Darmstädter Tagblatt 1931


10. Mai 1931

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Einzelnummer 15 Pfennige
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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illeſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 129
Sonntag, den 10. Mai 1931.
194. Jahrgang

27 mm breiie Zeile im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspfg.

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Rabatt weg. Bankkonto Deutſche Bank und Darm=
ſädter
und Nationalbani.

Die Wahrheit über die Bollunion.
Der Reichsaußenminiſter geißell Frankreichs völlige Berftändnislofigkeit für die Lage der deutſch=
öſterreichiſchen
Bolkswirtſchaften und die Verdunlelungspolikik Briands. Deukſchland bis jeht
noch nichk vom ſogenannken franzöſiſchen Gegenproiekt unkerrichkel. Regionale Berſtändigung
ſchließt weikeſtigehende Kooperakion mit anderen Völkern nichk aus.

Dr. Curkius vor der ausländiſchen Preſſe.

Eine Lekkion für Briand.
Berlin, 9. Mai.
In Berlin fand am Samstag abend das Bankett des Vereins
der Ausländiſchen Preſſe ſtatt, auf dem der Vorſitzende Glokziil
nach einem dreifachen Hoch der Anweſenden auf den Reichspräſi=
denten
und den Geſang des Deutſchländliedes den Reichskanzler
Dr. Brüning, den Reichsaußenminiſter Dr. Curtius, den Berliner
Oberbürgermeiſter Dr. Sahm, den preußiſchen Miniſterpräſiden=
ten
Braun, den Doyen des diplomatiſchen Korps, den Apoſtoliſchen
Nuntius Orſenigo und viele Mitglieder des diplomatiſchen Korps
begrüßen konnte. Nach ihm ergriff Nuntius Orſenigo das Wort
zu einer Erwiderung, in er er ſich über die Miſſion der Preſſe im
Dienſte der Gerechtigkeit und des Friedens ausließ. Nach ihm er=
widerte

Reichsaußenminiſter Dr. Curkius
auf die Begrüßungsworte des Vorſitzenden, wobei er ſeiner Ge=
nugtuung
über das vertrauensvolle Zuſammenarbeiten zwiſchen
der ausländiſchen Preſſe und der Reichsregierung lebhaften Aus=
druck
gab. Er machte dabei Vorſchläge für eine Wiederbelebung
der in letzter Zeit vernachläſſigten regelmäßigen Veranſtaltungen
zu gemeinſamer Ausſprache.
Wie die Vorredner, ging ſodann der Reichsaußenminiſter
ſeinerſeits auf die Aufgaben der Preſſe und die Behandlung der
öffentlichen Meinung ein. Die Aufgabe der Preſſe, der
Wahrheit zu dienen, werde durch die mannigfachſten Um=
ſtände
erſchwert. Es ſei notwendig, immer wieder die wah=
ren
Begebenheiten klarzuſtellen, ſich der Erfahrung
bewußt zu ſein, daß die Menſchen im allgemeinen
nicht durch die Dinge ſelbſt, ſondern durch die
Vorſtellungen, die ſie ſich davon machen, in Un=
ruhe
verſetzt werden.

An das Tatſächliche müſſe man ſich halten, wenn man die
Gefahr vermeiden wolle, eine Verfälſchung des wirklichen
Sachverhaltes herbeizuführen. Das gelte auch von dem
naheliegenden Beiſpiel der deutſch=öſterreichiſchen Zoll=
union
, bei deren Beurteilung das Ausland vielfach von fal=
ſchen
Vorſtellungen ausgegangen ſei.
In dieſem Zuſammenhange beleuchtete Miniſter Dr. Curtius
einige Seiten des deutſch=öſterreichiſchen Zollunionsplanes, in dem
er ſich ſachliche Erwiderungen auf die Ausführungen des franzö=
ſiſchen
ſowie des tſchechoſlowakiſchen Außenminiſters für die bevor=
ſtehenden
Beratungen in Genf vorbehielt.
Die Vorwürfe über die Form des Vorgehens der deutſchen
und öſterreichiſchen Regierung bei der Veröffentlichung des Pla=
nes
, wies der Reichsaußenminiſter entſchieden zurück. Er legte,
wie ſchon in ſeiner Reichsratsrede, erneut dar, daß beide Regie=
rungen
unmittelbar nach Erzielung eines Einverſtändniſſes auch
nur über die Richtlinien, die anderen Regierungen in vollem
Umfange unterrichtet hätten. Er hoffe, daß der Streit um die
Taktik aufhören, Preſtigefragen aus dem Spiel blieben und die
Angelegenheit ſelbſt mit ruhiger Sachlichkeit behandelt werden
würde. Er begrüßte Briands
Hinweis auf den rein wirtſchaftlichen Charakter des deutſch=
öſterreichiſchen
Planes. Die wirtſchaftlichen Nöte, die Oeſter=
reich
getrieben hätten, ſeien von dem öſterreichiſchen Vize=
kanzler
in den letzten Tagen eingehend dargeſtellt. Deutſch=
land
ſtände unter der Geißel der Arbeitsloſigkeit und dem
Druck ſchwerſter Reparationen. Abſatz für unſere Arbeit,
Markterweiterung ſei das Ziel, das wir anſtrebten. Die
Auffaſſung, daß wir Machtpolitik mit unſerem Plane ver=
folgten
, zeuge von völliger Verſtändnisloſigkeit für die Lage
der beiden Volkswirtſchaften.
Die Unabhängigkeit Oeſterreichs werde durch die
in den Richtlinien vorgezeichnete Verfaſſung der Zollunion nicht
beeinträchtigt. In welchen Pun kten eine Ver=
letzung
der Verträge und des Genfer Protokolls
vom Oktober 1922 vorläge, ſei von den Gegnern
des Planes bisher nicht erörtert worden. Die
öſterreichiſche und die deutſche Regierung ſehen in Ruhe der Ver=
handlung
des Völkerbundsrates hierüber entgegen.
Natürlich gehe es nicht an, die Rechtsfrage durch Erwägun=
gen
wirtſchaftlicher Zweckmäßigkeit und politiſcher Wünſche
zu verdunkeln.
Die deutſche Delegation werde ebenſo wie die öſterreichiſche in
Genf alle anderen Vorſchläge und alle umfaſſenden Pläne für die
Sanierung der europäiſchen Wirtſchaft begrüßen und ſich an ſol=
chen
Arbeiten intenſiv beteiligen. Er der Reichsaußenminiſter,
habe wiederholt ſeiner Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß neben
regionaler Verſtändigung zuſammenfaſſende
Pläne für nationale Aufgaben erwünſcht wären.
Er bedauere nur, daß das franzöſiſche ſogenannte Gegen=
projekt
der deutſchen Regierung nicht auch bereits zugäng=
lich
gemacht wäre, wie offenbar den Regierungen der
Frankreich beſonders naheſtehenden Länder.
Zum Schluß appelliert der Reichsminiſter an die
Loyalität der ausländiſchen Preſſe und bat ſie die
Welt über die Anſtrengungen und wahren Abſichten der deutſchen
Regierung zur Ueberwindung der ungeheuren Notlage Deutſch=
lands
und zur Linderung der europäiſchen Kriſe aufzuklären.
Gleich weit entfernt von Utopie und Radikalis=

berechtigten Entwicklung der Völker intereſſiert.
Briands Echo in der Reichshauptſtadl.
herausgeleſen, daß er ſich jetzt endgültig dahin entſchloſſen hau,
und daß deshalb das Ziel ſeiner Ausführungen war, der Lin=
ken
ſowohl wie der gemäßigten Rechten, auf deren Stimmen er
angewieſen iſt, das zu ſagen, was ſie hören wollten. Infolge=
zelnen
. Wenn auch die Tendenz, ſeinem Nachfolger nicht vor=
Verträgen ſteht. Allerdings reſtloſes Vertrauen ſcheint auch der bedeutſamen Genfer Ratstagung und wir ſollten daraus
Briand zu der Kräfteverteilung in Genf nicht zu haben. Er zu lernen verſuchen!
greift deshalb auch auf die Möglichkeit des Haager Schieds=
in
ganz Skandinavien haben wir nichts davon gemerkt, und
wenn Briand heute behauptet, er ſei von der Zollunion nicht
ſelbſt vor einigen Wochen in der franzöſiſchen Kammer noch das gegangene Handlungsfreiheit, ſoweit wie nur irgend möglich,
Gegenteil behauptet hat.
Die Wiener Preſſe zur Rede Briands.
Debatte in der franzöſiſchen Kammer und geben übereinſtim=
das
Elyſée nach ſeinem geſtrigen überwältigenden Siege nahezu
darauf zurückgeführt werden, daß ein Teil der Rechten Briand
durch ſeine Wahl zum Präſidenten aus dem Außenminiſterium wurden nun präſentiert.
entfernen will. wo er ihre Politik der Unverſöhnlichkeit wirt=
ſamer
bekämpfen könne als vom Präſidentenſtuhle aus. Das
als Präſident kaum zu einer Nebenfigur in der franzöſiſchen
Außenpolitik werde herabgedrückt werden können. Die De=
batte
in der Kammer wird als eine Demonſtration gegen den
welchem Unverſtändnis, noch immer die Aus=
ſichten
Deutſchlands und Oeſterreichs begegnen.
Die Neue Freie Preſſe polemiſiert insbeſondere gegen die
Behauptung des Miniſterpräſidenten Laval, daß das Geheimnis
der Verhandlungen über den Zollpakt zu der Frage berechtige, ob
ten, unter ſich zu bleiben, dann hätten ſie doch
vor allem jeden Dritten ausgeſchloſſen und nicht
Zollunion geöffnet. Im übrigen aber wird der Sieg
Briands als ein Beweis dafür bezeichnet, daß der Zollpakt der
nung ausgeſprochen, daß die Genfer Tagung ein beſſeres Ver=
werde
.
Kandidalur Briands zut Präſidenkenwahl?
Die Rede Briands findet in der franzöſiſchen Preſſe ein ſelten
dageweſenes einſtimmiges Echo. Abgeſehen von einigen Rechts=
beſte
Rede während ſeiner politiſchen Laufbahn gehalten hat. Die
Ere Nouvelle hebt hervor, daß die Frage, ob ſich die am 13. Mai
ſtattfindende Nationalverſammlung für oder gegen die Briandſche
Verſtändigungspolitik ausſprechen werde, eine derart überzeugende
Antwort erhalten habe, daß die Linksgruppen ſofort beſchloſſen
hätten, noch am Samstag den Außenminiſter zu bitten, ſeine Kan=
didatur
für den Präſidentſchaftspoſten aufzuſtellen. Die Schritte,
welche die Linksgruppen der Kammer und des Senats aus=
ſchließlich
der Sozialiſten bei Außenminiſter Briand heute un=
ternehmen
ſollten, um ihn zur Kandidatur für die Präſident=
ſchaftswahlen
zu beſtimmen, wurden auf Montag abend verſchoben,
um der Radikalen Gruppe des Senats Gelegenheit zu geben, am
nächſten Montag nachmittag Stellung zu dieſer Frage zu nehmen
Unter den Parlamentariern, welche am nächſten Montag bei
Linken, Chabrun von den franzöſiſchen Sozialiſten, Painlevé von
den ſozialiſtiſchen Republikanern, Guernut von den Links= Unab=
hängigen
. Bröant von den Linksrepublikanern (Gruppe Tardieu)
und die Senatoren Steeg und Albert Sarraut von der Radikalen
Senatsfraktion.

*Die Woche.
Die geplante deutſch=öſterreichiſche Zollunion und die ſtan=
ken
franzöſiſch=tſchechiſchen Gegenwirkungen haben das Inter=
eſſe
der deutſchen Oeffentlichkeit wieder einmal ſehr ſtark auf
die großen Fragen der Außenpolitik gelenkt. Und das iſt umſo
mehr zu begrüßen, als weite Kreiſe des deutſchen Volkes unter
dem Drucke der finanziellen Not faſt vergeſſen zu haben ſchie=
nen
, daß wir nicht auf einer einſamen Inſel leben, ſondern
daß die Geſtaltung unſerer Beziehungen zu den anderen Völkern
nicht nur entſcheidend für unſere Zukunft, ſondern von entſchei=
dender
Bedeutung auch für unſere gegenwärtigen Schwierig=
keiten
iſt. Der Deutſche und infolgedeſſen auch die deutſchen
mus ſtrebe die Reichsregierung entſchloſſen und Parteien, hat eine bedenkliche Neigung, für den Geſamtkomplex
beſonnen eine Beſſerung der Geſamtlage, des des politiſchen und wirtſchaftlichen Lebens Rezepte aufzuſtellen,
deutſchen Volkes an und ſetze ſich gleichzeitig auf deren Allgemeingültigkeit für Gegenwart und Zukunft er
für weiteſtgehende Kooperation mit den ande= mit faſt rührender Treue ſchwört, Und wer dieſe Allgemein=
ren
Völkern ein. Deutſchland ſei auf das ſtärkſte an einen gültigkeit des Rezepts, wenn auch mit noch ſo guten Gründen,
friedlichen Ausgleich aller Spannungen, einer Hebung der Wirt= zu bezweifeln wagt, gilt als Feind und wird mit Erbitterung
ſchaftslage in der ganzen Welt und einer fortſchrittlichen gleich= bekämpft. Das verſchärft nicht nur die notwendigen innerpoli=
tiſchen
Auseinanderſetzungen ganz außerordentlich, ſondern zei=
tigt
geradezu verheerende Folgen auf dem Gebiet der Außen=
politik
. Seit dem Auguſt 1914, während all dieſer ſchweren
Jahre großer Entſcheidungen, iſt es dem deutſchen Volk noch in
In Berliner politiſchen Kreiſen wird aus der Rede, die keinem einzigen Fall gelungen, ſich über die Parteigrenzen hin=
Briand am Freitag vor der franzöſiſchen Kammer gehalten hat, weg zuſammenzufinden zur einmütigen Abwehr von außen her
kommender Angriffe. Das ſollte uns doch zu denken geben, ins=
ſeine
Kandidatur für die franzöſiſche Präſidentſchaft aufzuſtellen, beſondere wenn wir ſehen, wie ganz anders das in anderen
Ländern ſich abſpielt. Auch in England und Frankreich be=
urteilen
ſelbſtverſtändlich die einzelnen Menſchen die jeweiligen
außenpolitiſchen Möglichkeiten und Notwendigkeiten verſchieden.
deſſen krankt ſeine Rede an erheblichen Widerſprüchen im ein= Auch dort kämpft man gelegentlich erbittert, um die großen Richt=
linien
der Außenpolitik. Dieſe Kämpfe aber ſind beendet und
zugreifen, ſo geht doch das eine daraus hervor, daß Frankreich die Gegner von geſtern ſtehen in geſchloſſener Front zuſammen
in Genf eine Klärung in ſeinem Sinne erzwingen will und in dem Augenblick, in dem es gilt, die Intereſſen der Nation
jedenfalls ſeinen Proteſt gegen das deutſch=öſterreichiſche Zoll= nach außen hin zu vertreten. Man braucht nur die franzöſiſche
abkommen bis zum äußerſten durchzuführen gedenkt. Dafür und die engliſche Preſſe zu verfolgen, um das mit neidvoller
ſpricht auch die Entſchließung der franzöſiſchen Kammer, die Bewunderung immer wieder feſtzuſtellen. Wir ſollten einmal
das Projekt verurteilt, weil es angeblich in Widerſpruch mit den ernſthaft darüber nachdenken, insbeſondere jetzt am Vorabend
Welchen Kurs ſteuern wird? Welchen Kurs ſollen wir
gerichts zurück, um mindeſtens eine Vertagung der Angelegen= ſteuern? Die Ketten des Verſailler Diktates, unſere militäriſche
heit zu etreichen. Im einzelnen läßt ſich gegen Briands Be= Ohnmacht und im Zuſammenhang damit unſere geographiſche
weisführung mancherlei ſagen. Er ſpricht von einer Erreg ug Lage haben uns jahrelang die außenpolitiſche Aktionsfreiheit fo
in der ganzen Welt. Wo denn? In England, Italien und gut wie vollſtändig genommen. Es iſt das hiſtoriſche Verdienſt
des verſtorbenen Reichsaußenminiſters Dr. Streſemann, daß er
aus dieſer trüben Erkenntnis entſchloſſen die Folgerungen zog
überraſcht worden, dann darf man ihn daran erinnern, daß er und ſeine ganze Arbeit zunächſt darauf abſtellte, die verloren
zurückzuerobern. Eine Verſtändigung mit den Franzoſen, deren
Bataillone noch am Rhein ſtanden, war unerläßliche Voraus=
ſetzung
dafür. Seine Politik zeitigte den erſten großen Erfolg
der Nachkriegszeit, die Räumung der beſetzten Gebiete am 30.
Die geſtrigen Abendblätter befaſſen ſich mit der geſtrigen Juni 1930. Der erſte Schritt war getan. Inzwiſchen aber war
die Verſtändigung mit Frankreich für gewiſſe Kreiſe unſeres
mend der Ueberzeugung Ausdruck, daß der Einzug Briands in Volkes bereits zum außenpolitiſchen Dogma geworden, während
andere Kreiſe mit immer wachſender Erbitterung eine Abkehr
ſicher geworden ſei. Allerdings könne dieſer Sieg zum Teil von dieſer Politik und eine Anlehnung an andere Mächte ver=
langten
. Die allgemeingültigen Rezepte waren fertiggeſtellt und
Daß die Rheinland=Räumung unter den damaligen Ver=
Preſtige Briands ſei aber bereits ſo groß geworden, daß er auch hältniſſen nicht gegen Frankreich durchgeſetzt werden konnte,
leuchtet ohne weiteres ein und braucht daher nicht nochmals er=
örtert
zu werden. Aber auch abgeſehen davon bot und bietet
eine Verſtändigung der beiden großen Nachbarvölker auf breite=
Zollangleichungsplan bezeichnet. Es ſei peinlich, zu ſehen, ſter Grundlage politiſch und wirtſchaftlich ſo viele Vorteile, daß
eine weitſchauende deutſche Politik unbedingt den ernſthaften
Verſuch machen mußte, die tiefe Kluft, die eine Jahrhunderte
lange Geſchichte aufgeriſſen, zu überbrücken. Die Vorausſetzung
für den Erfolg eines ſolchen Verſuches war ſelbſtverſtändlich
von vornherein, daß man ſich auch in Frankreich nicht den ge=
waltigen
Vorteilen verſchloß, die ſein Gelingen beiden Völkern
die Zollunion nicht der erſte Akt des Anſchluſſes ſei. Wenn bringen würde, und daß dieſe Einſicht zu einer Abkehr von den
Deutſchland und Oeſterreich aber den Wunſch hät= Zielen und Methoden des Verſailler Diktates führte. Darüber,
daß ein ſolches Verſtändnis in Frankreich nicht über Nacht ein=
kehren
werde, mußte man ſich auf deutſcher Seite natürlich von
demonſtrativ die Türen für den Beitritt zur allem Anfang an klar ſein. Immerhin machte der Gedanke
einer deutſch=franzöſiſchen Verſtändigung auch in Frankreich trotz
gelegentlicher ſchwerer Rückſchläge eine Zeit lang erfreuliche
Friedenspolitik in Frankreich nicht geſchadet habe und die Hoff= Fortſchritte, bis dann, zeitlich etwa mit der Rheinlandräumung
zuſammenfallend, eine völlige Stagnation eintrat. Daß hieran
ſtändnis für Deutſchland und Oeſterreich bringen, nicht die amtliche deutſche Außenpolitik ſchuld hat, braucht nicht
beſonders begründet zu werden. Umſomehr aber mußte ſie ſich
davor hüten, durch die weitere Entwwicklung der Dinge auf ein
totes Geleis zu geraten, unbeſchadet der grundſätzlichen Be=
reitſchaft
, die Politik einer deutſch=franzöſiſchen Verſtändigung
weiterzuführen, ſobald dafür franzöſiſcherſeits die Vorausſevun=
blättern
, iſt man ſich darüber einig, daß der Außenminiſter die gen vorliegen würden. Die Gefahr, durch die Franzoſen ge=
wiſſermaßen
kalt geſtellt zu werden, war unzweifelhaft vorhan=
den
, umſomehr als ja für eine grundſätzliche Schwenkung
unſerer Außenpolitik keinerlei ausſichtsreiche Möglichkeiten be=
ſtanden
.
Man hat der deutſchen Außenpolitik vielfach den Vorwurf
gemacht, daß ſie die Beziehungen zu Italien nicht weiter
ausgebaut habe. Bei den außerordentlich ſcharfen italieniſch=
franzöſiſchen
Gegenſätzen ſo argumentiert man würde eine
deutſch=italieniſche Annäherung auf Frankreich einen ſo ſtarken
Druck ausüben, daß es gezwungen würde, alle die Forderun=
gen
zu bewilligen, die wir, ſo wie die Dinge nun einmal liegen,
unbedingt ſtellen müſſen. Dieſer Gedanke mag für den politi=
ſchen
Laien etwas Beſtechendes haben, er überſieht nur, daß das
Gewicht, das wir z. Zt. in die Wagſchale zu werfen haben,
Briand vorſprechen werden, befinden ſich Chautemps, Malvy und außerordentlich gering iſt, und daß wir daher gar nicht in der
Daladier von der Radikalen Partei, Loucheur von der Radikalen Lage ſind, eine derartige Politik mit Erfolg durchzuführen. An
Lockungen hat es nicht gefehlt. Hätten wir ihnen nachgegeben,
ſo wäre der einzige Erfolg der geweſen, daß Italiener und
Franzoſen ſich alsbald auf unſere Koſten verſtändigt hätten.
Wir ſollten aus den trüben Erfahrungen der erſten Nachkriegs=
jjahre
etwas gelernt haben! Wir’ſindzzu ſchwach, um etwa die

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Seite 2

Sonntag, den 10. Mai 1931

Nummer 129

Italiener gegen die Franzoſen auszuſpielen, und wir ſind erſt
recht zu ſchwach die Nuſſen gegen die Weſtmächte
auszuſpielen.
Der Weg, den unter dieſen Umſtänden die deutſche Außen=
politik
gehen kann, iſt außerordentlich ſchmal. Wir müſſen nach
Möglichkeit gute Beziehungen mit Rom und insbeſondere Lon=
don
unterhalten, und es iſt daher außerordentlich erfreulich, daß
die Zuſammenkunft in Chequers im Juni den engliſchen und
deutſchen Staatsmännern Gelegenheit zu einer gründlichen
freundſchaftlichen Ausſprache geben wird. Man wird dort nicht
nur über Rußland zu ſprechen haben, ſondern man wird
deutſcherſeits darauf aufmerkſam machen müſſen, daß ein Schei=
tern
der allgemeinen Abrüſtung nach dem klaren Wortlaut des
Verſailler Diktates gleichzeitig die Befreiung Deutſchlands von
den uns aufgezwungenen Rüſtungsbeſchränkungen bedeuten
würde. Wir wollen eine Politik des Friedens, aber durch nichts
iſt der europäiſche Frieden ſo ſehr bedroht, als durch die der=
zeitige
militäriſche Ohnmacht des deutſchen Reiches, deſſen ſämt=
liche
Nachbarn bis an die Zähne gerüſtet ſind.
Wir müſſen uns auch wirtſchaftspolitiſch die Freiheit wieder=
erobern
. Die geplante deutſch=öſterreichiſche Zollunion iſt ein
erſter gewichtiger Schritt auf dieſem Wege. Wir werden ihn
jetzt in Genf gegen den Anſturm Frankreichs und ſeines tſchechi=
ſchen
Trabanten mit allem nur denkbaren Nachdruck verteidigen
müſſen. Wir müſſen die Handlungsfreiheit, die wir haben, bis
aufs letzte ausnutzen, auch auf die Gefahr hin, daß ſich unſer
Verhältnis zu Frankreich noch weiter verſchlechtert. Wir er=
kennen
heute wie vor Jahren die gewaltigen Vorteile, die eine
deutſch=franzöſiſche Verſtändigung beiden Völkern bringen
würde. Solange aber für eine ſolche Verſtändigung in Frank=
reich
die Vorausſetzungen fehlen, ſolange die franzöſiſche Politik
kein Verſtändnis hat für unſere berechtigten Forderungen, müſ=
ſen
wir dieſe auf anderem Wege zu erreichen verſuchen. Die
kommenden Genfer Verhandlungen werden ſchwere Anforderun=
gen
an die Nervenkraft der deutſchen Vertreter ſtellen. Das
deutſche Volk ſollte ihnen ihre Arbeit erleichtern durch eine
M.
verſtändnisvolle Haltung.

Volksenkſcheid in Preußen
im Anguft?
* Berlin, 9. Mai. (Priv.=Tel.)
Die preußiſche Regierung hat im Landtag durchſickern laſſen,
daß ſie die Abſicht habe, den Volksentſcheid über die Auflöſung
des Landtages auf einen der erſten Auguſttage anzuſetzen. Das
wäre eine bewußt unfreundliche Handlung, denn tatſächlich iſt
dieſer Auguſt mindeſtens ebenſo ungünſtig für eine Volksbefra=
gung
wie der Juli. Mitten in der Reiſezeit ſind auch Zehn=
tauſende
unterwegs, deren Stimmen dann verloren gehen. Die
Landwirtſchaft ſteckt dann gerade mitten in der Ernte, hat alſo
auch am Sonntag bei gutem Wetter nicht die Gelegenheit, ihre
Arbeit im Stich zu laſſen. Das iſt natürlich der preußiſchen
Regierung bekannt, und wenn ſie trotzdem einen ſolchen Tag
wählt, dann geſchieht das, um den Parteien, die hinter dem
Volksentſcheid ſtehen, möglichſt große Schwierigkeiten in den
Weg zu legen und ihren Anhängern die Beteiligung zu er=
ſchweren
. Es wird Aufgabe des Stahlhelms ſein, rechtzeilig
Vorkehrungen zu treffen. Das kann einmal geſchehen, indem er
die Weitergabe der Liſte an die preußiſche Regierung bis zum
letzt zuläſſigen Termin hinausſchiebt. Dagegen beſtehen keiner=
lei
Bedenken mehr, nachdem eine Abſtimmung vor den Sommer=
ferien
im Landtage unmöglich geworden iſt. Aeußerſtenfalls be=
ſtände
aber auch die Möglichkeit im Krieg ſind ſchließlich alle
Mittel recht durch künſtliche Herbeiführung der Beſchluß=
unfähigkeit
der Abſtimmung im Landtag, die dem Volksentſcheid
vorangehen muß, ſolange hinausuſchieben, daß der Regierung
gar nichts anderes übrig bleibt als den Volksentſcheid ſelbſt erſt
für den September anzuſetzen.
Der heſſiſche Finanzminifter
übermittelt uns zu unſeren Vorbemerkungen im Landtagsbericht
der Freitagsnummer folgende Erwiderung:
Der Finanzminiſter hat ſowohl im Finanzausſchuß als
auch im Plenum nicht behauptet, daß die in den Staatsvoran=
ſchlag
eingeſtellten Einnahmen ſicher erreicht werden. Er hat
vielmehr ausdrücklich erklärt, in erſter Linie ſei Wert darauf zu
legen, daß unſere Steuereinnahmen, nicht höher veranſchlagt
ſeien als in anderen Ländern, weil das Reich bei ſeinen Finanz=
ausgleichs
=Maßnahmen zwar auf ein einzelnes kleineres Land
vielleicht keine Rückſicht nehme, wohl aber den größeren Ländern
die Lebensfähigkeit erhalten müſſe. Wenn die Einnahmen dem=
nächſt
weſentlich hinten den Etatsanſätzen zurückbleiben ſoll=
ten
, ſo wären von den Ländern gemeinſam mit dem Reich die
erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Zur Schätzung der Ein=
nahmen
aus Ueberweiſungsſteuern darf übrigens nicht überſehen
werden, daß der Verteilungsſchlüſſel für Heſſen weſentlich ge=

Mükker, die wir gefehen haben.
Die Geſtalt der Mutter auf der Bühne.
Von Dr. Johannes Günther.
Muttergefühle ſind Ur=Gefühle. Urgefühle ſind ſtärkſte An=
triebe
zur künſtleriſchen Geſtalt. Mutterſtolz und Mutterrecht
und Mutterleid, mütterliche Hingabe und Erdgebundenheit, Mut=
terangſt
und Muttertorheit haben ſich von jeher auf der Bühne
Ausdruck verſchafft weil die Bühne am eindringlichſten wirkt
von allen Künſten.
Beſonders Mutterrecht und Mutterleid. Aiſchylos ſtellt
in ſeiner Oreſteia Klytaimneſtra hin. Wir erleben Agamem=
nons
, des Heldenführers Rückkehr von Troja, und Haß und
Abſcheu möchte in uns groß werden, wenn wir es miterleben,
wie dieſer ſtille, gerade Mann von Klytaimneſtra gemordet
wird. Wir möchten alle Vorwürfe auf ſie häufen, aber ſie hatte
doch ihr Recht ergriffen, ihr nicht verantwortliches, wenigſtens
vor landläufiger Gerichtsbarkeit nicht verantwortliches Mut=
terrecht
. Agamemnon hatte, um dem Feldzuge einen guten
Ausgang zu ſichern, den Spruch der Götter erfüllt und die Toch=
ter
Jphigeneia geopfert. Aber was kümmert die Mutter in
ihrer zu höchſt geſteigerten, auf das Kind ausgedehnten, in
ihrem Kinde geheiligten Selbſtliebe die Staatsraiſon? Ihr
Kind ſteht ihr am nächſten. Und darum ſieht ſie in Agamem=
non
nicht den Opferer, ſondern den Mörder ſeines Kindes. So
wird aus der Meuchelmörderin die berechtigte Rächerin. Ja, ſo
wird aus dem Buhlen Aigiſthos der Rechtshelfer. Und die
Schlacken des Unrechts, die an ihr ſind, werden getilgt durch
den Tod, den ſie hernach von Sohneshand ſelber leidet.
Die Mutter ſetzt ſich im Kinde fort, erweitert ſich im Kinde,
Und wie man über ſich ſelbſt frei verfügt und in dieſen Hand=
lungen
nur ſich ſelber oder dem Herrn aller Welt Rechenſchaft
abzulegen braucht, ſo ſchafft ſich die Mutter in ihrer und des
Kindes Welt ein eigenes Recht. Ibſens Frau Alving in den
Geſpenſtern iſt ſtrengſter Ausdruck ſolchen Glaubens. Frau
Alving, erniedrigend eingeſperrt in unwürdiger Ehe, betrogen
um all und jede Lebensluſt, zu der ihre Natur ſie getrieben
hätte, ſchafft ſich Erſatz in Leben und Lebensgenuß ihres Soh=
nes
. Das Uebel ihres Gatten vererbt ſich weiter auf ihren
Sohn zu ſeinem dumpfen Leide. Aber ſie deckt das Leid
zu, ſolange wie ſie kann. Sie baut ſich und ihrem Sohn eine
Sonderwelt nach landläufigem Sinn auf Betrug, ja auf
Unrecht aufgebaut, aber mit zähem Mut und Folgerichtigkeit
trägt ſie bis zum Ende die ſelbſtgeſchaffene Welt allein auf ihren
Schultern.

Bom Tage.
Die Reichsregierung hat den deutſchen Geſandten in Warſchau be=
auftragt
, wegen der neuerlichen Grenzverletzungen durch polniſche Flug=
zeuge
energiſche Vorſtellungen bei der polniſchen Regierung zu erheben.
Das Panzerſchiff 4, das am 19. Mai vom Stapel laufen ſoll, wird
vom Reichspräſidenten auf den Namen Deutſchland getauft werden.
Ein parteiamtlicher Bericht der Baheuſchen Volkspartei= Korreſpon=
denz
beſagt, daß die Bayeriſche Volkspartei nochmals mit dem Kanzler
über das Steuervereinheitlichungsgefetz verhandeln will.
Die Reichsleitung der N.S.D.A.P. hat das neben dem Braunen
Haus in München in der Brienner Straße, dem Gebäude der Reichspar=
teileitung
, gelegene Haus, das frühere Drechſel=Palais, erworben. Wie
verlautet, ſoll darin die S.A.=Schule untergebracht werden.
Altbundeskanzler Dr. Seipel wurde zum Ehrendoktor der Rechte an
der Wiener Univerſität promovfert.
Außenminiſter Dr. Henderſon wird am Dienstag früh die Reiſe nach
Genf antreten. Die Nacht vom Dienstag zum Mittwoch verbringt Hen=
derſon
in Paris und wird am Mittwochmorgen nach Genf weiterreiſen
Die verlorengegangene zweite Einladung zu den Europaverhand=
lungen
an Rußland wird durch ein neues Telegramm mit der Wieder=
holung
des Einladungsbriefes erſetzt.
General Berenguer, der frühere ſpaniſche Miniſterpräſident, iſt au
Beſchluß des Oberſten Gerichts aus dem Madrider Militärgefängnis
entlaſſen worden. Die Freilaſſung Berenguers erfolgte aber nur unter
gewiſſen Bedingungen. Das endgültige Urteil über ſeine angeblich ver=
faffungswidrige
Regierungstätigkeit iſt bisher noch nicht gefällt worden.
Eine dramatiſche Szene ereignete ſich im ſchweizeriſchen Volkskon=
vent
, als eine Gruppe von 500 Delegierten geſchloſſen aufſtand, um ihre
einmütige Zuſtimmung zu einem Antrage zu bekunden, der die Auf=
hebung
der ungleichen internationalen Verträge verlangt. Dieſem Vor=
gang
folgte minutenlanger Beifall.
Das Wahlkartell zwiſchen der Deutſchen Partei in Rumänien und
der rumäniſchen Regierung Jorga wurde am Samstag abgeſchloſſen. Die
Deutſchen erhalten jetzt 15 Sitze, alſo drei Mandate mehr, als ihnen die
Regierung Manin bei dem ſeinerzeitigen Wahlkartell zugeſichert hatte.

ſtiegen, für andere Länder aber ohne daß dies noch in den
Etats voll zum Ausdruck kommen konnte erheblich zurück=
gegangen
iſt.
Die Frage, was zur Ausgleichung der am 1. Januar 1932
erhöhten Zinſen der Aufwertungshypotheken zu geſchehen habe,
wird zunächſt mit der Reichsregierung verhandelt. Auch in
anderen Ländern ſind zu dieſem Zwecke Maßnahmen mit er=
heblicher
Wirkung noch nicht beſchloſſen. Daß die heſſiſche
Regierung ſich mit dieſer außerordentlich wichtigen Frage be=
reits
beſchäftigt hat, iſt ſelbſtverſtändlich.
Wenn ſchließlich gefragt wird, wie in Heſſen erreicht wer=
den
ſoll, durch Kürzung der Einnahmen die Ausgaben auf das
notwendige Maß herabzuzwingen, ſo vermißt man dabei be=
ſtimmte
Erſparnisvorſchläge, die bereits im Jahre 1931 eine
Erleichterung in dem erforderlichen Umfange bringen könnten.
Rumänien ſucht wieder anzuknüpfen.
* Die Rumänen geben von Bukareſt eine Information
heraus, daß nach einem Telegrammaustauſch zwiſchen dem Füh=
rer
der deutſchen Delegation Poſſe, und dem rumäniſchen Dele=
gationsführer
die ſofortige Wiederaufnahme der deutſch= rumä=
niſchen
Handelsvertragsverhandlungen wieder erfolgen könne.
Das iſt eine kleine Täuſchung. Die Rumänen irren ſich, wenn
ſie glauben, daß nach dieſem Telegrammwechſel nun alles in
ſchönſter Ordnung wäre. Die Tatſache bleibt nach wie vor be=
ſtehen
, daß durch das Verhalten der rumäniſchen Regierung, die
abtelegraphierte, als die deutſche Delegation bereits auf der Bahn
ſaß, eine Brüskierung der deutſchen Unterhändler erfolgt iſt,
die erſt in irgendeiner Form wieder ausgeglichen werden muß
und die ausgeglichen werden kann nur durch eine entſprechende
Entſchuldigung. Eine ſolche Entſchuldigung iſt bisher nicht er=
folgt
, und wenn in Berlin offiziös erklärt wird, daß der Termin
zur Fortſetzung der Verhandlungen noch nicht feſtſtehe, dann iſt
das ein deutlicher Wink an die Adreſſe der rumäniſchen Regie=
rung
, daß ſie zunächſt die Vorausſetzungen für die Wiederauf=
nahme
der Verhandlungen ſchaffen muß. Auf deutſcher Seite
beſteht dafür vorläufig überhaupt gar kein Intereſſe, weil durch
die Hinauszögerungspolitik Rumäniens ein Abſchluß der Ver=
handlungen
vor Beginn der Genfer Tagung unmöglich ge=
worden
iſt.
Die italieniſch=öfterreichiſchen Wirkſchaftsbeziehungen
EP. Wien, 9. Mai.
Der öſterreichiſche Geſandte in Rom hat ein Zuſaßabkommen
zum öſterreichiſch=italieniſchen Handelsvertrag unterzeichnet,
durch das einige Zollbindungen für chemiſche Düngemittel und
Holzwaren beſeitigt werden. Die Neue Freie Preſſe will
wiſſen, daß zugleich Verhandlungen mit der italieniſchen Negie=
rung
eingeleitet wurden, inwieweit es möglich ſei, das Kon=
tingentſyſtem
, wie es in dem geplanten Handelsvertrag mit
Ungarn vorgeſehen iſt, auch auf die Handelsbeziehungen mit
Italien auszudehnen. An zuſtändiger Stelle wird dieſe Mit=
teilung
nicht beſtätigt.

Mutterleid auch dies einer der Urſätze der Men=
ſchengeſtaltung
auf der Bühne. Und das tiefſte Leio hat eine
Mutter um die unſchuldig gelittenen Todesſchmerzen ihres Soh=
nes
getragen denn Sohnesſchmerz iſt Mutterſchmerz: ich
meine Maria, die Chriſtusmutter. Die ergreifende Stelle in
unſern alten deutſchen Leidensſpielen, die in der Kirche oder
auf dem Markte aufgeführt wurden, war die Marienklage‟
Aller Mütter Leid umfing Maria.
Oh, Ihr lieben Leute der Chriſtenheit,
Helft klagen mir mein großes Herzeleid!
Ich klag es Erde, Tier und Stein
Und der ganzen Weltgemein:
Ich hatt’ ei herzeliebes Kind,
Dem allzuviele Feinde worden ſind.
Ich klage jämmerliche Not!
Oh, läge ich doch für ihn tot.
Ein Heer von Leidmüttern ſchließt ſich Maria an: ſie haben
verſchiedene Haltung und verſchiedene Geſichter. Aber zu tiefſt
gleichen ſie ſich alle: Iſabella, Schillers Fürſtin von Meſſina,
die Freude hoffte, Frieden ſtiften wollte und nur Unſegen ge=
wann
, ja das Ende des Unſegens, den Tod ihrer Kinder, noch
als heilenden Segen anſehen mußte; Helena, Faufts wunder=
ſam
fremde Gattin, die mit erſt mit dem Kinde das köſteich
Drei das eigentlich göttliche Entzücken erwartete, dann aber
ihrem Euphorion, der allzu mutwillig ſich verſchwendet, näch=
ſtirbt
; und nicht wollen wir vergeſſen die wortkargen, ja wort=
loſen
Dulderinnen, die unbekannten Leidmütter, denen neueſtes
Bühnenſpiel, nämlich der Tanz, innige Denmale ſetzte: ich
denke an die Tänze Mary Wigmans und ihrer Grupp. in
Talhoffs Totenmal, und an die tragiſche Kollwitz=Groteske
des jungen Berliner Tänzers Hans Weidt.
Die Liebe der Mutter hat keine Grenzen. Das göttliche
Gebot, man ſolle ſie lieben, wie man ſich ſelbſt liebt, findet in
der Welt der Mutter natürlichſte irdiſche Erklärung; denn das
Kind iſt ja der Mutter erweitertes Selbſt. Mutterliebe durch=
bricht
die Grenzen, die der Tod ſonſt ſetzt. Die Mutter iſt
ewig. Auf den Bühnen aller Völker wird dies andachtsvoll
geprieſen. In einem japaniſchen Andachtsſpiel ſchenkt eine
ſterbende Mutter ihrer Tochter eine Spiegelkäſtchen. Das Kind
ſieht der Mutter ſehr ähnlich. Sooft es nun in den Spiegel
ſchauen wird, wird es die Mutter erblicken.
Im Glaſe weile ich,
All Freude teile ich
Voll Liebe ſegne ich,
Mit dir und alles ſchwere Leid.

Nach der Bukareſter Konferenz.
Die Kleine Enkenke iſt einig.
Von unſerem =Korreſpondenten.
Prag, 9. Maf.
Begegneten die alljährlichen Konferenzen der Außenminiſter
Rumäniens, Südſlawiens und der Tſchechoſlowakei die keinen
anderen Zweck hatten, als der Welt mit einem großen Aufwand
von Worten und Druckerſchwärze davon Kunde zu geben, daß die
Staaten der Kleinen Entente in politiſchen und wirtſchaftlichen
Fragen eine gemeinſame Linie zu verfolgen entſchloſſen ſeien
bisher keinem allzuſtarken Intereſſe der Oeffentlichkeit, ſo galt.
der jüngſten Bukareſter Tagung eine ganz beſondere Aufmerk=
ſamkeit
: die von Frankreich im Verein mit der Tſchechoſlowakei
hierzu getroffenen Vorbereitungen ließen keinen Zweifel darüber,
daß diesmal in Bukareſt ganz große Dinge vor ſich gehen ſollten.
Herrn Beneſch, dem tſchechiſchen Außenminiſter, liegt ſehr viel
daran, den Beweis für die Exiſtenzberechtigung der Kleinen En=
tente
, die ſeine Schöpfung iſt, zu erbringen; das über den Ver=
lauf
der Konferenz veröffentlichte Communiqus verſucht den An=
ſchein
zu erwecken, als ſei dieſe Beweisführung vollkommen
gelungen, und die tſchechiſche Preſſe verhehlt nicht die Genug=
tuung
darüber, daß es, wie ſie meint, dem Vater der Kleinen
Entente geglückt ſei, die franzöſiſch=tſchechiſche Front gegen den
deutſch=öſterreichiſchen Zollpakt um Rumänien und Südſlawien zu
verbreitern. Allerdings weiß ſie ebenſo wenig wie das offizielle
Communigué etwas Poſitives über die Reichweite der in Buka=
reſt
gefaßten Beſchlüſſe zu ſagen. Da auch die Prager Preſſe‟,
das Organ des Dr. Beneſch, diesmal auffallend ſchweigſam iſt, er=
ſcheint
es nicht angezeigt, die Bukareſter Ergebniſſe und ihre Aus=
wirkungen
zu überſchätzen, ſolange die drei Außenminiſter dem
deutſch=öſterreichiſchen Zollpakt außer dem ſehr verſchwommenen
Vorſchlag Briands nichts Poſitiveres gegenüberſtellen können.
Die Uebereinſtimmung der Außenminiſter der
Kleinen Entente bei dieſer Konferenz und der
Beſchluß bei den kommenden internationalen
Verhandlungen gemeinſam vorzugehen bedeu=
tet
noch lange nicht, daß die Außenminiſter Ru=
mäniens
und Südſlawiens ſich den Standpunkt
des tſchechiſchen Vertreters= zu eigen gemacht
haben müſſen. Wäre dies der Fall geweſen, ſo hätten die
offiziellen Berichte über die Konferenz gewiß einen entſprechenden
Hinweis enthalten; zumindeſt aber hätte die tſchechiſche offiziöſe
Preſſe nach lieber alter Gewohnheit dieſen Erfolg Beneſchs in
größter Aufmachung verkündet daß es nicht geſchehen iſt, läßt
die Vermutung zu, daß der tſchechiſche Außenminiſter wahrſchein=
lich
in Bukareſt in den ſcharfen franzöſiſchen Wein einiges rumä=
niſches
und ſüdſlawiſches Waſſer hat miſchen müſſen.
Der gedämpfte Ton des Communiqués unterſcheidet ſich jeden=
falls
nicht unweſentlich von den Fanfarenklängen, mit denen die
Bukareſter Konferenz vorbereitet und eingeleitet wurde: insbe=
ſondere
in Prag hat man nicht laut genug den Kampf gegen den
Berlin=Wiener Zollpakt in die Welt ſchallen laſſen können, um
Herrn Briand gefällig zu ſein ... Als Beneſch den Zug beſtieg,
der ihn nach Bukareſt bringen ſollte, war er entſchloſſen, in der
eumäniſchen Hauptſtadt jenen Beſchluß herbeizuführen, den er in
ſeinem Expoſé zur Frage der Zollunion zwiſchen Deutſchland und
Oeſterreich angedeutet hatte; den Beſchluß auf Ableh=
nung
des Projektes durch die Mitglieder der
Kleinen Entente. Lieſt man die Kundgebung über die Er=
gebniſſe
der Bukareſter Konferenz auch noch ſo genau durch, ſo
findet man in ihr nichts von einer ausdrücklichen Ab=
lehnung
; es wird nichts anderes geſagt, als daß der Zoll=
unionsplan
nach der juriſtiſchen, politiſchen und wirtſchaftlichen
Seite hin erwogen worden ſei. Sicherlich haben ſich die drei
Außenminiſter in Bukareſt nicht für die deutſch=öſterreichiſche Zoll=
union
ausgeſprochen, aber auch eine Feſtlegung auf den nebuloſen
Plan Briands iſt nicht erfolgt. Als einzig poſitives Ergebnis der
Tagung erſcheint lediglich die in voller Uebereinſtimmung, er=
hobene
Forderung nach ſofortiger Verwirklichung des Präferenz=
zollſyſtems
zugunſten der Landwirtſchaft.
Immerhin: Die völlige Einmütigkeit einer Kleinen=Entente=
Konferenz iſt wieder einmal herzuſtellen geglückt. Beneſchs Be=
weglichkeit
hat auch diesmal wieder ein Mittelchen gefunden,
mit welchem dem zuſammenſchrumpfenden Kleinſtaatengebilde für
einige Zeit wieder neues Leben eingehaucht werden konnte: ſeinen
geldbedürftigen Vertragspartnern ausreichende franzöſiſche Kre=
dite
in Ausſicht zu ſtellen für den Fall der politiſchen Einmütig=
keit
hieß: ſie für den Plan Briands zu gewinnen. Die Ru=
mänen
und Südſlawen brauchen Geld und Kredite. Sie haben
das Angebot Beneſchs angenommen, ſie ſind klug genug geweſen,
eine ſich ihnen bietende günſtige Gelegenheit zu erfaſſen, aber
gerade aus Gründen der Klugheit haben ſie ein Intereſſe daran,
ſich nicht die Bewegungsfreiheit nehmen zu laſſen. Nun, ſie haben
Herrn Beneſch gezeigt, wie weit ſie mit ihm eines Sinnes ſind,
wie weit ſie mit ihm gehen wollen. Deshalb alſo einigten ſie ſich
mit ihm dahin, daß ſie derzeit .. . einig ſeien.

In Huld begegne ich
Dir jetzt, mein Kind, und alle Zeit.
Karl von Felner hat Grimms Märchen. Gevatter Tod in
vorbildlich ſchlichten Handlungen und Geſprächen geformt und
auf die allen verſtändliche Bühne geſtellt.
Und die ſieghafte Chanſonette und Diſeuſe Yvette Guilbert
faßt ihre Hörer nie machtvoller als dann, wenn ſie das Lied
La Glu ſingt. Die Buhlin verlangt von ihrem Liebhaber
das Herz der Mutter. Er bringt es. Aber unterwegs gleitet
er aus und fällt hin .."
et pedant due le coeur roulait,
il entendit le coeur gui parlait,
Et le coeur disait en pleurant:
t’es tu tais mal mon entfant?
Jede Mutter hat etwas außer ſich geſetzt. Neues Leben
hat ſie gemacht. Die Mutter iſt eine Schöpferin. Sie darf
ſtolz ſein. Der Mutterſtolz hat auf der Bühne ſeinen groß=
artigſten
Ausdruck gefunden in Shakeſpeares Römerin Volum=
nia
. Sie überredet ihren Sohn Coriolan dazu, daß er, der
ſieggekrönte Heerführer, ſich auch um die erſte Stelle im Staate,
um das Konſulat bewerbe. Der ſtolze Sohn läßt ſich wohl
von der ſtolzen Mutter anſtacheln, aber zu den Zwecken der
Werbung fehlt ihm die Klugheit des Volksverführers. Im
Gegenteil: der adlige Herrenmenſch in ihm ſteht auf und macht
ſich öffentlich luſtig über den Plebs, um deren Gunſt er buhlen
ſollte. Um das Volk, das darüber aufs äußerſte erregt iſt, wie=
der
wohlwollend zu ſtimmen, rät ihm die Mutter, es öffent=
lich
um Verzeihung zu bitten. Die Mutter iſt bereit, dem ſtol=
zen
Ziel die ſtolze Geſinnung zu opfern. Noch einmal läßt
ſich der Sohn überreden. Aber ſein Stolz bricht doch durch bei
der Aktion, mit der er die andern und ſich belügen will. Schon
nennt ihn das Volk Verräter. Aus der Beleidigung wird Wirk=
lichkeit
. Grollend wendet er ſich ab und geht zum Feinde über,
Er führt das feindliche Heer vor die Tore Roms. So hoch iſt
der Stolz geſtiegen, den die Mutter in ihm aufſtachelte. Er
ſteht aber nun höher und feſter als der Mutterſtolz. Ueber
den ſelbſtiſchen Mutterſtolz ſiegt doch die Liebe zum Lande, dem
ſie beide entſtammen, die Mutter und der Sohn. Sie geht ihm
mit den andern römiſchen Müttern vor die Tore Roms ent=
gegen
und beſchwört ihn, von ſeinem furchtbaren Vorhaben ab=
zuſtehen
. In der Mutter erſcheint ihm die Vaterlandsliebe:
die ſtürzt ihn aus ſeiner Höhe.
Mutter, deine Stadt haft du gerettet,
Aber deinen Sohn haſt du verboren.

[ ][  ][ ]

Nummer 129

Sonntag, den 10. Mai 1931

Seite 3

Chriſkian Schokz .
In der Nacht von Freitag auf Samstag ſtarb der Präſident
der Mainzer Handelskammer, der Landtagsabgeordnete Chriſtian
Scholz. Er hatte ſich vor kurzem einer Bruchoperation unter=
ziehen
müſſen, die eine Embolie mit ſchnellem Tode nach ſich
zog.
Mit Scholz iſt wiederum eine Perſönlichkeit dahingegangen,
die, in weiteſten Kreiſen Heſſens und darüber hinaus bekannt,
ſich allgemeiner Wertſchätzung erfreute und durch das Vertrauen
ſeiner vielen Freunde und er hatte wohl nur Freunde ,
in zahlreiche Ehrenämter berufen worden war. Als Mit=
inhaber
der in Deutſchland und im deutſchſprachigen Ausland
bekannten Mainzer Bilderbuch= und Spielverlagsfirma Joſ.
Scholz war er ſchon lange führend tätig in der heſſiſchen Wirt=
ſchaft
, bis er dann vor einigen Jahren zum Präſidenten der
Mainzer Handelskammer gewählt wurde und von da an mit an
der Spitze marſchierte. Beſondere Verdienſte erwarb er ſich zur
Zeit der Ruhrbeſetzung, wo er, auch unter dem ſtärkſten Druck
der Beſatzung, an ſeinem Platz aushielt, mitten drin in der Ab=
wehrbewegung
ſtand und manchesmal bei Nacht und Nebel unter
Lebensgefahr ins unbeſetzte Gebiet zog, um dort ſeinen parla=
mentariſchen
Pflichten nachzukommen.
Die Deutſche Volkspartei, noch in Trauer um ihren unver=
geßlichen
Konrad Haury, verliert mit Chriſtian Scholz wiederum
einen ihrer Beſten. Scholz war ihr ſtellvertretender Landesvor=
ſitzender
und ſtellvertretender Fraktionsvorſtand. Er gehörte dem
heſſiſchen Landtag ſeit 1921 an, war außerdem Mitglied ihres
Zentralvorſtands und der DVP. beſonders verbunden durch die
verwandtſchaftlichen Beziehungen zu dem früheren Parteiführer
Scholz, ſeinem Vetter.
Wer immer mit Chriſtian Scholz zu tun hatte, der ſchätzte
ihn als einen Menſchen von höchſten Qualitäten. Die Vor=
nehmheit
ſeiner Geſinnung, die Ritterlichkeit ſeiner Kampfes=
weiſe
, die ſachliche Beſtimmtheit, mit der er ſeine Forderungen zu
vertreten pflegte, erwarben ihm die Freundſchaft der ihm Gleich=
geſinnten
und die Achtung der politiſchen Gegner. Seine Stärke
beſtand in dem Geſchick, mit dem er Gegenſätze auszugleichen
wußte; die geiſtvoll=ſouveräne, oft humorige Art, mit der er in
ſchwierigen Situationen beſtand, machten ihn beſonders liebens=
wert
. Er war einer der ſeltenen Menſchen, die, auch wenn ſie
innerlich ſehr ſtark von den Dingen, um die ſie kämpfen, bewegt
ſind, doch über dieſen ſtehen und ſie meiſtern. Auch im ſchärf=
ſten
politiſchen Kampf blieb er der überlegene, ruhige und ver=
bindliche
Führer, der allem Kleinkram abhold, es ablehnte, in
die politiſche Goſſe zu ſteigen, auch wenn gerade in der letzten
Zeit manch unberochtigter Angriff gegen ihn und ſeine Freunde
ihm nicht gleichgültig blieb.
So darf man ſagen, daß heute um Chriſtian Scholz nicht
nur ſeine Familie und ſein engerer Freundeskreis trauern, ſon=
dern
darüber hinaus viele Hunderte, denen in dieſer Zeit der
geringen Dinge die lautere und vornehme Perſönlichkeit über=
haupt
noch etwas bedeutet. Sie alle werden ihn nicht vergeſſen.
Chriſtian Scholz wurde am 27. Juli 1874 in Wiesbaden ge=
boren
; er war konfeſſionslos. Nach Abſolvierung eines humini=
ſtiſchen
Gymnaſiums erhielt er eine kaufmänniſche Ausbildung,
weilte längere Zeit im Auslano und übernahm ſpäter gemein=
ſam
mit ſeinem Bruder das väterliche Geſchäft. Er war Haupt=
mann
der Reſerve im 6. Garde=Feldartillerieregiment und In=
haber
zahlreicher hoher Kriegsorden. Sein Nachfolger im
Landtag wird Landwirt J. M. Kärcher II. in Lampertheim.

Staatspräſident Dr. Adelung hat an die Witwe ſol=
gendes
Telegramm gerichtet:
Die überraſchende Nachricht vom Tode ihres Gatten hat
mich aufs tiefſte erſchüttert. Ich übermittle Ihnen die wärmſte
Teilnahme der heſſiſchen Staatsregierung und ſchließe mein per=
ſönliches
herzlichſtes Beileid an. Viel zu früh iſt Ihnen und
uns allen dieſer ausgezeichnete, vornehme Menſch genommen
worden. Ich ſelbſt fühlte mich mit ihm durch jahrelange gemein=
ſame
Arbeit engſtens verbunden und ſchätzte ihn außerordentlich
hoch.
In weiten Kreiſen wird der Tod Ihres Gatten tiefſte
Trauer auslöſen, das ganze Land wird dem hervorragenden
Wirtſchaftsführer, dem ſympathiſchen Politiker, dem Manne, der
während ſchwerer Beſatzungszeiten in vorderſter Reihe der Ab=
wehrfront
ſtand, über den Tod hinaus ein ehrendes Andenken
bewahren.
Ich bitte, unſere aufrichtige Teilnahme auch den Ihren zu
übermitteln.

Landtagspräſident Delp richtete an die Witwe des Ver=
ſtorbenen
folgendes Telegramm:
Soeben erhielt, ich die Nachricht von dem Hinſcheiden
Ihres von mir hochverehrten Herrn Gemahls. Geſtatten Sie,
daß ich Ihnen und Ihrer Familie im Namen des Landtages

und im eigenen Namen meine herzlichſte Teilnahme ausſpreche.
Während ſeiner faſt zehnjährigen Zugehörigkeit zum Landtag
hatte ich oft Gelegenheit, zu erfahren, welch vornehmen Charak=
ter
Ihr Herr Gemahl beſeſſen, und oft konnte ich beobachten,
wie er durch die ihm eigene Art, den politiſchen Streit rein ſach=
lich
zu führen, ſich die Hochachtung ſeiner politiſchen Freunde
und Gegner erwarb. Seien Sie verſichert, daß ich Ihrem Herrn
Gemahl ſtets ein ehrendes Gedenken bewahren werde.
An den Abg. Dr. Keller, den Vorſitzenden der volkspar=
teilichen
Landtagsfraktion, ſchrieb der Landtagspräſident:

Zu dem ſchweren Verluſte, den Ihre Fraktion durch das
Hinſcheiden des Abgeordneten Scholz erlitten hat, ſpreche ich
Ihnen meine herzliche Teilnahme aus. Sein vornehmer Charak=
ter
erwarb dem Verſtorbenen die Hochachtung aller, die mit ihm
in Berührung kamen.

Die Mainzer Handelskanmer
veröffentlicht zum Heimgang ihres Präſidenten einen Nachruf, in
dem es u. a. heißt: Mit ſelbſtloſer Hingabe und großer Umſicht
leitete er als Vorſitzender unſere Kammer. Das Anſehen des
Heſſiſchen Induſtrie= und Handelskammertages als berufene Ver=
treterin
von Handel und Induſtrie Heſſens hat er in raſtloſer
Tätigkeit erhalten und gemehrt. Große Verdienſte hat der Ver=
blichene
ſich in den ſchweren Zeiten der Nachkriegszeit um das
beſetzte Gebiet erworben. Voll tiefer Trauer empfinden wir den
unerſetzlichen Verluſt unſeres bewährten Führers, dieſes vor=
nehmen
Menſchen und allſeits aufs Höchſte geachteten Kollegen.
Wir ſchulden ihm über das Grab hinaus aufrichtigſten und wärm=
ſten
Dank. Allzu früh hat ihn der unerbittliche Tod aus unſerer
Mitte geriſſen.

Die salst. für kaubrafung vel Beinäge.
Die Rüſtungsverminderung Vorausſekung für jede Schuldenreviſion. Die Unankaſtbarkeit
der inkernakionalen Verpflichkungen verhinderk nichk unparkeiiſche Prüfung ihrer Wirkungen
auf den Welthandel. Beſeikigung aller Hemmniſſe für den Außenhandel. Die Sanierung
der Staatshaushalke unerläßliche Vorausſehung für Kredike.

Die Inkernakionale Handelskammer=
Tagung
fordert wirtſchaftliche und nicht polikiſche
Behandlung der Schuldenfrage.
Waſhington, 9. Mai.
Die Vollverſammlung der Internationalen Handelskammer
nahm am Samstag die große Hauptentſchließung an, die ſich mit
der Wiederbelebung des Welthandels befaßt.
Die Entſchließung geht aus von der Feſtſtellung, daß die
jetzige Wirtſchaftskriſe, die durch die Folgen des
Krieges noch verſtärkt worden ſei, eine Wiederholung
von Ereigniſſen darſtelle, gegen die die Welt von Zeit zu Zeit
anzukämpfen habe. Die durch Ereigniſſe der beiden letzten Jahre
verurſachte Vertrauenskriſe ſei unberechtigt ange=
ſichts
der heilenden Kräfte im Handel und Finanz, die ſich noch
ſtets hewährt hätten und auch diesmal ſicherlich ihre Wirkſamkeit
beweiſen würden. Wirtſchaftliche Rückſchläge hätten immer wieder
Verbeſſerungen der Methoden angeregt, heilſame Lehren gebracht
und zu geſundem Fortſchritt auf beſſerer Grundlage geführt. Die
Erfahrung der Geſchichte werde ſich gewiß auch diesmal wieder=
holen
.
Nach dieſer Einleitung wendet ſich die Erklärung den fünf
Hauptfragen zu, die den Welthandel und die Wohlfahrt der
Völker beeinfluſſen:
1. Der Krieg ſei das größte Hindernis des ſozialen und wirt=
ſchaftlichen
Fortſchritts. Die J.H.K. billige die Bemühungen der
Regierungen, die Rüſtungen ſoweit wie möglich zu
ſenken, und dränge darauf, daß die Regierungen in dieſen
Bemühungen nicht nachließen, ſondern ſie möglichſt noch verdop=
pelten
. Die Erreichung dieſes Zieles würde die
Völker von einer ſchweren Steuerlaſt befreien.
2. Die internationalen Verpflichtungen ſind dem
Betrage und den Bedingungen nach feſtgeſetzt worden. Die
Unantaſtbarkeit ſolcher Verpflichtungen iſt ſtets
die Grundlage für den Beſtand des internatio=
nalen
Kredits und für die Ausbreitung von
Handel und Induſtrie. Indeſſen ſteht die Beachtung dieſes
weſentlichen Grundſatzes nicht im Widerſpruch zu einer unpar=
teilichen
Prüfung der Wirkungen dieſer Ver=
pflichtungen
auf dem Welthandel, wenn veränderte
wirtſchaftliche Verhältniſſe dies rechtfetigen. Eine ſolche Prüfung
muß auf den Grundſätzen aufbauen, die die J.H.K. in früheren
Konferenzen niedergelegt hat.
Der letzte Satz nimmt Bezug auf frühere Entſchließungen der
J. H.K., in denen eine wirtſchaftliche und nicht eine politiſche Be=
handlung
der Schuldenfrage gefordert wurde.
3. Der Innen= und Außenhandel müſſe durch Beſeitigung
aller Hemmniſſe gefördert werden. In den Zolltariſen dürften
einzelne Völker nicht unbilligerweiſe unterſchiedlich behandelt
werden. Aus= und Einfuhrverbote dürften nur gegen ein Dum=
ping
und gegen andere unlautere Machenſchaften angewandt wer=
den
. Alle unberechtigten Beſchränkungen ſeien zu beſeitigen.
4. Die private Initiative der Wirtſchaftsführung ſei das wirk=
ſamſte
Mittel, um die Fortſchritte zu ſichern und die allgemeine

Wohlfahrt zu mehren. Die Tendenz, die Staatsausgaben über die
Einnahmen hinausgehen zu laſſen, bedrohe erneut die Haushalte
der Länder. Ein geſunder Haushalt ſei für Wahrung des Staats=
kredites
und für die Stabilität der Währung unerläßlich. Es
dürften keine ſteuerlichen Laſten erhoben werden, die die Er=
zeugung
ſchädigen und damit die Arbeitsloſigkeit vermehren
würden.
Franz von Mendelsſohn forderk Befreiung
der Wirkſchaft von polikiſchen Beeinfluſſungen.
Der neugewählte Präſident der Internationalen Handels=
kammer
, Franz von Mendelsſohn, hielt am Samstag von Berlin
aus über den Ozean drahtlos die Schlußanſprache an die Tagung
der Internationalen Handelskammer in Waſhington, in der er
u. a. ausführte:
Damit nicht die Sachen im Raume ſich allzu hart ſtoßen, be=
darf
es heute mehr als früher der Beſinnung auf die Gemeinſam=
keit
und des Dienſtes an ihr. Meine Stimme als die eines ein=
zelnen
, die über den Ozean kommt, iſt ſchwach und unbehelflich.
Aber ich erinnere Sie daran, daß andere Stimmen nach demſelben
rufen, alle die vielen Männer und Frauen des gewerblichen Un=
ternehmerſtandes
, die ihren Betrieb trotz beſter Kraftanſtrengung
verloren haben oder Not leiden ſehen, alle die tüchtigen Mit=
arbeiter
, die ihre Arbeitsplätze bedroht ſehen und nicht zuletzt die
20 Millionen Arbeitsloſen, die gegenwärtig auf der Erde ſind.
Von ihnen allen kommt bittere Klage. Sie würden zur Anklage
werden, wenn nicht in gemeinſamem Bemühen alles geſchähe, den
Arbeitſuchenden wieder Arbeit, den Darbenden Anteil an den
Gütern dieſes Lebens zu geben. Wir müſſen alles daran
ſetzen, um dieſe Kriſe der Weltwirtſchaft nicht
auch zu einer Kriſe verſtändiger weltwirtſchaft=
licher
Geſinnung bei den Menſchen werden zu
laſſen. Aber dies kann, ſo glaube ich,, ſich nur durch=
ſetzen
, wenn wir in der Wirtſchaft jedes Landes
und der Verflechtung mit der Wirtſchaft ande=
rer
Länder bewußt ſind. Der Wohlſtand des
Gläubigers wird gefährdet, wenn die Laſten den
Schuldner erdrücken und die politiſchen und
wirtſchaftlichen Vorausſetzungen fruchtbare
Arbeit gefährden. Das gilt beſonders für Europa,
das noch immer und mehr alsfrüher in wirtſchaft=
lichen
Abſperrungen und Abgrenzungen ver=
harrt
, die zu Kapitalverluſten, zu Entwicklungshemmungen, zu
Arbeitsloſigkeit führen müſſen. Wir Europäer ſehen mit Bewun=
derung
auf das große einheitliche Wirtſchaftsgebiet der Vereinig=
ten
Staaten. Auch in Europa kann vieles geſchehen, Wirtſchafts=
grenzen
, die auch bei uns ſtörend geworden ſind, fortſchreitend ab=
zubauen
. Laſſe man Wirtſchaft endlich wirtſchaft=
lich
ſich entwickeln, frei von wirtſchaftsfremden
politiſchen Beeinfluſſungen, ſo wird das der Geſamt=
heit
und jedem einzelnen zugute kommen.
Wie aus gut informierter Quelle berichtet wird, hat die
deutſche Delegation für die internationale Handelskammer die
Faſſung und die Annahme der Entſchließung als poſitives Ergeb=
nis
der diesjährigen Tagung des Kongreſſes begrüßt, das um
ſo mehr erfreulich ſei, als bei der Ankunft der deutſchen Dele=
gation
in ihren Kreiſen peſſimiſtiſche Stimmung über die mög=
lichen
Reſultate der Tagung herrſchten.

Die Reihe der ſtolzen Mütter, die am Ende dann doch ihre
Grenzen weiten, kann man nun weiter verfolgen, bis auf die
Bühne der heutigen Zeit, etwa bis hin zu Carl Zuckmayers
bäuriſch ſtolzer Gutsbeſitzersfrau: die überwindet ſchließlich ihren
Haß gegen das Gauklerkind Katharina Knie, dem ihr
Sohn allzu viel Liebe ſchenkte, als ſie merkt, daß das
Gauklerkind das Leben mit beiden Fäuſten mutig anpackt.
1838, am 18. September, ſchrieb Hebbel in ſein
Tagebuch Worte des Schmerzes darüber, daß ſeine Mutter
geſtorben ſei, und läßt ſoweit dies ſein Selbſtbewußt=
ſein
zuließ die Klage hineinklingen, ſie habe hinter
ſeinem Leben zurückſtehen müſſen. Die Mutter des
großen Sohnes; unbedankt, vernachläſſigt.
Ein wehes Schickſal. Eine unbeachtete Tragik. Ein ſtil=
ler
, erſchütternder Stoff, der noch nicht ſeine bedeutſame
bühnendichteriſche Geſtaltung gefunden hat. Eine geniale
wilde Verzerrung dieſes Gedankens iſt höchſtens Shaws
Frau Warrens Gewerbe: eine Frau, die verſucht, aus
ihrem Proletarierelend herauszukommen und ſei es
auch durch ein ſchmutziges Gewerbe. Es gelingt ihr. Und
ſie kann nun ihrer Tochter den glatten, ungetrübten
Lebensweg eröffnen, der ihr ſelber verſagt geweſen iſt.
Aber ſie ſelbſt kann keinen Kindesdank dafür ernten.
Als die gepflegte Tochter durchſchaut, mit welchen Mitteln
ihre Mutter hochgekommen iſt, wendet ſie ſich von ihr ab.
Es iſt Weltgeſetz: der Mutter wird ihr erweitertes
Selbſt, ihr Kind wieder genommen, wenn es reif gewor=
den
iſt. Darum gehört es ihr um ſo mehr, je kleiner es
noch iſt. Beginnend bei Euripides Medea kann man
bis auf unſere Zeit die ängſtliche Fürſorge der Mutter
verfolgen, die ſogar zur grauſamen Eiferſucht führen
kann. Ja, manche Tragik ſpielt ſich ſchon um das Un=
geborene
, womöglich niemals zum Leben Kommende ab;
Hauptmanns Ratten und Roſe Bernd, Ibſens Brand
und Henny Portens ergreifende Leiſtung in dem Film
Mutterliebe zeigen Mütter, die von den Seelchen
wunderſam dämoniſch getrieben werden.
Immer wieder ſtehen auf den Bühnen die Mütter
vor uns, die halb tragiſch, halb komiſch ihre Hät=
ſchelkinder
umhegen und ſie nicht flügge werden laſſen
wollen, damit die Erfolge, die ſie die ſchon reifenden
Kinder einheimſen, noch dem Reſte zugute kommen.
Eitle, törichte Mutter, ſagt Vater Galotti
er ſagt es für viele ihresgleichen.
Aber die Mutter kann ihr Kind auch mit einer Beharrlich=
keit
feſthalten, die etwas ganz anderes iſt als törichte Eitelkeit.
Erdkraft kann es ſein. Wenn in Euripides Bacchantinnen
Pantheus dem großen Gott des Rauſches und der Fruchtbar=

keit, dem Dionyſos, widerſtehen will, und dann unter den
Bacchantinnen, die ihn mit grauſiger Gewalt beugen, ſeine Mut=
ter
Algaue, unwiſſend freilich, die ſchonungsloſeſte iſt, wenn in
Barlachs eigenartigem Myſterienſpiel Der tote Tag die Mut=

ter das Sonnenpferd tötet, mit dem der geliebte Sohn ins All
hinausreiten wollte, dann prägt ſich uns die Erkenntnis ein:
Mutter Erde, Eva, Gaia lebt in jeder Mutter und in mancher
ſo ſtark, daß ſie die geiſtige Siegkraft des Sohnes lähmt.

Doch eine Geſtalt in der Bühnendichtung haben wir: die hat
dieſe Erdkraft; aber ſie zieht mit ihr nicht den Sohn herab,
ſondern ſie füllt ihn mit ihrer Gewalt und entläßt ihn in die
Welt, als ſie mit ſanftem Tode begnadet wird. Das iſt Aaſe,
Peer Gynts Mutter. Auch ſie lebt über den Tod hinaus.
Ihre Seele wird weitergetragen von Solveig, der harren=
den
und endlich den greiſen Wanderer hinaufführenden
Geliebten.
Goldene Worke zum Mukkerkag.
Es iſt nichts reizender, als eine Mutter zu ſehen mit
einem Kinde auf dem Arme, und nichts ehrwürdiger, als
Goethe.
eine Mutter unter vielen Kindern.
Ein Sohn mißtraut eher zweimal dem Verſtande ſeines
Vaters, als einmal dem Herzen ſeiner Mutter. Monod.
Keine Weisheit, die auf Erden gelohnt werden kann,
kann uns das geben, was ein Wort und ein Blick der
Wilhelm Raabe.
Mutter gibt.

Bernhard Bergmann: Das Lied von der Mutter. Eine
Ausleſe aus deutſcher Dichtung. Mit 8 ganzſeitigen Bil=
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Was Mutterſchickſal, Mutterſchönheit und Mutter=
ſchmerz
in ſich begreift; das erſte ſelige Erwachen der hof=
fenden
Mutter, tiefes Empfangen und keuſches Bewahren,
Mutterſein mit Jubeln und Zittern, Sorgen und Sinnen,
mit ſeiner Tiefe und Geduld, ſeinem Opfer und Verzicht
und den bitteren Stunden des Schmerzes, der Einſamkeit
und des wehen Scheidens: das iſt eine nie verſiegende
Quelle dichteriſchen und künſtleriſchen Schaffens und Ge=
ſtaltens
geworden. Im Lied von der Mutter iſt eine
Ausleſe der ſchönſten deutſchen Mutterdichtung zu voll=
tönendem
Zuſammenklang vereint. Es wurden vor allem
Dichter und Schriftſteller der Gegenwart, mit teilweiſe
noch unveröffentlichten Darſtellungen und Dichtungen be=
rückſichtigt
. Genannt ſeien nur: R. Dehmel, Walt. Flex
M. Hausmann, H. Heſſe. Ricarda Huch, Klabund, Jak.
Kneip, H. Lerſch. Frhr. Börries v. Münchhauſen, Alfons
Paquet, R. M. Rilke, R. v. Schaukal, Ruth Schaumann.
Auch Proſadichtung von Heinr. Federer, Max Jungnickel,
Paul Keller, Nikolaus Schwarzkopf u. a. wurde gebracht.
Frauen= und Mutterbildniſſe deutſcher Meiſter runden
as Ganze. Die Sammlung iſt ein würdiges, ſchlichtes Buch der
ztille und inneren Sammlung, das eindringlich zur Beſinnung
d Ehrfurcht mahnt vor jenem edelſten und heiligſten Lebens=
ſirk
, der in dem ſchlichten Worte Mutter umſchloſſen liegt.

[ ][  ][ ]

Seite X

Sonntag, den 10. Mai 1931

Nummer 129

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fahrzeugbesitzers
, Type, Motornummer, Hubraum in ccm und
PS, Art des Fahrzeugs. Fabrikneue Wagen sind durch X
kenntlich gemacht. Die Meldungen sind geordnet nach den drei
Provinzen (VS, VR, VO) und Kreisen und innerhalb dieser nach
Polizeierkennungsnummern. Abgemeldete Wagen werden geson-
dert
aufgeführt. Die Auto-Listen sind eine wichtige Ergän-
zung
des Auto-Adreßbuches (Adreßbuch der Kraftfahrzeug-
besitzer
im Volksstaat Hessen), Ausgabe 1929, und unentbehr-
lich
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Nummer 123

Sonntag, den 10. Mai 1931

Seite 5

Aus der Landeshaupkſtadk.
Darmſtadt, den 10. Mai 193

Laſſek die Blumen ſtehen und den Skrauch,
andere, die vorübergehen, frenen ſich auch.

Mukkerſonnkag.
Von Reinhold Braun.

Du ſagſt Mutter
dich heimgerufen.

und du haſt

Mutterſonntag
Du friede=, freudeſeliger Klang,
Herzenswelt!

Albert Talhof.
Hochklang du aus deutſcher

Glocken klingen überm maienlichten Lande, und dieſes künden
ſie: Dank, der Treue und der Liebe ewig wunderbaren Sinn, Er=
innerung
und alles Licht des Heimatweſens. Wohl miſcht auch
Wehmut ſich darein .. . .

Doch auch das ſchattende Gefühl will uns nur Hohes, Reines,
chones ſ.henien. .

Glocken klingen ..
Auch Mahnung ſind ſie, Ruf und Heimkehrton ..."
Was den Namen Weib trägt, ſoll ihn vor allem andern hören!
Eine ganze Predigt ſpricht daraus.
Ja, wer Ohren hat zu hören, höre, und höre unter vielem
dieſes auch:
Das Höchſte eines Volkes bleibt der Mutterwille; denn er
blüht auf aus der tiefſten Tiefe der Seele eines Volkes. Urſprung
iſt er und des Urſprungs Adligkeit, iſt Sichtbarkeit der wahren
Lebenskraft des Ganzen und damit der Gotteskraft, die ihm waltet.
Er iſt der gnadenreichſte der Impulſe der Nation.
Er iſt das wahre Leben, das immer wieder den Tod über=
windet
und aus Winterwelkheit den Frühling reich und groß
heraufführt.

Wenn in einem Volke der Mutterwille müde wird, rinnt
Schlaffheit in das Ganze ein; wo er nicht mehr Symbol des
Opfertums iſt, wird das Ganze zum Opfer mehr und mehr un=
fähig
werden. Die Höhe einer Kultur hängt ab von der Tiefe
und dem ſchöpferiſchen Weſen der Mutterſeele. Ohne dieſe keine
wahre Mannheit eines Volkes. Aller Hochſinn hat ſeine letzten
Wurzeln im myſtiſchen Bezirk des Reichs der Mütter.
Alle Geſundung kommt nur aus der Heimkehr zu dieſem
Reiche.

Eine feine Frauenführerin unſerer Tage ſagt: Wer an den
Fortſchritt der Menſchheit glaubt, muß an die Frau glauben.
Wer die Schriften dieſer Führerin und der beſten ihrer Genoſſin=
nen
kennt, weiß, daß ſie alle die mütterliche Frau meinen, auch
die unvermählte, die berufstätige.

Der Wahrheit dieſes Satzes entſprechend, können wir ſagen,
daß unſeres Volkes wahrer Aufſtieg nur möglich wird aus dem
Wiedererwachen des reinen Mütterlichkeitsgedankens.

Mutterſonntag ...."

Bei aller in ihm innewohnenden Idyllik und edlen Gefühls=
mächtigkeit
gewinnt er aus ſolcher notwendigen Betrachtungs=
weiſe
den Zug des Herben, Starken, ungeheuer Pflichtvollen, ja
des Heroiſchen. So ihn zu nehmen, iſt deutſche Art; denn es iſt
die ganz von innen her.
Nein, wir wollen an dieſem Tage nicht mit Gefühlchen ſpie=
len
und plötzlich überſtrömenden Zärtlichkeiten; wir wollen nicht
haften bleiben am Blumen= und Geſchenkdekorum nein, wir wol=
len
den herrlichſten der Symbolſonntage mit heiligem Ernſte er=
faſſen
, grundhaft weſenhaft. Denn zur Mutter ſich heimrufen,
heißt, ſich zum Weſen heimrufen, ſich beſinnen auf des Lebens
ſchöpferiſchen Strom, aus dem Mechaniſtiſchen der Zeit heimſin=
den
in das wahrhaft Organiſche, einmünden in den Weg echter
Entwickelung, Heimkehr feiern zum Licht der Ehrfurcht und des
Wunders.
Keines Menſchen reiches Blühen auf der Erde ohne das
Reich der Mütter!
Mutterſonntag, alſo grüßen wir dich und nehmen aus ſolcher
Beſinnung neuen Willen und neuen Mut, neue Kraft und auch
neuen Troſt ...."

* Die Feier des 90. Geburtstages von Prof. Heinrich Rein=
hard
Kröh geſtaltete ſich zu einer eindrucksvollen Kundgebung für
den allfeitig beliebten Meiſter, der nicht nur als Künſtler ge=
ſchätzt
, ſondern auch als liebenswürdiger Menſch allgemeiner Ver=
ehrung
ſich erfreut. Es erſchienen außer den Familienmitglie=
dern
verſchiedene Abordnungen der heſſiſchen Künſtlergruppen,
wie z. B. der Freien Vereinigung heſſiſcher Künſtler vertreten
durch Prof. Rich. Hoelſcher, dann die Kunſtmaler Robert Fuchs,
Georg Wüſt und Heinrich Zernin, vom Ortsverein Darmſtadt der
Allgemeinen Deutſchen Kunſtgenoſſenſchaft, welche ihrem langjäh=
rigen
erſten Vorſitzenden die von H. Zernin gezeichnete Urkunde
zur Ehrenmitgliedſchaft überbrachten, außerdem aber durch ein
von G. Wüſt gemaltes Aquarell des Hauſes, in dem Profeſſor
Kröh ſeine Jugend verbrachte, dem Meiſter eine kleine Freude
bereiteten. Der Gauverband Heſſen des Reichsverbandes bil=
dender
Künſtler, welcher ebenfalls Prof. Kröh zu ſeinem Ehren=
mitglied
ernannte, überbrachte dieſe Auszeichnung durch Kunſt=
maler
A. Soeder, einem ehemaligen Schüler des Künſtlers, als
ihrem Senior, während der Verein Alt=Darmſtadt vertreten
durch ſeinen erſten Vorſitzenden Phil. Weber die Ehrenmitglied=
ſchaft
, beurkundet durch eine kunſtgerechte Beſchriftung, die von
Herrn Jordan herrührte, überreichte. Die Stadt Darmſtadt ehrte
ihren Kröh durch ein lebensvolles, prächtiges Oelgemälde, das
ihren Sohn in natürlicher Größe, als Knieſtück gemalt, von dem
in ſeiner künſtleriſchen Fähigkeit noch viel zu wenig gewürdigten
hieſigen Bildnismaler Robert Fuchs zeigt. Herr Oberbürger=
meiſter
Mueller übermittelte es perſönlich mit ſeinen herzlichſten
Glückwünſchen. Schließlich überbrachte Graf Hardenberg dem
Jubilar die Glückwünſche des Großherzogs in einem Schreiben
mit der ſilbernen Medaille für ſeinen ehemaligen Hofmaler, und
einige andere Vereine und in großer Zahl erſchienene Gratulan=
ten
aller Kreiſe der Stadt fanden ſich in den gaſtlichen Räumen
des Hauſes Kröh in der Kiesſtraße 58 ein, die durch Maienblüten
in einen Blumenhain, verwandelt waren und mit den farbenfrohen
Gemälden des immer friſchen Meiſters wetteiferten.

Hohes Alter. Feilenhauer Auguſt Pohl, Neugaſſe 11,
feiert am 10. Mai ſeinen 85. Geburtstag.

Nicht oft genug kann dieſer Mahnruf hinausgetragen wer=
den
. Im friſchen Grün prangen Wald und Flur, allerorts be=
ginnt
die Natur ſich neu zu beleben. Gleich kann man auch wie=
der
die Wahrnehmung machen, wie gewiſſenloſe Leute nicht nur
einzelne Zweige und Blumen, ſondern ganze Bündel abreißen
und mit nach Hauſe tragen: oft iſt dies nicht mal der Fall, nach
kurzer Zeit wird der Strauß läſtig, man wirft ihn fort. Ein ge=
wiſſer
Teil von Menſchen findet eine Freude an dieſer Art Zer=
ſtörung
von Naturſchönheiten. Es braucht wohl nicht erſt auf
die ſtrafbare Handlung hingewieſen zu werden, die ſich dieſe Leute
zu ſchulden kommen laſſen. Wir appellieren an die Vernunft
nicht mit Geſetzes=Paragraphen die Schonheiten der Natur zu
ſchützen, ſie ſind Allgemeingut und müſſen es bleiben, jeder ein=
zelne
muß mithelfen, dieſe zu ſchützen. Die Lehrer in der Schule
können nicht eingehend genug vor Frevel warnen und die Kin=
der
über die zweckloſe Vernichtung von Tier und Pflanze auſ=
klären
und belehren. In der Jugend muß die Liebe für die
Natur erweckt werden, nicht nur Blume und Strauch ſondern
auch die frei lebenden Tiere bedürfen den Schutz der Menſchen.
Dies zu beherzigen, ſei Pflicht eines jeden Spaziergängers und
Wanderers. Offenen Auges die Auen und Wälder durchſtreifen,
Herz und Sinn für die ſchöne Natur, dann wird man ſo recht
erkennen:
O Welt, wie biſt du wunderſchön im Maien.

Berg=Wacht,
Abteilung Odenwald, Ortsgruppe Darmſtadt.

Jagdſchloß Kranichſtein. Der Beſuch des Jagdſchloſſes
Kranichſtein empfiehlt ſich in dieſen ſchönen Frühlingstagen
ganz beſonders. Gerade im Frühling zeigt das Schloß ſeinen
Zauber in höchſtem Maße, zumal wenn ſchönes Wetter es er=
laubt
, im Reſtaurationsgarten unter den berühmten, hochſtäm=
migen
Fliederbäumen ſeinen Kaffee zu nehmen. Die vielfach
von der Preſſe gemeldeten Hochwaſſerſchäden haben ſich als un=
bedeutend
herausgeſtellt. Die Inſel des Teiches iſt aus den
Fluten wieder aufgetaucht, ohne daß ſie Schaden gelitten hätte.
Vor allem ſind die Bruthäuſer der neu auf dem See angeſiedel=
ten
Schwäne, japaniſchen Höckergänſe und türkiſchen Enten un=
verſehrt
geblieben. Die neuen Gäſte des Sees haben ſich gut
eingelebt und unterhalten zu den Urbewohnern, den munteren
Bleßhühnern und Stockenten, die beſten Beziehungen. Die Be=
obachtung
des Waſſergeflügels bietet den Kranichſtein=Beſuchern
einen neuen Reiz. Die Neuherſtellungen im Schloſſe ſelbſt fin=
den
allgemeinen Beifall, ſo daß auch der Beſuch, der in den
Wintermonaten zu wünſchen übrig ließ, jetzt wieder lebhafter
eingeſetzt hat.

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Bleſſing=Ausſtellung. Die Aquarelle und Zeichnungen des
Darmſtädter Malers Philipp Bleſſing, zurzeit in der Buch=
handlung
Bergſträßer ausgeſtellt, haben viele Betrachter gefun=
den
und auch bei der Kritik lebhafte Anerkennung gehabt.
Chriſtlicher Verein Junger Männer, Darmſtadt E. V.,
Alexanderſtraße 22 (Inf.=Kaſerne). In unſerem Heim wird
heute, Sonntag, abends 8 Uhr ein Vortrag mit Lichtbildern ge=
halten
unter dem Thema: Mit dem Lazarettzug an der Weſt=
front
von Herrn Kaufmann Oskar Hauptmann. Jedermann iſt
freundlich eingeladen. Wir machen auch ſchon heute auf den am
Sonntag, den 17. Mai, abends 8 Uhr, ſtattfindenden Vortrag
von Herrn Dr. Grünwald über Die Großmächte der Ver=
gangenheit
und Gegenwart aufmerkſam.

Modewerkstätte Marie Babel
jetzt Elisabethenstraße 14, II.
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Promenaden=Konzert. Sonntag, den 10. Mai, vormittags
11 bis 12 Uhr, ſpielt das Stadt=Orcheſter unter Leitung ſeines
Kapellmeiſters W. Schlupp bei gunſtiger Witterung im Herrn=
garten
(Pergola) nach folgendem Programm: 1. Herzog von
Braunſchweig, Armeemarſch Nr. 9: 2. Ouvertüre zur Operette
Dichter und Bauer von Suppe; 3. Hydropathen. Walzer von
Gungl; 4. Holzſchuhtanz aus der Oper Zar und Zimmermann
von Lortzing; 5. Fantaſie über Kreutzers Werke von Bohne;
6. Marſch 1. Bataillon Garde.

Unſere Waldbrünnchen.
Die im Waldgebiete nächſt der Stadt ſich befindenden Brünn=
chen
, deren Ueberwachung und Inſtandhaltung ihr obliegt, ſind
wieder in Ordnung gebracht und das Waſſer auf ſeine Güte ſowie
Verwendbarkeit zu Trink= und Brauchzwecken unterſucht worden.
Rücksbrünnchen, Bernhardtsbrünnchen. Dieterbrunnen, Kahlert=
brunnen
, Albertbrunnen und Jägerbrunnen liefern gutes Trink=
waſſer
, die Pumpe an der Scheftheimer Eiche ſowie der Molken=
brunnen
führen dagegen nur Brauchwaſſer, was durch ein Schild
mit der Aufſchrift Kein Trinkwaſſer nochmals beſonders zur
Kenntnis gebracht wird.
Wir empfehlen die Anlagen dem Schutze der Beſucher mit der
Bitte, Beſchädigungen, Unregelmäßigkeiten im Waſſerzu= und
=abfluß uſw. umgehend der Direktion der ſtädtiſchen Betriebe zu
melden.

Die Hausfrauen zur Brotpreiserhöhung. Die zweimalige
Brotpreiserhöhung in Berlin, die Nachrichten aus einer Reihe
weiterer Städte, in denen Brotpreiserhöhungen beſchloſſen oder in
Ausſicht genommen ſind, haben die Verbraucherſchaft in den letzten
Tagen aufs ſtärkſte beunruhigt. Die Verteuerung des wichtigſten
Lebensmittels ſteht in Widerſpruch mit den Zielen, die von der
Reichsregierung in bezug auf unſere geſamte Preis=, Lohn= und
Wirtſchaftspolitik verfolgt werden und bringt eine bei der gegen=
wärtigen
wirtſchaftlichen Lage und bei der geſunkenen Kaufkraft
des ganzen Volkes untragbare Belaſtung weiter Bevölkerungs=
ſchichten
mit ſich. In Verfolg dieſer Bedenken, von denen die
Hausfrauen erfüllt ſind, fand am 4. Mai im Reichsernährungs=
miniſterium
eine Beſprechung mit Vertreterinnen des Reichsver=
bandes
Deutſcher Hausfrauenverbände und der Zentrale der Haus=
frauenvereine
Groß=Berlin ſtatt. Die ſeitens des Reichsernäh=
rungsminiſteriums
beſchleunigt in Ausſicht genommenen Maßnah=
men
gaben eine gewiſſe Beruhigung und die Gewißheit, daß ge=
mäß
den Zuſicherungen bezüglich eines Verbraucherſchutzes gegen
Preiserhöhungen, die in dem Geſetz vom 28. 3. 1931 gegeben ſind,
eine Reihe von Maßnahmen getroffen werden, die eine Herab=
ſetzung
des Mehlpreiſes ſowie anderer Unkoſtenfaktoren bei der
Herſtellung des Brotes ſichern und damit eine Senkung des Brot=
preiſes
ermöglichen. Die Hausfrauen erwarten, daß die durch
dieſe Maßnahmen erzielten Verbilligungen unverkürzt dem letzten
Verbraucher zugute kommen. Hier in Darmſtadt iſt ja bis heute
der Brotpreis noch nicht erhöht worden, und wir erwarten auch,
daß eine Erhöhung nicht ſtattfinden wird.
Bücherſtube Alfred Bodenheimer. Die Eröffnung der Aus=
ſtellung
junger Bauhausmaler, Deſſau, bei der Dr. Keil, Frank=
furt
, ſprechen wird, findet heute vormittag pünktlich 11,45 Uhr in
den Räumen der Bücherſtube ſtatt.

Heſſiſches Landestheaker.

Großes Haus Kleines Haus Sonntag,
10. Mai 19, Ende gegen 22.30
Der Hauptmann von Köpenick
Darmſt. Volksb. Gr. III u. 1V
(G 16 Preiſe 110 Mk. 16, 18, 20.20 Uhr
Ufa=Bildſpiele
Vorunterſuchung
Preiſe 12.,60 Mk. Montag,
11. Mai 2021.30 Uhr
9. Sinfonie=Konzert
Preiſe 1.208 Mr. 18. 18, 20.20 Uhr
Ufa=Bildſpiele
Borunterſuchung
Preiſe 12.60 Mk. Dienstag
12. Mai 19.30, Ende vor 23 Uhr
Der Hauptmann von Köpenick
Dſtdt. Volksb. Gruppe 1-1V
F11 Preiſe 110 Mr. 16, 18, 20.20 Uhr
Ufa=Bildſpiele
Borunterſuchung
Preiſe 12.60 Mk. Mittwoch,
13. Mai 19.3022 Uhr
Tnrandot
B23, T. G. 1
Preiſe 110 Mk. 19.3022 15 Uhr
Die Wildente
Zuſatzmiete V 12
Preiſe 1 206 Mk. Donnerstag, 22.30 Uhr
Meine Schweſter und ich
14. Mai /Vorſtellung zu klein. Preiſen
Außer Miete
Preiſe 0.504 Mk. 19.3022.15 Uhr
Zar und Zimmermann
Vorſtellung zu halb. Preiſen
Außer Miete
Preiſe 0.60 bis 3 Mk. Freitag,
15. Mai 19.3022.30 Uhr
Balerio
T, Gr. 4, 5 u. 6
Preiſe 110 Mr. 19.3022.15 Uhr
Die Wildente
Zuſatzmiete VI,13
Preiſe 1.206 Mk. Samstag,
16. Mai 2022 Uhr
Sturm im Waſſerglas
Vorſtellung zu halb. Preiſen
T. Gr. 2, 3, 7 u. 8
Preiſe 0.505 Mk. 2022.30 Uhr
Liebesluſt
oder die weißen Schuhe
Preiſe 0.502.50 Mk. Sonntag,
17. Mai 19.30-22.30 Uhr
Valerio
C23
Preiſe 110 Mk. 19.3022.15 Uhr
Zum letzen Male:
Der Graue
Zuſatzmiete 1V,11
Preiſe 15 Mk.

Heſſiſches Landestheater. Der Hauptmann von =
penick
von Carl Zuckmayer wird heute, Sonntag, in der In=
ſzenierung
von Carl Ebert im Großen Haus wiederholt. In der
Titelrolle: Franz Pfaudler. Die nächſte Aufführung des Werkes
findet Dienstag, den 12. Mai. ſtatt. Die 30. Aufführung des
ungewöhnlich erfolgreichen muſikaliſchen Luſtſpiels Meine
Schweſter und ich findet Donnerstag, den 14. Mai, bei
kleinen Preiſen außer Miete im Großen Haus ſtatt.
Letztes Sinfoniekonzert, Abſchiedsabend für Dr. Karl Böhm.
Drei Werke der klaſſiſchen Epoche bilden den Beſtandteil der Vor=
tragsfolge
des morgen, Montag, ſtattfindenden letzten Sinfonie=
konzerts
der dieswinterlichen Konzertreihe. Begegnet eine Zu=
ſammenſtellung
von drei Meiſterwerken des großen Dreigeſtirns
Haydn, Mozart. Beethoven ſtets allgemeinem Intereſſe, ſo wird
dies durch das Abſchiedskonzert des in Darmſtadt von Publikum
und Preſſe mit gleicher Herzlichkeit gefeierten Generalmuſik=
direktors
Dr. Karl Böhm in beſonderem Maße geſteigert.

Eine gute Tat
zum Muttertag!
Heut können Sie noch liebevoll für Ihre alte Mutter sorgen. Aber
wie schutzlos würde sie sein, wenn Ihnen etwas zustossen sollte
ein tödlicher Unfall eine tückische Krankheit. Schützen Sie Ihre
Mutter auch für diesen Fall vor dem Schlimmsten: schließen Sie
eine Lebensversicherung zugunsten Ihrer Mutter ab, damit sie auch
dann versorgt bleibt; und wenn Sie lhreMutter überleben, wird die ver-
sicherte
Summe Ihnen selbst eine willkommene Altersversorgung sein.
Fragen Sie einen Versicherungs-Fachmann!
II Bln. 58

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Seite 6

Sonntag, den 10. Mai 1931

Nummer 129

Dr. O. Bad Nauheim, 9. Mai.
Die im Genoſſenſchaftszweckverband Heſſen=
Mittelrhein (Schulze=Delitzſch) im vergangenen Jahre zuſam=
mengeſchloſſenen
Reviſionsverbände Darmſtadt, Kaſſel und Wies=
baden
hielten in dieſem Jahre ihre Verbandstagung zum
erſten Male gemeinſchaftlich in Bad Nauheim ab. Da
die drei Verbände noch als ſelbſtändige juriſtiſche Perſonen be=
ſtehen
, mußten diejenigen Punkte, die nach Satzungen in der jähr=
lichen
Hauptverſammlung zu behandeln ſind, von jedem Vorſtand
getrennt erledigt werden. Es fanden daher bereits am Freitag
nachmittag die Hauptverſammlungen des Verbandes
der Erwerbs= und Wirtſchaftsgenoſſenſchaften
im Volksſtaat Heſſene. V. Darmſtadt, des Verban=
des
Heſſiſcher Erwerbs= und Wirtſchaftsgenoſ=
ſenſchaftene
V. Kaſſel und des Verbandes der Er=
verbs
= und Wirtſchaftsgenoſſenſchaften am Mit=
telrhein
e. V. Wiesbaden unter dem Vorſitz des zuſtän=
digen
Verbandsdirektors ſtatt. Die ſatzungsmäßige Tagesordnung
behandelte interne Angelegenheiten. Anſchließend an dieſe drei
getrennten Sitzungen der einzelnen Verbände war eine gemein=
ſame
Hauyt eſammlung des Genoſſenſchaftswackver=
bandes
Heſſen=Mittelrhein im Kongreßſaal des Kerckhoff= In=
ſtitutes
, die aber bedauerlicherweife ebenfaus nicht öffentlich war.
Bedauerlich iſt dieſe ſtreng geſchloſſene Hauptverſammlung des=
halb
, weil von prominenter genoſſenſchaftlicher Seite wiederholt
betont wurde, Klarheit und Offenheit ſei Hauptbedingung für die
Genoſſenſchaften, und weil feſtſteht, daß die Entwicklung der im
Genoſſenſchaftszweckverband Heſſen=Mittelrhein zuſammengeſchloſſe=
nen
Verbände durchaus geſund und ſolid iſt und daher wirklich
kein Grund zur Verſammlung unter Ausſchluß der Oeffentlichkeit
vorliegt. Schließlich ließ der der Oeffentlichkeit übergebene Be=
richt
über die Hauptverſammlung jede zahlenmäßige Feſtſtellung
über Jahresrechnung Bewegung innerhalb der Genoſſenſchaften,
Verbandsrechnung, Voranſchlag uſw. vermiſſen.

Die Haupkverſammlung

des Genoſſenſchaftszweckverbandes Heſſen=Mittlerhein, Sitz Wies=
baden
, war von etwa 300 Mitgliedern beſucht und wurde von dem
geſchäftsführenden Verbandsdirektor Dr. Frankenbach= Wies=
baden
geleitet. Er gab in ſeinem Vorbericht zunächſt eine kurze
Ueberſicht über die bisherige Entwicklung des ſeit Mitte 1930 be=
ſtehenden
Zweckverbandes, wobei er beſonders betonte, daß durch
die Zuſammenfaſſung bereits eine Vertiefung der Verbandsreviſion
erreicht ſei, die aber noch weitere Fortſchritte machen müſſe. Er
kam dann auf die derzeitigen ſchwierigen Wirtſchaftsverhältniſſe
zu ſprechen, die von den Genoſſenſchaften gerade beſondere Zurück=
haltung
im Kreditgeſchäft verlangen, damit keine Ueberſpannung
der eigenen Leiſtungsfähigkeit eintrete. Trotz aller zu überwin=
denden
Schwierigkeiten aber dürfe man ſich einem hemmungsloſen
Wirtſchaftspeſſimismus nicht hingeben.
Ueber die bei Waren= und Kreditgenoſſenſchaften vorgenom=
menen
Reviſionen erſtattete Verbandsreviſor Baechtle eingehen=
den
Bericht. Er betonte, daß gerade in Anbetracht der heutigen
Verhältniſſe die Durchführung der Reviſionen beſondere Schwie=
rigkeiten
bereite, an die Verbandsgenoſſenſchaften ſei die Mah=
nung
zu richten, den Forderungen der Reviſion ſtets in vollem
Umfange nachzukommen.
Daran anſchließend erörterte Verbandsſyndikus Schneider
die Gründe für die Zuſammenbrüche von Kreditgenoſſenſchaften;
als Ergebnis der vorgenommenen Unterſuchungen wurde wieder=
um
das Verſagen der verantwortlichen Perſonen feſtgeſtellt, wäh=
rend
das genoſſenſchaftliche Syſtem als ſolches durchaus allen An=
forderungen
gerecht wird, wenn eben die Führer Verantwortungs=
gefühl
beſitzen.
In einem eingehenden Referat: Haben die Waren=
genoſſenſchaften
im Handwerk noch eine Zu=
kunft
? beleuchtete Handwerkskammerſyndikus Dr. Kollbach
(Darmſtadt) zunächſt die Lage des Handwerks und ſtellte feſt, daß
nach einem Enguste=Bericht von einer konſtitutionellen Erkran=
kung
des Handwerks keine Rede mehr ſein könne. Dieſe optimi=
ſtiſche
Feſtſtellung könne allerdings nicht darüber hinwegtäuſchen,
daß die Lage des deutſchen Handwerks zurzeit außerordentlich ernſt
ſei und ſeit vergangenem Jahre eine bedeutende Verſchärfung er=
fahren
habe. Die wertvollſte Selbſthilfe für das Handwerk ſei
und bleibe der genoſſenſchaftliche Zuſammenſchluß, auf den Schulze=
Delitzſch ſchon 1853 hingewieſen habe. Die Genoſſenſchaft ſei die
eigentliche Organiſation der Individualhilfe. Im einzelnen ſtellte
der Referent Betrachtungen hauptſächlich über die Warengenoſſen=
ſchaften
, alſo die Wareneinkaufs= oder Rohſtoff=, die Magazin=,
Werk= und Lieferungsgenoſſenſchaften, an. Zuſammenfaſſend könne
geſagt werden, daß Hilfe dem Handwerk heute dringend not tue
daß die beſte Hilfe die Selbſthilfe in Form der Genoſſenſchaft ſei
und daß die handwerklichen Organiſationen ſelbſt Träger dieſer
neuen Gemeinſchaftsform werden müßten. In dieſer Hinſicht
würde dann die von Schulze=Delitzſch gewählte Bezeichnung der
Innung der Zukunft eine neue und wertvolle Bedeutung ge=
winnen
. Da die Zeit zu weit vorgeſchritten war, wurde von dem
vorgeſehenen Referat des Direktors Nehrbaß (Mainz) über Die
Molkereigenoſſenſchaften im Wirtſchaftsleben abgeſehen.

ein

Abends wurde im Sprudel=Hotel für die Tagungsteilnehmer
Begrüßungsabend
veranſtaltet, der in einem ausgezeichneten reichhaltigen Programm
viele Abwechſlungen und vorzügliche Darbietungen brachte. Bei
dieſer Gelegenheit ſei anerkennend hervorgehoben, daß die Bad
Nauheimer Volksbank und mit ihr die Stadt Bad Nauheim ſelbſt
alles aufgeboten hatten, den Gäſten, die anläßlich der Tagung
einige Tage in unſerem herrlichen heſſiſchen Weltbad verbrachten,
ſo viel als möglich zu bieten und ihnen den Aufenthalt ſo ange=
nehm
wie möglich zu geſtalten.
Den muſikaliſchen Teil des Abends beſtritt die Hauskapelle
des Sprudel=Hotels. Eine Abteilung des Männergeſangvereins
Frohſinn brachte unter Leitung des Ehrenchormeiſters Bech=
tolsheimer
einige wirkungsvolle Volkslieder und Männer=
chöre
zu Gehör. Malermeiſter Maus trug einen von dem Bad
Nauheimer Heimatdichter C. Piorkow verfaßten ſinnigen Prolog
vor, der den Gäſten ein herzliches Willkommen von Bad Nauheims
Bürgerſchaft entbot und im weiteren den großen genoſſenſchaft=
lichen
Gedanken Schulze=Delitzſch zum Ausdruck brachte. Der Pro=
log
ſchloß mit den Worten: So möge Ihre Tagung das vollbrin=
gen
, was Ihnen gut und wünſchenswert erſcheint, ein allbefriedi=
gendes
Wohlgelingen, das Trennende ſei brüderlich vereint, mit
ganzer Kraft dem großen Ziel entgegen. So wünſchen wir dem
neuen Zweckverband zu ſeiner Tagung Glück und Segen zum Heil
für unſer Volk und Vaterland.
Als Vertreter des Vorſtandes und Aufſichtsrates der Bad
Nauheimer Volksbank richtete Dipl.=Ing. Weniger herzliche
Begrüßungsworte an die Gäſte. Seiner beſonderen Freude gab er
darüber Ausdruck, daß Bad Nauheim, wo die Wiege der Genoſſen=
ſchaften
ſtand, auch als Ort der Taufe des Genoſſenſchaftszweck=
verbandes
gewählt wurde. Die Genoſſenſchaften hätten ihre
Exiſtenzberechtigung erwieſen und würden auch in Zukunft ihre
Exiſtenzberechtigung nachweiſen können. Die Berechtigung, zwi=
ſchen
ernſter Tagungsarbeit auch einige frohe Stunden verbringen
zu dürfen, würde niemand abſtreiten können. Der Tagung wünſchte
er einen guten Verlauf und ſchloß mit dem Wunſche, recht bald
nach Bad Nauheim wiederzukommen, denn wo man gut wird
aufgenommen, muß man recht bald wiederkommen
Bürgermeiſter Dr. Ahl wies in ſeiner Begrüßungsanſprache
auf die enge Verbundenheit Bad Nauheims und ſeiner Einwohner
mit den Genoſſenſchaften hin, eine Verbundenheit, die vor allem
durch die Bad Nauheimer Volksbank gepflegt werde. Die wirt=
ſchaftliche
Bedeutung Bad Nauheims werde am beſten durch mar=
kante
Zahlen erwieſen, ſo ſei z. B. nicht allgemein bekannt, daß
die Uebernachtungen in unſerem heſſiſchen Bad an zweiter Stelle
aller Bäder in Deutſchland (nach Wiesbaden) ſtehe und nur 20000
weniger als 1 Million betrage, ferner daß Bad Nauheim mehr
Fremdenbetten habe, als die Großſtadt Frankfurt Betten über=
haupt
. Möge die Tagung und der Aufenthalt in Bad Nauheim
allen in ſo angenehmer Erinnerung bleiben, daß alle wieder in
das Bad zur Kur zurückkehren, ohne gerade herzkrank zu ſein. Wei=
tere
Anſprachen hielten Anwalt Prof. Stein, der die Bedeutung
des fränkiſchen Landes um Main und Rhein als Urland des Ge=
noſſenſchaftsweſens
unterſtrich und Verbandsdirektor Dr. Fran=
kenbach
(Wiesbaden), der der Bad Nauheimer Volksbank herz=

lichen Dank für ihre außergewöhnlichen Leiſtungen bei der Vor=
bereitung
und Durchführung der Tagung ausſprach. Die dies=
jährige
Tagung werde nicht die letzte in Bad Nauheim ſein. In
ein auf das deutſche Vaterland von einem Vertreter der Volksbank
Traben=Trabach ausgebrachtes Hoch wurde begeiſtert eingeſtimmt.
Inzwiſchen hatte der Frankfurter Humoriſt F. Emmel die
Conference übernommen und verſtand es, auch durch eigene luſtige
und witzige Rezitationen die Tagungsteilnehmer in heiterſte
Stimmung zu verſetzen. Lebhaften Beifall erntete die Opern=
ſängerin
Frau Dr. Müller=Graſenik mit ihren Geſangsvor=
trägen
in gepflegter und geſchulter Sopranſtimme ſowie Herr
H. Weber mit ſeinen Wetterauer Mundartdichtungen. Nur zu
ſchnell verflogen die gemütlichen Stunden des Abends, man trennte
ſich in ſpäter Stunde. Die Bad Nauheimer Volksbank kann ſtolz
ſein auf den ſchönen Verlauf ihres Begrüßungsabends.
Die öffenkliche Berſammlung
des Genoſſenſchaftszweckverbandes Heſſen=Mittelrhein wurde am
Samstag vormittag im Kongreßſaal des Kerckhoff=Inſtituts ab=
gehalten
. Der große Saal war ſehr gut beſetzt; unter den Ehren=
gäſten
bemerkte man u. a.: für die heſſiſche Staatsregierung und
im beſonderen Auftrag des Miniſters für Arbeit und Wirtſchaft
Miniſterialrat Hechler; für die Behörden Kreisdirektor Rechthien=
Friedberg; Bürgermeiſter Dr. Ahl=Bad=Nauheim; Geh. Rat Dr.
Müller, Reichsbankhauptſtelle Frankfurt; Reichsbankdirektor
Klipſtein=Gießen; Oberregierungsrat Weber, als Vertreter des
Landesfinanzamtes Kaſſel; von befreundeten Banken Direktor Dr.
Bredenbreuker von der Genoſſ.=Abtlg der Dresdener Bank in
Frankfurt, zugleich als Vertreter der Induſtrie= und Handelskam=
mer
Frankfurt; Direktor Schotte von der Preußenkaſſe, Frankfurt;
Direktor Paech von der Heſſ. Handw.=Zentralgenoſſenſchaft Darm=
ſtadt
: Direktor Guinow von der Landesgenoſſenſchaftsbank Darm=
ſtadt
: Direktor Heyder von der Heſſ. Beamtenbank, Darmſtadt;
ferner war Direktor Komm=Rat Saul v. Pfälz. Genoſſenſchafts=
verband
und als Vertreter Wirtſchaftlicher Verbände war Ehren=
ſenator
Nohl, der Präſident der Heſſ. Handwerkskammer, und
Direktor Schüttler anweſend. Die Heſſiſche Induſtrie= und Han=
delskammer
hatte Vertreter entſandt, für Darmſtadt war Dr.
Schäfer anweſend, als Vertreter des Einzelhandels Dr. Moeßner,
für das Landesverſicherungsamt Präſident Dr. Neumann, weiter
verſchiedene Profeſſoren der Univerſität Gießen und Prof. Dr.
Groedel, der Vorſtand des Kerckhoff=Inſtituts, dem beſonders für
Ueberlaſſung des Saales der Dank ausgeſprochen wurde.
Die Hauptverſammlung leitete Verbandsdirektor Dr. Fran=
kenbach
=Wiesbaden, der alle Teilnehmer herzlich begrüßte.
Miniſterialrat Hechler übermittelte namens des heſſiſchen
Staatspräſidenten und der heſſiſchen Regierung die herzlichſten
Willkommensgrüße zur Tagung auf einem für das Genoſſenſchafts=
weſen
hiſtoriſchen Boden. Man möge die Ziele nicht zu hoch ſtek=
ken
, ſelbſtverſtändlich gehöre Optimismus und Wagemut )azu,
etwas zu leiſten. Je größer die Erfolge ſeien, deſto beſſer ſei es
für unſere heſſiſche Wirtſchaft. In dieſem Sinne wünſchte er ein
herzliches Glückauf.
Im Namen des Aufſichtsrats und Vorſtandes ſprach Herr
Weiß, der für die Zurverfügungſtellung des Kerckhoff=Inſtituts
dankte. Möge die heutige Tagung ein Markſtein in der Genoſſen=
ſchaft
werden und dem notleidenden Mittelſtand zum Segen ge=
reichen
.
Bürgermeiſter Dr. Ahl wünſchte der Tagung vollen Erfolg.
Bad=Nauheim habe von jeher den Wert genoſſenſchaftlicher Tätig=
keit
erkannt und ſtets im genoſſenſchaftlichen Geiſte gehandelt.
Enge Verbundenheit beſtehe zwiſchen der Genoſſenſchaft und der
Stadt. Genoſſenſchaften und Sparkaſſen ſeien heute nötiger, denn
je. Sie müßten ein ſtarker Damm ſein gegen die erſtaunliche Zen=
traliſation
des Geldes in anderen Inſtituten. Für den lokalen
Geldbedarf bedürfe man dringend der Genoſſenſchaften und Spar=
kaſſen
namentlich in der heutigen kapitalarmen und kredithungri=
gen
Zeit. Heute ſei ein Zuſammenſchluß und Zuſammenhalt nöti=
ger
denn je; dieſer Forderung ſei durch Gründung des Zweckver=
bandes
nachgekommen worden. Er wünſche dem Verband eine ge=
ſunde
Fort= und Weiterentwickelung zum Segen unſerer allgemei=
nen
deutſchen Volkswirtſchaft.
Als Vertreter der Induſtrie= und Handelskammer Frankfurt
a. M.=Hanau wünſchte Dr. Bredenbreuker, auch namens der
Genoſſenſchaftsabteilung der Dresdener Bank der Tagung beſten
Erfolg. Das Facit der erſten Jahresarbeit ſei ſehr befriedigend.
Es beſtehe heute kein Streit mehr darüber, daß eine formale und
materielle Reviſion notwendig iſt. Gerade die materielle
Reviſion halte er unter allen Umſtänden für notwendig. Alle
Verbandsgenoſſenſchaften müßten ſich hinter den Verband ſtellen
und für ihn eintreten. Der Erfolg diene dem allgemeinen Ganzen.
Direktor Schotte ſprach im Namen der Preußiſchen Zentral=
genoſſenſchaftsbank
, der Kaſſe und der Landeszentralbank in Kaſ=
ſel
und Frankfurt und der Heſſ. Handwerkszentralgenoſſenſchafts=
bank
. Er wünſchte der Tagung einen ſchönen und anregenden
Verlauf. Reichsbankdirektor Dr. Klipſtein=Gießen begrüßte
die Teilnehmer gleichzeitig im Namen des Reichsbankdirektors
Geh. Rats Dr. Müller=Frankfurt a. M. und des Reichsbankdirek=
tors
von Wiesbaden. Ein geſundes und hochentwickeltes Genoſ=
ſenſchaftsweſen
biete die beſte Möglichkeit zum Wiederaufſtieg der
Wirtſchaft. Syndikus Dr. Göbel übermittelte die beſten Grüße
und Wünſche für den heſſiſchen Induſtrie= und Handelskammertag.
Die heſſiſchen Handleskammern nehmen an der Bewegung der Ge=
noſſenſchaften
und des Verbandes regſten Anteil. Direktor Gui=
now
rief namens der Genoſſenſchaftsbank Darmſtadt und der heſſ.
landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften den vereinigten Verbänden
ein herzliches Willkommen zu. Im Namen der drei Handwerks=
kammern
Darmſtadt Kaſſel, Wiesbaden ſprach Syndikus Dr.
Borges. Die Grüße der Univerſität Gießen und der Wiſſen=
ſchaft
ſowie der Profeſſoren überbrachte Prof. Dr. Hellauer,
der dem Wunſche Ausdruck gab, der Zweckverband möge ſich im=
mer
mehr kräftigen zum Wohle des deutſchen Genoſſenſchafts=
weſens
.
Nach dem Dank an die Vorredner gedachte der Verſammlungs=
leiter
der im Genoſſenſchaftsweſen beſonders verdienten Män=
ner
, namentlich der Verſtorbenen, und unter dieſen des verſtorbe=
nen
verdienſtvollen Herm. Malz. Die Verſammlung erhob ſich
von ihren Sitzen.
Verbandsdirektor Dr. Franken bach=Wiesbaden erſtattete
dann das Hauptreferat. Das Grundſyſtem der Arbeit auf
genoſſenſchaftlichem Gebiet ſei unerſchüttert und geſund. Die ge=
ſamtgenoſſenſchaftliche
Tätigkeit gründe ſich auf Selbſthilfe. Durch
Maßnahmen der Selbſtverwaltung wolle man alles Kranke und
Schlechte ausſchalten. Man befinde ſich in Bad=Nauheim auf Ur=
land
genoſſenſchaftlichen Lebens. Unter der Aufrechterhaltung
ſelbſtſtändiger Reviſion ſei der Zweckverband gegründet worden.
Das erſte Jahr des Zweckverbandes habe bewieſen, daß man mit
der Gründung auf dem rechten Wege war. Kurz ging dann der
Redner auf die Entwicklung der Einzelverbände ein. Verbands=
durſchnittszahlen
und Normzahlen, alſo ſtatiſtiſche Zuſammenſtel=
lungen
, geben ein großes Bild, aber die Geſamtwirt=
ſchaftslage
dürfe nicht außer Acht gelaſſen werden. Leider
ſei im letzten Jahre keine Beſſerung eingetreten. Man befinde
ſich in einer Wirtſchaftskriſe, die niemanden verſchone. Eine Stag=
nation
und Einſchränkung des Lebens ſei überall feſtzuſtellen. Die
Arbeitsloſigkeit habe die Rekordzahl von 5 Millionen erreicht,
außerordentlich groß ſeien die Konkurſe, die Wechſelproteſte uſw.
Man habe die Urſache zu ergründen verſucht. Ausgangspunkt ſei
der Weltkrieg, der folgende ſogenannte Friede, die Inflation und
die politiſche Geſtaltung in Deutſchland. Die Wirtſchaft laſſe ſich
nicht mit Gewalt führen. Weiter befaßte ſich der Referen, mit
der Preispolitik und Steuerpolitik. Man habe feſtgeſtellt, daß die
Wirtſchaftskriſe auch die Siegerſtaaten ergriffen habe, wirtſchaft=
liche
Störungen ſeien in der ganzen Welt. Durch Beſeitigung der
Urſachen müſſe ein Wiederaufſtieg herbeigeführt werden.
In Deutſchland verkenne man den fundamentalen Grundſatz,
daß nur eine freie Wirtſchaft zum Aufſtieg führen könne. Der
Bau= und Arbeitsmarkt verlange beſondere Rückſichten. Der Alt=
der
Wohnungszwangswirtſchaft müſſe gefordert werden und die mit Erfolg teilgenommen: 150 Silben: Mathilde Bremmer, Le=
Hauszinsmittel müſſen dem Hausbeſitzer zur Verfügung ſtehen.
Vor allem müſſe die Beſeitigung der enormen Arbeitsloſigkeit
angeſtrebt werden. Hierzu beleuchtete Redner die Gründe der Ar=
beitsloſigkeit
(Mechaniſierung Maſchiniſierung). Arbeitsloſigkeit
ſei die Folge ſtaatlicher Einmiſchung in die Privatwirtſchaft. Nur
im freien Spiel der Kräfte kann die Wirtſchaft ihre Aufgaben er=
füllen
. Eine Aenderung der Lohngeſetzgebung würde die Voraus=
ſetzung
der Beſeitigung der Arbeitsloſigkeit ſchaffen. Mit der

Aufrollung der Reparationsfrage könnten die ganzen Komplexe
nicht bereinigt werden. Internationale Kapitalverteilung und
Arbeitsverteilung könnten nur auf internationalem Wege be=
reinigt
werden. Weiter ging der Referent auf die Zollpolitik ein
und beleuchtete in großen Zugen die befriedigende Entwicklung
der Genoſſenſchaften. Auf die materielle Stärke der Genoſſenſchaf=
ten
ſei beſonders geachtet worden. Die Haupttätigkeit des Ver=
treters
lag nach wie vor in der Reviſionstätigkeit, über deren
Durchführung ſich der Referent am Schluſſe ſeiner Ausführungen
verbreitete. Er betonte nochmals beſonders die Notwendigkeit
der materiellen Prüfung. Die Konzentration wirtſchaftlicher
Kräfte dürfe in gewiſſem Sinne auch in der Genoſſenſchaft nicht
außer Acht gelaſſen werden.
Verbandsdirektor Weiler=Darmſtadt brachte zwei ſpeziell
heſſiſche Fragen zur Sprache und nahm zu der enormen
Steuerlaſt
Stellung. Er führte u. a. aus: Das eine betreffe die Frage der
Stundung der öffentlichen Grundſtückslaſten, inſonderheit der
Sondergebäudeſteuer. Während in Preußen die Grundſtücke nur
haften für die Zeit der Anordnung der Zwangsverſteigerung und
für die letzten 6 Monate vor der Anordnung, läuft in Heſſen dieſe
Friſt auf 2 Jahre. Bei Zwangsverſteigerungen in Heſſen erlebt
man deshalb in bezug auf die ſtaatlichen und Gemeindeſteuer= Rück=
ſtände
die unangenehmſten Ueberraſchungen. Es nehme nicht
Wunder, daß die Hypothekenbank in Frankfurt an eine Darm=
ſtädter
Baugenoſſenſchaft ſchrieb, daß ſie ſolange die Hausſteuern
in Heſſen in der geſchilderten Weiſe geſtundet werden und rück=
ſtändig
bleiben könnten, keine Mark Hypothekengeld nach dem
Volksſtaat Heſſen geben könnte. Eine Eingabe der Arbeitsge=
meinſchaft
der heſſiſchen Kreditgenoſſenſchaften zuſammen mit dem
heſſiſchen Sparkaſſe= und Giroverband wegen Abſtellung dieſes
Mißſtandes iſt in Vorbereitung. Das iſt das eine. Das andere
betrifft die Geſetzgebung über die Grundſteuern und Hauszins=
ſteuern
in Heſſen ſelbſt. Nachdem die Reichsregierung durch die
Reichsnotverordnung vom 1. Dezember v. J. Richtlinien über eine
Senkung der Grundſteuer von 10 Prozent und der Gewerbeſteuer
von 20 Prozent aufſtellte, hat der heſſiſche Landtag und die heſ=
ſiſche
Regierung im Dezember v. J. eine Erhöhung der ſtaat=
lichen
Grundſteuer von 200 Prozent und eine außerordentlich
drückende Erhöhung der Sondergebäudeſteuer die hauptſächlich
Geſchäftsgrundſtücke betrifft, anſcheinend übereilt und in Unkennt=
nis
der Auswirkungen beſchloſſen. Dieſe neuen Steuern haben nicht
nur in den davon direkt betroffenen Kreiſen, ſondern auch bei den
Geldinſtituten, die ſich mit der Beleihung von Hausgrundſtücken
befaſſen, und dazu gehören auch wir, eine panikartige Stimmung
hervorgerufen. Es ſind mir Fälle bekannt, in denen Beſitzer von
Geſchäftshäuſern, deren Objekte nur eine normale Belaſtung auf=
weiſen
, aus ihren Hauseinkunften nicht nur keine Rücklagen für
Reparaturen machen können, ſondern aus ihrem Arbeitseinkom=
men
weſentliche Beträge zur Erhaltung ihres Hauſes bereit ſtellen
müſſen, wenn ſie es können. Das iſt keine gerechte Beſteuerung
mehr das iſt Eigentumsvernichtung. Sehen Sie ſich die ungeheure
Zerſtörung der Grundſtückswerte an, und Sie werden die Ueber=
ſpannung
der Beſteuerung erkennen. Das ſind Dinge, die uns. als
die geldwirtſchaftliche Vertretung eines großen Teiles des Mittel=
ſtandes
aufs engſte berühren und uns verpflichten, das wach=
ſamſte
Auge auf die weitere Entwicklung des Hypotheken= und
Immobilienmarktes zu haben. Die heſſiſche Regierung und der
Landtag möge die Gefahren nicht zu ſpät erkennen. (Lebhafte Be=
wegung
im Saal.)
Anſchließend referierte Anwalt Prof. Dr. Stein (Berlin)
über die
Grundſätze der Kredit= und Geſchäftspolitik.
Die Grundſätze ſeien uralt, ſie gelten lange vor Schulze=Delitzſch.
Eines gelte als das Entſcheidenſte: Daß man heute die Regeln mit
aller Schärfe anwenden müſſe. Jeder Genoſſenſchaftler, der auf
dem Grundſatze der Selbſtverwaltung ſteht, ſoll ſich rein halten,
damit er feſt ſteht. Heute gelte es mehr denn je, gerüſtet zu ſein
für jedes und jegliches Ereignis. Er glaube nicht, daß die Tal=
ſohle
im Wirtſchaftsleben ſchon erreicht ſei. Gewiß ſei der Außen=
handel
gewachſen, aber in den erſten drei Monaten dieſes Jahres
bleibe doch die Ausfuhrziffer um 800 Millionen gegen die gleiche
Zeit des Vorjahres zurück. Man erlebe heute ein großes Ster=
ben
in der Wirtſchaft. Das dürfe aber nicht mutlos machen, ſon=
dern
jeder müſſe klar ſehen und ſeine Kräfte und Mittel zuſam=
menhalten
, um bereit zu ſein in Zeiten des Wiederaufſtiegs,
Wenn das Geſchäft klein, rein und mein ſein ſoll, dann müſſe es
jederzeit auch überſehbar ſein. In jedem genoſſenſchaftlichen
Betrieb müſſe peinlichſte Klarheit und Wahrheit gegenüber der
Oeffentlichkeit und gegenüber ſich ſelbſt herrſchen Eine Gemein=
ſchaft
könne nicht arbeiten und leben, wenn es nicht auf Klarheit
und Wahrheit aufgebaut ſei, und dies ſei auch Grundſatz zwiſchen
Aufſichtsrat und Vorſtand. Man könne die ſchwere Laſt des Auf=
ſichtsrats
nur tragen, wenn man klare Einſicht in die Lage der
Genoſſenſchaft habe. Bei der Warengenoſſenſchaft müſſe die
Gleichartigkeit und Güte der Waren angeſtrebt werden, denn das
ſei Vorausſetzung für den Erfolg. Man müſſe zu einer Nor=
mung
der Waren kommen. Die Warengenoſſenſchaften ſeien keine
Kreditgenoſſenſchaften, Barzahlung müſſe erſter Grundſatz ſein.
Eine Kreditgenoſſenſchaft dagegen, alſo ein Kreditinſtitut habe
die Aufgabe, aus eigenen und aus fremden Mitteln einen Grund=
ſtock
zur Ausleihung an Fremde bereitzuſtellen. Das Wirtſchafts=
leben
werde aber nicht allein durch Kredit beflügelt. Heute leide
man darunter, daß man der Kreditpſychoſe erlegen ſei. Es komme
darauf an, was der Kreditnehmer mit dem Kredit anfange. Wenn
der Kredit nicht ſchöpferiſch angelegt werde, ſo ſei er ein Fluch,
nicht ein Segen. Kredit, der durch Geſchäftserfolg nicht wieder
errungen und hereingeholt werde, führe zur Verpfändung. Nicht
neben ſondern vor der realen Sicherheit für Kredite ſei die Per=
ſönlichkeit
des Kreditnehmers und ſeine Tüchtigkeit, ſein Werk zu
prüfen. Er weiſe mit Nachdruck auf den Perſönlichkeitswert des
Kreditnehmers hin. Man müſſe bei Verleihung eines Geldbetra=
ges
genaueſtens die Verhältniſſe des Kreditnehmers prüfen. Ab=
geſehen
, von der heutigen Unſicherheit aller Grundſtückswerte, ſei
klar, daß nichts ſchwieriger als die Grundſtücksſchätzung ſei. Nach
Prüfung der perſönlichen und wirklichen Geſtaltung müſſe
dann auch für reale Sicherheiten geſorgt werden.
Man ſtehe heute in ſtäriſter Kriſenzeit, und eine Schicht
nach der anderen erleide den Zuſammenbruch. Auch der Hus=
beſitz
breche in ſich zuſammen, wenn durch die Ueberbeſteue=
rung
ſchließlich nichts mehr da ſei. Es komme der Tag, an dem
die Luſt der Sicherheit an Realwerten zur Laſt an der Realſicher=
heit
werde. Wenn man Kredite an induſtrielle Unternehmen gebe,
müſſe man zuerſt auf den Gang der Fabrik achten, denn eine
Fabrik, die nicht gehe, ſei wie ein Haufen unglücklich angeordneter
Steine, dann ſei ein gutgehender Friedhof ſchon beſſer als eine
ſchlechtgehende Fabrik. Wenn Betriebe beliehen würden, dann
nur auf der Grundlage verwertbarer Gegenſtände. Zu der Frage
der Höchſtkreditgrenze ſei zu bemerken, daß in Ziffern ausgedrückt,
der Höchſtkredit nicht über 100 000 Mk. hinausgehen ſoll. (wenn
nicht in großen Ausnahmefällen ein höherer Kredit berechtigt er=
ſcheine
). Der Mittelſtandskredit möge nicht über 30 000 Mk.
Höchſtarenze betragen. Mehr denn je ſei heute nötig, daß man
allen Anſtürmen gewachſen ſei. Erhaltung der Liquidität ſei eine
der wichtigſten Aufgaben für jeden Genoſſenſchaftler. Die Genoſ=
ſenſchaften
müßten innerhalb des Möglichen bleiben. Effekten=
geſchäfte
und Terminſpekulationen ſeien unbedingt auszuſchalten.
Die Genoſſenſchaft trete für Zinsſenkung und gegen jede
Zinstreiberei, aber auch gegen jeden politiſchen
Zins, ein. Die Politik habe nicht in die wirtſchaftlichen Geſetze
einzugreifen. Schließlich müſſe er betonen, daß es in der heutigen
Zeit unmöglich ſei, Geſchäfte ohne Verluſte zu machen. Man möge
aber keine Kredite geben, die man im Falle des Verluſtes nicht
vertreten könne. Man müſſe die Aufgaben erkennen: Vorſichtig,
umſichtig und tatbereit ſein. (Lebh. Beifall.)
Der Schlußbericht der Tagung und der Referate folgt morgen.

Geſchäftsſtenographenprüfung. An der Frühjahrsprüfung,
hausbeſitz ſei heute ſtark entrechtet. Freier Mietzins, Abbau deren Abſchluß jetzt vorliegt, haben die nachſtehenden Bewerber
onhard Grimm, Annelieſe Herter, Paula Häuſer. Gretel Kretſch=
mar
. Erna Kretſchmar, Marie Seipp. Ella Stay, Anna Wagner,
Leni Werner Emma Zündorf Darmſtadt: Anna Kaltwaſſer,
Eberſtadt: Emmi Neumann Griesheim; Emma Fink Traugott
Oppel. Luiſe Weber, Groß=Gerau: Elſe Boländer, Höchſt i. O.;
Eva Engel, Kelſterbach 180 Silben: Arnold Geider. Ludwig
Reichel. Lina Rettig, Käthe Sennert, Alexander Stier, Darmſtadt.
200 Silben: Maria Bitſch.*Heppenbeim.

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Nummer 129

Sonntag, den 10. Mai 1931

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Aus den darmfiter Aälielffellen.
Palaſt
bringt in ſeinem neuen Programm einen ganz ausgezeichneten
Unterhaltungfilm voll köſtlichen Humors, Nebbich! Wenn
Siegfried Arno die Hauptrolle ſpielt! Noch dazu, wenn er
ſie ſpielt als Moritz Maier, er alſo ſeine ganze Darſtellung auf
Nebbich einſrellen jann. Das mu ſchon eine koſtliche Sache
werden. Und wenn Jgo Sym und Willy Prager ſeine beiden
Onkel Maier u. Co. mimen. Und wenn er in Irene Am=
brus
eine ſo nette und in Anny Ann eine ſo feſche und chike
Partnerin findet. Und wenn endlich Jaap Speyer die
Regie führt!
Sicher. Siegfried Arno iſt einer der beſten und individuell=
ſten
Komiker des Films geworden und ſeine Verwendbarkeit iſt
durch den Tonfilm nicht behindert worden, ſondern ungemein er=
weitert
, weil zu dem ſympathiſchen Spiel des Künſtlers, der be=
ſonders
in den Rollen groß iſt, zu denen ſeine Naſe ihn prä=
deſtiniert
, kommt nun ſein noch ſympathiſcheres Organ. Was aber
ſeine Darſtellung, ſeinen köſtlichen Humor immer aufs neue wir=
kungsvollſt
geſtaltet, iſt, daß er ſich nie wiederholt, nie ſelbſt
kopiert. Daß er jeder neuen Rolle eine neue Nuance ſeines Hu=
mors
, ſeiner Komik zu geben weiß, die nicht nur an den Lach=
muskeln
zerrt, die auch Tränen erpreßt. Moritz macht
ſein Glück iſt dabei ein Film, der einmal eine nicht ſehr neue
Idee (Millionenerbſchaft) auf ganz neue und höchſt wirkſame Art
verarbeitet. Moritz erbt die Millionen gar nicht, weil er unter
hundert andern nicht der richtige Mayer iſt. Aber er bekommt die
Millionen trotzdem und dazu noch viel mehr. Wie, das ſoll nicht
verraten ſein. Das muß man ſelbſt ſehen und hören! *=
*
Die Neuauführung des Tonfilms Der unſterbliche Lump im
Union=Theater im Lichttonfaſſung. Tonlich ausgezeichnet und vor=
bildlich
photographiert, gehört dieſer Film zu den beſten, die bis
jetzt gedreht wurden. . . Mehr als jeder techniſche Fortſchritt
entſcheidet dennoch der gefühlsmäßige Wert der Handlung den
Erfolg des Films . . . In herrlichen Bildern und Tönen iſt das
Leben des Alpenbauern geſtaltet . In techniſcher Vollendung
und künſtleriſcher Höchſtleiſtung hat hier die Tonphotographie erſt=
klaſſig
die gleichzeitige Landſchafts= und Menſchenſchilderung ver=
ſtanden

Mit einer überragend großen Leiſtung ſtellt ſich
Guſtav Fröhlich in die Spitzengruppe der deutſchen Tonfilmſchau=
ſpieler
.. ſo ſuggeſtiv, daß einige Szenen faſt hypnotiſch wirken
und dem Gedächtnis lange Zeit nicht entfallen werden . . . Die
Verwandlung ſeines Geſichts iſt faſzinierend. Liane Haid Die
Innigkeit ihres Spiels gibt dem Film einen fraulich lieblichen
Duft . Der Münchener Komiker Ferdl Weiß erringt einen
großen Sondererfolg . . . Alles in allem es lohnt ſich, dieſes
Filmwerk zu ſehen.
Im Uniontheater läuft nur noch heute und morgen
Der unſterbliche Lump mit Liane Haid und Guſt. Fröhlich.
Jugendliche haben Zutritt.
Helig. Heute, vormittags 11.15 Uhr, findet im Helia=
theater
eine Film=Morgenfeier ſtatt, in der Kapitän Gunther
Plüſchows Silberkondor über Feuerland vorgeführt wird. Die=
ſer
ganz hervorragende Kulturfilm wurde von Plüſchow, dem
Flieger von Tſingtau, in zweijähriger Expedition geſchaffen.
Jugendliche haben Zutritt.
Das Heliatheater zeigt ebenfalls nur noch heute und
morgen den nach dem Doſtojewſkiſchen Roman gedrehten Tonfilm
Der Mörder Dimitri Karamaſoff Fritz Kortner, Anna Sten
und Bernhard Minetti ſpielen die Hauptrollen.
Palaſt=Lichtſpiele. Betrifft Millionenerbſchaft! Heißen
Sie Meier?. Sind Sie am 13 März 1911 geboren?? Ein Ame=
rikaner
Millionär ſucht ſein Kind, das er vor 20 Jahren, als er
aus Deutſchland auswanderte, hier zurückließ. Nähere Auskunft
gibt heute Siegfried Arno in dem humorvollen Tonfilm Moritz
macht ſein Glück, der in den Palaſt=Lichtſpielen in der Grafen=
ſtraße
gezeigt wird.
Im Kleinen Haus finden täglich drei Filmvorführungen
um 16, 18 und 20,20 Uhr ſtatt. Der Hauptfilm Vorunter=
ſuchung
nach dem gleichnamigen Bühnenſtück von Max Als=
berg
und Otto E. Heſſe fand auch bei dem Darmſtädter Publikum
und Preſſe großen Beifall. Vor allem intereſſieren die überragen=
den
ſchauſpieleriſchen Leiſtungen Albert Baſſermanns und Guſtav
Fröhlichs in den Rollen des Unterſuchungsrichters und des Stu=
denten
Fritz Bernt.
Aerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher Erkran=
kung
ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt
zu rufen. Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am Sonntag,
den 10. Mai 1931, folgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit:
Dr. med. Blach, Hügelſtraße 45, Telephon 1412: Dr. med Bön=
ning
, Erbacher Straße 8, Telephon 2020; Dr. med. Rahn,
Saalbauſtraße 76, Telephon 763.
Es verſehen den Sonntagsdienſt und in der daran ſich an=
ſchließenden
Woche den Nachtdienſt vom 9. Mai bis 13. Mai die
Merck’ſche Apotheke, Rheinſtraße 9, Beſſunger Apotheke,
Wittmannſtraße 1.

So geht die Sonne Gottes vom Morgen bis zum Abend
ihre Bahn. Dein Auge bemerkt keinen ihrer Schritte und dein
Ohr höret ihren Lauf nicht, aber bei ihrem Untergange weißt
du, daß ſie wieder aufſteht und fortwirkt, die Erde zu wärmen,
bis ihre Früchte reif ſind. Leſer, es iſt viel, was ich ſage. Aber
ich ſcheue mich nicht, es zu ſagen. Dieſes Bild der großen
Mutter, die über der Erde brütet, iſt das Bild eines jeden
Weibes, das ſeine Wohnſtube zum Heiligtum Gottes erhebt
und Mann und den Himmel verdient. Peſtalozzi.
Autoliſten. Soeben iſt die Autoliſte Nr. 62 erſchienen. Dieſe
verzeichnet alle Meldungen (Ab= und Zugänge) von Kraft=
fahrzeugen
jeder Artinden 18 Kreiſen desVolks=
ſtaates
Heſſen (Kennzeichen. 18 VR. V0) für die Zeit
vom 1630. April 1931. Die Autoliſten enthalten die An=
gaben
in derſelben Reihenfolge wie die Hauptausgabe: Name, Beruf,
Wohnort des Kraftfahrzeugbeſitzers. Type, Motornummer. Hub=
raum
in eam (und PS), Art des Fahrzeugs. Fabrikneue Wagen
ſind durch X kenntlich gemacht. Die Meldungen ſind geordnet
nach den drei Provinzen (V8, VR, V0) und Kreiſen, und innerhalb
dieſer nach Polizeierkennungsnummern. Abgemeldete Wagen wer=
den
beſonders geführt. Die Autoliſten ſind eine wichtige
Ergänzung des Auto=Adreßbuches (Adreßbuch der Kraftfahr=
zeugbeſitzer
im Volksſtaat Heſſen), Ausgabe 1929, und unent=
behrlich
, weil ſie laufend neueſtes Adreſſenmate=
rial
liefern. Sie erſcheinen alle 14 Tage, alſo monatlich zwei
Liſten. Die ſpäteſtens am 10. eines Monats ausgegebene Liſte
enthält die Meldungen vom 16. bis 30. (31.) des voraufgegange=
nen
Monats, und die ſpäteſtens am 25. eines Monats ausgege=
bene
Liſte die Meldungen vom 1. bis 15. des gleichen Monats.
Wegen des Bezugspreiſes vgl. Anzeige! Anfragen richte
man an den zuſtändigen Verlag L. C. Wittich in Darmſtadt.

Hausfrauenbund. Unſere Mitgliederverſammlung iſt Diens=
tag
, den 12 Mai, um 4 Uhr, im Gartenſaal des Saalbaues. Nach
der Kaffeeſtunde Vortrag mit Lichtbildern von Frau Elli Hoff=
mann
=Wiesbaden: Geſundheitliche und kulturelle Einflüſſe bei der
Entwicklung der Frauenkleidung. In Anbetracht dieſer ſehr inter=
eſſanten
Vorführung bitten wir um regſte Beteiligung.
Lokale Beranſtalkungen.
Die Herunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Sinwelſe auf Anzeigen zu keitrachten.
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Krile.
Die Kaufmänniſche Stenographen= Geſell=
ſchaft
veranſtaltet am Sonntag. dem 10. Mai d. J., nachmittags.
in Traiſa bei Gaſtwirt Walter (Heſſiſcher Hof) eine
Tanzunterhaltung.
Im Wiener=Kronenbräukeller findet bei gün=
ſtiger
Witterung heute das erſte Gartenkonzert bei freiem Ein=
tritt
ſtatt. (Siehe Inſerat.)
Orangeriehaus, Beſſunger Herrngarten, eröffnet
heute ſeinen Sommerbetrieb. Ab. 4 Uhr Kaffee=Konzert, abends
8 Uhr großes volkstümliches Konzert unter perſönlicher Leitung
von Herrn Kapellmeiſter W. Schlupp. Eintritt frei. (Siehe In=
ſerat
.)
Tagskalender für Sonntag, den 10. Mai 1931.
Heſſ. Landestheater. Großes Haus, Anfang 19 Uhr Ende
gegen 22,30 Uhr: Der Hauptmann von Köpenick‟ Darmſtädter
Volksbühne, Gruppe III und IV. ( 16. Kleines Haus, An=
fang
16, 18 und 20,20 Uhr: Ufa=Bildſpiele: Vorunterſuchung.
Konzerte: Zur Oper, Schloßkeller, Rheingauer Wein=
ſtube
, Datterich, Sportplatz=Reſtaurant am Böllenfalltor, Reſt.
Rhönring, Café und Bar Martini, Brauerei Schul. Sport=
Café=Reſtaurant am Meßplatz, Reichshof. Hotel=Reſtaurant
Poſt, Monopol, Zum Tropfſtein, Alter Ratskeller. Gaſthaus
zum roten Löwen, Orangeriehaus. Chauffehaus. Zum Hafer=
kaſten
, Rummelbräu, Wiener Kronenbräukeller, Café Jöſt,
Reſtaurant Bürgerhof, Schweizerhaus Eberſtadt. Ludwigshöhe
(4 Uhr). Kinovorſtellungen: Union= Helig= und
Palaſt=Lichtſpiele. Helia vormittags 11,15 Uhr: Silber=
kondor
über Feuerland. Verkaufs= u. Schaumeſſe
auf dem Meßplatz nochmals geöffnet.

Orpheum. Heute Sonntag und noch bis einſchließ=
lich
Mittwoch finden keine Vorſtellungen ſtatt. Der
Varieté=Spielplan Die große Parade wird zu einem
ſpäteren Termin abſolviert, da das Enſemble aus reiſe=
techniſchen
Gründen nicht eintreffen konnte ( Paßſchwierig=
keiten
). Donnerstag den 14. Mai, geben die berühm=
ten
und Deutſchlands beſten Jazz= und Schall=
platten
=Sänger genannt. Die Comedian Harmo=
niſts
, ein einmaliges Gaſtſpiel mit einem ganz erleſe=
nen
Programm. Die Preiſe ſind mäßig gehalten, von
1. Mk. an. Karten ſind ab heute im Verkehrsbüro und bei Hugo
de Waal erhältlich. (Siehe Anzeige.)
Neue Kurſe. Die Kaufmänniſche Stenographen=
Geſellſchaft eröffnet, wie aus dem Anzeigenteil unſeres Blat=
tes
erſichtlich, am Montag, den 11., und Mittwoch, den 13. Mai
1931., in ihren eigenen Unterrichtsräumen, Ecke Zeughaus=
und Schleiermacherſtraße. Eingang nur Schleiermacher=
ſtraße
, neue Lehrgänge für Anfänger in der Reichskurzſchrift. Die
Kurſe ſtehen unter bewährter Leitung, das Unterrichtsgeld iſt
niedrig bemeſſen und kann in Raten beglichen werden. Kurſe in
Maſchinenſchreiben für Anfänger nach der Zehnfinger=Blindſchreib=
Methode können täglich begonnen werden.
Aus den Parkeien.
Deutſche Volkspartei. Erneut wird auf die am kommenden
Dienstag, abends 8 Uhr, im Saal der Woogsturnhalle ſtattfin=
dende
große Kundgebung der Deutſchen Volkspartei hinge=
wieſen
, in der der volksparteiliche Reichstagsabgeordnete des
Wahlkreiſes Magdeburg, Generaloberſt von Seeckt; und der
Reichsparteiführer der D.VP. unſer heſiſcher Abgeordneter
Dingeldey ſprechen werden. Dingeldey iſt als landjähriger
Führer der heſſiſchen D.V.P. überall im Heſſenland beſtens be=
kannt
; er iſt in der kurzen Zeit, in der er Reichsführer der DV.P.
iſt, in die vorderſte Linie gerückt und wo immer er heute in
Deutſchland ſpricht, jubeln ihm Tauſende zu. Generaloberſt von
Seeckt, Offizier des alten Heeres, konnte vor drei Wochen
ſeinen 65. Geburtstag begehen. Als alter Generalſtäbler hat er
im Krieg eine außerordentlich ſchnelle Karriere gemacht, trat nach
dem Krieg zur Reichswehr über und war von 1920 bis 1926 Chef
der Heeresleitung. Er iſt als der eigentliche Schöpfer der deutſchen
Wehrmacht zu betrachten, denn wenn unſere Reichswehr heute
eine der beſten Truppen der Welt iſt, ſo iſt das Seeckts Ver=
dienſt
. Seeckt, den die Oeffentlichkeit gern als den Schweiger,
als die Sphinx bezeichnete, iſt nach ſeiner Wahl zum Reichs=
tagsabgeordneten
mehrfach in die Oeffentlichkeit getreten und
hat durch ſeine große Sachkenntnis und ſeine Arbeit für den deut=
ſchen
Wehrgedanken im In= und Ausland neue Bedeutung ge=
funden
. Die Darmſtädter Bevölkerung wird ſich die Gelegenheit,
zwei der bedeutendſter Politiker der Gegenwart zu hören, nicht
entgehen laſſen, ſo daß mit einem Maſſenbeſuch zu rechnen iſt.
Näheres wolle man aus dem heutigen Inſerat erſehen.
Deutſche Volkspartei, Frauengruppe Am
Mittwoch den 13. Mai, nachmittags 4 Uhr, treffen ſich die Frauen
der D.V.P. wieder auf dem Heiligen Kreuz. Da es uns zu unſe=
rer
Freude gelungen iſt, Frau Abg. Birnbaum zu einem Vortrag
zu gewinnen, bitten wir um beſonders zahlreiches Erſcheinen.
In einer Landesverſammlung der Demokra=
tiſchen
Vereinigung in Heſſen wurde nach ausgiebiger
Ausſprache mit allen Stimmen bei 2 Enthaltungen folgender Be=
ſchluß
gefaßt: Die heutige Landesverſammlung der Demokratiſchen
Vereinigung in Heſſen empfiehlt ihren Ortsgruppen und ihren
Einzelmitgliedern den Anſchluß an die Radikaldemokratiſche Par=
tei
Deutſchlands. Außerdem wurde, dem Abgeordneten Reiber
von der Demokratiſchen Vereinigung für ſeinen Kampf gegen die
Verlegung des Pädagogiſchen Inſtituts Darmſtadt nach Mainz
einſtimmig der Dank ausgeſprochen. Den Schluß der Tagung
füllte ein Referat des Abg. Reiber über die Beratung des heſſi=
ſchen
Staatsvoranſchlages aus.

HEUTE

ein wunderschöner Frühlings-
Sonntag in
WIESBADEN
Vormittags: Fabelhafte Automobile auf der
Schönheits-Konkurrenz.
Nachmittags:Die hochinteressanten
Schlußrunden des internatio-
nalen
Tennis-Turniers.
(VT 7380

IV 3585
TAoLLOTL LLO TALLAALOL
SLOOLIoore V OSabZLO
Kaufen Sie eine Packung Greiling SchwarzWeiß. Verglei=

chen Sie diese Zigarette sehr genau mit der bisher ge-
rauchten
Marke, prüfen Sie streng, aber denken Sie nicht
daran, daß Sie nur 40 Pfg. dafür bezahlt haben. Wenn Sie
sich nicht selbst einreden, sie müsse schlechter sein, weil
sie billiger ist, dann werden Sie zu einem überraschend

Mit Godd und
BafTchüru. We

[ ][  ][ ]

Seite 8

Sonntag, den 10. Mai 1931.

Gauſeſt des Bundes Deutſcher Jugendvereine
in Sprendlingen und Dreieichenhain.
Einen beſſeren Platz wie Sprendlingen und Dreieichenhain
hätte ſich der Gau Heſſen=Darmſtadt im B.D. J. nicht leicht ſuchen
können: mitten drin liegt die Dreieich im Heſſenland, ſo daß es
ſelbſt für die fernen Bingener, Gießener oder Beerfeldener gut
möglich war, zu erſcheinen. Eiſenbahn oder Fahrrad brachten die
einzelnen Trupps hierher, die im ſchönen Sprendlinger evangeli=
ſchen
Gemeindehaus ihre Bleibenkarten holten und nun die
Mädchen in Familien, die Buben im Stroh behagliche Unter=
kunft
fanden. Der große Saal im Gemeindehaus faßte am Abend
kaum mehr die über 500 Beſucher, zu denen zuerſt als Gaſt Schul=
rat
Haſſinger, der allzeit bereite und helfende Jugendfreund,
herzliche Grußworte ſprach. Den Hauptvortrag hielt Pfarrer
Goethe=Darmſtadt über das Thema Deutſches Volk,
Er legte dar: Wo iſt das deutſche Volk? Ueberall da, wo Deutſche
wohnen? Wo man im In= und Ausland deutſch ſpricht und
deutſche Sitte pflegt, wo man jene beſonderen Merkmale deut=
ſchen
Weſens: Gemütstiefe Gründlichkeit Tiefe und Treue, An=
paſſungsfähigkeit
, Tat= und Kampffreudigkeit findet, wo man
etwas vom gemeinſamen Blut ſpürt?, (ohne es nur ſcheinbar
wiſſenſchaftlich einer genauen Unterſuchung unterziehen zu wollen),
Oder iſt es nicht beſchränkt auf die deutſche Heimatland=
ſchaft
, die mit ihrer Mannigfaltigkeit bald weite Ebene und
Meer, bald enges Gebirgstal, bald harter Boden, bald zum Träu=
men
reizende Heide oder Buchenwald mit ihren offenen Gren=
zen
und von außen kommenden und nach dem Ausland führenden
Waſſerſtraßen den deutſchen Menſchen bilden half?
Oder hat nicht erſt die Geſchichte, die den deutſchen Staat
werden ließ, das deutſche Volk geſchaffen? War ſie es nicht, die
den Deutſchen immer wieder aufs neue zum Kampf zwang um
den Schutz der offenen Grenzen, die langſam im Innern die Klein=
ſtaaterei
überwand, die das Volk von einer gewiſſen organiſchen
Einheit kunſtfrohen Schaffens der Stände im Mittelalter hin=
führte
bis zu dem Rennen und Haſten des Maſſen= und Induſtrie=
volks
unſerer Tage? Die deutſche Männer und Frauen hervor=
brachte
vom großen Karl bis zu Gutenberg, Kant, Goethe und
ſchließlich Zeppelin und Hindenburg? Gewiß, das alles iſt deut=
ſches
Volk deutſche Art und deutſches Blut. deutſche Landſchaft
und deutſche Geſchichte, und doch, wo iſt heute der deutſche Menſch,
das deutſche Volk? Verheißung iſt es und Ideal Wirk=
lichkeit
kann es nur dadurch werden, daß es von Gott zum
Volk aufgerufen wird. Nur das zeugende Wort Gottes ſchafft
Wirklichkeit in der Zeit. Alle Völker verſchwinden bedeutungs=
los
im Strom der Welt. Nur die ſind einmal wirklich Volk ge=
worden
, die ſich bedingungslos unter den Willen Gottes ſtellten
Die Geſchichte Iſraels zeigt, wie Gott ein paar Stämme aufrief
zu ſeinem Volk, und wie es ſein Kronrecht ungehorſam fürs erſte
verſpielt hat. Erſt wenn wir Deutſche wieder glauben lernen an
die Wahrheit Gottes, und alles aus ihm heraus tun, werden wir
den Ruf hören, der gerade an uns ergeht und das deutſche Weſen
erfüllen wird. Dann kann es nicht anders ſein, als daß deutſche
Gemütstiefe von Sentimentalität und Spießbürgerei oder welt=
fernem
Idealismus erlöſt wird zu dem Blick hinter die Dinge
des Tages in die lebendige Gottesordnung hinein, die den Sinn
und das Bild des Einzelnen wie der Lebenskreiſe neu enthüllt;
die dem immer neu Gehorſamen Gottes Sachlichkeit hineinrückt
in die ſcheinbar eigengeſetzliche Sachlichkeit unſerer heutigen Wirt=
ſchaft
und Politik; die den Einzelnen immer wieder über ſich und
ſeine Gruppe hinaus aufs Ganze weiſt, nicht nur des Volkes, ſon=
dern
auch des Volks unter den Völkern als Werkzeug des Reiches
Gottes auf Erden; die nicht vorzeitige, ſchnelle Löſungen mit dem
Schwert vorſchreibt oder bei Parteiprogrammen ſtehen bleibt, ſon=
dern
zum Kampf aufruft für Gottes Sache, für die Macht gött=
licher
Liebe, die noch ganz anders ſchöpferiſches Leben zu wecken
verſteht als die Frühlingsſonne draußen, die ja ſchon Kräfte wach=
ruft
, die Felſen ſprengen können. Ein Volk, das ſo in Gottes
Ruf und Führung ſicher ſteht, wird wirklich Volk, auch wenn
alle Mächte der Erde ſich dagegen verbinden, und tauſendmal der
Anſchein ſolchen Glauben zu erſchüttern verſucht.
Ein Abendlied auf dem Lindenplatz beſchloß den Tag.
Der frühe Morgenſonnenſchein fand auf dem ſchönen Raſen
des herrlichen Sprendlinger Sportplatzes ſchon um 6.30 Uhr in
zwei Gruppen Hunderte von Buben und Mädchen bei Körper=
ſchule
und Spiel unter der Leitung des Bundesſportwarts
Pfarrer Petri=Sprendlingen. Ein erquickendes Brauſebad,
das Morgenfrühſtück, dann ſtand die ganze Schar feſtlich gekleidet
zum Gottesdienſt vor der Kirche. Aber der Raum erwies
ſich als zu klein. Doch jugendliche Menſchen finden immer einen
Ausweg zum wartenden Leben: War es nicht noch viel ſchöner
draußen im Grasgarten hinter der Kirche, wo unter dem blühen=
den
Kirſchbaum vor einem Halbkreis bunter Wimpel Pfarrer
Rieber von Offenbach zu dem Ring feſtfroher Menſchen, die
ſich vor ihm gelagert hatten, über 1. Petrus 2,9 predigte: wie er
von den Toten, die im alten Friedhof unter den Füßen der Zu=
hörer
lagen, den Faden wachstümlichen Lebens ſpann hin zu den
Lebendigen in Dorf und Land, die berufen ſind, heiliges Volk zu
werden in Hingabe und Treue. Die Darmſtädter Kurrende der
Johannesgemeine ſang dazu ſchöne Kanons und Choräle. Am
gleichen Platz fand die Gauverſammlung ſtatt, in der über
alle Zweige der Arbeit berichtet wurde. Nach dem Mittageſſen
in den gaſtlichen Bürgerhäuſern und im Gemeindehaus und nach
kurzen Beſprechungen der Fähnleinsführer und der Mäd=
chengruppenführerinnen
zog der Zug der 5600 Buben und Mäd=
chen
, die Jungenſchaften in der gleichen grünen Tracht, ſingend
und ſpielend durchs Dorf hinaus zum nahen Dreieichenhain, das
im feſtlichen Tumult der erſten Aufführung der Burgfeſt=
ſpiele
entgegenſah. Die Jugend aber marſchierte zuerſt in einen
ſtillen, entlegenen Teil der alten Burg, wo zwiſchen den hoch=
ragenden
Mauern inmitten der bunten jungen Schar der Gau=
graf
Pfarrer Goethe=Darmſtadt 7 neue Bünde aufnahm und ihre
Speere mit dem Bundeswimpel ſchmückte. Der Landesver=
bandsleiter
, Pfarrer Wintermann=Frankfurt a. M.,
grüßte den Gau mit herzlichen Worten. Und nun hob drüben
im großen Burghof im Kreis von mehr als 1000 Zuſchauern, die
Alten umſäumt von den Wimpeln der Jungen, ein ſo köſtlich fro=
hes
Spielen an, daß allen das Herz leicht und froh wurde: ein
anſpruchloſes ſchelmiſches Spiel von Zucht und Liebe von anno
dazumal. alte Lieder und Tänze, daß man die ſchwere Gegenwart
ganz vergaß und deutſcher Art froh ward. Fein hat das alles
der Ortspfarrer Creter mit ſeinen Burſchen und Mäd=
chen
einſtudiert Kein Wunder, daß nun die heimkehrenden Jugend=
ſcharen
ſo fröhlich und dankbar ſangen bis in den Heimatort
hinein; haben ſie doch nicht nur Worte über das Volk gehört, ſon=
dern
auch ein Stücklein werdendes Volk geſchaut und geſpürt.

J. Griesheim, 9. Mai. Anläßlich eines Gewitters am Donners=
tag
vormittag breitete ſich über unſerer Gemarkung ein wolkenbruch=
artiger
Regen aus, durch den die tiefer gelegenen Straßen längere Zeit
ganz unter Waſſer ſtanden. Durch die gewaltigen Regenmaſſen, die bis
in die Nacht hinein niedergingen, wurden im unteren Ortsteile eine
größere Anzahl von Kellern unter Waſſer geſetzt. Die Bemarkungs=
teile
Holzſpiel, Bruch, Zeil und Brückle waren zu einem See verwandelt
und nicht paſſierbar. Wie feſtgeſtellt worden iſt, ſoll die Frühkartoffel=
ausſaat
in dieſen Gebieten zu einem großen Teil vernichtet worden ſein.
Die Hauptſchuld an der Ueberſchwemmung ſollen die überaus umfang=
reichen
Waſſermaſſen, die durch die Landwehr aus der Stadt Darmſtadt
der hieſigen Gemarkung zugeleitet wurden, gewefen ſein. Die Bücher=
ausleihungen
in der hieſigen Volksbücherei, finden auch in den
Sommermonaten jeden Mittwoch abend von 89 Uhr ſtatt. Die =
cherausgabe
an den Sonntagen nimmt mit dem morgigen Sonntag ihr
Ende. Am Montag, 11. Mai, abends 8 Uhr, wird die Gräſere:
im Unternfeld auf, dem Rahaus öffentlich verſteigert. Das 6. Ziel
der Gemeinde=, Kreis= und Provinzial=Umlagen für das Ni. 1930 ſowie
das 1. und 2. Ziel der Bürgerſteuer für 1930 ſind bis ſpäteſtens 20. Mai
d. J8. an die Gemeindetaſſe zu zahlen. Nach dieſem Zeitpunkt erfolgt
ohne weitere Mahnung Pfändung.
J. Griesheim, 9. Mai. Statiſtiſches aus der Schule. Im
Schuljahre 1931/32 beträgt die Geſamtſchülerzahl 936 gegen 876 im Vor=
jahre
. Es ſind 480 Knaben und 456 Mädchen. Die Schülerzahl verteilt
ſich für das erſte bis achte Schuljahr wie folgt: 131, 136, 130, 120, 118.
166, 80, 55. Dem Bekenntnis nach ſind 886 ebangeliſch, 18 katholiſch.
4 iſrgelitiſch und 48 ſonſtige (freireligiös, Freidenker apoſtoliſch). Fünf
Knaben und zwei Mädchen traten am Anfang des Schuljahres in eine
Höhere Lehranſtalt über. Unſere Berufsſchule zählt 7 Mädchen= und
5 Knabenklaſſen. Letztere gliedern ſich in vier gewerbliche Klaſſen mit
Zeichnen und eine allgemeine Klaſſe für Bäcker, Metzger, Landwirte
un ungelernte Arbeiter. An der Schule wirken zurzeit 12 Lehrer, 8
Lehrerinnen, 1 Schulverwalterin 1 Schulamtsanwärter, 1 Hilfsſchul=
lehrerin
, 1 Gewerbelehrer, 1 Berufsſchullehrer und 2 techniſche Leh=
rerinnen
.
4a. Eberſtadt, 9, Mai. Die Modau führt infolge der ſtarken
Gewitterregen, die am Donnerstag im vorderen Odenmald nieder=
gingen
, Hochwaſſer mit ſich. Seit Freitag mittag iſt das Waſſer aller=
dings
im Fallen begriffen.

Dd. Arheilgen, 9. Mai. Proteſtverſammlung. Handwer=
ker
, Gewerbetreibende, Hausbeſitzer und Landwirte hatten ſich geſtern
abend zu einer großen Proteſtkundgebung gegen die neuen Realſteuer=
erhöhungen
im großen Saal des Gaſthauſes Zum weißen Schwanen
verſammelt. Herr Gemeinderat Jörges, der Vorſitzende des hieſigen
Hausbeſitzervereins, begrüßte die zahlreich erſchienenen Zuhörer und
ſtellte die Redner des Abends, Herrn Ziegler, Syndikus der Haus=
beſitzervereine
, Herrn Dr. Mattern. Shndikus der Handwerkskam=
mer
, Herr Dümas, Geſchäftsführer des Heſſiſchen Landbundes, und
Herrn Weißer, Syndikus des Offenbacher Hausbeſitzervereins, vor.
In ſehr temperamentvollen Anſprachen gingen die Redner gegen die
von der Heſſiſchen Regierung unternommene Erhöhung der Realſteuern
vor. Es wurde von allen Rednern betont, daß auf ſteuerlichem Gebiete
die Intereſſen der drei einladenden Berufsſtände ſehr eng miteinander
verbunden ſind, da der Wohlſtand des einen abhängig ſei von dem des
anderen. Die drei Verbände ſollten zeigen, daß es ihnen wirklich ernſt
ſei mit ihren Steuerforderungen, und ſich zuſammenſchließen, um der
Weimarer Koalition im Herbſt bei den Neuwahlen die gebührende Ant=
Spengler, und die Herren Referenten des Abends beteiligten, beſchloß
die Kundgebung. Herr Jörges dankte den Rednern für ihre Ausführun= dere Neigung zur Stoffausſcheidung beſitzt. Nehmen Sie früh,
nahme fand.

Cp. Pfungſtadt, 9. Mai. Zur Bekämpfung der Schwarz=
arbeit
, hat der Ausſchuß des Ortsgewerbevereins ( Handwerkerver=
einigung
) beſchloſſen, daß in Zukunft alle bekannt werdenden Schwarz=
arbeiten
unverzüglich dem zuſtändigen Arbeitsamt und Finanzamt ge=
meldet
werden. Ferner ſollen alle Auftraggeber, die Schwarzarbeit
ausführen laſſen, öffentlich bekanntgegeben werden.
Cp. Pfungſtadt, 9. Mai. Hohes Alter. Am Sonntag
kann Frau Kathar, Frankenberger in der Rheinſtraße ihren
83. Geburtstag begehen. Der Rinderzuchtverein, hält am
Sonntag nachmittag ſeine diesjährige Generalverſammlung im Rheini=
ſchen
Hof ab. Nach Erledigung der ſatzungsgemäßen Tagesordnung
hält der Generalſekretär der Landwirtſchaftskammer Dr. Rothert einen
Vortrag. In Geſtalt eines kommunal= und ſteuerpolitiſchen Abends
hielt geſtern Bürgermeiſter und Landtagsabgeordneter Dr. Niepoth
einen Vortrag über Kommunalpolitik. Der Redner ging zunächſt auf
die Entwicklung der kommunglpolitiſchen Verhältniſſe ein und ging
dann zur Beſprechung der gegenwärtigen Lage über. Dabei erklärte er,
die Deutſche Volkspartei habe es ſich zur Aufgabe gemacht, die maßlofe
Steuerpolitik in allen Körperſchaften zu bekämpfen. Nur durch Spar=
ſamkeit
auf allen Gebieten ſeien Steuererhöhungen zu vermeiden. Nach
dem Referat fand eine Diskuſſion ſtatt.
n. Groß=Bieberau, 9. Mai. Seit 25 Jahren iſt Herr Bahnmeiſter
Schön im Dienſte der Süddeutſchen Eiſenbahngeſellſchaft und zählt zu
ihren tüchtigſten Beamten. Die Direktion hatte ihm neben einer an=
ſehnlichen
Gratifikation ein ehrenvolles Glückwunſchſchreiben geſandt mit
dem Wunſche, daß er noch recht lange mit aller Kraft ihnen dienen
möge. Seine Beſcheidenheit und auch die Not der Zeit ließen ihn von
einer allgemeinen Feier abſehen. Nur ſeine näheren Freunde fanden
ſich zu einer Feierſtunde zuſammen. Es iſt der Wunſch Groß=Bieberaus,
daß es Herrn Schön, deſſen Rat und Urteil man hoch ſchätzt, vergönnt
ſein möge, noch viele Jahre hier zu wirken.
Do. Kirch=Brombach, 9 Mai Neubeſetzung der Gemeinde=
rechnerſtelle
. Nachdem der ſeitherige langjährige und verdiente
Gemeinderechner, Herr Guſtav Eidenmüller, infolge ſeines Geſundheits=
zuſtandes
ſein Rechneramt der Gemeinde zur Verfügung geſtellt hat,
iſt die Stelle bereits wieder vom Gemeinderat zur Neubeſetzung aus=
geſchrieben
worden. Wie begehrt ein ſolcher Poſten bei den derzeitigen
mißlichen wirtſchaftlichen Verhältniſſe iſt, beweiſt der Umſtand, daß nicht
weniger als zwölf Meldungen ſowohl von ortsanſäſſigen als auch von
auswärts wohnenden Kirch=Brombachern eingegangen ſind. Der Ge=
meinderat
wird ſich nun in kürzeſter Zeit mit einer Ausleſe unter den
Bewerbern zu befaſſen haben.
b. Erbach, 9. Mai. Straßenſperre. Wegen Ausführung von
Wegbauarbeiten iſt die Provinzialſtraße von Wegſcheide nach Hüttental
im Zuge der Provinzialſtraße HeppenheimEbersberg vom 11. Mai ab
bis zum 20. Juni für Kraftfahrzeuge und Fuhrwerke aller Art geſperrt.
Die Umleitung für den Durchgangsverkehr führt über Unter=Oſtern
Rohrbach, Ober=Moſſau, Unter=Moſſau. Der Poſtkraftwagenverkehr auf
der vorgenannten Strecke wird vorläufig durch Umſteigen aufrecht erhal=
ten
. Die Fahrt 3 der Linie Erbach-Heppenheim wird daher bereits
um 8.2 Uhr ab Marktplatz in Erbach, die Fahrt um 15.20 Uhr ab Er=
bach
Marktplatz angetreten. Brandſtifter? Im Verdachte der
Brandſtiftung bezüglich der im vergangenen Jahre in Erbach und in
Hiltersklingen ausgebrochenen zahlreichen Brände wurde, wie wir er=
fahren
, dieſer Tage durch die Landeskriminalpolizei ein junger Mann
aus Hiltersklingen verhaftet, der in das Landgerichtsgefängnis Darm=
ſtadt
eingeliefert wurde. Hoffentlich gelingt es, den Schurken, der grö=
ßere
Vermögenswerte vernichtet hat, zu faſſen Gemeinderats=
ſitzung
. Eine Gemeinderatsſitzung mit äußerſt reichhaltiger Tages=
ordnung
findet am Dienstag, 12. Mai, nachmittags 6 Uhr, im Rathaus=
ſaale
zu Erbach ſtatt. Auf der Tagesordnung ſtehen u. a. Berichte des
Verkehrs= und Wirtſchaftsausſchuſſes, der Lotteriekommiſſion, der land=
wirtſchaftlichen
Kommiſſion, der Baukommiſſion und der Kreiskranken=
hausdeputation
. Weiter wird zur Verhandlung ein Antrag der Stadt
Michelſtadt kommen, der von der Stadt Erbach einen Zuſchuß zu den
Koſten der Oberrealſchule in Michelſtadt fordert. Der Einwohnerſchaft
iſt dieſe Sitzung (öffentlich) zum Beſuch dringend zu empfehlen.
Ct. Hetzbach, 9. Mai, Weideauftrieb. Das frühere Hofgut
Etzean iſt zurzeit im Beſitze der Landwirtſchaftskammer, die dasſelbe
überwiegend zur Weide angelegt hat. Einen Beweis, welch glückliche
Hand der Landwirtſchaftskammerausſchuß mit dem Unternehmen hatte,
bietet der Umſtand, daß der Etzeaner Hof, die Provinzialjungviehweide
Starkenburgs, von dem Tierzüchter bevorzugt wird und begehrt iſt.
Am 7. d. M. erfolgte der Weideauftrieb. Schon in den Vormittagsſtun=
den
füllte den Bahnhof Hetzbach eine ſchöne Fülle von Viehtransport=
wagen
, daß die Züge der Odenwaldſtrecke Verſpätungen erfahren muß=
ten
. Unaufhörlicher Regen erſchwerte leider dem Jungvieh den An=

marſch und ſeinen erſten Weidegang; immerhin ſichert derſelbe anderer=
ſeits
die erſte Futterſchur. Wünſchen wir dem Jungvieh und der Weide
ſelbſt einen gleich guten Erfolg wie im Vorjahre.

wort zu erteilen. Eine ſehr lebhafte Diskuſſion an der ſich der Beige= Entfettungs=Kuren im Frühling
ordnete von Wishauſen, herr Bauer, der hieſige Beigeordnete, Herk ſind ſehr einpfehlenswert, weil der Körper gerade jetzt eine beſon=
gen
und brachte eine Reſolution zur Verleſung, die einſtimmige An= mittags und abends 23 Toluba=Kerne, die Sie in Apo=
theken
erhalten.
(IBln 379

Nummer 129
Ueberſchwemmung im Rodgau.
Bh. Dudenhofen, 9. Mai. Die heftigen Gewitterregen, an manchen
Stellen ſogar wolkenbruchartige Regengüſſe, die über dem Rodgau
niedergingen, führten wieder zu Ueberſchwemmungen, wie ſie in den
letzten Jahren nicht da waren. Bei Einbruch der Nacht brachte die
Rodau gewaltige Waſſermengen, die das ganze Tal unter Waſſer ſetzten.
Der ganze an der Nodau hinziehende Wieſengrund glich einem großen
See, aber auch zahlreiche tiefliegende Aecker und Gärten wurden unter
Waſſer geſetzt. Der Schaden, der an dem beſtellten Felde und in den
Gemüſegärten angerichtet wurde, läßt ſich heute noch nicht überſehen,
da ſich die Waſſermaſſen noch nicht verlaufen haben. Jedenfalls ſind
viele Landwirte wieder ganz empfindlich geſchädigt worden, was in
dieſer ſchweren Zeit doppelt bedauerlich iſt. Die gewaltigſten Waſſer=
maſſen
brachte die Nodau Donnerstag abend zwiſchen 9 und 12 Uhr.
Da die Lage für die am tiefſten liegenden Ortsteile, den Ortsausgang
nach Fügesheim und den nach Babenhauſen zu, bedrohlich zu werden
ſchien, wurde die Freiwillige Feuerwehr glarmiert, die ſtändig den
Waſſerſtand prüfte und am Ortsausgang nach Jügesheim eine Wache
mit Fackeln aufſtellte, da an dieſer Stelle die Straße bis weit in das
Dorf hinein überflutet war. Kraftfahrzeuge und Fuhrwerke mußten
umgeleitet werden. Viele Hofreiten ſtanden vollſtändig unter Waſſer,
ſo daß das Vieh in höhergelegene Stallungen gebracht werden mußte.
Auf alle mögliche Weiſe ſuchten ſich die bedrohten Hofbeſitzer des an=
ſtürmenden
Waſſers zu erwehren. Hohe Sand= oder Miſthaufen wurden
vor die Häuſer und Höfe geſetzt. Aber das Waſſer fand doch ſeinen
Weg in die Höfe und Kellex. Auch in dem Ortsteil nach Babenhauſen
zu waren mehrere Gehöfte durch die Waſſermaſſen von der Umwelt
abgeſchloſſen. Freitag morgen war der Waſſerſtand nur ganz wenig
geſunken, und immer weitere große Waſſermaſſen ſtrömten durch den
Wieſengrund und über die bereits beſtellten Gärten. Auch aus den um=
liegenden
Orten werden große Ueberſchwemmungen gemeldet, die die
Erinnerung an die größte Ueberſchwemmung in unſerer Gegend im
Jahre 1910 wachriefen. Damals nußte ſogar der Straßendamm der
Straße nach Jügesheim an mehreren Stellen durchbrochen werden, um
den ungeheuren Waſſermaſſen einen Abfluß zu ſchaffen.
Bn. Hirſchhorn, 9. Mai Hochwaſſer. Durch die im Oberr 5
des Neckars Mittwoch und Donnerstag niedergegangenen Wolkenbrüch
iſt der Neckar, ſowie der Lachsbach über ihre Ufer getreten. Das ganze
Neckartal gleicht einem großen See. Oberhalb des Städtchens bei dem
Stauſtufenbau iſt die Straßenböſchung infolge Unterſpülung eingerutſcht,
wodurch der geſamte Verkehr= umgeleitet werden mußte, zumal noch
weiteres Nachrutſchen zu befürchten iſt. Die an der Stadtmauer entlang
liegenden Häuſer, ſowie die Wohnungen am ſogenannten. Alten Weg
(Nektor Debo und eval. Pfarrhaus) ſtehen im Waſſer. Die Anlagen
des Sportplatzes, wie Einzäunung, Tore, einbetonierte Recks ſind von
den reißenden Fluten weggeriſſen. Auch das Sägewerk des Herrn Franz
Grimm ſteht vollſtändig im Waſſer. Auch ſind hier eine größere Menge
Holz weggetrieben. Das Waſſer iſt z. Zt. immer noch im Steigen be=
griffen
und hat bald die Höhe von Weihnachten 1919 erreicht.
Dr. Neckauſteinach, 9. Mai. Durch anhaltenden Regen am Donners=
tag
bringt der Neckar gewaltige Waſſermaſſen zu Tal. Das Steigen des
Waſſers begann am Nachmittag um 4 Uhr. Da es am Abend und in der
Nacht noch fortgeſetzt regnete, hatte das Waſſer am Freitag das Neckar=
ufer
vollkommen überſchwemmt. Der Uferplatz, der ſogenannte Lauer,
liegt 2,30 Meter unter Waſſer. Der Fährbetrieb nach dem anderen
Ufer iſt für Fahrzeuge eingeſtellt, Perſonen können noch durch ein Mo=
törboot
übergeſetzt werden. Die Schleuſenanlagen unter dem Wehr ſind
von den Waſſermaſſen überflutet. Vom Walzenwehr ſind 2 Walzen
hochgezogen um dem Waſſer freien Lauf zu laſſen; die 3. Walze konnte
bis jetzt nicht hochgezogen werden, da ſich über derſelben am Pfeiler
ein Gerüſt befindet. Außerdem bringt der Neckar viel Bauholz, das
von den Bauſtellen Nockenau und Hirſchhorn fortgeſchwemmt wird.
Grensheim a. Rh. 9. Mai. Waſſerſtand des Rheins
am 8. 5. d M.: 1,93 Meter, am 9. d. M.: 3,80 Meter.

Stuhlverſtopfung. Nach den an den Kliniken für innere Krank
heiten geſammelten Erfahrungen iſt das natürliche Franz=Joſef=
Bitterwaſſer ein äußerſt wohltuendes Abführmittel. (UF.96

Europas größtes Automobilwerk.
Jede Minute verläßt ein Wagen das Band in den Pariſer
Citroen=Fahriken. Dieſes größte Automobilunternehmen Euro=
pas
umfaßt ſechs gewaltige Werke, in denen 20 000 Arbeiter an
15 000 Arbeitsmaſchinen modernſter Konſtruktion, zu deren An=
trieb
nicht weniger als 30 000 PS notwendig ſind, die weltbe=
kannten
Wagen herſtellen. Eine ſolch große Produkrion, die trotz
der wirtſchaftlichen Depreſſion in der ganzen Welt bisher reſt=
los
abgeſetzt werden konnte, ſetzt Einhaltung größter Qualität
voraus. Ebenſo ſelbſtverſtändlich iſt es, daß bei gleicher Qualität
ein in ſo großen Serien arbeitendes Werk die niedrigſten Ge=
ſtehungskoſten
und dementſprechend billigſten Verkaufspreiſe hat.
Die Kapazität des Hauptwerkes und deſſen reiche Erfahrungen
kommen auch dem deutſchen Käufer zugute, der von deutſchen Ar=
beitern
unter Verwendung deutſchen Materials in Köln mon=
tierte
Wagen geliefert erhält. Es wird aber nicht nur im deut=
ſchen
Montagewerk deutſches Material in großem Umfang ver=
wendet
, ſondern das Pariſer Hauptwerk bezieht in größtem und
noch ſtändig ſteigendem Maße deutſche Rohſtoffe und Halbfabri=
kate
für ſeine internationale Geſamtproduktion. Heute überſtei=
gen
die von Citroön aus Deutſchland bezogenen Materialien wert=
mäßig
ganz erheblich die nach Deutſchland zur Montage einge=
führten
Einzelteile.

Nordlandzauber.
In den kommenden Sommermonaten wird das Nordland wie=
der
das Ziel vieler naturliebender, ſchönheitsfreudiger Wanderer
ſein. In dieſe prächtige Naturwelt führen die in der Zeit vom
Juni bis September geplanten Nordlandfahrten der Hamburg
Amerika=Linie, deren Programm außerdem noch die ſonnenüber=
ſtrahlten
Eisbuchten Spitzbergens, Islands hiſtoriſche Stätten,
Schottland, Schweden. Dänemark und die übrigen Oſtſeeländer
umfaßt. Das Programm bietet dem Nordlandfreund kurze Fahrten,
wie die elftägige Fjordreiſe des Vergnügungsreiſen=Dampfers
Oceana, Reiſen mittlerer Länge, wie die ſechszehntägigen Nord=
kapfahrten
der Oceana und ſchließlich ausgedehntere Reiſen, wie
die Schottland= Island= Spitzbergen= und Norwegenfahrt des
Dreiſchrauben=Luxusdampfers Reſolute und die Skandinavien=
und Oſtſeefahrt der Oceana. (Siehe Anzeige.)
Mehr Schadensleiſtungen gleiche Dividende.
Es iſt ein erfreuliches Zeichen innerer Stärke, wenn eine
Krankenverſicherungsgeſellſchaft trotz erheblich geſteigerter Scha=
densleiſtungen
an ihre Mitglieder die gleiche Dividende ausſchüt=
ten
kann, die ſie im wirtſchaftlich weſentlich leichteren Vorjahr
verteilte. In dieſer, für die bei ihr Verſicherten glücklichen Lage,
iſt die Vereinigte Krankenverſicherungs=A.=G. vorm. Gedevag,
Kosmos und Selbſthilfe, deren Geſchäftsbericht für das Jahr 1930
intereſſante Einzelheiten über die verſtändliche Weiterentwicklung
des Gedankens freiwilliger Krankenverſicherungsnahme gibt.
(Siehe Anzeige.)

Die kühlere Luft über den Britiſchen Inſeln iſt nach dem
Feſtland vorgeſchritten und hat das Nordſeeküſtengebiet und
Frankreich erreicht. Mit ihrem Einbruch iſt auch der hohe Druck
nach dem Feſtland gelangt und hat eine Hochdruckbrücke von
Spanien nach dem Nordmeer geſchaffen. Obwohl dadurch etwas
beſſeres Wetter zu erwarten iſt, ſo dürfte die Nordweſtluft bei uns
Anlaß zu einzelnen Gewitterſtörungen geben. Die Ausſichten auf
beſtändigeres Wetter ſind zurzeit wieder bedroht, denn über Ir=
land
ſtellt ſich neuer Luftdruckfall ein, ſo daß für Anfang der kom=
menden
Woche ſich erneuter Störungseinfluß bemerkbar machen
wird.
Ausſichten für Sonntag, den 10. Mai: Wolkig mit Aufheiterung,
Neigung zu Gewitterſtörungen, tagsüber anſteigende Tempe=
raturen
.
Ausſichten für Montag, den 11. Mai: Weiterer Temperaturanſtieg
und ſtärkere Bewölkung mit vereinzelten Niederſchlägen, teils
gewitterhafter Art, wahrſcheinlich.

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[ ][  ][ ]

Nummer 129

Sonntag, den 10. Mai 1931

Seite 9

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im Haushalt immer wieder vorkommen! Nehmen
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und Weißllackmöbel, Turn- und Tennisschuhe,
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es sei immer wird Persil Ihnen ein bewährter,
treuer Helfer sein, immer finden Sie es bereit,
die Hauptlast der Arbeit zu tragen und Ihnen
das tägliche Leben angenehm zu machen!

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; dort können auch die Angebots=
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eingeſehen werden.
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16. Mai, vormittags 10 Uhr, hierher
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zu Oberbettbezügen: 100 Meter baum=
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Halbleinen, für Wiſchtücher;
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Halbleinen zu Arbeitsſchürzen: 1000
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60 Stück Betteppiche mit Namenein=
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12. und 13. Mai 1931 in der Anſtalt
offen. Angebot und Muſter ſind bis zum
Eröffnungstermin, dem 1. Juni 1931,
vormittags 8 Uhr, einzureichen.
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auswärts erfolgt nicht. Von jeder Gat=
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darf nur ein Muſter angeboten
werden. Muſter ſind von den Ange=
boten
getrennt zu halten. Angabe des
Fabrikats erforderlich.
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Eberſtadt, den 10. Mai 1931.
Direktion der Provinzial=Pflegeanſtalt.

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[ ][  ][ ]

Seite 10

Sonntag, den 10. Mai 1931

Nummer 129

Ir. BBefserfE TDeffsscrfke
VERLANGERT
T0SLTTERPOALMSS1

7397

HEHH

Am 7. Mai wurden wir sehr erfreut
durch die Geburt eines gesunden
Töchterchens.
Dr. Walter Krempel
u. Frau Hedwig, geb. Volz.
Herzberg b. Göttingen.
77403

Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen
Wargarete Schiller
Wilhelm Schönig
Darmstadt, den 10. Mai 1931.

entſchlafen.

Im Alter von 83 Jahren iſt geſtern unſer lieber Vater,
Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Schwager
und Onkel
Philipp Lang
aus Lindenfels
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Karl Lang.
Darmſtadt, Kiesbergſtr, 53 und Heidelbergerſtr. 88,
Mannheim, Niederrunding, Fürth, Ernſthofen, Eſſen, Hirſch=
horn
, Beedenhirchen und Lindenfels, den 9. Mai 1931.
Die Beerdigung findet in Lindenfels am Montag,
den 11. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle
aus ſtatt.

Dankſagung.
Für die wohltuenden Beweiſe
herzlicher Teilnahme beim Heim=
gange
unſeres lieben Entſchlafe=
nen
ſagen wir unſeren innigſten
Dank.
Familie Grohe.
Darmſtadt, Mai 1931.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlichſter Anteilnahme
bei dem Heimgang meiner lieben Frau, unſerer
guten Mutter und Tochter
Frau Anna Kilian
danken herzlichſt
Fr. Kilian und 3 Töchter
Fr. Müller und Frau.
Traiſa, den 9. Mai 1931.

Dankſagung.
Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, die
uns bei dem unerſetzlichen Verluſt, der uns betroffen
hat, uns ihre Teilnahme bekundeten, ſprechen wir
unſeren herzlichſten Dank aus. Beſonderen Dank
Herrn Pfarrer Köhler für die troſtreichen Worte am
Grabe.
Familie Müller
Darmſtadt, Heinheimerſtr. 42
Familie Buchsbaum
Groß=Zimmern, Beineſtr. 39.

Darmſtadt, den 9. Mai 1931.

Statt jederbeſonderen Anzeige.
Unſer Vater, Großvater, Bruder,
Onkel, Schwiegervater u. Schwager
Herr Auguſt Bormet
Ober=Rechnungsrat i. A.
iſt am 6. Mai im 67. Lebensjahre
ſanft entſchlafen.
ImNamen der trauernd. Hinterbliebenen:
Dr. med. Waldemar Bormet.
Nauheim
Hildegard Becker, geb. Bormet
Mainz
Gudila Schuchmann, geb. Bormet
Darmſtadt.
Darmſtadt, den 9. Mai 1931.
Die Beiſetzung fand auf Wunſch
des Entſchlaſenen in aller Stille
ſtatt.

Todes=Anzeige.
Heute verſchied unſerlieberSchwie=
gervater
, Großvater und Urgroß=
vater
, Onkel
Herr Liebmann Falk
im Alter von 80 Jahren
Die trauernden Hinterbliebenen:
Fran Johanna Falk Wwe.
und Kinder.
Darmſtadt, Magdeburg, 8. Mai 1931.
Die Beerdigung findet am Sonn=
tag
, den 10. Mai 1931, vormittags
10½ Uhr, vom Portal des Fried=
hofes
der iſrgel. Religionsgeſell=
ſchaft
aus ſtatt.

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es ge=
fallen
, unſern lieben Sohn, guten
Bruder nnd Schwager
Heinrich Krichbaum
Wagner
nach ſchwerem Leiden im Alter
von 22 Jahren zu ſich zu rufen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Adam Krichbaum
und Angebörige.
Billings i. 9., den 10. Mat 1931. I
Die Beerdigung findet Dienstag,
den 12. d. Mts., nachmittags 1 Uhr,
vom Sterbehauſe aus ſtatt.

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Wiederum ſieht die Deutſche Volkspartei in Heſſen an der Bahre
eines ihrer Beſien. Unſer Freund, der ſiellvertretende Landes=
vorſitzende
und Fraktionsvorſitzende, Landtagsabgeordneter
Chriſtian Scholz
Fabrikant und Handelskammerpräfident
in Mainz iſi nicht mehr. In tiefſter Trauer gedenken wir der
großen Verdienſie des Verſtorbenen um Volk und Vaterland, um
ſeine Partei. Wir werden den treuen Freund, den vornehmen
Menſchen, die gütige geiſtvolle Perſönlichkeit nicht vergeſſen.
Landesverband Heſſen der Deutſchen Polkspartei
Landtagsfraktion der Deutſchen Volkspartei.
7398

Dankſagung.
(Statt Karten.)
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger Teil=
nahme
bei dem Heimgange unſerer lieben
Entſchlafenen, ſowie für die überaus zahl=
reichen
Kranz= und Blumenſpenden ſagen
wir Allen herzlichſien Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Ludwig Wittersheim ſen.
Darmſiadt, den 9. Mai 1931.
Arheilgerſfr. 48.
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Sprechſtunden von 91 und
(6559a
36 Uhr
Schulſtr. 4, HaFernruf 1779

Statt Karten.
Für die herzliche Teilnahme beim Heimgange
unſrer lieben Entſchlafenen innigſten Dank.
Im Namen der trauernd Hinterbliebenen:
Max Richter.
Darmſtadt, den 9. Mai 1931.
Wilhelm Jägerſir. 3.

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Mainz: Samstag, 16. Mai, vorm. 9½1,
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Nummer 129

Sonutag, den 10 Mai=1931

Seite 13

Handball.
Städlehandballfpiel München-Darmaſtatt.
Darmſtadt gewinnt in München 7:4 (2:3 für München).
Aus München wurde uns geſtern abend folgender kurzer Vor=
bericht
gedrahtet: Das Spiel war ſehr fair. Der Schiedsrichter
Fiſcher=Nürnberg hervorragend. Spielverlauf 1:0, 2:0, 3:0 für
München nach 10 Minuten. 3:1, 3:2 Halbzeit für München. 3:3,
3:4 für Darmſtadt, 3:5 für Darmſtadt, 4:5, 4:6, 4:7 Torſchüſſe für
Darmſtadt. Feick führt, Fuchs einen, Freund zwei.
Vorwärts Langen Tgde. 1846 Darmſtadt.
Heute nachmittag begeben ſich die beiden Mannſchaften der
46er nach Langen zum Turnverein Vorwärts. Langen, welches
in den Verbandsſpielen an zweiter Stelle rangierte, wird den
46ern das Siegen ſchwer machen. Die Spieler der 46er treffen ſich
pünktlich mit den Rädern um 12,30 Uhr an dem Städt. Gaswerk.
Tgde. Beſſungen Tv. Lampertheim.
Wohl der ſtärkſte Gegner iſt es den Beſſungen im Verlauf der
Freundſchaftsſpiele am Sonntag, 13.15 Uhr, zu Gaſte hat. Lampertheim
ſpielt in der Rheinheſſiſchen Kreisklaſſe der D.T. eine ganz hervor=
ragende
Rolle. Als Tabellenzweiter mit einem Punkt Abſtand hinter
Herrnsheim zu liegen, läßt großes Können vermuten. Das Vorſpiel ver=
loren
die Beſſunger hoch 7: 2; allerdings hat ſich ihre Form inzwiſchen
auch gewaltig verbeſſert, ſo daß ein ehrenvolles Abſchneiden zu erwar=
ten
iſt. Vorher um 2 Uhr ſpielt die 2. Mſch. gegen Hahn.
F.C. Eintracht 1919 gegen Turnverein Ginnsheim.
Zum fälligen Rückſpiel empfängt die erſte Elf des F. C. Ein=
tracht
die gleiche des Turnvereins Ginnsheim heute nachmittag
um 2 Uhr auf dem Sportplatz hinter der Feſthalle. Schon das
Vorſpiel läßt darauf ſchließen, daß abermals mit einem ſchönen
Spiel zu rechnen iſt, zumal Eintracht wieder mit kompletter Gar=
nitur
antreten wird.
Tv. Nieder=Ramſtadt komb. Tv. Altheim.
Heute Sonntag, nachm 4 Uhr, hat Nieder=Ramſtadt den Tv. Alt= zu Gaſt. Altheim konnte die B=Meiſterſchaft des Odenwaldgaues in
überzeugender Manier erringen, und wird daher für Nieder=Ramſtadt
einen beachtlichen Gegner abgeben, zumal die Einheimiſchen neue Kräfte
ausprobieren.
Zußball.
Freie Tgde. Darmſtadt VfR. Wiesbaden.
Obiges Treffen findet heute Sonntag, nachmittags um 3 Uhr, auf
dem Sportplatz am Müllersteich ſtatt. Darmſtadt konnte das Vorſpiel
unentſchieden geſtalten.
Für Wiesbaden läßt es der gute Ruf und Spielſtärke nicht zu, eine
Niederlage hinzunehmen. Darmſtadt dagegen ſoll ſich revanchieven und
die derzeitig gute Form unter Beweis ſtellen. Für einen raſſigen und
ritterlichen Kampf bürgen die beiden in ſtärkſter Aufſtellung antretenden
Mannſchaften.
* Kreisliga Hüdheſſen.
Lorſch in Kaſtel!
Natürlich ſind hauptſächlich die ſüdheſſiſchen Fußball=Enthuſiaſten ge=
ſpannt
, wie ſich der Meiſter in Kaſtel ſchlägt. Bekanntlich wurde nach
dem erſten Spiel in Walldorf, wo die Einheimiſchen, ebenſowenig wie
Kaſtel eine beſondere Leiſtung boten, unſerem Meiſter große Ausſichten
für dieſe Aufſtiegskämpfe zugeſprochen. Dann kam jenes 70=Minuten=
Spiel in Lorſch, das Walldorf knapp, aber verdient in Führung ſah.
Nun könnte man kurzerhand annehmen, Lorſch ſei die ſchwächſte Mann=
ſchaft
der gordiſche Knoten wäre gelöſt: So einfach iſt das jedoch
keineswegs.
Lorſch wird dieſes Spiel gegen 06 Kaſtel mit ſeiner beſten Beſetzung
beſtreiten: Kaſtel hat das Pech, ſeinen im Spiel gegen Mainz 05 ver=
letzten
Mittelläufer Weiß erſetzen zu müſſen. Dadurch muß der Rhein=
Main=Meiſter eine Umkrempelung ſeiner Mannſchaft vornehmen, die
evtl. von ausſchlaggebender Bedeutung ſein kann. Wir Südheſſen wiſſen
jedenfalls, daß unſer Meiſter mehr, kann, als er im Spiel gegen
Walldorf mit ſeinen Erſatzleuten zeigen konnte deshalb geben
wir dieſe Partie nicht ohne weiteres verloren. Sollte allerdings Kaſtel
auch dieſe beiden Punkte erringen, dann wird man damit rechnen müſ=
ſen
, daß der Rhein=Main=Meiſter als Sieger aus dieſer Serie hervorgeht.
Das letzte Verbandsſpiel unſeres Kreiſes, Heppenheim Spo.
Horchheim, wurde auf den übernächſten Sonntag feſtgeſetzt. Somit
dürfte endlich auch die Saiſon 1930/31 ihre Beendigung finden. Recht
zahlreich ſind für den kommenden Samstag abend und den Sonntag
nachmittag die Freundſchaftsſpiele. Es treffen ſich: Samstag: Olym=
via
Worms ASV. Ludwigshafen: Normannia Pfiffligheim 07
Bensheim; Viktoria Neuhauſen Spp. Abenheim Sonntag:
Normannia Pfiffligheim VfR. Mannheim Reſ.: Alemannia Worms
Pokalmannſchaft Lampertheim komh. FV. Biblis Chattia Wolfs=
kehlen
; Konkordia Gernsheim 08 Mannheim; VfR. Alsheim Sp.=
Vgg. Klein=Hauſen; an der Platzeinweihung in Fehlheim nimmt
Edelweiß Zwingenberg; Vorwärts Bobſtadt; Germania Auerbach: Bib=
lis
Reſ. und eine komb. Mannſchaft von Alomar ia Wooms teil.

Darmſtädter Sporfkalender.
Sonntag, den 10. Mai 1931.
Fußball.
15,00 Uhr: Stadion: S.V. 98 Kurheſſen Marburg.
15,00 Uhr: Müllersteich: Fr. Tgde. Fr. T. Wiesbaden.
16,45 Uhr: Dornheimer Weg: Reichsbahn Ober=Ramſtadt.
Handball.
13.15 Uhr: Rennbahn: Tgde. Beſſungen Lampertheim.
Tennis.
Am Woog: Tgde. 46 Tgeſ. Aſchaffenburg.

Reichsbahn-TSB. Darmſtadk.
Im Rahmen der Werbewoche, die der Bund der Reichs=
bahn
=Turn= und Sportvereine in der Zeit vom 10.
Mai bis 17. Mai 1931 in allen ſeinen Sportbezirken veranſtaltet,
tritt auch der Reichsbahn=Turn= und Sportverein
Darmſtadt mit einem Werbeprogramm an die Oeffentlichkeit.
Es ſind nachſtehende Veranſtaltungen vorgeſehen:
Sonntag, 14,45 Uhr: Fußballſpiel 2. Mannſch. SC. Ob.=
Ramſtadt; Montag 19.,30 Uhr: Sportſchwimmen im Hallenbad;
Dienstag, 18.30 Uhr: Handball 1. Merck 1. Mittwoch,
17,30 Uhr: Fauſtball Tgde, 46 Darmſtadt: 18.30 Uhr: Handball
Merck 2.: Donnerstag, 16 Uhr: Fußball Reichsbahn
Aſchaffenburg; Freitag, Dieſterwegſchule, Lagerhausſtraße:
20,30 Uhr: Männerturnen: 21,15 Uhr: Schaufechten: Samstag,
18 Uhr: Fußball 1. Akadem. SC. Darmſtadt; 19 Uhr: Vereins=
wettſpiel
der Tiſchtennisabteilung im ehem. Fürſtenzimmer,
Hauptbahnhof; Montag, 18. 5., 19.30 Uhr: Schwimmabteilg.
Tv. Arheilgen im Hallenſchwimmbad.
Alle Fuß=, Hand= und Fauſtballſpiele finden auf dem Reichs=
bahn
=Sportplatz, Dornheimerweg, ſtatt. Es ſei auch auf den Rund=
funkvortrag
des Bundes der Reichsbahn=Turn= und Sportvereine
hingewieſen, der am 13. Mai, 18 Uhr, von der Deutſchen Welle
übertragen wird.
Tennis.
Tgde, 46 Tgeſ. Aſchaffenburg.
Im 9. Kreis (Mittelrhein) D. T. finden in dieſem Jahre erſt=
mals
Mannſchaftskämpfe der Tennis=Abteilungen der Deutſchen
Turnerſchaft um die Kreismeiſterſchaft ſtatt. Jede Tennis= Abtei=
lung
iſt mit einer Mannſchaft, beſtehend aus 4 Damen und 4 Her=
ren
, teilnahmeberechtigt. Jeder Wettkampf beſteht aus 12 Wett=
ſpielen
, und zwar aus 8 Einzel= und 4 Doppel=Spielen. Innerhalb.
des Kreiſes wird der Kreismeiſter in der Weiſe ermittelt, daß die
teilnehmenden Tennisabteilungen unter ſinngemäßer Anwendung
der Ausloſungsvorſchriften gegeneinander ſpielen. Die in der
Schlußrunde ſiegreiche Manſchaft erhält als Kreismeiſter ein Er=
innerungszeichen
. Die Tennis=Abteilung der Turngemeinde
Darmſtadt 1846 ſteht heute auf den Tennis=Plätzen hinterm Gro=
ßen
Woog der Turngeſellſchaft Aſchaffenburg in der 2. Runde
gegenüber. Man darf der Tennis=Abteilung der Turngemeinde
Darmſtadt, die im 9. Kreis eine der ſpielſtärkſten Abteilungen iſt
und den Mannſchaftskampf mit den Damen Offenbächer. Her=
manns
, Dill, Trinkaus und den Herren Schildt 1., Kabel, Bert
und Schwarz beſtreitet, daher einen ſicheren Sieg vorausſagen.
Mit dieſem Wettkampf wird ein Clubwettkampf verbunden,
welcher von 4 Damen und 6 Herren beſtritten wird.
Tgde. Darmſtadt 1846 T. H. C. Worms.
Am Sonntag wurde in Darmſtadt zwiſchen dem Tennis= und Hockeh=
Club Worms und der Tennisabteilung der Tgde. 1846 die
zweite Runde der Medemſpiele (Bezirksmeiſterſchaftsſpiele innerhalb des
Deutſchen Tennis=Bundes) ausgetragen. Durch die muſtergültige Ar=
beit
der beteiligten ſechs Darmſtädter Herren: Schildt, Kabel, Bert,
Schwarz, Nuppert und Opp kam das überraſchende Reſultat 8. 1. für
Darmſtadt zuſtande. Sämtliche Herren=Doppel und fünf von den fechs=
Herren=Einzel wurden gewonnen. Das Reſultat iſt deshalb überraſchend,
weil die Darmſtädter Mannſchaft gegen Worms bisher ſtets unterlegen
war. Auch der gleichzeitig mit verbundene Klubwettkampf, an dem ſich
die Damen Frl. Herrmanns, Frau Dill und Frl. Kurszenties beteiligten,
nahm für Darmſtadt einen günſtigen Verlauf, denn alle Damen=Einzel
und zwei von den drei Gemiſchten Spielen gingen für Darmſtadt ge=
wonnen
. Geſamtreſultat: 13 :2 für Darmſtadt,

Hocken

Techniſche Hochſchule Darmſtadt RV. 74 Offenbach 2:2.
Geſtern nachmittag verſuchten die Hochſchüler ihre Niederlage=
vom
vorigen Semeſter wieder wettzumachen. Nach einem ziemlich
ausgeglichenen Spiel die Offenbacher zeigten nur zeitweiſe eine
kleine techniſche Ueberlegenheit trennten ſich die fair ſpielenden
Mannſchaften mit einem dem ganzen Spielverlauf gerecht wer=
denden
Unentſchieden. In der erſten Halbzeit verwandelte Darm=
ſtadt
eine Strafecke. Offenbach glich aus einem Gedränge heraus
aus. Nach der Halbzeit ging die Hochſchule bald wieder in Füh=
rung
, doch gelang es Offenbach, nach einer Strafecke wieder aus=
zugleichen
.

25 Jahre Sporkklub Bikkoria o6 e. V., Griesheim.
Die Entwicklungsgeſchichte des Griesheimer Fußballs.
Schon in den Jahren 1902/03 hatte ſich in Griesheim fuß=
balleriſches
Leben eingeſtellt. Begeiſterte Schüler der Darmſtädter
höheren Schulen hatten das Kicken mit dem Balle wohl auf dem
ſogenannten Darmſtädter Exert gelernt, und nun wurde jede
freie Minute Werktags ſowie Sonntags ausgenutzt, um im Schul=
hofe
der alten Schule dem neuen Sport zu huldigen. Erſt im
Jahre 1905 ſchritt man zur Gründung eines Vereins, des ſoge=
nannten
1905er. Im daraufolgenden Jahre kam es zu Unſtim=
migkeiten
und zur Gründung des Fußballklubs Viktoria 1906.
Zur ſportlichen Betätigung hatte man den ſogenannten Schieß=
platz
ausgeſucht, die erſten richtigen Spiele wurden ausgetragen.
1908 riefen Gymnaſiaſten den Sportklub 1908 ins Leben. Beide
Vereine wetteiferten in ſportlicher und geſellſchaftlicher Hinſicht
bis zu ihrer Vereinigung im Jahre 1913. Ich entſinne mich, daß
die jungen Leute vom Sportplub 08 faſt ein Jahr lang ihre ſchwe=
ren
Tore ſogar bis zur. Fohlenweide tragen mußten, da ihnen
die Benutzung des Schießplatzes nicht mehr geſtattet war. Im
Jahre 1910 kamen dann die Pokalſpiele (Sechſerkämpfe) auf. Dieſe
Spiele waren meiſtens, mit leichtathletiſchen Wettkämpfen ver=
bunden
. Beide Vereine waren gefürchtete Gegner, und mancher
erſte Preis im Fußball ſowie bei den Wettkämpfen wurde errun=
gen
. Auch viele bekannte Fußballgrößen, waren in Griesheim
tätig, wirkte doch im Jahre 1912 bei den Pokalſpielen, die der
Sportklub 08 veranſtaltete der Internationale Hirſch vom Karls=
ruher
Fußballverein mit, der ſeiner einjährigen Dienſtpflicht auf
dem Uebungsplatz genügte. Im Herbſt 1913 konnte der Zuſam=
menſchluß
beider Vereine vollzogen werden. Nun galt es viel
Arbeit zu leiſten. Der Verein wurde unter dem Namen Sport=
klub
Viktoria 1913 bei dem Süddeutſchen Fußballverband an=
gemeldet
. Leider war es dem neuen Verein nicht mehr vergönnt,
an den Verbandsſpielen teilzunehmen, da durch den ausgebroche=
nen
Krieg das Vereinsleben faſt zum Stillſtande kam. Ein Jahr
hindurch ruhte der Lederball. Erſt Ende 1915 fing man wieder
an. neue Mitglieder zu werben, und hatte bei der Jugend guten
Erfolg. Mit zwei Mannſchaften konnte wieder an den Verbands=
ſpielen
teilgenommen werden. Im Jahre 1917 mußten die Ver=
bandsſpiele
unterbrochen werden, da faſt alle teilnehmenden Ver=
eine
keine Mannſchaften mehr ſtellen konnten. 1918 wurden die
Beziehungen zu dem Süddeutſchen Fußballverband wieder aufge=
nommen
1919 fand die erſte Generalverſammlung nach dem
Kriege ſtatt. Für den neugewählten Vorſtand war es ein hartes
halbes Jahr. Aber allen Schikanen der Beſatzung zum Trotz
konnte der Sportbetrieb, mit 4 Mannſchaften aufrecht erhalten
werden. Mit der Veranſtaltung eines größeren Sportfeſtes hatte
die Leichtathletik im Verein feſten Fuß gefaßt. Nach längerer
Pauſe nahm der Verein wieder an den Verbandsſpielen teil. Es
wurden Klubabende veranſtaltet, mit ſportlichen und humoriſtiſchen
Vorträgen ausgefüllt. Im Jahr 1919 20 errang die erſte Mann=
ſchaft
in der B=Klaſſe den zweiten Tabellenplatz. 1920 errang der
Verein ſeine erſten Meiſterſchaften, und zwar die erſte zweite und
dritte Mannſchaft. Dies hatte zur Folge daß die erſte Mannſchaft
zur 4=Klaſſe aufrückte. 1921 hatte auch die junge Leichtathletik=
abteilung
auf auswärtigen Sportfeſten ſchöne Erfolge zu verzeich=
nen
. Als neuer Sport wurde das Handballſpiel aufgenommen.
Im Jahre 1922 wurde die neue eigene Sportplatzanlage geſchaf=
fen
. Wochenlang ſtellten ſich die Mitglieder in uneigennütziger
Weiſe zur Verfügung, bis die große Arbeit vollendet war. Auch
der finanzielle Teil wurde dank des Idealismus der Mitglieder
ohne größere Schwierigkeiten überwunden. Auch in ſportlicher
Hinſicht war das Jahr 1922 ein großer Erfolg. Die 1 Mannſchaft
kämpfte ſich bis zum Entſcheidungsſpiel der 4=Klaſſe durch. Das
Jahr 1923 war ein ſchwarzes Jahr. Durch die Grenzſperre des be=
ſetzten
mit dem unbeſetzten Gebiet mußten alle Verbandsſpiele
auswärts ausgetragen werden. Unter ganz ſchwierigen, ja ſogar
gefährlichen Umſtänden mußten die Mannſchaften über die Grenze
gebracht werden. An das Austragen von Privatſpielen war über=
haupt
nicht zu denken, ſo daß der Sportbetrieb auf dem eigenen
Sportplatz vollſtändig ruhte. Mit Anbruch des neuen Jahres
wurde neues Svielermaterial geſammelt, und die 1. Mannſchaft
errang die 4=Meiſterſchaft und rückte in die Kreisliga auf. In
den Jahren 19251930 kämpften die Fußballmannſchaften in der
4=Klaſſe und Kreisliga mit wechſelndem Erfolg. Die Jugendabtei=
lung
hatte ſchöne Erfolge zu verzeichnen. Auch der Handball be=
fand
ſich in aufwärtsſtrebender Entwicklung. Der Sportplatz
wurde erweitert und eine modern eingerichtete Badeanlage ge=
ſchaffen
. Dem Vorſtande gehören im Jubiläumsjahre an: Lud=
wia
Fiedler, Fritz Schupp. Hch. Schecker, Hans Emig, Mich, Becker,
Jakob Schick. Auguſt Schuchmann. Ga. Ritter, Georg Eſchenfelder,
Adam Hofmann. Georg Feuerbach. Adam Stumpf und Fritz Loos.
Aus dieſen kurzen Ausführungen über die Vereinsgeſchichte
vermag der Fernſtehende zu erſehen, welche Kämpfe der Sport=
verein
Griesheim um ſein Anſehen führen mußte, bis er ſich zu
dieſer ſeiner heutigen ſtolzen Höhe emporgearbeitet hatte. Nicht
immer war es dankbare Arbeit, die ſeine Leiter zum Wohle des
Vereins leiſten mußten. Unheirrbar jedoch ſchritten ſie ihren ge=
raden
Weg. Die Jugend möge es dieſen Vorkämpfern gleichtun.
und das koſtbare Gut, das ſie überliefert erhielt, bewahren.
H. M.
Deutſchland gewinnk in Rom den Preis der Nalignen.
Am Samstag wurde beim Internationalen Reitturnier in Rom der
Preis der Nationen zum Austrag gebracht. Es ging um den von
Muſſolini geſtifteten Goldpokal, den in den beiden letzten Jahren Ita=
lien
gewonnen hatte. Mit Oberleutnant Sahla auf Wotan, Ober=
leutnant
Haſſe auf Derby und Oberleutnant Momm auf Thora
ſiegte Deutſchland mit nur 83 Fehlern vor Italien mit 15 Fehlern und
Belgien mit B Fehlern. Muſſolini nahm perſönlich die Preisvertei=
lung
vor.

oo0
Das großte europdische Aufomobilwerk
kann seine Preise immer um eine Klasse niedriger halten als
gleichwertige Konkurrenzfabrikate mit kleinerer Produktion.

Wo finden Sie die gleiche Bequemlichkeit, Geräumigkeit, Ausstat-
tung
, Wirtschaftlichkeit bei höchster Qualität zu ähnlichen Preisen?

AZylinder I Liter
Ssitzige, 4türige Limousine RM. 3975.-
7sitzige, 4fürige Limousine RM. 4550.-
RM. 5250.-
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ab Köln

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Ssitzige, 4fürige Limousine RM. 5750.-
Fsitzige, 4fürige Limousine RM. 6250.-
Ssitziges Cabriolet. . . . . . RM. 7100. Köln

DMONN

[ ][  ][ ]

Nummer 129

Sonntag, den 10. Mai

Der Ausweis der Reichsbank.
Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 7. Mai 1931 hat ſich
in der verfloſſenen Bankwoche die geſamte Papitalanlage der
Bank in Wechſeln und Schecks, Lombards und Effekten um 293,7
Mill. auf 1956,7 Mill. RM. vermindert. Im einzelnen haben die
Beſtände an Handelswechſeln und Schecks um 129,3 Mill. auf
1686,3 Mill. RM., die Lombardbeſtände um 140,8 Mill. auf 146,5
Mill. RM. und die Beſtände an Reichsſchatzwechſeln um 23,7 Mill.
auf 21,1 Mill. RM. abgenommen.
An Reichsbanknoten und Rentenbankſcheinen zuſammen ſind
294,4 Mill. RM. in die Kaſſen der Reichsbank zurückgefloſſen,
und zwar hat ſich der Umlauf an Reichsbanknoten um 263,4 Mill.
auf 4076,7 Mill. RM., derjenige an Rentenbankſcheinen um 31,0
Mill. auf 402,0 Mill. RM. verringert. Dementſprechend haben
ſich die Beſtände der Reichsbank an Rentenbankſcheinen auf 39.9
Mill. RM. erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 332,7 Mill.
RM. eine Abnahme um 22,7 Mill. RM.
Die Beſtände an Gold und deckungsfähigen Deviſen haben ſich
um 13,5 Mill. auf 2 539,1 Mill. RM. erhöht. Im einzelnen haben
die Goldbeſtände um 1,5 Mill. auf 2 369,8 Mill. RM. und die
Beſtände an deckungsfähigen Deviſen um 12,0 Mill. auf 169,3
Mill. RM. zugenommen.
Die Deckung der Noten durch Gold allein erhöhte ſich von
54,6 Prozent in der Vorwoche auf 58,1 Prozent, diejenige durch
Gold und deckungsfähige Deviſen von 58,2 Prozent auf 62,3
Prozent.
Die Markklage für Tabakwaren im April.
Nach den Erhebungen des Reichsverbandes der Handelsver=
treter
des Tabakgewerbes (RHT.), Fachverbandes des Zentralver=
bandes
Deutſcher Handelsvertreter=Vereine, hat ſich das Geſchäft
mit Zigarren im April weiter belebt. Den normalen Umfang
hat es jedoch noch nicht angenommen, da immer noch ziemlich be=
deutende
Vorräte an Zigarren, die im vorigen Jahr, alſo vor der
Zoll= und Tabakſteuererhöhung, banderoliert worden ſind, beim

rungsweiſe der Zigarren= und insbeſondere der Zigarilloherſteller
war ſchleppend, weil in den Herſtellungsbetrieben noch nicht ge=
nügend
Formen für die neuen Sorten vorhanden ſind. Man kann
nach den vorliegenden Berichten nicht annehmen, daß der geſtei=
gerte
Zigarilloabſatz etwa ausſchließlich auf den Packungszwang
für Zigaretten zurückzuführen iſt. Eine weſentliche Rolle ſpielt
die verminderte Kaufkraft, die in den letzten Monaten für Rauch=
waren
zur Verfügung ſtand und die manchen Zigarrenraucher zur
Bevorzugung der Zigarillos veranlaßt hat.
Das Zigarettengeſchäft hat ſich unter Berückſichtigung der
ſchwierigen Wirtſchaftslage im abgelaufenen Monat in der üb=
lichen
Weiſe abgewickelt.
Das Rauchtabakgeſchäft leidet immer noch unter den alten
Beſtänden aus dem Vorjahre. Die Raucher zeigen im allgemeinen
auch wenig Neigung, Rauchtabake zu den neuen Preiſen zu kau=
fen
, zumal ein großer Teil der Händler noch alte Ware anbieten
kann. Eine geringe Belebung hat das Geſchäft in ſteuerbegün=
ſtigtem
Feinſchnitt in den billigſten Preislagen erfahren, weil
man erwartete, daß eine Mindeſtbanderole für ſteuerbegünſtigten
Feinſchnitt eingeführt werden würde; dieſe Erwartung hat ſich
als berechtigt erwieſen.
An der Zahlweiſe hat ſich nichts geändert. Zigarrenrechnun=
gen
werden im allgemeinen ſchleppend bezahlt. Die Zahlweiſe für
Zigaretten iſt wegen des hohen Kaſſaſkontos und der ſtraffen
Zahlungsbedingungen gut. Für Rauchtabak iſt die Zahlweiſe
verſchieden.
In den Grenzgebieten wird über eine erhebliche Zunahme des
Schmuggels mit Tabakwaren geklagt.
Wirtiſchaftliche Rundſchau.
Die Indexziffer der Großhandelspreiſe vom 6. Mai. Die vom Sta=
tiſtiſchen
Reichsamt für den 6. Mai errechnete Indexziffer der Großhan=
delspreiſe
iſt mit 113,5 gegenüber der Vorwoche unverändert. Die In=
dexziffern
der Hauptgruppen lauten: Agrarſtoffe 109,0 (plus 0,7 v. H.),
Kolonialwaren 95,7 (minus 1,0 v.H.), induſtrielle Rohſtoffe und Halb=
waren
103,8 (minus 0,7 v. H.) und induſtrielle Fertigwaren 137,4 (minus
0,1 v. H.).
Frankfurter Lokalbahn A. G. und Elektrizitätswerk Homburg v. b. H.
Akt.=Geſ. In der A.R.=Sitzung wurden die Abſchlüſſe 1930 beider Ge=
ſellſchaften
(Lahmeyer=Konzern) vorgelegt. Es wird vorgeſchlagen, ſei=
tens
der Frankfurter Lokalbahn A.G. eine Dividende von 6 Prozent
(gegen 8 Proz. im Vorj.) auf 6 Millionen RM. Aktienkapital und ſei=
tens
der Elektrizitätswerk Homburg v. d. H. A.G. wieder 5 Prozent auf
1,25 Mill. RM. A.K, das vollkommen bei der Frankfurter Lokalbahn
A. G. liegt, zu verteilen. Die Univerſalverſammlungen finden am 16.
Mai ſtatt.
Kredit=Genofſenſchaft Pfälz. Landwirte, e. G.m. b.H., Ludwigshafen.
Aus dem Geſchäftsbericht der Kreditgenoſſenſchaft Pfälziſcher Landwirte
mit Abteilungen Krankenunterſtützungskaſſe Nothilfe Deutſcher Land=
wirte
, Sitz Ludwigshafen am Rhein, iſt trotz der ſchlechten wirtſchaft=
lichen
Lage ein bedeutender Fortſchritt in Neuzugang von Mitgliedern
zu verzeichnen, ſo daß das Geſellſchaftskapital am 31. Dezember 1930
1527 B4,35 RM. beträgt. An Krediten wurden gewährt per 1930:
89 053,35 RM. An Unterſtützungsauszahlungen für eingereichte Kran=
kenunterſtützungsanträge
wurden per 1930 188 288,15 RM. ausbezahlt.
Beſonders iſt wiederum zu bemerken, daß die Genoſſenſchaft mit Unter=
ſtützungskaſſe
keine ſchuldneriſchen Verpflichtungen hat und daß es der
Verwaltung ſeit 5jährigem Beſtehen der Genoſſenſchaft gelungen iſt, bis
heute die geſetzlichen Reſerven zurückzulegen, die Organiſation aus eige=
nen
Mitteln weiter auszubauen und ihren ſatzungsgemäßen Verpflich=
tungen
den Mitgliedern gegenüber aus eigenen Mitteln nachzukommen.
Die Bücher nebſt Belegen und Bilanz ſind durch einen beeidigten =
cherreviſor
geprüft und in Ordnung befunden worden.

Broduktenberichte.

Mainzer Produktenbericht vom 8. Maj. Großhandelspreiſe pro 100
Kilo loko Mainz. Rheinheſſ. Roggen 2121,50; Hafer 22,50; Malz=
keime
11,50; Südd. Weizenmehl Spezial Null 43,15; Roggenmehl (60.) 3031,50; Weizenkleie fein 14,10; desgl. grob. 14,60; Rog=
genkleie
14,50; Weizenfuttermehl 15,50; Biertreber 10,5011; Erd=
nußkuchen
13,5014; Kokoskuchen 1418,25; Palmkuchen 11,7512,25;
Rapskuchen 10,2510,75; Kleeheu loſe 6,20; desgl. geb. 6,40; Wieſen=
heu
loſe 5,80, desgl. geb. 6,30; Maſchinenſtroh 3,50; Drahtpreßſtroh
3,80; Sohaſchrot 13,5013,75; Trockenſchnitzel 7,758,50. Tendenz: Ab=
wartend
infolge der Regierungsmaßnahmen; Mühlenfabrikate ſehr feſt.
Frankfurter Eiergroßhandelspreiſe vom 9. Mai. Der Frankfurter
Markt verzeichnete auch in dieſer Woche trotz des Monatsanfangs und
der relativ billigen Preiſe keine Geſchäftsbelebung. Die Zufuhren haben
ſich wegen des warmen Wetters weiter vergrößerk; die Preiſe wurden
zum Teil weiter ermäßigt. Es notierten in Pfg. pro Stück ab loko
Frankfurt a. M.: italieniſche 8,59, bulgariſche 7,57,45, jugoſlawiſche
6,757,25, rumäniſche 77,5 ruſſiſche 6,57, holländiſche 7,2510, däni=
ſche
7.2510,50 belgiſch=flandriſche 8,258,75, bayeriſche 7,507,75, deut=
ſche
Friſcheier je nach Größe 6,509,25.
Frankfurter Buttergroßhandelspreiſe vom 9. Maf. Das Butterge=
ſchäft
war weiterhin ruhig, weil die Lgae des einzelnen Konſumenten
ſeinen Butterverzehr vermindert und zu einem erheblichen Teil zu Er=
ſatzſtoffen
abgewandert ſind. Indeſſen iſt die deutſche Produktion keines=
wegs
groß, ſo daß zur Befriedigung des Bedarfs immer noch auslän=
diſche
Butter eingeführt werden muß. Die Preiſe konnten ſich gegen die
Vorwoche gut behaupten. Auslandsbutter 1 Faß gleich 50 Kilo 146 Mk.
einhalb Faß 1,48 Mk., in Halbpfundſtücken 1,50 Mk.; deutſche Molkerei=
butter
1,381,40 Mk. Die Preiſe verſtehen ſich per Pfund im Großhan=
delsverkehr
.
Berliner Produktenbericht vom 9. Mai. An der Wochenſchlußbörſe
machte ſich nach den geſtrigen Preisrückgängen eine Erholung bemerkbar.
Das Inlandsangebot von Brotgetreide hat ſich wieder faſt völlig zurück=
gezogen
, ſo daß bei einiger Nachfrage im Promptgeſchäft etwa 1 Marl
höhere Preiſe durchzuholen waren. Die Umſatztätigkeit hielt ſich aller=
dings
in engen Grenzen. Am Lieferungsmarkte ſetzte Weizen bis 1 Mk.
und Roggen bis 1,5 Mk. feſter ein. Weizen= und Roggenmehle werden
nach wie vor nur für den laufenden Bedarf umgeſetzt, die Preiſe ſind
behauptet. Für Hafen lauten die Provinzofferten unnachgiebig, infolge=
deſſen
verſorgt ſich der Konſum mit hieſiger Lagerware. Gerſte ſtill,

Frankfurter und Berliner Effekienbörſe.
Frankfurt a. M., 9. Mai.
Die weitere Abnahme der Arbeitsloſenziffern und der feſte Schluß
der geſtrigen New Yorker Börſe bewirkten zu Beginn der Wochenſchluß=
börſe
eine freundlichere Stimmung. Die Rede Briands in der franzöſi=
ſchen
Kammer wurde wegen des verſöhnlicheren Tones zwar etwas gün=
ſtiger
kommentiert, verſtimmte aber doch andererſeits durch die ſchroffe
Ablehnung des deutſch=öſterreichiſchen Zollplanes, weil man auf der
Genfer Tagung dadurch heftige Auseinanderſetzungen befürchtet und
man ein Zuſtandekommen des Projektes für ſehr ſchwierig hält. Auch
die außerordentlich angeſpannte Finanzlage in Preußen, nach den Aus=
führungen
Höpker=Aſchoffs, wurde ſtärker beachtet. Das perfekt gewor=
dene
Bewag=Geſchäft machte nur wenig Eindruck auf die Grundſtim=
mung
. Die Umſatztätigkeit war wieder ſehr gering, da von der Kund=
ſchaft
keine Orders vorlagen und ſich das Geſchäft nur innerhalb der
Kuliſſe, die kleine Deckungen vornahm. abwickelte. Die Kursbeſſerungen
betrugen meiſt nur bis zu 1 Prozent, für Spezialwerte, wie A. E. G.,
J.G. Farben, Aku und Rheinſtahl von 1,52 Prozent. Feſt lagen nur
Geſfürel, die unter Berückſichtigung des Dividendenabzugs etwa 3 Proz.
gewannen, wobei die oben erwähnte Bewag=Transaktion ſtimulierte.
Bankaktien lagen im ganzen gut behauptet. Karſtadt eröffneten 1,5 Pro=
zent
höher, gaben aber ſpäter den Gewinn wieder voll her. Am An=
leihemarkt
blieben deutſche und ausländiſche Renten behauptet. Der
Pfandbriefmarkt lag ſehr ſtill und kaum verändert. Im Verlaufe gaben
die Kurſe wegen der beſtehenden Orderloſigkeit wieder bis zu 1 Prozent
nach. Das Geſchäft zeigte auch ſpäter keine Belebung. Der Reichsbank=
ausweis
für die erſte Maiwoche zeigte eine normale Entlaſtung, konnte
jedoch der Börſe keine Stütze geben. Vereinzelt lagen die Kurſe gegen
den Schluß des Verkehrs auf Deckungen der Kuliſſe um bis zu 1 Proz
erholt. Der Deviſenmarkt lag ohne Beſonderheiten. Man nannte Mk.
ſegen Dollar 1.1985, London-New York 4.8643, Paris 124,42, Mai=
land
92.90, Madrid 47.25, Schweiz 25.24, Holland 12.10¼.
Berlin, den 9. Mai.
Die Wochenſchlußbörſe eröffnete in freundlicher Haltung, nachdem
ſchon vormittags und an der Vorbörſe eine Reihe günſtiger Momente
eine zuverſichtlichere Stimmung ausgelöſt hatte. Trotz der Angriffe gegen
die deutſch=öſterreichiſche Zollunion in Paris war die geſtrige Briand=
Rede auf eine Politik der Verſtändigung abgeſtimmt, die dann vom
Parlament mit großer Mehrheit gebilligt wurde. In New York konnte
ſich eine Befeſtigung durchſetzen, und langſam wagen ſich auch in Berlin
und London wieder Stimmen hervor, die von einer baldigen Diskont=
ſenkung
ſprechen. Sonſt regen die Reſolutionen auf der Waſhingtoner
Tagung der Internationalen Handelskammer, die Annahme der Dewag=
Transaktion durch die Berliner Stadtverordneten, vor allem aber die
Verminderung der Arbeitsloſenzahl in der zweiten Aprilhälfte um etwa
240000 etwas an. Auch die europäiſchen Auslandsbörſen meldeten
freunlichere Kurſe, und ſo ſchritt die zum Teil etwas verfixte Spekula=
tion
zu Deckungen, die häufig Kursbeſſerungen von 12 Proz., verein=
zelt
bis zu 3 Proz. gegen geſtern zur Folge hatten. Im Verlaufe war
die Tendenz unter Schwankungen uneinheitlich, vorwiegend etwas
ſchwächer. Der Reichsbankausweis für die erſte Maiwoche brachte eine
normale Entlaſtung um etwa 294 Millionen RM. An Reichsbanknoten
ſind etwa 294,5 Mill. RMM. in die Kaſſen der Inſtituts zurückgefloſſen.
Die Deckung hat ſich um 3,54 Proz. gegen die Vorwoche gebeſſert. An=
leihen
gut behauptet, Ausländer ruhig, aber nicht unfreundlich. Pfand=
briefe
bei kleinem Geſchäft eher etwas gebeſſert, Reichsſchuldbuchforde=
rungen
geringfügig anziehend. Deviſen ziemlich unverändert. Buenos
und Spanien etwas freundlicher. Geld unverändert leicht. Tagesgeld 4
bis 6 Proz., Monatsgeld 5,56,75 Proz., für Blankoaufgaben 55,25
Proz., Warenwechſel 5 Proz., vereinzelt 47/s Proz.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 9. Mai:
Getreide. Weizen: Mai 84½, Juli 635, September 63. De=
zember
66,50; Mais: Mai 60,25, Juli 61,50, September 59,75, De=
zember
52½: Hafer: Mai 28½, Juli 28,50, September 28,50. De=
zember
31; Roggen: Mai 36,75, Juli 39,25, September 39,50.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 9. Mai:
Schmalz: Prima Weſtern 8,85.
Getreide. Weizen: Rotwinter 93½; Mais: loco New York
73,75: Mehl: ſpring wheat clears 4,104,60; Getreidefracht nach
England 1,62,3 sh, nach dem Kontinent 88½ C.

Süddeutſcher Eiſenmarkt.

Am ſüddeutſchen Eiſenmarkte iſt in der Berichtswoche keine
weitere Verſchlechterung des Geſchäftes eingetreten. Vielmehr
läßt ſich eine gewiſſe Belebung erkennen. Das Baugewerbe konnte
zwar mit ſeinem geringen Bedarf an Moniereiſen und Trägern
zu einer Marktbelebung nicht beitragen, aber bei der eiſenver=
arbeitenden
Induſtrie kamen einige größere Objekte zur Ver=
ebung
, wobei insbeſondere Stabeiſen und Bleche benötigt wur=
den
. Ein nicht unbedeutender Rückgang der Spezifikationen iſt
beim Handel feſtzuſtellen, da deſſen Läger infolge des verſpätet
ſehr ſchlecht einſetzenden Frühjahrsbedarfes noch durchweg über=
deckt
ſind. Die Beſchäftigung der Werke iſt noch ungenügend. Die
Lieferzeiten bewegen ſich uneinheitlich zwiſchen 24 Wochen für
Form= und 36 Wochen für Stabeiſen in glatten Einteilungen.
Die Gerüchte über eine weitere Verbandspreisermäßigung ent=
behren
jeder Grundlage. Die Abwärtsbewegung der Weltmarkt=
notierungen
iſt ſchon geraume Zeit zum Stillſtand gekommen, ſo
daß für die Werke kein Grund vorliegt, die Spanne zwiſchen
Selbſtkoſten und Verkaufspreiſen noch weiter zu verkürzen.

Viebmärkke.

Ferkelmarkt in Groß=Gerau. Aufgetrieben waren 815 Ferkel. Be=
zahlt
wurden für das Stück Ferkel 1020 Mk. Der nächſte Ferkelmarkt
findet am Mittwoch, den 20. Mai, vorm. 8.30 Uhr, auf dem Marktplatz
hier ſtatt.
Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. d. B. am Samstag, 9. Mai,
waren 405 Tiere zugeführt. Verkauft wurden 354 Stück, und zwar
Milchſchweine 716 Mk., Läufer 1825 Mk. pro Stück. Der Markt=
verlauf
war gut.
Kleine Wirkſchaftsnachrichken.
Die notarielle Annahme des Angebots des Konſortiums über die
Bewag=Transaktion fand geſtern ſtatt. Die notarielle Ausfertigung der
Urkunde iſt ſodann der Preußiſchen Staatsbank (Seehandlung) über=
bracht
worden. Die Gründung der Berliner Kraft= und Licht=A.G. fin=
det
am Montag, 11. Mai, mittags um 12 Uhr, im großen Sitzungsſaale
der Preußiſchen Staatsbank ſtatt.
Der deutſche Poſtſcheckverkehr, der ſich ſeit Beendigung der In=
flation
in einer ſtändig aufwärts ſteigenden Linie entwickelte, hat
auch neuerdings wieder eine Zunahme der neu eingerichteten
Konten erfahren. Während am Ende 1929 rund 975 000 Konten
bei den deutſchen Poſtſcheckämtern geführt wurden, war die Ge=
ſamtzahl
Anfang April mit 997 918 nur wenig von der Millionen=
grenze
entfernt.
Wie in den letzten Monaten, ſo kennzeichnet ſich auch im April
die Lage der Baumwollweberei durch große Uneinheitlichkeit des
Geſchäfts, was es kaum möglich macht, ein Geſamtbild wiederzu=
geben
. Die ſaiſonmäßige Teilbelebung hielt größtenteils noch an.
wenngleich auch da und dort infolge der Rückläufigkeit des Baum=
wollmarktes
und der für die Entwickelung des Geſchäfts im April
ungünſtigen Witterung eine Abflauung des Auftragseinganges
zu verzeichnen war. Trotz des zweifellos vorliegenden Bedarfs
blieben die Dispoſitionen der Abnehmerſchaft überwiegend kurz=
friſtig
und vorſichtig.
Die Lage der Baumwollſpinnereien hat im Monat April keine
weſentliche Veränderung erfahren. Die Verkaufstätigkeit blieb in
allen Sparten durchweg außerordentlich gering; die Zurückhal=
tung
der Abnehmerſchaft, die nur den notwendigſten Bedarf mög=
lichſt
kurzfriſtig eindeckt, wurde durch die im Berichtsmonat ſtän=
dig
rückgängige Bewegung der Baumwollnotierungen verſtärkt
Im Siegerland iſt in letzter Zeit eine Anzahl Gruben voll=
ſtändig
zum Erliegen gekommen.
Der ſtärkere Rückgang des Beſtandes der deutſchen Genoſſen=
ſchaften
, der in den Vormonaten ſich bemerkbar machte, hat im
April nachgelaſſen. Im Berichtsmonat ſtellte ſich der Geſamtbe=
ſtand
aller deutſchen Genoſſenſchaften auf 52 662.
Der alle drei Jahre zuſammentretende Allgemeine Deutſche
Handelsvertreter=Tag iſt für dieſes Jahr einberufen; er findet als
Zehnter Allgemeiner Deutſcher Handelsvertreter=Tag vom 28. bis
29. Mai in Stuttgart ſtatt. Wirtſchaftsfragen wichtigſter Art wer=
den
zur Beratung kommen.
Die Federal Reſerve Bank of Chicago und die Federal Re=
ſerve
Bank of Cleveland haben ihre Rediskontrate von 3 auf 2,5
Prozent ermäßigt.

Berliner Kursbericht
vom 9. Mai 1931

Oeviſenmarkt
vom 9. Mai 1931

Berl. Handels=Geſ.
Danatbank . . . . . . .
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Bank
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bahr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Tonti=Gummi
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdöl

118.50
132.
103.
102.50
H6.
77.50
56.875
101.75
63.
94.75
78.
43.
114.25
128.
67.50

Eleitr. Lieferung
J. G. Farben 143.50
Gelſ. Bergw.
Geſ. f.elektr. Untern.
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Phil. Holzmann 83.50e
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Köln=Neueſſ. Bgw.
Mannesm. Röhr. .
Maſch.=Bau=Un in.
Nordd. Wolle
Oberſchleſ. Kolsw.
Orenſtein & Koppel

112.25
74.75
111.er
64.125
59.G
140.50
60.50
66.75
72.--
39.125
49.75
72.75
44.75

Polyphonwerke
Rütgerswerke
Salzdetfurth Kali
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtoff
Verein. Stahlwerke/ 50.25
Weſteregeln Alkalt
Agsb.=Nrnb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karler. Ind
Hir ſch Kupfer
Hohenlohe=Werke 40.
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke

137.
50.
215.
106.50
106.
144.
56.375
22.
42.
113.
134.50
41.
58.25

Helſingfors
Wien
Prag
Budapeſt
Sofia
Holland
Lslo
Kopenhagen
Stodholm
London
Buenvs=Aire
New York
Belgien-

Italien
Paris

Währung
100 finn. Mk
00 Schilling
100 Tſch. Kr.
100 Pengö
100 Leva
100 Gulden
1 00 Kronen
100 Kronen
100 Kronen
14.Stg.
Pap.Peſo/ 1.318
1 Dollar
100 Belge
100 Lire
100 Franc’s

Re4
10.5*6
59.01
12.425
73.15
3.037
168.54
112.32
112.29
112.44
20.403
4.195
58.325
21.955
16.394

Brief
10.576
59.13
12.44:
73.29
3. 043
168.8c
12 54
112.5
112.66
20.44:
1.322
4.203
59.445
21.99
16.434

Schweiz
Spanien . .
Tanzig
Japan
Rio de Janeire
Jugoſlawien
Athen

Iſtambul
Kairo


Kanada
JSland
Tallinn (Eſtl.)

Riga

Währung
100 Franker
00 Peſetas
100 Gulden
1 Yen
1 Milre is
100 Dinar
Portugal 1100 Escudo=
100 Drachn
11 türk. &
äghpt. 4
canad. Doll.
Uruguay 1 Goldpeſo
100 is1. Kr.
100 eſtl. Kr
100 Lats

Geld/!
80.835
43.21
81.55
2.075
0.259
7.383
18.87
5.437
20.92
4.192
2.607
92.C4
111.66
E0.77

Brief
(0.595
43.29
71.71
2.079
C.262
7.397
18.91
5.447
20.96
4.200
2. 613
22.22
111.88
C0.93

Harsant, Kommanontgefrafchaf
Frankfurter Kursbericht vom 9. Mai 1931.

7% Dtſch. Reichsan
6%

3½%Intern.,
6%Baden .......
8%Bahern .. .. . . /100.3
6%

835 Heſſen v. 28/ 91.4
v. 29
60 Preuß. Staat
2 Sachſen ......
....."
72 Thüringen..
Dtſche. Anl. Auslo
ſunsſch. +4/, Ab=
löſungsanl
..
Dtſche. Anl. Ablö=

Deutſche Schutzge
bietsanleihe.

O Nachen v. 20
8% Baden=Baden.
6% Berlin ......"
8½ Darmſtadt v. 26
8
v. 28
7% Dresden.
8% Frankfurt a. M.
v. 26
32
o. 26
3% Mainz ...."
2 Mannheim v. 26
60
v. 2
8% München ...."
8% Nürnberg. . . . .
8% Wiesbaden ..

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75.25
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89
77
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100.25
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87.5
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100.5
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100
97
90
100.25
97.5
91.1
101.75
87.5
93.25
101.5
97
92.02
100.5
93.5
100
8.5
97
100
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91
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5%
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96.5
87.5
85.5
84I,
94
100.5
20
28.5
37.25

6.5


4

18.75

81.5
100.5
102
124
79
94.25
62.25
77.5
88.5
72
29
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175

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78
56.75
110
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N
216
175
172
49
80
137.75

162
26.5
117.25
40
69

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18.25
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[ ][  ][ ]

Nummer 129

Sonntag, den 10. Mai 193.

Seite 17

170 Skunden lebendig begraben!

Fröffnung der Pariſer Kolonialausſtellung mit orienkaliſcher Prachk.

600 Jahre alke Gebäudereſte in Berlin enkdeckk.

Der Direktor des Märkiſchen Muſeums, Dr. Stengel (rechts),
bei den Abbrucharbeiten des Hohen Hauſes in Berlin.
Bei Abbrucharbeiten an dem ſogenannten Hohen Haus in der Berliner Altſtadt ſtieß man auf
alte gotiſche Gebäudereſte, die im 14. Jahrhundert entſtanden ſein dürften. Der freigelegte gotiſche
Torbogen ſtellt den älteſten ſteinernen Baureſt in Berlin dar.

Geſtändnis des Bandenführers Bernan
Berlin. Volle Aufklärung haben jetzt die
ſchweren Raubüberfälle der letzten Zeit gefun=
den
; denn der vor einigen Tagen verhaftete
Bandenführer Bernau, der zunächſt beharrlich
leugnete, hat geſtern nacht ein umfaſſendes Ge=
ſtändnis
abgelegt. Bernau hat nun den Ueberfall.
auf die Cecilien=Werke eingehend geſchildert.
Wenige Tage nach dem Ueberfall merkte er, daß
die Kriminalpolizei ihm auf der Spur war, und
flüchtete nach Bayern. Sein Freund Jakubowſki
hat ihn über den Stand der Unterſuchung ſtän=
dig
telephoniſch auf dem Laufenden gehalten und
ihn auch von der Verhaftung der Helfershelfer
unterrichtet. Als Bernau Ende April nach Ber=
lin
zurückkam, hatte Jakubowſki ſchon den neuen
Tip für den Raubüberfall in der Kanonierſtraße
ausgearbeitet. Der Chauffeur Radke erhielt
von Bernau die Anweiſung, ſich ſelbſt zu ſtellen
und das Märchen zu erzählen, er ſei nur unter
Bedrohung gefahren. Dem Radke war weiter
aufgetragen, die Beamten zu veranlaſſen, ihm
das Verbrecheralbum vorzulegen. Aus dieſem
ſollte er beliebige Leute, nur nicht Mitglieder
der Kolonne Bernau, des Raubes und der Be=
drohung
bezichtigen. Für die gute Ausführung
der Befehle waren ihm 1000 Mark verſprochen
worden. Sie ſollten ausgezahlt werden, ſobald
die Juwelen verkauft waren. Radke iſt von der
Standhaftigkeit ſeines Kolonnenführers ſo feſt
überzeugt, daß er noch heute Bernau nicht ken=
nen
und von dem Ueberfall nichts wiſſen will.
Bernau und mit ihm ſeine Bande ſind jetzt auch
geſtändig, den Ueberfall auf den U.=Bahnhof
Onkel Toms Hütte, den Ueberfall auf den
Schupobeamten an der Soor=Straße, den Ueber=
fall
auf die Beamten in der Kaulſtarf=Straße
am 15. Oktober 1930 und den Ueberfall auf den
Geldwechſler in der Markgrafenſtraße verübt zu
haben.

Schweres Flugzeugunglück
auf dem Karlsruher Flugplaß.
Karlsruhe. Auf dem hieſigen Flugplatz
ereignete ſich am Samstag abend gegen ½7
Uhr ein ſchwerer Flugzeugunfall. Zwei Maſchi=
nen
, die kurz vorher aufgeſtiegen waren, ſtießen
in der Luft zuſammen. Durch die Wucht des
Zuſammenpralls ſauſten beide Apparate in die
Tiefe und gingen dort zum Teil in Trümmer.
Die Beſatzung von je zwei Perſonen wurde ſchwer
verletzt. Augenblicklich weilen die Rettungs=
kolonnen
an der Unfallſtelle, um die Verunglück=
ten
aus den Trümmern zu bergen. Die Ber=
gungsarbeiten
geſtalten ſich außerordentlich
ſchwierig. Es war nur möglich, die Inſaſſen der
Flugzeuge durch Zerſägen der Trümmer frei=
zumachen
. Die Verletzten ſind inzwiſchen in das
Städtiſche Krankenhaus eingeliefert worden.
Zuſammenſtoß zwiſchen einem deutſchen und
einem engliſchen Dampfer.
Nykjoebing (Dänemark). Der engliſche
Dampfer Pacific, der ſich auf der Reiſe von
Bandholm nach Danzig befand, und der deutſche
Dampfer Hugo Stinnes V ſtießen am Sams=
tag
nacht in der Nähe von Schoenheiderſpulle
zuſammen. Beide Schiffe wurden erheblich be=
ſchädigt
und verlangten drahtlos Hilfe. Der
däniſche Bergungsdampfer Aegir und der
deutſche Bergungsdampfer Seemöve, nahmen
geſtern früh Kurs auf die Unfallſtelle. Gegen
4,30 Uhr erhielt die Pacific ſo ſchwere Schlag=
ſeite
, daß die Beſatzung in die Boote gehen
mußte.

Deutſche Bauausſkellung 1931
eröffnel.
Verbunden damit inkernakionale
Ausſtellung für Skädkeban
und Wohnungsweſen.
Berlin, 9. Mai.
Die Deutſche Bauausſtellung 1931 wurde am
Samstag vormittag vor etwa 2000 Ehrengäſten,
darunter Vertreter der Reichs=, Staats= und Ge=
meindebehörden
, der Wirtſchaft, Wiſſenſchaft und
Kunſt, ſowie ausländiſcher Regierungen in feier=
licher
Weiſe eröffnet. Der Eröffnungsakt, der
auf alle deutſchen Sender übernommen wurde,
begann mit dem Vorſpiel zu den Meiſterſingern,
Oberbürgermeiſter Dr. Sahm hielt die Begrü=
ßungsrede
. Er erblickte in der reichen Beſchickung
der mit der deutſchen Bauausſtellung verbun=
denen
internationalen Ausſtellung für Städte=
bau
und Wohnungsweſen aus 22 ausländiſchen
Staaten den Ausdruck der lebendigen Anteil=
nahme
des Auslandes an dem großen, das wich=
tige
Kultur= und Lebensgebiet des Wohnens
und Bauens umfaſſenden Ausſtellungswerkes. Er
hoffe, daß durch dieſen Teil der Ausſtellung in
Verbindung mit den wichtigen internationalen
Kongreſſen die Grundlage einer zwiſchenſtaat=
lichen
Zuſammenarbeit auf dem Gebiete des
Städtebaues und Wohnungsweſens eine neue
Stärkung zur allgemeinen Erhöhung des Kultur=
niveaus
und zur Verbeſſerung des Lebensſtan=
dards
in allen Ländern erfahre. Der Veranſtal=
tung
komme gerade für die Ueberwindung der
gegenwärtigen Wirtſchaftskriſe eine beſondere
Aufgabe zu, da ſie die Augen der geſamten Oef=
fentlichkeit
auf die beherrſchende Schlüſſelſtellung,
die dem Baugewerbe innerhalb der Volkswirt=
ſchaft
zukomme, lenke.
Reichsarbeitsminiſter Dr. Stegerwald er=
öffnete
dann namens der Reichsregierung die
Bauausſtellung. Er führte in ſeiner Anſprache
aus, die heutige Notzeit verlange, daß ſich Bau=
kunſt
und Baugewerbe den wirtſchaftlichen und
finanziellen Schwierigkeiten anpaſſen und die ge=
ſtellten
Ziele auf dem einfachſten und billigſten
Wege erreichen. Ein arm gewordenes Volk könne
ſich nicht leiſten, durch prunkvolle Bauſchöpfungen
Reichtum vorzutäuſchen. Auch die Außenformen
des Bauwerkes müßten die harte Beſchränkung,
die uns die Zeit auferlege, zum Ausdruck brin=
gen
. Künftige Geſchlechter könnten an die Not
des Volkes erinnert werden, das ſie geſchaffen
habe.
Der preußiſche Landwirtſchaftsminiſter Dr.
Steiger würdigte eingehend die Abteilung
der ländliche Siedlungsbau der Ausſtellung.
Die Not der Zeit, ſo meinte er, dränge dazu, zu
prüfen, ob nicht eine Uebertragung der neuzeit=
lichen
Bauerfahrung und Bauweiſen der Stadt
auf das Land weitere Verbilligung mit ſich
bringe. Die Bauausſtellung könne der Anſtoß
werden zur finanziellen Entlaſtung der Siedler
und der Siedlungsträger des Staates und der
Wirtſchaft.
Zum Schluß gab der Vorſitzende des Vereins
Bauausſtellung und Verwaltungsrates der Deut=
ſchen
Bauausſtellung, Baurat Dr.=Ing. Riepert,
der Hoffnung Ausdruck, daß eine Belebung der
Bautätigkeit infolge ihrer weitreichenden Wir=
kungen
zu einer fühlbaren Entlaſtung der öffent=
lichen
Finanzen führen werde. An die Feier
ſchloß ſich ein mehrſtündiger Rundgang der
Ehrengäſte durch die Ausſtellung.

Die Geretteten des belgiſchen Bergwerksunglücks nach ihrer Bergung.
Sechs Bergleute einer belgiſchen Grube in Bounage wurden durch Geſteinsabſturz verſchüttet und
mußten 170 Stunden, alſo eine Woche lang, unter der Erde ausharren, ehe ihnen die erſehnte
Rettung gebracht werden konnte. Erſchütternde Szenen ſpielten ſich ab, als die Geretteten das
Tageslicht wieder erblickten.

Arabiſche Reiter bei einer Fantaſia auf dem Gelände der Großen Kolonialausſtellung in Paris,
die von dem franzöſiſchen Staatspräſidenten Doumergue ſoeben feierlich eröffnet wurde.
Die Eröffnungsanſprachen ſchloſſen alle mit einem Appell an die Völkerverſtändigung.

Reich und Ausland.
Die billige Eiſenbahnfahrt.
Frankfurt a. M. Ein 24jähriger Auto=
ſchloſſer
aus Berlin hatte große Sehnſucht nach
dem Weſten, aber nicht die genügenden Barmit=
tel
für eine Eiſenbahnfahrt. Er verſtand es, in
einem D=Zug trotz der zahlreichen Kontrollen
bis nach Frankfurt zu kommen. Als er den
Bahnhof ohne Fahrkarte verlaſſen wollte, wurde
er aber angehalten. Nun wird ihm die billige
Fahrt doch noch teuer zu ſtehen kommen.
Raubüberfall auf einen Geldbriefträger.
Mannheim. Am Samstag vormittag
wurde in einem Hauſe der Seckenheimer Straße
ein Geldbriefträger, der eine Poſtanweiſung über
einen kleineren Betrag zuſtellen wollte, von drei
Burſchen überfallen, an Händen und Füßen ge=
feſſelt
, durch Schläge mißhandelt und ihm ein
Betrag von etwa 3000 Mark geraubt. Die Ver=
über
des Raubüberfalls ſtehen im Alter von 24
bis 25 Jahren. Sie ſind unerkannt entkommen.
Die Polizei fahndet eifrig nach ihnen.
Englandflug der deutſchen Sportflieger.
Düſſeldorf. Die Flugzeuge, die den Eng=
landflug
des Deutſchen Luftfahrtverbandes durch=
führen
, ſind am Samstag vormittag 11.15 Uhr
programmäßig auf dem Flughafen Düſſeldorf=
Lohauſen zum Fluge über Calais nach London
geſtartet. Die Teilnehmer dürften zwiſchen 16
und 17 Uhr in London eintreffen. Aus Berlin
werden noch zwei Flugzeuge erwartet mit dem
Vertreter der Zentrale des Deutſchen Luftfahrt=
verbandes
. Dieſe Flugzeuge ſollen ſich dann dem
Geſchwaderflug von Düſſeldorf aus anſchließen.
Das Verfahren gegen den Mörder Reins
und ſeine Geſchwiſter.
Berlin. In der Strafſache wegen Tötung
des Briefträgers Schwan hat der Unterſuchungs=
richter
des Landgerichts II die Vorunterſuchung
eröffnet: Gegen den Maurer Reins wegen Raub=
mordes
und gegen die Schweſtern Sophie und
Johanna Reins wegen Beihilfe dazu und Heh=
lerei
. Gegen alle drei Perſonen ſind Haftbefehle
erlaſſen worden. Ihre Auslieferung iſt bean=
tragt
worden, doch dürfte das Auslieferungsver=
fahren
längere Zeit in Anſpruch nehmen.
Prof. Meinecke=Berlin wird Vorſihender
der Hiſtoriſchen Reichskommiſſion.

Profeſſor Meinecke,
der berühmte Berliner Geſchichtsforſcher, iſt zum
Vorſitzenden der Hiſtoriſchen Reichskommiſſion
ernannt worden, die in Zuſammenarbeit mit
dem Reichsarchiv beſonders die Geſchichte der
letzten 60 Jahre erforſcht.

[ ][  ][ ]

Seite 18

Sonntag, den 10. Mai 1931

Nummer 129

*Gedanken zum 60. Jahrestage
des Frankfurter Friedens am 10. Mai 1871.

Der 10. Mai 1871 und der 28. Juni 1919! Welche Gegen=
ſätze
in der Geſchichte unſeres Volkes! Damals ſetzte unſer gro=
ßer
Kanzler ſeine Unterſchrift im Hotel Schwan zu Frankfurt
am Main unter einen Friedens=Vertrag, der nach monatelan=
gen
Verhandlungen vereinbart worden war; neben ihm
unterzeichneten noch auf deutſcher Seite Graf Harry Arnim, der
an den Verhandlungen in Brüſſel als deutſcher Bevollmächtigter
teilgenommen hatte. Von ſeiten der franzöſiſchen Republik
unterſchrieben der Außenminiſter Jules Favre, ſowie Pouyer=
Quertier und E. de Goulard. Ein anderes Bild.
Am 28. Juni 1919 wurde in Verſailles ein Friedens=
Diktat unterſchrieben! Graf Brockdorff=Rantzau hatte ver=
langt
, daß der am 7. Mai von den Feinden überreichte Entwurf
des Friedens=Vertrages eingehend in ſachlicher Weiſe mündlich
durchgeſprochen werden ſollte. Auf Erzbergers Rat beging man
den Fehler, den deutſchen Standpunkt in einer zuſammenhän=
genden
Gegendenkſchrift zur Geltung zu bringen. Die Gegen=
denkſchrift
wurde am 29. Mai übergeben, doch ſchnitten die Sie=
germächte
am 16. Juni alle weiteren Verhandlungen mit einem
Ultimatum ab, das zwar einige Aenderungen enthielt, im
übrigen aber die Annahme des ganzen Werkes binnen fünf
Tagen, die dann auf ſieben Tage verlängert wurden, forderte.
Unter dieſem Drucke wurde in letzter Stunde die Annahme des
Friedens=Diktates beſchloſſen, und da Graf Brockdorff=
Rantzau vorher, mit dem Rücktritt des Kabinetts Scheidemann,
ſein Amt als Außenminiſter niedergelegt hatte, ſo übernahm es
in dem nur aus Sozialiſten und Zentrum neugebildeten Kabi=
nett
Bauer ſein Nachfolger, der Führer der Mehrheits= Sozia=
liſten
, Hermann Müller, mit dem Reichs=Kolonialminiſter Jo=
hannes
Bell am 28. Juni 1919 die ungeheuerlichen Friedensbe=
dingungen
im Spiegelſaal des Verſailler Schloſſes zu unter=
zeichnen
.
Die Vorgeſchichte iſt bekannt. Seit dem 18. Januar 1919
tagte die Friedens=Konferenz in Paris; in monatelangen Be=
ratungen
gelangte ſie zum Abſchluß als das Ergebnis der Be=
ratungen
der großen Vier: Wilſon, Lloyd George, Clemen=
ceau
und Orlando. Das geſchlagene und wehrloſe Deutſchland
hatte keine Fürſprecher und Schützer. In einem Syſtem ſatani=
ſcher
Ausklügelei wurden die Feſſeln und Bindungen geſchaffen,
mit denen das deutſche Volk erdroſſelt werden ſollte. Wilſon
ſelbſt gab ſich dazu her, mit einer durch und durch unwahr=
haftigen
Charakteriſtik deutſcher koloniſatoriſcher Methode, den
Raub wichtiger deutſcher Gebiete zu begründen; auch der rück=
ſichtsloſen
Auslieferung deutſcher Volksteile an fremde Staaten,
Losreißung Elſaß=Lothringens ohne Anhören der Bevölkerung,
dem Hineinziehen Dänemarks in den Kreis der beutegierigen
Sieger, der völligen Entwaffnung Deutſchlands zu Lande, zur
See und in der Luft, der Zerrüttung der deutſchen Wirtſchaft
durch Wegnahme wichtigſter Produktionsgebiete und durch Auf=
bürdung
unerfüllbarer Schuldverpflichtungen, ſtimmte er zu.
Wortführer und Herrſcher der großen Vier war Clemenceau.
Der Tiger gab ſich hemmungslos dem Genuß hin, ſeinen
Rachedurſt zu ſtillen: ein ſtarrköpfiger Greis, der ſeine ganze
Perſönlichkeit für die Wiederherſtellung vergangener Zeiten ein=
ſetzte
und deſſen brutales Programm in dem furchtbaren Wort
niedergelegt war, daß zwanzig Millionen Deutſche zuviel lebten!
Wir ſollten vom Erdboden verſchwinden! Demzufolge war ja
auch die Ablieferung von viereinhalb Millionen Tonnen der
deutſchen Handelsflotte die Bedingung geweſen für die Lieferung
der unentbehrlichſten Lebensmittel an unſer hungerndes Volk.
Man vergleiche damit die Verſorgung der franzöſiſchen Haupt=
ſtadt
nach der Uebergabe von Paris 1871; die deutſchen Ver=
pflegungsbehörden
wurden damals aufs äußerſte angeſpannt,
wie der Chef des Verpflegungsweſens, General von Stoſch,
erzählt: Geſtern ſchreibt mir Bismarck, ich möchte alle meine
Kräfte daran ſetzen, den Pariſern etwas zu eſſen zu geben: ſie
fordern nur Mehl, es iſt aber eine Rieſenaufgabe, ihren Tages=
bedarf
für einige Zeit gleich bei der Hand zu haben. Bis=
marck
iſt gegen die Franzoſen über die Maßen zuvorkommend.."
Und dann vergleiche man die finanziellen Verpflichtungen
von 1871 mit unſeren heutigen untragbaren Laſten! Fünf Mil=
liarden
Franken wurden feſtgeſetzt, urſprünglich waren ſechs ge=
fordert
! Das reiche Frankreich hatte bereits bis zum Frühjahr
1873 die ganze Summe an Deutſchland gezahlt, ſo daß unſere
letzten Okkupations=Truppen das Land verließen: Thiers wurde
als Befreier des Territoriums von ſeinen Freunden geſprieſen!
Auch der Ton der Verhandlungen war ein ganz anderer!
Keine Angeklagten erſchienen vor ihren Richtern, fondern
gleichberechtigte Vertragsſchließende fanden ſich zuſammen.
Bismarck ſchrieb über die Verhandlungen nach Hauſe, nach=
dem
am 26. Februar 1871 der Präliminar=Friede geſchloſſen
war: Es ging einen Tag wie den andern, täglich ſechs auch
ſieben Stunden Thiers und Favre: mein kleiner Freund Thiers
iſt ſehr geiſtreich und liebenswürdig, aber kein Geſchäftsmann
für mündliche Verhandlungen. Dabei iſt er ein braver kleiner

Kerl, weißhaarig, achtbar und liebenswürdig, gut altfranzö=
ſiſche
Formen, es wurde mir ſehr ſchwer, ſo hart gegen ihn zu
ſein, wie ich mußte.
Auch Heinrich Abeken erzählt über dieſe ſchwierigen Ver=
handlungen
: Als eben wieder beide, Thiers und Favre, zu=
ſammen
hereinkamen, fiel mir der Kontraſt zwiſchen beiden
recht auf. Thiers ſo fein, zierlich, gebügelt und geſchniegelt
Jules Favre dagegen bärtig, faſt ſtruppig, vierſchrötig, recht das
alte und das neue, das kaiſerliche und das republikaniſche
Frankreich! Für Bismarck wieder ein ſaurer Tag! Denke Dir,
von 1 Uhr nachmittags bis 9 Uhr abends mit Herrn Thiers
und Jules Favre zu unterhandeln! Beide keine Geſchäfts=
männer
, beide Rhetoren, der eine geſchwätziger, der andere ein
ſtummer, die ſich nur ſelbſt hören es muß eine furchtbare
Aufgabe geweſen ſein! Der Miniſter war nachher auch ſo
herunter, wie ich ihn kaum geſehen habe, ſelbſt in den ſchlimm=
ſten
Zeiten! Er hat mich tief gedauert! Der König, dem ich
über die Verhandlungen berichtete, ließ ihm ſeine herzliche Teil=
nahme
ausdrücken. Todmüde, wie Bismarck iſt, kann er doch
nicht ſchlafen. Geſtern morgen iſt er erſt um halb vier Uhr ein=
geſchlafen
. Heute wird es nicht beſſer werden: morgen kommen
Thiers und Favre ſchon um elf Uhr wieder.
Dabei war Bismarck immer von ausgeſuchter Höflichkeit.
Als am 26. Februar der Präliminarfrieden unterzeichnet war,
bat Bismarck beim Auseinandergehen ſeinen kleinen Freund
Thiers verbindlichſt um Entſchuldigung, wegen aller ihm un=
gern
bereiteten Qualen‟. Das ſind kleine Züge, die das Bild
der Friedensverhandlungen vervollſtändigen. Es waren Ver=
handlungen
, kein Diktat!
Das Bild zeigt den großen Kanzler als den gutherzigen
Deutſchen in ritterlicher Verhandlung mit dem überwundenen
Gegner! Die Vorgänge beim Diktat von Verſailles zeigen den
kaltherzigen, ſadiſtiſchen franzöſiſchen Tiger gegenüber dem
wehrloſen Gegner!
Zehn Wochen nach dem Präliminarfrieden wurde in Frank=
furt
der Friedensvertrag am 10. Mai 1871 unterzeichnet. Das
Denken Frankreichs blieb die Revanche bis es endlich die
Einkreiſung Deutſchlands vollendet ſah! Wie oft hätte ſich Ge=
legenheit
geboten, in der Zeit nach 1871 das erſtarkende Frank=
reich
nochmals zu Boden zu werfen! Bismarck war ein Geg=
ner
dieſes Präventiv=Krieges und ebenſo der alte Kaiſer und
ſeine beiden Nachfolger! In dieſem Zuſammenhange ſei ein
wenig bekanntes Wort des alten Kaiſers aus dem Jahre 1875
angeführt: Um glückliche Kriege zu führen, muß dem Angrei=
fenden
die Sympathie aller edel geſinnten Menſchen und Länder
zur Seite ſtehen, und dem, der ungerecht den Krieg erklärt, die
öffentliche Stimme den Stein werfen. Dies war das Geheim=
nis
des Enthuſiasmus in Deutſchland 1870! Dieſe Meinung
habe ich dem Kaiſer Alexander von Rußland vorgehalten,
darauf erfaßte er meine beiden Hände und ſprach ſeine volle
Uebereinſtimmung aus!
Auch ein Beitrag zur Kriegsſchuld=Lüge‟! Nein, Deutſch=
lands
drei Kaiſer waren keine Kriegshetzer! Die Einkreiſung
kam von der anderen Seite! Das auf der Kriegsſchuld=Lüge auf=
gebaute
Diktat von Verſailles iſt ſelbſt eine große Lüge!
Im Felde unbeſiegt, haben wir die Waffen ſenken müſſen!
Aber gerade am 10. Mai in Gedanken an die große Zeit vor
ſechzig Jahren wollen wir nicht verzagen!
Wir alle wiſſen, daß Deutſchland noch nie ſo tief am Boden
lag wie heute! Wir möchten verzweifeln und das Todesurteil
der Geſchichte hinnehmen: gewogen und zu leicht befunden!
Aber es hat ſchon mehr als einmal ſo ausgeſehen, als wäre
alle Hoffnung umſonſt! Denken wir an 1648, an 1807! Und
immer wieder hat unſer Volk mit ſeiner zähen Lebenskraft und
ehernen Tüchtigkeit ſich emporgearbeitet und durchgerungen!
Sollte dieſe Kraft heute geſchwunden ſein!
Nach Goethes Ausſpruch darf ein Volk niemals wähnen, das
Ende ſei gekommen; nur eins iſt unheilbar, wie er ſagt, wenn
ein Volk ſich ſelbſt aufgibt! und ſo wollen wir hoffen und
glauben, arbeiten und kämpfen für Deutſchlands Auferſtehung
und Erneuerung. Dann wiro ſich an uns Moltkes prophetiſches
Wort erfüllen: Gottes Wege ſind nicht unſere Wege, und in
der Weltenwicklung führt er auch durch verlorene Feldzüge zum
Dr. Ludwig Roth.
Ziele.

Hauptſchriftleltung: Rudolf Maupe
Verantwortlich für Pollik und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feullleion, Reich um
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſei für Sport: Karl Bähmann;
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdlenſt: Andreas Bauer; für
Die Gegenwart Tagesſplegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Neite:
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mittellungen: Willv Kuble:
Druck und Verlag: C. C. Wiltich ſämtlich in Darmſkad.
Für unverlangte Manuſtripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.

Die heutige Nummer hat 26 Geiten

Eine ſoziale Tal.
VaBG. Die Zentralſtelle für Radfahrwege, Berlin, plant ein
großes Radfahrwegnetz für Berlin, das durch Erwerbsloſe mit
finanzieller Hilfe der Berliner Radfahrer gebaut werden ſoll. Die=
ſes
Vorgehen iſt nicht nur im Intereſſe der Erwerbsloſen von
grundlegender ſozialer Bedeutung, ſondern darüber hinaus für
alle minderbemittelten Schichten, beſonders des erwerbstätigen
Volkes, denen dadurch eine gefahrloſere Benutzung des Autos
des kleinen Mannes in den Erholungsſtunden und auf den Wegen
von und zu der Arbeitsſtelle gewährleiſtet wird. Auch für die mo=
derne
Unfallverhütung hat dieſer Plan bei der ſtändig weiter zu=
nehmenden
Gefährdung des Radfahrers auf den üblichen Verkehrs=
ſtraßen
eine nicht zu unterſchätzende Bedeutung, die auch dadurch
zum Ausdruck kommt, daß der Verband der Deutſchen Berufs=
genoſſenſchaften
, dieſe Zentrale für Radfahrwege, nachdrücklich
unterſtützt.
Von allgemeinem Intereſſe iſt übrigens auch eine Kammer=
gerichtsentſcheidung
, die die intereſſante Streitfrage klärt, ob der
Radfahrer gezwungen werden kann, beim Vorhandenſein von Rad=
fahrwegen
dieſe an Stelle der übrigen Verkehrswege zu benutzen.
Das Kammergericht Berlin hat nämlich kürzlich in einem Be=
rufungsurteil
entſchieden, daß im oben beſchriebenen Falle wegen
Uebertretung der Straßenverkehrsordnung auf eine Geldſtrafe
und Tragung der Koſten des Verfahrens zu erkennen ſei. Damit
hat ſich das Kammergericht auf den Standpunkt geſtellt, daß ein
Radfahrer genötigt iſt, wenn, ein Radfahrweg
vorhanden iſt, dieſen auch zu benutzen.

Rundfunk=Brogramme.
Frankfurt a. M.

Gleichbleibendes Werktags=Programm. 5.55: Wetter, Gymnaſtik.
O 6.30: Gymnaſtik. 7.30: Konzert. 8.30: Waſſerſ. und.
O 11.40: Zeit, Wirtſchaftsmeld. Nachr. Programm. o 11.50: Kon=
zert
(Schallpl.). o 12.40: Nachr., Wetter, Sport, Programm. o
12.55: Nauener Zeit. 0 13.05: Konzert (Schallpl.) Fortſ. 0 14.00:
Werbekonzert 15.05: Zeit, Wirtſchaftsmeldungen o 15.15: Gie=
ßener
Wetterbericht 16.20, 18.00: Wirtſchaftsmeldungen o
ca 19.05: Zeit. ca. 22.00: Zeit, Wetter. Nachrichten, Sport.

Sonntag, 10. Mai.
7.00: Hamburger Hafenlonzert; Glocken vom Großen Michel.
8.15: Morgenfeier der Baptiſten=Gemeinde Frankfurt a. M.
9.15: Stunde des Chorgeſangs.
10.00: Wiesbaden: Internationales Tennisturnier.
10.30: E. Schoen: Die junge Generation.
11.10: Wiesbaden: Autoturnier: Schönheitskonkurrenz.
11.40: Dr. E. Barthel: Geſtalt und Ausdruck als Schickſal.
12.00: Schallplattenkonzert.
13.50: Zehnminutendienſt der Landwirtſchaftskammer Wiesbaden.
14.00: 1. Dr. Erwin Kleinſtich: Die wirtſchaftliche Bedeutung des
inneren Marktes 2. Bürgermeiſter Otto, Rektor Ullius:
Innere Wandlungen in der Dorfgemeinſchaft.
15 00: Stunde der Jugend: Herrn Direktors Zigaretten; Hörſpiel.
16 00: Nachmittagskonzert des Rundfunkorcheſters; Mitw.: M. v.
Wiſtinghauſen (Bariton): Am Flügel: O. Seyfert.
17.45: O. Bernſtein: Aneldoten.
18 25: Dr. A. Paquet: Eindrücke einer Englandreiſe.
18.50: Stunde der Frankfurter Zeitung.
19.20: Sonderwetterbericht für die Landwirtſchaft. Anſchl.: Sport=
nachrichten
.
19.30: Die weiße Dame: Romantiſche Oper von Boieldieu.
20.50: Zum Muttertag: Theſſa Klinkhammer: Mütterbriefe.
21.10: Dr. F. Wallner: Georg Chriſtoph Lichtenbergs Aphorismen
21.30: Konzert des Rundfunkorcheſters.
22.30: Zeit. Wetter Nachrichten, Sport.
22 50: Tanzmuſik.
Königswuſterhauſen.

Deutſche Welle. Cleichbleibendes Werktags=Programm. 5.40
Zeit, Wetter für den Landwirt. o 6.30: Gymnaſtik. 0 10.35, 13.30:
Nachrichten. 12.00: Wetter für den Landwirt. O 12.05: Schall=
platten
bzw. Schulfunk. O 12.55: Nauener Zeit. O 14.00: Schall=
platten
. O 15.30: Wetter, Börſe. ca. 21.00: Wetter, Nachrichten.

Deutſche Welle: Sonntag, 10. Mai.
7.00: Hamburger Hafenkonzert. Glocken vom großen Michel.
8.00: Mitteilungen und praktiſche Winke für den Landwirt.
8.15: Wochenrückblick auf die Marktlage.
8.25: Anwalt A. Brenning: Landwirtſchaftliches Genoſſenſchafts=
weſen
.
8.55: Morgenfeier. Glockenſpiel der Potsdamer Garniſonkirche.
anſchl. Glockengeläut des Berliner Doms.
10.05: Wettervorherſage.
11.00: Oberſchulrat Bornemann: Die Berufsſchulen.
11.30: Leipzig: Bach=Kantate: Wahrlich, ich ſage Euch. Mitw.:
Städt. u. Gewandhausorcheſter, Thomanerchor. Soliſten: Lotte
Wolf=Matthäus (Alt), H. Lißmann (Tenor), R. Gerhardt (Baß),
G. Ramin (Orgel), F. Sammler (Cembalo).
12.00: Magdeburg: 300=Jahr=Gedenktag der Zerſtörung Magde=
burgs
durch Tilly.
12.30: Ausſchnitt von der Einweihung des Denkmals für die ge=
fallenen
Kameraden der Luftſchiffertruppen des deutſchen Heeres
vor der katholiſchen Heereskirche.
13.15: Mittagskonzert. Funk=Orcheſter.
14.30: Muttertag=Feier. Mitw.: Margarete Jokl u. Helene Lach=
manski
=Schaul.
15.00: Soliſten=Konzert. Werke von Chopin, Debuſſy, Bruch, Schu=
bert
. Schumann, Schulhoff.
15.30: Arnim T. Wegener lieſt aus eigenen Werken.
16.00: Orcheſterkonzert. Sinfonie=Orcheſter der Schutzpolßzei Berlin.
17.00: Dr. A. Schultze: Aus der Märchenwelt der amerik. Tropen,
17.30: Einführende Worte zur nachfolgenden Uebertragung.
17.40: A. d. Bankettſaal d. Wartburg: Die Legende von der Hei=
ligen
Eliſabeth. Oratorium von Franz Liſzt.
19.00: Br. Barthel u. Dr. Würzburger: Der Steinbrecher.
19.35: Ein Menſch mit Büchern und Schallplatten.
20.30: Blasorcheſter Konzert des Potsdamer Tonkünſtler=Orcheſters.
Danach: Tanz=Muſik der Kapelle Gerhard Hoffmann.

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SK4

[ ][  ][ ]

Nummer 2o

Ein Chnentag der Mutten-Zum Deutschen Muttentag am10. Mau

Mutterliebe, man nennt Dich des
Lebens Höchſtes. So wird denn
Sedem, wie ſchnell er auch ſtirbt,
dennoch ſein Höchſtes zuteil.
Hebbel.
Wir mögen heute Sweifel hegen an man=
chem
Überkommenen, das ſeinen Wert für die
neue Seit verloren hat, wir mögen lächeln
über viele Dinge, die dem Sturm einer an=
deren
Epoche nicht ſtandhielten nur eines
dürfen wir nicht: die Ehrfurcht vor der
Mutter vergeſſen.
Die Mutterliebe iſt die Kraft, die zeitlos
über den Weltgeſchicken ſteht, heute der glei=
chen
Verehrung würdig, wie vor Seiten.
Heute das gleiche Muſterium wie vor Jahr=
tauſenden
, ein ewiges Wunder. Woll
an dem Glauben der Mütter zweiſt
es hieße die ganze Menſchheit entwurzen.
Keine Kraft der Erde iſt vergleichbar der
Mutterliebe. Sie iſt die reinſte Inkarna=
tion
des ſelbſtloſen, ewig ſchenkenden
Gefühls. Die Liebe einer Mutter ſchöpft
aus geheimnisvollen, nie verſiegenden Quel=
len
, deren Urgrund uns immer verborgen
bleiben wird.
Das höchſte, für jeden Sweiten unver=
ſtändliche
Glück ſchenkt der Frau die Mut=
terſchaft
. Sie führt lie zugleich zum tiefſten
Leid. Einen geliebten Menſchen den Händen
und dem Verſtändnis entgleiten zu ſehen, iſt
ein Schmerz, den jede Mutter, eine ſtille Hel=
din
, lächelnd zu ertragen hat. Die ewige
Liebe der Mutter weiß es dem Kinde, das
ſich von ihr wandte, noch zu danken, wenn
es ihr nur zuweilen einen kurzen Einblick
in ſein Leben gewährt. Dieſes Leben, das
die Mutter ihm ſchenkte. Es iſt die tiefſte
Cragödie der Mutter, daß ſie, je älter, um ſo
einſamer wird.
Unſer Leben fordert zuviel von uns, wir
haſten einem fernen Siel zu eifrig nach, als
daß uns die Seit bliebe, ſtets das Bewußt=
ſein
zu empfinden, welch ungeheurer Schatz
uns in der Liebe unſerer Mutter geſchenkt
iſt. Jeder Cag des Jahres ſollte in dieſem
Sinne ein Muttertag ſein.
Aber auch damit könnten wir niemals
den Dank abtragen, den wir unſerer Mutter
ſchulden.
Mütter und Söhne.
Friedrich Schiller an ſeine Mutter.
Jena, den 19. September 1796 (nach dem
Code des Vaters Johann Kaſpar Schiller).
Liebſte Mutter.
Herzlich betrübt ergreife ich die Feder,
mit Ihnen und den lieben Schweſtern den
ſchweren Verluſt zu beweinen, den wir zu=
ſammen
erlitten haben. Swar gehofft habe
ich ſchon eine Seitlang nichts mehr, aber
wenn das Unvermeidliche wirklich eingetre=
ten
iſt, ſo iſt es immer ein erſchütternder
Schlag ..
Sie, teure Mutter, müſſen ſich Ihr
Schickſal jetzt ganz ſelbſt wählen und in
Ihrer Wahl foll keine Sorge Sie leiten. Fra=
gen
Sie ſich ſelbſt, wo Sie am liebſten leben,
hier bei mir, oder bei Chriſtophinen (der
verheirateten Schweſter) oder im Vaterland
mit Louiſe (der damals noch unverheirateten
Schweſter). Wohin Ihre Wahl fällt, da
wollen wir Mittel dazu ſchaffen. Vor der
Hand müſſen Sie ja doch der Umſtände wegen
im Vaterlande leben und da läßt ſich unter=
deſſen
alles arrangieren.
Alles, was Sie zu einem gemächlichen
Leben brauchen, muß Ihnen werden, liebſte
Mutter, und es iſt nun hinfort meine
Sache, daß keine Sorge Sie mehr drückt.
Nach ſoviel ſchweren Leiden muß der Abend
Ihres Lebens heiter und doch ruhig ſeun,
und ich hoffe, Sie ſollen im Schoße Ihrer
Kinder und Enkel noch manchen frohen Cag
genießen".
Ihr ewig dankbarer Sohn
F. Schiller.
Eliſabeth Dorothea Schiller an ihren Sohn.
12. November 1796.
Vorgeſtern bekam ich Seinen Brief nebſt
einem von Herrn Cotta begleiteten, worin
Er mir auch noch ſogar einen beſtimmten Ge=
halt
jährlich zu edacht. Gott vergelte es Ihm
und den lieben Seinigen mit vielem Segen.
Ich werde aber eben ſo wenig Gebrauch da=

(Leipzig, Mai 1767.)
Obgleich kein Gruß, obgleich kein Brief von
mir
So lang dir kommt, laß keinen Sweifel doch
Ins Herz, als wär die Särtlichkeit des Sohns,
Die ich dir ſchuldig bin, aus meiner Bruſt
Entwichen. Nein, ſo wenig als der Fels,
Der tief im Fluß vor ew gem Anker liegt,
Aus ſeiner Stätte weicht, obgleich die Flut
Mit ſtürm ſchen Wellen bald, mit ſanften bald
Darüber fließt und ihn dem Aug’ entreißt,

von machen, wann es nur möglich, daß wir
jetzt mit unſerem Gehalt auslangen. Auf
ein Jahr ſehe ich zwar ſchon hinaus, da wir
mit vielen Sachen in dem Haushalt hinläng-
lich
uns verſahen. O, wie viel Liebe und
Güte erzeigt Er mir. Ich und die Louſe
weinten Freudenthränen, als wir dieſen
Brief erhielten. Ich werde vielleicht ſehen,
meinen lieben Enkeln noch etwas zu erſetzen.
Nehme, liebſter Sohn, dieſes Wenige von
meinem dankbaren Herzen an
Arthur Schopenhauer an ſeine Mutter.
Das Vergeſſen überſtandener Verzweif=
ung
iſt ein ſo leltſamer Zug der menſch=
lichen
Natur, daß man dergleichen nicht
glauben würde, wenn man es nicht lähe.
Herrlich hat Cieck es ausgedrückt in unge=
fähr
den Worten: Wir ſtehen und jammern
und fragen die Sterne, wer je unglücklicher
gewelen als wir, indes hinter unſerm Rük=
ken
ſchon die ſpottende Zukunft ſteht und
über den vergänglichen Schmerz des Men=
ſchen
lacht. Aber gewiß, es ſoll ſo ſein,
nichts ſoll ſtandhalten im vergänglichen
Leben: kein unendlicher Schmerz, keine ewige

So wenig weicht die Särtlichkeit für dich
Aus meiner Bruſt, obgleich des Lebens Strom,
Vom Schmerz gepeitſcht, bald ſtürmend drü=
ber
fließt.
Und, von der Freude bald geſtreichelt, ſtill
Sie deckt und nie verhindert, daß ſie nicht
Ihr Haupt der Sonne zeigt und ringsumher
Zurückgeworfene Strahlen trägt und dir
Bei jedem Blicke zeigt, wie dich dein Sohn
verehrt.
Goethe.

Mutterglück.
Freude, kein bleibender Eindruck, kein
dauernder Enthuſiasmus, kein hoher Ent=
ſchluß
, der gelten könnte fürs Leben. Alles
löſt lich auf im Strom der Seit. Die Minu=
ten
, die zahlloſen Atome von Kleinigkeiten,
in die jede Handlung zerfällt, ſind die Wür=
mer
, die an allem Großen und Kühnen zehren
und es zerſtören. Das Ungeheuer Alltäg=
lichkeit
drückt alles nieder, was empor=
ſtrebt

Johanna Schopenhauer an ihren Sohn.
Du verachteſt den Reichtum, lerne
auch ſeinen Schein verachten und Deinen
Blick einzig nach dem ſchönen großen Siel
zu richten, das Du Dir geſetzt haſt, ſo wirſt
Du glückelich ſein. Auch mir iſt jotzt wohler
ums Herz; dann Dein Mißmut drückte auch
mich; es wird jetzt alles beſſer, alles recht
gut gehen, das hoffe ich mit Ueberzeugung.
Nun zu Deinem Verhältniſſe hier
gegen mich, und da dünkt es mir am beſten,
ich ſage Dir gleich ohne Umſchweife, was ich
wünſche und wie es mir ums Herz iſt. damit
wir einander gleich verſtehen. Daß ich Dich
rocht lieb habe, daran zweifelſt Du nicht, ich

habe es Dir bewieſen, ſolange ich lebe. Es
iſt zu meinem Glück notwendig zu wiſſen, daß
Du glücklich biſt, aber nicht Seuge davon zu
ſein.
Friedrich Nietzſche an ſeine Mutter.
Baſel, 1. Februar 1870.
Hier, liebe Geburtstägerin und Mutter,
ein ſehr ſchnell zu ſchreibender Geburtstags=
brief
. Denn das Handwerk drängt, die
Schule, noch mehr aber ein öffentlicher Vor=
trag
, der heute abend zu halten iſt und mit
dem ich noch ſehr im Nückſtande bin. Dies
tut nun aber der Herzlichkeit meiner Wünſche
keinen Eintrag, und morgen will ich, auf
unſere altgewohnte Weiſe, den Cag ſelbſt
feiern, indem ich mir eine Hyacinthe kom=
men
laſſe (nicht wahr, ſo heißt doch
Deine Geburtstagsblume?) Ich bin mit der
Botanik in der Bredouille, (ächſiſches
Franzöſiſch)! Dann werde ich mir Pfann=
kuchen
kommen laſſen. (Auch habe ich einen
Bäcker entdeckt, den einzigen in Baſel, der
Weihnachtsſtollen zu backen verſteht.) Und
mittags werde ich zwei Gläſer auf den Ciſch
ſtellen und durch gegenſeitiges Zuſammen=
ſtoßen
einen großen Geburtstagslärm machen.
Dies meine projektierte Feierlichkeit, in Be=
gleitung
der allerſchönſten Wünſche für Dein
und Deiner Kinder Wohl.
(1. Kanonenſchußl Bum!) Dein Fritz.
Anſelm Feuerbach an ſeine Stiefmutter.
Paris, 7. Oktober 1851.
. . . Ach, Du liebe, liebe Mutter, Du
arbeiteſt doch nicht über Deine Kräfte? So
viele böſe Cräume ängſtigen mich, und doch,
wie erhebt mich der Gedanke, daß Du Va=
ters
liebes Andenken ſo verherrlichen willſt,
und wie rührts mich, daß der Hettner als
Freund Dir zur Seite ſteht, wirklich, ich
gewinne täglich die Ueberzeugung, welcher
Geiſt und welche Kraft doch in dem Menſchen
liegen. Im Frühling komme ich dann, wenn
Dirs recht iſt, und dann wollen wir noch ein
paar ruhige, ſtille Stunden beiſammen ſein.
Meine Bilder ſind freilich nur erſt
ſchwache Verſuche, ich muß eben alle Erfah=
rungen
erſt an mir ſelbſt machen, während
andere die Hand geführt bekommen durch
eines Meiſters Handz mein Weg iſt viel ge=
fährlicher
, aber wenn ich meinen Sweck er=
reiche
, dann bin ich originell und urſprüng=
lich
wie ein friſcher Wald.
Ich lebe hier unter vielen Bekannten,
jungen, friſchen, glücklichen Menſchen, die
mich alle gern haben; ich fühle mich oft ſehr
allein, doch ſtärkt mich der Glaube an Deine
Liebe und an Deine Kraft und Cätigkeit.
Liebſte Mutter, mur ſtrenge Dich nicht zu
ſehr an. Kann ich gar nichts helfen? Ich
bin ja ſo bereit. Ich danke Dir recht herz=
lich
für den lieben Brief. Du ſchreibſt ſo
lieb und aufmunternd, und ich kann nicht
ſagen, wie innig ich Eurer gedenke.
Henriette Feuerbach an ihren Stiefſohn.
2. Jamar 1874.
Lieber Anſelm.
Ich habe Dich auf Deiner Reiſe ſtündlich
und minütlich begleitet. Es war recht fatal,
daß Du gerade die kalte Nacht troffen muß=
teſt
. Aber wer kann ſo etwas vorausſehen?
Vorausgeſetzt, daß es Dir nicht geſchadet,
muß man ſich tröſten. Wenn Dich die Can=
ten
melancholiſch gemacht haben, dann läßt
man ſie zukünftig beiſeite. Sind halt alte
Fräulein aber ich denke, es iſt Dir gegan=
gen
, wie es immer geſchieht bei der Errei=
chung
eines großen Sieles fürs Leben. Dein
eigenes Werk überwältigt. Dich, und es
kommt ein momentaner Rückſchlag das
vergeht aber und in Deinen Schülern findeſt
Du wieder die eigene Friſche, d. h. das Be=
wußiſein
derſelben, denn daß Du ſie innerlich
haſt, verſteht ſich von ſelber .
Ich habe etwas Heimweh, aber die Arbeit
hilft dafür, und dann iſt es ja Glückes ge=
nug
, wenn man Urſache hat, es zu haben.
Einen Menſchen, den man lieb hat, und eine
große Idee, die die Seele ausfült, was
braucht man weiter? Ich hoffe, das Jahr
wird für Dich ein gutes ſein, und ſo lei herz=
l
.ch gegrüßt von
Deiner Mutter.

Iannnner

zaEznangannngnnenangngnennennannnngaggnnnnanannannnnannnnnnnnnnanng
IEEAHAEHAHAAaEaazannnnnag



A


E



E

M

[ ][  ][ ]

Schickſal nach dem Code.
Iſt Schiller in der Fürſtengruft beigeſetzt?
Su Schillers Codestag am 2. Maj.
Von Sgnaz Jezower.
Fünfzigtauſend Menſchen geben Klopſtock das letzte Geleit.
Die Geſandten faſt aller europäiſchen Staaten folgten dem
Crauerwagen, die Wachtpoſten erwieſen dem Sarg militäriſche
Ehrenbezeugungen, von ſechs Kirchtürmen tönten die Glocken.
An dem Altonaer Cor, das damals däniſches Grenzgebiet war,
löſte eine däniſche Ehrenwache die hamburgiſche ab. Bei der
kirchlichen Feier legte man dem Dichter, während die Mozartſche
Cotenmeſſe geſungen wurde, auf den Deckel des Sarges auf=
geſchlagen
das Exemplar des Meſſias, in dem er noch in den
letzten Wochen geleſen hatte. Neben ſeine erſte Gattin Meta,
die er oft beſungen, und die er vor fünfundvierzig Jahren durch
den Cod verloren hatte, begrub man ihn auf dem Friedhof in
Ottenſen. Saat von Gott geſät den Cage der Garben zu
reifen dieſe Worte für den Leichenſtein hat er ſelbſt gewählt.
Beim Ciſchlermeiſter Engelmann beſtellte man für den Dich=
ter
Friedrich Schiller, der ein Freund Goethes und Profeſſor
der Geſchichte und ſächſiſch=meiningiſcher Hofrat war, zum Be=
gräbnis
am 12. Mai 1805 einen billigen Sarg, ſogar auf em
Schildchen mit Namenangabe, hatte man, um die Koſten zu ſpa=
ren
, dabei verzichtet. In dieſem Sarge wurde gegen ein Uhr
bei Nacht aus dem Hauſe in der Esplanode der Cote hinaus=
getragen
, und ein kleiner Sug von zwanzig Leuten, dem einige
Gymnaſialſchüler gegen Bezahlung mit Laternen voranleuchteten,
bewegte ſich eilig durch die dunklen, menſchenleeren Straßen
Weimars. Als man auf dem alten Jakobskirchhof vor dem
Kaſſengewölbe ankam, war gerade der Mond hinter eine trübe
Wolke getreten. Haſtig wurde das Gewölbe geöffnet, der
Cotengräber und ſeine Gehilfen nahmen den Sarg auf und
ſenkten ihn an Seilen durch eine Falltür in die Gruft hinab.
Kaum eine halbe Stunde war vergangen, ſeitdem man vor der

Wohnung des Dichters den Sarg auf die Schultern geladen hätte.
An dieſem Mangel jeglicher Parade bei der Beerdigung
des großen Dichters haben ſchon Seitgenoſſen Anſtoß genommen.
In dem Kaſſengewölbe, das ganz feucht war, verweſten die
Leichen ſehr ſchnell. Wenn das überfüllte Gewölbe Aufgeräumt
wurde, was von Seit zu Seit zu geſchehen pflegte, um für neue
Cote Platz zu machen, waren die Leichen, die man herausſchaftte,
meiſtens nicht mehr kenntlich. Als im Frühjahr 1826 ein neues
Aufräumen vorgenommen werden ſollte, beſchloß Schwabe, der
Bürgermeiſter von Weimar, vor der Aäumung nach den Ge=
beinen
Schillers zu ſuchen.
Er ſtieg in Begleitung von einigen Perſonen in das Gewölbe
hinab, fand aber unten faſt nur verfaulte Crümmer von Särgen
und vermoderte Leichen; die metallenen Sargſchilder, die man auf=
leſen
wollte, zerfielen bei der Berührung. Schwabe kam zu
der traurigen Ueberzeugung wie er in dem Protokoll der
Nachforſchung ausführte daß es ſchlechthin unmöglich ſei,
Gewißheit und Wahrheit darüber zu erlangen, welches hier die
irdiſchen Ueberreſte Schillers ſeien. In den folgenden Nächten
ſetzte Schwabe ſeine Nachforſchungen fort und ließ die im Kaſſen=
gewölbe
gefundenen 25 Schädel in ſeine Wohmng bringen.

Hier ſtellte er alle Schädel auf eine Cafel auf, und ſofort glaubte
er einen Schädel als den Schillers zu erkennen. An dem
Schädel fehlte die untere Kinnlade, bei einer neuerlichen Durch=
ſuchung
des Kaſſengewölbes wurde eine Kinnlade gefunden, die
zu dem Schädel paßte.
Im September desſelben Jahres wurde auf Anordnung des
Großherzogs Karl Auguſt der von Schwabe aufgefundene Schädel
auf der großherzöglichen Bibliothek in Weimar aufgeſtellt und
einige Wochen ſpäter wurden auf Goethes Weiſung im Kaſſen=

Schillers Cokenmaske.

gewölbe unter einem Haufen von Gebeinen die Ueberreſte des
Schillerſchen Skeletts zum Ceil zuſcammengeſucht. Im Winter
des nächſten Jahres wurden Schillerſche Ueberbleibſel, wie die
Ueberreſte im Handbillet Karl Auguſts an Goethe bezeichnet wur=
den
, in der Fürſtengruft, die der Großherzog für ſeine Jamilien=
mitglieder
erbauen ließ, zur Vermeidung alles Auſſehens ganz
in der Stille beigeſetzt. Der Schädel und die gefundenen Ceile
des Gebeins ruchen m einem braunen Sarkophag. An dem
oberen Ende des Sarkophags kam der Beſucher der Fürſten=
gruft
den Namen Schiller leſen.
Am Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts
hat der Anatom Profeſſor Hermam Welcker nach vielen müh=
ſeligen
Unterſuchungen, nach mit Band und Sirkel vorgenom=
menen
Meſſungen der Schillerſchen Cotenmaske geglaubt, die

wiſſenſchaftliche Ueberzeugung ausſprechen zu müſſen, daß der
Schädel, den Schwabe gejunden, Goethe mit den Worten: Ge=
heim
Gefäß! Orakelſprüche ſpendend beſungen hatte, und der
im Sarkophag in der Fürſtengruft ruht, nicht der Schillerſche
Schädel ſei. Im Auguſt 1911 hat der Cübringer Anatom, Pro=
feſſor
Auguſt v. Froriep neue Sorſchungen angeſteilt. Die ehe-
malige
Begräbnisſtätte wurde voilſtändig ausgegraben, wiederum
wurden Schädel gefunden und unter dieſen glaubte Froriep einen
Schädel als den Schillerſchen entdeckt zu häben. Doch wurde
die Echtheit des Froriepſchen Fundes von verſchiedenen Gelehrten
angezweifelt. Crotzdem hat man dieſen Schädel mitſamt den Ge=
beinen
, die Froriep gefunden und als die Schillerſchen bezeichnet
hat, einige Monate vor Ausbruch des Weltkrieges auf Anord=
nung
des Großherzogs Wilhelm Ernſt auch in der Fürſtengruft
beigeſetzt. So hat man ſetzt die Wahl zwiſchen zwei Schädeln,
nur einer könnte der Schillerſche ſein, und da auch dieſer nicht
mit Sicherheit als der Schillerſche bezeichnet werden darf, ſo iſt
die Frage nicht unberechtigt: Iſt Schiller in der Fürſtengruft
beigeſetzt?

Der verliebte Cintenfiſch.
Frühling im Meer.
Von Univerſitätsprofeſſor Dr. Joſef Schiller, Wien.
Wenn die Berghänge an den Geſtoden des Mittelländiſchen
Meeres ſich im Januar oder Februar in das Schneeweiß der
Mandelbaume hüllen, dann erblüht der Frühling auch in den
blauen Fluten der Adria wie des ganzen Mittelländiſchen Meeres.
Die Hafemmauern, die Steine, die Seſſen und Riffe, die entlang
den viel gegliederten Küſten i klaren Waſſer liegen, waren wäh=
rend
des Winters faſt ohne Bewuchs und ohne reicheres Cier=
leben
. Sobald aber die Cauſende weißer Mandelbäume, die uns
die Knackmandeln liefern, im Waſſer ſich ſpiegeln, ſproſſen auf
dem Meeresgrund zunächſt kleine Büſchel empor, hier grün, dort
roſarot, hier dunkelpurpurn oder gelb und braun. Von Cag zu
Cag werden dieſe Pflänzchen größer und größer, immer bunter
und vielfarbiger. Zunächſt ſind ſie voneinander getrennt, dann
ſchließen ſie immer mehr und mehr zuſammen. Wenn endlich nach
dem Verblühen der Mandelbäume die Hügel am Meeresſtrand
in der wundervollen Farbenpracht des ſüdlichen Frühlings leuch=
ten
, da überziehen die merkwürdigen Pflanzen des Meeres mit
einer geſchloſſenen bunten Decke überall den Meeresgrund. Blü=
ten
fehlen zwar dieſen Pflanzen, dafür aber hüllt die Natur ſie
alle ganz und gar in Blütenfarben, ſo daß dieſe blütenroſen
flanzen des Meeres den blühenden Bäumen, Sträuchern und
Kräutern des Feſtlandes an Schönheit nicht machſtehen.
Das blaue Waſſer wird grün.
Wer jahraus, jahrein am Adriatiſchen Meer oder ſonſt
wo am Mittelmeer lebt, dem entgeht es nicht, daß das tief=
blaue
Winterwaſſer nach Mitte Februar eien grün=
lichen
Farbton annimmt, der im März oder Anfang April
am deutlichſten entwickelt iſt. Es haben ſich mit ſteigender Sonne
allmählich auch im Waſſer ſelbſt in Unmengen Pflanzen und Ciere
entwickelt, deren Leiber die Waſſerfarbe verändern. Gleichwohl
ſind ſie faſt alle nur mikroſkopiſch klein. Während m Winter
im Liter Adriawaſſer nur etwa 10 000 ſolcher Organis=
men
durchſchnittlich leben, ſind es m März, April dis 1 000 000.
Wenn ſo in jedem Waſſertropfen Hunderte und Cauſende von
winzigen Cieren und Pflanzen leben und alle Felſen und Steine
über und über mit bunten Pflanzen geſchmückt ſind, dann hat
der Frühling im Meer ſeinen Höhepunkt erreicht: das Meer
blüht.
Auf dieſen fardenbunten unterſeeiſchen Algen= und
Cangwieſen, die vom Strand oft dreibis ſechs Kilo=
meter
breit ſich gegen die offene See erſtrecken, wandern
nun die mannigfachſten Ciere aus tieferen Ceilen des Meeres,
oder es entwickeln ſich hier auf dieſen reichen Weideplätzen in
überraſchend kurzer Seit die verſchiedenſten Arten. Bald ſieht
man, oft ſchon m Februar, wenn das Waſſer noch nicht
mehr als 12 Grad hat, ganze Familien, die Eltern mit den Kin=
dern
, alle laut ſingend, im ſeichten Waſſer mit aufgekrempelten
Hoſen und hochgenommenen Nöcken, mit Körben in den Händen,
hin und her gehen, um Muſcheln und Schnecken zu ſammeln.
Nach Muſcheln iſt ſtets große Nachfrage, weil der Muſchel=
riſotto
(Reis) für reich und arm ein leckeres Gericht iſt. Und
wenn heute von ſolchen ſeichten Algenwieſen eine reiche Ernte
heigetragen wurde, nach wenigen Cagen ſind von tieferen,
benachbarten Gründen ſchon wieder ſo viele neue Ciere herauf=
gekrochen
, daß am erſten windſtillen Cag die Menſchen wieder

Ein reiner Cor.
Von Albert Leitich.
In einem verſchneiten, abgeſchiedenen Gebirgsort hatte den
wenig anſtrengenden Poſt= und Celephondienſt ſeit Jahren eine
beleibte, würdige Dame verſehen, aber die hatte plötzlich Ge=
ſelligkeitsgefühle
in ſich entdeckt und Eingaben über Eingaben
gemacht, um aus dem langweiligen Neſt, das in ſeiner winter=
lichen
Abgeſchiedenheit ſtundenweit von einer größeren Stadt
entfernt war, fortzukommen. Nun wurde ſie endlich in eine Pro=
vinzſtadt
verſetzt und an ihre Stelle kam Herr Heinrich Einſam.
Der war ein ganz junger Poſtaſſiſtent, in deſſen Bruſt noch eine
heilige Pflichtbegeiſterung ſchlummerte und der mit den beſten
Vorſätzen ſeinen verantwortungsvollen Platz übernahm. Aber
es gab wenig zu tun, und Herr Heinrich Einſam hatte gründ=
lich
Seit und Muße, um ſich für ſeine Nangerhöhung vorzuberei=
ten
. So übte er einſtweilen ſeinen täglichen Dienſt mit ſtrenger
Gewiſſenhaftigkeit und treuer Hingabe aus.
Aber etwas gab es, was den jungen Mann aus der Nuhe
bringen konnte. Es klingelte jeden Nachmittag, knapp vor
Seierabend, ſechs Uhr, an und ein feines, zagendes Stimmchen
verlangte die Nummer 52. Herr Heinrich Einſam hatte ſich an
dieſe weiche Stimme, die einen ſo bangen Unterton hatte, ge=
wöhnt
. Er freute ſich täglich, wenn die Uhr auf ſechs Uhr
ging, bloß um dieſer zarten Stimme, die ſo warm aus ſeinem
kalten Hörer kam, gefällig zu ſein. Es war dies die einzige
Wärme, die den jungen Poſtbeamten vorderhand umgab, und
er begann die ferne, ſüße Stimme ſtill und ehrfürchtig zu lieben.
Er wußte längſt, daß die verlangte Nummer 52 zu einer großen
Fabrik gehörte, die eine halbe Stunde vom Ort entfernt war,
und daß die Mädchenſtimme aus einer entlegenen Villa kam=
mehr
wußte er aber darüber nicht. Es war ihm auch ganz gleich=
gültig
, ob die Stimme der Cochter des Hauſes gehörte, oder
vielleicht nur einer Angeſtellten, einer Geſellſchaftsdame oder
Erzieherin. Danach fragte Herr Heinrich Einſam nicht, die
Stimme blieb für ihn unerreichbar, und er war dankbar, daß
er ihr bloß gefällig ſein durfte und ſie hören konnte. Sie ſagte
ſtets, wenn er ſie verbunden hatte: Hier iſt Olga und ſo wußte
er, daß ſie Olga hieß. Er ſchaltete ſich auch gewöhnlich, wie es
ſeine Vorſchrift war, am Anfange des Geſprächs ein, wartete bis
dieſes i Gange war, und dann machie er ſich, bis das Schluß=

zeichen ertönte, an ſeinen Klappen zu ſchaffen. Aber er hörte
noch immer, wie das Mädchen ganz weich und melodiſch den
Ingenieur mit ihrer Stimme liebkoſte, und wie dieſer zumeiſt
rauh und abweiſend in ſcharfen, harten Cönen antwortete. Herr
Heinrich Einſam merkte es, merkte es wohl deutlich, daß Olga
den Ingenieur hingebend liebte, und daß dieſer ſchon überſättigt
und gelangweilt ſein mußte. Und der junge Poſtbeamte bekam
eine herzliche Ceilnahme für ſeine unerreichbare Olga, die ſo un=
glücklich
lieben mußte und deren Stimme darum ſo weh und ſo
ſüß klang wie ein leiſer, abſterbender Saitenton. Aengſtlich
vermied er es, das Mädchen perſönlich kennenzulernen, er erkun=
digte
ſich niemals nach den Inſaſſen der entfernten Villa, noch
ſcheuer ging er jedem Verkehr aus dem Wege und verkroch ſich
nach ſeinen Dienſtſtunden ganz hinter, ſeinen Büchern, nur mit
einem innigen Gefühl der Verehrung an die ferne Mädchen=
ſtimme
denkend.
Da kam ein eiſig kalter Wintertag und brachte Herrn
Heinrich Einſam, das größte Ereignis ſeines Lebens, das ihn aus
ſeiner Bahn warf und ſein Inneres gewaltig durchſchüttelte. Es
war am Vormittag geweſen, und der Poſtbeamte hatte eben in
aller Nuhe in die Luft geſchaut, als ſich ein Ferngeſpräch an=
meldete
, die Nummer 52 verlangte und eine herbe, ſcharfe
Frauenſtimme plötzlich aus ſeinem Hörer kam. Seine Nerven
waren geſpannt, er witterte hinter dieſer ſcharfen Stime etwas
Feindliches, etwas, das ſeiner geliebten Mädchenſtimme und da=
mit
auch ihm wehtun mußte. Und ſchwer atmend ſchaltete ſich
Herr Einſam ein, um das Geſpräch zu verfolgen. Die kalte
Frauenſtimme ſprach mit dem Ingenieur, aber dieſer antwortete
nicht ſo rauh und abweiſend, wie er es zu dem feinen. ſüßen
Stimmchen vor ſechs Uhr zu tun pflegte, nein, diesmal klangen
ſeine Worte hittend und ſchmeichelnd. Er bat die Frau. mit
dem nächſten Sug zu ihm zu fahren und heute abend um ſechs
Uhr bei ihm zu ſein. Darauf lachte die grauſame Frauenſtimme,
aber ſchon nach wenigen Minuten ſagte ſie, daß ſie im Cheater
beute keine Vorſtellung hätte und um ſechs Uhr zu ihm kommen
würde. Dann war das Geſpräch beendigt.
Herr Heinrich Einſam wiſchte ſich erregt die Stirn. Alſo
dieſer falſche Kerl von einem Ingenieur hatte Beziehungen zu
einer Schauſpielerin und hinterging ſeine arme ſüße Olga. Düſtere
Wolken umſagerten den ſonſt ſtets heiteren Horizont des jungen
Beamten. Er wußte ja nicht, daß das Lieben und Betrogen=
ſein
zum alltäglichen Leben gehörte wie das Celephonieren. Aber

während er über die Schlechtigkeit der Welt brütete, durchzuckte
ihn plötzlich der Gedanke, daß Olga heute abend um ſechs Uhr
anrufen würde, zu gleicher Seit, in der die Schauſpielerin bei
dem Geliebten war. Schreckliche Perſpektiven eröffneten ſich
Herrn Heinrich Einſam. Gewiß würde der Creuloſe die zarte
Mädchenſtimme heute noch unwirſcher behandeln, ja es könnte
ſogar ſein, daß die Schauſpielerin mit ihrer froſtigen Stimme
einige ſpöttiſche Swiſchenbemerkungen machen würde, es könnte
ſein, daß das arme, kleine Mädchen den ganzen ſchmählichen
Betrug entdecken würde.
Und ſo geſchah es auch, daß knapp vor ſechs Uhr wieder
die warme, liebe Stime aus ſeinem Hörer kam und zitternd
die Nummer 52 verlangte. Der Poſtbeamte fühlte dieſes Sit=
tern
und Vibrieren der Nerven aus dem ſchwarzen Eiſen, er
Jah auf ſeine Klappen, mechaniſch zuckte ſeine Hand, um mit
Nummer 52 zu verbinden, da legte ſich auf ſeine Sime ein
ſchwerer Bann, und indem er die Hand von den Klappen wieder
wegzog, ſagte er mit einer traumbefangenen Stimme, die ihm
ſelbſt fremd vorkam: Ich bekomme keine Antwort, der Ceil=
nehmer
meldet ſich nicht.
Er hörte, wie das feine Stimmchen antwortete: Ach, wie
iſt das möglich? Iſt die Fabrik vielleicht ſchon geſchloſſen?
Und da hatte er das Empfinden, als müſſe er dieſe klagende
Stimme tröſten und ihr etwas Gutes tun. Er ſagte ſo weich,
wie es ihm nur möglich war, als ob er fürchten müſſe, mit einem
lauten Con ihr einen Schmerz zu bereiten:
Es wird wohl etwas früher geſchloſſen worden ſein, oder
vielleicht, es iſt auch möglich, daß daß eine Störung in der
Leitung vorliegt.
Oh, tönte es leiſe aus dem Hörer, wie ſchade, jeden=
falls
danke ich ſchön. Gute Nacht!
Gute Nacht wiederholte er, gute Nacht, und liebkoſte
mit den zwei Worten den feinen Con, der ihm entgegengeſtrömt
war, ſeine Stimme umarmte ein letztesmal ganz leiſe und zärt=
lich
die Gegenſtimme, dann nahm er den Hörer ab. An dieſom
Abend ging Herr Heinrich Einſam nicht direkt heim in ſein
enges. möbliertes Simmer.
Es war etwas Großes geſchehen, und er ging mit gebeug=
tem
Haupt wie erſchüttert durch die Wucht des Geſchicks. Was
hatte er getan? Er hatte ſeine Dflicht aufs äußerſte verletzt,
er hatte ſich ein Vergehen zuſchulden kommen laſſen, das ihm
unter Umſtänden um ſeine ganze Karriere bringen konnte. Was

[ ][  ][ ]

Cintenfiſche und Seeſpinnen.

reihenweiſe den von den verſchiedenſten Cieren bedeckten Meeres=
grund
abſuchen und ihre Körbe wieder füllen können.
Liebe auf den Cangwieſen.
Immer zahlreicher werden mit dem fortſchreitenden Auf=
blühen
des Meeres tagsüber die Boote der Fiſcher draußen auf
See. Und wem bei Nacht das Meer halbwegs ruhig iſt, deh=
nen
ſie ihre Arbeit auch über Nacht aus, und die zahlreichen
grauen Azetylenlichter auf den Fiſcherbooten beleuchten die
Arbeit und ſchützen ſie davor, von den Dampfern überfahren
zu werden. Die im Winter oft ſehr verarmten Fiſchmärkte
ſchiedenſten Meerestiere auf. Denn zu der Schar jener ſonſt
weit draußen, auf den tiefen Meeresgründen lebenden Ciere,
die ſetzt im Frühjahr nur der reichen Nahrung wegen in die
Küſtengebiete herankommen, geſellen ſich andere nicht minder
große Scharen, welche die Liebe auf die bunten Cangwieſen
treibt, die raſch dem Leben auf den ſtinſteren, kalten, nahrungs=
armen
Abgründen des Meeres nun in dem durchwärmten und
an Nahrung ſo überreichen Küſtenwaſſer ausgelaſſenem Liebes=
ſpiel
ſich hingeben.
Mit ſechzehn Fangarmen.
Ein ſolcher Beſucher iſt der Cintenfiſch.
Von einem am Strande liegenden Felsblock aus kann man oft
dieſe ſonderbaren Ciere beobachten. Crotz ihrem Namen ge=
hören
ſie nicht zu den Fiſchen. Es ſind Weichtiere, in die
Klaſſe der Kopffüſſer gehörend, die keine Knochen haben und
als einzig harten Beſtandteil nur eine Kallkſchuppe beſitzen, das
ſogenannte Fiſchbein, das aus poröſem Kalk beſteht und
von den Kanarienvögeln gern gefreſſen wird und auch zur Er=
zeugung
von Sahnpulver dient. Nings um den Mund des
Cieres ſtehen zehn Fangarme, davon zwei ſehr lange, welche
geſondert in zwei Caſchen getragen werden und nur beim Er=
faſſen
der Beute hervorgeſtreckt werden. Alle zehn Fangarme,
welche gegen wanzig Sentimeter lang werden, ſind mit Saug=
näpfen
beſetzt. Was einmal jene zwei langen, mit beſonders
großen Saugnäpfen verſehenen Fangarme gepackt haben, das
iſt verloren. Sie ziehen den zappelnden Fiſch oder den ſich heftig
wehrenden Krebs zum Munde, aus welchem ein papagei=
artiger
Schnabel ſich vorſtreckt, der mit einem einzigen
Biß den Kopf zertrümmert und dem Siſch zunächſt das Hirn
bloßlegt und frißt. Dann beißt der Schnabel die Fleiſchſtücke
ab, die von der feilenartigen Sunge zu einem Brei
zerrieben werden. Auf den beiden Kopfſeiten befinden ſich zwei
große, gelbe, unheimlich blickende Augen, welche Nuhe, Wut
und Leidenſchaft dieſer leicht erregbaren Ciere deutlich wider=
ſpiegeln
. Auf der Bauchſeite ragt gegen den Kopf ein Nohr
aus dem Körper. Es kommt aus dem Atemraum und leitet
das Atemwaſſer ab. Wird aber dieſes mit großem Druck aus=
geſtoßen
, ſo treibt es den Cintenfiſch mit bedeutender Geſchwin=
digkeit
durch die Kraft des Nückſtoſſes nach rückwärts.
Durch dieſes Nohr werden auch die Eier und die braune
Cinte ausgeſpritzt. Dieſe wird in einem Beutel geoildet
und aufbewahrt. Wird er von einem großen Naubfiſch, einem
Hai oder Delphin verfolgt, ſo ſtößt er, in Lebensgefahr, die

war ihm denn eingefallen, daß er die Paſſivität eines Beamten
plötzlich im Stich gelaſſen hatte und aktiv in die Handlung ein=
getreten
war? Wer hieß ihn am telephöniſchen Geſpräch Anteil
nehmen? Mit welchem Nechte durfte er ſich anmaßen, eine
Verbindung nach Willkür einfach nicht herzuſtellen? Um Him=
melswillen
, wohin war er, Heinrich Einſam, ein Poſt= und Staats=
beamter
, wohin war er gekommen?
Friedlich ſtanden die Sterne am Himmel und funkelten
ernſt und feierlich auf die eiſigkalte Winternacht hernieder. Und
während der junge Poſtbeamte gerührt und einſam dahinſchritt,
ging die Nuhe der Natur langſam auf ihn über. Durch all ſein
Bangen und Martern hindurch ſah er plötzlich ein paar ſüße,
ſchüchterne Mädchenaugen, die er nie gekannt, und mit einem
tiefen Seufzer nahm er den Weg heimwärts zu, während ein
zages Unterbewußtſein ſich in ihm durchrang, einem armen, fer=
nen
Menſchen, den er nie geſehen, für eine Nacht Hilfe und
Frieden gebracht zu haben.
Der Bart.
Skizze von Noland Marwitz.
Auf dem dunklen eiſigen Bahnſteig trat ich noch ſchnell an
den Seitungskioſk. Der Mam ſchob das Glasfenſter empor.
Abendausgabe ſagte ich und legte die Meſſingmunze auf einen
Stoß illuſtrierter Seitungen. Erſt ſpäter fiel mir ein, daß ich
das Geldſtück einem aus der Citelſeite lächelnden kaliforniſchen
Badegirl mitten aufs Herz gelegt hatte. Haſtig las ich im trüben
Licht der Perronlampen die Ueberſchriften. Swei Schlagzeilen
ſchrillten auf: Naubüberfall im D=Sug! und Dr. Barlow
freigeſprochen!. Dann tauchten die hölliſch-weißen Augen
der Maſchine aus dem Dunkel auf und ich ſchob das Blatt in
die Caſche. Ich ſtieg in das nächſte Naucherabteil. Es war
leer. Naubüberfall im D=Sug! kniſterte das Zeitungsblatt.
Sch taſtete mich weiter durch den Laufgang des Waggons. Alle
Abteile ſchienen unbeſetzt. Als ich die letzte Cür zur Seite ſchob,
bemerkte ich einen Reiſenden in einem der Eckplätze. Der Sug
rollte ſchon aus der Halle. Mein Gruß ward kaum erwidert.
Ich nahm einen Fenſterplatz dem Fremden gegenüber, klappte
das Ciſchchen empor, legte Seitung und Sigarettenetui darauf.
Ein Blick an die Decke ließ erkennen, daß der rotlackierte Griff
der Notbremſe genau über meinem Platze war.

Linte aus, und mitten in der dadurch entſtehenden ſchwarzen
Wolke bleibt er ſeinem lauernden Feinde verborgen oder ſucht
enter ihrem Schutz zu entkommen. Dann beginnt ein Wett=
ſchwimmen
der beiden Näuber, bei welchem der wenig aus=
dauernde
Cintenfiſch dem Hai oder Delphin regelmäßig erliegt.
Das Chamäleon des Meeres.
* Die Natur hat den Cintenfiſch für ſeine räuberiſche Le=
Hensweiſe auf das trefflichſte ausgeſtattet. Er kann ſich faſt
unſichtbar machen. Drei Farbſtoffe in der Haut kann er
ſo wunderbar einzeln oder zuſammen wirkſam machen, daß er ſo
weiſen vom Februar an eine immer größere Auswahl der ver= ziemlich alle auf ſeinen Aufenthaltsorten vorkommenden Sarben
annehmen kann wie ein Chamäleon. Ueber grauen Schlamm=
grund
erſcheint er daher grau, über hellgelbem Sandgrund ſand=
gelb
. Lauert er in einem grünen Algenbuſch, ſo leuchtet ſeine
Haut in grünen Farben. Fiſche, die vorbeiſchwimmen, bemerken
den lauernden Feind nicht und ſind plötzlich von den beiden
wie Pfeile vorgeſchnellten langen Fangarmen gepackt, und binnnen
wenigen Sekunden iſt ihr Kopf von dem furchtbaren Schnabel
zerbiſſen. Durch dieſe Farbenanpaſſung wird ihm die Räuberei
leicht gemacht, und andererſeits iſt er dadurch gegenüber ſeinen
Feinden ausgezeichnet geſchützt. Wenn er aber erblindet
oder wenn man ihn in den Aquarien, wo er gern gehalten wird,
blendet, da iſt es mit der Farbenanpaſſung vorbei.
Das zeigt den Zuſammenhang ziſchen Sehen und der Anglei=
chung
ſeiner Körperfarbe an der Umgebung.
Die Sontkänen der Cinte.
Der Fortpflanzungstrieb iſt, wie ſchon oben geſagt wurde,
die Urſache des Wanderns von den tieferen Schlammgründen in
die warmen, vom Sonnenlicht durchſtrahlten ſeichten Küſtenwaſſer.
Su Cauſenden werden ſie dabei, beſonders bei Nacht, da
ſie die Netze nicht ſehen, gefangen. Man ſchleift die Netze
über die Algenwieſen dahin, in denen ſie verſteckt lauern. Dabei
fährt das Fiſcherboot langſam gerudert oder unter Segel dahin.
Alle zwanzig bis fünfundzwanzig Minuten werden die Netze ge=
hoben
. Jedesmal kommen ſie mit den mannigfachſten Pflanzen
und Cieren gefüllt herauf. Die Hauptmaſſe beſteht im Küſten=
waſſer
immer aus Pflanzen. Daraus ſuchen nun die Fiſcher alles,
was ſie ſelbſt brauchen oder auf dem Markt verkaufen können
heraus, alſo vor allem die genießbaren Fiſche, dann die Cinten=
fiſche
, Krebſe und Muſcheln. Dieſes Herausſuchen iſt nicht ganz
ohne Gefahr, denn viele Fiſche haben giftige Stacheln.
Vorſichtig muß geſucht und geſchickt gar mancher Fiſch und eben=
ſo
die Cintenfiſche gefaßt werden, damit die letzteren nicht mit
ihrem Papageiſchnabel die Finger durchbeißen,
was ihnen gar keine Mühe macht, oder den braunen Inhalt
ihres Cintenbeutels den Siſchern ins Geſicht ſpritzen.
Oft bringt ein einziger Netzug zweihundert bis dreihundert
Stück, und es iſt ein ergötzlicher Anblick, wenn dieſe Maſſen wahre.
Fontänen der braunen Cinte hoch in die Luft
ſpritzen. Sie alle kommen in einen großen Behälter ohne Waſſer,
darin ſie nach wiederholtem Cintenſpritzen allmählich elend zu=
grunde
gehen. Hier wie auf dem Fiſchmarkt machen die in der
ſchwarzbraunen Cintenſauce liegenden und eigentümlich riechen-
den
Ciere einen wenig appetitlichen Eindruck. Ihr Fleiſch iſt
Der Mitreiſende hatte den Hut in die Stirn gedrückt, ſeine
Augen ſchienen geſchloſſen, ein ſchwarzer Spitzbart verdunkelte
Mund und Kinn. Mechaniſch las ich die Verordnungen an den
Abteilwänden und die Keks= und Schokoladenreklamen, die im
Halbdunkel ſchimmerten, dann brannte ich eine Sigarette an und
nahm die Seitung.
Der Naubüberfall im D=Sug ſchien nicht allzu gefährlich.
Das Opfer durfte hoffen mit dem Leben davonzukommen, dem haben eine Karte Perſonenzug dritter Klaſſe, Sie befinden ſich in
Cäter war die Polizei bereits auf der Spur. Wer aber war
jener Doktor Barlow, deſſen Freiſpruch das Blatt mit ſo großen; mation. Ich zahle nach, ſagte der Fremde gleichmütig. Da=
Lettern verkündete? Ich hatte ſeit Cagen keine Seitung mehr mit iſt es nicht getan. Legitimieren Sie ſich. Reſigniert zog
geleſen. Ich wußte nichts von dieſem Prozeß, aber das Blatt
kommentierte. Das Urteil, das jenen Abenteurer, Dr. Barlow, / Beamten und murmelte mir ein paar abfällige Worte über den
des Mordes an ſeiner Geliebten nicht für überführt anſieht,
ſpricht dennoch von Mangel an Beweiſen. Die empörten Pfui- Caſchenlampe hatte der Sugführer den Paß aufgeſchlagen, ſcharf
der Bekanntwerdung ausbrach, werden hoffentlich auch von dem Sie?! mit einem Griff riß ſich der Fremde den Bart vom
Staatsanwalt, dem ja das Berufungsrecht zuſteht, vernommen Kinn, der Beamte trat einen Schritt zurück, auch ich war auf=
worden
ſein.
Der Fremde mir gegenüber mußte mich beobachtet haben,
er beugte ſich plötzlich vor und flüſterte erregt: Haben Sie die das Paßphoto und nickte beſtätigend. Gut. Weshald aber
Letzten Nachrichten geleſen? Ich verneinte erſtaunt, wandte reiſen Sie dam mit einem künſtlichen Bart, Herr? Es ent=
aber
das Citelblatt und ſuchte die Nubrik. Nun? Willen= ſtand eine Pauſe, die mir ewig währte. Darauf bin ich Ihnen
los, wie hupnotiſiert las ich dem Unbekannten die eine, in fetten keine Antwort ſchuldig. Sie ſind kein Staatsanwalt. Dennoch
Buchſtaben geſetzte Notiz vor, die ich fand: Wie wir kurz vor
des Mordprozeſſes Barlow keine Berufung gegen das frei= entfliehen. In ſolcher Situation hat man auch kaum Seit dar=
ſprechende
Urteil einlegen.
Danke, ſagte mein Gegenüber. Mit einem leiſen Seufzer dritter Klaſſe bekommt, haben Sie mich verſtanden? Der Be=
lehnte
ſich der Fremde zurück ins Polſter und plötzlich, als ſein amte nickte ſchweigend. Er hatte ſich über einen Schreibblock
Geſicht vom Schein der Abteillampe ganz beleuchtet ward, be= gebeugt und notierte ſchweigend. Plötzlich riß er das bekritzelte
merkte ich, daß der dunkle Spitzbart künſtlich, daß er ſehr ſauber Formular ab und zerknüllte es. Er reichte den Paß zurück und
und doch deutlich erkennbar geklebt war. Das Zeitungsblatt
fiel zu Boden, eiskalt rann unerklärbares Grauen über mich, wöhnlichen Suſchlag nachzahlen, Herr Doktor.
ich wandte den Blick über mich, ich wandte den Blick vom
Larvenantlitz des Fremden und ſtarrte in die Scheibe. Dort, im
achten. Er ſchien von meiner Entdeckung nichts bemerkt zu dem Boden des Abteils, das ich ſoeben verlaſſen, lag das zer=
haben
. mit geſchloſſenen Augen lehnte er in ſeinem Polſterſitz. knitterte Abendblatt einer Provinzzeitung und etwas ſchwarze,
Die Nachricht vom Naubüberfall im D=Sug funkte erneut gekräuſelte Wolle, dem Gewölle eines Naubvogels nicht
durchs Hirn. Ich glaubte mich in höchſter Gefahr. Wie fern unähnlich.

nicht ſchmackhaft . Aber die Billigkeit und eine gewiſſe Gewöh=
nung
von Jugend an bringt es mit ſich, daß ſich ſehr viele Leute
auf die Seit der Cintenfiſche freuen. Durch Monate hindurch
ſind dann die Ciereein vielen Familien das tägliche Gericht.
Colle Männchen.
Auch mit der Angel wird er eifrig gefiſcht. Man ködert
ſie entweder mit einem Stück Fiſchfleiſch oder nimmt lebende
Weibchen, aus deren Hinterleib man drei bis vier mitein=
ander
verbundene Angelhaken herausragen läßt, ſo daß das
Cier, an die Angelſchmr gefeſſelt, ſchwimmt. Die liebetollen
Männchen ſtürzen alsbald herbei und bleiben beim Verſuch,
die Weibchen zu umklammern, au den Angelnhängen. Selbſt
künſtliche Weibchen kann man verwenden, da die Männ=
chen
ſich in dieſer Seit leicht täuſchen laſſen. Beim Liebesſpiel
vergeſſen die munteren Ciere auch die ihnen drohenden Gefahren.
So findet man oft Pärchen, die zur Seit der Flut in ſeichten
Mulden nahe dem Strand ſich tummeln. Wenn nach einigen
Stunden die Ebbe eintritt und das Waſſer von Minute zu Mi=
nute
fällt, wird die Verbindung dieſer Waſſerlachen mit dem
Meer unterbrochen. Alsbald verſickert das Waſſer darin und
das Schäferſtündchen endet mit dem Code.
Die geſpenſtiſche Seeſpinne.
Das Fortpflanzungsgeſchäft veranlaßt noch ein andres, den
Siſchern gleichfalls ſehr wertvolles Cier, in ungeheuren Scharen
zum Wandern in das Küſtenwaſſer und in die für ſie aufgeſtellten
kilometerlangen Netze zu gehen: die Seeſpinne, die zweit=
größte
Krabbe aller Meere. Längs der Küſten Dalmatiens,
Griechenlands bis Paläſtina, ebenſo längs der franzöſiſchen, ita=
lieniſchen
und ſpaniſchen Küſte wandern dieſe Krebſe allmählich
ausnahmslos von den tieferen Gründen ins ſeichte Küſtenwaſſer
von Mitte Februar an. Dieſe Krebſe haben nur einen ſehr
kleinen bauchwärts geſchlagenen Hinterleib und gehören
daher zu den Krabben. Von dem gegen den Kopf ſpitz zu=
laufenden
, etwa 20 Sentimeter langen Kopfbruſtpanzer ſtarren
ſeitlich und nach hinten lange Stacheln und ſteife Borſten. Ge=
ſpenſtiſch
lang, faſt einen halben Meter meſſend, ſind die fünf
Beinpaare, den Körper an Länge bedeutend übertreffend. Sie
ſind es auch, welche dem Cier ein ſpinnenartiges Ausſehen geben.
Langſam werden ſie beim Gehen eins nach dem andern vorge=
ſetzt
, und ſo ſehen die Ciere faſt einem rieſigen Weberknechte
ähnlich. Die langen, gegliederten, aus einzelnen Nöhrenſtücken
beſtehenden Beine enthalten das köſtlich ſchmeckende Fleiſch, um
derentwillen die Ciere ſo eifrig gefangen werden.
Wenn Anfang März das Wandern aus der Ciefe gegen die
Küſte ſtärker beginnt, da ſtellen die Fiſch r kilometerweit, immer
parallel zur Küſte, in einer Ciefe von 20 bis 40 Meter ihre Netze
auf. Jedes iſt durchſchnittlich 500 bis 600 Meter lang. Sie ſind
aus einem dünnen, weitmaſchigen Garn hergeſtellt und nur 60
Sentimeter hoch. Die Unterſeite liegt mit kleinen Bleiſtücken
beſchwert auf dem Grunde feſt auf, die obere wird mit Kork
geleichtert, ſo daß die Netze ſtets ſenkrecht im Waſſer ſtehen
Scharen kommen an die Netze heran, verſuchen unten durch=
zukommen
oder darüberzuklettern. Dabei verſtricken ſie ſich

war die Notbremſe dort an der Decke, wie weit die Cür zum
Gang. Wenn ich mich erhob, was würde geſchehen?

Schwere Schritte hallten vom Gang. Hatte er Helfers=
helfer
? Die Cür ſchob ſich auf. Tein Herz ſchlug kaum noch.
Bitte die Fahrkarten ſagte ein Beamter. Während ich noch
die meine ſuchte, reichte der Fremde ſein Billet bereits dem
Kontrolleur. Dienſtlich und kalt klang es im Cürrahmen Sie
einem D=Sugabteil zweiter Klaſſe. Ich erſuche um Ihre Legiti=
mein
Gegenüber einen Daß aus der Bruſttaſche, reichte ihn dem
Staat und ſeine Verwaltung zu. Im Schein ſeiner kleinen
Rufe aber, in welche die vielhundertköpfige Menge, die vordem ſah er den Fremden an. Dieſem Bilde nach können Sie un=
Gerichtsgebäude ſeit Stunden auf die Entſcheidung wartete, bei möglich der rechtmäßige Beſitzer des Paſſes ſein. Meinen
geſprungen, als wäre eine Waffe gezogen worden. Nun, bin
ichs oder . .? Der Beamte warf einen haſtigen Blick auf
will ich Ihnen verraten, daß es Situkationen gibt, in denen
Redaktionsſchluß erfahren, wird die Staatsanwaltſchaft in Sachen ratſam erſcheint, einer brüllenden Volksmenge unerkannt zu
auf zu achten, ob man am Schalter eine Karte zweiter oder
flüſterte mit gedeckter Stimme, es genügt, wenn Sie den ge=
Später, deim Ausſteigen ſah ich ein blutjunges Mädchen
das einen großen Strauß roter Noſen im Arm trug. Sie um=
Spiegel des dunklen Fenſterglaſes konnte ich ihn genau beob= ſchloß meinen Reiſegefährten in hemmungsloſer Hingabe. Auf

[ ][  ][ ]

mit den langen und mit dornigen Auswüchſen verſehenen Bei=
nen
ſo feſt, daß lie ſich nicht mehr befreien können.
Alle lechs Stunden fahren die Siſcher hinaus, um die Netze
zu heben. Um ſie leicht aufzufinden, iſt das eine Ende mit einer
doppelt ſo langen Leine verſehen, als das Meer an der Stelle
tief iſt. Am oberen Ende der Leine iſt ein Kürbis oder eine
weiß oder rot geſtrichene waſſerdichte Blechbüchſe befeſtigt, die
auf der Oberfläche des Meeres ſchwimmt und weithin ſichtbar
iſt. So feſt hängen die Kraben in den Netzmaſchen, daß auch
während des Aufhebens von den 20 bis 40 Meter tiefem Grunde
nur ſelten Ciere herausfallen. Jedes Schiff, das aus Dalmatien
näch Crieſt oder Venedig fährt, iſt von März bis Mai mit zulin=
driſchen
großen Körben beladen, die dicht mit Meerſpinnen ge=
füllt
ſind, darin die armen Ciere ſich kaum rühren können. In
den Vormittagsſtunden ſieht man in allen Städten die Haus=
frauen
vom Fiſchmarkt kommen und ſie tragen die zappelnden
Meerſpinnen an deren Füßen. Venedig wie Crieſt haben ihre
beſonderen Rezepte für die Subereitung. Ihr Fleiſch iſt leichter
verdaulich und ebenſo ſchmackhaft wie das der Hummer. Es
wird in dem ſchalenförmigen Rückenpanzer ſerviert. Den Ver=
brauch
in Crieſt ſchätzte man vor dem Kriege auf mehr als
70 000 Stüch im Jahr.
Seine Majeſtät, der Leſer.
Was Leſer an Seitungen ſchreiben.
Seitungen bekommen täglich eine Unmenge von Briefen
ihrer Leſer. Anregungen, Wünſche und Beſchwerden werden
mitgeteilt. Hier wird nun eine Reihe kurioſer Suſchriften
wiedergegeben, die Nedakteure der verſchiedenſten Cageszeitungen
nicht in den Papierkorb warfen:
Ich habe Sie wiederholt erſucht, keine ſo kleinen Buch=
ſtaben
in Ihrer Seitung zu verwenden, da meine Frau, ſicherlich
die eifrigſte Abonnentin Ihres Blattes, ſchon wiederholt das=
lelbe
zeitweiſe abbeſtellen mußte, weil ſie grauen Star hat.
Ihr geſtriger Konzertbericht entſpricht nicht der Wahrheit.
Sie ſchreiben: Geſtern um 8 Uhr abends . . ." Catſächlich hat
das Konzert erſt 20 Minuten nach 8 Uhr begonnen. Ich war
dort und habe mich geärgert. Warum geben Sie Ihren Kritiſkern
keine richtiggehende Uhr mit?
Mein Sohn hat Ihnen vor etwa ſechs Monaten einen Be=
richt
über meine Krankheit geſendet, ich bitte Sie, denſelben nicht
mehr zu veröffentlichen, da ich ſchon geſund bin.
Ihre politiſche Einſtellung zwingt mich, Ihnen zu ſagen,
daß ich Ihre Zeitung nicht leſe. Crotzden ſchicken Sie mir von
Seit zu Seit Probeexemplare, die ich nicht einmal für Coilette=
papier
verwenden kann, weil mir dazu jene Seitung genügt, die
ich abonniert habe.
In dem Bericht über den Ball unſeres Vereines haben
Sie meine Cochter, die den Schönheitspreis erhielt, als
Frau bezeichnet. Ich fodrere im Auftrage meines minder=

jchrigen Kindes, daß Sie berichtigen, daß ſie ein Fräulein iſt,
weil ſonſt eventuelle Vorehrer wegen Gefahr
eines Ehebruches zurückſchrecken.
In einem Inſerat Ihres Blattes preiſen Sie die R=Seife
an, trotzdem einige Ritarbeiter Ihres Blattes meine Kunden
ſind und meine ſelbſterzeugte Seife kaufen. Ich bitte Sie, dieſen
unlauteren Wettbewerd zu inhibieren, Widrigenfalls ich an Ihre
Mitarbeiter keine Seife mehr abgeben und dadurch großen Scha=
den
erleiden würde, wodurch mir die Möglichkeit genommen wäre,
auch bei Ihnen zu inſerieren, was ich ſchon leit Jahren plane.
*
In Ihrer letzten Nummer bringen Sie eine Codesanzeige
der Fomilie X., die den plötzlichen Cod ihres Familienober=

hauptes mitteilt. Ich kannte Herr R. ſeit Jahren und weiß,
daß er ſchwer leidend war. Von einem plötzlichen
Cod kann alſo keine Nede ſein. Wieſo kommt es,
daß ſich in Ihr ſeriöſes Blatt derartige Falſchmeldungen
einſchleichen?
Es wird Sie intereſſieren zu erfahren, daß Ihr Leit=
artikel
vom Sonntag mich überraſcht hat. Sie ſchrei=
ben
dort, daß die Nepublik die heute einzig richtige Staatsform
ſei. Warum haben Sie das vor 25 Jahren nicht geſchrie=
ben
?? Damals war ich Republikaner und konnte ihre
Seitung aus Geſinnungsgründen nicht leſen und ſo hatten Sie
einen Leſer weniger. Seit 1918 aber bin ich Monarchiſt und
nun kann ich Ihre Seitung erſt recht nicht leſen. Was bedeutet
dieſer unerklärliche Geſinnungswechlel bei
Ihnen?
*
Ihr Cheaterkritiker hat ſich geſtern wieder etwas geleiſtet!
Er ſchrieb, daß der Schauſpieler A. für die Citelrolle in Strind=
bergs
Vater zu jung lei! Und doch, weiß die ganze

Stadt, daß A. vor vier Wochen öwillinge geboren
wurden! Warum kränkt man ihn alſo in ſeiner Vater=
Chre?
In Ihrer Nummer 137, Seite 12, Seile 61, finde ich einen
Marktbericht in dem Sie mitteilen, daß die Küirſchen im Preis
zu hoch ſind. Daran ſind Sie ſchuld! Denn wir Händler
müſſen die Kirſchen in Cüten abgeben und dazu brauchen wir
Heitungspapier!. Wenn Sie mit dem Preis für Ihre
Seitungen herunter gehen werden, wird es auch billigere Kirſchen
geben!
Ich erſuche Sie ebenſo höflich als dringend raſcheſt eine
Berichtigung Ihres Gerichtsſaalberichtes Ein ſchöner Junge‟
vom 18. d. M. zu bringen. Sie teilen dort der Oeffentlichkeit
mit, daß der Angeklagte (ich)) nicht weniger als zwölfmal
wegen Gewaltätigkeit vorbeſtraft ſei. Dieſe Nachricht iſt falſch
und könnte ſowohl meiner Ehre, als auch meinem Fortkom=
men
ſchaden, da ich nur elfmal vorbeſtraft bin, und zwar
nicht, wie Sie ſchreiben, immer wegen Gewalttätigkeit, ſondern
weimal wegen Diebſtahl.
Der Hungrige Club.
Von Ch. Engelmann.
Als die Bürouhr ſich der Mittagsſtunde näherte, erhob ſich
die tagtägliche wiederkehrende Frage, wo wir den Lunch ein=
nehmen
ſollten. Denn dem amerikaniſchen Geſchäftsfreunde war
es eine Ehrenſache, ſeinem deutſchen Gaſte während des kurzen
Aufenthaltes in den Saaten möglichſt viel Cypiſch Amerika=
niſches
und Originelles zu bieten. Die Hauptattraktionen waren
bereits genoſſen: die verſchiedenen Cafeterias, wo man ſich
ſelbſt bedient vom Geſchirrholen bis zum Nachtiſch; die lau=
beren
Vegetarier=Lokale, wo man ſo herrliche Obſtmahlzeiten
erhält; die luxuriöſen Clubs, wo noch in altengliſcher Fülle und
Behaglichkeit geluncht wird.
Uebermäßig originell war das alles nicht geweſen, und ſo
war ich weder ſonderlich begeiſtert noch neugierig, als mir mein
Freund vorſchlug, heute mal zum Hungru Club zu gehen. Wahr=
ſcheinlich
wiedet ſo ein amerikaniſches Abfütterungslokal, dachte
ich mir, wo man durch möglichſt haſtiges Herunterſchlingen ſeines
Fraßes den unerhört beſchäftigten Buſineßmann markiert.
So ſchrauben wir uns denn durch das zur Mittagszeit dop=
pelt
drängende Getriebe der lärmenden Geſchäftsſtraßen und lan=
den
in der großen Halle eines der Nielenhotels. Ein ſeltſam
wohltuender Gegenſatz zu dem verrückten Hetzen und Hupen von
Menſch und Maſchine da draußen: dieſer ruhig gehaltene Naum
in gedämpftem Lichte, die ſchweren Ceppiche, die Laut und Schritt
verſchlingen, die tiefen Seſſel, darin man ſich vom Straßenlärm
und Geſchäftsgehaſte genießeriſch erholt.

Auch der Speiſeſaal, der ſich jetzt öffnet, liegt in wohl=
tuendem
Halbdunkel und erſcheint, trotz der vielen weißgedeckten
Ciſche, faſt behaglich durch die Schwere der dunklen Möbel und
lautloſen Ceppiche. Ein höflicher Herr am Saaleingang händigt
uns eine Karte ein gegen einen Dollar Entgelt. Das ſei die
Eintrittsgebühr zum Hungru Club erläuterte mein Freund der
Lunch ſei dabei eingeſchloſſen. Alſo die übliche Maſſenabſpei=
ſung
, denke ich, äußere aber als höflicher Menſch, der die kind=
liche
Freude der Amerikaner am Gelobtwerden kennt, meine
Bewunderung über dieſe originelle‟ Einrichtung.
Mit Mühe finden wir zwei freie Plätze an einem der zahl=
reichen
Ciſche, indem wir uns zwiſchen eine Neihe haſtig eſſender
Menſchen einklemmen. Schon ſchießt ein weißgekleideter Kellner
heran und klatſcht je einen großen Celler vor uns hin, auf dem
ein Rieſenſtücke Fleiſch nebſt Gemüſe und Beilagen hergerichtet
iſt, fertig zum Verſchlingen. Aha, daher alo der Name Gungru
Club, flüſtere ich meinem ſehr um mich bemühten Freunde zu.
Der aber erwidert nichts, weiſt nur nach der einen Seite des
Saales, wo jetzt auf einem erhöhten Platze ein älterer Herr
erſcheint.
Sofort tritt völlige Nuhe ein, und man hört wir noch das
auf ein Minimum abgedroſſelte Arbeiten der vielen Kaumaſchinen,
das dann bald in der allgemeinen aufmerkſamen Stille untergeht.
Jetzt beginnt der Mann da vorne zu ſprechen, indem er zuächſt
die verehrten Mitglieder des Gungru Clubs willkommen heißt.
Nun wird er wohl die Speiſenkarte für die ganze Woche bekannt
geben oder den Genoſſen dieſes edlen Clubs ähnliche gaſtrono=
miſchen
Offenbarungen machen, will ich gerade meinem Freunde
zuraunen, da fährt der Nedner fort: Ich habe heute die beſon=
dere
Freude und Ehre, Ihnen als hochwillkommenen Gaſt und
als Vortragende Frau ..., die berühmte deutſche Schrift=
ſtellerin
, vorzuſtellen. Und, da dieſe Dame die erſte Deutſche iſt,
die ſeit dem Kriege unſeren Club bechrt, ſo möchte ich Sie bitten,
zur ritterlichen Begrüßung dieſer Frau, ſich von den Sitzen zu
erheben. Was auch einmütig und unter lebhaftem Beifalls=
klatſchen
geſchieht.
Ich bin ſtarr und beſchämt. Nein, ſo etwas hätte ich
in dieſem amerikaniſchen Geſchäftsmilieu und hinter dem ſo ma=
teriell
klingenden Namen des Gungru Club um die Welt nicht
vermutet. Ja, man ſei hungrig nach geiſtigen Genüſſen und
Anregungen inmitten des nüchterenen Bürobetriebes erklärt jetzt
mein Freund leiſe, deshalb habe man ſich zum Hungru Club
zuſammengeſchloſſen. Der tage jede Woche einmal, und zwar,
damit die zumeiſt aus Geſchäftsleuten beſtehenden Mitglieder
nicht zuviel Zeit verlieren, ſtets in der Mittagszeit und in dieſem
Speiſeſaale, ſo daß man da gleichzeitig den Lunch einnehmen kann.
Und es ſeien die beſten Nedner und die intereſſanteſten Chemata,
die den Mitgliedern dieſes hungrigen Clubs geboten würden ...
Inzwiſchen hatte die Nednerin, eine namhafte deutſche
Schriftſtellerin, ihre Vorleſung begonnen. Sie ſpricht deutſch
ohne jede übertragende oder erläuternde Bemerkung, ein ſtreng
akademiſches Deutſch vor dieſem amerikaniſchen Auditorium von
durchſchnitts=gebildeten Geſchäftsleuten. Etwas kühn oder naiv,
ſage ich mir, und rechne reſigniert mit ſehr geringem Intereſſe
und Erfolge, wenn nicht gar mit Widerſpruch. Aber nichts der=
gleichen
!. Andächtig und mäuschenſtill lauſcht dieſe Verſammlung
ungeiſtiger Menſchen den inhaltsſchweren Worten einer fremden
Frau in fromder Sprache, und keine Miene oder Bewegung zeigt,
daß man nur ganz mühſam folgen und ſo doch nur geringen Ge=
nuß
an dem Vortrage haben kam. Zum Schluß dankt ſtarker
Beifall der Nednerin, die über dieſe aufmerklame Anteilnahme
ſichtlich erfreut und gerührt iſt.
Jetzt tritt der Vorſitzende wiederum auf, beglückwünſcht mit
Worten des Dankes die Vortragende zu ihrem großen Erfolge
und eröffnet ſodann die übliche Ausſprache. Lediglich eine höf=
liche
Formſache, nehme ich an, da ſich doch ſchwerlich jemand zum
Wort melden wird, zumal es ſich um ein ganz ungmerikaniſches,
rein abſtraſtes Chema handelte. Weit gefehltl. Schon erheben
ſich drei, vier, ſechs Herren, nennen ihren Namen und bitten zu
den Ausführungen der Rednerin ſprechen zu dürfen. Und wieder=
um
bin ich erſtaunt. Erſtaunt über die bewundernswerte Diſziplin
und klare Sachlichkeit, mit der dieſe Diskuſſion geführt wird. In (.
ausgeſucht höflicher, aber beſtimmter und ganz unperſönlicher
Form werden die gegenteiligen Meinungen vorgebracht und wirk=
ſam
vertretenz und der Vorſitzende weiß geſchickt dieſe Aeußerun=
gen
zu verdolmetſchen und dann die Erwiderungen der deutſchen
Nednerin zu bringen, die ebenfalls mit höflichem Danke entgegen=
genommen
werden. Kurzum, eine ſo muſterhafte und fruchtbare
Diskuſſion, wie man lie wohl in England, dem klalſiſchen Lande
der Oebattierklubs gewohnt iſt, wie ich ſie aber niemals in einem
derartigen amerikaniſchen Geſchäftsmilieu erwartet hättel
Ob mir die Sache gefallen habe, fragt mich jetzt beim Her=
ausgehen
mein Bekannter. So gut, daß ich ſofort Mitglied des
Hungry Club werden möchte. Dann brauchte ich einfach
nächſte Woche wiederzukomen und meinen Dollar für das Eſſen
zu bezahlen, damit würde ich Mitglied des Clubs. Dies tat
ich und tat es jede Woche von neuem, ſolange ich in dieſer ameri=
kaniſchen
Stadt es war Pittsburg, das bekannte Eiſen= und
Kohlen=Gentrum geblieben bin. Und noch manchen inter=
eſſanten
Vortrag habe ich dort gehört, über Gandhi, Muſſolini,
Lenin und andere zeitgemäße Chemata. Als beſonders eindring=
lich
ſteht mir ein Referat in Erinnerung, das ein amerikaniſcher
Profeſſor über das Spenglerſche Buch vom Untergang des
Abendlandes gab und das ſo ſtarkes Intereſſe fand, daß es noch=
mals
wiederholt werden mußte.
Und dies alles zwiſchen Suppe und Kaffee, in der kurzen
Mittagspauſe eines heißen amerikaniſchen Arbeitstagesl

Weiß zieht und ſetzt in drei Zügen mätt.
Prüftellung: Beiß: Kds Db6 Th7 8b2 Be5 42 g5. (7)=
Schwarz: Kd5 Ta5 lg7 8a1 Bat a6 d4 e7 13 16 g4 (11); 34.
Aufgabe 599.
Konrad Erlin in Wien.
(1. Preis, Magyar Sakwiläy. 1912.)
Weiß: K41 De7 Le1 go 8d4 Be4 d6 12 g5 0);
Schwarz: Kes Ta6 La7 8h2 Bes e7 (6):
Matt in zwei Zügen.
Löſungen der Aufgaben 590593.
590. F. Palatz, Urdruck. (Kes Los e4 8b7 18 Bb3 g5: Te6 Ta5 Bb5 14
15 g6, 3.r.) Berführung: 1. I.k6 ſg 7. 18) (7). BbHALet u. 2... . . Ta841
1. Uo3-e5 B:et 2. B:e4. Eine einfache Drohaufgabe.
591. S. Lohd. Amer. Ch. Nuts, 1868. (Kh1 Dbs T41 Uh8 St3 g1 Bd3 h2:
Et2 Tbt Les 8a6 Bh4: 24k.) 1. 813-04: Groht 2. 8h34) 1....7C.):44
2. Db2 (44) X. Zwei hübſche Verſtellungsſpiele mit Linienräumung für die weiße
Dame.
592. B. A. Shinkmann, Detroit, Free Preß. 1882. (Xh2 D13 Tb7 Le7 8g1
Ba2 b6 02 06 g2: Kas Taß e8 Bh5: 34) 1. Khschl: T(ia2, 44, 46, e8,
as. h8), Bh4 2. D(t7, 4, 22, 15, 45, o3, h5). Die ſchwarzen Türme kommen
ſiebenmal in den Gabelangriff der weißen Dame! Eine von den vielen Meiſteraufgaben
Shinkmanns.
593. 2. F. Loſchinskh. Tidſchrift v. b. Neb. Schaakb. 1930. (Ke8 D14 Te7 Le4
Sb5 B44; Kes Ta7 h7 Ta8 18 5a5 Br7. 24t.) 1. Io4-b3i Bre cie ns;
Lg7 Tb7 Lb7 2. Det (D84 Deß D:t7 Te6 TeFut.
Ausnutzung von drei (1) Schnittpunkten (Grimſhaw=gonſtruktion). Ausgezeichnet
Scharade.
Das Erſte iſt ein berühmter italieniſcher Komponiſt, deſſen Werke
auf allen Bühnen aufgeführt werden.

Numm

Aufgabe 598.
ner 414.
T. Salamanca in Las=Varillas.
(Die Schwalbe, 1929.)
4 *
z

Das Zweite ſind dem Klange nach zwei Buchſtaben, die man als Be=
zeichnung
für Unbekanntes gebraucht. Zum Beiſpiel kann man das Wort
Eſſe durch die zwei Buchſtaben S C ausdrücken.
Das Erſte und das Zweite aneinandergereiht nennt etwas, dem ſich
niemand entziehen kann, beſonders nicht in den heutigen ſchweren Zeiten.
Ein hoffnungsloſes Wort.

Durch Umlegung von 3 und Entfernung von einem Hölzchen ent=
ſteht
ein hoffnungsloſes Wort.
Carl Deußel.
Anflöſungen der Rätſel aus Nummer 19.
Wers

Silbenrätſel.
1 Erwerb 2 Rienzi, 3 Fagott, 4 Aluminium 5 Henkel. 6 Re=
dakteur
, 7 Ufer 8 Neigung. 9 Gondel, 10 Irene, 11 Sittich,
12 Treibhaus, 13 Eduard, 14 Irrtum, 15 Nietzſche, 16 Laſſo,
17 Aſchenbecher 18 Nehrung, 19 Gruppe, 20. Eulengebirge,
21 Riemen. Der Spruch lautet: Erfahrung iſt ein langer Weg
und eine teure Schule.

Druck, Verlag u. Kliſches: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 23. Verantwortl. für die Redaktion: Dr. 5 Nette. Darmſtadt. Fernſpr. 1. 2384 2392. Alle Rechte vorbehalten. Nachdr. verboter.

[ ][  ][ ]

WagdlsPobſaäsbagsbSlafblättft

Alſo jetzt kennt doch des Wädder endlich emol Vernumft
anemme, dann s härdſte is ſoweit iwwerſtanne, un die Meß is
erum. Aerchend en blauſiewele Grund hott alſo des Wädder jetzt
net mehr, wo’s druff enei ſindiche, un uns im unbaſſenſte Momend
mit=ere kalde Duſch iwwerraſche miſſe zu glaawe kennt. S derft
alſo jetzt wärklich emol ſchee wärrn, dann ſunſt kann mer ſich jo
bald die Wäld ohne Iwwerzieher un Räjeſchärm kaum noch denke.
Wobei ich näwebei bemärke mecht, daß ich mich vorerſt ohne
Räjeſchärm dorch die Gäjend ſchlengle muß, indem daß meiner ka=
budd
is; er hott uff de Meß ſei Konnſiſtenz verlorn. Ausgerächend
am Meßmondag, wo mer ſunſt mit=eme Meßſtick beglickt is worrn,
do bin ich haamkumme, un hatt mein Räjeſchärm in Form vun=e
paar Meßſticker unnerm Arm.
Und wer is dodro ſchuld? No do brauch mer zu froge. Bloß,
mei ſogenannte Freundin, die Endebärzelſen; die hott=en uff. m
Gewiſſe. Un zwar is däß ſo zugange:
Nemlich am Meßmondag hab ich mir geſagt, alſo was kann
das ſchlächte Läben nitzen, ſchließlich därf mer ſich net bloß dehaam
hieſetze, un in a Loch gucke, ſundern mer muß ſich aach vun Zeid
zu Zeid emol e bische unner’s Volk miſche, ſunſt krickt mer nooch=
geſagt
, mer hett en Graggel, odder ſo .....
No un de Meßmondag is grad ſo de gegäwene Dag; er hott
en genzlich unbollidiſche Aſtrich, un is däßhalb gradezu dezu ge=
ſchaffe
, iwwer alle Klaſſe= un Baddeigäjeſätz ewäck, en verſehnende
Eifluß auszuiewe.
Ich hab mer alſo am Mondag e bische klaa Gäld eigeſteckt,
weil mer s große zufellig emol widder ausgange war, un bin uff
die Meß geſtoche, und hab mer, dem Brodbreis zum Drotz, vor alle
Dinge e warm Waffel einverleibt. Dohärngäje hab ich mich an
däre Bud, wo ſe aam iwwer ſein innerliche un gißerliche Menſche
uffgekleert hawwe, ſachte vabei geſchliche. Ich danke for die Uff=
kleerunge
: Nur für Erwachſene. Zudem macht mir’s de Eidruck,
daß mir, trotz unſerm uffgekleerte Zeidalder, dimmer ſin wie
je; wenichſtens was däß bedrifft. Un es is e ald Subb: nemlich
je mehr mer vun de Krankheide waaß, däſto krenker fiehlt mer ſich.
Sunſt hott awwer die Meß im Allgemeine nor aus fahrende
Agelegenheide beſtande. Un ſo hab ich mer deerſt emol die Do=

kläddert, un hodd ſich mir gäjeniwwer uffgeſpielt, als weer ſe
die Elli Beinhorn un kemd diräckt aus Affriga
No ich hab bloß e bische hochmiedich die Nas gerunzelt, un
hab geſagt, Leit, die wo ſchun in Luftballöhner. Vorſtöß in die
Admoßfäre gemacht hedde; Leit, die wo ſchun aus richdiche Flug=
zeich
geſpuckt hedde, dene kennt ſo e armſeelich Erumgejuggel glei=
cher
Erd net weiders immboniern, däß weer in meine Aage bloß
e Fahrgeläjenheid for unmindiche Verkehrsſaigling. Un zum Be=
weis
, daß mer die mit ihre blächerne Ozeanfahrt noch lang net
kumme kann, bin ich ſtandepee, ſchreech wiſſawie, eniwwer uff die
elektriſch Ruttſchgeläjenheid, wo mer am lagfende Band e ſtick=
wähks
in de Himmel befördert worrn is
Un do is däß baſſiert mit meim Räjeſchärm. Nemlich ich hadd
kaum bezahlt, do ſchiebt mich aaner näwehie, un ſchun laaft mer de
Boddem unner de Fieß berguff devo; un eh ich nor gewißt hab,
wo ich bin, ſchlenkerts mich uff mei ſemtliche buchſtäbliche Sitzge=
läjenheide
, un zärrt mich, die Fieß vornenauszus, in die Heeh
enuff. Unnerwähks hab ich in meine Verzweiflung noch e paar
Borzelbeem geſchlage, awwer verkehrt erum. s hott awwer alles

desfahrt in dem hölzerne Rieſeworſchtkeſſel ageguckt, wo ſe
mietm Modorrad wie verrickt drinn erum gefahrn ſin, immer an
de Wand lang. Un bei dem gruſeliche Ablick hab ich mir ſo im
Stille gedenkt: wann’s uff dere berichdichte Freibahn fier Dich=
diche
aach ſo läwensgefehrlich hergingt, do dhet vermudlich in
unſerm liewe deitſche Vaderland en Haufe Gäld geſpart wärrn.
Awwer du liewer Schiewer, uff däre bewußte Freibahn, die wo
ich do im Sinn hab, do hott noch kaaner es Genick gebroche. Un
wann wärklich emol ganer geſtärzt is, ſo is er waaſch gefalle,
tn es warn immer widder genuch freibahniche Dichdiche do, die
wo for=en eigeſprunge ſin ....."
Dann bin ich eniwwer zu dem blächerne Ozean. Un richdich,
wer ſitzt do kroddebraad in ſo=eme Fahrſäſſel un rittſcht kreizfidel
dorch die Wälle? Mei Endebärzelſen! Ich hedd mich grad
ſchiewelich lache kenne, wie ſe ſe do erum geſtumbt hawwe. Un ich
hab mer net annerſter gedenkt, als wie, bei däre mißte ſich vun
dere Stumberei die ganze Schanniern ausgehenkt hawwe, ſo daß
ſe, wann ſe uffſteiht, zuſammeklabbe dhut, wie en alde Froſchgieck=
ſer
. Awwer wie ſe ihr paar Kreede verjuckt hadd, is ſe rausge=

nix genitzt, ich bin vun dem laafende Band net erunner kumme,
net ehnder, als bis ſe die Maſchinnerie außer Bedrieb geſetzt, un
mich unne widder uff die Baa geſtellt hawwe.
Ich muß ſage, däß war bis jetzt mein greeßte Lacherfolg; mei
Endebärzelſen hott diräckt in=ere Pittſch geſtanne, ſo hott ſe ge=
lacht
. Mir dohärngäie hawwe alle Baa geziddert, un wie ich mich
dobei uff mein Räjeſchärm ſtize wollt, märk ich, daß der bei däre
unſeeliche Rutſchbaddie in die Brich gange is; er hott ſein ganze
Zuſammehang, ſei ganz Konſiſtenz verlorn, un nor am Fudderal
hott mer noch geſähe, daß es en Schärm war.
No ich hab mich jo ſchun oft blammiert, awwer noch ſälde ſo
grindlich. Un de aanziche Droſt is mir im erſte Mommend nor
der gewäſe, daß ſich uff der Rutſchbahn des Läwens ſchun ganz
annern Leit blammiert hawwe. Un wann mer ſich ſchun emol
blammiert hott, ſo därf mer’s vor allem net märke loſſe, ſundern
mer muß dezu des unſchuldichſte Geſicht mache; odder noch beſſer,
mer dhut, als hett mer ſich mit Abſicht blammiern wolle.
Un ſo hab ich dann, wie ſich mei Endebärzelſen widder vun
ihrm Lachkrampf erholt hatt, zuser geſagt, däß wo ſie äwe ſo zum
Lache gereizt hett, däß weer nor e klaa Brob gewäſe vun meine
Geiſtesgäjewärdichkeid in ſchwieriche Läwenslage. Awwer wann
ſe Kuraſch hett, dann ſoll ſe mol mit mir e Schlangefahrt uff de
Achterbahn rißgiern, do ſoll ſe erſt emol ſähe, wie ich die Sidde=
watzion
behärrſche dhet; un ſälbſtverſtendlich ging die Fahrt uff
mei Koſte.
Nu muß mer mei Endebärzelſen kenne: wann’s uff de annern
Leit ihr Koſte geht, leßt ſe ſich’s net zwaamol ſage! Sie is alſo
mit, un kaum, daß ſe uns uff die Heeh enuff geleiert hadde, do
hott ſe ſich a iwwers annermol verfärbt, un ſchun nooch de erſte
Schleif is ſe mer dodal ſeekrank an die Bruſt geſunke, wie e Haifche
Unglick, un hott flehentlich um Erleeſung vun allem Iwwelſei
gebäddelt ...."
Nun weer nadierlich, die Reih an mir gewäſe, zum Lache.
Awwer do hatt ich gorkaan Grund dezu, dann wie mer ausgeſtieje
ſin, mußt ich aſtandshalwer dem Achterbehnler aach noch e Mack
Drinkgeld gäwwe. For’s Sauwermache. Awwer däß war mir
mei kabbudener Räjeſchärm ſchun wärt.
Schließlich, wie ſe widder einigermaße bei ſich war, wollt ich
ſe noch mit in de Wilde Eſel nemme. Awwer ſie hott ge=
maant
, ſie hedd wilde Eſel genug. No un do konnt ich=er wärk=

Der zeitgemäße Haushalt.

Küchenzettel für die Zeit vom 11.17. Mai.
(Mitgeteilt vom Hausfrauenbund Darmſtadt.)
Die Koſten des Speiſezettels ſind für 6 Perſonen berechnet.
Montag, den 11. Mai:
Kerbelſuppe
0.30
Kartoffelpudding mit Buttertunke und Salat.
1.50

U

180
Dienstag, den 12. Mai;
Blumenkohlſuppe (Würfel)
0,30
Spinat mit Setzeiern und Bratkartoffeln

im
Mittwoch, den 13. Mai:
0.35
Semmelſuppe
Bratwurſt mit Kartoffelpüree, Salat.
250

2,85
Donnerstag, den 14. Mai:
0,50
Reiscremeſuppe
Schinken mit Spargeln, br. Butter, Kartoffeln . . 5.10
9
Weincreme
..
..

760
Freitag, den 15. Mai:
0,30
Grünkernſuppe
Fiſchkoteletten, Kartoffelſalat, Kompott (Vorrat) 2.40
270
Samstag, den 16. Mai;
0,90
Kartoffelſuppe mit Blutwurſt" .
1.60
Omelette mit Kräutern..
2,50
Sonntag, den 17. Mai:
0.50
Spargelſuppe
5,20
Roaſtbeef mit Karotten und Pommes frites.
1.20
Rhabarbertorte.
6.90
Anmerkung: Friſcher Seefiſch hat Seegeruch; es iſt rat=
am
dem Kochwaſſer einen Guß Eſſig zuzugeben. Jeder Fiſch ſollte
Stunde vor dem Kochen, Dämpfen oder Braten mit Salz be=
treut
und mit Zitronenſaft beträufelt werden.
Kartoffelpudding. 300 Gr. tags vorher gekochte Kartoffeln
verden gerieben und unter ½ Pfund ſchaumig gerührte Butter ge=
nengt
. Zwiebel und Peterſilie dämpfen, dazu geben, mit Salz
und Muskat abſchmecken. Dann gibt man 5 Eigelb, zuletzt den

Eierſchnee daran. Sollte die Maſſe zu feſt ſein, etwas Milch zu=
gießen
. Der Pudding wird in eine gut gefettete, mit Mehl be=
ſtäubte
Form gefüllt und 1 Stunde im Waſſerbad gekocht.
Reiscreme=Suppe. Die fertig gekochte Reisſuppe wird durch=
paſſiert
und mit Ei und Sahne abgerührt.
Weinereme. Eine tiefe Schale wird mit ½ Pfund Makronen
belegt, ½ einer Flaſche Wein (auch Apfelwein) mit 140 Gr. Zucker
aufgekocht. 7 Eidotter mit 35 Gr. Mondaminſaft und der Schale
1 Citrone glatt gerührt, der abgekühlte Wein dazu, auf ſchwachem
Feuer unter beſtändigem Rühren aufkochen und über die Makronen
gießen. Mit dem Eierſchnee verzieren.
Washeißt Unterziehen des Eisſchnees unter
den Teig? Anfängerinnen auf dem Gebiete der Backkunſt wer=
den
ſich manchmal nicht erklären können, wie ihr Kuchen trotz reich=
lich
Eisſchnee in ſehr ſteifem Zuſtand nicht genügend geſtiegen
iſt. In derartigen Fällen liegt dies an der Art des Bei=
fügens
. Eisſchnee darf nur ganz leicht und loſe mit dem Löffel
unter den Teig gezogen werden, wobei jedes Schlagen oder Rüh=
ren
zu vermeiden iſt, wodurch ſonſt die Luft aus dem Schnee ge=
ſchlagen
würde.
Harzflecke in Kkeidern und Wäſche. Hat man ſich
durch Unvorſichtigkeit im Früjahr von den Bäumen. Harzflecke zu=
gezogen
, ſo weiche man ſie mit Spiritus oder reinem Terpentin
ein, wobei man die betreffende Stelle mit dem Handballen reibt.
Eine nachfolgende Behandlung mit warmen Gallſeifenwaſſer und
ſofortiges Bügeln unter aufgelegtem ſauberen Tuch, wird auch die
letzten Spuren der Flecke tilgen.
Die Bowlenſaiſon beginnt! Mit dem Wonne=
monat
beginnt auch wieder die alte Zeit der Maibowle, an
deren Spitze die traditionelle Waldmeiſterbowle ſteht, die bei
beſonderen Anläſſen den Gipfelpunkt kuliniriſcher Genüſſe bildet
Damit das in den Blättern des Waldmeiſters enthaltene Cuarin
ſich der Bowle reſtlos mitteilt, iſt es notwendig, daß man erſteren
völligfriſch (nicht ſchon angewelkt) flüchtig mit kaltem Waſſer
überſpült, dem Wein beifügt, mit dem man dieſen verdeckt eine
Stunde ziehen läßt. Zur eBreitung der Maibowle iſt leichter.
nicht ſaurer Weißwein, empfehlenswert. Zuſätze von Mineral=
waſſer
ſollten nur in beſcheidenſter Menge erfolgen, da dieſe der
Bowle leicht einen ſalzigen‟ Geſchmack verleihen. Wer prickelnde
Bowle liebt, muß ſich wohl oder übel mit dem Zuſatz von Schaum=
wein
befreunden. Das Süßen, das man zur Erſparnis an Zucker
auch mit Süſtofflöſung vornehmen kann, ſollte vorſichtig geſchehen,
damit ſie nur leicht ſüß ſchmeckt. Jedes Zuviel beeinträchtigt
das zarte Aroma. Die bei anderen Bowlen üblichen Würzen ſoll=
ten
bei der Maibowle unbedingt wegfallen, damit das zarte
Aroma ohne jeden eBigeſchmack zur Geltung kommt.

lich net ſo unrecht gäwwe, dann die Bud war aach am ſchlechſte
beſucht. Kunſtſtick! Bei de heidiche Zeide, do hott mer’s grad
needich, for ſo e alldäglich Addrackzion aach noch Gäld auszu=
gäwwe
.
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchribbdumm: Mer ſegt jo als: Dreimoldrei is
Buwerecht! Ich hett alſo nir degäje eizuwenna gehatt, wann
mer bei unſere ſtadträtliche Edadsberatſchlagunge wenichſtens aach
hinnenooch hett ſage kenne: Alle gude Dinge ſin drei! Awwer
däß war leider net der Fall. Sie hawwe zwar vun dem Buwe=
recht
Gebrauch gemacht, awwer es hott ſich leider gezeicht, daß
in dem Fall alle gude Dinge net drei gewäſe ſin. Un ſo weer
der dritte Noochmiddag im Grund genumme gornet needich ge=
wäſe
, wann unſer ſtadträtlich Pallas Athene net aach noch ihr
Weisheit hett los wärrn wolle. Kollechialerweis hawwe dann
e paar annern ſtadträtliche Götter aach noch ihrn Semf dezu=
gäwwe
un an Weisheit beigeſteiert, was ſe in de Geſchwindich=
keid
uffbringe konnte. Awwer der dritte Noochmiddag hott bloß
bewieſe, was die zwaau vorhergehende Noochmiddäg ſchuns gezeicht
hawwe, nemlich, daß des Pflenzche Weisheit, däß wo uft unſerm
Rodhaus gezicht wärd, doch en recht kimmerliche Eidruck macht,
drotzdem ſe’s ſehr pfleglich behannele, un dhuns ſogar als vun
Zeit zu Zeit mit Reſchiewei begieße.
Awwer was war nu bei däre Edadsberadung der Weisheit,
letzter Schluß? Mer hott den ungedeckte Edad a genumme
un leßt im iwwriche Gott en gude Mann ſei. Alſo däß Ge=
ſchäft is richdich, un ſo hott’s aach ſchun unſer Darmſtädter Finanz=
ſchenie
, de Herr Partikuliee Datterich, gemacht. Der hott aach
immer gedenkt: Kimmt Zeit kimmt Draht! un hott ſich ſtets
uff den Retter verloſſe, den wo em de Himmel in der Nod ge=
ſchickt
hott.
Un der Retter, uff den unſer Stadtrat hofft, der haaßt in
dem Fall Staatskommiſſar Der ſoll en alſo de
Dorn aus em Fuß ziehe, odder uff gud deitſch geſagt: die Ver=
antwortung
abnemme. Der ſoll alſo ſein Kobb rißgiern.
No, mer därf ſich die Sach agucke, wie mer will, awwer mit
däre vielgeriehmte Demogradie hott däß waaß Gott nir zu dhu.
s is nor e Glick, daß unſer Herr Owwerowwer mit=eme ge=
radezu
vorbildliche Obdimißmuß behafft is er wärd in däre Be=
ziehung
heechſtens noch vun unſerm heſiſche Finanzminiſter iwwer=
droffe
. Die zwaa ſind, alſo dauernd in guder Hoffnung, un die
muß mer ſich alſo zum Beiſpiel nemme, wann mer aus dieſes Tales
Grinden noch de Auswähk finne will
Iwwrichens: Auswähk! Do is die Woch aaner im Land=
dag
in=eme lichte Momend uffe Idee kumme un hott gemannt, er
wißt en Auswähk, wie mer uff e billich Art neie Middel uffdreiwe
kennt. Nemlich mer mißt e Zwangsſparkaß eifiehrn, un
uf die Art de Leit des Gäld eraus,luxe‟. Valleicht bild ſich
der uff die Idee noch was beſunneres ei, un is jedenfalls ſehr er=
ſtaunt
, wann ich em ſag, daß die Zwangsſparkaß bereits vor Johrn
unſer frieherer Bauborjemaaſter eifiehrn wollt. Er is ſpee=
der
widder devo abkumme . ..
Awwer ich ſag mir, zu was brauche mer e Zwangsſparkaß,
mir hawwe jo des Finanzamt. No, un däß wärd letzten
Ends im Aeffäckt uff aans erauskumme
Jedenfalls därf mer awwer bei aller Nod net nerfees
wärrn. Däß ſcheine ſe mir awwer im Landdag langſam zu ſei. Un
ausgerächent aach noch die Juriſte, vun dene mer doch anemme
ſollt, daß ſe feſt wie en Fels im Sturm der Leidenſchafte ſteh.
s hott ſich awwer aach gezeicht, daß aaner Neiroth haaße kann,
un ſich doch net ſo neirot zu gäwwe brauch, wie mer’s valleicht
gern ſähe dhet. Däß liggt ſcheints am klaane h hinne
Der Freidag war alſo widdermol en Dies ader un hott ſeim
Name als Unglicksdag alle Ehr gemacht

Humor

Faule Ausrede.

Was ſagen Sie, mein Herr, das wäre nichts beſonderes? Schön
ich lade Sie ein, mit mir im Käfig des Löwen eine Partie Sechs=
undſeichzig
zu ſpielen.
Würde ich mit dem größten Vergnügen tun aber leider kann ich
nicht Sechsundſechzig!
Beim Heiratsvermittler. Könnten Sie mir vielleicht mas
eine Photographie der Dame zeigen, deren Mitgift 125 000 Mark
beträgt? Das tut mir ſehr leid, mein Herr, von 100 000 Mark
aufwärts gibt es keine Photographien mehr! (Paſſing Show.)
Gefährlich. Denke nur, Alfred hat eben deine Schwieger=
mutter
mit dem Auto angefahren! Um Gottes Willen! Lebi
(London opinion.)
er noch?
Die Mode. Sie: Ich bin neugierig, was für Hüte in dieſem
Herbſt modern ſein werden! Er: Liebes Kind, genau wie in
jedem Jahr! Zwei Hutarten werden modern ſein die, die die
nicht gefallen, und die, die ich nicht bezahlen kann!
(Scarborough Poſt.)
Berufswahl. Ihr Sohn ſoll Piccolo werden? Das würde
ich aber ſehr überlegen! In dieſem Berufen ſtirbt man doch ſo
früh! Wieſo, woher wiſſen Sie denn das? Na, haben Sie
denn ſchon mal einen alten Piccolo geſehen?
(Berlingske Tidnede.),
Familienſinn. Fürchterlich! Seit acht Tagen habe ich
raſende Zahnſchmerzen, daß ich kaum noch aushalten kann! War=
um
gehen Sie dann nicht zum Zahnarzt? Ich will warten,
bis mein Sohn im nächſten Jahr ſeine Praxis aufmacht!
(Karikaturen.)
Der Philoſoph. Seit einer Stunde ſtehen Sie hier vor dem
Käfig und betrachten das Zebra!. Ich grüble über den Zy=
ſammenhang
der Dinge!. Iſt das Zebra weiß und hat es ſchwarp
Streifen, oder iſt es ſchwarz und hat weiße Streifen?
(Schweizer Illuſtrierte.)
Der Grund. Papa, kann ich heute mal zu Hauſe bleiben,
ich fühle mich nicht wohl? Wo denn, mein Junge?" In des
(Söndagsniſſe.)
Schule!

[ ][  ][ ]

Blüten, Blüten und
wieder Blüten!
bringt uns der Frühſommer auf den neuen Klei=
dern
, und zwar ſetzt ſich dieſe Muſterung keines=
wegs
nur in der nachmittäglichen Mode (alſo für
elegante Kleider) durch, ſondern ſcheint auch für
einfachere Stücke, die man für die Promenade an
warmen Tagen heranzuziehen gedenkt, richtung=
gebend
werden zu ſollen.
Noch vor kurzem war man davon durchdrun=
gen
, daß die neuen bunten Seiden geometriſch=
ornamental
gemuſtert ſein würden, doch hat
einem die Mode der letzten Wochen entſchieden
eines anderen belehrt.
Die neuen Imprimes bringen nämlich faſt
ausnahmslos ſehr reizvolle, manchmal eigenartig
ſtiliſierte Blütendeſſins, faſzinieren durch ihren
Farbenreichtum und durch die Schönheit der
Zeichnung und wahren dabei alle die Tendenz
des gedeckten Muſters, was ſo zu verſtehen iſt,
daß man heuer nicht etwa wie im Vorjahre ver=
ſtreute
Motive bringt, ſondern durch eine ſoge=
nannte
Zwiſchenmuſterung oder Grundie=
rung
jedem Imprimédeſſin eine gewiſſe ver=
ſchwimmende
Note gibt, die zweifellos für den
Erfolg der neueſten bunten Seiden entſcheidend
ſein wird, da es bekanntlich im Vorjahre viele
Damen gab, die die markanten Effekte der
Streumotive als allzu auffällig ablehnten und
darum die ruhige Art der neuen Seiden zu
ſchätzen wiſſen dürften.
Unter den verſchiedenen Imprimés
gibt es natürlich inſofern große Unter=
ſchiede
, als das Material, das für die
Promenade herangezogen wird, ganz
anders ausſehen muß als die Gewebe,
die für nachmittägliche Kleider in
Frage kommen.
Während nämlich im erſteren Falle
ausſchließlich undurchſichtige Sei=
den
(Chinakrepp oder Mongol= Im=
primé
) Verwendung finden, iſt das
nachmittägliche bunte Kleid immer aus
blumig ornamentiertem Georgette oder
Chiffon hergeſtellt, da ja ſchon die duf=
tige
Weichheit dieſes Materials ſeine
Verwendung vorherbeſtimmt.
Nach dieſem Schema können auch die
Arten der verſchiedenen Deſſinierungen
eingeteilt werden, denn während ein
Chinakrepp immer mit einem kleinen
Blütenmuſter verſehen ſein wird, iſt
man oft in der Lage, bei den verſchie=
denen
Gaze=Chiffons, die der nachmit=
täglichen
und abendlichen Mode die=
nen
, ganz große Blütenornamente feſtzuſtellen, wobei aber wie
ſchon früher betont wurde trotzdem noch eine verſchwimmende
Muſterung als Grundierung notwendig iſt, da auf dieſe Weiſe
ſelbſt eine großgeblumte Gaze=Seide niemals aufdringlich wirken
kann.
Auch die Formen der neuen Impriméſchaffungen richten ſich

Bei Regenwetter an warmen Cagen
iſt die Wahl einer entſprechenden Umhülle mitunter wahrhaftig
keine leicht zu löſende Frage, denn jeder waſſerdichte Mantel er=
weiſt
ſich dann als viel zu ſchwer, ſo daß man genötigt iſt, nach
einem richtigen Ausweg zu ſuchen.
Die kommende Mode ſtellt für ſolche Gelegenheiten neuerlich
die ſogenannten Froſchhäute in den Vordergrund, worunter

ganz nach ihrem Verwendungszweck, da die Trotteurſachen mit mög=
lichſt
einfachen Mitteln hergeſtellt werden, während die für den
Nachmittag und Abend beſtimmten Modelle durch Anmut und
Originalität der Silhouette auffallen ſollen.
Einige für die neueſte Mode unbedingt als richtunggebend zu
bezeichnende Schaffungen bringen wir in unſerer Gruppe:

während das Innere des Blütenblattes aus einfärbigem Mate=
rial
, meiſt aus Georgette, hergeſtellt iſt. Solche Spitzenblumen
ſieht man hauptſächlich in Weiß, doch gefallen auch zart getönte

jene durchſichtigen Mäntel zu verſtehen ſind, die man ſeit einiger
Zeit in allen erdenklichen grellen Farbtönen zu ſehen bekommt.
Eine ſolche Umhülle vermag tatſächlich vollkommen vor Feuch=
tigkeit
zu ſchützen und iſt wenn der Regen aufhört, klein zuſam=
menfaltbar
und in einem Täſchchen aus dem gleichen Materiale
leicht unterzubringen, ſo daß die große Beliebtheit dieſer Stücke
durchaus begreiflich erſcheint. Die neueſten Froſchhaut=Mäntel
bringen natürlich die Modefarben der Saiſon, vornehmlich: Gelb,
Brandrot, Grün und kobaltblau (Skizze).
W. U.
Hauchzart und ganz wundervoll
in der Ausführung
ſind die Anſteckblumen der Saiſon, die ihre Wirkungen aus fein=
ſter
Handarbeit holen, worin denn auch ihr beſonderer und neu=
artiger
Reiz liegt, der vielleicht nicht zuletzt auch deshalb ſo gro=
ßen
Anklang findet, weil er die Tendenz der neueſten Mode ganz
überaſchend gut erfaßt.
Dieſe Anſteckblumen werden aus vielen kleinen Blättchen zu=
ſammengeſetzt
, deren jedes mit feinen Spitzen abgekantet erſcheint,

Stücke außerordentlich gut, in welchem Falle die Innenſeite des
Blattes jeweils in lichter Paſtellſchattierung gehalten zu ſein
pflegt, während die Spitzenrandung naturfarben belaſſen wird.
Anſteckblumen dieſer Art gehören wohl zu den eleganteſten Gar=
nierungen
der frühſommerlichen Mode und ſind ſicherlich vornehmer
als alle Garnierungseffekte, die man ſeit vielen Jahren ſehen
konnte.
W. U.
Die nachmittägliche Eleganz
iſt nun nicht mehr auf die verſchiedenen Seidenſchaffungen be=
ſchränkt
, denn gerade die letzte Zeit brachte uns eine Neuheit, die
in modiſchen Kreiſen mit Berechtigung vielfach Erörterung findet
und für die nächſte Zukunft richtunggebend werden ſoll.
Es ſind dies die allerletzten Erzeugniſſe der Strickmode, die
mit ihren Bouclé=Modellen allgemeines Aufſehen erregt.
Bouclé iſt ein Schlagwort, das jenen, die ſich eingehend mi=
Modefragen beſchäftigen, vielleicht nicht mehr ganz neu iſt: heuer
aber handelt es ſich um eine höchſt bemerkenswerte, eigenartig
körnige Struktur, die ſehr erfolgverſprechend iſt, da man bekannt=
lich
alle porös wirkenden Modelle liebt, und ſomit von Bouclé,
das in dieſer Hinſicht außerordentlich prägnant iſt, entzückt ſein
muß.
In der Herſtellung von Bouclé ergeben ſich inſofern man=
cherlei
Schwierigkeiten, als in der Maſchine oftmals jene unwill=
kommenen
Streifen entſtehen, die die einſchlägigen Werkſtätten
außerordentlich fürchten, da ein ſtreifiges Bouclé=Modell voll=

Da iſt an erſter Stelle das klein=
geblumte
nachmittägliche Trotteur,
(ein neues Schlagwort der Mode!) zu
ſehen. Das Oberteil iſt ganz ſchlicht,
viereckig ausgeſchnitten und unterhalb
des Ausſchnites mit ſchmalen Spitzen=
rüſchen
beſetzt; die Rockpartie zeigt keil=
förmig
verbreiterte Bahnen, deren un=
terer
Teil aufſpringende Falten vor
Augen führt. Zu einem derartigen
ärmelloſen Sommerkleide wählt man
ein gerades Jäckchen mit kurzen Aer=
meln
, die in Uebereinſtimmung mit
der Garnierung des Kleides mit
aus Spitzenrüſchen gebildeten Stulpen
verſehen ſind.
Das ausgeſprochene Nachmittags=
und Geſellſchaftskleid ſieht natürlich
weſentlich anders aus und ergibt ſchon
durch die Verwendung des buntdeſſi=
nierten
duftigen Gaze=Chiffons ein
vollkomen geändertes Bild. Hier iſt
die eigenartige neue Silhouette mit
ihrer geraden Grundform und den ſeit=
lichen
, unten weit aufſpringenden Kei=
len
ſehr beliebt, da ſie eine ebenſo
ſchicke wie intereſſante Richtung andeu=
tet
und vollendete Schlankheit der Er=
ſcheinung
mit jugendlicher Anmut ver=
einigt
. Für die obere Partie gelten
Revers als beachtenswerte Neuheit der
Saiſon. Der Aermel hat vielfach
die ſog. Dreiviertellänge und wird
kelchförmig aufſpringend geſchnitten, ſo
daß Handſchuhe in Verbindung mit ſol=
chen
Modellen immer am Platze ſind.
Sehr reizend iſt ein mit gleichem
Imprimematerial überzogener Son=
nenſchirm
(Mittelbild).
Das neue ſommerliche Abendkleid,
das natürlich jetzt ſchon ſehr intereſ=
ſiert
, hält ſich gefliſſentlich von jeder
Theatralik fern, iſt alſo ſchon darum
von den Schaffungen des Vorjahres
grundverſchieden. In der Hauptſache
iſt der Wunſch nach beſonderer An=
ſpruchsloſigkeit
vor allen Dingen in der
Kürze des neuen ſommerlichen Abend=
kleides
feſtzuſtellen, womit auch von
vornherein jede Förmlichkeit ausge=
ſchaltet
iſt. Ein ſehr reizvolles, in drei
Volantſtufen geteiltes Kleid mit gro=
ßem
Blütenmuſter, das aber durch
Rankenmotive die moderne verſchwim=
mende
Note erhält, führen wir in der
letzten Skizze vor Augen. Die Frage,
ob ärmellos oder nicht, wird durch
einen capeähnlichen Schulterkragen,
der rückwärts verknotet wird alſe
eigentlich in Form eines modiſchen Kompromiſſes ſicherlich
unter allgemeinem Beifall beantwortet.
Modelle dieſer Art haben den Vorteil, daß man ſie nicht nur
abends, ſondern gelegentlich auch nachmittags tragen kann, wo=
durch
die neue Mode einem lange gehegten Wunſche der Dame
Rechnung trägt.
Willy Ungar

ſtändig unverwendbar iſt, ſo daß oft ein Stück mehrmals gear=
beitet
werden muß, ehe es einwandfrei und von jener untadeligen
Wirkung iſt, die man von dieſen Modellen fordert. Natürlich iſt
unter dieſen Umſtänden ein Complet (man ſchätzt hier nämlich die
ſchicken Enſemble=Wirkungen) nicht mehr zu den wohlfeilen
Garderobeſtücken zu zählen, doch wird es ſicherlich durch Originali=
tät
des Effektes und die durch die Schwierigkeit der Herſtellung
bedingte Exkluſivität zu entſchädigen vermögen.

Dieſem Umſtande Rechnung tragen, kombiniert man Bouclé
immer mit den allerneueſten Errungenſchaften der Strickmode und
verbindet es ſehr gerne mit der neuen Jerſey=Spitze, die ſich von
den feinſten Seidenſpitzenmaterialien kaum unterſcheiden läßt. Die
Zuſammenſtellung von heller Jerſeyſpitze mit dunklem Bouclé
ſchafft Wirkungen von vornehmſter Note. Beſonders die nachmit=
täglichen
Complets ſind dank außerordentlichem Schick ins Auge
fallend (Skizze).
W. U.
Kinder=Spielanzüge und =ſchürzen auf ein=
fachſte
Weiſe zu reinigen. Dieſe Art Kinderkleidung,
die zumeiſt ſehr ſchnell die Spuren des Spielplatzes aufweiſen,
bedarf einer Schnellwäſche, um ſofort wieder gebrauchsfähig
zu ſein, alſo nicht erſt bis zur ſog. großen Wäſche warten zu
müſſen. Man weiche ſie in kaltem Waſſer ein, um ſie dann in
einer Waſchlauge von 1 Eimer lauem Waſſer, auf den man 34
Eßlöffel kalt verquirltes Perſil rechnet, durchzuwaſchen. Dann
mehrmals in öfter gewechſeltem warmen Waſſer, zuletzt in Eſſig=
waſſer
geſpült, hänge man ſie zum Trocknen nach links gewendet im
Schatten auf. Noch halbfeucht gebügelt, kann ſie dann bereits
am nächſten Tag wieder in Gebrauch genommen werden.

[ ][  ][ ]

Nummer 129

Sonntag, den 10. Mai 1931

19)

Stawia woink anssstet.

Roman von Alexandra von Boſſe.
Copyright 1930 by Karl Köhler u. Co., Berlin=Zehlendorf.

(Nachdruck verboten.)

Wenn ich’s Geld hätte, ſagte Richard, würde ich dir dieſes
Stück hier abkaufen und eins hinſetzen.
Aber ich gäbe es für kein Geld der Welt her, war die
Entgegnung, worauf Richard auflachend meinte:
Keine Sorge, Onkel Poldi, eine ſolche Idee zu verwirklichen
liegt ja für mich ganz außer aller Möglichkeit, wo ich mir noch
nicht einmal den Doktorhut erworben habe."
Wenn du den erwerben willſt, dann halte dich dazu und
gehe nicht erſt in Italien herumbummeln. Noch einmal ſage ich:
bleibe hier, mache meinetwegen dein Staatsexamen, dafür langt,
was du haſt, und das Weitere wird ſich finden.
Es war wieder ein halber Vorſchlag, aber Richard ſagte ſehr
beſtimmt:
Ehe ich irgendwas beginnen, zu irgend etwas mich ent=
ſchließen
kann, muß ich erſt nach Italien.
Na, dann bleibe nur gleich für ganz da unten, knurrte ge=
ärgert
der Alte.
Schweigend gingen ſie dann zum Walſerhof hinab. Richard
ſah ein, wie ſehr er den Onkel, deſſen Wohlwollen er doch ſo ſehr
brauchte, durch ſeine Abſicht, nach Italien zu gehen, gegen ſich
aufbrachte. Der alte Herr hatte ihn faſt wie einen heimgekehrten
Sohn bei ſich aufgenommen, nachdem er ihn ſeit mehr als zwanzig
Jahren nicht mehr geſehen hatte, obgleich er als Menſchenfeind
verſchrieen war. Nach den Andeutungen, die er den Tag zuvor ge=
macht
, war es ſogar möglich, daß der Alte beabſichtigte, ihn zum
Erben des Walſerhofes einzuſetzen. War es nicht töricht, ſich eine
ſolche Ausſicht zu verſcherzen? Wahrſcheinlich war es, daß er
einer Utopie nachjagte, indem er jetzt nach Italien ging, um
Flavia aufzuſuchen. Wahrſcheinlich war, daß auch zu ihr die
irrige Meldung über ſeinen Tod gedrungen war und ſie ſich längſt
verheiratet hatte, gar nicht mehr an ihn dachte. Geſcheiter würde
es ſein, das Glück, das ſich ihm bot, beim Schopf zu faſſen, ſich
dem Onkel allmählich unentbehrlich zu machen. Wenn er ſtatt
Mediziner nun Landwirt wurde, brachte er kaum ein Opfer, denn
dafür hatte er immer Sinn gehabt. Schließlich machte es ſich,
daß er Traudi heiratete, dann war dem Alten, ihm ſelbſt und dem
lieben Mädel geholfen.
Solche Gedanken gingen ihm durch den Kopf, während er
neben dem Onkel über die Wieſen ging, die vielleicht einmal ſein
werden würden, wenn er jetzt hierblieb, wie der Herr vom Walſer=
hof
es wünſchte. Aber er wußte doch, daß nichts ihn davon ab=
bringen
konnte, ſich zuerſt Gewißheit über Flavias Schickſal zu ver=
ſchaffen
. Denn die Ungewißheit darüber lag als ſchwerer, uner=
träglicher
Druck auf ſeiner Seele.
Erſt beim Abendeſſen kam wieder die Rede darauf, als Traudi
ſich erkundigte, ob er denn wirklich ſchon am folgenden Morgen
nach München zurückkehren wollte. Nachdem Richard das bejaht,
ſagte Onkel Poldi in ärgerlichem Ton:
Nach Italien will er. Weißte, mein Junge, an die Ver=
pflichtungen
, die du haben willſt, glaube ich nicht. Zu was kannſte
denn nach acht Jahren noch verpflichtet ſein he? Wirſt dich
wohl nur danach ſehnen, wieder italieniſche Luft zu atmen und
dich von italieniſcher Sonne beſcheinen zu laſſen wie? Dein
ſel’ger Vater, der konnte es auch nie erwarten, wieder nach dem
Süden zu kommen; kaum ſo lange wie die Schwalben hielt er es
in Deutſchland aus.
Ich bliebe lieber hier, ſagte Richard.

Na alſo warum alſo? Haſte etwa vor dem Kriege eine
Liebſchaft da unten gehabt und willſt ſehen, wie es der Liebſten
inzwiſchen ergangen iſt?
Er ſcherzte, aber Richard blieb ganz ernſt:
Nimm an, daß es ſo ſei.
Ach gar. Na, die wird gerade acht Jahre lang auf dich ge=
wartet
haben was? Hat ſich längſt mit einem Luigo oder
Beppino getröſtet und wiegt jetzt ihre anderthalb Zentner.
Mag ſein.
Richard ſah dabei auf und bemerkte, daß Traudis blaue
Augen mit geſpanntem Ausdruck auf ſein Geſicht gerichtet waren,
und nun wollte er tun, als ſcherze auch er:
Mag ſein, wiederholte er, aber davon will ich mich ja
eben überzeugen: das iſt doch meine Pflicht, nicht wahr, Fräulein
Traudi?
Wenn Sie meinen
Unſinn, knurrte der Alte. Aber du biſt ja dein eigener
Herr, und wenn du dein gutes Geld zu den Katzelmachern hin=
untertragen
willſt, iſt das deine Sache.
Er begab ſich gleich nach dem Abendeſſen zur Ruhe. Traudi
ſtellte eine Zigarrenkiſte neben Richard, einen Aſchenbecher dazu
und ließ ihn allein, weil ſie noch zu tun hatte. Später ging er
noch vor die Haustür. Ein junger Mond ging am klaren,
ſternbeſäten Himmel, und wie flüſſiges Silber lag es auf den
betauten Wieſen. Die Luft war herbfriſch und voll balſamiſcher
Dürfte.
Hierbleiben dürfen! dachte er, und ein tiefer Atemzug
ſchwellte ſeine Bruſt.
Dann kam Traudi heraus, ſagte, ſie müſſe nun abſchließen,
aber ſie blieb neben ihm ſtehen. Nachdem ſie einige Zeit ſchwei=
gend
geſtanden, ſagte ſie, es würden doch die Abende ſchon
herbſtlich kühl, daran merke man, daß der Sommer vorüber ſei,
und es gemahne an den nahenden Winter.
Muß doch auch im Winter ſchön hier oben ſein, meinte
er, und ſie nickte.
Das ſchon, aber bedrückend einſam, wenn dann die langen
Abende kommen, erwiderte ſie mit einem Seufzer.
Wieder tat ſie ihm leid, tröſtend ſagte er:
Nun, Sie werden ja nicht ſehr lange auf dem Walſerhof
bleiben, wahrſcheinlich heiraten Sie bald.
Nein, nein, dazu iſt gar keine Ausſicht, erwiderte ſie und
ſeufzte wieder. Und wie ich Sie beneide, daß Sie nun nach
Italien reiſen, ſetzte ſie hinzu. Werden Sie lange dort
bleiben?
Es kommt darauf an, wie ſchnell ſich die Angelegenheit, die
mich hinführt, erledigen läßt.
Ganz ſchnell blickte ſie zu ihm hin, er ſah ihre Augen glän=
zen
, und er fühlte, daß ihr eine neugierige Frage auf den Lip=
pen
brannte, aber ſie unterdrückte ſie und ſagte nur:
Hoffentlich bald und ſo, wie Sie es wünſchen, ſo wie es
zu Ihrem Beſten iſt.
Wer weiß denn vorher, ob zu ſeinem Beſten iſt, was er er=
ſehnt
, meinte er nachdenklich. Dann fragte er: Werden Sie
manchmal an mich denken, Traudi? So angenehm, wenn man
weiß, daß in der Heimat jemand manchmal an einen denkt.
Ich werde es ganz gewiß tun, verſicherte ſie, ich werde
Ihnen dabei immer Glück wünſchen.
Danke.

Seite 25
Es überkam ihn plötzlich der Wunſch, ſie an ſich zu ziehen
und zu küſſen, nicht wie man eine Liebſte, mehr wie man eine
liebe junge Schweſter küßt. Sie war ihm ſo nahe, er hörte ſie
atmen. Sie war ſo alleinſtehend und einſam wie er ſelbſt, ſehnte
ſich nach eigenem Heim und Liebe, und es tat ihm leid, daß er
ihr beides nicht bieten konnte. Es ging ihm durch den Sinn,
daß er, wenn er Flavia nie gekannt hätte, ſich jetzt vielleicht in
die kleine Traudi verlieben könnte. Es wäre das nicht ſchwer
geweſen, ſo heiß brannte die Sehnſucht in ihm nach einem
Weſen, das er ſein eigen nennen konnte.
Ja, ich werde an Sie denken wiederholte Traudi, ich
habe ja niemand in der Welt, an den ich ſonſt denken könnte.
Sie wandte ſich dabei zu ihm herum, und wieder ſah er
ihre Augen glänzen, es ſchien ihm beinahe, als erwarte ſie,
daß er ſie umarmen und küſſen würde, aber gerade weil er das
empfand, vermochte er dem Verlangen zu widerſtehen.
Danke, liebe Traudi, ſagte er nur.
Dann gingen ſie hinein, und als er die Treppe zu ſeinem
Zimmer hinaufging, hörte er, wie ſie die Haustür abſchloß. Sie
hätte es falſch verſtehen können, dachte er bedauernd, blieb aber
noch ſtehen und blickte über das Treppengeländer hinab.
Gute Nacht, Traudi, vergeſſen Sie nicht, was Sie mir
verſprachen rief er leiſe hinab.
Sie ſtand unten, den Hausſchlüſſel in der Hand, ſah zu
ihm auf; ganz blank und kühl ſahen ihn ihre blauen Augen an.
Was kann Ihnen denn dran liegen, ob ich’s tu oder nicht,
klang es abweiſend herauf. Gute Nacht, Herr Droſten.
Da hab’ ich’s, dachte er, und war froh, Traudis rote Lippen
nicht geküßt zu haben.
Achtes Kapitel.
Wenn er noch lebt muß er ſterben!
Oreſte wollte keine Zeit verlieren, ſich ſein Glück zu ſichern.
Flavia war ſchon faſt ſechs Jahre Witwe, wenn man die heim=
liche
, kirchliche Trauung, die ſie mit Richard Droſten verbunden
hatte, tatſächlich als Ehe wollte gelten laſſen. Noch ein Trauer=
jahr
abzuwarten, wäre abſurd geweſen. Er unternahm ſofort
alle erforderlichen Schritte, ſeine baldige, auch geſetzlich gültige
Verheiratung mit Flavia zu erreichen. Um ſich ſtandesamtlich
mit ihr trauen zu laſſen, mußten für Flavia verſchiedene Pa=
piere
beſchafft werden, was Schwierigkeiten machte, weil der
Marcheſe Roccaferri nichts davon erfahren ſollte. Flavias Vater
ſollte erſt nachträglich vor die vollendete Tatſache geſtellt wer=
den
, ſonſt war zu befürchten, daß er Einſpruch erhob.
Vorläufig hätte er ſich mit Flavia kirchlich trauen laſſen
können, aber auch hier erſtanden unvorhergeſehene Verzögerun=
gen
. Es mußte zunächſt bewieſen werden, daß Flavia tat=
ſächlich
mit Richard Droſten getraut worden war. Dieſen Be=
weis
zu beſchaffen, mußte Oreſte nach Rom reiſen, ſich eine
Abſchrift aus dem Kirchenbuch verſchaffen. Zeugen der Trau=
ung
waren der Sakriſtan der Kirche, in der ſie ſtattgefunden,
und ein in der Kirche zufällig anweſender alter Mann ge=
weſen
. Der Sakriſtan lebte noch, war noch immer Sakriſtan
dort; was aus dem alten Mann geworden, wußte niemand.
Der Prieſter, der die Trauung vollzogen, Don Domenico Sarti,
Flavias Vetter, war tot.
Dieſes Schriftſtück ſowie die Abſchrift der Todeserklärung
mußten bei der Kirchenbehörde eingereicht und von dieſer über=
prüft
werden, was für Oreſtes Ungeduld viel zu lange dauerte.
Wochen vergingen ſo, und Oreſte wurde faſt wahnſinnig
vor Ungeduld. Flavia hatte alle Mühe, ihn zu tröſten und zu
beruhigen. Es war, als ahne Oreſte, daß noch etwas zwiſchen
ihn und Flavia treten würde, um ihn ſeines Glückes noch in
letzter Stunde zu berauben. Es war möglich, daß Roccaferri
Wind von der Sache bekam, ſein Veto gegen die beabſichtigte
Heirat einlegte, was dieſe jedenfalls ſehr verzögern könnte.
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[ ][  ]

Seite 26

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194a

Heute Sonntag vormittag 11½ Uhr
HELIA
HELIA Vielkachen Anregnngen entsprechend in Nenanffährung
Kapitän Günther Plüschow’s
Silberkondor über Feuerland
iR.
2
2

Nur noch heute und morgen
Neuaufführung in Lichttonfassung
Liane Haid
und Gustav Fröhlich
in dem Groß-Tonfilm
Der unsterbliche
Lump
(Ein musikalisches Volksstück
aus den Alpen)
Regie: Gustav Ucicky
Weitere Hauptdarsteller sind:
H. A. v. Schlettow, Karl Gerhardt,
Ferdl Weiss u. v. a.
In den jdrllischen Gegenden des
schönen Steiermärker Landes,
inmitten einer herrlichen Natur,
zwischen himmelragenden Bergen
u. in der köstlichen Stille grünender
Täler spielt sich dieses schlichte
und doch so ergreifende drama-
tische
Geschehen ab.

Nur noch heute und morgen
Ein Film von ganz großem Format
FATZ KONTNERIAMNA STEN

Im tönenden Beiprogramm:
Die Prinzessin und der Flch
Auf den Spuren alter Kultur

Jugendliche haben Zutritt
Beginn. 2, 4.05, 6.10 u. 8.20 Uhr

fährt dieſe Woche

Schnell=Laſtwagen nachstutgart 1, zurüch
Beiladung
übernimmt Auguſt Stilling

Hochſtraße 4

Bernhard Minetti
das beliebte ehemalige Mitglied des Hess.
Landestheaters spielt bhier als
2Iwan Karamagsoff seine
erste Tonfilmrolle.
MDostoieuskis Karamasoffe

Heute u. folgende Tage
Siegfried Arno
der beliebte Komiker
in dem humorvollen Tonfilm:
Moritz macht
sein Glück
(Meier & Co)
Regie: Jaap Speyer
Musik von Willy Rosen.
In weiteren Hauptrollen: Irene
Ambrus, Anny Ann, Jgo Sym,
Willy Prager, Le0 Penkert u. a.
Sie erleben hier (V.7335
die originelle Karriere eines Peter

Seblewihl, der aber darehans wieht

auf den Kopf gefallen war.

Im Beiprogramm
Eine reizende Groteske,
ein guter Kulturfilm und
die Wocbenscbau.

Jugendliche haben Zutritt
Beginn 2, 4.05, 6.10 u. 8.20 Uhr

singen die ausgezeichneten
Somedian
Harmonists
mit einem ganz erlesenem Programm
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sind längst Allgemeingut des
Leutschen Volkes geworden
und kein anderes Buch hat
die Gemüter der ganzen

Melt s0 bewegt und erregt

als dieses.
Hierzu wie immer ein
abwechslungsreich. Vorprogramm.
Beginn: 2, 4.05, 6.10 u. 8.20 Uhr

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perſönliche Leitung:
Kapellmeiſter Willy Schlupp
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Sonntag
10. Mai 1931

Der Hauptmann von Köpenick
Schauspiel von Carl Zuckmayer
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Heute Sonntag, den 10. Mai, ab 4 Uhr: KONÄERT
Abends 8 Uhr
Großes volkstümliches Konzert
unter persönlicher Leitung von Herrn Kapellmeister Schlupp.
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Am Dienstag, dem 12. Mai ſprechen abends 8 Uhr in der Turnhalle
am Woogsplatz, Darmſtadt
Generaloberſt von Seeckt, M. d. R.
der Schöpfer der Deutſchen Reichswehr
uber Deutſche Wehrfragen
Reichstagsabgeordneter Dingeldey
Reichs=Parteiführer der Deutſchen Volkspartei
uber Deutſche Schickſalsfragen
Eintrittskarten für Mitglieder, Studenten, Rentner und Arbeitsloſe 30 Pfg.
(nur im Vorverkauf auf der Geſchäſtsſtelle der DVP., Zimmerſtr. 1, Fernſpr. 3540
und 1304), für Nichtmitglieder 60 Pfg. ebenda und an der Abendkaſſe.
Saalöffnung 7 Uhr.
Ab 7 Uhr Konzert.
Deutſche Volkspartei
Landesverband Heſſen.
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Iauf

S
Neue Kurse
in der Reichskurzschrift beginnen:
Montag, den 11. Mai
Mittwoch, den 13. Mai
abends 7½ Uhr, in unseren neuen
Unterrichtsräumen kein Schulhaus)
Ecke Zeughaus- und Schleiermacherstraße
TEingang Schleiermacherstraße).

Tägl. Beginn der Kurse
für Anfänger und Vorgeschrittene!
Tages- oder Abend-Unterricht.
20 jährige Unterrichtserfahrung.
Auskunft von 1012. 24 und 710 Uhr
abends dorteelbst.
Einziger Verein Darmstadts, der seinen
gesamten Unterricht nicht in einem
Schulhause abhält.

K

Stenodraphen

OE

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Ecke Zeughaus- und Schleiermacherstraße.
TEingang nur Schleiermacherstr. / 7256b

Grosser Saal Städt. Saalbau
Dienstag, den 12. Mai, abends 8 Uhr
Volkstümlicher Beethoven-Abend
ELL IO
sechs Variationen über ein Orgelthema
F-dur Wk 34, Sonate c-moll Wk 111, Sonate
cis-moll Wk 27 (Mondscheinsonate). Andante
favori F-dur, Sonate f-moll Wk 57 Apassionata)
Konzertflügel Steinwav & Sons (7359
von Arnold & Sohn, Ecke Erbacherstraße.
Karten zu Mk. 3.30, 2.20 u. 110 einschl. Steuer
bei A Bergstraeßer’s Buchhdig Wilhelminen-
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29 Teleton 121. und bei Klavier-Arnold.
Ecke Erbacherstr., Tel. 2457-u. a. d. Abendkasse