Einzelnummer 10. Pfennige
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſit. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 29
Freitag, den 20. März 1931.
194. Jahrgang
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* Dollar — 4.20 Marf. — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr Strel uſw, erſiſcht
ſede Verpſichtung gu Erfüllung der
Anzeigen=
auftäge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bel
Konturs oder gerichtlicher Beitreſbung fäll jeder
Nabat, weg. Banfktonto Deutſche Bank und
Darm=
ſädter und Naſionalban”
ein Seutſches Oberſchleſten.
Zehn Jahre ſind vergangen ſeitdem am 2o. März 1921 Oberſchleſten mit überwältigender
Mehrheit für ein Derbleiben beim Deurſchen Reich ſtimmte.
* Sehn Jahre.
„Daß es Polen geſtattet ſein ſollte, in Verachtung des
Frie=
densvertrages, Oberſchelſien wegzunehmen, und daß es den
Anderen nicht geſtattet ſein ſollte, ſich in einer Provinz zu
ver=
teidigen, die ihnen 200 Jahre gehört hat und die 600 Jahre
gewiß nicht polniſch war, wäre entehrend und
unwert der Ehre jedes Landes.‟ Dieſes
Bekennt=
nis des damaligen engliſchen Premierminiſters
Lloyd George, das er am 13. Mai 1921 vor dem
engliſchen Unterhauſe ablegte, kam reichlich ſpät.
Man hatte zu Verſailles dem franzöſiſchen
Ver=
ſuch, die deutſche Provinz Oberſchleſien den
Polen auszuliefern, nicht genügenden
Wider=
ſtand entgegenſetzen können. Jahrhunderte alter
deutſcher Kulturboden ſollte nach der Abſicht des
für die Loslöſung Oberſchleſiens vom Reiche einzutreten. Er
arbei=
tete damals einen Vorſchlag aus, wonach Oberſchleſien, analog
dem Saargebiet, auf 15 oder 20 Jahre unter Zwangsverwaltung
geſtellt und die Einnahmen dem Reparationskonto gutgeſchrieben
werden ſollten. Beneſch ſchätzte dieſe auf eine Milliarde Goldmark
jährlich, ſo daß hierdurch die deutſche Reparationsſchuld um 15.
bis 20 Milliarden verringert werden ſollte. Nach Ablauf der Zeit
März 1921: 9berſchleſien ſimmt für Deukſchland.
Ob der damalige Präſident der Vereinigten Staaten ſich über
die Bedeutung Oberſchleſiens klar war, ob er überhaupt wußte,
wo dieſes umſtrittene Land lag, brauchen wir heute nicht mehr
zu erörtern. Da unter den Leuten, die damals die Welt
verteil=
ten, eine Einigung nicht zuſtande kam, ſchlug Herr Wilſon eine
Abſtimmung in den umſtrittenen Gebieten als Kompromißlöſung
vor und ſetzte ſie durch. Eine freie, unbeeinflußte
Ab=
ſtimmung der Bevölkerung ſollte über die
ſtaat=
liche Zugehörigkeit Oberſchleſiens entſcheiden.
Was aus dieſer freien, unbeeinflußten
Abſtim=
mung unter der Aegide des franzöſiſchen
Gene=
rals le Rond geworden, weiß die Geſchichte. In
ein Meer von Blut und Tränen ſah ſich die an
ihrer ererbten Kultur feſthaltende deutſche
Be=
völkerung geſtürzt. Ungeheuerlich, was damals,
im Zeichen der Ziviliſation und der
Menſchlich=
keit, geſchah. Und trotz allen Terrors brachte die
Landrat Dr. Urbanek,
deutſcher Abſtimmungskommiſſar für
Ober=
ſchleſien.
greiſen Haſſers Clemenceau, im Zeichen des
Selbſtbeſtimmungsrechtes der Völker, unter
fremde Herrſchaft geſtellt werden. Wie
unge=
heuerlich dieſer Gedanke war, geht am beſten
daraus hervor, daß ſelbſt ein Mann wie Dr.
Beneſch, heute Außenminiſter der
Tſchechoſlowa=
kei, im Jahre 1919 von der „Friedenskonferenz”
zu einem Gutachten aufgefordert, es nicht wagte,
Oben links: Die aus Polen kommenden Abſtimmungsberechtigten an der Paß= und Zollkontrolle. Kommiſſion ſtimmten damals für Deutſchland
Rechts: Ein Bild nach der Abſtimmung; Schloß Stubendorf und der Bahnhof Gr. Stein wurden 716 406, für Polen aber nur 471 406. Die großen
von volniſchem Pöbel zerſtört. Unten links: Ein deutſches Werbeplakat aus der Abſtimmungs= Induſtrieſtädte wie Kattowitz, Beuthen, Gleiwitz
zeit. Rechts: Aus allen Teilen Deutſchlands ſtrömen die Abſtimmungsberechtigten in die Heimat, ete, ſtimmten bis zu 90 Prozent für das Ver=
Ein Zug mit oberſchleſiſchen Heimattreuen verläßt den Breslauer Bahnhof.
Der Raub am deutſchen Land.
kreuzbg.‟
6‟
erg
Tschenstochau
Oppein
Gr. Streh.
Kinitz.)
Kaaitz.
BBER-SCHLESIEN
euchen.
Hindenba
Neustackt Cosel
W
R.
Gkewitz
Kaltgmtz
Hleobschitz
Rahbor
FRek
KSchrad
Ka
3 2i3gkm mit
692 547 Einw.
Troppau
WAkEI
der interalliierten Verwaltung ſollte der
Völ=
kerbundsrat über das endgültige Geſchick
Ober=
ſchleſiens entſcheiden. Aber ſelbſt dieſer Vorſchlag
ging Frankreich nicht weit genug, weil es für ſich
und Polen eine noch günſtigere Löſung erhoffte.
Lagekarte der zerſtückelten Provinz Oberſchleſien.
General Höfer,
der Führer des oberſchleſiſchen Selbſtſchutzes
während der Abſtimmungszeit.
Lukaſchek,
Oberpräſident der Provinz Oberſchleſien,
Vor=
ſitzender der deutſch=polniſchen Schiedskommiſſion.
Abſtimmung, die heute vor zehn Jahren, am
20. März 1921, ſtattfand, einen überwältigenden
Sieg. Nach der Feſtſtellung der interalliierten
bleiben beim Deutſchen Reich. „Trotz des
unge=
heuren polniſchen Terrors, der im Gebiete öſtlich der Oder, ohne
wirkſame Gegenmaßregel der Interalliierten Kommiſſion,
ge=
herrſcht hat” — ſo meldete damals das Plebiſzitkommiſſariat —,
iſt in dem Induſtriegebiete eine ſichere, im Gebiete weſtlich der
Oder eine überwiegende deutſche Mehrheit erreicht worden.
Wäh=
rend noch in der Nacht zum 20. März die Polen mit allen
Mit=
teln der Einſchüchterung gearbeitet haben, hat die
Abſtimmungs=
handlung, ſoweit ſich das bis jetzt überſehen läßt, ſich in Ruhe
abgewickelt.”
Deutſch war die Bevölkerung Oberſchleſiens ſeit
Jahrhunder=
ten geweſen, deutſch wollte ſie auch in Zukunft bleiben. Auch über
dieſe eindeutige Willenserklärung hat man ſich dann
hinweg=
geſetzt. Ungeheuerlicher polniſcher Terror bereitete eine noch
ungeheuerlichere Entſcheidung der Botſchafterkonferenz vor,
welche die wirtſchaftliche und politiſche Einheit dieſes
gequäl=
ten Landes zerriß, um der Politik des Quai dOrſay
entgegen=
zukommen. Unerträglich für Oberſchleſien, ſowie für das
Deutſche Reich, was im Herbſt 1921 geſchah. Unerträglich wird
jenes Unrecht bleiben, bis es einſt wieder rückgängig gemacht
wird. Wir aber gedenken heute jenes Tages vor zehn Jahren,
an dem alle Gewalt der Bajonette es nicht verhindern konnte,
daß die Bevölkerung einer deutſchen Provinz für die Erhaltung
deutſcher Kultur mit Eigentum und Leben eintrat.
„K
Hindenburg zur Abſtimmungsfeier in 9berſchleſien.
Berlin, 19. März.
Der Reichspräſident hat zur Abſtimmungsfeier in Oberſchleſien
folgenden Aufruf erlaſſen:
Am zehnten Jahrestage der Abſtimmung in Oberſchleſien
ge=
denkt das deutſche Volk in Dankbarkeit der Treue derer, die in
einer Zeit bitterer Not und ſchwerer Bedrängnis das Bekenntnis
zu ihrer deutſchen Heimat abgelegt haben. Zehn Jahre harter
und ſchwieriger Wiederaufbauarbeit ſind gefolgt. Sie waren
ge=
tragen und gefördert von dem unbeirrbaren Bewußtſein der
Pflichterfüllung, die das ſicherſte Unterpfand für die Zukunft un=
(gez.) von Hindenburg.
ſeres Vaterlandes iſt.
Seite 2
Freſtag, den 20. Mäkrz 1931
Nummer 7
Groener vor dem Reichstag.
Diſziplin und Bakerlandsliebe die Grundſäulen der Wehrmacht. — Für Parkeifanakiker und ſtaatsfeindliche
Elemenke in der Reichswehr und in der Marine kein Plah. — Drakoniſche Strafen
für Skaaksverleumder. — Das Ausland ſoll ſich vor Illuſionen hüken.
Zuſammenhalk kuk not
zur Verkeidigung unſerer Grenzen und zur Verkrekung
unſeres verkraglichen und moraliſchen
Rechkes auf Abrüſtung.
Von unſerer Berliner Schriftleitung.
Der Reichstag hat am Donnerstag fleißige Arbeit geleiſtet.
Er hat die erſte Leſung des Geſetzes über die
Zoll=
erhöhungen durchgeführt und den Enwurf an den Ausſchuß
verwieſen; er hat das Geſetz über die Entſchädigung
der gewerbsmäßigen Stellenvermittler
endgül=
tig verabſchidet, hat den Heeresetat durchberaten
und noch mit der Beratung des Marineetats
be=
gonnen. Mit größter Aufmerkſamkeit wurden dabei die
Aus=
führungen des Reichswehrminiſters entgegengenommen. Der
Mi=
niſter machte der Genfer vorbereitenden
Abrüſtungskonfe=
renz den Vorwurf der Verſchleierung und
Auf=
rechterhaltung des gegenwärtigen
Mißver=
hältniſſes der europäiſchen Rüſtungen, wobei er
mit einer von der Miniſterbank kaum gehörten Offenheit auf die
Folgen hinwies, die entſtehen müſſen, wenn
Deutſch=
lands Bereitſchaft zur Verſtändigung immer
wieder auf Forderung einer einſeitigen
Ent=
waffnung ſtößt. Noch ſchlagender waren die Zahlen, die
der Miniſter beim Marineetat vortrug. Er wies darauf hin, daß
im Jahre 1936 England eine Geſamttonnage von 1,1
Mil=
lionen Tonnen haben würde, Frankreich von 670 000
Ton=
nen, Italien von 440 000 Tonnen und Deutſchland von nur
164 000 Tonnen. Auch hier blieb die Nutzanwendung nicht
aus, daß es unter dieſen Umſtänden lächerlich ſei, die
deut=
ſchen Erſatzbauten als Hindernis für die Flottenabrüſtung
anzugeben.
Der Marineetat ſelbſt hat ja ſein politiſches Intereſſe verloren,
nachdem die Sozialdemokraten ſich auf Stimmenthaltung
feſtge=
legt haben und damit die Annahme des Kreuzers geſichert iſt.
Im Reichstage wurde am Donnerstag die zweite Beratung
des Wehretats ſo gefördert, daß am Freitag nachmittag ſchon mit
den Abſtimmungen zu rechnen iſt. Reichswehrminiſter Dr.
Groe=
ner leitete die Ausſprache mit einer Rede ein, in der er an ſeinen
im vorigen Jahre ausgeſprochenen Wunſch erinnerte, daß die
Ein=
ſtellung zur Wehrmacht möglichſt wenig von parteipolitiſchen
Geſichtspunkten beeinflußt werden möge, und daß die Tätigkeit
der Wehrmacht die Zuſtimmung aller ſtaatserhaltenden Parteien
finden möge. Mit Dank und Freude könne er heute feſtſtellen,
daß die Verhandlungen im Haushaltsausſchuß die Erfüllung
die=
ſes Wunſches gebracht haben. Alle Parteien, mit Ausnahme der
Kommuniſten, hätten ſich in ſo warmer und zuſtimmender Weiſe
zur Wehrmacht geäußert, daß dieſe Anerkennung das ſchönſte
Ge=
ſchenk für die Reichswehr zu ihrem zehnjährigen Beſtehen ſei. Der
Miniſter behandelte dann
die polikiſche Einſtellung der Wehrmacht.
Die Wehrmacht wird von Parteien und Richtungen der
verſchiedenſten Art umworben, um ſie zu zerſetzen und dann
für ihre Zwecke zu gebrauchen. Ein Erfolg dieſer
Be=
mühungen würde Bürgerkrieg und Chaos im Gefolge
haben. Ich kann deshalb nicht ernſt genug warnen und an
das Verantwortungsgefühl aller derjenigen appellieren.
die Deutſchlands Wiederaufſtieg wollen. Diſziplin und
Staatsgeſinnung ſind in der Wehrmacht feſt verankert.
An dieſem Glauben können mich auch Vorkommniſſe, wie ſie zum
Leipziger Prozeß geführt haben, nicht irre machen. Man
kann durchaus darüber ſtreiten, ob dieſer Prozeß dem Anſehen
der Wehrmacht geſchadet oder ob er nicht vielmehr reinigend
ge=
wirkt und das Vertrauen zur Wehrmacht geſtärkt hat. Ueber die
Frage, ob der Prozeß notwendig war oder nicht, ſollte es aber
keine Meinungsverſchiedenheiten geben. Das iſt eine reine
Rechts=
frage, und der Satz, daß die Gerechtigkeit das Fundament eines
jeden Staates iſt, gilt für niemand mehr, wie für eine
überpar=
teiliche, auf das Vertrauen aller Kreiſe angewieſene Organiſation,
wie es die Wehrmacht iſt.
Die Diſziplinarerledigung des Leipziger Falles iſt in erſter
Linie an dem wenig ehrenhaften Verhalten der beteiligten
Offiziere geſcheitert.
Auch nach den Ereigniſſen, die unter dem Namen Buchrucker und
Hitler=Putſch bekannt ſind, hat der damalige Chef der
Heeres=
leitung mit äußerſter Schärfe durchgegriffen und eine beſondere
Unterſuchungskommiſſion eingeſetzt, die ihre Unterſuchungen ſelbſt
auf alle Vorgeſetzten bis in die höchſten Stellen ausdehnen mußte.
Der Prozeß hätte auch derartige Wellen nicht geſchlagen, wenn
man ſeine ſenſationelle Aufmachung und eine im weſentlichen
par=
teipolitiſchen Zwecken dienende Berichterſtattung hätte vermeiden
können.
Der letzte Erlaß des Chefs der Heeresleitung
kann ſachlich nicht beanſtandet werden. Man kann nur darüber
ſtreiten, ob ſtatt der Verfügung, die lediglich eine Warnung ſein
ſollte, lieber ein Exempel ſtatuiert und ohne Warnung mit der
Entziehung der Uniform hätte vorgegangen werden ſollen. Ich
bin der Anſicht, daß zunächſt eine Warnung am Platze war, und
daß die 99 Prozent der ehemaligen Offiziere, die durchaus loyal
und bei ihrer Kritik maßvoll ſind, ſich durch dieſe Verfügung in
keiner Weiſe verletzt zu fühlen brauchen. Der Miniſter verlieſt
den Brief eines ehemaligen Offiziers, der lange Jahre im
Mili=
tärkabinett des Kaiſers dieſe Fragen bearbeitet habe und der dem
Chef der Heeresleitung ſchreibt, daß er der Kundgebung des
Nationalverbandes deutſcher Offiziere völlig verſtändnislos
ge=
genüberſtehe. Der Erlaß
ſtehe durchaus auf dem Boden der Anſchauungen, die auch
im alten Heere für das Verhalten ausgeſchiedener
höherer Offiziere feſtgehalten und als vornehmſtes Gebot
erforderlicher Zurückhaltung verlangt wurden.
Der Heereserſah.
Der Miniſter wandte ſich dann den Fragen des Erſatzes der
Fürſorge und der Verſorgung der Wehrmacht zu. Gegenüber dem
Vorwurf, daß die Landbevölkerung beim Erſatz bevorzugt werde,
weiſt der Miniſter darauf hin, daß am 1. Januar 1930 55 Proz.
Stadt= und 45 Prozent Landerſatz war. Der Vorwurf, daß
Linkskreiſe benachteiligt ſeien, werde umgekehrt auch von der
äußerſten Rechten erhoben. Der Miniſter betonte, daß es
grund=
ſätzlich das
Ehrenrecht eines jeden Deutſchen ſei, dem Vaterlande als
Soldat zu dienen.
Wenn es notwendig ſei, für gewiſſe Perſönlichkeiten hierbei
eine Grenze zu ziehen, dann müſſe dieſe ſo eng wie möglich
gehal=
ten werden. Aus politiſchen Gründen dürften nur ſolche
Bewer=
ber abgelehnt werden, denen nachgewieſen werde, daß ſie ſich in
verfaſſungs=, alſo auch in wehrfeindlichem Sinne betätigt haben.
Entgleiſungen einzelner Führer oder Mitglieder von Verbänden
könnten daher noch kein Grund zum Ausſchluß aller Mitglieder
derartiger Verbände oder Parteien ſein.
Anders ſei es natürlich bei Mitgliedern von Parteien und
Verbänden, die ihrem Programm oder tatſächlichen
Verhal=
ten nach gewillt ſind, die Verfaſſung mit
Gewaltmaß=
nahmen zu ändern. Die Entſcheidung, ob eine Partei als
ſtaatsfeindlich anzuſehen iſt, ſei aber durchaus nicht
end=
gültig und feſtſtehend. Unter keinen Umſtänden könnten
Bewerber aus Kreiſen aufgenommen werden, die ſich nicht
ſcheuten, den Soldaten für den Kriegsfall
Kriegsdienſtver=
weigerung und Fahnenflucht zu predigen.
Der Miniſter verwies dann auf die dauernd ſteigenden Zahlen
der Verſorgungsanwärter und tritt für Verbeſſerungen der
Zivil=
verſorgung ein. Als letztes Kapitel behandelt der Miniſter
die Abrüſtungsfrage.
In dieſer Frage iſt ſich ganz Deutſchland inſofern einig, als
wir alle von der Abrüſtungskonferenz volle
Gleichberechtigung erwarten und auf der
Erfül=
lung unſeres guten Rechtes beſtehen werden.
Der in der letzten Genfer Tagung fertiggeſtellte
Konven=
tionsentwurf dient der Verſchleierung und
Aufrechterhal=
tung des gegenwärtigen Mißverhältniſſes der europäiſchen
Rüſtungen.
Lebensſtrahlen.
Der Rundfunk der Schmetterlinge. — Pflanzen, die Strahlen
ſenden. — Aufſehen erregende Entdeckungen des Bivlogen
Gurwitſch. — Lebensſtrahlen fehlen im Blut der Krebskranken. —
Lakhowſkys phantaſtiſche Idee: „Leben iſt Strahlung”. — Die
ungelöſten Rätſel der Biologie.
Von Oberſtudiendirektor Dr. Popofſky.
Seit Fabre, dem Altmeiſter der Inſektenbiologie, ſind die
verblüffenden Ruf= und Suchleiſtungen der Schmetterlinge
bekannt, die die Geſchlechter totſicher zuſammenführen, ſelbſt
wenn zwiſchen „Ihm” und „Ihr” 10, vielleicht ſogar 100
Kilo=
meter liegen. Was haben die um eine Antwort verlegenen
Naturforſcher nicht alles zur Erklärung dieſes Wunders
zu=
ſammengedacht, immer ſollte es der unendlich verfeinerte
Ge=
ruchsſinn ſein, der das Kunſtſtück zuwege brachte. Dabei ſtand
einwandfrei feſt, daß der Flugweg der Männchen zum
Weib=
chen auf geradeſter und kürzeſter Verbindungslinie liegt, und
es ganz gleichgültig iſt, ob der Hochzeitsflug gegen oder mit dem
Wind angetreten werden muß. Das Letztere ſpricht überzeugend
gegen eine Beteiligung des Geruchsſinnes bei Anflug auf weitere
Strecken. Erſt in neueſter Zeit, ſeit der Menſch ſich die
unſicht=
baren Strahlungen nutzbar machte und Werkzeuge geſchaffen hat,
um in ihre Geheimniſſe einzudringen, mehren ſich die
Beob=
achtungen, die darauf hinweiſen, daß das Suchen und Finden
bei der Schmetterlingshochzeit durch Sendung und Empfang
von unſichtbaren Strahlen erfolgt. Da das Finden unmöglich
wird, wenn dem Männchen die Fühler abgeſchnitten werden, ſo
dürften hier die „Antennen” für den Empfang der vom
Weib=
chen ausgeſendeten, vermutlich
elektromag=
netiſchen Lockwellen zu ſuchen ſein. Erſt vor wenigen
Monaten gelang es einem engliſchen Forſcher, die eigentümlichen
Rufbewegungen von weiblichen Schmetterlingen zu beobachten,
bei denen die Flügel und der aufwärtsgeſtreckte Hinterleib in
ſchnelle Schwingungen verſetzt wurden. Auf den Flügeln der
Schmetterlingsmäunchen ſitzen überall verſtreut ſonderbar gabel=,
ſtab= und baumförmige Schuppen, bisher als „Duftſchuppen”
bezeichnet, die aber nach ihrem ganzen Ausſehen ſehr wohl als
winzige Radioſender in Frage kommen können, wenn man
be=
rückſichtigt, daß nach jüngſten Verſuchen von Leuſchmann ſchon
in der Ruhe auf den Schmetterlingsflügeln elektriſche Ladungen
feſtgeſtellt wurden, deren Spannung durch ſchnelles Schwingen
der Flügel, alſo Reibung an den Luftteilchen, erheblich erhöht
werden kann. Was bleibt da, alles zuſammengehalten, anderes
übrig, als zuzugeſtehen, daß die Schmetterlinge und mit ihnen
viele andere Inſekten ſehr wahrſcheinlich die Fähigkeit haben,
durch unſichtbare Strahlen in Verbindung zu treten und zu
einander zu gelangen.
Iſt es denn aber ſo ganz etwas Abſonderliches, daß
Lebe=
weſen Strahlen ausſenden? Jede Pflanze, jedes Tier, auch der
Menſch ſtrahlt Wärme aus, die ſtändig bei den Lebensvorgängen
entſteht. Bei vielen Kaltblütern und den Pflanzen kann ſie
allerdings nur durch feine Meſſungen gefunden werden.
Wir wiſſen ferner, daß es über 10 000 Arten von
Pflanzen und Tieren gibt, die Lichtſtrahlen
ausſenden und dieſes magiſche Licht wie viele Tiefſeekrebſe.
Tintenfiſche und Fiſche ſogar in den Dienſt ihres Lebensablaufes
ſtellen. So dienen leuchtende Angeln in der Nacht der Tiefſee
zum Anlocken der lichtwendigen Beutetiere. Verſchieden gefärbte
und verſchieden angeordnete Leuchtflecke mögen vielleicht als
Artzeichen die Tiefſeeſchwärme einer Art zuſammenhalten, die
Geſchlechter zuſammenführen. Viele dieſer als Leuchtorgane
angeſprochenen Organe könnten aber ebenſogut als Sender und
Empfänger für elektromagnetiſche Wellen gedeutet werden,
zu=
mal man bei den wenigſten Tiefſeefiſchen die z. T. abenteuerlich
geſtalteten Anhängſel hat leuchten ſehen.
Vom Adlerfarn wird geſagt, daß er ähnliche
Strah=
lungen ausſchickt wie das Radium und deshalb in der
Volks=
heilkunde ſeit alten Zeiten gegen Rheuma und Beinleiden, ſowie
im Kampf gegen den Menſchenfloh benutzt wird; letzteres indem
man das trockne Laub in die Matratzen legt. Der Franzoſe
Nodon unterſuchte die verſchiedenſten Pflanzen und
Pflanzen=
teile (Geranium, Sellerie, Kartoffel, Blütenſtaub) und Tiere
(Käfer, Fliegen, Spinnen) auf unſichtbare Strahlungen mit
einem außerordentlich empfindlichen Spektroſkop. Er fand
Strah=
lungen, die bei Tieren das 3= bis 15fache betrugen, als bei
gleichgroßen Uranmaſſen. Wobei hier daran erinnert ſei, daß Uran
ſelbſt wiederum infolge ſeines Radiumgehaltes zu ſtrahlen
ver=
mag. Dieſe radioaktive Strahlung war bei Menſchen wiederum
ſtärker als bei Tieren. Nodon will ſie auch photographiſch
feſt=
gehalten haben. Die Entſcheidung, ob es ſich hier um
radio=
aktive Strahlung oder um Ausdehnung elektromagnetiſcher Wellen
handelt, wie andere Forſcher meinen, iſt noch nicht gefallen.
Die gewöhnliche Waſſerlinſe oder Entenflott, die mit
ihrem herrlichen Smaragdgrün unſere Teiche im Sommer füllt,
ſtrahlt nach Angaben des Pariſer Forſchers Vernadſky 100 bis
650 Mal ſtärker Radiumſtrahlen aus, als das umgebende Waſſer.
Pfaff konnte über wachſendem Gemüſe, wie Salat und
Peter=
ſilie, eine deutliche elektromagnetiſche Strahlung nachweiſen
und Nodon glaubt den ſchlechten Empfang des Rundfunks in
Man ſollte ſich im Auslande vor der Illuſi
hüten, daß es möglich ſei, die pſychologiſcht
Rückwirkungen der Behandlung der Aby,
ſtungsfrage für das deutſche Volk außer Acht
laſſen.
Wenn der Bereitſchaft zur Verſtändigung, die durch
zahl=
reiche und ſchwerwiegende Opfer von Deutſchland unter
Be=
weis geſtellt wurde, immer wieder die Forderung auf
ein=
ſeitige Entwaffuung gegenübergeſtellt wird, dann kann
ein=
ſolche Behandlung nicht ohne Rückwirkungen auf den Willen
und Glauben an die Möglichkeit einer Verſtändigung
bleiben.
Was die angeblichen Geheimrüſtungen betrifft, ſo binh
überzeugt, daß die Verkünder ſolcher Nachrichten im Auslanden
dieſes Märchen ſelbſt nicht glauben. Das Trübſte an dien
Kapitel bleibt aber die Tatſache, daß dieſe Kreiſe 18
Auslandes zum größten Teil ihr Material vn
Deutſchen beziehen, deren Triebfeder enty
der fanatiſcher Haß gegen alles Militäriſſe
oder gewöhnliche Gewinnſucht iſt.
Ich ſtehe nicht an, zu erklären, daß ich
außerordentlich=
geſetzliche Maßnahmen gegen dieſe Staatsverleumder für
erforderlich halte und auch beim Reichskabinett bereits
be=
antragt habe. Es iſt ein Lebensrecht des Staates, ſich gegen
Verleumdungen zu ſchützen, die ſeinem Anſehen im
Aus=
lande den größten Schaden zufügen. Geheimrüſtungen gibt
es nicht.
„Ich habe aber nie ein Hehl daraus gemacht, daß wir a
Maßnahmen zum Schutze unſerer Grenzen tr.
fen, ſoweit uns das unſere ſchwachen mili
riſchen Kräfte und die uns auferlegten
viſ=
traglichen Bindungen erlauben, und ich bin fel
ſ=
feſt überzeugt, daß ſich zur Verteidigung der Grenim
alle Kreiſe unſeres Väterlands ebenſo
zuſaſ=
fenfinden werden, wie in der Vertretung u
ſeres vertraglichen und moraliſchen Recht
auf Abrüſtung. (Beifall.)
Selkene Einmükigkeit der Parkeien.
Die Ausſprache ergab eine beim Wehretat bisher noch rſt
beobachtete Einmütigkeit in der Auffaſſung der Parteien, n
der ſich nur der kommuniſtiſche Redner ausſchloß.
Alle übrigen Redner betonten die Notwendigkeit, die Rei
ß=
wehr als zuverläſſiges, von Parteieinflüſſen unabhängiges
ſ=
ſtrument des Reiches zu erhalten. Alle Redner wandten ſich (ch
mit großer Schärfe gegen die bekannte Rede, in der der f1
r=
zöſiſche Kriegsminiſter Maginot in der Abrüſtungsfrage m
Ausnahmerecht zu ungunſten Deutſchlands proklamieren wi
„Die von Maginot gemachte moraliſche Unterſcheidung zwi
ſchen den Nationen”, erklärte Abg. Leber (Soz.), „dien
nicht dem Frieden, ſondern der Fortſetzung des Unfrie
dens. Kein Deutſcher, welcher Partei er auch angehört
wird eine ſolche Unterſcheidung anerkennen.
Schon vor 2000 Jahren hat der alte Tacitus von den (
x=
manen und Gälliern geſagt: „Dieſe beiden großen Völker jd
getrennt von einander erſtens durch einen Strom, zweitens dich
ein Gebirge und drittens durch die gegenſeitige Angſt vor
ſt=
ander. Es wäre gut, wenn dieſe gegenſeitige Angſt, die Deut he
und Franzoſen trennt, heute endlich verſchwinden und der ge
n=
ſeitigen Verſtändigung Platz machen würde.” (Beifall.)
Abg. Erſing (3.) wies darauf hin, daß der Verſa er
Vertrag Deutſchland nicht nur ſchwere Laſten, ſondern auch
mütigende Bedingungen auferlegt habe. Die Reichswehr mit
feſt in der Hand der Regierung ſein als Mittel für den Gr. z
ſchutz und zur Sicherung der Ruhe und Ordnung im Inn /
Ein Volk, das auf ſeine Wehrmacht verzichtet, gibt ſich ſelbſt
(Beifall.) Die Wehrausgaben ſind größtenteils zwangsläu
ſie würden von ſelbſt heruntergehen, wenn die Siegerſtac u
eine Umorganiſierung des ganzen Aufbaues unſeres Heeres
laſſen wollten (Zuſtimmung).
Maginot ſchätzt die militäriſchen Möglichkeiten Deutſch
lands ſo falſch ein, daß man eigentlich zu einem rech
ungünſtigen Urteil über die fachmänniſchen Qualitäten
de=
franzöſiſchen Kriegsminiſters kommen muß. Das Materia
für eine ſolche Kriegshetze wird leider von deutſchen Zei
tungen, wie „Das andere Deutſchland” geliefert, die vor
geben, dem Frieden zu dienen und die von der Deutſche=
Friedensgeſellſchaft finanziert werden. (Hört! hört!) Die
Deutſche Friedensgeſellſchaft klage ich an, daß ſie die deutſch
franzöſiſche Verſtändigung hindert, daß ſie den Kriegs
hetzern Material liefert und den Weltfrieden gefährdet
(Lebhafter Beifall.)
Deutſchland hat abgerüſtet; wir hoffen, daß die Sie
ſ=
nationen den Abrüſtungsreden endlich auch praktiſche Handl”
gen folgen laſſen. Geſchieht das nicht, dann wird der Tag n
Abrüſtungskonferenz zu einem ſchwarzen Tag für den Völ/
bund, für den Frieden und für Europa! (Beifall.)
dichten Wäldern auf eine ultraviolette, alſo auch elektron
ſ=
netiſche Strahlung der wachſenden Bäume zurückführen ſ
können, die die Radiowellen beeinflußt. Da im Sommer 8
ſtärkſte Wachstum vorhanden iſt, war auch zu dieſer Zeit E
Empfang ſchlechter als im Winter.
Sauerbruch und Schumann iſt es gelungen, in
Umgebung menſchlicher und tieriſcher Körper elektriſche Fe
nachzuweiſen, die durch die Lebensvorgänge entſtehen und 1
in Entfernungen von über einem Meter wirkſam ſind.
ließen ſich die Angaben aus den neueſten Ergebniſſen der wiſ
ſchaftlichen Forſchung beliebig vermehren, die immer n
darauf hindeuten, daß Organismen Strahlen, vor allem e
tromagnetiſche Strahlen ſenden und ſich dadurch gegenſeitig
einfluſſen.
Was mag die Rolle dieſer Strahlungen im pflanzlie
und tieriſchen Körper ſein? Empfinden die Schweſtern 1
Brüder der betreffenden Organismenart dieſe Strahlen?
Kön=
ſie etwa gar zur Verſtändigung benutzt werden, indem die Ste
der Strahlung, die Aenderung der Wellenlänge und Schn
gungszahlen unter dem Einfluß des Willens des ſtrahlen
Lebeweſens ſteht? Dinge, die, falls es ſich um elektromagneti
Strahlungen der Organismen handelt, ſehr wohl denkbar ſ
für die radioaktiven Strahlungen aber kaum in Frage komn
weil der radioaktive Zerfall ſelbſt für den Menſchen be
flußbar iſt.
Durch die aufſehenerregenden Entdeckung
des ruſſiſchen Biologen Gurwitſch iſt in den let
Jahren ſogar der einwandfreie Beweis erbracht, daß Lel
weſen nicht nur Strahlen ausſchicken, ſonde
auch empfangen und phyſiologiſch wirkſam werden laf
Zwiebelwurzeln, deren Zellen dicht hinter der Wurzelſpitze
lebhafter Teilung begriffen ſind, waren bei ſeinen Verſuchen
erſten Sender dieſer Lebensſtrahlung, die auf andere Ze
z. B. Heſe, Bakterien, Seeigeleier nachweislich ſo wirkten,
auch ſie zu ſchneller Zellteilung und kräftigem Wachstum
geregt wurden. Sehr bald ſtellte ein Heer von Mitarbeit
(Frank, Reiter, Gabor, Stempell u. a.) auf dem neuen Arbe
gebiet feſt, daß auch Hirnbrei von Kaulquappen, Blut, Fi
und Froſcheier in Entwicklung, zuckende Muskeln, bösar
Geſchwülſte (Krebszellen), Hefezellen, Urtiere und Bakte!
Sender der geheimnisvollen Strahlen ſind, daß ſie alſo bei
verſchiedenſten Pflanzen= und Tierarten und den unterſchied!
ſten phyſiologiſchen Vorgängen auftreten und daher we
ſcheinlich lebensnotwendig ſind. Da ſie wohl Quarz, Waſſer
Luft, nicht aber Glas und Gelatine durchdringen, da ſie di
Spiegel zurückgeworfen und durch Quarzprismen gebroe
Rummer 79
Abg. Hintzmann (9.V.) wandte ſich gleichfalls gegen den
franzöſiſchen Kriegsminiſter, der im Jutereſſe ſeiner Politik die
Behauptung von Deutſchlands heimlichen Rüſtungen aufgeſtellt
hat. Er kann unmöglich ſelbſt an die Richtigkeit dieſer
Be=
bauptung glauben, die nicht einmal von den Kommuniſten
auf=
rechterhalten wird, die das Material unterſucht haben.
Abg. Sachſenberg (Wp.) meinte, die Rede des
franzö=
ſiſchen Kriegsminiſters Maginot ſei ſelbſt von den franzöſiſchen
Chaupiniſten nicht ernſt genommen worden.
Die Abrüſtungskonferenz wird zeigen, daß die
Sieger=
mächte die im Verſailler Vertrag für ſie aufgeſtellte
Ab=
rüſtungsverpflichtung nicht erfüllen wollen. Damit fallen
dieſe Beſtimmungen des Verſailler Vertrags aber auch
für Deutſchland, und Deutſchlands Wehrfreiheit wird nach
der Abrüſtungskonferenz proklamiert werden müſſen.
Dieſe Wehrfreiheit braucht nicht zu einer uferloſen
Auf=
rüſtung zu führen.
Abg. v. Lindeiner=Wildau (Konſ.) erklärte unter
dem Beifall des Hauſes, die kleine Flotte muß aufrechterhalten
werden zur Verbindung mit unſerer iſolierten Oſtmark. Die
ſogenannte „Rechte” ſtellt heute in der Preſſe ihre Rückkehr in
Ausſicht für den gegenwärtigen nichtaktuellen Fall einer
Ab=
ſtimmung über den deutſch=polniſchen Handelsvertrag. Wenn
man zur Abwehr wirtſchaftlicher Gefahren zur Rückkehr bereit
iſt, dann ſollte der nationale Zwang dazu doch noch größer ſein,
wenn es ſich wie jetzt um Sein oder Nichtſein der kleinen
deut=
ſchen Flotte handelt (Sehr gut). Wenn bei der
Abrüſtungs=
konferenz die Abrüſtungsverpflichtung der andern praktiſch
hin=
fällig wird, dann tritt ſelbſtverſtändlich die deutſche
Rüſtungs=
freiheit wieder in Kraft.
Eine getrennte monarchiſche und republikaniſche
Tradi=
tion können wir der Reichswehr nicht geben, aber wir
können uns aus allen politiſchen Lagern zuſammenfinden
im Dienſt am Staatsganzen. Wenn wir lernen, uns alle
zur Nation als Einheit zu bekennen, dann ſind wir das
Staatsvolk, und dann kommen wir auch zu der
Zuſammen=
faſſung von Staatsvolk und Staatsrecht.
Abg. Döbrich (Lv.) verurteilte ebenfalls die Rede des
franzöſiſchen Kriegsminiſters Maginot als eine Verhöhnung
Deutſchlands, die energiſche Zurückweiſung verdiene. Während
Deutſchland vollkommen abgerüſtet ſei, werde von den anderen
Ländern eine Umrüſtung betrieben. Deutſchland habe einen
klaren Rechtsanſpruch darauf, daß es ebenſo behandelt wird wie
die übrigen Staaten. Die Nichterfüllung dieſes Anſpruchs
be=
deute einen Bruch des Verſailler Vertrags und berechtige
Deutſch=
land zu der Forderung voller Rüſtungsfreiheit.
Abg. Dr. Külz (Stp.) verlas eine Erklärung, wonach ſich
ſeine Fraktion rückhaltlos in den Dienſt einer Politik des
fried=
lichen Zuſammenlebens mit den anderen Völkern ſtelle.
Deutſch=
land habe einen unbeſtreitbaren Rechtsanſpruch auf die zugeſagte
allgemeine Abrüſtung. Nichts gefährde den Frieden mehr als
das unwürdige und hyſteriſche Geſchwätz von angeblichen geheimen
und übermäßigen Rüſtungen Deutſchlands.
Abg. Loibl (Bayer. Vp.) betonte, mit der gerechten Löſung
der Abrüſtungsfrage ſtehe und falle auch der Völkerbund. In
der Bekämpfung der Verleumdungen über angebliche
Geheim=
rüſtungen werde ſeine Partei den Miniſter in jeder Hinſicht
unter=
ſtützen.
Abg. Schmidt=Weſtfalen (Chriſt.=Soz.) erklärte, daß ſeine
Partei durchaus realpolitiſch eingeſtellt ſei. Sie lehne die
Ver=
herrlichung der brutalen Gewalt ab, ſei aber gleichzeitig der
Auf=
faſſung, daß ebenſo wenig die bloße Deklamation des Rechtes die
Geſchicke eines Volkes zu geſtalten vermag. Immerhin ſei auch
das Recht eine nicht zu unterſchätzende Macht in der Welt.
Ge=
rade das entrechtete Deutſchland dürfe den Ruf nach dem Recht
nicht verſtummen laſſen.
Wer den Wehretat ablehnt, hilft damit Deutſchland zu
einem Kriegsſchauplatz vorbereiten. Seit Verſailles iſt der
deutſche Wehretat als Ehretat zu behandeln.
Darüber hinaus verlange ſeine Partei deutſche Rüſtungsfreiheit
und Rüſtungsausgleich.
Abg. Bornemann (Volksnat.) nannte die Bejahung der
Wehrfähigkeit und des Wehrwillens eine
Selbſtverſtänd=
lichkeit.
Lie deutſchen Erſaßbauken keine Gefahr
für den Weltfrieden.
Reichswehrminiſter Groener erklärte zum
Schiffsbauerſatz=
plan, es ſei unverſtändlich, warum der Erſatz des überalterten
Schiffsbaumaterials ſich zu einer politiſchen Streitfrage entwickelt
habe. Ich könnte unmöglich an meinem Platz bleiben, wenn
die=
ſer ſachlich notwendige Erſatz abgelehnt würde. Ich bin kein
tritikloſer Flottenſchwärmer, aber eine aktionsfähige, wenn auch
Freitag, den 20. März 1931
Teite 3
kleine deutſche Flotte iſt von ganz entſcheidender Bedeutung für
unſere Stellung in der Oſtſee, wobei ich gar nicht einmal an
krie=
geriſche Auseinanderſetzungen denke.
Es iſt ganz abſurd, wenn Deutſchlands Marineerſatzbauten
als ein Hindernis für die Seeabrüſtung bezeichnet werden.
Nach dem neuen Marineabkommen werden 1936 an
Ma=
rinetonnage haben: England 1 137 000 Tonnen, Frankreich
670 723 Tonnen, Italien 441 256 Tonnen und Deutſchland
nur 164 000 Tonnen. (Hört! Hört!)
Nach dem Verſailler Vertrag, kann Deutſchland
nicht eine einzige Kanone mehr beſchaffen,
wenn es auf die Marineerſatzbauten verzichtet.
Wir können alſo auf dieſe Bauten nicht verzichten. Auf meinen
ausdrücklichen Wunſch iſt dem Haushalt ein Schiffsbauerſatzplan
beigegeben, weil die Marine nur bei einem planmäßigen
Aus=
bau leiſtungsfähig erhalten werden kann; es muß die Möglich=
keit vorhanden ſein, die Einrichtungen der Werften gleichmäßig
auszunutzen. Daß die Schiffsneubauten auch bemannt werden
kön=
nen, kann keinem Zweifel unterliegen. Der Miniſter ſpricht zum
Schluß die Bitte aus, auch den Marinehaushalt nur nach ſachlich
vaterländiſchen Geſichtspunkten zu beurteilen. (Beifall.)
Skimnmenkhalkung der Sozialdemokraten
bei der Abſimmung über den Panzerkreuzer.
Die Sozialdemokraten erklärten unter Pfui!=Rufen der
Kom=
muniſten, daß ſie bei der Abſtimmung über das Panzerſchiff B
Stimmenthaltung üben würden, was praktiſch die Bewilligung
des Schiffes durch den Reichstag bedeutet.
Die Ausſprache dürfte am Freitag abgeſchloſſen werden.
Außer dem Reſt des Wehretats ſoll noch der Etat des
Reichs=
finanzminiſteriums beraten werden.
Dee Theater=Etat abgelehnt!
Die Ekakberakung im Finanzausſchuß.
Der Finanzausſchuß des Landtags ſetzte geſtern die zweite
Leſung des Staatsvoranſchlags bei dem Miniſterium für Kultus
und Bildungsweſen fort. Bei Kapitel 53, Miniſterium, entſpann
ſich noch einmal eine längere Ausſprache über die von der
Re=
gierung beabſichtigten Einſparungen in den Miniſterien und über
die Beſetzung der frei werdenden Referentenſtelle für das höhere
Schulweſen. Der Kultusminiſter erklärte, die Erhaltung der
freien Stelle für das höhere Schulweſen als Miniſterialratsſtelle
ſei notwendig. Den Sparantragen in der erſten Leſung habe die
Regierung mit den vorgenommenen Einſparungen und mit den
beſchloſſenen Einſparungen in allen Miniſterien vollauf
entſpro=
chen. — Von der Volkspartei wird beantragt, die Stelle des
Mi=
niſterialdirektors auf den Inhaber zu ſetzen und dafür die
Staats=
ratsſtelle zu erhalten. Von den ſonſtigen Referentenſtellen ſeien
zwei zu ſtreichen. Die Referentenſtelle für das gewerbliche
Schul=
weſen ſollte erhalten werden. — Bei der Abſtimmung wird der
in der erſten Leſung angenommene Antrag auf Streichung der
Anmerkung zur freien Referentenſtelle mit 9:3 Stimmen durch die
Regierungserklärung für erledigt erklärt, ebenſo der in der erſten
Leſung angenommene Antrag auf Streichung von
Rechnungsrats=
ſtellen. Die Stelle des Referenten für das gewerbliche
Unter=
richtsweſen wird der Direktorſtelle an der Landesbauſchule zu
Darmſtadt verbunden. Die ſonſt vorliegenden Anträge werden
abgelehnt, das Kapitel ſelbſt mit 8:4 Stimmen angenommen. —
Es wird einſtimmig beſchloſſen, die Stellvertretungskoſten mit
3000 RM. beſtehen zu laſſen Verſchiedene Anträge der
Kommu=
niſten werden einſtimmig abgelehnt.
Bei Kap. 57 (Volksſchulen)
weiſt die Regierung nochmals darauf hin, daß eine Streichung
von 3 Schulratsſtellen höchſt untunlich ſei. Es wird darauf
beſchloſſen, für das Rechnungsjahr 1931 2 Stellen
und für das Rechnungsjahr 1932 eine weitere
Stelle zu ſtreichen. — Auf Anfrage gibt die Regierung
be=
kannt, daß ſie den Inhabern von Teilſtellen, ſoweit ſie
durch die Kürzung der Anwärterbezüge allzu hart betroffen ſeien,
eine Unterſtützung zukommen laſſen wolle. Vom
neuen Schuljahr ab werde verſucht, dieſe Härten ſonſtwie
auszu=
gleichen.
Bei Kap. 62a, gewerbliche und kaufmänniſche
Unterrichtsanſtalten, beantragt die Regierung, den für
Unterſtützung von Unterrichtsanſtalten vorgeſehenen Betrag um
8000 RM. zu erhöhen. Hieraus ſollen den Techniſchen
Lehranſtal=
ten zu Offenbach 5000 RM. zufließen und die Koſten für die
Wei=
terführung der gewerblichen Lehrgänge in Michelſtadt und
Büdingen verrechnet werden. Von ſozialdemokratiſcher Seite
wird der für Offenbach vorgeſehene Betrag von 5000 RM. als zu
niedrig bemängelt. Die Regierung weiſt nach, daß der Betrag
ausreicht und in Verhandlungen mit der Schule feſtgeſtellt
wor=
den iſt — Bei der Abſtimmung wird die vorgeſehene Erhöhung
mit 6:3 Stimmen bei 4 Enthaltungen genehmigt.
Bei Kap. 65. Volksbildung fordert die Volkspartei,
die vorgeſehene Ermächtigung auf Ueberſchreitung des
vorgeſe=
henen Betrages bis zu 15 000 RM. zu ſtreichen. Die Regierung
weiſt nach, daß von der Ermächtigung nur mit Zuſtimmung des
Finanzminiſteriums Gebrauch gemacht werden kann, worauf der
Antrag abgelehnt wird.
Bei Kap. 67 (Landesuniverſität)
wird neben anderen ein kommuniſtiſcher Antrag auf Aufhebung
der Landesuniverſität einſtimmig abgelehnt. Der
nationalſozia=
liſtiſche Antrag, die Kliniken mehr zu werbenden Betrieben
aus=
zugeſtalten, wird abgelehnt, ebenſo der Landbundantrag den
Staatszuſchuß zur Univerſität und Hochſchule um eine Million zu
kürzen.
Bei Kap. 68, Techniſche Hochſchule wird die Stelle
für Werkunterricht, die bisher bei den Volksſchulen verrechnet
wurde, als zur Lehrerbildung gehörig bei den Pädagogiſchen
In=
ſtituten eingeſtellt. Die Regierung weiſt nach, daß für die
Lehrer=
ſtudenten die Einführung in den Werkunterricht nicht entbehrt
werden kann. Der Antrag wird mit 7:2 Stimmen bei 1
Enthal=
tung angenommen. Die Regierung erhält zur Vermeidung von
Härtefällen bei der Aſſiſtentenbeſoldung eine
Kreditermächti=
gung. Das Kapitel wird mit 8:2 Stimmen angenommen.
Bei Kap. 72 (Landestheater)
entſpinnt ſich noch einmal eine Ausſprache über den Staatszuſchuß
und den Anteil der Stadt Darmſtadt. Von dem Kultusminiſter
wird über die mit der Stadt eingeleiteten Verhandlungen
berich=
tet. Er betont, daß im vorigen Jahre nahezu 400 000 RM. bei
dem Theater abgeſetzt worden ſeien. Die Theaterleitung habe den
ernſtlichen Willen, zu ſparen. Entſprechende ſtädtiſche Theater
ſeien durchweg teurer. In der Abſtimmung wird nach Ablehnung
eines Antrags auf Streichung des Staatszuſchuſſes das Kapitel
ſelbſt mit 4 gegen 3 Stimmen bei 6 Enthaltungen
abgelehnt. — Bei Kap. 74. Denkmalpflege, wird ein Antrag
des Zentrums angenommen, die Salzpflanzen=
Stand=
orte bei Bad=Nauheim und bei Wiſſelsheim als
Naturſchutzgebiete zu erklären.
Die zweite Beratung des Etats des Miniſteriums für
Ar=
beit und Wirtſchaft geſtaltete ſich ſehr kurz. Zu Kap. 83 (
Boden=
verbeſſerung und Waſſerverſorgung) lag ein ſpezialiſierter
An=
trag der Deutſchen Volkspartei vor auf Senkung der
Vermeſſungs=
koſten, der der Regierung als Material zur Prufung überwieſen
wird.
Zu Kap. 85 liegt ein anderer Antrag der Deutſchen
Volks=
partei vor, der den der Landwirtſchaftskammer geſtrichenen
Be=
trag von 33 870 RM. auf 15 000 RM. ermäßigen will. Der
Mi=
niſter für Arbeit und Wirtſchaft erklärt dazu, daß, wenn ſich im
Laufe des Budgetjahres Erſparungen auf irgendeinem anderen
Gebiete machen laſſen oder andere Quellen ſich erſchließen, der
Landwirtſchaftskammer noch etwas zugelegt werden ſoll. Eine
Anregung, eine beim Kultusminiſterium erzielte Erſparnis für
die Landwirtſchaftskammer zu verwenden, wird abgelehnt. Darauf
wird der Antrag abgelehnt. Damit ſind die Beratungen der
Ka=
pitel des Miniſteriums für Arbeit und Wirtſchaft beendet. Es
folgen am Freitag das Finanzminiſterium und das
Juſtizmini=
ſterium.
*
Man mag den Darbietungen des Heſſiſchen. Landestheaters
im einzelnen noch kritiſch gegenüberſtehen, daß das Landestheater
eine Einrichtung iſt, die im Intereſſe unſerer kulturellen
Entwick=
lung unbedingt erhalten werden muß, wird niemand ernſthaft
be=
ſtreiten wollen. Darum aber iſt es unerträglich, daß gerade der
Theateretat alljährlich zum Gegenſtand eines höchſt unerfreulichen
Parteiſchachers gemacht wird.
Der Geſetzgebungsausſchuß will am heutigen
Frei=
tag mit ſeinen Arbeiten fertig werden. Wir kommen zuſammen=
—
ö-
faſſend auf die Beratungsergebniſſe morgen zu ſprechen.
Gemeinſames Schickſgl.
Heſſens Gedenken
an den oberſchleſiſchen Abſtimmungstag.
Staatspräſident Dr. Adelung hat an den
Oberbürgermeiſter von Ratibor, den Vorſitzenden
der Vereinigten Verbände heimattreuer
Ober=
ſchleſier, folgendes Schreiben gerichtet:
„Den Vereinigten Verbänden heimattreuer Oberſchleſier
danke ich im Namen der Heſſiſchen Staatsregierung beſtens für
die freundliche Einladung zu der Abſtimmungs=Gedenkſtunde
in Ratibor am 22. März. Die Heſſiſche Regierung ſieht ſich zu
ihrem lebhaften Bedauern nicht in der Lage, einen Vertreter zu
entſenden.
Die Heſſiſche Regierung und mit ihr die Bevölkerung des
ganzen Landes gedenkt des Abſtimmungstages und des
Ab=
ſtimmungsergebniſſes mit Gefühlen dankbarer Genugtuung über
das große Bekenntnis der oberſchleſiſchen Bevölkerung zur
deutſchen Nation, zur deutſchen Zukunft. Das Verſtändnis
für den Abſtimmungsſieg des 20. März 1921, der den Verbleib
von ganz Oberſchleſien beim Deutſchen Reiche hätte zur Folgd
haben müſſen, iſt im Heſſenlande um deswillen be=
werden, ſo vermutete man, daß es ſich um unſichtbare Licht=
Fahlen, und zwar ultraviolette Strahlen, handelte. In der
Tat gelang der Nachweis, daß ſie mit einer Wellenlänge von
200—220 Millionſtel Millimeter dem elektromagnetiſchen
Wellen=
bereich des Ultraviolett angehören. Die Empfindlichkeit der
Zetektorzellen” gegenüber dieſem vom „Organismenſender”
kommenden Strahlen entſpricht etwa der unſerer Sinnesorgane;
ſie ſoll 600mal größer ſein als die einer äußerſt empfindlichen
Pyotographiſchen Platte. Dem Phyſiker Rojewfki in Frankfurt
ou es gelungen ſein, dieſe Lebensſtrahlen mit Hilfe feinſt=
Empfindlicher Photozellen hörbar zu machen und mit dem Laut=
Precher einer größeren Zuhörerſchaft vorzuführen. Eine ganz
erſtgunliche experimentelle Leiſtung.
Kaum entdeckt, hat die wiſſenſchaftliche Heilkunde ſie ſchon
in i
1ung, da das Blut krebskranker Menſchen ſviele Hundert Fälle
durden ſchon von Gurwitſch und Salkind geprüft) im Gegen=
8 zum Blut geſunder Menſchen keine Lebensſtrahlen
aus=
ckt .. . Und zwar ſchon zu einer Zeit, zu der mit anderen
Hitteln noch nicht mit Sicherheit der Nachweis der
Krebserkran=
kung erbracht werden kann.
Es ſind ſchon Anſichten geäußert, die weit über das
hinaus=
ehen, was wiſſenſchaftlich feſtſteht. Sie ſeien aber dem Leſer
er borenthalten, weil ſie von einem ernſthaften Gelehrten
Sarhowſky) in einigen ebenſo ernſthaften wiſſenſchaftlichen
Ar=
eſen der franzöſiſchen Akademie der Wiſſenſchaften mitgeteilt
urden. Aus Raummangel kann hier nur kurz das Ergebnis
dieſer Forſchungen gebracht werden.
Nach Lakhowſky würden Tiere, Pflanzen und Menſchen
elek=
kromagnetiſche Syſteme darſtellen, die genau wie beim
Rund=
funk elektromagnetiſche Strahlen ſenden und empfangen. Beim
Rundfunk mit verhältnismäßig langen, beim Lebeweſen mit den
allerkürzeſten elektromagnetiſchen Wellen, die im kosmiſchen
Strahlenbündel enthalten ſind. Beſteht Gleichgewicht der
Zellen=
ſchwingungen des Lebendigen mit den Wirkungen des
umgeben=
den Feldes der kosmiſchen und irdiſchen Strahlen, ſo iſt die
Zelle, das Gewebe, das Lebeweſen geſund. Uebermaß oder
Nichthinreichen der Schwingungsweite oder der Schwingungs=
Fahl der Zellſtrahlung zerſtört das Gleichgewicht und bedeutet
den Tod.
So phantaſtiſch dieſe Dinge klingen, ſo bringt doch Lak=
9owſky eine ganze Reihe von biologiſchen Tatſachen vor, die in
dieſe Richtung deuten. Tierwanderung und Vogelzug,
Heim=
ehrfähigkeit und Staatenbildung, Verſtändigung ſtummer Tiere
und Nahrungfinden, Liebe und Haß auf den erſten Blick im
Menſchengeſchlecht, manche Gebiete des Okkultismus, wie
Tele=
pathie und Hellſehen, erſcheinen im Lichte dieſer Anſchauungen
durchſichtiger und auf naturwiſſenſchaftlichem Wege beſſer
er=
klärbar, als durch die bisher ſtillſchweigend hingenommenen und
mehr als fraglichen Deutungen durch beſonders verfeinerte
Sinneswahrnehmungen.
* Drei Feuerkugeln fallen vom Himmel.
Ein furchtbarer Meteorfall in Braſilien. — Monatelange
Brand=
kataſtrophen im Urwald. — Seltſame atmoſphäriſche
Erſcheinungen beim Fall der Metevre.
In Braſilien erfolgte vor kurzer Zeit, und zwar im Urwalde
des Amazonenſtroms, eine furchtbare Kataſtrophe durch mehrere
ungeheure Meteore, die in den Urwald ſtürzten. Trotzdem es
ſich um eine weltabgelegene Gegend handelt, wo ſich dieſer
un=
gewöhnliche Vorgang abſpielte, iſt man durch einen Zufall in
der Lage, darüber genaue Einzelheiten feſtzuſtellen, da der gelehrte
Miſſionar Pater Fidelio aus Aviano ſich zufällig in der Gegend
aufhielt, wo die Meteore niederſtürzten, und ſeine eigehenden
Beobachtungen machen konnte, von denen er in einem Brief
Kenntnis gibt, den der „Ofſervatore Romano” die Zeitung des
Vatikans, veröffentlicht. Danach handelt es ſich um drei
Ent=
ſetzen erregende Feuerkugeln oder Feuerbälle, die vom Himmel
ſtürzten und die Bevölkerung des Urwaldes mit dem größten
Schrecken erfüllten. Es ſcheint ſich um ein ähnliches Phänomen
gehandelt zu haben, wie es vor kurzer Zeit in Sibirien
beobach=
tet wurde, beziehungsweiſe in Kamtſchatka. Der Ort des
Ab=
ſturzes der Meteore wurde dort nicht genau feſtgeſtellt.
Jeden=
falls erzählten Nomaden, die voll Entſetzen auf der Flucht von
Petropawloſk kamen, daß ein „ſengender Teufel” vom Himmel
gefahren ſei, um die Menſchheit zu beſtrafen. In
Bra=
ſilien gab es drei derartiger ſengender Teufel, eine
unge=
wöhnliche kosmiſche Erſcheinung, zumal es ſich bei allen drei
Meteoren offenbar um ungewöhnlich große Himmelskörper
ge=
handelt hat. Ganz ungewöhnlich waren die atmoſphäriſchen
Er=
ſcheinungen, die beim Sturz der Meteore vom Pater Fidelio
be=
obachtet werden konnten. Die Meteore ſtürzten am Vormittag
gegen 8 Uhr zur Erde. Kurz bevor dieſe gewaltige
Naturerſchei=
nung zu beobachten war, erſchien die Sonne wie ein glutroter
Feuerball, während ſie vorher im klaren Lichte am blauen
Him=
mel ſtrahlte. Eigenartigerweiſe hatte ſich auch der Himmel
ver=
dunkelt, wie man es häufig beim Ausbruch von Vulkanen oder
bei Erdbeben beobachtet. Noch konnte man nicht erkennen, woher
dieſe ſeltſamen atmoſphäriſchen Veränderungen herrührten, als
plötzlich vom Himmel eine gewaltige Wolke ſich auf die Erde
herabſenkte, die allerdings nicht aus Regentropfen beſtand,
ſon=
dern aus einer Art von rötlichem Staub oder Aſche. Zugleich
erſchien die ganze Gegend wie von einer dichten weißen
Staub=
decke verhüllt und bedeckt. Nicht nur die Erde, ſondern auch die
Bäume und Pflanzen machten den Eindruck, als ob ſich eine
Schicht Watte darüber lagerte. Dies war die Einleitung zu
einem furchtbaren Ereignis, das kurze Zeit darauf die Gemüter
beſonders der Eingeborenen erſchütterte. Dreimal hintereinander
erfolgte ein ungeheures Krachen, als ob von übermenſchlicher
Gewalt ein pfeifender Ton in der Luft erregt worden wäre. In
der Luft ſchienen Exploſionen vor ſich gegangen zu ſein, von denen
eine gewaltige Hitze ausſtrömte, denn die eigenartigen kosmiſchen
Exploſivkörper hatten eine rieſige Größe. Die Hitze war ſo
un=
geheuer, daß in demſelben Augenblick, als die Meteore in den
Urwald ſtürzten, die rieſigen trockenen Bäume wie Fackeln
auf=
loderten. Es entſtand daraufhin ein Waldbrand, der mehrere
Monate lang dauerte und einen großen Teil des Urwaldes am
Amazonenſtrom verheerte. Das war wohl auch der Grund,
warum man nicht nach den Reſten der Meteore ſuchen konnte.
Die Erſcheinung der braſilianiſchen Meteore erinnert in
zahl=
reichen Einzelheiten an den berühmten Meteorfall von Madrid,
der am 10. Februar 1896 beobachtet wurde. Damals wurden
auch am Vormittag gegen 9 Uhr die rätſelhafteſten
atmoſphäri=
ſchen Erſcheinungen feſtgeſtellt, und zwar ein ungewöhnlicher
Glanz, der die Sonne überſtrahlte. Dieſe Erſcheinung ging
ähnlich wie in Braſilien einem furchtabren Meteorfall voraus,
der 1½ Minute ſpäter eintrat und ſich auch durch ein
panik=
erregendes Donnern ankündigte. Es war, als ob tauſende von
Kanonen abgeſchoſſen würden, und die ganze Einwohnerſchaft
von Madrid war von größtem Entſetzen erfüllt, da die Erde von
dem ungeheuren Geräuſch erſchüttert wurde und man den
Aus=
bruch eines Erdbebens fürchtete. Auch in Madrid löſte ſich
ſchließlich nach der Beobachtung der Sternwarte der Meteor in
Staub auf und in eine große Anzahl von Steinen, die mit
Krachen auf die Hauptſtadt Spaniens niederſtürzten. Der
Meteorfall im Urwald von Braſilien gehört aber nach den
Schil=
derungen des Paters zu den gewaltigſten Erſcheinungen
ähn=
licher Art, die jemals beobachtet wurden. Durch den ungeheuren
Waldbrand hatte er noch kataſtrophale Folgen, die nach
bisheri=
gen Feſtſtellungen einzig daſtehen. Die Eingeborenen, die im
Urwald wohnen und die Naturerſcheinung fahen, berichteten
darüber die abergläubigſten Dinge, und aus den Erzählungen
dieſer Naturkinder kann man erkennen, wie die Sagen und
5.
Legenden von den feurigen Rittern entſtanden ſind.
Seite 4
Freitag, den 20. März 1931
Nummer 79
ſonders lebhaft, weil wir hier in über
zwölf=
jähriger ſchwerer Beſatzungszeit erfahren
haben, was fremde Macht und Willkür
bedeu=
ten, aber auch erfahren haben, welche Kraft in einer
Bevölkerung liegt, die mit allen Faſern ihres
Herzens ihrem Vaterlande und Volkstum
an=
hängt. Wir wiſſen ferner die ungeheueren
wirtſchaft=
lichen Schädigungen zu würdigen, die die Zerreißung
Oberſchleſiens mit ſich brachte, denn auch bei uns hat die
ver=
änderte Grenzziehung ſchwere Wunden geſchlagen.
In dieſen Tagen gemeinſamen Gedenkens an die
zehn=
jährige Wiederkehr der Volksabſtimmung in Oberſchleſien
ver=
einigen ſich der deutſche Oſten und der deutſche Weſten zum
Treugelöbnis für das große deutſche Vaterland und in
den heißen Wünſchen für eine glückliche Zukunft des deutſchen
Volkes.
Ich habe angeordnet, daß in allen heſſiſchen Schulen am
20. März der Bedeutung des Tages gedacht wird.”
dei wentere Beiindf Ber Gialverntang.
Die Möglichkeit zur gütlichen Einigung.
* Berlin, 19. März. (Priv.=Tel.)
Irgendwelche Verhandlungen über den weiteren Gang der
Etatberatung ſind am Donnerstag nicht mehr geweſen. Es ſcheint,
als ob die Sozialdemokraten ihre Forderungen durch einfache
Mehrheit im Reichstag durchſetzen wollen. Sie überſehen aber
wohl ſelbſt nicht, daß ſie ihrer Oppoſition innerlich bereits das
Rückgrat gebrochen haben, denn auf einen Konflikt mit der
Regie=
rung können ſie es nach dieſer Vorleiſtung eigentlich kaum mehr
ankommen laſſen. Man hofft deshalb auch in parlamentariſchen
Kreiſen auf einen glatten Weitergang im Reichstag und rechnet
damit, daß die Sozialdemokraten mit ihren Steuerforderungen
mindeſtens im Reichstag ſcheitern werden, nachdem der
Kanz=
ler bereits zu verſtehen gegeben hat, daß er aus
einem weiteren Anziehen der Steuerſchraube
bis zur Konſequenz ſeines Rücktritts gehen
würde.
Bleiben noch die Ermächtigung auf Ausgabenſtreichungen bei
zurückgehenden Einnahmen und die Reichstagsvertagung, bei der
wohl die Formel gefunden wird, daß der Reichstag ſich bis zum
Herbſt vertagt, der Reichstagspräſident aber auf Antrag der
Frak=
tionen die Möglichkeit einer früheren Einberufung erhält. Es
wäre zuviel geſagt, wenn man behauptete, daß der Kanzler
be=
reits über dem Berg iſt, aber er iſt doch ſoweit, daß er die
Mög=
lichkeit einer gütlichen Einigung ſieht.
Oberbürgermeiſterwahl in Berlin.
* Berlin, 19. März. (Priv.=Tel.)
Berlin, deſſen Oberbürgermeiſterpoſten bereits ſeit den
Ent=
hüllungen der Sklarekaffäre verwaiſt iſt, ſoll am 9. April ein
neues Oberhaupt bekommen. Wer von den Kandidaten die
größ=
ten Ausſichten hat, gewählt zu werden, läßt ſich noch nicht ſagen.
Der Präſident des Deutſchen Städtetages, Dr. Mulert, ſchien
die meiſten Chancen zu haben, hat aber ſeine Kandidatur
zurückgezogen, weil er die Verwaltungsreform Berlins für
ungenügend hält.
Am Donnerstag hat nun der Wahlausſchuß ſeine erſte
vor=
bereitende Abſtimmung vorgenommen. Dabei hat ſich ergeben,
daß der ſtellvertretende Oberbürgermeiſter Dr.
Scholz und der kommuniſtiſche Reichstagsabgeordnete Piek je
einige Stimmen erhielten, während die meiſten
Ausſchußmitglieder ſich der Stimme enthielten.
Erſt kurz vor dem 9. April werden die Parteien ihre Kandidaten
nennen. Kenner der Berliner Kommunalverhältniſſe haben
herausgerechnet, daß ſehr leicht ein Kandidat der
Sozialdemokra=
ten mit einem Kandidaten der Rechtsparteien in die Stichwahl
kommen könnte, und daß dabei der Sozialdemokrat unterliegen
wird, wenn es die Kommuniſten weiter ablehnen, einem
Sozial=
demokraten ihre Stimme zu geben.
Bon einem Ertrem ins andere.
* Berlin, 19. März. (Priv.=Tel.)
Die Kommuniſten hatten ſich für die Beſprechung des
Wehr=
etats eine kleine Senſation auf Eis gelegt. Ihr Fraktionsredner
verlas eine Erklärung des früheren Reichswehrleutnants
Scherin=
ger, der einer der wegen nationalſozialiſtiſcher Propaganda
ver=
urteilten Reichswehroffiziere war und jetzt 1½ Jahre Feſtung
abzuſitzen hat. Scheringer hat ſich von den Nationalſozialiſten
ab=
gewandt und bekennt ſich jetzt offen zum Kommunismus. Er
rich=
tet ſcharfe Angriffe gegen die
nationalſoziali=
ſchen Führer, die nur Phraſen auf Lager hätten
und den Byzantinismus hochzüchteten, die im
Ver=
ein mit den „Bourgeois”, mit Brüning und Groener dem
kommu=
niſtiſchen Bruderſtaat entgegen,kriegen‟ Nicht bei den Garden
der Reaktion ſei der Platz aller ehrlichen Kämpfer, ſondern die
Freiheit ſtehe allein bei den revolutionären Arbeitern, Bauern
und Soldaten. Die Erklärung ſchließt mit den Worten: „Für die
Revolutionierung und Bewaffnung der breiten Maſſen! Für die
nationale und ſoziale Befreiung! Für Freiheit, Arbeit und Brot!“
Der junge Leutnant iſt alſo von dem einen extremen Lager in
das andere gefallen — ein Beweis, wie wenig er politiſch
aus=
balanciert iſt. Für die Nationalſozialiſten, die nach dem Prozeß
die Verurteilten zu Helden ſtempelten, dürfte der Gang
Scherin=
ger ins andere Lager alles andere als erfreulich ſein.
Vom Tage.
Der Zuſtand des früheren Reichskanzlers Hermann Müller
hat ſich noch weiter verſchlechtert. Da die Aerzte einen ſtarken
Verfall des Patienten durch den allgemeinen Schwächezuſtand
feſt=
ſtellten, wurde geſtern abend, neben anderen Maßnahmen eine
Bluttransfuſion vorgenommen, zumal eine rechtsſeitige
Lungen=
entzündung hinzukam. Das Bewußtſein des Patienten iſt
größten=
teils getrübt.
Der Reichstag hat mit den Stimmen der Sozialdemokraten
und der Kommuniſten den Geſetzentwurf über die Entſchädigung
der gewerbsmäßigen Stellenvermittler endgültig angenommen,
wonach ſpäteſtens bis Ende Juni d. J. alle gewerbsmäßigen
Stel=
lenvermittler den Betrieb gegen Entſchädigung einzuſtellen haben.
In dem Lohnſtreit zwiſchen der Reichsbahngeſellſchaft und den
Eiſenbahnergewerkſchaften wurde ein Schiedsſpruch gefällt. Der
Spruch kürzt die Lohnbezüge der Reichsbahnarbeiter um
durch=
ſchnittlich 6 Prozent. Den Parteien wurde eine Erklärungsfriſt
bis Montag geſetzt.
Die für Sonntag, den 22. März vom Stahlhelm,
Landesver=
band Groß=Berlin, im Luſtgarten angekündigte große Kundgebung
für das Volksbegehren „Der Landtag iſt aufzulöſen”, iſt vom
Ber=
liner Polizeipräſidenten, trotz des Verbotes aller anderen
De=
monſtrationen, genehmigt worden.
Zu ſchweren Zuſammenſtößen zwiſchen Kommuniſten und der
Polizei iſt es in Düſſeldorf gekommen, wobei es mehrere Verletzte
gab. Zwei Demonſtranten ſind ihren Verletzungen erlegen.
Der volksparteiliche Reichstagsabgeordnete Dr Moldenhauer,
der frühere Finanzminiſter, hat an der Berliner Techniſchen
Hoch=
ſchule ſeine Lehrtätigkeit wieder aufgenommen.
Gegen das Gebäude der deutſchen Geſandtſchaft in Prag wurde
geſtern abend ein Angriff von Demonſtranten unternommen, die
mehrere Fenſterſcheiben einſchlugen und ſich dann zerſtreuten.
Unter den Wurfgeſchoſſen fand ſich ein Bleiſtück mit den
eingra=
vierten Worten „Fort mit der fasciſtiſchen Diktatur in
Deutſch=
land!‟ Die Täter konnten bisher nicht ermittelt werden. Vor der
Geſandtſchaft iſt eine Polizeiwache poſtiert.
Die Internationale Scheckrechtskonferenz hat am Donnerstag
in Genf ihre Arbeiten mit der Unterzeichnung von drei
Abkom=
men abgeſchloſſen.
In Barcelona begannen die Verhandlungen zur Gründung
der „Neuen republikaniſch=radikalen katalaniſchen Partei”, die
un=
ter der Führung von Oberſt Macia ſteht.
Die Knappſchafk zahlungsunfähig?
Ohne Reichszuſchuß nur halbe Renken.
Der Vorſtand der Reichsknappſchaftsverſicherung hielt am
Donnerstag eine Sitzung ab, in der vor allem die dringliche Frage
der Rentenzahlung für den Monat April beſprochen wurde.
Da=
bei ſoll ſich, wie der „Deutſche” wiſſen will, herausgeſtellt haben.
daß die Reichsknappſchaft höchſtens in der Lage iſt, die Renten in
halber Höhe für April zu zahlen, wenn nicht bis ſpäteſtens
25. März das Reich weitere Mittel zur Verfügung ſtellt. Der
Vorſtand vertagte ſich auf morgen, um noch einmal durch
Ver=
handeln mit der Reichsregierung den Verſuch zu machen, die
Maßnahme durch Gewährung weiterer Zuſchüſſe zu verhindern.
Bis Oſtern Gukachken des Arbeitsloſen=Ausſchuſſes.
Unter dem Vorſitz des Reichsarbeitsminiſters a. D. Dr.
Brauns hat heute das Elfer=Komitee des Arbeitsloſigkeits=
Stu=
dienausſchuſſes geſeſſen und die Frage der Arbeitsbeſchaffung und
der Arbeitszeitſtreckung behandelt. Die Arbeit des Komitees iſt
ſoweit vorgeſchritten, daß um Oſtern herum bereits das Gutachten
über dieſe beiden Probleme zu erwarten iſt. Mitte der nächſten
Woche wird die Kommiſſion an die Reform der
Arbeitsloſen=
verſicherung und an die Zuſammenlegung der Kriſenfürſorge und
Wohlfahrtsfürſorge herangehen. Es wird damit gerechnet, daß
auch über dieſe beiden Punkte in abſehbarer Zeit das
abſchlie=
ßende Ergebnis der Unterſuchungen vorliegt, ſo daß vielleicht ſchon
im Mai oder etwas ſpäter an die Reform der
Arbeitsloſenver=
ſicherung herangegangen werden kann.
Schluß der mikkeleuropäiſchen Wirtſchaftskonferenz.
Die Wirtſchaftstagung wurde heute mit der Annahme
einer Entſchließung des früheren öſterreichiſchen Geſandten in
Ber=
lin, Riedl abgeſchloſſen, in der die Herbeiführung einer möglichſt
engen Wirtſchaftsgemeinſchaft zwiſchen den mittel= und
ſüdoſteuro=
päiſchen Staaten verlangt und die beteiligten Regierungen
aufge=
fordert werden, ungeſäumt direkt über die mitteleuropäiſchen
Schickſalsfragen zu verhandeln, um ſie, wenn auch zunächſt nur
ſchrittweiſe, einer baldigen Löſung entgegenzuführen.
MMatigſolgen dei Oiadtt.
9 wachſende Lawine der Woblfahrtserwerbsloſenlaften bedroht die Eriſtenz der
und ihrer Bevölkerung. — Neuregelung der Erwerbsloſenlaſtenverkeilung dringlich.
A
eingehend erörtert worden. Hilfe iſt, abgeſehen von einer
Dota=
tionszuwendung in Bayern, bisher nicht erfolgt. Es iſt des
zuderlietſchäft.
halb zu begrüßen, daß in Preußen die vereinigten Haupt= und
Oberbütgermeiſter Dr. Jarres klagt an.
Im neueſten Heft der Zeitſchrift „Der Städtetag” äußert ſich
einer der führenden Kommunalpolitiker, Oberbürgermeiſter Dr.
Jarres=Duisburg=Hamborn, über die Lebensfrage der Städte.
Nachdem er ſich eingehend mit den preußiſchen Verhältniſſen
beſchäftigt hat, weiſt er nach, daß die durch die
Wohlfahrts=
laſten bedingten Fehlbeträge der deutſchen Städte mit mehr als
25 000 Einwohnern in den Rechnungsjahren 1929 und 1930
zu=
ſammen 620 Millionen Mark betragen, mit welcher ungeheuren,
durch kurzfriſtige Kredite notdürftig gedeckten Laſt ſie in das
neue Jahr eintreten müſſen. Indem er hervorhebt, daß
Ge=
ſamtdefizit und Geſamtkoſten der Wohlfahrtserwerbsloſen ſich
decken und daher allein die Not der Städte komme, fährt er
in einem ſehr temperamentvollen kritiſchen Tone fort: Das iſt
eine Behandlung der Gemeinden durch Reich und Länder, die
zum Himmel ſchreit. Ich habe an anderer Stelle ſolches
Finanz=
gebaren als eine Luderwirtſchaft öhnegleichen bezeichnet
und bleibe bei dieſem harten Urteil. Die Städte und Gemeinden
ſelbſt haben an dieſem Notſtand keine Schuld. Von allen Seiten
im Stich gelaſſen, haben ſie ihre Steuerquellen und ſonſtigen
Einnahmemöglichkeiten bis zum letzten, ja auf dem
Steuer=
gebiet über das Erträgliche hinaus geſchöpft. Auch die Werke
haben vielfach unter Vernachläſſigung geſunder wirtſchaftlicher
Grundſätze ihre letzten Reſerven hergeben müſſen und ſind
dadurch in ihrer kommunalen Unabhängigkeit gefährdet. Die
ſtändig wachſende Lawine der
Wohlfahrts=
erwerbsloſenlaſten bedroht buchſtäblich, wenn
nicht in letzter Stunde Hilfe kommt, die Exiſtenz der
Städte und ihrer Bevölkerung.
Dabei waren die deutſchen Städte aus eigenem Entſchluß
und im Wege der Selbſtzucht gerade auf dem beſten Wege, ihre
Kreditverhältniſſe entſcheidend zu beſſern durch Konſolidierung
der kurzfriſtigen Schuldenlaſt, durch Droſſelung ihres
Anleihe=
bedarfs und durch Einſchaltung neuer Kontrollen beim
ſtädti=
ſchen Anleiheweſen. Die Vermögens= und Schuldenlage der
Städte, die eine Hauptgrundlage ihres Kredits iſt, iſt auch nach
wie vor unerſchüttert. Gefahr droht allein von der
Er=
ſchütterung des Haushaltsausgleichgewichts,
die ausgeht von der unerhört ungerechten und unerträglich
fehlerhaften derzeitigen Regelung der
Für=
ſorgelaſten. Für den Fortbeſtand dieſes gigantiſchen
Ge=
ſetzgebungsfehlers tragen das Reich und die Länder, nicht die
Gemeinden die Verantwortung.
Die troſtloſe Haushaltslage der Gemeinden iſt mit den
maßgebenden Reichs= und Staatsſtellen in den letzten Monaten
Gemeindeausſchüſſe des Staatsrats in dieſen Tagen der Staats
regierung den ganzen Ernſt der Lage noch einmal klargelegt und
folgende Forderungen mit aller Beſtimmtheit erhoben haben
1. Reich und Staat müſſen einſpringen bei den Gemeinden, di
nachgewieſenermaßen nicht mehr imſtande ſind, die Wohlfahrts
laſten zu tragen, wo alſo der Kaſſenzuſammenbruch unvermeid
lich iſt; 2. die Verteilung der Erwerbsloſenlaſten zwiſchen Reich
Land und Gemeinde iſt neu zu regeln. Die Vorſchläge de
Deutſchen Städtetags in dem Entwurf eines Geſetzes über ein
Reichsarbeitsloſenfürſorge bieten für dieſe Neuregelung ein
geeignete Grundlage. Die Länder, die bisher keinen konjunktur
empfindlichen Haushalt hatten, haben ſich in die Erwerbsloſen
fürſorge einzuſchalten. Insbeſondere gilt dies von dem Staa
Preußen, der ſich verhältnismäßig der beſten und geordnetſte
Finanzlage erfreut. Wenn dem Reich die Tragung der Hälft
der Fürſorgekoſten zugemutet werden kann, ſo geht der Antra
des Städtetages auf einen Zuſchuß des Landes in Höhe vo
25 Prozent ſicherlich nicht zu weit. Es muß in dem preußiſche
Etat in ſolcher Notzeit möglich ſein, mindeſtens 100 Mill. RM
einzuſparen. Weitere Mittel, etwa in Höhe von je 40 Mill. RM
könnten aus dem ſtaatlichen Wohnungsbauanteil an der Haus
zinsſteuer und aus dem nach § 11 des 4. Teils der Notverord
nung vom 1. Dezember 1930 zu bildenden Laſtenausgleich be
aufgebracht werden. Aber wenn die Staatsregierung die Ge
auch in Preußen auf dem nicht unbedenklichen Weg der Anleih
aufgebracht werden. Aber wenn die Staatsregierung die Ge
meinden zur Deckung ihrer Erwerbsloſenkoſten auf dieſes Mitte
verweiſt, ſo mag auch das Land Preußen ſelbſt dieſen We
mitgehen.
Der geſchilderte Notſtand ſpricht für ſich. Auf den Gemeit
den baut der Staat auf. Soll der Zuſammenbruch der Staats
ordnung verhindert werden, ſo iſt außer der Nothilfe in de
hoffentlich wenigen Fällen des Kaſſenzuſammenbruchs die Nei
regelung der Erwerbsloſenlaſtenverteilun
ſo dringlich, daß ſie mit dem neuen Rechnungsjahr i
Kraft treten muß. Für die Aufſtellung ihrer Haushaltsplän
müſſen die Städte die Entſcheidung des Geſetzgebers mit alle
Beſchleunigung verlangen.
Auch die heſſiſchen Städte haben die ungeheuere finanziel
Notlage der Regierung eindringlichſt vorgehalten und ſchleunigſ
Abhilfe erbeten.
Das Wichtigſte iſt, daß man an den Regierungsſtellen ei!
ſieht, daß das eigenſte Intereſſe des Reichs un
der Länder es erfordert, den Gemeinden zu helfen. Reie
und Länder ſind in allererſter Linie in Gefahr, wenn die Ge
meinden zuſammenbrechen.
Hefſiſches Landeskkeater.
Großes Haus — Donnerstag, 19. März.
„Bikkoria und ihr Huſar”
Operette aus dem Ungariſchen, Muſik von P. Abraham.
Die Gaſtrolle des John Cunligt, die heute das Enſemble
ſtützte, gewann dadurch Intereſſe und Bedeutung, daß es Franz
Tibaldi vom Kaſſeler Staatstheater war, der in ihr für den
erkrankten Herrn Stralendorf aushalf. Der hier unvergeſſene,
auch in Kaſſel ſehr beliebte Sänger, deſſen Name ſich als ſo
zug=
kräftig erwies, das Große Haus bis auf den letzten Platz zu füllen,
konnte zwar in der vom Komponiſten ſpärlich bedachten Partie
die Schönheiten ſeines gepflegten prachtvollen Baritons nur an
wenigen Stellen hören laſſen. Aber ſeine Perſönlichkeit hat
einen beſonderen Charme. Die äußere Eleganz ſeines
Auf=
tretens, ſein ſympatiſches Spiel, in dem er ſich offenbar
ver=
vollkommnet hat, die vornehme Art zu ſingen, auch wenn es
nur Operettenmuſik iſt, errangen ihm mit Recht den warmen
Beifall, mit dem ihn das Publikum auszeichnete.
v. H.
Konzerk zum Beſten der Eliſabeihenſchule.
Otto=Berndt=Halle — Donnerstag, 19. März.
Eine reiche Folge von Frauenchören boten Chor und
Sing=
kreis der Eliſabethenſchule unter Leitung ihres hochmuſikaliſchen
und für die Stimm= und Muſikpflege beſonders gut geeigneten
Muſiklehrers, Herrn Born. Beide Klangkörper zeichneten ſich
durch ſehr gute Stimmbildung aus. In glücklicher Weiſe wird
jedes Forcieren vermieden, auf guter Atemtechnik und
wohl=
tuend klarer Vokaliſation iſt das Singen aufgebaut, alle über=
triebene Dynamik wird vermieden, ohne daß die Abſtufung der
Stärkegrade karum gering wäre. Vor allem aber ſind großer
und kleiner Chor dahin erzogen, daß ſie beim Muſizieren auf
den Geſamtklang hören und dadurch auch ſchwierigen
Harmonie=
folgen in anerkennenswerter Weiſe gerecht werden. Der erſte
Teil des Abends war Meiſter Arnold Mendelsſohn gewidmet,
der gerade im Chorſatz einer der unumſtrittenſten Beherrſcher iſt.
Waren ſchon das beginnende geiſtliche Lied „Alles iſt an Gottes
Segen” und die vier charaktervollen ſchottiſchen Volkslieder recht
ſchwierige Aufgaben für den großen Chor, die vorzüglich gelöſt
wurden, ſo bewunderten wir noch mehr die feine Abtönung und
die große Sicherheit, mit der die herrlichen Lieder „An den
Neckar, Schönheit” und „der kurze Frühling” vom Singkreis zu
Gehör gebracht wurden. Dieſe auserleſene Schar ſchloß mit dem
klaſſiſchen „Immer, wenn der Märzwind weht”, einſt einem
Prunktſtück des Frauenchors von Gretchen Deſſoff, das geradezu
virtuos vorgetragen wurde. Dazwiſchen brachte das
Schnurr=
buſch=Quartett das hochbedeutende Streichquartett in D=Dur,
Op. 67 des Meiſters, in dem zwiſchen feſtgefügten,
charakter=
vollen Ecklätzen ein an Abwechſelung reicher Variationenkreis
und ein humorvoller, am Schluß faſt weltſchmerzlicher Walzer
ſtehen. Von Herzen wurde Mendelsſohn gefeiert und mit
Blu=
men bedacht, nachdem einer der vierſtimmigen Chöre
wieder=
holt worden war.
Den zweiten Teil leiteten Violoncell=Soli des nun ſchon oft
mit beſonderer Auszeichnung genannten jungen H. Andrä ein,
Werk von F. Schubert und Popper, erſteres eine herrliche
Adagio=Cantilene, letzteres ein Virtuoſenſtück, beide über jedes
Lob erhaben geſpielt und von Frl. H. Ramsbott ausgezeichnet
am Klavier begleitet. Der reiche Dank nötigte dem Künſtler
eine Zugabe ab. Später ſpielte das Schnurrbuſch=Quartett noch
zwei charakteriſtiſche und klangvolle Quartettſätze von dem
aus=
gezeichneten ruſſiſchen Meiſter A. Glazonnow mit ſtarkem Beifall.
Von den Chören des zweiten Teil intereſſierten vor allem
zwei Lieder, die erſt in altem Satz — bei Jſaaes „Innsbruck”,
vielleicht etwas zu langſam und ſchwer — und dann in moder
kontrapunktiſchem Satz von Walter Rein vorgetragen wurder
von dem man wieder ſehr ſtarken Eindruck gewann durch de
Reichtum der Stimmführung und die Schönheit des dreiſtin
migen Klanges, der unſeres Erachtens beim Frauenchor mei
dem vierſtimmigen überlegen iſt. Ebenſo reizvoll iſt Armi
Knabs Sonnenlied in ſeiner friſchen Verbindung von harmi
niſchem und polyphonem Satz und das meiſterhaft von Molder
hauer geſetzte „Dort unter der Linde”, das famos geſungen wa
Manchmal kam es vor, daß durch reichliches Atemgeben einzeln
Stimmen etwas höher wurden, das war aber der einzige Fel
ler bis auf ganz kleine techniſche Verſehen.
Wäre es doch an recht vielen Schulen ebenſo gut um d
Muſik beſtellt wie an der Eliſabethenſchule, denn nicht nur g
ſanglich und künſtleriſch in der Ausführung der Werke, ſonder
vor allem in der Auswahl des Stoffes und in dem Schöpfe
aus dem Beſten neuer Kunſt ſind die jungen Mädchen treffli
geführt. Hier wird eine Generation erzogen mit gutem Ve
ſtändnis für künſtleriſche Dinge, die uns mithelfen wird, unſe
F.N.
muſikaliſche Kultur zu erhalten.
Georg Büchner zum Gedächfnis.
Zu den Berichten über die Enthüllung der Georg=Büchne
Gedächtnistafel an ſeinem Geburtshaus in Goddelau werde
wir von befreundeter Seite darauf aufmerkſam gemacht, de
bereits im Heft 11 der Heſſiſchen Chronik (Verlag L. C. Wittic
vom November 1913 im Zuſammenhang mit einem Beitre
Karl Heſſemers über Georg Büchner angeregt worden war, de
Geburtshaus Büchners durch eine Tafel zu ſchmücken. He
Pfarrer Wilhelm Schäfer in Crumſtadt hatte damals das G
burtshaus Büchners als das Haus Weidſtr. 9 in Goddelau au
findig gemacht.
Nummer 79
Freitag, den 20. März 1931
Seite 5
Aus drr Landesyauprktadt.
Darmſtadi, den 20. März 1931.
Freie Likerariſch=Künſtleriſche Geſellſchaft.
Zum Gedächtnis Walthers von der Vogelweide.
700 Jahre ſind ſeit Walthers Tod verfloſſen, ſeine
Dichtun=
gen ſprechen heute zu einem Geſchlecht, das ſein Wort nicht mehr
fühlt und ſeinen herrlichen Geiſt nicht mehr kennt — ſo daß
voriges Jahr ein Würzburger Stadtratsmitglied, offenbar ein
beſonders tüchtiger Gegenwartsmenſch, die Frage ſtellen konnte,
ob man denn überhaupt berechtigt ſei, einen ſolchen Gedenktag
zum Gegenſtand, einer öffentlichen Feier zu machen. Aber
Walther iſt nur für diejenigen tot und vergangen, die nie geahnt
haben, was Dichtung, was Liebe, Freude, Frühling und
Deutſch=
tum iſt. Es ſteht im ganzen deutſchen Schrifttum nichts
Herr=
licheres als ſeine Frömende Klage: „O we war ſind
ver=
ſwunden allin minin jar!” kein entzückenderes Liebeslied als
ſein „Tandaradei”, kein ſchönerer Preis des Vaterlandes als
ſein „Ich han lande vil geſehen”, auch nichts Mannhaft=
Fröm=
meres als ſeine religiöſen Lieder. Und es iſt kaum mehr als ein
Aberglaube, daß ſeine Dichtungen ob ihrer veralteten
Sprach=
geſtalt nicht mehr zu leſen ſeien. Man verſuche es nur, mit ein
wenig Liebe, und der wunderbare Menſch wird wieder lebendig
mit ſeinem Kampf und mit ſeiner Liebe zu allen hohen Dingen,
die noch dem letzten deutſchen Herzen auf dieſer Erde teuer ſein
werden.
Die Freie Literariſch=Künſtleriſche Geſellſchaft ließ Profeſſor
Hans Naumann (Frankfurt) über den Dichter ſprechen,
und es ergab ſich aus gelehrtenhafter, aber klarer und lebendiger
Sicht ein farbiges Bild des Ritters, des Sängers, des
Geiſtes=
kämpfers und ſeiner Welt. Ein ſehr weſentliches Verdienſt um
die weitere Verdeutlichung dieſer Welt erwarb ſich Günther
Simony als Führer ſeiner „Muſikantengilde” mit den Weiſen
zu Texten Walthers und anderer ritterlicher Dichter. Das
Alter=
tümliche, das Verklungene dieſer Tonwelt kam herauf, aber es
konnte wunderbar zu den Herzen ſprechen, weil es in einer
Auf=
faſſung und Darbietung kam, die es ſelber wieder ans Herz
genommen hatte. Die beſcheidenen Töne, die Linien und
Figu=
ren, die die nebeneinander her gehenden Stimmen dem Gehör
gaben, mögen Vielen noch klarer als der Vortrag das wirkliche
Lebensgefühl jener Jahrhunderte hingeſtellt und lang verſchüttete
Erinnerungen einen Augenblick lang zum Aufglänzen gebracht
haben.
Erledigt iſt eine Lehrerſtelle für einen evangeliſchen Lehrer
an der Volksſchule zu Alzey=Schafhauſen, Kreis Alzey,
Dienſtwoh=
nung iſt frei.
In den Ruheſtand tritt am 1. April der Bauinſpektor Jacob
Degen zu Schlitz auf Grund des Geſetzes über die Altersgrenze
der Staatsbeamten vom 2. Juli bzw. 19. Dezember 1923, in der
Faſſung des Geſetzes über die Einſtellung des Perſonalabbaus in
Heſſen und zur Aenderung des heſſiſchen Perſonalabbaugeſetzes
vom 8. Oktober 1925.
Evangeliſch=kirchliche Nachrichten. Durch die Kirchenregierung
wurde dem Pfarrer Wilhelm Köhler zu Billingen die
evange=
liſche Pfarrſtelle zu Oberau, Dekanat Rodheim, übertragen.
Heſſiſches Landestheater.
20. März Mer ue
Wozzeck
D 19
Preiſe 1—10 Mk PNie
Kundgebung des Kulturkartells
der Sozialdemokratiſchen Partei
Unkoſtenbeitrag 50 9 Samstag.
21. März 20—22 Uhr
Sturm im Waſſerglas
Preiſe 1—10 Mr.
Bug 19.30, Ende vor 22 Uhr
Blaubart
Zuſ.=M. 1110
Preiſe 1.20—6 Mk. Sonntag
22, März 14.30—1s,30 Uhr
Lohengrin.
Heſſenlandm 17.5 u, III,10
u. P4,U 3
Darmſt, Volksb Gr I—TV
Preiſe 1—10 Mk.
20—22 Uhr
In neuer Inſzenierung
Torquato Taſſo
C19
Preiſe 1—10 Mk. 19.30, Ende gegen 22 Uhr
Liebesluſt
oder die weißen Schuhe
Heſſiſche Spielgemeinſchaft
Preiſe u.50—3 Mk. Montag
23. März 20, Ende gegen 22 Uhr
1. Volkskonzert:
Johannes Brahms
Preiſe 0 80—2.50 Mk. 19.30
Entlaſſungsfeier
der Dieſterwegſchule
— Heſſiſches Landestheater. Die erſte Wiederholung der mit
roßem Erfolg aufgenommenen Offenbach=Operette
Blau=
dart” in der ſzeniſchen Bearbeitung von Renato Mordo, unter
muſikaliſcher Leitung von Carl Maria Zwißler, findet Samstag,
den 21. März, ſtatt. In den Hauptrollen ſind beſchäftigt:
Satt=
ler, Jacobs, Kuhn, Schocke, Harre, Stralendorf, Vogt, Liebel,
Scheinpflug, Garbe. — Die Sonntag, den 22. März 14.30 Uhr,
ſtattfindende Aufführung des „Lohengrin” wird von Carl
aria Zwißler dirigiert. — In der Gedenkaufführung des
„Torquato Taſſo” zum 99. Todestage Johann Wolfgang
Goethes am Sonntag, den 22. März, führt die Regie Günter
Hae=
nel, das Bühnenbild entwarf Elli Büttner. In den Hauptrollen
ſeter Widmann a. G., Siegfried Nürnberger, Werner. Hinz,
Sybille Schmitz und Inge Conradi. — Es wird darauf
hingewie=
en, daß die am Sonntag, den 22. März, abends, von der
Heſſi=
ſchen Spielgemeinſchaft gegebene Vorſtellung Liebesluſt
dder die weißen Schuhe” erſt um 20 Uhr beginnt. —
Das Opernenſemble arbeitet zurzeit an der Erſtaufführung der
nachgelaſſenen Oper „Turandot” von Puccini. Muſikaliſche
Leitung: Carl Maria Zwißler; Regie: Renato Mordo;
Bühnen=
bild: Lothar Schenck von Trapp. Als nächſte Opern=
Inſzenie=
rung iſt Richard Strauß Ariadne auf Naxos” geplant.
Die muſikaliſche Leitung wird Dr. Karl Böhm übernehmen. Nach
der am Donnerstag, den 26. März, ſtattfindenden Erſtaufführung
er Schülertragödie Der Graue” von Friedrich Forſter, wird
tmann
Zum Konzert in der Stadtkirche.
Im Herbſt des Jahres 1705 wandert der 20jährige Joh. Seb.
Bach, damals Organiſt an der Kirche zu Arnſtadt in Thüringen,
nordwärts. Er will den greiſen berühmten Orgelmeiſter
Nord=
deutſchlands, den 68jährigen Dietrich Buxtehude „
behor=
chen”, bei ihm lernen. Für vier Wochen iſt er beurlaubt, allein
bald zeigt ſich, dieſe Zeit iſt zu kurz, die reichen Anregungen
auf=
zunehmen, und ſo bleibt der werdende Meiſter über die
Advents=
zeit und noch länger in Lübeck; erſt Mitte Februar kehrt er nach
Arnſtadt zurück, wo man ihn zwar vor den Rat zitiert, aber
ſchließ=
lich doch glimpflich behandelt. Buxtehude hat uns eine Fülle
be=
deutſamer Kompoſitionen hinterlaſſen; auch zahlreiche für ſein
eigentliches Inſtrument, die Orgel.
de Waftiſe käitſoden ſol wird efäſdet Acddſin
iſt verhältnismäßig kurz, es umfaßt nur 20 Zwölfachteltakte. Wie
ein Wellenſturz bricht’s herein, in lebhaften Terzen= und
Sexten=
gängen brauſt es auf und nieder, bis im ſiebenten Takt ein
wuch=
tiges Thema aus dem Baß aufſteigt, in gleichlangen Noten g. g.
(, d. ſich ſünfmal wiederholt, indeſſen es in der Höhe
weiterſtürmt die Wellen ſich überſchlagen, durcheinanderſchießen
und emvorhüpfen. Mit dem Uniſonogang es, c. d. g ſchließt das
Spiel. Das Thema der nun folgenden Fuge entwickelt Buxtehude
aus dem Baßthema des Präludiums. Nach einem 23 Takte langen
Zwiſchenſpiel, in dem auf= und abrollende Achtelgänge der linken
Hand mit abgeriſſenen Akkorden der rechten ſich verbinden, folgt
der zweite Teil der Fuge, im ungeraden Takt, deren Thema neu.
aber aus dem vorausgegangenen abgeleitet iſt. Hier findet ſich
eine Kunſt der Stimmführung und eine Originalität der
Har=
monien, dabei eine Innigkeit des Ausdrucks, die aufs höchſte
er=
ſtaunen. Es iſt ein klar durchdachtes, dabei warmbelebtes Bild.
Die ſpäter folgende Sonate in Rs=Dur für 2
Ma=
nuale und Pedal iſt das erſte aus einer Reihe gleichartiger
Stücke, die J. S. Bach in ſeinem 40. Lebensjahr etwa für ſeinen
Sohn Friedemann ſchrieb, „welcher ſich damit zu dem großen
Orgelſpieler vorbereiten mußte, der er nachher geworden iſt.
Man kann von ihrer Schönheit nicht genug ſagen” (Forkel). In
der Tat, es bereitet einen ſeltenen äſthetiſchen Genuß, die drei
Melodien, die ſo ſelbſtändig und frei, dabei doch gebunden durch
die Geſetze muſikaliſcher Schönheit nebeneinander herlaufen, zu
beobachten. Die Sonate hat drei Sätze, die ſich in Tempo (Allegro
moderato, Adagio, Allegro) und Taktart (*= ½= Y=Takt) wohl
voneinander abheben, in ihrem Themenmaterial aber man hes
verwandte zeigen.
Von geradezu unbegreiflicher Größe Schönheit und Gewalt
iſt die am Schluſſe erklingende, einzige Paſſacaglia Bachs
in C=Moll Das „koloſſale” Thema (Alb. Schweitzer)
rhyth=
miſch ſo einfach, nur halbe und Viertelnoten, dehnt ſich über acht
½=Takte aus. Nachdem es im Baß zunächſt allein und leiſe
vor=
getragen worden iſt, erklingt es noch 20mal. davon 5mal auch in
den Oberſtimmen, in immer neuer harmoniſcher Einkleidung, um
danach noch gemeinſam mit einem neuen eigenartigen Gegenthema
zu einer großartigen Fuge verarbeitet zu werden. Mit einem
vielſtimmigen, glänzend wirkenden C=Dur=Akkord ſchließt das
Stück
Die beiden Motetten von Heinrich Schütz, die
der Chor zunächſt ſingt, ſind aus dem im Jahre 1625 erſchienenen
Werk des Meiſters Cantiones Sacrae. Ein Schriftſteller der Zeit
bezeichnet das Jahr der Ausgabe als dasjenige, in dem Schütz
ſich herfürzutun angefangen” habe. Die 40 Motetten dieſer
Sammlung zeugen von ſtarkem Empfinden, von großer Kühnheit
in Harmonie und Rhythmus und einer Unmittelbarkeit des
Aus=
drucks, daß der Hörer von heute, ihr Alter vergeſſend, durch ihre
geradezu moderne Art angezogen und gefeſſelt wird. Ihr Text
findet ſich in Pſalm 5, 2—5, allerdings in anderer Ueberſetzung.
An einer ſpäteren Stelle ſingt der Chor die erſte Motette aus
dem berühmten, den Thomanern gewidmeten Kranz gleicher
Stücke Opus 90 von Arnold Mendelsſohn. Es iſt nicht
ohne Bedeutung, daß derſelbe Text, aus den Meditationen von
Auguſtinus ſtammend, auch von Heinrich Schütz, und ſogar
zwei=
mal vertont worden iſt, einmal in den kleinen geiſtlichen
Kon=
zerten für Alt und Orgel in der gleichen Ueberſetzung des Joh.
Schwayger (drei Betbüchlein des H. Auguſtini, Köln 1585) und
ein zweites Mal in lateiniſcher Sprache in obengenannten
Can=
tiones Sacrae für 4ſtimmigen gemiſchten Chor. Naturgemäß ſucht
der Meiſter unſerer Zeit auch mit deren Mitteln den ſtarken
Ge=
fühlsgehalt der Worte zum Ausdruck zu bringen, durch
Anwen=
dung der Chromatik reicherer Modulation und komplizierterer
Akkordbildungen. Eine ſtark leidenſchaftliche Wirkung iſt die
Folge
Die im Konzert zum Vortrag kommenden Lieder bieten dem
Verſtändnis keine beſonderen Schwierigkeiten. Borngäſſer.
Segelflugzeug „Darmſtadt” über Darmſtadt.
* Geſtern nachmittag wurden erneut Schleppverſuche mit dem
Segelflugzeug „Darmſtadt” unternommen. Vom „Griesheimer
Sand” aus wurde durch den „Schlepper” der Rhön=Roſſitten=
Geſellſchaft die Maſchine bis zu einer Höhe von 2400 Metern
hochgezogen, wo dann Pilot Stark die Leine abwarf und eine
ganze Zeit über der Stadt ſeine Schleifen zog, begleitet von dem
Motorflugzeug. Gegen 5 Uhr verſchwand dann die „Darmſtadt”
in Richtung Frankfurt. Pilot Stark iſt auf dem Flugplatz
Frank=
furt glatt gelandet.
Fraslastenn
baimn Kinkan
schädigt die Wirtschaft
und
vermindert Deine Einkünfte
Landwirtſchaftliche Schule Darmſtadt. Die hieſige
land=
wirtſchaftliche Schule, die in dieſem Winter von 43 Schülern aus
der näheren und weiteren Umgebung von Darmſtadt beſucht war,
hält am kommenden Samstag, dem 21. März, nachmittags 14.30
Uhr, ihre diesjährige Schlußfeier ab. Hiermit verbunden iſt eine
Prüfung der beiden Klaſſen, an die ſich eine Reihe von
Schüler=
vorträgen aus den verſchiedenſten landwirtſchaftlichen. Gebieten
anſchließt. Zur Schulfeier, die im „Rummelbräuſaal” (Rheinſtr.
ſtattfindet, ſind die Angehörigen der Schüler, die „Ehemaligen”,
ſowie alle Freunde und Gönner der Schule herzlichſt eingeladen.
Das Wetter lockt zum Osterputz!
Viele Hausfrauen wissen nicht, daß die wichtigsten Helfer
zum Hausputz, wie Schrnbber, Besen,
Bcheuer-
tücher, besonders aber Hern- und Schmierseite
viel billiger geworden sind. So ist heute schon 1 Schrubber
für 25 ₰ zu haben, Bohnerwachs in der Ptunddose
schon für 489, aber nur in den bekannten
Spezialgeschäften Seifenhans am Schillerplatz u.
4411
Grodhaus am weißen Turm.
— Heſſiſche Spielgemeinſchaft. Am kommenden Sonntag, 22.
März, 19.30 Uhr, kommt Rüthleins „Liebesluſt oder die
weißen Schuhe” zum letzten Male in dieſer Spielzeit zur
Aufführung und ſoll denjenigen unſerer Freunde, die in der
Woche am Theaterbeſuche verhindert ſind. Gelegenheit geben, auch
dieſer letzten Wiederholung den unbeſtrittenen und
durchſchlagen=
den Erfolg zu ſichern, der dem prächtigen Lokalſtück wie auch der
allerſeits anerkannten vorzüglichen Wiedergabe desſelben ſeither
beſchieden war. Der Vorverkauf zu kleinen Preiſen (0,50 bis
3 Mk.) hat begonnen. Eine weitere Wiederholung kann nicht
ſtattfinden, weil ſchon in der kommenden Woche als
Neueinſtu=
dierung, zuſammen mit Rüthleins „Der gute Rat” und Büchners
„Der erſte Hochzeitstag” H. Hohmanns Einakter „Iwwerrumpelt”
erſtmalig durch die Spielgemeinſchaft zur Aufführung gelangt.
— Volkshochſchule. Unſere Mitglieder erhalten zur
Vorſtel=
lung „Liebesluſt oder die weißen Schuhe” am Sonntag im
Kleinen Haus des Landestheaters ermäßigte Karten in
unſerer Geſchäftsſtelle.
v. Zuſtändigkeit der Amtsgerichte. Es ſei darauf hingewieſen,
daß die Wertgrenze für dieſe Zuſtändigkeit mit Wirkung
vom 1. April 1931 auf 800 Reichsmark erhöht iſt.
Geſellenprüfungen Oſtern 1931.
Die Prüfungen finden in dieſer Woche, der
Reichshandwerks=
woche, ihren Abſchluß. Die Herern Prüfungsmeiſter werden auch
an dieſer Stelle darauf aufmerkſam gemacht, die Akten mit den
unterſchriebenen Protokollen an die Geſchäftsſtelle des
Geſellen=
prüfungsausſchuſſes. Luiſenſtraße 40, umgehend abliefern zu
wollen.
Die „Feierliche Ueberreichung der Geſellenbriefe” findet am
Sonntag, dem 29. März 1931, pünktlich 9.45 Uhr, in dem
feſtlich=
geſchmückten großen Saale der Turngemeinde 1846 am
Woogs=
platz ſtatt.
Hierzu ſind außer den Junggeſellinnen und Junggeſellen die
Eltern und Angehörigen, Geſellen, Lehrer, Meiſter und alle die
für unſere Beſtrebungen ein Intereſſe zeigen, aufs herzlichſte
ein=
geladen.
Der Eintritt iſt für jedermann frei, doch wird um pünktliches
Erſcheinen gebeten, da mit Beginn der Feier, um Störungen zu
vermeiden, die Türen geſchloſſen werden. (Näheres noch
in den Anzeigen.)
Die Geſellenſtücke und Arbeitsproben waren ſchon in der
Ausſtellung im Saalbau vertreten und haben in Verbindung mit
den Ausſtellungen der Gewerblichen Schulen gezeigt, daß man
beſtrebt iſt, unſerer Jugend ein ſcharfes Rüſtzeug mit auf ihren
ferneren Lebensweg zu geben, um in dem ſchweren Kampf, der
ihnen noch bevorſteht, gerüſtet zu ſein.
Ausſtellung von Handarbeiten der Nähſchule (Tabeaſchule)
des Diakoniſſenhauſes Eliſabethenſtift Darmſtadt. Die Nähſchule
des Eliſabethenſtiftes veranſtaltet am Sonntag, den 22. März. in
ihren neuhergeſtellten Schulräumen (Eliſabethenſtift, Eingang
Stiftſtraße 16) eine Ausſtellung von Schülerarbeiten des
vergan=
genen Schuljahres. Zur Beſichtigung gelangen Kleider, Mäntel,
Weißzeug und Handarbeiten. Jedermann — vor allem auch die
früheren Schülerinnen — iſt dazu herzlich eingeladen. Der
Ein=
tritt iſt frei Beſuchszeit vorm. 11.15 Uhr bis 1 Uhr und nachm.
12.30 bis 5 Uhr.
— Orpheum. Die ausgezeichneten Operetten=Gaſt=
Vorſtel=
lungen des Berliner Metropoltheaters (Rotter=Bühnen) erfreuen
ſich infolge ihres hohen künſtleriſchen Niveaus ſtärkſten Zuſpruchs
und größter Anerkennung von Seiten der Beſucher.
Kammer=
ſänger Hans Gredingers unübertreffliche Glanzleiſtung in der
Rolle des Prinzen Sou=Pong findet allgemeine Bewunderung.
Die Aufführungen werden an den nächſten Abenden fortgeſetzt.
Sonntag ſind zwei Vorſtellungen nachmittags 4 und abends
8 Uhr. Für die Nachmittag= (Volks= und Fremden=Vorſtellung)
gelten ganz kleine Preiſe von 60 Pfg. an. In beiden
Vorſtel=
lungen die ungekürzte Darbietung. Karten im Verkehrsbüro und
bei de Waal. Umtauſch der Plakat=Vorzugs= und Rundfunk=
Karten nur Ernſt=Ludwigsſtraße 14, Laden (vormals Radio=
Boß=
ler). Siehe Anzeige.
— Turngemeinde Beſſungen 1865 E. V.. Darmſtadt. Am
Samstag, dem 21. März, abends, findet im Kneipſaal die erſte
Monatsverſammlung im neuen Vereinsjahr ſtatt. Neben
ge=
ſchäftlichen Mitteilungen wird Herr Kapitän von Senden einen
intereſſanten Lichtbildervortrag halten, betitelt: „Eine
Wande=
rung durch die Bremen und Europa während der Fahrt von
Bremen nach New York‟. Daß Herr Kapitän von Senden ein
vorzüglicher Redner iſt und ſeine Zuhörer zu feſſeln weiß,
be=
darf keines beſonderen Hinweiſes. Die neueſten techniſchen
Er=
rungenſchaften, die beim Bau dieſer Schiffe Verwendung fanden
und die in dieſem Vortrag gezeigt werden, dürften für jeden von
großem Intereſſe ſein. Darum Turner und Turnerinnen, folgt
zahlreich und pünktlich der Einladung der Kneipwarte.
— Evangeliſche Wohlfahrtspflege, ihre Gegenwartsaufgaben
und Gefahren. Der kommunalpolitiſche Ausſchuß des
Evangeli=
ſchen Zweckverbandes veranſtaltet ſeinen dritten Vortragsabend
am kommenden Montag, dem 23. März, abends 8 Uhr, im
Ge=
meindehaus, Kiesſtraße 17. Ueber das Thema der Ueberſchrift
wird der Direktor der Inneren Miſſion, Pfarrer Röhricht.
be=
richten. Bei der letzten Vortragsveranſtaltung referierte Frau
Regierungsrat Keller über kommunale Wohlfahrtsarbeit. Es
be=
ſtand der Wunſch dieſes Thema auch unter dem Geſichtspunkt der
freien Wohlfahrtspflege nochmals behandeln zu laſſen. Die
evangeliſche Bevölkerung, die in ſteigendem Maße an
kommunal=
politiſchen Fragen teilnimmt, iſt zu dieſem Vortrag herzlich
ein=
geladen.
dien Oie Vorsiehtig
Palmolige-Teint kommt nur von Palmolige-Seife
ZAHLLOSE FRAuEN verdanken die
Schön-
heit ihres jugendlich frischen Teints dem
ständigen Gebzauch von PALMOLIVE.Seife,
denn PALMOLIVE ist eine Wohltat auch für
die empfndlichste Haut.
PALMOLIVE-Seife besteht aus Palmen-,
Oliven- und Kokosnußölen. Ihre sorgsame
Zusammenstellung ist das Ergebnis eines
60 Jahre langen Seifenstudiums.
Deshalb ist PALMOLIVE.- Seife nichr mit
PALMOLIVE-Nachahmungen zu verwechseln.
Wie wir hören, glauben aber viele Frauen,
daß Seifen, die in ihrer äußeren Auffachung
PALMOLIVE ähnlich gehalten sind, auch von
PALMOLIVE hergestellt werden. Das ist aber
ein Irrtum. Lassen Sie sich nicht irreführen
— verlangen Sie immer die echte PALMOLIVE-
Seife. Palmolive G. m. b. H., Berlin SW11.
Seite 6
Freitag, den 20. März 1931
Nummer 79
für gebrauchke Krafkfahrzeuge und Ausffellung
Bo7 Aujg=Zubehör und =Bedarf.
Nicht mit Unrecht herrſcht noch vielfach eine gewiſſe Skepſis
bei der Anſchaffung eines gebrauchten Wagens, denn der Käufer
hat für Preiswürdigkeit und Betriebsſicherheit des Objektes
häu=
fig keine Gewähr. Nunmehr haben ſich die Autohändler
Darm=
ſtadts, dem Beiſpiele vieler anderer Städte des Reiches folgend,
entſchloſſen, auch in Darmſtadt eine großzügige Verkaufsmeſſe für
gebrauchte Kraftfahrzeuge zu veranſtalten. Wie wir hören, iſt es
gelungen, als Ausſtellungshalle die Feſthalle der Stadt in der
Rheinſtraße für die Durchführung der Meſſe zu mieten. Als
Dauer dieſer Veranſtaltung iſt die Zeit von 21. bis 25. März d. J.
in Ausſicht genommen.
Um dem Intereſſenten von vornherein eine Garantie für
Preiswürdigkeit und Betriebsſicherheit des Fahrzeuges zu geben,
haben ſich ſämtliche Ausſteller verpflichtet, ihre zur Meſſe zu
brin=
genden Fahrzeuge, darunter Motorräder, Perſonenwagen, Liefer=
und Laſtkraftwagen, von gerichtlich vereidigten Taxatoren
taxie=
ren zu laſſen. Der Taxwert wird an jedem Wagen ſichtbar
an=
gebracht. Er ergibt ſich aus Beſchaffenheit von Maſchine,
Karroſ=
ſerie, Zubehör und Marktgangigkeit des Wagens.
Ganz beſonderes Intereſſe wird ein zur Ausſtellung und zum
Verkauf zu bringendes Flugzeug erregen.
Die Darmſtadter Autovertretungen werden ca. 80 bis 100
Fahrzeuge zum Verkauf ſtellen, um das Publikum daran zu
ge=
wöhnen, ſich auch beim Kauf von gebrauchten Kraftfahrzeugen
an die hier anſäſſigen Automobilhändler zu wenden.
Um die Meſſe möglichſt originell zu geſtalten und dem Auto
neue Freunde gewinnen zu helfen, hat die Leitung der Automeſſe
ſehr beachtliche Preiſe für die Beſucher ausgeſetzt. Jedoch muß die
Preisverteilung noch von der Genehmigung der zuſtändigen
Be=
hörde abhängig gemacht werden.
Reſtaurationsbetrieb ſowie muſikaliſche Darbietung ſollen
die=
ſer Ausſtellung ein beſonderes Gepräge verleiben.
Informatoriſch ſoll durch dieſe Meſſe nicht nur den
Kauf=
intereſſenten, ſondern auch den Fahrzeugbeſitzern
Gelegenheit gegeben werden, an den hier ausgeſtellten taxierten
Wagen den augenblicklichen Wert ihres eigenen Wagens zu
er=
meſſen. Im übrigen können auch Privatbeſitzer von Motorrädern
und Wagen — allerdings nur durch Darmſtädter
Händler — ihre Fahrzeuge zum Verkauf ausſtellen.
* Ueber Nutzen und Gefahren freiwilliger Gefangenenfürſorge ſprach
geſtern abend im dichtbeſetzten Saale des Mozartvereins (Schulſtraße)
auf Einladung des Deutſch=Evangeliſchen Frauenbundes Frau von
Korber, eine Dame, die auf dem Gebiet der Gefangenenfürſorge
be=
reits ſehr erfolgreich tätig war und heute noch iſt, und die beſonders
durch ihr ergreifendes und feſſelndes Buch „Menſchen im Zuchthaus”
bekannt iſt. Das Problem der Gefangenenfürſorge iſt von ſo
weitgehen=
der Bedeutung, daß ſeine Löſung auch von Staats wegen mit
Nach=
druck erſtrebt wird. Den entlaſſenen Gefangenen, der ſeine
Freiheits=
ſtrafe abgebüßt hat, wieder als brauchbares Glied in den Arbeitsprozeß
einzureihen, wird mit Recht als erfolgreichſter Damm gegen Rückfall
in neue Verbrechen angeſehen. Allerdings darf dieſe
Wiedereingliede=
rung oder Arbeitsbeſchaffung nicht auf Koſten freier, unbeſtrafter
Ar=
beitskräfte geſchehen. Die Ausführungen der Vortragenden, die mit
Energie natürliche menfchliche Wärme und Herzensbildung vereinigt,
verfehlte auf den Zuhörerkreis ihre tiefe Wirkung nicht. Ausgehend von
dem heutigen Beſtreben eines humanen und erziehlichen Strafvollzug3
in den Gefängniſſen, kam Rednerin auf die ſchweren Pflichten der
Auf=
ſichtsbeamten zu ſprechen, erläuterte den Begriff des Stufenſtrafvollzugs,
durch den dem ſich gut führenden Gefangenen Erleichterungen gewährt
werden, die innerhalb der Strafanſtalten beſtimmte Bedeutung haben.
Sie ſchilderte dann das „Kennenlernen” der Gefangenen durch die
ſpä=
teren Fürſorger ſchon während der Strafverbüßung und beleuchtete das
ſchwierige Problem der Arbeitsbeſchaffung nach der Entlafſung. Da ein
Gefangener den Staat 1700 Mark pro Jahr koſte, 90 Millionen Mark
allein für den Strafvollzug (ohne Gerichtskoſten uſw.) ausgeworfen
wer=
den, ſei es Pflicht, die Kriminalität möglichſt herabzumindern.
Erfah=
rene Pädagogiker, Bibliotheken in den Strafanſtalten, Nachmittags= und
Abendausſprachen vermögen günſtig auf die Gefangenen einzuwirken.
die nach der Entlaſſung einmal durch ſtaatliche, fgchlich geprüfte
Für=
ſorger, wie in Sachſen und Thüringen, und zum anderen durch
freiwil=
lige ehrenamtliche Helfer und Helferinnen betreut werden müſſen. Nur
wenn die intenſive Weiterbetreuung durch warmherzige, charakterſtarke
und aufopfernde Perſonen erfolgt, die ſich der ſchweren Aufgaben voll
bewußt ſind, iſt ein Erfolg dieſer Tätigkeit geſichert. Rednerin ſchildert
in ihrer lebendigen und feſſelnden Art die Tätigkeit der freiwilligen
Helfer anſchaulich an eigener Arbeit in diefer Richtung. Sie verkennt
nicht die Gefahren der Entlaſſenenfürſorge, die ſie in zu primitiven
äußeren Mitteln, im „fahrläſſigen Handeln”, z. B. durch Betreuenwollen
vollkommen fremder Strafentlaſſenen ohne vorherige genaue
Infor=
mation bei der Strafanſtalt und in pädagogiſcher Unkenntnis ſieht. Die
Erforſchung und Erkennung des kriminellen Menſchen iſt die
Vorbe=
dingung für richtige, erfolgreiche Gefangenenfürſorge. Die
Ausführun=
gen wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Die 2. Vorſitzende
des Deutſch=Evangeliſchen Frauenbundes, Frau Brill, die wegen
Er=
krankung der 1. Vorſitzenden die Verſammlung leitete und die Zuhörer
im Namen der 20 angeſchloſſenen Frauenvereine anfangs herzlich
will=
kommen geheißen hat, gab dieſem Beifall nochmals beredten Ausdruck. * *
— Der gute Beſuch der Freitag=Vorträge im Heaghaus
be=
kundet das große Intereſſe, das von vielen Hausfrauen der
elek=
triſchen Küche entgegengebracht wird. Auch heute abend
8 Uhr findet wiederum ein derartiger Vortrag
ſtatt, der insbeſondere das Zubereiten von Braten uſw
be=
handeln wird. Jede Hausfrau kann ſich an Hand der
Kochvor=
führungen ſelbſt davon überzeugen, daß beim elektriſchen Kochen,
Braten und Backen die Arbeit auf ein Minimum beſchränkt iſt,
ſowie Sauberkeit und Bequemlichkeit nicht übertroffen werden
können. Man könnte noch eine große Anzahl weiterer Vorzüge
der elektriſchen Küche anführen, aber einleuchtender als alles
andere iſt der Beſuch eines derartigen Vortrages, der jeder
Haus=
frau eine Anregung geben wird, wie man ſich mit Hilfe der
Elek=
trizität die Arbeit erleichtern kann.
Einbruchsdiebſtahl. In der Nacht vom 17 zum 18. März
1931 wurde in eine Wirtſchaft in der Grafenſtraße eingebrochen
und folgendes geſtohlen: Nach Erbrechen einer Kaſſe und eines
Bajazzoapparates erbeuteten die Diebe einen kleineren
Bar=
betrag, ferner zirka 500 Zigaretten, Marke Mercedes. Eckſtein,
Ravenklau, Manoli, Kyriatzi, Overſtolz und Salem. 4 Kartenſpiele
und einige Pfund Wurſt= und Fleiſchwaren. Wahrnehmungen
irgendwelcher Art oder ſonſtige Anhaltspunkte hinſichtlich dieſes
Diebſtahls wolle man bitte bei der Kriminalpolizei, Hügelſtraße
31/33, mitteilen.
Vorſicht. Wechſelgeldſchwindler bei der Arbeit. Am 11.
März 1931 erſchien in einer größeren ſüddeutſchen Nachbarſtadt in
zwei Geſchäften ein Unbekannter, gab bei Einkauf von Waren
einen Fünfzigmarkſchein in Zahlung, und ſtellte ſich, als ihm auf
10 Mark herausgegeben wurde, als ob er ſich entfernen wolle.
Auf den Hinweis der Kaſſiererin, daß er noch 40 Mark bekomme,
erklärte er dann ſcherzend, da hätte man ihn ja beſchwindeln
kön=
nen. Er habe geglaubt, einen 10=Markſchein hingegeben zu haben.
Darauf bat er um Zurückgabe des 50=Markſcheines, nachdem er
das Wechſelgeld ſchon eingeſteckt hatte, und wollte kleine
Geld=
ſcheine in einen 100=Markſchein umgewechſelt haben. Er legte
da=
bei 5 Zehnmarkſcheine und den 50=Markſchein auf den Tiſch und
nahm einen 100=Markſchein in Empfang, ohne daß die
Kaſſiere=
rinnen den Schwindel bemerkt hätten. Beſchreibung: 35 bis 40
Jahre alt, etwa 1,75 Meter groß, ſchlank, längliches, bleiches
Ge=
ſicht mit auffallenden Längsfalten, dunklen Mantel.
Kreiskonferenz des Kreiſes Darmftadi.
Reichsbund der Kriegsbeſchädigken, Kriegskeilnehmer
und Kriegerhinkerbliebenen.
— Eingeleitet wurde die Tagung durch zwei gemiſchte Chöre der
Ar=
beiterſport= und =Sängerbereinigung Gräfenhauſen, unter Leitung von
Herrn Rektor Strack. Auweſend waren 27 Delegierte, darunter fünf
Frauen. Dieſe Delegierten vertreten 18 Ortsgruppen mit 1900
Mitglie=
dern. Die Gauleitung war vertreten durch die Kameraden Seibert und
Tauer. Die von Kamerad Storck=Arheilgen zur Verleſung gebrachten
Protokolle ergaben keinerlei Beanſtandungen. Dem Kreiskafſierer,
Ka=
merad Feuerbach=Griesheim, wurde nach erſtattetem Kaſſenbericht
ein=
ſtimmig Entlaſtung erteilt. Der nachdem erſtattete Geſchäflsbericht des
Kreisvorſitzenden, Kamerad Anton Pritſch=Eberſtadt, war überaus
reich=
haltig, und zeugte von mannigfacher und erſprießlicher Arbeit des
Kreisvorſtandes. Wie allen Bundesinſtanzen iſt auch dem Kreisvorſtand
durch die wirtſchaftlichen Verhältniſſe im letzten Jahre eine ungeheure
Arbeitslaſt erwachſen. In mehreren Kreisvorſtandsſitzungen und zwei
Kreisverſammlungen wurde zu allen Verſorgungs= und Fürſorgefragen
eingehend Stellung genommen. Ein außerordentlich großer
Schriftver=
kehr zeugt von der ſtarken Inanſpruchnahme der Kreisleitung im
Ver=
kehr mit den Verſorgungs= und Fürſorgebehörden. Erheblich war auch
die Zahl der perſönlichen Vorſprachen bei genannten Behörden. Auch
war es bei der intenſiven Mitarbeit der Kreisleitung möglich, einem
großen Teil der Mitglieder von den Spruchbehörden zu ihrem Rechte zu
verhelfen. Im übrigen wurden noch zahlreiche Anregungen gegeben, die
für die Zukunft durch die Funktionäre verwendet werden können.
Der erſtattete Geſchäftsbericht des Kreisvorſitzenden wurde von der
Verſammlung voll anerkannt und gewürdigt. In den Kreisvorſtand
wurden ſieben Mitglieder gewählt, darunter zwei Frauen. Die
Kreis=
leitung liegt, wie bisher, in den Händen des Kameraden Pritſch=
Eberſtadt.
In einer am Nachmittag ſtattgefundenen öffentlichen Verſammlung
ſprach der Gauleiter, Kamerad Tauer, über das Thema „Die beiden
Notverordnungen und unſere neuen Forderungen bezüglich der
Kriegs=
opferverſorgung” Zu dieſer Verſammlung hatte ſich ein ſtattlicher
Zu=
hörerkreis aus den umliegenden Ortsgruppen eingefunden. Die
Aus=
führungen des Kameraden Tauer waren ſehr treffend und dürften
zwei=
felsohne die Beachtung aller Zuhörer gefunden haben.
— Ausſtellung der Näh= und Haushaltungsſchule der Barmh.
Schweſtern, Nieder=Ramſtädter Straße 30. Wie alljährlich, ſo
findet auch dieſes Jahr am 21. 22. und 23. März eine
Ausſtel=
lung der Arbeiten unſerer Näh= und Haushaltungsſchule ſtatt,
wozu wir freundlichſt einladen. Wer ſich von den Leiſtungen
unſerer Schulen überzeugen will, verſäume es nicht, einen Gang
durch unſere Ausſtellungsräume zu machen. Gerade in der
heu=
tigen Zeit, die alle Bedürfniſſe an Kleidung und Wäſche in den
Kaufhäuſern deckt, freuen wir uns darüber, daß unſere Mädchen
doch noch nicht allen Sinn für die Selbſtherſtellung einer im
Haushalt notwendigen Wäſche verloren haben. Lohnend iſt auch
die Beſichtigung der Koch= und Backwaren. Die Ausſtellung zeigt
auch, daß neben der praktiſchen Ausbildung der Schülerinnen auch
das Gemüt und der Sinn für echte Häuslichkeit liebevolle Pflege
finden. Die Ausſtellung iſt durchgehend von morgens 9 bis abends
7 Uhr geöffnet.
— Auf die Film=Morgenfeier im Helia=Theater am Sonntag,
vormittags 11½ Uhr, in der „Nordland — Odins Paradies”
un=
widerruflich letztmalig vorgeführt wird, ſei an dieſer Stelle
noch=
mals hingewieſen. Jugendliche haben Zutritt. Vorverkauf an der
Tageskaſſe.
— Helia. Heute findet im Helia die Erſtaufführung der
Ton=
film=Operette „Die Förſterchriſtl” ſtatt. Regie: Friedrich Zelnik,
in den Hauptrollen Irene Eiſinger von der Staatsoper Berlin
(Förſterchriſtl), Paul Richter (Kaiſer Joſef), André Pilot (
Föl=
deſſy), Oskar Karlweiß (Mozart), Tibor v. Halmy (Walperl),
Pauk Hörbiger, Adele Sandrock u. a. Friedrich Zelniks „
Förſter=
chriſtl” war ſchon als ſtummer Film ein ungewöhnlicher Erfolg.
Daran iſt nicht nur die alte Buchbinder= und Jarnoſche Operette
ſchuld, die ſich von jeher großer Popularität erfreut hat, ſondern
in erſter Linie der volkstümliche Stoff. Die Muſik iſt von Bruno
Granichſtaedten unter Verwendung Mozartſcher Melodien
kom=
poniert. Dazu wieder ein köſtlicher Mickyfilm „Micky auf dem
Witwenball” und das gute Beiprogramm.
— Das neuzeitliche Büro. Unter dieſem Gedanken
veran=
ſtaltet der Deutſchnationale Handlungsgehilfen=Verband
zuſam=
men mit führenden Mainzer und Frankfurter Firmen in der Zeit
vom 21. bis 23. März 1931, in ſeinem Haus der
Kaufmanns=
gehilfen, Auf der Baſtei 1, eine Ausſtellung. Die
Aus=
ſtellung iſt geöffnet am Samstag, von 15 bis 20 Uhr und Sonntag
und Montag von 11 bis 20 Uhr. Zur Ausſtellung gelangen eine
Anzahl der verſchiedenen Syſteme von Rechen= und
Schreibma=
ſchinen, ſchreibende Addier= und Buchungsmaſchinen Briefſchluß=
und Frankiermaſchinen, Adreſſiermaſchinen. Vervielfältigungs= u.
Schnelldruckapparate, Karteien= und Regiſtriereinrichtungen,
Büromöbel und ſonſtige Büroeinrichtungsgegenſtände und
Hilfs=
mittel. Der Eintritt iſt frei.
Prassel-Kaffee
Nff
frisch geröste
Sohnlstr. 10
Lokale Veranfkalkungen.
Oſe Hierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu beirachten.
in keinem Faile irgendwie als Beſprechung oder Kritil
— Chriſtlicher Verein Junger Männer e. V.,
Darmſtadt. Alexanderſtraße 22 (Inf.=Kaſerne). Am
kommen=
den Sonntag, abends, ſpricht Herr Studenrat Knöpp in unſerem
Familienkreis über das Thema: Warum der Kreuzestod Jeſu?
Wir laden dazu Freunde und Gäſte herzlich ein. Beſondere
Ein=
führung iſt nicht erforderlich. — Wir weiſen auch noch einmal auf
die Paſſions=Feierſtunde in der Martinskirche morgen Samstag,
hin, in der das Leipziger Soloquartett für Kirchengeſang ſingt.
Aus den Parkeien.
Deutſche Volkspartei Ortsgruppe. Die für
heute, Freitag, den 20. März, angeſetzte Mitgliederverſammlung
mußte, wie bereits mitgeteilt, verſchoben werden. Sie findet
nun=
mehr am Freitag, den 2 7. Marz, abends 8½ Uhr im
Gel=
ben Saal bei Sitte,, Karlsſtraße, ſtatt. Unſer neuer
Landtags=
abgeordneter, Regierungsrat a. D. Fabrikant Heyne=Offenbach,
wird Gelegenheit nehmen, ſich den Darmſtädter Parteifreunden
vorzuſtellen und über das Thema „Privatwirtſchaft und
Gemein=
wirtſchaft” ſprechen. Sein Vortrag dürfte ſehr viel Intereſſantes
bringen. Wir bitten die Mitglieder um zahlreiches Erſcheinen;
die Einführung von Gäſten iſt erwünſcht.
— Provinzialparteitag der Staatspartei in
Oberheſſen. Im Anſchluß an ein Referat des
Generalſekre=
tärs Dr. Neubauer=Darmſtadt über Organiſationsfragen ergab die
anſchließend erfolgte Neuwahl des Provinzialvorſtandes die
ein=
ſtimmige Wiederwahl von Schulrat Fiſcher=Gießen; Stellvertreter
wurde Oberamtsrichter Dr. Andreae=Ortenberg. Die politiſche
Ausſprache wurde eingeleitet durch ein Referat des Vorſitzenden
der ſtaatsparteilichen Reichstagsfraktion. Dr. Weber=Berlin.
Seine Ausführungen gipfelten in einem temperamentvollen
Appell zur Rückkehr zu einem ſtärkeren Solidaritätsgefühl des
deutſchen Volkes.
* Schwurgerichk.
Aw. Ein Leben voll größter Tragik wird am Donnerstag vor dera
Schwurgericht aufgerollt. Eine ganz junge Frau aus Offenbach,
eben 23 Jahre alt, ſitzt mit blaſſem, müdem Geſicht, des Totſchlags
angeſchuldigt, auf der Anklagebank. Mit ſechs Jahren kam das kleine
Mädchen, deſſen Vater gleich zu Beginn des Krieges gefallen war, in
das Verſorgungshaus in Offenbach, wo es bis zur Schulentlaſſung mit
14 Jahren blieb. Es kam dann auf ein Gur in Stellung, doch holte es
die Mutter auf inſtändiges Bitten des Mädchens zu ſich, und ſie
ver=
diente ſich ihren Lebensunterhalt als Arbeiterin in einer kleinen Fabrik.
In dieſer Fabrik lernte ſie mit 15 Jahren ihren Mann kennen. Mit
16 Jahren bekam ſie ein Kind von ihm, und ſie wollten auch heiraten.
doch bekam der Mann, da er noch nicht volljährig war, dazu keine
Er=
laubnis. Nach 2 Jahren heirateten ſie dann, und bekamen im Laufe
der Zeit noch 3 Kinder. Der Mann war ſtändig arbeitslos, ſo daß die
Familie von der Unterſtützung leben mußte. Anfangs ging die Ehe
gut, doch begann der Mann bald den Wirtshäuſern regelmäßige
Be=
ſuche abzuſtatten, und wenn er betrunken nach Hauſe kam, ſchlug und
beſchimpfte er die Frau. Die Frau, die darunter außerordentlich litt,
fing an, ihr Herz einem Freund ihres Mannes, der öfters ins Haus
kam, auszuſchütten, ihr Herz, das ſie ihm bald ganz ſchenkte. Als ſie
im Auguſt vorigen Jahres nach der Geburt des 4. Kindes im
Kranken=
haus lag, erwiſchte ihr Mann eines Tages Liebesbriefe dieſes
Freun=
des, und nun begann das Martyrium erſt recht. Täglich fragte er ſie
über das Verhältnis aus täglich ſchlug er ſie, das Kind hielt er für
das Kind ſeines Freundes. Bis eines Tages die Frau ſo verzweifelt
war, daß ſie kurzerhand den Gashahn öffnete, um aus dem Leben zu
ſcheiden. Die älteren Kinder ſchickte ſie fort, das jüngſte wollte ſie
mit=
nehmen, weil es ja noch ſo klein und hilflos war, und das Leben ihm
ſohl nichts Schönes bringen würde. Die Frau wurde betäubt
auf=
gefunden und ins Krankenhaus gebracht, wo ſie wieder zum Leben
zurückkehrte. Das Kind war tot. Im Krankenhaus flehte der Mann
ſeine Frau an, die ganze Sache auf einen Unglücksfall zu ſchieben, „da
er ſonſt drankäme‟. Doch die Vorwürfe und Mißhandlungen nahmen
kein Ende, bis er eines Tages, im Januar dieſes Jahres, ſo weit war,
daß er ſeine Frau mit dem Beil bedrohte. Sie entriß ihm das Beil und
lief aus dem Zimmer, er zog ſein Meſſer aus der Hoſentaſche und lief
ihr nach, bis ſie in ihrer Angſt ihm das Beil auf den Kopf ſchlug. Auf
der Polizei erzählte ſie alles. Sie erzählte auch, daß der Vorgang im
November kein Unglücksfall war, und ſie bat, ſie in Haft zu nehmen,
da ſie Angſt vor dem Mann habe. Es ſind nur wenige Zeugen da, die
der Frau ein gutes Zeugnis ausſtellen, und der Mann verweigert die
Ausſage. In Würdigung der ganzen Umſtände beantragt der
Staats=
anwalt wegen Totſchlags unter Anerkennung mildernder Umſtände 10
Monate Gefängnis. Die Mindeſtſtrafe glaubt er nicht beantragen zu
können, da doch das unſchuldige Kind ſein Leben habe laſſen müſſen.
Der Verteidiger beantragt die Mindeſtſtrafe, denn der moraliſch
Schul=
dige ſei doch der Mann, und daß die Frau das hilfloſe Kind mit in
den Tod habe nehmen wollen, ſei eine Tat der Mutterliebe, die das
Kind vor einem gleichen unglücklichen Los habe bewahren wollen. Er
beantragt weiter Aufhebung des Haftbefehls, damit die Frau, die ſich
mittlerweile mit ihrem Mann ausgeſöhnt habe und zudem wieder ein.
Kind von ihm erwarte, wieder heimgehen könne. Auch die
Unter=
ſuchungshaft bittet er in vollem Umfange anzurechnen. Das Gericht
erkennt gemäß dem Antrag des Verteidigers auf die Mindeſtſtrafe von
6 Monaten Gefängnis, unter Anrechnung mildernder
Um=
ſtände und Aufhebung des Haftbefehls. Die Unterſuchungshaft wird
voll angerechnet. Der Vorſitzende berſäumt nicht, dem Mann noch
ein=
mal energiſch ins Gewiſſen zu reden, ſeiner Frau das Leben nun etwas
leichter zu machen, und der Mann bietet ſich auch an, es zu „
unter=
ſchreiben”, doch darf man die Hoffnung wohl nicht allzu hoch fliegen
(aſſen, denn er beeilt ſich nicht allzu ſehr, Reue oder Freundlichkeit zu
bezeigen.
Zu Beginn der Sitzung wurde das Urteil gegen den
Befſun=
ger Bäckermeiſter und die beiden Dienſtmädchen wegen
Meineids verkündet: Das erſte Mädchen erhält unter
Aner=
kennung mildernder Umſtände wegen Meineids in einem
Fall ein Jahr Zuchthaus. Das Gericht iſt auch bereit, ein
Gnadengeſuch um Umwandlung in eine Gefängnisſtrafe und
Ermäßi=
gung zu befürworten. Das zweite Mädchen erhält wegen
Meineids in zwei Fällen eine Zuchthausſtrafe von
einem Jahr und einem Monat, und der Bäckermeiſter erhält
wegen Anſtiftung zum Meineid in zwei Fällen eine
Zuchthausſtrafe von einem Jahr und ſechs Monaten.
Das Gericht ſieht alle drei Angeklagten durch die Verhandlung am
Mon=
tag als überführt an. Es gibt auch der Ueberzeugung Ausdruck, daß
der Bäckermeiſter der Hauptſchuldige ſei, der die beiden Mädchen ins
Unglück geſtürzt habe. Den Mädchen werden die bürgerlichen
Ehren=
rechte auf je zwei Jahre, dem Bäcker auf fünf Jahre aberkannt, dazu
für alle drei dauernde Eidesunähigkeit.
Wer iſt der Finder? Am 19. März 1931, um 11 Uhr
vor=
mittags, iſt in dem Kaufhaus Ehape in der Rheinſtraße ein Bild
mit breitem Goldrahmen irrtümlich zurückgelaſſen und von einer
fremden Perſon mitgenommen worden. Das Bild iſt 36X27
Zentimeter groß und trägt eine Widmung von Eberſtädter
Schul=
kindern für ihren Rektor. Die Widmung iſt mit ſchwarzer Tuſche
aufgeſchrieben. Das Bild hat einen Wert von 70 Mark. Es
han=
delt ſich um ein Aquarell, den Frankenſtein darſtellend. In der
rechten unteren Ecke befindet ſich der Name des Malers „H.
Zer=
nin‟. Die betreffende Perſon, die das Bild an ſich genommen hat,
wurde bei der Kriminalpolizei nach Alter und Kleidung genau
beſchrieben. Da zunächſt nur angenommen werden kann, daß die
betreffende Perſon das Bild gefunden hat, wird erſucht, es
um=
gehend bei dem Fundbüro des Polizeiamts, Hügelſtraße 31/33,
gegen den geſetzlichen Finderlohn abzuliefern, andernfalls
Straf=
anzeige erhoben werden wird.
Hundeſteuer 1931. Das 1. Ziel iſt nach der heutigen
Be=
kanntmachung im Inſeratenteil, hei Meidung der Beitreibung und
Koſtenberechnung, bis zum 31. März 1931 an die Stadtkaſſe,
Gra=
fenſtraße 28, zu zahlen.
Tageskalender für Freitag, den 20. März 1931.
Heſſiſches Landestheater, Großes Haus, Anfang 20
Uhr, Ende 22,15 Uhr: „Wozzeck”., D 19. — Kleines Haus.
An=
fang 20 Uhr: Kundgebung des Kulturkartells der
Sozialdemo=
kratiſchen Partei. Unkoſtenbeitrag 50 Pfg. — Orpheum.
20.15 Uhr: „Das Land des Lächelrs”. — Konzerte: Zur
Oper Schloßkeller Datterich. Zum Tropfſtein. —
Kinovor=
ſtellungen: Union= Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.
Vorträge; abends 20,15 Uhr in der Woogsturnhalle: Das
Handwerk ruft zur Tat; vorgetragen von W. Schmidt.
Abends 20,15 Uhr Städt. Akademie f. Tonkunſt: Pfarrer W.
Salewſki: „Gedanken zur Weltaufgabe d. Dtſch. Geiſtes”
Abends 20 Uhr, Heag=Haus. Luiſenſtr. 12: Frl. Hellwia: Die
elektriſche Küche! — Schüleraufführung. abds. 20 Uhr
im Ldwa.=Georgs=Gymnaſium: „Das Hausgeſpenſt oder
Abra=
cadabra‟,
Kottesdienſt der iſrae litiſchen Religionsgemeind:,
Hauptſynagoge (Friebri hſtraße)
Freitag, den 20. März: Vorabendgottesdienſt 6 Uhr 15 Min=
Samstag, den 21. März: „Morgengottesdienſt 8 Uhr 42 Mm;
Sabbatausgang 7 Uhr 25 Min
Gottesdienſt an den Wochentagen.
Morgens 7 Uhr — Nin. — Abends 6 Uhr — Min=
Gebetszeiten in der Synagoge der Fſraelitiſhen Religionsgeſellſchaft.
Samstag, den 21. März: „Vorahend 6 Uhr 05 Min Morgens
7 Uhr — Min — Nachmittags 4 Uhr. — Min. Sabbatausgang
8 Uhr 25 Min.
Wochentags: Morgens 6 Uhr 15 Min. — Nachm. 6 Uhr — Min;
Uerhe Tübe /M ½
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Rt. Tübe RM 98 0 70
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 79
Freitag, den 20. März 1931
Seite 7
Aus Heſſen.
Fritz Horn, Direkkor bei der Reichsbahn i. R.,
in Mainz †.
Dieſer Tage iſt der Direktor bei der Reichsbahn i. R. Horn nach
kurzem, ſchwerem Leiden verſchieden. Am Donnerstag nachmittag
wurde der Verſtorbene, der erſt am 1. September 1330 in den
Ruhe=
ſtand getreten war, unter ungeheurer Beteiligung weiteſter Kreife auf
dem Friedhofe in Mainz zu Grabe getragen. Die Trauerfeier war eine
machtvolle Kundgebung für das hohe Maß von Anſehen und
Beliebt=
heit, deren ſich der Heimgegangene nicht nur in ſeinen Berufskreiſen,
ſondern weit darüber hinaus in allen Schichten der Bevölkerung
er=
freute. Die Trauerfeier wurde durch die Grabrede des Herrn Pfarrers
Zilles aus Seligenſtadt, einem Neffen des Verſtorbenen, eingeleitet.
Hierauf brachte Herr Reichsbahndirektionspräſidet Lochte im Namen
ber Reichsbahnverwaltung die wehmütigen Empfindungen zum Ausdruck,
die die Angehörigen des engeren Berufskreiſes des Verblichenen an
ſeinem Grabe bewegen. Er wies auf die Verdienſte hin, die ſich der
Verſtorbene um die Entwicklung der Reichsbahn erworben hatte,
wo=
bei er u. a. ausführte: Unſerem Bezirk Mainz hat er mit vorbildlicher
und unvergleichlicher Hingabe ſeine ganze Kraft gewidmet. Bei der
Ausgeſtaltung unſerer Anlagen in den Jahren vor dem Kriege hat er
an den verſchiedenſten Orten und in den mannigfaltigſten Stellungen
gewirkt, ſo vor allem bei dem großen Rangierbahnhof vor den Toren
von Mainz. Mit ſeiner Ernennung zum Direktionsmitglied im Jahre
1912 erweiterte ſich ſein Wirkungskreis außerordentlich, vollends, als
er in den Kriegsjahren zum Betriebschef der Linienkommandantur
er=
nannt wurde Es folgten die Jahre der Fremdherrſchaft, der
Un=
ruhen und Sorgen, des Exils in der Landeshauptſtadt und dann
end=
lich die Wiederkehr in geordnete Verhältniſſe. Aber bei all dieſen
Er=
eigniſſen ſtand der Heimgegangene an vorderſter Stelle, wenn es galt
mitzuhelfen, Not zu lindern, tatkräftig einzugreifen, in den letzten
Jah=
ren vor allem in unſerem Bezirk die Spuren des Krieges und der
Fremdherrſchaft wieder mit Nachdruck zu beſeitigen. Mit einer
Wür=
digung der menſchlichen Seite des Verſtorbenen, der ſeinen
Unter=
gebenen allezeit ein Vater und ſeinen Kollegen allezeit ein hilfsbereiter
Mitarbeiter, werteſter Berater und Freund war, ſchloß
Reichsbahn=
präſident Lochte ſeinen Nachruf.
Der Eiſenbahnverein Mainz, der außerordentlich zahlreich vertreten.
war, hatte eine Fahnenabordnung geſtellt und ließ ſeine
Geſangsabtei=
lung Trauerlieder zum Vortrag bringen. Weiter ſprach am Grabe für
den Bezirksbeamtenrat Herr Krimmel. Eiſenbahnverein
Biſchofs=
heim, Bahnhof Mainz, die Vereinigung der Fahrbeamten, der
Stahl=
helm ſowie ſeine Alterskameraden ließen Kränze mit warmem Nachruf
für den Heimgegangenen niederlegen. Von dem Korps „Rhenania” in
Darmſtadt, dem Herr Horn als Student und als alter Herr, zuletzt als
Vorſitzender des A.H.=Verbandes angehörte, waren zahlreiche Aktive
und alte Herren erſchienen, darunter eine Fahnenabordnung in vollem
ſtudentiſchem Wichs. Als Vertreter der alten Herren legte
Regierungs=
baumeiſter a. D. Polenſki einen Kranz mit warmem Nachruf für den
treuen Freund und Korpsbruder nieder. Die erhebende Trauerfeier
ſchloß am Grabe mit der Einſegnung und mit dem Liede: „Am
Freun=
desgrab” geſungen von der Geſangsabteilung des Eiſenbahnvereins
gin
Dg. Arheilgen, 18. März. Turnverein. Am kommenden
Samstag, den 21. März, abends, findet in der Turnhalle des
Turn=
vereins (D. T.) eine Feier zur Ehrung der Jubilare und Preisträger
ſtatt. Mit dieſer Ehrung iſt die Uebernahme der Schüler in die
Jugend=
abteilung verbunden. Turneriſche Darbietungen werden das Programm
vervollſtändigen. — Geiſtliche Abendmuſik. Der hieſige
Poſaunenchor hatte die evangeliſche Gemeinde zu einer muſikaliſchen
Abendfeier in die Kirche eingeladen. In einer Anſprache hob Herr
Pfarrer Grein hervor, daß bei dieſer Veranſtaltung die Leidensgeſchichte
Chriſti nicht durch das Bibelwort, ſondern durch die Töne der alten
Meiſter zum Ausdruck kommen ſolle. Die Vortragsfolge brachte Chöre
und Motetten von Johann Sebaſtian Bach, Vopelius, Brenner, Ferius
und Corner. Sämtliche Werke wurden vollendet vorgetragen und
be=
reiteten den Zuhörern eine zu Herzen gehende Erbauungsſtunde.
Be=
ſonders hervorzuheben ſind die beiden Bachſchen Choräle „Ein
Lämm=
lein geht” und „Befiehl du deine Wege” ſowie die Motette „Schau hin
nach Golgatha”, die ſehr gut wiedergegeben wurden. Der Dirigent des
Poſaunenchores, Herr E. Breitrück, hat durch gute Tonbildung aus
dem Chor einen gut ausgeglichenen Klangkörper geſchaffen. Sämtliche
Darbietungen ließen auf eine gewiſſenhafte Einſtudierung durch den
Leiter ſchließen. Es bleibt zu wünſchen, daß der hieſige Poſaunenchor
auf dieſer Bahn weiter ſchreitet, um zu neuen Erfolgen zu gelangen. —
Freiwillige Feuerwehr. Die Hauptverſammlung unſerer
Wehr findet am kommenden Samstag, den 21. März, abends, im
Ver=
einslokal ſtatt.
Dg. Arheilgen, 19. März. Die General=Verſammlung
der Ortsgruppe Arheilgen des Reichsbundes der Kriegsbeſchädigten und
Kriegerhinterbliebenen findet am kommenden Samstag, den 21. März,
abends, im Gaſthaus „Zum Adler” (Repp) ſtatt. — Telephon=
Kabel. Das Telegraphenamt Darmſtadt legt gegenwärtig durch
ver=
ſchiedene Straßen des Ortes Kabelleitungen. Die erſte Leitung führt
vom Gaſthaus „Zum Löwen” durch die Untere Mühlſtraße nach der
Metzgerei Rapp in der Dieburger Straße, wo ein ſogenannter Verteiler
ſitzt. Durch dieſe Kabellegungen werden die Hochleitungen überflüſſig
und die ſeitherigen leichten Störungen durch Wind und Wetter werden
damit unterbunden. Die hierbei ſich ergebenden Erdarbeiten hat Herr
Maurermeiſter Philipp Rühl von hier übernommen. — Operetten=
Abend. Der Geſangverein „Frohſinn” bringt am kommenden
Sonn=
tag, den 22. März, abends, im Saale des Gaſthauſes Zum Löwen”
die Operette „Faſchingsliebe” in 3 Akten von Otto Teich zur
Auf=
führung. Die muſikaliſche Leitung liegt in den Händen von Herrn
Chriſtian Weber, die Spielleitung hat Herr Otto Heib.
O. Erzhauſen, 19. März. Geſangverein „Germania”.
Volksliederabend. Die Vortragsfolge zerfiel in drei Abſchnitte.
„m erſten Teile kamen durch die „Germania” neun Volkslieder zum
Vortrag, die von guter Auffaſſung und trefflicher Schulung zeugten und
die in ihrer ſchlichten und innigen Vortragsweiſe ihren tiefen Eindruck
aur die zahlreiche Zuhörerſchaft nicht verfehlten. Insbeſondere ſpracken
an: „Innsbruck, ich muß dich laſſen” und „Heimatſehnen” (Jüngſt.) Den
Zweiten Teil füllte ein heiteres Liederſpiel aus, betitelt „Das deutſche
Volkslied‟. Es brachte an Hand von Bildern aus dem Leben in buntem
Wechſel die vertrauten, Liebes=, Wander= und Soldatenlieder. Zum
Schluſſe boten noch die eingeladenen Brudervereine, Sängerluſt, Freie
Svortvereinigung. Abteilung Sänger, und Sängerbund, denen auch an
dieſer Stelle für ihre liebenswürdige Mitwirkung herzlicher Dank
aus=
elbrochen ſei, unter ihren bewährten Führern noch manch köſtliche
Probe aus dem reichen Kranze unſeres unerſchöpflichen Liederſchatzes.
Lp. Pfungſtadt, 19. März. Holzverſteigerungen. Die
IIe Holzverſteigerung aus dem Gemeindewald iſt genehmigt. Bei der
Verſteigerung des Kiefernknüppelholzes wurden im Durchſchnitt 6 bis
RM. für den Raummeter erzielt. Die zweite
Brennholzverſteige=
rung aus dem Gemeindewald findet am Freitag nachmittag im Rathaus
ſart. Es gelangen Kiefernſcheitholz und Kiefernknüppel aus dem
Auingsackertannendiſtrikt zum Ausgebot. Die Ausloſung des Ortsbür=
Verholzes iſt inzwiſchen erfolgt.
*Das neue Muſeum
Wohl ſelten hatte ein Muſeum von ſolchem Umfange wie
dasjenige wie in Worms bei ſeiner Neueinrichtung und
Neuauf=
ſtellung größere Schwierigkeiten zu überwinden, waren die
Um=
ſtände ungünſtiger als hier. Aber trotz der mannigfachen
Hemm=
niſſe, die ſich immer wieder entgegenſtellten, konnten die
Samm=
lungen im Sommer in der in alter Schönheit wiederhergeſtellten
Andreaskirche nebſt ihrem Kreuzgang und dem Chriſtoffelturm
dem Beſucher zugänglich gemacht werden. Es dürfte wenige
Muſeen auf der ganzen Welt geben, die einen ſolch einzigartigen,
ſtimmungsvollen Hintergrund und wunderbaren, würdigen
Rahmen für ihre Sammlungen aufzuweiſen haben, wie dies in
Worms der Fall iſt. Erſt jetzt, nachdem die vielen Tauſende
von Objekten aus den mehr magazinartig wirkenden Räumen
des alten wieder kirchlichen Zwecken zugeführten Paulusſtiftes
in die hellen Räume des neuhergeſtellten Andreasſtiftes
gewan=
dert ſind, läßt ſich der enorme Reichtum und die vielfältige Fülle
der in 50 Jahren zuſammengebrachten Sammlungen in etwa
ahnen. So bietet ſich z. B. im romaniſchen Kreuzgang in der
Ge=
ſtalt von Grabſteinen eine einzigartige ſteinerne Stadtgeſchichte
dar. Sie erſtreckt ſich über faſt zwei Jahrtauſende, beginnt mit den
römiſchen Grabſteinen und reicht etwa bis zum Jahre 1800. In
einem freundlichen Saal des Erdgeſchoſſes zeigt ſich auf
Stell=
wänden die verlorene Schönheit des alten Worms in Stichen
und Bildern. Da iſt ferner unter den reichen Sammlungen von
Möbeln, Waffen, Haus= und Küchengeräten, Zunft= und
ſonſti=
gen Altertümern bemerkenswert eine ſtattliche Sammlung von
Kleinplaſtiken: Figürchen aus weißem Ton aus dem 15. und
16. Jahrhundert, wie ſie ähnlich auch für Straßburg
nachweis=
bar ſind; ebenſo eine reichhaltige Sammlung mittelalterlicher
Wormſer Bodenflieſen mit prachtvoller Ornamentik, ſowie eine
Anzahl aufs ſorgfältigſte gearbeitete und reich verzierter alter
Lebkuchen=Formen. In der Abteilung Keramik findet man
Fahensen aus Dirmſtein, ſowie der kürzlich neuentdeckten
Manu=
faktur zu Alzey. Neu aufgeſtellt wurde auch die umfangreiche
Lutherbibliothek mit ihren vielen auf die Reformation ſich
be=
ziehenden alten Druckſchriften. In dem für ſakrale, hauptſäch=
der Stadt Worms.
lich plaſtiſche Kunſtwerke reſervierten Kirchenraum fallen dem
Beſchauer vor allem die koſtbaren Altarflügel aus der zerſtörten
Johanniskirche auf. Aus der Zeit nach 1260 ſtammend,
reprä=
ſentieren ſie die älteſten erhaltenen mittelrheiniſchen
Tafel=
gemälde. Wahrſcheinlich die älteſten vorhandenen Ueberreſte
eines Retabelaltares ſind die beiden Flügel kunſtgeſchichtlich
leider immer noch verhältnismäßig wenig bekannt. Die beiden
goldgleißenden Tafeln, die vor einigen Jahren ſachgemäß
reſtau=
riert wurden, waren 1925 auf der Ausſtellung „Alte Kunſt am
Mittelrhein” zu Darmſtadt zu ſehen. Auch ſonſt findet man im
ſchönen Kirchenraum bemerkenswerte Stücke, angefangen von
den frühromaniſchen Tierfratzen bis zur nüchternen
Madonnen=
figur vom Ende des 18. Jahrhunderts.
Ermöglicht wurde die Verlegung und moderne
Neueinrich=
tung des Muſeums vor allem durch die Munifizenz des
verſtor=
benen Generals Max von Heyl zu Darmſtadt. Reich und Stagt
ſtellten für die Inneneinrichtung 90 000 Mk. zur Verfügung, und
die noch verbleibende Reſtſumme ſchoß trotz der allgemeinen
wirtſchaftlichen Notlage die Stadt Worms zu, ſo daß dadurch die
unbedingt notwendige, begrüßenswerte Verlegung und
Neu=
einrichtung des Muſeums überhaupt erſt durchführbar wurde.
Zwar ſind die Räume mit den überaus reichen und
wert=
vollen Sammlungen aus der vorgeſchichtlichen Zeit bis zur
Frankenherrſchaft am Rhein, die Foſſilien= und
Schädelſamm=
lung und das Münzkabinett mit Wormſer Münzen noch nicht
eröffnet. Die Neuordnung dieſer Abteilungen befindet ſich z. Z.
noch im Gange, und die Eröffnung wird wohl nicht mehr
allzu=
lange auf ſich warten laſſen. Aber ſchon jetzt hat ſich endlich die
Lücke geſchloſſen, die im Kranze der rheiniſchen Muſeen bislang
ſpürbar war, und wenn in Bälde auch die jetzt noch
verſchloſſe=
nen Räume ſich den Beſuchern der alten Nibelungenſtadt
geöff=
net haben, wird man erſt ſo recht den Wert und die Bedeutung
der Wormſer Sammlungen erkennen, nicht nur für den Forſcher
und Fachgelehrten, ſondern auch für den Liebhaber und Kunſt=
Carl. J. H. Villinger.
freund.
F. Eberſtadt, 19. März. Dienſtjubiläum.
Straßenbahn=
ſchaffner Johannes Kaltwaſſer, wohnhaft Müllerſtraße 16, kann
am heutigen Tage auf eine 25jährige Dienſtzeit bei der Heag
zurückblik=
ken. — Kleinkinderſchule. Am kommenden Sonntag, den 22.
März, veranſtaltet die Kleinkinderſchule im Saale „Zum Schtanen”
(nachmittags 4 Uhr) eine „Frühlingsfeier”, zu der nicht nur die Eltern
der Kleinen, ſondern auch alle Freunde der Anſtalt herzlichſt eingeladen
ſind. — Tanzausflug. Der Stenographenverein „Gabelsberger”
veranſtaltet am Sonntag, den 22. März, einen Tanzausflug nach Traifa.
Einkehr daſelbſt im „Heſſiſchen Hof”. (Walther) und Treffen mit den
Stenographenvereinen der Umgebung. Abmarſch: 2 Uhr ab
Schweizer=
haus. — Vereinsbank. Die ordentliche Generalverſammlung der
Vereinsbank e. G. m. b. H., Eberſtadt, findet am Mittwoch, den 25.
März, abends 8 Uhr, im Kurhotel „Schweizerhaus” ſtatt. —
Schwarz=
arbeit nimmt überhand. Das Arbeitsamt hat darauf
hinge=
wieſen, daß in der letzten Zeit die ſogenannte „Schwarzarbeit” ſehr ſtark
zugenommen hat. Die Bürgermeiſterei macht daher darauf aufmerkſam.
daß Schwarzarbeit verboten iſt und für Unterſtützungsempfänger
Nach=
reile nach ſich zieht. Werden Arbeiten der freien Berufe ohne
Anmel=
dung des Gewerbes ausgeführt, ruhen außerdem noch die geſetzlich
ange=
drohten Strafen darauf. — Schweinezwiſchenzählung. Bei
der am 2. März ſtattgefundenen Schweinezwiſchenzählung wurden hier
533 Schweine gezählt.
Was nennen Sie ſparen?
Sie können nicht ſparen wollen und dabei Waſchmittel mit ſcharfen
Zuſätzen verwenden, die Ihre gute Wäſche zerſtören, Sparen heißt:
Mit reiner Seife gründlich aber ſchonend waſchen!
Naumann’s weiße Kernſeife
iſt beſonders rein und mild, ſchaum=und waſchkräftig: eine Ha
ſeife ganz nach dem Herzen der Hausfrau!
F. Eberſtadt, 19. März. Aus derevangeliſchen
Kirchen=
gemeinde. Am Palmſonntag (29. März), abends 8 Uhr, wird in
der Kirche eine kirchenmuſikaliſche Abendfeier ſtattfinden,
bei der neben einem Streichorcheſter und dem Organiſten, Georg
Pfeif=
fer, auch der Kirchenchor mitwirken wird. — Die Konfirmation
der Knaben und Mädchen findet in dieſem Jahre zum erſten Male in
gemeinſamer Feier, und zwar am zweiten Oſterfeiertag im
Rah=
men des Hauptgottesdienſtes ſtatt. Es werden 33 Knaben und 38
Mäd=
chen konfirmiert. — Der Vorſtand des evangeliſchen Frauenvereins hat
in ſeiner letzten Sitzung beſchloſſen, nach Oſtern im Gemeindehaus eine
Nähſchule zu eröffnen, die jungen Mädchen aus der Gemeinde
Ge=
legenheit geben ſoll, ſich im Schneidern, Nähen und Flicken auszubilden.
Die Leitung der Schule wird eine ſtaatlich geprüfte Lehrerin
überneh=
men. Intereſſierte Mädchen können Näheres bei Schweſter Gertrud
oder im Pfarrhaus erfahren und ſich zur Teilnahme an dem Unterricht
dort anmelden.
— Ober=Beerbach, 19. März. Familienfeier. Obwohl man
gewünſcht hatte, dieſe Feier im engeren Rahmen abzuhalten, war doch
der große Saal des „Darmſtädter Hofes” bis auf den letzten Platz
be=
ſetzt. Vorſitzender Kamerad Müller begrüßte alle Erſchienenen und
dankte beſonders dem Kameraden Bezirksobmann Findling aus
Bens=
heim, der zu uns kam, die Grüße des Präſidiums der
Kriegerkamerad=
ſchaft Haſſia und des Bezirks Bensheim zu überbringen, und eine
Ehrung dreier alter Kameraden vorzunehmen. Einen herzlichen Gruß
brachte er auch dem Geſangverein Eintracht und der Muſikvereinigung
Harmonie Beerbach entgegen. Sodann überreichte Kamerad Findling
unſeren Kameraden Wilhelm Brunner, Johann Georg Maul und Jak.
Maul das Ehrenzeichen für treue Dienſte im Kriegervereinsweſen.
Hei=
ßer Dank gebührt dem Kameraden Findling, der in ſeiner Anſprache in
ſinnvoller Weiſe die große Wertſchätzung der treuen Kameradſchaft in
den Vordergrund ſtellte. Geſangsvorträge und Muſikſtücke aus der
akti=
ven Dienftzeit trugen zur Verſchönerung der Feier bei; ebenſo die
Pro=
loge von Fräulein Müller und den beiden Mauls Kindern. Kurz
ge=
faßt kann man ſagen, daß der größte Teil unſeres Heimatortes eng mit
unſerem Kriegerverein verbunden iſt und kameradſchaftlichſt zu deſſen
Blühen und Gedeihen beiträgt.
G. Ober=Ramſtadt, 18. März. Ortsgewerbeverein. Bei
der am 14. d. M. im Saalbau Eliſenbad” ſtattgefundenen
Jahres=
hauptverſammlung wurden die ſeitherigen Vorſtandsmitglieder
Bür=
germeiſter Rückert zum Ehrenvorſitzenden, Maurermeiſter Chriſtian
Herdt und Rektor i. R. Hofmann zu Ehrenmitgliedern ernannt, und
der Vorſtand wie folgt neu gebildet: 1. Vorſitzender Schloſſermeiſter
Friedrich Ehrhardt 1., 2. Vorſitzender Schreinermeiſter Balthaſar Dintel=
mann, Schriftführer Fabrikant Georg Ritſcher, Rechner
Weißbinder=
meiſter Chriſtian Schulz; Beiſitzer: Mechanikermeiſter P. Finger,
Speng=
lermeiſter Georg Breitwieſer 9., Architekt Adam Herdt, Kaufmann Otto
Jakoby, Elektromeiſter Jakob Kögel. Als Vorſitzender des
Geſellen=
prüfungsausſchuſſes wurde Mechanikermeiſter Konrad Hirſch gewählt.
Außerdem wurden die Geſchäfts= und Kaſſenberichte verleſen.
— Ernſthofen, 19. März. Am 20. d. M. feiert Herr Wilhelm
Heid 1.. hier, in ſeltener körverlicher und geiſtiger Rüſtigkeit ſeinen
88. Geburtstag. Heid iſt Altveteran von 1870/71.
— Gernsheim. 19. März. Waſſerſtand des Rheins am
Pegel am 18. März 0,97 Meter, am 19. März 0,99 Meter.
— Hirſchhorn, 19. März. Waſſerſtand des Neckars am
Pegel am 18. März 1,78 Meter, am 19. März 1,82 Meter.
(k) Roßdorf, 19. März. Judiläumskonzert des
Geſang=
vereins Sängerluſt. Nach Eröffnung des Konzertes durch ein
Lied des Männerchores begrüßte der erſte Vorſitzende, Gg. P.
Land=
zettel die Erſchienenen. Alsdann folgten abwechſelnd Männerchöre,
gemiſchter Chor, Sologeſänge und Violinvorträge des Herrn Kleinberg
aus Darmſtadt. Die Aufführung von „O kehr zurück” aus „Undine‟
von Lortzing durch den gemiſchten Chor gelang ſehr gut, als Soliſten
wirkten hier Frau Baumann und Herr Schuhmann mit. Die
Auffüh=
rung von „Glühe Flamme, ſprühe Eiſen” aus „Waffenſchmied” war ein
Meiſterſtück, worin Herr Pflaſterermeiſter Meher wieder einmal bewies,
über welch vorzügliches und klangvolles Stimmaterial er verfügt.
Auch trat hierbei als Soliſt Herr Meyer jun. auf. Die Sologeſänge
von Herrn Reinfrank waren ſehr gut. Herr Kleinberg aus Darmſtadt,
ein in Roßdorf nicht unbekannter Künſtler, zeigte ſich wieder als Meiſter
der Violine. Der Pianiſt, Herr Kreuzer, hat es verſtanden, bei allen
Aufführungen zum künſtlerifchen Gelingen mitzuhelfen. Ueber allen
Vorträgen des Abends ſtand natürlich der Leiter des Abends. Herr
Nek=
tor i. R. Heß. der als Dirigent des Vereins alle Chöre und Sologeſänge
mit aufopfernder Energie einübte und zum Vortrag brachte.
* Dieburg, 18. März. Der Mitteldeutſche
Bank=
verein, Aktiengeſellſchaft in Dieburg, hat heute ſeine
Zah=
lungen eingeſtellt. Hervorgegangen aus dem Dieburger
Bankverein, e. G. m. b. H., der bis 1923 beſtand, erfreute ſich
die Dieburger Bank vollen Vertrauens, da ſie unter ſolider,
zuverläſſiger Leitung ſtand. Ein Filialunternehmen auswärts
wurde der Dieburger Bank jedoch zum Verderben, da der
dor=
tige Leiter 170 000 RM. veruntreut haben ſoll; durch gefälſchte
Bilanzen wurden die Unterſchlagungen ſeither verdeckt. Von der
Zahlungseinſtellung werden zahlreiche Geſchäftsleute am Ort.
ebenſo wie die Spareinleger, ganz beſonders jetzt in der ſchweren
wirtſchaftlichen Notzeit, empfindlich betroffen. Man fragt ſich
wieder einmal, wohin iſt heute das Gewiſſen gekommen!
* Dieburg, 19. März. Der Dieburger Bankverein
veröffentlicht eine Erklärung, wonach die Mißwirtſchaft in der
Langener Filiale den Zuſammenbruch der Geſellſchaft verſchuldet
hat. Die Zahlungseinſtellung der Bank hat hier die größte
Nie=
dergeſchlagenheit hervorgerufen. Die Bank hat auf kommenden
Sonntag nachmittag in den Mainzer Hof eine Verſammlung der
Gläubiger einberufen, um in Verhandlungen über ein
Vergleichs=
verfahren zur Abwendung des Konkurſes zu treten. Der
Bank=
verein hofft, ſeine Gläubiger, wenn auch nicht reſtlos, aber zu
einem hohen Prozentſatz befriedigen zu können.
Cp. Stockſtadt, 19. März. Abtragung des
Mühlwörth=
dammes. Da nach Anſicht des Kulturbauamtes der alte
Mühlwörth=
damm überflüſſig war, wird er jetzt abgetragen. Mit den Arbeiten ſind
in der Hauptſache Erwerbsloſe
Ad. Bodenheim, 18. März. Ein Speſenſchwindler.
Feſt=
genommen wurde durch die Gendarmerie ein angeblich in Siegen
wohn=
hafter Mann, der für das dortige katholiſche Vereinshaus dahier 1200
Flaſchen Wein im Werte von nahezu 1600 Mark kaufte und ſich
ſchließ=
lich von dem Verkäufer 20 Mark „Tagesſpeſen” auszahlen ließ.
Nach=
träglich eingezogene Erkundigungen beſtätigten den Verdacht, daß der
angebliche Käufer geflunkert hatte, weshalb man ihn verhaften ließ.
AieN
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APeUISCHIAAd MR URSee
geneh TabriK Rergestelt
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Ludwigstraße 13
Darmstadt
Ludwigstraße 13
Seite 8
Freitag, den 20. März 1331
Rummer
Reichs=Sandwerkspoche
4a. Eberſtadt, 19. März. Umzug. Das hieſige Handwerk
ver=
anſtaltete am heutigen Donnerstag unter Hinweis auf die Handwerker=
Woin die Meichs-Bandwertstboche! woche und die öffentliche Lundgebung einen Umzug mit Schildern, die
Von Dr. Maciejewſki, Syndikus bei der
Handwerkskammer Breslau.
Die ungeheure Notlage der deutſchen Wirtſchaft mit all
ihren drückenden Auswirkungen für die einzelnen Berufsſtände
hat es leider mit ſich gebracht, daß nicht nur dieſe einzelnen
Berufsſtände verzweifelt um ihr Daſein kämpfen, ſondern daß
dieſer Kampf auch teilweiſe äußerſt empfindliche
Reibungs=
flächen zwiſchen den einzelnen Bevölkerungsgruppen hat
ent=
ſtehen laſſen. Bei der verzweifelten Stimmung, die heute herrſcht,
iſt man nur allzu leicht geneigt, bei den Angehörigen anderer
Erwerbsſchichten einen über Gebühr großen Anteil an dem
Volkseinkommen feſtzuſtellen und ſie deshalb für die eigne Miſere
werantwortlich zu machen. So konnte man derartige
Spaunun=
gen gerade in den letzten Monaten zur Geuüge beobachten, als
die Fragen der Preisſenkung und des Gehaltsabbaues in der
Preſſe ausgiebig erörtert wurden. Beamtenſchaft,
Landwirt=
ſchaft und Handwerk wurden in dieſem Streite der Meinungen
oft in unverantwortlicher Weiſe gegeneinander ausgeſpielt, und
es hatte wiederholt den Anſchein, als ob in dem Strudel dieſer
Verdächtigungen jeglicher Blick für ein verſtändnisvolles
Zu=
ſammenarbeiten aller Bevölkerungskreiſe verloren gehen ſollte.
Und doch muß jeder Staatsbürger, dem das Fortbeſtehen
unſeres Vaterlandes noch einigermaßen am Herzen liegt,
end=
lich zur Erkenntnis kommen, daß kein Stand für ſich allein
beſtehen kann, ſondern daß bei der heutigen Wirtſchaftsordnung
ein jeder auf den andern angewieſen iſt und letzthin ein
Wieder=
aufſtieg aus dem jetzigen wirtſchaftlichen Tiefſtande nur auf
der ideellen Grundlage des vollen Verſtändniſſes von der
Be=
deutung und der Not aller Bevölkerungsſchichten möglich iſt.
Unter dieſem Geſichtspunkte iſt auch die Reichs=
Haud=
werks=Woche zu werten. Wenn das Handwerk hierbei in
einem bisher kaum gekannten Ausmaße vor die Oeffentlichkeit
tritt, ſo ſoll dies nicht ein Anzeichen für einen verſtärkten
Wirt=
ſchaftsegoismus ſein, der ohne Rückſicht auf das Wohlergehen
der übrigen Berufsſtände ſeine Intereſſen verfolgen will,
ſon=
dern das Haudwerk will Gelegenheit nehmen, ſeinen
Mitbür=
gern ſeine Bedeutung für die Allgemeinheit ſowie ſeine
Be=
ziehungen zu den übrigen Erwerbsgruppen in Erinnerung zu
bringen. Ein Wirtſchaftsträger, der 8 Millionen Deutſchen
Arbeit und damit Brot gibt und den 6. Teil des geſamten
deut=
ſchen Umſatzes tätigt, kann ohne Gefahr für den Fortbeſtand
unſerer ſchon ſchwer genug erſchütterten Wirtſchaft aus ihrem
Nädergetriebe nicht ausgeſchaltet werden.
Dieſe Erkenntnis in den Reihen aller Mitbünger in Stadt
und Land zu vertiefen, iſt letztes Ziel der Reichs=Handwerks=
Woche; deswegen ſoll in ihrem Rahmen immer wieder
Gelegen=
heit genommen werden, Brücken zu den anderen
Bevölkerungs=
ſchichten zu ſchlagen, ſoweit dies noch nicht geſchehen iſt, oder
zu befeſtigen, wo ſolche in dem Streite der Meinungen an
Feſtig=
keit gelitten haben. In jedem Dorfe, in jeder Stadt muß ſich
endlich die Ueberzeugung Bahn brechen, daß gegenſeitiges
Ha=
dern uns nur dem wirtſchaftlichen Untergang näher bringt, daß
hingegen gegenfeitiges Verſtändnis und damit wirtſchaftliche
Unterſtützung uns allein den Weg zum endgültigen, wenn auch
langſamen Wiederaufſtieg bahnen kann.
Hinweg daher mit jeglichem Reſt eines in keiner Weiſe
berechtigten Mißtrauens gegenüber dem Handwerk. Seine
Vergangenheit und ſeine gegenwärtige Einſtellung bürgen dafür,
daß es auch in Zukunft gewillt iſt, in freier Arbeit zum
Wohl=
ergehen ſeiner Mitmenſchen ſeine wirtſchaftlichen Aufgaben zu
erfüllen.
eine werbende Inſchrift aufwieſen. Gleichzeitig wurden dabei die
be=
kannten Aufrufe für die Handwerkerwoche verteilt. Zwei Trommler
lenkten mit Trommelwirbeln die Aufmerkſamkeit des Publikums auf
die Werbung.
G. Ober=Ramſtadt, 19. März. Reichshandwerkswoche.
Auf die im „Schützenhof” gegenwärtig ſtattfindende Handwerks= und
Getverbeſchau, die ſchon von vielen Hunderten beſucht wurde, wird an
dieſer Stelle nochmals hingelvieſen. Niemand ſollte verſäumen, ſich die
Ausſtellung anzuſehen. Sie iſt werktags von 3—6 Uhr nachmittags,
am Sonntag, den 22. März (letzter Tag), von 11 Uhr vormittags bis
6 Uhr nachmittags geöffnet.
* Dieburg, 19. März. Im Anſchluß an die
Reichshand=
wverkswoche fand hier am Abend des 18. März im „Mainzer Hof”
eine Kundgebung des Handwerks ſtatt, zu der der Ortsgewerbeverein
die Einladung ergehen ließ. Im großen Saale des genannten Hotels,
der von Herrn Gärtner Ott geſchmackvoll und reich mit Palmen,
Lor=
beerbäumen uſw. geſchmückt war und von deſſen Wäuden die Bilder
mittelalterlicher Handwerker grüßten, fanden ſich die Vertreter des
heimiſchen Handwerks und deſſen Gäſte ein. Eine kleine Kapelle leitete
mit deu Meiſterſingermarſch die Veranſtaltung ein und ließ, ſich noch
wviederholt hören. Der Vorſitzende des Ortsgewerbevereins, Herr
Weiß=
bindermeiſter Simon Gruber, begrüßte die Erſchienenen,
insbefon=
dere die Vertreter der ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden, der
Geiſt=
lichkeit und als Vertreter der Handwerkskammer Herrn Dr. Kirmeher
von Darmſtadt. Frl. Grete Löbermann trug einen poetiſchen
Vor=
ſpruch vor. Für das Kreisamt Diebürg ſprach Herr Regierungsrat
Heuſcher, für die Stadt Dieburg Herr Bürgermeiſter Wick, für den
Verein des Einzelhandels deſſen Vorſitzender, Herr Adelberger, die
beſten Wünſche für das Gedeihen des Handwerks aus. Das Referat
des Abends lag bei Herrn Syndikus Dr. Kirmeher in beſten Händen;
er ſprach über das Verhältnis des Handwerks zur Wirtſchaft und im
zweiten Teil des Vortrags zur Kultur. Seine Ausführungen fanden
ebenſo wie die der anderen Nedner lebhaften Widerhall.
Zum Schluß ſprach Herr Gruber dem Referenten und allen
Mitwirken=
den herzlichen Dank aus und ſchloß mit einem frendig aufgenommenen
Hoch auf das Vaterland. Das einheimiſche Handwerk kann mit der
ſympathiſch wvirkenden Veranſtaltung zufrieden ſein, die freilich leicht
getrübt war durch den Eindruck des Zuſammenbruches der Dieburger
Bank.
Tagung des Heſſiſchen Skädkekages in Gießen.
WSN. Gießen, 18. März. Der Heſſiſche Städtetag befaßte ſich
auf ſeiner am 13. März in Gießen ſtattgefundenen Tagung beſonders
eingehend mit den Vorſchlägen, die der Deutſche Städtetag in dem
Ent=
wurf eines Geſetzes über eine Reichsarbeitsloſenfürſorge gemacht hat.
Dieſer Vorſchlag will bekanntlich dem drohenden finanziellen
Zuſam=
menbruch der Gemeinden infolge des ſtändigen Anſchwellens der
Wohl=
fahrtslaſten in letzter Stunde dadurch vorbeugen, daß eine Verteilung
der Geſamtkoſten der Wohlfahrtserwerbsloſenfürſorge zwiſchen Reich,
Ländern und Gemeinden ſtattfindet. Der Heſſiſche Städtetag beſchloß,
das Vorgehen des Deutſchen Städtetages mit allem Nachdruck zu
unter=
ſtützen. Der Heſſiſche Städtetag beſtimmte als künftigen Vorort die
Stadt Worms und wählte zu dem demnächſtigen Vorſitzenden
Oberbür=
germeiſter Rahn in Worms
Grippe, Erkällungskrankheiken
werden mit den hervorragend bewährten Togal=Tabletten
erfolg=
reich bekämpft. Im Anfangsſtadium genommen verſchwinden die
Krankheits=Erſcheinungen ſofort. Ueber 6000 notariell beglaubigte
ärztliche Gutachten, darunter viele von namhaften Profeſſoren und
aus erſten Kliniken und Krankenanſtalten, überraſchende Erfolge!
Togal beſeitigt die Krankheitsſtoffe auf natürlichem Wege, es löſt
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(Mch6 2
Merwafeler Aursgang eines Senmraliſenrgte k.
Mainz, 19. März. Während der Antiſeparakiſtenunruhe
Juli vorigen Jahres wurde ein Teil der Inneneinrichtung der
des Lackierermeiſters Chriſt. Acker in Mainz zerſtört. Als Acker
bekannt wurde, daß ein früherer Lehrling von ihm, der zur e
tiſtenzeit bei ihm gearbeitet hatte, der Lackierer Sauerzapf vor
und die in ſeiner Villa wohnende Rentnerin Trenka ihn als
ratiſten bezeichnet hätten, ſtrengte er gegen beide Privatklage
Beleidigung an. Nach mehrmaligen Verhandlungen, in denen
von Zeugen ſchwer belaſtet wurde, fand geſtern vor dem hieſigen
gericht nochmals eine Verhandlung ſtatt, die einen unerwarteter
gang nahm. In einer früheren Verhandlung hatte ein Zeuge
det, daß Acker ihm erzählt habe, er, Acker, ſei ſeinerzeit mit der
bahn nach Düſſeldorf gefahren, um den Separatiſtenputſch zu e
Acker habe damals erklärt, daß es ſeinem Herzen ordentlich wol
habe, daß die Schupo von den Separatiſten in Stücke geriſſen
ſeien. In der geſtrigen Verhandlung war es nötig, einen erk.
Zeugen eidlich in der Wohnung zu vernehmen. Seine Ausſagen
derart belaſtend für den Privatkläger, daß deſſen Rechtsve=
Rechtsanwalt Maunheimer jr, ſein Mandat niederlegte. Der
kläger ſelbſt war zuu Weiterverhandlung nicht erſchienen. Der
richter erblickte in dem Nichterſcheinen des Klägers eine Zurück
der Privatklage und erkannte auf Belaſtung des Klägers mit ſän
Koſten des Verfahrens einſchließlich der notwendigen Auslage
Beklagten und ihres Rechtsbeiſtandes.
m
Billa
ſäter
ſarg
hie,
ſeva=
Eegen
Acker
mts.
Aus
kun=
egie
ſben
betan
Eden
Eten
hren
beter,
ſvat=
bzel
fhme
ſchen
„Ekienne und Louiſe” ver Gericht.
Der Schriftſteller Penzoldt freigeſprochen.
GR. Nürnberg, 18. März. Am Dienstag und
Mittwo=
handelte das Erweiterte Schöffengericht Nürnberg gegen den Bil. ſuer
und Schriftſteller Ernſt Penzoldt wegen Abgabe einer falſchen eid k.
lichen Verſicherung. Penzoldt hat in der bekannten Streitſache un
Novelle „Etienne und Louiſe” gegen eine von dem Studienpr
Loch und deſſen Tochter Louiſe erwirkten einſtweiligen Verfügu:
Unterſagung der Weiterverbreitung der Novelle beim Landgericht
berg Einſpruch erhoben. Dabei gab er eine eidesſtattliche Verſia
dahingehend ab, daß er bei Abfaſſung ſeiner Novelle weder a
langen noch an Prof. Loch und deſſen Tochter gedacht, dieſe alſ hicht
gemeint habe. Nachdem das Landgericht Penzoldts Einſpruch als
gründet verworfen hatte, legte er Berufung beim Oberlandes
Nürnberg ein, das zu deren Verwerfung kam. Es wird Penzold
mehr von der Anklagebehörde vorgeworfen, daß er dieſe eidesſt liche
Verſicherung bewußt falſch abgab, da er mit den beiden Hauptpe b
ſeiner Novelle „Etienne und Louiſe” nur Studienprofeſſor Lock
deſſen Tochter Louiſe gemeint haben könne und gemeint habe. Be
lich hat ſich erſt am 5. März d. J. das Erweiterte Schöffengericht
ſtün=
chen auf dieſen Standpunkt geſtellt, daß Penzoldt wegen zweier
gehen der öffentlichen Beleidigung des Prof. Loch und deſſen 2
zu 600 und 800 Mark evtl. 15 und 20 Tagen Gefängnis verurteilt ei
Vorſitz führt Amtsgerichtsdirektor Diſtler, die Anklage vertritt 1. Ctats
anwalt Dr. Reis, Verteidiger iſt R.A. Dr. Dieß=München.
Im Verlaufe der Verhandlung konnte der aus München erſchk
Zeuge, Referendar Dr. Epbig, ſeine Behauptung, wonach Penzo.
äußert habe, er brauche für ſeine Nobelle den Namen des Er
Profeſſors Loch, nicht mehr aufrecht erhalten. Im Anſchluß darar
bur=
den die drei Sachverſtändigen vernommen, die übereinſtimmend au
ten, daß der Dichter Penzoldt mit dem Ort Möſſel an der
Mah=
die Stadt Erlangen gemeint habe. Ebenſo wenig habe er an den
lichen Profeſſor Loch und deſſen Tochter Louiſe gedacht. Der e
anwalt konnte ſeine Anklage nur zum Teil aufrecht erhalten und
tragte für Penzoldt an Stelle einer an ſich verwirkten Gefängni
von zwei Monaten eine Geldſtrafe von 2000 Mark wegen eines
gehens der falſchen Verſicherung an Eidesſtatt. Der Verteidiger
tragte Freiſprechung.
Nach kurzer Beratung verkündete das Erweiterte Schöffen tich
Nürnberg, die Freiſprechung bes Schriftſtellers Penzolbt mangel
reichenden Beweiſes.
be=
katt
katt=
ſeine
eſſo=
kauf
uen=
kung
Gr=
mbe=
(icht
hun=
bnen
und
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Ver=
chter
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ge
nger
ſihr=,
hich
birk
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kan
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s Be=
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ARFN
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2R8 3,
ClGARETTEN
Nummer 79
Freitag, den 20. März 1931
Seite 9
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Herſtellungskoſten wochentags von 4 bis
6 Uhr nachm. erhältlich ſind.
Die Angebote ſind verſchloſſen,
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frei und mit entſprechender Aufſchrift
verſehen bis Mittwoch, den 1. April
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1bengenannten einzureichen, zu welche
Oit die Eröffnung der Offerten ſtattfindet
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Darmſtadt, den 18. März 1931.
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Diefbau.
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Beiſügung aller erforderlichen
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lagen und Nachweis bis zum 10. Apri
d. Js. einzureichen.
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Darmſtadt, den 18. März 1931.
Der Oberbürgermeiſter.
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Nummer 79
Freitag, den 20. März 1931
Seite 11
Reich und Ausland.
Großfeuer in der Rhön.
Sechs Perſonen knapp dem Tode
entronnen.
Biſchofsheim (Rhön). Ein
verhee=
endes Schadenfeuer brach am Mittwoch, in
ſpä=
er Abendſtunde, im Anweſen des Landwirts
Heßner aus. Als die Feuerwehr und zahlreiche
ſachbarwehren dem wütenden Element Einhalt
ſebieten wollten, brannten bereits das
Wohn=
gebäude, die Stallungen und kleinere
Wirt=
chaftsgebäude lichterloh. Während der Mann
iußerhalb des Hauſes war, mußten die Frau
ind fünf kleine Kinder im Alter von zwei
Mo=
taten bis acht Jahren, die ſchon im Bett lagen,
jeweckt werden. Sie konnten nur mit größter
Mühe gerettet werden und fanden barfuß und
jur mit dem Hemd bekleidet Unterkunft bei
Nachbarsleuten. Trotz aufopfernder
Löſchtätig=
eit brannte das geſamte Anweſen faſt
vollſtän=
dig nieder. Der Schaden wird auf 30 000 Mark
beziffert und iſt nur teilweiſe durch Verſicherung
gedeckt. Man vermutet Brandſtiftung.
Verunglücktes Sanitätsauto.
Frankfurt a. M. In der Mainzer
Land=
ſtraße ſtieß ein Krankenwagen der
Rettungs=
wache aus Höchſt mit einem Motorradfahrer
zu=
ſammen. Der Führer des Krankenwagens wollte
ein Perſonenauto überholen, hierbei rannte er
mit dem aus entgegenkommender Richtung
fah=
renden Motorrad zuſammen; gleichzeitig fuhr
er gegen einen Straßenbahnmaſt. Der Führer
des Krankenwagens, eine im Wagen liegende
Frau und ihre Begleiter, ſowie der
Motorrad=
fahrer und deſſen Beifahrer wurden verletzt.
Drei von ihnen mußten von der Rettungswache
ins Krankenhaus gebracht werden. Der
Kran=
kenwagen wurde von der Polizei abgeſchleppt
und ſichergeſtellt.
8000 RM. für eine Burg.
Burgbrohl. Bei der im benachbarten
Kempenich ſtattgefundenen Verſteigerung der
Burg Kempenich wurde das einzige Gebot durch
Alfred Kauth in Wuppertal mit 8000 Mark
abgegeben. Der Zuſchlag iſt, vorbehaltlich der
Genehmigung des Miniſters für Landwirtſchaft,
Domänen und Forſten, erteilt worden.
Holländiſche Spende für die Opfer auf Grube
„Maria”.
Aachen. Baron Heevell tot Weſterflier,
Kommiſſar der Königin der Niederlande der
Provinz Limburg, und die Bürgermeiſter von
Heerlen und Kirchrath ſprachen bei der hieſigen
Regierung vor und überreichten dem
Regie=
rungspräſidenten einen Scheck von 50 000 RM.
für die Opfer der Kataſtrophe auf Grube „
Ma=
ria‟. Der Betrag wird dem Härte=Fonds
zuge=
leitet.
Vierachſige Perſonenwagen der Reichsbahn.
Magdeburg. Die Hauptverwaltung der
Deutſchen Reichsbahngeſellſchaft hat geſtern eine
Verſuchsfahrt mit neuen pierachſigen
Perſonen=
wagen zwiſchen Berlin und Magdeburg
veran=
ſtaltet, wobei bis zu 140 Kilometer
Geſchwindig=
keit gefahren wurden. Die Reichsbahn wird in
Zukunft nur noch dieſe neuen Wagen bauen und
die älteren Modelle allmählich aus dem Verkehr
ziehen. Es ſind bereits etwa 1000 Stück des
neuen Wagens vorhanden. Es iſt ein
Durch=
gangswagen mit zwei Drehgeſtellen, ganz aus
Stahl gebaut, der genau ſo ruhig läuft, wie die
D=Zugwagen.
Strafantrag gegen den Einbrecher Bachnick.
Berlin. In der geſtrigen Verhandlung
gegen den falſchen Leitungsreviſor Fritz
Bach=
nick, wegen der von ihm verübten zahlreichen
Einbrüche und Diebſtähle, ſowie wegen Betrugs
und ſchwerer Urkundenfläſchung, beantragte der
Vertreter der Anklage eine Geſamtſtrafe von
6 Jahren Zuchthaus. 10 Jahren Ehrverluſt
ſo=
wie Stellung unter Polizeiaufſicht. Der
Ver=
teidiger bat um eine weſentlich geringere Strafe
für den Angeklagten.
Ein Ehrenmal.
für die rheiniſchen Pioniere.
Der Entwurf des Ehrenmals.
Auf einer Ruhrinſel ſoll demnächſt ein Denkmal
zu Ehren der Pioniere und Verkehrstruppen
Rheinlands und Weſtfalens aufgeſtellt werden.
Der Entwurf ſtammt von Prof. H. Liebmann.
ein ſchweres Unglück durch nichk geſchloſſene Bahnſchranke
Die Unglücksſtelle mit den Trümmern des verunglückten Laſtautos.
Beim Bahnhof Lemförde in der Nähe von Osnabrück raſte ein Laſtkraftwagen mit drei Inſaſſen
in einen Perſonenzug, da die Schranke des Bahnübergangs nicht geſchloſſen worden war. Das
Auto ging vollkommen in Trümmer, der Führer wurde getötet, die beiden anderen Perſonen
ſchwer verletzt.
Frühling im Lande, Eisnok an der Küfte.
Die vereiſte Oſtſeeküſte.
So ſchön die Frühlingsſonne in Deutſchland ſcheint, ſo unangenehm wirkt ſie ſich für die
Oſtſee=
ſchiffer aus. Die großen Eisſchollen des Winters haben ſich durch die Erwärmung gelöſt, treiben
umher und behindern die Schiffahrt aufs ſchwerſte.
Die Urkeilsbegründung im Mordprozeß
Tehner.
Regensburg. In der Begründung des
Urteils im Mordprozeß Tetzner heißt es: Erich
Tetzner iſt des Mordes überführt. Die Abſicht,
einen Menſchen zu ermorden, iſt bei ihm klar
gegeben. Er hatte das zugegeben bis zum
Wider=
ruf. Am Tage der Verhaftung hat er unter
Tränen zugegeben, daß er einen Wanderburſchen
verbrannt habe. Das Gericht erachtet den
Wi=
derruf vom 9. Mai v. J. als völlig
unglaubwür=
dig. Er hat ſelbſt geſagt: „Ich habe nur den
einen Wunſch: Kopf weg!” Eine ſolche Sprache
führt kein Unſchuldiger. Das iſt ein klarer
Be=
weis. Das Gericht läßt die Frage offen, ob er
den Fremden zuerſt getötet und dann verbrannt
oder ob er einen lebendigen Menſchen verbrannt
hat. Frau Tetzner hat den Pfeffer gekauft und
gewußt, wozu er dienen ſollte. Sie hat Beihilfe
geleiſtet und vor der Tat zugeſichert, behilflich
zu ſein beim Einheimſen der Früchte des
Be=
truges. Sie hat ihren Mann im Glauben
ge=
laſſen, daß ſie ihm helfe, ſonſt hätte dieſer den
Plan nicht ausgeführt. Wegen ihres
Geſtänd=
niſſes kommen mildernde Umſtände in Betracht.
— Rechtsanwalt Sauter wird für Erich Tetzner
Reviſion beim Reichsgericht einlegen.
Kunſtflieger Udet
am Weißen Nil nokgelandef.
Der Raubmord an dem Viehhändler Laſch
vor dem Reichsgericht.
Leipzig. Am 22. November vorigen Jahres
ſerurteilte das Schwurgericht in Schneidemühl
den Fiſchereipächter Baginſki wegen Raubmords
in dem Viehhändler Laſch aus Chemnitz zum
ode und zum dauernden Verluſt der
bürger=
ichen Ehrenrechte. Wegen Beihilfe zu dieſem
Ferbrechen wurde vom gleichen Gericht der
Landwirt Libuda zu 12 Jahren Zuchthaus
ver=
irteilt. Beide hatten gegen das Urteil Reviſion
eingelegt. Der 2. Strafſenat des Reichsgerichts
at am Donnerstag die Reviſionen verworfen.
die Urteile ſind damit rechtskräftig geworden.
der Mord an Laſch geſchah am 25. April 1929.
Laſch war von Baginſki mit Hilfe Libudas durch
alſche Angaben nach Schneidemühl gelockt und
rmordet worden. Beide hatten dann verſucht,
ch ein gefälſchtes Telegramm nach Chemnitz
17000 Mark in die Hände zu bekommen, was
abei mißlang.
Schweres Verkehrsunglück in Berlin.
Ein Toter, vier Schwerverletzte.
Berlin. Am Donnerstag mittag ſtießen
n Moabit zwei Geſchäftsautos in voller Fahrt
zuſammen. Der Fahrer des einen Wagens
burde ſofort getötet, außerdem wurden zwei
ſerſonen ſchwer und zwei leicht verletzt.
Karte des engliſchen Sudan mit der
Notlandungs=
ſtelle (X). Oben rechts: Ernſt Udet.
Zwiſchen Malakal und Juba im ſüdlichen Sudan
entdeckte ein engliſcher Militärflieger den
deut=
ſchen Sportflieger Ernſt Udet, der mit ſeinem
Flugzeug wegen Brennſtoffmangel notlanden
mußte. Die Flugſtaffel in Chartum wurde
alar=
miert und ſandte Udet ein Militärflugzeug zu
Hilfe.
Die beiden franzöſiſchen Flieger Burtin
und Moench in Söul.
Paris. Die beiden franzöſiſchen Flieger
Burtin und Moench ſind auf ihrem
Etappen=
flug Paris-Tokio in Söul, der Hauptſtadt von
Korea, eingetroffen. Die Flieger beabſichtigten,
ſofort nach Tokio weiterzufliegen. Sie wurden
jedoch von den koreaniſchen Behörden
feſtgehal=
ten, mit der Begründung, daß ſie auf dem Flug
von Schanghai nach Söul das verbotene Gebiet
von Moppo überflogen hätten, ſtatt den Weg
über Mukden zu wählen.
Schnellzug Paris-Bordeaux enkgleiſt!
Der fahrplanmäßige Schnellzug Paris—
Bor=
deaux, der Paris um 19,37 Uhr am Donnerstag
abend verließ, iſt auf dem Bahnhof Etampes,
eine Stunde von Paris, aus bisher ungeklärter
Urſache entgleiſt. Bisher ſollen 10 Tote und 50
Schwer= und Leichtverletzte geborgen ſein. —
Nähere Einzelheiten fehlen zur Stunde noch.
Zwei Todesopfer des ſchleſiſchen Gebirgswinters.
Hirſchberg. Am Donnerstag vormittag
wurden im Richterwaſſer, unterhalb der
Richter=
baude, im böhmiſchen Rieſengebirge, der
Stu=
dent Spohn aus Friedland in Schleſien und der
Student Scholz aus Potsdam im Schnee
vergra=
fen als Leichen aufgefunden. Die beiden waren
am Freitag voriger Woche von einer Skitour
nicht zurückgekehrt und galten ſeit dieſer Zeit
als vermißt. An der gleichen Stelle wurde
be=
reits am Mittwoch ein Skiſtock gefunden, worauf
von Freunden der Studenten und mit
Unter=
ſtützung von Einheimiſchen Nachforſchungen
an=
geſtellt wurden, die ſchließlich zur Auffindung
der beiden Leichen führten. Man nimmt an,
daß beide infolge Müdigkeit im Schnee
einge=
ſchlafen und erfroren ſind.
Ein norwegiſcher Küſtendampfer geſtrandet.
Sieben Perſonen ums Leben
gekommen.
Oslo. Aus Nord=Norwegen wird eine
fol=
genſchwere Schiffskataſtrophe gemeldet. Der
nor=
wegiſche Küſtendampfer „Hera” aus Bergen iſt
in der Nacht auf Donnerstag, gegen 2.30 Uhr,
bei Havöſund, in der Nähe von Hammerfeſt, in
Weſt=Finnmarken, bei ſtarkem Nordweſtwind
und Schneegeſtöber geſtrandet. Dabei ſind
ſie=
ben Perſonen ums Leben gekommen, darunter
drei Reiſende. Die übrigen an Bord
befind=
lichen 55 Perſonen konnten gerettet werden. Die
Kataſtrophe ereignete ſich unter ganz
außerge=
wöhnlichen Umſtänden. Das Schiff rannte in
voller Fahrt gegen eine Felsklippe, ſo daß das
Vorderſchiff vier Stunden lang gegen die
Fels=
wand geklemmt ſtehen blieb, während das
Ach=
terſchiff ſofort ſank. Einem Steuermann gelang
es, mit einer Leine an Land zu kommen und die
an Bord Gebliebenen vom Vorderſchiff in einem
Rettungskorb nacheinander an Land zu ziehen.
Sechs Perſonen fielen jedoch während der
Ret=
tungsarbeiten aus dem Korb und ertranken in
der ſtark bewegten See. Uebermüdet und
voll=
kommen durchnäßt mußten die Geretteten die
lange Strecke bis Havöſund zu Fuß zurücklegen.
Dabei brach ein Reiſender, ein älterer Arbeiter,
zuſammen und ſtarb.
Großfeuer in der franzöſiſchen Filmſtadt
Joinville.
Paris. Ein großes Schadenfeuer hat in
der Nacht auf Donnerstag in der franzöſiſchen
Filmſtadt Joinville mehrere Studio= und
Lager=
gebäude der Filmgeſellſchaft Ecran d’Art und
Cine=Romans zerſtört. Das Feuer, deſſen
Ur=
ſache noch nicht feſtſteht, brach gegen 3 Uhr
mor=
gens in einem der aus Holz erbauten
Lager=
räume aus und griff mit großer Geſchwindigkeit
um ſich. Noch ehe die Feuerwehren eintrafen,
hatten die Flammen auf die benachbarten
Ge=
bäude, ſowie zwei Wohnhäuſer übergegriffen,
deren Bewohner die Häuſer angeſichts der
drohenden Gefahr rechtzeitig verlaſſen hatten.
Gegen 6 Uhr morgens war die Feuerwehr Herr
der Lage. Perſonen ſind nicht zu Schaden
ge=
kommen. Der Sachſchaden wird auf eine halbe
Million Franken geſchätzt.
Erdrutſch bei Bern.
Bern. Bei der Gemeinde Rueſchegg (etwa
120 Kilometer ſüdlich von Bern) gerieten
vor=
geſtern ungefähr 40 Hektar Wald und
Wieſen=
land ins Rutſchen. Große Waldſtücke befinden
ſich unter ſtändigem Krachen in Bewegung.
Einige Hütten mußten geräumt werden.
Drei Teilnehmer des Balbo=Fluges
ins Meer geſtürzt und ertrunken.
Rom. Geſtern mittag iſt bei Marina di Piſa
das Flugzeug „Savoya 64” das die drei
Teil=
nehmer des Südamerika=Fluges der Balbo=
Staffel Oberſt Mäddalena, Hauptmann Cecconi
und Leutnant Damonte an Bord hatte, ins
* Meer geſtürzt, wobei alle drei Flieger den Tod
fanden. Miniſter Balbo iſt ſofort mit einem
Flugzeug nach Piſa abgeflogen. Oberſt
Madda=
lena und die beiden anderen Ertrunkenen
hat=
ten für den Südamerika=Flug die Goldene
Luft=
fahrt=Medaille erhalten.
Drei Seeleute der „Viking” von Eisſchollen
gerettet.
London. Wie aus St. Johns auf
Neu=
fundland gemeldet wird, iſt es einem
Fiſch=
dampfer gelungen, drei Seeleute von der „
Vi=
king” zu retten, die auf Eisſchollen entdeckt
wer=
den konnten. Die von der Neufundländiſchen
Regierung ausgeſandten Hilfsſchiffe haben
fer=
ner mehrere Mitglieder der Beſatzung von der
Horſe=Inſel an Bord genommen. Einige von
ihnen befinden ſich in Lebensgefahr, da ſie
Ver=
letzungen erlitten haben und durch die Kälte
und mangelhafte Pflege außerordentlich
ge=
ſchwächt ſind.
Mit Flugzeug und Fallſchirm den Ueberlebenden
der „Viking” zu Hilfe.
New York. Die bekannten Kriegsflieger
und Fallſchirmabſpringer Bernt Balchen und
Major Gates ſind in Boſton eingetroffen. Sie
beabſichtigen, mit einer Sikorſki=Amphibien=
Maſchine nach Horſte=Island zu fliegen und den
Ueberlebenden der „Viking” Lebensmittel und
Heilmittel zu bringen. Falls eine Landung
mög=
lich ſein ſollte, will Gates abſpringen.
Vor einem Fluge um die Welt in vier Etappen.
New York. Die Flieger Pangborn und
Herndon ſind auf einem Bellanca=Eindecker in
Rooſeveltfield eingetroffen, um von dort einen
Flug um die Welt in vier Etappen auszuführen.
Sie beabſichtigten in der erſten oder zweiten
Aprilwoche zu ſtarten. Die erſte
Zwiſchenlän=
dung ſoll in Moskau erfolgen, die zweite in
Tokio, die dritte in Seattle, von wo ſie nach
New York zurückkehren.
Seite 12
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ergrei=
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ariſto=
kratiſchen Geſchlecht, die nach
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hergebrachten ſtrengen Grundſätzen
erzogen wurden und nach dem
Tode ihres Vaters der Außenwelt
hilflos gegenüberſtehen.
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Marie Antoineite
Königin von Frankreich
Der Lebensroman einer galanten,
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Prehn=
v. Dewitz. Verſailles” uno Kl
Tria=
nons rauſchende Feſte durch ebt der
Leſer im Geiſte, die Revolution
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40 Büdern,
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Die Tochter
Marie Antoinettes
Von Carry Brachvogel / Das
Schickſal der Enkelin Maria
There=
ſias, die alle Schrecken der
fran=
zöſiſchen Revolution erduldete,
ſchildert die Verfaſſerin in
ergrei-
fender Weiſe. In Leinen M. 5,60
Ottilie
Roman von EinarChriſtianſen.
Ein Buch echten, tiefen
Frauen=
lebens / Wäre dieſes ſchöne Buch
vor fünfundzwanzig Jahren
er=
ſchienen, ſo hätte es Arm in Arm
mit den Buddenbrooks” die Welt
gewonnen. Denn es ſtammt aus
jenem goldenen Zeitalter — es
endet im letzten Jahre der
chriſt=
lichen Zeitrechnung, 1913 — und hat
alles in ſich, was dieſe Zeit an
Güte Menſchlichkeit, Demut vor
der Seele, Andacht vor Geiſt und
Kraft, Hingabefähigkeit an
Gott=
heiten enthielt, — ſchreibt „Die
Literatur”.
In Leinen M. 10,—, broſch. M. 8,50
Das Buch Liebe
Von Werner Janſen.
Gudrun=
tige Ausſtattung.
In Leinen M. 6.— Halbleder M. 8,—
Jungvolk
Roman von Marie Bregendahl
Die Dichterin erzählt von dem
Le=
ben der jungen Burſchen und
Mäd=
chen in einem Dorfe. Von
ſtickſals=
ſchweren Verirrungen von Schuld
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Lieb' und Qual.
I Leinen M. 8.—, broſch. M. 6,70
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Werner Janſen. Roman aus der
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In Leinen M. 5,50, Halblb. M. 7,50
Die Toten ſiegen
Ein Kleiſtroman von Henriette
von Meerheimb / Mit der
Ein=
fühlungskraft einer Frauenſeele
wwird der Verzweiflungskampf
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ſers größten Dramatikers, des
Dichters des „Prinzen von
Hom=
burg,, und des „Robert Guiskard‟
gegen ſein unerbittliches Schickſa
geſchildelt.
In Leinen M. 7,50, broſch. M. 6.3
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Italien / Schilderung eines
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fliktes, entſtanden durch die
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lange Trennung eines Mannes von
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In Leinen M. 6,50, broſch. M. 4,50
„Die friſchen Kränze‟
Die von Werner Janſen
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roman, 90.—99. Tauſend. Präch= gege ene ſchönſte Gedichtſammlung
deutſcher Gedichte enthält in
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bänden Gedichte von Theod. S orm
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Podlich in einer demWeſen jedes
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18:
Nummer 79
Freitag, den 20. März 1531
Seite 13
*Der Reoolutionär.
Wer Freude und Intereſſe an Menſchen hatte, der konnte ſich
durch ein näheres Kennenlernen der Mitgefangenen die langen
Jahre der Kriegsinternierung in angenehm=nützlicher Weiſe
ver=
kürzen. Gab es doch wohl keine günſtigere Gelegenheit, ſeine
Menſchenkenntnis zu bereichern, als jene Stacheldrahllager, wo
man auf lächerlich kleinem Raum jahrein, jahraus mit Hunderten
von Landsleuten in engſter Fühlung zuſammenzuleben
gezwun=
gen war. Mit Menſchen, die aus allen nur denkbaren Berufen,
Geſellſchaftsſchichten, Altersklaſſen und Gegenden kamen, und mit
denen man oft nur das eine gemeinſam hatte: eben das
Gefange=
nen=Schickſal.
Im Wechſel der Jahre war ich einmal wieder in ein neues
engliſches Internierungslager verſetzt worden. Dieſes Mal aber
war es kein Zeltlager, kein Gefangenenſchiff und auch kein alter
Fabrikbau, wo man zu vielen Hunderten nebeneinanderlag,
ſon=
dern ein rieſengroßes Ausſtellungsgebäude, das ſogar einen
rich=
tigen Konzertſaal enthalten ſollte. Dieſe für einen Internierten
unerhörte und ſeit wie lange nicht mehr geſchaute Einrichtung
mußte gleich am erſten Tage beſtaunt werden. Und wirklich —
da war ein großer, prunkvoller Saal mit Podium und eleganten
Plüſchſeſſeln und ſchweren Kronleuchtern an der Decke. Und
rich=
tige Kaſſenräume gab es am Eingang und davor
Programm=
ſäulen, tvoran die Wochenveranſtaltungen bekanntgegeben wurden.
Voller Intereſſe für dieſe längſt entwöhnten
Kultureinrich=
tungen ſtudiere ich das Programm und bewundere die Auswahl
von Konzerten, Theatervorſtellungen, Boxkämpfe und Vorträge,
die einem da von den Mitgefangenen geboten werden. Da fällt
mir die Ankündigung eines Vortrages über „Deutſche
Freiheits=
beſtrebungen” auf, und ich frage mich, ob dies wohl der richtige
Platz und Zeitpunkt für derartige Themata ſei, wo doch — wir
waren noch in der Hochſtimmung des Krieges — alles auf
Durch=
halten eingeſtellt war. Um die Sache zu klären, bringe ich ſie
beim „Millionärstiſch” zur Sprache, dem ich inzwiſchen
unver=
dientermaßen zugeteilt worden war. An dieſem Tiſche ſaßen bei
den Mahlzeiten diejenigen Mitgefangenen, die ſo „reich” waren,
um ſich gelegentlich etwas Beikoſt zu dem je länger, deſto dünner
werdenden Eſſen zuzukaufen. Daher der Name „Millionärstiſch”,
Dieſe Leute alſo, die den Betrieb des Internierungslagers
ſeit langem kannten, goben mir Beſcheid auf meine Fragen: An
ſich ſeien ja ſolche politiſchen Vorträge in dieſer Zeit wenig
an=
gebracht, indeſſen, wenn ſie vom „Kap’tän” gehalten würden, ſo
geſchähe das wohl ſchon in der richtigen Form. Und dann
er=
zählt man man mir von allen Seiten über dieſen Kapitän B.
Zu=
nächſt, daß er gar kein „Kap’tän” ſei, ſondern als Führer des
einen „Batwillons”, dem vorwiegend internierte Seeleute
an=
gehörten, wur ſo genannt werde. Ferner, daß er glänzend für
ſeine Leute ſorge und ungemein beliebt bei ihnen ſei. Nicht zum
wewigſten auich deshalb, weil er den engliſchen Lagervorgeſetzten
gegenüber eine ſtets ſo energiſche und würdige Haltung
ein=
nehme, eine Sache — das konnte ich aus bitterer Erfahrung
be=
ſtätigen —, die leider zu den Ausnahmen gehörte. Ich hätte doch
ſicherlich von der damaligen Geſchichte gehört, wo der Kap’tän
als Proteſt für das ſeinen Leuten gegebene ungenießbare Eſſen
dem Lagerkommandanten das Ultimatum ſtellte: entweder werde
ſofortige Abhilfe zugeſagt — oder aber die Orgel im Konzertſaale
ginge in Flammen auf. Der Kommandant, der den Kap tän und
den Geiſt ſeiner Leute kannte, war verſtändig genug, einzulenken,
zumal er auch ſchon durch die halbgeöffnete Tür des Konzertſaales
die um den Orgelbau aufgeſchichteten Scheiterhaufen von Schlaf=
Strohſäcken erblickte. Und ſo wäre es bei jeder Gelegenheit: werde
eine berechtigte Forderung ſeiner Leute von den Engländern
nicht erfüllt oder maßten ſich dieſe Uebergriffe an, dann drohte
der Kap tän mit Repreſſalien oder, wenn gar nichts helfen wollte,
mit ſeinem Rücktritt als Bataillonsführer. Und damit habe er
bisher alles durchgeſetzt, denn die Engländer wußten nur zu gut,
wie ſchwierig dieſe Seeleute zu behandeln waren, und daß es zu
Unruhen bei ihnen komen werde, falls ihr „Kap tän” wirklich
die Führung niederlegen werde. Allerdings munlle man ja auch,
daß V. Revolutionär oder fo etwas ähnliches geweſen ſei und
angeblich aus Deutſchland habe fortgehen müſſen, — aber
Nähe=
res wiſſe man nicht darüber; jedenfalls könne man ſich keinen
beſſeren Führer als B. wünſchen, und das ſei ja ſchließlich in der
Gefangenſchaft die Hauptſoche. Im übrigen könne ich mir ja den
Kap tän mal ſelbſt anſehen.
Das tat ich natürbich bei allererſter Gelegenheit und nützte
dazu den von ihm angekündigten Vortrag in dem Konzertſaale.
Ein eigenartiger Anblick, dieſer in engliſchem Geſchwacke elegant
ausgeſtartete große Raum, wo jetzt in bequemen Plüſchſeſſeln die
deutſchen Internierten ſitzen, in grau=grober Gefangenentracht, die
plumpen Holzſchuhe auf dem weichen Fußteppich. In der Mitte
des hellerleuchteten Podiums, wo ſonſt weltberühmte Künſtler
ſtanden, ſitzt an einem kleinen Tiſche der Vortragende. Eine
kräf=
nige, gedrungene Geſtalt, darauf ein ſtarker, ſchon angegrauter
Kopf; die Augen hinter der ſchlichten Stahlbrille hervorblitzend,
klug, ſehr ſcharf und doch gütig und humorvoll.
Das alſo iſt der vielgenannte Kap’tän, und dies ſeine getreue
Schar. Allzu vertrauenerweckend ſieht die nicht aus: es ſind
biele abenteuerlich=verwegene Geſtalten darunter, die ein wildes
Leben da draußen und die Oede der langen Gefangenſchaft hart
und ſtumpf und teilnahmslos gemacht hat. Und doch, wie ſie da
ſo geſittet und bewegungslos ſitzen, die ſuchenden Augen weit ge=
Offnet und auf den Mann dort oben auf dem Podium gerichtet,
da meint man zu fühlen, daß darin mehr Seele und Empfindung
liegt, als dieſer elegante Geſellſchaftsſaal es vielleicht je geſehen
hat. Und ſind doch nur einfache, ſchlichte Worte, die der Redner
zu den Leuten ſpricht, eigentlich nur ein nüchterner Bericht von
der deutſchen Freiheitsbewegung. Freilich wicht gaz in der
landläufigen Geſchichtsdarſtellung, die ſich arf Seiten der
Re=
gierung und gegen die Revolutionäre ſtellt, — ſondern der
Red=
ner tritt warm ein für jene Männer, die damals den
Freiheits=
gedanden verkündeten und dafür litten. Und die Wärme, dieſes
gewaltſam zurückgehaltene Mitfühlen für die Träger und Träume
jener Bewegung, ſie überträgt ſich auf die lautlos lauſchenden
Reihen im Saale. Erweckt in dieſen heimotenifremdeten
Menſchen neuen Lebensmut, und jedesmal, wenn das Wort „
Frei=
heit” ertönt, iſt es, Gls ob die im Lauſchen verſunenen Geſtalten
ſich ſtrafften, die ſchlaff gewordenen Hände in zuckende Bewegung
gerieten. Mit einer kurzen, väterlichen Ermahnung, geduldig
auszuhalten und zuverſichtlich der Zukunft zu vertrauen, ſchließt
der Redner ſeinen Vortrag. Der warme Beifall, der ihm dankt,
zeigt, daß er verſtanden worden iſt in dem, was er geſagt und —
nicht geſagt hat.
Mein wiederholter Wunſch, dieſen Mann näher kennen zu
lernen, iſt nicht leicht zu erfüllen. Von morgens bis abends iſt
der Kap’tän für ſeine Leute tätig, iſt faſt ſtets von Menſchen
umgeben, die Rat und Hilfe bei ihm ſuchen und finden. Auch
biegt ihm wohl nicht allzu viel an meiner Bebanntſchaft, da ich
doch zum „Millionärstiſche” gehöre, wo er wenig Verſtändnis für
ſeine Art und Arbeit vermuten mag. So muß ich mich beſcheiden,
den Kap tän wenigſtens noch einmal öffentlich ſprechen zu hören.
Das iſt bei Gelegenheit einer Trauerfeier für den gerade
ver=
ſchiedenen alten Kaiſer Franz Joſef.
Daran nehmen auch die vom Millionärstiſche teil, einerſeits
um ſich patriotiſch zu betätigen, dann aber auch aus Neugierde,
wie ſich der Kap tän, als Hauptredner, aus der Affäre ziehen
würde. Mußte es doch für ihn, den ausgeſprochenen
Antimonar=
chiſten, kein leichtes ſein, die richtigen Worte zu finden, um dem
Sinne der Feier und zugleich ſeiner politiſchen Ueberzeugung
ge=
recht zu werden. Wiederum iſt der große Saal bis zum letzten
Platze gefüllt, und wiederum haften aller Augen geſpannt an dem
Munde des Sprechers. Der ſteht ruhig und ernſt neben der
um=
ſlorten Büſte des öſterreichiſchen Kaiſers und erzählt in ſeiner
geraden, ſchlichten, ganz unpathetiſchen Weiſe von dem Weſen und
Leben dieſes Mannes. Von dem langen Leben, das Müche und
Arbeit war und ärmer an Freuden und Glück, als on
Enttäu=
ſchungen und Schickſalsſchlägen. Und gerade weil es ſo ſchwer,
ſo menſchlich war, ſo gut oder ſo ſchlecht wie das Leben von
Mil=
lionen, gerade darum könne ein jeder, wes Art er auch ſei, in
brüderlicher Anteilnahme und Ehrfurcht dieſes Toten gedenken..
Nie hobe ich ſelbſt eine würdigere, gehaltvollere Trquerrede
ge=
hört als dieſe menſchlich=warmen Worte, die der „Revoluvionär”
dem toten Monarchen weihte. Auch der Millionärstiſch erllärte
ſich befriedigt damit und fand, der Mann habe ſeine Sache
wirk=
lich ganz nett gemacht ..
Da ma mich kurz darauf in mein altes Gefangenenboger
zu=
rückverſetzte, bot ſich mir leider keine Gelegenheit mehr, den
Kap=
tän perſönlich kennen zu lernen. Erſt viel ſpäter kam es durch
einen Zufall dazu. Es war in einem der engliſchen
Durchgangs=
lager, wo die zum Austaurſch nach Holland und nach Deutſchland
beſtimmten kranken und älteren Internierten geſammelt wurden.
Dort traf ich zu meiner Freude B. wieder. Dieſes Mal war er
allein, d. h. ohne ſeine vielen Leute, die er — ſehr gegen ſeinen
Wunſch — hinter ihrem Stacheldraht hatte zurücklaſſen müſſen.
Er ſelbſt wäre auch nicht gegangen, hätte er nicht das ſtarke
Ver=
langen gehabt, die alte Heimat wiederzuſehen und ihr in ihrer
Not zu helfen.
Als wir uns nach einer langen, eindrucksvollen Unterhallwng
trennten, glaubten wir nicht, uns je wieder zu ſehen, da B. nach
Deutſchland, ich nach Holland kommen ſollte. Doch ein glückliches
Zuſammentreffen von Zufällen führte uns ſchließlich doch wieder
zuſammen auf das gleiche Schiff, das dem Transport der
Aus=
tauſchgefangenen beſorgte. Da ſaßen wir wieder beieinander in
langen Geſprächen. Aber B. war niedergeſchlagen und bitter
enttäuſcht. Man hatte ſeiner Fra, die gleichfalls von den
Eng=
ländern interniert war, im allerletzten Augenblicke die bereits.
gegebene Erlcubnis ihrem Manne nach Deutſchland zu folgen,
verſagt. Das war ein großer Schmerz für B. und bedeutete eine
neue Trennung, vieleicht auf weitere Jahre. Doch er nimmt ſich
zuſamen und wird allmählich wieder froher und
hoffnungs=
freudiger, als wir uns jetzt ganz langſam — aus Vorſicht vor der
Minengefahr — der holländiſchen Küſte nähern. Die Freude auf
die deutſche Heimat belebt ihn und in froher Schaffensfreude
malt er ſich aus, wie er von Deutſchland aus, wit Hilfe des Roten
Kreuzes weiter für ſeine Leute im engliſchen Lager ſorgen
werde, wie er ſich und ſeine Organiſationsgabe auch ſonſt dem
Vaterlande zur Verfügung ſtellen wolle — da wird ihm vom
Steward ein Funktelegramm überbracht. Haſtig lieſt er es, wird
blaß und ſagt dann mit halberſtickter Stimme: „Man verweigert
mir die Einreiſe nach Deutſchland. Man will mich dort nicht
haben, — ich bin doch ein alter „Revolutionär”
Th. Engelmann=Gräfelfing.
Geſchäftliches.
Gerade im Frühjahr
heißt es echtgeben auf die Geſundheit.
Der Körper iſt durch die klimatiſchen Einflüſſe des naßkalten
Win=
ters geſchwächt. Durch die düſteren Tage. Nebel, Stürme und Regen
iſt die Stimmung gereizt. Es heißt Vorſicht üben in den Genußmitteln,
will man die Nervoſität nicht noch ſteigern.
Am beſten bekommt Kaffee Hag, der erſtklaſſige Bohnenkaffee;
er ſchont Herz und Nerven, iſt coffeinfrei und vollkommen unſchädlich.
Er ſchmeckt vorzüglich; ſein Aroma iſt nicht zu übertreffen.
Die beutige Nummer hat 20 Geiten
* Das Ende der Geheimniskuerei.
Junkers macht Mitteilungen über das „Stratoſphärenflugzeug”
mv. Das Geheimnistuen iſt den Firmen der Deutſchen
Flug=
zeuginduſtrie bisher immer ſchlecht gelungen. Ganz gleich, ob
es ſich um Ozeanflüge, neue Flugzeugtypen oder etwas anderes
handelte, etwas ſickerte doch immer durch, und die
phantaſie=
volle Aufbauſchung der bekannt gewordenen Anhaltspunkte
machte den betroffenen Firmen dann immer mehr „
Dementier=
arbeit”, als die ganze Sache vielleicht wert war. Es iſt deshalb
immer dankbar zu begrüßen und liegt beſtimmt im eigenen
Intereſſe der Firmen, wenn ſie die Information der
Oeffeutlich=
keit ſelbſt in die Hand nehmen, ehe ſich die unſachverſtändige
Phantaſie mit ihren Plänen beſchäftigt.
Anläßlich des Maſſenbeſuches in Deſſau am 8. März war
auch das Höhenverſuchsflugzeug gezeigt worden. Dieſe Tatſache
gibt jetzt endlich den Junkerswerken Veranlaſſung zu folgender
Mitteilung:
„Wie ſchon vor einem Jahre mitgteilt wurde, entwickeln
zur Zeit die Junkers=Werke in Zuſammenarbeit mit der
Notge=
meinſchaft der Deutſchen Wiſſenſchaft und der Deutſchen
Ver=
ſuchsanſtalt für Luftfahrt ein Höhenflugzeug. Dieſes ſoll der
Schaffung der techniſchen Hilfsmittel für die Erreichung großer
Höhen und der Erforſchung der atmoſphäriſchen Verhältniſſe
dienen. Entſprechend dieſer Aufgabe, iſt es weder für lange
Dauerflüge, noch für die Erzielung hoher Geſchwindigkeiten
ge=
baut. Naturgemäß aber kommen in den großen Höhen infolge
der geringen Luftdichte ſchon beträchtliche Reiſe= und
Maximal=
geſchwindigkeiten in Frage, die jedoch bei dieſem Flugzeug noch
nicht oder nur unweſentlich über diejenigen normaler
Flug=
zeuge bekannter Bauarten hinausgehen.
Das Flugzeug iſt ein einmotoriger Junkers=Metalltiefdecker
mit einer Spannweite von etwa 28 Metern und einem
Flug=
gewicht von rund 4000 Kg. Die Beſatzung iſt in einer
luft=
dichten doppelwandigen Höhenkammer untergebracht,
welche unter einem dem menſchlichen Organismus zuträglichen
Luftdruck gehalten wird. Die Druckhaltung bzw. Lufterneuerung
in dieſer Kammer wird durch einen kleinen Kompreſſor beſorgt.
Das Flugzeug wird mit einem Junkers=Motor und einem
Junkers=Schleudergebläſe, die zurzeit entwickelt werden,
ausge=
rüſtet. Mit dieſer Triebwerksanlage ſoll zunächſt eine Erprobung
vorgenommen werden, die ſich in Höhen von 8 000 bis 12 000
Meter erſtrecken wird. Es iſt geplant, auf Grund der dabei
gewonnenen Erſahrungen, ſpäter ein weiteres Gebläſe zu
ent=
wickeln und in das gleiche Flugzeug einzubauen, mit welchem
man dann etwa 3000 Meter über die heutige
Weltrekord=
höhe (13 157 Meter) zu kommen hofft.
Dieſe kurzen Angaben dürften bereits zeigen, daß die
Er=
oberung der hohen Luftſchichten für die praktiſche Luftfahrt nur
in ſyſtematiſcher und zäher Forſchungsarbeit
er=
folgen kann. Es iſt alſo vorerſt nicht mit der
Verwirk=
lichung ſolcher ſenſationellen Erwartungen zu
rechnen, wie ſie heute die menſchliche Phantaſie in beſonderer
Weiſe zu beſchäftigen ſcheinen.”
Konnte dieſe Mitteilung nicht auch ſchon früher erfolgen?
Sp
Rundfunk-Programme.
Frankfurt a. M.
Freitag, 20. März.
15.20: Reg.= u. Schulrat Eckhardt: Grundſätzliches zur
Oberſtufen=
arbeit.
15 Handeskammerſyndikus Bouveret und Berufsberater Kreutz:
Bietet das Handwerk noch Fortkommensmöglichkeiten?
16.30: Nachmittagskonzert des Rundfunkorcheſters. Mitw.: Wilhelm
Holtz (Baß).
18.10: Hochſchulpfarrer Dr. M. J. Nielen: Stunde des Buches.
18.35: Dr. F. Wallner: Eine Viertelſtunde Deutſch.
18.50: Oberregierungsrat Kümmerlen: Krankenverſicherung.
19.20: Aerzte=Vortrag: Entdeckung und Bekämpfung von
Krüppel=
krankheiten.
19.45: Handharmonika=Konzert. Mitw.: Elite=Truppe des 1.
Frei=
burger Handharmonika=Clubs, G. Kallenberger (humor. Vorträge)
20.15: Im Fluge um die Welt: Zentral=Afrika.
21.00: Renaiſſance, Barock, Rokoko. „Alcina”, Oper von Händel,
22.45: Unterhaltungskonzert.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Freitag, 20. März.
9.30: Aus dem Stadion Beuthen: Große Jugendkundgebung aus
Anlaß des 10. Gedenktages der oberſchleſiſchen Abſtimmung.
Haupt=
redner: Reg. Direktor Dr. Weigel.
15.00: Jungmädchenſtunde. Wie ſorge ich für meine Ausſteuer?
15.45: Jugendſtunde: Pferdediebe in Texas.
16.00: Dr. Fritz Klatt: Arbeitszeit und Freizeit.
16.30: Leipzig: Nachmittagskonzert.
17.30 Prof. Dr. H. Mersmann: Einführung in die neue Muſik.
18.00: C. Haußer: Das Handwerk und die anderen Berufsſtände.
18.30: Wiſſenſchaftlicher Vortrag f. Aerzte. Thema und Name des
Dozenten werden in den ärztlichen Fachzeitſchriften bekanntgegeben.
19.00: Dr. Drath, Dr. Jahn, Anna Geyer: Doppelverdienertum
und Arbeitsloſigkeit.
19.45: Magdeburg: Querſchnitt durch eine Stadt.
21.00: „Platz 13 Reihe 13‟, Hörſpiel von Philipp Weitz.
ca. 22.40: Stunde für die Winterhilfe. Mitw.: Die Comedian
Harmoniſts, Sinfoniſches Blasorcheſter Groß=Berlin (Orcheſter des
Deutſchen Muſikerverbandes).
Hauptſchriftlettung. Rudolf Maupe
Verantwortlich für Politſk und Wirtſchaft: Rudolf Maupe: für Feuilleion, Reich mn
Ausland und Hefſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Böhmann;
für den Handel: Dr. C. H. Que iſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer;; für
„Die Gegenwart” Tageeſplegel in Bild und Wort Dr. Herbert Nette;
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteilungen: Willy Kuble:
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt
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Stndienrat Eberhard Bartcky
und Frau.
Frankenberg (Eder), 14. März 1931.
Herzlichen Dank allen Freunden,
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kannten und dem Männergeſangverein
Teutonia für die Glückwünſche und
Geſchenke zu unſerer Silberhochzeit.
Wilhelm Gebhardt und Frau
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Unſer Kamerad
Kaufmann
Friedrich Hauck
in Schafheim bei Dieburg
iſt am 18. März verſtorben.
Die Beerdigung findet Freitag,
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Heute morgen um 6½ Uhr folgte unſere
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gute, treubeſorgte Mutter, Schwiegermutter,
Großmutter, Schwägerin und Tante
Frau Eliſabeth Zöller
geb. Laub
im 76. Lebensjahr unſerem unvergeßlichen
Vater nach wenigen Tagen in die Ewigkeit
nach.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Adolf Külder
Familie Emil Bauer
und 6 Enkelkinder.
Darmſtadt, Mollerſtr. 32, Königswinter (Rhein),
den 19. März 1931
Die Beerdigung ſindet Samsiag, den 21. März,
nach=
mittags 4 Uhr, auf dem alten Friedhof an der Nieder=
Ramſtädterſtraße ſiatt.
Todes=Anzeige.
Heute morgen verſchied nach kurzem, ſchwerem Leiden
meine liebe Frau unſere herzensgute Mutter
Frau Babette Alt
geb. Schuchmann
im 42. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Franz Alt und Sohn.
Darmſtadt, den 19. März 1931.
(4359
Steinackerſtr. 15.
Die Beerd gung findet am Samstag, den 21. März,
nachmittags 3½ Uhr, auf dem alten Friedhof an der
Nieder=Ramſtädterſtraße ſtat.
Statt beſonderer Anzeige.
Heute verſchied nach kurzer Krankheit
unſer lieber Bruder, Schwager und Onkel
Regierungsrat i. R.
Sonann Lohnes
im 85. Lebensjahr.
Die trauernden Hinterbliebenen:
J. d. N.:
Familie Lohnes.
Darmſtadt, den 19. März 1931.
Frankfurterſir. 86.
(6493
Die Beerdigung findet am Samstag, den
21 März 1931, vormittags 10½ Uhr, auf
dem alten Friedhot (Nied.=Ramſtädterſiraße)
ſiatt
MahEin!
Haiste, 23, Ecfe Holgestshe
Nur noch einige Tage
Dankſagung.
Für die uns erwieſene Anteilnahme beim
Heimgang unſeres lieben, teuren, unvergeß=
(4360
lichen Entſchlafenen
Herrn Johs. Emich, Mählenbeſihzer
ſagen wir hiermit Allen herzlichſien Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Eberſtadt, Eſcholl=Mähle, den 18 März 1931.
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Nummer 79
Freitag, den 20. März 1931
Seite 15
Sport. Spiel und Turnen.
Der Spork des Sonntags.
Wichtige Ereigniſſe in allen Sportarten.
Fußball und die anderen Raſenſportarten führen am Sonntag mit
wichtigen Ereigniſſen ein überaus reichhaltiges Sportprogramm an, in
welchem auch die übrigen Sportarten mit teilweiſe ſehr bedeutenden
Veranſtaltungen zu Worte kommen.
Fußball.
Die ſüddeutſchen Endſpiele werden nach der durch „Paris”
beding=
ten Unterbrechung wieder mit vollem Programm fortgeſetzt. Spiele von
ſogenannter weittragender Bedeutung gibt, es in den beiden
Troſtrun=
den mit den Treffen in Neu=Iſenburg, Augsburg und Pforzheim, in
denen Vorentſcheidungen fallen können. Im einzelnen verzeichnet das
Programm folgende Treffen: Runde der Meiſter: Union Böckingen —
Sppg. Fürth. Eintracht Frankfurt — FK. Pirmaſens, Wormatia Worms
— Karlsruher FV., Bayern München — SV. Waldhof. Troſtrunde
Nordweſt: „V.f.L. Neu=Iſenburg — Phönix Ludwigshafen, Vf.L.
Neckarau — Rot=Weiß Frankfurt, SV. Wiesbaden — FS. Saarbrücken.
FC. Jdar — Union Niederrad. Troſtrunde Sühoſt: Schwaben
Augs=
burg — München 1860, FC. Pforzheim — 1. FC. Nürnberg, Phöni=
Karlsruhe — FV. Raſtatt, V.f.N. Fürth — Kickers Stuttgart. Aus dem
ſiddeutſchen Lager iſt noch die mehrfach verſchobene und nun wohl
durch=
geführte Begegnung um den Abſtieg aus der Gruppe Südbayern
zwi=
ſchen DSV. München und Vf.B. Ingolſtadt=Ringſee im Ulmer Stadion
zu erwähnen. In den Landesverhänden des D.F.B. treten die Spiele
ſetzt auch in ein entſcheidenderes Stadium. Aus dem Ausland
in=
tereſſiert das in Prag ſtattfindende Länderſpiel zwiſchen der
Tſchecho=
ſowakei und Ungarn, das Dr. Bauwens leitet.
Handball.
In Halle treffen, ſich die Verbandsmannſchaften von
Mittel=
deutſchland und Brandenburg zum Endſpiel um den D.S.B.=Pokal.
Zum dritten Male in ununterbrochener Folge haben ſich die beiden
Ver=
bände für das Finale qualifiziert, aus dem man diesmal, die Berliner
als Sieger erwarten darf. Das ſüddeutſche Endſpiel=Programm wird
diesmal um das Vorrundenſpiel der Damen bereichert, in dem ſich in
Franfurt die dortige Eintracht und der 1. FC. Nürnbera
gegenüber=
ſehen. Bei den Herren beſtreitet in Abteilung Weſt der Meiſter, SV.
1ag Darmſtadt, ſein letztes Treffen gegen den FSV. Mainz 05 und in
Abteilung Oſt hahen die „Fürther” den SC. Freiburg zu Gaſt. Aus
dem Lager der D. T. ſind Endſpiele der Damen und Herren um die
Mei=
ſterſchaft des Mittelrheinkreiſes in Algenrodt (TV. Algenrodt — TV.
Herrnsheim) und Frankfurt (Stadt=SV. — TV. Kaſtel) zu erwähnen.
Rugby.
Frankfurt iſt der Schauplatz des Endſpieles um die ſüddeutſche
RugbyMeiſterſchaft. Die Meiſter der Kreiſe Main und Neckar, der SC.
Frankfurt 1880 und der Heidelberger Ruderklub, ſtehen ſich gegenüber,
Hockey.
Für die Hockeyzſpieler gilt die gleiche Parole wie am vergangenen
Sonntag für die Fußballer, nämlich: Länderſpiel gegen Frankreich in
Paris. Die deutſche Mannſchaft iſt nach dem verunglückten Spiel gegen
Holland umgeſtellt worden und ſpielt in folgender Aufſtellung: Lincke=
Berlin; Heymann=Berlin, Zander=Berlin; Ueberle=Hamburg, Th. Haag=
Frankfurt. Hardeland=Hannover: Mehlitz=Berlin Müller=Berlin, Weiß=
Berlin, Scherbarth=Berlin, Wollmer=Leivzig. Nach dem Ausgang des
für Viele bereits im voraus gewonnenenen Fußballtreffens wird, man
auch dem Hockehſpiel gegen Frankreich mit Vorſicht und Reſerve
ent=
gegenſehen müſſen. Wichtige Privatſpiele: TG. 78 Geidelberg — V.f.N.
Mannheim, FTV. 1860 — TV. 1857 Sachſenhauſen.
Rabfahren.
Die Frankfurter Winterbahn beſchließt am Samstag mit der
„Nacht”, einem Achtſtunden=Mannſchaftsrennen in ausgezeichneter
Be=
ſetzung, ihre diesjährige Saiſon. Die erſten großen Straßenrennen
ſtei=
gen mit deutſcher Beteiligung im Auslande, und zwar: Mailand — San
Remo mit Geher=Schweinfurt und Rund um Flandern mit Nitſchke,
Sie=
ronſki, Uſſat, Altenburger, Eſſing, Hertwig, Koch. Müller und Wawrick.
Motorſport.
Die deutſche Motorſaiſon wird am Sonntag, mit dem Eilenriede=
Nennen bei Hannover, dem erſten Lauf zur deutſchen Motorrad=
Meiſter=
ſchaft eröffnet. Der Andrang der Fahrer iſt ſo groß, daß die
Ver=
anſtalter, was bisher noch nie vorkam, die Meldeliſte wegen „
Ueber=
fülung” ſchließen mußten. Alle Namen von Klang wie Pätzold, Frentzen,
Rüttchen, Soemius, Bullus u. a. werden am Start erwartet,
Leichtathletik.
Das am Samstag ſtattfindende Nürnberger Hallenſportfeſt iſt das
letzte der drei „Monopolfeſte” des ſüddeutſchen Verbandes. Es bringt
eine ausgezeichnete Beſetzung, von der ſowohl Stuttgart als auch
Frank=
furt überboten werden. 1400 Teilnehmer gehen an den Start. In
München wird, der David Coſte=Gedächtnislauf veranſtaltet. Die
Turner führen in allen Gauen des Mittelrheinkreiſes ihre Gauwaldläufe
durch. Aus Oberſchleſien iſt der Großſtaffellauf aus Anlaß des
Jahres=
tages der Abſtimmung zu erwähnen.
Schwimmen.
Der Kalender des DSV. verzeichnet folgende Veranſtaltungen:
Klub=
kämpfe des 1. SV. Neu=Ulm gegen DSV. München (Damen) und MSV.
München (Herren), ein kreisoffenes Feſt von Offenbach 96 und ein
ver=
bandsoffenes Schwimmfeſt in Göttingen.
Turnen.
In Darmſtadt ermittelt der Mittelrheinkreis ſeine zehn Vertreter
zu den Gerätemeiſterſchaften der Deutſchen Turnerſchaft.
Tagungen.
Süddeutſchlands kaum beneidenswerte Spielſyſtemkommiſſion tritt
am Samstag und Sonntag in Stuttgart zuſammen; der Süddeutſche
Rugbyverband bringt in Frankfurt ſeinen Verbandstag zur
Durch=
führung.
Pferdeſport.
Nach langer Pauſe wird am Sonntag die deutſche Galoppfaiſon mit
dem Rennen in Dortmund eröffnet.
Zußball im Kreis Starkenburg.
Die Ergebniſſe des letzten Sonntags machen einige Erläuterungen
notwendig. Von den angeſetzten vier Spielen fielen zwei aus. Das in
Egelsbach, weil der Platzverein einige Leute zu den Gauwaldläufen
ab=
ſtellte; das in Iſenburg deshalb, weil Sprendlingen nichts von dem
Spiel wußte. Entgegen ſonſtiger Gepflogenheit hatte der
Kreisvor=
ſitzende die Spielneuanſetzungen nicht im amtlichen Organ
veröffent=
licht, ſondern dieſe den Vereinen brieflich mitgeteilt, wobei der nach
Sprendlingen dirigierte Brief nicht angekommen ſein ſoll.
Sprend=
lingen hatte ſich bereits vormittags Union Wirhauſen als Gegner
ver=
pflichtet und gewann mit 4:2 (3:0). Das Ergebnis iſt für Wirhauſen
recht gut. — In den beiden anderen Spielen ſicherte ſich Union
Darm=
ſtadt die zwei notzwendigen Punkte, welche die Mannſchaft für alle Fälle
aus der Gefahrzone bringen. Der zweite Abſtiegsbedrohte muß nun
zwiſchen Iſenburg und Egelsbach ausgemacht werden. In Pfungſtadt
holte ſich Arheilgen mit 2:2 einen Punkt, weil die Mannſchaft mit mehr
Temperament kämpfte wie die Einheimiſchen. Zu beachten iſt der
Die=
burger Erfolg in Gießen. Die Haſſiaten weilten dort bei dem zur
1. weſtdeutſchen Klaſſe gehörenden V.fV. Gießen und ſchlugen dieſen mit
7:1. An einen Dieburger Erfolg an ſich hatten wir wohl geglaubt aber
daß er ſo hoch ausfallen würde, war nicht vorauszuſehen. Die
Mann=
ſchaft hat damit die Nichtigkeit ihrer Erfolge gegen Walldorf und den
Polizeiſportverein nur erhärtet. Man darf nach dieſem geſpannt ſein,
wie Pfungſtadt und Arheilgen in Dieburg abſchneiden werden. Ueber
die weiteren Spiele wurde bereits am Montag, an dieſer Stelle
be=
richtet.
Am kommenden Sonntag ſpielen:
S.C. Haſſia Dieburg — Germania 03 Pfungſtadt.
Viktoria Griesheim — Polizei Darmſtadt.
F V. Sprendlingen — Viktoria Urberach (Privatſviel,
SV. Münſter — Union Wirhauſen (Privatſpiel).
Es finden alſo nur zwei Verbandsſpiele ſtatt. Gemeſſen an den
letzten Ergebniſſen, müßte Dieburg auch die Pfungſtädter ſchlagen. Aber
gerade dieſes Spiel kann Ueberraſchungen bringen. In Griesheim ſollte
ſich die Polizei durchſetzen, zumal es für dieſe gilt, den zweiten
Tabel=
lenplatz zu befeſtigen. Privatſpiele ſind nur die zwei obengenannten
be=
kannt geworden.
Der Spielbetrieb in den unteren Klafſen:
Da die Odenwaldgruppe feierte, kamen nur in der Gruppe
Berg=
ſtraße=Ried Spiele zur Durchführung. Germania Eberſtadt ſicherte ſich
in Weiterſtadt mit einem 3:1 (2:1)=Sieg beide Punkte und ſollte alſo
das Entſcheidungsſpiel mit den Darmſtädtern Rot=Weißen erzwingen.
Dieſe ſelbſt hatten gegen Gſchollbrücken nur eine 2. Garnitur geſtellt,
welche aber auch für einen 6:3=Sieg über die nur mit 10 Mann
ſpie=
lenden Gäſte gut war. Die „Erſtel von Not=Weiß trug ein Privatſpiel
gegen den FV. 1922 Eppertshauſen aus, das ſie knapp mit 3:9 2:2)
gewann. Weiter wurden noch gemeldet: Eintracht Darmſtadt —
Chat=
tia Wolfskehlen 3:1 (1:1), SV. Groß=Gerau — Reichsbahn Darmſtadt
1:7, Ober=Namſtadt 2 — Spielbpag Groß=Umſtadt 2:9 (1:1).
Für den kommenden Sonntag ſehen wir, da auch die Grupte
Oden=
wald wieder mit eingreift, zum erſtenmal vollen Spielbetrieb.
Ange=
ſetzt ſind folgende Treffen:
Gruppe Bergſtraße=Ried: Rot=Weiß Darmſtadt — Eintracht
Darm=
ſtadt (11 Uhr), Sportverein Weiterſtadt — Chattia Wolfskehlen.
Ger=
mania Leeheim — Germania Eberſtadt, Boruſſia Dornheim —
Reichs=
bahn Darmſtadt, Shortverein Geinsheim — Sportverein Groß=Gerau.
Olympia Hahn — Germania Eſchollbrücken. Von Bedeutung iſt das
Darmſtädter Vormittagstreffen. Weiter dürfte in Hahn die Frage nach
dem B=Meiſter geklärt werden.
Gruppe Odenwald: FSV. Groß=Zimmern — Germania Dieburg,
Sportverein Roßdorf — Sportverein Lengfeld, SC. Ober=Namſtadt —
Vf.L. Michelſtadt. V.f.N. Beerfelden — Sportverein Höchſt. — B=Klaffe:
Spielvag. Klein=Zimmern — Michelſtadt 2., Haſſia Dieburg 3. —
Viktoria Kleeſtadt.
Vereinsiubiläen im Kreis Starkenburg.
Das Jahr 1931 bringt im Kreis Starkenburg eine ganze Reihe von
Vereinsiubilſen. Die Vereine Fußballverein Sprendlingen, Union
Wiu=
hauſen, Sportklub Viktoria Griesheim und Sportklub Dietzenbach,
ſämt=
lich im Jahre 1906 gegründet, feiern das Feſt ihres Bjährigen
Be=
ſtehens.
FV. Germania Eberſtadt teilt uns in Ergänzung des Berichtes über
das Spiel gegen SV. Weiterſtadt in unſerer Mittwoch=Ausgabe mit
daß die erzielten 3 Tore regulär waren, während der Schiedsrichter drei
weitere Tore nicht anerkannte. Eckenverhältnis 6:3 für Eberſtadt. Auch
Eberſtadt habe zwei verletzte Spieler, die ſpäter nur noch als Statiſten
mitwirken konnten, im Kampf gehabt. Der Spieler Jung=Weiterſtadt
ſei wegen Tätlichkeit gegen den Schiedsrichter des Feldes verwieſen
worden.
Der Gaukurnkag des Odenwald=Gaues
der Deutſchen Turnerſchaff.
Bei herrlichſtem Frühlingsſonnenſchein fand am letzten Sonntag
ein recht gut beſuchter Turntag des Odenwaldgaues in Sickenhofen ſtatt.
Programmäßig konnte der 1. Gauvertreter, Dr. Spalt, mit einem
treudeutſchen „Gut Heil!” um 9.30 Uhr den Gautag eröffnen und die
zahlreich erſchienenen Turner herzlich willkommen heißen.
Der ungeheuren Not des deutſchen Volkes gedenkend, führte er aus:
Immer drückt uns noch bange Sorge um die Zukunft unſeres armen
Volkes; noch fällt kein Lichtſtrahl in das Dunkel. Viele wollen uns
einen gangbaren Weg zeigen, aber dieſe Wege laufen nicht zuſammen,
denn Volksgenoſſen bekämpfen ſich bis aufs Meſſer. Und gar ſo gerne
möchte man auch die Deutſche Turnerſchaft in dieſen Strudel
zermür=
bender Parteipolitik hineinziehen. Aber gerade darin liegt die Stärfe
der Deutſchen Turnerſchaft, daß ſie von jeher einen neutralen Boden
abgab, auf dem ſich alle Volksgenoſſen zuſammenfinden können, einerlei
welcher Konfeſſion und Partei ſie ſind. Kampf iſt ja notwendig, er
wirkt fürdernd und hebt ein Volk, wenn er in anſtändigen Bahnen
ge=
führt wird. Von dieſem wahren Kampfgeiſt, von dem ſchon Vater Jahn
beſeelt war, möge auch der heutige Gautag getragen ſein. Das Jahr
1931 ſoll für die D. T. ein Werbejahr ſein. Es iſt zwar ſchwer, in
dieſer trüben Zeit, die alles auf den Kopf ſtellt, das Alte zu halten und
Neues zu finden. Aber wenn die D. T., ihrem alten Wahlſbruch treu
bleibt, dann wird ſie auch dieſe ſchwere Zeit überwinden. Die Worte
des Gauvertreters klangen aus in der Hoffnung, daß bald
wirtſchaft=
liche Bedingungen kommen, die uns das Leben erträglich machen.
Hoffnung iſt unſer Wanderſtab im Jahre 1931.
In prächtiger Ergänzung dieſer Ausführungen beleuchtete nun
Gaukinderturnwart Nebling in einem intereſſanten Vortrag
„Deutſche Not und deutſches Turnen” unſeren heutigen Stand. Iu
einem anſchaulichen Bild entwickelte er Urſache und Wirkung der
wirt=
ſchaftlichen, politiſchen, körperlichen und geiſtig=ſeeliſchen Not des
deut=
ſchen Volkes und zeigte Mittel und Wege, die wir in der D. T. gehen
müſſen, wenn wir unſeren Volksgenoſſen, die ja die D. T. alle umfaſſen
will, helfen wollen. Werben müſſen wir, werben beſonders um die
Jugend, die die größte Not hat. Aber dieſe Jugend darf bei uns uicht
enttäuſcht werden. Die Arbeit der D. T. muß umfaſſend ſein, ſie muſßf
Huefen zu Sen. Duern Rieutfſe uige Räuer. u danfif.
die bereit ſind, Opfer zu bringen, und geſunde und lebensfrohe
Müt=
ter zu ſchaffen, die die Laſt und die Bürde des Lebens tragen. „Denn
ſetzt ihr nicht das Leben ein, nun wird euch das Leben gewonnen ſein.”
Dem Nedner wurde für ſeine erſchöpfende Arbeit der Dank des
Turn=
tages.
Aus dem ſich nun anſchließenden Geſchäftsbericht des Gauvertreters
war zu entnehmen, daß der Mitgliederſtand erfreulicherweiſe ein
ſtau=
kes Anwachſen aufzuweiſen hat, beſonders wurde die Zunahme der
Jugendturner um 209 Mitglieder begrüßt. Die nächſte Nummer der
Gauzeitung ſoll der Jugend gewidmet, als Werbenummer erſcheinen.
Den wenigen Vereinen des Gaues, die noch keine Schilerabteilung
haben, wird deren baldige Gründung empfohlen. Auch der Gauwart
für Geiſtesturnen und Jugendpflege betonte, daß wir unſer Augenmerk
noch mehr als ſeither auf die Erfaſſung der Jugend richten müſſen. Ju
dieſem Zuſammenhang wurde auch eines verdienſtvollen Förderers des
Jugendtums gedacht, des verſtorbenen. Vater Bender”, der ein
bahu=
brechender Führer des Jugend= und Geiſtesturnens war. Der Turntag
ehrte das Andenken dieſes großen Turnerführers durch Erheben von
den Sitzen.
Die Gaukaſſe wurde von den Rechnungsprüfern in Ordnung
ge=
funden, worauf dem Gaukaſſenwart Eidenmüller einſtimmig Entlaſtung
erteilt wurde. Der Voranſchlag des Jahres 1929/30 ſchließt in
Ein=
nahme und Ausgabe mit 8190.— RM. ab. Der Not der Zeit
Reih=
nung tragend, die auch auf den Vereinen ſchwer laſtet, wurde die
Gau=
ſteuer auf 185 NM. feſtgeſetzt, unter der Verausſetzung, daß auch der
Kreis die Beiträge erniedrigt. Ein diesbezüglicher Antrag des
Turn=
vereins Michelſtadt wurde unterſtützt und ſoll an den Kreis
weitet=
geleitet werden.
An zwei verdiente, treue Turner, Seliger=Sickenhofen und Keil=
Groß=Bieberau, konnte der Gau=Ehrenbrief verliehen werden.
Das Gaufeſt, verbunden mit dem Gauſportfeſt, findet am 5. Juli
ds. J8. in Brensbach i. Odw., die Jugendfeſte des 1. und 2. Bezirks
am 11. Auguſt ds. J3. in Kinch=Brombach bzw. Habitzheim, das
Jugend=
feſt des 3. Bezirks am 26. Juli ds. Js in Fränkiſch=Crumbach ſtat. Um
das Gauwettſchwimmen hatte ſich nur der Turnverein Reichelsheim
be=
worben. Die Feſtbeiträge wurden auf der ſeitherigen Höhe belaſſen.
Als einziger Antrag der Gauvereine lag nur ein Antrag des
Turnvereins Steinbach vor, der die Frage des Uebertritts eines
Tur=
ners von einem Verein in einen anderen grundſätzlich geregelt wiſſen
will. Es wurde feſtgeſtellt, daß in Anbetracht der verſchiedenartig
ge=
lagerten Fälle eine allgemeine Regelung nicht ſtattfinden kann. Es
ſoll von Fall zu Fall entſchieden werden, die letzte Entſcheidung hat der
Gauvorſtand, der, wenn er es für nötig befindet, eine Sperre feſtſetzt.
Mit dem Abſingen des Liedes „Gin Ruf iſt erklungen” war die
Tagesordnung erſchöpft. Der Gauvertreter ſchloß den einmütig
ver=
laufenen Turntag mit dem Wunſche, daß ſich alles, was heute beraten
wurde, auswirken möge, zum Segen der Vereine, des Gaues, der D. T.
und des deutſchen Volkes.
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Der Ausſchlaß der Wechſelhaftung.
Von Eduarb Butzmann, Berlin.
Die durchſchnittlich auf etwa 3½ Milliarden RM. zu ſchätzenden
Beträge, die allmonatlich auf die in Deutſchland erfolgenden
Wechſei=
ziehungen entfallen, geben ein anſchauliches Bild von der Bedeutung,
die der Wechſel im heutigen Wirtſchaftsleben einnimmt. Andererſeits
laſſen aber die veröffentlichten Zahlen über die Anzahl der zum Proteſt
gelangenden Wechſel und die damit notleidend gewordenen Summen
erkennen, welchem Riſiko die auf den Wechſeln verzeichneten Firmen
und Perſonen ausgeſetzt ſind. Wenn alſo im letzten Monat etwa 7500)
Wechſel mit einem Geſamtbetrage von etwa 10 Millionen RM.
pro=
teſtiert werden mußten, ſo bedeutete dies für eine gleiche Anzahl von
Ausſtellern mindeſtens eine unangenehme Ueberraſchung. Aber auch
für die zumeiſt recht große Anzahl der auf jedem Wechſel verzeichneten
Indoſſanten bleibt der zum Proteſt gegangene Wechſel ein Moment der
Unruhe, es ſei denn, daß ſie dafür Vorſorge getroffen haben, daß ihnen
irgend welche Verbindlichkeiten aus dem weiter geleiteten Wechſel nicht
erwachſen können.
Im Gegenſatz zu dem Akzeptanten und dem Ausſteller wurde dem
Indofſanten vom Geſetzgeber die Möglichkeit gewährt, ſich der Haftung
aus dem mit ſeinem Indoſſament weitergegebenen Wechſel zu entziehen.
Der Artikel 14 der Wechſelordnung lautet nämlich wie folgt:
„Der Indoſſant haftet jedem ſpäteren Inhaber des Wechſels für
deſſen Annahme und Zahlung wechſelmäßig. Hat er aber dem
In=
doſſamente die Bemerkung „ohne Gewährleiſtung”, „ohne Obligo”
ode=
einen gleichbedeutenden Vorbehalt hinzugefügt, ſo iſt er von der
Ver=
bindlichkeit aus ſeinem Indoſſamente befreit.”
Der Indoſſant kann ſich alſo leicht von der Wechſelhaftung befreien,
indem er ſeiner Unterſchrift auf der Rückſeite des Wechſels die
Bemer=
kung „ohne Gewährleiſtung” „ohne Obligo” oder auch den Zuſatz „ohne
Garantie” oder „ohne Einlöſungspflicht” oder „ohne Haftpflicht” oder
einen gleichbedeutenden Ausdruck hinzufügt. Wer dieſe Vorſichtsnahme
bei der Weitergabe von Wechſeln niemals außer Acht läßt, iſt aller
Sor=
gen darüber ledig, ob der Wechſel bei Fälligkeit eingelöſt wird oder
nicht.
Anders liegen die Verhältniſſe jedoch für den Ausſteller des
Wech=
ſels. Er erſcheint zwar zugleich als erſter Indoſſant auf dem Wechſel,
ſobald er denfelben weitergeben will. Er kann ſelbſtverſtändlich auch
als Indoſſant eine der oben genannten Bemerkungen ſeiner Unterſchrift
zuſetzen, um ſeine Haftpflicht als Indoſſant auszuſchließen. Das iſt aber
rechtlich ohne jegliche Bedeutung, da ſeine Haftung als Ausſteller unter
allen Umſtänden beſtehen bleibt. Wollte er aber auch ſeiner Unterſchrift
als Ausſteller die die Haftpflicht ausſchließende Bemerkung beifügen,
ſo würde dadurch der Wechſel ſeine Gültigkeit verlieren. Der Ausſteller
hat alſo keinerlei Möglichkeit, ſich der wechſelmäßigen Haftung aus der
Leiſtung ſeiner Unterſchrift zu entziehen. Das wird naturgemäß
durch=
aus nicht ſelten als Uebelſtand empfunden und hat auch Beſtrebungen
gezeitigt, Mittel und Wege ausfindig zu machen, mit deren Hilfe es
durchführbar erſcheint, auch dem Ausſteller gegen die Haftung aus dem
von ihm ausgeſtellten Wechſel einen ausreichenden Schutz zu gewähren
Das iſt auch mit Erfolg gelungen, und zwar durch eine
bedingungs=
weiſe Diskontierung des Wechſels, nämlich den Verkauf unter
ausdrük=
licher Vereinbarung des Haftungsausſchluſſes, für den Ausſteller als
Verkäufer.
Dieſe Diskontierung 4 korkait, wie der techniſche Ausdruck dafür
lautet, iſt durchaus nicht neueren Urſprungs, ſondern beſteht ſchon recht
lange. Sie hat aber im Geſchäftsleben früher nie eine erwähnenswerte
Rolle geſpielt, gehörte vielmehr zu denjenigen Geſchäften, die man als
„dunkel” zu bezeichnen pflegt. Dieſen Charakter hat die Diskontierung
z forfait auch heute noch nicht ganz verloren. In größerem Umfange
gelangte ſie erſt in der Nachkriegszeit zur Anwendung, als nämlich die
ſogenannten „Ruſſenakzepte” in den Verkehr gelangten. Dieſe das Akzept
der ruſſiſchen Handelsvertretung tragenden Wechſel wollten die
Aus=
ſteller natürlich ſtets ſofort zu Geld machen, ohne dabei ſelbſt eine
Haf=
tung einzugehen. Und hierfür fanden ſich dann auch Erwerber, die den
Ausſtellern die Wechſel abkauften unter der ausdrücklichen Verpflichtung.
daß der Ausſteller von jeder Haftpflicht aus dem Wechſel befreit ſei.
Dieſe Verpflichtung galt auch gegenüber allen weiteren Erwerbern
die=
ſes Wechſels, wenigſtens war der Diskonteur verpflichtet, den Wechſel
mit dieſer Auflage weiter zu veräußern. Geſchah dies nicht, dann trat
ſelbſtverſtändlich die Haftpflicht des Ausſtellers für diefenigen ſpäteren
Erwerber wieder ein, denen von der 2 forfait=Klauſel beim Verkauf des
Wechſels durch den Ausſteller nichts bekannt war.
Man erſieht hieraus alſo, daß das Geſchäft für den Ausſteller auf
jeden Fall mit einem Riſiko verbunden war. Nicht nur, daß er die
Dis=
kontierung nur bei einem hohen Jahreszinsſatze (30 Prozent und mehr)
erhalten konnte, er mußte auch immer mit der Möglichkeit rechnen, daß
der Diskonteur die übernommene Verpflichtung des Haftungsausſchluſſes
für den Ausſteller bei Weitergabe des Wechſels nicht erfüllte. Darum
muß bei allen Diskontierungen 2 forkait genau geprüft werden, ob der
Diskonteur auch das Vertrauen verdient, daß er die übernommene
Ver=
pflichtung der Haftungsbefreiung für den Ausſteller gegenüber allen
ſpä=
teren Erwerbern des Wechſels erfüllt.
Wirtſchaftliche Rundſchan.
Schiebsſpruch für die bayeriſche Metallinduſtrie für verbindlich
er=
klärt. Bekanntlich waren in Bahern 40000 Metallarbeiter der
groß=
ſtädtiſchen Metallinduſtrie ausgeſperrt. Dieſer Konflikt iſt am
Mitt=
ſvoch abend nach zweitägigen Verhandlungen im Miniſterium dadurch
beendet worden, daß der gefällte Schiedsſpruch, deſſen
Verbindlichkeits=
erklärung die Gewerkſchaften gefordert hatten, mit mehreren
Aenderun=
gen für verbindlich erklärt wurde. Vom 18. März ab werden die
gül=
tigen Löhne und die Akkordbaſen um 5,5 v. H. gekürzt. Die laufenden
Stücklöhne und Akkorde ermäßigen ſich bei Ueberſtunden bis zu 30
Pro=
zent um 5,5 v. H., bei Ueberſtunden über 30 bis 45 Prozent um 6
Pro=
zent und über 45 Prozent um 7 Prozent.
Konkurs der Silberwarenfabrik Gebr. Hepp G. m. b. H.,
Pforz=
heim. Bei etwa 10 000 RM. Außenſtänden belaufen ſich die Schulden
auf 1,2 Mill. RM. Das Warenlager hat einen Buchwert von 800 000
RM., die Einrichtungen einen ſolchen von 150 000 RM. und das
Grundſtück iſt mit 40000 RM. angegeben. Beabſichtigt iſt, mit
Unter=
ſtützung von Staat und Gemeinde eine völlige Liquidation zu
vermei=
den, da dadurch etwa 230 Arbeiter und Angeſtellte brotlos werden. Die
Höhe der Quote hängt ab von der Möglichkeit der Wiederaufnahme der
Fabrikation.
Produkkenberichke.
Berliner Produktenbericht vom 19. März. Nach ruhigem
Vormit=
tagsverkehr machte zu Beginn der Produktenbörſe die Abwärtsbewegung
der Preiſe weiter kräftige Fortſchritte. Das Inlandsangebot von
Brot=
getreide und Hafer, insbeſondere auch der zweiten Hand, trat ſtärker in
Erſcheinung, und angeſichts des ſchleppenden Mehlabſatzes waren die
Mühlen auch zu drei Mark niedrigeren Preiſen als geſtern kaum als
Käufer im Markte. Im handelsrechtlichen Lieferungsgeſchäft lagen für
Weizen in den ſpäteren und für Noggen in den vorderen Sichten größere
Verkaufsorders, zum Teil auch aus der Provinz, vor, ſo daß
Preisrück=
gänge um drei Mark eintraten. Nur März=Weizen, für den noch
Liefe=
rungsverpflichtungen beſtehen, war behauptet. Das Mehlgeſchäft
ſtag=
niert weiter, obwohl die Forderungen für Weizenmehl bis um fünfzig
Pfennig, für Roggenmehl um fünfundzwanzig Pfennig ermäßigt ſind.
Starke Zurückhaltung der Käufer machte ſich auch am Hafermarkte
gel=
tend, und die Gebote" für das etwas reichlichere Offertenmaterial in
prompter Ware lauteten bis vier Mark niedriger. Gerſte konnte ſich der
ſchwächeren Allgemeintendenz nicht ganz entziehen.
Biehmärkke.
Darmſtädter Viehmarkt vom 19. März. Aufgetrieben waren: 11
Ochſen, 146 Kälber, 1 Schaf. Die Preiſe ſtellten ſich für Kälber a) 66
bis 72, b) 59—65, c) 54—58 Pfg. pro Pfund. Marktverlauf: geräumt.
Frankfurter Viehmarkt vom 19. März. Der Auftrieb des heutigen
Nebenmarktes beſtand aus 113 Rindern (129), 1112 Kälbern (985), 167
Schafen (140) und 774 Schweinen (1141). Marktverlauf: Kälber und
Schafe mäßig rege, geräumt: Schweine ſchleppend, geräumt. Bezahlt
wurde pro Zentner Lebendgewicht in RM.: Kälber b) 66—69, c) 62—65,
b) 53—61: Schafe al) 4—48, b) 38—44. Die Preiſe für Kälber lagen
gegen die Notierung vom Montag, den 16. März, um 1—3 RM. höher.
Schafe zeigten unveränderte Notierungen. — Fleiſchgroßhandelsmarkt:
Preis für 1 Zentner friſches Fleiſch in RM.: Ochſen= und Rindfleiſch 1
70—80, 2 60—70; Bullenfleiſch 74—78; Kuhfleiſch 2 50—60, 3 40—50;
Kalbfleiſch 2 95—105; Hammelfleiſch 90—100; hieſiges Schweinefleiſch
85—70, litauiſches 56—62.
Franffurter und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 19. März.
Die Börſe eröffnete bei verhältnismäßig kleinem Umſatz allgemein
in ſchwächerer Haltung, während noch im Vorbörſenverkehr ziemlich feſte
bzw. behauptete Kurſe genannt worden waren. Das Publikum und auch
die Spekulation nahm anſcheinend für die in letzter Zeit erworbenen
Beſtände weitere Entlaſtungsverkäufe vor. Die Unternehmungsluſt
wurde ferner durch die ſchwache Veranlagung der Bergmann=Aktien, bei
denen mit einem evtl. Dividendenausfall gerechnet wird, ſtark gehemmt.
Die feſte New Yorker Börſe und die eher etwas entſpannte
innerpoli=
tiſche Lage machten keinen Eindruck. Die Kursentwicklung war nicht
ganz einheitlich, doch überwogen die Abſchwächungen. Elektrowerte
ſtan=
den etwas ſtärker unter Kursdruck und die Hauptwerte gaben bis 1½
Prozent nach. Für Bergmann, die mit Minus=Minus=Zeichen erſchienen,
kam eine amtliche Notiz zunächſt nicht zuſtande, die Tare lautete etwa
6 Prozent niedriger. Höher eröffneten Lahmayer und Licht und Kraft.
Im Verlaufe hielt die Verkaufsneigung der Spekulation an, und
die Kurſe neigten erneut bis zu 1 Prozent zur Schwäche. Bergmann
wurden etwa 8 Prozent ſchwächer taxiert. In Farbenaktien konnte man
teilweiſe etwas Markfürſorge feſtſtellen. Das Geſchäft war jedoch
außer=
ordentlich ſtill. Bis zum Schluß der Börſe ſetzten ſich die Abgaben fort,
und es traten erneut Kursrückgänge bis 1½ Prozent ein. Bergmann
kamen ſchließlich mit 99½ Prozent, d. h. 15½ Prozent niedriger zur
Notiz. Die Nachbörſe lag unerholt. Tagesgeld war heute etwas
gefrag=
ter, ſo daß der Satz um ½ Prozent auf 3½ Prozent erhöht wurde. Am
Deviſenmarkt bewahrte die Mark ihre feſte Haltung. Man nannte Mark
gegen Dollar 4,1925. gegen Pfunde 20,39½. London=Kabel 4,8595,
—Paris 124,20, Mailand 92,73. —Madrid 47.10 ſchwächer. —Schweiz
25,25½. —Holland 12,117/s.
Nach dem ſcharfen Kurseinbruch im heutigen Mittagsverkehr
eröff=
nete die Abendbörſe in beruhigter und überwiegend feſterer
Hal=
tung. Einige Kauforders aus dem Auslande veranlaßten die
Speku=
lation ebenfalls zu Deckungen und Rückkäufen, ſo daß gegen die
Ber=
liner Schlußkurſe durchweg Kursbeſſerungen zu verzeichnen waren.
Leb=
hafter gehandelt wurden am Elektromarkt beſonders Gesfürel, die auf
den perfekt gewordenen Berliner Ueberbrückungskredit 3 Prozent
an=
zogen. Auch die übrigen Elektropapiere verzeichneten durchweg
Kurs=
beſſerungen bis zu 1½ Prozent. Von Montanaktien lagen Phönix 1½
Prozent höher. Am Bankenmarkt gewannen neue Reichsbankanteile
3 Prozent, während auf den übrigen Marktgebieten Kursbeſſerungen bis
zu 1 Prozent eintraten. Anleihen ſtill und gut behauptet.
Berlin, 19. März.
Die erſten pffiziellen Notierungen der heutigen Börſe brachten
über=
wiegend mehrprozentige Kursbeſſerungen. Schon im Vormittagsverkehr
war man im Anſchluß an das feſtere Ausland und beeinflußt durch
den leichten Geldmarkt und die weitere Beſſerung der Mark feſter
ge=
ſtimmt. Es fand auch Beachtung, daß der diesmalige Bericht des
In=
ſtituts für Konjunkturforſchung erſtmalig etwas optimiſtiſcher klang.
Da auch die Schweiz in Elektrowerten ſtärker als Käufer hervortrat, ſah
ſich die Spekulation, die geſtern Abgeber war, zu Deckungen und
Rück=
käufen veranlaßt. Die Kursgeſtaltung war aber ſchon anfangs nicht
ganz einheitlich und mehreren Minus=Minus=Zeichen wurde, im
Ver=
laufe wenigſtens, größere Beachtung geſchenkt. Ueberhaupt wurde die
Tendenz nach den erſten Kurſen überraſchend ſchnell ſchwächer. Das
Ge=
ſchäft, das anfangs noch ziemlich lebhaft war, ließ merklich nach, es
tauchten unkontrollierbare Gerüchte von Schwierigkeiten in der Provinz
auf. Die Spekulation hörte zu decken auf und nahm im Gegenteil
Ab=
gaben vor, die das Kursniveau um 1—4 Prozent unter Anfang drückten.
Anleihen ruhig.
Melallnokierungen.
Die Berliner Metallnotierungen vom 19. März ſtellten ſich
für je 100 Kilogramm für Elektrolytkupfer, prompt eif Hamburg,
Bremen oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die
deutſche Elektrolytkupfernotiz) auf 98.25 RM. — Die Notierungen
der Kommiſſion des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe
verſtehen ſich ab Lager in Deutſchland, für prompte Lieferung und
Bezahlung) ſtellten ſich für Originalhüttenaluminium, 98= bis 99, in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren auf 170 RM., desgl.
in Walz= oder Drahtbarren 99proz. 174 RM., Reinnickel. 98= bis
90proz. 350 RM., Antimon Regulus 53—55 RM., Feinſilber
(1 Kilogr, fein) 42—44 RM.
Frankreich unler der Wirkſchaflskriſe.
Die franzöſiſche Wirtſchaftskriſe ſpiegelt ſich deutlich in den heutt
veröffentlichten amtlichen Ziffern über den Außenhandel Frankreichs
in den beiden erſten Monaten des Jahres wieder. Die Einfuhr hat ſid
gegenüber der gleichen. Zeit des Vorfahres um 1,7 auf 7.9 Milliarder
Franken, d. h. um 17½ Prozent vermindert, während die Ausfuhr un
2,4 auf 5.3 Milliarden, d. h. 31 Prozent zurückgegangen iſt. Die Aus
fuhr hat damit den niedrigſten Stand ſeit mehreren Jahren erreicht
An dem Rückgang der Einfuhr ſind in erſter Linie die für die weiter
verarbeitende Induſtrie beſtimmten Rohſtoffe, an dem Sinken der Aus
fuhr dagegen hauptſächlich die Fertigfabrikate beteiligt. Der Fehlbetrag
der Handelsbilanz, für Januar und Februar ſtellt ſich auf 2,6 Milliar
den gegenüber 1,8 Milliarden für die entſprechende Zeit des Vorjahres
Amerikaniſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 19. März
Getreide. Weizen: März 79.50, Mai 82½8, Juli 62½, Sept
62); Mais: Mai 65½, Juli 66½, Sept. 66½; Hafer: Mai 32.75
Juli 3258, Sept. 32½; Roggen: Mai 4058, Juli 4128.
Schmalz: März 9.05, Mai 9.07½, Juli 9.22½, Sept. 9.37½
Speck, loko 11.25.
Schweine: leichte 8.15—8.35, ſchwere 7.10—7.50; Schweine
zufuhren: Chicago 23 000, im Weſten. 87 000.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 19. März
Schmalz: Prima Weſtern 9.80; Talg, extra, loſe 4.
Getreide. Weizen: Rotwinter 90½; Mais, loko New Yort
77½8; Mehl, ſpring wheat clears 4.25—4.50; Fracht: nach
Eng=
land 1,9—2,6 Schilling, nach dem Kontinent 8—9 Cents.
Kakao. Tendenz: ſtetig; Umſätze: 57: Loko: 5½; März 5.20
Mai 5.26, Juli 5.44, Sept. 5.62, Okt. 5.70, Dez. 5.82.
Kleine Wirlſchaftsnachrichken.
Die deutſchen Stahlwerke (ohne Saargebiet) ſtellten im Februa
1931 759 633 Tonnen Rohſtahl her (Januar 1931: 773 578 Tonnen)
Das durchſchnittliche arbeitstägliche Aufbringen (24 Arbeitstage) wa
mit 31 651 Tonnen um 1898 Tonnen oder um 6,/4 Prozent höher als da
des Monats Januar 1931 (26 Arbeitstage). Es entſpricht 55,0 Prozen
des durchſchnittlichen arbeitstäglichen Aufbringens des Jahres 1913.
Die ſeit langem erwartete Fuſion zwiſchen der Maſchinenfabri
Gritzner A.=G. in Durlach und der Pfälziſchen Nähmaſchinen= un
Fahrräder=Fabrik vorm. Gebr. Kayſer in Kaiſerslautern iſt nunmeh
durch die Aufſichtsräte beider Inſtitute beſchloſſen worden.
Im Manteltarifſtreit der Kalkinduſtrie der mittleren Lahn un
benachbarten Gebiete ſchloſſen die Parteien vor dem Schlichtungsaus
ſchuß einen neuen Manteltarifvertrag mit einer Geltungsdauer bis zur
31. März 1933.
Durch Schiedsſpruch des Reichsarbeitsminiſteriums wurde der Min
deſtſtundenlohn für einen männlichen Schuhfabrikarbeiter über 21 Jahr
in Ortsklaſſe 1 von ſeither 95 auf 90 Pfg. herabgeſetzt. Sämtliche tat
ſächlichen Zeitlöhne und Akkordſätze werden entſprechend der Lohn
reduktion beim Tariflohn um 5½ Prozent geſenkt. Da der Schieds
ſpruch für beide Parteien als endgültig und ſofort bindend erklär
wurde, iſt damit der Tarif= und Lohnſtreit in der Schuhinduſtrie, vo
dem cn. 100 000 Arbeiter betroffen waren, beendet.
Die Arbeitnehmer haben den am Donnerstag voriger Woche ge
fällten Schiedsſpruch für die mitteldeutſche Landarbeiterſchaft, der di
Stundenlöhne der männlichen Landarbeiter über 18 Jahre um 1 Pfg
und die Löhne für das Geſinde um 5 Prozent herabſetzt, abgelehnt
Die Arbeitgeber haben, daraufhin die Verbindlichkeitserklärung de
Schiedsſpruches beantragt.
Der Mitteldeutſche Bankverein A.=G. in Dieburg hat ſich durch di
Ungunſt der wirtſchaftlichen Verhältniſſe veranlaßt geſehen, ſeine Zah
lungen einzuſtellen.
Präſident Hoover hat den amerikaniſchen Journaliſten J. Learbt
einen Spezialiſten für ſoziale Fragen, beauftragt, eine Reife durc
England, die Schweiz und Deutſchland zu machen, um die Lebensbedin
gungen der dortigen Arbeitsloſen und die Methoden, die zur Be
kämpfung der Arbeitsloſigkeit angewendet werden, zu ſtudieren.
Berliner Kursbericht
vom 19. März 1931
Deviſenmarlt
vom 19. März 1931
e
danatbank . . . . . . .
eutſche Bank u.
disconto=Geſ.
esdner Ban1
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anſa Dampfſch.
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rgmann Elektr.
erl. Maſch.=Bau
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eutſche Cont. Gas
deutſche Erdö=
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144.—
109.—
109.—
69.50
98.875
71.125
106.—
75.—
81.625
100.—
52.50
114.125
130.—8
68.50
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J. G. Farben
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Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Phil. Holzmann
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125.50
141.50
83.—
124.—
72.50
69.25
90.—
145.—
66.50
76.—
74.875
41.75
63.-
77.125
54.125
Polyphonw
Rütgerswerke
Salzdetfurth Kali
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtoff
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Alkali
Agsb.=Nrnb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr Ind.
Hirich Kupfer
Hohenlohe=Werke
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VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke
KIKS
52.75
222.—
116.50
125.—
60.—
148.—
69.50
25.75
58.25
Anz
g7.-
54,75
Helſingfors
Wien
Prag
Budapeſt
Sofia
Holland
Oslo
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London
Buenos=Aires
New Yort
Belgien
Italien
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Währung
100 finn. Mk.
100 Schilling
100 Tſch. Kr.
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100 Kronen
100 Kronen
100 Kronen
18.Stg.
1 Pap. Peſo
1 Dollar
100 Belgo
100 Lire
100 Francs
Geld
10.551
58.945
12.426 12.44
73.10
3.037
112.13
112.13 112.35
112.24
20.37 20.41
1.458
1.1920
58.38
21.96
16 398
Brief
10.571
59.065
73.24
3.043
168.09 168.43
112 3.
112.46
1.462
4. 2000
58.50
22.00
16.434
Schweiz
Spanien
Danzig
Japan
Rio de Janeir!
Jugoſlawien
Portugal
Athen
Iſtambu
Kairo
Kanada
Uruguay
Fsland
Tallinn (Eſtl.
Riga
Brie
70.81
43.66 43.74
71.63
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4.199
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Frankfurter Kursbericht vom 19 März 1931.
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6% Berlin ......
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8% Frankfurt a.M.
v. 26
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8% Mannheim v. 26
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8% Wiesbaden . .!
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8% Preuß. Lbs..=Anſt. G. P
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99.4
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Heſſen Goldobl.
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Dt. Komm.
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J. G. Farben Bonds
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Dyckerhoff u. Widm
Eichbaum=Werger
Elektr. Lieferg.=Geſ.
Licht u. Kraft
Eſchw. Bergwert.
EßlingenMaſchinen
Ettlingen Spinnerei
Faber & Schleicher
J. G. Farbeninduſtr
Feinmech. (Jetter)
Felt. & Guilleaumel
Frankf. Gas :. Lia.
Hof.
Telſenk. Bergwerk
Geſ. f.elektr. Untern.
Goldſchmidt Th.
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Grün & Bilfinger
Hafenmühle Frift
Hammerſen (Osn
Hanauer Hofbrauh.
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Hirſch Kupfer. .. .
Hochtief Eſſen.
Holzmann. Phil
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Junghans
Kali Chemie
Aſchersleben.
Kammgarnſvinn. .
Karſtadt, R.. .
Klein. Schanzlin
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Knorr C. H..
Lahmener & Co.
Laurahütte . . ..
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112
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Mainz. Akt.=Br. . . .
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Schriftg. Stempel. 88
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Tietz Leonbard .
Tucher=Brauerei
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FrankonaRück=u. M
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76
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103.5
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113
144
109
94.5
109
92
151
151
160
27.4
136
132.5
145
9.5
134
62
70
85
26.5
[ ← ][ ][ → ]Nummer 79
Freitag, den 20. März 1931
Seite 17
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Panl Richter, der ermpathuisehe Siegtried Darsteller aus
dem weltbekannten Nibelungenfilm in seiner ersten
Sprechrolle in dem Tonflm:
Beginn 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr
Die unvergeßliche Liebesgeschichte von Kaiser Josef, II. und
der Försterstochter.
Begie: Friedrich Zelnik.
Weitere Mitwirkende: Trene Eisinger von der
Staats-
oper Berlin als „Försterchrist!‟
Oskar Kariweiss als Wolfgang-Amadens Mozart
André Pilot als Leutnant Földessy
sowie Adele Sandrock Tiber v Hallmav Jelly Staffel u. a
Friedrich Zelniks großer „Förstercbristl‟-Erfolg ist aus der
Aera des stummen Films noch in allerbester Erinnerung. —
Schon damals wirkte „Försterchristl” bezanbernd durch
In-
halt und Darstellung. Und nun tritt bei der Neuverfilmung das
gesprochene und gesungene Wort hinzu, das diesen Film zu
einem Erlebnis werden läßt.
Daxu „„Mlicky auf dem Wiiwenbaut””
und das gute Beiprogramm.
Beginn: 3.45, 600 und 8.20 Uhr
Bis auf weiteres
Das ausgezeichnete Doppelprogramm
Hen Maynard, der verwegene
Cowboxheld in dem neuen
Wildwest-Abentener
Den
Anscklag auf
den Depescken-
Reiten
Begie: Ken Maynard.
Ein Film der Abenteuer u. Sensationen.
Toller Uebermut u. fabelhäfte
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kunststücke lassen die Ereignisse
gleichsam miterleben.
Im II. Teil:
Laura La Plante und Joser
Schtldkraut in dem Großfilm:
SHOHBOAT
(Das Komödiantenschift)
Nach dem weltbekannten Boman
von Edn- Ferber
Regie: Harry Pollard.
Der Film zeigt das Leben einer
Theatertruppe auf einem Theaterschiff
— Schittbruch im Gewittersturm auf
dem Mississippi — Ein Trabrennen.
wie es noch vie anfgeno mmen wurde.
— Die Spielhöllen von Chikago.
Nummer 7
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Darmstadt. Montag den 23.
März. abends 8½ Uhr
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Rud Medicato (Wliesbaden)
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Medicato ist kein Mystiker,
seine Vorträge und die
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führung der versch jedenen
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Thema sollen lediglich dem
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und Umgebung mit, daß wir ab kommenden
Samstag, den 21. März 1931, das
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angenehmen Sommeraufenthalt und bitten
um geneigten Zuspruch.
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zur
Ordentl. Hauptverſammlun
(Vertreterverſammlung)
am 29. März 1934, vormittags 10 Uhr,
im Reichshof, Rheinſiraße 35.
Tagesordnung:
1. Geſchäftsbericht des Vorſiandes und
ſichtsrates.
2. Beiicht über die geſetzliche Reviſion.
3 Genehmigung der Bilanz, Entlaſtiung 8
Vorſitandes, Verteilung des Reingewinnes
4. Aenderung der Satzung 8 19 (Zahl der
glieder des Aufſichtsrates).
5. Wahlen zum Autſichtsrat.
6. Wahlen zum Vorſtand.
7. Beſchlußfaſſung zu § 8 der Satzung
(Sonſtige Rücklagen, Sterbekaſſe).
8. Ausſprache.
Darmſiadt, den 19. März 1931.
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Hese e
g
Ne e
Nummer 79
Freitag, den 20. März 1931
Seite 19
Haatengssatsstien,
Ein Roman von
Copyright by Noviſſima Verlag G. m. b.
und — wie hieß das andere Wort?” „ und dinglicher
Sicher=
beitsarreſt —” „Was bedeutet das?” „In der Laienſprache
aus=
gedrückt: er kann Sie pfänden —” „Von mir aus —!! Das biſſel den ja reinen Mund halten, nicht wahr?”
Alltagsgarderobe hätt’ ich drüben kaum mit Anſtand tragen
können.”
„Wie würde ein deutſcher Richter ſich im umgekehrten Fall
verhalten? Laſſen Sie mich überlegen. Alſo angenommen, Sie
wären Amerikaner und einem amerikaniſchen Theaterdirektor mit ohne Treue und Gewiſſen — dieſe Ueberzeugung bildet längſt
Bord eines amerikaniſchen Schiffes auf der Fahrt nach
Deutſch=
land befinden, beantragt Ihr Direktor beim Vollſtreckungsgericht
des deutſchen Ankunftshafens gegen Sie den Erlaß des
perſön=
lichen Sicherheitsarreſtes. Das Gericht verfügt dementſprechend.
Was würde der Richter tun? Erſtens: einen deutſchen
Gerichts=
vollzieher beauftragen, ſich ſchon vor der Landung des Schiffes an
Bord zu begeben und Sie zu verhaften. Zweitens: ich als
Rich=
ter würde dem Kapitän des amerikaniſchen Schiffes ein Radio
entgegenſenden, das ihn von der bevorſtehenden Verhaftung des
Paſſagiers Stephany in Kenntnis ſetzt. Denn ein fremdes Schiff
gilt ab Eintreffen in den Heimatgewäſſern als Beſtandteil nicht
des fremden, ſondern des Heimatſtaates.”
Theodor Stephany fühlte etliches Schädelbrummnen. „Wenn
ich Sie richtig verſtanden habe, Herr Staatsanwalt — dann wäre
es möglich, daß Reinhardt bei den New Yorker Gerichten
bean=
tagt, mich bei Ankunft zu verhaften —, daß das amerikaniſche
Gericht den Verhaftbefehl erläßt — und außerdem unſeren
Ka=
pitän hiervon benachrichtigt?”
„Das iſt meine rein perſönliche Auffaſſung,” ſagte der
Staats=
anwalt, „ohne daß ich für ſie die volle ſachverſtändige
Verant=
wortung übernehmen kann.”
„Dann wäre es alſo möglich, daß eine Nachricht — von
mei=
ner bevorſtehenden Verhaftung — ſchon oben beim Kapitän läge?"
„Theoretiſch iſt das denkbar.” „Aber, das iſt grauenhaft. Na, ich
frag ihn einfach, den guten Cappy.”
Der Kapitän wird ſich hüten! Ja, lieber Herr — da hätten
Sie ſich vorher beim Rechtsanwalt erkundigen müſſen. So kann’s
Ihnen paſſieren, daß Sie beim Eintreffen in New York vom
Ge=
richtsvollzieher in Empfang genommen und eingelocht werden.
Es müßte denn ſein, Ihre Filmgeſellſchaft in Hollywood legte ſo
großen Wert auf Sie daß ſie die zweihunderttauſend Mark
nebſt etlichen tauſend Mark für Gerichts= und Anwaltskoſten bei
der Schiffsleitung für ihren Direktor hinterlegt.”
„Das ſind ja entzückende Ausſichten!” ſtotterte der
Schauſpie=
ler. „Daß die Standard Film mich auslöſt, deſſen bin ich ſicher.
Aber die Zweihunderttauſend wird ſie mir belaſten — die muß
ich dann erſt ſauber vor dem Kurbelkaſten abverdienen . . . Ade,
ihr erträumten Schlemmertage im ſonnigen Kalifornien . . . Na,
vielleicht kriegt Reinhardt nichts heraus, ehe mein Urlaub abläuft
—und ich nicht wiederkomme.
„Das wird Ihnen wenig helfen. Auch in Hollywood ſind Sie
nicht ſicher — vor dem perſönlichen Sicherheitsarreſt. Aber ſo
weit werden Sie gar nicht kommen. Es ſei denn, daß Sie ſo vor= der unmittelboren Verſtändigung mit dem Feſtlande bereits
ſichtig geweſen ſein ſollten, dafür Sorge zu tragen, daß die Linie durchlaufen und ſei jetzt eine Zeitlang nur durch Weitergobe ſei=
Gavon Abſtand nahm, Ihren Namen in ihren Reklamenotizen in
Fettdruck zu veröffentlichen —
„Ich Eſel! Das habe ich verſäumt,” klagte Stephany. Na,
wenigſtens den Filmphotographen bin ich bei der Einſchiffung ſeit der Abfahrt mit Schmerzen auf ein Telegramm.”
Walter Bloem.
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„Das klingt ja unheimlich, Herr Staatsanwalt — perſönlich / entwiſcht — in einem ſeltſamen, inſtinktiven Gefühl meiner Ver=
(Nachdruck verboten.)
worfenheit . . Haben Sie tauſend Dank, Herr Staatsanwalt —
nun weiß ich wenigſtens, was mir eventuell bevorſteht. Sie wer=
„Selbſtverſtändlich!” ſprach der Staatsonwalt, voll innerer
Empörung über den frivolen Bengel.
Grunelius überdachte das Erlebnis mit zwieſpältigen
Emp=
findungen. Künſtler ſind Außenſeiter der Geſellſchaft — Menſchen
Vertragsbruch durch die Lappen gegangen. Während Sie ſich an einen Pfeiler ſeiner Weltanſchauung. Daß ſo etwas heutzutage
Summen verdienen darf, denen gegenüber ein Verluſt von
zwei=
hunderttauſend Mark als peinlicher, aber doch äußerſtenfalls
er=
träglicher Zwiſchenfall erſcheint!
Aber weiter: hinter dieſem Schiff hetzt alſo noch eine zweite
Fahndung her — dieſe freilich aus dem Bereich der
Zivilprozeß=
ordnung. Oder — wäre es denkbar, daß beide — identiſch ſein
könnten?
Nach dem fragmentariſchen Wortlaute des kriminellen
Steck=
briefs handelt es ſich in dieſem erſten Falle ja höchſt
wahrſchein=
lich um ein Eigentumsverbrechen. Wie aber, wenn es dem Täter
nur darauf angekommen wäre, aus ſachverſtändigem Mund eine
Belehrung darüber zu empfangen, ob er ſich auf der Seefahrt an leiſem Behagen die zarte Wärme empfunden zu haben, die von
Bord eines deutſchen Schiffes als noch der Möglichkeit einer
Verhaftung ausgeſetzt anſehen muß? Und der Zivilfall — der
Kontraſtbruch, die drohende Konventionalſtrafe — das wäre aus
den Fingern geſogen, um die bodenloſe Frechheit zu maskieren,
daß ein Dieb auf der Flucht ſich über die Möglichkeiten des
Ent=
rinnens Belehrung ausbittet — ausgerechnet von einem Vertreter
der Staatsanwaltſchaft?
Unverſchämt genug ſieht der Menſch ja aus. Was iſt
heut=
zutage unmöglich? Im Auge behalten ſollte man ihn auf jeden
Fall.
Auch Theodor Stephany ſcheint ſehr nachdenklich geſtimmt. lächelt, entſchwindet.
Er hat das Bedürfnis, einmal ganz vorſichtig beim Kapitän
an=
zuklopfen. Nach etlichem Suchen findet er den Mann mit den vier
goldenen Aermeltreſſen auf dem Bootsdeck in friedlichem Geplau= warten. „Ach, bitte, erlauben Sie mir Ihre Zeitung — nur
der mit der Kollegin von der Oper. Die ſcheint ſich bei dem harm= für eine Sekunde, ich brauche dringend eine Notiz —
loſen Seemannsgarn, das der ehrliche Mertens vor ihr abſpinnt,
recht behaglich zu fühlen.
finden, bietet Zigaretten an und bittet um Erlaubnis, ſich ganz
beſcheiden einen Augenblick niederzulaſſen — neben den ſchlanken heute abend an Bord der „Chicago” in See.”
Beinen der jungen Frau, die ſich unterm ſchillernden Velour der
Reiſedecke in ihrer zarten Grazie abheben.
„Eine Frage verehrter Kapitän. Wie lange hat unſer Schiff ſaal in etlicher Haſt zum Geſellſchaftsraum empor, um ſich gute
noch Funkverbindung mit Europa?‟ Das iſt ganz leicht hinger Plätze für den Ball zu ſichern. Der Ozean hatte ſich unter dem
holzgeſchwitzte Geſicht des Seewannes, belauſcht den Ton ſeiner
Antwort.
Der Kapitän gibt eine ausführliche radiotechniſche Auskunft,
die im weſentlichen darauf hinausläuft, das Schiff habe die Zone wärts riß.
tens der noch oder ſchon innerhalb dieſer Zone befindlichen Schiffe ketts, waren belegt.
erreichbar.
„Hm — das iſt ſchade —”, ſagt der Schauſpieler. „Ich warte
Haſſee mit
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und krotzdem beſſen!
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Der Kapitän ſcheint nichts Auffallendes darin zu finden.
Es ſei zu hoffen, daß, wenn ein ſolches unterwegs ſei, es die
Chicago” erreichen werde, wenn auch vielleicht mit ein paar
Stunden Verzögerung.
Theodor atmet innerlich auf. Zufrieden verläßt er ſeinen
Platz, nicht ohne im letzten, entſpannten Augenblick noch mit
der Veloursdecke ausſtrömte. Der Kapitän wird ihm dankbar
ſein. Der ſchien von der Unterbrechung des zwei=einſamen
Bei=
ſammenſeins mit ſeiner Tiſchdame nicht ſonderlich erbaut.
Auf dem Promenadendeck begegnet ihm der Staatsanwalt.
Es macht faſt den Eindruck, als habe der auf ihn gelauert.
„Herr Stephany”, ſagt er, und um ſeinen ſtrengen Mund
zuckt ein Mephiſtolächeln, „ich empfehle Ihnen in den Leſeſaal
zu gehen und ſich die neueſten Berliner Zeitungen anzuſehen.
Sie ſind vom Abend unſerer Abreiſe, haben nach Ausſage des
Bibliothekſtewards unſer Schiff in Cherbourg erreicht.” Grüßt,
Theodor haſtet in den Leſeſaal. Die Zeitungen ſind in
Händen eines Paſſagiers. Theodors finſtere Ahnung kann nicht
Richtig: in der Beilage, handtellergroß, ſein Konterfei —
alſo irgendeiner der lauernden Kameramänner hat ihn doch noch
Theodor Stephany erkundigt ſich nach dem beiderſeitigen Be= erwiſcht: „Theodor Stephany wurde von der Standard Film
gegen ein Phantaſiehonorar nach Hollywood engagiert und geht
5.
An dieſem Abend ſtrömten die Paſſagiere aus dem
Speiſe=
fragt, aber Theodor beobachtet mit herzklopfender Spannung das ſanften Hauch einer ſtetigen Weſtbriſe zu ſpiegelnder Glätte
beruhigt. Die „Chicago” war kaum mehr Schiff — nur
ſchwim=
mendes Hotel. Man würde, tanzen ohne die leiſeſte
Empfin=
dung, daß jede Sekunde dieſe ganze Welt ein paar Meter weſt=
Für die Seinen hatte der Kapitän vorgeſorgt. Zwei Tiſche
in der vorderſten Reihe, hart am Saum des ſpiegelnden Par=
Schon die Abendtafel hatte ein Bild feſtlich erhöhten
Glan=
zes geboten.
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