Darmstädter Tagblatt 1931


19. April 1931

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Einzelnummer 15 Pfennige

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Frankfurt a. M. 1304.

Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landesbauptſtadt
Wöchentliche iAuſkrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämticher mit * verſehenen Original=Aluffätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe Darmſt. Tagbl. geſiattet.
Nummer 108
Sonntag, den 19. April 1931.
194. Jahrgang

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aufträge
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Konkurs oder gerichtlicher Beſtreibung ſälli ſeder
Nabatt weg. Bankionto Deutſche Bank und Darm=
(ädter und Natſonalbani.

verſteift ſich Briand auf ſein Gegenproiekt mit dem Hinkergedanken, die praktiſche Durchführung
der Zollunion zu vereikeln. Wirtſchaffliche Unvernunft in Frankreich.

Eine bemerkenswerke Feſtſtellung
der engliſchen Kronjuriſten.
London, 18. April.
Wie verlautet, haben die engliſchen Kronjuriſten, die von
Henderſon am 30. März angekündigte Unterſuchung über die Be=
ziehungen
zwiſchen dem deutſch=öſterreichiſchen Zollabkommen
und den beſtehenden Verträgen im Genfer Protokoll vom Jahre
1922, zum Abſchluß gebracht.
In einer Denkſchrift ſollen die Kronjuriſten feſtgeſtellt haben,
daß der Vertrag nicht gegen die beſtehenden anderweitigen inter=
nationalen
Abmachungen verſtößt.
Deutſchland hälk an der Zollunion ſeſt.
Berlin, 18. April.
Wie von zuſtändiger Stelle mitgeteilt wird, hat die deutſche
Megierung bislang von franzöſiſcher Seite keinerlei Andeutungen
füber den Inhalt des Briandſchen Gegenplanes erhalten. Die in
werſchiedenen Blättern verbreiteten Behauptungen, der Briandſche
PPlan habe in Deutſchland, und insbeſondere bei Außenminiſter
Nurtius ſtarke Beſorgniſſe aufkommen laſſen, werden als völlig
werfehlt bezeichnet. Deutſchland begrüße jede von der anderen
Seite entfaltete Aktivität, die zu poſitiven Ergebniſſen führen
ſkönne. Jeder Gegenplan werde ſelbſtverſtändlich auf ſeine
DDurchführbarkeit hin von deutſcher Seite geprüft werden. Trotz=
wem
laſſe ſich Deutſchland in keiner Weiſe von dem Plan einer
weutſch=öſterreichiſchen Zollunion abbringen.

Briands Pläne
gegen die Zollunion.

Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 18. April.
Die Auseinderſetzung über die Zollunion
ſſo wird hier behauptet wird in der Hauptſache
n der Studienkommiſſion des paneuropä=
ſchen
Comités vor ſich gehen. In Paris
verbreitet man jetzt eine optimiſtiſchere Auffaſſung über die
Ausſichten einer Einigung. Briand wird dieſem Comité, das
um 15. Mai ſeine Arbeit beginnt, ſein vielbeſprochenes und doch
ſo geheimnisvollen Gegenprojekt unterbreiten.
Das paneuropäiſche Comité eignet ſich durch ſeinen elaſtiſchen
lund unſicheren Charakter eher zu den Verhandlungen als der
Völkerbund ſelbſt. Das franzöſiſche Projekt ſoll, wie aus den
Rreiſen, die dem franzöſiſchen Außenminiſter naheſtehen, ver=
autet
, eine ſehr geeignete Verhandlungsbaſis darſtellen. Und
wie franzöſiſche Preſſe behauptet, daß es als Gegenprojekt gegen
Die Zellunion ſehr ernſthaft in Frage kommen kann.
Eine Reihe von europäiſchen Mächten, darunter England und
IItalien, billigten, wie die franzöſiſche Preſſe behauptet, die fran=
zröſiſchen
Vorſchläge und würden an ihnen ernſthaft mitarbeiten.
Man erblickt hier darin bereits ein ſehr günſtiges Zeichen.
Das andere günſtige Zeichen, das man für das Projekt
Briands aufführt, ſoll die Haltung Oeſterreichs ſein.
Angeblich iſt Wien unter dem Druck der fran=
öſiſchen
Diplomatie eher zu Konzeſſionen be=
reit
als Berlin. Ueber die Pläne Briands ſelbſt ſind
vorläufig nur Mutmaßungen erlaubt. Es iſt aber ſehr wahr=
ſcheinlich
, daß die finanzielle Aktion Frankreichs
und die Reviſion der franzöſiſchen Zollpolitik
läe Hauptrolle in ihnen ſpielen wird.
In dieſer Beziehung iſt es intereſſant zu erwähnen, daß die
Feiſe Montagu Normans, des Gouverneurs der Bank von Eng=
land
, hier ziemlich hämiſche Kommentare erhielt. Die fran=
jSſiſche
Preſſe hebt hervor, daß die finanzielle Neuorga=
tiſierung
Europas nicht unter engliſcher Füh=
tung
erfolgen kann, wenn Frankreich und Amerika
die Geldgeber ſein ſollen. Uebrigens ſoll Montagu
Norman enttäuſcht von ſeinen Verhandlungen in den Vereinigten
Staaten ſein.
Die Reviſion der franzöſiſchen Zollpolitik
lann von prinzipiellem Standpunkt nur den Verzicht auf
das Prinzip der Meiſtbegünſtigung ſein. In der
Praxis ſollte Frankreich als Käufer für Agrarpro=
dukte
im europäiſchen Südoſten und in Polen auf=
teten
. Die praktiſchen Ausmaße einer ſolchen franzöſiſchen
Aktion wären aber ſehr ſchwer abzuſchätzen. Denn Frank=
keich
braucht erſtens überhaupt keine großen
Mengen fremder Agrarprodukte, zweitens muß jede
anzöſiſche Regierung auf die franzöſiſchen Agrarier Rückſicht
nehmen. An ſolchen Rückſichten leiſtete man bis jetzt ſehr viel,
ſegar die Kolonien bekamen es zu fühlen.
Frankreich läßt es ſich was koſten.
Paris, 18. April.
Unter dem Vorſitz von Miniſterpräſident Laval fand heute
eine Beſprechung über das öſterreichiſch=deutſche
Vollproblem und über entſprechende Gegenmaß=
Fahmen ſtatt, an der neben dem Außenminiſter Briand zahl=
feiche
Miniſter, Senatoren und Reſſortchefs teilnahmen.
Dem Matin zufolge ſoll der Briandſche Plan zur Verhin=
derung
des deutſch=öſterreichiſchen Zollabkommens unter anderem
een Ankauf von etwa 56 Millionen Zentnern Getreide, durch

Frankreich vorſehen, eine Menge, für die Frankreich beſtimmt nicht
den geringſten Bedarf hat. Ferner ſoll ihnen ſofort eine gewiſſe
finanzielle Unterſtützung gewährt werden, um die notwendigen
Kredite für den Verkauf des Getreideüberſchuſſes zu ſchaffen.
* In ſeiner Verblendung gegenüber allem, was nur irgend=
wie
mit Deutſchland zuſammenhängt, geht Frankreich einen fal=
ſchen
Weg, den Weg wirtſchaftlicher Unvernunft. Die franzöſiſche
Regierung wird niemals in der Lage ſein, auch nur eine Tonne
oſteuropäiſches Getreide für franzöſiſche Rechnung zu kaufen, ohne
Störung des wirtſchaftlichen Gleichgewichts Europas. Frankreich,
deſſen Landwirtſchaft ſelbſt mit Abſatzſchwierigkeiten zu kämpfen
hat, hat für dieſes Getreide keinerlei Verwendung, Als Abnehmer
kommt nur Deutſchland in Frage, das man zur Abnahme des oſt=
europäiſchen
Getreideüberſchuſſes nicht zwingen kann. Es bleibt
nur der Weg der Verſtändigung, wie ihn Deutſchland und Oeſter=
reich
mit der Zollunion beſchritten haben. Das Dazwiſchenfunken
Frankreichs, das ſeinen tieferen Grund in den Beſorgniſſen der
Franzoſen um ihre Hegemonieſtellung und in der Angſtpſychoſe vor
einem Wiedererſtarken Deutſchlands hat, kann dieſe Entwicklung
wohl zeitweilig ſtören, aber nicht auf die Dauer aufhalten. Europa
muß einmal zur Vernunft kommen, wenn nicht mit, dann eben
ohne Frankreich. Frankreich iſt auf dem beſten Wege dazu.
Briands Projekt nur eine Drohung?
Zu den Veröffentlichungen des Matin über den Briandſchen
Zollplan ſagt der Daily Herald, daß man in engliſchen
Kreiſen nichts von derartigen Abſichten wiſſe.
Der engliſchen Regierung ſeien auch keinerlei Andeutungen ge=
macht
worden. Sollte der Plan zuſtande kommen, ſo würden ſich
zwei große Zollverbände in Mitteleuropa gegenüberſtehen. Un=
garn
zwiſchen ihnen eingepreßt, müſſe ſich unweigerlich für den
einen oder anderen entſcheiden. Dann entſtehe die Frage, ob die
weitere Entwicklung zu einem Zuſammenſchluß der bei=
den
Gruppen oder zu einem Kampf zwiſchen ihnen
oder zu weiteren Schritten in der Richtung auf einen europäiſchen
Zollverein führen werde. Es gebe mehrere Möglichkeiten. Es ſei
aber auch möglich, daß Briand Plan gar nicht ernſt ge=
meint
, ſondern nur eine Drohung ſei, um Oeſter=
reich
einzuſchüchtern und es in letzter Minute von
der Unterzeichnung des Zollabkommens mit
Deutſchland abzuhalten.

In Prag iſt man ſkepliſch.

Der von der Preſſe wiedergegebene Plan Briands eines ge=
ſamteuropäiſchen
Abkommens, über den Bezug europäiſcher land=
wirtſchaftlicher
Produkte wird von der Narodny Politika ſkep=
tiſch
beurteilt. In Genf werde nur darüber verhandelt werden,
welcher der beiden Pläne, das deutſch=öſterreichiſche Zollanglei=
chungsabkommen
oder der Briandſche Plan, leichter durchführbar
ſei. Das Ergebnis der Zollkonferenz gebe zu der Verwirklichung
des Briand=Planes wenig Hoffnung, auch wenn man zugeben
müſſe, daß ſich ſeither unter dem Druck des deutſch=öſterreichiſchen
Zollprojektes die Verhältniſſe, ſehr geändert haben. Das wahr=
ſcheinliche
Ergebnis werde ſein, daß zu der Spaltung Europas in
politiſche, auch eine ſolche in wirtſchaftliche Staatenblocks hinzu=
kommen
werde.
Zurückhalkung Ungarns
gegenüber den franzöſiſchen Oſteuropa=Plänen.
Zu der franzöſiſchen Meldung, als ob Ungarn ſeinen Beitritt
zu der von der franzöſiſchen Regierung geplanten oſteuropäiſchen
Agrarunion angekündigt hätte, wird von zuſtändiger ungariſcher
Seite feſtgeſtellt, daß dieſes Gerücht der Wahrheit nicht entſpricht.
Ungarn habe ſich noch nicht geäußert, ob und unter welchen Be=
dingungen
es ſich irgendeiner Zollunion anſchließen würde. Tat=
ſache
iſt, daß die ungariſche Regierung auf eine Anfrage der
franzöſiſchen Regierung die Antwort erteilte, ſie nehme gegen=
über
der deutſch=öſterreichiſchen Zollunion vorläufig einen abwar=
tenden
Standpunkt ein. Auf eine weitere Anfrage der franzö=
ſiſchen
Regierung, wie eine von franzöſiſcher Seite herrührende
wirtſchaftliche Kombination von Ungarn aufgenommen würde,
erklärte die ungariſche Regierung, ſie werde dabei in erſter Reihe
die wirtſchaftlichen Intereſſen des Landes im Auge haben und
ihre Stellungnahme von dieſen beſtimmen laſſen.
Der öſterreichiſche Innenminiſter
über die Nolwendigkeit der Zollunion.
Der öſterreichiſche Innenminiſter Winkler hat in einer Ver=
ſammlung
des Niederöſterreichiſchen Gewerbevereins über die
Handelsverträge und die Zollunion geſprochen. Er ſagte u. a.
die Vorbereitungen zur Zollunion mit Deutſchlaud hätten zwar
in der öſterreichiſchen Oeffentlichkeit freudigen Widerhall gefun=
den
, aber einzelne Wirtſchaftszweige hätten in ſichtbarem Egois=
mus
Widerſtand gezeigt. Man müſſe jedoch nachdrücklichſt be=
tonen
, daß die Feſſeln der öſterreichiſchen Wirtſchaft geſprengt
werden müſſen, weil der Völkerbund keinerlei Ausweg aus der
Wirtſchaftsnot gezeigt habe, der praktiſch zum Ziele führe und
weil das Gerede von Paneuropa lediglich auf dem Papier lebe.
Die Mauern zwiſchen den beiden deutſchen Staaten müßten nie=
dergeriſſen
werden. Kleinliche Rückſichten müßten zurücktreten,
und Oeſterreich müſſe durch aktives Eingreifen die Hinderniſſe
beſeitigen, weil es ſonſt weder leben noch ſterben könne. Der
wirtſchaftliche Zuſammenſchluß von 70 Millionen Menſchen werde
für alle Völker befruchtend wirken und die größte Tat der Nach=
kriegszeit
ſein. Beſorgniſſe einzelner öſterreichiſcher Induſtrie=
zweige
ſeien unbegründet, da Deutſchland einſeitig zu ihrem
Schutz Zwiſchenzölle bewilligt habe.

*Die Woche.
Eine der älteſten europäiſchen Dynaſtien iſt gleichſam über
Nacht gefallen. Die ſpaniſchen Gemeinderatswahlen haben eine
ſo ſtarke republikaniſche Mehrheit ergeben, daß der König glaubte,
der Volkesſtimmung weichen zu ſollen. Ob er recht damit ge=
tan
, dafür trägt er allein, vor ſich ſelbſt und vor der Geſchichte
die Verantwortung. Volksgunſt iſt wandelbar, auch in Spanien.
Und ſo wäre es wohl immerhin denkbar geweſen, daß ein Aus=
harren
des ritterlichen Königs alsbald eine andere Wendung
gebracht hätte. Verſtändlich, daß die ſpaniſche Revolution in
ganz Europa ungeheueres Aufſehen erregte. Aber man ſollte in
Deutſchland trotzdem nicht vergeſſen, daß die jetzt erfolgte Aen=
derung
der Staatsform in Spanien lediglich eine Angelegenheit
des ſpaniſchen Volkes iſt, zu dem wir ſeit vielen Jahrzehnten
in den freundſchaftlichſten Beziehungen ſtehen. Höchſt unan=
gebracht
ſind gute Ratſchläge; höchſt unangebracht auch eine
Parteinahme für Monarchie oder Republik, und es iſt höchſtlich
bedauerlich, daß unſere doktrinären Republikaner wieder ein=
mal
glaubten die Gelegenheit benutzen zu müſſen, um über den
Siegeszug des republikaniſchen Gedankens zu triumphieren.
Man hat offenbar ganz vergeſſen, daß König Alfons es war, der
den Eintritt Spaniens in den Weltkrieg auf Seiten unſerer
Gegner verhinderte aus Freude darüber, daß wieder einmal
die beſte aller Staatsformen, die Staatsform der mündigen
Völker geſiegt hat. Dabei ſollte man doch eigentlich aus der
Geſchichte gelernt haben, daß es eine abſolut gute oder abſolut
ſchlechte Staatsform nicht gibt, ſondern daß jede Staatsform
gut oder ſchlecht ſein kann, je nachdem, ob ſie den jewei=
ligen
Verhältniſſen eines Volkes entſpricht.
In innerpolitiſche Verhältniſſe eines befteundeten Volkes
haben wir nicht hineinzureden. Wohl aber haben wir das
Recht, uns mit den außenpolitiſchen Rückwirkungen dieſer Ent=
wicklung
zu befaſſen, und wenn wir die jetzige ſpaniſche Revo=
lution
von dieſem Geſichtspunkt aus betrachten, ſo haben wir
Deutſche keinerlei Veranlaſſung zu beſonderer Freude. Es iſt
bekannt, daß die ſozialiſtiſchen Kreiſe Spaniens von jeher recht:
gute Beziehungen zu ihren Pariſer Geſinnungsfreunden unter=
halten
haben. Aber auch ganz abgeſehen davon bedeutet die
ſpaniſche Staatsumwälzung unzweifelhaft eine erhebliche Schwä=
chung
der Stellung Spaniens auf geraume Zeit hinaus. Eine
Schwächung Spaniens aber bedeutet logiſcher Weiſe eine Stär=
kung
der franzöſiſchen Stellung im Mittelmeer und damit eine
nicht unerhebliche Stärkung der außenpolitiſchen Poſition Frank=
reichs
überhaupt. Daran aber haben wir Deutſche ganz gewiß
kein Intereſſe. Nicht aus irgendwelchen Gefühlsgründen, nicht
etwa weil wir in Frankreich den Erbfeind ſähen, mit dem wir
uns über kurz oder lang auseinander zu ſetzen haben. Vorläufig.
liegen eben die Dinge immer noch ſo, daß jede Stärkung der
franzöſiſchen Stellung gleichzeitig eine Hemmung für den Ge=
danken
einer deutſch=franzöſiſchen Verſtändigung bedeutet. Ein
großer Teil des franzöſiſchen Volkes träumt auch heute noch von
einer Hegemonie Frankreichs in Europa, und nur durch den
Zwang der Verhältniſſe werden dieſe Kreiſe zu belehren ſein.
Gerade wenn man eine weitgehende deutſch=franzöſiſche Verſtän=
digung
auf der Grundlage völliger Gleichberech=
tigung
für unerläßlich im Intereſſe beider Völker hält, ſollte
man ſich in dieſer Beziehung keinerlei Illuſionen hingeben. Im
übrigen ſpricht ja auch der Widerſtand der Franzoſen gegen die
geplante deutſch=öſterreichiſche Zollunion eine nur allzu deutliche
Sprache. Der Gedanke, daß das deutſche Reich ſich allmählich aus
der Umklammerung befreien könnte, in der es ſeit 1919 faſt er=
ſtickt
, iſt für gewiſſe franzöſiſche Kreiſe, deren Bedeutung wir
gewiß nicht unterſchätzen wollen, auch heute noch faſt unerträg=
lich
, und ſo hat Herr Briand, der paneuropäiſche Friedensengel,
die Hände nicht in den Schoß gelegt, und alles daran geſetzt,
den Verſuch, friedlich=wirtſchaftlicher Annäherung der Völker,
wieder anzubahnen, wenn möglich bereits im Keim zu erſticken.
Man glaubt am Quai d’Orſay offenbar ſelbſt nicht mehr recht
daran, daß die geplante deutſch=öſterreichiſche Zollunion im
Widerſpruch zu den beſtehenden Verträgen ſteht, und ſo hat man
einen Plan ausarbeiten laſſen, der angeblich die wirtſchaftlichen
Sorgen, der ſüdoſt=europäiſchen Getreideausfuhrländer beheben
ſoll, in der Hoffnung, daß dieſe Länder kein Intereſſe mehr
daran haben werden, der deutſch=öſterreichiſchen Zollunion bei=
zutreten
, ſobald man ihnen die Märkte für den Abfluß ihres
Getreideüberſchuſſes öffnet. Ob allerdings der franzöſiſche Außen=
miniſter
ſehr viel Glück mit dieſen neuen Plänen haben wird,
muß abgewartet werden, denn auch in den ſüdoſt=europäiſchen
Ländern weiß man ja, daß für eine Aufnahme des vorhandenen
Getreideüberſchuſſes in erſter Linie das Deutſche Reich in Frage
kommt.
Trotzdem wird natürlich die deutſche Regierung auf der
kommenden Tagung des Völkerbundsrates eine recht ſchwierige
Stellung haben. Jedenfalls war es ein geſchickter Schachzug,
daß Dr. Curtius ſich durch ſeinen Antrag, die Entwicklung der
Zollverhältniſſe in Europa auf die Tagesordnung des Europa=
Komitees zu ſetzen, die Möglichkeit geſichert hat, das Scheitern
der Genfer Zollkonferenz, die deutſch=öſterreichiſchen Pläne und
das Problem der Präferenzzölle zur Sprache zu bringen. Es
wäre verfrüht, wenn man jetzt ſchon die Taktik erörtern wollte,
welche die deutſche Regierung in Genf zu verfolgen haben wird.
An der Zeit aber wäre es, daß ſich das deutſche Volk allmählich
auf ſeine Pflichten gegen ſich ſelbſt beſänne. In einer großen
nationalſozialiſtiſchen Verſammlung dieſer Tage wurde von dem
Redner durchaus mit Recht darauf hingewieſen, daß die deutſche
Diplomatie der Vorkriegszeit ganz anders habe auftreken können,
weil hinter ihr die ungebrochene Kraft eines 60=Millionen= Vol=
kes
ſtand. Iſt man nicht überzeugt davon, daß unſere außen=
politiſche
Führung, auch heute, trotz unſerer militäriſchen Ohn=
macht
, erfolgreicher arbeiten könnte, wenn ſich in großen ent=
ſcheidenden
Fragen das geſamte deutſche Volk, ohne Rückſicht auf
Parteizugehörigkeit, geſchloſſen hinter ſie ſtellen würde? Iſt es
nicht heute vielfach ſo, daß man im Stillen beinahe einen Miß=
erfolg
erhofft, nur um damit die eigne Kritik nach Möglichkeit
zu rechtfertigen? Müßten ſich nicht alle, die jenem eben erwähn=
ten
Satz des nationalſozialiſtiſchen Redners ſtürmiſch Beifall
zollten, mitſchuldig fühlen daran, daß das Ausland glaubt, über
deutſche Lebensintereſſen zur Tagesordnung übergehen zu können,
ſo lange ſich das deutſche Volk durch inneren Hader ſelbſt zer=
fleiſcht
? Man ſollte endlich damit aufhören, ſich gegenſeitig zu
beſchimpfen und zu beſchuldigen und ſich anſtatt deſſen ſachlicher

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Seite 2

Sonntag, den 19. April 1931

Nummer 108

Auseinanderſetzung befleißigen. Wenn wir wirklich national
geſinnt ſind, müſſen wir im innerpolitiſchen Gegner nicht den
Feind, ſondern in erſter Linie den Volksgenoſſen ſehen. Unter=
ſchätzen
wir doch nicht leichtfertig den Ernſt unſerer Lage. Die
Geſchichte lehrt uns, daß auch große, reich begabte Völker hoff=
nungslos
zu Grunde gegangen ſind, weil ſie ſich als lebensunfähig
erwieſen. Geben wir uns keinen Illuſionen hin. Es iſt die
M.
allerhöchſte Zeit.
Das deutſch-rufüiſche Induſtriellen=
Abkommen
über zuſähzliche deutſche Lieferungen
nach Sowietrußland.
Berlin, 18. April.
Der Wortlaut des zwiſchen den deutſchen Induſtriellen und
dem Oberſten Volkswirtſchaftsrat der Sowjetunion getroffenen
Abkommens vom 14. April über zuſätzliche deutſche Lieferungen
nach der U.d. S.S.R. wird nunmehr vom Rußlandausſchuß der
deutſchen Wirtſchaft bekannt gegeben. Das Abkommen beſtimmt
unter anderem:
1. Zum Zwecke der Erweiterung des deutſch=ſowjetiſtiſchen
Handels erteilt der Oberſte Volkswirtſchaftsrat der U. d. S. S. R. an
deutſche Firmen im Zeitraum vom 15. April bis 31. Auguſt 1931
über den Rahmen des bisherigen Geſchäftsumfanges hinaus=
gehende
Lieferungsaufträge im Geſamtwerte von ungefähr 300
Mill. RM. Dieſe Aufträge werden unter den Bedingungen der
vorliegenden Vereinbarung erteilt.
2. Die auf Grund dieſer Vereinbarung erteilten Beſtellungen
ſollen in ſpezifizierter Form an die Lieferfirmen bis 31. Aug. 1931
übergeben werden.
3. Die Handelsvertretung der U. d. S. S. R. in Deutſchland über=
nimmt
dabei für die abgeſchloſſenen Lieferverträge die Mithaf=
tung
bzw. Garantie.
4. Für die Beſtellungen, die auf Grund der vorliegenden Ver=
einbarung
bis zum 31. Auguſt erteilt werden, gelten folgende Be=
dingungen
:
1. Kredik- und Zahlungsbedingungen.
a) Für Beſtellungen, für welche im bisherigen Geſchäft 12 Mo=
nate
Kredit eingeräumt wurden:
20 Prozent Anzahlung bei Beſtellung in Wechſeln mit einer
Laufzeit von: Lieferzeit plus 13 Monate;
55 Prozent bei Ablieferung in Wechſeln mit einer Laufzeit
von 13 Monaten;
25 Prozent bei Ablieferung in Wechſeln mit einer Laufzeit
von 17 Monaten,
Durchſchnittskredit alſo 14 Monate.
h) Für Beſtellungen, für welche im bisherigen Geſchäft 18
Monate Kredit eingeräumt werden:
20 Prozent Anzahlung bei Beſtellung in Wechſeln mit einer
Laufzeit von: Lieferzeit plus 20 Monate;
55 Prozent bei Ablieferung in Wechſeln mit einer Laufzeit
von 20 Monaten;
25 Prozent bei Ablieferung in Wechſeln mit einer Laufzeit
von 24 Monaten.
Durchſchnittskredit alſo 21 Monate.
c) Für Beſtellungen, für welche im bisherigen Geſchäft 24 Mo=
nate
Kredit eingeräumt wurden:
20 Prozent Anzahlung bei Beſtellung in Wechſeln mit einer
Laufzeit von: Lieferzeit plus 27 Monate;
50 Prozent bei Ablieferung in Wechſeln mit einer Laufzeit
von 27 Monaten;
30 Prozent bei Ablieferung in Wechſeln mit einer Laufzeit
von 33 Monaten.
Durchſchnittskredit alſo 28,8 Monate.
2. Zinſen.
Die Zinſen ſind vierteljährlich abzurechnen und zu bezahlen
in bar oder in einem Sechs=Monatsakzept nach Wahl des Be=
ſtellers
.
Für ſämtliche in Zahlung gegebenen Akzepte vergütet der Be=
ſteller
Zinſen in Höhe von 2 Prozent über den deutſchen Reichs=
bankdiskont
; Anzahlungsakzepte bleiben für die erſten drei Mo=
nate
der Laufzeit zinsfrei.
5. Die Abrechnungen ſind zu den vertraglich feſtgeſetzten Fri=
ſten
vorzunehmen und die Akzepte auszuhändigen.
6. Falls bei Inkrafttreten dieſes Abkommens noch laufende
Rahmenverträge Verpflichtungen auf Beſtellungen in einer be=
ſtimmten
Höhe und zu beſtimmten Bedingungen enthalten, ſo wer=
den
dieſe Verpflichtungen und Bedingungen durch die vorliegende
Vereinbarung nicht berührt.

Vom Tage.

Reichsbankpräſident Dr. Luther iſt in Badenweiler eingetrof=
fen
. Er wird mit Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußen=
miniſter
Dr. Curtius, die ſich beide zurzeit ebenfalls in Baden=
weiler
aufhalten, eine Beſprechung haben und dann nach Baſel
weiterfahren.
Ein Erlaß des öſterreichiſchen Landwirtſchaftsminiſters Doll=
fus
, der unter Berufung auf veterinäre Vorſchriften die Einfuhr
von Eiern aus Rußland verhindern will, hat in öſterreichiſchen
Induſtriekreiſen lebhafte Beunruhigung hervorgerufen, da man
Gegenmaßnahmen der ruſſiſchen Regierung gegen die Einfuhr
öſterrreichiſcher Erzeugniſſe nach Rußland befürchtet.
Noch vor der Tagung des Völkerbunds wird in Bukareſt eine
Konferenz der Staaten der kleinen Entente ſtattfinden, in der die
Außenminiſter der drei Staaten Richtlinien für das Vorgehen
der Kleinen Entente hinſichtlich des öſterreichiſch=deutſchen Zoll=
planes
aufſtellen werden.
Der Quai d’Orſay gibt amtlich bekannt, daß Frankreich die
neue ſpaniſche Regierung de jour anerkannt habe.
Zum Nachfolger des Botſchafters Quinones de Leon als Ver=
treter
Spaniens im Völkerbund iſt Außenminiſter Lerroux aus=
erſehen
worden.
Die portugieſiſche Regierung hat den Aufſtändiſchen auf den
Azoren ein Ultimatum geſtellt. Wenn ſie ſich nicht ſofort ergeben
würden, würden ſie mit Gewalt dazu gezwungen werden. Die
Regierungstruppen haben bereits Vorbereitungen zum Angriff
genommen.
Der bisherige Vizekönig von Indien, Lord Irwin. hat geſtern
im Begleitung ſeiner Gattin und Tochter die Heimreiſe nach Eng=
land
angetreten. Zwei Stunden nach der Abfahrt Lord Irwins
wurde der neue Vizekönig, Lord Willingdon, in der großen Halle
der Bombayer Univerſität vereidigt. Den Eid nahm der Prä=
ſident
des Oberſten Gerichtshofes von Bombay entgegen. Ein
Salut von 31 Schüſſen verkündete darauf der Bevölkerung, daß
der neue Vizekönig ſein Amt angetreten hatte.

. Alle Verträge, die von der Handelsvertretung der
U. d. S. S. R. in Deutſchland bereits unterzeichnet worden ſind, er=
fahren
keine Veränderung im Zuſammenang mit der vorliegenden
Vereinbarung. Alle Verträge, die nach dem Inkrafttreten dieſer
Vereinbarung abgeſchloſſen werden, unterliegen der Wirkſamkeit
dieſer Vereinbarung.
8. und 9. Der Oberſte Volkswirtſchaftsrat der U. d. S. S. R. be=
hält
ſich volle Freiheit in der Firmenauswahl bei der Erteilung
der Beſtellungen vor.
10. Die Handelsvertretung der U.d. S.S.R. wird alsbald mit
den zuſtändigen deutſchen Wirtſchaftsorganiſationen in Verhand=
lungen
über eine Neuregelung der allgemeinen Lieferungsbedin=
gungen
vom 9. Februar 1927, insbeſondere auch der Abnahme= und
Montagebedingungen, eintreten.
Schaffung einer inkernakionalen Agrarkreditbank.
EP. Genf, 18. April.
Die Agrarkreditfrage wird einen Sonderausſchuß des Völ=
kerbundes
beſchäftigen, der am Montag in Genf zuſammentritt.
In dieſem Ausſchuß ſind ſämtliche europäiſchen Großmächte, Polen,
Schweden und die Donauländer, vertreten. Er hat die Aufgabe,
einen endgültigen Plan für die Schaffung eines inter=
nationalen
Agrar=Kreditinſtitutes aufzuſtellen.
Dieſes Inſtitut iſt als Hypothekenbank unter Garantie der Teil=
nehmer
=Regierungen gedacht. Es ſoll mit einem Anfangskapital
von 5 Millionen Dollar, das ſpäter auf 50 Millionen erhöht
werden kann, ins Leben gerufen werden. Das Inſtitut ſoll nur
mit den nationalen Bodenkreditbanken Geſchäftsbeziehungen un=
terhalten
und berechtigt ſein, in der Höhe der bei dieſen Banken
ausgeliehenen Gelder auf internationalen Märkten Obligationen
und Pfandbriefe unterzubringen. Zur Bildung von Reſervefonds
ſollen die Teilnehmer=Regierungen zur Leiſtung von Sonder=
einlagen
aufgefordert werden. Man hofft, auf dieſe Weiſe in
den Agrarländern Kredite abgeben zu können, mit einem Zins=
fuß
, der niedriger iſt, als der bisher übliche.
Der Verwaltungsrat des Inſtituts ſoll zum Teil vom Völ=
kerbund
, zum Teil vom internationalen Agrarinſtitut in Rom
ernannt und zum anderen Teil von den Aktionären gewählt
werden. Die Pläne ſind theoretiſch und juriſtiſch ſchon ziemlich
weit gediehen. Die praktiſche Ingangſetzung liegt jedoch noch in
weiter Ferne, da zur Shaffung der hypothekariſchen Sicher=
heiten
für die ausgeliehenen Gelder erſt noch in wahrſcheinlich
jahrelanger Arbeit ein Grundbuchſyſtem und eine Hypotheken=
Geſetzgebung geſchaffen werden muß, die zwar in Deutſchland
Oeſterreich und Ungarn ſchon beſteht, in den übrigen in Frage
kommenden Ländern aber über einen gewiſſen Anfang noch nicht
hinausgediehen iſt. Die Beſchleunigung, die dieſer Agrar=
Kreditplan in der letzten Zeit beim Völkerbund erfahren hat,
wird in unterrichteten Kreiſen als eine Hilfeſtellung für
die neuen franzöſiſchen Pläne der Organiſie=
rung
der Oſtgetreidemärkte aufgefaßt, mit der ſich
der Europa=Ausſchuß in ſeiner Maitagung befaſſen ſoll.

Srunzoſtiche Mennge W Aonigsberg.
Auf friſcher Tak erkappl.
* Königsberg, 18. April. (Priv.=Tel.)
In Königsberg hat ſich am Samstag vormittag ein Vor=
fall
ereignet, der noch viel Staub aufwirbeln wird, weil in ſei=
nem
Mittelpunkt einige franzöſiſche Offiziere ſtehen, die dabei
gefaßt wurden, wie ſie übende Artillerie photographierten. Die
Angelegenheit hat ſich ſo abgeſpielt, daß plötzlich auf dem Kaſer=
nengebiet
einige Herren mit Photoapparaten erſchienen, die ſich
auffällig benahmen, ſo daß die Kaſernenwache ſich mit dieſen
Perſonen etwas eingehender befaßte. Dabei ſtellte es ſich her=
aus
, daß man es mit drei franzöſiſchen Offizieren zu tun hatte,
die durch den franzöſiſchen Konſul in Königsberg geführt wur=
den
. Unter den Offizieren befand ſich auch der Militärattaché
der franzöſiſchen Botſchaft in Berlin. Alle Heren hatten ſich vor=
her
ordnungsmäßig bei den deutſchen Behörden angemeldet. Sie
hatten als Zweck ihrer Oſtpreußenreiſe einen Beſuch der Schlacht=
felder
von Tannenberg angegeben. Ihr Verhalten riecht aber
doch ſtark nach Spionage. Wenn ſich dieſer Vermutung auch
entgegnhalten läßt, daß ſich Spione nicht vorher bei den deut=
ſchen
Stellen anzumelden pflegen. Verdächtig iſt aber doch, daß
die Offiziere, obwohl ſie wußten, daß ſie ſich im Feſtungsgebiet
befanden, photographiſche Aufnahmen machten. Ihre Appärate
ſind beſchlagnahmt worden. Die Reichswehrbehörden werden
die Aufnahmen prüfen. Die Offiziere dürfen ſich auch zunächſt
von Königsberg nicht wieder fortbegeben, obwohl ihre Verhaf=
tung
inzwiſchen wieder aufgehoben worden iſt. Das Auswärtige
Amt wird aber das Verhalten der Offiziere, das gelinde geſagt,
eine grobe Taktloſigkeit darſtellt, zum Anlaß nehmen, um ſich
beſchwerdeführend an den franzöſiſchen Botſchafter in Berlin zu
wenden.
die J.6.-Farben ſchütt ſich vor weiterer Induſtrie=
ſpionage
durch Enklaſſungen.
Frankfurt a. M., 18. April.
Die Meldungen über die Aufdeckung eines weitverzweigten
Spionagenetzes über große deutſche Induſtriebetriebe, insbeſondere
ſolcher der chemiſchen Induſtrie, wurden durch die amtlichen Mit=
teilungen
in vollem Umfange beſtätigt. Die Verbindung zwiſchen
den der Kommuniſtiſchen Internationale und der R. G.O. ( Revo=
lutionäre
Gewerkſchafts=Opoſition) angehörenden Spitzeln mit aus=
ländiſchen
Auftraggebern kann ſomit nicht länger bezweifelt wer=
den
. Neben genauen Angaben über die Herſtellung von beſtimm=
ten
Produkten wurden u. a. in Fragebogen Angaben über ein be=
ſtimmtes
Produkt verlangt, bei dem Verſuche im Gange ſind, die
enormen Transportſpeſen durch Auffinden eines neuen chemiſchen
Verfahrens auf ein Minimum zu beſchränken. Außerdem ſollten
Beobachtungen über die Feuerungsarten, Rohmaterialien, Beſchaf=
fenheit
der Oefen, Höhe der Temperaturen, Angaben über Teile
der techniſchen Apparaturen, Einzelheiten über die Behandlung
des Materials und über die Nebenprodukte mitgeteilt werden. Die
Arbeiter, die ſich mit dieſen Dingen beſchäftigten, waren zumeiſt
zuverläſſige und gute Arbeiter. Die Leute verhielten ſich plan=
mäßig
in der Weiſe, daß ſie Betriebsführer in jeder Hinſicht zu=
friedenſtellten
. Dadurch wurden ſie an wichtige Plätze geſtellt, die
ihnen die Möglichkeit gaben, ſich in den Beſitz der wertvollen
Kenntniſſe zu ſetzen. Die Hintermänner dieſer Agenten vollſtändig
zu ermitteln, eine ſchwierige und zeitraubende Aufgabe, wird
Sache der hierfür zuſtändigen Stellen ſein. Hierzu wäre zu bemer=
ken
, daß leider die Erfahrungen vergangener Jahre gezeigt haben,
daß die heute gültigen ſtrafgeſetzlichen Beſtimmungen das
deutſche Geſetz ſieht für Induſtrieſpionage nur Geldſtrafen oder
eine Gefängnisſtrafe bis zu einem Jahre vor zu einer wirk=
ſamen
Bekämpfung des Verrats von Betriebsgeheimniſſen nicht
ausreichen. Dieſe zu ergänzen, insbeſondere auch den ;Verſuch
unter Strafe zu ſtellen, iſt eine dringende Notwendigkeit, die nun=
mehr
nicht länger aufgeſchoben werden darf. Inzwiſchen gilt es
aber weiter, ſchweren Schädigungen der Wirtſchaft vorzubeugen.
Es ſteht feſt, daß wichtige deutſche Lebensintereſſen ſchwer bedroht
ſind, daß Gefahr im Verzuge iſt. Die Belegſchaften der beſpitzelten
Werke, die Arbeit und Brot gefährdet ſehen, befinden ſich in be=
greiflicher
Erregung. Sofortige Selbſthilfe ſcheint dringend ge=
boten
. Von den Werksleitungen darf erwartet werden, daß ſie un=
verzüglich
die erforderlichen Schritte tun, nicht zuletzt auch zur Be=
ruhigung
der Belegſchaften. Entſcheidend für dieſe Erwägungen
können nicht die Belange Einzelner ſein, ſondern nur das Geſamt=
intereſſe
der bedrohten Werke und ihrer Belegſchaften.
Zu dieſer Angelegenheit wird uns von der J. G. Farben=
induſtrie
A. G., Werk Höchſt, mitgeteilt, daß es ſich zur Verhütung
ſchwerer wirtſchaftlicher Schädigungen des Werkes und ſeiner ge=
ſamten
Belegſchaft genötigt geſehen hat, bisher ſieben Arbeiter=
und Betriebsratsmitgliedr und 16 Arbeiter zu entlaſſen, und daß
im Laufe der nächſten Zeit noch mit weiteren Entlaſſungen zu rech=
nen
ſein wird.

Zormentdr.
Von Graf Hermann Keyſerling.
Als mich die Dichter Cataloniens einluden, eine Darm=
ſtädter
Weisheitswoche in Formentor auf Mallorca zu ver=
anſtalten
und zu leiten, da konnte ich nicht ahnen, was mir bevor=
ſtand
. Der Name Formentor tat es mir freilich gleich, geheim=
nisvoll
=kabbaliſtiſch, an. Auch wußte ich, daß Mallorca den Ruf
eines Paradieſes genießt. Doch wie mich eine ſaumpfadähnlich
verzäckte Automobilſtraße durch menſchenleere Gegend, über Fel=
ſen
und durch Wälder, mit immer neuen überraſchenden Aus=
blicken
auf das Meer, zum ſchönſten modernen Bau trug, den ich
je ſah, an abgeſchiedener Bucht völlig einſam inmitten von
Pinienwäldern gelegen, da wußte ich, daß künſtleriſches Ahnungs=
vermögen
meine Freunde bewogen hatte, für eine Weile Darm=
ſtadt
nach Formentor zu verſetzen: ich kann mir nicht vorſtellen,
daß Philoſophieren ſelbſt in Hellas je ſo idealen Lebensraum
fand.
Zweimal täglich verſammelten wir uns unter ſchattigen
Kiefern in einer Schlucht am Meer. Wie es werden würde, hatte
ich unmöglich vorausbeſtimmen können: ein unbekannter Rah=
men
, zum großen Teil unbekannte Menſchen, dazu als Verhand=
lungsſprache
das Spaniſche. Aber ſiehe! es rundete ſich jeder
Tag, ganz von ſelbſtz zu beſſerer künſtleriſcher Einheit, als ich
ſie je in Darmſtadt prämeditiert. Jeden Morgen ſchlug ich ein
Grundthema an. Mit vollendetem muſikaliſchen Takt fielen
dann alſobald, in kontrapunktiſcher Folge, andere Stimmen ein.
Klar=beſtimmte Faſſungen und Zuſammenfaſſungen fand jedes=
mal
der künftige Staatsmann und heutige Redner und Publiziſt
Joan Eſtelrich. Mit Zwiſchen=Einfällen glänzte Carles Soldevila,
Cataloniens beſter Aphoriſtiker. Der erſte Komödien= und
Liederdichter des Landes, Joſep Maria de Sagarra, ſetzte alle=
mal
glücklich ein, wo eine künſtleriſche Abwandlung geboten war.
Den vollendeten Kontrapunkt zu mir ſelbſt aber bot Roman
Gomez de la Serna, Impreſſioniſt und Expreſſioniſt zugleich
lieberſteigerer und Begrenzer, ein Vorbild geiſtigen Farbenſinns
und ſonnigen Humors. So vollendet rundete ſich jeder Tag,
daß wir jeden Spätnachmittag, nachdem die Sonne geſunken,
nach Behandlung eines weltweiten Themas lachend einander
zuraunten: dieſer Gegenſtand wäre erſchöpft.
Abends aber widmete ſich Catalonien dem Geſang. Noch
immer lebt dort der alte muſiſche Geiſt der Provence. Noch im=
mer
iſt dort die Gaya Szienza, die fröhliche Wiſſenſchaft, das
letzte Wort. Schloß Formentor iſt unter anderem das idealſte
und beſtgeleitete Hotel des Mittelmeers. So fand auch der
Gaumen willkommenſte Anregung. Nicht minder vollendet ge=

rundet, wie der philoſophiſch=konzentrierte Tag, verſtrich de
heiter=ausgelaſſene Abend. Zugereiſte ſchöne Frauen aus allen
Breiten befanden ſich wieder und wieder urplötzlich und doe
wie ſelbſtverſtändlich dem fremden geſchloſſenen Kreiſe eingereiht
Nachts aber empfingen alt=mallorquiner Himmelbetten glücklich
Schläfer.
Wir waren ein Stamm für uns dieſe ſelige Woche entlang
Doch unaufhörlich kamen und gingen Wallfahrer aus gan
Spanien und hörten in weitem Umkreis zu. Am zahlreichſter
waren natürlich die Mallorquiner. Das iſt ein merkwürdige
Volk. Obſchon Catalonier dem Blut und der Sprache nach, be
häbig wie Skandinaven, jeder Neuerung feind, ewiger Daue
gewiß. Noch leben unter ihnen antike Mythen lebendig for=
Jeder Einzelne iſt Grundbeſitzer, der Scholle verhaftet, keiner
wüinſcht Aenderung. Und wandert einer, wie aus Mißverſtänd
nis, einmal aus, ſo kehren die Kinder unweigerlich zum mütter
lichen Eiland und ſeiner Zeitloſigkeit zurück.

Volkschor Darmſtadk.

Als vor wenigen Jahren Friedrich Noack mit dem von ihr
gegründeten Volkschor in einem großen Konzert an die Oe
fentlichkeit trat, ſtaunte alle Welt darüber, was doch alles e
reicht werden kann, wenn zielbewußter Wille ſich paart mit Eh
geiz und Begeiſterung. Dieſer zielbewußte Wille, das ſelte
kunſterzieheriſche Talent Noacks und ſeine Arbeitsfreude hat
nunmehr zehnjähriger, ſtetiger Arbeit Früchte getragen, wie ſie e
freulicher nicht gedacht werden können; ſie ſind nur möglich geweſe
weil vollſte Hingabe an die Sache und Vertrauen zu ihrem Le
ter bei den Ausführenden herrſcht, weil neben der Freude a
Singen auch Verantwortungsgefühl vorhanden iſt, weil me
ſich am ſchon Erreichten nicht genug ſein läßt, ſondern unentwe=
und ruhig immer größeren Zielen zuſtrebt. Solchem Strebe
ſcheint uns eine ſchöne Zukunft zu winken, und daß der Volksch
Darmſtadt dieſe Ziele erreichen möge, das ſoll unſer Wunſch
ſeinem zehnjährigen Jubiläum ſein, das geſtern abend mit eine
ſehr ſchön verlaufenen Konzert in der Aula des Realgymnaſiun
feſtlich begangen wurde.
Welche AArbeit Kleinarbeit und Feinarbeit geleiſ
werden muß, um die verſchiedenen, zum Teil ſehr anſpruchsvoll
Chöre, Madrigale und Volkslieder ſo zu bringen, wie es geſte
geſchah, das ahnt der Hörer kaum. Die reiche Vortragsfolge,
Noacks mächtig ſich ſteigernder Prometheus eröffnete und d
nur Wertvolles aus alter und neuerer Zeit enthielt, zeigte, w
der Chor alles gelernt hat, ſtimmliche Kultur und Schönheit d
Klanges, und rhythmiſche Präziſion und ungekünſtelte Friſche ur
Natürlichkeit des Vortrags. Beſonders gelangen und gefielen d
friſchen, beſchwingten Geſänge, und ein Stück, wie Das Hen

lein von Scandellus ſchlug zündend ein. Zwiſchen den Chören
boten die ſtimmbegabten Damen Gudrun Steuer und Lina
Cramer willkommene Abwechſlung mit Liedern von Hugo
Wolf, Noack, und Duetten von Schumann und Brahms.
Das ſo eindrucksvoll verlaufene Konzert wird, wie wir hören,
am nächſten Samstag wiederholt werden.
O.

Dus Opfetlamm.
Uraufführung von Hans Dengels ländlichem Schwank in 3 Akten
im Wiener Raimundtheater.
Einmal ein Stück, das nicht darauf ausgeht, mit theaterfremden
Mitteln zu blenden und dem Kino Konkurrenz zu machen. Eine ein=
ache
, unkomplizierte Handlung, die zu ihrer Wirkſamkeit keiner ſzeni=
ſchen
und dekorativen Tricks dedarf. Eine Bauernſtube iſt alle drei
Akte hindurch der Schauplatz des Geſchehens. Das Opferlamm iſt der
prabe Waſtl, deſſen Gutmütigkeit von ſeinem Schwager Toni auf eine
harte Probe geſtellt wird. Dieſer Toni, der eine Schweſter Waſtls zum
Weibe hat, nimmt es mit der ehelichen Treue nicht ſehr genau und iſt
in eine recht verzwickte Lage geraten, aus der ihm ſein gutherziger
Schwager helfen ſoll. Ein bißchen viel verlangt von dem biederen
Waſtl, daß er, der ſtets für das Muſter eines braven Mannes galt, nun
als Ehebrecher daſtehen ſoll. Doch er fügt ſich ſchließlich drein, weil er
fürchtet, der Toni werde ſeine Drohung, ſich das Leben zu nehmen,
verwirklichen. Auf vierzehn Tage, hat er dem Schwager verſprochen,
nimmt er deſſen Schuld auf ſich. Saure Stunden nun muß der Arme
verleben, während ſich der mutwillige Toni ins Fäuſtchen lacht. Aber
Waſtls Frau erfährt durch eine glückliche Verkettung von Umſtänden
den wahren Sachverhalt. Sie träyt aber trotzdem zur Aufhellung des
Falles nicht bei, beſtimmt vielmehr den guten Mann, ſein Spiel weiter=
zuſpielen
und das Kind das mittlerweile angefommen iſt, als ſein
eigenes ins Haus zu nehmen, damit ſie, die Kinderloſe, nun auch ihre
Freude hat. So fällt in all dieſe heitere Drolligkeit zuletzt noch ein
Strahl warmer Liebe.

Das von den Exl=Leuten glänzend gegebene Stück erhob nicht 211
ſpruch auf beſondere literariſche Wertigkeit, ſondern hatte keinen al
deren Ehrgeiz, als gut zu unterhalten und herzlich lachen zu machel
Beides hat es denn auch redlich erfüllt.
Dr. Adalbert Schmidt, Wien.

Bon Deutſchlands Hohen Schulen.
Die Mediziniſche Fakultät der Univerſität Gießen veranſtaltet
vom 11. Oktober bis einſchließlich 17. Oktober 1931 für praktiſche Aerzie
einen allgemeinen Fortbildungskurs mit kliniſchen Beſprechungen und
praktiſchen Demonſtrationen. Vortragende ſind die kliniſchen Fachver=
treter
, ſowie die Fachvertreter für Phyſiologie und phyſiologiſche Chemie.
Ein Ausflug findet nach Bad=Nauheim ſtatt mit Demonſtrationen im
dortigen Balneologiſchen Univerſitätsinſtitut. Anfragen nach Proſpekten
und Anmeldungen ſind an Herrn Profeſſor Georg Herzog, Gießen, Pa=
thologiſches
Inſtitut, Klinikſtraße 32g, zu richten.

[ ][  ][ ]

Nummer 108

Sonntag, den 19. April 1931

Seite 3

Aldelt ſar die Relasiegerang.
Landwiriſchafkliche Forderungen des Reichsernährungsminiſters. Die deutſche Außenpolikik vor wichkigen
Enkſcheidungen. Die Reform der Knappſchaftsverſicherung ungufſchiebbar.
SoZialreform und Enklaſlung der Gemeinden.

Brünings Zrühjahrsprogramm.
Erſte Kabinekksſihung nach den Oſterferien
am kommenden Donnerskag.
Von unſerer Berliner Schriftleitung.
Die erſte Kabinettsſitzung nach den Oſterferien iſt nun end=
gültig
auf den kommenden Donnerstag anberaumt worden, und
zwar hat der Kanzler mit Rückſicht auf die Wichtigkeit und Reich=
haltigkeit
der Tagesordnung die Miniſter gebeten, möglichſt voll=
zählig
zu erſcheinen, da, wie wir ſchon ſagten, die Abſicht beſteht,
das Frühjahrsprogramm des Kabinetts jetzt möglichſt raſch fertig=
zuſtellen
. Die Forderungen, die vom Reichsernährungsminiſter
auf dieſem Gebiete zugunſten des Veredelungsverkehrs geſtellt wer=
den
, waren ſchon vor Oſtern fällig, ſind aber inzwiſchen liegen ge=
blieben
und werden jetzt wohl in Form einiger Verordnungen auf
Grund des Ermächtigungsgeſetzes in Wirkſamkeit treten. Dabei iſt
es aber wahrſcheinlich, daß Herr Schiele noch mit weitergehenden
Wünſchen hervortritt, deren Erfüllung ihm früher ebenfalls ſchon
vom Kabinett zugeſagt war. Auch auf außenpolitiſchem Gebiet
ſtehen eine Reihe von wichtigen Entſcheidungen bevor. Die
deutſche Politik im Paneuropäiſchen Ausſchuß, im Völkerbunds=
rat
, im Zuſammenhang damit auch in der Frage der Zollunion und
in ihrer Grundeinſtellung zur Forderung der Reviſion der Kriegs=
entſchädigung
verlangt nach einer Klärung. Auch Herr Steger=
wald
hat einen umfangreichen Wunſchzettel. Die Reform der
Knappſchaftsverſicherung läßt ſich nicht weiter aufſchieben. Die
Sozialreform auf Grund der Vorſchläge des Beratungsausſchuſſes
iſt dringend, kann aber nur gelöſt werden, wenn gleichzeitig die
Entlaſtung der Gemeinden geregelt wird und Möglichkeiten zur
Arbeitsbeſchaffung gefunden werden. Endlich ſind die Dinge viel=
leicht
ſchon jetzt ſo weit gediehen, daß der Finanzminiſter gezwun=
gen
iſt, infolge des Sinkens der Steuereingänge auch weitere Ab=
ſtriche
am Ausgabenetat vorzunehmen.
Reichsfinanzminiſter Dr. Diekrich
über die kommende Enkwicklung.
Karlsruhe, 18. April.
Reichsfinanzminiſter Dietrich ſprach geſtern abend in einer
Verſammlung der Staatspartei über die kommende Entwicklung
im Deutſchland. Dabei beſchäftigte er ſich zunächſt mit der Ent=
wicklung
der Verhältniſſe, wie ſie ſich aus der Wahl vom
4. September ergab, und wies darauf hin, daß durch dieſe
Bahl ſich ungewöhnliche Schwierigkeiten auf dem
ſ eutſchen Geldmarkt hauptſächlich dadurch ergeben ha=
hen
, daß eine Unmenge kurzfriſtiger Kredite teils vom Ausland
und teils vom Inlande von den Inhabern den Banken und der
Fnduſtrie weggenommen wurden. Ganz ſeien dieſe
Schwierigkeiten noch nicht überwunden, und man
habe befürchtet, daß jetzt neue Schwierigkeiten entſtehen würden.
Es ſei aber gelungen, den Reichstag dahin zu bringen, daß er
das Etatgeſetz erledigte, und es ſei kein Zweifel, daß der
Reichstag damit einen Teil ſeiner verlorenen Poſition wie=
der
gewonnen und eine hiſtoriſche Tat vollbracht
habe zur Wiederherſtellung des Vertrauens und zum Wiederauf=
lau
unſerer Wirtſchaft.
Was die kommende Entwicklung angehe, ſo ſei
eine der dringendſten Fragen die, wie ſich die
Finanzen des Reiches geſtalten werden. Entgegen
anderslautenden Meldungen denke das Reichnichtdaran,
eine neue Anleihe aufzunehmen, obgleich die Lage
der Neichskaſſe inſofern nicht leicht ſei, als viele Zah=
lingen
zu Beginn des Jahres liegen. Die Regierung
hoffe aber, ihre Verpflichtungen abdecken zu
können, zumal die Verpflichtungen für den Monat April be=
reits
ſichergeſtellt ſeien. Die Abdeckung der ſchweben=
den
Schuld könne gewährleiſtet werden, um ſo mehr,
alls es gelungen ſei, im vergangenen Jahre den Etat um 1400
Millionen Mark zu ſenken. Die Steuervereinfachung,
die eine der dringendſten Aufgaben ſei, ſei ſeit dem
1. April in vollem Gange. Noch nicht entſchieden ſei die Frage,

ob die mittleren und kleinen landwirtſchaftlichen Betriebe über=
haupt
von der Einkommenſteuer befreit werden ſollen, um ſie
nur noch mit der Realſteuer zu belaſten. Wenn die Regierung
dieſe Abſicht durchführe, dann würden die kleineren Landwirte
nur noch eine Steuer, die Grund= und Gebäudeſteuer, zu ent=
richten
haben, wodurch Millionen von Veranlagungen im Inter=
eſſe
der Vereinfachung der Verwaltung vermieden würden. Was
im übrigen die weitere Zukunft anbelange, ſo hänge
alles davon ab, wieweit es gelingen werde, die
Arbeitsloſigkeit zu bekämpfen, was die Hauptaufgabe
des bevorſtehenden Sommers und des Herbſtes für die Regie=
rung
wäre.
Kampfziele der deutſchen Volksparkei.
Berlin, 18. April.
Der Reichsausſchuß der D.V.P. trat am Samstag zu einer
aus dem ganzen Lande vollzählig beſuchten Sitzung zuſammen.
Der Parteiführer, Abg. Dingeldey, erſtattete einen Bericht über
die politiſche Lage, an den ſich eine lebhafte Ausſprache anſchloß.
Sie ergab die Uebereinſtimmung der Vertreter aus dem ganzen
Lande mit den Auffaſſungen des Parteiführers und bekundete den
Willen der Partei, gegen die Erſcheinungen des Kulturbolſche=
wismus
zu kämpfen. Sodann legte der Parteiführer dem Reichs=
ausſchuß
den von ihm ausgearbeiteten Entwurf zu den Kampf=
zielen
der D.V.P. vor. Die Kampfziele wurden angenommen.
Sie werden der morgigen Sitzung des Zentralvorſtandes vor=
gelegt
werden.
Das Schulden- und Reparakionsproblem
im Mitkelpunkk der Tagung
der inkernakionalen Handelskammer.
Waſhington, 18. April.
Bei der Tagung der Internationalen Handelskammer, die
am 4. Mai in Waſhington beginnt, wird, wie die amerikaniſche
Delegation heute mitteilt, die Frage der internatio=
nalen
Schulden eingehend erörtert werden, und zwar auf=
grund
zweier vom früheren deutſchen Reichsminiſter Dernburg
und von Profeſſor Wagemann ausgearbeiteter Referate über
Preisniveaus und über den internationalen Güteraus=
tauſch
. Die ſich anſchließende, vom Direktor der B. J. Z. und
vom Chicagoer Bankier Traylor geleitete Ausſprache über
die Reparationen, die von beiden Referenten als wich=
tige
Urſache für die gegenwärtige Weltwirt=
ſchaftskriſe
bezeichnet werden, ſoll ſich unter Vermeidung
moraliſcher Argumente auf wirtſchaftliche Geſichtspunkte beſchrän=
ken
. Unter dem Programmpunkt Internationale Handelspolitik
wird ſowohl Amerikas Zolltarif wie die Frage der deutſch= öſter=
reichiſchen
Zollunion erörtert werden. Beim Thema Die Ver=
hältniſſe
in der Landwirtſchaft wird die Gefahr des ruſſiſchen
Getreide=Dumpings, beim Programmpunkt Internationaler
Zahlungsausgleich u. a. das Silber=Problem beſprochen wer=
den
. Die amerikaniſche Delegation, für die Owen D. Young
die Eröffnungsrede halten wird, verſpricht ſich von dieſer Ta=
gung
hauptſächlich wachſendes Verſtändnis des amerikaniſchen
Publikums dafür, daß die amerikaniſche Kriſe nur
im Zuſammenhang mit der Weltkriſe gelöſt wer=
den
kann.
Amerika verzichkek auf die Wahrnehmung
ſeiner Inkereſſen in Ricaragua.
EP. Waſhington, 18. April.
Das Staatsdepartement gibt bekannt, daß die Vereinigten
Staaten Leben und Eigentum der amerikaniſchen Staatsbürger
in Nicaragua, nicht mehr ſchützen werden. Den amerikaniſchen
Bürgern empfiehlt die Regierung, entweder das Land zu ver=
laſſen
, wenn ſie glauben, daß der Schutz der nationalen Garde un=
genügend
ſei, oder ſich an den Küſten anzuſiedeln, von wo ſie bei
Gefahr ſich ſchnell in Sicherheit bringen könnten.

Zahlen.

Zu dem in der Dienstags=Ausgabe veröffentlichten Artikel.
Zahlen des Landtagsabgeordneten Dr. Beſt ſind uns mehrere
Zuſchriften zugegangen.
Vom Verband der heſſiſchen oberen Finanzbeamten wird uns
u. a. geſchrieben: Beim Vergleich von Zahlen aus der Vorkriegs=
zeit
mit heute muß berückſichtigt werden, daß Mark nicht gleich
Mark iſt, vielmehr die Kaufkraft des Geldes allbekannt heute eine
geringere iſt wie vor dem Kriege. Dies wirkt ſich auch in den
Ziffern der Haushaltspläne des Staates aus. Weiter muß feſt=
geſtellt
werden, daß der Uebergang zum parlamentariſchen Staat
mit parlamentariſchen Miniſtern es zwangsläufig mit ſich gebracht
hat, daß den leitenden Staatsbeamten, jetzigen Miniſterialdirek=
toren
und Staatsräten, die von den früheren Miniſtern ausgeübte
rein fachliche Tätigkeit übertragen werden mußte, eine Erſchei=
nung
, die nicht nur in Heſſen, ſondern in jedem parlamentariſchen
Staatsweſen zu beobachten iſt und gegen die ohne Abſicht einer
Syſtemänderung anzukämpfen müßig iſt. Die Aufblähung, iſt
teils ebenfalls in der Staatsumwälzung, größerenteils aber in
rein ſachlichen Gründen zu ſuchen. Wir finden in allen parla=
mentariſchen
Staaten eine größere Teilung des Verwaltungs=
apparats
. Nicht nur Heſſen, auch ſämtliche deutſchen Länder und
das Reich ſind unter dem Zwang der neuen Verhältniſſe zu einer
Vermehrung der Miniſterien geſchritten. Dieſe Erſcheinung kann
aber nicht allein auf Urſachen zurückgeführt werden, die im par=
lamentariſchen
Syſtem liegen, ſie iſt überall und auch in Heſſen
in der ſachlichen Notwendigkeit durch die in der Nachkriegszeit
ſtark gewachſenen Staatsaufgaben und Uebernahme ganzer Ver=
waltungsgebiete
auf den Staat (Polizei, niederes Schulweſen mit
Berufs= und Fachſchulen, Vermeſſungsweſen, Gemeindeförſter uſw.)
begründet. Alle dieſe neuen Aufgaben mit dem Vorkriegsapparat
zu bewältigen, müßte die Miniſter vor Schwierigkeiten ſtellen,
denen auch ein Fachminiſter alter Prägung nicht gewachſen wäre.
Die Aufgabenſteigerung hat in dem Anwachſen der Ausgaben an
Poſtgebühren und Kanzleikoſten ihren bezeichnenden Niederſchlag
gefunden. Es betrugen zum Beiſpiel die Poſtgebühren im Juſtiz=
miniſterium
1899 lt. Staatsvoranſchlag 60 000 Mk. 1931 jedoch
450 000 RM., die Kanzleikoſten in 1899 insgeſamt 1275 Mk., und
in 1931 dagegen 8500 RM. Im Finanzminiſterium ſind die Poſt=
gebühren
trotz Uebergangs der geſamten Steuerverwaltung an das
Reich von 65 000 Mk. im Jahre 1899 auf 175 000 RM. im Jahre
1931 und die Kanzleikoſten von 19 000 Mk. auf 37 600 RM. in
den gleichen Jahren geſtiegen.
Daß von dieſer bedeutenden Aufgabenſteigerung des Staates
auch die Zahl der Beamten beeinflußt wurde, iſt natürlich. Wenn
aber an dieſer Vermehrung die mittleren Beamtenſchichten einen
größeren Anteil haben, ſo iſt das nicht eine Aufblähung ſondern
hat ſeine berechtigten realen Gründe. Um zu ſparen, iſt man in
der Nachkriegszeit mehr und mehr dazu übergegangen, die höheren
Beamten durch Uebertragung von Arbeiten auf die Beamten des
gehobenen mittleren Dienſtes zu entlaſten, um eine ſonſt not=
wendig
geweſene ſtarke Vermehrung der weſentlich
höher bezahlten akademiſchen Kräfte zu vermeiden. Eine Beſtre=
bung
, die auch heute noch im Fluß iſt und u. a. beſonders in der
Juſtizverwaltung (Rechtspfleger) augenſcheinlich geworden iſt. Die
von Herrn Oberlandesgerichtspräſidenten i. R. Dr. Beſt ſelbſt an=
gegebenen
Zahlen beſtätigen ganz eindringlich den hohen Wert
ſolcher Erſparnis, wenn man die durch Vermehrung der Miniſte=
rialräte
von 1899 bis 1931 hervorgerufene Ausgabenſteigerung
mit der durch die Vermehrung der Buchhalter und Regiſtratoren
bei den Miniſterien entſtandenen Ausgabenvermehrung vergleicht.
Hierbei ſei berichtigend bemerkt, daß es in den Miniſterien keine
Buchhalter, weder der Bezeichnung noch dem Sinne nach, gibt.
Nur aus der Aufgabenübertragung und der allgemeinen Auf=
gabenſteigerung
erklärt ſich die Beamtenvermehrung. Eine Auf=
blähung
liegt nicht vor. Hiergegen ſpricht ſchon allein die Tat=
ſache
, daß gerade die Beamten des gehobenen mittleren Dienſtes
bekanntlich die üblichen Bürozeiten vollſtändig ausnützen müſſen,
um ihren Aufgaben überhaupt gerecht werden zu können. Rech=
nungsdirektoren
und Oberrechnungsräte, ſowie Direktoren der
Regiſtraturen wurden nicht geſchaffen, ſondern waren vorher,
aber unter anderer Bezeichnung, ſchon da, ja ihre Tätigkeit wurde
früher zum Teil von akademiſchen Beamten verſehen. Die Ober=
rechnungsräte
ſind mit geringen Ausnahmen in Gruppe 30 einge=
ſtuft
, in der ſich keine akademiſchen Beamten befinden. Die Ein=
ſtufung
der Beamten des gehobenen mittleren Dienſtes in den
Miniſterien hat nach dem Gutachten des Reichsſparkommiſſars
(S. 170) keinen Grund zur Beanſtandung gegeben, weil an die
Beamten im Buchhaltungs= wie auch im Sekretariatsdienſt hohe.
Anforderungen geſtellt werden‟. Bei den Regiſtraturen der Zen=
tralbehörden
, deren Bedeutung für den Dienſtbetrieb vielfach ver=
kannt
wird und die mit Regiſtraturen der Lokalſtellen nicht ver=
glichen
werden können, hat man unter dem Spardruck Wege ein=
geſchritten
, deren ſchädliche Auswirkungen in ſpäteren Jahren zu=
tage
treten werden.
Nicht richtig iſt in den Ausführungen des Herrn Oberlandes=
gerichtspräſidenten
Dr. Beſt, daß die Volksſchullaſten ſeit 1928 um
rund 4 Millionen zurückgegangen ſeien. Die in den Geſamtvolks=
ſchullaſten
für 1928 mit 30 651 000 RM. enthaltenen Penſionslaſten
fehlen in den für 1931 mit 26 669 287 RM. angegebenen Geſamt=
laſten
. Da dieſe mit 5 500 000 RM. zu veranſchlagen ſind, ſo hat
nicht ein Rückgang, ſondern eine Vermehrung der Volksſchullaſten
von 1928 auf 1931 um etwa 1 500 000 RM. ſtattgefunden Die
wahren Urſachen der ſchlechten Finanzlage Heſſens ſind nicht in
einer Aufblähung des Beamtenkörpers zu ſuchen, ſondern in der
entſchädigungsloſen Uebernahme der Volksſchullaſten auf
den Staat, der ungenügenden Entſchädigung des Staates durch
die Gemeinden für Uebernahme der Polizeikoſten und ähnlicher
Maßnahmen der Nachkriegszeit, die zu einem für den heſſiſchen
Staat außerordentlich ungünſtigen inneren Finanzausgleich ge=

* Carl Spikkeler
ber Konrad Ferdinand Meyer und Goktfried Keller.
Perſönliche Erinnerung von Alfred Bock.
In der Geſellſchaft für äſtethiſche Kultur zu Frankfurt
a. M. hatte Spitteler aus ſeinen Balladen, ſeinen Schmetter=
lingen
, den Glockenliedern vorgeleſen, und zwar hatte er mit
ſeinem langſamen, ſcharf akzentuierten, ein wenig mundartlich
gefärbten und eben dadurch noch beſonders eindringlich wirken=
den
Vortrag einen entſchiedenen Erfolg errungen. Am Abend
darauf traf ich den Dichter in einer größeren Geſellſchaft. Spitte=
ler
war mit 62 Jahren noch von einer außerordentlichen Spann=
kraft
und Friſche. Von Altersbeſchwerden ſpürte er nichts, er
reiſte gern. Bis zu ſeinem 52. Lebensjahr, erzählte er mir, habe
ei als Schriftſteller kein Honorar erhalten. Er ſei erſt ſpät zur
Geltung gekommen. In ſeiner diſtinguierten Erſcheinung machte
er den Eindruck eines penſionierten Offiziers oder Landedel=
mannes
. Lange Zeit iſt er in Rußland als Lehrer tätig geweſen.
Beiläufig erzählte er, wie widerlich in Rußland die Sitte des
Küſſens unter Männern berühre. Bei ſeiner erſten Erzieher=
ſtelle
im Hauſe eines Generals, eines abſcheulichen Kerls, küßte
ihn dieſer auf beide Wangen. Ueber ſeinen Entwicklungsgang als
Lichter äußerte er, nichts ſei bei ihm eruptiv entſtanden, ſondern
alles gleichſam experimentierend. Als der Naturalismus in
Teutſchland blühte, vermeinte auch er, etwas darin leiſten zu
kömnen, und ſchrieb ſeinen Roman Konrad der Leutnant. Seine
Tichtungen ſind zuerſt alle reimlos geweſen. Als ihm ſein
Bruder ſpäter einmal ein Buch über die Reimkunſt ſchenkte, ver=
ſuehte
er es mit gereimten Verſen. Er trug ſeinen Stoff oft
lahrzehntelang mit ſich herum. Kam es einmal zum Nieder=
ſcreiben
, war alles Schwanken und Zaudern verbannt. Viele
Verſe wurden in einer Stunde hingeworfen. Dann erſt wurde
gefeilt. Seinen Worten nach war er der Ruhmbegier, Lob und
Cadel weit entrückt. Seine literariſchen Einkünfte ſagte er, be=
lie
fen ſich das ganze Jahr über auf 800 bis 1000 Franken. Im
Verlauf des Abends trug Spitteler mit der ganzen Tiefe ſeines
Empfindens Dichtungen vor. Die Ballade Nur ein König
wrd mir in der eindrucksvollen Art, wie er ſie zu Gehör brachte,
ibergeßlich bleiben. Spitteler ſcherzte, er habe für eine Million
Jahre Stoffe in petto. Während er ſchreibe, leſe er höchſtens
ein paar franzöſiſche Zeitungen. Andere Lektüre würde ihn in
ſeiner Produktion hindern. In eine Brunnenröhre, aus der
ſehendiges Waſſer ſprudle, dürfe man nichts hineinſtopfen.
intereſſant war, was er von ſeinem Verkehr mit Gottfried Keller
uud Konrad Ferdinand Meher zum Beſten gab. Obgleich Meyer

frei geſinnt war, wollte er es nie mit der Kirche verderben,
wollte ſich wenigſtens nicht mit ihr in Widerſpruch ſetzen. Meyer
war ſehr wohltätig. So unterhielt er ein Aſyl für erwerbs=
unfähige
Frauen aus eigenen Mitteln. Als das Züricher Neue
Theater eingeweiht wurde, hatte Meher den Prolog gedichtet.
Danach erhielt er einen anonymen Brief: Es ſei doch beſſer.
daß ſein Gehirn an irgend einem Felſen verſpritzt werde, als
daß er es dazu brauche, Verſe für dieſes neue Teufelshaus zu
ſchreiben. Meyer äußerte gegen Spitteler, der Brief käme höchſt=
wahrſcheinlich
von einem der alten Weiber, deren Unterhalt er
ſelbſt übernommen hatte. Meher liebte ſeine Schweſter Bety
über alle Maßen.
Als er ſich ſpät verheiratete, war ſeine Ehe durchaus glück=
lich
. Für ſein zartes Empfinden und für ſeine Unbeholfen=
heit
war es charakteriſtiſch, daß er, wenn er mit ſeiner Frau in
ein Café ging, ſich ſcheute, nach der Bedürfnisanſtalt zu fragen.
Seiner Frau lag ob, danach Umſchau zu halten. Sein harmlos
kindliches Weſen ſtand in ſchroffem Gegenſatz zu ſeinem mar=
kigen
, wuchtvollen und fortreißenden Schaffen. Seine Novellen
ſind eigentlich Dramen, ſind für die Bühne gedacht. Alle ſeine
Briefe ſchrieb Meher ſo, daß man ſie ſofort in Druck geben
konnte. Meher ſah aus wie ein Biſchof. Er lief ſpazieren, weil
er bei ſeiner Korpulenz befürchtete, einen Schlagfluß zu be=
kommen
, und er bekam ihn auch. Am Schluß ſeines Lebens ver=
fiel
er dem Wahn, daß er mit dem Seinen nicht mehr auskäme,
obgleich er in ausgezeichneten Verhältniſſen lebte. Als ihm ein
Pfarrer ſagte, er, der geiſtliche Herr, gehe auf den Rigi zur Er=
holung
, antwortete Meher wehmütig lächelnd, das könne der
Herr Pfarrer ſich erlauben, er ſelbſt habe kein Geld dazu. Meher
beſuchte Keller, als dieſer auf dem Sterbebett lag. Nachdem
er weggegangen war, tobte Keller, der Menſch ſtrotze von Geſund=
heit
und wage es, ſich eine volle Stunde an ſein Bett zu ſetzen.
Keller mochte Meher nie recht leiden. Ihre Naturen waren
Polaritäten. Ein großer Teil von Kellers Leben ſpielte ſich im
Wirtshaus ab. Keller und Böcklin ſind nach Spittelers Meinung
an zu reichlichem Alkoholgenuß vor der Zeit zu Grunde gegangen.
Nach ein Uhr nachts war Keller in der Kneipe mit ſeinen hef=
tigen
Ausbrüchen wie ein Vulkan. Daß Spitteler Schokolade
trank, ließ ſein Blut in den Adern kochen. Im Uebrigen dachte
Keller von ſeinem Schaffen ſehr beſcheiden, verſtand garnicht,
daß man ſoviel Weſens von ihm machte und ihn als König auf
den Literaturthron ſetzen wollte. Als er geſtorben war, ſchrieb
Böcklin an Spitteler, man ſolle doch nun öfter zuſammen=
kommen
. Spitteler möge die Brauerei oder Kneipe bezeichnen,
wo man ſich treffe. Da Spitteler weder die eine noch die andere
beſuchte, konnte aus den Zuſammenkünften nichts werden.

Reichs=Gerbergsverzeichnis 1931. 19. Ausgabe. Herausgegeben vom
Reichsverband für Deutſche Jugendherbergen, Verlags=Abteilung,
Hilchenbach in Weſtfalen. Preis 1. RM.
Das Verzeichnis iſt in dieſem Jahre früher als je herausgekommen.
Mit der vorliegenden 19. Ausgabe hat dieſes einfache und doch für jeden
Wandersmann außerordentlich wichtige Büchlein eine Geſamtauflage von
½ Million überſchritten. Seit ſeinem Erſcheinen durfte es eine Fülle
von Freude, von frohen Stunden und unvergeßlichen Eindrücken ver=
mitteln
. Es war dem jungen wie dem alten Wanderer ein trefflicher
Berater. Erſt wenn man ſich einmal die Mühe macht, das mit einem
anſprechenden Titelbild verſehene Bändchen durchzublättern, erkennt
man, welches umfangreiche Werk hier für unſere Jugend aufgebaut
wurde, 25 Gaue und 1000 Ortsgruppen betreuen ein Netz von 2200
Jugendherbergen im ganzen Reich, von denen jede hier mit allen Einzel=
heiten
genannt iſt.
Horacio Quiroga: Auswanderer. Broſchiert 3. RM., Ganzleinen
4,50 RM. W8 Seiten.
Horacio Quiroga iſt einer der fähigſten Köpfe der argentiniſchen
Dichtung. Sehr zu begrüßen iſt es daher, daß jetzt eines ſeiner charak=
teriſtiſchen
Werke, Auswanderer, in der Ueberſetzung vorliegt und
ſoeben in Buchform im Safari=Verlag, Berlin W. 57, erſchienen iſt.
Kurzgeſchichten ſind in dieſem Band vereinigt, die unabhängig von=
einander
ſind, aber doch im Stoff, Kolorit und Problematik zuſammen=
gehören
. Stofflich behandeln ſie das Leben von Anſiedlern Farmern,
Holzfällern und ſolchen Exiſtenzen, die außerhalb ſozialer Bindungen
ihr Daſein friſten. Immer ſind es eigenartige Perſönlichkeiten, die das
Schickſal in oft außergewvöhnliche Situationen bringt. Hineingeſtellt
werden ſie in eine Landſchaft, die ſich ſeltſam erregend und geheimnis=
voll
ofſenbart. Die ganze farbentrunkene Atmoſphäre des Urwaldes,
ſeine üppige Vegetation und die in ihr lauernden Gefahren ſind hier
eingefangen.
Ein Ghetto im Oſten. Wilna, 65 Bilder von M. Vorobeichie ein=
geleitet
von S. Chneour. Deutſch=hebräiſche Ausgabe. Schaubücher
Band 27. Herausgeber Dr. Emil Schaeffer. Gebunden 3. Fr.,
2,40 RM. Orell Füßli Verlag, Zürich und Leipzig.
Das Mittelalter ſteht beim Durchblättern dieſes Schaubuches vor
unſeren Augen, aber nicht das Mittelalter dräuender Burgen und feſt=
froher
Minnehöfe, prunkender Kathedralen und blinkender Panzer
ach nein, das Mittelalter eines Ghettos im Oſten iſt anders, ſehr anders!
Die Laſt der Jahrhunderte drückt auf lichtloſe Tore und Gaſſen, auf
uralte Gewölbe, vergitterte Fenſter und Synagogen, auf durchfurchte alte
Geſichter und auf Kinder, die wie Greiſe wirken. Denn die tauſend=
jährige
Angſt vor den Söhnen Edoms, die unzählige Male mit Ver=
wüſtung
und Tod die Gaſſen der Ghettos durchzogen haben prägte ſelbſt
auf Kinderſtirnen das Ahasver=Stigma verſorgter Unraſt und ewiger
Friedloſigkeit.
Die Arbeitsgemeinſchaft Rund um den Hermann hat in
dieſem Jahre ein allſeitig anerkanntes muſtergültiges Faltblatt
in Zweifarbendruck herausgebracht, das von dem Städt. Verkehrs=
amt
Detmold und dem Verkehrsverein Paderborn bezogen werden
kann. Das Faltblatt iſt in einer Auflage von 100 000 Exemplaren
gedruckt, davon 33 000 in holländiſcher Sprache. Es ſtellt die Vor=
züge
des Erholungsgebietes Rund um den Hermann in durch=
aus
ſachlicher Weiſe heraus.

[ ][  ][ ]

Seite 4

Sonntag, den 19. April 1931

Nummer 108

führt haben. Hierauf iſt von dritter Seite vor einigen Wochen
in einem unter Kritiſches zum heſſiſchen Haushaltsplan 1931 er=
ſchienenen
Artikel ſehr zutreffend hingewieſen worden.
Nur ein Abbau der Staatsaufgaben wird automatiſch eine
Minderung der Zahl der Beamten herbeiführen. Der andere,
ſchon ſo oft verſuchte Weg. Beamte ohne Rückſicht auf die zu be=
wältigende
Arbeit aufzubauen, hat in der Praxis nur dazu geführt,
die Zahl der in Beamtenſtellen tätigen Staatsdienſtanwärter und
Angeſtellten zu erhöhen. Die Beamten haben ſelbſt an einem ſpar=
ſamen
Finanzgebaren des Staates das größte Intereſſe und ſind
jeder Sparmaßnahme zugänglich, die von allen Bevölkerungsſchich=
ten
gleichmäßig verlangt wird. Wir müſſen aber alle Beſtrebun=
gen
ablehnen, die, getragen von der zurzeit herrſchenden beamten=
feindlichen
Pſychoſe, Unzuträglichkeiten der eigenen Lebenslage auf
Koſten der Staatsbeamten zu korrigieren ſuchen.
Der Verband heſſiſcher akademiſcher Staatsbeamten ſchreibt
uns u. a.:
In der Ueberſicht ſind die Lokalbaubeamten angeführt, und
zwar für 1899 mit 16 Stellen, 1909 mit 18 Stellen, 1917 mit 17
Stellen, 1931 mit 30 Stellen. Die Zahlen für 1899. 1909 und 1917
enthalten nur die bei den Hoch= und Waſſerbauämtern beſchäf=
tigten
akademiſchen Baubeamten. Nicht aufgeführt ſind die ehe=
maligen
Kreisbauinſpektoren, die neben dem Straßenbau die hoch=
und tiefbaulichen Arbeiten der Gemeinden und öffentlichen Körper=
ſchaften
zu überwachen hatten und als Staatsbaubeamten ebenfalls
im Staatsvoranſchlag aufgeführt ſind. Danach ergeben ſich für
1899 35 Stellen, 1909 37 Stellen, 1917 34 Stellen, 1931 27 Stellen.
In der Ueberſicht ſind zwar für 1931 30 Stellen angegeben,
doch ſind hier anſcheinend 3 Vermeſſungsräte den akademiſchen
Baubeamten zugezählt, was an ſich völlig unverſtändlich und un=
angebracht
iſt, auch für die Jahre 1899, 1909 und 1917 nicht ge=
ſchehen
iſt.
Die Zahl der akademiſchen Baubeamten hat ſich in den letz=
ten
Jahren vermindert, da der Straßenbau vom Staat auf die
Provinzen im Jahre 1927 übertragen wurde und gleichzeitig 8 aka=
demiſche
Staatsbaubeamte an die Provinzen abgegeben wurden.
Selbſt wenn man dieſe 8 Provinzialbauräte den Staatsbeamten
zurechnet, ergibt ſich trotz der erhöhten Tätigkeit im Straßenbau
und des hierdurch bedingten Mehrbedarfs an Straßenbaubeamten
nur eine Geſamtzahl von 35 Stellen.
Der in dem Artikel gezogene Schluß: Stärker iſt die Zahl der
akademiſchen Lokalbaubeamten gewachſen, iſt ſomit irrig und hin=
fällig
. Es ſteht feſt, daß trotz der ſeit 1909 fortgeſchrittenen Tech=
niſierung
und der erhöhten Aufgaben der Baubeamten die Zahl
der akademiſchen Baubeamten ſich im Gegenſatz zu ſämtlichen in
der Statiſtik aufgeführten Berufsbeamten nicht erhöht hat. Das
war nur möglich durch den von den akadem Staatsbaubeamten
ſeit 3 Jahrzehnten betriebene, von etwa 1917 ab begonnene und
1927 durchgeführte Neuordnung der öffentlichen Bauverwaltung.
Staatspartei und Verwaltungsreform.
Der ſtaatsparteiliche Abgeordnete Schreiber beantragt im
Landtag u. a.: Die Regierung wird erſucht, unverzüglich organiſa=
toriſche
Vorbereitungen zu treffen, die eine Verminderung der 5
Miniſterien auf 2. höchſtens 3 ermöglichen; in allen Miniſterien
gemiſchte Kommiſſionen aus Beamten der Zentral= und Lokal=
behörden
und aus allen Beamtengruppen zu bilden, deren Auf=
gabe
es iſt, geeignete Vorſchläge zu machen, die eine Uebertra=
gung
von Arbeiten der Zentralbehörden auf Lokalbehörden und
eine Vereinfachung des Dienſtbetriebes zum Ziele haben ſollen;
dem Landtag iſt auf Grund des ſo gewonnenen Ergebniſſes Vor=

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lage zu machen; die in Ausſicht genommene Verwaltungsreform
durch Zuſammenlegung und Neuabgrenzung von Lokalbehörden,
ſowie durch Abbau der Provinzialdirektionen als ſtaatlicher Be=
hörden
unverzüglich durchzuführen; beim Reich erneut die Weiter=
führung
der Arbeiten zur Reichsreform zu betreiben, und, falls
dieſe Arbeiten in abſehbarer Zeit zu keinem Erfolg führen, Ver=
handlungen
mit Nachbarländern zwecks Zuſammenſchluß auf der
Grundlage des bereits beſtehenden rhein=mainiſchen Wirtſchafts=
gebietes
aufzunehmen.
Preußiſche Perſonalpolikik.
Aus dem Unkerſachungsausſcheß des Breußiſchen
Landtags.
Vdz. Berlin, 18. April.
Der Unterſuchungsausſchuß des Preußiſchen Landtags zur
Unterſuchung der Perſonalpolitik im Preußi=
ſchen
Statiſtiſchen Landesamt ſetzte am Freitag ſeine
Verhandlungen fort. Büroinſpektor Kreuſch bekundete, daß der
notwendige Abbau des Perſonals in der erſten Zeit ſtets ent=
ſprechend
den geſetzlichen Vorſchriften erfolgte. Seit dem Amts=
antritt
des Regierungsdirektors Caſſau ſei das anders gewor=
den
. Bei einer Erkundigung bei ſozialdemokratiſchen
Abgeordneten im Landtag ſei dem Zeugen geſagt worden,
man möge auf keinen Fall etwas gegen Herrn
Caſſau unternehmen; er ſei als alter Parteiangehöriger
der Sozialdemokratie bekannt. Es ſei dann auch nichts weiter
unternommen worden. Noch ſchlimmer ſei es geworden, als
Poſner in das Amte eintrat. Auf Befragen durch den Bericht=
erſtatter
erklärte der Zeuge, daß Poſner den Vorwärts=
Artikel Das Hakenkreuzneſt im Statiſtiſchen Landesamt
verfaßt, bzw. das Material dazu geliefert habe. Präſident
Saenger erklärte dazu, daß Poſner auf ſeine, des Präſidenten,
Frage, die ſchriftliche Antwort erteilt habe, daß er mit dem Ar=
tikel
nicht das geringſte zu tun habe. (Lebhaftes hört! hört!
rechts.) Zeuge Kreuſch bezeichnete den Vorwärts=Artikel als
Unfug. Dieſer Artikel ſollte Caſſau angreifen, um ihn indirekt zu
noch ſchärferem Vorgehen zu veranlaſſen.
Auf Fragen des Berichterſtatters erwiderte der Zeuge, daß
die Zuſammenarbeit im Betriebsrat, dem er lange Zeit ange=
hörte
, reibungslos geweſen ſei. Poſner habe aber bald nach ſeinem
Eintreten von den ſozialdemokratiſchen Mitgliedern des Betriebs=
rats
direkt verlangt, gegen den Betriebsratsvorſitzen=
den
zu intrigiern und unter allen Umſtänden
gegen ihn Stellung zu nehmen, ſelbſt wenn es
zum Schaden der Angeſtellten ausſchlagen
ſollte. Auf Vorſtellungen habe Poſner erklärt, ſachliche
Gründe ſpielten keine Rolle; hier handele es ſich nur um politiſche
Momente. Ein derartiges Verfahren habe er abgelehnt.
Ein weiterer Zeuge, der frühere Angeſtellte Krämer, erklärte,
Regierungsdirektor Caſſau, und noch mehr der Regierungsrat Poſ=
ner
, hätten ſich bemüht, alle rechtsgerichteten Beamten und Ange=
ſtellten
aus dem Amt zu entfernen und durch linksgerichtete zu

erſetzen. Seit Caſſaus und Poſners Eintritt in das Amt ſei dort
unter den Angeſtellten die Parole ausgegeben worden, wer ſeine
Stellung halten oder verbeſſern wolle, müſſe der Sozialdemokraitie
als Mitglied beitreten. Krämer ſelbſt iſt tatſächlich, wie er ſagt,
um ſeine Exiſtenz zu halten, damals der S.P.D. beigetreten, aber
nach 1½ Jahren aus der Partei ausgeſchloſſen worden, weil man
ihm vorwarf, er habe als nationalſozialiſtiſcher Spitzel in der
Partei gewirkt. Dieſe Behauptung beſtreitet Krämer, und er
glaubt, daß er aus dem Amtnur entlaſſen worden ſei,
weil er Poſners Intrigen nicht mitgemacht habe.
Caſſau gibt dagegen als Grund für Krämers Entlaſſung an, daß
Krämers moraliſche Qualitäten bei der Verwaltung Bedeuken
erregt hätten. Nach dem Bombenattentat auf den Reichstag habe
nämlich Krämer ſeinen Freund Timm zu Unrecht der politiſchen
Polizei als Täter denunziert, obwohl er ihn vorher ingeborgt
hatte. Krämer habe ſich nur die Belohnung verdienen wollen.
Krämer behauptet dagegen, er habe unvorſichtigerweiſe in Gegen=
wart
von Poſner den Verdacht gegen Timm geäußert und ſei
daraufhin von Poſner genötigt worden, die Anzeige bei der Po=
lizei
zu machen, um ſich nicht ſelbſt als Begünſtiger ſtrafbar zu
machen.
2as Arkeil im Hochzertals=Prozeß
gegen die Straußberger Aomnuniſten.
Leipzig, 18. April.
Wegen Verteilung kommuniſtiſcher Flugblätter an die
Straußberger Polizeibeamten waren, wie gemeldet, ſechs Arbei=
ter
unter die Anklage der Vorbereitung zum Hochverrat geſtellt
worden. Der vierte Strafſenat des Reichsgerichts hat am 17.
und 18. April unter dem Vorſitz des Reichsgerichtsrates Baum=
garten
verhandelt und folgendes Urteil verkündet: Der Arbeiter
Alfred Götze wird freigeſprochen. Der Staatsanwalt hatte ein
Jahr und drei Monate Feſtung beantragt. Es werden ver=
urteilt
je wegen eines Verbrechens des verſuchten Hochverrats
der Arbeiter Albert Karow aus Straußberg zu einem Jahr drei
Monaten Feſtung (beantragt waren 1 Jahr 6 Monate Feſtung),
ſieben Monate gehen für Unterſuchungshaft ab; der Arbeiter
Guſtav Schulz aus Straußberg zu neun Monaten Feſtung (1 Jahr
Feſtung), zwei Monate werden für Unterſuchungshaſt abgezogen;
der Maurer Hans Schneider aus Herrenhorſt bei Rehfelde zu
neun Monaten Feſtung (ſechs Monate Feſtung); der Maurer
Hch. Stark aus Berlin zu einem Jahr ſechs Monaten Feſtung
(zwei Jahre Feſtung), ſechs Monate ſind durch Unterſuchungs=
haft
verbüßt; der Ofenſetzer Ernſt Koppe aus Berkin zu einem
Jahr ſechs Monaten Feſtung (zwei Jahre Feſtung), fünf Mo=
nate
ſind urch die Unterſuchungshaft verbüßt. Im übrigen iſt
das Flugblatt Schutzpolizeibeamte, das von den Angeklagten
gemeinſam zur Verteilung an Polizeibeamte gelangt iſt, einzu=
ziehen
, die Platten ſind unbrauchbar zu machen.

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[ ][  ][ ]

Nummer 108

Sonntag, den 19. April 1931

Seite 5

Aus der Landeshaupkſtadk.
Darmſtadt, den 19. April 1931.
Ernannt wurden: Am 13. April: der Studienrat an der
Studienanſtalt in Offenbach a. M. Friedrich Buri zum Studien=
rat
an der Oberreglſchule am Friedrichsplatz in Offenbach a. M.;
am 16., April: der Studienrat an dem Gymnaſium in Mainz Franz
Anton Como, zurzeit kommiſſariſch an dem Gymnaſium in Bin=
gen
zum Studienrat an dem Gymnaſium und der Oberrealſchule
in Dieburg, beide mit Wirkung vom 20. April 1931 ab.
EPH. Stadtpfarrer Kleberger penſioniert. Durch die heſ=
ſiſche
Kirchenregierung wurde der erſte Stadtpfarrer Karl Kle=
berger
zu Darmſtadt auf ſein Nachſuchen und unter Anerken=
nung
ſeine langjährigen treuen Dienſte mit Wirkung vom 1. Ok=
tober
1931 in den Ruheſtand verſetzt. Pfarrer Kleberger, der im
69. Lebensjahr ſteht, iſt ſeit dem 1. Juli 1899 Stadtpfarrer der
Lukasgemeinde in Darmſtadt. Seit dem 18. März 1919 iſt er
erſter Stadtpfarrer.
* Staatsdienſt=Jubiläum. Am 19. bzw. 25. April begehen die
Herren Vermeſſungsſekretäre Otto Biſſinger und Hans Reu=
ter
im heſſiſchen Vermeſſungsdienſt, ihr 25 jährigesStaatsdienſtjubi=
läum
. Ihre Berufskollegen beglückwünſchen die Jubilare aufs
herzlichſte und hoffen, daß es ihnen vergönnt ſein möge, noch recht
viele Jahre hindurch zum Wohle des Volkes tätig zu ſein.
Hohes Alter. Heute begeht Fräulein Anna Ehrhardt,
Hofmannſtr 22, Tochter des Geh. Rats Dr. Chriſtian Ehrhardt,
des Begründers des Kataſterweſens in Heſſen, in körperlicher und
geiſtiger Friſche ihren 94. Geburtstag.
Die Dienſtſtunden des Polizeiamts ſind ab 20. April 1931
von 7.30 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 17.30 Uhr, Samstags von
7.30 bis 13 Uhr; die Dienſtſtunden des Landeskriminalpolizei=
amts
von 7 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 17 Uhr Samstags von
bis 12.30 Uhr feſtgeſetzt. Sonntags bleiben die Büros des
Polizeiamts und des Landeskriminalpolizeiamts für das Publi=
kum
geſchloſſen.
Tagesordnung zur Sitzung des Stadtrats am Donners=
tag
, den 23. April um 17 Uhr, im Rathaus: 1 Verlegung der
Wandererherberge Herdweg 28 nach dem alten Verſorgungshaus,
Pallgswieſenſtraße 54; 2. Betriebsſtörung im Hauptpumpwerk
des Städtiſchen Waſſerwerks im Sommer 1930; hier: die Koſten
für die Errichtung eines Notpumpwerks: 3. Aenderung der Gas=
lieferungsbeſtimmungen
und der Waſſerlieferungsbedingungen;
4. Abänderung der Bedingungen für die Lieferung von Waſſer
aus dem Städtiſchen Waſſerwerk; 5. Abſchluß der Stadtkaſſe und
der ſtädtiſchen Nebenkaſſen für 1929: 6. Die endgültigen Umlagen
und die endgültige Sondergebäudeſteuer für 1930; 7. Ausbau des
ehemaligen Truppenübungsplatzes Griesheim als Verkehrslande=
platz
; 8. Einrichtung einer Konten=Kartei und Beſchaffung einer
Regiſtrierkaſſe für die Stadtkaſſe; 9. Anſchluß des Wohlfahrts=
und Jugendamts an die Polizeirufanlage; 10. Erlaß einer Poli=
zeiverordnung
über das öffentliche Kraftdroſchkenweſen; 11. Er=
laß
einer Polizeiverordnung über die Verkehrsregelung in der
Stadt Damſtadt: 12. Schließung des Schollwegs und Abgabe des
Geländes an den Alice=Frauenverein; hier: Einſprüche gegen den
Bebauungsplan; 13. Antrag der Gewerbe= und Handwerkerver=
einigung
Darmſtadt auf Aufhebung der Ziffer 4 des 8 50 der
Ortsbauſatzung für das Baugebiet öſtlich des Heinrich=Rinck=Wegs
und des Weberwegs; 14. Mitteilungen.
Bücherſtube Alfred Bodenheimer. Ausſtellung Ruth
Meier, Dresden. Die Dresdenerin Ruth Meier, die in den
Räumen der Bücherſtube Aquarelle, Holzſchnitte und Graphik
zeigt, arbeitete in Karlsruhe bei Prof. Behr und Prof. Konz,
ſpäter in Düſſeldorf und in Paris bei Maurice Denis Ruth
Meier ſtellt gleichzeitig im Mannheimer Kunſtverein im Rahmen
einer Ausſtellung von Dresdener Künſtlern aus. Die Vorberei=
tungen
für die Bauhausausſtellung im Mai ſind in vollem Gang.
Es werden Oelbilder gezeigt, Gobelins aus der Bauhausweberei,
Photomontagen Photomalerei, Klebebilder und Aquarelle. Ueber
die Eröffnung dieſer Ausſtellung Anfang Mai wird noch näheres
bekannt gegeben.
Frühjahrs=Modenſchau. Wir weiſen nochmals auf die
am Montag, den 20 d. M., abends, im Fürſtenſaal, Grafen=
ſtraße
18, ſtattfindende Frühjahrs=Modenſchau des Dürerhauſes,
Eliſabethenſtraße 25, hin.
Heſiſches Landeskheaker.

Großes Haus Kleines Haus Sonntag,
19. April enf ie
Lohengrin
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Preiſe 110 Mi
Gutſcheine beſchränkt gültig MNMe
Ufa=Tonfilm=Operette
Die Drei von der Tankſtelle
Preiſe 12.60 Mk. Montag,
20. April Keine Vorſtellung 15, 17.30, 20.15 Uhr
Ufa=Tonfilm=Operette
Die Drei von der Tankſtelle
Preiſe 12.60 Mk. Dienstag
21. April 19.3022.,30 Uhr
Gaſtſpiel Hermine Körner
Eliſabeth von England
Außer Miete.
Vorſtellung zu halb. Preiſen
Preiſe 050 bis 5 Mk. 15, 17.30, 20.15 Uhr
Ufa=Tonfilm=Operette
Die Drei von der Tankſtelle
Preiſe 12.60 Mk. Mittwoch,
22. April 19.30 Ende gegen 22.30 Uhr
Der Hauptmann von Köpenich
B20
Preiſe 110 Mk. Keine Vorſtellung Donnerstag,
23, April 19.30, Ende gegen 22 Uhr
Tnrandot
C 21
Preiſe 110 Mk. Keine Vorſtellung Freitag,
24. April 19.30, Ende gegen 23 Uhr
Biktoria und ihr Huſar
Außer Miete
Vorſtellung zu halb. Preiſen
Preiſe 0 505 Mr. 19 3022.15 Uhr
Der Grane
T, Gr. 1, 4, 5, 6 7 u. 8
Preiſe 15 Mk. Samstag
25. April 19.3022 30 Uhr
Zum letzten Male:
Königskinder
K15 Bühnenvoltsbund
Preiſe 0.808 Mr. 2022.30 Uhr
Zum letzten Male:
Meine Schweſter und ich
Außer Miete
Vorſtellung zu klein. Preiſen
Preiſe 13 Mk. Sonntag,
26. April 18.30. Ende nach 22 Uhr
Hamlet
H11 Bühnenvolksbund
Preiſe 0.808Mr 2022.15 Uhr
Blanbart
Zuſatzmiete 1V 10
T, Gr. 2 u. 3 1.206 Mk.

Heſſiſches Landestheater. Lohengrin von Richard
Wagner wird heute, Sonntag, im Großen Haus, in der Inſzenie=
rung
von Renato Mordo (Bühnenbild: Lothar Schenck v. Trapp),
unter muſikaliſcher Leitung von Karl Maria Zwißler zur Dar=
ſtellung
kommen. In den Hauptrollen:; Sattler (Lohengrin),
von Stoſch (Elſa), Herrmann (König Heinrich), Lohmann ( Tel=
ramund
), Jacobs (Ortrud) und Stralendorf (Heerrufer).
Volksvorſtellung Eliſabeth von England.
Die letzte Aufführung des ungewöhnlich erfolgreichen Schauſpiels
Eliſabeth von England von Ferdinand Bruckner wird Diens=
tag
, den 21. April, im Großen Haus, außer Miete, als Volksvor=
ſtellung
zu halben Preiſen ſtattfinden. Auch für dieſe letzte Auf=
führung
des Werkes konnte Frau Hermine Körner für die Dar=
ſtellung
der Titelrolle gewonnen werden. Für dieſe Vorſtellung
findet der Vorverkauf beim Verkehrsbüro, bei C. L. Külp und an
der Tageskaſſe des Großen Hauſes ſtatt. Letzte Auffüh=
rung
Meine Schweſter und ich‟ Der ſeit Jahren
ſtärkſte Publikumserfolg des Heſſiſchen Landestheaters. Meine
Schweſter und ich muſikaliſches Luſtſpiel nach Berr und Verneuil
von Robert Blum, mit Geſangstexten und Muſik von Ralph
Benatzky, wird Samstag, den 25. April, außer Miete letztmalig
bei kleinen Preiſen in Szene gehen. Es iſt dies die 29. Auffüh=
rung
des ungewöhnlich erfolgreichen Werkes.

Zer Borſiand ver HanowderrKammer Ha den Keuergeſehen.

Der Vorſtand der Heſſiſchen Handwerkskammer nahm in
ſeiner geſtrigen Sitzung in Anweſenheit von Vertretern der heſſi=
ſchen
Finanzbehörden eingehend Stellung zu den durch die Not=
verordnung
geregelten bzw. in Ausſicht geſtellten Steuergeſetzen
und den letzten ſteuerlichen Maßnahmen im Lande Heſſen. Aus=
gehend
von dem Grundſatz einer gerechten Laſtenverteilung, kam
er zu folgenden Ergebniſſen:
1. Grundſteuerrahmengeſetz.
Durch die vorgeſehene Heranziehung des Einheitswerts als
Beſteuerungsgrundlage iſt eine ungerechte Verſchiebung des ſeit=
herigen
Belaſtungsverhältniſſes unter den verſchiedenen Gruppen
von Grundeigentümern in den Bereich der Möglichkeit gerückt. Um
dies zu vermeiden, muß die Neubewertung des Grundvermögens
derart erfolgen, daß weſentliche Verſchiebungen auch der Grund=
ſteuerlaſten
nicht eintreten.
2. Gewerbeſteuerrahmengeſetz.
Die Heranziehung des Gewerbeertrags als einzige oder vor=
wiegende
Beſteuerungsgrundlage führt wie an praktiſchen Bei=
ſpielen
überzeugend nachgewieſen wurde zu einer unerhörten
Höherbelaſtung der Klein= und Mittelbetriebe. Nach Anſicht des
Kammervorſtandes ſoll bei der Gewerbeſteuer vorwiegende Be=
ſteuerungsgrundlage
das Gewerbekapital ſein, da die Gewerbe=
ſteuer
, wenn überhaupt, nur den einen Sinn haben kann, daß ſie
eine Erſatzleiſtung für die den Gemeinden und Ländern durch die
Betriebe erwachſenden Koſten darſtellt. Regierung und Abgeord=
nete
ſind deshalb zu bitten, ſich für möglichſt obligatoriſch zu ge=
ſtaltende
Heranziehung des jeweiligen Betriebsvermögens und
der Lohnſumme als Beſteuerungsgrundlagen neben dem Gewerbe=
ertrag
einzuſetzen, wie es auch in dem Entwurf eines Steuerver=
einheitlichungsgeſetzes
aus dem Jahre 1928 vorgeſehen war.
Ferner iſt hinzuwirken auf eine ſtärkere Degreſſion des Ta=
rifs
, auf die Abzugsfähigkeit des perſönlichen Arbeitsverdienſtes
vom ſteuerpflichtigen Ertrag und auf die Einführung eines An=
hörungsrechts
der Berufsvertretungen, wie ſie in Preußen ſeit
langem beſteht.
3. Realſteuerſenkung.
Sie iſt in ihrer Höhe, Sicherung, Finanzierung und Dauer
unbefriedigend im Geſetz gelöſt. Eine dauerhafte Senkung iſt nur
möglich mittels Aufgabenentlaſtung und richtigen Finanz= und
Laſtenausgleichs zwiſchen Gemeinden. Ländern und Reich. Die
Finanzierung der Senkung vermittels der Sonderſteuereingänge
lähmt die Bauwirtſchaft weiterhin und bringt die Gefahr einer
Verewigung der ruinöſen Sondergebäudeſteuer mit ſich. Eine
Entlaſtung des Grundbeſitzes und der Gewerbetreibenden wird
in Heſſen effektiv durch die Senkung deshalb nicht eintreten, weil
die Grundſteuer zuvor um ein Mehrfaches erhöht, die Sonder=
gebäudeſteuer
in vielen Fällen hinaufgeſchraubt und die Gewerbe=
ſteuer
nach Einführung des Rahmengeſetzes insbeſondere für die
ſehr große Zahl der Klein= und Mittelbetriebe ſich ebenfalls über
den Betrag der Senkung hinaus erhöhen wird. Vielmehr wird
für die Handwerksbetriebe durch die vorgeſehene Art der Steuer=
vereinheitlichung
eine effektive Erhöhung der Realſteuern zum
mindeſten vom Jahre 1932 ab per Saldo zu verzeichnen ſein, der
mit allen Mitteln entgegenzutreten iſt.

4. Steuervereinfachung.
Unter den Vereinfachungsmaßnahmen befinden ſich ſolche, die
eine echte Vereinfachung für die Steuerpflichtigen nicht nach ſich
führen werden. Zu begrüßen ſind die Erhöhung der Vermögens=
ſteuerfreigrenze
und die Einführung einer Umſatzſteuerfreigrenze
als echte Vereinfachungsmaßnahmen. Die Offenlegung der Ein=
heitswerte
an Stelle der Zuſtellung von Beſcheiden belaſtet un=
verhältnismäßig
die zur Einſichtnahme gezwungenen Pflichtigen.
Vollkommen abzulehnen iſt die in Ausſicht geſtellte gewerb=
liche
Einheitsſteuer und die Gemeindezuſchläge hierzu, durch
welche die Einkommenſteuerkraft des gewerblichen Mittelſtandes
übermäßig angeſpannt wird, im Gegenſatz zu den Leiſtungen der
großwirtſchaftlichen Kreiſe. Regierung und Abgeordnete ſind zu
bitten, ſich der Einführung der gewerblichen Einheitsſteuer in der
vorhergeſehenen Form zu widerſetzen und dafür Sorge zu tragen,
daß ihr die Zuſtimmung im Reichsrat verſagt bleibt.
5. Sondergebäudeſteuer.
Die Erhöhung der heſſiſchen Sondergebäudeſteuer für Ob=
jekte
, bei denen die Friedensmiete höher als 5 v. H. iſt, hat ſich
weit ſtärker als erwartet ausgewirkt. Betroffen iſt insbeſondere
der Geſchäftshausbeſitz in guter Lage. Ungewöhnliche Härten
entſtehen durch die Einziehung inſofern, als die ungenügenden
Geſchäftserträgniſſe in der heutigen wirtſchaftlichen Kriſenzeit die
Deckung erhöhter Sonderſteuern nicht zulaſſen und eine Abwäl=
zung
auf die Mieten meiſtenteils unmöglich iſt. Die Geſchäfts=
mieten
müſſen im Gegenteil heutzutage faſt überall geſenkt wer=
den
. Zu verlangen iſt eine ſofortige Feſtſtellung der Geſamt=
ſumme
der Mehrveranlagungen in Heſſen, Streichung des über
den voranſchlagsmäßigen Betrag in Höhe von 500 000 RM. hin=
ausgehenden
Teils und Unterverteilung des Reſtbetrages auf die
tatſächlich tragfähigen Objekte.
Der in der letzten Zeit häufig propagierte Vorſchlag auf
Freilaſſung desjenigen Teils von der Sondergebäudeſteuer für
den Reparaturen im Hauſe ausgeführt worden ſind, verdient
größtes Intereſſe im Hinblick auf die Ankurbelung des Wirt=
ſchaftslebens
. Es iſt zu verſuchen, die finanzpolitiſchen Hinder=
niſſe
zu überwinden.
Ferner muß Vorſorge dagegen getroffen werden, daß die
enorme Steuerverſchuldung der Geſchäftshauseigentümer aus=
geglichen
wird, die mangels genügender Geſchäftserträgniſſe in
den letzten Jahren nicht in der Lage waren, die überaus hohen
Sonderſteuern zu entrichten.
Der endgültigen Beſeitigung der Sondergebäudeſteuer muß
größte Aufmerkſamkeit gewidmet werden.

6. Die neue Bewertung des zwangsbewirtſchafteten
Grundbeſitzes
muß ſich möglichſt anlehnen an die heutigen Werte. Ob dies
allein durch ein Vielfaches der Rohmieten bzw. Friedensmieten
möglich iſt, iſt nicht ſichergeſtellt. Eine Kombination der Roh=
miete
mit dem früheren Wehrbeitragswert beide in ein Verhält=
nis
geſetzt zu den tatſächlich in der letzten Zeit erzielten Verkaufs=
preiſen
, iſt im Sinne der Vorſchläge der Hausbeſitzerorganiſation
zu erwägen. Die Wertſeſtſetzung muß durch Sachverſtändigen=
kommiſſionen
erfolgen.

Am die Deutſche Handball=Meiſterſchaft
kämpfen heute nachmittag 3.30 Uhr auf dem Stadion am Böllen=
falltor
als Vertreter des Weſtens Sportfreunde Siegen
gegen den Süddeutſchen Meiſter Sportverein 98 Darm=
ſtadt
. Wir verweiſen auf den Sportteil, der auch die Mann=
ſchaften
nennt.
Der Richard=Wagner=Verband deutſcher Frauen veranſtaltet
am Samstag, den 25. April, abends 8 Uhr, im Hauſe ſeiner zwei=
ten
Vorſitzenden, Frau Geheimrat Merck, Annaſtraße 15, einen
muſikaliſchen Abend zum Beſten der Richard=Wagner=Stipendien=
Stiftung, bei dem die Damen Hilde Groß, Ingeborg von Sel=
zam
und Herr Otto Bley ſämtlich Schüler des Herrn Oberſt=
leutnant
von Selzam mitwirken. Zum Vortrag gelangen Lie=
der
Duette und Arien von Schubert, H. Wolff, Rubinſtein, Puc=
cini
, R. Wagner u. a. Die Begleitung am Flügel hat liebens=
würdigerweiſe
Herr Kapellmeiſter Karl Hauf übernommen. (S.
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Orpheum. Einzige Sonntagsaufführung:
und ſie betrügt dich doch!" Die geiſtreiche Luſt=
ſpielneuheit
von Möhany, mit der Muſik von Kurt Zorlig, geht
heute abend als einzige Sonntagsaufführung in Szene. Die
hervorragenden Leiſtungen von Lori Leux, C. v. Möllendorf,
Ferry Sikla, Lucie Manen und Mara Leslie machen jede Auffüh=
rung
zu einem erleſenen Genuß, den ſich niemand entgehen laſſen
ſollte. Es gelten kleine Preiſe von 1 bis 3 Mark. Kartenverkauf:
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10. Akademie=Konzert. Im 10., letzten dieswinterlichen
Akademie=Konzert am Donnerstag, den 23. d. M., um 17 und 20
Uhr im Großen Saal des Städt. Saalbaus wirkt mit als Soliſt
der hervorragende Geiger Prof. Georg Kulenkampff, der
heute zu den erſten Geigern zählt und weit über die deutſche
Grenze hinaus bekannt iſt. Der Künſtler wird das Violinkonzert
von Beethoven, das zu ſeinen Glanznummern zählt, zum Vortrag
bringen. Das Konzert iſt ganz auf klaſſiſche Muſik geſtellt. Der
Inſtrumental=Verein (Orcheſter der Städt. Akademie für Ton=
kunſt
) bringt unter Leitung ſeines Dirigenten, Städt. Muſikdirek=
tors
Profeſſor Wilhelm Schmitt, neben der Begleitung zu
dem Konzert zu Anfang die Quvertüre zu Don Juan von
Mozart und zum Schluß die Mozart=Es=Dur=Symphonie, Köch.=
Verz. 543, zu Gehör. Karten im Sekretaxiat der Städt. Akade=
mie
für Tonkunſt. Eliſabethenſtraße 36. Fernruf 3500 ( Stadt=
verwaltung
).

Neue Einſchränkungen in der Kriegsopfer=
Verſorgung.
Der Verband der Kb. und Kh. der Kriegerkameradſchaft Haſ=
ſia
, Darmſtadt, bittet uns. Nachſtehendes bekannt zu geben: Die
Kriesbeſchädigten und Hinterbliebenen, die ſchon ſeit zwei Jahren
eine erhebliche Anzahl von Einſchränkungen ihrer bisherigen Ver=
ſorgungsrechte
hinnehmen mußten, ſind durch einen neuen, ſehr
einſchneidenden Sparerlaß des Reichsarbeitsminiſters ſowie durch
Gerüchte über weitere weſentliche Abſtriche an den Verſorgungs=
gebührniſſen
in ſtarke Unruhe verſetzt. Ueber den Inhalt des Er=
laſſes
teilt der Verband der Kriegsbeſchädigten und Kriegerhinter=
bliebenen
des Deutſchen Reichskriegerbundes Kyffhäuſer folgen=
des
mit Alle Zahlungen, zu deren Leiſtungeine ge=
ſ
etzliche Verpflichtung nicht beſteht, dürfen weder
erhöhtnoch neu bewilligtwerden, während bereits be=
willigte
Kannbezüge, Beihilfen uſw., weitergewährt werden dür=
fen
. Dieſe von der Reichsregierung auf Grund der ihr vom
Reichstage erteilten Ermächtigung getroffene Maßnahme, wird ſich
deshalb beſonders fühlbar auswirken, weil von jeher ein großer
Teil der Verſorgungsgebührniſſe aus Kannbezügen beſtand und
weil darüber hinaus durch die Notverordnung vom 26. 7. 30 zahl=
reiche
weitere bisherige Rechtsanſprüche in Kannanſprüche umge=
wandelt
wurden. Weitere, die Verſorgung einſchränkende Maß=
nahmen
der Reichsregierung ſollen noch bevorſtehen. Der Kyff=
häuſerbund
wird alle Schritte unternehmen, um weiteren Ver=
ſchlechterungen
in energiſcher Weiſe entgegenzutreten. Der Ver=
band
der Kb. und Kh. der Kriegerkameradſchaft Haſſia hat ſämt=
liche
Bezirks= und Ortsgruppen angewieſen, daß die in den näch=
ſten
Wochen ſtattfindenden Verſammlungen als Proteſtkundgebun=
gen
auszubauen ſind, gegen das neue Unrecht an den Kriegsopfern.

Von der heſſiſchen Photographen=Innung wird uns ge=

ſchrieben: Das Beſtreben der Handel= und Gewerbetreibenden,
ſich angeſichts der gegenwärtigen ſchlechten Wirtſchaftslage zu be=
haupten
, hat vielfach zu Erſcheinungen auf dem Gebiet des Wett=
bewerbs
geführt, die als unlauter bezeichnet werden müſſen. So
ſtehen zurzeit in den Schaufenſtern hieſiger Geſchäfte Lichtbilder
mit Begleittext: Jedem Kunden ſein Bild gratis‟. Es kann gar
keinem Zweifel unterliegen, daß ein ſolches Vorgehen als un=
lauterer
Wettbewerb bezeichnet werden muß und im Widerſpruch
ſteht zum eigentlichen Zweck der Reklame. Aufgabe der Reklame
kann es nur ſein, die Aufmerkſamkeit des kaufenden Publikums
auf die angebotenen Waren zu lenken, aber nicht davon abzulen=
ken
. Die Zuſicherung Jedem Kunden umſonſt ſein Bild, hat
mit dem eigentlichen Betrieb nichts zu tun. Man wird auch
ſehr häufig feſtſtellen müſſen, daß ein ſolches Vorgehen auf Täu=

ſchung hinausläuft, denn mit der Aufnahme, welche der Photo=
graph
umſonſt machen ſoll, iſt es ihm nicht gedient, er rechnet
mit Nachbeſtellungen auf Poſtkarten, Vergrößerungen uſw., und
der Kunde wird zu Ausgaben veranlaßt, welche er bei Empfang
des Photoſchecks nicht beabſichtigt hatte. Dieſe Methode iſt ohne
Zweifel eine Täuſchung des Publikums, und mit einem reellen
Geſchäftsgebaren nicht in Einklang zu bringen, abgeſehen von der
Tatſache, daß mit ſolchen Methoden eine Schädigung nicht nur
des Photographen=Handwerks, ſondern auch aller Geſchäftsinha=
ber
, welche ſolche Reklame ablehnen, verbunden iſt.
Volkshochſchule. Dr. Max Wauer lieſt bei ſeinem Wil=
helm
=Buſch=Abend am Dienstag, den 21. April, im Saal
138 der Techniſchen Hochſchule, unter anderem auch aus dem
Schmetterling, einer ſelten gehörten Erzählung des Dichters.
Karten ſind auch am Saaleingang zu haben.
( Sonntagsrückfahrkarten nach Mannheim am Maimarkt=
Dienstag, den 5. Mai. Auf Antrag des Verkehrsvereins Mann=
heim
gibt die Reichsbahn am Maimarkt=Dienstag, den 5. Mai,
Sonntagsrückfahrkarten zum Beſuch der Mannheimer Veranſtal=
tungen
(Pferderennen, Maimarkt, Ausſtellung Hausfrau und
Handwerk uſw.) aus. Ausgabeberechtigt ſind insgeſamt -274
Stationen, die ſich auf die Reichsbahndirektionen Karlsruhe,
Mainz, Frankfurt, Stuttgart und Ludwigshafen a. Rh. verteilen.
Von den Stationen innerhalb der Reichsbahndirektion Ludwigs=
hafen
werden die Karten nach Ludwigshafen a. Rh. ausgegeben.
Die Rückfahrt muß am 5. Mai ſpäteſtens bis 24 Uhr angetreten
ſein und iſt nach 24 Uhr ohne Fahrtunterbrechung, bei Zugwechſel
mit dem nächſten anſchließenden Perſonenzug, fortzuſetzen; ſie kann
auch mit einem dem Perſonenzug folgenden Eil= oder Schnellzug
fortgeſetzt werden, wenn dieſer den Abgangsbahnhof der Sonn=
tagsrückfahrkarte
eher als der Perſonenzug erreicht.

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Seite 6

Sonntag, den 19.Hpril, 1931

Nummer T08

Deutſcher Staat und deutſche Kultur.

Wie bereits geſtern kurz mitgeteilt, ſprach Profeſſor Hor=
neffer
=Gießen, am Freitag abend über das obenerwähnte
Thema, das er ſeinem zweiten Vortrag in dem drei Vorträge um=
faſſenden
Zyklus über: Sozialismus und Todeskampf des deutſchen
Volkes zugrunde gelegt hatte.
Der erſte Vortrag hat ſich ſo führte der Redner etwa aus
vorwiegend mit wirtſchaftlichen Fragen befaßt. Es ſind aber
Politik und Wirtſchaft nicht zu trennen. Die Wirtſchaft iſt immer
mit dem Staat verbunden und nur im Staate denkbar. Nun
müſſen wir heute leider feſtſtellen, daß die Menſchen nur ein ſehr
loſes Verhältnis zum Staat haben. Man liebt den Staat nicht,
wie das ja auch keineswegs verwunderlich iſt bei einem Staat,
der einen ſchweren und gewaltigen Krieg verloren hat. Gerade
das deutſche Volk bedarf, aber eines neuen Verhältniſſes zum
Staat; ein Verhältnis, das aus dem Letzten und Tiefſten, aus der
Liebe zum Staat erwachſen muß. Dazu aber iſt notwendig eine
neue Idee des deutſchen Staates. Denn nur auf dem ſicheren
Grund einer Idee ſind Verfaſſung und Aufbau des Staates mög=
lich
. Wir müſſen heute einen Mangel an ſolch tragender Idee feſt=
ſtellen
und daher kommt denn auch die betrübliche Erſcheinung,
daß man glaubt, die Leidenſchaft der einen Seite durch Leiden=
ſchaft
der anderen Seite bekämpfen zu müſſen. Ein verfehltes
Beginnen!
Die Idee eines deutſchen Staates muß aus ſeiner Geſchichte,
muß aus dem ſchickſalsformenden Charakter des deutſchen Volkes
neugewonnen werden. Dazu aber iſt nötig, die überhaupt grund=
legenden
Bedingungen des Staatslebens zu kennen: den Sozial=
trieb
und den Willen zur Iſolierung. Den Sozialtrieb, den Kant
erarbeitet und dem er den Individualtrieb entgegengeſtellt hat,
jenen Individualismus, den dann Nietzſche zur Sittlichkeit erhoben
hat. Die Gemeinſchaft der Gleichen iſt leicht. Beim deutſchen
Volk herrſcht der Wille zur Eigenart. Es iſt der deutſche Par=
tikularismus
es iſt der Reichtum an Formen, der das Entſtehen
eines einheitlichen Geiſtes in Deutſchland verhindert hat. Um der
Gefahr der inneren geiſtigen und politiſchen Zerſetzung zu
entgehen, hat das deutſche Volk ſich jene Diſziplin und Organi=
ſation
geſchaffen, die wir mit dem Namen Preußentum bezeich=
nen
. Dieſe preußiſche Diſziplin iſt etwas es mag paradox
klingen von Haus aus durchaus Undeutſches. Sie bedeutet die
Erziehung eines ganzen Volkes und damit die Ueberwindung
ſeiner Erbfehler. Eben um dieſer großen Erbfehler willen, die
im Nationalcharakter des deutſchen Volkes liegen, kann uns
der reine Nationalismus nicht weiter bringen:
würde er uns doch gerade immer tiefer in unſere Fehler hinein=
treiben
. Die Raſſe allein tut es nicht. Und darum müſſen wir
von anderen Völkern lernen.
Wir müſſen lernen aus der Geſchichte des griechiſchen Volkes,
das als erſtes die geiſtige Freiheit, die freie Kunſt und Wiſſen=
ſchaft
, die letzte Verantwortung des Einzelnen vor dem eigenen
Selbſt uns gebracht hat. Aber die Griechen ſind dem Uebermaß
des Individualismus zum Opfer gefallen, das freieſte Volk der
alten Geſchichte wird zum Knechtsvolk. Das Chriſtentum und
Rom haben dann den Gedanken der Gemeinſchaft gebracht. Jenes
den Gedanken der Nächſtenliebe und damit den ſozialen Gedanken,
dieſes die Diſziplin und Organiſation; den ſtraffen Staat. Aus der
Vereinigung beider wuchs die Weltkirche (wie ja kat=holiſch be=
deutet
: die Welt umſpannend). Als dieſe großartigſte Einheitsbil=
dung
der Geſchichte aber drohte, die europäiſchen Völker der gei=
ſtiſchen
Freiheit zu berauben, da entſtanden in Renaiſſance und
Reformation die beiden gewaltigen Gegenbewegungen des In=
dividualismus
, jene in Italien, dieſe in Deutſchland. England
und Frankreich haben dann, auf dieſen Ideen aufbauend, als erſte
Länder der neuen Geſchichte wieder den freien, den demokratiſchen
Bürgerſtaat geſchaffen. Die innere ſtaatliche Einheit der Weſt=
ſtaaten
wurde aber nicht erſchüttert, weil eine innere Einheit des
Geiſtes vorhanden war und iſt Die Deutſchen aber gehen ſo ſagt
Goethe Jeder ſeinem Kopf nach. Deshalb iſt die Freiheit
allein nicht das Evangelium der Deutſchen.
Das Verſtändnis des deutſchen Geiſtes notwendig zur Er=
kenntnis
deſſen, was nun eigentlich dem Deutſchen fromme, er=
ſchließt
ſich nur demienigen, der die Gedankenwelt; Immanuel
Kants erfaßt hat. In ſeinen Schriften Kritik der reinen Ver=
nunft
, Kritik der praktiſchen Vernunft und Kritik der Ur=
teilskraft
hat der große Denker die allgemeingültige, die zwin=
gende
Notwendigkeit der Erkenntnis, des Handelns und des Ge=
fühls
erarbeitet. Es kann nicht jeder denken, was er will. Und
dem Ruf der Freiheit, der aus dem Weſten erſchallte, hat der

Billige Urlaubsfahrken für die weibliche Berufsjugend
In ſeinen Urlaubstagen iſt jeder darauf bedacht, die not=
wendige
körperliche und geiſtige Erholung zu finden und für die
Berufsarbeit wieder neue Kraft zu ſammeln. Gerade in der heu=
tigen
Zeit iſt eine rechte Urlaubsverbringung dringend nötig
und das vor allem für unſere Jugend, damit ihr friſcher Mut
und Jugendfriſche erhalten bleiben. Die Geldmittel geſtatten ihr
nur leider vielfach nicht, die wenn auch nur kurze Urlaubszeit
in dieſem Sinne voll zu nutzen.
Der Verband der weiblichen Handels= und Büroangeſtellten
e. V. bietet den jungen weiblichen Angeſtellten hier eine wert=
volle
Hilfe durch die auch in dieſem Jahre wieder durchgeführten
Ferienwanderungen und Ferienfreizeiten. Schon zum Preiſe von
12 bis 20 RM. können die jugendlichen Mitglieder des Ver=
bandes
an einer Ferienwoche teilnehmen. Die VWA.= Ferien=
fahrten
erfreuen ſich großer Beliebtheit und werden in jedem
Jahr zahlreicher durchgefuhrt.
60 Urlaubsveranſtaltungen werden für dieſen Sommer in
einem Freizeitheft bekanntgegeben. Sie führen jeweils eine frohe
Jungmädelgemeinſchaft von 1020 mit einer erfahrenen Füh=
rerin
in die ſchönſten Gegenden Deutſchlands. Eigene Jugend=
heime
. Jugendherbergen uſw. ſtehen zum 814tägigen Erholungs=
und Ruheaufenthalt zur Verfügung. Wer lieber wandert, der
findet auch Gelegenheit, mit einer Schar durch die Lande zu
ſtreifen. Die Verpflegung iſt einfach, doch reichlich und durchaus
geſundheitsmäßig.
Berichte von Freizeitteilnehmerinnen zeigen immer wieder,
welche große Ferienfreude ihnen die Freizeit brachte, und wie
neben einer glänzenden körperlichen Erholung vor allem auch die
vielen geiſtigen Anregungen, die das Gemeinſchaftsleben brachte,
dankbar begrüßt wurden. Friſch erholt und voll frohen Erinnerns
kehren alle zurück an den Arbeitsplatz, bereit und fähig zur freu=
digen
Arbeitsleiſtung.

große Denker das Wort Geſetz entgegenſtellt. Nicht aber das
äußerliche Geſetz der Gewalt und des Zwangs, ſondern das Sit=
tengeſetz
in mir. Und mit Kant finden ſich zuſammen die größ=
ten
deutſchen Dichter Goethe und Schiller, deren Entwicklung man
zuſammenfaſſen kann in dem Satz: durch Sturm und Drang zum
Geſetz.
Das alte Preußen hat ſich keineswegs im Gegenſatz zu dieſem
Geiſt befunden Preußen war eine Parallelerſcheinung zur Gei=
ſtesgeſchichte
. Friedrich der Große hat als erſter Fürſt die allge=
meine
Toleranz geübt. Auf preußiſchem Boden lehrten Leibniz,
Wolf, Kant, Fichte und Hegel. Der Freiherr vom Stein hat die
freie Selbſtregierung, die Selbſtverwaltung in Preußen zuerſt ein=
geführt
. Eines allerdings muß man ſagen: in den Jahrzehnten,
ja in dem Jahrhundert, das der Klaſſik in Philoſophie und Lite=
ratur
wie in der Staatsgeſtaltung folgte, hat man dieſen Geiſt
veräußerlicht, hat die äußere Diſziplin, den reinen Drill an die
Stelle der inneren Diſziplin geſetzt.
Die Rückkehr zu einer ſolchen geiſtigen Diſziplin aber iſt die
Vorausſetzung des politiſchen Wiederaufbaus, iſt die Vorausſetzung
dafür, daß das Volk auch in ein richtiges Verhältnis zu ſeinen
Führern kommt. Alle begabten Völker haben es ihren Führern
bitter ſchwer gemacht. Das jüdiſche Volk ein Volk, das die per=
ſönliche
Religion der Welt gegeben hat, und das zu verachten bös=
willig
oder dumm iſt wie ſchwer hat es ſeinen Propheten ihre
volkserzieheriſche Aufgabe gemacht! Und die Griechen? Auch ſie
haben man kann es ſagen jeden bedeutenden Führer über
die Klinge ſpringen laſſen: Themiſtokles oder Sokrates, um nur
die bedeutendſten zu nennen. Und mit welch bitteren Anfeindun=
gen
hatten Stein und Bismarck im deutſchen Volk zu kämpfen.
Um eine neue geiſtige Diſziplin, zu bekommen,
tut eine deutſche Volkserziehung not. Dieſe Er=
ziehung
wird nicht eine militäriſche, ſondern eine wahr=
haft
politiſche Erziehung ſein müſſen. Eine Er=
ziehung
, die das Geſetz anerkennen lehrt Auf die Dauer
kann ein begabtes Volk nämlich nicht, mit der
Autorität allein beherrſcht werden. (Darin beſteht, wie
wir hinzufügen möchten, der Irrtum all derer, die das deutſche Volk
mit den Mitteln fasciſtiſcher Diktatur wieder aufrichten wollen.)
Sondern allein helfen kann uns eine ſittliche Diſziplin. Freiheit
im Geſetz und das Geſetz in der Freiheit ſind die Grundpfeiler,
auf denen wir unſere politiſche Volkserziehung aufbauen wollen.
Denn nur eine neue Geſinnung kann auch einen neuen Staat
ſchaffen. So ſchließe ich mit den Worten aus Goethes Fauſt:
Weh. weh.
Du haſt ſie zerſtört.
Die ſchöne Welt,
Mit mächtiger Fauſt,
Sie ſtürzt, ſie zerfällt.
Ein Halbgott hat ſie zerſchlagen.
Wir tragen
Die Trümmer ins Nichts hinüber
Und klagen
Ueber die verlorene Schöne
Mächtiger der Erdenſöhne,
Prächtiger,
Baue ſie wieder,
In deinem Buſen baue ſie auf.
Reichſter Beifall dankte dem Redner für ſeine tiefdurchdachten
und ausgezeichnet vorgetragenen Ausführungen, deren hohes gei=
ſtiges
Niveau in einem nur zu wohltuenden Gegenſatz zu all dem
ſtanden, was man hier in den letzten Wochen an politiſchen
Reden gehört hat. Nun mag man auch zu dieſem Vortrag im
einzelnen manches zu ſagen haben. Nicht darauf ſcheint es uns
anzukommen, das Geſagte kritiklos hinzunehmen und zu ver=
geſſen
. Sondern darauf es zu verarbeiten. Nur ſo kann es wirk=
lich
fruchtbar werden. Denn die politiſche Erziehung des deutſchen
Volkes, die auch von uns immer als das Entſcheidende angeſehen
wird, ſoll ja gerade nicht die Kritikloſigkeit fördern (dazu ſind
Maſſenkundgebungen da), ſondern ſie will erreichen, daß die be=
ſonnene
Urteilskraft geſtärkt werde. Freiheit im Geſetz und Ge=
ſetz
in der Freiheit. Wenn der Vortrag nur das erreicht hätte, ſo
wäre ſchon das Größte gelungen. Er hat mehr erreicht: denn er
war getragen von einer tiefen und warmen Liebe zu Deutſchland.
Und das ſcheint uns das Bedeutſamſte zu ſein.

Die Beratungsſtelle für Volks= und Jugendmuſikpflege
beim Heſſiſchen Kultusminiſterium veranſtaltet am Donnerstag,
den 23. April, abends 8 Uhr, im Saale des Heſſiſchen Gewerbe=
muſeums
Neckarſtraße 3, ihre vierte offene Singſtunde. Der Ein=
tritt
iſt frei; eingeladen iſt jedermann, der Freude am Singen
hat. Muſikaliſche Vorausſetzungen werden nicht gemacht. Es wer=
den
ſchöne alte Jägerlieder geſungen. Wer ein Inſtrument ſpielt,
wird gebeten, dieſes ſowie einen Notenſtänder mitzubringen.
Liederblätter ſind am Eingang koſtenlos zu haben. Es wird auf
den unterm Strich abgedruckten Aufſatz von Prof. Jöde über
Offenes und geſchloſſenes Singen verwieſen.

Handgewebe=Ausſtellung. Wie ſchon bekannt, findet vom
Sonntag, den 19 bis einſchließlich Sonntag, den 21. April, eine
Ausſtellung handgewerblicher Erzeugniſſe aus den Werkſtätten
der Jugendburg Weſterburg im Gemeindehaus, Kahlertſtraße 26,
ſtatt, auf die wir die Damenwelt Darmſtadts nochmals aufmerk=
ſam
machen. (Siehe Anzeige in der heutigen Ausgabe.)
Konzert in der Johanneskirche. Wir weiſen nochmals auf
das heute abend in der Johanneskirche ſtattfindende Wohltätigkeits=
konzert
hin, das der Männergeſangverein Liederzweig, unter der be=
währten
Leitung des Chormeiſters W. Etzold, veranſtaltet. Er=
wähnt
ſei auch nochmals, daß die in ſo weiten Kreiſen bekannte
und beliebte Sopraniſtin Frau Suſanne Horn=Stoll ihre
gütige Mitwirkung zugeſagt hat. Der ganze Ertrag des Konzerts
iſt für die Nothilfe in unſerer Gemeinde beſtimmt. Eintritts=
karten
zu 1. RM. (numeriert) auf der Empore und 50 Pfg. im
Schiff ſind auch heute abend am Eingang zu haben.

Verbandskag der Reichsfteverbeamken
in Heſſen.
*t. Am Samstag mittag begann im großen Saale des Städt.
Saalbaues der Verbandstag 1931 des Bezirksverbandes
Heſſen im Bunde deutſcher Reichsſteuerbeamten mit einer
öffentlichen Vollverſammlung.
Der Verbandsvorſitzende, Herr Stromberger, konnte
außer den zahlreichen Delegierten und Zuhörern eine recht ſtatt=
liche
Anzahl von Vertretern von Behörden und Organiſationen,
hierunter auch einen Vertreter der ſaarländiſchen Finanz=
beamten
, begrüßen, an ihrer Spitze den Herrn Präſidenten des
Landesfinanzamts, Gläſſing, ſowie eine Reihe von leitenden
Beamten und Referenten der in Darmſtadt befindlichen Reichs=
finanzbehörden
. Herr Präſident Gläſſing trat in warmen Worten
ein für das alte, gute Berufsbeamtentum, das treu und
ohne Vorbehalt dem Staat dient ohne Rückſicht auf Politik und
Konfeſſion. Der Redner kam im Verlauf ſeiner eingehenden Aus=
führungen
auch auf die bekannte Denkſchrift des Reichsrechnungs=
hofes
zu ſprechen, welche auch Beanſtandungen gegenüber der
Reichsfinanzverwaltung enthält, und ſtellte hierbei feſt, daß ge=
genüber
der Reichsfinanzverwaltung im Bezirk des Landes=
finanzamts
Darmſtadt ſolche Beanſtandungen
nicht erhoben worden ſeien. Der Redner warnte im
übrigen vor der Gefährlichkeit einer Verallgemeinerung ſolcher
vom Reichsrechnungshof feſtgeſtellten Tatſachen.
Nach Erledigung verſchiedener organiſatoriſcher Angelegenhei=
ten
und dem Geſchäftsbericht des Verbandsvorſitzenden, der
ſich unter dem Motto Zwei Jahre Not und Kampf über die Ge=
ſchäftsjahre
1929 und 1930 erſtreckte, hielt Herr Oberſteuerinſpektor
Bornmann=Berlin, der Schriftleiter der Fachzeitſchrift Die
Steuerwarte, ein Referat über Wirtſchaftskriſe, Fi=
nanznot
und Reichsſteuerbeamtenſchaft.
Der Redner ging davon aus, daß das Jahr 1930 in jeder Be=
ziehung
ein Kataſtrophenjahr geweſen ſei, und daß jeder je nach
ſeiner Einſtellung die Gründe hierfür in verſchiedenen Urſachen
ſehe. Die Beamtenſchaft bemühe ſich, die Urſachen der
Kriſe zu erkennen. Sechs ſolche Urſachen ſeien
hier feſtzuſtellen: Die Steigerung der Bevölkerung, die Aenderun=
gen
im Altersaufbau der Bevölkerung, die Folgen von Krieg und
Inflation, der Umſtand, daß jetzt nur noch ein Bruchteil der frü=
heren
Stärke von Heer und Marine da ſei, der mit dem Weltkrieg
verbundene Produktionsrückgang und ſchließlich die Rationaliſie=
rung
. Der Redner ſprach dann vom Kampf gegen die Maſchine,
der nun eingeſetzt habe, da in Deutſchland das Tempo der Ratio=
naliſierung
überſtürzt worden ſei. Das Büro wurde zur maſchi=
nellen
Betriebswerkſtätte. Vor dem Erſatz menſchlicher Arbeit
durch Maſchinen muß der ſoziale Gedanke ſtehen! Die Maſchine
hat in Betriebe Einzug gehalten, bei denen man dies nie für mög=
lich
gehalten hat, wie z. B. in die Landwirtſchaft. Die Maſchine
wirft Gütermaſſen heraus, für die der Markt gar keine Aufnahme=
fähigkeit
hat. Wir leiden heute unter der Inflation der Ma=
ſchine
, der die Inflation der Arbeitsloſigkeit folgte, die Inflation
der Schulden zu folgen droht! Der Young=Plan iſt nun, ſeitdem
wir die feſte Summe wiſſen, die wir zahlen müſſen, zu einer inner=
politiſchen
Frage geworden, denn jetzt handelt es ſich darum, wer
die Reparationen zahlen ſoll. Nicht die Beamtengehälter ſind an
der Finanzkriſe ſchuld, ſondern viele andere Urſachen, ſo die Stei=
gerung
der ſozialen Laſten, die 1926 vorgenommene Senkung der
Umſatzſteuer, das bekannte Arbeitsbeſchaffungsprogramm, die
Subventionen fur die Induſtrie uſw. Der Redner befaßte ſich noch
des näheren mit dem Etat für 1931 und den beamtenpolitiſchen
Forderungen der Reichsſteuerverwaltung.
Am Spätnachmittag tagten Ausſchußſitzungen, und am Abend
fand im Konkordiaſaal in der Waldſtraße eine geſellige Zu=
ſammenkunft
ſtatt, die von der Ortsgruppe Darmſtadt den Ver=
bandstagsteilnehmern
gegeben wurde und die bei einer vorzüglichen
Vortragsfolge einen ſehr harmoniſchen Verlauf nahm. Die Vor=
tragsfolge
wurde zum großen Teil aus den Reihen der Bundes=
mitglieder
der Ortsgruppe beſtritten, ſo, um nur einige zu nennen.
die ausgezeichnete Kapelle. Deklamationen, Geſangs= und Inſtru=
mentalvorträge
mannigfaltigſter Art. Der obligate Tanz be=
ſchloß
den Abend, der die Bezeichnung Kleinkunſtabend vollauf
verdiente.
Am heutigen Sonntag finden noch Ausſchußſitzungen ſtatt,
und eine
geſchloſſene Verſammlung
am Nachmittag hat zur Aufgabe, die internen geſchäftlichen Ver=
handlungen
abzuwickeln. Der ganze Verbandstag nahm einen
harmoniſchen Verlauf, der zeitgemäß ſich in einfachem und ſchlich=
tem
Rahmen bewegte.
* Skeuer= und Wirkſchaftskalender
für die Zeit vom 16. bis 30. April 1931.
Ausſchneiden!
Aufbewahren!
15. April: Ueber die an dieſem Tage ablaufende Schonfriſt für
die Umſatzſteuer=Voranmeldung und = Voraus=
zahlung
für das 1. Vierteljahr 1931 iſt bereits im
Steuerkalender für die 1. Aprilhälfte das Erforderliche
geſagt worden.
20. April: Abführung der Lohnſteuer für die in der Zeit vom
1. bis 15. April 1931 erfolgten Lohnzahlungen im
Markenverfahren und im Ueberweiſungsverfahren; im
letzteren jedoch nur dann, wenn die in der erſten Hälfte
des Kalendermonats einbehaltenen Lohnſteuerbeträge
für ſämtliche in einem Betriebe beſchäftigten Arbeit=
nehmer
den Betrag von 200 RM. überſtiegen haben.
Keine Schonfriſt. Ferner Abführung der im Steuer=
abzugsverfahren
einbehaltenen Ledigenſteuer.
25. April: Erſte Vorauszahlung (ſtaatliches Ziel) laut gelbem
Steuerbeſcheid über ſtaatliche Grundſteuer,
Sondergebäudeſteuer und Gewerbe=
ſteuer
für das Rechnungsjahr 1931/32. Die Steuer=
beſcheide
ſind in dieſen Tagen zugeſtellt worden. Ob
und in welcher Höhe eine Abſchlußzahlung für das Rech=
nungsjahr
1930/31 zu entrichten iſt. iſt aus dem Steuer=
beſcheid
unter B zu entnehmen. Schonfriſt bis 5. Mai
1931
H. W. Wohmann.

Warten Sie nicht,

bis es zu spat ist!

Jedes Jahr müssen zahlreiche Familienväter von der Lebensversicherung
abgelehnt werden, oder sie können nur zu erschwerten Bedingungen
abschließen, weil sie nicht mehr ganz gesund sind. Auch Ihnen könnte
eine plötzliche Krankheit diese Vorsorge für alle Zukunft unmöglich
machen. Verschaffen Sie also sich und Ihrer Familie die Vorteile
einer Lebensversicherung rechtzeitig jetzt solange Sie gesund sind.
Schieben Sie es nicht länger auf
Jragen Sie einen Versicherungs-Fachmann!

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4. Tagung der groß=heſſiſchen Arbeitsgemeinſchaft
der Strafanſtalts=Pfarrer.
EPH. Die von den haupt= und nebenamtlichen Gefängnisgeiſt=
lichen
, von Vertretern der heſſiſchen Landeskirche und den Innen=
ren
Miſſions=Verbänden gut beſuchte Tagung fand in der Straf=
anſtalt
Freiendiez ſtatt. Nach der Andacht von Herrn Pfarrer
Dörmer=Rockenberg, dem Begrüßungswort des Vorſitzen=
den
der Arbeitsgemeinſchaft, Herrn Pfarrer Wahl=Butzbach,
und dem Vertreter des Anſtaltsdirektors, referierte der Berufs=
arbeiter
der Arbeitsgemeinſchaft zur Ausbreitung des Evan=
geliums
unter Gefangenen und Einſamen, Herr Rupprecht=Kaſtel,
über die Entſtehung und Tätigkeit der vor Jahresfriſt begonnenen
Arbeit. 1926 nahm die Arbeitsgemeinſchaft die Arbeit auf. Heute
ſtehen 1600 Freunde hinter dem Werk, die 1930 8000 RM. für die
Arbeit aufbrachten. Zurzeit beſchäftigt ſich die Arbeitsgemeinſchaft
mit der Schaffung eines Strafentlaſſenenen=Uebergangsheimes, für
welches die Mittel bereits zur Verfügung ſtehen. Unterbrochen
wurden die Verhandlungen durch Darbietungen des Anſtaltschors
und des Anſtaltsorcheſters und Beſichtigung der Anſtalt. In den
Nachmittagsſtunden beſchäftigten ſich die Teilnehmer mit Fragen
des Strafvollzugs in Stufen. Die nächſte Tagung ſoll in Kaſſel
ſtattfinden.
Kochvorträge. Daß die Verwendung des Gaſes zu Koch=
zwecken
den Hausfrauen ſehr viel Zeit= und Gelderſparnis bringt,
das leuchtet jeder Hausfrau ein, die unſere Kochvorträge, die
jeden Donnerstag, im Bürgerhof, Eliſabethenſtraße 2, ſtattfin=
den
, beſucht hat. Denn dort werden an Hand von praktiſchen
Vorführungen die vielen Verwendungsmöglichkeiten eines mo=
dernen
Gasherdes gezeigt und erläutert. In einem neuzeitlichen
Gasbackofen kann nicht nur gebraten und gebacken, ſondern auch
gegrillt und ſteriliſiert werden. Die heutigen Gasherde zeichnen
ſich aus durch Billigkeit ſowohl im Anſchaffungspreis, als auch
im Betrieb, durch ſchnelles Arbeiten, ſtete Bereitſchaft und durch
feinſte Regulierungsmöglichkeit der Hitze. Gerade die letztere
Eigenſchaft wird zur Bereitung der Speiſen gefordert, da nach

us Bachſen entſorſcht den Fohderungen des neugeftlichen
Kochens: Erhaltung und beſtmögliche Ausnutzung der in den
Nahrungsmitteln enthaltenen Nährwerte. Beſonderes Intereſſe
wird den Kleinwarmwaſſerbereitern von der Hausfrau entgegen=
gebracht
. Denn mit Beginn der warmen Jahreszeit wird der in
manchen Wohnungen noch befindliche Kohlenherd außer Betrieb
geſetzt, die Speiſen werden auf dem Gasherd zubereitet. Alsdann
beliefert ein kleiner, gasbeheizter Warmwaſſerapparat den Haus=
halt
mit warmem Waſſer, Anſchaffungs= und Betriebskoſten ſind
ſehr gering, ſo daß der Apparat in letzter Zeit eine ſtarke Aus=
breitung
gefunden hat. Der nächſte Vortrag, in dem ausſchließ=

ſpielt in einem ausgezeichneten ſtummen Film, der zurzeit in den
Palaſt=Lichtſpielen läuft. Unſichtbare Feſſeln, ein

ſc. Wddäid durs Wu Aſeſcher Suer Dueehand
hart die Kitſchgrenze ſtreifen) und vor allem durch Greta Gar=
bos
wiederum künſtleriſch gemeiſtertes ſtummes Spiel. Alice
Stuart, die ſie zu verkörpern hat, läßt ſich in (keineswegs un=
ſichtbare
, man ſieht ſie ſehr deutlich!) Feſſeln der Liebe ſchlagen
von einem Mann, der ſie, nach kurzem Liebesrauſch, wegwirft
allerdings, um ſie ſpäter wieder zu umwerben. Sie erträgt geſell=
ſchaftliche
Aechtung und heiratet ſchließlich. Nach Jahren kommt
der einſt Geliebte zurück, ſie zu holen, aber ſie zerreißt nach an=
fänglichem
Schwanken die ſichtbar=unſichtbaren Feſſeln, weil ſie
ein Kind hat, nicht etwa, weil ſie ihren Mann nicht betrügen will.
Das iſt der Inhalt der Fabel, die mit ein paar dramatiſchen Sze=
nen
ausgeſchmückt wird.
Greta Garbos Spiel reißt mit. Alle widerſtrebenden Empfin=
dungen
: Schwanken, Zaudern, ſtarre Entſchlußkraft, Sinnlichkeit,
Liebe, Enttäuſchung, Verzweiflung, Entſagung und ſchließlich ſtol=
zes
Siegen in Mütterlichkeit, alles ſpiegelt ihr wundervolles Auge,
der ausdrucksvoll zuckende, vibrierende Mund, wider. Mit Nils
Aſther, ihrem Partner, bietet ſie ein Spiel ſchöner Menſchen,
das ſo tief und ſtark iſt, daß, wie bemerkt, das hin und wieder
Kitſchige vergeſſen wird.
Ein ausgezeichnetes amerikaniſches Senſationsluſtſpiel der be=
kannten
Jungenhorde, weitere Luſtſpiele und ein intereſſanter
Film aus dem Leben der Adler bereichern gut das Programm. **
Auf die Filmmorgenfeier im Helia=Theater, heute vormit=
tag
11.15 Uhr, ſei an dieſer Stelle nochmals hingewieſen. Hier
wird der hervorragende Kultur=Reiſefilm Emden III fährt um
die Welt zum letzten Male vorgeführt. Jugendliche haben Zu=
tritt
. Volkstümliche Preiſe.
Im Union=Theater läuft mit unvermindertem Erfolg
Charlie Chaplins Lichter der Großſtadt. Jugendliche haben
Zutritt. Heute, Sonntag, Beginn: 2, 3.40, 5.15. 6.55 und 8.30
Uhr.
Das Helia=Theater zeigt nur noch bis Dienstag die neue,
heitere Tonfilm=Operette Der Tanzhuſar, mit Oskar Karlweis,
Friedl. Haerlin, Gretel Theimer, Ernſt Verebes. Albert Paulig,
Julius Falkenſtein u. a. Regie; Fred Sauer. Beginn: 2., 4.05,
6.10 und 8.20 Uhr.
In den Palaſt=Lichtſpielen läuft ebenfalls nur noch bis
Dienstag der Greta Garbo=Film Unſichtbare Feſſeln, mit Greta
Garbo und Nils Aſther in den Hauptrollen. Regie; John S.
Robertſon. Beginn: 2, 4.05, 6.10 und 8.20 Uhr.

Ans den Parkeien.

Eliſabethenſtraße 2 bei freiem Eintritt ſtat. Nach dem Vortrag
wird jede gewünſchte Auskunft erteilt.
Inſtitut St. Mariä. Da die Herſtellungsarbeiten in dem
neuerworbenen Anweſen Wilhelminenſtraße 53 noch nicht beendet
ſind, muß vorerſt der volle Unterrichtsbetrieb in der Waldſtraße
weitergeführt werden. Der Unterricht beginnt am Dienstag, den
21. Apil. um 8 Uhr. Das 2 und 3. Schuljahr brauchen erſt um
9 Uhr zu erſcheinen. Die Aufnahme der Schulneulinge erfolgt
um 10 Uhr. Von einer Beſichtigung des neuen Anweſens vor
der Fertigſtellung wird gebeten, Abſtand nehmen zu wollen.
Chriſtlicher Verein junger Männer, Darmſtadt, e. V., Alexan=
derſtraße
22 (Inf.=Kaſerne). Heute, Sonntag, abends 8 Uhr fin=
det
die monatliche Mitgliederzuſammenkunft mit einem Referat:
Wo ſteht der Feind? ſtatt. Außerhalb oder innerhalb unſerer
Reihen? Organiſierte Gottloſigkeit? Zu dieſem Abend ſind
Freunde und Gäſte herzlich eingeladen. Gleichzeitig wird auch
ſchon heute zu dem Muſikabend am Sonntag, den 26. April,
abends 8 Uhr, eingeladen. Dieſer Muſikabend iſt für Damen und
Herren. Eintritt frei.
Promenaden=Konzert. Am Sonntag, den 19. April, von 11
bis 12 Uhr, ſpielt das Stadt=Orcheſter unter Leitung ſeines Kapell=
meiſters
W. Schlupp im Herrngarten (Pergola) nach folgendem
Programm: 1. In Treue feſt Marſch, von Teike; 2. Ouvertüre
z. Op. Die luſtigen Weiber von Windſor, von Nikolai; 3. Neu
Wien, Walzer, von Strauß; 4. Spinnerlied a. d. Op. Der flie=
gende
Holländer von Wagner; 5. Fantaſie a. d. Op. Der Trou=
badour
von Verdi; 6. Stadion=Marſch von Schlupp.
Stenographie und Maſchinenſchreiben. Bereits heute macht
die Stenographenvereinigung Gabelsberger‟ Ludwig=
Georgs=Gymnaſium, Karlſtraße 2 (Eingang gegen=
über
der Hügelſtraße) darauf aufmerkſam, daß neue Kurſe in
Reichskurzſchrift am Dienstag, den 21. d. M., abends, beginnen.
Der Maſchinenſchreibunterricht Karlsſtraße 23, Erdgeſchoß, iſt täg=
lich
nachmittags geöffnet. Wir bitten die morgige Anzeige zu be=
achten
.
CAerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher Erkrankung
ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt zu
rufen. Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind am Sonntag,
den 19. April 1931, folgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit:
Dr. med. Jockel=Oſannſtr. 50, Telephon 4784; Dr. med. Nau=
heim
=Landwehrſtr. 14, Telephon 4200; Dr. med. Stern I.,
Wendelſtadtſtr. 5, Telephon 1260.
Es verſehen den Sonntagsdienſt und in der daran ſich an=
ſchließenden
Woche den Nachtdienſt vom 18. April bis 25. April die
Löwenapotheke, Ballonplatz 11, Adlerapotheße, Wilhel=
minenplatz
17. Hirſchapotheke, Nieder=Ramſtädterſtraße 21.

Stahlhelm, B. d. F. Am Montag beginnt das neue
Turnhallen=Training der Wehrſport=Abteilung.
Lokale Veranſtalkungen.
Die diernnter erſcheinenden Notizen find ausſchlietlich als Hinweife auf Ameligen m Dcthred
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kril!
Guſtav=Adolf=Frauenverein. Wir machen noch
einmal aufmerkſam auf den Teeabend des Guſtav=Adolf= Frauen=
vereins
im Gemeindehaus, Kiesſtraße 17, am Montag, den 20.
April abends 8 Uhr. Vortrag von Herrn Pfarrer Erich Meyer
aus Frankfurt a. M. über: Deutſch=evangeliſches Gemeindeleben
in Aegypten und Paläſtina vor und nach dem Kriege‟. Nach dem
Vortrag muſikaliſche Darbietungen.
Die heſſiſche familiengeſchichtliche Ver=
einigung
hält Dienstag abend (21. April) ihre letzte Mitglie=
derverſammlung
in dieſem Winter ab, wobei neben neuerer Lite=
ratur
einige Forſchungsarbeiten von Mitgliedern vorgelegt wer=
den
; Gäſte können eingeführt werden. Auf den Ausflug nach
Eppſtein am 3. Mai I. J. wird noch beſonders hingewieſen und um
rege Beteiligung gebeten. Während der Sommermonate finden
die üblichen Stammtiſchabende ſtatt.
In der Sektion Starkenburg des Deutſchen
und Oeſterr. Alpenvereins hält am Donnerstag, den
23. April, im Hörſaal 326 der Techniſchen Hochſchule (Eingang
Weſtportal), Herr Studienreferendar L. Borngäſſer einen Licht=
bildervortrag
über Bergfahrten in den Tauern. Die Mitglie=
der
der Sektion Starkenburg, ſowie der Sektion Darmſtadt ſind
freundlichſt eingeladen. Gäſte ſind willkommen.

Ehrungen durch den Heſſiſchen Sängerbund.
Für 50jährige aktive Sangestätigkeit wurden vom Heſſiſchen Sän=
gerbund
mit der goldenen Ehrennadel und vom Deutſchen Sängen=
bund
mit dem Sänger=Ehrenbrief ausgezeichnet: Georg Walter,
Gerh. Raſch, Bernh. Haas (Eintracht) Friedberg=Fauerbach, Joſ.
Rathgeber (MGV.) Heidesheim. Für 40jährige aktive Sanges=
tätigkeit
wurden vom Heſſiſchen Sängerbund, mit der ſilbernen
Ehrennadel ausgezeichnet: Karg Böcher (Lorelei) Utphe, Jak.
Steil (Sängerbund) Spiesheim. Bürgerm. Mink (Liederkranz)
Reichenbach i. O., Karl Diehl 10. (Liederkranz) Gedern. Für 25 Vorſtandstätigkeit wurden mit der Nadel Für Verdienſt
vom Heſſ. Sängerbund ausgezeichnet: Nik. Mayer (MGV.) Nieder=
Olm. Martin Markloff ſen. und Nik. Mattes (Geſangs= und Ar=
beiter
=Bildungsverein) Laubenheim b. Mainz, Joh. Hofmann ( =
cilia
) Nieder=Mörlen, Jak. Steil und Jak. Jung (Sängerbund)
Spiesheim, Bürgermeiſter Mink (Liederkranz) Reichenbach i. O.,
Wilh. Emmert (Sängerbund) Mainz, Ludw. Kramer 10. und Ad.
Bötticher 7. (Harmonie) Pfungſtadt, Wilh. Emich Phil. Hofmann.
Georg Vogel, Karl Groß. Georg Burger, Franz Fiſcher und Karl
Haas (Germania) Ober=Ramſtadt.
Liederbuch für das 11. Deutſche Sängerbun=
desfeſt
in Frankfurt a. M. Die gelegentlich des 11 Deut=
ſchen
Sängerbundesfeſtes in Frankfurt a. M. zur Aufführung
gelangenden Chöre für jede der 3 Hauptaufführungen ſind in be=
ſonderen
Liederbüchern zuſammengefaßt. Dieſe Liederbücher ſind
als Stimmhefte für die einzelnen Stimmen getrennt und auch
äußerlich erkennbar (rot=grün=blau=braun) im Umſchlag verſchie=

Berſic Weäie eitaft eier Mt. die Secſetieſf aunſch.
ſofort bezogen werden. Die Beſtellung erfolgt auf einfacher Poſt=
karte
bei der Geſchäftsſtelle des Heſſiſchen Sängerbundes in Darm=
ſtadt
. Beſtellungen unmittelbar bei der Auslieferungsſtelle ſind
zwecklos, da ſie nur mit dem Bundesſtempel des HSB. Gültigkeit
haben. Die Beſtellkarte muß enthalten: Bundeszugehörigkeit des
Vereins, Name des Vereins, Anſchrift für Zuſendung der Noten,
Bezeichnung der Hauptaufführung (II), Zahl der gewünſchten Lie=
derhefte
, getrennt nach Stimmen, Angabe der Zahl der Partituren,
genaue Unterſchrift des Vereins. Die Lieferung erfolgt alsdann
nur gegen Nachnahme an die bezeichnete Adreſſe. Jeder Sendung
liegt ein Bezugsnachweis bei, worauf beim Auspacken geachtet
werden muß. Der angegebene Preis gilt hinſichtlich der künftigen
Feſtteilnehmer als Vorauszahlung auf den Feſtbeitrag, der dann
nur noch in Höhe von 7 Mk. (ſtatt 7,50 Mk.) erhoben wird von
jedem, der den Bezug des Liederheftes nachweiſt. Der Bezugsſchein
iſt alſo ein Gutſchein, der ſorgfältig aufbewahrt werden muß. Die
alsbaldige Beſtellung der Liederhefte wird dringend empfohlen.
Die frankierte Beſtellpoſtkarte iſt im Umſchlag an die Geſchäfts=
ſtelle
Darmſtadt einzuſenden. Die Beſtellung der Stimmhefte (die
ſich wegen der Billigkeit der Chöre empfiehlt) kann in unbeſchränk=
ter
Zahl erfolgen und gibt keine Verpflichtung zur Teilnahme am
Bundesfeſt.
Gauwertungsſingen 1931 des Heſſ. Sänger=
bundes
. Nachdem der Maintal=Sängerbund am 19. April in
Kaſſel den Reigen der Gauwertungsſingen des HSB. in Kaſſel
(Kreis Gelnhauſen) eröffnet hat, folgen am 26. April der Gau 5
in Mömbris und Gau Bingen in Gaulsheim, am 2. Mai Gau
Darmſtadt in Darmſtadt 3. Mai Neckartal in Langenthal. Gau
Offenbach in Offenbach. Gau Ried in Crumſtadt und Gau Solms=
Wetzlar in Wetzlar. Am 10. Mai Gau Mainz=Stadt in Mainz.
Vogelsberg=Süd in Büdingen, Weſchnitz in Viernheim, am 17. Mai
Chattia=Wettertal in Nonnenroth. Maintalſängerbund (Gau 2)
in Klingenberg. Vogelsberg=Süd (Bezirk mittleres Niddatal) Blo=
feld
, am 31. Mai Gau Dieburg in Münſter b. D., Gerſprenz in
Brensbach i. O.. Gau Gießen in Gießen, Maintalſängerbund
(Gau 1) in Aſchaffenburg, Mainz=Land in Laubenheim und Gau
Oppenheim in Selzen. Am 7. Juni Gau Mümling in Erbach i. O.,
am 14. Juni Gau Darmſtadt=Land in Griesheim b. D. Gau Vo=
gelsberg
=Nord in Maar, Gau Wetterau in Friedberg=Fauerbach,
am 28. Juni Gau Alzey in Sprendlingen (Rhnh.), Ohm=Lumdatal
in Stockhauſen, am 5. Juli Gau Bergſtraße in Bensheim, Lahntal
in Homberg und Mainſpitze in Biſchofsheim. Der Gau Worms
hält dieſes Jahr 4 Bezirksſingen ab.

Biologiſch=kosmeliſcher Fragekaſten.
Bearbeitet von Dr. P. Born.
Anfrage P. H.: Was verſteht man unter Hormonen zur Beſeiti=
gung
von Runzeln, Falten oder ſchlaffer Haut? Wo ſind ſolche
Hormonpräparate erhältlich?
(TV5585
Antwort: Für den genannten Zweck werden Hautpflegemittel
empfohlen, die das ſogenannte Verjüngungshormon aus den
Keimdrüſen enthalten. Hormone ſind Anregungsſtoffe die von
verſchiedenen Drüſen im Organismus produziert werden. In
einer dermatologiſchen Univerſitätsklinik wurde ermittelt, daß
auch bei äußerlicher Anwendung dieſes Keimdrüſenhormon zu
geſteigerter Zellneubildung führt, wodurch ſchlaff gewordene, ge=
ſchrumpfte
Geſichtshaut wieder prall, elaſtiſch und ſtraff wurde.
Die Patienten machten einen um mehrere Jahre verjüngten
Eindruck. Eine ſolche hormonhaltige Hautcreme iſt das
Eukutol 3, das ich Ihnen empfehle, weil es von einem durch=
aus
zuverläſſigen und vertrauenswürdigen Werk hergeſtellt
wird. Wenden Sie ſich an eine Apotheke oder Drogerie.

Alt=Darmſtadt. Verein für Ortsgeſchichte und Heimat=
kunde
. Nächſte Veranſtaltung: Donnerstag abend Eintrachtſaal,
Eliſabethenſtraße 12. Herr Amtsgerichtsrat HansOttoBecker=
Dieburg hält einen volkskundlichen Vortrag über: Der
Frühling in Kultur, Kunſt und Literatur. Gäſte
ſind durch Mitglieder einzuführen.
Neue Kurſe in Reichskurzſchrift beginnen am Dienstag, den
21. April, und Freitag, den 24. April, im Ludwig=Georgs= Gym=
naſium
, Karlsſtraße 2. Maſchinenſchreibkurſe täglich nachmittags,
Karlsſtraße 23. Erdgeſchoß. Für gründliche Ausbildung durch
gute Lehrkräfte iſt Gewähr geboten. Die Stenographenvereini=
gung
Gabelsberger macht unter Hinweis auf die heutige An=
zeige
darauf aufmerkſam.

He

Tageskalender für Sonntag, den 19. April 1931.

fMcrefz 6e D MNd dchlüele. Dicdelll
Oper, Rheingauer Weinſtube, Sportplatz=Reſt., am Böllenfall=
tor
, Schloßkeller. Datterich, Theater=Reſtaurant, Tropfſtein,
Alter Ratskeller, Hotel=Reſt. Poſt. Reichshof. Rummelbräu,
Reſt. Bürgerhof. Café Jöſt. Wiener Kronenbräukeller.
Kinovorſtellungen: Union=, Helia= und Palaſt= Licht=
ſpiele
; Union=Theater, vorm. 11 Uhr: Der gläſerne Motor;
Helia, vorm. 11.15 Uhr: Emden III. fährt um die Welt,
Ausſtellung Der Menſch in der Vereinigten Geſell=
ſchaft
. Johanneskirche, abends 20 Uhr: Wohltätig=
keits
=Konzert.

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Seite 8

Sonntag, den 19. April 1931

Nummer 108

Aus Heſſen.

Dg. Arheilgen, 17. April. Schulunterricht. Am Montag,
den 20. April, vormittags 8 Uhr, beginnt der Unterricht in der Volks=
ſchule
wieder. Für die neuaufgenommenen Kinder iſt der Beginn auf
10.15 Uhr feſtgeſetzt. In der Knabenberufsſchule erſcheinen die Klaſſen
4u und Am ebenfalls am Montag vormittag 8 Uhr, während die übri=
gen
Klaſſen noch beſonders benachrichtigt werden. Sämtliche Schülerin=
nen
der Mädchenberufsſchule melden ſich am gleichen Tage, nachmittags
5.30 Uhr, zwecks Klaſſeneinteilung und Entgegennahme der Stunden=
pläne
. Arbeiter=Samariter=Kolonne. Die Arbeiter=
Samariter=Kolonne ſieht ſich auch in dieſem Jahre veranlaßt, die Be=
völkerung
um eine kleine Unterſtützung zu ihrem edlen Werke zu bitten.
Es findet deshalb eine Sammlung in Form eines Blumentages ſtatt,
und zwar am Sonntag, den 19. April. Des weiteren iſt in den Tagen
vom 2.4. Mai eine Hausſammlung geplant. Gerade die Wohlfahrts=
organiſationen
, die heute ganz beſonders dazu berufen ſind, den lei=
denden
Mitmenſchen in ihrer großen Bedrängnis zu helfen, befinden
ſich in großer Not. Die Gelder dieſer Organiſationen reichen nicht
mehr aus, um die Fülle der Aufgaben zu bewältigen, die außer den
uneigennützigen Taten der Mitglieder auch ausreichende Geldmittel er=
fordern
. Die Kolonne wendet ſich daher an die Allgemeinheit mit der
herzlichen Bitte, ein jeder möge entſprechend ſeiner Leiſtungsfähigkeit
einen Beitrag zu dem guten Zwecke beiſteuern, damit die Kolonne in
die Lage verſetzt wird, den an ſie herantretenden Anforderungen gerecht
zu werden. Die evangeliſche Gemeindevertretung
tritt am Sonntag, den 19. ds. Mts., nachmittags 2 Uhr, zu einer
Sitzung zuſammen. Zur Tagesordnung ſtehen die Beratung des Vor=
anſchlages
1931 und die Beſprechung des Jahresberichtes 1930.
Jugendabend. Am kommenden Montag, abends, findet im evan=
geliſchen
Gemeindehaus ein Jugendabend ſtatt, wozu der hieſige Jüng=
lingsverein
die geſamte evangeliſche Jugend einlädt. Rotes
Kreuz. Der Zweigverein Arheilgen vom Roten Kreuz veranſtaltet
am Donnerstag, den 23. April, einen Lichtbilder=Vortrag. Der Abend
iſt als Werbeabend gedacht, bei welchem der Vorſitzende des Heſſiſchen
Roten Kreuzes, Herr von Hahn, einen Vortrag halten wird
Ledigen=Steuer. Das Finanzamt Darmſtadt=Land weiſt auf eine
Verfügung des Reichsfinanzminiſteriums hin. Hiernach ſind die Arbeit=
geber
auf Grund der Notverordnung vom 30. Dezember 1930 verpflich=
tet
, den Zuſchlag zur Lohnſteuer (Ledigenſteuer) der Arbeitnehmer der
mit dem 31. März 1931 außer Kraft treten ſollte, bis zum 31. März
1939 mithin für das ganze Rechnungsjahr 1931 weiter zu erheben.
Der Zuſchlag beträgt bei Tantiemen, Gratifikationen und anderen ein=
maligen
Einnahmen 1 Prozent, die geſamte Lohnſteuer alſo 11 Prozent.
Bei laufenden Bezügen iſt der Ledigenſteuer=Zuſchlag, wie ſeither zu
berechnen.
Cp. Gräfenhauſen, 18. April. Im Dienſt vom Tode er=
eilt
. Ein hieſiger Eiſenbahner wurde während ſeines Dienſtes in Buch=
ſchlag
von einem Schlaganfall betroffen und war ſofort tot. Er hinter=
läßt
eine Witwe mit drei Kindern.
J. Griesheim, 18. April. Die Oſterferien der hieſigen Schule
gingen mit dem heutigen Tage zu Ende. Das neue Schuljahr beginnt
am Montag vormittag 7.30 Uhr. In die Schule aufgenommen werden
135 ABE=Schützen. Unſere Volksſchule umfaßt mit Beginn des neuen
Schuljahres 20 Klaſſen mit insgeſamt 913 Schülern. Die einzelnen
Klaſſen haben durchſchnittlich 33 bis 59 Kinder, und der Unterricht wird
von 13 Lehrern und 7 Lehrerinnen erteilt. Nach einer Statiſtik aus
dem Schuljahre 1886/87 wurde damals die hieſige Volksſchule von 794
Kindern beſucht. Im Jahre 1886 hatte unſere Gemeinde 4000 Ein=
wohner
, während die Einwohnerzahl heute über 8000 beträgt. Wenn
man nun die Einwohnerzahl und die Schüilerzahl der damaligen Zeit
mit der heutigen vergleicht, ſo ſieht man, daß die Kriegsjahre und der
Geburtenrückgang der letzten Jahre ſich ganz erheblich bemerkbar ge=
macht
hat. Die gewaltige Zunahme unſerer Einwohnerzahl in den
letzten Jahren iſt größtenteils auf den Zuzug Auswärtiger zurück=
zuführen
. Der Unterricht in der Berufsſchule findet im neuen
Schuljahre wie folgt ſtatt: 1 Knaben: Montags ab 7 Uhr: Klaſſe 2,
ſämtliche Berufe des 1. Schuljahres. Dienstags ab 7 Uhr: Klaſſe 1a:
Bauſchloſſer, Spengler und Inſtallateure, Heizungsmonteure und
Schuhmacher des 2. Schuljahres. Mittwochs ab 7 Uhr: Klaſſe 1b:
Weißbinder und Formſtecher des 2. und 3. Jahres, Donnerstags ab
7 Uhr: Klaſſe 1c: Maurer, Schreiner, Zimmerleute des 2. und 3. Jah=
res
. Freitags ab 7.30 Uhr: Allgemeine Klaſſe: Landwirte, Bäcker, Metz=
ger
und ungelernte Arbeiter. 2. Mädchen: Der Unterricht beginnt um
7.30 Uhr. Montags: Klaſſe 1e, Herr Schott, Klaſſe Za, Frl. Schiffelz
Dienstags Klaſſe 1b, Frl. Sehbold, Klaſſe 3b, Frl. Schiffel; Mittwochs:
Klaſſe 2a, Herr Schott; Donnerstags: Klaſſe 2b, Herr Schott; Freitags:
Klaſſe 1a, Frl. Sehzbold.
Aa. Eberſtadt, 17. April. Kirchliches. Im eval. Gemeindehaus
ſpricht am Sonntagabend Karl Wilhelm über die Dichtung der Gegen=
wart
. Die evgl. Jugendgemeinde hielt dieſer Tage ihren erſten Abend
mit den Neukonfirmierten ab, zu dem ſich annähernd hundert Jugend=
liche
eingefunden hatten. Die Nähſchule des eval. Frauenvereins
wird am Montagnachmittag (20. April) eröffnet. Lieferungs=
vergebung
. Die Gemeinde hat die Arbeiten und Lieferungen zur
Herſtellung eines Steinzeug=Rohrkanals für die Alte Darmſtädter Straße
zu vergeben. Angebote haben bis Freitag, den 24. April, zu erfolgen.
Cp. Pfungſtadt, 18. April. Anlieferung von Saatkar=
toffeln
. Die Anlieferung von 70 Zentner Edeltraut=Kartoffeln und
50 Zentner weißfleiſchigen Saatkartoffeln für den Waldfeldbau der Ge=
meinde
ſoll öffentlich vergeben werden. Angebote haben bis Montag, den
20. April, bei der Bürgermeiſterei zu erfolgen. Waſſerzins= Er=
hebung
. Die Stadtkaſſe Pfungſtadt weiſt darauf hin, daß die Beträge
für Waſſerzins und Waſſermeſſermiete vom letzten Vierteljahr 1930 bis
Ende des Monats April zu begleichen ſind. Orgelkünſtler v. d. Au
aus Mainz hält am Sonntag in Eſchollbrücken und Hahn religiöſe Orgel=
andachten
ab.
Nieder=Ramſtadt=Traiſa, 17. April. Der ſiebente Abend des
Erwerbsloſen=Fortbildungkurſus brachte einen Vortrag
von Dr. Georgi über Schäden des Alkohols‟. Es wurde zunächſt
feſtgeſtellt, daß Erkenntnis und Stellungnahme zu den Schäden des
Alkohols keine Bekämpfung des Gaſtwirteſtandes bedeutet, daß aber die
aus den Alkoholwirkungen erwachſenden Volksſchäden und Belaſtungen
der geſamten öffentlichen und privaten Fürſorge es jedem verantwor=
tungsbewußten
Volksgenoſſen zur Pflicht machen, ſich über die Zuſam=
menhänge
eine unabhängige Meinung zu bilden. Als Wirkung des
Alkohols in jeder Form und Menge iſt einerſeits die Zellgiftwir=
kung
mit Lähmung aller Lebensvorgänge in den Körperzellen, anderer=
ſeits
die Suchtgiftwirkung zu nennen, die vor allem den Willen und die
Seelenkräfte lähmt und zerſtört. Zugegeben wurde, daß gelegentlicher
Alkoholgenuß dem Einzelnen nicht zu ſchaden braucht. Wohnungsnot,
Geſchlechtsnot, Familien= und Arbeitsloſennot, Tuberkuloſe und Ge=
ſchlechtskrankheiten
, Proſtitution, Vergehen und Verbrechen, Betriebs=
und Verkehrsunfälle, Not der Geiſteskranken, Idioten und Epileptiker
offenbaren den unabſehbaren Schaden des als Freudenſpender und

Die Kohlhernie und ihre Bekämpfung.

ſondern auch Raps, Rettich und Unkräuter aus der Familie der
Kreuzblütler, wie Hederich, Hirtentäſchel, und ſelbſt der nicht zu
den Kreuzblütlern gehörende Goldlack wird nicht verſchont. Sie
äußert ſich in Anſchwellungen an den Haupt= und Nebenwurzeln
dieſer Pflanzen. Die Verdickungen zeigen beim Durchſchneiden
ein weißes hartes Fleiſch, das erſt im Herbſt oder Winter ſich
bräunt und in Zerſetzung übergeht. Der Erreger iſt ein Schleim=
pilz
(Plasmodiophora brassicae), der im Innern der Zellen der
Wurzelgeſchwülſte lebt und ſie ausfüllt. Die Schleimmaſſe des
Pilzgewebes zerfällt zuletzt in zahlreiche, kleine, kugelförmige Spo=
ren
, die beim Verfaulen der Wurzeln in den Boden gelangen und
hier als Dauerſporen bis zu 5 Jahren lebensfähig bleiben kön=
nen
. Aehnliche Mißbildungen werden auch durch einen Käfer,
den Kohlgallenrüßler (Centorrhynchus suleicollis) hervorgerufen.
Zum Unterſchied zu den Geſchwülſten, die der Kohlerniepilz ver=
urſacht
, bemerkt man hier beim Aufſchneiden Fraßgänge und Höh=
lungen
, in denen ſich etwa 5 Millimeter lange, geblich=weiße,
madenartige Larven befinden.
Der alljährlich durch die Kohlhernie entſtehende wirtſchaftliche
Schaden iſt nicht hoch genug einzuſchätzen, und ſo liegt es im eigen=
ſten
Intereſſe der Gemüſeanbauer, durch geeignete Maßnahmen
die Ausfälle durch die Erkrankung möglichſt herabzudrücken.
Worauf iſt nun bei der Bekämpfung zu achten?
Es iſt eine bekannte Tatſache, daß die Hernie ſich beſonders
häufig und ſtark dort einſtellt, wo Kohlarten ſehr häufig auf dem=
ſelben
Schlage angebaut werden. Ein regelmäßiger
Fruchtwechſel muß unbedingt eingehalten werden. Eine
Radikalmaßnahme wäre es, den Kohlbau auf mindeſtens fünf
Jahre auszuſetzen, da die Lebensdauer der Sporen, wie wir oben
geſehen haben, im Boden bis zu funf Jahren betragen kann. Eine
derartige Umſtellung im Wirtſchaftsplan wird ſich allerdings in
den ſeltenſten Fällen durchführen laſſen, beſonders nicht im Klein=
betrieb
und in den Schrebergärten, wo ſo wie ſo meiſtens Platz=
mangel
herrſcht.
Bei der Bearbeitung des Feldes oder Gartens iſt auf eine
gründliche Lockerung und Durchlüftung des Bodens zu achten.
Man hat nun gefunden, daß Kalkmangel und ſaure Reaktion die
Krankheit weſentlich begünſtigen, ja vielleicht ſogar erſt die Vor=
bedingung
für das Zuſtandekommen ihres Auftretens ſind. Als
Gegenmaßnahme wird nun darum Zufuhr von Aetzkalk bzw.
von alkaliſchen Düngemitteln empfohlen, will, man
doch hierdurch den im Boden vorhandenen Säureüberſchuß beſeiti=
gen
und ſo die Entwicklung des Hernieerregers nach Möglichkeit
unterbinden. Zu dieſem Zwecke ſcheint Aetzkalk ſich beſonders zu
eignen, beſonders dann, wenn größere Mengen (1 Kilogramm je
Quadratmeter) zur Anwendung gelangen. Neuere Unterſuchungen
haben nun ergeben, daß die Hernie auch durch Aetzkalkgaben nicht
vollſtändig unterdrückt werden kann, daß es vielmehr mehrjähri=
ger
Zufuhr bedarf, um die Krankheit wieder zum Verſchwinden
zu bringen. Der Grund hierfür liegt darin, daß die Sporen des
Pilzes durch Aetzkalk gar nicht abgetötet werden, ſondern ledig=
lich
an der Keimung verhindert werden. Es ſcheint alſo nicht die
Aetzwirkung das Ausſchlüpfen der Sporen und infolgedeſſen ein
ſtärkeres Auftreten der Krankheit zu verhindern, ſondern die durch

(Mitteilung aus der Heſſiſchen Hauptſtelle für Pflanzenſchutz.)
Die Kohlhernie, eine der bekannteſten und ſchädlichſten Krank= die Kohlgabe bedingte Beeinfluſſung der Bodenreaktion nach alka=
heiten
unſerer Gemüſekulturen, befällt nicht nur alle Kohlarten, liſcher Richtung hin.

Eine einſeitige Ueberdüngung mit friſchem
Stallmiſt, wie es häufig in Gartenbetrieben der Fall iſt,
muß unbedingt vermieden werden; haben doch Ver=
ſuche
gezeigt, daß ſtark mit Stallmiſt gedüngte Parzellen ein
intenſives Schwefelwaſſerſtoff=Ausſcheidungsvermögen beſaßen,
und bei der Ernte waren die Pflanzen ſtark von Hernie befallen.
Dahingegen ergaben die mit einer Mineraldüngung verſehenen
Parzellen eine weſentlich geringere Schwefelwaſſerſtoffentwicklung
und einen nur mäßigen Befall der Pflanzen. Einer Zugabe von
Kali muß hierbei beſondere Aufmerkſamkeit geſchenkt werden, da
es die Pflanzen gegen pilzliche Krankheiten widerſtandsfähiger
macht. Vorbedingung im Kampfe gegen die Kohlhernie iſt es,
nur geſunde Setzlinge zu verwenden. Pflänzchen mit
kleinen Verdickungen an den Wurzeln ſind vom Anbau auszu=
ſchließen
. Allerdings können ſolche Verdickungen auch von einem
Befall durch den Kohlgallenrüßler herrühren. In dieſem Falle
findet man jedoch beim Oeffnen der Geſchwülſte im Innern eine
Larve; nach deren Entfernung können die Pflanzen ohne Beden=
ken
zum Setzen verwandt werden. Alle Pflänzchen eines Saat=
beetes
, in dem herniekranke Pflanzen gefunden werden, ſind vom
Anbau auszuſchließen, da ſie bereits erkrankt ſein können, ohne daß
es äußerlich erkennbar iſt.
Wer ſeine Pflanzen ſelbſt heranzieht, tut gut daran, die Erde
des Miſtbeetes zu desinfizieren, und zwar eignet ſich
hierzu recht gut Uſpulun‟. Die Erde des Anzuchtbeetes wird 8
bis 10 Tage vor der Ausſaat mit Uſpulun=Pulver oder mit einer
Miſchung von Torfmull und Uſpulun=Pulver gut durchgearbei=
tet
. Auf 1 Kilogramm Erde ſind 0,5 Gramm oder auf 1 Quadrat=
meter
Fläche 120 Gramm Uſpulun erforderlich. Hat man ſo ge=
ſunde
Setzlinge herangezogen, ſo muß man dafür ſorgen, daß
dieſe nach dem Verpflanzen nicht wieder erneut durch die im
Boden befindlichen Infektionskeime angeſteckt werden. Der Schütz
erfolgt durch Eintauchen der Wurzeln bis zum Wurzelhals in
einen Brei aus Waſſer und Lehm, dem je Liter 2,5 Gramm Uſpu=
lun
zugeſetzt iſt. Auch kann man in die Pflanzenlöcher eine
0,25=prozentige Uſpulun=Löſung vor dem Auspflanzen eingießen,
und zwar genügt je Pflanzloch etwa 1 Liter Flüſſigkeit.
Während der Vegetationszeit wird man die Beete ſtets
rein halten müſſen von Unkräutern, beſonders ſolchen aus der
Familie der Kreuzblütler, da dieſe ja auch den Pilz beherbergen
können. Alle kümmernden und verdächtig erſcheinenden Pflanzen
ſind, bevor ſie zu faulen beginnen, vollſtändig auszureißen und
zu verbrennen. Im Herbſte nach der Ernte des Kohles ent=
fernt
und verbrennt man die ſtehengebliebenen
Strünke, ehe etwa an den Wurzeln entſtandene Hernieknollen,
welche den Erreger der Krankheit in Maſſen enthalten, zerfallen
ſind. Vielfach unterbleibt dies jedoch, und man kann auf den Ge=
müſebeeten
den ganzen Winter über die Strünke im Boden ſtecken
ſehen; die Folge davon iſt dann eine erneute ſtarke Verſeuchung
des Bodens.
Zuſammenfaſſend ſind ſonach für die Bekämpfung der Kohl=
hernie
folgende Maßnahmen zu empfehlen: Entſeuchung der Aus=
ſaatbeete
, Mineralvolldüngung auf dem Felde. Eintauchen der
Setzlinge in die desinfizierende Uſpulun=Löſung. Reinhalten der
Beete während der Vegetation und Entfernen jeglicher Ernteüber=
reſte
im Herbſt.
Dr. Becker.

Sorgenbrecher ſich empfehlenden Volksfeindes. Ueberraſchend war es,
noch zu hören, daß, entgegen dem ungeheuren Lärm über die Bier=
ſteuererhöhung
, bisher England pro Hektoliter, das 8gfache und bei
einem etwa gleichgroßen Bierverbrauch etwa das 8gfache an Bier=
ſteuern
aufbrachte. Die geſamte in der letzten Zeit verordnete Er=
höhung
wird bei einer doppelt ſo hohen deutſchen Bierſteuer doch nur
ein Viertel der engliſchen Bierſteuererträge ergeben. Bei der Bier=
erzeugung
wird nur ein ſehr geringer Prozentſatz von den Geſtehungs=
koſten
als Arbeitslohn verdient, etwa 1015 Prozent, während z. B.
beim Baugewerbe durchſchnittlich 60 Prozent als Arbeitslohn ausgezahlt
werden. Die Bautätigkeit wirft alſo bei der gleichen Kapitalanlage
etwa die vierfache Summe an Arbeitslohn ab. Weiterhin wurde noch
über Möglichkeiten berichtet, wie ohne Schädigung berechtigter Inter=
eſſen
durch geſetzliche Maßnahmen eine Eindämmung der Alkoholgefahren
erreichbar iſt. Und ſchließlich wurde die Erzeugung und der Ausſchank
und Vertrieb von ungegorenen Wein= und Obſtſäften als eine noch
unausgenützte Evwerbsquelle für Wein= und Obſtbauern und Gaſtwirte
erwähnt.
G. Ober=Ramſtadt, 17. April. Das neue Schuljahr 1931/32
beginnt am Montag, den 2. ds. Mts. An dieſem Tage findet die Auf=
nahme
der Kinder im Schulhauſe auf dem Schießberg ſtatt. Vorzuſtellen
ſind alle in der Zeit vom 1. Oktober 1994 bis 30. September 1925 ge=
borenen
Kinder. Zugezogene ſind, ſoweit nicht ſchon Meldung erfolgte,
am Aufnahmetag zu melden. Die Aufnahme der Knaben findet um
9 Uhr, die der Mädchen um 9.30 Uhr ſtatt: Hierbei iſt der rote Impf=
ſchein
vorzulegen. Für die Fortbildungsſchulen findet die Aufnahme
der Pflichtigen ebenfalls am 20. April, vormittags 11 Uhr, im alten Rat=
hauſe
ſtatt.
C Ober=Ramſtadt, 17. April. Odenwaldklub. Am kommen=
den
Sonntag findet die 5. diesjährige Wanderung der Ortsgruppe Ober=
Ramſtadt des Odenwaldklubs ſtatt, die über Nieder=Ramſtadt durch das
Mühltal nach Eberſtadt, über das Griesheimer Haus und den Sand
nach Griesheim führt. Abmarſch pünktlich mittags 12 Uhr am Gaſt=
haus
Zur Starkenburg. Rege Beteiligung erwünſcht.
Dieburg, 18. April. Am 28. April findet in Brandau ein
Amtstag des Kreisamts Dieburg ſtatt. Geſuche, Anträge und Anfragen
werden dort im Rathaus zwiſchen 15 und 17 Uhr entgegengenommen.
Im Anſchluß daran findet gegen 18 Uhr vorausſichtlich in Ernſthofen
eine Verkehrskonferenz ſtatt.
Entfettungs=Kuren im Frühling
ſind ſehr empfehlenswert, weil der Körper gerade jetzt, eine beſon=
dere
Neigung zur Stoffausſcheidung beſitzt. Nehmen Sie früh, mit=
tags
und abends 23 Toluba=Kerne, die Sie in Apo=
theken
erhalten.
(I Bln 379

T. Groß=Umſtadt, 17. April. Betriebsſtillegung der
Zuckerfabrik. Die Zuckerfabrik Groß=Umſtadt hat ihre Angeſtellten
und Arbeiter entlaſſen.
j. Von der Bergſtraße, 16. April. Betriebseinſchränkung.
Von den 150 Arbeitern, die bei der Lederfabrik Carl Freuden=
berg
, wegen Arbeitsmangels zur Entlaſſung kommen, ſind 60 Prozent
in heſſiſchen und 90 Prozent in badiſchen Ortſchaften wohnhaft.
Cp. Hochſtädten bei Bensheim, 17. April. Bürgermeiſter
Jährling geſtorben. Nach längerem Krankenlager iſt im Alter
von nahezu 65 Jahren der langjährige Bürgermeiſter unſeres Ortes
Peter Jährling 2., geſtorben.
Gernsheim, 18. April. Waſſerſtand des Rheins an
Pegel am 17. April 1,37 Meter, am 18. April 1,34 Meter.
Hirſchhorn, 18. Abril. Waſſerſtand des Neckars am
Pegel am 17. April 1,82 Meter, am 18. April 178 Meter.

Rheinheſſen.

Ah. Worms a. Rh., 18. April. In den Rhein geſprungen
und ertrunken. Abends gegen 10 Uhr ſprang eine unbekannte
Frau von der Straßenbrücke in den Rhein. Sie ließ ihr Fahrrad auf
der Brücke zurück. Beim Abſprung von der Brücke rief ſie hinzueilen=
den
Paſſanten zu: Gebt meine Sachen in der Andreasſtraße ab!
Schwerer Unfall beim Kalklöſchen. In den Heylſchen
Lederwerken ſtürzte beim Abbrennen von Kalk der Arbeiter Otto Wieſe
aus Roxheim (Pfalz) in die friſch gefüllte Kalkgrube. Mit ſchweren
Brandwunden am ganzen Körper und im Geſicht wurde der Verun=
glückte
geborgen und ins Städt. Krankenhaus geſchafft, wo er in bedenk=
lichem
Zuſtande darniederliegt.

Oberheſſen.

v. Bad=Nauheim, 18. April. Die Praxis moderner Er=
nährungswiſſenſchaft
. Am Kerckhoff=Inſtitut wurde heute der
von der hieſigen Aerzteſchaft und dem Hotelgewerbe veranſtaltete mehr=
tägige
praktiſche Diätkurſus eröffnet, an dem 260 Damen und Herren
teilnehmen, in größerer Zahl auch auswärtige Aerzte. Als Gäſte wohn=
ten
der Eröffnung u. a. bei Bürgermeiſter Dr. Ahl und ein Vertreter
der Bad= und Kurverwaltung. Nach kurzer Begrüßung der Teilnehmer
referierte zunächſt in Vertretung von Prof. Volhard der Oberarzt Dr.
Koch=Frankfurt a. M. über Allgemeine Geſichtspunkte für die Ernäh=
rung
von Kreislaufkranken‟. Er beſprach beſonders die praktiſche Durch=
führung
der kochſalzfreien Diät, wie ſie in der Frankfurter Univerſitäts=
klinik
gehandhabt wird, und zeigte im einzelnen die Heilerfolge bei
Nieren= Gefäß= und Herzkranken. Prof. Groh=Frankfurt a. M., als
zweiter Redner, behandelte die theoretiſche Grundlegung der Ernährungs=
theravie
. Am Nachmittag begannen die küchentechniſchen Vorträge und
Demonſtrationen, die heute ihre Fortſetzung finden.

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[ ][  ][ ]

Die Lage am Geldmarkl.
Der Geldmarkt ſtand in der abgelaufenen Woche ganz unter
den Einwirkungen des Medio, deſſen Ueberwindung nach der
glatten Ultimoabwicklung ſich auffallend ſchwierig geſtaltete.
Alierdings iſt hierbei zu berückſichtigen, daß die Fälligkeit der
Einkommenſteuerzahlungen zuſammenfiel mit der Vorſorge für
den Reparationstransfer und mit größeren Deviſenkäufen zur
Nückzahlung kurzfriſtiger Kommunalkredite. Hieraus erklärt ſich
die ſtarke Anſpannung, die für Tagesgeld bei recht lebhafter Nach=
frage
eine Erhöhung des offiziellen Satzes bis auf 5 Prozent
mit ſich brachte. Erſt am Wochenſchluß ſetzte ſich eine merkliche
Erleichterung durch. Auch Monatsgeld, das während der erſten
Tage der Woche ziemlich unverändert geblieben war, zeigte
ſpäter gleichfalls feſtere Tendenz
Im Mittelpunkt der Diskuſſion ſtand weiter die Frage des
Reichsbankdiskonts. Nach der ſtarken Entlaſtung, die der letzte
Reichsbankausweis brachte, ſcheinen ſich die Ausſichten auf eine
baldige Herabſetzung zu beſſern, zumal auch die übrigen Hemm=
niſſe
einer baldigen Diskontentſcheidung nicht mehr ſo ſtark ſind
wie in der Vortpoche.
Wie im politiſchen Leben dieſer Woche die Augen Aller auf
Spanien gerichtet waren, ſo beanſpruchte am Deviſenmarkt die
ſpaniſche Peſeta das Hauptintereſſe. Zunächſt wirkte ſich der
Wahlausgang in einer ſcharfen Abwärtsbewegung des Kurſes
aus; ſpäter trat eine Erholung ein, die Lage blieb aber außer=
ordentlich
unſicher, und gegen Wochenende erfolgte ein neuer=
liches
Abgleiten, da man ſich über die weitere Entwicklung der
innerpolitiſchen Lage kein klares Bild machen kann. Vor allem
iſt die Frage noch nicht geklärt, ob der von internationalen Ban=
ken
zur Verfügung geftellte Kredit in Anſpruch genommen wer=
den
wird. Im Zuſammenhang mit der Bewegung der Peſeta
zeigten auch die ſüdamerikaniſchen Deviſen ziemlich lebhafte
Schwankungen. Die Reichsmark tendierte vorübergehend etwas
feſter in der Erwartung, daß die Käufe für Reparationsrechnung
unterbochen werden könnten. Als jedoch die Deviſenkäufe der
Reichsbank wieder einſetzten, reagierte der Dollar gegenüber der
Reichsmark ſofort wieder in einer Befeſtigung. Der franzöſiſche
Franken lag international etwas ſchwächer.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
Die Indexziffer der Großhandelspreiſe vom 15. April. Die vom
Statiſtiſchen Reichsamt für den 15. April berechnete Indexziffer der
Großhandelspreiſe hat ſich mit 113,8 gegenüber der Vorwoche (113,5)
um 0,3 v. H. erhöht. Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten:
Agrarſtoffe 108,4 (plus 1,4 v. H.), Koloniabvaren 96,8 (minus 0,4 v. H.),
induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren 105,0 (minus 0,4 v. H.) und
induſtrielle Fertigwaren 137,7 (minus 0,1 v. H.).
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmſtadt.
Neue Verfahren, Mainz: Anna Jungkind Wwe., geb. Schaffner.
Anmeldefriſt 20. 4., Gläubigerverſammlung und Prüfungstermin 30. 4.
Seligenſtadt (Heſſen): Peter Joſef Diſſer 3. in Zellhauſen. Anmelde=
friſt
23. 4., Gläubigerverſammlung und Prüfungstermin 6. 5. Worms:
Fa. Philipp Weickel A.=G., Aſphalt=, Dachpappe= und Teerprodukte=
Fabriken. Anmeldefriſt 1. 5., Gläubigerverſammlung 37. 4., Prüfungs=
termin
1. 6. Beendete Konkurſe. Darmſtadt: Frau Leopold
Schutter Wwe., Louiſe, geb. Forſtmann; Tabakgroßhandlung Wilhelm
Schäfer 6. in Eberſtadt. Worms: Kaufmann Siegfried Adler. Neue
Vergleichsperfahren. Offenbach a. M.; Fa. Guſtav Herrſcher,
Lederfabrik. Vergleichstermin 30, 4. Gießen: Jſaak Stern. Inh. der
Firma Joſeph Stern Söhne. Vergleichstermin 30. 4. Bad Nauheim:
Fa. Max Nill aus Tirol, Inh. Geſchwiſter Wiener in Bad Nauheim.
Vergleichstermin 6. 5. Worms: Fa. Hermann Wolff, Lackfabrik. Ver=
gleichstermin
25 4. Offenbach a M.: Fa. Karl Sans, feine Leder=
waren
. Vergleichstermin 25. 4. Beendete Vergleichsverfah=
ren
. Offenbach a. M.: Franz E. Schönhals, Glaſerei in Groß= Stein=
heim
. Oppenheim: Fa. Mittelrheiniſches Möbelwerk A.=G. Worms:
Fa. Naumann u. Benz, Wollwaren.
Große Kaſſeler Straßenbahn A.=G., Kafſel. Die Generalverſamm=
lung
der Großen Kaſſeler Straßenbahn A.=G. erledigte die Regularien
und ſetzte die ſofort zahlbare Dividende auf wieder 4 Prozent für die
Stammaktien im Betrage von 3,534 Mill. RM. und auf wieder 7 Pro=
zent
für die 3 Mill. RM. Vorzugsaktien feſt. Im abgeſchloſſenen Ge=
ſchäftsjahre
wurden 2,772 Mill. (24,483) Perſonen befördert. Die Ge=
ſamteinnahmen
ſtiegen von 3,995 Mill. RM. auf 4,154 Mill. RM.,
was auf die inzwiſchen durchgeführte Tariferhöhung zurückzuführen iſt.
Die Kaſſeler Autobus G. m. b. H., an der die Stadt Kaſſel mit 60
Prozent und die Große Kaſſeler Straßenbahn A.=G. mit 40 Prozent be=
teiligt
ſind, brachte weitere Verluſte. Durch Vertrag vom 15. 1. 1931
haben die Geſellſchafter rückwirkend ab 1. 10. 1930 die Verzinſung und
Tilgung eines Betriebsverluſtes dieſer Kaſſeler Autobus=Geſellſchaft
m. b. H. in Höhe von 1,8 Mill. RM. entſprechend ihrem Beteiligungs=
verhältnis
übernommen. Der auf die Große Kaſſeler Straßenbahn
A.=G. entfallende Anteil betrug insgeſamt 880000 RM. und iſt in
10 Jahren zu tilgen. Auch die Herkulesbahn A.=G deren Aktien=
kapital
ſich im Beſitze der Großen Kaſſeler Straßenbahn befinden, hat
1329/30 wieder mit Verluſt gearbeitet. Trotzdem ſind von der Großen
Kaſſeler Straßenbahn A.=G. für Erneuerungsarbeiten die erforderlichen
Mittel zur Verfügung geſtellt worden.
Holzgroßhandlung Gebr. Weibler, Kaſſel. Bei ungefähr ¼ Mill.
Paſſiven bemüht ſich die Geſellſchaft um einen gerichtlichen Vergleich.
Der Status ſteht noch nicht feſt.
Lederwarenfirma L. Löwenherz, Frankfurt a. M. Die Geſellſchaft
bemüht ſich bei 120 0 RM. Paſſiven um Herbeiführung eines außer=
gerichtlichen
Vergleiches auf der Baſis von 30 Prozent,
Intereſſengemeinſchaft der freien deutſchen Oel= und Margarine=
Induſtrie (Margöl). Zu Blättermeldungen über eine anſcheinende An=
näherung
der Intereſſengemeinſchaft der freien deutſchen Oel= und
Margarine=Induſtrie (Margöl) an den Margarinetruſt erfahren wir
von maßgeblicher Stelle, daß eine ſolche Annäherung zwiſchen den bei=
den
Gruppen nicht erfolgt iſt. Die Margöl, die im Laufe des letzten
Jahres, wie ſchon auf der Jahresverſammlung vom 12. Januar 1931
in Berlin feſtgeſtellt wurde, die ihre bei der Gründung geſtellte Auf=
gabe
voll und ganz erfüllt und inzwiſchen ihre Poſition noch wefentlich
verſtärkt hat, betrachtet nach wie vor ihre Verpflichtung, die wirtſchaft=
liche
Selbſtändigkeit und Unabhängigkeit aller ihrer Geſellſchafter zu
erhalten, als ihre erſte Aufgabe. In der in Hamburg unter dem Vor=
ſitz
von Konſul Auguſt Brinckmann (in Firma Harburger Oelwerke
Brinckmann u. Mergell, Harburg) abgehältenen Quartalsſitzung der
Margöl ſtanden allgemeine Fragen über die augenblickliche Lage der
Margarine=Induſtrie zur Debatte.
Produktenberichte.
Mainzer Produktenbericht. Großhandelseinſtandspreiſe per 100 Kilo
loco Mainz am Freitag, den 17. April: Weizen 30,2530,50, rheinheſſ.
Noggen 2121,50 Hafer 2121,50, Futtergerſte 2021,50, Malzkeime
1111,50, ſüdd. Weizenmehl Spez. 0 43,5044,40, Roggenmehl 60proz.
30,5031,50, Weizenkleie fein 12,7513, grob 13,7514, Roggenkleie
13,50 Weizenfuttermehl 14,50, Biertreber 10,5011, Erdnußkuchen 14
bis 14,50, Kokostuchen 1417,75, Pälmkuchen 1212,75, Napskuchen
9,8510,50, Kleeheu loſe 6, geb. 6,20, Wieſenheu loſe 5,70, geb. 6,20,
Maſchinenſtroh 3,50, Drahtpreßſtroh 3,80, Sohaſchrot 14,2514,75,
Trockenſchnitzel 7,257,75. Tendenz: feſt,
Frankfurter Eiergroßhandelspreiſe vom 18. April. Bei vollkommen
unveränderten Preiſen war das Geſchäft weiterhin ſehr ruhig. Die
wenigen Abſchlüſſe, die zuſtande kamen, beſchränkten ſich nur auf den
notwendigſten Bedarf und auf die billigſten Sorten. Es notierten in
Pfg. ber Stück ab Frankfurt: italieniſche 8,509, bulgariſche 7,507,75,
jügoflawiſche 7.758, rumäniſche 7,257,50 holländiſche 7,5010,50,
däniſche 7,5011, belg.=flandr 8,508,75, ſchleſiſche 7,508, baheriſche
7,758, norddeutſche 7,5010,25.
Frankfurter Buttergroßhandelspreiſe vom 18. April. Tendenz
ruhig, Geſchäft klein. Auslandsbutter holl, 1 Faß 50 Kilo 1,54 RM.,
½ Faß 1,56 RM., in Halbpfundſtücken 1,60 RM. Deutſche Molkerei=
butter
1,45 RM. per Pfund im Großhandelsverkehr.
Biebmärkte.
Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. d. B. am Samstag, den
18. April, waren 451 Tiere zugeführt. Verkauft wurden 351 Stück,
und zwar Milchſchweine das Stück 10 bis 17 Mark, Läufer das Stück
von 18 bis 27 Mark. Der Marktverlauf war gut.

Frankfarier and Berliner Effektenbörſe

Frankfurt a. M., 18. April.
Bei ſehr kleinem Geſchäft eröffnete auch die Wochenſchlußbörſe er=
neut
in ſchwächerer Haltung, zumal es an Anregungen vollkommen
fehlte und aus dem Publikum weitere Verkaufsorders vorlagen. In
Nachwirkung des geſtern erſchienenen Reichsbankausweiſes wurde die
ſtarke Deviſenabnahme ſehr ungünſtig kommentiert, da die ſtarke Ab=
nahme
mit der aktiven Außenhandelsbilanz ſchwer in Einklang zu brin=
gen
ſei. Da auch die Auslandsbörſen durchweg in ſchwacher Haltung
verkehrten, nahm die Spekulation weitere Blancoabgaben vor, ſo daß
gegenüber, der ſchon ſchwachen Abendbörſe neue Kursabſchläge bis zu
2 Prozent eintraten. Das Angebot hielt ſich hierbei in mäßigen Gren=
zen
. J. G. Farben, Elektro=, Montan= und Kunſtſeideaktien verloren
bis 2 Prozent. Stärker abgeſchwächt waren Deutſche Linoleum, die
3½ Prozent nachgaben. Von Kaliaktien Aſchersleben 1½ Prozent
ſchwächer, dagegen Weſteregeln behauptet. Auch am Bankenmarkt über=
wogen
die Rückgänge bis zu 1 Prozent. Schiffahrtswerte lagen unter
Berückſichtigung des Dividendenabganges relativ behauptet. Bis zu
1 Prozent niedriger ſetzten noch ein: Zellſtoff Aſchaffenburg, Holzmann,
Daimler, Rürgerswerke und Süddeutſche Zucker. Feſter tendierten nur
Conti Gummi mit plus 1½ Prozent und Wayß u. Fretztag mit plus
1 Prozent. Auch nach den erſten Kurſen hielt die Abgabeneigung an,
und die Kurſe bröckelten erneut bis zu : Prozent ab Anleihen bei
kleinem Geſchäft bis ¼ Prozent niedriger. Auslandsrenten geſchäfts=
los
. Pfandbriefe ruhig, aber eher etwas ſchwächer. Reichsſchuldbuch=
forderungen
flau und bis 1½ Prozent niedriger.
Im weiteren Verlaufe konnten ſich die Kurſe auf leichte Inter=
ventionstätigkeit
der Großbanken um etwa 1 Prozent erholen, doch
überwog bei der Spekulation weiterhin eher Abgabebedürfnis. Die
Stimmung war reichlich unſicher! Am Geldmarkte machte ſich heute erſt=
mals
eine Erleichterung nach dem Medio bemerkbar, ſo daß der Satz für
Tagesgeld auf 4 Prozent ermäßigt wurde. Am Deviſenmarkt nannte
man Mark gegen Dollar 4,2002, gegen Pfunde 20,40½. Von Uſancen
waren Madrid feſt, aber ſchwankend London New York 4,8592,
Paris 124,26, Mailand 92,77, Madrid 47,60, Schweiz 25,23, Holland
12,10.
Berlin, 18. April.
Die letzte Börſe dieſer Woche brachte keine Erholung. Wieder lag
auf faſt allen Marktgebieten etwas Angebot vor, das die Börſe nur zu
13 Prozent ſchwächeren Kurſen aufzunehmen geneigt war. Vielfach
wurden die Notierungen bei Umſätzen von nur 12 Mille feſtgeſtellt, es
ſteht jedoch feſt, daß die Rückgänge der letzten Tage im Publikum eine
recht verärgerte Stimmung geſchaffen haben, die in einer gewiſſen Ner=
voſität
und Abgabeneigung ihren Ausdruck findet. Ungünſtige Nach=
richten
von Bedeutung lagen kaum vor. Man ſprach vielfach von
Blancoabgaben und internationalen Baiſſiers, die ſeit geſtern auch hier
am Werke ſeien und auf deren groß angelegte Manöver auch der Druck
auf die ausländiſchen Märkte zurückzuführen ſei. Im Verlaufe wurde
e3 nach einer Spanne unſicherer Schwankungen ausgeſprochen ſchwach.
Die Hauptpapiere gingen erneut bis zu 3 Prozent zurück; Salzdetfurth
bußten vorübergehend ſogar 8½ Prozent ein. Chade=Aktien waren
auch im Verlaufe gut behauptet. Gegen 12 Uhr wurden einige Deckun=
gen
vorgenommen, und die Kurſe vermochten ſich gegen ihren niedrigſten
Stand etwas zu beſſern. Anleihen nachgebend.
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 18. April:
Getreide. Weizen: Mai 83½, Juli 65½, Sept. 65½. Dez. 68½
Mais: Mai 61½, Juli 62.75, Sept. 61½, Dez. 54½; Hafer: Mai
31, Juli und Sept. 31½, Dez. 33; Roggen:: Mai 38, Juli 40.25,
Sept. 417.
Schmalz: Mai 8.62½, Juli 8.77½, Sept. und Okt. 8.95.
Schweine: leichte 7.657.80, ſchwere 6.857.15; Schweine=
zufuhren
: Chicago 11 000, im Weſten 34 000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 18. April:
Schmalz: Prima Weſtern 9.35; Talg, extra, loſe 4½.
Getreide. Weizen: Rotwinter 94; Mais, loko New York
74.50; Mehl, ſpring wheat clears 4.054.50; Getreidefracht: nach
England 1,62,3 Schilling, nach dem Kontinent 88.50 Cents.
Kakao. Tendenz: kaum ſtetig; Umſätze: 35; Lokonotiz: 5.50;
Mai 5.28, Juli 5.46, Sept. 5.61, Okt. 5.69, Dez. 5.82, Januar 1932:
5.88, März 6.00.

Berliner Kursbericht
vom 18. April 1931

Suddeutſcher Eiſenmartt.

Berl. Handels=Geſ.
Danatbank. . . . . ."
Deutſche Ban! u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Ban
Hapag
Hanſa Dampfſdi.
Norbd. Llohd
A. E. G.
Bahr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdöl

123.25
145.
112.625
107.
64.375e
88.25
65-375ex
107.25
n3.
92.
95.
45.75
123.
132.25
74.50

Elektr. Lieferung
J. G. Farben
Gelſ. Bergw.
Geſ. f.elektr. Untern
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Köln=Neuefſ. Bgw.
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Un in.
Nordd. Wolle
Oberſchlef. Koksw.
Orenſtein & Koppel

131.50
145.375
81.25
124.25
72.50
66.50
97.
156.50
67.125
73.50
74.25
42.
59.25
78.75
51.50

Polyphonwerie
Rütgerswerfe
Salzdetfurt! Ka
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtoff !=
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Alkali
Agsb.=Nrnb. Maſch
Baſalt Lin;
Berl. Karler. Ind.
Hirſch Kupfei
Hohenlohe=Werle
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Drah=
Wanderer=Werle E3.

163.
54.n5
248.
117.
115.
E5.875
162.
E8.-
25.125
46.50

64.
44.5o

Die Lage am ſüddeutſchen Eiſenmarkt iſt in der vergangenen Woche
unverändert geblieben. Bis jetzt iſt alſo eine ausgeſprochene Frühjahrs=
belebung
, die man erhoffte, noch nicht eingetroffen In Stabeiſen
war es hauptſächlich der mittlere Handel, der dem Markte zu einigem
Leben verhalf, während der Verbraucherbedarf ſich in den bisherigen
engen Grenzen hielt. Die Bantätigkeit hat trotz der wärmeren Witte=
rung
nicht weſentlich zugenommen, ſo daß der Bedarf in Baueiſen
hinter demjenigen des Vorjahres zurückbleibt. Auch in Formeiſen be=
ſtand
wenig Nachfrage, da die Konſtruktionswerke nur ungenügend be=
ſchäftigt
ſind. Für Bandeiſen und Bleche bot der Markt nur geringe
Aufnahmetätigkeit.
In den Preiſen des Verbandes ſind keinerlei Aenderungen ein=
getreten
, noch zu erwarten. Ab 15. April ſind Spezifikationen auf
Vorverbandsabſchlüſſe zu den Winterverkaufspreiſen des Süddeutſchen
Eiſengroßhandelsverbandes, alſo für Formeiſen zu 127,70 RM. (Baſis
Mannheim), für Stabeiſen zu 130,80 RM. (Baſis Neunkirchen) zu be=
rechnen
. Die Ausſichten über die Endwicklung des Geſchäfts am Süd=
deutſchen
Eiſenmarkt lauten im allgemeinen nicht gerade günſtig. Zwar
dürfte das ruſſiſche 300=Millionen=Objekt insbeſondere der eiſenber=
arbeitenden
Induſtrie eine willkommene Belebung bringen, die jedoch
nicht überſchätzt werden darf. Im übrigen aber glaubt man, beſonders
im Hinblick auf die noch immer übergroßen Schwierigkeiten in der
Geldbeſchaffung, nicht an eine umfaſſende und durchgreifende Markt=
belebung
.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Auf Grund eines Proſpektes ſind 1. 6 Mill. RM. 8prozentige
Goldkommunalſchuldverſchreibungen Reihe 4, früheſtens zum 1. 12. 1935
kündbar; 2. 10 Mill. GM. Goldpfandbriefe Reihe 11, früheſtens zum
1. 3. 1935 kündbar; 3. 5 Mill. GM. 8prozentige Goldpfandbriefe Reihe
12, früheſtens zum 1. 3. 1936 kündbar, der Landeskreditkaſſe in Kaſſel
zum Handel und zur Notierung an den Börſen in Berlin und Frank=
furt
a. M. zugelaſſen worden.
Die Generalverſammlung der Dürrwerke A. G., Düſſeldorf= Rathin=
gen
, genehmigte den bekannten Abſchluß mit 6 Prozent Dividende ſowie
die Satzungsänderungen.
Der Reichsarbeitsminiſter hat im Lohnſtreit in der Rheinſchiffahrt
nach dem Scheitern der Berliner Nachverhandlungen ein neues Schlich=
tungsverfahren
eingeleitet Zum Schlichter iſt Profeſſor Dr. Brahn,
Dortmund, beſtellt. Die Verhandlungen finden am 23. April in Düſ=
ſeldorf
ſtatt.
Die Generalverſammlung der Vereinigte Moſaik= und Wandplatten=
Werke A.=G. Sinzig a. Rh., genehmigte den Abſchluß für das Ge=
ſchäftsjahr
1930 und beſchloß die Ausſchüttung einer Dividende von 7
(11) Prozent
Der Zechenverband des Ruhrbergbaus hat die tarifbeteiligten
Bergarbeiterverbände zur Verhandlung über den von ihm gekündigten
Rahmentarif für Donnerstag, den 23. April, nach Eſſen eingeladen.
Infolge des Beſchluſſes des Provinzialausſchuſſes der Provinz
Oberheſſen, mit der Preag erneut in Verhandlungen einzutreten, hat
die Verwaltung der Hefrag beſchloſſen, die Stillegung des Tagebaues in
Wölfersheim um 14 Tage hinauszuſchieben. Nach den Plänen der Ver=
waltung
hätte die Stillegung des Tagebaues am Samstag erfolgen
ſollen.
Die Chemiſche Induſtrie A.=G. Erlangen, konnte im abgelaufenen
Geſchäftsjahr den Geſamtumſatz bei ermäßigten Preiſen ſteigern. Bei
erhöhten Abſchreibungen vermindert ſich der Verluſtvortrag auf 0,178
(0,185) Mill. RM. bei 0,250 Mill. RM. Aktienkapital.
Die Brauerei Beckh A.=G., Pforzheim, erzielte per 1929/30 nach
139 839 (143 873) RM. Abſchreibungen einen Reingewinn von 157 337
(201 681) RM., über deſſen Verwendung nähere Angaben nicht gemacht
werden. (Im Vorjahre 10 Prozent Dividende; Aktienkapital 1,0 Mill.
NM.)
Die Fahr A.=G., Pirmaſens ſchließt per 1930 bei 2,2 Mill. RM.
Aktienkapital mit einem ziemlich kleinen Gewinn von ungefähr 20000
(38 000) RM. Eine Dividende wird nicht verteilt. Mit dem Verlauf
des Geſchäftsjahres ſei man angeſichts der ſchwierigen Verhältniſſe zu=
frieden
geweſen.
Die amtlichen Ziffern über den franzöſiſchen Außenhandel in den
erſten drei Monaten dieſes Jahres ſpiegeln die ungünſtige Wirtſchafts=
entwicklung
wider. Die Einfuhr iſt gegenüber der gleichen Zeit des
Vorjahres um 2,20 auf 11,81 Milliarden Franken, die Ausfuhr um 3,28
auf 8,41 Milliarden Franken geſunken, ſo daß ſich ein Einfuhrüber=
ſchuß
von 3,40 Milliarden Franken gegenüber dem Vorjahre von 2,32
Milliarden Franken ergibt.

Oeviſenmarlt
vom 18. April 1931

Schwen


Spanien
Danzig
Japan
Rio de Janeiro
Jugoſlawien 1100 Dinar
Athen
Iſtam k:

Kairo

Kanade
*
Uruguay

Jsland
Tallinn (Eſtl. //100 eſtl. Kr.
Riga

Helſingfors
Wien
Prag
Buda x
Sofig
Hollan!
Lslo
Kopenhagen
Stodholm
London
Buenos=Aire
New Yor!
Belgien
Italien
Paris

Währung
00 finn. Mk.
100 Schilling
100 Tſch. Kr.
100 Pengö
100 Leva
100 Gulden
00 Kronen
100 Kronen
100 Kronen
L=Sta.
Pap. Pelv
Dollar
100 Beige
100 Lire
100 Franc?

Ge iBrief
10.559/ 10.57

59.005
12.43
73.14
3.042
168.511
112.21
112.19
1.382
.1965
58.325
21.975
16 404

59.12:
2.45
73.28
3.047
168.85
1124
12.41
112.36/ 112.58
20.387 20. 427
1.39
4. 204:
58.445
22.015
16.4441

Frankfurter Kursbericht vom 18. April 1931.

720 Dtſch Reichsan!
6%0
5½%Intern.,
6% Baden
8% Bahern
82 Oeſſen v. 2
v. 2
60 Preuß. Staat
82 Sachſen ......"

72 Thüringen.
Dtſche. Anl. Auslo
ſunsſch. +/. Ab=
löſungsanl
. . ..
Dtſche. Anl. Ablö=
ungsſch
. (Neub.
Deutſche Schutzge=
bietsanleihe
.
80 Nachen v. 29
8 Baden=Baden.
..
6%Berlin
8½ Darmſtadt v. 26
v. 28
80
7½ Dresden.
8% Frankfurt a.M.
v. 26
6%
o. 26
8% Mainz ....
8½ Mannheim v. 2
6%
v. 27
80 München.
8% Nürnberg.
8% Wiesbaden

Me
84.75
76.75
80.25
100.25
81.75
922/.
K e
100
80
86.25

572I,
6.25

2.7

82 Heſſ. Landesb.
80 Golboblig
4½% Geſſ. 2b8.
Hyp.=B:.=Liauid.
4¾% Kum.=Obl
8% Preuß. Ld8.
pfbr.=Anſt. G. Pf.
8X Solboblig

92

91.5
91
86
99
C9
19
94.25
77.75
26

Me

D Manu
Bk. Girozentr. für
Heſſen Golvobl.
8½ Kaſſeler Land=
kredit
Goldpfbr..
7% Kaſſeler Land. Goldpfbr..
6 %
82 Naſſ. Lamdesbi.
4½F. Liqu. Ok
Dt. Komm. Sam=
mel
=Ablöſ.-Anl.
*AuslSer.
Ser, II
Dt. Komm. Samm.
Abl. (Neubeſitz).

Berl. Hyp. Br. 1100
½% Liqu.=Pfbr
8% Frkf. Hyp.=Bk.. 1101.5
4½% Lig. Pfbr.
Pfbr.=Bk.
Liau
Mein. Syp.=Bi./102.5
Lia. Pibr.
Pfälz. Hyp.=B
Lia. Pfbr
825 Preußt. Boden=
creb
.=Ban!
Lig. Pfbr.. / 94
Preuß. Centrl.
Bodencr.=Bant ./107
4½
Lig. Pfbr
8% Rhein. öhp. Bk.
4½% Lig. Pſhr
82 Rhein.=Weſtf.
Vd.=Credit .....
8½ Süidb. Bod.
Creb.=Bank .. . . 100.7.
14½7 Lia. Pfbr.

Württ. Hyp.=B./100

96.75
100
9
86
101
95
86.75
92.8

60 Daimler=Benz
8% Dt. Linol. Werke
½ Klöckner=Werke
Mainkrw. v. 26
% Mitteld. Stahl
Salzmann u. Co
%Ver. Stahlwerke
% Voigt &Häffner

75

96.25
88*
K7.25

86*
R6

J. G. Farben Bonds/10o

55
11
90
91.5
97.5
4.35
101:
97.5
93.25
47
2.5
100
93.9
101.75
100.25
97.25
21.75
101
95.75
93‟I.

% Bosn. L. E.B
L. Inveſt.
Bulg. Tab. v. 02
4½‟ Oſt. Schätze
2 Oſt. Goldrentel
5% vereinh. Rumän
4½%0
49
420 Türk. Admin.
40
1. Bagdad
Zollanl.
4½0 Ungarn 191:
4½
1914
4
Gloldr.
1910
Aktien
Rig. Kunſtzitde Un
..
9. E. G.
AndregeNoris Zahn
Aſchaffbg. Brauere
Zellſtoff
Bemberg. J. P....
Bergm. El.=Werle
BrownBoverickCie.
Buderus Eiſen..
Eemen: Heidelberg
Karlſtad:
J. G. Chemie, Baſe
Chem. Werke Albert
Chade
Contin. Gummiw.
Linoleum
Daimier=Benz..."

28.1

83
106.5

6s

1775
37
123.5
83.5
30.2

Dt. Atl. Telegr
Erdöl ..."
Gold=u. Silber=
ſcheide
=Anſtalt
Linoleumwerke
Eiſenhandel..
Dyckerhoff u. Widm
Eichbaum=Werger.
Eleftr. Lieferg.=Gef.
Licht u. Kraft
Eſchw. Berawerk..
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Frankf. Gas i. Lig.
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Goldſchmidt Th.
Gritzner Maſchine
Grün & Bilfinger.
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Hirſch Kupfer. .. . .
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Flſe Bergb. Stamn
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Kali Chem
Aiſchersleben
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Karſtadt. R..
Klein, Schanzlin..
Klöckneriverle
Knorr
Tahme
Co
Laurahütte
Lech, Augsbur:

N

121.5
208
39
100
145
46
87.5
119
35

109

59.7
100
68

Löwenbr. Münck).
Lüdenſcheid Metal
Lutz Gebr Darmſt
Mainkr.=W. Höchſt
Mainz. Akt.=Br. .
Mannesm.= Röhren
Mansfelb Berg.
Metallge). Frankſ.
Miag, Mühlenbau.
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173
40
13.75
66

45
183
190
52

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Pfdbr.=Bt. ...
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Reichsbank=Ant. ..
Rhein. Hyp.=Bank. 137
Südd. Bob.=Cr. Bf.
Wiener Bankverein
Württb. Notenbant/129

Me

39
100

96.25
126
215
118
144
1127½
94.5
106.5
95
157.
157.5
165
134.6
164.5
137.5
9.5

A.-G. j. Verlehrsw. 65.6
Allg. Lokalb. Kraftw
7% Dt. Reichsb. Vzg/ 93.23
64.5
Hapag .......
Nordd. Lloyd.
66
Südd. Eiſenb.=Geſ.
Allianz. u. Sturtg.
Verſicherung .. . /195
Verein. Verſ./214
FrankonaRück-u.M
Mannh. Verſich
Otav iMinen
Schantung Handelsl 25

Währung Geld Brief 100 Franker 80.815 C0.275 100 Peſetas 142.69 2.77 1100 Gulden 81.52 41.68 1 Yen 2.073 2.077 1 Milre 0.2 C.298 7.378 .292 Portugal 1100 Escudo 18.65 18.89 1100 Drachm 5.44 5.45 1 türf.2 Täghpt. 4 20.915 20.s55 1canad. Doll 4. 193 2.201 1 Goldpeſo 100 ist. Kr. 92.02 22.20 111.6 111.88 1100 Lats 20.75 E0.91 [ ][  ][ ]

Seite 10

Sonntag, den 19. April 1931

Nummer 108

Ihre Verlobung beehren ſich
anzuzeigen
Emmy Rippich
Eduard Thiel
Diplom=Ingenieur
Frankfurt a. M.
Arheilgen
Zimmerweg 6!
(Bahnhof)

Für die mir anläßlich meines 40jährigen
Dienſt=Jubiläums überſandten Glück=
wünſche
, Blumenſpenden und Geſchenke
ſage ich Allen meinen herzlichſten Dank.

Michgel Riedel
Karlſtr. 39. (6212

Für die vielen Aufmerkſamkeiten an=
läßlich
unſerer goldenen Hochzeit
danken herzlichſt
Wilhelm Göbel u. Frau
Barkhausſtr. 18.

Die Eheleute Johann Reſtle u. Frau,
Marie geb. Ruckelshaußen, Kahlert=
ſtraße
51, begehen am 22. April das
Feſt der Silbernen Hochzeit. (6152
Glück auf zur Goldenen!

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es ge=
fallen
, am 17. April, abends 9 Uhr,
unſere liebe Mutter und Groß=
mutter

Frau Katharine Bender
geb. Merz
nach einem ſegensreichen Leben
im Alter von 87 Jahren zu ſich in
die Ewigkeit abzurufen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Neff
Familie Wolf
Familie Bender.
Die Beerdigung, findet am Diens=
tag
, den 21. April, nachmittags
3 Uhr, auf dem Friedhof zu
Waſchenbach ſtatt.

Vereinigung
früherer
Leibgardiffen
Darmſtadt.

Am Freitag, den 17. April ver=
ſchied
unſer langjähriges, treues
Mitglied, Kamerad
Georg Wagner
Ober=Rechnungsrat.
Die Beerdigung findet am Mon=
tag
, den 20. April 1931, nachm.
2½ Uhr auf dem alten Fried=
hof
, (Nd.=Ramſtädterſtr.) ſtatt.
Wir bitten unſere Mitglieder,
dem verſtorbenen Kameraden
recht zahlreich die letzte Ehre
zu erweiſen. 6159
Der Vorſtand

Reichsbund d. Zibildienſtberechtigten
Verein Darmſtadt.

Am 17. ds. Mts. verſchied unſer
lieber Kamerad und langjähriges
Mitglied
Herr Georg Bagner
Oberrechnunggrat.
Die Beerdigung findet am Montag,
den 20. April, 14.30 Uhr, auf dem
alten Friedhof an der Nieder=
Ramſtädterſtraße ſiatt.
Wir bitten um zahlreiche Be=
2 baitgng.
Der Vorſtand.
6tsay

Für die liebevolle Anteilnahme
an unſerem ſchweren Verluſie
danken herzlichſt
Stadtamtmann Dorn u. Kind
Taubſi., Oberlehrer i. R Schmitt
und Frau.
Darmſtadt, Camberg, April 1931.
(6184

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben
Mann, meinen Vater, Sohn, Schwiegerſohn, Bruder
und Schwager
Herrn Wilhelm Hauck
nach langen ſchweren Leiden, jedoch plötzlich und un=
erwartet
, zu ſich in die Ewigkeit zu rufen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Eliſe Hauck Wwe., geb. Kroh
Philipp Hauck.
(6186
Traiſa, den 17. April 1931.
Die Beerdigung findet Montag, den 20, April, nach=
mittags
4 Uhr ſtatt.

Heute früh 9 Uhr verſchied plötzlich und unerwartet
unſer einziges Kind, unſer Glück und Sonnenſchein
Ilſe Helga
im Alter von 2 Jahren und 1 Tag.
In tiefer Trauer:
Familie Balthaſar Dörr.
Darmſtadt, den 18. April 1931,
Sandbergſtr. 65.
Die Beerdigung findet am Montag, den 20. April,
nachmittags 3 Uhr, auf dem Waldfriedhof ſtatt.

Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten machen
wir hiermit die ſchmerzliche Mitteilung, daß mein
lieber, herzensguter Gatte, unſer treuſorgender
Vater, Bruder, Schwager und Onkel
Herr
Karl Eugen Keller
Metzgermeiſter
heute nachmittag 5½ Uhr ſeinem heimtückiſchen
im Kriege zugezogenen Leiden im Alter von
51 Jahren ſanft entſchlafen iſt.
Wir bitten um ſtille Teilnahme.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Fran Karl Eugen Keller Ww.
und Kinder

Griesheim, den 18. April 1931.

(6218

Die Beerdigung ſindet am Montag nachm. 4 Uhr,
vom Sterbehauſe, Ludwigſtraße 18 aus, ſtatt.

Todes=Anzeige.
Am 13. ds. Mis. entſchlief unſere liebe
Schweſter, Schwägerin und Tante
Johanna
friedlich und gottergeben im 61. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Emil Sulzmann.
Frankfurt a. M., Darmſtadt, im April 1931.
Die Beerdigung fand auf beſonderen Wunſch in der
Stille ſiatt.

Dankſagung.

Für die überaus zahlreichen Beweiſe herzlicher
Teilnahme bei dem uns ſo ſchwer betroftenen
Verluſie unſeres lieben Entſchlafenen ſagen wir
Allen herzlichen Dank. Insbeſondere danken
wir Herrn Pfarrer Weißgerber für die troſi=
reichen
Worte bei der Einäſcherung, ſowie den
evangeliſchen Gemeindeſchweſtern und der Sani=
tätskolonne
von Eberſtadt für die liebevolle
Pfiege.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Helene Klöpper, Witwe.
6145)

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme bei
dem uns betroffenen unerſetzlichen Verluſi, ſo=
wie
für die zahlreichen Blumenſpenden ſagen
wir herzlichen Dank. Beſonders danken wir
den Herren Aerzten und den Schweſtern des
Städt Krankenhauſes für die aufopfernde liebe=
volle
Pfiege während der ſchweren Tage, ſowie
Herrn Pfarrer Lautenſchläger für die troſireichen
Worte am Grabe.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Georg Haber. (6190

Für die warme Teilnahme bei dem Heimgang unſerer
lieben Entſchlafenen
Frau Helene Wetz
geb. Wagner
für die vielen Blumenſpenden und die Teilnahme
an der Einſegnung ſei Allen aufs herzlichſte gedankt.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Gertrud Runge, geb. Wetz
Anna Wagner.
Darmſtadt, Frankfurt a. M., am 18. April 1931. (6175

Keſſelſtein=
Verhüfersehr
praktiſch.

Stück 75 Pfg.
Schaaf
Ernst-Ludwigstr. 20,
(5877b
alé
f. Herren u. Damen
werd, nach neueſten
Formen umgepreßt.
jetzt 2 . Frankfurt.
Hutlager, Ecke Gra=
fen
= u. Bismarckſtr.*

Dankſagung.
Allen denen, die unſerem lieben Ent=
ſchlafenen

Herrn Tobias Geip
die letzte Ehre erwieſen, ſei hiermit herz=
lichſi
gedankt.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Katharina Seip Wwe.

Von der Reise zurück
Dr. Müller
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Darmstadt, oder von den Blinden in Darmstadt odert
sie gebrauchen eine lüge und gagen, unsere Vertreter!
hätten eine andere Tour. seien krank oder, wenn nach
unserem Verein gefragt wird, das sei ein und dasselbe.
Wir machen daranf anfmerksam, daß es sich hier nur
um prirate Unternehmungen handelt, die wohl Blinde
beschäftigen, diesen aber den Reingewinn des Unter=
nehmens
nicht zugute kommen lassen, sondern dieser
Hießt in die Taschen von sehenden Unternehmern.
Unser Blinden-Beschäftigungs-Vereinist ein gemeinnätziges
Unternehmen; wir beschäftigen nicht allein Blinde,
sondern wir stehen ihnen und auch den nicht arbeits-
fähigen
mit Rat und Tat zur Seite. Unser Laden und
unsere Werkstätte befindet sich noch immer Karlstr. 21
und nir bitten beim Angebot von Blindennare sieh
genau danach zu erkundigen, woher die Ware kommt
und zu beachten, daß unsere Erzengnisse unseren vollen
Namen tragen missen. In Darmstadt kommt nach wie
vor unser allbekannter Vertreter Herr Dascher, von
unseren Vertretern außerhalb Darmstadts verlange man
die behördlich beglanbigten Ausweise und sehe sich
diese genan an. Wir arbeiten nicht unter der Bezeichnung
Blindenwerkstätte, sondern unsere Firma lantetimmer ngek!
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Nummer 108

Sonntag, den 19. April 1931

Seite 13

Reich und Ausland.
Wildweſt=Ueberfall in Frankfurk a. M.
Räuber überfallen und knebeln drei Frauen
und entkommen im Auto.
Frankfurt a. M.. Geſtern vormittag
gegen 10 Uhr drangen drei junge Burſchen, von
denen einer maskiert war, mit vorgehaltenen
Revolvern in die Wohnung des Direktors Rief=
ſtahl
, von der Gold= und Silberſcheideanſtalt
Frankfurt a. M., in der Böcklinſtraße 12, ein.
Die Räuber fielen über die Hausangeſtellte her,
banden ſie an einen Stuhl und knebelten ſie.
Dann drangen ſie in die Räume des erſten Stock=
werks
ein, wo ſie die Frau des Direktors ſowie
eine zufällig anweſende Maſſeuſe feſſelten und
knebelten. Zwei der Räuber ſtanden dann
Wache, während der dritte die Wohnung durch=
ſuchte
. Ihm fiel, ſoweit bisher feſtgeſtellt wer=
den
konnte, nur eine Vorſtecknadel und kleine
Schmuckſtücke ſowie ein Reiſepaß auf den Namen
Karf Riefſtahl, aber kein Bargeld in die Hände.
Nachdem die Räuber ſich etwa 45 Minuten in
dem Hauſe aufgehalten hatten, ſuchten ſie in
einem bereitſtehenden Auto das Weite. Die
Frankfurter Kriminalpolizei hat mit einem
großen Beamtenapparat die Verfolgung der
Täter, von denen eine ziemlich genaue Beſchrei=
bung
vorliegt, aufgenommen.

Eröffnung einer Bildergalerie prähiſtoriſcher
Höhlenkunſt und afrikaniſcher Kultur.
Frankfurt a. M. Hier wurde am Sams=
tag
vormittag im Haus der Moden eine Aus=
ſtellung
der Forſchungsergebniſſe der verſchie=
denen
Afrikaexpeditionen von Geheimrat Leo
Frobenius eröffnet, der eine weitere kleine Aus=
ſtellung
des Archäologiſchen Reichsinſtituts in
Frankfurt angegliedert iſt, die eine große An=
zahl
von Bildern der afrikaniſchen Kultur auf=
weiſt
.
Der Raubüberfall bei Schlüchtern.
Schlüchtern. Vorgeſtern wurde ein Vieh=
Händler namens Nußbaum aus Ulmbach bei
Steinau von drei Burſchen überfallen. Der Raub
ſcheiterte im letzten Augenblick durch das Hinzu=
Eommen eines Motorradfahrers. Die Staats=
anwaltſchaft
in Hanau hat die Sache aufgegrif=
ſten
und glaubt, daß zwiſchen dem Raubverſuch
und der ſeinerzeitigen Beraubung eines Poſt=
wagens
bei Schlüchtern gewiſſe Zuſammenhänge
peſtehen könnten. Sie hat deshalb um Entſen=
pung
eines Frankfurter Spezialbeamten gebe=
den
, der nach Steinau abreiſte. Anſcheinend iſt
der Raub gut vorbereitet worden. Die Täter
waben Nußbaum wahrſcheinlich auf dem Ful=
waer
Viehmarkt beobachtet und geſehen, daß
M. mehrere Stück Vieh verkaufte und den Erlös
von einigen Hundert oder gar Tauſend Mark bei
ſäch trug. Möglicherweiſe ſind ſie im gleichen
Bug mit Nußbaum nach Steinau gefahren, und
(als N. den Weg nach Ulmbach einſchlug, eilten
ſäe voraus und lauerten ihm auf der Straße auf,
mm die Beraubung in Szene zu ſetzen, die glück=
ſiicherweiſe
durch einen Zufall vereitelt werden
vonnte.
Die hartnäckigen Bankräuber.
Aachen. Die beiden feſtgenommenen Bank=
näuber
leugnen nach wie vor ihre Tat, als auch
aine Beteiligung an dem Ueberfall auf die Kaſſe
der Kaſſeler Omnibusgeſellſchaft. Der eine
Burſche lehnt eine weitere Ausſage überhaupt
ab, nachdem er gehört hat, daß ſein Komplize
vernommen worden iſt. Infolgedeſſen hat nun=
niehr
die Kriminalpolizei die Angelegenheit an
den Unterſuchungsrichter abgegeben.
Großer Sprengſtoffdiebſtahl.
Bad Ems. Ein ſchwerer Sprengſtoffdieb=
ſtrahl
wurde auf dem Tonwerk Friedrichsſegen
verübt. Insgeſamt wurden 45 Kilo Dynamit,
zahlreiche Sprengkapſeln und Sprengleitungs=
material
entwendet. Die politiſche Polizei Kob=
lgenz
weilte am Freitag am Tatort, um genaue
Anterſuchungen durchzuführen.
Feſtnahme einer Kaviar=Kolonne.
Berlin. Vor einigen Tagen wurde in
efine Kaviar= und Feinkoſtgroßhandlung in der
Mittelſtraße ein Einbruch verübt, bei dem die
Täter für etwa 12 000 Mark Delikateſſen, beſon=
ders
Kaviar, erbeuteten. Vier von den Dieben
konnten feſtgenommen werden, der fünfte iſt
noch flüchtig. Als Anführer des großen Ein=
bruchs
wurde ein gewiſſer Puſchkewitz ermittelt,
deer wegen ſchweren Einbruchs zuletzt zu einer
lingeren Strafe verurteilt wurde, die er in
Sonnenburg verübte. Von dort entwiſchte er im
Fuli v. J., kam ſofort nach Berlin und ſam=
melte
hier eine neue Bande um ſich. Die
Kaviarbüchſen, die etwa 5 Pfund faſſen, wur=
den
zum Teil bei Gaſtwirten im Zentrum und
im Weſten für 10, 15 und 20 RM. verkauft.
Einen Teil der Doſen, die nicht gleich abgeſetzt
werden konnten, brachte Puſchkewitz zu ſeiner
Braut. Das Aeußere der Büchſen ſchien ihm
ſär den Verkauf nicht ſauber genug. Puſchke=
witz
wußte Rat: Die Büchſen wurden in kochen=
es
Waſſer geſtellt, und natürlich der Kaviar
dadurch ſo verdorben, daß er nicht mehr zu ge=
brrauchen
iſt. Bei der Siegesfeier in einem Lo=
ial
wurden Hoſtenhamp, Schimanſky und
Springer feſtgenommen. Puſchkewitz, der nicht
zugegen war, wurde in einem Schlafquartier am
Stettiner Bahnhof aus dem Bett geholt. Er
brrachte ſich, um ins Lazarett gebracht zu wer=
den
, eine gefährliche Schnittverletzung bei. Er
hat dieſen Schritt ſchon öfter angewendet, weil
er damit rechnet, aus dem Lazarett entweichen
z1 können.
Gnadengeſuch für Tetzner.
München. Der Verteidiger des zum Tode
verurteilten Kaufmanns Tetzner hat nunmehr,
hachdem er infolge des nach der Verhandlung
von Tetzner abgelegten Geſtändniſſes ſeine beim
Teichsgericht eingelegte Reviſion zurückgezogen
hat, beim Bayeriſchen Staatsminiſterium ein
Gnadengeſuch eingereicht.

Es zeigen ihre Vermählung an:

Werner Kraus,
der hervorragende Schauſpieler.

Maria Bard,
die ausgezeichnete Berliner Darſtellerin.

Deutſchlands modernſter Flughafen vor der Eröffnung.

Blick auf den Flugbahnhof München=Oberwieſenfeld.
Am 3. Mai werden die großartigen neuen Anlagen des Flugplatzes München=Oberwieſenfeld ihrer
Beſtimmung übergeben. Am gleichen Tage werden drei neue deutſche Fernfluglinien der Strecken
BarcelonaGenf-Zürich-MünchenWien-Budapeſt, BerlinMünchenMailand und München
VenedigBrindiſi eröffnet.
Gedächknis-Ausſkellung Die deutſche Fronk in Poksdam.

Der ſchwer umkämpfte Hartmannsweilerkopf in den Vogeſen als Reliefnachbildung.
In Potsdam wurde eine Ausſtellung Die deutſche Front eröffnet, in der rieſige Gelände=
Reliefnachbildungen von der Weſtfront im Jahre 1914 gezeigt werden. Die Reliefs ſtammen von
Profeſſor Seyferle (München).

Auf der Straße niedergeſchoſſen.
Berlin. Im Norden Berlins, an der
Ecke der Gropius= und der Badſtraße, kam es
nach einem Wirtshausſtreit zu einem wüſten
Kampf zwiſchen Mitgliedern mehrerer Ringver=
eine
. Wie berichtet wird, wurde im Verlauf
der Schlägerei der 24 Jahre alte Arbeiter Meck=
ler
von dem Kaufmann Moosdorf erſchoſſen. Der
Begleiter Mecklers, der Arbeiter Jetznik, wurde
ſo ſchwer am Kopf verletzt, daß er bewußtlos
liegen blieb. Moosdorf, der behauptet, in Not=
wehr
gehandelt zu haben, hat ſich der Polizei
geſtellt.
Zugunfall des Warſchauer Schnellzuges.
Warſchau. Der Warſchauer Schnellzug
fuhr geſtern früh in einer Station unweit
Kowel auf einen Güterzug auf. Die Lokomo=
tive
und der Dienſtwagen des Schnellzugs ſowie
fünf Güterwagen entgleiſten. Der Heizer des
Schnellzugs wurde ſchwer verletzt. Eine Anzahl
Paſſagiere erlitt Verletzungen geringfügiger
Art.

Bergwerksunglück.
Bisher vier Tote.
Budapeſt. Im Kohlenbergwerk von
Pilis=Szent=Iwan ereignete ſich ein ſchweres
Grubenunglück, das bisher vier Todesopfer ge=
fordert
hat. Ein Schacht ſtürzte ein und be=
grub
ſieben Arbeiter, von denen bisher vier
Leichen geborgen werden konnten. Nähere Ein=
zelheiten
über den Hergang des Unglücks fehlen
noch.
Kältewelle und Schneefälle in Frankreich.
Paris. Aus verſchiedenen Gegenden Frank=
reichs
werden Schneefälle gemeldet. Im Berg=
land
von Aurillac herrſcht ſeit Freitag ein dich=
tes
Schneegeſtöber. Geſtern ſank das Thermo=
meter
dort auf minus 6 Grad. Auch in Lothrin=
gen
herrſcht nach Berichten aus Belfort und
Remiremont ſcharfe Kälte. Eine mehrere Zenti=
meter
dicke Schneeſchicht bedeckt die Höhenzüge
der Vogeſen und des Jura.

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Lungge

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Auffindung eines verſchwundenen
Kirchengemäldes.
Berlin. Großes Aufſehen erregte vor
einiger Zeit die Verhaftung des Kunſthändlers
Adolf Bauer in Wien, der beſchuldigt wurde,
aus Klöſtern und Kirchen Kunſtſchätze entwen=
det
zu haben. Von der Feſtnahme war auch das
Berliner Polizeipräſidium in Kenntnis geſetzt
worden, ebenſo von der Tatſache, daß zwiſchen
dem 4. Dezember 1930 und dem 12. Januar 1931
aus der Kirche St. Magdalena in Weitensfeld
in Kärnten eines der wertvollſten Glasgemälde,
ein Werk aus dem 12. Jahrhundert, plötzlich ver=
ſchwunden
war. Der Wert des Gemäldes, das
die heilige Magdalena darſtellt, wurde von den
Kennern auf 33 000 Schilling geſchätzt. In der
letzten Zeit verſtärkte ſich der Verdacht, daß das
Gemälde über die Grenze nach Berlin geſchafft
worden ſei. Der Berliner Kriminalpolizei iſt
es jetzt gelungen, das Kunſtwerk in einer Anti=
quitätenhandlung
in der Wilhelmſtraße zu be=
ſchlagnahmen
. Als man dort eine Kiſte öffnete,
zeigte es ſich, daß ſie, vorſichtig in Watte ver=
packt
, die einzelnen Teile des in Weitensfeld
geſtohlenen Gemäldes enthielt. Die Stücke
waren aus der Bleifaſſung herausgelöſt. Das
Gemälde wurde nach dem Polizeipräſidium ge=
bracht
und wird den öſterreichiſchen Behörden
zur Verfügung geſtellt werden. Ob der ver=
haftete
Kunſthändler Bauer den Diebſtahl ver=
übt
hat, wird die in Wien geführte Unter=
ſuchung
ergeben.

Der Mord an dem Strafanſtaltsoberwachtmeiſter
Neubauer.
Prenzlau. Im Gerichtsgefängnis in
Prenzlau fanden geſtern umfangreiche Unter=
ſuchungen
über den Mord an dem Strafanſtalts=
oberwachtmeiſter
Neubauer ſtatt. Vor allen
Dingen richtete ſich die Unterſuchung darauf, ob
die beiden Flüchtigen noch Mitwiſſer oder Hel=
fershelfer
gehabt haben. Soweit ſich bisher hat
feſtſtellen laſſen, haben Patocki und Pilgram
ſchon vor einigen Wochen Mitgefangenen gegen=
über
geäußert, daß ſie aus Prenzlau entſpringen
wollten. Beſonders Pilgram hat ſich bei allen
in Frage kommenden Häftlingen danach erkun=
digt
, ob im Büro des Gefängniſſes größere Geld=
ſummen
aufbewahrt würden. Dabei hatte er
angedeutet, daß noch ein zweites Verfahren ge=
gen
ihn laufe, das ihm außerordentlich gefähr=
lich
werden könnte und in dem er eine ſehr hohe
Strafe zu befürchten habe. In der Tat ſchwebte
eine neue Unterſuchung gegen ihn, die jedoch in
den erſten Anfängen ſteckt. Pilgram und Pa=
tocki
, die als Kalfaktoren eine ziemlich große
Bewegungsfreiheit hatten, haben, wie jetzt feſt=
geſtellt
wurde, ſchon am Mittwoch mit den Vor=
bereitungen
zur Flucht begonnen. Sie entwen=
deten
aus der Waſchküche eine feſte Leine, die
ſie hinter der Wand eines Schuppens verſteckten,
und ſtellten auch eine Leiter zurecht, mit deren
Hilfe ſie über die Mauer gekommen ſind. Wei=
ter
wußten ſie ſich eine Säge, einen ſogenann=
ten
Fuchsſchwanz, zu verſchaffen, mit dem die
Türfüllung aus dem Büro des Gefängniſſes her=
ausgeſägt
wurde, nachdem das Schloß den An=
griffen
der beiden Verbrecher Widerſtand lei=
ſtete
. Auch über die Möglichkeiten, von Prenz=
lau
fortzukommen, haben die beiden genaue
Auskünfte einzuziehen verſucht, wie die Ge=
fangenen
ausſagen. Es iſt nicht ausgeſchloſſen,
daß die beiden Flüchtigen verſuchen werden, ein
Auto zu ſtehlen, um damit zu entkommen, zumal
Pilgram mit Motoren und Krafträdern umzu=
gehen
verſteht.
Am Samstag wurde einer der beiden Mörder
des Strafanſtaltsoberwachtmeiſters Neubauer,
der Schlächter Heinrich Pilgram, in der Nähe
von Lychen, ohne Widerſtand zu leiſten, feſtge=
nommen
.
Der erſte Prozeß im Vatikanſtaat.
Rom. Vor dem Gericht der Vatikanſtadt
hat der erſte Prozeß gegen einen Sizilianer
ſtattgefunden, der auf vatikaniſchem Gebiet an=
geblich
Spenden für eine Ferienkolonie ſam=
melte
und ſo kirchliche Perſönlichkeiten be=
ſchwindeln
konnte. Da der Angeklagte nicht vor=
beſtraft
iſt, wurde er bedingt zu 70 Tagen Haft
verurteilt und ſofort freigelaſſen.
Die Beſorgniſſe um das Schickſal der Wegener=
Expedition.
Kopenhagen. Ueber die Abſicht, zur
Auffindung der Grönland=Expedition von Prof.
Wegener eine Fliegerexpedition zu entſenden,
erklärt in der geſtrigen Moygennummer der
Politiken der bekannte Grönlandforſcher Dr.
Lauge Koch: Wenn wir innerhalb von drei
Wochen nichts von der Expedition hören, dann
muß man für das Schickſal der Expeditionsmit=
glieder
ernſteſte Beſorgniſſe hegen. Es dürfte
außerordentlich ſchwierig ſein, die Expedition
durch Flieger oder Hundeſchlitten aufzufinden.
Neuer Ozeanflug von Gronaus?
Kopenhagen. Der bekannte deutſche
Ozeanflieger v. Gronau, der am Freitag hier
angekommen iſt, verhandelt mit der Direktion
der hieſigen Grönland=Verwaltung wegen Fort=
ſetzung
ſeines Atlantikfluges mit Zwiſchenlan=
dung
auf Grönland. Extrabladet ſchreibt,
man vermutet, daß Gronau vielleicht in aller
Stille und Plötzlichkeit von Deutſchland aus
einen neuen Ozeanflug via Grönland unterneh=
men
werde, um dann gleichzeitig nach Prof.
Wegener zu ſuchen.
Flugunfall des Prinzen Bibescu.
London. Prinz Bibescu iſt in der Nähe
von Gaya (Indien) mit dem Flugzeug abge=
ſtürzt
. Nach Anſicht des Prinzen iſt das Unglück
dadurch entſtanden, daß ein Geier in den Pro=
peller
flog. Bei dem Aufprallen der Maſchine
auf den Boden explodierte ein Benzintank, wo=
durch
das Flugzeug in Brand geſetzt wurde.

[ ][  ][ ]

Seite 14

Sonntag, den 19. April 1931

Nummer 108

Der Kürten=Prozeß.
Beitere Einzelheiten über die Mordkaken. Die Ausſagen der Frau Kürken.
Die Zeugenvernehmung geht weiter.

Düſſeldorf, 18. April.
Nach Eröffnung der Sitzung des ſechſten Verhandlungstages
wurde in die Prüfung des Falles Doerrier eingetre=
ten
. Der Zeuge Ems, der an der etwa 500 Meter von einem
Bahnübergang gelegenen Stelle vorbeikam, wo die Doerrier lag,
und ſofort die Polizei holte, erklärt, die Doerrier habe noch
Lebenszeichen von ſich gegeben.
Der Kriminalſekretär Opfer erklärt, als er mit dem Ueber=
fallkommando
zum Tatort kam, habe die Doerrier noch gelebt und
ſehr geſtöhnt. Als die Mordkommiſſion eintraf, war die Doerrier
bereits ins Krankenhaus gebracht worden.
Nachdem zwei weitere Kriminalbeamte über die Ergebniſſe
der Unterſuchung dieſes Mordes Ausſagen gemacht hatten, wurde
Kriminalaſſiſtent Müller über
Kürtens Feſtnahme
vernommen. Er erklärte, Kürten habe bei ſeiner Feſtnahme kein
Wort geäußert, und auf die Aufforderung, die Hände zu erheben,
dieſes ſofort getan. Anſchließend machte der Sachverſtändige, Ober=
arzt
Dr. Kraft=Düſſeldorf, nähere Angaben über die Art der Ver=
letzungen
der Eliſabeth Doerrier.
Die Prüfung des Falles Meurer begann mit der
Vernehmung der Ueberfallenen, Frau Hubertine Meurer. Dieſe
ging am 25. Oktober über den Hellweg nach Hauſe. Ein Mann
ging an ihr vorüber, der ihr dadurch auffiel, daß er über einen
Stein ſtolperte. Er begann ein Geſpräch über die Unſicherheit des
Hellweges und die ſchlechten Beleuchtungsverhältniſſe und fragte
die Zeugin, ob ſie keine Angſt habe. Sie möge doch daran denken,
wie es dem ermordeten Scheer ergangen ſei. Kürten erſuchte ſie,
neben ihm zu gehen. Um ihn los zu werden, ſagte ſie, daß ſie in
wenigen Minuten abgeholt werde und gleich zu Hauſe ſei. Als
ſie ſich dann umdrehte, bekam ſie einen heftigen Schlag, ſo daß ſie
zuſammenſank. Als ſie wieder zu ſich kam, waren ſchon Leute bei
ihr. Kürten habe, ſo ſagt ſie weiter aus, auf ſie einen guten Ein=
druck
gemacht, ſo daß ſie ſich ſagte: Das iſt ein netter Menſch
mit dem kannſt du ein Stück gehen.
Frau Meurer trug am Kopf und am rechten Ohr Verletzun=
gen
davon, die von einem Hammer herrührten. Sie wurde ſo=
ſort
operiert, konnte erſt am Nachmittag des nächſten Tages aus=
ſagen
und wurde nach drei Wochen aus dem Krankenhaus ent=
laſſen
. Nach Angabe der Zeugin ſelbſt iſt ſie noch in ärztlicher Be=
handlung
und war inzwiſchen wieder im Krankenhaus. Der Arzt
berichtet u. a., nach Ausſage der Krankenſchweſter ſei ein Mann im
Krankenhaus geweſen, der eine gewiſſe Aehnlichkeit mit Kürten
hatte und die Verletzte beſuchen wollte. Er gab den Namen Heck=
hauſen
an, verwickelte ſich in Widerſprüche und verzichtete ſchließ=
lich
auf den Beſuch, als die Stationsſchweſter ihn zu Frau Meu=
rer
führen wollte. Der Angeklagte beſtreitet, jener Beſucher ge=
weſen
zu ſein.
Darauf wird der Ueberfall auf Frau Wanders am
25. Oktober 1929, der gegen 24 Uhr erfolgte, verhandelt. Die
Ueberfallene will ſich nur erinnern, daß ſie bei ihrem Spaziergang
plötzlich Schläge auf den Kopf erhalten habe. Alles, was vorher
geſchehen ſei, ſei ihrem Gedächtnis entſchwunden. Aus den Aus=
ſagen
von Kriminalbeamten ergibt ſich, daß ſie Kürten bei der
Gegenüberſtellung nicht erkannt habe, während Kürten ſie ſofort
als ſein Opfer aus dem Hofgarten bezeichnet habe.

Anſchließend kommt der Mord an der 5½jährigen
Gertrud Albermann am Abend, des 7. November zur
Sprache. Zwei Kriminalbeamte erklären dazu, daß der Körper
des Kindes 36 Stichverletzungen aufgewieſen habe, wobei ſämt=
liche
wichtigen Organe durchſtochen waren. Mehrere Zeugen, die
das Kind vor dem Morde beobachtet haben, erklärten, daß es in
Begleitung eines Mannes geweſen ſei. Der Sachverſtändige, Pro=
feſſor
Berg, weiſt darauf hin, daß die Angaben des Angeklagten
über die Tatausführung mit dem Leichenbefund übereinſtimmen.
Darauf tritt die Mittagspauſe ein.
Nach der Mittagspauſe machte Staatsanwaltſchaftsrat Jan=
ſen
zu der letzten neuen Selbſtbezichtigung Kürtens, wonach
er als achtjähriger Knabe zwei weitere Jungen ins Waſſer ge=
ſtoßen
habe, die Mitteilung, es habe ſich ein Mann gemeldet,
der damals im Alter von vier Jahren von einem größeren
Knaben von der Kaimauer hinuntergeſtoßen worden ſei, wie
Kürten es geſchildert habe. Somit werde auch dieſe Angabe des
Angeklagten beſtätigt.
Im weiteren Verlauf der Verhandlung werden
die Ausſagen der inzwiſchen von dem Angeklagten geſchie=
denen
Frau Kürten
verleſen, die ihren Mädchennamen angenomen hat. Danach ſei
ſie mit Kürten immer ganz gut fertig geworden. Er ſei leicht
erregbar, ſexuell jedoch normal veranlagt geweſen. Daß er mit
anderen Frauen Verkehr gehabt habe, ſei ihr bekannt geweſen.
Ueber ſeine Verbrechen habe er mit ihr nie geſprochen.
Bei ihren verſchiedenen Vernehmungen hat Frau Kürten,
die jetzige Frau Scharf, wie aus der Protokollverleſung weiter
hervorgeht, angegeben, daß ihr Mann ihr erſt kurz vor ſeiner
Verhaftung auf einem Spaziergang ſeine Verbrechen eingeſtan=
den
habe. Sie habe jedoch ſeinen Angaben garnicht glauben
wollen und ihm verſprechen müſſen, darüber nichts zu ſagen.
Im übrigen iſt Frau Kürten ſelbſt in Berlin als Hausmädchen
in Lokalen uſw. verſchiedentlich wegen Verſtoßes gegen Polizei=
vorſchriften
beſtraft worden.
Aus der Verleſung der Ausſagen der Frau Kürten geht her=
vor
, daß Kürten nicht mit einer ſo ſchnellen Verhaftung gerechnet
habe . . . Ein Trinker ſei Kürten niemals geweſen, doch ſtecke
in ſeiner Familie etwas Größenwahn. Er habe immer mehr
erſcheinen wollen, als er in Wirklichkeit war. Die zu den Taten
benutzten Scheren habe Frau Kürten im Hauſe benutzt. Seine
Kleider habe Kürten immer ſelbſt gereinigt. Frau Kürten hat,
wie erſt jetzt bekannt wird, wegen Totſchlags ihres Bräutigams,
den ſie erſchoſſen hat, fünf Jahre Gefängnis erhalten.
Die Verhandlung wurde alsdann auf Montag vertagt.
U. a. ſoll am Montag die M. Butlieck vernommen werden,
die die Polizei auf Kürtens Spur geführt hat.

Hauptſchriftleltung: Rudolf Mauve
Verantwortſich für Polltik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve: für Feuilleton, Reich um
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe: für Sport: Kari Böhmann
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort; Dr. Herbert Nette:
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteiſungen: Willy Kuble:
Druck und Verlag: L. C. Wittich ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſtripte wird Garantie der Rückſendung ni chi übernommen.

Rundfunk=Programme.
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Gleichbleibendes Werktags=Progcaum. 6.15: Wetter, Gymnaſtik.
O 6.45: Gymnaſtik. 7.15: Konzert (Schallpl.). 8.30: Waſſerſtd.
O 11.50: Zeit, Wirtſchaftsmeld. Nachr. Programm. O 12: Konzert
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o 15.15: Gießener Wetterber. 16.20, 18.00: Wirtſchaftsmeld. o
ca. 19.05: Zeit. O ca. 22: Zeit, Wetter, Nachrichten, Sport.
Sonntag, 19. April.
7.00: Hamburger Hafenionzert; Glocken vom Großen Michel.
8.15: Katholiſche Morgenfeier.
10.00: Konzert des Horn=Quartetts Kalbhenn.
11.00: Stunde des Chorgeſangs: Mitw.: M.=G.=V. Frohſinn=Kaſſel
E. V..
12.00: Konzert auf Schallplatten; u. a. Szenen aus Lohengrin
von R. Wagner.
13.50: Zehnminutendienſt der Landwirtſchaftskammer Wiesbaden.
14.00: Dr. C. Buſemann: Was geht in der Welt vor und was geht
es mich an? Landwirtſchaftsrat Dr. Leber: Die Eleitrizitätsver=
ſorgung
auf dem Lande.
15.00: Zwei Jugendhörſpiele: Fidewau Wau Wau; Kampf um Bello
16.00: Konzert des Kurorcheſters Wiesbaden.
18.00: Dr. G. Schmitt: Die internat. Hochſchule in Davos.
18.20: Stunde der Frankfurter Zeitung.
18.50: Die Stadt des Bonifaziusgrabes: Mikrophonbericht a. Fulda.
12.20: Wetter für die Landwirtſchaft, Sport.
19.30: Handharmonika=Konzert; Ausf.: Elite=Truppe d. 1. Freiburger
Handharmonika=Klubs.
20.15: Die heimliche Ehe: Komiſche Oper in 2 Akten; Muſit von
Domenico Cimaroſa.
21.30: Aeltere Tänze (Rundfunkorcheſter).
22.15: Zeit, Wetter, Nachrichten, Sport.
22.45: Tanzmuſik der Kapelle Mario Schuberth.

Königswuſterhauſen.
Gleichbleibendes Werktags=Programm. 5.45: Zeit, Wetter f d.
Landw. O 6.30: Gymnaſtik. O 10.35, 13.30: Nachr. O 12: Schallpl.
bezw. Schulfunk. 12.25: Wetter für Landwirte So. 12.50 O
12.55: Nauener Zeit. O 14: Schallpl. O 15.30: Wetter. Börſe. o
19.,55: Wetter f. Landwirte. O ca. 21: Wetter, Tages= u. Sportn.
Deutſche Welle: Sonntag, 19. April.
7.00: Hamburger Hafenkonzert. Glocken vom Gr. Michel.
8.00: Mitteilungen u. praki. Winke f. d. Landwirt.
8.15: Wochenrückblick auf die Marktlage.
8.25: Reg.=Rat Dr. Pape: Die Saatgutprüfung.
9.00: Morgenfeier. Glockenſpiel d. Potsdamer Garniſonkirche.
anſchl. Glockengeläut des Berliner Doms.
10.05: Wettervorherſage.
11.00: Min.=Rat Dr. Stoltze: Die Mittelſchulen.
1.30: Leipzig: Du Hirte Iſraels höre. Kantate Nr. 104 von
Joh. Seb. Bach. Mitw.: Städt. u. Gewandhaus=Orcheſter,
Thomaner=Chor, M. Feſt (Orgel), F. Sammler (Cembalo).
12.00: Die Hinrichtung. Von B. Traven.
12.30: A. d. Staatl. Kkad. Hochſchule f. Muſik, Charlottenburg:
Konzert des Orcheſters arbeitsloſer Muſiker, Berlin.
14.00: Jugendſtunde: Märchen.
14.30: Mandolinenkonzert des Britzer Mandolinen=Clubs 1920.
15.20: Hellſeherei. Ein Geſellſchaftsſpiel von Georg Kaiſer.
16.45: Programm der Aktuellen Abteilung.
7.45: Unterhaltungsmuſik. H. H. Dransmann und ſein Orcheſter.
18.30: Dr. H. v. Müller: Zufalk?
19.00: Dr. Knaus: Zwei=Tage=Flug in das Land von 1001 Nacht.
19.20: Briefe unterwegs. Lehrſpiel von A. Falkenberg.
20.00: Wilhelm Furtwängler dirigiert Werke von Schubert, Debuſ=
ſy
. Rich. Strauß, Wagner. Berl. Philharm. Orcheſter.
ca. 20.50: Tages= und Sportnachrichten.
22.00: Wetter=, Tages= und Sportnachrichten.
Danach: Tanzmuſik. Fred. Bird=Tanzorcheſter.

Die heutige Nummer hat 24 Geiten

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[ ][  ][ ]

Nummer 108

Von Otto Nerz.
Bundesſportlehrer des Deutſchen Fußball=Bundes.
Am 26. April ſtellt ſich die deutſche Fußball=Nationalelf den
Holländern in Amſterdam. Das iſt keine beſondere Neuigkeit für
alle, die Intereſſe am Fußballſport haben, und das ſind heute in
Deutſchland überraſchend viele; denn es iſt ein Ereignis, dem wir
ſchon lange ungeduldig und erwartungsvoll entgegenſehen. Seit
unſerem letzten Kampf gegen Holland in Köln Reſultat 2:2
ſind immerhin mehrere Jahre verſtrichen, und die holländiſche Na=
tionalmannſchaft
hat ſich ſeit Olympia grundlegend umgeſtaltet,
es werden uns nur zwei Bekannte aus der damaligen Elf gegen=
übertreten
, ſo daß wir immerhin mit Ueberraſchungen rechnen
müſſen. Aber was wäre Fußball ohne Ueberraſchungen!
Es ſei mir hier geſtattet, einmal grundſätzlich zu dem wirk=
lich
ſchweren Problem der Mannſchaftsgruppierung Stellung zu
nehmen. Vor jedem Länderſpiel tauchen in der Preſſe eines jeden
Teils des Deutſchen Reiches, in jeder Provinz, in jeder Stadt und
jedem Städtchen Namen von Fußballſpielern auf, die als einzig
geeignet und würdig zur Vertretung Deutſchlands präſentiert wer=
den
. Etwa 100 Kandidaten werden uns vorgeſchlagen und elf
können nur ausgewählt werden, obwohl ſicher manch Abgewie=
ſener
das will ich ruhig zugeben ebenſo wertvoll iſt, ebenſo=
gut
als Repräſentativer hätte ſpielen können wie ein Auserwähl=
ter
. Nach jedem Länderſpiel, hat man, die eine oder andere

ReK Nche uneie gde DS cheden Sens danf ſeniſft
aller Groll, alle Unzufriedenheit auf das Haupt der armen Sün=
der
, welche die Mannſchaft ausgeſucht haben. Beſcheiden und klein
möchte ich bitten; ein wenig mehr Nachſicht und Gerechtigkeit auch
für die Bonzen!
Ganz kurz möchte ich hier auch noch auf unſeren letzten Miß=
erfolg
, auf das Pariſer Länderſpiel eingehen Fehler ſind ſchließ=
lich
dazu da, daß wir für die Zukunft, alſo auch für Amſterdam,
aus ihnen lernen können. Das Spiel litt unter der ſchlechten Vor=
bereitung
unſerer Mannſchaft, das Wetter war miſerabel vorher,
ſo daß faſt die einzige Art, wie ſich die Spieler miteinander be=
kanntmachen
konnten, im gemeinſamen Spaziergehen beſtand.
Es iſt jammerſchade, daß uns ſo die letzte Trainingsmöglichkeit für
lange Zeit verloren ging; für die kommenden ſechs Länderſpiele
dieſes Jahres werden wir kaum noch Gelegenheit zu ſyſtematiſchem
Training finden. Sicherlich war unſere Mannſchaft nicht ſo gut
wie ſonſt. Die Urſache? Sie iſt ſo unkontrollierbar wie leider faſt
mmer in unſerem Sport. Ein Spieler ſpielt am Samstag glän=
end
und am Sonntag elend ſchlecht; ein anderer iſt bei Vereins=
ſwielen
fair und doch hart im entſcheidenden Kampf iſt er zu
weich, oder er holzt. Meiſt weiß der Spieler ſelbſt nicht einmal,
woher ſein Verſagen kommt woher ſoll der Deutſche Fußball=
Bund es im voraus wiſſen?
Die Spielſtärke jedes Vereins und jedes einzelnen Spielers
Hat ihre Höhepunkte und ihren Tiefſtand; es iſt ſchwer und heute
in Deutſchland faſt unmöglich, aus dem vorliegenden Material
eine einheitliche Linie für ganze elf Spieler und für einen be=
ſtimmten
Tag herauszuarbeiten. In anderen Ländern. beſonders
ſn England, iſt das immerhin eher möglich weshalb?
Es fehlt den deutſchen Spielern überall am einheitlichen
Training. Ich habe mich bei meinem letzten Aufenthalt in Eng=
and
erſt kürzlich davon überzeugen können, daß dort das Training
wei allen Vereinen nach feſtgelegten Grundſätzen vor ſich geht, die
es ermöglichen, daß jeder Spieler zu jeder Zeit an einen anderen
Werein, verkauft werden und dort von vornherein in der Elite=
mannſchaft
mitſpielen kann; hier bei uns macht dagegen die Um=
gewöhnung
eines Spielers und gar das Zuſammenſpiel einer aus
elf Vereinen rekrutierten Nationalelf immer neue Schwierigkeiten.
Einige Anſätze zu einer Syſtematiſierung, haben wir in unſeren
Sommerkurſen, wo ſich Spieler aus ganz Deutſchland zuſammen=
finden
und es lernen ſich binnen kurzer Zeit aufeinander einzu=
wielen
; aber von dieſem kurzen Sommertraining müſſen wir das
ganze Jahr zehren, und wir leiden dabei Hunger nach ausgiebige=
mer
Vorbereitung.
Bei dem unvermeidlichen häufigen Wechſel der repräſentativen
Spieler und dem weniger unvermeidlichen Wechſel der Trainer
hrer jeweiligen Vereine iſt es immerhin erfreulich, daß ſich die
deutſche Ländermannſchaft in ihren letzten Spielen als Einheit
gehalten hat. Bei aller Kritik wollen wir nicht vergeſſen, daß
Seutſchland in letzter Zeit beachtliche Fußballerfolge erringen
konnte. Gegen Schottland, mit die beſte Fußballnation, konnten
wir uns ſiegreich behaupten; gegen England eine Profi= Mann=
ſchaft
! brachten wir ein gutes Unentſchieden heraus; Ungarn
waben wir geſchlagen; die Schweiz haben wir viermal nacheinan=
der
mit haushohen Scores beſiegt; auch die Schweden mußten uns
gegenüber eine Niederlage buchen.
Nun iſt der Erfolg nicht immer eine Quittung der guten Vor=
bereitung
, ebenſowenig wie der Mißerfolg immer auf das Konto
der ſchlechten Leitung geſchrieben werden darf. Ich. glaube be=
ſtimmt
, daß unſere Chancen noch beträchtlich ſteigen können, wenn
wir die Parole Einheitliches Training im ganzen Reiche durch=
Führen; etwa in der Weiſe, daß in dieſem Jahr wieder wie im
worigen Sommer 50 gute Spieler in Berlin zum Training zuſam=
rnentreffen
, aber für längere Zeit. Ich glaube ferner, daß ſich
Hann auf natürliche Weiſe die unentbehrliche Härte der National=
rnannſchaft
einfinden wird. Es iſt ein Naturgeſetz im Fußball=
Eport, daß der weiche, tändelnde, wenn auch techniſch gute Spieler
Em Ernſtfall ausſcheiden muß. Jahrzehntelange Tradition, meine
eigene dreißigjährige Erfahrung beſtätigen das. Wir haben eine
Sanze Reihe beſter repräſentativer Spieler, die hart und techniſch
und taktiſch gut ſpielen auf dieſe Linie muß unſere ganze Fuß=
Hallgeneration gebracht werden, dann werden wir bald noch ſchö=
mere
Siege zu verzeichnen haben.
Und nun Glückauf für Amſterdam!

Die 2. Internationale Polizei=Sternfahrt wird in dieſem
Jahre von dem Polizeiſportverein der Danziger Schutzpolizei aus=
geſchrieben
werden. Der große Anklang, den die 1. Internationale
Polizei=Sternfahrt nach Hamburg, imn vergangenen. Jahre allge=
mein
gefunden hat, ließ es erwünſcht erſcheinen, die Internatio=
nale
Polizei=Sternfahrt zu einer bleibenden, ſich jedes Jahr wie=
derholenden
motorſportlichen Veranſtaltung, die die Polizei=Motor=
Fportler aller Länder Europas alljährlich einmal vereinen ſoll. wer=
den
zu laſſen. Die Fahrt ſoll in der Zeit vom 26. bis 31. Auguſt durch=
geführt
werden.
Mit 11:5 Punkten gewann Bahyern den Länderkampf im Amateur=
woxen
in München gegen Italien.
Im Davispokalkampf in Athen führte Griechenland am zweiten
Tag gegen Oeſterreich mit 2:1 Punkten.

Sonntag, den 19. April 1931

Seite 15

und Turnen.

Handball.
Um die deutſche Meiſterſchaft.
15.30 Uhr, Stadion: S.=V. 98 Sportfreunde Siegen.
15.00 Uhr, Rennbahn, Tgde, 46 T.=V. Erbach.
15.00 Uhr, Maulbeerallee: Merck. 1. Rot=Weiß Darmſt., 2.
15.30 Uhr, Dornh. Weg: Tv. Groß=Zimmern Tv. Groß=
Wallſtadt.
Schwimmen.
Schwimmbad: Schwimmfeſt der Fr. Tgde. Darmſtadt.
Schießen.
10.00 Uhr, Pallaswieſenſtr. Windmühle (Sportſchützen Heide).
Schwerathletik.
10.00 Uhr, Realgymnaſium: Darmſtadt 91 Sulzbach.

Vorrunde un die deutſche Handball=Meiſterſchaft:
Sb. 98 Sporifreunde Siegen.
Durch eine glückliche Ausloſung haben die Darmſtädter Sport=
anhänger
das Vergnügen, in der Vorrunde um die Deutſche Hand=
ballmeiſterſchaft
heute den ſüddeutſchen Meiſter, SV. 98, gegen den
Vertreter des Weſtens. Sportfreunde Siegen, kämpfen zu ſehen.
In den Vorſchauen der letzten Tage haben wir bereits die beiden
Gegner gewürdigt und ihre Ausſichten auf Sieg oder Niederlage
angeſchnitten. Wenn die Darmſtädter Mannſchaft im eigenen Platz
einen kleinen Vorteil genießt, ſo iſt ſie doch durch den Ausfall
ihres etatsmäßigen Sturmführers Fuchs ſtark gehandicapt, wenn
wir auch erwarten, daß ſein Vertreter Ploch bemüht ſein wird,
das Beſte zu geben.
Die Tatſache, daß der Gegner einer der ſpielſtärkſten unter
den 14 Bewerbern um die Deutſche Meiſterſchaft iſt, ſollte der Mei=
ſtermannſchaft
des Sportvereins 98 ernſteſte Veranlaſſung ſein,
ohne die geringſten perſönlichen Ambitionen, in den Kampf zu
gehen, mit verſtärkter Aufopferung vom Anpfiff an bis zum Ende
der 60 Minuten ſich einzuſetzen, um nicht über die erſte Schwelle
zu ſtolvern, wie das ſchon einige Male der Fall war. Kein Gegner
iſt unbeſiegbar, die beſſeren Nerven und der kühle Kopf pflegen
meiſt neben dem rein ſportlichen Können für den Sieg ausſchlag=
gebend
zu ſein. Der Sieg vom letzten Sonntag gegen Fürth kann
nicht darüber wegtäuſchen, daß dabei einige Eigenſinnigkeiten
ſtörend zutage traten. Wir hoffen, daß die Lilienträger ſich heute
nicht aus dem Konzept bringen laſſen und dem Ruf ihrer Vater=
ſtadt
Ehre machen.
Wir geben nachſtehend noch einmal die Mannſchaftsaufſtel=
lungen
:
Siegen:
Sarx
Pleſſow
Diehl
Nöf
Heinz
Kleinmann
Hubert Brettauer Petry Klein Zimmermann.
Feick
Freund
Ploch
Fiedler
Werner
Dittmar
Delp
Pabſt
Förſter
Rothenburger
SV. 98:
Henß.
Schiedsrichter: Schultz=Kiel.
Vorher ſpielen Turnverein Groß=Umſtadt gegen Ligareſerve 98.
Tgde. 46 Darmſtadt TV. Erbach (Kreisklaſſe).
Heute nachmittag 3 Uhr empfängt die Tgde. 1846 den TV.
Erbach auf dem Platze der Turngemeinde Beſſungen ( Renn=
bahn
). Die Erbacher Mannſchaft, keine unbekannte mehr in un=
ſerem
Gau, gehört bereits ſchon längere Jahre der Kreisklaſſe an
und verſtand es immer, ſich einen guten Mittelplatz in der Ver=
bandsſpielrunde
des dortigen Gaues zu ſichern. Beſonders in letz=
ter
Zeit befindet ſich die Erbacher Mannſchaft in einer ſehr guten
Verfaſſung, die darauf ſchließen läßt, daß ſie es verſtehen wird,
der Darmſtädter Mannſchaft das Siegen ſchwer zu machen. Die
46er, welche noch immer mit Erſatz antreten müſſen, werden alles
hergeben müſſen, um den Gau würdig zu vertreten.
TV. Bensheim Rot=Weiß Darmſtadt.
Heute Sonntag begibt ſich die Ligamannſchaft von Rot=Weiß
nach Bensheim, um dem dortigen Turnverein 1862 in einem
Freundſchaftsſpiele gegenüberzutreten. Bensheim, diesjähriger
Meiſter ſeiner Klaſſe, muß einen ſehr guten und ſtarken Gegner
abgeben. Dies beweiſt das am letzten Sonntag ausgetragene Spiel
gegen den mehrfachen Meiſter der DT. Polizeiſportverein Frank=
furt
, der ſich eine Niederlage in Bensheim gefallen laſſen mußte.
Rot=Weiß muß auf der Hut ſein und ſein ganzes Können aufbie=
ten
, um ein ehrenvolles Reſultat zu erzielen.
Die 2. Mannſchaft trifft nachmittags 3 Uhr mit der 1 Mann=
ſchaft
der Sportabteilung Merck, an der Maulbeerallee, zuſammen.

* Kreisliga Südheſſen.
Endlich hat die Behörde über ſämtliche Fälle unſeres Krei=
ſes
ihr Urteil gefällt. Danach bekommt Gernsheim 4 Punkte zu=
geſprochen
, zwei von Biblis und zwei von Neuhauſen, das im Spiel
gegen Gernsheim einen nichtberechtigten Spieler mitwirken ließ.
Trotz dieſer Zugabe langt es Gernsheim nicht, vom zweitletzten
Tabellenplatz wegzukommen. Im Falle Hochheim-Heppenheim
wurde von einer Strafe abgeſehen und das Spiel nochmals ange=
ſetzt
. Dadurch können die Bergſträßer mit den Bürſtädtern noch
punktgleich auf dem zweiten Tabellenplatz landen. Die Platzſchwie=
rigkeiten
in Heppenheim bedingen noch ein Verbandsſpiel gegen
Horchheim; danach ſtehen alſo noch zwei Punkteſpiele aus, und
dann iſt endlich die langatmige Verbandsſaiſon 1930/31 beendet.
Der heutige Sonntag iſt frei von Verbandsſpielen, aber auch
an Freundſchaftsſpielen iſt wenig zu melden. Gernsheim
ſpielt gegen die Reſervemannſchaft von Phönix Ludwigshafen;
man rechnet mit einem netten Freundſchaftsſpiel und einem knap=

ven Sieg der Einheimiſten, die trot der wirtſchaftlichen Nolage
mit eiſerner Energie und durch die Zuſammenarbeit ſämtlicher
Mitglieder ihren Platz neu eingezäunt haben. Die Bihliſer ſtehen
in Verhandlung mit Rot=Weiß Darmſtadt. Weitere Vereine un=
ſeres
Kreiſes werden in der Mannheimer Gegend gaſtieren, jedoch
ſind auch hier noch keine endgültigen Termine feſtgelegt.
Eintracht Darmſtadt SV. Weiterſtadt 1910.
Das auf Sonntag feſtgeſetzte Spiel obiger Vereine wurde be=
ſonderer
Umſtände halber von der Kreisbehörde abgeſetzt.
Rennen in Karlshorſt.
1. Eventail=Hürdenrennen, 3000 Mark, 3000 Meter; 1 v. Borkes Finn=
land
(Dr. Liebſch) und Fleßners Lichtſtrahl (Müſchen), tot; 3. Boruſ=
ſia
. Ferner: Askari, Pellegrino, Held, Dogmatiker, Viei, Schmeich=
lerin
. Toto; 9 und 53: Platz: 12, 19. 22. Tot2 Lg.
2. Preis von Bindow, Jagdrennen, Herrenreiten, 2300 Mark, 3500
Meter: 1. Liebrechts Feldberg (v. Both), 2. Gva, 3. Corrida. Fer:
ner: Franzia, Marlitta, Kurzſchluß, Prachtkerl, Achmed, Lohland,
Leierſchwanz. Toto: 56; Platz: 14, 13, 12. Kobf3 Lg.
3. Kühlte=Hürdenrennen, Ausgleich III. 3000 Mark. 3000 Meter: 1. Ro=
ſenthals
Geſelle (Schäfer), 2. Schlagbaum, 3. Spala. Ferner: Prü=
nas
. Vineta Grafenliebe, Daria, Gafrile. Toto: 34; Platz: 14, 13,
1. ½8 Lg.
4. Goßler=Jadrennen, 5000 Mark. 3500 Meter: 1. Stahls Grimouchou
(Oertel), 2. Kif Kif, 3. Menelaos. Ferner: Credulite, Felſen, Zig
Zag. Toto: 25: Platz: 94. 44. 22½ Lg.
5. Hürdenrennen der Vierjährigen, 5000 Mark, 3000 Meter: 1. Stan
Sauerlands Mißgriff (Müſchen), 2. Gulbrand, 3. Immerzu. Ferner:
Jſabell Böckerſchuß. Toto: 31: Platz: 19. D. 2½3½ Lg.
6. Preis der Flora, Jagdrennen, Ausgleich III, für Vierjährige 3000
Mark, 3000 Meter: 1. Stahls Simplars (Dertel), 2. Mahadöh,
3. Märchenland 4. Minneklang. Ferner: Marburg, Mola, Groß=
fürſt
, Letzter Verſuch, Wildlocke, Friedericke, Matrone, Moslem,
Tauperle. Toto: 80; Platz: 19, 25, 20, 17 12 Lg.
7. Preis von Friedrichsfelde, Herrenreiten, 2800 Mark, 2000 Mcter:
1. Abteilung: 1. v. Eller=Eberſtein Novillero (v. Götz),
2. 4 priori, 3 Irrwiſch. Ferner: Wilhelmine Turmali, Geſchäfts=
freund
, Neuplatin, Seelchen. Toto: 116; Platz: 28. 47, 14. 1 Lg.
bis Hals. 2. Abteilung: 1 Röders Sonne (Röder), 2. Immor=
telle
, 3. Pſtfranke. Ferner: Hohenfels, Drachenſchlucht, Lavaletta,
Futuriſt, Schloßuhr, Ratisbona. Toto: 268; Platz: 41, 16, 24.
1½ Lg. bis Hals.

Die großen Erfolge unſerer hieſigen Akadem. Fliegergruppe
in dieſer Woche haben erneut allgemeine Aufmerkſamkeit weit
über den Kreis der Flugſporttreibenden hinaus erweckt. Gelang
es ihnen doch, ohne Motorenkraft von hier aus durch geſchickte
Ausnutzung des Windes, des himmlichen Kindes bis zum
Schwarwald zu ſegeln oder von hier die Bergſtraße entlang bis
Heidelberg und wieder zur Startſtelle zurückzufliegen. Ganz her=
vorragende
Leiſtungen im motorloſen Flug, zu denen ſich die
jüngſten Erfolge im deutſchen Motorflug ebenſo glücklich geſellen.
Gerade zur richtigen Zeit kommt im bekannten Dieck=Verlag,
Stuttgart, in vierter Auflage, das Flugſportbuch von Dr=
Ing. v. Langsdorff heraus. Der Verfaſſer ſelbſt anerkannter Flug=
ſportler
und viel geleſener Flugſportſchriftſteller, plaudert in ſei=
ner
angenehmen Art über alle Arten des Segelfluges und des
Fluges mit Motor. Der Feſſeldrachen, der Freiballon, die übrigen
Flugſportarten und der Rettungsring des Fliegers, der Fallſchirm,
ſind nicht vergeſſen. Ein Kapitel iſt außerdem dem Selbſtbau ge=
widmet
. Dazu iſt die Bebilderung des Buches ausgezeichnet, viele
Aufnahmen der Darmſtädter Fliegergruppe ſind darunter und be=
weiſen
die gute Schule, die hier gelehrt wird; 16 Kunſtdrucktafeln
vervollſtändigen die Inſtruktion. Wer näheres über das Fliegen
wiſſen will und man muß es wiſſen, angeſichts der ſteigenden
Bedeutung des Flugzeuges für Verkehr, Sport und weitere Zwecke
ſollte zu Langsdorffs Buch greifen. Er zeigt, was mit Aus=
dauer
und Mut und menſchlicher Erfindungsgabe im Flugſport
zu erreichen iſt. (Das Flugſportbuch Von Dr.=Ing. W. v. Langs=
dorff
. 70 Abbildungen 16 Kunſtdrucktafeln. Preis geh. 3. RM.,
5-
Halbl. 4 RM. Verlag Dieck u. Co., Stuttgart.)

Geſchäftiches.
Lieben Sie Tannen=Duft!
Sie können dieſen herrlichen Duft ſtändig in ihrer Wohnung haben,
wenn Sie zur Pflege des Fußbodens Perwachs, die ideale Boden=
Cveme, verwenden, denn Perwachs verbreitet wirklich angenehmen
Tannen=Duft, der die Nerven anregt und wohltuend und erfriſchend iſt.
Dieſe Eigenſchaft iſt ſicherlich ein ganz beſonderer Vorzug eines Fuß=
boden
=Pflegemittels, das überdies auf jedem Fußboden herrlichſten Hoch=
glanz
, aber niemals Glätte erzeugt. Wir glauben, unſern Hausfrauen
gedient zu haben, wenn wir auf Perwachs, die ideale Boden=Creme,
an dieſer Stelle hingewieſen haben.

Rechnen Sie mit dem Bleiſtift in der Hand
einmal aus, wieviel Sie im Laufe von 10 Jahren an Miete
zahlen, ohne einen Pfennig wiederzubekommen. Hierfür könnten
Sie ſich ein eigenes Heim ſchaffen. Heimſtättendarlehn werden
gewährt: 1. zum Bau oder Erwerb eines Eigenheims 2. zum
Erwerb von Grundſtücken, die für den Betrieb einer Landwirt=
ſchaft
oder Gärtnerei beſtimmt ſind, 3. zum Um= oder Anbau
eines Hauſes, 4. zum Bau von Vereinshäuſern, Gemeindehäuſern
oder ſonſtigen gemeinnützigen Zwecken dienenden Anſtalten,
5. zur Ablöſung von Hypotheken und Grundſchulden, 6. zur
Gründung einer Exiſtenz. Die Bedingungen hierfür ſind die
denkbar günſtigſten. Man wende ſich daher zwecks genauer In=
formation
an die Heimſtättenfürſorge, Siedlungs= und Bauſpar=
kaſſe
für Wohn= und Wirtſchaftsheimſtätten, G. m. b. H., Berlin=
Tegel. Hauptſtraße 32.

Weleberiſchl.
Das umfangreiche Nordſeetief hat ſich mit ſeinem Kern ſüdlich
über Deutſchland ausgebreitet und dabei im Laufe des geſtrigen
Tages und der letzten Nacht verbreitete und anhaltende Nieder=
ſchläge
gebracht. An der Rückſeite werden infolge des hohen
Druckes über Island und des dadurch entſtandenen ſtärkeren Luft=
druckunterſchiedes
unter lebhaften Winden, maritime Luftmaſſen
aus höheren Breiten nach dem Feſtland befördert, die das Wetter
veränderlich und für die Jahreszeit kühl geſtalten. Bei raſch wech=
ſelnder
Bewölkung treten weiterhin vereinzelte ſchauerartige Nie=
derſchläge
auf.
Ausſichten für Sonntag, den 19. April: Unbeſtändiges Wetter,
wechſelnde Bewölkung mit vorübergehender Aufheiterung,
zeitweiſe Regenſchauer, kühl, ſtärkere weſtliche bis nordweſt=
liche
Winde.
Ausſichten für Montag, den 20. April: Immer noch wechſelhaftes
Wetter mit vereinzelten Schauern.

Der Wählerische wählt Opel. Der neue 1,8 Ltr. Wagen ist der wirtschaftlichste
Sechszylinder auf dem Markt, kostet weniger als mancher Vierzylinder, zeich-
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[ ][  ][ ]

Seite 16

Sonntag, den 19. April 1931

Nummer 108

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tag
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im Fürſtenſaal,
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Modenſchau
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Manneguins
mittelgroß, mit guter
Figur. Vorzuſtellen
Montag früh. 6.06
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(I. Mch. 6096)

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Stenograph. gut be
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Zur Leikung niederlaſſung wird
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[ ][  ][ ]

Nummer 17

HaHAnHanagnnnnnnnnnnEngnnnnnnannnnannnarnnnannnnn
EnnnananEnnnnnnnannnnn

Kosmetik hinter Sittern.
Erlauſchtes aus der Cierkinderſtube. Knigge auf vier Füßen.
Von D. Hübner.

Daß die Spatzen noch frecher als ſonſt
ſind, daran iſt natürlich die Sonne ſchuld.
Eine noch ein wenig bleichſüchtige Sonne,
die ſich zuweilen ſchüchtern hinter Wolken=
vorhängen
verkriecht. Aber immerhin
Sonne. Endlich wieder Sonne.
Es wird unzweifelhaft Frühling. Wenn
auch das Piepſen der Spatzen noch nicht
nach Jubel klingt das liegt ihrem Cem=
perament
ja ſowieſo nicht ſehr ſo wiſſen
die kleinen frechen Burſchen doch ganz
genau, warum ſie ſich ſchon auf den Sit=
tern
und Drähten des Soo ſchaukeln. Die
Cüren zu den Winterhäuſern werden doch
wohl endlich einmal aufgemacht werden??
Wie? Wo es doch eigentlich ſchon richtig
Frühling iſt? Denn eines ſteht ja wohl
feſt für die Spatzen iſt ſo ein Sob das
reine Paradies. Einesteils der Futtertröge
wegen, aber auch um anderer Leckerbiſſen
willen.
Inzwiſchen iſt man ja wirklich ſchon ſtark
bei den Vorbereitungen. Ganz abgeſehen
davon, daß die Auflaufplätze gerichtet, daß
in den Volieren neue Baumſtämme auf=
geſtellt
werden, und daß man die Baſſins
mit Waſſer auffüllt die Ciere ſelbſt be=
kommen
auch etwas vom Frühling zu
ſpüren. Es iſt nicht jeder Elefant ſo gut=
artig
wie Ali, der ſich von ſeinem Wärter
zweimal im Jahr, im Herbſt und Frühling,
pediküren läßt. Die Inſtrumente ſind dem
gewichtigen Suß angepaßt. Aber, wie ge=
ſagt
, bei anderen braucht man oft Flaſchen=
züge
, um mit Meißel und Hammer Sohlen
und Sußnägel behandeln zu können. Und
wie iſt das mit der Haut? Fett iſt das
einzig Wahre, ſie geſchmeidig zu erhalten.
Der kleine Swergelefant läuft ſeinen Pfle=
gern
davon, als ſie ihn nach dem reichlichen
Einreiben mit Fett mit kräftigen Bürſten
maſſieren wollen. Ob das kitzelt, trotz des
dicken Felles??
Mit den Nilpferden iſt ja nichts zu
wollen. Die lehnen aus Ueberzeugung jede
Kosmetik ab vom Sahnarzt ganz zu
ſchweigen und die Ponus und Sebras
ſehen nicht ſo aus, als ob ſie nur einmal
im Frühling geſtriegelt würden. Aber die

Jetzt aber raſch in die Badeſtube..

Giraffe verrenkt ihren Hals und galoppiert
mit ſteifen Sprüngen in ihrem Auslau)
herum, als der Wärter mit einem Beſen
man braucht einen langen, einen ſehr
langen dazu den Käfig betritt. Sie kennt
ihn ja will er vielleicht bloßb ſpielen?
Wozu denn eigentlich abbürſten, wenn man
doch gleich wieder im Sande liegt und ſich
viel praktiſcher abſchütteln kam, daß eine
Staubwolke auffliegt?
Die Seelöwen ſind mächtig vergnügt,
daß ſie wieder unter freiem Himmel herum=
plantſchen
können. Kein ſchöneres Ver=

Kosmetik im Soo
Haut ſorgfältig
reinigen, einfetten,
maſſieren, blauk=
bürſten
. Sweier=
lei
Cremes nicht
erforderlich. Bitte
nach Behandlung
unicht im Sande
wälzen.

gnügen, als auf dem glatten Ufer herunter=
zurutſchen
und kreiſchend ins Waſſer zu
gleiten. Bis alles ringsherum eine Näſſe
und Glätte iſt. Was alles natürlich nichts
iſt gegen die Glätte ihrer glänzend ſchwar=
zen
, beweglichen Leiber. Der See=Elefant
liegt aufgetürmt am Nand ſeines Baſſins
und blinzelt über die dicke Naſe hinweg.
Man weiß nicht recht, meint er die Sonne
oder die Pinguine, die daneben höchſt offi=
zielle
Konferenz abhalten.
Für die Naubtiere wäre es ja draußen
noch zu friſch. Höchſtens einen ganz tem=
peramentvollen
Ciger läßt man einmal ein
paar Stunden Luft ſchnappen. Aber drin,
in der Wärme, in dem feuchtheißen Dunſt,
da gibt es auch einen Frühling. Kinder=
ſtuben
nämlich. Kleine, braune Wollbälle
mit Augenſchlitzen und langen Nägeln an
den Catzen. Wären die nicht, man würde
auf neugeborene Hunde ſchließen. So aber
weiß man kleine Bären. Nein, brummen
können ſie noch nicht. Quietſchen iſt das
Aeußerſte.
Daneben werden Löwenbabus gewaſchen.
Nicht ganz und gar, nur Augen und
Schnäuzchen. Nach dem Gemauze zu
ſchließen, geht es ihnen ans Leben. Der
Meinung iſt wohl auch die Hundeamme, die
ſtellvertretende Mutter, die höchſt miß-
trauiſch
die Gruppe nebſt Waſchſchüſſel um=
kreiſt
. Solange, bis die Schüſſel kippt, und
alles über und untereinander herumkugelt.
Kätzchen mit roſigen Mäulern miauend.
In ein paar Monaten ſchon iſt es nicht
mehr ratſam, ſie auf den Arm zu nehmen ..

für ſo kleine Braunbären.
Die Sonne iſt ja noch viel

Einmal pediküren, bitte . (Es lohnt ſich ..)
zuwarten habe, bis ſein Hunger geſtillt ſei.
Und die Löwin iſt daran gewöhnt, im Ge=
meinſchaftskäfig
die beſten Biſſen an den
Herrn und Gebieter abzutreten. Ja, der
Hunger beſiegt eben zumeiſt die Liebe.
Aber abgeſehen von den Futterzeiten
und auch das iſt keine Negel finden ſich
auch hinterm Gitter die entzückendſten Ja=
milienidullen
. Im Soologiſchen Garten zu
O. wurde vor einigen Jahren ein kleines
Nilpferd geboren. Beide Eltern, ängſtlich
und eiferſüchtig um das Kind beſorgt,
hüteten es eifrig. Als man es ſpäter ge-
meinſam
mit den beiden Alten in das große
Schwimmbaſſin ließ, bot ſich häufig folgen-
des
reizende Bild: zwei rieſige, fette Nücken,
dicht nebeneinander ruhend, nur wenige
Soll über dem Waſſer, bildeten eine kleine
Mulde in ihrer Mitte. Und in dieſer Mulde,
auf den Nücken der Eltern, lag das Nil=
pferdkind
und ſchnaufte behaglich in der
Some. Creulich gewiegt.
Das Lebensalter der Ciere.
Vieles wird phantaſiert vom Lebensalter
der Ciere, die Naturwiſſenſchaft iſt oft an=
derer
Meinung. Da ſollen Schildkröten bei=
ſpielsweiſe
500 bis 700 Jahre alt werden,
während der Forſchung keine Ciere über
200 Jahre alt bekannt ſind. Immerhin iſt
dieſes Alter, das das der Menſchen weit
übertrifft, auch recht reſpektabel, ſowie das
des Haifiſches, der zwar nicht, wie häufig
angenommen, 500 Jahre alt werden kam,
Die Altersgrenze vieler Vögel iſt aller-
dings
hoch geſetzt. Bei Papageien bei=
ſpielsweiſe
iſt der hundertſte Geburtstag
keine große Seltenheit. Auch Geiern und
Naben, ſowie der Eidergans ſchreibt man
ein hohes Alter zu.
Der Elefant, den wir uns gern als
Neſtor der Cierwelt vorſtellen, übertrifft an
Jahren nicht einmal den Menſchen. Sein
Durchſchnittsalter iſt 70 Jahre. Ein ſon=
derbares
Phänomen der Cierwelt ſtellt der
Aal dar. Er erreicht in der Gefangenſchaft
ein Alter bis zu 60 Jahren.

Flaſchenkinder gibt es eine ganze Menge.
Sei es nun, daß die Mutter nicht am Leben
blieb, oder daß es nicht möglich iſt, ihr die
Kleinen zu laſſen. Kurz eine ganze Neihe
kleiner Vierbeiner jammert nach der Flaſche,
ganz wie die Menſchenkinder. Es iſt ja
ſchon ein großer Erfolg, wenn Cierkinder
überhaupt in der Gefangenſchaft geboren
werden. Gefangenſchaft für die Ciere der
Wildnis, fremdes Klima, fremde Umgebung
man kann ſich kaum vorſtellen, was das
bedeutet. Es verändert den Charakter
ſicherlich. Manche Ciere werden bösartig
und bleiben es, viele gewöhnen ſich an die
neuen Lebensumſtände und vor allem an
die Pfleger. Und wenn ſie gar Samilie‟
haben, dann gewinnt man trotz allem einen
kleinen Einblick in ihre Lebensgewohn=
heiten
. Kinderſtube haben Ciere in dem
überragenden Sinne, die die Menſchen
dieſem Wort beilegten, Kinderſtube‟?
Am höflichſten von allen ſind zweifellos
die kleinen Bären. Wenngleich dieſe Höf=
lichkeit
nicht frei von Berechnung iſt. Sie
ſtehen ſchon frühzeitig, gleich ihren Eltern,
auf den Hinterpranken und legen die kleinen
Catzen bittend zuſammen Sucker, Mohr=
rüben
, einerlei! Die Frau Mama iſt nach=
ſichtig
und läßt ſich einmal etwas von ihrem
Nachwuchs vor der Naſe wegſchnappen.
Beim Vater Bär iſt das nicht ratſam. Man

läuft Gefahr, ſich emem wohlgezielten
Catzenhieb auszuſetzen.
Die Höflichkeit unter Elefanten iſt ja
ſprichwörtlich, was man von den Straußen
ja nun nicht gerade behaupten kann. Go=
fräßigkeit
und rückſichtsloſe Sier, verbunden
mit einem beneidenswert widerſtands-
fähigen
Magen, drücken ſich auch im äuße=
ren
Benehmen aus.
Die abſolute Vorherrſchaft des Männ=
chens
an der Futterkrippe iſt allerdings faſt
allgemein. Der Hirſch nimmt keinen An=
ſtand
, der Hirſchkuh durch Senken des
Kopfes zu verſtehen zu geben, daß ſie ab=

[ ][  ][ ]

Schon bei der Ankunft in der Haupt= und Hafenſtadt der
iſt, ſtellt man erſtaunt den angewandten Kommunismus bei den
Gepäckträgern feſt: jede Einnahme inkluſive Crinkgeld wird
in eine Büchſe geworfen und ſodann gleichmäßig verteilt. Und
auf der Fahrt zum Hotel präſentiert ſich eine Neihe breiter, blitz-
durchaus
angenehm enttäuſchen. Die Via della Libertä z. B. iſt
ein Boulevard, in der Mitte von einer ſchattigen Platanenallee
flankiert und von Villen begrenzt, die jeder Stadt im nördlichen allerdings nicht allein in den Bergen umherwandern.
Europa gleichfalls Ehre machten. An den Straßenüberſchnei=
dungen
ordnen Schupos mit weißen Stäben den dichten Ver=
unter
Androhung von Geldſtrafen, nur auf der linken Straßen=
ſeite
zu halten.
Ebenſo hat der Verkehr im Geſchäftsleben neue Formen
angenommen. In allen Läden befinden ſich Schilder mit der
Ankündigung: Prezzi kissi, feſte Preiſe, und wenn man ſich
auch, etwa in Kleidermagazinen, noch immer nicht zu ſcheuen
braucht, dem aufgedruckten Warenpreis beträchtliche Prozente
abzuhandeln, ſo herrſcht doch in der Lebensmittelbranche die
allerhöchſte Kontrolle. Wenn Sie beim=Bäcker ein Brot kaufen,
an deſſen Gewicht eine Kleinigkeit fehlt, und Sie haben etwa
die Abſicht, auf das beigelegte Scheibchen großmütig zu ver=
zichten
, ſo wird Ihnen der Paneficio damit entſetzt auf die
Straße nachrennen, weil er nicht Luſt hat, deswegen ins Ge=
fängnis
zu wandern, ja, der Käufer ſelbſt macht ſich dem Geſetze
nach ſchuldig, wenn er ohne das runde Gewicht ſeiner Ware den
Laden verläßt.
Neben einem ausgedehnten Straßenbahnnetz gibt es auf
Sizilien eine Anzahl von Autobuslinien, federnde, neuzeitliche
Wagen, die die Städte nach allen Nichtungen durchkreuzen und
ebenſo nach den entfernteren Vororten fahren. Man kann darin
während der Saiſon bis auf den Gipfel des Monte Pellegrino ge=
langen
, um in der Kirche der heiligen Noſalia auf zwei Marmor=
tafeln
in deutſcher und italieniſcher Sprache zu leſen, daß
im Jahre 1787 Goethe dort oben weilte. Monreale, das alte
Felſenneſt, und ſeinen prächtigen Dom in normanniſchem Stil
erreicht man mit einer Drahtſeilbahn und genießt den unver=
gleichlichen
Blick auf die Ebene der Conca d’oro, der Gold=
muſchel
, und die in flirrendem Lichte an den Golf gebreitete
Stadt. Ein Autobus fährt durch den ausgedehnten Favorita=
park
mit ſeinen Orangen= und Opuntien=Plantagen, bis an die
blaue Palmenbucht von Mondello, den ſizilianiſchen Lido, im
Sommer von dreihundert bunten Capannen, Badehütten, flan=

kiert. Sie können ferner die Feſſenbucht von Sferracavallo, die
Inſel, Palermo, die in weitem Bogen von Bergen eingeſchloſſen ! Nuinen von Solunt, den Cempel von Segeſta beſuchen, ohne ge=
zwungen
zu ſein, mit der Bahn oder dem teuren Automobil zu
fahren. Der Autobus trägt Sie zu allen Sehenswürdigkeiten hin.
Der Sicherheitsdienſt im Lande iſt muſterhaft. Ich habe
Berge und Cäler ſtets unbeläſtigt durchſtreift, an vielen ver=
ſauberer
Straßen, die alle Erwartungen von ſüdlichem Schmutz, ſteckten Punkten bin ich dabei polkzeilichen Patrouillen begegnet.
Man kann ſich heute auf Sizilien furchtloſer bewegen als in den
Außenbezirken nordeuropäiſcher Großſtädte. Frauen ſollten
Vor kurzem noch machte ſich in Palermo und Umgegend der
Mangel an Crinkwaſſer, namentlich in den Sommermonaten,
kehr der Autos und Karoſſen, und die Paſſanten haben ſich, unangenehm fühlbar. Seitdem ſind neue Leitungen gebaut, die,
wie es ſcheint, nicht nur die Stadt, ſondern auch die Dörfer

Der Haſe des Herrn Leutnant.
Von Fritz Droop.

Unſere Landſturm=Kompagnie war im Dezember 1914 zur
von Sennheim eingeſchoben worden. Das Gelände iſt dort ſehr
wellig und zum Ceil mit Veben bepflanzt. Dazwiſchen dehnen
ſich Wieſen und Aecker, die durch kleine Waldbeſtände unter=
brochen
werden. Das Wild hatte ſich beim Donner der Geſchütze
größtenteils aus dem Staube gemacht; eine ſolche Creibjagd
war ihm etwas völlig Neues. Der Krieg hatte ja einen General=
Jagdſchein ausgeſtellt, wenn auch das General=Kommando nichts
von dieſer Auslegung wiſſen wollte.
Immerhin gab es anfangs manchen Haſenbraten. Bald aber
wurde Meiſter Lampe immer ſeltener, und ſo mußten auch die
Katzen manchmal dran glauben, wenn ſie wildernd in die Nähe
der Schützengräben kamen. Das gab dann Anlaß zu allerlei
Scherzen. So prangte eines Cages auf dem Acker wiſchen den
deutſchen und franzöſiſchen Gräben das Schild: Katzen ſind an
der Leine zu führen! Der Ortskommandant.
Um ſo liebevoller wurde die ſchwarze Mieze behandelt, die
der benachbarten Kompagnie eines bayeriſchen Infanterie= Ne=
giments
gehörte. Wenn die Geſchütze ein paar Stunden ſchwie=
gen
, machte Mieze ihre Beſuche bei den anſchließenden Truppen=
teilen
. So war ſie denn oft beim Landſturm zu Gaſt, wo ſie ſich
beſonderer Beliebtheit erfreute. Als ſie einmal zu lange blieb,
kam der Schorſchl Gießhuber von den Bayern mit Silzpautoffeln
in unſeren Graben geſprungen, um ſie zu holen. Die Mieze war
zwar Eigentum der ganzen Kompagnie, aber der Schorſchl be=
trachtete
ſie als ſeinen beſonderen Schützling, weil ſie ihm zuerſt
auf den Schoß geklettert war. Er hatte auf ein kleines Schild
die Worte geſchrieben: Katzen ſind heilige Ciere‟. Dieſes
Schild heftete er der Katze an den ſtruppigen Schwanz. Es
wollte der Mieze anfangs nicht behagen; dann aber trug ſie die
Dokoration ſo ſtolz wie Michel Gießhuber ſein Eiſernes‟. Den
Schwanz ſenkrecht wie eine Fahnenſtange gerichtet, trottete ſie
hinter dem Bayern her.
Seit jenem Cage gab es noch eine dicke Freundſchaft, näm-
lich
zwiſchen Schorſchl und unſerem kleinen dicken Studienrat,
der ſonſt die Primaner in der Mathematik und den Natur=
fächern
unterrichtete. Die Katzen waren ſein Spezialgebiet; ich
glaube, er hatte ſogar ſeinen Doktor mit einer Diſſertation
über Die Katzen im Aberglauben der Völker erworben.
Jedenfalls hielt er den Landſtürmern während des erſten Win=

ters in den Vogeſen ſo viele Vorträge über ſein Spezialthema,
daß ein Odenwälder Bauer ſentimental wurde und abends zu
dem Gott der Cürken flehte, er möge ihm eine Katze zum Schutze
gegen die feindlichen Sliegerbomben ſchicken.
Den Schorſchl erfüllten die Neden des Studienrats mit be=
Verſtärkung der Streitkräfte in die Verteidigungslinie weſtlich ſonderer Genugtuung. Wenn er mit ſeiner Mieze von einem
Unterſtand zum anderen ſpazierte, kam er ſich wie der Prophet
Mohammed vor, der bekanntlich immer von einer Katze begleitet
war und ihr im Koran einen Extraplatz im Paradies verſprochen
hat. Die Landſtürmer nannten den gemütlichen Bayern deshalb
bald nur noch Mohammed. Dieſe Landſtürmer konnten überhaupt
ſehr gelehrte Sprüche kloppen. Sie wußten nicht nur, daß der
ſchweigſame Kardinal Nichelieu ſeine ſchöne Angora=Katze ins
Simmer rief, wenn er ſeine politiſchen Aufſätze ſchrieb; ſie
kannten auch das Sonett, in dem Caſſo die Katze bittet, ihm ihre
funkelnden Augen zu leihen, da er zu arm ſei, ein Licht für ſeinen
Schreibtiſch kaufen zu können. Sie wußten von Scheffels Kater
Hiddigeigei und dem philoſophiſchen Kater Murr, dem der
Dichter Ernſt Cheodor Amadeus Hoffmann die elektriſchen
Sunken aus dem Fell ſtreichelte.
Aber nicht in allen Schützengräben war ein Profeſſor, der
privatiſſime und gratis Vorleſungen zum Heile der Katzen hielt;
dagegen gab es überall Kunſtſchützen, die eine Natte im Laufen
erlegten und um eine Flaſche Kirſchwaſſer wetteten, daß ſie
einer Katze auf hundert Meter mit einer Kugel den Schwanz
amputieren würden. Eines Cages hatte ein Alpenjäger auf
Mieze angelegt und ihr, ſo unglaublich es klingt, ein Ohr durch=
löchert
. Ein paar Wochen blieb Mieze ſchön artig im Unter=
ſtand
; dann ſiegte ihr Freiheitsdrang, und die Beſuche der Katze
begannen von neuem. Bald war Mieze ſo rund und fett, daß
ſie eine Fabrikmarke von höchſtem Propagandawert für jedes
Nährmittel abgegeben hätte

Jeder freute ſich über das prächtige Ausſehen des Tierer
nicht zuletzt die Offiziere. Für die meiſten ſchien ſie ein Stü
Heimat zu verkörpern. Nur der junge Leutnant Chielmar
rümpfte die Naſe über Miezens Daſein; und die Katze fühl
ſeine Antipathie. Für dieſen blutdurſtigen Nimrod war ſie ei
läſtiges Stück Vieh, das er am liebſten mit einer Kugel weg
geputzt hätte. Sein Jagdgewehr war tadellos in Ordnung un
reizte ihn ſtändig zur Betätigung. In den Gefechtspauſen ſtell
er Meiſter Lampe nach, obgleich er das geſchoſſene Wild ſelt
hereinbekam, weil die militäriſchen Vorſichtsmaßregeln beok
achtet werden mußten. Aber es ging dem Leutnant weniger u
das Wildbret als um den Nuhm, ein guter Schütze zu ſei
Vergeblich hatte der Studienrat an die alten Aegypter erinner

ringsumher in genügendem Maße mit Waſſer verſehen. Daß
man während der heißen Seit damit ſparſom umgehen muß,
verſteht ſich von ſelbſt; ebenſo, daß für eine 600 Meter hoch
gelegene Stadt wie Caltaniſetta die Schwierigkeiten genügender
Waſſerbeſchaffung nicht leicht zu beheben ſind. Dort fließt das
koſtbare Naß nur alle paar Cage je zehn Minuten, ſämtliche
Gefäße ſtehen zu dieſer Stunde bereit, und wenn der Nuf er=
tönt
: Das Waſſer kommt!, ſo wird die ganze Bevölkerung von
heftiger Eregung erfaßt.
Vielleicht läßt ſich auch in ſolchen Gegenden nach abſeh=
barer
Seit eine Wandlung ſchaffen, wie man überall im Lande
den Sug zu einer großzügigen Moderniſierung erkennt. Es wird,
wie in Berlin und anderen Großſtädten des Nordens, dauer=
haft
gebuddelt und gebaut. Man verſieht Straßen und Plätze
mit neuem Pflaſter und Aſphalt, Wege, die vor Jahresfriſt m
der Negenzeit noch unpaſſierbar waren, liegen jetzt auch im
Winter blank und ſauber da. Leider entdeckt man ſogar ſchon die
erſten langgeſtreckten Mietskaſernen in nordeuropäiſchem Stil.
Geblieben ſind die alten, hochrädrigen Sizilianerkarren, auf
deren Wänden religiöſe und muthologiſche Szenen in farbiger
Draſtik prangen, während die Mauleſel, mit roten Croddeln und
Schellen behängt, geduldig wie ſeit altersher ihre Laſten ziehen.
Geblieben ſind auch Landesgebräuche wie dieſer: den Cod von
Freunden und Verwandten auf weißen, ſchwarz unterlogten
Leinwandſtreifen anzukündigen, woran ſich oft die ganze Nach=
barſchaft
beteiligt, ſo daß man über viele Haustüren und Schau=
fenſter
hinweg die traurige Botſchaft lieſt: Per mia moglis,
Per nostra cara amica Gaßtana. . ." (Für meine Frau
für unſere teure Freundin Ggstana., ."). Und da man in Si=
zilien
für Verwandte noch immer drei bis fünf Jähre Craun
trägt, geht hier ein beträchtlicher Prozentſatz der Bevölkerung
auch bei glühender Sommerhitze, in ſchwarzer Kleidung herum.
Ebenſo ſitzen, heute wie ehedem, die jungen Mädchen und
Frauen vor ihren Stickrahmen, um jene in der ganzen Welt be=
kannten
Werke zu ſchaffen, für die eine generationenlange Ein=
gerübung
als ataviſtiſches Erbteil notwendig iſt.
Langſamer als im äußeren Stadtbilde vollzieht ſich eine
Wandlung und Moderniſierung im Familienleben. Noch heute
iſt die ſizilianiſche Frau, auch wenn ſie ſich auf den Straßen un=
gehindert
bewegt, in ihrer perſönlichen Freiheit beſchränkt. Zum
Ceil iſt das auf die Eiferſucht der Männer, zum Ceil auf die
kirchlichen Feſſeln zurückzuführen. Es gibt noch immer in der
Mehrzahl gute Familienväter, die, mit großen Caſchen bewaffnet,
ihre Einkäufe ſelber beſorgen, damit die brave Hausfrau im
Getriebe der Märkte nicht gefährdet werde.
die den Haſen für ein glückbringendes Cier hielten und nach
ſeinem Bilde Amulette formten. Der Leutnant zitierte lieber den
alten Schulreim: Lepus der Haſe, sedebat er ſaß, in via
auf der Straße, edebat er , oder er ſummte das
Haſenlied:
Zwiſchen Berg und tiefem tiefem Cal
ſaßen einſt zwei Haſen,
fraßen ab das grüne grüne Gras,
bis auf den Naſen..."
Als ſie ſich nun ſatt gefreſſen
ſetzten ſie ſich nieder,
kam der Jägers=Jägersmann,
ſchoß ſie beide nieder ..
Warum alſo ſollte Leutnant Chielemann die Haſen nicht
ſchießen? Beſonders da das Paket mit Wurſt und Specke aus
der Heimat ſchon ſeit zwei Wochen auf ſich warten ließ! Ende
Januar war die Haſenjagd zu Ende; da hörte die ganze Herr=
lichkeit
von ſelber auf.
Die Göttin der Jagd war dem Leutnant hold; ſo kam er
dieſesmal mit einem fetten Satzhaſen heim. Seine Stimme klang
heller denn je: Heh, Piepenbrink; hier iſt ein prima Haſe.
Drei Cage im Fell laſſen; dann abziehen und in die Bratpfannel
Wird ein Götterfraß! Klaus Piepenbrink, der Küchenchef, nickte
dienſtbefliſſen: Jawoll!
Dann lud der Leutnant die beiden älteren Offiziere zum
Haſeneſſen ein; es ſei ein Prachtexemplar und müſſe gebührend
begoſſen werden; er habe ſich deshalb erlaubt, einige Flaſchen
Notſpon für den Feſtakt zu ſtiften. Die drei Cage wollten gar
nicht herumgehen. So verſeſſen war Leutnant Chielmann au
ſeinen Haſen. Es war nur gut, daß die Alpenjäger, die unſerer
Linie gegenüberlagen, keinen Befehl zu irgendeiner aktiven
Handlung erhielten. Dafür nahmen ſie alles aufs Siel, was ſich
zwiſchen den Gräben ſehen ließ.
Eines Cages ſtolzierte Mieze wieder über die Sandſäcke vor
dem Schützengraben. Sie hatte etwa dreißig Meter zurückgelegt,
da knallte es drüben, und Mieze fiel kopfüder in den Graben
der Landſturmabteilung, wo Klaus Piepenbrink eben dabei war,
dem Haſen des Herrn Leutnant das Fell über die Ohren m
ziehen. Denn am andern Cage ſollte der Braten begoſſen werden.
Als es dunkler wurde, ſchickte Schorſchl ſeinen Kameraden
Peter zu den Landſtürmern hinüber, um die tote Mieze zu holen,
damit ſie in Ehren begraben werde. Im Graben herrſchte große
Stille. Leutnant Chielmann hatte ſich aufs Ohr gelegt, die alten
Leute hockten vor dem Feuer im Unterſtand, und der Koch, der
die Vorräte zu hüten hatte, war nach dem nahen Dorje miter=

[ ][  ][ ]

Briefe an ein junges Ehepaar.
Von Oscar A. H. Schmitz.
An ſie.
Man muß es Dir zugeben, Frau, Du haſt es ſchwer, denn alle
Männer leiden an einer fixen Idee. Sie nennen das ihre Ueber=
zeugung
oder ihre Einſicht oder auch ſchlechthin die Wahrheit,
und die allerſchlimmſten ſprechen gar vom Logos. Viel Hoff=
nung
kann ich Dir nicht machen, denn heilbar iſt dieſe Geiſtes=
krankheit
nicht, indeſſen iſt es möglich, bei richtiger Behandlung
den Kranken leidlich ruhig zu halten, ja ſogar wie zu manchen
on Altersblödſim Erkrankten ein ganz freundliches Gemütsver=
hältnis
zu entwickeln. Ich kann Dir darüber einiges ſagen, denn
ich leide ſelbſt an dieſer Krankheit, habe aber ziemlich viel
darüber nachgedacht. Bisweilen weiß ja ein ſich gut beobachten=
der
Kranker mehr von ſeinem Leiden als der beſte Arzt.
Nehmen wir gleich einen praktiſchen, möglichſt alltäglichen
Fall. Vielleicht haſt Du in der ſchönen Unbefangenheit, die
Deinen Reiz ausmacht, die Gewohnheit, in der Wohnung alle
Cüren offen ſtehen zu laſſen. Dein Mann hat nun z. B. die fire
Idee, es gäbe Naturgeſetze, nach denen ein geheizter Naum durch
einſtrömende Kälte ſchnell abgekühlt wird. Er ſpricht gelehrt
vom Wärmeausgleich zwiſchen der Luft draußen und der drinnen.
Natürlich biſt Du klug genug, ſolch ein Geſetz zu verſtehen, unter
der Bedingung, daß es Dir erklärt wird ohne jede Beziehung
zu einem Dich perſönlich betreffenden Fall. Der Wahn Deines
Mannes beſteht nun darin, zu glauben, daß die große Allmutter
Natur, der Du ſo nahe biſt, wirklich die Wärme Eurer Woh=
nung
nach dem Geſetz des Wärmeausgleichs regelt. Da hätte
ſie viel zu tun. Vielmehr haſt Du das ſchöne Gottvertrauen, daß
alles van ſelber geht, beſonders wenn es Deine ſo nette Perſon
betrifft. Das Naturgeſetz über Kälte und Wärme mag richtig
ſein Du beſtreiteſt es nicht, ſchon weil es Dir viel zu un=
intereſſant
iſt , aber für die Wärme in Deiner Wohnung ſorgt
der liebe Gott perſönlich, in dem Du gewiſſermaßen den Ehe=
mam
der Allmutter Natur erblickſt. Swar verlangt auch er,
wenn es warm werden ſoll, die Erfüllung eines Nituals, nämlich,
daß jeden Morgen geheizt wird das weiß jeder , aber mit
dem Cürenaufſtehenlaſſen hat die Wärme nichts zu tun. Na=

Dieſe Irren ſind harmlos, und ſo iſt es auch dein Mann.
türlich kann es geſchehen, daß es dann auf einmal kalt iſt, und
das haſt Du ſelbſt ſehr ungern, aber das hat ſeinen Grund darin,
daß der liebe Gott einmal nicht lieb zu Dir war. Das kommt
vor, ſchließlich hat er ja ſo viel zu tun. So etwas nimmſt Du im
Grund nicht ſehr übel, denn Du weißt, daß er dann vielleicht
doch bald wieder ſehr lieb iſt, z. B. wenn er ſchönes Wetter
macht, weil Du gerade zum erſten Male ein neues Kleid anziehen

wülſt. Dergleichen tut er ja recht oft für Dich, weil Du ſchließ=
lich
wirklich ein ſo liebes Weſen biſt. Iſt er dann aber einmal
nicht nett und läßt es kalt i der Wohnung werden, ſo haſt Du
die anerkennenswerte Aufrichtigkeit, zuzgeben, daß auch Du
manchmal nicht nett biſt, und ſo iſt es gerecht, daß auch Dir ge=
legentlich
etwas ſchief geht. Schließlich wird ja alles von ſeldſt
wieder gut. Da ſoll einer ſagen, daß Du keine vernünftige Frau
biſt. Dazu haſt Du noch eine ſchöne Leidensfähigkeit, die lieber
ein Uebel hinmimmt, als es durch rechtzeitiges Eingehen auf die
fixe Idee Deines Mames abzuwenden.
Du biſt alſo in jeder Hinſicht eie entzückende Frau. Auch
mit Deinem Mann könnteſt Du ganz zufrieden ſei, wenn er
nicht an dieſer verhängnisvollen Geiſteskrankheit litte, die glaubt,
man köme nach irgendeiner gewonnenen Einſicht richtig oder
falſch handeln. Ich will Dir nun einen Nat geben, was Du tun
ſollſt. Du haſt gewiß ſchon gehört, daß es in Irrenanſtalten
Leute gibt, die glauben, ſie wären der Kaiſer von China oder
hätten eine weltbewegende Erfindung gemacht. Dieſe Irren
ſind harmlos, und ſo iſt es auch Dein Mann. Wollte man ihnen
freilich beweiſen, daß ihr Wahn aller Vernunft widerſpricht, ſo
bekämen ſie Anfälle und müßten in die Swangsjacke geſteckt
werden. Sagt man aber zu dem erſten Majeſtät und fragt nach
ſeinen neueſten Befehlen oder läßt man ſich von den andern ſeine
Erfindung erklären und hört aufmerkſam zu, ſo entpuppen ſie ſich
als die beſten Menſchen der Welt. So mußt Du es mit dem
Mann machen. Heilen von ſeinem Wahn kannſt Du ihn, wie
geſagt, nicht, aber behandeln kannſt Du ihn, ud zwar ſo, daß er
ungefährlich bleibt. Wenn es Dir zu ſchwer iſt, dann bemühe
Dich nicht allzuſehr, ſeine Einſichten oder Ueberzeugungen zu
verſtehen, aber nim ſie hin. Handle auch ruhig danach, dem
es iſt ſo leicht, wie zu einem Narren Majeſtät zu ſagen oder ihn
als Erfinder zu verehren. Du wirſt ſehen, wie vortrefflich das
geht. Alſo gewöhne Dir z. B. an, die Cüren geheizter Simmer
zu ſchließen, wenn das gerade die Streitfrage bildet, und ſiehe:
der liebe Gott wird Dich für dieſe Nachgiebigkeit dadurch be=
lohnen
, daß nun Eure Wohnung immer recht warm und Dem
Mann zufrieden iſt.
An ihn.
Man muß es Dir zugeben, Mann, es iſt nicht leicht, mit einer
Frau zu leben, auch die beſten können ſchwierig ſein, und Deine
gehört entſchieden zu den beſten. So ein Mann plagt ſich ein
halbes Leben lang ab, etwas Einſicht in dieſes verworrene Leben
zu gewinnen, und wenn er einen geſunden Menſchenverſtand hat,
ſo pflegt er immerhin in den Jahren des Neifens das eine oder
andere zu verſtehen. Das meint er wenigſtens. Gewiß, unſer
Wiſſen bleibt Stückwerk; immerhin, findeſt Du, gibt es zahl=
loſe
Fälle im Leben, wo man mit Sicherheit ſagen kann, daß von
zwei Möglichkeiten des Verhaltens die eine die richtigere iſt.
Du glaubſt nun entdeckt zu haben, daß die Frauen das nicht be=
greifen
können, daß ſie der Wahrheit unzugänglich ſind. Laſſe
Dir von einem, der das auch lange geglaubt hat, ſagen, daß das
nicht ſo iſt. Die Frauen ſind, wenn ſie ein bißchen ihren Ver=
ſtand
anſtrengen, ganz gut dazu zu bringen, eme Wahrheit oder
wenigſtens das, was wir Mäner ſo nennen, zu verſtehen, aber
dann geſchieht etwas höchſt Merkwürdiges, dem Mann zunächſt
gänzlich Unverſtändliches: Die Wahrheit iſt für die Frau, auch
wenn ſie ſie vollſtändig verſteht, durchaus nicht ohne weiteres
für ihr Handeln verbindlich. Wenn ſchon, denkt ſie.
So könnteſt Du z. B. Deine liebe Frau ſchließlich in einem
klug gewählten Augenblick, wenn ſie Dir gerade ſehr geöffnet iſt,
dazu bringen, zu verſtehen, daß geheizte Näume bei offen ſtehen-
der
Cür ſchnell erkalten, aber darum wird ſie ſich noch lange
nicht entſchließen, die Cüren zuzumachen. Wem ſie gewiſſenhaft
iſt, wird ſie ſogar das von Dir Gelernte die Dienſtboten oder
die Kinder lehren, aber ihr perſönliches Leben hat damit zuächſt
nicht das geringſte zu tun. Wahrheit gehört in eine Predigt, in
ein Buch, und vor allem in die Seitung, überhaupt alles Ge=
druckte
muß wahr ſein, aber ihr perſönliches Leben richtet ſich
nach anderen Geſichtspunkten, es geht von ſelbſt, entweder auf
natürliche Art oder durch perſönlichen Eingriff des lieben
Gottes. Nicht daß die Frau von ſich aus etwas gegen die
Wahrheit hätte. Im Gegenteil: Sie verehrt ſie als ein Ideal,
genau wie die Schönheit, aber ſo wenig ſie ſich etwa in ihrer
Kleidung nach den Geſetzen der Schönheit richtet, nicht einmal
nach dem, was ihr wirklich gut ſteht, ſondern nach dem Eindruck,
den ſie perſönlich auf andere, beſonders auf andere Frauen zu

machen gedenkt, ſo wenig läßt ſie ihr perſönſiches Leben durch
eine Wahrheit ſtören.
Wie gerne hört ſie zu, wenn er von ſeinen Erkenntniſſen
ſpricht, wie aufrichtig bewundert ſie ihn, wenn er mutig dafür
eintritt, aber die Narrheit, daß ſie nun deshalb ihre lieben Ge=
wohnheiten
ändern ſoll neuerdings nemt man das ihre Der=

Lache mit deiner Fran über die gute Alte, die dir dieſen Schwur
abgenötigt hat.

ſönlichkeit das geht ihr über die Hutſchmur. Das nimmt
ſie übel.
Was kannſt Du nun dagegen tun? Du kannſt alles von
Deiner Frau verlangen, nur nicht als Befolgung einer verbind=
lichen
Wahrheit. Sage ihr meinetwegen, um bei unſerem Bei=
ſpiel
zu bleiben, Du hatteſt Deiner ſeligen Urgroßmutter auf dem
Sterbebett verſprochen, niemals eine Frau zu heiraten, die in einem
geheizten Simmer die Cür offen ſtehen läßt. Lache mit Deiner
Frau über die gute Alte, die Dir dieſen Schwur abgenötigt hat,
aber ſie wird begreifen, daß man halten muß, was man einem
Sterbenden verſprochen hat, und wäre es, niemals im Leben
mehr ein N. auszuſprechen, und ſie wird Dir, falls ſie Dich
liebt, gerne helfen, eine ſolche Pflicht der Pietät zu erfüllen.
Kurzum, mache alles, was Dir verbindlich erſcheint, für ſie zur
perſönlichen Angelegenheit, und ſie wird ſich Dir zuliebe ſogar
ihr Haar wieder wachſen laſſen und im Winter gegen allen
Brauch warme Strümpfe und Schuhe tragen. Fängſt Du es aber
falſch an, dann kannſt Du ſie dahin bringen, daß ihr die Wahr=
heit
nicht nur, wie bei ihr normal, gleichgültig oder langweilig
iſt, ſondern daß ſie ihr verhaßt wird. Dam kannſt Du etwas
erleben. Dam wird ſie nämlich alles, was ſie tut, aus Crotz nur
darum tun, weil ſie weiß, daß es verkehrt iſt.
Menſchliche oder weibliche
Bildungsziele für die Frau?
Von Dr. Alice Salomon.
Können wir uns wieder beſondere weibliche Bildungsziele
geſtatten, nachdem die Frauen gleiches wie die Männer in Bildung
und Beruf erſtreben mußten, um als ebenbürtig und gleichberech-
tigt
anerkannt zu werden?
Die Bildung, die man früher den Mädchen geboten hat, die
über das Volksſchulziel hinausſtrebten, war zwar im beſonderen
auf die Aufgaben der Frau ausgerichtet, aber nicht in dem Sinne,
daß man ihr anderes als dem Knaben, aber Gleichwertiges bot;

wegs, um ſich nach dem Schlachtvieh für die kommende Woche
umzuſehen.
Als Peter den fetten Haſen am Nande des Grabens hängen
ſah, packte ihn der Uebermut. Er holte ſein Meſſer aus der
Caſche, zog der Katze das ſchwarze Sell ab, ſchob den hartge=
frorenen
Haſen ſamt dem Fell unter ſeinen Mantel und hing die
abgezogene Katze an den leeren Haken. Das alles dauerte kaum
zehn Minuten. Dann ging es zu den Bayern zurück, und bald
ſchmorte der Haſe in ſeinem Fette. Beim feſtlichen Mahle ver=
gaß
ſogar Schorſchl die Mieze. Die Knocheareſte des Hafen
wanderten ins Feuer, und bald war jede Spur getilgt.
Als Piepenbrink heimkam, ſchaute er ſchon von weitem nach
dem Haſen. Da hing er ja ſo ſchien es wenigſtens. Aber was
war das? Hingen aus dem umgekehrten Balg nicht ſchwarze
Pfoten? Schon ſprang er hin, das Fell zu unterſuchen, und
ſiehe da: es war ein Katzenbalg. Er unterdrückte eien Fluch.
Dann nahm er das Fell und warf es in einen leeren Patronen=
kaſten
. Was blieb ihm anderes übrig, als den Offizieren am
andern Cag die Katze vorzuſetzen. Es wäre auch ſicher alles gut
gegangen, wenn der Gaſtgeber infolge plötzlicher Beurlaubung
des Oberleutnants nicht den dicken Studienrat eingeladen hätte.
Ein Stück des kunſtvoll geſpickten Nückens hatte bereits die
kritiſche Kontrolle paſſiert, und der Gaumen des Geſehrten hätte
wohl auch das übrige Wildbret als delikaten Haſenbraten gelten
laſſen, zumal der kräftige Notſpon das ſeinige tat und die Sug=
geſtion
bekanntlich eine große Nolle ſpielt. Aber plötzlich hatte
das ſcharf bebrillte Auge die Nückenwirbel und das Schlüſſel=
bein
des Cieres betrachtet und feſtgeſtellt, daß beides der Ja=
milie
Katze gehörte. Das war ein äußerſt intereſſanter Fall und
durfte nicht verſchwiegen werden. Der Leutnant ſchwor, und
Diepenbrink war Zeuge, daß er einen richtigen Haſen abgezogen
hatte. Der Studienrat verpfändete ſeine Ehre, daß der Braten
von einer Katze ſtamme. Die Köpfe dampften.
Der Streit dauerte bis in die ſpäte Nacht. Der Hauptmann,
als Oritter, hatte alles zu tun, um die Parteien zu beruhigen;
ihm ſelber blieb die Sache rätſelhaft.
Dann ſaß der Leutnant beim ſpärlichen Kerzenlicht und
ſchrieb einen Brief. Er hatte das Fell, das er im Patronen=
kaſten
liegen ſah, ohne es näher zu betrachten, in dickes Pack=
papier
gewickelt und an ſeine Braut adreſſiert. In dem Be=
gleitbrief
bat er, das ſchöne Haſenfell zum Gerder zu ſchicken;
es ſolle ein Andenken an die Vogelen ſein.
Acht Cags ſpäter kam die Antwort der Braut. Sehr herzig
und lieb bis auf einen Satz. Ja, zum Henker nochmal; war
er denn verrückt? Da ſtand (er las es zehnmal, las es zwanzig=

mal): Du ſchreibſt von einem ſchönen Haſenfell, haſt aber ein
Katzenfell geſchickt. . ."
Chielmam war nahe daran, den Verſtand zu verlieren.
Eiſt ſpäter, als ſie wieder einmal beim Notſpon ſaßen, hat
der Hauptmann, dem der Peter gebeichtet hatte, ſeinem Leut=
nant
das Braten=Nätſel erklärt.
Die Macht des Wortes.
Von Soſtſchenko.
Man konnte nicht behaupten, daß der Prozeß verwickelt
war, im Gegenteil, alles war eindeutig und langweilig. Der
Verbrecher hatte ſeine Schuld geſtanden. Ja, es ſtimmte, er war
in eine fremde Wohnung eingedrungen, hatte in der Eile bei=
nahe
die betagte Wohnungsinhaberin erwürgt, und zwei Anzüge,
eine Kupferpfanne und noch em paar unweſentliche Klemigkeiten
mitgenommen. Wie geſagt, die Sache war nicht der Nede wert
und langweilig. Ich hätte gern den Gerichtsſaal verlaſſen, aber
es war ſchwer durchzukommen, der Saal war voller Menſchen,
außerdem brummte mein Nachbar, ein ältlicher Bürger, jedes-
mal
ſehr unfreundlich, ſobald ich mich bewegte. Ich blieb, und
guckte mir den Verbrecher an. Der ſaß ganz unbeweglich da
und blickte teilnahmslos zur Seite.
Intereſſant, wieviel man ihm aufbrummen wird. . ."
ſagte ich.
Intereſſantes iſt nichts dabei, ſagte der Alte, mein Nach=
bar
. Vier Jahre, bei ſtrengſter Iſolation.
Warum denken Sie das?"
Ich denke nicht, ſagte der Alte ſtreng, der Kodex
denkt. Der Staatsanwalt erhob ſich. Er ſprach mit großem
ſeeliſchen Schwung. Viel unverfälſchter Sorn und große Ver=
achtung
waren in ſeiner Nede. Er zertrat den Berbrecher buch=
ſtäblich
. Er verglich ihn mit niedrigſtem Abfall, den aan ohne
Mitleid fortwerfen ſollte. Eine ſo ausgezeichnete Nede habe ich
lange nicht gehört. Das Publikum ſaß ſehr ſtill da, die Ge=
ſchworenen
lauſchten aufmerkſam. Ich blickte den Verbrecher
an. Niedrige Stirn, ſtumpfer Unterkiefer, tieriſcher Blick, frag=
los
, ein ausgemachter Bandit. Mit welcher Furcht er den
Sprechenden anblickte. Der legt ſich aber ins Seug, ſagte ich.
der Burſche wird ſicher verſchickt werden, man wird ihm die
Höchſtſtrafe geben. Unſinn! ſagte der Alte, vier Jahre
bei ſtrengſter Iſolation. Der Staatsanwalt hatte ſeine Nede
beendet. Nach einer kurzen Pauſe begann der Verteidiger zu
ſprechen. Es war noch ein ziemlich junger Mann, aber wieviel

echtes Calent ſteckte in ihm. Was für eine Kraft des Aus=
druckes
! Wie klar und aufrichtig war ſeme Nede‟ Die Kraft
des Ausdruckes iſt eie große Gabe, es iſt ein großes Glück,
wenn man die Menſchen mit ſeinen Worten zu beſiegen verſteht
und ihnen die eignen Wünſche diktieren kann. Beinahe andert=
halb
Stunden ſprach der Verteidiger. Das Publikum rutſchte
auf den Stühlen herum, die Damen puderten ihre vor Er=
regung
erhitzten Naſen, einige Zartbeſaiteten ſchluchzten und
ſchneuzten ſich, der Staatsawwalt ſelbſt trommelte nervös mit
den Fingern auf den Papieren herum. Vollſtändig betäubt, mit
aufgeriſſenem Mund blickte der Delinquent ſeinen Wohltäter an.
Nein, der eVrteidiger beſtritt gar nicht die Schuld des Ver=
brechers
, nein! Es ſtimmt alles, aber wäre es nicht endlich an
der Seit, tiefer zu blicken .. . Wäre es nicht der Mühe wert,
den Vorhang, der die Geheimniſſe des Lebens verbirgt, zu lüften
. . . ja, der Mann iſt ſchuldig aber wäre es nicht angebracht
mit gütigen Augen dieſes einfache, naive Geſicht zu betrachten?,
. . . Ich ſchaute mir noch einmal den Verbrecher an. Catſächlich,
das Geſicht iſt naiv, die Stirn iſt wie Stirnen meiſt ſind, weder
zu hoch noch zu niedrig, auch der Unterkiefer ha tnichts Außer=
gewöhnliches
, paßt gut zu dem Geſicht, es iſt einfach nicht zu
glauben, daß man mit ſolch einem Unterkiefer eine Alte würgen
kann.
Es iſt nicht ausgeſchloſſen, daß man den Burſchen frei=
ſpricht
, ſagte ich oder ihm eine ganz gerige Strafe gibt.
Unſinn, ſagte der Alte, vier Jahre bei ſtrengſter
Iſolation.
Das Gericht zog ſich zurück.
Das Publikum ging in den Gängen auf und ab und be=
ſprach
die Nede des Verteidigers. Viele nahmen an, daß der
Verbrecher nicht mehr als ein Jahr bekommen würde. Mem
Alter zog wütend an ſeiner Pfeife und ſagte böſe zu den Um=
ſtehenden
.
Unſinn, vier Jahre bei ſtrengſter Iſolation *
Endlich betraten die Geſchworenen den Saal.
Das Urteil lautete: Vier Jahre bei ſtrengſter Iſolation.
Der Verbrecher wurde ſofort fortgeführt.
Das Publikum verließ langſam den Saal.
Im Gewühl erblickte ich meinen Nachbarn wieder. Er hatte
die Augen zugekniffen und murmelte.
Nun, was habe ich geſagt?
Dieſer Menſch verhielt ſich voller Skepſis gegen alle ſchönen
Worte. Ich bin mit ihm nicht einverſtanden. Ich liebe es, wenn
viel und ausführlich über den Menſchen geſprochen wird.
Man hat weniger Chancen, ſich m irren.

[ ][  ][ ]

ſondern indem man ſie an allen ſchönen Künſten und Wiſſen=
ſchaften
nippen ließ, ohne ihr die Mothoden geiſtiger Arbeit im
derſelben Weiſe wie dem Knaben nahezubringen. Die höhere
Mädchenſchule war oben im Grunde genommen keine höhere
Schule. Sie hatte weder in bezug auf die wiſſenſchaftliche Durch=
bildung
, noch auf handwerkliches oder hauswirtſchaftliches
Können irgendeine Höhenlage.
Seit zwanzig Jahren iſt das anders, aber die Frau hat lich
zu ſehr den männlichen Bildungsbedürfniſſen unterworfen.
Aus dieſem Gedanken heraus hat ein moderner Pädagoge
(Cheodor Friedrich) die Gorderung erhoben, daß in dem Ziel der
Schule, in ihrer Arbeitsweiſe und ihrem Unterrichtsſtoff neben
dem Gemeinſamen, das in Mann und Frau enthalten iſt, das
Beſondere zu ſeinem Nocht kommen ſoll. Das Allgemeine iſt kör=
perlich
betrachtet das Suſtem der Knochen, der Nerven und Mus=
keln
, die Geſetze der Atmung, des Blutkreislaufs, des Stoff=
wechſels
, die Entwicklung von Geburt zu Cod über Kindheit und
Jugend, Neife und Welken. Gemeinſam iſt die Welt, die von
außen auf Auge und Ohr, auf Verſtand und Gefühl wirkt.
Gemeinſam auch der Einfluß der Umgebung, der Natur, der
ſozialen Inſtitutionen, die das geiſtige Sein und Leben beſtimmen.
Durch dieſe Einflüſſe wird ein Gleiches erzeugt in Mann und
Frau, das ſie zu einem von allen andern Lebeweſen unterſchiedenen
leiblich=ſeeliſchen Geſchöpf entwickelt. Das hat man in der Ver=
gangenheit
überſehen. Man hat den Körper der Frau unter das
Geſetz der Behütung geſtellt und iſt dadurch zu einer Verzärtelung
und Schwächung des Körpers gelangt. Erſt die Subilligung der
Menſchenrechte an die Frauen hat ſie aus den Feſſeln einer ver=
ſchnürten
Kleidung befreit Geſundheit und ebenmäßige Kräfte
gelten heute auch bei der Frau als Schönheit. Mann und Frau
werden alle Kräfte aufbieten müſſen, daß nicht ein Wechſel der
Mode ihnen das ſchwer errungene gemeinſame Necht auf Geſund=
heit
der Körpers wieder nimmt.
Vergangene Seiten haben nicht nur den Körper, ſondern auch
den Geiſt der Frau oingeſchnürt und überſehen, daß die Denſt=
geſetze
geſchlechtslos ſind. Und auf dem Gebiet des Sittlichen hat
man die Frau zu einer beſonderen Art von Cugend erzogen.
Noch in einer nicht lange vergangenen Seit galt für die Frau das
Aufwachſen im ongumzirkelten Familienkreis. In weiten Kreiſen
folgte Verlobtwerden, Verheiratet werden, und dann
Wirken als Frau und Mutter unter der Leitung des Mannes:
kurzum, alle Cugenden liefen in das Gefühl der Abhängigkeit
zulammen.
Friedrich will ſtatt deſſen ein Frauengeſchlecht heran=
bülden
, das ſich des Menſchenrechts der Freiheit bedienen kann,
ohne an ihm zugrunde zu gehen. Letzter Sinn der Schulbildung
muß ſein, auch die weibliche Jugend von Jahr zu Jahr von dem
ſie gewöhnenden Willen anderer immer freier werden zu laſſen,
bis ſie zuletzt aus klarer Erkenntnis ihres Eigenweſens ihre Stel=
lung
in der Umwelt, ihre Aufgaben gegenüber den übrigen Men=
ſchen
ſelbſt zu beſtimmen und die Führung ihres Lebens in eigene
Hand zu nehmen vermag. Das Ideal der Frauenbildung für ihn
iſt der in leiner äußeren Erſcheinung wie in ſeinem inneren Weſen
gleich geſunde, gleich ebonmäßig geformte, in Anlagen und Fähig=
keiten
geſteigerte Menſch, der mit offenem Simn, mit feinem Emp=
finden
und klarem Verſtand die Umwelt aufnimmt: der ſowohl
ſein eigenes Weſen, wie auch das der menſchlichen Gemeinſchaft
erfaßt, ſeine Nechte und Pflichten gegen ſich und die Gemeinſchaft
ſelbſt abgrenzt, und der in ſeinem Wirken nach ſelbſterkannten und
ſelbſtgeſteckten Sielen ſtrebt.
Alfo kein Surück zu den alten weiblichen Bildungsinhalten.
Aber Neuerarbeitung von Bildungszielen, die ausgerichtet ſein
müſſen auf Staatsgeſinnung und Berufsgeſinnung. Dennoch eine
Bildung, die Nückſicht nimmt auf die Urform menſchlichen Seins
ud Handelns, auf die Naturverwobenheit und Naturgegebenheit.
Die Natur hat jedes der beiden Geſchlechter zum Suſammen=
wirken
verſchiedenartig geſtaltet. Dieſe Verſchiedenheit der Ge=
ſchlechter
will Friedrich auch in Erziehung und Bildung be=
rückſichtigen
. Der weibliche Organismus iſt unvergleichlich länger,
ſtärker und imnnerlicher in ſeiner Geſamtheit vom Dienſt an der
Arterhaltung erfaßt. Dieſer Untergrund weiblichen Weſens muß
auch im höheren leelſchen Leben ſeine Auswirkung haben.
Wem Friedrich die Betonung des Muttertums in Er=
ziehung
und Unterricht fordert, wenn er das Verhältnis der Frau
zum Kind, zur Ehe, zum Haus der weiblichen Jugend nahebringen
will, wird man ihm in der Sache ganz zuſtimmen können. Wer mit
fungen Mädchen zu tun hat, weiß, daß ihre Intereſſen im Grunde
genommen heute wie ehemals, und heute noch viel bewußter und
ausgeſprochener, um dieſe Intereſſen kreiſen. Wer das aber
berückſichtigen will, muß zu der Forderung gelangen, der Frau,
der Lehrerin einen ſtärſteren Einfluß auf die Schule zu geben. Die
Betonug der ſpezifiſch weiblichen Lebensaufgabe durch männliche
Lehrer iſt ſchlechthin abzulehnen. Für den Mann müſſen andere
Aufgaben in der Schule vorbehalten werden.
Intereſſant iſt in dieſem Suſammenhang die Stellung, die
Friedrich zu der gemeinſamen Erziehung der Geſchlechter findet.

Er lehnt ſie durchaus nicht ab. Er will nicht unter allen Umſtän-.
den getrennte Schulen für Knaben und Mädchen. Er hält es für
möglich, auch bei gemeinſamer Erziehung die Naturgebundenheit
der Frau zu berückſichtigen und ihre natürlichen Gaben voll zu
entwickeln. Aber er hält es für eine unerhört ſchwierige Aufgabe,
über die man ſich hinwegtäuſcht, wenn man ſich mit allgemein=
menſchlichen
Bildungszielen begnügt.
Wie groß der Wandel iſt, der ſich im Laufe der letzten Jahr=
zehnte
in der Auffaſſung vollzogen hat, geht aber daraus hervor
daß er eine Cypenbildung der Schulen, etwa in ſolche, die auf
Muttertum als Bildungsziel hinarbeiten, und auf andere, die
geiſtigen Bildungszielen nachgehen, entſchieden ablehnt. Keine
Schule loll für ſich das Necht in Anſpruch nehmen, die ausſchließ=
liche
Vorbildungsſtätte der künftigen Mutter zu ſein, einfach
ſchon deswegen, weil ſie die tatſächliche Mutter= und Haus=
frauenſchaft
den von ihr Reifgeſprochenen weder zuzuerkennen
noch zu gewährleiſten vermag. Ebenſowenig darf oine Schule
unter dom ausgeſprochenen oder nicht ausgeſprochenen Gedanken
geleitet werden, daß die ſie durchlaufenden Mädchen ihren Le=
bensweg
unabhängig von Ehe und Mutterſchaft zu gehen hätten.
Eine Frage der Gleichberechtigung der Frau und die Frage
der weiblichen Berufstätigkeit braucht nicht mehr umſtritten zu
werden. Deshalb kann das Frauengeſchlecht von heute, das nicht
mehr leine wertvollſten Kräfte im Kampf abnutzen oder weſent=
liche
Seiten ſeines Seins verleugnen muß, auch in Bildung und
Berufsausübung die innere Einheit bewahren, um die urweib=
liche
Weſenheit auszuwirken.
Wenn junge Mädchen durch
die Welt liegen.
Der Streit Beinhorn Mittelholzer.
Von Hans Klötz.
Das dreiundzwanzigjährige Fräulein Elli Beinhorn iſt im
Leichtflugzeug nach und durch Afrika geflogen. Die Leiſtung
bleibt erſtaunlich, trotz der Notlandung, die den Rückflug unter=
brach
und ſeine Fortſetzung zweifelhaft macht.
Auf dem Hinflug traf ſie in Cap Jubu den Schweizer Flie=
ger
Walter Mittelholzer, den Afrika=Spezialiſten unter den
Oeldruckmeſſer, weil der alte kaputt war, auch Kartenmaterial
berühmten Piloten des Erdballs. Mittelholzer ſchenkte ihr einen
für den Weiterflug, er ſparte auch nicht mit guten Natſchlägen,
Später ſetzte ſich Mittelholzer hin und ſchrieb einen Bericht
über ſeine Erlebniſſe, und er tat auch Erwähnung des Su=
ſammentreffens
mit der jungen Fliegerin, diesmal, von der hohen

Warte des Fachmanns aus, nicht ohne die Stirne zu runzeln:
Als Elli Beinhorn in Cap Juby landete, ſei die Maſchine
ſchon lange nicht mehr m Ordmmg geweſen. Der Oeldruck=
meſſer
war zerbrochen, der Courenzähler funktionierte nicht.
Der Benzintanke reichte zwar für zehn, der Oeltank jedoch nur
für ſieben Flugſtunden. Neparaturen konnte Fräulein Beinhorn
nicht durchführen, ſie beſaß auch keinerlei Erſatzmaterial. Dabei
flog ſie über 700=Kilometer=Etappen, auf denen man Swiſchen=
landungen
nicht vornehmen kann. Mittelholzer ſagt, die ſpaniſchen
und franzöſiſchen Flieger ſeien ſich darin einig geweſen, daß es
bodenloler Leichtſinn ſei, wonn eine unerfahrene Sportfliegerin

mit einer ſchwachen und ſchlecht gepflegten Maſchine die von
Näuberbanden bewohnte und von gefährlichen Stürmen heim=
geſuchte
Wüſte am Nio de Oro befliege (ſich zum Cummelplatz
erwählt).
... dem Fluggedanken wird nicht gedient, wenn aus Un=
kenntnis
und Senſationsluſt junges Leben aufs Spiel geſetzt wird,
wo es ſich ja nicht um die Löſung einer neuen Aufgabe handelt.
Bewunderung für die Kühnheit der jungen Fliegerin auszudrücken.
Soweit Mittelholzer. Er vergaß freilich auch nicht, ſeine
Als der Bericht in Deutſchland geleſen wurde, erhoß ein
väterlicher Freund junger Fliegerinnen in der Seitſchrift Flug=
ſport
geharniſchten Proteſt. Mittelholzer habe ſich unkamerad=
ſchaftlich
aufgeführt, er habe die Beinhorn mit gehäfſigen An=
griffen
bedacht.

Der Sekretär der Schweizeriſchen Luftverkehrs=Union, Herr
Dr. Nollfus, antworte im Berner Bund. Er nimmt ſeinen
Freund Mittelholzer in Schutz, er führt an, wie ſehr ſich Mittel=
holzer
um das deutſche Flugweſen verdient gemacht hat. So
wird aus der Sache ein deutſch=ſchweizeriſcher Streitfall, eine
europäiſche Angelegenheit, und dies ohne das Wiſſen und Sutun
der eigentlichen Beteiligten BeinhornMittelholzer.
Die deutſche Oeffentlichkeit wird beiden Ceilen mit einer
Ehrenerklärung zur Verfügung ſtehen. Wir achten und ſchätzen
eine junge Dame, die mit einem Leichtflugzeug den Luftſpuren
älterer männlicher Kollegen mit ſtärkeren Maſchinen folgt. Wir
ſind immer geneigt jede ſportliche Leiſtung einer Frau anzuer=
kennen
, gleichgültig, ob ſie einen Sweck hat oder nicht.
Wir ſchätzen und verehren auch den Flieger Walter Mittel=
holzer
. Weil er ein Mann der Cat, ein vorzüglicher, Pilot und
guter Kamerad iſt, weil er der deutſchen Luftfahrt die Wege
ins Ausland eröffnet hat, weil er immer mit Maſchinen deutſcher
Herkunft geflogen iſt, als erſter nach Perſien, als erſter nach
Afriſka.
Wir verſtehen beide Standpunkte: den der jungen Dame, die,
den Flugſchein in der Caſche, die Maſchine auf dem Flugplatz,
von brennendem Ehrgeiz erfüllt, etwas Großes unternehmen
will und nach Afrika fliegt, obwohl die Maſchine ſchwach, ihre
Erfahrung gering, ihre Ausrüſtung mangelhaft iſt. Wir ver=
ſtehen
den Pionier des Luftverkehrs, den Direktor einer Luft=
verkehrsgeſelſchaft
, Mittelholzer, der um das Anſehen der
Sliegerei beſorgt iſt und gegen Auswüchſe wettert.
Wir glauben ſogar, daß ſie beide einander verſtehen: Mittel=
holzer
das tapfere Sportmädel mit dem Draufgängerherzen, das
Sportmädel den erfahrenen Flieger, der drohend den Finger hebt.
Man möge die Streitaxt ruhig begraben. Wir glauben nicht,
daß die fliegeriſchen Unternehmungen unſerer Sportmädel, die
heute nach Ceneriffa, morgen nach Afrika losgehen, die, wie
Amu Johnſon, nach Auſtralien fliegen, oder, wie Chea Naſche,
unter der New Yorker Brooklun=Brücke ins Waſſer plumpſen,
damit weltbewegende Pionierleiſtungen für die gute Sache voll=
bringen
, und wir werden uns gegen ſolche Unterſtellungen zu
wehren wiſſen. Wir wollen ihnen andererſeits ihre Freude laſſen:
der eine klettert auf einen Kirchturm, der andere ſchwimmt über
den Kanal warum ſoll Eli Beinhorn nicht nach Afrika fliegen!

Schach

Veh

Nummer 411.

Endſpielſtudie 44.
F. Köhnlein.
(Akad. Monatsheft, 1914.)
a

Kätſel

Wche
Aus den Teilen der vorſtehenden Figur ſoll der Name des Dichters

Hölty gebildet werden.

Carl Deubel.

Weiß zieht und gewinnt.
Brüfſtellung: Beiß: Kel De6 Td1 8d6 Ba2 42 (6);
Schwanz: Ko7 Dg2 To8 f8 Sa4 Ba7 b7 e5 g6 g7h7 (1); Weiß zieht und ge=
winnt
.
In obigem Stück iſt eine wohl jedem Schachfreund bekannte ſchöne
Kombination in einfacher Form verdoppelt.
Anfragen, Beiträge, Löſungen uſw. nur an die Schriftleitung des
Dermſtädter Tagblatts mit der Aufſchrift S
Rie

Nöfſlſiprung.

B. Hlagt wort heil der ver im blei lich ſam menn te kort bet ſehmer ſei bu und ein hoff drück lagt mer fort Freund noch nung

Silbenrätſel.
Aus den Silben: a a a ach ar
ganz hou i ka ko land le me
no no nun on ot pel ra re re rei ri ſe ſel ſig ſil

che de de di e eng
mer mie ni nie nik

ſom ſter ſul tat te tel ti ti uſ uſ wach wim ſind 19
Wörter zu bilden, deren erſte und dritte Buchſtaben, beide von
oben nach unten geleſen, ein Zitat aus Shakeſpeares Julius
Cäſar ergeben.
Die Wörter bedeuten: 1 Ausſchmückung, 2 Teil der Batterie,
3 Jahreszeit, 4 kleine Flagge, 5 Herbſtblume, 6 Gleichwort für
Ergebnis, 7 Feinheit in der Kleidung, 8 Schwachſinniger, 9 päpſt=
licher
Geſandter, 10 Naturwiſſenſchaft. 11 Rattengift, 12 euro=
päiſcher
Staat, 13 Schattenriß, 14 Erdteil, 15 dürres Aſtholz,
16 Vogel, 17 Teil des Oberkörpers, 18 inneres Organ, 19 Meß=
werkzeug
.
Kreuzworträtſel.

77 3

Waagerecht: 1 ein ſchöner Zeitabſchnitt, 6 Schweizer Kanton, 7 eng=
liſche
Anrede, 9 Pöbel, 11 zu Cateiniſch), 12 Abkürzung für einen gkade=
miſchen
Titel. 13 Nebenfluß der Donau, 15 fremdländiſches Geldſtück,
16 engliſches Getränk. 18 Blume.
Senkrecht: 1 Frauenname, 2 Umſtandswort, 3 Abkürzung für Num=
mer
, 4 Nebenfluß des Soſna, 5 Erzengel, 8 Frauenname. 10 Dichtungs=
art
, 14 Vergnügungslokal, 15 Hauptarm des untenen Rheinlaufs, 17
chineſiſches Wegemaß.
Carl Deubel.
Auflöſungen der Rätſel aus Nummer:1s.
Der verwandelte Tale

Dreierlei: Winter, Wetter, Werther.
Druck, Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 23. Verantwortl. für die Redaition: Dr. H Nette. Darmſtadt. Fernſpr. 1,. 23892392. Alle Rechty vorbshalten Nachdr. verbast

[ ][  ][ ]

Nemlich es geheert ſozuſage zu de Bildung in alle Läwens=
lage
, daß mer net bloß uff ſei Zeidung abbonniert is, ſundern
mer muß ſe aach beziehe, un womeechlich aach läſe, um damit daß
mer was waaß, un was erfehrt, un was hott for ſei Geld. Un
was e richdich reduſchiert Zeidung is, die hellt ſich an däß Wort:
wer vieles bringt, wird jedem etwas bringen . Un däßhalb
muß e Zeidung vielſeidich ſei, un net bloß de Seide, ſundern
haubtſächlich dem Inhalt nooch. Dann die Geſchmäcker vun ſo=
ere
weidverzweichte un aſſpruchsvolle Läſerſchaft, die ſin ſo ver=
ſchiede
, wie’s Abrillwädder, un der aane wills geſodde, der anner
gekocht, der Dridde gebrode, der Vierde geſchmelzt, der Fimfte
roh no un ſo fort un ſo weider ätzädderapepe.
Un mer kann beiſpielsmeßich aach ſofort ſähe, wäß Geiſtes
Kind ſo e Zeidungsläſerich is, wann mer beowacht, wo er deerſt
dieguckt. Guckt aaner beiſpielsmeßich de erſt uff die vorderſt
Seid, noochher waaß mer ſofort, daß däß e großer Bolledicker is
vor dem Härrn. Un der ſtudiert alſo in erſter Linnje de bollidiſche
Daal, damit er erfahrn dhut, wie mir reſchiert wärrn. Un wann
er beim Läſe uffmuckt, un ſchlegt uff de Diſch un ſeegt: Groß=

ordich! Ausgezeichend! dann kann mer a’nemme, daß mer,
ſeiner Maanung nooch, dorchaus net dementſprechend reſchiert
wärrn, ſundern ganz im Gäjedaal, un daß es do in=eme Addickel
die Reſchierung widdermol geſagt krickt, daß ſe vum Reſchiern kaa
blaß Ahnung hott. Un damit is unſer Bolledicker befriedricht,
ſein erſte Zorn hott e Venndill gefunne, er ſchimbft noch e Weil
uff Dod un Deiwel, un geht dann beruhicht an ſei Dagewärk,
ſoweit er aans hott.
Der anner dohärngäje, der iwwerſchlegt des Bollidiſche; er
gibt nix uff’s Schimbfe un ſeegt, dovo dhets doch net annerſter
wärrn, un verliert ſich in de lokahle Daal. Dann do is er de=
haam
, do waaß er um was ſichs dreht. Un wanns aach bloß Nach=
richte
ſin aus em Stadtballament un de ſunſtiche Vereine, odder
Vorſchleg zur Hewung des Verkehrs, odder Kridick an de Heag",
odder Dienſt= un Geſchäftsjuwiläume, odder des dägliche un ords=
iebliche
Verkehrsunglick ganz aanerlaa, wann=er ’s Lokahle‟
geläſe hott, is er im Bild
Der Dridde is ärſchendwie un ärſchendwo mit de Kunſt
verwandt un verſchwäjert, odder er hott ſunſt en Stich ins Gei=
ſtiche
, un demgemeß indräſſiert en nor däß, was unnerm Strich
ſteht. Un wann mer den beiſpielsmeßich freegt: No, wie hott’s
Ihne dann gäſtern Awend im Therjader gefalle? dann ſeegt
er aam in aller Unſchuld: Ich waaß net, ich hab die Kridick noch
net geläſe!
E groß Azahl weiblicher Läſer jeglichen Geſchlächts indräſſiert
ſich bloß for die Dodesazeiche, damit ſe erfahrn, wer ſich als ge=
legendlich
begrawe loſſe dhut. Sie brauche halt was, for’s Gemied,
un wann ſe jemand Bekanntes bei dene Drauernoochrichte finne,
do freie ſe ſich orndlich, ſo lagd dhuts=en.
Annern, die wo uffs Gemied nix gäwwe, ſundern ſage, mir
braichte e haddes, widderſtandsfehiches Geſchlächt, die ſtudiern eif=
rich
de Sportdaak, um damit, daß ſe ſtack un kräfdich wärrn, un
Bulljong in die Knoche, un Mack in die Mußgeladur krieje.
Schließlich ſin däß mindeſtens äwe ſo große Schborzler, wie die,
wo Sunndags uffm Stadion ſteh un zugucke; odder lieje de=
haam
de lange Wähk uff de Schäßlong un loſſe ſich de Schborts=
bericht
, odder die Räbordaaſch vun=eme große Schbordsereichnis in
die Ohrn fliſtern ..
Annern widder, die wo gärn es Gruſele lärne wolle, die ſtu=
diern
ei gehend de Handelsdaal, vun wäje ihre Ackazie un ſo.
Die meiſte awwer vun de Zeidungsläſer, die ſtudiern ganz be=
ſunners
genaa die Annohſe. Un ich muß ſage, die hawwe de
Finger uff de richdiche Effnung, dann im Annohſedaal, do lärnt
mer des Läwe kenne, un do erfehrt mer, was geſpielt wärd, un
wo Baddel de Moſt holt.
Der Inſeradedaal vun de Zeidung der is alſo meines Erach=
tens
nooch, s Indräſſandſte, wo mer hott. Beiſpielsmeßich, do
annohſiert aaner, er dhet kimfdich net mehr for die Schulde uff=
kumme
, die wo ſei Fraa Kathinka, geborene Bumb, mache dhut,
indem er for nix hafte dhet; un do kann mer ſich ſofort e Bild
devo mache, was die for e glickliches un friedliches Eheläwe fiehrn,
un daß der genug an ſeine eigene Schulde hott. Dann lieſt mer:
Die Dame, wo gäſtern Awend im Union, im Dunkele dem Herr
uff de Fuß gedräde hott, wird um ein weideres Läwenszeichen ge=

beten, zwecks ehrbarer Anneherung, ſpätere Heirat nicht ausge=
ſchloſſen
.
Unner uns geſagt, ich hab an ſellwichem Awend, wo däß am
annern Dag in de Zeidung geſtanne hott, zufellich widder mol aam
uff de Fuß gedräde, was allerdings bei mir efters vorkimmt.
Wann ich denk, wem ich net all ſchun uff de Fuß gedräde hab!
Awwer noch nie hott däßwäje aaner um ein weideres Läwens=
zeichen
gebäde. No un däßhalb hab ich mir geſagt, a Ehr is die
anner wert, un hab demſellwiche, äwensfalls per Annohs, e wei=
deres
Läwenszeiche gäwwe. Un do hott der mich ans Faixe Eck,
beſtellt, un ich ſollt als Erkennungszeiche e Blumeſtraißche in de
Hand halte. No un weil ich grad kaa Blumeſtraißche verwiſche
konnt, hab ich afach aan vun meine Kackduß mitgenumme, der wo
zufellich geblieht hott. Un ich hab ganze zwaa Stund am Faixe=

Eck gewort, awwer ich hab nix vun=ere ehrbare Aneherung ge=
märkt
; bloß daß e junger Mann, kaa fimf Schritt vun mir, e Oh=
macht
krickt hott, un mit dem Sanidädsaudo ins Spidahl kumme
is, während mich ſpeder der Verkehrsſchutzmann uffgeſchriwwe
hott, wäje effendlicher Verkehrsſteerung ſamt Aerchernis, bedräffs
meim Kackduß
No un dann de Heiratsmack in de Zeidung. Alſo was ſich do
net alles dhut. Jedes Alter, jeder Stand, jed Hoorfabb is do
verdräde; nix wie lauder verdrägliche, bildſcheene, ſauwere Ge=
mieder
, unner Dißkrezion, mit un ohne Ausſteier, Kinner odder
Vermeeche; un ich hab mer ſchun manchmal ausgemolt, wie däß
wärd, wann zum Beiſpiel die haisliche Blondine den junge Mann
in geſicherter Läwensſtellung un Nadurfreund zwecks Einheirat
dadſächlich krickt. Un manchmol ſucht in a un deſällwe Zeidungs=
Nummer e Er un e Sie wäje Mangel an Umgang, uff dem
net mehr ungewehnliche Wähk zum Standesamt, de Aſchluß,
un mer hott des Gefiehl, alſo die zwaa baſſe zuſamme, un mer
mecht drum zu gärn wiſſe, ob ſe ſich aach krickt hawwe, ob ſe glick=
lich
mitnanner ſin worrn, un ob mer bereits zu=eme frohe Ereich=
nis
graddeliern kann".
Awwer leider, in däre Beziehung wärd aam ſei Neigierd net
befriedicht, un mer muß ſich ſchun an de Roman halte, der wo in=
ere
richdiche Zeidung gleichfalls net fehle dhut.
No alſo, ſo wärd in de Zeidung for jeden Geſchmack geſorgt,
un wer die Zeidung richdich zu läſe verſteht, kimmt jedenfalls uff
ſei Koſte.
Allerdings, jetzt gibts noch e Azahl Läſer, die ſin vun=ere a=
ſtendich
gefiehrte Zeidung ſchwer zu befriediche. Dann warum?
Sie hawwe nor ihr Fraad am Klattſch un Drattſch, am Schkandahl,
an gaſchdiche Brozäßberichte, un mechlichſt ſchauerlich ausgemolte
Verbräche un ſo. Freilich, un es gibt leider Zeidunge genug, die
dem ſchlechte Geſchmack vun de Läſer in däre Beziehung weit=
gehenſt
endgäje kumme. Wo nor e Schkandählche zu widdern is,
do ſin ſe bei de Hand. Brozäſſe un Verbräche wärrn eigehend ge=
ſchildert
, un des Schauerliche un Gemeine mit beſunnere
Schlagzeile
beſunners dick un fädd erausgehowwe, damits jo in die Aage ſticht,
wann de erſte Blick druff fellt. Un merkwärdicherweis ſin däß als
grad die Zeidunge, die bei alle baſſende un unbaſſende Geläjen=
heide
däß Wort Kulldur im Maul fiehrn, un vorgäwe, for Rein=
heit
un Ordnung eizudräde.
Gewiß ſoll aach iwwer derordiche Ageläjenheide, wie beiſpiels=
meßich
den Maſſemörderprozäß, e Zeidung berichte, awwer nor des
Allernodwenichſte, dann däß is ſchun zuviel. Un warum?
Mer waaß: Verbräche ſin wie die Maſern, ſie ſtecke a; un wann
mer aach bei de Maſern ſage kann: der wo ſie mol gehatt hott, der
krickt ſe net mehr, ſo is däß bei de Verbräche meiſtens des Gäje=
daal
der Fall, nemlich, wer aamol verbroche hott, verbricht immer
widder. Un dodegäje hilft kaa Imbfe, kaa Beſtrahle, un kaa
Spritze, kaa Biomals un kaa Pille, Dabblädde un Zäbbcher.
Un wie geſagt, was des Schlimmſte is, die Verbräche ſtecke a,
beſunners wann ſe ſo ausfiehrlich beſchriwwe un geſchildert
wärrn. Dann wer awwer lieſt däß am gernſte? Vor allem die,
die ſchun vun Haus aus mit=ere krankhafte Fanndaſie begabt ſin.
Un zweidens nadierlich die Jugend! Grad die Jugend,

for die mer ſich doch äwe mit Recht ſo ſehr ins Werk legt, damit
ſe geſund und kräfdich wärd an Leib un Seel
Awwer mer brauch äwe bloß emol ſo in Famillie, wo Kinner
ſin, erum zu heern, die ſteije als äxdra e Värdelſtund frieher uff.
damit ſe noch ſchnell for de Schul die Zeidung läſe kenne. Mer
wärd ſchun wiſſe warum .. ."

Alſo do kann mitunner mehr Schade geſtift wärrn, als wie
alle idealiſtiſche Jugendbewegung widder gud mache kann.
Nadierlich is der Maſſemörderprozäß aach widder ſo e Fräſſe
for ſo Art Menſche, wie mei Freundin, die Endebärzelſen. Wann’s
däre nooch gingt, braicht iwwerhaubt nix annerſter in de Zeidung
zu ſteh, als ſo Zaick. Un ſie kaaft ſich ſogar äwe äxdra ſo Zei=
dunge
, die wo ihrm verdorwene Geſchmack do endgäjekumme. Aw=
wer
es ſchennſte is, ſie draut ſich jetzt widder awends kaum noch
allaans iwwer die Gaß, un am helle Dag noch net emol allaans
in de Keller, iwwerall ſieht ſe Geſpenſter
Alſo mer mag iwwer die Sach denke, wie mer will, awwer
ich ſag mir, Zeidunge, die wo in ihre Berichterſtattung do weider=
geh
, als ihres Amtes is, die dreiwe weider nix, als en ganz ver=
wärfliche
un nixnutziche Abbonnentefang.
Mer geht doch aach em Dräck uff de Gaß ausm Wähk, warum
ſoll merm do net aach in de Zeidung ausm Wähk geh!
Un gibts net aach Scheenes un Gudes uff de Wäld?! Is ſe
wärklich ſo ſchlecht, wie ſe e gewiß Sord vun Zeidungsſchreiwer, un
e gewiß Sord vun Konnjungdurdichter ſieht? Odder hawwe die
bloß de Blick for des Scheene verlorn? Jano, do muß ich ſage:
Gleiches bringt Gleiches hervor! däß is e ald, awwer e wahr
Regel. Wer alſo nor all des Gemeine un Gewöhnlich ſieht, lieſt,
heert un denkt, der brauch ſich net zu wunnern, wanns dann in ſeim
Härz aach net beſſer ausſieht. Wer awwer des Gude ſucht, der
finds aach, drotzalldem, nemlich er brauch bloß dem Schlechte aus=
em
Wähk zu geh. Un wie haaßt’s in de Schrift? Es waxe
kaa Feige uff de Diſtel, ſundern ein guder Baum drägt gude
Frichte, aber ein fauler Baum wird abgehauen un ins Feuer ge=
worfen

Wie geſagt, vun mir aus braicht all däß gruſeliche Zaick
iwwerhaubt net in de Zeidung zu ſteh. Awwer es gibt leider aach
Läſer, die dodriwwer informiert ſei wolle, wann aach noch ſo
knabb. No un do kann mer halt nix mache, däß is ſo, wie’s is, un
wer e ſchäbb Maul hott, hott e ſchäbb Gebiß
Bienche Bimmbernell.

Poſtſchkribbdumm. Was de Menſch wert is, fehrt
wäddern! hab ich die Woch zu mer ſällwer geſagt, wie ich in
de Zeidung geläſe hab, daß ſe unſern verfloſſene Bauborjemaaſter
zum Vorſitzende vum Hausbeſitzerverein gemacht hawwe. En tem=
bramendvollere
hedde ſe ſich gornet winſche kenne, dann es is min=
denſtens
ſo e großer Druffgenger, wie ſei Vorgenger. Ja un wie
ich erſt den Bericht vun de Hausbeſitzer ihre Haubtverſammlung
geläſe hab, die wo ſich ſcheinbar ganz aus Verſähe, un ohne Abſicht
zu=ere imboſande Brodäſtverſammlung ausgewaxe hott, alſo wie
ich den Bericht geläſe hab, do hab ich an e Verſammlung in de
Tornhall denke miſſe, ausgangs 1924 odder ofangs 1925. s war es
ſällwe Bild. Domols hott noch mei liewer Freund un Speezel,
de Kunnrad Hauri bräſſidiert. Un domols hott’s aach gehaaße:
Alſo ſo kanns net mehr weidergeh! Freilich, domals hab ich
uff däre Verſammlung die Brominende vun Stadt un Staat
vermißt; ich kennt mich wenichſtens net erinnern, daß ich aach nor
aan geſähe hett. Däß war allerdings noch die Zeit, wo die Mehr=
heit
uff unſerm Rodhaus vun=ere akebbiche Minderheit re=
ſchiert
worrn is .
No, unſer verfloſſener Bauborjemaaſter un die Hausbeſitzer,
die hawwe jo jetzt die beſte Beziehunge zu enanner. Hoffe mer
alſo des Beſte!
Allerdings ich muß ſage, die Beziehunge dhun’s aach net im=
mer
. So ſchreibt mir die Woch äwenfalls ſo e guder Freund un
Speezel, ich ſollt emol die Bolledick Bolledick ſei loſſe, un ſollt
liewer, bei meine gude Beziehunge zum Himmel, for=e a’ſtendich
Friehjohrswedder ſorge. Alſo was däß bedrifft, ſo mecht ich dem
bedräffende Speezel en klaane Vers ins Stammbuch ſchreiwe:
Macht dir aach noch des Wädder Schmärz,
Verlier nor net de Mud;
Un hoſt dein Friehling du im Härz.
Dann wärd ſchun alles gud! ..

Der zeitgemäße Haushalt.

(Mitgeteilt vom Hausfrauenbund Darmſtadt.)
Die Koſten des Speiſezettels ſind für 6 Perſonen berechnet.
Küchenzettel für die Zeit vom 20. bis 26. April.
(Mitgeteilt vom Hausfrauenbund Darmſtadt.)
Montag, den 20. April:
Gebr. Mehlſuppe
0.30
Haferbrühlinge mit Rotkohl"."
1,50

1,80

Dienstag, den 21. April:
Sauerampferſuppe
0.30
Grießklöße mit Salat".
1,70
200
Mittwoch den 22. April:
Rumfordſuppe
0,36
Kalbsfrikaſſee mit Reis
3,00

3,36

Donnerstag, den 23. April:
Spargelſuppe
0,50
Schinken=Makkaroni ."
1,60
0,60
mit Salat".
2,70
Freitag, den 24. April:
0,30
Grünkernſuppe.
1,75
Fiſchhackbraten mit Kartoffeln

2,05

Samstag, den 25. April:
1,60
Linſenſuppe mit Würſtchen
Sonntag den 26. April:
1.10
Klare Brühe mit Einlauf
3,50
Schweinelendchen m.
2.20
Spargel und Kartoffeln
1,75 Mk.
Makei mit Preißelbeeren
8,55 Mk.
Fiſchhackbraten: 2 Pfund Fiſchfleiſch, 3 trockene Semmeln,
2 Eier, 40 Gr. Speck, 20 Gr. geriebene Semmel, 60 Gr. Fett, Salz,
Zwiebel. Das gehäutete, entgrätete Fiſchfleiſch wird mit Speck,
Zwiebeln und den eingeweichten Semmeln durch die Hackmaſchine
gedreht, mit Salz, Ei und geriebener Semmel durchgearbeitet und

zu einem, beſſer zu zwei Broten geformt, in heißem Fett unter
öfterem Begießen, evtl. Zugießen von Waſſer, im Bratofen ge=
braten
. Die Tunke wird mit Mehl und ſaurer Sahne gebunden.
Makei. Anderthalb Pfund Quark, dreimal durchs Haarſieb
ſtreichen, mit Milch oder Sahne ſchaumig ſchlagen und leicht rüh=
ren
, mit Zucker und Vanillin abſchmecken, Preißelbeerkompott da=
zu
reichen.

Allerlei Frühlingsſuppen.
Roſenſuppe. 1 Pfd. Möhren werden geputzt, geſchnitten
und mit 2 Kartoffeln weichgekocht, durch ein Sieb getrieben, mit
einer hellen Mehlſchwitze aus Fett, Mehl und Zwiebel und dem
Kochwaſſer ſämig gekocht, mit friſcher Butter abgeſchmeckt und
mit reichlich Peterſilie verrührt, aufgetragen.
Würzige Kräuterſuppe. 100 Gramm feiner Grieß
wird mit eigroß Butter hellgelb geröſtet, dann mit Knochen=
oder
Fleiſchbrühe aufgefüllt, langſam ausgequollen. 1 Obertaſſe
gemiſchte Kräuter, wie Schafgarbe. Sauerampfer, Löwenzahn,
Kreſſe, Rapünzchen und Peterſilie, grob gewiegt, darin noch
½ Stunde ziehen gelaſſen, mit Eigelb abgezogen und mit Salz
und Tiſchbutter abgeſchmeckt.
Kerbelſuppe. In leichter Fleiſch= oder Knochenbrühe
ſaſſe man Eiergräupchen ausquellen, füge feingewiegten Kerbel
nach Belieben bei, ſtäube wenig Muskatnuß daran und gebe 12
Eßlöffel konſervierte, grüne Erbſen und eigroß Tiſchbutter an
die Suppe.
Würzige Kartoffelſuppe. Die geſchälten und ge=
kochten
, mehligen Kartoffeln, rühre man zu Mus, fülle ſie mit
kochendem Waſſer auf, füge 1 Taſſe Milch, 1 Meſſerſpitze Peffer,
1 Eßlöffel feingewiegtes Selleriegrün und eine in dünne Scheib=
chen
geſchnittene Frankfurter= oder Kochwurſt bei, laſſe aufkochen
und reiche ſie mit geröſteten Schwarzbrotbröckchen ohne Rinde.
T. L.
Apfelſinenſoße für Flammeries. ½½ Liter
Milch ſetze man mit ½ Teelöffel Salz zum Kochen auf, verquirle
ſie dann mit 1 geſtrichenem Teelöffel Kartoffelmehl und füge nach
ein paar Minuten die abgeriebene Schale von 12 Apfelſinen
bei. Mit 1 Eßlöffel Süßſtofflöſung und reichlich 1 Teelöffel
Butter abgeſchmeckt, kann man dieſe aromatiſche Soße ſowohl
warm wie kalt für verſchiedene Flammeries und Süßſpeiſen
geben.

Humor

Unglück.

Herr Wachtmeiſter, ſchnell, von dieſer Hoſe ſind noch fünf Raten
zu bezahlen!
Beim Ausverkauf. Iſt denn die Seide zu dem Kleid auch
wirklich haltbar? Gnädige Frau, das (Kleid können Sie bis
zu Ihrem Tode tragen, und dann können Sie ſich immer noch
einen Unterrock daraus machen laſſen!
(Herold.)
1931. Sieh mal, wie vorſichtig der Mann das Auto ſteuert.
Sicher hat er eben erſt fahren gelernt! Oder er hat den
Wagen gegen Barzahlung gekauft!
(Michigan Gargoyle.)
Vater, was iſt eine Verlobung? Wenn ein Herr und
eine Dame ſich verheiraten wollen! Und was iſt ein Korb?
Wenn er Glück hat!
(Herold.)
Der Vegetarier. Sie ſagten doch neulich, Sie ſeien über=
zeugter
Vegetarier. Stimmt, die vegetariſche Lebensweiſe
allein verbürgt Geſundheit und langes Leben! Und trotzdem
eſſen Sie hier ein Schweinekotelette? Ja, ich bin des Lebens
überdrüſſig.
(Götz.)
Beim Kaufmann. Sehen Sie mal, Herr Meier, ich habe mein
ganzes Kleid an Ihrem Ladentiſch ruiniert! Aber ſahen Sie
denn nicht das Schild: Friſch geſtrichen!?
Darauf gab ich
natürlich nichts! Hier haben Sie ja auch ein Schild Friſche Eier
(Mouſtique.)
und es ſtimmt nicht!
Am Kreuzweg. An dieſer Stelle verunglückte Herr Gold=
wurm
mit ſeinem Auto. Wie paſſierte denn das? Sehen
Sie den großen Eckſtein dort? Ja! Nun, Herr Gold=
(Paſſing Show.)
wurm hat ihn nicht geſehen."
Schmeichelhaft. Gaſt: Sie haben wirklich eine entzückende
Frau, Herr Prechtl, aber ſagen Sie, ſind Sie denn nie ein bißchen
Oh, das bin ich ſchon, aber, im Vertrauen ge=
eiferſüchtig
?
ſagt, ich lade nur Leute ein, in die ſich eine Frau nie verlieben
(Tit=Bits.)
könnte!"

[ ][  ][ ]

Man wundert ſich immer wieder, wenn man
hört, daß die weiße Brautaufmachung von
neuem in Mode gekommen und ſehr beliebt ſei,
denn viele Jahre hindurch war ſie eigentlich ganz
ungebräuchlich geworden, weil ſich die jungen Mäd=
chen
offenbar (und nicht ganz zu Unrecht!) ſagten,
daß hier eine große Ausgabe notwendig ſei, die letz=
ten
Endes doch nur Augenblickswert habe, und daß
andererſeits bei einer Trauung im Promenade=
kleide
großen materiellen Opfern aus dem Wege
gegangen werden könne, ganz abgeſehen davon, daß
das betreffende Stück auch ſpäterhin noch ſehr gut
auszunützen ſei.
Demgegenüber wird vielfach der Einwand er=
hoben
, daß ja auch ein weißes Brautkleid, auf eine
Modeſchattierung eingefärbt , in der Folge noch
gute Dienſte zu leiſten vermöge.
Seltſamerweiſe aber ſind die jungen Mädchen
von heute (und dies ſcheint ja der eigentliche Grund
des Wiederkommens des weißen Brautſtaates zu
ſein) trotz ihrer ſo oft betonten Sachlichkeit und
trotz nüchternſter Einſtellung zum Leben der Ro=
mantik
des Brautkleides derart zugänglich, daß
ſie Wert darauf legen, den großen Tag auch in
würdigem äußerem Rahmen zu feiern.
Wie auf allen Gebieten iſt es auch in dieſem
Falle modiſch gut Orientierten möglich, mit ver=
hältnismäßig
geringen materiellen Opfern eine
wundervolle Brauttoilette herzuſtellen.
Vor allen Dingen wäre feſtzuſtellen, daß man
heuer Brautkleid und Schleier aus dem gleichen,
fließenden Material arbeitet, und zwar vornehmlich
aus elfenbeinfarbenem Gaze=Chiffon, da ſich auf
dieſe Weiſe ein vorzüglicher Geſamteindruck ergibt.
Hingegen kann die Form des Brautkleides ſchlicht
und anſpruchslos ſein, weil ja die Art des Mate=
rials
und die Länge des Kleides jene maleriſche
Wirkung ſichern, die man immer zu erreichen
wünſcht.
Ein ganz ausgezeichnetes Modell zeigen wir in
unſerer Gruppe: mit ſeinen ſeitlichen Flügeln, die
unterhalb des Gürtels anſetzend einen kaſak=
ähnlichen
Eindruck machen, deutet dieſes Brautkleid
ſeine Zugehörigkeit zur allerletzten Modeſilhouette
an. Die Ergänzung jedes eleganten Brautſtaates
iſt ein ſchön=geſteckter Schleier; als Allerneueſtes
gilt der ſogen. Nonnenſchleier, der vorne bis zur
Bruſt reicht, rückwärts aber eine lange Schleppe
bildet, ſo daß man auf dieſe Weiſe ohne jede Garnierung einen
vortrefflichen Effekt erreicht.
Das Häubchen, über das der Schleier gezogen wird, iſt nichts

Der geflochtene Hut, iſt eine Neuſchaffung der Saiſon und
findet den größten Beifall, da einerſeits die Kombination der
geflochtenen Strohborten (für den Hutkopf) mit dem Filzmaterial
(für den Rand) ausnehmend gut gefällt und andererſeits die ele=

anderes als ein kleines Käppchen, das mitunter mit Perlen beſtickt
wird, die durch das Gaze=Material fein hindurchſchimmert. Als
Brautblumen kommen jeweils die Blüten der Saiſon in Frage.

gante Frau ſchon lange nach einem Modell ſuchte, das ihr die
Möglichkeit zu bieten vermochte, das Haar durchſchimmern zu
laſſen. Es liegt auf der Hand, daß eine ſolche Mode für Blon=
dinen
beſonders günſtig iſt! Die neueſten Formen dieſer Art brin=

Kinderkleidung
für warme Cage.
Nichts kann einer Mutter mehr Freude machen
als die Beſchäftigung mit der Garderobe ihrer
Kleinen, denn hier wird nicht allein die ſchneider=
techniſche
Geſchicklichkeit ins Treffen geführt hier
ſpricht das Herz.
Und wie ſollte unter ſolchen Umſtänden nicht
etwas wirklich Reizendes zuſtande kommen?
Schließlich iſt es ja auch eine ſehr dankbare Auf=
gabe
, die kleinen Leutchen anzuziehen, denn ſie
ſehen immer gut aus, gleichviel, welche Farbe ſie
tragen und wie das betreffende Kleid geſchnit=
ten
ſei.
Da aber jede Mutter ihren beſonderen Ehrgeiz
dareinſetzt, ihr Kind nicht nur zweckentſprechend zu
kleiden, ſondern auch eine reizende, flotte Auf=
machung
zu finden, ergeben ſich hier mannigfaltige
Möglichkeiten, die ſogar im Laufe der Jahre der=
art
ausgebaut wurden, daß nach und nach auch auf
dieſem Gebiete die Schwankungen und Schwebungen
zu verzeichnen ſind, die nichts anderes ergeben als:
eine Mode im Kleinen!
Der wichtigſte Grundſatz iſt und bleibt die un=
geſuchte
Einfachheit, denn jedes Kinderkleid, das
auch nur im geringſten kompliziert oder übergar=
niert
iſt, macht bei der Reinigung Schwierigkeiten,
widerſpricht alſo den Geboten der Hygiene und iſt
darum abſolut zu verwerfen.
Deshalb iſt neben der Schlichtheit des Kleid=
chens
auch ſeine Reinigungsmöglichkeit eine der
weſentlichſten Richtlinien der Kindergarderobe.
Es darf hier nicht unerwähnt bleiben, daß dies
Jahr gerne farbenfreudige Stücke hergeſtellt
werden, da es ja längſt bekannt iſt, daß alle Kinder
lebhafte Töne lieben und an Kleidchen in unaus=
geſprochenen
Farben niemals dauernd Gefallen
finden.
Nichtsdeſtoweniger erſcheint mitunter eine Neu=
tralfarbe
abſolut notwendig, wie dies beiſpielsweiſe
bei der Schulkleidung der Fall iſt, da hier
jede einheitliche Farbe viel zu empfindlich wäre und demzufolge
auf das Kind nur hemmend einwirken müßte.
Und Hemmnis durch ein Kleidungsſtück iſt wohl einer der
ſchlimmſten Vorwürfe, die man der Kindergarderobe machen
könnte, da hier natürlich ganz beſonderer Wert darauf gelegt wird,
das Kind in ſeiner Bewegungsfreiheit nicht zu behindern.
Erwieſenermaßen fühlen ſich die Kleinen nur dann frei und
glücklich, wenn ſie weder in der Schule, noch bei Sport und Spiel
auf ihre Kleider achthaben müſſen, alſo die volle Unbefangenheit
wahren können.
Durch empfindliche Kleidungsſtücke den Sinn für Nettigkeit

zu erproben iſt entſchieden ein ganz falſches Syſtem, iſt alte
Schule!
Die Garderobe des Kindes unterliegt natürlich keinem ſtarren
Schema, ſondern richtet ſich ganz nach dem Verwendungszweck, für
den die einzelnen Stücke beſtimmt ſind.
Im allgemeinen trachtet man, die Garderobe ſo beſcheiden als
möglich zu halten, da ein Kind ſehr gut mit ganz wenigen Stücken
ſein Auslangen finden kann und es viel beſſer iſt, immer nur das
Nötigſte nachzuſchaffen, als einen Vorrat an Kleidchen aufzu=
häufen
, denen das Kind e dies entwächſt und die es ſomit kaum
auszunützen vermag.

Weiße Anemonen, aber auch ſchlichte Margueriten
ſind ſehr gebräuchlich, wobei die gelben Mitten
und die grünen Stiele durchaus nicht vermieden
werden, weil gerade dieſe farbigen Akzente für
die Geſamtwirkung des Brautſtaates beſonders
weſentlich ſind.
Die ſchönſte Folie einer eleganten Braut ſind
ihre Schleppenträger ein Ehrenamt für die
Kleinſten der Familie!
Mädi wird ſicherlich in einem roſafarbenen Mouſ=
ſelinkleidchen
mit Heckenroſen als Kantung des
unteren Randes und des Ausſchnitts allerliebſt aus=
ſehen
, um ſo mehr, als der Heckenroſenkranz im
Haar die Wirkung des Kleidchens noch unterſtreicht.
Ihr Kavalier aber trägt einen weißen Anzug
aus Seidenleinen, natürlich mit langer Hoſe, denn
man iſt doch ſchon ſehr groß! Reizend die Kaſak=
Schlüpfbluſe mit hellblauen Aufſchlägen und einer
kleinen Seidenbinde in der gleichen Farbe, ſowie
damit übereinſtimmenden Manſchetten.
Für die Brautjungfern ſetzt ſich in letzter
Zeit die Gleichheit der Aufmachung als
vornehmſte Note durch, wobei an eine Gleichheit der
Form, aber Verſchiedenheit der Farbe
gedacht iſt.
Unſere beiden letzten Bilder zeigen ein ſehr an=
mutiges
Modell aus Seidenorgandy, deſſen Rock=
partie
aus unten verbreiterten Keilen zuſammen=
geſetzt
erſcheint, während der Oberteil ganz ſchlicht
iſt und nur durch einen intereſſanten Bertenkragen
zur Geltung kommt. Der breite Atlasbandgürtel
mit ſeitlicher Schlupfe iſt ganz entſchieden apart
und neuartig. Das erſte dieſer Kleider hat man
ſich etwa in Paſtellblau mit altroſafarbenem Gür=
tel
und ebenſolchen Anſteckblumen zu denken. Das
nächſte aber in zartem Gelb mit hellblauen Blü=
ten
und damit übereinſtimmendem Bandgürtel.
Die langen Handſchuhe haben jeweils die Farbe
der Garnierung, ſind alſo in dieſem Falle lichtblau,
während der aus Seidenorgandy verfertigte breit=
randige
Hut ebenſo gut die Schattierung des Klei=
des
haben als auch mit der Garnierung in Ueber=
einſtimmung
gebracht werden kann.
Die Schuhe; immer nur einfache, ungarnierte
Pumps in Naturfarbe, ſo daß ſie ſich von den
hautfarbenen Strümpfen kaum abheben.
Ob man ſich nun für die große Aufmachung ent=
ſcheidet
oder der eleganten Promenadekleidung für
die Trauung den Vorzug gibt, muß man wohl oder übel geſtehen,
daß ein elegantes Hochzeitskleid in ſeiner feierlichen Vornehmheit
ganz wundervoll iſt . . . ."
Willy Ungar.

gen auch noch inſofern eine ſehr originelle Note, als die Filz=
krempe
nur einſeitig gearbeitet wird, während der Hut an jeder
Seite, wo er aus dem Geſicht gerückt erſcheint, völlig randlos
W. U
bleibt.
Beginnen wir mit den Schulkleidern; ſie
dürfen unter keinen Umſtänden empfindlich ſein, da=
mit
das Kind wenn da oder dort doch ein Fleck=
chen
entſteht nicht wegen Unachtſamkeit zur Ver=
antwortung
gezogen wird.
Als Ideal=Aufmachung iſt in erſter Linie jene
Kleidung zu bezeichnen, die immer ordentlich aus=
ſieht
und vor allen Dingen niemals zerknüllt iſt.
Dieſe Forderungen erfüllen die verſchiedenen
Strickſachen wirklich voll und ganz und haben
überdies auch noch den Vorteil, ſich tadellos reinigen
zu laſſen.
Selbſt mittelfarbige Jerſeykleidchen in dem
früher erwähnten Neutralton wirken vielfach
durch farbige Streifenmuſter (vorletzte Skizze). Für
Knaben gibt es eine große Zahl ausgezeichneter
Schulanzüge aus Jerſey, die mit ihrer kurzen Hoſe
und der gegürteten Bluſe inen ſehr niedlichen Ein=
druck
machen (letztes Bild).
Der Pull=over (Bild 1) in porös=ſommerlicher
Strickart iſt die beſte Aufmachung für Sport und
Ausflüge; das farbige Trikotkleidchen (Modell 2)
ein Stück, das von den kleinen Mädchen gerne ge=
tragen
wird und ſich als ganz außerordentlich prak=
tiſch
und dauerhaft erweiſt.
Außer dieſen Stücken, die den Grundſtock der
Garderobe der Kleinen darſtellen, wird man viel=
leicht
noch einen Anzug (bzw. ein Kleidchen) aus
Leinen anſchaffen, das über Nacht gewaſchen wer=
den
kann, für ſehr warme Tage zu empfehlen und
ein Retter aus allen Nöten iſt.
Für Beſuche und für alle Gelegenheiten, bei
denen man mit den Kindern Staat machen will,
kommen natürlich ganz beſondere Garderobeſtücke in
Frage.
Das kleine Mädchen ſieht in einem hell= paſtell=
farbenen
Batiſtkleidchen ganz allerliebſt aus; es
wird hier (wie dies unſere erſte Figur der Mittel=
gruppe
deutlich vor Augen führt) ein kurzes glok=
kiges
Röckchen mit einem glatten Oberteil vereinigt,
Die einzige Garnierung beſteht aus einem Berten=
Cape, deſſen Anſatz durch eine Girlande zarter Blü=
ten
markiert wird.
Für Knaben aber iſt ein Bootsmann=Anzug immer reizend,
der ſich aus weiten Beinkleidern und einem mit einem Gürtel zu=
ſammengehaltenen
geraden Sakko zuſammenſetzt. Anſtelle der
Weſte kommt einzig und allein ein geſtrickter, heller Sommer=
Sweater in Frage, der auch ohne Sakko zu langen und kurzen Hös=
chen
entſchieden das richtige iſt.
Man ſieht ſomit, daß die Garderobe der Kleinen keineswegs
eine übergroße Auswahl bieten muß, um als gut= zuſammen=
geſtellt
gelten zu dürfen, ſondern daß drei verſchiedene, ganz
ſchlichte Aufmachungen durchaus genügen, um allen Anforderun=
gen
gerecht zu werden.
Willy Ungar.

[ ][  ][ ]

Nummer 108

Sonntag, den 19. April 1931

Seite 23

Umatannesssdsslien.

41)

Ein Roman von Walter Bloem.
Copyright by Noviſſima Verlag G. m. b. H., Berlin SW 61, Belle Alliance Straße 92.

(Nachdruck verboten.)

Die Mehrzahl der Paſſagiere iſt längſt reiſefertig, ſäumt die
Reling aller drei Decks in mehr oder weniger feſtlicher Spannung,
doch alle aufgeregt, ſchauensluſtig, alltagentrückt. Immer charak=
teriſtiſcher
, amerikaniſcher wird das Bild. Die Narrows ſchließen
ſich, das einſtige Fort Lafayette ſchiebt ſich keck in die Fluten vor,
drüben ragen, ſchon dutzendſtöckig, die Häuſermaſſen von New
Utrecht, backbord dräuen aus den Schießſcharten des Forts Wads=
worth
die langgereckten Kanonenmäuler.
Das luſtige Kaleidoſkop des Kapitänstiſches hat ſich wieder
einmal gedreht. Die alten Muſter? Nur teilweiſe.
Der große Jgnaz ſteht einſtweilen noch einſam auf dem Pro=
menadendeck
und gebraucht ſein Opernglas. Er iſt in einer Hoch=
ſtimmung
, die durch all ſeine Nerven tobt wie das Brauſen einer
hellaufſchäumenden, Ungeheures kündenden Ouvertüre. An ſei=
nem
Triumphwagen flattert der erſte Frauenſkalp. Himmliſch
war die Kleine. Und ſo vernünftig. Abſchied hat man ſchon
heute früh genommen. Ohne Tränen, ohne Sentimentalität.
USA. haben gut angefangen. Mit Lächeln ſieht Ignaz von ferne
zu, wie die bezaubernde Freundin jetzt wieder, wenn auch ſehr
von oben herab, den etwas zerknautſchten Schauſpieler be=
gönnert
.
Jetzt ſchwebt Jſolde heran. Zwei Kampfgeſellen begrüßen ſich
am Morgen, nicht gerade vor der Schlacht, aber vor den erſten
Patrouillengefechten. Mit der Geſundheitskommiſſion kommen die
Interviewer, die Photographen. Dann geht’s los das mäch=
tige
Erlebnis, das herrliche Ringen um Lorbeer und Palme.
Ihnen ſteht der Sieg auf der Stirne, Frau Ellen.
Das kann ich Ihnen zurückgeben, Meiſter. Schade, daß Sie
nicht auch Sänger ſind. Sie gäben einen Wotan ab, zu dem man
Brünhilde ſein möchte. Er lachte geſchmeichelt. Schön, daß ich
Sie nicht meiden muß, Sie tapfere, famoſe Frau".
Sie ſchauen ſich in die Augen ſtrahlen ſich an mit dem ſtol=
zen
Mute der Starken, der Wollenden, der Könnenden.
Da rauſcht Miſſis Rahel heran noch immer etwas blaß
unter der Schminke und außer ſich vor Aufregung. Ah, meine
Verehrten ich bin ja überglücklich aber zugleich ein bißchen
in Verlegenheit denken Sie ich habe meinen Solitär wie=
der
! Wundervoll aber wie das denn nur zugegangen ſei?
Sie habe heute früh beim Packen den Inhalt des Wäſcheſacks
in ihren Koffer ausgeleert und plötzlich ſei zwiſchen purzelnden
Kombinations, Strümpfen und noch viel unausſprechlicheren Ge=

heimniſſen der Stein ſamt Kette aufgeblinkt . . . Sie erinnern
ſich, Frau Ellen, daß ich in Ihrer Gegenwart haſtig allerlei ſolcher
Dinge verſtaute . . . zwiſchen die muß er ſich verkrochen haben
wahrſcheinlich hatt’ ich ihn ſelber vom Nachttiſchchen herunterge=
ſtreift
." Ach, das ſei ja nun einerlei . . . Hauptſache: er iſt
wieder da . . . den Verluſt hätte der Gatte ihr nie verziehen .
Ellen meinte, ſie ſolle dem Kapitän ſofort einen Zettel herauf=
ſenden
. Jgnaz Richter wurde ins Schreibzimmer geſchickt, das
Weitere zu veranlaſſen.
Sagen Sie, Teuerſte Sie werden’s mir doch nicht antun
und ins Hotel ziehen? Sie ſind natürlich unſer Gaſt, der Meiſter
ebenſo, ich hätt’ es Ihnen längſt ſagen ſollen . . . aber die letzten
zwei Tage waren ein Martyrium für mich, ich konnte nicht den=
ken
, ſonſt hätt’ ich Ihren Beſuch natürlich angenommen ſchön=
ſten
Dank übrigens für Ihre Teilnahme, für die prachtvollen Blu=
men
. . . Gott, bin ich glücklich . . . Aber natürlich auch ſchreck=
lich
nervös . . . Hoffentlich bekomm’ ich den Kapitän gar nicht
mehr zu ſehen, ich ſchäme mich ja ſo entſetzlich. Ob Herr Leviſohn
am Pier iſt? Natürlich . .. ich wette, er ſchickt mir ein Begrü=
ßungstelegramm
entgegen . . . Schon zwölf Jahre verheiratet, den
ken Sie, und noch immer ſo verliebt
Ein Telegramm erwarten Sie? fragt Ellen, von auf=
zuckender
Unruhe überrumpelt. Bekommen wir denn noch vor
dem Anlegen Natürlich, Teuerſte. Die Pinaſſe mit den Zöll=
nern
und der Geſundheitskommiſſion bringt ſie mit.
Für die andern, trauerte Ellen. Wer ſollte mir einen
Gruß ſchicken? Und doch iſt ihr, als müſſe ſie einen bekommen
irgendwoher aus der verſunkenen Welt des Einſt. Sie lacht ſich
ſelber aus und zittert doch bis in die feinſte Nervenſpitze vor
ſehnſüchtiger Spannung.
So zittert noch manch anderer unter den vielen Hunderten, die
längs den Decks die Reling ſäumen und das immer majeſtätiſcher
ſich türmende Bild des nahen Zentrums der Neuen Welt beſtau=
nen
. Theodor Stephany, bleich und ſchön wie Prometheus unter
den Fäuſten der Giganten, die ihn an den kaukaſiſchen Felſen
ſchmieden ſollen, zählt an den Knöpfen ab: Er weiß er weiß
nicht er weiß er weiß nicht nämlich Reinhardt, daß
ſein Protagoniſt kontraktbrüchig übers Waſſer ausgeriſſen iſt. Er
weiß Ja, wenn nun nicht Daddy hilft.
Emerentia lächelt Theodor ermutigend, patronieſierend an.
Sie hat für das zappelnde Jüngelchen nur ein mütterliches

Schwunzeln. Daddy iſt da, mein kleiner Theodor Daddy hat
mein Radio ſeit drei Tagen. Daddy hat den Scheck in der Brief=
taſche
ſicher, my ooy!"
Noch ein anderes Geſicht iſt gelb vor Erwartung. Doktor Hein=
rich
Müller . ." . obwohl er ſich heute früh dauernd unter Kognak
hält. Er trippelt von einem Fuß auf den andern. Soweit aus
dem Gewimmel der ein= und auslaufenden Schiffe ein kleinerer
Dampfer ſich heraushebt, fragt er verkniffenen Mundes: Iſt das
die Pinaſſe? Nee, noch immer nicht, antwortet Herr Schiewel=
bein
. Dem ſcheint’s in ſeiner Haut ganz wohl zu ſein. Sieht aus
wie das verkörperte gute Gewiſſen.
Seine braun glacöbelederte Rechte hat er in den Arm der
ſchönen Toni geſchoben. Das gute Kind ſteht da, wie aus dem
farbigen Umſchlag eines illuſtrierten Magazins herausgeſchnitten.
Sie wird, ſie muß Furore machen, denkt Schiewelbein befriedigt.
Ihm iſt heut nacht ein Tip für die Interviewer eingefallen. Er
wird ſie lancieren laſſen als Ueber=Girl‟ . . . Dabei muß ja auch
für ihren Manager allerhand abfallen . . . ganz abgeſehen von
dem Nebenverdienſt, deſſen Grundlage der brave Oberſteward
durch die Zollſchranken hindurchſchleuſen will ..
Immer langſamer die Fahrt, immer feſſelnder die Schau. Der
ſchmale Paß der Narows weitet ſich, die Upper Bay tut ſich auf.
Im Nordoſten taucht ein ſeltſam zackiges, klippenartig ſtarrendes
Gebild empor: das muß die Südſpitze von Manhattan ſein auf
der wie rieſige ſteinerne Spargel die Wolkenkratzer ſprießen
James Hutchinſon ſchnuppert behaglich die Heimatluft. Der
Dunſt des Brackwaſſers, die Qualmmaſſen der zahlloſen Steamer,
die hudſonauf= und =abwärts ſtreben, der Auspuff der wimmeln=
den
Motorbötchen, der Rauch aus den unabſehbar ſich aufrecken=
den
Fabrikſchlöten das iſt der Atem New Yorks, der glühende
Lebenshauch der arbeitfiebernden USA. .
Mit einem Ausweis des Oberſtewards verſehen, ſteigt der
Tſchennerell zum Vorderdeck herunter, dem Auslauf der zweiten
Klaſſe. Er legt ja keinen beſonderen Wert auf ein Wiederſehen
mit Fräulein Aemändä Schölze. Aber bedanken muß er ſich doch
geſchwind bei ihr. Dies war immerhin die amüſanteſte und fol=
genſchwerſte
Ozeanreiſe, die er bisher erlebt hatte. Allein das
dumme Geſicht des Oberſtewards, wie man ihn am Kragen packte!
Man hat ja ſelber jedenfalls ein genau ſo dummes gemacht das
hat man nicht zu ſehen brauchen. James fühlt ſeinen Bauch
wackelt, wenn er nur daran denkt. Den Nelkenſtrauß da, den hat
Aemändä ſich um ihren längſt verfloſſenen Freund redlich verdient.
Als James Hutchinſon fünf Minuten ſpäter an die Seite ſei=
ner
Verlobten zurückkehrt, iſt er ſo zärtlich und ritterlich, daß
Edith ihn fragen muß: Hallo, James was haben Sie Ange=
nehmes
erlebt?
Etwas Schändliches, mein Liebling. Das Wiederſehen mit
einer ehemaligen Freundin. So was ſollte man niemals machen.
Er ſchüttelte ſich in lachendem Grauſen.
(Schluß folgt.)

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Maria Franke

[ ][  ]

Seite 24

Sonntag, den 19. April 1931

SektionStarkenburg
des Deutſchen und
Oſterr. Alpenvereins
e. V.
Donnerstag,
23. April, 20 Uhr,
im Hörſaal 326 der
Techniſch Hochſchule
(Eing. Weſtportal):
Lichtbilder=
vorkrag

des Herrn Studien=
referendar
L. Born=
gäſſer
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Eine Ehekomödie in 24 Stunden mit
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Haerlin, Gretl Theimer,
Ernst Verebes, Max Ehrlich,
Albert Paulig, Oskar Sima,
Julius Falkenstein.
Regie: Fred Sauer.
Die Geschichte einer glanzvollen
Karriere ein lustiges Spiel zwischen
Schein und Wirklichkeit.
Dazu das gute Beiprogramm.
Beginn: 2, 4.05, 6.10 und 8.20 Uhr

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mit Nils Asther, Doroty Sebastian
und John Mack Bromn.
Der Kampf einer Frau zwischen dem
Trieb ihrer Leidenschaft u. der Liebe
zu ihrem Kinde.
Es gibt vur eine Schauspielerin, die
diesen Zwiespalt erschätternd und
wahr gestalten kann: Die größte der
Welt: Greta Garbo. Ihr
Landsmann: Mils Asther, der sich
in Deutschland großer Beliebtheit
erfreut, ist ihr Partner.
Sie dürfen diesen Garbo-
Film nicht versäumen!
Dazu ein
reichhaltig. Belprogramm.
Beginn: 2, 4.05, 6.10 u. 8.20 Uhr.

(Eity Ligths)

Eine romantische Pantomime, verfaßt und inszeniert
von
Charlie Chaplin
Ein Bildwerk, wie es nur Chaplin schaffen kann.
Eine Arbeit, die von der Genialität dieses über-
ragenden
, einzigartigen und einmaligen Schauspielers
getragen ist.
2 Stunden im Paradies des Lachens!

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Kiesstraße 27 Kiesstraße 27
Heute ab 5 Uhr
Großes Konzert
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Ständig warme und kalte Küche.

Des großen Andrangs wegen bitten wir nach Mög-
lichkeit
schon die Nachmittags-Vorstellungen
(V.6126
zu berücksichtigen.
Sämtliche Vergünstigungen aufgehoben.
Jugendliche haben Zutritt!
Anfangszeiten: 2, 3.40, 5.15. 6 55 und 8.30 Uhr

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Ludwigshöhe
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Heute nachmittag 4 Uhr
Konzert
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Leitung: Konzertmeiſter Neitz
Eintritt frei (6153
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Der Film schildert die Weltreise des Krenzers in unerhört lebendigen,
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