Gnzelnummer 10 Mennige
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Morgenzeitang der Landeshauptſtadt
Wöchentliche iAuftrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit 4 verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 57
Donnerstag, den 26. Februar 1931. 194. Jahrgang
27 mm breiie Zelle im Kreiſe Darmſtadi 25 Reichspfg.
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41 Dollar — 4.20 Markl. — Im Falle höherer
Gewalt wie Krieg, Aufruhr, Strelk uſw., erliſcht
ſede Verpſlichtung auf Erfüllung der
Anzelgen=
aufträge und Teiſtung von Schadenerſatz. Bel
Konkurs oder gerſchticher Belirelbung fällt ſeder
Nabatt weg. Banſkonto Deutſche Bank und
Darm=
ſtädter und Nationalbant.
Närzt
Die parlamentariſchen Ausſichten des Agrarprogramms.
Die deukſchnakionalen abſeits. — Die Sozialdemokrakie noch nneniſchieden. — Die gefährliche Klippe:
Genfer Zollabkommen. — Schiele zum äußerſten entſchloſſen.
* Auf der Mehrheitsſuche.
Von unſerer Berliner Schriftleitung.
Den Parteien iſt zum Ernährungsetat eine Redezeit von
ſei Stunden zugeſtanden, und alle, nutzen ſie aus, obwohl ſie
gentlich in die Luft reden, ſolange die Einzelheiten der neuen
gierungsvorlage noch nicht bekannt ſind. Man wird alſo
die=
be Debatte noch einmal erleben, wenn die Spezialgeſetzentwürfe
rch den Reichsrat gehen und dann dem Reichstag unterbreitet
rden. Für das Kabinett bedeutet es eine moraliſche
Unter=
itzung, daß der Reichslandbund ſich zum
Schiele=
rogramm zuſtimmend und anerkennend
aus=
ſprochen hat.
Inzwiſchen zerbricht ſich die Regierung, da ſie auf die
Deutſch=
tionalen kaum mehr hofft, den Kopf, wie ſie eine Mehrheit für
* Programm bekommt, wobei die Agrarhilfe im Augenblick noch
r nicht einmal akut iſt. Die Sozialdemokraten ſind in der etwas
inlichen Lage, daß ſie mit den Kommuniſten zuſammen eine
Ab=
ehrmehrheit bilden können. Die Kommuniſten bemühen ſich
her begreiflicherweiſe, die Sozialdemokraten vor unangenehme
itſcheidungen zu ſtellen. Das hat ſich ſchon gezeigt. Im
Haus=
ltungsausſchuß iſt der Betrag für die Techniſche Nothilfe um
2 000 RM. gekürzt und gleichzeitig eine Entſchließung
angenom=
n worden, worin die Regierung aufgefordert wird, die
Notver=
dnung des Reichspräſidenten über ein Streikverbot in
lebens=
chtigen Betrieben aufzuheben. Dieſe wiederholte
kommuniſtiſch=
ialdemokratiſche Mehrheit kann ein Sturmzeichen ſein,
d die Volkspartei hat die erſte Gelegenheit
be=
etzt, den Kanzler nachdrücklichſt auf die Folgen
fmerkſam zu machen, die entſtehen müſſen, wenn die
gierung ſich dem Willen einer Zufallsmehrheit unterwirft. Es
zweifellos, daß die Sozialdemokratiſchen Führer den guten
Ilen haben, bei der Stange zu bleiben. Für ſie löſt ſich aber
7 Rechenexempel dahin, daß ſie ſchließlich das Kabinett
Brü=
tg nicht ein halbes Jahr — zum Teil ſogar gegen die
For=
ungen ihres Parteiprogramms — unterſtützt haben, um ſich die
üchte dieſer vorſichtigen Politik jetzt vernichten zu laſſen: die
rchtſtellung in Preußen iſt ſchließlich mehr als eine Meſſe wert.
re Rechnung iſt vielleicht auch nicht ganz unrichtig, daß, wenn
gelingt, den Reichstag in der Linie der Brüningpolitik
arbeits=
ig zu erhalten und den Ausfall der Deutſchnationalen und
tionalſozialiſten politiſch zu neutraliſieren, dann die Deutſch=
=ionalen eine ſchwere moraliſche Niederlage erleiden. Das ſind
ſes Beweisgründe, die auf den radikalen Flügel der Partei nur
dingt Einfluß machen. Herr Breitſcheid wird es alſo nicht leicht
den, ſeine Fraktion beiſammen zu halten. Er hat im
Augen=
ck zu kämpfen um die einzelnen Poſitionen des Wehretats, der
der nächſten Woche im Ausſchuß beraten werden ſoll. Hier iſt
in erſter Linie der Panzerkreuzer B, um den der Kampf geht.
der Fraktion hat es am Mittwoch bereits ein ſehr heftiges
ngen gegeben, das nicht zum Abſchluß gekommen iſt. Vorläufig
„uben aber die Führer ſelbſt noch, daß es ihnen gelingen wird,
* Konfliktsfall aus der Welt zu ſchaffen, indem entweder die
raldemokratiſche Fraktion ſich der Stimme enthält, ſodaß dann
Kreuzer mit den Stimmen der Mitte gebaut würde, oder daß
n radikalen Flügel der Partei die Freiheit der Abſtimmung
feben würde, womit dann immer noch, da die Mehrheit der
aktion aus politiſchen Gründen wohl zuſtimmen würde, die
An=
yme des Kreuzers geſichert würde.
Die Schwierigkeiten, die zu überwinden ſind, dürften der
ichsregierung in den nächſten 14 Tagen noch viel
Kopfzerbre=
n bereiten, weil die Möglichkeiten einer Kriſe theoretiſch mehr
einmal gegeben ſind. Von der Gegenſeite her bedeutet die
nbringung des Genfer Zollabkommens im
ichstag eine unverkennbare Belaſtung. Dieſe Konvention
I ein ſogenanntes Zollfriedensjahr einrichten und enthält,
nn ſie auch durch kautſchukartige Beſtimmungen den einzelnen
raten eine gewiſſe Bewegungsfreiheit läßt, den Verzicht
r Kündigung von beſtehenden
Handelsverträ=
n für ein Jahr. Das könnte alſo dahin führen,
ß die ganze Agrarpolitik Schieles im
Akade=
ſchen ſtecken bleibt. Inſofern liegt hier unverkennbar
Widerſpruch vor. Die Dinge ſcheinen aber praktiſch ſo zu
lie=
daß die Zuleitung der Vorlage an den Reichsrat in
ordnungs=
ßigem Verlauf erfolgt iſt und daß die Regierung zunächſt die
llungnahme des Reichstages abwartet in der Hoffnung, daß
eine Mehrheit für die Konvention nicht findet. Freilich liegen
h hier Gefahrenmomente, daß der
Reichsernährungs=
tiſter Schiele, fallseswirklich zur Ratifikation
rGenfer Konvention kommt, daraus die
Fol=
rung zieht und zurückzutreten entſchloſſen iſt,
il er dann die Möglichkeit, ſein
Agrarpro=
amm durchzuführen, nicht mehr als gegeben
ſieht.
RgeRbergs Ankwetk guf den Appell Hindenburgs.
Braunſchweig, 25. Februar.
Bei einer Kundgebung der Deutſchnationalen Volkspartei
* Dr. Hugenberg eine Rede, in der er u. a. ausführte:
„Der Herr Reichspräſident hat in Beantwortung einer
Ein=
e unſeres Bauernführers Wege den Ruf an die
Deutſchnatio=
en gerichtet, ſich an der Arbeit für die Landwirtſchaft im
chstag zu beteiligen, d. h. in den Reichstag zurückzukehren.
Herr Reichspräſident wird von ſeiner Umgebung nicht
zu=
fend unterrichtet. Das war beim Youngplan ſo, das war bei
Bildung der Regierung Brüning ſo, das iſt leider auch heute
Das beſchwört die Gefahr herauf, daß die Autorität des von
erehrten Reichspräſidenten abgenutzt wird.
Die letzten Ausführungen des Miniſters Schiele im Reichstag
deiſen, daß auch in den Zollfragen wieder das ſeit einem Jahr
gewohnte Kuliſſenſpiel fortgeſetzt werden ſoll. Man drückt mit
ſcheinbaren Zugeſtändniſſen politiſch auf die Rechte, die man auf
der anderen Seite von der Macht fernhalten will. Die
Landwirt=
ſchaft aber iſt am Ende immer wieder der leidtragende Teil. Wenn
man will, iſt auch heute die Rettung der Landwirtſchaft möglich,
— aber man will nicht, weil ſie mit der Sozialdemokratie nicht
möglich iſt, ſondern nur mit rechts, und nur auf der Grundlage
eines Rechtskurſes in Preußen.
Wenn das Kabinett Brüning uns einladet, an den
Verhand=
lungen des Reichstages wieder teilzunehmen, ſo können wir
dar=
aus nur eine Beſtätigung für die Unhaltbarkeit der Lage
entneh=
men, in die ſich das Miniſterium Brüning hineinmanövriert hat.
Es braucht die Rechte, aber es will ihr nicht die Führung der
politiſchen Geſchäfte einräumen, die ihr zukommt, und den Einfluß
der Sozialdemokratie aufrechterhalten, insbeſondere in Preußen.
Dieſes eigenſinnige Verſagen in der Stunde höchſter Gefahr iſt
eine geſchichtliche Sünde.
Der Brief Hindenburgs wird in der Regierungspreſſe als eine
Brücke zu den Deutſchnationalen gewertet. Er könnte es in
Ver=
bindung mit einem entſprechenden Brief an das Zentrum werden,
der dazu beitrüge, die Bahn für die Rechte freizumachen.”
* Die Erklärung Hugenbergs bedeutet die
Selbſtausſchaltung der Deutſchnationalen in
der ſchwierigſten Zeit und zwingt auf der einen Seite
die Regierung zur Verſtändigung mit der Sozialdemokratie,
während ſie auf der andern die Deutſchnationalen in eine
Sack=
gaſſe führt.
Die Begierung an der Arbeit.
Ausſyrgche über die geplanke Berbilligung der
laudwitkſchaftlichen Kredike.
Berlin, 25. Februar.
Am Mittwoch vormittag fand unter dem Vorſitz des
Reichs=
kanzlers Dr. Brüning eine erſte eingehende Ausſprache mit
Vertretern der landwirtſchaftlichen
Zentral=
kreditinſtitute, und des Reichsverbandes der
deutſchen landwirtſchaftlichen
Genoſſenſchaf=
ten — Raiffeiſen — ſtatt, um Maßnahmen zur
Ver=
billigung der landwirtſchaftlichen Kredite auf
organiſatoriſchem und ſonſtigem Gebiete zu
er=
örtern. An dieſer Beſprechung nahmen der preußiſche
Miniſter=
präſident Dr. Braun, die Reichsminiſter Dr. Schiele und
Tre=
diranus, der Reichsbankpräſident Dr. Luther, der preußiſche
Miniſter für Landwirtſchaft, Domänen und Forſten Dr. Steiger
ſowie die Staatsſekretäre Dr. Geib, Dr. Trendelenburg und
Dr. Schäffer mit Vertretern der zuſtändigen Miniſterien des
Reichs und Preußens teil. Die Ausſprache befaßte ſich mit den
gegenwärtigen Zuſtänden auf dem Gebiete des
landwirtſchaft=
lichen Kreditweſens und ergab Uebereinſtimmung darüber, daß
beſchleunigt weitere Erörterungen angeſtellt und auf ihrer
Grundlage, die erforderlichen Maßnahmen getroffen werden
ſollen. Die Beſprechungen werden fortgeſetzt.
Die Hallung des Reichslandbundes zur Agrarvorlage.
Berlin, 25. Februar.
Der Reichslandbund ſtellt in einer Erklärung feſt, daß in
dem Regierungsprogramm ſeine und der Grünen Front
For=
derungen auf Laſtenſenkung für die ſchwer ringende
Landwirt=
ſchaft faſt völlig fehlen und hält insbeſondere an ſeiner bereits
vorliegenden Kritik an der Oſthilfe feſt.
Vorbehaltlich der Stellungnahme im einzelnen erkennt
er trotzdem an, daß der Geſetzentwurf für die
Reichsregierung weitere Möglichkeit ſchafft,
ſelbſtändig auf allen Gebieten der
landwirt=
ſchaftlichen Produktion den Schutz der
nationa=
len Wirtſchaft durchzuführen. Weiter heißt es in
der Erklärung, die Reichsregierung könne nicht durch Eröffnen
weiterer „Möglichkeiten”, ſondern nur durch erfolgbringende
tat=
ſächliche Durchführung umfaſſender nationalwirtſchaftlicher
Maßnahmen die deutſche Landwirtſchaft retten. Im Sinne
ſeiner bisherigen Kampfbeſchlüſſe kämpfe der Reichslandbund
nach wie vor dafür, daß unter Freimachung von allen
Abhängig=
keiten die gegebenen Möglichkeiten ſofort ungeſchmälert und
wirkſam ausgenutzt würden.
Ernenke Verſchleppung des Stahlhelm-
Volksbegehrens.
Das Bundesamt des Stahlhelm teilt mit: Das preußiſche
Innenminiſterium läßt durch eine demokratiſche Korreſpondenz
mitteilen, daß das Volksbegehren auf Auflöſung des preußiſchen
Landtages nicht mehr vor Oſtern ſtattfinden werde. Das iſt
inſo=
fern richtig, als eine Beendigung der Eintragungen für das
Volks=
begehren termingemäß vor Oſtern nicht mehr möglich iſt, nachdem
das preußiſche Innenminiſterium, das nunmehr ſeit einer vollen
Woche im Beſitz der 42 000 vom Stahlhelm geſammelten
Unter=
ſchriften iſt, es nicht über ſich gebracht hat, die Prüfung dieſer
Unterſchriften rechtzeitig genug zu beenden. Es wäre
ſelbſtver=
ſtändlich möglich geweſen, dieſe Prüfung innerhalb zweier Tage
durchzuführen, ſodaß der preußiſche Innenminiſter die Zulaſſung
der Liſtenauslegung bereits Ende der vergangenen Woche hätte
verfügen können. In dieſem Falle wäre das Volksbegehren noch
vor Oſtern zum Abſchluß gekommen. Für die erneute
Verſchlep=
pung der Aktion trägt das preußiſche Innenminiſterium allein die
Verantwortung.
* Aualikälskonkurcenz und
Markenarkikel.
Von
Dr. K. Albrecht, Nathenow.
Die mit der ſogenannten Markenartikel=Verordnung
beab=
ſichtigte Preisſenkung hat in letzter Zeit die Beziehungen
zwi=
ſchen Markenartikel und Preisbildung etwas einſeitig in den
Vordergrund geſtellt und vielfach zu einer Gegnerſchaft gegen
die Markenartikel geführt, die von betriebswirtſchaftlichen,
volks=
wirtſchaftlichen und auch weltwirtſchaftlichen Geſichtspunkten
aus nicht immer gerechtfertigt ſein dürfte. Es lohnt ſich
viel=
leicht einmal im Zuſammenhang mit den in letzter Zeit
geführ=
ten Diskuſſionen auf die grundſätzliche Bedeutung der
Marken=
artikel kurz einzugehen.
Verſucht man eine Definition, ſo wird zunächſt vom
be=
triebswirtſchaftlichen Standpunkt aus zu ſagen ſein,
daß es ſich bei der Markenware gewiſſermaßen um ein
ſtandar=
difiertes Produkt des einzelnen Betriebes handelt, wobei
Be=
dacht genommen wird auf die Einheit der Menge, der Form,
der Eigenſchaft bzw. Qualität des Erzeugniſſes, der Verpackung,
der Handelsform, der Bezeichnung und des Preiſes. Es liegt
hier alſo gewiſſermaßen der Ausfluß unſerer heutigen
Rationali=
ſierungs=Beſtrebungen vor, und zwar in einer Form, wie ſie
vollkommener kaum gedacht werden kann, denn wir finden
Aus=
wirkungen der Rationaliſierung bei dem Markenartikel nicht nur
auf dem Gebiet der Produktion, ſondern auch auf dem der
Güterverteilung und der Bedarfsdeckung.
Das ſtandardiſierte Produkt hat zur Vorausſetzung eine
gleichmäßige Serienfertigung, d. h. alſo gleichartige
Arbeits=
gänge und führt ſo vielfach zu einer verbilligten Fertigung. Die
hierfür benötigten gleichmäßigen bzw. gleichartigen Werkzeuge
und Maſchinen übertragen den Gedanken der Standardiſierung
in das Gebiet der Produktionsgüter=Induſtrien, die nun
ent=
ſprechend gleichmäßige Werkzeuge liefern ſollen, und außerdem
in das Gebiet der Rohſtofferzeugung bzw. Rohſtoffgewinnung,
denn auch die Rohmaterialien ſollen bei einem derartig
ſtan=
dardiſierten Markenartikel ſelbſtverſtändlich von gleicher Güte
und Art ſein.
Darüber hinaus finden wir ſehr deutliche Züge der
Ratio=
naliſierung auf dem Gebiet der Güterverteilung: Markenartikel
ſchließen in ſich ein den Gedanken handelsüblicher Mengen und
handelsüblicher Qualität. Die Tendenz hierzu finden wir nicht
etwa nur bei Fertigprodukten, ſondern auch bei Roherzeugniſſen:
Das Beſtreben zur Schaffung börſengängiger
Standardquali=
täten, z. B. beim Weizen beim Roggen, beim Mais uſw. iſt
bekannt und bedeutet im Grunde genommen nichts anderes als
Schaffung von Markenartikeln auf dieſem Gebiet. Das gleiche
gilt von Kupfer, Baumwolle, Kaffee uſw. und es iſt erkennbar,
wie ſtark gerade die Standardiſierung dieſer Produkte heute an
Bedeutung gewinnt im Zuſammenhang mit der gegenwärtigen
Weltwirtſchaftskriſe.
Es dürfte auch wohl kaum einem Zweifel unterliegen, daß
an dieſer Stelle, d. h. alſo in den Beziehungen zwiſchen Ware
und Qualität, der Kernpunkt des Markenartikel=Problems liegt,
und es iſt beachtenswert, daß eine Standardiſierung der
Quali=
tät im allgemeinen die Tendenz zu einer Steigerung der
Lei=
ſtung bzw. zu einer Qualitäts=Konkurrenz trägt.
Engſte Zuſammenhänge beſtehen auch zwiſchen
Marken=
artikeln und den Rationaliſierungs=Beſtrebungen auf dem
Ge=
biet der Bedarfsdeckung. Die Markengarantie, die ja, wie
noch=
mals mit Nachdruck betont werden ſoll, eine Qualitätsgarantie
darſtellt, erſpart umſtändliches Probenehmen, die Lagerung
wird vereinfacht, denn Verpackung, Größe und Gewicht ſind
einheitlich und, was ebenfalls wichtig iſt, im voraus bekannt,
ſo daß rechtzeitig für eine entſprechende Lagerung Vorſorge
getroffen werden kann. Auch das Beſtellweſen iſt vereinfacht,
denn der Ausdruck „wie gehabt” erhält hier wirklichen Sing,
und es iſt außerdem nicht unwichtig, daß auch der Preis von
vornherein bekannt iſt, und zwar nicht nur der Preis als ſolcher,
ſondern das Verhältnis zwiſchen Preis und Leiſtung, da ja
gerade dieſes Verhältnis der Standardiſierung unterliegt.
Freilich wird man einwenden können, daß derartige Standard=
Produkte im Grunde genommen nur in eine ſtabile Wirtſchaft
hineinpaſſen, und daß es ihnen an Anpaſſungs=Möglichkeiten bei
Konjunkturſchwankungen fehlt. Es muß aber nun durchaus nicht
geſagt ſein, daß eine ſolche Eigenſchaft als Mangel zu gelten
hat, ſondern es dürfte gerade in Zeiten der ſchwankenden
Kon=
junktur erwünſcht ſein, innerhalb des Güterverkehrs
gewiſſer=
maßen Punkte zur Ankriſtalliſierung ſtabiler Tendenzen zu
haben. Zudem ſei darauf hingewieſen, daß bei anſteigender
Tendenz gerade bei Markenartikeln die Preiſe erheblich
lang=
ſamer anziehen als bei nicht gebundenen Artikeln. Es erhellt
hieraus, die volkswirtſchaftliche Funktion der
Mar=
kenartikel in der kapitaliſtiſchen Wirtſchaft. Wir finden
gewiſſer=
maßen eine Durchſetzung des geſamten labilen Syſtems mit
ſtabilen Schichtungen. Es kann alſo bis zu einem beſtimmten
Grade die Gruppe der Markenartikel kriſenvermindernd
wirken. So bedeuten ſie vielfach die Garantie beſtimmter
Min=
deſthandelsſpannen für den Wiederverkäufer. Sie ſind ihnen
ein Schutz vor maßloſer Preisſchleuderei, ſie ermöglichen ſtärkſte
Rationaliſierung der Lagerhaltung und damit Verringerung des
inveſtierten Kapitals und bedeuten in dieſem Zuſammenhang
ſchließlich auch einen Schutz der Herſteller vor dem finanziellen
Zuſammenbruch der Abnehmer.
Dies hat natürlich nichts mit überſetzten Preiſen zu tun.
Verſchiebt ſich der Geſamtaufbau, ſind Preiſe auf inzwiſchen
völlig veränderten Vorausſetzungen aufgebaut, dann wird die
wirtſchaftliche Grundbewegung, welche von den
Ameri=
kanern gegenüber den Konjunktur=Schwankungen als „trend”
bezeichnet wird, auch vor Markenpreiſen nicht Halt machen,
zumal dieſe ja durchaus nicht Kartell= oder Monopol=Preiſen
gleichzuachten ſind, da überhöhte Preiſe die Konkurrenz zur
Schaffung billigerer Konkurrenzmarken anreizen.
Wie aber unter geſunden Verhältniſſen ſich Markenpreiſe
übrigens auch ohne Rechtsſchutz, ja z. T. ſogar gegen eine
be=
ſtimmte Rechtsſprechung durchſetzen, dafür diene ein Beiſpiel
aus Amerika.
Das große Warenhaus Macy, New York, iſt dafür bekannt,
daß es grundſätzlich um 6 Prozent billiger verkauft als alle
Seite 2
Donnerstag, den 26. Februar 1931
Nummer 57
anderen Häuſer. Es tut dies auch mit einem weltbekannten
Markenartikel, dem Kodakfilm. Darauf wurde es vom Herſteller
mit dieſem Film nicht mehr beliefert und klagte auf
Weiter=
belieferung. Bei der amerikaniſchen Mentalität konnte von
vornherein damit gerechnet werden, daß dieſe Klage anerkannt
wurde. Tatſächlich mußte es weiter beliefert werden, und die
Kodak=Geſellſchaft konnte bei Macy nichts zur Durchſetzung ihrer
Preiſe unternehmen. Trotzdem aber blieb und bleibt im ganzen
Lande der Kodakfilm als Markenartikel aufrecht erhalten und
hat auch überall ſeinen Preis durchgeſetzt.
Wenn hier deutſchen Leſern ein amerikaniſches Beiſpiel
ge=
boten werden darf, ſo beweiſt das bereits die
weltwirt=
ſchaftliche Bedeutung der Markenartikelfrage. Von dieſer
Seite geſehen, erhält gerade für Deutſchland das Markenartikel=
Problem ein beſonderes Geſicht: Weltmarken laſſen ſich nur auf
dem Prinzip garantierter Leiſtung aufbauen.
Der deutſche Markenartikel, iſt durchaus nicht nur und
durchaus nicht überwiegend ein beliebiger lediglich
ſtandardi=
ſierter Stapelartikel, ſondern er ragt faſt ſtets durch ſeine
Quali=
tät aus der Menge gleichartiger Erzeugniſſe hervor. Vielfach
wird vom gleichen Fabrikanten das gleiche Produkt in beſter
Qualität unter ſeiner Marke, d. h. als Markenartikel, verkauft,
während eine ſogenannte zweite Sortierung obne
Markenbe=
zeichnung auf den Markt kommt. Damit kennzeichnet ſich der
Markenartikel in ſeiner wichtigſten Eigenſchaft: Es ſteht hinter
ihm die Garantie des Produzenten, der mit ſeinem Namen
die Qualität verbürgt. Die Propaganda des eigenen Namens
geht Hand in Hand mit der Propaganda des
Qualitätsſtan=
dards, und Konkurrenz bedeutet ſomit: immer beſſeres liefern
als der andere.
Damit erhält der Markenartikel eine doppelte Aufgabe: nach
innen wirkt er erzieheriſch auf die Produktionsleiſtung ein, nach
außen führt er den Qualitätsgedanken auf dem Weltmarkt als
Konkurrenzprinzip ein. Nicht zuletzt iſt dies der Grund,
wes=
halb viele deutſche Induſtrien auch gegenwärtig ihren Stand
auf dem Weltmarkt bebaupten.
Welche Bedeutung dem zukommen mag, gebt daraus
her=
vor, daß es ſogar gelungen iſt, für beſtimmte deutſche
Qualitäts=
markenartikel einen einheitlichen Preis für die ganze Welt
durch=
zuſetzen.
Ausſchreikungen in der Reichshaupkftaek. — 3 Tokfe
in Leipzig. — Blukige Ausſchreikungen im Saargebiek.
* Der Parole der Komtniſten, am 25. Februar im gunzen
Reich Hungermärſche zu inſzenieren, ſind eine ganze Reihe von
kommuniſtiſchen Organiſationen gefolgt. In Berlin kam es trotz
Demonſtrationsverbots zu einigen Ausſchreitungen und
Plünde=
rung von Lebensmittelgeſchäften, die aber von der Polizei durch
das Einſetzen von Schnell=Kommandos ſehr raſch im Keime erſtickt
wurden: Dadurch konnten die Kommumiſten mit ihrer Taktik,
durch Einzelaktionen eine gewiſſe Erregung hervorzurufen, wenig
anfangen. Mehrere Polizeibeamte wurden verletzt, da an einer
Stelle die Demonſtranten das Pflaſter aufgeriſſen und mit
Stei=
nen die Polizei beworfen hatten. Dazu herrſchte in Berlin ein
ziemlich heftiger Regen, der auf die Luſt, zu demonſtrieren,
ab=
kühlend einwirkte. Gegen abend flaute denn auch der Betrieb
im=
nier mehr ab."
In Leipzig kam es zu ſchweren Zuſamenſtößen, wobei
die Polizei von einem Demonſtranten beſchoſſen wurde. Die
Polizei war gezwungen, von der Waffe Gebrauch zu machen.
Da=
bei wurden 3 Demonſtranten getötet und mehrere ſchwer verletzt.
Im Saargebiet kam es in einigen Bergwerksorten
(Saarbrücken und Neunkirchen) zu Zuſammenrottungen
Arbeits=
loſer, die auf die Polizei Steine warfen. Polizei und Landjäger
mußten an drei Stellen von der blanken Waffe Gebrauch machen,
wobei einige Perſonen Verletzungen erlitten. Es wurden
zahl=
reiche Verhaftungen vorgenommen.
Die Demonſtrationen der Kommuniſten in Darmſtadt,
wo in zwei Zügen etwa 3—400 Perſonen die Straßen
durch=
zogen, verlieſen ohne jeden ernſten Zwiſchenfall.
Im Haushaltsausſchuß des Reichstages ſtanden die
kommu=
niſtiſchen Anträge über den Remarquefilm zur Entſcheidung. Die
Anträge auf Aufhebung des Film=Verbotes wurden gegen die
Stimmen der Kommuniſten abgelehnt. Desgleichen wurde ein
kommuniſtiſcher Antrag abgelehnt, die Mittel für die Film=
Ober=
prüfſtelle zu ſtreichen.
Der Auswärtige Ausſchuß des Reichstages, deſſen ordentlicher
Vorſitzende der nationalſozialiſtiſche Abgeordnete Dr. Frick iſt. iſt
jetzt zum erſtenmal von dem ſtellvertretenden Vorſitzenden, Abg.
Scheidemann (S.), für Donnerstag einberufen worden.
Es gilt als durchaus wahrſcheinlich, daß die
Sozialde=
mokraten ſich bei der Beratung des Wehretats
auf kleinere Streichanträge, wie ſie bei allen
Etats geſtellt und angenommen werden,
be=
ſchränken und auf die Einbringung eines
um=
fangreichen Streichungsprogramms verzichten
werden. Auch Preußen hat bekanntlich im Reichsrat in dieſem
Jahre, um alle Schwierigkeiten zu vermeiden, von der
Wieder=
holung ſeiner Streichungsanträge abgeſehen.
Reichskanzler Dr. Brüning wird von dem vorgeſehenen Beſuch
in Wien mit Rückſicht auf die ſchwebenden innerpolitiſchen
Ver=
handlungen Abſtand nehmen. Dagegen wird Reichsaußenminiſter
Dr. Curtius die Reiſe programmäßig durchführen; in ſeiner
Be=
gleitung wird ſich Staatsſekretär Dr. Pünder nach Wien begeben.
Der deutſche Botſchafter in Paris v. Hoeſch iſt zu
Beſprechun=
gen mit der Regierung in Berlin eingetroffen.
Der Reichswirtſchafts= und der Reichsfinanzminiſter haben
dem Reichsrat den Geſetzentwurf zugeleitet, der die Zuſtimmung
zum Genfer Handelsabkommen vom 24. März 1920 ausſpricht.
Während die franzöſiſche Preſſe über die Einzelheiten der in
Paris zwiſchen Frankreich und England getroffenen
Flotten=
einigung nur unzureichend unterrichtet iſt, wird die Abreiſe der
engliſchen Delegation nach Rom als die Senſation des Tages
bezeichnet.
Die franzöſiſche Kammer nahm mit 285 gegen 268 Stimmen
einen von den Sozialiſten eingebrachten, von der Regierung
be=
kämpften Vorſchlag an, einen von der Finanzkommiſſion
bean=
tragten Kredit für die Arbeitsloſenunterſtützung von 25 auf 100
Millionen Franken zu erhöhen.
Die peruaniſche Regierung hat eine Kommiſſion unter
Füh=
rung des Kriegsminiſters auf dem Luftwege nach Arequipa
ent=
ſandt, um mit den Aufſtändiſchen, die ſich des ganzen ſüdlichen
Teils Perus bemächtigt haben, über die Beilegung des Konfliktes
zu verhandeln.
wies darauf hin, daß Bülow im Jahre 1923 für den Fall ſeines
Todes ein Lenbachbild von ſich dem Reichstag mit der
Beſtim=
mung vermacht habe, daß dann das im Reichstag hängende
Bild der Univerſität Königsberg überwieſen werden ſoll. Das
Lenbachbild ſei zwar noch nicht an den Reichstag überwieſen
worden, jedoch wenn dies der Fall ſein werde, werde die
be=
antragte Entfernung akut. — Als Redner der Bayeriſchen
Volks=
partei meinte Abgeordneter Dr. Rauch, daß man wohl das Bild
ſtillſchweigend hätte entfernen können, daß es aber nicht ratſam
erſcheine, es zum Mittelpunkt einer großen Staatsaktion zu
machen. — Der konſervative Abgeordnete Graf Weſtarp erklärte,
es ſei beſonders im dritten Band der Bülow=Erinnerungen ein
auf Unwahrheiten und Oberflächlichkeiten beruhendes falſches
Bild über die Kriegsſchuld gegeben worden. Bülow habe damit
den Feinden Deutſchlands Waffen in die Hand geliefert, die
ſicherlich als Kriegsſchuldargumente noch gegen Deutſchland
ge=
braucht würden. — Dr. Strathmann ſprach noch einmal von der
Minderwertigkeit des politiſchen Charakters Bülow und hoffte,
daß der Nachlaßverwalter des Bülowſchen Erbes nicht den Mut
haben würde, dem Reichstag noch ein Bild von Bülow, ſei es
auch von Lenbach, anzubieten.
Berlin, 25. Februar.
Reichstagspräſident Loebe eröffnete die Reichstagsſitzut
um 15 Uhr.
Die zweite Beratung des Haushalts des Reichsernährung
miniſteriums wurde fortgeſetzt. Die Deutſchnationalen und N
tionalſozialiſten fehlen auch heute.
Abg. Renken (Chr.=Soz.) betonte die enge Schickſalsve
bundenheit von Arbeiterſchaft und Bauernſchaft. Die Chriſtlig
Sozialen ſeien mit dem Agrarprogramm der Regierung einver
ſtanden.
Abg. Freybe (Wp.) wies auf die Verſchärfung der Wel
agrarkriſe hin. Zu einer geſunden Agrarpolitik gehöre vor alle
Aufhebung der Zwiſchenzölle ſowie der Bindung für Fette i
Vertrag mit Schweden und die Erhöhung der Fettzölle,
Preisſenkungsaktion durch den mehr oder weniger gelinden Dru
der Reichsregierung muß im Handel und Gewerbe ſchärfte 3
rückweiſung erfahren; wenn die Behörden ſelbſt nicht mit gute
Beiſpiel vorangehen, haben ſie auch kein Recht, vom Zwiſche
handel Preisabbau zu fordern. Wirklicher Preisabbau iſt nur b
gleichzeitiger Senkung der Steuern und Abgaben möglich.
Abg. Dr. Fehr (Bayer. Bbd.) wandte ſich gegen die v.
den Abg. Tempel und Deſſauer aufgeſtellte Behauptung, daß d
Landwirtſchaft jährlich 3 bis 4 Milliarden direkt und indirekt
Subventionen gewährt würden. An wirklichen Subventionen f
die Landwirtſchaft kommen jährlich nur 36 Millionen heraus, u
dieſe Summe bleibt weit zurück hinter den Subventionen, die d
Wirtſchaft und auch den ſozialen Einrichtungen der Arbeiterſche
zufließen. Es darf auch nicht überſehen werden, daß Subvention
zur Agrarpolitik aller Länder gehören. Der Landwirtſchaft ſel.
wäre es viel lieber, wenn ſie durch Wiederherſtellung ihrer Re
tabilität in der Lage wäre, auf ſolche Subventionen zu verzichte
(Sehr richtig!) Die deutſche Landwirtſchaft, beſonders die ſü
deutſche, ſieht in Miniſter Schiele ihren Vertrauensmann.
Abg. Meyer (D. V.) erklärte, die Männer, die wirtſchaftl
der Landwirtſchaft helfen, ſitzen nicht in den Reihen derer (na
rechts), die jetzt den ſachlichen Verhandlungen fernbleiben unde
vorziehen, durch parteipolitiſche Agitation den
Radikalismusi=
den Reihen der Landwirte zu ſchüren. Die Deutſche Volkspart
ſteht den Beſtrebungen des Miniſters grundſätzlich wohlwollei
gegenüber und wünſcht durchaus eine ſtärkere Berückſichtigung d.
bäuerlichen Intereſſen. Sie verlangt aber einen gerechten Au
gleich der Intereſſen der einzelnen Berufsſtände und behält
ihre endgültige Entſcheidung vor, bis die Vorlagen der Regieru
vorliegen.
Abg. Hillebrand=Schleſien (DBP.) trat für die Inter
ſen der bäuerlichen Wirtſchaften ein.
Abg. Dobberz (Soz.) erklärte, die Bedenken, die ſchon
Kabinett gegen die Politik des Ernährungsminiſters vorgebra
worden, könnten wir im Intereſſe der Induſtriearbeiterſchaft n
unterſtreichen. Wir können nicht einen Intereſſentenſtandpur
in den Vordergrund ſtellen, ſondern müſſen in erſter Linie ei
Agrarpolitik geben, die die Exportförderung nicht ſtört.
Abg. Beck=Oppeln (Zentr.) erklärte, die Erfolge der
Reg=
rungspolitik der letzten Jahre für die Landwirtſchaft könnten tr.
aller gehäſſigen Angriffe nicht geleugnet werden. Das Abſa
problem könne erſt gelöſt werden, wenn die Landwirte eine 4
wiſſe Standardiſierung in ihrer Produktion herbeiführen.
Gegen 20½ Uhr wurde die Weiterberatung auf Donnerst
12 Uhr vertagt.
Berlin, 25. Februar.
Der Haushaltsausſchuß des Reichstages beriet am
Mitt=
woch den Haushalt des Reichstages. Dabei ſtellte u. a. der
chriſtlich=ſoziale Abgeordnete Dr. D. Strathmann den Antrag,
das Bild des früheren Reichskanzlers von Bülow aus einem
Reichsratszimmer zu entfernen, weil Bülow durch ſeine
Er=
innerungen ſich als ein Charakter von ſolcher Peinlichkeit
erwie=
ſen habe, daß man ſich im Iutereſſe Deutſchlands eines ſolchen
Kanzlers nur ſchämen könne. Der Zentrumsabgeordnete
Er=
ſing meinte, daß man mit einem dementſprechenden Beſchluß
Bülow zu viel Ehre antue. Im übrigen ergäben ſich auch
ſchwierige Konſequenzen daraus. — Reichstagspräſident Loebe
* Auf allerlei Umwegen, hauptſächlich über die franzöſiſche
Preſſe, erfährt man von zahlreichen Beſprechungen in der letzten
Zeit in Paris zwiſchen deutſchen und franzöſiſchen Vertretern
über die Möglichkeit einer deutſch=franzöſiſchen Verſtändigung.
Ob eine ſolche Geheimniskrämerei, an der ſich wohl auch die
deutſche Botſchaft in Paris beteiligt hat, zweckmäßig iſt, darüber
kann man geteilter Meinung ſein, wenn auch zuzugeben iſt, daß
eine Erörterung der deutſch=franzöſiſchen Beziehungen im vollen
Scheinwerferlicht nicht erfolgen kann. Das Helldunkel offizieller
Beſprechungen führt jedoch zu falſchen Rückſchlüſſen und zu
billigen Kommentaren. So wird behauptet, daß eine
Abord=
nung unter Führung des Arbeitsminiſters a. D. Brauns und
des Reichstagsabgeordneten Joos ſich um Kredite bemüht, aber
eine Ablage erhalten habe. An amtlicher Stelle wird zugegeben,
daß die Herren in Paris waren, daß es ſich aber lediglich
um private Beſuche gehandelt habe, ohne jeden amtlichen
Auftrag. Wir glauben auch, daß dieſe Auslegung richtig iſt.
Der Kanzler würde einen ſolchen Umweg zur Einleitung
amt=
licher Verhandlungen kaum benutzt haben. Aber gerade die Art,
wie die Beſuche totgeſchwiegen werden ſollten, gibt gewiſſen
Leuten die erwünſchte Gelegenheit, von einer Ablage an den
Kanzler zu ſprechen, — und das hätte ſich immerhin vermeiden
laſſen.
In den Kommentaren der Berliner Blätter über die Re
des Reichsernährungsminiſters Schiele im Reichstag ſpie
naturgemäß die Frage der Ermächtigungen die Hauptrolle. A
Blätter unterſtreichen die Tatſache, daß die Ermächtigung f
zollpolitiſche Maßnahmen dem Geſamtkabinett und nicht de
Ernährungsminiſter allein übertragen werden ſoll, und ſehe
je nach ihrer Einſtellung zum Kabinett, darin einen Vorte
bzw. eine Belaſtung des Agrarprogramms.
Die Blätter der Rechtsoppoſition, „Lokalanzeige
„Tag” und „Deutſche Zeitung” ſehen in der Ausde
nung der Ermächtigung eine Behinderung für diewir
liche Sanierung der Landwirtſchaft. Die Zo
frage werde, ſo ſchreibt die Deutſche Zeitung” in dem Kuliſſe
handel der letzten Tage vollends zur Phraſe. Was Schiele g
ſagt habe, ſei ſchon dürftig genug. Was die Regierung 11
werde, laſſe ſich an der Frage des Butterzolls fehr leicht e
meſſen. — Der „Tag” nennt die Vorlage eine Kampferſpri
zu momentaner Anregung. Aber die Spritze helfe nichts.
Weſentlich anders urteilt die „Deutſche Tageszeitung”, de
Organ der Landwirte. „Die Vorlage”, ſchreibt das Bla
„die den Schlußſtein, des umfaſſenden Syſtem
agrarpolitiſcher Maßnahmen bildet, ſchafft di
Baſis und Möglichkeit, wenn auch noch nicht letz
Entſcheidung und Wirklichkeit. Alles wird von der Art abhä
gen, wie die Ermächtigung tatſächlich gehandhabt wird.”
Notwendig ſei, ſchreibt die „Germania”, von den
Ermächtigu=
gen zum Schutze der Landwirtſchaft nur ſoweit Gebrauch
machen, als es mit den Geſamtintereſſen der deutſchen
Volk=
wirtſchaft vereinbar iſt. — Weſentliche Vorausſetzung für d
Ermächtigung iſt, nach dem Börſen=Courier, mit Recht de
Vertrauen, daß die Geſamtregierung auch im Sinne der
ſamtwirtſchaft denkt und handelt.
Die Forſchungsergebniſſe der großen Chingexpedition.
Von Dr. A. Lang.
Aka. Auf zottigen Kamelen und kleinen aſiatiſchen Ponies,
mit unverwüſtlichen Fordautos und in chineſiſchen Kähnen hat
der wiſſenſchaftliche Stab Sven Hedins die fernſten Gebiete
des unbekannten China aufgeſucht, die Wüſte Gobi, die
Hoch=
ebenen Chineſiſch=Turkeſtans und Tibets durchforſcht und im
Herzen Chinas, im Nan=Chan=Gebiet, haben die einzelnen
Grup=
pen der Expedition ihre Lager aufgeſchlagen und europäiſ hen
Wiſſensdrang und Forſchergeiſt in die Stätten uralter
Vergan=
genheit getragen. Alle Fakultäten entſandten Vertreter, eine
wahre reiſende Univerſität hat ſich unter dem Oberbefehl des
berühmten ſchwediſchen Forſchungsreiſenden zuſammengefunden.
Geographen und Geologen erforſchten im Pamir und Himalaja
die höchſten Hochebenen, die gewaltigſten Gipfel der Welt,
An=
thropologen ſuchten im Nan=Chan=Gebiet nach den Spuren
unſerer Urahnen und Meteorologen, und Aſtronomen errichteten
primitive Sternſarten und leiſtungsfähige Wetterſtationen in
den Steppen Turkeſtans. In Tibet wurde eine rieſige botaniſche
und zoologiſche Sammlung angelegt, und in der Wüſte Gobi
in der Mongolei konnten Archäologen ſenſationelle Funde aus
Chinas älteſter Vergangenheit machen.
Die Ergebniſſe dieſer wiſſenſchaftlichen Eroberung Aſiens —
eine Expedition kann man Sven Hedins Unternehmen kaum
nech nennen — ſind von unüberſehbarer Vielſeitigkeit. Einer
der ſenſationellſten Funde iſt bekanntlich ein Schädel des
Ur=
menſchen, des jetzt ſo diel beſprochenen „Sinanthropos
Pekinenſis”, den Dr. Bolin entdeckte. Nicht minder
über=
raſchend iſt die Auffindung einer Art Bibliothek, vielleicht der
älteſten der Welt, die mitten in der Wüſte Gobi ausgegraben
tuorden iſt. Ueber 6200 Manuſkripte wurden hier gefunden.
Allerdings ſind es ſehr ſeltſame Manuſkripte, nicht aus Papier
und nicht einmal aus Pergament beſtehend, es handelt ſich um
Holzſtäbchen, die mit Schriftzeichen bedeckt ſind. Man konnte
ſie zum Teil entziffern und militäriſche Befehle und andere
Zeugen einer märchenhaften Vergangenheit auf ihnen leſen.
Ein anderes ſelſames Werk beſteht aus 78 Blättern, die mit
einer Schnur zuſammengeknotet ſind; auch dieſe Blätter
be=
ſtehen aus Holz. Als man die Kuoten löſte und das 2000 Jahre
alte „Buch” auffchlug, ſtand man vor der unbegreiflichen
Tat=
ſache, daß die Schrift noch ſo gut erhalten war, als ob ſie erſt
geſtern geſchrieben wäre. Dr. Spen Hedin hat angeordnet,
daß dieſes Buch von dem ſchwediſchen Profeſſor B. Karlgren
zuſammen mit chineſiſchen Literarhiſtorikern entziffert wird. Das
Material, welches Dr. Folke Bergmann über die
Vorge=
ſchichte Chinas geſammelt hat, verſpricht überraſchende
Auf=
ſchlüſſe. Die gefundenen Handſchriften berichten über die Kämpfe
der Han=Dynaſtie (um 1000 v. Chr.) gegen die Mongolen, die
ſich immer dann gegen China gewandt haben, wenn dieſes
Land durch innere Kämpfe geſchwächt, zerriſſen und
wider=
ſtandslos ſchien, und ihre Züge gegen Europa richteten, wenn
ſie in Aſien ſtarke Abwehr fanden. Spuren von Mauern,
vor=
geſchobenen Wachtpoſten, Feſtungen, Dörfern, ſogar Kanälen,
legen Zeugnis ab von einer uralten Kultur, die ehemals
ge=
herrſcht haben muß.
Sven Hedins Mitarbeiter haben auch neue Reſte alter
Mauern gefunden, die bewieſen, daß es nicht nur die eine
be=
rühmte große Mauer gegeben hat, ſondern daß ſolche Mauern zu
verſchiedenen Zeiten, an verſchiedenen Orten entſtanden ſind. In
zirka 20 Kiſten führt Spen Hedin dieſesmal geſammeltes
Ma=
terial nach Stockholm, wo ein kleines Sven Hedin Muſeum
beſteht, in dem bereits ein buddhiſtiſcher Tempel aufgeſtellt iſt.
Natürlich hat ſich die chineſiſche Regierung einen Teil der Funde
geſichert. Von dieſen werden jedoch in Stockholm Doppelſtücke
zur Ausſtellung gelangen, u. a. über 50 Stück Werkzeuge aus
dem Steinzeitalter, nämlich Meſſer, Aexte und Hämmer.
Der deutſche Arzt der Expedition Dr. Hummel, der mit
Sben Hedin zurückgekommen iſt — ein Teil der
Expeditions=
teilnehmer blieb in China —, hat dieſesmal eine botaniſche
For=
ſchungsreiſe in die Mongolei unternommen, woher er mit
rei=
chen Funden an ſeltenſten Pflanzen und Reptilien und Inſekten
zurückgekommen iſt. Mehr als 8000 Inſektenpräparate hat er
bereits für das Reichsmuſeum in Stockholm geſammelt. Dr.
Hummel erzählt in einem Vortrag in Stockholm, daß die
Ein=
wohner der von ihm beſuchten Gebiete alle bewaffnet geſeſen
ſeien und daß zwiſchen den Städten und Stämmen dauernd
blutige Fehden beſtehen.
Außerordentlich wertvolle Arbeit hat der deutſche
Meteoro=
loge Dr. Haude in Chineſiſch=Turkeſtan geleiſtet. Zuſammen
mit einem Schweden und mehreren Chineſen hat er dort 4
ſtän=
dige Wetterſtationen errichtet, die mit den großen
ſüdchineſi=
ſehen Stationen in Funkverbindung ſtehen. Für die
Wetter=
drognoſe iſt das ein ganz beträchtlicher Fortſchritt, denn gerade
in Zeitralaſien ſind die meteorologiſchen Beobachtungsſtationen
außerordentlich ſpärlich. Je regelmäßiger ſolche Wetterſtationen
über die Erde derteilt ſind, um ſo ſicherer werden die Wetter=
vorausſagen. Dr. Haude hat nicht nur die Stationen in dieſe
bisher vernachläſſigten Gebieten errichtet, ſondern er hat m
der ihm eigenen Weitſichtigkeit und Planmäßigkeit junge
chin=
ſiſche Meterologen herangebildet, die dieſe Stationen in Z
kunft bedienen können.
Wie Spen Hedin vor kurzem in ſeinem erſten wiſſenſchaf
lichen Vortrag in Stockholm erwähnte, hat der ſchwediſt
Geologe Dr. Norin eine äußerſt intereſſante nene Theont
über die Entſtehung des Himalaja aufgeſtellt. Nach der Aiſ
faſſung Norins ſind in den Bergketten des Himalaja gewaltig
Kräfte tätig, wodurch dieſes Gebirge immer mehr wwächſt. Ferne
hat Norin eine Verſchiebung des Waſſerlaufs des Fluſſes Tarin
in Chineſiſch=Turkeſtan feſtgeſtellt. Sven Hedin hat vor 30 J0l
ren, als er dieſe Gegend durchwanderte, die Aenderung de
Flußbettes vorausgeſagt. Uebrigens kann jetzt die alte Kand
wanenſtraße, auf der einſt die chineſiſchen Waren nach Eun
transportiert wurden, wieder hergeſtellt werden. Sven
meint, daß man dieſen Weg jetzt wieder benützen könnte,
nicht mit Kamelen wie in früheren Jahrhunderten, ſonder
Autos.
Sben Hedin ſelbſt, wohl der erfolgreichſte und unerſt
lichſte Forſcher unſerer Zeit, hatte ſich mit ſeinem Generalſe.
als Organiſator der wiſſenſchaftlichen Arbeiten nach Peking 5‟
rückgezogen. Hier in Peking, das mit der großen Nordunſve.”
tät, der chineſiſchen Staatsbibliothek und der „Acadeſi”
Sinica” immer noch die geiſtige Hauptſtadt Chinas iſt, hal
unermüdlich Material geſammelt, gearbeitet und ſeine Bucle
vorbereitet, während er gleichzeitig quaſi als Rektor ſeile
großen wandernden Univerſität mit den einzelnen Gruppel
den fernen Gebieten, die im übrigen völlig ſelbſtändig arbeile.
in Verbindung ſtand.
Der wiſſenſchaftliche Stab Sven Hedins beſtand aus Sci."
den, Chineſen und Deutſchen. Es war für Spen Hedin auße‟
ordentlich wichtig, daß er auch chineſiſche Gelehrte zur Mitarbe
heranziehen und das Vertrauen und die Freundſchaft der Gn”
ſiſchen Behörden finden konnte, denn ohne dieſes Vertrauen 9a"
die Expedition nicht durchgeführt werden können, da die poliihle
Amoſphäre in China in den letzten Jahrzehnten durch die ſi.”
digen Reibereien und Streitigkeiten mit den fremden Machte
vergiftet worden iſt. Durch ſeine kluge Taktik hat es Sbe
Hedin jedoch vor kurzem erreicht, daß er ſeine Expeditione
zwei weitere Jahre durchführen darf. Sven Hedin, der 1a
jetzt in Stockholm aufhält, wird im Laufe des Frühjahrs wiede
nach Peking abreiſen. Die meiſten ſeiner Mitarbeiter ſind
China geblieben und führen ihre Arbeiten f.rt.
Nummer 57
Donnerstag, den 26. Februar 1931
Seite 3
Die emogaſce Ahrmsohferen m gütig
Ein erſter Berſuch zur Löſung der europäiſchen Wirtſchaftskriſe ohne die Mikwirkung Rußlands
und der Türkei. — Unker Suggeſtion des ruſſiſchen Fünfjahresplanes.
Die Gefahr der ruſſiſchen Konkurrenz.
Europäiſche Agrarprobleme.
Auf der Suche nach Maßnahmen für den Abſah der
europäiſchen Gekreideprodukkion.
Paris, 25. Februar.
Am Montag iſt die erſte Europäiſche Agrarkonferenz im
großen Uhrenſaal des franzöſiſchen Außenminiſteriums
zuſam=
mengetreten. Auf der Ausſchußtagung ſind 24 Staaten vertreten,
ſo daß von den 27 europäiſchen Völkerbundsländern nur
Por=
tugal, Litauen und Albanien fehlen. Zur Teilnahme an den
Beratungen ſind zahlreiche franzöſiſche und engliſche Beamte der
Wirtſchafts= und Preſſeabteilung des Völkerbundsſekretariats
riach Paris entſandt worden, jedoch nimmt kein deutſcher
Völ=
kerbundsbeamter an den Beratungen teil, obwohl das Intereſſe
Deutſchlands, an den Verhandlungen außerordentlich groß iſt.
Die auffallende Ausſcheidung der deutſchen Beamten iſt umſo
bemerkenswerter, als ſie anſcheinend ſtillſchweigend zu einer
Regel werden ſoll.
Der franzöſiſche Außenminiſter Briand hielt eine kurze
Be=
grüßungsanſprache, in der er u. a. das Zuſtandekommen der
Konferenz als einen Beweis für die allgemeine Solidarität
be=
zeichnete, die ſich heute allen Mitgliedſtaaten der europäiſchen
Gemeinſchaft aufzwinge. Es handle ſich um die Löſung des
erſten konkreten Problems, das die europäiſche
Studienkommiſ=
ſion aufgeworfen habe, um die Frage der landwirtſchaftlichen
Produktion, die ihrerſeits wieder einen Teil des von der
Kom=
miſſion zu bearbeitenden allgemeinen Problems der
Weltwirt=
ſchaftskriſe, ſoweit ſie die europäiſche Geſamheit angeht, bildet.
Das Getreideproblem dürfte nicht nur von der
wirtſchaft=
lichen Seite aufgefaßt werden, denn es gehe um die Feſtigung
des Friedens in den Ländern Mittel= und Oſteuropas, die auf
lange Zeit hinaus den politiſchen und ſozialen Rückwirkungen
einer Wirtſchaftskriſe entzogen werden müßten. Der
Außen=
niniſter ſchloß mit dem Wunſch, daß die Regierungen eine Geſte
der Solidarität vollbringen möchten, deren Tragweite nicht an
ſofortigen Ergebniſſen zu meſſen ſei, die aber einen allgemeinen
Fortſchritt der europäiſchen Zuſammenarbeit fördern werde.
Die franzöſiſche Preſſe feiert die Konferenz als einen erſten
Schritt zur Verwirklichung des von Außenminiſter Briand
aus=
gearbeiteten Planes für eine Europäiſche Föderation. In
Eng=
and dagegen haben die Ausführungen Briands die Beſorgnis
verſtärkt, die man von Anfang an der Zuſammenkunft
entgegen=
gelracht hat. Die engliſche Preſſe weiſt auf die deutſch=
italieniſch=
ngliſche Front hin, die auf der Paneuropakonferenz in Genf
ntſchieden den Standpunkt vertreten habe, daß ſich die
euro=
däiſche Vereinigung nicht gegen Rußland richten dürfe. Es fällt
aher jetzt auf, daß Briand in ſeiner Rede vor allem die Bedeutung
ſer politiſchen Fragen hervorgehoben habe unter bewußter
Be=
onung der Verhältniſſe in Mittel= und Oſteuropa. In England
rblickt man darin das Beſtreben, eine europäiſche Solidarität
— wenigſtens in den rein agrariſchen Fragen — ohne Rußland
ur ſchaffen. Der „Daily Herald”, das Organ der engliſchen
(rbeiterregierung, geht in ſeinem Mißtrauen ſogar ſo weit, daß
r. der Befürchtung Ausdruck gibt, der Feldzug, der jetzt in
Zaris „unter der Flagge der europäiſchen Einigkeit” begonnen
abe, werde ſich auch gegen Großbritannien und Kanada richten.
* Die Agrarkonferenz am Quai d’Orſay gehört, wie uns
nſer A=Korreſpondent ſchreibt, zu den wirtſchaftlich und politiſch
rtereſſanteſten Initiativen unſerer Zeit. Dieſe Konferenz mit
rer etwas unbeſtimmten und undurchſichtigen Definition als
nterabteilung der Paneuropäiſchen Studienkommiſſion iſt vor
Uem ein treues Spiegelbild der verworrenen europäiſchen Ver=
Ɨltniſſe. Die Aufgabe der Konferenz iſt ſcheinbar eng begrenzt.
ie ſoll die Kriſe der europäiſchen, reſpektive mittel= und
ſüd=
keuropäiſchen Landwirtſchaft löſen und dadurch den erſten
chritt zur Löſung der europäiſchen Witſchaft
deuten.
Das erſte, was an der Konferenz auffällt iſt, daß
Ruß=
and und die Türkei nicht eingeladen wurden. Das
innte für den Uneingeweihten als paradox erſcheinen, wurde doch
ußland in die Paneuropäiſche Kommiſſion eingeladen.
Franzö=
cherſeits gibt man dafür eine höchſt gewundene Erklärung. In
Wirklichkeit hat aber Rußland auf einer europäiſchen
Agrarkon=
ferenz nichts zu ſuchen, denn eine ſolche Konferenz muß
notwen=
digerweiſe ſich damit befaſſen, den europäiſchen Markt vor der
billigen ruſſiſchen und amerikaniſchen Produktion zu ſchützen.
Der ruſſiſche Dumping ſpielt überhaupt eine ſonderbare Rolle
in der europäiſchen und inbesbeſondere franzöſiſchen
Vorſtellungs=
welt. Mehr als ein Jahrzehnt wiederhallte die Welt von
Schil=
derungen über die Not in Rußland, über den vollſtändigen
Man=
gel an allem zum Leben Notwendigen. Und heute wiederhallt
die Welt von den Gefahren der ruſſiſchen
Konkur=
renz, welche bald für die geſamte Weltwirtſchaftskriſe
verant=
wortlich gemacht wird. Es wäre äußerſt wichtig für die ganze
Welt und für Deutſchland ganz beſonders, ein objektives Bild
über die Ausmaße und Bedeutung der ruſſiſchen Konkurrenz zu
gewinnen. Denn die ruſſiſche Gefahr wird neuerdings von
ge=
wiſſen Stellen mit ſo grellen Farben an die Wand gemalt, daß
man nicht einmal eine Beſprechung über das wirtſchaftliche
Zu=
ſammenwirken in Europa abhalten kann, ohne daß man dabei an
eine außenpolitiſche Verſchwörung gegen Rußland denkt.
Europa ſteht heute unter der Suggeſtion des
ruſ=
ſiſchen Fünfjahrplanes. Daß man ſich mit den
Konſe=
quenzen dieſes Planes auseinanderſetzen muß, iſt klar. Aber die
ſo notwendige Reorganiſierung der europäiſchen Agrarproduktion
darf nicht von einem einſeitig politiſchen Standpunkt aus
be=
trachtet werden.
Das Ergebnis der Agrarkonferenz.
EP. Paris, 25. Februar.
Die erſte Internationale Getreide=Konferenz, die von der
Europäiſchen Studien=Kommiſſion einberufen worden war, iſt
heute nachmittag mit der Unterzeichnung von zwei
Entſchließun=
gen zu Ende gegangen. Die erſte Entſchließung bezieht ſich auf
den Abſatz der Weizenüberſchüſſe. Es heißt darin,
die Konferenz habe feſtgeſtellt, daß die Vorräte in den
mit=
tel= und oſteuropäiſchen Ländern nur einen
ge=
ringen Teil des Bedarfs der europäiſchen
Ge=
treide=Einfuhr=Länder ausmachten, und daß
die auf der Konferenz vertretenen Länder
be=
reit ſeien, ſich im Rahmen des Möglichen an dem
Aafkauf dieſer Vorräte zu beteiligen. Die
Konfe=
renz habe die Ueberzeugung gewonnen, daß in nicht allzulanger
Friſt die Unterbringung und der Wbſatz der Weizenüberſchüſſe
durch die im Verlauf der Beratungen getroffenen Dispoſitionen
geſichert ſeien. Bei der großen Verſchiedenheit der
Fälle ſei es der Konferenz aber nicht möglich
ge=
weſen, die Bedingungen der
Lieferungsver=
träge allgemeingültig feſtzulegen. Die Konferenz=
Teilnehmer verpflichteten ſich jedoch, möglichſt bald die zur
Durchführung dieſer Transaktionen erforderliche
Fühlungnahme herzuſtellen, und dadurch das Vertrauen zu
rechtfertigen, das die Europäiſche Studien=Kommiſſion ihnen
ent=
gegenbringe. Die Ergebniſſe dieſer Bemühungen würden der
Europäiſchen Studien=Kommiſſion bei ihren nächſten Sitzungen
mitgeteilt werden.
Aehnlich lautet die zweite Entſchließung, die die
Mais= und Gerſte=Ueberſchüſſe betrifft. Auchdieſe
Ueberſchüſſe ſeien niedriger als der
europä=
iſche Einfuhr=Bedarf im laufenden Jahr. Die
Einſuhrländer ſeien gewillt, einen Teil ihres
Bedarfs aus den in Frage kommenden
europä=
iſchen Produktionsländern, zu beziehen. Die
Kommiſſion habe mit Befriedigung feſtgeſtellt, daß bereits
be=
deutende Käufe vorgenommen oder in der Schwebe ſeien und daß
verſchiedene Länder Einfuhr=Erleichterungen gewährt hätten.
Eine ähnliche Löſung wie für den Weizen müſſe von den
europä=
iſchen Einfuhrländern auch für Mais und Gerſte gehroffen
werden.
Borkrag über die Oper „Wozzeck”
von Alban Berg
am 25. Februar im Kleinen Haus des Heſſ. Landestheaters.
Das aus Georg Büchners ſtarker Hand ſtammende Textbuch,
s hier beſonders intereſſieren mußte, und die Perſon des
Kom=
niſten, der ſelbſt über ſeine Oper ſprach, beides hatte einen
blreichen Beſuch gebracht. Es kam hinzu, daß die Oper Wozzeck,
o ſie erſchien, je nach Einſtellung zu den grundſätzlichen Fragen
* Oper, gegenſätzlich beurteilt worden iſt. Es war ſomit vielen
wünſchte Gelegenheit geboten, ſich perſönlich zu orientieren.
Es kommt wohl ſelten vor, daß ein Komponiſt als ſein eigener
rchwalter auftritt. Und welcher Komponiſt hat ſich je über ſein
haffen bis in die kleinſten Einzelheiten derart Rechenſchaft
ge=
ben, wie es Alban Berg heute tun konnte? Vor unſerem
erſtande erſtand die bis ins Letzte überlegte Geſamtarchitektur
* Oper, der Aufbau eines jeden Aktes als Glied des Ganzen,
* Gliederung der je 5 Szenen und ihre thematiſchen Gerüſte. Im
„einen wurde die Anwendung der klaſſiſchen Formen als Mittel
rſikaliſcher Abwechſlung aufgezeigt, die Verwendung von
Volks=
ſik nachgewieſen. Die neuen Formen, die Behandlung der
Sing=
mmen, die Kontraſtwirkungen der Zwiſchenſpiele fanden — wie
Es andere — Erläuterung in geſchickt gewählten Bruchſtücken,
* vom Orcheſter des Landestheaters unter Leitung Dr. Böhms
ker Mitwirkung von Anita Mitrovic und Joachim
Ektler, ſowie Herm. Schäfer am Flügel geſpielt und ge=
Igen wurden. Schließlich ſchien die ganze Oper mit ihren Zielen
D Abſichten als ein aufgeſchlagenes Buch ſtrengſter muſikaliſcher
gik offen zu liegen.
Wird der eingehende, für muſiktheoretiſch nicht durchaus
vor=
dildete Hörer wohl etwas ſchwer verfolgbare, Vortrag nicht alle
n der Wichtigkeit der Theorien überzeugt haben, ſo doch die
iſten davon, daß dieſe mit ſchärfſter Konſequenz und virtuoſer
nnerſchaft durchgeführt wurden.
Die Frage des Werturteils kann durch die heute gebrachten
agmente und ihre Erläuterungen nicht beantwortet werden.
ſer wird nur der Eindruck des geſchloſſen von der Bühne herab
F.H.
rkenden Dramas entſcheidend ſein dürfen.
Lebensdaken Alban Bergs.
Zur Darmſtädter Erſtaufführung der Wozzeck=Oper.
Alban Berg iſt 1885 in Wien geboren als Sohn eines
Nürnberger Kaufmanns. Der Vater ſtammt aus einem
katholi=
ſchen altbayeriſchen Patriziergeſchlecht, die Mutter aus einem
ebenſolchen Wiener Bürgerhaus. Berg beſuchte die Realſchule in
Wien, und war nach Erlangung der Matura zwei Jahre Beamter
in der Wiener Statthalterei, um ſich dann ganz der Muſik zu
widmen. Den erſten Klavierunterricht hatte er im Elternhaus
genoſſen und verſuchte ſich ſchon frühzeitig als Autodidakt in der
Kompoſition. Schließlich ging Berg bei Arnold Schönberg in die
Lehre, der ſein einziger muſikaliſcher Mentor geblieben iſt.
1908/09 veröffentlichte er als Opus 1 eine „Sonate für Klavier”
und „Vier Lieder” nach Hebbel und Mombert. 1909/10 folgte ein
„Streichquartett”, dem ſich 1912 „Fünf Orcheſterlieder” nach
Altenberg, 1913 „Vier Stücke für Klarinette und Klavier” und
1914 „Drei Orcheſterſtücke” (Präludium, Reigen, Marſch)
anſchloſ=
ſen. Kurz vor Kriegsausbruch wohnte Berg einer
Schauſpiel=
aufführung von Büchners „Wozzeck” mit Albert Steinrück in der
Titelrolle in Wien bei, und ſofort ſtand ſein Entſchluß feſt, das
Werk im Muſik zu ſetzen. Seine Einberufung zum Militär, dem
er von 1915 bis zum Ende des Krieges angehörte, verzögerte
zu=
nächſt deſſen Ausführung. Immerhin konnten in verſchiedenen
Urlaubswochen einzelne Szenen aufgezeichnet werden. 1920 war
ſchließlich die Oper „Wozzeck”, das einzige Werk, das Alban Berg
bisher der Bühne geſchaffen hat, beendet. Die jüngſten
Schöpfun=
gen Bergs, ſind ein „Kammerkonzert für Klavier, Violine und
13 Blasinſtrumente” und die „Lyriſche Suite für Streichquartett”
1925/26, hieraus „Drei Stücke für Streichorcheſter” 1928
erſchie=
nen die „Sieben frühen Lieder aus dem Jahre 1907” (
inſtrumen=
tiert 1928).
* Erdmann. Grundriß der Geſchichte der Philoſophie. Deutſch=
Schweizeriſche Verlagsanſtalt (Eigenbrödler=Verlag) A.G.,
Ber=
lin W 8/Zürich.
Erdmanns berühmter „Grundriß” iſt noch heute das klaſſiſche Werk
der Geſchichtsſchreibung der Philoſophie, ausgezeichnet vor allem
durch den Blick für die großen Entwicklungszuſammenhänge der
geſchichtlichen Erſcheinungen. Auf dieſes Moment hat der
Neu=
bearbeiter das Hauptaugenmerk gerichtet und unter Beiſeitelaſſung
des geſamtwiſſenſchaftlichen Apparates und ſteter Zurückführung
auf das Hauptſächliche und Weſentliche eine Geſchichte der
euro=
päiſchen Kultur= und Geiſtesentwicklung vom Altertum bis auf
den heutigen Tag geſchaffen. Ferner hat er vor allem die Philo=
Die Konferenz hat in ihrer letzten Sitzung beſchloſſen, das
Problem der Roggen= und Hafer=Vorräte bis auf
weiteres zurückzuſtellen. — Der deutſche Delegierte Hermes
dankte im Namen aller Konferenz=Teilnehmer dem Präſidenten
und gab gleichfalls ſeiner Befriedigung über das erſte glüclliche
Ergebnis der von der Europäiſchen Studien=Kommiſſion
einge=
leiteten Arbeiten Ausdruck.
Der deutſche Skandpunkk zur Pariſer Agrarkonferenz.
Zu dem Abſchluß der Verhandlungen des erſten Ausſchuſſes
der Europaſtudienkommiſſion über die Erleichterung des Abſatzes
der noch vom vorigen Jahre vorhandenen Getreideüberſchüſſe wird
von deutſcher Seite mitgeteilt: Die Arbeiten des Ausſchuſſes
ſtel=
len eine weitgehende Verſtändigung dar. Die
inter=
eſſierten Getreideausfuhrländer an der Donau (Rumänien,
Süd=
ſlawien, Bulgarien, Ungarn) ſind für die Erleichterungen, die
die Getreideeinfuhrländer ihnen in Ausſicht ſtellten, empfänglich.
Die einzelnen Abmachungen ſeien natürlich beſonderen
Verhand=
lungen vorbehalten, da bei dem Abſatz die Frage des Preiſes und
der Qualität eine große Rolle ſpielt. Man kann von einem
po=
ſitiven Ergebnis der Verhandlungen ſprechen; die
zu erſchließenden Möglichkeiten würden natürlich im Rahmen
der Meiſtbegünſtigungsklauſel bleiben. Die Frage
des ruſſiſchen Dumpings ſei während der Verhandlungen in Paris
nur geſtreift worden; aber die Ungewißheit des Faktors
Ruß=
land ließ bei allen derartigen Berechnungen eine große Lücke,
ſolange Sowjetrußland abſeits ſteht. Was die Bereitwilligkeit
Englands anbetrifft, Getreide aus den Donauländern abzunehmen,
ſo iſt dieſe durch die Verpflichtung Englands, kanadiſchen Weizen
zu beziehen, eingeſchränkt.
Die Etalberakang im Fin
Akersgrenze und Benſionslaſten.
Orkskrankenkaſſe
und Beamkenkaſſe.
Im Finanzausſchuß des Heſſiſchen Landtags entſpann ſich
geſtern eine lange Erörterung über die
finanzielle Auswirkung der Altersgrenze
auf den Penſionsetat. Von ſeiten der Deutſchen Volkspartei
wird bemerkt, daß die Haupturſache des anſteigenden
Penſions=
etats in der Vermehrung der Beamtenzahl zu ſuchen ſei. Der
demokratiſche Vertreter wies darauf hin, daß der heſſiſche
Beamten=
körper gerade in den Jahren nach 1900, alſo noch im alten Staat,
erheblich vermehrt wurde und daß auch dieſe Jahrgänge
allmäh=
lich in das Penſionsalter einrückten. Zur Einſchränkung des
Penſionsetats ſolle die Regierung künftig nicht mehr Beamte
in den letzten Jahren vor der Penſionierung befördern. Von
Landbundſeite werden die Berechnungen, die die Regierung über
die Belaſtung des Penſionsetats durch Einführung der
Alters=
grenze angeſtellt hat, angezweifelt. Der Vertreter der
Volks=
rechtpartei hält eine Aenderung des Altersgrenzengeſetzes zur
Kürzung des Penſionsetats für notwendig. Demgegenüber
be=
tont der Vertreter des Zentrums, daß in den gegenwärtigen
Zeiten, wo große Teile der Jugend arbeitslos ſeien, auch auf
die Jugend Rückſicht genommen werden müſſe. Ohne das
Altersgrenzengeſetz wäre es nicht möglich geweſen, die
Stellen=
zahl, wie es in den letzten Jahren geſchehen, erheblich zu
ver=
mindern. Der Regierungsvertreter weiſt nach, daß die
Steige=
rung des Aufwands für die Ruhegehalte zum größten Teil aus
der Steigerung der Zahl der Ruhegehaltsempfänger erwächſt.
Der Prozentſatz der Witwenbezüge ſei allerdings erhöht worden;
aber ausgeglichen durch die Herabſetzung des höchſten
Prozent=
ſatzes für die Ruhegehalte, ſo daß eine Steigerung der
Penſions=
laſt nicht eintrat. Bei Heraufſetzung der Altersgrenze um 3
Jahre würde die Einſparung der Penſionen im 1. Jahr 150 000
RM., im 2. Jahr 300 000 RM. und nach dem 3. Jahr jährlich
400 000 RM. betragen.
Von ſozialdemokratiſcher Seite wird
die Aufhebung der Betriebskrankenkaſſe
gefordert. Der Antragſteller glaubt, daß die
Verwaltungs=
koſten der Betriebskrankenkaſſe gegenüber den Ortskrankenkaſſen
zu hoch ſeien. Demgegenüber wies die Regierung darauf hin,
daß
die Verwaltungskoſten der Betriebskrankenkaſſe pro
Mit=
glied 6,44 RM. betragen gegenüber den Sätzen zwiſchen
6,84 RM. und 10,52 RM. der größeren heſſiſchen
Orts=
krankenkaſſen.
In Prozenten der Beiträge beziffern ſich die
Verwaltungs=
koſten der Betriebskrankenkaſſe auf 4,44 Prozent, bei den
größeren heſſiſchen Ortskrankenkaſſen auf 6, 39 und
10,92 Prozent. Die Zahl der Austritte aus der
Be=
triebskrankenkaſſe anläßlich der Notverordnung und aus der
ſophen der Neuzeit von dem veralteten theologiſchen Rahmen
be=
freit und die überholten Anſchauungen Erdmanns über die
Philo=
ſophie des Altertums dem modernen Stand der Forſchung
ange=
paßt. In dieſer Form iſt, nach ſachkundigem Urteil, die
Neu=
ausgabe des klaſſiſchen Erdmannſchen Werkes eine Neuſchöpfung.
— Fliegende Blätter (und Meggendorfer Blätter) München.
Zweiter Halbjahrsband 1930. Verlag von J. F. Schreiber,
München. Preis geb. 14 RM.
Der Verlag J. F. Schreiber hat den zweiten Halbjahrsband
der Fliegenden Blätter für das Jahr 1930 vorgelegt. Dieſes
alt=
bewährte, allbeliebte Familienwitzblatt bewältigt tatſächlich
immer wieder aufs neue die ſchwierige und delikate Aufgabe, eine
ſchwere Zeit, eine Zeit, die von widerſtrebenden Stimmungen und
Anſichten in den Grenzen des eigenen Volkes zerriſſen und von
Nöten, die aus aller Welt auf das engere Vaterland einſtürmen,
bedrückt iſt, mit Heiterkeit und verſtehendem Frohſinn zu
beglei=
ten und aus düſteren Tagen und Wochen immer wieder die
Licht=
blicke zu pflücken, die dem Humor und der Satire ſich bieten.
Da=
bei enthalten ſich die Fliegenden Blätter, alter Tradition getreu,
jeder politiſchen Einſtellung und verſchmähen — ebenfalls feſt zu
ihrer Vergangenheit haltend — alle Witze und Bemerkungen
pi=
kanter oder zweideutiger Natur. Reime und Proſa zeigen
ge=
pflegten Stil — Humoresken, Anekdoten und Satiren, Lieder,
Ge=
dichte und aktuelle Reime und Gloſſen wechſeln in bunter Fülle.
Hervorragende Zeichner, bewährte Illuſtratoren auf dieſem
Ge=
biete ergänzen und verſchönern den Inhalt eines jeden der
wöchentlich erſcheinenden Hefte. Die Preisaufgaben und Rätſel
von Heft zu Heft und ihre Löſungen beweiſen, daß zwiſchen dem
Blatt und den Leſern ein ſtändiger Konnex angeſtrebt und
herge=
ſtellt iſt, aufgebaut auf der Freude und der Bindung an
harm=
loſer Fröhlichkeit und Beluſtigung.
— Die Zeitſchrift „Der Werksleiter”, Halbmonatsſchrift für
neuzeit=
liche Fabrikanlage, Betriebsführung und Organiſation (Schriftleitung
Dr.=Ing. Richard Koch und Dr.=Ing. Otto Kienzle, Berlin, Verlag:
Deutſche Verlagsanſtalt, Stuttgart), gibt ſoeben das dritte Heft ihres
5. Jahrgangs (1. Februar 1931) heraus. Wieder eine Fülle intereſſanter
Fragen, die angeregt und beantwortet werden. Wer wüßte zum Beiſpiel
nicht gerne Beſcheid über das modernſte Werkzeug unſerer Technik. „Die
Vereinigung von Automobil und Kran”, über das Dr.=Ing. E.
Ding=
linger, Schmalkalden, in ungemein inſtruktiver Weiſe unterrichtet. Sehr
lebendige Bildbeigaben zeigen die Verwendung meiſt alter Fahrzeuge,
die auf dieſe Weiſe weiterhin der Wirtſchaft dienſtbar gemacht worden
ſind. Reichhaltigkeit und Aktualität dieſes Heftes zeigen wieder, welch
wichtige Beratung der „Werksleiter” für jeden Betrieb leiſtet. Durch
Sammlung der Hefte vermag ſich jeder Abonnent eine Auskunftei über
alle vorkommenden Fragen zuſammenzuſtellen. Trotz dieſer
Material=
fülle iſt der Preis für 6 Hefte im Vierteljahr auf nur 5.— Mk.
feſt=
geſetzt (Einzelheft 1.— Mk., Probeheft koſtenlos direkt vom Verlag).
Abonnementaufgabe durch jede Buchhandlung oder Poſtanſtalt.
Seite 4
Donnerstag, den 26. Februar 1931
Nummer 57
Beamtenkrankenkaſſe anläßlich der Aenderung der Beitragsſätze
bewege ſich in normalen Grenzen. Der Vertreter der Deutſihen
Volkspartei trat ſehr warm für die Beamtenkrankenkaſſe ein,
ebenſo der Vertreter des Landhundes, der größere Propaganda
für ſie fordert. Auch der Vertreter der Demokratiſchen Partei
hielt es für notwendig, daß für ſtärkeren Zuwachs aus
jünge=
ren Beamtenkreiſen geſorgt werde.
Der ſozialdemokratiſche Antrag auf Aufhebung der
Kran=
kenkaſſen wird mit 8 gegen 5 Stimmen abgelehnt. Der
kom=
muniſtiſche Antrag auf Kürzung der Penſionen bis zum
Höchſt=
betrag von 5000 RM. wird einſtimmig abgelehnt. Der Antrag
des Zentrums, die in verſchiedenen Kapiteln vorgeſehenen
Be=
träge zur Unterſtützung von Beamten und Bedienſteten aus
Gründen der Ueberſichtlichkeit und Klarheit des Voranſchlags,
ſoweit die Beträge aus Sparſamkeitsrückſichten nicht gekürzt
werden, im Kapitel 15 zu verrechnen, wird auf Grund der
zu=
ſagenden Regierungsantwort für erledigt erklärt. Kapitel 15
wird im übrigen mit 80 941 RM. in Einnahme und 18 263 210
RM. in Ausgabe mit 9 gegen 2 Stimmen bei einer
Stimment=
haltung angenommen.
Kap. 16. Nachträge und Unvorhergeſehenes wird
zurück=
geſtellt.
Kap. 18: Landtag,
erfolgt eine längere Debatte über die Zuſtändigkeit des
Finanz=
ausſchuſſes zur Beratung dorliegender Anträge. Ein Teil der
Anträge wird in den 2. Ausſchuß verwieſen und im übrigen die
Beſchlußfaſſung über das ganze Kapitel bis zur 2. Leſung
zurück=
geſtellt. Dabei erklärte der volksparteiliche Nedner, daß
dieſer Landtag keine Berechtigung beſitze, grundſätzliche
Verfafſungsfragen zu entſcheiden. Von inehreren Seiten
werde die Rechtmäßigkeit dieſes Landtages angeztveifelt,
von keiner Seite werde dagegen beſtritten, daß er in ſeiner
jetzi=
gen Zuſammenſetzung dem Willen des Volkes nicht mehr
ent=
ſpreche. Daher müßten dem kommenden Parlament
grundſätz=
liche Aenderungen vorbehalten bleiben.
Zu Kap. 108,
Miniſterium der Finanzen,
fordert der Landbund, 37 Stellen zu ſtreichen. Finanzminiſter
Kirnberger weiſt darauf hin, daß die Beamtenſchaft des
Finanzminiſteriums ſehr ſtark überlaſtet ſei, daß trotzdem die
Abſicht beſtehe, im Einvernehmen mit den übrigen Miniſterien
Einſparungen auch in der Zentralſtelle vorzunehmen, daß im
übrigen aber Aufgaben des Finanzminiſteriums, namentlich in
der Abteilung I, auf Lokalbehörden deswegen nicht abgewälzt
werden können, weil Lokalbehörden nicht vorhanden ſeien. Die
Zahl der Mitglieder der Bauabteilung hat ſich im Jahre 1930
gegenüber 1914 trotz entſtandener Mehrarbeit nicht verändert,
obwohl z. B. die Anzahl der verwalteten Gebäude von 3586 im
Jahre 1914 auf 4567 im Jahre 1930, und die Zahl der
verwal=
teten Dienſt= und Mietwohnungen von 992 im Jahre 1914 auf
2055 im Jahre 1930 geſtiegen ſei. Im Bereiche der
Forſtver=
waltung ſeien bereits erhebliche Einſparungen vorgenommen
worden. Der Vertreter der Deutſchen Volkspartei ſtimmt im
weſentlichen den Ausführungen des Finanzminiſters bei und
hält den Antrag des Landbundes für zu weitgehend. Im
übri=
gen halte die Volkspartei an ihren vorjährigen Sparplänen feſt.
Die Debatte wurde dann auf Donnerstag vertagt.
hat die DVP. im Landtag folgenden Antrag eingebracht;
„Mit Rückſicht auf die allgemeine wirtſchaftliche Lage wird
die Steuerveranlagung nach Artikel 13 des
Sondergebäudeſteuer=
geſetzes bis auf weiteres ausgeſetzt.”
Eventualantrag: „Im Falle der Ablehnung
vor=
ſtehenden Antrages beantragen wir: Der Mehrertrag an
Sondergebäudeſteuer auf Grund der Veranlagung nach
Artikel 13a wird auf 500 000 RM. begrenzt mit der
Maßgabe, daß die Friedensmiete, ſoweit ſie im Einzelfall 7
Pro=
zent des Friedenswertes überſteigt, unberückſichtigt bleibt."
Begründung: Der Artikel 13 des
Sondergebäudeſteuer=
geſetzes droht ſich nach den bis jetzt gemachten Feſtſtellungen in
einem Maße auszuwirken, das kataſtrophal genannt werden muß
und das ſteuerlich nicht mehr vertreten werden kann. Der
ur=
ſprüngliche Zweck der Sonderſteuer war, den Teil der Miete
ſteuerlich zu erfaſſen, der durch die Aufwertung an
Hypotheken=
zinſen erſpart wurde. Dieſer Grundſatz iſt durch den Artikel 139
vollſtändig außer acht gelaſſen worden. Keinesfalls kann aber
verantwortet werden, daß die Steuerleiſtung der Geſamtheit
über den von der Regierung ſelbſt errechneten Betrag
hinaus=
geht, oder aber, daß durch die Neubelaſtung die wirtſchaftliche
Exiſtenz des Einzelnen in Frage geſtellt wird.
Senkung der ſtagtlichen und komirtunglen
Realſtieuern.
Nach der Verordnung des heſſiſchen Geſamtminiſteriums vow
17. Februar, die geſtern mit Zuſtimmung des
Reichsfinanzminiſter=
veröffentlicht wurde, betragen die Senkungsſätze der ſtaatlicher
und kommunalen Realſteuern für das Steuerjahr 1931 bei der
Grundſteuer je 6 Prozent, bei der Gewerbeſteuer je 12 Prozent
Mit der Ausführung der Verordnung ſind der Miniſter der
Finanzen und der Miniſter des Innern beauftragt.
Statt beſonderer Anzeige.
Unſere geliebte Mutter, Schwiegermutter,
Großmutter und Urgroßmutter
geb. Ewald
Witwe des verſt. Geheimen Medizinalrates
Dr. med. Carl Draudt
iſi geſtern Abend im 80. Lebensjahre ſanft
entſchlafen.
Kreisdirektor Carl Draudt und Frau
Anna, geb. v. Bechtold
Oberſtleutnant a. D. Auguſt Draudt
und Frau Elſe, geb. Torgang
Dr. med. Ernſt Draudt und Frau
Irma, geb. Blankenhorn
Dr. med. Ludwig Draudt und Frau
Alice, geb. Winter
Bertha Bickel, geb. Draudt und
Haupimann a. D. Bickel
und 8 Enkel und 4 Urenkel.
Darmſtadt, den 25 Februar 1931. (3:34
Die Beiſetzung findet in der Stille ſiatt.
Von Beileidsbeſuchen biiten wir abſehen zu wollen.
Todes=Anzeige.
Meine liebe, herzensgute Frau, unſere treuſorgende Tochter,
Schweſter, Schwägerin und Tante
eilnn Bekäaffer
geb. Breidenbach
iſt heute vormittag 5 Uhr im 46. Lebensjahre plötzlich und
unerwartet durch einen ſanften Tod heimgegangen. (3174
In tiefer Trauer:
Otto Wettlauffer, Crumſtadt.
Familie Wilhelm Breidenbach, Gelnhauſen.
Familie Haaſe, Bad Soden.
Familie Ph. Sauer, Darmſtadt.
Familie Heinrich Pforr, Lütgendortmund.
Crumſtadt, den 25. Februar 1931.
Die Beerdigung findet ſtatt: Freitag, den 27. Februar,
nachmittags 3 Uhr.
Dankſagung.
Allen denen, die unſerem lieben Entſchlafenen
die letzte Ehre erwieſen, ſowie für die
zahl=
reichen Kranzipenden und Beileidsſchreiben, jage
ich meinen herzlichſien Dank. Ferner danke ich
Herrn Pfarrer Becker für die troſtreichen Worte
am Grabe, dem Kriegerverein,
Kampfgenoſſen=
ſchatt, Deutſche (hrenlegion, Reichsbund, Bund
erblind. Krieger, Frankturt a. M.
Anna Hoffmeiſter Wwe.
und Kinder.
Darmſtadt, Moldenhauerweg 23
Dankfagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme,
ſowie für die zahlreichen Blumenſpenden beim
Heimgang unfres lieben Entſchlafenen ſei
hier=
mit herzlichſt gedankt
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Florentine Bruch, geb. Ewald.
Darmſtadt, den 26. Februar 1931.
Gutenbergſir. 8.
Frau Georg Schmidt I. Wwe., geb.
Steuer=
nagel, Unter=Oſtern, teiert heute in
voller geiſtiger und körperlicher Friſche
ihren
76. Geburtstag.
Herzlichen Glückwunſch! (3168
Peiant
u
Ab 1. März ds. Js. ſind unſere Kaſſe
für Stromgeldzahlungen ſowie unſere 4—5-3.-WohN9.
Auskunftsſchalter für
Stromgeldange=
legenheiten nur noch von 8 Uhr
durch=
gehend bis 1 Uhr geöffnet.
(3169
Heſſ. Eiſenbahn=Akt.=Geſ.
3116a
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe
auf=
richtiger Teilnahme bei dem
Heimgang unſeres lieben
Entſchlafenen ſei auf dieſem
Wege Allen herzlichſi ge=
(3131
dankt.
Familie Gg. u. Soh. Schuchmann
nebſt Angehörige.
Weiterſtadt, 25. Febr.
1 Schiedmayer=,
1 Römhildt=
*
Aanu
wie neu, billigſt
Piano=Berg
Heidelbergerſtr. 88.
Teleph. 126. (Eir
Großer
Preisſturz!
Schallplatten
3.15.
1.25 ℳ
Koffer=
Sprechapparake
58.
Fr. Gükking
Schuchardſtraße 10.
(3143b)
Brattsckärack
leidende sollten lesen: Minderung des
Blutdruckes auf natürlichem Wege.
Frankozusendung durch Dr. A. Helle,
Charlottenburg 5/54.
WV.110
Sonzorrſteigrrang M.in
(letzte).
Montag, den 2. März 1931,
vor=
mittags 9/ Uhr, werden in der
Keller=
ſchen Gaſtwirtſchaft zu Wembach
aus den Staatswalddiſtrikten Seckenhain
1b, 3b, Flachsgrund ba u. b.
Diſtel=
grund 11, Neuer Schlag 20a, 22a, und
verſchiedene der Förſterei
Kolonie=
wald verſteigert:
Nutzholz: Stämme Eiche N Kl.
5 Stück — 3.00 tm.
Brennholz: Scheiter, rm: 246
Buche, 90 Eiche, 264 Kiefer, 11 Fichte,
5 Weißtanne. Knüppel, rm: 40 Buche,
49 Eiche, 105 Kiefer, 4 Lärche, 13 Fichte
Stammreiſig, 100 W.: 0,60 Buche
Aftreiſig, 100 W.: 34, 35 Buche, 8,50
Kiefer.
Unterſtrichene Nummern kommen nicht
zum Ausgebot. — Nähere Auskunft durch
unterzeichnetes Amt und Herrn Förſter
Schneider in Rohrbach.
(316
Ober=Ramſtadt, den 25. Febr. 1931.
Heſſ. Forſtamt Ober=Ramſtadt.
Kl. Landhaus=Villa
m. Garten m.
Vor=
kaufsrecht zu miet.
geſucht. Gfl.
Ange=
bote v. Beſitzer erb
unter 3. 153 an die
Geſchäftsſt. (3112b
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Telephon 736
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Bitte genau auf Firma und Straße zu achten
am 2. März 1931.
Am 2. März 1931 findet wieder eine
Schweinezwiſchenzählung ſtatt, mit der
gleichzeitig die Erhebung der Anzahl der
in der Zeit vom 1. Dezember 1930 bis
28. Februar 1931 vorgenommenen
nicht=
beſchaupflichtigen Haus= oder
Privat=
ſchlachtungen verbunden iſt.
Wer vorſätzlich die Angaben, zu denen
er bei dieſer Zählung und Erhebung
— durch beſondere Zähler —
aufgefor=
dert wird, nicht erſtattet, oder wer
wiſſentlich unrichtige oder unvollſtändige
Angaben macht, wird mit Gefängnis
bis zu 6 Monaten oder mit Geldſtrafe
beſtraft. Auch kann Vieh, deſſen
Vor=
handenſein verſchwiegen worden iſt, im
Urteil für dem Staate verfallen
er=
klärt werden.
(st. 3146
Darmſtadt, den 26. Februar 1931.
Der Oberbürgermeiſter.
Gebr. Automobile
a. bequ. Teilz. bei=
L. Baumert,
Mühl=
ſtr. 1—3. Tel. 4374
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Engl. Triumph,
500 ccm., 170 ℳ u.
Drehſtrom=Motor,
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fabrikneu,
äußerſt preiswert.
Aukg=Enſinger
Michelſtadt.
Fernſpr. 464. (3166b
Zim. Oſtviertel. (*/Betr.: Durchführung des Geſetze
über die Bereinigung de
Grundbücher.
Bekanntmachung.
Die Gläubiger ſolcher Hypotheke
3. 170 a. d. Geſch. Grundſchulden, Rentenſchulden und Rea
Anſt. alleinſt. Fraullaſten, die nach dem Aufwertungsgeſ
ſucht leer Zimmer. aufgewertet ſind, deren Aufwertung i
Ang. mit Preis u. Grundbuch aber noch nicht eingetrage
3. 161 a. d. Geſch.* iſt, haben den Antrag auf Eintre
Stud. ſucht für das gung der Aufwertung des Recht
Sommerſem. behagl. ſpäteſtens bis zum 31. März 1931 b
lich eingerichtetes dem zuſtändigen Grundbuchamt zu ſtellet
Zimmer Zuſtändig iſt das Grundbuchamt, vo
mögl, im Herdweg= dem das Grundbuch für das belaſte
viertel. Gefl. Ang. /Grundſtück geführt wird. Wird de
mit Preis u. 3. 171/Antrag nicht rechtzeitig geſtellt,
a. d. Gſch. (IV. 3129 erliſcht das aufgewertete Recht ai
Wo find, jg. Hand=/Grundſtück und wird, ſoweit es no
werker einf. möbl. im Grundbuch eingetragen iſt, vom Amt
Der bezeichnete Rechtsverluſt bedro!
insbeſondere alle im Grundbuch eing”
tragenen noch auf (Papier=)Mark lauten
den Rechte, die (weil keine Rückzahlun
erfolgt war), ohne eine Anmeldung b
der Auſwertungsſtelle kraft Geſetzes au
gewertet ſind, und ferner die Rechte, me
gen ſie gelöſcht oder noch eingetroß
ſein, für die (weil eine Rückzahlung?
reits erfolgt war), zwar die Anmelaſt
des Anſpruchs auf Aufwertung bei
Aufwertungsſtelle erfolgt, aber kein Al
trag an das Grundbuchamt auf Eintlg
gung des Aufwertungsbetrags in 9
Grundbuch geſtellt worden iſt. (512
Darmſtadt, den 11. Febr. 1931.
Der Präſident
des Landgerichts der Provinz
Starkenburg.
Rheinſand=Lieferung=
Die Lieferung von Rheinſand (75000l
rei Abgangsſtation, 500 cbm frei Be.
wendungsſtelle) ſoll vergeben werde‟.
Lieferungsbedingungen liegen bei de
Tiefbauamt, Zimmer Nr. 6, währe”
der Dienſtſtunden zur Einſicht offen. Au
werden dort die Angebotsſcheine a28
geben.
Angebote ſind bis Freitag; 2‟
6. Mtärz 1fd. Js., 11 Uhr, bei umte
zeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, den 24. Febr. 1931.
Tiefbauamt. (st31
Rummer 57
Seite 5
1M
Pront
iſter
orfi
Aus der Lanseshaupkftadt.
Darmſtadt, den 26. Februar 1931.
Rajor Friedeich Wilhelm Deiß F.
Als Soldatenkind am 14. März 1877 zu Darmſtadt geboren,
war für Friedrich Wilhelm Deiß die Berufswahl keine Frage,
Er wurde wie ſein Vater und ſein Großvater Offizier, und zwar
trat er am 18. April 1896 als Fahnenjunker in das preußiſche
Infanterie=Regiment Nr. 138, das in der alten ſchönen deutſchen
Stadt Straßhurg im Elſaß in Garniſon lag, ein. Am 20. Juli
1897 wurde Deiß zum Leutnant befördert. Nach mehreren Kom=
„nandos (u. a. zur Militär=Turnanſtalt in Berlin) trat Deiß am
1 April 1910 in das heſſiſche Infanterie=Regiment Nr. 168 über.
Als Kompagniechef der 4/168 machte er den Vormarſch mit, his
ihn bei Sexvon zwei feindliche Geſchoſſe ſchwer verwundeten. Im
Juli 1915 kehrte er zur Truppe zurück und nahm, im November
1916 zum Bataillonsführer II/168 ernannt. an den Kämpfen
ſeines Regiments im Oſten und Weſten teil. Im Jahr 1917 wurde
er durch
im Kriege zugezogene Krankheit
felddienſt=
untauglic
Zuſammenbruch und die Entwaffnung
Deutſch=
ihn ſchwer. Im Februar 920 erhielt er den
Ab=
ſchi
Immer klater erkannte er ſeine Aufgabe, die
Ueberliefe=
rung des ſtolzen deutſchen Heeres in den kommenden Geſchlechtern
wachzuhalten. Als Autorität auf dem Gebiete der geſchichtlichen
Beikfelſich uchen e eſtleleid d. Deileng
Seinen Fachgenoſſen war er durch ſeine Veröffentlichungen zur
Waffen= und Uniformkunde längſt vertraut. Das Werden des
ungen Reichsheeres verfolgte Deiß mit geſpannter
Aufmerkſam=
eit. Bereitwillig ſtellte er ſein reiches Wiſſen in den Dienſt der
veeresfachſchulen. Humorbegabt, wußte er unzählige militäriſche
Unekdoten trefflich zu erzählen.
Friedrich Wilhelm Deiß war ein treuer, opferbereiter Freund.
Inter Kindern wurde er ſelbſt zum Kind. Im Flug eroberte er
hre Herzen. Tapfer, wie es einem alten Soldaten geziemt, hat
r die ſchweren Leiden ſeiner tückiſchen Krankheit bis zum bitteren
Ende getragen. Am 24. Februar 1931 wurde er zur großen Armee
bberufen. Bis zu ſeinem Tode war er an ſeinem Werke tätig.
Das deutſche Heer und alle, die ihm näher getreten ſind, werden
ein Andenken ſtets in Ehren halten.
Dr.—r,
Wozu Zugendherbergen?
Von Schulrat Heinrich Haſſinger, Darmſtadt.
Ari.
ransta
Pran
—Dienſtjubiläum. Am Sonntag, den 1. März begeht Herr
Ernſt Thomas, hier, Ploenniesſtr. 17, ſein B5jähriges
Dienſt=
ubiläum im Hauſe E. Merck.
— Jubiläum. Am 1. März begeht Fräulein Luiſe Boller
Stütze bei Frau Hauptmann v. Haxthauſen. Lucasweg 11, ihr
5jähriges Jubiläum.
Hohes Alter. Frau Katharine Bitſch, Witwe,
Viktoria=
raße 79, 3. Stock, begeht am 1. März ihren 88. Geburtstag in
irperlicher und geiſtiger Friſche.
Kirchenchor der Stadtkapelle und der Schloßkirche. An den
Jaſſionsaufführungen dieſes Jahres wird ſich der genannte Chor
dieder beteiligen und eine Wiederholung der Aufführung „
Der=
od Jeſu” von Graun bringen. Da dieſelben Soliſten wie
n Vorjahre wieder gewonnen ſind, und die Einſtudierung des
Verkes in den bewährten Händen von Muſik=Oberlehrer Pfaff
egt, ſo iſt eine Aufführung dieſer charaktervollen Paſſionsmuſik
* erwarten, welche ſowohl tiefe religiöſe Erbauung gewähren als
uch weitgehenden äſthetiſchen Anſprüchen gerecht werden wird.
die Aufführung iſt auf Sonntag, den 8. März, 5 Uhr
achmittags, feſtgeſetzt, alſo in angemeſſener Entfernung von der
rarwoche, welche erfahrungsgemäß und aus wohlbegreiflichen
ründen in kirchenmuſikaliſcher Beziehung überbeſetzt iſt. Die
ufführung findet in der neuhergeſtellten Stadtkapelle ſtatt. Die
eſentliche Verbeſſerung die durch Umſtellung der Orgel und
eugeſtaltung der Orgelempore erzielt wurde, kann ſich da zum
ſtenmal in vollſtem Umfang bewähren.
Petrusgemeinde (Männer=Vereinigung). Jetzt ſchon ſei
Ifmerkſam gemacht auf das Wohltätigkeitskonzert, welches die
T.=Vg. am Montag, den 9. März, im Gemeindehauſe
veran=
rltet, um ihrerſeits etwas beitragen zu können zur
Erwachſenen=
peiſung der Petrusgemeinde, ferner zur wirtſchaftlichen Beihilfe
7 bedürſtige Mitglieder (Konfirmanden). Namhafte Kräfte
derr Hofopernſänger Johannes Biſchoff und Frau Gemahlin, der
rthſche Männerchor und ein künſtleriſch anerkanntes
Streich=
tartett) werden die Vortragsfolge beſtreiten. Um jedem den
eſuch der Veranſtaltung möglich zu machen, iſt ein Eintrittspreis
in 50 Pfg. für faſt alle Plätze vorgeſehen. Doch ſind auch
be=
ummerte Plätze zu 1 Mark zu haben. Eintrittskarten können
i den Vertrauensmännern und Herrn Kirchendiener Kropp
be=
gen werden. Der Vorſtand der M.=Vg. richtet an alle
Gemeinde=
jeder beſonders aber an die Mitglieder der M.=Vg. die
herz=
che Bitte um Unterſtützung der oben genannten
Wohlfahrtsbe=
rebungen durch den Beſuch des Konzertes, das ſicher ein
Kunſt=
nuß für jeden bedeuten wird.
— Odenwaldklub, Ortsgruppe Darmſtadt. Im überfüllten
ronenſaale ſprach der Schriftführer des Geſamtklubs. Herr
Stu=
enrat Dr. Götz, über eine Reiſe durch Rumänien, die er im
uftrage des Vereins für das Deutſchtum im Ausland im
ver=
ugenen Herbſt unternahm. Dem Rumänien der Vorkriegszeit
urde in der Einleitung das heutige Groß=Rumänien
gegenüber=
ſtellt, das ſich aus einem uneinheitlichen Völkergemiſch zuſammen=
3t, weshalb nationale Einheit fehlt. Unter den 16 Millionen
nwohnern ſind 800 000 Deutſche. Sie wohnen in einzelnen
Sied=
ngen verteilt über das ganze Land, im Banat, in
Siebenbür=
n. der Bukowina, in Beßarabien, der Dobrudſcha und dem alten
mäniſchen Reich. Landwirtſchaft, Weinbau und Viehzucht ſind
Haupterwerbsquellen, deren Erträgniſſe aber auch in dieſer
eltecke von der Weltwirtſchaftskriſe ſtark beeinträchtigt werden,
sgleichen der Abſatz der Bodenſchätze z. B. des Petroleums.
lerdings trägt auch vielfach Mißwirtſchaſt dazu bei, daß ein an
odenerträgen reiches Land trotzdem arm iſt. In klaren
Licht=
ldern ließ dann der Redner ſeine Studienreiſe vor den Augen
r Verſammelten vorüberziehen. Landſchaftlich reizvolle
Gegen=
n erſchienen auf der Leinwand, ſchöne Städtebilder, wie
Czerno=
t. Bukareſt, Conſtanza, dann Kronſtadt, Karlsburg. Arad,
inspar. Man ſah die deutſchen Siedler in ihren Gemeinden,
vielfach ſich um die Kirchen= und Bauernburgen gruppieren;
wurden aber auch lei ihrer oft ſchweren Arbeit gezeigt.
Da=
verſtand es Herr Dr. Götz vorzüglich, in kurzen Erläuterungen
die geſchichtliche und wirtſchaftliche Entwicklung der einzelnen
edlungen einzuführen und ſo das Intereſſe für unſere
Volks=
roſſen in Groß=Rumänien zu wecken. Die Studienreiſe hat aber
f der anderen Seite dazu beigetragen, das
Zuſammengehörig=
tsgefühl der Siedler zu dem deutſchen Volkstum zu heben und
ſtärken. Dieſen Gedanken gab auch der Vorſitzende der
Orts=
zppe Darmſtadt, Herr Dr. Köſer, in ſeinen Dankesworten, die
r leohaften Beifall fanden, beredten Ausdruck. Der
Sänger=
r der Ortsgruppe leitete den Abend mit einem ſtimmungsvollen
imatchor ein und beſchloß denſelben in gleicher Weiſe. — Es ſei
geführt, daß die ſehr guten Lichtbilder vom Auslandsinſtitut
Stuttgart entliehen waren.
Sektion Starkenburg des Deutſchen und Oeſterr.
Alpen=
reins. Es wird nochmals auf den heute abend 20 Uhr im Hör=
1 326 der Techn. Hochſchule, ſtattfindenden Lichthildervortrag
7 Herrn Ludwig Lautz üher „Vom Bodenſee durch Rhätikon—
(pretta—Ferwall und Stubai zum Tegernſee” hingewieſen. Die
itglieder der Sektion Starkenburg, ſowie der Sektion Darmſtadt
d freundlichſt eingeladen. Gäſte ſind willkommen.
Darüber könnte man ein dickes Buch ſchreiben. Das ſoll hier
nicht geſchehen. Aber haſt du ſchon einmal etwas von einer
Be=
wegung der Jugend gehört, die ſo um die Jahrhundertwende
ſpon=
tan entſtand und aufs engſte mit dem Namen „Wandervogel”
ver=
knüpft iſt? Auf ihre Art revoltierte damals ein großer Teil der
Jugend gegen den Zwang der Städte und der ſtädtiſchen
Geſell=
ſchaft und Mode und ſuchte ihren eigenen Weg zur Natur und zur
Natürlichkeit. Dieſe Jugend hat, das Wandern nicht erfunden,
aber ſie hat es für ihre Anhänger und für viele, viele, die ihnen
nachfolgten, zu einem Bedürfnis gemacht. Aber das weißt du doch,
daß alle Jugendbünde heute noch und gerade heute auf der
Grund=
lage des Wanderns beruhen. Aber weil ſie ſich auflehnte gegen
den Zwang überalteter Formen der Geſellſchaft ihrer Zeit,
des=
halb lehnte ſie auch vieles der herkömmlichen Formen des
Wan=
derns ab. Was ſollte ſie, die am nächſten Morgen friſch und
ge=
ſtärkt weiterziehen wollte, und die von ihren paar Groſchen leben
mußte, in den Gaſthäuſern und Hotels, was ſollte ſie mit Alkohol
und Nikotin, die den Kopf ſchwer machten? Sie ſchlief bei den
Bauern im Heu, ſie ſchlief in Zelten am windgeſchützten Waldrand,
ſie ſchlief, wenn es nicht anders ſein konnte, am Tag in der
war=
men Sonne und wanderte bei Nacht. Das ging, ſolange es ging,
ſolange es ihrer nicht allzu viele waren, ſolange ſich die Bauern
nicht weigerten wegen allzu häufiger Beläſtigung. Aber das
Wan=
dern der Jugend nahm ja im Gegenteil immer mehr zu. Aus
einigen Hunderten, die es damals waren, ſind heute
Hundert=
tauſende geworden; nahezu vier Millionen Uebernachtungen
ver=
zeichnet im vergangenen Jahre, der Jugendherbergsverband in
ſeinen Jugendherbergen. Die ſtehen nun zu zweitauſend Stück
über ganz Deutſchland verteilt. Jetzt braucht es das nicht mehr
zu geben, daß die jungen Wanderer gegen Abend den Kopf
hän=
gen laſſen, weil ſie nicht wiſſen, wo ſie die Nacht über bleiben
ſollen. Und viel, viel billiger als die Gaſthäuſer und Hotels ſind
dieſe Herbergen; ein paar Pfennige die Uebernachtung. Und kein
Zwang zum Kaufen und Verzehren, nur der Zwang, ein
anſtän=
diger, friſcher Menſch zu ſein, der zu ſeiner frohen Stimmung
keinen Alkohol und keine Zigaretten braucht. Glaubſt du nicht
auch, daß man ſich immer wieder aufs neue in dieſen ſauberen und
billigen Herbergen wohl fühlen wird, wenn einen die Luſt am
Wandern und die Freude an der Natur und die Sehnſucht nach
Bewegung und Sonne und Luft hinaustreibt? Und biſt du nicht
auch der Anſicht, daß den jungen Menſchen, die darin die ſchönſte
und beſte Ausnutzung ihrer freien Tage ſehen, geholfen werden
muß, den Tag auch ſo froh und zuverſichtlich abzuſchließen, wie ſie
ihn angefangen haben? Muß ich dir nun noch ſagen, wozu wir
Jugendherbergen brauchen? Dann kannſt du nicht die Freude des
Wanderns kennen, die Sehnſucht nach Einfachheit, wie ſie die
Jugend kennt, die Jahr, für Jahr zu Hunderttauſenden in die
Jugendherbergen kommt. Und weißt du auch, daß trotzdem nicht
immer alle unterkommen können?. Daß wir faſt die doppelte Zahl
von Jugendherbergen brauchen könnten, um alle, die um
Ueber=
nachtung nachſuchen, aufnehmen zu können? Wollen wir da nicht
lieber ſtatt der Frage „Wozu Jugendherbergen?” die Frage
ſtel=
len „Wie ſchaffen wir noch mehr Jugendherbergen und damit
Raum für alle, die auf, ihren Wanderungen zu uns kommen?”
Und dieſe Frage wird ihre, rechte Antwort, erhalten, wenn alle
Volksgenoſſen, die in einer geſunden, friſchen, an Einfachheit und
freiwillige Diſziplin gewöhnten Jugend ihre Freude haben, und
die in einer ſolchen Jugend die beſte Gewähr für die innere
Ge=
ſundung unſeres Volkes ſehen, wenn alle die zum
Jugendherbergs=
werk ſtoßen und damit an einer Stelle des Aufbaues helfen, wo
noch viel zu helfen iſt. Wann wirſt du dich bei der nächſten
Orts=
gruppe des Jugendherbergsverbandes anmelden?
Die Zufargenarbeit der freien und öffenklichen
Wehſeifslſege.
In der Zeit vor dem Krieg gingen freie und öffentliche
Wohl=
fahrtspflege ohne unſere Führung nebeneinander her. Unter dem
Druck der Not während des Krieges wurden beide zu
gemein=
ſamer Fürſorge für die leiblich und ſeeliſch gefährdeten,
insbe=
ſondere jugendlicher Geiſter des Volkes, zuſammengeführt. In
Anerkennung der Arbeit der freien Kräfte und ihrer Bedeutung
für das Volkswohl ſtellte der Staat ſehr erhebliche Geldmittel für
die kirchliche Wohlfahrtspflege und Jugendfürſorge bereit. In der
Nachkriegszeit wurde durch die Reichswohlfahrtsgeſetzgebung die
geſamte und amtliche Fürſorgetätigkeit in der Art
zuſammenge=
bracht, daß an Stelle des Nebeneinander und zufälligen
Mitein=
ander ein geordnetes Mit= und Füreinander trat. Eine ſolche
Zu=
ſammenarbeit iſt gerade in der Gegenwart dringend notwendig.
Die öffentliche Fürſorge und die ihr zur Verfügung ſtehenden
Mittel ſind durch die Erwerbsloſenfürſorge aufs Schwerſte
be=
laſtet. Nur durch Heranziehung der freien Wohlfahrtspflege kann
ſie ihr Werk weiterführen, ohne ſich mit Rückſicht auf die
erfor=
derlichen Sparmaßnahmen, eine allzugroße und das allgemeine
Wohl ſchädigende Beſchränkung auferlegen zu müſſen. Zu dieſen
wirtſchaftlich=finanziellen Wunden kommen aber auch ſolche die
in der Fürſorgearbeit ſelbſt liegen. Hier gilt es, eine
Zerſplit=
terung der Kräfte zu vermeiden, vor allem perſönliche Kräfte
mobil zu machen, die genug Zeit, Verſtändnis und Liebe haben,
um ſich der einzelnen Fürſorgebedürftigen anzunehmen. Darum
bedarf die öffentliche Wohlfahrtspflege zu ihrer Ergänzung der
freien und dieſe jener Eine ſolche Zuſammenarbeit wird von
der Liga für freie Wohlfahrtspflege erſtrebt, in der die
Spitzen=
verbände der Inneren Miſſion der evangeliſchen Kirche, der
ka=
tholiſchen Karitas, des Roten Kreuzes, der Arbeiterwohlfahrt
u. n. zuſammengeſchloſſen ſind. Sie iſt auch in den Ländern und
in den Kommunen zu erſtreben Kriegs= und Nachkriegszeit waren
große Lehrmeiſter. Aber wir ſind noch nicht zu Ende gekommen,
und es gilt, alle Kräfte anzuſpannen, um in der gegenwärtigen
ſchweren und vielleicht noch ſchwerer werdenden Notzeit das letzte
lich in den ſozialen Gedanken des Chriſtentums wurzelnde Werk
der leiblichen und ſeeliſchen Fürſorge für die hilfsbedürftigen
Glieder des Volkes aufrechtzuerhalten und weiterzuführen. Das
waren etwa die leitenden Gedanken des Vortrags, den Frau
Re=
gierungsrat Keller auf Veranlaſſung des Evangeliſchen
Ortsaus=
ſchuſſes für kommunale Arbeit in dem überfüllten großen Saal
des Gemeindehauſes der Stadtgemeinde über „alte und neue
Formen der Zuſammenarbeit der freien und öffentlichen
Wohl=
fahrtspflege” hielt. Mit geſpannteſter Aufmerkſamkeit folgten
die Zuhörer den klaren, warmen, aus der Fülle einer reichen
Erfahrung ſchöpfenden Ausführungen der Rednerin. An den mit
lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag ſchloß ſich eine ſehr
angeregte Ausſprache, an der ſich der Leiter des ſtädtiſchen
Wohl=
fahrtsamts. Herr Direktor Schraut, der Vorſitzende des
Landes=
vereins für Innere Miſſion. Herr Pfarrer Wagner der Leiter
des hieſigen Evangeliſchen Wohlfahrtsdienſtes. Herr Pfarrer Heß,
außerdem Herr Sanitätsrat Dr. Sell und der Leiter der
Ver=
ſammlung, Herr Landeskirchenrat D. Waitz beteiligten. Den
näch=
ſten Vortrag wird an derſelben Stelle Montag, den 23. März,
Herr Direktor Röhricht über „Gegenwartsaufgaben und Gefahren
der evangeliſchen Wohlfahrtspflege” halten.
Gedächtnisfeier am Volkskrauerkag.
Wie ſchon mitgeteilt, veranſtaltet die hieſige Ortsgruppe des
Volksbundes Deutſche Kriegsgräberfürſorge an dem auf den
kom=
menden Sonntag fallenden Volkstrauertag, vormittags 11.15 Uhr,
im Kleinen Haus des Heſſiſchen Landestheaters eine
Gedächtnis=
feier zu Ehren derer, die im Weltkrieg für uns alle ihr Leben
laſſen mußten. Frau Kuhn=Liebel vom Heſſiſchen
Landes=
theater und der Inſtrumentalverein Darmſtadt unter
Leitung von Herrn Profeſſor Schmitt werden
dankenswerter=
weiſe mit künſtleriſchen Vorträgen vokaler und inſtrumentaler Art
die Gedenkrede umrahmen. Dieſe wird, von Herrn Studienrat
Dr. Gottron gehalten, der in weiteſten Kreiſen unſerer Stadt
als vorzüglicher Redner bekannt iſt. Es darf erwartet werden,
daß die Gedächtnisfeier zahlreich beſucht wird.
— Männergeſangverein „Concordia”, gegr. 1883. In der
Ge=
neralverſammlung, die gut beſucht war, erſtattete der 1.
Vor=
ſitzende, Herr Karl Beſt, nach aherzlichen Begrüßungsworten
einen ausführlichen Bericht über die Vereinstätigkeit im
verfloſ=
ſenen Jahre, aus dem zu entnehmen war, daß ſich die Concordia
trotz der ungünſtigen Verhältniſſe ſehr gut weiterentwickelt hat.
Ganz beſonders wies er darauf hin, daß gerade die Geſangvereine
heute einen ſchweren Stand haben, der nur durch allergrößte
Sparſamkeit überwunden werden kann. Der Mitgliederſtand hat
ſich nicht weſentlich verändert. Der Bericht des Schriftführers
ſo=
wie die Rechnungsablage des Kaſſiers fanden allgemeine
Zuſtim=
mung bei den Verſammlungsteilnehmern. Die Wiederwahl des
Vorſtandes bewies, daß die Mitglieder mit deſſen Arbeit
vollſtän=
dig zufrieden ſind. Der Ehrenvorſitzende, Herr Guſtav Hanſtein,
ergriff anſchließend das Wort zu einer kernigen Anſprache, in der
er die Verdienſte des Vorſtandes, insbeſondere die des Herrn
Karl Beſt, hervorhob, und ſchloß mit dem Wunſche, immer weiter
zu arbeiten zum Wohle des deutſchen Liedes.
— Liederabend. Heute Donnerstag ſingt im Kleinen Haus
die Koloraturſängerin Alice Evers=Fürſt aus Hamburg
aus=
gewählte Arien von Mendelsſohn, Gluck, Mozart (Figaro,
Ent=
führung, Zauberflöte), Donizetti und Verdi. Am Flügel:
Wil=
helm Barg.
— Den weiblichen Angeſtellten bietet die neueſte
Beitrags=
ſenkung der VWA.=Krankenkaſſe (vom 1. März 1931), eine
er=
wünſchte Spargelegenheit, ſind doch die an ſich ſchon niedrigen
Beiträge noch weiter um 10—15 Prozent herabgeſetzt worden.
Dabei bleiben die ausgezeichneten hohen und langfriſtigen
Leiſtun=
gen für Krankenhilfe jeder Art, Heilmittel, Zahnerſatz ſowie auch
die im Beitrag enthaltene Familienverſicherung unverändert
ge=
wahrt. Angeſtellte mit einem Einkommen bis 105 RM. haben
nur 25 Pf. für den Krankenſchein zu entrichten, für Stellenloſe iſt
er ganz gebührenfrei. Näheres iſt in der hieſigen
Verwaltungs=
ſtelle der Kaſſe, Wilhelminenſtraße 19, I., zu erfragen.
— „Bund ehem. 209er” Gründungder Gruppe „Süd=
Südweſtdeutſchland” Am Sonntag, dem 22. Februar 1931,
wurde in Darmſtadt im Café=Reſtaurant „Zur Oper” unter
Füh=
rung des letzten Kommandeurs des Reſ.=Inf.=Regts. 209. Herrn
Oberſt Krauſe, die Gruppe „Süd=Südweſtdeutſchland” gegründet,
Damit hat der ſeit 10 Jahren ſchon beſtehende „Bund ehem. 209er”
in Stettin ein neues Reis erhalten. Für den vorläufigen
Vor=
ſtand zeichnet Kamerad Niederberger=Mainz, Frauenlobſtraße 62,
an den alle Zuſchriften zu richten ſind. Die nächſte
Zuſammen=
kunft findet Pfingſten 1931 wiederum in Darmſtadt ſtatt.
— Opernſchule der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt. Am
Mittwoch, dem 4. März 1931, 20 Uhr, findet im Kleinen Saal des
Städtiſchen Saalbaues der 2. Vortragsabend der Opernſchule der
Städtiſchen Akademie für Tonkunſt ſtatt. Zum Vortrag kommen:
Arien aus verſchiedenen Opern, Szenen aus. Der Waffenſchmied”
von Lortzing ſowie der 1. Akt der Oper „Die Zauberflöte” von
Mozart in Konzertform. Vertreten ſind die Geſangsklaſſen Prof.
Carl Beines. Hanne Perron und Mathilde Weber. Am
Flügel Paul Ottenheimer.
Karten im Sekretariat der
Städtiſchen Akademie für Tonkunſt. Eliſabethenſtraße 36,
Fern=
ruf 3500 (Stadtverwaltung).
Hefſiſches Landestheater.
Welſce ine Se Donnerstag,28. Februar 19.30—22.30 Uhr
DiePortuggleſiſche Schlacht
K12 Bühnenvollsbund.
Preiſe 1—10 Mr. 20—21.30 Uhr
Arienabend
Aliee Evers=Fürſt
Preiſe 1. 2. 3 Mk. Freitag,
27. Februar 3 20—22 Uhr
G11. Der Tartuffe
Oſtdt. Volksb. Gruppe 1-10
Preiſe 1— 10 Mk. Keine Vorſtellung Samstag
28. Februar 19.30, Ende gegen 22 Uhr
Sſioweſtdeutſche Erſtauführung
C17. Wozeck
Preiſe 1.20—12 Mk.
Gutſcheine beſchränkt gültig 15, Ende gegen 16.30 Uhr
Marionettenbühne
Schneelpittchen
Preiſe 0.40—2 Mk.
20—21.45 Uhr
der Mann, den ſein Gewiſſen trieb
Darmſt. Volksb. Gr.MNu. /V
K8
Preiſe 120—6 Mk. Sonntag,
1. März 18, Ende nach 21.30 Uhr
Hamlet.
Heſſenlandntiete 1V9
Preiſe 1—10 Mk.
g 11.15
Gedeukfeier
für die Gefallenen
Veranſtalt vom Verein der
Kriegsgräberfürſorge
20—22 Uhr
Luefa von Lammermooo
Außer Miete.
Volksvorſtellung z. halb. preicl
Prei
Heſſiſches Landestheater. „Die Portugaleſiſche
Schlacht” von Ernſt Penzoldt, deren Uraufführung im Heſſ.
Landestheater eine beſonders ſtarke Reſonanz finden konnte wird
heute Donnerstag, im Großen Haus mit Bernhard Minetti als
Sebaſtian von Portugal wiederholt. — „Der Tartuffe” von
Moliere wird morgen, Freitag, in der beifällig aufgenommenen
Bearbeitung von Rudolf Blümner mit Bernhard Minetti in
der Titelrolle in Szene gehen. Der Bearbeiter des Tartuffe‟
Dr. Rudolf Blümner, hat brieflich Gelegenheit genommen, allen
im „Tartuffe” Beſchäftigten für die große Hingabe an die
Auf=
führung ſeinen herzlichſten Dank auszuſprechen. — Die
ſüdweſt=
deutſche Erſtaufführung der Oper „Wozzeck” von Alban Berg
findet Samstag, den 28. Februar, in Anweſenheit des
Kompo=
niſten im Großen Haus unter muſikaliſcher Leitung von Dr.
Karl Böhm ſtatt. Inſzenierung: Renato Mordo; Bühnenbild;
Lothar Schenck von Trapp. Die Partie des „Wozzeck” wird von
Albert Lohmann geſungen werden. Die übrigen Hauptrollen ſind
mit Mitrovic. Vogt, Kuhn, Sattler, Schocke, Herrmann,
Stralen=
dorf, Bertholdt beſetzt. Es wird nochmals darauf aufmerkſam
gemacht, daß die Samstag=Vorſtellung ausnahmsweiſe der Miete
„C” zugeteilt iſt.
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Das Haus der Vertrauens-Qualikäten
Seite 6
Donnerstag, den 26. Februar 1931
Was heißt „Zauberei”?
Der große Zauberkünſtler Kaßner. — Dunkle Geheimniſſe und ihre
Erfolge. — 10 000 Gepäckſtücke — Wozu braucht Kaßner ſeinen
Elefanten?
Zauberei gibt es nicht — aber faulen Zauber, und vor allem zur
Freude Tauſender gibt es eine Zauber kunſt von verblüffender
Wir=
kung. Kein Geringerer als Kaßner iſt heute wohl der gefeiertſte
Ver=
treter dieſer der Artiſtik ſo nahe verwandten Kunſt, welche — aus
In=
telligenz geboren — ein Unmaß von Geſchicklichkeit, Ausdauer, Fleiß,
Energie — und Liebe erfordert. Ehe Kaßner ſich im Glanze ſeines
Er=
folges ſonnen konnte, hatte er eine der härteſten Jugenden und bittere
Jahre der Enttäuſchung zu durchleben. Der erſte Zauberkünſtler, den
Kaßner ſah, begeiſterte ihn ſo, daß er ſein Zettelträger und Handlanger
wurde. 18jährig ging Kaßner ſelbſt auf Engagement. In den
Kriegs=
jahren ſtellte Kaßner ſeine Kunſt in den Dienſt der Wohltätigkeit. Nach
dem Umſturz beginnt er mit Vorſtellungen in Berlin. Ein böſer
An=
fang. Jedoch ſetzte durch das Publikum, welches Kaßner brillieren ſah,
geſunde Mundreklame ein, die fabelhaften Maſſenbeſuch bewirkte. Von
da ab begann der Ruhm des Illuſioniſten Kaßner wie Lauffeuer zu
wachſen.
„Von allen die Mittelſtraße nur nicht in der Kunſt”, ſagt Kaßner,
und ſtellt an ſich die höchſten Anforderungen. In Deutſchland gibt es
kaum eine größere Stadt, die Kaßner noch nicht bereiſt hätte, und das
will was heißen — auch techniſch! Denn Kaßner ſoll ein Reiſegepäck
haben, das aus 10 000 Stücken beſteht, wovon die Sage geht, daß jedes
in Flanell eingehüllt und nur vom Meiſter ſelhſt ein= und ausgepackt
würde. In der Vielgeſtaltigkeit der Kaßnerſchen Darbietungen liegt der
entzückende Reiz ſeiner abwechſlungsreichen Vorſtellungen, die, ſo oft
man ſie auch ſieht, immer wieder etwas Neues enthalten, begleitet von
der aumutigen Elaſtizität des Meiſters und ſeiner ewig lächelnden
Lie=
benswürdigkeit,
Laſſen ſich Zauberkünſte patentieren? Gewiß, z. B. auf ſeine
Ori=
ginal=Würfelilluſion beſitzt Kaßner das D.R.P., ebenſo auf das „
Ver=
ſchwinden von 12 Perſonen” aus dem Publikum, „die Flucht aus der
Kiſte” uſw.
Kaßners Gattin und ſeine beiden Töchter haben auch Illuſionsblut;
der Vater hat auf ſie abgefärbt und ſie zu ſeinen Mitarbeitern gemacht,
deren Troß 56 Beine und 48 Augen zählt. Neuerdings gehört ein
leib=
haftiger Elefant dazu. Wozu braucht ein Zauberkünſtler einen
Elefan=
ten?. Was manch einer mit dem Ei, der Spielkarte und dem Geldſtück
macht, nämlich ſie verſchwinden laſſen, das macht Kaßner mit dem
Ele=
fanten. Alles geht bei ihm ins Gigantiſche. Seine Leiſtungen, ſo
ge=
ſchwind und elegant er ſie ausführt, wirken, ſo übernatürlich ſie auch
ſcheinen, wie eine natürliche ſchöne Geſte.
Wo Kaßner war, ruft man ihn wieder. Alle Tage packen, das ganze
Jahre wandern. Nur kurze Zeit iſt Kaßner im Darmſtädter Orpheum
zu bewundern. Aber ohne Zauberei, denn die gibt es nicht, ſondern mit
Illuſionen, mit köſtlichen Ueberraſchungen, die ſtaunen und lachen
machen und angenehme Stunden ungebundenen Heiterſeins bereiten.
F. A. Knothe.
Aa. Geometrie=Unterricht und Erziehung des Denkens. Im
Auftrag des Vereins Freie Schule, e. V., Darmſtadt, hielt in der
Aula des Ludwig=Georgs=Gymnaſiums, vor einem aufmerkſamen
Publikum der Lehrer an der Freien Waldorfſchule Stuttgart
Dr. H. v. Baravalle einen äußerſt lehrreichen Vortrag über
den „Geometrie=Unterricht und die Erziehung des Denkens”.
Aus=
gehend von der Pädagogik Rudolf Steiners, die das Kind ſich
nicht ſelber überlaſſen wolle, ſondern den Erzieher nicht nur als
einen notwendigen Begleiter, ſondern auch vor allem als einen
zielweiſenden Führer der Kindesentwicklung betrachte, behandelte
der Redner zunächſt vom rein pädagogiſchen Standpunkt aus
ein=
gehend die Probleme der erſten Denkerziehung. Dabei komme es
beſonders darauf an, daß das Kind in das Reich des Denkens
eingeführt werde, ohne daß ihm dieſes Reich als etwas
Aufge=
zwungenes oder Aufgedrängtes erſcheine. Dann wies er nach, daß
das Kind für die räumliche Geſtaltung viel weniger Sinn habe,
als ihm der Erwachſene zumuten möchte, da es die Welt mehr in
Bildern ſehe. So leitete der Lehrer geſchickt auf ſeine bis ins
Kleinſte durchdachte „Geometrie in Bildern” über. Der
Geo=
metrieunterricht ſolle im 12. Lebensjahr beginnen. Als praktiſches
Beiſpiel zur Veranſchaulichung ſeiner Theſe wählte der Redner
das gleichſeitige Dreieck, ſeine verſchiedengeſtaltige Umwandlung
und Umformung, und baute darauf einen feſtgefügten
Geometrie=
unterricht auf, was ſelbſtverſtändlich nur in ganz großen Zügen
und Andeutungen geſchehen konnte. Dazwiſchen ſtellte er
ein=
leuchtende Beziehungen zu anderen Unterrichtsgegenſtänden und
deren gegenſeitige Befruchtung her, wie überhaupt geiſtige und
körperliche Erziehung ſo innig wie möglich miteinander
verbun=
den ſein ſollten. Dann wandte er ſeine Unterrichtsmethode auch
auf, den bekannten Pythagoreiſchen Lehrſatz, und zwar an Hand
eines beſondern Modelles, an. Zum Schluß gab er noch Beiſpiele
aus dem Bereich der Sphäriſchen Trigonometrie. Klar
gezeich=
nete Lichtbilder und ein flüſſiger Vortrag trugen weſentlich zum
Verſtändnis des Vortrages bei, der für die Zuhörer gleichſam
einen anderthalbſtündigen, äußerſt lebendigen und aller trockenen
Dogmen entbehrenden Geometrieunterricht bedeutete.
p. Eintragung der Aufwertung in das Grundbuch. Die Lehrer
ſeien nochmals daran erinnert, daß nach dem am 1. Oktober 1930
in Kraft getretenen Reichsgeſetze über die Bereinigung der
Grundbücher Anträge wegen Eintragung der Aufwertung beim
zuſtändigen Grundbuchamt bis einſchließlich 31. März
1931 zu ſtellen ſind. Geht innerhalb dieſer Friſt kein Antrag
ein, ſo hat dies zur Folge, daß das Recht, das im
Grund=
buch noch in alter Währung eingetragen iſt,
ge=
löſcht wird.
Die Führung von Weinbüchern. Polizeibeamte haben bei
Vornahme von Kontrollen wiederholt die Wahrnehmung machen
müſſen, daß die Vorſchriften des 8 19 des Weingeſetzes und des
Artikels 9 der Ausführungsbeſtimmungen hierzu nicht beachtet
werden. Nach den erwähnten Beſtimmungen haben alle
Per=
ſonen, die gewerbsmäßig Trauben zur Weinbereitung,
Trauben=
maiſche, Traubenmoſt oder Wein in Verkehr bringen, Bücher zu
führen. Unter die hierzu Verpflichteten fallen auch die
Schank=
wirte Lebensmittelhändler, Krämer und ſonſtigen
Kleinverkäu=
fer. In Kürze werden Reviſionen erfolgen, ob die
vorgeſchrie=
benen Bücher geſührt werden. Vordrucke für die Weinbücher ſind
in der Buchdruckerei von Uhde. Schulſtraße 9, dahier, erhältlich.
— Der Arbeits=Invaliden=Bund der Stadt „Darmſtadt” hielt
ſeine ſehr gut beſuchte Generalverſammlung ab. Nach herzlicher
Begrüßung und kurzem Vortrag über die derzeitige Lage der
In=
validen durch den Vorſitzenden, Herrn Koch, gab derſelbe den
Jahresbericht. Der Mitgliederſtand iſt zufriedenſtellend. An
Austritten und Sterbefällen hatte der Bund 19 Abgänge, denen
18 Neueintritte gegenüberſtehen. Die Intereſſen der Invaliden
und Sozialrentner wurden beſtens gewahrt. So konnten in zirka
10 Fällen 200 Mark Rente pro Monat erreicht werden. In zwei
Fällen wurden Nachzahlungen von 250 und 3200 Mark erreicht.
Die Beitragsgelder betrugen rund 1000 Mark und konnten bei
der Weihnachtsfeier in Geſtalt von Lebensmitteln in Höhe von
600 Mark zurückgegeben werden. Der Kaſſier Herr Kröh, gab den
Kaſſenbericht. Die Vorſtandswahl ergab die Wiederwahl des
ſeit=
herigen Vorſtandes mit Zuwahl für verſtorbene und
ausgeſchie=
dene Vorſtandsmitglieder, der Herren Falkenſtein, Schwarz,
Lo=
renz, Wenz und Schuchmann.
— Verein zur Abhaltung lutheriſcher Gottesdienſte. Es wird
darauf aufmerkſam gemacht, daß die für den 5. März feſtgeſetzte
Hauptverſammlung des Vereins wegen der Paſſionsandachten
ver=
ſchoben werden muß. Sie wird daher am Montag dem 16. März,
abends 8 Uhr, im Orgelſaal des Neuen Palais ſtattfinden.
Das Programm des muſikaliſchen Teils wird noch bekannt
gegeben.
Zimmerbrand. In der Clemensſtraße 7 entſtand ein
Zim=
merbrand, wahrſcheinlich durch ausgeſchüttete glühende
Brikett=
aſche. Die herbeigerufene Feuerwehr trat nicht mehr in
Tätig=
keit, der Brand war bereits abgelöſcht.
Städtiſche Betriebe. Wir machen nochmals auf den heute
abend im Bürgerhof, Eliſabethenſtraße 2. ſtattfindenden
Werbe=
vortrag aufmerkſam. Karten unentgeltlich im Ausſtellungsraum
Grafenſtraße 30 erhältlich.
*
Aus den Gerichtsſagl.
Aw. Das Bezirksſchöffengericht verhandelte am
woch unter Ausſchluß der Oeffentlichkeit gegen einen 52jährigen
Mitt=
Schloſſer aus Darmſtadt wegen verſuchten
Sittlich=
keitsverbrechens. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu
neun Monaten Gefängnis. In Anbetracht ſeiner Vorſtrafen
ſieht es ſich nicht in der Lage, ihm mildernde Umſtände zuzubilligen.
Es kommt dann ein pſychologiſch und juriſtiſch recht intereſſanter
Fall zur Verhandlung. Eines Tages erſchien bei dem zuſtändigen
Be=
amten ein Reiſender aus Viernheim mit dem Erſuchen um
Unterſtüt=
zung. Nach ſeiner früheren Arbeit befragt, gab er an daß er von
April bis Oktober bei einem Wein= und Branntweinhändler beſchäftigt
war, bei dem er ein Fixum von 250 Mark, die Hälfte in bar, die
an=
dere Hälfte in Waren, erhalten habe. Der Beamte machte ihn darauf
aufmerkſam, daß er dann ein Anrecht auf Erwerbsloſenunterſtützung
habe. Er müſſe nur eine Arbeitsbeſcheinigung ſeines früheren
Arbeit=
gebers herbeiſchaffen. Der Reiſende hat, den Mann amtlich vorzuladen,
de er mit ihm verfeindet ſei. Auf eine Vorladung unterſchrieb dann
der Arbeitgeber eine diesbezügliche Beſcheinigung, und dem Reiſenden
wurde die Erwerbsloſenunterſtützung ausbezahlt. Auf einmal jedoch
wurde ſie geſperrt, denn es hatte ſich inzwiſchen herausgeſtellt, daß er
bei der Krankenkaſſe nur für vier Monate angemeldet war. Der
Ar=
beitgeber behauptet nun, daß er ihn wieder abgemeldet hatte, weil es
ausgemacht worden ſei zwiſchen ihnen, daß der Reiſende die Beiträge
ſelber bezahlen ſollte. Als er nun eine Mahnung bekommen habe hätte
er ihn einfach abgemeldet. Die Meldung wurde dann nachträglich
er=
neuert und die Beiträge nachbezahlt. Die beiden, der Reiſende aber
und ſein Arbeitgeber, wurden wegen gemeinſamen Betrugs zuungunſten
der Neichsverſicherungsanſtalt verklagt. Belaſtend ſind hauptſächlich die
Ausſagen und die Bücher des Urbeitgebers, der anſcheinend in der
Vorunterſuchung, nicht wiſſend, daß man auch gegen ihn vorgehen könne,
ſeinem nunmehrigen Feind ganz gern eins einbrockte. In der
Haupt=
verhandlung, in der er mitangeklagt iſt, muß er nun notgedrungen
ſeine Ausſagen ändern, um ſich nicht ſelbſt zu belaſten, und er
behaup=
tet, daß er gar nicht Beſcheid gewußt habe über berechtigte und
unbe=
rechtigte Anſprüche. Seine Bücher ſeien keineswegs einwandfreie
Be=
lege. Er habe auch die Beſcheinigung unterſchrieben, ohne ſie
durchzu=
leſen, da ſie ihm von einer Behörde vorgelegt worden ſei; eine
Behaup=
tung, die um ſo mehr verwundern muß, als der Mann im
Haupt=
oder Nebenberuf — man weiß nicht ſo recht — Hauptlehrer iſt, und
das Gericht wirft ihm mit Recht vor, daß man ihm dieſe
Entſchuldi=
gung keineswegs glauben könne. — Einen glaubwürdigeren Eindruck
macht der andere Angeklagte, der Reiſende, der behauptet, aus dieſem
Vorgehen keinerlei Vorteil erzielt zu haben, de er bei der andernfalls
eingetretenen Wohlfahrtsunterſtützung eher noch beſſer weggekommen ſei.
Auch die zuſtändigen Beamten, die den Mann ja zur
Erwerbsloſen=
unterſtützung hingewieſen haben, glauben nicht, daß der Angeklagte ſich
einen Vorteil verſchafft hat, ſo daß ſein Vorgehen ganz ſinnlos
er=
ſcheinen muß, und die Sache ſich wohl letzten Endes auf einen
Kompe=
tenzſtreir zwiſchen der Gemeinde und der Reichsverſicherungsanſtalt
aus=
ſpielt. Das Gericht hält aber die Schuld der Angeklagten für erwieſen
und verurteilt den Reiſenden wegen Betrugs zu 3 Wochen
Gefängnis, den Arbeitgeber wegen Beihilfe zum
Betrug zueiner Geldſtrafe von 60 Mark, hilfsweiſe zwölf
Tage Gefängnis. Grundlegend ſeien für das Gericht die erſten
Aus=
ſagen und die Bücher des Arbeitgebers, die eine Schuld klar erwieſen.
Was nennen Sie ſparen?
Sie können nicht ſparen wollen und dabei Waſchmittel mit ſcharfen
Zuſätzen verwenden, die Ihre gute Wäſche zerſtören. Sparen heißt:
Mit reiner Seife gründlich aber ſchonend waſchen!
Naumann’s weiße Kernſeife
iſt beſonders rein und mild ſchaum=und waſchkräftig: eine
Haushalt=
ſeife ganz nach dem Herzen der Hausfrau!
Induſtrie= und Handelskammer Darmſtadt. In der letzten
Vollverſammlung der Kammer wurde an Stelle des verſtorbenen
ſtellvertretenden Vorſitzenden Direktor Karl Kahlert Bankdirektor
Hugo Brink (Darmſtadt) in den Vorſtand der Kammer berufen.
— Der Kaufmänniſche Verein E. V. Darmſtadt veranſtaltet
für ſeine Mitglieder und Freunde am Samstag, den 28. Februar,
abends 20,30 Uhr, in den Räumen des Fürſtenſaales Grafenſtr. 18,
einen Geſellſchaftsabend. Bewährte Kräfte, u. a. Käthe Walter,
Theo Herrmann, Sylveſter Bunſel. Werner Hinz vom Heſſiſchen
Landestheater, ſind hierfür verpflichtet worden. (Siehe heutige
Anzeige.)
— Verein der Freunde des Heſſiſchen Landestheaters. Aus
techniſchen Gründen muß der Zutritt zur Generalprobe der
Oper „Wozzek” am Freitag, dem 27. Februar, 10 Uhr
vormit=
tags, im Großen Haus des Landestheaters nicht durch den
Bühneneingang, ſondern durch die zweite Tür der Oſtſeite
er=
folgen, die durch ein entſprechendes Schild gekennzeichnet wird.
Ebenſo war es notwendig, beſondere Einlaßkarten für dieſe
Ver=
anſtaltung auszugeben, die ſoweit ſie noch nicht im Beſitze der
Mitglieder ſind, an der Kaſſe gegen Vorzeigen der
Mitglieds=
ausweiskarten ausgegeben werden und deren baldige Beſchaffung
wir empfehlen, unter beſonderem Hinweis darauf, daß die
Mit=
gliedsausweiskarte allein nicht zum Beſuche der Generalprobe
berechtigt.
— Mitgliederverſammlung des Verkehrsvereins. Nachdem
wir bereits auf die Mitgliederverſammlung des Verkehrsvereins,
die heute abend 8.15 Uhr im Stadtratsſitzungsſaale im Rathaus
(Marktplatz) ſtatfindet, hingewieſen haben, machen wir abermals
unſere Leſer darauf aufmerkſam. Jeder, dem es mit der
Entwick=
lung unſerer Vaterſtadt ernſt iſt, muß dieſer
Mitgliederverſamm=
lung beiwohnen, in der nicht nur Bericht über Geſchehenes
abge=
legt wird, ſondern in der auch kommende Dinge beſprochen
wer=
den. Abgeſehen davon daß Herr Stadtarchivar Dr. A. Müller
einen hochintereſſanten Vortrag über das Thema „Werbende
Ver=
gangenheit” halten wird, das geeignet erſcheint, intereſſante
Pa=
rallele zu zeigen. Kein Darmſtädter, der Intereſſe an den
Be=
ſtrebungen des Vereinsvereins hat, wird ſich dieſe hochintereſſante
Verſammlung entgehen laſſen.
— Das Bewerbungsſchreiben des Stellenſuchenden. Ueber
dieſes außerordentlich intereſſante und aktuelle Thema ſpricht im
Auftrag der Volkshochſchule am Montag, dem 2. März, abends
8 Uhr, in der Techn. Hochſchule Werbeberater und
Werbeſchrift=
ſteller Friedr. Senft. Der Vortragende will darauf
verzich=
ten, zur blinden Nachahmung führende Schemas zu bringen,
ſon=
dern den Hörern den Weg zeigen, auf dem ſie ohne fremde Hilfe
zu beſſeren Bewerbungsſchreiben gelangen. Erwerbsloſe erhalten
ermäßigte Karten.
Aus den Parkeien.
— Auf die Verſammlung heute abend 8 Uhr im Saalbau in
der Herr Virian Stranders über die Kriegsſchuldlüge und Herr
Dr. Wolf=Mainz über die Entſchuldungslüge ſprechen werden, ſei
nochmals hingewieſen.
Vereinskalender.
— Vereinigte Kriegervereine Darmſtadt.
Stranders, ehemal. Hauptmann im engliſchen Generalſtab.
Don=
nerstag, 26. Febr., abends 8 Uhr, im Saalbau Vortrag über die
Kriegsſchuldlüge.
Tageskalender für Donnerstag, den 26. Februar 1931.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, K 12.
Bühnenvolks=
bund, 19,30 Uhr: „Die Portugaleſiſche Schlacht”, — Kleines
Haus, 20 Uhr: Arienabend Alier Evers=Fürſt. — Konzerte:
Cafs Ernſt=Ludwig. Zur Oper, Schloßkeller, Datterich
Kinoporſtellungen: Union=, Helia= und Palaſt=
Licht=
ſpiele — Vorträge; abends 8 Uhr im
Realgymna=
ſium:; Oberſtudienrat Dr. Klaudius Bojunga ſpricht über:
Einheitl. deutſche Fachwörter in d. Sprachlehre‟; 20 Uhr im
Hörſaal 326 der Techn. Hochſchule:
Lichtbildervor=
trag des Herrn Ldwg. Lautz über: „Vom Bodenſee zum
Te=
gernſee”; im Bürgerhof, Eliſabethenſtr. 2: „Der
Gas=
herd” von Frl. Klingler vorgetragen.
Dg. Arheilgen, 25. Febr. Ortsbauplan. Die kürzlich be
ſchloſſene Verlegung der Vorgärten an der Querſtraße zur Kranich
ſteiner Straße (Weſtſeite) iſt nunmehr mit Verfügung vom 21. Janua
1931 durch das Miniſterium des Innern genehmigt worden. Dieſer ge
nehmigte Ortsbauplan liegt ab Donnerstag, den 25. ds. Mts., auf de
Bürgermeiſterei zu jedermanns Einſicht offen. — Arbeitsjubi
läum. Herr Mich. Pfeiffer, Frankfurterſtraße, kann am Donners
tag, den B. Februar, auf eine 25jährige Tätigkeit bei der Firma Merg
zurückblicken. — Vogelſchutz. Die Bürgermeiſterei weiſt af die ich
Polizeiverordnung vom 31. März 1913 hin, wonach mit Nückſicht auf
den Schutz der Vogelwelt das Beſchneiden von Hecken und Buſchwer in
der Zeit vom 1. März bis 1. Oktober verboten iſt.
Griesheim, 25. Febr. Unglücksfall. Geſtern abend
erig=
nete ſich auf der Darmſtädter Chauſſee in unmittelbarer Nähe des
Svort=
platzes des hieſigen Sportklubs „Viktoria” ein bedauerlicher Unglücks
fall. Zwei hieſige Einwohner, Peter Wirth 2. und Erthi Nerk 2, be
fanden ſich mit einem mit Brettern beladenen Handwägelchen auf dem
Nachhauſewege, wobei ſie, der Vorſchrift entſprechend, ſich auf der rechter
Straßenſeite bewegten. Als ein Kaufmann aus Darmſtadt von der er
dal=Geſellſchaft nach der Begegnung mit einem ihm entgegenkommendet
Auto das Handwägelchen überholen wollte, fuhr er mit ſeinem Auto hou
hinten auf das Handwägelchen auf. Durch den Aufprall wurden die bei
den Führer des Handwägelchens zur Seite geſchleudert. Während Wirt
anſcheinend mit dem Schrecken davonkam, erlitt Kerk einen Unterſchenkel
bruch und möglicherweiſe auch innere Verletzungen. Der Verletzte wurd
nach Anlegung eines Notverbandes von dem alsbald erſchienenen Kran
kentrausport=Auto in das Stadtkrankenhaus nach Darmſtadt verbracht
Die Schuldfrage iſt noch nicht geklärt. Die bolizeilichen Ermittelunge,
ſind im Gange.
J. Griesheim, 25. Febr. Gewerbe= und Handwerker
Vereinigung. Der von der Gewerbe= und Handwerker=Vereinigun
veranſtaltete Lichtbilder=Vortrag über: „Gewinnung und Verarbeitun
von Bleiweiß und Mennige” war leider nur ſchwach beſucht. In Anbe
tracht der dargebotenen lehrreichen Aufſchlüſſe wäre ein ſtärkerer Beſuch
beſonders von in der Farbenverarbeitung Beſchäftigten zu erwarten ge
weſen. Dem ſehr lehrreichen Vortrage wurde von den etwa 60
A=
weſenden mit regem Intereſſe gefolgt, welches der lebhafte Beifall a
Schluſſe der Ausführungen bewies. Anſchließend an den Vortrag y
folgte eine allgemeine Ausſprache über die vom 15. bis 22. März d.).
in Ausſicht genommene „Reichs=Handwerks=Woche‟. Dieſe „R.H.V.
wird im ganzen Deutſchen Reiche als eine Werbewoche für das ſehr dar
niederliegende Handwerk und ſeine Folgeerſcheinungen auf wirtſchaft
lichem Gebiete, veranſtaltet. Auch ſeitens der hieſigen Gewerbe= un
Handwerker=Vereinigung ſind für dieſe Werbewoche verſchiedene, die Al
gemeinheit intereſſierende Veranſtaltungen geplant. Der Hauptzweckde
Werbewoche für das Handwerk iſt, der Bevölkerung den Wert der hand
werklichen Tätigkeit und Arbeiten in Wort und Schrift vor Augen z
führen und die Erkenntnis wieder durchdringen zu laſſen, daß ſachge
mäße Handwerksarbeiten inbezug auf ihre Ausführung und Haltbarkeit
im Gegenſatz zu billigen minderwertigen Arbeiten, immer noch das Bil
ligſte iſt. Auch zur Lehrlings= und Junggeſellenfrage nahm die Ver
ſammlung Stellung und wurde es hier außerordentlich bedauert, da
insbeſondere den Junggeſellen die Möglichkeit zur praktiſchen Weiterbil
dung genommen wird. Obwohl der Handwerksmeiſter ſchon im Intereſſ
des Handwerks, als auch infolge moraliſcher Verpflichtung, die Weiter
beſchäftigung des aus der Lehre tretenden jungen Mannes im Auge hat
ſo iſt er (beſonders auf dem Lande) durch Stillegung ſeines Betriebe
infolge Arbeitsmangel gezwungen, den angehenden Geſellen auch der
großen Heere der Erwerbsloſen auszuliefern.
F Eberſtadt, 25. Febr. Verſchönerungs= und Verkehrt
verein. In der Hauptverſammlung des Vereins erſtattete der Vor
ſitzende Philipp Eyſenbach den Jahresbericht. In ihm wurde au
die recht rege, auf die Verſchönerung des Ortes und ſeiner
Umgebun=
die Hebung und Förderung des Verkehrs, ſowie die Pflege der Liebe zu
Heimat abzielende Tätigkeit des Vereins im abgelaufenen
Vereinsjah=
hingewieſen. Nach außen hin trat dieſe Tätigkeit vor allem in der
Er=
richtung des „Eintrachtbrunnens” an der Krones=Ruh und der Aufſtel
lung einer Anzahl Ruhebänke, nach innen durch einen von Lehrer
Bu=
henne gehaltenen Vortrag über: „Aus der Geſchichte Eberſtadts” in
Erſcheinung. Der Mitgliederbeſtand beträgt am Beginn des neuen Ver
einsjahres 165. Der Rechner Karl Ihrig erſtattete den Jahreskaſſet
bericht. Nach ihm wurden verzeichnet an Einnahmen 1878,34 RM., a.
Ausgaben 1170,65 RM., ſo daß ein Kaſſenbeſtand von 704,69 RM. vor
handen iſt. Der Anregung des Vorſitzenden, nach dem Muſter de
Naturpfades in der Bredower Forſt hierorts einen Naturpfad zu
naturkundliche Belehrung wanderfroher Natupfreunde zu ſchaffen, ſchlol
ſich die Verſammlung an. Noch in dieſem Jahre ſoll damit der Au
fang gemacht werden. Eine Kommiſſion, beſtehend aus dem Vorſitzu
den, Oberforſtmeiſter Hoffmann, Lehrer Burhenne, Lehrer Kirſchner,
Gärtner Pfeifer und Güteraufſeher Knörnſchild, wird beauftragt,
Vor=
ſchläge über die Führung des Naturpfades auszuarbeiten und der
dem=
nächſt ſtattfindenden Mitgliederverſammlung vorzulegen. Der Vorſtand
wurde einſtimmig wiedergewählt. Als Beiſitzer wurde noch Oberforſt
meiſter Hoffmann in den Vorſtand berufen. In der Verſammlund
wurde noch die Frage nachhaltiger Verkehrswerbung ausgiebig erörten
und Anregungen über weitere nützliche Arbeit des Vereins gegebel.
Wiederholt wurde auch die Einrichtung eines Heimatmuſeun
beſprochen; eine Sache, die zunächſt noch Schwierigkeiten, insbeſondt
hinſichtlich der Raumfrage, bereitet. Nichtsdeſtoweniger ſoll dieſe Frul
im Auge behalten werden.
F. Eberſtadt, 25. Febr. Gemeinderatsſitzung. Am 20
nerstag, den 26. Februar, findet im Rathausſaal eine öffentliche
meinderatsſitzung ſtatt. — Muſikverein. Der Verein veranſt
tet am Samstag, den 28. Februar, im Saale „Zum Darmſtädter 60
(Laun) ſein Winterkonzert.
MAGGIS Suppen sind Qualitätsware
Kennzeichen: Der Name MAGGl und die kypische gelb-rote Packung
Die 28 verschiedenen Sorten bieten reiche Abwechslung. — 1Würfel für 2 Tellen
Aa. Eberſtadt B. Febr. Ausflugskaxten für Mittwochl
nachmittags (mit 331o Prozent Fahrpreisermäßigung) gibt es
Frankfurt= Hauptbahnhof bis Eberſtadt (Main=Neckar=Bahnhof).
Intereſſe des Wanderverkehrs kann dies nur begrüßt werden. — P0l
ſchaffner Hennemann von Seeheim iſt wegen Wegfalls, der dortige
Landbeſtellung nach Eberſtadt verſetzt worden. — Der Werbebez
Pfungſtadt der Arbeiterjugend hielt dieſer Tage hier eine 90
ſammenkunft der Ortsgruppenvorſitzenden für Eberſtadt, Pfungſto,
Bickenbach, Seeheim und Nieder=Beerbach ab.
Cp. Pfungſtadt, B. Febr. Gemeinderatsſitzung. 20
Gemeinderat befaßte ſich in ſeiner letzten Sitzung nochmals mit de
Frage der Jagdverpachtung, da zwei Jagdpächter beim Migiſteriug
gegen die am 7. Februar dabei erfolgte Handhabe Einſpruch erholel
hatten. Da der Einſpruch geſetzlich berechtigt war, fand eine neue 9.
ſtimmung ſtatt. Dabei wurde die Jagdverpachtung der Bogen 4 b8
nunmehr endgültig zu einem Jahrespachtpreis von 2500 RM. auf nell
Jahre an Metzgermeiſter und Jagdpächter. Hax in Frankfurt vergel”
Ferner wurde beſchloſſen, den früheren Beſchluß über die Bürgſchet
leiſtung für die Milchverwertungsgenoſſenſchaft G. m. b. H. Pfung”
dahin abzuändern, daß auf die hypothekariſche Sicherheit Verzich” wird. Die Genoſſenſchaft erhält 35 000 RM. durch die L00
bank in Darmſtadt. Für dieſen Betrag übernimmt die Gemeind
Bürgſchafr. Die ſelbſtſchuldneriſche Rückbürgſchaft der Gemeinde 9
über wurde von Mitgliedern der Genoſſenſchaft übernommen.
Ankauf eines vierten Faſels wurde einſtimmig genehmigt — Ferl”
wurde die Bedürfnisfrage zu einem Schankwirtſchaftskonzeſſionsgeſud
befürwortet. Ein Antrag einiger Holzhauer um Erhöhung des
Atold=
ſatzes beim Entrinden von Grubenholz wurde dem zuſtändigen Ausſchuß
überwieſen. Die Grundſtücksverpachtung (75 Morgen) wurde trotz
ge=
ringeren Erlöſes genehmigt. — Die Kommunale Wählerber
einigung hielt unter dem Vorſitz von Georg Steinmetz im „Rhein” Hof” eine Verſammlung ab. Die Ziele der Vereinigung wurden
nochmals klargelegt. Nach der Vorſtandswahl erſtatteten verſchiedene
bürgerliche Gemeinderäte Bericht über die Rathauspolitik. — Die
„Kraftſportvereinigung 1914” hält am Samstag abend einen Sport= un.
Artiſtenabend unter Mitwirkung des Kraftſporwereins Darmſtadt und
Bürſtädter Sportler ab.
Nummer 57
Ur. Niehe-Ranfal. B. Fekr., Dbſke. und
Varkenkal=
erein. Die am letzten Samstag abend ſtattgefundene
Jahresver=
mmlung war überaus gut beſucht. Der Vorſitzende des
Kreisobſtbau=
rbandes, Herr Regierungsrat Schäfer aus Darmſtadt, der als Gaſt
er=
ſienen war, ſtellte in ſeiner Begrüßungsanſprache feſt, daß die
Tätig=
it des Nieder=Ramſtädter Vereins eine vorbildliche und jederzeit
fort=
frittliche ſei. Der gute Beſuch der Verſammlungen, den man als den
ſten der ganzen Kreisvereine bezeichnen könne, beweiſe dies ſchon rein
ißerlich. Vor Eintritt in die Tagesordnung fand ein
Lichtbildervor=
ag, gehalten von Herrn Profeſſor Dr. Sbilger aus Darmſtadt, ſtatt.
78 Thema lautete: „Vogelſchutz und Schädlingsbekämpfung”. Mit
htlichem Intereſſe wurden die lehrreichen Ausführungen des
Vor=
agenden verfolgt. Es wurde hier gezeigt, wie man auch auf rein
türlichem Wege Schädlingsbekämpfung ohne großen Koſtenaufwand
treiben kann. Die Schaffung von Niſtgelegenheiten für unſere Vögel
id ganz beſonders das Aufhängen von Niſtkäſten ſei ein Gebot der
tunde. In der ſich anſchließenden Tagesordnung über die eigentliche
thresverſammlung erſtattete zunächſt der Vorſitzende des Vereins einen
rgehenden Geſchäftsbericht. Aus demſelben war zu entnehmen, daß
r nunmehr 173 Mitglieder zählende Verein auch im abgelaufenen
Ge=
ſäftsjahre gut gearbeitet hat. Durch ſeine Vermittlung konnten über
0 Obſtbäume, 2 Waggon Torfmull, Blumenknollen, Düngemittel,
hädlingsbekämpfungsartikel bezogen werden. Bemängelt wurde die
iſziplinloſigkeit einiger Mitglieder bei der Entleihung der Geräte. Da
ſe Mahnungen des Vorſtandes in dieſer Hinſicht fruchtlos bleiben,
ſziblinloſigkeit einiger Mitglieder bei der Entleihung der Geräte. Da
erätes eine Gebühr von 50 Pfg. hinterlegt werden muß, die verfällt,
inn nicht innerhalb der feſtgeſetzten Friſt das entliehene Gerät
ord=
ingsgemäß zurückgeliefert wird und durch den Vereinsdiener abgeholt
den muß. Der Vorſitzende machte noch die Mitteilung, daß auf
Ver=
laſſung des Vereins ein Obſtbaumwärter in der Lehranſtalt Friedberg
Sgebildet würde. Eine reichhaltige Gratisverloſung, beſtehend aus
ſtkäſten, Gießkännchen, Buſchroſen und Blumenknollen, beſchloß die
eraus anregend verlaufene Verſammlung.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 25. Febr. Vogelſchutz. Nach einer
Be=
antmachung des Kreisamtes iſt gemäß 8 2 der Polizeiverordnung vom
3. 1913 das Beſchmeiden von Hecken und Buſchwerk in der Zeit vom
März bis 1. Oktober mit Rückſicht auf den Vogelſchutz verboten. —
chweinezwiſchenzählung. Am 2. März I. J. findet
wieder=
r eine Schweinezwiſchenzählung ſtatt. Mit dieſer iſt auch eine
Er=
ttelung der nicht beſchaupflichtigen Hausſchlachtungen in der Zeit vom
Dezember 1930 bis 28. Februar 1931 verbunden. Dieſe hat lediglich
r Zweck, einen Ueberblick über den ſaiſonmäßigen Verlauf der
Geſamt=
lachtungen an Schweinen zu erhalten. — Beſitzwechſel. Das in
iten Kreiſen bekannte Gaſtwirtſchaftslokal. „Zur Poſt” ging käuflich in
r Veſitz von Gaſtwirt Scheerer aus Frankfurt a. M. über.
G. Ober=Namſtadt, B. Febr. Die Landpoſtverkraftungen
r vorderen Odenwald und der vorderen Bergſtraße
s Stückgutbeförderungsmittel und Gelegenheit
rPerſonenbeförderung. Mit Wirkung vom 16. Februar
kehren in einer Rundfahrt die ſchon gemeldeten Landpoſtfahrten ab
armſtadt werktäglich je zweimal und an Sonntagen einmal. Abfahrten
Darmſtadt je um 7 Uhr am Hauptbahnhof (Poſtamt 2) mit Halte=
Ele bei der Odenwaldfahrt um 701 Uhr am Luiſenplatz und bei der
rgſtraßefahrt an der Rhein=Neckarſtraße. Die Odenwaldfahrt geht
er Trautheim—Traiſa—Nieder=Ramſtadt nach Ober=Ramſtadt, dann
iter über die Orte Hahn. Wembach, Nohrbach, Nodau, Lichtenberg,
ein=Bieberau, Asbach, Ernſthofen, Herchenrode—Ober=Modau-Neutſch,
ankenhauſen—Waſchenbach-Nieder=Ramſtadt—Trautheim, während die
rgſtraßenfahrt über Villenkolonie Eberſtadt. Eberſtadt, Kühler Grund
Nieder=Beerbach, Ober=Beerbach. Schmalbeerbach. Allertshofen,
Beeden=
chen, Staffel, Kuralve Quattelbach, Balkhaufen. Jugenheim.
See=
m. Malchen, Eberſtadt=Billenkolonie nach Darmſtadt zurückführt. —
e kleinen ſchnellen Wagen bringen der Bevölkerung neben dem Vorteil
werktäglich zweimaligen und weſentlich früheren Poſtzuſtellung auch
r Vorteil, daß nun auch an Sonntagen Poſt und Zeitungen in den
ab=
egenſten Ort kommen und bei der Poſtſtelle abgeholt werden können.
n weiterer, ganz beſonderer Vorteil iſt aber auch, daß die kleinen
agen nach allen berührten Ortſchaften und Niederlaſſungen
Stück=
iter mitnehmen, die an allen Halte= oder Poſtſtellen aufgeliefert
er den Kraftwagenführern mitgegeben werden können. Dadurch iſt
ſchäftsleuten und Privaten eine ſchnelle und billige
Ueberſendungs=
iglichkeit in noch nicht an der Bahnlinie gelegenen Orten geboten, deren
nutzung jedem nur Vorteil bringen wird. Die Deutſche Reichspoſt
ftet für Verluſt und Beſchädigung von poſtordnungsmäßig
aufgelie=
ten Stückgütern wie bei Paketon uſw. Sehr begrüßt wird die Land=
„ftpoſt werden von einzelnen Reiſenden, die in die einzelnen oben
auf=
üihrten Orte oder von Unterwegsorten etwa nach anderen berührten
ten oder nach Darmſtadt müſſen, denn der Wagen bietet auch drei bis
* Perſonen Platz: Für die Einwohner von Neutſch, Frankenhauſen,
rſchenbach bei der einen Rundfahrtſtrecke und für die Bewohner von
edenkirchen, Staffel, Quattelbach, Balkhauſen bei der andeven
Nund=
rt bietet die Landkraftpoſt eine ganz außerordentlich bequeme und
ige Gelegenheit, nach Darmſtadt zu kommen, die auch müden
Wan=
ern den Heimtveg erleichtern wird.
G. Ober=Ramſtadt, 94. Febr. Evangeliſcher Bund. Am
nnerstag, den 26. Februar, ſpricht Herr Pfarrer Ladenberger aus
rtzi in Galizien über den Kampf und die Not unſerer
Glaubensgenoſ=
dort. Cindrucksvolle Lichtbilder werden den Vortrag ergänzen. Viele.
im Kriege in dortiger Gegend waren, werden ſicher zur Egänzung
er eigenen Erlebniſſe viel von dort ſehen und hören können. Aber
c uns allen tut es not, wenn einmal uns in unſerer gegenwärtigen
Etſchaftlichen und Volksnot die Not der Glaubensbrüder in der Fremde
Augen gehalten wird. Alle Gemeindeglieder, die zu ihrer
evange=
hen Kirche, unſer aller heiligſte Sache, ſtehen, werden gern der
Ein=
ung folgen. Ein Eintrittsgeld wird nicht erhoben —
Renten=
hlung. Die Militärrenten für Monat März werden am
Donners=
f. den 26. Februar, die Invaliden= und Unfallrenten am Samstag,
r 28. Februar, jeweils von 8—12 Uhr vormittags, am Poſtſchalter
aus=
ahlt. — Genehmigte Verſteigerungen. Die am 16.
bruar im „Hainböhl” und am 19. Februar im Gaſthaus „Zum Löwen”
gehaltenen Holzverſteigerungen ſind genehmigt und können die Ab=
Arſcheine an den Zahltagen (Montag. Mittwoch, Donnerstag) bei der
meindekaſſe eingelöſt werden.
— Gernsheim a. Rh., 25. Febr. Waſſerſtand des Rheins
r 24. Febr.: 0,06 Meter, am 25. Febr.: 0.01 Meter.
Donnerstag, den 26. Februar 1931
Seite 7
der faleſierſctäien Sichezur DSC. Nchel.
burg geneymigk.
i. Von der Bergſtraße 23. Febr. Im Weinheimer Bürgerausſchuß
entſpann ſich eine mehr als vierſtündige Debatte über die Vorlage des
Stadtrates, betreffend den Weiterbau der Wachenbergſtraße. Für das
Geſamtprojekt war ſeinerzeit ein Koſtenaufwand von 350 000 Mark
ver=
anſchlagt. Inzwiſchen iſt der oberſte Bauabſchitt der fahrbaren Straße
zur W.=S.=C.=Wachenburg vollendet worden. Hinſichtlich des
Weiter=
baues iſt die Linienführung, wie wir ſchon unlängſt an dieſer Stelle
erwähnten, vereinfacht worden. Der neue Plan, der einen Aufwand von
175 000 Mk. für die Neſtrate erfordert, weicht inſofern von dem früheren
ab, als die Straße in ihrem weiteren Laufe bergab im alten Friedhofe
ſich ſüdöſtlich wendend, bis zu der Stelle geführt wird, wo der obere
Heckenpfad vom Dietersklinger Weg abzweigt und unter
Be=
nützung des letztenen auf eine Strecke von 20 Meter an der Nordoſtecke
des alten Friedhofes auf dieſen übertritt. Von hier zieht die
Straße bis zur Nordweſtecke des Friedhofes oberhalb der Stelle, wo der
vom Mühlweg (an der Weſchnitz) kommende Heckenpfad ſich ſcharf nach
Oſten wendet, biegt hier unter Schonung der Friedhofsanlage nach
Sü=
den ab und mündet über die zu verbreitende Friedhofzbrücke über den
Grundelbach, der den Zugang zum alten Friedhof bildet, in die
Grundel=
bachſtraße zur Stadt Weinheim. Gegen dieſe Linienführung erhob der
evangeliſche Kirchengemeinderat in Weinheim Einſpruch, der ſich teils
gegen die Berührung des alten Friedhofs durch die neue Straße, teils
gegen die Störung des Gottesdienſtes richtet, wenn
unmit=
telbar hinter der Peterskirche eine Automobilſtraße von der Wachenburg
heruntergeführt wird. Die eb. Kirchengemeindeverwaltung drohte ihre
Klage gegen die Stadt Weinheim bis zum Verwaltungsgerichtshof zu
führen, wenn die genannte Linienführung ausgeführt wird. Außerdem
erhoben verſchiedene den Heimatſchutz fördernde Körverſchaften Einſpruch
wegen angeblicher Verſchandelung des Landſchaftsbildes durch den
Stra=
ßenbau in der genannten Linienführung. Vermeſſungsrat Karcher
wandte ſich mit Entſchiedenheit gegen dieſe Einſprüche, denen er in
weſentlichen Punkten die Berechtigung abſprach. In den Debatten des
Burgerausſchuſſes gab ſich nicht viel Liebe für das Geſamtproiekt kund,
weil dem Bau einer Automobilſtraße zur W.=S.=C.=Wachenburg das
wirtſchaftliche Moment ermangele. Andererſeits konnte man ſich aber
nicht der Ueberzeugung verſterren, daß eine Notſtandsarbeit von 11000
Tagwerken, die in der Hauptſache aus Mitteln des Reiches und des
Staates Baden ausgeführt wird, eine äußerſt dringende Notwendigkeit
iſt, um den Erwerbsloſen Arbeit zu verſchaffen.
Schließ=
lich wurde die Vorlage, betreffend den Weiterbau der Wachenbergſtraße,
mit 53 gegen 27 Stimmen unter folgenden
Be=
dingungen angenommen:
Mit der evangeliſchen Kirchengemeinde Weinheim ſoll eine gütliche
Cinigung betreffend der Linienführung angeſtrebt und der Stadtrat
er=
mächtigt werden, die Ausmündung der Straße anſtatt nach der
Fried=
hofsbrücke nach dem Mühlweg (an der Weſchmitz) zu verlegen, wenn aus
irgend welchen Gründen die vorgeſehene Ausmündung nicht ausgeführt
werdten könnte. Auch ſoll zunächſt noch das Gutachten eines
auswär=
tigen Straßenbau=Sachverſtändigen eingeholt
wer=
den und für den Fall weſentlicher Abänderungen
der Bürgerausſchuß nochmals Beſchluß faſſen.
Preitich Südeniſche Klaen Lelierie.
24. Februar 1931
14. Ziehungstag
In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M.
D Nrae
2 Gewinne zu 10000 M. 23312
6 Gewinne zu 6000 M. 15145 180036 209210
22 Gewinne zu 8000 M. 2009 28502 82864 43228 63932 81387
g6098 110380 112398 197939 281363
54 Gewinne zu 2000 M. 12082 14145 21247 28540 32374 48343
49300 KL064 62539 76801 82808 83878 88762 99778 100702 112323
102966 132066 134185 143982 149182 265490 286 786 290626 817880
323677 346766
112 Sewinne zu 1000 M. 14301 19130 24476 31811 32912 43244
66374 81795 78528 81179 86058 99183 100783 106666 111062 111281
124881 129962 134881 139260 151689 153822 157753 161588 161856
164320 185161 184524 184618 189895 201988 203303 012006 217462
244522 272105 278439 278001 280624 280786 288013 298510 333383
834611 348122 348348 354208 362414 868390 886176 389845 390222
390882 394033 599014 399— 88
184 Gewinne zu 600 M. 8629 12788 17720 19883 20566 25394 81244
36813 36826 40222 46888 48084 51753 60369 61177 68079 79618
84230 84881 86312 90178 81351 95763 108682 110896 121238 122886
130262 181897 143374 143772 148661 198271 181080 164198 169364
171858 172226 172693 183016 191780 209969 210081 216933 218681
294327 228962 235375 239323 246836 252640 558516 269096 268346
270654 279753 282220 288936 293646 302347. 309003 312041 819946
320450 320624 327487 337647 338734 341894 343263 348931 356143
358687 363772 367805 368610 372276 372476 379690 362277 385887
396092
In der beutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M.
gezogen
6 Gewinne zu 10000 m. 14489 152956 240437
6 Gewinne zu 8000 M. 10770 260337 361873
18 Gewinne zu 3000 M. 6496 91226 108673 187932 178506 191028
1999a8 247944 348891
48 Gewinne zu 2000 M 26381 44085 55826 67497 101888 104358
125089 206134 209126 240059 243882 248971 256062 258813 263281
276066 296068 820964 323397 343407 347642 373242 883436 383144
84 Gewinne zu 1000 M. 7811 11814 20816 26982 38735 88117 81450
111445 114800 118814 127392 140099 160368 181963 164231 174408
183695 193814 198885 268818 216651 229675 231246 245066 260416
267040 74950 279806 279962 293973 310486 810528 310806 326274
331637 338880 361588 360177 365741 387666 393278 399753
170 Gewinne zu 500 M. 2284 2462 5299 6126 8224 16658 18014
27271 28292 4777 36128 58295 42333 426861 45683 45954 57983
66348 59885 66161 69781 72297 81357 85341 91188 100278 111133
113418 114309 118810 121351 121798 121918 122388 123239 160418
169888 163765 167837 168387 1 73278 175548 189814 187988 181123
206893 208334 208709 219946 220287 228241 239149 245699 248159
353772 253813 373010 373181 3375017 358989 389477 388276 388359
990382 293897 294375 296445 298008 30 1 440 314210 320507 330816
331092 340724 342144 347086 369367 362155 863647 364291 372889
376248 387016 390939 398333
Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu fe 500000, 2 Gewinne
zu je 500000, 2 zu je 800000, 4 zu je 75000, 2 zu je 50000,
22 zu je 25000, 84 zu je 10000, 234 zu je 5000, 520 zu je 3000,
1598 zu je 2000, 3110 zu je 1000, 4936 zu je 500, 14956 zu je
400 Mark.
Rundfunk=Programme.
— Offenbach a. M., 25. Febr. Auswirtſchaftlicher Notin
den Tod. Der Mitinhaber der ſeit faſt hundert Jahren beſtehenden
Eiſenhandlung Auguſt Eichhorn, Hans Eickhorn, in Offenbach, hat ſich
eine ſchwere Kopfſchußverletzung beigebracht, an deren Folgen er im
ſtädtiſchen Krankenhaus erlag. Die Firma Eichhorn hat in den letzten
Wochen ihre Zahlungen eingeſtellt, was den Mitinhaber in den Tod
ge=
trieben haben dürfte.
Geſchälſches.
Hanomag auf der Internationalen Automobil=Ausſtellung
in Berlin erregt großes und berechtigtes Aufſeren. Der Stand
dieſer populären Kleinwagen iſt ſtändig überfüllt und allgemein
werden die neuen Hanomag=Modelle bewundert und anerkennend
beurteilt. Schon von weitem fällt die beſtechend ſchöne
Linien=
führung ins Auge; die hochmodern gerundete Form der
Karoſ=
ſerie, die ſchräggeſtellte Windſchutzſcheibe, der verlängerte und
verbreiterte Tiefbettrahmen mit Kofferbrücke geben dem neuen
Hanomag ſchon äußerlich das Gepräge höchſter Vollendung. Die
Motorleiſtung iſt auf 23 bzw. 17. PS erhöht, ohne Erhöhung der
Drebzahl. Spurweite, Achsſtand und Türbreite iſt vergrößert.
die Sitze ſind noch bequemer geworden. Die Lieferung kann ſofort
noch Schluß der Ausſtellung prompt erfolgen und treffen die erſten
neuen Modelle ſchon in den nächſten Tagen bei der hieſigen
Ver=
tretung: Müller u. Ober, Rheinſtraße 39, ein.
Einem Teil der heutigen Stadtauflage liegt ein Proſpekt bei,
worauf die Leſer an dieſer Stelle aufmerkſam gemacht werden.
Die Randſtörungen des im Norden vorüberziehenden
Tiefdruck=
gebietes haben den hohen Druck im nördlichen Deutſchland bereits
abge=
ſchwächt. Dort hat milde ozeaniſche Luft die Temperaturen über Null
gehalten und ferner trübes Wetter mit Niederſchlägen verurſacht.
Hin=
gegen ſteht Mittel= und Süddeutſchland noch im Zeichen des hohen
Druk=
kes, welcher weiter zu Froſt führte. In München zeigte heute morgen
das Thermometer noch —9 Grad an. Die Nandſtörungen werden ſich
weiter ſüdwärts durchſetzen und auch unſerem Bezirk nächtliche
Milde=
rung bis um den Gefrierpunkt und etwas darüber bringen. Des
weite=
ven führt die ozeaniſche Luft neben Bewvölkung auch Niederſchläge mit ſich,
die auf den Bergen als Schnee niedergehen.
Ausſichten für Donnerstag, den 26. Februar: Meiſt wolkig und bedeckt,
nachts milder zeitweiſe Niederſchläge, in höheren Lagen Schnee,
füdweſtliche Winde.
Ausſichten für Freitag, den 27. Februar: Bewölkt und teilweiſe
vorüber=
gehend aufheiternd, Temperaturen vorerſt wenig verändert.
Frankfurt a. M.
Donnerstag, 26. Februar.
7.15: Frühkonzert auf Schallplatten.
15.23: Stuttgart: Stunde der Jugend.
16.30: Stuttgart: „Nachmittagskonzert. Werke von Beethoven,
Schuyer, Bizet, Grieg, F. W. Karl. — Dem Andenken Oscar
Fétras. Mitw.: Eliſa Keller Alt).
18.05: Zeitſragen. Dr. Köbner: Die Belaſtung des Grundheſitzes und
die neue Einheitsbewertung.
18.25: Wolf v. Dewall: Ein verſunkenes Volk.
18.50: Dr. Werner Thormann: Joſeph Wirth.
19.20: Franzöſiſcher Sprachunterricht.
19.45: Stenographiſches Rundfunkprobeſchreiben.
2300: Hans Rosbaud: Die Inſtrumente des Orcheſters.
20.30: Aus Köln: Reichsſendung: Rheinland und Weſtfalen. Em
Hörbild.
22.20: Unterhaltungsmuſik.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Donnerstag, 26. Februar.
10.10: Naturfundliche Quellen. Martha John: „Simba, der
Kö=
nig der Steppe‟.
15,00: Kinderſtunde: Allerlei Tiere im Walde.
15.45: Louiſe Diel: Frauenberufe ohne Examina.
16.00: Stud.=Rat Dr. Schneider: Wirtſchaft und Staat im
mathe=
matiſchen Unterricht der höheren Schulen.
16.30: Berlin: Nachmittagskonzert.
1.,30: Hausmuſik (Arbeitsgemeinſchaft). Prof. Dr. H. Mersmamn.
18.00: Harry Stolzmann: Der kaufmänniſche Lehrvertrag.
L.30: Geh. Med=Rat Prof. Dr. Carl von Noorden: Fragen der
modernen Ernährung.
19.00: Dr. Ludwig Herz: Caprivi zum 100. Geburtstag.
19.30: Gutsbeſitzer Illing: Zum Feldgemüſebau 1931.
20,00: Prof. Dr. Goetz Briefs: Der Beamte in Geſellſchaft u. Staat.
20.30: „Oeſterbottner”. Oper in drei Akten von Levi Madetoia.
Chöre: Maximilian Albrecht. Berliner Funk=Orcheſter.
Danach: Tanzmuſik. Kapelle Herbert Fröhlich. — Refraingeſang:
Berr Reisfeld.
Hauptſchriftlettung. Rudolf Maupe
Veranwortlich für Pollikt und Wirtſchaft: Rudolf Mauve= für Feutlleion, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport Kar!
Béhmann=
ſür den Handel: Dr. C. H. Que iſch: für den Schlußdlenſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwart”. Tageeſplegel in Bild und Wort. Dr. Herbert Neite:
für den Inſeraienleil und geſchäftliche Mittellungen: Wil’y Kuhle
Druck und Verlag. L.C. Wittich — ſähmtilich in Darmſtadt.
Für unverlangte Manuſtreivte wird Garanie der Rülckiendung nicht Übernommen.
Die heutige Nummer hat 12 Seiten
WISSEN SIE SCHON, 4a8 alle sich
aus dem Tabakhandel ergebenden Zufälligkeiten, die den Geschmack
der Zigarette verändern, bei unseren Marken vollkommen
ausgeschal-
tet sind? Denn schon auf den Tabakfeldern Makedoniens werden von
unseren erfahrenen Fachleuten alle Tabaksorten, die den Geschmack
und das Aroma einer guten Zigarette beeinträchtigen, sorgfältig
ausgeschieden.
Vier volle Jahre lagert dann der Tabak noch in unseren
Orient-Magazinen, genau nach Herkunftsdistrikt getrennt und
ptleg-
lich behandelt, ehe er zur Fabrikation gelangt.
So ist der gesamte Werdegang der Zigarette in einer Hand
ver-
einigt und jeder Zwischenhandel, der unnötige Verteuerung mit sich
bringt vermieden.
Unsere Marken sind immer gleichmäßig gut und werden von keiner
anderen Ziggrette der gleichen Preislage übertroffen.
MAKEDON
PERFEKT
ZiGARETrEN
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zu u OhtE zuosrac gOx.
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SaFerredFAgEIE C. A. S H. 94104
0ON
KONZERNFREI
Generalvertretung: Hans Huck, Wiesbaden, Sonnebergstraße 52. Telefon 25418.
[ ← ][ ][ → ]eite 8
Donnerstag, den 26. Februar 1931
Nummer 57
Sintflut in Nord= und Süditalien.
Der Markusplatz in Venedig unter Waſſer.
(Aufnahme von der letzten Ueberſchwemmungskataſtrophe.)
Blick auf die Hafeneinfahrt von Palermo,
die durch einen tornadoartigen Regenſturm ſchwer beſchädigt wurde.
Keiu antd Austand.
Der Palmengarten wird Regiebetrieb.
Frankfurt. Nach einem Beſchluß des
Ma=
giſtrats ſoll der Palmengarten in Zukunft als
Regiebetrieb geführt werden. Die Leitung des
Unternehmens ſoll aus einem Gartenfachmann
und einem Verwaltungsbeamten beſtehen. Zur
Vereinfachung der Verwaltung ſollen
Palmen=
garten und Zoologiſcher Garten einer
gemein=
ſamen Deputation unterſtellt werden.
Geſtörtes Idyll im Gartenhaus.
In einem Gartenhäuschen an der Lahn hatte
ſich ein junges Pärchen eingeniſtet und die
er=
forderlichen Einrichtungsgegenſtände
zuſammen=
geſtohlen. Dieſer Tage ging nun der Beſitzer
des Häuschens, ein Polizeibeamter, nach ſeinem
Garten und war nicht wenig erſtaunt, die
bei=
den Fremden in ſeinem Häuschen vorzufinden.
Er forderte die Eindringlinge auf, mit ihm zur
Wache zu kommen, was die Beiden auch taten.
Unterwegs aber ging der ſo plötzlich aus ſeinem
Idyll gejagte Gartenhausbewohner, der 20jähr.
Melker Liedtke, mit einem Meſſer auf den
Be=
amten los, der ſich nur mit Not des Angreifers
erwehren konnte. Als es darauf dem Pärchen
gelang, zu flüchten, alermierte der Beamte, der
in Zivil war, die Kriminalpolizei, der es
ſchließ=
lich nach Abgabe einiger Schreckſchüſſe gelang, die
Ausreißer feſtzunehmen. Die Verhafteten
trie=
ben ſich ſeit einiger Zeit wohnungslos in der
Gegend herum und geſtanden bei ihrer
Verneh=
mung, eine Anzahl Einbrüche verübt zu haben.
Bei Liedtke handelt es ſich um einen trotz ſeiner
Jugend wegen Körperverletzung und Diebſtahls
ſchon vorbeſtraften Menſchen.
Eine ganze Familie auf offener Straße
niedergeſchlagen.
Dortmund. Als ſich in der Nacht zum
Mittwoch im benachbarten Caſtrop der Arbeiter
Herndörfer mit ſeiner Frau und ſeinem Kinde
auf dem Heimweg befand und die Unterführung
der Emſchertalbahn paſſierte, ſprang plötzlich ein
unbekannter Mann aus dem Dunkel hervor und
ſtreckte den Mann durch einen wuchtigen Schlag
mit einer ſchweren Eiſenſtange auf den Kopf
zu Boden. Ehe ſich die Frau verſah, erhielt auch
ſie einen furchtbaren Schlag auf den Kopf. Auch
das Kind wurde von dem Wegelagerer erheblich
verletzt. Der Mann wurde mit einem doppelten
Schädelbruch und ſonſtigen ſchweren
Verletzun=
gen dem Krankenhaus zugeführt. An ſeinem
Aufkommen wird gezweifelt. Während das Kind
mit leichteren Verletzungen davonkam, erlitt die
Frau ebenfalls ſchwere innere Verletzungen und
liegt in bedenklichem Zuſtande darnieder. Der
Täter iſt flüchtig. Die Kriminalpolizei hat die
Ermittlungen aufgenommen. Es ſteht noch nicht
feſt, ob es ſich bei dem Ueberfall um einen
Rache=
akt oder um einen Raubüberfall handelt.
1000-Dollar=Preis für einen jungen
deutſchen Dichter.
Manfred Hausmann,
der junge Worpsweder Erzähler, erhielt für ſein
Buch „Kleine Liebe zu Amerika” den von dem
amerikaniſchen Induſtriellen Ralph Beaver
Straßburger geſtifteten Jahrespreis von 1000
Dollar für deutſche Literatur, die Amerika zum
Gegenſtand hat.
London empfängk Chaplin.
Chaplin (hinten im Wagen ſtehend) bei ſeiner Triumphfahrt durch London.
Links oben Chaplins Porträt.
Einen begeiſterten Empfang bereiteten die Londoner dem großen Filmkomiker Charlie Chaplin, der
zur Uraufführung ſeines neuen Films „Lichter der Stadt” nach zwölf Jahren zum erſten Male
wieder ſeine Geburtsſtadt beſuchte.
Mutter und Zwillingskinder durch Gas getötet.
Harburg=Wilhelmsburg. Die
hie=
ſige 23jährige Ehefrau Nuthmann wurde mit
ihren zweijährigen Zwillingskindern von dem
heimkehrenden Ehemann in der Wohnung mit
Gas vergiftet tot aufgefunden, während ein
drittes Kind der Eheleute, ein vierjähriger
Junge, noch ſchwache Lebenszeichen von ſich gab.
Der Junge wurde in ein Krankenhaus geſchafft
und konnte am Leben erhalten werden. Nach den
polizeilichen Feſtſtellungen hatten ſich die Frau
und die beiden Kinder in der Küche aufgehalten.
Dabei hatte eines der Kinder auf dem
Küchen=
tiſch geſpielt und heimlich den von dort
erreich=
baren Gashahn geöffnet. Da die Frau keinen
Geruchsſinn hat und ſchwerhörig iſt, iſt ihr das
Entweichen des Gaſes nicht aufgefallen.
Hauseinſturz.
Mehrere Tote und Verletzte.
Paris. Ein ſchweres Einſturzunglück
er=
eignete ſich, wie aus Caſablanca gemeldet wird,
in Meknes. Eine Mauer eines zweiſtöckigen
Hauſes ſtürzte ein und begrub eine kleine
Ka=
pelle, die obdachloſen Eingeborenen als
Unter=
kunft für die Nacht diente. Zahlreiche
Einge=
borene wurden verſchüttet. Bisher wurden drei
Leichen und zwei Schwerverletzte, darunter eine
Frau, geborgen.
Vermißtes Paſſagier=Waſſerflugzeug.
Paris. Ueber das Schickſal eines
Paſſa=
gier=Waſſerflugzeuges, das von Marſeille nach
Algier unterwegs war und am Dienstag auf
ſtürmiſcher See infolge Motorſchadens etwa 1½
Kilometer von Banyuls=ſur=Mer auf das Waſſer
niedergehen mußte, herrſcht hier lebhafte
Be=
ſorgnis. Mehrere Hilfsſchiffe, die zur Rettung
des Flugzeuges ausliefen, mußten unverrichteter
Dinge in Cerbere Zuflucht ſuchen. Der
Fracht=
dampfer „Stella” konnte das Flugzeug ins
Schlepptau nehmen, doch riß das Tau nach
we=
nigen Minuten, und das Flugzeug trieb wieder
ab. Der Dampfer verſucht, das treibende
Flug=
zeug einzuholen. Bisher iſt es nicht gelungen,
die Beſatzung und die Paſſagiere, deren Zahl
noch unbekannt iſt, zu retten.
14 Häuſer in der Provinz Trient durch
Lawinen zerſtört.
Trient. Durch Lawinen wurden am
Diens=
tag in den Alpentälern der Provinz Trient
ins=
geſamt 14 kleine Bauernhäuſer zerſtört. Dabei
wurde eine Perſon getötet und mehrere
Per=
ſonen erlitten Verletzungen.
Ein Italiener in den Stubaier Alpen
verſchüttet.
Weitere Lawinenſchäden.
Bozen. Von Sterzing aus unternahmen
zwei bekannte Turiner Skifahrer eine Tour in
die Stubaier Alpen. In der Pecher Hütte an
der öſterreichiſch=italieniſchen Grenze ſchneiten
die beiden ein. Als die Lebensmittel zu Ende
gingen und das Wetter ſich beſſerte, verſuchten
ſie abzufahren. Schon nach 200 Metern wurden
ſie jedoch von einer Lawine verſchüttet. Einem
von ihnen gelang es unter großen
Anſtrengun=
gen, ſich aus dem Schnee herauszuarbeiten. Der
andere blieb verſchüttet. Hilfsmannſchaften ſind
an die Unfallſtelle abgegangen, es beſteht aber
nur wenig Hoffnung, den Vermißten noch lebend
zu bergen. Es handelt ſich um einen Dr.
Maſſa=
lana aus Turin. — Durch die großen
Schnee=
fälle der letzten Tage ſind die Ortſchaften Sulden
und Trafai im Ortlergebiet von der Außenwelt
vollſtändig abgeſchnitten. Ueber dem Grandhotel
Sulden ging eine Lawine nieder, die den
Speiſe=
ſaal und ein daneben liegendes Magazin
zer=
ſtörte. Auch das Elektrizitätswerk wurde von
den Schneemaſſen geſtreift. Es entſtand ein
Kurzſchluß, bei dem alle Maſchinen verbrannten.
Neue Unwetterverheerungen in Italien.
Rom. Aus Sizilien werden neue
Unwetter=
ſchäden gemeldet. In Meſſina hat ein Erdrutſch
mehrere Baracken verſchüttet; dabei wurden
zwei Frauen getötet. In der Provinz Reggio
Calabria ſind 200 Häuſer unbewohnbar
gewor=
den. An der italieniſchen Riviera wurden in
der Nähe von Rapallo die Küſtenſtraßen von
einem Erdrutſch verſchüttet. Im Trentino
be=
grub eine Lawine zwölf Häuſer des Dorfes
Ar=
nago; in Rabbi wurde das Hotel Victoria und
ein anderes Gebäude fortgeriſſen. Auf der
Dolo=
mitenbahn konnte der Verkehr nach ſechstägiger
Unterbrechung wieder aufgenommen werden. In
Arabba an der großen Dolomitenſtraße hat eine
Lawine zwei Häuſer verſchüttet. Es iſt ein
Todesopfer zu beklagen.
Notlandung eines deutſchen Verkehrsflugzeuges
in Frankreich.
Paris. Wie dem Oeuvre aus Laon
be=
richtet wird, hat ein von dem deutſchen Flieger
Peterſen geſteuertes deutſches Verkehrsflugzeug,
das am Dienstag um 10,10 Uhr vom Flugplatz
Le Bourget abgeflogen war, wegen eines
Mo=
torſchadens bei Clacy landen müſſen. Das
Flug=
zeug wurde ſtark beſchädigt. Die vier Paſſagiere
blieben unverſehrt.
Exploſion in einer Zelluloidwaren
fabrik.
Erfurt. In einer Zelluloidwarenfabrik
zündete ſich am Mittwoch nachmittag durch ei
elektriſchen Funken etwa ein Zentner Zellul
Das ganze Gebäude ſtand im Nu in dicken
Ra=
ſchwaden und die Feuerwehr mußte mit.H
von Gasmasken arbeiten. In dem Augenb
als ſich einige Feuerwehrleute in das brenne
Gebäude begeben hatten, gab es eine ſtarke
ploſion und eine haushohe Stichflamme ſch.
empor. Vier Feuerwehrleute erlitten ſchn
Verletzungen. Ein Brandmeiſter wurde lebe
gefährlich verletzt. Durch die Exploſion wur
eine Wand eingedrückt und ſämtliche Fenſ
ſcheiben zertrümmert. Nach harter Arbeit gel
es der Feuerwehr, den Brand einzudämmen
die angrenzenden Gebäude zu ſchützen, in de
ſich teilweiſe große Mengen gelöſten
Zellul=
befanden.
Keine „Arſen=Tapeten” in Oeſterreich.
Wien. Unlängſt war in der öſterreichiſ
Preſſe behauptet worden, aus Deutſchland ſt
mende Tapeten hätten ſoviel Arſengehalt,
der Tod der Frau des bekannten Profeſſors
der Hochſchule für Bodenkultur in Wien, O
Fiſcher, auf eine Arſenvergiftung durch derar
Tapeten zurückzuführen ſei. Eine chemiſche
terſuchung ſollte ergeben haben, daß der F
ſtoff der Tapete auf 1 Quadratzentimeter
gefähr ſieben Zehntel Milligramm Arſen
halte. Inzwiſchen hat nun die Staatliche A.
meine Unterſuchungsanſtalt für Lebensmitte
Wien die Tapete genau unterſucht und fe
ſtellt, daß die Tapete anſtandslos zum T
zieren von Wohnräumen und Arbeitsräu
verwendet werden kann. Auch das chem
Laboratorium Freſenius in Wiesbaden beſtä
daß die Tapete ſchädliche Arſenmengen nicht
hält. Damit fallen die Bedenken weg, die
— von Wien ausgehend — gegen die Vert
dung derartiger Tapeten hatte. Es kann de
erinnert werden, daß vor der modernen
wicklung der Teerfarben=Induſtrie vie
grüne, arſenhaltige Farbe, das ſogena
Schweinfurter Grün, in der Tapetenindu
verwendet worden iſt, daß dies aber ſeit
Reichsgeſetz von 1879, das die Verwendung
ſundheitsſchädlicher Farbſtoffe für die Tape
fabrikation in Deutſchland verbietet, nicht 1
der Fall iſt. Es ſind auch tatſächlich in dem
ten halben Jahrhundert Vergiftungen durch
petenfarben nicht mehr vorgekommen.
Eiſenbahnunglück im Kaukaſus.
Moskau. In der Nähe von Suchum (
kaſus) iſt ein Perſonenzug mit einem Güte
zuſammengeſtoßen, wobei drei Eiſenbahnwe
ſtark beſchädigt wurden. Ein Eiſenbahnbeal
wurde getötet, vier wurden ſchwer und ſie
leicht verletzt. Die Urſache des Unglücks ko
bisher nicht geklärt werden.
Ein franzöſiſcher Torpedobootszerſtörer
in Seenot.
Paris. Der Torpedojäger „Bordelais
wie aus Toulon gemeldet wird, auf hoher
bei einem heftigen Sturm infolge eines M
nenſchadens in Seenot geraten. Ein Kr
vier Torpedojäger und ein Schleppdampfe
zur Hilfeleiſtung ausgelaufen, teilten jedoch
Funkſpruch mit, daß es ihnen bei dem
Seegang unmöglich ſei, an die „Bordelais
anzukommen.
Blatternepidemie in Kalkutta.
167 Tote in ſechs Wochen.
London. In Kalkutta herrſcht ſeit ein
Zeit eine ſchwere Blatternepidemie, die vonl
Geſundheitsbehörden energiſch bekämpft
Trotzdem ſind im Laufe der letzten ſechs WI.
nicht weniger als 167 Perſonen an den Bia.
geſtorben. Bisher konnten etwa eine Mi
Menſchen mit Schutzimpfungen gegen Bia.
verſehen werden.
Schweres Hagelwetter in Bengalen.
Kalkutta. Außerordentlich ſchwere 9.
fälle werden aus dem Manbhumgebiet in
galen gemeldet, wo Hagelkörner im Gewich
zu einem Pfund niedergingen. Sechs Per
wurden durch die mit großer Wucht herabſ”
den ſchweren Eisſtücke getötet und etwa 3
heblich verletzt. Auch der Verluſt an Vie
außerordentlich groß.
Nummer 57
Donnerstag, den 26. Februar 1931
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4ios Kagr.
Von Kurd Kißhauer,
Eros naht? — Kehrt die Blütezeit Thespiäs wieder? Klin=
(en Hymnen zur Kithara, ſein Abbild, Weihgeſchenk der Phryne
tus Praxiteles Meiſterhand, zu grüßen? Erwarten ſehnſüchtige
Jugend und wiſſendes Menſchentum voll Spannung das Feſt
er Erotien zu Ehren des Himmeliſchen? — Denn himmliſch
ſt Eros, und hoffnungsvoll richten ſich auch heute die Blicke zu
hm empor, zu ihm, dem 433. der Kleinen Planeten.
Erde, Mond und Erdgeſchwiſter ſind in Harmonie verwoben zu
iner Einheit, unſerer engeren Heimat im Weltenraum. Tag um
Tag, Jahr um Jahr ſchlingen ſie mit uns den Reigen um Allmutter
Sonne: der Merkur, die Venus, der Mars, der Jupiter, der
Saturn und die andern, die unſerm unbewaffneten Auge
ver=
orgen bleiben. Wo aber iſt der Platz unſeres Planeten, und
belche Weiten trennen uns vom Zentrum und die übrigen?
Oder einfach und vor allem: wie weit iſt es bis zu Mond und
Sonne?
Es iſt nicht das Myſterium von Thespiä, es iſt das
Geheim=
tis der Pythagoraeer, welches das erſte Wiſſen um dieſe Dinge
rnſchloß: „Gott ſpricht in Zahlen”. Schwingende Saiten und
htoebende Planeten gehorchen der Zahl. Merkur braucht 88
age, Venus 225 Tage und die Erde 365 Tage zu einer „
Schwin=
ling”; Mars rund 2 Jahre, Jupiter 12 und Saturn 30 Jahre.
Die Reihenfolge ihres
Ab=
ſtandes vom
Schwingungs=
zentrum iſt damit gegeben,
„Fißhn T. kkti
aber wie lang ſind die
ſchwingenden Saiten? Wie
n.
groß, nächſt dem Monde, iſt
insbeſondere der Abſtand
7„5P g
Sonne—Erde?
ai
Ariſtarch von Samos, der
bedeutende Vorläufer des
23
Coppernicus, erſchloß als
erſter dieſe beiden Abſtände,
2.
brachte auch die
Mondent=
bai Keauater
fernung richtig heraus, fand
aber die Sonnenentfernung
F3
zwanzigmal zu klein.
Not=
wendigerweiſe mußte er an
der direkten Meſſung der
Sonnenentfernung ſcheitern,
denn direkt können wir ſie
ſelbſt heute nicht meſſen,
nur indirekt. So blieb
Ariſtarchs viel zu kleiner
Abſtandswert faſt 2
Jahr=
tauſende beſtehen, bis der
Schöpfer der Astronimia
nova, bis Johannes Kepler
in dieſer Neuen Aſtronomie
aus Tychos
Marsbeobach=
tungen den erſten halbwegs
A
zutreffenden Grenzwert für
R
den Sonnenabſtand der Erde
R.7
errechnete. Sechs Jahrzehnte
ſpäter ergab ſich aus
Mars=
og; beobachtungen an zwei weit
voneinander entfernten
Erd=
orten in einfacher
Dreiecks=
rechnung von D. Caſſini
ein ſchon bedeutend
ange=
ihn des kleinen Planeten (433) näherter Wert der Sonnen=
„Eros” im Jahre 1931.
entfernung. Wie der Mars,
ſo wurde ſpäter auch die
nus zu ſolchen Berechnungen verwendet, doch brachten die
weditionen zu ihrem Vorübergang vor der Sonnenſcheibe nicht
n erhofften Erfolg, und vor allem — wir müßten bis zum Jahre
94 auf die nächſte Gelegenheit dazu warten!
Wir wiſſen heute, daß der mittlere Sonnenabſtand der Erde
2,5 Millionen Kilometer beträgt und daß dies eine ziemlich
naue Angabe iſt. Immerhin macht der Fehler noch etwa
000 Kilometer aus, d. h. um ſoviel können wir der Sonne
her oder ferner ſein. Dieſe Ungenauigkeit erreicht alſo den
rfachen Durchmeſſer unſerer Erde und iſt dem Aſtronomen
na=
clich viel zu groß, denn es handelt ſich ja hier garnicht um den
ſtand Erde—Sonne allein, als vielmehr um den Maßſtab im
amten Planetenſyſtem. Wir können nämlich die Entfernung
übrigen Planeten von Mutter Sonne garnicht direkt feſt=
Uen, ſondern immer bloß über den Umweg des Abſtandes
une—Erde; unſere ganzen familiären Beziehungen hängen
rvon ab. Und wenn wir hinaustaſten in die Unendlichkeit
des Raumes, ſo iſt es wiederum dieſe Strecke Erde—Sonne, die
uns als Maßſtab dient. Sie iſt die kosmiſche Elle, die wir
an den Abſtand des Großen Bären und des Nebels der Andromeda
legen, ob wir auch von Siriusweiten reden und von Lichtjahren,
Bindeglied unſerer Planetenfamilie iſt das dritte keplerſche
Geſetz, dieſes Grundgeſetz, das nicht nur in unſerm
Sonnen=
ſyſtem, ſondern ebenſo im Reich der Fixſterne gilt und noch
darüber hinaus ſogar im Aufbau der Atome. Es beſagt in
unſerm Falle, daß Umlaufszeiten und Sonnenabſtände der
Pla=
neten in einer feſten Beziehung zu einander ſtehen, ſo daß
aus den einen die andern folgen. Schon das Altertum kannte
die Umlaufszeiten der Wandelſterne, aber erſt ſeit 300 Jahren
ſind wir in der Lage, hieraus ihre verhältnismäßigen Abſtände
zu berechnen. Da ergibt ſich für den Mars der 1½fache
Erd=
abſtand, für Jupiter die 5½fache, für Neptun die 30fache
Ent=
fernung. In dem Augenblick, wo wir dieſen Erdabſtand in
Kilometern wiſſen, kennen wir auch die Entfernung aller übrigen
Wandelſterne im Metermaß. Dabei wächſt jedoch der Fehler
des Abſtandes durch Multiplikation z. B. beim Neptun auf
das Dreißigfache, d. h. alſo, der Neptun könnte uns 30 mal
50 000 Kilometer näher oder ferner ſtehen, eine „Ungenauigkeit”
von „nur” eineinhalb Millionen Kilometer! — Wie groß werden
erſt die Fehler in den Fixſternabſtänden ſein.
Eine Verbeſſerung aller bisher gemeſſenen
Sternentfernun=
gen, im Grunde alſo eine erhöhte Genauigkeit in der
Abſtands=
beſtimmung Erde—Sonne, war nur zu erzielen, wenn es glückte,
in unſerm Sonnenſyſtem einen Weltkörper zu entdecken, der
unſerer Erde ganz erheblich näher kommt, als der Mars. Solch
ein Sonnenkind wurde gegen Ende des vorigen Jahrunderts
tatſächlich aufgefunden. Es war ein kleiner Planet, der am
13. Auguſt 1898 von dem Berliner Aſtronomen Profeſſor Guſtav
Witt auf der Urania=Sternwarte unter Aſſiſtenz von Felix Linke
photographiſch entdeckt wurde. Während der Mars ſich der Erde
im günſtigſten Falle bis auf 56 Millionen Kilometer nähern
kann, vermag Eros — ſo heißt dieſer Planetoid — bis auf
etwa 22 Millionen Kilometer heranzukommen. Der alſo iſt es,
auf den jetzt aller Augen gerichtet ſind. Seine Erdnähe beträgt
diesmal 26 Millionen Kilometer, und das iſt auch immer noch
weniger als die Hälfte des günſtigſten Marsabſtandes.
Leider kommt uns Eros nur alle 37 Jahre zweimal ſo
nahe, während er ſich in der übrigen Zeit wegen ſeiner ſtark
elliptiſchen Bahn in weitaus größerer Entfernung aufhält. Vier
Jahre vor ſeiner Entdeckung war eine ſolche günſtige Zeit und
dann ſieben Jahre ſpäter, 1901. Damals gingen allerdings die
Beobachtungen des Planetoiden etwas übereilt vonſtatten, da
die zwei Jahre zu genügender Vorbereitung nicht ausreichten.
Diesmal aber wird nach einem von langer Hand vorbereiteten
Plan gearbeitet, an dem ſich die Sternwarten der ganzen Welt
beteiligen.
Aber da zeigte ſich etwas Ueberraſchendes. Eros hielt die
mit aller Sorgfalt vorausberechnete Bahn nicht ein und erreichte
außerdem die erwartete Helligkeit nicht! Statt ſo hell zu werden,
daß er beinahe dem bloßen Auge zugänglich wurde, leuchtete
er wie ein Sternchen 8. bis 9. Größe, das man nur im
Fern=
rohr erkennt.
Was war geſchehen? Profeſſor Hartmann ſprach es aus:
eine kleine Weltkataſtrophe — Eros war geplatzt! Was wir
zurzeit von ihm ſehen, iſt nur ein Teil ſeiner ſelbſt, vielleicht
ein Viertel oder gar nur ein Achtel der urſprünglichen Maſſe;
nach dem Reſt wird geſucht. Dieſe kleinen Planeten beſitzen
kaum eine Kugelform; Eros z. B. glich etwa einem langen
Felszacken, 20 bis 25 Kilometer war ſein „Durchmeſſer”. Vor
ſechs Jahren wurde er noch als langgeſtrecktes Gebilde
beob=
achtet. Unter den Spannungen jedoch, die ſich aus der (infolge
ſeiner unregelmäßigen Geſtalt auftretenden) fortgeſetzten
Ver=
lagerung der Umdrehungsachſe ergeben müſſen, zerbarſt der
Planetenkörper eines Tages.
Für den Himmelsforſcher bedeutet das ein wenig
willkom=
menes Ereignis. Beobachtung und Rechnung müſſen jetzt das
Aeußerſte hergeben, um trotzdem „die aſtronomiſche Elle” mit
erhöhter Genauigkeit zu gewinnen. — Noch winziger iſt Fros
geworden als er ohnedies ſchon war und bleibt dennoch, trotz
ſeiner Zwergenhaftigkeit, ein Planetenbrocken von geradezit
kos=
miſcher Bedeutung für uns Erdenbewohner.
Sport, Spiel und Turnen.
Ein Darmſtädter Reitturgiet.
Der glänzende Verlauf des großen Berliner Turniers hat
überall im In= und Ausland die Aufmerkſamkeit auf die
erfreu=
liche Entwicklung des deutſchen Reitſports gelenkt. Daß trotz der
Ungunſt der Zeit dieſer Sport immer mehr an Ausdehnung und
Bedeutung gewinnt, hat ſeine Urſache in einer ſtraffen,
weitver=
breiteten Organiſation, die alle Kräfte in einheitlicher Richtung
zur Wirkung bringt. Die Wurzeln dieſer Organiſation ſind die
kleinen ſtädtiſchen und ländlichen Reitervereine. Hier wird der
Nachwuchs herangezogen und herangebildet. Aus ihrer fleißigen
Arbeit ſchöpft der große Sport immer wieder die Kräfte, die er
für ſein Beſtehen braucht. In Darmſtadt widmet ſich dieſer Arbeit
der Darmſtädter Reiterverein im Reitinſtitut Schott unter
Füh=
rung ſeines bewährten Vorſitzenden. Rechtsanwalts Neuſchäffer,
und unter der hervorragenden techniſchen Leitung des bekannten
Reitlehrers, Polizeioberleutnant a. D. Rettig.
Den Abſchluß ſeiner Winterarbeit wird ein internes Turnier
in der ſchönen Reitbahn in der Annaſtraße am Sonntag, dem 15.
März 1931, nachmittags 3 Uhr, bilden. Es kommen Dreſſur= und
Springübungen zum Austrag, in denen außer den Darmſtädter
Damen und Herren auch die Polizeireiter zeigen werden, was ſie
können. Polizeioberleutnant Freyer hat ſich bereit erklärt, ſeinen
bekannten Schimmel „Quacker” vorzureiten, der in Berlin eine
Reihe von Preiſen erhielt, darunter den 6. Preis in der großen
olympiſchen Dreſſur unter den beſten Schulpferden Deutſchlands.
Eine Kinderquadrille der Jugendabteilung wird beſonders zur
Belebung der Veranſtaltung beitragen.
Main-Rhein-Gau 2.T.
Lehrarbeit im Frauenturnen. — Turnwettkampf in Goddelau.
Dem Bedürfnis zur Ausbildung von Leitern und Leiterinnen für
das Frauenturnen (ältere Frauen) Rechnung tragend, hat die
Gaufach=
leitung für Samstag, 28. Februar, abends 8 Uhr, einen Lehrabend, der
in der Turnhalle der Turngemeinde Beſſungen ſtattfindet, angeſetzt. Die
Leitung liegt in Händen des Gaufachwartes L. Klenk=Bensheim.
Der Abend verſpricht weiteren Fortſchritt in der Frauenturnbewegung.
Begrüßenswert iſt der Turnwettkampf, der gleichzeitig in Goddelau
ſteigen wird. Vier Turnvereine der Riedorte, nämlich: Biebesheim,
Crumſtadt, Goddelau und Stockſtadt, ſtellen gleichzeitig ihre Turnkräfte
in friedlichem Wettſtreit gegenüber. Der Kampf beſteht aus
Geräte=
turnen und je einer Mannſchaftsfrefübung. Wie die erſte Rangfolge in
dieſem Punktkampfe ſich geſtaltet, muß abgewartet werden, zumal in
jedem Verein gleichwertige Turnkräfte vorhanden ſein ſollen.
Inkerne Schwimmwetkkämpfe der Hochſchule.
Die internen Schwimmwettkämpfe der Hochſchule fanden am
Diens=
tag ihren Abſchluß. Wie am vergangenen Donnerstag wurden wieder
gute Leiſtungen erzielt.
Ergebniſſe: 3mal 50 Meter Lagen f. Verbände: 1.
ASC. in 1:56,6: 2. D.B. in 1:59. 100 Meter Kraul f.
Anfän=
ger: 1. Starkloff, ASC., in 1:21,2; 2. Zucker, ASC., in 1:25. 200 Mtr.
Kraul f. Fortgeſchrittene: 1. Wolfsholz, ASC., 2:41,3; 2.
Fritz Hanſt 2:55; 3. Engelhardt. ASC., 3:02,8. 20 Meter Bruſtf.
Fortgeſchrittene: 1. Orlemann, Friſia, 3:19,5; 2. Sander 3:25;
3. Georg Schäfer, Haſſo=Boruſſia, 3:27,5. 100 Meter Rücken f.
Anfänger: 1. Wider, ASC., 1:40,8; 2. Starkloff. ASC., 1:46;
3. v. Gaza, 1:48.
Jungdeutſchlanb — Techniſche Hochſchule.
Das für Freitag abend. 20,45 Uhr, angeſetzte Waſſerballtreffen
Jungdeutſchland — E. F. S. C.
muß wegen Terminſchwierigkeiten, in die die Frankfurter infolge ihres
„Internationalen” am Sonntag gekommen ſind, abgeſagt werden.
Dafür hat Jungdeutſchland für ſeine erſte Mannſchaft ein
Waſſer=
ballſpiel gegen die Techniſche Hochſchule Darmſtadt
abge=
ſchloſſen; dieſes Spiel findet als Erſatz für das ausgefallene Treffen am
Freitag abend, 20,30 Uhr, ſtatt. Außerdem wird eine 4mal 100 Meter
Kraulſtaffel gegen die Hochſchule geſchwommen werden,
Spielausfall Notweiß — Frankfurter SV.
Obiges Spiel, das heute abend im Hallenbad ſtattfinden ſollte,
iſt in letzter Minute von dem Frankfurter Schwimmverein abgeſagt
worden. Der Austrag des Spieles wird an dieſer Stelle noch bekannt
gegeben.
Ein Schwimm=Städtekampf Magdeburg—Budapeſt findet am 6. und
7. Juni in Budapeſt ſtatt.
Die nächſte Hauptausſchußſitzung der D.T. iſt für den 28. und 29.
April nach Charlottenburg anberaumt worden.
Hugo Meisl, der bekannte Wiener Fußballführer, hat infolge
Dif=
ferenzen ſein Amt als Sekretär des Mitropaeup=Komitees niedergelegt.
Mit dem 50=Km.=Dauerlauf in der Umgebung von Oslo wurden am
Mittwoch die traditionellen Holmenkollen=Rennen eingeleitet. Bei wenig
günſtigen Schneeverhältniſſen gingen 130 Läufer auf die Strecke. Der
Sieg fiel an den Erſten der gleichen Konkurrenz bei den F. J. S.=Rennen
in Oberhof, an den Norweger Olfe Steenen, der die gute Zeit von 3:47,5
Std. erreichte.
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Nummer 52
Baite
Donnerstag, den 26. Tebrugr
Der Ausweis der Reichsbank.
Normalentlaſtung um 70,5 Millionen Mark.
Nach dem Ausweis der Reichsbank vom B. Februar 1931 hat ſich in
der dritten Februar=Woche die geſamte Kapitalanlage der Bank in
Wech=
ſeln und Schecks, Lombards und Effekten um 70,5 Millionen auf 1713,3
Millionen Reichsmark verringert. Im einzelnen haben die Beſtände an
Handelswechſeln und =Schecks um 83,5 Millionen auf 1525,6 Millionen
Reichsmark abgenommen, die Lombardbeſtände um 13.0 Millionen auf
85,3 Millionen Reichsmark zugenommen. Beſtände an
Reichsſchatzwech=
ſeln ſind nicht vorhanden.
An Reichsbanknoten und Nentenbankſcheinen zuſammen ſind 204,9
Millionen Reichsmark in die Kaſſen der Reichsbank zurückgefloſſen, und
zwar hat ſich der Umlauf an Reichsbanknoten um 192,9 Millionen auf
3704,4 Millionen Reichsmark, derienige an Rentenbankſcheinen um 12.0
auf 389,4 Millionen Reichsmark verringert. Unter Berückſichtigung, daß
in der Berichtswoche Rentenbankſcheine in Höhe von 0.2 Millionen
Reichsmark getilgt worden ſind, haben ſich die Beſtände der Reichsbank an
Rentenbankſcheinen auf 56,6 Millionen Reichsmark erhöht. Die fremden
Gelder zeigen mit 401,3 Millionen Reichsmark eine Zunahme um 151,2
Millionen Reichsmark.
Die Beſtände an Gold und deckungsfähigen Deviſen haben ſich um
5,6 Millionen auf 2441,0 Millionen Reichsmark erhöht. Im einzelnen
haben die Goldbeſtände um 11.3 Millionen auf 2265,6 Millionen
Neichs=
mark zugenommen, und die deckungsfähigen Deviſen um 5,7 Millionen
auf 175,4 Millionen Reichsmark abgenommen.
Die Deckung der Noten durch Gold allein erhöhte ſich von 57.,8
Pro=
zent in der Vorwoche auf 61,2 Prozent, diefenige durch Gold und
dek=
kungsfähige Deviſen von 62,5 Prozent auf 65,9 Prozent.
Die Arbeitsmarkilage in Heſſen und Heſſen=Naſfau.
Die Zahl der Arbeitſuchenden iſt auch in der erſten Februarhälfte
noch weiter — um rund 6500 auf 314 000 — geſtiegen. Das Bild des
Arbeitsmarktes beginnt ſich jedoch langſam zu verändern, es zeigt in den
einzelnen Arbeitsamtsbezirken und auch in den verſchiedenen
Berufs=
gruppen nicht mehr die geſchloſſene einheitliche Rückwärtsbewegung, wie
bisher. In mehreren Arbeitsamtsbezirken wurden die Zugänge durch
Abgänge nahezu ausgeglichen, in zwei Bezirken nahm die Zahl der
Ar=
beitſuchenden ſogar etwas ab. Auch in manchen wichtigen
Berufsgrup=
den wurde die rückläufige Bewegung entweder langſamer, (
Metallindu=
ſtrie, Holzgewerbe, teilweiſe (Schneider) im Bekleidungsgewerbe), oder
ſie machte einer leichten Entſpannung Platz (Steininduſtrie,
Lederindu=
ſtrie, Nahrungsmittelgewerbe). Die Lage in der Landwirtſchaft (533
Neuzugänge) und im Baugewerbe (Neuzugang von 1680 Fach= und von
745 Bauhilfsarbeitern) hat ſich unter dem Einfluß der Witterung auch
weiterhin verſchlechtert. Die Zahl der arbeitſuchenden Angeſtellten hat
gleichfalls erheblich (um über 700) zugenommen. Von der
Arbeitsloſen=
verſicherung wurden am 15. Februar 151 742, von der Krifenfürſorge
49 725, von beiden Unterſtützungseinrichtungen zuſammen alſo 201 464
Hauptunterſtützungsempfänger gezählt, das ſind 6859 mehr als am 31.
Januar und 36 003 mehr als im Vorfahre am 15. Februar. Außerdem
zahlte die Reichsanſtalt in der Woche vom 26.—31. Januar an 8961 (in
der letzten Dezemberwoche an 7796) Perſonen, die drei und mehr Tage in
der Woche verkürzt arbeiten, Kurzarbeiterunterſtützung aus.
Wirkſchaftliche Rundſchau.
Rückerſoerb des Offenbacher Elektrizitätswerkes durch die Stadt
Offenbach a. M. Im Zuſammenhang mit der Uebernahme der
Offen=
bacher Gasverſorgung durch die Frankfurter Gasgeſellſchaft ſind
be=
kanntlich auch das Offenbacher Elektrizitätswerk und die Offenbacher
Fremdſtrom=Verträge übernommen worden. Falls jedoch nicht innerhalb
drei Jahren die Frankfurter Gasgeſellſchaft eine zweckmäßigere
Stron=
derſorgung Offenbachs ſicherſtellen würde, beſaß die Stadt Offenbach ein
Rücktrittsrecht, von dem nunmehr Gebrauch gemacht wurde, ſo daß das
Abkommen, da die Frankfurter Gasgeſellſchaft dieſe Bedingungen nicht
eingehalten hat, zum 1. April 1931 gekündigt wurde. Mit dieſem
Ter=
iin fällt das Offenbacher Elektrizitätswerk wieder an die Stadt
Offen=
bach zurück, die nunmehr wieder ihre Stromverſorgung ſelbſtändig
über=
nimmt.
Süddeutſche Zucker A.=G., Mannheim. Der Berliner Börſenvorſtand
beſchloß, die Zahl der Termin= und fortlaufenden Notierungen weiter
einzuſchränken. Dagegen ſollen die Aktien der Süddeutſche Zucker A.=G.
neu zur fortlaufenden Notierung an der Berliner Börſe zugelaſſen
wverden.
Eiſenbahnbank und Eiſenbahnrentenbank, Frankfurt a. M. Der
Aufwertungsrichter hatte bekanntlich den Aufwertungsſatz für die
Obli=
gationen der Eiſenbahnbank auf 8,5 Prozent und für die
Eiſenbahn=
rentenbank auf 11 Prozent feſtgelegt. Die Einſpruchsfriſt gegen dieſe
Entſcheidung der erſten Inſtanz iſt nunmehr abgelaufen; wie WTB.=
Handelsdienſt hierzu erfährt, iſt die Beſchwerde der Obligationäre
Michael und Beifuß, die ſich mit den Aufwertungsſätzen nicht
einver=
ſtanden erklärt hatten, bis jetzt nicht zurückgezogen worden; es hängt von
dem Ergebnis der Verhandlungen, die mit der Verwaltung der beiden
Banken noch geführt werden ſollen, ab, ob ſich auch das Landgericht als
zweite Inſtanz wird mit der Aufſertungsangelegenheit befaſſen müſſen.
Ausdehnung Büffing=N.A. G. Die ſeit längerer Zeit zwiſchen der
Firma Büfſing=N. A. G. und dem Magiſtrat Elbing geführten
Verhand=
lungen ſind nunmehr zum Abſchluß gekommen. Die Firma Büſſing=
N.A. G. üibernimmt einen großen Teil der Automobilwerke Komnick in
Elbing nebſt Maſchinen und Vorräten, um die Erſatzteilfabrikation, das
Erſatzteil= und Reparaturgeſchäft „kortzuführen. Die Büſſing=N.A. G.
wwird in Elbing außerdem die Fabrikation von Straßenſchleppern und
Traktoren aufnehmen, die von der Firma Komnick ſchon ſeit Jahren
Letrieben wurde. Damit hat ſich die Büſſing=N.A. G. nunmehr auch im
Oſten einen Stützpunkt geſchaffen, nachdem ſie bereits im Weſten durih
Uebernahme von Mannesmann=Mulag, Aachen, feſten Fuß gefaßt hatte.
Meiallnotierungen.
Frankfurter und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 25. Februar.
Nachdem bereits im heutigen Vormittagsverkehr die Stimmung
trotz der ſehr feſten New Yorker Börſe ruhig war, eröffnete auch die
amtliche Börſe bei wieder ſehr geringem Geſchäft in ſtiller Haltung.
Ob=
wohl der Liquidationstag glatt überwunden wurde und der
Reichsbank=
ausweis für die dritte Februarwoche eine weitere Entlaſtung brachte,
verhielt ſich die Kuliſſe ſehr reſerviert, da andererſeits die
Finanz=
ſchwierigkeiten der Stadt Berlin, neue Entlaſſungen im Ruhrbergbau
und das weitere, wenn auch langſame Anſteigen der Arbeitsloſenziffern
retardierend wirkten. Daneben wurde die innerpolitiſche Lage wieder
mehr beachtet, da jetzt außer der parlamentariſchen Verabſchiedung des
Agrarprogramms das Schickſal des Wehretats von noch größerer
poli=
tiſcher Bedeutung iſt. Die Kursentwicklung war nicht ganz einheitlich.
Am Elektromarkt ergaben ſich in der Mehrzahl Kursbeſſerungen bis zu
1,5 Prozent, da für dieſen Markt angeblich von Schweizer Seite einiges
Kaufintereſſe beſtanden haben ſoll. Von Chemieaktien lagen Nebenwerte
wie Metallgeſellſchaft und Rütgerswerke bis zu 15 Prozent feſter,
wäh=
rend J. G. Farben leicht zur Schwäche neigten. Am Rentenmarkt lagen
deutſche Anleihen und von Ausländern Türken um Bruchteile eines
Pro=
zentes befeſtigt. Der Pfandbriefmarkt lag im allgemeinen ruhig, aber
Liquidationspfandbriefe weiter freundlicher.
Im Verlaufe ging vom Farbenmarkt, in denen ſcheinbar infolge der
Ungewißheit über die Dividendenausſichten von eingeweihten Kreiſen
größere Verkäufe vorgenommen wurden, eine ſtärkere Unſicherheit aus.
J. G. Farben lagen um 2 Prozent ſchwächer, während die übrige Börſe
nur mäßig abgeſchwächt war. Elektrowerte blieben recht widerſtandsfähig.
Metallgeſellſchaft ſetzten ihre Aufwärtsbewegung um 1 Prozent fort, da
ſich Materialmangel einſtellte. Im weiteren Verlaufe und bis zum Schluß
der Börſe hielt die Abgabeneigung an, wovon jetzt auch Elektrowerte und
zum Teil die übrigen Märkte betroffen wurden.
Die Abendbörſe verkehrte in ſehr ruhiger Haltung. Zu den
erſten Kurſen wurden infolge von Gerüchten über kleine Unruhen in
Berlin einige Abgaben vorgenommen, ſodaß gegen den ſchwachen
Ber=
liner Schluß weitere Abſchwächungen bis zu 1 Proz. eintraten. Später
konnten ſich die Kurſe um Bruchteile eines Prozentes erholen, da das
herauskommende Material aufgenommen wurde. Die Grundſtimmung
blieb indeſſen unſicher, zumal auch die Anfangskurſe aus New York zur
Schwäche neigten. Die Umſatztätigkeit bewegte ſich allgemein in ſehr
engen Grenzen. Von deutſchen Anleihen waren Altbeſitz angeboten. Der
Schluß der Börſe verlief ohne beſondere Ereigniſſe, zumal die Börſe
infolge der kommuniſtiſchen Demonſtration auf dem Börſenplatz früher
geſchloſſen wurde.
Berlin. B. Februar.
Während man vormittags auf Grund der feſteren
Auslandsmeldun=
gen noch mit einem freundlichen Börſenverlauf rechnete, machte ſich
ſchon zu Beginn des offiziellen Verkehrs eine gewiſſe Nervoſität geltend.
Immerhin brachte die Eröffnung bei Berückſichtigung der Reports gut
behauptete Kurſe, doch war das Geſchäft nur minimal. Momente, wie
die weitere Vergrößerung der Arbeitsloſenziffer, einige Bankinſolvenzen,
insbeſondere die Zahlungseinſtellung der Firma Carſch u. Co., Berlin,
die heute offiziell bekanntgegeben wurde, nachdem die Börſe ſchon
tage=
lang davon ſprach, mahnte zur Zurückhaltung. Im Verlaufe bröckelten
die Kurſe in Nachwirkung der oben genannten Momente unter
Schwan=
kungen ab, ſo daß ſich gegen 1 Uhr Verluſte bis zu 3 Prozent eingeſtellt
hatten. Die Ausführungen des Herrn v. Siemens auf der
Hauptver=
ſammlung ſeiner Geſellſchaft machten naturgemäß keinen günſtigen
Ein=
druck. Für Hammerſen, die anfangs mit Minus=Minus=Zeichen
er=
ſchienen waren, konnte bis 1 Uhr keine Notiz feſtgeſetzt werden.
Ledig=
lich Metallgeſellſchaft machten eine Ausnahme und ſetzten ihre
Auf=
wärtsbewegung um 1 Prozent fort. Anleihen freundlicher.
Produkkenberichke.
* 115. Südweſtdeutſche Zentral=Häuteauktion. Im Kaſino „Hof
zum Gutenberg”, Mainz, fand die gutbeſuchte 115. Südweſtdeutſche
Zen=
tral=Häuteauktion ſtatt. Zur Verſteigerung gelangten 4948
Großvieh=
häute, 5414 Kalb= und Freſſerfelle und 282 Hammelfelle. Bei leicht
an=
ziehenden Preiſen war der Verkauf ſehr flott, ſodaß die Auktion
früh=
zeitig beendet war.
Frankfurter Produktenbericht vom 25. Februar. Die Tendenz an
der heutigen Getreidebörſe war feſt. Es notierten: Weizen 74 Kg.
297,50—298,50; Roggen 70—71 Kg. 185—187,50; Sommergerſte 210;
Hafer 160—162,50: Weizenmehl ſüdd. 43—44; dito niederrhein. 42,75 bis
43,75: Roggenmehl 26,75—27,75; Weizenkleie 9,75; Roggenkleie 9,75—10.
Die Reichsſteuereinnahmen im Januar.
Im Monat Januar 1931 beträgt die Geſamteinnahme an
Reichs=
ſteuern 1047,01 Millionen Reichsmark; an Beſitz= und Verkehrsſteuern
ſind 730,6 Millionen Reichsmark, an Zöllen und Verbrauchsabgaben
316,5 Millionen Reichsmark aufgekommen. Bei der veranlagten
Ein=
kommenſteuer, der Körperſchafts= und der Umſatzſteuer, waren im Januar
Vierteljahresvorauszahlungen fällig, deshalb iſt das Aufkommen aus
dieſen Steuern nur mit dem Aufkommen im Oktober 1930, in dem
gleich=
falls Vorauszahlungen fällig waren, vergleichbar. Es kamen im Januar
1931 an veranlagter Einkommenſteuer 217,6, an Körperſchaftsſteuer 80.1
und an Umſatzſteuer 191,1 Millionen Reichsmark auf; die entſprechenden
Oktoberzahlen waren 244,2, 84,6 und 192,6 Millionen Reichsmark. Au
Zöllen ſind im Januar 1931 insgeſamt 130,2 Millionen Reichsmark in
folge des Einganges beträchtlicher Beträge aus den
Zolllagerabrechnun=
gen aufgekommen, gegen Oktober 1930 um 17,4 Millionen weniger.
Das Aufkommen der übrigen Steuern im Januar 1931 weiſt gegen
über dem vergleichbaren Dezember=Aufkommen nur unbeträchtliche Ab
weichungen auf. Lediglich der Steuerabzug vom Kapitalertrag bracht
wegen des Zinstermines am 1. Januar 1931 24,9 Millionen Reichsmar
mehr als im Dezember 1930. Dagegen iſt das Lohnſteueraufkommen in
Januar um 4,5 Millionen Reichsmark niedriger als im Dezember; die
dürfte hauptſächlich auf die Lohnſteuererſtattungen in Höbe von 11.2 Mil
lionen Reichsmark im Januar zurückzuführen ſein.
An Verbrauchsſteuern kamen im Januar insgeſamt 186,3 Millione
Reichsmark gegenüber 183,7 Millionen Reichsmark im Dezember auf, mit
hin 2,6 Millionen Reichsmark mehr. Die Tabakſteuer brachte im Janua
infolge der Vorverſorgung in den vorhergehenden Monaten 11,2 Millio
nen Reichsmark mehr, die Zuckerſteuer und die Bierſteuer dagegen 3.
und 4,4 Millionen Reichsmark weniger als im Dezember 1930. Die Ein
nahmen aus dem Spiritus=Monopol hielten ſich im Januar mit 95
Millionen Reichsmark faſt auf derſelben Höhe wie im Dezember nit
21.3 Millionen Reichsmark.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
Die Verhandlungen über die Regelung des Feinblechgeſchäftes in
Rahmen des neuen Kartellvertrages geſtalten ſich ſchwieriger, als ma
vorausſehen konnte. Es iſt dies mit darauf zurückzuführen, daß de
Handel in Feinblechen anders gelagert iſt als in den übrigen Eiſenſorter
Ein Ausgleich der Intereſſen bei den bisherigen Verbandlungen iſt no
nicht gefunden worden.
Die Verwaltung der Donnersmarck=Hütte hat beim Regierungsprä
denten in Oppeln um die Genehmigung zur Stillegung der Röhre
gießerei des Werkes nachgeſucht. 260 Arbeitern iſt bereits die Künd
gung zugeſtellt worden.
Am 5. 2. war für den Siegerländer Bergbau ein Schiedsſpruch g
fällt, der eine Herabſetzung der Löhne im Siegerländer Bergbau u
7 Prozent vorſah. Dieſer Schiedsſpruch iſt nunmehr durch den Reick
arbeitsminiſter für verbindlich erklärt worden. Der neue Tarif läu
bis 31. 7. 1931 und iſt vom 1, 7. 1931 ab mit einmonatiger Friſt kündba
Die Arbeitgeber haben die am 19. d. M. für die weſtſächſiſche Text
induſtrie gefällten Schiedsſprüche, die eine Senkung der Grundlöhne v.
5—6 v. H. ſowie eine Neuregelung der Mehrarbeit vorſehen, angenor
men und die Verbindlichkeitserklärung beantragt. Die Arbeitnehn
haben bekanntlich beide Schiedsſprüche abgelehnt.
Die am Tarifvertrag für das Peiner Walzwerk und die Ilſed
Hütte beteiligten Arbeitgeber= und Arbeitnehmer=Verbände haben geſte
auf Anregung des Schlichters miteinander verhandelt. Es gelang d
Abſchluß eines Vorvertrages zur Beilegung der beſtehenden Streit;
keiten. Die Parteien werden unverzüglich in Verhandlungen mite
ander eintreten.
Infolge der allgemeinen Kriſe hat das Bankgeſchäft Brill u.
Hei=
mann, Kommanditgeſellſchaft in Eſchwege, die Zahlungen eingeſtellt. 2
Geſchäft beabſichtigt in Liquidation zu treten und iſt gegenwärtig mit
Aufſtellung des Status beſchäftigt. Wie verlautet, ſoll bei ruhiger 2
wicklung eine annähernd volle Befriedigung der Gläubiger erfolg
können.
Die in Boppard zwiſchen den Arbeitgeber= und Arbeitnehmer=V
bänden der Rheinſchiffahrt über die Lohn= und Rahmentarifneuregelu.
ſtattgefundenen Verhandlungen wurden nach kurzer Zeit ergebnislos a
gebrochen.
Die Süddeutſche Mühlenvereinigung hat den Preis für Weizenme
Spezial Null um 50 Pfg. auf 43,75 RM. ab Mühlenſtation erhöht.
Die Zahl der Arbeitsloſen in England iſt in der vergangenen Wo
leicht zurückgegangen. Sie hat ſich um 5919 auf 2 631 212 verringert.
Berliner Kursbericht
vom 25. Februar 1931
Deviſenmarkt
vom 25. Februar 19.
Berl. Handels=Geſ.
Danatbank ... . . ..
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Ban!
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordb. Lloyd
A. E. G.
Bahr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdöl
123.25
135.—
105.50
105.625
62.125
102.—
64.50
101.-
67.75
63.—
115.125
35.—
112.75
114.50
66.50
Elektr. Lieferung
J. G. Farben
Gelſ. Bergwv.
Geſ. f. elektr. Untern.
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Köln=Neueſſ. Bgw.
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Untn.
Nordd. Wolle
Oberſchleſ. Koksw.
Orenſtein & Koppel
418.75
135.50
76.—
11.75
M.5o
64.—
79.25
120.—
56.75
69.50
68.—
35.125
57.—G
74.25
47.—B
Polyphonwerke
Rütgerswerke
Salzdetfurth Kali
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtoff 89.75
Verein. Stahlwerkel 57.,875
Weſteregeln Alkali
Agsb.=Nrnb. Maſchk
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Werke / 45.—
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Dral
Wanderer=Werke
Riic
49.—
195.—
111.—
135.25
61.125
22.125
54,75
121.—
147.50
49.—
40.75
Helſingfors
Wien
Prag
Budapeſt
Sofia
Holland
Lslo
Kopenhagen
Stodholm
London
Buenos=Aires
New York
Belgien
Italien
Paris
Währung
100 finn. M!
100 Schilline
00 Tſch. Kr.
100 Pengo
100 Leva
100 Gulden
100 Kronen
100 Kronen
100 Kronen
1K.=Stg.
1 Pap. Peſo
1 Dollar
100 Belga
100 Lire
00 Francs
10.57
9.055
12.449
3.044
168.58
112.44
112.51
20.421
1.380
2025
1.995
16 465
Reu
10.*27
59.175
12.46‟
73.27 73.41
3.050
168.9.
112.42/ 112 6.
112.6
112.7
20.4611
1.384
4.2105
58.57 58.69
22.03:
16.505
Schweiz
Spanien
Danzig
Japan
Rio de Janeiro
Jugoſlawien /100 Dinar
Portugal
Athen
Iſtambul
Kairo
Kanada
Uruguav
Jsland
Tallinn (Eſtl.)
liga
Die Metallnotierungen in Berlin am 25. Februar ſtellten ſich
für je 100 Kg. für Elektrolytkupfer, prompt cif Hamburg. Bremen
oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung f. d. Dt.
Elektrolyt=
kupfernotiz) auf 99 RM. — Die Notierungen der Kommiſſion des
Berliner Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe verſtehen ſich ab
Lager in Deutſchland für prompte Lieferung und Bezahlung)
ſtell=
ten ſich für Original Hüttenaluminium. 98 bis 99 Prozent, in
Blöcken, Walz= oder Drahtbarren 170 RM., desgleichen in
Walz=
oder Drahtbarren 99 Prozent, 174 RM.. Reinnickel, 98 bis 99
Prozent, 350 RM., Antimon=Regulus 56—57 RM., Feinſilber
(1 Kg. fein) 37,75—39,75 RM.
Die Berliner Metalltermine vom 25. Februar ſtellten ſich für
Kupfer; Februar 88 (90) März 88,50 (89) April 89,25 (89,75),
Mai 90 (91) Juni 90,50 (91) Juli. Auguſt 92 (92,50), September
92,25 (92,75) Oktober 92,50 (92,75). November 92,75 (92,75),
Frankfurter Kursbericht vom 25. Februar 1931.
2,75 (28.7Gezember 3839. Ote LtooNemde
denz befeſtigt. Für Zink; Februar 25.25 (26,50), März 25,75
(26), April 26 (26,75) Mai 26.50 (27) Juni 26,75 (27,25) Juli
27 (27,50), Auguſt 27,25 (27,75), September 27,25 (28,25),
Ok=
tober 28 (28,75), November 28 (29) Dezember 28,50 (29),
Ja=
nuar 28,50 (29) Tendenz: feſt. — Die erſten Zahlen bedeuten
Geld, die in Klämmern Brief.
Amerikariſche Kabelnachrichken.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 25. Febr.:
Getreide. Weizen: März 79,75, Mai 83,50, Juli 67,25. Sep=
Schmalz: Februar 8,20, März 8,26. Mai 8,375. Juli 8,50,
Schweine: Leichte 7.10—7.35, ſchwere G,40—6,70;
Schweine=
zufuhren Chicago 20 000, im Weſten 94 000.
Baumwolle: März 11,30. Mai 11,51.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 25. Febr.:
Schmalz: Prima Weſtern 8,95; Talg, ertra loſe 33
Getreide. Weizen: Rotwinter 91,25: Mais: loco New York
77½: Mehl: ſpring wheat clears 4.40—4,70: Getreidefracht nach
England 1,6—2,3 sh, nach dem Kontinent 8 C.
Kakao: Tendenz feſt, Umſätze 125. loco 5?8: März 5,49, Mai
5,58, Juli 5,77, September 5,98, Oktober 6,05. Dezember 6.19,
7% Dtſch. Reichsanl
5½ %Intern.,
6%Baden.
8% Bahern".
8% Heſſen v. 2
v. 29
60 Preuß. Staat
8% Sachſen ....."
7% Thüringen. . .
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſunsſch. +1/,
Ab=
löſungsanl. . . .
Dtſche. Anl.
Ablö=
ſungsſch. (Neub.
Deutſche
Schutzge=
bietsanleihe
80 Aachen v. 29
80 Baden=Baden
6% Berlin
.
8% Darmſtadt v. 2
v. 2
7½ Dresden.
8% Frankfurt a. M.
v. 26
v. 26
8% Mainz...."
8½ Mannheim v. 26
v. 27
% München ...."
8% Nürnbera. . .
82 Wiesbaden".
8½ Heſſ. Landesbk.
2 „ Goldoblig
4½% Heſſ. Lds.
Hyp.=Bk.=Liquid.
43‟0 Kum.=Obl.
89 Preuß. Lds..=Anſt. G. Pf.
89 „Gobhoblie
V
84.75
74.75
77.5
100
81
87.5
90.5
94.25
99
77.25
81
Ku
5.2
85
86
86.5
96.25
82
70.5
85
8C.25
71
93.5
100
92
94
86.9
80
100.5
7
97
? Landeskomm.
Bk. Girozentr. für
Heſſen Goldobl.
8½ Kaſſeler
Land=
kredit Goldofbr.
7½ Kaſſeler Land.
kredit Goldpfbr.
3Naſſ.Lamdesbk.
4½% „ Liqu. Ok
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
+Au3lSer.
„ „ Ser. I
Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Neubeſitz).
Berl. Hyp. Bk.
O Liqu.=Pfbr
% Frkf. Hyp.=Bk..
32
Lig. Pfbr.
Pfbr.=Bk.
„ Liau
Mein. Hyp.=Bl
O Lig. Pfbr.
Pfälz. Hhp.=B
„ Lia. Pfbr.
Preuß.
Boden=
cred.=Bauk
g „ Lig. Pfbr.
Preuß. Centrl.
Bodencr.=Bank.
„ Lig. Pfbr
Rhein. Hyp. B
4½% „ Lig. Pſbr.
Rhein.=Weſtf.
Bd.=Credit
8% Südd. Bod.
Cred.=Bank ...."
½2 — Lig. Pfb.
97.75
100
95
85
100
94.
84
89.5
52
68
Ar.
96
88.5
101.5
G
88.7
101.75
97
80.5
101.25
96-75
88”,
100
20.3
97
91.5
100.25
87.75
101
96.75
89.5
100.25
100
94.5
91
Mae
O Daimler=Benz
80 Dt. Linol. Werke
Klöckner=Werke
Mainkrw. v. 2
% Mitteld. Stahl.
% Salzmannu. C.
7% Ver. Stahlwerke
8% Voigt &Häffne
J. G. Farben Bond
50 Bosn. L.E.
L. Inveſt
38 Bulg. Tah. v.02
4½% Oſt. Schätz
4% Oſt. Goldrente
5% vereinh. Numän
1 4½%
4% Türk. Admin.
%0 „ 1. Bagdat
„ Bollanl.
O” Ungarn 191
1914
12%
Goldr.
1910
Aktien
Rla. Kunſtziide Unie
N. E. G. ....."
Andrege Noris Zahr
Aſchaffbg. Brauerei
Zellſtof
Bemberg. J. P.
Bergm. El.=Werle
BrownBoverickCie.
Buders Eiſen...
Cement Heidelberg
Karlſtadt
J. G. Chemie, Baſel
Chem.Werke Albert
Chade
..
Contin Gummiw.
Linoleum
Daimler=Benz....
99.25
95.5
87.5
93.25
8381
79.5
83
81.25
92.5
R
20.5
27.n5
39.25
9.25
14.55
7.45
4.25
16.75
19.5
17
68.5
A.
12
70
90
166.25
12.5
98
RMfe
„ Erdöl
Gold=u.
Silber=
ſcheide=Anſtalt
Linoleumwerke
Eiſenhandel.
Dyckerhoff u. Widm
Eichbaum=Werger.
Elektr. Lieferg.=Geſ
Licht u. Kraft
Eſchw. Bergwerk.
EßlingenMaſchinen
Ettlingen Spinnerei
Faber & Schleicher
G. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Jetter
Felt. & Guilleaume
Frankf. Gas 1. Lig.
Hof..
Gelſen1. Bergwer
Geſ. f.elektr. Untern.
Goldſchmidt Th
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger
Hafenmühle Frkft.
Hammerſen (Osn.)
Hanauer Hofbrauh.
Harpener Bergbau
Henninger, Kemp
HilpertArmaturfrb
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kupfer. . . . .
Hochtief Eſſen
Holzmann, Phil
Flſe Bergb. Stamm
Genüſſe
Junghans".
Kali Chemie
„ Aſchersleben”.
Kammgarnſpinn. .
Karſtadt, R....."
Klein, Schanzlin ..
Klöcknerwerke .. .
Knorr C. H......
Lahmeher & Co. ..
Laurahütte .....
Lech. Augsburg ...
24
66.5
99
71
1.10
115.25
195
93
At
47
119
35
76
112
37.1
34
157
116
73
120
84
120
66
79
32
102
61
89
57
155
123.5
33.25
Löwenbr. Münch.
Lüdenſcheid Metall
Lutz Gebr Darmſt
Mainkr.=W. Höchſt.
Mainz. Akt.=Br. . . .
Mannesm.= Röhren!
Mansfeid Berg.
Metallgeſ. Frankf.
Miag, Mühlenbau.
MontecatiniMaild.
Motoren Darmſtad
Deutz
Oberurſel
Oberbedarf ......
Phönix Bergbau.
Reiniger. Gebbert
Rh. Braunkohlen ..
„ Elektr. Stamm
„ Metallwaren ..
„ Stahlsverke .
Riebeck Montan. .
Roeder Gebr.
Rütgerswerke
Sachtleben A. G.
Salzdetfurth Kali
Salzw. Heilbronn
Schöfferhof=Bind..
Schramm, Lackfbr.
Schriftg. Stempel.
Schuckert Eleftr. . .
Schwarz=Storchen.
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halsfe
Südd. Immobilien
„ Zucker=A. G.
Svenska Tändſtide
Tellus Bergbau ..
Thür. Liefer.=Geſ.
Tietz Leonhard ..
Tücher=Brauere: „l105
Unterfranfen
Beithwerke
Ver. f. Chem. Ind
„ Stahlwerke
„ Strohſtoffabr.
Ultramarin ..
180
41.25
14.75
121
78
38
55.1
113.25
70.25
48.75
130
190
55
123
104
181
22
43
74.5
26.5
6i.s
128
„119
Vogtländ. Maſchin.
Voigt & Haeffner".
Wahß & Freytag.
Wegelin Rußfabrik
Weſteregeln Kali..
Zellſtoff=Verein ..
„ Waldhof..
„ Memel .. . . .
Allg. Dt. Creditanſt.)
Badiſche Bank..."
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Nummer 57
Donnerstag, den 26. Februar 1931
Seite 11
rinz von keisten
6)
URHEBER-RECHTSScHUTZ GURCH VEELAS OSRAR HEISTER, WERDau
(Nachdruck verboten.)
„Und was gedenken Sie zu tun, Herr Groth?”
„Iſch ... ja ... ich! Ich weiß nicht, was ich tun muß. Ich
.. ich muß fort! Ich halte es hier nicht mehr aus.”
„Und Ihr Kind, Herr Groth?”
„Mein Kind! Mein ... Junge! Ja ... ich ... ich bin ſo
ilflos! Ich will einen guten Menſchen bitten, daß er meinen
Jungen aufzieht . ich komme ja wieder! Die Mutterliebe ....
ie muß er entbehren, aber ich will nichts an ihm verſäumen".
ur jetzt ein Jahr, zwei Jahre Ruhe ... irgendwo will ich mich
erkriechen, vergeſſen in der Arbeit, in härteſter Arbeit.”
„Wollen Sie mich und meine Frau ... Ihren Sohn
auf=
tehen laſſen, Herr Groth?”
„Sie wollen?”
„Ja ... ich habe Iris wie eine Tochter geliebt und das Kind
.. es ſoll uns ein Heiligtum ſein, wir wollen es betreuen wie
Sater und Mutter.”
„Ich danke Ihnen .. . lieber .. . lieber Freund!” ſagte Berndt
ewegt. „Kommen Sie, Giſh ich will Ihnen alles in
Ord=
ung bringen auch Iris' und mein ganzes Vermögen, es ſoll
em Jungen gehören.”
„Und Sie?”
„Ich.. ach ich! An mich brwichen Sie nicht zu denken. Ich
imme durch. Ich ... will einmal ganz arm ſein.”
„Warum wollen Sie ſich das Leben ſo ſchwer machen?”
„Ich habe Angſt vor dem Schickſal, Herr Giſh. Es hebt uns
och und ſchmettert uns in die tiefſten Tiefen. Ich will unten
leiben ... ganz klein, ganz arm ſein, daß ich nichts nichts
erlieren kann.”
„Herr Groth, warten Sie ein paar Tage. In Ihnen iſt alles
uund und weh. Sie müſſen erſt einmal zur Ruhe kommen.”
„Oh, ich bin ganz ruhig, lieber Freund. Ich hadere auch
icht mit dem Schickſal. Nein, nein, ich bin auch nicht verbittert
nur das Herz, das will noch nicht zur Ruhe kommen .. . und
3 ſolls, es ſolls. Sorgen Sie ſich nicht um mich. Ich bin kein
eigling, der aus dem Leben ſchleicht ... ich habe ja meinen
ungen, wuß ja für ihn leben. Ich muß ja, und ich wills ja.”
Giſh atmete erleichtert auf.
Noch einen Blick warfen ſie auf das ſchlafende Kind, dann
erließen ſie den Raum.
Der falſche Prinz von Perſien hatte hartnäcbig geſchwiegen.
Es dauerte acht Tage, bis es dem ſehr tüchtigen
Unter=
tchungsrichter Dr. Anders gelang, den Widerſtand zu brechen.
nidlich geſtand der Verhaftete.
„Ich bin Eddie Bungaloff, der Bruder der einſtigen
Geſell=
hafterin Bungaloff, die auf Schloß Durham angeſtellt war und
die plötzlich verſchwand und ſpäter als Leiche in der Themſe
auf=
gefunden wurde.”
Dr. Anders war ſofort im Bilde.
„Ich danke Ihnen! Jetzt endlich kann ich mir ein Bild über
Ihre Beweggründe machen.”
Fragend ſah ihn Bungaloff an.
„Sie halten .. . Lord Durham für den Mörder Ihrer
Schweſter?”
„Ja! Er hatte ſie verführt, und als ſich Folgen bemerkbar
machten, als ſie verſuchte, ihre Rechte zu wahren, trieb er ſie aus
dem Hauſe und in den Tod. Vielleicht hat er ſie auch gemordet,
wie er ſeine Frau mordete, um des Rieſenvermögens willen, ich
weiß es nicht. Geſehen hat Mary keiner, als ſie Schloß Durham
berließ ... aber ſo oder ſo .. . er iſt ihr Mörder!“
„Und Sie wollten die Schweſter rächen?”
„Ja!” knirſchte Bungaloff. „Ich wollte ihn ruinieren ..
und Sie haben mir die Rache aus der Hand geriſſen.”
„Er findet ſeinen Lohn!” entgegnete Dr. Anders ernſt. „Er
iſt wegen Mordes an ſeiner Frau Viola und an Mademoiſelle
Girard angeklagt, die Indizienbeweiſe ſind erdrückend. Noch
leugnet er, aber er wird ſeiner Strafe nicht entgehen.”
Bungaloff atmete befriedigt auf.
„So trifft ihn doch noch die Vergeltung?”
„Ja! Aber ... auch Sie werden Ihre Schuld ſühnen müſſen,
Mr. Bungaloff. Sie wird zu ſühnen ſein, denn das Gericht
wird Ihre Motibe in menſchlicher Weiſe werten. Von Ihrem
Nieſenvermögen wird allerdings nichts bleiben, das werden Sie
den Erben zurückgeben müſſen.”
„Das will ich!” erklärte er feſt. „Ich habe Lady Iris bittere
Schuld abzubitten. Einmal .. . es iſt eine Stunde, der ich mich
heute ſchäme . .. da packte mich die Leidenſchaft zu ihr .. . ſie war
ja ſo ſchön ... und ich vergaß mich. Ich ... ich will ſie bitten,
daß ſie mir verzeiht.”
„Lady Iris ... iſt tot!” ſagte Dr. Anders langſam.
Bungaloff zitterte am ganzen Körper, als er dieſe Botſchaft
hörte.
„Tot? Gemordet?”
„Nein . . . Sie ſtarb bei der Geburt ihres Knaben.”
„Dann ſoll ihr Gatte, ihr Sohn, der Erbe ſein?”
Nachdenklich entgegnete Dr. Anders: „Ob das ... möglich
iſt? Ich kenne die engliſchen Erbſchaftsgeſetze nicht ſo genan
aber ich befürchte, daß die engliſchen Gerichte den auch politiſch
tertvollen Beſitz den Erben Lord Durhoms übereignen werden,
wenn es irgendwie möglich iſt.”
Lord Durham leugnete.
Acht Tage lang nahm man ihn ins Kreuzverhör, baute man
das ganze Gebäude der Indizien vor ihm auf. Sie waren
er=
drückend, aber er leugnete, leugnete immer.
Er kämpfte um Leben und Freiheit, denn noch einmal bot
ihm das Leben die große Chance.
Wieder würde er Herr über viele Millionen werden, wenn
es ihm gelang, wegen Mangels an Beweiſen freigeſprochen zu
werden.
Man hatte Petters ihm bisher noch nicht gegenübergeſtellt,
weil der alte Afrikaner immer noch zu hinfällig /Bar.
Aber nath acht Tagen war er ſo weit.
Lord Durham zuckte zuſammen und wurde fahl über das
ganze Geſicht, als ihm plötzlich Petters gegenüberſtand.
„Mr. Petters!” ſtotterte er und ftreckte ihm die Hand
eut=
gegen.
Doch Petters ſah ihn entſetzt an und wehrte ab: „Mörder ...
Mörder amn eigenen Weibe!” ſchrie er auf. „Sie ... nur Sie
haben mir den grünen Tod geſtohlen ... nur Sie ... denn außer
mir und Ihnen kannte keiner das Geheimnis des grünen Todes!“
Der Unterſuchungsrichter unterbrach die Auseinanderſetzung
nlicht, denn vielleicht konnte in der Erregung irgendeine wertvolle
Ausſage zuſtande kommen.
Durhams Adern ſchwollen.
„Ich ... ich ſoll Ihnen ein Gift geſtohlen haben? Ich ..!"
der überhaupt nicht wußte, daß Sie ſich damit beſchäftigen?”
„Haha, Sie wußten es nicht! Stundenlang haben Sie mir
zugehört, als ich Ihnen von meinen Giften erzählte, von meinen
Studien berichtet. Sind Sie nicht an der Leiche Mgobus
ge=
weſen, den der Zauberer mit dem grünen Tod umbrachte, als
er im Branntweinrauſche lag? Oh, Sie waren ſo intereſſſiert,
und wie genial haben Sie den Diebſtahl ausgeführt! Nach
zivei Jahren merkte ich ihn, Sie hatten ja ein Erſatzfläſchchen
hingeſtellt. Ich hatte meinen Boy im Verdacht, aber Sie waren
es! Sie haben mit dem grünen Tod gemordet!“
„Sie ſind wahnſinnig, Petters! Kein Wort iſt über dieſe
Punkte geſprochen worden, ich kann es beſchwören, niemals
ge=
ſchah es.”
„Noch meineidig wollen Sie werden! Peer von England!
Lord Durham, ich werde vor Gericht treten und beſchwören,
daß kein weißer Menſch den grünen Tod kennt und kannte,
außer mir und Ihnen.”
„Man wird dem Peer von England mehr glauben als
Ihnen, Petters!” höhnte Durham.
„Man wird Sie am Galgen enden laſſen! Man kennt den
Durham aus ſeinen Prozeſſen!”
Heftig ging das Geſpräch weiter, aber der Lord leugnete
alles ab.
Bis der Unterſuchungsrichter eingriff.
„Mr. Petters”, ſprach er zu dem Afrikaner, „haben Sie
irgendtvelche Zeugen, die ausſagen können, daß Sie Lord
Dur=
ham über die Gifte aufklärten?”
„Einen Zeugen . .. nein . .. doch, ja . . . mein Boy und
der Miſſionar Brooke können beſchwören, daß wir den am
grünen Tode geſtorbenen Häuptling aufſuchten und unterſuchten.
Sie wiſſen genau, was geſprochen wurde.”
Der Unterſuchungsrichter atmete auf.
Eine neue Möglichkeit bot ſich ihm.
„Wir müſſen den Miſſionar vernehmen.”
Es wird lange Zeit dauern, Herr Richter! Brooke ſitzt
im Innern Afrikas. Er iſt manchmal wochenlang nicht durch
eine Nachricht zu erreichen.”
„Das iſt bitter, aber geben Sie uns die Adreſſe, wir
tele=
graphieren an das nächſte Bezirksamt und bitten es, den
Miſ=
ſionar Brooke zu vernehmen. Das kann unter Umſtänden in
einigen Tagen in Ordnung gehen.”
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Jugendliche haben Zutritt,
Beginn: 3.45, 6.00 und 8.20 Uhr
Dazu das gute und
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