Einzelnummer 10 Pfennige
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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche iluftrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 118
Mittwoch, den 29. April 1931.
194. Jahrgang
7 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspig.
nzeigen 40 Reſchepfg. Rellamezelle (92 m
breit 2. Reichemark. Anzeigen von auswärts 40 Reichepfg
Finanz=Anzeigen 60 Reiſchspfg. 92mm breite Rellan
chsmark. Al
preiſe in Reichemark
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m Falle höß
4.20 Mar
Tau
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streil pſwv,
ſede Verpſlſchtung auf Erfüllung der Anzeiger
aufträge und Leiſtung von Schadenerſat
eder
Konhurs oder gerſchtiſcher Beltreibung f.
Kabatt weg. Bankionto Deutſche Banl und
Darm=
fädter und Natſonalbank.
Senkung der Weizenzölle.
Einvernehmen zwiſchen den Reſſorks. — Erhöhung einer Reihe landwiriſchafllicher Zellſäte.
Die Frage des Bukkerzolles verkagk.
den agrarpolitiſchen Fragen waren Gegenſtand ſachlicher Erörte=
De Beintungen des geichstäbineils. rung. Der im Brennpunkt der öffentlichen Diskuſſon ſtehende
Endgülkige Beſchlüſſe am Miktwoch.
Von unſerer Berliner Schriftleitung.
Im Reichskabinett ſind am Dienstag abend in mehrſtündiger
Sitzung die Forderungen des Reichsernährungsminiſters auf
Er=
öhung einer Reihe landwirtſchaftlicher
Zoll=
ätze durchgeſprochen worden. Auch die Butterzölle
wur=
gen behandelt. Die Beratungen baſierten auf einem
Einver=
uehmen, das am Montag zwiſchen den Reſſorts
herge=
ellt worden iſt.: Das Geſamtergebnis der Kabinettsſitzung kann
als recht zufriedenſtellend angeſehen werden, wenn es auch dem
Srnährungsminiſter nicht gelungen ſein dürfte, die
erhöhten Butterzölle durchzudrücken. Dafür hat er
aber im weſentlichen eine Erfüllung ſeiner übrigen Wünſche
er=
eicht. Man nimmt an, daß es wegen der Butterzölle,
über die man ſich erſt zu einem ſpäteren Zeitpunkt wieder
unter=
halten will, zu neuen Differenzen nicht kommen wird.
Auch nicht wegen der Weizenzölle, über deren
Sen=
lung ſchon ein grundſätzliches Einvernehmen
er=
zielt iſt. Hier iſt nur noch die
Kontingentierungs=
irrage zu regeln. Vom Finanzminiſterium iſt herausgerechnet
morden, daß aus einer verſtärkten Weizeneinfuhr
Mehreinnahmen an Zöllen in Höhe von 150
Mil=
läonen zu erwarten ſind, für das Reich außerordentlich
eisfreulich, weil es dann möglich iſt, einige dringende
Finanzbedürf=
wiſſe zu befriedigen. Daraus würde insbeſondere die
Reichsknapp=
ſſchaft einen Jahreszuſchuß von 40 Millionen erhalten. Das
Reichs=
kü=binett wird am Mittwoch noch einmal zuſammentreten, um
end=
gültig Beſchluß zu faſſen. Offenbar iſt die Vertagung erfolgt, weil
darr Reichsfinanzminiſter als maßgebende Perſönlichkeit wegen
ſei=
ner Reiſe nach Hamburg nicht in der Lage war, an der
Diens=
tags=Sitzung teilzunehmen.
Sozialdemokralie und Reichskabinett.
Berlin, 28. April.
Wie hier verlautet, rechnet man in parlamentariſchen Kreiſen
ſmnit, daß Mitte oder Ende Mai die
Sozialdemokra=
ein einen Antrag auf Einberufung des
Reichs=
a ges ſtellen werden. Man glaubt, daß die bevorſtehenden
relien Notverordnungen für die Sozialdemokraten die äußere
Feranlaſſung zu dieſem Schritt ſein werden, da die
feagen Notverordnungen Beſtimmungen enthalten ſollen, die, wie
na.n behauptet, die Sozialdemokraten nicht hinnehmen könnten,
ihrie wenigſtens den Verſuch zu machen, ſie durch Entſcheidung
ſeis Reichstages zu beſeitigen. Die Lage für die
Sozial=
famokraten ſei gegenwärtig ſehr ſchwierig, da
ſer ſozialdemokratiſche Parteitag, der zum
1. Mai nach Leipzig einberufen worden iſt, vor
er Tür ſtehe. Auf dieſem Parteitag werde die
Sozial=
eriokratiſche Reichstagsfraktion ihre Haltung rechtfertigen
müſ=
en— ebenſo wie die 9 ſozialdemokratiſchen
Reichstagsabgeord=
eien, die in der Panzerkreuzerfrage gegen ihre Fraktion geſtimmt
alsen, ihre Gründe vortragen würden. Der
ſozialdemo=
tatiſche Parteivorſtand werde daher, um der
aldikalen Stimmung in weiten Kreiſen der
So=
jcldemokratiſchen Partei nachzugeben, auf
hünberuſung des Reichstages dringen. Man
inamt an, daß der Reichstag dann im Juni zu einer kurzen,
wa einwöchigen Tagung zuſammentreten wird. Demgegenüber
uid von ſozialdemokratiſcher Seite darauf hingewieſen, daß noch
in eswegs ein derartiger Beſchluß vorliege. Die Haltung der
oſ.ialdemokraten werde vielmehr von den Auskünften beſtimmt
en den, die der Kanzler ihnen vor allem über den Brotpreis
id, die ſozialpolitiſchen Fragen geben wird. Erſt wenn ſich ein
eherblick über die beabſichtigten Maßnahmen der Regierung
minnen läßt, wird der ſozialdemokratiſche Fraktionsvorſtand
ine Entſcheidung treffen. Es liegt natürlich auf der Hand,
uh man die Haltung der Sozialdemokratie in politiſchen
Krei=
augenblicklich mit beſonderer Aufmerkſamkeit verfolgt.
Viel=
ſchtt, daß die Ausſprache Dr. Breitſcheids, die dieſer
m. Mittwoch mit dem Kanzler haben wird, darüber
ihere Aufklärung bringt. Man nimmt aber heute als ſicher an,
ß der umſtrittene Punkt, die Erhöhung des Butterzolles, nicht
ehmr vor der Genfer Ratstagung entſchieden wird. Im
Zu=
munenhang mit dieſen Fragen gewinnt der Brotpreis wachſende
edreutung, da die Sozialdemokratie Wert darauf legt, daß die
eſmimmung des Geſetzes über die Zolländerungen vom 28. März
ge=wendet wird, wonach einer Erhöhung des Brotpreiſes über
n Durchſchnittspreis der letzten ſechs Monate vorzubeugen
In ſozialdemokratiſchen Kreiſen erwartet man die Herab=
Bumg der Brotgetreidezölle. Dem wird auch Dr. Breitſcheid
ſeiner morgigen Beſprechung mit dem Reichskanzler Ausdruck
ſbern.
Agung des Frakkionsvorſtandes des Zenkrums.
Der Vorſtand der Reichstagsfraktion des Zentrums hielt am
en stag im Reichstag eine Sitzung ab, in der u. a. der
Reichs=
ſiſler Dr. Brüning ſowie die drei Kabinettsmitglieder des
mrums teilnähmen. Der Reichskanzler gab dem Vorſtand,
nlſich wie er es in den letzten Tagen verſchiedentlich getan,
tem Ueberblick über die gegenwärtige Lage. In der
nachfol=
meen Ausſprache berichteten die Vorſtandsmitglieder über ihre
obeächtungen und Erfahrungen im Lande. Die weſtdeutſchen
2ſchleſiſchen Abgeordneten gaben u. a. Kenntnis von
Wün=
en, der Bevölkerung in den Weſt= und Oſtgebieten (Bleiberg=
Ei und Zinkinduſtrie im Aachener Revier, ſchleſiſche
Gewerbe=
eige). Lebhaft bedauert wurde, daß die
Ausführungsbeſtim=
nigen zum Oſthilfegeſetz noch nicht erlaſſen ſeien. Die ſchweben
Vorvertrag mit Oeſterreich wurde als im Intereſſe einer
geſun=
den europäiſchen Entwicklung liegend gebilligt. In allen
berühr=
ten Fragen herrſchte nach der parteiamtlichen Mitteilung volle
Uebereinſtimmung der Vorſtandsmitglieder mit der klar
erkann=
ten und zielbewußten Haltung des Reichskanzlers. Der
Frak=
tionsvorſtand wird am 20. Mai erneut zuſammentreten, um in
Fortſetzung der politiſchen Erörterungen notwendige Maßnahmen
zu beraten. In dieſer Sitzung wird auch über Ort und Zeit der
nächſten Fraktionsſitzung entſchieden werden.
Reichspräſidenk auf Lebenszeik?
Nalionalſozialiſtiſche Angriffe gegen Hindenburg.
* Der volksparteiliche Abg. Dr. Schifferer hat
in Flensburg einen Antrag angekündigt, wodurch die
Amts=
dauer des Reichspräſidenten von Hindenburg
auf Lebenszeit verlängert werden ſolle. Soweit wir
wiſſen, ſind in parlamentariſchen Kreiſen die Möglichkeiten eines
ſolchen Antrages ſchon vor Monaten erwogen worden. Sie
wur=
den aber zurückgeſtellt, weil der Zeitpunkt dafür noch nicht
ge=
kommen iſt, denn ein volles Jahr trennt uns noch von der
Neuwahl und auf ſo lange Sicht läßt ſich ein ſolcher Plan nicht
vorbereiten, zumal zunächſt abgewartet werden muß, welche
Stel=
lung Herr v. Hindenburg perſönlich einnimmt. Er würde, wenn
überhaupt, ſicherlich überhaupt nur zuſtimmen, wenn er die
Ge=
währ hätte, daß im Reichstag die für eine ſolche
Verfaſſungs=
änderung notwendige Zweidrittelmehrheit vorhanden iſt. Das
iſt bei den ſcharfen Tönen, die gegenwärtig von den
National=
ſozialiſten und auch den Deutſchnationalen angeſchlagen
wer=
den, immerhin zweifelhaft. Unzweifelhaft genießt
Reichspräſi=
dent v. Hindenburg innen= und außenpolitiſch wegen ſeiner
Un=
pärteilichkeit ein unbegrenztes Maß von Autorität. Eine
Perſön=
lichkeit, die ihn völlig erſetzen könnte, ſteht uns zurzeit nicht zur
Verfügung. Aber es hieße der Sache nur ſchaden, wenn jetzt
bereits der Preſſekampf darüber losginge. Die Gegenfätze
wür=
den nur erhöht und Herrn v. Hindenburg die Neigung zur
Weiterverwaltung ſeines Amtes vergällt.
Gerade in dieſem Augenblick paſſiert es, daß die
National=
ſozialiſten anſcheinend ganz vergeſſen haben, daß ſie die Wahl
Hindenburgs zum Reichspräſidenten mit großem Eifer betrieben
haben. Ihre Reichstagsfraktion ſchlägt in einer Erklärung, die
ſie in München beſchloſſen hat, gegenüber dem Reichspräſidenten
eine Tonart an, die den Rahmen des Erlaubten weit
überſchrei=
tet. Sie wagt es, ihn „zu ermahnen” entſprechend ſeiner Pflicht
die Grundrechte der Verfaſſung zu verteidigen „oder aber, wenn
er das nicht kann oder will, zurückzutreten und den Schutz ſeiner
ehemaligen Wähler einem neu zu beſtimmenden nationalen
Reichspräſidenten zu überlaſſen‟. Das iſt eine völlig ungehörige
Sprache, doppelt ungehörig, weil in dem Schlußſatz mit
ſicher=
lich nicht unbeabſichtigter Zweideutigkeit ein Gegenſatz zwiſchen
Herrn v. Hindenburg und einem „nationalen Reichspräſidenten”
konſtruiert wird. Die Nationalſozialiſten ſind offenbar jetzt ſchon
ſoweit gekommen, ſogar Herrn v. Hindenburg die nationale
Ge=
ſinnung abzuſprechen. Ihre Selbſtüberſchätzung und
Ueberheb=
lichkeit kennt keine Grenzen mehr.
Die „Germania” übt ſchärfſte Kritik an dieſer Stellungnahme
der Nationalſozialiſten und weiſt die Angriffe gegen den
Reichs=
präſidenten entſchieden zurück. Das Urteil des Volkes über dieſen
Ungeiſt werde einmal ſcharf und deutlich geſprochen werden.
Die „D. A. 3.” ſchreibt, wenn irgend etwas dazu beitragen
könne, den Nationſozialiſten zahlloſe Sympathien zu verſcherzen
und ihren Gegnern ein willkommenes Stichwort zu liefern, dann
ſei es der Kampf gegen Hindenburg, und die Form, in der man
dieſen Kampf führen zu können glaube.
Eine Erklärung des Skahlhelms.
Nach einer Mitteilung des Bundesamts des Stahlhelms
ent=
ſprechen die Preſſemeldungen, daß es dem Stahlhelm nicht möglich
ſei, den für das Volksbegehren und den Volksentſcheid
erforder=
lichen Geldbetrag aufzubringen, nicht den Tatſachen. Die Koſten
für das Volksbegehren ſeien bezahlt. Der für den Volksentſcheid
nötige Betrag liege bereit. Die Bundesleitung des Stahlhelms
habe auch keine der beteiligten Parteien um Tragung eines
Koſten=
anteils gebeten.
Endlich!
Königsberg, 28. April.
Der franzöſiſche Konſul in Königsberg, Pierre Fauget, der
an dem Zwiſchenfall bei der Artilleriekaſerne beteiligt war, iſt
überſtürzt von Königsberg abgereiſt, da er zur ſofortigen
Be=
richterſtattung nach Paris berufen worden iſt.
Begebung von 150 Millionen RM. Schahanweiſungen
der Deutſchen Reichspoſt.
Ein unter Leitung der Reichsbank ſtehendes Konſortium
wird demnächſt 150 Mill. RM. ſechsprozentige
Schatzanweiſun=
gen der Deutſchen Reichspoſt, fällig 1. 10. 1933, zum Kurſe von
96 Prozent zur Zeichnung auflegen. Die Poſtſchatzanweiſungen
ſind reichsmündelſicher und lombardfähig; ſie ſind mit
halb=
jährigen Zinsſcheinen, fällig am 1. April und 1. Oktober
aus=
geſtattet, deren erſter am 1. Oktober d. J. fällig wird. Der zur
Ausgabe gelangende Betrag dient in Höhe von 100 Mill. RM.
zur Einlöſung der am 15. Juni und 15. Juli d. J. fällig
wer=
denden unverbindlichen Reichspoſtſchatzanweiſungen. Darüber
hinaus ſind die der Poſt zufließenden Mittel zum Ausbau ihrer
Ankagen beſtimmt.
Der preußiſche Kirchenverkrag.
Von
D. Dr. M. Schian.
II.
Was gibt der Preußiſche Staat den evangeliſchen
Landex=
kirchen ſeines Gebietes?
1. Er gibt ihnen größere Freiheit der
kirch=
lichen Geſetzgebung. Durch ein Staatsgeſetz von 1924
war beſtimmt, daß ſämtliche Kirchengeſetze vor ihrer
Verkün=
dung den zuſtändigen Staatsminiſterien vorgelegt werden
mußten. Deren möglicher Einſpruch war freilich an beſtimmte
Vorausſetzungen geknüpft. Aber es war eine für die Kirchen
überaus peinliche Sache, daß ſie auch Geſetze in Fragen des
inneren kirchlichen Lebens, z. B. die am 1. Januar 1931 in
Kraft geſetzte „Ordnung des kirchlichen Lebens”, den ſtaatlichen
Stellen vorlegen mußten. Auch in Zukunft werden die
preußi=
ſchen Kirchen in ihrer Geſetzgebung nicht völlig frei ſein.
Aber ſie brauchen nur noch Geſetze über die vermögensrechtliche
Vertretung der Kirchen und ihrer öffentlich=rechtlichen Verbände
vorzulegen. Und Einſpruch kann vom Staat nur noch erhoben
werden, falls ſolche Geſetze, eine geordnete Geſchäftsführung
nicht gewährleiſten.
2. Der Staat ſichert den Kirchen, ihren öffentlich=rechtlichen
Verbänden, Anſtalten und Stiftungen das Eigentums=
und andere Rechte an ihrem Vermögen nach
Maß=
gabe der Verfaſſung des Deutſchen Reiches zu. Damit iſt nichts
gegeben, was nicht ſchon durch die Reichsverfaſſung gewährt iſt.
Aber der Staat macht ſich ausdrücklich vertraglich zum Bürgen
der in der Reichsverfaſſung enthaltenen Zuſicherung. Wichtig
aber iſt ferner, daß ſtaatliche Gebäude oder
Grund=
ſtücke, die Zwecken der evangeliſchen Kirche
ge=
widmet ſind, dieſen nach wie vor überlaſſen bleiben. Dieſe
Beſtimmung iſt von erheblichem Wert. Die meiſten
Kirchen=
behörden in Preußen benützen noch von früher her Gebäude,
die im ſtaatlichen Eigentum ſtehen. Ebenſo ſind eine Reihe
von Predigerſeminaren in ſtaatlichen Gebäuden untergebracht.
Dieſe Gebäude bleiben auch zukünftig Eigentum des
Preußi=
ſchen Staates. Aber die dauernde Benutzung durch die
Kirchen iſt geſichert. Auch trägt der Staat die Koſten der
bau=
lichen Inſtandhaltung. Sehr wichtig iſt, daß damit auch die
dauernde Benutzung einer großen Anzahl von Kirchen, die
im Alleiu= oder Miteigentum des Staates
ſtehen; durch die evangeliſche Kirche geſichert iſt. Zu dieſen
Kirchen gehören unter anderem die Dome in Halberſtadt,
Magde=
burg, Merfeburg und Halle, der Dom zu Wetzlar und, die
Friedenskirche in Potsdam.
3. Der Staat wird nicht die alleinige Beſetzung der
Pfarrſtellen fiskaliſchen Patronats in
Alt=
preußen in Anſpruch nehmen. Sie werden nach Benehmen
zwiſchen Staat und Kirchenbehörde beſetzt. Wie wichtig dieſe
Beſtimmung iſt, ergibt ſich daraus, daß es ſich allein in
Alt=
preußen um mehr als 2000 Pfarrſtellen handelt.
4. Der Staat wird vor der Anſtellung eines
ordent=
lichen oder außerordentlichen Profeſſors an einer
evange=
liſch=theologiſchen Fakultät der kirchlichen Behörde Gelegenheit
zu gutachtlicher Aeußerung geben. Dieſes Recht beſtand
bis=
her nur für die altpreußiſchen Fakultäten. Es ruhte auf einer
Kabinettsorder Friedrich Wilhelms IV. Für die neuen
preußi=
ſchen Fakultäten Kiel, Göttingen und Marburg wird es neu
eingeführt. Es handelt ſich nicht um ein förmliches
Einſpruchs=
recht. Das Gutachten der Kirchenbehörden hat nicht die
Be=
deutung eines Veto. Immerhin hat dieſe Beſtimmung große
Bedeutung. Es darf nicht verſchwiegen werden, daß dieſer
Punkt zu lebhaften Auseinanderſetzungen Anlaß gegeben hat.
In den neupreußiſchen Landesteilen, die dieſes Recht noch
nicht kannten, war die Stimmung bei den Fakultäten ſehr
ge=
teilt, während die altpreußiſchen Fakultäten von vornherein ihr
Einverſtändnis erklärt hatten. Gegner dieſes Vertragsartikels
befürchten von der Befragung der Kirchenbehörden eine
Beein=
trächtigung der Freiheit der theologiſchen Wiſſenſchaft. Das
kam auch im Plenum der Generalſynode zum Ausdruck. Aber
man darf darauf hinweiſen, daß in Altpreußen dieſes Necht
bereits ſeit faſt ſieben Jahrzehnten gehandhabt wird, ohne daß
die Freiheit der evangeliſch=theologiſchen Wiſſenſchaft in den
alt=
preußiſchen Fakultäten irgend gefährdet worden wäre. Man
wird ferner darauf hinweiſen dürfen, daß eine Befragung der
Kirche jetzt notwendiger geworden iſt als früher, wo in der
Perſon des oberſten Landesbiſchofs eine enge Verbindung von
Kirche und Staat gegeben war. Durch Einzelbeſtimmungen
iſt Vorſorge getroffen, daß keine der preußiſchen Landeskirchen
in einer ſolchen Beſetzungsfrage, falls ſie überhaupt Bedenken
erheben will, allein für ſich vorgeht. Uebrigens beſteht in Heſſen
ein ähnliches Recht der Kirche.
5. Der Staat ſichert den Kirchen für kirchenregimentliche
Zwecke eine Dotation von jährlich 4950 000 RM. zu. Es
handelt ſich dabei um eine Ablöſung der in Preußen immer
vom Staat getragenen Koſten der Kirchenbehörden ſelbſt,
ein=
ſchließlich einer gewiſſen Dienſtaufwandsentſchädigung für die
Superintendenten. Auch Aufwendungen für die Vorbildung der
Pfarrer ſind in dieſer Beſtimmung enthalten. Eine neue
Leiſtung ſtellt dieſe Dotation nicht dar. Doch iſt ſie etwas
reichlicher bemeſſen als in den letzten Jahren, in denen die
Leiſtungen des Staates hinter den im Laufe der Zeit notwendig
gewordenen erhöhten Aufwendungen der Kirche nicht unerheblich
zurückgeblieben waren.
Das ſind die wichtigſten Beſtimmungen des Vertrages. Man
kann noch hinzunehmen, daß die Bedingungen für die
Vorbil=
dung der Geiſtlichen feſtgelegt ſind. Der preußiſche Pfarrer
muß Reichsdeutſcher ſein, muß ein Reifezeugnis, das zum
Studium an einer deutſchen Univerſität berechtigt, beſitzen und
muß an einer deutſchen ſtaatlichen Hochſchule ſtudieren.
Von Gegnern des Kirchenvertrages iſt mit aller Schärfe
darauf hingewieſen worden, daß über die Leiſtungen des Staates
für die Beſoldung der Pfarrer in dem Vertrage nichts
enthal=
ten iſt. Das iſt richtig. Es war aber einfach nicht möglich,
Zugeſtändniſſe in dieſer Hinſicht zu erlangen, da auch im
katho=
liſchen Konkordat nichts über die Pfarrerbeſoldung geſagt iſt.
Hat die katholiſche Kirche eine ſolche vertragliche Sicherung der
Zuſchüſſe des Staates zur Pfarrerbeſoldung nicht erreichen
kön=
nen, ſo konnten natürlich auch die evangeliſchen Kirchen darin
nichte erreichen. Wie in der Frage der politiſchen Klauſel, wo
Seite 2
Mittwoch, den 29. April 1931
Nummer 118
die evangeliſche Kirche die Bindung, die die katholiſche Kirche
eingegangen iſt, auch ihrerſeits annehmen mußte, ſo war auch
in dieſem Punkt gleichmäßige Behandlung der Kirchen gegeben.
Daß der Staat ſich für die ganz gewaltige finanzielle Leiſtung
für die Pfarrerbeſoldung nicht vertraglich binden will, kann
man von ſeinem Standpunkt aus verſtehen. Vom Standpunkt
der Kirchen wäre allerdings eine entſprechende Sicherung aufs
höchſte zu begrüßen geweſen.
Ueberblickt man all dieſe Beſtimmungen, ſo wird man ſagen
müſſen, daß der Vertrag der Kirche ſo wertvolle Zuſicherungen
bietet, daß eine Ablehnung nur um der politiſchen Klauſel
willen ſich ſchwerlich hätte rechtfertigen laſſen. Daß eine
poli=
tiſche Klauſel in den Vertrag hineinkommen würde, wußten
die Kirchen, als ſie einen mit dem katholiſchen Konkordat
gleich=
wertigen Vertrag forderten. Es handelte ſich jetzt alſo nur um
die näheren Modalitäten. Sind dieſe auch nach mancher Leute
Meinung nicht voll befriedigend ausgefallen, ſo ſind ſie doch ſo
formuliert, daß die Kirchen einigermaßen zufrieden ſein können.
Durch die Annahme des Vertrages aber iſt vermieden worden,
daß das Verhältnis von Kirche und Staat einer höchſt
gefähr=
lichen Belaſtung ausgeſetzt wurde. Ein Kriegszuſtand, wie er
ſonſt wahrſcheinlich unabwendbar geweſen ſein würde, wird
nun vermieden.
Die Zukunft der evangeliſchen Kirche ruht nicht auf dem
Kirchenvertrag. Sie ruht überhaupt nicht auf ihrem
Verhält=
nis zum Staat. Sie ruht allein auf der inneren Kraft der
Kirche, auf der Treue der Gemeinden. Die Kirche vertraut im
letzten Grunde nicht auf den Staat, ſondern auf Gott. Aber
die Kirche als Volkskirche, als organiſierte Rechtskirche muß
ſich in den Verhältniſſen dieſer Welt, alſo auch dieſes Staates
ihren Platz ſichern. Das iſt in erfreulicher Weiſe gelungen. Es
ſchien anfangs manchen ſehr zweifelhaft, ob ein großer Staat
wie der preußiſche bereit ſein werde, mit Kirchen ſeines eigenen
Staatsgebietes als mit gleichberechtigten Vertragspartnern zu
verhandeln. Er hat es getan; die Bedeutung der evangeliſchen
Kirchen iſt dadurch zweifellos aufs neue wirkſam anerkannt
worden. Man darf zwar wohl nicht von einem Wendepunkt
in der Geſchichte der evangeliſchen Kirche Preußens ſprechen.
Die innere Entwicklung der Kirche wird durch den
Kirchen=
vertrag nicht berührt. Aber man darf mit Recht von einem
bedeutſamen Ereignis reden, das die Rechtsſtellung der Kirchen
m Preußen weſentlich beeinflußt.
Die Zollunion vor dem Rak.
Die Einladung Oeſterreichs und der Tſchechoflowakei
zur Genſer Rafskagung.
Genf, 28. April.
Vom Völkerbundsſekretariat wird jetzt offiziell beſtätigt, daß
Ende der vergangenen Woche, wie von uns ſchon angekündigt,
Einladungen an die öſterreichiſche und tſchechoſlowakiſche
Regie=
rung ergangen ſind, in denen die beiden Regierungen darauf
aufmerkſam gemacht werden, daß das deutſch=öſterreichiſche
Pro=
tokoll über die Zollangleichung auf der Tagesordnung der
Rats=
tagung im Mai ſteht, und daß aus dieſem Grunde ihre
Anweſen=
heit in Genf erwünſcht ſei, damit Vertreter der beiden
Regie=
rungen auf Beſchluß des Rates an den Verhandlungen über den
betreffenden Punkt der Tagesordnung teilnehmen könnten.
Die=
ſelbe Einladung iſt auch an die belgiſche Regierung gerichtet
worden, weil Belgien nachträglich dem Anleiheprotokoll vom
Jahre 1922, das bei den Erörterungen im Rat eine Rolle ſpielen
wird, beigetreten iſt.
Ein neuer Weg zur Abwürgung der Zollunion?
Rom; 28. Aprik.
Die „Tribuna” bringt die überraſchende Meldung, daß
zwiſchen London, Rom und Paris die
Zweckmä=
ßigkeit einer Einberufung des im Jahre 1922
ür Oeſterreich eingeſetzten
Finanzkontroll=
ausſchuß beraten werde zur Unterſuchung der Frage,
ob die geplante deutſch=öſterreichiſche
Zolluni=
on dem Anleiheprotokoll widerſpreche. Die
Einberufung dieſes Finanzkontrollausſchuſſes ſei noch vor der
Mai=Tagung des Völkerbundsrates vorgeſehen.
Dieſer Plan bezweckt offenbar ein Gutachten jenes
Ausſchuſſes, der ja in Wahrheit nicht mehr
be=
ſteht, und der von denjenigen Mächten neu zu
beſtellen wäre, die Oeſterreich im Jahre 1922
die Völkerbundsanleihe gewährt haben. In
dieſem Ausſchuß ſind die an der Zollunion
hauptbeteiligten Länder, nämlich Deutſchland
und Oeſterreich ſelbſtverſtändlich nicht vertreten. Das
Gutachten könnte alſo einen Anſpruch auf Objektivität nicht
er=
heben. Im übrigen dürfte es keinem Zweifel unterliegen, daß
weder die deutſche noch auch die fün die Beurteilung
Botſchafter von Neurath, der inzwiſchen von ſeiner Krankheit wieder
geneſen iſt, wird ſich am Mittwoch auf ſeinen Londoner Poſten
zurück=
begeben.
Geſandter v. Mutius iſt zur Dienſtleiſtung in das Auswärtige Amt
berufen worden.
Die bulgariſche Kabinettskriſe ſcheint in ihren letzten Abſchnitt
ein=
getreten zu ſein. Malinoff erhielt nach dem Scheitern Zankows vom
König erneut den Auftrag, ein Koalitionskabinett einſchließlich des
Sgovor zu bilden.
In amtlichen engliſchen Kreiſen wird zurzeit die Frage erwogen,
ob ein Geſchwader der britiſchen Kriegsmarine im Laufe des Juni dem
deutſchen Hafen Kiel einen formellen Beſuch abſtatten ſoll. Eine
Ent=
ſcheidung iſt, wie es heißt, noch nicht getroffen worden.
Die Arbeitsloſigkeit in England hat ſich während der letzten Woche
um 47 198 Perſonen verringert. Sie beträgt nunmehr 2 513 856
Per=
onen.
Der ſpaniſche Miniſterrat genehmigte ein Dekret, durch das die
Far=
ben Rot=Gold=Violett zu Farben der ſpaniſchen Nationalflagge erklärt
werden.
Der ehemalige ſpaniſche Miniſterpräſident General Berenguer iſt
verhaftet und ins Madrider Gefängnis gebracht worden. Seine
Verhaf=
tung ſoll im Zufammmenhang mit der angeblich von ihm ausdrücklich
an=
geordneten Erſchießung zweier aufſtändiſcher Offiziere im vorigen Jahre
ſtehen.
Der Geſetzentwurf, durch den das Statut der Bank des Auſtraliſchen
Bundes dahin ergänzt wird, daß dieſe nunmehr ihre Goldreſerven
ge=
gebenenfalls der Regierung zur Verfügung ſtellen muß, wurde vom
auſtraliſchen Abgeordnetenhaus in allen Leſungen angenommen.
dieſer Rechtsfrage am meiſten beteiligte öſterreichiſche
Regierung in der Lage wäre, ein derartiges
Kutachten in irgendeiner Weiſe anzuerkennen.
Die rechtliche Möglichkeit der Wiedereinſetzung des genannten
Kontrollausſchuſſes iſt nur für den Fall gegeben, daß entweder
die öſterreichiſchen Pfänder für den Anleihedienſt nicht mehr
ge=
nügen (was ausgeſchloſſen iſt) oder das Gleichgewicht des
öſter=
reichiſchen Haushalts ernſtlich gefährdet iſt. Beide
Vorbedin=
gungen treffen nicht zu. Auch in Genfer Kreiſen bezeichnet man
den Gedanken an die im Genfer Protokoll vorgeſehene
Einbe=
rüfung der Kontrollkommiſſion als auf irrigen Vorausſetzungen
veruhend. Das zweite Genfer Protokoll von 1922 legt in den
Artikeln 6, 10 und 11 ausdrücklich die Befugniſſe der
Kontroll=
kommiſſion feſt, die ſich ausſchließlich auf die Feſtſetzung der
An=
leihebedingungen und die Kontrolle der Zolleinnahmen bezieht.
Die Kontrollkommiſſion war ſeinerzeit nach Genfer Auffaſſung
geſchaffen worden, um eine Inanſpruchnahme der garantierenden
Mächte für die öſterreichiſche Finanzanleihe zu verhindern.
Jedoch waren ihr ausdrücklich lediglich finanztechniſche
Befug=
niſſe eingeräumt worden. Eine Auslegung der in dem erſten
Genfer Protokoll enthaltenen Beſtimmung über die
Unabhän=
gigkeit Oeſterreichs durch dieſe Kontrollkommiſſion kann daher
in keiner Weiſe in Frage kommen.
der franzöſiſche Gegenplan
gegen das deukſch=öſterreichiſche Zollabkommen
wird in Genf recht kritiſch aufgenommen; man weiſt darauf hin,
daß die Anregung zu einer Verſtändigung über die europäiſche
Induſtrie=Erzeugung von Loucheur im Sinne einer
internatio=
nalen Kontrolle der Kartelle und Truſts bereits mehrfach
ver=
ſucht, aber wieder fehlgeſchlagen ſei. Ebenſo ſtänden der
Ge=
währung von Anleihen an die Oſtſtaaten Hinderniſſe im Weg,
weil ſich dieſe Staaten bei der Stabiliſierung ihrer Währung
faſt alle gewiſſen Beſchränkungen bei der Aufnahme von
An=
leihen unterworfen hätten. Die Aufnahme von Anleihen ſei
aber von den Garantie=Großmächten dieſer Staaten ſchon
häufi=
ger unter Berufung auf die Sperrklauſel unmöglich gemacht
worden. Der erfolgverſprechendſte Weg, ſo erklärt man in Genf,
den Donauländern zu helfen, ſei die Durchführung
zollpoliti=
ſcher Abkommen, die jedoch nur bei Mitwirkung der
ausſchlag=
gebenden zentraleuropäiſchen Abſatzmärkte zuſtande kommen
könnten.
Ad
Ruſiſche Lieferungsaufkräge für Italien.
Rom, 27. April.
Zwiſchen dem Kooperationsminiſter und dem Finanzminiſter
inerſeits und der ruſſiſchen Handelsdelegation andererſeits
wurde heute ein Abkommen über die Lieferung italieniſcher
Er=
zeugniſſe nach der Sowjetunion unterzeichnet, das anſtelle des
abgelaufenen Abkommen vom 2. 8. 1930 tritt. Während ſich
dieſes Abkommen auf Lieferungen im Werte von 200 Millionen
Lire bezog, ſieht das neue Abkommen für das Jahr 1931 einen
Geſchäftsumfang von 350 Millionen Lire (77 Mill. RM.) vor.
Auch wurden diejenigen Aenderungen der allgemeinen
Beſtim=
mungen vorgenommen, die ſich nach den Erfahrungen der
ver=
gangenen Monate als zweckmäßig herausgeſtellt haben.
Die Abrüftungsfrage.
Sfockung in den Londoner Flotkenverhandlungen.
London, 28. April.
Zu den franzöſiſch=engliſch=italieniſchen
Flottenverhandlun=
gen ſchreibt der diplomatiſche Korreſpondent des „Daily
Tele=
graph”: Es werden vorausſichtlich einige Tage vergehen,
bevor die franzöſiſche Regierung auf die
Gegenvor=
ſchläge des Staatsſekretärs Henderſon antwortet. Bis
da=
hin werden die Arbeiten der
Marineſachver=
ſtändigen in London ruhen. Der Korreſpondent
er=
klärt, daß die geſtrige Meldung, die amerikaniſche Regierung
habe in die Verhandlungen eingegriffen, völlig unrichtig ſei.
Er handele ſich um eine unbegründete Schlußfolgerung aus der
Tatſache, daß der amerikaniſche Botſchafter Dwight Morrow auf
der Reiſe von Italien nach Amerika das Wochenende in Paris
zugebracht hatte.
Miniſterrak in Paris
Paris, 28. April.
Unter dem Vorſitz des Präſidenten der Republik fand heute
ein Miniſterrat ſtatt. Der Präſident der Republik unterzeichnete
das Dekret, das die Cinberufung der
Nationalver=
ſammlung zur Wahl ſeines Nachfolgers auf den
13. Mai anberaumt. Außenminiſter Briand berichtete
über den Stand der Flottenverhandlungen
und der Vorbereitung zur Tagung des
Völker=
bundsrates. Der Miniſterrat beſchloß, eine Delegation
nach Nom zu entſenden, die über den Abſchluß eines
franzöſiſch=italieniſchen
Schiffahrtsvertra=
ges verhandeln ſoll. Zum Präfekten des Departements,
Oberrhein wurde der bisherige Präfekt des Departements Ain,
Laban, ernannt.
N4
der Bericht des Danziger Völkerbandskommiſſars
in Genf.
Der Bericht des Danziger Völkerbundskommiſſars Graf Gravina
iſt am Dienstag hier eingetroffen. Er wird in den nächſten
Ta=
gen ſämtlichen Ratsmitgliedern übermittelt werden. Der
um=
fangreiche Bericht, dem zahlreiche Anlagen beigefügt ſind,
trägt den Charakter einer allgemeinen
Unter=
richtung des Rates über die letzte Entwicklung
der Beziehungen zwiſchen Danzig und Polen,
ohne daß jedoch darin Vorſchläge gemacht
wer=
den. Ueber ſeinen Inhalt wird zunächſt Stillſchweigen bewahrt,
jedoch kann angenommen werden, daß der Bericht
insbe=
ſondere die mit dem Rücktrittsgeſuch
Strasbur=
gers verbundenen Ereigniſſe behandelt. Die
auf polniſcher Seite vertretene Auffaſſung, daß die letzten
Ereig=
niſſe in Danzig der polniſchen Regierung auf Grund der bekannten
Ratsentſcheidung vom 22. Juni 1921 ein Recht zu neuen
Siche=
rungsmaßnahmen gäben, ſoll, wie verlautet, in dem Bericht
ab=
gelehnt werden. Als feſtſtehend kann angenommen werden, daß
der Bericht auf die Tagesordnung der Maitagung des Rates
ge=
ſetzt wird, womit die Möglichkeit einer allgemeinen geſetzlichen
Beratung über die Beziehungen zwiſchen Danzig und Polen
ge=
geben würde. An den Verhandlungen werden der Danziger
Senatspräſident Dr. Ziehm und der Völkerbundskommiſſar
teil=
nehmen.
Reine Rechtferkigung für die künſtliche Loslöſung,
Danzigs vom dentſchen Staatsgebiek.”
EP. London, 28. April.
Das Problem der Benutzung des Danziger Hafens durch
Polen wird in einem Leitartikel des „Mancheſter Guardian”
er=
örtert. Das Blatt iſt der Anſicht, daß es zwar nicht leicht fallen
werde, den Begriff der vollen Ausnutzung, wie ſie der
Juriſten=
ausſchuß Danzig zugeſtanden hat, feſtzulegen. WennPolen jedoch nach
Errichtung des Gdingener Hafens Danzig nicht mehr brauche,
dann beſtände fernerhin auch keine Rechtfertigung für die im
Intereſſe des polniſchen Handels erfolgte künſtliche Loslöſung
Danzigs von dem deutſchen Staatsgebiet.
Bombenerploſion in einem Agramer Park.
Agram, 28. April.
Im Königlichen Tomislav=Park von Agram=Zagreb
explo=
dierten vergangene Nacht vier Sprengſtofſpakete, die dort im
dichten Gebüſch verborgen waren. Beim fünften, das man noch
auffand, verſagte die Zündung. Irgendwelcher Schaden iſt nicht
angerichtet worden, von den Tätern hat man keine Kenntnis.
gebauten Bank of England (des ehrwürdigſten
natio=
nalen Inſtituts, des Stolzes und der Stütze des Britiſchen
Imperiums!) bietet ſich nämlich den Londoner Bürgern jetzt im
Schmucke von ſechs ſchreiend modernen Skulpturen dar, die auf
das Gewühl der City mit einer Maniriertheit und Dekadenz.
herabſchauen, die durchaus nicht geringer als diejenige der
Cochranſchen „Young Bright People” zu ſein ſcheint ..."
Mit der Bank of England iſt während der letzten zwei Jahre;
jener unerquickliche Prozeß vorgenommen worden, den man in
Deutſchland „Aufſtocken” nennt: auf einen uralten, hinreißend
ſchönen, vom großen Criſtopher Wren entworfenen und vom Ruß
zweier Jahrhunderte angeräucherten Rokoko=Unterbau iſt eine
neue Etage im Stile des modernen Klaſſizismus aufgeſtockt
wor=
den. Beide Teile aber, der alte untere und der neue obere, ſing
durch ſechs menſchliche Geſtalten darſtellende Strebepfeiler
ber=
bunden worden, die das helle Entſetzen eines großen Teils des
Londoner Publikums erregen.
Hinter der Beſcherung ſoll, wie man munkeln hört, der
Direl=
tor der Bank of England ſelbſt ſtehen: Mr. Montagn Norman,
ſonſt ein kalter und nüchterner Geſchäftsmann, iſt im
Prival=
leben, wie das oft der Fall zu ſein pflegt, ein Kunſtliebhaber von.
ganz revolutionären Tendenzen. Er betraute mit der
Aus=
ſchmückung der neuen Bankfront, einen jungen, ultramodernen
Künſtler namens Charles Wheeler, der die Bank of England /o
weit „moderniſiert” hat, wie dieſes ihm eben möglich geweſen iſt.
Nachdem die geſamte Londoner City ſich über die Bedeutung=
(und nicht zuletzt auch über das Geſchlecht) der ſechs Figuren eiſe
ganze Zeit lang den Kopf zerbrochen hatte, erklärt nun Mi=
Wheeler in der Preſſe, was ſeine Geſtalten darzuſtellen habenz
nämlich — vier von ihnen ſind als männliche „Wächter des Wo9l
ſtandes”, die zwei übrigen als weibliche „Träger des
Wohlſtan=
des” zu verſtehen . . .
Doch noch immer kann man täglich zu früher Morgenſtunde
hunderte von Bürobeamten, Tippfräulein und City=Herren ſehe‟
wie ſie ſich vor der Bank of England, der „alten Ladh w‟
Threadneedle Street” ſtauen und ſich in ſprachloſem Entſetzen die
ſechs verdrehten Wächter und Träger ihres einſt ſo geachteten und
durchaus nicht dekadenten britiſchen Wohlſtandes anſtaunen . . .
Einſt war in old dear England manches anders. Einſt konnte
niemand in England über Nacht ſieben Millionen Mart
n der Lotterie gewinnen. Heute kann es jeder, der
10 Schillinge auszugeben bereit iſt und der — ſoviel Glück hat,
wie der italieniſche Kaffeehausbeſitzer Emilio Scala währeng
der „Iriſh=Hoſpital”=Lotterie anläßlich des Liverpooler Hürden”
rennens. Davon ſpricht heute noch ganz London.
Londoner Revue.
Von George Popoff.
London, Mitte April.
Das „Pavillion=Theatre”, in dem zurzeit Mr. Charles B.
Cochrans „1931 Revue” läuft, nennen manche Londoner
„Das Herz der Welt”. London, ſagen ſie, iſt die Hauptſtadt der
Welt:; das Zentrum Londons iſt der „Piccadilly=Cireus” Platz;
die Hauptſache auf dem Piccadilly=Cireus, iſt das Pavillion=
Theatre. Die Logik iſt nicht von der Hand zu weiſen . . .
Im Pavillion=Theatre alſo eröffnet alljährlich im Frühling
Mr. Charles B. Cochran ſeine „Revue‟. Mit ihr dominiert er
dann im Laufe vieler Monate über alle ſonſtigen Amüſements
der Londoner „season”. In weitleuchtender Lichtreklame ſtrahlt
es ſchon von weitem entgegen: „Cochrans 1931 Revue‟! Darüber
in etwas kleinerer, doch nicht minder greller Schrift: „Das Herz
der Welt‟ . . Der Fremde, der zu dieſer Zeit nach London
kommt, darf es nicht verſäumen, der Cochran=Revue einen, wenn
auch nur flüchtigen Beſuch abzuſtatten. Er wird vom Herzſchlag
des ſich amüſierenden London einen durchaus anſchaulichen
Be=
griff erhalten. Denn das, was hier geboten wird, iſt
keines=
wegs eine Varieté=Schau im gewöhnlichen Sinne. Es iſt eine
viel intimere, feinere, engliſchere Kunſt. Es wird hierin „Old
dear England” etwas verulkt und dem Fremden auf dieſe Weiſe
auch etwas „Belehrendes dargeboten.
Da iſt zum Beiſpiel der reizende Sketch „Bright Young
People‟. Cochran perſifliert in dieſem die alberne Gemeinde der
Londoner „Highbrows”, jener ewig Cocktails trinkenden und
äſthetiſch vom Bolſchewismus ſchwärmenden Ueberintellektuellen,
deren es auch anderswo zur Genüge gibt. Dekadente weibiſche
Männer und männliche Weiber ſtehen, gelangweilt lächelnd,
bei=
ſammen, rauchen mit manirierten Bewegungen aus ellenlangen
Mundſtücken parfümierte Zigaretten und ſingen im Chor:
„Wir kennen einen Darling Bolſchewick,
Der lehrte uns „Do Swidanja‟
Er ſelbſt ſingt gerne ,God Save the King”
Und wunderbar Rule Britannia”-
Das Theater iſt allabendlich voll: auserleſenſtes „Seaſon”=
Publikum, vertrocknete Herzoginnen in großer Toilette mit
fun=
kelnden Diademen im Haar, alte, portweinrote Engländer in
Frack mit einer kecken Blume im Knopfloch, junge, zarte
Debütan=
tinnen in hellen, viktorianiſchen Spitzenkleidern, ſchulbubenhaft
blaſiert um ſich ſchauende Oxforder Studenten und laſt not leaſt
zahlreiche, lofort an ihrem Aeußeren irgendwie zu erkennende
Ausländer aller Farben und Raſſen, alle zuſammen eine nicht
geringere Sehenswürdigkeit, als die „Revue” ſelbſt . ..
Auf dem Piccadilly um Mitternacht, nach
Theaterſchluß, da gibt es was zu ſehen. Da iſt London
nicht mehr das „langweilige große Dorf” Viele tauſende von
Menſchen ſtrömen um dieſe Stunde, wenn die „Cochran=Revue‟
und alle anderen Theater zu Ende ſind, auf einem Punkt, auf
dem Piccadilly, Ecke Regent=Street, zuſammen. Und hat an
dieſem Tage vorher, was ſehr oft der Fall zu ſein pflegt,
irgend=
ein größeres ſportliches Ereignis ſtattgefunden, ſo beſteht faſt die
Hälfte der Menge aus Oxforder und Cambridger Studenten
und anderen Sportenthuſiaſten, die ſich nun (da, nebenbei
be=
merkt, auch ſämtliche Bars ihre Pforten ſchließen . . .) beſonders
lärmend gebärden und ihrem jugendlichen Uebermut freieſten
Lauf laſſen.
Voll des Weines und voller Raufluſt, kommen ſie von allen
Enden Londons in ungezählten Autos herbeigeſtrömt. Viele von
ihnen ſitzen auf den Dächern der Taxis, andere ſtehen auf den
Trittbrettern, die Dritten laufen nebenher. Auch tauchen
plötz=
lich die ſonſt von den Londoner Straßen völlig verſchwundenen
Pferdedroſchken, die altmodiſchen Londoner ,Hanſom Cabs', wieder
zuf. Dieſe vorſintflutlichen Vehikel auf zwei rieſigen Rädern, der
Kutſcher hinten auf dem turmhohen, faſt in der Luft ſchwebenden
Bock, nehmen ſich im modernen Londoner Straßenbilde gar
grotesk aus. In jedem dieſer Wagen ſitzen mehrere Studenten
und johlen. Die einen im Frack, die anderen im Smoking, die
dritten in grauen Flanellhoſen und brauner Sportjacke, alle
bar=
haupt und alle ohne jeden Zweifel kräftig beſchwipſt, beherrſchen
ſie mit ihrem Treiben den ganzen Piccadilly und ſeine
Seiten=
gaſſen.
Die Studenten ſpringen von Zeit zu Zeit von ihren Wagen
herunter, halten wildfremde Leute an, treiben allerhand Ulk,
lär=
men und lachen. Die Londoner Bürger aber, die ebenfalls von
überall in hellen Scharen hergewandert ſind, nehmen nichts übel.
Im Gegenteil: „Society” und Plebs gafft gemeinſam
bewun=
dernd zu ſeiner beſchwipſten goldenen Jugend hinauf und freut
ſich mit ihnen, iſt ſtolz auf all deren Unarten und Späße. Selbſt
die Policemen ſtehen, inmitten der durchaus polizeiwidrigen
Stockung des Verkehrs, tatenlos dabei und lächeln nachſichtig.
Bloß wenn dieſer, oder jener allzu ſchwer geladene „
Under=
graduate” ſelbſt mit einem Bobby zu boxen anfängt, dann hört
der Spaß auf und nimmt die Piccadilly=Nacht mit einem
un=
vermeidlichen Gang ins nächſte Polizeirevier das traditionelle
Katerende ..."
Der Fremde, der in London die ganze Nacht durchgebummelt
hat, hüte ſich davor, ſich auf ſeinem Heimgang am Morgen in die
Nähe der — Bank of England zu verirren. Er wird dort ſeine
Katerſtimmung am allerwenigſten loswerden und wird ſich
un=
gläubig die Augen reiben: die Facade der ſoeben um=
Nummer 118
Mittwoch, den 29. April 1931
Seite 3
Mr
Aefſent fordert von keit ſeit kiect
Wann löſt das Reich die Berſprechungen zugunſten des ehemals beſehken Gebiekes ein? — Iſt Heſſen ein
Land zweiler Ordnung? — Staatspräſidenk und Abgeordnele des befreiken Gebiekes fordern
einmälig raſche und ausreichende Hilfe für das beſahungsgeſchädigte Land.
Landkagsdiäken und Wahlreform.
* Im Heſſiſchen Landtag wurde am Dienstag auch der Etat
Des Staatspräſidenten beraten. Dabei ergab ſich die wohltuende
Tatſache, daß die Redner aller Parteien mit dem
Staatspräſiden=
tten einig waren, das Reich habe ſeine Verſprechungen und
Ver=
wflichtungen gegenüber dem ehemals beſetzten Gebiet in
befriedi=
gender Weiſe nicht eingelöſt. Einmütig gefordert wurde, daß über
wer berechtigten Hilfe für den Oſten, der Weſten
nicht benachteiligt werde, daß insbeſondere Heſſen endlich
ein Recht werden müſſe. Bisher habe man wiederholt feſtſtellen
rnüſſen, daß Heſſen in Berlin als „Land zweiter Ordnung”
ange=
gehen werde, was ſich auch aus der Benachteiligung mit
Reichs=
mufträgen ergebe, wo Preußen, das an der Weſt=, der Oſt= und
er Grenz=Hilfe partipiziere, ebenfalls bevorzugt wurde. Wir
fönnen nur wünſchen, daß die Hoffnung des Staatspräſidenten,
as Reich und auch die übrigen Länder würden endlich Einſicht
aben und Heſſen entgegenkommen, ſich ſchnellens erfüllen möge.
Präſident Delp eröffnet die Dienstags=Sitzung um 10.15 Uhr.
zur Beratung ſteht der Etat des Landtags und des
Staatsmini=
teriums.
Anträge der Kommuniſten, den 1. Mai ſchulfrei anzuordnen,
gsegen die letzten Maßnahmen der Reichsregierung im Reichsrat
on Heſſen aus Widerſpruch zu erheben; ein kommuniſtiſcher
Miß=
auensantrag gegen die heſſiſche Regierung, ein Antrag Werner
(Matſoz.), die Abgeordnetenzahl des kommenden Landtags auf 30
lsrabzuſetzen und die Diäten um 50 bzw. 40 Prozent zu
ermäßi=
gen, werden in „geſchäftsordnungsmäßige” Behandlung genommen,
hiw. als nach der Geſchäftsordnung unzuläſſig abgewieſen.
albt folgende Erklärung ab:
Als ich vor Jahresfriſt zu den Kapiteln meines Miniſteriums
heer ſprach, ſtand die Geſamträumung des beſetzten Gebietes
be=
ver. Der unterdeſſen erfolgte
Abzug der fremden Truppen muß als ein politiſches
Ereig=
nis erſten Ranges und als ein großer Erfolg der
zielbewuß=
ten, klug auf den gegebenen Möglichkeiten aufbauenden
deut=
ſchen Außenpolitik gewertet werden.
In unvergeßlichen Stunden haben wir erlebt, wie die
Be=
ſoälkerung der befreiten Gebiete die Räumungsfeierlichkeiten zum
eindrucksvollſten Bekenntnis zu Reich und Staat geſtaltet hat. Die
öſeſſiſche Regierung hat in ihrer Kundgebung vom 30. Juni 1930
den heſſiſchen Männern und Frauen am Rhein den Dank
übermittelt
ür ihre unerſchütterliche Treue zu Volk und Staat, ſowie dafür
aiß ſie die inneren und äußeren Drangſale der Beſetzung mit
Mäirde und Geduld getragen haben. Laſſen Sie mich auch an
die=
ei Stelle nochmals dieſem Dank Ausdruck geben. Die Geſchichte
wirrd die unbeirrbare Liebe der rheiniſchen Bevölkerung zum
deut=
chen Volkstum, ihre Bereitſchaft, für ganz Deutſchland und ſeine
ful kunft Opfer an Gut und Blut zu bringen, als einen
weſent=
ihven Faktor des deutſchen Wiederaufſtiegs in der Nachkriegszeit
unwürdigen wiſſen. Für Heſſen war die Räumung von
beſon=
ener Bedeutung, weil die Beſetzung einem erheblichen und
beſon=
ess wertvollen Teil des Landes auferlegt war.
Unſerereich=
n Gebiete haben am ſtärkſten gelitten, und weil
IIe Landesteile ſchwer geſchädigt wurden, haben wir nicht
ge=
ünend die Möglichkeit eines Ausgleichs innerhalb
ſeres Landes. Was auf dieſem Gebiete möglich iſt um
lingen inneren Ausgleich zu ſchaffen, ohne andere Gebietsteile zu
hA digen, geſchieht, wie auch die Verlegung des Pädagogiſchen
In=
inuts nach Mainz bekundet.
Aus eigener Kraft wird das Land die Wunden der
larhkriegszeit nicht in dem Maße heilen können, wie es nötig
äre und wie es in anderen deutſchen Ländern erfolgen kann.
Heſſen iſt auf die nachhaltigſte Hilfe des Reiches
angewieſen und forderk dieſe Hilfe
als ſein gukes Recht.
Hat es doch in der Nachkriegszeit ſeine, hohe wirtſchaftliche
lüäte dem ganzen Reich zum Opfer gebracht!
Das Reich hat die Notwendigkeit, dem beſetzt geweſenen
Ge=
ier auch über die Räumung hinaus helfend beizuſtehen,
aner=
amnt. Im vergangenen Jahre wurde ein erſter Teilbetrag be=
willigt für „ein ſich auf mehrere Jahre erſtreckendes
Programm zur Hebung der durch die neue
Grenz=
ziehung und lange Beſatzungsdauer notleidend
gewordenen Gebiete des Weſtens”. Leider blieb dieſer
Betrag ſtark hinter den Erwartungen zurück. Im Rechnungsjahre
1931 jedoch waren zunächſt für den Weſten überhaupt keine Mittel
im Reichshaushalt vorgeſehen. Nach den Beſchlüſſen des
Reichs=
rats und den Erklärungen des Reichsfinanzminiſter im Reichstag
kann jedoch im Rechnungsjahr 1931 mit einem Betrag
ge=
rechnet werden, der die Fortſetzung der
Hilfsmaßnah=
men für die Weſtgebiete einigermaßen ermöglicht, wenn
dieſer Betrag auch hinter der Bewilligung des Jahres 1930
zurück=
bleibt.
Notwendig iſt für unſere weitere Arbeit, daß der Beſtand des
Staatsminiſteriums an höheren Beamten (ich brauche in dieſem
Zuſammenhang nur von den höheren Beamten zu ſprechen) nicht
unter das unerläßliche Mindeſtmaß herabſinkt. Es wäre ein
Irr=
tum, zu glauben, daß die Arbeiten etwa infolge der Räumung
voll=
ſtändig aufgehört hätten. Das iſt nicht der Fall, wobei ich allein
an die Verhandlungen über die Reichsweſthilfe erinnere, ſo daß
trotz der Uebertragung der Sekretariatsgeſchäfte an mittlere
Be=
amte der derzeitige Beſtand von 2 höheren Beamten
bei=
behalten werden muß. — Wir werden alles daranſetzen,
daß bei der
Zuteilung der Mittel der Reichsweſthilfe die beſonderen
heſ=
ſiſchen Schwierigkeiten angemeſſene Berückſichtigung finden.
Es iſt kaum zu verſtehen, daß wir immer wieder um unſere
Rechte kämpfen müſſen.
Allzuſehr wird immer noch die Bevölkerungszahl der
be=
ſetzt geweſenen Gebietsteile in Rechnung geſtellt, zu wenig
wird die Leiſtungsfähigkeit der beteiligten
Länder berückſichtigt. Eines werden wir in dieſem Jahre
mit größtem Nachdruck fordern müſſen: Bei der Verteilung der
Reichsmittel für den Weſten darf nicht vergeſſen werden, daß das
Reich über eine Milliarde für den Oſten bereitgeſtellt hat. Nicht,
daß wir die Berechtigung dieſer großzügigen Hilfsaktion für den
Oſten irgendwie anzweifeln, auch nicht, daß wir eine
entſpre=
chende Hilfe für den Weſten erwarten, ſondern wir fordern
Berückſichtigung der Tatſache, daß die an der Oſthilfe
teilnehmen=
den Länder durch die Verwendung ſolcher gewaltiger Mittel in
ihren Oſtgebieten ganz ohne Zweifel eine weſentliche
finan=
zielle Entlaſtung erfahren. Wenn neben dieſer Entlaſtung,
zu der auch die heſſiſchen Steuerzahler beigetragen haben,
außer=
dem noch eine volle Beteiligung der in Frage kommenden Länder
an den Mitteln der Reichsweſthilfe erfolgen ſollte, ſo müßte
dies von Heſſen als ein großes Unrecht empfunden
werden. Ich hoffe zuverſichtlich, daß die Reichsregierung ſich
dieſer Ueberlegung nicht verſchließen wird und daß auch die
übrigen beteiligten Länder ein Einſehen haben
und ſich nicht unſeren berechtigten Wünſchen entgegenſtellen
wer=
den. (Beifall.)
Abg. von der Schmidt (Komm.)
lehnt den Landtagsetat ab und erklärt, es iſt ein Skandal, daß
in Heſſen der 1. Mai immer noch kein Staatsfeiertag iſt.
Abg. Dr. Werner (Natſoz.)
bedauert, daß der Staatspräſident kein Wort zur Reparation
und Kriegsſchuldlüge geſprochen habe. Die Reichsregierung hat
ihre Verſprechungen zugunſten des befreiten Gebietes bisher nicht
erfüllt. Auch in der Eiſenbahnſchuld an Heſſen hat das Reich
ver=
ſagt. Durch den Verſailler Vertrag zieht die Grenze Frankreichs
mitten durch Heſſen. Trotz wiederholten Erſuchens hat die
Re=
gierung die Aufſtellung über die gezahlten Miniſterpenſionen in
Heſſen nicht gegeben.
Abg. Kunkel=Worms (D.V.P.)
kritiſiert die Haltung des Reiches, das in der Weſthilfe dem
be=
freiten Gebiet eine ſchwere Enttäuſchung bereitet habe. In der
Bevölkerung am Rhein ſind große Hoffnungen erweckt worden, doch
iſt bisher nichts geſchehen als „vorbereitende
Maßnah=
men”. Im angrenzenden Baden ſind aus dem Grenzfonds
be=
reits Arbeiten in Angriff genommen. Unter der Beſatzung hat
Worms außerordentlich gelitten und einen großen Ausfall an
Abſatzgebiet zu verzeichnen. Wir wünſchen, daß der
Staatspräſi=
dent mit allen Mitteln beim Reich darauf drückt, daß die Städte
des befreiten Gebietes mit Aufträgen viel beſſer verſehen werden,
als dies bisher geſchah. Die Regierung ſoll ſich bei den
Ruſſen=
aufträgen durch die Geſandtſchaft rechtzeitig und intenſiv einſ
al=
ten. (Beifall.)
Abg. Schreiber (Staatsp.)
erklärt, wir ſtehen einer Verringerung der Abgeordnetenzahl
zu=
ſtimmend gegenübe
Zuruf: Dann kommt Ihr ja überhaupt
nicht mehr herein!) Wir wünſchen zur Wahlreform eine engere
Verbindung zwiſchen Abgeordneten und Wählern, ſowie eine
ge=
wiſſe Erhöhung des Wahlalters. Die Diäten=Anträge der
Natio=
nalſozialiſten ſind Agitationsanträge, in der Hoffnung geſtellt, daß
ſie abgelehnt werden.
Der Aelteſtenrat ſollte ſich jedoch noch
ein=
mal mit dieſer Frage beſchäftigen.
Abg. Winter (Ztr.)
fordert verſtärkte Fürſorge von Reich und Staat für Offenbach
und Mainz. Ein Abbau der Berliner Geſandtſchaft wäre ein
ver=
hängnisvoller Fehler.
Abg. Kaul (Soz.)
will die Diätenfrage dem kommenden Landtag überlaſſen wiſſen.
Wir bedauern ganz außerordentlich, daß es notwendig war, in
vielen Fällen die Immunität von Abgeordneten einzuſchränken. Die
Landtagswahlreform wird in Verbindung gebracht werden müſſen
mit der Reichswahlreform und der Reichsreform. Herr Werner
ſoll an Hitler und deſſen Beziehungen zu Italien und Frankreich
denken, ehe er von dem Reichsbanner behauptet, es habe Gelder
von ausländiſcher Seite erhalten.
Abg. Dr. Werner (Natſoz.) polemiſiert gegen den
Abgeord=
neten Schreiber. Herr Hörſing habe ſelbſt zugegeben, daß das
Reichsbanner 30 000 Frcs. erhalten habe.
Abg. Böhm (Dntl.) lehnt die Heraufſetzung des Wahlalters
und des Stichwahlſyſtems ab.
Abg. Reuter (Soz.) fordert die Erfüllung von
Verkehrs=
wünſchen des beſetzten Gebietes, insbeſondere Freigabe der
Hinden=
burg=Brücke.
Abg. Dr. Niepoth (D.V.P.)
erklärt, ſolange die Länderparlamente beſtünden, dürfte die
Ab=
geordnetenzahl nicht ſo herabgeſetzt werden, daß die Parlamente
nur „Berufspolitikern” vorbehalten ſeien. Die Volkspartei hält
an dem Verhältniswahlſyſtem und einer Heraufſetzung des
Wahl=
alters feſt. In der Diätenfrage werden wir jede Kürzung
mit=
machen, ohne daraus eine Agitationswirkung ableiten zu wollen.
Abg. Dr. Leuchtgens (Lbd.) betont die Bereitſchaft des
Landbundes die Zahl der Abgeordneten herabzuſetzen bei
gleich=
zeitiger Aenderung des Wahlgeſetzes und Beſeitigung des
Liſten=
wahlſyſtems. Es iſt beinahe ein Kennzeichen konſervativer
Auf=
faſſung, ob man für eine Heraufſetzung des Wahlalters eintritt.
Der Präſident teilt mit, daß die Abſtimmungen erſt am
Mittwoch erfolgen, worauf ſich das Parterre langſam entvölkert.
Nach Erwiderungen der Abgg. Widmann (Soz.) und
Hainſtadt (Ztr.), der zur Vorſicht bei der Herabſetzung der
Ab=
geordnetenzahl mahnt, erklärt
Staatspräſident Adelung,
er wolle auch in der Frage der Reichsreform mit dem
Par=
lament in engſtet Fühlung bleiben. In der
Kriegsſchuld=
frage ſeien alle Staatsmänner einig, und nur die
National=
ſozialiſten möchten daraus eine Parteiſache machen. Mit allem
Nachdruck werde ich weiter in Berlin für Rheinheſſen eintreten.
Infolge des ſtaatsgerichtlichen Urteils ſtelle ich
eine Novelle zum Wahlgeſetz in Ausſicht, bei der
zahlreiche Wünſche berückſichtigt werden können.
Abg. Reiber (Dem.) polemiſiert gegen Abg. Werner der
mit ſeinem Diätenantrag jedem finanziell ſchwach geſtellten
Men=
ſchen die parlamentariſche Arbeit unmöglich mache.
Damit iſt die Hauptausſprache geſchloſſen. Ohne weſentliche
Debatte werden die Kapitel Staatsverlag. Vertretung beim Reich,
Oberrechnungskammer, Verwaltungsgerichtshof und Staatsarchiv
bis zur Abſtimmung erledigt.
Das Haus vertagt ſich gegen ½2 Uhr auf Mittwoch, 10 Uhr,
zur Beratung des Etats des Innenminiſteriums.
Der Umfall.
Wie wir in der Sonntagsnummer meldeten, hat der
demokra=
tiſche Abgeordnete Reiber wegen der Haltung ſeiner Fraktion
bei der Abſtimmung über die Pädagogiſchen Inſtitute den Vorſitz
der Fraktion niedergelegt und war aus der Fraktion ausgeſchieden.
Inzwiſchen haben mehrere Tage lang die eindringlichſten
Ver=
ſuche ſtattgefunden, ihn wieder umzuſtimmen. Das iſt am
Diens=
tag abend gelungen. In einer Mitteilung wird die Sache
abmil=
dernd ſo dargeſtellt, als habe der Abg. Reiber, nur die Abſicht
ge=
habt”, den Fraktionsvorſitz niederzulegen, und es heißt dann:
„Eine vielſtündige Ausſprache führte zur Aufklärung einer Reihe.
on Mißverſtändniſſen über die Vorgänge vor der entſcheidenden
Sitzung. Nach dieſer Aufklärung ließ ſich Abg. Reiber bewegen,
von ſeinem Vorhaben abzuſehen‟ Dieſes Vorhaben und dieſe
Ab=
ſicht hatten jedoch bereits am Montag die ſelbſtverſtändliche Folge
gehabt, daß die Demokraten im Finanzausſchuß wegen des
Ver=
luſtes ihrer Fraktionsſtärke nicht mehr vertreten waren. Die
intereſſierten Kreiſe haben geſtern ihre Bemühungen verſtärkt
denn durch den Rücktritt Reibers, hatte die Koalition, auch im
Aelteſtenrat eine Stimme verloren —, und ſie konnten den
Aus=
reißer „bewegen”, zurückzukehren. Wir enthalten uns jeden
Kom=
mentars.
Der Finanzausſchuß des Landkages
beſchäftigte ſich am Montag nachmittag mit einem Antrag der
Deutſchen Volkspartei des Zentrums und der Demokraten, die die
Mittel aus der Reichsweſthilfe
9 3 0 entſprechend den
Reichsrichtlinien und den mit den Wirtſchaftsverbänden
getroffe=
nen Vereinbarungen verteilt haben wollen.
n der
Regierungs=
antwort wurde darauf hingewieſen, daß durch die Verbreiterung
der Mainzer Straßenbrücke auch das Handwerk belebt werde. Für
dieſe Arbeiten wird vorab aus der Weſthilfe, ein Betrag abge=
Wie ſonderbar es jedoch bei dieſen Pferderennen=Lotterien
England vor ſich geht, davon zeugten einige Einzelfälle der
tzieen Lotterie in deutlichſter Weiſe. Da die Lotterie in zwei
tappen geſpielt wird (zuerſt, Verloſung aller angemeldeten
ferde und zwei Tage ſpäter, die Entſcheidung über die drei
zu pttreffer am Renntage ſelbſt), ſo pflegen die Glücklichen, die
iDder erſten Ziehung ein „Pferd” gewonnen haben, gewöhnlich
e Hälfte ihres Loſes, der Sicherheit halber, an ingendeinen
vakmaker zu verkaufen. So hatte das Los auf den diesmaligen
znoriten „Eaſter Hero” ein armer Bergarbeiter namens
eikeley gewonnen. Worauf ihm ſofort für die Hälfte ſeines
i6s rund 340 000 Mark gezahlt wurden. Dann gewannen am
ehmitage lauter Outſider. Auf „Eaſter Hero” entfiel nur ein
mi geringer Troſtpreis. Der Bookmaker verlor einen ſchweren
unen. Doch der arme Kohlenarbeiter Berkeley hatte ſeine
9000 Mark ſicher und braucht jetzt nicht mehr Kohlen zu
mmen ..."
Enderen erging es wiederum ganz anders. Tommy Mitchell,
m. Beiſpiel, einem armen Haarſchneider in Liverpool, paſſierte
ſgeende, höchſt unangenehme Geſchichte: Tommy war gerade
bei, einem feiſten Baumwollmakler das ſtachlige Doppelkinn
mſieren, als ein Telegramm gebracht wurde; ein Freund von
ummy telegraphierte aus Dublin: „Auf Dein Los iſt ein Treffer
tſtallen. Gratuliere!” Tommy Mitchell wurde vor lauter
feu de faſt irrſinnig. Mit einem wilden Aufſchrei ſchleuderte
ſtäne Friſör=Schürze dem eingeſeiften Kunden über den
Glatz=
fähel, rief dem Chef nur noch ein kurzes „Mit mir iſt’s aus,
arbeite nicht mehr!” zu und ſtürzte auf die Straße hinaus,
ſue Freude auszutoben. Draußen wurden ſchon die Zeitungen
ſ wder Liſte der Gewinner ausgerufen. Haſtig griff Tommy
ſhiden Blättern, durchlief die Reihe der Namen, einmal, zwei=
II, zehnmal. Doch kalte Schauer durchrieſelten ihn — ſein
we war nirgends zu finden; ein Licht begann ihm aufzugehen;
Freund, der ihm das Telegramm geſandt, hatte ſich mit ihm
Sel: Scherz, einen allzu grauſamen Scherz, erlaubt: das Ganze
ir nur eine Narretei geweſen . . . Betrübt ſchlich Tommy
Imwwärts, nach ſeinem armſeligen Barbierladen, ſteckte ſcheu den
durch die Tür und fragte mit kleinlauter Stimme: „Darf
Mieder meine alte Stelle antreten . . .?!” Und war dankbar,
er durfte.
Tommy raſiert nun wieder, ganz wie zuvor, feiſte Doppel=
W der Liverpooler Baumwollmakler. Doch jedesmal, wenn
Leißt beim Einſeifen eines Kunden iſt, geht es ihm unwillkür=
Murch den Sinn „Träume ſind Schäume, nichts als Schäume,
häuume —
Er wird dann ganz traurig und verrichtet
=bandwerk nur zu mäßiger Zufriedenheit der diverſen
ein=
ſeiſtiten Herrſchaften uo
* Die beiden Frauen
um Prinz Louis Ferdinand.
Nicht ſpreche ich von den beiden Frauen, die im
Liebes=
leben des Hohenzollernprinzen eine ſo gewichtige Rolle geſpielt
haben: Henriette Fromm und Pauline Wieſel, ſondern von den
beiden ſchriftſtellernden Frauen, die ſich bemüht haben,
jede auf ihre Art, im Roman das tragiſche Schickſal dieſes
Neffen Friedrichs des Großen nachzuzeichnen: Fanny Lewald
und Sophie Hoechſtetter.
Zwveiundſiebzig Jahre trennen die beiden Bücher
vonein=
ander, ein Zeitraum innerhalb deſſen Deutſchlands Schickſal
eine dreimalige Umwälzung erfuhr, 1866 — 1871 — 1914.
So=
dann drängt ſich von 1859, dem Erſcheinungsjahr des
Lewald=
ſchen Romans, eine Fülle von Stilformen und künſtleriſchen
Ausdrucksmethoden. Beide Frauen halten ſich in ihren
Ro=
manen, die ſowohl Zeit= wie Charakterbild geben, an die
Ueber=
lieferung, verwerten vor allem auch die Fragmente des
Tage=
buchs des Prinzen, das ſein Adjutat Karl v. Noſtiz 1848
publizierte.
Man kann nicht einmal ſagen, daß das Buch der Fanny
Lewald auf den Leſer von heute, falls dieſer ſich am
Detektiv=
roman nicht den Magen verdorben hat, veraltet wirke. Dazu
iſt der Aufbau ein zu klarer, zielbewußter, dem auch das
Ge=
fühl für Spannung nicht fremd iſt. Ed. Engel, der in ſeiner
Literaturgeſchichte garnicht glimpflich mit Fanny Lewald
um=
geht, erteilt ihrem „Prinzen Louis Ferdinand” immerhin ein
kurzes Lob. Stoff und Motivierung haben die beiden Romane
miteinander gemein, was ſie trennt, iſt Farbenauftrag und
Beleuchtung. Wirkt das Buch von Fanny Lewald wie ein
Hiſtorienbild Anton v. Werners, ſo gibt ſich der Roman unſerer
Zeitgenoſſin Sophie Hoechſtetter wie eine plein air Studie,
mit aufgelockertem Hintergrund und ſtarken
Stimmungseinſchlä=
gen. Die Verfaſſerin, wenn ſie hiſtoriſches Gelände abtaſtet,
zeigt die Eigenſchaften der erfolgreichen Rutengängerin; ſie
trifft genau die Stellen, wo im Schutt der Vergangenheit die
warmen lebendigen Quellen ſprudeln. Die Muſikalität
des Prinzen iſt es, die ſeinem exzentriſchen Weſen, das einen
Teil ſeiner ungenützten Kräfte in Liebeshändel verpuffte, einen
gewiſſen romantiſchen Hochflug verleiht und ihn aus dem
Rokokomilieu heraushebt. Deshalb kann ihn die Dichterin,
wvenn er durch die Wälder um Schricke reitet, über denen der
Buſſard ſeine Kreiſe zog, träumen laſſen von wilden Schwänen,
dieſen geheimnisvollen Wanderern der Lüfte. Es wirkte
Sehn=
ſucht nach weite, nach unermeßlichen Horizonten, es löſte ab von
Pflicht und Tag, führte in die Frühe der Menſchheit, wo
un=
gebrochene ſtolze Elementarweſen über eine junge Erde ſchritten.”
Wie Sophie Hoechſtetter den Prinzen ſchaut: als den
auf=
brauſenden, tatdurſtigen Feuerkopf, der in der Enge des
Ga=
maſchendienſtes und bei der kurzſichtigen Zauderpolitik der
leitenden Staatsmänner erſtickt, iſt er wohl auch in Wahrheit
geweſen. Beſänftigend und anregend zugleich erſcheint neben
ihm die Geſtalt der klugen, feingeiſtigen Rahel Lewin, in deren
Manſardenſtübchen er ſo manchen Abend verbrachte. Mit einer
Abendgeſellſchaft in dieſem Kreiſe ſetzt der Roman ein.
Gegen die glänzende Erſcheinung des Prinzen muß die
Geſtalt des wortkargen, bedächtigen Königs Friedrich
Wil=
helm III. ſtets zu kurz kommen, ſo gut wie abfallen.
Immer=
hin gelingt es der Autorin, dieſen „Pazifiſten auf dem Throne‟
das Maß vor Achtung zu ſichern, das ſein ſtarkes Pflichtgefühl
und ſeine aufrichtige Friedensliebe beanſpruchen darf.
„Für mich iſt der König der Begriff von Ehre”, ſagt die
Königin Luiſe, und auf den Einwurf des Prinzen: „Nicht auch
der bequemen Ruhe?” fährt ſie fort: „Wie Sie, Prinz Louis,
ſtand der König mutig vorm Feind. Hat er es nötig, zu
be=
weiſen, daß er Bravour beſitzt? Und wenn jenes Monſtre aus
Paris der Welt die Botſchaft des Mordens bringt, in Friedrich
Wilhelms ſchönem Herzen lebt die Religion des Friedens.
Vielleicht wird eine Zeit ſein, wo ſich Raſſen und Nationen
in der Religion des Friedens vereinigen.”
Wir ſind heute von dieſer Zeit genau ſo weit entfernt wie
in den Tagen der Königin Luiſe, aber es tut gut, Bücher zu
leſen, die wie der Hoechſtetterſche Roman, den heroiſchen
Jugend=
mut feiern.
E. Menſch.
Von deutſchlands Hohen Schulen.
Heidelberg: Wolfgang Fortner erhielt eine Berufung als
Leh=
rer für Kompoſition und Muſiktheorie an das neu errichtete
Kirchen=
muſikaliſche Inſtitut der badiſchen Landeskirche in Heidelberg. Er har
den Ruf angenommen und beginnt ſeine neue Lehrtätigkeit bereits mit
dem Sommerſemeſter.
München: In der philoſophiſchen Fakultät iſt Dr. Eugen Bamann
als Privatdozent für organiſche und pharmazeutiſche Chemie und in der
ſtaatswirtſchaftlichen Fakultät Dr. Alfons Schmitt als Privatdozent
für Volkswirtſchaftslehre und Finanzwiſſenſchaft zugelaſſen worden. —
Zum erſten Male ſeit dem Weltkrieg iſt einem deutſchen Gelehrten von
der Linne=Society of London die goldene Linne=Medaille verliehen
wor=
den, und zwar dem Präſidenten der bayeriſchen Akademie der Wiſſen=
Zeheimrat Dr. Karl Goebel, dem hervorragenden Botaniker
ſchaften,
und Direktor des dortigen Botaniſchen Gartens.
Leipzig: Der ordentliche Profeſſor der klaſſiſchen Archäologie, Dr.
phil. Herbert Koch, der einen Ruf an die Univerſität Halle erhielt,
hat dieſen Ruf angenommen. Er wird ſeine Lehrtätigkeit an der
Uni=
verſität Halle am 1. Oftober 1931 aufnehmen.
Sefte 4
Mittwoch, den 29. April 1931
Nummer 118
zweigt werden. Der Antrag wurde durch dieſe Antwort für
er=
ledigt erklärt. — Eine Eingabe der Bürgermeiſterei Arbeilgen,
betreffend Abbau der Beamtengehälter in den Kommunen, wurde
der Regierung als Material überwieſen, da ein Erſuchen des
Landtags an die Reichsregierung um Aenderung des
Beſoldungs=
geſetzes vorliegt. — Die Regierung erklärte, eine Verteilung
von Reichsaufträgen entſprechend der Zahl der
Erwerbs=
loſen ſei unmöglich, weshalb ein dahingehender Antrag des
Zen=
trums für erledigt erklärt wurde.
In längerer Ausſprache beſchäftigte ſich der Ausſchuß mit den
Auswirkungen des Ried=Geſetzes und den hohen Koſten für
die Beteiligten des Aſtheim—Erfeldener Entwäſſerungsverbandes.
Abg. Glaſer (Landbund) fand mit ſeinen Ausführungen
leb=
hafte Zuſtimmung. Gleichzeitig wurde ein Landbundantrag
be=
züglich der Beſchlagnahme von Rübengeldern zur Einziehung der
Meliorationskoſten, ſowie ein Antrag des Zentrums, eine
Ausdeh=
nung der Laſtenverteilung auf die anarenzenden Gebiete, bzw. auf
Kreiſe und Provinz vorzunehmen, mitberaten. Einſtimmig wurd
eine Entſchließung angenommen, die vorſieht, daß unter
vorläufi=
ger Zurückſtellung der genanten Anträge die Regierung dem
Aus=
ſchuß alsbald Vorſchläge machen möge über die endgültige
Bege=
lung der Verhältniſſe in der Riedentwäſſerung. Dabei ſoll
berück=
ſichtigt werden, daß die Riedentwäſſerung infolge der Beſatzung
jahrelang nicht ausgeführt werden konnte und jetzt teurer zu ſtehen
kommt, da die beſchäftigten ſtädtiſchen Erwerbsloſen den Tarif der
Tiefbauarbeiter bezögen. Es wurde von der Regierung erklärt,
daß aus der Reichsweſthilfe für die Riedentwäſſerung in den
Jah=
ren 1931 und 1932 je 50 000 RM. zur Verfügung geſtellt werden.
Ein Antrag der Volksrechtpartei auf Aenderung des Geſetzes
zur Erhebung von Zuſchlägen zu gerichtlichen
Be=
urkundungen vom 13. Auguſt 1920 wurde für erledigt erklärt.
da die Regierung an die Amtsgerichte ein entgegenkommendes
Ausſchreiben erlaſſen hat.
Es lag weiter ein volksparteilicher Antrag vor, der infolge
der 6prozentigen Gehaltskürzung der Staatsbeamten auch eine
Herabſetzung der Gebühren und Ausſchläge wünſchte.
Der Antrag wurde der Regierung überwieſen, zu prüfen, wo
eine ſolche Senkung möglich ſei. Wahrſcheinlich wird aber eine
Herabſetzung in dieſem Jahre nicht mehr durchgeführt werden, um
dieſer Sitzung des
Etatsſchwierigkeiten zu vermeiden.
Finanzausſchuſſes war die Demokratiſche Partei, die infolge des
Austritts des Abg. Reiber ihre Fraktionsſtärke verloren hatte,
nicht vertreten.
Hnfden iu Kaiſcen Lndfik.
Bei der Beratung über die ſozialdemokratiſchen,
kommuniſti=
ſchen und nationalſozialiſtiſchen Anträge wegen des Verbotes von
Verſammlungen und Umzügen in Leipzig und Zwickau kam es am
Dienstag nachmittag im ſächſiſchen Landtag zu Lärmſzenen. Als
der nationalſozialiſtiſche Abgeordnete Studentkowſki bei
Begrün=
dung des Antrages ſeiner Partei erklärte: „Jeder Verbrecher iſt
heute Marxiſt”, ſtürzten ſich mehrere kommuniſtiſche Abgeordnete
auf Studentkowſki, um ihn vom Rednerpult herunterzudrängen.
Parteifreunde eilten dem Redner zu Hilfe und es kam auf der
Rednertribüne zu einem Handgemenge, bei dem der Aufſatz des
Rednerpultes in die Stenographenloge, hinabgeſchleudert wurde.
Erſt nach längeren Bemühungen gelang es Mitgliedern des
Land=
tagspräſidiums, die Streitenden zu trennen. Präſident Weckel
er=
klärte die Sitzung für unterbrochen und ließ die Tribünen räumen.
In dem anhaltenden großen Lärm war noch zu verſtehen, daß der
Abgeordnete Studentkowſki wegen ſeiner Aeußerung vom
Präſi=
denten aus dem Hauſe verwieſen wurde. Nach Wiederaufnahme
der Sitzung verkündete der Vizepräſident, daß der
nationalſoziali=
ſtiſche Abgeordnete Studentkowſki wegen, ſchwerer Beleidigung
eines Teiles der Mitglieder des Hauſes von der heutigen Sitzung
ausgeſchloſſen ſei. Auch der kommuniſtiſche Abgeordnete
Sinder=
mann, der bei dem Zwiſchenfall als erſter auf die Rednertribüne
geſtürmt war, und der nationalſozialiſtiſche Abgeordnete Schlegel,
der den erſten Schlag geführt hatte, wurden für die heutige
Sitzung ausgeſchloſſen. Die Sitzung wurde ſodann vertagt,
Aufhebung des Uniformverboks in Baden.
Nach einer amtlichen Bekanntmachung iſt das allgemeine
Ver=
bot des Tragens der Parteiuniformen und Bundestrachten bei
öffentlichen Verſammlungen und Umzügen mit Wirkung vom
morgigen Tage an aufgehoben worden. Den Polizeibehörden
bleibt es überlaſſen, auf Grund der Beſtimmungen der
Notver=
ordnung des Reichspräſidenten vom 28. März 1931 im Einzelfalle
für Umzüge und Kundgebungen auf öffentlichen Straßen und
Plätzen die Anordnungen zu treffen, die ſie für geboten erachten.
Keſe Kirzung der Beumiengelilet.
* Berlin, 28. April. (Priv.=Tel.)
Immer wieder tauchen Gerüchte auf, wonach die Abſicht
be=
ſtehen ſolle, eine Entlaſtung der Haushalte von Reich, Ländern
und Gemeinden auf dem Umwege über eine neue Kürzung der
Beamtengehälter vorzunehmen. Angeblich ſolle geplant ſein, die
Kinderzulagen zu ſtreichen, um auf dieſe Weiſe etwa 200
Mil=
lionen einzuſparen. Nach unſeren Informationen im
Reichs=
finanzminiſterium denkt man dort nicht daran, die
Beamten=
gehälter anzurühren, um die notwendig werdenden Erſparniſſe
von 400 bis 500 Millionen herauszubekommen.
**
der Konnlitr in der wirtſchaftsparkei.
Hannover, 28. April. (Priv.=Tel.)
Der Parteitag der Wirtſchaftspartei in Hannover, der in
Perſonalfragen unter Ausſchluß der Oeffentlichkeit tagte, ſcheint
einen Ausgleich der Gegenſätze innerhalb der Wirtſchaftspartei
nicht gebracht zu haben. Wie wir nachträglich erfahren, iſt nach
der Wiederwahl des bisherigen Vorſitzenden Drewitz an ihn von
der Oppoſition das Erſuchen gerichtet worden, ſein Amt vorläufig
nicht anzutreten, was aber Drewitz abgelehnt habe, worauf dann
die Oppoſition den Saal verließ und trotz wiederholter
Auffor=
derung nicht zurückkehrte, allerdings mit dem Hinzufügen, daß ſie
weiterhin in der Partei mitarbeiten wolle. Es iſt unter dieſen
Umſtänden unvermeidlich, daß die perſönlichen
Aus=
einanderſetzungen weitergehen. Die
Wirtſchafts=
partei wird, wenn es nicht bald gelingt, dieſe
Auseinanderſet=
zungen um die Führung aus der Welt zu ſchaffen, kaum imſtande
ſein, ihre geſchloſſene Organiſation aufrecht zu erhalten oder in
einem kommenden Wahlkampf als eine Einheitsfront
aufzu=
treten.
Die unterzeichneten Organiſationen laden zu einer
R
*
gegen die ungeheuerliche Ueberbelaſtung von Grundbeſitz und Geſamtwirtſchaft durch die neuen heſſiſchen Steuern auf
Donnerstag, den 30.April, abends 8 Uhr, in die Turnhalle am Woogsplatz
hiermit ein. Nach den Vorträgen Oiskuſſion für die Mitglieder der einladenden Organiſationen.
Darmſtädter Hausbeſitzer=Verein.
Orisgewerbeverein und Hondwerker=Vereinigung.
Vereinigung des Einzelhandels von Darmſtadt und Umgebung.
Darmſtädter Induſtriellen=Vereinigung.
Vereinigung des Darmſtädter Großhandels.
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Nummer 118
Mittwoch, den 29. April 1931
Seite 5
Aus der Landeshaupkſtadk.
Darmſtadt, den 29. April 1931.
Luftpoft.
Alle Linien des am 1. Mai zu eröffnenden
Frühjahrsflug=
dienſtes dienen auch zur Poſtbeförderung. Die Luftpoſt
beför=
dert: Im Inland, einſchließlich Saargebiet und nach der Freien
Stadt Danzig, gewöhnliche und eingeſchriebene Briefſendungen
jeder Art, Poſtanweiſungen, Zeitungen (von Verlegern) und
ge=
wöhnliche Pakete, die die Ausdehnung 50:50:100 Zentimeter nicht
überſchreiten und auf den Bahnpoſten als dringend befördert
wer=
den, im Verkehr mit dem Ausland gewöhnliche und
eingeſchrie=
bene Briefſendungen jeder Art, Poſtanweiſungen und Zeitungen
(von Verlegern).
Luftpoſtſendungen werden bei allen Poſtanſtalten
angenom=
men und müſſen die Angabe „mit Luftpoſt” tragen. Zettel zum
Aufkleben mit dem Aufdruck „mit Luftpoſt” ſind an den
Brief=
ſchaltern erhältlich. Die neben den gewöhnlichen Gebühren zu
entrichtenden Luftpoſtzuſchläge ſind mäßig. Freigebuhren ſind
möglichſt durch Luftpoſtwertzeichen zu entrichten (an allen
Brief=
ſchaltern zu haben.) Sonntags ruht der Flugdienſt.
Es werden von hier aus folgende Bedarfs=
Luftpoſtkarten=
ſchlüſſe gefertigt zu den Flügen:
a) 12.25 Uhr nach Frankfurt a. M., Gießen, Dortmund
Han=
nover, Hamburg, Bremen, Wangerooge (27. 5. — 31. 8.),
Norder=
ney (desgl.), Halle/Leipzig Flughafen, Berlin, Berlin Zentral=
Flughafen, mit Sendungen nach Frankfurt a. M. und Umgegend,
Berlin und weiter Gießen mit Durchgang, Rheinland,
Ruhr=
gebiet, Weſtfalen. Niederlande. Belgien. Frankreich,
Großbritan=
nien und Irland, Mittel=, Nord= und Oſtdeutſchland, der
Tſchecho=
ſlowakei, nach Deutſch=Oeſterreich mit Tirol und Vorarlberg,
Salzburg. Kärnten, Steiermark, Bayern, Württemberg,
Hohen=
zollern, Saargebiet. Rheinpfalz. Elſaß=Lothringen mit Durchgang,
Italien, Schweiz, Ungarn, Dalmatien, den Balkanländern,
Spa=
nien und Portugal, Schweden, Norwegen. Dänemark, Finnland,
Polen, Randſtaaten, Rußland, überſeeiſche Länder über England
mit entſprechendem Leitvermerk. insbeſondere Britiſch=Indien
(Luftpoſt London-Karachi—Delhi), Afrika und Südamerika
über Marſeille. — Schlußzeit für die Auflieferung beim Poſtamt
Rheinſtraße 11.25 Uhr.
b) 15.45 Uhr: nach Mannheim, Karlsruhe (Baden), Baden=
Baden, Freiburg (Breisgau), Konſtanz, Baſel, Genf, mit
Sen=
dungen nach Baden, Rheinpfalz. Rheinheſſen, Saargebiet, Elſaß=
Lothringen mit Durchgang, Württemberg, Hohenzollern,
Schwa=
ben. Ober= und Niederbayern, Oberpfalz, Tirol, Salzburg,
Vor=
arlberg, Kärnten, Steiermark. Deutſch=Oeſterreich, Schweiz.
Ita=
lien, Südfrankreich, Ungarn und Balkanländern.
Schlußzeit
für die Auflieferung beim Poſtamt Rheinſtraße 14.45 Uhr.
Auskunft in Luftpoſtangelegenheiten kann am Schalter 11
der Briefannahme und bei den Fernſprechanſchlüſſen 2742 und
2756 eingeholt werden.
— In den Ruheſtand verſetzt wurde: Am 24. April: der
Leh=
rer an der Volksſchule zu Darmſtadt Karl Walldorf auf ſein
Nachſuchen, vom 1. Mai 1931 an.
— Arbeitsjubiläum. Am Freitag, 1. Mai, feiert der
Werk=
meiſter Herr Georg Gunkel ſein 25jähriges Arbeitsjubiläum bei
der Firma Eiſenbau Donges G. m. b. H., Darmſtadt.
Hausfrauenbund. Heute Beſichtigung des Landesmuſeums
unter Führung von Fraulein Marie Fröhlich. Treffpunkt 3 Uhr
im Muſeum.
— Hiſtoxiſcher Verein. Der erſte Ausflug dieſes Sommers
führt nach dem einſamen, wenig bekannten Waldſchloß
Philipps=
eich, dann nach Dreieichenhain. Dort ſoll außer den anderen
Sehenswürdigkeiten auch das neue Heimatmuſeum beſichtigt
wer=
den. Darauf wird das Burgfeſtſpiel „Die Geiſeln auf der Burg
Hayn” beſucht werden. Abfahrt Sonntag, den 3. Mai, mit
Kraftwagen vor dem Landesmuſeum, um 1 Uhr pünktlich! Die
FFahrt koſtet 1.90 RM. Vorausanmeldung mit Entrichtung des
Fahrpreiſes bis Freitag, den 1. Mai, mittags 12 Uhr, unbedingt
motwendig.
Heſſiſches Landestheaker.
Großes Haus
Mittwoch,
29 April
Donnerstag,
30. April
Freitag,
4. Mai
SSamstag,
2. Mai
S onntag,
3. Mai
20—22 Uhr.
E 23
Torquato Taſſo
Preiſe 0.80 bis 8 Mk.
19.30—23 Uhr
Der Hauptmann von Köpenich
Darmſt. Volksb Gr 1 u. I
Preiſe 1—10 Mi
G 16
19.15—23 Uhr
Der Hauptmann von Köpenich
Geſchloſſene Vorſtellung
für das Gewerkſchaftskartell
Lein Kartenverkauf
19.30, Ende gegen 22.30 Uh
Uraufführung: Balerio
Heitere Okar
B21 Preiſe 1.20—12 Mk
14.30—16.45 Uhr
Im weißen Röß’!
Geſchloſſene Vorſtellung
20—22.15 Uhr
C 22 Turandot
Preiſe 1—10 Mk.
Kleines Haus
15, 17.30, 20.15 Uhr
Colin=Roß=Tonfilm:
Achtung Auſtralien,
Achtung Aſien!?
Dazu Beiprogramm
Preiſe 1—2.60 Mk.
20—22.,15 Uhr
Blaubart
Zuſatzmiete 1II,10
Preiſe 1.20—6 Mr.
19,30 Ende gegen 22.30 Uhr
Zar und Zimmermann
Geſchloſſene Vorſtellung
für das Gewerkſchaftskartell
Kein Kartenverkauf
Unbeſtimmt
19.30, Ende gegen 22 Uhr
In neuer Einſtudierung:
Die Wildente
Zuſatzmiete 1,10
Preiſe 1.20—6 Mk.
— Heſſiſches Landestheater. Goethes Schauſpiel „Torquato
aſſo” wird in der Inſzenierung von Gunter Haenel (
Bühnen=
ſld: Elli Büttner) heute Mittwoch im Großen Haus mit Peter
Widmann, vom Eſſener Schauſpielhaus, in der Titelrolle, und
eichmitz, Conradi, Nürnberger, Hinz in den übrigen Hauptrollen
— Offenbachs komiſche Oper „Blaubart” wird
wiederholt.
morgen Donnerstag in der Bearbeitung von Renato Mordo unter
muſikaliſcher Leitung von Karl Maria Zwißler im Kleinen Haus
mät Joachim Sattler in der Titelpartie und Jacobs, Kuhn, Schocke,
Harre, Stralendorf, Vogt, Liebel, Scheinpflug, Garbe und Spira
in den übrigen Hauptrollen in Szene gehen. —
Urauffüh=
rung „Valerio”. Bei der Samstag, den 2. Mai, im Großen
Haus ſtattfindenden Uraufführung der heiteren Oper „
Vale=
ri. o‟ von Hans Simon werden Stralendorf, Schocke, v. Stoſch,
Malter, Jacobs, Biſchoff, Vogt, Kuhn. Ney und Baumeiſter
mit=
wrken. Muſikaliſche Leitung: Dr. Karl Böhm; Inſzenierung:
Drit=
Renato Mordo; Bühnenbild: Lothar Schenck von Trapp. —
s Volkskonzert im Landestheater. Das 3.
Volks=
korizert, das als Abſchluß des mit großem Erfolge
aufgenomme=
ein Brahms=Zyklus die dritte und vierte Sinfonie von Brahms
brfingt, findet am Montag, dem 4. Mai, unter Leitung von
Ge=
nemalmuſikdirektor Dr. Karl Böhm ſtatt.
Aufbau und Perſöhnung.
Von Schulrat Heinrich Haſſinger, Darmſtadt.
Oh, was iſt ſchon ſo viel von Aufbau geſprochen und
geſchrie=
ben worden ſeit Kriegsende: Aufbau der Wirtſchaft, Aufbau des
Staates, Aufbau des Heeres, Aufbau, wohin man ſehen und hören
wollte. Aber mir ſcheint, wir haben eines zu ſehr der Fürſorge
weniger überlaſſen: den Aufbau der Geſinnung. Denn eine
ge=
ſtürzte Welt wird doch nicht einfach durch eine neue erſetzt, wenn
man nur die Formen ein wenig ändert und alles übrige bei dem
läßt, wie es war. Das iſt nun das Erſte, alle, die irgend etwas
erreichen wollen, gehen darauf aus, Seelen zu fangen, junge
Seelen mit beſondere Vorliebe, und wenn ſie ſo etwas wie eine
Seele gefangen haben, dann wachen ſie ängſtlich darüber, daß es
ſchön in ihren Bezirken bleibt und um Himmelswillen mit keiner
Seele zuſammenkommt, die in dem und jenem anders denkt; denn
alles andere, ſagen ſie, iſt nicht entfernt ſo gut wie das unſere, iſt
ſchlecht und deshalb nichts für euch, ihr Auserwählten.
Wie aber ſollen Menſchen, die ſich nicht kennen und die ſich
noch weniger verſtehen, ein Volk bilden? Sollen ſie ſich etwa
gegenſeitig ausrotten, bis nur die eigene Ausleſe übrig bleibt?
Das wäre eine ſchöne Beſcherung, wenn man die anderen alle
ausgerottet hätte, und müßte auf einmal erkennen, daß ſie doch
auch Recht hatten, ſo zu denken und ſo zu leben, wie ſie es taten.
Ja, was haben wir zu unſerer Verſöhnung getan? Wenig,
müſſen wir geſtehen. So wenig, daß es endlich an der Zeit wäre,
uns zu beſinnen, wie wir darin doch vielleicht mehr tun könnten.
Aber während die meiſten zuſahen, wie ſich ein Volk immer weiter
auseinanderlebte, iſt doch auch ein Teil zur Tat geſchritten, unſere
wandernde deutſche Jugend nämlich. Und ihre Tat ſteht und iſt
weithin ſichtbar; das deutſche Jugendherbergswerk. Dort ſind ſie
aus allen Lagern zu finden, dort ſucht man noch den Menſchen, der
ein offenes Gemüt hat für ſolche Dinge wie Heimat, Heimatliebe,
Naturliebe, für Schönheitsempfinden und jugendliche Freude. Da
ſind ſie alle zu finden, die in summa ein Volk in allen ſeinen
Be=
rufen und Anſchauungen ausmachen, die Studenten, die
Arbeiter=
jugend, die Jugend der religiöſen, der ſportlichen und turneriſchen
Verbände, die jungen Kaufleute und werdenden Beamten, die
ar=
beitenden und die lernenden Mädchen, die Suchenden und die mehr
Gefeſtigten. In ihrer Arbeit am Werk, in ihrem gleichen Erleben,
in ihrer gleichgerichteten Sehnſucht nach erfüllter Jugend und
ſinnvollem Leben wirken ſie Verſöhnung, wo immer ſie ihre Fahrt
und Wanderung zuſammenbringen mag. Denn der Geiſt dieſer
Jugendherbergen iſt der Geiſt der Gemeinſchaft. Und nur aus
dem Geiſte der Gemeinſchaft kann man das Gemeinſame aufbauen.
Daher iſt es die Pflicht des Volkes, iſt es die Pflicht des Staates,
dieſer Jugend zu helfen, daß ſie ihren Weg des Verſtehens und
der Verſöhnung unbeirrt gehen kann. Den Geiſt der Zerſetzung
haben wir ſattfam genug in unſerem Volke, helfen wir alle mit,
dieſen Geiſt des Verſtehens und der Verſöhnung pflegen. Helfen
wir, indem wir ſeinem Werk helfen, dem deutſchen
Jugend=
herbergswerk!
Darmſtädter Künſtler auswärks.
Ernſt Langheinz hatte in Mannheim als Hauptmann
von Köpenick einen ungewöhnlich ſtarken künſtleriſchen Erfolg, den
die geſamte Kritik von Mannheim und Ludwigshafen wie folgt
anerkennt: Eine durchlebte und durchgeſtaltete Figur, die
Trag=
weite hat und ſicher den prominenteſten Darſtellungen dieſer Rolle
nichts nachgibt. Langheinz hat dieſe märchenhaft verbrämte Figur
ganz nahe an unſer Ohr und an unſer Herz gebracht. Auch dort,
wo er in der Uniform, der angebeteten Kluft der Zeit, ſteckt, in
den Szenen im Schleſiſchen Bahnhof und im Rathaus zu Köpenick:
auch dort bricht aus ſeinen verſchleierten Augen der Glanz des
Märchens, nun allerdings groß und voll Genugtuung. Und ſein
„Unmöglich!!” am Schluß iſt ein unvergeßlicher Ausruf, ein
Ge=
lächter, das eine Welt und eine Zeit endgültig begräbt.
Ernſt Langheinz gibt als Wilhelm Voigt ein Meiſterſtück.
So=
gar ſeinen Datterich überbietet er hier in der Durchzeichnung der
Figur, die nur in ganz wenigen Szenen komiſch zu wirken hat. Da
geht wirklich ein Ausgeſtoßener, der ſeine Heimat liebt und doch
nicht mehr feſten Fuß auf ihrer Erde faſſen kann, von Tür zu Tür.
Bis er wieder ins Zuchthaus kommt, und dann von neuem den
Kampf um den Aufenthaltsſchein zu beginnen. Es iſt eine Rolle aus
dieſer Verſion geworden, und Langheinz erhebt ſie in einen
künſt=
leriſchen Bereich von ungewöhnlicher Art. Noch vor der
eigent=
lichen Köpenickgeſchichte hat er eine ganz ſtark geſtaltete Szene, die
Auseinanderſetzung mit ſeinem Schwager, die beſte Szene des
Stücks. Hier, wo das Stück einen wirklich ernſten Anſatz nimmt,
wo man ſpürt, daß es einen Herzſchlag beſitzt, war die Darſtellung
ganz erfüllt von den Dingen, um die es dabei geht. — Selbſt die
eine Szene mit dem kranken Mädchen, in der Zuckmayer allzu
rührſelig lyriſch wird, erhielt durch Langheinz eine darſtelleriſche
Größe.
Der Hauptmann von Köpenick hing ſpielmäßig einzig und
allein an Ernſt Langheinz. Es iſt ſeine Rolle. Es iſt ſeine
Ge=
ſralt. Seine Geſtalt war darum echt, weil ſie der Uebergänge ins
Lyriſche und Verſonnene mächtig war. Und deshalb brauchte er
ſich ſpäter nicht den Mut ſelber zuzubrüllen. Im Uniformrock war
er ein anderer und war doch derſelbe. Und dann nach der kurzen
Herrlichkeit, ſchlief er bei Aſchinger ebenſo ſelbſtverſtändlich wie er
endlich bei Wein und guter Behandlung im Polizeipräſidium die
Herren zu der Ueberzeugung brachte, der Köpenicker Hauptmann
in Perſon zu ſein.
Ernſt Langheinz gab ergreifend mit großartiger
Geſchloſſen=
heit den getretenen Zuchthäusler.
Das Beſte an der ganzen Sache kam aus Darmſtadt und was
konnte das wohl anders ſein als unſer trefflicher Langheinz! Wie
rührend zeichnete er dieſen armen herumgetriebenen Heimatloſen
Wie überzeugend ſeine Anklage, die das Recht auch des
armſelig=
ſten Individuums gegenüber der Staatsbrutalität verteidigte wie
köſtlich ſein Auftreten als Pſeudohauptmann und ſeine ſchließliche
vergnügte Kapitulation vor der eigenen Lächerlichkeit und
Un=
möglichkeit. Das war eine reifſte Künſtlerleiſtung, die einem hier
entgegentrat bezwingend und gewinnend.
In der Titelrolle: Ernſt Langheinz. Er ſchuf eine grandioſe
Leiſtung. Ganz großartig, erſchütternd der Augenblick, in dem er
im Amtszimmer von Köpenick erfahren muß, daß es ihm hier nun
doch nicht möglich iſt, den heiß erſehnten Paß durch ſeinen Streich
zu ergattern.
Da ſtand der einſame Menſch: Ernſt Langheinz als Wilhelm
Voigt. Umwittert von der Tragik ſeines Schickſals, um ſein
Menſchſein kämpfend, bis ihm nur noch die Komödie bleibt, von
der er ſich nichts als den Paß verſpricht. Erſchütternd, wie er ſich
im Rathaus von Köpenick auf den Degen ſtützt, faſt ſchon ein
ge=
fälltes Rohr, als er erfährt, daß hier keine Paßabteilung beſteht.
Mit ihm wandelt Leid über die Bühne, aus ſeiner Stimme ſpricht
der Laut der geiagten Kreatur, er iſt lebende Anklage gegen alle
Mängel und Härten der menſchlichen Ordnung. Er überzeugt,
nicht das Tingeltangel. Weil Langheinz durch Zurückhaltung zu
tragiſcher Größe wächſt! Ihm reichen wir den Kranz des Abends,
nachdem vor dem Spiegel das ſchüttere Lachen ſeinen Körper
ge=
foltert hat.
Ernſt Langheinz als Wilhelm Voigt: Man kann ſich den alten
Schuſter kaum anders vorſtellen. Eine einheitliche Prachtleiſtung,
als ſich dieſer unkomplizierte Menſch nach der Auseinanderſetzung
mit ſeinem Schwager zuſammenreißt und als ein ganz anderer ſein
Unternehmen durchführt, um dann wieder als armſeliger Schuſter
in der Großſtadt unterzutauchen, umrauſcht vom Gelächter der
Millionen, von denen ihn keiner erkennt, weil es ihm niemand
zutraut. Eine Prachtleiſtung!
Mit dem Allwekter-=Ausflugswagen
der deuſſchen Reichspoſt.
Allen denen, die ſich aus Mangel an Zeit oder wegen der
Beſchwerden des Alters oder aus Gebrechlichkeit das Vergnügen
des Wanderns verſagen müſſen, bieten die Geſellſchaftsfahrten der
Deutſchen Reichspoſt vollgültigen Erſatz. Glücklich derjenige, der
in der Lage iſt, dieſe Fahrten, für deren Einrichtung der Deutſchen
Reichspoſt beſonderer Dank gebührt, zu benützen. Geben ſie doch
auch dem wenig Begüterten Gelegenheit, für einen zum
Gebote=
nen geringen Fahrpreis auf angenehme Art die ſchönſten
Gegen=
den unſerer näheren und weiteren Heimat kennen zu lernen. Es
iſt etwas Großes und Herrliches das Reiſen in den bequemen,
offen und geſchloſſen zu fahrenden Ausflugswagen unſerer
Reichs=
poſt, beſonders wenn Gegenden berührt werden, die ſo viele
er=
habene Schönheiten aufzuweiſen haben wie diejenigen, die bei den
Ausflugsfahrten der Deutſchen Reichspoſt alljährlich beſucht werden
Das Poſtamt Darmſtadt unternimmt in dieſem Sommer
wie=
derum eine Reihe ausgeſuchter Fahrten und eröffnet den
dies=
jährigen Ausflugsverkehr am Himmelfahrttage mit einer
Tages=
fahrt nach Koblenz=Ritterſturz, Bad Ems, Bad Naſſau. Wiesbaden.
An den beiden Pfingſttagen iſt eine Zweitagefahrt in den
Schwarzwald vorgeſehen. Am erſten Tage ſollen Heidelberg,
Bruch=
ſal, Durlach, Ettlingen, Herrenalb, der Dobel. Wildbad, mit
Uebernachtung in Altenſteig, beſucht werden. Am zweiten Tag
ſoll die Fahrt über Calw, Hirſau, Liebenzell. Pforzheim und
Bret=
ten ihre Fortſetzung finden; Rückfahrt über Heidelberg, Weinheim,
Birkenauer Tal. Fürth, Lindenfels. Modautal.
All die Schönheiten, die bei dieſen Fahrten gezeigt werden,
ſchon jetzt zu erzählen, könnte den Fahrtteilnehmern die Freude
in den zu erwartenden Sehenswürdigkeiten rauben und ſie um den
bevorſtehenden Genuß bringen.
Erwähnt ſei, daß die Wagen auf Wunſch der Fahrgäſte bei
allen beſonders ſchönen Stellen zum Ausſteigen anhalten, ſoweit
das pünktliche Durchführen der Fahrt dies geſtattet. Bei den
mehrtägigen Fahrten übernimmt die Poſt ſogar die Sorge für
gute, preiswerte Unterkunft.
Wird dann noch hinzugefügt, daß die Wagenführung in
ſiche=
ren, umſichtigen Händen liegt, denen ſich jedermann unbeſorgt
an=
vertrauen kann, ſo iſt alles geſagt, was die Teilnahme an der
H. Geyer.
Fahrt zu einem Erlebnis geſtalten kann.
— Stadtorcheſter. Das Stadtorcheſter unter Leitung ſeines
Dirigenten, Herrn Schlupp, hat geſtern nachmittag während der
Beſuchsſtunde die Inſaſſen des Stadtkrankenhauſes durch ein
Kon=
zert erfreut. Trotz der ungünſtigen Witterung hat das Orcheſter
ſeine Stücke ſowohl im Männer= als auch im Frauengarten zu
Ge=
hör gebracht und ernteten die Mitglieder wohlverdienten Beifall.
Kantate im Gottesdienſt. In der Stadtkirche wird
nächſten Sonntag, den 3. Mai, vormittags 10 Uhr, im Rahmen
des Hauptgottesdienſtes Bachs Kantate „Bleib bei uns”
durch den Stadtkirchenchor geſungen. Gedruckte
Gottesdienſtord=
nungen ſind unentgeltlich in der Kirche zu bekommen. Es wird
aber gebeten, die Geſangbücher mitzubringen.
— Hohes Alter. Am 30. April wird Frau Margarethe
Betz=
hold, die Witwe des 1902 verſtorbenen preußiſchen Majors und
chileniſchen Oberſt a. D. Guſtav Betzhold, 75 Jahre alt. Frau
Betzhold wohnt ſeit 1920 in Darmſtadt, Ohlyſtraße 3, und erfreut
ſich trotz des jahrelangen Aufenthaltes in den Tropen einer
körper=
lichen und geiſtigen Friſche. Der Name Betzhold hat im
Heſſen=
lande einen guten Klang. Die älteren Bewohner von Mainz und
Nachbarorten werden ſich noch auf die Hochwaſſerkataſtrophen
Ende 1882 und Anfang 1883 erinnern. Dank der übermenſchlichen
Anſtrengungen der Kaſteler Pioniere und ihrer aufopfernden
Tätigkeit unter der umſichtigen Leitung des damaligen
Haupt=
manns Betzhold wurden ſowohl in „Laubenheim. Nackenheim,
Bodenheim, wie im Stadtbezirk Mainz, beſonders im Gartenfeld,
nicht nur Hunderte von Menſchen vor dem Tode durch Ertrinken
gerettet, ſondern auch der durch die Kataſtrophe hervorgerufene
Schaſchaden weſentlich beſchränkt. Hauptmann Betzhold wurde
da=
mals mit der Heſſiſchen Rettungsmedaille, dem Heſſiſchen
Philipps=
orden und dem Preußiſchen Adlerorden 4. Klaſſe am Bande der
Rettungsmedaille ausgezeichnet.
Hohes Alter. Der Privatier Karl Schweikert, hier,
Viktoriaſtraße 30, begeht heute, am 29. April, in körperlicher
und geiſtiger Friſche ſeinen 85. Geburtstag.
— Vortrag. Es ſei heute ſchon darauf hingewieſen, daß am
Freitag dem 1. Mai, abends 8 Uhr, im Heaghaus anläßlich der
Reichs=Seefiſch=Werbewoche in Gemeinſchaft mit dem
Hausfrauen=
bund Darmſtadt ein Vortrag ſtattfindet, der insbeſondere die
Zu=
bereitung von Fiſchſpeiſen auf dem elektriſchen Herd behandeln
wird. Die elektriſche Zubereitungsweiſe ſteht in völligem
Gegen=
ſatz zu der ſeither angewandten Kochart, Fiſche im Waſſerbad zu
kochen. Der Fiſch wird im Bratofen mit milder Wärme gedünſtet,
wodurch die Nährwerte erhalten werden und die Bekömmlichkeit
außerordentlich erhöht wird. Der Vortrag, der für jede Hausfrau
eine neue Anregung geben wird, gibt Gelegenheit, ſich ſelbſt von
den Vorzügen der elektriſchen Kochweiſe zu überzeugen. Der
Be=
ſuch iſt daher nur zu empfehlen.
Evangeliſche Stadtmiſſion, e. V., Mühlſtraße 24. Am
kom=
menden Sonntag, den 3. Mai, findet wieder, wie alljährlich
un=
ſere Starkenburger Gemeinſchaftskonferenz ſtatt. Das Thema der
diesjährigen Konferenz lautet: „Das vierfache Amt des Heiligen
Geiſtes”. Als Redner haben zugeſagt: Prediger Kreyſcher=
Michel=
ſtadt, Bringmann=Darmſtadt, Menne=Arheilgen und Neuber=
Eber=
ſtadt. Anſchließend Ausſprache und Gemeinſchafts=
Abendmahls=
feier. Zu dieſer Konferenz ſind alle, die mit Ernſt Chriſten ſein
wollen, herzlich eingeladen.
Volkshochſchule. Sonntag, den 3. Mai, findet die nächſte
Wanderung zur Beobachtung der Vogelſtimmen ſtatt.
Wir fahren mit der elektriſchen Bahn 7.15 Uhr morgens ab Schloß
nach dem Waldfriedhof. Serienkarten haben Gültigkeit.
EIe dosse LelslaNTe
O VV2 2 DeTO T91
6654
Ludwigstraße 13
DARMSTADA
Ludwigstraße 13
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Mittwoch, den 29. April 1931
6. Sitzung des II. Eoangeliſchen Landeskirchentags.
Die Skellungnahme des Präſidenken D. Herrmann zur Berlegung des Pädagogiſchen Inſtikuts nach Mainz.
Generaldebakte über den Enkwurf zu einem neuen Kirchengefek
zur Erhalkung der kirchlichen Ordnung und Sitte.
Geſtern vormittag wurde nach einem einleitenden Gebet des
Abg. Hofmann die 6. Sitzung des II. Evangeliſchen
andeskirchentags um 9.15 Uhr durch den Präſidenten,
Archivdirektor D. Herrmann eröffnet. Der Präſident führte in
ſeiner Eröffnungsrede aus
Als wir am 21. März 1929 die fünfte Sitzung des zweiten
Landeskirchentages beſchloſſen, haben wir nicht geglaubt, daß
ſo=
lange Zeit vergehen würde, bis wir wieder zuſammentreten
könn=
ten. Zwei Gegenſtände waren es, auf deren baldige Erledigung
wir damals hofften: der in Ausſicht ſtehende Schiedsvertrag mit
dem heſſiſchen Staat und die geplante Einigung mit den
Nachbar=
kirchen. Beide Angelegenheiten ſind leider auch heute noch nicht
ſo weit gefördert, daß wir uns mit ihnen zu beſchäftigen hätten;
wir werden lediglich Mitteilungen der Kirchenregierung über den
derzeitigen Stand der Verhandlungen, entgegenzunehmen haben.
Wenn ich trotzdem den Landeskirchentag jetzt einberufen habe, ſo
geſchah es, weil die Verabſchiedung des ſchon ſeit Jahren
erwar=
teten Geſetzes über die Erhaltung der kirchlichen Ordnung und
Sitte und ebenſo des Geſetzes über die Geſchäftsordnung des
Lan=
deskirchentages drängte und eine ganze Reihe von Maßnahmen.
die die Kirchenregierung auf Grund des 8 110 unſerer Verfaſſung
getroffen hat, der Beſtätigung des Landeskirchentages bedürfen.
Daneben aber aus der allgemeinen Erwägung heraus, daß
allzu=
lange Pauſen in unſerem Zuſammentreten weder dem Anſehen
dieſes Hauſes förderlich noch auch der Kirchenregierung erwünſcht
ſein können.
Volk und für die evangeliſchen Landeskirchen ungemein ſchwer
ge=
weſen. Der einzige Lichtblick, den wir erlebten, war die
Befrei=
ung unſerer deutſchen Brüder links des Rheines von dem Druck
der langjährigen Beſatzung. Im übrigen aber ſahen wir nur Not
und Elend und Rückgang ſtatt Fortſchritt, und auch der Blick in
die Zukunft ſcheint zunächſt keine Beſſerung zu verſprechen. Ich
brauche nicht aufzuzählen, was auf unſerem gequälten Volke laſtet
und auch die Kirchen mitleiden läßt. Nur an die eine neue große
und in ihrer Bedeutung längſt nicht gewürdigte Gefahr will ich
erinnern: an den organiſierten Anſturm der Gottloſen= und
Frei=
denkerverbände gegen alles, was Religion und Chriſtentum heiſ
Ließe ſich unſer Volk von dieſer aus dem Oſten kommenden trübe
Welle überfluten, dann wäre der Untergang des Abendlandes
wirklich da. In dem Ringen um die Seele des deutſchen Volkes,
das den Vertretern des Chriſtentums durch die neue Gegnerſchaft
aufgezwungen iſt, ſollten die beiden chriſtlichen Konfeſſionen
zu=
ſammenſtehen. Wenn freilich die Anſprüche, die der ſeit der
Staatsumwälzung merklich erſtarkte Katholizismus uns
Proteſtan=
ten gegenüber erhebt, ſo ſind, wie wir es jetzt in unſerem zu zwei
Dritteln evangeliſchen Heſſenlande erleben, dann iſt ſtatt eines
Zu=
ſammenſtehens zu gemeinſamer Abwehr eher ein Wiederaufleben
des konfeſſionellen Zwiſtes zu erwarten. Sie wiſſen, was ich meine:
trotz des Widerſpruchs faſt der geſamten heſſiſchen Lehrerſchaft und
trotz der Warnung der geordneten Vertretung des evangeliſchen
Volksteiles, der Kirchenregierung, beharrt die Staatsregierung und dem Gewiſſen ſei. Die Kirche habe zu gewähren und zu
ver=
auf ihrem Entſchluß, das mit der hieſigen Techniſchen Hochſchule
verbundene Pädagogiſche Inſtitut nach Mainz zu verlegen, und hat
liſchem Standpunkte aus gegen dieſe Verlegung einzuwenden iſt,
wurde in der Oeffentlichkeit zur Genüge geſagt und braucht hier
nicht wiederholt zu werden. Der Landeskirchentag wird in einer
Reſolution noch einmal ausdrücklich Stellung zu dieſer Frage
neh=
men. Hier möchte ich nur ein Doppeltes ausſprechen, einmal:
bleibt es dabei, daß der geſamte heſſiſche Lehrernachwuchs
ledig=
lich in dem unter katholiſcher Leitung ſtehenden Mainzer Inſtitut ſein und den halten wollen, der ſich ſelbſt von der Kirche
ab=
ausgebildet werden ſoll, ſo iſt eine Verſchärfung des konfeſſionellen
Gegenſatzes unvermeidlich; und zum andern; wenn unter der
Flagge der Simultanſchule die Wünſche und berechtigten Anſprüche
der evangeliſchen Mehrheit des Landes ſo wenig beachtet werden.
fällt es den Freunden der heſſiſchen Simultanſchule immer ſchwerer, Stellvertreters des Präſidenten des Landeskirchentags abgeſtimmt
an dieſer feſtzuhalten und ſich für ſie, wie bisher, einzuſetzen.
In dem Kampfe, der uns ſo nach verſchiedenen Seiten
bevor=
ſteht, wollen wir uns durch die Erinnerung an die Taten unſerer
Väter ſtärken laſſen, zu der die Jahrhundertfeiern Anlaß gegeben
Speyerer Proteſtation und des Marburger Religionsgeſpräches vorlag. Wie man ſich zu dem Entwurf ſtelle, hänge davon ab,
von 1529 und den des Augsburger Bekenntniſſes von 1530 mit der
ganzen evangeliſchen Chriſtenheit feierlich begangen und werden
Jahren König Guſtav Adolf von Schweden den deutſchen
Pro=
teſtantismus vor dem Untergang errettete und auch in unſer Land wenn einer der beiden Pole überſpannt werde. Recht und Macht
gekommen iſt. Möge in dem Gedenken an die großen Tage des
Proteſtantismus unſerem evangeliſchen Kirchenvolk in dieſer
trü=
ben Zeit die Ewigkeit geſchenkt werden, damit wir imſtande ſind,
ſoviel an uns iſt, das Erbe der Reformation unſerem Volke zu
er=
halten und den kommenden Geſchlechtern unverſehrt weiterzugeben.
ſtorbenen Abgeordneten und des verſtorbenen Landeskirchenrats
Dr. Bernbeck. Dann brachte er die Berufsjubiläen in Erinnerung,
namentlich das 50jähr. ununterbrochene Zugehörigkeitsjubiläum des
Abg. Geheimrat Wahl=Schlitz zum Landeskirchentag. Dem Senior Geſetz im Bereiche der ſeelſorgeriſchen Praxis bleibe, man wolle
wohl aller deutſchen Kirchenparlamente gratulierte er nachträglich
nochmals herzlich, ebenſo wie dem Herrn Prälaten D Dr. W. Diehl
zu ſeinem 60. Geburtstag. Er dankte dem nach 46jähriger
Dienſt=
eit am 1. Juli 1929 in den Ruheſtand getretenen Geheimrat
3.
F. Flöring für ſeine Tätigkeit, an deſſen Stelle Pfarrer Dr.
Müller=Rüſſelsheim trat, der das Amt eines Oberkirchenrats und heute in der krank gewordenen Zeit erfordere, daß die Kirche mit
Superintendenten ſeit dem 1. Juni 1929 bekleidet.
neuen Abgeordneten Mosbach. Bürgermeiſter a. D., Offenbach, hetrachte ſeine Gruppe als geeignete Grundlage. Sie könne ihm
Dahlem=Dexheim und Becker=Alzey vor.
Man trat dann in die Tagesordnung ein, und zwar
wurde als erſter Punkt die Vorlage der Kirchenregierung
be=
treffend. Entwurf zu einem neuen Kirchengeſetz
die Erhaltung der kirchlichen Ordnung und
Sitte debattiert. Der Geſetzentwurf befaßt ſich mit der
Vor=
nahme verſchiedener kirchlicher Handlungen, die einheitlich
gere=
gelt werden ſollen, und zwar der Taufe, Trauung, Konfirmation mitglied zu den Amtshandlungen zu nehmen habe einſeitig vor=
und Beſtattung. Der 8 3 ſoll für die kirchliche Trauung
folgende Faſſung erhalten: Die kirchliche Trauung iſt von dem
Geiſtlichen in folgenden Fällen zu verſagen: 1. bei Perſonen, die
beide der evangeliſchen Kirche nicht angehören; 2. bei Ehen
zwi=
ſchen Angehörigen der evangeliſchen Kirche und anderen
chriſt=
lichen Religionsgemeinſchaften, wenn vorher der evangeliſche Teil
zugeſtanden hat, daß ſämtliche Kinder nicht evangeliſch getauft und
erzogen werden; 3. bei Ehen zwiſchen Angehörigen der
evange=
liſchen Kirche und Perſonen, die einer nichtchriſtlichen oder keiner
Religionsgemeinſchaft angehören. Ausnahmen hiervon kann das
Landeskirchenamt nach Anhörung des zuſtändigen Pfarramts und
Dekanats nur in ganz beſonderen Fällen geſtatten. Vorausſetzung
hierfür iſt jedoch unter allen Umſtänden das Verſprechen
evangeli=
ſcher Taufe und Erziehung der Kinder.
Für die kirchliche Beſtattung iſt in 8 9 folgende
Formulie=
rung vorgeſchlagen: Die kirchliche Beſtattung, die die evangeliſche
Kirche grundſätzlich nur ihren Gliedern gewährt, iſt zu verſagen,
wenn nach den beſonderen Umſtänden des Falles die Mitwirkung
der Kirche als eine Entwürdigung der kirchlichen Handlung
er=
ſcheinen, insbeſondere zum Aergernis in der Gemeinde gereichen
müßte.
Außer ihren eigenen Gliedern gewährt die evangeliſche Kirche
auch anderen Chriſten die Beſtattung, wenn dieſen von ihrer
Kon=
feſſion die kirchliche Beerdigung um deswillen verſagt wird, weil
ſie ihre Ehe evangegiſch einſegnen oder ihre Kinder im
evangeli=
ſchen Glauben haben erziehen laſſen. Doch ſind hierbei die
Be=
ſtimmungen von Abſatz 1 zu beachten.
Ueber die Gewährung der evangeliſch=kirchlichen Mitwirkung
bei Beſtattung in anderen beſonderen Fällen entſcheidet nach
An=
hörung des zuſtändigen Pfarramts das Landeskirchenamt.
Oberkirchenrat D. Wagner erläuterte namens der
Kirchen=
regierung die Vorlage der Kirchenregierung. Pflicht ſei es für die
Mitglieder der evangeliſchen Landeskirche, ihre Ehen trauen, ihre
Kinder taufen zu laſſen und ſie dem evangeliſchen
Religions=
unterricht und der Konfirmation zur beſtimmten Zeit zuzuſüyren,
ſowie ihre Toten kirchlich beſtatten zu laſſen. Dieſe Geſetzvorlage
ſei ein Ausfluß der ſeelſorgeriſchen Liebe zu den Angehörigen der
Kirche. Sie wolle damit erzieheriſch wirken. Zucht ohne bewußte,
liebevolle Seelſorge habe keinen Sinn, der Geiſt der Liebe und
Zucht gehöre zuſammen. Andere Landeskirchen hätten bereits
der=
artige Kirchengeſetze eingerichtet, wobei ſogar ſtrengere Folgen
bei Nichtbeachtung eintreten können. Die ſchmerzlichen und auf
die Dauer unhaltbaren Zuſtände, die ſich aus dem Fehlen eines
ſolchen Geſetzes ergaben, ſollten mit dieſem Geſes beſeitigt
wer=
den. Er bitte daher, das Geſetz ſo aufzufaſſen, wie es gemeint ſei.
Das Geſetz wolle in ſeinem Sinne mit Jeſus Chriſtus einig gehen.
Abg. Dr. Jaudt nahm nochmals als Berichterſtatter des
Ausſchuſſes für die Vorlage Stellung. In der heutigen Zeit
der Gottloſigkeit könne man vielleicht ein ſolches Kirchengeſetz für
gefährlich halten, aber der Entwurf ſei nach einigen redaktionellen
Aenderungen durchaus annehmbar, und liege im Intereſſe der
evangeliſchen Kirche und im Intereſſe ihrer Mitglieder.
Abg. Landeskirchenrat D. Waitz (2. Gruppe) gab ſeiner
Genugtuung über den Geſetzentwurf auch im Namen der Gruppe
Ausdruck, da es große Bedeutung, für Leben und Zukunft der
evangeliſchen Landeskirche habe. Die evangeliſche Kirche ſei
Die beiden Jahre, die hinter uns liegen, ſind für das deutſche Volkskirche, die weniger durch Predigten als durch ihre
Ein=
richtungen die weiten Kreiſe des Volkes erreiche. Sie trage
volks=
kirchlichen Charakter, weil ſie ihre Glieder von der Wiege bis
zur Bahre begleite, und ſo dem Leben der evangeliſchen Chriſten
äußere und innere Weihe gebe. Soll ſie aber ihren
volkskirch=
lichen Charakter behalten, ſo müſſe ſie auch alles vermeiden, was
ſie beeinträchtigen könne. Sie ſei noch Miſſionskirche und müſſe
ihren volksmiſſionären Auftrag erfüllen können. Ein Wort zur
rechten Zeit ſei aber ſtets am Platze. Die Kirche müſſe ſich von
dem Geiſt des heutigen Ernſtes beſtimmen laſſen und mit dem
Geiſte der ſuchenden Liebe und Wahrhaftigkeit für ihre Mitglieder
ſorgen. Er ſtimme alſo dem Geſetzentwurf in weiteſtem Umfange
zu. Er gab dann einige Anregungen und Wünſche zu dem Geſetz
bekannt. Wenn ſich dieſes ſchlichte Kirchengeſetz bewährt habe,
dann könne man weiter gehen und eine kirchliche Lebensordnung
ſchaffen. Er wünſche aber vor allem auch Beſtimmungen über den
Austritt und die Wiederaufnahme in die Kirche. Eine einheitliche
Praxis über die feierliche Wiederaufnahme ſei von beſonderem
Wert. Jeder möge mitarbeiten, damit jede beſtehende
Unſicher=
heit beſeitigt werde und der Kirche ihre Aufgabe als
Miſſions=
kirche erleichtert werde.
Abg. Lenz (1. Gruppe) ſtimmte dem Entwurf ebenfalls zu.
Die evangeliſche Kirche als Kirche der Gewiſſensfreiheit, wie ſie
die Reformation wollte, frage vor allem, wie es recht vor Gott
ſagen, und es ſei gut, wenn die Kirche auch einmal verſagen
könne. Gewiß ſei es manchmal ſchwierig für manche Organe
ein=
dafür auch eine Mehrheit im Landtag gefunden. Was von evange= zelner Kirchengemeinden, das neue Kirchengeſetz zunächſt
durchzu=
führen, aber eine ſtärkere Bindung an die Kirche hebe auch deren
Anſehen. An der Ueberſchrift „Kirchenzuchtordnung” brauche man
ſich nicht zu ſtören, da dieſe ja inhaltlich nur zum Segen der Kirche
und ihrer Mitglieder gegeben werde. Zur Austrittsbewegung aus
der Kirche müſſe er bemerken, daß man zwar mit Schmerz ein
Glied der Kirche gehen ſehe, aber man müſſe auch nicht ſchwach
wendet. Das Abendmahl habe man in den Entwurf des
Kirchen=
geſetzes nicht einbezogen, was er gewünſcht hätte. Das Geſetz diene
in ſeiner Faſſung der Kirche und Herrn Jeſus Chriſtus=
Man trat dann in die Pauſe ein, nach der über die Wahl des
wurde. Der allein vorgeſchlagene Abgeordnete Ausfeld=
Hießen wurde, mit 36 Stimmen bei 23 Enthaltungen zum
Stellvertreter gewählt.
Abg. Geh. Hofrat Prof. D. Dr. Berger (3. Gruppe)
be=
haben und noch geben. Wir haben den Gedächtnistag der dauerte, daß die Begründung des Geſetzentwurfs nicht gedruckt
ob man ſich der Rechtsordnung oder der Gnaden=Liebesordnung
der Kirche mehr anſchließe. Dieſe beiden Pole gehörten
zuſam=
am Ende dieſes Jahres dankbar der Zeit gedenken, da vor 300 men zur Kirche, gäben ihr innere Spannung und Kraft. Es
be=
ſtehe die Gefahr, daß die geſunde Gleichgewichtslage ſich verſchiebe,
müßten ſein auch in der Kirche, aber das Höhere ſei die Gnaden=
Liebesordnung — das Evangelium. Die ausgeſprochen
ſeelſorgeri=
ſchen Handlungen unterlägen in problematiſchen Fällen den
Ge=
wiſſens=Entſcheidungen des Pfarrers. Einen Vorbehalt, müſſe
man aber machen. Luther habe geſagt, daß das ſpezifiſch Prote=
Der Präſident gedachte dann ehrend der im letzten Jahre ver= ſtantiſche darin liege, daß dieſe Spannung der Ordnungen durch
jeden einzelnen gläubigen Chriſten hindurchgehen müſſe. Die
Vielheit der kirchlichen Bräuche dürfte der Einheit der Kirche
keinen Abbruch tun. Man müſſe Wert darauf legen, daß das
das Geſetz als den Verſuch der künftigen Beſſerung für die
ſeel=
ſorgeriſche Praxis aufgefaßt wiſſen, das den Zweck habe, den
Pfar=
rern Richtlinien zu geben. Seine Gruppe werde jede Haltung
ablehnen, die nur eine kirchliche Zuchtordnung aus dem Geſetz
machen wolle. Der Säkularismus als Feind aller Religionen
einem feſten Miſſionswillen ausgerüſtet ſei. Man müſſe Liebe und
Anſchließend nahm der Präſident die Verpflichtung der drei Gnade anwenden, nicht Zuchtmaßnahmen. Das vorliegende Geſetz
zwar noch nicht in allen Punkten zuſtimmen, aber wolle gerne an
ihm mitwirken.
Abg. Univerſ=Prof Dr. Cordier=Gießen bejaht
ſeiner=
ſeits die polare Einſtellung der Kirche. Er wolle verſuchen, zu
einem Urteil über dieſen Geſetzentwurf zu kommen, ausgehend
von dem Verſtändnis der ſogenannten Kaſualien. Da ſei zu
be=
merken, daß ſeines Erachtens das Verſtändnis, das das
Kirchen=
geſchrieben werde, daß die Weiterentwicklung der kirchlichen
Handlungen gehemmt werde, und daß die entſcheidende Inſtanz,
die helfen könne zu einer Neubildung von Kirchenhandlungen,
mehr oder weniger ausgeſchaltet werde. Redner gab nun
ein=
gehende Begründung. Verfalle man in falſche Auffaſſung von
kirchlichen Handlungen, dann könnte die Mitwirkung vielleicht
„entehrend” ſein, aber z. B. Beerdigung ſei nicht Handlung an
den Toten, ſondern Wortverkündigung. Kirchliche Handlungen
ſeien Dienſte am Wort. Die notwendige Weiterentwicklung des
Verſtändniſſes für kirchliche Amtshandlungen werde auf jeden Fall
gehemmt, zu einer Neubildung komme man bei Annahme der
Vorlage überhaupt nicht. Man ſteuere der Entwicklung zu, daß
bürgerliche Sitte nicht mehr beſtimmt iſt von dem Zuſchnitt
kirch=
licher Sitte. Es erfolge heute eine Neuſtruktur der
Bevölke=
rung, man könne eine allgemein chriſtliche Bevölkerung nicht mehr
vorausſetzen. Viele Menſchen ſeien ſchon als Nichtchriſten auf die
Welt gekommen. Es ſei nicht klar genug geſchieden in der neuen
Ordnung zwiſchen Ausgetretenen und ſolchen, die gar nicht in der
Landeskirche geweſen ſeien. Für die Ausgetretenen wolle man ja
keine kirchlichen Handlungen vornehmen, wohl aber für die, die
gar nicht in der Landeskirche waren. Die Kirche habe doch
miſ=
ſionariſche Pflichten. Durch die Handhabung des Wortes müſſe
man zu richtigem Verſtändnis für die kirchliche Handlung
kom=
men. Er bedauere, daß die Frage des Abendmahls nicht berührt
ſei. Hier müßte die Grenze ſchärfer gezogen werden. Die
For=
mulierung, wie ſie von der Gruppe 2 gegeben ſei, dürfte die ſein,
die den echt evangeliſchen Geiſt zeige.
Man möge mehr die
Kir=
chenvertreter und Gemeinden zur Selbſtändigkeit erziehen, nur
dann könne man Stürmen entgegentreten, wie ſie ſich im Oſten
zeigen. Die Hugenotten hätten nicht die Stürme der Verfolgung
Hins,
SIAAN,
Althewährt bei Stärungen der Verdauungs-
(Gicht, Diabetes)
und Harnorgane und bei Stoffwechselkrankheiten
Nummer 118
überſtanden, wenn ſie nicht ſelbſtändig geweſen wären. Möge
man alles fernhalten, was wie Paſtorenkirche ausſehen könne, und
möge man die Kirchenkörperſchaften, die Vertreter der Gemeinde,
wieder erſtarken laſſen. Die evangeliſche Kirche ſei in erſter Linie
Kirche des Wortes und nicht der Amtshandlungen.
Abg. Pfarrer Schrimpf begründet nochmals die
Kirchen=
ordnung in ihrer vorgeſchlagenen Form. Im bibliſchen und
evan=
geliſchen Sinn wolle man im Sinne Luthers eine ſeelſorgeriſch=
Zucht in den Vordergrund geſtellt haben. Er freue ſich, daß in
der Frage der Trauung eine entſchiedene Stellung eingenommen
werde. Wie rückſichtslos klar ſei z. B. in dieſer Beziehung der
katholiſche Standpunkt. Zu der Beſtattung müſſe er bemerken,
daß da, wo keine finanzielle oder ſeeliſche Not zum Austritt
zwang, doch die Betreffenden die Folgen tragen müßten. Wenn
Ausnahmen zugelaſſen werden könnten, ſo möchte er daß dieſe
ſehr maßvoll gehandhabt würden. Unſere Volkskirche kämpfe noch
lebendig und warm. Seelſorgeriſche Feſtigkeit und Weisheit
möge alles zum guten Ende führen.
Oberkirchenrat Zentgraf ſteht auf dem Standpunkt, daß
mehr lebendiges Chriſtentum in der Gemeinde vorhanden ſei,
als gemeiniglich zugegeben werde. Wenn man jetzt ein Geſetz
mache, müſſe man einerſeits die Ziele Gottes ins Auge faſſen,
andererſeits doch beſcheiden ſein, denn Kirchengeſetze könne man
nicht für Menſchen machen, wie man ſie ſich wünſcht, ſondern wie
ſie ſind. Die Vorlage ſei was ſie ſein will: „ein Schutzgeſetz”, das
die Kirche vor Mißbrauch ſchützen ſoll.
Abg. Dr. Freiherr von Heyl, erinnert an die Bewegung
im Oſten, der eine Idee, ein neuer Glaube zugrunde liege, der
ſich zu einer neuen „Religion” entwickeln könne. Den Ausdruck
Paſtorenkirche höre er nicht gern, denn er meine, dem Pfarrer
der evangeliſchen Kirche ſei in der Hauptſache die Verkündigung
des Wortes und die Verwaltung des Sakraments vorbehalten.
Wenn dem aber ſo ſei, ſollte man nicht von Paſtorenkirche
ſprechen. Er gab dann verſchiedene Anregung zu dem
Geſetz=
entwurf. Man müſſe mit den gegebenen Verhältniſſen rechnen.
Der Superintendent müſſe die Entſcheidungen fällen können. Das
ſei trotz mancher Bedenken praktiſch durchführbar. Weiter nahm
der Redner zu den vorgetragenen Anregungen Stellung. Die
Ausführungen des Abg. Cordier ſollten in den Gruppen nochmals
Erwägung finden.
Abg. Pfarrer D. Matthes nimmt namentlich zu den
Aus=
führungen des Abg. Cordier Stellung, gegen die er ſich wendet.
In deſſen Ausführungen ſei die Zucht und Ordnung” faſt ganz
abgelehnt worden. Es ſei nicht richtig, ſeines Erachtens nach, daß
es keine kirchlichen Handlungen gebe, ſondern nur Verkündigung,
es gebe auch die Handlung des Bekennens. Es gebe weiter eine.
Verpflichtung zum Empfang der Wohltaten der Kirche, und es
gebe in der evangeliſchen Kirche Handlungen, die man nicht ohne
weiteres unter dem Begriff Verkundigung zuſammenfaſſen könne.
Es gebe religiöſe Handlungen des Bekennens und Gelobens der
Kirche und der Gläubigen.
Oberkirchenrat Dr. Büchler nimmt zur kirchenrechtlichen
Frage des Kirchengeſetzes Stellung und wies auf einzelne
Be=
denken, die ſich in der Diskuſſion ergaben, hin. Er ſprach ſich für
die Beibehaltung der vorliegenden Faſſung aus.
Prälat D Dr. Diehl wendet ſich im allgemeinen gegen
tele=
phoniſche Entſcheidungen, die zu treffen ſeien. Die Uebertragung
ſolcher Entſcheidungen an ein Superintendentenkollegium ſei
prak=
tiſch unmöglich, denn erſt in gegenſeitigen Ausſprachen komme
Klarheit. Das Gefährlichſte ſei, wenn man in ein Kollegium
zwiſchen geiſtlich und weltlich, Theologen und Juriſt ſcheide. Es
könne vorkommen, daß das ſeelſorgeriſche Moment vielleicht von
Juriſten ſtärker herausgearbeitet werde, als von Theologen. Er
bitte, es bei der in der Vorlage vorgeſehenen Regelung zu
be=
laſſen.
Abg. Pfarrer Berck hält es für abwegig, wenn man hier
den Ausdruck der Schutzbeſtimmung anwende. Es handele ſich um
den Gedanken, der im Teſtamen: ausgedrückt ſei, daß zu dienen
ſei daß alſo ein Dienſt an der Seele, der Gemeinde und der
Kirche zu leiſten ſei. Er ſei erſtaunt, daß Abg. Matthes einen
ſolch ſcharfen Gegenſatz zwiſchen Wort Verkündigung und
Hand=
lung konſtruiert habe. Das Wort ſei der Dienſt, den wir zu
leiſten haben.
Oberkirchenrat Wagner, als Vertreter der
Kirchenregie=
rung, richtete nach der Generaldebatte das Schlußwort an die
Abgeordneten. Die Formulierung der Ueberſchrift ſei ja noch
freigeſtellt. Das Fehlen der ſchriftlichen Begründung habe er
ſelbſt als Mangel empfunden. Im einzelnen müſſe er bemerken,
wenn die Kirchenregierung die Ausführungen des Herrn Proi
Cordier in der ganzen Schärfe hinnehme, müßte ſie ihr ganzs
Geſetz zurückziehen. Der Pfarrer und Kirchenvorſtand werde
kei=
neswegs von der Seelſorge durch das Geſetz ausgeſchloſſen. Ueber
die Eheſchließung und die übrigen Fragen ſei wohl in der
Einzel=
debatte noch zu ſprechen. Das Abendmahl hätte man ſeines
Er=
achtens nicht in das Geſetz aufnehmen brauchen. Er glaube, daß
der Standpunkt des Prof. Berger ſeiner Auffaſſung entſpreche,
Nach kurzen perſönlichen Bemerkungen wurde die
General=
debatte geſchloſſen und die nächſte Sitzung zur Einzelberatung für
Donnerstag vormittag 9 Uhr angeſetzt.
Achlung! Hausfrauen!
VaBG. Neuerdings propagiert eine Hamburger Teppichfirma
„10 Gebote für ſachgemäße Teppichbehandlung” und empfiehlt,
zur Reinigung ziemlich erhebliche Mengen von Benzin zu
ver=
wenden. Es muß immer wieder davor gewarnt
werden, derartig leichtſinnige Gefährdung von
Leben und Geſundheit der Wohnungsinhaber zu
iskieren. Die Gefahr liegt darin, daß die ſich entwickelnden
Benzingaſe mit der atmoſphäriſchen Luft gemiſcht außerordentlich
exploſibel ſind. Dieſe Benzindämpfe ſind ſchwerer als die
atmo=
ſphäriſche Luft, bewegen ſich am Boden entlang, entſprechend den
hier herrſchenden Strömungen, und kommen auch an weit von der
Benutzungsſtelle des Benzins entfernten Feuerſtellen, brennenden
Lichtern, entzündeten Streichhölzern oder gar ſchon an Funken
von elektriſchen Kontakten zur Entzündung und Exploſion Schon
2,5 Teile Benzin auf 100 Teile Luft, alſo ganz geringe Mengen,
laſſen das gefährliche Exploſionsgemiſch entſtehen. Selbſt das
Oeffnen der Fenſter bei ſolchen Arbeiten genügt nicht als
Vorbeu=
gungsmaßnahme, weil die ſchweren Benzindämpfe auf dem Boden
ruhen und nicht abziehen können. — Geradezu gemeingefährlich
iſt das Fortgießen benutzter Benzinmengen in die
Waſſerlei=
tungen, Toiletten und dergleichen. Denn dadurch können
explo=
ſionsgefährliche Gasmengen in die Kanaliſation
ge=
langen, die ſich ſchlimmer auswirken können,
als wenn man ganze Straßenzüge mit Dynamit
unterlegt.
W
RDV. Geſellſchaftsfahrten zu Pfingſten. Mit Rückſicht auf die
beſonderen Zeitumſtände wird die Reichsbahn erſtmalig zu
Pfing=
ſten 1931 das bisherige Verfahren, Geſellſchaftsfahrten an den
hohen Feſttagen zu ſperren, lockern. Die Reichsbahndirektionen
ſind ermächtigt, die Ermäßigung für Geſellſchaftsfahrten unter
fol=
genden einſchränkenden Bedingungen zu gewähren: Die
Geſell=
ſchaftsfahrten, deren höchſt zuläſſige Teilnehmerzahl auf 30
Per=
ſonen feſtgeſetzt iſt, ſollen bis Dienstag, 19. Mai, angemeldet ſein.
Geſchloſſene Unterbringung der Teilnehmer kann nur übernommen
werden, wenn der allgemeine Verkehr dadurch in keiner Weiſe
be=
nachteiligt wird. Dazu kommen noch einige interne Bedingungen
eiſenbahntechniſcher Art, z. B. die Vorausſetzung, daß eine
ord=
nungsmäßige Fahrkartenkontrolle in jedem Falle ſichergeſtellt ſein
muß, ſowie die Möglichkeit für die Reichsbahndirektionen, bei
Zügen, die erfahrungsgemäß im Pfingsverkehr überfüllt ſind, die
Zulaſſung von Geſellſchaftsfahrten zu unterſagen. Demnach
kön=
nen alſo Geſellſchaftfahrten auch während der Feſttage in den
Gren=
zen durchgeführt werden, die eine pünktliche und betriebsſichere
Abwicklung des allgemeinen Pfingſtverkehrs nicht beeinträchtigen.
Für Reiſegeſellſchaften, die vom Auslandkommen, haben die
einſchränkenden Beſtimmungen keine Gültigkeit. Auch Schul=
und Jugendpflegefahrten können ohne Beſchränkung zu
Pfingſten wie gewöhnlich ausgeführt werden; allerdings iſt die
Anmeldung hierfür bis ſpäteſtens 19. Mai, abends 6 Uhr,
er=
forderlich.
Taubſtummengottesdienſt. Am Sonntag, dem 3. Mai=
Kiesſtraße 17,
nachmittags 14.30 Uhr, wird im Gemeindehaus.
Taubſtummengottesdienſt abgehalten. Wegen Fahrtausweis wende
man ſich an Pfarrer Heß, Hügelſtraße Nr. 6.
n
gerdeauser
Mu
Brunnenschriften durch das Fachlnger Zentralbüro,
Berlin108 Ws, Wilhelmstr. 55- Erhältlich in Fiineralwasserhandlluns
en, Apotheken, Drogerlen usw.
sowie bei Friedrich Schaeier, Darmstadt, Ludwigsplatz 7, Telefon 45
(Vz23
[ ← ][ ][ → ]Nummer 118
Mittwoch, den 29. April 1931
Seite 7
„Helia”
bringt im neuen Programm „Kopfüber ins Glück”, eine
ganz reizende, ſehr unterhaltende fröhliche Tonfilm=Groteske, in
der von dem ausgezeichneten Regiſſeur Haus Steinhofſ und
einer ausnehmend glücklichen Beſetzung der Hauptrollen das
luſtige Märchen erzählt wird von der kleinen Schokoladen=
Ver=
käuferin, die als Gräfin in die Loge des großen Varietés gehen
darf und dort einen Baron kennen und lieben lernt. Für jedes
Mädchen kommt einmal die Gelegenheit, ihr Glück zu machen!
Und wenn auch in derſelben Nacht noch nach allerhand tollen
und luſtigen Erlebniſſen in einer Fülle von Situationskomik
noch die Rückwandlung der Gräfin zur Schokoladen=Verkäuferin
und des Barons zum Kravatten=Verkäufer im Warenhaus
er=
folgt, die beiden werden doch, vielmehr gerade erſt jetzt — ſehr
glücklich.
Das wird ganz ausgezeichnet geſpielt von Jenny Jugo,
dieſer ſchlanken Schonheit, die ſo luſtig ſein und ſo ſilbern lachen
kann, wie kaum eine und von Fritz Schulz, der ihr im
fröhlichen Lebengenießen ſo garnichts nach gibt, der außerdem
noh tanzt und ſchmiſſige Schlager ſingt, gemeinſam mit Auſtin
Egen. und Szöke Szakall und Alexa Engſtröm
und eine Reihe hervorragender weiterer Filmgrößen ſpielen
höchſt erfolgreich mit. Nur die tonliche Verſtändigung dürfte
beſſer ſein. Es wird aber ſo furchtbar nett geſpielt, daß auch
ohne verſtandene Worte die Handlung ſo heiter und erheiternd
wirkt, wie ſie gemeint iſt.
Aus dem reichen Beiprogramm iſt beſonders erwähnenswert
ein Ton=Film aus dem Londoner Zoo.
In den Palaſtlichtſpielen wurde des großen Erfolges wegen
und vielfachen Wünſchen entſprechend der neueſte Harold=Lloyd=
Film, „Harold, der Drachentöter”, noch heute auf dem Spielplan
belaſſen. Anderweitiger Verpflichtungen halber kann jedoch einer
nochmaligen Verlängerung nicht ſtattgegeben werden.
Im Uniontheater ſieht man heute zum letzten Male Dina
Gralla und Georg Alexander in dem luſtigen Tonfilm „Der
Liebesexpreß”, Jugendliche haben Zutritt. Beginn 3.45, 6.00 und
8.20 Uhr.
— Bildſpiele im Kleinen Haus. Der ſeinerzeit von
Publi=
kum und Preſſe mit ſtarkem Beifall aufgenommene Colin=Roß=
„Tonfilm „Achtung Auſtralien Achtung Aſien” wird
heute Mittwoch, 15, 17.30 und 20,15 Uhr, im Kleinen Haus
letzt=
malig zur Aufführung kommen. Im Beiprogramm läuft der
Kurz=Tonfilm „Unter der Tropenſonne Javas” und ein
Zeichen=
trickfilm „Im fidelen Affen”. Jugendliche haben Zutritt.
Steuerproteſtverſammlung. Es wird auf die heutige
An=
izeige verwieſen, in der zu der großen Proteſtverſammlung der
wwereinigten Wirtſchaftsverbände am Donnerstag gegen die neue
Steuerbelaſtung eingeladen wird.
— Gründung der Ortsaruppe der „Bauſparkaſſe Gemeinſchaft der
FFreunde Wüſtenrot” in Darmſtadt. Man ſchreibt uns: Am
Sams=
ſtag fand im Reſtaurant „Sitte‟, Karlſtraße 17. eine Zuſammen=
Fkunft hieſiger Mitglieder der Bauſparkaſſe Gemeinſchaft der
Frreunde Wüſtenrot” (G.d.F.), Gemeinnützige Geſellſchaft m. b. H.,
Sitz Ludwigsburg (Württ.), ſtatt. Einem von den Bauſparern
geinmütig geäußerten Wunſche entſprechend, nach dem Vorgang
Bahlreicher Orte in Württemberg, Baden und Bayern, ſchritt man
Bur Gründung einer Ortsgruppe, wie ſolche auch in den
Nachbar=
ſſtädten Wiesbaden und Frankfurt beſtehen. Die Wahl des
Vor=
ſtandes fiel auf die Herren Gewerberat Dr. Müller,
Vermeſſungs=
inſpektor Klos, Finanzpraktikant Fröhlich. Es handelt ſich bei der
Ortsgruppe zunächſt nur um eine loſe Vereinigung, die den Zweck
chaben ſoll, die einzelnen Bauſparer einander näher zu bringen.
um Erfahrungen auszutauſchen und Anregungen aller Art auf
ſoem Gebiete des Wohnungsweſens zu geben und zu erhalten. Mit
großem Intereſſe verfolgte man bei der weiteren Ausſprache die
Darlegungen eines Bauſparers, der zurzeit das zweite Haus in
Darmſtadt errichtet. Das erſte Haus iſt bereits ſeit 1929 bewohnt.
aund in den Vororten Eberſtadt. Nieder=Ramſtadt, Pfungſtadt,
Griesheim ſind auch bereits 7 Zuteilungen erfolgt.
— Pfingſt=Feſtſpiele in Rothenburg ob der Tauber! Am
Pfingſtſonntag finden in Rothenburg ob der Tauber die
bekann=
en Feſtſpiele ſtatt: das Reiſebüro W. Köhler, G. m. b. H.,
Lui=
genplatz 1, Tel. 2418, hat in ſeinem Pfingſtprogramm eine
zwei=
ägige Sonderfahrt nach der alten, deutſchen Stadt vorgeſehen.
Alußer dieſer Veranſtaltung ſind noch verſchiedene In= und
Aus=
andsreiſen vorgeſehen. Eine genaue Ausſchreibung wird
dem=
ächſt durch ein Inſergt erfolgen. Intereſſenten, die jetzt ſchon die
Ubſicht hegen, zu den Feſtſpielen nach Rothenburg zu fahren,
wer=
den gebeten, ſich wegen Unterkunft und Fahrtprogramm an das
Reiſebüro W. Köhler zwecks koſtenloſer Auskunftserteilung zu
wenden.
Zum Muttertag ein ſchönes Geſchenk für die Kinder wie für
eie Eltern — und dabei zu dem billigen Preis von 15 Pf.
ruch in dieſem Jahre wieder das der Mutter gewidmete
Mai=
lieftder „Deutſchen Jugend”, Zeitſchrift für das
Jugend=
otkreuz”, die von ſachkundigen Stellen als die beſte deutſche
Kin=
erzeitſchrift bewertet wird. Es bringt drei ſpannende
Erzählun=
sen, viele Gedichte und eine große Anzahl beſter Bilder aus der
Hand von Käthe Kollwitz, Max Liebermann, Hans Thoma,
Dau=
rier, Ludwig Richter u. a. Auch Anregungen zum Anfertigen
Uleiner, praktiſcher Geſchenke ſind gegeben. Das ganze Heft
ver=
mittelt die Geſinnung, die der Muttertag in jungen und alten
Ferzen anregen will. Preis des Einzelheftes 15 Pf. und 8 Pf.
Boſtgebühren, die von 20 Heften an fortfallen. Zu beſtellen beim
Deutſchen Jugendrotkreuz, Berlin W. 10, Corneliusſtraße 4b.
(5 Auf= und Abladen von Metallgegenſtänden. Nach der
Poli=
zeiverordnung, betr. das Auf= und Abladen ſowie den Transport
non Metallgegenſtänden vom 9. Oktober 1893, ſind bei dem
Auf=
nd Abladen ſowie bei dem Transport von Gegenſtänden, welche
bei dem Herabwerfen oder bei dem Transport auf Wagen ein
arkes Geräuſch verurſachen, wie eiſerne Träger, Schienen
Metall=
vöhren und Stangen. Bleche, Ketten und dal ſolche Einrichtungen
zu treffen, daß beläſtigendes Geräuſch vermieden wird.
Lokale Veranſtalkungen.
usſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu beirncten.
Die blerunter erſchelnenden Notlzen ſind
n keinem Faſſe ſegendwie als Beſprechung oder Kriſt.
— Bibelabend im Chriſtlichen Verein Junger
2 (Inf.=Kaſ.).
Männer, Darmſtadt. e. V.. Alexanderſtraße
zu der heute. Mittwoch, abends, ſtattfindenden Bibelſtunde mit
deem Thema „Der Sieg des Lebens” laden wir hierdurch
freund=
chſt ein. Jedermann iſt willkommen.
Aus den Parkeien.
Vorführung von Maſchinen und Geräken
Mi den Genſe. Mfe und Reſhanf.
Die Landwirtſchaftskammer veranſtaltet am Donnerstag, den 30.
April 1931, vormittags 10 Uhr, auf ihrem Muſter= und Verſuchsgut für
Obſt=, Gemüſſe= und Weinbau in Broß=Umſtadt eine Vorführung
ver=
ſchiedener Maſchinen und Geräte für den Gemüſe=, Obſt= und Weinbau,
darunter Bodenbearbeitungsgeräte, Hack= und Säemaſchinen,
Sortier=
maſchinen, Cin= und Mehrradhacken Motorhacken, Kleintraktoren uſw.
Auch die verſchiedenſten neueren Spritzenſyſteme für Obſt= und
Neben=
behandlung werden vorgeführt. Die Teilnahme iſt unentgeltlich.
Treff=
punkt auf dem Gut an der Dieburger Straße. In Anbetracht des
Um=
ſtandes, daß eine derart reichhaltige Vorführung ſich nicht allzu oft
er=
möglichen läßt, werden die Intereſſenten nochmals darauf aufmerkſam
gemacht.
Dd. Arheilgen, B. April. Der Turnverein machte einen
Aus=
flug in die Baumblüte, der wegen des unbeſtändigen Wetters nicht die
ſonſt übliche Beteiligung fand. Die 12 Unentwegten, die ſich trotzdem
entſchloſſen hatten, mitzugehen, hatten es nicht zu bereuen. Unter
vor=
trefflicher Leitung des Wanderwartes machte die kleine, aber luſtige
Schar einen ſchönen Ausflug durch die blühenden Kirſchbäume nach
Bens=
heim, ohne auch nur einen Tropfen naß zu werden. — Nächſten
Sonn=
tag trägt der Turnverein mit 6 Turnern und 3 Turnerinnen einen
Ge=
rätewettkampf gegen den Turnverein Groß=Umſtadt aus. — Die
Aus=
zahlung der Militärrenten findet am Mittwoch, den 29. April, von
3——19 Uhr vormittags und der Unfall= und Invalidenrenten am
Frei=
tag, den 1. Mai, auf dem Poſtamt ſtatt.
B. Wixhaufen, 28. April. Gemeinderatsbericht. Auf der
Tagesordnung ſtand die Beratung des Gemeindevoranſchlages 1931.
Auch in dieſem Jahre ſchließt der Voranſchlag mit einem Fehlbetrag
von 38200 RM. ab, die durch Umlagen aufgebracht werden müſſen.
Seitens der bürgerlichen Gemeindevertreter wurde vorgeſchlagen, das
Gehalt des Bürgermeiſters um 20 Prozent zu kürzen. Ferner wurde
beantragt, die Beſchäftigungsgrade des Gemeinderechners auf ſechs
Achtel zurückzuſetzen und den Feldſchützen mit drei Viertel der
Jahres=
zeit zu beſchäftigen. Dieſe Vorſchläge ſowie die Kürzung des Gehaltes
der Gemeindeſchweſter wurden von den ſozialdemokratiſchen
Gemeinde=
räten abgelehnt. Es bleibt alſo das Gehalt des Bürgermeiſters auf
4581 RM. beſtehen. Ebenſo das Gehalt des Gemeinderechners auf 3465
RM., das Gehalt des Feldſchützen auf 2508 RM. und das Gehalt der
Krankenſchweſter von 1727 RM. Verſchiedene Streichungen, von den
bürgerlichen Vertretern beantragt, wurden ebenfalls abgelehnt. Wären
die vorgeſchlagenen Streichungen der bürgerlichen Gemeinderäte
an=
genommen worden, ſo hätte der Fehlbetrag ſtatt 38 200 RM. nur auf
36 20 RM. gelautet. Die Steuerausſchlagsſätze wurden wie folgt
feſt=
geſetzt: für Gebäude und Bauplätze gegen 653 Pfg. im Vorjahre auf
6138 Pfg., für land= und forſtwirtſchaftlichen Grund und Boden gegen
100 Pfg. auf 9 Pfg., für Gewerbekapital gegen 142,4 Pfg. auf 12531
Pfg., für Gewerbeertrag gegen 433,2 Pfg. auf 381,22 Pfg. Die letzten
Sätze gelten für 100 Mark Steuerwert im Jahre 1931.
—
Karmelitergeiſt
schmerzlindernd.
und belebendbei Rheuma. GSchias, 5
Kopf=, Nerven= und Erkältungse 2
AIIION
ſchmerzen, Ermüdung u. Strapazen 2
7Meliſſ.3Musk.=1Nelk. SBitr.5Zimteu.
Lav.=Ol.18,14Menth., 400Baſ. 600Spir. 3n Apoiheken und Drogerlen
— Jugendgruppe der DVP. Der für heute abend
an=
geſetzte Handarbeits= und Leſeabend fällt aus. Die Jugendgruppe
beteiligt ſich dafür geſchloſſen an der Kundgebung morgen
Abend in der Woogsturnhalle.
Deutſche Staatspartei, Ortsgruppe
Darm=
adt. Heute Mittwoch, abends 8,15 Uhr, findet im Reſtaurant
„Zur Krone”, Schuſtergaſſe 18, eine Mitgliederverſammlung ſtatt,
in der Abgeordneter Schreiber über politiſche Tagesfragen
ſpre=
öoen wird. Gäſte können eingeführt werden.
Tageskalender für Mittwoch, den 29. April 1931.
beeſſ. Landestheater. Großes Haus, 20—22 Uhr. E. 23:
— Kleines Haus: 15. 17.30, 20.15 Uhr:
„Torquato Taſſo”
Colin=Roß=Tonfilm „Achtung Auſtralien, Achtung Aſien!”, da=
— Konzerte: Zur Oper, Rheingauer
zu Beiprogramm.
Weinſtube, Schloßkeller, Datterich. Sportplatz=Reſt. a.
Böllen=
falltor, Hotel=Reſt. Poſt. Sport=Cafs=Reſt. am Meßplatz. Zum
Kinovorſtellungen:
Tropfſtein, Alter, Ratskeller.
Waſchvorfüh=
Union=, Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.
rungen, um 3 und 5 Uhr, im Reſt. Bürgerhof, Eliſabethen=
ſtraße 2.
* Beiterſtadt B8. April. Bezirksübung vom Roten
greuz. Vom Wetter wenig begünſtigt, fand am Sonntag hier eine
ſehr intereſſante, ſeh rgut beſuchte Bezirksübung ſtatt, bei der die
hie=
ſige, noch junge Kolonne ihre Prüfung glänzend beſtand. An der
Uebung beteiligten ſich die Kolonnen Buchſchlag=Sprendlingen,
Götzen=
hain, Egelsbach, Langen, Wishauſen, Gräfenhauſen, Arheilgen und
Weiterſtadt. Folgender Grundgedanke lag der Uebung vor: Auf einem
Nebengeleiſe am Bahnhof Weiterſtadt ſtanden mehrere Güterwagen,
in denen ſich Leute zum Ausladen von Material uſwp. beſanden. Durch
falſche Weichenſtellung fuhr ein Güterzug dieſelben an, wodurch es
meh=
rere Verletzte gab. Die Freiwillige Sanitätskolonne Weiterſtadt wurde
glarmiert, gleichzeitig auch obige Nachbarkolonnen. Die glarmierten
Kolonnen waren auch alsbald zur Stelle, um die Verletzten zu bergen
und zu verhinden. Bald darauf erfolgte eine Exploſion im Arbeitsraum
der Bahnarbeiter, die zum Teil ſich dort zur Mittagspauſe aufhielten.
Durch die Exploſion gab, es einige Rauchvergiftungen. Die Kolonne
Buchſchlag=Sprendlingen drang mit Gasmasken ein, bolten die
Ohn=
mächtigen heraus und ſtellten mit Sauerſtoffapparaten
Wiederbelebungs=
verſuche an. Die weitere Aufgabe, die in der Nähe des Bahnhofs durch
ein Autounglück Leicht= und Schwerverletzten zu behandeln konnte wegen
der Ungunſt der Witterung nicht duichgeführt werden. Der geräumige
Warteſaal am Bahnhof diente als Verbandsplatz, wo auch die theoretiſche
Prüfung der zu prüfenden Kolonne Weiterſtadt durch den Provinzial=
Inſpektor, Herrn Dr. med. Simmet aus Birkenau, ſtattfand. In ſeinen
Händen lag die ganze Uebung, ihm aſſiſtierten die Herren Dr. med.
Ritſert (Arheilgen) und Dr. med. Röder von hier, welch letzterer in
dankenswerter Weiſe die Ausbildung der Weiterſtädter Kolonne
durch=
führte. Herr Dr. Simmet ſprach ſich ſehr lobend über die Leiſtungen
der jungen Kolonne aus, und die Prüfung kann als mit „gut
beſtan=
den” angeſehen werden. Unter den Klängen der gut eingeſpielten
Tur=
nerkabelle der Turngemeinde Weiterſtadt e. V. (D. T.) zogen nun
ſämt=
liche Kolonnen geſchloſſen vom Bahnhof zum Vereinslokal. Darmſtädter
Hof” (Gaſtwirt Schönberger). Dort begrüßte der hieſige
Kolonnenfüh=
rer Baher in herzlicher Weiſe die Anweſenden und dankte allen für
gehabte Mühe. Dem leitenden Arzt, Herrn Dr. med. Röder, wurde
für ſeine verdienſtvolle Arbeit an der Kolonne von ihr ein ſchönes
Ge=
ſchenk überreicht, was mit großem Beifall aufgenommen wurde.
Neben=
bei ſei bemerkt, daß die Kolonne ſchon in 18 Fällen in der kurzen Zeit
ihres Beſtehens freiwillig Hilfeleiſtung bei Unglücksfällen geleiſtet hat.
Die Eiſenbahndirektion Mainz hatte bereitwilligſt Güterwagen für
dieſe Uebung geſtellt, wofür ihr gedankt ſei. Als offizielle Vertreter der
Gemeinden Weiterſtadt und Braunshardt waren die Herren
Beigeord=
neter Deuſſer (in Verhinderung des Bürgermeiſters), Weiterſtadt, und
Bürgermeiſter Schmidt, Braunshardt, anweſend. Die ganze
Veranſtal=
tung war trotz des ſchlechten Wetters von den Einwohnern gut beſucht
und fand lebhaften Beifall. Es wäre zu wünſchen, daß die junge,
ſtreb=
ſame Kolonne recht bald Zuwachs auch ans älteren Kreiſen findet.
O. Erzhauſen, 28. April. Am Sonntag hielt nun auch der hieſige
Geſangverein „Sängerluſt” unter Leitung ſeines rührige
Dirigenten, Herrn Lücker=Arheilgen, im Vereinslokale „Frankfurter Hof”
einen Volksliederabend, ab, der ebenfalls zu den erfolgreichen
muſikaliſchen Veranſtaltungen im hieſigen Vereinsleben gezählt werden
darf. Der Vorſitzende Herr Friedrich Heller, hieß die zahlreichen
Be=
ſucher und Mitwirkenden mit herzlichen Worten willkommen. Er gab
dabei bekannt, daß der Verein im vergangenen Winter ſein 35jähriges
Beſtehen hätte feiern können, aber wegen der derzeitigen mißlichen
wirt=
ſchaftlichen Verhältniſſe Abſtand davon genommen habe. Als kleiner
Erſatz ſolle die gegenwärtige Veranſtaltung dienen. Die gut
ausgewähl=
ten Darbietungen zeigten in ihrer Geſamtheit eine beachtliche Höhe der
künſtleriſchen Vollendung. Insbeſondere wurden gerade die Ueinen
Volkslieder mit beſtem Gelingen zu Gehör gebracht. In
entgegenkom=
mender Weiſe wirkten mit die hieſigen Vereine „Sängerbund” und
Germania”, „Einigkeit” von Gräfenhauſen und Geſangsabteilung der
Sportvereinigung 04 von Arheilgen; letztere auch mit zwei prächtigen
Volksliedern im gemiſchten Chor. In willkommener Abwechſlung der
Vortragsfolge zeigte ſich Herr Lücker (begleitet von Herrn W. Weber
Arheilgen) als Künſtler auf der Violine. Sein zweiter Vortrag „Le
Canari” erntete ſo reichen Beifall, daß er ſich zu einer Zugabe verſtehen
mußte. Eröffnet mit dem bekannten „Bundeslied” von Mozart und
ge=
ſchloſſen mit der „Hymne an die Kunſt” von Mangold hinterließ die
ſchön verlaufene Veranſtaltung bei allen Teilnehmern einen voll
be=
friedigenden Eindruck.
Cp. Nieder=Beerbach, 28 April. Unfall eines
Segelflug=
zeuges auf dem Frankenſtein. Wie jetzt bekannt wird, erlitt
das Segelflugzeug „Miniſter Leuſchner”, das bekanntlich ſeit einigen
Tagen auf dem Frankenſtein zu Probeflügen am Oſtabhang ſtationiert
iſt, am Sonntagnachmittag bei einem erneuten Startverſuch einen Unfall.
Unmittelbar nach dem Start ſtürzte das Flugzeug in einer Schwenkung
nach rechts plötzlich ab. Der Aufprall auf dem Boden war ziemlich heftig.
Wie verlautet, wurde beſonders die Rumpfſpitze des Flugzeuges
beſchä=
digt. Der Führer kam mit dem Schrecken davon. Das beſchädigte
Flug=
zeug wurde nach dem Unfall nach Darmſtadt abtransportiert.
* Ein Riedpfarrer als Freund Hebbels.
Zum 50. Todestag Pfarrers Luck=Wolfskehlen.
4a. Wolfskehlen, 28. April.
Am 30. April d. J. ſind 50 Jahre ſeit dem Tode des bekannten
Wolfskehler Pfarrers Ludwig Philipp Luck vergangen, der beſonders
durch ſeine Freundſchaft mit dem Dichter Friedrich Hebbel in der
Lite=
raturgeſchichte bekannt geworden iſt.
Der einfache Riedpfarrer, der zur Bereicherung ſeiner Kenntniſſe
gern größere Reiſen unternahm, lernte den Dichter Hebbel im Herbſt
des Jahres 1859 auf einer Reiſe nach Thüringen und Sachſen auf dem
Bahnhof in Weimar kennen. Beide übernachteten, dann im Gaſthaus
„Thüringer Hof” in Leipzig in einem gemeinſamen Zimmer und fuhren
anderntags miteinander nach Dresden.
Die Folge dieſes perſönlichen Zuſammentreffens war eine für das
ganze Leben dauernde Freundſchaft und ein ſehr reger
Briefwech=
ſel. Leider ſind nur noch wenige Briefe Hebbels an Luck vorhanden,
aber ſie ſind um ſo wertvoller, weil ſie beſonders die Stellung Hebbels
zur Religion betreffen. Die wichtigſten datieren vom 16. Oktober 1860,
21. Januar 1861, Oſtern 1861. 15. Auguſt 1861, in welcher Zeit Hebbel
in Gmunden in Oberöſterreich weilte, und vom 16. März 1862. Dieſe
Briefe Hebbels gehen ferner auf ſoziale und volkswirtſchaftliche Fragen
ein, enthalten viel Perſönliches aus ſeinem Leben und geben damit
gleichzeitig einen Ausſchnitt aus ſeinem Charakterbild. Die Briefe Lucks
an Hebbel ſind leider ſämtlich verloren gegangen. Luck war außerdem
mit Karl Gutzow, Georg Büchner=Goddelau, von deſſen
ſchrift=
ſtelleriſchem Wirken er ſogar Hebbel erzählte, Johann Heinrich Wichern,
dem Begründer der Inneren Miſſion, dem bekannten Theologen Kark
Immanuel Nitzſch. dem Kirchenhiſtoriker Rudolf Hagenbach in Baſel und
anderen Zeitgenoſſen bekannt, zumal er auch einer der Wahlmänner war.
die die Abgeordneten zum Frankfurter Paulskirchenparlament zu wählen
hatten. In dieſer Eigenſchaft hielt er damals in der Darmſtädter
Stadt=
kirche eine größere politiſche Rede.
Lucks Lebenslauf iſt ſchnell erzählt. Er wurde am 4. April 1813 in
Michelſtadt i. O. als Sohn des gräflich Erbach=Fürſtennauiſchen
Hoſ=
apothekers Luck geboren. Nachdem er, nach vollendetem Studium ſich
zunächſt als Hauslehrer, dann als Pfarrverweſer in Neckarſteinach und
Langſtadt bei Groß=Umſtadt verſucht hatte, wurde er in den 40er Jahren
des vorigen Jahrhunderts bei dem etwas kränklichen Pfarrer Lanz in
Wolfskehlen Vikar. Als Lanz, mit deſſen Tochter Amalie er ſich
inzwi=
ſchen verlobt hatte, im Dezember 1842 ſtarb, wurde Luck am 27. Februar
1844 zum Pfarrer von Wolfskehlen ernannt. Luck wirkte beinahe 42
Jahre in Wolfskehlen. Er hat ſich beſonders als Chroniſt von
Wolfs=
kehlen verdient gemacht. Nebenher verſuchte er ſich als Dichter. Doch
wollte Hebbel von der Herausgabe der Gelegenheitsdichtungen Lucks, wie
aus einem der oben angeführten Briefe hervorgeht, nichts wiſſen.
Luck ſteht heute noch im Orte ſeines Wirkungskreiſes Wolfskehlen
in beſtem Andenken. Der Kirchenvorſtand hat beſchloſſen, Lucks Grab,
das noch auf dem Friedhof vorhanden iſt, am Donnerstag dieſer Woche
zu Ehren des 50. Todestages zu ſchmücken.
F Eberſtadt, 28. April. 90. Geburtstag. Am Donnerstag,
den 30. April, feiert unſer älteſter Einwohner, Nachtſchutzmann i. R.
Georg Gärtner, wohnhaft Schloßſtraße 4, ſeinen 90. Geburtstag.
Gärt=
ner war 39 Jahre in Dienſten der hieſigen Gemeinde und iſt trotz ſeines
hohen Alters noch verhältnismäßig rüſtig.
A4a. Eberſtadt, 28. April. Billard=Wettkämpfe umeinen
Wanderpreis. Zur Förderung und Pflege des Billardſportes hat
der hieſige „Billardklub 1925” mit dem ihm befreundeten „Billardklub
Darmſtadt” für drei Jahre Wettſpiele um einen Wanderpreis abgeſchl.
ſen, der im dritten Jahr Eigentum des Klubs wird, der die meiſten
Spiele gewonnen hat. Es werden jedes Jahr zwei Kämpfe, Vor= und
Rück=
ſpiel, ausgetragen, die jeweils von fünf guten Spielern der beiden Klubs
durchgeführt werden. Das Vorſpiel für dieſes Jahr findet am
Sams=
tag, den 9. Mai, im Heim des Darmſtädter Billardklubs ſtatt. Für
die=
ſen erſten Kampf ſtellt der hieſige Klub die Spieler Dieter, Meher, Krug.
Stock und Schmidt. Die zweite Garnitur wird Ende Mai im „
Schwei=
zerhaus” zu Eberſtadt gegen Darmſtadt antreten. Im Herbſt wird dann
hier das Rückſpiel um den Wanderpreis ausgetragen.
Cp. Pfungſtadt, 28. April. Herabſetzung des Milchpreiſes.
Die Milchverwertungsgenoſſenſchaft, G. m. b. H., Pfungſtadt, hat mit
ſofortiger Wirkung den Milchpreis auf 28 Pfg. für den Liter
herabge=
ſetzt —Neuer Zuchtfaſel. Eine Kommiſſion der Gemeinde hat
auf dem am Samstag in Reinheim, abgehaltenen Zuchtviehmarkt zum
Prei
e von 580 RM. einen neuen Zuchtfaſel für den Gemeindefaſelſtall
angekauft. — Die Ortsbiehkaſfe hält am kommenden
Sonntagnach=
mittag im „Gambrinus” bei Koch ihre diesjährige Generalverſammlung
ab. — Am kommenden Sonntagvormittag treten in aller Frühe die
Frei=
willige und Pflichtwehr zu einer gemeinſamen Feuerwehrübung
an. — Gemarkungsrundgang. Die eval. Jugend unternahm
am Sonntag trotz des nicht gerade günſtigen Wetters unter Führung
von Bürgermeiſter Schwinn einen Gemarkungsrundgang, der nur die
Nordoſtſeite der Gemarkungsgrenze berückſichtigte. Der Rundgang
dauerte vier Stunden.
Cp. Eſchollbrücken, B8. April. Pfarrer Dr. Dreſcher tritt
in den Ruheſtand. Nachdem der hieſige Ortsgeiſtliche Pfarrer Dr.
Dreſcher am 19. April auf eine 46jährige Dienſtzeit zurückblicken konnte,
iſt er nunmehr in den Ruheſtand getreten. Pfarrer Dr. Dreſcher wirkte
faſt 21 Jahre am hieſigen Orte. Er erfreute ſich als Seelſorger und
Prediger einer großen Wertſchätzung. Beſonders hat er ſich um die
Pflege der Heimat= und Familienkunde verdient gemacht. Ohne Zweifel
verſtand es Dr. Dreſcher, dem religiöſen Leben in Eſchollbrücken einen
Stempel aufzudrücken. Ein Nachfolger für ihn iſt noch nicht ernannt.
4a. Seeheim a. d. B., 28. April. Förſter Büdinger
geſtor=
ben. Im vollendeten 89. Lebensjahr iſt, der älteſte Ortseinwohner,
Förſter i. R. Chriſtoph Büdinger, geſtorben. Er ſtand bereits im Dienſte
der Gemeinde Seeheim, als Seeheim noch zur Oberförſterei Eberſtadt
gehörte. Zunächſt als Holzſetzer tätig, trat er dann in den Forſtdienſt
über. Insgeſamt hatte er 43 Dienſtjahre hinter, ſich, als er im Jahre
1914 im Alter von 72 Jahren in den Ruheſtand trat. Förſter Büdinger
erzählte ſtets gern von ſeinen Soldaten= und Kriegserlebniſſen,
beſon=
ders von 1866 und den Kämpfen bei Laufach und Fronhofen, an denen
er als Frontſoldät teilnahm. Den Krieg 1870 machte er in einem
Erſatz=
bataillon mit.
Bd. Bickenbach, 28. April. Autounfall. An der großen Kurve
am Eingang der Pfungſtädter Straße ereignete ſich ein Unfall, der leicht
ſchlimmere Folgen hätte haben können. Ein Motorradfahrer kam in
gutem Tempo aus der Nichtung Zwingenberg und bemerkte erſt im
letz=
ten Augenblick in der Kurve ein von Darmſtadt kommendes
Perſonen=
auto. Infolge zu ſtarken Bremſens flog er in großem Bogen vom Rad,
während letzteres noch zirka 12 Meter allein weiterraſte und wider den
Kühler des entgegenkommenden Perſonenwagens rannte.
Glücklicher=
weiſe trug der Motorradfahrer trotz des ſchwveren Sturzes nur leichtere
Verletzungen davon. Beide Fahrzeuge waren ſchwer beſchädigt. — Eine
größere Anzahl Tabakarbeiter und =arbeiterinnen haben in letzter Zeit
wieder Arbeit gefunden. Ein Teil iſt wieder in hieſiger Zigarrenfabrik
beſchäftigt, während der größere Teil in Lorſcher Fabriken
wiedereinge=
ſtellt wurde.
G. Ober=Ramſtadt, 28. April. Gemeinderatsſitzung. Am
Donnerstag, den 30, April, abends 8 Uhr, findet eine
Gemeinderats=
ſitzung ſtatt. Rentenzahlung. Die Auszahlung der Invaliden=,
Waiſen= und Unfallrenten für Monat Mai erfolgt am Freitag, den
1. Mai, vormittags, am Poſtſchalter. Eine Beglaubigung der
Renten=
quittungen iſt diesmal nicht erforderlich.
Cp. Dieburg, 28. April. Aufhebung des Dieburger
Ar=
beitshauſes. Das auf ein faſt hundertjähriges Beſtehen
zurück=
blickende Arbeitshaus Dieburg iſt nunmehr geſchloſſen worden. Die
letz=
ten acht Inſaſſen wurden nach der badiſchen Anſtalt Kißlau verbracht.
Die Beamten werden dem Vernehmen nach anderweitig im Staatsdienſt
Verwendung finden. Unter der 26jährigen Leitung des Oberinſpektors
Lämmermann war das hieſige Arbeitshaus nach Anſicht aller
Sachver=
ſtändigen zu einer muſtergültigen Anſtalt geworden, deren Belegſchaft
aber infolge der Neuorientierung des Strafvollzugs in den letzten
Jah=
ren dauernd im Rückgang war. Ueber die Zukunft des
Arbeitshausge=
bäudes iſt noch nicht entſchieden. Ihr darf aber um ſo mehr Bedeutung
zugemeſſen werden, als Miniſter Leuſchner in Begleitung eines
Mini=
ſterialrats zu Beginn der Woche in Dieburg weilte und die
Gebäulich=
keiten eingehend zwecks Wiederverwertungsmöglichkeiten prüfte. Nicht
zuletzt liegt es im Intereſſe der Kreisſtadt Dieburg, wenn das
Arbeits=
haus Dieburg ſobald als möglich anderweitig verwendet werden lann.
Hirſchhorn, 28. April. Waſſerſtand des Neckars am
27. April 1,82 Meter, am 28. April 1,84 Meter.
— Gernsheim, 28. April. Waſſerſtand des Rheins am
27. April 0,80 Meter, am 28. April 0,86 Meter.
VERSUCHE IMMERFROH. GEHE ETZI GLEICH ZU DEINEM APOTHERER ODFR DROGISTEN. FUR DICH HAT ER EINE VERSLICHSPACKUING KOSTENLOS BEREIT GEIEGT
4-AAI-AA.
EN IRLLMAEA DER MISSENSEHAEI. DIE BELEBUNGSIABLEIIE ALS FRISCHEN KOLANUSSEN. DAS UNSCHADLCHEMATHRRRODLKL. INZ MNLTENNEL BEIERT.
Seite 8
Mittwoch, den 29. April 1931
Nummer 118
Grünlandforſchung.
Trotz der bis zum Weltkriege einzig daſtehenden Entwicklung der
deutſchen Landwirtſchaft konnten wir im entſcheidenden
Augenblick unſer Volk nicht aus eigener Scholle er
nähren. Die Viehwirtſchaft und damit einer der Grundpfeiler der
Volksernährung brach nach der Einfuhrfperre unter dem Mangel an
Futtermitteln zuſammen.
Heute, im Zeichen der Veredelungswirtſchaft, müſſen wir aus privat=
und volkswirtſchaftlichen Gründen erſt recht beſtrebt ſein, unſeren Bedarf
an Futtereiweiß weitgehend ſelbſt zu decken. Deshalb haben wir nach
dem Kriege der Grünlandwirtfchaft erhöhte Aufmerkſamkeit zugewandt
und verſuchen, das Verſäumte nachzuholen.
Der Grünlandwirtſchaft wird heute die gleiche Bedeutung
beigemeſ=
ſen wie den übrigen Sondergebieten der Landwirtſchaftswiſſenſchaft.
Dank der erhöhten Konzentration der Forſchungsarbeiten ſind unſere
Kenntniſſe über die Standortsanſprüche der Futterpflanzen, über ihren
Vaſſer= und Wärmehaushalt, über das Nährſtoffbedürfnis ſowie ihr
Verhalten gegen Bodenverſäuerung weſentlich vertieft worden. In den
Anbauverfahren hat ſich eine gründliche Wandlung vollzogen: Wir
rüicken von der alten Form der Dauerwieſe immer mehr ab und nähern
uns der Reinſaatwieſe in Hackkultur. Ganz neue Anſichten er
öffnet die Futterpflanzenzüchtung dem deutſchen
Grün=
land, indem ſie ſich mit Erfolg bemüht, Sorten mit höherem
Eiweiß=
ehalt und größeren Maſſenerträgen für die verſchiedenen Klima= und
Bodenverhältniſſe — vom fruchtbaren Lößlehmboden des Rheintales bis
zum Flugſand der Oſtmark — zu ſchaffen. Vor dem Kriege (1911—1913)
haben wir an Mais, Pferdebohnen, Oelkuchen und Kleie rund 6
Millio=
nen Tonnen aus dem Auslande eingeführt. Im Jahre 1929 betrug die
Einfuhr an dieſen Kraftfuttermitteln nur noch rund 3 Millionen Tonnen.
Auch von dieſen 3 Millionen Tonnen
Auslands=
kraftfutter können und müſſen wir mittels
deut=
ſchen Stickſtoffes und hochleiſtungsfähiger
Futter=
pflanzen noch einen guten Teil im eigenen Lande
er=
zeugen. Die Futterkonſervierung im Silo hat ſich dank deutſcher
For=
ſchungen ſo weit entwickelt, daß wir mit Sicherheit auch eiweißreiches
Grünfutter mit geringſten Verluſten aufſpeichern können. Auch die
Trocknungstechnik bietet manchen neuen Ausblick.
Die deutſche Grünlandbewegung und die in ihrem Dienſte ſtehenden
zahlreichen Organiſationen übernehmen die Aufgabe, die
wiſſenſchaft=
lichen Erkenntniſſe an die Praxis heranzutragen. Das praktiſche Bei=
ſpiel auf tauſenden deutſcher Wirtſchaftshöfe zeugt von ihrer
erfolg=
reichen Arbeit.
Wir ſtehen am Anfang einer Entwicklung, deren Wegrichtung wir
zwar noch nicht im einzelnen angeben können, deren Ziel wir aber
kennen: Ernährung aus der eigenen Scholle! Die ganze
Welt hat das Wettrennen auf dem Gebiete der Ernährungswirtſchaft
begonnen. Amerika ſetzt wie überall in der Forſchung große Mittel ein,
die nordiſchen Länder haben beachtenswerte Erfolge zu verzeichnen,
Rußland bildet, zum Teil mit deutſchem Wiſſen und Können, einen
gan=
zen Stab von Grünlandfachleuten aus. Sorgen wir, daß wir
an die Spitze kommen!
Offenbach, 27. April. Haſſia=Tagung. Der Bezirk
Offen=
bach der Kriegerkameradſchaft „Haſſia” hielt hier ſeinen Frühjahrs=
Be=
zirkstag ab. Von den 13 angeſchloſſenen Vereinen waren bis auf einen
alle durch Abgeordnete vertreten. Die Kaſſe des Bezirks ſchließt mi
einem kleinen Ueberſchuß ab, und die Rechnungsprüfer wurden
wieder=
gewählt. Auf der diesjährigen Tagung des Landesverbandes zu Michel
ſtadt im kommenden Juni ſoll beantragt werden, daß die „Haſſia” ihre
Schützen nicht nur für Haftpflicht, ſondern auch gegen Unfall verſichert
Die Verſicherungsſumme ſoll auf 3000 Mark erhöht werden. Der
Pflichtbezug des „Heſſ. Kamernd”, der Verbandszeitung, ſoll auch
künf=
tig beibehalten werden. Der geſchäftsführende Vorſtand des Bezirks
wurde durch Zuruf wiedergewählt. Damit auch die Vereine des
Land=
kreiſes vertreten ſind, tritt Kamerad W. Luft (Neu=Iſenburg) nen in
den Bezirksvorſtand ein. Ehrenbeiſitzer iſt Kamerad Daniel Schaub,
Mitkämpfer von 1866 und 1870, der im Januar ſein 88. Lebensjahr
vollendete. Kamerad Albin Klein=Gießen, der Verleger der
Verbands=
zeitung, ſprach ſodann über Wert und Zweck der Vereinspreſſe. Der
„Kamerad” iſt ſeit 1924 von 400 Stück, zweiſeitig, auf heute 57 000 Stück,
16 Seiten ſtark, geſtiegen. Ueber die Reichsnotverordnungen vom
De=
zember und ihre Auswirkungen auf Kriegsteilnehmer, Kriegsbeſchädigte
und Kriegerhinterbliebene berichtete Kamerad Ritter von der
Geſchäfts=
ſtelle des Landesverbandes in Darmſtadt Es wurde darauf folgende
Entſchließung einſtimmig angenommen: „Die Verſammlung des Bezirk=
Offenbach der Kriegerkameradſchaft „Haſſia” kann nicht anerkennen, daß,
guten Willen vorausgeſetzt, dem Reiche die Mittel fehlen, die berechtigte
Anſprüche der verſorgungsberechtigten Altveteranen der
Kriegsbeſchä=
digten und Kriegerhinterbliebenen zu befriedigen. Der Bezirkstag
ver=
wahrt ſich daher gegen jeden Verdrehungsverſuch, der neuerdings durch
Am Schluſſe der Tagung, die
Zeitpunktfeſtſetzung gemacht wird
unter Leitung des Kameraden Porsh ſtand, brachte Kamerad Schaub das
Hoch auf das Vaterland aus.
v. Bad Nauheim, B8. April. Der Einzelhandel
prote=
ſtiert gegen die Steuererhöhung in Heſſen. Der Ge
neralverſammlung der Vereinigung des Bad Nauheimer Einzelhandels
e. V. ging eine ſtark beſuchte Proteſtverſammlung gegen die
Steuer=
erhöhungen voraus. Nach einem durchaus ſachlichen Neferat von
Syn=
dikus Dr. Mveßner (Darmſtadt) fand eine Ausſprache ſtatt, in der ver
ſchiedene Redner ſich ſcharf gegen die Erhöhung wandten. Einſtimmige
Annahme fand die folgende Entſchließung: „Die Bad Nauheimer
Einzel=
händler, die ſich heute alleſamt zur Proteſtverſammlung gegen die neuen
heſſiſchen Steuererhöhungen vereinigt haben, ſchließen ſich der vor
eini=
gen Tagen vom Landesverband des heſſiſchen Einzelhandels der heſſi
ſchen Regierung zugeſtellten Entſchließung voll und ganz an und
unter=
ſtützen ſie nachdrücklichſt. — Bad Nauheim als ein Saiſonplatz iſt ohne
hin beſonders ſchwer durch die ungünſtigen wirtſchaftlichen Verhältniſſe
getroffen; ſeine Wirtſchaft iſt außer Stande, die neuen Steuererhöhunge
zu tragen. Die Bad Nauheimer Einzelhändler erwarten, daß das
heſſi=
ſche Finanzamt in Friedberg angewieſen wird, bis zur Aufhebung der
neuen Steuern größte Schonung walten zu laſſen und durch
Stun=
dungen alle Härten auszugleichen.” — In der ſich anſchließenden Haupt
verſammlung erſtattete der Vorſitzende, Kaufmann W. Simon, den
um=
fangreichen Geſchäftsbericht, aus dem hervorging, daß die Vereinigung
von 105 auf 117 Mitglieder geſtiegen iſt. Dankbar wurde der heſſiſchen
Schnibehörde gedacht, die dem Wunfch des Einzelhandels auf Einfüh
rung des engliſchen Unterrichts in den kaufmänniſchen Klaſſen der
Be=
rufsſchule bereitwilligſt nachgekommen iſt. Unter weiteren Einzelheiten,
die der Bericht eingehend beſprach, ſei beſonders hervorgehoben die
Preisſenkungsaktion, die der Einzelhandel mit den Innungen in Szene
geſetzt hat, ferner die kürzlich erfolgte Neuregelung des Gehaltstarifs,
der eine Senkung von 4 Prozent ausſpricht. Zun Schluß der Haupt
verſammlung hielt Syndikus Dr. Moeßner ein ausgezeichnetes Neferat
über „Organiſation im Einzelhandel tut not”.
h. Gießen, 28. April. Ein Heeres=Sportfeſt in Gießen.
Das hieſige Reichswehrbataillon Nr. 15 wurde mit den
Heeresmeiſter=
ſchaften der Diviſion betraut. Auf dem Stadion der Landesuniverſität
ſollen die Wettkämpfe am 15., 16. und 17. Mai ausgetragen werden.
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wird mit der Beteiligung von etwa 300 Soldaten gerechnet, die den
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Nummer 118
Mitwoch, den 29. April:1931
ite 9
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrichtigſier Teilnahme und die
zahlreichen Blumenſpenden bei dem Heimgang unſeres lieben
Entſchlafenen ſagen wir unſeren herzlichſten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen
Frau Marie Hildebrand Wtw., geb. Hildebrand.
Statt jeder beſonderen Anzeige.
Unſerem vor 10 Monaten verſtorbenen lieben Vater folgte
am Abend des 26. ds. Mis. unſere gute Mutter,
Groß=
muiter, Schwiegermutter, Schwägerin und Tante
Frau
Anna Tgumung Bwe.
geb. Schuchmann
nach kurzem, aber ſchwerem Leiden in den Tod.
Franlfurt a. M., den 26. April 1931.
Mainzerlandſiraße 234.
Eſſen, Marburg a. L., Mainz, London.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Dipl.=Ing. Heinz Thümling.
Frau Anne Horneck, geb. Thümling.
Die Beerdigung erfolgt in Darmſtadt am Donnerstag, den 30. ds. Mts.,
vorm. 11 Uhr vom Portal des alten Friedhofes an der Niederramſtädterſtr.
Es wird höfl. gebeten, von Beileidsbeſuchen Abſtand nehmen zu wollen.
dipl. agr. Otto Hildebrand.
Wieſenmühlen Eberſtadt, den 28. April 1931.
V
Heute entſchliefnach kurzem Leidenmein
innigſi=
geliebter Mann, unſer guter Vater,
Schwieger=
vater, Großvater
Karl Hilger
im Alter von 25 Jahren.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Luiſe Hilger und Kinder
Darmſiadt, den 28. April 1931.
sros
Viktorſaſtraße 68.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 30. April 1931,
nachmittags 3 Uhr, auf dem Alten Friedhof, an der
Nieder=Ramſtädterſtraße, ſtatt.
Von Beileidsbeſuchen blttet man Abſtand zu nehmen.
Heute früh ereilte ein plötzlicher und
un=
erwarieter Tod, im 74. Lebensjahr,
un=
eren lieben Vater, Schwiegervater und
Großvater
Herrn
Telegraphenſekretär i. R.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Dr. med. Müller
„ Prov.=Baurat Leinert
Nieder=Ramſtadt, den 28. April 1931.
(6675
Bahnhofſtraße 45.
Die Ueberführung vom Sterbehaus findet ſiatt
Don=
nerstag, den 30. April, vormittags 10 Uhr, die
Bei=
ſetzung in Friedberg (Heſſen) am 30. April, nachm. 4 Uhr.
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Sonntag, den 26. d. Mts., verſchied zu Darmſtadt
anft nach kurzem, ſchweren Leiden unſere liebe
Schweſter und Schwägerin
Fräulein Charlotte Baldner
im Alter von 67 Jahren.
In tiefer Trauer:
Helene Klüwer, geb. Baldner
Heinrich Klüwer.
Dortmund=Hörde, Alfred=Trappenſtraße 26
den 29. April 1931,
Die Beerdigung fand in aller Stille in Darmſtadt ſtatt.
Todes=Anzeige.
Heute Montag, 6 Uhr abends, verſchied nach
kur=
zer, ſchwerer Krankheit mein lieber Mann, unſer
treuſorgender Vater, Bruder, Schwager und
Groß=
vater
Phuipp Beibmanter
Dienſtmann
im 55. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Johannette Weißmantel Witwe,
geb. Heß.
Familie Roth.
Elfriede Weißmantel.
Darmſtadt, Schulſtraße 2, den 28. April 1931.
Die Beerdigung findet am Donnerstag, 30. April,
nachmittags 3 Uhr, auf dem Waldfriedhof ſtatt.
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Heute entſchlief ſanft nach langem
Leiden unſere geliebte Mutter
und Großmutter
Frau
In tiefer Trauer:
Kammermuſiker Heinrich Geriſch
und Frau Hauna, geb. Schönhagen
nebſt Geſchwiſter.
Darmſtadt, den 28. April 1931.
Die Beerdigung findet
Donners=
tag, 4 Uhr, auf dem Waldfried=
(6707
hof ſtatt.
( Für die uns anläßlich unserer
Ver-
mählung so zahlreich zugegangenen
Glück wünsche, Geschenke u.
Blumen-
spenden sagen wir auf diesem Wege
unseren herzlichsten Dank.
Ludwig Becker und Frau
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[ ← ][ ][ → ]Seite 10.
Mittwoch, den 29. April 1931
Nummer 118
Wolkenkraher=Reuban des Deutſchnakionalen Handlungsgehilfenverbandes
in Hamburg.
Der 12ſtöckige Rieſenbau des Deutſchnationalen Handlungsgehilfenverbandes in Hamburg
wird dieſer Tage in Betrieb genommen. Das neue Gebäude vereint die eindrucksvolle Wucht
ſeines Geſamtbaues mit guter baulicher Gliederung im einzelnen.
Schwere Explofion in der Sacharinfabrik Fahlberg-Liſt u. Co.
Bis jehl 8 Toke. — Die vermukliche Urſache.
Reich und Ausland.
Die Feierlichkeiken beim Stapellauf
des Panzerſchiffes I.
Berlin, 28. April.
Das Panzerſchiff A, das am 19. Mai in
Kiel vom Stapel läuft, wird, wie vom
Reichs=
wehrminiſterium mitgeteilt wird, vom
Reichs=
präſidenten getauft werden. Für den Beſuch
des Reichspräſidenten in Kiel iſt folgendes
Programm aufgeſtellt worden: Am 19. Mai,
vormittags 9 Uhr, flaggen die Schiffe der Flotte,
die mit allen Einheiten im Hafen liegt, aus,
d. h. die Signalflaggen der Schiffe werden in
beſonderer Anordnung vom Bug über die
Ma=
ſten nach dem Heck gehißt. Die Gebäude der
Be=
hörden ſetzen Flaggen. Um 10.50 Uhr trifft der
Reichspräſident auf dem Bahnhof in Kiel ein.
Beim Einlaufen des Zuges wird die Standarte
des Reichspräſidenten auf dem Kreuzer „
Königs=
berg” geſetzt, der vor der Scharnhorſt=Brücke
liegt. Sobald die Standarte des
Reichspräſi=
denten geſetzt iſt, feuern alle Schiffe den Salut
von 21 Schuß, an dem ſich auch die
Salutbat=
terie in Friedrichsort beteiligt. Um 12 Uhr
fin=
det der Stapellauf ſtatt. Nach Beendigung des
Stapellaufs nimmt der Reichspräſident einen
Imbiß auf den Deutſchen Werken ein und fährt
abſchließend auf dem Kreuzer „Königsberg”
um 19.30 Uhr aus. In Begleitung des
Reichs=
präſidenten befinden ſich an Bord des Kreuzers
der Reichswehrminiſter, der Chef der
Marine=
leitung und der Flottenchef. Gegen 20.45 Uhr
wohnt der Reichspräſident Schießübungen des
Kreuzers „Köln” bei, die auf der Höhe von
Schleimünde durchgeführt werden. Im Anſchluß
hieran, finden bis gegen 22.30 Uhr
Torpedo=
bootsangriffe der 2. Torpedobootsflotille auf die
Kreuzer „Königsberg” und „Köln” ſtatt.
Da=
nach trifft der Kreuzer wieder in Kiel ein. Am
20. Mai verſammelt ſich die Flotte um 7.45 Uhr
beim Kiel=Feuerſchiff. Von 9 Uhr vormittags
ab wohnt der Reichspräſident den Fahrtübungen
der Flotte bei. Die Uebungen werden
abge=
ſchloſſen mit einer Parade ſämtlicher
Seeſtreit=
kräfte vor dem Reichspräſidenten.
Der Raubüberfall in der Villa Riefſtahl
vor Gericht.
Frankfurt a. M. In einer überraſchend
ſchnell angeſetzten Verhandlung ſind am Montag
abend die Teilnehmer an dem Raubüberfall in
der Villa Riefſtahl zur Aburteilung vor das
Große Schöffengericht gekommen. Das Gericht
erkannte gegen den Chauffeur Weidmann
we=
gen gemeinſam mit andern begangenen ſchweren
Raubes, Zechprellerei und verſuchten Diebſtahls
auf 5 Jahre 8 Monate Gefängnis. Die
Mit=
angeklagten, Kellner Hugo Kullmann und
An=
ton Herpich, erhielten wegen gemeinſam
be=
gangenen Raubes und Zechprellerei je 2 Jahre
7 Monate Gefängnis. Die der Begünſtigung
verdächtigten beiden Mädchen ſind mangels
Be=
weiſes freigeſprochen worden.
Polizeirazzia beim „Immertreu”=Iubiläumsfeſt.
Berlin. Am Montag abend veranſtaltete
der Ringverein „Immertreu” im Saalbau
Friedrichsheim ſein 10jähriges Stiftungsfeſt, zu
dem etwa 3000 Perſonen erſchienen waren. Mit
Rückſicht auf die zahlreichen Zuſammenſtöße, die
ſich in letzter Zeit zwiſchen den Mitgliedern der
Ringvereine zutrugen, ließ der Polizeipräſident
Grzeſinsſki, der Montag abend einen
Rundfunk=
vortrag über die Berliner Unterwelt gehalten
hatte, nach einer Meldung Berliner Blätter,
gegen Mitternacht durch 150 Polizei= und
Kri=
minalbeamte in dem prachtvoll geſchmückten
Saal eine Razzia durchführen. Jeder der
An=
weſenden mußte ſich ausweiſen. Wie verlautet,
wurde eine große Zahl ſteckbrieflich Geſuchter
feſtgenommen.
Bei Erdölbohrungen vom Blitz erſchlagen.
Barmſtedt (Kreis Pinneberg). Im
be=
nachbarten Bevern werden ſeit längerer Zeit
Oelbohrungen vorgenommen. Zu dieſem Zwed
iſt ein großer Bohrturm errichtet worden. Als
am Montag ein kurzes Gewitter über die
Ge=
gend hinwegzog, wurde der Bohrturm vom Blitz
getroffen. Von den vier bei dem Turm
be=
ſchäftigten Leuten wurde der Bohrmeiſter
Rich=
ter getötet.
Ein Dürer=Kupferſtich geſtohlen.
Leipzig. Wie die Kriminalpolizei
mit=
teilt, iſt in der Nacht zum 26. April aus dem
Muſeum am Auguſtusplatz der Original=Dürer=
Kupferſtich „Ritter, Tod und Teufel” geſtohlen
worden. Von dem Täter fehlt bisher jede Spur.
Wieder ein Rönkgenologe das Opfer
der X=Strahlen geworden.
Prof. Dr. Guido Holzknecht,
der bekannte Wiener Röntgen=Forſcher, zog ſich
bei ſeinen Experimenten ſo furchtbare
Verbren=
nungen zu, daß ihm die rechte Hand
abgenom=
men werden mußte. Ihn traf damit das
Schick=
ſal der vielen hervorragenden Wiſſenſchaftler
die Opfer der X=Strahlen und des Radiums
geworden End.
Magdeburg. Aus bisher noch
unbe=
kannter Urſache entſtand am Dienstag mittag
in der Sacharinfabrik vorm. Fahlberg=Liſt u. Co.
in Südoſt eine heftige Exploſion. Sämtliche
Löſchzüge der Magdeburger Feuerwehren
wur=
den ſofort alarmiert, desgleichen je ein
Kom=
mando der Reichswehr und der Schutzpolizei.
Wie dem Vertreter der „T.=U.” auf Anfrage
von der Direktion der Sacharinfabrik mitgeteilt
wurde, wurden bei der Exploſion ſechs
Arbeite=
rinnen ſo ſchwer verletzt, daß ſie ſofort dem
Krankenhaus zugeführt werden mußten. An
ihrem Aufkommen wird gezweifelt. Die
Brand=
ſtelle iſt in weitem Umkreis abgeſperrt.
Bei der ſchweren Exploſion in der
Sacha=
rinfabrik vorm. Fahlberg=Liſt u. Co., in
Magde=
burg=Südoſt, ſind bis jetzt 8 Todesopfer und
vier Schwerverletzte zu beklagen, darunter zwei
Männer. Näheres kann zurzeit noch nicht
mit=
geteilt werden. Die Brandſtätte iſt von Polizei
und Reichswehr abgeſperrt.
Zu der großen Exploſionskataſtrophe werden
noch folgende Einzelheiten gemeldet: Die
Explo=
ſion entſtand in dem Gebäude, wo Patronen
für die Rattenbekämpfung hergeſtellt werden.
Bei dieſem Präparat wird Salpeter verwendet,
auf den die furchtbare Wirkung der Exploſion
in erſter Linie zurückzuführen iſt. Die
eigent=
liche Urſache des Unglücks iſt im Augenblick noch
ungeklärt. Die Belegſchaft dieſer Abteilung
be=
ſteht aus 15 Perſonen. Drei Arbeiterinnen
be=
fanden ſich außerhalb des Gebäudes. Sie
tru=
gen keinerlei Verletzungen davon, während ſechs
Arbeiterinnen und zwei Arbeiter getötet
wur=
den, zwei Arbeiter ſchwer und drei andere
weni=
ger ſchwer verletzt wurden. Kurze Zeit nach der
Exploſion erſchien die Feuerwehr mit zwei
Löſchzügen und fünf Sanitätswagen. Außerdem
wurden noch zwei Laſtkraftwagen zum
Abtrans=
port der Verletzten angefordert. Die Feuerwehr
konnte den Brand lokaliſieren. Bald nach dem
Große Ueberſchwemmungen am Oberlauf
der Düna.
Riga. Vom Oberlauf der Düna wird ein
kataſtrophales Hochwaſſer gemeldet, das noch
im=
mer im Steigen begriffen iſt. Bei Polozk (
Ruß=
land) iſt der Waſſerſtand 14 Meter über normal,
an der ruſſiſch=lettiſchen Grenze 11,50 Meter, bei
der zum Teil überſchwemmten Stadt
Kres=
lawka 10 Meter und bei Dünaburg 8,50 Meter
Bei dem ſchwer gefährdeten Dünaburg arbeiten
Truppen fieberhaft an der Sicherung der
Dämme. In Griwa, gegenüber Dünaburg, ſind
bereits 600 Häuſer durch das Hochwaſſer
über=
ſchwemmt. Der Schaden beträgt viele Millionen
Mark. Bisher ſind etwa 150 Brücken zerſtört
oder davongetragen worden. Die Eiſenbahnlinie
Riga—Moskau iſt ſtellenweiſe unterſpült, ſo daß
der Verkehr unterbrochen und umgeleitet werden
mußte. Mehrere Perſonen haben in den Fluten
den Tod gefunden. — Entgegen den früheren
Meldungen iſt auch Riga durch das Hochwaſſer
bedroht. Die Urſache des gewaltigen Anſteigens
der Düna iſt in der warmen Witterung und der
ungewöhnlich ſtarken Schneeſchmelze zu ſuchen.
Untergrundbahnunglück in Paris.
Paris. Ein Unfall auf der
Untergrund=
bahn, der ſich auf der Station Baſtille ereignete
wurde dadurch verurſacht, daß ein einfahrender
Zug im Tunnel auf einen haltenden Zug
auf=
fuhr. Der Zuſammenſtoß war ſo heftig, daß die
Fenſterſcheiben verſchiedener Wagen der beiden
Züge in Trümmer gingen. Drei Reiſende
muß=
ten ſchwer verletzt ins. Krankenhaus gebracht
werden; 80 andere erlitten leichte Verletzungen.
Der Verkehr auf der Untergrundbahn war zur
Zeit des Unfalls ſehr ſtark, ſo daß die Polizei
Mühe hatte, die Hunderte von Fahrgäſten zu
beruhigen.
Unglück erſchienen die Vertreter der
Kriminal=
polizei. Der Staatsanwalt begann mit der
Unterſuchung der Exploſion. Die Belegſchaft hat
ſeit Jahr und Tag auf der gleichen Stelle
ge=
arbeitet, ohne daß jemals ein ſo ſchweres
Un=
glück zu befürchten geweſen wäre.
Großer Brand bei Köln.
Köln. Montag nachmittag brach in den
Fabrikanlagen der Rheiniſchen Wachsinduſtrie
in Sürth bei Köln ein Feuer aus, das in den
Wachsvorräten reiche Nahrung fand. Bald
fie=
len auch die Zieherei= und die Bohnerwachs=
Abteilung dem Brand zum Opfer, ſo daß die
Hälfte des 5000 bis 6000 Quadratmeter großen
Fabrikgeländes in Flammen ſtand. Erſt in den
ſpäten Abendſtunden gelang es, das Großfeuer
einzudämmen. Den Flammen iſt ein
zweiſtöcki=
ger Bau zum Opfer gefallen. Weiter verbrannte
zahlreiches wertvolles Roh=, Halbfertig= und
Fertigmaterial. Auch eine Keſſelanlage mit 24
Keſſeln wurde vollſtändig zerſtört. Verſchont
geblieben ſind nur die Maſchinenanlagen zur
maſchinellen Herſtellung von Kerzen, die
Boh=
nerwachs= und die Schuhcreme=Abteilung. Der
Schaden kann bis zur Stunde nicht genau
über=
ſehen werden, ſoll ſich aber auf annähernd
200 000 Mark belaufen. Wegen großen
Waſſer=
mangels waren die Löſcharbeiten der Feuerwehr
ſehr erſchwert. Man mußte ſchließlich dazu
über=
gehen, an Stelle von Waſſer Jauche zu
ver=
wenden.
Ein Blitz ſetzt einen Kirchturm in Flammen.
Strauch (Kreis Monſchau). Ein
furcht=
bares Gewitter, das in der letzten Nacht über
den weſtlichen Grenzgebieten niederging, hat
be=
ſonders die Gegend um Monſchau heimgeſucht.
In dem Ort Strauch ſchlug der Blitz in den
Kirchturm, zündete und ſetzte innerhalb kurzer
Zeit den Turm in Flammen. Die Löſcharbeiten
der Feuerwehren waren vergeblich, und nach
kurzer Zeit ſtürzte der etwa 30 Meter hohe Turm
mit donnerndem Getöſe zuſammen. Sehr
ſchwie=
rig geſtalteten ſich die Schutzmaßnahmen für die
umliegenden Anweſen, da die Funken vom Wind
weit abgetrieben wurden. Auch das Kirchenſchiff
hat ſehr große Beſchädigungen erlitten. Die
Holzteile ſind vollſtändig vernichtet worden.
Sacharin=Schmuggel nach der Tſchechoſlowakei.
Teplitz (Böhmen). In Teplitz wurde eine
großangelegte Schmuggler=Organiſation
aufge=
deckt, die in den letzten Monaten große Mengen
Sacharin unter falſcher Bezeichnung aus
Deutſch=
land über Zinnwald in die Tſchechoſlowakei
ein=
führte. Der Schmuggel wurde durch die bieſige
Zuckerinduſtrie aufgedeckt, die nachweiſen konnte,
daß der Zuckerbedarf in einzelnen Brauereien
merklich nachgelaſſen hatte, während die
Bier=
erzeugung die gleiche blieb. Der Vermittler, ein
Teplitzer Geſchäftsmann, iſt inzwiſchen nach
Deutſchland geflüchtet. Unter den Abnehmern
des unverzollten Süßſtoffes ſoll ſich eine ganze
Reihe nordböhmiſcher Brauereien befinden. Der
Schaden, den die Finanzverwaltung erlitten hat,
beträgt viele Millionen Kronen.
Batavia—Amſterdam in acht Tagen.
Amſterdam. Ein Verkehrsflugzeug legte
die Strecke Batavia—Amſterdam in acht Tagen
zurück, der kürzeſten Zeit, in der jemals die
Ver=
bindung zwiſchen Java und Holland hergeſtellt
wurde.
Einvernehmen über den transatlantiſchen
Flugpoſtdienſt erzielt.
London. Es wird offiziell
bekanntgege=
ben, daß nunmehr ein Einvernehmen zwiſchen
der engliſchen Imperial Airways, der
franzö=
ſiſchen Aero Poſtale und der Panamerican
Air=
ways über den transatlantiſchen Flugpoſtdienſt
nach den ſchon bekannten Grundſätzen erzielt
worden iſt. Da die Flugzeuge für die Strecke
Azoren-Bermudas noch nicht fertiggeſtellt ſind,
ſo kann der Geſamtdienſt wahrſcheinlich nicht vor
dem Jahre 1933 aufgenommen werden.
Anklage=Erhebung gegen Uralzeff
und den Dresdener Rechlsanwalk
Dr. Türk.
Berlin. Die Staatsanwaltſchaft 1 hat
Anklage gegen den Kaufmann und Apotheker
Uralzeff und den Dresdener Rechtsanwalt Dr.
Türk wegen Betrugs und ſchwerer
Urkunden=
fälſchung erhoben. Die Anklage betrifft nur das
ſogenannte Ruſſengeſchäft. Uralzeff hatte von
der Raiffeiſenbank in den Jahren 1924 und
1925 Millionen=Kredite erhalten. Anfang 1925
verlangte die Raiffeiſenbank den Nachweis
dar=
über, wie dieſes Geld angelegt worden ſei,
wor=
auf Uralzeff angab, ſich an Arzneimittel= und
Chemikalienlieferungen eines gewiſſen
Strom=
berg nach Sowjetrußland beteiligt zu haben. Die
Raiffeiſenbank gab ſich mit dieſer Erklärung
zu=
frieden, und Uralzeff verlangte mit Rückſicht auf
dieſes ſchwebende Geſchäft von der
Raiffeiſen=
bank neue Kredite. Er legte zur
Glaubhaft=
machung dieſes Geſchäfts Urkunden vor, die ſich
ſpäter als gefälſcht herausſtellten.
Rechtsan=
walt Dr. Türk hat bei dieſen Verhandlungen die
Angaben des Uralzeff unterſtützt und die
Raiff=
eiſenbank zum Teil auch zur Geldhergabe an
ſich veranlaßt. Die Staatsanwaltſchaft nimmt
an, daß die Angaben Uralzeffs über das
Ruſſen=
geſchäft Vorſpiegelungen geweſen ſind, und daß
er und Dr. Türk die Unrichtigkeit der
Urkun=
den gekannt haben. Wegen der übrigen Kredite
iſt gegen Uralzeff und Rechtsanwalt Dr. Lange
die Vorunterſuchung eröffnet, und zwar gegen
Dr. Lange wegen Untreue, gegen Uralzeff
we=
gen Anſtiftung zur Untreue. Rechtsanwalt Dr
Lange wird beſchuldigt, für die Verſchaffung der
Raiffeiſenkredite an Uralzeff perſönliche
Vor=
teile erhalten zu haben.
Elly Beinhorn in Rom.
Rom. Die Afrikafliegerin Elly Beinhorn,
die am Sonntag Europa erreicht hat, landete
am Montag nachmittag, um 17 Uhr, auf dem
Flugplatz von Rom. Sie wurde von den
italie=
niſchen Fliegerverbänden empfangen.
Regiſtrierung eines Fernbebens.
Mailand. Die Erdbebenwarten von
Imola und Neapel haben vorgeſtern, 17.56 Uhr,
ein ſtarkes Fernbeben in nordweſtlich=ſüdöſtlicher
Richtung verzeichnet, deſſen Herd in der
Entfer=
nung von ungefähr 3000 Kilometer liegen dürfte.
Neuer Skandal in New York?
New York. Zwei neue Frauenmorde, die
lebhaft an die Ermordung der Schauſpielerin
Vivan Gordon erinnern und die von der
Oef=
fentlichkeit und der Preſſe mit dem Skandal der
New Yorker Sittenpolizei in Zuſammenhang
ge=
bracht werden, haben ſich in den letzten Tagen
hier ereignet. Man fand hinter einer Hecke
ver=
borgen die von Revolverkugeln durchbohrte
Leiche eines unbekannten ungen Mädchens —
Vor einigen Tagen ſtarb in einem Krankenhuus
die Schauſpielerin Georgia Gray unter meibe
würdigen Umſtänden. Während man zunächſt
annahm, daß ſie einer Lungenentzündung erle
gen ſei, glaubt man jetzt, nach der
gerichtsärzt=
lichen Unterſuchung, daß die Schauſpielerin, die
als Zeugin in dem Vorverfahren gegen die in
den Polizeiſkandal verwickelten Beamten
ausge=
ſagt hatte, einem Racheakt zum Opfer gefallen
und vergiftet worden iſt.
Der Zuſtand. Jack Diamonds iſt kritiſch,
New York. Der Zuſtand des berüchtigten
Banditen Jack Diamond, der mit mehreren
Schußwunden ins Krankenhaus von Albany
ein=
geliefert worden war, iſt äußerſt kritiſch. Jack
Diamond hat auf dem Transport große
Blut=
verluſte erlitten; außerdem iſt er von dem
letz=
ten Ueberfall, nachdem er lange Zeit zwiſchen
Leben und Tot geſchwebt hatte, noch nicht
voll=
ſtändig wiederhergeſtellt. Im übrigen iſt es noch
ungeklärt, ob der Ueberfall von Rivalen
Dia=
monds ausgeführt wurde.
Hochzeit des Erbprinzen v. Hohenlohe=
Langenburg mit Prinzeſin Margareie
von Griechenland.
In der Mitte: Das Brautpaar Prinzeſſie
Margarete von Griechenland und Erbprinz vo?
Hohenlohe=Langenburg.
Auf Schloß Langenburg bei Bad Mergenthein
fand die Hochzeit des Erbprinzen Gottfried von
Hohenlohe=Langenburg mit Prinzeſſin Margarel
von Eriechenland ſtatt.
Nummer 118
Mittwoch, den 29. April 1931
Seite 11
Das Kapitel „O.=Boote‟
Aße brikiſchen Abwehrmaßnahmen gegen deuiſche U-Booke. — Der Fall „Baralong” und ſeine Anregung.
Zum Helbſtmord des Kommandanken von „U. 69‟.
Ein kurzes Telegramm aus der Handelsſtadt Cali, der
bruptſtadt des Departements Valle der ſüdamerikaniſchen Repu=
Ek Kolumbien: „Direktor J. K. Boldt hat Selbſtmord
be=
avigen.‟ Dieſe Nachricht weckt alle Erinnerungen auf an ein
rngiſches Lebensſchickſal und vor allem an das intereſſanteſte
ſapitel des U=Bootkrieges: Die Indienſtſtellung der britiſchen
D=Boote.
Eines Einzelnen ſelbſtgewähltes Lebensende wird gedrahtet,
uud die Folge iſt, daß alles, was längſt vergeſſen oder überwun=
W ſerr ſchien, wieder greifbar nahe vor uns ſteht: Der U=Bootkrieg
unich der verzweifelte Kampf der U=Boote gegen die britiſchen
UBBoot=Fallen, die O=Boote. Dieſe Seite des U=Bootkrieges
ewört zu den intereſſanteſten und unbekannteſten Kapiteln des
Veltkrieges, der zwar lange hinter uns liegt, aber unter deſſen
Folgen nicht nur wir, ſondern auch nach uns kommende
Gene=
u ionen zu leiden haben.
John Klaus Boldt, Oberleutnant zur See a. D. war
wäh=
ſen d des Krieges Kommandant von U. 69. Nach dem Kriege
durde gegen ihn und ſeinen Kameraden Dithmar ein
Straf=
ei fahren eröffnet, ſie waren beſchuldigt; ſich dem Befehl ihres
ſornmandanten Patzig, auf die Boote eines engliſchen
Roten=
ſreuz=Schiffes zu ſchießen, nicht widerſetzt zu haben. Das Urteil
ſutete auf vier Jahre Gefängnis, aber im November 1921
ent=
ſich Boldt aus dem Hamburger Gefängnis und entkam ins
ussland. Vor einigen Tagen hat er als Direktor einer
eutſch=kolumbianiſchen Handelsgeſellſchaft in Cali Selbſtmord
Frübt ...
Die Geburtsſtunde des O=Boots.
Im Sommer 1921 war Boldt verurteilt worden, und
ob=
vohl man ſchon damals auf Grund der im Kriege gemachten
Er=
chrungen hinreichend über die britiſchen „U=Boot=Fallen”
orien=
eit war, brachten erſt amerikaniſche Veröffentlichungen im
Ziiter 1928/29 gewiſſermaßen die allgemeine Rechtfertigung der
erurteilten in öffentlicher Form. Es handelte ſich dabei um
de ſehr wertvollen und aufſchlußreichen Mitteilungen, die der
kitiſche Captain Harold Auten in der amerikaniſchen und
eng=
ſchen Preſſe über die „Myſtery Ships” machte.
Zum Verſtändnis der Tragweite dieſer Veröffentlichungen
es notwendig, einige Daten anzugeben: Für Februar 1915
lte Admiral v. Pohl die Aufnahme des uneingeſchränkten
1Poot=Handelskrieges durchgeſetzt, und zwar nicht in Form
D Blockade, ſondern durch Kriegsgebietserklärung nach
eng=
latem Muſter. Nach wenigen Wochen ſchon war der
unein=
goränkte U=Boot=Krieg wieder erledigt, denn die gleich nach
dn Beginn erlaſſenen bindenden Beſtimmungen über die
ſchvnung auch mißbrauchter neutraler Flaggen ſchränkten die
ſan dlungsfreiheit der U=Boot=Kommandanten ſo ein, daß ſie
af eine Durchführung der zunächſt im Februar freigegebenen
Etygkeit verzichten mußten. Bis zum Februar 1917, dem
Zeit=
bn”t des offiziellen Wiederbeginns des uneingeſchränkten
U=
ot=Krieges, beſchränkte ſich der verſchärfte U=Boot=Krieg faſt
hroauf das Mittelmeer, wo weniger amerikaniſche Schiffe fuhren.
EAm 19. Auguſt 1915 aber ereignete ſich bereits der bekannte
Ell „Baralong”. Unter Mißbrauch der amerikaniſchen Flagge
ſrſnkte der engliſche Hilfskreuzer „Wyandra” unter dem
Deck=
unen „Baraleng” das deutſche U=Boot U 27 durch
Artillerie=
ſie: und ließ die ſchiffbrüchige Beſatzung ermorden. Dieſe
Kides engliſchen Kreuzers gab die Anregung zur Schaffung
der bald darauf bekannt gewordenen O=Boote auch „U=Boot=
Fallen” und „U=Boot=Jäger” genannt. Aus den
Veröffent=
lichungen des britiſchen Captains Harold Auten geht
jeden=
falls hervor, daß die Schaffung der O=Boote in einem gewiſſen
Kauſalzuſammenhaug mit dem Fall „Baralong” ſtand.
Myſtery Ships”.
Die O=Boote waren die verzweifelte. Abwehrmaßnahme
gegen die deutſchen U=Boote, die für England den ſicheren Tod
bedeuteten. Harold Auten nennt die deutſchen U=Boote die
töd=
liche Schlinge um die Britiſchen Inſeln. Die Lebensmittel
wurden knapp, und in der Admiralität begann man die
Mög=
lichkeit einer furchtbaren Hungersnot ins Auge zu faſſen. Die
Umwälzende Erfindung
auf dem Gebiet der Krafterzeugung.
Der Berliner Ingenieur Paul Hoffmann
hat eine Erfindung gemacht, die als umwälzend für das Gebiet
der elektriſchen Krafterzeugung bezeichnet wird. Durch eine
beſon=
dere Wicklung und Lagerung des Ankers im Dynamo gelang es
Hoffmann, eine außerordentliche Ueberleiſtung des Generators
zu erzielen, die er ſelbſt als „Reſonanzeffekt” bezeichnet.
Folge dieſer Verzweiflungsſtimmung war, daß die Admiralität
Anfang 1916 der Indienſtſtellung der O=Boote, die im
Volks=
mund bald den Namen „Myſtery Ships” bekamen, zuſtimmte.
Aus verwaltungstechniſchen Gründen wurden dieſe „
Spe=
zial=Dienſt=Schiffe” zu den Zerſtörern gerechnet; die Zerſtörer
ſind in Klaſſen eingeteilt, die fortlaufend mit den Buchſtaben
des Alphabets bezeichnet werden. Als die O=Boote ins Leben
gerufen wurden, war die Bezeichnung der verſchiedenen
Zer=
ſtörer=Typen bis zum Buchſtaben P gelangt, ſo daß dieſe neue
Waffe die Bezeichnung Q erhielt.
Vom Frühjahr 1916 ab wurden immer mehr O=Boote
aus=
gerüſtet; ſie machten den Eindruck harmloſer Handelsdampfer,
aber ſie hatten doppelte Mannſchaft und ſchwere Geſchütze an
Bord. Ein Jahr lang konnten dieſe U=Boot=Fallen überall
tätig ſein, bevor — im Februar 1917 — der zweite verſchärfte
U=Boot=Krieg begann! Nach den erſten üblen Erfahrungen
mit „harmloſen Handelsdampfern” mußten die deutſchen U=Boot=
Kommandanten jedem auch noch ſo harmlos erſcheinenden Schiff
mit begründetem Mißtrauen begegnen. Vergeblich hatten Tirpit
und Bachmann 1915 und 1916 verſucht, die Wiederaufnahme des
uneingeſchränkten U=Boot=Krieges durchzuſetzen. Tirpitz
ſchei=
terte an dieſen Bemühungen vollends und bekam im März 1916
ſeinen Abſchied, zu einem Zeitpunkt, an dem die O=Boote
be=
reits in Tätigkeit waren und eine durchgreifende
Abwehrmaß=
nahme verlangten. Als man im Frühjahr 1917 wieder mit dem
verſchärften U=Boot=Krieg begann, war es zu ſpät. Der
da=
malige engliſche Marineminiſter Churchill gibt ſelbſt zu (in
einem Artikel des Sunday Pictorgial 1919), daß die
Entſchei=
dung des Krieges damals an einem ſeidenen Faden gehangen
habe. Die Lebensknappheit nahm in England bedrohliche
For=
men an.
Die Falle.
Mit der Führung von O=Booten wurden faſt nur aus der
Handelsmarine hervorgegangene Leute betraut, die alle
Schiff=
fahrtsſtraßen aus eigener Erfahrung kannten und mit allen
Gebräuchen genau vertraut waren. Die Ausrüſtung der O=
Boote wurde ſtreng geheim durchgeführt und auch die
Mann=
ſchaft beſtand aus beſonders vertrauenswürdigen Leuten, die
über ihre Tätigkeit nichts verlauten laſſen durften. Im
Ein=
zelnen gingen dieſe O=Boote immer nach demſelben Schema vor.
Das O=Boot bewegte ſich auf einer der handelsüblichen
Schiffahrtsſtraßen. Sichtete es ein U=Boot, dann wandte es
ſich ſcheinbar eilig zur Flucht und veranlaßte ſo das U=Boot
zum Folgen und zum Angriff. Nach kurzer Beſchießung ſtoppte
das O=Boot, ſetzte ſeine Rauchapparate in Tätigkeit und erweckte
ſo den Eindruck eines brennenden Wracks. Die Hälfte der
Mannſchaft verläßt nun das rauchende Schiff in
Rettungs=
booten, und das U=Boot pflegt dann dicht an den Dampfer
heranzukommen, um es durch ein Sprengkommando zu
er=
ledigen.
War nun das U=Boot in Reichweite, dann ertönte das
Kom=
mando: „Luken auf! Feuer!”
Die zweite Hälfte der
Mann=
ſchaft eröffnete das Feuer und erledigte das in die Falle
ge=
gangene U=Boot. Das Beiſpiel des Hilfskreuzers „Wyandra”=
„Baralong” hatte Schule gemacht.
Ueberall wimmelte es damals von O=Booten, und die
deut=
ſchen U=Boot=Kommandanten hatten alle Veranlaſſung, in jedem
Schiff, das ihnen begegnete, eine Falle zu vermuten. Tatſäch
lich haben ſie ſich auch in den wenigſten Fällen getäuſcht. Auch
in den wenigen Fällen, wo ſie nur ein wirklich harmloſes
Han=
delsſchiff zu Geſicht bekamen, mußten ſie die den O=Booten
gegenüber gebotenen Maßnahmen ergreifen, denn die Tätigkeit
der O=Boote forderte zur Torpedierung aller Handelsdampfer
heraus, die angeblich harmlos waren.
13 Jahre nach der Indienſtſtellung des erſten O=Bootes hat
Capitain Harold Auten ſeine aufſchlußreichen
Veröffentlichun=
gen gemacht und damit einer weitverbreiteten Hetze ſelbſt die
Spitze abgebrochen.
O. S. Frank.
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Aus den Amtsverkündigungen des Kreisamts
Darmſtadt und den Bekanntmachungen des
Polizelamts Darmſtadt.
Gefunden: 1 Zehnmarkſchein. 3
Geld=
börſen mit Inhalt. 1 Damenhandtaſche
mit Inhalt. 1 Gummiball. 2 einzelne
Handſchuhe. 1 brauner Kindermantel.
Paar gute Damenſchuhe. 1 Dolchmeſſer
Brieftaſche 1 Damengürtel. 2 Bund
Schlüſſel 1 Türdrücker, 1 goldene
Damen=
uhr. 1 Herren=Regenmantel (gefunden an
den Hirſchköpfen).
Wir machen wiederholt darauf
auf=
merkſam, daß auch noch Fundgegenſtände
vorhanden ſind, die in früheren
Bekannt=
machungen verzeichnet waren.
Intereſſen=
ten können die Fundgegenſtände während
den Büroſtunden auf dem Fundbüro des
heſſ. Polizeiamts, Bimmer 11, beſichtigen
opupge
Bernteigerangsanzeige.
Am Donnerstag, den 30. April
1931, nachmittags 3 Uhr, verſteigere
ich in meinem Verſteigerungslokal
Luiſen=
ſtraße zwangsweiſe meiſtbietend gegen
(6688
Barzahlung:
1 Schreibmaſchinentiſch, 1 Cello, 10
Schallplatten, verſch. Wäſche, 1
Stanz=
maſchine, 1 Büfett, ſowie Möbel
aller Art.
Anſchließend an Ort und Stelle,
Treffpunkt Ecke Viktoria= u. Kahlertſtr.
1 Kiavier, 1 Standuhr.
Darmſtadt, den 29. April 1931.
Jung
Stellv, des Gerichtsvollziehers Weinheimer
in Darmſtadt.
besser als tausend
Worte wie prächtig
ein Anzug von uns
sitzt, wie vorteilhaft
Sie darin aussehen.
Und nach vielen
Monaten merken Sie
auch wie gut er ist —
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L ODEN-MANTEL von. 19‟
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EUSTER
A
Marktstraße
armstadt
Marktplatz 2
[ ← ][ ][ → ]Seite 12
Mittwoch, den 29. April 1931
Nummer 118
5b. 98
Turnen.
Die 98er haben am kommenden Sonntag in der Zwiſchenrunde um
die Deutſche Meiſterſchaft auf dem Wackerplatz in Gotha gegen den
dor=
tigen Polizeiſportverein anzutreten. Da aus dem Kreiſe der
Darm=
ſtädter Handballanhänger mehrfach der Wunſch geäußert wurde, dem
Spiel in Gotha beizuwohnen, iſt beabſichtigt, einen modernen
Kraft=
wagen nach Gotha laufen zu laſſen, falls genügend Intereſſenten ſich an
der Fahrt beteiligen. Die Fahrt läßt ſich an einem Tag bewerkſtelligen:
die Abfahrt würde vormittags 6 Uhr erfolgen, während mit der
Rück=
kunft in Darmſtadt zwiſchen 12 und 1 Uhr nachts gerechnet werden kann
Fahrtkoſten insgeſamt 12 RM. Intereſſenten werden gebeten, fich
um=
gehend bei dem Zeitungsverkauf Skurnik im Hauptſchalterraum der
Reichspoſt in die dort aufliegende Liſte einzutragen und die Fahrtkoſten
zu hinterlegen. Die Liſte muß Donnerstag nachmittag 3 Uhr geſchloſſen
werden. Wir geben bekannt, ob die Fahrt zuſtande kommt.
Holland-Deutſchland.
Man iſt zufrieden.
Mit welcher Skepſis man in Deutſchland das Fußball=Länderſpiel
gegen Holland erwartet hat, das zeigt noch einmal deutlich die
Genug=
tuung, mit der man allenthalben das unentſchiedene Ergebnis begrüßt.
Von der auf verſchiedenen Poſten recht ſchwach geſtellten Mannſchaft
wurde ein ſo günſtiges Abſchneiden gar nicht erwartet. Man hat nicht
vergeſſen, daß Deutſchland auch ſchon mit Mannſchaften, die ſich auf dem
Papier als ſtärker anließen, gegen Holland verloren hat. Aus den
ver=
ſchiedenen Preſſeſtimmen, auch aus holländifchen, geht zudem hervor
daß Deutſchland durchaus die Möglichkeit hatte, dieſes Spiel zu
ge=
winnen. Holländiſche Blätter erkennen an, daß die Deutſchen das beſſere
Spiel gezeigt haben und daß die Entſcheidung des Schiedsrichters, der
das zweite Tor der Deutſchen wegen eines angeblichen „Abſeits”
annul=
lierte, falſch geweſen ſei. Das ſoll die wertvollſte Feſtſtellung ſein: daß
unſere Mannſchaft und ihre Spielweiſe in Holland wenigſtens einen
guten Eindruck hinterlaſſen hat.
Holländiſche Meinungen.
„Telegraf” Amſterdam ſchreibt, daß die von beiden Seiten
gezeigte Spielſtärke in dem unentſchiedenen Ergebnis 1:1 gut zum
Aus=
druck komme. Der Kampf ſei fair und ſchön geweſen, er hätte ſich
fort=
während auf internationalem Niveau bewegt. Der holländiſchen Elf ſei
es in der erſten Halbzeit gelungen, das techniſch vollendete, aber zu
weiche deutſche Short=Paſſingſpiel zu brechen, während in der zweite
Halbzeit die Deutſchen ihre Spielweiſe ſtärker zum Ausdruck gebracht
hätten. Man habe zwei Mannſchaften mit völlig verſchiedenen Syſtemen
geſehen. Die deutſche Elf habe hohe Fußballſchule vorgeführt, die in der
Ballbehandlung und im Poſitionsſpiel wenig zu wünſchen übrig laſſe,
aber die Stürmer hätten im gegebenen Moment zu viel gezögert. Die
holländiſche Elf habe kein feſtes Syſtem gezeigt, ſondern ſich ſtets den
Erforderniſſen der augenblicklichen Situatvon angepaßt. Die Stürmer
ſchoſſen weit mehr als die Deutſchen. Das Blatt betont noch, daß die
Abſeitsentſcheidung des Schiedsrichters bei dem Treffer von Lachner, der
Deutſchland um den Sieg gebracht habe, ein Fehler geweſen ſei.
„Maandag=Morgen” Hertogenboſch iſt der Meinung,
daß Kreß der beſte Mann des Feldes war. Kreß ſei ein Torhüter von
internationaler Extraklaſſe mit einer geradezu eingen Ruhe, er habe die
unglaublichſten Bälle gehalten. Man könne den 26. April als den
„Tag von Kreß” bezeichnen, da die Deurſchen ohne ihn das Spiel
vermutlich verloren hätten. Im übrigen habe das Spiel der Deutſchen
einen ſehr guten Eindruck gemacht, die Stürmer beſäßen allerdings keine
Schußfertigkeit. Beide Parteien könnten mit dem Ergebnis zufrieden
ſein.
„Het Volk” Amſterdam meint ebenfalls, daß das
unentſchie=
dene Ergebnis gerecht ſei. Zwei gleichwertige Mannſchaften hätten ſich
einen prächtigen Kampf geliefert. Die beiden deutſchen Außenſtürmer
ſeien die ſchwächſten Leute im Angriff geweſen. Als beſte Deutſche
üſſe man Kreß, Knöpfle, Weber und Richard Hofmann bezeichnen.
Das Blatt bringt auch eine Erklär ung des deutſchen Unparteiiſchen Dr.
Bauwens=Köln, der geſagt haben ſoll, die deutſche Elf habe in
Amſterdam beſſer geſpielt als in Paris.
SV. 1922 Roßdorf — SC. Ober=Ramſtadt 1:1.
Roßdorf hat es nicht vermocht, ſein letztes Verbandsſpiel auf
eige=
nem Platze ſiegreich zu beenden, und mußte den Gäſten einen für die
Meiſterſchaft überaus wertvollen Punkt überlaſſen. Hatte man ſchon
nach der Niederlage am vergangenen Sonntag in Dieburg auf einen
Formrückgang der Roßdörſer Elf ſchließen müſſen, ſo trat es diesmal
klar zutage, daß die Mannſchaft zurzeit eine Kriſe durchmacht, die die
ſchon greifbar nahe geweſene Meiſterſchaft koſten kann. Beſonders der
Sturm, früher der beſte Mannſchaftsteil, verſagte ſo vollkommen, daß
auch nicht ein einziger der „5 Stürmer einigermaßen befriedigen konnte.
So langſam und lahm und dabei ſo ungenau im Zuſpiel und Schießen
haben wir dieſen Sturm bisber noch nie geſehen. Als in der erſten
Halbzeit mit Hilfe des ſtarken Rückenwindes die Einheimiſchen 45
Minu=
ten lang dauernd vor dem Gäſtetor lagen, hätte leicht ein halbes Dutzend
Tore erzielt werden können, aber die Stürmer ſchienen von allen guten
Geiſtern verlaſſen. Erſt kurz vor Halbzeit, im ſtrömenden Regen, fiel
endlich aus einem Gedränge vor dem Gäſtetor der längſt fällige
Füh=
rungstreffer. Auch nach der Pauſe, als das Spiel offener wurde, hätte
Roßdorf noch oft Gelegenheit gehabt, ſeinen Torvorſprung zu erhöhen,
aber der Sturm verdarb alles. Statt deſſen erzielten die Gäſte den
Ausgleich und wären faſt in Führung gegangen, wenn ſie einen ihnen
wegen groben Fouls zugeſprochenen Elfmeter nicht verſchoſſen hätten.
Ein Glück für die Gaſtgeber, daß Ober=Ramſtadt auch nur recht mäßige
Leiſtungen zeigte und der Gäſteſturm kaum beſſer war als der
Roß=
dörfer.
Roßdorf hat nun noch drei ſchwere Spiele auswärts auszutragen.
Falls die Mannſchaft ſich auf ihr früheres Können beſinnt und beſonders
der Sturm ſeine frühere Durchſchlagskraft wieder erlangt, kann es noch
zur Meiſterſchaft reichen; andernfalls iſt dieſe endgültig vorbei und die
Hoffnung eines Jahres zuſchanden.
Flugſpork.
75 000 Mark Preiſe für den Deutſchland=Rundflug.
Dem Aero=Club von Deutſchland ſtehen für den vom 1. bis 16.
Auguſt ſtattfindenden Deutſchland=Rundflug bisher an Geldpreiſen 75 000
Mark zur Verfügung. Der erſte Preis beträgt 15 000 Mark, der zweite
10 000 und der dritte 5000 Mark, weiterhin erhalten die 27
nächſtplacier=
ten Teilnehmer je 1000 Mark.
1.35 Uhr: Jugendhandball: Sp.Vgg. Arheilgen — SV. Darmſtadt
2.00 Uhr: Jugendfußball: Germania Eberſtadt — Union Darmſtadt
2.35 Uhr: Jugendhandball: Polizei=SV. — TSV. Braunshardt (Sie=
Wir geben nachſtehend das Darmſtädter Programm für den am
3. Mai ſtattfindenden Jugendtag bekannt. Auf allen anderen
Sport=
plätzen ruht jeglicher Spielbetrieb für aktive und Jugendmannſchaften.
Die Veranſtaltung findet auf dem Platze des Polizei=SV. auf
dem Exerzierplatz ſtatt.
1.00 Uhr: Jugendfußball: SV. Groß=Gerau — SV. 98 Darmſtadt
(Sieger A);
Sieger C);
Sieger B);
ger D);
3.00 Uhr: Fußball der aktiven Mannſchaften: SV. 98 Darmſtadt —
Haſſia Dieburg
3.40 Uhr: Gymnaſtikvorführung der Jugendlichen durch Gauſportwart
Lindner. — Anſprache an die Jugend (Schulrat
Haſ=
ſinger);
4.00 Uhr: Fortſetzung des Fußballſpiels der aktiven Mannſchaften;
4.30 Uhr: 4X 100 Meter=Staffel, 10 X½ Runde=Staffel;
4.45 Uhr: Jugendfußball: Sieger A. gegen Sieger B;
5.30 Uhr: Jugendhandball: Sieger C gegen Sieger D
Die Jugendfußballſpiele dauern 2 X 15 Minuten, die
Jugendhand=
ballſpiele 2X10 Minuten und das Spiel der Aktiven 2 X 40 Minuten.
An den gymnaſtiſchen Uebungen nehmen ſämtliche Jugendlichen und
Schüler der Darmſtädter Vereine und der teilnehmenden Gäſte teil. Zu
der Veranſtaltung haben ſämtliche Jugendliche freien Eintritt. Die
Ein=
trittspreiſe für Erwachſene und Erwerbsloſe ſind ſehr niedrig. — Die
Leitung des Jugendtages in Darmſtadt liegt in den Händen der Herren
Dröll, Lindner und Erlewein.
Der Jugendtag findet im Gau Bergſtraße ſtatt:
in Darmſtadt: Polizei=Sportplatz;
im Gau Dreieich in Meſſel;
im Gau Ried in Lampertheim, VfL.=Platz.
Kraftſpork.
TV. Nieder=Ramſtadt — Hellas Mainz 17:3.
Am Sonntag ſtanden ſich obige Mannſchaften im gutbeſetzten Saale
von W. Fiſcher in einem Freundſihaftskampf gegenüber. Nieder=
Ram=
ſtadt zeigte ſich in beſter Verfaſſung und fertigte die gewiß nicht
ſchlech=
ten Mainzer überlegen mit 17:3 Punkten ab. Die Kämpfe verliefen
ſehr fair und ſtanden alle auf techniſch hoher Stufe. Kampfrichter Veith=
Darmſtadt leitete die Kämpfe korrekt. Die Kämpfe: Bantam: Hauckeroth
(Mainz) — Emich (Nieder=Ramſtadr), Sieger H. nach 14½ Min.; Feder:
Petermann (M.) — Rodenhäuſer (N.=R.), Sieger R. nach 6 Min.
Leicht: Eichblatt (M.) — Phil. Lautenſchläger (N.=R.), Sieger L. nach
5 Min.; Welter: Spatz (M.) — Gg. Lautenſchläger (N.=
Sieger L.
nach 1½ Min.; Mittel: O. Kiefer (M.) — Beck (N.=R.), Sieger B. nach
3 Min.; Halbſchwer: Brocker (M.) — Kaffenberger (N.=R.), Sieger K
P.; Schwer: E. Kiefer (M.) — Schettler (N.=R.), Sieger Sch. nach
7.
9 Min.
Fußball.
Umion Wixhauſen — FC. Egelsbach 3:1.
Zu einem Freundſchaftsſpiel trafen ſich obige Mannſchaften. Beide
Mannſchaften waren gezwungen, für einige gute Kräfte Erſatz
einzu=
ſtellen. Schon in den erſten Minuten konnte Union durch Frey in
Füh=
rung gehen, jedoch war der Ausgleich durch zaghaftes Eingreifen der
Unionverteidigung bald wieder hergeſtellt. Egelsbach ſpielte ſehr eifrig,
jedoch ließ das Zuſpiel zeitweiſe zu wünſchen übrig. Bei den Blau=
Weißen war es der Mittelläufer, der durch gute Aufbauarbeit beſonders
auffiel. Auch in der Stürmerreihe wurden öfters gute Leiſtungen
ge=
zeigt, wodurch ſich bald eine leichte Ueberlegenheit des Platzbeſitzers
be=
merkbar machte. Bis Halbzeit gelang es Union, das Reſultat auf 3:1
zu ſtellen. Nach Wechſel mußte das Spiel nach 10 Minuten leider wegen
niedergehenden Gewitterregens abgebrochen werden. Schiedsrichter nicht
immer einwandfrei. —
Union Alte Herren — SC. Griesheim Alte
Herren 4:2.
— Union 1. Jgd. — SV. Mörfelden 1. Jgd. 2:1.
Union Darmſtadt — Rot=Weiß Darmſtadt.
Wir weiſen an dieſer Stelle nochmals auf das heute
nachmit=
tag 6 Uhr auf dem Sportplatz an der Heidelberger Straße
ſtattfin=
dende Spiel obiger Gegner hin.
Dr. Mayer=Offenbach geſtorben.
Im Alter von 55 Jahren iſt in Offenbach plötzlich Dr. Ludwig
Mayer einem Herzſchlag erlegen. Der Verſtorbene war Vorſitzender
der Offenbacher Ortsgruppe des Deutſchen Reichsausſchuſſes für
Leibes=
übungen und erfreute ſich in allen Sportrkeiſen durch ſein offenes und
herzliches Weſen allgemeiner Beliebtheit. Seine Tochter iſt die
Olympia=
ſiegerin Helene Mayer.
Roderich Menzel, der bekannte tſchechiſche Davisſpieler, wird
dem=
nächſt von Prag nach Berlin überſiedeln und dort dem Rotweiß=Club
beitreten.
Die Einzelſpiele des Daviskampfes Deutſchland — Südafrika in
Düſſeldorf werden Dr. Buß und Nourney beſtreiten, während für das
Doppelſpiel entweder Dr. Deſſart/Dr. Buß oder Dr. Deſſart/Nourney
vorgeſehen ſind.
Das Entſcheidungsſpiel in der Troſtrunde Nordweſt zwiſchen VfL.
Neu=Iſenburg und Phönix Ludwigshafen wird am 3. Mai
vorausſicht=
lich in Worms ausgetragen werden.
In Athen werden 1934 und in Lauſanne 1944 anläßlich des 40. bzw.
50 „Jahrestages der Wiedereinführung der Olympiſchen Spiele
beſon=
dere Veranſtaltungen des Internationalen Olympiſchen Komitees
ſtatt=
finden.
Daviskampf Deutſchland —Südafrika.
Für den am Freitag, den 1. Mai, in Düſſeldorf beginnenden Dabis=
Südafrika ergab die Ausloſung folgenden
pokalkampf Deutſchland
Spielplan: Freitag, den 1. Mai, 14.15 Uhr: Dr. Buß — Kirby;
anſchließend Nourney — Raymond. Samstag, den 2. Mai, 14.3
Uhr: Dr. Deſſart/Dr. Buß oder Dr. Deſſart/Nourney —
Kirby/Far=
quuharſon. Sonntag, den 3. Mai, 15.30 Uhr: Dr. Buß —
Rah=
mond; Nourney — Kirby.
Damit hat ſich alſo die Meldung beſtätigt, daß Dr. Landmann von
der Teilnahme freiwillig zurückgetreten iſt. Ohne den Berliner Tennis=
Doktor iſt jedoch dieſer Daviskampf ohne daß man ein allzu großer
Peſſimiſt zu ſein braucht, für Deutſchland eine ausſichtsloſe
Angelegen=
heit.
Trinkt Fachinger. Das altberühmte Geſundheitswaſſer Staatl.
Fa=
chingen hilft in vielen Fällen mit zum Geſunden und macht Geſunde
widerſtandsfähiger gegen das Erkranken.
Ein Vertrauensvotum für Abdulla=Zigaretten.
Die Raucherwelt hat abgeſtimmt. Fernab von der hohen
Politik hat hier ein Volksentſcheid ſtattgefunden. Gewaltige
Umſatzſteigerungen beweiſen die große Beliebtheit und den
wach=
ſenden Zuſpruch, deren ſich die Abdulla=Standard=Zigarette in
weiteſten Raucherkreiſen erfreut. Der Standard=Erfolg iſt auf
die garantierte Verwendung edler mazedoniſcher Tabakſorten
erſter Sortierung zurückzuführen. Die Standard iſt eine
wun=
derbar abgeſtimmte, milde Zigarette und — „ſie verändert ſich
nie‟.
Rundfunk=-Programme.
Frankfurt a. M.
Mittwoch, 29. April.
10.20: Schulfunk: Hörbild von P. Laven: Mit dem Mikrophon im
In= und Auslande.
15.20: Dr. W. Benjamin: Die Baſtille, das alte franzöſiſche
Staats=
gefängnis.
15.50: G. Palzer: Ein Junge brennt durch und geht zur See
16.30: Nachmittagskonzert des Rundfunkorcheſters; Mitw.: K.
Pi=
ſtorius (Tenor).
18.15: Dr. Dr. h. c. Richter: Univerſitäts= und Berufsbildung.
18.46: Amtsgerichtsdir. Dr. Kallee: Betriebsvereinbarung und
Ar=
beitsordnung.
19.15: Volkstümlicher Opernabend: Werke von Cherubini, Mozart,
Kreutzer, Roſſini, Ponchielli, Verdi, Thomas, Meyerbeer. Ausf.:
Das Philharm. Orch. Stuttgart: Soliſt: Willy Domgraf=
Faß=
baender (Bariton).
20.30: Bunter Abend. Mitw.: W. Simlinger, Heinrich Caſſimir,
C. Elwenſpoek, K. Köſtlin, E. Stockinger, F. Höger.
21.45: B. Blume: Das Theater und die junge Generation.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Mittwoch, 29. April.
9.00: Schulfunk: Wir ſpielen ein Märchen.
10.10: Schulfunk: Syrien.
14.45: Kindertheater: Die chineſiſche Nachtigall.
15.45: Thereſe Wagner: Die Stellung der Landwirtſchaft zur
mo=
dernen Ernährungslehre.
16.00: Schulrat G. Wolff u. St. Konetzky: Lehrgänge über die
Arbeit der Oberſtufe der Volksſchule.
16.30: Hamburg: Nachmittagskonzert.
Selten geſpielte Trios (Windſperger). Ausf.: Meinhardt
17.
Petſchnikoff=Liebermann=Trio.
18.00: Einheitskurzſchrift.
18.30: Prof. Dr. G. Wegener: Eine Wanderung durch
Deutſch=
lands Gaue.
19.00: Staatsſekretät Prof. Dr. Hirſch: Neue Wirtſchaftsformen
und die Beamtenſchaft.
19.30: Dr. L. Zeitlin, Landesrat Dr. Simon: Ausgeben oder
ſpa=
ren? Was fordert die heutige Wirtſchaftslage
20.00
M. Müller=Jabuſch: Weltpolitiſche Stunde.
2
30: Vor Walpurgis. Ein und eine halbe Stunde Kurzweil,
22.25:
r. J. Räuſcher: Politiſche Zeitungsſchau.
Danach: Tanzmuſik. Kapelle Sam Baskini.
Allmählich bewegt ſich die Störung, welche ſchon die vergangenen
Tage die Wetterlage beherrſcht, mehr oſtwärts fort. Trotzdem erfolgt
noch kein Uebergang zu beſſerem Wetter, denn weiterhin drängt ſich
ozeaniſche Luft vor, die Niederſchläge mit ſich führt. Sie wird bei u
noch wechſelhaftes Wetter mit Schauern verurſachen Eine weſentliche
Aenderung der Temperaturen findet vorerſt nicht ſtatt.
Ausſichten für Mittwoch, den 29. April: Immer noch wechſelnd
wol=
figes Wetter, dabei vorübergehend aufheiternd, ſchauerartige
Nie=
derſchläge, Temperaturen wenig verändert.
Ausſichten für Donnerstag, den 30. April: Beſtändigeres, teils wol
kiges, teils aufheiterndes Wetter, Nachlaſſen der
Niederſchlags=
tätigkeit.
Hauptſchriftleitung: Rudolf. Mayve
Verantwortlich für Polltſk und Wirtſchaft: Rudolf Ma
für Feulſſeton, Reich un
usland und H
ür Sport: Karl Böhmanni
Nachrichten: Max Sire
66
für den Ha
Schlußdienſt: Andreas Bauer:!
C. H. Quetſch; für der
R
derbert Nette:
geeſpiegel in Bild und Wer”: D.mfis gubls
für
ſeratenteil und geſchäftliche Mitteilungen:
Druck und Verlag: L. C. Wiitſch — ſämtlich in Darmſtad
Für unverlangte Manuſkrivte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten
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Die Firma Dr. A. Wander, G. m. b. H., Oſthofen (
Rhein=
heſſen) bringt mit Ovomaltine ein Nährpräparat heraus, das
durch die Art ſeiner Zuſammenſetzung und des beſonderen
Herſtel=
lungsverfahrens große Beachtung verdient. Die beſondere Her.
ſtellung — kein Erhitzen der Rohſtoffe — bewahrt den
Vitamin=
gehalt und macht Ovomaltine trotz ſeines großen Nährwertes
leicht verdaulich. Der Nährwert einer 500=Gramm=Büchſe
Ovo=
maltine entſpricht dem Nährwert von 3½ Liter Milch + 28 Eiern
3½ Pfund Rindfleiſch + 6¾ Pfund Erbſen + 41 Bananen.
—
2 bis 3 Kaffeelöffel Ovomaltine werden in Milch gelöſt
je nach Geſchmack mit oder ohne Zuckerzuſatz. Auch in Kaffee
oder Tee iſt Ovomaltine ein ſchmackhaftes Nährgetränk.
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Nummer 418
Jan
Mitiwoch, den 29. April
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Der Aktienindex vom 20. bis 25. April. Der vom Statiſtiſchen
Reichs=
amt errechnete Aktienindex (1924/26 gleich 100) ſtellt ſich für die Woche
vom 20. bis 25. April 1931 auf 91,5 gegenüber 93,2 in der Vorwoche,
und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerinduſtrie auf 87,3 (89,2),
Gruppe verarbeitende Induſtrie auf 81,4 (82,7) und Gruppe Handel und
Verkehr auf 112,8 (114,9).
Benzolpreiserhöhung um 1 Pfg. Mit Wirkung vom Montag haben
die Benzolpreiſe in ſämtlichen Zonen eine Heraufſetzung um 1 Pfg. je
Liter erfahren. Der Preis für Benzol ſtellt ſich alſo jetzt beiſpielsweiſe
in der Zone Düſſeldorf=Köln auf 38 Pfg., im Revier auf 39 Pfg., in
Berlin auf 38 Pfg., Frankfurt a. M. 40 Pfg., München 41 Pfg.,
Ham=
burg 39 Pfg. Die Maßnahme darf man wohl darauf zurückführen, daß
die Preisſchleudereien in der letzten Zeit etwas nachgelaſſen haben und
n. a. das Saargebiet und Belgien mit den Preiſen heraufgegangen ſind.
Die Preiſe für Benzin und Benzin=Benzol=Gemiſche ſind unverändert
ge=
lieben, ſodaß ſich alſo die Spanne zwiſchen Benzol und Benzin etwas
vergrößert hat.
Commerz= und Privatbank. Die G.V. genehmigte den Abſchluß mit
7 gegen 10 Prozent Dividende und wählte neu in den A.R. die Herren
Geh. Kommerzienrat Heinrich Roeckel und Paul Rhode=Berlin. Das
Ge=
ſchäft in den erſten drei Monaten 1931 habe ſich günſtig entwickelt. Falls
Dieſe Entwicklung anhalte, glaube die Verwaltung, daß man mit dem
Ergebnis des Geſchäftsjahres zufrieden ſein werde.
Neuordnung der Preiſe für Eiſenportland= und Hochofenzement.
Wor Verlängerung des Weſtdeutſchen Zementverbandes iſt im Kampf mit
Den Außenſeitern eine Ermäßigung der Portlandzementpreiſe eingetre=
Ten. Jetzt hat der Hüttenzementverband eine Neuordnung ſeiner Preiſe
Für Eiſenportland= und Hochofenzement, durch die im weſentlichen eine
Anpaſſung an die frühere Spanne zum Portlandzement herbeigeführt
rwird, vorgenommen. Im Gegenſatz zu anderen Mitteilungen, die
ge=
eignet ſeien, Irrtümer hervorzurufen, wird darauf hingewieſen, daß
ſdurch die Aenderungen nur das Preisſchema für einige Bezirke berührt
wwerde.
Siedlungsgeſellſchaft Roffenray A.=G., Frankfurt a. M. Das Ge
chäftsjahr 1930 ſchließt mit einem nur ſehr kleinen Gewinn von 25
970) RM. Die Vilanz zeigt bei 50 000 RM. Ak. unv. 0,42 Mill.
Hypo=
hekenſchulden und 4,81 (4,80) Mill. Kreditoren gegenüber unverändert
„12 Mill. Grundſtücke, 0,98 (0,99) Mill. Gebäude, 0.14 (0.13) Mill.
Sebitoren.
Helia=A.=G., Darmſtadt. In der Generalverſammlung
wur=
ven die Regularien erledigt. Das Sanierungsprogramm konnte
wegen plötzlich aufgetretener Schwierigkeiten noch nicht
durchge=
ührt werden. Die Verhandlungen werden in einer neu
einzu=
erufenden G.=V. weitergeführt werden.
Volksbank zu Gonſenheim, e. G. m. b. H. Die Geſellſchaft erzielte
eänen Reingewinn von 21 195 (32075) RM., woraus eine von 10 auf
Prozent ermäßigte Dividende verteilt wird. Der Umſatz iſt auf 33,41
42.42) Mill. RM. zurückgegangen. Die Bilanz zeigt Spareinlagen mit
„53 (1,51), ſonſtige Kreditoren 0,127 (0,116), andererſeits Debitoren 1.41
.47). davon 1,05 Prozent ohne Sicherheit, ſowie kurzfriſtige Darlehen
(.318 (0,216). Die Mitgliederzahl erhöhte ſich auf 566 (499). Die Haft=
(rmme auf 575 000 (510 000) RM.
Grün u. Bilfinger A.=G. Mannheim. Einſchließlich 220 156 (228 910)
mM. Vortrag ſtellt ſich der Rohertrag auf 3,39 (3,54) Mill. RM.
All=
emeine Unkoſten konnten von 1,03 auf 0,89 Mill
KM. geſenkt werder
oährend Steuern 0,59 (0,52) Mill. RM. beanſpruchten. Nach 526 27
2631) RM. Abſchreibungen verbleibt ein Reingewinn von 1 375 699
EM. gegenüber 1381 656 RM. im Vorjahre. Wie ſchon mitgeteilt, wird
der Generalverſammlung am 9. Mai vorgeſchlagen, hieraus wieder
u5 Prozent Dividende auszuſchütten. Der vorliegende Geſchäftsbericht
der Grün u. Bilfinger ſtellt die außergewöhnlichen Auswirkungen der
Kriſe auf dem Baumarkt feſt. In Anpaſſung an die Zeitverhältniſſe
man ſich gezwungen, in erhöhtem Maße die Auslandstätigkeit
veitern. Dadurch gelang es, die Beſchäftigung auf einem ſolchen
Sttande zu halten, daß die Berriebseinrichtungen in befriedigendem Maße
ansgenutzt werden konnten. Wenn eine Beſſerung am Baumarkte
ein=
trätt, ſei nicht abzuſehen. Vorausfetzung ſei die Zurverfügungſtellung
ganügender Baukapitalien, die vorerſt noch fehlen. Der Kampf um die
Aufträge habe nie gekannte Formen angenommen. Aus der Bilanz
im Mill. RM.): Banken und Poſtſcheck 2,72 (2,35), Wertpapiere unv
9.29
echſel 0,11. Außenſtände 1,60 (2,05), Liegenſchaften 0,81 (0,77),
„o
äte 1,19 (134), Vorräte 0,22 (0,37), dagegen Aktienkapital unv.
„—1, geſetzliche Rücklagen unv. 0,441, Verſicherungsrücklage 0,35 (0,25),
Gläubiger 0,38 (0,69), Avale 3,78 (2,62), Bilanzſumme 6,95 (7,17).
Schiedsſpruch für die weſtdeutſche Kanalſchiffahrt. In dem Lohn=
.H Gehaltsſtreit in der weſtdeutſchen Kanalſchiffahrt wurde am
Mon=
ga unter dem Vorſitz eines für dieſen Streitfall beſtellten Sonderſchlich=
2S — ſtellvertretender Schlichter für Weſtfalen — folgender
Schieds=
vruch gefällt: Die Gehalts=” und Lohnſätze laut Schiedsſpruch vom 24.
ſrtwember 1930 ermäßigen ſich mit Wirkung ab 25. April 1931 für
Kabi=
än e, Schiffsführer, Maſchiniſten um 4, für Matroſen, Heizer und
Schiffs=
um gen um 3 Prozent. Dieſe Neuregelung kann mit einmonatiger Friſt,
eſ mals zum 31. Oktober 1931, gekündigt werden. Erklärungsfriſt am
Mai 1931. Die reſtlichen Beratungen über den Manteltarif ſollen am
1. Mai fortgeſetzt werden.
Rückläufige franzöſiſche Handelsbilanz. Entſprechend der Entwicklung
Rohſtoffpreiſe an den Weltmärkten und dem Wirtſchaftsverlauf weiſt
ie franzöſiſche Handelsbilanz auch weiter rückläufige Ziffern auf. In
en erſten drei Monaten des Jahres betrug die Einfuhr nach Frankreich
1½11 Millionen Franken gegenüber 14 006 Millionen Franken im Vor=
Die franzöſiſche Ausfuhr ging von 11 686 Millionen Franken im
or jahr auf 8406 Mill. Franken, alſo um rund 3280 Millionen Franken
ur ick, während die Einfuhr nur um 2159 Millionen Franken fiel. Der
ſirFuhrüberſchuß für die erſten drei Monate ſtellt ſich ſomit auf 3405
illionen Franken gegen 2320 Millionen im Vorjahr.
Brodukkenberichte.
WBerliner Produktenbericht vom 28. April. Das Geſchäft im
Produk=
nteerkehr hält ſich aus den mehrfach erwähnten Gründen, zu denen vor
emi die Unſicherheit bezüglich der beabſichtigten Regierungsmaßnahmen
teechmen iſt, nach wie vor in engſten Grenzen. Die Preisgeſtaltung am
larkt für Brotgetreide war nicht ganz einheitlich. Meizen war am
Lie=
tuigsmarkt in der Maiſicht um 1½ Mark abgeſchwächt und auch für
dmpte Ware lauteten die Gebote 1 Mark niedriger; dagegen lagen für
alaveizen vereinzelt Kaufaufträge vor, die eine leichte Befeſtigung zur
ilge hatten. Das Angebot in Roggen für prompte Waggonverladung
lit gering, und die Preiſe waren gut behauptet, ohne daß jedoch
nen=
denverte Umſätze zuſtande kamen. Am Lieferungsmarkt waren bei den
ſiieren Sichten Forderungen und Gebote zunächſt ſchwer in Einklang
beingen, ſpäter lauteten die Notierungen ½—1 Mark höher. Weizen=
10 Roggenmehle werden nur für den notwendigſten Bedarf gekauft, die
tihllenofferten waren wenig verändert. Hafer und Gerſte liegen infolge
Zurückhaltung des Konſums faſt geſchäftslos; das Preisniveau iſt
erwings angeſichts des geringen Angebots gehalten.
Metallnokierungen.
Uli 81.75 (82.75), Auguſt 82.25 (82.75), Sept. 82.75 (82.75), Okt.
50
M5 (83.25), Nov. und Dez. 83 (83.50), Jan., Febr., März 8:
250
75). Tendenz: ſtetig. — Für Blei; April und Mai
Juni 23.50 (24), Juli bis Okt. 23.75 (24.25), Nov. 23.7
lärz 2=
5)), Dez. und Jan. 24 (24.50), Febr. 24.25 (24.50),
Ka
April 20.50 (22),,
Tendenz: ſtetig. —
450)).
zü. Zin=
5 (21.75), Auguſt 21.50 (
(21.50), Juni und Juli
vt 21.75 (22.75), Okt. 22 (22.75), Nov. 22.50 (23.50). Dez. 2:
24).
75), Jan. 23.50 (24), Febr. 23.75 (24.25), März 23.75
Lideenz: ſtetig. — Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die in
hm mern Brief.
Die Berliner Metallnotierungen vom 28. April ſtellten ſich
je 100 Kilogramm für Elektrolytkupfer, prompt cif Hamburg,
men oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die
ſtſche Elektrolytkupfernotiz) auf 93 RM. — Die Notierungen
Kommiſſion des Berliner Metallbörſenoorſtandes (die Preiſe
ſtelhen ſich ab Lager in Deutſchland, für prompte Lieferung
Bezahlung) ſtellten ſich für Originalhüttenaluminium. 98=
Nproz. in Blöcken. Walz= oder Drahtbarren auf 170 RM.,
in Walz= oder Drahtbarren 99proz. 174 RM., Reinnickel,
bies 99proz. 350 RM., Antimon Regulus 51—53 RM.,
Fein=
er (1 Kilogramm fein) 39.75—41.75 RM.
Frankfurker und Berliner Efſekkenbörſe.
Frankfurt a. M., 28. April.
Nachdem noch an der Abendbörſe kleine Blankoabgaben der
Speku=
lation ein weiteres Abgleiten der Kurſe verurſacht haben, eröffnete die
heutige Börſe faſt wider Erwarten in freundlicher Stimmung, trotz der
weiter recht matten Auslandsbörſen. Die New Yorker Börſe betrachtet
man trotz der neuen Maklerinſolvenz als ziemlich bereinigt. Die
Baiſſe=
partei ſchritt nach den geſtrigen Glattſtellungen zum Ultimo zu
Rück=
deckungen, obwohl von außenher keine Nachfrage beſtanden haben dürfte
und auch nennenswerte Anregungen nicht vorgelegen haben. Beruhigen;
wirkte, daß ſo gut wie kein Material an die Märkte gelangte. Das
Ge=
ſchäft war für einige Spezialwerte zu den erſten Notierungen, die über
wiegend 1—2prozentige Beſſerungen aufwieſen, etwas lebhafter. Stärker
gefragt waren am Chemiemarkt J. G. Farben. Am Anleihemarkt
blie=
ben deutſche Renten ſtark vernachläſſigt. Von fremden Werten waren
tür=
iſche Anleihe angeboten, und beſonders Anatolier lagen mit minus 0,60
Prozent matt. Der Pfandbriefmarkt lag ſehr ſtill, doch war die
Stim=
mung eher etwas freundlicher. Reichsſchuldbuchforderungen behauptet.
Im Verlauf der Börſe wurde das Geſchäft wieder ſehr ruhig, da
die Schwäche der geſtrigen Auslandsbörſen doch geſchäftshemmend wirkte.
Die Kurſe blieben indeſſen auf dem Anfangsniveau zunächſt behauptet
und zeigte für J. G. Farben und Schuckert erneut Beſſerungen bis zu
etwa 1 Prozent. Recht feſt notierten von internationalen Aktien Spenska
die 5 Mark, und Chade, die auf die vorausſichtlich unveränderte
Divi=
dende 10 Mark anzogen. Schließlich kamen noch Scheideanſtalt mit plus
½ Prozent und Bemberg mit plus 2 Prozent zur Notiz. Gegen Schluß
der Börſe wollte man beſonders für Bankaktien wieder amerikaniſche
Abgaben beobachtet haben, ſo daß die Tendenz recht unſicher wurde und
die Mehrzahl der Papiere bis zu 1 Prozent unter Anfangsniveau
ſchloſ=
ſen. Spezialwerte wie J. G. Farben, Schuckert, Siemens und
Salzdet=
furth hatten Kursrückgänge von 2—3 Prozent. Am Geldmarkt machte
ſich etwas ſtärkere Ultimonachfrage bemerkbar, ſo daß der Satz für
Ta=
gesgeld erneut um ½ Prozent auf 4½ Prozent erhöht wurde. Am
De=
viſenmarkt lag das Pfund auf die neue Bankakzevtermäßigung in Nei
York international feſt. Der Dollar lag gegen Reichsmark mit 4.1980
ſchwächer. Man nannte Mark gegen Pfunde 20,42. London-New York
4,8645, —Paris 124,43. —Mailand 92,88. —Madrid mit 47,90 ſehr feſt,
—Schweiz mit 25,25 dagegen recht matt. —Holland 12.10.
Die Abendbörſe verkehrte bei großer Geſchäftsloſigkeit. Man
iſt angeſichts des zutage tretenden hohen Kapitalbedarfes der öffentlichen
Stellen, wie Reichspoſt. Reich und Reichsbahn ziemlich zurückhaltend,
zu=
mal damit auch die Hoffnungen auf eine deutſche Diskontermäßigung
immer mehr in den Hintergrund treten. Farben eröffneten ungefähr
behauptet. Am Elektromarkt beſtand bankſeitig etwas Nachfrage für
A. E. G., die ½ Prozent anzogen. Die übrigen Elektrowerte jedoch
ſchwächer, auch die anderen Märkte neigten im Verlaufe zur Schwäche,
Salzdetfurth 1½ Prozent niedriger, Farben ſchloſſen 146‟/8. Von
ſon=
ſtigen Kurſen ſind zu nennen: Deutſche 105. Danat 135½, Dresdner
104½, Gelſenkirchen 77½, Rheinſtahl 78, Stahlverein 55½, Siemens
168, A. E. G. 105, Gesfürel 123½, Norddeutſcher Lloyd 61½, Hapag 60½,
Aku 84, Bemberg 97½.
Berlin, 28. April.
Nachdem man vormittags und an der Vorbörſe ruhig und
abwar=
tend geſtimmt war und es ſich zu dieſer Zeit noch nicht erkennen ließ,
wie ſich die Tendenz an der Börſe geſtalten würde, brachte die Eröffnung
überraſchend feſte Kurſe. Während vorbörslich die Reports ver Ultimo
Mai verloren gegangen zu ſein ſchienen, ergaben ſich zu Anfang auf
vielen Marktgebieten noch darüber hinaus gehende Beſſerungen. Die
verhältnismäßig widerſtandsfähige Haltung der geſtrigen New Yorker
Börſe, die trotz neuer Inſolvenzen nur geringfügig ſchwächer ſchloß
wirkte beſonders auch auf die europäiſchen Auslandsbörſen beruhigend.
Die Ermäßigung der Bankakzeptrate in New York wurde hier als eine
weitere Vorbereitung für eine mögliche Diskontſenkung am Donnerstag
angeſehen und löſte auch für Berlin wieder einmal Diskonthoffnungen
aus, Da fün viele Werte noch keine neuen Limite eingegangen waren.
vermöchte ſchon relativ geringe Nachfrage zu ſtärkeren Beſſerungen zu
führen. Einige Kauforders aus der Schweiz und aus Holland
veran=
laßten die hieſige Spekulation zu kleinen Neuanſchaffungen. Im Verlauf
waren J. G. Farben, Salzdetfurth und Kunſtſeideaktien zeitweilig etwas
lebhafter und feſter. Dagegen ſoll am Bankenmarkt auch heute etwas
Angebot für amerikaniſche Rechnung auf die Kurſe gedrückt haben. Das
Geſchäft blieb jedenfalls klein und die Tendenz war etwa behauptet.
Viebmärkke.
* Mainzer Viehmarkt vom 28. April. Auftrieb: 6 Ochſen, 5 Bullen,
395 Kühe oder Färſen, 218 Kälber, 840 Schweine. Marktverlauf: ruhig,
langſam geräumt. Preis pro 50 Kg. Lebendgewicht in RM. Ochſen:
al) 45—48, b2) 35—37: Bullen: c) 32—37; Kühe: a) 32—35, b) 25—30,
c) 2—25, d) 16—3; Färſen: a) 42—48; Kälber: c) 56—62, d) 42—54:
Schweine: c) 44—46. d) 46—48.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 28. April:
Getreide. Weizen: Mai 82.50, Juli 61.25, Sept. 61. Dez.
64.75; Mais: Mai 55.75, Juli 56½, Sept. 57½, Dez. 51½; Hafer:
Mai 26.50, Juli 27.25, Sept. 28.25, Dez. 31. Roggen: Mai 33.50,
Juli 36½, Sept. 38½, Dez. 41¾8.
Schmalz: Mai 8,37½, Juli 8.52½, Sept. 8.67½, Okt. 8.65.
Speck 9,50.
Schweine: leichte 7.38—7.50, ſchwere 6.35—6.80;
Schweine=
zufuhren: Chicago 21 000, im Weſten 100 000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 28. April:
Schmalz: Prima Weſtern 9.10; Talg, extra, loſe 4½.
Getreide. Weizen, Rotwinter 93½; Mais, loko New York
68¾; Mehl, ſpring wheat clears 4.05—4,56; Fracht: nach
Eng=
land 1,6—2,3 Schilling, nach dem Kontinent 8—8.50 Cents.
Kakao. Tendenz: ſtetig; Umſätze: 60; Lokonotiz 5½; Mai
5.34, Juli 5.27, Sept. 5.43, Okt. 5.51, Dez. 5.56; Januar 1932:
5.75, März 5.81.
3
Rleine Wirtſchansnggrichten.
Die Baumwollinduſtrie Erlangen=Bamberg A.=G. in Erlangen hat
im Jahre 1930 nach 619 908 RM. (779 014 einen Reingewinn von 128 924
RM. (858 737) erzielt; der auf den 12. Juni feſtgeſetzten G.V. ſoll vor
geſchlagen werden, den Reingewinn auf neue Rechnung vorzutragen
(i. V. 6 Prozent Dividende).
Die Werksleitung der J. G. Farbeninduſtrie A.=G. hat nun für die
Zeche Auguſta Viktoria bei Marl (Emſcher=Lippe) infolge der dauernden
Verſchlechterung der Abſatzverhältniſſe die Entlaſſung von 450 Mann
der Belegſchaft beantragt.
Wie wir erfahren, legt die Uhrenfabrik Gebr. Junghans A.=G.,
Schramberg, den Filialbetrieb in Schwenningen infolge Rückganges der
Exportaufträge ſtill. Der Betrieb beſchäftigte zirka 120 Perſonen,
nach=
dem er vor der
echführung der Rationaliſierungsmaßnahmen vor vier
bis fünf Jahren 400—500 Perſonen beſchäftigte.
Laut Bekanntmachung des Württembergiſchen Innenminiſteriums
iſt dem Württembergiſchen Sparkaſſen= und Giroverband, Stuttgart, die
taatliche Genehmigung erteilt worden, zu 7 Prozent verzinsliche
In=
haberſchuldverſchreibungen im Geſamtnennwert von 5 Mill. RM. (mit
Feingoldklauſel) in Stücken von 5000, 2000, 1000, 500 und 100 RM. in
den Verkehr zu bringen.
Der zum 19. Mai einberufenen Generalverſammlung der
Vereinig=
ten Kapſelfabriken Nackenheim=Beyerbach Nfl. A.=G. wird ein
dividen=
denloſer Abſchluß vorgelegt, nachdem noch im Vorjahre 8 Prozent
Divi=
dende auf 600 000 RM. Aktienkapital gezahlt wurden.
Die Sü
ddeutſche Möbelfabrik Bertrand u. Baum A.=G., Sulz, die
ſeit November v. J. einen Vergleich erſtrebt, iſt nunmehr bei 250 000
N. A.K. in Konkurs gegangen.
Nach erhöhten Anſtrengungen der letzten Tage iſt es geſtern
gelun=
gen, zu einem Einvernehmen zwiſchen den Arbeitgebern und den
Gewerk=
ſchaften in Dänemark zu kommen. Die große Ausſperrung, die geſtern
abend für 50 000 Arbeiter hätte eintreten ſollen, iſt ſomit vermieden.
Nu=
die Arbeiter der Schuhfabriken, die die Vorſchläge des ſtaatlichen
Schlich=
ters ablehnten, werden in einer Anzahl von etwa 2500 ausgeſperrt
werden.
Der Verwaltungsrat der Schweizeriſchen Gefellſchaft für
Anleihe=
werte hat beſchloſſen, der auf den 18. Mai einzuberufenden G.V. die
Ausſchüttung einer Dividende von 6 Prozent für das Geſchäftsjahr
1930/31 in Vorſchlag zu bringen.
Zwiſchen Italien und Rußland werden gegenwärtig in Rom
Ver=
handlungen über ein neues Handelsabkommen geführt, deſſen
Unterzeich=
nung nach dem „Giornale d’Italia” ſogar unmittelbar bevorſtehen ſoll.
Berliner Kursbericht
vom 28. April 1931
Oeviſenmarkt
vom 28. April 1931
Berl. Handels=Geſ.
Danatbank.
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deutſche 2
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134.—
104.50
105.125
60.—
84.—
51.1
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148.125
78.125
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9.25
63.50
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76.
43.875
25
51.35
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Baſalt Lir
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54.125
234.—
5.875
2
47.25
16.5
43.25
57.
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Frankfurter Kursbericht vom 28. April 1931.
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Darmſtadt v. 26
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8% Frankfurt a.M
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26 Mannheim v. 2‟
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Nürnberg. . ..
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Zreuß. Lds.
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Heſſen Goldobl.
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Berl. Hyp.Bk.
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Pfbr.-
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60 Daimler=Ben
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8% Voigt &Häffner
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Seite 14
Mittwoch, den 29. April 1931
Nummer 118
2
Heute leizter Taz
Die beliebten Lustspieldarsteller
Dina Gralla und
Georg Alexander
in dem galanten Abenteuer
Der
Liebes-Expreß
(8 Tage Glück)
Die von Temperament überspradelnde
Dina Gralla, der beliebte Georg
Alexander u. der bekannte
Rund-
funktenor Toseph Schmidt sind
die Träger der Hauptrollen des neuen,
unter der Regie Robert Wienes
entstandenen Tonfilms.
Das herrliche Venedig gibt demselben
den passenden Rahmen.
Dazu das reichhaltige Beiprogramm.
Jugendliche haben Zutritt.
Beginn: 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr
Des großen Erfolges
wegen
und vielfachen Wünschen
entsprechend
bleibt
der neueste
Harold Lloyd-Film
Haroi,
aei Pracheniier
noch heute
auf dem Spielplan.
Dazu das gute Beiprogramm.
Hente und fofgende Tage
Jenny Jugo
und Fritz Schulz
in der reizenden Tonfilm-Humoreske
Kopfüber
ins Glück
Regie: Hans Steinhoff.
Musik von Walter Kollo.
Weitere Hauptdarsteller:
Alexa Engström, Truus van Alten,
Szöke Szakall. Austin Egen
und Kurt Lilien.
Schmissige Schlager von Fritz Schulz
u. Austin Egen gesungen, glänzende
Darstellung und eine meisterhafte
Regie geben dem lustigen Werk eine
besondere Note.
V. 66.47
Dazu
das gute Beiprogramm.
Beginn: 3.45, 6.00 u. 8.20 Uhr. Beginn: 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr.
Historischer Verein
Sonntag, den 3. Mai
AusFlag
nach Philippseich und
Dreieichenhain. sios
Abfahrt in Kraftwagen 1 Uhr vom
Landes-
museum aus. Anmeldung (Fahrpreis 1.90)
bis Freitag. 1. Mai, 12 Uhr, unbedingt
er-
forderlich — Unangemeldete Nachzügler
haben keine Sicherheit mitzukommen. —
In Dreieichenhain: Besuch des
Burgfest-
spiels: „Die Geiseln auf der Bufg Hayn”.
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6694
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Nichtmitglieder machen ſich und ihre Anſtiſter durch Einkauf in unſeren Verteilungsſtellen nach
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Nummer 118
Mittwoch, den 29. April 1931
Seite 15
9)
Sawia seind anttstt.
Roman von Alexandra von Boſſe.
Mit beiden Händen machte Flavia eine vage, hilfloſe
Ge=
kErde. „Ich weiß es nicht! Wie ſoll ich es wiſſen, ob ich den
2Kann lieben werde, den ich als Jüngling geliebt habe?"
„Nicht mehr — nicht mehr!” rief Oreſte. „Denn mich liebſt
der jetzt, Flavia! Mich liebſt du! Warum willſt du es mir nicht
zurgeſtehen, mir, der dich ſo über alles liebt? Mein Leben
ge=
hört dir! Flavia, warum haſt du dich mir nicht früher
anver=
trut, ſchon längſt hätten wir die Gewißheit, daß er, den du
henziſt zu lieben glaubteſt, nicht mehr iſt, und daß du frei biſt, frei
mich zu lieben.”
Er ſtürzte vor ihr nieder, ergriff ihre Hand und bedeckte ſie
nät glühenden Küſſen. Sie wehrte ihm nicht, ſtrich mit der
eien Hand ſanft über ſein Haar, ihn zu beruhigen; dann fagte
ſi bittend und überredend?
„Lieber, lieber Oreſte, habe Geduld. Willſt du, daß ich
dwreue, dir vertraut zu haben?“
„Nein — nein!“
„Willſt du, daß ich die Zuflucht, die du mir im Hauſe deiner
Ymitter angeboten haſt, annehme?"
„Das ſollſt du!”
Dann darf von Liebe zwiſchen uns nicht die Rede ſein, Oreſte.
Nocht eher, als bis du mir die Gewißheit verſchaffſt, daß Richard
2roſten — nicht mehr lebt.
Oreſte ſprang auf, bezwang gewaltſam die Gefühle der
Lei=
ſeriſchaft, die in ihm tobten, und hob wie zum Schwun die
dund:
„Ich werde es! Nicht eher werde ich ruhen, bis ich dir dieſe
hkwißheit bringen kann. Und du ſollſt bis dahin mit mir
zu=
reden ſein, Flavia. Dein Diener, dein Sklave will ich ſein
i: dahin, bis ich dir endlich der Geliebte ſein darf.”
Zur Bekräftigung ſeiner Worte ſchlug er ſich mit der Hand
u8 Herz. Und Flavia reichte ihm die ihre, die er nochmals
n die Lippen führen durfte.
Nun beſprachen ſie in aller Ruhe, wie Flavia ihre Entfer=
Auig aus Villa Valcena unbemerkt ausführen wollte. Sie hatte
giür ſchon einen vollſtändigen Plan gemacht. Sie wollte
zu=
ächſt nach Tuseulano, ſich dort verbergen. In Tusculano lebte
hie Amme, Antonietta Favella, als Wirtin einer außerhalb des
dikes gelegenen Trattorie. Sie war Ginos Mutter, deren
jüng=
e:: Söhnchen der Knabe war. Sie war ihr, Flavia, bis in den
uw ergeben und liebte ſie, als ſei ſie ihr eigenes Kind. Der
enne Gino ſollte nun zwei kleine Koffer, in denen ſie das
Not=
henidigſte mitnehmen mußte, zu ſeiner Mutter nach Tusculano
riunigen. Er konnte das auf einem Maultier, das er ſich von
nem in Frascati lebenden Vetter leihen würde. Der Bub
ſar ihr durchaus ergeben, gleich ſeiner Mutter, und ſie konnte
ui ſeine Verſchwiegenheit rechnen. Am folgenden Tage wollte
e, nur von Gino begleitet, ausreiten. Er allein ſollte ſie bis
uSculano begleiten und dann Bluebird wieder nach Valcena
tüüicknehmen. Auf Befragen ſollte er dann ausſagen, ſie habe
Copyright 1930 by Karl Köhler u. Co., Berlin=Zehlendorf.
(Nachdruck verboten.)
ihn in der Campagna, an einer kleinen Bahnſtation, entlaſſen
und mit Bluebird nach Hauſe geſchickt.
In Tusculano wollte Flavia bleiben, bis Oreſte von ſeiner
Mutter Nachricht erhielt, daß ſie — Flavig — ihr als Gaſt
will=
kommen ſein würde. Ohne dieſe vorherige Zuſtimmung wollte
ſie die Gaſtfreundſchaft der alten Dame nicht in Anſpruch
neh=
men. War dieſe Zuſtimmung da, wollte ſie allein in die Domagna
reiſen, während Oreſte noch in Valcena bleiben ſollte, damit
nie=
iand auf den Gedanken kommen konnte, daß ſie bei ſeiner
Mut=
ter Zuflucht gefunden hatte. Oreſte mußte deshalb Unkenntnis
über das Ziel ihrer Flucht heucheln.
Obgleich es Oreſte lieber geweſen wäre, Flavia auf ihrer
Flucht zu begleiten und ſie perſönlich zu ſeiner Mutter zu
brin=
gen, mußte er doch ihrem Plan zuſtimmen. Nur wenn der Ort
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ihrer Zuflucht den Ihrigen unbekannt blieb, würde ſie dort vor
der Verfolgung durch ihren Vater ſicher ſein. Marcheſe Roccaferri
hatte zwar Flavia ſelbſt vor die ſchwere Wahl geſtellt, entweder
ſich ſeinem Willen zu fügen oder Valcena zu verlaſſen, doch war
es vorauszuſehen, daß er über ihre Flucht in äußerſte Wut
ge=
raten würde. Sicherlich würde er alles verſuchen, ſie wieder
unter ſeine Gewalt zu bringen, um doch noch ſeinen Willen
durchzuſetzen. Durch ſeinen Reichttum und ſeine einflußreichen
Verbindungen in Rom war auch Tocelli imſtande, ihm wirkſam
dabei zu helfen. Und es gab dann in Italien noch Klöſter genug,
in denen ein Vater die widerſpenſtige Tochter verſchwinden laſſen
konnte, um ſie ſo lange der Freiheit zu berauben, bis ſie
ge=
fügig wurde.
4. Kapitel.
Flavias und Oreſtes Verlobung.
Wie Oreſte es vorausgeſehen, war der Marcheſe Roccaferri
außer ſich vor Wut, als Flavias Flucht entdeckt wurde. Flavia
war eines Morgens, zwei Tage vor der ihr geſtellten Friſt, ſchon
zeitig, nur von Gino begleitet, ausgeritten. Gegen zehn Uhr
kam Gino allein zurück und führte Bluebird an der Hand.
Wo war Flavia?
Gino war ein ſchlauer kleiner Kerl, er ſtellte ſich dumm. Die
Marcheſina ſei an einer kleinen Station der Bahnlinie Frascati—
Rom vom Pferde geſtiegen und habe ihm befohlen, nach Hauſe
zu reiten. Weiter wollte er nichts wiſſen. Auf alle Fragen
antwortete er immer nur dasſelbe. Von den beiden kleinen
Koffern, die er zwei Abende zuvor auf dem Maultier, das er
von ſeinem Vetter entliehen, nach Tusculano gebracht, verriet
er nichts. Niemand als er und ſeine Mutter wußten etwas
davon.
Marcheſe Roccaferri tobte, es halft ihm aber nichts.
Nie=
mand wagte es, ihn daran zu erinnern, daß er ſelbſt Flavia vor
ein Entweder=Oder geſtellt, und dieſe weiter nichts getan, als
das Oder zu wählen. Er wollte ſie durch die Polizei ſuchen
und gewaltſam zurückbringen laſſen. In ein Kloſter wollte er ſie
ſperren, die mißratene Kreatur, ſobald er ſich ihrer wieder
be=
mächtigt haben würde.
Niemand vermutete, daß Oreſte in alle Umſtände von Flavias
Flucht eingeweiht ſein könnte. Er ſchien darüber genau ſo
über=
raſcht zu ſein wie alle anderen. Er blieb weiter in Valcena.
Ohne lebhaftes Intereſſe zu zeigen, riet er dem Marcheſe doch ab,
Flavia durch Detektive ſuchen zu laſſen. Dadurch woürde die
Sache nur zu einem Skandal aufgebauſcht werden. Sehr bald
würde Flavias Flucht dann, ſenfationell ausgeſchmückt, in allen
Zeitungen Roms und Turins lange Spalten füllen. Die
Detek=
tive ſtünden immer mit den Zeitungen in Verbindung, lieferten
dieſen allerlei gewünſchte Berichte, ihrer Verſicherung, Diskretion
zu bewahren, zum Trotz. Sie würden gut dafür bezahlt.
Da=
gegen ſei anzunehmen, daß Flavia gar nicht beabſichtige, ihren
Züfluchtsort geheim zu halten. Wahrſcheinlich werde ſie in
eini=
gen Tagen Nachricht geben.
Tocelli, der ebenfalls wütend war, gab Bronchi recht. Er
wollte nicht, daß bekannt wurde, Flavia habe ſich durch Flucht
aus dem Elternhauſe einer Heirat mit ihm — dem reichen
Tocelli — entzogen. Er verdächtigte Ariſtide Rodella, der einige
Tage zuvor Valcena verlaſſen hatte. Wahrſcheinlich habe ſich
Flavia im Einverſtändnis mit Rodella befunden, der ſie auf der
kleinen Station in der Campagna erwartet. Flavia und Ariſtide
Rodella hätten ſie alle getäuſcht, indem ſie gegeneinander
Gleich=
gültigkeit geheuchelt.
Oreſte ſtimmte dieſer Vermutung Tocellis nicht zu. Er
deu=
tete an, daß Flavia ſich wohl bei Bekannten in Rom befinden
würde. Von der Zeit her, da ſie Gaſt bei ihrer Tante, der
Grä=
fin Corſano, geweſen, habe ſie gute Freunde in Rom, mit denen
ſie wohl weiter in Verbindung geblieben ſei.
Niemand kam auf den Gedanken, Flavia könnte bei Bronchis
Mutter Zuflucht geſucht haben, gerade weil Oreſte weiter in
Val=
cena blieb. Auch nicht, als er einige Tage ſpäter einen Brief
von ſeiner Mutter erhielt und nun abreiſte. Das war nicht
auf=
fallend. Für Oreſte mußte Valcena allen Reiz verloren haben,
ſeit Flavia nicht mehr da war. Wenige Zeit ſpäter erfuhr
Rocca=
ferri, Oreſte Bronchi ſei nach Deutſchland gereiſt. Hätte der
Marcheſe nur den geringſten Verdacht gehabt, daß Bronchi
Flavia bei ihrer Flucht geholfen hatte und Kenntnis davon habe,
wo ſich ſich befinde, ſo war ihm dieſe Reiſe Bronchis nach
Deutſch=
land ein Gegenbeweis. Es fiel ihm darum gar nicht ein, etwa in
Caſtello Raſano anzufragen, ob Flavia ſich dort befinde, oder
da=
nach forſchen zu laſſen. Da Flavia ſich bei keinem ſeiner
Ver=
wandten befand, ſuchte er in Rom. Er machte mit Hilfe Tocellis
alle früheren Bekannten der verſtorbenen Gräfin Corſano
aus=
findig, aber vergebens. Flavia blieb ſpurlos verſchwunden.
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