtbäumen zwiſchen der
Weiterſtädter Straße und dem Jungfernweg. Es ſollten insbeſondere
der Zuſtand der Bäume und die Wirkungen der Schädlingsbekämpfung,
der Veredlung und der Düngung feſtgeſtellt werden, um Rückſchlüſſe auf
die kommende Obſternte ziehen zu können. Der derzeitige Stand der
Obſtbäume kann als gut bezeichnet werden. Die Bäume haben gut
an=
geſetzt und ſtehen zurzeit in voller Blüte. Wenn keine Schäden mehr
durch ungünſtiges Wetter eintreten, iſt mit einer guten Ernte zu rechnen.
Auffallenderweiſe ſchlecht angeſetzt haben die Zwetſchenbäume. Sie
ſchei=
nen durch den ſtrengen Winter vor zwei Jahren ſehr notgelitten zu
haben. Die Spargelernte, die ſchon vor 8 Tagen begonnen hat, ſetzt jetzt
in vollem Umfange ein. Die Anpflanzungen, die erſt in den letzten
Jahren in größerem Maßſtabe in der hieſigen Gemarkung angelegt
wurden, betragen etwa 15—20 Morgen, werden aber in dieſem Jahre
noch nicht alle abgeerntet. Da dies die erſten Erzeugniſſe ſind, bieten
ſie der Landwirtſchaft eine ſehr erfreuliche, frühzeitige Einnahme. —
Der Turnverein macht wie alljährlich am Himmelfahrtstag einen
Spaziergang in den Wald. An dem gewohnten Lagerplatz an der
Prinzenſchneiſe wird ſich wieder ein luſtiges Treiben entwickeln.
Dg. Arheilgen, 12. Mai. Eine öffentliche
Gemeinderats=
ſitzung findet am kommenden Freitag, den 15. Mai, abends 7.30 Uhr,
im Rathausſaale ſtatt. Als wichtigſte Punkte ſtehen auf der
Tages=
ordnung: Beratung des Voranſchlages für das Rechnungsjahr 1931 ſowie
Feſtſetzung der endgültigen Gemeindeſteuern für das Rechnungsjahr
1930. — Die Bürgermeiſterei macht auf die
Milchverkaufsord=
nung für den Kreis Darmſtadt vom 8. März 1907 aufmerkſam und
empfiehlt deren beſondere Beachtung. Die Beſtimmungen, die während
der Amtstage auf der Bürgermeiſterei eingeſehen werden können,
ent=
halten die Vorſchriften über den Verkauf von Milch im allgemeinen,
über die Räumlichkeiten, in denen die für den Verkauf beſtimmte Milch
aufbewahrt, verarbeitet oder verkauft wird. — Schüler=
Unfalk=
verſicherung. Die im vorigen Jahre abgeſchloſſenen Schüler=
Un=
fallverſicherungen werden jetzt erneuert. Der Jahresbeitrag beträgt
wieder 1.— und 1,50 RM. Die Verſicherung, die mit der Neuen
Frank=
furter Allgemeinen vereinbart iſt, tritt in Kraft bei allen Unfällen, von
denen Schüler betroffen werden auf dem Schulgrundſtück (Schulgebäude
und Schulhof), beim Unterricht, Turnen und Spielen; ferner außerhalb
des Schulgrundſtückes bei Veranſtaltungen der Schule, z. B. bei
gemein=
ſamen Ausflügen, die dem erdkundlichen, naturwiſſenſchaftlichen ſowie
dem Zeichenunterricht dienen, ſowie bei gemeinſamen Spaziergängen und
=fahrten, Beſuchen von Ausſtellungen uſw.; des weiteren auf dem Wege
von und zu der Schule, gleich welche Transportmittel benutzt werden
(ausgenommen Motorräder und Luftfahrzeuge). — Das
Gemeinde=
ſchwimmbad am Arheilger Mühlchen iſt nunmehr wieder geöffnet
und kann auch wieder mit den neuhergerichteten Kähnen befahren
werden.
— Weiterſtadt, 12. Mai. Die Turngemeinde macht am
Him=
melfahrtstag einen Familienſpaziergang an das Brünnchen” wozu die
ganze Einwohnerſchaft eingeladen wird. Der Geſangverein „Germania”
hat ſich bereit erklärt, dort einzge Chöre zum Vortrag zu bringen,
ebenſo wird die Turngemeinde einige Reigen aufführen.
O. Erzhauſen, 12. Mai. Am Sonntag hielt die Kohlenkaſſe
Erz=
hauſen ihre Generalverſammlung in der Ludwigshalle ab. Der
Vor=
ſitzende eröffnete die Verſammlung und begrüßte die Erſchienenen. Dann
folgte der Geſchäfts= und Kaſſenbericht durch den Rechner. Der
Vor=
ſitzende gab noch verſchiedene Erklärungen und nahm Wortmeldungen
entgegen. Die tadelloſe Buchführung und der ausführliche Bericht vom
Rechnungsjahre 1930/31 durch den Rechner fanden allgemeine
Anerken=
nung. Der Rechner wurde entlaſtet. Die Rechnung liegt noch acht Tage
lang bei dem Rechner offen. Mit der Lieferung für das neue
Rech=
nungsjahr wurden die früheren Lieferanten wieder bedacht. Drei neue
Vorſtandsmitglieder wurden gewählt: L. Gerbig, H. Jakobi und Ludw.
Haaß 4. Kaſſierdienſt und Kohlenausladen wurden den ſeitherigen
wie=
der belaſſen. Die Kohlenkaſſe beſtehr 35 Jahre und zählt zurzeit 285
Mitglieder.
Griesheim 12. Mai. Einbruch. In der Nacht von Sonnt
auf Montag wurde in die Lagerhalle des Landwirtſchaftlichen Konſu
vereins am Bahnhof ein Einbruch verübt. Außer einem kleinen Wechſe
geldbetrag iſt den Einbrechern nichts in die Hände gefallen. Im Lau
des geſtrigen Nachmittags iſt es der Polizei gelungen, die Einbrecht
3 an der Zahl, zu ermitteln. Bei ihrer Vernehmung haben dieſelbe
auch einen vor einiger Zeit verübten Einbruch, bei dem ihnen ein grö
rer Geldbetrag in die Hände fiel, eingeſtanden — Der Jugend
abend der evang. Jugendvereinigung unter Mitwirkung des Poſe
nenchors erfreute ſich eines ſehr zahlreichen Beſuchs Geſangsvorträg
Reigen der Mädchen ſowie Theater wechſelten der Reihe nach miteina
der ab und fanden lebhaften Beifall. — Berliner Star=Gaſt
ſpiel in Griesheim. Am Sonntag, den 17. Mai, abends
Uhr, findet im Feſtſaal „Zum grünen Laub” die einmalige Aufführu
des Berliner Star=Gaſtſpiels mit den prominenten Künſtlern: Helde
tenor Guſtav Bertram und Operettendiva Marga Peter, beide von
Berliner Komiſchen Oper ſtatt. Der Eintrittspreis beträgt 1.— M
für Schüler und Erwerbsloſe 50 Pfg.
Rte ſarone
Von Wilhe
Was die Bergſtraße für den ganzen umliegenden Städtekranz
bedeutet, ſieht man erſt an dieſen Sonntagen in der Baumblüte
Naturgenuß in allen Abſtufungen. Aufmachungen und Techniken,
mit Hilfe von Auto, Kraftrad, Fahrrad und Gehwerkzeugen, dazu
die langen Ausflüglerzüge mit den hellen
Mädchenklei=
dern in allen Fenſtern. Draußen dann auf den Hang=
und Wald=Pfaden die verſchiedenen Gruppenbildungen; am
häufigſten die Familie, vom Großvater bis zum krähenden
Neſt=
häkchen im Korbwagen, dann kleine Geſellſchaften von
Berufs=
genoſſen, Bubengruppen, von irgendeinem Panier überwimpelt,
Kamerad und Kameradin in wandervogelmäßiger Aufmachung,
zwei alte Damen, zwei gute Freunde. Nicht zuletzt der Verein mit
der Blechmuſik, der ſeine Idee (nebſt Fahne) und ſeinen Durſt
von Bickenbach nach Alsbach, von Eberſtadt nach Zwingenberg
trägt oder umgekehrt.
Die dicken alten Weiblein keuchen ein wenig, wenn ſie die
Waldwege aufwärtsſteigen, aber es iſt rührend zu ſehen, wie ſie
ihr Jungmädchen= und Sonntagsgeſicht aufgeſetzt haben und ſich
freuen. Es ſind im übrigen keineswegs bloß die Städter, die
hin=
ausgehen aufs Auerbacher und Alsbacher Schloß und von den
Haldenwegen durch die Zweige hinausſehen auf die weite,
ſchim=
mernde Rheinebene. Viele Ausflügler ſind Dörfler, Arbeiter oder
Bauern oder Handwerker, und ſie merken genau ſo gut wie die
andern, daß jetzt das Buchenlaub hell und ſchaumig zart iſt wie
die ſchönſte Seide, daß das Rauſchen der fallenden Bäche eine
Muſik in ſich hat und daß die Luft, die über Blütenbäume und
friſchgrüne Wälder daherkommt, gut zu atmen iſt. Sie bleiben an
den Gärten ſtehen, wo die roten und gelben Tulpen leuchten und
ſich dicke Kiſſen von vielfarbigen Stiefmütterchen wölben, gefaßt
von himmelblauen Vergißmeinnicht, und tragen wohl, wie alle
andern, einen freundlichen Gedanken davon. Freude tut allen
Menſchen gut, und ſie iſt heute faſt nur noch von Blumen und
Bergſtraße.
Im Michel.
Bäumen, von der wehenden Luft und dem hohen Himmel zu
haben. Wohin kämen wir in dieſen Jahren der
Lebensverfinſte=
rung, wenn wir den Garten der Natur nicht hätten und ihre
Sprache nicht verſtünden!
Es macht nichts, daß unſereiner an ſolchen Sonntagen
drau=
ßen mehr die Menſchen ſpürt als die Natur. Im Ernſt kommt
man an die Natur ja nur in der Einſamkeit heran. Es iſt aber
auch eine Freude, ſich an den Nebenmenſchen zu fühlen. Sie ſind
vielleicht nicht ſo geübt im Stillſein vor der Landſchaft, aber man
muß das ſchwere Leben bedenken, daß ſie alle haben, die Sorgen,
die ſie mit hinausnehmen. Sie müßten ja tagelang wandern,
um ſie loszuwerden. Es reicht bei den meiſten nur für zwei
Stun=
den Weg, einen Trunk Bier in der Schloßwirtſchaft oder eine
Taſſe Kaffee. Das führt nicht ſo weit aus dem Gewohnten heraus,
daß man ein neuer Menſch wird — aber es dämpft doch und
macht zufrieden, es gibt ein paar tiefere Atemzüge unter Bäumen
und ein paar Augenblicke des ruhigen Schauens.
Es iſt die große Tugend der Bergſtraße und ihrer Landſchaft,
daß ſie dieſes entſpannende Schauen ſo leicht macht. Natur iſt
zwar auch in der kleinſten Blume ſchön, und die „Tanne” gegen
Griesheim oder Eſchollbrücken, wo jetzt die vielen wilden Veilchen
und Stiefmütterchen herauskommen, kann manchmal das ewige
Wort des Waldes ſo gut führen wie die meilenweiten Forſte des
Pfälzer Berglandes. Aber für die vielen, die wenig Zeit haben
und auf die faßlicheren Geſchenke der Natur angewieſen ſind, iſt
es gut, wenn die Landſchaft ſie raſch ergreift und verzaubert, mit
Fernblick, Schlucht und Burggemäuer, mit blütenüberſchütteten
Hängen, charaktervollen Dorfgeſtalten und luſtigen Waldwegen.
Die Bergſtraße geht leicht und lieblich in die Sinne, ſie liegt
immer feſtlich vor der ſchwungvollen Altane ihrer Berge, ein
Sonntagsland, deſſen heiteren romantiſchen Geiſt jeder beim erſten
Blick begreift.
42 Eberſtadt, 12. Mai. Verbeſſerung der
Poſtpaket=
zuſtellung. In Kürze wird der Zuſtelldienſt des Poſtpaketverkehrs
innerhalb des Ortes, der ſeither noch durch einen Handkarren
bewerk=
ſtelligt wurde, durch einen Pferdepaketwagen erfolgen. Dieſe Neuerung
wird allſeitig ſehr begrüßt. — Turnierplatz. Die hieſige
Reiter=
abteilung des Junglandbundes hat ſich in der Nähe des
Schafnußbaum=
weges einen Trainings= und Reitplatz mit Hinderniſſen uſw. angelegt,
auf dem beſonders jetzt im Frühjahr fleißig trainiert wird. —
Selbſt=
mord auf den Schienen. Ein 18jähriger junger Mann von hier
warf ſich in der Nacht zum Montag in ſelbſtmörderiſcher Abſicht auf der
Main=Neckarbahnſtrecke in der Nähe des Güterbahnhofes vor einen
herannahenden Eilgüterzug und wurde tödlich überfahren. Die Leiche
wurde ſtark verſtümmelt beim Morgengrauen aufgefunden.
Aa. Eberſtadt, 12. Mai. Der Tierſchulgarten am
Waldes=
rand nahe dem Lämmchesbergviertel und dem Staatsbahnhof hat im
Laufe des Winters und Frühjahrs neuen Zuwachs erhalten. Unter
an=
derem ſind jetzt vertreten Füchſe, Dächſe Wieſel, Eichhörnchen, Marder
und von den Vogelarten Lachtauben, Turmfalken, Elſtern,
Mäuſe=
buſſarde, Hühnerhabichte, Eulen, Faſanen uſw. Für dieſes Jahr haben
bereits eine größere Anzahl Schulklaſſen ihren Beſuch angeſagt. Be
merkt darf noch werden, daß Jagdpächter verwaiſtes und noch
pflege=
bedürftiges Jungwild, das ſich für die Haltung eignet, zur Aufzucht und
Pflege unterbringen können.
Cp. Pfungſtadt, 12. Mai. Das Jugendheim der Arbeiterjugend.
das ſeiner Fertigſtellung entgegenſieht, ſoll Anfang Juli in Geſtalt eines
Jugendtages eingeweiht werden.
Cp. Eſchollbrücken, 10 Mai. Zur Penſionierung Pfarrer
Dreſchers. Ein Nachfolger für den in den Ruheſtand getretenen
Pfarrer Dreſcher iſt noch nicht ernannt. Vielmehr wird Eſchollbrücken
von den benachbarten Pfarreien mit verſehen. Ueber Pfarrer Dr.
Dre=
ſcher iſt noch zu ſagen, daß er 1866 zu Hitzkirchen geboren wurde. Von
1891 ab war er Aſſiſtent, dann Verwalter und ſeit 1893 Pfarrer in
Lampertheim. Am 16. Oktober 1908 kam er als Pfarrer nach Steinbach
im Taunus. Seit 9 Mai 1910 wirkte er 21 Jahre lang bis zu ſeiner
Penſionierung in Eſchollbrücken.
(k) Roßdorf, 12. Mai. Spar= und Darlehnskaſſe. Die
hieſige Spar= und Darlehnskaſſe e. G. m. b. H. hielt ihre ordentliche
41. Generalverſammlung ab. Der Vorſitzende des Aufſichtsrates,
Bäcker=
meiſter Barth, eröffnete die Verſammlung, begrüßte die Erſchienenen
und gedachte der im Geſchäftsjahr verſtorbenen Mitglieder. Alsdann
erſtattete der Direktor der Kaſſe, Bürgermeiſtereiſekretär Koch, den
Geſchäftsbericht über das 41. Geſchäftsjahr. Aus dieſem konnte man
entnehmen, daß die Genoſſenſchaft im vegangenen Jahre ſich trotz der
Ungunſt der wirtſchaftlichen Verhältniſſe weiter feſtigen und vorwärts
entwickeln konnte, die innere Entwickelung der Genoſſenſchaft, ſo führte
er aus, habe zu einer beachtlichen Vergrößerung des Geſchäftskreiſes
ſowie zur geſteigerten Leiſtungsfähigkeit geführt. Damit ſei erreicht,
daß auch die Kaſſe im abgelaufenen Jahre ihre Liquidität
aufrechterhal=
ten hat und hierdurch allen an ſie geſtellten Anforderungen gerecht
wer=
den konnte. Die Vermehrung der Spareinleger beweiſe das Vertrauen
zur Kaſſe. Gegenüber dem Jahre 1929 ſeien die Spareinlagen von
236 335 Mk. auf 279 700 Mk. geſtiegen. Der Geſamtkaſſenumſatz
be=
trage 2935 733 Mk. und habe ſich ebenfalls gegen das Vorjahr um
265 000 Mk. erhöht. Auch für die Kaſſe ſeien die Worte: „Naſt ich.
ſo roſt ich” Leitſatz. Die Unabhängigkeit von fremdem Kapital und die
reſtloſe Befriedigieig der Kreditanſprüche der Mitglieder können,
müſ=
ſen und werden zum Segen der Mitglieder erreicht werden, wenn
jeder=
mann treu zu ſeiner Spar= und Darlehnskaſſe ſteht, alle Geldgeſchäfte
über ſie abwickele und insbeſondere alle Betriebseinnahmen und
ſonſti=
gen verfügbaren Gelder zur Verfügung ſtelle. Mit dieſem Appell an
die Mitglieder ſchloß der Direktor ſeinen ausführlichen Geſchäftsbericht.
Der Reingewinn wurde nach den Vorſchlägen der Verwaltungsorgane
nach Ausſchüttung einer Dividende von 10 Prozent für die
Geſchäfts=
guthaben, den Reſerven überwieſen. An Stelle des verſtorbenen
Auf=
ſichtsratsmitgliedes Jean Karl Konrad Grünewald wurde Georg Wilh.
Nicolay 2. neugewählt.
f. Roßdorf, 12. Mai. Aus dem Gemeinderat. Vor Eintritt
in die Tagesordnung wurde Konrad Ewald vom Bürgermeiſter als
Ge=
meinderat verpflichtet Die Löhne der Gemeindearbeiter ſollen trotz
der Senkung der Waldarbeiterlöhne wie ſeither beſtehen bleiben
Bezüg=
lich des Lohnes des Vorarbeiters gelten hinſichtlich Erhöhung die
glei=
chen Beſtimmungen wie bei dem Waldvorarbeiter. — Die
Entſchädi=
gungsſumme für die Gemeinde aus der Jagdverpachtung an Wiener
wird nach den Vorſchlägen der Verwaltung angenommen. — Ueber die
Nichtzuteilung von ſtaatlichen Baukoſtenzuſchüſſen für Rechnungsjahr
1931 entſpann ſich eine lebhafte Debatte. Mit der Nichtberückſichtigung
will ſich der Gemeinderat keineswegs zufrieden geben. — Der
Erwerbs=
loſenausſchuß bittet, bei Einſtellung von Arbeitskräften für Gemeinde
arbeiten nur Ausgeſteuerte einzuſtellen. Der Bürgermeiſter erklärt, daß
dies ſeither ſchon geſchehen ſei, bei der Einſtellung jedoch auch die
Ge=
eignetheit geprüft werden müſſe. Der Gemeinderat beſchließt
dement=
ſprechend. — Ein Teil des Schwimmbeckens iſt inſtandſetzungsbedürftig.
Hierzu wurden etwa 50 Kubikmeter Hartbaſaltſand benötigt, zu deren
Gratislieferung ſich die Odenwälder Hartſtein=Induſtrie in
entgegen=
kommender Weiſe bereit erklärt hat, was Anerkennung findet. — Nach
Mitteilung des Feldbereinigungskommiſſars iſt für das
Feldbereini=
gungsverfahren der Gemeinde Roßdorf ein Kredit in Höhe von 25 000
bis 38 000 RM. notwendig, je nachdem die Beſchaffung der Mittel ſich
auf insgeſamt 1 bis 1½ Million RM. erſtrecken wird. Nach
Verhand=
lungen mit der Landesbank wird für die Finanzierung der
Feldberei=
nigungen ein größerer Betrag zur Verfügung geſtellt werden, aus dem
an die Feldbereinigungsgeſellſchaften langfriſtige Darlehen gegeben
wer=
den können, die durch ſtaatliche Zuſchüſſe von den empfangenden
Geſell=
ſchaften für 5 Jahre zu 5 Prozent zu verzinſen ſind. Unter der
wei=
teren Vorausſetzung, daß die Geſellſchaften entſprechende Ausſchläge
be=
ſchließen, können durch die Inanſpruchnahme ſolcher billiger Kredite die
Feldbereinigungen zum Segen der Landwirtſchaft durchgeführt werden.
Für den Betrag von 38000 RM. übernimmt der Gemeindera, die
er=
forderliche Bürgſchaft. Die alsbaldige Inanariffnahme der Arbeiten
wäre ſehr zu begrüßen, da dadurch eine Reihe ausgeſteuerter
Arbeits=
loſer Beſchäftigung fände, wodurch die Wohlfahrtslaſten der Gemeinde
entlaſtet würden.
Frühjahrsmarkt in Groß-Gerau.
— Groß=Gerau, 12. Mai. Als Heimatfeſt des Gerauer Landes findet
vom 14. bis 17. Mai zum zweiten Male der wiederum ins Leben
ge=
rufene Frühjahrsmarkt in Groß=Gerau ſtatt. Wie letztes Jahr bei der
überaus zahlreich von nah und fern beſuchten erſten Veranſtaltung dieſer
Art ſind auch diesmal wieder eine Menge Beſonderheiten vorgeſehen,
die dem Beſucher der Kreisſtadt Groß=Gerau geboten werden. Der
Frühjahrsmarkt wird am Donnerstag, den 14. Mai (
Himmel=
fahrt) vormittags mit einem Konzert auf dem Marktplatz eröffnet.
Mit=
tags wird in dem wegen ſeiner Schönheit weithin bekannten Groß=
Gerauer Stadtwald ein Waldfeſt veranſtaltet, das Unterhaltung, Muſik,
Tanz und Kinderbeluſtigung der mannigfachſten Art bringt. Ebenfalls
ſchon an dieſem Mittag beginnt auf dem Marktplatz der volkstümliche
Rummelbetrieb, der letztes Jahr eine beſonders ſtarke Anziehung auf
alt und jung ausübte. Für den Abend ſind Sonder=Veranſtaltungen der
heimiſchen Gaſtſtätten beabſichtigt. Der Freitag ergänzt dieſe
Dar=
bietungen mit der erſtmaligen Einführung eines Wirtſchaftsbetriebes auf
dem Hindenburg=Waſſerturm des Gruppenwaſſerwerksverbandes des
Gerauer Landes und mit der Anſtrahlung des Turmes. Am
Sams=
tag mittag findet Führung durch das ſehenswerte und durch viele neuere
Funde erweiterte Heimatmuſeum ſtatt, während im Rathaus über die
Zeit des Frühjahrsmarktes Erinnerungen an Georg Büchner gezeigt
werden, die von der Familie des Dichters zur Verfügung geſtellt
wer=
den. Der Schützenverein „Tell”, der in dieſen Tagen eine große
Veran=
ſtaltung abhält, veranſtaltet am Samstag abend auf dem letztes Jahr
neu errichteten Schießſtand ein Konzert, zu dem die Teilnehmer am
Frühjahrsmarkt als Gäſte des Vereins eingeladen ſind. Am
Sonn=
tag findet in den Gaſtſtätten das althergebrachte Gerauer
Spargel=
eſſen ſtatt. Nachmittags hat der Radfahrerverein Groß=Gerau unter
Teilnahme des Europameiſters ein Saalſportfeſt im „Adler” und treffen
die Teilnehmer an einer Wanderfahrt des Gaues Frankfurt a. M. des
Bundes Deutſcher Radfahrer in Groß=Gerau ein. Der Schützenverein
„Tell” hat an dieſem Nachmittag wiederum Konzert auf dem
Schieß=
platz und offizielle Standweihe und Preisverteilung. Der Abend iſt mit
Veranſtaltungen der heimiſchen Gaſtſtätten ausgefüllt.
Als Heimatfeſt ſoll die Veranſtaltung insbeſondere ehemalige Gerauer
wieder einmal nach der alten Heimat führen und ſoll der Bevölkerung
Gelegenheit geboten ſein, ihre Eigenart und ihre Beſonderheiten zu
zeigen und für ihre wirtſchaftlichen Intereſſen zu werben. Es werden
daher auch dieſes Jahr wieder eine Menge Beſucher in der Kreisſtadt
Groß=Gerau erwartet.
G. Ober=Namſtadt, 12. Mai Verſchiedenes. Das ſchöne
Wet=
ter brachte am Sonntag lebhaften Ausflüglerverkehr. Beſonders ſtark
war der Auto= und Motorraddurchgangsverkehr in den vorderen
Oden=
wald. — Turmuhr am Rathaus. Vor einiger Zeit wurde die
defekt gewordene Turmuhrbeleuchtung am neuen Rathaus abmontiert.
Dieſer Tage ließ nun die „Heag” an einem Nachbarhaus einen
Schein=
werfer anbringen, der die Uhr ſo ausgezeichnet anſtrahlt, daß man den
Zeigerſtand ſchon aus großer Entfernung einwandfrei ableſen kann, was
bei der urſprünglichen Beleuchtung auf größere Entfernungen nicht
möglich war. — Feuerwehr. Am letzten Sonntag hielt die
Feuer=
wehr unter Leitung ihres 1. Kommandanten Neubert ihre zweite
dies=
jährige Uebung ab. Damit war eine Schauübung am Schulhaus in der
Darmſtädter Straße verbunden, an der ſich auch die Sanitätskolonne
be=
teiligte. — Wohnungsbau. Zwiſchen Küchlevweg und
Franken=
häuſerpfad errichtet die Gemeinde gegenwärtig Dreizimmerwohnungen
im Flachbau, die nach Fertigſtellung an lungenkranke bzw. =gefährdete
Familien verkauft werden ſollen,
— Höchſt i. Odw., 12. Mai. Nächſten Sonntag, den 17. Mai,
nach=
mittags 2 Uhr, findet wieder Gottesdienſt für Gehörloſe im evang.
Ge=
meindehaus dahier ſtatt. Fahrtausweis erbitte man vom hieſigen
Pfarr=
amt.
m. Beerfelden, 12. Mai. Unglücksfall. Ein in den zwanziger
Jahren ſtehender junger Mann erlitt vermittelſt eines Teſchings, das
er bei ſich trug, einen Kopfſchuß. Die kleine Kugel drang an der Schläfe
ein und blieb auf ihrem Wege ſtecken. Der Betreffende ging noch eine
Strecke Wegs bis zur elterlichen Wohnung und brach erſt dort
zuſam=
men: er mußte in die Klinik nach Heidelberg verbracht werden, da doch
wohl eine Entfernung der Kugel auf operatibem Wege nötig ſein wird.
m. Vom ſüdlichen Odenwalde, 12. Mai. Ein zutraulicher
Waldbewohner. Daß Muffelwild an verſchiedenen Stellen des
Odenwaldes angeſiedelt wurde und allem Anſchein nach ſich heimiſch
fühlt, das war auch an dieſer Stelle ſchon zu leſen. Dieſes Wild iſt
als ſehr ſcheu bekannt, und doppelt merkwürdig iſt daher das folgende
Begebnis; es ließe ſich aber damit erklären, daß das in Rede ſtehende
Tier nicht immer in freier Wildbahn lebte, ſondern daß es längere Zeik
gefangen war: Zwei Herren von Unter=Sensbach, Bürgermeiſter
Schwinn und Müller Siefert, kehrten vorgeſtern von einem
Späzier=
gang auf die Sensbacher Höhe zurück, da geſellte ſich zu ihnen ein micht
mehr ganz junger Muffelbock und trottete ohne Furcht und Scheu mir
den beiden zu Tal, wo ihn dieſelben in eine Wirtſchaft mitnahmen,
Auch hier konnte man bei dem Tier kein aufgeregtes und ſcheues
Ge=
baren den Gäſten gegenüber wahrnehmen. Bevor man das Tier den
betreffenden Forſt= und Jagdbeamten ablieferte, wurde es auf „der
Platte” feſtgehalten. Natürlich wurde der ſeltene Beſuch von jung und
alt entſprechend angeſtaunt.
— Gernsheim, 12. Mai. Waſſerſtand des Rheins am
Pegel am 11. Mai 2,70 Meter, am 12. Mai 2,17 Meter.
— Hirſchhorn, 12. Mai. Waſſerſtand des Neckars am
Pegel am 11. Mai 2,74 Meter, am 12. Mai 2,43 Meter.
Aa Wolfskehlen, 10. Mai. Schnecken für Frankreich. In
vielen Gemarkungen des Rieds werden gegenwärtig von Erwerbsloſen
Schnecken geſammelt, die ſie für 10 bzw. 11 Pfg. für das Pfund an die
Händler abliefern. Dieſe verkaufen ſie wieder zentnerweiſe nach
Frank=
reich, wo Schnecken bekanntlich Leckerbiſſen ſind.
Aa. Leeheim, 10. Mai. Todesfall. Im Darmſtädter
Stadt=
krankenhaus ſtarb nach längerem Leiden der von hier ſtammende, ſeit
einer Reihe von Jahren in Mörfelden angeſtellte Lehrer Gg. Egner.
Egner gehörte dort auch längere Zeit dem Gemeinderat an. Er ſtand
erſt im 40. Lebensjahre.
Mistwoch, den 13. Mai 1931
Seite 9
Ein froher Tag
War das am letzten Sonntag ein Singen und Klingen, Tanzen und
Springen in dem kleinen alten „Hayn”! Und die gütige Sonne konnte
da auch nicht anders, ſie mußte ſich mitfreuen. Frohe Menſchen, junge
und alte, zogen durch die engen Straßen und winkligen Gaſſen. In
der Hauptſtraße ſtockte der Verkehr. Vor einem alten Fachwerk=Hauſe
eine ſtattliche Verſammlung, die im Banne eines Redners
ſtand, der die Heimat pries, das Leben unſerer Altvordern ſchilderte
und dann das flaggengeſchmückte Haus zum Heimatmuſeum
Dreieich feierlich weihte: Schulrat Haſſinger, der
temperament=
volle Referent für Volksbildung und Jugendpflege beim
Kultusmini=
ſterium. „Tagesarbeit, abends Gäſte, ſaure Wochen, frohe Feſte!‟ Es
ſollte immer ſo ſein, daß ein Feſt die Krönung der Arbeit iſt. Wenn
auch Dreieichenhain vielleicht ſchon rauſchendere Feſte gefeiert hat, wie
das heutige, ſo bin ich doch überzeugt, daß kaum eines die Gemeinde
ſo ehrt wie gerade dies heutige Feſt. Ebe wir jedoch das
neueingerich=
tete Dreieichmuſeum öffnen, wollen wir denen die an ſeiner
Errich=
tung und Geſtaltung mitgearbeitet haben, herzlich danken für die Mühe
und Sorgfalt, mit der ſie das kleine Werk zu ſeiner Ausgeſtaltung
ge=
bracht haben. Ich darf da vor allem dem Geſchichts= und
Ver=
kehrsverein und ſeinem rührigen Vorſitzenden, Herrn Johannes
Winkel 8., danken. Ich darf, des weiteren danken Herrn Georg
Graf, der beſonders hinter den muſeumswürdigen Gegenſtänden hier
im Orte und in der Nachbarſchaft her war. Wiederum danken wir den
Herven Bürgermeiſter Köhres, Gebrüder Nebel, Rückert,
Hitzereth. Mori, Lorz und beſonders den Herren Nahrgang
und Lenhardt. Und nun, du Dreieich=Muſeum, öffne deine
Pforten. Und unſer Weiheſpruch ſei:
Am guten Alten wollen in Treue wir halten,
Am kräftigen Neuen uns ſtärken und frenen.”
Dann zog ein Zug — die heimiſche Feuerwehrkapelle voran —
durch’s Städtchen, die Säumigen zum Feſtſpiel einzuladen. Die
Ehren=
gäſte — San.=Rat Nebel, Med.=Rat Nebel, Stadtbibliothekar
Völ=
ker=Offenbach, Kreisſchulrat Bechtolsheim=Offenbach, der 1.
Vorſitzende des Heſſ. Verkehrsverbandes, Herr Stemmer=
Darm=
ſtadt, u a. m. begaben ſich in den Burggarten. Die Jugend — mit
einem Rieſenwimpel an der Spitze — zog zum Untertor, wo ſie
ſich mit dem Hauptzug traf. Auf der großen Wieſe, umringt von einer
fröhlichen Menge, weihte Herr Schulrat Haſſinger die
Jugend=
herberge im Untertor zum Diemſt an der Wanderjugend.
„Vorhin haben wir das Alte geehrt, jetzt wollen wir dem Neuen
leben! Eine Jugendherberge, die zwar noch nicht ganz fertig iſt, wollen
wir weihen, und das iſt ein neuer Anlaß, den heutigen Tag freudig zu
begehen. Wenn etwa einer, der in den letzten zehn Jahren nicht aus
ſeinem Dorf oder ſeiner Stadt hinausgekommen ſein ſollte, fragen
würde: Was ſoll das?, ſo antworten wir, daß in Deutſchland jährlich
Dnnſende abgewieſen werden müſfen, weil die Zahl der Betten nicht
Dy. Egelsbach, 12 Mai. Beim Gang durch die Gemarkung läßt ſich
erkennen, daß der wollenbruchartige Regen am Donnerstag doch mehr
Schaden angerichtet hat, als man zuerſt annahm. Stellenweiſe ſind
Wieſen und Aecker ſtark aufgeriſſen oder überſandet, ſo daß die
betref=
fenden Beſitzer empfindlich geſchädigt wurden. Die aus den
ſogenann=
ten Obergärten zuſtrömenden Waſſermaſſen hatten den Kanal in der
Langener Straße überflutet, ſo daß dort verſchiedene Keller vollſtändig
unter Waſſer geſetzt wurden. Mittels Feuerſpritze wurden die
über=
ſchwemmten Keller wieder entleert.
Db. Urberach, 12. Mai. Verſchiedenes. In den letzten Jahren
ſind ſehr viele Rottſtücke, in der hieſigen Gemarkung unbepflanzt
wor=
den und liegen ſehr verwaiſt darnieder. Auf verſchiedenen Stücken iſt
ſogar wegen der langen Nichtbepflanzung Gehölz angewachſen, ſo daß
dieſelben für den eigentlichen Nutznießer nutzlos ſind. Die Mehrzahl der
Rottſtücke wurden wegen des zu ſandigen Bodens und daraus
ergeben=
den Unrentabilität nicht mehr angepflanzt. Die Gemeinde fordert nun
die Beſitzer der Brachrottſtücke auf, das Gehölz zu entfernen, um
die=
ſelben nutzbar machen zu können. Geplant iſt das Gelände zu einer
Spargelplantage anzupflanzen und hierbei die Erwerbsloſen zu
beſchäf=
tigen. Das Projekt hat wieder das Gute, daß die Ausgeſteuerten
Be=
ſchäftigung finden und die Gemeinde dadurch in einigen Jahren eine
neue Einnahmequelle erhofft. — Die hieſige Gewerbe= und Berufsſchule
plant, in Bälde einen Kurſus zur Erlernung des Schweiß= und
Polier=
geſchäftes abzuhalten. Es iſt dies ſehr zu begrüßen, da dadurch den
Er=
werbsloſen bis zu 25 Jahren Gelegenheit geboten wird, koſtenlos hieran
teilzunehmen und ihre Fähigkeiten auf dieſem Gebiet weiter zu ver=
„
beſſern.
in der Oreieich.
ausreicht, daß die jetzt wieder neuaufgerichtete Jugendherberge „
Ren=
mühle” in Mainz eine jährliche Uebernachtungsziffer von über 12000
Jungwanderern aufweiſt.
Dank der Gemeinde Dreieichenhain, ihrem Bürgermeiſter und
Ge=
meinderat, die uns hier wieder ein Neſt für die Jugend bauen halfen.
Und ſo wollen wir mit Freude dir hier in aller Kürze neu
er=
ſtehende Jugendherberge begrüßen, weil ſie unſerer Jugend wieder ein
neues Stück Heimat und Vaterland erſchließt und ein ſchönes und
ehr=
würdiges und geſchichtenreiches obendrein.
So grüßen wir dich, du alter, ehrwürdiger Turm, der du künftig
eine neue Aufgabe übernimmſt, mögeſt du ihr noch lange dienen können
und den Jungen zeigen, welche Kraft im Alten liegt; möchteſt du aber
auch den jungen Gäſten ein Wegbereiter ſein zu Freude und Verſtehen.”
Und dann zogen alle in den Burghof, wo ſchon die Spieler
ſich bereit hielten, um mit vorzüglichem Spiel die Gäſte in die Zeit
Kaiſer Heinrich des III. zu verſetzen. Auch hier hielt Herr Schulrat
Haſſinger zur Einführung eine zündende Rede.
„Wir haben das Alte geehrt, wir haben das Neue begrüßt, nun
aber wollen wir Menſchen ſein, die ſich freuen, weil ihnen die Kraft
geblieben iſt, aus ihrer Liebe zum Volke und aus ihrer Liebe zur
Hei=
mat das Alte zu pflegen und dem Neuen zu dienen! Schon ſtehen
Bür=
ger von Dreieichenhain, Männer und Frauen, Burſchen und Mädchen
Winkel vorzufühnen. Herr Pfarrer Ereter hat mit Liebe und
viel Hingabe das Stück einſtudiert und vorbereitet. Iſt es nicht
ſonder=
bar, daß uns dieſes Schauſpiel ſo ganz beſonders mit Erwartung
er=
füllt, weil es hier auf dem Boden ſpielt, den wir unſere Heimat
nennen, weil es von Menſchen handelt, die hier einmal gelebt haben?.
Wer wüßte von uns Deutſchen nicht, was Heimat iſt? Sie iſt ein
Geſchenk und eine Gnade. Die alte Burg, die Mauer, der Rain, der
Berg, der See, waren ſie nicht allen, die zu ihnen kamen, Geſpielen
und Gefährten? Die gleiche Bauweiſe, das Wort, die Schrift, das Bild,
zu allererſt auch die gleiche Sprache, ſind das nicht Kräfte, die alle in
der gleichen Richtung arbeiten? Und das alles liegt in dem einen
Be=
griff „Heimat” umſchloſſen.
Als wir vorhin vor der werdenden neuen Jugenherberge ſtanden,
habe ich davon geſprochen, wie dieſes Werk die Jugend vereint und wie
es geeignet iſt, die Gemeinſamkeit voranzuſtellen. Laſſen Sie uns
nie vergeſſen, daß nur der wahrhaft lebt, der dem
Gemeinſamen lebt.” Und dann ſahen wir würfelnde
Lands=
knechte, ſchöne Frauen, fahrende Sänger, Ritter und gnappen und zum
Schluß Kaiſer Heinrich III., der den Grafenſohn Udo mit
Siglinde von Hagen zuſammentat. Eine ſchöne Leiſtung,
wür=
dig, noch oft geſpielt zu werden, beſonders auf dieſer herrlichen
Natur=
bühne. Froh hatte der Tag begonnen und froh endete er mit einer
nochmaligen Anſprache Schnlrat Hafſingers an die Jngend.
Rheinheſſen.
Ab Borms a. Rh., 12. Mai. Wormſer Haushaltsdefizit
1,8 Mill. Mk. Die Beratung des Haushaltsplanes der Stadt Worms
wurde von Oberbürgermeiſter Rahn mit einer Rede eingeleitet. Er
wies dabei darauf hin, daß der Etat als charakteriſtiſches Merkmal die
außerordentliche Steigerung der Erwerbsloſenziffer und damit die
be=
deutende Steigerung der Unterſtützungslaſten trägt. Worms habe allein
an Perſonalausgaben gegenüber dem Jahre 1929 etwa 450 000 Mk.
er=
ſpart; aber auch an anderer Stelle ſeien Abſtriche erzielt worden. Trotz
allem ſei es nicht gelungen und könne es nicht gelingen, den
vorliegen=
den Voranſchlag, der rund 1,8 Mill Mk. Fehlbetrag aufweiſt,
auszu=
gleichen. Selbſt wenn die Steueranträge der Verwaltung angenommen
würden, ſo wäre auch das nur geeignet, einen kleinen Bruchteil von
200 000 Mk. hereinzuholen während 16 Mill. Mk. immer noch als
Defizit verblieben. — Die Verwaltung beantragt die Verdoppelung der
ſeitherigen Sätze für die Bier= und Bürgerſteuer, weiter die Einführung
der Getränkeſteuer
4d. Nackenheim, 12. Mai. Ein Opfer des Rheines wurde
der ledige Bjährige Kaufmann Jakob Sans von hier, als er mit dem
verheirateten Lehrer Bittel aus Lörzweiler dem Paddelſport oblag.
Ihr Boot ſchlug in der Nähe der Hohenau infolge des von einem
Dampfer verurſachten hohen Wellenganges um. Während der Lehrer
durch Schwimmen an das Land gelangen konnte, ſank Sans vor den
Augen ſeines Sportgenoſſen, der ihm noch einen Rettungsring
zuge=
worfen hatte, in das Hochwaſſer des reißenden Stromes. Die Leiche
wurde bis jetzt nicht geländet.
Wesbedener Kurgäſte bei Mainz=Koſtheim
verunglückt.
* Mainz, 12. Mai. (Priv.=Tel.)
Mehrere Kurgäſte aus Wiesbaden unternahmen am Dienstag
vormittag mit einem Omnibus einen Ausflug nach Darmſtadt.
Infolge Ueberfüllung des Omnibus wurde ein Perſonenwagen
eingelegt, in dem ſechs Kurgäſte Platz fanden. Der Omnibus war
zuerſt abgefahren und das Auto fuhr mit einiger Verſpätung nach.
Um den Omnibus einzuholen, fuhr das Auto in ziemlich raſchem
Tempo. Auf der Fahrt nach Darmſtadt wurde auch Mainz=
Koſt=
heim berührt. Kurz vor dem Ortseingang kam dem
Perſonen=
wagen ein mit Fäſſern hochbeladener Laſtwagen entgegen. Ein
in der gleichen Richtung hinter dem Laſtwagen fahrender
Main=
zer Taxameter verſuchte den Laſtwagen zu überholen und bog
hin=
ter demſelben hervor, als im gleichen Augenblick das
Wiesbade=
ner Perſonenauto erſchien. Beide Fahrzeuge ſtießen in voller
Fahrt zuſammen, wodurch mehrere Inſaſſen des Wiesbadener
Autos aus dem Wagen geſchleudert wurden. Es gab dabei
Schwer=
bereit, um uns „Die Geiſeln auf Burg Hayn” von Johannes und Leichtverletzte. Fünf Verletzte wurden ſofort nach Wiesbaden
zurückbefördert, während eine Frau Erna Reingenhein aus
Han=
nover, die ſich im kaufmänniſchen Erholungsheim bei Wiesbaden
aufhält, mit einer ſchweren Kopfverletzung von einem gerade
vorüberfahrenden Mainzer Sanitätsauto in das Städtiſche
Kran=
kenhaus in Mainz gebracht wurde.
* Warum die Störche Parade abhalten.
Das heſſiſche Städtchen Lich erlebte beim Wegzug der Störche im
vorigen Herbſt ein eigenartiges Schauſpiel. Tagelang verſammelten ſich
auf dem Kirchendach jeden Abend eine Schar von 30 Störchen, und dieſe
Langbeine nahmen auf dem 50 Meter langen Firſt jedesmal in einem
genau abgezirkelten Abſtand voneinander Platz, ſo daß zwiſchen Tier
und Tier etwa ein Zwiſchenraum von zwei Metern blieb. Dieſe
Ent=
fernung wurde ſo genau eingehalten, daß noch Wochen ſpäter auf dem
Dach die hinterlaſſenen Kalkſtreifen den früheren Standort der Tiere
anzeigten. Sie hielten alſo regelmäßig eine Art Parade ab. Warum
ſie eine ſolche militäriſche Aufſtellung wählten, das ſucht Karl Rudolf
Fiſcher in der Frankfurter Wochenſchrift „Die Umſchau” zu ergründen.
Die 30 Störche waren augenſcheinlich zu Beſuch bei einem
ortsanſäſſi=
gen Paar; und es war auffällig, daß dieſe auf der Wanderung ſo
ſcheuen und ängſtlichen Vögel hier längere Station machten. Sie kamen
wahrſcheinlich aus Südſchweden, Dänemark und Schleswig=Holſtein und
wählten Lich mit ſeinen weiten Wieſengründen zum „Abſteigequartier”
weil die unbedingte Sicherheit des Ortes durch die Anweſenheit des
hier bereits beheimateten Storchenpaares erwieſen war. Die
parade=
artige Gruppierung kann entweder aus Gründen der Sicherheit oder
des techniſchen Vorteils erfolgt ſein. Die Aufſtellung zur Sicherheit
findet ſich ja auch bei anderen vergeſellſchaftet lebenden Tieren, wie z. B.
bei Wildrindern, die beim Herannahen eines Raubtieres die wehrloſen
Kälber in die Mitte nehmen und ſich ſelbſt mit geſenkten Hörnern nach
außen ſchützend im Kreiſe um ſie herumſtellen. Auf dem
Zweckmäßig=
keitsprinzip beruht es dagegen, daß ziehende Großvögel ſich in Keilform
anordnen. Filmaufnahmen haben gezeigt, daß die Flügelſtellung auf
der ganzen Linie zu einem beſtimmten Augenblick bei allen Tieren nicht
gleichgerichtet iſt, ſondern das jedes vorausfliegende Tier ſeinem
Nach=
folger in einem gewiſſen Abſchnitt der Flügelbewegung voraus iſt, ſo
daß jedem nachfolgenden Tiere eine vom Vorgänger hervorgerufene
Luftwelle entgegenkommt und ihm das Fliegen erleichtert, indem ihm
Luft untergepumpt wird. Bei der Parade der Licher Störche haben wir
es wohl mit einer Sicherungsmaßnahme zu tun. Der
Ab=
ſtand, den ſie ſo genau innehielten, beträgt das Minimum der
Entfer=
nung, die zum ſofortigen Gebrauch der Flügel notwendig iſt. Die
Störche ſicherten ſich alſo durch dieſe Parade die ſofortige Bereitſchaft
zum Abfliegen bei drohender Gefahr, ſowie die Balaneiermöglichkeit bei
plötzlichen oder heftigen Windſtößen und die Kampfbereitſchaft gegen
unverträgliche Genoſſen.
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 132
Mittwoch, den 13. Mai 1931
Seite 11
Rheinſtädtchen — Weinſkädtchen.
Es ſind nur ein paar Leute, die mit uns in Oppenheim
ausſteigen. Wohl meiſt ſolche, die am Sonntag nachmittag auf
ein paar Stunden Verwandte beſuchen wollen. Draußen, vor
dem Bahnhof, ſind ſie in den einzelnen Gaſſen ſchon
verſchwun=
den; faſt als habe ſie der holperige Boden verſchluckt; ſo
ver=
laren ſie ſich in dem Gewinkel.
In einem ſichelförmigen Halbmond, legt ſich das ſaubere
Städtchen um den ſteilen Berg herum, den eine Burgruine
be=
krönt. Zwiſchen Stadt und Burg ſchiebt ſich die gotiſche
Stifts=
rirche St. Katharina mit ihren maßvollen, reizenden Formen.
Links ragt die kathol. Kirche mit ihrem langgezogenen Chor und
dem zierlichen Türmchen aus dem Gewimmel der Dächer und
Giebel ſchmaler Häuſer heraus.
Wie Worms mit Speher und Mainz zuſammen die Trias
der romaniſchen Dome am Rhein bildet, ſo St. Katharina zu
Oppenheim mit den prächtigen, gotiſchen Domen zu Straßburg
und Köln. Ja noch mehr. In Oppenheim iſt jene letzte Löſung
und jene erſtrebte Form gefunden, welche die Bauhütten zu
Straßburg und Köln mehr ahnten, als erreichten; jener
wunder=
volle Wechſel und jenes reizvolle Spiel des Maßwerks und der
einzelnen Schmuckformen, mit denen in verſchwenderiſcher
Ueppigkeit das Innere und Aeußere und hier ganz beſonders
die Schauſeite von St. Katharina geziert iſt, ausklingend in der
einzigartigen, wundervollen Harmonie des Vierungsturmes.
Drei Mächte ſind es, die nebeneinander erſcheinen, einſt
verbunden und umſchloſſen von einer turmgeſchmückten Mauer,
deren Reſte noch hier und dort zwiſchen den Häuſern
hervor=
lugen: die Stadt des ſtolzen, reichen Bürgertums, die
Stifts=
kirche St. Katharina als Wahrzeichen der kirchlichen Macht und
die Veſte Landskrone als ſtolzer Sitz wehrhafter
Nitterge=
geſchlechter.
Die Häuſer in den ſchmalen, ſteilen Gaſſen ſind nicht hoch.
Die Gaſſen ſelbſt faſt menſchenleer. Nur ein paar ſpielende
Kinder. Es iſt die Zeit, in der behäbige Bürger ihren
ge=
wohnten Mittagsſchlaf machen. Höher ſteigen die krummen
Gaſſen an. Am Kriegerdenkmal vorbei, das eine Säule aus
Karls d. Gr. Palaſt in Ingelheim ziert. Vorbei am Rathaus
mit dem hochgeſtaffelten Giebel und wir ſtehen vor St.
Katha=
ring und läuten beim Kirchendiener. Schritte gehen, Schlüſſel
raſſeln und man führt uns durch einen Garten durch eine kleine
Tür in die Kirche.
Geblendet ſtehen wir für Augenblicke ſtill, ſo leuchten und
ſprühen die Farben der großen Fenſter in der Sonne des
Mittags. Hoch wachſen die ſchlanken Säulen und auf und ab
ſchwingen die Wölbungen. Eine Beſonderheit ſind die die
Sei=
tenſchiffe begleitenden Kapellenſäume. Einſt zur Hälfte in die
Seitenſchiffe vorſpringend, beſeitigte eine verſtändnisloſe
Reſtau=
rierung dieſes reizvolle, eigentümliche Motiv. In dem Weſtchor
der Kirche, einen von rieſighohen Wänden mit breiten
Maß=
werkfenſtern umbauten — heute gewölbeloſen — Raum
ver=
ſchwinden die Grabſteine ausgeſtorbener Geſchlechter. Die
Wanderung über den Kühkopf nach Oppenheim
und uac Godelmf zuifſe.
Sonntagskarte Goddelau (nur für Wanderer, die nach
God=
delau zurückgehen), andernfalls einfache Karte löſen. Vom
Bahn=
hof Goddelau Zeichen — weiß über die Riedbahn, Straße nach
Erfelden, zur Fähre, auf den Kühkopf, rechts ab. Dammweg nach
2 Stunden Guntersblumer Fähre, überſetzen, auf dem linken
Rheinufer nach 3½ Stunden Oppenheim. „(Berühmter Weinort,
Katharinenkirche, Ruine Landskrone.) Von hier beſteht die
Mög=
lichkeit, mit Autobus über Geinsheim, Leeheim, Wolfskehlen,
1:400000
4ceiusnkin
Griesheim nach Darmſtadt zurückzufahren. Fortſetzung der
Wan=
derung Zeichen — weiß, von Oppenheim in öſtlicher Richtung zur
Nachenfähre, über den Rhein nach dem Schuſterwörth, in ſüdlicher
Richtung durch den Knoblochsauer Wald nach 5½ Stunden
Schwe=
denſäule (Rheinübergang Guſtav Adolfs 1631), weiter am
Alt=
rhein entlang nach 6½ Stunden Erfelden; von hier Straße nach
7 Stunden Bahnhof Goddelau. Heimfahrt.
Sakriſtei birgt in ihren beiden Geſchoſſen eine kleine, reizvolle
Sammlung von ſtadtgeſchichtlichen Dingen und Gegenſtänden zur
Baugeſchichte der Kirche.
Dann in die Michaelkapelle hinüber. D. h. in ihr
keller=
artiges Untergeſchoß. Oeffnet ſich die Türe, ſo grinſen einen
die leeren Augenhöhlen zahlloſer Schädel an. Sauber ſind ſie
mit den dazugehörigen Gebeinen aufeinandergeſetzt. Sie bildeneine
Knochenmauer von 5 Meter Länge, 3 Meter Tiefe und 4 Meter
Höhe. Ein einziges Denkmal des Todes und der
Vergänglich=
keit. Schreckbar für zartbeſaitete Gemüter. — Soldaten des
30jährigen Krieges ſind darunter: Schweden und Spanier und
viele Oppenheimer Bürger.
Wir laſſen die Häuſer hinter uns und kommen, an einem
Ausſichtsturm vorbeigehend, zur Ruine Landskrone. Verdorrtes
Gras ſteht auf den Mauern undWeißdornhecken wachſen auf ihnen.
Tief unten ein ſilbernes Band, der Rhein. Darauf ein
Schlepp=
zug, wie ein Kinderſpielzeug. Schmale Pappeln ſtoßen am
Ufer in die ſonndurchflutete Luft des Nachmittags. Eine Glocke
läutet; es iſt die Fähre, die ihre Abfahrt durch dieſes Zeichen
bekannt gibt. Einige ſonntäglich gekleidete Leute und ein paar
junge Menſchen mit bloßen Knien und Gepäck auf Fahrrädern
ſind durch das Fernglas erkenntlich. Fahrende Geſellen —,
Links und rechts ziehen ſich Weinberge über die Hügelrücken,
unterbrochen von Kalkſteinbrüchen. In Reih und Glied ſtehen
die Reben, rankend an braunſchwarzen Pfählen und grauen
Lat=
ten. In ſchnurgeraden Spalieren und regelmäßigen Reihen
klettern ſie auf und über die Höhen, ſpringen ſie über die
Ter=
raſſen. Jedes Fleckchen iſt ausgenutzt und der Boden koſtbar.
Zwiſchen Muſteranlagen liegt das Gebäude der heſſ. Weinbau=
Verſuchsanſtalt. Der Reichtum des Landes iſt der Wein. So
wundervoll er die Kehle hinunterläuft, ſo viel ſaueren Schweiß
und Müh’ und Arbeit koſtet er, bis er golden im grünen Nömer
leuchtet.
Wie gehen wieder hinab in das Städtchen; wollen den Wein
nicht vergeſſen und ihn einmal an der Quelle verſuchen. Schön hängt
am Himmel der blaſſe Mond. Die Dämmerung zieht herauf
und irgendwo hängt der letzte Schimmer des Abendrotes.
Spär=
lich nur erleuchteten elekt. Lampen die Straßen und Gaſſen und
es iſt faſt noch ſtiller und einſamer wie am Mittag. Treten wir
in eine Wirtſchaft ein. Der Wirt bringt uns breite Schnitten
kräftigen Brotes, roſafarbenen, ſaftigen Schinken und —
gol=
denen Wein, in dem die Gluten und Strahlen der Sonne und
ein ganzer herrlicher Sommer eingefangen zu ſein ſcheinen:
Krötenbrunnen. Ein ſonderbarer Name. Andere Lagen heißen
Sackträger. Kehrweg, Daubhaus. Ein paar junge Männer hocken
in der Ecke und trinken ab und zu an ihrem Halben. Wenig
Worte. Zwiſchen zwei Fenſtern hängt ein Lautſprecher.
Glück=
licherweiſe bleibt er ſtumm und bemüht ſich nicht uns mit
kräch=
zend herausgeſtoßenem muſikaliſchem Lärm zu unterhalten. Das
tut wie kein zweiter beſſer der Wein. Mit jedem Zug und
Schluck und Glas erzählt er neues und Schöneres.
Als wir ſpäterhin an den Bahnhof hinuntergingen,
leuch=
tete der wachſende Mond mehr als die elektr. Straßenlampen.
Hinter halbverhangenen Fenſtern ſchattenhafte Geſtalten. Auf
der bergab führenden Straße kaum ein Menſch zu ſehen. Erſt
dicht vor dem Bahnhof ein paar Mädels in der bewußt
gewähl=
ten Tracht der Jugendbewegung. Leiſe Unterhaltung. — Ein
paar Worte fliegen uns ins Gehör: Ting, Kammerhof . . . Auf
dem Bahnſteig trafen wir ſie wieder, als die grellen Lichter des
Zuges aus dem nächtlichen Dunkel jäh auftauchen und er ent=
Gact!
führte ſie wie uns in die ſchwarze Nacht.
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Seite 12
Mittwoch, den 13. Mai 1931
Nummer 132
*
Vom Mühlhäuſer Hammer
im Breuberger Land.
Az. Wenn man in Neuſtadt an der unteren Mümlingbrücke die
Provinzialſtraße rechts abbiegt, ſo führt der Weg über Breitenbach,
Mühlhauſen und Lützel=Wiebelsbach über die Höhe nach Seckmauern und
Wörth. In dem Mühlhäuſer Tal liegt links im Wieſenthal in der Nähe
des Waldes ein freundliches Beſitztum, der ſogenannte „Hammer”. Zur
Zeit bewohnt den alten Familienſitz noch ein Fräulein Machenhauer,
und eine im Ruhrkampf 1923 ausgewieſene Familie Vögler, der ich in
dieſem Zuſammenhange zugleich meinen herzlichen Dank für die
freund=
liche Unterſtützung in der „Hammerfrage” abſtatte.
Die Geſchichte des bekannten Hammers reicht weit über 100 Jahre
zurück. Es dürfte daher nicht unintereſſant ſein, einmal etwas
Genaue=
res darüber zu erfahren.
Es war im Jahre 1806, als zwei bekannte Perſönlichkeiten im
Breu=
berger Lande den Entſchluß faßten, an dieſer Stelle einen neuen
In=
duſtriezweig entſtehen zu laſſen. Der damalige Pfarrer Machenhauer
zu Seckmauern und der Landrat Neuenburger werden als Erbauer
be=
zeichnet. Etwa ein halbes Jahrhundert (bis 1847) war der Hammer in
Betrieb. Ein Schmelzofen, der mit Holzkohlen geſpeiſt und mittels
Luft=
gebläſe bedient worden iſt, verarbeitete das Alteiſen, das in Form von
Pakten angefahren wurde, unter dem Drucke von zwei Eiſenhämmern.
Der leichtere, der ſogen. Stirnhammer, brachte das in Schweißhitze
be=
findliche Eiſenpaket zunächſt in Blockform. Der andere, ſchwerere
„Schwanzhammer”, ſtreckte nach mehrmaliger Erwärmung das Eiſen in
die Länge und in die Breite. Daraus entſtanden Randreifeneiſen und
Wagenachſen, Formen, die in damaliger Zeit das nächſtliegende
Inter=
eſſe verrieten. Das Luftgebläſe aus zwei Blasbälgen beſtehend, trieb
durch Windkäſten nun den „konſtanten‟ Luftſtrom hin zum Ofen. In
die Arbeit teilten ſich zwei Oefen: ein Schmelzofen und ein
Erwärm=
ofen. Letzterer hatte einen langen Herd, um den Stab anzuwärmen und
um ſpäter ausgeſtreckt werden zu können. Merkwürdig bei der ganzen
An=
lage war, daß im Hammer nur ein breites, im Durchmeſſer nur vier
Meter großes Nad vorhanden war, das die ganze Arbeit leiſten und
wechſelſeitig Hammer und Bälge betreiben mußte. Das Feuermaterial
wurde im nahen Walde gewonnen, wo heute noch die ſogenannten
„Kohlenplatten” nachgewieſen werden können. Gegen Ende der 40er
Jahre lohnte ſich das Unternehmen nicht mehr. Ueberall entſtanden
lei=
ſtungsfähigere Hüttenwerke, die den Betrieb mit der billigeren
Stein=
kohle zu ſpeiſen vermochten — Es kam ein anderer Induſtriezweig in
das ſtille Tal. Eine Spatmühle wurde eingerichtet, die ſich von 1849 bis
1898 halten konnte. In den letzten Jahren kamen dort auch Erdfarben
zur Vermahlung. Eine zweite Mühle, bei Breitenbach, unterſtützte von
1854 an den Schwerſpatbetrieb, der verhältnismäßig lange ſein Daſein,
bis zum Jahre 1907, friſtete. Es iſt dem Erzähler noch ganz gut
erin=
nerlich, wie die Schwerſpatinduſtrie in dem unteren Mümlingtal gedieh
und blühte. In dem letzten Beſtandsabſchnitt wurde das Material aus
der Gegend von Klein=Umſtadt und Götzenhain herbeigeſchafft. Mein
lieber Freund Haſſenfratz=Hainſtadt, der leider zu früh verſtorben iſt,
hat bereits während der Kriegszeit einen beachtenswerten Beitrag „
In=
duſtrien im unteren Mümlingtale” dazu geliefert, den wir jedem
Hei=
matfreunde zum Nachleſen empfehlen. („Dorflinde‟ Nr. 10. 4. Jahrgang.
15. Jan, 1917.)
Wer einmal Gelegenheit hat, das ſtille, ſchöne Waldeckchen zu
be=
ſuchen, der wird reichlich entſchädigt werden. Warum? Die ganze alte
Einrichtung erzählt uns noch eindringlich von der Geſchichte des
Ham=
mers weiter:
Ein mächtig eingebautes Waſſerrad von 6 Meter Durchmeſſer mahnt
ruhigem Gleichmaß ſchöpferiſche Arbeit geleiſtet hatte Und es fing
neben an zu pochen und zu ſtampfen, daß es dem Mühlknecht ſchwer
ward, ſich mit dem anderen zu verſtändigen.
Das große Kammrad mit ſeinen hölzernen Zähnen — Zahnlücken
konnten jederzeit wieder beſetzt werden — ſchaffte unermüdlich. Und das
andere, das kleinere arbeitete Hand in Hand getreulich, unaufhörlich
Tag und Nacht. Das eigentliche Pochwerk hatte ſechs ſogenannte
Stamp=
fer, die von einem Daumenrad abwechſelnd aufgehoben wurden und
niever=
fielen und den Schwerſpat zu Mahlgut verkleinerten. Die weitere
Ver=
arbeitung erfolgte in dem anſchließenden Bau, der in der Hauptſache
noch den Stempel der alten Mühleinrichtung trägt. Mühlſteine (damals
aus Frankreich beſchafft) und Trichter ruhen nun aus von ihrer Arbeit
Wo einſt der Mühlknecht den ſchweren und beſtaubten Fuß hinſetzte, iſt
Ruhe und Frieden.
In dieſem Raume fanden ſich urſprünglich auch die im Laufe der
Betrachtung erwähnten zwei Hämmer, und zwar in einer durchgehenden
Halle. Wenn man die „alte Stiege” hinaufklettert, gelangt man auf
den ſogenannten Boden. Hier wohnte der Hammerſchmied, und man
erſchrecke nicht — unter den Dachziegeln. Es iſt für heutige Begriffe
undenkbar, einen ſolch einfachen Raum als Wohnſtätte benützt zu haben.
Dazu hatte der Hammerſchmied Reth noch eine zahlreiche Familie.
Wahrhaftig, bei beſcheidenem Lohn ein beſcheidenes Los. — Nicht ſelten
*Empfehlenswerke Aukokouren.
Mitgeteilt vom Starkenburger Automobil=Club E. V.,
Sitz Darmſtadt. A.D. A. C.
Nr. 16.
Darmſtadt — Roßdorf — Spachbrücken — Habitzbeim — Groß=
Umſtadt — Richen — Kleeſtadt — Schaafheim — Groß=Oſtheim
— Aſchaffenburg, von hier auf der Würzburger Straße nach
Heſſen=
tal, vor der Anhöhe rechts ab (Achtung auf Wegweiſer, ſchlecht
lesbar, rechts am Wegrand) nach Schloß Meſpelbrunn (
Beſichti=
gung empfehlenswert. Eintrittskarten ſind in Aſchaffenburg auf
der Rentkammer mitzunehmen) 65,5 Km. Von Meſpelbrunn dem
Elſawatal folgend, über Haimbuchental — nach Eſchau, hinter
Eſchau Weggabelung, geradeaus (ſchlechtere Straße) über Streit
— Meſchenhart — nach Klingenberg, der Stadt des guten
Rot=
weins, 19 3 Km. Oder links an der Straßenkreuzung nach
Mönch=
berg, Röllbach, Röllfeld, im Ort rechts nach Klingenberg. Oder
an der Straßenkreuzung rechts über Rück. Schippach (bekannte
Kirchenruine, Sakramentskirche), Elſenfeld über die Brücke nach
Obernburg. Von Klingenberg — über die Brücke nach Wörth auf
das linke Mainufer — Obernburg, geradeaus bis zur
Straßen=
kreuzung am Gaſthaus „Frühlingsluſt”, dann links über Baben=
39,8 Km.
hauſen — Dieburg — nach Darmſtadt . . .
Geſamtſtrecke: 124,6 Km.
kam es vor, daß die Familie durch Brandgeruch aufgeſchrecht wurde.
Wohl waren oben im Balkenwerk beſondere Abzugslöcher, ſogenannte
uns bewußt, daß es die Kraftquelle geweſen iſt, die jahrzehntelang in aufgebaute „Laternen”, wodurch die Schwaden der Oefen abziehen
konn=
ten. Dabei verirrte ſich mancher Funken in dem eigentümlichen
Balken=
werk, ſetzte ſich feſt und bildete die ſogenannten „Brandneſter”, die noch
heute deutlich feſtzuſtellen ſind. Das ganze Dach war und iſt durch ſeine
„freitragende‟ Natur recht intereſſant. —
Nur zur alten Spateinrichtung zurück, die aus zwei Mahlgängen
beſtand. Sie ruhen heute noch auf ſechs Nundſäulen, die auf gewaltigen
Sandſteinquadern poſtiert und zu einer kompakten Maſſe gefügt ſind.
Geht man rechts die alte, ſtaubige Treppe hinauf, ſo kann man die
ganze Einrichtung in ihrer urſprünglichen Form noch deutlich
verfol=
gen. Grundſtein Laufſtein, Blechſchutzhülle und Trichter erzählen von
ihrer mühſamen Arbeit. Auch damals wußte man ſchon techniſche
Fort=
ſchritte in geeigneter Weiſe ſich dienſtbar zu machen. Den verpochten
Spatſtein ließ man aus dem anſtoßenden Raum durch ein Becherwerk
in die Mahltrichter wandern. Der gemahlene Spat fand dann ſeinen
Weg wiederum durch ein Becherwerk in große Holzbehälter (noch
vor=
handen! Daraus wurden die Fäſſer gefüllt, die dann in einer am
Wege aufwärtsliegenden Halle ihren Sammelplatz zum Verſand fanden.
Unten im alten Spatraum ſtehen noch Zeugen eines einſtigen blühenden
Induſtriezweiges. Daneben kann man in einer großen Bütte verſteckt
in Tüten die Reſte von Erdfarben (Blau und Gelb) entdecken.
Auch der Humor kam dort zur Geltung. Neben an der alten kalligen
Wand grüßen einige Geſtalten herunter, teils ernſter, teils froher
Natur, die in Stunden knapper Muſezeit gemalt worden ſind. Die
ſchwarze Farbe, mit denen man die Fäſſer verſandtgerecht machte, mußte
dazu herhalten.
Wir verlaſſen den ſeltſamen Raum. Gleich links werfen wir einen
flüchtigen Blick in eine alte Waſchküche Getan. Wir gehen links um die
Ecke zur Stelle, wo einſt die „Spatwäſche” ſich abſpielte. Von der
ſchüt=
zenden Halle iſt keine Spur mehr zu ſehen. Doch das Wäſſerlein
plät=
ſchert auch heute und lädt uns ein, ſeinen Urſprung zu ſuchen. Nur
etwa 50 Schritte entfernt iſt es zu finden.
Jeder Naturfreund, der gelegentlich einmal in den alten „Hammer”
kommt, ſollte ſich das kleine Schauſpiel anſehen. Ein ewiges Rieſeln,
ein leiſes Gurgeln aus der Tiefe, ein luſtiges Spiel mit dem Sande,
ſechs acht Quellchen kommen und ſpielen. Waſſerlinſen und Kreſſen
umſäumen ſie. Man ſteht und ſtaunt, je länger, ie lieber, freut man
ſich des ſchönen Bildes. Wahrhaftig ein kleines Idyll. —
Doch zurück zum Hofe, vorbei an der alten Kohlenſcheuer”, wo
ehe=
mals die Holzkohlen lagerten, vorbei an der kleinen Vorhalle, die
frü=
her altes Eiſen, ſpäter Spat aufnahm.
Auch der in der Nähe liegenden Knechtsſtube, an deren Türe noch
ein Wahrzeichen aus der „Hammerzeit” prangt, wird ein Beſuch
abge=
ſtattet. Die Knechte hatten fünf Pferde zu verſorgen, die abwechſelnd
zwei und zwei die ſchweren Spatwagen zur Mühle ſchaffen mußten.
Dem ſogenannten „Vorſpannpferd” fiel eine beſondere Rolle zu. Von
demſelben erzählt man ſich, daß es zur gegebenen Zeit dem
heimkehren=
den Geſpann ein großes Stück Weges entgegenging. Vorbei über den
Sattel, vorbei an der „Nägelcheskanne”, es ver Richtung nach Groß=
Um=
ſtadt zu ſchlenderte es bedächtigen Schrittes hin, um dann pflichtbewußt
ſeinen Gefährten die ſchwere Laſt etwas erleichtern zu helfen. — —
Nun zuguterletzt nochmals ein Aufſtieg unter das Dach des
frühe=
ren Pochwerkes. Von dort aus werfen wir einen Blick auf das große
Rad. Still iſt ”s geworden, Jahrzehnte ſind vergangen. Kein
rauſchen=
des Waſſer fällt mehr von oben herab in die großen Schaufeln. Noch
ſieht man die Reſte des alten Zulaufkanals. Das Intereſſe wächſt. Wir
gehen ihm nach. Am Waldesrande führt er hinauf nach Mühlhauſen zu.
Wir ſchreiten durch den grünen Wald, freuen uns der Schönheit der
Natur, biegen plötzlich rechts ab, kommen unten über ein Wäſſerlein.
bleiben ſtehen und betrachten ſinnend die alte Stauanlage, den
ſogenann=
ten Mühlhäuſer See. Ein kleiner Graben zieht jetzt noch mitten durch,
der bald unterhalb des früheren „Schutzwerkes” links ab hinüber zum
„Breitenbächlein” biegt. — —
Ein kleines Stück alte Geſchichte haben wir erlebt. Es war einmal.
Langſam geht’s zum „Hammer” zurück. Oben im Waldesſchatten, an
der „Sophienruhe”, laſſen wir uns nieder. Die Gegenwart redet, ein
neues und zugleich doch altes Bild hält uns für ein Viertelſtündchen und
vielleicht noch mehr gefangen. Unſer Blick geht hin zum Breuberg. Wir
ſitzen und ſtaunen. Wie viele Bewunderer hat er ſchon gefunden?
Kennſt du die Heimat wirklich?. Haſt du die Schönheiten deiner
heimat=
lichen Fluren ſchon alle ausgekoſtet? Kann dein Herz beim Anblick eines
ſolch prächtigen Bildes nicht die Ruhe und den Frieden finden, die
glück=
liche Menſchen auszeichnen? Volk und Scholle gehören zuſammen, ſind
ewig verbunden. Darum freue dich der lieben Heimt, freue dich des
lieben Breuberger Landes und werde ein Mitkämpfer und =ſänger
dei=
nes Odenwaldes.
Und es ſitzt eines Tages wieder ein deutſcher Mann auf demſelben
Plätzchen ſchaut und ſchafft, fleißige Blicke, fleißige Hände . . . das
ſchöne Bild iſt fertig. Prof. Kröh=Darmſtadt hat es gemalt.
Aus deutſchen Bädern und Knrorken.
Bad Schwalbach.
In Bad Schwalbach, dem Stahl= und Moorbad im
Taunusgebirge, finden wir einige Neuerungen: Am Abhang des
Paulinenberges fällt ein ſtattliches Gebäude im neueſten Bauſtil
auf — das neue Kurhotel der Domänenverwaltung. Zur
Hoch=
ſaiſon, am 1. Juli, wird es eröffnet werden. Am Golfhaus ſind
neue Tennisplätze angelegt worden, ebenfalls nach neueſtem Stil:
mit „roter‟ Decke. Eine dankenswerte Einrichtung ſind die
ver=
billigten Pauſchalkuren der preußiſchen Staatsbäder, die
Ange=
hörigen des Mittelſtandes billige Badekuren ermöglichen ſollen.
Wegen der näheren Beſtimmungen wende man ſich an die
Bade=
verwaltung.
Bad Schwalbach iſt das Bad der Nervöſen und Blutarmen,
der Herzkranken und Rheumatiker, der kranken Frauen. Seine
Moorbäder erfreuen ſich eines ſo wohlbegründeten Rufes bei
Frauenleiden, daß ſchon ſeit Jahren die Univerſitätsfrauenklinik
zu Frankfurt a. M. jeden Sommer eine Abteilung ihrer
Patien=
tinnen nach Bad Schwalbach verlegt.
Das Bad bietet behagliche Unterkunft, für arm und reich.
Wer es ſich aber leiſten kann, wer mondänes Hoteltreiben und
allen Komfort neueſter Technik liebt, wer Sinn hat für den
Zau=
ber der edelſten Gewächſe des benachbarten Rheingaues — der
verbringe ſeinen Kuraufenthalt in dem neuen ſtaatlichen
Kur=
hotel und laſſe ſich von den berühmten „Domänenweinen”, die der
Wirt im Keller hat, eine Flaſche auf den Tiſch ſtellen.
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 132
Mittwoch, den 13. Mai 1931
Seite 13
Reich und Ausland.
„Do X” iſt bisher noch nicht zum Südamerika=
Flug geſtartet.
Berlin. Wie von den Dornier=
Metallbau=
ten bereits nach Eintreffen des „Do. K” in
Bolama bekanntgegeben wurde, wird das
Flug=
ſchiff dort längere Zeit ſtationiert bleiben, um
Flüge zur Erprobung ſeiner Kühlanlagen und
Ausrüſtung ſowie Startverſuche mit
verſchiede=
nen Belaſtungen unter den dortigen erſchwerten
klimatiſchen Verhältniſſen zu machen.
Die bisherigen Meldungen über angebliche
Starts nach Südamerika ſind daher lediglich
auf Probeflüge zurückzuführen. Die Meldung,
daß das Flugſchiff wegen zu großen Gewichtes
nicht ſtarten konnte, erklärt ſich daraus, daß mit
den verſchiedenſten Zuladungen Verſuche gemacht
wurden, um das Höchſtſtartgewicht zu ermitteln.
Die Nachrichten über eine Beſchädigung des
Flugſchiffes entbehren jeder Grundlage. Das
Flugſchiff und ſeine geſamte Ausrüſtung
befin=
den ſich nach einer am Dienstag eingegangenen
unmittelbaren Nachricht von Bord der „Do. X”
in beſtem Zuſtande. Der Zeitpunkt des
Weiter=
fluges hängt, neben den abgeſchloſſenen
Ver=
ſuchen lediglich von den
Witterungsverhält=
niſſen ab.
Glänzende Fliegerleiſtung:
330 Kilometer in der Stunde.
Berlin. Der amerikaniſche Rekordflieger
Frank M. Hawks, der geſtern mittag um 12 Uhr
in London ſtartete, iſt nachmittags um 2,55 Uhr
alſo nach noch nicht drei Stunden, auf dem
Tempelhofer Flughafen glücklich gelandet. Hawks
hat damit eine beiſpielloſe Leiſtung vollbracht,
indem er die rund 1000 Kilometer lange
Luft=
ſtrecke mit 330 Kilometer
Stundengeſchwindig=
keit zurücklegte.
Flugzeugunfall.
Thorn. Ein polniſcher Fliegermajov der
heſigen Flugſtation berührte vorgeſtern abend
beim Landen in Graudenz eine
Hochſpannungs=
leitung. Es entſtand eine gewaltige
Stich=
flamme, die das Flugzeug in Brand ſetzte. Der
Fliegermajor büßte dabei ſein Leben ein. Die
Stadt Graudenz und die der Ueberlandzentrale
angeſchloſſenen Städte waren infolge des
Vor=
falles über drei Stunden ohne Licht.
Schwerer Urfall eines Arbeiter=Omnibuſſes.
Altenkirchen (Weſterwald). An der
Ein=
mündung der Iſertalſtraße in die Köln—
Frank=
furter Straße ereignete ſich ein ſchwerer
Ver=
kehrsunfall. Ein aus Richtung Altenkirchen
kommender Arbeiteromnibus wollte an der
un=
überſichtlichen Kurve einem Motorradfahrer
ausweichen, wobei der Omnibus in voller Fahrt
gegen einen Baum ſauſte, der entwurzelt
wurde. Eine Anzahl Inſaſſen wurde ſchwer
ver=
letzt. Der Motorradfahrer wurde von dem
Om=
nibus eine Strecke weit mitgeſchleift und trug
lebensgefährliche Verletzungen davon.
Feindliche Eierhändler.
Altenkirchen. Ein nichtswürdiger Streich
wurde dem Händler Hermanni aus Ratzert
ge=
ſpielt. Hermanni pflegte die in der Gegend
auf=
gekauften Eier, die er am nächſten Tage
ver=
kaufen wollte, in einer unverſchloſſenen Garage
im Gebäude der ehemaligen Streichholzfabrik
einzuſtellen, wo er ſie morgens wieder abholen
konnte. In dieſer Garage waren nun dem
Händler ſchon zweimal die Eier vollkommen
zertrümmert worden. Jetzt legten ſich Nachbarn
auf die Lauer, um den Uebeltäter bei ſeinem
dunklen Handwerk zu ertappen. Vorgeſtern
mor=
gen gelang es, als er zum dritten Male ſein
Bubenſtück vollführte, ihn auf friſcher Tat zu
ertappen. Er entpuppte ſich als der Konkurrent
des Händlers aus dem gleichen Dorf. Eine
ge=
richtliche Anzeige wird den Täter der
wohlver=
dienten Strafe zuführen.
Fünf Bergleute verſchüttet. — Ein Todesopfer.
Waldenburg. Am Montag vormittag
ging im Bahnſchacht der Fürſtenſteiner Grube
in einem Querſchlag ein großes Stück zu Bruch.
Dadurch wurden fünf vor Ort beſchäftigte
Berg=
leute verſchüttet. Den Rettungsmannſchaften
gelang es bis mittag, drei Knappen lebend aus
den Geſteinsmaſſen zu bergen. Die drei
Geret=
teten wurden in das Knappſchaftskrankenhaus
überführt, wo hauptſächlich Quetſchungen
feſt=
geſtellt wurden. In den ſpäten Abendſtunden
konnte der vierte Verletzte mit Quetſchungen
und Unterſchenkelbruch geborgen werden. Erſt
nach Mitternacht wurde der fünfte Verſchüttete
als Leiche geborgen.
Zum 150. Geburtskag
des Hiſtorikers von Raumer.
Friedrich Ludwig Georg von Raumer,
der preußiſche Staatsmann und
Geſchichtsfor=
ſcher, wurde vor 150 Jahren, am 14. Mai 1781,
in Wörlitz geboren. Er war Regierungsrat im
Finanzminiſterium, gehörte 1848 dem
Frank=
furter Parlament an und ging dann als
deut=
ſcher Geſandter nach Paris. Seine Hauptwerke
ſind eine Geſchichte der Hohenſtaufen und eine
Geſchichte Europas ſeit dem Ende des 15.
Jahr=
hunderts. Er ſtarb 1873 in Berlin,
Eröffnung der Deukſchen Bau=Ausſtellung auf dem Berliner Meſſegelände.
Der neue Oberbürgermeiſter von Berlin, Dr. Sahm.
bei der Eröffnungsanſprache.
Ein Haus, ganz aus Kupfer erbaut
findet auf der Ausſtellung beſonderes Intereſſe.
der Schienen=Zeppelin wird zum erſten Male der Oeffenklichkeit vorgeführk.
Der Schienen=Zeppelin im Hauptbahnhof von Hannover.
Der Kruckenbergſche Schienen=Zeppelin, in dem Fachleute das Verkehrsmittel der Zukunft ſehen,
wurde jetzt zum erſten Male dem breiteren Publikum gezeigt. Der aufſehenerregende Wagen ſtand
längere Zeit auf einem Geleiſe im Hauptbahnhof von Hannover.
Alfred Wegeners
Forſcherſchickſal.
Aka. Es iſt ein tragiſches Geſchick, das den
Grönlandforſcher und Geophyſiker Alfred
We=
gener getroffen hat. Schon dreimal hatte er
erfolgreich die grönländiſche Eiswüſte
durch=
forſcht. Seine vierte und größte Expedition, zu
der er vor einem Jahre an der Spitze von 17
deutſchen Forſchern ausgezogen iſt, ausgerüſtet
mit allen Hilfsmitteln moderner Technik und
Profeſſor Dr. Wegener.
mit einem reichen Vorrat wiſſenſchaftlicher
Meßinſtrumente, ſollte ſein wiſſenſchaftliches
Lebenswerk abſchließen, er erhoffte vor ihr vor
allem entſcheidende Beweiſe für ſeine
Kontinen=
talverſchiebungstheorie. Die grönländiſche
Feſt=
landſcholle ſcheint nach zahlreichen älteren
Meſ=
ſungsergebniſſen ſich in langſamer Bewegung
von Europa nach Amerika zu befinden. Wenn
ſich dieſe Wahrnehmung beſtätigt, ſo würde das
gleichzeitig ein weſentlicher Beweis für
Wege=
ners Theorie ſein, nach der die Kontinente nicht
feſt in die Erdkruſte eingebettet ſind, ſondern
auf einer zähflüſſigen Zwiſchenſchicht ſchwimmen
und ſich dabei in allerdings unendlich langſamer
Bewegung befinden. Wegener nahm an, daß
ur=
ſprünglich alle Kontinente eine einzige große
Feſtlandſchölle gebildet haben, die dann zerriſſen
iſt. Im Laufe der Jahrmillionen ſind dieſe
Stücke auseinandergeſchwommen und haben ſo
allmählich das heutige Antlitz der Erde
gebil=
det. Nun iſt es dem Forſcher nicht mehr
ver=
gönnt geweſen, ſeine letzte große Arbeit zu Ende
zu führen.
Alfred Wegener iſt geborener Berliner.
Gerade an ſeinem 50. Geburtstag iſt er am 1.
November zu ſeiner letzten Fahrt ausgezogen.
Er war nach Beendigung ſeiner
wiſſenſchaft=
lichen Ausbildung längere Zeit am
Aeronau=
tiſchen Obſervatorium in Lindenberg tätig.
1912/13 führte er zuſammen mit der
Danne=
mark=Expedition ſeine erſte große Durchquerung
Grönlands durch, wobei er 1200 Kilometer zum
größten Teil mit Handſchlitten zurücklegte. Die
Pferde der Expedition gingen auf dieſer Reiſe
alle bis auf eines ein. Dieſes letzte Pferd haben
die Forſcher damals ſelbſt auf einen Schlitten
geſetzt und verſucht, ihren kranken vierbeinigen
Kameraden zu retten. Drei Kilometer vor der
Küſte mußten ſie es dann doch erſchießen.
Wegener war zuletzt Profeſſor für Geophyſik an
der Univerſität Graz. Sein Hauptwerk iſt „Die
Entſtehung der Kontinente und Ozeane”, die
umſtrittenſte aber auch die großartigſte Theorie
Dr. L.
der neueren Geologie.
Eugene Jſaye geſtorben.
Brüſſel. Der bekannte Violinvirtuoſe und
Komponiſt Eugene Jſaye ſtarb geſtern morgen
4,30 Uhr an Herzaffektion.
Schweres Eiſenbahnunglück bei Rio de Janeiro.
New York. Nach einer Meldung aus Rio
de Janeiro ſtießen in der Nähe der Stadt auf
der Station Merity zwei Expreßzüge zuſammen.
Soweit bisher feſtſteht, wurden 12 Perſonen
ge=
tötet und 33 verletzt.
Tagung des Internationalen Ausſchuſſes
für Telegraphie.
Bern. Die vom 11. bis 18. Mai bier
to=
gende 3. Tagung des Internationalen
beraten=
den Ausſchuſſes für Telegraphie wurde geſtern
durch den Chef der Techniſchen Abteilung der
Schweizeriſchen Obertelegraphendirektion. Nurf.
eröffnet, der auch zum Präſidenten der
Voll=
verſammlung gewählt wurde. Die Behandlung
der Einzelfragen wurde fünf Unterausſchüſſen
zugewieſen, die im Laufe dieſer Woche ihre
Be=
ratungen abhalten werden.
Eine Kriegsgranate tötet drei Jugoſtawen.
Paris. Immer noch fordert der Krieg ſeine
Opfer. Sechs jugoſlawiſche Landarbeiter
wur=
den auf einem Feld in Juviſy bei Soiſſons, das
ſeit dem Krieg unbebaut war, von einer
Gra=
nate hinweggefegt. Drei von ihnen waren
ſo=
fort tot. Die anderen wurden ſchwer verletzt
ins Krankenhaus gebracht. Man wußte vom
Vorhandenſein dieſer Granate, und die Arbeiter
waren vorher darauf aufmerkſam gemacht
wor=
den. Die Bergung der Granate durch
fachkun=
dige Hände ſcheint jedoch vergeſſen worden zu
ſein, obwohl der Feldhüter die nötigen Schritte
eingeleitet hatte.
Geheimnisvolles Verbrechen an dem Direktor
der Indiſch=Holländiſchen Zucker=Union.
Den Haag. Seit Samstag war der
Direk=
tor der Indiſch=Holländiſchen Zucker=Union, der
Millionär Eſchauzier, unter geheimnisvollen
Umſtänden verſchwunden. Geſtern wurde ſeine
Leiche in einem leerſtehenden Wagen entdeckt.
Die Umſtände laſſen darauf ſchließen, daß
Eſchauzier entführt, chloroformiert und
ausge=
plündert worden iſt. Eine Perſon, die man im
Verdacht hat, der Mörder zu ſein, wurde
ver=
haftet.
Zum Generalvikar des Papffes ernannk
Kardinal Marchetti Selvaggiani
wurde als Nachfolger des kürzlich verſtorbenen
Kardinals Pompili zum Generalvikar des
Hei=
ligen Vaters ernannt.
Fürſt Dodo zu Innhauſen und Knyphauſen
das Opfer eines Jagdunfalls.
Norden (Oſtfriesland). Fürſt Dodo zu
Inn=
hauſen und Knyphauſen iſt einem Jagdunfall
zum Opfer gefallen. Fürſt Dodo war
Ehren=
präſident des Landwirtſchaftlichen Hauptvereins
im Regierungsbezirk Aurich und erfreute ſich
weithin großer Beliebtheit. Eines ſchweren
körperlichen Leidens wegen verbrachte er den
größten Teil des Jahres in Lugano, von wo
e vor etwa 14 Tagen zurückgekehrt iſt
Seite 14
Mittwoch, den 13. Mai 1931
Nummer 132
*Zunig 30 Jahre unter franzöſiſcher Herrſchaft.
Präſident Domergue hat vor dem Ende ſeiner Amtszeit noch
eine große offizielle Reiſe unternommen, und zwar nach Tunis.
Durch großartige Feiern ſollte den Eingeborenen, der ganzen
Welt und vor allem Italien vor Augen geführt werden, daß Tunis
nun gerade 50 Jahre lang, ſeit dem 12. Mai 1881, Frankreich
untertan iſt, und daß Frankreich auch gewillt iſt, ſeine Stellung
dort unter allen Umſtänden aufrecht zu erhalten. Am 11. April
fand in Tunis eine große Parade ſtatt, ein glänzender Aufzug,
der von 12 000 Soldaten eröffnet wurde, dem ſich, ſo meldeten die
Zeitungen, unzählige Vereine und arabiſche religiöſe Geſellſchaften
anſchloſſen und der mehrere Stunden lang dauerte, das heißt alſo:
Merk auf Italien, wir haben viele Soldaten dort und die
Ein=
geborenen ſind begeiſterte Anhänger Frankreichs! (2)
Und dieſe Demonſtration war wohl nicht ganz unnötig, denn
ſchon lange ſchielt Italien begehrlich auf Tunis, vor 50 Jahren
haben es die Franzoſen ihm ſozuſagen vor dem Munde
wegge=
ſchnappt, und — die Hauptſache — es wohnen dort mehr Italiener
als Franzoſen. Die Bevölkerung zählt 2 160 000 Köpfe, meiſt
mohamedaniſche Araber, aber darunter auch 54 000 Juden und
173 000 Europäer. Unter den letzteren befinden ſich 71000
Fran=
zoſen und 89 000 Italiener. Die Bevölkerungsdichte beträgt
17 Menſchen auf 1 Quadratkilometer. Im Lande wechſeln äußerſt
fruchtbare Gegenden mit völligen Wüſten. Der Ackerbau könnte
bei beſſerer Bewirtſchaftung viel mehr leiſten, der Fiſchfang iſt
eine Haupterwerbsquelle eines großen Teils der Bevölkerung, der
Handel iſt ſehr rege, Induſtrie ſpielt noch keine beſondere Rolle,
aber der Bergbau blüht allmählich auf, beſonders Bleigewinnung
und Abbau von Phosphaten.
Im Altertum ſpielte das heutige Tuneſien eine wichtige
Rolle, lag doch auf ſeinem Boden das mächtige Karthago, Roms
Nebenbuhlerin. Nachdem es lange Zeit römiſch geweſen, dann den
Hauptbeſtandteil des Vandalenreichs gebildet hatte und
ſchließ=
lich wieder byzantiniſch geworden war, wurde es 699 n. Chr. von
den Arabern erobert, die auch Tunis zur Hauptſtadt machten. Die
Dynaſtien der Herrſcher wechſelten, bald war Tunis ſelbſtändig,
bald ſtand es unter Marokko. Den letzten der Kreuzzüge richtete
Ludwig IX. von Frankreich 1270 nicht nach Paläſtina, ſondern
gegen Tunis. Er erreichte jedoch nichts, ſtarb ſelbſt während des
Zuges, und ſein Bruder, Karl von Anjou, wagte nicht, zur
Be=
lagerung der Hauptſtadt zu ſchreiten und räumte ſchließlich
Tune=
ſien gegen eine Geldentſchädigung. 1516 gründete Zoruk
Barba=
roſſa in Algier einen Seeräuberſtaat, der bei den europäiſchen
See=
fahrern und auch den Küſtenbewohnern des Mittelmeeres ſich bald
furchtbar bemerkbar machte. Nachdem Zoruk 1518 gegen die
Spanier gefallen war, gelang es ſeinem Bruder und Nachfolger
Chaireddin Barbaroſſa, der ſich zur Sicherung gegen die ſpaniſchen
Waffen und gegen die Unzufriedenheit eines großen Teils der
Bevölkerung unter den Schutz des türkiſchen Sultans geſtellt hatte,
durch Verrat und mit Unterſtützung der Pforte ſich 1534 der Stadt
Tunis zu bemächtigen. Nun ſah ſich Kaiſer Karl V. zum
Ein=
ſchreiten genötigt, eroberte 1535 Tunis, befreit über 20 000
Chriſtenſklaven und ſetzte unter ſpaniſcher Oberhobeit den
recht=
mäßigen Herrſcher Mulay Haſſan wieder ein, während Chaireddin
Barbaroſſa fliehen mußte.
Die ſpaniſche Herrſchaft in Tunis dauerte bis 1574, in welchem
Jahre eine türkiſche Flotte die Stadt wieder eroberte und Tuneſien
wieder der Oberhoheit des Sultans unterwarf. Die der Pforte
lehens= und tributpflichtigen Herrſcher wechſelten anfangs ſehr
raſch, dann regierte die Dynaſtie Murad Beys über 100 Jahre und
ſchließlich ſeit 1705 die von Huſſein Bey gegründete heutige
Dynaſtie, immer aber ſpielten Palaſtrevolutionen und
Janit=
ſcharenaufſtände eine große Rolle.
Die Seeräuberei blühte bis in die neueſte Zeit. Noch im
Oktober 1815 wurde die Küſtenſtadt Antiochia auf Sardinien von
tuneſiſchen Seeräubern überfallen und die ganze Bevölkerung in
die Sklaverei geführt. Nachdem jedoch die Franzoſen 1830 die
Stadt Algier genommen und dann, wenn auch unter ſchweren
Kämpfen, immer mehr Fortſchritte in Algerien machten, wurde
durch ihr Einſchreiten dem Unfug des Piratentums für immer ein
Ende gemacht. Schon am 8. Auguſt 1830 mußte Tunis die
Ab=
ſchaffung des Seeraubs und der Sklaverei verſprechen. Der
Weg=
fall dieſer ergiebigen Einnahmequelle, die Einrichtung und der
Ausbau einer Armee und Flotte nach europäiſchem Muſter,
koſt=
ſpielige Bauten, auch die an ſich nützliche, aber teuere Einführung
techniſcher Errungenſchaften, vor allem aber die echt orientaliſche
Mißwirtſchaft in Verwaltung und Finanzweſen brachten bald
einen Zuſtand der Verſchuldung hervor, der zu einer
Interven=
tion der europäiſchen Mächte führte und eine Verminderung des
Heeres, ſowie die Verpflichtung der Vorlage einer
Jahresabrech=
nung brachte. Als dann 1857 eine blutige Judenverfolgung
aus=
brach, zwangen die Konſule von Frankreich, England und
Oeſter=
reich, unterſtützt durch nach Tunis entſandte Flotten, den Bey Sidi
Mohammed zu Verbeſſerungen in Juſtiz und Verwaltung,
Einfüh=
rung von aus Europäern und Mohammedanern gemiſchten
Gerichtshöfen und zur Sicherung von Religionsfreiheit ſowie von
Handels= und Gewerbefreiheit. Die europäiſchen Mächte arbeiteten
dabei dauernd eiferſüchtig gegeneinander, aber Frankreichs
Ein=
fluß herrſchte entſchieden vor. Die Abhängigkeit von dem Sultan
wurde zwar offiziell anerkannt, aber kein Tribut an die Pforte
bezahlt, dagegen ſtellte Tunis der Türkei im Krimkrieg eine
An=
zahl Hilfstruppen. Im Kriege 1859 ſchickte Tunis auf Frankreichs
Betreiben den Sardiniern ein Geſchwader gegen Oeſterreich zu
Hilfe, das aber nicht zum Kampfe kam.
Der Bey Mohammed es Sadok gab im April 1861 dem Staate
eine Art konſtitutioneller Verfaſſung, aber der Steuerdruck führte
1864 zu einem gefährlichen Aufſtand der fanatiſierten
mohammeda=
niſchen Bevölkerung. Der Bey hob deshalb die Verfaſſung auf
Wunſch der Aufſtändiſchen wieder auf, und ſchließlich gelang es
ihm, die Revolution zu unterdrücken. Frankreich, England,
Ita=
lien und die Türkei hatten während der Unruhen Flotten zur
Wahrung ihrer Intereſſen nach Tunis geſandt. Die Mißwirtſchaft
nahm kein Ende, der Steuerdruck wuchs, und als dann 1867 und
1868 noch Hungersnöte dazukamen, mußte der Bey bei einer
Staatsſchuldenlaſt von 250 Millionen Franken die Zinszahlungen
einſtellen. Frankreich miſchte ſich ein und verſuchte, die geſamte
Verwaltung, und namentlich das Finanzweſen, völlig von ſich
ab=
hängig zu machen. Dieſe Machenſchaften riefen auch England,
Italien und Preußen auf den Plan, und ſo wurde denn 1869 eine
dauernde genaue Kontrolle über die Finanzen eingeführt, die
Staatsſchulden durch Abtretung der Zolleinnahmen auf 125
Mil=
lionen Franken verringert und die Zinszahlung hierfür
ſicher=
geſtellt. Das Verhältnis zur Pforte wurde 1871 ſo geregelt, daß
der Sultan auf den Tribut (den er ja doch nicht bekommen hatte)
verzichtete, der Bey dagegen ſeine Oberhoheit anerkannte und
ver=
ſprach, ohne ſeine Erlaubnis keinen Krieg zu führen und keine
diplomatiſchen Verhandlungen mit einer dritten Macht zu führen.
1877 ſchickte der Bey dem Sultan anſehnliche Hilfsmittel an Geld
und Truppen für den Krieg gegen Rußland.
Unter den Europäern in Tunis erlangten inzwiſchen die
Ita=
liener immer größere Bedeutung. Frankreich fürchtete, aus ſeiner
Vormachtſtellung verdrängt zu werden und nahm daher 1881 einen
Einfall der Krümirs, eines räuberiſchen tuneſiſchen Stammes, in
algeriſches Gebiet zum Vorwand, in Tunis einzurücken. Im
Ver=
trag von Kaſr es Said (d. h. Herrenſchloß) oder Bardo (Name der
Reſidenz des Bey drei Kilometer weſtlich der Stadt Tunis) am
12. Mai 1881 mußte der Bey die Schutzherrſchaft Frankreichs
an=
erkennen. Eine Erhebung der Bevölkerung gegen die
Fremdherr=
ſchaft wurde durch die Eroberung der Städte Sfaks und Kairuan
niedergeſchlagen. Am 8. 6. 1883 wurden in einem zweiten
Ver=
trag die Rechte Frankreichs noch erweitert. Die tuneſiſche Armee
wurde 1882 aufgelöſt; vier neue franzöſiſche Eingeborenen=
Regi=
menter gebildet (Tirailleurs, in Deutſchland volkstümlich Turkos
genannt). Dem Bey blieb nur eine Ehrengarde von einem
Bataillon, einer Eskadron und einer Batterie. 1884 wurden die
Kapitulationen, d. h. die Exterritorialität der Europäer von
tuneſiſchem Gericht, und ſtatt deſſen Konſulargerichtsbarkeit
abge=
ſchafft; logiſch richtig, da die tuneſiſchen Gerichte ja jetzt in
Wahr=
heit franzöſiſche waren. Die ganze Verwaltung wurde nach
fran=
zöſiſchem Muſter eingerichtet, alle wichtigen Aemter mit
Fran=
zoſen beſetzt. Der tatſächliche Herr im Lande iſt nicht der Bey,
ſondern der franzöſiſche Generalreſident, der außer ſeiner
Eigen=
ſchaft als diplomatiſcher Vertreter Frankreichs gleichzeitig oberſter
Verwaltungsbeamter des Bey, Miniſter des Auswärtigen und
Vorſitzender des Miniſterrats iſt. Seit 1922 hat Frankreich auch
eine Art von Volksvertretung eingeführt, deren Zuſammenſetzung
aber auch deutlich zeigt, wer tatſächlich die Herrſchaft ausübt,
näm=
lich einen großen Rat mit einer Kammer von 44 Franzoſen und
einer ſolchen von 18 Eingeborenen.
Sch.
Rundfunk=Pragramme.
Frankfurt a. M.
Mittwoch, 13. Mak.
10.20: Schulfunk: Kampf der Kunſtflieger.
11.50: Schallplattenkonzert.
15.20: In der Weriſtatt der Lokomotiven.
15.50: Stunde der Jugend.
16.30: Nachmittagskonzert des Rundfunkorcheſters; Mitw.:
Ger=
traud Dirrigl (Klavier).
18 15: Stadtrat B. Aſch: Wünſche an das Rhein=Maingebiet.
18.45: Eſperanto.
19.15: Virtuoſe Flötenmuſik; Ausf.: H. Zanke — Am Flügel:
O. Senfert.
19.45: Die Comedian Harmoniſts ſingen: Mitw.: Das Rundfunkorch.
21.15: Dr. F. Wallner: Dichter hören Muſik.
23.00: Budapeſt: Zigeunermuſik.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Mittwoch, 13. Maf.
9.00: Berliner Schulfunk: Mit dem Mikrophon in einem
Eiſen=
bahnſtellwerk.
10.10: Schulfunk: Die Zerſtörung Magdeburgs.
14.45: Kinderſtunde: Die zertanzten Schuhe.
15.45: Frauenſtunde: Elſa Oeſtreicher: Mein Fettopf.
16.00: Heinz Monzel u. K. Friebel: Funkpädagogiſche
Arbeits=
gemeinſchaft.
16.30: Hamburg: Nachmittagskonzert.
17.30: Selten geſpielte Trios (Paul Graener). Meinhardt=
Petſchni=
koff=-Trio.
18.00: W. Bodag: Zweck und Ziele des Bundes deutſcher
Reichs=
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19.00: Hugo Heimann, M.d.R.: Der Reichshaushalt und ſeine
Be=
deutung für die Beamten.
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775 Jahre V. D. I.
Zum 75. Geburtstag des Vereins
Deutscher Ingenieure.
* Der bedeutendſte und größte techniſche Verband in
Deutſch=
land, einer der größten techniſchen Vereine der Welt, der
Ver=
ein Deutſcher Ingenieure, feierte geſtern ſein 75jähriges
Beſtehen. Nicht nur für den engen Kreis der
Vereinsangehöri=
gen, ſondern für die geſamte deutſche Technik iſt dieſes
Jubi=
läum ein Markſtein von beſonderer Bedeutung.
Wohl in keiner Zeit der Geſchichte haben
Naturwiſſenſchaf=
ten und Technik, haben Gütererzeugung und Verkehr ſo
unge=
heure Fortſchritte gemacht, wie in den letzten 75 Jahren, in der
Zeit des Beſtehens des heutigen Jubilars. So wie die deutſche
Technik bei dieſer Entwicklung an führender Stelle gearbeitet
hat, wie ſie vielfach die grundlegenden Schöpfungen und
Ge=
danken hervorbrachte, ſo war auch der Verein Deutſcher
In=
genieure mit ſehr hohem Anteil an dieſen Arbeiten beteiligt. Er
zählte nicht nur die hervorragendſten deutſchen Ingenieure zu
ſeinen Mitgliedern, er wirkte auch als Verband an der
Förde=
rung der Technik und der techniſchen Wiſſenſchaften mit.
Am 12. Mai 1856 trafen in Alexisbad im Harz 23 deutſche
Ingenieure zuſammen. Die meiſten waren noch nicht dreißig
Jahre alt. Sie kamen vom nahen Halberſtadt, wo ſie als
Mit=
glieder des „Akademiſchen Vereins Hütte” das 10jährige
Stif=
tungsfeft feierten. Ihr Ziel war ein „inniges Zuſammenwirken
der geiſtigen Kräfte der deutſchen Technik zur gegenſeitigen
An=
regung und Fortbildung der geſamten vaterländiſchen
Indu=
ſtrie”, ihr Weg der Gründung des V. D. J., ihr Feld ganz
Deutſchland ſchon vor der Reichsgründung.
Aus 23 Mitgliedern wurde ein Verein, der heute 31000
Mitglieder umfaßt. Schon ein Jahr nach der Gründung
beſtan=
den 7 Bezirksvereine mit zuſammen 300 Mitgliedern. Heute
bilden 53 Bezirksvereine und 3 Auslandsverbände in
Argen=
tinien, China und Japan den Verein Deutſcher Ingenieure,
deſſen Hauptgeſchäftsſtelle im Berliner „Ingenieurhaus” ſeit
1914 ſeinen Sitz hat.
Die vielumfaſſenden Aufgaben des Vereins ſind nur durch
eine vorbildliche Organiſation, auch eine Glanzleiſtung
deut=
ſcher Technik, möglich.
Die fachwiſſenſchaftlichen Arbeiten des Vereins leitet neben
dem Vorſtand ein „Wiſſenſchaftlicher Beirat” früher „Techniſcher
Ausſchuß” genannt. Ausgeübt wird dieſe beſonders wichtige
und wertvolle Tätigkeit des Vereins in 25 Fachausſchüſſen und
Fachgruppen. Genannt ſeien nur die für: Wärmeforſchung
Schwingungsforſchung, Strömungslehre, Schweißtechnik,
Anſtrich=
technik, Holztechnik, Staubtechnik, Lärmminderung,
Hauswirt=
ſchaftstechnik, Technik in der Landwirtſchaft, Koſtenweſen,
Ver=
triebstechnik.
Der Ausbildung und Fortbildung widmet der Verein ſeine
beſondere Aufmerkſamkeit. Im Jahre 1908 wurde ein „Deutſcher
Ausſchuß für techniſches Schulweſen” gebildet. In über 1000
wiſſenſchaftlichen Veranſtaltungen hat der Verein für die Fort=
Ingenieurhaus, Berlin.
ldung ſeiner Mitglieder im Jahre 1930 gearbeitet. Die
Aus=
ellung „Technik im Heim”, eine Schöpfung des V.D.J. wurde im
ergangenen Jahre auch in Darmſtadt gezeigt. Ueber die „
Werkſtoff=
gung 1927” die von einer Anregung des Vereins ausging, und die
Veltkraftkonferenz 1930, bei der V.D.J. mit all ſeinen vielen
räften mitarbeitete, haben wir unſeren Leſern an dieſer Stelle
sführlich berichtet. Auch die ſchöne Gedenkſtätte deutſcher
echnik, das „Deutſche Muſeum in München” hat der V.D.J.
tkräftigſt gefördert.
Beſonders hervorgehoben zu werden, verdient die literariſche
ätigkeit des V.D.J. In dem V.D.J=Verlag erſcheinen neben
der führenden deutſchen techniſchen Wochenſchrift, der „V. D.J.” die „V.D.J.=Nachrichten” und weiter für beſondere
wecke die Zeitſchriften „Maſchinenbau” „Archiv für Wärme
dirtſchaft” „Technik und Wirtſchaft” „Techniſche
Zeitſchriften=
hau”, Technik in der Landwirtſchaft” die Zeitſchrift „
Zeit=
hrift für Metallkunde”, und drei Zeitſchriften in fremden
Sprachen. Die V.D.J.=Zeitſchrift, die wohl wichtigſte deutſche
chniſche Zeitſchrift überhaupt, erſcheint ſeit dem erſten
Be=
ehen des Vereins nunmehr im 75. Jahrgang. In hunderten
von Einzelheften werden Forſchungsarbeiten aus allen Gebieten
r Technik veröffeutlicht. Hervorragende Fachgelehrte geben in
dieſen Veröffentlichungen die Ergebniſſe ihrer Forſchungen der
wiſſenſchaftlichen Welt bekannt. Seit 20 Jahren gibt der
Ver=
ein ein Jahrbuch heraus, das der Geſchichte der Technik und
Induſtrie gewidmet iſt. Hier werden Einzelarbeiten über die
Geſchichte einzelner Induſtriezweige, einzelner Firmen und aus
der Lebensgeſchichte großer Männer der Technik veröffentlicht
Den toten Männern der Technik eine bleibende Erinnerung
zu ſchaffen, iſt würdige Aufgabe. Der Verein hat auch Wege
gefunden, dem Lebenden den Dank der Mitwelt zum Ausdruck
zu bringen. In der Grashof=Denkmünze hat ſich der Verein eine
höchſte Auszeichnung geſchaffen, die er an hervorragende
In=
genieure verleiht. Dieſe Denkmünze wurde in Erinnerung an
den erſten Vereinsdirektor Prof. Franz Grashof (1826—93)
ge=
ſchaffen.
Es iſt kaum möglich, in einer kurzen Würdigung der
Tätig=
keit des Vereins all das zuſammenzufaſſen, was er in 75 Jahren
für die deutſche Technik und deren Weltgeltung geleiſtet hat.
Immer wieder werden neue Aufgaben in Angriff genommen,
neue Wege beſchritten, um die Technik und die techniſchen
Wiſſen=
ſchaften zu fördern. In inniger Gemeinſchaftsarbeit mit
Wiſſen=
ſchaftlern, Lehrern, techniſchen Hochſchulen und anderen großen
Verbänden wird dem Ziel der Förderung deutſcher Technik
zu=
geſtrebt.
*Das Reisebügeleisen.
Dann, wenn das Bügeleiſen beſonders benötigt wird, iſt es
meiſtens auch am ſchwierigſten zu erhalten. Wenn die Kleider
zerknault aus dem Koffer kommen, und wenn gleichzeitig in
der Fremde das Bedürfnis beſteht, einen guten Eindruck zu
er=
wecken, dann fehlt der Dame neben der gewohnten häuslichen
Hilfe auch noch das gebräuchliche Werkzeug. Es wäre ja
mög=
lich, das heimiſche Bügeleiſen einzupacken und im Koffer mitzu=
Aé
K 23141
Reisebügeleisen tür verschiedene Spannungen.
nehmen. Aber wer weiß vorher, welche Spannung in dem neuen
Aufenthaltsort angetroffen wird? Dem hilft die AEG dadurch
ab, daß ſie ein Reiſebügeleiſen für verſchiedene Spannungen in
den Handel bringt. Daneben weiſt dieſes Bügeleiſen aber auch
noch einige neue Vorzüge auf, nämlich die, daß es auch als
Brennſcherenwärmer und als Kochplatte benutzt werden kann.
Die Hotelbeſitzer werden über die neue Einführung zunächſt
allerdings wenig erfreut ſein, denn ſie können unmöglich vorher
einſchätzen und in ihren Zimmerpreis mit einkalkulieren,
wie=
viel Strom für die verſchiedenen Verwendungszwecke dieſes
Eiſens verbraucht wird. Männliche Gäſte werden im allgemei=
Hotelmünzzähler.
den Spinnmaſchinen führen. Unter jeder Spinnmaſchine liegt ein
Zulaufrohr mit verſchiedenen Zweigleitungen, durch welche die
Viskoſe zu den eigentlichen Spinnpumpen gelangt. Abermals
filtriert, wird die Viskoſe durch ein Glasrohr zur Spinndüſe, die
unter der Oberfläche des Spinnbades liegt, gedrückt. Die
Spinn=
düſe beſteht aus Goldplatin und hat je nach der gewünſchten
Fein=
heit des herzuſtellenden Fadens bis zu 180 feine Oeffnungen, aus
denen die Viskoſe brauſenartig heraustritt. Im Spinnbad
er=
ſtarrt ſie ſogleich zu hauchfeinen ſeidigen Fäden, die aufgefangen,
auf Spulen gewickelt, gewaſchen und getrocknet werden. Auf dieſe
im Prinzip verhältnismäßig einfach erſcheinende Weiſe entſteht
ein endloſer Kunſtſeidenfaden. Der Rohſtoff Holz erfährt bei
die=
ſer Verarbeitung zu Kunſtſeide eine etwa hundertfache
Wertſteige=
rung. So erklärt ſich zum Teil die große Verbreitung, die die
Kunſtſeidenerzeugung in den letzten Jahren gefunden hat.
So erklärt ſich aber auch das eifrige Beſtreben der
Kunſt=
ſeide=Induſtrie, aus dem gleichen Rohſtoff auch künſtliche Wolle zu
bereiten, die entſprechend dem verhältnismäßig billigen Rohſtoff
auch zu einem wohlfeileren Preis herzuſtellen wäre als die
Natur=
wolle, deren Preis heute in gewaſchenem Zuſtand etwa 5—9 RM.
je Kilogramm beträgt, während künſtliche Wolle etwa nur ein
Drittel ſo hoch zu ſtehen käme. Geht man nun den Schwierigkeiten
nach, die die Herſtellung künſtlicher Wolle bisher ſo ſehr
erſchwer=
ten, ſo findet man ſie in den Eigenſchaften der Naturwolle
be=
gründet. Der Fachmann unterſcheidet zwiſchen Natur= oder
Schur=
wolle, die im Frühjahr durch das Abſcheren gewonnen und als
Neuwolle bezeichnet wird, zum Unterſchied von der Kunſt= oder
Altwolle, die man aus den Abfällen bei den Spinnvorgängen und
durch Auftrennen alter Wollwaren erhält. Die Bezeichnung der
Altwolle als Kunſtwolle iſt inſofern unzutreffend, als es ſich auch
bei ihr um Naturwolle handelt, die nur keine ſo vorzüglichen
Eigenſchaften mehr wie die Neuwolle hat. Als bemerkenswerte
phyſikaliſche Eigenſchaften der Naturwolle ſind in erſter Linie ihr
Kräuſelungsvermögen, die Dehnbarkeit, Reißfähigkeit,
Formbar=
keit und Formfeſtigkeit hervorzuheben. Die Kräuſelung bewirkt,
daß Wollſtoffe nicht ſo leicht knittern wie z. B. Kunſtſeidenſtoffe,
und daß Knittern beim Aufhängen wieder verſchwinden.
Außer=
dem leitet Wolle bekanntlich die Wärme ſehr ſchlecht, weshalb im
Winter wollene Kleider oder Unterkleidung den beſten Schutz
gegen die Kälte abgeben.
Die Aufgabe, den aus Zelluloſe gewonnenen Textilfäden einen
wolleähnlichen Charakter zu geben, läuft alſo darauf hinaus, die
eben erwähnten Eigenſchaften der Wolle den künſtlichen Gebilden
aufzuprägen. Und dieſe Aufgabe iſt ganz außerordentlich ſchwer.
Die Naturwolle beſteht aus lauter einzelnen Faſern von
ſoundſo=
viel Zentimeter Länge, die erſt beim Spinnen zu einem Faden
vereint werden, während der Kunſtſeidefaden glatt und endlos
aus den Spinndüſen tritt. Soll nun aus dieſem Gebilde trotzdem
ein der Wolle ähnliches Erzeugnis gemacht werden, dann heißt es,
den endloſen Kunſtſeidefaden in Faſern von ähnlicher Länge, wie
ſie die Naturwolle aufweiſt, zu zerſchneiden, und dieſe Faſern zu
einem Faden zu verſpinnen, oder den endloſen geſponnenen
Kunſt=
ſeidefaden ganz zu laſſen und ihn dafür einer gewiſſen
Nachbehand=
lung zu unterwerfen, damit er einen wolleähnlichen Charakter
er=
hält. Wählt man die zuerſt angegebene Methode, dann wird der
Kunſtſeidefaden in 4 bis 16 Zentimeter lange Stapel zerſchnitten,
die auf den üblichen Spinnereimaſchinen in parallele
Fadenbän=
der verwandelt werden. 4 bis 6 ſolcher Fadenbänder werden dann
zu einem gemeinſamen Band vereint und auf der Streckwalze zu
einem Band, von 4= bis 6facher Länge ausgeſtreckt, das dafür
dann freilich auch nur noch ſo ſtark iſt wie zuvor ein Einzelband.
Von der anderen Möglichkeit, nämlich der entſprechenden
Nachbehandlung des endloſen Kunſtſeidefadens, der hierdurch an
der Oberfläche aufgerauht wird und damit einen wolleähnlichen
Charakter erhält, wird ebenfalls Gebrauch gemacht, und es gibt
zurzeit eine ganze Anzahl Verfahren, die dem Ideal entweder auf
die eine oder andere Weiſe nahe zu kommen verſuchen. Auch die
deutſche Kunſtſeide=Induſtrie hat dieſe Frage ſeit jeher mit
Auf=
merkſamkeit verfolgt und raſtlos Verſuche zur Herſtellung
künſt=
licher Wolle angeſtellt. Wenn auch das Problem bisher noch nicht
völlig gelöſt werden konnte, ſo ſcheint es doch, als ob die
Haupt=
ſchwierigkeiten ziemlich behoben ſind, und die künſtliche Wolle
eines Tages als wohlfeiler Erſatz für die Naturwolle (auf die wir
auch dann keineswegs verzichten wollen und können) auf dem
Markte erſcheinen wird.
KURZE MITTEILUNGEN
nen wenig oder gar keinen Strom brauchen, wogegen Damen unter
Umſtänden ſehr reichlich von ihrem Eiſen Gebrauch machen. Auch
hierfür hat die AEG geſorgt, indem ſie einen neuen Zählertyp,
den Hotelmünzzähler, entwickelt hat. Unabhängig von dem
Hauptzähler kann mit dieſem Gerät der Strom nach Einwurf
einer Münze eingeſchaltet und gemeſſen werden. Wie auch bei
anderen Münzzählern ſchaltet das Gerät ſelbſttätig aus, wenn
die entſprechende Anzahl Kilowattſtunden verbraucht iſt. Der
Zähler weiſt noch inſofern eine Beſonderheit auf, als beim
Ver=
laſſen des Zimmers der Mechanismus auf Null zurückgeſtellt,
bzw. abgeſchaltet werden kann, damit der nächſte Benutzer erneut
eine Münze einwerfen muß. Auch in gemeinſam benutzten
Räu=
men, wie Waſchküchen oder Bügelzimmern, kann der neue Zähler
manchem Streit vorbeugen.
*Künstliche Wolle.
Ein neues Kältemittel hat der amerikaniſche Forſcher Midgley
in Zuſammenarbeit mit dem belgiſchen Chemiker Dr. Henne entdeckt,
Das Kältemittel beſteht aus einer Verbindung von Kohlenſtoff, Chlor
und Fluor und gehört zur Gruppe der Fluorclormethane. Es iſt eine
farbloſe Flüſſigkeit, die den normalen Siedepunkt von minus 28‟ Celſius
hat. Sein großer Vorzug beſteht darin, daß es ungiftig und nicht
brennbar iſt. Das Kältemittel ſoll nicht nur für Haushaltmaſchinen,
ſondern auch für induſtrielle Zwecke, z. B. zur Kühlung von Luft in
Kohlenſchächten, in Unterſeebooten und ſonſtigen Räumen verwandt
werden, wo ſeither wegen der Entzündbarkeit und Giftigkeit andere
Kältemittel nicht angewandt werden konnten.
* Verpackungen aus Pappe wurden von der Reichsbahn im
Güter=
verkehr ſeither nur zugelaſſen, wenn der Abſender den Vermerk
mangel=
hafter Verpackung anerkannte. Durch Verhandlungen intereſſierter
Wirtſchaftsgruppen mit der Reichsbahn wurde eine neue Regelung
er=
zielt, wonach bis zu einer Kantenlänge von 42 cm und einem Gewicht von
30 Kilo pro Einheit Pappkartons als ſichere Verpackungen zugelaſſen
vurden, wenn die Pappe eine gewiſſe Bruchfeſtigkeit beſitzt und wenn
beſondere Vorſchriften über die Verſchnürung eingehalten werden. Wenn
mit dieſen Vorſchriften günſtige Erfahrungen gemacht werden, will man
evtl. ſpäter über die oben angegebenen Grenzmaße hinausgehen.
Von
Ing. Christoph Carlowitz, Zwenkau i Sa.
Der aus Zelluloſe von Fichtenſtämmen oder Baumwolle
her=
ſtellte Seidenſtrumpf gehört heute ſchon zu einer der zahlreichen
elbſtverſtändlichkeiten unſeres Lebens. Daß aber die
Kunſtſei=
en=Induſtrie ſchon ſeit etwa zwei Jahrzehnten bemüht iſt, neben
künſtlichen Seide auch künſtliche Wolle aus Zelluloſe zu
er=
ugen, iſt bisher aus dem Grunde wenig bekannt geworden, weil
e langwierigen Verſuche noch nicht von einem vollen Erfolg
ge=
önt wurden. Die im Laufe der Jahre öfters auftauchenden
Mel=
ingen über die Löſung der ſchwierigen Aufgabe eilten bisher
en Tatſachen immer voraus. Wohl haben wir heute in
Woll=
ide, Sniafil, Viſtrafaſer und anderen aus Zelluloſe
gewonne=
n Textilfaſern Gebilde von mehr oder weniger der tieriſchen
olle ähnlichen Eigenſchaften, doch ganz erreicht wurde das
einzig=
tige Vorbild der Natur noch nicht.
Ein kurzer Streifblick auf die Herſtellung der Kunſtſeide läßt
jie Schwierigkeiten, die der Chemiker auf der Suche nach
künſtli=
r Wolle zu überwinden hat, ſehr deutlich erkennen. Der
Aus=
ngsſtoff für alle Kunſtſeiden iſt die Zelluloſe, die in der
Baum=
lle faſt rein vorkommt, aus wirtſchaftlichen Gründen jedoch faſt
isſchließlich aus Holz gewonnen wird. In den Zellſtoff=Fabriken
rd das Holz zerkleinert und durch Kochen mit Natron= oder
ulfitlauge der Zellſtoff daraus gewonnen. In den
Kunſtſeide=
briken wird der Zellſtoff durch weitere chemiſche Behandlung zu
ner honigartigen Flüſſigkeit gelöſt, die Viskoſe genannt wird.
us den Keſſeln gelangt die Viskoſe, nachdem ſie durch Filter von
gelöſten Beſtandteilen befreit iſt, in die Vorratskeſſel. Aus
die=
n wird ſie durch die Preßluft in Rohrleitungen gedrückt, die zu
NEUE BÜCHER UND ZEITSCHRIFTEN
* Luegers Lexikon der geſamten Technik. 3. Aufl. Herausgegeben
von E. Frey. Regiſterband. Stuttgart, Berlin und Leipzig 1931.
Deutſche Verlagsanſtalt. 511 S. Preis 30.— RM.
Mit dem Regiſterband findet das in allen Kreiſen der
Tech=
nik hochwillkommene Werk ſeinen Abſchluß. Erſt dieſer Band
er=
möglicht es auf den über 5000 Seiten des geſamten Werkes ſchnell
das gewünſchte Schlagwort zu finden. Da vielfach Abhandlungen
über einen Gegenſtand eine große Anzahl von Seiten umfaſſen,
iſt der Regiſterband ein wertvolles Hilfsmittel, der viel unnötige
Zeit zum Suchen erſpart.
Netzanſchluß, eine Lehrſchrift für Funkbaſtler, von Henry. Verlag Dr.
Trenkler u. Comp., A.=G., Leipzig 0 27. Preis 1.20 Mark.
Aus den urſprünglichen Laboratoriumsgeräten, die dem
Funkemp=
fang dienten, ſind immer vervollkommnetere Geräte entſtanden. Im
gleichen Maß ſind die Anſprüche an die Güte der Geräte und an die
Größe der Leiſtung, beſonders der Anodenſtromquelle geſtiegen. Damit
hat das Netzanſchlußgerät wegen ſeiner größeren Wirtſchaftlichkeit eine
vermehrte Anwendung gefunden. Zur Aufklärung über die
Wirkungs=
weiſe des Netzanſchluſſes und die Bauart derartiger Geräte kann auch
dem Nichtbaſtler das Heftchen empfohlen werden.
* Niederfrequenzverſtärkung, eine Lehrfchrift für Funkbaſtler, von
Henry. Verlag Dr. Trenkler u. Comp., A.=G., Leipzig 0 27. Preis
1.50 Mark.
Die Berſtärkungsvorgänge in der Verſtärkerröhre und in
mehrſtufi=
gen Niederfrequenzverſtärkern, ſowie die vorkommenden Verzerrungen,
werden ausführlich behandelt. Ueber die Gegentaktſchaltung handelt ein
beſonderes Kapitel. Den Schluß des reichhaltigen Heftchens bilden
ver=
ſchiedene neue Kraftverſtärkerſchaltungen.
Seite 16
Mittwoch, den 13. Mai/1931
Nummer 132
Saddr, Satee Tl Setiene
der Sport an Mlametfägrt.
Der Himmelfahrtstag bringt in dieſem Jahr eine ungewohnte
Fülle an ſportlichen Ereigniſſen auf allen Gebieten. Auch der
D.F. B. muß dieſen Wochenfeiertag für ſeine Meiſterſchaftsſpiele
mit in Anſpruch nehmen. Beſonders hervorzuheben ſind die
bei=
den letzten Treffen der DFB=Vorrunde, die 9. Etappe der
Deutſchlandrundfahrt die Deutſchen Fechtmeiſterſchaften und die
Dreitage=Motorradfahrt des A. D.A. C. — Im
Fußball
wendet ſich das Hauptintereſſe natürlich den beiden reſtlichen
Vorrundenſpielen um die Deutſche Meiſterſchaft zu. In Düſſeldorf
erwartet der weſtdeutſche Meiſter Fortuna Düſſeldorf den
ſüddeut=
ſchen Zweiten Eintracht Frankfurt, und in Mannheim ſoll Phönix
Ludwigshafen gegen den Meidericher Spielverein ſpielen. Gegen
dieſes Spiel hat aber der Süddeutſche Verband Einſpruch erhoben;
er will an dieſem Tage Phönix Ludwigshafen und München 1860
nochmals in München zuſammentreffen laſſen. Für das
Düſſel=
dorfer Spiel kann man den Frankfurtern, die völlig abgehetzt in
dieſe Runde gegen den weſtdeutſchen Meiſter gehen, wenig Chancen
geben. Techniſch dürfte das Spiel der Frankfurter kaum zu
über=
bieten ſein, dagegen fehlt dem Sturm aber die Produktivität.
Falls das Mannheimer Treffen zum Austrag kommt, halten wir
einen Erfolg der Ludwigshafener nicht für ausgeſchloſſen. In
Süddeutſchland gibt es zunächſt noch zwei
Repräſentativ=
ſpiele, und zwar: München gegen Würzburg in Würzburg und
Anchen—Saarbrücken in Saarbrücken; in Frankfurt wird das
End=
ſpiel um den Frankfurter Fußballpokal zwiſchen
Fußballſport=
verein und Rot=Weiß ausgetragen. Ferner ſpielt der K.F.V. ein
Privatſpiel gegen den 1. F.=C. Pforzheim. Von den Spielen im
Reich intereſſiert das Treffen der Eſſener „Prominenten=Elf”
gegen Birmingham. Aus dem Ausland meldet der
Termin=
kalender einige Länderſpiele, und zwar: Italien—Belgien in
Turin, Frankreich—England in Paris, Oeſterreich—Ungarn in
Wien und Oſtholland—Weſtdeutſchland in Arnheim.
Handball.
Neben einem Blitzturnier im Rahmen der Frankfurter
Sta=
dionkampfſpiele, an dem ſich die Frankfurter Mannſchaften F. S. V.,
Eintracht, Schwanheim und Rot=Weiß beteiligen, geht in Bad=
Kreuznach unter Teilnahme von Polizei Worms, Haſſia Bingen,
Tv. Monzingen, D. J.K. Kreuznach und F.C. Kreuznach 02 ein
Handballturnier in Szene.
Leichtathletik.
Im Frankfurter Stadion und in Regensburg gehen lokale
Sportfeſte in Szene, Schwaben Augsburg veranſtaltet einen
Klub=
kampf gegen Ulm 94, Phönix Mannheim zieht ein Jugendſportfeſt
auf und der Polizei=S.V. Hamburg wartet mit einem von der
deutſchen Elite beſuchten Meeting auf.
Tennis.
In Frankfurt und Saarbrücken nehmen Bezirksturniere ihren
Anfang, in Berlin beſtreitet Rot=Weiß (mit Prenn) einen
Klub=
kampf gegen die ſpaniſche Davispokalmannſchaft, und aus dem
Auslande werden zwei Länderkämpfe Frankreich—England in
Paris und Ungarn-Japan in Budapeſt. genannt.
Fechten.
Der Deutſche Fechterbund zieht vom Donnerstag bis Sonntag
in Dresden ſeine Deutſchen Meiſterſchaften auf, zu denen 100
Fechter gemeldet wurden; Erwin Casmir hat allerdings nicht
ge=
meldet.
Radſport.
In der Deutſchland=Rundfahrt wird die neunte Etappe von
Liegnitz nach Berlin=Wannſee über 3132 Kilometer abgewickelt.
In Deutſchland gibt es in Bocholt und Bochum Bahnrennen, und
deutſche Amateure ſtarten in Kopenhagen.
hockey.
S.=V. 98 — Merck Darmſtadt.
In dem Beſtreben, den in Darmſtadt noch wenig gepflegten
Hockeyſport zu fördern, hat die Sp.=A. Merck eine
Hockeymann=
ſchaft zuſammengeſtellt, die am Mittwoch abend ½7 Uhr,
auf dem Stadion am Böllenfalltor, mit der Hockeyelf des S.=V. 98
die Stöcke kreuzen wird.
Kraftſpork.
S.=V. 1920 Werſau i. O. — Polizei Darmſtadt, 2. 11:8.
Bei dem in Werſau ausgetragenen Freundſchaftsſpiel konnte
Werſau einen knappen, aber verdienten Sieg landen. Es wurden
harte, intereſſante Kämpfe geboten. Auf beiden Seiten war der
größte Siegeswille vorhanden und erſt der letzte Kampf das
Schwergewicht, brachte die Entſcheidung. Es ſiegten für Werſau
im Feder=, Leicht= und Weltergewicht Ph. Buxmann, Löb und
Riebel durch Schulterſiege und im Schwergewicht Höhner n. P.
Für die Polizei ſiegten Bantam=, Mittel= und Halbſchwergewicht:
Perini, knapp durch Schulterſiege und Reuter n. P.
Tv. Nieder=Ramſtadt — Weiſenau 15:6.
Am Samstag weilte die Kraftſportabteilung mit 2
Mann=
ſchaften in Weiſenau zum Rückkampfe und konnte wieder einen
ſchönen Erfolg buchen. Die 2. Mſch. konnte die im Vorkampf
er=
littene 11:9=Niederlage mit einem 15:6=Sieg wettmachen. Die
Kämpfe verliefen ſehr fair und endeten alle mit Schulterſiegen.
Phil. Lautenſchläger=N. — Anſtadt=W., Sieger L.; Welter: Gg.
Lautenſchläger=N. — Mayer=W., Sieger L.; Mittel: Beck=N. —
May=W., Sieger B.; Schwer: Walter=N — Friedrich=W., Sieger
F: Schwer: Kaffenberger= N. — Ditt=W., Sieger K. 2. Mſch.:
Bantam: Kreuzer=N. — Veith=W. Sieger K.; Feder: Scior=N.
— Zober=W., Sieger Z.; Leicht: Rückert=N. — Kron=W., Sieger
R.; Welter: Roßmann=N. — Höhn=W., Sieger R: Mittel: Ad.
Göbel=N.—Rodemig=W., Sieger G.; Schwermittel: Bollmann=N. —
Entemann=W., Sieger E.; Schwer: Herm. Göbel=N. — Schönig=
W., Sieger G.
Die Handball=Vorſchlußrunde.
SV. 98 Darmſtadt — Polizei Spandan.
Noch nie hat man in Darmſtadt die Vorſchlußrunde um die
Deutſche Handballmeiſterſchaft mit größerer Spannung erwartet,
als in dieſem Jahr. Das ſtarke Intereſſe iſt durchaus
verſtänd=
lich: Wenn die Sportvereinler wohl auch im Vorjahr an der
Vor=
ſchlußrunde noch beteiligt waren, ſo war dieſe
Teilnahmeberech=
tigung nicht verdient und nur dem Umſtand zuzuſchreiben, daß
Alemannia Aachen aus formellen Gründen trotz des Sieges gegen
die 98er die Punkte abgeſprochen bekam. Dies mag der Grund
geweſen ſein, daß man damals der Begegnung der Vorſchlußrunde
keine große Anteilnahme widmete, zumal die Ausſichten für jenes
Treffen bei der damaligen Form der Einheimiſchen, die in Leipzig
gegen den Polizeiſportverein Berlin anzutreten hatten, ſchlecht
waren. Dagegen iſt die Teilnahmeberechtigung der 98er an der
diesjährigen Vorſchlußrunde durch einwandfreie Siege erſtritten
worden, da ſowohl in der Vorrunde, als auch in der
Zwiſchen=
runde die Gegner — Sportfreunde Siegen und Pol.=Spv. Gotha
— die Ueberlegenheit der Sportvereinself anerkennen mußten.
So iſt man mit Recht geſpannt, ob es den Darmſtädtern gelingt,
ſich auch in der Vorſchlußrunde durchzuſetzen und hierdurch für das
Endſpiel zu qualifizieren. Die konſtante Form die die
Lilien=
träger in dieſem Jahr aufzuweiſen haben, läßt die Ausſichten für
das bevorſtehende Treffen nicht ungünſtig erſcheinen, wenn
natur=
gemäß auch bei der großen Spielſtärke des Gegners alle
Möglich=
keiten für das Endreſultat offen ſind.
Da zu dem bevorſtehenden Treffen ein ganz beſonders guter
Beſuch zu erwarten iſt, hat der Spielausſchuß der deutſchen
Sport=
behörde angeordnet, daß das Spiel auf dem
Platz der Techniſchen Hochſchule
ſtatfindet. Dieſe Maßnahme erſcheint angebracht, weil hierdurch
die Gewähr beſteht, daß für jeden einzelnen Beſucher beſte
Sicht=
möglichkeit vorhanden iſt. Zweifellos wird die wunderſchöne Hoch=
tung beilegt. So wurde die
Spielleitung Pöthmann=Barmen
übertragen, der ja ſchon mehrfach große Spiele in Darmſtadt
leitete und dabei immer durch ſein einwandfreies und ſicheres
Auftreten zu imponieren verſtand. Als Vertreter der Deutſchen
Sportbehörde wird der Spielausſchußvorſitzende, Herr Burmeiſter=
Hamburg, anweſend ſein.
Ab Donnerstag vormittag iſt für das Spiel ein Vorverkauf
eingerichtet. Es empfiehlt ſich die Löſung der Karten im
Vor=
verkauf in dieſem Falle ganz beſonders, weil die Kaſſenverhältniſſe
am Eingang des Hochſchulplatzes bei allzu großem Andrang eine
ſchnelle Abwicklung nur ſchwer ermöglichen. Die Eintrittspreiſe
ſind im Vorverkauf weſentlich niedriger. Der Vorverkauf findet
ſtatt für Tribünen= und Stehplätze bei Zeitungsverkauf Skurnik
(Schalterraum der Reichspoſt); Zigarrenhaus Becher,
Grafen=
ſtraße; Friſeurgeſchäft Opp, Riegerplatz; Schneider, Herdweg 28,
1. Stock; für Erwerbsloſen= Schüler= und Jugendkarten bei
Hut=
geſchäft Herold, Große Ochſengaſſe.
Polizei Darmſtadt, 2. — Tgſ. Ober=Ramſtadt.
Am Donnerstag ſpielt um 15 Uhr auf dem Polizeiſportplatz
die Ligaerſatz gegen Ober=Ramſtadt, um 10.30 Uhr die 1. und 2
Jugendmannſchaften desſelben Vereins. Die Damenmannſchaft
fährt um 1.30 Uhr nach Worms zum Spiel gegen Olympia
Worms.
Am Samstag fährt die Polizeiliga zur Polizei Hanau zu
einem Freundſchaftsſpiel.
Am Sonntag findet hier um 11 Uhr ein Spiel Polizeiliga —
Sportv, Wiesbaden ſtatt 2. Mannſchaft in Wiesbaden gegen
S.=V. Wieshaden 2. — 2 Jugend um 14 Uhr gegen Tgſ. in
Drei=
eichenhain.
Tv. Groß=Gerau — Tv. Seeheim 3:7 (1:4).
Am letzten Sonntag war die Seeheimer Mannſchaft bei den
Groß=Gerauer Turnern Gaſt, um ein Freundſchaftsrückſpiel
aus=
zutragen. Die Gäſte mußten für Spalt Erſatz einſtellen.
Trotz=
dem gelang es durch die aufopfernde Zuſammenarbeit aller
Spie=
ler, den Gaſtgebern eine deutliche Niederlage beizubringen. Ganz
beſonders aber ſei die vorzügliche Leiſtung des Seeheimer Hüters
hervorgehoben.
Pferdeſpork.
Die deutſchen Reiter in Rom.
Am Sonntag kam als Hauptnummer des Internationalen
Reit=Turniers in Rom ein Jagdſpringen um den Wanderpreis
des anweſenden Königs von Italien zum Austrag, bei dem 10 000
Zuſchauer zugegen waren. Neben den 15 Hinderniſſen und 22
Sprungen bot der Kurs auf der durch den Regen völlig
durch=
weichten Bahn kaum zu überbietende Schwierigkeiten. Obwohl
nach der Ausſchreibung nur die beſte Pferdeklaſſe zugelaſſen war,
gaben 12 von 36 geſtarteten Teilnehmern das Rennen auf. Der
Sieg fiel an den italieniſchen Hauptmann Lombardo, der auf
Buf=
falino in 1:50,2 fehlerlos den Kurs bewältigte. Den zweiten und
dritten Preis holte ſich der franzöſiſche Lt. Ricard mit Arcachon
in 1:57,6 bzw. Pair in 2:09 mit ebenfalls 0 Fehlern. Sehr von
Pech waren die deutſchen Vertreter verfolgt, die trotz guter
Lei=
ſtungen ſich nicht zu placieren vermochten. Obltn. Sahla, der bei
ſeinem Erſcheinen einen Sonderapplaus einheimſte ging in
präch=
tiger Fahrt mit Wotan über den Kurs, doch rutſchte er auf dem
glatten Boden und warf ein Hindernis. v. Barnekow tat mit
Fridericus einen ſehr gefährlichen Sturz, doch blieben Reiter und
Pferd unverletzt. Im zweiten Hauptwettbewerb des Sonntags
um den Preis des italieniſchen Kriegsminiſters ſiegte Obltn.
Tillier=Frankreich in 3:09,6 knapp vor ſeinem Landsmann
De=
breuil. Dritter wurde Obltn. Brandt auf Balmung. Von 19
geſtarteten Teilnehmern kamen nur dieſe drei über den zweimal
zu bewältigenden Kurs.
Fußball.
Reichsbahn Darmſtadt — S.=C. Ober=Ramſtadt 1:3 (1:D.
Das Spiel gegen die Gäſte aus Ober=Ramſtadt geſtaltete ſich
zu einem würdigen Auftakt zur Sportwerbewoche des Reichsbahn=
Turn= und Sportvereins. Die zahlreich erſchienenen Zuſchauer
ſahen ein faires und ruhiges Spiel, das von Anfang bis zum
Ende reich an ſpannenden Augenblicken war. — Am Mittwoch,
18 Uhr: Eintracht Darmſtadt: Donnerstag, 15 Uhr: Reichsbahn
Aſchaffenburg; Samstag, 18 Uhr: Akadem. Sportklub.
S.=V. Höchſt i. O. — S.=V. Roßdorf 3:6.
Die bereits im Spiel gegen Eintracht Darmſtadt erprobte
Umſtellung der Roßdörfer Mannſchaft hat ſich auch in dieſem Spiel
wieder bewährt, denn der Sieg gegen die immerhin nicht ſchlechte
Höchſter Elf, die ſich zudem gerade gegen Roßdorf beſondere Mühe
gab, um ihm die Punkte abzuknöpfen, wurde viel leichter erzielt,
als das Reſultat es beſagt. Roßdorfs Sturm war wieder recht
durchſchlagskräftig und ſchoß insgeſamt 10 Tore; daß hiervon 4
wegen Abſeits vom Schiedsrichter nicht gegeben wurden, war nur
ein Schönheitsfehler. — Roßdorf 3. — Klein=Zimmern 1. 2:3.
Am kommenden Sonntag nun wird in Groß=Zimmern
vorausſichtlich die Entſcheidung über die Meiſterſchaft fallen.
Roß=
dorfs Mannſchaft geht ſicherlich keinen leichten Gang, denn Groß=
Zimmern wird alles daranſetzen, um die Meiſterſchaft für ſich zu.
entſcheiden und ſich für die im Vorſpiel erlittene Niederlage zu
rächen.
Union Darmſtadt — Germania Eberſtadt.
Zum Himmelfahrtstag, 16 Uhr, tritt auf der
Renn=
bahn Germania Eberſtadt zum Rückſpiel an. Die Eberſtädter die
einen guten Fußball ſpielen, treten in etwas anderer Aufſtellung
an. Die Beſſunger, die immer noch nicht in Fahrt ſind, werden
ebenfalls Umſtellungen vornehmen, doch iſt mit einem ſchönen
Spiel zu rechnen.
Olympia Biebesheim.
Die Handballmannſchaft unterlag am Sonntag gegen die
Ligareſerve des S.=V. 98 Darmſtadt 6:4 (2:2). Vor einigen
Wochen unterlagen die Olympianer der äußerſt
durchſchlagskräf=
tigen Gäſtemannſchaft in Darmſtadt 12:3, jetzt war zu konſtatieren,
daß der Kreismeiſter weſentlich an Spielſtärke zugenommen hat.
Die Fußballmannſchaft ſpielte im Freundſchaftskampf gegen
Guntersblum, eine immerhin kräftige und zum Teil talentierte
Mannſchaft „Das Reſultat von 9:2 für Biebesheim iſt etwas zu
hoch ausgefallen.
Am Himmelfahrtstag tragen in Biebesheim
Ale=
mannia Groß=Rohrheim. V. f R. Alsheim, Reichsbahn Darmſtadt
und Olympia nach dem Pokalſyſtem einen Klubkampf aus.
Be=
ginn 10 Uhr vormittags.
Das Georgi=Schwimmen der 2.T.
Vor 12000 Zuſchauern zwei neue D. T.=Rekorde.
Wie im Voxjahre, fand auch diesmal wieder das Georgii=
Schwimmen in Stuttgart, die größte ſchwimmſportliche
Ver=
anſtaltung der Deutſchen Turnerſchaft in Süddeutſchland, eine
quantitativ wie qualitativ ausgezeichnete Beſetzung. Auch der
Beſuch der zweitägigen Veranſtaltung war außerordentlich gut,
am Haupttage waren rund 12 000 Zuſchauer anweſend. Die
in=
tereſſanten Wettkämpfe brachten zwei neue D.T.=Beſtleiſtungen.
Frl. Weynell=Breslau verbeſſerte die Rekordzeit im 40=Meter=
Tauchen auf 33,8 Sekunden, und im 200=Meter=Lagenſchwimmen
ſchraubte Sommer=Mülhauſen ſeine eigene D. T.=Beſtleiſtung auf
2:51 Minuten. Den Dr.=Georgii=Wanderpreis in der 4X100=
Meter=Lagenſtaffel holte ſich der Turnerbund Cannſtatt in der
gu=
ten Zeit von 5:22,8 Min. Den Abſchluß der Kämpfe bildete ein
Wäſſerballſpiel, das die Tgde. 46 Darmſtadt mit 5:2 gegen den
Tbd. Cannſtadt gewann. Schwimm=Wettbewerbe der Reichswehr
in Württemberg und der Württembergiſchen Schutzpolizei
um=
rahmten das umfangreiche Programm. Die Ergebniſſe:
Männer: 100 Meter Freiſtil: 1. Ernen, Kölner
SC., 1:12,8; 2. Meier, Kölner SC., 1:13. — 100 Meter
Rücken=
ſchwimmen: 1. Wanner=Cannſtatt 1:15,8: 2. Schreiber=Pforzheim
1:28,2 Min — 4X100 Meter Bruſtſtaffel: 1. MTV. Stuttgart
5:59; 2. Tv. Saarbrücken 6:12,2: 3. Tp. Ulm 6:17 Min.
10X50 Meter Freiſtilſtaffel: 1 Kölner SC. 5:20,6; 2. MTV.
Stuttgart 5:31. — 100 Meter Bruſtſchwimmen: 1. Sommer. TG.
Mühlhauſen, 1:21,8 2 Hagedorn. TG. Offenbach, 1:26.4.
4X100 Meter Bruſtſtaffel für Vereine ohne Winterbad: 1. T.S.V.
Kirchheim/Teck 6:40.4; 2. Tv. Marbach 6:55,4. — 400 Meter
Freiſtil: 1. Marx, Kölner SC., 6:11,8; 2. Steimel, Kölner SC.,
6:23,4. — 200 Meter Lagenſchwimmen: 1. Sommer, TG.
Mülhau=
ſen, 2:51 Min. (Neue D.T.=Beſtleiſtung.); 2. Wanner, Tbd.
Cannſtatt, 3:00 Min. — 4X100 Meter Lagenſtaffel: 1. Tbd.
Cannſtatt, 5:22,8; 2. Kölner S.=C. 5:32. — 100 Meter
Seiten=
ſchwimmen: 1. Jerger, Tbd. Cannſtatt, 1:16, und Sommer, TG.
Mülhauſen, 1:16: 2. Dill, Tv. 46, Karlsruhe, 1:19,6 Min. —
Mehrkampf: 1. Junold Tv. Saarbrücken, 189,3 P.; 2 Sommer,
TG. Mülhauſen, 174,9 P. — Hauptſpringen: 1. Stork. Frankfurter
Tv. 46. 139.55 P.; 2. Junold=Saabrücken 121.20 P.; 3.
Schön=
leber, Tbd. Stuttgart, 114.05 P. — Waſſerballſpiel: TG.
Darm=
ſtadt gegen Tbd. Cannſtatt 5:2.
Frauen: 100 Meter Bruſtſchwimmen: 1. Mauch. Tbd.
Heilbronn 1:39,8; 2 Stoll, Tv. Pforzheim. 1:41,4. — 200 Meter
Lagenſchwimmen: 1. Breitung, Tv. Offenbach, 3:35,8: 2. Schüchtle,
TG. Heilbronn, 3:45. — 200 Meter Bruſtſchwimmen: 1. Kunze,
MTV. Stuttgart, 3:39,2; 2. Riedner, TG. Offenbach. 3:45. —
100 Meter Seitenſchwimmen: 1 Weynell. Jugendbund Tapiau
(Oſtpr.), 1:32,8; 2. Wagner, Kölner SC., 1:34. — 4X100 Meter
Bruſtſtaffel: 1. MTV. Stuttgart 6:56,8: 2. Tv. 34. Pforzheim,
7:25 — 10X50 Meter Bruſtſtaffel: 1. MTV. Stuttgart 8:176;
2. V. f. L. Stuttgart 8:30,8 — 10X100 Meter Lagenſtaffel: 1. Tv.
Offenbach 6:46,4; 2 MTV. Stuttgart 6:52. — 40=Meter=Tauchen:
1. Weynell, Jugendbund Tapiau (Oſtpr.) 33,8 Sek (Neue D.T.=
Beſtleiſtung); 2. Moll, Tbd. Stuttgart, 39 Sek. — Hauptſpringen:
Kapp, Frankfurter Tv. 60, 78.25 P.; 2. Böttigheimer, TG.
Offenbach, 63.85 P.
Weiterbericht.
Die Nordmeerſtrömung zieht nach Nordoſten hin ab, ohne
unſer Wetter außer durch Bewölkung beeinflußt zu haben. Nur
an der Nordſeeküſte trat etwas Regen auf. Da ſich der hohe Druck
über dem Feſtland hält, ſo dürfte für die nächſten Tage meiſt
hei=
teres Wetter zu erwarten ſein, wenn auch mehr im nördlichen
Teil des Reiches Störungsgebilde lokale Gewitterneigung
verur=
ſachen können. Im ganzen ſcheint aber die Schönwetterlage
fort=
beſtehen zu bleiben.
Ausſichten für Mittwoch, den 13. Mai: Viefach heiter, trocken
und warm, nachts Abkühlung.
Ausſichten für Donnerstag, den 14. Mai: Keine weſentliche
Aenderung.
Rf.4
U
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Nummer 132
an
Mittwoch, den 13. Mai
Milionenverlufte der geſterreichiſchen
Kredikauftalk für Handel und Gewerbe.
Erfolgreiche Sanierungsmaßnahmen.
Die Oeſterreichiſche Kreditanſtalt für Handel und Gewerbe in Wien
hat der Bundesregierung mitgeteilt, daß ſich bei der Aufſtellung der
Bilanz für das Geſchäftsjahr 1930 Verluſte von insgeſamt
140 Millionen Schilling ergeben haben. Die Verluſte ſind
zurückzuführen auf die Fuſion mit der Bodenkreditanſtalt, auf die
Ent=
wertung des Effektenportefenilles ſowie auf notwendige Abſchreibungen
bei Debitoren. Da das Aktienkapital der Kreditanſtalt 125 Millionen
und die offenen Reſerven 40 Millionen Schilling betragen, hätte nach
dem öſterreichiſchen Geſetz die Zwangsliquidierung des Inſtitutes
er=
folgen müſſen. Dieſe Lage erforderte ein ſofortiges Eingreifen der
Bun=
desregierung, da die Kreditanſtalt aufs engſte mit der öſterreichiſchen
Wirtſchaft verbunden iſt.
Wie jetzt bekannt wird, haben die bereits ſeit drei Tagen in dieſer
Angelegenheit geführten Verhandlungen zwiſchen der Regierung und
allen maßgebenden Stellen Erfolg gehabt. Das Aktienkapital der
Kre=
ditanſtalt wir um 25 v. H. herabgeſetzt. Der Anſtalt werden ferner neue
Mittel in einem ſolchen Ausmaß zugeführt, daß die Verluſte nicht nur
ganz gedeckt, und das bisherige Vermögen von 165 Millionen Schilling
wiederhergeſtellt, ſondern ſogar vermehrt wird. Zu dieſem Zweck
wer=
den der Anſtalt vom Bund 100 Millionen Schilling, von der
Oeſterrei=
chiſchen Nationalbank und dem Hauſe Rotſchild je 30 Millionen zur
Verfügung geſtellt. Die Bundesregierung hat ſich bereits mit den
Par=
teien des Nationalrates in Verbindung geſetzt und feſtgeſtellt, daß einem
Geſetz, das die Regierung zur Begebung von Schatzſcheinen im
gedach=
ten Ausmaß ermächtigen ſoll, keine Hinderniſſe gegenüberſtehen und die
ſofortige Verabſchiedung der Vorlage möglich ſein wird. Zu dieſem
Zweck iſt der Nationalrat auf Mittwoch nachmittag einberufen worden.
Entſprechend der mit Erfolg durchgeführten Sanierung der Kriſe
der Oeſterreichiſchen Kreditanſtalt wickelt ſich der Verkehr bei der Bank
in vollkommener Ruhe ab. Das Geſchäft zeigt keinerlei übernormale
Bewegung und es finden keinerlei nennenswerte Abhebungen ſtatt.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Verein für chemiſche Induſtrie A.=G., Frankfurt a. M. Infolge der
allgemeinen Wirtſchaftskriſe und der hierdurch geſchaffenen ſchwierigen
Abſatzverhältniſſe wurde die Produktion der Geſellſchaft im
Geſchäfts=
jahr 1930 in Mitleidenſchaft gezogen. Die Verkohlungsleiſtung mußte
gegenüber dem Jahre 1929 nicht unerheblich gedroſſelt werden. Als
Folge davon iſt in Verbindung mit der unüberſichtlichen Einkaufslage
eine Steigerung der Holzvorräte eingetreten. Die von der Geſellſchaft
vorgenommenen Maßnahmen zur weiteren Senkung der Unkoſten
wer=
den vom Beginn des neuen Geſchäftsjahres an zur Auswirkung
kom=
anen. Die Ergebniſſe der Arbeiten in den wiſſenſchaftlichen Laboratorien
Xonnten teilweiſe in den fabrikatoriſchen Betrieb übertragen werden,
„vodurch auf den verſchiedenen Anlagekonten Zugänge entſtanden ſind.
Der mit Wirkung vom 1. Januar 1930 abgeſchloſſene
Gemeinſchaftsver=
trag mit der Gruppe Carbo=Union hat ſich bewährt. Die Gewinn= und
Verluſtrechnung zeigt einen Bruttorohgewinn von (alles in Millionen
RM.) 1,96 einſchließlich 0,092 Vorjahresvortrag. (Im Vorjahre
Brutto=
gewinn 1,87.) Abzüglich der Unkoſten von 1,27 (1,15), der Abſchrei=
Hungen von 0,26 (0,17) und der Dubioſen von 0,019 verbleibt ein
Rein=
gewinn von 410 512 (554 786) RM., aus dem eine Stammaktiendividende
Son 5 (7) Prozent und eine Vorzugsaktiendividende von wieder 8
Pro=
ent zur Verteilung vorgeſchlagen wird. Aus dem Reingewinn ſoll
fer=
mer auf das Hypothekenausgleichskonto ein Abſchreibung von 5000 RM.
worgenommen werden; der Reſt von 79 912 (92 976) RM. ſoll zum
Vor=
rag auf neue Rechnung gelangen. In der Bilanz erſcheinen u a.:
An=
agen 2,58 (2,46), Warenvorräte 2,92 (2,42), Effekten und Beteiligungen
,64 (1,28), Debitoren einſchließlich Forderungen an Tochtergeſellſchaften
E,62 (4,68); auf der Paſſivſeite dagegen: Kreditoren 2,39 (2,28), das
Alktienkapital unverändert mit 6,5 und der Reſervefands wieder mit
,325. Im neuen Geſchäftsjahr konnte bis jetzt eine Beſſerung der Lage
nicht feſtgeſtellt werden. In Anbetracht der völlig undurchſichtigen
Ver=
hältniſſe auf den Weltmärkten können für das Jahr 1931 keinerlei
Vor=
ausſagen gemacht werden. (Generalverſammlung 21, Mai.)
Genofſenverſammlung der Höchſter Vereinsbank. Am Montag abend
fand eine vom Genoſſen=Ausſchuß einberufene freie Genoſſen=
Verſamm=
lung der Höchſter Vereinsbank ſtatt. Der Aufſichtsratsvorſitzende wies
darauf hin, daß die Bankleitung im Intereſſe der Genoſſen es habe
ab=
lehnen müſſen, die Konten offenzulegen. Der Status ſei nicht früher
fertig geworden, da es eine ungeheure Arbeit erfordert habe, die
not=
wendigen Unterlagen zu beſchaffen Juſtizrat Kahn legte dann in ſehr
ausführlicher Darlegung auseinander, wie es um die juriſtiſche Seite
der Sanierungsvorſchläge ſteht. Bei einem Stundungsvergleich bindet
ſch der Genoſſe auf drei Jahre, denn er kann während des
Morato=
rrums nicht kündigen. Der Genoſſe habe ſich zu entſcheiden endweder
Konkurs mit allen Folgen oder aber einen Stundungsvergleich mit allen
Riſiken. — Nach einer langen Debatte wurde ein Antrag formuliert, der
auf einen Liquidationsvergleich hinzielt und bei der
Generalverſamm=
lang vorgelegt werden ſoll.
Zu dem Jahresabſchluß der Röhm u. Haas A.=G., Chemiſche Fabrik,
Darmſtadt, iſt zu bemerken, daß in der Bilanz die Warenbeſtände mit
rund 10 Millionen (nicht 0,10 Millionen) ſtehen.
Metallnokierungen.
Die Berliner Metalltermine vom 12. Mai ſtellten ſich für Deutſche Erdöl
Kupfer: Mai und Juni 74 (75.50), Juli 77.50 (78.50), Auguſt
78.50 (79.50), Sept. 79 (79.75), Okt. 79 (80) Nov 79.50 (80.25),
Dez. 79.50 (80.50). Jan. und Febr. 80.25 (80.75) März und April
80.50 (80.75). Tendenz; kaum ſtetig. — Für Blei: Mai 22.25
(23), Juni 22.75 (23). Juli 22.50 (23.25), Auguſt und Sept. 22.75
(23.25), Okt. und Nov. 23 (23.50), Dez. 23.25 (23.50), Jan. bis
April 23.25 (23.75). Tendenz: ſtetig. — Für Zink: Mai. Juni,
Juli 20 (21), Auguſt 20.25 (21.50), Sept. 20.50 (21.75) Okt. 21
(22.25), Nov. 21.50 (22.50). Dez. 22 (23), Jan. 23.25 (23.25), Febr.
23 (23.50), März 23.25 (23.75), April 23.50 (23.75) Tendenz:
luſt=
os. — Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die in Klammern Brief.
Die Berliner Metallnotierungen vom 12. Mai ſtellten ſich für
je 100 Kilogramm für Elektrolytkupfer prompt cif Hamburg,
Bre=
nen oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die deutſche 8½ Heſſen v. 2
Elektrolytkupfernotiz) auf 90.25 RM. — Die Notierungen der
Kommiſſion des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe 6% Preuß, Staat,
verſtehen ſich ab Lager in Deutſchland, für prompte Lieferung und / 8% Sachſen ....."
Bezahlung) ſtellten ſich für Originalhüttenlauminium. 98= bis
Yproz., in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren auf 170 RM., desgl.
n Walz= oder Drahtbarren 99proz. 174 RM. Reinnickel 98 99proz. 350 RM., Antimon Regulus 51—53 RM., Feinſilber
11 Kilogr. fein) 38.75—40.75 RM.
Viebmärkte.
* Mainzer Viehhof=Marktbericht. Amtliche Notierung vom 11./12.
Nai. Auftrieb: 14 Ochſen, 12 Bullen, 571 Kühe oder Färſen, 290
Käl=
er, 960 Schweine. Marktverlauf: In allen Viehgattungen ruhig, bei
broßvieh Ueberſtand. Preis pro 50 Kilo Lebendgewicht: Ochſen c) 45
lis 48, b) 35—37, Bullen c) 32—35, Kühe a) 32—35, b) 25—30, c) 20—25,
) 16—20, Färſen a) 42—48, Kälber c) 57—63, d) 45—56, Schweine
46—48, d) 48—50.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 12. Mai:
Getreide. Weizen: Mai 84½, Juli 63½, Sept. 63½, Dez. 66.50;
Nais: Mai 61, Juli 62, Sept. 60¾, Dez. 52½; Hafer: Mai
8½, Juli 28.75, Sept. 28½, Dez. 31.25; Roggen: Mai 37½8,
zuli 40½, Sept. 40½, Dez. 43.75.
Schmalz: Mai 8.02½, Juli 8.15, Sept. 8.30, Okt. 8.27½.
Schweine, leichte 7.20—7.40; ſchwere 6.35—6.80;
Schweine=
ufuhren: Chicago 19 000, im Weſten 84000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 12. Mai:
Schmalz: Prima Weſtern 8,75; Talg, extra, loſe 378.
Getreide. Weizen: Rotwinter 93½; Mais, loko New York
9: Mehl, ſpring wheat clears 4.15—4,65; Fracht: nach
Eng=
and 1,6—2,3 Schilling, nach dem Kontinent 8—8.50 Cents.
Frankfurter und Berliner Effekkenbörſe.
Frankfurt a. M., 12. Mai.
Die Meldungen über die Vorgänge an der Oeſterreichiſchen
Kredit=
anſtalt hat die Börſe ſtark verſtimmt. Die Spekulation ſchritt in
ver=
ſtärktem Umfange, zu Blancoabgaben, zumal auch von der Kundſchaft
größere Verkaufsorders vorgelegen haben ſollen. Das Vertrauen zur
Börſe wurde noch durch eine Meldung des „Daily Herald”, der von
einem Millionenſkandal in England berichtet, ſtark erſchüttert, obwohl
die Nachricht ziemlich undurchſichtig iſt. Die feſte geſtrige New Yorker
Börſe blieb unter dieſen Umſtänden vollkommen ohne Eindruck. Das
Angebot zu den erſten Notierungen war ziemlich groß, dem keine
Auf=
nahmeneigung gegenüberſtand. Oeſterreichiſche Kreditanſtalt wurden
zwiſchen 12 und 15 Prozent nach geſtern noch 26,55 Prozent taxiert
Die Kurseinbrüche gegenüber der Abendbörſe betrugen durchſchnittlich von
1½—3½ Prozent. Größere Kurseinbußen hatten alle Spezialwerte. So
verloren J. G. Farben 4½ Prozent A. E. G., Licht und Kraft, Gesfürel,
Schuckert und Siemens von 5—6½ Prozent, Kaliaktien von 4—7
Pro=
zent, Karſtadt 6 Prozent und Kunſtſeidepapiere bis 4 Prozent. Auch
Montanwerte verzeichneten Kursverluſte von durchweg 4 Prozent. Den
weitaus größten Verluſt hatten am Bankenmarkt Danatbank, die 7½
Prozent nachgaben, obwohl beſonders ſtarkes Angebot nicht vorhanden
war. Die übrigen Bankaktien verloren bis zu 2 Prozent. Nach den
erſten Kurſen hielt das Angebot an, da die Kuliſſe wahre
Angſtver=
käufe vornahm. Das Kursniveau ermäßigte ſich nochmals um 1—2
Prozent. Später verſuchten die Großbanken Stützungskäufe, die jedoch
ohne Erfolg blieben. Am Anleihemarkt ermäßigten ſich die Kurſe bis
zu ½ Prozent.
Im Verlaufe wurde das Geſchäft ſehr ſtill, doch lagen auch die
Kurſe unerholt. Die Stimmung war weiterhin ſehr unſicher und ſchwach.
Die Börſe ſchloß, trotz Interventionen von Großbankſeite in ſchwacher
Haltung. Die Kurſe lagen meiſt von 1—3 Prozent unter dem
Anfangs=
niveau. Karſtadt erreichten mit 33 Prozent einen neuen Tiefkurs. Am
Pfandbriefmarkt war die Umſatztätigkeit klein. Die Kurſe lagen
in=
deſſen ebenfalls etwas ſchwächer. Reichsſchuldbuchforderungen verloren
von 1—1½ Prozent. Der Geldmarkt war weiter leicht, doch blieb der
Satz mit 3½ Prozent unverändert. Am Deviſenmarkt lag die Mark
feſt. Man nannte Mark gegen Dollar 4.1975. gegen Pfunde 20,41½.
London — New York 4,867/s, —Paris 124,33, —Mailand 92,91, —Madrid
48,37. —Schweiz 25,2334, —Holland 12,10/s. Die öſterreichiſche
Wäh=
rung wurde nur unweſentlich von den obigen Vorgängen beeinflußt.
Die Abendbörſe verlief bei kleinem Geſchäft. Angeſichts der
Wiener Konferenz wird weiter größte Zurückhaltung beobachtet.
Ver=
einzelt ergaben ſich erneute Kursabſchwächungen. So verloren Farben
anfangs ¼. Siemens 1, Kaliaktien ½—1 Prozent. Am Montanmarkt
Stahlverein und Rheinſtahl eher etwas freundlicher. Im Verlauf blieb
die Haltung unverändert. Farben erholten ſich etwas bis 137½ nach
137½. Von Kurſen ſind zu nennen: Dvesdner 102,5. Danat 127,
Gelſen=
kirchen 69 Rheinſtahl 62,5. Stahlverein 47. Salzdetfurth 199, Nordd.
Lloyd 537/, Aeg. 93,25, Siemens 152,5, Schuckert 128,5, Felten 76,
Holz=
mann 70,5. Mainkraft 62, Aku 70,75. Bemberg 87,5.
Berlin, 12. Mai.
Für die heutige Börſe lagen ausſchließlich ungünſtige Momente
vor, wenn man nicht gerade die Erholung in New York, die zudem auch
nur auf Deckungen zurückzuführen war als anregende Nachricht
an=
ſprechen will. Naturgemäß ſtand die Sanierung der Oeſterreichiſchen
Kreditanſtalt im Vordergrund der Erörterungen. Die Tatſache, daß
die Schwierigkeiten inzwiſchen behoben worden ſind, vermochte keinen
beruhigenden Einfluß auszuüben, und es kam, wie ſich bereits
vormit=
tags und vorbörslich vorherſehen ließ, zu den Anfangsnotierungen nicht
unerheblich Ware heraus. Die Umſätze in den Hauptwerten betrugen
100 Mille und mehr, und die Verkaufsaufträge ſtammten zum Teil auch
aus dem Auslande. Zahlreiche — — —=Zeichen erſchienen an den
Markt=
tafeln, und bei verſchiedenen ſolcher Werte konnten zunächſt keine
No=
tierungen zuſtande gebracht werden. Die Rückgänge gegen geſtern
be=
trugen durchweg bis zu 4 Prozent und bei Spezialwerten bis zu 8
Pro=
zent. Die Meldung, daß auch in London nicht alles in Ordnung ſein
ſoll und, wie der „Daily Herald” ankündigt, auch dort eine finanzielle
Senſation bevorſtehen ſoll, trug zu der Verſtimmung bei. Die
Ausfüh=
rungen des Finanzminiſters Dr. Dietrich wurden recht ungünſtig
auf=
genommen. Im Verlauf blieb die Stimmung ſchwach, die Banken
nahmen zwar etwas Ware auf, doch ließen ſich auf die Dauer neue
Rück=
gänge von 1 bis 4 Prozent nicht vermeiden. Man ſieht auf die neuen
verſtimmenden Meldungen hin und erwähnte in dieſem Zuſammenhange
die mit 12 Prozent nach 20 Prozent noch hinter den Erwartungen von
15 Prozent zurückbleibende Lindſtröm=Dividende. Anleihen ſchwächer.
Berliner Kursbericht
vom 12. Mai 1931
Der Saakenſtand in Heſſen und Heſſen=Raſſau.
Infolge des bisherigen ungünſtigen Witterungsverlaufs konnte das
Pflanzenwachstum nur geringe Fortſchritte machen, ſo daß der Stand
der Feldfrüchte Anfang Mai durchweg hinter normalen Jahren
zurück=
bleibt. Unter Zugrundelegung der Zahlennote 2 — gut, 3 — mittel,
4 — gering erhalten wir für die heſſiſchen Gebiete folgendes Bild:
Bez. Kaſſel Bez. Wiesbaden Land Heſſen
.. 3,2 3,6
3,3 Weizen
.
Gerſte .. . .. 3,1 3,1 3,0 Klee ..... 3,6 Luzerne
.
Bewäſſerungs= 3,3 3,5 3,5 wieſen 3,0 3. Andere Wieſen .. 3,3 3,3 33
Im Vergleich zum Reichsdurchſchnitt iſt die Beurteilung des
Saa=
tenſtandes bei allen Pflanzen in den heſſiſchen Gebieten ungünſtiger.
Brodukkenberichte.
Berliuer Produktenbericht vom 12. Mai. Die Unſicherheit, die durch
die verſchiedenen Regierungstransaktionen in den Produktenmarkt
ge=
tragen worden iſt, hat zu einer faſt völligen Stagnation des Geſchäftes
geführt; Käufer und Verkäufer ſtehen ſich abwartend gegenüber. Das
Inlandsangebot zur prompten Verladung iſt in Weizen und Roggen
ziemlich gering, andererſeits beſteht angeſichts des unbefriedigenden
Mehlabſatzes nur geringe Nachfrage. Bei den wenigen zuſtande
kom=
menden Abſchlüſſen werden etwa geſtrige Preiſe bezahlt. Am
Liefe=
rungsmarkte hielten ſich die Preisveränderungen gleichfalls in engen
Grenzen und geſtrige Schlußpreiſe waren nicht immer behauptet.
Wei=
zen= und Roggenmehle werden nur für den notwendigſten Bedarf
ge=
kauft. In Hafer tritt das Angebot etwas mehr in Erſcheinung, die
erſthändigen Forderungen lauten aber im allgemeinen zu hoch, ſo daß
Abſchlüſſe kaum zuſtande kommen. Der Lieferungsmarkt ſetzte
über=
wiegend ſchwächer ein. Gerſte ſtill.
Kleine Wirkſchaftsnachrichten.
Der vom Statiſtiſchen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924/25
— 100) ſtellt ſich für die Woche vom 4. bis 9 Mai 1931 auf 86,5
gegen=
über 89,1 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und
Schwerinduſtrie auf 80,4 (83,6), Gruppe verarbeitende Induſtrie auf
77,0 (79,5) und Gruppe Handel und Verkehr auf 108,3 (110,6).
Die deutſche Rohzinkproduktion einſchließlich Zinkſtaub ſtellte ſich,
wie der Geſamtsausſchuß zur Wahrung der Intereſſen der deutſchen
Metallwirtſchaft, Berlin, auf Grund der Berechnungen des ſtatiſtiſchen
Büros der Metallgeſellſchaft A.=G., Frankfurt a. M., mitteilt, im Monat
April 1931 auf 3578 Tonnen gegen 4431 Tonnen im Monat März 1931.
Der Treuhandverband Verband Deutſcher Treuhand= und
Revi=
ſionsgeſellſchaften e. V., Berlin, hält ſeine diesjährige Tagung in der
Zeit vom 14. bis 17. Mai zu Frankfurt a. M. ab. Sowohl in der
Vor=
ſtandsſitzung als auch in der öffentlichen Mitgliederverſammlung
wer=
den beſonders im Vordergrunde der Beratungen die Einführung der
Pflichtreviſion und die Neuregelung des Reviſions= und
Treuhand=
weſens ſtehen.
Die Firma Borſig in Berlin=Tegel hat ihre Aktienmehrheit der
Leder= und Riemenwerke Gebr. Reerink A.=G. in Preden an die Familie
Reerink abgetreten. Das Aktienkapital dieſer Geſellſchaft iſt von 325 000
auf 100 000 RM. herabgeſetzt worden. U. a. wurden Abſchreibungen
von gut 100 000 RM. vorgenommen. In den Aufſichtsrat wurde ein
Vorſtandsmitglied der Treuhand A.=G. Rheinland gewählt.
Der zum 1. Juni einberufenen Generalverſammlung der
Palmen=
gartengeſellſchaft wird neben der Genehmigung der Regularien
Beſchluß=
faſſung vorgeſchlagen über die Uebertragung des Geſampvermögens auf
die Stadt Frankfurt unter Genehmigung des darüber abgeſchloſſenen
Vertrages. Die Betriebe werden ihrem ſeitherigen Zwecke erhalten.
Im Vorjahre hatte die Geſellſchaft das Kapital bekanntlich herabgeſetzt
von 320 000 auf 64 000 RM., und wieder erhöht auf 250 000 RM.
Die drei großen ſtaatlichen bayeriſchen Waſſerkraftwerke, die Baher
werke A.=G., die Walchenſeewerk A.=G. und die Mittlere Jſar A.=G.,
ſchlagen eine von 5 auf 4 Prozent herabgeſetzte Dividende zur
Vertei=
lung vor.
Die Pariſer Börſe war geſtern infolge der Ereigniſſe in Spanien und der
prekären Lage der Oeſterreichiſchen Kreditanſtalt äußerſt ſchwach. Die
ſpaniſche Deviſe fiel von 260 auf 254,75, während Rio Tinto 130 Punkte
einbüßten.
Oeviſenmarkt
vom 12. Mai 1931
Berl.Handels=Geſ.
Danatbank . . . . . . .
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Bank
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bayr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas
113.—
125.25
102.50
102.—
Haf6
0.—
54.—
95.—
H5.—
88.50
69.—
38.50
109.—
121.50
64.625
Meie ee
J. G. Farben
Gelſ. Bergw.
Geſ.f.elektr. Untern.
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Vhil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Rlöcknerwerke
Köln=Neueſſ. Baw
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Unin.
Nordd. Wolle
Oberſchleſ. Koisw.
Orenſtein & Koppel
Vee
138—
70.—
102.25
58.—
50.25
73.75
133.—
54.—
57.—
69.—
35.25
44.—
69.75E
42.—B
Polyphonwerke
Rütgerswerke
Salzdetfurth Kali
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtoff
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Alkali
Agsb.=Nrnb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Drak
Wanderer=Werke
J
LiKS
202.50
99.50
46.25
137.—
60.25
22.—
40.—
110.50
131.75
41.125
57.50
Helſingfors
Wien
Prag
Budapeſt
Sofia.
Holland
Oslo
Kopenhagen
Stodholm
London
Buenos=Aires
New York
Belgien
Italien
Paris
Währung
100 finn. Mk.
100 Schilling
100 Tſch. Kr
100 Pengö
100 Leva
1100 Gulden
100 Kronen
100 Kronen
100 Kronen
12.Stg.
1 Pap. Peſo
1 Dollar
100 Belga
00 Lire
100 Francs
Gebd
10.55
58.96*
12.422
73.12
3.036
168.45
112.28
12.2
112.4.
20.396
1.326
1.194
58.32:
21.96
16.403
Brief
10.573
59.085
12.443
73.26
3.04
168.7
112 50
112.4‟
112.6:
20.43
1.330
4.202
58.441
22.00
16.44,
Schweiz
Spanien
Danzig
Japan
Rio de Janeiroll Milrcis
Jugoſlawien 1100 Dinar
Athen
Iſtambul
Kairo
Kanada
Uruguay
Jsland.
Tallinn /(Eſtl.)/100 eſtl. Kr.
Riga
Währung
100 Franken)
1100 Peſetas
u00 Gulden
1 Yen
Portugal 1100 Escubos
100 Drachm
1 türk. 2
1ägypt. 4
lcanad. Doll.)
1 Goldpeſo
100 isl. Kr.
100 Lats
Rai
80.815
41.76
81.52
2.07‟
0.2c8
7.384
18.36
5.439
20.215
4.192
2.627
92.0.
111.8
80.75
Nie
E0.975
41.34
CI.68
2.070
0.270
7.298
18.90
5.449
20.955
4.200
2.633
92.22
11.88
80.91
Frankfurter Kursbericht vom 12. Mai 1931,
77 Dtſch Reichsanl
6%
5½%Intern.,
6% Baden .......
8%Bayern ......"
6%
v. 29
S „
„
7%0 Thüringen. ..
Dtſche. Anl.
Auslo=
junsſch. 4½/,
Ab=
löſungsanl. . . .
Dtſche. Anl. Ablö.
ſungsſch. (Neub.
—
Deutſche
Schutzge=
bietsanleihe .. . .
—
82 Aachen v. 29
8% Baden=Baden.
69 Berlin ..
8% Darmſtadt v. 26
88
v. 28
7% Dreöden.
8% Frankfurt a. M
v. 26
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99.5
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n2
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100
95
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73
11
977
90.5
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S7.5
90.65
101.5
97.5
92.9
101/,
97
91
100.5
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96.5
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94
100
20
281
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87
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Seite 18
Mittwoch, den 13. Mai 1931
Nummer 132
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lächelnde Held zu gestalten weiß und Mary
Pickforck als seine Partnerin, erschließen
das romantische Milien der Handlung mit
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Beginn: 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr.
Ab heute
im großen Doppelprogr amm.
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Charles Bickford, Raymond
Hatton und Fred Kohler
Der Film bringt Bilder der Steppe,
Sandstürme, wild dahinstürmende
Reiter in abwechslungsreicher Folge
und zeigt das Schicksal dreier
Vaga-
bunden unter den glühenden Strahlen
einer unbarmherzigen Wüstensonne.
H
Heute und folgende Tage
Anny Ondra und Vlasta Burian
in dem neuen heiteren Tonfilm
Im II. Teil:
Der einsame
Adler
Die Geschichte eines
deutschen Kampffliegers
Ein Heldenlied v. Kämpfen
in den Wolken
mit Oskar Marion, Raim.
Keane, Donald Stuart,
Barbara Kent u. a.
Beginn: 3.45, 6.00 und 820 Uhr.
und Sene
Aiudester
mit Roda-Roda, Berthe Ostyn, Hans Götz,
André Pilot u. a.
Nach der gleichnamigen Posse von Bernh.
Buchbinder, für den Film bearbeit. v. Roda-Roda.
Regie: Carl Lamac.
Eine Tonfilm-Humoreske von unerhörtem
Temperament u. einer Fülle urkomischer Szenen.
Jedes Bild ein Lachschlager.
Anny Ondra, das Mädchen mit den schönen
Beinen, und Vlasta Burian, bekannt als
„falscher Feldmarschall”, zusammen wit Roda-
Roda ergeben ein Dreigestirn, über das man
Tränen lacht.
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7542
Nummer 132
Mittwoch, den 13. Mai 1931
Seite 19
Stawia woind anttatet.
Roman von Alexandra von Boſſe.
(Nachdruck verboten.)
Copyright 1930 by Karl Köhler u. Co., Berlin=Zehlendorf.
Oreſte war, dies überlegend, im Zimmer auf und nieder
gegangen, jetzt ſetzte er ſich wieder, wie erſchöpft, an den Tiſch
und preßte die Fäuſte an die hämmernden Schläfen. Der
Ge=
danke an ſolchen Mord entſetzte ihn, aber er ſah keine andere
Möglichkeit, die Gefahr mit Sicherheit zu bannen, die ſein und
Flavias Glück bedrohte. Sogar, wenn es gelingen ſollte, den
Menſchen zu bewegen, zu ſchweigen und für Flavia tot zu
bleiben, würde die Gefahr weiter beſtehen, ſolange er lebte.
Es handelte ſich um Flavias Glück und um ihre Seelenruhe!
Was galt dagegen das Leben eines Deutſchen? —
Neuntes Kapitel.
Unter römiſchem Himmel.
In München verkaufte Richard Droſten die von Onkel Poldi
erhaltenen Wertpapiere noch leidlich günſtig und tauſchte das
er=
haltene deutſche Geld in italieniſche Lire ein. Dann hatte er zu
tun, ſich Auslandspaß, Viſum, Einreiſeerlaubnis und was alles
an Papieren zu einer Reiſe in ein Nachbarland nötig war, zu
beſchaffen, nachdem der Vertrag von Verſailles abgeſchloſſen
wurde.
Es war der zwanzigſte Auguſt, als er endlich abreiſen konnte.
Auf der öſterreichiſchen Strecke war irgendwo eine
Zugentglei=
ſung geweſen; der von Italien kommende Zug hatte umrangieren
müſſen, kam verſpätet in Kufſtein an, wo neue Wagen eingeſtellt
wurden. Das hatte zur Folge, daß auch der von München
eintref=
fende Zug in Kufſtein länger zu halten gezwungen war und die
von Italien kommenden und nach Italien reiſenden Zuginſaſſen
ſich hier begegneten.
Auf dem Bahnſteig bemerkte Richard einen mittelgroßen
ſchlanken Herrn mit angenehmem bräunlichen Geſicht, der
offen=
bar Italiener war. Er ſah ihn mit einem öſterreichiſchen Beamten
ſprechen, mit dem er ſich vergeblich zu verſtändigen ſuchte. Beide
waren ſchon ganz ärgerlich, da der eine kein Deutſch, der andere
kein Italieniſch verſtand. Richard trat hinzu und vermittelte,
was nicht ſchwer war, weil er geläufig italieniſch ſprach. Im
über=
füllten Warteſaal, wo die Reiſenden die unfreiwillige
Reiſeunter=
brechung durch eine Mahlzeit ausfüllten, machte es ſich dann
zu=
fällig, daß Richard mit dem Italiener am gleichen kleinen Tiſch
Platz fand, und ſie miteinander ins Geſpräch kamen.
Der Italiener wunderte ſich, daß Richard, als Deutſcher, ſo
vollkommen die italieniſche Sprache beherrſchte, und Richard ſagte,
daß er vor dem Kriege viel in Rom gelebt habe, dort einen Teil
ſeiner Jugend verbracht hätte. Sie ſprachen vom Rom, vermieden
es aber beide, vom Kriege zu ſprechen; ſo vertrugen ſie ſich ganz
gut. Der Italiener war Richard dankbar für die Hilfe, die er ihm
gewährt, wurde mitteilſam und erzählte, daß er in Deutſchland
eine private Angelegenheit zu erledigen habe, und wie ſtörend es
dabei ſei, daß er nicht Deutſch ſprechen könnte. Als dann die
be=
vorſtehende Abfahrt des nach Italien laufenden Zuges
angekün=
digt wurde, und Richard ſich erhob, ſchüttelte der Italiener ihm
freundlich die Hand und ſagte, er freue ſich der Bekanntſchaft und
hoffe, die ihm erwieſene Gefälligkeit einmal erwidern zu können.
Dann ſtellte er ſich vor:
„Conte Bronchi.”
Richard nannte ſeinen Namen, aber in dieſem Augenblick
raſſelte draußen ein Kofferwagen vorüber, ſo blieb dieſer Name
Oreſte Bronchi unverſtändlich, und nicht die leiſeſte Ahnung
ſagte ihm, daß vor ihm der Mann ſtand, den zu ſuchen er
nach Deutſchland reiſte, und deſſen Leben zwiſchen ihm und
Flavia ſtand. Richard ſeinerſeits wußte nicht, daß ein Vetter
Flavias Graf Bronchi hieß. Hatte ſie ihn früher einmal
er=
wähnt, ſo war ihm das entfallen, und natürlich ahnte er nicht,
in welcher Beziehung dieſer Vetter zu ihr ſtand. Sie
verab=
ſchiedeten ſich freundſchaftlich voneinander, und jeder ging ſeines
Weges.
Kurz nach Mittag des folgenden Tages traf Richard in
Rom ein und nahm Wohnung in einem kleinen Hotel in der
Via Frattina, das ihm von früher bekannt und auch früher
in deutſchem Beſitz geweſen war.
Kaum umwehte ihn die weiche römiſche Luft, war ihm
zumute, als ſei Flavia ihm nahe. Mächtig drangen
Erinnerun=
gen auf ihn ein, und ſein Verlangen, ſie wiederzuſehen, ſie
wieder ſein Eigen zu nennen, wuchs derart, daß es ihn faſt
krank machte. Hier in Rom wurde es ihm erſt wieder bewußt,
wie leidenſchaftlich er Flavia geliebt hatte und wie
leiden=
ſchaftlich ſie ſeine Liebe erwidert. Wie ſo ganz hatte damals
dieſe Liebe ſein Leben ausgefüllt, ihm Glanz und Licht
ver=
liehen. Lebendig ſtand dieſe Zeit vor ihm, als wären nicht
Jahre, ſondern nur wenige Tage ſeitdem vergangen.
Immer mehr feſtigte ſich nun in ihm die Ueberzeugung, daß
Flavia nicht aufgehört habe, ihn zu lieben. Wie konnte ſolche
Liebe aufhören? Aber war ſie noch ſein? Die Möglichkeit beſtand,
daß die irrige Kunde über ſeinen Tod nicht zu ihr gedrungen war,
weil zwiſchen Italien und Deutſchland ſolange jeder Verkehr
ab=
gebrochen geweſen. Niemand wußte von ſeiner heimlichen
Verbin=
dung mit ihr, niemand hatte alſo die Notwendigkeit einſehen
kön=
nen, ihr ſeinen Tod zu melden.
War das nicht geſchehen, ko konnte er hoffen, daß Flavia ihm
treu geblieben war und noch immer ſeine Rückkehr erwartete, wie
eine Penelope die ihres durch böſen Zauber zur Irrfahrt
ge=
zwungenen Odyſſeus. Er mußte bei dieſem Vergleich lächeln, der
doch ſtimmte, denn ſicherlich war Flavia in den Jahren ihrer
Trennung nicht unbegehrt geblieben. Wie Penelope, waren ihr,
die ſo liebenswert war, Freier genaht, hatten ſie umworben und
mit ihrer Liebe bedrängt. Und bang fragte er ſich, ob ſie auf die
Dauer dieſer Umwerbung hatte widerſtehen können.
Es wunderte ihn faſt, wie ſehr ihn jetzt die Sehnſucht nach
ihr quälte. Es hatte Zeiten gegeben, da er durch Wochen, ja
Mo=
nate hindurch nicht mehr ihrer gedacht hatte, oder nur wie an
ein Etwas, das ihn nichts mehr anginge. So fern war ihm
da=
mals alles gerückt geweſen, was vor dem Kriege war. Als
ver=
dreckter und verlauſter Sträfling in einem ſibiriſchen Gefängnis,
mit Keten an den Beinen, wäre es beinahe lächerlich geweſen, an
die junge, ſchöne, ſtolze Flavia Roccaferri als an ſein ihm vor
Gottes Altar getrautes Weib zu denken. Später auch hatte er
jeden Gedanken an ſie verbannt, oder ſeine ganze ſeeliſche
Ver=
faſſung hatte derlei Gedanken in ihm ausgelöſt. Das war
wäh=
rend ſeines Umherirrens durch die Weiten des unglücklichen
ruſſi=
ſchen Reiches. Während dieſer Zeit hatte ſich in ihm nur
Sehn=
ſucht nach Ruhe, nach Satteſſen und endlicher Sicherheit geregt,
und der Wunſch, die Grenze zu ereichen, ſie zu überſchreiten. Wie
ein verhungerter, gehetzter Hund war er geweſen, der ſich ſcheu
vor jedem menſchlichen Weſen verbirgt, in jedem einen Feind
wit=
ternd, der ihm nach dem Leben trachtet.
Das war nun alles überſtanden, lag hinter ihm, gleich einem
böſen, unwirklichen Traum. Jetzt war er wieder Menſch.
Aber nun erſchien es ihm beinahe traumhaft, daß er ſich
wie=
der in Rom befand, wieder römiſche Luft atmen durfte. Wie ein
Träumender wandelte er durch die ihm ſo wohlbekannten und
vertrauten Straßen Roms, durch die wie ſonſt der lebhafte Ver=
IHbg.
„Aber! Onkel Otto!
Herz ist doch Trumpf!‟
„Ja, Kinder, mit meiner Zerstreutheit und Nervosität
wird das immer schlimmer."
„Dann versuch’s doch mal mit dem coſteinfreien Kaſtee
Hag. Der wird Deinen Nerven gut tun. Kaſfee Has
schmeckt wirklich genau so gut, wenn nicht besser, als
der herrliche Mokke, den es bei Euch immer gibt."
„Das will allerdings viel heißen. Also schön, noch
heute wird Kaftee Hag probiert.
Herz ist Trumpf! Kaffee Hag schont das Herz.‟
kehr des ſüdlichen Lebens flutete. Alles erſchien ſo unverändert,
als wäre kein Krieg geweſen und hätte kein Haß vorher
verbün=
dete Völker auseinandergeriſſen. Allmählich erſt bemerkte er
Einzelheiten, die erinnerten, daß Italien gegen Deutſchland Krieg
geführt hatte und ſich ſeines großen Sieges freute. Es wimmelte
von Offizieren in kriegsgrauen Uniformen, und kein einziger war
darunter, der nicht auf der Bruſt eine ganze Sammlung von
Bändchen und glänzenden Orden, Abzeichen ſeiner Tapferkeit vor
dem Feinde, trug. Alle waren ſie Sieger. Und dann bemerkte er,
daß auch in Rom der neue Reichtum ſich breit machte und zur
Schau ſtellte. In den Wagen und Autos ſchillerte es von Farben,
die darin ſitzenden Damen hatten breite, gewöhnliche Geſichter,
runde, herausfordernde Augen, ſeltener konnte man in einer der
Equipagen das ſchmale, raſſige Geſicht einer Dame der römiſchen
Ariſtokratie erblicken.
Erſt am zweiten Tage nach ſeiner Ankunft fand Richard den
Mut, ſich hinauf in die Via Brigitta zu begeben, wo im Palazzo
Trenti Flavias Tante, die Gräfin Corſano, und Flavia ſelbſt vor
dem Kriege gewohnt hatten. Hier erſt erfuhr er, daß die Gräfin
Corſano bereits im Frühjahr 1915 geſtorben war. Der Diener
der neuen Inhaber dieſer Wohnung gab ihm dieſe Auskunft, aber
als Richard ihn nun nach der Marcheſina Flavia Roccaferri
fragte, wußte er nichts von ihr.
Richard ſagte ſich, daß Flavia nach dem Tode ihrer Tante
ge=
wiß zu ihrem Vater nach Turin zurückgekehrt war. Die
Rocca=
feris waren Turiner. Sicherlich hatte ſie ihm das damals
brief=
lich mitgeteilt, ihm eine neue Anſchrift gegeben, doch war dieſe
Meldung nicht in ſeine Hände gelangt, wie dann wahrſcheinlich
ſeine noch nach Rom gerichteten Briefe ſie nicht erreicht hatten.
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den Büroſtunden auf dem Fundbüro des
heſſ. Polizeiamts, Zimmter 11. beſichtigen
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ältere, bisher noch nicht geimpfte
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der werden demnächſt wie folgt —
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weils von 15—17 Uhr — abgehalten:
in der Rundeturmſchule,
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ſtraße 9, am Mittwoch, den 13.,
20., 27. Mai und 3. Juni d. J.,
in der Ohlyſchule, Friedrichſtraße 1,
am Samstag, den 16., 23., 30. Mai
und 6. Juni d. J., und
in der Mornewegſchule,
Hermann=
ſtraße 21, am Samstag, den 16.,
23., 30. Mai und 6. Juni d. J.
Nachſchau acht Tage ſpäter in den
gleichen Schulen.
Kinder, die in dieſen Impfterminen
nicht geimpft werden ſind bis zum
Jahresſchluſſe auf Koſten der Eltern
impfen zu laſſen.
Aus einem Hauſe, in dem anſteckende
Krankheiten, wie Scharlach. Maſern,
Diphterie, Krupp, Keuchhuſten,
Fleck=
typhus, roſenartige Entzündungen oder
die natürlichen Pocken herrſchen, dürfen
Impflinge zum allgemeinen Termin
nicht gebracht werden. Die Eltern der
Impflinge oder deren Vertreter haben
dem Impfarzt vor der Ausführung der
Impfung frühere oder noch beſtehende
Krankheiten des Kindes mitzuteilen.
Die Kinder müſſen zum Impftermin
mit reingewaſchenem Körper und mit
reinen Kleidern gebracht werden.
Darmſtadt, den 12. Mai 1931.
St. 7506) Der Oberbürgermeiſter.
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vom 12. Mai 1931 wird hiermit bekannt
gegeben, daß die Verſteigerung der:
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12 Ebern des vered. Landſchweines u.
10 Ebern des deutſchen Edelſchweines
mit Abſtammungsnachweiſen ſtatt.
Die Tiere ſtammen aus den beſten
an=
erkannten Starkenburger Zuchten und
haben zum Teil Leiſtungsnachweis, ſo
daß die Gemeinden und ſonſtigen
Inter=
eſſenten hier ſehr günſtige Gelegenheit
haben, beſtes Zuchtmaterial an Bullen
und Ebern auszuſuchen und zu ſteigern.
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