Darmstädter Tagblatt 1931


19. März 1931

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Einzelnummer 10 Pfennige

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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
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gei wöchentlich 7maligem Erſcheinen vom 1. März

67 31. März 2.18 Reichemart und 22 Pfennig
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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Pöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Auffätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe Darmſi. Tagbl. geſtatet.
Nummer 28
Donnerstag, den 19. März 1931.
194. Jahrgang

27 mm brelie Zelle im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspfg.
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zelle
3.00 Reſchsmark. Alle Preiſe in Reichsmart
(4 Dollar 4.20 Maril. Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg. Aufruhr, Strelk uſw., erliſcht
ſede Verpflichtung au Erfüllung der Anzelgen=
aufträge
und Leiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konhurt oder gerſchtiſcher Belitreibung fäll jeder
Rabatt weg. Bankkonio Deutſche Bank und Darm=
ſtädter
und Nationalbani.

Der Kanzler zwiſchen den Parteien.
Sazialdemokrakiſche Zermürbungskakkik. Die Volksparkei erinnerk Brüning an ſein Verſprechen. Durch=
einander
im Oſtausſchuß. Ueberflüſſige Bokſchaft der Rechksoppoſikion. Deutſch=öfterreichiſche Zollunion?
Die Nervenprobe.
Der Poſkekak vomReichskag verabſchieder
Von unſerer Berliner Schriftleitung.
Polikiſche Berhehung innerhalb der Poſtverwalkung?
Der Reichstag hat am Mittwoch, nachdem es zunächſt

wegen der Hamburger Morde zu einigen Lärm=
ſzenen
mit den Kommuniſten gekommen war, den Poſt=
etat
angenommen, wobei aber im weſentlichen die Erklärungen
und Reden aus dem Ausſchuß wiederholt wurden. So konzentrierte
ſich das ganze politiſche Intereſſe auf die Vorgänge außerhalb
des Sitzungsſaales. Auf der einen Seite wurde lebhaft kommen=
tiert
, daß das Reichskabinett auch am Mittwoch nachmit=
tag
wieder mehrere Stunden über das Ergebnis der
Wiener Reiſe des Außenminiſters beriet, woraus
man wohl nicht mit Unrecht den Schluß ziehen kann, daß
Dr. Curtius mit ſeinen Verhandlungen über die deutſch=
öſterreichiſche
Zollunion in Wien ſehr viel
weiter gekommen iſt, als bisher in der Oeffentlichkeit be=
kannt
geworden iſt,
und daß hier vielleicht wichtige Entſcheidungen bevor=
ſtehen
. Daneben ſorgten die ausgewanderten Rechtspar=
teien
für ausgiebigen Geſprächsſtoff, indem ſie von außen her
eine Erklärung in den Reichstag hineinfunkten, daß ſie ent=
ſchloſſen
wären, vorübergehend in den Reichs=
tag
zurückzukehren, falls etwa die Verabſchie=
dung
des deutſch=polniſchen Handelsvertrages
noch im laufenden Tagungsabſchnitt beabſich=
tigt
ſein ſollte. Dieſe Mitteilung hat die verſchiedenartigſten
Kommentierungen gefunden. Wir halten ſie für einen Lufthieb,
denn den Deutſchnationalen und Nationalſozialiſten iſt ja hin=
reichend
bekannt, daß
weder im Kabinett noch im Reichstag je=
mand
daran denkt, in der nächſten Zeit den
deutſch=polniſchen Handelsvertrag aus dem
Ausſchuß herauszuholen, weil die wirt=
ſchaftlichen
Vorausſetzungen, unter denen
er ſeinerzeit abgeſchloſſen wurde, nicht
mehr beſtehen. Es bedarf alſo nicht der Rückkehr der
die beiden Parteien werden keinen Eindruck machen, wenn
Regierung zum Verzicht auf den Handelsvertrag bewogen
zu haben. Sie würden nützlichere Arbeit tun, wenn ſie ihre erklärt,
Stimmen zur ordnungsgemäßen Verabſchiedung des Etats
zur Verfügung ſtellten und dadurch die Vorausſetzungen für
eine politiſche und wirtſchaftliche Beruhigung ſchaffen helfen.
Daran ſcheinen ſie aber nach wie vor nicht zu denken. Der
Reichskanzler muß ſich, alſo weiterhin darum be=
nühen
, mit einer Minderheit ſeinen Willen im
Plenum durchzuſetzen, wobei die Minderheit abgebröckelt
iſt. Nachdem ſchon kürzlich das Zentrum ausgebrochen iſt, haben
heute Staatspartei Wirtſchaftspartei. Volks=
hartei
und Landvolk im Ausſchuß über die Oſt=
ragen
für die Einbeziehung Stettins in die
Oſthilfe geſtimmt, worauf die Sozialdemokraten
erklärten, daß ſie nun auch nicht mehr an der
Regierungsvorlage feſthielten. Die Folge war
ein völliges Durcheinander. Doch dürfte es leicht mög=
lich
ſein, hier wieder Ordnung zu ſchaffen. Komplizierter liegen
die Dinge bei den übrigen Fragen, der von den Sozialdemokraten
verlangten
Skeuererhöhung, Ermächtigung und Reichstagsvertagung,
die den eigentlichen Kern des ganzen Streites bilden.
Dsbegen hat der Kanzler auch die Verbindung mit Sozialdemo= nommen werden, aber ſie werde überwunden werden.
kkaten und Volkspartei wieder aufgenommen, ohne allerdings
DSher zu einer Einigung gekommen zu ſein. Im Gegenteil iſt
2ünverkennbar, daß bei den Sozialdemokraten der
Liderſtand ſich verſteift. Sie haben zwar am Mittwoch
dend den Beſchluß gefaßt, bei dem Panzerkreuzer Stimm=
Mthaltung zu üben, ſo daß deſſen Annahme in 2. und 3. Le= feindliche Beſtrebungen in meiner Beamtenſchaft nicht dulde. Ich
ſins geſichert iſt. Damit iſt aber nur ein Teilerfolg erzielt, habe auch daran erinnert, daß innerhalb der Dienſträume jede
Deil die Sozialdemokraten um ſo hartnäckiger auf ihren Forde=
üngen
beharren. Sie wollen einer Reichstagsvertagung nur zu=
ſtimmen
, wenn ſie
beſtimmte Sicherheiten auf ſozialpolitiſchem
Gebiet
bekommen, die ihnen Kanzler und Reichsarbeitsminiſter in dem
Rwunſchten Ausmaß nicht geben wollen und können. Sie ver=
langen
darüber hinaus die Zuſtimmung zu ihren Steuerforde= und ich muß dieſes Verfahren abwarten. Wenn ſich bewahrheitet,
(ngen, und es iſt bezeichnend, daß die Volkspartei es für
ſotig hält, den Kanzler daran zu erinnern, daß er
mit ſeiner ganzen Regierung ſich gegen jede
*Eükrerhöhung feſtgelegt hat. Der Kanzler ſcheint bisherigen Dienſtſtelle verſetzt worden.
auch nach wie vor daran feſtzuhalten, daß er ſowohl einer wei=
teren
Tantiemenſteuer, wie einer Erhöhung der Zuſchläge zur
Einkommenzuſteuer nicht zuſtimmt. Er rechnet wohl mit der Hoff=
ang
, daß ihm hier der Reichsrat die Stange halten wird, auch Die Behauptung, daß die Geſpräche der kommuniſtiſchen Fraktion
henn ein Beſchluß des Reichstages zuſtande kommen ſollte. Trotz=
In drücken die Sozialdemokraten darauf, daß ſie irgend= wiſſen Hyynoſe entſpringen. Im Falle Sprenger muß ich meine
i verbindlichen Zuſagen vom Kanzler bekommen. Sie treiben früheren Erklärungen aufrecht erhalten.
eine ausgeſprochene Zermürbungstaktik, um den Wi=
derſtand
des Kanzlers lahmzulegen. Dieſes Spiel
kann noch zehn Tage dauern, da erſt am Ende der nächſten Woche,
dei der dritten Leſung des Etats die Entſcheidung fällt. Der Etat erledigt ſein ſoll. Die ſozialdemokratiſche Reichstagsfraktion
Ausgang wird davon abhängen, ob der Kanzler, hat beſchloſſen bei der Abſtimmung über das Panzerſchiff B ſich in
lolange die Nerven behält.

Berlin, 18. März.
Beim Beginn der heutigen Sitzung wiederholten die Kommu=
niſten
das alte Spiel, die ſofortige Beratung eines nicht auf der
Tagesordnung ſtehenden Antrages zu verlangen. Diesmal ver=
langten
ſie die Aufhebung der vom Hamburger Senat ausgeſpro=
chenen
Demonſtrationsverbote. Dem kommuniſtiſchen Redner
wurde das Wort entzogen. Der ſofortigen Beratung des Antrages
wurde widerſprochen.
Der Reichstag erledigte dann die zweite Beratung des Poſt=
etats
, der nur einen Ausgabetitel Gehalt des Miniſters und
einen Einnahmetitel Ueberſchuß der Deutſchen Reichspoſt ent=
hält
Reichspoſtminiſter Dr. Schätzel gab einen Ueberblick über
die Entwicklung des Poſtbetriebes, die angeſichts der Wirtſchafts=
depreſſion
noch als recht günſtig zu betrachten iſt.
Zugleich mit der Bewilligung des Poſtetats wurde eine Aus=
ſchußentſchließung
angenommen, die eine Verbilligung der
Fernſprechgebühren für Wenigſprecher fordert.
Der Miniſter hatte allerdings ſchon vorher erklärt, daß in der
jetzigen ſchwierigen Zeit eine Gebührenverbilligung ausgeſchloſ=
ſen
ſei.
Klagen über die polikiſche Bekätigung der Beamken.
In der Ausſprache wurde mehrfach Klage über die politiſche
Betätigung des Poſtperſonals geführt. Der Abg. Biedermann
(Soz.) wies darauf hin, daß ſich unter den nationalſozialiſtiſchen
Revolverattentätern auffallend viele Poſthelfer befanden. Auf=
ſichtsführende
Beamte betreten die Dienſträume mit dem Gruß
Heil Hitler! (Hört! Hört!) Der Oberpoſtrat Meyer in Olden=
burg
, der Zeitungsartikel mit den ſchärfſten Anwürfen gegen die
Regierung veröffentlicht hat. iſt deswegen ſtrafverſetzt aber
nach Düſſeldorf. Er hat erklärt, daß er ſich ſehr um dieſe Düſſel=
dorfer
Stellung beworben habe, die auch mit Gehaltserhöhung
verbunden ſei. (Hört! Hört!)
Als bei einem Berliner Fernſprechamt das Ueberfallkom=
mando
angerufen wurde wegen einer Schlägerei zwiſchen
Nationalſozialiſten und Kommuniſten, hat die Nachtauf=
ſichtsbeamtin
dieſes Geſpräch ſofort dem Abgeordneten Dr.
Goebbels übermittelt. (Hört! Hört!)
Wegen dieſes unerhörten Bruchs des Fernſprechgeheimniſſes hat
der Miniſter nichts anderes unternommen, als daß die Dame in
beiden Rechtsparteien, um die Annahme zu verhindern, und eine angenehmere Stellung beim Poſtſcheckamt verſetzt wurde.
Abg. Kampſchulte (Ztr.) ſchloß ſich dem Vorredner in der
Forderung, daß der politiſchen Verhetzung innerhalb der Poſtver=
de
dann ſpäter etwa behaupten, durch ihre Drohung die waltung ein Ende gemacht werden muß, an. Der Poſtinſpek=
tor
Sprenger hat in einer Verſammlung in Münſter
Reichskanzler Brüning müſſe unter allen
Umſtänden beſeitigt werden, er bedeute das
Siechtum Deutſchlands.
Sprenger nannte in ſeiner Rede weiter die Reichs=
tagsmitglieder
Verbrecher. (Hört! Hört!) Eine der=
artige
unglaubliche Propaganda von einem Beamten, der ſich nicht
ſcheut, das Geld der von ihm bekämpften Revublik zu nehmen,
kann nicht weiter geduldet werden. (Lebhafte Zuſtimmung.)
Wenn der Miniſter gegen ſolche politiſchen Ausſchreitungen ſchär=
fer
vorginge, würde das von allen Seiten im Reichstage gebil=
ligt
werden. (Beifall) Die politiſch wenig geſchulte
Beamtenſchaft fällt ſolchen radikalen Hetze=
reien
leichter zum Opfer als andere Volksſchich=
ten
. Der Beamte muß die Verfaſſung anerkennen und ehrlich
der Republik dienen. Das liegt im Intereſſe des Berufsbeam=
tentums
. Der Fall im Berliner Fernſprechamt for=
dert
zur ſchärfſten Verurteilung heraus.
Wenn das Poſtgeheimnis nicht mehr gegen
Verletzung geſchützt wird, dann ſind die
Grundlagen des Poſtweſens erſchüttert.
Aba. Morath wies darauf hin, daß man aus den bedauer=
lichen
Einzelfällen nicht verallgemeinernd den Schluß ziehen könne,
als ob die ganze Poſtbeamtenſchaft nationalſozialiſtiſch verſeucht
ſei. Die nationalſozialiſtiſche Krankheit dürfe nicht zu leicht ge=

Die Ankwork des Reichspofkminiſters.
Reichspoſtminiſter Dr. Schätzel erwiderte hierauf folgen=
des
: Ich habe in verſchiedenen Verfügungen erklärt, daß ich ſtaats=
parteipolitiſche
Agitation verboten iſt. Die Beamten ſind außer=
dem
an ihren Dienſteid gebunden, der ſie verpflichtet, nicht gegen
die Verfaſſung zu arbeiten.
Verſtöße werden energiſch verfolgt. Nach den Grundſätzen
der Unparteilichkeit und Gerechtigkeit kann ich gegen Be=
amte
und Arbeiter aber nur vorgehen, wenn Beweiſe vor=
liegen
. Verallgemeinerungen muß ich zurückweiſen.
Der Fall der Aufſichtsbeamtin befindet ſich im Stadium der Unter=
ſuchung
. Das Diſziplinarverfahren wird in Gang geſetzt werden,
was hier behauptet worden iſt, dann werden ſelbſtverſtändlich die
nach Verfaſſung und Beamtenrecht ſich ergebenden Konſequenzen
rückſichtslos gezogen werden. Zunächſt iſt die Beamtin aus ihrer
Den Vorwurf, daß das Poſtgeheimnis nicht gewahrt wird.
weiſe ich mit größter Entſchiedenheit zurück. Dieſes Funda=
ment
des Poſtbetriebes iſt unerſchüttert.
mitangehört werden, iſt ganz unbegründet und kann nur einer ge=
Auf der Tagesordnung der Donnerstags=
ſitzung
ſteht der Wehretat. Die Sitzung beginnt am Don=
nerstag
ſchon um 10 Uhr. und der Reichstag will dieſe verlängerte
Arbeitszeit zunächſt durchhalten, weil bis Ende nächſter Woche der
zweiter und dritter Leſung der Stimme zu enthalten.

* Die neue heſſiſche Gemeindeordnung.
II.
In der Frage, wie weit der Stadt= und Gemeinderat berech=
tigt
iſt, die Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten zu über=
wachen
, hat ſich der Regierungsentwurf ganz an die beſtehenden
Vorſchriften angelehnt. Es wäre zu prüfen, ob nicht eine Er=
weiterung
des Ueberwachungsrechtes des Nats und
ſeiner Mitglieder anzuſtreben iſt. Zur Zeit hat nur der Rat
ſelber eine in beſtimmten Grenzen ſich bewegende Befugnis, die
dem Bürgermeiſter zuſtehende Verwaltung der Gemeindeange=
legenheiten
zu überwachen, namentlich die Verwendung der Ein=
nahmen
und die Ausführung ſeiner Beſchlüſſe nachzuprüfen:
er kann durch einzelne von ihm beauftragte Ratsmitglieder die
betreffenden Akten einſehen laſſen. Die einzelnen Rats=
mitglieder
haben zwar das Interpellationsrecht; ſie haben aber
keine Möglichkeit, die Richtigkeit der auf eine Interpellation
erteilten Auskunft des Bürgermeiſters nachzuprüfen; ein Recht
auf Akteneinſicht ſteht ihnen überhaupt nicht zu. Die Nach=
prüfung
einer beſtimmten Verwaltungshandlung, deren Aus=
führung
von einzelnen Ratsmitgliedern bemängelt wird, findet
alſo nur dann ſtatt, wenn ſie von der Mehrheit des Rats be=
ſchloſſen
wird. Das mag in früherer Zeit, als die Bürger=
meiſter
nicht ſo ſehr die Vertrauensmänner beſtimmter Par=
teigruppen
waren, als das leider vielfach jetzt der Fall iſt, aus=
gereicht
haben; gegenwärtig dürfte es nicht mehr genügen. Es
ſind Fälle bekannt geworden, in denen der Bürgermeiſter, geſtützt
auf eine ihm ergebene Majorität, ſich geweigert hat, einer Min=
derheit
des Rats ſo umfaſſende Aufklärung über beſtimmte An=
gelegenheiten
ſeiner Verwaltung zu geben, daß dieſe als be=
friedigend
angeſehen werden konnte. Je mehr die Bürgermeiſter=
wahl
zur reinen Parteiſache wird, um ſo mehr muß auch eine
Minderheit des Rats und ſelbſt das einzelne Ratsmitglied ein
Recht zur Nachprüfung beſtimmter Gemeindeangelegenheiten
und namentlich zur Akteneinſicht erhalten. Bürgermeiſter,
denen es mit dem Vertrauen der Geſamtbürgerſchaft ernſt iſt,
gewähren auch jetzt ſchon, ohne eine geſetzliche Verpflichtung da=
zu
, jedem Ratsmitglied gerne Einſicht in die Verwaltungsvor=
gänge
, deren Aufklärung gewünſcht wird. Immerhin wäre es
am Platz, die geſetzliche Verpflichtung hierzu feſtzulegen. Daß
dem Rat und ſeinen Mitgliedern kein Recht zugeſtanden wer=
den
kann, durch eigene Nachforſchungen bei den Aemtern der
Verwaltung und durch Abhör von Gemeindebeamten das Ueber=
wachungsrecht
unter Umgehung des Bürgermeiſters auszuüben,
verſteht ſich von ſelbſt, weil ſonſt die Amtsverſchwiegenheit not=
leiden
und der geſamte Verwaltungsorganismus geſtört werden
müßte.
Auch in der Frage der Behandlung geſetzwidriger
Beſchlüſſe des Rats hat ſich der Regierungsentwurf an
das geltende Recht angeſchloſſen, wie uns ſcheint, ohne den
veränderten Verhältniſſen genügend Rechnung zu tragen.
Offenſichtlich geht auch hier das beſtehende Geſetz davon aus, daß
der Bürgermeiſter ohne jede parteimäßige Bindung und ohne
Voreingenommenheit die Rechtslage prüft und geſetzwidrige Be=
ſchlüſſe
verhindert oder für ihre Aufhebung eintritt. Leider
beſteht dieſes Vertrauen gegenwärtig nicht in allen Fällen und
es iſt deshalb notwendig, daß der Geſetzgeber Garantien ſchafft,
um die Beſeitigung geſetzwidriger Beſchlüſſe durchzuſetzen. Bis=
her
war die Möglichkeit gegeben, daß die Aufſichtsbehörde ſolche
Beſchlüſſe beanſtandete und ihre Ungültigkeit nötigen Falls im
Wege des Verwaltungsſtreitverfahrens feſtſtellen ließ, wenn der
Bürgermeiſter die Beanſtandung unterließ. Wir ſetzen voraus,
daß eine ſolche Vorſchrift auch in dem noch nicht vorgelegten
Entwurf über die Staatsaufſicht Aufnahme findet. Indeſſen
würden auch hierdurch unſeres Erachtens die erforderlichen
Rechtsgarantien nicht erſchöpft ſein dürfen, da im gegenwärtigen
Volksſtaat die Regierung ſich aus Parteivertretern zuſammen=
ſetzt
, denen die Oppoſitionsparteien nicht das genügende Ver=
trauen
entgegenbringen, einerlei welche Parteikoalition jeweils
in der Regierung ſitzt. Es kann deshalb nicht genügen, daß
die Anfechtung geſetzwidriger Beſchlüſſe des Rats durch den
Bürgermeiſter oder die Aufſichtsbehörde zu erfolgen hat, während
der in der Minderheit gebliebene Teil des Rats oder einzelne
Ratsmitglieder davon ausgeſchloſſen ſind, die Beſeittgung ſol=
cher
Rechtsverletzungen im Verwaltungsſtreitverfahren herbei=
zuführen
. Vielmehr liegt es im Intereſſe des Gemeinwohls,
die Möglichkeiten der Anfechtung derart zu erweitern, daß der
Eindruck einer Vergewaltigung des Rechts nicht aufkommt. Be=
kanntlich
iſt ja nach der Rechtſprechung ſelbſt das Anfechtungs=
recht
von Beteiligten dann ausgeſchloſſen, wenn ſich die Auf=
ſichtsbehörde
der Angelegenheit im öffentlichen Intereſſe ange=
nommen
hat.
Zu begrüßen iſt es, daß der dem Landtag vorgelegte Teil=
entwurf
die Beſtimmung des Referentenentwurfs nicht übernom=
men
hat, wonach der Bürgermeiſter Ratsbeſchlüſſe aus dem
Grunde beanſtanden konnte, weil ſie mit dem Gemeinwohl in
Widerſpruch ſtünden. Ein derart dehnbarer Begriff, unter dem
man je nach der Weltanſchauung ganz verſchiedenes verſtehen
kann. iſt nicht geeignet, die Grundlage für ein Beanſtandungs=
verfahren
zu bilden, das ſich nur auf dem Rechtsboden bewegen
und keine Zweckmäßigkeitsentſcheidungen treffen kann.
Der Ausſchluß eines Mitgliedes der Verwaltung oder
des Rats von der Beratung und Abſtimmung, der
im geltenden Recht für den Fall angeordnet iſt, daß Privat=
intereſſen
des Betreffenden berührt werden, wird im Ent=
wurf
davon abhängig gemacht, daß Sonderintereſſen des Mit=
glieds
berührt werden. Dieſe Neufaſſung ſcheint uns glücklich
zu ſein, weil ſie dem Bedürfnis mehr entſpricht. Sonder=
intereſſen
dürften auch bei einer Reihe von Fällen dann vor=
liegen
, wenn private, perſönliche Intereſſen nicht zur Entſchei=
dung
ſtehen, z. B. bei Gemeindebeamten, wenn eine allgemeine
Beſoldungsordnung dieſer Beamten beraten wird, ohne daß
ihre eigenen Beſoldungsverhältniſſe geregelt werden, oder bei
Gewerkſchaftsführern, wenn ein Rechtsverhältnis zwiſchen der
Gemeinde und der betr. Gewerkſchaft in Frage ſteht. Daß bei
der Berührung der Sonderintereſſen einer juriſtiſchen Perſon
lediglich deren Vorſtands= und Aufſichtsratsmitglieder ausge=
ſchloſſen
ſein ſollen, dürfte kaum in allen Fällen dem Bedürfnis
genügen, wiewohl darin ſchon ein Vorzug gegenüber der gegen=
ufſatz
in unſerer Nr. 75 v. Dienstag, 17. März.

[ ][  ][ ]

Seite 2
wärtigeit Rechtslage zu erblicken iſt, wonach lediglich die Ver=
treter
der juriſtiſchen Perſon ausgeſchloſſen ſind.
Ein’ſehr zeitgemäßes Kapitel iſt die Sitzungspolizei
des Vorſitzenden der Ratsverſammlung. Die Rechte des
Vorſitzendent gegenüber Ratsmitgliedern, die ſich ungebührlich
aufführen oder den zur Aufrechterhaltung der Ordnung ge=
troffenen
Anordnungen zuwiderhandeln, ſind dadurch weſent=
lich
erweitert worden, daß der Vorſitzende ſolche Ratsziitglieder
nach dreimaligem Ordnungsruf von der Sitzung ausſchließen
kann und daß er, wenn die Geſchäftsordnung dies vorſieht, den
Ausſchluß für drei Sitzungen ausſprechen darf. Allerdings kann
der Ausgeſchloſſene Einſpruch beim Rat erheben und der Rats=
beſchluß
kann wieder vom Vorſitzenden im Wege des Verwal=
tungsſtreitderfahrens
augefochten werden. Ob dieſe Regelung
ſehr glücklich iſt, muß bezweifelt werden. Man ſollte den Bür=
germeiſter
nicht durch ſeinen Rat desavouieren laſſen und ihn
auf den Prozeßweg vereiſen, wenn er ſich das nicht gefallen
laſſen mill. Da wäre doch wohl die gegenwärtige Vorſchrift
vorzuziehen, wonach die Ratsverſammlung die Ordnungsſtrafen
auszuſprechen hat und Rechtsmittel dagegen ausgeſchloſſen ſind.
Aehnliche Bedeuken müſſen gegen die Beſtimmungen des
Entwurfs erhoben werden, die über die Schweigepflicht
der Ratsmitglieder und die Folgen der Verletzung
dieſer Pflicht getroffen werden ſollen. Zu Unklarheiten gibt es
Aulaß, wenn Verſchwiegenheit über ſolche Angelegenheiten der=
langt
wird, die ihrer Natur nach geheim zu halten ſind. Wäre
es nicht richtiger, die Geheimhaltung aller Angelegenheiten zu
berlangen, die den Ratsmitgliedern außerhalb, der öffentlichen
Sitzungen amtlich bekannt geworden ſind, wie es die Geſchäfts=
ordnungen
vieler Städte beſtimmen? Wenn das aber als zu
weitgehend empfunden wird, io wäre es ſchon das Richtige, die
Vertraulichkeit der Angelegenheit in jedem Falle beſonders zu
beſchließen. Daß aber zur Ahndung jeder Verletzung der
Schweigepflicht das Verwaltungsſtreitverfahren durchgeführt
werden ſoll, iſt eine Vorſchrift, die ſich als unz reckmäßig er=
weiſen
muß, ſpeil der Verfahrensapparat für leichtere Fälle viel
zu umſtändlich und ſchwerfällig iſt.
Weun der Entwurf in Gemeinden mit mehr als 2000 Ein=
wohnern
die Wahl eines Berufsbürgermeiſters zulaſſen
will, ſo ſoll dem nicht widerſprochen werden, nachdem der in
dem Referentenentwurf vorgeſehene Volksentſcheid über dieſe
Frage fallen gelaſſen iſt. Abgelehnt muß jedoch der Bezirks=
bürgermeiſter
werden, der für mehrere Gemeinden mit
zuſammen über 2000 Einwohnern auch gegen den Willen ein=
zelner
von dieſen vereinigten Gemeinden durch Beſchluß des
Kreisausſchuſſes beſtellt werden kann. Dieſe Einrichtung, die
an das Inſtitut der preußiſchen Bezirkskommiſſare erinnert, iſt
nicht geeignet, den Intereſſen kleiner ländlicher Gemeinden zu
oienen, die ſich ſelbſt verwalten wollen und können. Sie könnte
nur zu einer Bürokratiſierung des Gemeindeorganismus und
zur Abtötung urſprünglichſter Selbſtverwaltung führen.
Das Recht der Beſtätigung gewählter Bürger=
meiſter
hat ſich die Regierung in ihrem Entwurf nicht vor=
behalten
. Grundſätzlich muß man dem zuſtimmen, da einer
Regierung, die ihr Daſein der Macht beſtimmter Parteien ver=
dankt
, ein Eingriff in das Selbſtverwaltungsrecht, wie es die
Ablehnung einer Bürgermeiſterbeſtätigung ſein würde, nicht zu=
geſtanden
werden kann. Ob die Anerkennung der vollen Selbſt=
verwaltung
in dieſem Punkte durchführbar iſt, bleibt abzuwarten.
Es erheben ſich jetzt ſchon Stimmen aus dem demokratiſchen
Lager, die das bezweifeln. Die Stellvertretung des
Bürgermeiſters, dem mehrere Beigeordnete zur Seite ſtehen, hat
der Entwurf in der Weiſe geregelt, daß ſie zwar grundſätzlich
durch das Dienſtalter der Beigeordneten beſtimmt wird, daß der
Rat aber auch einem dienſtjüngeren Beigeordneten die Vertre=
tung
übertragen kann, wenn nicht eine mit einem anderen Bei=
geordneten
getroffene Vereinbarung dem entgegenſteht. Das
ſteht im Widerſpruch zu dem geltenden Recht, wonach das Dienſt=
alter
nur dann für die Vertretungsbefugnis ohne Bedeutung
iſt, wenn einem Beigeordneten bei ſeiner Wahl die Ver=
tretung
des Bürgermeiſters übertragen wird. Die Neuregelung
darf man aſs Lex Buxbäum bezeichnen.
Aus unſeren Ausführungen, die nur wichtigere Fragen des
Entwurfs behaudelt haben, iſt erſichtlich, daß es angebracht wäre,
die Verabſchiedung der Vorlage nicht zu überſtürzen, ſondern
weitere Kreiſe kommunalpolitiſcher Sachverſtändigen zu hören,
als es bisher geſchehen iſt. Die beſtehende Geſetzgebung bedarf
Spectator.
keines beſchleunigten Erſatzes.

Der Oſlausſchuß

Ausdehgung des räum
Zes der Oſthiffe.

Berlin, 18. März.
Im Oſtausſchuß des Reichstages wurde am Mittwoch bei
der Beratung des Oſthilfegeſetzes beſchloſſen, das räumliche
Geltungsgebiet der allgemeinen Hilfsmaßnahmen auszudehnen
auf ganz Pommern und ganz Niederſchleſien, ſowie auf die an
die Tſchechoſlowakei angrenzenden Kreiſe Sachſens und Baherns.
G
2

R
Ginnteint Biot ſein Beitakie naf.
Das Ergebnis der Forſcherkonferenzen in Amerika. Das
Weſtall iſt nichi unveränderlich. Bleibt die Nelativitätstheorie
unerſchüttert?
Von Dr. Ernſt Kothen.
Mit höchſter Spannung hat die ganze wiſſenſchaft=
liche
Welt den Mitteilungen entgegengeſehen, die Ein=
ſtein
nach ſeiner Rückrehr von ſeiner Amerikareiſe über
deren wiſſenſchaftliches Ergebnis machen würde. Die
erſte Darſtellung des Gelehrten, die er ſoeben gegen=
üiber
dem naturwiſſenſchaftlichen Mitarbeiter einer Ber=
liner
Zeitung gemacht hat, ſtellt eine Senſation dar,
Sie bedeutet nichts anderes, als die
Preisgabe des Weltbildes, das Einſtein
aus ſeiner Relativitätsthevrie abge=
leitet
hatte. Der nachfolgende Aufſatz unſeres
naturwiſſenſchaftlichen Mitarbeiters verſucht in allge=
meinverſtändlicher
Form die gewaltige Bedeutung dieſer
Tatſache aus den ſie umgebenden Problemen zu er=
läutern
.
Iu der kaliforniſchen Stadt Paſadena, bei der gewaltigſten
aſtro=phyſikaliſchen Anſtalt der Welt, unter dem hundertzölligen
rieſigſten Fernrohr der Erde, das aus dem Mount=Wilſon= Obſer=
vatorium
ſein Rieſenauge den Geheimniſſen des Makrokosmos
entgegen ſtreckt, haben die bedeutendſten naturwiſſenſchaftlichen
Forſcher der Gegenwart in langen Konferenzen zuſammenge=
arbeitet
, und ihre Beobachtungen und Berechnungen ausge.
tauſcht, gegeneinander geſtellt und überprüft. Das Ergebnis
hat epochale wiſſenſchaftliche Bedeutung. Einſtein ſelbſt be=
ſtätigt
jetzt in einer erſten präziſen Mitteilung die vorausgeeil=
ten
ſenſationellen Kabelmeldungen und Zeitungsberichte, die
von der Erſchütterung der Einſteinſchen Kosmo=
gonie
durch neue aſtronomiſche Feſtſtellungen
ſprächen und nach denen die amerikaniſchen Aſtronomen und
der deutſche Phyſiker ihre Erkenntniſſe zu einem neuen Raum=
bild
des unendlichen Kosmos vereinigt haben, daß zu einer naiv
ſinnlichen Wahrnehmung noch mehr als den ſechſten Sinn höher=
dimenſionaler
Meuſchen erforderlich macht, der ſchon die Voraus=
ſetzung
zu einer bildhaften Erfaſſung des Einſteinſchen Raumes,
des Einſreinſchen Weltalls darſtellte.
Die Bedeutung des Ergebniſſes von Paſadena muß an den
dort zur Diskuſſion geſtellten Problemen und an den wider=
fprechenden
Forſchungsergebniſſen erläutert werden, die es dort
zu überbrücken galt. Das Einſteinſche Weltbild hatte die Un=
endlichkeft
des Raumes ausgeſchnitet. Sein Raum war gren=
zenlos
, aher nicht unendlich, grenzenlos wie die Oberfläche einer

Donnerstag, den 19. März 1931

Vom Tage.
Der Thüringiſche Bauernbuud (Weimar) hat den Reichsernährungs=
miniſter
Dr. Martin Schiele zu ſeinem Ehrenmitglied ernannt.
Wie der Berliner Polizeipräſident mitteilt, ſind alle Verſammlungen
unter freiem Himmel und Umzüge im geſamten Ortspolizeibezirk Berlin
ansnahmslos verboten.
In dem Beſtrebeu, die deutſche Preffe im Memelgebiet mundtot zu
machen, haben die litauiſchen Behörden nach den Redakteurausweiſungen
der letzten Jahre erneut drei Reichsdeutſche, die in deutſchen Zeitungs=
betrieben
tätig waren, den Ausweiſungsbefehl zugeſtellt.
Das ſpaniſche Kriegsgericht fällte nach 36ſtündiger Beratung das
Urteil im Prozeß gegen die 77. Angeklagten in Jacca. Ein angeklagter
Offizier wurde zum Tode verurteilt, dier weitere Offiziere zu lebensläng=
lichem
Kerter und 68 Angeklagte zu Gefängnisſtrafen von ſechs Monaten
bis zu 20 Jahren.

Könia Alfons von Spanien hat bereits das Gnadengeſuch für den
vom Kronrat in Jacca zum Tode verurteilten Kapitän Sediles unter=
zeichnet
.

Hierzu erfahren wir noch folgendes: Auf den Antrag der
Staatspartei und der Wirtſchaftspartei, wurde mit den Stimmen
der Deutſchen Volkspartei, des Zentrums, der Staatspartei, der
Wirſchaftspartei, des Landvolks und der Kommuniſten be=
ſchloſſen
, das ganze Stettiner Wirtſchaftsge=
biet
in die allgemeinen Oſthilfemaßnahmen
einzubeziehen. Dagegen ſtimmten Sozialdemokraten,
Bayeriſche Volkspartei und Chriſtlich Soziale. Hierauf
ſtimmten dann die Sozialdemokraten für alle
übrigen Anträge die eine Ausdehnung des Gel=
tungsbereiches
der Oſthilfe verlangten, ſo daß
mit den Stimmen auch der Sozialdemokraten
die Oſthilfe auf ganz Pommern, ganz Nieder=
ſchleſien
, ſowie die an die Tſchechoſlowakei
grenzenden Bezirke Sachſens und Bayerns aus=
gedehnt
wurde. Von ſozialdemokratiſcher Seite wird dazu
erklärt, daß mit der Einbeziehung Stettins der Grundſatz durch=
brochen
ſei, wonach die allgemeinen Hilfsmaßnahmen nicht auf
Gebiete weſtlich der Oder ausgedehnt werden ſollen.
Der Haushaltsausſchuß des Reichstages wird vorausſichtlich
die Beſchlüſſe des Oſtausſchuſſes wieder abändern.
Der Oſtausſchuß erledigte in ſeiner Mittwoch= Nachmittag=
ſitzung
das Oſthilfegeſetz, das Geſetz zur Förderung der land=
wirtſchaftlichen
Siedlung und das Induſtriebankgeſetz.
Die Polizeiminiſter=Konferenz
gegen religisſe Berhekung und Radikalisraus.
Berlin, 18. März. (Priv.=Tel.)
Unter Vorſitz des Reichsinnenminiſters Dr. Wirth traten
heute vormittag die Innenminiſter der größeren Länder im
Reichsinnenminiſterium zu der angekündigten Konferenz zuſam=
men
. An den Beſprechungen nehmen teil die Miniſter Severing=
Preußen, Stützel=Bayern, Richter=Sachſen, Dr. Bolz=Württemberg,
Wittemann=Baden, Leuſchner=Heſſen und Senator de
Chapeaurouge=Hamburg. In der Ausſprache haben die zunehmen=
den
politiſchen Morde und Bluttaten eine erhebliche
Rolle geſpielt. Zunächſt fand ein Meinungsaustauſch
über die innenpolitiſche Lage ſtatt. Die einzelnen
Miniſter berichteten über das Verhalten der radikalen Parteien
in ihren Ländern. Dann unterhielt man ſich über die Metho=
den
, die bisher zur Aufrechterhaltung der Ruhe
und Ordnung angewandt wurden. Dabei wurde auch eine
ganze Reihe von Vorſchlägen über die Verſchärfung des
Sicherheitsdienſtes gemacht. Hervorzuheben iſt, daß eine
Aenderung des Vereins= und Verſammlungsrechtes angeregt
wurde, daß daran gedacht wurde, von den Strafgeſetzen rückſichts=
los
Gebrauch zu machen und gegen alle politiſchen Verſammlun=
gen
energiſch vorzugehen, ſofern die Vermutung beſteht, daß mit
Zuſammenſtößen und Ausſchreitungen zu rechnen iſt. Irgend=
welche
Beſchlüſſe ſind noch nicht gefaßt worden, obwohl eine reſt=
loſe
Einmütigkeit über die Notwendigkeit zur.
unbedingten Aufrechterhaltung der Ordnung
beſtand. Schließlich wurde auch über die religiöſe Hetze
der Kommuniſten geſprochen. Die Länderminiſter ſtimmten
darin überein, daß im Intereſſe des konfeſſionellen Friedens
gegen Ausſtellungen, die einen kirchenfeindlichen Zweck verfolgen,
eingeſchritten werden muß, und daß Druckſchriften, die dieſer Pro=
paganda
dienen, unverzüglich zu beſchlagnahmen ſeien. Der
Reichsinnenminiſter hat am Mittwoch abend im Kabinett Bericht
erſtattet. Es iſt nicht ausgeſchloſſen, daß um die Monatswende
eine neue Polizeiminiſter=Konferenz in Berlin ſtattfindet, auf der
dann Beſchlüſſe gefaßt werden ſollen, die wenigſtens einigermaßen
eine Eindämmung der anſteigenden politiſchen Bluttaten garan=
tieren
.

Kugel, deren Flächeninhalt aber doch beſchränkt und in Zahlen=
werten
auszudrücken iſt. Wie ſich der Begriff einer nach allen
Richtungen ins Unendliche ſtrebenden Ebene im Sinne der
Euklidiſchen Mathematik zur Kugeloberfläche verhält, ſo ver=
hält
ſich die naive Auffaſſung des Raumes, die hinter jeder ge=
ſetzten
Grenze ſagt, daß doch dahinter auch wieder etwas, wenn
auch ein Nichts, nämlich der leere Raum ſein muß, zum Welt=
bild
Einſteins. Die Behauptung der allgemeinen Relativitäts=
theorie
, daß jede Bewegung, die gleichförmige, die beſchleunigte
und die kreisförmige, nur im Hinblick auf andere Körper vor=
handen
ſein kann, mußte das Bild des Naumes von der
Art ſeiner Erfüllung mit Materie abhängig
machen. Der leere Raum verlor ſeine tatſächliche und be=
griffliche
Exiſtenz, und der wirkliche Raum, das Univerſum,
wurde gekrümmt und verlor die Unendlichkeit der Ausdehnung.
Ein ſolcher gekrümmter grenzenloſer Raum, in dem die Zeit
von plus unendlich zu minus unendlich verläuft, iſt zwar für
unſere Vorſtellungskraft ohne jede Anſchaulichkeit. Aber unſer
Anſchauungsvermögen hat ſich ja eben gebildet in Anpaſſung an
die praktiſchen Notwendigkeiten in irdiſchen Verhältniſſen, in
denen die Krümmungen des Raumes keine Rolle ſpielen, in
denen praktiſch die gerade Linie die kürzeſte Verbindung zwi=
ſchen
zwei Punkten bleibt. Nur ein unſinnlicher mathematiſcher
Sinn um einmal dieſe in ſich widerſpruchsvolle Wortzuſammen=
ſrellung
zu gebrauchen konnte über die menſchliche Anſchau=
ungskraft
hinaus zu einer tieferen oder wie ſich jetzt heraus=
ſtellt
vermeintlich tieferen Erkenntnis des Univerſums führen.
In Paſadena war dieſe Frage geſtellt, ob dieſer mathema=
tiſche
Sinn nicht zu falſcher Erkenutnis, oder zu voreiligen
Schlußfolgerungen aus zu weitgehender Verallgemeinerung ge=
führt
habe. Geſtalt und Umfang des Einſteinſchen Raumes
ſind abhängig von ſeiner Erfüllung mit Materie. Einſtein
nahm ein unveränderliches Univerſum mit
wahlloſer Materie an. Seine Darſtellung war nun auf
den Widerſpruch derienigen Forſchungsdiſziplin geſtoßen, die im
beſonderen mit der Erforſchung des Raumes und ſeiner Erfül=
lung
betraut iſt, mit den Aſtronomen. Die Beobachtungen des
holländiſchen Aſtronomen de Sitter und der amerikaniſchen
Aſtrophyſiker Hubble und Shapley haben zum Ergebnis geführt
daß, die fernſten von uns beobachteten Sternnebel, die hundert und
mehr Millionen Lichtjahre von uns entfernt ſind, ſich mit einer
Schnelligkeit von uns meiter entfernen, die mit dem Mat der
Diſtanz wächſt. Es wurden aus dieſen Beobachtungen Berech
nungen angeſtellt, daß unſer Univerſum in ſtändiger Ausdeh
nung begriffen iſt und daß dieſe Ausdehnung die Lebens
dauer des gleichſam in Exploſion befindlichen
Pelialls auf einen Zeitraum ziriſchen zehn und hundert
Milliarden Jahren beſchränkt, was als ein zu geringes Biel

Nummer 78

Die mikkeleuropäiſche Wirtſchaffskagun
Bemühungen um die Schaffung eines einheitlicher
mitfeleuropäiſchen Wirtſchaftsraumes.
Wien, 18. März.
Unter dem Vorſitz des Präſidenten des Mitteleuropäiſche
Wirtſchaftstages, Tilgner, trat heute hier die 6. Mitteleuropäiſe
Wirtſchaftstagung im Großen Sitzungsſaal der Kammer f1
Handel, Gewerbe und Induſtrie zuſammen. An der Tagur
nahmen 200. Delegierte aller mitteleuropäiſchen Staaten tei
Außerdem erſchienen Bundespräſident Miklas, Bundeskanzl
Ender und faſt alle Mitglieder der Regierung nebſt viele
Staatsbeamten, der deutſche Geſandte Graf Lerchenfeld ur
zahlreiche Vertreter des Diplomatiſchen Korps.
Bundespräſident Miklas,
mit lebhaftem Beifall begrüßt, führte in ſeiner Anſprache u.
aus: An ein Wort darf ich Sie vielleicht erinnern, an das I
kannte Wort von der regionalen Verſtändigung, de
von Vizekanzler Dr. Schober ſtammend, ja öſterreichiſcher Pr
gung iſt. Sicherlich hat der allſeits ſympathiſch aufgenomme
Gedanke ſeitdem Fortſchritte gemacht und ſpielt auch in d
Verhandlungen der öſterreichiſchen Regierung mit den Na
barſtaaten, aber auch in den Verhandlungen anderer europäiſd
Staaten eine wichtige Rolle.
Bundeskanzler Dr. Ender
erinnerte gleichfalls an den Gedanken der regionalen Präfere
Die öſterreichiſche Wirtſchaft werde in dieſem Jahre vor
allerwichtigſten Entſcheidungen geſtellt werden, und die öſt
reichiſchen Regierungsorgane ſeien bereits in voller Arbeit,
ein Oeſterreichs legitime Intereſſen befriedigendes Zoll=, He
dels= und verkehrspolitiſches Regime zwiſchen Oeſterreich u
ſeinen Nachbarn zuſtande zu bringen.
Reichsminiſter a. D. Gotheim
hob namens der deutſchen Gruppe, lebhaft begrüßt, hervor, d
auch das Deutſche Reich aufs Bitterſte den furchtbaren Dr.
der in ſolcher Schwere kaum je dageweſenen Wirtſchaftskr
empfinde. Die Lage der Landwirtſchaft der unteren Don
ſtaaten und damit deren wirtſchaftliche Geſamtlage würde e
erhebliche beſſere ſein, wenn Mitteleuropa eine wirtſchaftli
Einheit wäre. Nicht zu verkennen ſei, daß ſich der Schafft
eines einheitlichen Wirtſchaftsraumes Mitteleuropas erhebli
Hinderniſſe in den Weg ſtellen. Sie zu überwinden ſei die A
gabe, die ſich die Mitteleuropäiſche Wirtſchaftstagung geſtellt he
Nnch Anſprachen von Vertretern weiterer mitteleuropäiſe
Staaten begannen die ſachlichen Referate, die Dr. Otto Fran
(Südſlawien), Blaskowies (Rumänien), erſtatteten.
Das Genfer Handelsabkommen endgülkig geſcheit f
Geuf, 18. März.
Die 3. Zollfriedenskonferenz beſiegelte am Mittwoch das Se
tern des Allgemeinen Handelsabkommens mit der Annahme ei s
Schlußprotokolls, in dem feſtgeſtellt wird, daß es der Konfey ſz
nicht gelang, ſich über den Zeitpunkt der Feſtſetzung des Hand ſ=
abkommens
zu einigen, und daß ſie ſich auch über eine ſpätere i=
kraftſetzung
des Abkommens nicht ausſprechen wolle. Der V=
ſitzende
Coliin wies darauf hin, daß damit alle Bemühungen ſt
1927 zur Herbeiführung einer wirtſchaftlichen Zuſammenar it
in Europa geſcheitert ſeien.
Es muß feſtgeſtellt werden, daß die Verantwortung für
Scheitern des Handelsabkommens ausſchließlich bei der engliſ. m
und franzöſiſchen Regierung liegt, da die franzöſiſche Regier ig
ihrerſeits keine bindende Verpflichtung hinſichtlich der Ratifi
rung des Abkommens durch Frankreich übernehmen wollte.
ner hat die engliſche Regierung die Vermittlungsvorſch!
Deutſchlands, Italiens und Hollands, die ein, wenn auch
dingtes Inkrafttreten des Abkommens zum 1. April möglich
macht hätten, abgelehnt.
* Das Reichskabinett hat ſich am Mittwoch abend auch
mit dem Scheitern der Genfer Zollfriedenskonvention befaßt. bedeutet das eine Entlaſtung für die Regieri g.
Außenpolitiſch ſteht allerdings zu befürchten, daß die Staaten,
an den Verhandlungen beteiligt waren, nunmehr zu
erhöhungen, wenn nicht gar zur Kündigung der Handelsverty ſe
übergehen werden, ſo daß dadurch unſer Außenhandel in Mi=
denſchaft
gezogen werden könnte. Man wird aber abzuwa
haben, wie ſich die Dinge weiter entwickeln. Zunächſt muß /s
Sache des Reichswirtſchaftsminiſteriums und des Auswärt M
Amtes ſein, durch geſchicktes Verhandeln mit unſeren Vertr
partnern Maßnahmen zu verhindern, die unſeren Außenho
benachteiligen können.

faches gegenüber der errechneten bisherigen Exiſtenzdauer ſr
Erde erſchien. Die beobachteten Tatſachen ließen ſich nicht it
einer abſtoßenden Kraft etwa unſeres Sonnenſyſtems erkläh,
das zudem dadurch mit einem Schlage wieder eine zentrale *
deutung im Weltall erhälten würde. Shapley ſpricht von eſr
Tendenz der Materie, ins Unendliche, ins Nichts zu zerſtäu ſi.
Man müßte, wenn man ihm folgen will, ſagen, daß der gi=
zenloſe
, aber endliche und gekrümmte Raum Einſteins da ſ
ſtrebt, ſich aus der Bindung an die Materie zu befreien und r
langſamer Annäberung an den unendlichen Raum Euk /
ins leere Nichts überzugehen. Auch in der Darſtellung de
ters ſpielt die unendliche Verdünnung der Maſſe im We II
eine Rolle, und die von Hubble im Gegenſatz zu den Tatſa /i
unſeres Milchſtraßenſyſtems in den fernen kosmiſchen In gi
der Sternnebel feſtgeſtellte nahezu gleichmäßige Verteilung
Materie bezeichnet Einſtein jetzt als ein erſchüttern!
Erlebnis für den Aſtronomen und als e
ganz wichtige und große Sache‟. Die Hoffnung,
die theoretiſchen Phyſiker und die Mathematiker einen Aus
aus den Schwierigkeiten gefunden hätten, bei dem die wil
ſchaftlich beunruhigenden aſtronomiſchen Beobachtungen
einer mathematiſchen Formel für eine Art Raumperſpek
hatten erklärt werden können, wird durch die Mitteilung (
ſteins nicht beſtätigt. Die Möglichkeit, daß die aſtronomiſ
Beobachtungsergebniſſe falſch ſein könnten weil die Bepk
tungsmethode, die Zuhilfenahme des Dopplerſchen Prin=
auf
ſolche unendliche Entfernungen vielleicht keine Gülti 74
mehr beanſpruchen dürfte, läßt Einſtein offen, ohne ſich au fe
zu ſtützen. Er bekennt ſich nach dem heutigen Stand der
ſchung an dieſem Punkte zu einem iguoramus Er ni
das Paradoxon hin und ſagt, daß die Wiſſenſchaft die Arßi
offen halten müſſe.
Aber ſein bisheriges Weltbild gibt E
ſtein jetzt an dem entſcheidenden Punkte pre
Die Hypotheſe eines ſtatiſchen Charakters der Welt, das hſt,
einer Welt, die in ihrer räumlichen Ausdehnung in gre ſn
Zügen konſtant bleibt, wird hinfällig. Hinter dem konſtau Ki,
gekrümmten und endlichen Raum eröffnet ſich wieder der 15
blick auf die Unendlichkeit Euklids, in dem die Relativi 5
theorie keine Bedeutung mehr haben würde.
Das Geheimnis des Makrokosmos, die Probleme zwi’ ſn
Endlichkeit und Unendlichkeit, ſind jedenfalls heute wiede ſr
dunkel getvorden ie zuvor. Wo die Forſchung ein Stück /8
Weges weiter führt und Klarheit glaubt geſchaffen zu
da verſinkt eine aufgehellte Sphäre wieder ins Dunkel jen
des gewonnenen neuen Hoxizonts. Die Schwierigkeiten
ziehren ſich an den Stellen, wo die makrokosmiſchen und Ee
mitrykosmiſchen Probleme ſich berühren. Wenige Tage

[ ][  ][ ]

Nummer 78

Donnerstag, den 19. März 1931

Die (tatberatung im Landtag.

Raſches Teinpo der zweiken Lefung.
Der Finanzausſchuß ſetzte geſtern die Beratungen zur zwei=
Leſung des Voranſchlags fort. Erledigt wurden
die Etatkapitel Bad Nauheimund Bad Salzhauſen.
Kap. 16 (Nachträge und Unvorhergeſehenes) wurde ein An=
ſiag
des Abg. Dr. Niepoth (DVP.) erörtert, der eine Kürzung
Reichsüberweiſung an das Land aus Vorzugsaktien der Reichs=
Uhn von 700 000 Mk. um 200 000 Mk. zugunſten der Gemeinden
m Gegenſtand hat. Der Antrag wurde vom Finanzausſchuß für
edigt erklärt, nachdem die Regierung zugeſagt hatte, daß die
Wohlfahrtsausgaben beſonders ſtark belaſteten Gemeinden
Mitteln eines Ausgleichsſtocks unterſtützt werden ſollen, der
Anſchluß an die Steuerſenkungsaktion gebildet werden ſoll.
Bei Kap. 19
Staatspräſident
tachte Dr. Beſt (Vrp.) einen ſpezialiſierten Antrag auf In=
ſrber
=Verſetzung ein. Der Antrag wurde von dem Ver=
eter
des Bauernbundes unterſtützt, während von den Regie=
ngsparteien
Bedenken zum Ausdruck gebracht wurden. Der An=
ag
Dr. Beſt wurde darauf mit 8:3 Stimmen der Regierung als
ſtaterial überwieſen.
Abg. Dr. Keller (DVP.) beantragt: 1. die Stelle des Mini=
rialrats
auf den Inhaber zu ſetzen, 2. den Dispoſitions=
ſnds
zur Verfügung des Geſamtminiſteriums und den zur
ſörderung von Kultur, Wirtſchaft und Verkehr in Heſſen, (ſtatt
sher 20 000 und 50 000) auf zuſammen 50 000 Mark herabzu=
Atzen, 3. die für Verfaſſungsfeiern vorgeſehenen Zuſchüſſe
n 5000 Mark zu ſtreichen. Der Antragſteller erklärte, die
Unhaberbewilligung des Legationsrates ſtreichen und dafür den
Miniſterialrat auf Inhaber ſetzen zu wollen. Die beiden Fonds
eien zu hoch dotiert und die Zuſchüſſe für Verfaſſungsfeiern über=
üſſig
. Aus der Mitte des Ausſchuſſes wurde der Verwunderung
usdruck gegeben, daß gerade die Partei, die ſonſt für Wirtſchaft
Und Verkehr einzutreten pflegt, nun ausgerechnet an ſachlichen
lusgaben ſtreichen will, die dieſen Faktoren beſonders zugute
kommen. Es wurde auch darauf verwieſen, daß der verſtorbene
Albg Haury (DVP.) ſich im vorigen Jahre dankenswerterweiſe
eſonders für den 50 000=Mark=Fonds eingeſetzt hatte.
Auf eine Anfrage nach der Verwendung dieſer Mittel ſtellte
der Staatspräſident richtig, daß die Zuwendungen für
gewiſſe in der Debatte geſtreifte Zwecke des beſetzten Gebietes aus
Reichsmitteln, die für das beſetzte Gebiet noch verfügbar waren.
ind nicht aus dem genannten Fonds erfolgt ſeien. Gerade auch
der jetzigen Notzeit erweiſe ſich die beſondere Notwendigkeit
ines derartigen Fonds zu einem plötzlich erforderlichen wirkſamen
fingreifen im Intereſſe der Wirtſchaft und Kultur. Der Antrag
uf Inhaberbewilligung des Miniſterialrats bekomme gerade
urch die gegebene Erläuterung ein politiſches Geſicht. Aus ſach=
chen
Gründen laſſe ſich doch die Stelle des oberſten Beamten in
inem Dienſtbereich nicht beſeitigen. Aus der Mitte der Regie=
ingsparteien
wurde es noch als ſchwer verſtändlich bezeichnet,
laß eine Partei, die ſich ſelbſt als Verfaſſungspartei bezeichne, die
ir Verfaſſungsfeiern notwendigen Mittel zu ſtreichen verlangt.
ei der Abſtimmung wurde der Antrag mit 8 gegen 3 Stimmen
ei einer Enthaltung abgelehnt. Das Kapitel 19 ( Staatspräſi=
ent
) wurde ſodann in zweiter Leſung gegen 2 Stimmen bei einer
nthaltung angenommen.
Zum Kapitel
Vertretung beim Reich
Kap. 21) ſtellten die Abgg. Dr. Keller und Fraktion (DVP.)
gen Antrag, Titel 1, Ziffer 1: Geſandter und ſtimmführender ſtell=
ertretender
Reichsratsbevollmächtigter Gehalt. Dienſtwohnung
7 000 Mark iſt wie Ziffer 10 Dienſtaufwandsentſchädigung 10000
MNark, zu ſtreichen. Sie begründeten ihren Antrag damit, daß ſich
ie Gewohnheit herausgebildet habe, daß in allen wichtigen An=
elegenheiten
die Sachberater oder die Miniſter ſelbſt nach Berlin
Uahren, um dort mit den Reichsbehörden zu verhandeln. Im
brigen genüge es für die Vertretung der wirtſchaftlichen Inter=
ſen
Heſſens, wenn die Geſchäfte von dem vorhandenen Mini=
Verialrat geführt würden. Das Land befinde ſich in Not. Dem
volle der Antrag Rechnung tragen. Die Stellung des Landes
erde im übrigen dadurch nicht beeinträchtigt.
Der Staatspräſident wandte ſich ganz entſchieden gegen den
Untrag.
Auf Anfrage gab der Staatspräſident Erläuterungen über
ie Vertretung der anderen Länder in Berlin. Heſſen ſpare am
erkehrten Ende, wenn es nicht die verhältnismäßig geringe Auf=
bendung
, die der Zuſchuß von rund 68 000 Mark darſtellt, auf=
ringen
wollte. Es iſt nicht nur eine Wirtſchaftsvertretung von
beſonderer Wichtigkeit für die gewerblichen Intereſſen des Lan=
bes
, wie es ſich in einer großen Reihe von Fällen gezeigt hat,
uch für die Intereſſen der Landwirtſchaft und ihrer Bevölke=
ung
. Bei der Abſtimmung über den Antrag der D.V.P wurde
er Antrag mit den geſamten übrigen Stimmen bei einer Enthal=
ung
abgelehnt. Das Kapitel wurde mit 10:3 Stimmen ange=
ommen
.
Abg. Hammann (Komm.) begründete nunmehr verſchiedene
kommuniſtiſche Anträge zum Miniſterium für Kultus und Bil=
dungsweſen
.
Zu Kap. 27 (Miniſterium des Innern)
beantragte die Volkspartei, die Stelle eines juriſtiſchen Miniſte=
ialrats
zu ſtreichen und dafür einen Veterinärrat einzuſetzen; die
einſteins Heimkehr noch ſprach in der phyſikaliſch= mathemati=
chen
Klaſſe der Preußiſchen Akademie der Wiſſenſchaften Pro=
ſeſſor
Schrödinger über die Schwierigkeiten, die Begriffsſyſteme
der Relativitätstheorie und der Quantenmechanik zur notwen=
bigen
Anpaſſung zu bringen. Beide ſtellen ſich, von den ver=
chiedenen
Beobachtungspunkten geſehen, nur als Annäherungen
im Makrokosmiſchen auf der einen, und für ſehr kleine Gebilde,
in denen der Zeitbegriff zu vernachläſſen iſt, auf der anderen
Seite dar. Wenn man hinzunimmt, daß gerade von dieſem
9ebiet aus zu der Erſchütterung der Einſteinſchen Kosmogonie
eine Kriſe der Kauſalität tritt, ſo erſcheint heute das Weltbild
in ſeinen Grundfeſten erſchüttert. Alles iſt in ſchwankender und
Derſchwimmender Bewegung. Die Relativitätstheorie,
le Einſtein an ſich noch halten möchte, wird zu
iuem Uebergangsſtadium der Erkenntnis. Ge=
Veimnis reiht ſich an Geheimnis, Problem an Problem. Aber
De ſorſchende und treibende Kraft im menſchlichen Geiſt will im
teinen wie im großen keine endlichen Horizonte anerkennen,
der die wir nicht hinausſehen können. Wo die Sinne zum
Scauen und zur Erkenntnis nicht naturgegeben ſind, ſucht er
ſe in ſich zu ſchaffen oder durch Werkzeuge zu erſetzen. Die
Spharen des Dunkels werden zwar in immer weiterem Umkreis
üugehellt, aber es ſcheint wirklich ſo, als ob der erkennende
Leiſt nur am Saum von der Gottheit lebendigem Kleid ſpielen
rie und als ob es ihm für immer verwehrt ſei, ins Angeſicht
e5 Ulnendlichen zu ſchauen, der ſich hinter ſtets neuen Hori=
zonten
verbirgt.
Zeitſchrift für Pilzkunde, Organ der Deutſchen Geſellſchaft
für Pilzkunde, Darmſtadt. Redigiert, herausgegeben und
derlegt von Fr. Kallenbach=Darmſtadt, unter Mitwirkung von Hoch=
ſchulprofeſſor
Dr. Killermann. Druck 2 C. Wittich Darmſtadt.
15. Band, Heft 1. 1931, 32 Seiten, 3 Kunſttafeln. Jährlich 8,50 RM.
Die ideellen Beſtrebungen der Deutſchen Geſellſchaft für Pilzkunde
dienen der Förderung der volkstümlichen und wiſſenſchaftlichen Pilz=
unde
, beſonders aber mit Unterſtützung durch die höchſten Reichs=
ehörden
dem Kampf gegen die furchtbaren Pilzvergiftungen.
Genau ſo dient der Inhalt der Zeitſchrift für Pilzkunde nicht
usſchließlich der Förderung der wiſſenſchaftlichen Pilzforſchung, ſon=
ern
er iſt größtenteils jedem Laien=Pilzfreund verſtändlich und inter=
ſant
. Die Bunttafel des neuen Heftes ſtellt den viel genannten, aber
benig bekannten Satans=Röhrling dar. Tafel 2 eigt einen
brächtigen Hexenring im Kiefernwald. Solche Erſcheinungen boten
rüher zu allerhand Aberglauben Anlaß, ſind aber ganz natürlich erklär=
ſch
durch das regelmäßige Fortwachſen des Pilzgeflechtes Die 3. Tafel
bringt die Wiedergabe von merkwürdigen Pilzmißbildungen, insbeſon=
dere
vom Champignon. Von größtem Intereſſe iſt der ausführliche Be=
licht
über die zahlreichen und ſchweren Vergiftungen durch die ge=
jährliche
Frühjahrs=Lorchel, die im Jahre 1930 wieder
eine größere Zahl von Todesfällen verurſacht hat. Gewarut wird vor
dieſem Giftpilz durch die Herausgabe einer bunten Wandtafel durch

Stelle des Veterinärrats ſoll in Kapitel 40 (Tierärztlicher
Dienſt) abgeſetzt werden. Das Zentrum wies auf die offenbar
politiſche Tendenz des Antrags hin. Der Vertreter der Regie=
rung
betonte, daß durch die Annahme des Antrags der Abſicht der
Regierung, die Zahl der Beamten in den Miniſterien zu vermin=
dern
, entgegengewirkt würde. Der Antrag wurde mit 8:1
Stimme bei 3 Enthaltungen abgelehnt und das Kapitel mit 9:2
Stimmen bei einer Enthaltung angenommen.
Zu Kap. 42 (Landes=Heil= und Pflegeanſtalten)
lag ein Antrag der Deutſchen Volkspartei vor, das Pflege=
geld
entſprechend den geſunkenen Lebenshaltungskoſten zu ſen=
ken
. Hierzu erklärte der Regierungsvertreter, daß die derzeitigen
Pflegegeldſätze immer noch unter den Selbſtkoſten liegen und auch
faſt durchweg niedriger ſind als die Sätze in den ſonſtigen öffent=
lichen
Krankenhäuſern ſowie in den Heil= und Pflegeanſtalten
der Nachbarländer. Der Antrag wurde mit 6:3 Stimmen bei 2
Stimmenthaltungen abgelehnt, aber der Regierung zur tunlichen
Berückſichtigung einſtimmig überwieſen.
Zu Kav. 43 (Anſtalt für Geiſtesſchwache Aliceſtift
bei Darmſtadt) wurde ein Antrag der Koalitionsparteien, in
Titel 1 Ziffer 2 wieder 3 Reallehrer (anſtatt 2) einzuſtellen und
die Koſten für dieſe 3. Lehrerſtelle durch Abſtriche bei den ſachlichen
Ausgaben zu gewinnen, gleichfalls der Regierung zur tunlichſten
Berückſichtigung überwieſen. Auf Vorſchlag der Regierung ſoll
zunächſt abgewartet werden, wie viel Neuanmeldungen zu Oſtern
für die Anſtalt erfolgen.
Bei Kap. 44 (Volksgeſundheitspflege) wurde der Antrag
der Koglitionsparteien, für die Heilſtätte Seltersberg
des Heilſtättenvereins den Betrag von 15000 RM. einzuſetzen, ſo=
wie
ein weiterer Antrag des Zentrums, der orthopädiſchen
Klinik zu Gießen einen Zuſchuß von 10 000 RM. zu gewäh=
ren
, zunächſt zurückgeſtellt.
Zu Kap. 45 (Jugendfürſorge und beſondere Maßnahmen
zur Bekämpfung von Volkskrankheiten) fordert ein Antrag der
Deutſchen Volkspartei, als Zuſchüſſe zu den von den Bezirksfür=
ſorgeverbänden
aufzubringenden
Gehalten der Kreisfürſorgerinnen,
wofür im Entwurf des Voranſchlags 116 000 RM. vorgeſehen ſind.
den vorjährigen Betrag von 144 000. RM. abzüglich 6 Prozent
einzuſetzen. Die Regierung erklärte hierzu, daß der vorjährige
Betrag zu ihrem eigenen Bedauern mit Rückſicht auf die Finanz=
lage
des Landes hätte heruntergeſetzt werden müſſen, zumal, was
auch der Sparkommiſſar ausdrücklich feſtgeſtellt habe, der Fürſorge=
außendienſt
nicht Aufgabe des Staates, ſondern der Bezirksfür=
ſorgeverbände
ſei. Man habe bei der Herabſetzung des Zuſchuſſes
ſchon darauf Bedacht genommen, daß die wertvolle Einrichtung
der Außenfürſorge nicht zerſchlagen werde. Der Antrag wurde
hierauf mit 10:1 Stimme abgelehnt.
Ein Antrag der Volkspartei zu Kap. 49 (Fonds für öffent=
liche
und gemeinnützige Zwecke) auf Streichung des Fonds zur
Verfügung des Innenminiſters verfiel der Ablehnung. Dagegen
wurde ein Antrag des Zentrums zu Kap. 52 ( Straßenverwal=
tung
), durch den die Regierung erſucht wird, darauf hinzuwirken
daß bei Vergebung von Straßenarbeiten auch das Kleinhandwerk
gebührend berückſichtigt werde, einſtimmig angenommen.
Fortſetzung am Donnerstag.

die Eiſen= und Skahlwaren=Induſkrie
gegen neue Skeuern.
Der Eiſen= und Stahlwaren=Induſtriebund hat eine Ein=
gabe
an den Reichsminiſter der Finanzen gerichtet, in der er
auf die große Srregung hinweiſt, die in dem von ihm vertre=
tenen
Wirtſchaftszdeig entſtanden iſt durch die im Reichstage
beſprochenen Pläne, die Vermögensſteuer und die Einkommen=
ſteuer
erheblich zu erhöhen. Der Bund weiſt beſonders darauf
hin, daß die verarbeitende Induſtrie, die im ſchwerſten Kampf
mit der Konkurrenz des Auslandes ſteht, keine weitere Belaſtung
mehr tragen kann. Die Verſchuldung in dieſem Wirtſchafts=
zweig
iſt ganz allgemein ſo ſtark geſtiegen, daß ein weſentlicher
Teil der Firmen am Ende ſeiner Kraft iſt. Die Gemeinden
haben zum Teil erhebliche Nachforderungen an Gewerbeſteuern
und Grundabgaben in den letzten Monaten durchgeführt, was
mit Rückſicht auf die rückgängige Geſchäftslage eine weitere Ent=
nahme
aus der Subſtanz erforderlich gemacht hat. Zu dieſen
großen Schwierigkeiten tritt noch die Sorge um den Bankkredit
hinzu, die beſonders bei den mittleren und kleineren Firmen
beſteht.
Die bisher bereits vorhandene Ueberlaſtung mit Steuern
rechtfertigt ohne weiteres die Ablehnung der Anträge der Sozial=
demokratie
und der Kommuniſten. Der Eiſen= und Stahlwaren=
Induſtriebund weiſt nachdrücklich darauf hin, daß die Induſtrie
auf die Dauer nicht mehr leben kann, wenn nicht die Steuern
geſenkt werden, wie es in der Notverordnung des Herrn Reichs=
präſidenten
vom 1. Dezember 1930 bereits angekündigt iſt. Eine
Preisſenkungsaktion iſt natürlich in keiner Weiſe denkbar, wenn
die Gemeinden mit Plänen auf erhöhte Bürgerſteuer kommen
und andere Steuererhöhungen beabſichtigt ſind.

Zur Neubeſehung des Berliner Lehrſtuhls
für Kunſtgeſchichke.

Prof. Dr. Brinckmann,
Dozent an der Kölner Univerſität, wurde an den Lehrſtuhl für
Kunſtgeſchichte an der Univerſität Berlin berufen.

die obengenannte Stelle. Aus Deſſau wird weiterhin eine Pantherpilz=
Vergiftung ausführlich beſchrieben. Der Pilzmarktbericht der Markt=
hallenverwaltung
Chemnitz und der Abdruck eines Miniſterialblattes
zeigen, wie ſehr man in Sachſen um die amtliche Pilzaufklärung bemüht
iſt. Eine größere Zahl von kleineren Mitteilungen, die wohl das In=
tereſſe
jedes Naturfreundes erwecken, beſchließt das vorliegende Heft. Das
gleichzeitig erſchienene Lorchel=Merkblatt iſt zur allgemeinen Volks=
belehrung
durch Verbreitung in der Tagespreſſe im Frühjahr gedacht.
Das große Karlsbader Konditorbuch, von J. C. Mand. 266 Seiten.
Preis Halbleinen geb. 3,50 Mk.. Max Heſſes Verlag, Berlin= Schöne=
berg
.
Was bei dieſem Buch zuerſt überraſcht, iſt die große Reichhaltigkeit
Es umfaßt mit ſeinen mehr als 1100 Rezepten wohl alles, was an
nachtsgebäck uſw. bekannt iſt. Wie der
Kuchen. Torten, Süßſpeiſet

Seite 3

Dr. Brüning an das deutſche Handwerk.
Helbſtverkrauen und Selbſthilfe. Anpaſſung aller
Wirkſchaftsgruppen an die Konſumkraft
der ganzen Bevölkerung.
Berlin, 18. März.
Auf der geſtrigen Obermeiſtertagung des Berliner und mär=
kiſchen
Handwerks hielt Reichskanzler Dr. Brüning eine bemer=
kenswerte
Rede. Unter dem Hinweis auf die mannigfachen, dem
Reichstag zurzeit vorliegenden Aufgaben betonte Dr. Brüning
die Notwendigkeit einer rechtzeitigen Verabſchiedung aller vor=
liegenden
Geſetze, damit die Unſicherheit, die ſeit langer Zeit
über dem deutſchen Volke geſchwebt habe, wieder beſeitigt werde.
Solange die Vertrauenskriſe andauern würde, die nicht nur erſt
ein Jahr alt ſei, ſolange nicht das deutſche Volk und auch das
Ausland das feſte Vertrauen hätten, daß Reichsregierung,
Staatsregierung und Parlamente ſich ſelbſt in ihrer Betätigung
die notwendigen Schranken auferlegten und bei allen ihren Be=
ſchlüſſen
an eine weitere Zukunft denken würden, ſolange könne
keine Stabiliſierung der Wirtſchaft herbeigeführt werden, an der
doch kein Stand ſo lebhaftes Intereſſehabe, wie das
deutſche Handwerk.
Kein Stand, ſo fuhr Dr. Brüning fort, ſei ſo bedeutſam
als Mittler zwiſchen den extremen Gegenſätzen als der
deutſche Handwerksmeiſter. Und weil dem ſo ſei, habe
das Handwerk auch ein Recht darauf, daß die Geſetzgebung
in Reich und Ländern ſowohl als auch die politiſche Tätig=
keit
der Kommunen auf die Bedeutung dieſes Standes
Rückſicht nehmen.
In der Vergangenheit ſei beim Wiederaufbau wohl zunächſt
mit Vorſicht zu Werke gegangen worden, doch ſvenn man bei
dieſem vorſichtigen Tempo geblieben wäre, ſo würde es heute
keine Reichsregierung geben, die faſt jeden Tag unpopuläre Be=
ſchlüſſe
auf ſich zu nehmen habe. Man habe Geſetze gemacht, die
während der Hochkonjunktur eine finanzielle Grundlage gehabt
hätten, die aber bei dem Verſchwinden dieſer Hochkonjunktur
in ſich ſelbſt zuſammengebrochen wären. Und obwohl im Reichs=
tag
oftmals warnende Stimmen erhoben worden ſeien, habe man
den eingeſchlagenen Weg nicht verlaſſen, nicht nur, weil ſich
die Politik geirrt habe, ſondern auch ein großer Teil der öffent=
lichen
und privaten Wirtſchaft. Hunderttauſende von Arbeits=
willigen
ſeien dadurch aus dem Produktionsprozeß ausgeſchaltet
worden und fielen jetzt der Wohlfahrtsfürſorge zur Laſt. Im
gleichen Maße der Rationaliſierung ſeien deshalb auch die äll=
gemeinen
Laſten angeſtiegen, wobei man nicht vergeſſen dürfe,
daß der bei der Nationaliſierung der Betriebe erwartete Ge=
tvinn
oftmals gar nicht eingetreten ſei. Wenn man nun heute
mit Reformmaßnahmen komme, ſo würde aus dieſem Grunde
naturnotwendig Tempo und Schärfe dieſer Reformen bedeutend
größer ſein. Dabei ſpiele auch die Tatſache eine Rolle, daß
Deutſchland nicht das einzige Land der Wirtſchaftskriſe ſei,
ſondern daß mit einem Schlage mehr oder minder alle Völker
der Welt vor den gleichen Problemen ſtehen würden. Dabei
würden ſich ihre Löſungen in der gleichen Linie bewegen, die
die Reichsregierung durchgeführt und geplant hat. Dr. Brüning
verwies hierbei auf die Maßnahmen Italiens und Englands,
die wenige Monate, nachdem Deutſchland ſeine Reformen durch=
führte
, eingeleitet worden wären.
Für Deutſchland komme es nun darauf an, als erſtes aller
Länder ſeine politiſche und wirtſchaftliche Stabilität wie=
derzuerobern
. Es komme darauf an, Menſchenunmögliches
zu leiſten, um als erſtes Land aus dieſer Kriſe heraus=
zukommen
. Deshalb ſei es auch erſtes Erfordernis der
Stunde, die Finanzen in Reich, Ländern und Kommunen
in Ordnung zu bringen. Es ſei Aufgabe, aus den Fehlern
der vergangenen Jahre zu lernen.
Selbſtverſtändlich könne Deutſchland die Reparationen unter
keinen Umſtänden auf die Dauer vertragen. Wenn man aber
eine Reviſion wolle, dann müßte man aber auch
den Mut baben, das eigene Haus in Ordnung zu
bringen, um ſtark zu ſein. Mit Poſaunenblaſen
werde man nicht die Mauern der Reparationen
umwerfen. Es komme vielmehr darauf an, eine Politik zu
machen, die offen und ehrlich in jeder Beziehung ſei.
Wenn ſich das deutſche Volk immer über ſeinen Zuſtand
klar geweſen wäre und wenn alle Regierungen von der
Nevolution an den Mut gehabt hätten, zu zeigen, was
Deutſchland überhaupt noch hatte, dann wäre die ganze
Frage anders gelaufen. Und wenn man rechtzeitig ſchwere
Steuern gemacht hätte, dann brauchte man ſich heute nicht
darum zu ſtreiten, wann und in welchem Tempo die

Herausgeber im Vorwort ſagt, hat er in mühevoller, zwanzigjähriger
Arbeit die Rezepte geſammelt, zuſammengeſtellt und ſo manches Ge=
heimrezept
alter öſterreichiſcher Konditorkunſt hinzugefügt; namentlich
eine Menge Marienbader und Karlsbader Originalrezepte, die bisher
noch nirgends veröffentlicht wurden. Manches wird für den Konditor
nicht brauchbar ſein, was für die Hotel= und Penſionsküche, ja ſogar für
die Hausfrau äußerſt wertvoll iſt. Aber das iſt gewiß, ein jeder wird
das in dem Buche finden, was er ſucht, und die Fülle guter Rezepte
wird alle, die das große Karlsbader Konditorbuch in die Hand nehmen,
überraſchen. Jedenfalls ein Buch, das wir bei ſeinem billigen Preis
allgemein empfehlen können.
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Deutſche Wanderkunde, Handbuch für Leiter von Führerlehrgängen,
gründliche Einführung ins Kartenleſen und in die Kunſt zünftigen
Wanderns von Emil Schulten. Wilhelm Limpert=Verlag, Dres=
den
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Ein neues Buch, das vom Wandern handelt! Was iſt neu daran?
Einmal die enge Verbindung der Wanderkunde mit dem Kartenleſen.
Ohne ſicheren Gebrauch der Karte kein ſelbſtändiges Wandern! In
neuer, vorbildlich klarer Art führt der Verfaſſer in die Kunſt des Kar=
tenleſens
ein. 46 Zeichnungen geben dem belehrenden Wort eine an=
ſchauliche
Unterlage. Zum anderen, daß hier erſtmalig ein lückenloſes
Handbuch zur Ausbildung von Wanderführern geboten wird. Das fehlte
bisher. Zum dritten ſei bemerit, daß hier ein alter Wandervogel, ein
Zünftiger, das Wort nimmt zu einer unerſchöpflichen Fundgrube wan=
dertechniſchen
Wiſſens und Könnens, beruhend auf den Erfahrungen
eines langen Wanderlebens. Dann werden in knappen Abhandlungen
wertvolle beim Wandern auftauchende Fragen erörtert; über Führer
und Führertum, Von Schulwanderungen. Das Jugendherbergswerk,
Erſte Hilfe, Singen und Klingen auf Fahrt. Naturwiſſenſchaftliche Be=
obachtungen
, Natur und Heimatſchutz, Vom Photographieren und Skiz=
zieren
, Das Wanderwetter u. a. m. Eine Ueberſicht über den Stand der
deutſchen Wanderbewegung wird manchem willkommen ſein, nicht minder
die Vorführung der Abzeichen unſerer zahlreichen Jugendverbände. Das
Buch ſchließt mit einem umfaſſenden Schriftennachweis, der die ſtattliche
Zahl von 450 Bänden enthält. Die deutſche Wanderkunde gehört auf das
Blicherbrett jedes fahrenden Geſellen und in jede Schulbücherei, denn
ſie zeigt den Lehrern, dieſen ſeit Einführung des Wandertages wichtig=
ſten
Führern, wie zweckmäßig und gehaltvoll gewandert wird. Schulten
lehrt ein Wandern, das wie das Jugendherbergswerk alle Volksgenoſſen=
unter
neutraler Flagge ſammeln, zu gegenſeitigem Verſtehen und Dul=
den
, zur Gemeinſchaft leiten möchte. In dieſem Sinne iſt dieſe Wander=
kunde
gut deutſch und empfehlenswert. (320 Seiten 46 Zeichnungen
und Skizzen. Broſch. 6. RM., Ganzleinen 7,50 RM.)
Der Tanz. Monatsſchrift für Tanzkultur. A. F. Debrient Ver=
lagsgeſellſchaft
m. b. H. (Leipzig C. 1, Johannisgaſſe 16). Der Tod der
berühmten Anna Pawlowna iſt ein unermeßlicher Verluſt nicht allein
für die Tänzerſchaft und die ihr naheſtehenden Kreiſe, ſondern darüber
hinaus für die ganze Welt der Kunſt und geiſtigen Kultur. Das Anna
Pawlowna gewidmete Heft der Monatsſchrift mit ſeinen zahlreichen Bil=
dern
und Beiträgen des Biſchofs, Rud. v. Labans, Hugo Lederers,
J. Lewitans u. v. a. dürfte ſtarkes Intereſſe hervorrufen.

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Seite 4
Steuern gekürzt werden könnten; dann wären wir längſt
in geordnete wirtſchaftliche Verhältniſſe hineingekommen.
Man habe aber die Augen zugemacht. Das treffe nicht
eine Partei beſonders.
Die populären Steuerſenkungen des Reichstags ſeien kein
Gewinn geweſen; denn dafür hätten die Realſteuern der Ge=
meinden
erhöht werden müſſen. Und nun komme es dar=
auf
an, nachdem die Reichsfinanzen einiger=
maßen
in Ordnung gebracht worden wären und
es gelungen ſei, über die ſchwerſten Kaſſen=
termine
hinwegzukommen, die Geſundung der
Kommunalfinanzen herbeizuführen. Es ſei
unmöglich, eine geordnete Reichs= und Länder=
finanzpolitik
durchzuführen, wenn in den Gemein=
den
immer wieder neue Fehler gemacht würden.
Deshalb ſei die Annahme des Plafond=Geſetzes notwendig
geweſen.
Die ewige Steigerung der Realſteuern müßte zu einem
Ende kommen; hätten doch gerade dieſe Steuern eine aus=
geſprochen
preisſteigernde Wirkung.
Nun dürfe man allerdings nicht erwarten, daß es möglich,
ſei, dieſes oder jenes Geſetz im Handumdrehen zu ändern; es
komme vielmehr darauf an, einmal zu einem Eyſtem der Beein=
flüfſung
unferer Wirtſchaft durch unſere geſamte Geſetzgebung
zu kommen. Es komme darauf an, in die Zukunft zu ſehen,
aber gleichzeitig auch, die Gegenwart zu berückſichtigen. Auch
wenn wir heute keine Reparationen zu zahlen hätten, würden
wir zu ſchwer eingreifenden Maßnahmen ſchreiten müſſen.
Dieſe Maßnahmen könnten aber auf die Dauer
keinen geſunden Erfolg bringen, wenn gleich=
zeitig
die Laſt der Reparationen ſo bleibe, wie
ſie heute ſei. In dieſer Hinſicht ſei es aber auch

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Donnerstag, den 19. März 1931
notwendig, die Jüuſion zu zerſchlagen, daß immer nur
der Staat der letzte Retter ſei. Wenn wir dieſe Methode
immer weiter treiben würden, dann würden wir den letz=
ten
Reſt eigenen Selbſtvertrauens im deutſchen Volke voll=
kommen
ausrotten. Vertrauen auf ſich ſelbſt und Selbſt=
hilfe
, das ſeien immer die entſcheidenden Momente ge=
weſen
. Und ein Volk, das ſich immer ſelbſt zu helfen
wiſſe, könne niemals zugrunde gehen.
Der Staat habe die Entwicklung der Selbſthilfe zu fördern,
das ſei ſeine vornehmſte Pflicht. In den vergangenen Jahren,
ſo fuhr Dr. Brüning fort, haben wir den großen Fehler
gemacht, viel zu viel Geld der öffentlichen Hand
in die zuſätzliche Arbeitsbeſchaffung zu inve=
ſtieren
, wodurch eine Steigerung der Preiſe
und Löhne eingetreten ſei. Dadurch ſeien die
Kaſſen leer geworden. Aus dieſem Grunde müßte auch
nach dieſer Richtung hin eine gewiſſe Planmäßig=
keit
in die geſamte öffentliche Wirtſchaft
kommen.
Uebergehend zu der Frage einer baldigen Neurege=
lung
der Hauszinsſteuer betonte Dr. Brüning, daß es
eine der Hauptaufgaben ſei, alles daran zu ſetzen, die Verhält=
niſſe
im Baugewerbe in Ordnung zu bringen. Gelinge es, jetzt
im Reichstag die notwendigen Geſetze ſchnell zu verabſchieden,
dann wurde auch wieder die Möglichkeit gegeben ſein, Kredite
zu bekommen, durch die dem Baugewerbe zu helfen ſei. Not=
wendig
ſei es dabei, die Senkung der Vaukoſten voranzubringen.
Es ſei notwendig, und zwar bei allen Wirtſchafts=
gruppen
, ſich an die Konſumkraft der geſamten
Bevölkerung anzupaſſen. In dieſem Sinne appel=
lierte
Dr. Brüning an das Handwerk, die große Tradition der
Vergangenheit nicht aufzugeben.

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Nummer 78

Engliſche Finanzkreiſe
für Reviſion des Young=Blanes.
London, 18. März.
Auf der Jahresverſammlung der Britiſch=Deutſchen Wirt=
ſchaftsvereinigung
äußerte ſich der Vorſitzende Wagg ſehr zuver=
ſichtlich
über die Entwicklung in Deutſchland und wies auf die
Maßnahmen zur Reorganiſation der deutſchen Finanzen und der
Wirtſchaft hin.
Ein Moratorium für die Youngplanzahlungen habe nichts
zu tun mit der Sicherheit für die Dawes= und Voung= An=
leihen
. Die Youngplanlaſten hätten ſich infolge des Preis=
falles
ſehr bedeutend erhöht.
Obwohl man das Ausmaß der Erhöhungen noch nicht feſtſtellen
könne, ſo würde es doch mindeſtens 15 v. H. betragen.
Die Herabſetzung der Laſten, die man mit dem Youngplan
erreichen wollte, habe ſich daher als illuſoriſch erwieſen.
Der erſte Schritt zu einer Aenderung der Schul=
denfrage
müſſe von den Vereinigten Staatzen
kommen, die direkt oder indirekt etwa 66 v. H. der geſamten
Reparationszahlungen erhielten. Hierdurch würden viele poli=
tiſche
Schwierigkeiten ausgeſchaltet werden.
Die Notwendigkeit einer Reviſion des Youngplanes werde
in engliſchen Finanzkreiſen anerkannt. Gleichzeitig er=
kenne
man an, daß die normale Entwicklung des internatio=
nalen
Handels durch die ungeheuren internationalen Geld=.
überweiſungen fehr geſtört wurde.
Die engliſchen Finanzblätter bringen dieſer Rede großes In=
tereſſe
entgegen.

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[ ][  ][ ]

Nummer 78

Donnerstag, den 19. März 1931

Seite 5

Aus der Landeshaupkftadk.
Darmſtadt, den 19. März 1931.
Techniſche Hochſchule Darmſtadt. Rektor und Senat der
Techniſchen Hochſchule Darmſtadt haben auf einſtimmigen An=
trag
der Abteilung für Elektrotechnik die Würde eines Doktor=
Ingenieurs Ehrenhalber verliehen: Herrn, Bernard
Arthur Behrend, beratender Ingenieur in Wellesley Hulls
Maſſ., U. S. A., in Anerkennung ſeiner Verdienſte um die Ent=
wicklung
des Elektromaſchinenbaues, insbeſondere des Mehr=
phaſen
= und Einphaſen=Induktionsmotors und Herrn Alexander
Heyland, beratender Ingenieur in Brüſſel, in Anerkennung
ſeiner Verdienſte um die Entwicklung des Kreisdiagrammes von
Mehrphaſen=Motoren.
Jubiläum. Heute kann Herr Prokuriſt Ph. Riebel auf
ſeine 40jährige Tätigkeit bei der Dampfkeſſelfabrik vorm. Arthur
Rodberg A. G., Darmſtadt, zurückblicken, und dürfte es dem Ju=
bilar
aus dieſem Anlaß an Ehrungen und Glückwünſchen nicht
fehlen.
Die geſetzliche Miete wird in allen Städten und
Landgemeinden mit Wiekung vom 1. April 1931 ab um 2 v. H.
der Friedensmiete erhöht.
Feier zum Gedächtnis Bodelſchwinghs. Anläßlich des 100.
Heburtstages Bodelſchwinghs, des Begründers der weltberühmten
Unſtalt Bethel bei Bielefeld, dieſer Stadt der Kranken und Elen=
den
, wird am Samstag, den 21. März, abends 8 Uhr, in
der Pauluskirche eine Gedächtnisfeier ſtattfinden. Im Mit=
telpunkt
dieſer Veranſtaltung ſteht der neue Betheifilm: In den
Spuren Vater Bodelſchwinghs. Durch Dienſt zur Freude‟. Dieſes
Bildwerk, das hier zum erſten Male läuft, und der begleitende
Vortrag werden alle, die die Anſtalt Bethel nicht aus eigener
Anſchauung kennen, in lebendiger Weiſe in das Leben dieſes
großartigen Liebeswerkes einführen. Was unſere Nieder= Ram=
ſtädter
Anſtalten im Kleinen ſind, das iſt Bethel im Großen. Die
Arbeit an den Epileptiſchen iſt nur ein Ausſchnitt aus dem Werk
der Liebe, das dort an Kranken, Krüppeln, Siechen, Entgleiſten,
Trunkſüchtigen uſw. getan wird. Auch die Brüder von der Land=
ſtraße
hat Bodelſchwingh in ſeine Arbeit aufgenommen. Wer ſich
davon überzeugen will, was ein einzelner Mann mit einem glau=
bensſtarken
und liebereichen Herzen ſchaffen durfte, der ſehe ſich
am nächſten Samstag in der Pauluskirche den Bethelfilm an; er
hilft damit auch mit an einem kleinen Dankesopfer zum Gedächt=
nis
Vater Bodelſchwinghs.
Bücherſtube Alfred Bodenheimer Ausſtellung Joſeph
Itin. Die Ausſtellung von Joſeph Itin, La Comballaz ſ/Aigle,
die eine intereſſante Auswahl von Aquarellen und Oelgemälden
zeigt, iſt noch bis zum 29. März geöffnet. Für April wird die
AAusſtellung der Dresdener Malerin Ruth Meier vorbereitet.
Intereſſieren dürfte, daß für Mai eine Ausſtellung von Aqua=
ellen
. Photomontagen, Photomalereien und Graphik junger
Bauhaus=Maler (Deſſau) vorbereitet wird. Die Eröffnung der
Ausſtellung wird am Sonntag, dem 3. Mai, ſtattfinden; einer der
uusſtellenden Maler wird einen einführenden Vortrag halten.
Volkshochſchule. Dr. Max Wauer lieſt Wilhelm Buſch
im Dienstag, den 24. März, im Feſtſaal der Höheren Landesbau=
chule
. Neckarſtraße 3. Karten ſind in der Geſchäftsſtelle der Volks=
hochſchule
und am Saaleingang zu haben. Der Gymnaſtikunter=
richt
von Fräulein Kaſten muß am 20. und 27. März ausfallen.
Volksbühne. Die Mitglieder der Konzertgemeinde be=
ſuchen
als fünftes Konzert das Montag, den 23. März. im Gro=
zen
Haus unter Leitung von Generalmuſikdirektor Dr. Karl Böhm
tattfindende erſte Volkskonzert.
Erſtes Volkskonzert im Landestheater. (Erſter Brahms=
Abend.) Guſtav Beck, unſer einheimiſcher Pianiſt, der ſo=
vohl
in ſeiner Vaterſtadt wie auswärts auf ungewöhnliche Er=
olge
zurückblicken kann und zu den bekannteſten jüngeren Kla=
viervirtuoſen
zählt, hat ſich für ſein erſtes Auftreten in den Kon=
zerten
des Landestheaters eine große, aber auch dankbare Auf=
gabe
geſtellt: das D=Moll=Klavierkonzert, das mit
dem B=Dur=Konzert von Brahms zu den am meiſten geſpielten
Klavierkonzerten neben den Beethovenſchen Konzerten gehört,
Die C=Moll=Sinfonie, die den Abſchluß des erſten Abends
bildet, gilt mit Recht trotz unſerer großen Romantiker als
das gewaltigſte ſinfoniſche Werk abſoluter Tonkunſt nach Beet=
hoven
. Hans von Bülow nannte ſie die zehnte Sinfonie (nach
den neun Beethovenſchen) Zwiſchen den inſtrumentalen Werken
ingt Anny von Stoſch vier Lieder mit Guſtav Beck am Kla=
vier
: Unbewegte laue Luft. In Waldeinſamkeit. Die Mainacht
und Ständchen. Der Bechſtein=Konzertflügel iſt aus dem Klavier=
lager
A. W. Zimmermann (Inhaber L. Schweißgut). Der Einzel=
verkauf
der Eintrittskarten zum erſten Volkskonzert beginnt am
Freitag, dem 20. März: Karten zu allen drei Volkskonzerten wer=
den
zu weſentlich ermäßigten Preiſen bis Montag, den 23. März,
abgegeben.
Hefſiſches Landestheaker.

Großes Haus Kleines Haus Donnerstag,
19. März Heee
Viktoria und ihr Huſar
2ſtot, Volksb. Gruppe 1-1V
(E 12 Preiſe 0 808 Mk Keine Vorſtellung Freitag,
20. März 2022 15 Uhr
Wozzeck

D 19

Preiſe 110 Mk. 20 Uhr
Kundgebung des Kulturkartells
der Sozialdemokratiſchen Partei
Unkoſtenbeilrag 50 Samstag.
21. März Rfet 6 3 33. 50
Sturm im Waſſerglas
Preiſe 110 Mk.
B19 19.30, Ende vor 22 Uhr
Blaubart
Zuſ.M. kk10
Preiſe 1.206 Mr. Sonntag
22, März
14.3018.30 Uhr
Lohengrin.
Heſſenlandm 11 5 u. III,10
u P4, U 3
Darmſt. Volksb Gr IIV
Preiſe 110 Mk.
2022 Uhr
In neuer Inſzenierung
Torgugto Taſſo
Ci9 Preiſe 110 Mk 19.30, Ende gegen 22 Uhr
Liebesluſt
vder die weißen Schuhe
Heſſiſche Spielgemeinſchaft
Preiſe 0.503 Mk. 23. März 20, Ende gegen 22 Uhr
1. Volkskonzert:
Johannes Brahms
Preiſe 0802.50 Mk. 19.30
Entlaſſungsfeier
der Dieſterwegſchule

Heſſiſches Landestheater. Sonntag, den 22. März, geht
* Feier des 99. Todestages von Johann Wolfgang von Goethe
Torquato Taſſo in der Neuinſzenierung von Günter Hae=
ſtel
in Szene. Die Bühnenbilder entwarf Elli Büttner; die Haupt=
kollen
ſind wie folgt beſetzt: Taſſo=Peter Widmann; Antonio;
Siegfried Nürnberger; Fürſt: Werner Hinz; Leonore dEſte: Sy=
bille
Schmitz; Leonore Sanvitale: Inge Conradi. Donners=
tag
, den 26. März, findet im Kleinen Haus die Erſtaufführung
der Schülertragödie Der Graue von Friedrich Forſter ſtatt.
In der Titelrolle Theodor Leitner; in den übrigen Hauptrollen:
Beſſie Hoffart. Joſef Keim. Hermann Gallinger, Franz Kutſchera,
Kurt Schindler, Richard Jürgas, Käthe Gothe. Das Bühnenbild:
Elli Büttner Die für Sonntag, den 22. März, nachmittags,
Kleinen Haus angeſetzte Aufführung der Marionetten=Bühn=
Schneewittchen von Görner fällt aus. Am Abend wiederholt die
Heſſiſche Spielgemeinſchaft Rüthleins Luſtſpiel Liebesluſt
oder die weißen Schuhe. Für dieſe Vorſtellung findet der
Vorverkauf beim Verkehrsbüro und bei C. L. Külp ſowie an der
Tageskaſſe des Landestheaters ſtatt.
Wegen Erkrankung des Varitons Carl Stralendorf ſingt in
der heutigen Aufführung von Viktoria und ihr Huſar
Franz Tibaldi, das ehemalige Mitglied des Heſſiſchen Lan=
destheater
, die Rolle des John Cunligt.

Aue Jgenovelene und oinde uel einn Tac.

Von Schulrat Heinrich Haſſinger, Darmſtadt.

Du möchteſt wiſſen, wo und wieſo? Wie dieſes Dach heißt?!
Wo es, um alles in der Welt, bei uns möglich ſei, alle dieſe vielen
hundert Gruppen und Vereine und Bünde unter ein Dach zu brin=
gen
? Unter welchem Symbol, welcher Idee das ſein ſoll?
Ja, iſt es denn nicht gerade bezeichnend, daß wir darüber ſo
erſtaunt ſind? Sind wir denn ſo daran gewöhnt, daß Gruppen
und Verbände gegeneinander ſtehen und nicht miteinander arbei=
ten
ſollen? Haben wir vielleicht ſogar ſchon den Sinn und Blick
dafür verloren, daß es für ein Volk auch Gemeinſames gibt?
Aber nehmen wir einmal aus unſerem Volke dieſe Jugend=
vereine
und Jugendbünde heraus. Haben ſie nicht alle in ihrer
Zielſetzung etwas Gemeinſames? Gewiß, jeder hat zuerſt einmal
für ſich ſeine beſonderen Ziele. Wir haben politiſche, konfeſſionelle,
berufsſtändiſche, turneriſche, ſportliche Jugendverbände uſw.; gut,
und auch innerhalb der Verbände gibt es wieder die einen oder
anderen Strömungen und Sonderziele. Das mag auf den erſten
Blick unvereinbar erſcheinen, beſonders wenn man ſieht, wie groß
aus weltanſchaulichen oder politiſchen Geſichtspunkten heraus die
Gegnerſchaft zwiſchen den einzelnen Vereinen, Bünden und Ver=
bänden
oft iſt. Aber jawohl, es gibt hier auch ein aber, und
zwar ein ſehr gewichtiges.
Aber . .. ſind es denn nicht alles Jugend=Verbände? Iſt
das nicht ſchon etwas Gemeinſames, daß ihre Mitglieder junge
Menſchen, junge Volksgenoſſen ſind? Und iſt es nicht etwas
Hemeinſames, daß ſie alle der Jugend dienen wollen, ihrer geiſti=
gen
ſeeliſchen, korperlichen Aufwärtsentwicklung? Sollte es in
dieſem gemeinſamen Ziele gar keinen gemeinſamen Weg geben?
Sollten ſich hier die Kräfte wirklich hoffnungslos verzetteln?
Vielleicht nur deshalb, weil man nicht in allem der gleichen Mei=
nung
ſein kann?.
Nein. Gott ſei Dank, ſo hoffnungslos ſieht es noch nicht aus
in Deutſchland. Wir haben noch ein gemeinſames Dach, unter
dem ſich die geſamte Jugend treffen kann. Daß allerdings eine
ſolche Dach=Organiſation nicht irgendwie weltanſchaulich oder poli=
tiſch
oder berufsſtändiſch feſtgelegt ſein darf und kann, das ver=
ſteht
ſich wohl von ſelbſt. Was ſie bezwecken will und erreichen

kann, das iſt das, was grundſätzlich von allen angeſtrebt wird,
wozu jedoch der einzelne zu ſchwach iſt und eben deshalb alle
Kräfte gemeinſam angeſetzt werden müſſen. Und dieſes Grund=
ſätzliche
, dieſes Gemeinſame iſt um es noch einmal herauszu=
ſtellen
die geiſtige, ſeeliſche und körperliche Aufwärtsentwicklung
unſerer Jugend.
Und mit dieſem Ziele nun tritt der Deutſche Jugendherbergs=
verband
mit ſeinem Jugendherbergswerk vor Deutſchlands Jugend.
Ein jeder unſerer jungen deutſchen Volksgenoſſen, einerlei aus
welcher Schule, welchem Berufe, welchem Stand er kommt ſoll
das Recht und die Möglichkeit haben, ſich auf Wanderungen durch
ſeine Heimat und ſein Vaterland geiſtig zu bereichern, körperlich
zu kräftigen und ſeeliſch zu ſtärken; einem jeden ſollen die deut=
ſchen
Lande offen ſtehen, ein jeder ſoll teil haben an dem unver=
ſieglichen
Reichtum, wo ihn Wälder und Seen, Heide und Flüſſe,
Ebenen und Berge an Erleben und Schönheit vor uns ausbreiten.
Aber ein jeder kann nur teil haben, wenn alle zuſammenſtehen
und das Werk ſtützen und tragen helfen, das die Vorausſetzungen
dafür ſchafft, die das Wandern in größerem Maße erſt ermöglichen.
Denn die Sehnſucht nach Wandern und Sichaustoben, die iſt in
der Jugend vorhanden und obendrein ſehr ſtark, darüber brauchen
wir uns keine großen Sorgen zu machen; wie aber wäre es mit
den Möglichkeiten, wenn nicht das gemeinſame Werk des Jugend=
herbergsverbandes
wäre? Wo hätten ſie bleiben ſollen, wo hätten
ſie nächtigen ſollen, dieſe vier Millionen junger Menſchen, die im
letzten Jahre allüberall in Deutſchland ſich die Freude und Kraft
erwandert haben, die ihre Jugend ſo nötig braucht wie das Brot?
Und die Jugend weiß, was ſie an dem Werk hat; ſie weiß, daß
hier ein Dach iſt, unter dem alle wohnen können. Sie kommt und
geht in den Jugendherbergen, ſie hat in ihnen eine Heimat ge=
funden
, die keine Unterſchiede kennt, und die alle in gleicher Selbſt=
verſtändlichkeit
und mit gleicher Sorgfalt aufnimmt und bewirtet
und beherbergt.
Das iſt nicht das Ende des Kampfes, aber es iſt die Einſicht,
daß das Große und Gemeinſame nur mit Einſatz des gemeinſamen
Willens und der vereinten Kräfte erreicht werden kann.

Unerfüllt bleibt, wie der Odenwald= Verkehrs=
bund
mitteilt, auch in dieſem Jahre leider die Hoffnung des
öſtlichen Odenwaldes auf endliche Einführung des zweiten
Paares Odenwald=Neckar=Eilzüge. Unter dieſen
Umſtänden bleibt leider nichts übrig, als an dieſer beſonders vor=
dringlichen
Verkehrsforderung, deren Erfüllung noch immer auf
ſolche Schwierigkeiten ſtößt, feſtzuhalten und mit allem Nachdruck
ſich dafür einzuſetzen, daß bei der nächſten ſich bietenden Ge=
legenheit
dieſer alte, wirklich begründete Wunſch endlich
ſeine Erfüllung findet. Im übrigen bringt der neue Fahrplan=
entwurf
der Reichsbahn keine weſentlichen Aenderungen für den
Odenwald. Erfreulich iſt, daß die beſtehenden Odenwald=Neckar=
Eilzüge eine kleine Beſchleunigung erfahren. Bei gleicher
Abfahrt in Stuttgart um 6.00 und etwas früherer Abfahrt in
Heilbronn um 7.02 wird der Morgeneilzug die Stationen der
Odenwaldbahn um zwei Minuten früher berühren. Die Ankunft
in Darmſtadt=Oſt erfolgt 9.59 ſtatt 10.01, in Darmſtadt=H. 10.09
ſtatt 10.11: größer iſt die Beſchleunigung des Frankfurter Zug=
teils
, der für die Folge bereits 10.47, ſtatt jetzt 10.54, d. h. ſieben
Minuten früher, in Frankfurt=H. eintreffen wird. In der umge=
kehrten
Richtung iſt eine weſentliche Beſchleunigung zu verzeich=
nen
: Der Abendeilzug wird Frankfurt für die Folge erſt 19.06
ſtatt 19.00 verlaſſen, Darmſtadt=H. 19.45. Darmſtadt=Oſt 19.55, die
Odenwaldſtationen werden um eine Minute ſpäter berührt wer=
den
, die Ankunft in Heilbronn wird 23,03 ſtatt 23,06 ſtattfinden;
zwiſchen Heilbronn und Stuttgart wird der Zug ſtark beſchleunigt
werden, ſo daß er für die Folge bereits 0.07 ſtat 0.17 in Stutt=
gart
=H. eintrifft. Dieſe anſehnliche Beſchleunigung des Abend=
ilzuges
, die zwiſchen Frankfurt=H. und Stuttgart nicht weniger
als 13 Minuten beträgt, wird die Bedeutung des Zuges für den
Durchgangsverkehr erhöhen.

Parmiaderte
Rausaf
kann die Preise
nicht verbilligen

Von der Erdölquelle bis zur Tankſtelle. Vortrag im
Deutſchen Touring=Club, Ortsgruppe Daxmſtadt. Im Rahmen
eines Clubabends mit Damen ſprach am Dienstag abend im gro=
ßen
Saale der goldenen Krone der Vertreter der Dapolin= Geſell=
ſchaft
Hamburg, Herr Broszio, über dieſes intereſſante Thema.
Unterſtützt durch zum Teil ſehr gute Lichtbilder, verſtand es der
Vortragende, die zahlreiche Hörerſchaft über die Bedeutung des
Erdöls im heutigen Wirtſchaftsleben zu unterrichten. Es iſt er=
ſtaunlich
, welch eine tiefgreifende Umwandlung in der Energie=
wirtſchaft
der Welt in den letzten Jahren durch das Erdöl ein=
getreten
iſt. Wie vielſeitig heute ſchon die Verwendung der Erdöl=
produkte
in Stadt und Land iſt, war aus den klaren Ausführun=
gen
zu erſehen. Vom Erdölfeld und ſeiner Bohrtechnik, Deſtilla=
tion
und Raffination, kamen wir zu den Verteilungsſtellen und
gewannen einen Einblick in die Geſamtorganiſation der deutſchen
Mineralölgeſellſchaften. Es wurde allgemein ſehr wohltuend emp=
funden
, daß der Vortragende in keiner Weiſe für ein ſpezielles
Fabrikat ſprach, ſondern in neutraler Weiſe den Gegenſtand in
den Mittelpunkt ſeiner Ausführungen ſtellte. Der reiche Beifall
war ihm der beſte Beweis, daß er es verſtanden hatte, bei den
Benzinverbrauchern Intereſſe zu erwecken, und waren die Worte
des Dankes, welche der 2. Vorſitzende, Herr Enders an ihn rich=
tete
, im Namen aller Zuhörer geſprochen. Die Projektion der
Lichtbilder war in gewohnt guter Weiſe durch Herrn Umbreit er=
folgt
. Der Deutſche Touring=Club beabſichtigt, in der nächſten
Zeit weitere Vorträge halten zu laſſen, und dürfte dieſe Beleh=
rung
die Zuſtimmung der Mitglieder finden.
Eine hiſtoriſche Strumpfſammlung iſt bis einſchließlich
24. März in einem Ausſtellungszimmer der Firma G. Haupt=
mann
(Luiſenplatz 2) zu ſehen. Die Sammlung veranſchaulicht
den Werdegang des Strumpfes im Laufe der Jahrhunderte.
Hauptgewicht iſt auf die Damenſtrumpfmode gelegt, die bekannt=
lich
viel ſpäter aufkam als die Mode für Männer (Edelleute,
Bürger und Bauern früherer Jahrhunderte). Dieſe Entwicklung
iſt nur in einigen Bildern angedeutet. Das älteſte ausgeſtellte
Strumpfpaar iſt aus dem Jahre 1780. Es wird die Herſtellung
der Strümpfe mit der Hand und der Maſchine, u a. auch der
Werdegang von Glanzſtoff=Enka (vom Holz zum Strumpf) und
namentlich die Damen=Strumpfmode vom 18. Jahrhundert bis in
unſere Tage veranſchaulicht. Man erfährt auch einige intereſſante
Gepflogenheiten, z. B. die, daß zu Brautausſtattungen einer Bau=
erntochter
in der Biedermeierzeit eine Metze, das ſind 80 Paar
Strümpfe, gehörten. Man ſieht Strümpfe mit und ohne Häkel=
verzierung
, mit Perlenſtickerei und figürlichen Darſtellungen, ein
Paar mit einem eingewebten Gebetstert, weiße und ſchwarze
Wollſtrümpfe und ſchließlich die Strumpfmodeentwicklung bis zu
den modernen Seidenſtrümpfen, unſerer Zeit in der bekannten
Vielfarbigkeit.

Die Skeuer=Ueberlaſtung des Gaſtfkäkkengewerbes.
Den Deutſchen Hotel=Nachrichten, vereinigt mit Küche und Keller,
entnehmen wir die folgende, ſehr nachdenkliche Aufſtellung, die der
gerichtlich beeidigte Bücherreviſor Alfred Vötter, Berlin, aus Bei=
ſpielen
ſeiner Praxis gemacht hat.
Ein Beiſpiel von drei Firmen mit gleichem Umſatz:

Mete
und
Reſtau=
rant
Sonder=
ſteuern

für daz
Hotel Waren=
handels
handels=
geſchäft
Fabrik Umſatz . or2000. Ea, 1000000. Ca.1000000 1. Vermögensſteuer
2. Aufbringungs= 15494. 3500. 4900 Umlage ... 20 296 4900. 6100. 3. Umſatzſteuer
4. Grund=und Haus= 8601. 8500. 8500. zinsſteuer
5. Gewerbeertrags=
ſteuer
87 391.-
16500. keine, dafür
Miete von
25 000.
6200. 33000
9700. Schankgewerbe= ſteuer 100. .
6. Lohnſummen= 1650. 1650. keine keine ſteuer ..."
7. Berufsſchul= 2462. 480. 2900. beitrag ...
8. Gemeinde=. 730. 120. 720. Getränkeſteuer.
9. Vergnügungs= 27 000. 27000 keine keine ſteuer ..."
10 Einkommen= 2400. 2400. keine keine ſteuer .. . ." 18500. 18500. 18500. 11. 50 Zuſchlag dv. 925. 925 925. 12. Bürgerſteuer .. 150. 150 150. 13. Kirchenſteuer ..
14. Handelskammer= 1850. 1850. 1850 beitrag . . . ..
15. Berufsgenoſſen= 490. 110. 640. ſchaft. . . . . . .
16. Anteil Kranken=
kaſſe
u. Invaliden= 1330. 215. 1600. verſicherung. . ..
17. Erwerbsloſen= 14 200. 2510. 15030. verſ.=Anteil 8500 1100.- 4200 228 169. 31030 74 060. Miee 22 830o 3,100o 740lo 2107701 vom vom vom Umſatz vom Umſatz Umſatz
Betriebs=
vermögen

7098800. Umſatz Betriebs=
vermögen

700 000. Betriebs=
vermögen

980 000.

Was zeigt dieſes Beiſpiel?
Es zeigt unter anderem:
1. Für die Erzielung des gleichen Umfatzes benötigt der Hotel= und
Reſtaurationsbetrieb den mehr als vierfachen Kapitalaufwand als
das Warenhandelsgeſchäft und den mehr als dreifachen Betrag der
Fabrik.
2. Die Vermögensſteuer iſt, als natürliche Folge dieſes notwendigen
höheren Betriebsvermögens bei gleichem Umſatz und gleichem Rein=
verdienſt
um mehr als das drei= bzw. vierfache höher als in den bei=
den
Vergleichsbetrieben.
3. Das Hotel hat an Grund= und Hauszinsſteuern aufzubringen das
3½fache der Warenhandelsgeſellſchaft und 22, mal ſoviel wie die
Fabrik.
4. Die Gewerbeertragsſteuer iſt beim Hotel mehr als doppelt ſo hoch,
weil die Hypothekenzinſen dem Ertrag hinzugerechnet worden ſind.
5. Der Erwerbsloſenverſicherungsanteil iſt 8mal ſo hoch wie bei der
Warenhandelsgeſellſchaft und immer noch doppelt ſo hoch wie bei
der Fabrik. Dazu kommen aber noch in drei Fällen Sonderſteuern,
die allein 3,10 Prozent vom Umſatz, alſo mehr als zwei Fünftel des
Geſamtprozentſatzes der Warenhandelsgefellſchaft ausmachen.

Schüleraufführung im Ludwig=Georgs=Gymnaſium. Als
Begleitmuſik zu Holbergs Hausgeſpenſt wird das Schüler=
orcheſter
die Kompoſitionen zum Vortrag bringen, die Wilhelm
Peterſen ſeinerzeit zu griect’ſchen Komödien komponiert hat. Da
ſich nur eine Aufführung ermöglichen läßt, wird gebeten, ſich recht=
zeitig
Karten zu beſchaffen.
Vom Schleſierverein wird uns mitgeteilt, daß mit einer
ſehr zahlreichen Beteiligung aller Bevölkerungskreiſe an der Ab=
ſtimmungsgedenkfeier
am 20. 3. im Saalbau zu rechnen iſt. Ein=
trittsgeld
wird bekanntlich nicht erhoben. Mit Rückſicht darauf.
daß der Einmarſch der Darmſtädter Studentenſchaft pünktlich
20 Uhr erfolgt, iſt zu empfehlen, daß die Beſucher ſich möglichſt
frühzeitig Plätze ſichern.
In der Schönberger Landfriedensbruchsſache werden zu der
am Montag, den 23. März 1931, vormittags 9 Uhr, im Schwur=
gerichtsſaal
im Alten Gerichtsgebäude in Darmſtadt ſtattfindenden
Hauptverhandlung Einlaßkarten in beſchränkter Zahl ausgegeben.
Kartenausgabe erfolgt am Samstag, den 21. März, vormit=
tags
8½ Uhr, im Neuen Gerichtsgebäude in Darmſtadt, 2. Stock,
Zimmer Nr. 306.

Sooo

DIall NOlie

MOOM MaIZe

Schon

FeNZZGeT.
Derlge Inopfen

[ ][  ][ ]

Seite 6

Nummer 78

* Aus den Darmſtädker Lichtſpieltheakern.

Donnerstag, den 19. März 1931
Inkereſſanke Zahlen vom deutſchen Walde.

Palaſt=Lichtſpiele
bringen ein recht unterhaltendes Doppelprogramm in ſtum=
men
Filmen. Amerika, das uns mit dem Tonfilm beglückte,
ſcheint heute das einzige Land, das auch noch ſtumme Filme
in ausreichender Zahl produziert oder doch wenigſtens aus alten
Beſtanden zur Verfügung ſtellt. In den Wildweſt=Filmen iſt
Amerika unübertroffen und trifft damit immer noch am beſten
den unreformierten Begriff Film‟ Da geſchieht doch noch
etwas. Da wird wild geritten, geſchoſſen, geboxt, mit Laſſo und
Faſſadenkletterei gearbeitet, da loſt eine Spannung die andere
ab und man unterhält ſich. Ohne natürlich allzu hohen künſt=
leriſchen
oder geiſtigen Anforderungen gegenübergeſtellt zu wer=
den
. Die darf man von Amerika nicht verlangen. Film iſt Ge=
ſchäft
! Keine Kunſt. Da drüben. Der Anſchlag auf den
Depeſchenreiter ſtellt den Cowboy=Film=Star Ken May=
nard
wieder in den Mittelpunkt der abenteuerlichen Handlung.
Ihn und ſein vortrefflich dreſſiertes Pferd. Und wie immer, iſt
dieſe Handlung die Bekämpfung einer ganzen wilden Horde von
Verbrechern durch einen Helden, der natürlich immer zum
Schluſſe die Braut heimführt. So auch hier Die Fabel hat ge=
ſchichtlichen
Hintergrund, ſie ſpielt in der Zeit, da das wunder=
volle
Kalifornien noch der Krone Spaniens unterſtand und erſt
in den amerikaniſchen Staatenverband aufgenommen wurde.
Wo kein Wild=Weſt, geboten wird, iſt man in Amerika gern
ſentimental. In dem zweiten großen ſtummen Film Show=
boat
(das Komödiantenſchiff) fließen viel, ſehr viel Tränen aus
den ſchönen Augen der ſchönen Schauſpielerin, die in den Mittel=
punkt
einer unglücklichen Liebesehe mit einem notoriſchen Spie=
ler
geſtellt wird. Das wechſelvolle Schickſal dieſer Ehe wird in
vielen Bildern geſchildert und der Film endet nicht mit einem
XX
Happy end.

Graf Keyſerling in Paris. Graf Keyſerling hat das
Wagnis unternommen, im Trocadéro, dem größten Saal von
Paris, im Laufe einer Woche drei Vorträge zu veranſtalten. Die
Titel der Einzelakte ſeiner philoſophiſchen Trilogie lauteten:
1. Das mechaniſche Zeitalter und was weiter? 2. Seele
und Intellekt; 3. Leben und Schickſal‟. Der Erfolg war ge=
waltig
. Schon am erſten Abend war der Rieſenſaal (er faßt gegen
7000 Perſonen) gefüllt, am letzten überfüllt, und der Abſchluß
wurde zu einer in Paris unerhörten Ovation. Die Preſſe verhielt
ſich einſtimmig anerkennend oder bewundernd. Sofort nach
Schluß ſeiner Vorträge iſt Graf Keyſerling nach Barcelona weiter=
gereiſt
, wo er zwei Vorträge halten ſoll. Nachher veranſtalten die
Katalonier in Gemeinſchaft mit den ſpaniſchen Eliten (Joſé Or=
tega
y Gaſſet, Perez Ayalä. Roman Gomez, de la Serna u. a.)
eine Darmſtädter Woche, auf der Inſel Mallorca, deren Ergeb=
niſſe
in einem Buch. Les entretiens de Formentor in kataloni=
ſcher
und ſpaniſcher Sprache zuſammengefaßt werden ſollen.
Leipziger Soloquartett. Es wird nochmals auf das am
kommenden Samstag, dem 21. März, abends in der Martins=
kirche
ſtattfindende Konzert des Leipziger Soloquartetts hinge=
wieſen
. Allen Freunden kirchlicher Muſik bietet ſich hier eine ſel=
tene
Gelegenheit, geiſtige Lieder von einem auf ſolch hoher künſt=
leriſcher
Stufe ſtehenden Enſemble zu horen, das Klangſchönheit
und Geſangstechnik mit einer von inbrünſtiger Religioſität durch=
pulſten
Vortragskunſt vereinigt. Möge dem Konzert, deſſen
Reinertrag in hochherziger Weiſe von den Künſtlern zum Beſten
der chriſtlichen Jugendpflege unſerer Stadt beſtimmt worden iſt,
auch ein finanzieller Erfolg beſchieden ſein. (Näheres ſiehe An=
zeigenteil
.)
Konzert in der Stadtkirche. In dem am nächſten Sonntag
abend ſtattfindenden Konzert werden die Orgelſtücke von Buxte=
hude
und Bach durch Ludwig Borngäſſer geſpielt, der da=
mit
zum erſten Male mit ſchwierigeren Konzertſtücken vor eine
breitere Oeffentlichkeit tritt. Als weitere ſoliſtiſche Kraft iſt eine
junge Frankfurter Altiſtin gewonnen, Fräulein Erna Stoll,
über deren ausgezeichnete Schulung und hervorragende Muſikali=
tät
die beſten Beſprechungen vorliegen. Ihre Begleitung auf der
Orgel hat ebenfalls Ludwig Borngäſſer übernommen. Der Stadt=
kirchenchor
wird aus dem Chorraum ſingen Motetten von Hein=
rich
Schütz und Arnold Mendelsſohn. Eintrittskarten zu
mäßigem Preis ſind im Vorverkauf bei Chriſtian Arnold am
Weißen Turm und bei Waitz, Eliſabethenſtraße, erhältlich. Der
Geſamtertrag kommt der Nothilfe, der Gemeinden zugute.
Skiklub Darmſtadt=Odenwald. Der für ſchulentlaſſene
ältere Jugend vorgeſehene Skikurſus, welcher auf dem Zeinisjoch
bei Galtür in Tirol durchgeführt werden ſollte, wurde wegen
vorliegender, beſonders großer Lawinengefahr nach dem lawinen=
ſicheren
kleinen Walſertal bei Oberſtdorf im Allgäu verlegt, wo
die Kurſusteilnehmer im Weldemar=Peterſen=Haus untergebracht
werden. Die Abreiſe erfolgt mit über 20 Teilnehmern am 19.
März 1931. Für den im Anſchluß hieran in der Zeit vom 29.
März bis 4. April 1931 am gleichen Ort geplanten Skikurſus
werden weitere Anmeldungen im Sporthaus Adelmann entgegen=
genommen
, wo auch nähere Auskunft erteilt wird. (Siehe Anz.)
Gedanken zur Weltaufgabe des deutſchen Geiſtes. Oeffent=
licher
Vortrag, Freitag, den 20. März, 20.15 Uhr, im Saale der
Städt. Akademie für Tonkunſt, Eliſabethenſtraße. Wilhelm Sa=
lewſki
=Mannheim, Pfarrer in der Chriſtengemeinſchaft, wird an
dieſem Abend ſprechen vom Weſen des romaniſchen und des ger=
maniſchen
Menſchen vom Deutſchtum der großen Dichter und
Denker: Fichte, Schiller, Goethe, Hamerling vom Sinn des
gegenwärtigen Schickſalsganges und der kulturſchöpferiſchen Welt=
aufgabe
des deutſchen Geiſtes zwiſchen Oſten und Weſten. (Vergl.
auch die heutige Anzeige.)

Die hieruntex erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu bewhschten.
in keinem Faſſe irgendwie als Beſprechung oder Kritik.
Evangeliſche Stadtmiſſion E. V., Mühlſtraße 24.
Am Donnerstag, dem 19. März 1931, findet abends im großen
Saale der Stadtmiſſion hierſelbſt ein Lichtbildervortrag
ſtatt. Her Miſſionar Doepke von den Admiralitätsinſeln, der ſel=
ber
1½ Jahrzehnte lang unter den Südſee=Inſulanern im Dienſte
der Liebenzeller Miſſion tätig war, wird an Hand ſeiner Licht=
bilder
ſprechen über das Thema: 15 Jahre unter den Kan=
nibalen
der Südſee‟. Der Eintritt zu dieſem Lichtbilder=
vortrag
iſt frei. Es wird jedermann dazu herzlich eingeladen.
Deutſch=Evangeliſcher Frauenbund. Wir
machen unſere Mitglieder auf den Vortrag von Frau Lenka
von Körber über Nutzen und Gefahren freiwilliger Gefangenen=
fürſorge
aufmerkſam, der Donnerstag abend im Saale des
Mozartvereins, Schulſtraße 8, ſtattfindet.
Deutſcher Oſtbund., e V., Ortsgruppe Darm=
ſtadt
. Der Schleſier=Verein, e. V., hat uns zur Teilnahme an
ſeiner Gedenkfeier am Freitag abend, im Saalbau, anläßlich der
10. Wiederkehr des Volksabſtimmungstages in Oberſchleſien, herz=
lich
eingeladen. Wir bitten unſere hieſigen Mitglieder, aus=
nahmslos
zu erſcheinen und der Veranſtaltung auch durch Wer=
bung
zu einer machtvollen Kundgebung für Schleſien, für die deut=
ſche
Oſtmark zu verhelfen! Der Eintritt iſt frei.
Vereinskalender.
Mieter=Verein E. V., Stiftsſtraße 51. Die Mit=
glieder
werden auf die heute abend im Feierabend. Stifts=
ſtraße
51, ſtatfindende Jahreshauptverſammlung aufmerkſam ge=
macht
. Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert vollzähliges
Erſcheinen.
Der D.H.V., Ortsgruppe Darmſtadt veranſtal=
tet
heute abend 8.30 Uhr, im Heim einen geſelligen Abend unter
dem Leitwort: Soldatenhumor. Gleichzeitig wird auf Einladung
des Schleſiervereins zur Abſtimmungs=Gedenkfeier am Freitag
abend im Saalbau hingewieſen.

Die Demokratiſche Vereinigung hält am heu=
tigen
Donnerstag, um 8.15 Uhr, eine Mitgliederverſammlung im
Odenwald=Zimmer der Krone ab. in der Landtagsabgeord=
neter
Reiber ein Referat über das Thema Weshalb Demokra=
tiſche
Vereinigung? erſtattet. Gäſte ſind willkommen.

Tageskalender für Donnerstag, den 19. März 1931.
30 22.45 Uhr.
Heſſ. Landestheater Großes Haus,
2: Viktoria und ihr
Darmſt. Volksb. Gruppe ITV,
Huſar. Kleines Haus: Keine Vorſtellung. Orpheum,
Konzerte: Zur
20.15 Uhr: Das Land des Lächel
Oper Schloßkeller, Datterich. Zum Tropfſtein. Kinovor=
ſtellungen
: Union=, Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.
Lichtbildervortrag, 20 Uhr, Techn. Hochſchule, Hörſaal
326: Erinnerung aus meinem Wanderleben (Vom Montofon
zum Adamello), vorgetr. von Miniſterialrat Guntrum.

Von Oberförſter Graf Recke.
Das Deutſche Reich hat eine Waldfläche von rund 12,7 Millionen
Hektar, d. h. rund 27 Prozent der Geſamtfläche ſind Wald. Der Wert
des Grund und Bodens und des darauf ſtockenden Holzes beträgt unter
normalen Verhältniſſen rund 19 Milliarden Mark, d. h. der deutſche
Wald bildet etwa ein Achtel des deutſchen Volksvermögens. Man kann
den Gefamtwert der Holzverwertung des einheimiſchen Holzes einſchließ=
lich
Holztransport und Holzverarbeitung auf etwa 45 Milliarden Mark
8 Prozent des deutſchen Volksvermögens ſchätzen. Von der Geſamt=
waldfläche
entfallen auf die Staatsforſten rund 32,5 Prozent, auf Ge=
meinde
= und Stiftungsforſten rund 17 Prozent, der Reſt ſind Privat=
forſten
. Die Hälfte des deutſchen Waldes dient alſo auch finanziell
unmittelbar dem Gemeinwohl und hilft durch ſeine Erträge die Steuer=
zahler
zu entlaſten. Das waldreichſte Land Deutſchlands iſt Baden mit
39 Prozent Waldfläche, dem Bayern mit 33 Prozent folgt, während
Preußen nur rund 25 Prozent Waldfläche aufzuweiſen hat. Die Ge=
ſamtzahl
der forſtlichen Betriebe beträgt etwa 830 000, von denen 97 Pro=
zent
mit landwirtſchaftlicher Nutzfläche verbunden ſind. An Laubholz
hat der deutſche Wald 29 Prozent, an Nadelholz 71 Prozent aufzuweiſen.
Die Kiefer hat mit 5,5 Millionen Hektar bei weitem den größten Anteil,
ihr folgte die Fichte oder Rottanne mit 3,1 Millionen Hektar, dann die
Rotbuche mit 1,7 Millionen Hektar und die Eiche mit 0,7 Millionen
Hektar. Der Holzertrag des deutſchen Waldes beträgt jährlich etwa 50
Millionen Feſtmeter, davon iſt die Hälfte Nutzholz, der Reſt ſind Brenn=
holz
, Stockholz und Reiſig. In Normalzeiten werden in der Forſt=
wirtſchaft
etwa 310000 Menſchen voll beſchäftigt, im Holzgewerbe etwa
1,88 Millionen. Allein mit der Herſtellung von Holzbauten und Möbeln
beſchäftigten ſich 1925 rund 100 000 Betriebe mit 455 000 Perſonen.
Durch die überaus große Arbeitsloſigkeit, die in der Holzinduſtrie etwa
40 Prozent beträgt, haben ſich die Zahlen jetzt natürlich verſchoben.
Welche Bedeutung das Holz als Bauſtoff, zur Herſtellung von Möbeln,
als Grundſtoff für die Papiererzeugung, für die Kunſtſeide, als Gruben=
holz
im Bergbau, für Schwellen und Waggonbau im Eiſenbahnbetriebe,
für Funktürme und neuerdings auch durch Verzuckerung als Viehfutter
hat, iſt allgemein bekannt. Aber nicht nur materielle, ſondern auch
ideelle Werte hat die Forſtwirtſchaft aufzuweiſen, denn die ſchönſten
Landſchaftsbilder und die beſte Erholungsſtätte für den müden Groß=
ſtädter
bietet der deutſche Wald.

Die Störche ſind wieder da!

Storchpärchen beim Bauen ſeines Neſtes.

Die Tätigkeit der Hausbettekbekämpfungsſtelle, im Städt.
Wohlfahrts= und Jugendamt in der Zeit vom 1. Januar bis 31.
Dezember 1930. Vorgeſprochen haben 248 Perſonen (davon
waren 21 Einheimiſche). An dieſe wurden abgegeben: 61 Fahr=
karten
nach Arbeitsſtellen oder in die Heimat, 69 Paar Hemden,
Unterhoſen oder Strümpfe, 43 Paar Schuhe, 117 Kleidungsſtücke,
7 Uebernachtungen und Verpflegung, 8 Perſonen erhielten Bar=
unterſtützung
. 12mal mußte Gepäck ausgelöſt werden. (Die Zahl
der nur mit Mittageſſen verſehenen Perſonen iſt in obigen Zah=
len
nicht enthalten.) Hilfe in dieſer Weiſe war uns nur deshalb
möglich, weil uns von 51 Familien anſehnliche Kleiderſpenden ge=
geben
wurden. Den Spendern ſei an dieſer Stelle herzlicher Dank
geſagt. Durch den Verkauf von Wohlfahrtsſcheckheften,
die nach wie vor im Verkehrsbüro erhältlich ſind,
werden uns weitere Mittel zur Fortführung unſerer Tätigkeit zu=
fließen
. Es liegt im Intereſſe der Einwohnerſchaft, wenn ſie ſtatt
Bargeld Wohlfahrtsſcheine verabreicht. Laſſe ſich niemand durch
die Abneigung der Bettelnden gegen die Scheine von der Unter=
ſtützung
der Bettelbekämpfungsſtelle abhalten. Die Erfahrung hat
gelehrt, daß ihre Tätikeit eine unentbehrliche iſt.
Orpheum. Land des Lächelns‟. Die gefällige und
melodiöſe Operette Franz Lehärs, die als der größte Operetten=
erfolg
der letzten Jahre anzuſprechen iſt, findet auch im Orpheum
infolge der ganz vorzüglichen Darbietung durch das Gaſtenſemble
der Rotter=Bühnen ſteigendes Intereſſe. Insbeſondere ſei
wieder darauf hingewiefen, daß Kammerſänger Hans Gredinger in
der Partie des chineſiſchen Prinzen Sou=Pong eine einzigartige,
unübertreffliche Leiſtung bietet. Jeder Beſucher iſt begeiſtert.
Das Gaſtſpiel währt nur kurze Zeit. Nächſten Sonntag ſind zwei
Vorſtellungen. Nachmittags ermäßigte Preiſe. (Siehe Anzeige.)
Sektion Starkenburg des Deutſchen und Oeſterr. Alpen=
vereins
. Es wird nochmals auf den heute abend 20 Uhr, im Hör=
ſaal
326 der Techniſchen Hochſchule, ſtattfindenden Lichtbildervor=
trag
des Herrn Miniſterialrat C. Guntrum über Erinnerungen
aus meinem Wanderleben (Vom Montofon zum Adamello) hin=
gewieſen
.
Der Allgemeine deutſche Frauenverein dahier hat Frau Lenka
von Koerber zu einem Vortrag über Nutzen und Gefahren frei=
williger
Gefangenenfürſorge gewonnen, der am Donnerstag, den
19. d. M., abends 8 Uhr, im Mozartſaal ſtattfindet, und hat die
Mitglieder des Heſſiſchen Landesvereins vom Roten Kreuz ein=
geladen
.
Kranken=Unterſtützungskaſſe Nothilfe deutſcher Landwirte
und freier Berufe. In der letzten Zeit iſt ein großer Zugang von
Mitgliedern aus der Landwirtſchaft und freien Berufen zu ver=
zeichnen
. Sehr erfreulich iſt, daß viele Ortsgruppen ſich bald reſt=
los
der Kaſſe angeſchloſſen haben, ſo z. B. Griesheim b. D. bis
heute ſchon mit 180 Mitgliedern. Dank der ſparſamen Verwaltung
iſt es der Kaſſe auch weiterhin möglich, den Beitrag niedrig zu
halten. (Siehe Anzeige.)
Die Nieder=Ramſtädter Anſtalten der Inneren Miſſion für
Epileptiſche. Krüppel und halbe Kräfte liegen zwar ganz in der
Nähe unſerer Stadt. Dennoch findet ſich hier viel Unkenntnis der
dortigen Verhältniſſe und infolgedeſſen manch ſchiefes Urteil,
Darum ergeht hiermit öffentliche Einladung zu dem Aufklärungs=
vortrag
, den Herr Dr. med. Georgi als leitender Anſtaltsarzt
heute (Donnerstag) abend 8 Uhr im Gemeindehaus, Kiesſtr. 17
halten wird. Karten dazu koſten 30 Pf. und ſind in der Zentral=
Drogerie, Eliſabethenſtraße 30, zu löſen. Dafür auch Kaffee und
Gebäck.
Ah. Im Sommer auf dem Rhein . . . Nur noch kurze Zeit ( Kar=
freitag
=Oſtern) und die ſtolze Flotte der Perſonendampfer, die den Win=
ter
über in den Winterhäfen zubrachte, ſoweit erforderlich, ein
neues Ausſehen erhielt, wird wieder auf dem Rhein erſcheinen. Das
frohe Leben auf des Vater Rheins Rücken hebt an. Intereſſant iſt es
zu wiſſen, welche Flotte die Köln=Düſſeldorfer Perſonendampfſchiffahrt
und die mit ihr verbundene Niederländer Dampfſchiff=Reederei aufbie=
ten
. Es werden verkehren die Expreßſchiffe Kaiſer Wilhelm II. und
Blücher die Schnellſchiffe Mainz Vaterland Bismarck und die
Perſonenſchiffe Rheinland Hindenburg Ernſt Ludwig, Rhein=
gold
Kronprinzeſſin Cecilie‟, Goethe‟, Elberfeld, Lorelei Bar=
baroſſa
, Frauenlob Lohengrin Drachenfels Overſtolz Nai=
ſer
Friedrich, Schiller. Elſa, Stadt Düſſeldorf, Stolzenfels, die
Motorſchiffe Freiherr vom Stein Graf Zeppelin Beethoven
Gutenberg Ernſt Moritz Arudt, Mücke‟. Dazu kommen die Schiffe
der Niederländer Dampfſchiff=Reederei, darunter das moderne Schnell=
ſchiff
Juliana, Prinſes der Nederlanden, ferner der neue Siegfried‟
(zukünftig Rheinſtein).

Aus Hefſen.
Weiterſtadt, 18. März. Die Turngemeinde Weiterſtadt veran=
ſtaltet
kommenden Samstag, den 21. März, abends, in ihrem Vereins=
lokal
ihren Turnabend, der, wie jedes Jahr, ſeine Anziehungs=
kraft
auch diesmal nicht verfehlen wird. Die Tgde., die erſt dieſes Jahr
dem Main=Rhein=Gau der Deutſchen Turnerſchaft beigetreten iſt, hat
mit ihrer Handball=Abteilung gegen Vereine der Meiſterklaſſe in den
bis jetzt ausgetragenen Privatſpielen, ſehr gute Reſultate erzielt und
wird beſtrebt ſein, auch auf anderen ſportlichen Gebieten ihre frühers
Leiſtung wieder zu erreichen, ſo daß auch die Nachbarvereine Gelegen=
heit
nehmen ſollten, dieſen Turnabend zu beſuchen, um ſich zu über=
zeugen
, daß die von ihrem Ortsrivalen im Handball ſchon totgeſagte
Tgde. heute feſter denn je ſteht. Daß der Abend gelingen wird, dafür
bürgen uns die Namen der Herren Rektor Schenck, Oberturnwart
Vetter, Turnwart Schydlowſki, in deren Händen die Hauptarbeit liegt.
* Mörfelden, 18. März. Heute mittag 16½ Uhr warf ſich
ein hieſiges 16jähriges Mädchen vor den aus Frankfurt kommen=
den
Zug. Mit ſchweren Verletzungen wurde es nach dem
Frankfurter Krankenhaus überwieſen.
E. Eberſtadt, 18. März. Reichshandwerkswoche. Im Rah=
men
der Reichshandwerkswoche findet am Donnerstag, 19. März, abends
8 Uhr beginnend, im Schwanenſaal eine Kundgebung des hieſigen Hand=
werks
ſtatt, bei der Syndikus Dr. Kollbach=Darmſtadt über Die Be=
deutung
, den Wert und die Hoffnungen des deutſchen Handwerks ſpre=
chen
wird. Gemeinderatsſitzung. Wegen der am Donners=
tag
abend ſtattfindenden Kundgebung des hieſigen Handwerks iſt die auf
dieſen Tag angeſetzt geweſene Gemeinderatsſitzung auf Freitag, den
20. März, verſchoben worden. Weihnachtsſparverein. Hier
hat ſich ein Weihnachtsſparverein Wolfsſchlucht gegründet. Näheres bei
Gaſtwirt Wolf.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 18. März. Am Sonntag, den 22. d. M., findet
in der hieſigen evangeliſchen Kirche die Vorſtellung der diesjährigen
Konfirmanden ſtatt. Es ſind in dieſem Jahre nur ganze 17 Kinder, und
Zwar 7 Knaben und 10 Mädchen, die zur Konfirmation kommen, die ge=
ringſte
Zahl, die iemals in Nieder=Ramſtadt zu verzeichnen war. Die
Zahl der an Oſtern neu in die Volksſchule aufzunehmenden Kinder be=
trägt
in dieſem Jahre 40, und zwar 24 Knaben und 16 Mädchen. Im
Jahre 1932 ſteigt dieſe Zahl bereits wieder auf 52 an. Freiwil=
lige
Feuerwehr. Die Vorbereitungen zu dem am 6. und 7. Juni
d. J. ſtattfindenden 50jährigen Jubiläumsfeſte ſchreiten rüſtig voran,
Allgemein zu begrüßen iſt die Anteilnahme der ganzen Gemeindeange=
hörigen
. Obſt= und Gartenbauverein. Offenbar veranlaßt
durch den kürzlich ſtattgefundenen Vortrag des Herrn Profeſſors Spilger
aus Darmſtadt, iſt die Nachfrage nach Niſthöhlen eine ziemlich rege ge=
worden
. Der Verein läßt deshalb nochmals ein Quantum Niſthöhlen
kommen, die er an Intereſſenten zum Selbſtkoſtenpreis abgibt.
G. Ober=Ramſtadt, 18. März. 55. Generalperſammlung
der Vereinsbank e. G. m. b. H., Ober=Ramſtadt. Der
Vorſitzende des Aufſichtsrates, Herr Schloſſermeiſter Friedrich Ehr=
hardt
1., eröffnete die Verſammlung und begrüßte die erſchienenen Mit=
glieder
und Gäſte. Den Geſchäftsbericht erſtattete Herr Gewinner und
führte aus, daß ſich die Beſtände und flüſſigen Mittel gegenüber dem
Vorjahre bedeutend vermehrt hätten. Herr Gewinner betonte, daß alle
Außenſtände reſtlos gut geſichert ſind. Aus dem weiteren Bericht konnte
man hören, daß mit Rückſicht auf die mißliche wirtſchaftliche Lage von
einer Kündigung der Aufwertungshypotheken abgeſehen worden iſt. Zum
Schluß ermahnte Herr Gewinner, auch im neuen Geſchäftsjahr dem ein=
heimiſchen
Bankinſtitut die Treue zu halten. Die Generalverſammlung
beſchloß, von dem Gewinn wie in den Vorjahren 7 Prozent Dividende
zu verteilen, 2000 RM. dem Reſervefonds 1 und 659,07 RM. dem Re=
ſervefonds
2 zuzuweiſen. Dem Vorſtand wurde Entlaſtung erteilt und
das ſatzungsgemäß ausſcheidende Vorſtandsmitglied, Herr Schloſſer=
meiſt
Franz Jakoby, ſowie die aus dem Aufſichtsrat ſatzungsgemäß
ausſcheidenden Herren Zimmermeiſter Ludwig Kehr 3., Landwirt Hein=
rich
Muhl und Maurermeiſter Peter Würtenberger 5., wurden wiederge=
wählt
Herr Fabrikant Georg Ritſcher, Aufſichtsrat der Bank, ſprach
der Leitung und dem Perſonal der Vereinsbank für die Fortſchritte, die
erzielt worden ſind, die Anerkennung der Verſammlung aus. Herr Dr.
Stroh ermahnte zum genoſſenſchaftlichen Zuſammenhalten. Herr Dr.
Hillemann. Verbandsſekretär des Reviſionsverbandes, überbrachte die
Grüße des Verbandes der heſſiſchen landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften
und der Landesgenoſſenſchaftsbank in Darmſtadt. Der Redner betonte,
daß es wohl auch im Genoſſenſchaftsweſen einige Schwierigkeiten gegeben
hat, die aber prozentual an den 40 000 Kreditgenoſſenſchaften gemeſſen,
wenig ins Gewicht fallen, und beſonders unſerem Heſſiſchen Verband
fernſtehen.
Hirſchhorn, 18. März. Wafſerſtand des Neckars am
17. März 1,78 Meter, am 18. März 1,78 Meter.
Gernsheim, 18. März. Waſſerſtand des Rheins am
17. März 1,02 Meter, am 18. März 0.97 Meter.
Waſſerſtands=Nachrichten vom 17. März. Rhein; Hüningen
1,32. Kehl 2,90, Maxau 4,71, Mannheim 3,80, Mainz 1,47, Bnigen 2/44,
Caub 2,75, Köln 3,11 Meter. Main: Schweinfurt 1,45, Würzburg
1,47, Lohr 1,86, Steinheim 2,50, Koſtheim (Staatspegel) 1,11, dito
Waſſertiefe 3,10 Meter.
Oberheſſen.
v. Bad Nauheim, 17. März. Volksbildungstag des Kultur=
verbandes
Heſſen=Heſſen=Naſſau. Der im Oktober vergangenen Jahres als
Landesverband der Geſellſchaft für Volksbildung gegründete Kulturper=
band
Heſſen=Heſſen=Naſſau, dem heute bereits etwa 200 Vereine und
Körperſchaften angeſchloſſen ſind, hielt ſeine aus allen Teilen des Ver=
bandsgebietes
gut beſuchte Frühjahrstagung ab. Nach Begrüßung durch
den Vorſitzenden, Studienrat Dr. Kaliſchek (Wiesbaden), hießen die Ta=
gung
mit inhaltsreichen Ausführungen über die Norwendigkeit ver=
ſtärkter
Bildungsarbeit in dieſer Zeit materieller Not willkommen:
Regierungsrat Dr. Grein (Friedberg) im Auftrage des Kreisamts Fried=
berg
und der Heſſiſchen Regierung, Bürgermeiſter Dr. Ahl namens der
Stadt Bad Nauheim. In einem öffentlichen Vortrag ſprach dann der
Vorſitzende der Deurſchen Geſellſchaft für Volksbildung, Dr. H. Pach=
nicke
(Berlin), über das zeitgemäße Thema. Deutſche Bildung, deutſche
Zukunft In ſeinen grundſätzlichen Ausführungen über die einzelnen
Bildungsmittel gab der Redner wertvolle Anzegungen für die praktiſche
Bildungsarbeit an Erwachſenen. Die Bildungsarbeit müſſe neutral
ſein. Da nur die Bildungseinheit zum Ziel führe, müſſe man in den
parteipolitiſchen Kulrurbünden eine Gefahr ſehen, die unter Umſtänden
zur Zerſchlagung des geſamten Kulturgutes führen könne. Der Redner
ruft alle Volksbildner zur Mitarbeit an der Pflege des Gemeinſchafts=
ſinnes
auf, denn von der deutſchen Bildung, die dem geſamten Volke
dienen wolle und auf die Staats= und Volksgemeinſchaft hinziele, hänge
nicht zuletzt die deutſche Zukunft ab. Ueber Vortragsweſen und Wirt=
ſellaftsnot
referierte der Leiter der Abteilung Vortragsweſen in der
Gefellchaft für Volksbildung, Dr. Otto Henning (Berlin). Der Redner
forderte die zeitgemäße, volkstümliche Ausgeſtaltung des Vortrags=
weſens
, das ſich durch mehr Planmäßigkeit und Wirtſchaftlichkeit der
Wirtſchaftsnot anpaſſen müſſe, wolle es leiſtungsfähig bleiben und dazu
beitragen, daß ein Niedergang der Kultur aufgehalten werde. Beiden
Vorträgen, die mit dankbarem Beifall aufgenommen wurden, folgte eine
ausgedehnte Beratung über wichtige Fragen des praktiſchen Vortrags=
weſens
. Der geſchäftsführende Vorſtand des Verbandes wurde wie folgr
beſtätigt: Studienrat Dr. Kaliſchek=Wiesbaden (Vorſitzender), Dr. Don=
ges
=Dillenburg, Lehrer Haas=Worms, Dr. Henning=Berlin. Dem er=
weiterten
Ausſchuß, der bei der Herbſttagung noch ergänzt werden ſoll,
gehören an: Schulrat Haſſinger (Darmſtadt), Kreisſchulrat Lorentz ( Lau=
terbach
), Rechtsanwalt Dr. Hoffmann (Darmſtadt), Studienrat Dr.
Forſtmaier (Fulda), Lehrer Machenheimer (Wiesbaden), Magiſtratsrat
Keßler (Siegen), Röſſel (Höchſt a. M.), Prof. Dr. Schäfer (Friedberg)
h. Lauterbach, 17. März. Eine glückliche Stadt, ohne
Steuererhöhung und Fehlbetrag im Haushalt. Mit
dem ſtädtiſchen Voranſchlag für 1931 beſchäftigte ſich der Stadtrat unter
Leitung von Bürgermeiſter Walz. Er ſchließt in der Betriebsrechnung
in Einnahme und Ausgabe mit 314 510 Mk. gegen 318 230 Mk. im Vor=
jahre
ab Auch die Vermögensrechnung iſt bedeutend niedriger wie im
Jahre 1930 und berrägt 34 600 Mk. gegen 43 320 Mk. in 1930. Der Vor=
anſchlag
des Elektrizitätswerkes iſt in Einnahme bund Ausgabe auf
106 100 Mk. feſtgeſetzt. Im neuen Voranſchlag ſind u. a. für Notſtands=
arbeiten
14 000 Mk., Straßenbau 20 000 Mk., ſoziale Fürſorge 14000 Mk.
eingeſtellt. Ein ſtarker Ausfall von 6000 Mk. iſt bei dem Holzerlös zu
erivarten.
*
m. Aus dem Lande, 17. März. Gewerbliches. Die zahlreichen.
Veranſtaltungen für die Reichshandwerkswoche bedingen es, daß die
Sprechtage der Handwerkskammer=Nebenſtellen diesmal etwas weuiger
zahlreich ſind als üblich. Sprechtage halten ab die Nebenſtelle Alzey an
4 Orten, die Nebenſtelle Darmſtadt an 6 Orten, die Nebenſtelle Fried=
berg
an 11 Orten und in Friedberg täglich, mit Ausnahme von Mitt=
wochs
und Samstags, und der auswärtigen Sprechtage; die Nebenſtelle
Gießen an einem Orte und in Gießen, außer Samstags und Donners=
tags
, täglich von 912 Uhr: die Nebenſtelle Mainz in Mainz, außer
Mittwochs und Samstags, täglich von 912 Uhr, und in Bingen Mitk=
wochs
; die Nebenſtelle Worms an 5 Orten und in Worms, außer Sams=
tags
, täglich von 212.30 Uhr: die Nebenſtelle Offenbach an 4 Orten;
ferner iſt das Büro in Offenbach, außer Samstags, täglich von 91
Uhr für den Verkehr geöffnet.

[ ][  ][ ]

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uepunglen gegieniuun uehiide -eho uep ziu
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[ ][  ][ ]

Seite 8

Donnerstag, den 19. März 1931

Pummer 78

Wilhelmine Poth
Heinrich Keil
Verlobte

Sol. Mädch, 30 J.
hier fremd, ſ. nette
Freundin. Ang. u.
E. 152 a. d. Gſchſt.

Kaplaneigasse 9

Lichtenbergstr. 23

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Heute Vormittag ½5 Uhr verſchied ſanft
nach längerem Leiden unſere geliebte Schweſter,
Tante, Großtante und Urgroßtante
Fräulein
einma Scarfenderg
im 84. Lebenejahr.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Auguſi Maurer
(München, Kaulbach=Straße 93).
Darmſtadt, den 17. März 1931. 4296
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 19. März,
vormittags 11 Uhr, von der Leichenhalle des alten
Friedhofs an der Nieder=Ramſtädterſiraße aus ſiatt.

Todes=Anzeige.
Heute entſchlief nach kurzer, ſchwerer Krank=
heit
unſer lieber Vater, Großvater und Ur=
großvater

Mil Gentg Tari
im 89. Lebensjahr.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Jakob Barth und Familie
Chriſtian Barth und Familie
Agathe Trautmann Wwe., geb Barth
und Familie
Ambr. Fuchs und Familie.
Kirch=Brombach i. Odw., Kranichſiein b. Darmſtadt,
Frankfurt a. M., den 17. März 1931.
Die Beerdigung findet am Freitag, den 20. März 1931,
nachmittags 2 Uhr, in Kirch=Brombach ſiatt.

Dankſagung.

In unſerem tiefen Schmerz waren uns die
außerordentlich zahlreichen Beweiſe der Liebe
und Freundſchaft für unſere ieure Entſchlafene
anläßlich ihres plötzlichen Ablebens ein großer
Troſt. Auch gedenken wir an dieſer Stelle all
derjenigen, die in den vielen Jahren des Leides
uns treu zur Seite ſianden und unterer lieben
Jana dadurch manch frohe Stunde bereiteten.
Insbeſondere danken wir auch den Schweſiern
der Paulus.Gemeinde für ihre liebevolle Pfiege,
ſowie Herrn Pfarrer Müller für ſeine ergreifen=
den
und troſtreichen Worte am Grabe.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Friedrich Mangold.
Darmſiadt, den 17. März 1931.
4329

Karl u. Phil. Lina.
gib mir Ruhe. Brief
erhalten? Bitte ja
oder nein. El. (

Tenor=Banio
zu kaufen geſ. Ang.
u. E. 158 Geſchſt.

Statt Karten.
Für die zahlreichen Glückwünſche an=
läßlich
unferer Verlob ung danken
herzlichſt
Joſef Becker und Braut.
Wiebelsboch i. O.
(4306

FreiwiAige Feuerwehr Darmſtadt

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Samstag, den 21. März, abends 8 Uhr
Martinskirche
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K. F. Bender, Bessungerstr. 41
G. Hauptmann, Lndwigsplatz 2.
An der Abendkasse Martinskirche 50 und 1.4.

Zur Beerdigung des Kameraden
Philigp Lenges
wollen ſich die Mitglieder Freitag,
den 20. März um 3 Uhr am Por=
tale
des Friedhofes an der Nieder=
Ramſtädterſtraße einfinden.
Das Kommando,

Dankſagung.

Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme und Kranzſpende beim
Heimgang unſeres lieben und un=
vergeßlichen
Entſchlafenen ſagen wir
hiermit innigen Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Frau K. Krichzaum Bwe.
Familie Adam.
Billings, den 18. März 1931.

Im Frübjahr dat der Körper das Beſtreben, ſich von
Schlacken zu befreien. Unterſtützen Sie ihn dabei
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Für die vielen Beweiſe herz=
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Teilnahme, ſowie für
die zahlreichen Blumen=
ſpenden
beim Heimgang
unſeres lieben (Entſchlafenen
ſagen wir allerherzlichſien
Dank.
Im Namen
der Hinierbliebenen:
Frau Eliſabeth Zöller,
geb. Laub
Familie Müller n. Bauer.
Darmſiadt, den 18. März 1931

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[ ][  ][ ]

Nummer 78

Donnerstag, den 19. März 1931

Seite 9

Die Aufgaben der Landesplanung

teil des Vermeſſungsweſens an der Löſung großer Planungsaufgaben
gerecht würdigen möge.
Reicher Beifall lohnte die außerordentlich intereſſanten Ausführun=

bebandelte in einem Bortrag der Arbeitsgemeinſchaft der Höheren Bermeſ=
ſungsbeamten
der Städte im Rhein=Main Gebiet in derGeſchlechterſtube des
Römers zu Frankfurt a. M. vor mehr als 100 höherenVermeſſungs= undBau=
beamten
Herr Stadtbaurat Schrpeder vom Siedlungsamt Frankfurt
a. M. Der Vorſitzende, Vermeſſungsrat Heyl aus Darmſtadt, begrüßte
die Anweſenden unter Hinweis auf die Bedeutung dieſes zeitgemäßen
Themas und erteilte dem Vortragenden das Wort. Dieſer führte etwa
folgendes aus:
Landesplanung wird dort notvendig, wo die Entwicklung
eines einheitlichen Wirtſchaftsgebietes durch willkür=
liche
Verwaltungsgrenzen oder durch Zuſammenballungen von Gewerbe=
betrieben
und Bevölkerung, welche verſchiedene Urſachen haben können,
geſtört und gehemmt iſt. Ganz allgemein iſt dieſes Problem durch die
ſtarke Stadtbildung des 19. Jahrhunderts als Folge der Induſtrialiſie=
rung
entſtanden. Der Gegenſatz zwiſchen Stadt und Land, die übertrei=
hende
Wertſchätzung der abſoluten Größe der Städte, die Naturſehnſucht
der Großſtadtbevölkerung waren als Symptome dieſer Entwicklung ſchon
bekannt. Beſtrebungen zur Löſung dieſes offenſichtlich ins Krankhafte
gehenden Prozeſſes ſind zu verzeichnen in der engliſchen und deutſchen
Garteuſtadtbewegung, in den mannigfachen Vorſchlägen zur beſſeren
Stadtgeſtaltung ſelbſt (Auflockerung. Trabantenbildung. Wohnhochhaus
pder Einfamilienhaus), in den Gedanken der Dezentraliſation, der inne=
ren
Koloniſation und Umſiedlung, ohne daß bisher das Uebel an der
Wurzel gepackt werden konnte. Die ungeheure Arbeitsloſigkeit unſerer
Zeitz wirft ihrerſeits ein grelles Schlaglicht auf das Problem der Lan=
desplanung
. Die Unterbringung der Dauernderwerbsloſen iſt eine Schick=
ſalsfrage
der deutſchen Wirtſchaft und damit auch ein Problem der Lan=
desplanung
, welche ein bedeutſames Mittel der Wirtſchafts= und Bevöl=
kerungspolitik
werden kann. Kriſenzeit eine Lehrmeiſterin
auch hier: Wenn jetzt die Durchführung großer techniſcher Unterneh=
mungen
in Verkehr, Wohnungsbau und Induſtrie unterbleiben muß, ſo
handelt es ſich nur um Aufſchub und Zurückſtellung. Die Landespla=
nung
kann dabei mithelfen, dieſe Pauſe zur Prüfung der Ziele unſerer
Wirtſchafts= und Bevölkerungspolitik zu nützen. Sind die bisher er=
wähnten
Fragen allgemeiner Natur und damit Sachke der allgemei
nen Landesplanung, ſo hat ſich die beſondere Landes=
planung
mit den Wirtſchafts=, Bevölkerungs= und Planungsfragen
der einzelnen Wirtſchaftsgebiete, zu denen auch das Rhein=Main=Giebiet
zu rechnen iſt. zu befaſſen. Hier harrt eine Fülle der Probleme ihrer
Löſung. Die Sprache der Landesplanung iſt die der Karten. Ohne Kar=
ten
iſt keine Landesplanung möglich. Dringendſte erſte Aufgabe iſt da=
her
Neuordnung des Kartenweſens und Beſchaffung berichtigter Kaxten.
Beſtehende Verwaltungsgrenzen, Bevölkerungsſtand und =bewegung. be=
ſtehende
Flächenverteilungen für Land= und Forſtwirtſchaft, Bodenſchätze
und ihre Ausnutzung. Waſſerverſorgung. Abwäſſerungsgebiete und In=
duſtrie
müſſen feſtgeſtellt und in Karten eingetragen werden. Die Struk=
tur
der Berufe, die beſtehenden Verkehrsbeziehungen des Berufs=, Wirt=
ſchafts
= und Erholungsverkehrs müſſen kartenmäßig dargeſtellt werden.
Entwicklungstendenzen und Flächenbebarf für Produktions= und Wohn=
ſtätten
, der Bedarf an Nutzgrün= und Verkehrsflächen müſſen unterſucht
werden. Dieſe auf wiſſenſchaftlicher Grundlage geführten Unterſuchungen
werden ſich zu Vorſchlägen für die zweckmäßige und rationelle Verteilung
der Fläcken, zu einem allgemeinen Wirtſchaftöplan verdichten,
Gn

Die organiſatoriſche Grundlage ſür die Landesplanung wird in einer
auf dem Prinzip der Gleichberechtigung aufgebauten, freien Vereinigung
der beteiligten Kommunen und Kommunalverbände unter Beteiligung
der Behörden erblickt, welche dieſe Arbeiten als Vorſchläge den zuſtän=
digen
Gemeinden unterbreitet. Letzten Endes ſetzt ſich hier der Gedanke
durch, daß Siedlungspolitik in einem einheitlichen Wirtſchaftsgebiet nur
im Sinne einer Intereſſengemeinſchaft getrieben werden kann. Zahl=
reiche
Lichtbilder erläuterten die Ausführungen.
Hiernach nahm Herr Stadtvermeſſungsrat Rohleder vom Stadt=
vermeſſungsamt
Frankfurt a. M. das Wort über die Neuordnung des
Kartenweſens in den Landesplanungsverbänden, und griff aus dem
Vortrag des Herrn Stadtbaurats Schroeder die Frage heraus: Wie
kann das Karten elend, das der Landesplanung in all ihrem Vor=
gehen
immer wieder empfindlichſte Hemmungen entgegenſtellt, überwun=
den
werden? Er unterſuchte zunächſt die Urſachen des Fehlens geeig=
neter
Karten für Planungszwecke und fand ſie darin, daß die Vermeſ=
ſungsbehörden
des Reiches, der Länder und der Gemeinden ſich bisher
lediglich auf Erledigung ihrer Sonderaufgaben eingeſtellt haben. So
das Reich auf die Herſtellung von Karten für die Landesverteidigung.
die Länder auf Grundſteuerkarten. Nur die Großgemeinden hätten Kar=
ten
herausgebracht, die für Entwurfsarbeiten brauchbar ſeien. Aber dieſe
lägen wie Inſeln im großen Gebiet der Landesplanungsbezirke, und ſo=
bald
das Gemeindegebiet der Großſtädte verlaſſen würde, ſtänden Karten
für Entwurfszwecke nicht mehr zur Verfügung. Redner beſchreibt dann
die Schwierigkeiten, die verſchiedenen Kaxten der einzelnen Behörden zu
einem einheitlichen Kartenwverk zuſammenzubringen, was ſeither beſon=
ders
daran geſcheitert ſei, weil die Projektion der kugelähnlichen Erde auf
die Ebene ſich nur annähernd richtig löſen ließe und bei den einzelnen
Kartenwerken verſchieden gelöſt ſei. Die Vermeſſungsbehörden hätten ſich
aber jetzt auf die ſogenannte Gauß=Krügerſche Meridianſtreifenprojektion
in konformer, d. h. Winkeltreuer Abbildung der Erdoberfläche geeinigt,
ſo daß die nächſte Aufgabe der verſchiedenen Vermeſſungsbehörden darin
zu ſuchen ſei, ihre Kartenwerke auf das neue Projektionsſyſtem umzu=
ſtellen
. Vermeſſungsrat Rohleder ſieht einen Ausweg aus dem Karten=
ierwarr
nur darin, daß die verſchiedenen Vereſſungsbetriebe ſich in
Zukunft die Hände reichen, gemeinſamen Richtlinien nachſtreben, um ein
Kartenwerk entſtehen zu laſſen, aus dem dann alle Nutzen ziehen.
Um nun die Karten für die Landesplanung bereitzuſtellen, empfiehlt
er ein Zwiſchenſtadium, in dem in den Dringendgebieten gege=
benenfalls
unter Einſetzen von Luftbildaufnahmen die Meßtiſchblätter
berichtigt werden.
Nebenher müßten die Vermeſſungsbehörden ihre Karten in den
Dringendgebieten ergänzen evtl. erneuern. Da das Kataſter
nicht mehr reine Steuerbehörde ſei, ſondern ſeine Karten auch dem
Eigentumsnachweis und der Wirtſchaft dienten, ſo ſei ſehr wohl die For=
derung
berechtigt, daß die Kataſterkartenwerke nach und nach auf beſſere
geodätiſche Genauigkeit vervollſtändigt würden. Reduer empfiehlt hier=
für
die Berufung beſonderer Kommiſſare in den Provinzen. Ein er=
freulicher
Anfang ſei damit ſchon in Düſſeldorf gemacht.
Für die Umſtellung der Kartenwerke auf die neuen Ziele ſtellt Ver=
meſſungsrat
Rohleder beſondere Leitſätze auf und ſchließt ſeine Betrach=
tungen
, indem er wünſcht, daß auch das große Publikum die außer=
ordentliche
Aufgabe des Vermeſſungsweſens beſſer erkenne und den An=

gen der beiden Neferenten.
Im Anſchluß hieran fand eine eingehende Ausſprache ſtatt, an der
ſich die Herren Miniſterialrat Dr. Müller=Darmſtadt, Obervermeſſungs=
rat
Schmelz=Stuttgart, Regierungsrat Kaeſtner=Düſſeldorf, Stadtver=
meſſungsrat
Schadt=Mainz und die Herren Oberlandmeſſer Doogs= Wies=
baden
und Wißfeld=Frankfurt a. M. beteiligten.
Mit dem Dank des Vorſitzenden an die beiden Herren Referenten
und die Herren Diskuſſionsredner, ſchloß die ſehr anzegende Zuſam=
menkunft
.

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Wieder wie neu wird Ihre Kleidung, Anzüge, Koſtüme,
Mäntel, Uniformen, auch Teppiche, Polſtermöbel uſw., wenn Sie
Necetin=Pulver anwenden. Es wird nicht eingeweicht und ge=
waſchen
, ſondern es wird mit dieſem im In= und Ausland beſtens
bewährten Präparat (Deutſches Reichspatent!) einfach durchge=
bürſtet
. Schmutz und läſtiger Glanz verſchwinden, verſchoſſene Far=
ben
werden aufgefriſcht und die Gewebe mit neuer Appretur
verſehen. Eine Schachtel reicht für einen kompletten Anzug uſw.
aus! Für einzelne ſchwierige Flecken von Oel Teer, Wagen=
ſchmiere
Harz, Oelfarbe uſw. iſt Necetin=Fleck=Waſſer, welches auch
helles farbiges Schuhwerk überraſchend ſäubert, das richtige.
Necetin=Fleck=Waſſer ſowie Necetin=Pulver iſt erhältlich in Droge=
rien
uſw. Als Herſtellerin iſt die bekannte Necetin=Geſellſchaft
Alfred Hoffman u. Co., Leipzig, Cl., beſtens bekannt.

und ins Notizbuchden einen Namen! Warum
das Gedächtnis belaſten?
im Notizbuch laſſen ſich doch alle
Beſorgungen ſchwarz auf weiß viel beſſer behalten! Zu den ſtän=
digen
Notizen gehört von jetzt ab auch Sanella. Sanella iſt die
neue Margarine von herrlichſtem Aroma, größter Ergiebigkeit
und zu niedrigſtem Preiſe. Das halbe Pfund koſtet nur 35 Pfen=
nige
. Jeder Hausfrau iſt mit einer ſo gut bräunenden und ſpar=
ſamen
Margarine gedient. Alſo: gleich Sanella ins Notizbuch!
Opel=Sonderſchau in Darmſtadt, Rheinſtraße 21, bei der Firma
Hckas u. Bernhard. Wie bereits im vorigen Jahre, ſu zeigt auch
in dieſem Jahre wieder die Firma Haas u. Bernhard durch eine große
Sonderſchau der Opel=Modelle für das Jahr 1931. Sie können auf die=
ſer
Sonderſchau den 1,1 Liter Opel=Perſonen= und Lieferſpagen, ſowie
den 1,8 Liter Opel=Perſonen= und Lieferwagen und die 2,6 und 3,5
Liter Blitz=Laſtwagen in der Zeit vom 22. bis 24. März ds. Js. be=
ſichtigen
.
Es dürfte für jeden Automobilbeſitzer wie Intereſſenten von be=
ſonderer
Bedeutung ſein, ſich dieſe Ausſtellung anzuſehen und ſich dort
über alles, was den Erwerb und Beſitz von Opel=Wagen betrifft, zu
informieren.

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Ausſichten für Donnerstag, den 19. März: Stellenweiſe dunſtig, ſonſt
auch meiſt heiter und trocken, leichter Nachtfroſt, tagsüber wärmer.
Ausſichten für Freitag, den 20. März: Weitere Erwärmung und auf=
kommende
Bewölkung wahrſcheinlich,

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[ ][  ][ ]

Seite 10

Donnerstag, den 19. März 1931

Spott, Splet
Groß=Turnſchau der Mikkelrheiner
am 22. März in Darmſtadt.
Gerätemeiſterſchaften der D. T. werden am 26. April in Eſſen
ausgetragen. 100 Turner aus dem ganzen Reiche follen es ſein, die ſich
dort dem Kampgericht ſtellen, und es bürgt ſchon die geringe Zahl der
Teiknehmenden dafür, daß es wirklich die Elite der D. T. ſein wird, die
den Meiſterſchaftskampf beſtreitet. Die 18 Turnkreiſe der D. T. ſind
zurzeit mit der Feſtſtellung ihrer beſten Geräteturner beſchäftigt. Nicht
nach freier Wahl können die Turner in Eſſen antreten, ſondern nur die
ausgeſuchteſten Kräfte der einzelnen Turnkreiſe ſind teilnahmeberech=
tigt
. In allen Kreiſen aber iſt die Anzahl der Kunſtturner weit höher
als die Zahl, die ſie nach Eſſen entſenden können. Auch der Kreis Mit=
telrhein
verfügt über eine größere Anzahl befähigter Turner, ſo daß
die Kreisleitung ein Ausſcheidungsturnen, gleich den anderen Turnkrei=
ſen
, für notwendig erachten mußte. Daß dieſes Ausſcheidungsturnen zu
einem Höhepunkt turneriſcher Leiſtungsfähigkeit wird, erhellt ſchon dar=
aus
, daß ſich einige größere Turnvereine des Kreiſes bemühten, dieſe
Veranſtaltung zu erhalten. Wenn nun die Kreisleitung ſich für Darm=
ſtadt
als Austragungsork entſchieden hat, ſo dürfte dies ſchon darin
begründet liegen, als man die Vorarbeiten, die hierfür zu leiſten ſind,
mit dieſer Wahl in beſten Händen ſah. Es iſt unweigerlich ein Ver=
dienſt
, des Gau=Oberturnwartes Hofferbert=Darmſtadt, der immer
darum bemüht iſt, ſolche große turneriſchen Ereigniſſe nach Darmſtadt
zu ziehen. Wirklich erübrigen dürfte es ſich, auf die beſonderen Schwie=
rigkeiten
der einzelnen Uebungen des Wettſtreites hinzuweiſen, denn nur
ganz bewährte Turnkräfte werden in der Lage ſein, die geforderten
Spitzenleiſtungen zu vollbringen. Es ſollen hier nur aus der Reihe der
zur Ausleſe gemeldeten Turner u. a. folgende genannt werden: Frey=
Kreuznach, Kipp=Klein=Auheim, Genß=Mainz=Kaſtel, Krimmel=Koſtheim,
Fiedler=Darmſtadt, Robert und Karl Haßler=Frankfurt=BBornheim,
Hörnis=Frankfurt=Oberrad und Seth=Großen=Linden. Von den bisher
gemeldeten Turnern dürften die ausſichtsreichſten Bewerber für den
Eſſener Kampf: Genß, Kipp, Frey ſowie die Gebrüder Haßler werden.
Liegen aus anderen Kreiſen, die bereits ihre Beſten feſtgeſtellt haben,
die Meldungen vor, daß die Ausſcheidungsturnen dort einem regen In=
tereſſe
begegneten, ſo dürfte man von Darmſtadt, der alten Turnerſtadt,
eine ebenſo ſtarke Anteilnahme vorausſetzen. Es ſollten daher alle
Turnfreunde und Anhänger des Turnſportes die Turnſchau der Mittel=
*heiner am 22. März, nachmittags 2.30 Uhr, in der Turn=
halle
am Woogsplatz nicht verſäumen, zumal es eine Groß=
Turnſchau zu werden verſpricht, die zu ſehen man ſobald nicht mehr in
die Lage verſetzt werden dürfte. Um der breiten Maſſe aber den Beſuch
zu ermöglichen, hat man den Zutritt nur von einem kleinen Unkoſten=
beitrag
abhängig gemacht, der für Arbeitsloſe auf das Mindeſtmaß be=
ſchränkt
iſt.
deutfche Geräte=Reiſterſchaften der 2.T.
Neue Wettkampfbeſtimmungen.
In der Turnausſchuß=Sitzung vom B. Februar und 1. März 1931
ſind die neuen Wettkampfbeſtimmungen der Deutſchen Turnerſchaft
beſchloſſen worden. Für das Geräteturnen ſind nachfolgende Abände=
rungen
eingetreten, die, wie nachſtehend veröffentlicht, bereits für die
Deutſchen Gerätemeiſterſchaften am 26. April Gültigkeit haben:
1. Bei Pferdeſprüngen ſind zwei Verſuche geſtatter. Beide werden
gewertet. Der beſſere wird in Anrechnung gebracht. Ein Sprung gilt
als ausgeführt, wenn der Wetturner mit den Händen das Pferd be=
rührt
hat. 2. Was geturnt iſt, muß gewertet werden. Eine Unter=
brechung
der Uebung durch Abgleiten vom Gerät beendet die Uebung

und Turnen.
dann nicht, wenn der Anſprung an das Gerät ſofort wieder erfolgt.
Dieſe Unterbrechung gilt als ein erheblicher Mangel. 3. Hilfeſtellung
iſt geſtattet. Hilfeleiſtungen beeinträchtigt das Wertungsergebnis nach
dem Grade der geleiſteten Hilfe. 4. Die Frei= oder Handgerätübung,
ob als Pflicht= oder Kürübung, darf nicht länger als 1½ Minute dauern
und nicht mehr als eine Fläche von ſechs Metern im Geviert beanſpru=
chen
. Ueber 1½ Minute hinausgehende Uebungsteile werden nicht ge=
wertet

Handball in der 2. T. (Odenwaldgau).
Der 15. März brachte folgende Ergebniſſe:
Momart 2. Hainſtadt 1. 2:3, Steinbach Zell 6:3, Zweite 2:2,
König Kirch=Brombach 5:3, Lengfeld Tgde. Befſungen 2:3, Leng=
feld
2. Semd 1. 5:0, Kirch=Brombach 2. Steinbuch 1. 4:5, Habitz=
heim
Schaafheim 0:0, Richen Gundernhauſen 3:3, Gr.=Zimmern 2.
Spachbrücken 1. 3:2.
Hainſtadts Stärke waren ſeine Linksaußen und ſein Mittelläufer.
Das Torverhältnis entſpricht dem Spielverlauf. Steinbachs Elf war im
Zuſammenſpiel und im Eifer den Gäſten überlegen. Zell brachte es
nicht über hübſche Einzelleiſtungen hinaus, ſeiner Hintermannſchaft
fehlte der nötige Schwung. Die 2. Mannſchaften waren ſich gleichwerti,g.
Das Treffen in König zeigte in der 1. Halbzeit ſeine beſſere Seite. Der
Platzverein legte 4 Tore vor, dem K.=Brombach nur 1 entgegenſetzen kann.
Nach dem Wechſel fanden die Gäſte ſich gut zuſammen, man ſah von
ihnen zeitweiſe ein ſchönes, weitmaſchiges Spiel, doch fehlte den An=
griffen
beiderſeits der befreiende Schuß, es wurde vor dem Tor zuviel
kombiniert. Ein ſchnelles, feines Spiel kam in Lengfeld zur Durchfüh=
rung
. Die Leute aus Beſſungen waren beſonders in der zweiten Halb=
zeit
den Einheimiſchen ſtark überlegen. Lengfeld zeigte im Zuſammen=
ſpiel
und im Sturm eine mäßige Leiſtung. Zeitweiſe Maſſenverteidi=
gung
verhinderte eine größere Torausbeute. Der beſte Mann Lengfelds
war ſein Torhüter. Wenn Lengfeld 2. weniger laut, weniger hart, aber
ſpieleriſch beſſer ihren Kampf in Zukunft durchfechten würde, wäre das
ein großer Fortſchritt. Semd, das ſeit kurzen Wochen Handball ſpielt,
hielt ſich ganz tapfer. Obwohl Kirch=Brombachs 2. die beſſere Geſamt=
leiſtung
bot, verlor es doch, weil ſein Tormann leichtere Sachen durch=
gehen
ließ. Habitzheim und Schaafheim ſollten beide mehr Schußfreu=
digkeit
zeigen und dem Gegner zum Klären nicht allzu reichlich Zeit
laſſen. Gundernhauſen trat mit ſtarkem Erſatz an, ſo daß Richen mit
1 Tor Vorſprung bis 10 Minuten vor Schluß führen kann. Nachdem
2 ſeiner Spieler Platzverweis erhalten hatten, gelang Gundernhauſen
der Ausgleich. Zwei gleichſtarke Mannſchaften ſtritten in Groß= Zim=
mern
um den Sieg, den ſchließlich die Platzelf an ſich brachte.
Am kommenden Sonntag beſteht wegen der Waldläufe im Gau
Spielverbot.

Thüringen verbietet Sport an Sonntag=Vormittagen.
Nach einer Verordnung des Thüringiſchen Innenminiſteriums ſind
im Freiſtaat Thüringen alle ſportlichen Veranſtaltungen an Sonntag=
Vormittagen bis 11.30 Uhr verboten. Aus Gera liegt die Meldung vor,
daß bereits am Sonntag entſprechende polizeiliche Kontrollen durch=
geführt
werden. Die Maßnahme des Thüringiſchen Innenminiſteriums
iſt für den Sport nicht nur ſchädigend, ſondern wird darüber hinaus
entgegengeſetzte Wirkungen auslöſen.
Nach 115 Stunden führten im Berliner Sechstagerennen Schön=
Piinenburg weiterhin mit einer Runde Vorſprung vor Göbel/Dinale
und Tietz=Thollembeck.
Hohmann, Benraths internationaler Mittelſtürmer, ſiedelt aus be=
ruflichen
Gründen nach Pirmaſens über und wird wahrſcheinlich dem
FK. Pirmaſens beitreten.

Nummer 78

Fußball.
SV. Roßdorf SV. Lengfeld.
Nach langer Pauſe tritt am kommenden Sonntag um 15 Uhr Roß=
dorf
auf eigenem Platze zu einem Wettſpiel an. Infolge der ſchlechten
Platzverhältniſſe mußten außer dem bereits Mitte Dezember ausgetra=
genen
Spiel gegen Erbach ſämtliche Rückſpiele neu angeſetzt werden,
Das erſte der Rückſpiele ſteigt gegen Lengfeld, das in den letzten Wochen
zweifellos ſeine Spielſtärke bedeutend verbeſſert hat und heute Roßdorfs
gefährlichſter Mitkonkurrent um die Meiſterſchaft iſt. Die Odenwälder
haben bereits 3 Rückſpiele mehr ausgetragen als Roßdorf, und, da dieſe
alle 3 gewonnen wurden, ſteht Lengfeld jetzt mit 1 Punkt Vorſprung an
der Tabellenſpitze. Roßdorf muß deshalb am kommenden Sonntag
alles daran ſetzen, um die Tabellenführung zurückzugewinnen.
Leichkathletik.
Tgde. Beffungen 1865.
Am kommenden Sonntag kommen die diesjährigen Waldläufe des
Main=Rhein=Gaues in Bickenbach zum Austrag. Es ſtarten in der
Jugendklaſſe Gg. Aßmuth und Peter Dölp, während die Turner Sieß
und Seifert ſich in der Unterſtufe beteiligen. Sieß wurde im vorigen.
Jahre Zweiter, und Seifert vertritt zum erſten Male die Turngemeinde
in dieſer Klaſſe. Abfahrt 11.50 Uhr ab Südbahnhof.

Der Fußballkampf Süd= gegen Weſtdeutſchland findet am Karfrei=
tag
in Saarbrücken ſtatt.
Für das DFB.=Pokalendſpiel SüdMitteldeutſchland am 19. April
in Dresden iſt der Berliner Hirlem als Unparteiiſcher beſtimmt worden.
Einen deutſchen Schwimmrekord ſtellte der SC. Poſeidon Leipzig
mit 5:32,5 Min. über die Schwellſtaffel (50, 100, 200, 100, 50 Meter) auf.
Teddy Sandwina errang in New York gegen den Italo=Amerikaner
Corri über 6 Runden einen Punktſieg.
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Wort und Bild, rund 900 Uebungen mit 1100 Zeichnungen Wilhelm
Limpert=Verlag, Dresden=A. 1. (250 Seiten, broſch. 5. RM.)
Die 4. Neuauflage trägt der in den letzten Jahren weiter fortgeſchrit=
tenen
Entwicklung auf gymnaſtiſchem Gebiet durch Aufnahme zahlreicher
Lockerungs= und Entſpannungsübungen, Sprünge, Beckenübungen und
ſonſtiger Bewegungsformen der rhythmiſchen Gymnaſtik ſowie durch
allgemein ſtärkere Betonung des Schwunghaften, Gelöſten in weiteſtem
Maße Rechnung. Auch die anderen Uebungsformen haben eine weſenk=
liche
Bereicherung erfahren, ſo daß der behandelte Uebungsſtoff trotz
Ausſcheidens vieler alten Uebungen auf mehr als das Doppelte gegen=
über
dem Inhalt der bisherigen Auflagen angewachſen iſt. Die Ueber=
ſichtlichkeit
hat noch gewonnen. Neben der für den praktiſchen Gebrauch
bewährten Anordnung des Stoffes iſt ein großer Teil der behandelten
Uebungen in verkürzter Form nach für den modernen Gymnaſtikbetrieb
gebräuchlichen Geſichtspunkten (Rumpflockerung, Wirbelſäulenſtreckung,
Dehnung der Bauchmuskulatur, Gleichgewichts= und Beckenübungen) in
beſonderen Anhängen zuſammengefaßt. Ein beſonderer Abſchnitt iſt den
Schädigungsmöglichkeiten gewidmet, der in überſichtlicher
Form die häufigſten aus Uebertreibung oder fehlerhafter Anwendung
ſich ergebenden Schädigungen zuſammenfaßt (und jedem verantwortungs=
bewußten
Gymnaſtikleiter nur angelegentlichſt zum Studium empfohlen
werden kann). Neu und beachtlich iſt ferner eine ausführliche grund=
ſätzliche
Stellungnahme zu den augenblicklich brennendſten Fragen gym=
naſtiſcher
Körperbildung. Die Deutſche Turnſprache iſt in weiteſtem
Ausmaße bei der Beſchreibung der Uebungen herangezogen. Ein den
Abſchluß bildendes umfangreiches alphabetiſches Verzeichnis der in er=
höhtem
Maße verwendeten praktiſchen Kennworte und charakteriſtiſchen
Uebungsbezeichnungen vereinfacht das ohnehin leichte Zurechtfinden.
Rehers Kalender der Renntermine 1931 iſt ſoeben in bekannter prak=
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Taſchenbuch=Form erſchienen. Sehr willkommen wird den Freun=
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[ ][  ][ ]

Schiedsſpruch für die chemiſche Induſtrie in Rheinland und Weſt=
falen
. In dem Lohnſtreit in der chemiſchen Induſtrie Wirtſchafts=
gebiet
A (Rheiniſch=Weſtfäliſches Induſtriegebiet) wurde geſtern unter
dem Vorſitz des ſtellvertretenden Schlichters für Weſtfalen folgender
Schiedsſpruch gefällt: 1. Mit Wirkung ab 16. März 1931 wird der Lohn
der Bertriebsarbeiter über 21 Jahre in Ortsklaſſe I auf 79 bis 80 Pfg.,
in Ortsflaſſe II auf 74 bis 75 Pfg., der Hilfsarbeiter in Ortsklaſſe
auf 74 bis 75 Pfg., in Ortsklaſſe II auf 71 bis 72 Pfg., der Handwerker
über 21 Jahre in Ortsklaſſe I auf 87 bis 89 Pfg., in Ortsklaſſe II auf
84 bis 86 Pfg. feſtgeſetzt. Alle anderen Sätze des Schemas ändern ſich
nach dem bisher angewandten Sihlüſſel. 3. Die Regelung kann mit ein=
monatiger
Friſt erſtmalig zum 31. Oktober 1931 gefündigt werden. Die
Erklärungsrriſt läuft bis 25. März. mittags 12 Uhr.
Schiedsſpruch für die Sauer= und Siegerländiſche chemiſche
Induſtrie. In dem Lohnſtreit in der chemiſchen Induſtrie, Wirt=
ſchaftsgruppe
B (Sauer= und Siegerland) wurde geſtern unter
dem Vorſitz des ſtellvertretenden Schlichters ein Schiedsſpruch ge=
fällt
, der die Löhne der Betriebsarbeiter über 21 Jahre in Oxts=
klaſſe
l auf 70 bis 71 Pfennig, in Oxtsklaſſe II auf 68 bis 69 Pfen=
nig
, der Hilfs= und Platzarbeiter über 21 Jahre in Ortsklaſſe 1 auf
68 bis 69 Pfennig, in Oxtsklaſſe II auf 66 bis 67 Pfennig, der
Handwerker über 21 Jahre in Ortsklaſſe auf 75 bis 78 Pfennig,
in Ortsklaſſe II auf 76 bis 78 Pfennig feſtſetzt. Alle anderen Sätze
des Schemas ändern ſich nach dem bisher angewandten Schlüſſel.
Die Regelung kann mit einmonatiger Friſt erſtmalig zum 31. Ok=
tober
1931 gekündigt werden. Die Erklärungsfriſt läuft bis zum
25. März, mittags 12 Uhr.
Schramm=, Lack= und Farbenfabriken A.=G., Offenbach a. M. Wie
wir erfahren, wird die Geſellſchaft für 1929/30 wieder eine ſtärkere
Dividendenkürzung von 8 auf 5 Prozent vornehmen. Letzter Frank=
furter
Börſenkurs rund 57 Prozent.
Heinrich Lanz A.=G., Mannheim. Die wiederholt verfchobene Gene=
ralverſammſung
der Geſellſchaft findet nunmehr am 9. Mai ds. Js.
ſtatt; in ihr werden die Bilanzen für die Geſchäftsjahre 1329 und 193
vorgelegt werden. Während ſich der Geſchäftsgang für 1929 zufrieden=
ſtellend
geſtaltete, war das Jahr 1930 weniger günſtig. Bekanntlich be=
ſteht
mit der Maſchinenfabrik Wolf=Buckau ein Vertrag, nach dem die
Lanz A.=G. jährlich 225000 RM. Zahlungen zu leiſten hat, wovon
150 000 RM. jeweils am 1. Auguſt bezahlt werden müſſen, während der
Reſt dann geſtundet wird, wenn nicht eine Dividendenausſchüttung von
mindeſtens 4 Prozent erfolgt. Für das bisherige Aufſichtsratsmitglied
Dr. Millington=Herrmann, Berlin, wird die Neuwahl von Bankdirektor
Ludwig Fuls (DD.=Bank=Mannheim) vorgeſchlagen. Im laufenden Ge=
ſchäftsjahr
iſt der Umſatz gegenüber dem Vorjahr zurückgeblieben. Mit
der endgültigen Regelung der Oſthilfe erwartet man jedoch eine Bele=
bung
des Geſchäfts. Der Auslandsabſatz iſt noch ſchwach. Mit Rußland
konnte jetzt ein Vertrag auf Lieferung von kleinen Dreſchmaſchinen für
ctwa 250 000 RM. abgeſchloſſen werden.
Gothaer Lebensverſicherungbank A.=G. in Gotha. Nach ihrem ſo
eben erſchienenen Vorläufigen Geſchäftsbericht hat die Bank im ver=
gangenen
. Jahr bei einem Antragszugaug von faſt 81 Millionen RM.
rund 18900 Verſicherungen über faſt 72 Millionen RM. neu abgeſchloſ=
ſen
. Der Verſicherungsbeſtand wird ſich am Ende des Jahres 1930 auf
rud 560,5 Millionen RM. ſtellen. Die Beitragseinnahme belief ſich
auf reichlich 25 Milljonen RM. Die Vermögensrechnung wird für
Ende 1930 an Aktiven mehr als 130 Millionen RM. aufweiſen, von
denen vund 812 Millionen RM. in Goldmark=Hypotheken, mehr als
82= Millionen RM. in Darlehen an Köperſchaften des öffentlichen
Rochts, etwa 11 Millionen in Wertpapieren und rund 9¼ Millionen
RM. in Gurhaben bei erſtklaſſigen Großbanken angelegt ſind. Die
höhen Bankguthaben ſollen zum Teil der raſchen Auszahlung fälliger
Aufwertungs=Verſicherungsſummen dienen. Bis Ende 1930 wurden auf
Anſprüche aus Aufwertungsverſicherungen insgeſamt mehr als 2 Mil=
lionen
RM. ausgezahlt. Der Vorkriegswert des Grundbeſitzes iſt durch
Neuerwerbungen auf rund 10,5 Millionen RM. geſtiegen. Die Bank
die 1929 einen Jahresübe=ſchuß von 5,25 Millionen RM. erzielt hat,
rechnet auch für 1930 wiederum mit einem günſtigen finanziellen Er=
gabnis
.
75=Millionen=Kredit für Berlin. Ein unter Führung der
Deutſchen Bank, der Preußiſchen Seehandlung und verſchiedener
andere Gruppen ſtehendes Konſortium hat, dem L.=A. zufolge
der Stadt einen Ueberbrückungskredit von 75 Mill. RM. zur Ver=
fügung
geſtellt. Die Verzinſung beträgt 7½ Prozent. Die Gewäh=
rung
dieſes Kredites iſt, wie das Blatt berichtet, davon abhängig
gemacht worden, daß ſich die Stadt innerhalb weniger Wochen
darüber zu entſcheiden hat, ob ſie dem Anleiheprojekt über die
Finanzierung der Berliner Städt. Elektrizitätswerke zuſtimmt.
Der Magiſtrat hat vorgeſtern abend noch beſchloſſen, der Auf=
nahme
des Ueberbrückungskredits von 75 Millionen zuzuſtimmen,
da dieſe Summe zur Abdeckung dringender Ultimoverpflichtungen
benötigt wird. Ob man ſich allerdings mit dem Anleiheprojekt
einverſtanden erklären wird, ſteht noch nicht feſt. Die Verhand=
lungen
darüber auch mit den Aufſichtsbehörden ſollen ſo
ſchnell wie möglich abgeſchloſſen werden.
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16/19 26,727,7 Pfg. Nächſte Börſe am 1. April.
Stickſtoffkonferenz in Paris. Am 21. März werden die Vorverhand=
lungen
für eine allgemeine Stickſtoffkonferenz in Paris aufgenommen,
welche Anfang April unter Beteiligung der amerikaniſchen Inntereſſen=
ten
ſtattfinden wird.
Große Dammbauten am Colorado=Fluß geplant. Der amerikaniſche
Miniſter des Inuer hat das Angebot von ſechs Geſellſchaften, zum
Preiſe von 48 830 000 Dollar am Colorado=Fluß einen großen Damm
und eine Kraftſtation von einer Million PS. zu bauen, zur Annahme
empfohlen. Der Damm. deſſen Errichtung zehn Jahre beanſpruchen
ſoll, würde einer der größten der Welt ſein. Man hofft, daß er Tau=
ſende
von Acxes unfruchtbaren, wüiſten Landes in Obſtgärten und frucht=
hare
Felder umwandeln wird. Viele Tauſende von Arbeitsloſen habeit
bereits ihre Dienſte angeboten, und der Miniſter gab bekannt, daß wei=
re
Geſuche zwecklos ſeien, da die zur Verfügung ſtehenden Arbeits=
iite
den Bedarf ſchon weit überſtiegen.

Awverikggiſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 18. März:
Getreide. Weizen: Mai 82½8. Juli 62½, Sept. 62.75; Mais:
März 62.75. Mai 65.25, Juli 67. Sept. 67: Hafer: Mai 32.75,
Juli 32,75, Sept. 32½; Roggen: Mai 4058, Juli 41.50.
Schmalz: März 9.20, Mai 9.17½, Juli 9.32½, Sept. 9.45.
Speck, loko 11.50.
Schweine: leichte 8.158.35, ſchwere 7.167.40; Schweine=
äufuhren
: Chicago 16 000, im Weſten 89 000.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 18. März:
Schmalz: Prima Weſtern 9.85; Talg, extra, loſe 378.
Getreide. Weizen: Rotwinter 90.50; Mais, loko New York
: Mehl, ſpring wheat clears 4.254,50; Fracht; nach Eng=
and
1,92,6 Schilling, nach dem Kontinent 89 Cts.
Kakao. Tendenz: ruhig; Umſätze: 28; Loko: 5½: März 5.21,
Mai 5.27, Juli 5.46, Sept. 5.64, Okt. 5.72, Dez. 5.85.

Frankfurter Produktenbericht vom 18. März. Weizen ( Hektoliter=
wicht
bon 74 Kilo) 305, Roggen (Hektolitergewicht von 7071 Kilo
A5210 Sommergerſte 225, Weizenmehl ſüdd. Spezial. 0 43,5044,7
dito niederrh. 43,2544,50, Roggenmhel 24,5030,50, Weizenkleie 11,-5
15 11,35, Roggenkleie 12,50. Tendenz: ruhig.
Verliner Produktenbericht vom 18. März. Die Unternehmungsluſ:
an der Produktenbörſe hielt ſich heute in engen Grenzen, und die Zen
denz war im allgemeinen als ſchwächer zu bezeichnen. Infolge des außer=
ordentlich
ſchleppenden Mehlabſatzes ſind die Mühlen kaum als Kaufer
am Markte. Andereſeits hat ſich das Inlandsangebot von Bvotgetreide
kaum nennenswert verſtärkt, da die Landwirtſchaft bei den gegenwar
tigen Witterungsverhältniſt
Druſcharbeiten zurucßitellen. Für

brompte Ware waren allerdings geſtrige Gebote nicht erhältlich. Im
Lieferungsgeſchäft waren die Märzſichten gehalten, da noch einige
Deckungen erfolgten. Weizen in den ſpäteren Sichten eröffnete drei bis
vier Mark ſchwächer; anſcheinend im Zuſammenhang mit den Erörterun=
gen
bezüglich einer Ermäßigung des Einfuhrzolles. Roggen wurde von
der Bewegung mitgezogen und war gleichfalls um zwei Mark abge-
ſchwächt
. Weizen= und Roggenmehle" haben ſchleppendes Geſchäft, für
Weizenmehl ſind die Forderungen erneut ermäßigt. Hafer iſt im Prompt=
geſchäft
ziemlich gehalten bei allerdings geringer Konſumnachfrage, der
Lieferungsmarkt eröffnete 1¼ bis 2½ Mark niedriger. Gerſte ruhig.
aber ſtetig.

Frankfurt a. M., 18. März.
Die heutige Börſe eröffnete wider Erwarten in ſchwächerer Haltung.
Die plötzlich aufgetauchten Schwierigkeiten für den Ruſſen=Kredit ver=
ſtimmten
, da bei den Regierungsſtellen einſtweilen noch erhebliche Be=
denfen
gegen Uebernahme neuer Garantien beſtehen ſollen. Daneben
machte der ſchwache Schluß der New Yorker Börſe ebenfalls einen un=
günftigen
Eindruck. Andererſeits blieben der günſtige Abſchluß der
Dresdner Bank und die unveränderten Dividenden im Salzdetfurth=
Konzern, ſelbſt für Kaliwerte, ohne Einfluß. Das Geſchäft bewegte ſich
infolge der herrſchenden Orderloſigkeit in ſehr engen Grenzen. Die be=
rufsmäßige
Spekulation war eher zu weiteren Entlaſtungsverkäufen ge=
neigt
, ſo daß, bei allerdings nicht drängendem Angebot, überwiegend
Kursrückgänge von 1½ Prozent gegen die geſtrige Abendbörſe feſtzuſtel=
len
waren, die ſich auf faſt alle Marktgebiete erſtreckten. Der Elektro=
markt
lag bei kleinem Geſchäft durchweg matter. Am Anleihemarkt lagen
Ablöſungsanleihen gut behauptet, Schutzgebiete um 0.20 Prozent ſchwä=
cher
. Von fremden Werten gewannen Goldrumänen ¼ Prozent. Der
Pfandbriefmarkt hatte nur kleines Geſchäft bei kaum veränderten Kurſen.
Der Verlauf der Börſe war weiter abgeſchwächt, wovon beſonders
der Montanmarkt betroffen wurde. Mannesmann, Phönir und Stahl=
verein
gaben erneut bis zu 2 Prozent nach. J. G. Farben gingen auf
144½ Prozent zurück. Das Geſchäft war dabei weiter ſehr klein. Die
feſte Haltung der Reichsmark machte faſt gar keinen Eindruck. Am Geld=
markt
lag Tagesgeld mit 3 Prozent ſehr leicht. Am Deviſenmarkt konnte
ſich die Mark weiter befeſtigen. Von Valuten lagen Madrid und Paris
erneut ſchwach. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1975, gegen Pfunde
20 3932. London=New York 4,887 Paris 124,18. Madrid 46,35,
Mailand 92,74. Schweiz 25,24½, Holland 12,117/s.
Bei ſehr kleinen Umſätzen zeigte die Abendbörſe meiſt nach=
gebende
Kurſe. So verloren Bergmann in Erwartung einer Dividenden=
reduktion
1 Prozent. A. E.G. ½ Prozent ſchwächer. Siemenswerte be=
hauptet
. Am Montanmarkt verſtimmte der nunmehr veröffentlichte Ge=
ſchäftsbericht
der Vereinigten Stahlwerke. Farben lagen zu Beginn ½
Prozent niedriger, konnten ſich im Verlauf jedoch erholen und fchloſſen
bei 144 Prozent. Von Kurſen ſind zu nennen: Deutſche Bank 109,75,
Danat 144,5, Gelſenkirchen 86, Weſteregeln 150, Salzdetfurth 225. Glöck=
ner
69,75, Mannesmann 76,5, Stahlverein 61, Hapag 72.5, A. E. G. 107
Bergmann 115, Schuckert 132,25, Siemens 177 Gesfürel 125, Waldhof
99, Aſchaffenburger Zellſtoff 85½½/s, Aku 75,75, Bemberg 83.
Berlin, 18. März.
Die heutige Börſe eröffnete für Viele überraſchend in ſchwächerer
Haltung. Vormittags noch konnte man eine eher freundlichere Stim=
mung
feſtſtellen, da man ſich von den Abſchlußziffern der Dresdner Bank
und den unverändert vorgeſchlagenen Kalidividenden eine Anregung ver=
ſprochen
hatte. Die ſchwachen Auslandsbörſen löſten dann bei der Speku=
lation
aber doch ſtärkere Zurückhaltung aus, zumal die Kundſchaft im
Hinblick auf den Ultimo Abgabeneigung bekundete und auch das Aus=
land
mit ſeinen Kaufaufträgen weiter nachließ. Die Geſchäftsloſigkeit
lähmte die Unternehmungsluſt der Kuliſſe, und war wohl der Haupt=
grund
der erneut eintretenden Kursrückgänge von 13 Prozent. Ultimo=
vorbereitungen
führten auch im Verlaufe in den Hauptwerten zu Ab=
gaben
, die jedoch im allgemeinen keinen größeren Umfang annahmen,
Aber auch die beſtehende Orderloſigkeit, die ungeklärte innerpolitiſche
Lage gab man als retarbierende Momente an. Bei ſehr ruhigem Ge=
ſchäft
bröckelten die Kurſe erneur zirka 12= Prozent, bei Spezialwerten
bis zu 3 Prozent ab. Die Ansführungen auf der Generalverſammlung
des Stahlvereins waren am Montanmarkt weiter zu ſpüren und dem=
gegenüber
konnte die Nachricht von einem eventuellen neuen Kohlenftreik
in Süd=Wales keinen Eindruck machen. Anleihen eröffneten freundlich,
2
gaben aber im Verlaufe nach.

Die Berliner Metallnotierungen vom 18. März ſtellten ſich
für je 100 Kilogramm für Elektrolytkupfer, prompt eif Hamburg.
Bremen oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die
deutſche Elektrolytkupfernotiz) auf 98.25 RM. Die Notierungen
der Kommiſſion des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe
verſtehen ſich ab Lager in Deutſchland, für prompte Lieferung und
Bezahlung) ſtellten ſich für Originalhüttenaluminium. 98= bis 99., in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren auf 170 RM., desgl. in
Walz= oder Drahtbarren, 99proz. 174 RM. Reinnickel, 98= bis 99. 350 RM., Antimon Regulus 5355 RM., Feinſilber (1 Kilo=
gramm
fein) 42.2544.25 RM.
Die Berliner Metalltermine vom 18. März ſtellten ſich für
Kupfer: März 85.50 (85.50), April 84.25 (84.25). Mai 85
(85.25) Juni 85.25 (86) Juli und Auguſt 86.75 (87.75), Septem=
ber
87.25 (87.75), Oktober 87.50 (88), November 87.75 (88.25),
Dez., Jan., Febr. 87,75 (88). Tendenz: abgeſchwächt. Für
Blei; März 24.50 (26.50), April 25.25 (26), Mai 25.25 (26.25),
Juni 25.50 (26.25) Juli 25.75 (26.25), Auguſt bis Dez. 26 (26.50),
Jan. und Febr. 26.25 (26.50). Tendenz: kaum behauptet. Für
Zink: März 23.75 (25), April 24 (24.50) Mai 24.25 (25), Juni
24.75 (25.25) Juli 25 (25.50) Auguſt 25.50 (26). Sept. 25.50
(26.75) Okt. 26 (26.50), Nov. 26.25 (26.75), Dez. 26.50 (27), Jan.
26.75 (27.25), Febr 27 (27.50), Tendenz: ruhig. Die erſten
Zahlen bedeuten Geld, die in Klammern Brief.

Biebmärkke.
Friedberger Schweinemarkt vom 18. März. Der heutige Schweine=
markt
hatte einen Auftrieb von 452 Jungtieren zu verzeichnen. Bei flot=
tem
Geſchäft wurden bezahlt für bis 6 Wochen alte Tiere WB RM.,
68 Wochen alte Tiere 2530 RM., 812 Wochen alte Tiere 3035 RM.
Der Markt wurde geräumt.

Kleine Wirtſchaftsnachrichten.

Am Samstag vor Oſtern, dem 4. April 1931 und am Samstag vor
Pfingſten, dem B. Mai 1931, bleibt die Frankfurter Börſe für jeden
Verkehr geſchloſſen. Desgleichen die Berliner Börſe. Die Abendbörfe
in Frankfurt fällt am Gründonnerstag, den 2. April 1931, ſowie am
Freitag, den 22. Mci 1931, aus.
Die Dülkener Baumwollſpinnerei A.=G., Dülben, beruft auf den
11. April eine außerordentliche Generalverſammlung ein in der die
Auflöſung und Liquidation der Geſellſchaft beſchloſſen werden ſpll. Die
Geſellſchaft hat ein Aktienkapital von 900 000 RM.
Die Arbeitnehmer des Baugewerbes der Provinz Sachſen und des
Freiſtaates Anhalt haben den am Montag in Halle gefällten Schieds=
ſpruch
, der eine Lohnkürzung von 15 Prozent vorſieht, abgelehnt.
Nunmehr iſt der Belegſchaft der älteſten Grube des Siegerlandes,
der Grube Stahlberg bei Müſen, die ſtillgelegt wird, gekündigt worden.
Die deutſche Ausfuhr nach Jugoſlawien iſt im Finanzjahr 1929/30
nach amtlichen Statiſtiken von 153 auf 172 Millionen Mark geſtiegen.
Die engliſche Arbeitsloſenziffer iſt in der abgelaufenen Berichts=
woche
um 57 163 auf insgeſamt 2 691 737 geſtiegen.
Das amerikaniſche Handelsminiſterium teilt mit, daß die öffentlichen
Emiſſionen ausländiſcher Anleihen in den Vereinigten Staaten im
Jahre 1930 die Rekordſumme von 1988 Millionen Dollar erreicht hätten,
das ſind 50 Prozent mehr als im Jahre 1929. Das meiſte Geld borgte.
Kanada, dann folgen Deutſchland und Oeſterreich.
In der Generalverſammlung der Bayeriſchen Bodenkreditanſtalt
Würzburg, bei der 5338 ſtimmberechtigte Aktien vertreten waren, wur=
den
die Regularien erledigt und die Dividende auf wieder 10 Prozeut
feſtgeſetzt.
In der Verhandlung vor dem Schlichtungsausſchuß wurde in der
Manteltarifſtreitigkeit der Kalkinduſtrie der mittleren Lahn und der
benachharten Gebiete ein neuer Manteltarifvertrag mit Geltungsdauer
bis 31. März 1933 abgeſchloſſen.
Die Frankfurter Handelshank A.=G. vorm. Frankfurter Viehmarfts=
bank
erzielte im Geſchäftsjahr 1930 einen Reingewinn von 41 532 RM.,
aus dem 6 Prozent Diivdende auf die Stamm= und 11 Prozent auf die
Vorzugsaktien zur Ausſchüttung gelangen ſollen.

Berliner Kursbericht
vom 18. März 1931

Oeviſenmarit
vom 18. März 1931

Re
natbank.. . . . .
deutſche Bank u.
Sconto=Geſ.
resdner Bank
apag
anſa Dampfſch
ordd. Lloyd.
E. G.
jahr. Motorenw.
P. Bemberg
rgmann Elektr. 117.
erl. Maſch.=Bau
onti=Gummi
eutſche Cont. Gas
deutſche Erdöl

Mst
145.
109.50
109.75
70.
94.25
73.
108.
76.75
83.50
54.50
119.25
134.50
71. 125

Me Hee ee
J. G. Farben 1144.50
Gelſ. Bergw.
87.
Geſ. f.elektr. Untern. 126
Harpener Bergbau 76.50
72.
Hoeſch Eiſen
Phil. Holzmann 92-
Kali Aſchersleben 146.2!
Klöcknerwerke
69.
Köln=Neueſf. Vgw./ 78.
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Unin. 43.50
Nordd. 9Bolle
6S
Oberſchleſ. Kuksn
79.75
Orenſtein & Koppell 56.75

Mee
Miuſ
Rütgerswerke
E5.50
Salzdetfurth Kali 225.
Leonh. Tietz 118.50
Verein. Glanzſtoff 125.
Verein. Stahlwertel 62.
Weſteregeln Alkali 150.50
Agsb.=Nrnb. Maſch. / 71.
Beſalt Linz
26.
Berl. Karlsr. Inb. 58.25
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch. 159.
VogelTelegr. Drahl 48.50
Wanderer=Werke 57.375

Helſingfors
Wien
Prag
Budapeſt
Sofia
Holland
Sslo
Kopenhagen
Stockholm.
London
Buenos=Aires
New York
Belgien
Italien

Paris

Währung Ge 1dBrie
100 finn. Mk. 10.556/ 10.576
100 Schillingl 58.955/ 59.075
1100 Tſch. Kr. 12.428 12.44e
100 Pengö 73.10 73.24
100 Leva 3.039/ 3.045
100 Gulden 168.11/ 168.41
1100 Kronen 112.15/ 112 37
100 Kronen /112.14/ 112.3
100 Kronen 112.26/ 112.48
12.=Stg.
20.375 20.41!
1 Pap. Peſo 1.4591 1.463
1 Dollar 4. 1940 4.202
100 Belge 158.42 58.54
100 Lire 21.975 22.015
100 Fran=s 16 404/ 16.444

Schwei=
Spanien
Danzig.
Japan
Rio de Janer
Jugoſlawien
Portugal
Athen
Iſtambu
Kairo
Kanada
1ruguah
Fsland
Tallinn (Eſtl
Riga

Währung GeidBrief 100 Franke 80.675 *0.735 100 Peſetas 43.99 44,07 100 Gulden 81.46 41.62 1 Yen 2.073 2077 1 Milrei 0.342 C.934 100 Dinar 7.365 1.319 100 Escudor 18.83 6.47 100 Drachm 5.44 (.45 1 türf. & 1ägypt. * 20.898 Ked lcanad. Doll. 4. 194 a.402 1 Goldpeſo 3. 147 3.153 100 eftl. Kr. 92.0 22.18 100 eſtl. Kr. 711.73 111.85 100 Lats s0.73 80.89

Frankfurter Kursbericht vom 18. März 1931.

72 Thüringen.

DO
84.75
7
Intern.,
62Baden ....... / 79.9
8%Baheru ..... . /100.25
81.8

82 Heſſen v. 28/ 80.25
v. 29/ 92.5
62 Preuß. Staat / 96
8½ Sachſen ..... .! 99.25
78
..

Dtſche. Anl. Auslo
ſunsſch. 41), Ab=
löſungsanl
.
Dtſche. Anl. Ablö=
ſungsſch
. (Neub.
Deutſche Schutzge=
bietsanleihe

2a Aachen. v. 21
8% Baden=Baden
60 Berlin ....."
8½ Darmſtadt v. 26
v.2
7% Dresden:
320 Frankfuxt a.M
v. 24
z. 26
2 Mainz ....!.
2 Mannhsin: v.2
p.2
2a München.
Nürnberg..
82 Wiesbaben
8½ Heſſ. Landesbl.
Goldoblie
Heff. Lds.=
Hyb.=Bl.=Liquib.
Men dt
Preuß. Lds.
T.=Anſt. G. Pf.
89

56.1
K
3.3
80
89

81.5
98.5
76.5
90.5
75.5
95
89
100.5
94.5
94.5
89.35
20.5
100.5

VMuch
Bk. Girozentr.
Heſſen Goldobl
8½ Kaſſeler Land=
kredit
Goldufbr..
72 Kaſſeler Lanb.
kredit Golbpfbr..
82 Naſ. Lamdesbk.
4½22 Liau. Ot
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FAuslSer.
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Abl. (Neubeſitz),
Berl. Hyp.B!
To Liqgu.=Bfb.
825 Frf. Hyp.=Br.
12%5 Lig. Pfb
Pfbr.=Bk.
Liau.
2 Mein.=Hyp.=Bk.
190 Lig. Pfbr
32 Pfälz. Hyp.=B
10 Lig. Pfb
82%5 Preuß. Boden
cred.=Bant
2% Lig. Pfbr.
Preuß. Centrl.
Bodencr.=Bank
D Lig. Pfbr.
2 Rhein. Syp. Bk.
Lig. 3
2 Rhein.=Weſti.
Bd. Credit .....
Südd.
Cred.=Ban

14½½

97.25
101
94.75
86
100.25
15
86*
92

54.7
69.5
11
99.75
97
97
91.7
101.25
An
93.75
102.25
91.9
93
97
90.75

91
101.5
96.75
92
100.5
100.5
95

Ma
6 Daimler=Benz
82 Dt. Linol. Werl
Klöckner=Werk
7% Maintrw. v. 2
Mitteld. Stahl
Salzmannu. Co
7%Ver. Stahlwver!
2o Voigt &Häffne
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5 Bosn. L.E.B
L. Inveſt.
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4½% Oſt. Schät
4% Oſt. Goldrente
5% vereinh. Rumän
4½%,
91. 1420 Türk. Admin.
49g 1. Bagdat
Zollan!
95 Ungarn 191
191=
Goldr.
191
Aktien
Rig.Kunſtziide Ung
N. E. G. ........"
AndregeNoris Zahn
Aſchaffba. Brauereil
Zellſto
Bemberg, J. P.,
Bergm. El.=Werke
BrownBoverickC:
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Sement Heidelberg
Karlſtad=
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Them. Werke Abert
Chade
Jontin. Gummiw.
imler=Benz ...!

Nae
36.5
87.5
9a.5
86.75
85.5
85.5
94.75

98.5
e
me
38.75
9.75
15.9
8.1

4.
16.75
19.75
19.7
16.75

Re
108.75
133
85.25
16.5
20
80.,5
K
40
120
97
31.75

Mif c
Erdöl ......."
Gold=u. Silber=
ſcheide
=Anſtalt
Linoleumwerke
Eiſenhandel. . .
Dyckerhoff u. Widm
Eichbaum=Verger.
Elektr. Lieferg.=Geſ.
Licht u. Kraft
Eſchw. Bergwert.
EßlingenMaſchinen
Ettlingen Spinnerei
Faber & Schleicher
J. G. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Jetter)
Felt. & Guilleaume
Frankf. Gas :. Lig.
: Hof......
Eelſenk. Bergwerk
Geſ. f.elektr. Untern.
Goldſchmidt Th.
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger /166
Hafenmühle Frift.
Hamierſen (Osn
Hanauer Hofbrauh. /137
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf.
HilpertArmaturfrb.
Hindrichs=Aufferm./ 57
Hirſch Kupfer. . .. 122
Hochtief Eſſen
Holzmann, Phi!
Zlſe Bergb. Stamn
Genüſſe
Junghans
Kali Chemic
Aſchersleben.
Kammgarnſpinn.
Karſtadt, R.
Klein, Schanzlin
Klöcknerwerke
Knorr C. H.......
Lahmener & Co. ..
Laurghütte
Lech, Augsburg., . .I.

70.2:
130
96
48.5
80
112
Aa
97

105
144.75
58.5
119
40

47
39.75
120
88
125
7.5
90.75
119.5
112
146:
71.5

159
128.25
90.5

Dge Mie
Lüdenſcheit Metal
Lutz Gebr Darm
Mainkr.=W. Höchſt.
Mainz. Akt.=Br. . .
Mannesm.=Röhren
Mansfeld Bere
Metallgeſ. Frankf
Miag, Mühlenbau
MontecatiniMaild
Motoren Darmſtadt
Deutz
Oberurſe!
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Bhönix Bergbau".
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Metallwaren.
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Riebeck Montan. . .
Roeder Gebr.
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Sachtleben A. G.
Salzdetfurth Kali
Salzw. Heilbronn
Schöfferhof=Bind..
Schramm, Lackfbr.
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Schuckert Eleftr.
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Siem. Glasinduſtr.
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Zucker=A. G.
Svensfa Tändſtid
Tellus Bergbau.
Thür. Lieſer.=Ge
Tietz Leonhard
Tucher=Brau
Anterfranken
Beithwe
Ver.

M8
39.5
14.25
127

7.5
44.5

62.2*
80
Aaaz
83
68
55.5
147
226
181
197
57.5
88
133.25
104*
78.75
155
40
76.75

93.5
16.25
67.5
62.5
141
1126

en e
Voigt & Haeffner.
Wahß & Freytag
Wegelin Rußfabrit
Beſteregeln Kali.
Zellſtoff=Verein.
Waldhof..
Memel".

Allg. Dt. Creditauſt.
Badiſche Bank. ...
Bk. f. Brauinduſtr.
BarmerBankverein
Bayer. Eyp. u. W
Berl. Handelsgeſ.
Shpothelbk.
omm. u. Privatb.
Darmſt. u. Nat.=Bk.
Dt. Bank und Disc.
Dt. Eff. u. Wechſel
Dresdner Bank...
Frankf. Bank
Syp.=Bank ...
Pfdbr.=B1
..
Mein. Hyp. Bank ..
Oſt. Creditanftalt
Pfälz. Hyp.=Bank
Reichsbank= Ant.
Rhein, Hhp.=Ban.
Südd. Bod.=Cr. Bf.
Wiener Bankverein
Württb. Notenban=

40.

42
150.5
A8.5
200

95
121
104
129
R
113.75
146
110.5
94.5
111

152
160
27.4
136
133.75
145

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7½ Dt. Reichsb. Bzs
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Südd Eiſenb.=Ge
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erſicherung
83
Verein. Ver
FrankonaRück=u. M
Mannh. Verſich. . 26
ung Handels!

[ ][  ][ ]

Seite 12

Donnerstag, den 19. März 1931

Nummer 78

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werden nicht mehr durch das Gaswerk
ſondern durch zugelaſſene Privatinſtalla=
teure
ausgeführt. Vor der Ausführung
muß um Genehmigung für Neuver=
legungen
und für Anderungen von Gas=
ſteigleitungen
und auch Innenleitungen
mittels eines Plans durch den aus=
führenden
Inſtallateur bei uns nach=
geſucht
werden. Neu verlegte oder ge=
änderte
Leitungen dürfen erſt in Betrieb
genommen werden, wenn wir ſie auf
An rag geprüft und freigegeben haben.
Für die Prüfung werden die feſtge=
ſetzten
Prüfungsgebühren erhoben. St.4 331
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Montag, den 23. März 1931, vor=
mittags
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teilung
63 und aus verſchiedenen Ab=
teilungen
des Gemeindewalds verſteigert

Kieferſtämme:
IIb 23,50 Feſtmeter
IIIa 20. Feſtmeter
IIIb 12,50 Feſtmeter
Fichtenſtämme

1a 18,50 Feſtmeter
Ib 35,50 Feſtmeter
IIa 26,40 Feſtmeter
IIb 13,40 Feſtmeter

IIIa 1,80 Feſtmeter
IVa 1,22 Feſtmeter
Fichte Derbſtangen.
I. Klaſſe 54 Stück
II. 45

III. 118


Fichte Reisſtangen
IV. Klaſſe 106 Stück

V. 120
Auskunft erteilt die Bürgermeiſterei

und Herr Förſter Kirſchner.
Roßdorf, den 17. März 1931.
Heſſiſche Bürgermeiſterei
Lorenz
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2Lederjacken,2 Damenfahrräder,
2Herrenfahrräder, 1Mädchenrad,
20 Spazierſtöcke, 1 Vertikow. 1 Sprech=
apparat
, 2 Nähmaſchinen, 2 Schlaf=
zimmer
, 1 Klavier (Jbach), /Kleider=
ſchrank
(2tür.), 1 Klavier (Bechſtein),
1chin. Vaſe, 1 Büfett, 2 Schreiktiſche,
1Flurgarderobe, 1Rollſchrank, 2 Schreib=
maſchinen
. 1 Partie Oelgemälde und
Bilder, Möbel aller Art.
Ferner hieran im Anſchluß um 11 Uhr
an Ort und Stelle (wird noch bei
obiger Verſteigerung bekanntgegeben)
1 Bohrmaſchine, 3 Schalttafeln, 1 In=
ſtrumenten
=Schrank, 2 Waren=Schränke,
1 Theke mit Glasaufſatz, 1 Warenſchrant,
1 Vulkaniſierkeſſel, 1 Overationsſtuhl.
Ferner hieran im Anſchluß mittags
12 Uhr: Dieburgerſtraße 245: 1 Wo=
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In dem Zwangsverſteigerungsver=
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in Darmſtadt, Frankenſteinſtr. 31, fällt
der Termin vom 31. März 1931 aus.
Darmſtadt, 17. März 1931. (4312
Heſſ. Amtsgericht I.

2. Brennholzberſteigerung.
Freitag, den 20. März nachm.
2½, Uhr anfangend werden im Rat=
hausſagle
aus dem Siadtwald Pfung=
ſtadt
(Klingsackertanne)
(4336
60 Rm. Kiefern=Scheit
206
Knüppel
öffentlich verſteigert. Gegen Bürgſchaft
wird Zahlungsfriſt bis Martini gewährt.
Pfungſtadt, 17. März 1931.
Heſſ. Bürgermeiſt rei Schwinn.

Am Freitag, den 20. März 1931,
nachmittags 3 Uhr, verſteigere ich hier,
Hügelſtraße 27, verſchiedene Gegenſtände
iffentlich zwangsweiſe gegen Barzahlung.
Hieran verſteigere ich an Ort u. Stelle:
1 Kreisſchere, Büromöbel und eine
Mercedes=Schreibmaſchine, Buchbin=
derpappe
(ca 30 Ztr.), 1 Kreisſäce,
1 Eckenabrundmaſchine.
(4327
Darmſtadt, den 19. März 1931.
Scharmann
ftellv. Gerichtsvollzieher des Ger=
Vollz. Portner, Heinrichſtr. 93, I.

Beinteigerangsstseige.
Am Freitag, den 20. März 1931,
nachmittags 3 Uhr, verſteigere ich in
meinem Verſteigerungslokal. Ludwigs=
platz
8, zwangsweiſe gegen Barzahlung:
3 Schreibmaſchinen, 1 Schnellwagge,
1 Ladentheke, 2 Notenſchränke, 1 Se=
kretär
, 1 Klavier (Müller & Neuß),
1 Spiegelſchrane, 1 Büfett, 1 Kaſſen=
ſchrank
. 1 Elektromotor, verſchiedene
Büro=Möbel und ſonſtige Gebranchs=
gegenſtände
.
Ferner anſchließend an Ort und Stelle,
Bekanntgabe erfolgt im Verſteigerungs=
lokale
: 1 Mathis=Limuſine und eine
(4335
Ladeneinrichtnng pp.
Darmſtadt, den 14. März 1931.
Eißer
Gerichtsvollzieher fr. Auftrags,
Bismarckſtraße 42 pt

ein Haus bauen oder kaufen.
wer seine Hupotheken (z. B. Auf-
wertungs
- Hypotheken) ablösen
oderseinen Besitz entschulden wil,
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Auskuntt durch Hauptvertretung:
Franz Götz, Darmstadt, Grünerweg 14, Fernruf 2776.

Erbitte kostenlos Druckschrift G 101

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Als Drucksache mit s pfg. franklert

[ ][  ][ ]

Nummer 78

Seite 13.

Teerrofe
NOTeelsleloen

Die Qualität der Arbeit als Grundlage
handwerklicher Werbung.

Die Entwicklung der Technik und die am Abſatzgegenſtand
orientierte Einſtellung des Produktionsapparates führen dazu,
daß der Induſtriebetrieb eine notwendige Ergänzung im Hand=
werksbetrieb
finden muß. Die Lücken des einen werden durch
die betriebliche Anpaſſungsfähigkeit des anderen ausgefüllt. Hier
eine weitgehende Gleichförmigkeit und Vereinheitlichung der
Produktionsgeſtaltung, dort eine den einzelnen Weſenszug berück=
ſichtigende
Formung der Erzeugniſſe; hier eine Abhebung auf die
Norm, dort ein Eingehen auf das Anormale. Der Konfektions=
anzug
ſteht gegen den Maßanzug, der Fabrikſchuh gegen den
(orthopädiſchen) Maßſchuh; hier fertige Möbel aus der Fabrik,
dort beſtellte Möbel aus der Schreinerei; auf der einen Seite
Konſervenwurſt, auf der anderen Seite Fleiſcherwurſt. Das
Weſentliche wird daraus klar: Der Handwerker vermag ſeine Lei=
ſtungen
ganz einzuſtellen auf den beſonderen Wunſch des Kunden,
auf deſſen perſönliche Eigenart, auf ein vom Normalen Abwei=
chendes
; in jeder Beziehung kann das Individuelle des Kunden in
den Produkten Berückſichtigung finden. Aus dieſer Tatſache er=
klärt
es ſich, daß der Konſument handwerklicher Waren deshalb
gerne etwas mehr für ſie bezahlt wie für Fabrikware, weil erſtere
ſeinen perſönlichen Wünſchen und Anforderungen entſpricht. Der
Handwerker muß aber für dieſe an den Leiſtungswerten gemeſſene
Sonderanſtrengung einen dementſprechend höheren Preis verlan=
gen
. Und dadurch wieder fühlt ſich der Handwerker verpflichtet,
eine vorzügliche Arheit abzuliefern. Dies um ſo mehr, als die
Beziehungen zwiſchen Handwerker und Konſument meiſt viel per=
ſönlicher
ſind wie zwiſchen Einzelhändler und Konſument. All
dies vom Kunden aus geſehen, bedeutet: Der Kunde nimmt hand=
werkliche
Leiſtungen in Anſpruch, weil ſie ſeine Wünſche weit=
gehend
berückſichtigen. Dafür hat er aber gegenüber der Fabrik=
ware
einen höheren Preis zu bezahlen. Daraus wieder entſteht
ſeine Forderung nach Qualitätsarbeit, nach Echtheit und Halt=
Garkeit.
Wir ſehen, daß es unmöglich iſt, die Qualitätsarbeit des
Handwerks mit der des Induſtriebetriebes zuſammenzunehmen und
urzerhand von dem Qualitätsideal in der Wirtſchaft zu ſpre=
hen
. Wenn man in der Induſtrie das Streben nach Qualitäts=
verbeſſerung
privatwirtſchaftlich betrachtet, ſo mag man zu einem
negativen Ergebnis gelangen; wenn man unter demſelben Ge=
ichtspunkt
die handwerkliche Betriebswirtſchaft unterſucht, ſo
kann dieſes Ergebnis dem Sinne nach nur in obiger Form er=
ſcheinen
.
Weil der Konſument an die Handwerkerarbeit ſehr große
Anſprüche ſtellt, führt auch eine rein pſychologiſche Betrachtungs=
veiſe
zu demſelben Ergebnis:
Ausgehend von der Wunſchbefriedigung des Kunden trägt
ie Ware den höchſten Grad der Werbekraft in ſich. Die beim
aufe maßgebenden Vorſtellungen von der Qualität eines Ob=
ektes
müſſen beim Gebrauch desſelben materiell erfüllt werden.
Iſt dies nicht der Fall, ſo führt die Enttänſchung zunächſt zur
blehnung dieſes Gegenſtandes, und wenn dieſer, wo anders
ſekauft, eine ſtärkere Wunſchbefriedigung auszulöſen vermag,
wird auch das Geſchäftshaus gemieden, das dieſe Enttäuſchung
Untſtehen ließ. Beim erſten Vorkommnis wird das Unbehagen
ielleicht durch Suggeſtionskraft oder ähnliche werbungstech=
iiſche
Kunſtgriffe überbrückt, bei der zweiten, dritten und dauern=
ben
Wiederholung wird jede Anſtrengung des betreffenden Hand=
wverkers
ein negatides Reſultat zeitigen. Auch aus dieſen theo=
bretiſchen
Erwägungen heraus kommen wir wiederum zu dem
Schluß, daß die Gegenſtandsqualität das wichtigſte Werbemittel
hiſt, und daß ſie den Dauererfolg jeglicher handwerklichen Wer=
bung
beſtimmt.
Wo ſich die betriebliche Betätigung nur auf Reparaturen be=
ſchränkt
etwa bei einem Uhrmacher oder vielen Schuhmachern

*) Entnommen aus der z. Zt. im C. E. Poeſchel Verlag,
Stuttgart erſcheinenden Schrift über: Die Einzelwerbung im
Handwerk von Dr. G. Sieber Stuttgart. (In der von Prof.
Rößle herausgegebenen Schriftenreihe.)

gelten für dieſe Leiſtungen dieſelben Grundſätze wie bei einer
Neuſchaffung von Gegenſtänden. Aber hier tritt ein Moment
beſonders ſtark in den Vordergrund. Wie man durch die mate=
rielle
Zuſammenſetzung einer Ware ſeine Erwartungen erfüllt
ſehen will, ſo hofft auch der Kunde, daß ein Verſprechen des
Handwerkers durch dieſen eingelöſt wird. Das heißt, wenn ein

Im Zeichen der Reichs=Handwerkswoche,

Termin für die Fertigſtellung einer Reparatur feſtgelegt, wenn
ein beſtimmter Preis für ſie angeſetzt wurde, ſo ſind dieſe Verſpre=
chungen
unbedingt zu halten.
Bei Nichteinhaltung dieſer Grundſätze würde, die Häufung
ſolcher Geſchäftsvergehen einem Handwerker ſehr empfindliche
Mißerfolge bringen, die durch alle Sonderanſtrengungen etwa
einer lebhaften Inſerattätigkeit nicht abgedeckt würden.
Zuſammenfaſſend können wir ſagen: Die Geſchichte des Hand=
werks
zeigt uns, wie das Ideal der Qualitätsarbeit geworden iſt
und ſpäteren Generationen überliefert wurde. Man erwartet
auch heute noch vom Handwerker hochqualifizierte Leiſtungen. Da=
rin
liegt das Geſchäftsgeheimnis ſeines Erfolges, und damit holt
er ſich einen Vorſprung vor ſeinen Konkurrenten. Die Prägung
nach dem individuellen Geſchmack des Kunden, die Vertiefung ſei=
ner
Wünſche durch eine künſtleriſch=äſthetiſche Ausarbeitung, die
materielle Verfeinerung und Erhöhung ihrer Zuverläſſigkeit, die
reſtloſe Befriedigung des Käufers: das ſind Eigenſchaften, die die
Qualitätsarbeit des Handwerkers zum Ahnherrn ſeiner großen
Tradition machen.

Orlsgewerbeverein und Handwerkervereinigung
Darmſtadk.
Wir legen Wert auf die Bekanntgabe, daß das Darmſtädter
Handwerk und ſeine Organiſationen mit der Einberufung einer
öffentlichen Vexſammlung am 20. März, abends, in der Turnhalle
nichts zu tun haben. Da die einberufende politiſche Partei
auf den betreffenden Plakaten und Handzetteln ihren Namen
nicht nennt, dagegen das offizielle Zeichen unſerer Reichs= Hand=
werkswoche
verwendet und ſich ausdrücklich auf dieſe überpartei=
liche
allgemeine Kundgebung des deutſchen Handwerks bezieht, ſo
iſt vielfach der irrige Eindruck hervorgerufen worden, es handele
ſich um eine Veranſtaltung von uns. Die betreffenden Handzettel
tragen überhaupt keinen Vermerk, wer Einberufer iſt, während
auf den Plakaten ein hieſiger Schuhmacher benannt iſt, der dem
berufsſtändiſchen Organiſationsleben fernſteht. Letzterer ſowohl
wDie der angekündigte Redner aus Wiesbaden ſind Mitglieder der
Tationalſozialiſtiſchen Deutſchen Arbeiterpartei.
Bei dieſer Gelegenheit weiſen wir darauf hin, daß das Darm=
ſtädter
Handwerk in einer großen Kundgebung am Sonn=
ag
, den 29. März abends um 8 Uhr, in der
Voogsturnhalle ſeine Werbeveranſtaltungen anläßlich der
Reichs=Handwerkswoche beendet. In dieſer Feier, bei der der Ge=
ſangverein
Liederzweig, die Kapelle, M. Weber, die Turn=
demeinde
1846, ſowie Herr Opernſänger Johannes Biſchoff mit=
wirken
wird Herr Reichstagsabgeordneter Drechſler=Obermeiſter
Feuerbaum ſprechen. Eintritt frei. Näheres wird zu gegebener
Zeit in den Anzeigen der Tageszeitungen bekanntgegeben.

Die Schulwerkſtätke als Bildungsmikkel
der Berufsſchule.
J. Griesheim, 18. März. Der hieſigen Berufsſchule konnte im ab=
laufenen
Schuljahre eine Schulwerkſtätte angegliedert werden. Um es
leich vorweg zu nehmen: Könnte die wirtſchaftliche Notlage etwa den
Anſchein erwecken, daß man in einer ſo ſchweren Zeit in Gemeinden und
Staat andere wichtige Aufgaben zu erfüllen hätte, ſo muß dieſer Punkt
inzlich außer Betracht bleiben. Es foll hier gleich erwähnt werden, daß
der Schule ein Kellerraum im vierten Schulhaus zur Verfügung geſtellt
wurde, wofür der Gemeinde geziemender Dank gebührt. Um möglichſt
ohne Koſten durchzukommen, wurde zunächſt an die Herrichtung des Rau=
nes
gedacht. Mit den Schülern der Weißbinderklaſſe ging es an die
Arbeit; Grundſatz auch hier ſchon, praktiſche Tätigkeit mit den Arbeiten
der Schule in Einklang zu bringen. Es konnten hierbei die Schüler einen
eu angeſchafften Spritzadparat kennen und bedienen lernen, weiter
Daren die einzelnen Abteilungen mit Schriften uſw. zu verſehen, alfo Zeich=
nen
und Praxis. Inzwiſchen war es der Schule möglich, dank der Unter=
ſtützung
der hieſigen Gewerbe= und Handwerkervereinigung, die die Koſten
r die Einrichtung der Werkſtätte übernommen hat, an den Kauf von
Einrichtungsgegenſtänden zu denken. Der Gewerbe= und Handwerker=
vereinigung
gebührt hier äußerſter Dank, für den Nachwuchs des Hand=
verks
gerade in der ſo ſchweren Zeit beſonders viel getan zu haben.
Wenn die Induſtrie bereits längſt fchon dazu übergegangen iſt, der Zu=
führung
eines hochqualifizierten Nachwuchſes Rechnung zu tragen und
Lehrlingswerkſtätten an die Schule anzugliedern, ſo ſollte eigentlich in

jeder heſſiſchen Berufsſchule, um auch dem Handwerk einen guten Nach=
wuchs
zu ſichern, eine Schulwerkſtätte vorhanden ſein. Es liegt in der
Natur der Sache, daß die Schulwerkſtätte, insbeſondere beim Handwerk.
erhöhte Aufmerkſamkeit findet. Das Hauptziel des Zeichenunterrichts
in der Berufsſchule beſteht darin, dem Schüler das Verſtehen und das
Leſen einer techniſchen Zeichnung beizubringen. Der ſicherſte Weg iſt
der, den Gegenſtand nach einer ſelbſt angefertigten Zeichnung herzuſtel=
len
. Alſo nicht Zeichner ſoll der Schüler werden, ſondern Fertiger eines

Werkſtückes, im Anſchluſſe das Aufſtellen von Arbeitsgäugen, Stückliſten,
rechneriſche Ermittlung, die er ſeiner Werkarbeit zu Grunde legen muß.
Die beſte Veranſchaulichung iſt die praktiſche Arbeit; dieſes Vorzuges
erfreuen ſich zweifellos die Schulen mit angegliedeter Schulwerkſtätte.
Nur wo Schule und Werkſtätte in organiſchem Zuſammenhange ſtehen,
iſt der Unterricht fruchtbringend. Die Ertüchtigung des Nachwuchſes kann
nur perſönlich, dem Handwerk und dem Geſamtwohl dienen. Das Schwer=
gewicht
des Lehrlings liegt in der Berufsleiſtung; um ein Reſultat ſei=
nes
Denkens zu ſehen, ſetzt er die zeichneriſche und rechneriſche Uebung
in der Berufsſchule in die Handbetätigung um. Alle Arbeiten in der
Volksſchule gehen doch von demſelben Grundgedanken aus, erwähnt ſei
nur hier der Werkunterricht: Formen und Modellieren mit Plaſtilin.

Papp=, Kleb= und Papierarbeiten, Arbeiten mit Schere und Meſſer.
Alle dieſe Arbeiten geſtalten den Unterricht abwechſlungsreich und feſ=
ſelnd
; ſo gehört die Berufsſchule mit der Schulwerkſtätte beſtimmt zu=
ſammen
, wenn der Unterrichtsgang bis zur gebrauchsfertigen Herſtellung
des gezeichneten Gegenſtandes durchgeführt werden ſoll. Dieſe Schul=
werkſtätte
!!, ſo faſſe ich ihre Aufgabe auf; ſie ſoll aber nicht in die Mei=
ſterlehre
eingreifen oder ſie gar ergänzen. Es darf in den Kreiſen des
Meiſters nicht das Gefühl aufkommen, als ſollte die Ausbildung der
Lehrlinge durch die Schule unter Ausſchaltung der Meiſterlehre unter=
nommen
werden. Daß das nicht im Sinne der Schule liegt, muß mit
Nachdruck erwähnt werden. Vielmehr muß auch trotz der Schulwerk=
ſtätte
das einige Zuſammenarbeiten zwiſchen Meiſterlehre und Schule
in noch weit größerem Maße als bisher eintreten, denn nur durch eine
dem Alter des Lehrlings entſprechende praktiſche Ausbildung kaun es
der Schule möglich werden, in der Schule ein gezeichnetes Werkſtück in
die Tat umzuſetzen. Die Lehrerſchaft der Berufsſchulen will mit dem
Handwerk wertvolle Menſchen und tüchtige Facharbeiten liefern. Die
Schulwerkſtätte iſt zur Beſichtigung freigegeben.

Dg. Arheilgen, 18. März. Reichs=Handwerks=Woche.
Am Dienstag abend fand im Gaſthaus Zur Sonne im Rahmen der
Reichs=Handwerks=Woche ein Lichtbilder=Vortrag ſtatt. Der Ehrenvor=
ſitzende
, Herr Kunz, eröffnet den Vortragsabend und begrüßt die
zahlreich Erſchienenen. Nachdem er dem Wunſche Ausdruck gegeben,
daß die Reichs=Handwerks=Woche dazu beitragen ſolle, daß dem Hand=
werk
die Achtung und die wirtſchaftliche Stellung zukommen möge die
es ſeiner jahrhundertealten Tradition gemäß beanſpruchen müßte, erteilt er
dem Redyer des Abends, Herrn Ingenieur Fuhrmann aus Fran=
kenthal
, das Wort zu ſeinem Vortrag über Die Lsipziger Techniſche
Meſſe vom Bauſtein bis zur Werkzeugmaſchine‟. Der Vortrag beginnt
mit der Entſtehung der Leipziger Meffe (etwa um das Jahr 1000) und
der Entwicklung derſelben bis zur Jetztzeit. Der Redner ſchildert dann
in kurzen Worten den Hintergrund der Meſſe, die Stadt Leipzig. Der
Vortrag wurde ergänzt durch die zahlreichen Lichtbilder, die durch Herrn
Lehrer Lorz=Arheilgen vorgeführt und von dem Redner in ſehr ein=
drucksvoller
Weiſe erläutert wurden. Reicher Beifall wurde den mit
großem Intereſſe aufgenommenen Ausführungen zuteil. Ehrenvor=
ſitzender
Kunz dankte im Namen des Ortsgewerbevereins und der
Handwerkervereinigung Herrn Lehrer Lorz für ſeine Mühewaltung und
dem Redner für ſeinen inhaltsreichen Vortrag. Herr Ehrenvorſitzender
Kunz hielt dann noch einen kleineren Vortrag über Die wirtſchaftliche
Bedeutung des Handwerks Für ſeine leichtverſtändlichen Ausfüh=
rungen
wurde ihm ebenfalls reicher Beifall gezollt. Zur durchgrei=
fenden
Werbung liegt während der Reichs=Handwerks=Woche den beiden
Arheilger Zeitungen eine Inſeraten=Beilage bei, in welcher die Mit=
glieder
mit einem Zuſchuß ſeitens des Vereins in Form von Anzeigen
auf ihre handwerkliche Tätigkeit und ihre Erzeugniſſe hinweiſen. Durch
Mitglieder des Vereins wurde die Werbe=Broſchüre Handwerk tut not!
Fördert das Handwerk! an die Einwohnerſchaft verteilt, in welcher
auf die große Not innerhalb des Handwerks hingewieſen und die Ein=
wohnerſchaft
aufgefordert wird, am Platze zu kaufen, um ſo zu einer
Hebung der Handwerkswirtſchaft beizutragen. Reichspräſident von Hin=
denburg
als Ehrenmeiſter des deutſchen Handwerks hat dieſer Werbe=
Broſchüre folgendes Geleitwort geſchrieben: Der Wiederaufſtieg unſeres
Vaterlandes iſt nur möglich, wenn alle Volkskräfte für dieſes Ziel ein=
geſetzt
werden. Das deutſche Handwerk will und darf mit ſeinem beſten
Willen zum Wiederaufbau dabei nicht fehlen. Die Ueberlieferung einer
ſtolzen Vergangenheit iſt in ihm heute ſo lebensfähig wie einſt. Die
Arbeitsformen des Handwerks haben ſich vielfach, der techniſchen Ent=
wicklung
folgend, gewandelt. Der Sinn, der deutſche Sinn aber iſt
unverändert geblieben. Das ehrbare Handwerk hat bei ſeiner ſchaffen=
den
Arbeit noch große Aufgaben zu erfüllen und verdient deshalb tat=
kräftige
Förderung. Was ich als Ehrenmeiſter des Handwerks dazu bei=
tragen
kann, ſoll geſchehen. Als Abſchluß der Reichs=Handwerks=
Woche findet am kommenden Sonntag, den D2. März, im Gaſthaus
Zum weißen Schwanen ein Vortrags= und Unterhaltungsabend ſtatt,
auf den ganz beſonders aufmerkſam gemacht ſei.
Bt. Auerbach, 17. März. Zur Reichs=Handwerks=Woche.
Bereits am Samstag abend hat der Ortsgewerbeverein die Gelegenheit
wahrgenommen, um die einheimiſche Bevblkerung auf ein für unfere
örtlichen Verhältniſſe ſeltenes Handwerker=Jubiläum aufmerkſam zu
machen. Durch eine Abordnung hat er Herrn Sattlermeiſter Auguſt
Schön Glückwünſche zu dem 100jährigen Beſtehen der Sattler= und Taße=
zierwerkſtätte
Schön übermittelt und gleichzeitig am Hauſe ein deko=
riertes
Plakat anbringen laſſen, auf dem das Ereignis kundgetan iſt.
Am Sonntag fand im Hotel Weigold ab vormittags 11 Uhr die Haupt=
verſammlung
des Bezirksverbandes Bensheim=Heppenheim für Hand=
werk
und Gewerbe ſtatt, zu der 46 örtliche Handwerkerorganiſationen
aus dieſen beiden Kreiſen zahlreiche Vertreter beordert hatten. Der
Verbandsvorſitzende, Herr Rektor Eiſenhardt=Bensheim ſowie der Ver=
treter
der Handwerkskammer, Herr Syndikus Dr. Kollbach, erkannten
die Mühewaltung des Ortsgewerbevereins Auerbach an, durch die er
beſtrebt war, der Tagung einen würdigen Rahmen zu geben. Am Mon=
tag
abend veranſtaltete der Ortsgewerbeverein einen Familienabend im
Hotel Weigold zu dem auch Nichtmitglieder ſehr zahlreich erſchienen
waren. Die Veranſtaltung kann als eine wohlgelungene Familienfeier
bezeichnet werden. Nach der Begrüßung durch den Vorſitzenden, Herrn
Berufsſchullehrer Adam Scherer, ergriff Herr Pfarrer Eßlinger das
Wort zu einem 1½ſtündigen Vortrag über Auerbach und die Berg=
ſtraße
in der Zeit der Zerſtörung des Auerbacher Schloſſes‟. Der Red=
ner
verſtand es, die Zuhörer in das Zeitalter Ludwigs XIV. zurückzu=
führen
und ſchilderte dieſes in klaren Umriſſen, ſoweit dieſe zum Ver=
ſtändnis
der örtlichen Ereigniſſe erforderlich waren. Zur Schilderung
der traurigen Zuſtände im Jahre 1674, in welchem das Auerbacher
Schloß zerſtört und unſere Gegend durch die Franzoſen gebrandſchatzt
wurde, hatte der Redner zeitgenöſſiſche Berichte aus dem Staatsarchiv
und den einheimiſchen Kirchenakten zur Hand. Auch das Zerſtörungs=
werk
der Franzoſen im Jahre 1689 in dem angrenzenden Rhein=
gebiet
wurde eingehend geſchildert. Man konnte in eine Zeit von Not
und Drangſalen zurückſchauen, und wir können daraus für unſere ge=
genwärtige
Not und wie man dieſe gegenwärtige Not abwenden kann
lernen. Es wurde dem Vortragenden reicher Beifall gezollt. An=
ſchließend
fand die Ehrung von 7 verdienten und bewährten Hand=
werksmeiſtern
ſtatt, die von dem Vorſitzenden vorgenommen wurde.
Dieſen über 65 Jahre alten Meiſtern wurde eine Ehrenurkunde über=
reicht
, durch die ſie zu Ehrenmitgliedern des Vereins ernannt ſind. Der
Vorſitzende des Vereins gab bei dieſer Gelegenheit einen kurzen Hin=
weis
auf die Bedeutung der Reichs=Handwerks=Woche und richtete an die
Teilnehmer an der Feier die Bitte, das einheimiſche Handwerk zu
unterſtützen und zu fördern. Im unterhaltenden Teil des Abends
haben verſchiedene bewährte und anerkannte Kräfte ihre Kunſt bereit=
willigſt
in den Dienſt des veranſtaltenden Vereins geſtellt. Es waren
dies Frl. Melitta Volkert, die Herren Kapellmeiſter Kunz und Willi
Stock, ſowie die Mitglieder des Geſangs=Soloquartetts Auerbach, die
alle für ihre vortrefflichen Leiſtungen großen Beifall ernteten. Herr
Bürgermeiſter Blickensdörfer gab ſeiner Freude darüber Ausdruck, daß
es dem Ortsgewerbeverein gelungen ſei, der Bevölkerung einen ſo ſchön
berlaufenen Abend zu bieten, und wünfchte dem Verein gutes Gedeihen.
Zum Schluß der Feier richtete, noch Herr Küfermeiſter Joh. Peter
Scherer, welcher Mitglied der Heſſiſchen Handwerkskammer iſt, einen
warmen Appell an die Anweſenden, das deutſche Handwerk hoch zu hal=
ten
, und gedachte beſonders der Meiſterinnen als treuer Schickſalsgefähr=
tinnen
im ſchweren Wirtſchaftskampf des Handwerks.
Cg. Reinheim, 17. März. Reichshandwerkswoche. Am
nächſten Freitag und Samstag veranſtaltet der Ortsgewerbeverein Rein=
heim
im Saalbau Zur Spitze eine reichhaltige Ausſtellung von Er=
zeugniſſen
handwerklicher Kunſt, die mit entſprechenden Texten dem
Publikum einen bleibenden Eindruck davon übermittein ſollen, was das
ortsanſäſſige Handwerk zu leiſten und bieten vermag und damit gleich=
zeitig
werbende Wirkung für den Einkauf am Wohnſitze verbindet. An
Hand dieſer Ausſtellung ſoll der Beſucher unterſcheiden lernen, was ihm
oft zum gleichen Preiſe an Schunderzeugniſſen ſonſt vorgeſetzt wird.
Au. Groß=Gerau, 17. März. Die Reichshandwerkswoche
wird im Kreis Groß=Gerau von dem Bezirksverband für Handwerk und
Gewerbe Groß=Gerau und dem Ortsgewerbeverein gemeinſam veranſtal=
tet
. Am Mittwoch, den 18 März, abends 8 Uhr, findet im Adlerſaal
ein Vortragsabend ſtatt, bei dem Dr. Kollbach, Syndikus der Heſſ. Hand=
wverkskammer
, ſprechen wird. Sonntag, den 22. März, von 9 Uhr vor=
uittags
bis 4 Uhr nachmittags, findet eine Ausſtellung der Schülerarbei=
ten
der Gewerblichen Fortbildungsſchule in der Schillerſchule in Groß=
Gerau ſtatt. Im Anſchluß an die Ausſtellung wird man in der Krone‟
noch gemütlich beiſammen ſein. Am Sonntag den 29. März, nachmittags
2.30 Uhr, findet im Adlerſaal eine große Kundgebung des heimiſchen
Handwerks ſtatt. Es iſt gelungen, für dieſe Veranſtaltung einen nam=
haften
Führer des deutſchen Handwerks zu gewinnnen, den Reichstags=
abgeordneten
Fluesbaum, Vizepräſident der Dortmunder Handwerks=
kammer
. Das Programm der Handwerkswoche iſt ſchlicht, dem Coarakter
des Berufsſtandes und der Not der Zeit angepaßt.

[ ][  ][ ]

Seite 14

Donnerstag, den 19. März 1931

Nummer 78

99 O
Reichshandwerkswoche vom 15. bis 22. März 193).

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Handwerker ſprechen ſonſt nicht gern von ihren eigenen Verdienſten. Wenn ſie heute auf dieſer Seitungs=
ſeite
ihre Geſchäftskarte abgeben, ſo ſoll man das als einen Wink auffaſſen, ſie zu Nate ziehen für die
Behaglichkeit von Haus und Wohnung, aber auch für die Sicherheit ihres Beſtandes.
Unſere Wirtſchaft hat den Spezialiſten ausgebildet! Der Handwerker iſt der Spezialiſt der täglichen Wirt=
ſchaft
.
Im Unterbewußtſein hat wohl manch einer das Gefühl, daß er durch eigene handwerkermäßige Cätigkeit
ſeinen Ausgaben=Etat herabſetzen kann. Es ſchwebt ihm dunkel das Tellſche Wort vor: Die Axt im Haus
erſpart den Simmermann. Aber man darf nicht verkennen, daß die harten Notwendigkeiten der Speziali=
ſierung
durch noch ſo glühende Liebhaberei, durch noch ſo treue Liebe zur Sache nicht aus der Welt gebracht
werden können! Alles kommt billiger, wenn man den Sachmann, den ordentlich ausgebildeten Handwerker
zu Nate zieht! Rechtzeitige Berufung eines guten Handwerkers, der nach der Individualität des einzelnen
Salles urteilt, kann vor manchem Schaden bewahren. Die Handwerker ſind die natürlichen Freunde und
Schützer der Einzelwirtſchaft.
Wer rechtzeitig den geſchulten, ſoliden und ehrſamen Handwerker zu Nate zieht, den, der etwas gelernt hat,
der Meiſter ſeines Faches iſt, ſpart in der Cat viele unnütze Koſten und ſchafft dadurch Erſparniſſe. Hand=
werk
hat goldenen Boden ſagt ein altes Sprichwort und vergleicht die handwerksmäßig ausgeübten Ge=
werbe
mit einem Gefäße! Dieſes Gefäß muß aber ſchließlich doch auch Seitenwände haben!? Sweifellos!
Sie ſind um im Gleichnis zu bleiben das Gebiet derjenigen, die ſich das Handwerk zu nutze machen,
die es beſchäftigen, die ſeine Arbeit in die eigenen Dienſte ſtellen. Und dieſe Seitenwände lind noch viel
goldiger.
Handwerk hat goldenen Boden!
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Bauspenglerei I. Thomas
Maler- und Weißbindermeister
Landgraf-Philipp-Anlage 52, Tel. 2470 [ ][  ][ ]

Nummer 78

Donnerstag, den 19. März 1931

Seite 15

Eiſenachs Frühlingsfeſt 1931: Eine furchterregende Rieſenraupe ſchlängelt ſich durch die Straßen.
Alljährlich feiert die ſchöne Wartburgſtadt Eiſenach das Jahrhunderte alte Feſt des Frühlings=
beginns
. Umzüge mit luſtigen Symbolen der Jahreszeiten bewegen ſich durch die Straßen, und
groß und klein freut ſich gemeinſam auf den Wiederbeginn der warmen Zeit.

Frühling, Brühling wird es nun bald!

Erploſionskakaſtrophe auf einem Seehundsjäger im Nordmeer.

Karte der Unglücksſtelle (X.
Vor der Küſte von Neufundland iſt der Robbenfänger
Wiking mit 150 Mann an Bord explodiert. Zwanzig
Mann wurden ſofort getötet, während die Ueberleben=
den
auf Eisſchollen ins Meer hinausgetrieben wurden.
Ueber ihr Schickſal herrſcht größte Beſorgnis.

Links:
Der amerikaniſche Filmoperateur Friſſell,
der ſich an Bord des Robbenfängers Wiking befand
und wahrſcheinlich getötet wurde.

Zur Kataſtrophe des Robbenfängers Viking.
New York. Der zu der Filmgruppe auf
der Viking gehörige amerikaniſche Forſcher
Henry Sargent wurde mit zwei anderen Ueber=
lebenden
im Heck der Viking von einem her=
beigeeilten
Schlepper geſtern nachmittag lebend

aufgefunden. Die von St. Johns auf Neufund=
land
ausgeſandten Hilfsdampfer haben nunmehr
das Wrack des Dampfers Viking erreicht. Sie
haben in dem Wrack des Schiffes einen Film=
ſachverſtändigen
, ſowie zwei Amerikaner noch am
Leben aufgefunden. Es werden im ganzen ſieb=
zehn
Perſonen vermißt.

Mordprozeß Tetzner.
Tetzner zum Tode verurkeilk. Das Gukachken der Sachverftändigen.

Regensburg. Am Mittwoch vormittag
wurde im Mordprozeß Tetzner als letzter Zeuge
der Landgerichtsrat Schmitt vernommen, der
als Unterſuchungsrichter Tetzner verſchiedenemal
vernommen hat. Frau Tetzner ſei ſehr entrüſtet
geweſen, als ſie gehört habe, daß ihr Mann ſie
als Anſtifterin bezeichnete. Sie habe ſich immer
geweigert, ſeinen Plänen zu folgen, ſei aber doch
dem Einfluß ihres Mannes erlegen. Die wei=
teren
Ausſagen des Unterſuchungsrichters bilden
eine ungeheure Belaſtung für Tetzner. Im An=
ſchluß
an dieſe letzten Angaben trugen die Sach=
verſtändigen
ihre Gutachten vor. Der Zeuge be=
kundet
, daß Tetzner auch ihm gegenüber bei ſei=
ner
erſten Vernehmung in Regensburg zugege=
ben
hat, einen lebenden Menſchen im Auto ver=
brannt
zu haben. Dieſes Geſtändnis hielt Tetz=
ner
bei ſeinen weiteren Vernehmungen bis zum
Mai aufrecht. Vermutlich durch ſeinen Anwalt
habe er dann von der Auffaſſung des medizini=
ſchen
Sachverſtändigen Dr. Kockel=Leipzig gehört.
Darauf habe er unvermittelt ſeine Ausſage da=
hin
geändert, der Ermordete ſei lediglich das
Opfer eines Autounfalles geworden. Nun wurde
den Sachverſtändigen Gelegenheit zur Erſtat=
tung
ihrer Gutachten gegeben. Als erſter Sach=
verſtändiger
wurde Landgerichtsrat Dr. Bunz=
Regensburg vernommen. Er ſchilderte das
furchtbare Bild, das ſich ihm angeſichts des ver=
brannten
Wagens geboten habe. Anzeichen, die
auf ein vorheriges Erſchießen, Erſtechen oder
Niederſchlagen des Opfers deuten, ſind jedoch
nach ſeiner Anſicht an der Leiche nicht gegeben.
In ſeinem Gutachten über Frau Tetzner unter=
ſtreicht
er, daß die Frau zu Anfang ſehr hoch=
näſig
geweſen ſei. Sie habe zu ihm geſagt: Ich
habe auch mein Teil Schuld und will dafür die
Strafe verbüßen, aber der Plan zum Mord iſt
von meinem Manne ausgegangen, und nicht
von mir. Für beſonders intelligent hält der
Sachverſtändige Frau Tetzner nicht. Irgend=
welche
magnetiſchen oder hypnotiſchen Kräfte
ſpricht der Sachverſtändige dem Angeklagten ab.
Der Mordplan ſei zwiſchen den Ehegatten aus=
führlich
beſprochen worden.
Anſchließend wurde Univerſitätsprofeſſor Dr.
Kockel=Leipzig gehört, der in einſtündigen Aus=
führungen
ſeiner Meinung über das Opfer Tetz=
ners
, das zweifelsfrei als Leiche verbrannt wor=
den
ſei, Ausdruck gab. Hierauf erſtattete der
Erlanger Profeſſor Molitoris ſein Gutachten. Er
berichtete ebenfalls ſehr ausführlich. Er hielt
die Beweisführung Dr. Kockels im einzelnen
nicht für ſtichhaltig; er, der Gutachter, ſei ſchon
deswegen der Meinung, Tetzners erſtes Mord=
geſtändnis
treffe zu, weil die Schilderung des
Leichentransportes für jeden Anatomen etwas
Unglaubhaftes habe.

Nachdem der dritte Sachverſtändige im
Mordprozeß Tetzner ſein Gutachten erſtattet
hatte, mußte die Verhandlung kurze Zeit unter=
brochen
werden, da Frau Tetzner einen Wein=
krampf
bekam. Dann erſtattete der vierte Sach=
verſtändige
, Medizinalrat Dr. Vierzigmann=
Regensburg ſein Gutachten. Er beſtätigte, daß
Frau Tetzner keineswegs willenlos geweſen ſei.
Sie habe bei der Tat ihres Mannes mitgehol=
fen
. Er hält die Frau auch nicht für ſchwach=
ſinnig
, ſondern für intelligent. Der letzte Sach=
verſtändige
, Dr. Lackerbauer, Oberarzt, Regens=
burg
, führt in ſeinem Gutachten aus, daß er bei
Frau Tetzner nichts Krankhaftes feſtſtellen kann.
Alsdann hielt Staatsanwalt Dr. Hebauer
ſein Plädoyer. Er nannte den Fall beiſpiellos in
der Kriminalgeſchichte und ſchilderte die Ge=
ſchichte
des Verbrechens und deſſen Aufklärung
und ging dann auf die Perſönlichkeit der beiden
Angeklagten ein. Der Staatsanwalt betonte
dann noch beſonders, die aus der Verhandlung
ſich ergebenden Beweispunkte. Schließlich bean=
tragte
er folgende Strafen: Gegen Erich Tetzner
wegen eines verſuchten Mordes und eines voll=
endeten
Mordes in Tateinheit mit dem Ver=
brechen
eines Verſicherungsbetruges die Todes=
ſtrafe
und eine Zuchthausſtrafe von 12 Jahren,
ſowie die Aberkennung der Ehrenrechte auf
Lebensdauer.
Gegen Frau Tetzner wegen eines Verbrechens
zur Beihilfe zum Morde und Verſuches des Ver=
ſicherungsbetruges
zuſammen ſechs Jahre Zucht=
haus
und Aberkennung der bürgerlichen Ehren=
rechte
auf zehn Jahre. Nach dem Antrag des
Staatsanwalts brach die Frau Tetzners zuſam=
men
. Die Verhandlung wurde ausgeſetzt. Um
15 Uhr nachmittags begannen die Plädoyers
der Verteidiger.
In den Abendſtunden wurde von dem Schwur=
gericht
nach einſtündiger Beratung folgendes
Urkeil
gefällt:
Tetzner wird wegen Mordes in Tateinheit
mit Verſicherungsbetrug zum Tode, wegen
eines Mordverſuchs zu 12 Jahren Zuchthaus
verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte
werden ihm auf Lebensdauer aberkannt.
Fran Tetzner wird wegen Beihilfe zum
Mord in Tateinheit des Verbrechens des Ver=
ſicherungsbetrugs
zu vier Jahren Zuchthaus
und drei Jahren Ehrverluſt verurteilt. Die
Unterſuchungshaft wird angerechnet. Die
Koſten des Verfahrens werden den Verurteil=
ten
auferlegt.

Reich und Ausland.
Ein jugendlicher Räuber.
Frankfurt a. M. Hier wurde ein 18 Schreiner aus Neu=Iſenburg feſtge=, als er einer Dame, die ſich abends auf
dem Heimweg befand, die Handtaſche mit Ge=
walt
entriß. Der Täter, der mit der Taſche in
einen Hof flüchtete, konnte von Paſſanten ver=
folgt
und geſtellt werden.
Ein heldenmütiger Junge.
Niederzwehren. Ein zehnjähriger
Junge, der ſich auf eine dünne Eisdecke gewagt
hatte, brach ein und war in Gefahr, zu ertrinken,
als der ebenfalls zehnjährige Sohn Kurt des
Straßenbahnſchaffners Wüſt mutig an die Ein=
bruchſtelle
ſich begab und dem Verſunkenen aus
dem Eiſe heraushalf.
Rieſenſchmuggel im Aachener Gebiet.
Köln. Welchen Umfang der Schmuggel in
der Aachener Gegend angenommen hat, be=
leuchtet
ſchlaglichtartig folgende Tatſache: In
den letzten vier Wochen wurden allein von zwei
Beamten der Zollfahndungsſtelle Köln im
Aachener Bezirk 40 Schmuggler auf friſcher Tat
ertappt; ihnen wurden insgeſamt über 300 000
unverſteuerte Zigaretten und mehr als 1500
Päckchen unverſteuertes Zigarettenpapier, ſowie
Kaffee und Tabak abgenommen. Die Schmuggler
ſind ſämtlich Deutſche, in der Hauptſache Vor=
beſtrafte
; unter ihnen befindet ſich einer, der
rund 12 Jahre hinter Zuchthausmauern zuge=
bracht
hat. Wenn man berückſichtigt, daß es ſich
hier nur um einen kleinen Ausſchnitt aus dem
Schmuggelgebiet von Aachen bis Kaldenkirchen
handelt, und nur um einen kleinen Perſonen=
kreis
aus dem großen Beamtenkörper an der
langen deutſchen Grenze gegen Belgien und Hol=
land
, ſo kann man ſich ein Bild von dem ſchwe=
ren
Schaden machen, der dem Arbeitsmarkt und
dem deutſchen Steuerſäckel durch den berufs=
mäßigen
Schmuggel zugefügt wird.
Schwere Exploſion.
Vier Perſonen getötet.
Wittenberg (Bez. Halle). In einem
Patronenſchupen des Sprengſtoffwerkes Reins=
dorf
erfolgte geſtern vormittag bei Aufräu=
mungsarbeiten
eine Exploſion, bei der vier Per=
ſonen
ums Leben kamen und zwei weitere Per=
ſonen
verletzt wurden. Die Toten ſind der Werk=
meiſter
, ein Schloſſer und zwei Arbeiter. Die
Urſache der Exploſion konnte bisher nicht feſt=
Beſtellt werden; der Sachſchaden iſt nicht ſehr er=
heblich
.
Bor der Verwirklichung
eines Weltflugplans für Zeppeline?

Jerome C. Hunsaker,
der amerikaniſche Manager der Internationalen
Zeppelin=Geſellſchaft, hat der Handelskommiſſion
in Waſhington den Entwurf zu einem Weltflug=
plan
unterbreitet. Europa, Amerika und Aſien
hllen in regelmäßigem Flugdienſt einander
nähergebracht werden

Elli Beinhorn auf dem Rückfluge von Afrika.
Berlin. Die Afrikafliegerin Elli Bein=
horn
iſt nach Beendigung der wiſſenſchaftlichen
Expedition Ende voriger Woche mit ihrem
Klemmflugzeug von Biſſao nach Cayenne in
Franzöſiſch=Senegal geſtartet. Sie bewältigte
die über 600 Kilometer lange Strecke, die zum
großen Teil über Urwälder führte, in knapp
fünf Stunden. Am Montag ſetzte ſie ihren Flug
nach Bammako fort, wo ſie am Nachmittag ein=
traf
. Elli Beinhorn befindet ſich damit bereits
über 1000 Kilometer im Innern Afrikas. Sie
will im Laufe des Mittwochs Timbuktu er=
reichen
, von wo ſie dann den Flug über die
Sahara antreten wird.
Start des Do. S nach Friedrichshafen.
Amſterdam. Einer Meldung aus Dord=
recht
zufolge iſt das deutſche Flugboot Do. S‟
von ſeinem Ankerplatz auf der Alten Maas bei
Dordrecht geſtern zum Weiterflug nach Fried=
richshafen
glatt geſtartet. Dem Abflug wohn=
ten
u. a. Vertreter der holländiſchen Lizenz=
fabrik
der Dornierwerke und die Bürgermeiſter
der Städte Do=drecht und Papendrecht bei.

Abſchaffung der Straßenbenutzungsgebühren
in Tirol.
Innsbruck. Es ſteht nunmehr feſt, daß
mit dem 1. Mai d. J. alle Gebühren für die Be=
nutzung
von Landſtraßen, die ſogenannten
Straßenmauten in Tirol, 56 an der Zahl, auf=
gelaſſen
werden. Die Landesregierung hat für
die Abfindung der durch die Auflaſſung betrof=
fen
Gebühreneinnehmer 800 000 Schilling an=
geſetzt
. Die Auflaſſung der Mauten, die eine
ſchwere Behinderung des Straßenverkehrs waren,
wird von den fremden Verkehrsintereſſenten
freudig begrüßt.
Sturm im Schwarzen Meer.
Moskau Nach einem Bericht der Tele=
graphen
=Agentur der Sowjetunion aus Sebaſto=
pol
wütet über dem Schwarzen Meer ein
ſchwerer Sturm. Am Dienstag wurde Wind=
ſtärke
11 gemeſſen. Mehrere Schiffe wurden vom
Anker geriſſen und treiben im offenen Meer.
Drei Dampfer befinden ſich in ſinkendem Zu=
ſtand
. Man fürchtet um das Schickſal der Be=
ſatzung
und der Paſſagiere, da der Sturm die
Rettung unmöglich macht.

Ungeheure Schneeverwehungen
in Polen.
Schlittengeſpanne landen auf den Hausdächern.
Warſchau. Wie aus der Gegend ron
Wilna gemeldet wird, haben die ſtarken Schnee=
fälle
der letzten Tage Schneeverwehungen ver=
urſacht
, wie ſie ſeit Jahrzehnten nicht zeobachtet
wurden. Mehrere Dörfer ſind von der lußen=
welt
völlig abgeſchnitten. Bei Smorgon reicht
der Schnee bis an die Häuſergiebel. In manchen
Orten ſoll es vorgekommen ſein, daß Schlitten=
geſpanne
auf die Dächer und Kamine der vom
Schnee bedeckten Häuſer aufgefahren ſind.

Neue Erdſtöße in Südſerbien.
Belgrad. Vorgeſtern abend, kurz nach
7 Uhr, verſpürte man in Ghevgeli, dem Zentrum
des kataſtrophalen Erdbebens, das Südſerbien in
der pergangenen Woche heimſuchte, ein neues,
heftiges Beben. Viele Bewohner hatten ſich be=
reits
wegen des kalten, regneriſchen Wetters in
ihre Wohnungen zurückgewagt, um dort die
Nacht zu verbringen. Sie flüchteten in großer
Panik wieder ins Freie. Auch in zahlreichen an=
deren
Orten des Erdbebengebietes wurde das
Beben verſpürt.
Udet am Ober=Nil vermißt und aufgefunden.
Nairobi. Der deutſche Flieger Udet, der
ſich gegenwärtig auf einem Flug von Tangan=
jika
nach Europa befindet, war ſeit einigen Ta=
gen
vermißt, ſo daß man ernſtliche Beſorgniſſe
wegen ſeines Schickſals hegte. Dem engliſchen
Flieger=Hauptmann Plack iſt es nunmehr ge=
lungen
, den deutſchen Flieger auf einer unbe=
wohnten
Inſel im Flußgebiet des Weißen 9.ils
zu entdecken. Mit großer Mühe gelang es Black,
neben Udets Flugzeug zu landen Er gab dem
deutſchen Flieger, der ſich in ziemlich er)e
Zuſtand befand, Biskuit, Zigaretten und Woſ=
ſer
und ſtieg dann wieder auf, um den in Khar=
tum
ſtationierten Flugzeugen der engliſchen
Luftſtreitkräfte die genaue Poſition Udets anzu=
geben
. Udet hatte wegen Brennſtoff... ls in
dieſer unwirtlichen Gegend am oberen Nil nie=
dergehen
müſſen.

Die erſtie evangeliſche Kirche der Welt
wird Reformakionsdenkmal.

Das Innere der Torgauer Schloßkirche.
Die ſeit 20 Jahren unbenutzte Schloßkirche von
Torgau, die im Jahre 1544 nach den Angaben
Luthers als erſte evangeliſche Kirche Deutſch=
lands
erbaut wurde, ſoll jetzt als Reformations=
denkmal
hergerichtet werden. Für die Erneue=
rungsarbeiten
, an denen auch die ſtaatliche Denk=
malspflege
teilnehmen wird, haben die evan=
geliſchen
Kirchenbehörden Preußens bereits eincn
namhaften Betrag zur Verfügung geſtellt.

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Seite 16

Donnerstag, den 19. März 1931

Nummer 78

Eine Erinnerung aus den Tagen des öſterreichiſch=ungariſchen Ulkimakums an Serbien.

In Belgrad iſt dieſer Tage die Baroneſſe Ludmilla Hartwig
mit wahrhaft fürſtlichen Ehren zur letzten Ruhe begleitet wor=
den
. Der König ſelbſt ging hinter dem Sarg und ihm ſchloſſen
ſich die meiſten Mitglieder der Regierung und die Spitzen der
Behörden und der Geſellſchaft an. Die Dame war in Paris ge=
ſtorben
, aber ſie hatte in ihrem Teſtament verfügt, daß ihre
Leiche nach der jugoſlawiſchen Hauptſtadt gebracht und dort bei=
geſetzt
werde. In Belgrad hatte die Hartwig nämlich ihre
Jugend verlebt und dort liegt auch ihr Vater, der frühere ruſ=
ſiſche
Geſandte am ſerbiſchen Hof, begraben, der vor ſechzehn=
einhalb
Jahren eines plötzlichen Todes geſtorben iſt. Man
erinnert ſich noch an den Fall, der einmal ſo ungeheures Auf=
ſehen
erregte und die ganze Welt alarmierte, eine Welt, deren
Nerven zu der Zeit freilich ſchon zum Zerreißen angeſpannt
waren: Nikolaus Henrikovitſch Hartwig hatte ſich knapp vor der
Ueberreichung des Wiener Ultimatums an Serbien noch in ſpäter
Abendſtunde zu dem öſterreichiſch=ungariſchen Geſandten Baron
Gieſl von Gieslingen begeben, um von ihm Aufklärungen über
die geplanten Schritte der Donaumonarchie zu erbitten. Er
wollte doch noch in der gleichen Nacht nach Petersburg berichten
und die Dringlichkeit ſolcher Arbeit rechtfertigte die ungewöhn=
liche
Beſuchszeit. Und Baron Gieſl wieder, der erſt ein paar
Stunden vorher aus Wien zurückgekehrt war, konnte nicht un=
höflich
ſein. So geleitete er den Gaſt in ſein Arbeitszimmer,
aber die Unterredung der beiden Diplomaten, der kein Dritter
beiwohnte, dauerte nur wenige Minuten. Sie war kaum in
Gaug gekommen, als Hartwig plötzlich in ſeinen. Stuhl zurück=
ſank
und nach wenigen Sekunden verſchied. Ein Herzſchlag
hatte ſeinem Leben ein Ende geſetzt.
Hartwig war als der Vertreter Rußlands und als beſon=
derer
Vertrauensmann des Zaren in Serbien ungeheuer populär
geweſen und man empfand ſeinen plötzlichen Tod gerade in
dieſen Tagen als unerfetzlichen Verluſt. Wie dann das Gerücht
entſtanden iſt, wird ſich wohl mit Sicherheit kaum jemals feſt=
ſtellen
laſſen. Schon am nächſten Morgen ſprach ganz Belgrad
davon, daß Hartwig einem heimtückiſchen Anſchlag zum Opfer
gefallen ſei, und die Zeitungen bezeichneten ganz offen den
Baron Gieſl als den Mörder. Man hatte die Partezetteln, wie
es dort üblich iſt, an allen Straßenecken plakatiert und darunter
ſtand in balkendicken Lettern: Geſtorben in der öſterreichiſch=
ungariſchen
Geſandtſchaft. Sapienti sat. Das war doch deut=
lich
genug, und es gab Niemanden, der noch gezweifelt hätte.
Der Streit ging nur darum, ob etwa der ſchwarze Kaffee ver=
giftet
geweſen ſei, den Hartwig getrunken hätte, oder ob der
Lehnſeſſel mit der elektriſchen Starkſtromleitung verbunden war.
Wie ſehr der geheimnisvolle Tod des ruſſiſchen Geſandten die
damalige Stimmung in Serbien beeinflußt haben mag, läßt ſich
natürlich nicht abwägen, und es iſt auch müßig, auszudenken, daß
vielleicht manches anders gekommen wäre, wenn der ungeheure
Haß gegen die Habsburger Monarchie in jenen Tagen nicht auch
noch durch dieſes Ereignis Nahrung gefunden hätte. Der öſter=
reichiſch
=ungariſche Geſandte als der von ſeiner Regierung be=
ſtellte
Mörder des treueſten Freundes Serbiens, die Mei=
nung
trug jedenfalls das ihrige dazu bei, um die Bevölkerung
von der Notwendigkeit der endlichen Abrechnung mit dem
Exbfeind zu überzeugen und die amtlichen Stellen haben dann
zumindeſt nichts getan, um den Gerüchten über die Ermordung
Hartwigs entgegenzutreten.
Baron Gieſl erzählt übrigens in ſeinen Erinnerungen, daß
Hartwig bei ſeinem Beſuch ſowohl den angebsienen Kafſee als.
auch die Zigaretten abgelehnt hatte. Kaſfee liebte er nicht und

Zigaretten rauchte er immer nur ſeine eigenen, die er aus Ruß=
land
bezog. Und Gieſl deutet auch an, bei wem zuerſt der
unſinnige Argwohn entſtanden war, Hartwig könnte einem Ver=
brechen
zum Opfer gefallen ſein. Man hatte von ſeinem
plötzlichen Tod natürlich ſofort die ruſſiſche Geſandtſchaft ver=
ſtändigt
und ſchon wenige Minuten ſpäter ſtand Fräulein Lud=
milla
Hartwig in Begleitung des Legationsſekretärs Strand=
mann
vor der Leiche ihres Vaters. Aber die beiden hatten
nicht viel Zeit für den Toten. Sie unterſuchten zuerſt alles,
was im Zimmer umherlag, ſie rochen an dem Kölnerwaſſer,
mit dem man die Schläfen des Sterbenden benetzt hatte und ſie
nahmen, als ſie den ganzen Raum durchſtöberten, ſogar die
Zigarettenreſte an ſich und ſtellten immer wieder die Frage,
ob nicht Hartwig während des Beſuches etwas zu ſich genom=
men
habe ..
Der Tod der Baroneſſe Ludmilla Hartwig gibt nun der Bel=
grader
Preſſe den Anlaß, das tragiſche Ende ihres Vaters in
Erinnerung zu rufen. Sie läßt aber auch den damaligen ruſ=
ſiſchen
Legationsſekretär Waſſili Nikolajewitſch Strandmann, der
ſpäter ſelbſt kurze Zeit hindurch Geſandter des Zarenreiches
war, zu Worte kommen, und Strandmann zerſtört jetzt reich=
lich
ſpät wohl endgültig die Legende von der angeblichen
Ermordung Hartwigs in der öſterreichiſch=ungariſchen Geſandt=
ſchaft
. Strandmann erzählt zuerſt, daß ſein Chef damals nur
deshalb, die nächtliche Unterredung mit Gieſl gewünſcht habe,
um dem aus Wien zurückgekehrten Vertreter der Habsburger
Monarchie auf die heftigen Angriffe der Wiener und der Buda=
peſter
Bkätter gegen Rußland und gegen ſeine eigene Perſon
zu verweiſen. Hartwig zweifelte auch keinen Augenblick daran,
daß es ihm bei dieſer Gelegenheit gelingen werde, den ſinnloſen
Gerüchten und Kommentaren, die an das Sarajevoer Attentat
geknüpft worden waren, ein Ende zu bereiten. Strandmann
berichtet dann, wie ihm Baron Gieſl von dem Tode Hartwigs
Mitteilung machte. Die Unterredung, ſagte Gieſl, ſei im freund=
ſchaftlichſten
Tone verlaufen und nach Erledigung der diploma=
tiſchen
Fragen kam man auf Hartwigs Urlaub zu ſprechen.
Hartwig antwortete, er wolle im Bad Nauheim Heilung ſuchen,
aber plötzlich verſtummte er und fiel in ſein Fauteuil zurück
mit den Worten: Ich glaube, jetzt iſt’s zu Ende.
Strandmann erzählt weiter: Gleichzeitig zeigte mir Baron
Giefl die Zigarettendoſe Hartwigs mit dem Bemerken, der
Verſtorbene hätte nur ſeine eigenen Zigaretten geraucht, auch
habe er den ihm angebotenen Kaffee abgelehnt. In der Er=
regung
des Augenblicks verſtand ich den Sinn der Worte Gieſls
nicht ganz recht. Im Zimmer nebenan lag halb entkleidet
Hartwig, an ſeinem Lager die Tochter Ludmilla und die Baronin
Gieſl. Die beiden Damen bemühten ſich mit dem Arzt vergeb=
lich
, Hartwig wieder zum Bewußtſein zu bringen. Die Nach=
richt
von dem Tode des ruſſiſchen Geſandten, des Lieblings aller
Serben, verbreitete ſich trotz der vorgerückten Stunde mit Blitzes=
ſchnelle
in der ganzen Hauptſtadt. Noch in der Nacht er=
ſchienen
zahlreiche Verehrer und Bekannte des Geſandten im
Geſandtſchaftsgebäude, um ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen,
gleichzeitig aber auch die feſte Ueberzeugung auszudrücken, daß
der ruſſiſche Geſandte im Gebäude der öſterreichiſch=ungariſchen
Geſandtſchaft ermordet bzw. vergiftet wurde. Die Legende von
dem unnatürlichen Tod Hartwigs gewann an Glaubwürdigkeit
in allen Kreiſen trotz des unwiderleglichen Beweifes, daß der
Tod’ infolge inneren Bluterguſſes eingetreten war. Strand=
mann
fügt bezeichnenderweiſe bei, ſie lebt noch heute fort.

Er zitiert dann noch einen an ihn gerichteten Brief der
Tochter Hartwigs, in dem gleichfalls davon die Rede iſt, daß
Baron Gieſl ihr eine Zigarette mit den Worten gezeigt habe:
Sehen Sie, das iſt die Zigarette, die er geraucht hatte, es war
ſeine eigene. Bezeichnenderweiſe heißt es in dieſem Brief dann:
Ich ſah ohne Intereſſe vor mich hin, es wäre auch ſonderbar
geweſen, ſich in einem Moment, der dem Menſchen ins Genick
ſchlägt, in gewiſſe politiſche Verdächtigungen einzulaſſen. Das
kommt alles erſt ſpäter.
Daß dieſe Verdächtigungen gekommen ſind und daß mon
ſie reichlich ausgenützt hat, um in dieſen Tagen die kriegeriſche
Stimmung in Serbien gegen Oeſterreich=Ungarn zu nähren, iſt
bekannt. Nicht bekannt aber iſt, daß man ſchon damals mit
einer jeden Zweifel ausſchließenden Sicherheit gewußt hat, daß
die Gerüchte von einer Ermordung des ruſſiſchen Geſandten
durchaus erfunden ſind und jeder Berechtigung entbehren. Aber
man hat nichts getan, um dieſe Gerüchte zu zerſtreuen ſondern
man hat ſie im Gegenteil noch auf alle mögliche Weiſe uuter=
ſtrichen
und man iſt ihnen nicht entgegengetreten, weil man ſie
für die Stimmung im Lande gebraucht hat. Der plötzliche Tod
Hartwigs war ſo jenen Kreiſen in Serbien ſehr erwünſcht ge=
kommen
, die auf den Krieg hinarbeiteten.
Richard Wilh. Polifka.

Frankfurt a. M.
Donnerstag, 19. März.
9.00: Hamburg: Auf einer Schiffswerft.
15.20: Stunde der Jugend.
16.30: Volkslieder der Nationen. Mitw.: Sänger der Spielſchar des
Nerother Bundes, Rhein. Jugendburg. Alte Tanzmuſik. Mitw.s
Rundfunkorcheſter.
18.10: Zeitfragen.
18.30: Prof. Dr. H. v. Eckardt: Stalin.
19.00: Berlin: Sven Hedin: Forſchungsergebniſſe meiner letzten
Oſtaſien=Expedition.
19.30: Poſtaſſeſor Dipl.=Ing. Keßler: Der gegenwärtige Stand der
Fernſeh=Technik.
19.45: Opern=Konzert des Rundfunk=Orcheſters. Soliſt: J. Schmidt
(Tenor).
21.15: Drei Grotesken.
21.45: Violinkonzert. Mitw.: H. Marteau (Violfne), O. Seyfert
(Klavier).
22.50: Tanzmuſik der Kapelle Haas=Mahagonny.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle: Donnerstag, 19. März=
15.00: Kinderſtunde. Kunterbunt. Frühl ing kommt.
15.45: Epa Lindner: Hausfrau und Handwerk.
16.00 Oberſchulrat Dr. Carl Fiſcher: Praktiſche Beiſpiele aus dem
Bildungsplan der Aufbauklaſſen.
16.30: Berlin: Nachmittagskonzert.
17.30: Prof. Dr. H. Mersmann: Hausmuſik.
18.00: Prof. Dr. Fr. Metz: Deutſches Land und Volk in Südtirol=
18.30: Prof. Dr. Atzler: Arbeitsphyſiologie und Lebenserfolg.
19.00: Stockholm: Spen Hedin: Die Ergebniſſe meiner letzten Oſt=
aſien
=Expedition.
19.30: Prof. Dr. Schmidt: Erzeug. marktgängig. Ware b. Schweinen.
2,00: Karten, Klatſch und Kaffeeſatz ein Singſpiel von G. Stos=
kon
, und 2. Seifert: Muſik von Heinz Fritſche.
21.00: Sinfonie=Konzert. Orcheſter des Weſtdeutſchen Rundfunks,
ca. 22.15: Tanz=Muſik der Kapelle Marek Weber.

Hauptſchriftleitung. Rudolf Maupe
Veranwortlich für Pollik und Wirtſchaft: Rudolf Maupe: für Feullleion, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport. Karl Böhmann;
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch: für den Schlußdienſf: Andreas Bauer; für
Die Gegenwart, Tagesſplegel in Bild und Wort. Dr. Herbert Neite:
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mittellungen: Willy Kuble:
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Strümpfe.

Spritzschutz-Absatz
D. R. Patent

deder gute Schuhmacher und Händler führt ihn.

Die heutige Nummer hat 18 Geiten

Mnsif Wk

ist schon seit Jahrlausenden dem Joponer das Zeichen der Reinlichke
Ein weißer Schwan ist durch das Haus geflogen, so sagen sie. D
bedeulel: das Haus isl rein und blilzblank, die Wäsche ist saube
Kleider und Menschen sind wohlgepulzt und alles ist zu frohem Fes
bereit.
Und so ist der weiße Schwan als Zeichen der Reinheil und Reinlichke
auch zum Kennzeichen für alle Thompson-Fabrikale geworden. W
Thompson’s Schwan hinkommt, verschwindet aller Schmutz. Do gibt
schneeweiße Wäsche, da ist blifzsouber das Haus.
Schwan im Haus, Schmutz heraus, das ist die Bedeutung unser
Marke Schwan. Alle Schwan-Erzeugnisse sind von vorzüglicher Qug
tät und höchster Reinigungskroft, dobei außerordentlich milde und vo
kommen unschädlich.
Drum jede Haustrau mög benutzen die vier zum Waschen, Bleichen, Putze
sie führen steis die Marke Schwen, wie hier im Bild ist kundgeta

Draßtgeflechte aller Art.
Karl Brückner, Drahtgeflechtefabrik
Darmstadt, Holzstr. (1781a

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B

[ ][  ][ ]

Nummer 78

Donnerstag, der 19. März 1931

Seite 17

Unnatangsandastisn

13)
Ein Roman von
Copyright by Noviſſima Verlag G. m. b.
Daun iſt es alſo richtig, was man mir geſagt hat: Sie ſind
dazu angeſtellt, dem Verbrechen und den Verbrechern nachzu=
ſpüren
?"
Wiederum bejahte der Deutſche, aber in ſein Lächeln miſchte
ſich cin geſpanntes Aufhorchen.
Dann ſind Sie alſo auf dieſem Schiff, um jemandem
aufzupaſſen?
Ich reiſe zu einem fachwiſſenſchaftkichen Kongreß nach
Boſton.
Iſt das ſo? Aber wenn Sie nun zufällig erführen,
daß auf dieſem Schiff ein Verbrecher iſt, der von der Polizei
geſucht wird würden Sie ſich dann verpfkichtet fühlen ihn
aufzuſtöhern?"
Herr Grunelius brauchte einige Sekunden, um ſich von ſeiner
Verblüffung zu erholen.
Mein Herr, ich bin nicht hier in dienſtlicher Eigenſchaft.
Streng genommen habe ich nicht einmal das Recht, hier eine
quasi dienſtliche Tätigkeit auszuüben. Als Staatsbürger
würde ich mich natürlich verpflichtet fühlen, die Tätigkeit der
Organe einer Behörde, deren ſämtliche Zweige einem großen,
einheitlichen Zweckgedanken dienen, nach Kräften zu fördern
auch auf dieſem ſchwimmenden Stück Deutſchland, wie ich es
innerhalb der Grenzen meines Vaterlandes tun würde, wenn
vie Gelegenheit ſich mir aufdrängte.
Danke Ihnen, ſagte der Amerikaner. Wandte ſich zum
Gehen, formlos, wie er gekommen.
Der Deutſche fragte energiſch: Bitte um Ihre Verzeihung,
mein Herr. Darf ich nun auch mal Ihnen eine Frage ſtellen?
Was veranlaßt Sie, dieſe Erkundigungen bei mir einzuziehen?"
Der Amerikaner lächelte, halb verlegen, halb verſchmitzt.
Nehmen Sie an, mein Herr, ich hätte durch Zufall in Erfah=
rung
gebracht, daß hier auf dem Schiff ſo ein Kerl iſt, der irgend
was auf dem Kerbholz hat alſo ſagen wir mal, ein Milliön=
chen
geklaut. Nehmen Sie mal an, es macht mir Spaß, den
Burſchen zu ermitteln. Das iſt doch nicht verboten in Deutſch=
land
, wie? Ihre Behörde hat doch kein Monopol, wie?"
Durchaus nicht, erwiderte der Staatsanwalt. Aber nun
muß ich ein wenig ernſthaft werden, mein Herr. Wie kommen
Sie auf dieſen ſeltſamen Einfall?
Das Lächeln um das mächtige Kinn des Mannes von drüben
wurde immer verſchmitzter. Ich werde doch nicht ſo dumm
ſein, Ihnen meine Tips auszuliefern! (o along, old fellom
R Aiin"
Weg war er. Der Staatsanwalt fühlte etwas wie ge=
ſträubte
Haaxe und kalten Schweiß. Waren etwa noch andere
Radio=Apparate an Bord tätig geweſen als jener, von dem
der Miniſterialrat berichtet hatte?
Jetzt erwachte auch in dem Staatsanwalt neben dem jahr=
zehntelangen
Berufstraining ein viel älteres, aus Ur= und
Vorzeiten unſeres Geſchlechts ſtammendes Gefühl die Luſt an
der Verfolgung der Jagdtrieb, der jedem Lebeweſen im Blute
liegt.
Frau Ellen hatte die Nacht zum größten Teil, dank dem
wohltätigen Einfluß der Seeluft und Entſpannung von aller
Not, geſund und feſt durchgeſchlafen. Bis auf eine wache Stunde
voll ſtürmender Gedanken.
Sie ſpürte in allen Nerven: der fremde Mann, den der Zu=
fall
an ihre Seite gebannt, begann über ſie Macht zu gewinnen.
Eine Frau, in deren Seele eine Hochſpannung wirkt, ſtark gonug,
um ſich mit Sekundenſchnelle auf tauſend lauſchende Hirne und
Herzen zu übertragen eine ſolche kraftüberladene Natur lebt

(Nachdruck verboten.)
nicht ungeſtraft ſeit zwei Jahren fern von jedem Anteil am hol=
deſten
und gewaltigſten Erlebnis der Kreatur.
Wer iſt dieſer Baron? Was weiß ſie von ihm? Nichts?, als
daß er gut, ſehr gut ausſieht und ſehr gut zu reden weiß über
Dinge, die ihrem Herzen teuerſte Heiligtümer ſind. Sonſt
nichts.
Er ſpricht von der Kunſt, dem Theater, der Oper. Er be=
herrſcht
tauſend Einzelheiten, die nur ein Menſch wiſſen kann, der
auf einer den Durchſchnitt weit überragenden Höhe der Geiſtig=
keit
ſeiner Epoche ſteht. Er läßt gelegentlich ganz zart durch=
klingen
, daß er um die Umriſſe ihres eigenen tragiſchen Privat=
ſchickſals
weiß , aber er fragt nicht.
Erzählt auch nicht. Außer daß er an faſt allen großen Schau=
plätzen
europäiſchen Kunſtlebens geweilt, geſchaut, genoſſen hat.
Führt er ein Privatleben? Er gibt es nicht preis nicht ein
Zipfelchen. Er trägt keinen Ehering. Aber aus ſeinem ganzen
Weſen ſpricht das Wiſſen um die Frau. Ein ſehr tiefes Wiſſen
das auf Talent und Erfahrung ſchließen läßt. Hier liegt Ge=
heimnis
lockendes Geheimnis. Für eine glückentwöhnte Seele
auch Gefahr.
Frau Ellen will nicht will nicht!!! Nein, nein! nein!!!
knirſcht ihre ſchmerzgewarnte Vernunft. In der Tiefe klagt und
höhnt eine andere Stimme: du mußt, mußt, mußt!!! Ja, ja! ja!
Aus dieſem Widereinander hatte ſich in jener zwiſchen Wachen
und Traum hingequälten Stunde ein Entſchluß herauskriſtalliſiert.
Ich werde ihn ergründen. Ich muß wiſſen, wer er iſt.
Zur Verwirklichung dieſes Vorfatzes eignet ſich nicht die
Läſterallee des Promenadendecks längs der aufgereihten Liege=
ſtühle
und ihrer ausgeruhten, gelangweilten, abwechſlungsbedürf=
tigen
Inſaſſen. Denen mag Stoff liefern, wem’s Spaß macht.
Steward! bringen Sie mir meinen Liegeſtuhl aufs Boots=
deck
. Ich erwarte Sie dort und weiſe Ihnen den Platz an.
Bald liegt Frau Ellen an derſelben Stelle, auf der ſie geſtern
abend das Spiel der Mondſtrahlen und der Wellenkämme genoß
neben dem fremden Herrn, der ſo ſeltſam vertraute Dinge zu
ſagen weiß. Selbſtverſtändlich, daß ſie nicht lange allein bleibt.
Ich habe Ahnungen! lacht der Baron. Ihr Stuhl fehlte
unten da wußte ich, wo ich Sie finden würde. Darf ich?
Schon ſaß er ihr gegenüber, eng in den Winkel der Kanzel,
geklemmt.
So wenden Sie ja dem Meere den Rücken zu.
Aber Ihnen nicht. Sie ſind ein Stück Meer. So unendlich
und ſo ruhelos. Alſo das Thema Ellen Winterfeldt iſt er=
ſchöpft
, Baron verſtanden? Erzählen Sie mir von ſich.
Des Barons Züge verwelkten, verſteinerten, wurden undurch=
dringlich
. Von mir? Ein mecklenburgiſcher Edelmann, deſſen
Vermögen der Zuſammenbruch verſchlungen hat bis auf einen
kärglichen Reſt, mit dem man ſich gerade übers große Waſſer
ſchleppen kann was iſt von dem zu erzählen? Unintereſſantes,
unausgiebiges Thema.
Gut wenn er bockt, bocke ich auch, dachte Ellen.
Der Vielgewandte mußte einen dunklen Augenblick innerer
Hemmungen überwinden. Wiſſen Sie ſchon, gnädige Frau, wo
Sie in New York Quartier nehmen werden?
Ellen mußte lachen. Eine geſcheitere Frage ſcheint Ihnen
gerade nicht einzufallen. Alſo, obwohl auch die ſich mit dem für
heute verpönten Thema meiner Perſon beſchäftigt ich weiß es
wirklich nicht. Mein deütſcher Agent hat mich ſeinem amerikani=
ſchen
Vertreter in die Hand gedrückt. Der wird mich managen,
Ich habe mich um nichts zu kümmern.

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So oder ſo ſagte der Baron mit ſeltſam düſterem Ge=
ſicht
, unſere Wege trennen ſich da drüben ja doch. Sie gehen ins
Licht ich ins Dunkel. Er ſah bitter und verfallen aus.
Irgend etwas Banges, Wehes in Ellens Seele war aufgeſtört.
Lieber Baron ich dränge mich nicht in Ihre Seele ſo
wenig wie Sie ſich in meine gedrängt haben. Aber wenn Sie
ſchweigen wollen, ſchweigen Sie ganz. Halbheiten ſind mir zu=
wider
in der Kunſt, im Leben. Lauſchen und Warten ...
Verzeihen Sie, gnädige Frau. Es ſoll nicht wieder vor=
kommen
! Klapp! macht das Viſier. Der Ritterhelm war wie=
der
geſchloſſen.
Alſo, reden wir vom Wetter, ſagte Ellen. Der Seegang
hat noch weiter nachgelaſſen finden Sie nicht?
Staatsanwalt Grunelius erlebte heute noch eine dritte Ueber=,
raſchung.
Er ſah ſich auf der ſonnenabgewandten und deshalb liege=
ſtuhlfreien
Seite des Promenadendecks von einem jener Herren
angeſprochen, die er im Bunde mit dem Miniſterialrat in die
Sphäre ſeiner Beobachtung aufgenommen hatte. Der junge Herr
vom Kapitänstiſch.
Geſtatten Theodor Stephany, Schauſpieler aus Berlin.
Grunelius. Sie ſind Juriſt, nicht wahr? Verzeihen Sie
einem Laien, wenn er ſich mit der Bitte um einen Rat an Sie
wendet bei einem Anwalt würde man das Konſultation
ſchinden nennen, nicht wahr? Bitte gern zu Ihrer Ver=
fügung
.
Was ich wiſſen möchte, Herr Staatsanwalt das ſind Sie
doch, nicht wahr? iſt dies: es gibt im Berufsleben eines
Schauſpielers Momente, in denen man vor die unangenehme
Wahl geſtellt wird, ob man ſich ein großes, ungeheuer vorteilhaf=
tes
Angebot entgehen laſſen ſoll, weil man über ſeine Schaffens=
kraft
bereits anderweitig verfügt hat oder ob man
kontraktbrüchig werden ſoll, wollen Sie ſagen."
Ein häßliches Wort, das unſereinem nicht gern über die
Zunge will. Ich bin bei Reinhardt erſtens noch über die kom=
mende
Winterſaiſon verpflichtet. Zweitens habe ich mich von ihm
für die Münchener Feſtſpiele anheuern laſſen, die im Auguſt ſtar=
ten
. Nun habe ich, neben meinen ſchauſpieleriſchen Erfolgen, die
Ihnen bekannt ſein dürften Selbſtverſtändlich! beſtätigte
Herr Grunelius. Er hate keine Ahnung, im vergangenen Win=
ter
auch ein paar derartig ſenſationelle Filmrollen hingelegt, daß
die Standard=Film mich nach Hollywood holen wollte mit
einem geradezu phantaſtiſchen Angebot. Reinhardt hielt mich feſt
da bin ich ihm auf der Chicago durch die Lappen gegangen.
Das war nicht ſchön von Ihnen, ſagte Grunelius. Ihr
Vertrag enthält für dieſen Fall natürlich die Stipulation einer
Konventionalſtrafe. Leider Gottes alle beide je hundert=
tauſend
Mark! Menge Geld, brummte der Staatsanwalt. Tja
die können Sie von Ihrem amerikaniſchen Filmhonorar ab=
ſchreiben
.
Das war es, was ich Sie fragen wollte. Erſt müßte er mich
doch haben der Reinhardt.
Das dürfte ein Leichtes ſein. Ich bin als Kriminaliſt auf
dem bürgerlich=rechtlichen Gebiet nicht bombenſicher beſchlagen ,
aber daß ein Deutſcher gegen einen Deutſchen, der ſich ihm gegen=
über
zivilrechtlich verantwortlich gemacht hat, durch Inanſpruch=
nahme
der amerikaniſchen Gerichte vorgehen kann das ſteht
außer jedem Zweifel.
Der Schauſpieler ſchüttelte den braunumlockten Kopf. Alſo
angenommen den ſchlimmſten Fall: Reinhardt hätte herausbe=
kommen
, daß ich den vierzehntägigen Urlaub, den er mir bewil=
ligt
hat, auf der Flucht an Bord der Chicago zubringe was
kann er mir ſchon machen?
Ich kenne die amerikaniſchen Zivilgeſetze nicht. Aber es iſt
mit hoher Wahrſcheinlichkeit anzunehmen, daß ſie ganz ähnliche,
Beſtimmungen enthalten wie die deutſchen. Demnach könnte Ihr
Arbeitgeber gegen Sie auch in Amerika den dinglichen und perſön=
lichen
Sicherheitsarreſt erwirken.
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hübsche Mädchen bilden das En-
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Justigen u. pointierten Situationen
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Der amüsante Stoff
erzählt d.Abentener einer Königin.
die inkognito an die Riviera ge-
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ist, mit einem unbekannten
Lebemann aus Paris. (V.42945
Dazu das zute Beiprogramm
Beginn 3.45. 6.00 und 8 20

Nummer 78

Donnerstag, den 19. März 1931

Man hat uns bestürmt

Bis aut weiteres

man hat uns gebeten, telefonisch und
brieflich und mündlich diesen ent-
zückenden
Film doch unbedingt noch
auf dem Spielplan zu belassen, denn s0
eine brillant gespielte Posse kommt
nicht gleich wieder!
Wir haben deshalb
um tausend Wünschen zu entsprechen
Bo Pirrdfrsckreraiß

mit
Renate Müller
Hermann Thimig
Felix Bressart
Ludwig Stössel
noch heute aufdem
Spielplan belassen.
Das ist ein Lust-
spielschlager
wie
er sein soll.
Heule
unwiderruflich

leidter Tag!

Beginn3 45. 6 u. 8.20 Uhr

Dazn:
Das gute
Beiprogramm

Das ausgezeichnete Doppelprogramm
Ken Maynard, der verwegene
Cowboyheld in dem neuen
Wildwest-Abenteuer
Den
Anscklag auf
den Depeschen-
Reiten
Regie: Ken Maynard.
Ein Film der Abenteuer u Sensationen.
Toller Uebermut u. fabelhafte Reiter-
kunststücke
lassen die Ereigniss
gleichsam miterleben.
Im II. Teil:
Laura La Plante und Tosel
Schildkraut in dem Großfilm:
SHONBOAT
(Das Komödiantenschitt)
Nach dem weltbekannten Roman
von Edna Ferber
Regie: Harry Pollard.
Der Film zeigt das Leben einer
Theatertruppe auf einem Theaterschife
Schitfbruch im Gewittersturm auf
dem Mississippi Ein Tra ennen.
wie es noch nie aufgenomien wurde.
Die Spielhöllen von Chikago.
Beginn: 3.30, 5.45 und 8.15 Uhr.

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ſtellvertretender Vorſitzender des Stadtverbandes für Hand=
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ſpricht am Freitag, den 20. März 1931, abends 8.15
in der Woogsturnhaße über das Thema:
Das Handwerk ruft zur Tat!

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Dienstag, den 24. März, 4 Uhr,
im Gartenſaal des Saalbaus.
Tagesordnung:
1. Jahresbericht.
2. Rechnungsablage,
3. Wahlen
Bericht über die Verſuchsſtelle in Leipzig
Fräulein Tilla de Weerth. Anſchließend
Ausſtellung von Gegenſtänden, die den
Sonnenſtempel der Verſuchsſtelle des
(4295
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Freitag 20. März, 20½ Uhr, im Saal
Städt. Akad. f. Tonkunſt, Eli abethenſt.
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Kakao st. entölt . . ½ Pfund
Zucker fein . . . 1¼ Pfund
Würfelzucker . . 1 Pfund
Mischobst
1 Pfund
Pflaumen
* Pfund
Malzkaffee . . . 1½ Pund
Auszugsmehl . 1½ Pfund

Calif. Sultaninen 1 Pfund

AK
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409
409
409
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40
409
40
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Blockschokolade 2 Tafeln 409
Vollmilch Nus . . 2 Tafeln 40
Cremebruch . . . 1½, Pfund 40
Milchkaramellen ½, Pfund 40
Gef. Schokoladeplätzchen
½ Pfund 40
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Oster-Eier.

DemokratiſcheVereinigung
Mitglieder=Verſammlung
am Donnerstag, 19. ds., abends
8½/, Uhr, im Odenwald=Zimmer der
Krone‟.
Tagesordnung:
1. Weshalb demokratiſche Vereinigung?
Referat des Landtagsabg. Reiber.
2. Ausſprache.
3. Statutenberatung.
4. Verſchiedenes.
Gäſte willkommen.
Der Vorſtand.

Morgen Freitag
den 20. März 1931,
akends 8 Uhr.
Eintritt frei. (v773) Eintritt frei.