Darmstädter Tagblatt 1931


09. April 1931

[  ][ ]

Einzelnummer 10 Pfennige

Bezugspreis:
Del wöchentich 2mallgem Erſcheinen vom 1. April
wis 30. April 218 Reichsmart und 22 Pfennig
Abtragegebüht abgeholt 2.25 Reichsmark, durch die
Agenturen 2.4. Reichsmart ſrei Haus. Poſtibezugspreie.
Im Aprit ohne Beſtellgeld monatlich 2.45 Reichsmari.
Verantwortlichkeit für Aufnahme von Anzeigen an
Geſtimmten Tagen wird nicht übernommen. Nicht=
erſcheinen
einzelner Nummern inſolge höherer Gewall
Serechtigt den Bezſeher nicht zur Kürzung des
Bezugspreiſes. Beſiellungen und Abbeſtellungen durch
Fernruf obne Verbindlſchkeit für uns. Poſiſcheckionio
Frankfurt g. M. 41304.

Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwarte, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit 4 verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe Darmſi. Tagbl. geſtattet
Nummer 98
Donnerstag, den 9. Aprul 1931.
194. Jahrgang

Anzeigenpreis:

27 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſiadt 25 Reichspfg.
Finanz=Anzeigen 40 Reichspfg. Reliamezeile (92 mm
breit)/2 Reichsmark. Anzeigen von auswärts 40 Reichspfg.
Finanz=Anzeigen 60 Reſchspfg. 92 mm breite Rellame=
zelle
3,00 Reichsmart Alle Preiſe in Reichsmart
1 Dollar 4.20 Markl. Im Falle höherer
Gewall, wie Krieg, Aufruhr, Strel uſw., erliſcht
ſede Verpflſchtung auf Erfüllung der Anzeigen=
aufträge
und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtlicher Beltreibung ſällt jeder
Nabatt weg. Bankkonto Deuiſche Bani und Darm=
ſtädter
und Nalionalban

Heie ſrahere emderafnng ver keichpiägeg
Der Verſuch der Oppoſilionsparkeien, einen früheren Zuſammenkrikt des Reichskags zu erzwingen,
geſcheiterk. Der Wiedereinberufungsankrag von der Mehrheit des Aelkeſtenraks abgelehnt.

Wieder erfolglos.
Von unſerer Berliner Schriftleitung.
Der Verſuch der Oppoſitionsparteien, nach der Vertagung des
Reichstages jetzt einen früheren Zuſammentritt des Parlamentes
zur erzwingen, iſt geſcheitert. Der Aelteſtenrat hat am Mittwoch
mit Mehrheit die Anträge auf ſofortigen Zuſammentritt des
Reichstages abgelehnt, und zwar gegen die Stimmen der Deutſch=
ationalen
, Nationalſozialiſten und Kommuniſten. Hinter dieſen
=ehen jedoch nur 228 Mitglieder des Reichstags, wobei die drei
ſriſſentierenden Mitglieder des Landvolks bereits zur Oppoſition
verechnet ſind. Ihnen ſtehen 349 Mitglieder der übrigen Parteien
vegenüber. Der Antrag wurde alſo nicht von einer Mehrheit des
Reichstags unterſtützt. Wirtſchaftspartei, Landvolk und Chriſtlich=
ſoziale
, auf die ſich die ſtillen Hoffnungen der Rechten vereinigt
lmatten, blieben bei der Auffaſſung, daß kein Grund zu einer frühe=
ten
Einberufung des Reichstages vorliege. Deutſchnationale und
Tationalſozialiſten begründeten ihren Antrag insbeſondere damit,
traß durch die Notverordnung eine Schädigung des Stahlhelm=
twlksbegehrens
in Preußen zu befürchten ſei, während die Kommu=
rfiſten
die Notverordnung als ein Geſetz zur Unterdrückung ihrer
2gitation hinſtellten. Herr Loebe, der Reichstagspräſident, hat
es ſich bei der Gelegenheit nicht verſagen können, an die
2eutſchnationalen und Nationalſozialiſten die
7 rage zu richten, ob ihre Fraktionen denn bei
eiiner Wiedereinberufung des Reichstages auch
im den Plenarſaal zurückkehren würden. Er hat
*e Antwort erhalten, daß die Einberufungsanträge ernſt zu neh=
ren
ſeien und die feſte Abſicht beſtehe, ander Arbeit des
3 eichstages wieder teilzunehmen.
Das iſt vieldeutig, weil ſie ſo verſtanden werden kann, daß
d eſe Abſicht beſchränkt bleibt auf den Fall der Sondertagung zur
Beſprechung der letzten Notverordnung. Darüber hinaus iſt aber
doch bei der äußerſten Rechten die Erkenntnis von der Er=
folgloſigkeit
ihrer bisherigen Politik durchge=
drungen
. Ihr Theatercoup mit dem Auszug aus dem
Reichstag iſt wirkungslos verpufft, hat im Gegen=
teil
der Regierung, die man dadurch zu ſtürzen hoffte,
einen großen moraliſchen Erfolg durch die ordnungs=
mäßige
Verabſchiedung des Etats und der übrigen Geſetze er=
n
öglicht. Die Rechtsoppoſition hat ſich alſo mit ihrer
Prolitik feſtgefahren, die namentlich in den Kreiſen der Land=
närtſchaft
ſchwer verſtimmt hat. Es bleibt alſo jetzt kaum etwas
anderes übrig, als bei nächſter Gelegenheit wieder beſchämt in den
Reichstag zurückzukehren. Der Wiedereinberufungsan=
trag
der Oppoſition wird vermutlich bei nächſter Ge=
legenheit
wiederholt werden in der Hoffnung, daß bei
emer neuen Notverordnung vielleicht auch die Sozialdemokraten
mitmachen. Die Oppoſitionsparteien erwägen darüber hinaus
anch die Möglichkeit, ob ſie mit Artikel 24 der Reichsver=
imſſung
arbeiten können, wonach der Reichstag auf
Yerlangen eines Drittels der Abgeordneten
u ieder einberufen werden muß. Die Mehrheit
des Aelteſtenrates hat auch am Mittwoch wieder die Auf=
inſſung
vertreten, daß dieſe Beſtimmung nur für
die Zeit zwiſchen zwei Seſſionen gilt, alſodann,
wenn der Reichstag ſich vertagt hat, ohne einen
Termin für den nächſten Wiederzuſammentritt
f.ſtzuſetzen.
Das gilt jedoch für diesmal nicht, weil ſich ja der Reichstag auf
den 13. Oktober vertagt hat. Damit iſt jedoch nicht ein für allemal
en tſchieden, daß der Reichstag erſt am 13. Oktober wieder zu=
ſarnmentritt
. Da die Regierung noch den Erlaß weiterer Not=
verordnungen
beabſichtigt, ſo iſt mit neuen Anträgen auf Ein=
berrufung
des Reichstags während des Sommers zu rechnen, über
die dann der Aelteſtenrat von neuem beraten müßte. Wenn auch
dess Reichstagsplenum zunächſt nicht einberufen wird, ſo iſt doch
(n abſehbarer Zeit mit dem Zuſammentritt verſchiedener Aus=
ſchrüſſe
des Reichstags zu rechnen. Wie wir hören, beſteht die Ab=
ſicht
, den Auswärtigen Ausſchuß zur Beratung der durch die deutſch=
öſt
erreichiſche Zollunion und die Abrüſtungskonferenz aufgewor=
fenen
außenpolitiſchen Fragen einzuberufen. Auch mehrere andere
Ausſchüſſe haben noch kleinere Aufgaben zu erledigen. Einberufen
iſt bisher der Ausſchuß zur Unterſuchung der Roggenſtützungs=
aickion
, und zwar für den 22. April. Der Reichsrat wird ſeine
Arbeiten gleichfalls in der übernächſten Woche aufnehmen. Die
Ansſchußberatungen des Reichsrats werden am 22. April be=
girinen
. Die nächſte Vollſitzung des Reichsrats iſt für den 30. April
mberaumt worden.

Koalikionsverhandlungen in Thüringen.
Weimar, 8. April.
Die Verhandlungen zwiſchen dem Landtagspräſidenten und
dem Regierungsparteien über die Ergänzung des Kabinetts ſind,
wi.e wir erfahren, bereits am Mittwoch in Weimar aufgenommen
worden. Bei den Verhandlungeen handelt es ſich lediglich um
eine erſte Fühlungnahme. Als Vermittler wurde der Landtags=
präſident
v. Thümmel vom Landtagspräſidium beauftragt. Be=
merkeuswert
iſt, daß ſich hierbei zwei Gruppen als Verhandlungs=
artner
gegenüberſtehen, und zwar auf der einen Seite Wirt=
ſchaftspartei
und Landvolkpartei, die bekanntlich gegen den ſozial=
Amnokratiſchen Mißtrauensantrag und den Sturz des Miniſters
Frick ſtimmten, und die Volkspartei auf der anderen Seite. Es
verlautet, daß zunächſt der Verſuch gemacht werden ſoll, die
Deutſchnationalen, für deren Austritt aus der Regierung kein
ſachlicher Grund vorgelegen habe, wieder an den Verhandlungs=
uch
zu bringen, um ſo wenigſtens eine gewiſſe Verbreilerung der
Koalitionsbaſis zu erreichen.

Bor dem Beginn
der Ruſſenverhandlungen.
Einkreffen der Ruſſen in Berlin.
Berlin, 8. April.
Das Präſidialmitglied des Oberſten Volkswirtſchaftsrats
der Sowjetunion, Herr Pjatakoff, iſt in Berlin eingetroffen, um
die in Moskau mit den deutſchen Induſtriellen geführten Be=
ſprechungen
in dem von den zuſtändigen Reichsreſſorts gebil=
ligten
Rahmen zum Abſchluß zu bringen. Die übrigen Mit=
glieder
der Sowjetdelegation werden im Laufe dieſer Woche er=
wartet
. Nach dem Eintreffen der reſtlichen Mitglieder der
Sowjetdelegation werden in Berlin die entſcheidenden Ver=
handlungen
beginnen, von deren Verlauf es abhängt, ob der
deutſch=ruſſiſche Vertrag erneuert wird oder nicht.
Neuer ſowjetruſſiſcher Milikärakkaché in Berlin.
Berlin, 8. April.
Zum neuen ſowjetruſſiſchen Militärattaché in Berlin iſt nach
der Abberufung des bisherigen Attachés Putna der Kommandeur
des 3. Korps im Militärbezirk von Moskau, Sius Jakowenko er=
nannt
worden. Der neue Attaché iſt etwa 40 Jahre alt und ge=
bürtiger
Ukrainer. Bereits vor dem Kriege war er Infanterie=
offizier
in der zariſtiſchen Armee und geriet während des Krieges
in deutſche Kriegsgefangenſchaft. Nach dem Kriege nach Rußland
zurückgekehrt, bekannte er ſich dort zum bolſchewiſtiſchen Regime
und wurde zunächſt Regimentskommandeur, ſpäter Diviſions= und
ſchließlich Korpskommandeur.
Deukſche Prokeffnoke in Likauen überreichl.
Berlin, 8. April.
Die litauiſche Regierung hat in letzter Zeit fünf Reichs=
deutſche
aus dem litauiſchen Staatsgebiet ausgewieſen. Dieſe
Ausweiſungen waren nach Auffaſſung der deutſchen Regierung ge=
mäß
Schlußprotokoll zu Artikel 1 des deutſch=litauiſchen Handels=
und Schiffahrtsvertrages unzuläſſig. Nachdem die litauiſche Re=
gierung
es abgelehnt hat, die Ausweiſung zurückzunehmen, hat
der deutſche Geſchäftsträger in Kowno der litauiſchen Regierung
eine Note überreicht, in welcher der litauiſchen Regierung mitge=
teilt
wird, daß die deutſche Regierung die Ausweiſungsfälle dem in
Artikel 33 des deutſch=litauiſchen Handels= und Schiffahrtsver=
trages
vorgeſehenen Schiedsgericht unterbreiten werde. Hierzu er=
fahren
wir noch, daß es ſich um drei techniſche Angeſtellte des
Memeler Dampfbootes und der Memelländiſchen Rundſchau
namens Elwitz, Knoblich und Bukowſki handelt, und daß zu dieſen
Fällen noch die Ausweiſung des Landwirtes Schneider und des
Spediteurs Daniel gekommen iſt. Die litauiſchen Behörden hatten
ihr Vorgehen damit begründet, daß dieſe Deutſchen ſich angeblich
abfällig über den litauiſchen Staat geäußert hätten.
Ausweiſung eines reichsdeutſchen Journaliſten
aus Oſt=Oberſchleſien.
Gleiwitz, 8. April.
Der ſeit dem Jahre 1922 in Polen tätige reichsdeutſche Re=
dakteur
Paul Solinſki iſt am Mittwoch als läſtiger Ausländer
ausgewieſen worden. Er war zunächſt in Bielitz tätig und vertrat
ſeit 1924 die Kattowitzer Zeitung in Rybnik. Seit einiger Zeit
war er auch Korreſpondent reichsdeutſcher Zeitungen. Am Oſter=
Samstag wurde ihm der Ausweiſungsbefehl der Wojwodſchaft
Kattowitz zugeſtellt, in dem er ohne Angabe von Gründen aufge=
fordert
wurde, bis zum 8. April das polniſche Staatsgebiet zu ver=
laſſen
, andernfalls zwangsweiſer Abtransport erfolgen werde.
Gegen die Ausweiſung, die im Verwaltungswege endgültig iſt,
ſteht Solinſki nur die Beſchwerde beim Oberſten Gericht in War=
ſchau
zu, ſo daß eine Rückgängigmachung der Ausweiſung auch bei
einem Erfolg der Beſchwerde in abſehbarer Zeit nicht zu erwarten
iſt. Es iſt bezeichnend, daß der Ausweiſungsbefehl ausgerechnet
am Samstag vor den Feiertagen zugeſtellt wurde, ſo daß Solinſki
erſt unmittelbar vor dem Ablauf, der ihm geſtellten Friſt die
Möglichkeit hatte, ſich mit dem deutſchen Generalkonſulat und an=
deren
Behörden in Verbindung zu ſetzen. Solinſki hat ſich zunächſt
nach Gleiwitz begeben.
Folgen der Goktloſen=Propaganda.
Die Gottloſenpropaganda hat in Sachſen verheerende Wir=
kungen
. In der Kirche von Bienenmühle bei Freiberg haben meh=
rere
Einbrecher während der Oſterfeiertage vandaliſch gehauſt.
Alle Altargegenſtände wurden durcheinander geworfen. In der
Sakriſtei wurden die Geſangbücher zerriſſen und die Abendmahls=
kelche
beſchädigt. Eine Flaſche mit Abendmahlswein iſt ausge=
trunken
worden; zum Trinken hatten die Einbrecher die Abend=
mahlskelche
benutzt. Die Kirche wurde, namentlich in der Nähe
des Altars, in der gemeinſten Weiſe beſudelt. Daß es den Ein=
brechern
nur um die Schändung der Kirche zu tun war, beweiſt die
Tatſache, daß keine der gefüllten Opferbüchſen erbrochen worden iſt.

Knappſchaftsſanierung und reform.
Von
Dr. Wilhelm Mollat.
Es hat im gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Sinn, die Tat=
ſache
zu leugnen, daß die Erhaltung der bergbaulichen Sozial=
verſicherung
gefährdet iſt. Der Träger dieſer Sonderverſicherung
der Arbeitnehmer des Bergbaues iſt die Reichsknappſchaft. (Die
Unfallverſicherung der bergbaulichen Arbeitnehmer, die von der
Knappſchaftsberufsgenoſſenſchaft verwaltet wird, hat mit der
Kriſe der Reichsknappſchaft nichts zu tun.) Das Schmerzenskind
der Reichsknappſchaft bildet die knappſchaftliche Penſionsverſiche=
rung
mit ihren hohen Renten. Eine Gegenüberſtellung der nach
dreißig Dienſtjahren im Ruhrbergbau vor dem Kriege und jetzt
gezahlten Renten ergibt, nach der Zeitſchrift Die Knappſchaft,
beim Invaliden früher 40,08 Mk., jetzt 89,50 Mk.
bei der Witwe
23,62 Mk., 53,70 Mk.
bei der Waiſe 7,00 Mk., 17,90 Mk. im Monat.
Die Diskuſſion über die Frage, ob ſolche Renten ſozial be=
rechtigt
oder wünſchenswert ſind, iſt müßig in einem Augenblick,
in dem zweierlei fraglich iſt. Einmal wurde ſchon ſeit langem
bei der Erörterung der Entwicklung unſerer Sozialverſicherung
darauf hingewieſen, ich erinnere an die grundlegenden Aus=
führungen
in der Sozialen Praxis von Profeſſor Dr. Heyde,
die um die Wende 1929/30 großes Aufſehen erregten, daß be=
rechtigte
Zweifel beſtänden, ob die Arbeitnehmer, welche heute
hohe Verſicherungsbeiträge zur Finanzierung der Leiſtungen an
die Rentenempfänger der jetzigen Zeit zahlen, ſpäter einmal ſelbſt
in den Genuß von Renten kommen würden, die ihren hohen
Beiträgen zur Sozialverſicherung entſprächen. Zum zweiten hat
die alarmierende Nachricht einer Zeitung chriſtlich= gewerkſchaft=
licher
Richtung von der angeblichen Notwvendigkeit, die Knapp=
ſchaftsrenten
am 1. April um die Hälfte gekürzt auszuzahlen, ge=
zeigt
, daß die Beſorgnis größer wird, ob die Reichsknappſchaft
bereits jetzt zu ſtärkſten Rentenkürzungen übergehen muß, um
die Sonderverſicherung der bergbaulichen Arbeitnehmer im Rah=
men
der Reichsknappſchaft überhaupt aufrechterhalten zu können.
Ueber die Urſachen der Knappſchaftskriſe läßt ſich ſehr viel
ſagen. Auf eine kurze Formel gebracht, erklären die Gewerk=
ſchaften
, daß die ungünſtige wirtſchäftliche Entwicklung die
Schwierigkeiten der Knappſchaftsverſicherung herbeigeführt habe,
während die Unternehmer der Anſicht ſind, daß die Wirtſchafts=
kriſe
lediglich eine Entwicklung, die bei, der übertriebenen Be=
meſſung
der Renten und der Steigerungsbeträge für die zurück=
liegenden
Zeiten im Knappſchaftsgeſetz von 1926 hätte kommen
müſſen, beſchleunigt und in erſchreckender Deutlichkeit zur Er=
kenntnis
gebracht habe. Im Augenblick ſtehen dieſe Fragen
weniger im Vordergrund als die Erkenntnis, daß die knapp=
ſchaftliche
Penſionsverſicherung der bergbaulichen Arbeitnehmer
bei einem Jahresetat von 200 Mill. RM. einen Fehlbetrag auf=
weiſt
, den das Reichsarbeitsminiſterium noch vor kurzem mit
85 Mill. RM. angeben zu können glaubte; in der knappſchaft=
lichen
Penſionsverſicherung der bergbaulichen Angeſtellten, deren
Jahresetat 35 bis 40 Mill. RM. betragen dürfte, wird ein Fehl=
betrag
von 5 bis 6 Mill. RM. genannt. In Wirklichkeit wird
man, um eine ernſthafte allerdings auch überaus ernſte!
Grundlage für die Beurteilung des Knappſchaftsproblems zu
gewinnen, den Fehlbetrag mit 110 Mill. R M. jährlich
richtig beziffern können. Hierbei iſt das Defizit der knappſchaft=
lichen
Penſionsverſicherung von 50 Mill. RM., das Ende 1930
vorhanden war, nicht berückſichtigt, während die Penſionskür=
zungen
, die von den Hauptverſammlungen der Reichsknappſchaft
ſowohl für die Arbeiter= als auch für die Angeſtelltenpenſions=
kaſſe
beſchloſſen worden ſind, Berückſichtigung gefunden haben;
ſie ſollen zu laufenden Erſparniſſen von etwa 15. Mill. RM,
führen.
Wenn die Selbſtverwaltung der Reichsknappſchaft und hier
in erſter Linie die Vertreter der Gewerkſchaften, welche ſeit 1926
die Mehrheit in den Knappſchaftsorganen innehaben, über dieſe
Beſchlüſſe hinaus nicht zu weiteren Entſcheidungen einſchneiden=
der
Art gekommen ſind, ſo darf man dies gerechterweiſe nur
im Zuſammenhang damit feſtſtellen, daß ſeit dem Herbſt Er=
klärungen
des Reichsarbeitsminiſteriums über eine
Reichshilfe für die Knappſchaft vorliegen, die bis=
her
nicht in die Wirklichkeit umgeſetzt worden ſind. Aus den
bis zu 75 Mill. RM. die ähnlich wie unter der Lex Brü=
ning
diesmal aus Getreidezöllen der Knappſchaft zur Ver=
fügung
geſtellt werden ſollten, wurden mittlerweile 40 Mill. RM.
Völlig ungeklärt iſt die Frage, auf welchem Wege die weitere
Knappſchaftsſanierung vorgenommen werden ſoll. Das Reich
hat für Februar und März nochmals je acht Mill. RM. zu=
gegeben
. In einer halbamtlichen Erklärung, die Ende Januar in
der Preſſe veröffentlicht wurde, hieß es: Die Ordnung der Ver=
hältniſſe
für das am 1. April beginnende Rechnungsjahr (des
Reiches) bleibe einſtweilen vorbehalten. Zieht man das Fazit
der Verhandlungen, die über die Sanierung der knappſchaft=
lichen
Penſionsverſicherung geführt worden ſind, ſo muß man
feſtſtellen, daß alle Beratungen bisher nur eine Erörterung von
Vorſchlägen gebracht haben, die nicht durchführbar ſein ſollen.
Die bemerkenswerte Zurückhaltung des Reichsarbeitsminiſte=
riums
nicht nur bei der Bekanntgabe des wirklichen Fehlbetrags,
ſondern auch bei der Beratung von Vorſchlägen zur Knapp=
ſchaftsſanierung
, wird man richtig dahin deuten, daß das Mini=
ſterium
ſich von allen Verhandlungen, auch denen, die zuletzt in
einem Unterausſchuß des Sozialpolitiſchen Ausſchuſſes des
Reichstages geſührt worden ſind, kein greifbares Ergebnis ver=
ſprochen
hat. Es erregte immerhin einiges Aufſehen, das im
Reichsarbeitsminiſterium davon abgeſehen wurde, die Meldung
zu beſtreiten, daß die Knappſchaftsſanierung durch Notver=
ordnung
vorgenommen werden ſoll. Noch überraſchender iſt
allerdings, daß das Miniſterium den Erlaß der geplanten Not=
verordnung
anſcheinend noch um Mongte hinausſchieben will.
Die Kuappſchaft ſoll wohl aus der Finanzkriſe nicht heraus=
kommen
!
Auch der Weg der Notverordnung wird, nach allem, was
bisher über die Pläne des Reichsarbeitsminiſteriums ( insbe=
ſondere
im Reichstag) geſagt worden iſt, zu einer endgültigen
Löſung, zu einer wirklichen Knappſchaftsreform, kaum
führen. Iſt die Aufrechterhaltung der knappſchaftlichen Pen=
ſionsverſicherung
wvenigſtens für abſehbare Zeit einigermaßen
geſichert, ſo wird das Problem einer durchgreifenden Reform der
Knappſchaftsverſicherung erörtert und gelöſt werden müſſen,

[ ][  ][ ]

Seite 2

Donnerstag, den 9. April 1931

Nummer 98

Ein Anfang.
200 000 Arbeitsloſe weniger.
Die Zählungen der Landesarbeitsämter haben ergeben, daß
am letzten Stichtag, dem 31. März. 200 000 Arbeitsloſe wieder Be=
ſchäftigung
gefunden haben. Damit ſcheint alſo der Höhepunkt
unſerer Arbeitsloſigkeit für dieſes Jahr wenigſtens endgültig
überſchritten zu ſein. Großartige Hoffnungen auf ein raſches und
rapides Zuſammenſchrumpfen des Erwerbsloſenheeres darf man
ſich aber zunächſt nicht machen. Mit der fortſchreitenden Beſſerung
des Wetters werden aus der Landwirtſchaft Arbeitskräfte ange=
fordert
, die nach der Frühjahrsbeſtellung ſicherlich zum Teil wie=
der
abgeſtoßen werden. In der Zwiſchenzeit wird ſich herausſtel=
len
, wieweit bei der Induſtrie eine Belebung des Geſchäftes zu
ſpüren iſt. An erſter Stelle ſteht natürlich das Bauhandwerk, das
aber in dieſem Jahre nur zum Teil Beſchäftigung findet, weil
die umfaſſenden Sparmaßnahmen auf die Neubautätigkeit der
öffentlichen Hand, aber auch der Privaten zurückwirken. Mög=
licherweiſe
werden die Ruſſenaufträge noch eine Anforderung von
Facharbeitern zur Folge haben. In der Hauptſache hängt vieles
von der Preisgeſtaltung ab, die, wenn ſie ungünſtig bleibt, den
Verbrauch nicht hebt und auch für eine Wiederankurbelung der
Produktion nicht ſorgt. Allmählich wirken ſich aber die Lohnredu=
zierungen
aus, wenn ſie auch noch nicht auf breiter Front durch=
geführt
ſind. Solange aber die öffentlichen Laſten nicht eine deut=
liche
Senkung erfahren, bleibt eine dauerhafte und rentable Wie=
derankurbelung
unmöglich. Nun iſt aber bereits ein Anfang ge=
macht
und es iſt zu hoffen, daß der einmal eingeſchlagene Weg der
Sanierung von Finanzen und Wirtſchaft unbeirrt weiter gegan=
gen
wird, damit ſich die Zahl der 200 000, die jetzt wieder Arbeit
gefunden haben, möglichſt raſch vervielfacht. Das iſt insbeſondere
für die Gemeinden von größter Wichtigkeit, die durch die Sozial=
ausgaben
in die ſchwerſten Finanzkalamitäten geraten.
Intereſſant iſt eine Statiſtik vom Ende Dezember 1930 über
die Berufe, aus denen die Erwerbsloſen kommen. Darnach ſtellt
die Gruppe der ungelernten Arbeiter das Gros der Un=
terſtützten
mit 693 000. Aus der Metallinduſtrie kamen
561 000, aus dem Baugewerbe 236000, aus dem kaufmän=
niſchen
Gewerbe 188000, aus der Holzinduſtrie 175 000,
aus der Spinnſtoffinduſtrie 149000, aus der Beklei=
dungsinduſtrie
148000, aus dem Verkehrsweſen
135 000 und aus der Induſtrie der Steine und Erden
106 000. Die übrigen Berufe liegen unter der 100 000=Grenze. An
der Spitze ſteht der Bergbau mit 92000 Arbeitsloſen. Aus
dieſer Statiſtik geht die Wirtſchaftskriſe mit ihren Folgen auf die
verſchiedenen Wirtſchaftszweige ziemlich klar hervor.
Kreisdirektoren=Konferenz im Innenminiſterium.
Ueber Notverordnung und Gemeindefinanzen.
Im Innenminiſterium fand heute mit den Provinzial= und
Kreisdirektoren eine Beſprechung über die Handhabung der Not=
verordnung
des Reichspräſidenten zur Bekämpfung politiſcher Aus=
ſchreitungen
und über die Lage der Gemeindefinanzen ſtatt. Um
angeſichts der in das öffentliche Leben tief einſchneidenden Be=
ſtimmungen
der Notverordnung ein möglichſt einheitliches Vor=
gehen
in Heſſen herbeizuführen, waren auch die Polizeidirektoren
und die Polizeiamtsvorſtände ſowie die Polizeireferenten der
Kreisämter hinzugezogen. Miniſter Leuſchner wies darauf hin,
daß die Notverordnung die Folge des Verhaltens der ſtaatsfeind=
lichen
Organiſationen ſei. Aufgabe der ausführenden Behörden
werde es ſein, bei aller Strenge und Entſchiedenheit in der An=
wendung
mit größter Gerechtigkeit vorzugehen. Der Sinn der Not=
verordnung
ſei nicht, das politiſche Leben, ſofern es ſich in an=
ſtändigen
Formen abſpielt, zu beſchränken, ſondern der Polizei alle
erforderlichen Grundlagen zur Aufrechterhaltung von Ruhe und
Sicherheit zu geben, die im Intereſſe der Beſſerung der wirtſchaft=
lichen
Verhältniſſe dringend erforderlich iſt. Er unterſtrich dabei
nochmals den der Preſſe bereits mitgeteilten Standpunkt, daß die
außerordentliche Machtvollkommenheit, die die Behörden auf
Grund der Notverordnung bekommen haben, großzügige Anwen=
dung
und Vermeidung aller Schikanen verlangt.
Die Belaſtung mit Wohlfahrtsausgaben hat die Lage der Ge=
meindefinanzen
, auch in Heſſen weiterhin verſchärft. Nach dem
Stand vom Anfang des Jahres iſt in Heſſen ſchätzungsweiſe mit
24 000 Wohlfahrtserwerbsloſen im Durchſchnitt für das laufende
Jahr zu rechnen. Zuſammen mit den Ausgaben für Kriſenfürſorge
bedeutet das eine Belaſtung der heſſiſchen Gemeinden mit einem
Betrag von mehr als 20 Millionen RM. für das Rechnungsjahr
1931. Eine Summe, die den geſamten Betrag an Ueberweiſungs=
ſteuern
an die Gemeinden noch um mehrere Millionen überſteigt.
Angeſichts dieſer Notlage iſt dringend ein Ausgleich erforderlich,
um den am ſchwerſten belaſteten Gemeinden zu helfen. Der Plan
geht dahin, nicht nur einen Ausgleich im Bereich des Landes her=
beizuführen
, ſondern ihn auch ſchon von unten herauf in den Krei=
ſen
ſelbſt einzuleiten. Auf dieſe Weiſe ſollen die günſtiger geſtell=

Vom Tage.

Der Stapellauf des Panzerſchiffes Erſatz Preußen findet am
Dienstag, den 19. Mai, auf den Deutſchen Werken Kiel A.=G., Kiel, ſtatt.
Da der Lohnſchiedsſpruch des Reichsarbeitsminiſteriums für das
Berliner Baugewerbe von den Arbeitnehmern abgelehnt worden iſt,
ruht die Arbeit bei allen großen Berliner Baufirmen ſeit Mittwoch früh.
Der Generalſtaatsanwalt beim Landgericht 1 in Berlin hat gegen
die Vorſitzenden des Stahlhelms, Seldte und Düſterbera, wegen eines
Aufrufes, den die Zeitung Der Stahlhelm am 18. Januar 1931 ver=
öffentlichte
, Anklage auf Grund des 8 5, Abſatz 1 des Revublikſchutz=
geſetzes
erhoben.
Zum neuen ſowjetruſſiſchen Militärattaché in Berlin iſt der Kom=
mandeur
des 3. Korps im Militärbezirk Moskau, Jakowenko, ernannt
worden.
Das tſchechiſche Innenminiſterium hat auf Grund eines Kabinetts=
beſchluffes
einer Reihe von deutſchen Zeitungen und Zeitſchriften die
Poſtbeförderung für das Gebiet der Tſchechoflowakei entzogen.
Im Auftrage des franzöſiſchen Außenminiſteriums iſt in den Staaten
der Kleinen Entente ein Feldzug gegen Deutſchland und Oeſterreich ein=
geleitet
worden, um eine einheitliche Front für die Genfer Erörterungen
des Zollabkommens zu ſchaffen.
Der Präſident der franzöſiſchen Republik, Doumeraue, hat ſeine
letzte große Reiſe in ſeiner Amtszeit, die ihn nach Tunis führt, ange=
treten
. Dieſe Reiſe fällt zeitlich faſt mit dem 50jährigen Beſtehen des
franzöſiſchen Protektorates über Tunis zuſammen.
Der ehemalige ſpaniſche Miniſter Santiago Alba iſt nach einem zwei=
wöchigen
Aufenthalt in ſeiner Heimat, dem erſten ſeit ſeiner Verban=
nung
aus Spanien durch Primo de Rivera im Jahre 1923, wieder nach
Paris zurückgekehrt.
Die Aufſtändiſchen in Madeira haben drei Dampfer beſchlagnahmt.
die den Handelsverkehr mit Enaland in der gewohnten Weiſe fortſetzen
wollten. Außerdem haben die Aufſtändiſchen die Reſerviſten=Jahraänge
einberufen.
Ueber die Inſel Madeira und die Azoren iſt der Belagerungs=
zuſtand
verhängt worden. Die Regierung hat alle Maßnahmen getrof=
fen
, um der Herrſchaft der Rebellen in Funchal ſchnell ein Ende zu be=
reiten
.
Gandhi erklärte in einer Sitzung der Vereinigung indiſcher Han=
delskammern
in Neu=Delhi, das indiſche Problem beſtehe in der For=
derung
, die indiſche Kultur gegen alle Angriffe von außen zu ſchützen.
Indien wolle den völligen Dominien=Status.
Wie aus Bogota in Columbien gemeldet wird, haben die Aufſtändi=
ſchen
in Venezuela weitere Erfolge zu verzeichnen.
Im Dienstaa fand in Chikago Bürgermeiſterwahl ſtatt. Der De=
mokrat
Cermak ſiegte mit 168 000 Stimmen Mehrheit über den bisheri=
gen
Bürgermeiſter Bia Bill Thomſon. Die Wahlbeteiligung war ſehr
groß.
Wie aus Waſhington gemeldet wird, hatte Montague Normann in
Begleitung des Gouverneurs der Federal Reſerve Bank von New York,
Harriſon, eine einſtündige Konferenz mit Stimſon. Finanzkreiſe meſ=
ſen
der Unterhaltung die allergrößte Bedeutung bei und bringen ſie in
Zuſammenhana mit der Schulden=, Reparations= und Kreditfrage. Mon=
tague
Normann lehnte entſchieben jede Aeußerung über den Zweck ſei=
nes
Beſuches ab.
ten Gemeinden zur teilweiſen Entlaſtung der durch die Arbeits=
loſigkeit
beſonders bedrängten Gemeinden herangezogen werden.
Es ſteht aber außer allem Zweifel, daß auch bei größter Anſtren=
gung
die Finanzen der notleidenden Gemeinden aus eigener Kraft
nicht ſaniert werden können, ſo daß in jedem Falle die Hilfe des
Reiches nach wie vor dringend notwendig iſt.
Weitere Punkte der Beſprechung betrafen die Notwendigkeit
der vermehrten Uebernahme von Verſorgungsanwärtern durch die
Gemeinden (die Ausgaben des Staates für Verſorgungsanwärter
belaufen ſich gegenwärtig auf 750 000 RM.) und Maßnahmen ge=
gen
die Nebenbeſchäftigung der Beamten im Sinne der im Land=
tag
von allen Parteien wiederholt mit Nachdruck geforderten Ein=
ſchränkungen
.
Zuſammenkrikk des Heſſ. Landkags am 14. April.
Der Landtagspräſident hat das Plenum für Dienstag, den
14. April, 10 Uhr, zuſammenberufen. Auf der Tagesordnung
ſteht die Beratung des Staatsvoranſchlags 1931 mit den dazu
eingegangenen beinahe 200 Anträgen und Eingaben.
Die Fraktion der Deutſchen Volkspartei beantragt, daß der
Kurhausſaal von Bad Nauheim, der bisher nur für
mediziniſche und Preſſetagungen zur Verfügung ſtand, auch für
ſonſtige wiſſenſchaftliche und wirtſchaftliche Tagungen von Fall
zu Fall auf jeweiligen Antrag nach Möglichkeit zur Verfügung
geſtellt wird. Politiſche und religiöſe Veranſtaltungen ſollen
nach wie vor ausgeſchloſſen bleiben. In Landtag beantragt
der Abg. Anthes (Soz.), die Regierung möge bei der Reichs=
bahn
dahin vorſtellig werden, daß an den Ueberfahrten der
Nebenbahn BuchſchlagOberroden im Zuge der
Straße FrankfurtDarmſtadt eine Unterführung hergeſtellt
wird und im Zuge der Straße Urberach Oberroden
Schranken angebracht werden.

Kriſe der franzöſiſchen Außenpolikik.
Mißkrauen in Paris
gegenüber den engliſchen Bemühungen um Erleich=
kerung
der diplomakiſchen Sikugkion in Europa.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 8. März.
Die bevorſtehende Reiſe Brünings und Curtius' nach London
wird in Paris hier im allgemeinen als ein Triumph der deutſchen
Diplomatie aufgefaßt. Für den Moment iſt das aber nicht geeig=
net
, die Beruhigung in Frankreich zu fördern. Die Kriſe der
franzöſiſchen Außenpolitik wird zu einem Schlagwort;
die ſchwere Reaktion, welche die Zollunion in Europa auslöſte,
und vor allem die Haltung Englands und Italiens dienen als
Beweis dafür. Man hält dieſe diplomatiſche Iſolierung
in der Folge des Streites um die Zollunion wichtiger als die
Zollunion ſelbſt.
Die überwiegende Mehrheit der Pariſer Preſſe bekennt, daß
die franzöſiſche Außenpolitik eine Kriſe durchmacht. Die Perſon
Briands wird dabei, mit Ausnahme von einigen rechtsſtehenden
Blättern, wie LEcho de Paris, nicht angegriffen. Aber ſelbſt
Organe, die auf allen Gebieten als ausgeſprochen fortſchrittlich gel=
ten
, werfen die Frage auf, ob überhaupt eine franzöſiſche Außen=
politik
vorhanden iſt. Das bedeutet nicht in allen Fällen eine
Verneinung der bisherigen Verſtändigungspolitik mit Deutſch=
land
. Im Gegenteil. Es wird dem Quai d’Orſay von linksſtehen=
der
Seite auch vorgeworfen, daß die Annäherungspolitik zu
Deutſchland zu vorſichtig geführt wurde.
Die Nachrichten über das Gegenprojekt, welches Briand in
Genf der Zollunion entgegenſetzen ſollte, ſind äußerſt ſpärlich.
Aber zweifelsohne beſchäftigt man ſich ſehr ernſt mit dieſer Idee.
Das Verhältnis zu England iſt in den letzten Tagen
nicht beſſer geworden. Die Idee einer engliſchen Ver=
mittlung
zwiſchen Paris und Berlin iſt wenig geeignet, die fran=
zöſiſche
Oeffentlichkeit zu beruhigen. An die Vermittlerrolle Eng=
lands
hat man in Paris überhaupt recht bittere Erinnerungen.
Beſonders ſeit dem Flottenabkommen, gegen das die Stimmung
in Paris überhaupt immer ſchlechter wird. Aus Sachverſtändigen=
kreiſen
führt man eine ſcharfe Propaganda gegen die Ratifizie=
rung
. Dieſe Propaganda wird durch die ſehr ernſte und tiefgehende
Verſtimmung, die man hier gegen Italien empfindet,
unterſtützt. Dieſe Verſtimmung wird nicht durch Zwiſchenfälle und
Wutausbrüche markiert, dennoch iſt ſie ernſter als in der
Zeit der heftigſten Brandreden Muſſolinis.
Die engliſche Vermittlung wird alſo im allgemeinen nicht als
Gewinn für die deutſch=franzöſiſchen Beziehungen gebucht. Dennoch
rechnet man mit der Möglichkeit, daß für den Augenblick die Mitt=
lerrolle
Englands die Entſpannung in Europa herbeiführen wird.
Henderſon ſoll mit Rückſicht auf die allgemeine Abrüſtungs=
konferenz
, deſſen Präſidentſchaft er ambitioniert, aus allen
Kräften für die Erleichterung der diplomatiſchen
Situation in Europa bemüht ſein. Und man gibt ſich hier
darüber Rechenſchaft, daß eventuell die Bemühungen Henderſons
den einzig gangbaren Weg für eine Entſpannung zeigen werden.
Der Konflikt in der NSDAP.
Der Berliner Gauleiter der NSDAP., Dr. Goebbels, hat
eine Zwangsvollſtreckung gegen Hauptmann a. D. Stennes er=
wirkt
, die indeſſen wegen rechtlicher Fehler vom Gerichtsvoll=
zieher
einſtweilen eingeſtellt wurde. Seinerſeits hat Stennes
gegen Hitler und Goebbels eine einſtweilige Verfügung auf
Unterlaſſung der Behauptung, Stennes ſei ein politiſcher Spitzel,
erwirkt.
Nach einer Erklärung Goebbels bei einer Kundgebung in
München würden Stennes und ſein Anhang bald wieder in die
Anonymität ihres zwergenhaften politiſchen Daſeins zurück=
ſinken
, an ihnen marſchiere die nationalſozialiſtiſche Bewegung
vorbei. Hitler, der gleichfalls geſtern in München ſprach, ver=
urteilte
aufs ſchärfſte die Stennes=Aktion, die er als bereits
überwunden bezeichnete.

* Funkſpruch über den Aermel=Kanal auf ultrakurzen Wellen.
Telephongeſpräche auf 18=cm=Wellen. Eine neue Aera der eleltriſchen Nachrichtentechnik? Für den Rundfunk nicht geeignet.
Von Dr. Werner Köſtling.

Vor wenigen Tagen führten Ingenieure der Internationalen
Telephon= und Telegraphen=Geſellſchaft auf den Felſen der St.
Margrets Bay bei Dover in England einem größeren Inter=
eſſentenkreis
eine neue Ultrakurzwellen=Fernſprech= und Tele=
graphieeinrichtung
vor, bei der zum erſten Male
elektriſche Schwingungen mit der außerordentlich
kurzen Wellenlänge von 18 Zentimetern zur Her=
ſtellung
der Sprechverbindung für Gegenverkehr
benutzt wurden. Die praktiſche Funktechnik iſt da=
mit
in einen Bereich der elektriſchen Wellen ein=
gedrungen
, der bisher nur von der wiſſenſchaft=
lichen
Forſchung taſtend erſchloſſen worden war,
der aber außerordentlich intereſſante praktiſche
Möglichkeiten bietet.
Mit dieſer Entwicklung ſetzt ſich jene Tendenz
fort, die ſeit den Anfangsjahren der Funktechnik
herrſcht und in einem Uebergang zu immer kür=
zeren
Wellen beſteht. In den Anfangsjahren der
drahtloſen Telegraphie arbeitete man mit Wellen
von mehreren Kilometern Länge (bis zu 20000
Meter). Der Rundfunk hat das Bereich der
Wellen von 100 bis 2000 Meter in den Vorder=
grund
geſchoben. In den letzten Jahren kam
dann der Siegeszug der kurzen Wellen, das
heißt der Wellen zwiſchen 10 und 100 Meter, und
die neueſte Entwicklung wendet ſich nunmehr
den Einerwellen von 1 bis 10 Meter und den
Deziwellen von 10 bis 100 Zentimetern zu.
Der Einbruch in das Gebiet der Einer= und
Deziwellen iſt als ein gewaltiger Vorſtoß in Neu=
land
zu betrachten, und es intereſſiert hier in
erſter Linie die Frage: was kann man techniſch
mit dieſen Wellen anfangen? Von den Hun=
derterwellen
und den Zehnerwellen, wiſſen
wir, daß ſie ſich hauptſächlich am Erdboden entlang und zwiſchen
Erdboden und höherer Atmoſphäre (ſog. Heaveſideſchicht, in ca.
70 bis 100 Km. Höhe) ausbreiten. Sie bleiben alſo in einem
die Erde allſeitig umgrenzenden verhältnismäßig ſchmalen
Raum und wir verſtehen, daß ſie ſich auf große Entfernungen
ausbreiten können, was beſonders ſtark durch die atmoſphäriſchen
Verhältwiſſe, Witterung, Jahreszeiten, Lichtz und Dunkelheit,

elektriſche Ladungen uſw. beeinflußt wird. Aber auch Beugun=
gen
und Zurückwerfungen an den höheren Schichten der Atmo=
ſphäre
machen ſich bemerkbar und führen zu den bekannten
Schwunderſcheinungen (Laut= und Leiſewerden des Empfangs),

Die Reflektorenanlage bei Dover.
die wir als Fading bezeichnen. Je kürzer die Wellenlänge
wird, umſo geringer werden die atmoſphäriſchen Störungen.
Dieſes Bild ändert ſich erheblich, wenn wir auf Wellenlän=
gen
unter 10 Meter heruntergehen. Die Einerwellen und noch
mehr die Deziwellen nähern ſich in ihren Eigenſchaften dem
Lichtſtrahl. Das bedeutet erſtens, daß ſie nicht auf den engen
Bereich zwiſchen Erdoberfläche und höhere Atmoſphäre beſchränkt

ſind, ſondern ſich als freie Raumſtrahlung ausbreiten, auf die
die Atmoſphäre keinen Einfluß mehr hat. Die Strahlung wird
alſo von atmoſphäriſchen Einflüſſen nicht geſtört, Schwunder=
ſcheinungen
ſind bei ihr nicht zu finden. Dagegen äußert ſich
das lichtähnliche Verhalten in der Bedingung, daß für den
Empfang ſolcher Wellen zwiſchen Sender und Empfänger freie
Sicht vorhanden ſein muß, ebenſo wie das Licht eines Signal= /
Scheinwerfers nur dann aus der Ferne beobachtet werden kann.
wenn nicht Berge oder die Erkrümmung die Sicht behinder.
Zweitens aber beſagt das lichtähnliche Verhalten dieſer Wellen,
daß ſie durch Hilfsmittel der Optik beliebig gebeugt, gebrochen,
reflektiert, kurz in der vom Licht her bekannten.
Art gelenkt werden können. Das iſt von großer.
praktiſcher Wichtigkeit, denn es ermöglicht eine
ſcharfe Zuſammenfaſſung der Strahlungsenergie
in der Richtung nach dem Empfänger und dieſe
wieder iſt mit einer erheblichen Herabſetzung
der benötigten Sendeenergie verknüpft. SS
kommt es, daß für die Ueberbrückung der etwa.
40 Km. betragenden Entfernung zwiſchen Calais
und Dover bei der eingangs erwähnten Vor=
führung
nicht mehr als ein halbes Watt be=
nötigt
wurde, das iſt geratde ſoviel, wie mar!
braucht, um die Glühbirne einer elektriſcher!
Taſchenlampe zum Aufleuchten zu bringen.
Im übrigen vollzog ſich das geſchildern
Experiment etwa folgendermaßen: Auf jeden
Seite des Aermelkanals war je ein Empfänge?
A
und ein Sender aufgeſtellt, die paarweiſe auf
einander eingerichtet waren. Sowohl der Senden
wie der Empfänger für ſolche kurzen Wellen be=
ſteht
aus einem hohlſpiegelartigen Reflektor voD
etwa 3 Meter Durchmeſſer. In der Mitte vo
dieſem Reflektor iſt die Antenne angeordnet, de
aus einem 2 Zentimeter langen Gebilde, einer!
ſogenannten Dipol, beſteht. Dieſer Dipol iſt vo!
einem kleinen Hohlſpiegel umgeben, deſſen Oeſf
nung nach der des Reflektors hin gerichtet 17!
Die ganze Anordnung iſt und das iſt del
Kernpunkt der geſamten Anlage ſo getroffer!
daß der Reflektor einen ſcharfgebündelter!
parallelen Wellenſtrahl ausſendet. Dieſer trifft genau del
Empfänger, da der Sender auf dieſen eingeſtellt worden iſt, um
wird hier in üblicher Weiſe zur Sprechſtelle geleitet. Auf de
Sendeſeite ſelbſt wird der elektriſchen Schwingung, die von eine
ſogenannten Mikro=Radion=Röhre erzeugt wird, in üblicher Weill
die Sprache aufgedrückt. Zwiſchen Calais und Dover wurde.!
mit dieſen geringen Mitteln an Energie und Anlagen drahtlon

[ ][  ][ ]

Nummer 98

Donnerstag, den 9. April 1931.

Hulge Berſciebnng ver engandrelſe.
Pariſer Auerkreibereien gegen den deutſchen Beſuch in London. Henderſon verkagt mit Rückſichk auf
Briand die Unkerhalkung mit den deutſchen Staaksmännern bis nach der Genſer Ausſprache.
Völkerbundsrates in Genf erfolgen, die bereits reichlich Ge=
legenheit
zur Beſprechung politiſcher Fragen geben dürfte. Bis
Staaksbeſuch am 5. Juni in London.
dahin wird wohl auch das Schickſal des europäiſchen Flotten=
abkommens
in dieſem oder jenem Sinne entſchieden ſein, ſo
Aenderung des Programms der Ausſprache.
daß der deutſche Beſuch in einer Atmoſphäre ſtattfinden kann,

Berlin 8. April.
Die auf engliſche Initiative eingeleiteten Beſprechungen zwi=
ſchen
London und Berlin über den Beſuch des Reichskanzlers Dr.
Brüning und des Reichsaußenminiſters Dr. Curtius bei dem eng=
Liſchen Premierminiſter ſind heute abgeſchloſſen worden. Die eng=
iſche
Regierung hat die beiden deutſchen Staatsmänner einge=
aden
, am 5. Juni nach Chequers zu kommen und bis zum 9. Juni
als Gäſte der engliſchen Regierung in Chequers und London zu
bleiben. Geplant iſt eine intime freundſchaftliche Ausſprache über
alle wichtigen Fragen, welche die beiden Länder berühren. Die
arſprünglich für eine der beiden erſten Maiwochen in Ausſicht ge=
nommene
Zuſammenkunft mußte auf die Zeit nach Pfingſten ver=
legt
werden, weil für die erſten Maitage der engliſche Premier=
miniſter
und mehrere ſeiner Kollegen bereits anderweitig ge=
bunden
waren und weil das zweite Wochenende im Mai zeitlich zu
rahe an die Tagung des Europaausſchuſſes und die daran an=
ſchließende
Ratstagung rückte.

* Nach einer Reihe von ſeltſamen Mißverſtändniſſen und
vielen Kabelgeſprächen zwiſchen London, Berlin und Baden=
weiler
hat jetzt die Reiſe des Reichskanzers und Außenminiſters
ach London in der zeitlichen und programmatiſchen Aufmachung
ſcren Charakter vollkommen verändert. Auseinem Wochen=
indbeſuch
der beiderſeitigen Kanzler und Außen=
miniſter
iſt eine hochoffizielle Staatsviſite ge=
worden
, die vom 5. bis 9. Juni dauern ſoll und einen Empfang
trurch den König und die engliſche Regierung vorſieht. Die Dinge
ſnd bis zuletzt etwas merkwürdig gelaufen, und man kann den
Eindruck nicht los werden, als ob auch auf deutſcher Seite nicht in
ehllen Einzelheiten glücklich operiert worden iſt. Jedenfalls ſcheint
ibber, als ob die ganze Schuld für die Verſchiebung von Anfang
Mai auf Anfang Juni bei den Engländern liegt, die aus
ganz beſtimmten Gründen eine ſeparate Aus=
ſwrache
mit den Deutſchen vor der Ratstagung vermeiden woll=
ten
. Der wahre Grund iſt auch nicht ſchwer zu entdecken. Das
Pariſer Störungsfeuer iſt wieder einmal erfolgreich ge=
roeſen
, und Herr Henderſon hat Briand nachgegeben.
Er verzichtet alſo auf die Unterhaltung mit den
deutſchen Staatsmännern vor der großen Ab=
nechnung
in Genf, wofür dann als Pflaſter auf die Wunde
der ganze Apparat eines Staatsempfangs aufgeboten wird.
Eichließlich aber iſt es für Deutſchland von untergeordneter Be=
teeutung
, wann der Beſuch ſtattfindet. Die Anregung dazu iſt von
der Gegenſeite ausgegangen.
Eines aber iſt ſelbſtverſtändlich: die Verſchiebung auf die Zeit
nach Pfingſten hat den Charakter der Reiſe in vielem
grundſätzlich geändert. Henderſon hatte urſprünglich
übber die Abrüſtung ſprechen wollen. Er hat dann ſpäter auch
die deutſch=öſterreichiſche Zollunion mit herange=
zogen
. Beide Probleme werden aber auf der Ratstagung be=
reits
erörtert, eine beſondere Notwendigkeit, ſie in London noch
einmal vorzunehmen, läge nicht vor. Für uns aber blieb die be=
deutungsvolle
Frage der Wirtſchaftskriſe und der Re=
prationszahlungen
nach Genf ebenſo akut. Es ließe ſich
ſagar denken, daß eine Erörterung nach der Ratstagung, wenn die
politiſche Atmoſphäre etwas bereinigt und beruhigt iſt, größere
Erfolgsausſichten in ſich birgt, und daß vor allem, wenn ſich Keime
emer Annäherung zeigen ſollten, die Sommerpauſe in der Politik
g=eignet zu ihrer Entfaltung wäre. Herr Briand hat alſo einen
Augenblickserfolg errungen, indem er die deutſch=engliſche Aus=
ſprrache
ſabotierte, ein Erfolg übrigens, der durch eine geſchicktere
tachniſche Regie zu vermeiden geweſen wäre, aber es iſt doch vor=
la
ufig noch die Frage, ob nicht durch den Beſuch im Juni das, was
e: verhindern wollte, noch ſehr viel leichter erreicht werden kann.
Briand nichk eingeladen.
London, 8. April.
Die Verabredung des Beſuches Brüning und Curtius für
den 5. Juni kam im Laufe des Mittwoch mittags in London
zuſtande, nachdem der deutſche Botſchafter am Vormittag in
dieſer Angelegenheit eine Beſprechung im Foreign Office ge=
hubt
hatte. Der Beſuch wird alſo erſt nach der Sitzung des

die durch die Flottenverhandlungen nicht mehr unmittelbar be=
einflußt
wird. Hierauf hat man anſcheinend in London be=
ſonderen
Wert gelegt. In den diplomatiſchen Kreiſen Londons
iſt man jedenfalls mit der gefundenen Löfung im allgemeinen
einverſtanden, da ſie den rein perſönlich freundſchaftlichen und
nicht=offiziellen Charakter des Beſuches in das richtige Licht
rückt.
Nunmehr ſchaffen auch die zuſtändigen engliſchen Stellen
Aufklärung über die bisher noch umſtrittene Frage der eng=
liſchen
Einladung an Briand, nach London zu kommen. Die
Verwirrung war durch die vorzeitige Veröffentlichung des be=
abſichtigten
deutſchen Beſuches in der Times und durch die
nicht hinreichende Information der Beamten des Foreign Office
durch den Außenminiſter Henderſon entſtanden. Dieſer hatte
gegen Ende ſeiner Paris=Rom=Reiſe Briand geſprächsweiſe
und ganz unverbindlich vorgeſchlagen, die Unterzeichnung des
europäiſchen Flottenabkommens dadurch etwas feierlicher und
bedeutungsvoller zu geſtalten, daß der franzöſiſche und italie=
niſche
Außenminiſter nach London kommen ſollten. Damals
war von einer Einladung der deutſchen Herren jedoch noch keine
Rede. Henderſon hatte vergeſſen, hiervon den Beamten des
Foreign Office Mitteilung zu machen. Als Henderſon an die
deutſche Botſchaft mit ſeinem Vorſchlag des deutſchen Beſuches
herantrat, wurde infolgedeſſen die Möglichkeit eines gleich=
zeitigen
Erſcheinens Briands und Grandis auch nicht erwähnt.
Es handelt ſich alſo um zwei von einander getrennte Hand=
lungen
, die nichts miteinander zu tun haben. Briand iſt jeden=
falls
zu den deutſch=engliſchen Beſprechungen nicht hinzugeladen
wworden.
Franzöſiſche Berdächkigungen gegenüber England.
Es iſt äußerſt charakteriſtiſch für die Grundeinſtellung der Pa=
riſer
politiſchen Oeffentlichkeit, daß trotz aller Verſöhnungs= Phra=
ſen
die Einladung an Reichskanzler Brüning und Außenminiſter
Curtius nach Chequers gewiſſermaßen als perſönliche Beleidigung
aufgefaßt wird. Gleichzeitig behauptet man übrigens, daß die
engliſche Politik in der Frage des Flottenabkommens mit Rom
gemeinſame Sache mache und den franzöſiſchen Standpunkt ſabo=
tieren
wolle, und bezeichnet die engliſche Geſte gegenüber Deutſch=
land
als ebenſo unſinnig, wie gefährlich, England wolle offenbar
zu ſeiner Vorkriegspolitik des europäiſchen Gleichgewichtes zurück=
kehren
, was einen Verrat an Frankreich bedeute. In der Zei=
tung
Paris Nouvelle, fragt der außenpolitiſche Leitartikler
Jacque, ob England den Berliner Einflüſterungen nachgeben oder
auf Frankreich hören wolle. Die diplomatiſche Entwicklung ſchlage
einen ausgeſprochen ſchlechten Weg ein, und ein neuer Zwiſchen=
fall
(das heißt die Einladung der Deutſchen) erſchüttere das euro=
päiſche
Gefüge. Andere politiſche Kreiſe greifen in dieſem Zuſam=
menhang
das reichlich abgenützte Schlagwort von der Gefährdung
des Friedens wieder auf und erregen ſich über die neuen diplo=
matiſchen
Methoden des Foreign Office. Mit beſonderer Befrie=
digung
wurde am Mittwoch feſtgeſtellt, daß England doch nicht
auf ſeiner urſprünglichen Abſicht beharrte, die deutſchen Miniſter
noch vor der Genfer Tagung in Chequers zu ſehen. Das ſei ein
Erfolg für den franzöſiſchen Standpunkt. Die Vernunft forderte,
daß Henderſon wenigſtens, in dieſem Punkte die franzöſiſchen
Wünſche beachtete. Nach Genf verliere die Begegnung den größten
Teil ihrer in Deutſchland erhofften Bedeutung.
Pariſer Störungsfeuer.
Paris, 8. März.
Nach übereinſtimmender Auffaſſung der Pariſer. Morgenblät=
ter
ſcheint feſtzuſtehen, daß eine offizielle Einladung an Briand
zur Teilnahme an der Zuſammenkunft in Chequers bisher nicht
erfolgt iſt. Die Blätter zeigen ſich jedoch hierüber weniger beun=
ruhigt
, als über die Tatſache, daß England ſich an die Spitze einer
Politik zu ſtellen beabſichtige, die Europa ein ganz anderes Bild
geben könnte. Man wiederholt in dieſem Zuſammenhang die Be=
fürchtungen
über eine Gefahr engliſcher Zugeſtändniſſe in der Ab=
rüſtungsfrage
, ſowie eines Nachgebens in der Frage des deutſch=
öſterreichiſchen
Abkommens. Die Außenminiſter der Großmächte,
ſchreibt Pertinax im Echo de Paris, ſähen ſich vom 13.25. Mai
in Genf. Dieſe Zuſammenkunft müſſe vollkommen genügen, um

Seite 3
alle wichtigen Tagesfragen des europäiſchen Programms zu be=
raten
. Es ſei nur natürlich, meint der Petit Pariſien, daß der
Führer der franzöſiſchen Abordnung, Briand, ſich freie Hand be=
halten
wolle, um vor dem internationalen Gremium in Genf ſo
eingreifen zu können, wie er es für richtig halte.
Demgegenüber betont man jetzt in London, wo man ur=
ſprünglich
in der Tat eine Zuſammenkunft der deutſchen Staats=
männer
mit Briand und Grandi in Erwägung gezogen hatte, den
rein perſönlichen Charakter der Einladung. Es ſei zu bedauern,
ſo ſagt der Daily Herald, daß gerade in dem Augenblick, wo ſich
der Abſchluß des europäiſchen Flottenabkommens in der Schwebe
befinde, die franzöſiſche Preſſe mit neuen Angrif=
fen
gegen die Idee der deutſch=engliſchen Zu=
ſammenkunft
hervortrete. Dieſe ſeien ſo heftig, daß
der Plan einer freundſchaftlichen Zuſammen=
kunft
der Außenminiſter zur Beſprechung der
Abrüſtungsfrage nicht durchgeführt werden
könne. Die Zuſammenkunft würde daher bis zur
Sitzung des Völkerbundsrates vertagt werden.
Die Einladung an den deutſchen Reichskanzler und den deut=
ſchen
Außenminiſter bleibt natürlich beſtehen.
Auch die amerikaniſche Preſſe nimmt ausführlich zu der eng=
lichen
Einladung an den Reichskanzler und den Reichsaußenmini=
ſter
Stellung. Dabei wird insbeſondere die Kampagne der Pa=
riſer
Hetzpreſſe mit allergrößter Aufmerkſamkeit und offenſicht=
lichem
Unbehagen verfolgt.
Der Mancheſter Guardian begrüßt den Beſuch
deutſcher Staatsmänner in England.
EP. London, 8. April.
Der Mancheſter Guardian begrüßt in ſeinem Leitartikel
die beabſichtigte Reiſe der deutſchen Staatsmänner Reichs=
kanzler
Brüning und Reichsaußenminiſter Curtius nach Eng=
land
und erklärt, daß ſich die Einladung Henderſons an die deut=
ſchen
Miniſter auf die deutſch=engliſchen Beziehungen nur in
vorteilhafter Weiſe auswirken könne. Es gebe eine ganze
Reihe von Fragen, die beide Länder intereſſierten und die am
beſten in perſönlicher Ausſprache erörtert würden. Als die
brennendſte Frage, die einer eingehenden Beſprechung bedürfe,
bezeichnet das Blatt das deutſch=öſterreichiſche Zollangleichungs=
abkommen
. An zweiter Stelle ſtehe das Abrüſtungsproblem,
deſſen befriedigende Löſung in hohem Maße von der Haltung
Deutſchlands auf der bevorſtehenden Weltabrüſtungs=Konferenz
abhänge. Abſchließend meint das Blatt unter Hervorhebung
der großen Vorteile perſönlichen Kontaktes zwiſchen den Staats=
männern
der verſchiedenen Länder, daß es jedoch vorzuziehen
ſei, daß die Fühlungnahme auf dem neutralen Boden der
Genfer Ratstagung geſchehe, da andernfalls immer Befürch=
tungen
und Eiferſucht irgendwo hervorgerufen würden.
Wiederaufnahme
der deutſch=engliſchen Flokkenbeſuche?
London, 8. April.
In einem ſehr freundlich gehaltenen Artikel begrüßt der der
Regierung naheſtehende Daily Herald den beabſichtigten Beſuch
engliſcher Kriegsſchiffe im Kieler Hafen. Es fanden zurzeit noch
unverbindliche diplomatiſche Beſprechungen über die Wiederauf=
nahme
des Beſuchs=Austauſches zwiſchen der deutſchen und der eng=
liſchen
Kriegsmarine ſtatt, die ſich in der freundlichſten Atmoſphäre
abſpielten.
In Kreiſen der britiſchen Admiralität war bisher noch keine
Beſtätigung der Meldung des Daily Herald zu erhalten, daß
das zweite britiſche Kreuzergeſchwader in dieſem Sommer den
Kieler Hafen beſuchen werde. Der Marinekorreſpondent des
Daily Herald betont jedoch, daß private diplomatiſche Be=
ſprechungen
über den vorgeſchlagenen Beſuch im Gange ſeien,
und obgleich noch nichts offiziell geregelt worden ſei, würden die
Verhandlungen in freundſchaftlichem Geiſte geführt. Es fehle ſo=
zuſagen
nur noch die formelle Einladung und Annahme. Das
Blatt hebt hervor, es werde alſo vorausſichtlich in dieſem Sommer
ein britiſches Geſchwader zum erſten Male ſeit 1914 einem deut=
ſchen
Hafen einen Beſuch abſtatten. Das zweite britiſche Kreuzer=
geſchwader
beſteht aus den Kreuzern Hawkins (Flaggſchiff),
York, Dorſetſhire und Norfolk, ſowie dem Minenlegerkreuzer
Adventure‟. Der Kreuzer Hawkins wurde unmittelbar nach
dem Kriege vollendet, aber alle anderen Schiffe ſind ſpäteren Da=
tums
und laut Daily Herald Gegenſtücke zu den neuen deutſchen
Kreuzern Emden, Karlsruhe, Königsberg und Köln.
Einige dieſer deutſchen Schiffe werden, wie das Blatt meint, viel=
leicht
in Kiel als Gaſtgeber fungieren.

Geſpräche im Gegenſprechverkehr geführt und man ſtellte all=
gamein
feſt, daß Güte und Deutlichkeit der übertragenen Sprache

dar des beſten normalen Telephongeſpräches gleichkommen.
Eine wichtige Beſonderheit der ultrakurzen Wellen erwächſt
uu=s ihrer hohen Schwingungszahl. Ein Wellenſtrahl aus
112-Zentimeter=Wellen ſchwingt nicht weniger als 1600 millionen=
P mal in der Sekunde. Auf ſolchen ſchnellſchwingenden Wellen
anin man eine größere Anzahl von Geſprächen gleichzeitig führen,
man kann alſo die einmal geſchaffene Verbindung gleichzeitig
mehrfach ausnutzen. Dergleichen macht man heute auch bei Kabel=
!e tungen, aber da ſind dieſen Beſtrebungen zur Erhöhung der
Wirtſchaftlichkeit enge Grenzen gezogen, die bei den ultrakurzen
Aellen wegfallen. Die Ultrakurzwellen=Telephonie und Tele=
naphie
wird daher wohl in erſter Linie als Erſatz für die Fern=
abelleitungen
in Frage kommen. Da, wie geſagt, zwiſchen Sen=
der
und Empfänger immer optiſche Sicht ſein muß, wird man
die Stationen vermutlich auf Türmen aufſtellen und bei der
UBerbrückung größerer Entfernungen Relais=Stationen zwiſchen=
chalten
. Die praktiſche Durchbildung ſolcher Anlagen wird natür=
ich
zunächſt Erſahrungen erfordern, wie denn die Entwicklung
tuF dem betrachteten Gebiet noch ganz in den Anfängen ſteht.

Zum Schluß ſei noch ein wichtiger Umſtand hervorgehoben:
die Bedingung optiſcher Sicht zwiſchen Sender und Empfänger
deſ agt nicht etwa, daß Sender und Empfänger ſich immer ſehen
önnen müſſen; die ultrakurzen Wellen durchdringen auch Regen,
Ve bel und Dunkelheit, die Verbindung iſt alſo auch dann mög=
ich
, wenn die direkte Sicht behindert iſt. Daraus erwachſen
pitere praktiſche Möglichkeiten, zum Beiſpiel für die gegen=
eſtige
Auffindung und die Ortsbeſtimmung von Schiffen in
tSligem Wetter, für das Landen von Flugzeugen im Nebel, zur
Aufrechterhaltung geheimer Verbindungen zwiſchen Flugzeugen
tuid dem Erdboden oder zwiſchen mehreren Schiffen einer Flotte,
erner zur Erhöhung der Nützlichkeit, von Leuchttürmen in
Zeäten, in denen ſie wegen ſchlechter Sichtbarkeit am wenigſten
vinkſam und am meiſten nötig ſind. Nur für einen Zweck wer=
em
die neuerſchloſſenen Wellen kaum in Frage kommen: für den
ſiündfunk. Es iſt kaum denkbar, daß die Bedingung optiſcher
Sicht von einer größeren Zahl von Rundfunkempfängern in der
Siadt erfüllt werden kann. Deshalb wird ein Vorteil der ultra=
u
zen Wellen, nämlich der ungeheure Raum, den ſie für neue
Sender bieten zwiſchen 10 und 100 Zentimeter Wellenlänge
danten nicht weniger als eine Viertelmillion Sender ſtörungs=
feſi
untergebracht werden! für den Rundfunk, für den er ſo
ue. gebraucht werden könnte, nicht ausnutzbar ſein.

Ausſkellung des Drei=Skädte=Bundes.
II
Von den Mitgliedern der Gruppe Frankfurt ſind Frau Agnes
Langenbeck und Frau von Schauroth ſchon oft in Darm=
ſtädter
Ausſtellungen vertreten geweſen und beide Künſtlerinnen
waren immer gern geſehene Gäſte.
Die flott gemalten Landſchaften und Stilleben von Agnes
Langenbeck wirken ebenſo dekorativ rein als Gemälde geſehen,
wie durch die Eigenart ihres Kolorits als eigenwillige Kunſt=
werke
. Frau von Schauroth zeigt im Treppenhaus einen großen
Entwurf zu einem Fenſter in Glasſchliff, in einem der oberen
Räume ein kleines geſchliffenes Fenſter in fertiger Ausführung.
In beiden iſt Linienführung der Zeichnung und der Kompoſition
geſchickt und geſchmackvoll dem Material angepaßt. Auch die
Arbeiten von Frau Luiſe Schnitzler ſind unbedingt beachtenswert.
Von der Mainzer Gruppe iſt Frieda Beſt eine in Darm=
ſtadt
ſehr bekannte Künſtlerin. Ihre Blumenſtücke und Still=
leben
ſind immer von beſonderem Reiz und beſonderer Friſche
in der Farbe, die beſonders den Blumen Duft und Leben gibt.
Auch Eliſabeth Weihrich und Frau Dr. Schneider
(Goddelau) ſtellen ſehr anſprechende Stilleben aus, in denen jede
der Künſtlerinnen ihre eigene Art beherrſchte Note zeigt. Maria
Ziegler iſt mit einer Kollektion von Landſchaften und ähn=
lichen
Vorwürfen in Aquarell, ſehr gut vertreten, und Karl
Nuppert, der einzig männliche Künſtler mit einem eigen=
artigen
Bildnis von ſehr ſtarker Licht=Schattenwirkung. Mit
der Bildhauerin Frau Wagner, die einige recht gute Köpfe
anſcheinender Porträtſtudien in realiſtiſcher Auffaſſung ausſtellt,
iſt die Mainzer Gruppe genannt.
Soweit die Mitglieder des Bundes. Als eingeladene Gäſte
ſind noch mit recht guten Werken vertreten Frau Elſe Heiß,
mit ausgezeichneten Kaltnadelradierungen und kleinen Aquarel=
len
, die auf ein ausgeprägtes zeichneriſches Talent ſchließen
laſſen, ferner die Ewald=Künſtlerin Frau Freund=Fiſcher,
der ein Ehrenplatz an der Stirnwand des großen Oberlichtſaales
eingeräumt wurde und in deren Nachbarſchaft ſich die vielver=
ſprechenden
Bilder von Annelieſe Reichmann ſehr gut be=
haupten
. Sehr beachtenswert ſind die Studien von Luiſe
Kumpa. Entwürfe und Studien für monumentale Malereien
und Glasfenſter. Mit ſehr guten Plaſtiken in einer Vitrine im
unteren Ausſtellungsſaal iſt Fanny Wolfskehl vertreten. So=
wohl
die Geſchloſſenheit der Kompoſition= und Formengebung

wie die feine Durcharbeitung in Einzelheiten zeugen von ernſter
Auffaſſung und gutem Können. Jedenfalls iſt die Ausſtellung
ſo ſehenswert, daß der Beſuch wärmſtens empfohlen werden
*
kann.
Ausſtellung chineſiſcher Maler der Jekkzeit.
Das China=Inſtitut und der Frankfurter Kunſtverein veranſtalten
gemeinſam eine Ausſtellung, die bedeutſame Werke moderner chineſiſcher
Maler bringt. Die Ausſtellung findet im Franbfurter Kunſtverein,
Junghofſtraße 8, ſtatt und wird vom 19. März bis zum 8. April ge=
öffnet
ſein. Am Donnerstag, den 19. März, fand die Eröffnung ſtatt.
Es ſprachen Herr Stadtrat Dr. Max Michel, ein Vertreter der Chine=
ſiſchen
Geſandtſchaft in Berlin und der Direktor des China=Inſtiutes,
Dr. Erwin Rouſſelle. Letzterer gab eine kurze Einführung in die Art
und Weiſe, wie man chineſiſche Bilder zu betrachten hat.
Am gleichen Tag, 20 Uhr, fand in der Aula der Univerſität Mer=
tonſtraße
17, ein Vortrag des Herrn Liu Hai=Su=Paris mit Demon=
ſtrationen
ſtatt. Sein Thema lautete: Die Technik der modernen
chineſiſchen Malerei. Liu Hai=Su iſt ein hervorragender Vertreter und
Schulhaupt der ſog. Literariſchen Richtung der chineſiſchen Malerei. Er
iſt ſelber auf der Ausſtellung mit einigen zwanzig Bildern vertreten.
Erwähnt ſei noch, daß ſowohl die Generaldirektion der Städtiſchen
Muſeen wie einige private Sammler und Kunſthandlungen die Liebens=
würdigkeit
hatten, zur Ausſchmückung der Ausſtellungsräume ausge=
wählte
Stücke chineſiſcher Plaſtik und Keramik zur Verfügung zu ſtellen.

Eine unbekannte Skizze von Watteau. Eine bisher unbeachtet
gebliebene feine Vorſtudie von Antonie Watteau für die Hauptfigur auf
dem in Potsdam befindlichen Gemälde IAmour paisible, die in Ruß=
land
aufgetaucht iſt und ſoeben in der engliſchen Kunſtzeitſchrift Old
Maſter Drawings veröffentlicht wurde, kommt Ende April mit ande=
ren
Meiſterzeichnungen aus dem Beſitz der Sowjeiunion bei C. G.
Boerner in Leipzig zur Verſteigerung. Viele der gleichzeitlg
angebotenen Blätter entſtammen altem Beſitz der Eremitage zu Lenin=
grad
. Dieſe Handzeichnungsauktion findet im Anſchluß an zwei große
Kupferſtichverſteigerungen ſtatt, die am 27. und 28. April abgehalten
werden. Ueber alle drei Auktionen, ſowie über eine Sammlung deut=
ſcher
Zeichnungen und Graphik, die anſchließend zum Verkauf kommen,
ſind illuſtrierte Kataloge erſchienen.
Pflanzen, die kaum ſterben können ſo groß iſt ihre Lebenskraft
ſchildert Dr. W. von Roeder, der weit bekannte Verfaſſer bahnbrechen=
der
Bücher über die Pflege von Kakteen in ſeinem neueſten Buch:
Sückulenten. Ein Führer durch das geſamte Reich der Fettpflan=
zen
. Mit 35 Kunſtdrucktafeln. In Leinen gebunden 8. RM., kar=
toniert
5,80 RM. Weil ſie beſonders leicht zu pflegen ſind, weil ſie mit
raſchem Wachstum erfreuen und meiſt ſehr leicht blühen, ſind die Fett=
pflanzen
überhaupt die dankbarſten Zimmerpflanzen. Kein Wunder,
daß Fettpflanzen heute die erklärten Lieblinge aller Blumenfreunde ſind,
daß aber auch ein gutes Buch über ſie notwendig iſt, weil man dann
noch leichter und ſicherer die ſchönſten Erfolge erzielt. (Franckhſche Ver=
lagshandlung
, Stuttgart.)

[ ][  ][ ]

Seite 4

Donnerstag, den 9. April 1931

Mieränterſtägungen.
Die Ausgabe der Gutſcheine für der
Monat April 1931 erfolgt an folgenden
Tagen:
1. an Kleinrentner, Sozialrentner,
Kriegsbeſchädigte und Kriegshinterblie=
bene
, ſowie Wohlfahrtsunterſtützungs=
empfänger
, deren Familiennamen be=
ginnen
mit Buchſtaben:

am 10.
11.

April,

13.
14.
17. u. 18. April,
T. U. V. W. 3 20.
2. an Erwerbsloſe und ausgeſteuerte
Erwerbsloſe, deren Familiennamen be=
ginnen
mit Buchſtaben:
A. B, C. D. am 21. u. 22. April,

), P
T. U. V. W. 3

23.
24.
2
30.

u. 29.

Die Ausgabetage der Gutſcheine
die nachfolgenden Monate ſind durch
Aushang in unſeren Geſchäftsräumen
Waldſtraße 6 bekannt gegeben.
Darmſtadt, den 7. April 1931.
Stadtkaſſe.
1t.555

pſerdemarte Jarmſtadt Loal-
Plätze zur Ausſtellung von Fuhr=
werken
und Pferde=Requiſiten können
gegen geringe Platzgelder zur Verfügung
geſtellt werden. Näheres bei der Landw.=
Kammer, Darmſtadt, Rheinſtr. 62. (558

Am Freitag, den 10. April 1931,
nachm. 3 Uhr, verſteigere ich in meinem
Verſteigerungslokale, hier, Hügelſtr. 27,
verſchiedene Gegenſtände öffentlich
zwangsweiſe gegen Barzahlung,
darunter vorausſichtlich beſtimmt
1 Schreibtiſch, 1 Bücherſchrank, 1 Kla=
vier
, 1 Kappel=Schreibmaſchine, ein
Büfett, 1 Eiſenſtanze, 1 Bohrmaſchine
1 Lederkoffer, 1 Koffer=Grammophon,
1 Warenſchrank mit Unterſatz. 1 Kla=
vier
(nußbaum) (Weidenlafers), 1 Oel=
gemälde
(Hecker, 1 Spiegelſchrank,
1 Kommode, 1 Spieltiſch. (5570
Hieran verſteigere ich an Ort und
Stelle:
1einf Glasvitrine, 1 Kartothekſchränkchen
1 Gehrungsſäge, 1 Elektromotor (3 PS.),
8 kl. Wagenräder, 1 Telephonzelle.
Darmſtadt, den 9. April 1931.
Scharmann,
ſtellv. Gerichtsvollzieher des Ger.=Voll.
Portner, Heinrichſtr. 93.

Radfahrer!
Vor Ankauf von Fahrräder
holen Sie bitte meine Preiſe ein
und beſichtigen mein reichhaltiges
Lager. Laſſen Sie ſich auch dabei
die beſonderen Vorteile meiner
Ballon=Fahrräder
erklären Es iſt beſtimmt Ihr Vorteil!
Fr. Gütting, Schuchardſtr. 10.

Sonder=Angebot! Tafel=Silber=Beſtecke
800 geſt., desal mit alle ſtärkſter 100r
Silberauflage in vornehmſten Muſtern
50 Jahre ſchriftl. Garant e auf jedes
Stück. Allergünſtigſte Preiſe, i. Zeichen
d. Preisabbaues um 10% ermäßigt, z. B
kompl 72 teil Garnitur Rm. 115
mit 100er Feinſi berauflage, Liefe=
rung
ohne jede Anzahl. zu langfri tigen
Ratenza lungen. Katalog und höchſte
Referenzen ſofort koſtenlos
Moellers & Co., Fabrik feinſter Be=
ſteche
, Holingen
1V 5346

Der Plan für die Herſtellung einer
unterird ſchen Telegraphenlinie in
der Provinzialſtraße Wixhauſen Gräfen=
hauſen
und in der Wixhäuſer=, Lang=
und Darmſtädterſtr. in Gräfenhauſen
liegt bei dem Telegraphenbauamt in
Darmſtadt auf die Dauer von vier
Wochen aus.
(5564
Darmſtadt, 9. April 1931.
Telegraphenbauamt.

A

Eliſabethenſtr. 29, I.
12 Büroräume zu
v. Sep. Eing. (252a

Heidelbergerſtr. 103
(Seitenbau 2. St.)
1 3i. u. Küche z.v.

1-Zim.-Wohn.
mit Küche u. Zub.
ſof. zu verm. Off. u.
H. 186 a. d. Geſch.*

Heidelbergerſtr. 1,
am Marienplatz,
ſchöner Laden
m. Nebenz. u. Kel=
ler
p. Anfang Mai
z. vm. Näh. 1. Stock.
(*ds)

Eint eu
laden
m. 5 Schaufenſtern
am Schillerplatz ſo=
fort
zu vermieten
Näheres b.: (1964a
W. Lehrbach,
Beckſtraße 68, I.

O

Herdweg
Garage Nr. 71
zu vermieten. (*md

2 ſehr ſchöne Zim.
in freier Lage der
Künſtlerkol. m. Hz.,
Bad, Tel. z. vm. (*
Off. u. H. 167 Gſch.

Wendelſtadtſtr. 8, I.
ſch.,gr. m. 3. m. Schebt.
zu vermiet. (*mds
In d. Nähe d. Hbf. in
gut. Hauſe mbl. Zim.
m. elektr. L. zu vm.,
monatl. 25 Mk. Näh
Geſchäftsſtelle. (*md

Rheinſtr. 75, gt. m
Zim. m. oder ohne
Penſ. zu verm 5 66b

Liebigſtr. 8, 1. G. m
W. u. Schlafz. z. verm
(* ids.

Auto= u. Motorrad=
Garagen frei!
Waldſtr. 30. (*ds

Am Freitag, den 10. April 1931
nachmittags 3 Uhr, verſteigere ich in:
meinem Verſteigerungslokal, Ludwigs
platz 8, wangsweiſe gegen Barzahlung
1 Nähmaſchine, 1 Vitrine, Gram=
mophone
, 1 Radioapparat, Süßweine,
Zwetſchen= u. Kirſchwaſſer, 1 Schnell=
waage
, 1 Ladentheke, Gartentiſche und
Stühle, 1 Diwan, 1 Vertiko, 1 Trumeau=
ſpiegel
, 2 Kaſſenſchränke, 2 Akten=
ſchränke
, 1 Sekretär. Arbeitstiſche, eine
Regiſtrierkaſſe, Schreibtiſche, 1 Büfett,
1 Herd, 1 Sofa u. a. m.
Hieran anſchließend an Ort und
Stelle (Bekanntgabe erfolgt im Ver=
ſteigerungslokal
):
1 Fafag=Perſonenwagen, 1 Regal mi
verſch. Waren, 1 Schreibmaſchine, ein
Warenſchrank mit Parfümeriewaren.
Darmſtadt, den 8. April 1931.
Eißer
Gerichtsvollzieher Kr. A.,
Bismarckſtraße 42 (558

Große Lager=

Eckhardtſtraße 21. I.
Zimmer mit od. oh.
Penſion zu vermiet.
(1858a)

Ludwigſtr. 20, II.
möbl. Zimmer mit
Penſion z. vermiet.
(5178a)

u. Rellerräume Frdl. möbl. Zimm.,
in der Ludwigſtraße mit elektr. Licht zu
ver 1. Mai zu ver= vermieten. (5176a

mieten. Näh. unter
(5563)

Alfr.=Meſſ.=Weg 34.

A

H. 195 a. d. Geſchſt. Pankratiusſtr. 33,II
mb. Zim. ſof. z. v.
Erbacherſt. 17. Stb.
r. I., Wwe. Neidig,
Werkſtatt o. Lager= möbl. Zim. z. vm.*
raum mit 2=Zim.= Neckarſtr. 4, Hth. p.
Wohn. z. vm. Off. rechts, möbl. Zim.
u. H. 179 Geſchſt. m. o. oh. Penſ. z. v.
Heinrichſtr. 89, III
möbl. Zim. z. vm.*
ſ. neu herg. 2=Zi.= Saalbauſtr. 65, II.
Wohn. geg, ei. and. gut möbl. Zim. mit

2=Zimm.=Wohn. zu voll. Penſ. ſof. z.v.
tauſchen geſ. Angeb. Donnersbergring 30
u. H. 182 Geſchſt. ſpt. (Nähe Ahaſtr.)

Bismarckſtr. 49, I.
2 leere Zimmer n.
Zubeh. mit ſep. E.
p. 1. Mai d. J. zu
verm. Auch f. Büro
paſſ. Näh. 2. Stock.
(*dsi)

Am Freitag, den 10. April 1931.
vorm. 10 Uhr, ſollen in meinem
Verſteigerungslokale Luiſenſtraße 32,34
folgende Pfänder zwangsweiſe gegen
Barzahlung verſteigert werden: (5593
30 Weckeruhren, 10 Küchenuhren, 12
Regulatoren, 4 Schreibtiſchuhren, 19
Doublé=Uhrketten, 1 Standuhr, eine
Büfettuhr, 24 Trauringe, 1 Schreib=
maſchine
(Cictor), 1 Adlerſchreib=
maſchine
, 1 Putzſchrank mit Marmor=
platte
, 1 Ruhebett mit Decke. 1 Gram=
mophon
, 1 runder Tiſch mit Marmor=
platte
, 1 Klavier, 300 Fla chen Wei=
wein
, 10 Kanarienvögel mit Käfi)
25 Vogelkäfige, 1 Kleiderſchrank, ein
Waſchtiſch, ca. 65 Ztr. graue Pappe
1 Sofa, 1 rd. Tiſch, 1 viereck. Tiſch.
1 Warenſchrank. 1 Regal, 2 Laden=
theke
, 1 Perſonenwagen (Chevraulet),
1 Schreibtiſch, 1Grammophon, Möbel
aller Art u a. m.
Ferner im Anſchluß hieran auf Grund
des Bürgerl. G.:B u. des H. G.=B., ſowie
auf Koſten und G fahr derer, die es
angeht:
1 Nähmaſchine und 1 Regulator.
Ferner hieran im Anſchluß an Or
und Stelle im Lokal Rheinſiraße 43:
1 Schreibtiſch, 1 Vertiko, 1 Motorrad
(Henley), 1 Propeller mit Uhr, eine
Kaffeemaſchine, 1 Büfett, 1 Wanduhr
Darmſtadt, den 8. April 1931.
Jungermann

Gerichtsvollzieher in Darmſtadt.

Ein ſehr großes

frdl. möb. Z. m. el.
L. u. Kaff. 25 .
Nd.=Ramſt. Str. 36,II
möbl. Zim z. vm. *
Ruthsſtr. 20, pt.,
mb. Z. m. el. L.z.v.
* ds)

Roßdörferſtr. 23, I.
mb. 3., el. L. ſof.

Schützenſtraße 10
Voß) gut mobl. Z.
m. el. Licht z. vm.*

leeres Zimmer Sonn. möbl. Zim.
(1. St.) ſof. z. vm. f. 5 wöch. z. vm.
Näh. Geſchäftsſt. (* Näh. Geſchäftsſt. (

Große I*dss trocken u. heil,

mit Einfahrt
geeign. f. Groß
Tagerraume Hlg. eb. auch
geteit, ſof. z. verm. Bismarchſtraße 45, Bdh., p.

Laden
mit großem Lagerraum und eventuell
Keller im Hotel Prinz Karl (jetzt Pelz=
waren
) iſt ab Mai zu vermieten. Be=
ſonders
geeignet für Metzgerei. Ange=
bote
von Intereſſenten erbeten. (5548
Hecht, München, Voitſtraße 4.
In beſter Geſchäftslage
Laden mik 2 Schaufenſtern.
div. groß. Nebenräumen, Tor=
fahrt
, Keller mit Aufzug und
Stallung, für Großgeſchäfte
geeignet,
zu vermieten.
Anfrag. u. H. 150 a. d. Gſch.

Uyt meot giinne
mit Küchenbenutzung an ruhige Leute
auf 1. Mai oder ſpäter zu vermieten.
Einfache Mittagskoſt gegen Vergütung
vom Vermieter erwünſcht. Einzuſeh.
vormittags, bis 15 Uhr nachmittags. (*
Stiftsſtraße 103, III.

müssen billig sein das
wissen wir denn es ist
eine bekannte Tatsache,
doß jede Hausfrau, jede
Schneiderin dazu neigt,
beim Ausrechnen der
Herstellungskosten die
Zutaten äußerst niedrig
einzusetzen. Wer also
nicht mehr ausgebenwill
als vorgesehen ist, der
profitiere von unsern
heutigen Angeboten!

schwarz und weiß,
Leinenzwirn, , Sterne
0.05
Dtz.
Patenthosenknöpfe, ikart. 0.0.
Madeldosen, enthalt. ed. 121 läh-
nadeln
, Siopf- und Einzichnadel. . . . 0.09
div. Größen,
Perlmuttknöpfe, Dta. 0.0)
Fingerhüte, dessing - .Stiek 0.05
Stecknadeln, Stahl, as gr Dose 0.05
5 Briefe
Lockennadeln, a as Madein 0.05
Hosenknöpfe, karten, 4 Dt. 0.05
chwarz oder weiß
Nähseide,
5o Meter Rolle 0.00
Armblätter, verschGrößen, Paar 0.10
schwarz u. weiß
Druckknöpfe,
3 Dutzend 0.10
schwrz, 65 od.
Schnürriemen, roo em,3Paar 0.10
weiß,
Halbleinenband,sg Heter 0.10
Scheren zm Ausuchen Stick 0.10
Cummilitze, kseide, 3Ptr. St. 0.10
Rollokordel .... Mt. St. 0.10
200 Stück im
Reißbrettstitte, Karton
0.10
Maschinengärn, aoo Meter,
4fach, schwarr oder weiß . . . . Rolle 0.10
Stopfpilze,poliert . . . . Stück 0.10
Armelhalter, dir Farben, Paar 0.10
Olkännchen
tiek 0.10
Metermale, Wachstuch, Stäck 0.10
Bobbinsband, s4s Mtr, Stäck 0.10
Eisengarn
Einkaufsnetze,
Stück 0.16
10 Knäul
Seidenglanztwist, z rodlster 0.18
Kragenköpfe, Vorder- und
0.18
Nackenknöpfe, I Dutzend sortiert . .
Maschinenöl, hars- und Käure-
frei
, Riesenflasche mit 100 gr.
0.16
Stoptwolle, s verschied. Farben
sortiert auf der 10 gr Karte
0.16
Hosenträgerbiesen
5 Stück auf der Karte
U.40
AZLANOIL!

D)

Cirä

der ideale Plissier und Bügelstift D. R.P.
zur Herstellung einer haarscharfen Bügel-
falte
in Plisseeröcken, Herrenhosen und
anderen Kleidungsstücken, monatelang
auch beiRegenwetter haltbar; einfachste
Anwendung. Kommen Sie zur unver-
bindlichen
Vorführung zu uns.
AAAIA

Nummer 98

Relhstldne O
beſte Lage Darmſtadis iſt per
1. 7. 31 ein neuzeitlich
umgebau er
EADZTT
mit 2 Schaufenſter zu vermieten
Auskunft 1. Stock.
(5591

Dieburgerſtr. 78, I

möbl. Zim. z. vm.

Schloßgaſſe 12 (Kil.
burg) m. 3. ſof.z. v.
Karlſtr. 12, III. mb.
Zim. m. el. L. ſof
o. 15. 4. zu verm.
Martinſtr. 11½, II.
freundl. u. gt. möb.
Zimmer m. el. Licht
ſof. zu verm. (*dom
Schönes möb. Zim.
mit Badbtzg., Neu=
bau
, ruh. Lage, ſof.
z. vm. Näh. Gſchſt.*

Ludwigſtr. 17, II.
frdl. möb. Wohn= u.
Schlafz. ſehr prsw
zu vermieten. (*ds
Friedrichſtr. 26, pt.
beſſ. möb. Zim. mit
el. Licht zu vm. (*
O
Geſucht per 1. Juli
beſchlagnahmefreie
3=Zimm.=Wohnung
mit Bad. Ang. mit
Pr. u. H. 181 Gſch.*
2-Zim.-Wohn.!
Kinderloſ. Ehepaar
ſucht 2 Zimmer
mit Kuche.
Angeb. unt. H. 175
a. d. Geſchäftsſt. (*

Beamtin ſucht
ſchöne 34=Zimm.=
Wohnung m. el. L.
u. Bad in ruh. Hſe.
Mietb.=K. vorh. Ev.
a. Neub.=W. Off. m.
Pr. u. H. 177 Gſch.*
Aelt. kinderl. Ehep.
ſucht
23-3.-Wohng.
in g. Hauſe mit el.
Licht, auch Manſd.
Mietkarte vorh. Ev.
4 Zimm. i. Tauſch.
Angeb. mit Preis
u. H. 178 Geſchſt.

4=Zimm.=Wohnung
(ev. gr. 3=Z.=W.) v.
Beamt. geſ. Mietb.=
Karte vorh. Off. u.
H. 163 a. d. Geſch.*
Aelt. Ehep. ſucht 2=
Zim.=Wohng. Nähe
Marienpl. o. Umg.
Hinterh. nicht aus=
geſchl
., evtl. Tauſch
ein. 3=Z.=W. Ang.
u. H. 159 Geſchſt.*

4-Zim.-Wohn.
mit Lagerraum zu
mieten geſ. Mietb.=
Schein vorh. Off. u.
H. 157 a. d. Geſch.*

Mobl. Zimmer
geſucht
zwiſch. Hochſchulſtad.
u. Heinrichſtr. f. 1.
April. Off. m. Pr.
u. H. 176 Geſchſt.
Groß. leer. Zimmer
mit Kochgel. bis 1.
5. 31 geſ. Ang. mit
Pr. u. H. 162 Gſch.

1 od. 2 möbl. o. un=
möbl
. Zim. (1 B.),
ſep., p. 1.5. geſ. Pr.=
Ang. u. H. 170 Gſch.*
Arbeiter ſucht möb.
Zim., kann 15-18
zahlen. Angeb. unt.
H. 193 a. d. Gſchſt.
Dame ſucht
möbl. Zimmer
m. Penſ. f. 14 Tage
v. 15.30. 4. Ang
m. Pr. u. H.197 Gſch.*

Schneiderin ſ. möb.
Zim. m. Küchenbtzg.
ſofort. Ang. m. Pr
unt. H. 183 Gſchſt.
Jg. kinderlſ. Ehep.
ſucht 12 leere Zim.
mit ſep. Eingang.
Angeb. mit Preis
u. H. 154 Geſchſt.

Kleiderſchrank a. mit
Wäſcheabt. z. kf.geſ.
Rhonring 11, II. (*
Kleiderſchrank.
eintürig, eiche oder
eiche fourn., z. kau=
fen
geſucht. Ang. u.
H. 158 a. d. Geſch.*

Gebrauchte
Kotskrade
ſpottbillig.
Donges & Wieſt
Heinrichſtraße 52,
(5521b)

B. S. A. 350 ccm.
ſpottbillig.
Jahnſtraße 68.

Suche 46 Eßbeſtecke
mit Eßlöffel, nur
Olbrichmuſter, zu
kaufen. Angeb. unt.
H. 171 a. d. Geſch.*
Leiß Leica
a. ähnl. Kleinkam.
g. bar z. kauf. geſ.*
Ang. u. H. 153 Gſch.

Gebr. Waſſer=Uhr
zu kaufen geſucht.
Angeb. unt. H. 192
de-Rad R. 09 an die Geſchäftsſt.*

faſt neu, ſpottbillig. Gutes Klavier geg.
J. Donges & Wieſt, bar zu kaufen geſ.
Heinrichſtraße 52. Ang. u. 5. 190 Gſch.
(4990b)
Bettſtelle m. Draht=
matr
., 1= od. 2tür.
Kleiderſchr., Küchen=
Hotdertaar ſchr, Vertiko, Tiſch
/16 Opel 2=Sitzer, Stühle, Spieg.,Sofa
offen,
od. Diwan z. kf. geſ.
2/50 Opel 6=Sitzer= Ang. u. H. 191 Gſch.*
Limouſine, 6 Zyl.,
Parkarth,beide neu=
A.
wertig, billig abzu=
geben
. Karlſtr. 30.

Garage.
1½ Tonnen=
Hanſa=Llond
ſehr preiswert!
J. Donges & Wieſt
Heinrichſtraße 52.
(4993b)

Seitenwagen
billig zu verkaufen
Riegerplatz 8.
Auter
Lieferwag.
tadellos erhalten,
nur 900.
Donges &. Wieſt.
Heinrichſtraße 52.
(5518b)

Zuro

(Pritſchenwagen)
ſehr billig abzugeb
Donges & Wieſt
Heinrichſtraße 52
(5517b)

4:40 Hür
Noeinger
ſehr preiswert ab=
(5519b
zugeben.
Donges &. Wieſt
Heinrichſtraße 52.

10/50

Wanderer=
Sinbaftne
neu, mit voll. Gar.
abzugeben. (5520b
Donges & Wieſt
Heinrichſtraße 52

Einkagsküken
veiße am. Leghorn,
ſchw. Rheinl. 60 3
Lohnbrut Eivl. 20.3
Bruteier 20 3
Geflügelhof Haag,
Kaſtanien=Allee 71
(Ziegelhütte).
((3910a)
Gelbe Orpingk.
zu verkaufen.
Griesheim b. Dſtdt.
Hintergaſſe 10. (*
Jg. raſſerein. Dtſch.
Schäferhund, Rüde,
zu kaufen geſucht.
Mühlſtraße 41, pr.
Jg. Haſen zu verkf.
Orangerieſtr. 32. *

Schw. Schäferh.
m. rehbraun. Bruſt
ntlaufen. Abzugeb.
g. Bel. Eliſabethen=
ſtr
. 26. Germania.
Wer gibt Auskunft?
Kräftiges, hübſches
ſchwarz=weiß. Katz=
chen
. Naſe gelb. Mal,
buſch. Schwanz, ſeit
26. März vermißt.
Gutenbergſtr. 10, pt,
Belohnung.

Zu kf. geſ.: 3=Zim.=
Haus m. Manſ., ca,
5000 in bar. Off.
u. H. 166 Geſchſt.

Einfam.-Haus
in Darmſtadt oder
Eberſtadt ſofort zu
mieten geſucht.
Offerten unt. H. 156
a. d. Geſchäftsſt.

in angen.
4 mal 3-Zimmer=Haus Wohnl.
1. Stock beziehbar, für 18 000. bei
5000. Anzahl. zu verkaufen durch
P. Hellmund, Immobilien,
Tel. 538.
jetzt Grafenſtr. 4.

M0d. b-Onn. Wognung
zu mieten geſucht. Neuzeitliche
4=Zimmer=Wohnung kann mit in
Tauſch gegeben werden.
Anfragen unter H. 160 a. d. Geſchäftsſt.
Giogerer Saurn
nur in guter Geſchäftslage mit
mindeſtens 2 Schaufenſtern und
Nebenräumen alsbald zu mieter
geſucht.
Ausführliche Offerten über Größe und
Preis unter H. 169 an d. Geſchäftsſt. *d

Wer ſtellt ſchlüſſelf.
Neubau
her geg. Abgabe v.
Ang.
Siedl.=Gel
u. H. 94 Gſch. (*md

Bei 15 000 Anz=
ſuche
ich in Gegend
Frankfurterſtraße,
Martinsviertel
45=Zimmer=
Ekagenhaus.
Nur preisw. Obj.
kom. i. Frage. Ang.
unt. H. 201 Gſchſt.*

O
Wrdeu

vergeudet nutzlos Geld. Die praktisch denkende
Hausfrau kennt den sichersten Weg zur Erlangung
guten Hauspersonals: die kleine Anzeige im werbe-
starken
Darmstädter Tagblatt!

[ ][  ][ ]

Nummer 98

Donnerstag, den 9. April 1931

Seite 5

Aus der Landeshaupkſtadk.
Darmſtadt, den 9. April 1931.
Das neue Reiſebüro des Verkehrsvereins.
Wie recht der V.V. mit der Verlegung ſeines Reiſebüros von
der unteren Rheinſtraße nach dem Luiſenplatz 4, neben dem Land=
tagsgebäude
, hatte, iſt daraus zu erſehen, daß bereits am erſten
Tage ein ganz außerordentlicher Zuſtrom von Intereſſenten feſt=
zuſtellen
war. Damit iſt der Beweis erbracht, daß die Verlegung
un das Stadtzentrum einem dringenden Bedürfnis des Publikums
en tgegenkam: Der V.V. unterhält dieſes Reiſe= und Verkehrsbüro
urt großen Opfern, da es ihm weniger auf einen nennenswerten
herdienſt ankommt, als vielmehr darauf, ſowohl den Einheimi=
gen
als auch den Fremden jede Möglichkeit zu einer genügenden
Kriſe=Information zu verſchaffen. In Reiſedingen wird es für
errienigen praktiſch keine Unklarheiten mehr geben, der ſich des
Keiſe= und Verkehrsbüros bedient. Abgeſehen davon, daß das
Bäro als alleiniges in Darmſtadt ſämtliche Fahrkarten der Deut=
hen
Reichsbahn zu den amtlichen Fahrpreiſen verkauft, iſt es auch
nöglich, Fahrſcheinhefte, zu bekommen Flugkarten zu kaufen,
Brätze auf Dampferlinien zu belegen, kurz, ſich jede Annehmlich=
et
zu verſchaffen, wie es der moderne Reiſende heutzutage ge=
pöhnt
iſt.
Im Intereſſe der Verkehrsentwicklung unſerer Stadt iſt es ge=
exen
, daß das Reiſe= und Verkehrsbüro des V. V. im Bedarfsfalle
orr jedem Einzelnen aufgeſucht wird. Darüber hinaus iſt das
Brro ſelbſtverſtändlich bereit, auch für Behörden, Wirtſchaftsver=
ſännde
oder irgendwie ſonſtige Vereinigungen tätig zu ſein.
Auf Wunſch werden auch telephoniſche Beſtellungen unter Nr.
2r entgegengenommen. Fahrkarten oder Fahrſcheinhefte können
urch Boten überbracht werden.
Eines iſt allerdings auszuſetzen: In der Nähe des neuen Ver=
ehrsbüros
iſt ein Transparent angebracht, bedauerlicherweiſe
ber nicht ſehr wirkungsvoll. Vorteilhafter und zweckmäßiger
re es geweſen, dieſes Transparent an der Ecke Luiſenplatz, Wil=
e
minenſtraße ſo zu befeſtigen, daß man es auch von der Wilhel=
nimenſtraße
aus ſehen könnte.

Arbeitsjubiläum. Herr Peter Delp, Rheinſtraße 25, be=
ept
am heutigen Tage ſein 25jähriges Arbeitsjubiläum als Haus=
Unfiſter bei der Firma Gebr. Trier, Darmſtadt.
Hohes Alter. Der Sanitäts=Strafanſtalts=Oberwachtmeiſter
R. Herr Georg Menger, Heinheimerſtraße 58 feiert heute
n. Kreiſe ſeiner Familie in körperlicher und geiſtiger Friſche
einen 82. Geburtstag.
Hohes Alter. Am Freitag, den 10. April, begeht der Maler=
e
ilfe i. R. Jeremias Rühl, dahier, Liebfrauenſtr. 113 II.,
einen 86. Geburtstag.
Deutſch=Evangeliſcher Frauenbund, Ortsgruppe Darmſtadt.
Wurtrag Galliſon. Man ſchreibt uns: Wir fügen den über
a weſter Galliſon in der Nummer vom 2. April gebrachten No=
zen
noch folgendes hinzu: Schweſter Galliſon fühlt, das merken
di ihren Berichten an, die Wucht der Verantwortung, die auf
h., der evangeliſchen deutſchen Frau ruht. Bei ihrem Wirken
nAmerika zur Zeit des Weltkrieges und nach demſelben ſcheut ſie
eirte Mühe, keine noch ſo großen Strapazen, um überall da wo
och Funken des Verbundenſeins der eingewanderten Deutſchen
rir der alten Heimat zu erſpähen ſind, ſolche zu entfachen und
um Glühen zu bringen. Schweſter Galliſon erreicht dadurch dreier=
ei
- 1. Das bewußte Deutſchtum fürchtet ſich nicht mehr, ſich als
ces zu zeigen; 2. den Brüdern und Schweſtern in der alten Hei=
ck
werden in großer Not ungeahnte Hilfsquellen erſchloſſen; 3.
arnd und Leute von fernen, unbekannten Gegenden werden uns
allebendiger Schilderung nahe gebracht, ſo nahe, wie dies eben
ur möglich iſt, wenn man in ſo enge Fühlung mit ihnen kommt,
zue dies bei Schweſter Galliſon der Fall war. Wir hoffen ſehr,
ai: auch viele Nichtmitglieder unſerer Ortsgruppe Sonntag, den
2. April, nachmittags 6 Uhr, den Weg zur Stadtkapelle finden,
m. die tapfere deutſche Frau zu hören und dadurch mitzuhelfen,
das Werk einer anderen Frau, das vielen Kindern unſerer
n! Weltkrieg gefallenen Krieger Heimat und Erziehung gewähr=
iſtet
, zu Ende geführt werden kann. Wir meinen das Werk Elſa
unndſtröms, dem der Ertrag von Schweſter Galliſons Vortrag
aft ießt.
Mietunterſtützungen. Die Tage der Ausgabe der Miet=
uRcheine
für den Monat April 1931 ſind aus der heutigen Be=
amntmach
ng zu erſehen. Hinſichtlich der Ausgabetage der Gut=
häne
für die nachfolgenden Monate wird auf den Aushang in
en Geſchäftsräumen der Stadtkaſſe im Amtsgebäude Waldſtr. 6
erwieſen.
Heſſiſches Landeskheaker.

Heſſiſches Landestheater. Heute findet im Kleinen Haus
mn= Wiederholung der komiſchen Oper Blaubart, von
Offenbach in der Bearbeitung von Renato Mordo ſtatt. Das
ſü nenbild beſorgt Elli Büttner. Die Beſetzung iſt die gleiche
ſie am Premierenabend. Freitag, den 10. April, gelangt
eeckhovens Oper Fidelio im Großen Haus unter muſika=
ſcher
Leitung von Dr. Karl Böhm zur Aufführung. Die Leo=
dre
ſingt Johanna Heſſe=Köln. In den übrigen Hauptrollen:
htEler, Herrmann, Lohmann, Harre, Vogt. Samstag, den
April, findet im Kleinen Haus um 15. 17.30 und 20.15 Uhr
Eröffnung der Ufa=Bildſpiele mit dem Colin=Roß=Tonfilm
IGtung, Auſtralien Achtung Aſien! ſtatt. Neben
im Hauptfilm läuft ein reichhaltiges Beiprogramm. Als nächſte
uſf ührung iſt das erfolgreichſte Luſtſpiel der Ufa. Die drei
on der Tankſtelle mit Lilian Harvey und Willy Fritſch
irg eſehen. Sonntag, den 12. April, geht um 18.30 Uhr
u) a von Verdi unter muſikaliſcher Leitung von Karl Maria
visler mit Julie Schützendorf=Körner in der Titelpartie in
fere. Wahlgutſcheine beſchränkt gültig. Im Kleinen Haus wird
1 5 17,30 und 20,15 Uhr das Filmprogramm vom Samstag
1ed erholt. Am 14. April gaſtiert Curt Götz mit Valerie
m Martens und ſeinem eigenen Enſemble im Kleinen Haus
ſeinen luſtigen Einaktern Die tote Tante und Der
1örder. Letzteres iſt in Darmſtadt noch nicht geſpielt worden,
ührend Die tote Tante bei dem letzten Gaſtſpiel Curt Götz;
nern ganz außergewöhnlichen Erfolg erzielte Der Vorverkauf
Mieter beginnt heute, der allgemeine Verkauf ab Freitag,
mn : 10. April.

Sorlondang von ſtenemioſen kaufmannſchen Angeſteiten
Gurw oas Arbensamt Burmſiäer.

Von Franz Gander, Leiter der Angeſtellten=Vermittlung.

Wenn das Geſetz über Arbeitsvermittlung und Arbeits=
loſenverſicherung
neben dem Bezug von Unterſtützung und der Be=
treuung
der Stellenſuchenden durch die zuſtändigen Fachvermittler
eine weitergehende Bedeutung durch berufliche Bildungsmaßnah=
men
vorſieht, ſo entſpricht dieſe Vorſorge vollkommen den Erfah=
rungen
und Erforderniſſen der Vermittlungspraxis. In Ausfüh=
rung
der betreffenden Beſtimmungen iſt es ganz ſelbſtverſtändlich,
daß nur ſolche Bildungsmaßnahmen in Frage kommen, die für die
Reichsanſtalt nutzbringend, alſo von wirtſchaftlichem Wert ſind.
Haben ſie doch in erſter Linie die Aufgabe, die Unterbringung der
Arbeitsloſen in Arbeit zu erleichtern, insbeſondere Empfänger
von Arbeitsloſenunterſtützung der Arbeitsloſigkeit zu entziehen.
Sie ſollen aber auch ferner dazu beitragen, den Bedarf an Arbeits=
kraften
entſprechend den wechſelnden Bedürfniſſen der Wirtſchaft
zu befriedigen. Und gerade die letzteren Gründe ſind es, die heute
die Durchführung von Kurſen durch das Arbeitsamt infolge Ein=
führung
neuzeitlicher, rationeller Arbeitsmethoden im Wirt=
ſchaftsleben
zweckmäßig und erforderlich erſcheinen laſſen; denn
die Arbeitſuchenden, unter denen ſich z. Zt. viele tüchtige Kräfte
befinden, ſollen nicht nur mit der Arbeitsweiſe in ihrem Beruf
vertraut bleiben, vielmehr müſſen ſie den erhöhten und veränder=
ten
Anforderungen angepaßt werden. Dabei iſt zu berückſichtigen,
daß ſpeziell die langfriſtigen Arbeitsloſen überwiegend nicht in
der Lage ſind, die zu ihrer beruflichen Vervollkommnung notwen=
digen
Mittel aufzubringen. Es beſteht ſomit die Gefahr noch län=
gerer
Arbeitsloſigkeit bzw. größeren Unterſtützungsbezuges.
In Erkenntnis all dieſer Geſichtspunkte hat das Arbeitsamt
Darmſtadt, wie in den Vorjahren, auch im verfloſſenen Winter=
halbjahr
u. a. Fortbildungskurſe für kaufmänniſche Angeſtellte in
eigener Regie durchgeführt. Die Kurſe, die wiederum unter der
Aufſicht des Stadtſchulamts Darmſtadt ſtanden, wurden in den
Räumen der Geſchäftsſtelle des Arbeitsamts, Luiſenplatz 4, I, dem
Sitz der Angeſtellten=Vermittlung, abgehalten.
Im Gegenſatz zu dem früheren, rein ſchulmäßigen Unterricht
vollzog ſich dieſes Mal die Schulung in der Form von Scheinfir=
men
nach dem Aufbau regelrechter Unternehmungen. Induſtrie=
betrieb
, Handelsgeſchäft, Korreſpondenzpartnerbetriebe. Die Un=
terrichtsmethode
war dazu geeignet, die von den Teilnehmern in
der Praxis erworbenen Kenntniſſe nochmals theoretiſch zu feſtigen,
zu vertiefen, zu erweitern und praktiſch zu erleben. Dem Grund=
ſatz
der ſelbſtändigen Aufgabenlöſung, des Heranwagens an ſchwie=
rige
Geſchäftsvorfälle und deren Ueberwindung in kaufmänniſch
kluger Weiſe, war in jeder Hinſicht entſprochen worden. Mit be=
wundernswertem
Eifer und verſtändnisvoller Hingabe ſind die
Teilnehmer dem Unterricht gefolgt. Es wurden folgende Fach=
gebiete
behandelt:
Handelskunde, Wechſellehre, Buchhaltung, auch Durchſchreibe=
buchführung
, Korreſpondenz, kaufmänniſches Rechnen, Steno=
graphie
, Maſchinenſchreiben. Daneben ſind beſondere Wirt=
ſchaftsfragen
beſprochen und, auf Anregung mehrerer Teilneh=
mer
, von dieſen ſelbſt Vorträge über beſtimmte, ihnen beſon=
ders
gut gelegene Fächer gehalten worden.

Großes Haus Kleines Haus ſor nerstag,
9. April KMf Nie
Sturm im Waſſerglas
Dſto(. Volksb. Gruppe 1-/
G20 u M5 Pr. 110 Mk 2022.15 Uhr
Blaubart
Zuſatzmiete V 11
Gr. 7 u. 8 1.208 Mk. fettag,
10. April 19.30, Ende nah 22 Uhr
Fidelio
Darmſt. Volksb. Gr. II7
8 10
Preiſe 110 Mk
Gutſcheine beſchränkt gültig 20.3022 Uhr
Dritter Kammermuſikabend des
Schnurrbuſch=Quartetts
Preiſe 1, 2, 3 Mk.
amistag
11. April 19,30. Ende gegen 22.15 Uhr
Tnrandot
E21
Preiſe 110 Mk. 15, 17.30, 20.15 Uhr
Erſtaufführung des Colin=Roß=
T.nſi.ms: Achtung Auſtralien,
Achtung Aſien!"
Preiſe 0 8 2 80 onntag,
12. April 18,302: Uhr
Aida
A21
Preiſe 1 bis 10 Mk.
Wahlgutſcheine beſchränkt gültig 15, 17.30, 20.15 Uhr
Colin=Roß=Tonfilm:
Achtung Auſtralien,
Achtung Aſſen!
Preiſe 0.802.80 jor tag,
7 13. April 20, Ende gegen 22 Uhr
8 Sinfonie=Konzert
Preiſe 1.208 Mr. 15, 7 30, 20 15 Uhr
Colin=Roß=Tonfilm:
Achtung Auſtralien,
Achtung Aſſen!?
Preiſe 0.802 80 Mk.

Die Kurſe endigten mit einer ſchriftlichen und mündlichen Prü=
fung
. Letztere war mit einer Ausſtellung der ſchriftlichen Prü=
fungsarbeiten
der Teilnehmer verbunden. Außerdem waren in
geſchickter Weiſe die geſamten Arbeitsvorgänge aufgebaut, wie ſie
ſich, ganz auf die Praxis zugeſchnitten, im Kurſus abwickelten.
Die mündliche Prüfung wurde in Anweſenheit von Vertre=
tern
des Stadtſchulamts, der ſtädtiſchen Handelsſchule, der kauf=
männiſchen
Berufsſchule, und der wirtſchaftlichen Vereinigungen
der Arbeitgeber und Arbeitnehmer abgehalten. Das Ergebnis der
Prüfung iſt durchaus zufriedenſtellend. Gerne benützt das Ar=
beitsamt
die Gelegenheit, allen, die zur Unterſtützung und zum
guten Gelingen der Sache beigetragen haben, nochmals ſeinen ver=
bindlichen
Dank auszuſprechen.
Erwähnt ſei noch, daß den Teilnehmern ein Zeugnis ausge=
ſtellt
wurde, das eine gewiſſenhafte Begutachtung der tatſächlich
feſtgeſtellten Leiſtungen enthält.
Es zeigte, ſich erneut, daß die Durchführung der ſo wichtigen
Aufgaben der Arbeitsloſenſchulung eine außerordentlich wertvolle
Ergänzung. Vertiefung und Schulung der beruflichen Kenntniſſe
bedeutet. Nicht Schulung bis zur höchſten Leiſtungsfähigkeit iſt
Zweck und Ziel, der Bildungsmaßnahmen, ſondern Erhaltung,
Wiederherſtellung und Hebung der Vermittlungsfähigkeit. Dabei
ſind aber auch die übrigen Werte und Wirkungen derartiger
Kurſe, gerade in Zeiten übergroßer Arbeitsloſigkeit, nicht zu ver=
kennen
. Nur einige Vorzüge ſollen hier angeführt werden:
Neben moraliſchen und erzieheriſchen Erfolgen, Bekämpfung
der demoraliſierenden Einflüſſe einer langfriſtigen Arbeitsloſig=
keit
, Verringerung der geiſtigen und ſeeliſchen Not der Arbeits=
loſen
, Erhalkung der Freude am Beruf, der Arbeitsdiſziplin, der
Energie und Willenskraft, Steigerung des Lebensmuts und Selbſt=
vertrauens
. Mit anderen Worten ausgedrückt, die Geſunderhal=
tung
der Arbeitskraft und damit, als weſentlicher Faktor, das
Reiferhalten der Bewerber zur Vermittlung.
In dieſem Zuſammenhang verdient die ebenfalls an dieſer
Stelle bereits beſprochene bedeutungsvolle Einrichtung des
Abenddienſtes in der Angeſtellten=Vermittlung des Arbeitsamts
Darmſtadt. Geſchäftsſtelle Luiſenplatz 4, I. Erwähnung. Der Abend=
dienſt
ſoll der Beratung der noch in Stellung befindlichen An=
geſtellten
dienen, vor allem, um einer übereilten und gegebenen=
falls
verfehlten Stellungsaufgabe vorzubeugen. Speziell den ge=
kündigten
Angeſtellten ſoll es möglich ſein, ſich frühzeitig zur Ver=
mittlung
zu melden. Im übrigen erſtreckt ſich die Beratung ganz
allgemein auf die berufliche Fortbildung der Angeſtellten, den
Forderungen der Zeit entſprechend
Bei beabſichtigtem Stellenwechſel ſollte kein Angeſtellter ver=
ſäumen
, ſich der Einrichtung zu bedienen.
Jedem in gekündigter Stellung ſtehenden Angeſtellten iſt
dringend zu raten, unverzüglich nach Ausſpruch der Kündigung
die Vermittlungsſtelle aufzuſuchen und nicht erſt bis zum Eintritt
der Arbeitsloſigkeit zu warten.
Abenddienſtſtunden allwöchentlich Mittwochs zwiſchen 18 und
20 Uhr, Luiſenplatz 4, I.

Die Ortsgruppe Darmſtadt des Hypotheken= und Sparer=
Schutzverbandes hielt im Fürſtenſaal ihre Mitgliederverſammlung
ab. Der Vorſitzende, Dr. Schnerr, gab zur Eröffnung einen
Rückblick auf die Arbeit des vergangenen Jahres in der Orts=
gruppe
, dem Landes= und Reichsverband mit beſonderer Erwäh=
nung
des Aufwertungskongreſſes zu Stuttgart Ende November
1930, an dem nicht bloß namhafte deutſche, ſondern auch Schweizer
Wirtſchaftsſachverſtändige teilnahmen, und auf dem feſtgeſtellt
wurde, daß zur Beſchaffung von Arbeit und Brot und zur Be=
ſeitigung
der untragbaren Tributlaſten eine gerechte Regelung
der Aufwertungsfrage notwendig ſei, da neben der Kriegsſchuld=
lüge
vor allem auch die Entſchuldungslüge die deutſche Not der
Gegenwart herbeigeführt habe. Der Redner, Lehrer i. R. Löw.
trug das Ergebnis der Rechnung von 1930 vor unv erhielt nach
dem Bericht über die Rechnungsprüfung Entlaſtung und Dank
für ſeine verdienſtvolle Tätigkeit. Der Vorſtand wurde einſtimmig
wiedergewählt, auch wurde noch mitgeteilt, daß die Mitglieder
von April wieder ein monatliches Mitteilungsblatt erhalten. Da=
neben
werden das Deutſche Volksrecht in Berlin, die Selbſt=
hilfe
in Stuttgart und die Volksrechtzeitung in Leipzig zum
Selbſtbezug empfohlen. Darauf hielt Juſtizrat Lindt einen hoch=
intereſſanten
Vortrag über Steuern und mangelnden Steuer=
ſchutz‟
. Er ging aus von der erregten Lage der Gegenwart die
geue Formen der politiſchen Arbeit erfordere, vor allem Auf=
klärung
auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens. Dieſe Auf=
klärung
fehle auch vielfach in den Steuerfragen zum Schaden der
betroffenen Staatsbürger. Seit 1925 hätten wir eine Reform
der Steuerrechtspflege, die aber vielfach darunter leide, daß die
Finanzämter Gläubiger und Richter in einer Perſon ſeien; auch
bei der Berufungsinſtanz läge oft die verwaltende und recht=
ſprechende
Tätigkeit in einer Hand. Unter Hinweis auf einen Ar=
tikel
im Darmſtädter Tagblatt wird die Frage erörtert, ob es
berechtigt ſei, daß der Staat, wenn er Steueranſprüche geltend
mache Gebühren und Koſten erhebe. An Steuerbeſcheide
wird der Anſpruch geſtellt, daß aus ihnen hervorgehe, auf Grund
welcher Tatſachen die Höhe des Steueranſpruchs entſtanden iſt,
an Steuergeſetze, daß ſie gemeinverſtändlich ſeien,
was bei einer Reihe von Geſetzen, insbeſondere auch bei dem
Sonderſteuergeſetz nicht zutreffe. In Deutſchland werde ein
Steuerbeſcheid ſofort vollſtreckbar, auch wenn Berufung eingelegt
werde, in der Schweiz dagegen, die überhaupt vielfach vorbildliche
Geſetze habe werde eine Steuer erſt rechtskräftig, wenn die Rechts=
mittel
erſchöpft ſeien. Bei den Steuerausſchüſſen wird
bemängelt, daß ſie durch die Organe der Selbſtverwaltung ge=
wählt
, und daher oft nach parteipolitiſchen Grundſätzen zuſam=
mengeſetzt
ſeien; empfohlen wird eine Wahl nach Berufen durch
die einzelnen Berufsgruppen. Verlangt wird, daß der, welcher
Berufung einlegt, vor der Entſcheidung noch gehört wird, und
daß nicht bloß auf Grund vorheriger ſchriftlicher Aeußerung ent=
ſchieden
wird. Auch die Friſt zur Beantwortung von Anfragen
ſoll hinreichend ſein und mindeſtens eine Woche betragen. Ein
Fehler ſei es bei der Reform des Steuerrechtes geweſen, daß man
gewichtige Aeußerungen, wie die des Juriſtentages in Bamberg
von 1921 und die des Anwaltvereins, ſowie ſonſtige Vorſtellungen
ignoriert habe. Beſprochen wird ſodann noch die Frage der
Offenlegung der Steuerliſten, ihr Für und Wider erörtert und
betont, daß Gerechtigkeit des Staates und gemeinverſtändliche
Steuergeſetze das beſte Mittel zur Hebung der Steuermoral ſeien.
Getadelt wird, daß heute noch 10 Prozent Steuerverzugszinſen er=
hoben
werden, auch wird zum Schluß noch im Anſchluß an ein
Geſpräch Goethes mit Eckermann über Fauſt 2. Teil, auf die un=
heilvolle
Wirkung der Inflation für den Staatsbürger wie auch
für die Staatsfinanzen hingewieſen. Allgemeiner Beifall dankte
dem Redner für ſeine gehaltvollen Ausführungen. Nachdem in
der Ausſprache noch die Forderung nach Klarheit und Kürze der
geſetzlichen Beſtimmungen unterſtrichen und verſchiedene Einzel=
fragen
erörtert worden waren ſchloß der Vorſitzende mit noch=
maligem
Dank an den Redner die Verſammlung.
Unterrichtskurſe in Kurzſchrift und Maſchinenſchreiben er=
öffnet
heute abend der Gabelsberger Stenographenverein, der in
dieſem Jahre auf ein 70jähriges Beſtehen zurückblicken kann. Der
Verein macht nochmals darauf aufmerkſam, daß die Kurſe in der
Ballonſchule um 20 Uhr beginnen. Die Leitung der Lehrgänge
liegt in den Händen ſtaatlich geprüfter Lehrkräfte. (Näheres iſt
aus der heutigen Anzeige erſichtlich.)

Eine Erholungsreiſe iſt billiger als keine!
RDV. Zu den Artikeln Eine Erholungsreiſe iſt billiger als
keine! (Deutſche Verkehrsblätter Nr. 12 und 13) haben wir eine
Anzahl Zuſchriften erhalten, die wie wir gern feſtſtellen faſt
alle der Anſicht, daß eine Erholungsreiſe in heutiger Zeit
lebensnotwendig iſt, zuſtimmen. Der Vorſchlag, der von
Frau Hildegard Margis vom Standpunkt der Hausfrau aus ge=
macht
wurde, durch Feſtſetzung von Pauſchalpreiſen die
Ueberſicht über die entſtehenden geſamten Reiſekoſten zu
erleichtern, hat bereits in viel größerem Umfange, als der Oeffent=
lichkeit
bekannt zu ſein ſcheint, Verwirklichung gefunden. Aus zahl=
reichen
deutſchen Bädern, Luftkurorten und Städten werden uns
die neueſten Proſpekte für dieſen Sommer zugeſandt, aus denen
ſich ergibt, daß ſelbſt in kleinen Plätzen der Gedanke der Pauſchal=
preiſe
überall Eingang gefunden hat. So haben z. B.
faſt alle oberbayeriſchen Erholungsorte, in dieſem Jahre
ſehr vorteilhafte Pauſchalpreiſe für eine Woche, in drei verſchie=
denen
Hotel= bzw. Penſionskategorien, eingeführt. Auch in ver=
ſchiedenen
Oſtſeebädern ſind Einheitspreiſe für eine Woche
feſtgeſetzt worden, die es ermöglichen, ſchon für 48 Mk. den geſam=
ten
Aufenthalt, von der Ankunft bis zur Abreiſe, mit einziger
Ausnahme der Getränke, zu beſtreiten. Unter den deutſchen Heil=
bädern
iſt kaum eines mehr zu finden, das nicht genaueſt auskal=
kulierte
Pauſchalkuren für 3 und 4 Wochen eingeführt hätte;
verſchiedene Bäder ermöglichen außerdem beſondere Mittelſtands=
kuren
zu einem noch weiter ermäßigten Geſamtpreiſe. Gerade bei
einer Badereiſe wird eine ſolche Heilkur zu einem feſten Geſamt=
preiſe
beſonders angenehm empfunden werden, weil darin nicht
nur die Koſten für Wohnung, Verpflegung, Bedienung enthalten
ſind, ſondern auch die Ausgaben für Kurtaxe, und vor allem für
die Kurmittel (Bäder und Trinkkur ſowie ärztliche Unterſuchung
und Kurüberwachung, bei freier Arztwahl).
Schließlich kann man heute auch bei größeren Reiſen, bei
denen man nicht einen Platz zum feſten Standort wählt, ſondern
von Ort zu Ort reiſt, auf die bequemſte Weiſe durch Vermittlung
eines großen Reiſebüros, alle Reiſeerforderniſſe vor Antritt der
Reiſe einkaufen, ohne daß man dabei etwateurer rei=
ſen
würde, als ohne Beanſpruchung des Reiſebüros. Dieſe im
Ausland ſeit langem bekannte und bewährte Form zu reiſen, die
man als Forfait= oder Akkord=, auch Pauſchalreiſe bezeichnet, fin=
det
auch in Deutſchland immer mehr Anhänger, weil ſie das Rei=
ſen
außerordentlich erleichtert.

Konzert des Sängerchors der Beſſunger Turngemeinde 1865
am 18. April. Die intereſſante Vortragsfolge iſt zeitgenöſſiſchen
Tonſetzern gewidmet. Mit Werken von Hans Sachße Paul Grae=
ner
und Arnold Mendelsſohn wird der vokale Teil beſtritten. Karl
Goepfart kommt mit einem Kammermuſikwerk für Holzblasinſtru=
mente
zu Wort. Die Leitung hat Kapellmeiſter Friedel Fiſcher,
dem außer dem 60 Sänger ſtarken Chor folgende Mitwirkende zur
Seite ſtehen: Suſanne Horn (Sopran), L. Löffler (Flöte), W.
Botterbuſch (Oboe), K. Pauly (Klarinette), G. Masmann ( Fa=
gott
), Ph. Schweitzer, Lehrer an der Städt. Akademie für Ton=
tunſt
. und W. Dotzert (Gitarre). Die Holzbläſer ſind Mitglieder
des Städt. Orcheſters.
Orpheum. Die Vielen, welche die impoſante Farbenpracht
der Revue Der Chic von Paris ſchon geſehen haben und auch die,
welche ſich den Beſuch der Prunkſchau noch vorgenommen haben,
werden mit Intereſſe hören, daß zu den Koſtümen mehr als 3000
Meter Samt und Seide verarbeitet wurden. 20 Millionen große
und kleine Pailetten waren anzunähen eine Arbeit, die von
45 Schneiderinnen in vielen Tagen und Nächten bewältigt wurde.
Allein an dem Zwiſchenvorhang, der allabendlich die Bewunde=
rung
der Beſchauer erregt, ſind annähernd 2 Millionen dieſer
blinkenden Blättchen. Das Bild Der rote Fächer ein uner=
hörter
Farbenrauſch, wird hervorgerufen von den unzähligen, in
allen Farbenſchattierungen verwandten Straußfedern, die einen
Wert von 20 000 Mark präſentieren. Die Revue iſt nur noch bis
zum 15. d. M. auf dem Spielplan, der Beſuch kann nur empfohlen
werden. Kartenverkauf in den bekannten Verkaufsſtellen. Tele=
phoniſche
Beſtellung unter 389. (Siehe Anzeige.)

Suppen
MMLIT
Pfg
Kosel naf lioti

der Würfel

[ ][  ][ ]

Seite 6

Donnerstag, den 9. April 1931

Nummer 98

* wertſcheinheft une Barorarfe.

Von Dr. jur. Roeſener, Darmſtadt.

Iür Aullfgeftänang der Reichsbagn.
Die Erkenntnis, daß auch im Perſonenverkehr dem ſtändig zu=
nehmenden
Wettbewerb des Kraftwagens mit großzügigen Maß=
nahmen
begegnet werden muß, hat die Reichsbahn veranlaßt, in
eine Prüfung der Frage einzutreten, in welcher Weiſe durch ta=
rifariſches
Entgegenkommen die Wettbewerslage, der Schiene ver=
beſſert
werden kann. Wie zuverläſſig verlautet, haben die inter=
nen
Beratungen der Reichsbahn zu dem Ergebnis geführt, daß
man eine Ausdehnung der bisher, von Ausnahmefällen abgeſehen,

tigung geben innerhalb eines beſtimmten genau abgegrenzten Be=
zirkes
die Eiſenbahn zu benützen.
Es muß mit allem Nachdruck ausgeſprochen werden, daß eine
Perſonentarifreform, die ſich auf die Einführung von Bezirkszeit=
karten
beſchränken würde, den Forderungen der Zeit nicht zu enk=
ſprechen
geeignet wäre. Es kommt vielmehr entſcheidend
darauf an, bei der durch die Sachlage dringend gebotenen Auf=
lockerung
der Reichsbahntarife die Freizügigkeit
der Tarifermäßigungen ſicherzuſtellen. Es iſt
ſchlechterdings nicht einzuſehen warum ein Reiſender, deſſen Eiſen=
bahnfahrten
vielleicht nur auf ſehr kurze Strecken oder einen ſehr
eng begrenzten Gebietsteil beſchränkt ſind, ſehr große Fahrpreis=
ermäßigungen
gegenüber dem Normaltarif genießen ſoll, während
ſolche Reiſende, die Tauſende von Kilometern auf der Bahn auf
den verſchiedenſten Strecken zurücklegen, ohne jede Ermäßigung
des durch die Tributlaſten überteuerten Normaltarifs bleiben ſol=
len
. Dem Geſichtspunkt des Wettbewerbs des Kraftwagens kön=
nen
ſolche bezirklich beſchränkte Ermäßigungen, wie ſie die Be=
zirkszeitkarte
darſtellen würde, nicht genügen. Wilb man dem
Kraftwagen wirkſam begegnen, der in Raum und Zeit
über eine Freizügigkeit verfügt, wie ſie der Schienenweg
nie wird erreichen können, ſo muß bei der Tarifgebarung der
Eiſenbahn dieſem Geſichtspunkt der Freizügigkeit ſoweit wie nur
irgend möglich entſprochen werden.
Dieſer Forderung trägt die von maßgebenden Organiſationen
immer wieder gegebene Anregung auf Einführung eines Kilo=
meterheftes
vom Standpunkt des reiſenden Publikums
aus geſehen in geradezu idealer Weiſe Rechnung: Das Kilo=
meterheft
, das gerade bei uns im Weſten als eine beſonders be=
liebte
Einrichtung der ehemaligen Badiſchen Staatseiſenbahnen
noch in beſter Erinnerung iſt, gewährt die Möglichkeit, auf belie=
bigen
Strecken jede beliebige Entfernung zu einem ermäßigten
Preiſe zu fahren. Die Reichsbahn ſteht den Anregungen auf Wie=
dereinführung
des Kilometerheftes allerdings ablehnend gegen=
über
, und zwar aus abfertigungstechniſchen Bedenken heraus.
Dieſe Bedenken wird man nicht ohne weiteres als unbegründet
bezeichnen können. In der Tat iſt es weſentlich ſchwieriger, in
einem ſo weitverzweigten Verkehrsgebiet wie demjenigen der
Deutſchen Reichsbahn eine Einrichtung zu treffen, die im be=
ſchränkten
Gebiet der ehemaligen Badiſchen Staatsbahnen mög=
lich
war.
Vom Standpunkt der Verkehrsintereſſenten aus iſt es daher
geboten, bei der weiteren Behandlung der Frage mit allem Nach=
druck
die Forderung der Freizügigkeit für die neu zu ſchaffenden
Tarifermäßigungen zu erheben und hierbei nach Möglichkeit der
Reichsbahn Löſungen vorzuſchlagen, die in gleicher Weiſe dem In=
tereſſe
dieſes unſeres führenden Verkehrsunternehmens wie den
berechtigten Belangen des reiſenden Publikums entſprechen. In
dieſem Sinne wird der Vorſchlag der Einführung eines Wert=
ſcheinheftes
zur Erörterung geſtellt, der unter Aufrechter=
haltung
des dem Kilometerheft weſenseigenen Grundgedankens
eine Berechnung der Leiſtungen der Bahn ſtatt nach Kilo=
metern
nach der geſetzlichen Währung der Reichsmark unter
Zugrundelegung des Normaltarifs vorſieht. Das Wertſchein=

heft iſt ſo gedacht, daß die Reichsbahn Ausweiſe in Heftform her=
ausbringt
, die auf einen beſtimmten Nennwert lauten und mit
gewiſſen Preisnachläſſen herausgegeben werden. So könnte man
dazu gelangen, drei Arten von Wertſcheinheften herauszubringen,
bei denen ſowohl Wert wie auch Geltungsdauer und Nabattſatz
entſprechend zu ſtaffeln wären, nämlich ein kleines Wertſchein=
heft
. gültig 2 Monate mit einem Wert von 100 RM. und einem
Nachlaß von 10 Prozent zum Preiſe von 90 RM., ein mittleres
Wertſcheinheft mit einer Gültigkeitsdauer von 6 Monaten, einem
Wert von 300 RM., einem Nachlaß von 15 Prozent und einem
Preiſe von 255 RM., ein großes Wertſcheinheft mit einer Gül=
tigkeitsdauer
von 1 Jahr, einem Wert von 1000 RM., einem Nach=
laß
von 20 Prozent und einem Preiſe von 800 RM. Das Wert=
ſcheinheft
hätte in kleinen Scheinen auf perforierten Bogen die
entſprechende Anzahl von Wertſcheinen auf je 1 RM zu enthal=
ten
. Die Entnahme der Fahrkarten würde unter Vorlage des
Wertſcheinheftes am Schalter erfolgen, wobei der Schalterbeamte
die Wertſcheine herauszunehmen und ſie ſtatt baren Geldes zu
vereinnahmen hätte. Spitzenbeträge von Pfennigen wären in je=
dem
Falle in bar zu entrichten. Die Wertſcheinhefte wären auf
Namen auszuſtellen, wobei aber engere Familienange=
hörige
an der Vergünſtigung müßten teilnehmen dürfen.
Der vielfach in die Erörterung geworfene Gedanke der Ein=
führung
eines Generalabonnements ſtößt, wie die Dinge
zurzeit noch liegen, auf einige Schwierigkeiten. Die Größe des
Reichsbahngebietes würde einen verhältnismäßig ſehr hohen Be=
trag
für eine ſolche weitgehende Fahrpreisvergünſtigung bedingen,
ſo daß es ſich zurzeit wohl empfiehlt, von einem Generalabonne=
ment
Abſtand zu nehmen. Durchaus zu empfehlen iſt es aber, den
Gedanken der Halbkarte in die Tat umzuſetzen, wodurch in
gleicher Weiſe den Intereſſen der Reichsbahn wie der Vielfahrer
gedient wäre. Die Halbkarte würde ihrem Inhaber für einen be=
ſtimmten
Zeitraum gegen einmalige Entrichtung eines feſten
Satzes (Grundpreiſes) das Recht geben, ſämtliche Reichs=
bahnſtrecken
in allen Zuggattungen und in be=
liebiger
Wagenklaſſe zum halben Fahrpreiſe zu
benützen. Abfertigungstechniſche Schwierigkeiten ſtehen einer
ſolchen Einrichtung nicht im Wege: Wie jetzt bereits für Kinder
zwiſchen vier und zehn Jahren und in beſonderen Fällen aus
caritativen Erwägungen Fahrkarten zum halben Preiſe abgege=
ben
werden, ſo ſind in der Folge Inhabern von Halbkarten beim
Vorzeigen der Halbkarte am Schalter Fahrkarten zum halben
Preiſe auszufertigen. Auch für die Halbkarten kämen drei Gat=
tungen
in Frage: die kleine mit einer Gültigkeitsdauer von
1 Monat und einem Grundpreis von etwa 70 RM., die mittlere‟
mit einer Gültigkeitsdauer von 3 Monaten und einem Grund=
preis
von etwa 180 RM., die große Halbkarte, die 1 Jahr Gül=
tigkeit
beſitzt und einen Grundpreis von etwa 600 RM. bedingen
würde. Mit Abſicht ſind hier verhältnismäßig hohe Beträge als
Grundpreiſe angeſetzt, um die Durchführung des Gedankens der
Reichsbahn zu erleichtern.
Um Zweifel auszuſchließen, ſei ausdrücklich betont, daß der
Einführung der Bezirkszeitkarte nicht etwa wiederſprochen
werden ſoll; dieſe folgerichtige Ausgeſtaltung des Gedankens der
Monatskarte erſcheint vielmehr durchaus zweckmäßig. Nach=
drücklich
muß aber betont werden, daß die Bezirkszeitkarte allein
unter keinen Umſtänden geeignet iſt, die Wettbewerbsſtellung der
Schiene gegenüber dem freizügigen Kraftwagen grundlegend zu
ſtärken. Nach Lage der Dinge kann es ſich nicht darum handeln,
dem Wettbewerb des freizügigen Kraftwagens durch eine ein=
zelne
Tarifmaßnahme zu begegnen, die nach ihrer Geſtal=
tung
und ihren Auswirkungen nur einem beſchränkten Teil von
Reiſenden zugute kommen kann. Die Schiene wird den Wett=
ſtreit
mit der Landſtraße vielmehr nur dann erfolg=
reich
beſtehen können, wenn ſie durch ein großzügig
aufgebautes Syſtem ſich gegenſeitig ergänzender Tarif=
vergünſtigungen
den von den Verkehrstreibenden im Zeit=
alter
des Kraftwagens zu ſtellenden vielfältigen und umfangrei=
chen
Anforderungen in möglichſt lückenloſer Weiſe entſpricht.

Aus dem Gerichtsſaal.

Aw. Das Bezirksſchöffengericht verhandelte gegen
ein älteres Fraulein aus Mainz wegen Betrug und
Unterſchlagung. Das Fräulein, das einen äußerſt reſpek=
tablen
und ſtattlichen Eindruck macht, ſcheint ſich zum Zwecke des
Geldverdienens mit allerlei mehr oder weniger dunklen Geſchäf=
ten
und Geſchäftchen zu beſchäftigen. Heute ſteht ſie vor Gericht
unter der Anſchuldigung, einer jungen Kontoriſtin aus ihrer
Bekanntſchaft, die gerne heiraten wollte, unter dem Verſprechen,
ihr aus Frankreich ein Schlafzimmer in Goldbirke ganz billig
einzuſchmuggeln, ein Sparkaſſenbuch mit 500 Mark entlockt, und
das Geld ſpäter für eigene Zwecke gebraucht zu haben. Die An=
geklagte
erzählt unter zuweilen hervorbrechenden Tränen einen
langatmigen Bericht von dem Ankauf des Schlafzimmers. Sie
habe einen Bekannten damit beauftragt ihm gezeigt, was ſie
wollte, ihm auch noch den Auftrag gegeben. Bettwäſche dazu zu
kaufen. Dieſer Bekannte er ſoll angeblich ein großes Tier in
Paris ſein, der Reparationslieferungen vermittelt, nebenbei wohl
auch noch ganz nette Einnahmequellen durch Schmuggelwaren
nach Deutſchland hatte hat die Möbel und Wäſche angeblich
als Militärgut an einen franzöſiſchen Offizier in Mainz geſchickt,
bei dem ſie dann abgeholt wurden. Doch als die Sache ſo weit
war, waren die Möbel durch den Transport ſo beſchädigt, daß
man ſie wieder nach Paris zurückſchicken mußte, der gute Bekannte
und Reparationsagent in Paris war plötzlich geſtorben, der Main=
zer
franzöſiſche Offiizer war verſetzt worden und nicht mehr auf=
zufinden
und Möbel und Geld waren und blieben verſchwunden.
Eine feine Geſchichte, aber ſo fein, daß man der Angeklagten tat=
ſächlich
nichts anhaben kann. Denn der Pariſer Bekannte hatte
wirklich exiſtiert, auch ein Franzoſe dieſes Namens exiſtierte
anſcheinend, ſo daß das Gericht trotz erheblicher Zweifel in die
Glaubwürdigkeit dieſer Angaben zu einer Verurteilung nicht
kommen kann, denn es iſt das Gegenteil nicht zu beweiſen. Aber
der Vorſitzende bringt in der Urteilsbegründung wiederholt zum
Ausdruck, daß nach wie vor ein ganz ſtarker Verdacht beſtehen
bleibe, denn die ganzen Angaben ſeien äußerſt unwahrſcheinlich.

Deklamatorium Nathanael von Max Runge. Zur Auf=
führung
in der Stadtmiſſion, Mühlſtr. 24, am Sonntag. 12. April,
abends. Wie aus dem Titel ſchon erſichtlich iſt, liegt dieſer Vor=
tragsdichtung
die Geſchichte von Philippus und Nathanael aus
dem Johannesevangelium zugrunde. Wenn man das Textbüchlein
zur Hand nimmt (Verlag: Jugendbundbuchhandlung, Wolters=
dorf
bei Erkner), iſt man angenehm überraſcht von dem was Max
Runge der deutſchen E.C.=Bewegung jüngſter Sekretär
hier unter Verwendung dieſer ſchlichten neuteſtamentlichen Ge=
ſchichte
geſchaffen hat. Eine der Hauptrollen kommt dem Er=
zähler
zu. Er erzählt uns in einfachen aber ſchönen Reimen
von Philippus und Nathanael, fortwährend unterbrochen von
einem Sprechchor, der in markanter Form das eben vom Erzähler
geſchilderte auf unſere gegenwärtige Zeit überträgt. Und das
letztere iſt eben das wirkungsvolle an dem Deklamatorium, zumal
die Einſätze des Sprechchors mit viel Geſchick angeordnet ſind.
Weſentlich ergänzt wird der Vortrag durch ein Dreigeſpräch,
ein Neungeſpräch (Stimmen aus der Welt, ſowie durch Chor=
lieder
und Soli, deren Vertonungen von Paul Sondershaus ſtam=
men
. Was hat im letzten Grunde Max Runge beſtimmt, dieſe
Vortragsdichtung zu ſchaffen? Laſſen wir ihn ſelbſt ſprechen:
Denn nur bei dem lebend’gen Gott iſt Hilfe für die deutſche Not,
Evangelium will er bringen in unſere trübe Gegenwart, ſonſt
nichts.
Kurzſchrift und Maſchinenſchreiben. Die Kaufmän=
niſche
Stenographengeſellſchaft eröffnet, wie aus
dem Anzeigenteil unſeres Blattes mehrfach erſichtlich, am kom=
menden
Freitag, den 10. April und am Dienstag, den
14. April, in ihren eigenen Unterrichtsräumen Ecke Zeughaus=
und Schleiermacherſtraße (Eingang Schleiermacherſtr.)
neue Kurſe für Anfänger in der Reichskurzſchrift. Kurſe in Ma=
ſchinenſchreiben
für Anfänger oder Vorgeſchrittene können täglich
begonnen werden. Der Unterricht für Anfänger erfolgt nach der
Zehn=Finger=Blindſchreibmethode. Die Geſchäftsſtelle der genann=
ten
Geſellſchaft dortſelbſt gibt bereitwilligſt Auskunft.

Lokale Veranſtallungen.

* Aus den Darmſtädter Lichtſpieltheakern.
Die Affäre Oberſt Rebl im Film Union=Theater.
Der Fall des Generalſtabsoberſten der k. u. k. Armee, Redl, der
etwa ein Jahr vor dem Krieg faſt in der ganzen Welt lebhaftes Aufſehen
erregte, weil es ſich hier um einen ungewöhnlich befähigten Offizier der
öſterreichiſchen Armee handelte, der eine beiſpielloſe militäriſche Lauf=
bahn
hinter ſich hatte und der ebenſo beiſpiellos das in ihn geſetzte Ver=
trauen
ſchmählich mißbrauchte, hat ſich als höchſt dankbarer Stoff nun=
mehr
auch für den Tonfilm erwieſen. Die Regie Karl Antons hat
aus dem hiſtoriſchen Tatſachenbericht, abweichend von der Geſchichte, was
für den Film durchaus berechtigt iſt, eine packende menſchliche Tragödie
geſtaltet. Der Oberſt Redl, deſſen hervorragende Tüchtigkeit im Spio=
nage
=Abwehrdienſt faſt ein Dutzend hervorragender ruſſiſche Spione zur
Strecke brachte, und der ſelbſt ein für Rußland außerordentlich wichtiger
Spion war, wird in dieſem Tonfilm zum mindeſten in einem großen Teil
ſeiner verwerflichen Tätigkeit als Märtyrer, als Opfer menſchlicher
Irrungen und brutaler ruſſiſcher Erpreſſung, charakteriſiert. Er erſcheint
in dieſem Film ſo der geſchichtliche Redl iſt ähnlich geweſen als
ob er ſeiner Freundſchaft mit dem leichtſinnigen Ulanenleutnant Do=
lan
ſo große materielle Opfer bringen mußte, daß er nicht mehr Herr
werden konnte und aus dieſen materiellen Nöten heraus Vaterlandsver=
räter
für Geld wurde. Er hat, unter dem Verwerflichen dieſer Tätigkeit
leidend, ſich von Rußland losgeſagt und zunächſt freiwillig dadurch ge=
fühnt
, daß er 1011 ruſſiſche Spione zur Strecke brachte. Veranlaßt
durch die Rache der Frau eines dieſer Erſchoſſenen, den er verrät, ge=
raten
belaſtende Briefſchaften Redls in die Hände der ruſſiſchen Nach=
richtenabteilung
und dieſe erpreßt dann von ihm die Aufmarſchpläne der
öſterreichiſchen Armee in Galizien. Damit iſt ſein Schickſal beſiegelt.
Er gerät in die ſeit Monaten für Opernball 13 ſeinem Decknamen als
Spion, geſtellte Falle. Beiſpielloſes Entſetzen in den höchſten Stellen der
öſterreichiſchen Armee. Man drückt Redl in ſeinem Hotel den Browning
in die Hand, und als die ruſſiſche Spionenwitwe endlich erfährt, wer
Opernball 13 iſt, der ihren Mann zu Fall brachte, und ihrer Rache
genügen will, fällt der Schuß, mit dem Redl ſelbſt ſeine Tat ſühnt,
Der Tonfilm iſt ausgezeichnet, und zwar diesmal im Ton= bzw. in
der Sprache und im Spiel. Alle Darſteller ſind ausgezeichnet zu ver=
ſtehen
, ſo daß aus der geſchichtlichen Reportage ein ſehr ſpannendes
Drama wird. Theodor Loos und Lil Dagover, jener in der Titel=
rolle
, dieſe als verführeriſche Vera Nikolgiewna, ſtehen ſchauſpieleriſch
auf beſtem Niveau, auch die Beſetzung der übrigen Rollen, in denen
auch Conrad von Hoetzendorf auftritt, iſt ausgezeichnet. Die jeweiligen
Milieuſchilderungen in guten Bildern ſehr gut.
Im Beiprogramm läuft neben einem ſchönen Kultur=Landſchafts=
Film ein ganz reizender Micky=Maus=Film, der immer wieder bewundern
läßt die entzückenden und komiſchen Einfälle des Zeichners und die Kunſt,
das Tonliche mit der Trickzeichnung ſo meiſterhaft zu verbinden.

Aus den Barkeien.

Vorträge Prof. Horneffer. Der Sozialismus und der
Todeskampf des deutſchen Volkes. Unter dieſem Titel nird der Pro=
feſſor
der Philoſophie an der Univerſität Gießen, Dr. E. Horneffer, im
Fürſtenſaal einen Zyklus von drei Vorträgen halten, in denen er vom
Standpunkt wiſſenſchaftlicher Betrachtung zu den aktuellen Fragen der
Wirtſchaft und des Staates Stellung nimmt. Die Vorträge finden ſtatt
am Mittwoch, den 15. ds. Mts., Freitag, den 17. ds. Mts., und Diens=
tag
, den 21. ds. Mts., jeweils abends 8 Uhr. Die Einzelthemen lauten:
Privatwirtſchaft oder Sozialismus, Deutſcher Staat und deutſche
Kultur und Diktatur oder Parlament. An den dritten Vortrag wird
ſich eine Diskuſſion über den geſamten Zyklus anſchließen. Die Karten
ſind zu haben bei Buchhandlung Heinrich Schroth, Rheinſtraße 15, und
an der Abendkaſſe. (Vergl. Anzeige.)

Kriegerverein Darmſtadt. Samstag, den 11.
. M., nachm. 4 Uhr. Geſellſchaft Eintracht, Eliſabethenſtr. 12,
Vortrag Oſtafrikaniſche Abendunterhaltung. Ehrung verdienter
Kameraden.

Tageskalender für Donnerstag, den 9. April 1931.
Heſſ. Landestheater. Großes Haus, Anfang 20 Uhr, Ende
22 Uhr: Sturm im Waſſerglas, Darmſtädter Volksbühne,
Gruppe ITV. C 20 und M 5. Kleines Haus, Anfang 20
Uhr, Ende 22,15 Uhr: Blaubart, Zuſatzmiete V 11. T. Gr.
7 und 8. Orpheum; Revue Le Chic de Paris. Kon=
zerte
: Zur Oper, Schloßkeller. Zum Tropfſtein. Kino=
vorſtellungen
: Union=, Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.
Vereinigte Geſellſchaft: Ausſtellung Der Menſch
Bürgerhof, Eliſabethenſtr. 2, abends 20 Uhr: Vortrag
von Frl. Klingler In der Küche nur ein Gasherd.

Aus Heſſen.
Lotchel=Vergiftungen.

Die Frühlingszeit iſt gekommen. Morcheln, Lorcheln und Becher=
linge
erſcheinen. Die Lorchel vielfach fälſchlich Morchel benannt
tritt in den Frühlingsmonaten (März bis Juni) beſonders in ſandigen
Kieſernwäldern truppweiſe, oft in großer Zahl auf. Der hohle, weiß=
liche
Stiel iſt mitunter ganz im Boden eingeſenkt, ſo daß nur der braune
Hut mit ſeiner wulſtig=faltigen Oberfläche aus der Nadelſtreu hervor=
ſchaut
. Durch ihre braune Schutzfarbe wird die Lorchel oft überſehen.
Noch nicht genügend bekannt iſt es, daß die Frühlings=Lorchel ( Hel=
vella
esculenta) als Giftpilz ſehr verhängnisvoll werden kann. Auch
im abgelaufenen Jahre hat dieſer Pilz eine ganze Reihe von Todes=
fällen
und ſchweren Vergiftungen verurſacht. Wie ſchon
vor hundert Jahren bekannt war, bleibt der Genuß der Lorchel meiſt
(nicht immer!) ohne ſchädliche Folgen, wenn die Brühe der genügend
(mindeſtens 5 Minuten) gekochten Pilze vor dem Genuß wegge=
fchüttet
wird. Sorgfältig (ungefähr 2 Wochen) getrocknete Lorcheln
ſollen gewöhnlich auch ohne dieſe Vorſichtsmaßregel bekömmlich ſein.
Von manchen Menſchen wird die Lorchel auch mit dem Kochwaſſer
vertragen. Zuweilen tritt erſt eine Erkrankung ein, wenn eine zweite
Lorchelmahlzeit in kurzem Zwiſchenraum nach der erſten ſtattfand. Auf
jeden Fall bleiben in bezug auf die Giftigkeit der Lorchel noch mancherlei
Rätſel zu löſen.
Am beſten iſt jeglicher Genuß der Frühlings=
lorchel
zu vermeiden.
Vom Pilzmarkt ſollte ein Pilz, der ſchon ſo viele Todesfälle
zur Folge hatte, ganz ausgeſchloſſen werden, wie das in Oeſter=
reich
ſchon der Fall iſt.
Ueber alle ſicheren Erfahrungen beim Lorchelgenuß, insbeſondere
über Lorchelvergiftungen, erbitten wir (mit Unterſtützung durch
das Reichsgeſundheitsamt) Mitteilung an die Mediziniſche Fach=
kommiſſion
der Deutſchen Geſellſchaft für Pilzkunde (Dr. med.
Welsmann, Pelkum bei Hamm, Weſtf.) oder an die Geſchäftsleitung
der Deutſchen Geſellſchaft für Pilzkunde in Darm=
ſtadt
.
Um auch die Kenntnis der gefährlichen Frühjahrs=Lorchel entſpre=
chend
zu verbreiten, läßt die genannte Stelle jetzt auf ihre reichsbe=
hördlich
empfohlene Knollenblätterpilz=Wandtafel eine ſolche
mit der naturgetreuen Darſtellung der Frühlings=Lorchel
folgen.
(Um gefl. Nachdruck wird gebeten!)
Deutſche Geſellſchaft für Pilzkunde, Darmſtadt.

*) Zur größtmöglichen Verbreitung in der örtlichen Tagespreſſe
beſonders in gefährdeten Gegenden, wo die Lorchel viel vorkommt
ſtehen weitere Sonderdrucke dieſes Merkblattes unberechnet zur Ver=
fügung
.

Cp. Pfungſtadt, 8. April. Die Volksbank Pfungſtadt
(G. m. b. H.) hält ihre diesjährige 69. Generalverſammlung am Mitt=
woch
, den 15. April, abends, im Adler (Böttiger) ab Die dies=
jährige
Generalverſammlung des Verkehrsvereins Pfung=
ſtadt
wird am Samstag abend ((11. April) bei D. Herbert abgehalten.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 8. April. Miſſionsvortrag. Freitag,
den 10. d. M., abends, wird Herr Miſſionar Keller aus Heidelberg,
der ſich gelegentlich der Tagung der Starkenburger Miſſionskonferenz
hier aufhält, in der hieſigen Kirche einen Vortrag halten mit ſehr
ſchönen Lichtbildern über die Miſſionsarbeit in Togo (Weſtafrika). Der
Eintritt iſt frei, doch wird beim Ausgange der Kirche für die Miſſion
eine Kollekte erhoben. Standesamtliches. In der Zeit vom
1. Januar 1931 bis jetzt wurden in den hieſigen Standesregiſtern regi=
ſtriert
: a) 16 Sterbefälle, zuzüglich 2 in auswärtigen Krankenhäuſern
Verſtorbener, b) 6 Eheſchließungen, c) 12 Geburten. Auffallend groß iſt
die Zahl der Sterbefälle, die die Geſamtzahl des Vorjahres mit 25 be=
reits
jetzt ſchon nahezu erreicht hat.
k. Roßdorf, 8. April. AusdemGemeinderat. Für das noch
vorhandene Kiefernſtammholz hat Heinrich Steinmetz dahier ein Angebot
eingereicht, und zwar für Klaſſe 2a pro Feſtmeter 14 Mk. und Klaſſe 2b
pro Feſtmeter 16 Mk. Der Gemeinderat erteilt den Zuſchlag. Die
gemeinheitlichen Fuhren im Rechnungsjahre 1931 werden auf Grund der
ſtattgefundenen Submiſſionen wie folgt genehmigt: Die Einſpänner=
fuhren
für Ort und Feld für Georg Friedrich Lorenz zum Preiſe von
1. Mk. pro Stunde, die Zweiſpännerfuhren für Ort und Feld an den=
ſelben
zum Preiſe von 1,75 Mk. pro Stunde, die Schlammwagenfuhsen
an Friedrich Wilhelm Lorenz zum Preiſe von 2,50 Mk. pro Stunde, die
Einſpännerfuhren für Wald an Georg Heinrich Nicolatz 3. zum Preiſe
von 1. Mk. pro Stunde und die Zweiſpännerfuhren für Wald an
Franz Becker 2. zum Preiſe von 1,75 Mk. pro Stunde. Bezüglich der
Leichenfuhren fand eine Submiſſion zunächſt nicht ſtatt. Der Gemeinde=
rat
beſchließt, daß dieſe wie ſeither von Georg Konrad Schmunk zum
Preiſe von 8 Mk. pro Fuhre ausgeführt werden ſollen. Seitens des
Miniſteriums des Innern war die Erhöhung der Mieten in den Ge=
meindehäuſern
Müllerſtraße und Moltkeſtraße auf den geſetzlichen Hun=
dertſatz
angeregt. Der Gemeinderat lehnt das Anſinnen jedoch ab, da es
ſich bei den in Frage kommenden Wohnungen um Neubauwohnungen
handelt und ſonach die geſetzlichen Mieterhöhungen nicht Platz greifen.
Cg. Reinheim, 8. April. Am Karfreitag fand in der hieſigen Kirche
eine Paſſionsandacht mit Vorführung von Lichtbildern des
Iſenheimer Altars von Matth. Grünewald ſtatt. Die Erklärung der
Bilder erfolgte durch Herrn E. Zeh von Heppenheim in ſehr anſchau=
licher
Weiſe; wohl wenige konnten ſich der Wucht des aus den Bildern
ſprechenden Leides als auch der Begleitworte und eines ſtarken Er=
griffenſeins
entziehen. Die eingeflochtenen Geſänge von 3. Damen aus=
Heppenheim gaben eine würdige Ausgeſtaltung der Andacht. Am
gleichen Tage und am erſten Oſtertage ſang der Evang. Kirchengeſang=
verein
Reinheim unter ſeinem neuen Dirigenten. Herrn Chormeiſter
Etzold, in den Gottesdienſten, wobei die gute Ausſprache und die Fülle-
des
verſtärkten Vereins ſehr ſchön zu Tage trat, eine für den Anfang.
gute Leiſtung. Die feierliche Konfirmation fand am zweiten Oſterfeier=
tage
unter äußerſt ſtarker Beteiligung der Gemeinde ſtatt. Ueberhaupt.
fiel der ſtarke Beſuch der Gottesdienſte an den Feiertagen auf.
T. Groß=Zimmern, 8. April. In der Nacht vom Oſtermontag auf
Dienstag, ereignete ſich auf der Straße DieburgKlein=Zimmern ein.
Autounfall. Ein hieſiger Perſonenkraftwagen fuhr infolge ſtarken.
Nebels gegen einen Chauſſeebaum, wobei ein Teil der Inſaſſen ſchwer
verletzt wurde. Fritz Lortz erlitt einen doppelten Schädelbruch und
mußte ins Krankenhaus nach Dieburg verbracht werden; ſein Zuſtand iſt
wenig hoffnungerweckend; Ludwig Heim trug ebenfalls mehrere Ves=
letzungen
am Kopfe, in Form von Hautabſchürfungen, davon. Dei
Chauffeur und noch ein weiterer Inſaſſe kamen mit dem Schrecken davon-
Cp. Dieburg, 8. April. Mitteldeutſcher Bankverein
A.=G., Dieburg. Der Mitteldeutſche Bankverein A.=G., Dieburg.
der bekanntlich vor kurzem in Zahlungsſchwierigkeiten geriet, hält am
26. April im Weißen Roß in Dieburg eine ordentliche Generalver=
ſammlung
ab, die unter anderem über das Fortbeſtehen der Geſellſchaft
Beſchluß faſſen ſoll. Außerdem ſteht die Beſchlußfaſſung über die
Bilanz auf der Tagesordnung.
Le Groß=Umſtadt, 8 April. Sparmaßnahmen. Infolge der
hohen Anforderungen, die zurzeit an den Gemeindeſäckel geſtellt werden
mußte bei der Aufſtellung des Gemeindevoranſchlages für 1931/32 die
größte Sparſamkeit obwalten. Dabei war die Mehrzahl der Gemeinde=
vertretung
der Anſicht, daß auch bei den Gehältern der Gemeindebeamten
unbedingt eine Senkung erfolgen müſſe. Nach einer längeren Ausſprach
wurde beſchloſſen, das Gehalt des Bürgermeiſters um 15 Prozent und
die Bezüge der übrigen Gemeindebeamten um 10 Prozent zu kürzen
Die hierdurch erzielten Erſparungen ſollen zur Herabſetzung der Ge
meindeſteuern verwandt werden.
Ct. Henbach i. O., 8. April. Gut beſucht war der Unterhal
tungsabend des hieſigen Sportvereins. Nach herzlichen Be
grüßungsworten des 1. Vorſitzenden W. Volland ging ein nettes Volls
ſtück über die Bretter; die einzelnen Darſteller entledigten ſich flott un
gut ihrer Aufgabe. Verſchönt wurde die ganze Feier durch Geſangsvox
träge des Geſangvereins Liederzweig.
Az. Neuſtadt i. O. mit Burg Breuberg, 8. April. Jugendher
berge. Die kleine Herberge unſeres Städtchens hatte über Oſter!
guten Zuſpruch. Die Jugendherberge auf der Burg, die dank der fün
ſorglichen Maßnahme des Geſchäftsführers des Gaues Südheſſel
(O. Brambach=Darmſtadt) eine weſentliche Vergrößerung (annähernd 14]
Betten) erfahren hatte, war auch über Oſtern das Wanderziel kleine
und großer Verbände geworden. Das Lehrlingsheim zu Frankfurt a. 2
war mit einer ſtattlichen Schar zur Burg gekommen, um von hier au
die Weiterwanderung ins Gebirge fortſetzen zu können. Am 2. Oſterta g'
kam der Bund Deutſcher Pfadfinder mit einer friſch=fröhlichen Juger!
auf die Burg, um dort oben eine wöchentliche Führertagung abzuhalte*
Mehr wie je eignet ſich die alte Burg mit ihren guterhaltenen Räumel
für dieſe Zwecke. Sie iſt es infolge der Großartigkeit und Mächtigfel
der Anlage und ihrer geſchichtlichen Bedeutung wert, noch mehr we
ſeither bekannt zu werden. Am 1. Oſtertage hatte übrigens die Bu. 0
auch ſonſt einen regen Fremdenverkehr zu verzeichnen. Im Städiche)
unten war in den meiſten Gaſthäuſern verhältnismäßig guter Beſuet
Er hätte ſicher noch eine Steigerung erfahren, wenn nicht am 2. Oſte*
tage das Regenwetter naturgemäß die Städter zu Hauſe gehalten hataß

[ ][  ][ ]

Nummer 98

Donnerstag, den 9. April 1931

Seite 7

Gemiſebaukurſe
in den Lehrbekrieben der Landwirkſchaftskammer.
In nächſter Zeit finden folgende Kurſe zur Einführung und Unter=
weiſung
im Gemüſebau, einſchließlich des Treibgemüſebaues unter Glas
ſtatt, teilweiſe verbunden mit Vorführung von Maſchinen und Geräten.
Dreitägige Kurſe vom 28.30. April 1931 in Groß= Um=
ſtadt
, ferner in Gonſenheim vom 22.24. April 1931.
Eintagskurſe in Groß=Umſtadt am 12. Mai 1931, und in
Gonſenheim am 6. Mai 1931.
Teilnehmern an den Kurſen, die in Heſſen anſäſſig ſind, werden die
Reiſekoſten 3. Klaſſe vergütet, ſoweit die Teilnehmer im Beſitze einer
ſchriftlichen Zulaſſungsertlärung zu den Kurſen ſind, ausgeſtellt von dem
Betriebsleiter in Groß=Umſtadt.
Anmeldungen ſind an das Muſter= und Verſuchsgut der Landwirt=
ſchaftskammer
in Groß=Umſtadt zu richten und müſſen ſpäteſtens acht
Tage vor Beginn eines jeden Kurſes dort eingetroffen ſein. Teilnehmer,
welche auf Fahrtvergütung Wert legen, müſſen, ſoweit ſie nicht aus=
übende
, ſelbſtändige Landwirte, Gärtner uſw., oder Töchter und Söhne
derſelben ſind, ihrer Anmeldung eine Beſcheinigung der Bürgermeiſterei
oder des Vertrauensmannes der Landwirtſchaftskammer oder des Land=
wirtſchaftsamtes
beifügen, aus welcher hervorgeht, daß der Antragſteller
ſich beruflich mit Gemüſebau befaßt oder demnächſt befaſſen wird.

Ch. Hainſtadt, Kr. Erbach, 8. April. Gemeinderatsſitzung.
Der Antrag des Landesvermeſſungsamtes Darmſtadt, um Uebernahme
der anteiligen Koſten in Höhe von 457,94 RM. für die Kataſtervermeſ=
ſung
in der Gemarkung Höchſter=Centwald wird mit dem Vorbehalt an=
genommen
, daß die entſtehenden Koſten aus dem Reinerlös einer außer=
ordentlichen
Holzfällung abgedeckt werden. Ein weiterer Antrag des
Vermeſſungsamtes Höchſt i. Odw. um die Uebernahme der Koſten für
eine einfache Kataſtervermeſſung in der Gemarkung Hainſtadt wird bis
zur nächſten Sitzung zurückgeſtellt. Der Vorſtand des Vermeſſungsamtes
Höchſt, ſowie ein Vertreter des Landesvermeſſungsamtes Darmſtadt ſol=
len
zu der Sitzung eingeladen und über den Zweck der Kataſtervermeſ=
ſung
gehört werden. Die voranſchlagsmäßig feſtgelegten Koſten belaufen
ſich für die genannten Arbeiten auf 11 800 RM., die in 15 Jahresraten
aufzubringen ſind. Die Beilage der Schule zum Gemeindevoranſchlag
für 1931 wird in Einnahme mit 542,84 RM. und in Ausgabe mit 2052.,92
RM. genehmigt. Für die bauliche Unterhaltung der Schulhäuſer wur=
den
100 RM. an dem vorgeſehenen Betrag gekürzt. Zur Genehmigung
eines Darlehens für den Waſſerleitungsumbau fordert der Kreditaus=
ſchuß
für die Heſſiſchen Landgemeinden eine Begründung über die
Dringlichkeit der projektierten Arbeiten von dem Heſſiſchen Kulturbau=
amt
Darmſtadt. Die Bürgermeiſterei wird beauftragt, ein Gutachten
einzufordern bei der zuſtändigen Behörde, ob der Umbau der Waſſer=
leitung
dringend notwendig erſcheint. Der älteſte Einwohner unſeres
Ortes, der weithin bekannte Landwirt und Fuhrunternehmer Georg
Sauer 2., feiert am 8. d. M. bei körperlicher und geiſtiger Rüſtigkeit
ſeinen 88. Geburtstag.
d) Rimbach, 8. April. Turnhallen=Einweihung. Die
Turngenoſſenſchaft Rimbach E. V., Mitglied der Deutſchen Turnerſchaft,
weihte am erſten Oſterfeiertag ihre neuerbaute Turnhalle ein. Die
Feier wurde mit dem Regensburger Turnermarſch, der von der Kapelle
Schmitt=Rimbach, verſtärkt durch die Freiwillige Feuerwehrkapelle= Bir=
kenau
, in flotter Weiſe geſpielt wurde, eingeleitet. Fräulein Knöll= Rim=
bach
ſprach den Vorſpruch. Der erſte Vorſitzende der Turngenoſſenſchaft,
Herr Schuhmachermeiſter Karl Wilhelm Spilger, begrüßte die erſchiene=
nen
Freunde und Gönner des Vereins, insbeſondere als Ehrengäſte den
2. Kreisvertreter des 9. Turnkreiſes. Herrn Studienrat Müller= Ander=
nach
, die beiden Gauvertreter des Main=Rheingaues, die Herren Roth
und Hering=Darmſtadt, ferner die Gemeindevertretung von Rimbach, die
erſchienenen Vereine des ehemaligen Odenwald=Jahn=Gaues und die
Ortsvereine von Rimbach. An der Feier wirkten mit: Geſangverein
Liederkranz unter Leitung von Herrn Lehrer Böll=Rimbach, der als
Eingangschor Die Himmel rühmen von Beethoven, mit Orcheſter=
begleitung
von der Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Rimbach, ſang.
Ferner die erſten Riegen der Turnvereine Rüſſelsheim und Weinheim,
die in meiſterhafter Weiſe Uebungen am Pferd, Barren und Reck turn=
ten
. Der unter Leitung von Herrn Lehrer Böll ſtehende gemiſchte Chor
der Turngenoſſenſchaft ſang den Feſtgeſang von Gluck, und am Schluſſe
das Deutſche Bittgebet, verſtärkt durch einen Kinderchor und mit
Orcheſter von der Kapelle Schmitt begleitet. Im Mittelpunkt der Ver=
ganſtaltung
ſtand die Weiherede von Herrn Pfarrer Anthes=Rimbach, der
fin kurzen Zügen ein Bild über die geſchichtliche Entwicklung des Tur=
miens
gab. Der 2. Kreisvertreter des Mittelrheinkreiſes, Herr Studien=
rrat
Müller, überbrachte die Grüße und Glückwünſche des Kreisvorſtands,
WGauvertreter Roth konnte den beiden Vorſitzenden, Herrn Spilger und
Knöll, der Turngenoſſenſchaft Rimbach unter Anerkennung ihrer um die
Turnerei erworbenen langjährigen Verdienſte die Ehrenbriefe des Main=
Sſhein=Gaues übergeben. Herr Bürgermeiſter Schäfer überbrachte die
Plückwünſche der Gemeinde Rimbach und ſprach dem Unternehmen den
Wunſch eines glücklichen Gelingens aus. Erwähnt ſeien noch die Vor=
Führungen der Schüler, Turner und Turnerinnen der Turngenoſſenſchaft,
Die unter Leitung von den Turnwarten Dörr, Ziener und Bauer ſtan=
Den. Weiterhin die Solo=Muſikvorträge von Frl. Schuckmann, Frau
Wechtel und Turner Erich Gaſt=Rimbach. Ganz beſondere Erwähnung
werdient das von dem Geſangverein, Liederkranz vorgetragene Lied
Wach auf, du träumender Tannenwald, mit Tenor= und Baritonſolo.
Birkenau. 8. April. Handball der DT. Die am Oſter=
Fonntag nachm, auf dem Turn= und Spielplatz des Tv. 1886 e. V. Bir=
Fenau ausgetragenen Handballfreundſchaftsſpiele weckten wieder lebhafte=
ſites
Intereſſe, und obwohl es etwas recht windig war, umſäumte doch
Eine größere Anzahl Sportfreunde das Spielfeld. Das erſte Spiel, das
Die Jugend des Birkenauer Vereins gegen die des Sportvereins Phönir
MMannheim austrug, endete mit 3:3 unentſchieden. Dieſes Spiel bot
aveniger intereſſante Momente, doch kann man ſagen, daß beide Mann=
ſſchaften
ganz gut in Form waren. Lebhafter und intereſſanter war dann
idas Spiel, welches die erſte Mannſchaft des Tv. 1886 e. V. (4=Klaſſe)
gegen die 2. Mannſchaft des Tv. Bensheim (M.=Klaſſe) austrug, wobei
jjedoch Birkenau mit 6:1 geſchlagen das Feld verlaſſen mußte.

Jugenheim, 8. April. Man ſchreibt uns: Zwei Schüler der Ge=
ſangsſchule
Marie Franke, die Sopraniſtin Herta Offenbächer aus Darm=
ſtadt
und der Bariton Hubert Hermann aus Neuwied a. Rh. gaben
einen Lieder= und Arienabend zum Beſten des evangeliſchen
Gemeindehauſes. Das Konzert war gut beſucht. Die Darbietungen
wurden mit ſehr regem Beifall aufgenommen. Muſikaliſch rein und
ſicher, mit anſprechender Tongebung, ſang Frl. Offenbächer Lieder von
Schumann und Arien von Maillard und Leoncavallo. H. Hermann
ſang mit ſeinem bezwingend weichen, kultivierten, zu hoher Mitempfin=
dung
anregenden Bariton Lieder von Giordani, Strauß und Bungert
und Arien von Mozart, Verdi und Leoncavallo. Den Glanzpunkt des
Abends bildete das große Duett aus Bajazzo. Die Begleitung am Flü=
gel
, den Geſang feinfühlig unterſtützend, hatte Herr Emil Kaſelitz, Chor=
direktor
des Heſſiſchen Landestheaters, übernommen.
Bd. Alsbach a. d. B., 8. April. Während der Feiertage herrſchte hier
reger Fremdenverkehr. Hauptanziehungspunkt war auch dies=
mal
wieder unſer Alsbacher Schloß. Von morgens bis ſpät abends
waren die Gaſträume und der Schloßhof voll von Ausflüglern aus allen
Himmelsgegenden. Allgemein ſprach man ſich über die Bewirtung nur
lobend aus. Von hier aus nahmen die Ausflügler meiſtens ihren Weg
nach dem Gipfel des Melibokus, ſofern ſie nicht gerade von dort kamen.
Auch dort herrſchte reger Betrieb, zumal das Wetter klar und weitſichtig
war. Gar mancher hat hier in der ſchönen Natur und bei einem guten
Glas Bergſträßer Wein die Alltagsſorgen auf einige Stunden ver=
geſſen
. Einbruch. Im Gaſthaus Zur Linde in der Linden=
ſtraße
wurde ein Einbruch verübt, bei dem dem oder den Tätern Lebens=
und Genußmittel ſowie ein kleinerer Geldbetrag in die Hände fielen.
Unterſuchung iſt im Gange. Einige hieſige Metzgermeiſter haben
kurz vor den Feiertagen nochmals einen größeren Preisabſchlag
vorgenommen. So koſten jetzt Leber= und Blutwurſt 60 Pfg. das Pfund
und die beſſeren Wurſtwaren 80 Pfg. Die verſchiedenen Fleiſchſorten
ſind im Preis dementſprechend auch herabgeſetzt. Allgemein wird noch
über die verhältnismäßig hohen Mehl= und Brotpreiſe geklagt, welche
auf die hohen Zölle zurückzuführen ſein dürften.

Verſiopfung iſt eine Qual,
darum raten wir Ihnen, abends vor dem Schlafengehen
2 Herbex=Kerne zu nehmen. Dieſes prompt wirkende
(I.Bln.379
Mittel erhalten Sie in Apotheken (1,75 RM.).
Bd. Zwingenberg a. d. B., 8. April. Wie Zwangsverſteige=
rungen
zuſtande kommen! Ein Geſchäftsmann aus Elms=
hauſen
erwirkte am hieſigen Amtsgericht gegen einen Kunden einen
Schuldtitel über 16 Mark und einige Pfge. Auf Grund deſſen wurde
ein Zwangsverſteigerungsvermerk auf die Grundſtücke des Kunden am
Grundbuchamt eingetragen. Koſtenpunkt des Eintrags 50,00 Mark.,
Koſtenpunkt der Löſchung 45,00 Mark., mit allen Koſten zuſammen ſo
ungefähr 130,00 Mark. Bei dieſen Eintrags= und Löſchungskoſten be=
ſteht
die Vermutung, daß ſie in der Inflationszeit feſtgeſetzt wurden.
Daß wegen 16,00 Mark ein Eintrag vorgenommen wird, iſt unglaublich,
aber wahr.
* Nordheim (Ried), 8. April. Am Abend des erſten Oſtertages
wurde die auf Anregung von Pfarrer Ackermann in unſerer Kirche ein=
gerichtete
elektriſche Lichtanlage in Gebrauch genommen. In hellem
Licht erſtrahlte unſere alte Kirche, die ſeither durch Kerzenlicht beleuch=
tet
wurde. Altbürgermeiſter und Kirchenvorſteher Adam Chriſtmann
wurde von der oberſten Kirchenbehörde zu ſeinem 81. Geburtstag durch
Pfarrer Ackermann ein Glückwunſchſchreiben überreicht. Altbürgermeiſter
Chriſtmann gehört dem evangeliſchen Kirchenvorſtand nahezu drei Jahr=
zehnte
an, während er das Amt eines Bürgermeiſters zwei Jahrzehnte
bekleidete. Von einem unbekannten Stifter wurde eine Altardecke ge=
ſchenkt
. Das Begleitſchreiben enthielt die wenigen Worte: Einen
Oſtergruß der evangeliſchen Kirche Nordheim.
Hirſchhorn, 8. April. Waſſerſtand des Neckars am
7. April: 1,88 Meter; am 8. April: 2,10 Meter.
Gernsheim, 8. April. Waſſerſtand des Rheins am
7. April: 1,61 Meter; am 8. April: 1,65 Meter.
g. Gernsheim, 8. April. Das Standesamt Gernsheim beurkundete
im Monat März 9 Geburten, 3 Eheſchließungen und 8 Sterbefälle.
Die urſprünglich geplante Einzäunung des Fußballplatzes des Fußball=
klubs
Konkordia 1910 erfährt hinſichtlich der nördlichen Fluchtlinie eine
grundlegende Aenderung. Nach dem erſten Entwurf wäre es unvermeid=
lich
geweſen, daß die Baufluchtlinie der Gemeinnützigen Baugenoſſen=
ſchaft
m. b. H. ſich in der Verlängerung, und zwar in einem ſpitzen Win=
kel
, mit der Fluchtlinie des Fußballplatzes geſchnitten hätte. Für das
Auge wäre dies ein wirklich unſchöner Zuſtand geweſen. Rechtzeitig hat
man dieſen Fehler noch erkannt. Das Spielfeld des Fußballplatzes er=
fährt
jetzt eine Verſchiebung, dadurch wird aber die Beſeitigung größerer
Erdmaſſen erforderlich. Auf eine Eingabe hin hat der Gemeinderat
beſchloſſen, dem Verein zur Tätigung der notwendigen Grundarbeiten
koſtenlos ausgeſteuerte Arbeiter zur Verfügung zu ſtellen. Der
Schifferverein beabſichtigt, an der Hafenſpitze einen Flaggenmaſt zu er=
bauen
. Die diesbezüglichen Verhandlungen ſind bereits mit dem Waſſer=
bauamt
Worms als Flußpolizeibehörde eingeleitet worden und dürften
demnächſt zum Abſchluß kommen. Mit Wirkung vom 1. April I. J.
an iſt auf Grund kreisamtlicher Verfügung die erhöhte Bierſteuer für
den Gemarkungsbezirk Gernsheim eingeführt worden. Der Gemeinde=
rat
beabſichtigt mit Zuſtimmung des Kreisamtes Groß=Gerau, ab 1.
Mai 1931 die Erhebung des Waſſergeldes von den Kleinabnehmern ein=
zuſtellen
, um zu erreichen, daß der Frage des Waſſerleitungsanſchluſſes,
nachdem die Geſamtausgaben für die Waſſerverſorgung durch Steuern
aufgebracht werden ſollen, von ſeiten der Abſeitsſtehenden nunmehr ernſt=
licher
nähergetreten wird. Es iſt in der Tat ſehr bedauerlich, wenn man
bedenkt, daß von 1100 ſelbſtändigen Haushaltungen nur 27,27 Prozent
an das Rohrnetz angeſchloſſen ſind. Obwohl der Gemeinderat ſich die
denkbar größte Mühe gibt, indem er ab 1. April 1931 die Grundgebühr
von 2,30 RM. auf 1.50 RM. ermäßigte, für zu tätigende Hausinſtalla=
tionen
Darlehen gegen angemeſſene Zinſen und Tilgung gewährt, iſt ein
Zugang in der Zahl der Waſſerabnehmer nicht zu verzeichnen. Auf
dem Himſchling wurde neues Gartengelände gewonnen, das jetzt an die
ſich gemeldeten Gartenliebhaber von ſeiten der Gemeinde verteilt wird.

Die Zahl der bei der Gemeinde beſchäftigten ausgeſteuerten Arbeiter
iſt nicht im Fallen begriffen, das Gegenteil iſt wahrzunehmen. Wie die
Beſchaffung der hierzu erforderlichen Mittel ſich in Zukunft geſtalten
ſoll, bleibt abzuwarten.
Au. Groß=Gerau, 8. April. Ferkelmarkt. Da in Worfelden
die Maul= und Klauenſeuche ausgebrochen iſt, kann vorläufig in Groß=
Gerau kein Ferkelmarkt abgehalten werden. Diebſtahl. Am Frei=
tag
wurde in einer Wirtſchaft in der Gernsheimerſtraße ein Opelfahr=
rad
geſtohlen, man hat Verdacht auf einen Handwerksburſchen, der ſich
vor dem Diebſtahl in der Nähe aufhielt. Anträge auf Ge=
währung
der Mietunterſtützung können nur noch bis Mitt
woch, den 15. April, bei den Bürgermeiſtereien gemacht werden, nach die=
ſem
Termin können für das Rechnungsjahr 1930 keine Anträge mehr
entgegengenommen werden. Verſammlung der Fleiſch=
beſchauer
. In Groß Gerau findet am Freitag, den 10. April, im
Gaſthaus Zum Riedhof eine Dienſtverſammlung der Fleiſchbeſchauer
des ganzen Bezirkes ſtatt.
P. Rüffelsheim, 7. April. Mehrſtellen an der Volks=
ſchule
. In der letzten öffentlichen Gemeinderatsſitzung kam es bezüg=
lich
des Antrags des Schulvorſtandes auf Uebernahme von drei, zu Be=
ginn
des Schuljahres durch den Staat abzubauenden ſogen. Mehrſtellen
an der Volksſchule auf die Gemeindekaſſe zu Auseinanderſetzungen zwi=
ſchen
der bürgerlichen Fraktion und der ſozialdemokratiſch= kommuniſti=
ſchen
Mehrheit. Die bürgerliche Fraktion ließ durch ihren Vertreter er=
klären
, daß es die ungünſtige finanzielle Lage der Gemeinde nicht zulaſſe
dieſe für die Erhaltung der Mehrſtellen (2 Begabtenklaſſen mit je 20
Kindern und eine Hilfsklaſſe für geiſtig minderwertige Kinder mit 14
Schülern) erforderlichen Jahresbeträge von 9000 Mark aus kommunalen
Mitteln zu beſtreiten. Trotz der auch vom Bürgermeiſter als berechtigt
anerkannten Gründe wurden die drei Mehrſtellen mit neun ſozialdemo=
kratiſchen
und drei kommuniſtiſchen Stimmen gegen neun Stimmen der
bürgerlichen Fraktion angenommen. Der Bürgermeiſter erklärte, daß,
da auf allen Gebieten erheblich geſpart werden müſſe, ein Teil der Koſten
des Mehrheitsbeſchluſſes an den ſachlichen Aufwendungen für die Volks=
ſchule
eingeſpart werden ſoll.
Aa. Heuſenſtamm, 8. April. 30 Jahre Gemeinderat. Zu
Beginn des Monats konnte das Gemeinderatsmitglied Franz Ferdinand
Heberer auf eine 30jährige ununterbrochene Tätigkeit als Mitglied der
Gemeindevertretung zurückblicken. In der letzten Sitzung des Ge=
meinderates
gedachte Bürgermeiſter Kämmerer in ehrenden Worten
dieſes Jubiläums Der Gemeinderat beſchloß den Bau von zwei Ge=
meindewohnhäuſern
.
Aa. Seligenſtadt, 8. April. Die Bezirksſparkaſſe Seli=
genſtadt
konnte im Geſchäftsjahre 1930 einen Reingewinn von
47 469,10 RM. verzeichnen. Der Umſatz der Kaſſe erfuhr im abgelaufe=
nen
Geſchäftsjahr eine um über 6 Millionen RM. größere Steigerung
und beträgt 46 880 000 RM. gegen 40 826 000 RM. im Geſchäftsjahre
1929. Die Bilanzſumme erhöhte ſich im Jahre 1930 um 782 000 RM.
auf 5 639 000 RM. Eine weſentliche Erhöhung erfuhren auch die Spar=
einlagen
. So waren im Jahre 1930 974 020,57 RM. als Mehrzugang
an Spareinlagen zu verzeichnen. An Gemeindedarlehen und Darlehen
an Kirchenverbände konnten insgeſamt 1 004 057 RM. begeben werden.

Aus Mainz.
* Der Luther=Bauverein Mainz in finanziellen Schwierigkeiten. Der
vor einigen Jahren von dem Mainzer evangeliſchen Pfarrer Schreiber,
dem Vorſitzenden der evangel Vollsgemeinſchaft, gegründete Luther=
Bauverein iſt in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Es ſollen große
Zahlungsſchwierigkeiten beſtehen und die Bauhandwerker ſeit Monaten
vergeblich auf Zahlung ihrer Rechnungen warten. Der Luther= Bauver=
ein
hat außer in Mainz, wo er nahe der Ebert=Siedlung eine eigene
Siedlung errichtet hat, auch in Darmſtadt mit dem Bauen begonnen,
woſelbſt die Bauten ſtillgelegt werden mußten. Der Vorſtand des Luther=
Bauvereins iſt von einer außerordentlichen Generalverſammlung ſeines
Amtes entſetzt worden. Wie man hört, ſoll Pfarrer Schreiber von Mainz
verſetzt werden und ſein Stadtratsmandat niederlegen. Der neue Vor=
ſtand
des Luther=Bauvereins hofft, bei Sanierung der Genoſſenſchaft
von der Stadt Mainz Unterſtützung zu finden.
* Kommuniſtiſche Ausſchreitungen. An den Oſterfeiertagen kam es
in Rheinheſſen verſchiedentlich zu ſchweren Ausſchreitungen von
Kommuniſten gegen Nationalſozialiſten. Die Kommuniſten hatten ver=
ſucht
, in einigen Orten antireligiöſe Propaganda zu treiben. Zu einem
ſchweren Zwiſchenfall kam es in Ober=Olm. Dort überfielen die
Kommuniſten ein nationalſozialiſtiſches Lokal. Die Kommuniſten rück=
ten
in großer Zahl an und eröffneten einen förmlichen Angriff auf das
Wirtshaus. Mit Steinwürfen und ſonſtigem Wurfmaterial zertrüm=
merten
ſie faſt vollſtändig das Wirtslokal ſowie die Wohnräume des Wir=
tes
. Es gelang der Gendarmerie, einige der Täter feſtzunehmen.
Ah. Bingen a. Rh., 8. April. Kurz vor Sprendlingen (Rhh.) er=
eignete
ſich nachts ein ſchwerer Motorrad=Unfall. Der 22 jäh=
rige
Landwirt Böhm aus Grolsheim bei Bingen befand ſich mit ſeinem
Freund, dem 20jährigen Dautermann aus Siefersheim (Rhh.) und der
17 Jahre alten Käthe Wirt aus Siefersheim auf der Fahrt nach Sprend=
lingen
. Auf der Hohenſtraße kam dem Motorradfahrer ein Auto ent=
gegen
. Das Motorrad kam dem Auto zu nahe und wurde erfaßt. In
weitem Bogen wurden die drei Motorrad=Infaſſen ins Feld geſchleu=
dert
. Alle trugen ſchwere innere Verletzungen davon. Der am ſchwer=
ſten
verletzte Böhm wurde ins Binger Krankenhaus gebracht. Hier iſt
er ſeinen ſchweren Verletzungen erlegen. Die beiden Mitfahrer haben
ebenfalls beträchtliche Verletzungen erlitten.
Ad. Wörrſtadt, 7. April. Der Neunröhrenbrunnen, das
Wahrzeichen unſeres Marktfleckens, wurde nach ſeiner Renovation von
Provinzialdirektor Dr. Wehner, Kreisdirektor Herberg, Regierungsrat
Dr. Helmreich und Baurat Böckmann beſichtigt. Letzterer gab Erläute=
rungen
über die Entſtehung des Brunnens und die Wiederherſtellungs=
arbeiten
, die der Gemeinde Wörrſtadt zur Zierde gereichen.
4d. Oppenheim, 7. April. Wegen Brandſtiftung wurde der
Pächter der Metropollichtſpiele, H. Lük aus Mainz, verhaftet. Er ſoll
den in der Nacht zum Montag ausgebrochenen Brand veranlaßt haben,
nur hätte dieſer nach ſeiner Berechnung gegen 2 Uhr nachts ausbrechen
müſſen, was durch das vorzeitige Erlöſchen einer Kerze vereitelt wurde.
Das Inventar des Kinos war mit 20 000 RM. verſichert.

das ist die Frage, über die in Raucherkreisen off diskutiert wird. Wir sind der Ansicht, daß es
vollkommen gleichgültig ist, ob man eine Zigarette mit oder ohne Mundstück raucht. Denn
nicht diese kleine belanglose Außerlichkeit bestimmt die Qualität einer Zigarette. Die Haupt-
sache ist vielmehr die Qualität des verwendeten Tabaks. MAKEDON-Zigaretten werden aus
den edelsten Tabakgewächsen Mazedoniens hergestellt, die mit Sorgfalt ausgesucht wurden
und während vier vollen Jahren in unseren Orient-Lägern ihr vorzügliches Aroma entwickelt
haben. Um aber dem Wunsch der Raucher in jeder Beziehung Rechnung zu tragen, werden
die MAKEDON-Zigaretten mit und ohne Mundstück hergestellt. Verlangen Sie daher
MAKEDON-Ziggretten in der äußeren Form, die Sie lieben.

[ ][  ][ ]

Seite 8

Donnerstag, den 9. April 1931

Nummer 98

OM LEEM

Am Oſiermontag kam unſere Hildburg glücklich
und geſund zur Welt
Melita Kraft, geborene Rodrian
Studienaſſeſſor Dr. Hanns Kraft

Stadtkrankenhaus

Beſſunger Straße 117

Marge Hees
Peter Maldinger

Verlobte

Darmstadt

April 1931

Elſe Weſſinger
Dipl.= Ing. Alexander Klein
Verlobte

Wien
Düſſeldorf

Darmſtadt
Jahnſtraße 72

Statt Karten.

LUTZ HUOENSCHÜTZ
UhL1 FüGeMleerte2
GEB. SCHONBERGER
VERMAHLTE

Darmstadt

Wienerstraße 46

Die kirchliche Trauung findet am Sonntag, den 12. April in der Stadtkapelle statt.

Wir heiraten
am 11.April 1931

Trudel Albers
Hans Roeder

Bremen
Goebenstraße 22.

Für die mir anläßlich meines
80. Geburtstags erwieſenen Auf=
merkſamkeiten
jage ich auf dieſem
Wege Allen meinen herzlichſten
Dank.
Eliſabeth Neudörfer Wwe.
Für die uns anläßlich unſerer Verlobung
erwieſenen Aufmerkſamkeiten danken
herzlich
Luiſe Bäcker
Franz Buhlinger

(5565
Illigweg 6

Lina Schemel
Hubert Oligmüller
Verlobte

Darmstadt
Ballonplatz 4

Bochum
Vorkstr. 21

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen am
2. Oſterfeiertag, abends 6%/ Uhr, meine innigſi=
geliebte
unvergeßliche Frau und herzensgute
treubeſorgte Mutter, Tochter, Schweſter,
Enkelin, Schwiegertochter, Schwägerin, Tante,
Nichte und Couſine
Grau eine Aiingeiyofer
geb. Joſt
nach kurzem, ſchweren Leiden, im 39. Lebens=
jahre
, in die Ewigkeit abzurufen.
Für die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Friedr. Klingelhöfer.
Meſſel, den 7. April 1934.
Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 3 Uhr,
in Meſſel ſtatt.

Statt beſonderer Anzeige.
Es hat Gott gefallen, unſere liebe Mutter,
Schwiegermutter und Großmutter
Frau
Kautg Telt Twe.
geb. Carl
nach ſchweren Leidenswochen im Alter von
84 Jahren in ſeinen Frieden abzuberufen.
Anna Weitz
W. Hamm und Frau
Minna, geb. Weitz
G. E. Müller und Frau
Toni, geb. Weitz
und Enkel.
Darmſiadt u. Offenbach, 8. April 1931.
Die Beerdigung findet in der Stille ſiatt.
Von Beileidsbeſuchen bittet man abzuſehen.

Moldenhauerweg 38
AOſtſee=Kur
für Kinder
vom Mai bis Nov.
Auskunft u. Anm.:
Kinderhaus Heim=
garten
, Jugenheim
a. d. Bergſtr. (5555a

Nach arbeitsreichem Teben verſchied heute
mittag ½1 Uhr unſere liebe, gute Mutter,
Schwiegermutter, Großmutter und Urgroß=
mutter

Frau

Todeg=Anzeige.
Am Mittwoch, den 8. April
verſchied nach längerem Leiden
unſer lieber Neffe und Vetter
Buul Ahlmann
Kammermuſiker i. R.

Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie
Fehre=Lienemann.
Die Einäſcherung findet am
Freitag, den 10. April, nachm.
3½ Uhr auf dem Waldfriedhof
(5588
ſtatt.

Orient=
Teppiche
werden ſachgemäß
zu billigen
Preiſen in Stand
geſetzt (5578a
Ludwig Ganz
A.G i. L.
Mainz
Bingerſtraße 26.

Enkfekkungs=
Tabletten Coro=
nova
mit Marien=
bader
Salz in allen
Apotheken. (3854a

Einfe Siung! Swe.
Bügel=Fi.
geb. Roßmann

nach kurzem, ſchwerem, mit Geduld getrage=
nem
Leiden im 77. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Wilhelm Stumpf, Kaufmann.
Darmſiadt, den 7. April 1931.
Die Beerdigung findet am Freitag, den 10. April 1931,
nachmittags 3 Uhr, auf dem Friedhof an der Nieder=
Ramſtädterſiraße ſiatt.

Sygieniſche Kleiderpſlege mit
amerik. pat. Maſchinen
jetzt Schützenſtr. 10

Gelegenheiten!
725.
Piano
725.
Piano
775.
Piano.
Piano . . 950.
1 Piano . . 950.

Gelegenheiten!
450.
Flügel

Fernruf 3403.

(5414b

Bei
Irlerienverkalkung

Flügel
flügel
Flügel
Flügel

850.
1050.
1350.
1980.

Für Damen und Herren!
Reizende Locken u. tiefe, haltbare Wellen durch
Kadus-
Wella-
Dauerwellen
Grieser-
Neuestes Verfahren. Nur erstkl. Ausführ
Trotz billigster Berechnung Garantie für
Haltbarkeit. Beratg., Vorführ. u. Probe-
wickel
kostenlos. Voranmeldg erwünscht.
Damen- und Herren-Frisier-Salon
OTTO STURM
Eingang Graſenstraße
Bismarckstraße 24

Rheuma, Gicht und
Ischias versch ffen Sie
sich große Erleichte-
rugg
, wenn Sie täg lich
Mate Bremer-
Schlüssel-Tee
trinken Die vielen Wei-
tere
npfehlung n bezeu-
gen
Wohlgeschmack u.
Wirkung. Uberzeugen
Sie sich selbst!
½ Pid-Paket RM. 0.95
½ Pfd.-Paket RM. 1.80
Bestimmt zu haben: Bessunger-
Drogerie W. Hartlaub, Bessun-
gerstr
. 1, Germania-Drogerie
Karl Steinhäuser Ecke Mühl- u.
Nieder Rämstädterstr. Drogerie
Ludwig Petri, Inh Wilh. Preußer
Roßdörterstr. 5, Merkur-Drog.
Adolf Zachmann Bleichstr 47
(TV. 1231

I. H. Zimmermann
Klaviergeſchäft,
Grafenſtraße 21.
(5590b)

Wer nimmt einige
Möbel von Wies=
baden
nach Darmſt.
bzw. Gr.=Zimmern
mit? Ang. m. Prs.
an H. Eßlinger,
Groß=Zimmern
Dieburgerſtr. 33.
Ebendaſ. ein mittl.
gebr. Eisſchrank zu
kaufen geſ. (5550 O WElBLICH Tücht., jg. Verkäuferin
m. gut. Zeugniſſ. u.
Empfehl. ſucht per ſof.
Stellung. Kaffee= oder
Lebensmittelgeſchäft
bevorzugt. Gefl. An=
gebote
uuter H67 an
die Geſchſt. 5443b Fleißiges, anſtänd.
Mädchen
ſucht Stellung für
ſof. od. ſpäter. Ang.
u. H. 127 Gſch. (Emd Mädchen ſucht tags
über Beſchäft. Off.
u. H. 180 Geſchſt. Rheinländerin
ſucht Stellung als
Hausmädch., erf. in
allen Hausarbeiten,
Bügeln u. Servier.
Gute Zeugniſſe aus
erſten Häuſern vor=
handen
. Angeb. u
H. 174 a. d. Geſch. Ord. fleiß. Mädchen
ſucht Stell. in gut
H. p. 15. 4. o. 1. 5.
Off. u. H. 168 Gſch.* Aelt. Mädch. ſucht
Stell. z. 1. Mai bei
kdlſ. Ehep. od. all.
Herrn. Sieht m. a.
g. Beh. a. aufLohn.
Off. u. H. 147 Gſch. Jg. Mädch., Oberh.,
18 J., mit gt. 3., ſ.
Stellung f. hier o.
auswärts. Ang. u.
H. 164 a. d. Geſch. Jg., geb. Frau ſucht
vormitt. Beſchäft. i
Haush., ev. Beauf=
ſicht
. v. Kindern od.
ſchriftl. Heimarbeit.
Ang. u. H. 194 Gſch.* Mädchen v. Lande
24 J. alt, erfahr. in
all. Hausarb., mit
g. Zgn., ſucht Stelle
bis nach d. Spülen.
Ang. u. H. 185 Gſch.
(5561) Frl., perf. i. Näh.
u. Büg., ſucht St. a.
Hausm. i. gt. H (*
Ang. u. H. 151 Gſch. Büglerin hat noch
Tage frei. Off. u.
H. 173 a. d. Geſch.*

erzeugt durch seine unübertroffene Güte eine blen=
dend
weihe Wäsche; wegen seiner Milde greitt es
Hände und Gewebe nicht an, sein hoher Seitengehalt
aus allerbesten Rohstoften macht es außerordentlich
erglebig und zugleich ausgezeichnet für alle Abselt=
Arbeiten in Küche und Haus. Schwan=Pulver ist billig.

a
V

Zum Bleichen und Klarspülen der Wäsch- Seifix. Paket 15 Pfg,
W 127:

Saub., tücht. Waſch=
frau
hat noch Tage
frei. Angeb. unter
H. 189 a. d. Gſchſt.*

Ber Stafkeeriogtang hilfe das Naturprodukt
in Apotheken, Drogerien,
V.902) Reformhausern Heda-Früchtenürfel

MAMNLICH

Gelernt. Dreher, 18
J., biet. ſ. zu allen
Arbeit. an. St. 60.J.
Off. u. H. 128 Gſch.*

Junger Friſeur,
welch. am 20. April
ausgel hat, ſ. Stel=
lung
: Stadt o. Land
Geſellenbrief vorh.
Angeb. unt. H. 196
an die Geſchäftsſt.*

Nachtrag., Abſchlie=
ßen
u. Reviſion der
Bücher. Rechts=
mitteleinlegung
in
Steuerbeſcheiden.
Einziehung v. For=
derungen
uſw. (*
Ausf. Zuſchr. erb.
unt. H. 198 Geſchſt.

O

WElALICH

Katholiſche
Kindergärinerin
zu zwei Kindern
(Alter 2 u. 3 J.)
per ſofort geſucht.
Frau Faßbender,
Saalbauſtraße 38.
(5576)

Ich ſuche z. 15. 4. o.
1. 5. ein jg. Mädch.
aus gutbürgerl. ev.
Fam., w. b. d. Elt.
ſchlaf, k., als Haus=
hilfe
. 1618 J. alt.
Selb. muß mit der
Hausfr. zuſ. kl. H.
in Ordn. halten u.
nachm. mit kl. Büb=
chen
ſpäzieren fahr.
Schriftl. Bew. erb.
u. H. 165 Geſchſt.

Geſucht: Selbſtänd.
jung. Mädchen, w.
allein den Haushalt
verſieht, b. zum 15.
April od. 1. Mai.
Näh. Geſchäftsſt. (*

Ordentl. Mädchen
bis n. d. Spül. geſ.
(monatl. 20 ).
Nah. Geſchäftsſt. (*

Tücht. ehrl. Mädch.
tagsüber geſucht.
Vorſtell. nachmitt.
Saalbauſtr. 28, pt.

Großer Werbetag!
Nur solange Vorrat reicht
Herren- 155541 Damen-
Gummiabsätze
nur bei
50
70
SOHLEN-FEV Jahnstr. 68
Achten Sie bitte auf die Hausnummer,

Preisabbaum Leder a. Schuhen!
Zahm Vache Ausſchnitt d. Pfd. von 2.75 an
in Eichenlohgerbung:
Damenſohlen
von 0.65 an
Herrenſohlen
von 0.90 an
Arbeiterſtiefel, Gr. 4037 von 5.75an
Kinderſtiefel in Rindlederausf. von 3.50 an
Knabenſchulſtiefel, nur Lederausf., v. 5.25 an
Sportſtiefel zu biiligſten Preifen!
Beachten Sie bitte, bevor Sie ei kaufen, 1673a
meine Schaufenſter!
Samstags geſchloſſen.
Nur
Kirchſtraße 10.
bei J. Rubin gegenüber d. Stadtkirche Jung. Mädchen bis
nach d. Spülen geſ.
Näh. Geſchäftsſt. Alleinvertreiung
DRGM. Auswertg.
behördl. günſt. beurt gut.
orn. Unternehmg Vor=
teilh
. f. Kauflte., abgeb.
Beamte, Druckerei oder
verwandt Brancke. Reell
u. ausſichtsr angenehm.
Tätigkeit. Erf 300
Eilangb. u. H 146 Gſchſt.
(5527b) J9. Mädchen
morg. 2 Stund. geſ.
Heinrichſtr. 106. (*
Mädchen, w. kochen
kann, geſucht. (*
Näh. Geſchäftsſtelle. Saub. Putzfrau
2 mal wöch. geſ. (*
Ang. u. H. 148 Gſch. Wer kann
holländ. Kaffee ag
Private verkaufen?
Ang. u. H. 202 Gſch.* Mer 20 Herren
(Damen)
für Verkauf b. hoh
Verd. ſofort geſucht
Vorſtellung 46 (
Beckſtraße 63, I. Wöchentl. 30. RM.
durch leichtanzufert.
Artik. im Hauſe, It.
koſtl. Ausk. Meints,
Magdeburg A. 87.
(II. Mgd.5581)

Glänzende Eriſtenz!
Jahre hindurch geſichert, wer ſchnell den
Alleinvertrieb unſer. geſ. geſch. Maſſen=
artikels
übern. Rieſenabſatz (200 % Ver=
dienſt
), Laden u. Branchekenntn. unnöt.
Jederm. iſt Käufer. Proſp. gratis durch
Chem. Lab. R. Schneider, Wiesbaden 152
(II. St. 66)

Wichtige Aulopeuheit! Reelles Angehol! Höchste Verdienstmöglichkeit!
deneralvertrieb einer wicbtigen Autonenheit (D.R P a.) sucht in allen Tellen der
Prorinz Starkenburg vertrauenswürdige und Heißige Personen (besonders geeignet für
solche Leute, die bei Automobilisten gut bekannt oder eingeführt sind).

1. die zur Uebernahme
einer Geschäftsstelle(kein
Laden/ oder eines Allein-
vertriebes
über ein Hüss.
Kapital von 300 bis
1600 Mk. verfügen.

die (ohne Kapital) haupt-
oder
nebenberuflich als
Vertreter den Artikel
intensir bei höchsten
Rabattsätzen vertzeiben
wollen.

3. die eine Autospezial-
wäscherei
betieiben
wollen, um sich dadurch
eine solide, auskömm-
liche
Existenz zu
schaffen.

Bei allen 3 Gruppen werden bei höchsten Verdiensten sichere Existenzmöglichkeiten geboten.
Ausführliche Angebote unter W 184 an die Geschäftsstelle ds Blattes.
(5562

[ ][  ][ ]

* Wie Abdel El Gabry, der Araber der Libnſchen Wüſte.
Aumeitenen leime ...

Von Adolf Ziegler.
Zwei Wochen lang trat er jeden Morgen auf mich zu, mit und beſchloſſen, ſein graues Eſelchen zu reiten und ihn abwech=
e
ner Aumut der Bewegungen und Gebärden, die man, mit ſo= ſelnd auf den drei Kamelen reiten zu laſſen. Abdel El Gabry
vel Adel und Ehrerbietung vereint, nur im Orient antrifft und willigte nur widerwillig ein, aber ſchließlich war er Orientale,
auich hier nur bei Beduinen oder ihren Abkömmlingen, welche Fremdenführer und bedacht, es nicht mit uns zu verderben,
dre makelloſe Schlankheit ihres Knochenbaues bewahrt und in denn er rechnete außer dem bedungenen Lohn auf ein Bakſchich.
den Städten den angeborenen, männlichen Stolz der Wüſten= Der ſchwankende Gang des Kamels behagte Abdel El Gabry
ſhne noch nicht verloren haben. Seine Karte trug die ein= gar nicht. Wir ſahen auch bald, daß er auf einem Kamel über=
ucksvollen
, verheißenden Worte:

SAADI BAroUNI
Dragoman and Contractor
Upper and Lower Egypt Arrangements
for Shooting Camping in the Dessert
SEITIRANIS HOTEL

C4IR0

Sobald er mich von weitem unter den Bogengängen der
2hari Kamel erblickte, löſte er ſich aus der prachtvollen, bunten
truppe der Dragomane, die vorm Shepheards Hotel auf ihre
2Suriſten warteten und in ihren farbig=wallenden, koſtbaren
Aollmänteln und ihren ſeidenen Turbanen ausſahen wie eine
Srreiche Verſammlung von märchenhaften Prinzen aus Elf
machet leila aus Tauſend und einer Nacht‟ Er grüßte mich
m.t zurückhaltendem, vollendetem Anſtand. Saadi Bayoumi hatte
ner nun ſchon ein dutzendmal verſichert, daß ich in ſeiner Be=
leitung
einen Ritt durch die Wüſte machen müſſe. Er habe
lmke Reitkamele, die, wie er beteuerte, ausgezeichnet liefen,
und mit denen es ein Genuß ſei, durch die libyſche Wüſte hinaus
n. die grüne, waſſerreiche Oaſe des Fayum zu traben.
Als ich nun eines Morgens mit Saadi Bayoumi einen Ritt
nah dem Gräberfeld und der Stufenpyramide von Sakkarah
perceinbaren wollte, ſagte man mir, daß Bahoumi gerade mit
irer amerikaniſchen Filmgeſellſchaft nach der Oaſe Dachl aufge=
rochen
ſei. Schade! Ich hatte mich auf das flinke Reitkamel
Snadi Bayoumis ſchon ſehr gefreut.
Es war Abdel Makſoud Gouda El Gabry, der mich mit
dieſem Beſcheid enttäuſchte, gleichzeitig aber, wie um mich zu
röſten, ſeine Dienſte antrug. Er war wie Bayoumi aus dem
aberdorf Kafr=el Haram, in dem die Kameltreiber wohnten,
ſud das bei dem Sphinx und der Cheopspyramide, hinter den
eſchütteten Gräbern des alten Reiches liegt. Abdel El Gabry
vrr ganz anders als Saadi Bayoumi. Zwar trug er wie jener
ei himmelblauen Mantel aus Wollſtoff von hervorragender
ertalität (ein Luxus, auf den die Fremdenführer von Kairo
nößten Wert legen), auch hatte er den roten Tarbuſch und um
itſen den blütenweißen Turban kunſtvoll gewunden. Hiermit
ber erſchöpfte ſich die Aehnlichkeit mit Saadi Bayoumi. Abdel
I Gabry war jünger aber grobknochiger und fleiſchiger als
Zu houmi. Er war viel mehr Fellah als Beduine. Er hatte
der den hohen, elaſtiſchen Gang Bayoumis, auch fehlte ſeinen
ſü gen der kühne Schnitt, ſeinen Augen, von denen eins etwas
chäelte (Zeugnis von der in Aegypten ſo verbreiteten Ophthalmie
herer Generationen), jenes leuchtende Feuer, das den Blick
*yhoumis ſo ausdrucksvoll beſeelte. Abdel El Gabry verſprach
her gute Treiber und raſche Kamele, und wir verabredeten für
eir nächſten Morgen ein Zuſammentreffen am Ende der breiten
5traße, die von Kairo nach dem Pyramidenfeld von Gizeh führt,
ais wir von der Stadt aus in einer halben Stunde mit dem
traftwagen erreichen konnten. Ein Hamburger Profeſſor der
umſtgeſchichte und ein junger däniſcher Archäologe, der erſt vor
ſiwäigen Tagen aus Griechenland eingetroffen war, wo er auf
neta an einer Ausgrabung teilgenommen hatte, hatten ſich mir
in den kleinen Ausflug angeſchloſſen. Um 7 Uhr trafen wir an
en: Sandweg, der von Kafr=el=Haram auf die Pyramiden=
ri
=ße mündet, Abdel El Gabry mit drei Kamelen und ihren
reibern. Für ſich ſelbſt hatte Abdel el Gabry ein kleines, graues
ſtlchen mitgebracht. Die Tiere machten einen ungepflegten Ein=
ru
ck. Sattel= und Lederzeug, ſoweit letzteres nicht durch Stricke
rſtzt war, befanden ſich in ſchlechtem Zuſtand. Die wüſten Trei=
er
ſahen verwahrloſt aus und wenig vertrauenerweckend. Wir
(09 ejeten uns einen Augenblick, ob wir nicht unter dieſen un=
jr
ſtigen Vorbedingungen auf einen Ritt verzichten ſollten. Da
ver über den Tag verfügt war, entſchloſſen wir uns dennoch
ur Sakkarah, zwangen die Kamele zur Erde und ſtiegen raſch in
en Sattel, wonach die Tiere ſofort auf die Beine ſprangen.
öir ritten an der Cheops=Pyramide vorbei, am Sphinx vorüber,
ings des Fruchtlandes des Nils am Saume der höher gelege=
ey
, ſandigen Wüſte. Es war im Januar und empfindlich kalt
Der hellen Sonne. Wir hatten dicke Mäntel an, aber wir
oren. Ein ſcharfer Wind jagte uns Flugſand ins Geſicht, der
nis die Haut aufriß und uns zeitweilig zwang, die Augen ganz
utſchließen. Wir trieben die Kamele an, aber es war ſchwer,
eſän ſcharfem Trab oder gar im Galopp zu halten, denn unſere
rüiber hängten ſich an die Schwänze der Tiere und ließen
ch im Laufſchritt ziehen. Eine lebendige Bremſe! Abdel El
gEry trabte auf ſeinem Eſelchen weit hinterher. Auf unſere
rugen, warum er nicht auch ein Kamel beſtiegen habe, hatte er
u ausweichend geantwortet. Wir fanden die Sache ſonderbar

haupt nicht reiten konnte, denn er hatte durchaus nicht das, was
man Sitz nenut. Nach kurzer Zeit ward die dunkle Haut Abdel
El Gabrys blaſſer. Sein Geſicht war blutleer geworden, zu=
ſammengeſchrumpft
und ſchmal. Abdel El Gabry, der Araber
aus dem Kameltreiberdorf war auf dem Schiff der Wüſte ſee=
krank
geworden, und wir waren boshaft genug, nach dieſer
für uns amüſanten Feſtſtellung die Kamele im Trab zu halten,
wenn auch derjenige von uns, der gerade das Eſelchen ritt, weit
hinten nachtrollen mußte.
Es gehört nicht zu dieſer kurzen Geſchichte, zu erzählen, was
wir im Serapeum, in den hochintereſſanten, unterirdiſchen Apis=
grüften
ſchauten, nachdem wir auf der Terraſſe des Hauſes
Mariettes das obligate Frühſtück eingenommen hatten. Die
verſchütteten Sargkammern der dem Gotte Ptah geweihten hei=
ligen
Stiere ſind tief in den Fels gehauen und wurden erſt ver=
hältnismäßig
ſpät unter dem Wüſtenſand von dem Aegyptologen
Mariette entdeckt. Wir ſtiegen auch in die übrigen Gräber
hinab. Die in der Tat wundervollen Wandreliefs der berühmren
Maſtaba des Ti zeigen die ägyptiſche Welt des alten Reiches
in menſchlich bewegend=naher und greifbar=lebendiger Eindring=
lichkeit
. Schnitter ſieht man bei ihrer Arbeit in üppigen Weizen=
feldern
, ſtattliche Herden auf der Weide, Hirten beim Viehtrans=
port
, Bauern hinter der primitiven, von Ochſengeſpannen ge=
zogenen
Pflugſchar, Schiffsbauer behauen Stämme, richten Bal=
ken
und takeln Segelſchiffe auf, hanfgeſponnene Segel blähen ſich
im Winde. Man ſieht Schlächter beim Niederzwingen der
Stiere, Schreiber vor ihren niedrigen Pulten, auf dem Boden
ſitzend, Zimmerleute, Tiſchler und Bildhauer beim Spalten,
Hobeln, Meiſeln und Schnitzen des Holzes, mit Werkzeugen, nach
denen ſich die unſerer Zeit geformt haben. Fiſcher leeren ihre
Reuſen, und das Ganze vereinigt ſich zu einer großartig= rauſchen=
den
Symphonie, zu dem hohen Lied menſchlicher Arbeit und
Kultur vor mehr als viertauſend Jahren. Wir glauben kaum,
daß dieſe Menſchen, deren Leben ſich in ſeiner vielfältigen All=
täglichkeit
da vor uns aufrollt, ſo viel früher auf der Erde wan=
delten
, als die älteſten unſerer Vorfahren, von denen uns die
Geſchichte nur ſo ſpärlich und ſo zweifelhaft zu berichten weiß.
Mit Knütteln bewaffnete Büttel ſchleifen, auf einem anderen
Wandbild, ſich ſträubende Dorfälteſte in die Kanzlei zur Entrich=
tung
fälliger Abgaben, ein Beweis dafür, daß das Steuerzahlen
den Menſchen jener Zeit ebenſo ſchwer fiel, wie dem ſich bitter
beklagenden Erdenpilger unſerer Tage.
Es war ſchon ſpät am Nachmittag, als wir in den Sattel
ſtiegen. Unſere Treiber waren etwas mißlaunig. Ein Bakſchich
von 5 Piaſtern für den Mann zauberte fieberhaften Eifer und
ſtrahlende Geſichter in die dämmernde Wüſte. Nur Abdel El
Gabry war ſtumm, verdroſſen und ſehr blaß. Der Profeſſor der
Kunſtgeſchichte ſaß bereits auf dem Eſelchen, und Abdel El Gabry
mußte wohl oder übel ein Kamel beſteigen. Wir ritten ſtill in
den Abend, der miloriblau und metalliſch kalt über die weite,
gelbe Sandwüſte hereinbrach. Wir ritten durch Dattelpalm=
wälder
, an Wüſtenfriedhöfen vorüber, kamen an rauchenden
Lagerfeuern nachtreiſender Beduinen vorbei und ſahen nach
dreiſtündigem ſcharfem Ritt die gewaltigen dunklen Dreiecke der
Pyramiden von Gizeh in überwältigender Großartigkeit unter
einem ſternenklaren Winterhimmel vor uns, ein Anblick, der
jede Vorſtellung übertraf. Schweigend ließen wir dieſe unver=
geßliche
, nächtliche Stunde, die kein aufdringlicher Fremden=
führer
, keine Touriſten=Karawanen, keine Tickets, keine Wahr=
ſager
und andere Bakſchich heiſchenden Schelme ſtörten, auf uns
wirken, bis die hungrigen Treiber zum Aufbruch mahnten. Wir
wollten noch den Torbau des Chephren beſichtigen, fanden aber
den Eingang verſchloſſen. So taſteten wir uns auf einem hand=
breiten
Mauergeſims entlang, von dem oben offenen Granit=
tempel
ins Innere und ſprangen vier Meter tief hinunter in
den grandioſen Pfeilerſaal. In der klaren Wüſtennacht machte
die gigantiſche Säulenhalle auf uns den größten Eindruck, der
ins kaum Faßbare geſteigert wurde, als plötzlich eine hohe,
weiße Geſtalt aus dem Dunkel der Wände trat und Magneſium=
licht
aufflammte, das die ſechszehn Säulen grell beleuchtete,
ſchwankende, rieſige Schatten über Boden und Mauern ſchlug,
bis endlich alles für unſere von dem Lichtblitz geblendeten Augen
in ſchwarzer Finſternis erloſch . . . . Ein Wächter des Gräber=
feldes
hatte unſer nächtliches Eindringen in den Tempel bemerkt
und uns, in Erwartung eines Bakſchich, dieſe außerordentliche
Ueberraſchung bereitet. Er begleitete uns noch zum Sphinx, den
er von unten, zwiſchen den entſandeten, ungeſchlachten Tatzen
ſtehend, beleuchtete, und uns eine Erſcheinung von ſo ungeahn=
ter
, fabelhafter Größe und erhabener Seltſamkeit vermittelte,

daß wir für Augenblicke der Schauer überirdiſcher Almacht
teilhaftig wurden, die jene übermenſchlichen Erbauer dieſer
Wunderwerke beſeelt haben müſſen, als ſie ſich durch ihre ins
Titanenhafte geſteigerten Bauten aus der erdgebundenen Ver=
gänglichkeit
ihres Daſeins in die unſterbliche Ewigkeit der Göt=
ter
retten wollten".
In tiefſter Ergriffenheit ritten wir durch die Nacht nach der
Pyramidenſtraße, entließen die Kamele, die Treiber und Abdel
El Gabry, der ſehr elend ausſah und wankte, als er von dem
Kamel kletterte. Wir fuhren von Mena Houſe im Auto nach
Kairo zurück.
Zwei Tage ſpäter traf ich Abdel El Gabry, und da geſtand
mir der Dragoman aus dem Kameltreiberdorf Kafr=el=Haram,
daß er vor dem bedeutſamen Ritt nach dem Gräberfeld von
Sakkarah noch niemals auf einem Kamel geritten, und daß er
das Kamelreiten von uns an jenem Tage erlernt habe.

* Die vielumſkritkene Königin.
Von Dr. Ella Menſch.
In der Geſchichte erſcheint ihr Bild gar nicht ſo ſchwankend,
wie es ſich in jüngſten dramatiſchen Verſuchen ſpiegelt. Freilich
darf man ſich nicht beirren laſſen durch Wilhelm v. Kaulbachs
Wandgemälde Die Reformation wo die engliſche Königin
gleichſam als Schützerin des Proteſtantismus, die einzige Frau
unter den vielen Männerfiguren, vorgeführt iſt. Im Anfang ihrer
Regierung hat Eliſabeth, darauf bedacht, auch mit ihren katholi=
ſchen
Untertanen in Frieden zu leben, noch die Meſſe beſucht.
Offen zur evangeliſchen Lehre bekannte ſie ſich erſt aus ſehr zwin=
genden
perſönlichen Gründen, als man ihr in Maria Stuart die
Prätendentin entgegenſtellte. Es iſt ſeltſam, daß man bei den
Erörterungen über das Brucknerſche Theaterſtück und die ihm zu=
grunde
liegenden Quellen, ein deutſches Buch ganz vergeſſen
hat: den dreibändigen Roman von Emil Brachvogel Ham=
let
und ſeine Zeit‟. Das Buch, 1867 erſchienen und ebenſo
unbekannt geblieben, wie des Verfaſſers Roman Friedemann
Bach populär geworden, iſt das, was man unter einem Schmö=
ker
verſteht, geht in dem Beſtreben, den romantiſchen Grafen
Eſſex als das Urbild des Hamlet aufzuzeigen, entſchieden fehl,
enthält aber in bezug auf Eliſabeth Züge, die hinreichende
Aufklärung geben für ihre Abneigung gegen eine Ehe. Ihr Arzt
hatte ihr geſagt, daß ſie unfähig ſei zur Mutterſchaft. Wenn ſie
alſo, um den Wünſchen ihrer Untertanen Genüge zu tun, Ver=
hältniſſe
einging, wie mit dem Duc von Anjou, ſo wußte ſie, im
letzten Augenblick immer einen Anlaß zum Abbruch der Be=
ziehung
zu finden. Dieſen Zug und auch noch andere charakteri=
ſtiſche
Merkmale für das menſchliche Weſen der Königin ſowie für
ihre Politik, hat Brachvogel ſehr gut gerausgearbeitet. In die=
ſer
Hinſicht gibt ſein Werk dem geprieſenen Buch von Lytton
Strachey Eliſabeth und Eſſex nichts nach, wennſchon letzteres
den klaren, geſchloſſenen Aufbau für ſich hat.
Die Unfähigkeit der Königin zur Mutterſchaft jedoch ſo aus=
zulegen
, wie das vor einigen Jahren in einer großen Tageszei=
tung
geſchah, daß Eliſabeth gar keine Frau, ſondern ein Mann
geweſen ſei den dynaſtiſche Intrigen gezwungen hätten, dieſe
Rolle durchzuführen, dürfte trotz des herbeigeholten Beleg=
materials
von der ernſten Hiſtorie abgelehnt werden. Gerade die
Schwächen und unliebenswürdigen Eigenſchaften der Königin, die
Bruckner, der Bühnenwirkung zuliebe, dick unterſtreicht, ihre Angſt
vor dem Kriege, ihre Unſchlüſſigkeit in kritiſchen Lagen, der zän=
kiſche
Ton, oft an die Kaſchemme erinnernd, in dem ſie nit ihren
Hofdamen verkehrt, ſind weiblich oder beſſer geſagt: echt weibiſch.
Wieweit ſich die erotiſchen Bedürfniſſe der Königin erſtreckten,
wird ſich wohl nicht mehr mit Sicherheit feſtſtellen laſſen, zumal
doch eine ganze pamphletiſche Literatur über das Eliſabethaniſche
Zeitalter vorliegt, aus welcher Freund und Feind gleicherweiſe
geſchöpft haben. Jedenfalls nahmen Bühnendichter ſich des Eſſex=
Dramas ſchon ſehr früh an. Dreißig Jahre nach dem Tode der
Königin bearbeitete bereits ein gewiſſer Gautier de Calprenede
die Geſchichte, verwertete in ſeinem Stück auch die Ueberlieferung
mit dem Ring, die ſich auch Laubes ſeinerzeit vielgeſpielte Eſſex=
tragödie
nicht entgehen ließ. Dann kam der jüngere Corneille
Thomas und ſchreibt 1678 ein Trauerſpiel Graf Eſſex, dem ſo=
wohl
Voltaire wie Leſſing ihre kritiſche Teilnahme zuwandten,
von ganz verſchiedenen Geſichtspunkten aus. Der Menſchenkenner
Voltaire meint im Hinblick auf die 68 Jahre, die die Königin
zählte, als der Konflikt mit Eſſex ausbrach, es wäre lächerlich,
wenn man ſich einbilden wollte, daß die Liebe den geringſten
Anteil an dieſen Begebenheiten gehabt hätte.
Der noch größere Menſchenkenner Leſſing aber wirft ein:
Warum das? Geſchieht nichts Lächerliches auf der Welt? Sich
etwas Lächerliches als geſchehen denken, iſt das ſo lächerlich?
Thomas Corneille war überzeugt, daß die Ringgeſchichte eine
Erfindung ſeines Vorläufers Calprenede geweſen ſei, aber Leſſing
weiſt darauf hin, daß auch die ſehr bedachtſamen und ſkeptiſchen
engliſchen Geſchichtsſchreiber Hume und Robertſon ſie in ihre
Werke aufgenommen haben.
Immer von neuem muß man Schiller bewundern, daß
er es ſo meiſterlich verſtanden hat, aus dem ihm zugänglichen
Material einen Charakter aufzubauen, der ebenſogut den An=
ſpruch
auf hiſtoriſche Richtigkeit erheben darf, wie irgend eine ſpä=
tere
Faſſung. Schiller war Synthetiker. Er zergliederte nicht,
er faßte zuſammen. Heute iſt die Pſychoanalyſe Trumpf. Bruck=
ner
fühlt man es an, daß er aus der Schule Freuds kommt.

Darmstädter Wimpel für Auto, Rad, Boot ete.
Wimpel und Fahnen, Brustwappen für alle Zwecke
Sonderanfertigung nach gegebenen Entwürfen
Tischbanner, Ständer, Wimpelstangen
Tanz- und Festabzeichen, Emailleabzeichen

Hesstsche Panbenrabtin

Rheinstraße 12½, gegenüber der Hauptpost
Aller Vereinsbedarf:
Verlangen Sie bitte unsere Listen

Warnung.
ſarrne hiermit jeden, beſonders meine
achbarin über meine Frau u. Familie
leidigende Aeußerungen zu tun, da ich
ſche gerichtlich verfolgen werde. (5550
Traiſa, 7. April 1931.
J. J. Groh, Metzger.
Schreib-

Ae
Fafdl. Schreibtiſch
Oiyelom: mit Aus=
gen
und Stuhl,
anenſchrank mit
viegeltür, Chaiſe=
nonte
, 2Lederſtühle,
V MMahagoni= Bett=
fite
Nußb.=Bett=
1 mit Sprung=
hm
. 15., Klat p=
h
. eich. Flurgarde=
be
kl. eich Bücher=
ſt
. 1 Schülerpult,
Meſſ= Treppen=
Ind-., 10 cm Ig., all
ſztllbill. zu verk.
ſoweg 5. Cartenhans

mod. nußb. Waſch=
mnnode
m. M. u.
165-, 1 kl. Eis=
ra
nk 18 . 1 Sa=
nu
itrine bill. z. vk.
jeweſelſtr. 4, I. r.

maschinen!
guterh. v. RMk 50.
an, Buchhaltungs=
maſchineShſt
. Reming=
ton
, noch wie neu
bill zu verk. A. Lächler
Maueri raße 23, Fachm
Reptr.,Werkſtätte.

Tennisſchläger
zu verkaufen.
Seitersweg 8, I.

Umſtändeh. aus gt.
Hauſe bill. abzug.
Herrenzim., auch
für Büro geeignet:
Dipl.=Schreibt. mit
Seſſ., Bücherſchrank,
Tiſch u. 2. Lederſt.
1 Küchenbüf. weiß,
Küchentiſch, 1 2t.
Kleiderſchr., 1 Eis=
ſchrank
. Näh. Gſchſt.
(5571b)

Umzugsh zu verk.:
1 Glasabſchl. ( Vor=
platz
), 3.30 m breit.
1 Gasherd, 1 Küche
(Pitchpine) 1 Sofa=
Umbau, 1 Kommode
ua.m. Näh. Gſchſt.*

1 Hupfeld=Phonola=
Meiſterſpielapparat
(Vorſetzer), vor jed.
Klavier zu gebrau=
chen
, m. ca 50 No=
tenrollen
billig zu
verkaufen. Näheres
Geſchäftsſt. (5572b

Eismaſchine, Hand=
betrieb
, nebſt Eis=
konſervator
, 2 Büch=
ſen
zu verkaufen. (
Wallerſtädten
bei Groß=Gerau,
Hauptſtraße 113.
Herrenrad
billig zu verkaufen.
Wienerſtr. 95. Gts.

Höhenſonne Orig.
Hanau. fahrb., Neu=
anſchaff
. 490 . für
300 zu verk. Ang.
unt. H. 199 Gſchſt. *

Kleider, Gr. 40, 42 Zirka 100 Ztr. Miſt
44, 46, ſpottb. z. vk. zu verkf. Marien=
Herdweg 95, Gths. platz 1. Zim. 9. (*

2ſtarke Lagerregale,
1 Obſtpreſſe
für Beerenwein.
1 Petroleumofen
zu verkaufen.
Arheilgen.
Einige eleg, helle Darmſtädterſtr. 23.

2 . em. Gasherde
m. Backofen billigſt
bei Adolf Kling.
Grafenſtraße 35. (*

1 Damenrad 25 .
1 Herrenrad 28 ℳM
zu verk. Schmolke,
Mathildenplatz 6.*
1 Herrenrad (Opel)
20 , 1 Damenrat
15 . A. Glatz,
Neckarſtraße 24.

. lack Kinderbett=
ſtelle
billig zu verk.
Zu erfr. Geſchſt. C

Faſt neuer Eis=
konſervator
bill. zu
verkauf. H. Grimm.
Riegerplatz 3.
Faſt neu. Grammo=
phon
mit 18 Platt.
preisw. zu verkauf.
Näh. Geſchäftsſt. (1
Primg Miſt.
wird billig ge=
(5560b
liefert
Kiesſtraße 15.

Bevorzugte und gutbezahlte
Stellungen
haben viele aus unseren Kursen her-
vorgegangene
Stenographen erhalten.
Verschieben Sie daher die rlernung
der Einheitskurzschrift nicht und
beteiligen Sie sich an unseren, heute
abend 8 Uhr in der Ballonschule
beginnenden
Anfängerkursen, Wiederholungskursen
Redeschriftkursen, Diktatkursen
Maschinenschreibunterricht jederzeit
Habelsberger Stenograpbenver ein gegr. 1961
Verein für Einheitskurzschrit Gallonschule

Schreibmaſchine
(Underwood) z. vk.
Preis 85 . Ang.
u. H. 161 Geſchſt.

1000 Mk.
ſucht ein Landwirt m
50 04 0 Grundver=
mögen
. Angeb H132
Geſchäftsſtelle (54996
Euche Rm. 1200
von Selbſtgeber geg
beſte ypothekariſche
Sicherheit, bei guter
Verzinſung. An e‟
u. H1 203 an die Ge=
ſchäftsſtelle
ds, Bl. (*

Bis zu 12000.
geg. hyp. Sicherheit
u, hohe Zinſen (*df
geſucht.
Ang. u. H. 187 Geſch.

5000 Mark
auf 1. Hypothek a.
Privathand zu leih.
geſucht. Angeb. unt.
H. 152 a. d. Geſch.
Teilhaberlin)
Suche f. meine ſeit
1925 beſteh. Hühner=
farm
einen ſtillen
oder tät. Teilhaber
mit 45 Mille zur
Vergrößerung. An=
gebote
unter H. 200
an die Geſchäftsſt.

Finderin des am
Karfr. i. Wald verl
hellen Pelzes wird
um genaue Adreſſe
gebet. Bel zugeſich.
Mehner, Roßdörfer=
ſtraße
82, part. (*

FaM d ienen Raen
Induſtrielle, Gewerbetreibende,
Landwirte erhalten unkündbare
Tilgungsdarlehen ohne laufende
Zinſen zur Ablöſung beſtehender
Zinshypotheken und zwecks Ver=
meidung
der Aufnahme hochver=
zinslicher
Hypotheken.
Verlangen Sie unverbindlich Aufklä=
rung
unter H. 149 a. d. Geſchäftsſt. (*

für Wertpapiere sotort erhältlich,
ohne Spesen. Belehnter Aktien-
besitz
wird kulantest freigemacht.
Anträge an: Mr. A. GERARD, 7,
Place de la Madeleine-PARIS.
I.BIn. 5582

[ ][  ][ ]

Seite 10

Donnerstag, den 9. April 1931

Nummer 98

Neuer Mokorbook=Welkrekord: 166,5 Skundenkilomeker.

Rekordfahrer Kaye Don.
Das Rennboot Miß England II.
Der erſt vor kurzem von dem Amerikaner Gar Wood aufgeſtellte Weltrekord für Motorboote iſt
aufs Neue überboten worden. Dem Engländer Kaye Don gelang es, eine Stundengeſchwindigkeit
von 166,5 Kilometern zu erreichen, d. h. 4 Kilometer pro Stunde mehr als Gar Wood.

Das Wilkins=Unkerſeel
lus fahrbereik.

Der Nautilus nach der Schiffstaufe im New Yorker Hafen.
Das Unterſeeboot des Nordpolfliegers Wilkins, mit dem der Pol unter dem Eiſe erreicht werden
ſoll, iſt jetzt ſtartbereit und wurde in einem feierlichen Akt, an dem auch der Enkel Jules Vernes
teilnahm, auf den Namen Nautilus getauft.

Reich und Ausland.
London-Kapftadk=Rekordflug eines engliſchen Millionärs.

700 Jahre Wolfhagen.
Wolfhagen (Heſſen=Naſſau). Die Kreis=
ſtadt
Wolfhagen feiert vom 18.20. Juli das
Feſt ihres 700jährigen Beſtehens. Der offizielle
Feſtakt findet am Abend des 18. Juli ſtatt. Am
Sonntag, den 19. Juli, um 14 Uhr, iſt ein Feſt=
zug
vorgeſehen und nachmittags in einem dazu
aufgeſchlagenen großen Zelt die Uraufführung
des Heimatſpieles Andreas Kayſer von Hein=
rich
Röſer.
Nach China entkommen.
Frankfurt. Der Angeſtellte der Metall=
geſellſchaft
, Becker, der in ſeiner Eigenſchaft als
Vermögensverwalter für eine Dame einen Be=
trag
von mehr als 100 000 Mark unterſchlug und
verſchwand, ſcheint nunmehr nach China entkom=
men
zu ſein, wozu man ihm infolge verſpäteter
Anzeige Zeit genug gelaſſen hat. Jedenfalls hat
er das Auto, mit dem er die Flucht ergriffen
hat, in Hamburg verkauft und ſich dann an Bord
eines Dampfers begeben.
Ein Maſſen=Rehſterben in der Eifel.
Daun. In verſchiedenen Jagdrevieren der
Daun=Manderſcheider Waldungen wurden in
den letzten Tagen gegen 20 verendete Rehe ge=
funden
. Ueber die Urſache des Rehſterbens er=
ging
man ſich lange in Vermutungen, bis von
Sachverſtändigen der Mageninhalt der toten
Tiere unterſucht wurde. Der Befund ergab, daß die
Rehe Opfer des lang und hochliegenden Schnees
geworden waren. Die Tiere fanden in der letz=
ten
Zeit keine Aeſung und waren auf die Knoſ=
pen
der Bäume angewieſen. Dabei fraßen ſie
mit den Knoſpen auch Holzteile, die ſich im Ma=
gen
zu harten, unverdaulichen Ballen formten
und Entzündungen hervorriefen die den Tod des
Wildes zur Folge hatten. Auch in benachbar=
ten
Jagdrevieren hat man ähnliche Feſtſtellungen
bei verendetem Wild gemacht.
Eine alte Töpferwerkſtatt aufgedeckt.
Herborn. Bei Ausſchachtungsarbeiten in
Driedorf wurde eine alte Töpferwerkſtatt auf=
gedeckt
, in der zahlreiche Funde von keramiſchen
Gebrauchsgegenſtänden gemacht wurden. Dieſe
ſtammen, wie die auf den Gefäßen eingebrannten
Jahreszahlen erkennen laſſen, aus den Anfängen
des vorigen Jahrhunderts. Die Fundſtücke zeigen
neben einer wirkungsvollen Ornamentik eine
feine Farbenzuſammenſtellung.
Die deutſchen Chirurgen wieder Mitglieder
der Internationalen Geſellſchaft.
Berlin. Auf der im Langenbeck=Virchow=
Haus geſtern vormittag durch den Vorſitzenden,
Profeſſor Schmieden (Frankfurt a. M.), eröff=
neten
55. Tagung der Deutſchen Geſellſchaft für
Chirurgie wurde bekanntgegeben, daß die So=
ciété
Internationale de Chirurgie den 1920 er=
klärten
Ausſchluß Deutſchlands, Oeſterreichs und
Ungarns in aller Form mit dem Ausdruck des
Bedauerns zurückgenommen habe. Profeſſor
Schmieden gab bekannt, daß nunmehr der An=
ſchluß
an die Internationale Geſellſchaft für Chi=
rurgie
in aller Form wiederhergeſtellt ſei.
Geheimnisvoller Tod eines vierjährigen Knaben.
Berlin. Dienstag mittag wurde der vier=
jährige
Sohn Franz des Bauarbeiters Hilde=
brandt
mit einem Herzſchuß tot aufgefunden.
Nach Ausſage des Vaters ſoll der Knabe in Ab=
weſenheit
der Eltern aus einem Schrank eine
Piſtole genommen und damit geſpielt haben,
wobei ein Schuß losging. Seltſamerweiſe iſt es
bisher nicht gelungen, die Waffe zu finden.
Hildebrandt wurde bis zur Klärung des Vor=
falles
verhaftet.
Ein Todesopfer des Schülerunglücks
in der Lübecker Kaſerne.
Lübeck. Der vor etwa zwei Wochen bei einer
Klaſſenbeſichtigung der Lübecker Reichswehr=
kaſerne
durch einen Maſchinengewehrſchuß ſchwer
am Unterleib und Becken verwundete Unterter=
tianer
Glamann iſt im Krankenhaus ſeinen Ver=
letzungen
erlegen. Glamann war das einzige
Kind ſeiner Eltern. Sein Mitſchüler Hauſchildt,
der an der Hand ſchwer verwundet wurde, be=
findet
ſich auf dem Wege der Beſſerung.
Kirchenräuber.
Frankental. Nacht wurde in der katho=
liſchen
Kirche in Lambsheim ein ſchwerer Ein=
bruchsdiebſtahl
verübt. Die Diebe drangen, nach=
dem
ſie die Gitter vor dem Sakriſteifenſter
durchſägt hatten, in das Innere der Kirche und
durchwühlten alle Schränke. In der Sakriſtei er=
beuteten
ſie einen Meßkelch und Ciborium. Aus
dem Tabernakel ſtahlen ſie dann die Monſtranz.
Die Unterſuchung nach den Tätern hat bisher
noch zu keinem Erfolg geführt.

Glen Kidſton (Mitte) mit ſeinen Begleitern.
Der engliſche Fliegermillionär Kidſton bewältigte die 13.700 Kilometer lange Strecke von London
nach Kapſtadt in 7 Tagen und ſtellte damit einen hervorragenden Rekord auf. Kidſton wollte mit
ſeinem Flug dem engliſchen Luftfahrtminiſterium beweiſen, daß die für die Strecke London-Kapſtadt
vorgeſehene Zeit von 12 Tagen viel zu lang ſei.
Erfte Aufnahme von dem furchtbaren Schiffszuſammenſtoß bei Malaga.

Das Wrack des franzöſiſchen Frachtdampfers Florida nach dem Zuſammenſtoß.
Auf der Höhe von Malaga ſtieß das engliſche Flugzeugmutterſchiff Glorious mit dem franzöſiſchen
Frachtdampfer Florida ſo heftig zuſammen, daß 36 Mann der Beſatzung der Florida getötet
wurden. Der Frachtdampfer erhielt ein rieſiges Leck in der Mitte des Schiffes, und nur die ſofor=
tige
Hilfeleiſtung der engliſchen Matroſen verhinderte, daß die Kataſtrophe noch größer wurde.

Familientragödie in der Pfalz.
Pirmaſens. Im nahen Taleiſchweiler
gerieten der 22 Jahre alte Fabrikarbeiter Gregor
Schenk und ſein Schwager, der 47jährige Johann
Hoffmann, aus geringfügiger Urſache in Streit.
Plötzlich griff Schenk nach dem Flobertgewehr
und gab auf Hoffmann einen Schuß ab, der die=
ſen
in den Unterleib traf. Hoffmann wurde in
bedenklichem Zuſtand ins Krankenhaus gebracht,
der Täter verhaftet. Die 62 Jahre alte Mutter
des Schenk, die Augenzeugin des Vorfalles war,
erregte ſich dabei derart, daß ſie einen Herzſchlag
erlitt und tot zuſammenbrach.
Erdbeben in der Oſtſlowakei.
Ungvar. Dienstag nachmittag wurde in
der Oſtſlowakei, beſonders in den Städten Ung=
var
und Munkacz, ein Erdbeben wahrgenommen,
das an einigen Stellen bis zu 10 Sekunden
dauerte. Die Dächer einiger baufälliger Häuſer
ſtürzten ab, Bilder fielen von den Wänden.
Drei Touriſten in Steiermark
tödlich verunglückt.
Wien. Wie aus Admont gemeldet wird, ſind
geſtern nachmittag in den Wänden des Großen
Buchſteins die während der Feiertage tödlich ver=
unglückten
Wiener Touriſten Ellingen und Ade
und der St. Pöltener Touriſt Lotz tot aufgefun=

Aufſehenerregende Verhafkung
in Helſingfors.
Helſingfors, Rieſiges Aufſehen erregte
am Dienstag abend die Verhaftung des Sozial=
direktors
Itkonen wegen Wechſelfälſchung im Be=
trage
von zunächſt 76 000 Finnmark. Die Fäl=
ſchungen
wurden dadurch entdeckt, daß cinige
Wechſel zu Proteſt gingen. Itkonen war einer
der führenden Männer der finniſchen Sozial=
demokratie
. Er war Vorſitzender der Parterlei=
tung
, verſchiedenemale Reichstagsabgeordneter
und Innenminiſter im Kabinett Tanner. Am
Dienstag vormittag erſchien er wie gewöhnlich
im Rathaus. Am Abend wurde er vor dem
Rathausgericht verhaftet, wo er als Rechtsan=
walt
in einem Prozeß auftreten ſollte. Im übri=
gen
wird Itkonen nachgeſagt, daß er ein recht
einfaches Leben geführt habe. Das Unglück, in
das er jetzt geraten ſei, ſoll durch unglückliche
Bodenſpekulationen hervorgerufen worden ſein.
Zuſammen mit einigen anderen Perſonen hatte
er in einer Provinzſtadt größere Grundſtücke auf=
gekauft
. Die Annahme, daß dort eine ſchnelle
Preisſteigerung ſtattfinden würde, beſtätigte ſich
nicht. Gleichzeitig mußte er eine Anzahl Wechſel
und Schuldbriefe für arme Verwandte unter=
ſchreiben
. Seine Verhaftung wird einen Maſſen=
krach
nach ſich ziehen. Viele ſeiner Parteigenoſſen
hatten Wechſel von ihm beliehen, die jetzt fällig
werden.
Cermak Bürgermeiſter von Chicago.
NewYork. In Chicago fanden die Bürger=
meiſterwahlen
ſtatt. Nach den zur Zeit vorlie
genden Ergebniſſen iſt der bisherige Bürger=
meiſter
Big Bill Tompſon von dem demokrati=
ſchen
Gegenkandidaten Cermak mit großer Mehr=
heit
geſchlagen worden. In 1900 von den 2987
Wahlbüros der Stadt erhielt Cermak 429 287
und Tompſon 286 264 Stimmen. Man rechnet
damit, daß die Mehrheit Cermaks rund 265 000
Stimmen erreichen wird. Man erklärt, nunmehr
werde dem Terror der Korruption und der Ver=
brecherherrſchaft
in der Stadt ein Ende gemacht
werden, was beſonders mit Rückſicht auf die be=
vorſtehende
Weltausſtellung zu begrüßen ſei.
Der neue Bürgermeiſter, der tſchechiſcher Abſtam=
mung
iſt, wird am Donnerstag ſein Amt an=
treten
. Die Wahlen ſelbſt verliefen, abgeſehen
von kleinen Zwiſchenfällen, ruhig. Die Behörden
hatten über 6000 Beamte zur Aufrechterhaltung
der Ordnung aufgeboten.
Ein neuer Erdſtoß in Matagua.
New York. Aſſociated Preß meldet aus
Managua: Ein erneuter Erdſtoß von mäßiger
Stärke verurſachte geſtern nachmittag den Ein=
ſturz
einiger weniger noch ſtehender Gebäude,
Menſchenverluſte ſind nicht zu beklagen.
50 ſtürzke die amerikaniſche Fliegeri
Ellinor Smith aus 8000 Mir. Höhe ab. : /

den worden. Die Leichen werden zu Tal gebracht.
Die Touriſten ſind während der Feiertage tödlich
verunglückt.
Hilfsexpedition für Profeſſor Wegener.
Kopenhagen. Der Gouverneur von Grön=
land
, Daugaard Jenſen, erklärte der Zeitung
Politiken gegenüber, daß augenblicklich von der
weſtgrönländiſchen Station Karmarujuk eine
Hilfsexpedition vorbereitet wird die Nachfor=
ſchungen
nach dem deutſchen Gelehrten Profeſſor
Wegener anſtellen wird. Die Expedition wird,
ſofald das Wetter milder geworden iſt, auf=
brechen
.
Die Berengaria aufgelaufen.
London. Der Cunard=Dampfer Beren=
garia
lief vorgeſtern kurz nach 12 Uhr in der
Nähe von Southampton auf eine Sandbank. Der
Dampfer wurde erſt früh 3 Uhr nach Eintritt der
Flut und mit Hilfe von ſechs Schleppdampfern
wieder flott. Ein Teil der Paſſagiere hatte ſich
bereits vorgeſtern in einem Fährboot an Land
ſetzen laſſen.
Der Schaden, den der Cunard=Dampfer Be=
rengaria
, der frühere deutſche Dampfer Impe=
rator
, kurz vor der Ankunft in Southampton
durch die Strandung erlitt, iſt nicht bedeutend.
Es iſt aber nicht unmöglich, daß ſich ſeine nächſte
Ausreiſe trotzdem um mehrere Wochen verzögert.

Bei dem Verſuch, den Höhenrekord für Frauel
zu brechen, ſtürzte die waghalſige amerikaniſche
Fliegerin Ellinor Smith (Porträt oben links-
aus
8000 Meter Höhe ab und konnte nur durſs
ihre Geiſtesgegenwart das Flugzeug noch n9.
landen.

[ ][  ][ ]

Nummer 98

Donnerstag, den 9. April 1931

Seite 11

DT
oud voity Feming

Der Spork des Sonnkags.

Ein großes Programm.
Stets, wenn eine Saiſon in die andere übergleitet, gibt es im
Sport ein großes und feſſelndes Programm. Das iſt auch in dieſen
Wocken der Fall. Noch haben die Raſenſports ihre großen Tage. Meiſter=
ſchafts
= und Repräſentativkämpfe im Fußball, Handball und Nugby fin=
den
allenthalben in Maſſen ſtatt, daneben macht ſich aber auch ſchon die
neue Saiſon mit zahlreichen Veranſtaltungen im Rad= und Motorſport,
arrf den Pferderennbahnen und in der Leichtathletik bemerkbar.
Fußball.
In allen Landesverbänden des Deutſchen Fußball=Bundes werden
dre Meiſterſchafts=Endſpiele fortgeſetzt. In Süddeutſch=
land
gibt es einige Spiele, die wahrſcheinlich Vorentſcheidungen brin=
gen
werden. So braucht München 60 aus dem Spiel gegen den 1. FC.
Türnberg nur einen Punkt, um Sieger der Troſtrunde Südoſt zu ſein.
In der Meiſterrunde wird die SpVg. Fürth kaum noch einzuholen ſein,
nenn ihr ein Sieg über die Münchener Bayern glückt. Bedeutung haben
aber auch die Spiele KFV. Eintracht und Iſenburg Wiesbaden.
Das Programm des Tages lautet: Runde der Meiſter: SpVg.
Fäirth Bayern München, Karlsruher FV. Eintracht Frankfurt;
JK. Pirmaſens Wormatia Worms, SV. Waldhof Union Böckin=
gen
; Troſtrunde Südoſt: München 1860 1. FC. Nürnberg,
Stuttgarter Kickers 1. FC. Pforzheim, Schwaben Augsburg VfR.
Fäirth; FV. Raſtatt Phönix Karlsruhe; Troſtrunde Nord=
weſt
: VfL. Neu=Iſenburg SV. Wiesbaden. Phönix Ludwigshafen
FV. Saarbrücken. Rotweiß Frankfurt FC. Idar. Union Nieder=
rrd
Neckarau. Von den ſüddeutſchen Pri batſpielen
ſeien erwähnt: FSV. Frankfurt Saar 05 Saarbrücken. Eintracht
Trier Wacker Wien, VfR. Heilbronn VfB. Stuttgart. FC. Frei=
barg
SC. Freiburg. VfR. Schwenningen SvVg. Schrambera,
Aemannia Worms FC. 93 Hanau, Germania Bieber Viktoria
ürberach. Zwei italieniſche Mannſchaften geben im Reich ihre Karte
as. Der FC. Mailand ſpielt am Samstag gegen Minerva Berlin und
am Sonntag gegen Guts Muts Dresden, während Ambroſiana Mailand
am Sonntag Gegner einer Kölner Stadtmannſchaft iſt. Außerordent=
lich
umfangreich iſt das internationale Programm. Es gibt
alein ſechs Länderſpiele, nämlich: Spanien Italien in Bar=
rillona
, Oeſterreich Tſchechoſlowakei in Wien, Ungarn Schweiz in
Xudapeſt, Portugal Italien in Liſſabon. Tſchechoſlowakei B Mittel=
d
utſchland in Prag und Luxemburg Italien B in Luxemburg.
Handball.

Das erſte Entſcheidungsſpiel um die Süddeutſche Meiſter=
chaft
kommt in Darmſtadt zwiſchen dem SV. 98 Darmſtadt und der
EwVg. Fürth zur Abwickelung. Weſtdeutſchlands Meiſter
nard in Krefeld beim Spiel zwiſchen VfB. Aachen und Tura Barmen er=
nättelt
. Im Süden gibt es auch noch einige Nachzügler von Verbands=
ſtfielen
. So treffen in Württemberg Polizei Stuttgart und Tübingen
z ſammen, während in der Abteilung Weſt noch Mainz 05 und Weſt=
nark
Trier um die Punkte kämpfen.

Hockey.

Nach den Länderſpielen und den großen Oſterturnieren wird es jetzt
im Hockey ruhiger. Der Sonntag bringt Freundſchaftsſpiele.

Leichtathletik.
Der 12. April iſt der Tag der großen Waldläufe. Alle Landesver=
bande
der DSB. und die Kreiſe der DT., tragen ihre Waldlauf=

Areiſterſchaften aus. 70 Einzelläufer und zehn Mannſchaften
nlhmen an den ſüddeutſchen Meiſterſchaften der Sportler
tel:l, die in München abgewickelt werden. Auch einige Turner ſind am
Skart.
Schwimmen.
Waſſerball=Blitzturniere werden in Berlin und Karls=
frahe
veranſtaltet. Außerdem gibt es noch einige gut beſetzte Hallen=
Schwimmfeſte in Berlin und Kaſſel.

Rabſport.
Bahnrennen bringt der Sonntag in Berlin (Rütt=Arena),
2-iſſeldorf. Leipzig und Paris. Sehr lebhaft iſt auch der Radſport=
bektrieb
auf der Landſtraße. Das traditionelle Bundes= Straßen=
rimnen
BerlinKottbusBerlin bringt faſt 300 Herren=
faSrer
an den Start und ſehr ſtark iſt auch die Beteiligung am Unions=
Rennen um den Großen Straßenpreis von Mittel=
deutſchland
.
Motorſport.
Das große Tauſend=Meilenrennen bei Breseia
weiſt auch in dieſem Jahre wieder deutſche Beteiligung auf. Hans Stuck
ud Carraciola nehmen gemeinſam in einem Mercedeswagen den Kampf
gerfen die ſchwere Konkurrenz des Auslandes auf. Auf Sizilien wird
die Targa Floria der Motorräder ausgetragen.
Durnen.
Zwei intereſſante Wettkämpfe im Kunſtturnen ſtehen auf dem Pro=
gmmm
des Sonntags: MünchenZürich in München und Ulm
Arbon in Ulm.
Tagungen.
In Süddeutſchland werden am Sonntag die Bezirkstage des Fuß=
be
Il= und Leichtathletik=Verbandes abgehalten. Der Bezirk Main=
=Hieſſen trifft ſich in Mainz, Württemberg=Baden kommt in
harlsruhe zuſammen, der Bezirk Bayern in München und der Be=
zuk
Rhein=Saar in Heidelberg. Bei allen vier Tagungen wird die
Zſprechung der Spielſyſtemfrage im Vordergrund der Beſprechungen
ſtchen.
Pferdeſport.

Der Sonntag bringt Galopprennen in Karlshorſt, Dresden,
Hannover, Horſt=Emſcher, München=Riem und Paris.

Rugby.
Zur Vorbereitung auf den am 19. April in Paris ſtattfindenden
derkampf gegen Frankreich trägt die Deutſche Nationalmann=
aft
in Hannover ein Uebungsſpiel gegen Odin Hannover aus.

Waldlauf der Mitkelrhein=Turner.

Am kommenden Sonntag, den 12. April, bringt der Mittelrheinkreis
)e D.T. in Frankfurt=Oberrad ſeine Waldlauf=Meiſterſchaften
fünn Austrag, die, wie alle Jahre, einem beſonderen Intereſſe in Tur=
nerkreiſen
begegnen. Nachdem jetzt in den 23 Gauen, welche der Kreis
umfaßt, die Gaubeſten feſtgeſtellt, die faſt reſtlos bei dem Kreiswaldlauf
im Ablauf ſtehen werden, beginnt jetzt ein großes Rätſelraten um die=
ſerigen
, welche als ausſichtsreichſte Bewerber um den Meiſtertitel in
ſtage kommen können. Beſonders im Einzellauf erſteht eine ſcharfe
genenſeitige Konkurrenz zwiſchen dem Titelverteidiger Fornoff (Tgſ.
A5 Darmſtadt, Main=Rheingau) und Reuter (Tgde. Sachſenhauſen,
dau Frankfurt), und als Dritter im Bunde Rittel (Tgſ. Koblenz,
ſih ein=Moſelgau). Die Leiſtungen dieſer Genannten dürften die beſten
Hoffnungen aufkommen laſſen, unter ihnen den Meiſter des Mittelrhein=
iſes
zu ſuchen. Neben dieſen ſind als ernſte Anwärter auch die Ver=

ſetungen des Main=Taunusgaues mit Berkholz (Bad=Homburg), Voigt=
Seligenſtadt (Gau Offenbach=Hanau) und Pfannenſchmidt= Stockheim
Hänziaaau) zu betrachten. Außerdem dürften Garſt (Tgde. Worms,

dau Rheinheſſen), ſowie Alberti=Beuerbach (Aargau) und einzelne
Cangſtreckler aus dem Saargebiet mit in die Entſcheidung eingreifen.
ſach ſtärker dürfte der Meiſtertitel im Mannſchaftslauf umſtritten ſein.
der ſind es die Mannſchaften der Turngemeinde Sachſenhauſen, die
Zu rngeſellſchaften Darmſtadt und Koblenz, die ſich gegenſeitig den Rang
treitig zu machen verſuchen, zumal das Dreigeſtirn in ihren Gauen mit
zie ichwertigen Leiſtungen aufwarten konnte. Das Ergebnis muß es nun
ſeroringen, wer von ihnen allen den Mittelrheinkreis bei dem Wald=
rf
der D.T. gemeinſam mit der D. S.B. in Hannover vertreten kann.

Waſſerſpork.
Anpaddeln des Kanu=Clubs Darmſtadt.

Nachdem ſämtliche Boote den Winterſchlaf gut überſtanden haben,
füſten ſie ſich wieder, um am kommenden Sonntag, den 12. d. M.,
e dem Anpaddeln die diesjährige Paddel=Saiſon zu eröffnen.
Ace Auffahrt erfolgt vormittags 10 Uhr vom Klub=
ha
us Erfelden.

Der Kölner Weltergewichtsboxer Hans Müller ſchlug in New York
E Amerikaner de Luca in der erſten Aunde Ea.

Das Ereignis des Sonnkags.
für die Darmſtädter Sportgemeinde
iſt das Spiel auf dem 98er Stadion um die Süddeutſche Meiſterſchaft
im Handball zwiſchen der Spielvereinigung Fürth und dem beimiſchen
Süddcutſchen Meiſter, Sportverein 1898. Für den heimiſchen Meiſter
und für das ſportbegeiſterte Darmſtadt geht es um die Fragc. ob Darm=
ſtadt
ſeinen Ruf als Handball=Hockburg des Sudens weiter halten und
feſtigen kann. Das äußere Keunzeichen der Vormacht iſt eben die Er=
rngung
des Titels Siddeutſcher Meiſter.
Die beiden Gegner ſind in glänzender Weiſe als die Spitzenreiter
in ihren Bezirken zur Meiſterſchaft gelangt. Daxaus geht unzweifelhaft
hervor, daß die Mannſchaften Einzelkönner auf jedem Poſten beſitzen,
daß dieſe aber auch in der gleichen vorzüglichen Form als uneigenſüch=
tige
Glieder im Mannſchaftskampf zu ſpielen verſtehen. Gerade der blitz=
ſchnelle
und variationsreiche Handball verlangt, neben ausgeprägter
Einzeltechnit, vollkommenes Eingeſpieltſein der elf Mann. Eigenſinni=
ges
Primadonnenſpiel führt faſt ſtets zu Enttäuſchungen, nicht nur der
benachteiligten Partei, ſondern auch beim Publikum. Nach dem Ver=
lauf
der diesjährigen Verbandsſaiſon und nach den Kämpfen um die
Bezirksmeiſterſchaft beſteht kein Grund, den Kameradſchaftsgeiſt der 98er
in Zweifel zu ziehen. Gerade wenn es um Entſcheidungen ging, waren
die heimiſchen Spieler reſtlos auf dem Poſten. Wir glauben daher,
daß am kommenden Sonntag beim Kampf um die Süddeutſche Meiſter=
ſchaft
die Darmſtädter zur Höchſtform auflaufen und die Poſition, die
ſie in langen Jahren aufgebaut haben, halten werden. Gerade in den
Spielen gegen ſchwerſte Gegner zeigte ſich, eine wie gefährliche Waffe der
Sturm der Blauen iſt, aber auch wie ſicher und erfolgreich die Ver=
tidigungsreihen
arbeiten. Die Zahlen der diesjährigen Verbands= und
Bezirksmeiſterſchaftsſpiele ſprechen eine beredte Sprache und laſſen die
Hoffnung berechtigt erſcheinen, daß auch das Spiel am kommenden
Sonntag nach einem hinreißenden Kampf zweier ſieggewohnter Gegner
mit einem Sieg des Altmeiſters enden wird.
Handball in der 2. T. (Odenwaldgaul.
Die Oſterfeiertage brachten folgende Ergebniſſe:
1. Oſterfeiertag: Erbach 1.Rotweiß 1. 2:6; Erbach 3.
Arheilgen Jgd. 9:4; Groß=Umſtadt 1.Worms=Pfiffligheim 1. 8:4;
König 1. Frankfurt=Bornheim 1. 5:5; Niederklingen 1.Merck Darm=
ſtadt
komb. 6:6; Kirch=Brombach 1. Tgde. Darmſtadt 1. 6:4; Leng=
feld
1. Mainz=Ginsheim 1. 5:6; Wald=Amorbach 1. Hamm (Rhh.)
1 Mſch. 1:5; Altheim 1. Babenhauſen 1. 3:7; Altheim 2. Ba=
benhauſen
2. 2:6: Zell 1. Steinbuch 1. 2: 4; Zell 2. Kirch= Brom=
bach
2. 2:6; Hainſtadt 1. Richen 1./2. 3: 2; Semd 1. Groß= Um=
ſtadt
3. 3: 4.
Oſtermontag: König 1. Polizei Hanau 1:5; König 3.
Arheilgen Jgd. 3:1; Hergershauſen 2. Semd 1. 11:1: Kirch=
Brombach 2. Tgde. Darmſtadt 2. 2:4 (Spielzeit 40 Minuten); Kirch=
Brombach 3. Erbach 2. 1: 1 (Spielzeit 30 Min.).
Während am Oſterſonntag alle angeſetzten Spiele ausgetragen wur=
den
, mußten am zweiten Feiertag die meiſten Spiele wegen des Regens
ausfallen. In Erbach gelangte Rotweiß zu einem glatten Sieg, weil
ſeine Mannſchaft in allen Teilen beſſer beſetzt war als die der Platzelf
und Erbachs Sturm vor lauter Kombinationen das Torwerfen vergaß.
Vom Anpfiff weg entwickelte Groß=Umſtadt ein mächtiges Tempo, und
in gut aufgebautem Spiel brachte ſein Sturm Ball auf Ball vors Gäſte=
tor
, deſſen Hüter fleißig zu tun bekam. Die erzielten Treffen waren
unhaltbar. Bei den Gäſten verlor ſich der Sturm in Einzelleiſtungen,
die Hintermannſchaft verteidigte ſich tapfer. Von Groß=Umſtadts Schluß=
trio
kann man das gleiche nicht ſagen. Hier herrſchte reichlich Unſicher=
heit
, beſonders beim Tormann. Bornheim ſtellte eine gleichmäßige
Mannſchaft, deren Sturm zwar etwas langſam war, ſo daß dem Gegner
die rechtzeitige Abdeckung meiſtens gelang. Die Läuferreihe hingegen
arbeitete vorzüglich und gab dem Spiel den nötigen Schwung. Bei =
nig
gefiel beſonders das Schlußtrio. Der Sturm verdarb durch öfteres
eigenſinniges Spiel manche ſchöne Torgelegenheit, ſonſt wäre ein Sieg
gewiß geweſen. Ein Oſterwerbeſpiel im wahren Sinne des Wortes war
es! Obwohl Darmſtadt techniſch die Einheimiſchen überragte, mußte es
ſich doch geſchlagen bekennen, weil Kirch=Brombach durch ungeheueren
Eifer dieſen Vorſprung ausglich. Lengfeld hatte bei ſtarkem Gegenwind
den Anſtoß, der gleich vom Gegner abgefangen wurde und nach zwei
inuten zum erſten Tor für Ginsheim führte. Noch dreimal konnte
Ginsheim bis zum Wechſel einſenden, da Lengfeld ein ſehr ſchwaches
Spiel vorführte. Nach der Pauſe kam Lengfeld beſſer in Fahrt und holte
auf. Zum Ausgleich reichte es nicht, weil die Mannſchaft zu viel eigen=
ſinnige
Sologänger beſaß. Ginsheim zeigte gute Technik und ein flin=
kes
Spiel. Hamm nahm von Anfang an das Heft in die Hand und be=
hielt
es bis zum Schluß. Die Torwächter beiderſeits ließen gute Lei=
ſtungen
ſehen und der Kampf wurde in ſehr anſtändiger Form durch=
nhauſen
gewann ſicher. Im Schußvermögen war es Alt=
heim
ſtark überlegen. Zell muß ſich ſehr anſtrengen, wenn es in ſeiner
Klaſſe wieder zu den ſtärkeren Mannſchaften gerechnet werden will.
Steinbuch hat ſich in letzter Zeit gut nach vorn gekämpft. Nur weiter
ſo! Sein Sieg in Zell entſprach dem Spielverlauf. Zwei gleichwertige
Gegner trafen in Hainſtadt aufeinander Richens Tormann war an
der Niederlage ſeiner Elf ſchuld. Die beſſere Technik und die ſchnellen
Durchbrüche verhalfen den neun Groß=Umſtädtern in Semd zu dem Un=
entſchieden
. Semd muß zweckmäßiges Zuſammenſpiel üben
Bei Regen trug man in König am zweiten Oſterfeiertag die Spiele
aus. Die Polizei Hanau ſtellte eine körperlich und ſpieleriſch ſtarke
Mannſchaft ins Feld. Ein Begrüßungsabend war dem Freundſchafts=
ſpiel
am 1. Oſterfeiertage vorausgegangen. Bei dem anhaltenden Regen
waren natürlich die Platzverhältniſſe ſchlecht.. Trotzdem kam ein flüſſi=
ges
Spiel zuſtande, das Hanau verdient gewann. Die verſtärkte Her=
gershäuſer
zweite Elf hatte es leicht, die Anfängermannſchaft Semd zu
ſchlagen. Semd zeigte wieder wenig Zuſpiel. Wegen der ſchlechten Wit=
terung
wurden die Spiele in Kirch=Brombach vorzeitig abgebrochen. Die
Darmſtädter zeigten eine Ueberlegenheit, die den Sieg ſicher herbeige=
führt
hätte.
Am Sonntag, den 12. April ſpielen: Groß=Bieberau
gegen Michelſtadt 2.30, Zweite 1.30 Uhr; GundernhauſenAltheim 3.15,
Zweite 2.00 Uhr; Semd 1.Langſtadt 2 3.00 Uhr; Kirch=Brombach
gegen Momart 3.15, Zweite 2.00 Uhr; SpachbrückenSchaafheim 1.30,
Zweite 12.30; Schlierbach-Langſtadt 12.30 Uhr.
Tv. SeeheimTſch. Frankfurt=Heddernheim 3: 1.
Mit wenig Hoffnung fuhr die Elf am zweiten Feiertage zu dem
A=Meiſter des Gaues Frankfurt, Turnerſchaft Heddernheim. Die Spiele
des vergangenen Jahres endeten jeweils mit einer 8:2=Niederlage der
Bergſträßer. Aber diesmal drehten ſie den Spieß um. Gutes Stellungs=
ſpiel
, ſchöne Kombination und ein ſicherer Hüter entführten den Sieg
nach Seeheim. Der Mannſchaft für das gute Vertreten unſeres Gaues
ein Geſamtlob.
Fußball.
SpVgg. Arheilgen komb. Eintracht Darmſtadt 5:5 (3:1).
Zu Beginn der Privatſpiele war Eintracht Gaſt bei obigem Gegner,
und konnte trotz 3 Erſatzleuten und die ganze Spielzeit nur mit 10 Mann
ſpielend, einen ſchönen Achtungserfolg erzielen. Das Unentſchieden ver=
dient
beſondere Beachtung deshalb, weil der Gaſtgeber 7 Mann ſeiner
Ligamannſchaft zur Stelle hatte und ſich trotzdem 5mal geſchlagen be=
kennen
mußte. In der erſten Spielhälfte waren beide Mannſchaften be=
ſtrebt
, ein ſchönes anſtändiges Spiel hinzulegen, das im Gegenſatz zu den
Verbandsſpielen bei den Zuſchauern lobende Anerkennung fand. Das
Reſultat entſpricht der beiderſeitigen Spielſtärke, was Arheilgen an Rou=
tine
und Körperkraft voraus hatte, erſetzte Eintracht durch Schnelligkeit.
TSV. Meſſel.
Nach der 16:0 Niederlage in Neu=Iſenburg gegen die ſehr ſpielſtarken
Reſerven des VfL. gewann die 1. Mannſchaft des TSV. Meſſel am Kar=
freitag
gegen die 1. Mannſchaft von Preungesheim=Frankfurt a. M. 4:3
und am 1. Oſterfeiertag gegen die Ligareſerven von Münſter 5:4. Hier
hätte das Reſultat weit günſtiger lauten können, hätten der Eigenſinn
des Tormanns einerſeits und das Schußpech des Sturmes andererſeits
dies nicht vereitelt. Von den vier Toren waren 3 haltbar. Mittelläufer
und Mittelſtürmer waren großartig in Fahrt. Gut waren noch Verteidi=
gung
und linker Läufer. Die Jugend gewann gegen Egelsbach ver=
dient
2:1.
F. S. V. 1910 Groß=Zimmern Germania Bieber Liggerſatz 1:3.
Bei nicht gerade ſchönem Wetter trafen ſich obige Mannſchaften auf
dem vom Regen aufgeweichten Sportplatz. Die ungenügenden Platz=
verhältniſſe
trugen mit dazu bei, daß man von der einheimiſchen Mann=
ſchaft
nicht das von ihr gewohnte Spiel zu ſehen bekam. Zudem hattze

ſie regelrechtes Schußpech; die vielen Latnſchüſſe und knappen Neben=
treffer
mögen dafür Zeuge ſein. Im anderen Falle wäre das Reſultat
zweifellos für Groß=Zimmern günſtiger ausgefallen. Der Sturm war
zufriedenſtellend, auch die Läuferreihe, bei der der linke Läufer durch
ſein überzeugendes Spiel hervorragte. Die Hintermannſchaft war gut
in der Abwehr oft gefährlich werdender Angriffe des Gegners, welcher
übrigens durch ſein beſſeres und ſchnelleres Zuſpiel überlegen war und
ſeinen beſten Mannſchaftsteil in Verteidigung und Tormann hatte.
Die Alten Herren ſpielten gegen Haſſia Dieburg unentſchieden 3: 3.
* Kreisliga Südheſſen.
Das einzige über die Feiertage angeſetzte Verbandsſpiel
Starkenburgia Heppenheim Normannia Pfiffligheim
wurde von den Bergſträßern kampflos gewonnen. Die Normannen waren
zur feſtgeſetzten Zeit nur mit zwei Spielern anweſend; ſpäter, als die
Mannſchaft vollzahlig war, einigte man ſich auf ein Freu=
das
von den Heppenheimern 5:1 gewonnen wurde. Wie die Sache um
den zweiten Tabellenplatz endet, iſt vorerſt noch nicht genau feſtzuſtellen.
Vielleicht hat die Hetze um den zweiten Tabellenplatz auch gar keinen

Zweck. Die Tabelle: Spiele gew. un. verl. Punkte Olympia Lorſch 36 V. f. R. Bürſtadt. 22 Olympia Worms". Starkenburgia Heppenheim 21 13 F. V. Biblis". 10 Olympia Lampertheim Norman. Pfiffligheim Spp. Hochheim. 3 Spp. Horchheim 21 V. f. L. Lampertheim Konkordia Gernsheim 1 Viktoria Neuhauſen

Die äußerſt zahlreichen Freundſchaftsſpiele über Oſtern brachten
folgende intereſſanten Reſultate:

FV. BobenheimSpv. Horchheim 1:1; Spv, HorchheimFV.
Kirn 4:3; Spv. HomburgSpv, Horchheim 3:4; Olympia
LorſchOpel Rüfſelsheim 4:0; Olympia LorſchFV. Gießen
7:0; V.f.R. BürſtadtSpv. Arheilgen 7:1; FV. Dotzheim
Olympia Worms 1:3; Spv. HochheimFV.. Bobenheim 6: 3;
Spv. MünſterKonkordia Gernsheim 3:2; Haſſia Dieburg
V.f. L. Lampertheim 6:1; FV. HofheimSpv. Abenheim 3: 2.
Ausgefallen ſind die Spiele von Biblis ſowie Olympia Lampertheim;
ebenſo die Begegnung Olympia WormsFrankenthal. Horchheim hat
über die Feiertage eine beachtenswerte Leiſtung vollbracht. Darüber
ſtehen allerdings die Bombenſiege unſeres Meiſters Olympia Lorſch und
des Tabellenzweiten, V. f. R. Bürſtadt. In drei Spielen gegen recht be=
fähigte
Gegner ſtellten unſere Vertreter die ganz erhebliche Quote von
17:1 auf! Hoch verloren hat dagegen V.f.L. Lampertheim in Dieburg,
während Gernsheim mit demſelben Reſultat unterlag, wie das Vorfpiel
gewannen ging. Das erſte Spiel um die Kreismeiſterſchaft zwiſchen Hof=
heim
und Abenheim konnten die Riedleute mit vieler Mühe gerade noch
mit einem Tor Unterſchied gewinnen. Beim Seitenwechſel lagen die Gäſte
2:1 in Führung. Der Ausfall verſchiedene Spiele erklärt ſich größten=
teils
durch das unbeſtändige Wetter.

Ernſt Piſtulla=Berlin iſt jetzt von der Internationalen Box=Union
als Europameiſter der Halbſchwergewichtsklaſſe anerkannt worden.
Der Wiener Allround=S.C. ſchlug am Mittwoch in Frankfurt die
Hockehelf des Frankfurter Tv. 60 mit 2:1 (1:1).
Saar 05 Saarbrücken gewann in Oſtende ein Fußballturnier durch
Siege über engliſche und holländiſche Amateurmannſchaften.

Geſchäftliches.
Das Glück ſchmieden, lautet der Proſpekt, den die Lot=
terie
=Einnahme Petrenz, hier, Rheinſtraße 33, unſe=
rer
heutigen Nummer beilegt. Hoffnung auf Glück iſt im Alltag des
Lebens das Lebendige. Dazu bietet die am 20. ds. Mts. beginnende
37, (263.) Staatslotterie gute Gelegenheit. Wir bitten die Beilage zu
beachten und ſich rechtzeitig ein Los zu ſichern, bepor dieſelben aus=
verkauft
ſind.

Eine angenehme Ueberraſchung für die Hausfrau bedeutet die Herab=
ſetzung
des Preiſes für die ſeit Jahrzehnten bewährten Maggi=Suppen
auf 10 Pfg. für den Würfel. Dieſer Dienſt am Kunden wird nicht
nur Freude bei allen Verbrauchern von Maggi’s Suppen auslöſen, ſon=
dern
dieſem hervorragenden Qualitätserzeugnis auch zahlreiche neue
Freunde zuführen.

Rundfunk-Brogramme.
Frankfurt a. M.
Donnerstag, 9. April.
15.20: Stunde der Jugend.
16.30: Nachmittagskonzert des Rundfunkorcheſters. Mitw.: Eberh.
Schrempf (Bariton), H. Sperling (Engliſch Horn), A. Haagen
(Flügel).
18.15: Zeitfragen (Thema u. Redner werden noch bekanntgegeben).
18.45: Stadtrat B. Aſch: Finanzen vor und nach dem Kriege,
19.10: Franzöſiſch.
19.45: Unterhaltungskonzert des Rundfunkorcheſters.
20.30: Länder=Querſchnitte: Rußland.
22.20: Tanzmuſik.
Königswuſterhanſen.
Deutſche Welle: Donnerstag, 9. Apri.
15.00: Kinderſtunde: Kunterbunt. Regen und Sonnenfchein.
15.45: Maria v. Bornſtedt: Was kann die Frau auf dem Lande
u. i. d. kl. Stadt für die erwerbsloſe Jugend tun?
16.00: Muſikgeſchichten in der Volksſchule.
16.30: Berlin: Nachmittagskonzert.
17.30: Prof. Dr. Hans Mersmann: Hausmuſik (Arbeitsgemeinſch.)
18.00: Stadtoberbaurat G. Jobſt: Als deutſcher Architekt in Nie=
derländiſch
=Indien.
18.30: Prof. Dr. E. Utitz: Das Aeſthetiſche und die Kunſt.
19.00: Engliſch.
19.30: Reichsminiſter a. D. Dr. v. Schlieben: Die Lage der
deutſchen Zuckerinduſtrie u. d. rübenbauenden Landwirtſchaft.
20.00: Maria Krauſe Hanna Zeitſchel: Die berufstätige Frau
in der proletariſchen und bürgerlichen Welt.
20.50: Leben und Sterben des großen Sängers Enrico Caruſo,
Hörſpiel von Günter Eich und Martin Raſchke.
Danach: Tanz=Muſik der Kapelle Robert Gaden.

Weiterbericht.
Durch die Kaltluft über Skandinavien iſt es zur Bildung eines
Hochdruckgebietes gekommen, wobei ſich das flache Hoch über Deutſchland
mit dem ſkandinaviſchen vereinigt hat. Allgemeiner weiterer Baro=
meteranſtieg
, führte bereits zur Auflöſung der Wolkendecke, ſo daß in
faſt ganz Deutſchland heute morgen heiteres Wetter herrſchte. Auch die
Temperaturen zeigen allenthalben Anſtieg. Obwohl die neue Störung
über JIsland ihren Einfluß weiter ſüdwärts über die Britiſchen Inſeln
erſtreckt, ſo wird unſere Wetterlage vorerſt im Zeichen hohen Druckes
ſtehen, ſo daß das ſchöne Wetter anhält. Die Temperaturen werden
durchweg anſteigen, und auch nachts erfolgt kein ſo ſtarker Rückgang mehr
wie ſeither.
Ausſichten für Donnerstag, den 9. April: Meiſt heiter und trocken, nachts
noch Temperaturrückgang bis in Gefrierpunktsnähe, tagsüber fort=
ſchreitende
Erwärmung.
Ausſichten für Freitag, den 10. April: Weitere Erwärmung, aufkom=
mende
Dunſtbildung mit Bewölkung.

Sauptichriftlettung. Rudolf Maupe
Veranwwortich für Poltiſk und Wirtſchaft: Rudoll Maupe: für Feuilleion, Reich um
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Mar Streeſe; für Sport: Kari Böhmanz;
für den Hantel: Dr. C. H. Queiſch, für den Schlußdienſt. And:eas Baner; ſü=
Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort Dr. Herberi Reite.
für den Inſeratcnteil und geſchäftliche Mitteilungen Wills Kuble
Druck und Verlag C. C. Wittich ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.

mmer hot 14 Seiten.
Oe Kete

[ ][  ][ ]

Nummer 98

Cagblatt,

Donnerstag, den 9. April

Generalverſammlung der Heſſiſchen Beamkenbank
2. G. m. b.h. zu darmſtadt.
Die Heſſiſche Beamtenbank e. G. m. b. H. zu Darmſtadt hielt ihre
ordentliche Hauptverſammlung (Vertreterverſammlung) für das zehnte
Geſchäftsjahr 1930 ab. Außer dem vollzählig anweſenden Aufſichtsrat
und Vorſtand waren 55 ſtimmberechtigte Vertreter und einige andere
Mitglieder erſchienen. Geſchäftsbericht und Bilanz lagen der Vereſamm=
lung
im Druck vor. Der Bericht gibt nach einleitenden allgemein= wirt=
ſchaftlichen
und beamten=politiſchen Bemerkungen ein anſchauliches Bild
günſtiger Entwicklung der Bank auf geſunder und ſolider Grundlage.
Zudem hat die in 1930 ſtattgefundene Verſchmelzung der Be=
amtenbank
Offenbach mit ,der Heſſiſchen Beamten=
bank
letzterer einen erfreulichen Zugang gebracht.
Liquidität und Rentabilität ſind infolge einer einwandfreien und um=
ſichtigen
Geſchäftsführung auf jeden Fall geſichert. Der Umſatz belief ſich
auf 88 Millionen RM., die Bilanzſumme auf 3,16 Mill., der Reingewinn
auf 21551,38 RM. Unter Berückſichtigung der Gewinnverteilung er=
geben
ſich folgende weſentliche Poſten (in 1000 RM.): Guthaben bei
Banken 782 (im Vorjahr 447), Wertpapiere 146 (136), Außenſtände in
laufender Rechnung 383 (293), Darlehen 1407 (1159), Immobilien 283
(288), Inventar 52 (52). Andererſeits: Geſchäftsguthaben 373 (288),
Rücklagen 76 (32), Bankſchulden 211 (50), Kreditoren 1458 (1180),
Spar= und Termingelder 1080 (894).
Verſchiedene Anfragen aus der Verſammlung erfuhren von Vor=
ſtandsſeite
an Hand ſtatiſtiſcher Unterlagen noch ausführliche Erläute=
rungen
, ebenſo Geſchäftsbericht und Bilanz, die ſchließlich unter Ent=
laſtung
des Vorſtandes einſtimmige Genehmigung fanden. Unter Wah=
len
zum Aufſichtsrat wurden die fünf ausſcheidenden Herren wieder=
und außerdem mit Rückſicht auf die Mitgliederzunahme drei Herren neu
gewählt, und zwar: Rektor Wagner=Offenbach, Lehrer Schell=Darmſtadt,
Oberpoſtſekretär Trinkaus=Darmſtadt; auch der aus dem Vorſtand tur=
nusgemäß
ausſcheidende Direktor Heyder wurde einſtimmig wieder=
gewählt
.
Ein für die Bankmitglieder wichtiger Antrag des Vorſtandes auf
weiteren Ausbau des von der Bank ſeither ſchon gewährten beitrags=
freien
Sterbegeldes fand allſeitige Anerkennung und Zuſtim=
mung
, ſo daß künftig bei Ableben eines Mitgliedes der Genoſſenſchaft
den Hinterbliebenen ein Sterbegeld bis zu 550 RM. gewährt wird.
Nach anregender Ausſprache über die Notwendigkeit und Bedeutung
einer kräftigen Förderung der Beamtengeldwirtſchaft wurde die Ver=
ſammlung
nach etwa 5ſtündiger Dauer geſchloſſen.
Wirtſchaftliche Rundſchan.
Die Indexziffer der Großhandelspreiſe im Monatsdurchſchnitt März
1931. Die für den Monatsdurchſchnitt März berechnete Großhandels=
indexziffer
des Statiſtiſchen Reichsamtes verzeichnete mit 113,9 etwa den
gleichen Stand wie im Vormonat (114,0). Von den Hauptgruppen iſt
die Indexziffer für Agrarſtoffe um 0,8 v.H. auf 106,7 geſtiegen, während
die Indexziffer für induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren um 0,2 v.H.
auf 106,2 und diejenige für induſtrielle Fertigwaren um 0,8 v.H. auf
138,7 zurückgegangen iſt.
Arbeitsruhe im Berliner Baugewerbe. Bei allen großen Berliner
Baufirmen ruht ſeit Mittwoch früh die Arbeit ſo gut wie vollſtändig.
Der Arbeitgeberverband vertritt entgegen der Auffaſſung des Arbeit=
nehmerverbandes
, daß es ſich um eine Ausſperrung handele, den Stand=
punkt
, daß die Arbeitgeber ſich ſtreng an den Schiedsſpruch des Reichs=
arbeitsminiſteriums
halten und bereit ſind, zu dem feſtgeſetzten Stunden=
lohn
von 140 RM. arbeiten zu laſſen. In Groß=Berlin gibt es etwa
53 000 Bauarbeiter, von denen in letzter Zeit rund 20000 in Arbeit
ſtanden. Im Reich iſt die Lage im Baugewerbe noch völlig ungeklärt.
N. Vogel A.=G., Frankfurt a. M. Nach 22000 (25000) RM. Ab=
ſchreibungen
wird ein faſt unveränderter Reingewinn von 31000 RM.
ausgewieſen, aus dem auf 300 000 RM. Aktienkapital wieder 8 Prozent
Dividende verteilt wewden ſollen. Das Geſchäftsjahr 1930 dieſer Ge=
ſchäftsbücherfabrik
habe ſteigende Umſätze zu verzeichnen gehabt. Auch
in 1931 hat die Umſatzſteigerung angehalten.
Lederfabrik Guſtav HHerrſcher, Offenbach a. M. Die Geſellſchaft er=
ſtrebt
im Vergleichsverfahren einen Liquidationsvergleich. Die Aktiven,
die nur zum Teil frei ſind, betragen rund 236 000 RM.. gegenüber
261 000 RM. Paſſiven.
Chemiſche Fabriken Budenheim A. G., Mainz. Nach erhöhten Ab=
ſchreibungen
verzeichnet die Geſellſchaft für 1930 einen faſt unveränder=
ten
Neingewinn von rund 685 000 RM., woraus auf 4 Millionen RM.
Aktienkapital wieder 15 Prozent Dividende zur Verteilung vorgeſchlagen
werden. Der ſcharfe Konkurrenzkampf auf den In= und Auslandsmärk=
ten
habe ſtark auf die Preiſe gedrückt. Trotz der Wirtſchaftskriſe konnte
der Umſatz dank langfriſtiger Lieferungsverträge nicht nur gehalten,
ſondern ſogar gegenüber 1929 noch etwas geſteigert werden.
Zuſammenſchluß in der weſtdeutſchen Kalk duſtrie. Die Beſtrebun=
gen
zur Neubildung der vor längerer Zeit aufgelöſten Kalkkonvention,
die ſchon während der Verhandlungen zur Erneuerung des Weſtdeutſchen
Zementverbandes im Gange wa ſind jetzt durch die Errichtung
einer Kalkgemeinſchaft zum Abſchiuß gebracht worden. Die Geſchäfts=
führung
der 17 Werke aus Rheinland und Weſtfalen umfaſſenden Ge=
meinſchaft
liegt in den Händen der Wickingſchen Portland=, Zement= und
Waſſerkalkwerke A. G. in Münſter i. W. Der Verkauf von Bau= und
Zementkalk wird rückwirkend ab 1. April d. Js. aufgenommen. Die
endgültige Feſtſetzung der Preiſe erfolgt in den nächſten Tagen.

Metallnokierungen.

ſo daß infolge der niedrigeren Gebote Abſchlüſſe nur ſchwer zuſtande
kommen. Für Weizen= und Roggenmehl geſtaltete ſich das Geſchäft
ſchleppend, bei nominell unveränderten Preiſen. Hafer und Gerſte lie=
gen
am Promptmarkte infolge des geringen Angebotes ziemlich ſtetig.
Die Haferlieferungspreiſe waren dagegen nicht behauptet.
Frankfurker und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 8. April.
Die Ungewißheit hinſichtlich der J. G. Farbendividende bewirkte
auch zu Beginn der heutigen Börſe eine ſtarke Zurückhaltung der Speku=
lation
. Die Grundſtimmung war jedoch nicht unfreundlich, doch beſtand
allgemein eine gewiſſe Unſicherheit. Da auch der Ordereingang von
außen her ſtark nachgelaſſen hat und die geſtrige New Yorker Börſe wie=
der
in ſchwacher Haltung ſchloß, bewegte ſich die Umſatztätigkeit in ſehr
engen Grenzen. Die erſten Notierungen lagen zum Teil etwas freund=
licher
, nachdem ſchon vorbörslich höhere Kurſe genannt worden waren.
Später machte ſich bei der Spekulation jedoch wieder Abgabeneigung
fühlbar, und die Kurſe konnten ſich nicht mehr ganz behaupten. Einige
Anregung bot die feſte Haltung des Kalimarktes, an dem angeblich kleine
Kundenorders zur Ausführung gekommen ſein ſollen. Salzdetfurth er=
öffneten
5.5 Prozent und Aſchersleben 1 Prozent feſter. Der Anleihe=
markt
lag ſehr ſtill und ohne Veränderungen. Am Pfandbriefmarkt
blieben Städte=Altbeſitzanleihen weiter geſucht; auch nach einigen Indu=
ſtrieobligationen
beſtand noch Nachfrage, während im übrigen der Markt
in ruhiger Haltung verkehrte. Schuldbuchforderungen unverändert.
Im weiteren Verlaufe der Börſe machte ſich von ſeiten der Arbitrage
verſtärktes Intereſſe für AEG. bemerkbar, die auch erneut 1,5 Prozent
anzogen, während die übrige Börſe zunächſt unbeeinflußt blieb und un=
erholt
lag. J. G. Farben gaben bis zu 1 Prozent nach. Gegen Schluß
der Börſe ſetzte ſich eine faſt allgemeine Befeſtigung durch, da in Elektro=
werten
angeblich ſtärkere franzöſiſche Käufe vorgenommen worden ſein
ſollen. Auch die feſte Haltung des Rentenmarktes blieb nicht ohne Ein=
fluß
. Die Kurſe lagen vielfach über dem Anfangsniveau. Teilweiſe
konnten ſich Beſſerungen bis zu 2.5 Prozent einſtellen, ſo vor allem bei
Aku und Bemberg, ferner bei AEG., Geffürel und Siemens. Holzmann
gewannen 4,5 Prozent, während andererſeits Salzdetfurth 1,5 Prozent,
Scheideanſtalt 1,25 Prozent und Deutſche Linoleum 1 Prozeut verloren.
Das Geſchäft war etwas lebhafter. Am Geldmarkt machte ſich eine wei=
tere
Erleichterung bemerkbar, ſo daß Tagesgeld erneut ermäßigt wurde.
Der Satz ſtellte ſich auf 4 Prozent, Monatsgeld auf 5,25 Prozent bis
5,5 Prozent. Am Deviſenmarkt zeigte die Mark wieder eine Befeſtigung.
Mark gegen Dollar 4,1985, gegen Pfunde 20,40½, LondonNew York
4,8593, Paris 124,23, Mailand 92,82½, Madrid 44,10, Schweiz 25,23¾4,
Holland 12,117/g.
An der Abendbörſe erhielt ſich die freundliche Tendenz des
Mittagsſchlußverkehrs, da weiteres Deckungsbegehr beſtand. Stimmungs=
mäßig
wurde die Börſe etwas angeregt durch die Ablehnung der Reichs=
tagseinberufung
im Aelteſtenrat. Daneben ging von der weiteren Auf=
wärtsbewegung
der A.E.G.=Aktie, die erneut 1 Prozent gewann, und
der Kunſtſeidepapiere von denen Aku 2 Prozent anzogen, eine leichte
Belebung des Geſchäfts aus. Gegen die Berliner Schlußkurſe ergaben
ſich meiſt Beſſerungen bis zu 1 Prozent. Holzmann lagen gegen den
Frankfurter Schlußkurs 3 Prozent feſter. Von Stadtanleihen waren am
feſtverzinslichen Markt Stadt Mannheim ſtark geſucht und 1,5 Proz. höher.
Sonſtige Anleihen lagen relativ ruhig. Die Börſe blieb im Verlaufe
und bis zum Schluß durchaus freundlich, und es ergaben ſich überwie=
gend
neue Kursbeſſerungen bis zu 1 Prozent.
Berlin, 8. April.
Nach einem unſicheren und faſt geſchäftsloſen Vormittagsverkehr
machten ſich bereits vorbörslich leichte Anzeichen einer Beſſerung bemerk=
bar
. Die Tendenz zu Beginn des offiziellen Verkehrs war dann bei
uneinheitlicher Kursgeſtaltung im allgemeinen wieder freundlicher. Ge=
gen
die ſchwachen Frankfurter Abendkurſe ergaben ſich meiſt leichte Er=
holungen
, trotzdem wieſen dieſe Kurſe 12prozentige Abſchwächungen
gegen den Mittag=Schluß auf, denen jedoch auch Beſſerungen bis 1
und 2 Prozent gegenüberſtanden. Die Feſtigkeit der Rentenmärkte gab
der Börſe eine kräftige Stütze, ebenfalls die Tatſache, daß Verkaufsorders
nur in ganz geringem Umfange vorhanden waren. Die Spekulation,
die geſtern an einzelnen Märkten zu Blankoabgaben geſchritten war,
nahm Deckungen vor; ebenfalls konnte man Rückkäufe der Arbitrage be=
obachten
. Am Farbenmarkt war Intereſſe der Provinz, wahrſcheinlich
des Rheinlandes, vorhanden. Im Verlaufe ſchrikt die Spekulation zu=
nächſt
weiter zu Deckungen, ſpäter wurde es aber wieder ruhiger und
etwas ſchwächer. Gegen 1 Uhr ſetzte ſich, vom A. E.G.=Markte ausgehend.
wieder eine Befeſtigung durch; nur Farben blieben etwas vernachläſſigt.
Deutſche Anleihen nicht einheitlich.

Berliner Kursbericht
vom 8. April 1931

Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 8. April:
Getreide. Weizen: Mai 84, Juli 81,50, September 60. De=
zember
63: Mais: Mai 61, Juli 62½, September 60,25, Dezember
52½; Hafer: Mai 29,75, Juli 30¾, September 31¾, Dezember
32,25; Roggen: Mai 365, Juli 36,25, Sept. 40.
Schmalz: Mai 8,80, Juli 8,925, Sept. 9,05.
Speck, loco 10,375.
Schweine: Leichte 7,757,90, ſchwere 6,907,25; Schweine=
zufuhren
in Chicago 15 000, im Weſten 70 000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 8, April:
Schmalz: Prima Weſtern 9,55: Talg, extra loſe 4½.
Getreide. Weizen: Rotwinter 93; Mais: loco New York 74½;
Mehl: ſpring wheat clears 3,904,30; Getreidefracht nach Eng=
land
1,62,3 sh, nach dem Kontinent 88½ C.
Kakao: Tendenz feſt, Umſätze 71, loco 5½; Mai 5,47, Juli
5,63, September 5,78, Oktober 5,86, Dezember 5,97.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
Die Köln=Lindenthaler Metallwerke A.=G. in Köln=Lindenthal
bleibt für das abgelaufene Geſchäftsjahr wieder ohne Dividende. Die
G.=V. iſt auf den 6. Mai einberufen.
Wie bekannt wird, hat die bekannte Koblenzer Manufakturwaren=
fabrik
Hochſtetter u. Lange mit namhaften Paſſiven ihre Zahlungen ein=
geſtellt
.
Dem in den letzten Tagen von Streikluſtigen in Verſammlungen
des Schiffahrtsperſonals propagierten Streik für die Rheinſchiffahrt
ſtehen die Arbeiter durchaus ablehnend gegenüber. Wie wir erfahren,
hat der Reichsarbeitsminiſter die Arbeitnehmervertreter zu Nachverhand=
lungen
über den Schiedsſpruch über die Lohn= und Gehaltsregelung für
die Heizer und Maſchiniſten zum 10. April nach Berlin geladen.
Die Zigarrenfabrik S. Bloch in Ettenheim iſt in Zahlungsſchwierig=
keiten
geraten und hat Konkurs angemeldet. Am 29. April findet eine
Gläubigerverſammlung in Lahr ſtatt.
Nachdem die Vergleichsverhandlungen geſcheitert ſind, iſt nunmehr
bei rund 145 000 RM. Paſſiven über die V. A. G. Vaccuum Anlagen= und
Kolbenring A.=G., Frankfurt, Konkurs eröffnet worden. (A.=K. 70000
Reichsmark.)
Nach einer Meldung aus Wiesbaden hat die Vereinigung rheiniſcher
Sektkellereien beſchloſſen, die Kleinverkaufspreiſe des Markenſektes, deſ=
ſen
Kleinverkaufspreiſe durch den Markenſchutzverband geſchützt ſind,
um 1 RM. ie Flaſche zu ermäßigen und gleichzeitig die frachtfreie Liefe=
rung
nach jeder Reichsbahnſtation einzuführen.
Auf der Tagesordnung der auf den 25. April einberufenen a. o.
G.=V. der Ludwig Ganz A.=G. i. L. in Mainz ſteht neben Vorlage und
Genehmigung der Liquidationseröffnungsbilanz auch Verlegung des
bisherigen Geſchäftsjahres (Kalenderjahres).
Auf dem Luxemburger Hüttenwerk Arbed in Eſch ſind für Mitte
April 500 ledige deutſche Arbeiter, faſt ausſchließlich aus dem Trierer
Bezirk, gekündigt worden.
Die Schweizeriſche Induſtriegeſellſchaft Neuhauſen erzielte im Jahre
1930 einen um 400 000 SFr. erhöhten Reingewinn von 1,69 Millionen
SFr. Die Geſellſchaft, die mit einem A.=K. von 4 Mill. SFr. arbeitet,
bringt eine Dividende von 60 SFr. zur Verteilung.
In Oslo iſt der letzte Verſuch des Reichsſchlichtungsmannes erfolg=
los
verlaufen, ſo daß nunmehr die Großausſperrung in Norwegen zur
Tatſache werden wird. Am Mittwoch abend wurden 43000 Arbeiter
ausgeſperrt. 12000 Arbeiter ſind bereits ſeit drei Wochen ausgeſperrt.
Weitere Ausſperrungen werden acht Tage ſpäter in Kraft treten. Die
Geſamtausſperrung wird 90100 000 Arbeiter umfaſſen.
Der plötzliche Zuſammenbruch der Lodzer Handelsbank hat in weite=
ſten
Kreiſen der Oeffentlichkeit und in der Finanzwelt größte Beſtürzung
hervorgerufen. Am ſchwerſten betroffen ſind die kleinen Einleger des
Induſtriebezirks. Die Paſſiven der Bank belaufen ſich auf 28 Millionen
Zloty. Die ausländiſchen Gläubiger, zum größten Teil engliſche
Finanzleute, ſind hypothekariſch ſichergeſtellt.
Eine Gruppe hervorragender New Yorker Finanzleute plant die Zu=
ſammenfaſſung
von 20 kleineren lokalen Bankfirmen in einem großen
Bankinſtitut mit 100 Millionen Dollar Depoſiten. Die Einzelheiten des
Fuſionsplanes und die Namen der beteiligten Firmen werden vorläufig
geheimgehalten.

Deviſenmarkt
vom 8. April 1931

Die Metallnotierungen in Berlin am 8. April ſtellten ſich für
je 100 Kg. für Elektrolytkupfer, prompt cif Hamburg, Bremen
oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die Dt. Elek=
trolytkupfernotiz
) auf 95,25 RM. Die Notierungen der Kom=
miſſion
des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe verſtehen
ſich ab Lager in Deutſchland für prompte Lieferung und Be=
zahlung
) ſtellten ſich für Original Hüttenaluminium, 98 bis 99
Prozent, in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren 170 RM., des=
gleichen
in Walz= oder Drahtbarren 99 Prozent, 174 RM., Rein=
nickel
98 bis 99 Prozent, 350 RM., Antimon=Regulus 5254 RM.,
Feinſilber (1 Kg. fein) 37.5039,50 RM.
Die Berliner Metalltermine vom 8. April ſtellten ſich für
Kupfer. April, Mai 81 (83) Juni 81,50 (83), Juli 84,50 (85),
Auguſt 84,75 (85), September, Oktober, November 84,75 (85.25),
Dezember 85 (85,25). Januar, Februar März 85,25 (85.50. Ten=
denz
kaum ſtetig. Für Blei; April 23,50 (24,50) Mai 23,75
(24,75). Juni 24 (24,75) Juli 24,25 (25), Auguſt. September 24,50
(25), Oktober 24,25 (25,25), November. Dezember 24,75 (25,25),
Januar, Februar März 25 (25,50) Tendenz: ſtill. Für Zink:
April 23 (24) Mai 23.25 (24) Juni 23,50 (24,25). Juli 23.75
(24.50) Auguſt 24,25 (24,75) September 24,50 (25,25) Oktober
24,75 (25,50), November 25 (25,75), Dezember 25,75 (26) Januar
25,75 (26,50) Februar 26 (26,50). März 26.25 (26,50). Tendenz:
ruhig. Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die in Klammern
beigefügten Brief.
Brodukkenberichte.
Frankfurter Produktenbericht vom 8. April. Der Frankfurter Pro=
duktenmarkt
lag zum erſten Verkehr nach den Feiertagn ruhig, aber be=
feſtigt
. Das Angebot von Inlandsbrotgetreide war weiter gering.
Preisbeſſerungen bis zu 4 Mark pro Tonne ergaben ſich bei Weizen,
Noggen und Hafer. Am Mehlmarkt lag Weizenmehl ruhig, während
Roggenmehl etwas beſſer beachtet wurde. Für Weizenmehl lauteten die
Forderungen 0,5 Prozent höher. Der Futtermittelmarkt zeigte bei
knappem Angebot, beſonders für Mühlenabfälle, weiterhin feſte Haltung.
Weizen= und Roggenkleie lag je 0,25 Mark feſter. Recht feſt verkehrte
der Kartoffelmarkt, da kaum Ware angeboten wurde, und aus dem Aus=
lande
, beſonders Belgien und Frankreich, größere Nachfrage beſtanden
haben ſoll. Die Preiſe liegen weſentlich höher, heute jedoch ohne amt=
liche
Notiz. Es notierten in RM.: Weizen pro Tonne 305, Roggen
pro Tv. 212214, Sommergerſte pro To. 235240, Hafer pro To. 192,50
bis 195, Weizenmehl ſüdd. Spezial Null 43,7544,75, desgl niederrh.
43,7544,50, Roggenmehl 2930,75, Weizenkleie 11,6011,75. Roggen=
kleie
12,75. Die Preiſe für Mehle und Kleie verſtehen ſich für 100 Kilo.
Berliner Produktenbericht vom 8. April. Die bereits geſtern nach=
mittag
und heute vormittag zutage getretene ſchwächere Stimmung am
Produktenmarkt erhielt ſich auch zu Beginn der heutigen Börſe. Aller=
dings
beſchränkten ſich die Preisrückgänge in der Hauptſache auf das
handelsrechtliche Lieferungsgeſchäft. Angeſichts der günſtigeren Witte=
rungsverhältniſſe
erfolgten verſchiedentlich Realiſationen, während die
Käufer, teilweiſe in Erwartung weiterer Maßnahmen gegen eine Brot=
preiserhöhung
, Zurückhaltung bekundeten. Die Weizen=Lieferungspreiſe
lagen infolgedeſſen 12 Mark, die Roggenpreiſe ſogar bis 3,5 Mk. unter
geſtrigem Schlußniveau. Das Angebot zur prompten Verladung hat ſich
allerdmgs kaum verſtüzkt, und die Forderungen ſind hoch gehalten,

Berl. Handels=Geſ.
Danatbankf . . . . . .
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Ban
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bayr. Motorenw.
F. P. Bemberg
Bergmann Elektr
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdö!

129.
149.
114.
113.125
72.,5
95.
74,875
112.50
80.
98.
97.50
54.125
14.125
142.
n7.75

Elektr. Lieferung
J. G. Farben 155.
Gelſ. Bergw.
Geſ. f.eleitr. Untern.
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Bhil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Köln=Neueſſ. Bgw./ 81.50
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Unin
Nordd. Wolle
Sberſchleſ. Koksw.
Orenſtein & Koppel

139.50
85.
32.50
78.25
74.25
96.
171.
72.50
82.75
47.25
69.50
82.50
58.

Polyphonwer!
Rütgerswerie
Salzdetfurth Ka
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtoff
Verein. Stahlwerk
Weſteregeln Alkali
Agsb.=Nrnb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirich Kupfer
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Drah
Wanderer=Werle

n4.
57.25
63.
23.50
116.50
61.*0
172.
6s.50
26.50
55.50

64.
50.2E
57.50

Helſingfors Währung
100 finn.Mk. Geld,
0.556 Niie
10.576 Schwei=
Währung
00 Franken 80.755
Wien 100 Schillingl 58.975 59.095 Spanien
100 Peſetas 46.22 46.32
Prag 00 Tſch. Kr. 12.42 12.446 Danzie
100 Gulden 81.50 Budap
00 Pengö 73.11 73.25 Japan Yen 2.072 Sofia 100 Leva 3. C42 3.044 Rio de Janeire 1 Milre 0.300
Hollan! 100 Gulden 168.18 168.5 Jugoſlawien
Portugal 100 Dinar Cslo 100 Kroner 112.23 112 45 100 Escnbos 18.84 Kopenhagen 00 Kroner 112.19 112.4 Atben
100 Drachm. 5.44 Stodholm 100 Kronen 112.28 112.50 Jſtam bu 1 türk. 2
London 2=Stg. 20.38 20.42 Kairo 1 ägypt. * 20.91 Buenos=Aires Pap. Peſo 1.45c 1.462 Kanadc
lcanad. Dol 4. 19: New York Dollar 4.1945 4.2025 Uruguay 1 Goldpeſo 2.947 Belgien
100 Beige 58.32 8.44 Jsland 100 eſtl. Kr. 92.0 Italien
100 Lire 21.96 22.005 Tallinn (Eſtl.) 100 eſtl. Kr. 111.64 Paris
100 Francs 16 403/ 16.443 Riga
00 Lats E0.75

GeldBrief
70.S15
1 I.66
2.(76
(.20
7.369/ 7.383
18.2,

20.s5
4.200
2.953
22.21
111.84
0.s1

Haloant, Kommansigefeafcaft
Frankfurter Kursbericht vom 8. April 1931.

7% Dtſch. Reichsanl,101
6%
84.75
5½%Intern., 77.75
6% Baden .....
80.5
8%Bahern.
1100.5
6%
81.5
8% Heſſen v. 28/ 92
89
v. 29/ 94.5

6% Preuß. Staat. / 96.25
8½ Sachſen .. . . . . ! 99.75
6% .....! 79.5
7% Thüringen.
86.75
Dtſche. Anl. Auslo
ſunsſch. +:/, Ab=
löſungsanl
. . .
58l=
Dtſche. Anl. Ablö
ungsſch. (Neub.) 6.45
Deutſche Schutzge=
bietsanleihe

8% Aachen v. 29
8% Baden=Baden. / 94.75
6% Berlin ......

8% Darmſtadt v. 26
v. 28
78 Dresden:. ...! 87
8% Frankfurt a. M./ 99.25
v. 261 s6.75
8o0
v. 26/ 79.5
8% Mainz ......./ 92
8% Mannheim v. 26/ 93
6%
v. 27
8% München ... . .! 26
82 Nümbera.
82 Wiesbaden

kredit Goldpfbr.. / 94.75 47% Maintrw. v. 2
86
95.25
86.75

8% Heſſ. Landesbl.
8% Goldoblig.
4½% Heſſ. Ld8.=
Hhp.=Bk.=Liquid.
4¾% Kum.=Obl.
8% Preuß. Lds.
pfbr.=Anſt. G. Pf.
2 ..Solbohli

100.5
95.5
96.5
20.8
83

Landeskomm.
Bk. Girozentr. für
Heſſen Goldobl./ 97.25
2 Kaſſeler Land
kredit Goldpfbr. 1100
26 Kaſſeler Land.;
82 Naſſ. Lamdesbl. /100.25
4½% Liqu. Obll 932/,
Dt. Komm. Sam=
mel
=Ablöſ.=Anl.
*AuslSer. I1 58
Ser. I7I 75
Dt. Komm. Samm.
Abl. (Neubeſitz)../ 11
2 Berl. Hyp. Bk./100
9
4½2Ligu.=Pfbr. 91.5
8% Frkf. Hyp.=Bk. 1101.75
97.25
4½2% Lia.Pfbr./ 93.2
Pfbr.=Bk./102.75
97.25
Ligu. / 95
3 Mein.Hyp.=Bl. /103
97
Lia. Pfbr.. / 22.85
Pfälz. Hyp.=B!.
4½% Lig. Pfbr. / 93.75
8% Preuß. Boden
cred.=Ban!
102
% Lig. Pfbr.. / T4.75
8½ Preuß. Centrl.=
Bodener.=Bant ./uoy
4½% Lig. Pfbr./ 921
8%6 Rhein. Ehp. B!/101.5
96.75
4½% Lig. Bſbr.,/ 23.5
18% Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Credit .. . . . 1101
18% Südd. Bod.
Cred.=Banl .. . . 1100.75
95.25
44 Ma. Bfhr.!

2o Württ. Hyp.=B./
6 Daimler=Benz
18% Dt. Linol. Werke
2o Klöckner=Werke
2o Mitteld. Stahl
8% Salzmann u. Co
726 Ver. Stahlwerke
18% Voigt &Häffne

96
88.5
87.5

J. G. Farben Bonds/104.2!

5% Bosn. L.E.B.
L. Inveſt.
50 Bulg. Tah. v.02
4½% Oſt. Schätze
4% Oſt. Goldrente
5% vereinh. Rumän
ſo
48 Türi. Admin.
1. Bagdad
Zollanl.
0 Ungarn 1913
4½2
1914
Goldr.)
1910
Aktien
Rla. Kunſtziide Un
A. E. G
AndregeNoris Zahr
Aſchaffba. Brauerei
Zellſtoff
Zemberg. 7. P...
Bergm. El.=Werle
BrownBoverickCie
Buderus Eiſen..
Cemen: Heidelbere!
Karlſtad:
J. G. Chemie, Baſe
Chem. Werke Albert/ 40.5
Chade
Contin. Gummiw./115.5
Linoleun
aimier-Be....

28
38.75
8.6
15.15
6.95
4.15

88
111.5

129

188
94
A

Dt. Atl. Telegr
Erdöl
Gold=u. Silber=
ſcheide
=Anſtalt
Linoleumwerle
Eiſenhandel..
Dyckerhoff u. Widm
Eichbaum=Werger.
Eleftr. Lieferg.=Geſ.
Licht u. Kraft
Eſchw. Bergwerk..
EßlingenMaſchinen
Ettlingen Spinnere
Faber & Schleiche
J. G. Farbenind
Feinmech. (Jet
Felt. & Guilleaume
Franff Gae: Lia.
Hof.
elſent. Berawerl
Geſ. f.elettr. Untern
Goldſchmidt Th.
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger.
Hafenmühle Frift.
Hammerſen (Osn.
Hanauer Hofbrauh.
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf.
HilpertArmaturfrb.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kupfer. ...
Hochtief Eſſen.
Holzmann. Phil
Jlſe Bergb.Stamm
Genüſſ
Junghans
Kali Chemie
Aſchersleben
Kammaarſvinn. .
Karſtadt. R...
Klein. Schanzlin
Slöcknerwerke.
Knerr C. H...
Tahmen Co.
Laurahütte
Lech, Augsburz .

132.5
93.5
7475
110
128.25
210
40
103
154.25
51

109.7
34.75
106
63.25

Löwenbr. Münc).
Lüdenſcheid Metall
Lutz Gebr Darmſt
Maintr. W. Höchſt.
Mainz. Akt.=Br. . ..
Mannesm.=Röhren
Mansfeid Berg.
Metallge). Frankf.
Migg, Mühlenbau.
MontecatiniMaild.
Motoren Darmſtadt
Deutz
Oberurſe
Tberbedar;
Phönix Bergbau
Reiniger. Gebbert
Rh. Braunkohlen ..
Elektr. Stamm
Metallwaren.
Stahlwerke ...
Riebea Montan. .
Roeder Gebr.
Rütgerswerte
Sachtleben A. G.
Salzdetfurth Kal:
Salzw. Heilbronn
Schöfferhof=Bind.
Schramm, Lackfbr.
Schriftg. Stempel
Schuckert Eleftr. . .
Schwarz=Storchen.
Siem. Glasinduſtr.
Siemen& & Halsfe.
Süidd. Immobilien
Zucker=9. G.
Svensla Tändſtic?
TellusBergbau..
Thür. Liefer.=Geſ.
Tietz Leonbard ...
Tucher=Brauerei

Unterfranſen

71.5
162

*

Beithwerſe
Ver. f. Chem. Ind
Stahlwerke .."
Strohſtoffabr.
Utramar ..

Ta
40
13.75
2
125
81.5

a0

64.75

124

88.5
94

95
66.75
62.2:
128
135

Vogtländ. Maſchuin.,
Voigt & Haeffner.
Wahß 4 Freytag
Wegelin Rußfabrik
Weſteregeln Kali..
Zellſtoff=Verein ...
Waldhof......"
Memel.

Allg. Dt. Creditanſt.
Badiſche Bank....
Bk. f. Brauinduſtr.
BarmerBanlverein
Baher. Thp. u. W.
Berl. Handelsgeſ..
Eypothelbk.
Comm. u. Privatb.
Darmſt. u. Nat.=Bf. 149
Dt. Bank und Disc./113.75
Dt. Eff. u. Wechſell
Dresdner Bank.. . 114
Frankf. Bank
Hyp.=Ban! 158.75
Pfdbr.=Bl...
Mein. Hyp. Ban ..!"
Oſt. Creditanſtalt
Pfälz. Hhp.=Ban
Reichsbank=Ant.
Rhein. Hyp.=Bank.
Südd. Bod.=Cr. Bk.
Wiener Bankverein
Württb. Notenban/ /129

A.=G. ſ. Veriehrsw. (7.5
Allg. Lokalb. Kraftw 130
7% Dt. Reichsb. Vzo/ 9421.
Hapag ....."
Nordd. Lloyd..
Südd Eiſenb.=Gei./ 89

Alllanz. u. Stuttg.
Verſicherung ..
. Verein. Verſ. 218
FrankonaRück=u.M

Mannh. Verſich.
Otavi Minen.
Schennmg Handell &!


37.75
42

109.95
69
Ric
45
110.5
130.5
130
204
116
*4.5
1Ee.76
168
131
136

[ ][  ][ ]

Rummer 98

Donnerstag, den 9. April 1931

Seite 13

Ein Roman von Walter Bloem.
Copyright by Noviſſima Verlag G. m. b. H., Berlin SW 61, Belle Alliance Straße 92.
12.
kann es ja doch niemals werden. Ellen Winterfeldts Schaf=

(Nachdruck verboten.)

Der Tag des Konzertes bricht an mit allen Herrlichkeiten
ines verfrühten Sommermorgens. Es iſt ſehr ſchwül, der zirrus=
Eberflockte Himmel, die träge ſich dehnende Meeresfläche rinnen
im eine einzig ſilberdunſtige Aura zuſammen.
Im Geſellſchaftsraum wird eifrig probiert. Die Neugierigen,
die ſich’s nicht verſagen können, durch die Scheiben zu ſpähen,
ſehen drei glühende Menſchen um den Flügel. Dieſer merkwür=
dige
Geiger mit den dunklen Lockenſträhnen und der Scherbe im
Tuge, bisher ein unſcheinbares Rädchen im Rieſenapparat des
GHroßſchiffs, darf nun, Kollege unter Kollegen, mit den beiden
Brominenten zuſammenarbeiten. Das bereits ausgehängte Pro=
gamm
, das die großen Namen Ellen Winterfeldt und Ignaz
Tichter aufwies, iſt durch ein neues erſetzt worden. Es bringt als
tritten Vortragenden einen gänzlich unbekannten Dmitri Waſſil=
j
witſch Twardowſki, der ein Rondo capriccioſo von Saint=
Saens, eine Berceuſe von Chopin und allgemeines Ent=
zücken
! zum zweiten Male die Kreutzer=Sonate vorgetragen
wird diesmal aber am Klavier Jgnaz Richter !
Man ſieht es dem jungen Ruſſen an: er glaubt zu träumen.
Oft fährt er heimlich mit der ſchmalen, nervöſen Hand über die
Stirn. Er, der ehemalige zariſche Offizier, der ſich nach ſeiner
elucht vor den Bolſchewiſten zehn Jahre lang als Kaffeehaus=
Muſikant nur eben vor dem Verhungern retten konnte der aus
dem immer mehr ſich verengenden deutſchen Leben in die glück=
hcheren
Gefilde Amerikas flüchten wollte . . . iſt er das noch, den
yuin der gefeiertſte Großmeiſter des deutſchen Muſiklebens wie
e nen Gleichberechtigten neben ſich wirken läßt?!
Mein lieber Twardowſki, ſagte der große Jgnaz, ich be=
halte
Sie ſelbſtverſtändlich. Ich mache an der Oper ein Pult für
Cie frei.
Iſt ſo viel Glück vorſtellbar?
Es gibt offenſichtlich heute viele Glückliche an Bord. Die ver=
hexte
Ball= und Mondnacht ſcheint allerlei ungeahnte Erfüllung
gebracht zu haben. Die grelle Sommerſchwüle trägt das ihre dazu
kei, die Menſchen toll zu machen. Ueberall iſt ein Geſchäker, Ge=
lächter
, Augengeplänkel die Müden, Blaſierten, Ruhebedürfti=
gen
, die Sittſamen bekommen viel Stoff zu mißvergnügter Kritik,
nrißgünſtiger Empörung, hämiſchem Getuſchel.
Was kümmert’s die, die ſich gefunden haben? Sie nützen die
Etunde, das allzu kurze Beiſammenſein. Die Chicago hat glatte
Hahrt, bald iſt alles zu Ende.
Von dieſem nahen Ende zu ſprechen, ſcheint verboten zu ſein.
Wenn man zu weit iſt und genau weiß, bald trennen ſich die Wege
und die Schickſale dann tut man am beſten, von der Zukunft
nächt zu reden.
Ellen Winterfeldt und Bernd Wilczek wiſſen: ihnen gehört
nuir der Augenblick. Wären ſie Menſchen der Zeit, in der ſie
lEben müſſen ſie griffen ihn, koſteten ihn bis zur Neige. Sie
ſid es nicht. Ihr ganzes Gefühlsleben ſtammt aus einer Welt,
dire auf ewig dahin iſt. Sie ſind ſtark genug, in der von Grund
ais gewandelten Gegenwart zu atmen. Sie können nicht ver=
gieſſen
, was aus Vergangenheit in ihnen lebt, lebendiger als alle
Wirklichkeit ringsum. Was ſie füreinander empfinden, will
Gwigkeit, nicht Rauſch eines entflatternden Moments. Und mehr

fenskreis iſt kein Platz für einen Geſtrandeten. Bernd Wilczek
iſt zu ſtolz, ſich mitſchleifen zu laſſen. Zu ſtolz, der Mann ſeiner
Frau zu ſein. Zum Impreſario eignet er ſich nicht.
Sie wiſſen’s beide. Darum ſprechen ſie nicht von der Zu=
kunft
. Und die Vergangenheit? Es iſt beſſer, auch von ihr nicht
alluzviel zu reden.
Wovon ſprechen dieſe beiden Menſchen? Von allem, nur nicht
von ſich von ihren düſteren Erinnerungen nicht, und nicht von
ihren Plänen und Hoffnungen die ſo wenig Gemeinſames haben
wie jene. Der Baron hat angedeutet, als gelernter Landwirt
und Soldat werde er wohl für ſein Können die eine oder andere
Verwendung finden. Zwiſchen Kanada und dem Feuerland iſt
eine Menge Platz, da wird’s für einen deutſchen Bauern und
Kriegsknecht ſchon einen Unterſchlupf geben.
Das Jahr 1913, erzählt Wilczek, war meine ſchönſte Zeit.
Mein väterliches Erbe war in der allzu weichen Hand meines
Vaters ziemlich auf den Hund gekommen. In fünf Jahren zähen
Kampfes hatte ich es aus dem Dreck gebuddelt. Schloß Gollnow,
das ich als halbe Ruine übernommen, war vom Dach bis zum
Keller neu hergerichtet. Ich fing an, mich nach meiner Schloßher=
rin
umzuſehen. Da kam das große Alarmſignal . . . Ich ſtelle mir
vor, der Herr ſchickte mir einen ſeiner Engel und ließe mir ſagen:
du haſt die Wahl, ob du von heute ab fünfzehn ſolcher Glücks=
jahre
wie 1913 erleben willſt oder die fünfzehn, die hinter dir
liegen abgeſehen von . . . deinem Privatſchickſal . . . Alſo
Krieg, Umſturz, Inflation all das Fürchterliche, das wir erlebt
haben, noch einmal."
Ich weiß, was Sie antworten würden, Bernd. Sie würden
ſagen: das alles noch einmal.
Sie haben mich verſtanden, Frau Ellen. Ob’s beſſer groß,
ob’s beſſer glücklich ſein? Ich will die dunkle Frage nicht entſchei=
den
. So ſpricht Kaiſer Nero in einem verſchollenen, aber wunder=
baren
Gedicht des verſchollenen, aber wunderbaren Robert
Hamerling. Ich für meine Perſon habe ſie entſchieden. Ich will
lieber große Zeiten durchleben als glückliche.
Sind’s denn wirklich große Zeiten, in denen wir zu leben
ich weiß nicht, ob ich nicht ſagen ſoll: verdammt ſind?"
Wenn das keine großen Zeiten ſind, welche denn? Der Ba=
ron
hatte ſich in ſeinem Liegeſtuhl aufgerichtet, ließ die ſtahl=
grauen
Augen ſinnend in die ſilberne Ferne ſchweifen. Man
hört das Wort Die große Zeit heute ſo oft mit dem Ton grim=
miger
Ironie ausſprechen. Ja, was ſind denn überhaupt große Zei=
ten
? War 1870/71 eine große Zeit? Gewiß. In ihr erfüllte ſich
Langerſehntes: die Wiederaufrichtung des Reiches. Unſere Väter,
die aus jenem Krieg in die ſiegſtrahlende Heimat zurückgekehrt
ſind, müſſen unfaßbar glückliche Menſchen geweſen ſein. Wir aber,
wir erleben unendlich Größeres: das Ende des Mittelalters, den
Umbau der Menſchheit für eine völlig neue Epoche. Das muß man
begreifen, dabei muß man an ſeinem beſcheidenen Teil mit Hand
anlegen. Dann wird die graue, grauſame Zeit eine große Zeit.
Das kann ein Mann ſann Ellen. Eine Frau? Ich habe
nichts gelernt, ich kann nichts als ſingen. Ich habe auch einmal
zu leben verſucht da hab ich verſagt. Was leiſte ich, das be=

ſtehen könnte neben dem, was Sie die Größe unſerer Zeit nennen?
Was kann ich beiſteuern zum Umbau der Menſchheit?
Das fragen Sie, Frau Ellen? Sie ſind eine Dienerin der
Kunſt dieſer Kunſt! Was iſt Ihre Aufgabe in dieſer Zeit? Das
Beſte, das Unvergängliche der verſunkenen Vergangenheit als ihr
lebendiges Erbe hinüberzuretten in die geſtaltloſe, gärende Zu=
kunft
. Sie werden uns heute abend aus Frauenliebe und Leben
ſingen. Er, der Herrlichſte von allen und Seit ich ihn ge=
ſehen
, glaub’ ich blind zu ſein. Welche von all den Frauen, die
Ihnen heute abend hingeriſſen lauſchen werden, träumt noch vom
Herrlichſten von allen? Welche wähnt blind zu ſein, ſeit ſie
ihn geſehen? Das alles war einmal ganz wahr vor hundert
Jahren, als es gedichtet und vertont wurde. Heute iſt es eine
fromme Lüge. Solange nicht Sie es ſingen. In dieſem Augen=
blick
wird es plötzlich wieder wahr bleibt wahr und lebendig,
bis es vielleicht auch im Leben wieder einmal wahr wird. Bis
die Frauen dahinter gekommen ſind, daß Unzucht und Schamloſig=
keit
nicht nur geſchmacklos, gewöhnlich iſt, ſondern auch eine ſehr,
ſehr große Dummheit . Wie ſagt der alte Zyniker Frank Wede=
kind
? Sünde iſt eine mythologiſche Bezeichnung für ſchlechte Ge=
ſchäfte
. In dem Paradoxen ſteckt ein tiefer Sinn, Drehen wir’s
einmal um, ſo heißt’s: das Sittengeſetz iſt nicht ein Plaſtron,
aſketiſch zu rappieren, ſondern die konzentrierte Erfahrung von
Jahrtauſenden. Die heutige Libertinage iſt zum guten Teil die
dummdreiſte Beſſerwiſſerei einer Jugend, die zu wenig Moral=
predigt
und Prügel verzapft bekommen hat und ſich deshalb ein=
bildet
, ſie dürfe auf die Tradition pfeifen. Sie wird ihre Erfah=
rungen
machen. Mag ſein, daß in fünf Jahren die Tugend wie=
der
große Mode wird wie etwa im Biedermeier nach dem lüſter=
nen
Taumel des Rokoko. Dann wird der Aufblick zum Herr=
lichſten
von allen wieder eine Wahrheit ſein nicht ein ſenti=
mentaler
Schmachtfetzen aus Urgroßmütterchentagen."
So ſuchen zwei Menſchen ſich über die Sehnſuchtsſtimme hinweg=
zuſchwatzen
, die ihnen befiehlt, dem Augenblick ſein Recht zu geben.
Das wollen ſie nicht weil ſie nicht können.
Wer nach dem Nachmittagsſchläfchen mit roten Backen und
blinzelnden Augen aufs Promenadendeck hinaustritt, dem ſchlägt
Schirokkoluft entgegen. Der Silberdunſt des Vormittags hat ſich
verdickt. Die unverrückbare Linie des Horizonts iſt verſchwunden,
eingeſogen von milchigem Schaum, hinter dem die ſinkende Sonne
als rotglühender Ball ſchwebt.
Kapitän und Oberſteward begegnen ſich mitſchiffs, ſchauen ſich
fragend an. Ob’s aushält bis zum Ende des Konzerts?
Hoffen wir das Beſte, brummte Jens Mertens. Was
Neues vom Kriegspfad? Ich tippe jetzt bombenfeſt auf Schie=
welbein
murmelt Klamfoth und reibt ſich unbewußt mit der
Linken den lahmen Arm, die brennenden Gelenke. Beweiſe?
Klamfoth grinſt geheimnisvoll. Ich war ihm geſtern abend
ſcharf auf der Spur. Er iſt mir eben noch mal durch die Lappen
gegangen."
Denken Sie! ſagt der Kapitän. Und ich tippte ebenſo bom=
benfeſt
auf dieſen Doktor Müller. Mit dem haben Sie mir dies=
mal
ein ſchönes Kuckucksei in meine ſonſt ſo glänzend aſſortierte
Tiſchgeſellſchaft gelegt. Ich hab’s noch nicht erlebt, daß ein Herr,
der die Ehre hat, am Kapitänstiſch zu ſitzen, von den Damen ſo
einhellig abgelehnt wird. Nicht einmal Fräulein Frömmel iſt
ihm treu geblieben. Soll ich Ihnen mal zeigen, mit wem die’s
jetzt hält?
Jens Mertens zieht ſeinen getreuen Mitarbeiter und Mit=
detektiv
in den Korridor, der zum Leſezimmer führt. Da ſehen
Sie nur!"
(Fortſetzung folgt.)

Darmſtädter Hausbeſitzerverein e. V.

Einladung
zu der am Dienstag, den 14. April 1931, abends 8 Uhr im Brauereiausſchank
Zur Krone‟, Darmſtadt, Schuſtergaſſe 18, großer Saal, ſtattfindenden
ordentlichen Mitgliederverſammlung.
Tagesordnung:
1. Bericht über das abgelaufene Geſchäftsjahr und die heute im
Mittelpunkt ſtehenden wichtigen Tagesfragen.
2. Kaſſenbericht.
3. Bericht der Rechnungsprüfer.
4. Entlaſtung des Vorſtandes.
5. Wahl des Vorſtandes und der Rechnungsprüfer.
6. Voranſchlag für das Geſchäftsjahr 1931.
7. Ausſprache.
Die verehrlichen Mitglieder werden um ihr Erſcheinen gebeten.
Der ſtellvertr. Vorſitzende:
EE)
G. H. Wolf.

Broßes Haus

Hessisches
Landestheater
Donnerstag
9. Aprll 1931

Zus. M. V. 11
T Gr 7 u. 8
Kleines Haus 202215 Uhr

2022 Uhr
C 20
M5 (Gr. 14)

Hente leizter Tag
Die erste Vertonfilmung einer
klassischen Bühnenoperette

Heute und folgende Tage
Die aufsehenerregendste und folgen-
schwerste
Spionage-Affäre der Welt
als Tontilm!
Ein gewaltiger Stoff, auf-
wühlend
erregend u. alttwell
wie die Affäre Dreykus:

Sturm im Wasserglas
Komödie von Bruno Frank
Preise 110 Mk.

Tonfilm-Operette mit der Musik
von Carl Millöcker.
Begie Viktor Janson.
In den Hauptrollen:
Hans Heinz Bollmann, Jarmila
Novatna, Tiuus van Alten, Fritz
Schulz, Herm. Picha u. a. m.
Diereizenden Melodien Millöckers
die natürliche Ulkigkeit von Fritz
Schulz, die Kullerangen v. Truus
van Alten amüsieren ebenso, wie die
klare strahlende Stimme der anmutig.
Novatna, die Kenner wirklicher
Gesangskunst entzückt.
Dazu das
reichhaltige Beiprogramm.
Jngendliche haben Zutritt.
Beginn 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr

Blaubart
Komische Oper von Jacqgues Offenbach
Preise 1.206 Mk.

Der Sozialismus
und der Todeskampf des
Deutſchen Volkes.
Wirtſchafts= und ſtaat philoſophiſche Vorträge von
Prof. Dr. F. Horneffer, Gießen
im Fürſtenſaal. Gra enſt aße 18, 20 Uhr
Mittwoch, den 15. April
Privatwirtſchaft od Sozialismus?
Freitag den 17. April
Deutſcher Staat u. Deutſche Kultur
Dienstag, den 21 April
Diktatur oder Parlament ?

Nach dem 3. Vortrage Diskuſſion.

5558b
Einzelkarten zu Mk. 1.50 und Daue karten zu
Mk. 3 ſind erhältlich bei Buchhandlung Hein=
rich
Schroth, vormals Karl Büchner, Rheinſtraße
Nr. 15, Telefon 2311, und an der Abendkaſſe,

1 ſehr gut. Schied=
mayer
=Pianino bill.
z. verk. Näh. vorm.
bei Fr. Theod. Heyl
Emilſtraße 7, II. (*

Konzert-
planlstin
Else Hochstätter
Schalstraße 15, II
Künstlerische Ausbildung i Klavier-
spielen
. Theorie, Ensemblespielen
auf mehreren Klavieren. (5293 b
Mäßiges Honorar.

Gemeinnützige
Eiſenbahner=Baugenoſſenſchaft Darmſtadt
E. G. m. b. H.
Eimladung!
Die diesjährige ordentliche Hauptverſammlung findet am
Samstag, den 18. April 1931, 17 Uhr
im Speiſe aal des Lokomotivausbeſſerungswerks dahier ſtatt.
Tagesordnung:
1. Jahresbericht
2. Bilanzbericht und Vorſchlag zur Verteilung des Reingewinnes
3. Entlaſtung des Vorſtandes
4. Erſatzwahl für ausſcheidende Aufſichtsratsmitglieder
5. Anträge (ſofern ſolche geſtellt werden,
6. Verſchiedenes.
Anmerkung zu Punkt 5 der Tagesordnung: Etwaige An=
räge
zur Tausordnung müſſen ſpäteſtens 4 Tage vor dei
Hauptverſammlung an den Unterzeichneten eingereicht werden
Die Jahresabrechnung für 1930 liegt in der Geſchäfts=
ſtelle
der Genoſſenſchaft Bahnhofsplatz Nr. 18 zur Ein
ſichtnahme offen.
Darmſtadt, den 7. April 1931.
Der Vorſitzende des Aufſichtsrates.
(5594
Kühnly.

EinWeltskan-
dal
mit dem
Hintergrund
einer tiefen,
menschlichen
Tragödie.
Manuskript:
Dr. H. Schirokauer
Regie: Karl Anton.
Musik: Willy Engel-Berger.
In den Hauptrollen:
Theodor Loos, Lil Dagover,
Otto Hartmann, Friedrich Hoelzlin,
Alexander Murski, Werner Jansch,
Michael v. Newlinski, Willy Bauer.
Magnus Stifter. Hans Goetz, Dr.
Weinmann u. a. m.
Ein Spionagefall in den erst die
Oeffnung der Sowiet-Archive volle
Klarheit gebracht hat. (V.5549
Im Beiprogramm:
Der entzückende Micky-Film:
Hondschein-Sonate‟"
Der Kulturfilm:
Die Altwühl und die
veueste Wochenschau.

Das große Doppelprogramm:
Ken Maynard
der König der Prärle
in seinem neuen tollkühnen Abenteuer
DerHeldenrittim
Wilden Westen
Regie, Ken Maynard.
In weiteren Hauptrollen:
Nora Lane, Harry Todd, Charles
Clary, Panl Hurst u. a.
Ein Film voller Sensationen und
waghalsiger Reiterkunststücke.
Ken Maynards Kämpfe gegen eine
ganze Bande Pferderenven usw.
Im II. Teil
Liane Hald u. Käthe v. Nagy
Die Königin seines Herzens
mit Luigi Serventi, Kurt Vespermann
u. a.
Regie Viktor Janson.
Ein Film von Königinnen, Adjutanten
und Darchbrennern.
Dazu das gute Beiprogramm.
Beginn 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr

Ryifhäuſer-Technikum
Bad Frankenhausen, Kytth. Mascbinenbau
Elektrotechnik, Landmaschinenbau, Flugzeug-
bau
, Flugbotrieb, Automobilbau, Eisonbau mit
modern. Eisonwasserbnu. Anfraron: Stadtyo

Schallplatten=
Verleih
Grafenſtraße 24.
Roed. Leihbibliothek
(5552a) Sektion Starkenburg
des Deutſch. u. Oeſterr.
Alpenvereins e. B.
Sonntag, 12. April
(mit Damen) Nichkverſekzte
holen die verlorene
Zeit ein. Anfragen
Wanderung ſerbeten unter G. 83
a. d. Gſchſt. (4981a Heppenheim
Starkenburg
Bensheim.
Näh. Geſchäftsſtelle
Eliſabetbenſtt, 4 (547 Gul Franzöſiſch
Nachhilfeſtunden u.
Unterricht dch. ein.
Spezialiſten. Erfolg
garant. Hon. mäß.
Anmeld. u. H. 172
a. d. Geſchäftsſt. (* (4291b
9.K.D.
Mokorrad=
Modelle
eingetroffen.
Kommen Sie zu
einer Probefahrt!
Donges & Wie
Heinrichſtraße 52. [ ][  ]

Die gute kausgelegenheit Fün die spansame HausEng!
Jeder
Jeder
Jeder
Jeder
Artikel A0
Artikel Ad.
Artikel A0
Artikel To

Jeder
Artikel

Stopfwolle-Sortiment
5 Farben sortiert . Karte
Leinenzwirn, schwarz und
weiß . . 4Stern 420m
Beibgarn
20 Gramm-Spule
Hanschetten-Knöpfe, ver-
schiedeneAusführung
., Paar
Gummilitze, wasch- und
kochbar . . . 3 m-Stück
Schuhriemen, 65 und 100 cm
lang . . . . . . . 3 Paar
Burchziehband
weiß
. 3X3 m
Hosenträger-Biesen, in ver-
schiedenen
Farben, 3 Stück
dummi-Rockhalter, in weiß,
mitKnopf und Knopflöchern
Halbleinen-Band
342 m-Stücke
Farbiger Besatz
schöne Farben . . . . 5m
Büschenband-Abschnitte
65 cm . ."
dummiband-Abschnitte
glatt und mit Löchern, 70cm
dermelhalter
. . Paar
verstellbar .
Scheren, in verschiedenen
Ausführungen . Stück
Sicherheitsnadeln
Bügel mit 36 Nadeln
Kleiderbägel
mit Steg für Herrenkleider
Kinderbigel
ju bunten Parben, Stäck

Perlmutterknöpfe
für Hemden . . . Dutzend
Klöppelhemdenpassen
schöne Ausführungen, Stück
Klöppelpassen
am Meter ... . . Meter
Motten- Pulver
Paket...
Stopf-Twist
Reisepackung mit 6 Farben
Reißbrettstifte
200 Stück im Karton .."
Patent-Hosenknöpfe
20 Stück im Karton . . .
Hetall-Hosenknöpfe
2 Dutzend
Nadel-Mappen, Brief mit
50 Näh- und Stopf-Nadeln
Schneider-Maße
in guter Oualität
Kragen-Knöpfe
1 Dutzend. sortiert, Karte
Taschen-Kämme
zum Aussuchen, per Stück
Staßl-Stecknadeln
50 Gramm-Dosen
Ringband
3 Meter
Rollokordel
Meter
Leinen . .
Nahtband
schwarz u. weiß . 10 Meter
Wäscheträger
schöne helle Farben. Stück
Sicherheitsnadeln, schwarz
und weiß sortiert, 3 Dtz.

DARMSTÄDTER PADAGOGIUM
ELIAS
Gewissenhafteste Vorbereitung aut die Obersekundareife
(Einjähriges), Primareife und das
Abitur
des Gymnasiums, Realgymnasiums u. d. Oberrealschule
Felefon 25542
Martinstraße 34
Sprechstunden: Vorm. v. 112 Uhr u. nachm. v. 67 Uhr.

Reitinger & Blechſchmidt
Inh.: Jakob Lautenſchläger
Elſabeihenſtraße 19 Telephon 543
Erſtklaſſiges Fiſch=Spezialgeſchäft.
Garantiert friſche Zufuhr:
Kabliau o. K. 0 28 Bratſchellfiſch 0.30
Goldbarſch o. K 0.55 Stockfiſch 0.50
Küchenfertige Ausſchnittſiſche:
Ia Nordſee=Seelachs . . . Pfd. 0.45
. Pfd. 0 50
Ia J8länd. Kabliau
Pfd. 0.65
1a Jsländ. Schellfiſch
Hochprima Nordſee=KabliauPfd. 0.70
Pfd. 0.70
1a Giſchfilet.
Angelſchellfiſch, Heilbutt, Steinbutt
Seezungen, Rotzungen, Schollen
Lebende Spiegelkarpfen Pfd. 1.30
Schleien, Breſem, Tafelzander
Pfd 0.40
Rheinbackfiſche
Lachsforellen, Rheinſalm im Schnitt
1a Eilberſalm im Schnitt, Pfd. 2 20
Marinaden
Räucherwaren
Fiſchkonſerven
Matjesheringe
Matjesfilet
Friedfifhbäckerei täglich im Betrieb.
NB.: Prompter Stadt= und Fernverſand. (*

Eliſabethenſtraße 42 367 Telephon 357
Das führende Fiſch=Spezialgeſchäſt

In bekannt beſter Qualität eintreffend:
Fluß-, Fein- und
Seerische
in allergrößter Auswahl (5575
ff. Nordſee=Schelifiſch i. Schn holl. F
Kabliau, Heilbutt, Steinbutt, Rot= u
Seezungen, Schollen, Jander
Sehr preiswert:
echt. Rhein=Salm i. Schn., Lachsforellen
Küchenfertige Ausſchnittfiſche:
Nordſee=Seelachs 0.45 Jsld Kabliau . 0.50
Isl Schellſiſch 0 65 Fiſch=Filets 0.76
Billtge Konſumfiſche:
Kabliau o. K. 0.28 Bratſchellfiſch . 030
Goldbarſch o. K. 055 Schellſiſch o. K. 04f
Aus meiner Rheinfiſcherei:
Lebende Karpfen, Schleien, Breſem, Hechte
Rheinbachſiſch
Räucherwaren in größter Auswahl
Die beliebten 1 Ltr. Marinaden von 0.88 a
Maljesheringe, holl. Bollheringe, Matje filets
Prompter Stadt= und Fernverſand

Spöhrerschule Calw

Privat-Schule mit Schüler und Töchterheim im württ. Schwarzwald.
Höhere Handelsschule: 1- bis 4Semestr. Lehrgänge, Musterkontor.
Realschule u. Realgymn.: Sexta bis Abituf. Ausländerklassen.
Septemoer=Kurz: 1. bis 7. September. Fortbildung prakt. Kaufleute. 8
Sport, Gymngstik, gorsfält. Ersiehuns. Semesterdeg, 2. dpri

K
Bauns
Fertig

5592
Nur lebendfriſch
heute und morgen eintreffend.
Lebendfriſche Bratſchellfiſche Pfd. 35 3
Kabliau,ganz, ohneKopf u. geteiltPfd. 25 3
Feinſter Goldbarſch ohne Kopf Pfd. 50.O
Feinſte Nordſee=Sd ollen Pfd. 70 5
FeinſterNordſee=Seelachs gep imschnit Pfd. 45 9
Allerfeinſter Kabliau geputzt, im Schnitt Pfd. 50 9
Allerfeinſterschelſiſch geputzt, imschnitt Pfd. 70 3
Edel=Filet ohne Haut undGräten Pfd. 60 3
Hochfein, friſcher Salm, gep imSchn. Pfd. 1.80
Hochfeiner friſcher Fluß=Zander Pſd. 85 9
Räucherwaren, Marinaden u. Salzheringe

Markt 4 Tel. 641 Karlſtr. 47
Aus friſchen Zufuhren empfehle:
5559
Hochfeiner, blütenweißer
Schellſiſch, i. Schnitt . . . Pfd. 0.30
Fiſchflet, taſelfertig
0.70
Kabeljau 0.60
Seelachs 0.45
Goldbarſch 0.55
Schollen 0.80

Hellbut, Stelnbut, i. Schnitt
la Salm, i. Schnitt . . . .
Ia Zander. 1½=4pfünd. . ."

Draktgeflechte aller Art.
Brückner, Drahtgeflechtefabrik
Darmstadt, A0lzstr. (1781a

Sämtliche
Anſtreicher=
Arbeiten
werden gut u. kon=
kurrenzlos
billig

Herren=, Damen=, Kinder= Spor?
und Wander=Schuhe
Total=Ausverkauf
Heroedes-Schuhhau/
J. Sauerwein
Eliſabethenſtraße 25½/. (Städtiſche Läder

Gelegenheitskauf!
Ein Poſten mil=
lionenf
. beſteus
bewährte Fahr=
räder
mit 2jähr.
Garantie nur
Rm. 53. und
Nm. 58..
Fahrräder ſchon
von Rm. 42
an mit Freilleif
Einige gebrauch=
te
Fahrräderſehr
billig. Auch Fahrraddecken und Schläuche
ſowvie alle Erſatzteile immer am billigſten
nur bei.
B. Orio, Karlstraße 14/16
Größtes Fahrrad= und Kinderwagen=
ſpezialhaus
Heſſens Vertreter der
weltbekaunten, Adler=, Wanderer= und
5553
Viktoriafahrräder.

ausgeführt. Ia Re=
ferenzen
. Angeb. u.
F. 233 Gſch. (4797a

mit Rougemont
u. den Prominenten der berühmtesten
Pariser Varietés. (5587

Süße Makrelbücklinge
Pfd. 0.60
Geräucherte Schellſiſche .. . 0.30
Forellenſtör ½ Pfd. 0.60 Seegalfilet
Geräucherter Spickaal . . ½ Pfd. 0.90

vol obengrauh eiſchelies eit=

Auf dem Markt
(gegenüber Rothſchild)
Billige, friſche Seeſiſche!

ff. Matjesheringe
Stück 0.35
ff. Matſesflet
0.20
Neue Kartoffeln.
.. Pfd. 0.38
la holl. Vollheringe Stück 0.15. 0.20
1a Filder=Sauerkraut . . . Pfd. 0.20
Ia Süßrahmbutter .
½2 Pfd. 0.30

das garartiert wirksame Mittel ist und bieibt
Mk. 1 75

Gebrauchte
Automobiie
unter günſtigen Bedingungen zu verkaufen;
guterha t. Motorräder werd, in 3
Prima
Soziusſitze AAMk.
L. BAUMERT, Mühlstr. 1/3. Tel. 4374.

Kabliau o. K 0.28 Bratſchellſiſch 0.30
Goldbarſch 0.55 Schellſiſch b. K.0.45
Küchenfeitige Ausſchnittfiſche:
Ndf. Seelachs 0.45 Jsl. Schellfiſch 0.60
Fsl. Kabliau 0.50 Fiſch=Filets 0.60
Breſem. Rheinbackſiſch 0.38 5574

L eice ieger ber Jachradie.
ttautumeinhelten, uk. 1uns ung 250.
Elissbethen-
Alcinrelkaut: Frank ste6- 2

Faul Sehnelder, Karlstr. 73.

A4

Scheren
20
zum Aussuchen
Gummilitze
gute Qualität . . . Stiek 80
Kinder-Strumpfhalter
gute Oualtät . . . Paar AU
Damen-Strumpfhalter
gute Qualität .. Paar 20
Perlmutter-Knöpfe
verschiedene Größen, Dtz. 40
Klöppel-Hemdenpassen
mit breitem Träger ... 40 Hadelmappen, Näh-, Stopf-,
Steck-n. Sicherheitsnadeln 20
Kragenknöpfe
Perlmutter, 2X2. Stück 20
Staubkämme
zum Aussuchen . . Stück Z0
Gögginger Obergarn
20
200 Meter
Taschenkämme
gute Oualität, mit Etni &0
Barmer-Bogen. verschiedene
Anstührungen,5 Ueterstick 20 Haushalt-Scheren
zum Anssuchen . . Stück 40
Socken-Halter
40
gute Ausführung
Damen-Struwpfhalter, bes.
hübsche Ansführung, Paar 40
Frisierkämme
40
zum Aussuchen
Taschenkämme
A
aparte Ausführung.
Damen-Gürfel, in modernen
Ausführungen, z.Aussuchen R0 Motten-Kugeln
Beutel Eu- Mollen-Taſeln
6 Stück Eu- Bast-Taschen
Lu=
verschiedene
Farben. Molten-Tahlelten
9.
48 Stück". Moltenkugeln
10=
24 Stück . 2Hleider
stabile Ausführ jügel
109
rung . Besichtigen Sie bitte das große Spezialfenster an der Marktfront!