Darmstädter Tagblatt 1931


06. Mai 1931

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Einzelnummer 10 Pfennige
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berechtigt den Bezieher nſcht zur Kürzung des Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Auffätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe Darmſi. Tagbl. geſiattet
Nummer 125
Mittwoch, den 6. Mai 1931.
194. Jahrgang

Amm breite Zeile im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspfg.
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breit/2 ReichemarkAnzelgen von auswärte 40 Reſchspfg!
Finanz=Anzeigen 60 Reſchspfg. 92 mm breite Rellame
zelie 3.00 Reiſchsmark. Alle Preiſe in Reſchemart
(4 Dollar 420 Marl. Im Falle, höherer.
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſcht
ſede Verpfliſchtung auf Erfüllung der Anzeigens
aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bel
Konturs oder gerſchtiſcher Beſtreibung fällt jeder
Nadatt weg. Banſtonto Deutſche Banl und Darm=
Kädter und Nationalbank.

Unterautiongie ganvelsrammergam Keparaliensproviem
Deufſchlands Reparalionslaſten durch den Skurz der Weltpreiſe befrächtlich geſtiegen. Beginnende
Einſicht in amerikaniſchen Geſchäftskreiſen. Frankreich für regionale Verkräge unker Vorbehalfen.
England verſpricht ſich keine Löſung der Weltkriſe von einer Skreichung der Kriegsſchulden.

Die Waſhingkoner Tagung der J.H.K.
Verſtändnis in der amerikaniſchen Geſchäffsweli
für ein deutſches Morgkorium.

Waſhington, 5. Mai.
Silas Strawn, der Vorſitzende der amerikaniſchen Sektion
der Internationalen Handelskammer, erklärte in einem Preſſe=
interview
. Amerika werde ſich nie zur Streichung
der 11 Milliarden Dollar, Kriegsſchulden be=
reitfinden
, denn der amerikaniſche Steuerzahler ſei jetzt ſchon
ſchwer belaſtet. Eine andere Frage ſei eine Ausdeh=
nung
der Zahlungs friſten, dies ließe ſich erwä=
gen
. Es ſei jedoch Sache der Schuldnerſtaaten, hierfür überzeu=
gende
Argumente vorzubringen.
Eine andere Frage ſei auch Deutſchlands
Zahlungsfähigkeit. Jedermann ſehe ein, daß der
Fall der Weltpreiſe Deutſchlands Reparationslaſten beträcht=
lich
erhöhe. Wenn Deutſchland ein Moratorirum erklären
ſollte, ſo würde es dafür in der amerikaniſchen Geſchäfts=
welt
großes Verſtändnis finden.
Ueber die Frage, inwieweit die internationalen Schulden zur
Weltkriſe beigetragen haben, wollte Strawn ſich nicht äußern:
er erklärte jedoch, er könne dem Standpunkt Dr. Dernburgs, daß
ſie die Weltkriſe verurſacht hätten, nicht beiſtimmen, denn auch
diejenigen Länder, welche den Vereinigten Staaten nichts ſchul=
den
litten unter wirtſchaftlicher Depreſſion.
Zweideutige politik der Franzoſen.
Auf der geſtrigen Sitzung der Internationalen Handelskam=
mer
ſprachen noch der Ehrenpräſident der Kammer, der italie=
niſche
Delegierte Pirelli, der ſeinem Referat den Titel
Die alte und die neue Welt gegeben hatte, ferner der
franzöſiſche Delegierte Parmentier und der chile=
niſche
Delegierte Botſchafter Davila. Pirelli
wandte ſich, von den Ergebniſſen ſeiner Analyſe des amerikaniſchen
Erdteiles ausgehend, gegen Schutzzölle und Kriegs=
ſchuldenzahlungen
, und Botſchafter Davila ſchilderte die
Wirkungen der Weltkriſe auf Latein=Amerika und ſchloß mit der
Aufforderung zu internationaler Kooperation in ihrer Bekämp=
fung
. Der Franzoſe Parmentier war ſich darüber klar, daß die
Niederreißung der Zollſchranken zwar ein erſtrebenswertes Ziel,
jedoch nur ſchrittweiſe in den einzelnen europäiſchen Ländern
erreichbar ſei. Vorerſt müßte, ſo erklärte er, die Kartellbildung
gefördert werden, und zwar auch auf dem Gebiet der Halbfertig=
und Fertigfabrikate. Dann ſei die Vereinheitlichung des
europäiſchen Wirtſchaftsgebietes durch den Ab=
ſchluß
regionaler Verträge anzubahnen. In=
deſſen
dürften derartige zwiſchenſtaatliche Ab=
machungen
nicht gegen andere Mächtegruppen
oder Einzelmächte gerichtet ſein, ſondern müß=
ten
erſt nach Verſtändigung mit den übrigen Län=
dern
getroffen werden.
Pirelli über die verhängnisvollen Rückwirkungen
der Schuldenzahlungen.
Pirelli, der, wie ſchon erwähnt, ſich gegen Schutzölle und
Kriegsſchuldenzahlungen ausſprach, ſtellte feſt, daß Amerika eine
Vorzugsſtellung genoſſen hätte, da es mit weit geringerer Bevöl=
kerung
über unvergleichlich größere natürliche Hilfsquellen ver=
fügt
hätte. Gleichzeitig hätte es mit einer Maſſenerzeugung,
Standardiſierung und Mechaniſierung gearbeitet, die in Europa
wegen ſeiner verſchiedenartigen Märkte nur mit großer Vorſicht
anwendbar geweſen ſeien.
Europa ſei heute für Amerika noch weit be=
deutſamer
als Käufer, denn als Verkäufer. Das
Gleichgewicht ſei aber geſtört, da weder die Arbeits=
kräfte
noch das Kapital frei und beweglich ſeien wie vor 30 Jah=
ren
. Die paſſive Handelsbilanz Europas gegenüber Amerika werfe
die Frage auf, wie lange die Vereinigten Staaten in der Lage
ſein würden, den Nettoüberſchuß an Waren und Kapitalien nach
Europa auszuführen. Dieſes ſei nur dann möglich, wenn die
Vereinigten Staaten die einkommenden Gelder wieder nutzbar
machen können. Die Löſung dieſer Inveſtierungsfrage werde durch
die europäiſchen Schuldenzahlungen noch erſchwert. Pirelli
lehnte es jedoch ab, dieſe heikle Frage nach poli=
tiſchen
oder moraliſchen Geſichtspunkten zu be=
urteilen
.
Da aber die verhängnisvollen Rückwirkungen der Schulden=
zahlungen
auf Europa nicht hinwegzuleugnen ſeien, müſſe
die Frage, ob die ganze Angelegenheit erneut überprüft ..
werden ſolle, nicht nur für die Schuldner, ſondern in An=
betracht
der Wichtigkeit des europäiſchen Marktes für die
amerikaniſche Wirtſchaft auch für die Gläubiger bedeutſani
ſein. Die öffentliche Meinung Amerikas unterſchätze die
ſchädlichen Rückwirkungen der Schuldenzahlung.
Nur eine engere Zuſammenarbeit Amerikas und Europas könne
das Gleichgewicht wieder herſtellen und die Erholung der Welt=
wirtſchaft
beſchleunigen.
In der Dienstagsſig der Internationalen Handelskammer
orklärte der bekannre ſchwediſche Induſtrielle und

Vizepräſident der Internationalen Handels=
kammer
Edſtröm, er glaube nicht, daß die inter=
nationale
Politik, Zollpolitik und Truſtpolitik die
gegenwärtige Depreſſion verurſachten. Sie ſeien
lediglich erſchwerende und die Kriſe verlängernde Faktoren. Die
Haupturſache der Depreſſion ſei die Konzentrierung
des Kapitals in den induſtriell hoch entwickel=
ten
Ländern. Als niemand mehr gewinnbringende Geſchäfte
treiben konnte, ſei dann im Sommer 1929 die Kriſe nach Amerika
gelangt.
Sit Anderſon gegen Sireichung der Kriegsſchulden.
Sir Allan Anderſon, Mitglied der Bank of
England und Sachverſtändiger bei den Dawes=
und Young=Plan=Kommiſſionen, widerſprach
der Möglichkeit, daß weitere Kürzungen der
alliierten Kriegsſchulden zur Zeit durchführbar
ſeien. Eine Streichung dieſer Schulden würde
keine Löſung der Weltkriſe bringen, wenn auch die
Kriſe durch dieſe Zahlungen ernſthaft verſchärft werde. Weſent=
lich
dagegen ſei die Wiederherſtellung des Frei=
handels
, ſoweit irgend möglich, und geſunde Kredit=
bedingungen
.
Die Tragödie von 1930.
Melvin Traylor, Präſident der Firſt National Bank
of Chicago und Organiſator der Bank für Inter=
nationalen
Zählungsausgleich, ſprach über pſy=
chologiſche
Faktoren in geſchäftlichen Kriſen.
Die Kriſe, erklärte er, habe im Juli 1914 begonnen,
als die politiſche Führung der Welt verſagte und die Menſchheit
in den Weg lenkte, der zur Tragödie von 1930 führte.
Es ſei ein Armutszeugnis für die Welt und be=
ſonders
für Amerikas wirtſchaftliche und poli=
tiſche
Führung, daß man inmitten von Ueber=
fluß
ſoviele Arbeitsloſe und Armen habe.
Die Preisgebarung der letzten zehn Jahre ſei nicht auf
Gold, ſondern auf Kredit baſiert. Amerika übertrieb im
letzten Jahrzehnt die Steigerung des Exportgeſchäftes durch
Gewährung von großen Anleihen und des Inlandsgeſchäftes
durch Kreditgewährung. Man hätte ſich ſagen ſollen, daß
dieſe Treibhausmethoden nicht von Dauer ſein können;
denn niemand kann ſtändig borgen, um weitere Ankäufe zu
machen.
Traylor empfahl die Abſchaffung des ſogenannten täglichen
Geldes, ein Verbot des Börſenhandels in Aktien, die dem Händ=
ler
nicht gehören, und ein Verbot der Ausführung von Börſen=
aufträgen
von weniger als 10 000 Dollar auf Kredit. Von
Amerikas Schutzzöllen ſagte Traylor, daß ſie die In= ſelbſtändig iſt, wiederum nicht englandfreundlich ſein wird. Und
duſtrie nicht vor etwa ſechs Millionen Arbeits=
loſer
bewahrt, aber den geplagten Farmern ihre
Lebenshalaung weiter verteuert hätten. Dies
ſei ein weiterer Beweis dafür, daß wirtſchaftlicher
Wohlſtand ſich nicht durch Eingreifen der Geſetz=
gebungsmaſchine
erzielen laſſe.
Der Widerhall der Hoover=Rede in Berlin.
Berlin, 5. Mai.
Die bei der Eröffnung der Internationalen Handelskammer=
tagung
gehaltene Rede des Präſidenten Hoover über die Ab=
rüſtungsfrage
hat in Berlin, einen ſehr freundlichen
Widerhall gefunden. Die amerikaniſche Regierung hat es be=
kanntlich
ſeit langer Zeit vermieden, zum Abrüſtungsproblem Stel=
lung
zu nehmen. Zum erſten Male ſind jetzt im Kreiſe der erſten
Wirtſchaftsführer der Welt von höchſter amerikaniſcher Stelle
Aeußerungen über die Abrüſtungsfrage getan worden, die erken=
nen
laſſen, daß auch nach amtlicher amerikaniſcher
Anſicht zwiſchen der Abrüſtungsfrage und der
gegenwärtigen Unruhe in der Welt beſeitigt werden würde, und
daß hierdurch das Vertrauen für die Zukunft und damit das Ge=
fühl
für die Sicherheit geſtärkt würden. Gerade dieſer Paſſus gibt außenpolitiſchen Maßnahmen zu weit gegangen ſei. England
Abrüſtungstheſe hinzuweiſen, derzufolge die Sicherheit der Ab=
rüſtung
übergeordnet iſt. Präſident Hoover befindet ſich demnach
in völliger Uebereinſtimmung mit der deutſchen Theſe. Hoover hat
ferner feſtgeſtellt, daß der Kelloggpakt ein Abkommen ſei, das die
internationale Abrüſtung zweifellos erleichtern werde. Es iſt in=
tereſſant
, auch in dieſem Zuſammenhang auf die erſt kürzlich von
franzöſiſcher Seite gefallene Aeußerung hinzuweiſen, daß der Kel=
loggpakt
für Frankreich keine Bedeutung habe. Frankreich müſſe
ſelbſt für ſeine Sicherheit ſorgen. Lebhaft intereſſiert haben in
Berlin auch die ziffernmäßigen Vergleiche, die Präſident Hoover
über die Rüſtungen der ganzen Welt angeſtellt hat. Da die
Rüſtungsausgaben in Deutſchland ſeit dem Jahre 1913 um ein
Drittel zurückgegangen ſind, während ſich die franzöſiſchen
Rüſtungsausgaben um das Fünffache erhöht haben, trifft der von
Präſident Hoover gemachte Vorwurf einer 70proz. Rüſtungsſtei=
gerung
ſelbſtverſtändlich nicht Deutſchland, ſondern ſeine ſtark ge=
rüſteten
Nachbarn. Alles in allem wird in Berlin eine erfreu=
liche
Uebereinſtimmung zwiſchen der deutſchen und der amerika=
niſchen
Auffaſſung über dieſe für den Weltfrieden ſo überaus wich= derſon ſein, immer ſehen wir, wie ſchließlich England trotz allem

tige Frage feſtgeſtellt.

Wohin ſteuerk England?
Von
Dr. Heinrich Wenz.
Je mehr wir geiſtig Abſtand gewinnen zu den Ereigniſſen
der Jahre 19141918, umſo deutlicher zeigt ſich, daß der Welt=
krieg
eine Zeitenwende eingeleitet hat. Europas Vorherrſchaft
in den anderen Erdteilen iſt nicht mehr ſo unbeſtritten, wie Las
in der Vorkriegszeit geradezu ſelbſtverſtändlich war. Das empfin=
det
kein Land mehr als England. Es leidet heute unter einer
ſchweren politiſchen und wirtſchaftlichen Kriſe. Welches ſind
ihre beſonderen Urſachen, welches ſind ihre Folgen für Eng=
land
, und was bedeutet ſie für uns?
I. Die politiſche Kriſe
Es war der große Vorteil der maritimen Lage Englands,
daß es mit den großen politiſchen Konflikten des Kontinents
der letzten drei Jahrhunderte nie ſo eng verknüpft war, wie
das bei den feſtländiſchen Staaten der Fall war. Es beteiligte
ſich an den feſtländiſchen Kriegen nur ſolange und nur in dem
Maße, wie das ſeinen Intereſſen entſprach. Deutlich zeigt das
der Siebenjährige Krieg. Als die Briten mit Hilfe der reußi=
ſchen
Grenadiere Kanada erobert hatten, ließen ſie die Preußen
im Stich, und Frieorich der Große mußte ſeinen Kampf mit
ſeinen Gegnern allein durchfechten. Immer waren es feſtländiſche
Degen, die Englands Siege erſtritten, und immer war es die
jeweilig ſtärkſte Macht auf dem Kontinent, gegen die ihr Kampf
ſich richtete. Deutſche Mietvölker vergoſſen ihr Blut, während
die Briten die Seeherrſchaft an ſich riſſen, Handel trieben und
jenſeits der Meere ihr gewaltiges Kolonialreich aufbauten.
So war es auch in den napoleoniſchen Kriegen. Zwar ſtand
damals alles, was einen Rock auf dem Leib und ein Dach über
dem Kopf hatte, hinter Pitt, aber den Blutzoll== auf den
Schlachtfeldern Europas entrichteten, die Kontinentalvölker, vor
allem die Deutſchen. Aber nachdem Napoleon niedergerungen
iſt, ſteht England da als der große politiſche Sieger; es iſt der
Erbe faſt aller Kolonialreiche Eurapas. Und nun beginnt ein
Aufſtieg der britiſchen Nation, wie ihn die Welt noch nicht ge=
ſehen
hat. Es ſind die Jahrzehnte der splendid isolation.
Um die Mitte des Jahrhunderts ſchmettert von der Tribüne des
Parlaments Lord Palmerſton ſein ſtolzes übermütiges: Gänls
Romanus sum! in alle Welt. Erſt als ſich gegen Ende des
Jahrhunderts durch das Auftreten neuer Mächte auf dem Kon=
tinent
die weltpolitiſche Lage ändert, da beſinnt ſich England
auf Europa. Mit allen Mitteln ſucht es die Führung wieder
an ſich zu reißen. Es ſchreckt auch vor Kriegen nicht zurück; der
letzte dieſer Kriege iſt der Weltkrieg. In allen dieſen Kriegen iſt
England ſiegreich. Und doch haben die Briten ihre letztenpoli=
tiſchen
Ziele nicht erreicht. Immer mehr müſſen ſie heute ein=
ſehen
, daß der Weltkrieg und ſein Ausgang kein Gewinn für
das politiſche Preſtige des Reiches waren.
In Aſien, wo Englands Machtſtellung früher ſchlechthin un=
vergleichbar
war, ſieht es heute Schwierigkeiten über Schwie=
rigkeiten
. Im Fernen Oſten ſchickt ſich die neue Seemacht Japan
an, für den Stillen Ozean eine Art aſiatiſche Monroedoktrin
aufzurichten. China ſteckt zwar heute noch in tiefen Wirren;
aber es kann kein Zweifel ſein, daß aus den Bürgerkriegen ein
neues, nationaliſtiſches, europafeindliches China hervorgehen
wird. Indien, das ehemals ſo fügſame Indien, aus dem die
Briten unermeßliche Reichtümer herausgeholt haben, rüttelt
heute immer leidenſchaftlicher an ſeinen Ketten; auch hier kün=
det
ſich das Werden einer großen aſiatiſchen Macht, den United
States ok India an, einer Macht, die, wenn ſie einmal völlig
nicht viel anders iſt heute ſchon die Lage im Vorderen Orient.
Noch bedeutungsvoller iſt die völlig veränderte Lage zur
See. Jahrhunderte lang war England die Beherrſcherin der
Meere. Davon kann aber heute keine Rede mehr ſein. Eins der
großen Ziele Englands im großen Völkerringen war die Ver=
nichtung
der deutſchen Kriegsflotte. Heute liegt dieſe auf dem
Grund der Meere. Aber hat England etwa hieraus gewonnen?
An die Stelle Deutſchlands ſind mehrere Seemächte zugleich ge=
treten
: Frankreich, Japan und die Vereinigten Staaten! Wir
wiſſen, wie England auf allen großen Nachkriegskonferenzen um
die Behauptung ſeiner Vormachtſtellung zur See gerungen hat.
Aber dieſer Kampf hat nicht mit dem Siege der Briten geendet.
Heute muß England die Herrſchaft zur See mit Amerika tei=
len
; es iſt für die Briten ein ſchwacher Troſt, daß der Mitherr=
ſcher
der Retter von Ueberſee iſt!
Und wie iſt die Lage innerhalb des Reiches? Vor dem
Kriege war die Downing Street das außenpolitiſche Zentrum
des weltweiten Reiches. Was dort beſchloſſen wurde, galt für
das ganze Europa, auch für die ſelbſtregierenden Kolonien,
heute Dominions genannt Kanada, Auſtralien, Neuſeeland
Reparationsfrage gewiſſe Zuſammenhänge be= und Südafrika. Von dieſer überragenden Bedeutung der Lon=
ſtehen
. Präſident Hoover hat bekanntlich die Theſe vertreten, daß doner Metropole kann heute keine Rede mehr ſein. Als 1925
durch eine Begrenzung der Rüſtungen eine der Haupturſachen der von England der Pakt von Locarno abgeſchloſſen wurde, mußte
es ſich im darauffolgenden Jahr von den Dominions auf der
Reichskonferenz ſagen laſſen, daß hier das Mutterland in ſeinen
maßgebenden Kreiſen in Berlin Veranlaſſung, auf die franzöſiſche kann hinfort keine außenpolitiſche Bindungen mehr eingehen,
ohne ſich vorher mit den Dominions verſtändigt zu haben.
Eine ſolch gewaltige Verſchiebung der politiſchen Gewichte
konnte auf Englands Stellung in Europa nicht ohne Wirkung
bleiben; dieſe Wirkung iſt in der Tat nicht ausgeblieben. Im
Diktat von Verſailles hat England ſeinem alten politiſchen Geg=
ner
Frankreich die unbeſtrittene Vormachtſtellung auf dem Kon=
tinent
zugeſtehen müſſen. Und wie rückſichtslos dieſe erſte Mili=
tärmacht
der Welt, die ihre Machtpoſitionen mit deutſchen Tri=
butleiſtungen
immer ſtärker ausbaut, ihren Vorteil zu nützen
weiß, das hat England mehr als einmal in den letzten Jahren
erleben müſſen. Und ſo erleben wir heute das für die Welt=
macht
England beſchämende Schauſpiel, daß nicht mehr in Lon=
don
, ſondern in Paris die großen politiſchen Entſcheidungen
getroffen werden. In Verſailles haben die britiſchen Staats=
männer
blindwütend die hiſtoriſchen Grundlagen ihrer traditio=
nellen
Politik zerſtört. Die britiſche Politik hat ſich in das
Kielwaſſer Frankreichs begeben. Mag der Außenminiſter ein
Konſervativer wie Chamberlain oder ein Labourmann wie Hen=
anfänglichen
Sträuben auf die franzöſiſche Front einſchwenkt,

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Seite 2

Mittwoch, den 6. Mai 1931

Nummer 125

einſchwenken muß!. Zu ſpät hat England ſeine politiſchen Feh=
as
hilft es dem ohnmächtigen ausge=
ler
eingeſehen!
enn aus dem Saulus Lloyo George ein
ſogenen Deutf.,
Paulus geworden iſt, wenn dieſer ſich in der armſeligen Rolle
gefällt, das heute zu ſchmähen, was er ſelber vor 12 Jahren
hat mitſchaffen helfen! Könnte er wirklich, wenn er heute zur
Macht käme, die Lage Englands ändern? Die Frage ſtellen,
heißt ſie verneinen!
(Schluß folgt.)

Der Innenekal im Landtag.
Aerzklicher Dienſt. Geſundheitspflege.
Präſident Delp eröffnet die Dienstag=Sitzung des Landtags
um 10.15 Uhr zur Fortſetzung der Einzelausſprache über den In=
nenetat
.
Zu Kap. 39, Aerztlicher Dienſt, kritiſiert Abg. Sumpf
(Komm) die Abſtriche bei der Bekämpfung der Krebs= und Tuber=
kuloſe
=Krankheiten und der Hebammenfortbildung Ein Skandal
ſeien die fürſtlichen Paläſte vieler Ortskrankenkaſſen, gleichzeitig
ſtreiche man den mittelloſen Kranken die notwendigſten Heil= und
Stärkungsmittel.
Abg. Donat (Dem.) nimmt die Krankenkaſſen in Schutz. In
der Verordnung ſeien nur überteuerte Medikamente und über=
mäßige
Beſtrahlungen beſchränkt. Verbeſſerungsbedürftig ſei die
Rauſchgift=Verordnung, die den Aerzten ihre notwendige Tätig=
keit
erſchwere.
Abg. Dr. Werner (Natſoz.) weiſt den kommuniſtiſchen Vor=
wurf
zurück, die Natſoz, hätten gefordert, Kriegsopfer ſollten ſo=
viel
Mut aufbringen, ſich ſelbſt ihr Leiden zu beenden.
Abg. Arras (Lbd.) fordert Herabſetzung der Arztgebühren
bei Beſuchen von Kranken, die einer Krankenkaſſe nicht angehören
können.
Abg. Angermeier (Komm. Opp.) kritiſiert die Haltung
der Regierung, die zur Herabſetzung der Aerztehonorare und
Krankenhausbehandlungskoſten nichts getan habe.
Abg. Weſp (Ztr.) polemiſiert gegen den komm. Redner, denn
gerade um die Sozialverſicherung zu retten und zu ſanieren, habe
die Reichsregierung die Notverordnung erlaſſen müſſen. Ein Hohn
ſei der Hinweis auf die ſanitären Maßnahmen der Sowjetunion.
die Millionen ohne ärztliche Betreuung ließe.
Abg. Weckler Ztr.) kritiſiert ebenfalls die Honorare und
Reiſekoſten der Aerzte auf dem flachen Land, die für Landwirte
zu hoch lägen.
Abg. Donat (Dem.) weiſt verſchiedene Angriffe gegen den
Aerzteſtand zurück. Eine Doppelberechnung von Reiſekoſten ſei un=
möglich
gemacht durch ein beſonderes Krankenkaſſen=Kontrollbüro.
Abg. Weckler (Ztr.) wünſcht zu Kav. Tierärztlicher
Dienſt eine Herabſetzung der Impfgebühren und Serumspreiſe.
Abg. Arras (Lbd.) fordert dringend die Wiedererrichtung
des Veterinäramtes in Reichelsheim i. O.
Abg. Donat (Dem.) ſetzt ſich für räumliche Verbeſſerungen
der Lehrſchmiede am Tierärztlichen Inſtitut Gießen ein.
Abg. Dr. Werner (Natſoz.) führt Klage über die Höhe der
Fleiſchbeſchaukoſten im Kreiſe Alsfeld (Zuruf: Münchmeyer tut’s
billiger!
Zu Kap. 41 Hebammen=Lehranſtalt Mainz, rügt
Abg. Arras (Lbd.) Mißſtände aus der Anwendung des neuen
Hebammengeſetzes, wodurch die Landgemeinden ſchwer belaſtet
würden.
Abg. Frau Heraeus (Dntl.) lehnt die Ueberführung der
Gemeinde=Hebammen ins Beamtenverhältnis ab.
Abg. Dr. Werner (Natſoz.) weiſt auf Fälle hin, wo die
Kandidatinnen für Hebammenpoſten nach parteipolitiſchen Ge=
ſichtspunkten
ausgewählt wurden.
Abg. Frl. Birnbaum (D.VP.) fordert zu Kap Heil=
und Pflegeanſtalten beſſere Unterkunftsverhältniſſe für die
Schweſtern im Gießener Geneſungsheim.
Abg. Sumpf (Komm.) erklärt, daß in den Heil= und Pflege=
anſtalten
die Inſaſſen vielfach zu ſchwerer Arbeit herangezogen und
bei berechtigten Beſchwerden rückſichtslos beſtraft würden.
Abg. Donat (Dem.) weiſt die Vorwürfe des Vorredners zu=
rück
, als würden die Anſtaltsinſaſſen wie Zuchthäusler behandelt.
Eine Ueberführung des geſamten Pflegeperſonals ins Beamten=
verhältnis
ſei unmöglich.
Abg Widmann (Soz.) ſtellt feſt, daß heute die kommuni=
ſtiſchen
Behauptungen über Mißhandlungen von Anſtaltsinſaſſen
verſtummt ſeien und die Leiſtungsfähigkeit des Pflegeperſonals
anerkannt würde. Daher ſei eine Sicherung des Perſonals für das
Alter angebracht.
Abg. Dr. Werner (Natſoz.) fordert Herabſetzung der Pflege=
geldſätze
, insbeſondere, wenn es ſich um Dauerkranke handelt. An=
ſcheinend
verdienten die Verhältniſſe in der Provinzial= Pflege=
anſtalt
Heidesheim eine Unterſuchung.
Abg. Galm (Komm. Opp.) fordert, da in Heſſen noch immer
nicht das Irrengeſetz vorliege, die Einſetzung eines parlamentari=
ſchen
Kontrollausſchuſſes.
Abg. Weſp (Ztr.) bezeichnet die Verhältniſſe in der Lungen=
heilanſtalt
Sandbach i. O. als vorbildlich und die kommuniſtiſche
Kritik als völlig unbegründet.
Zu Kap. Volksgeſundheitspflege und Volks=
krankheiten
fordern die Kommuniſten Erhöhung des Tuber=
kuloſefonds
und Errichtung eines ſtaatlichen Kinderheims.
Abg. Harth (Soz.) wünſcht beſſere Beachtung der Tuber=
kuloſeheilſtätte
Seltersberg bei Gießen. Die jetzt im Etat ein=
geſtellten
Mittel betrachte die Sozialdemokratie als das Mindeſte,
was geleiſtet werden müſſe. Heſſen müſſe die Vorſchriften des Ge=
ſchlechtskrankheitengeſetzes
hinſichtlich des Behandlungszwanges

noch ſchärfer handhaben. Zu foreieren ſeien vorbeugende Maß=
nahmen
gegen die Ausbreitung von Volkskrankheiten
Abg. Hammann (Komm.) polemiſiert gegen den Vorred=
ner
, der die Tatſachen verſchleiere. Im Kreis Dieburg z. B. konn=
ten
in dieſem Jahre nur 12 Kinder zur Erholung in Ferien ge=
ſchickt
werden.
Abg. Weſp (Ztr.) erklärt, daß im vorigen Jahre die Behaup=
tungen
des Vorredners hinſichtlich des Erziehungsheimes Aumühle
völlig aus der Luft gegriffen waren.
Abg. Dr. Niepoth (D.V.P.) erwidert dem Abg. Harth, daß
er als Beigeordneter der Gemeinde Rüſſelsheim am beſten wiſſen
ſollte, wie Rüſſelsheim alles, was es ſei, der Fa. Opel verdanke.
Ein Werk. das 8000 Arbeiterfamilien Lohn und Brot ſichere tue
mehr für die Volksgeſundheit als die Agitationsreden der S.P.D.
Abg. Frl Birnbaum (D.V.P.) wünſcht, den vorjährigen
Betrag für die Kreisfürſorgerinnen wieder, in den Etat einzu=
ſtellen
.
Abg. Dr. Werner (Natſoz.) fordert vor allem ſtärkeren
Wohnungsbau durch Unterſtützung der Baugenoſſenſchaften, ins=
beſondere
der Deutſchen Bau= und Siedlungsgemeinſchaft,
Zu Kap. 52, Straßenbau, fordert Abg. Dr. Werner
(Natſoz.) bevorzugte Heranziehung der heſſiſchen Steininduſtrie zu
Straßenbauten.
Damit iſt die Ausſprache über die Kapitel des Innenetats ab=
geſchloſſen
. Die Abſtimmungen werden verſchoben.
Das Haus vertagt ſich um 2 Uhr auf Mittwoch, 10 Uhr.
Tagesordnung: Etat des Finanzminiſteriums.

Un die Skeuererhähungen.
Der Vorſtand der Deutſchen Volkspartei in Heſſen hat ſich geſtern
erneut mit der durch die Verdreifachung der Grundſteuer
und durch die Erhöhung der Sondergebäudeſteuer
entſtandenen Lage befaßt und feſtgeſtellt, daß die inzwiſchen zur Aus=
gabe
gelangten Staatsſteuerzettel allen Steuerpflichtigen, und wohl auch
den Wählern der Regierungsparteien, gezeigt haben, wie richtig
die Haltung der Landtagsfraktion der Deutſchen
Volkspartei war, als ſie ſchon im D zember auf die
kataſtrophalen Folgen der Steuererhöhungen hin=
gewieſen
hat. Der Vorſtand erſucht die Landtagsfraktion, ihre
Bemühungen auf Beſeitigung der falſchen Geſetzgebung, die in der
Frage der Sondergebäudeſteuer ſchon zu einem gewiſſen, aber unzurei=
chendem
Nachgeben des Finanzminiſters geführt haben, fortzuſetzen.
Der Vorſtand ſtellt dabei mit Genugtuung feſt, daß die Haltung der
Fraktion in der Frage der Realſteuerbelaſtung ſeit Jah=
ren
auf eine Senkung der untragbaren Laſten hin=
zielte
, eine Stellungnahme, der ſich jetzt, vor der Landtagswahl, unter
dem Druck ihrer Wähler auch die Staatspartei anzuſchließen vor=
gibt
, obwohl die Abgeordneten der ſtaatsparteilich= de=
mokratiſchen
Landtagsfraktion die Steuererhöhun=
gen
noch im Dezember mitgemacht und die wohlbe=
gründeten
Milderungsvorſchläge der D. V. P. nieder=
geſtimmt
haben.

Deutſchlands zoll=und handelspolitiſche Tage
Polens Schuld an dem Richtzuſtandekommen des deutſch=polniſchen Handelsverkrages.
Berechligke Hoffnungen auf einen günſtigen Berlauf der deutſch=rumäniſchen Verhandlungen.
Deutſchland und Oeſterreich zur Durchführung der Zollunion entſchloſſen.

Beutfcänos oiid nac Duudſten.
Reichsaußenminiſter Dr. Curkius vor dem Reichs=
ausſchuß
der 2.B.P. für Handel und Induſtrie.
Berlin, 5. Maj,
Der Reichsausſchuß für Handel und Induſtrie der D.V.P.
trat heute unter Vorſitz des Reichstagsabgeordneten Dr. Hugo
zu einer Sitzung zuſammen, an der neben vielen Mitgliedern
der Reichstags= und preußiſchen Landtagsfraktion auch Reichs=
außenminiſter
Dr. Curtius teilnahm.
In ſeinem Referat über die zoll= und handelspolitiſche Lage
führte Dr. Schneider u. a. aus, daß Deutſchland im Hinblick
auf die Geſamtlage aus der tiefen Stagnation herausgekommen
ſei. Nach Oſten und Süden ſtände Deutſchland aber noch immer
vor großen Schwierigkeiten. Bei der Politik ſtark erhöhter
Schutzzölle zur Erhaltung der einheimiſchen Landwirtſchaft habe
die D.V.P. die Forderung vertreten, daß dieſe Sicherung gegen
den Sturz der Weltmarktpreiſe keine Verteuerung der inländi=
ſchen
Lebenshaltung und keine Störung der handelspolitiſchen
Beziehungen zum Auslande bedeuten dürfte. Der Redner kam
zum Schluß auf die geplante deutſch=öſterreichiſche Zollunion zu
ſprechen, die nach ſeiner Anſicht im Juni abgeſchloſſen, im Früh=
herbſt
von den Parlamenten in Wien und Berlin ratifiziert und
im Februar oder April nächſten Jahres in Kraft treten könnte.
Im Anſchluß an das Referat von Dr. Schneider ergriff
Reichsaußenminiſter Dr. Curtius das Wort, um in zum Teil
vertraulichen Ausführungen zu einer Reihe von handelspoliti=
ſchen
Fragen Stellung zu nehmen, ſo zu dem deutſch=polniſchen
Handelsvertrag, zu den deutſch=rumäniſchen Verhandlungen und
zum deutſch=öſterreichiſchen Zollabkommen. Er ſtellte feſt, daß an
dem Nichtzuſtandekommen des deutſch=polniſchen Handelsvertrags
in erſter Linie Polen die Schuld trage, das das ganze letzte
Jahr habe verſtreichen laſſen, ohne eine Ratifizierung einzulei=
ten
. Inzwiſchen hätten ſich die Verhältniſſe geändert, die auch
Deutſchland zwängen, daraus die Folgerungen zu ziehen. Zu
den deutſch=rumäniſchen Verhandlungen ſprach der Miniſter die
Hoffnung aus, daß die wirtſchaftlichen Kräfte, ſich doch noch
durchſetzen; denn nur ein großer Markt könne dem Südoſten
helfen. Bei der Beſprechung des deutſch=öſterreichiſchen Zoll=
abkommens
erörterte der Miniſter die bevorſtehenden Verhand=
lungen
vor dem Europaausſchuß und dem Völkerbundsrat in
Genf. Die intereſſanten Darlegungen gingen auf das Zuſtande=
kommen
und beſonders auf die Frage der Unabhängigkeit ein,
kennzeichneten die politiſchen und wirtſchaftlichen Schwierigkei=
ten
, ließen aber keinen Zweifel darüber, daß die deutſche, ebenſo
wie die öſterreichiſche Regierung entſchloſſen ſind, mit aller Kraft
das Abkommen durchzuführen. Auch Miniſter Dr. Curtius fand
lebhafteſten Beifall.

Befremdende Zurückhalkung
der deutſchen Miniſter in der Tſchechoflowakei.
Die Stellungnahme der beiden ſudetendeutſchen Miniſter zum
Expoſé des Außenminiſters Beneſch über den deutſch= öſterreichi=
ſchen
Zollunionsplan iſt noch immer nicht geklärt. Während
die geſamte ſudetendeutſche Oeffentlichkeit, die
Wirtſchaftsverbände und die Parteien, die
deutſchen Regierungsparteien nicht ausgenom=
men
, ſich ausdrücklich für den Beitritt der Tſche=
choſlowakei
zur Zollunion ausgeſprochen haben,
ſteht eine Aeußerung der beiden ſudetendeut=
ſchen
Miniſter Spina und Czech noch aus.
Die Kleine Enkenke wieder einmal einig.
Bukareſt, 5. Mai.
Die Konferenz der Kleinen Entente hat heute mittag ihre
Arbeiten abgeſchloſſen. In dem über die Tagung ausgegebenen
offiziellen Communiqué heißt es: In ihrer Sitzung vom 4. Mai
haben die Vertreter der drei Länder in Anweſenheit des rumäni=
ſchen
Finanzminiſters und des Handelsminiſters den Plan einer
deutſch=öſterreichiſchen Zollunion erörtert und vom juriſtiſchen,
politiſchen und wirtſchaftlichen Standpunkt geprüft. Sie haben
auch die ihnen von der franzöſiſchen Regierung übermittelten
Vorſchläge ſowie das Wirtſchaftsproblem in ſeinem ganzen Um=
fang
einer eingehenden Beratung unterzogen. Der Meinungs=
austauſch
, der entſprechend der Tradition der Konferenzen der
Kleinen Entente denkbar herzlich war und auf der Tatſache der
Gemeinſamkeit der Intereſſen der drei Länder beruhte, führte zu
einmütigen Beſchlüſſen. Die drei Regierungen haben die völlige
Uebereinſtimmung ihrer Auffaſſungen über alle geprüften Fra=
gen
feſtgeſtellt und haben beſchloſſen, hierbei eine gemeinſame
Haltung bei den bevorſtehenden Verhandlungen vor dem Völker=
bundsrat
, im Europaausſchuß und bei etwaigen ſonſtigen Ver=
handlungen
zwiſchen den intereſſierten Staaten einzunehmen. Sie
haben ſich hinſichtlich der Agrarkriſis für die ſofortige Durchfüh=
rung
des Präferenzſyſtems zugunſten der landwirtſchaftlichen Er=
zeugniſſe
und für die baldige Prüfung weiterer Vorſchläge aus=
geſprochen
. Die drei Miniſter haben ihre gemeinſame Haltung in
den die Abrüſtungskonferenz und ihre Vorbereitung betreffenden
Fragen feſtgelegt ſowie in der Frage der Angleichung der Völker=
bundsſatzung
an den Kellogg=Pakt, des Vertragsentwurfes über
die Verſtärkung der kriegverbündenden Mittel und des Pariſer Ab=
kommens
über die Oſtreparationen.
Am Mikkwoch Zolldebakke in der franzöſiſchen Kammer
In der franzöſiſchen Kammerſitzung wurde die Debatte über
die Interpellationen betreffend das deutſch=öſterreichiſche Zollab=
kommen
für Donnerstag anberaumt.

ProfsHeineiw Heingato Krog so Jühte
und wenn es hoch kommt, ſo ſind es 80 Jahre. Und
wenn es köſtlich geweſen, iſt es Mühe und Arbeit geweſen!
Um ein weiteres Jahrzehnt hat der Senior der heſſiſchen Künſtler=
ſchaft
, Profeſſor Heinrich Reinhard Kröh, dieſes köſtliche Bibel=
wort
geſchlagen. Er feiert morgen ſeinen 90. Geburtstag. Aber
er macht auch das Bibelwort in ſeinem letzten Teil wahr: Er lebt
ein köſtliches Leben, weil es Mühe und Arbeit war. Der Neunzig=
jährige
ſchafft noch heute mit einer Friſche, die beneidenswert iſt
und die faſt einzig daſtehen dürfte. Auf ſeiner letzten oder vor=
letzten
Ausſtellung noch, die er von Zeit zu Zeit in ſeinem Atelier
veranſtaltet, zeigte Profeſſor Kröh Bilder, die am Vierwaldſtätter
See oder ſonſt wo vor der Natur erſtanden waren. Hier und am
Neckar, in der Gegend von Hirſchhorn hat er in den letzten Jahren
noch geweilt, um die von ihm ſo heiß geliebte Natur zu ſtudieren
und ſich von ihr Motive für Pinſel und Palette geben zu laſſen.
Friſch und natürlich, duftend und prangend in rauſchendem Kolo=
rit
, wurden die Gemälde, die er nach den Skizzen ſchuf, die ſo
liebevoll durchgeführt waren, daß ſie ſich als Skizzen ſchon wohl=
tuend
unterſchieden von vielen Modernen als fertig gezeichneten
Bildern.
Das iſt Heinrich Reinhard Kröhs Art immer geweſen und iſt
es heute noch. Das liebevolle und tiefe Verſenken in die geheim=
nisvollen
und fruchttragenden Schönheiten, die die Natur täglich
und ſtündlich neu gebiert. Von Auguſt Lucas wohl, ſeinem ein=
ſtigen
Lehrer, auch von Karl Raupp, hat er dieſe Liebe zur Natur,
dieſe Liebe zu den Farben geerbt, für die die beiden Meiſter ſein
Auge geſchult haben. Die Lehrer, zu deren Füßen er einſt geſeſſen,
gehören längſt der Geſchichte an, und viele, die mit ihm groß wur=
den
, Studien= und Altersgenoſſen, Eugen Bracht, Hans Thoma,
Philipp Röth u. v. a., ſind heute nicht mehr. Heinrich Reinhard
Kröh aber, den Gott geſegnet, darf heute noch emſig und rüſtig
ſchaffen. Der Neunzigjährige noch iſt in der Lage, Werke zu ſchaf=
fen
, die es an Friſche und Eindringlichkeit mit vielen aufnehmen,
deren Schöpfer noch in des Lebens Maienblüte ſtehen.
Wahrlich, ein Gott geſegnetes Leben. Dieſes Leben eines
Künſtlers, der 3 und mehr Menſchenalter hindurch die Dinge der
Welt und die Dinge der Kunſt an ſich vorüberfließen ſah und der
über allem, was die Geſchehniſſe der Jahrzehnte brachten, ein un=
errückbares
Sichſelbſttreubleiben bewies. Sich ſelbſt und ſeiner
Zunſt unerſchütterlich treu! Vielleicht iſt es gerade dieſe Treue,
ieſes unbeirrte Vorwärtsſchreiten auf geradem ehrlichen Wege,
auf einem Wege, der kein Abgleiten kannte und keine Seiten=
gaſſen
, das die Kunſt Heinrich Reinhard Kröh’s über alle Stil=
erſcheinungen
hinweg ſo ſympathiſch macht und ſo ſicher ihr ſtarkes

Niveau begründet. Vielleicht iſt es dieſe Treue, die neben be=
neidenswerter
körperlicher Widerſtandsfähigkeit die künſtleriſche
Auffaſſung des Meiſters, die Art, wie er die Natur in immer neuen
Kunſtwerken erſtehen läßt, ſo friſch, ſo jugendlich, ſo temperament=
voll
geſtaltet.
Der Freunde Heinrich Reinhard Kröh’s ſind viele. Wer aber
das Glück hat, eines ſeiner wundervollen Bilder zu beſitzen, wird
ſich heute mit uns vereinen in dem Wunſch, daß der Senior der
heſſiſchen Künſtler ſeinen 90. Geburtstag feiern möge in dem
Glück und in der Zufriedenheit, auf die ein ſo begnadetes langes
Leben Anſpruch erheben darf. Mögen ihm die Jahre des Lebens,
die das Schickſal ihm noch vergönnt, leicht ſein in dem Genießen
der ſtillen und innigen Freude, die er Tauſenden mit ſeinen Bil=
dern
geſchenkt hat.
M. St.

Heſſiſches Landeskheaker.
Kleines Haus. Dienstag, den 5. Mai 1931.
Die Wildenke.
Schauſpiel von Henrik Ibſen.

Im Sommer 1883 bedurfte Ibſen, wie er an Georg Bran
des ſchrieb, eines Abfluſſes für diverſe Tollheiten, die ſich in
Jahr und Tag bei ihm angeſammelt hätten, und er ſchrieb Die
Wildente‟. Im Jahre 1909 wurde ſie an dem hieſigen Hof=
theater
zum erſten Male aufgeführt, von der Diesſeite lebhaft
verlangt und begrüßt. Es war intereſſant, zu ſehen, wie ſie auf
den heutigen Zuſchauer wirkt.
Freiheit und Wahrheit hatte Ibſen zuvor als die Stützen der
Geſellſchaft, Wahrhaftigkeit in Nora als die Grundlage der
Ehe und im Volksfeind als das Fundament des öffentlicher
Lebens proklamiert. In der Wildente kommen ihm die Zwe=
fel
, ob die Wahrheit für den Durchſchnittsmenſchen nicht doch
ein zu ſchweres, zu gefährliches Gut ſei. An dem Sinnbilde der
flügellahmen Wildente wird die Frage der Notwendigkeit de=
Lebenslüge erörtert. Erörtert an unheimlich lebenswahren
Geſtalten, wie dem alten Jäger Ekdal und ſeinem von und in Ein=
bildung
lebenden Sohne Hjalmar.
Das Problem der Lebenslüge iſt letzten Endes heute noch ſ.
vorhanden, wie es vor fünfzig Jahren beſtand. Die individuell
gezeichneten Geſtalten Ibſens tragen ihr dauerndes Leben in
ſich, wenn auch mit einer Einſchränkung: das Schickſal, das
inzwiſchen vorübergezogen iſt, iſt ſo groß, daß wir für eine Schein
Exiſtenz wie Hjalmar Ekdal kein nennenswertes Intereſſe mehr
aufbringen können. Nur das Weſentliche und Tüchtige beſteht und
kann ſich erhalten. Für Narren und Untüchtige iſt der Platz auf

dieſer engen Erde ſchmäler, das Intereſſe geringer geworden. In
dieſer Hinſicht verſchiebt ſich auch die Einſtellung zu Ibſens Wild=
ente‟
.
Was ſich jedoch nicht wandelt, iſt die Bewunderung vor Ib=
ſens
glänzender Bühnen=Technik; einer Technik, die nicht in
Aeußerlichkeiten, ſondern in dem bindenden Zwang der inneren
Verknüpfungen beſteht. Keiner der heutigen Schriftſteller beſitzt
dieſe Begabung des überlegenen Dramatikers in ſolchem
Maße!
Der Aufführung, die unter der Leitung von Günter Hae=
nel
ſtand, hätte man größere Geſchloſſenheit und ſtärkere Inten=
ſität
gewünſcht. Fehlte es an Proben oder an der inneren Be=
ziehung
zu dem Werk? Vielleicht an beidem?
Hans Baumeiſter als Großhändler Werle und Käthe
Gothe, einſt Darmſtadts erſte Hedwig, heute Frau Sörby,
zeigten die ſtärkſte Verbundenheit mit dem Stile Ibſens.
Die Schein=Exiſtenz des Hjalmar Ekdal ließ Werner Hinz
aufgehen wie eine Seifenblaſe von Einbildung, Selbſtbewunde=
rung
, Phraſentum; eine ſchöne ſchauſpieleriſche Leiſtung. Um den
Wahrheitsfanatiker Gregor Werle rang Siegfried Nürnber=
ger
mit wechſelndem Erfolg.
In Hedwig, dem Wildling, hat Ibſen ſeiner jüngeren
Schweſter ein Denkmal der Liebe geſetzt. Jenny Wiener hatte
einzelne hübſche Anſätze, war aber im Weſen der jungen, ge=
ſpannten
Geſtalt nicht gewachſen; auch mit der Sprachtechnik iſts
ſchwach beſtellt. Sybille Schmitz als Gina, Franz Pfaud=
ler
als Vater Ekdal, Hermann Gallinger als Doktor Rel=
ling
ſeien noch genannt.
Letzter Eindruck: unter den Minderwertigkeiten, die heute
vielfach die Bühne beherrſchen, iſt ein Werk Ibſens immer noch
eine Kultur=Oaſe.
2.

Von Deukſchlands Hohen Schulen.

Dresden: Hier iſt im Alter von 88 Jahren Oberbergrat Dr. e. h.
Richard Baloauf geſtorben. Er war Ehrendoktor der Techniſchen
Hochſchule Dresden, Ehrenbürger der gleichen Anſtalt ſowie der Berg=
gkademie
Freiberg

Leitzig: Mit Genehmigung, dem Indogermaniſchen Inſtitut de
univerſtät Leipzig ein Lektorat für ungariſche Sprachen ernichtet,
das die Ausübung der Lehrtätigkeit dem Lektor an der Leipziger Ha
delshochſchule Dr. Tibor Szalai übertragen wird. Der Vorſtand der
Abteilung für Bienenzucht und des Lehrbienengartens am Landwirt
ſchaftlichen Inſtitut der Univerſität Leipzig, Oberſtudienrat a. D. Pr=
feſſor
Dr. phil. Krancher, feierte am 30. April das goldene Doktor
jubiläum. Er promovierte 1881 bei der Leipziger Philoſophiſchen Fe
Eif

[ ][  ][ ]

Nummer 125

Mittwoch, den 6. Mai 1931

Seite 3

Auf vei Sice nau Adensbeſchaffang.
Die Brguns=Kommiſſion für große Auslandsanleihe und freiwilligen Hilfsdienſt. Vorbereikende
Beſprechungen über freiwilligen Hilfsdienſt. Landgemeindekag fordert neue Reichsarbeitsloſen=
fürſorge
und inkerkommunalen Laſtenausgleich.

Freiwilliger Arbeitsdienſt in Sicht.
Ausſprache in der Reichskanzlei.
Berlin, 5. Mai.
In der Reichskanzlei fand im Dienstag eine Ausſprache zwi=
ſchen
den intereſſierten Verbänden über die Fragen des freiwil=
ligen
Arbeitsdienſtes ſtatt. Vertreten waren neben einer Reihe
von Einzelperſönlichkeiten und Behörden der Kyffhäuſerbund, das
Reichsbanner, der Stahlhelm. Jugendkraft, Eichenkreuz, der
Reichsausſchuß deutſcher Jugendverbände, Hilfsgemeinſchaft deut=
ſcher
Kriegsteilnehmer, Freiſchar, Reichslandbund, Kuratorium
für Arbeitsdienſt und Volksbund für Arbeitsdienſt. Den Vorſitz
führte Reichsminiſter Treviranus, der die Verhandlungen mit
längeren Darlegungen darüber eröffnete, wie ſich auf Grund der
vorbereitenden Beſprechungen zwiſchen den Reichsreſſorts und
innerhalb der Reichskommiſſion nach ſeiner Anſicht ein freiwil=
liger
Arbeitsdienſt mit Unterſtützung des Reiches entwickeln ließe.
Er betonte hierbei die Notwendigkeit einer geſetzlichen Grundlage
und die Möglichkeit, an beſtimmte beſtehende geſetzliche Einrich=
tungen
anzuknüpfen. Es beſtehe die Hoffnung, von der Reichs=
anſtalt
für Arbeitsloſenverſicherung einen Kopfbeitrag von etwa
2 RM. für eine beſtimmte Friſt (etwa 20 Wochen) zu erhalten.
Der Miniſter ſtreifte auch die übrigen mit dem freiwilligen
Arbeitsdienſt verbundenen Probleme, darunter die Schwierig=
keten
der Führerfrage, die Zweckmäßigkeit, ſich vorwiegend auf
kleinere Arbeiten zu beſchränken und die Möglichkeiten der Kon=
trolle
. Er betonte abſchließend, daß es an der Zeit ſei, mit einem
Verſuch auf größerer Baſis anzufangen.
In der Debatte pflichteten alle beteiligten Organiſationen
mit gewiſſen Abweichungen den Grundgedanken des freiwilligen
Arbeitsdienſtes zu. Die Beſprechungen ſollen fortgeſetzt werden.
Die nächſte Sitzung wird unter dem Vorſitz des Reichsarbeits=
miniſters
Dr. Stegerwald ſtattfinden, ſobald die Brauns= Kommiſ=
ſion
ihr Gutachten über den freiwilligen Arbeitsdienſt erſtattet hat.
Der zweite Teil des Brguns=Gukachkens.
* Berlin, 5. Mai. (Priv.=Tel.)
Der zweite Teil des Gutachtens der Brauns=Kommiſſion ſoll
am Mittwoch veröffentlicht werden. Große Ueberraſchungen wird
er nach dem, was bisher bekannt geworden iſt, nicht bringen.
Immerhin wird man feſtſtellen dürfen, daß durch die ſcharfen
Kritiken am erſten Teil die Kommiſſion ſich bemüht hat, auch
nach außen hin tiefer in die Materie hineinzuſteigen. Es iſt unter
Berückſichtigung der Tatſache, daß die Beſchlüſſe einſtimmig unter
Teilnahme der ſozialdemokratiſchen Mitglieder gefaßt worden
ſind, immerhin anerkennenswert, wenn in dem Gutachten der
privaten Initiative eine ausſchlaggebende
Rolle eingeräumt wird.
Das Kernſtück des Gutachtens ſieht für die Ar=
beitsbeſchaffung
die Hereinholung großer Aus=
landsmittel
vor, wobei vielleicht die Möglichkeiten, die
hier gegeben ſind, allzu optimiſtiſch eingeſchätzt wurden. Inner=
halb
der Kommiſſion ſelbſt hat man von einer Milliarde ge=
ſprochen
, die für landwirtſchaftliche Melioration, für Siedlung,
für eine Organiſation des Straßenbaues eingeſetzt werden ſollen.
Die Arbeitsdienſtpflicht lehnt der Ausſchuß ab, ſtellt ſich aber
poſitiv zu dem Gedanken des freiwilligen Hilfsdienſtes
und kommt auch ſchon mit beſtimmt formulierten Vorſchlägen für
die Heranziehung jugendlicher Arbeitsloſer zur
inneren Koloniſation auf dem Land. Die Verhand=
lungen
, die der Oſtminiſter Treviranus mit den großen Verbän=
edn
bereits eingeleitet hat, werden vermutlich den Verſuch machen,
dieſen Teil der Vorſchläge in Verbindung mit Anregungen aus
den Verbänden heraus in die Wirklichkeit umzuſetzen. Aber auch
ſonſt iſt ſchon einiges geſchehen, um in der Praxis die Arbeitsbe=
ſchaffungsmöglichkeiten
zu verwirklichen, wie ſie ſich der Ausſchuß
denkt. Wenn wir recht unterrichtet ſind, ſteht ſchon der Beſchluß,
den Rügen=Damm zu bauen, in innerem Zuſammenhang hiermit,
und wir möchten annehmen, daß auch die Vergebung von neuen
Schiffen durch unſere großen Schiffahrtsgeſellſchaften auf die An=
regungen
der Reichsregierung zurückzuführen ſind.

Auch die neuen Vorſchläge, die aus dem Landkreistag kommen,
werden von dem Brauns=Ausſchuß noch durchgearbeitet werden,
und es iſt anzunehmen, daß er ſich einen Teil der dort vorge=
brachten
Gedanken zu eigen machen wird.
Der Hanſabund verlangk Soforkmaßnahmen
der Reichsregierung.
Berlin, 5. Mai.
Das Präſidium des Hanſabundes für Gewerbe, Handel und In=
duſtrie
trat unter Vorſitz des Präſidenten Dr. Hermann Fiſcher,
M. d. R., in Berlin zu einer eingehenden Ausſprache über die
wirtſchaftspolitiſche Geſamtlage zuſammen. Ueber das Ergebnis
der Beſprechungen teilt der Hanſabund folgendes mit:
Einſtimmig bekannte ſich das Präſidium zu der Notwendig=
keit
, den Kampf für die freie Marktwirtſchaft und
gegen jeglichen Kollektivismus und Sozialis=
mus
mit größter Energie weiterzuführen. Hinſichtlich der näch=
ſten
Aufgaben der Reichsregierung betonte das Hanſabundpräſi=
dium
einmütig, daß die Ueberwindung von Wirtſchafts=
not
und Arbeitsloſigkeit nur dann gelingen könne, wenn
auf dem Wege umfaſſenden öffentlichen Auf=
gabenabbaus
, ſtrengſter Sparſamkeit, ſowie der
Auflockerung der die Erſtarrung des deutſchen Wirt=
ſchaftskörpers
verurſachenden Wirtſchaftsgeſetze die Ge=
ſtehungskoſten
der deutſchen Wirtſchaft gemindert und die aufbau=
enden
Wirtſchaftskräfte zu freier Entwicklungsfähigkeit zurückge=
führt
werden. Durch Wiederherſtellung der Renta=
bilität
der Wirtſchaft ſind neue Arbeitsflächen zu ſchaffen
und die Arbeitsloſenmaſſen wieder in den Wirtſchaftsapparat ein=
zugliedern
. Das Präſidium des Hanſabundes iſt ſich darüber einig,
daß die Reichsregierung mit größter Beſchleuni=
gung
handeln muß. In der Vertagung des wei=
teren
Regierungsprogramms auf den Monat
Juni erblickt das Hanſabundpräſidium eine be=
ſondere
Erſchwerung der wirtſchaftspolitiſchen
Geſamtlage. Es fordert daher mit aller Eindringlichkeit
ſofortige Bekanntmachung der weiteren Regie=
rungspläne
, darüber hinaus aber vor allem
ſofortiges durchgreifendes Handeln der Reichs=
regierung
.
Die Forderungen des Landgemeindetages.
Berlin, 5. Mai.
Bei einem Preſſeempfang ſprach der Präſident des Deutſchen
Landgemeindetages und des Verbandes, der Preußiſchen Land=
gemeinden
, Dr. Gereke, M. d. R., über die finanzielle
Lage der Gemeinden und über den Geſetzentwurf
zu einer Reichsarbeitsloſenfürſorge, den der
Deutſche Landgemeindetag heute der Reichs=
regierung
, den Länderregierungen und den ge=,
ſetzgebenden Körperſchaften überreichen wird.
Zur Begründung dieſes Geſetzentwurfes führte Dr. Gereke u. a.
aus:
Die unerträgliche Belaſtung der Gemeinden durch die Wohl=
fahrtserwerbsloſen
iſt in einem Umfange geſtiegen, daß beſchleu=
nigte
Maßnahmen der Reichsregierung unbedingt erforderlich ſind,
die ſpäteſtens Anfang Juni wirkſam werden müſſen. An der bis=
herigen
Dreiteilung der Arbeitsloſenfürſorge in Arbeitsloſenver=
ſicherung
, Kriſen= und Wohlfahrtsunterſtützung kann nicht länger
feſtgehalten werden. Die unterſchiedliche Behandlung
der aus der Arbeitsloſenverſicherung Ausge=
ſteuerten
erſcheint für die Zukunft nicht weiter
möglich. Kriſenfürſorge und Wohlfahrtser=
werbsloſenfürſorge
müſſen in einer Reichs=
arbeitsloſenfürſorge
zuſammengefaßt werden.
Eine wirkſamere Form des gegenwärtigen Unterſtützungsſyſtems
kann nur durchgeführt werden, wenn eine viel genauere Prü=
fung
der Bedürftigkeit erfolgt als bisher. Die wichtigſte
Frage iſt die nach der Aufbringung der Mittel für
die neue Reichsarbeitsloſenfürſorge. Grundſätzlich erhebt der
Deutſche Landgemeindetag die Forderung, daß Reich und
Länder beteiligt werden müſſen. Im Gegenſatz zu
dem Vorſchlage des Deutſchen Städtetages, der 50 Prozent der ent=

ſtehenden Koſten auf das Reich, 25 Prozent auf die Länder und
25 Prozent auf die Gemeinden umlegen will, iſt der Deutſche Land=
gemeindetag
der Ueberzeugung, daß die ländlichen Gemein=
den
nichtmehrals 15 Prozent tragen können. Für
das Reich ſollen 50 Prozent bleiben, die Länder ſok=
len
aber wieder inder Höhe wie bis1927 mit etwa
einem Drittel beitragen. Wir wiſſen, ſchloß Dr. Gereke,
daß die Gemeinden mit der Forderung auf Uebernahme eines
Teiles der Wohlfahrtslaſten auf das Reich und die Länder nicht
völlig um die in Frage kommenden Koſten entlaſtet werden. Der
Deutſche Landgemeindetag hat ſeit Jahren einen allgemeinen
Laſtenausgleich gefordert und muß immer wieder darauf
hinweiſen, wie ſchwer gerade die kleinen, leiſtungsſchwachen Agrar=
und Arbeiterwohnſitzgemeinden durch das jetzige Syſtem der Un=
terverteilung
der Reichsſteuerüberweiſungen benachteiligt werden.
Dieſes Ueberweiſungsſyſtem hat zur Folge gehabt, daß die Ge=
meinden
1928 nach amtlichen Zahlen an Reichsſteuerüberweiſungen
je Einwohner erhalten haben: die Stadt Frankfurt a. M. rund
38 RM., die Stadt Berlin rund 34 RM., im Durchſchnitt die
Großſtädte über 500 000 Einwohnern rund 33 RM., die Gemein=
den
bis zu 5000 Einwohnern rund 7 RM. und die Gemeinden bis
zu 200 Einwohnern rund 3 RM. In den Jahren 1930 und 1931
haben ſich dieſe Zahlen für die Landgemeinden noch weſentlich ver=
ſchlechtert
. Gerade dieſe Zahlen ſind auch der beſte Beweis dafür,
wie notwendig ein interkommunaler Laſtenaus=
gleich
iſt, weil den kleinen Gemeinden ſo gut wie
jede Möglichkeit fehlt, den Ausgleich für die
ſtändig wachſenden Wohlfahrtslaſten zu finden.
der Geſchäftsbericht der Reichsbahn.
Notdürfkig ausgeglichener Ekal. Zie Krafkwagen=
konkurrenz
macht ſich bemerkbgr.
* Berlin, 5. Mai (Priv.=Tel.).
Der Reichsbahnbericht über das Jahr 1930 ſchließt mit
einer effektiven Unterbilanz von 209 Millionen, die
ausgeglichen wird nur durch Heranziehung des
Vortrages von 1929 und durch Niederſchlagung
von Reichskrediten in Höhe von 132 Millionen.
Dabei handelt es ſich aber nur um einmalige Möglich=
keiten
. Für das nächſte Jahr ſtehen ſolche Reſer=
ven
nicht mehr zur Verfügung. Die Reichsbahn droht
daher trotz aller Bedenken mit einer neuen Tariferhöhung, wenn
es nicht gelingt, durch verſchärften Kampf gegen die Konkurrenz
des Autos die Einnahmen zu heben. Sie hofft, daß die Selbſt=
hilfemaßnahmen
, die ſie auf dem Gebiete der Kraftwagenbekämp=
fung
(Schenker=Vertrag, K=Tarife) eingeleitet hat, dazu führen
werden, daß eine gewiſſe Verbeſſerung der Einnahmen eintreten
und insbeſondere keine weitere Abwanderung zum Kraftwagen
erfolgen wird. Die Bahn rechnet vor, daß ſie mehr als 1½ Mil=
liarden
als Laſt des Reiches aufzubringen habe, darunter 660
Millionen Reparationslaſt und die Beförderungsſteuer mit
290 Millionen. Dazu tritt dann noch ½ Milliarde aus den erhöh=
ten
Penſionen. Gewiß iſt die Reichsbahn ſtark belaſtet, und die
Beſeitigung der Verkehrsſteuer wäre ſchon zur Hebung des Ver=
kehrs
dringend notwendig, aber ſie darf nicht überſehen, daß die
Bahn ein ſehr wertvolles Vermögen darſtellt und das Reich daher
eine entſprechende Verzinſung der hineingeſteckten Kapitalien ver=
langen
kann. In abſehbarer Zeit will die Reichsbahn mit einem
Betrage von etwa 200 Millionen RM. an den Geldmarkt heran=
treten
. Trotzdem ſieht die Verwaltung, da für 1930 weder ein
Vortrag zur Verfügung ſteht, noch mit einer Reichshilfe wie im
Vorjahr gerechnet werden kann, der nächſten Bilanz mit ſehr
großer Sorge entgegen.
Ergebnisloſe Rahmenkarifverhandlungeg
in Nordweſt.
Eſſen, 5. Mai.
Nachdem die Gewerkſchaften in der vergangenen Woche ihre
Forderungen bekannt gegeben hatten, wurden die Rahmentarif=
verhandlungen
zwiſchen dem Arbeitgeberverband Nordweſt und
den drei Metallarbeitergewerkſchaften am Dienstag fortgeführt.
Nach eingehenden Verhandlungen zogen ſich die Gewerkſchaften
zurück, indem ſie erklärten, daß ſie die Parteiverhandlungen als
geſcheitert betrachten. Es ſei nach ihrer Auffaſſung zweckmäßig,
nunmehr den Schlichter hinzuzuziehen. Die weiteren Verhand=
lungen
werden etwa Mitte Mai unter dem Vorſitz des Schlichters
ſtattfinden.

Beitrag zu dem Thema Kunſt in Not.

Von Well Habicht.
Kunſt in Not iſt ein Ruf, der heute durch ganz Deutſch=
land
geht, der von den berufenen Behörden gehört, weiter gege=
ben
und jedem, der es mit den geiſtigen Gütern ernſt meint, ans
Herz gelegt wird.
Kenner, Fachleute, verantwortliche Beamten und Intereſſen=
ten
haben darüber und dazu geſprochen und geſchrieben und ſind
den inneren und äußeren Gründen dieſer Situation nachgegangen.
Die angeblichen äußeren Gründe ſind bekannt. Die Geldknapp=
heit
und das Stocken im Kreislauf der Wirtſchaft. Einzig ent=
ſcheidend
ſind dieſe Gründe ſichereich nicht, denn das Erwerben von
nicht lebensnotwendigen Dingen ſeitens jedes Einzelnen iſt im
Vergleich zur Vorkriegszeit geſtiegen. Bleiben die inneren Gründe,
die unleugbar vorhanden ſind, die in der Verſchiebung der Inter=
eſſen
des Publikums, in der eigenen Iſolierung der Künſtler und
der dadurch bedingten Entfremdung von den Kunſtfreunden
beruht.
Aber es gibt noch ein anderes Moment, das die Künſtler aus
der Intereſſenſphäre der Allgemeinheit verdrängt hat, und das iſt
das Verhältnis von Architektur zur bildenden Kunſt.
Früher, in den Zeiten, in denen Bau= und bildende Künſtler
an großen, unvergeßbaren und auch an kleinen, ewig reizvollen
Werken zuſammenwirkten, nannte man die Architektur die Mutter
der Künſte. Heute iſt ſie zweifellos ihre Stiefmutter.
Woher kommt das? Aus Sparſamkeitsrückſichten?
Ein künſtleriſcher Schmuck, von vornherein bei einem Bau ein=
kalkuliert
, ſpielt im Verhältnis zu der Bauſumme gar keine Rolle.
Außerdem erſcheint es nicht erſichtlich, warum gerade an einer
Sache geſpart werden ſoll, woran der Bauherr ſeine Freude haben
wird und die dem Bau Reiz und Eigenart verleiht. Der kunſt=
intereſſierte
Architekt wird gewiß Mittel und Wege finden, ſich
die Mitwirkung der Kunſt zu ſichern und die Aufwendung dafür
an anderen Teilen des Bauwerks einzuſparen. Aber gerade hier
iſt einer der wichtigſten Gründe, warum heute die Kunſt in Not iſt.
Es iſt dies die Tatſache, daß ein großer Teil namentlich der
jüngeren Architekten die Fühlung mit den bildenden Künſtlern
verloren hat. Sie glauben, auch ohne Malerei und Plaſtik aus=
zukommen
. Aber ſie befinden ſich in einem Irrtum. In vier nack=
ten
Wänden hält es ſelbſt der anſpruchloſeſte Bauherr auf die
Dauer nicht aus. Selbſt wenn die Häuſer unmittelbar nach der
Fertigſtellung wie die Soldaten ausgerichtet und gleichmäßig uni=
formiert
daſtehen, werden ſie durch die Eigenart der Beſitzer, die

ſich doch in tauſend Kleinigkeiten ausprägt, nach ganz kurzer Zeit von=
einander
verſchieden ſein. Wie ſoll denn ſchließlich der Menſch,
der doch irgendwelche perſönlichen Intereſſen oder auch eine indi=
viduelle
Auffaſſung von Schönheit, Behaglichkeit und Wohnlich=
keit
hat, dieſe anders verwirklichen, als in ſeinem Heim?
Es iſt woh ſicher, daß dieſes Ideal des nackten Außenbaues und
kahlen Innenbaues nicht mehr lange leben wird. Ueberall machen
ſich Anzeichen bemerkbar, daß der Menſch nicht auf die Dauer
darauf verzichten wird, in den Räumen, die er bewohnt, Wärme,
Reiz und irgend etwas Anſprechendes, welches zugleich auch eine
geiſtige Bedeutung hat, hineinzutragen. Dieſe Wandlung zu einer
größeren Freude an Farbe und Vielſeitigkeit der Form macht ſich
bereits ſeit einiger Zeit bei der Mode, aber auch ſchon bei den
neueren Entwürfen von Tapeten, Stoffen, Bezügen, Vorhängen
uſw. bemerkbar.
Wie ließe ſich nun wieder eine engere Verbindung von Archi=
tektur
mit bildender Kunſt, die zu einer harmoniſchen Zuſammen=
arbeit
führt, herſtellen?
Ein Weg dazu ſcheint mir der zu ſein, daß ſchon in der Aus=
bildungszeit
der Architekten der Sinn für dieſes Zuſammenwirken
von Baukunſt und freier Kunſt geweckt und geſchult wird. Dies
kann dadurch geſchehen, daß bei den Entwürfen der Schüler die
Fragen nach Bauplaſtik oder maleriſchem Schmuck eingehend erör=
tert
, die Möglichkeiten in bezug auf Material, Wirkung und Koſten
geprüft werden und dann die Schüler Anleitung erhalten, dieſe
praktiſchen Aufgaben in maßſtäblichen Skizzen plaſtiſch aufzubauen.
So wird den jungen Architekten, wenn ſie ſpäter vor der Löſung
wirklicher Bauaufgaben ſtehen, wieder der Sinn für künſtleriſchen
Schmuck geweckt ſein, und zu gleicher Zeit werden ſie den nötigen
Ueberblick und die Kenntniſſe, derartige Dinge anzuordnen und
abzuſchätzen, beſitzen.
Welche Fülle von Anregungen zur Anbringung künſtleriſcher
Werte bei privatem und öffentlichem Bauen von den kleinſten
Schmuckſtücken bis zu den größten monumentalen Anordnungen
kann dabei den Schülern gegeben werden!
Und wenn dann dieſe künſtleriſchen Abſichten den bildenden
Künſtlern als Aufträge zugute kommen, werden ſie in hohem
Maße dazu beitragen, den Ruf Kunſt in Not allmählich in
Deutſchland verſtummen zu laſſen.

Engliſches Univerſitätsweſen. Auf Einladung der akade=
miſchen
Auslandsſtelle der Univerſität Heidelberg, des Inſtitutes
für Sozial= und Staatswiſſenſchaften, des Inſtituts für Zeitungs=
weſen
und der v. Portheim=Stiftung ſpricht am Freitag, den
8. Mai 1931, 8.30 Uhr abends, in der Aula der Univerſität der
Honorary Director of the Univerſities Bureau of the Britiſh Em=
pire
Sir Frank Heath. G.BE. K.C.B. über Engliſches Uni=
verſitätsweſen‟
. Der Vortrag findet in deutſcher Sprache ſtatt,
Der Eintritt iſt frei.

* Darmſtädker Ausfkellungen.
Bücherſtube Bodenheimer ſtellt eine ſehr intereſ=
ante
kleine Kollektion von Originalzeichnungen Ernſt Bar=
lach’s
aus. Sie gibt damit den Freunden Barlach’ſcher Kunſt
heute Gelegenheit, zu erſchwinglichem Preis einen Original= Bar=
lach
zu erwerben. Die Zeichnungen ſind durchweg ſehr flott und
mit einer jede Wirkung meiſternden Sicherheit hingeworfen.
Robuſt und ſtark in der Bewegung, wirken ſie im künſtleriſchen
Ausdruck faſt ausnahmslos wie monumentale Plaſtik. Auch die
kleinformatlichen Zeichnungen gehen bei Barlach immer irgendwie
ins Monumentale. In dem vielſeitigen Künſtler ſcheint doch die
Plaſtik am ſtärkſten ausgeprägt. Das bedingt die großzügige
*
Formengebung auch in den Zeichnungen.

* Ein Hund opfert ſein Leben. Eine ergreifende Geſchichte
von dem Opfermut eines Hundes wird in einem Blatt aus
Montreal berichtet. Der Erzähler iſt ein Trapper und Holz=
fäller
André Minett, der zu Seguin Falls in der kanadiſchen
Provinz Antario wohnt. Er führt aus, daß ſeine Frau ihr 18
Monate altes Baby in einem Kindwagen vor die Tür des Block=
hauſes
ſtellte, das in einer Lichtung des weiten Waldes liegt.
Ihr Hund namens Sport ſtrolchte um das Haus herum, als
plötzlich 3 Wölfe erſchienen. Minett, der in ziemlicher Entfer=
nung
Waſſer aus einem Brunnen holte, ſah das Herannahen
der Raubtiere glaubte aber, daß das Kind nicht in dem Wagen
läge, und war daher nicht ängſtlich, weil Sport ſchon öfters
mit ſolchen Eindringlingen fertig geworden war. Er beobachtete,
wie der Hund nach dem Kindwagen hinſah und dann die Feinde
durch heftiges Bellen und Heranlaufen auf ſich zog. Er ſprang
kampfmutig die Wölfe an, die ihn anknurrten, und hatte es nach
einer Minute ſoweit gebracht, daß die Raubtiere dem Baby den
Rücken zuwendeten. Zunächſt ſchien es, als wenn die feind=
lichen
Parteien das Gefecht beginnen wollten, dann aber lief
Sport plötzlich mit großen Sprüngen in den Wald hinein, und
das unheimliche graue Trio folgte ihm hart auf den Ferſen.
Der Hund iſt nicht mehr zurückgekehrt, aber aus ſeinem Beneh=
men
ging ganz deutlich hervor, daß er alle ſeine Anſtrengungen
darauf derwendete, die Raubtiere von dem Kinderwagen abzu=
lenken
, in dem das Baby lag. Er hätte ſich ganz leicht retten
können, denn er befand ſich im Schutze der offenen Küchentür,
aber er epferte ſein Leben, um die Wölfe von dem Kinde fern=
E
zurhalten.

[ ][  ][ ]

Seite 4

Mittwoch, den 6. Mai 1931

Nummer 125

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9

[ ][  ][ ]

Nummer 125

Mittwoch, den 6. Mai 1931

Seite 5

Aus der Landeshaupkſtadk.
Darmſtadt, den 6. Mai 1931.
Chriſtian C. Gerhardt . Der Ehrenpräſident des Heſſen=
Darmſtädter Volksfeſtvereins, Herr Chriſtian C. Gerhardt in New
Bork, iſt, wie dem Oberbürgermeiſter ſoeben mitgeteilt wird,
einer ſchweren Lungenentzündung erlegen. Die traurige Nachricht
wird in ſeiner alten Heimat gewiß allgemein aufrichtige Teil=
nahme
erwecken. Herr Gerhardt, der es drüben durch hingeben=
den
zielbewußten Fleiß und Rührigkeit zu großem Anſehen und zu
Wohlſtand gebracht hatte, war der Führer der erſten großen ge=
meinſamen
Deutſchlandreiſe des Vereins im Sommer 1913, wo=
mit
er den feſten Grund zu einer dauernden Aufnahme herzlicher
Beziehungen zwiſchen unſeren amerikaniſchen Landsleuten und der
alten Heimat gelegt hat Beziehungen, die auch durch den Krieg
nicht erſchüttert worden ſind. Wenn auch in den Kriegs= und
grſten Nachkriegsjahren die Beſuche nicht fortgeſetzt werden konn=
ten
, ſo zeigten ſich aber nun die Früchte der geſchloſſenen Freund=
ſchaft
in einer geradezu rührenden Fürſorge für das arm gewor=
dene
Deutſchland, die für unſeren Bezirk im weſentlichen der
großzügigen und warmherzigen Initiative des Herrn Gerhardt
zu danken iſt. Als dann die Heimatreiſen wieder aufgenommen
wurden, die immer wieder auch Anlaß zu neuer Liebestätigkeit
brachten wurde das Band der Freundſchaft immer feſter ge=
ſchmiedet
. Und Herr Gerhardt iſt ſtets einer der treueſten ge=
blieben
. Noch im vorigen Jahre hat er uns hier in Geſellſchaft
des Vereins als 73=Jähriger beſucht, und ſeine friſche Rüſtigkeit
ließ uns hoffen, daß wir ihn noch manches Mal ſehen würden.
Leider hat ſich dieſe Hoffnung nicht erfüllt. Die ſchwer geprüfte
Familie und der Heſſen=Darmſtädter Volksfeſtverein, den er in
24jähriger zielbewußter Führung zu hohem Anſehen gebracht hat,
dürfen aber davon überzeugt ſein, daß die alte Heimat dem aus=
gezeichneten
aufrechten Manne allezeit ein dankbares und herz=
liches
Gedenken bewahren wird. Oberbürgermeiſter Mueller hat
der Familie Gerhardt, auch im Namen unſerer Stadt, die herz=
lichſte
Teilnahme ausgeſprochen. Er ruhe in Frieden!
In dieſen Tagen beginnt die alljährliche Hausſammlung
für das Alice=Hoſpital. Die Anſtalt, die ſeit über 60 Jahren beſteht
und vielen Leidenden zur Wiedererlangung von Geſundheit und
Kraft verholfen hat, bittet alle, die ſie in ihrer nur auf gemein=
nützige
Zwecke gerichteten Arbeit unterſtützen wollen, um eine
kleine Gabe.
Ausſtellung Verwertung des Luftbildes‟. Die Ausſtellung
hat eine wundervolle Erweiterung dadurch erfahren, daß Herr
Studienrat Veith=Darmſtadt aus dem Feſſelballon aufgenommene,
ſehr lehrreiche Bilder zur Verfügung geſtellt hat. Auf bezügliche
Wünſche wird die Ausſtellung bis zum 14. Mai verlängert.
Muſikgeſchichte der Stadt Darmſtadt. In der Techniſchen
Hochſchule hält Profeſſor Dr. Friedrich Noack in dieſem Sommer=
ſemeſter
erſtmalig eine Vorleſung, die für manchen Muſikfreund in
Darmſtadt beſonderes Intereſſe haben dürfte. Er ſpricht über
Muſikgeſchichte der Stadt Darmſtadt, wobei er den Hauptwert
darauf legt, die bedeutenden Perioden der muſikaliſchen Vergan=
genheit
unſerer Stadt im 17., 18. und 19. Jahrhundert hervorzu=
heben
und der ausgezeichneten Meiſter zu gedenken die von
Darmſtadt aus zu bedeutendem Ruhm und Anſehen in der geſam=
ten
Muſikwelt Deutſchlands kamen. Eine Vorleſung über die Ge=
ſchichte
des deutſchen Liedes, bei der zahlreiche Lieder in Bei=
ſpielen
vorgeführt werden, findet ebenfalls am Donnerstag nach=
mittag
ſtatt. Beide beginnen in dieſer Woche. Auch Nichtſtudie=
rende
haben nach Anmeldung in dem Sekretariat der Hochſchule
Zutritt.
Neuntes (letztes) Sinfoniekonzert im Landestheater. Als
würdigen Abſchluß der dieswinterlichen Sinfoniekonzerte bringt
das letzte Konzert am Montag, den 11. Mai, Werke von Haydn,
Mozart und Beethoven. Von Haydn kommt ſeine viel und gern
gehörte Sinfonie in D=Dur, von Mozart deſſen köſtliche Kleine
Nachtmuſik und von Beethoven die grandioſe C=Moll= Sin=
fonie
zur Aufführung. Es iſt dies das letzte Konzert, das von Ge=
neralmuſikdirektor
Dr. Karl Böhm vor ſeinem Ausſcheiden aus
dem Verband des Heſſiſchen Landestheaters geleitet wird.
Geiſtliche Abendmuſik. Die Muſikantengilde. Darmſtadt
veranſtaltet zuſammen mit dem Heſſiſchen Singkreis (Leiter: Gün=
ther
Simony) am Samstag, den 9. Mai, abends 8 Uhr, in der
Stadtkirche eine geiſtliche Abendmuſik. Es werden die Kantaten
Was Gott tut, das iſt wohlgetan von J. Pachelbel und Alles,
was Ihr tut von D. Boxtehude zur Aufführung gelangen. Stu=
dienreferendar
L. Borngäſſer an der Orgel wird die Toccaten in
E=Dur von J. J. Froberger und J. Pachelbel ſowie die Canzona
D=Moll von J. S. Bach ſpielen. Der Eintritt iſt frei.
Evangeliſch=kirchlicher Frauenverein der Petrusgemeinde.
Im neuen Schmuckgewand des Frühlings ſtrahlt in dieſen Tagen
die Natur, und Auge und Herz freuen ſich in der tauſendfältigen
Schönheit. Bei aller Naturfreude der heutigen Zeit vergißt man
aber oft einen Teil der Schöpfung, der auf Aufmerkſamkeit und
Mitgefühl der Menſchen ein beſonderes Anrecht hat. Zwiſchen
Tieren und Menſchen ſollte ein viel engeres Band der Liebe und
des Verſtändniſſes beſtehen, als weithin vorhanden iſt. Soviel
Gleichgültigkeit und Gefühlloſigkeit, ja Roheit den Tieren gegen=
über
müßte in einem chriſtlichen Volke länngſt verſchwunden ſein.
Es iſt uns deshalb eine beſondere Freude, morgen Abend einen
Führer in der Tierſchutzbewegung, der in Wort und Tat ſich ſein
Leben lang für die vernunftloſe Kreatur einſetzt, auf unſerem
Frauenabend hören zu können. Oberreallehrer Frank wird einen
Lichtbildervortrag bieten über das Thema: Die deutſche Haus=
frau
und Mutter im Dienſte des Tierſchutzes in chriſtlicher Be=
leuchtung
, wozu alle Frauen der Gemeinde, aber auch die weib=
liche
Jugend, herzlich eingeladen ſind.
Johanneskirche. Wir weiſen nochmals darauf hin, daß die
letzte Geiſtliche Abendmuſik dieſes Winters heute Mittwoch um
8 Uhr ſtattfindet. Das Programm, das diesmal nur Werke alter
Meiſter aufweiſt, iſt mit den ausführlichen Texten der Lieder und
Kantaten am Eingang für 20 Pfg. zu haben.

Heſſiſches Landestheaker.

Großes Haus Kleines Haus Mittwoch,
6 Mai Me Nie
Der Tartuffe
B 22, T. G. 1 u 2
Preiſe 0 80 bis 8 Mk. Donnerstag,
7. Mai 19.30, Ende gegen 22 Uhr
Turandot
K 16, Bühnenvolksbund
1, Gr. 7 u. 8
Preiſe 110 Mk Ab Mittwoch, den 6. Mai
bis Sonntag, den 10. Mai
Ufa=Bildſpiele
Borunterſuchung Freitag,
8. Mai 19.30 Ende gegen 23 Uhr
Der Hauptmann von Köpenich
D 23
Preiſe 110 Mr. Samstag
9. Mai 19.30, Ende gegen 23 Uhr
Biktoria und ihr Huſar
Vorſtellung zu halb. Preiſen
Außer Miete
Preite 0 505 Mk Sonntag,
10. Mai 19, Ende gegen 22.30
Der Hauptmann von Köpenick
Darmſt. Volksb. Gr. 111u, 10
G 16 Preiſe 110 Mk

Heſſiſches Landestheater. Der Tartuffe von Moliere
elangt heute Mittwoch im Großen Haus in der Bearbeitung von
udolf Blümner, in Szene geſetzt von Alfxed Noller, mit Joſef
eim in der Titelrolle zur Aufführung. Für die Samstag, den
Mai, bei halben Preiſen außer Miete ſtattfindende Aufführung
er erfolgreichen Schlager=Operette Viktoria und ihr
duſar beginnt heute Mittwoch der Vorverkauf, der außer an
er Tageskaſſe des Großen Hauſes auch bei C. L. Külp und Ver=
hrsbüro
ſtattfindet.

Stadtrat kann Fehlbetrag nicht decken.
Der unausgeglichene Etak der Stadt Darmſtadt mit einem Defizik von rund 2 Millionen Mark angegommen.
Die Aufſichtsbehörde hal das Work.

Abſchluß der Ekaksberakungen.
Geſtern kamen die Etatberatungen zu Ende, und zwar verlief
dieſer letzte Beratungstag, wie zu erwarten war, programmäßig,
d. h. neue Momente wurden keine vorgebracht, alle Parteien ohne
Ausnahme ſahen ſich außerſtande. Deckung für das Defizit von
rund 2 Millionen RM., zu ſchaffen. Dem unausgeglichenen Etat
wurde ſchließlich zugeſtimmt, lediglich die Nationalſozialiſten, die
Deutſchnationalen, die Poſitiven und der Kommuniſt lehnten ihn
ab. Nun ſpricht die Aufſichtsbehörde, die vermutlich den Etat zur.
nochmaligen Beratung zurückverweiſt. Sollten die erneuten Be=
ratungen
wiederum erfolglos verlaufen, dann bleibt der Staats=
kommiſſar

Um 17.15 Uhr eröffnete Oberbürgermeiſter Mueller die
Sitzung. Frl. Walz (V.R.) ſprach zunächſt zum Etat und be=
tonte
, ſie müſſe alles ablehnen, ſowohl jede Steuererhöhung als
auch den Abbau in jeder Form. Sie regte an, die Parteien mögen
ein Arbeitsprogramm ausarbeiten. Wenn der Staatskommiſſar,
der möglicherweiſe komme, mit ſeinem Kopfe ſpielen wolle, dann
ſolle er es verſuchen, die Sozialſätze herabzuſetzen. Sie wolle im
Einzelnen nicht immer wieder dasſelbe wiederholen, ſie verweiſe
aber auf ihre früheren Ausführungen.
Stadtrat Krug (D.V.) geht auf einzelne Poſten im Etat ein,
namentlich auf Verwendungen der Ausgaben zu beſonderen
Zwecken. In der Aufſtellung der perſönlichen Laſten ſcheine ein
Fehler unterlaufen zu ſein. Es könne jedoch nicht mehr daran
gedacht werden, durch Einſchränkung perſönlicher Ausgaben weitere
Einſparungen zu erzwingen, zumal dieſe nicht ausreichen, den Etat
auszugleichen. Auf dieſem Gebiet ſei alſo nicht viel zu erreichen.
Bei weiterem Einblick in die Einzeletatpoſten müſſe man feſtſtel=
len
, daß auch an Gebäudeunterhaltungskoſten nicht geſpart wer=
den
könne. Er wies in ſeinen Ausführungen auf die enorme Stei=
gerung
einiger Poſten gegenüber 1927 hin, ſtellte aber feſt, daß
Streichungen unmöglich ſeien. Am meiſten ſeien die Ausgaben
des Schuldendienſtes in die Höhe geſchnellt. Die ſchwierige
Frage ſei, wie geholfen werden könne. Das Reich ſei gerade ſo
arm, wie die Gemeinden, der Finanzausgleich ſolle ja 1932 er=
folgen
, aber das könne uns heute noch nichts nützen. Die Hoff=
nungen
auf das Reich ſetze er gar nicht hoch, da das Defizit im
Reiche heute ſchon 1240 Millionen RM. betrage. Der Finanzaus=
gleich
müſſe unter allen Umſtänden geändert werden, und zwar
müſſe von den Wohlfahrtslaſten das Reich die Hälfte und Staat
und Gemeinden je ein Viertel der Laſten tragen. Die Zölle dürf=
ten
nicht über ein gewiſſes Maß hinausgehen, allerdings ganz ohne
Zölle könne man gar nicht auskommen. Die Handels= und Zoll=
politik
müſſe im Intereſſe Deutſchlands vorſichtig und vernünftig
geführt werden. Weiter ſeien an dem allgemeinen Dilemma die
Tributlaſten ſchuld, die fallen müßten. Es werde bei uns nicht
beſſer werden, ehe nicht die erſte Frage, die Reparationsfrage ge=
löſt
werde. Die Löſung dieſer Frage müſſe man auf dem Wege
der Verhandlungen erreichen. Weitere Steuererhebungen ſeien
jedenfalls zwecklos. Preisſenkungen von kommunalen Fabrikaten
(Waſſer, Gas uſw.) ſeien zurzeit unmöglich. Man möge unter=
laſſen
. Vorwürfe über die mißliche Lage, für die keiner verant=
wortlich
ſei, von einer Partei auf die andere zu ſchieben. Zur
Wohnungsbauentwicklung müſſe er bemerken, daß kein Menſch
vorausſehen konnte, daß ſich die Verhältniſſe noch ſo verſchlechtern
würden. Er ſprach dann zu den heſſiſchen Steuern, beſonders die
Erhöhung der Sonderſteuer ſei ein Mißgriff geweſen. Die heſſiſche
Regierung könne nichts beſſeres tun. als 8 13 des Sondergebäude=
ſteuergeſetzes
abzuſchaffen. Er hoffe, daß die Zeit ſich beſſern
werde.
Stadtrat Ziegs (Soz) erklärt, auch ſein Vorredner habe
keine neuen Wege zeigen können, trotzdem er Steuerbeamter iſt,
aber es gebe halt keinen Weg, man brauche ja nicht gleich den
Staatskommiſſar, das Miniſterium werde wahrſcheinlich den Etat
zu nochmaliger Beratung zurückgeben. Die hohe Verzinſung des
Kapitals ſei das Grundübel der deutſchen Wirtſchaft. Die Grün=
dung
einer Wohnungsbau A.=G. halte er für nicht zweckmäßig. Er
befaßte ſich dann mit einzelnen Ausführungen früherer Redner.
Seine Partei ſei durchaus für Einführung von Luxusſteuern, u. a.
für Bier= und Getränkeſteuer, jedenfalls ſei ſeine Fraktion eher
für dieſe Steuer als für die Erhöhung des Brotpreiſes. Die Stadt=
verordneten
hätten auch ſchon in früheren Jahren geſpart und
ſchon erhebliche Abſtriche gemacht, auch die Poſitiven hätten jetzt
nicht mehr Abſtriche vornehmen können. An den Volksſchullehrer=
ſtellen
könne man nicht mehr einſparen. Gegen eine Erhöhung
der Bürgerſteuer ſei ebenfalls ſeine Fraktion, da man heute nicht
zuſtimmen könne, daß den Bürgern noch mehr Laſten aufgebürdet
werden, dagegen könne man die Bier= und Getränkeſteuererhöhung
in Erwägung ziehen. Den Etat müſſe man heute annehmen.
Stadtrat Rudolph (P.A.) beantragt Schluß der Debatte,
da neue Momente zum Etat doch nicht zur Sprache kämen. Der
Antrag wird angenommen.
Stadtrat Weſp (Ztr.) ſprach dann dann auf die perſönliche
Apoſtrophierung durch Stadtrat Schneider zunächſt zur Haltung
des Zentrums in der Frage des Pädagogiſchen Inſtituts. Das
Zentrum ſei zunächſt gar nicht einmütig für die Verlegung des
Pädagogiſchen Inſtituts geweſen, erſt als der Evangeliſche Bund

Blüten=Fahrten in Großkraftwagen. Den Zeitverhältniſſen
Rechnung tragend, hat das Reiſebüro W. Köhler G. m. b. H..
Luiſenplatz 1 (Telephon 2418) für kommenden Sonntag, den 10.
Mai, und für Donnerstag (Himmelfahrtstag) eine Reihe verbil=
ligter
Sonderfahrten vorbereitet. Um jedem Naturfreunde die
Möglichkeit zu geben, einen Blick in die nun volle Baumblüte zu
werfen, findet eine kleine Nachmittagsfahrt an die Bergſtraße
ſtatt. Aber auch denjenigen, die den Odenwald und das ſchöne
Lindenfels, die Perle des Odenwaldes, näher kennen lernen wol=
len
, bietet ſich eine ſelten billige Fahrgelegenheit. Jeder ſoll die
Sorgen des Alltags auf ein paar Stunden vergeſſen und ſich bei
einer gemütlichen Kaffeepauſe an der ſo reichen Blütenpracht er=
götzen
. Eine ſehr beliebte Tagestour nach Heidelberg, Schwetzin=
gen
(Gelegenheit zum pargeleſſen) und Speyer findet am Him=
melfahrtstage
ſtatt. Niemand ſollte verſäumen, das reichhaltige
Programm im heutigen Inſerat zu verfolgen und ſich einer der=
artigen
Vergnügungsfahrt anzuſchließen.
Orpheum. Volksvorſtellung bei kleinen Prei=
ſen
. Heute Mittwoch, gelangt Dr. Fr. Wolfs feſſelndes Werk
Die Matroſen von Cattaro letztmalig durch das Schau=
ſpieler
=Kollektiv der Truppe im Weſten zur Auf=
führung
. Um den Beſuch dieſer ganz ausgezeichneten Vorſtellung
allen Kreiſen zu ermöglichen, gelten für die heutige letzte
Aufführung die eminent niedrigen Eintrittspreiſe von 60 und
80 Pfennig für nichtnumerierte und 1 Mark und 1.50 Mark
für alle numerierten Plätze. Karten im Verkehrsbüro
und bei Hugo de Waal. Rheinſtraße 14. (Siehe Anzeige.)
Im Darmſtädter Journaliſten= und Schriftſtellerverein wird
Freitag, den 8. I M. abends 8,30 Uhr, im Weißen Saale‟
der Reſtauration Chriſt (Grafenſtraße) gelegentlich des 15. lite=
rariſchen
Vereinsabends Herr Dipl.=Ing. Rudolf
Engelmann, hier, eigene Dichtungen. Aus dem Blumen=
garten
des Lebens vortragen. Die bekannte tiefſchürfende, gemüt=
volle
Art des Vortragenden, ſein warmes Empfinden für Natur
und Menſchheit, die ſchöne Form ſeiner bisherigen Schöpfungen
verheißen einen genußreichen Abend. Außer den Mitgliedern und
ihren Angehörigen wird auch eingeführten Gäſten der Zutritt
gerne gewährt. Dem Vortrage vorauf, um 7.30 Uhr, geht die
nur den Mitgliedern zugängliche ordentliche Hauptver=
ammlung
des Vereins mit der ſatzungsmäßigen Tagesord=

nung.

(lebhafte Unruhe) Hetze gegen die Verlegung getrieben habe, ſei
das Zentrum für Verlegung eingetreten. Zur Theaterfrage müſſe
er betonen, man möge als Stadtrat, nicht ſo ſtark gegen das
Theater Stellung nehmen. Er müſſe allerdings auch ſagen, daß
Stücke wie Die 25. Frau auf die Bühne eines Landestheaters
nicht gehören. Das Theater habe aber gute Leiſtungen und der
Generalintendant anerkennenswerte Einſparungen vollbracht. Im
Theater müſſe ſeines Erachtens das Hamburger Syſtem ein=
geführt
werden, die Künſtler müßten ſich ihre Gage erſpielen. Als
Stadtrat könne man jedenfalls den Künſtlern, die tagtäglich auf
der Bühne ſtehen, und dem Orgeſter den Dank ausſprechen. Per=
ſönlich
trete er für 2jährigen Theateretat ein. Schließlich wandte
er ſich noch gegen den Kommuniſten Fröba und die von dieſem
geſchilderten Zuſtände. Die Läge ſei ſehr ernſt. In Heſſen müß=
ten
22 Millionen für Unterſtützungen aufgebracht werden. 9 Mil=
lionen
könnte nur das Land aufbringen, eine Beſſerung in irgend
einer Form müſſe eintreten.
Stadtrat Geyer (wild) nennt die ganzen Etatberatungen an
3 Abenden eine Komödie der Irrungen. Man dürfe ſich bei
Vertretung der Belange einer Stadt nicht von der Politik leiten
laſſen und man ſolle ſich nicht gegenſeitig zerfleiſchen, ſondern einig
werden.
Stadtrat Zürtz (N.S.D.A.P.) erklärte, er ſei entſetzt, daß
von allen Seiten jetzt auf einmal die Tributlaſten als Suld für
die Zuſtände herangezogen werden. Er wandte ſich weiter gegen
die Erzbergerſche Steuerpolitik, gegen die Urheber der Inflation
und befaßte ſich ſchließlich mit den Ausführungen ſeines Vorred=
ners
. Zum Theater erklärte er, ſeine Partei lehne nicht das
Theater ab, ſondern wende ſich gegen ſinnloſe Inſzenierungsexperi=
mente
und gegen die der deutſchen Würde nicht entſprechenden
Stücke, die aufgeführt würden. Zum Schluß wandte er ſich gegen
die Kommuniſten.
In ſeinem Schlußwort ſtellte der Berichterſtatter, Stadtrat
Klotz, feſt, daß es in den drei Sitzungen keiner Fraktion gelun=
gen
ſei, den Fehlbetrag zu vermindern oder zu beſeitigen. Er
habe bereits vorgeſchlagen, etwas zur Verminderung des Fehl=
betrages
beizutragen. Die Aufſichtsbehörde werde wohl nicht gleich
den Staatskommiſſar ſchicken, ſondern erſt den Voranſchlag zur
nochmaligen Beratung zurückgeben, aber ſchließlich ſei es für die
Bürger gleich, ob der Stadtrat oder der Staatskommiſſar die Bier=
ſteuer
= oder eine andere Steuererhöhung durchführe. Es habe
keinen Zweck für ihn, heute noch auf eine mögliche Erhöhung der
Bürgerſteuer hinzuweiſen. Er wolle ſich in keine politiſche Dis=
kuſſion
einlaſſen, aber er müſſe doch zu den Ausführungen ſeiner
Vorredner u. a. darauf hinweiſen, daß die Kommuniſten mit ihren
unnötigen Demonſtrationen z. B. ſelbſt indirekt zur notwendigen
Erhöhung der Polizeizuſchüſſe verantwortlich ſeien. Am ſchmerz=
lichſten
habe ihn die Debatte über die Volksſchule berührt, und
hier müſſe er gegen die Ausführungen des Stadtrats Schneider
Stellung nehmen. Man ſollte meinen, daß man für die Jugend
gar nicht genug tun könne. Gerade auch in den Siegerländern
würden ungeheure Anſtrengungen auf dem Gebiet des Schulweſens
gemacht.
Nach einer perſönlichen Bemerkung des Stadtrats Fröba
gegen Stadtrat Weſp ſpricht Oberbürgermeiſter Mueller dem
Berichterſtatter den Dank der Verwaltung aus, ebenſo wie
deſſen Vorgänger, dem früheren Berichterſtatter Aßmuth, der heute
an der Sitzung nicht teilnehmen könne. Er gab dann ſeiner Genug=
tuung
darüber Ausdruck, daß einmütig der Ernſt der Lage erkannt
ſei, daß einmütig feſtgeſtellt wurde, daß die Stadt nicht ſchuld an
den Schwierigkeiten ſei und daß man die vorgenommenen Ein=
ſparungen
anerkannt habe Einſparungen, die die Grenze des Mög=
lichen
erreicht hätten. Er mache auf die Belaſtung der Stadt
Darmſtadt durch die Kleinrentner aufmerkſam, die die Zahl der
Kleinrentner in Frankfurt noch überſteige. Der Etat könne ja
nicht ausgeglichen werden, er werde aber mit Rückſicht auf die
finanzielle Lage Darmſtadts ebenfalls Antrag auf Zuweiſungen
aus dem Reichsausgleichsfonds ſtellen. Wenn man die Deckungs=
vorſchläge
ablehne, begebe man ſich in eine ſchwierige Lage. Die
Verwaltung werde ſelbſtverſtändlich alle vorgetragenen Anregun=
gen
und Vorſchläge prüfen. Bedauert habe er die vereinzelte
ſcharfe Kritik am Landestheater. Das Publikum habe das Recht
und Anſpruch, ſich über die neueſten literariſchen Schöpfungen
eigene Kenntniſſe zu ſchaffen. Unſere Bühne habe großes Anſehen
in Deutſchland, und es dränge ihn, an dieſer Stelle dem ſcheiden=
den
Generalmuſikdirektor Böhm den Dank der Stadt auszudrücken.
Zur Eingemeindungsfrage erklärte er, daß jede Verwaltung die
Verpflichtung habe, auf dieſe Dinge ihr Augenmerk zu richten
Zum Schluſſe erklärte er, für uns bleibe das Wichtigſte, den Kopf
hochzuhalten. Kraftvoll müſſe man gegen die Atmoſphäre der
Mutloſigkeit ankämpfen und dürfe die Hoffnung auf eine beſſere
Zukunft nicht aufgeben. Man ſchritt dann zur
Abſtimmung.
Die Deckungsvorſchläge der Verwaltung. Erhöhung der Bür=
ger
=, Bier= und Getränkeſteuer wurden bei Stimmenthaltung der
Demokraten, des Zentrums und einzelner Stadträte (namentlich
der Sozialdemokratie) abgelehnt.
Der vorliegende Etat, der ein Defizit von rund 2 Millionen
RM. aufweiſt, wurde gegen die Stimmen der Nationalſozialiſten,
der Deutſchnationalen, der Poſitiven Arbeitsgemeinſchaft und des
Kommuniſten angenommen.
5 *
Um 19 Uhr wurde die Sitzung geſchloſſen.

Licht=Luft=Bad im Woog. Das Licht=Luft=Bad iſt ab 6. Mai
1931 in der Zeit von 11 bis 4 Uhr geöffnet.
Odenwaldklub, Ortsgruppe Darmſtadt. O Täler weit, o
Höhen, o ſchöner grüner Wald, du meiner Luſt und Wehen an=
dächt
ger Aufenthalt! Wem wäre nicht auf unſerer Wanderung
dieſer jauchzende Jubelruf Eichendorffs auf die Lippen gekommen?
Wer es noch nicht wußte, der konnte es auf dieſer von der Lenz=
ſonne
überglänzten Wanderung erfahren: es iſt etwas Eigenes um
den deutſchen Wald und um ſeine Beziehung zur deutſchen Seele.
Der Wald, der aus der Ebene aufſteigt und den Hang hinanzieht,
der die Kuppen übergrünt und ihnen die Weichheit der Form ver=
leiht
, der dem langgeſtreckten Höhenrücken ſich anſchmiegt, der an
der Klimagrenze den ragenden Berg himmelan ſtreben läßt: in
jeder Form iſt er ein Beſonderes, wie eine rechte Perſönlichkeit in
ſich Geſchloſſenes. Das macht; er wirkt nicht durch die Maſſe, die
den Charakter verwiſcht und verdirbt, ſondern er iſt gebändigt
durch die Form, die Art, wie er ſich hineinſchmiegt in die Land=
ſchaft
, zu der er gehört. Und dieſer Wald findet ſeinen Widerhall
im deutſchen Herzen. Die feierliche Stille, die Dämmerung, mit
der der Wald den Wanderer mütterlich umfängt und ihn geborgen
hält vor der Unraſt des Lebens die Zwieſprache, die die rauſchenden
Wipfel mit dem Wanderer pflegen, ſind immer die Sehnſucht der
deutſchen Seele geweſen. Und hier im Wald hat ſie von je die
höchſte Offenbarung göttlicher Allmacht und göttlicher Güte ge=
ſehen
. Wie eng Wald und Seele miteinander verwachſen ſind.
drückt ſich auch im Kulturſchaffen der Deutſchen aus. Viele unſe=
rer
Märchen ſind echte Waldmärchen. Wie groß iſt der Anteil des
Waldes an unſerer Dichtung, welch ſtarken Anreiz hat der Wald
der Malerei gegeben, ſeit es eine Landſchaftsmalerei gibt. So hat
auch jedes deutſche Waldgebiet ſeine Geſchichte. Auch uns hat die
Wanderung, die mitten hineinführte in den herrlichen maien=
grünen
Wald an der Bergſtraße, eine Fülle von Eindrücken ge=
geben
. Niemand wird ſein, dem der Wald und die Wanderung
nicht zu einem Erlebnis gewörden iſt. Kann es ein höheres Lob
geben für die Führer Rund um Heppenheim, die Klubgenoſſen
Miniſterialrat Cornelius Guntrum und Georg Böcher, als dies?
Herzlicher Dank ſei ihnen für dieſe wirkliche Führerleiſtung. Der
Wald entließ die Wanderer erſt, als drüben der Halbe Mond
aufging. Die Ortsgruppe Heppenheim, die ſich auf einer 1½=
Tageswanderung befand, hatte doch eine Anzahl Mitglieder zur
W.
Begrüßung der Ortsgruppe Darmſtadt entſandt.

[ ][  ][ ]

Seite 6

Mittwoch, den 6. Mai 1931

Nummer 125

Bontspärier und Außenpoiitir.
In der am Montag ſtattgefundenen Mitgliederverſammlung
der Deutſchen Volkspartei referierte Rechtsanwalt Dr. Mattern
über aktuelle Fragen der Außenpolitik.
Das Jahr 1931 wird für Deutſchland ein Jahr der außen=
politiſchen
Entſcheidungen werden. Es wurde eingeleitet durch
den deutſch=öſterreichiſchen Handelsvertrag, es wird weiter ge=
kennzeichnet
ſein durch die Anpackung der Reparationsfrage und
die Abrüſtung; alles Fragen, die Deutſchlands Gleichberechtigung
zum Ziele haben.
Im Kampf um die Gleichberechtigung haben wir von
England keine Unterſtützung zu erwarten; es hat alle Hande zu
tun mit ſeinen Schwierigkeiten im eigenen Lande, vor allem aber
auch in den Dominions. Frankreich aber iſt ſogar entſchloſſen, mit
bewaffneter Hand Deutſchlands Beſtrebungen auf Gleichberech=
tigung
niederzuhalten. Selbſt der deutſch=öſterreichiſche
Handelsvertrag iſt für Frankreich ſchon eine Bedrohung, weil es
in ihm eine Durchbrechung des Verſailler Vertrages ſieht. Der
deutſch=öſterreichiſche Vertrag ſoll aber zunächſt nur wirtſchaftlich
gemeint ſein, ſoll auf die um Oeſtereich liegenden Länder eine ge=
wiſſe
Anziehungskraft ausüben und die Abſatzbaſis für die betei=
ligten
Länder vergrößern. Es iſt bezeichnend, daß ſowohl Polen
wie Jugoſlawien es abgelehnt haben, den Sturmlauf Frankreichs
gegen dieſen Vertrag mitzumachen, ſo daß Frankreich bei der künf=
tigen
Flottenkonferenz ſehr ſtarkes Geſchütz wird auffahren laſſen
und unter Umſtänden ſeine Konzeſſionen davon abhängig machen
wird, wie die einzelnen Staaten ſich zum deutſch=öſterreichiſchen
Vertrag ſtellen werden. In der entſcheidenden Abrüſtungs=
frage
wird Frankreich alle Abrüſtungsbeſtimmungen des Ver=
ſailler
Vertrages aufrecht zu erhalten verſuchen. Es ſieht wohl
die Gefahr, die aus der ungeheuren, einen abſolut aggreſſiven
Charakter tragenden ruſſiſchen Rüſtung entſtehen wird, es zieht
aber nicht die Konſequenzen, ſondern glaubt, gleichzeitig
Rußland niederſchlagen und Deutſchland niederhalten zu können.
Die Entſchließung der vorbereitenden Abrüſtungskommiſſion, der=
zufolge
alle bisherigen Abrüſtungen beſtehen bleiben, ohne daß ſie
auch die Konſequenz der Abrüſtung der anderen nach ſich ziehen, iſt
für Deutſchland unannehmbar. Es wird daher die Abrüſtungs=
konferenz
eher auffliegen laſſen müſſen, als daß es ſich der weni=
gen
Rechte, die ihm geblieben ſind, begibt. Wir werden damit
unter Umſtänden eine ſchwere moraliſche Verantwortung auf uns
laden; deshalb iſt es notwendig, ſchon jetzt in der ganzen deutſchen
Oeffentlichkeit eine gewaltige Propagandaoffenſive zu eröffnen.
Wir müſſen für den Gedanken der Wehrhaftigkeit kämpfen, aus
Gründen der Selbſtachtung, der Selbſterhaltung, der Notwehr.
Das Endziel iſt die Wiedererlangung der deutſchen Weltgeltung;
dieſem Ziel hat ſich alles unterzuordnen.
Der ſehr intereſſante Vortrag wurde mit ſtürmiſchem Beifall
aufgenommen; in der Ausſprache wurde der Wunſch laut, dieſe
Gedankengänge auch einer größeren Oeffentlichkeit zugänglich zu
machen
Die Verſammlung war eingeleitet worden mit der Wahl
eines zweiten Vorſitzenden an Stelle des verſtorbenen Herrn
Haury. Durch Zuruf wurde einſtimmig Maurermeiſter und
Stadtratsmitglied Hummel gewählt.

v. Seeckk und Dingelden ſprechen in Darmſtadk.
Wie bereits angekündigt, veranſtaltet der Landesverband
Heſſen der Deutſchen Volkspartei am kommenden Dienstag, den
12. Mai, abends 8 Uhr, in der Woogsturnhalle eine große Kund=
gebung
, in der der volksparteiliche Reichstagsabgeordnete General=
oberſt
von Seeckt über Deutſche Wehrfragen und der Reichs=
parteiführer
Dingeldey über Deutſche Schickſalsfragen ſpre=
chen
werden. Bei der Bedeutung der beiden Perſönlichkeiten wird
dieſe Verſammlung über den Rahmen einer lokalen Veranſtaltung
hinausgehen. Generaloberſt von Seeckt iſt der deutſchen Oef=
fentlichkeit
als der Schöpfer der deutſchen Reichswehr bekannt; es
iſt im weſentlichen ſein Verdienſt, daß dieſe kleine Truppe heute zu
den beſten Armeen der Welt gehört. Ueber die politiſche Bedeu=
tung
Dingeldeys braucht nichts mehr geſagt zu werden. Er iſt
gerade in Heſſen, das ihn in den Reichstag entſandt hat, als glän=
zender
Sprecher bekannt und in den letzten Monaten im ſteigenden
Maße in den Vordergrund getreten. Er ſpricht nach ſeiner Wahl
zum Reichsparteiführer der Deutſchen Volkspartei jetzt zum erſten
Male öffentlich in Darmſtadt.
Der hohen Unkoſten wegen muß ein Unkoſtenbeitrag erhoben
werden. Dieſer beträgt für Mitglieder nur 30 Pfg., auch Studen=
ten
erhalten Eintrittskarten zu dieſem Vorzugspreis. Nichtmit=
glieder
zahlen 60 Pfg. Der Kartenvorverkauf hat begonnen; die
Karten ſind erhältlich auf der Geſchäftsſtelle der Deutſchen Volks=
partei
, Darmſtadt, Zimmerſtraße 1, Fernſprecher 3540. Es emp=
fiehlt
ſich, die Karten im Vorverkauf zu löſen, da unter Umſtänden
am Abend an der Kaſſe kein Verkauf mehr ſtattfinden kann. Die
Geſchäftsſtelle iſt geöffnet von vormittags 9 bis 1 Uhr und nach=
mittags
von 3 bis 6 Uhr.
Maifahrt des Darmſtädter Auto=Clubs. Etwa 100 Teil=
nehmer
, nicht nur aus Darmſtadt, auch von Frankfurt, Mannheim
und Karlsruhe, beteiligten ſich an der erſten Ausfahrt, die die
junge Darmſtädter Ortsgruppe des A.D.C. am Sonntag in den
Rheingau unternahm. Man traf ſich zum Teil in Darmſtadt,
von wo es in flotter Fahrt nach Hochheim a. M. ging. Hier
wurden zuſammen mit Frankfurter Klubmitgliedern die weiträu=
migen
und kühlen Kellereien der Sektfirma Burgeff beſich=
tigt
. Bei einer kleinen Probe im Garten des Anweſens richtete
der Seniorchef des Hauſes ebenſo wackere wie humorige Worte
an ſeine Sonntagsgäſte. Nach deren fröhlichem Dank gings durch
das in feiertäglicher Mittagsruhe liegende Wiesbaden in die
maiengrünen Buchenhallen des Taunus nach Bad Langen=
Schwalbach. Das Mittagsmahl dort im hübſchen Kurſaal
wurde durch eine Rede des Darmſtädter Vorſitzenden, Rechts=
anwalt
Sturmfels und Lieder von Frl. Felicitas Gutt=
mann
gewürzt. Der Kurdirektor begrüßte die Gäſte beim Kaffee
auf der Terraſſe. Ueber Schlangenbad führte dann der Weg das
idylliſche Wiſpertal hinab nach dem Rhein. Die Fahrt der
mit den Reichsfarben bewimpelten Autokolonne durch den blühen=
den
Rheingau endete in Mainz, wo Staatsrat Balſer in der
Staatsdomäne eine herzliche Begrüßungsanſprache hielt und Ober=
domänenrat
Mader durch die tiefen Keller führte und bei einem
Stehtrunk genau ſo munteren Aufklärungsdienſt wie neulich im
Rundfunk leiſtete. Dank und Befriedigung der auswärtigen Teil=
nehmer
über den ſchönen Tag und die gute Darmſtädter Organi=
ſation
der Fahrt kamen beim Abendimbiß in der Mainzer Stadt=
halle
zum Ausdruck, wo man in guter Kameradſchaft noch ein
Stündchen bis zur Heimfahrt verweilte.

Zur Brotpreiserhöhung.

Aus Kreiſen des Bäckerhandwerks wird uns geſchrieben:
In den letzten Tagen wird in beinahe ſämtlichen Zeitungen
unter Sperrdruck über die Brotpreiserhöhung geſchrieben, und
wird insbeſondere hierzu mitgeteilt, zum Teil auch amtlich, daß
dieſe Brotpreiserhöhung gegen den Willen des Reichsernährungs=
miniſters
geſchieht. Es wird auf dieſe Weiſe, vielleicht unbewußt
Stimmung gegen das Bäckerhandwerk gemacht, welchem man die
Brotpreisverteuerung auf dieſe Weiſe in weiten Kreiſen der Ver=
braucher
zur Laſt ſetzt. Es kann deshalb dieſe ſyſtematiſche Stel=
lungnahme
zu ungunſten des Bäckerhandwerks nicht länger taten=
los
mitangeſehen werden.
Es muß auch dem Bäckerhandwerk Gelegenheit gegeben wer=
den
, ſich einmal in dieſer Sache zu äußern, obwohl es ſeine Auf=
gabe
nicht darin erblickt, in der Preſſe große Kämpfe auszu=
fechten
.
Als im Herbſt 1930 die Reichsregierung ihren Preisab=
bau
proklamierte, war in hieſiger Gegend der Brotpreis ſchon
geſenkt worden. Es fanden im Anſchluß daran eine Reihe von
Verhandlungen mit den Behörden und zum Teil auch mit den
Verbraucherorganiſationen ſtatt. Ueberall überzeugte man ſich
aber, daß eine weitere Senkung der Preiſe bei den da=
maligen
Mehlpreiſen gar nicht möglich war
Es war damals in Verhandlungen feſtgeſtellt worden, daß
die Brotpreiſe für gemiſchtes Brot von Beginn 1928 von 1 Mark
auf 92 Pfennig Ende 1930 zurückgegangen waren und für Roggen=
brot
ſogar von 96 Pfennig anfangs 1928 auf 80 Pfennig im Herbſt
1930. Es war weiter feſtgeſtellt worden, daß die Brotpreiſe im
Verhältnis zu den Mehlpreiſen ſogar ſtärker geſenkt worden
waren trotz gleichbleibender oder ſogar erhöhter ſonſtiger Be=
laſtungen
an Löhnen. Steuern uſw.
Inzwiſchen iſt der Mehlpreis ſeit Herbſt vorigen
Jahres, und zwar ſeit der Brotpreisſenkung ſtändig geſtie=
gen
. Die Reichsregierung hatte zwar den guten Willen des
Bäckerhandwerks für ſich, die Preisabbaubewegung zu halten und
durchzuführen. Die Reichsregierung konnte aber die Mehlpreiſe
noch nicht einmal feſthalten, ſondern mußte ſogar deren Steigen
zuſehen, ohne bisher erreichen zu können, daß dasjenige Produkt,
aus welchem das Brot hergeſtellt wird, auch möglichſt billig bleibt.
So ſind die Preiſe des Roggenmehls von 28 Mark im Oktober
1930 inzwiſchen geklettert auf 32,50 Mark am 5. Mai 1931, und
die Preiſe von Weizenmehl Spezial 0 von 42 Mark im Oktober
1930 auf 45 Mark am 5. Mai 1931. Die Regierung iſt
vielfach darauf hingewieſen worden, und zwar
auch in Berlin, dafür zu ſorgen, daß die Preiſe geſenkt würden,
da ſonſt der Mehlpreis nicht zu erhalten ſei. Ein Erfolg der Be=
mühungen
der Reichsregierung iſt aber ſelbſt dann nicht einge=
treten
, als der Ausmahlungsſatz für Roggenmehl von 60 Prozent
tuf 70 Prozent erhöht wurde.
Daß das Bäckerhandwerk am zurückhaltendſten bei der Brot=
preiserhöhung
geweſen iſt, wird in den Zeitungen natürlich nicht
berührt. Für das in Berlin übliche Brot haben ſeither die Be=
triebe
der Bäckerinnung 46 Pfennig genommen, die Brot=

fabriken 48 Pfennig. Die Brotfabriken haben ſchon 14 Tage
vor der Bäckerinnung einen Aufſchlag von 48 Pfennig auf
50 Pfennig durchgeführt und vom letzten Montag ab einen wei=
teren
Aufſchlag auf 52 Pfennig. Die Bäckerinnung hat in Berlin
bis jetzt nur einen Aufſchlag auf 48 Pfennig durchgeführt. Trotz=
dem
ſucht man der Bäckerinnung die ganze Verantwortung zuzu=
ſchieben
an Verhältniſſen, für welche die Regierung verantwort=
lich
iſt.
Daß hier keine einſeitige Stellungnahme des Bäckerhand=
werks
vorhanden iſt, ergibt ſich auch aus einer Entſchließung des
Generalrates des Zentralverbandes der Deutſchen Konſum=
vereine
von Ende April 1931, wonach die Brotpreiserhöhung
im ganzen Reich unbedingt notwendig ſei und die Nichter=
höhung
des Brotpreiſes eine große Unbilligkeit
bedeute, die für den Brotherſteller ruinös wirke
Auch der Vorwärts hat in einer der letzten Aprilnummern
darauf hingewieſen, daß die Reichsregierung unbedingt etwas
tun müſſe, da ſonſt die Brotpreiſe ſich nicht aufrecht erhalten laſſen.
Die Gerechtigkeit gebietet alſo Feſtſtellung, daß jedenfalls
dem Bäckerhandwerk keine Schuld beigemeſſen werden kann, wenn
in der jetzigen Zeit die Brotpreiſe erhöht werden müſſen. Die
Feſtſtellung des Zentralrats der Konſumvereine über die ruinöſe
Auswirkung des jetzigen Brotpreiſes auf die Brotherſteller iſt
ohne weiteres nachzuprüfen durch Befragen der Mehlhändler über
das Anwachſen der nichtbezahlten Mehlrechnungen der Bäckerei=
betriebe
. Die Bäckereibetriebe können unter den jetzigen Um=
ſtänden
die Mittel bei dem jetzigen Brotpreis gar nicht mehr auf=
bringen
, die ſie zur Bezahlung ihrer Geſchäftsſchulden und der
Steuern benötigen. Dazu ſind welche Ironie die Steuern
noch erhöht worden, deren Senkung man verſprochen hatte
In der Zwangswirtſchaft wurde pro Kopf der Bevölkerung
wöchentlich 1600 Gramm zugebilligt. Damals war ſonſt kaum
etwas an Lebensmitteln zu erreichen. Eine vierköpfige Familie
hatte alſo 6400 Gramm Brot pro Woche, alſo 3½ der hier ge=
bräuchlichen
Brote zu je 4 Pfund zu beanſpruchen. Der Verbrauch
iſt heute geringer. Sagen wir ſogar, der Verbrauch würde vier
Brote zu je 4 Pfund wöchentlich betragen. Eine Erhöhung des
Preiſes eines 4=Pfund=Brotes um 4 Pfennig würde alſo wöchent=
lich
für eine vierköpfige Familie höchſtens 16 Pfennig betragen,
Der Einzelhaushalt wird alſo durch eine Preiserhöhung gar nicht
ſo ſtark belaſtet, wie es in der Oeffentlichkeit oft dargeſtellt wird.
Dagegen iſt eine auch nur geringe Brotpreiserhohung ſehr weſent=
lich
von Bedeutung für den Bäckereibetrieb, der dann noch in die
Lage verſetzt wird, ſeinen Verpflichtungen nachzukommen. Denn
die Lage iſt im Bäckerhandwerk lange nicht mehr,ſo günſtig, wie
ſie im Publikum vielfach angenommen wird
Der Erfolg der letzten Monate war nur eine künſtliche Nie=
righaltung
der Brotpreiſe zum Nachteil des Bäckerhandwerks
und zwar offenbar ohne daß die Landwirtſchaft einen Vorteil
hatte, was man mit dem ganzen Verfahren doch bewirken wollte.
Trotzdem ſind die Mehlpreiſe ſtändig geſtiegen. Wer hatte nun
eigentlich den Vorteil von dieſer ganzen Entwicklung?

Neuer Segelflugrekord des Fliegers Groenhoff.
München. Nachdem der Flieger Groenhoff bereits am
Sonntag das Münchener Publikum durch gelungene Segelflug=
vorführungen
überraſcht hatte, wiederholte er am Montag ſeine
Verſuche und ließ ſich, als gegen Mittag ein Gewitter herannahte,
von einem Flamingo der Schleißheimer Fliegerſchule auf etwa
1200 Meter Höhe emporziehen, um den Aufwind auszunutzen. Es
gelang ihm, eine Flugſtrecke von 265 Kilometern zurückzulegen
und damit einen neuen Segelflugrekord aufzuſtellen. Gegen 20.30
Uhr war er infolge der verſchlechterten Sicht gezwungen, bei Kaar=
den
an der Eger auf der tſchechiſchen Seite des Erzgebirges zu
landen, obwohl er an und für ſich noch hätte weiter ſegeln können.
Die tſchechiſchen Behörden beſchlagnahmten zunächſt das Flugzeug
doch dürfte die Freigabe bald erfolgen. Groenhoff benutzte ein
Segelflugzeug vom Typ Fafnir, der Rhön=Roſſitten=Geſellſchaft.

2

Aus den Darmſtädter Lichtſpieltheakern.

Volkshochſchule. Wir machen nochmals aufmerkſam, daß
heute im Phyſikſaal des Realgymnaſiums der Vortrag des
Herrn Profeſſors Dr. K. Bergmann mit dem Thema: Die
Ueberfremdung der deutſchen Sprache ſtattfindet.
* Jugoſlawien im Kajak war das Thema, über das geſtern abend
Herr Frenz=Verlin auf Veranlaſſung des Amtes für Leibesübungen
und des Hochſchulringes deutſcher Kajakfahrer in der Techniſchen Hoch=
ſchule
ſprach. Der intereſſante Vortrag wurde von zahlreichen, ſehr
ſchönen Lichtbildern begleitet und zeigte zunächſt die Fahrt im Kajak auf
der Save durch romantiſche Felsſchluchten der Dolomiten, vorbei am
ſloweniſchen Eiſernen Tor bis Agram. Von dort ging die Fahrt mit
der Bahn bis an die Küſte, und im Dampfer die Adria ſüdwärts ent=
lang
. Sehr ſchöne Bilder von Rab, Split und dem Palaſt Diokletians,
Raguſa und manche wundervolle Einzelheiten von den Schönheiten
Dalmatiens, ſeiner Klöſter, Städte, Höfe, Brunnen. Von der Bucht von
Cattaro ging es wieder ins Innere nach Moſter mit ſeiner einzigartig
ſchönen Brücke, nach Sarajewo, wo der muslimiſche Orient mit Moſchee
und Minarett, Bazar und verſchleierten Frauen unverfälſcht lebendig.
Zum Schluß der ſportlich intereſſanteſte, eindrucksvollſte, landſchaftlich
großartigſte Teil der Fahrt durch die Wildflußſchluchten und Cannons
des Lim, der Drina und des Urbas, die mit zahlreichen Stromſchnellen,
Schwällen und kaum überſpülten Felsblöcken ein Höchſtmaß an Fahr=
kunſt
verlangen. Ein kurzer Film gab zum Schluß einen zuſammen=
hängenden
Ueberblick über die Fahrt und die Großartigkeit der Natur,
die durch ſie erſtmalig für die Faltbootfahrt erſchloſſen wurde. Die
zahlreich erſchienenen Hörer dankten mit wohlverdientem Beifall. *

* Der Hauptmann von Köpenick, das auch in Darmſtadt ſo er=
folgreich
aufgeführte neueſte Bühnenwerk Carl Zuckmaiers, iſt im
Propyläen=Verlag Berlin in Buchform erſchienen und in allen
Buchhandlungen zu haben.
Goetz=Wanderung im Main=Rheingau der D.T. Mit deut=
ſchem
Turnen iſt von jeher das Wandern eng verbunden geweſen
und gehört dieſes als gute deutſche Leibesübung, in der es auch
einmal ohne Höchſtleiſtungen geht, in den Rahmen deutſchen
Turnens. Natürlichkeit und Zuſammenhang mit der Natur waren
von jeher die Ziele, die der Turner zu erreichen ſtrebte. Und
noch heute, in einer Zeit des Haſtens und Jagens, des materia=
liſtiſchen
Sinnes, des auf die Spitze getriebenen Kampfes um
das tägliche Brot der Induſtrialiſierung und der Menſchenan=
häufung
in den Großſtädten iſt dieſes Streben nach Naturver=
bundenheit
nicht untergegangen. Man kann wohl ſagen, daß es
noch ſtärker geworden iſt, gemäß dem alten Erfahrungsſatz, daß
man etwas, das man nicht mehr hat, um ſo heißer erſehnt und
zu erlangen ſucht. Dieſerhalb hat die Wanderbewegung in den
deutſchen Turnvereinen einen gewaltigen Aufſchwung genommen,
der am nachhaltigſten am Himmelfahrtstage bzw. dem Vorſonn=
tage
desſelben zum Ausdruck kommt. Für die deutſchen Turner
und Turnerinnen werden dieſe Tage zum Wandertage, nicht nur
um das fröhliche Grünen und Blühen und Sprießen in Feld und
Wald zu bewundern, ſondern man will auch bei dieſer Gelegen=
heit
ſeines Turnertums gedenken und nicht zuletzt der Führer,
die die deutſche Turnerſchaft ſo groß gemacht. Einer der großten
unter den bedeutendſten Turnerführern iſt zweifelsohne der lang=
jährige
Geſchäftsführer und erſte Vorſitzende der D.T. Dr. Fer=
dinand
Goetz geweſen, der zwei Menſchenalter hindurch an lei=
tender
Stelle die Geſchicke der deutſchen Turnerſchaft mitzulenken
berufen war. Seinem Gedächtnis ſind die Turnerwanderfahrten
in der Zeit des Himmelfahrtstages geweiht und der Begriff Goetz=
Wandertag iſt zu einem Ehrennamen für den Mann und die Tat
geworden. So werden auch am Sonntag, den 10. Mai, Hunderte
von Turner, alt und jung, aus dem heimatlichen Main= Rhein=
gau
der D.T. hinausziehen, um ſich an der Pracht des Frühlings
zu erfreuen, zugleich aber auch, um ihres Führers in Treue zu=

gedenken. Zum Wanderziele für den Gau iſt diesmal Rüſſelsheim
am Main auserwählt worden, und ſollen die Vereine dort zur
gemeinſamen Feierſtunde um 11,30 Uhr auf dem Turnplatze des
Rüſſelsheimer Turnvereins eingetroffen ſein. Ueber die Bedeu=
tung
des Goetz=Wandertages ſpricht daſelbſt Gauvertreter Roth=
Darmſtadt. Ein zweiter Vortrag wird die geſchichtliche Vergan=
genheit
Rüſſelsheims behandeln. Ein turneriſches Volksfeſt, be=
ſtehend
aus Wettkämpfen, Volkstänzen und Spielen, wird die
Teilnehmer in angenehme Stimmung verſetzen. Anſchließend
findet eine Beſichtigung der Opelwerke ſtatt. Hat der Main=
Rheingau bei Wanderungen ſtets eine hohe Beteiligungsziffer
gegenüber anderen Gauen aufgebracht, ſo dürfte gerade Rüſſels=
heim
mit der Opelwerkbeſichtigung einen Hauptanziehungspunkt
bilden.
Durchfahrkarten HamburgLondon. Eine Neuerung: Kom=
binierte
Schiffs= und Eiſenbahnfahrkarten auf dieſer Strecke. Wie
wir erfahren, gibt die Hamburg=Amerika=Linie neuerdings für
den Hamburg-London=Verkehr kombinierte. Durchfahrkarten
heraus, die für die Seefahrt HamburgSouthampton mit einem
der großen New Yorker Dampfer der Hapag und für die Eiſen=
bahn
=Anſchlußſtrecke Southampton-London gelten. Der Preis der
Fahrkarten, der je nach der Beförderungsklaſſe nur 60122 RM.
beträgt, iſt recht billig, zumal er volle Verpflegung an Bord der
Ueberſeedampfer einſchließt. Außer durch die Preiswürdigkeit
empfiehlt ſich dieſer Reiſeweg durch ſeine Bequemlichkeit. Man
erſpart ſich eine lange, ſtrapaziöſe Eiſenbahnfahrt mit häufigem
Umſteigen und genießt alle Annehmlichkeiten, die eine Seereiſe
auf einem modernen großen Schnelldampfer bietet.

Union=Theater bringt Die Sehnſucht jeder Frau, einen
Ton= bzw. Sprechfilm, mit Vilma Banky in der Hauptrolle. Dieſer
Film iſt eine ungemein geſchickte Regiearbeit von Victor Sjöſtröm
der es verſtanden hat, die etwas ſentimentale Handlung mit friſch pul=
ſierendem
Leben zu durchſetzen, ſo daß in dem Ablauf der Fabel das Ge=
fühl
völlig dafür verloren geht, daß hin und wieder die Grenzen des
Kitſchigen berührt werden. Die Fülle köſtlicher Landſchaftsbilder, in die
auch die geſtellten oder Atelier=Aufnahmen mit Routine und Geſchmack
eingeordnet ſind, dazu eine ausgezeichnete Darſtellung, bedingen den gro=
ßen
äußeren Erfolg dieſes Films. Der Wert dieſer Darſtellung wird
auch nicht beeinträchtigt durch die Tatſache, daß außer dem ausgezeichnet
ſpielenden Joſef Schildkraut die übrigen Mitwirkenden die deut=
ſche
Sprache nicht gerade fließend beherrſchen. Neben den beiden Ge=
nannten
hat Edward G. Robinſon noch führende Rolle. Er ſpielt
den alternden Mann, dem ſein Leben der Arbeit keine Zeit ließ zur
Liebe, der aber, da ſeine Arbeit Erfolg krönte, ein junges Weib freite,
wobei er ſich nicht ganz einwandfrei einer fremden Photographie bedient.
Jugend zieht zunächſt zur Jugend; aus der ſeeliſchen Not heraus aber
erwächſt die wahre Liebe. So wird aus der dramatiſch geſtalteten Hand=
lung
ein etwas eigenartiges Happy end, aber immerhin ein menſchlich
verſtändliches. Ein reichhaltiges Beiprogramm läuft neben dem
Hauptfilm.
Helia.
Es ſind allerhand Unheimlichkeiten und Unwahrſcheinlich=
keiten
, mit denen der Film Das gelbe Haus des King Fu aus=
geſtattet
iſt. King Fu iſt ein Verbrecher von der im Film be=
kannten
geheimnisvollen Sorte, ſein exotiſches Aeußere trägt zu
ſeinem Geheimnis bei, und er iſt der Schrecken von Paris, ſeit=
dem
er einen Anſchlag auf die beliebte Schauſpielerin Anita ge=
macht
hat. Anita gehört zu einer Schauſpieltruppe, deren Direk=
tor
als beſondere Senſation ein Theaterſtück herausbringt, deſſen
Hauptrolle King Fu darſtellt. Die Senſation des Films aber be=
ſteht
darin, daß Spiel und Wirklichkeit ineinandergreifen und
man bisweilen nicht weiß, ob man den wirklichen oder den
Theater=King Fu vor ſich hat. Beide Rollen ſpielt gleichermaßen
gut Guſtav Dießl, die weibliche Hauptrolle hat die graziöſe
Charlotte Suſa inne.
Die Palaſt=Lichtſpiele, Grafenſtraße, zeigen ab heute Olga
Tſchechowa und Alfred Abel in dem deutſchen Senſationsfilm
Mary, nach dem Roman Enter Sir Zohn von Clemence Dane
und Helen Simpſon. In weiteren Hauptrollen ſind beſchäftigt:
Paul Graetz, Lotte Stein, Ekkehardt Arendt, Hermine Sterler. Jack
Mylong=Munz u. a. Die myſteriöſe Handlung ſpielt hinter den
bunten Kuliſſen von Bühne und Varieté. Dazu ein gutes Bei=
programm
.
Im Kleinen Haus des Landestheaters gelangt ab heute der
neueſte Ufa=Tonfilm Vorunterſuchung mit Albert Baſſer=
mann
und Guſtav Fröhlich zur Vorführung. Robert Liebmann
ſchrieb das Manuſkript nach dem bekannten gleichnamigen Bühnen=
werk
von Max Alsberg und Otto Ernſt Heſſe, das ebenfalls in die=
ſer
Saiſon am Landestheater zur Aufführung gelangte. Die Re=
gie
führt Robert Siodmak, der bekannte Regiſſeur des vielbeſpro=
chenen
Films Menſchen am Sonntag‟. Die aktuelle Ufg= Ton=
woche
, ein luſtiger Zeichentrickfilm und ein Kulturtonfilm Töne,
die nie verklingen, der im Rahmen einer Bild= und Tonrepor=
tage
Intereſſantes über das Entſtehen der Schallplatte verrät, ver=
vollſtändigen
das Programm.

Singetreffen. Wie in den Jahren ſeither, ſo findet auch in
dieſem Jahre wiederum am Sonntag Exaudi, d. i. am 17. Maf
ds. Js., für die evangeliſche bündiſche Jugend Rheinheſſens das
Ebernburg=Singetreffen ſtatt. Nach Ankunft in Bad Kreuznach
gemeinſamer Marſch nach Münſter am Stein. Daſelbſt Probe der
Lieder auf den Nahe=Wieſen. Um 10 Uhr Gottesdienſt, darauf
Marſch nach der Ebernburg, wo nach einer reichlichen Mittags=
pauſe
geſungen wird nach den Anregungen der Singebewegung.
Um 6 Uhr Abſchlußfeier in der Kirche in Münſter. Alle Gruppen,
denen es ernſthaft um das Singen zu tun iſt, ſind herzlich einge=
laden
.
Der Heſſenbund veranſtaltet, zu Pfingſten 3 Freizeiten;
1. Eine Freizeit zu Bullau im Odenwald Leitung: Landesjugend=
pfarrer
Lic von der Au. 2. Freizeit in Wendelsheim in der rhein=
heſſiſchen
Schweiz. Leitung: Diakon Bochmann aus Darmſtadt.
3. Freizeit unter der Leitung des Offenbacher Jugendpfarrers Liz.
zur Nieden, und findet in Oberheſſen ſtatt. Das Nähere über
dieſe Freizeit kann beim Jugendpfarramt Offenbach a. M.
Bernardſtraße 19. gefragt werden. Verpflegung und Unterkunft
ſind frei. Die Einſchreibegebühr beträgt 1 RM. Die Meldungen
müſſen bis zum 18. Mai eingegangen ſein.

2


ETOTCAIAIAIO
Aft
AAAIO
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A

[ ][  ][ ]

Nummer 125

Mittwoch, den 6. Mai 1931

Seite 7

Ausſchneiden!

Luftverkehrsperbindungen im Sommer 1931
von Darmſtadt ab 1. Mai

nach Hinf
ab lug
an Aachen ...." 12,25 15,05 Amſterdam .. ." 12,25
12,25 17,00 Antwerpen .. 16,00 Baden=Baden 15,45 17,10 Barcelona". 15,45 19,45 Baſel... 15/45 17,3, Berlin 12,25 16,05 Bern. 12,25 19,15 Borkum 12,25 *17,5C Zremen
12,25 15,25) Bremerhaven=W. . 12,25 18,00 Breslau 12,25 18,4 Brüſſel. 12,25 16,30 Chemnitz 12,25 15,45 Deſſan 12,25 17,35 Dortmund 12,25 14,15 Dresden 12,25 17,45 Düſſeldorf 12,25 14/40 Eſſen=Mühlheim 12,25 14,55 Fleusburg 12,25 18,45 Frankfurt a. M. .. 12,25 12,40 Freiburg 15/45 18,00 Genf 15,45 19,20 Gießen 12,25 13,15 Halle=Leipzi 12,25 14/45 Hamburg 12,25 15,45 Hannover 12,25 14,30 Karlsruhe. 15,/45 16,45 Kiel. 12,25 18,05 Köln 12,25 14,0. Königsbers 12,25 2,3C Konſtanz 15,/45 18,5*
18,05 Kopenhagen. 12,25 Kowno 12,25 5,30 Krefeld 12,25 15,05 Langeoog 12,25 *19.05 Leipzig=Halle 12,25 14,45 Leningrad 12,25 12,45 London 12,25 18,50 Mailand 12,25 12,30 Malmö. 12,25 18/40 Mannheim 15,/45 16,05 Marſeille 15/45 16,10 Moskau. 12,2: 13,50 München 12,25 17,47 Norderney 12,2, 417,25 Osnabrück.. 12,2: *16,0. Paris 12,25 19,35
17,35 Paris 12,25 Prag. 12,25
12,25 17,00 Reval 10,15 Riga" 12,25 8,0 Rom. 12,27 17,40 Smolenſk 12,25 10,50 Saarbrücken . . 12,25 16,3: Stuttgart. 15,/45 17,50 Wangerooge 12,25 *16,3 Weſterland 12,25 *19,50 Wyk 12,25 419,25 Zürich: 12,25 18,15 Rückflug Pr= iſe in RMk. Per= Über= A an ſonen Arf6 Fracht 13,0= 15,35/ 35. 35 .35 12,05 15,351 57. ,55 .80 12,30 15,35 62. .60 .75 10,50 12,15 17. .15 .30 8,25 12,15 171. 1.70 2.70 10,25 12,15 33. .35 60 11,45 15,35 69. 70 75 720 15,35 68. 70 . 85 10,20 *15,35 67. .70 75 12,15 15,35 54. ,55 .70 9,20 15,35 74. ,75 .90 9,15 15,3: 82. .80 1.05 11,45 15,3: 57. .65 ,75 11,10 15,35 59. .60 70 82. .85 .95 13,50 15,3: 29. .30 .35 10/45 15,35 67.50 70 70 13,35 15,35 32. .30 .30 13,15 15,35 31. .30 30 8,55 15,35 79. .80 .95 15,20 15,3: 10. .15 .30 10,00 12,1. 25. 25 .50 8/45 12,15 61. . 60 1. 14,45 15,35 12. .15 .30 13,00 15,35 47. .45 ,55 12,00 15,35 59. . 60 .70 13,15 15,35 39. .40 .50 11,15 12,15 12. .15 .30 9,30 15,35 71. 70 .85 14,00 15,35 27. . 25 .30 16,30 15,3: 139. 1.40 1.75 9,05 12,15 41. ,40 .30 9,15 15,35 117. 1.15 1.40 12,00 15,35 179. 1.80 2.35 13,05 15,35 33. .35 .30 8,20 *15,3 84. ,85 .85 13,00 15,35 47. .45 ,55 9,00 15,35 Mr 3.05 4.05 9,00 15,35 137. 1.25 1.40 120. 1.20 1.40 84r 15,35 132. 1.30 1.50 11,55 12,15 10. .15 .30 12,00 12,15 116. 1.15 1.85 5,30 15,35/349. 3.50 4.75 10,15 15,35 50. .50 . 60 10/4: +15,35 63. . 65 .80 12,05 +15,3: 45. .50 .40 8,25 15,35 79. .80 1. 10,40 15,35 102. I. 1. 9,55 15,35 84. . 85 11,40 15,35 249. 2.50 3.30 13,5: 15,35 204. 2.05 2.65 190. 1.90 2.80 8,4 15,35 304. 3.05 3.85 11,15 15,3 29. .30 .35 10,25 12,15 20. . 20 .30 11,20 *15,3: 77. 75 .85 7,55 *15,35 94. .95 1.05 8.20 415,35 94. .95 1.05 8,2 15,3 52. 50 60

Zeichenerklärung: Ankunft am folgenden Werktage,
Eröffnung der Strecke am 27. 6. 1931.
Flugdienſt täglich, außer Sonntags. An Feſttagen, die auf Wochen=
tage
fallen, wird geflogen.
Flugſcheine und Auskunft:
Heſſ. Flugbetriebs A. G., Darmſtadt, Telefon 1003,
Verkehrsbüro, Luiſenplatz 4, Telefon 221,
Hamburg=Amerika=Linie, Luiſenplatz 1, Telefon 1308,
Lloyd Reiſebüro, Rheinſtr. 17, Telefon 186.
Antozubringerdienſt: Je nach Bedarf und vorheriger Anmeldung. Ab
Verkehrsbüro, Luiſenplatz 4, 20 Minuten vor
Abgang der Flugzeuge.

Familienbibelſtunde des Chriſtlichen Ver=
eins
junger Männer E. V., Darmſtadt, Alexanderſtr. 22,
(Infanteriekaſerne). Wir laden zu der heute Mittwoch abend
ſtattfindenden Stunde, in der Herr Studienrat Knöpp ſprechen
wird, freundlich ein. Freunde und Gäſte ſind jederzeit herzlich
willkommen.
Aufſtiegoder Niedergang unſerer Kultur?
Wer über dieſe wichtige Zeitfrage Aufklärung haben will, ſei auf
den Vortrag: Kulturumſturz ? hingewieſen, den Dr. Wer=
ner
Kulz auf Veranlaſſung des Kampfbundes für Deutſche Kul=
tur
, Donnerstag, den 7. Mai abends 8,15 Uhr, im Städtiſchen
Saalbau zu Darmſtadt hält. Der Kartenvorverkauf erfolgt durch
die Buchhandlungen Köhler (Carius), Schulſtraße 10, und Waitz,
Eliſabethenſtraße 16.
Der Bayern=Verein Darmſtadt e V. begeht am
10. Mai 1931 in der Turnhalle am Woogsplatz ſeine 40jährige
Gründungsfeier. Ein mit größter Sorgfalt ausgearbeitetes Pro=
gramm
wird dieſer Veranſtaltung unter gütiger Mitwirkung von
Herrn Baumeiſter vom Heſſ. Landestheater und Frl. Jung als
Soliſtin ein hochfeſtliches Gepräge verleihen. Da mit dem Ver=
einsjubiläum
zugleich das 10jährige Sitftungsfeſt der Schuh=
plattlerabteilung
verbunden iſt, wird aus dieſem Anlaß u. a.
eine Reihe von ausgeſuchten bayeriſchen Volkstänzen, wie ſie in
Darmſtadt noch nicht gezeigt worden ſind, zur Aufführung gelan=
gen
. Zahlreiche Bayern=Vereine von nah und fern nehmen in
Volkstracht an dieſer Veranſtaltung teil und dürften die Wirkung
der bunten Farbenpracht vorteilhaft erhöhen. (Näh. ſ. Anz.)

Jugendgruppe der Deutſchen Volkspartei.
Heute abend Fortſetzung des Vortrages Oberſtl. Schenck
Deutſche Geſchichte auf dem Geſchäftszimmer. Siehe Monats=
programm
.

Tageskalender für Mittwoch, den 6. Mai 1931.
Heſſ. Landestheater Großes Haus. Anfang 20 Uhr,
Ende 22 Uhr: Der Tartuffe‟, B 22, T. Gruppe 1 und 2.
Kleines Haus, Anfang 16. 18 und 20 Uhr: Ufa=Bildſpiele:
Vorunterſuchung Orpheum 20.15 Uhr: Die Ma=
troſen
von Cattaro, Konzerte: Zur Oper, Rheingauer
Weinſtube, Schloßkeller, Sportplatz=Reſtaurant am Böllenfall=
tor
, Hotel=Reſtaurant Poſt. Sport=Café=Reſtaurant Meßplatz,
Zum Tropfſtein, Alter Ratskeller. Kinovorſtellun=
gen
: Union=. Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.

Schonk die Baumblüke!
Aa. Kaum daß die Baumblüte nach reichlicher Verſpätung
ihre ſchönſte Pracht entfaltet hat, werden lebhafte Klagen über
Beſchädigungen blühender Obſtbäume laut. Verſchiedentlich
wurde in mehreren Gemarkungen an der Bergſtraße zum
größten Bedauern und Nachteil für die Baumbeſitzer feſtgeſtellt,
daß Spaziergänger an Obſtbaumanlagen auf freiem Felde ganze
Blütenzweige, beſonders von Kirſchenbäumen, in einem Ausmaße
abriſſen und mitnahmen, das weit über das Erträgliche hinaus=
ging
. Es kann daher nicht eindringlich genug die Warnung er=
gehen
, die Baumblüte, an der ſich alle erfreuen wollen, in jeder
Weiſe zu ſchonen, ganz abgeſehen davon, daß ſich derjenige, der in
dieſer Hinſicht kein Maß kennt, ohne Zweifel ſtrafbar macht.

Dg. Arheilgen, 4. Mai. Konzert der Orcheſtervereini=
gung
Arheilgen. Unſere Orcheſtervereinigung hatte am Sonntag
abend zu ihrem 11. Konzert eingeladen. Der erſte Teil der Vortrags=
folge
, der dem Gedächtnis Wolfgang Amadeus Mozarts gewidmet war,
brachte den Türkiſchen Marſch die Ouvertüre zu Zauberflöte, dann
das Menuett aus der Es=Dur=Sinfonie. Hierauf folgten die herrlichen
Melodien aus der Oper Don Juan. Zum Abſchluß dieſer Gedenkfeier
ſpielte das Orcheſter die Ouvertüre zur Oper Titus‟. Der zweite Teil
des Programms wurde eingeleitet mit der Ouvertüre zur Oper Aleſſan=
dro
Stradella von Flotow, die derart gut wiedergegeben wurde, daß
ſich das Orcheſter zu einer Zugabe hergeben mußte. Auf die Szenen aus
der Oper Tannhäuſer von Richard Wagner folgte die Ballade. Das
Grab auf der Heide von Geiſer, geſchrieben als Poſaunenſolo mit Or=
cheſterbegleitung
. Als Soliſt bewährte ſich hier ganz vorzüglich Herr
Georg Fornoff, den wir auch ſchon in dankbareren Aufgaben zu hören
Gelegenheit hatten. Es wäre vielleicht angebracht geweſen, das beglei=
tende
Orcheſter etwas abzudämpfen, um das Solo auch im Piano mehr
zur Geltung kommen zu laſſen. Der Japaniſche Laternentanz von
Yoteſhimo wurde ſehr flott geſpielt und fand gute Aufnahme. Rau=
ſchender
Beifall belohnte das Orcheſter für den immer wieder gern ge=
hörten
und rhythmiſch gut wiedergegebenen herrlichen Straußwalzer
G’ſchichten aus dem Wiener Wald, in welchem unſer alter Kämpe
Heinrich Anthes wieder das Harfenſolo auf der Zither ſpielte. Auch
hier mußte ſich das Orcheſter zu einer Zugabe bereit finden und ſpielte
als Abſchluß einen flotten Marſch, wie überhaupt Märſche dem Orcheſter
gut liegen. Die Leitung lag bei Herrn Kammervirtuos L. Kümmel=
Darmſtadt in bewährten Händen. Die leider nicht ſehr zahlreich erſchie=
nenen
Zuhörer ſpendeten überaus reichen Beifall für die gebotenen guten
Leiſtungen, obwohl der Veranſtaltung wirklich ein beſſerer Beſuch zu
wünſchen geweſen wäre. Das Ocheſter, das ſich vorwiegend aus Lieb=
habern
zufammenſetzt und uns ſchon gar manchen muſikaliſchen Genuß
bereitete, verliert dadurch die Luſt am Spielen. Vielleicht war auch der
Zeitpunkt etwas ungünſtig gewählt. Man ſollte derartige Konzerte
nicht in die wärmere Jahreszeit fallen laſſen.

By. Wixhauſen, 5. Mai. Steuerſätze. Für 1931 ſetzte der
Gemeinderat folgende Steuerſätze feſt: Nach Abzug von 6 bzw. 12 Proz.
pro 100 Mk. Steuerwert von Gebäuden und Bauplätzen 61,38 Mk., für
land= und forſtwirtſchaftlich genutzten Grundbeſitz 94 Pfg., vom Ge=
werbekapital
125,31 Mk., vom Gewerbeertrag 3,81 Mk. Die Sonder=
gebäudeſteuer
ſoll betragen bei einem Steuerwert bis 7000 Mk. 41,75
Pfg. über 7000 Mk. 36,43 Pfg. des ſtaatlichen Sondergebäudeſteuerſolls
Die Bier= und Bürgerſteuer muß nach der Notverordnung um 50 Proz.
erhöht werden.
F. Eberſtadt, 5. Mai. Nachklänge zum Gemeindevoran=
ſchlag
. Bei der Beratung des Gemeindevoranſchlags für das Ri. 1931,
die in der letzten Gemeinderatsſitzung ſtattfand, wurde zur Rubrik 36
(Landwirtſchaftszwecke) ein Antrag des Gemeinderats Meidinger
angenommen, der die Verwaltung erſucht, Schritte zu dem Verſuch zu
unternehmen, die gemeindliche Faſelhaltung in Privathände überzufüh=
ren
. Wenn der Verſuch glücken ſollte, wäre der Weg zur Stillegung
des Faſelhofes geebnet, ein Ziel, das die Anwohner des Schloßplatzes,
auf dem das Gebäude ſteht, ſeit Jahren erſtreben. Der Antragſteller
verſpricht ſich davon eine Verbilligung der Koſten, die die Gemeinde
für die Faſelhaltung aufzubringen hat. Die hieſige Landwirtſchaft wehrt
ſich allerdings gegen dieſes Vorhaben, weil ſie darin eine Beeinträch=
tigung
ihrer Belange erblickt. Im Voranſchlag ſind die für die Ver=
ſehung
des Rathauſes mit Zentralheizung erforderlichen Mittel vorge=
ſehen
. Darüber hinaus iſt geplant, die in dem Rathaus eingerichtete
Wohnung von dem Schutzmann Leining räumen zu laſſen, um Platz für
neue Büroräume zu gewinnen. Die Wachtſtube ſoll alsdann in das Rat=
haus
verlegt und der untere Stock des derzeitigen Wachthauſes für eine
zweite Wohnung hergerichtet werden. Für den Einbau eines zweiten
Boilers im Schulbad, der ſich als dringend notwendig erwieſen hat, iſt
im Voranſchlag ein Betrag von 750 RM. vorgeſehen, für die Herſtellung
der Blumenſtraße iſt ein Betrag von 600 RM. eingeſtellt. Als Anteil
an der Reichseinkommen= und Körperſchaftsſteuer hofft die Gemeinde
83078 RM., als Anteil an der Reichs=Grunderwerbſteuer 6000 RM.,
an Hundeſteuer 3700 RM., an Vergnügungsſteuer 3500 RM., an Grund=
erwerbſteuer
(Zuſchlag) 5000 RM., an Wertzuwachsſteuer 4000 RM. und
an Bürgerſteuer 1931 15 000 RM. zu vereinnahmen. Die Aufwendungen
der Gemeinde für die Sozialrentner für 1931 belaufen ſich nach dem
Voranſchlag ſchätzungsweiſe auf 24 000 RM. (40 Prozent der Geſamt=
koſten
), für die Kleinrentnerfürſorge auf rund 11000 RM. (40 Prozent
der Geſamtkoſten), für die Kriſenfürſorge 15 000 RM. (:/s der Geſamt=
koſten
) und für Wohlfahrtserwerbsloſe 60 000 RM., deren Aufbringung
ganz Sache der Gemeinde iſt. Die Einnahmen bei Rubrik 4 (Waldungen)
ſind mit 63 439,31 RM. angegeben, die Ausgaben auf rund 50 000 RM.
geſchätzt. Der Rechnungsreſt von 1929 iſt mit 83 530,92 RM. verzeichnet
und beſteht aus einem Barvorrat von 63 673,98 RM. und in liquidier=
ten
Ausſtänden in Höhe von 19 856,94 RM. Von dem Geſamtbetrag ſind
zur Verwendung im unmittelbar vorhergehenden Jahre 25 978,74 RM.
und zur Bildung eines Betriebskapitalſtocks 20000 RM. in Ausſicht ge=
nommen
, ſo daß für 1931 noch 37 552,18 RM. verfügbar bleiben.

Aa. Eberſtadt, 5. Mai. Das 10. Frankenſtein= Berg=
turnfeſt
findet, wie bereits kurz gemeldet, am Sonntag, den 31. Mai,
ſtatt. Veranſtalter iſt der Main=Rodgau, vorbereitender Verein die
Turngeſellſchaft E. V. Eberſtadt. Das Frankenſteinfeſt wird in Geſtalt
eines rein volkstümlichen Wettkampfes für Turner und Turnerinnen
(nach Stufen getrennt) abgehalten. Die Ausſchreibungen ſind dieſer
Tage ergangen. Anläßlich der 10. Abhaltung des Wett=Turnens auf
dem Frankenſtein iſt ein Jubiläumswanderpreis (um den Frankenſtein=
ſchild
des Main=Rodgaues) geſtiftet worden. Der Wanderpreis läuft
auf die Dauer von fünf Jahren und geht im 5. Jahre in den Beſitz des=
jenigen
Vereins über, welcher ihn am meiſten während dieſer Zeit=
ſpanne
errungen hat. Die Preisverteilung wird nachmittags um 2 Uhr
im Innern des Burghofes vorgenommen werden. Odenwald=
klub
. Die hieſige Ortsgruppe des Odenwaldklubs unternahm am
Sonntag eine Wanderung, die vom Altrhein aus über den Kühkopf bis
nach Oppenheim führte. An der Wanderung nahmen über 60 Per=
ſonen
teil. Der hieſige Turnverein 1876 nimmt am kommenden
Sonntag an der Gauwanderung durch den Gerauer Park nach Rüſſels=
heim
teil. Schachſieg. Die am Sonntag gegen den Schachverein
Frankfurt=Höchſt (Meiſter der Main=Taunus=Schachvereinigung) an zwölf
Brettern ausgetragenen Wettſpiele endeten mit 7:5 für den Schachklub
1924 Eberſtadt. Sechs Partien wurden gewonnen, vier verloren und
zwei unentſchieden gehalten. An das Wettſpiel ſchloß ſich ein Ausflug
in die Baumblüte an. Der Rekordverkehr am Sonntag wird
am beſten dadurch illuſtriert daß nach zuverläſſigen Zählungen am
Sonntag über 4000 Autos und Motorräder unſeren Ort in beiden Rich=
V!
tungen paſſierten.

Jagd in Heſſen im Mal.
(Mitgeteilt vom Heſſ. Jagdklub, Darmſtadt.)
Mit dem beginnenden Frühling verfärbt das Haarwild es
befindet ſich in einer Uebergangsperiode, die es beſonders emp=
findlich
macht.
Eingänge, namentlich an Rehwild, werden von überall her
gemeldet, und namentlich ſchwache Stücke verenden in dieſer Zeit,
wo auch junge Saat im Uebermaß aufgenommen wird, ſehr leicht.
Dies gibt einen Fingerzeig für den Heger dafür, daß er im
Herbſt überflüſſige geringe Stücke wegnehmen ſoll, die auf dieſe
Weiſe doch verwertet werden können.
Beſonders groß iſt die Sehnſucht des Wildes nach Salzlecken,
deren Annahme auch beim Aufbau der Gehörne und Geweihe för=
dernd
bemerkbar iſt.
Die Hirſche ſchieben ihr neues Geweih und dürfen deshalb,
auch wenn der Jagdſchein es erlaubt, vom anſtändigen Jäger
nicht geſchoſſen werden.
Der Rehbock iſt noch am Fegen und wird erſt im Laufe des
Monats damit fertig. Der Abſchuß beginnt in Heſſen am 1. Juni.
Auer= und Birkwild erreicht in der erſten Hälfte des Monats
den Höhepunkt der Balz, ab 16. 5. erhält der Auerhahn Schonzeit.
Das Birkwild iſt während des ganzen Jahres geſchützt.
Faſanenhähne können noch während des ganzen Monats ge=
ſchoſſen
werden, der Dachs ab 16. Mai.
Alles andere Wild bedarf der größten Ruhe, da es entweder
ſitzt bzw. brütet oder ſchon Junge führt.
Höchſte Aufmerkſamkeit widmet deshalb der Heger allem
Raubgeſindel, beſonders den Krähen und Elſtern, ſtreunenden
Hunden, Katzen und Füchſen und allen verdächtigen Elementen, die
Eierraub treiben.

Cp. Eſchollbrücken, 5. Mai. Stallhaſen in der Brat=
pfanne
. Einem hieſigen Gaſtwirt wurden zur Nachtzeit zwei Stall=
haſen
geſtohlen. Als Dieb konnte ein Mann eremittelt werden, welcher
abends zuvor in der Gaſtwirtſchaft geweilt hatte. Als die Polizei zur
Hausſuchung ſchritt, ſchmorten die beiden geſtohlenen Haſen gerade in
der Bratpfanne.
Cp. Pfungſtadt, 5. Mai. Kommunal= und ſteuerpoliti=
ſcher
Abend. Im Auftrag der hieſigen Ortsgruppe der Deutſchen
Volkspartei ſpricht am Mittwoch abend (6. Mai) im Rheiniſchen Hof
Landtagsabgeordneter und Bürgermeiſter Dr. Niepoth über Kom=
munal
= und Steuerpolitik. Die Sprungzeit im Faſelſtall iſt während
der Sommermonate von 6 bis 9 Uhr vormittags, von 12 bis 2 Uhr mit=
tags
und von nachmittags ab 6 Uhr feſtgeſetzt. Todesfall. Bahn=
ſchaffner
i. R. Hch. Karl Kraft iſt im 60. Lebensjahr geſtorben. Kirch=
liches
. Die Gottesdienſte in der Evangeliſchen Kirche beginnen von
jetzt ab Sonntag vormittags bereits um halb 10 Uhr. Die diesjährige
Hauptverſammlung des Ziegenzuchtvereins findet am Samstagabend im
Gambrinus ſtatt.
G. Ober=Ramſtadt, 4. Mai. Gemarkungsgrenzgang. Der
Einladung der Bürgermeiſterei zu einem Gemarkungsgrenzgang in den
Hainböhl am Sonntag, den 3. Mai, hatten etwa 60 Perſonen Folge
geleiſtet. Bei herrlichem Frühlingswetter ging es den Frankenhäuſerweg
hinauf zum Eichelberg‟. Das junge Grün unſeres ſchönen Waldes er=
freute
die Teilnehmer, denen nach einer herzlichen Begrüßung des Herrn
Bürgermeiſters Rückert Herr Forſtrat Reitz kurz vor dem Breitenſtein
und an verſchiedenen anderen Stellen die landſchaftlichen Schönheiten
unſerer Gegend vor Augen führte und ſehr intereſſante Ausführungen
über die Beſtände unſeres nahezu 500 Hektar umfaſſenden Gemeinde=
waldes
machte. In gemütlichem Spaziergang ging es dann dem in
Ober=Modauer Gemarkung gelegenen Forſtort Hainböhl des Ober=
Ramſtädter Gemeindewaldes zu. Auf Vorſchlag der Führung beging
man, dort angelangt, zuerſt die Grenze am Nieder=Modauer Gebiet und
dann den Grenzweg am ſogenannten Neutſcher=Hang Unterwegs
wurde über Einzelheiten der Waldwirtſchaft von Herrn Forſtrat Reitz
und Förſter Trautmann Aufklärung gegeben. An der Kiesgrube er=
reichte
man die Provinzialſtraße Nieder=ModauFrankenhauſen, auf
der die Teilnehmer nach Nieder=Modau wanderten, wo im Löwen
Einkehr gehalten wurde. Herr Bürgermeiſter Rückert gab in einer kur=
zen
Anſprache ſeiner Freude darüber Ausdruck, daß auch der heutige
Grenzgang den Teilnehmern viel Intereſſantes bot, und erteilte Herrn
Lehrer Gevert das Wort zu heimatgeſchichtlichen Ausführungen. Auf
dieſem Gebiet iſt uns Herr Gevert lange kein Unbekannter mehr, und
feine zahlreichen Beröffentlichungen und Vorträge beweiſen, daß inten=
ſive
Forſcherarbeit aus unſerem Gemeindearchiv noch manches hiſtoriſch
Wertvolle herausholen kann. Herr Gebert gab an Hand früherer Auf=
zeichnungen
einen Ueberblick über die Grenzgänge in alter Zeit, die da=
mals
einen faſt ausgeſprochen amtlichen Charakter trugen und ſich unter
einigen Veränderungen bis in die Jetztzeit erhalten haben. Sehr inter=
eſſant
waren für die Teilnehmer auch ſeine Ausführungen über den Er=
werb
des Hainböhl. Im Gemeindearchiv vorgefundene Urkunden aus
dem 16. Jahrhundert beweiſen, daß der Hainböhl damals ſchon mehrere
Jahrhunderte in Ober=Ramſtädter Beſitz war, und daß unſere Vorfah=
ven
allen Verſuchen einer Entziehung oder Schmälerung der Rechte an
dieſem Beſitz energiſch entgegentraten. Wenn auch einwandfreie Unter=
lagen
über Art und genaue Zeit des Erwerbs des Hainböhl durch Ober=
Ramſtadt nicht vorhanden, ſo ſind doch durch die vorgefundenen alten
Urkunden manche Legenden über ſchenkweiſen Erwerb uſw. als ziemlich
unwahrſcheinlich dargetan. Die Ausführungen des Herrn Gevert wurden
mit reichem Beifall der Anweſenden belohnt. Als Fachmann auf forſt=
wirtſchaftlichem
Gebiet verbreitete ſich alsdann Herr Forſtrat Reitz über
Einzelheiten der Waldwirtſchaft, z. B. Größe, Bodenbeſchaffenheit, Holz=
anbau
, über die einzelnen Holzarten und ihre Verwendungsmöglich=
keiten
uſw. Auch die Urſachen der derzeitigen Abſatzkriſe für Holz unter=
zog
Redner einer kritiſchen Betrachtung. Es ſei erfreulich, daß ſeitens
der Baubehörden ſchon ein Anfang für eine Beſſerung dadurch gemacht
worden ſei, als bei öffentlichen Vergebungen uſw. die Verwendung in=
ländiſchen
Holzes vorgeſchrieben werde, eine dahingehende Unterſtützung
aller beteiligten amtlichen und privaten Kreiſe ſei dringend notwendig,
denn durch Sparmaßnahmen im Waldwirtſchaftsbetrieb allein, ſei eine
Rentabilität desſelben nicht zu erreichen. Dieſe Ausführungen aus be=
rufenem
Munde haben bei den Teilnehmern lebhaftes Intereſſe gefun=
den
und wurden ſehr beifällig aufgenommen. Im anſchließenden gemüt=
lichen
Teil dankte Herr Bürgermeiſter Rückert allen, die zum guten Ge=
lingen
des heutigen Grenzganges beigetragen, recht herzlich. Daß es im
weiteren Verlauf des Zuſammenſeins an humoriſtiſchen Darbietungen
verſchiedener Art nicht fehlte, verſteht ſich bei einem Grenzgang von
ſelbſt. Gegen 8 Uhr abends trat man befriedigt den Heimweg an.
G. Ober=Ramſtadt, 5. Mai. Theaterabend in Nieder=
Modau. Der vom Evangeliſchen Jugendverein Ober=Ramſtadt kürz=
lich
hier mit beſtem Erfolg veranſtaltete Theaterabend wird am Sonn=
tag
den 10. Mai d. J.. gebnds 8 Uhr, im Gaſthaus Krone (G.
Schaller) in Nieder=Modau wiederholt. Das dreiaktige Schau=
ſpiel
Der Jugend Schuld geſühnt, das hier ſehr beifällige Aufnahme
fand, wird gewiß auch dort lebhaftem Intereſſe begegnen.
f. Roßdorf, 5. Mai. Hundeprüfung. Die Dreſſurvereinigung
Ober=Ramſtadt=Roßdorf hielt ihre erſte Prüfung ab, die in allen Teilen
gut verlief. Die gezeigten Leiſtungen der Hunde und Führer waren gut,
was auch von dem Richter voll und ganz anerkannt wurde.
Bb. Bensheim, 5. Mai. Zwiſchen Lorſch und Bürſtadt, in der Nähe
der Halteſtelle Lorſcher Wald, ereignete ſich vorgeſtern abend gegen 6.30
Uhr ein ſchweres Unglück. Ein mit ſeiner Braut auf zwei Rädern
von Lorſch heimkehrender junger Hofheimer wurde von einem Eiſenteil
eines Lieferwagens, der ein vorfahrendes Automobil überholte, derart
unglücklich am Halfe gefaßt, daß ihm die Hals= und die linke Schlagader
aufgeriſſen wurde, was den alsbaldigen Tod des Verunglückten zur
Folge hatte. Wen die Schuld am Unglück trifft, muß die Unterſuchung
feſtſtellen. Der Unfall hatte in kurzer Zeit zahlreiche Kraftfahrzeuge
und Paſſanten herbeigelockt. Geſtern vormittag gegen 9.30 Uhr paſ=
ſierten
etwa 80100 Radfahrer mit ihren Rädern auf ihrer Deutſchland=
fahrt
auch Bensheim. Die Fahrt ging nach Karlsruhe und Freiberg.
Es beteiligen ſich an derſelben nur Berufsfahrer aus ſechs verſchiedenen
Ländern. Die Fahrer trafen alle faſt zu gleicher Zeit hier ein und fand
die Fahrt auch hier große Beachtung.
Hirſchhorn, 5. Mai. Waſſerſtand des Neckars am
4. Mai: 1.96 Meter; am 5. Mai: 2.14 Meter.
Gernsheim, 5. Mai. Waſſerſtand des Rheins am
4. Mai: 1,56 Meter; am 5. Mai: 1.42 Meter.

[ ][  ][ ]

Seite 8

Mittwoch, den 6. Mai 1931

Nummer 125

Laßt uns kämpfen, ohne zu haſſen!
Von Schulrat Heinrich Hafſinger=Darmſtadt.

Iſt es euch Eltern nicht manchmal angſt und bange, wenn ihr euere
Kinder ſo frühzeitig in den Haß gegen Andersdenkende hineinwachſen
ſeht? Ihr wißt, daß das Leben Kampf iſt, ihr möchtet euere Kinder
vorbereiten und reif machen für dieſen Lebenskampf, aber bleibt es nicht
trotzdem euer ſehnlichſter Wunſch, ſie auch das Verſtehen des Anderen zu
lehren, ſie aufzuziehen in der Feſtigkeit der eigenen aber auch in der
Achtung vor der fremden Meinung, ihnen auch dafür die Sinne zu
öffnen, daß der Andersdenkende nicht gleich der Schlechte zu ſein braucht,
der Feind, mit dem keine Gemeinſchaft möglich iſt, daß vielmehr auch er
ein Kämpfer iſt und Bruder der nach Wahrheit ſucht und mit dem
Leben ringt? Aber was iſt Lehre ohne Beiſpiel, was ſind Worte ohne
Tat?
Und dabei geht ein großer Teil unſerer Jugend ſchon lange dieſen
Weg der Tat. Habt ihr ſie noch nie auf dieſem Weg geſehen? Habt ihr
zum Beiſpiel noch nie der Einweihung einer Jugendherberge beige=
wohnt
? Habt ihr noch nie davon gehört, daß ſich Jugend aus den ver=
ſchiedenſten
Lagern irgendwo in einer Jugendherberge auf Tage oder
Wochen zu einer Gemeinſchaft der Arbeit und der Freude zuſammen=
findet
? Dann hättet ihr erlebt, wie das iſt, draußen im Leben Kämpfer
zu ſein für das eine und andere, das weltanſchaulich Gegenſätzlichſte viel=
leicht
, und ſich doch hier zuſammenzuſchließen und zuſammenzuwirken
und werben für das Gemeinſame und Gemeinſchaftliche. Dieſe Jugend
hat nämlich erkannt, daß es etwas Gemeinſames für ſie gibt: die Lebens=
freude
und das Jungſein. Und für dieſes Gemeinſame ſteht ſie ge=
ſchloſſen
zuſammen, um es zu pflegen und um es gleichzeitig zu ver=
teidigen
.
Das Grunderlebnis für ſie alle aber iſt das Wandern. Dort draußen
* Schweres Eiſerſuchksdrama
im Mainzer Elekkrizikälswerk.
Am Dienstag vormittag gegen 12 Uhr ereignete ſich in den im
erſten Stock gelegenen Büroräumen des Elektrizitätswerkes Mainz ein
ſchweres Eiferſuchtsdrama. Der 41jährige Angeſtellte des Elektrizitäts=
werkes
Ernſt Vogelſang überfiel im Büro ſeine 26jährige Braut
Elſe Meurer von hier und verſetzte ihr mit einem feſtſtehenden Meſ=
ſer
verſchiedene lebensgefährliche Stiche in Bruſt, Hals, Kopf und in die
Hand. Blutüberſtrömt ſtürzte die M. zuſammen und mußte durch das
Sanitätsauto ins Städtiſche Krankenhaus übergeführt werden. Da die
Stiche äußerſt lebensgefährlich ſind, und an dem Aufkommen der M.
gezweifelt wird, wurde der Täter ſofort nach der Tat durch das herbei=
gerufene
Notrufkommando abtransportiert und in Haft genommen V.
war mit der M. ſeit Oſtern verlobt, und wollte die Meurer das Ver=
hältnis
löſen, da ihr Verlobter ſehr eiferſüchtig geweſen ſein ſoll.

Oberheſſen.
v. Bab=Nquheim, 5. Mai. Steuerproteſt der Wirtſchafts=
verbände
. Sämtliche hieſigen Wirtſchaftsverbände hatten zu einer
Proteſtkundgebung gegen die neuen Steuern in Heſſen für vorgeſtern
abend in die Turnhalle eingeladen. Die Verſammlung wies ſehr ſtar=
ken
Beſuch auf. Nach dem einführenden, mit lebhaftem Beifall aufge=

ſich begegnen in der Weite der Natur, in der Ungebundenheit, die keine
Konvention und keine Schichtung der Geſellſchaft kennt, die nur den
frohen Menſchen, den zuverläſſigen Kameraden ſucht, die das Erleben
und die Freude austauſcht aus übervollem Herzen, das iſt die Welt, in
der ſich die Jugend ſchneller als irgendwo ſonſt heimiſch fühlt, das iſt
die Welt, in der ſie ſich ſelbſt am treueſten iſt. Woher? Wohin?
So, da waren wir ja auch! Ei, da wollen wir morgen hin!
Mehr braucht es kaum, um ſie alle, die ſich da begegnen, auf den gleichen
Boden zu ſtellen. Und wenn ſie dann ein Stück zuſammenziehen, wenn
ſie am Abend gemeinſam in der gleichen Jugendherberge einkehren,
dann iſt es von ihnen abgefallen wie ein läſtiger Zwang, das Mißtrauen
nämlich, das feindſelige Beobachten, dann ſitzen ſie einander gegenüber,
dann ſingen und ſpielen ſie zuſammen, nichts anderes ſind alle als
junge Menſchen, die hinausgezogen ſind, um zu ſchauen, zu erleben, ſich
zu freuen. Und wenn ſie an den Kampf denken, den ſie daheim ihr
Leben, ihre Anſchauung, ihre Klaſſe zu führen zwingt, dann wiſſen ſie,
daß auch in den anderen, den Gegnern von daheim, ein Herz ſchlägt,
das genau die gleiche Freude ſucht wie das ihre
Glaubt ihr nicht auch, ihr Eltern, daß dies ein Weg iſt, der den
bedingungsloſen Haß in den Herzen der jungen Menſchen töten, der ſie
das Verſtehen auch der anderen lehren wird? Und fühlt ihr in euch
nicht die Verpflichtung, eure Kinder auf dieſem Weg zu ſtützen, wenn ihr
ſeht, daß ſie ihn freudig gehen wollen?. Der Haß iſt eine Pflanze, die
üppig wuchert wie erſtickendes Unkraut, Liebe aber und Verſtehen, die
wollen ſorgſam gepflegt und behütet ſein. Und ihr ſeid zu Pflegern
und Hütern beſtellt. Nicht auf den Kampf wollen wir verzichten, wohl
aber auf den Haß!

nommenen Referat von Bürgermeiſter a. D. Buxbaum=Darmſtadt
kam es zu einer zum Teil ſehr ſcharfen Ausſprache, an der ſich Vertreter
der verſchiedenſten Parteien und Wirtſchaftsorganiſationen und außer=
dem
auch Stadrat Weißer=Offenbach a. M. und Landtagsabgeordn.
Dr. Leuchtgens beteiligten. Alle Redner waren einmütig in der
Ablehnung der neuen Steuern. Einſtimmig kam folgende Entſchließung
zur Annahme: Die heute in der Turnhalle in Bad=Nauheim verſam=
melten
Angehörigen der geſamten Wirtſchaftsverbände Bad=Nauheims
und der Umgebung ſind von ernſter Sorge um ihre Exiſtenz erfüllt, die
ſie durch die Steuererhöhungen der Heſſiſchen Regierung aufs ſtärkſte
bedroht ſehen. Für zahlreiche hieſige Steuerzahler bedeuten dieſe Steuer=
erhöhungen
die Vernichtung ihrer Exiſtenz. Die hieſigen Steuerzahler
fordern gebieteriſch Steuerabbau. Wir verurteilen es auf das ſchärfſte,
daß die Heſſiſche Regierung im kraſſen Gegenſatz zu dem Willen der
Reichsregierung auf Senkung die heſſiſchen Steuern bis zu 20 Prozent
erhöht hat. Wir ſind zur Zahlung dieſer Steuern, die die Bad= Nau=
heimer
Wirtſchaft vollends zum Erliegen bringen, nicht in der Lage.
Wir fordern daher von Regierung und Landtag dringend die ſofortige
Aufhebung der neuen Steuergeſetze und eine fühlbare Senkung der Real=.
h. Alsfeld, 4. Mai. Militäriſche Uebung und Einquar=
tierung
. Am 11. Juli trifft die 1. Heſſiſche Batterie des Artillerie=
Regiments Nr. 5 hier zu einer Geländeübung ein, um abends in unſerer
Stadt Quartier zu beziehen. Ueber die bevorſtehende Einquartierung
herrſcht bei jung und alt Freude. Die Batterie wird tags darauf am
hieſigen Reit= und Fahrturnier teilnehmen.

Die Klarſtellung des Eigenkumsrechks
an den Hauszinsſteuerhypokheken in Geſehzesform
kuk dringend nol.
Von Dr. Roland Schupp, München.
Durch einen von der Deutſchen Volkspartei im Reichstag letz=
ter
Tage eingebrachten Antrag iſt erneut die Aufmerkſamkeit der
Oeffentlichkeit auf eine Frage gelenkt worden, die ſeit Jahren der
Löſung harrt. Es handelt ſich dabei um die endliche Klarſtellung
des Eigentumsrechts an den Hauszinsſteuerhypotheken, die von den
deutſchen Ländern ſeit nahezu 7 Jahren aus dem Aufkommen der
Hauszinsſteuer zur Förderung des Wohnungsbaues bereitgeſtellt
worden ſind. Sowohl die Reichsregierung als auch der Reichstag,
die ſich wiederholt mit dieſer für die Finanz= und Bauwirtſchaft
ſehr bedeutſamen Frage beſchäftigt haben, haben die geſetzliche
Klarſtellung der Eigentumsverhältniſſe bisher immer wieder auf
unbeſtimmte Zeit verſchoben. Um die Verwendung der Rückflüſſe
aus den Hauszinsſteuerhypotheken für den allgemeinen Finanz=
bedarf
von Ländern und Gemeinden zu verhindern, hat der Reichs=
tag
lediglich im Dezember 1929 und nach erfolgtem Einſpruch des
Reichsrats nochmals im März 1930 geſetzlich feſtgelegt, daß die
vom Wohnungsbaumarkt zurückfließenden Hauszinsſteuerkapitalien
wieder dem Wohnungsbau zugeführt werden müſſen. Angeſichts
der Tatſache, daß die im Laufe der letzten 7 Jahre angeſammelten
Hauszinsſteuerhypotheken bereits den ſtaatlichen Fonds von rund
5 Milliarden Reichsmark ausmachen, erſcheint es dringend not=
wendig
, daß nunmehr endlich mit der Klärung des Eigentums=
rechts
an dieſen von der Steuerzahlerſchaft aufgebrachten Geldern
Ernſt gemacht wird. Die Gründe dafür, daß eine reichsgeſetzliche
Regelung des Eigentumsrechts an den Hauszinsſteuerhypotheken
immer noch nicht erfolgt iſt, ſind in erſter Linie darin zu ſuchen,
daß Reich, Länder und Gemeinden die Hauszinsſteuerhypotheken
für ſich beanſpruchen.
Es verdient ohne Zweifel Anerkennung, daß die Deutſche
Volkspartei in einem wohlbegründeten Antrag erneut die Klä=
rung
dieſer hochbedeutſamen Frage aufgegriffen hat, denn ein=
mal
muß auch in dieſer Angelegenheit reiner Tiſch geſchaffen wer=
den
. Der von der Deutſchen Volkspartei eingebrachte Antrag
ſtellt dem Reichstag anheim, die Reichsregierung zu erſuchen, be=
ſchleunigt
einen Geſetzentwurf vorzulegen, der
1. die bisher völlig ungeklärten Beſitzverhältniſſe der Hauszins=
ſteuerhypotheken
reichsrechtlich regelt,
2. einen planmäßigen Abbau der Hauszinsſteuer vorſieht mit
dem Ziel, daß ſie ab 1. April 1935 nicht mehr erhoben wird,
2. Vorſchriften gibt über die Verwendung eines Teiles des
Hauszinsſteueraufkommens zur Gewährung niedrig verzins=
licher
Hypotheken für die Inſtandſetzung und die neuzeitliche
Ausſtattung geeigneter Altwohnungen und die Teilung gro=
ßer
Wohnungen, und die
4. zuläßt, daß die Hauszinsſteuer ſofort durch eine Voraus=
bezahlung
unter entſprechender Vergünſtigung völlig abgelöſt
werden kann.
Es wäre nur zu begrüßen, daß dieſer Antrag der Deutſchen
Volkspartei die Unterſtützung aller Parteien findet, denen die
Herbeiführung normaler Verhältniſſe auf dem Bau= und Woh=
nungsmarkt
und die endgültige Beſeitigung aller Zwangswirt=
ſchaftsmaßnahmen
am Herzen liegt.

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Nummer 125

Mittwoch, den 6. Mai 1931

Seite 9

Ihre Bermählung geben bekannt:
Poſtamtmann Georg Preſſer
Lilly Preſſer, verw. Walter, geb. Langnes

Darmſtadt, den 6. Mai 1931.
Beckſtraße 55.

Dr.ver. pol. Fred E. Unger
Bertel Unger
geb. Fischer
Vermählte
Darmstadt

Frankfurt a. M.

4. Mai 1931.

Berin-Tempelhot
Burgherrenstr. 9

Da uns aus Anlaß unſerer Silbernen
Hochzeit ſo zahlreiche Geſchenke und
Gratulationen zugegangen ſind, iſt es uns
unmöglich, ſedem einzelnen zu danken.
Wir ſprechen daher auf dieſem Wege
unſeren herzlichſten Dank aus.
Hermann Weber u. Frau
Margarete, geb. Haag
Arheilgerſtraße 167.

Die große Preisermäßigung

in meinem

Nachruf.

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Am Abend des 1. Mai entſchlief ſantt und
ruhig meine liebe Frau,
Tochter, unſere gute Mutter und Großmutter,
Schweſter und Schwägerin
Lufſe Riaher
geb. Grabowſky.
Max Richter
Bertha Grabowſky, geb. Spetmann
Dr. med. Paul Richter und Frau
Thea, geb. Nacken
Walter Richter
Ludwig Grabowſky.
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Darmſiadt, Wilhelm Jägerſtr. 3
Hannover, M.=Gladbach, Leipzig, Helſingfors.
Die Einäſcherung fand in aller Stille ſtatt.

Innerhalb weniger Wochen haben wir zum fünften
Male den Verluſt eines lieben Kollegen zu beklagen
Am 29. April 1931 ſtarb der
Kammermuſiker i. R.
Otto Bernhardt
Er gehörte 31 Jahre als Horniſt unſerem Orcheſter an
und hat als ein hervorragender Künſtler auf ſeinem
Inſtrument trotz langem, ſchweren Leiden bis zu ſei=
ner
im Jahre 1926 erfolgten Penſionierung in vor=
bildlicher
Weiſe der Kunſt gedient. Wir werden ihm
ein treues Andenken bewahren.
Die Mitglieder
des heſſ. Landestheater=Orcheſters.
Darmſtadt, den 6. Mat 1931.
7099

Dankſagung.
(Statt Karten.)
Für die vielen Beweiſe herzlichſter Teilnahme bei
dem Hinſcheiden unſerer lieben Entſchlafenen
Frau Margarete Laut
geb. Opper
für die troſtvollen Worte von Herrn Pfarrer Bergér,
den erhebenden Geſang vom Liederkranz und die
vielen Blumenſpenden herzlichen Dank.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Laut.
Darmſtadt, den 5. Mai 1931.
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Seite 10

Mittwoch, den 6. Mai 1931

Nummer 125

Die Rükk=Arena in Berlin völlig niedergebrannk.

Die Radrennbahn während des Brandes.
Die Radrennbahn, die der ehemalige Rennfahrer Rütt in der Berliner Haſenheide errichtet hatte,
iſt durch Großfeuer zerſtört worden. Nur mit Mühe konnte die Feuerwehr des Brandes Herr werden.
Eröffnung der Deutſchen Kunſtausfkellung in Rom.

Das italieniſche Königspaar vor der Deutſchen Akademie in Rom nach Eröffnung der Ausſtellung
im Geſpräch mit dem Direktor. Im Hintergrund links: Botſchafter von Schubert.
In der Villa Maſſimo in Rom, dem Sitz der Deutſchen Akademie, wurde in Anweſenheit des
italieniſchen Königspaares eine Ausſtellung deutſcher Kunſtwerke eröffnet.

Nachforſchungen nach dem flüchtigen
Fabrikanten Jonas.

Reich und Ausland.
Die Aufklärung des Mordes an dem Berliner
Geldbriefträger.
Berlin. Die Berliner Kriminalpolizei hat
die Nachforſchungen nach dem Maurer E. Rheins,
der des Mordes an dem Geldbriefträger Schwan
verdächtig iſt, mit allem Nachdruck aufgenommen
und wird auch einen Steckbrief erlaſſen. Auf
Rheins als Täter weiſt nicht nur der Umſtand
hin, daß der am Tatort gefundene blutige Kra=
gen
ihm gehört. Auch eine zweite Spur, die ganz
unabhängig von dieſer verfolgt wurde, führte zu
dem gleichen Ziel. Am Abend der Tat hat die
frühere Braut des Rheins ihn an einer Halte=
ſtelle
in Charlottenburg getroffen und Blut=
ſpuren
an der rechten Schläfe und der rechten
Backe bei ihm wahrgenommen. Hinzu kommt
weiter, daß der Täter bekanntlich eine Viſiten=
karte
mit dem Namen des Eintänzers Erich
Wiechl aus Wien am Tatort zurückgelaſſen hat.
Bei der Durchſuchung der Wohnung des Rheins
fand man zahlreiche Briefe des Wiechl an die
jüngere Schweſter des Rheins, Inge Rheins.
Rheins ſelber war ſeit vorigem Jahre arbeits=
los
. Er hat am 2. Mai, alſo am Tage nach dem
Morde, anſcheinend Berlin verlaſſen, um, wie
er ſagte, ſich Arbeit zu ſuchen. Rheins wohnte
mit ſeiner Mutter und zwei Schweſtern im Hauſe
Mommſenſtraße 33. Der Vater befindet ſich
ſeit längerer Zeit, in einer Nervenheilanſtalt.
Die beiden Schweſtern, die in der Berliner Lebe=
welt
ſehr bekannt ſind, Jenny und Inge ( Jo=
hanna
) Rheins, ſind auffallenderweiſe ſeit Sams=
tag
, den 2. Mai, ebenfalls aus Berlin mit un=
bekanntem
Ziel abgereiſt.
Zum Mord in Düſſeldorf.
Eſſen. Wie zu dem Leichenfund in Düſſel=
dorf
=Rath ergänzend gemeldet wird, handelt es
ſich bei der Toten um ein 21jähriges ſtellungs=
loſes
Mädchen namens Pickelmann, das ſeit
Montag 21 Uhr vermißt wurde. Die Ermitt=
lungen
der Kriminalpolizei, die noch im Gange
ſind, ſollen bereits zu einer Verhaftung geführt
haben.
Zwei Großfeuer in Oberſchleſien.
Groß=Strelitz. Am Montag mittag ent=
ſtand
in einem Wohnhaus in der Ortſchaft Kad=
lub
ein Brand. Der ſtarke Wind trieb die Fun=
ken
auf die benachbarten Gebäude, ſo daß bald
darauf eine ganze Häuſerreihe lichterloh brannte.
Da der größte Teil der Gebäude mit Stroh be=
deckt
war, blieben alle Löſchverſuche erfolglos.
Insgeſamt ſind acht kleine Beſitzungen von dem
Brand betroffen worden. Sieben Wohnhäuſer
ſind vollkommen eingeäſchert. Ferner iſt eine
ganze Reihe von Wirtſchaftsgebäuden niederge=
brannt
. Von dem Inventar und dem Hausrat
konnte ſo gut wie nichts gerettet werden. Auch
viel Vieh iſt in den Flammen umgekommen.
Erſt in den Abendſtunden war das Feuer gelöſcht.
Leobſchütz. Auf noch ungeklärte Weiſe
brach am Montag in den Prälat Nathanſchen,
Krankenanſtalten in Branitz ein Großfeuer aus.
Der Dachſtuhl des Haupt= und Nordflügels des
im Jahre 1904 errichteten Krankenhauſes iſt in
einer Länge von 50 Metern dem Feuer zum
Opfer gefallen. Während der Dachſtuhl in Flam=
men
ſtand, konnte man aus den darunter lie=
genden
Stockwerken die Kranken in Sicherheit
bringen. Der Sachſchaden dürfte 100 000 RM.
betragen. Zahlreiche Feuerwehren erſchienen an
der Brandſtelle. Es gelang ihren vereinten Be=
mühungen
, am frühen Nachmittag jede weitere
Gefahr zu beſeitigen.
Feſtnahme wegen Landesverrats.
Schneidemühl. Der ſtaatliche Polizei=
direktor
teilt mit: Ein im Kreiſe Flatow tätiger
polniſcher Geiſtlicher, der Vorſtandsmitglied des
Landesverbandes des Polenbundes iſt, erhielt
kürzlich von einem Unbekannten aus Neu= Stet=
tin
einen Brief, worin ihm landesverräteriſches
Material zur Verwendung angeboten wurde. Der
betreffende Geiſtliche übergab dieſes Schreiben
der zuſtändigen Polizeibehörde. Die von hier
aus ſofort eingeleiteten Ermittlungen führten
zu dem Ergebnis, daß das Schreiben von dem
Führer der Sturmabteilung der Neu=Stettiner
Ortsgruppe der Nationalſozialiſtiſchen Deutſchen
Arbeiterpartei Otto Braatz ſtammte. Bei der
Nachfrage nach den für ihn eingegangenen Poſt=
ſendungen
wurde Braatz in Neu=Stettin von
einem Beamten der Geſchäftsſtelle TA der hie=
ſigen
Polizeidirektion feſtgenommen. Braatz gab
zu, den fraglichen Brief an den Geiſtlichen ge=
ſchrleben
zu haben. Demnach dürfte ſich Braatz
des Landesverrats ſchuldig gemacht haben.
Ein Deutſcher wird Bikkard=Welkmeiſter

Poensgen=Deutſchland (rechts)
gewann bei dem Billard= Weltmeiſterſchafts=
turnier
in Genf mit 76 Punkten Vorſprung vor
ſeinem ſchärfſten Rivalen Moons (links) die
Weltmeiſterſchaft.

Hamburg. Die im Zuſammenhang mit der
Ermordung des Juſtizoberwachtmeiſters Gläſel /
von der hamburgiſchen Kriminalpolizei ange= beinahe ſprichwörtliches Glück von ſich reden ge=
ſtellten
Ermittlungen ergaben, daß Jonas, der
von zwei Männern mit einem in Hamburg ge=
mieteten
Kraftwagen abgeholt wurde. Von Mal=
chow
aus fuhren die Flüchtigen nach Bergedorf
zurück, wo der Kraftwagenführer entlohnt und
ein anderes Auto gemietet wurde, in welchem ſie
ſofort die Fahrt in Richtung Hamburg fortſetzten.
In Schulau wurde der zweite Kraftwagenführer
entlohnt. Die Männer gingen darauf dem Waſ= Rekordflug London-Kapſtadt in 6½ Tagen aus=
ſer
zu und ſollen eine dort liegende Motorjacht
mit Namen Bubi beſtiegen haben. Weitere
diesbezügliche Nachforſchungen ſind im Gange.
Man vermutet, daß es ſich bei den Helfern des
Fabrikanten um deſſen Schwager, einen ge=
wiſſen
Kaſelitz, und ſeinen Stiefſohn Joerß aus
Itzehoe handelt.
Ein Todesopfer des Itzehoer Reichswehrunfalls.
von der Itzehoer Kavallerie=Abteilung, der kürz=
lich
bei einer Felddienſtübung von einem um=
ſtürzenden
Geſchütz ſchwer verletzt worden war,
iſt jetzt im Krankenhaus geſtorben.
Fahrt des Graf Zeppelin nach der Schweiz
und Tirol.
rung von Kapitän Lehmann zu einer Charter=
fahrt
über die Schweiz und Tirol aufgeſtiegen.
An Bord befinden ſich 36 Paſſagiere. Die Fahrt
wird über die Schweiz nach Tirol bis Salzburg
und von dort über die bayeriſchen Alpen an der
Zugſpitze vorbeiführen. Das Luftſchiff wird zwi= Flugzeug wurde vollſtändig zertrümmert.
ſchen 17 und 18 Uhr in Friedrichshafen zurück=
erwartet
.
Ein weiteres Opfer des Bodenſeeunglücks
geborgen.
Friedrichshafen. Trotz eifrigen Ab=
ſuchens
des Bodenſees durch Zoll= und Polizei=
boote
konnte geſtern nur eine weitere Leiche von
den am Sonntag ſo tragiſch ums Leben gekom=
menen
Menſchen geborgen werden.

Glen Kidſtones Fliegerlos.
EP. Kapſtadt. Der bekannte engliſche Flie=
ger
und Millionär Glen Kidſtone, der durch ſein
macht hatte und den man geradezu für gefeit
flüchtige Unterſuchungsgefangene, in Malchow gegen den Tod hielt, iſt in Natal in der Nähe
des Ortes Van Reenen während eines Sturmes
mit ſeinem Flugzeug abgeſtürzt und getötet wor=
den
. Sein Begleiter fand bei dem Abſturz gleich=
falls
den Tod. Die Leiche Kidſtones konnte nur
dadurch identifiziert werden, daß man eine
Viſitenkarte mit ſeinem Namen bei ihm fand.
Kidſtone hatte erſt vor wenigen Wochen einen
geführt. Bei mehr als einem Dutzend Ge=
legenheiten
hat er ſich in ſeinem Leben in direk=
ter
Lebensgefahr befunden. Als junger Marine=
kadett
befand er ſich während des Krieges an
einem Tag hintereinander auf zwei engliſchen
Kriegsſchiffen, die beide torpediert wurden. Kid=
ſtone
wurde beide Male gerettet. Bei dem Ab=
ſturz
eines Junkers=Flugzeuges in Meopham in
Itzehoe. Der 19jährige Kanonier Groth der Grafſchaft Kent im vergangenen Jahr, wobei
7 Perſonen, meiſt Mitglieder der engliſchen
Ariſtokratie, den Tod fanden, war Kidſtone der
einzige Ueberlebende.
EP. London. Der Sieger im vorjährigen
Wettbewerb um die Schneider=Trophäe, Flieger=
leunant
Waghorn, iſt geſtern in der Nähe
Friedrichshafen. Das Luftſchiff Graf von Farnborough mit ſeinem Flugzeug abge=
Zeppelin iſt geſtern früh 7,55 Uhr unter Füh= ſtürzt. Waghorn und ſein Begleiter ſuchten
ſich bei dem Abſturz mit ihren Fallſchirmen zu
retten, doch öffneten ſich die Fallſchirme nicht
rechtzeitig, und die Piloten wurden beim Auf=
prall
auf den Erdboden ſchwer verletzt. Das

Gerichtliche Sühne für die Tötung des Barons
v. Maltzahn.
Güſtrow. Das Schwurgericht in Güſtrow
verurteilte vorgeſtern den 24jährigen Schäfer
Albert Jakobi wegen Totſchlags zu 15 Jahren
und zwei Wochen=Zuchthaus. Der Verurteilte
hatte, wie ſeinerzeit berichtet, am Neujahrs=
morgen
1931 ſeinen Herrn, den Baron von
Maltzahn, im Verlaufe eines Streites erſtochen.

Mordtak eines Erfinder=
Hochſkaplers.
Der Täker und ſeine Komplizen
auf der Flucht verhaftel.
Malchow, 5. Mai.
Im Malchower Amaturenwerk wurde am
Montag ein Schutzpolizeioberwachtmeiſter, der
mit der Bewachung des Erfinder=Hochſtaplers
Friedrich Jonas beauftragt war, von dieſem er=
mordet
.
Jonas war im Oktober 1930 in Unter=
ſuchungshaft
genommen worden. Da man ihm
zunächſt nicht beweiſen konnte, daß es ſich bei
ſeiner Erfindung um Schwindel handelte er
wollte ohne beſonderen Energieaufwand aus
Waſſer Waſſerſtoffgas herſtellen geſtattete die
Staatsanwaltſchaft, daß Jonas ſeine Verſuche
unter Aufſicht eines Juſtizbeamten fortſetzte.
Wie feſtgeſtellt wurde, iſt am Montag nach=
mittag
gegen 2 Uhr ein Hamburger Auto vor
dem Amaturenwerk vorgefahren, das Jonas mit
zwei Begleitern aufnahm und in unbekannter
Richtung davonfuhr. Man nahm an, es handele
ſich um eine ſogenannte Dienſtreiſe im Intereſſe
des Erfinders, des in Haft befindlichen Jonas.
So kam es, daß die Leiche des Ermordeten erſt
am Abend aufgefunden wurde.
Die von der hamburgiſchen Kriminalpolizei
angeſtellten Ermittlungen hatten folgendes Er=
gebnis
: Jonas iſt in Malchow von zwei Män=
nern
mit einem Hamburger Kraftwagen abge=
holt
worden. Der Wagen war von einem an=
geblichen
Schiffer in Hamburg gemietet worden.
Die drei Männer fuhren von Malchow aus nach
Bergedorf zurück. Hier wurde der Kraftwagen=
führer
entlohnt. Es iſt feſtgeſtellt, daß die drei
Leute in Bergendorf einen anderen Kraftwagen
mieteten und ſofort die Fahrt in Richtung Ham=
burg
antraten. Montag abend gegen 19.30 Uhr
wurde der zweite Kraftwagenführer in Schulau
entlohnt. Die drei Männer ſollen dann eine
Motorjacht beſtiegen haben.
Die Motorjacht, mit der der Malchower Mör=
der
Jonas mit ſeinen beiden inzwiſchen bereits
verhafteten Spießgeſellen Kaſelitz und Jörß ins
Ausland zu entkommen verſuchte, mußte am
Dienstag mittag bei Abbenfleth in der Nähe von
Stade wegen Benzinmangels landen. Hiervon
hatte die Stader Polizei Kenntnis erhalten, die
ſofort alle benachbarten Polizeiſtationen alar=
mierte
. Von allen Seiten wurde an den Elbe=
ſtrand
vorgerückt und ſchließlich die Jacht in dem
dichten Waldplantagen vor Abenfleth entdeckt.
Kaſelitz und Jörß hatten ſich an Land begeben,
um Benzin einzunehmen. Nach einer regelrechten
Treibjagd durch die Landjägerei wurden ſie feſt=
genommen
. Bald darauf gelang auch die Ver=
haftung
des Jonas ſowie ſeiner Frau. Das Boot
enthielt reichen Vorrat an Brot und Konſerven.
Die Verhafteten wurden in das Stader Polizei=
präſidium
überführt.
Bei der Vernehmung erklärte ſich der Schwa=
ger
des Jonas, der ſchon bejahrte Kaſelitz, be=
reit
, ein volles Geſtändnis abzulegen. Aus ſeinen
bisherigen Ausſagen ergibt ſich, daß der Mord
an dem Juſtizoberwachtmeiſter Gläſel nicht beab=
ſichtigt
war. Da er jedoch erheblichen Widerſtand
leiſtete und auch drohte, durch Hilferufe die
Flucht zu gefährden, verſetzte einer der drei
wer, konnte bisher noch nicht feſtgeſtellt werden
mit einer Eiſenſtange Gläſel den tödlichen
Hieb. Nach der Tat ergriffen die drei Spieß=
geſellen
die Flucht in der Abſicht, Deutſchland
möglichſt ſchnell zu verlaſſen.

900 Todesopfer des Erdbebens in Armenien.
Moskau (über Kowno). Nach den bisheri=
gen
Mitteilungen iſt die Zahl der feſtgeſtellten
Todesopfer in Armenien auf 900 geſtiegen. Bei
der Ausgrabung der verſchütteten Dörfer wer=
den
täglich neue Opfer gefunden. Die Regie=
rungskommiſſion
hat den Schaden, der durch das
Erdbeben verurſacht wurde, auf 12 bis 12 Mil=
lionen
Rubel feſtgeſtellt. In der Nacht zum
30. April wurden neue Erdſtöße verſpürt, die
jedoch keinen Schaden anrichteten.
Die älteſte Aerztin der Welt geſtorben.
London. Die älteſte Aerztin der Welt,
Dr. Harriet Clisby, iſt am Montag im Alter
von über 100 Jahren in London geſtorben. Sie
hatte ihr mediziniſches Examen im Jahre 1865
an der Univerſität von New York beſtanden.
Einer der reichſten Männer der Welt
geſtorben.

Der amerikaniſche Bankfürſt George Fiſher Baker,
einer der reichſten Männer der Welt, der über
ein Vermögen von über 1 Milliarde Mark ver=
fügte
, iſt im Alter von 91 Jahren in New York
geſtorben. Baker war der Sohn eines Schuh=
warenhändlers
, trat mit 16 Jahren als Lehrling
in die Finanzabteilung der New Yorker Staats=
verwaltung
ein und gehörte bald zu den füh=
renden
Köpfen der Firſt National Bank. Viele
Millionen ſtiftete Baker für wohltätige Zwecke.

[ ][  ][ ]

Nummer 125

Mittwoch, den 6. Maj 1931

Seite 11.

Zer engtiſche snveut und ber komiineniate Jonttag.

Von George Popoff.

London, Ende April.
Niemand darf am heiligen Sabbat reiſen oder eine Laſt
tragen, bei einer Strafe von 10 Schilling für je Laſt; Eltern, deren
Kinder am Sabbat im Hauſe ſpielen, müſſen 12 Pence Strafe
zahlen oder im Unvermögensfalle in den Stock geſperrt werden;
niemand darf am Sabbat irgendeinen Handel treiben, in einem
ſchmucken Gewande einhergehen, einen geſteiften Spitzenkragen
tragen oder ſich die Haare locken laſſen; vor allem aber darf
niemand am heiligen Sabbat Theater ſpielen, ſingen, muſizieren
oder derartige Vorſtellungen beſuchen; wer es dennoch tut, begeht
eine Sünde und hat dafür bis zu 200 Pfund Strafe zu zahlen
oder im Unvermögensfalle in den Kerker geworfen zu werden."
So oder ähnlich lauten die verſchiedenen Geſetze, die die Puri=
taner
in ihrer Ueberverehrung des Alten Teſtaments Mitte des
17. Jahrhunderts zur Heiligung des bibliſchen Sabbats ( wohl=
gemerkt
nicht des Sonntags) erlaſſen hatten, die auch von ſpä=
teren
engliſchen Regierungen, anno 1677 und 1781, wiederholt
wurden, von denen manche noch bis auf den heutigen Tag nicht
offiziell aufgehoben ſind und die in ihrer Geſamtheit als der Ur=
ſprung
des weltberüchtigten engliſchen Sonntags, mit ſeiner äußer=
lichen
Kirchlichkeit und ſeiner grenzenloſen Langeweile, betrach=
tet
werden können.
Das Merkwürdige iſt nun, daß dieſe Frage, die Heiligung
des Sabbats gerade zur Zeit wieder die geſamte öffentliche Mei=
nung
Englands aufs heftigſte beſchäftigt. Anlaß hierzu gab die
vorige Woche ſtattgehabte Parlamentsdebatte über die Bill, welche
die Kinovorſtellungen am Sonntag offiziell legaliſieren ſoll. Nicht,
daß die Kinos bisher am Sonntag geſchloſſen geweſen wären. Im
Gegenteil, ſeit über 30 Jahren, ſeit der Erfindung des Kinemato=
graphen
haben auch in England die Kinos, von niemandem behin=
dert
, am Sonntag ruhig und friedlich ihre Filme gezeigt. Bis
jedoch vor etwa Jahresfriſt irgendein Jemand plötzlich entdeckt
hat, daß laut den Geſetzen aus den Jahren 1645, 1677 und 1781!
das Veranſtalten von irgendwelchen Vorſtellungen am heiligen
Sabbat eigentlich verboten ſei, und darüber nun ein entſetz=
liches
Zeter und Mordio, eine Reihe von Gerichtsverhandlungen,
das Einbringen neuer Geſetzesvorlagen, endloſe Parlamentsdebat=
ten
und was nicht noch alles anhub, ganz als ob die Leute zur
Zeit keine anderen und keine ernſteren Sorgen hätten.
Aber das iſt eben England! Und wie tief der alte Geiſt
des Puritanismus immer noch im Britentum ſitzt, bewies die
Tatſache, daß bei der kürzlichen Abſtimmung im Parlament über
dieſe ſo zeitgemäße und hochnotpeinliche Angelegenheit von etwa
500 anweſenden Abgeordneten immerhin mehr als 200 Mann ſich
entſchieden gegen Kinovorſtellungen am Sonntag ausſprachen und
hiermit nur deshalb nicht durchdrangen, weil ſie zufällig von
einer kleinen Mehrheit niedergeſtimmt wurden.
*
Selbſt der friedliche und harmloſe Typical Victorian Sunday
(der in England immer noch vorherrſcht) iſt nämlich manchen
Briten noch immer viel zu lärmend, viel zu weltlich und
ſchlimmſtes Wort von allen viel zu kontinental! Jedenfalls
iſt Mr. H. H. Martin, Vorſitzender der Geſellſchaft für Heilig=
haltung
des britiſchen Sabbats dieſer Anſicht. Mr. Martin hat
in den letzten Wochen eine Reihe von Londoner Vororten be=
ſucht
, um feſtzuſtellen, welche den Sabbat brav befolgen und welche
dieſes nicht tun. Und das Ergebnis ſeiner inquiſitoriſchen Nach=
forſchungen
war folgendes:
Die den Sabbat am bravſten achtende Gemeinde Londons,
berichtet Mr. Martin mit feierlicher Wichtigkeit, iſt ohne Zwei=
fel
diejenige von Ealing. Oh, liebes, braves Ealing! Da frönt
niemand Sonntags in den Parks weltlichen Spielen. Da ſind
Sonntags keine Kinos offen. Da werden die Gebote des Herrn
nicht in Tanzdielen ſchnöde mißachtet. Da ſind die Kirchen des
Sonntags zum Berſten voll. Da iſt noch die gute, alte britiſche
Frömmigkeit lebendig. Und der Himmel wird es ſegnen, das ehr=
ſame
Ealing, die tugendhafteſte aller Londoner Gemeinden . . ."
Richmond dagegen, kommt es dann wie donnerndes Grollen
aus Mr. Martins ſtrengem Puritanermunde, Richmond dagegen
iſt der ſchlimmſte Ausſatz auf Londons beklagenswertem Körper.
Welch garſtiger, geradezu heidniſcher Ort! Jeden Sonntag kann
man dort auf den Straßen Hunderte von Händlern und Krämern
aller Art ſehen, die Kinos ſind ſämtlich ſperrangelweit offen,
überall wird Fußball und Cricket geſpielt, Boxkämpfe finden ſtatt,
ein Singen und Gröhlen an allen Ecken, ein Babel, ein Pande=
monium
ohnegleichen! Es iſt eine wahre Schmach und nur ein
Wort, nur ein einziges iſt für Richmond am Platze: dort blüht
das Herz zieht ſich mir im Leibe zuſammen, doch ich muß es
ausſprechen dort blüht der gemeinſte, notoriſchſte, kontinen=
tale
Sonntag!!"
*
Zur Freude von Mr. Martin und ſeiner Geſinnungsgenoſſen
gibt es jedoch in England einen Ort, der noch ganz im Geiſte Oliver
Cromwells lebt und daher von ſämtlichen Neopuritanern Eng=
lands
als ein irdiſches Paradies geprieſen wird. Dieſer Ort iſt
das hart am Meeresufer gelegene Dorf Thorpeneß in Suffolk. Das
ganze Dorf gehört einem reichen Landedelmann, Mr. Stuart
Ogilvie. Dieſer iſt ein gar geſinnungsſtrenger, frommer Herr
und hat das ganze Dorf, von oben bis unten, auf ſeine eigene
Art altmodiſch hergerichtet und hierdurch eine der merkwürdigſten
Sehenswürdigkeiten Englands geſchaffen.
Mr. Ogilvie haßt nämlich nicht nur den kontinentalen
Sonntag. Er haßt die neue, moderne Zeit überhaupt, in Bauſch
und Bogen. Er haßt Kinos, Automobile, Radioapparate, Waren=

häuſer, moderne Architektur, amerikaniſche Touriſten und über=
haupt
alles, was dieſe ekelhafte neue Zeit hervorgebracht hat
und was es im guten, alten Tudor=England nie und nimmer
gegeben hat.
Infolgedeſſen ſind in Thorpeneß alle Häuſer, ohne Ausnahme,
im Tudor=Stile gebaut; im ganzen Ort gibt es weder ein Thea=
ter
, noch ein Kino; keine Straßengaukler ſind geſtattet; kein Auto
darf durch die Dorfſtraßen fahren; kein Benzintank iſt weit und
breit zu ſehen; außer dem einen Dorfladen für alles, Ye Olde
Shoppe, gibt es in ganz Thorpeneß überhaupt kein anderes Ge=
ſchäft
; und vollends am Sonntag iſt hier alles ſo ſtill und leer, daß
man ſich förmlich in eine verwunſchene Märchenwelt verſetzt zu
ſein glaubt.
Mr. Ogilvie iſt ein alter 4 la Walter Scott gekleideter, fei=
ner
Herr. Seine Hausbedienten gehen ſämtlich in der maleriſchen
Tracht der Tudor=Epoche einher. Seine übrigen Angeſtellten und
Landarbeiter, etwa 300 an der Zahl, lädt er, nach alter britiſcher
Sitte, einmal im Jahr zu einem opulenten Feſteſſen ein. Und
jedesmal, wenn er ihnen von ſeiner Lebensweisheit und von der
Verderbnis der törichten, neuen Zeit predigt, hängen ſie voll gläu=
biger
Verehrung und Bewunderung an den Lippen ihres Herrn
und Meiſters.
Dieſes ganz im Alten ſteckende Tudor=Dorf, ſagte der Philo=
ſoph
von Thorpeneß während des letztjährigen Gemeindefeſtes
zu ſeinen treuen Dörflern, iſt meine Antwort auf die gräßliche
Induſtrialiſierung, die man jetzt überall beobachten kann. Es
gibt jedoch, gottlob, in England noch genügend Leute, die, gleich

Poſen, im Mai 1931.
In der ehemaligen Bergſtraße in Poſen, die im Jahre 1914
in Hindenburgſtraße umgetauft wurde und heute Podgorna
heißt, ſteht ein kleines Haus, eingeengt zwiſchen größeren Ge=
bäuden
. Aus einer polniſchen Buchhandlung, die ſich jetzt unten
in dem Hauſe befindet, blickt in vielfacher Auflage, auf Schil=
dern
, Fähnchen und Glasmalereien, der polniſche Adler, weiß
auf rotem Grund, heraus; die ſchmalen Steinſtufen ſind glatt
und ausgetreten, die Tür knarrt, und im Hausflur riecht es
nach ungelüfteten Zimmern, Kinderwindeln und Brühwurſt.
Unten der Laden, oben die Wohnung, die mit vier Fenſtern zur
Straße blickt, aber höher gehts nimmer, denn über dem erſten
und einzigen Stockwerk iſt nur noch der Boden.
Das iſt das Geburtshaus des Reichspräſidenten Paul von
Beneckendorff und Hindenburg. Nichts an dieſem alten Haus
erinnert daran, daß vor nun bald 17 Jahren dankbare Hände
Blumengirlanden um die alte Haustür wanden, und daß die
Vorübergehenden ſtehen blieben, zu den Fenſtern emporſchauten
und ſagten: Hier iſt er geboren. Alt und grau ſteht jetzt das
arme Haus da, verfallen und abgewohnt, aber es ſteht nicht
mehr lange, denn nun wird es abgeriſſen werden. Der jetzige
polniſche Beſitzer hat es ſatt, die Reparaturen für das alte Haus
zu bezahlen. Was ſoll er damit? Und ihm iſt ja auch ſchließ=
lich
das Haus nichts weiter als ein wertloſes verfallenes Ge=
bäude
, das ſich nicht mehr rentiert.
1847 bis 1849.
Schräg gegenüber von dieſem Hauſe, in dem Eckhaus an der
Wilhelmſtraße, die heute Aleja Marceinkowſkiego heißt, hatte Hin=
denburgs
Vater, als er 1832 als ſechszehnjähriger Leutnant
nach Poſen kam, ſeine ſpätere Frau, ſie war 1832 ſieben
Jahre und ſchaute ehrfurchtsvoll zu dem ſchmucken Offizier
auf kennen gelernt. 1845 heiratete er die kleine Louiſe
Schwickart, zog mit ihr erſt in den Weſten der Stadt und ſpä=
ter
in das kleine Haus Bergſtraße 7. Hier wurde er geboren:
Am Samstag, den 2. Oktober 1847, nachmittags 3 Uhr. Das alte
Haus konnte damals noch nicht ahnen, mit wieviel Ehrfurcht die
tiefdankbare oſtmärkiſche Bevölkerung einmal zu den Fenſtern
hinaufblicken würde!
So kam ein altes Haus in hohe Ehren, weil es Hindenburgs
Geburtshaus war. Schon im Juni 1849 zogen die Eltern mit
dem kleinen Knäblein wieder aus, und zwar wohnten ſie von
jetzt ab in dem Eckhaus an der Wilhelmſtraße, in dem ſie ſich
kennen gelernt hatten. Gerade ein und ein dreiviertel Jahr
hat der kleine Paul von Hindenburg in ſeinem Geburtshauſe
gewohnt, aber ſo kurz auch dieſe Zeit war, ſo birgt ſie doch eine
der originellſten Erinnerungen aus Hindenburgs früheſter Kind=
heit
. Denn in dieſem alten Hauſe ſchon genoß der kleine Paul
ſeine erſte militäriſche Erziehung.
Die alte Kinderfrau.
Bald nämlich wehte für kurze Zeit in dieſem Hauſe, in der
Wohnung des Leutnants Beneckendorf von Hindenburg, die
rauhe, aber kräftige Luft, die bei den alten Manövern zu herr=
ſchen
pflegte. Die junge Mutter hatte eine Kinderfrau für den
kleinen Paul gemietet, die, als ſie ſich an einem dämmerigen
Winternachmittag vorſtellte, einen zwar recht reſoluten, aber um=

mir, all dieſer ſogenannten Errungenſchaften der Neuzeit herzlich
überdrüſſig ſind. Sie wollen, wenigſtens am ſtillen Sonntag,
irgendwohin flüchten vor all dieſem modernen Straßenlärm, vor
dieſen ratternden Autobuſſen, dieſen brüllenden Zeitungsver=
käufern
, dieſen blendenden Lichtreklamen, kurz vor all dem ent=
ſetzlichen
Tohuwabohu dieſes ſtändig irgendwohin haſtenden, ner=
vöſen
, irrſinnigen Zeitalters. Und für dieſe Leute, für dieſe
meine Geſinnungsgenoſſen, habe ich Thorpeneß ſo geſchaffen, wie
ihr es jetzt vor euch ſeht. Es iſt die Verwirklichung eines Traumes.
Thorpeneß wird ewig ein Dorf des 16. Jahrhunderts bleiben, ein
winziges Stück Land inmitten dieſes gräßlichen Jahrhunderts der
Induſtrialiſierung und der Häßlichkeit, ein Stück vom alten, frohen
Tudor=England, da das Leben beſtimmt viel ſchöner, reizvoller und
glücklicher war, als heutzutage .
Mr. Ogilvie ſprach mit der hinreißenden Begeiſterung eines
Gläubigen, eines Predigers. Und in der Tat: wer von uns würde
nicht, gleich dem Philoſophen von Thorpeneß, gerne mal von Zeit
zu Zeit vor dem Lärm und dem Trubel unſeres überlauten und
übergeſchäftigen Alltags in den Frieden und in die Lieblichkeit
eines verſchlafenen Tudor=Dorfes fliehen! Selbſt auf die Gefahr
hin, daß es dort keinen kontinentalen Sonntag mit Kinovor=
ſtellungen
, Tanzdielen und Cocktail=Bars geben ſollte?
Nur muß Mr. Ogilvie und Englands Neopuritanern in einem
widerſprochen werden, nämlich was ihre Auffaſſung vom dama=
ligen
England anbelangt: das England des 16. Jahrhunderts war
garnicht ſo ſcheinheilig und zimperlich, wie ſie es ſich heut alle
vorſtellen; das Tudor=England, das vor den Puritanern kam,
war ausgelaſſen und lebensluſtig über alle Maßen; dieſes Eng=
land
war das echte fröhliche, alte England! Und hätte Mr.
William Shakeſpeare, ſtatt ſeine 36 Dramen und Komödien zu
ſchreiben, den Kinematographen erfunden, ſo würde die jung=
fräuliche
Herrſcherin von Old merry England ihm ſchwerlich
das Vorführen ſeiner Filme, am Sonntag verboten und dem
ſittenſtrengen Ealing ſicher das ſittenloſe Richmond vorge=
zogen
haben".

ſichtigen und erfahrenen Eindruck machte. Bald aber ſtellte ſich
heraus, daß ſie doch nicht ganz geeignet war, denn ſie hatte eine
etwas merkwürdige Art, mit dem Kinde umzugehen. Wenn der
kleine Paul wie es ja das unbeſtrittene Recht kleiner Kinder
iſt brüllte und ſchrie, dann ertönte alsbald das tiefe und volle
Organ der Kinderfrau: Ruhe in der Kompagnie! Das wäre
weiter nicht ſchlimm geweſen, aber andere militäriſche Kraft=
ausdrücke
zeigten ſich an der Tagesordnung, und zwar waren
es nicht nur die geläufigſten Kaſernenhofworte. Man forſchte,
wes Geiſtes Kind die Kinderfrau war, und es ſtellte ſich zum
nicht geringen Schrecken der jungen Mutter heraus, daß ſie
früher Marketenderin war und aus dieſer Zeit auch ihre große
Vorliebe für ſtark alkoholiſche Getränke ſtammte; und die Frau
herum war imer eine Wolke von alkoholiſchen Düften.
Der rauh=militäriſche Ton der erſten Kinderfrau war die
erſte Bekanntſchaft des kleinen Paul mit den Eigenheiten ſeines
ſpäteren Berufs. Schon an der Wiege hat ihm die alte Frau
oft geſagt, daß Gehorſam die erſte Tugend des Soldaten ſei.
Hindenburg=Muſeum.
Zu der Zeit, als ſich täglich begeiſterte Menſchenmaſſen vor
dem Poſener Schloß ſtauten, um dem Führer von Tannenberg
zuzujubeln, wenn er von einem Balkon des Schloſſes aus
kurze, ſchlichte Worte ſagte, entſtand der Plan, das Geburtshaus
Hindenburgs zu erwerben und in ihm ein Hindenburg=
Muſeum einzurichten.
Aber Hindenburg ſelbſt hatte damals Wichtigeres zu tun,
und die Stadtverwaltung hatte auch mehr im Kopf; ſo hat ſich
damals niemand recht um dieſen Plan kümmern können. Der
damalige Beſitzer wollte auch nicht verkaufen, ſondern das höchſte
Gebot auf das plötzlich wertvoll gewordene Haus abwarten
es intereſſierten ſich auch Privatleute dafür und als man
dann Zeit hatte, ſich um das Hindenburgmuſeum zu kümmern,
da war es zu ſpät. Auf die Revolution folgte der polniſche
Umſturz, Poſen wurde polniſch, das alte Haus ſank wieder im
Werte . ..
Ein altes Haus. Keine Tafel, kein Schild deutet darauf
hin, daß in ihm Hindenburg geboren wurde. Als dankbare
Oſtmärker voll Ehrfurcht das Haus betrachteten, da wurde aus
dem hohen Offizier, aus dem Sieger und Feldherrn, dem Be=
freier
Oſtpreußens das große, ſchlichte Hindenburg‟: Denn das
iſt die höchſte Ehrung, die ein Volk ſeinen Großen darbringt,
wenn der bloße Name ihm Begriff für Größe wird: Hindenburg.
Ein altes Haus wird abgeriſſen. Bald kommen die Wagen,
die die alten Steine abfahren, die polniſch fluchenden Arbeiter,
die die Wände umlegen. Auf der Straße, die Leute, gehen vor=
bei
und beachten es nicht, was bier geſchieht; wahrſcheinlich
wiſſen ſie gar nicht, daß Hindenburg hier geboren wurde . . .
O. S. Frank.

Welterbericht.
Ausſichten für Mittwoch, den 6. Mai: Zunächſt vielfach aufheiternd und
trocken, wärmer, ſpäter wieder aufkommende Bewölkung.
Ausſichten für Donnerstag, den 7. Mai: Neigung zu Gewitterſtörungen
mit einzelnen Niederſchlägen.

*Hindenburgs Geburtshaus wird abgeriſſen.
Erinnerungen aus einem alten kleinen Haus in Poſen.

Vergilbte

auch zum Wäscheklarspülen
wird Sil mit allerbestem Er-
ſolg
gebraucht! Man gibt
dem ersten heißen Spül-
wasser
einige Handvoll Sil
kalt verrührt bei.

Wäsche,

und Meicht

Dadurch werden der .

Um vergilbter und verfleck-
ter
Wäsche wieder ihr ur-
sprüngliches
tadelloses Aus-
sehen
zu geben, emphehlt
sich ein- oder mehrmaliges
Kochen in kalt bereiteter
Sillösung

sche alle Rückstände der

Waschlauge vielsorgfältiger

cntzogen,

[ ][  ][ ]

Seite 12

Mittwoch, den 6. Mai 1931

Nummer 125

Oassisten ans allen Mait.
Die gusgleichende Gerechtigkeil.
Paris. Die Baronin B. gab einen Maskenball. Adel und
Hochfinanz, Militär und Beamtentum waren vertreten und amüſierten
ſich zur ſichtlichen Zufriedenheit der Hausfrau glänzend. Nicht zuletzt
wurde den kulinariſchen Genüſſen gefrönt. Iſt doch die Küche der Ba=
ronin
B. in ganz Paris bekannt für die vikante Auserleſenheit der
Gerichte. Das kalte Büſett war alſo förmlich umlagert. So konnte es
zunäcſt nicht weiter auffallen, daß eine Maske ſich dem Genuß dieſer
Seite des Vergnügens mit beſonderer Genugtuung hingab. Es war ein
ſchwarzer Pierrot, der ſich an den Kaviar= und Schinkenbrötchen, an dem
kalten Huhn und dem Champagner beſonders gütlich tat. Immer wie=
der
kehrte er zu dem Büfett zurück und pfropfte ſich den Mund mit den
gaſtronomiſchen Koſtbarkeiten voll. Dagegen ſchien er an der Pflege der
Geſelligkeit, ja ſelbſt an dem Tanz nicht ſonderlich intereſſiert zu ſein.
Der Bedienung fiel der Mann, ſchließlich auf, und der Hausmeiſter
wurde verſtändigt. Gerade, als er den Vierrot in näheren Augenſchein
nehmen wollte, verſchwand dieſer aber für eine Zeit, um ſich dann wie=
der
mit einem förmlichen Heißhunger auf die Speiſen zu ſtürzen.
Man beſchloß alſo, die Maske im Auge zu behalten und ſich den Mann
bei der Demaskierung näher anzuſehen. Noch einmal tauchte er plötzlich
ſpurlos in der Geſellſchaft unter, um ſich dann von neuem ſofort an
das Büfett zu begeben und verſchiedene Brötchen und ähnliches Eßbare
verſchwinden zu laſſen. Da ertönte auch ſchon das Kommando zur Demas=
kierung
. Mit offenſichtlicher Eile ſtrebte der Mann dem Ausgang zu.
wurden aber unterwegs von dem Hausmeiſter geſtellt und aufgefordert,
ſeine Maske zu lüften. Es entſtand ein Wortwechſel, man wurde auf=
merkſam
, zumal der Mann auch einiges über den Durſt getrunken zu
haben ſchien. Es gab einen Skandal, die Maske wurde ihm herunter=
geriſſen
und er entpuppte ſich als der Chauffeur eines der Gäſte.
Und nun erzählte er: alle unten wartenden Chauffeure der hier ver=
ſammelten
Gäſte hätten ſich verabredet, uneingeladen an dem Feſt teil=
zunehmen
. Sie hätten ſich ein Pierrot=Koſtüm beſorgt und wären
immer einer nach dem anderen im Saal aufgetaucht, um ſich zu laben.
Unten hätte dann der jeweilig letzte Beſucher ſein Koſtüm wieder dem
Nachfolger ausgehändigt. Nun ſei die Reihe bald herum. Die Gäſte
amüſierten ſich köſtlich über dieſen Einfall, der ſchlauen Chauffeure, um
der Baronin aus der Peinlichkeit herauszuhelfen. Später allerdings
ſoll jeder von ihnen ſeine Abreibung bekommen haben.

Kamele graben ihr Graß.

Paris. Es iſt ſelbſtverſtändlich übertrieben zu ſagen, daß die
Kamele demnächſt ausſterben würden. Aber ſie ſind auf dem beſten
Wege, ſich ſelbſt ihr Grab zu graben. Und zwar auf höchſt merkwürdige
Art und Weiſe. Die Automobile werden nämlich in Afrika und in
Arabien in immer ſtärkerem Maße eingeführt. Die beſte Beſchäftigung
für die Kameltreiber iſt zurzeit ſchon, ſich am Straßenbau zu betei=
ligen
, der natürlich mit allem Eifer betrieben werden muß, da die Autos
beſſere Straßen gebrauchen, als die Kamele ſie benötigten. Hunderte
von Kamelen marſchieren jetzt mit Hölzern und Steinen beladen durch
die Wüſtenregionen. Jeder Meter Straße, der hier gebaut wird, be=
deutet
ein Schritt näher zum Grabe der Kamele, die naturgemäß hier
überflüſſig werden, ſobald die ſchnellfahrenden Automobile evſt einmal
eine gute Straße haben.
Für viele hundert Millionen Mark wurden in den letzten Jahren
Automobile nach Afrika und Arabien eingeführt. Und immer noch
kommen neue. In den nächſten Monaten wird vielleicht eine ſtarke
Nachfrage nach Kamelen einſetzen, da man ſie für den ſchon geſchilderten
Zweck des Straßenbaues benötigt. Und dann wird man keine Verwen=
dung
mehr für ſie haben. Sie bauen ſich eben ſelbſt ihre Todesbahn.
Londons volkskümlichſter Verkeidiger.
(g) London. Rechtsanwalt Jones Percy Foxbury avancierte
von einem unbekannten Anfänger ſozuſagen über Nacht zu einem
der volkstümlichſten Verteidiger der engliſchen Hauptſtadt. Er
verdankt es ſeiner Logik, die beinahe an das Syſtem des von
Conan Doyle geſchaffenen Kriminalpſychologen Sherlock Holmes
erinnert. Ein Tabakhändler wurde ausgeraubt. Man ſtellte drei
junge Leute, die verdächtig waren, den Raub begangen zu haben.
Sie ſtritten ihre Schuld kategoriſch ab. Der Geſchädigte glaubte‟
jedoch, in einem der Leute den Dieb wiederzuerkennen. Dieſer ge=
hörte
zur ſtändigen Kundſchaft und ſoll ſich am Tage des Diebſtahls
ſehr eigenartig benommen haben. Der Richter meinte, der An=
kläger
ſei unbedingt glaubwürdiger als der Angeklagte. Mit die=
ſer
Feſtellung endete die Gerichtsverhandlung am erſten Tage. Am
nächſten Morgen richtete Foxbury an den Kaufmann die Frage,
ob er ein gutes Geſichtsgedächtnis beſäße. Der Mann bejahte,
Foxbury bat ihn, die Anweſenden genau anzuſehen und zu ſagen,
ob einer von ihnen in den letzten vierundzwanzig Stunden bei
ihm gekauft hätte? Der Händler verneinte dies. Sie irren ſich
trumpfte ihn der Verteidiger ab, ich ſelbſt kaufte bei Ihnen kurz
vor Ladenſchluß fünf Zigarren. Trotz der kurzen Zeitſpanne er=
kennen
Sie mich nicht wieder. Wie könnten Sie da einen Men=
ſchen
im Gedächtnis behalten, der vor drei Monaten einmal in
Ihrem Geſchäft war?! Der Angeklagte wurde prompt freige=
ſprochen
. Die Londoner Preſſe rühmt in ellenlangen Artikeln den
Scharfſinn des Verteidigers. Er hat die Unkoſten ſeiner Methode,
die fünf Zigarren nämlich, die er als Nichtraucher nicht verwerten
konnte, längſt tauſendfach eingebracht. . .

Su Td a Sttete

Die Theakerſchlange‟.

(web) Sofia. Der zoologiſche Beſtand eines modernen Theaters
muß, um den verwöhnten Anſprüchen des Publikums gerecht zu werden,
groß ſein, was nicht in Natura an Tieren vorgeführt werden kann,
wird in Pappe dargeſtellt. Dem Sofioter Nationaltheater war es vor=
behalten
, mit einer richtiggehenden Giftſchlange, einer rieſigen Kreuz=
otter
, eine Privatvorführung zu geben. Entdeckt wurde der Schlan=
gen
=Star des bulgariſchen Muſentempels durch einen biederen Feuer=
wehrmann
, der in der Nähe der Künſtlergarderoben ſeinen Poſten hatte
und eines Abends bemerkte, wie ein dunkles Etwas ſich den Korridor
entlang ſchlängelte und in einem Loch in der Wand verſchwand. Der
Feuerwehrmann berichtete ſeine Wahrnehmung dem Theaterſekretariat,
wo man ihm lediglich die Vorſchriften über das Alkoholverbot im Dienſte
ſcharf ins Gedächtnis rief . . . Am nächſten Abend aber bemerkte der
Feuerwächter wiederum die meterlange Schlange, als ſie über den Gang
wechſelte. Nachdem der Wachtmann nicht nur von dem Vorhandenſein
der Schlange feſt überzeugt war, ſondern auch ganz richtig Betrach=
tungen
über die immerhin mögliche Gefährdung ungenügend bekleideter
Darſtellerinnen beim Beſchreiten des zur Szene führenden Ganges an=
ſtellte
, und eingedenk ſeiner im Sekretariat erfahrenen Abweiſung, ent=
ſchloß
er ſich zu der nachhaltigſten und für ihn ungefährlichſten Maß=
nahme
. Er wiegelte den weiblichen Teil des Künſtlerperſonals auf; am
näckſten Abend wurde dem tapferen Mann die Feuerwache durch An=
weſenheit
einiger reizender Schauſpielerinnen verſchönt, die, als die
Theaterſchlange pünrtlich auftrat, mit gellenden Schreckensſchreien die
Flucht ergriffen. Am nächſten Morgen das übliche Bild: Volksſtimmung
vor dem Ausbruch der Revolution, Deputation zur Theaterleitung. Be=
ratungen
, Drohung mit einem Preſſeſkandal (Das Sofioter Theater
ein Schlangenneſt) Streikankündigung. Es mußte etwas ge=
ſchehen
. Schließlich konnte die Sache ja durchſickern und bis die Nach=
richt
in die Zeitungen kommt, hat ſich die Schlange in Hunderte von
Exemplaren vermehrt, die auch den Zuſchauerraum und die Garderoben
bevölkern die Folgen wären unausdenkbar geweſen! (Preſſenotiz: der
Miniſter X. wurde während der Carmen=Vorſtellung, in ſeiner Loge
ſitzend, von einer Giftſchlange gebiſſen .) Was war zu tun? Das Loch
vermauern hm. vielleicht war die Schlange gerade auf einem Raub=
zug
und ſomit außerhalb ihrer Behauſung. Das Theater ausräuchern...
geht nicht aus techniſchen Gründen. Da erinnerte ſich ein Theater=
beamter
eines bulgariſchen Fakirs, eines bulgariſchen Abenteurers und
Weltbummlers, der ſoeben von einer Weltreiſe in ſeiner Vaterſtadt
Ruſtſchuk eingetroffen war und im dortigen Bürgerklub eine Vorſtellung
im Schlangebeſchwören gegeben hatte. Ihn ließ die Theaterleitung
nach Sofia kommen, und unter zahlreicher Aſſiſtenz, worunter ſich auch
der Vorſteher des königlichen Naturalienkabinetts befand, begann der
Fakir ſein Liebeslied an die Schlange zu flöten. Und ſiehe da, bald
züngelte der feine Kopf aus dem Loch in der Wand, der Leib kam nach
und nach etlichem Hokus=Pokus nahm die Schlange auch in dem vorbe=
reiteten
Körbchen Platz und wurde unter dem Triumphgeheul der
Theatergemeinde davongetragen. Und es braucht niemand mehr zu
befürchten, nach dem Theaterbeſuch im Ueberrock eine verirrte Kreuz=
otter
nach Hauſe zu tragen.

Nach der Düſſeldorfer Tennis-Niederlage
Begangene Fehler. Heilſame Lehren.
Wir haben die Düſſeldorfer Davispokal=Begegnung mit Süd=
afrika
glatt mit 5:0 verloren. Viele Leute werden denken und
ſchreiben, daß bei einer derart kataſtrophalen Schlappe überhaupt
kein Kommentar nötig ſei. Eine verfehlte Anſicht, dieſes 5:0 Er=
gebnis
bedarf unbedingt näherer Erläuterungen. Nicht etwa, daß
eine Niederlage vermeidbar geweſen wäre. Keiner von denen,
die die Entwickelung der deutſchen Tennis=Verhältniſſe in den letz=
ten
beiden Jahren mit Aufmerkſamkeit verfolgt haben, teilte den
Optimismus, den die Düſſeldorfer Lokalpreſſe an den Tagen vor
dem Kampf zur Schau trug und der ſogar aus amtlichen Auslaſ=
ſungen
im Davispokalheft von Tennis und Golf zwiſchen den
Zeilen der Vorſchau durchblickte. Ja ſelbſt im Auslande hatte man
unſere Chancen lange nicht ſo ſchlecht beurteilt, wie man ſie im
Grunde eigentlich beurteilen mußte und wie ſie ſich bereits am
Abend des erſten Tages in niederſchmetternder Hoffnungsloſigkeit
dann enthüllten.
Buß war zu defenſiv.
Eine der heftig diskutierten Streitfragen war in Düſſeldorf
die Alternative: Buß oder Deſſart im Einzel. Man hat Buß auf=
geſtellt
, weil man ſich von ſeiner Routine und ſeiner Ruhe mehr
verſprach als von dem etwas ungleichmäßigen Ruſhſviel des kör=
verlich
ſchweren Hamburgers. In dieſer Hinſicht beging man alſo
keinen Fehler. Doch iſt Buß mit ſeinen 37 Jahren eben nicht mehr
fit genug und läßt vor allem den nötigen Angriffsgeiſt vermiſſen.
der für die Bezwingung eines ſo energiſchen und gefährlichen Geg=
ners
wie des jungen Kirby notwendig geweſen wäre. Auch gegen
Raymond, gegen den der Mannheimer am letzten Tage unter Be=
freiung
von dem pſychiſchen Druck des Punktkampfes antrat, war
er nicht mehr aggreſſiv genug. Wo er es einmal wurde, da hatte
er aber auch Erfolg. Aber das Geheimnis der Südafrikaner und
insbeſondere die große Stärke des alten Tennislöwen Raymond
war es, den pſychologiſchen Moment abzupaſſen, ſich ſtets dann zu
konzentrieren, wenn ein wichtiger Punkt auf dem Spiel ſtand, und
durch ideenreiches Spiel taktiſch das Heft nie aus der Hand zu
geben. Es iſt bezeichnend, daß Raymond immer dann gut ſpielte,
wenn es ſchlecht um ihn ſtand, während Buß die wenigen Vorteile,
die er erzielen konnte, durch Zurückfallen in eine taktiſch verhäng=
nisvolle
Defenſive ſtets wieder hergeben mußte.
Unſer Sorgenkind Nourney.
Nourney war wirklich das Sorgenkind dieſer Davisrunde. Er
hat tatſächlich das Schickſal dieſes Spiels in Händen gehalten, er
ſtand mehr als einmal in ſeinem Match gegen Raymond nahe vor
einem Siege, aber er beging zwei Hauptfehler: er ſpielte zu ſpie=
leriſch
. Was ihm anfangs gegen Raymond eine gewiſſe Ueber=
lgenheit
gab, daß er, ſcheinbar ohne Nerven, die riskierteſten
Schläge anbrachte und auf dem Meiſterſchaftsplatz des Rochus=
clubs
herumſprang als ob es ſich um ein freundſchaftliches Trai=
ningsſpiel
und nicht um einen ſchweren Dayispokalkampf handelte.
gerade das wurde ihm ſchließlich zum Verhängnis. Nourney hat
im zweiten Satz, ein außerordentlich ſeltener Fall in der Ten=
nis
=Statiſtik hintereinander 14 Punkte verſchlagen oder an ſei=
nen
Gegner abgeben müſſen. Und er hat ſeltſamerweiſe meiſt
ſeinen eigenen Aufſchlag verloren, dieſen Aufſchlag, der völlig un=
ſicher
und primitiv, bis auf weiteres eine weſentliche Hemmung
ſeiner Tennis=Entwickelung bleiben wird.
Aus dem gleichen Grunde ſah der Kölner, der ſonſt über blen=
dende
techniſche Mittel verfügt, ſich vielfach außerſtande, nach guter
Ballvorbereitung von der Grundlinie aus ſeine Punkte einzu=
heimſen
. Seine Schwäche im Ueberkopf= und im Querflugball=
ſpiel
war ſogar ſo offenſichtlich, daß Raymond ihn zuletzt
geradezu mit halbhohen Bällen ans Netz lockte, um ihn dadurch zu
einer unzulänglichen Aggreſſivtaktik zu zwingen, alſo entweder zu
überlobben oder ſeine ſchlecht placierten Flughälle mit gefähr=
lichen
Voxhandſchüſſen unſchädlich zu machen. Was dem Kölner
ferner fehlte, war die Ausdauer oder genauer geſagt, die Fähig=
keit
, ſeine beſchränkten phyſiſchen Kräfte zu rationieren. Er lief
nach unmöglichen Bällen und verbrauchte auf dieſe Weiſe ſeine
Reſerven unnötig raſch. Im letzten Satz in dem er ſogar einmal
ausſichtsreich führte, ging ihm buchſtäblich die Luft aus. Nournen
war ſchon am Abend des erſten Tages für dieſes Davispokalſpiel
ein toter Mann.
Verfehlte Taktik.
Von dieſem Geſichtspunkt aus beging der deutſche Mannſchafts=
führer
den Fehler, daß er ſtatt Buß den völlig erſchöpften Kölner
im Doppel herausſtellte. Deſſart, der ausgeruht ans Werk ging.
ſpielte friſch und ſicher. Aber ſein unſicherer und auch moraliſch
deprimierter Partner konnte ihn in keiner Phaſe unterſtützen. So
mußte es denn. hauptſächlich infolge der verfehlten Aufſtellungs=
taktik
des deutſchen Kapitäns, zu jener Dreiſatz=Niederlage im
Doppel kommen, die eigentlich das beſchämendſte Ergebnis in dieſer
5:0 Niederlage war.
Denn das muß man unſeren Spielern laſſen: im Einzel gaben
ſie ihr Beſtes, ſie haben ſich bis zum Schluß ſoweit bewährt als
es ihnen überhaupt möglich war. Die Düſſeldorfer Niederlage
iſt aus dieſem Grunde auch keine Niederlage unſerer Spieler, ſon=
dern
eine Schlappe, die das geſamte deutſche Tennis und ſeine
Methoden erlitt. Dieſe Methoden ſind vom Grund auf reform=
bedürftig
.
Wir haben die beſten Trainer der Welt wir haben anſehnliche
finanzielle Mittel, wenigſtens im Deutſchen Tennis=Bund ,
wir haben die ſchönſten Tennisplätze Eurovas, wir haben auf dem
Kontinent die größte Zahl von Tennisaktiven, aber wir haben,
und das hat Düſſeldorf wieder einmal mit erſchreckender Deutlich=
keit
gezeigt, nicht genug alte und gute Sportsleute, die unſeren
Nachwuchs zu harten Kämpfern und zugleich zu vollendeten Tech=
nikern
heranzubilden verſtehen. Der Sieg der Südafrikaner war
nicht ſo ſehr ein Erfolg von ausdauernden und von Kampfenergie
erfüllten Sportsleuten, als vielmehr ein Zeichen der Ueberlegen=
heit
eines raffinierten Allround=Tennis über ein mit techniſch un=
zulänglichen
Mitteln und mit allzu primitiver Taktik arbeitendes,
offenſichtlich völlig veraltetes Spielſyſtem.
Dr. W. Leinz.

Allgemeiner Deutſcher Turnerbund (A9T.)
Main=Rodgau.
Beim Jubiläums=Bergturnfeſt auf dem Frankenſtein,
das ſich dieſes Jahr zum 10. Male wiederholt und am Sonntag, dem
31. Mai, ſtattfindet, wird dieſes Jahr zum erſten Male um den Jubi=
läums
=Wanderpreis den Frankenſteinſchild des Main=Rodgaues
gerungen werden. Er läuft fünf Jahre und wird alljährlich auf dem
Frankenſtein ausgetragen werden. Meldeſchluß 20. Mai,

Handball-Städfeſpiel münchen-Darmſtadi.
Im Rahmen des Hanns=Braun=Gedächtnis=Sportfeſtes am
Wochenende in München kommt am Samstag ein Handball=
Städteſpiel zwiſchen München und Darmſtadt zum Austrag. Darm=
ſtadt
ſtützt ſich auf zehn Spieler des ſüddeutſchen Meiſters, SV.
1898 Darmſtadt und einen Spieler des Polizeiſportvereins. Der
Pol.SV. kann nicht mehr Spieler abſtellen, da er am Samstag
und Sonntag an einem Blitzturnier in Offenbach teilnimmt. Die
Darmſtädter ſpielen in folgender Aufſtellung: Henß: Rothenbur=
ger
, Walter (Pol.); Pabſt. Delp, Dittmar: Fiedler. Werner.
Fuchs. Freund, Feick (alle 98). Hoffentlich bringt das Spiel
keine Verletzten, damit die 98er nicht bei den weiteren Spielen um
die Deutſche Meiſterſchaft geſchwächt antreten müſſen.
Kegeln.
Verbandsklubmeiſterſchaften.
Mit Spannung fah man dem Ergebnis entgegen. Der Titelverteidi=
ger
Klub Haſſia enttäuſchte. Er erreichte nur 2441 Holz und dürfte
damit wohl keine Ausſicht haben, diesmal Meiſter zu werden. Beſſer in
Form befand ſich L. L. 08, dem es gelang, 2565 Holz zu erreichen.
D. K. 1911 B.V. brachte es zu einer Geſamtleiſtung von 2531 Holz.
Gut Holz‟=Eberſtadt fand ſich auf der Bahn im Bürgerverein nicht zu=
recht
und erreichte nur 2408 Holz.

Der zweite Renntag in Mannheim.
Der Mannheimer Rennclub veranſtaltete am Dienstag ſeinen
zweiten Renntag, der bei ſchwachem Beſuch einen guten Sport bot.
Die Rennen waren gut beſchickt. Den Preis des Wirtſchaftsbun=
des
Deutſcher Rennſtallbeſitzer im Werte von 3000 Mark holte ſich,
der alte Turned up unter Linsmeyer. (2. Sans pareil; 3. Mon=
tagne
Ruſſe. Toto: 71. Platz: 31. 17, 35. 1½1 Lg. Ferner:
Myſidor, Rolls, Flügelmann, Heilige Johanna, Trapper.) Im
Maimarkt=Preis, ebenfalls mit 3000 Mark dotiert, ſiegte über=
raſchend
Hechingers Kybeele (Reichl) vor Fernpaß und Gaukelei.
(2. Fernvaß, 3. Gaukelei. Toto: 167. Platz: 25. 13. 2½34 Lg.
Ferner: Patgulli, Fortunatus, Raugräfin.) Das Rieſe=Jagdrennen
ſah Gerteis' Roswitha (Siegling) vor Gerold und Marlitta er=
folgreich
.
Rennen zu Karlshorſt.
8400. Rennen. Hürdenrennen. Ehrenpreis und 4200 Mk. 3000
Meter: 1. v. Oppenheims Amalfi, 2. Fritz Fromm, 3. Mannes=
treue
. Toto: 16. 2 Lg
Graf Heinrich zu Dohna=Jagdrennen. Herrenreiten. 3000 Mk.
4000 Meter: 1. Eckartsbergs Myron (v. Götz); 2. Regan, 3. Fran=
zia
. Toto: 20. Platz: 17. 31 49. 48 Lg. Ferner: Laxenburg,
Liberius Manoir, Dorn 2., Sturm. Barby. Barfuß, Lodi,
Landsberg=Jagdrennen: 5000 Mk. 4000 Meter: 1. Turgels
Frundsberg (Hauſer); 2. Grimouchou; 3. Teutobod. Toto: 47.
Platz: 18 20, 33. 2½2 Lg. Ferner: Zig Zag, Medina, Fleiß,
Geſolei, Zorndorf.
Die zweite Etappe der Deutſchland=Rundfahrt von Frei=
burg
über 269 Kilometer nach Ulm a. d. Donau wurde von dem
Luxemburger Nicolas Frantz im Endſpurt vor den Deutſchen Stö=
pel
und Metze in 8:43:43 Stunden gewonnen. Im Länderklaſſe=
ment
führt Deutſchland vor Italien, Frankreich, der Gemiſchten
Mannſchaft, Belgien und der Schweiz.
Mit einem Monat Disqualifikation und 250 Mark Geldſtrafe
wurde jetzt vom ſüddeutſchen Verband der V. f. L. Neckarau
wegen der Vorkommniſſe beim Spiel gegen Phönix Ludwigshafen
am 2. November 1930 belegt.
Das Meiſterſchaftsendſpiel Fortuna Düſſel=
dorf
Eintracht Fran kfurt am 10. Mai wurde abge=
ſetzt
, da die Frankfurter Elf an dieſem Tage auf Proteſt des
ſüddeutſchen Verbandes hin das rückſtändige ſüddeutſche Meiſter=
ſchaftsſpiel
gegen Wormatia Worms austragen muß.
Geſchäftliches.
Trinkt Fachinger. Kürzlich ſchrieb ein berühmter Arzt in
Wiesbaden: Die Hauptrolle bei der Behandlung der Gicht
ſpielen die alkaliſchen Thermen und die kalten alkaliſchen Trink=
quellen
, vor allem Fachinger‟. Das rein natürliche Geſundheits=
waſſer
Staatl. Fachingen iſt daher bei allen Fällen von Gicht von
größter Bedeutung.

An der heutigen wirtſchaftlichen Not ſind zum Teil die un=
erträglichen
Zinslaſten ſchuld, die unſerem Volke aufgebürdet
werden. Nicht nur der Arbeiter, ſondern der geſamte Mittelſtand
und auch die Landwirtſchaft gehen zugrunde durch die heutige
Zinswirtſchaft, wo durch ewige Zahlungen nie ein eigener Beſitz
geſchaffen wird. Einen Weg aus dieſem Elend zu finden und
einem jeden den Erwerb eines ſchuldenfreien Eigenheims oder
die Ablöſung hochprozentiger Hypotheken zu ermöglichen, hat ſich
die Gemeinnützige Volksbauſparkaſſe Vorwärts G. m. b. H. in
Lübeck zur Aufgabe gemacht. Es werden deshalb alle intereſſier=
ten
Kreiſe auf das Inſerat in der heutigen Zeitung und die Ver=
ſammlung
in Darmſtadt am 7. d. M., abends 8 Uhr, im Gewerk=
ſchaftshaus
, Bismarckſtraße (langes Lebenzimmer), ſowie die Be=
zirksvertretung
: Georg Schmitt. Alsbach. Bergſtraße, hingewieſen,
die auf alle Anfragen bereitwilligſt Auskunft gibt.
Rundfunk=Brogramme.
Frankfurt a. M.
Mittwoch, 6. Mai.
10.20: Schulfunk: Robinſon ein Freund der Kinder.
15.20: Stunde der Jugend: 1. Afrikaniſche Sagen und Märchen. 2.
Aut dem Autofriedhof, Hörbild.
16.30: Konzert für die Jugend: Ausf.: Das Philharm. Orcheſter.
18.1b: Ludwig Meyer: Wirtſchaftskriſe, Arbeitsloſigkeit und deren
Behebung
18.45: Eſperanto.
19.46: Volksliederduette aus Europa, geſungen v. Leipziger Kam=
merduett

20.00: Komödie des Willens: Vier Bilder von Alice Fliegel.
21.15: Alte Tanzmuſik; Ausf.: Das Rundfunkorcheſter.
22.15: Stunde der Kammermuſik; Ausf.: Prof. Ph. Jarnach ( Kla=
vier
) Licco Amar (Violine).
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Mittwoch, 6. Mai.
9.00: Schulfunk: Was wiſſen wir vom Vogelzug?
10.10: Schulfunk: Die Beſteigung des Jongſong Peak (7459 m)
auf der internationalen Himalaya=Expedition 1930.
15.00: Kinderſtunde: Märchen und Geſchichten.
15.45: Frauenſtunde: Ein Junggeſellenhaushalt.
16.00: Min.=Rat Dr. v. Rottenburg: Neuere Entwicklung und
Probleme der techniſchen Hochſchulen.
16.30: Hamburg: Nachmittagskonzert.
17.30: Dichtung und Kompoſition: Lothar Windſperger. Mitw.:
Hetty Windſperger, Dr. H. Michaelis.
18.00: F. Uhlenbrock: Was ſind und was wollen die Berufsgenoſ=
ſenſchaften
?
18.30: Prof. Dr. O. Hoetzſch: Die großen Mächte der Gegenwart.
19.00: Dr. A. Richhardt: Aus der Beamtenrechtsſprechung des
Jahres 1930.
19.20: Georgy von Kamecke: Gertrude Bell, die ungekrönte Köni=
gin
von Arabien.
19.40: Min.=Rat Goslar: Was der Staatsbürger wiſſen ſollte.
20,00: Hotel Adlon: Unterhaltungsmuſik der Kapelle Emil Rooſz.
20.40: H. Neuert: Vom Rundfunk.
21.10: Orcheſterkonzert. Werke von Beethoven, Kodaly, Brahms,
Berliner Funkorcheſter.
Danach: Tanzmuſik. Kapelle Gerhard Hoffmann.

Hauptſchriftlettung. Rudolf Maupe
Veranworilich fur Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve: ſür Feulleton, Reich um
Ausland und Heſiſche Nachrichten: Mar Streeſe; für Sport: Karl Böhmann;
für den Handel: Dr. C. H. Que iſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
Die Gegenwact, Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Neite:
für den Inſerafenteil und geſchäftliche Mitteilungen: Wlliy Kuble
Druck und Verliag: L. C. Wittich ſämilich in Darmſiadt.
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.

Die heutige Nummer hat 16 Geiten

[ ][  ][ ]

Mittwoch, den 6. Mai

Nummer 125

Langſame Ueberwindung des wirtſchaftlichen Tiefſtandes. In den
im Miniſterium für Handel und Gewerbe zuſammengeſtellten Berichten
der Preußiſchen Induſtrie= und Handelskammern und des Deutſchen
Handwerks= und Gewerbekammertages wird u. a. ausgeführt: Im Mo=
nat
April war nur auf einzelnen Gebieten, ſo insbeſondere in der Tuch=
induſtrie
, eine gewiſſe ſaiſonmäßige Belebung feſtzuſtellen. Für eine
dauernde grundlegende Beſſerung liegen noch keine Anzeichen vor; doch
ſcheint der Tiefſtand der deutſchen Wirtſchaft wie der Weltwirtſchaft
langſam überwunden zu werden.
Die Röhm u. Haas A. G., Chemiſche Fabrik, Darmſtadt, weiſt für
1930 einen Rohgewinn von 1,32 Mill. RM. aus. Unkoſten erforderten
(in Mill. RM.) 0,86, Abſchreibungen 0,32. Der Reingewinn beträgt
einſchließlich Vortrag 0,26. In der Bilanz ſtehen Anlagen mit 1,03,
Warenbeſtände mit 0,10, Außenſtände mit 1,06, neben dem A.K. von 2
Reſerven mit 0,45 und Verbindlichkeiten mit 1,30.
Hafenmühle in Frankfurt a M., A. G. Die Generalverſammlung
der Geſellſchaft genehmigte einſtimmig die Abſchlüſſe für die Geſchäfts=
jahre
1928/29 und 1929/30 und ſetzte die Dividende für letzteres auf 5
Prozent feſt. (1927/28: 5 Proz.) Die von der Verwaltung vorgeſchla=
genen
Satzungsänderungen wurden angenommen.
Aufnahme des Fabrikationsbetriebes in den Kölner Fordfabriken.
Das große Kölner Werk der Deutſchen Ford Motor Co. hat geſtern mit
der Fertigſtellung des erſten Wagens die Fabrikation am laufenden
Band eröffnet. Der neue Wagen, ein Laſtwagenchaſſis, hat um 16.15
Uhr, von dem techniſchen Direktor Soerenſen geſteuert, das fließende
Band verlaſſen. Es iſt der 41001., von den Fordwerken in Deutſchland
und faſt vollſtändig aus deutſchem Material gebaute Wagen. Das vor
der Errichtung der Kölner Fabrik in Berlin betriebene Fordwerk hat
am 15. April mit dem 41000 Wagen liquidiert, um in den Kölner Be=
trieb
aufzugehen. Der Betrieb in Köln wird in den nächſten Wochen
im vollen Umfang aufgenommen werden, und in achtſtündiger Arbeits=
zeit
werden täglich etwa 150 Wagen am laufenden Band produziert. Es
ſind jedoch Einrichtungen getroffen, um den Betrieb um ein Mehrfaches
dieſer Produktion zu erweitern.

Frankfurker und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 5. Mai.
Ein Entwurf Francquis' auf Gewährung mittel= ſtatt langfriſtiger
Kredite zur Belebung der Wirtſchaft machte an der Börſe einen guten
Eindruck, zumal man in den letzten Tagen nur von ungünſtigen Nach=
richten
überraſcht wurde. Die Stimmung war, allgemein etwas be=
ruhigt
, da auch die geſtrige New Yorker Börſe eine weitere Erholung
erfahren hatte. Die Kuliſſe ſchritt nach den letzten Blankoabgaben zu
einigen Rückdeckungen, denen allerdings immer noch einige Publikums=
abgaben
gegenüberſtanden. Bei nicht umfangreichem Geſchäft ergaben
ſich gegenüber der geſtrigen Abendbörſe dennoch überwiegend Kursbeſſe=
rungen
. Es zogen anfangs an: J.G. Farben 1,5 Proz., Elektrowerte
von 1,5 bis 2,5 Proz., Kaliaktien bis zu 3,5 Proz und Kunſtſeidepapiere,
die ebenfalls bis zu 2,25 Proz gewannen. Am Montanmarkt wurde
die vorausſichtliche 6proz. (i. V. 7,5 Proz.) Rheinſtahldividende relativ
günſtig aufgenommen,und dieſes Papier konnte um 1,5 Proz. anziehen.
Mannesmann lagen 1,45 Proz. höher, während ſonſt das Geſchäft ſehr
ruhig an dieſem Markt war. Kleine Kurserhöhungen bis zu 0,75 Proz.
hatten noch: Zellſtoff Aſchaffenburg, Daimler, Reichsbahn=Vorzugsaktien
und Chem. Induſtrie Mainz. Ziemlich ſchwach lagen andererſeits noch
Scheideanſtalt mit minus 3 Proz. Goldſchmidt mit minus 1,5 Proz.,
und am Bauunternehmungsmarkt Wayß u. Freytag, die 1,25 Proz. ver=
loren
. Auch Schiffahrtswerte ſtanden noch unter leichtem Kursdruck, ſo
daß ſich Rückgänge bis zu 1 Proz. ergaben. Von Bankwerten eröffneten
Reichsbank 1,5 Proz, höher, während im übrigen die Kurſe nur behaup=
tet
blieben. Am Anleihemarkt zogen deutſche Renten leicht an, Auslän=
der
geſchäftslos. Der Pfandbriefmarkt war ſehr ſtill und gegen geſtern
kaum berändert. Im Verlaufe wurde die Haltung bei ſehr ruhigem
Geſchäft keilweiſe etwas ſchwächer, ſo daß wieder eine gewiſſe Unſicher=
heit
Platz griff. Es kam doch wieder Material heraus und die Anfangs=
kurſe
gingen meiſt um 1 Proz. zurück. Am Geldmarkt war Tagesgeld
zum Satz von 4 Proz, fühlbar erleichtert. Am Deviſenmarkt konnte ſich
der Dollar international etwas befeſtigen. Man nannte Mk. gegen Dol=
lar
4.300, gegen Pfunde 20.4230, Von Uſancen war Madrid gegen
London mit 46.45 feſter. Sonſt London-New York 4.8625, Paris
124.38. Mailand 92.87½, Schweiz 25.24. Holland 12.1015.
Die Abendbörſe eröffnete zunächſt im Anſchluß an die Erholung
im heutigen Schlußverkehr auf kleine Rückdeckungen der Kuliſſe weiter
etwas befeſtigt, zumal auch aus New York wieder höhere Kurſe gemeldet
wurden. Das Geſchäft war jedoch ſehr gering, da von außenher keine
Orders vorlagen. J.G. Farben lagen auf Käufe einer Großbank gegen
den Berliner Schluß um 17/s Proz, höher. Mehr Intereſſe beſtand für
Kunſtſeideaktien auf angebliche Käufe für holländiſche Rechnung. Aku
gewannen 3.45 Proz. und Bemberg 1.5 Proz. Im übrigen gingen die
Beſſerungen bis zu 1 Proz. Mannesmann blieben von dem relativ
günſtigen Abſchlußbericht unbeeinflußt. Im Verlauf bröckelten die Kurſe
wieder leicht ab, da der Verlauf der New Yorker Börſe ſchwächere
Kurſe haben ſollte. Nur Bemberg waren weiter beachtet. Anleihen
ohne Geſchäft.
Berlin, 5. Mai.
Bereits im heutigen Vormittagsverkehr war die Stimmung etwas
freundlicher, da die Gerüchte, die geſtern zu der ſtarken Abſchwächung
geführt hatten, ſich nicht beſtätigten. Weder ſind die Dewagverhandlun=
gen
abgebrochen worden, noch haben ſich geſtern in New York Bankſchwie=
rigkeiten
bemerkbar gemacht. Die Berliner Spekulation bekundete etwas
Deckungsneigung, zumal ſich kaum noch Angebot des In= und Auslandes
bemerkbar machte und da die europäiſchen Auslandsbörſen höhere Kurſe
meldeten. Bei mäßigen Umſätzen ergaben ſich im allgemeinen Steige=
rungen
von 12 Proz. Der Bericht der Preußiſchen Handelskammern
ſprach von kleinen ſaiſonmäßigen Belebungen und ſtellte den Tiefſtand
der Wirtſchaftslage als überwunden dar. Auch die Tagung der Inter=
nationalen
Handelskammer wurde lebhaft beſprochen, insbeſondere die
bevorſtehende Erörterung der Kriegsſchuldenfrage. Anleihen und Aus=
länder
gut behauptet. Pfandbriefe uneinheitlich, Reichsſchuldbuchforde=
rungen
bis zu 0,50 RM. erholt. Deviſen etwas feſter, Buenos und Rio
ſchwächer, Schweiz ſehr feſt. Tagesgeld auf 5,57,5 Proz. und darunter
erleichtert. Die übrigen Sätze blieben unverändert.
Produkkenberichte.
Berliner Produktentendenzbericht vom 5. Mai. Die Produktenbörſe
zeigte heute ein überwiegend ſchwächeres Ausſehen; allerdings be=
ſchränkten
ſich die Preisrückgänge ebenſo wie die Umſatztätigkeit in der
Hauptſache auf den handelsrechtlichen Lieferungsmarkt. Angeſichts der
günſtigen Witterungsverhältniſſe erfolgten verſchiedentlich Realiſationen,
auch für Rechnung der Provinz, ſo daß Weizen in den ſpäteren Sichten
bis 3 Mk., Roggen bis 1 Mk. niedriger einſetzten. Am: Promptmarkte
bleibt das Angebot der erſten Hand mäßig, die Forderungen ſind wenig
nachgiebig. Weizen iſt allerdings auch ſchwer abzuſetzen, vor allem fehlt
die Nachfrage der rheiniſchen Mühlen, infolge der herrſchenden Unſicher=
heit
. Auch bei Roggen ſind die Käufer vorſichtig, da man abwarten
will, ob aus den Mahlroggen=Reſerven der Stützungsſtelle Abgaben er=
folgen
. Weizenmehl liegt bei nominell unveränderten Forderungen ver=
nachläſſigt
; Roggenmehl wird zu ſtetigen Preiſen nur für den laufenden
Bedarf umgeſetzt. Hafer und Gerſte ſtetig, aber ruhig.

* Mainzer Viehhof=Marktbericht vom 4./5. Mai. Auftrieb: Ochſen
13, Bullen 10, Kühe oder Färſen 522, Kälber 293, Ziegen 23, Schweine
940 Stück. Marktverlauf: In allen Viehgattungen ruhig, langſam ge=
räumt
. Preis pro 50 Kilo Lebendgewicht in RM.: Ochſen 1. 4548;
2 3537; Bullen c) 3235; Kühe a) 3235, b) 2530, c) 2025,
d) 1620; Färſen (Kalbinnen) a) 4248; Kälber c) 5460, d) 4254;
Schweine c) 4446, d) 4648.
Mannheimer Viehmarkt vom 5 Mai. Auftrieb Zufuhren: 242
Ochſen, 152 Bullen, 261 Kühe, 270 Färſen, 938 Kälber, 38 Schafe, 3386
Schweine, 120 Wagenpferde, 402 Arbeitspferde 125 Schlachtpferde,
17 Ziegen. Preiſe für 100 Kilogramm Lebendgewicht in Mark: Ochſen
a) 4649, b) 3840, c) 3842; Bullen a) 3640, b) 3436, c) 30
bis 34; Kühe a) 3438, b) 3032, c) 2225, d) 1418; Färſen
a) 4650, b) 4345, c) 3840; Kälber a) 8090 b) 6872, c) 64
bis 66, d) 5660, e) 4854; Schafe 3436: Schweine a) 4243,
b) 4344, c) 4445, d) 4445, e) 4244, f) 4042 g) 3438.
Wagenpferde 9001500 Mk., Arbeitspferde 7001800 Mk., Schlacht=
pferde
40160 Mk. Ziegen 1224 Mk. Marktverlauf: Großvieh rubig,
langſam geräumt; Kälber, mittel, ausverkauft; Schweine mittel, ge=
räumt
. Prämiierte Tiere aller Gattungen über Notiz; erſtklaſſige Wa=
gen
= und Arbeitspferde mittel, Pferde mittlerer Preislage geſucht.
Schlachtpferde ruhig.

Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 5. Mai:
Getreide. Weizen: Mai 84½, Juli 63½, September 62½, De=
zember
66,25; Mais: Mai 56½, Juli, September 58, Dezember
51,75; Hafer: Mai 26½, Juli 27,75, September 28, Dezember 30,25;
Roggen: Mai 235, Juli 36,50, Sept. 38. Dez. 41,75.
Schmalz: Mai 8,025, Juli 8,20, Sept. 8,35, Okt. 8,725.
Speck 8,75.
Schweine: Leichte 7.107,25, ſchwere 6.156,65; Schweine=
zufuhren
in Chicago 20 000, im Weſten 80 000.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 5. Mai:
Schmalz: Prima Weſtern 8,75; Talg, extra loſe 4½.
Getreide. Weizen: Rotwinter 93; Mais: loco New York 70,25;
Mehl: ſpring wheat clears 4,104,60; Getreidefracht nach Eng=
land
1,62,3 sh, nach dem Kontinent 88½ C.
Kakao: Tendenz: willig, Umſätze 85, Loconotitz 5½; Juli 5,06,
September 5,23, Oktober 5,30, Dezember 5,44, Januar 1932 5,52,
März 5,64.

Die Metallnotierungen in Berlin am 5. Mai für je 100 Kg.
ſtellten ſich für Elektrolytkupfer, prompt cif Hamburg, Bremen oder
Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die Deutſche Elektro=
lytkurfernotiz
) auf 90.50 RM. Die Notierungen der Kommiſſion
des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe verſtehen ſich ab
Lager in Deutſchland für prompte Lieferung und Bezahlung) ſtell=
ten
ſich für Original Hüttenaluminium 98 bis 99 Prozent, in
Blöcken, Walz= oder Drahtbarren 170 RM., desgleichen in Walz=
oder
Drahtbarren, 99 Prozent, 174 RM., Reinnickel, 98 bis 99
Prozent, 350 RM., Antimon=Regulus 5153 RM., Feinſilber
(1 Kg. fein) 3941 RM.
Die Berliner Metalltermine vom 5. Mai ſtellten ſich für
Kupfer: Mai 74 (74,25), Juni 74,50 (75,50) Juli 77,25 (77,50),
Auguſt 78 (78,50) September 78,50 (78,75) Oktober 79 (79,50),,
November 79 (79,75), Dezember, Januar, Februar März 79,50 (80)
April 79,75 (80) Tendenz ſtetig. Für Blei: Mai 22,50 (23,75)
Juni, Juli 22,75 (23,75), Auguſt 23 (24), September, Oktober 23

(23,75). November, Dezember, Januar, Februar, März, April 23,25
(23,75). Tendenz: ſtetig. Fur Zink: Mai 20,50 (21,25), Juni
20,75 (21) Juli 21 (21,25), Auguſt 21,25 (21 75), September, Ok=
tober
21,50 (22), November 21,75 (22,25) Dezember 22 (22,50),
Januar 22 (22,75), Februar 22,25 (23), März 22,50 (23,25), April
23 (23,50), Tendenz: ſtetig. Die erſten Zahlen bedeuten Geld,
die in Klammern Brief.

Rleine wirkichaftsnagricten.
Auch im April hielt die Ende März eingetretene Belebung im Ab=
ſatzgeſchäft
am deutſchen Rohaluminiummarkt an. Eine zuſätzliche Ver=
ſtärkung
erhielt der Abſatz durch größere Lieferungen nach Rußland, die
ſich vorausſichtlich noch bis Anfang Juni hinziehen werden.
Die Nachfrage nach Stickſtoffdünger im Inland war im April etwas
ſtärker als im entſprechenden Monat des Vorjahres. Erzeugung und
Verſand verliefen planmäßig. Im Ausland war der Abſatz befriedigenb.
Die Dortmunder Verhandlungen wegen Mehrabnahme von Not=
eiſenſtein
zur Erhaltung des Lahn=Dill=Bergbaues ſind geſcheitert. Ein
Teil der Hütten, und zwar die größeren Konzerne, waren für ein Ent=
gegenkommen
, jedoch lehnte die Mehrzahl der Hütten die Mehrabnahme
auch nur einer Tonne Eiſenſtein ab.
Im Zuſammenhang mit der feſteren Tendenz für Inlandsgetreide
haben die ſüddeutſchen Mühlen den Preis für Weizenmehl Spezial Null
um 50 Pfg. auf 44,50 RM. erhöht. Auf welche Weiſe dieſe einheit=
liche
Preiserhöhung zuſtande gekommen iſt, ob durch loſe Abſprachen der
Mühlen oder unter Mitwirkung der ſüddeutſchen Mühlenvereinigung,
iſt nicht erſichtlich.
Das Geſchäftsjahr der Kahlgrund=Eiſenbahn A.G., Schöllkrippen,
ſchließt einſchließlich Vortrag mit einem ſtark ermäßigten Gewinn von
10 230 (47 149) RM. Das Aktienkapital von 1,26 Millionen bleibt ohne
Dividende, nachdem erſt im Vorjahr die Dividendenzahlung mit 2,5 Pro=
zent
wieder aufgenommen worden war,
In der G.V. der Brown Boveri u. Cie., A. G., Mannheim, bei der
ein A.K. von 19,49 Mill. RM. vertreten war, wurden ſämtliche Anträge
der Verwaltung einſtimmig genehmigt. Es wird alſo aus dem Rein=
gewinn
von 1,32 Mill. RM. eine Dividende von 5 Proz. (9. Proz.) auf
25 Mill. RM. zur Verteilung gebracht. Auf neue Rechnung werden
39 412 RM. (47 849) vorgetragen.
Der am 28. Mai ſtattfindenden G.V. der Württembergiſchen Elektri=
zitäts
=A. G., Stuttgart, wird wieder eine Dividende von 8 Proz. vor=
geſchlagen
.

Berliner Kursbericht
vom 5. Mai 1931

Oeviſenmarlt
vom 5. Mai 1931

Berl. Handels=Geſ.
Danatbank.. . . . .
deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
resdner Bank
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
.E. G.
Bayr. Motorew.
F. P. Bemberg
Bergmann Elektr
Berl. Maſch.=Bau
Tonti=Gummi
deutſche Cont. Gas
ſeutſche Erdöl

Eleftr. Lieferung
J. G. Farben
Gelſ. Bergw.
Geſ. f.elektr. Untern.
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Bhil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Köln=Neueſſ. Bgw.
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Un in.
Nordd. Wolle
Oberſchleſ. Kolsw.
Orenſtein & Koppel

11.25
142.375
75.50
118.
64.50
61.
96.
140.
60.
67.
71.25
39.50
51.
A5

Polyphonwerke
Rütgerswerke
Salzdetfurth Ka
Leonh, Tietz
Verein. Glanzſtoff 1118.
Verein. Stahlwerkel
Weſteregeln Alkali
Agsb.=Nrnb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind. 44.125
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Werle
Lindes Eismaſch. 129.
VogelTelegr. Drahll
Wanderer=Werke

Nf
49.375
215.50
105.75
58.75
141.50
61.
21.375
110.
40.5
57.

Währung Ge ldBrief Währung delde Helſingfo! 100 finn. Mk 10.558 10.574 Schweiz 100 Franken 30.81
Wien 100 Schilling 59,03 9.15 Spanien 100 Peſetas 43.86 Prag 100 Tſch. Kr 12.427 12.44 Danzig
100 Gulden 81.56 Budapei 100 Pengö 73.14 73.28 Japan 1 Den 2.075 Sofia
100 Leva 3.037 3.04 Rio de Janerro 1 Milrcis 0.28 Holland
100 Gulden 168.56 168.S( Jugoſlawien 100 Dinar 7.38(
Eslo 100 Kronen 112.20 12 52 Portugal 00 Esendo 18.25 Kopenhagen 100 Kronen 112.30 12.52 Athen 100 Drachn 5.44 Stodholm 100 Kronen 12.41 112.63 Iſtambu 1 türk. 8 D
London 14.Stg. 20.402 20.44
Kaun 1ägypt. 4 20.915 Buenox=Aires 1 Pap. Peſo 1.32: 1.326
Kanada canad. Doll. 4.19= New Yer) 1 Dollar 4. 196 4.204 Uruguan Goldpeſo 2.68
Belgien 100 Belga 58.335 58.455 J8land 100 is 1. Kr. 92.04
Ralien 100 Lire 21.97 22.01 Tallinn /Eſtl. )/100 eſtl. Ki 111.-70
Paris 100 Francs 16.399 6.439
Riga 100 Lats 80.79

Brie
Co.27
43.94
71.72
2.070
(.ke4
1.2c4
18.8*
5.45
Nee
4.207
2.693
S2.22
111.94
F0.es

Frankfurter Kursbericht vom 7. Mai 1931

7% Dtſche. Reichs=
anleihe
v. 192
6% Dtiche. Meichs=
anleihe
v. 19271 94.75
5½%Jutern. v.80/ 77.75
6% Baden Frei=
ſtaat
von 1930
8% Bay. Staats
anleihe v. 1929
6% Bah. Staats
anleihe v. 19271 82
8% Heſſen Volks=
ſtagt
von 1928. 92
8% Heſſen Volks=
ſtaat
von 1929./ 94.5
6% Preuß. Staats
anleihe von192e
8% Sachſen Frei=
ſtagt
von 194:
6% Sachſen Frei=
ſtaat
von 1927. 79
7%Thüringer Frei=
ſtaat
von 1927
Dtſche. Anl. Auslo=
ſungsſch
. + 1/.
Ablöſungsanleih.
Dtſche. Anl. Ablö

Dtſche. Schutzge=
bietsanleihe
.

Herin d 13
Darmſt. v. 26

Frankfurt a. M.
Schätze ..v. 29
v. 2
v. 2
Mainz v. 26..

ppfbr. . . . .
ſſ. Landesbk.

oblig.
ſſ. 26s.561
qu. Pfb.
ſſ. Ld8.Ht
iqu. Kom

reuß. Lbs.
nſt. Goldp
reuß. Lds.
ſt. Goldobl

Gobeteilgeſt
3 %KaſſelerLandes
kredit Goldpfbr
½KaſſelerLandes
kredit Goldpſbr
2KaſſelerLandes
kredit Goldpfbr.
3½ Naſſ. Landesbk
Goldpfbr.
2%Naſſ. Landesbk
Goldpfbr.. .
6% Naſſ. Landesbl
Goldpfbr. . . . . .
4½% Naſſ. Ldsbk.
Liquid.=Oblig.
Dt. Komm. Sam.
mel=Ablöſ.-Anl.
* Ausl. Ser. 1.

7.4. 5. 5. /100.5 1100 84.75
75.5 80.2* 78.5 100.5 100.25 82 91.25 95.5 96.25 95.75 99.75 100 79 86.25 85 58‟I, 55.3 ub.)/ 6.475 5.05 3.175 2.5 91

D 92
93
8
86.5 90.5
90
94 98
85.5
80
76.5
91 98.8
89.5
78
90
93
76.75
I
z 100.5 100 95.5 R das 96.5 1S0 l=
pl
89.25 85 100.5
97 100.5
97 97 97 97.25 96.75 1a00 100 94.75 95 86 86 100.75 Aa. 95½), 95 86.5 86.75 93.25 91 B8 54.5

Dt. Komm. Sam=
mel
=Ablöſ.=Anl.
+Auslof. Ser. II
Dt. Komm. Samm.
Abl. (Neubeſitz)
8½ Berl. Hyp.=B1.
Liqu. Pfbr.
4½
8% Fklf. Syp.B!
%. Lig. Pfbr
Pfbrbank
Pfbrbank.
Lig. Pfbr
Mein. Hyp.Bl

4½% Liqu. Pfbr

8% Prß. Ctrl. Bod.=
Cred.=Bank..
4½% Prß. Ct. Bod.
Cred. Bk. Lig. Pf.
8½Rhein. Hyp.=B!

Bd. Credit ..."
8% Südd. Bod.
Cred.=Bank ..."
4½% Südd. Bod.,

7% Deutſche Linol=
werke
v. 26....

Berlin v. 26...

7% Mittelb. Stahl=
werke
v. 27...

6e

7% Ver. Stahlw.

1914.
% Bosn. L. J
von 1914.

2.1398.T
4½% Oſt. Schatz
anw. v. 1914
49 Oſt. Goldrente
52vereinh. Rumän
4½%
40
4% Türk. Admin.
1. Bagd
420
Bollan!
4%

4½
4

Goldr
1910

Aktien

NEG. Stamm

Zellſtoff

Dib. 7. 4. 5.5 75.5 73.5 1

r. 165
97
91.5
101.75
93.2
A
97
94.5
103
97
93.5
93.75
101.75
95.5 11
100
97
91
101.5
97.5
90.8
101.5
97.5
92.75
101.5
97
91.6
100.25
93.5
100
90.6 1o1 100.75 92.2
101.5
96.75
93.5 90.6
101
97.25
91.25 101 100 100.75
95.25 100.75
95.5 93.5
100 92.5
101.25 I. 75.5 71 gPl. A6 90.75 96.5
88.75 95.5
877I, 87 85.5 882lo 84 96 95 105= 100.3 28 28 38,75
8.65
7.85 22
15.1
6.8
D
16.75
18.75
16.5
16.1
18.1
18.5
15.8 9
10
15
12 90.25
113
128.5
86.75 1005/.
128.5
79.5

Bemberg J. P....
Bergm. El. Werke.
BrownBoverickCie.
Buderus Eiſen .."
Cement Heidelberg
Karlſtadt
J. G. Chemie, Baſe
Chem. Werte Albert
Chade.
Contin. Gummiw.
Linoleum
Daimler=Benz...
Dt. Atl.=Telegr.. . .
Erdöl
Gold- u. Silb.
ſcheide=Anſtalt
Linolwerk. Berl
Eiſenhandel ..
Dyckerhoff u. Wid=
mann
..."

Eichbaum=Werger
Elent. Liefer.=Geſ.
Licht u. Kraft
Eſchw. Bergwerk
Eßling. Maſchinen
Ettling. Spinnerei
Faber u. Schleiche
J. G. Farbenindſtrie
Feinmech. (Jetter)
Felt. & Guilleaum
Frkft. Gas i. Liqu.
Hof..

Gelſenk. Bergwer!
Geſ. f. elektr. Un=
ternehmungen
..
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger
HafenmühleFrntf.
Hammerſen (Osn.)
Hanauer Hofbrauh.
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf.
Hilpert Armaturfb.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kupfer ....
Hochtief Eſſen ...
Holzmann, Phil. .
IiſeBergb. Stamm
Genüſſt
Junghans Stamm
Kalt Chemie.
Aſchersleben
Fammgarnſpinn.
Karſtadt, R..
ſelein, Schanzlin.
Rlöcknerwerke ...
Knorr C. H....

Lahmeyer & Co..
Laurahütte ......
Lech, Augsburg .."
Löwenbr. Münch.
Lüdenſcheid Metalll
Lutz Gebr. Darmſt.
Maintr.=W. Höchſt
Mainz. Akt.=Braur
Mannesm. Röhren
Mansfeld. Bergb.
Metallgeſ. Franift
Miag, Mühlenbau.
MontecatiniMaild
Motorenib. Darmſ
Deutz.
Sberur
Oberbedarf
Phönix Bergbau.
Reimiger, Gebb.

Div
19
17
15

15
7
10
12
10
10
14
5

10
14
6
7½

10
5
15
15
10
10

13
12
12
12

15
6
13
0
139
10
6
6½

7. 4.
101.5

80.5
572/g

188
41
115
95
34.25
77
135
94.5
45

110
137.75
129
205
40

103
159.4
51
119
40

134
52
44
174

136
76
73.25
61
119
8C
941,

114

106.5

134.25
38.5
90.25
179
40
13.75
72
125
85
75.75
67
44
40
55

65
80

5. 5 7. 4. Rh. Braunkohlen. Eleftr. Stamm 24.5 66 Metallwaren.. Stahlwerfe 199 Riebeck Montan" . 83 Noeder Gb. Darmſt./ 10 GE 36.5 Rütgerswerte 57.25 173 Sachtleben A.-G. Raf
118 Salzdetfurth Kali. 15 261 Salzwf. Heilbronn 12 181 Schöffer hof=Bir . / 20 Schramn Laakf br. 28.75
100 Schriftg. Stempei 12 A6 Schuckert Eleltr.. . 12 142 Schwarz Storche n 12 68.1 Stem. Gl asindu tr./ 10 127.5 Siemens & Halske 14 Südd. Immobilien 80 Bucker=AG. 10 125.25 Svenska Tändſticks 5Kr 75 Tellus Bergbau .. 41 Thür. Lief.=Geſ.. Tietz Leonhard ..." Tucher, Brauerei. 10 1115
202
33
93 Unterſr. Krs.= Elei=
tr
.= Verſ. ... 8 95 Weithwerte 17. 100 Ber. ſ. Chem. Ind.
Frankfurt 67 142.5 Stahlwerke. U 81 Strohſtofffabr.
Dresden 18 126 119 Ultramarin. . . 12 134 36 Vogtländ. Maſch.. . 8 36 Voigt &. Haeffnei 6 75.5 Wayß e Freytag. 38.5 Wegelin Rußfabri! 42 119.25 Weſteregeln Kali", 5 40.9 Zellſtoff=Verein, 44 36 Waldho). 110 176 Memel ... 13 70 Allg. Dt. Crebltanſt. 95.75 Badiſche Bank. ...
Bk. f. Brauinduſtr. 11 148 64.5 BarmerBankverein 10 Juos.75 78 Bahyer. Hypothek. u.
Wechſelbenk .. . . 122 Berl. Handelsgeſ.- 12 130 111 Hypothekenbk. 12 205 79.5 Comm. u. Privatb. 116.5 94.75 Darmſt. u. Nt.=Bk. 12 149.5 DeutſcheBk. u. Dise. 10 115.5 103.5 Dt. Eff.= u. Wechſel.
bank .. . .." 94.5 24 Dresdener Bank. 10 114.25 Frankf. Br. .. 93 107.5 Hyp.=Bk..
Pfdbr.=Bk. 10 158 141.5 10 158. Mein. Hyp.=Bank 10 Oſt. Creditanſtalt. 81 100 Pfälz. Hyp.=Ban! 10 130 61 Reichsbank=Ant. . 12 265.75 153 Rhein. Hyp.=Ban 10 137 Südd. Bod.-r. B! 10 1140 Wiener Bankverein 9.5 34.5 Wttbg. Notenbank 129 156 ArG. / Verkehrtw. 68. 5 39.5
13½ Allg. Localb. und
Kraftw.. . . . . . 12 132 68
124 7% Dt. Reichsbahn=
Vorzge. ......" 94.5 Hapag.
........ 4.
n6.25
89 71.5 Nordb. 2
Südd. Ei lohd. . .
ſenb.-C 61
35.25 67.5 Allanz u. Stuttf.
Verſicherung ... 16 192 dto. Verein Verſ. 12 215 40 Frankona
Mitv. Rück=
u. Mannbeim Verſich 15 26 Otavi Minen, 16 33.5 Schantung Handeld
A. G. ........" 76.5

5. 5

83.5
63.75
49.
35

5
35

159.5
120
101
99.5
18.25
60.25
52.25
118
277
117.7
2.
70
90%
141
118
100.25
125
21a
106.75
130.5
102.75
94.5
102,75
88.5
144
154
151
26.55
133
142.5
135.5
36.75
129
59,5

B8l.

55.75.
89.25

218

04.25
35

28.25
73

[ ][  ][ ]

Seite 14
Jum aplan
Heins
Mühlstraße 68, am Kapellplatz
Mittwoch und Donnerstag
Schlachtkest
Der Unterzeichnete empfehlt seine
Spezialweine, besonders den
1929er Bosenheimer per Glas 25 Pfg.
Es ladet treundlichst ein
7142) Joh. Peter Bernhardt.

Mittwoch, den 6. Mai 1931

Luftkurort
Ludwigshöhe
Telephon 591 (7100
Heute nachmittag 4 Uhr
Kenzert
ausgeführt vom Stadtorcheſter
Eintritt frei.

Café Waldesruh
bei Traisa

Heute Mittwoch

Kaffee-I Kuchentag

mit Ueberraschungen.

Rest. Datterich‟
Kiesstraße 27
Heute Groß-Konzert

Alter Ratskeller
Heute Mittwoch ſastta
Tanzabend

Große öffentliche
Bauſparkaſſen=Verſammlung
Donnerstag, den 7. Mai, abends 8 Uhr
im Gewerkſchaftshaus. Darmſtadt
Bismarckſtraße (langes Nebenzimmer)
Gemeinnützige Volksbauſparkaſſe
Vorwärts G. m. b. H. in Lübeck.
Es wird über das Thema geſprochen
werden:
Zinsfreies Bauen u. Hypothekenablöſen.
Anſchließend Beantwortung v. Fragen.
Eintritt frei.
Bezirksvertretung:
Georg Schmitt, Alsbach, Bergſtraße.
Vertreter geſucht. III. Hbg 7140

Hice Prauenverein

Wesiccher Landes-Frauenvgerein 1. Ioien Hreng)

Die Mitgliederdes Vereins werden
zu der am Mittwoch, den 20 Mai 1931
10½ Uhr vormittags in der Stadt-
halle
zu Mainz statifindenden
29. ordentlichen
Müitgliederversammlung
mit der in 8 12 der Vereinssatzung
vorgeschriebenen Tagesordnung
eingeladen.
Ueber Anträge von Mitgliedern
kann satzungsgemäß nur dann Be-
schluß
getaßt werden, wenn sie
mindestens eine Woche vor der
Mitgliederversammlung bei dem
Hauptvorstand schrittlich einge-
reicht
worden sind.
(7111
Darmstadt, den 6. Mai 1931.
Für den Hauptvorstand des
Alice-Frauenvereins
Der Hauptgeschäftstührer:
Dr. Kratz
Ministeriadirektor i. R.

Heute und lofgende Tage

Vilma Banky
in ihrem ersten
deutschen Sprechfilm
Die Sehnsucht
jeder Frau
Regie: Victor Sjöström.
In weiteren Hauptrollen: Eduard
G. Robinson, Joset Schildkraut u. a.
Der Film schildert das dramatische
Schicksal einer jungen Kellnerin,
die einen alten Mann heiratet, um
ein Heim und Geborgenheit zu
finden.
Die herrliche, Landschatt Kali-
torniens
bildet den Hintergrund
dieses spannenden u. ergreifenden
PMinterke
Dazu das gute Beiprogramm

Ab heute

Olga Tschechowa und
Alfred Abel
in dem deutschen Sensationstilm:
R
nach dem Roman Enter Sir John‟
von Clemence Dane und
Helen Simpson.
Regie: Alfred Hitchcock.
In weiteren Hauptrollen:
Paul Graetz, Lotte Stein, Ekkehardt
Arendt, Hermine Sterler, Jack
Mptong-Münz u. a.
Eine Handlung voll vibrierender
Spannung hinter den bunten Ku-
Iissen von Bühne u. Varieté, eine
autregende, mysteriöse Angelegen-
heit
, die bis zum Schluß in Atem
(V.7092
hält.
Dazu das gute Beiprogramm

Heute und folgende Tage
Ein einzigartiger Kriminal-Tonfilm
aus der Pariser Unterwelt
Das gelbe Haus
des
King-Fu
mit Charlolte Susa, Gustav Diessl,
Willy Prager und Paul Graetz.
Regie: Karl Grune.
Nach dem Theaterstück von
Joseph M. Vetter: Das gelbe
Haus von Rio‟
Fabelhafte Ausstattung, Tempo u.
Spannung, sowie das Milieu der
Pariser Unterwelt machen dieses
interessante Filmwerk besonders
sehenswert.
Dazu das gute Beiprogramm

Nummer 125
Blüten=Fahrten
Sonntag, 10. Mai. nachm. 15.00 Uhr,
Luiſenplatz, Darmſtadt-Eberſtadt- Bicken=
bach
-Jugenheim- (1½) Seeheim=Malchen-
Eberſtadt Darmſtadt. Fahrpreis Mk. 1.50
pro Perſon.
(7148
Sonntag, 10. Mai, nachm. 14 00 Uhr,
Luiſenplatz,Darmſtadt-Oberramſtadt- Ernſt=
hofen
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Nummer 125

Mittwoch, den 6. Mai 1931

15)

Sawia soid anststk.
Roman von Alexandra von Boſſe.

Copyright 1930 by Karl Köhler u. Co., Berlin=Zehlendorf.

(Nachdruck verboten.)

Ja, kommen Sie herein, Herr Droſten, ſagte Fräulein
Traudi nun und öffnete die Haustür. Jetzt, wo Urſel Sie er=
kannt
hat, weiß ich ja, daß Sie wirklich Herrn Droſtens Neffe
ſind. Bitte.
Sie machte eine auffordernde Handbewegung, aber er
zögerte:
Soll ich Gaſtfreundſchaft annehmen, ehe der alte Herr mich
anerkannt hat?"
Selbſt wenn Sie nur ein ganz fremder wären, würde er
Ihnen ein Glas Bier, doch nicht mißgönnen, erwiderte ſie
lächelnd. Da nahm er den Ruckſack ab, legte ihn auf die Haus=
bank
, Hut und Stock daneben und folgte ihr ins Haus.
Hier war alles noch ſo, wie es vor zwanzig Jahren geweſen
war, gleich erkannte er das. Da ſtand der große grüne Kachel=
ofen
noch mit der abgewetzten Bank darum. Dort an der Wand
der große Schrank, darin hinter Glasſcheiben goldgerandete Taſ=
ſen
und fein geſchliffene Gläſer blitzten. Nach zwei Seiten hatte
die Stube je zwei Fenſter, und in der Ecke zwiſchen den Fen=
ſtern
, unter denen eine Bank hinlief, ſtand der breite, ſchwere
Tiſch mit den geſchnitzten braunen Holzſtühlen davor.
Setzen Sie ſich immer, bitte, ſagte Fräulein Traudi, ich
bringe gleich das Bier.
Er ſetzte ſich an den Tiſch, darauf eine Vaſe mit Roſen
ſtand. An den Fenſtern hingen Vorhänge, das gab es früher
nicht. Und an dem einen Fenſter ſtand ein großer, bequemer
Lehnſtuhl, der früher nicht dageweſen. Sonſt war alles noch
ganz ſo. Die Erinnerung an den Sommer den er als Bub
hier verbracht, überkam ihn, rührte ihn. Wirklich, ein Heim=
kommen
war es, hier in der großen Stube zu ſitzen, wo alles
ihm noch bekannt und vertraut war. Dann kam Traudi wieder
herein, auf zierlichem Majolikabrett eine Flaſche Bier und ein
hübſches Glas, ſchenkte ſelbſt ein. Er dankte und trank, dann
machte er eine weiſende Handbewegung und fagte: Es iſt alles
noch ganz ſo, nur die Blumen da und die Vorhänge, das iſt
neu.
Sie lachte und nickte:
Daß Sie das gleich bemerkt haben. Für ſo was hatte die
Urſel keinen Sinn, aber ich Blumen auf dem Tiſch und Vor=
hänge
an den Fenſtern, wenn man das von zu Hauſe gewöhnt
iſt, nicht wahr?
Hübſcher iſt es ſchon. Das wird auch Onkel Poldi gefallen
haben.
Geſagt hat er nichts, ob er es gemerkt hat.
Das ſieht ihm ähnlich. Es iſt wohl nicht leicht, mit dem
alten Herrn auszukommen, Fräulein Traudi?"
Jetzt geht es. Zu Anfang habe ich ihm nicht alles recht
machen können, bis ich herausfand, wie er alles haben will.
Er hätte nun gern gefragt, wer ſie eigentlich ſei, aber ehe er
es tun konnte, fragte ſie, indem ſie ſich ihm gegenüber an den
Tiſch ſetzte:
Wie lange ſind Sie denn ſchon in München, Herr Droſten?
Ueber vier Wochen."

Da ſtudieren Sie wohl wieder? Herr Droſten ſagte mal,
Sie wollten Mediziner werden.
Ja, aber jetzt arbeite ich an den Jſarwerken.
Ach, dann ſino Sie wohl Ingenieur.
Nein, ich ſchaufle und karre Erde als ganz gewöhnlicher
Arbeiter.
Was aber warum denn?
Er lachte über ihr Erſtaunen und Entſetzen.
Eine ſehr nützliche Arbeit, Fräulein Traudi. Jede Schaufel
Erde, die ich bebe, jeder Karren, den ich kippe, fördert das große
Werk.

Gewiß, aber Sie können doch was anderes
Bis ſich was anderes bot, konnte ich verhungern. Ich war
ja ganz mittellos, als ich von Rußland zurückkam. Einer, der
ſechs Jahre tot war, ſehen Sie, für den iſt dann nichts mehr
da, kein Heim, kein Geld. Und die Leute ſchauen ihn an: Wer
biſt denn du? Es kennt ihn keiner mehr.
Sie gab ihm ſchnell die Hand über den Tiſch hin:
Aber hier ſind Sie willkommen, Herr Droſten; Ihr Onkel
wird Sie gewiß wiedererkennen. Es hat ihn ſo ſehr beſchäftigt,
ſeit er gehört, daß Sie noch am Leben ſein ſollten, wirklich, ob=
gleich
er ſonſt für die Verwandtſchaft nichts übrig hat.
Noch während ſie ſprach, öffnete ſich ſacht die Tür. Nandl,
das Küchenmädchen, guckte herein und winkte: Fräulein
Traudi!
Da ſtand ſie ſchnell auf.
Muß in der Küche nachſchauen; die Nandl iſt noch nicht
lange da, da muß ich ſelbſt nach dem Eſſen ſchauen.
Richard ſah ihr nach, trank ſein Bier aus, zündete ſich eine
Zigarette an und ſtarrte nachdenklich vor ſich hin. Der Gedanke
kam ihm, wie gut das ſein müßte, ſo einen Beſitz wie den Wal=
ſerhof
zu haben und eine Traudi als Wirtſchafterin darin, oder
gar als Frau. Sie gefiel ihm ſehr gut, die blonde Traudi, es
wäre nicht allzu ſchwer geweſen, ſich in das hübſche, junge Ding
zu verlieben. Sie war die erſte junge weibliche Perſon ſeines
Standes, mit der er nach all den Jahren Krieg und Gefangen=
ſchaft
in Berührung kam, das wirkte merkwürdig erregend auf
ihn ein. Er ſtand auf, ging zwei=, dreimal durch das Zimmer,
ſetzte ſich dann auf die Ofenbank. Da ſah er ſie mit einer Schüſ=
ſel
im Arm draußen am Fenſter vorübergehen, ihr blondes
Haar flimmerte in der Sonne. Und ganz verträumt dachte er:
So ein Gut haben und dann eine Traud ials Frau dazu, das
wäre Aber im gleichen Augenblick durchzuckte ihn faſt wie
ein körperlicher Schmerz die Erinnerung an Flavia, und ſein
Geſicht verdüſterte ſich.
Traudi kam wieder herein, gefolgt von Nandl, zuſammen deck=
ten
ſie den Tiſch. Traudi ſagte, ſie decke nur für zwei, für Herrn
Droſten und ſich ſelbſt. Er würde ja Richard gewiß zum Mittag=
eſſen
auffordern, aber ſie wollte ihm nicht vorgreifen, das liebe
er nicht. Richard nickte, antwortete nicht. Mit dem Blick folgte
er den Bewegungen der jungen Mädchen, wie ſie ab und zu
gingen; mit ſeinen Gedanken war er weit fort. Im Geiſte ſah er

Seite 15

eine lange, ſchmale Gaſſe, roch den eigentümlichen Geruch, der ihr
eigen war, dann den ſüßlichen des Weihrauchs, als der Teppich
vor der Kirchentür ſich hob. Zwiſchen hohen, häßlichen Mietkaſernen
eingezwängt ſtand dieſe Kirche, mit barocker Faſſade. Innen feuchte
Kühle, Halbdunkel; Kerzen flackerten am Altar. Auf ſeinem Arm
zittert eine ſchmale, leichte Hand. Ein Prieſter und zwei kleine
Chorknaben am Altar, an deſſen Stufen er und Flavia knien. Die
Zeremonie nun. Wie eintönig der Prieſter murmelt, wie ſtark
der Weihrauch duftet.
Das war ja alles kein Traum, es war alles einmal Wirklich=
keit
geweſen an dem Morgen, einem ſchirokkoſchwülen Morgen
Anfang Juni des Jahres 1914 war Flavia Roccaferri in der klei=
nen
Kirche am Viminal ſeine Frau geworden. War ſie es noch?
Ohne es zu wiſſen, preßte er die geballte Fauſt aufs Herz.
Ich muß, ich will wiſſen! ſtieß er halblaut aus.
Und Traudi, die gerade die Vaſe mit Blumen wieder auf den
Tiſch ſtellte, drehte ſich nach ihm herum: Bitte?
Da ſchrak er auf, ſtrich ſich mit der Hand über die Stirn, fand
ſich in die Gegenwart zurück und wies auf den Tiſch.
So hübſch gedeckt. Alles ſo heimatlich hier, am liebſten ginge
ich gar nicht wieder fort.
Sie lächelte, zuckte ein wenig die Achſeln.
Auf die Dauer würde es Ihnen hier wohl langweilig wer=
den
, denn viel Abwechſelung bietet der Walſerhof nicht.
Sind Sie nicht gern hier?
Ach, ich
Würden Sie lieber in der Stadt leben?
Ich muß froh ſein, hier ſein zu dürfen. Im Sommer iſt es
ja auch ganz ſchön, aber im Winter dann iſt es manchmal zum
Auswachſen.
Wie lange ſind Sie denn ſchon auf dem Walſerhof?
Vier Jahre.
Und haben es ſo lange ausgehalten?"
In ſolcher Zeit iſt man froh, einen ſicheren Platz zu haben,
und ich muß froh ſein, daß Herr Droſten mich behielt.
Was für hübſche, enzianblaue, blanke Augen ſie hat, dachte
Richard, aber beinahe zu blank, kühl und berechnend erſchienen ſie
ihm nun, als ſie über den Tiſch hinblickten, ob alles da war. Die=
ſes
kühle Berechnen und Abwägen, das gehörte freilich zu ihrem
Beruf als Wirtſchafterin. Gerade wollte er fragen, ob ſie mit
dem alten Droſten verwandt ſei, da blickte ſie aus dem Fenſter
und ſagte faſt erſchrocken:
Da kommt der Onkel!
Alſo doch auch Ihr Onkel? fragte er raſch; und ſie errötete.
von dieſer Frage überraſcht, und erwiderte: Ich nenne ihn ſo,
obgleich die Verwandtſchaft mit ihm nur ſehr weitläufig iſt und
ich hier weiter nichts bin als ſeine Wirtſchafterin, So will er das
auch haben."
Es war hart und abweiſend geſagt, als wollte ſie die Tat=
ſache
ein für allemal feſtgeſtellt wiſſen. Dann verließ ſie ſchnell
das Zimmer.
Richard ſah nun den Alten, wie er quer über die Wieſe auf
das Haus zukam. Rüſtig ſchritt er, feſt den knotigen Stock ein=
ſetzend
, und hinter ihm her trabte ſein kleiner gelber Spitz. Wie
Richard ihn ſah, meinte er, er habe ſich in den zweiundzwanzig
Jahren gar nicht verändert, und erſt, als er näher kam, konnte
er bemerken, daß die buſchigen Brauen über den kleinen Augen
ganz weiß geworden waren.
(Fortſetzung folgt.)

Einſtweilige Verfügung wegen
unlauteren Wettbewerbs.
In Sachen
H. 9.13/61.
des Heſſiſchen Photographen=Bundes, Bwangsinnung
für den Volksſtaat Heſſen, mit dem Sitz zu Darmſtadt,
vertreten durch ſeinen Vorſtand,
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Antragſteller,
vertreten burch Rechtsanwälte Geißner und Langenbach
in Darmſtadt,
gegen
1. Frau Martha Hanſen Wwe.,
2, deren Sohn Hans Ulrich Hanſen, beide zu Darm=
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13, I.,
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zu Darmſtadt, durch ihren Vorſitzenden, Herrn Landgerichts=
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Den Antragsgegnern wird durch einſtweilige Berfügung,
bei Meidung von Geld= oder Haftſtrafe im Rahmen des § 890
Zivilprozeßordnung, verboten, in der ſeitherigen oder in einer
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zu verſprechen und derartige Schecks im Volksſtaat Heſſen
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