Darmstädter Tagblatt 1931


29. Januar 1931

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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 29
Donnerstag, den 29. Januar 1931. 194. Jahrgang

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ſede Verpſſichtung auf Erfällung der Anzeigen=
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und Teiſtung von Schadenerſatz. Bel
Konturs oder gerichtlſcher Beitreibung fällt ſeder
Nabatt weg. Banſkonto Deuiſche Bank und Darm=
ſädter
und Nationalbank

Wiederzuſammenkrikk des Reichskags am 3. Bebruar. Die Reichsregierung verzichkek vorläufig auf
Agrarnokverordnungen. Verbindung zwiſchen Ekak und Oſtvorlage.

Um Deutſchlands Kredik.

Die Bedingungen des Reichsfinanzminiſters.
* Berlin, 28. Januar. (Priv.=Tel.)
Der Reichstagspräſident Loebe hat den Reichstag jetzt end=
gültig
auf den kommenden Dienstag, den 3. Februar, nachmittags,
einberufen. Das iſt der Tag, der von Anfang an, ſchon im Dezem=
ber
für den Wiederzuſammentritt des Reichstags in Ausſicht ge=
nommen
war. Die Tagesordnung iſt, wie in ſolchen Fällen, nach
der Pauſe indifferent. Sie umfaßt nur eine Reihe Kleinerer
Vorlagen. Trotzdem iſt es aber bei der ſtarken Spannung zwi=
ſchen
den beiden Flügelparteien nicht ausgeſchloſſen, daß es ſchon
auf den erſten Anhieb zu Exploſionen kommt, weil Einſprüche der
Nationalſozialiſten gegen Ordnungsmaßnahmen des Präſidenten
zur Entſcheidung ſtehen.
Die Reichsregierung ſcheint den Verſuch machen zu wollen,
den Etat auf dem ordnungsmäßigen Wege zu verabſchieden und
auch die Oſtvorlage noch im Reichstag einzubringen. An die
Möglichkeit einer parlamentariſchen Erledigung glaubt aber wohl
auch im Kabinett ſo recht niemand, weil die Arbeitsunfähigkeit
dieſes Reichstages ſich zwangsläufig ergeben muß, ſobald er vor
poſitive Aufgaben geſtellt wird. Der Kanzler hat in dieſen Tagen
die Beſprechungen mit den Führern der Parteien wieder aufge=
nommen
. Er wird dabei gleichzeitig wohl auch nach der Richtung
ſondieren, inwieweit heute bereits die Notwendigkeit neuerer
Notverordnungen ſich ergibt. Zudem läuft das Ultimatum der
Deutſchen Volkspartei, das ja weitere Abſtriche in Höhe von 300
Millionen fordert, am 2. Februar ab. Es ſtellt alſo eigentlich bis
zum Beginn des Reichstages den Kanzler vor die Aufgabe, ſich
über ſein weiteres Programm und über die Mehrheit klar zu
werden, mit der er regieren will.
Inzwiſchen ſind die Vorverhandlungen über die Oſtvorlage
nun endgültig zum Abſchluß gebracht worden. Der Geſetzentwurf,
der weſentlichen Aenderungen nicht mehr unterworfen worden iſt,
wird am Samstag vormittag zum Gegenſtand einer Kabinetts=
beratung
gemacht werden. Man hofft, daß es gelingen wird,
noch in dieſer Beratung zu einer Beſchlußfaſſung zu kommen, ſodaß
dann die Oſtvorlage unverzüglich den geſetzgebenden Körperſchaf=
ten
zugehen wird. Einige Schwierigkeiten hat die Freigabe der
Induſtrieumlage gebracht, die das Fundament der räumlich er=
weiterten
Oſthilfe ſein ſoll. Der Reichsfinanzminiſter hat ſich
bereit erklärt, auf die Induſtrieumlage zu verzichten, wenn der
Reichstag für den Etat 1931 eine Mehrheit ſtellt. Man verſucht
es alſo mit einem Junktim zwiſchen dem Etat und der Oſtvorlage.
Der Gedanke, die Oſtvorlage durch Notverordnung in Kraft zu
ſetzen, ſcheint demnach endgültig fallen gelaſſen zu ſein. Der Grund
hierfür liegt auf finanziellem Gebiet. Die Regierung glaubt, es
mit Rückſicht auf unſeren Kredit im Ausland nicht verantworten
zu können, eine große Oſthilfe durch die Notverordnung in Kraft
zu ſetzen, wenn es ſich wohl auch nicht umgehen laſſen wird, vom
Artikel 48 Gebrauch zu machen, ſofern der Etat abgelehnt wird.
Mit dieſem Junktim ſoll namentlich auch die Rechte im Reichstag
zur Verantwortung herangezogen werden, um ſie zu zwingen, im
Intereſſe des Oſtens die Regierung zu unterſtützen und ſie nicht
erneut in die Zwangslage zu bringen, zur Notverordnung greifen
zu müſſen. Offenbar liegen dem Finanzminiſter Informationen
aus ausländiſchen Geldgeberkreiſen vor, wonach man uns auf die
Dauer keine Anleihe gewähren kann, wenn nicht durch das Par=
lament
ſelbſt eine ordentliche Finanzgebarung ſichergeſtellt wird.
Wir müſſen uns alſo darauf einrichten, daß um die Oſtvorlage im
Reichstag heftige Kämpfe entbrennen werden. Welches Ende ſie
nehmen werden, läßt ſich noch nicht vorausſehen. Findet ſich für
die Oſtvorlage keine Mehrheit, dann bleibt es bei der kleinen
Hilfe, wie ſie bereits geſetzlich verankert iſt und auch ſchon zur
Durchführung gelangt.
Die Mindereinnahmen des Reiches in den erſten
neun Monaken des Jahres 1930.
Berlin, 28. Januar.
Die Geſamteinnahme an Reichsſteuern im Monat Dezember
1930 beträgt 557,2 Mill.. RM., und zwar ſind an Beſitz= und
Verkehrsſteuern 298 Mill. RM., an Zöllen und Verbrauchsab=
gaben
259,2 Mill. RM. aufgekommen. Im Monat November
1930 betrug die Geſamteinnahme 641,2 Mill. RM., ſie war mit=
hin
um 84 Mill. RM. höher als die des Monats Dezember. In
der Hauptſache fällt dieſer Einnahmenrückgang den Beſitz= und
Verkehrsſteuern zur Laſt. Im erſten bis dritten Viertel des
Rechnungsjahres 1930 beläuft ſich das Geſamtaufkommen auf
6878,2 Mill. RM. und bleibt ſomit (rein rechneriſch) um 821
Mill. RM. hinter neun Zwölfteln des veranſchlagten Jahres=
haushaltsſolls
zurück. Von dieſer Mindereinnahme entfallen auf
das Reich etwa 687 Mill. RM., auf die Länder 134 Mill. RM.
Aus dieſer rein rechneriſchen Gegenüberſtellung kann jedoch noch
nicht mit Beſtimmtheit gefolgert werden, um welchen Betrag das
Iſtaufkommen des Rechnungsjahres 1930 hinter dem Jahres=
haushaltsſoll
1930 zurückbleiben wird. Immerhin läßt ſich aber
aus dem bisherigen Steueraufkommen ſchließen, daß das geſamte
Minderaufkommen für das Reich die nach dem Finanzprogramm
der Reichsregierung erwartete Mindereinnahme an Steuern
gegenüber dem Haushaltsſoll von etwa 600 Mill. RM. nicht
weſentlich überſchreiten wird.

Die oſtpreußiſche Landwirtſchaft
fordert Reviſion des Berſailler Berkrages
und des Youngplans.
Königsberg, 28. Januar.
Im großen Saal des Landeshauſes traten heute vormittag in
Gegenwart der Spitzen ſämtlicher Behörden die Mitglieder der
oſtpreußiſchen Landwirtſchaftskammer zu ihrer diesjährigen
Tagung zuſammen. Der Präſident der Kammer, Dr. Brandes,
führte zur allgemeinen Lage der Landwirtſchaft u. a. aus: Es hat
ſich auch in Deutſchland gezeigt, und das ſollte man endlich erkannt
haben, daß die Landwirtſchaft das Schlüſſelgewerbe der deutſchen
Wirtſchaft iſt. Ich verkenne nicht, daß eine Reihe von Maßnah=
men
getroffen worden ſind, die für die Landwirtſchaft vorteilhaft
ſind. Sonſt ſtände es noch ſchlimmer. Aber alles geſchieht zu langſam,
zu ſtückweiſe. Pſychologiſch wirkt ſich dies dahin aus, daß Peſſi=
mismus
und Zweifel an dem beſten Willen, wirklich zu helfen,
immer weitere Kreiſe erfaſſen. Die Grüne Front hat eine ganze
Reihe von Maßnahmen zuſammengeſtellt, die ſofort und ohne
Verletzung der Handelsverträge zum Nutzen der Landwirtſchaft
ergriffen werden können. Aber auch die Handelsverträge ſelbſt
dürften kein Pflänzchen Rühr mich nicht an werden. Die An=
nahme
des ſogenannten Genfer Handelsabkommens wäre für die
Landwirtſchaft ganz untragbar. Eine Aenderung des Verſailler
Diktats und der Tributlaſten, fuhr der Redner fort, iſt unauf=
ſchiebbar
. Das Weſen ſolcher Tributlaſten iſt vielfach bekannt.
Es iſt ein Ausblutungsprozeß. Die Frage der Reviſion von Ver=
ſailles
iſt nicht einzig und allein eine politiſche Frage, ſondern
eine wirtſchaftliche Frage allererſten Ranges, man müßte ſagen:
Die Wirtſchaftsfrage. Der zweite Punkt, wo eingegriffen werden
muß, iſt äußerſte Sparſamkeit überall. Es wird eine Reviſion
der Sozialgeſetzgebung notwendig ſein.
Nach der Begrüßung der Ehrengäſte ergriff Oberpräſident
Dr. Siehr das Wort, um auf die Hilfsmaßnahmen der Staats=
regierung
für die Behebung der wirtſchaftlichen Nöte der Land=
wirtſchaft
kurz einzugehen und dann die weiteren Hilfsmaßnah=
men
der Staatsregierung in den beiden letzten Jahren zu be=
leuchten
.
Wie ſich Oftpreußen die Durchführung der
Oſthilfe denkk.
Präſident Dr. Brandes führte dann weiter aus: Die Vor=
ausſetzung
für eine dauernde Wirkung der Oſthilfe iſt die Wie=
derherſtellung
der Rentabilität in der deutſchen Landwirtſchaft.
Aber ſelbſt dann verbleiben bei der oſtpreußiſchen Landwirtſchaft
noch 10 bis 15 Prozent des Defizits, die in anderer Weiſe noch
ausgeglichen werden müſſen. Die Hilfe muß in erſter Linie be=
ſtehen
in einer generellen Laſten= und Zinſenſenkung. Es war
ein Fehler der Oſthilfe, daß ſie ſich nur mit kranken Betrieben be=
ſchäftigte
. Die Laſten und Zinſen ſind eben in Oſtpreußen abſo=
lut
zu hoch. Dagegen hilft keine Umſchuldung. Deshalb erkranken
auch die ſogenannten ſanierten Betriebe immer wieder. Hunderte
von umgeſchuldeten Betrieben ſtehen jetzt vor der Zwangsver=
ſteigerung
. Die Anregung des Reichsminiſters Treviranus, etwa
3 Prozent des Einheitswertes für dieſen Zweck zu verwenden,
zeigt einen durchaus gangbaren Weg. Ich begrüße dieſen Vor=
ſchlag
mit Dank. Der Redner führte dann aus, wie dieſer Vor=
ſchlag
im einzelnen durchzuführen ſei und fuhr dann fort: Dieſe
ganze Art der generellen Hilfe erfordert keinen großen Apparat
und läßt ſich durch Umbuchungen einfach durchführen. Iſt man
ſich über die Methode klar, wird man ſich über Einzelheiten leicht
verſtändigen können. Neben dieſen generellen Maßnahmen muß
die Umſchuldung ſelbſtverſtändlich weiter betrieben werden. Für
die Hergabe dieſer Umſchuldungs= und Betriebsmittel ſind indi=
viduelle
Prüfungen der Betriebe und gewiſſe Richtlinien not=
wendig
. Aber auch für dieſe Arbeiten iſt ein ſo umfangreicher und
teurer Staatsapparat nicht notwendig, wie er jetzt aufgezogen
iſt. Das ſind Fehler in der Organiſation, die ſich bitter rächen.
Als es galt, Oſtpreußen nach den Ruſſenzerſtörungen wieder auf=
zubauen
, hat man auch nicht zwei Kommiſſare eingeſetzt, ſondern
einen Batocki. Wenn dem Oberpräſidenten allein die Dispo=
ſition
über die Mittel gegeben würde, die für Unterſtützungen
und namentlich zur Fürſorge für die von Haus und Hof Ver=
triebenen
zu beſtimmen wären, und an der Spitze der ganzen Oſt=
hilfe
ein Reichskommiſſar ſtände, würde die Sache funktionieren.
Die Rede des Präſidenten Brandes wurde mit lautem Bei=
fall
entgegengenommen. Auf Antrag des Kammermitgliedes Hei=
mann
wurde dem Präſidenten Dr. Brandes Dank und Anerken=
nung
ausgeſprochen. Die Verſammlung erklärte weiter, daß ſie
mit der geſamten oſtpreußiſchen Landwirtſchaft entſchloſſen hinter
ihm ſtehe.
Das Reichskabinekt billigt die Halkung der
Genſer Delegakion.
Berlin, 28. Januar.
In der heutigen Sitzung unter Vorſitz des Reichskanzlers
nahm das Reichskabinett einen umfaſſenden Bericht des Reichs=
miniſters
des Auswärtigen Dr. Curtius über den Verlauf des
europäiſchen Studienausſchuſſes und der Tagung des Völker=
bundsrates
entgegen. Der Reichskanzler ſtellte abſchließend feſt,
daß die von der Delegation eingenommene Haltung und das in
Genf erreichte Ergebnis die einſtimmige Billigung des Reichs=
kabinetts
gefunden haben, und ſprach dem Reichsminiſter des
Auswärtigen den aufrichtigen Dank des Reichskabinetts für die
erfalgreiche Vertretung der deutſchen Intereſſen g.

* Die Danziger Zinanzkriſe vorläufig
überwunden.
Von
Rolf Wingendorf, Danzig.
Seit einem Jahre bereits ſchien es, als ob die Freie Stadt
Danzig unaufhaltſam einer Finanzkataſtrophe entgegentreibe.
Durch kurzfriſtige Anleihen mußten immer wieder die Fehl=
beträge
gedeckt werden, die durch den Rückgang der Zolleinnah=
men
, die Konkurrenz des Hafens Gdingen, die Konkurrenz der
polniſchen Poſt und die von Monat zu Monat immer ſchneller
anſteigende Arbeitsloſenziffer entſtanden. Dazu kamen die inner=
politiſchen
Verwicklungen, die jede Regierungsinitiative hemm=
ten
, ſo daß eine durchgreifende Reform der Staatsfinanzen nicht
geſchaffen werden konnte. Als dann endlich am 9. Januar die
neue Regierung gewählt worden war, übernahm ſie ein wenig
erfreuliches Erbe. Etwa 12½ Millionen Gulden Schulden waren
bis zum 25. Januar abzudecken und etwa 3 Millionen Gulden
fehlten für die am 1. Februar notwendig werdenden Zahlungen.
Die Regierung fand aber auch ſchon Vorbereitungen für
eine Regelung der Finanzverpflichtungen vor mit Hilfe eines
Ueberbrückungskredits, für den die Verhandlungen noch von der
alten Regierung, bzw. von denen im Amte verbliebenen haupt=
amtlichen
Senatoren eingeleitet worden waren. Auch für die
ſteuerliche Deckung der Ausgaben, wie ſie von dem Geldgeber
gefordert wurde, lagen bereits ausgearbeitete Vorſchläge vor. Die
Regierung, die entſchloſſen war, auf dem Wege der Finanzſanie=
rung
auch das Odium der Unpopularität auf ſich zu nehmen,
ſtellte ein genaues Programm auf, das in einem Ermächtigungs=
geſetz
und in einem Neuentwurf für die Beamtenbeſoldungs=
reform
ſeinen Niederſchlag fand.
Die Regierung wählte die Form eines Ermächtigungsgeſetzes
für die Durchbringung dieſer Beſtimmungen, weil man glaubte,
ſonſt nicht ſchnell genug die Bedingungen der Geldgeber erfül=
len
und den Ueberbrückungskredit erhalten zu können. Tatſäch=
lich
wären dann die Gehaltszahlungen am 1. Februar in Frage
geſtellt geweſen.
Eine gewiſſe Schwierigkeit erſtand jedoch dadurch, daß das
Ermächtigungsgeſetz zunächſt mit dem Geſetz über die Aenderung
der Beamtenbezüge verkoppelt wurde, da dieſes Geſetz als ver=
faſſungsändernd
eine qualifizierte Mehrheit zur Annahme ver=
langte
. Tatſächlich ſtellte ſich dann bei der letzten Leſung auch
eine Trennung der beiden Geſetze als notwendig heraus, weil
die verfaſſungsändernde Mehrheit nicht zuſtande kam.
In der dramatiſchen Parlamentsſitzung vom 22. Januar
wurde nach der Ablehnung der Beſoldungsordnung noch in
letzter Stunde der Entwurf einer Feſtbeſoldetenſteuer in das Er=
mächtigungsgeſetz
hineingearbeitet. Dieſe Steuer muß den Be=
trag
von etwa 5 Millionen Gulden aufbringen, den die Beamten=
beſoldungsordnung
, die nicht die verfaſſungsmäßig notwendige
*==Mehrheit fand, erſparen ſollte. Das Geſetz über die Aende=
rung
der Beſoldung ſollte abgeſehen von den Gehaltskürzungen
auch die Unterſchiede beſeitigen, die zwiſchen der Beſoldung der
vor dem Jahre 1926 angeſtellten und der ſpäter angeſtellten Be=
amten
beſtehen. Von ſozialdemokratiſcher Seite wurde aber
darüber hinaus eine Staffelung der Gehaltskürzungen verlangt.
Da die Regierungsparteien darauf nicht eingingen, weil eine
ſolche Regelung dem Beamtenabkommen mit Deutſchland an=
geblich
widerſpricht, mußte das Geſetz zu Fall kommen.
Die Neuregelung der Feſtbeſoldetenſteuer iſt erheblich un=
ſozialer
, da auf dieſe Weiſe der Beſitzſtand nicht angetaſtet wird,
d. h. diejenigen Beamten, die nach der früheren Beſoldungs=
ordnung
eingruppiert ſind, behalten ihre teilweiſe um 20 Pro=
zent
höheren Beträge gegenüber den ſpäter angeſtellten Beamten.
Während man bei der Beſoldungsneuregelung noch bis zum
letzten Augenblick auf eine Unterſtützung durch die Sozialdemo=
kratie
rechnete, war es von vornherein klar, daß bei dem Er=
mächtigungsgeſetz
dieſe Regierung, die aus Zentrum, Deutſch=
nationalen
und Block der Mitte beſtand, und ſich auf die Natio=
nalſozialiſten
als Unterſtützung verlaſſen mußte, der ſchärfſten
Oppoſition der Linksparteien begegnete. Beſonders waren es in
dem Ermächtigungsgeſetz die Beſtimmungen über Aenderung
ſozialer Maßnahmen, die von der Linken ſcharf angegriffen wur=
den
und bei denen auch die Stellung der Nationalſozialiſten zu=
nächſt
unklar nar. Es handelte ſich dabei um die Aenderung
der Erwerbsloſenfürſorge und Abänderung der Krankenverſiche=
rung
. Der letzte Paragraph betreffs der Krankenverſicherung
mußte wegen des Einſpruchs der Nationalſozialiſten noch in der
letzten Stunde vor der Verabſchiedung aus dem Geſetz geſtrichen
werden. Darüber, daß die ſteuerlichen Maßnahmen durchgehen
würden, beſtand dagegen von vornherein kaum ein Zweifel, ob=
gleich
das Geſetz eine Reihe gerade von den Nationalſozialiſten
vorher ſcharf bekämpfter Steuern bringt, wie die Kopfſteuer,
die Erhöhung der Umſatzſteuer auf 1½, eine Mietſteuer von
10 Prozent und Herabſetzung der ſozialen Ermäßigungen bei der
Einkommenſteuer. Die anderen Beſtimmungen, wie Erhöhung
der Erbſchaftsſteuer, Ausdehnung der Gewerbeſteuer und die
freien Berufe und Erhöhung der Wechſelſtempelſteuer haben da=
gegen
eigentlich nirgends direkte Ablehnung gefunden.
Am 22. Januar, oder vielmehr eigentlich am 23. Januar,
nachts um 1 Uhr, iſt nun nach einer Sitzung, in der bis zum
äußerſten von kommuniſtiſcher Seite Obſtruktion getrieben
wurde, in der Polizei herbeigeholt werden mußte, um einen
kommuniſtiſchen Abgeordneten zu entfernen, endlich in dritter
Leſung das Ermächtigungsgeſetz angenommen worden und da=
mit
die Bedingung des Geldgebers für den Ueberbrückungs=
kredit
von 16 Millionen Gulden erfüllt. Die Danziger Finanz=
kriſe
, die faſt zu einer Staatskriſe zu werden drohte, hat ihr
Ende gefunden. Auch heute iſt die Finanzlage der Freien Stadt
ſchwer und verlangt gewaltige Opfer von der geſamten Bevöl=
kerung
, aber die Kataſtrophe iſt abgewendet. Man wird jetzt in
ruhiger Arbeit weiter an der Sanierung arbeiten können und
beſonders die ſo notwendigen Verhandlungen mit Polen über
den Zollverteilungsſchlüſſel, der in keiner Weiſe für Danzig aus=
reichend
iſt, in Ruhe durchführen können. Eine wirklich durch=
greifende
Beſſerung der Lage iſt auch heute nur möglich, wenn
endlich in Danzigs politiſcher Lage klare Verhältniſſe geſchaffen
werden und die finanziellen Schädigungen Danzigs durch Polen
afhören.

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Seite 2

Donnerstag, den 29. Januar 1931

Nummer 29

Screie, Agrarponin.
Ein neuer Reichsbeſtellungsplan.
Berlin, 8. Januar.
Der Haushaltsausſchuß des Reichstages begann am Mitt=
woch
früh die Beratung des Haushaltes des Reichsminiſteriums
für Ernährung und Landwirtſchaft. Zunächſt erſtattete Abgeord=
neter
Schmidt=Köpenick (Soz.) dem Ausſchuß den Bericht über
den Haushalt. Dann leitete Reichsernährungsminiſter Schiele
die Verhandlungen mit einer ausführlichen Rede ein. Er ſtellte
zunächſt als das Ergebnis der Agrarpolitik der letzten Jahre feſt,
daß auf den wichtigſten Gebieten die Anbahnung einer dauer=
haften
Ordnung der Erzeugung und Abſatzverhältniſſe deutlich
erkennbar ſei, wenn es auch die unerhörte Zuſpitzung der allge=
meinen
Kriſenzuſtände im In= und Auslande nicht geſtattet
hätte, dem wachſenden Subſtanzverzehr der Landwirtſchaft radi=
kal
Einhalt zu gebieten. Die bisherige Getreidepolitik müſſe
fortgeführt und durch eine ſtärkere Fürſorge für den Legumi=
noſenbau
ergänzt werden. Für den Kartoffelbau ſei die Fort=
führung
der Flockenaktion und die Erhöhung des Brennrechtes
zu fordern.
Der Miniſter machte dann Mitteilung über den in Aus=
arbeitung
befindlichen Reichsbeſtellungsplan. Der Ge=
ſamtplan
müſſe von einer notwendigen Einſ chränkung
des Roggen=, Hafer= Zuckerrübenanbaues um
rund 1,5 Millionen Hektar ausgehen. Die freiwerdende
Fläche könne zu einer Million Hektar für die Erweiterung
des Weizen= und Gerſtenbaues verwendet werden.
Der Reſt müſſe zur Verſtärkung der nationalwirtſchaftlichen
Futterbaſis der Veredelungswirtſchaft dienen. Er wolle
durch Förderung der Viehwirtſchaft einen
wirkſamen Anreiz für eine ſolche Umſtellung in
der Ackernutzung ſchaffen. Die Zukunftsausſichten für eine
tieriſche Veredelungswirtſchaft ſeien vorläufig noch wenig gün=
ſtig
. Der internationale Ueberfluß an Getreide und Futter=
mittel
beginne ſich bald deutlicher in eine Ueberproduktion von
tieriſchen Veredelungserzeugniſſen umzüſetzen. Daher ſei die
Regierung vor neue dringende Aufgaben zum Schutze der bäuer=
lichen
Veredelungswirtſchaft geſtellt.
Zur Zoll= und Handelspolitik ſagte der Miniſter,
die internationale landwirtſchaftliche Ueberproduktion fordere
gebieteriſch die Droſſelung unſerer Einfuhr, um der eigenen
Erzeugung auf dem heimiſchen Markt neue Abſatzmöglichkeiten
zu erſchließen. Hierin befinde er ſich in völliger Uebereinſtim=
mung
mit dem Außenminiſter, der auf der Genfer Europakon=
ferenz
erklärte, daß das mit einſeitigen Zahlungen belaſtete
Deutſchland ſeine Ausfuhr ſteigern und ſeine Einfuhr verrin=
gern
müſſe. Der Miniſter betonte, er habe nie einen Hehl
daraus gemacht, daß er die Syntheſe zwiſchen allgemeiner Han=
delspolitik
und agrariſcher Zollpolitik, wie ſie in dem geltenden
Handelsvertragsſyſtem vorgenommen worden ſei, für unglück=
lich
halte und die allmähliche Abkehr von dieſer Politik für un=
erläßlich
erachte. Andererſeits halte er es wegen der Wirt
ſchaftskriſe für geboten, nur mit Vorbedacht an die Reform
der beſtehenden Handelsverträge heranzugehen.
Nach ſeiner Anſicht ſei dies zunächſt nur wie bei Finnland auf
dem Wege der Verhandlungen zur Löſung läſtiger Zollbindun=
gen
möglich.
Das Wort des Reichskanzlers von der notwendigen An
gleichung der Induſtrie= und Agrarpreiſe ent=
ſpreche
auch durchaus ſeinen Auffaſſungen. Der Weg vom Er=
zeuger
zum Verbraucher müſſe im Intereſſe beider dringend
rationaliſiert werden. In einer Zeit ſo unerhörter ſozialer und
nationaler Nöte ſeien Landwirtſchaftspolitik und Ernährungs=
politik
weniger denn je voneinander zu trennen. Eine klare
Entſcheidung über die Fortführung und den Ausbau der einge=
leiteten
Landwirtſchafts=Hilfsmaßnahmen ſei gegenwärtig beſon=
ders
vordringlich. Es gelte, der Landwirtſchaft den beabſichtigten
Kurs der Agrarpolitik klar zu zeigen, damit ſic an die Erreichung
der im Reichsbeſtellungsplan aufgezeigten Produktionsziele be=
reits
bei dieſer Frühjahrsbeſtellung mit neuem Unternehmungs=
mut
herangehen könne. Seit Jahren bemühe er ſich, Verſtänd=
nis
für die enge Verflochtenheit von Landwirtſchaft und übri=
ger
Wirtſchaft zu wecken. Andauernde Agrarkriſe bedeute weitere
Entſiedlung des Landes des Oſtens, Anwachſen der Arbeits=
loſigkeit
und des Maſſenelends in den Großſtädten. Heute
mehr denn je ſei die Agrarpolitik dazu berufen, den Grundſtein
für eine Volkswirtſchaft zu legen, die dem Bauer Gerechtigkeit
und dem Volke Arbeit und Brot gewährleiſtet.

AoMaln Ronand.
Zum 65. Geburtstag des Dichters am 29. Januar.
Die Union, die ich will und an der ich arbeite, iſt die der
freien Geiſter der ganzen Welt! So lautet ein ſchönes Be=
kenntnis
des Dichters, deſſen wir heute dankbar und mit guten
Wünſchen gedenken wollen. Sein auf’s innigſte zu wünſchendes
Ziel erinnert an das des großen Kosmopoliten Goethe, erinnert
an Schillers Worte: Ich ſchreibe als Weltbürger, früh ſchon
habe ich mein Vaterland mit der Menſchheit getauſcht. Weder
Gvethes noch Rollands Wünſche werden bei dem heutigen
Stande der Mentalität aller Regierungen und der Majorität
der Völker in abſehbarer Zeit erfüllt werden können, aber ſchon
die Tatſache, daß eine Perſönlichkeit wie Rolland eine Union
der freien Geiſter der ganzen Welt ernſthaft will, daß er den
Traum von der internationalen Sinfonie träumt, iſt eine Quelle
der Kraft für alle, die unter ſeiner geiſtigen Führung ihre Zeit
ernſt nehmen. Aus ſeinen Werken ſpricht nicht nur ein großer
Dichter zu uns, ſondern darüber hinaus ſchlägt uns aus ihnen
das Herz eines edlen gütigen Menſchen entgegen, deſſen Leben
immer der Freiheit in jedem hohen Sinn gelten ſollte.
Früh treten die geiſtigen Mächte in das Leben des 1866 dem
Advokaten Rolland im burgundiſchen Clamscy geborenen Kna=
ben
, die ſeinem ganzen Streben Richtung geben ſollten: die
Muſik, die holde Kunſt in ſo viel grauen Stunden und die
Dichtung. Und indem der junge Rolland, dem die geliebte Mut=
ter
die Finger im Zauberwald der Taſten wandern lehrte‟
Beethoven, ſeinen Gott der Muſik, ſpielt und Shakeſpeare lieſt,
wird ihm früh die Welt des Geiſtes und der Schönheit vertraut,
die keine nationalen Grenzen kennt. Von zwei der ſtärkſten
Kräfte germaniſchen Weſens wird alſo die jugendliche Seele ge=
formt
und wir wiſſen, daß der reife Mann immer mehr in das
Verſtändnis unſerer Art eingedrungen und zu der Ueberzeugung
gelangt iſt, daß die deutſche Seele der günſtigſte Boden für ſeine
Ideen ſei. In Paris, wohin ihn ſein Studiengang führt, be=
geiſtert
er ſich mit Paul Claudel an Wagners Werken und be=
handelt
in ſeiner Doktorarbeit ein muſikhiſtoriſches Thema.
In dieſer Zeit wird ihm die Gedankenwelt Leo Tolſtois zum
Erlebnis. In ſeiner Flugſchrift Was ſollen wir tun? hatte der
große Ruſſe des Jünglings Götter: Beethoven und Shakeſpeare
geſtürzt verzweifelt wendet der Zwanzigjährige ſich an ihn, und
Tolſtoi ſchreibt dem Unbekannten einen 38 Seiten langen Brief,
in dem er ihn lehrt, daß nur diejenige Kunſt Wert habe, die
Menſchen berbindet. Wit einem Stipendium der Ecole=Nor=

Bom Tage.

Der Strafſenat des Reichsgerichtes hat das Verbot des
nationalſozialiſtiſchen Wochenblattes Heſſen=
hammer
aufgehoben. Das vom heſſiſchen Innenminiſter
ergangene Verbot war vor etwa 4 Wochen auf die Dauer von
8 Wochen ausgeſprochen worden.

Die Gewerkſchaften haben den Vorſchlag des Direktors
Poensgen von den Vereinigten Stahlwerken in eine
Herabſetzung der Tariflöhne um 20 Prozent einzu=
willigen
und damit eine Stillegung der Hütte Ruhrort=Meiderich
zu umgehen, abgelehnt.

Die Preisberichtsſtelle beim Deutſchen Landwirtſchafts=
rat
veranſtaltet mit Unterſtützung des Reichsminiſteriums für
Ernährung und Landwirtſchaft vom 27. bis 31. Januar 1931 in

Berlin ihren erſten Abſatzlehrgang.

Im Rahmen des großen diplomatiſchen Redirements ſoll auch die
deutſche Geſandtſchaft in Luxemburg neu beſetzt
werden. Wie wir hören, iſt für dieſen Poſten der Legationsrat von
Wachendorf in Ausſicht genommen, welcher gegenwärtig
zur engeren Abteilung des Auswärtigen Amtes gehört.

Der polniſche Seim hat am Dienstag eine Reihe von zwi=
ſchenſtaatlichen
Verträgen in zweiter und dritter Leſung angenommen
darunter auch drei kleinere Abkommen mit Deutſchland
und zwar das Aufwertungsabkommen vom 5. Juli 1928 und die Ver
träge über die Pfandkreditanſtalt in Poſen und über die Sparkaſſen,
beide vom 14. Dezember 1928; ferner wurde der Handelsvertrag mit
eich angenommen.

Der ſchon früher angekündigte große Propagandafeld=
zug
für Sparſamkeit in den ſtaatlichen und kom=
munalen
Ausgaben Englands wurde in London er=
öffnet
, die von zahlreichen Geſchäftsleuten. Bankiers und Poli=
tikern
beſucht war. Reden hielten u. a. der Konſervative Sir
Robert Horne und der Liberale Lord Grey.
Der Aktionsausſchuß der Vereinigung für den Völkerbund hat
heute beſchloſſen. im Jahre 1931 in der franzöſiſchen Oeffentlich=
keit
nachdrücklichſt für den Plan zu werben, daß Frankreich auf der
kommenden Abrüſtungskonferenz die Initiative für eine weſent=
liche
Herabſetzung der Bewaffnung ergreifen möge, und anderer=
ſeits
die Grundlage für die internationale Solidarität zu erwei=
tern
verſuche.

In Paris iſt am Mittwoch abend nach dreiwöchigem ſchweren
Todeskampf General Berthelot im Alter von 71 Jahren ge=
ſtorben
. Er war während des Krieges Generalſtabschef des
vor wenigen Wochen verſtorbenen Marſchalls Joffre.
Auf der Jahresverſammlung der Internationa=
len
Handelskammer in Tanger wurde eine Entſchlie=
ßung
mit großer Mehrheit angenommen, wonach Deutſche
Oeſterreicher und Ungarn in der Tangerzone unter
denſelben Bedingungen und Vorausſetzungen wie die Angehörigen an=
derer
Nationen zugelaſſen werden ſollen.

In Madrid iſt es zu einem neuen Streik der Studenten ge=
kommen
, der ſich auch auf eine Reihe anderer ſpaniſcher Hoch=
ſchulen
ausgedehnt hat. Die ſchwerſten Unruhen ereigneten ſich
in Sevilla und Granada.
Die türkiſche Regierung hat beſchloſſen, die Einladung des
Völkerbundsrates zur nächſten Maitagung des europäiſhen Stu=
dienkomitees
anzunehmen. Die türkiſche Delegation wird vom
Außenminiſter Tewfik Ruchdy Bey geführt werden. In den
politiſchen türkiſchen Kreiſen glaubt man, daß auch die Sowjet=
regierung
die Einladung des Völkerbundsrates annehmen werde.

Revolveraftentak auf den italieniſchen General-
konfal
in Zürich.
EP. Zürich, 27. Januar.
Am Dienstag mittag wurde auf den italieniſchen General=
konſul
Bianchi im Amtsgebäude des Generalkonſulats in Zürich
ein Schuß abgegeben. Der Generalkonſul, der an der Bruſt ſchwer
verletzt wurde, wurde in bedenklichem Zuſtand ins Krankenhaus
gebracht. Der Täter konnte ſofort verhaftet werden. Es handelt
ſich um einen jungen Italiener namens Lino Baſſi. Er hatte in
letzter Zeit mehrere Male auf dem Generalkonſulat vorgeſprochen,
um eine aus ſeinem Militärdienſt beanſpruchte Vergütung zu er=
langen
, die ihm aber verweigert wurde. Heute ſprach er deshalb
nochmals vor, doch wurde er vom Vizekonſul wiederum abgewie=
ſen
. Darauf wünſchte Baſſi den Generalkonſul zu ſprechen, und
als dieſer ihm ein Schreiben des Gouvernements verlas, in dem
das Geſuch abgewieſen wurde, zog Baſſi den Revolver und gab
zwei Schüſſe auf Bianchi ab. Dieſer erlitt eine Handverletzung,
einen Schuß in die linke Lunge und eine Bauchverletzung. Der
ärztliche Befund lautet zwar zunächſt befriedigend, doch ſind Kom=
plikationen
nicht ausgeſchloſſen.
Das eidgenöſſiſche politiſche Departement hat den ſchwveize
riſchen Geſandten in Rom beauftragt, der italieniſchen Regie
rung die ſchmerzliche Teilnahme des Bundesrates an dem ver=
abſcheuungswürdigen
Attentat auf den Generalkonſul Bianchi
zum Ausdruck zu bringen. Eine nähere Prüfung der Umſtände
hat ergeben, daß die Tat nicht ein völkerrechtliches Delikt dar=
ſtellt
, ſondern daß es ſich um ein ſchweres Delikt des Gemein=
rechtes
Totſchlag und Mordverſuch handelt, das deshalb
den kantonalen Richtern zur Aburteilung übergeben werden
wird.

Beſchlüfſe des Verwalkungsraks
der Heichsoagn.
Frachkenſenkungen. Arbeitsbeſchaffung durch
Streckenelektriſierung. Gehallskürzungen.
Berlin, 28. Januar.
Am 26. und 27. Januar hielt der Verwaltungsrat der Deut=
ſchen
Reichsbahngeſellſchaft ſeine erſte Sitzung im Jahre 1931
ab. Einſtimmig wiedergewählt wurden als Präſident Dr. C. F.
von Siemens, als Vizepräſidenten Dr. Stieler und Dr. von
Batocki.
Der Verwaltungsrat billigte die bekannten Frachtſenkungen,
die von der Hauptverwaltung im Intereſſe der Preisſenkungs=
aktion
der Reichsregierung ſeit Ende November 1930 vorgenom=
men
worden ſind. Das Ausmaß der Tarifſenkungen beträgt jährlich
rund 43 Millionen RM., ohne daß Ausſicht beſteht, daß dieſer
Ausfall durch eine Vermehrung des Verkehrs einigermaßen aus=
geglichen
würde.
Um auch den Wünſchen der Reichsregierung nach Arbeits=
beſchaffung
Rechnung zu tragen, ſtimmte der Verwaltungsrat
der Annahme eines Kredits zur weiteren Streckenelektriſierung
grundſätzlich zu, zumal in Ausſicht ſteht, daß die Reichsregierung
für die erſten Jahre, bis die Rentabilität der Elektriſierung ein=
tritt
, die Verzinſung des Baukapitals übernimmt. Dadurch
ſollen etwa 10 000 Arbeiter anderthalb Jahre lang Beſchäftigung
finden. Mit dieſem rund 50 Millionen RM. betragenden Kredit
ſoll die über die Geislinger Steige führende Strecke von Augs=
burg
bis Stuttgart bis 1932 elektrifiziert werden, nachdem die
Elektriſierung der Strecken von München bis Augsburg in die=
ſem
Frühjahr fertiggeſtellt ſein wird.
Der Verwaltungsrat beſchloß, außer der durch die Notver=
ordnung
veranlaßten Kürzung der Beamtengehälter um 6 Pro=
zent
die nicht penſionsfähigen Bezüge der leitenden Reichsbahn=
beamten
vom 1. Februar ab um 20 Prozent zu kürzen. Für den
Generaldirektor und die Mitglieder des Vorſtandes beträgt die
Kürzung ihrer geſamten Bezüge vom 1. Januar ab 20 Prozent.
Franzöſiſche Schnüffeleien
im deutſchen Reichsbahnbekrieb.
* Im Bereich der Reichsbahndirektion Eſſen iſt ein techniſcher
Beamter des Betriebswerkes Oberhauſen verhaftet worden, der
im Verdacht ſteht, Pläne von Bahnhofsanlagen des Ruhrgebietes
an einen franzöſiſchen Agenten verkauft zu haben. Spionagefälle
waren bei der Reichsbahn bisher äußerſt ſelten. Für die Ver=
ſailler
Vertragsmächte bildete auch die Auskundſchaftung der
Reichsbahn bisher kein lohnendes Objekt. Die Reichsbahn unter=
ſtand
ja lange Jahre hindurch einer internationalen Geſellſchaft.
Die Beauftragten Frankreichs und Belgiens im Verwaltungsrat
konnten alſo jederzeit ſich auf das Beſte über die internen Vor=
gänge
bei der Reichsbahn informieren. Außerdem haben die Be=
ſatzungsbehörden
während der Beſetzung des Ruhrgebiets und des
Rheinlandes ſich ſämtliche Eiſenbahnanlagen auf das Genaueſte
angeſehen. Sie haben auch von ſämtlichen Bahnhöfen Pläne in
ihrem Beſitz, ſodaß es unverſtändlich iſt, warum ſie jetzt politiſche
Agenten einſetzen, die ſich Eiſenbahnpläne beſchaffen ſollen. In
dieſem ſpeziellen Fall ſind ſie aber hereingefallen. Die von dem
techniſchen Beamten verkauften Pläne ſind vor dem Bau der An=
lage
öffentlich bekannt gegeben worden. Sie enthalten alſo
keinerlei Geheimniſſe. Die Franzoſen ſcheinen aber zu glauben,
daß nach dem Aufhören der ausländiſchen Kontrolle und nach
dem Abmarſch der Beſatzung aus dem Rheinland die Reichsbahn
in ihrem Betriebe bedeutende Veränderungen vornimmt, die für
ſie von Intereſſe ſein könnten. Infolgedeſſen wird man damit
rechnen müſſen, daß Beauftragte der franzöſiſchen Militärbehör=
den
in größerer Zahl an deutſche Eiſenbahnbeamte heranzutreten
verſuchen, um ſie für ihre Zwecke zu gewinnen.
Die deukſchen Landkreiſe bein Reichsfinanzmitifter.
Am Mittwoch empfing der Reichsfinanzminiſter Verrrerer der
deutſchen Landkreiſe aus allen Teilen Deutſchlands unter Führung
des Präſidenten Dr. v. Stempel. Die Abordnung wies darauf hin,
daß die Zahl der Wohlfahrtserwerbsloſen in erſchreckendem Maße
im letzten Halbjahr um 67 v. H. ſteige und die Kreisfinan=
zen
in bedrohlichem Maße gefährde. Die Landkreiſe ſeien gern
bereit, an der zweckmäßigen Umgeſtaltung der Arbeitsloſenver=
ſicherung
mitzuarbeiten. Bis zum Inkrafttreten dieſes Reform=
werkes
müßten jedoch die Schwierigkeiten durch Sonderzuweiſun=
gen
überbrückt werden. Die Landkreiſe, die 70 v. H. der Fürſorge=
laſten
tragen, ſeien in Zukunft nur dann in der Lage, ihren Auf=
gaben
aus der Fürſorgepflichtordnung richtig zu erfüllent, wenn
den Ausgaben eine entſprechende Einnahme gegenüberſtehe. Könne
das nicht bewirkt werden, ſo könnten die Landkreiſe ihren Für=
orgeausgaben
nicht mehr gerecht werden.

male Supérieure geht er nach Rom, wo ſich Malvida von Meyſen
bug ſeiner annimmt. In ihrem Lebensabend einer Idealiſtin
rühmt ſie ſeine Idealität, ſeine Hoheit des Strebens, ſein in=
nerſtes
Verſtändnis für jede Aeußerung geiſtiger Größen und
ermöglicht ihm nach ſeinem römiſchen Aufenthalt noch den er=
ſehnten
Beſuch der Feſtſpiele in Bahreuth, worauf Rolland
nach Paris zurückkehrt, um ſeine Tätigkeit als Profeſſor der
Muſikgeſchichte zu beginnen. Ihr verdanken wir eine Reihe wert=
voller
Schriften über deutſche Muſiker. Lediglich die Ausübung
eines offiziellen Amtes kann aber einen Rolland nicht befrie=
digen
der Dichter in ihm erwacht und ſetzt ſich die geiſtige
Erneuerung Frankreichs zum Ziel. Mit St. Louis und Aert
ſchreibt er die Tragödien eines Glaubens, der ein Ziel mit
glühender Hingabe verfolgt, und beginnt ſeinen großen Dramen=
zyklus
: Das Theater der Revolution, in dem er den inneren
Freiheitskampf ſeines Landes von ſeiner anfänglichen Höhe und
Reinheit bis zu ſeiner furchtbaren Verzerrung aufrollt. Durch
dieſe dramatiſch geformten Erinnerungen an große Zeiten will
er ſein Volk zu einem neuen Glauben, zu einem neuen Ziel
wachrütteln. Der Burenkrieg, in dem er die ganze Gemein=
heit
der ſogenannten Realpolitik, die ſich mit dem Schleier von
Gott gewollter Notwendigkeit umgibt, ſieht, läßt ihn: Die Zeit
wwird kommen ſchreiben. In dieſem Drama verurteilt der Dichter
nicht eine einzelne Nation, ſondern Europa, und ſehnt ſich nach
einer Zeit, in der kein Volk mehr durch Gewalt ſiegen ſoll, ſon=
dern
alle durch die Einheit, durch die Idee der Brüderlichkeit
Europas.
Eine wichtige Gruppe im Schaffen Rollands bilden ſeine
heroiſchen Biographien, in deren Mittelpunkt er Beethoven,
Michelangelo, Tolſtoi und Gandhi ſtellt und mit denen er der
gleichgültigen, ſelbſtſüchtigen Menſchheit das Vorbild erhabener
Menſchen entgegenhalten will. Nicht ſie nenne ich Helden
ſagt er, die durch den Gedanken oder die Kraft geſiegt haben,
ſie, ganz allein ſie ſind es, die Kraft ihres Herzens groß waren.
Wie einer der Größten unter ihnen geſagt hat, deſſen Leben ich
hier erzähle (Tolſtoi): Ich kenne keine anderen Vorzüge des
Menſchen als diejenigen, welche ihn zu den beſſeren Menſchen
zählen machen. Wo der Charakter nicht groß iſt, kann es der
Menſch, kann es der Künſtler nicht ſein, auch nicht der Mann der
Tat. Da erſtehen wohl Götzenbilder für die niedrige Menge,
aber ſie alle zerſtört die Zeit. Was liegt am Erfolg? Groß
müſſen wir ſein, nicht es ſcheinen. Nach Rolland gibt es nur
einen Heroismus auf Erden: Das Leben und die Menichen zu
kennen und dennoch zu lieben.
1912 wird der Johann Chriſtof vollendet und erhebt ſeinen
Schöpfer zur europäiſchen Berühmtheit. In dieſer Tragödie
einer=Generation, die im Schwinden begriffen iſt, verbindet

Rolland Deutſchlands Tatkraft und Seelentiefe, Frankreichs Jn=
telligenz
und Italiens Schönheit zu einem harmoniſchen Bild
der geiſtigen Einheit dieſer drei Länder und läßt dieſen euro=
päiſchen
Dreiklang über die Grenzen der Nationen erklingen.
Eine unſagbar reiche Dichtung! Rolland, dieſen Boten der
Brüderlichkeit, der nicht haſſen kann, der zum Heere des Geiſtes,
nicht zu dem der Gewalt gehört, mußte der Ausbruch des Welt=
krieges
vernichtend treffen. Ich kann nicht weiter. Ich möchte
tot ſein, denn es iſt entſetzlich, inmitten einer wahnwitzigen
Menſchheit zu leben und ohnmächtig dem Zuſammenbruch der
Ziviliſation zuzuſehen. Dieſer europäiſche Krieg iſt die größte
Kataſtrophe ſeit Jahrhunderten, der Einſturz unſerer teuerſten
Hoffnungen auf eine menſchliche Brüderſchaft ſchreibt er am
3. Auguſt 1914! Er arbeitet in Genf bei der Nachrichtenabteilung
des Roten Kreuzes, dem er den Nobelpreis 1916 überläßt und
verſucht es in beſchwörenden Worten, der Vernunft, der Menſch=
lichkeit
, der Brüderlichkeit zum Siege zu verhelfen. Er tut es
vergebens, denn alles Große und Geſcheite exiſtiert, um mit
Goethe zu reden, nur in der Minorität; es iſt nie daran zu
denken, daß die Vernunft populär werde. Leidenſchaft und Ge=
fühle
mögen populär werden, aber die Vernunft wird immer
nur ein Beſitz einiger Vorzüglicher ſein.
So kämpft Rolland in der Schweiz, die ihm auch nach dem
Krieg Wohnort und zweite Heimat bleibt, ſeinen Kampf um
ein ewiges Vaterland und wird ſtark in ſeiner Einſamkeit. Aus
der Zeit des Krieges erblühte dem Dichter die in der Erinnerung
des Herzens haftende Liebesidylle Peter und Lutz, und einen
neuerlichen epiſchen Aufſtieg nimmt der auf der Höhe des Schaf=
fens
ſtehende in dem Romanzyklus Verzauberte Seele, deren
letzter Band uns in dieſem Jahre geſchenkt werden ſoll. Hier
tritt uns in Annette Riviére eine Geſtalt unſerer Generation
entgegen: die ſelbſtändige Frau, die hingebendſter Liebe durch=
aus
fähig, dennoch ihre Perlönlichkeit gegen jedermann uner=
ſchütterlich
verteidigt und behauptet.
In ſeiner Bevorzugung zykliſchen Schaffeus ließ Rolland in
den letzten Jahren nicht nur ſeinem erſten Beethovenbuch wei=
tere
Studien über den Helden ſeiner Jugend folgen, ſondern
auch ſeinem Gandhi drei Unterſuchungen über indiſche Götter=
menſchen
und univerſale Evangelien. Er vermittelt uns darin,
weſensverwandt von ihm erfühlt, die Lehren Ramakriſhnas und
deſſen Schülers Vivekananda, dem, als er 1902 ſtarb, Gandhi in
der Führung des heiligen Krieges folgte, der den Nicht= Berühr=
baten
ihre Menſchenwürde, ihre Rechte wiedergeben ſoll. Gläu=
big
und enthuſiaſtiſch bringt uns Rolland den erwachenden Geiſt
der indiſchen Freiheitsbewegung nahe und bekennt ſich zu Indiens
Pflicht und Sendung inmitten der Menſchheit.

[ ][  ][ ]

Nummer 29

Donnerstag, den 29. Januar 1931

Seite 3

* Franzöſiſche Perſpekkiven.
Ein neues Kabinett Tardieu Briands Preſtige
nach ſeiner Rückkehr von Genf. Ein Blick
auf Deutſchland von Paris aus.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 28. Januar.
Ein neues Kabinett Tardieu. Mit dieſen Wor=
ten
wurde das franzöſiſche Kabinett Laval von allen Seiten
empfangen. Dieſes Urteil hat etwas für ſich. Es ſind bis
auf einige Ausnahmen dieſelben Männer, und die Mehrheit
iſt dieſelbe. Tardieu gehört dem Kabinett an, und zwar als
Landwirtſchaftsminiſter, ein politiſch weniger bedeutendes Por=
tefeuille
, aber im gegenwärtigen Augenblick doch ein exponierter
Poſten, denn die Agrar=Probleme, über die das Kabinett Steeg
geſtürzt iſt, ſtehen jetzt im Mittelpunkt der Politik.
Betrachtet man aber das Werden des neuen Kabinetts, dann
fallen gewiſſe Unterſchiede auf. Vor allem die Perſönlichkeit des
Miniſterpräſidenten. Tardieu iſt eine Kämpfernatur, energiſch
und manchmal brüsk, der viele perſönliche Feinde beſitzt. Pierre
Laval, ein intimer Freund Tardieus beſitzt dagegen auf allen
Seiten Sympathien. Seine politiſche Entwicklung iſt die klaſ=
ſiſch
franzöſiſche, er fing als ganz junger Mann bei den Kom=
muniſten
an und ging dann über die Sozialiſten zu den ge=
mäßigten
Rechten, bis er bei Tardieu landete.
Die neue Regierung iſt eine Rechtsregierung,
aber Laval iſt eine Nuance gemäßigter als Tardieu. Sein Ver=
ſuch
, die Radikalen für ſein Kabinett zu gewinnen, iſt, trotzdem
er ſogar die Gruppe Marin, die den rechten Flügel der Regierung
bildet, bewog, den Laizismus anzuerkennen, geſcheitert, denn die
Radikalen verſteiften ſich auf einen weiteren Ausbau der Laizi=
tät
was der katholiſchen Rechten gegen den Strich ging. Auf
dieſe Weiſe iſt die Konzentration ins Waſſer gefallen, obgleich
Laval, nur um der Linken zu gefallen, die Briandſche
Außenpolitik im Regierungsprogramm beſonders betonte.
Briands Perſönlichkeit ſteht heute ſtark im Vordergrund.
Es war wohl nur eine Geſte, daß der Präſident der Republik
zuerſt ihn mit der Kabinettsbildung beauftragen wollte. Dennoch
kam auch darin zum Ausdruck, daß heute, nachdem Poin=
caré
ſich von der Politik zurückzuziehen ſcheint,
Briand den ſtärkſten Einfluß auf die Politik
beſitzt. Es iſt eine Frage, deren Beantwortung man
überging in Frankreich im Gedränge der Miniſterkriſe ob
Briands perſönliches Preſtige nach ſeiner Rückkehr
von Genf in dem Maße größer geworden iſt, als man erhoffte.
Das hätte auch ſeine innenpolitiſche Bedeutung gehabt, wenn
wenn eben das Kabinett Steeg inzwiſchen nicht geſtürzt wäre.
Allgemein herrſcht hier die Auffaſſung, daß der Völkerbund die Be=
laſtungsprobe
diesmal verhältnismäßig gut beſtand. Das tröſtet
viele Franzoſen über die unableugbare Niederlage
Polens hinweg. Es war, wenn man die ungeheuren Schwie=
rigkeiten
, zwiſchen denen der Völkerbund arbeiten mußte, objek=
tiv
anerkennt, ein Erfolg, daß man einmal etwas in der
Minoritätenfrage leiſten konnte. Alſo ein Erfolg
für den Völkerbund. Vor allem war es aber ein
Erfolg der deutſchen Außenpolitik und ein per=
ſönlicher
Erfolg Curtius.
Für Briand bleibt da an Lorbeeren auf den erſten Blick
nicht ſehr viel übrig. Trotzdem atmet man aber am Quai
d Orſay auf, denn man hofft nach der Entſcheidung des
Völkerbundes auf eine gewiſſe deutſch=polniſche Entſpännung.
Man glaubt hier, daß die Wogen der politiſchen Lei=
denſchaften
, die in der letzten Zeit Deutſchland überfluteten, ſich
jetzt wieder beruhigen werden, und zieht daraus günſtige Kon=
ſequenzen
. Aber die politiſche Entwicklung in Deutſchland hängt
nicht zuletzt von der weiteren Entwicklung der franzöſiſchen
Außenpolitik ab. Es iſt bemerkenswert, daß das Echo auf die
Entſcheidung des Völkerbundes in Frankreich viel objektiver war,
als man es erwartet hatte. Selbſt die Rechte beſchränkt ſich
darauf, die bittere Pille, die Polen diesmal ſchlucken mußte,
ihren Anhängeren einigermaßen zu verſüßen.
In der Abrüſtungsfrage iſt nichts geſchehen, was die
ängſtlichen Gemüter hier beruhigen könnte. Man hat zwar das
Datum der Abrüſtungskonferenz feſtgeſetzt. Aber für die
franzöſiſche Diplomatie bleibt es ein völlig unge=
löſtes
Problem, was auf dieſer Konferenz geſchehen ſoll.
Damit brechen auch alle Angriffe gegen den deutſchen Reichs=
außenminiſter
Dr. Curtius, die in dieſer Frage von ſeinen innen=
politiſchen
Gegnern gegen ihn geführt werden, haltlos in ſich zu=
ſammen
. Nur Gleichgültigkeit und Böswilligkeit vermag aus

den Erklärungen Dr. Curtius, eine Anerkennung des Ab=
rüſtungsentwurfes
herauszuleſen. Der Entwurf iſt nach wie
vor nur Grundlage für die weiteren Verhandlungen. Nicht zu=
letzt
iſt die augenblickliche Ratloſigkeit gegenüber dem Ab=
rüſtungsproblem
der franzöſiſchen Diplomatie in der energiſchen
Unterſtreichung des deutſchen Standpunktes in dieſer Frage be=
gründet
. Frankreich kann in Genf nicht einmal eine Ent=
ſpannung
mit Italien verzeichnen. Die Nachricht von
der Erhöhung des italieniſchen Marinebudgets iſt jedenfalls
kein Zeichen dafür. Was Paneuropa betrifft, ſo ergab
ſich auf dem wirtſchaftlichen Gebiet ein prinzipieller
Gegenſatz zwiſchen Mitteleuropa und Frank=
reich
der nur ſchwer zu überwinden ſein wird.
Die Agrarfrage, die augenblicklich die Innenpolitik in
Frankreich ſehr ſtark beeinflußt, beginnt eine eigentümliche
außenpolitiſche Rolle zu ſpielen, und es iſt unzweifelhaft, daß
dies in der Zukunft noch mehr der Fall ſein wird. Die Lage
in der Kammer iſt heute vielleicht nicht ſo geſpannt, wie bei dem
Sturz Tardieus. Aber die unglückliche Mehrheitsfrage bleibt,
und wenn Laval nicht ganz beſonders viel Glück hat, bleibt die
Kammer in zwei feindliche Lager geſpalten. Von der Unter=
ſuchungskommiſſion
her drohen allerlei Gefahren. Sie hinter=
treibt
die ſo notwendige politiſche Entſpannung, und es iſt fräglich,
ob Laval die nötige ſtarke Hand haben wird, ſich unter ſolchen
Umſtänden zu behaupten. Eine ſeiner beſten Chancen iſt übri=
gens
, daß er im Senat weniger Feinde hat als Tardieu.
Die Regierung Laval will ſich am Freitag dem Parlament
vorſtellen. Vorausſichtlich wird ſich an die Verleſung der Re=
gierungserklärung
eine Ausſprache über die allgemeine Politik
des neuen Miniſteriums anſchließen.

Die Quſtric-Affäre.
Tardieu vor der Unkerſuchungskommifſion.
Der ehemalige Miniſterpräſident und jetzige Ackerbauminiſter
Tardieu erſchien heute vor der Unterſuchungskommiſſion für die
Börſenſkandale. Dieſe Vernehmung verlieh der heutigen Morgen=
ſitzung
der Kommiſſion einen ſenſationellen Charakter. Der So=
zialiſt
Renaudel, auf deſſen Betreiben hin Tardieu vor die Kom=
miſſion
zitiert wurde, ſtellte dem Zeugen eine Unzahl von Fragen,
auf die der ehemalige Miniſterpräſident kaltblütig und in voller
Ruhe antwortete. Renaudel ſuchte vor allem darüber Aufklärung
zu erhalten, warum Tardieu am 14. November, als der Ouſtric=
Skandal zum erſten Mal in der Kammer öffentlich zur Sprache
kam, ſeinen damaligen Juſtizminiſter Péret noch deckte und ſogar
die Vertrauensfrage gegen einen Mißtrauensantrag der Linken
ſtellte.
Tardieu erklärte, er habe erſt, als die Affäre öffentlich be=
kannt
wurde, ſich mit dieſer Angelegenheit beſchäftigt. Er habe
die Akten, die, wie er inzwiſchen zu ſeinem Bedauern habe be=
merken
müſſen, unvollſtändig geweſen ſeien, durchgeleſen, und, da
die Zeit mangelte und niemand ahnen konnte, daß die Affäre
einen ſolchen Umfang annehmen würde, mit ſeinem Juſtizminiſter
Péret geſprochen. Er habe keinen Grund gehabt, an deſſen Er=
klärungen
zu zweifeln, zumal er nicht wußte, daß die wichtigſten
Stücke in den Akten fehlten. Was die beiden anderen Kabinetts=
mitglieder
Lautier und Falcoz anlange, ſo habe er ihnen, als er
vom Staatsanwalt erfahren habe, daß dieſe beiden Herren Konten
bei der Ouſtricbank hatten, nahegelegt, ſofort zu demiſſionieren,
was ſie auch getan hätten. Er wiederholte, er habe von der ganzen
Angelegenheit erſt im November vorigen Jahres Kenntnis er=
halten
.
Auf eine Bemerkung Renaudels, Tardieu habe Sachen igno=
riert
, die er als Chef der Regierung unbedingt hätte wiſſen
müſſen, antwortete Tardieu, alles, was er tun konnte, habe er
getan. Vor dem Ausbruch des Skandals, über den er nicht früher
als die Oeffentlichkeit unterrichtet geweſen ſei, habe er ſich nie=
mals
mit der Ouſtricbank beſchäftigt gehabt. Tardieu vertei=
digte
dann ſeinen Mitarbeiter Moyſſot, deſſen völlige Korrektheit
aus verſchiedenen Zeugenverhören bereits hinreichend feſtgeſtellt
wurde, ſehr energiſch. Von ſeinem anderen Mitarbeiter, Millot,
habe er nicht gewußt, daß er in Beziehungen zu der Ouſtricbank
geſtanden habe. Das Verhör Tardieus verlief ohne jeden
Zwiſchenfall.

Die Ekalberakung im Finanzausſchuß.
Miniſterium für Kulkus und Bildungsweſen.
* In ſeiner Mittwochſitzung verabſchiedete der Finanzaus=
ſchuß
das Kapitel des Miniſteriums für Kultus und Bildungs=
weſen
, das in Einnahme mit 100 RM., in Ausgaben
mit 393 634 RM. abſchließt. Im Vergleich mit dem
Vorjahr iſt eine Ermäßigung um 16 910 RM. eingetreten.
Im Anſchluß wurde von mehreren Seiten der Auffaſſung
Ausdruck gegeben, daß in den Miniſterien und namentlich im
Kultusminiſterium verhältnismäßig wenig Beamte abgebaut
worden ſeien im Vergleich mit den ſtarken Einſchränkungen bei
den Lokalbehörden. Eine Nachprüfung, ob auf den einen oder
anderen Beamten noch verzichtet werden könne, ſei notwendig.
Von Regierungsſeite wurde darauf verwieſen, daß beim Ver=
gleich
mit den Vorkriegsverhältniſſen der heute vermehrte
Aufgabenkreis durch Hinzutritt des Landestheaters, der
Hochſchulen, Fortbildungsſchulen, Kirchen, Gewerbeſchulen uſw.
zu beachten ſei. Auch bei den Miniſterien verzeichne man einen
anſehnlichen Abbau.
Mit 8:2 Stimmen bei 1 Stimmenthaltung wurde der fol=
gende
Antrag des Landbundes abgelehnt:
Die Regierung hat keinen Beamten, der im Miniſterium
eine auf den Inhaber bewilligte Stelle innehat, in den Lokal=
dienſt
verſetzt, obgleich der Landtag bei der Voranſchlags=
beratung
1930 eine dahingehende vom Landbund eingebrachte
Entſchließung angenommen hat. Wir beantragen
deshalb, jeder Miniſterialbeamter, der eine auf den
Inhaber bewilligte Stelle innehat, wird mit Wir=
kung
vom 1. April 1931 auf eine ſeinem Bildungsgang ent=
ſprechende
. Stelle in der Lokalverwaltung oder im
Außendienſt verſetzt. Die für die Verwendung der
Miniſterialbeamten außerhalb des Miniſteriums erforderlichen
Stellen werden mittelbar oder unmittelbar durch Entlaſſung
von Staatsdienſtanwärtern freigemacht.
Ein Landbundantrag, 19 Stellen im Miniſterium zu ſtrei=
chen
, wurde mit 9:3 Stimmen bei 1 Enthaltung ebenfalls abge=
lehnt
. Ein Hilfsarbeiter (Referent für das gewerbliche Unter=
richtsweſen
) wird auf eine freie Stelle des Kap. 62a ( Gewerb=
liche
Schulen) überführt. Mit 10:1 Stimme beſchließt der Aus=
ſchuß
, zwei freiwerdende Miniſterialratsſtellen. (Vortragende
Räte) in Oberratsſtellen umzuwandeln. Eine von der Regie=
rung
erbetene Ausnahme wird abgelehnt. Von den 8 Rech=
nungsräten
werden zwei Stellen geſtrichen und die Inhaber in
gleichwertige freie Stellen überführt. Ein ſozialdemokratiſcher
Antrag, dieſe beiden Rechnungsratsſtellen nur auf den Inhaber
zu ſetzen, wird damit für erledigt erklärt.
Das Kapitel wird mit 10:3 Stimmen ange=
nommen
. Die Volkspartei enthielt ſich der Stimme, da der
Etat den Parteien noch nicht vorliegt und die Fraktion deswegen
in ihren Beratungen behindert ſei.
Kampf gegen die Gießener Skudenkenſchaft.
An der Gießener Univerſität ſtehen die Aſta=Wahlen bevor.
Es iſt in dem diesmal ſehr lebhaften Wahlkampf zwiſchen den
verſchiedenen Gruppen zu lebhaften Diskuſſionen gekommen.
Geſtern entſtand ſogar eine Schlägerei, bei der die Schutzpolizei
eingeſetzt wurde.
Auch einige Beſchlüſſe der Gießener Studentenſchaft haben
nicht überall Beifall ausgelöſt. Dieſe Vorgänge werden auch
den Landtag beſchäftigen, denn Abg. Reiber=Demokr. Ver=
cinigung
hat geſtern im Landtag den Antrag eingebracht, die
Regierung möge die Gießener Studentenſchaft
mit ſofortiger Wirkung auflöſen.
Der amerikaniſche Kriegsminiſter für Schulden=
herabſehzung
gegen Abrüſtung Europas.
EP. Waſhington, 28. Januar.
In einer Rede vor der Amerikaniſchen Export=Vereinigung
in Chikago entwickelte der amerikaniſche Kriegsminiſter Hurley
einen Plan, für die Durchführung der Kriegsſchuldenzahlungen
der europäiſchen Länder an Amerika. Hurley, der als Privat=
perſon
ſprach, befürwortete zur Wiederherſtellung der wirtſchaft=
lichen
Stabilität in der Welt eine Herabſetzung der Schulden=
zahlungen
an Amerika um 50 Prozent. Die Herabſetzung
ſolle jedoch nicht einmalig ſein, ſondern ſich auf einen Zeitraum
von 30 Jahren erſtrecken. Die jährliche Verminderung der
Kriegsſchulden Europas ſolle 1½ Prozent für die erſten zehn
Jahre betragen. Im Lauf der beiden nächſten Jahrzehnte
ſolle ſich die Schuld um je 17½ Prozent vermindern. Kriegs=
miniſter
Hurley verlangte als Gegenleiſtung für dieſes Entgegen=
kommen
Amerikas eine Herabſetzung der Rüſtungen der einzelnen
europäiſchen Länder. Die Vereinigten Staaten ſollten ſich nach
Hurleys Plan verpflichten, in dem Maß abzurüſten, wie Europa
ſeine Rüſtungen vermindere.

So tritt Rolland immer wieder für den Geiſt der Brüder=
lichkeit
unter den Menſchen ein, tut es mit der ihm eigenen
Energie, die ihm wie Beethoven die Wurzel aller Tugenden iſt
und ſpricht das gute Wort: Pour comprendre les autres, i1 ne
faut au aimer ein Apoſtel des Friedens, der für ihn nicht
Abweſenheit des Krieges iſt es iſt die Tugend, die der
Kraft der Seele entſpringt. Wenn er uns auch von unſeren
Leiden nicht befreien kann niemand kann dies , ſo gibt er
uns doch neuen Mut, ſie zu tragen. Mit ihm müſſen wir zu
der Ueberzeugung kommen, daß es keine Niederlage gibt, die der
Wille nicht überwindet, und keine Trauer, die eine freie Seele
nicht überfliegt.
Dr. Max Wauer.

Aus der humaniſtifchen Bewegung.
Profeſſor Otko Regenbogen.

der 1. Vorſitzende des Deutſchen Gymnaſialvereins.
Am kommenden Freitag, dem 30. Januar, wird in der Ver=
einigung
der Freunde des humaniſtiſchen Gym=
naſiums
Univerſitätsprofeſſor Dr. Otto Regenbogen aus
Heidelberg ſprechen über Thukydides als politiſcher
Denker
Profeſſor Regenbogen iſt dem großen Kreis der Darmſtädter
Humaniſten als gelehrter Redner nicht unbekannt. Die Vereini=
gung
hatte ihn bereits vor mehreren Jahren bald nach ſeiner Be=
rufung
nach Heidelberg zu einem Vortrag hierher gezogen, und
was er damals vor einer großen Zahl von Hörern über das
Weſen und die Bedeutung der ſprachlichen Bildung im Humboldt=
ſchen
Humanismus in abgewogenen und wertvollen. Gedanken
vorgetragen hat, iſt auch nach der unmittelbaren warmen Auf=
nahme
in nachhaltiger Erinnerung geblieben.
Otto Regenbogen hatte ſchon damals eine überraſchend ſchnelle
und bedeutende Laufbahn hinter ſich; war er doch vom jungen
Berliner Gymnaſiallehrer unmittelbar zum ordentlichen Profeſſor
in Heidelberg berufen worden. Unter den prachtvollen Gelehr=
tengeſtalten
der jüngeren wie älteren Philologengeneration hatte
er ſich bald mit einem ſelbſtändigen Willen und eigenen Ideen
gezeigt. Er iſt einer der markanten Vertreter der jüngeren Ge=
neration
klaſſiſcher Philologen und des erneuerten Humanismus
geworden.
Seine wiſſenſchaftliche Produktion nahm ihren Ausgang von
einer ſcharfſinnigen Diſſertation über die mythiſche Perſönlichkeit
des berühmten Hippokrates. Die wertvollen Ergebniſſe haben
ſpäter durch ihn in weiteren ſprachlichen und medizinhiſtoriſchen
Studien zu Hippokrates und der hippokratiſchen Sammlung ihre
Fortſetzung gefunden. Eine große Reihe eindringender Rezenſio=
nen
zeugt ſeit dem Kriege für den auf allen literariſchen Gebieten
der klaſſiſchen Pbilologie, der römiſchen wie der griechiſchen, gleich

bewanderten und fördenden Forſcher. Entſcheidend iſt aber für
die Entwicklung ſeines Schaffens in den letzten Jahren, wie für
die Haltung der Wiſſenſchaft im Sinne des erneuerten Hu=
manismus
überhaupt, der Drang zum Ausdruck des lebendi=
gen
, des bildenden Wertes der antiken Schöpfungen, die Hinwen=
dung
zur Interpretation und Deutung der großen Meiſter und
der repräſentativen Werke, die Hinwendung zur Klaſſik, zum
Schulſchriftſteller. Gerade ihn zeigt ja der Humanismus der
Gegenwart in neuem Lichte, zum einen in ſeiner Einzigartigkeit,
indem die Antike die erſtmalige Prägung der unverlierbaren
europäiſchen Grundformen der Kultur gibt, und zum anderen
in ſeinem überzeitlichen Gehalt, eine erfolgreiche und überzeu=
gende
Bemühung, die der erneuerte Humanismus in leuchtenden
Muſtern wiſſenſchaftlicher und allgemeinverſtändlicher Geſtal=
tungskraft
herausſtellt. Ueber theoretiſche Beſinnungen hinweg
wird ſo der Humanismus aus den antiken Schöpfungen ſelbſt
heraus in bewußter Anſchauung ihres tiefſten Weſens wiſſen=
ſchaftlich
begründet und verwirklicht. In einer weit ausgreifen=
den
Forſchung voll gedrängter Gedanken hat das Regenbogen
kürzlich in der klaren Sphare gegenſtändlicher Anſchauungen an
Herodot und ſeinem Werke gezeigt (Die Antike 1930),
Für ihn, der tätig und begeiſtert im praktiſchen Unterricht
ſtand, iſt es ein beſonders tiefes Bedürfnis, die innere Beziehung
und Verbindung von Wiſſenſchaft und Pädagogik aufzuſuchen. zu
pflegen und zu vertiefen. Auf der großen Berliner Gymnaſial=
tagung
des Zentralinſtituts für Erziehung und Unterricht zeigt
er (in Original und Ueberſetzung), wie Gehalt und Form,
das ſpezifiſche Merkmal der hohen griechiſchen Rede in Poeſie und
Proſa, ihre unzerreißbare Einheit bilden und ihr gemeinſames
Erlebnis bedingen, gegenüber Auffaſſungen, die auch in der
Lektüre der Ueberſetzung einen gleichwertigen Erſatz der Arbeit
am Original meinen ſehen zu dürfen. Er beweiſt, wie das Er=
lebnis
des Humanismus durch das Erleben der beiden Sprachen
des Altertums geht. Solche Unterſuchungen ſind ſehr wertvoll,
ſie dienen dem Bedürfnis des Unterrichts, andererſeits ſprechen
ſie weſentlich zur Fundamentierung des humaniſtiſchen Gymna=
ſiums
mit.
Aus derſelben lebendigen Einſtellung zum praktiſchen Huma=
nismus
heraus ſpricht er auf der Erlanger Philologen= und
Schulmännerverſammlung, im Parallelvortrag zuſammen mit
Emil Kroymann, dem vortrefflichen 1. Vorſitzenden des Deutſchen
Altphilologen=Verbandes, über die akute Frage: Was erwarten
Schule und Univerſität auf dem Gebiete des altſprachlichen Unter=
richts
voneinander? Ausgehend von einer ſcharfen Sezierung der
Probleme des höheren Bildungsaufbaues zeigt er, wie durch den
Zuſammenſtoß des jugendlichen Menſchen mit den großen, in erſter
Linie den großen literariſchen Werken des Altertums die Kräfte
zur Perſönlichkeit geweckt und gebildet werden, und ſtellt
die daraus ſich ergebenden Forderungen für Schule und Univer=
ſitätsunterricht
; das klare poſitive Verhältnis zu Sprache und
Werk als wichtigſtes Bildungsfundament, ein Erforder=
nis
. bei deſſen Durchführung, wie er im Hinblick auf Bildungs=
beſtrebungen
der Gegenwart betont, neben Herz und Gemüt auch
der Kopf nicht vergeſſen werden möge.

Im weſentlichen aus ſeiner Feder ſtammt die Faſſung des
Bildungsziels des deutſchen humaniſtiſchen Gymnaſiums, wie es
im neuen Lehrplan des Deutſchen Altphilologen=Verbandes aus=
geſprochen
iſt und die Haltung von weit über 5000 deutſchen Alt=
philologen
zum Ausdruck bringt. In glücklicher Weiſe wird hier,
wie es dem Grundgedanken des erneuerten Humanismus ent=
ſpricht
, eine Verſöhnung von Hiſtorie und Normidee ge=
funden
, indem einerſeits der Schule das feſte und wiſſenſchaftlich
begründete Vertrauen zu den einzigartigen und überzeitlichen
Werten der Antike wiedergegeben wird, andererſeits die gewal=
tige
Bereicherung der Betrachtung der Antike durch die Hiſtorie
ihre Geltung behält.
Auf der Salzburger Feſtverſammlung des Deutſchen Gymna=
ſialvereins
ſpricht Regenbogen neben dem führenden öſterrechiſchen
Humaniſten Richard Meiſter=Wien, der die gegenwärtige Pro=
blemlage
der humaniſtiſchen Bildungsidee behandelt, und legt an
einem beſonders wirkſamen Beiſpiel, an Kroiſos und Solon, einer
Studie zur Geiſtesgeſchichte des 5. und 6. Jahrhunderts, dar, was
der Humanismus unter dem repräſentativen Werk der antiken
Literatur verſteht, und was er von ſeiner Deutung und Auswer=
tung
erwartet.
In den wiſſenſchaftlichen Kreiſen hat Regenbogen neuerdings
beſondere Aufmerkſamkeit erregt, auch als Herausgeber. Im Auc=
tarium
Weidmannianum ediert er eine neue kritiſche Klaſſiker=
ſammlung
, deren äußeres Format und innere Geſtalt Zeugnis ab=
legen
von deutſcher Wiſſenſchaft und deutſchem Verlegerfleiß, ins=
beſondere
von Stand und Geltung der Altertumswiſſenſchaft.
Einer Aufforderung des preußiſchen Kultusminiſteriums fol=
gend
, gab er kürzlich eine Denkſchrift zum altſprachlichen Univer=
ſitätsunterricht
heraus, die eine einheitliche und zweckmäßige Ge=
ſtaltung
der wiſſenſchaftlichen Ausbildung, beſonders im Hinblick
auf die Bedürfniſſe der Schule, zum Ziele hat, ein Problem, das
beim altſprachlichen Univerſitätsunterricht kraft der eigenen Ein=
ſtellung
der Wiſſenſchaft auf ihre Bildungswerte beſonders gün=
ſtig
liegt, und das unter ſeinen Händen doch voller neuer, friſcher
Gedanken und Anregungen auftritt. Er iſt Mitglied des Schul=
ausſchuſſes
der deutſchen Hochſchulen; einer ſehr ehrenden An=
regung
zum Eintritt in das Kultusminiſterium eines großen
deutſchen Landes hat er zugunſten ſeiner Forſcher= und Lehrtätig=
keit
widerſtanden. Aus ſeinem gegenwärtigen Schaffen iſt dem=
nächſt
ein Lukrezbuch zu erwarten, dem man mit Spannung ent=
gegenſehen
darf.

Regenbogens unverwüſtliche Forſcherkraft legt Zeugnis ab
r den vorzüglichen Stand der klaſſiſchen Altertumswiſſenſchaft
r Gegenwart und ihre ſtarken Impulſe für den humaniſtiſchen
terricht. Seine beſcheidene Art, ſeine lautere Geſinnung und
n beſonnenes und klares Urteil machen ſein Auftreten beſonders
ich in den humaniſtiſchen Vereinigungen ſehr ſympathiſch. Der
ntralvorſtand des Deutſchen Gymnaſialvereins hat nach dem
icktritt des hochgeſchätzten Geheimrats Immiſch=Freiburg, des
tzigen Ehrenvorſitzenden, Otto Regenbogen, den Erſten Vorſitz
Dr. K. Liſtmann.
vertraut.

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Nummer 29

Donnerstag, den 29. Januar 1931

Seite 5

Aus der Landeshauptſtadk.
Darmſtadt, den 29. Januar 1931.
Der Winkerſpork in Darmſtadk.
Die diesjährige Eislaufzeit umfaßte leider nur wenige Tage,
ſo den 26. 12. 1930 und die Tage vom 10.16. Jan. 1931. Die
künſtliche Eisbahn hinter dem Woog ſtand während 7 Tage und
der Große Woog an 5 Tagen für Eislauf frei, auch konnte an
5 Abenden von 710 Uhr Schlittſchuh gelaufen werden. Der
Beſuch war ein guter zu nennen, waren doch am 10. Jan. 31
hinter dem Woog 1993 Erwachſene und 2600 Jugendliche unter
14 Jahren und am 15. Jan. 31 auf dem Woog 903 Erwachſene
und 2160 Jugendliche anweſend, um dem herrlichen und ſo geſun=
den
Sport zu huldigen. Der ſtärkſte Beſuch beim Nachtlaufen
war am 14. 1. mit 425 Erwachſenen und 94 Jugendlichen.
Als Geſamtbeſuch errechnen ſich: hinter dem Woog tags 3010
Erwachſene, 5784 Jugendliche, nachts 1593 Erwachſene, 359 Ju=
gendliche
, auf dem Woog tags 3439 Erwachſene, 7696 Jugendliche.
Die Eisbehandlung bedurfte für Abkehren des Schnee=Eiſes und
Neuſchnees zuſammen 1300½ Arbeitsſtunden, die von 31 Erwerbs=
loſen
und Wohlfahrtsempfängern geleiſtet wurden.
Leider ſind 3 Knochenbrüche und 12 leichte Verletzungen vor=
gekommen
, durchweg zurückzuführen auf eingehackte Löcher im Eis.
Aus dieſem Grunde muß immer wieder darauf hingewieſen wer=
den
, daß das Einhacken der Schlittſchuhſpitzen beim Ablauf doch
unterlaſſen wird, denn die entſtehenden Löcher verurſachen Riſſe
und damit Unfallſtellen, auch zeigt das Einhacken, daß es mit der
Fertigkeit des Schlittſchuhläufers noch recht ſchlecht beſtellt iſt
Mit Freude konnte feſtgeſtellt werden, daß der Eislauf als
ſolcher an Feinheiten ſehr gewonnen hat. Das wilde Rennen.
Schlangenlaufen, das, nebenbei bemerkt, verboten iſt, hat doch
weſentlich nachgelaſſen, und dem Kunſtlauf wird immer mehr Be=
achtung
geſchenkt.
Als Eislauflehrer waren zwei Herren tätig, und dem Eis=
hockey
war die 100 Meter=Bahn im Woog freigegeben.
Auf jeden Fall gaben die wenigen Eistage Gelegenheit für
alt und jung, ja ſelbſt für unſere Kleinſten, ſich dem ſchönen Eis=
ſport
hinzugeben. Gerne ſei beſtätigt, daß das Publikum ſich den
Anordnungen des Perſonals mit wenig Ausnahmen unterwarf
und ſo einen glatten Verkehr ermöglichte.
Leider war es nicht möglich, im ſüdlichen Stadtteil einen
geeigneten Platz für Errichtung einer weiteren Eisbahn zu
finden.
In den Ruheſtand verſetzt wurde am 22. Januar 1931 der
Kommunalforſtwart. Georg Adam Krämer zu Hammelbach
vom 1. März 1931 ab auf Grund des Geſetzes über die Alters=
grenze
der Staatsbeamten.
Verſtärkte Steuerbefreiung für Neubauten. Im Gegenſatz
zu der ſeitherigen Regelung gelten für die Freiſtellung der Woh=
ungneubauten
, die ab 1. April 1931 bezugsfertig werden, neue
Vorſchriften. Durch die neuen reichsgeſetzlichen Beſtimmungen
hat der Steuerpflichtige einen Rechtsanſpruch auf Frei=
ſtellung
von der ſtaatlichen und kommunalen
Gebäudeſteuer, während es ſich bisher nur um einen Billig=
keitserlaß
handelte, über den die zuſtändigen kommunalen Ver=
tretungen
Beſchluß faſſen mußten. Gemeinden, Kreiſe und Pro=
vinzen
haben es alſo von dieſem Termin ab nicht mehr in der
Hand, ob ſie die Steuerbefreiung zugeſtehen wollen oder nicht.
Ortsverein und Handwerkervereinigung Darmſtadt. Unſer
Verein hat ſich nunmehr die ſo überaus wertvolle Einrichtung
einer Buch= und Steuerſtelle für Handwerk und Ge=
werbe
geſchaffen. Ueber die abſolute Notwendigkeit, Buch zu
führen, durfte heute bei keinem Geſchäftsmanne mehr irgend ein
Zweifel obwalten! Wer nun dieſe Buchführung nicht ſelbſt er=
ledigen
kann oder will, der wende ſich umgehend vertrauens=
voll
an unſere neue Buch= und Steuerſtelle die auch ſämtliche
Steuerangelegenheiten im Verkehr mit den Finanzämtern beſorgt.
Es wird dafür lediglich eine geringe Gebühr erhoben. Auf Wunſch
koſtenloſer und unverbindlicher Beſuch durch unſere Fachleute.
Anmeldungen ſind an die neu eingerichtete Geſchäftsſtelle der
Buch= und Steuerſtelle für Handwerk und Gewerbe. Wilhelminen=
ſtraße
10, zu richten; Fernruf 4338 (ab 1. Februar 4949). Aus=
kunft
auch durch die Herren Vorſitzenden unſerer Innungen und
Vereinigungen.
Vom Rentnerbund wird uns geſchrieben: Ein Rentner=
geſetz
muß kommen! Die Ortsgruppe Darmſtadt des Deut=
ſchen
Rentnerbundes hielt ihre Hauptverſammlung ab. Nach Be=
grüßungsworten
des Vorſitzenden wurde dem Vorſtand Entlaſtung
erteilt und dieſer einſtimmig wiedergewählt. Dann hielt der
Mitarbeiter bei der Bundesleitung in Kaſſel, Herr Dr. Kramer,
über die Notwendigkeit des Rentnergeſetzes einen Vortrag. Weder
Aufwertungs= noch Fürſorgegeſetzgebung haben der Mehrheit der
ehemaligen Kapitalrentner eine rechtliche Sicherung ihres Lebens=
unterhalts
gegeben. Die bisherigen Verſuche, im Wege der Ver=
ſorgung
den Rentnern einen Rechtsanſpruch zu gewähren, ſeien
an unerklärlichen Widerſtänden geſcheitert. Notwendig ſei es, bei
der Regelung der Rentnerfrage den Rechtsgedanken, den der
Beſtſche Entwurf eines Reutnernotlagegeſetzes ſchon in den Vor=
dergrund
ſtelle, wieder zur Geltung zu bringen. Daher müſſe den
Rentnern, ähnlich wie den Liquidationsgeſchädigten, ein Entſchä=
digungsanſpruch
, vorläufig zum mindeſten in der Staffelung des
Kriegsſchädensſchlußgeſetzes, für die durch die Inflation herbeige=
führten
Zinsverluſte gewährt werden. Trotz aller finanziellen
Schwierigkeiten müſſe ein Weg gefunden werden, den größten
Opfern der Inflationspolitik Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen,
um die durch die Kapitals= und Eigentumszerſtörung entſtande=
nen
Schäden in etwas wieder gut zu machen. Der Vortrag
wurde ſehr beifällig aufgenommen.
Volkshochſchule. Am Donnerstag, den 29. Januar, ſetzt Herr
Hanns Wentzel ſeine Vorträge über. Das moderne Weltbild im
Saal 267 der Techn. Hochſchule fort. Beim erſten Vortrag wurden
zur Einführung die verſchiedenen Theorien über die Exiſtenzmög=
lichkeiten
im Weltall gegeben. Die kommenden ſollen einiges brin=
gen
über unſere Begriffe von Raum, Zeit und Bewegung, ſowie
über den Zerfall und den Aufbau unſerer feſten Körper An=
meldungen
zu dem genannten Vortrag werden auf der Geſchäfts=
ſtelle
, Mathildenplatz, noch entgegengenommen.
Hauptverſammlung der Turngeſellſchaft Darmſtadt 1875.
Erſter Sprecher Lehmann eröffnet die Verſammlung, und man
ſchritt zur Wahl des Schriftführers für die Verſammlung, die auf
Turner M. Kochendörfer fiel. Erſter Sprecher Lehmann begrüßte
die zahlreichen Mitglieder und gab eine Schilderung des abge=
laufenen
Jahres. Arbeitsloſigkeit und Finanznot machten auch bei
der Turngeſellſchaft kein Halt. Große Koſten verurſachte auch die
Sportplatzunterhaltung, insbeſondere die Aufſtellung der Um=
kleidehalle
die allerdings noch ihrer vollſtändigen Herſtellung
bedarf. An Turner Hch. Wagner konnte das Ehrendiplom für
25jährige treue Mitarbeit überreicht werden. Der 1. Schrift=
führer
, Turner Schaaf, gab, einen längeren Bericht über die Ar=
beit
im verfloſſenen Jahr, dem zu entnehmen war, daß in allen
Abteilungen wieder vorbildliche Arbeit geleiſtet wurde, und dies
nicht nur auf Wettkämpfen, ſondern auch in der Aufbauarbeit des
Vereins. Einige Erfolge ſeien aber hier feſtgehalten, ſo konnte
die Schwimm=Abteilung eine Deutſche Meiſterſchaft im 100 Meter=
Rücken erringen und die Sport=Turnerinnen= und Turner= Abtei=
lung
errang in Gau= und Kreiswettkämpfen beachtenswerte Er=
folge
. Kaſſenwart Debus gab nun einen Bericht über die Geld=
lage
des Vereins. Seine Ausführungen, die ſich auf Vereins= und
Hausverwaltung erſtreckte, fanden bei den Anweſenden volle Auf=
merkſamkeit
und wurde dem Kaſſenwart Entlaſtung erteilt. Die
Zeugwarte konnten von nennenswerten Anſchaffungen nicht be=
richten
. Ueber den nun vorgelegten Voranſchlag entſpann ſich
eine längere Ausſprache, die jedoch die Annahme herbeibrachte.
Die eingebrachten Anträge fanden ihre Erledigung und ſei hier
einer heworgehoben. Turner Fritz Huthmann wurde zum Ehren=
mitgliedſernannt
und hat der Verein damit die Verdienſte eines
alten Turners anerkannt. Damit war die Tagesordnung erſchöpft,
und der erſte Sprecher dankte allen Mitarbeitern, für die im
Vereinsintereſſe geleiſtete Arbeit. Ehrenſprecher Emig übernahm
die Verſammlungsleitung und ſein Dank klang mit einem drei=
fachen
Gut Heil auf den alten Vorſtand aus. Die nun beginnen=
den
Neu= und Wiederwahlen geben die Gewißheit, daß auch im
neuen Jahr die Vereinsgeſchäfte in guten Händen liegen.

Ga

Lockerung der Wohnungszwangswietſchaft.

Eine zweite Verordnung vom 14. Januar 1931 beſtimmt in
Abänderung der Verordnung über die Lockerung der Wohnungs=
zwangswirtſchaft
vom 27. Mai 1929 nach Anhörung und, ſoweit
erforderlich, mit widerruflicher Zuſtimmung des Herrn Reichs=
arbeitsminiſters
folgendes: Artikel 1. Von der beſtehenden
Wohnungszwangswirtſchaft ſind in teilweiſer Abweichung von
den Vorſchriften des Kapitel IV Artikel II Abſ. 1 der Verordnung
des Reichspräſidenten vom 1. Dezember 1930 R.G.Bl. I
S. 517 befreit: 4. Aufdem Gebiete des Wohnungs=
mangels
; I. Alle Wohnungen mit einer Jahresfriedensmiete
von über 1000, 800 500 und 300 RM. in den Ortsklaſſen 4, B. C
und D der Reichsbeſoldungsordnung. II. Untermietverhältniſſe,
ſoweit es ſich nicht ausſchließlich um Wohnräume handelt, in
denen der Untermieter eine eigene Wirtſchaft oder Haushaltung
führt III Gewerbliche Räume jeglicher Art. Auf die unter
1III bezeichneten Räume finden die Vorſchriften des Reichs=
wohnungsmangelgeſetzes
mit Ausnahme der 88 2. 8 und 17 Nr. 1
ſowie der heſſiſchen Wohnungsmangelverordnung vom 1. Oktober
1924 mit Ausnahme der Artikel 2, 20 und 30 keine Anwendung;
jedoch iſt im Falle des § 8 des Reichswohnungsmangelgeſetzes
(Artikel 20 der heſſiſchen Wohnungsmangelverordnung) die Ge=
nehmigung
der Gemeindebehörden nicht erforderlich B. Auf
dem Gebiete des Mieterſchutzes: 1 Alle Wohnungen
mit einer Jahresfriedensmiete von über 1500 1000, 600 und
400 RM. in den Orten der Ortsklaſſen 4, B. C und D der Reichs=
beſoldungsordnung
II. Untermietverhältniſſe, ſoweit es ſich nicht
ausſchließlich um Wohnräume handelt, in denen der Untermieter
eine eigene Wirtſchaft vder Haushaltung führt. III Alle Ge=
ſchäftsräume
mit einer Jahresfriedensmiete von über 3600, 2400
1800 und 1200 RM. in den Orten der Ortsklaſſen 4, B., C und b
der Reichsheſoldungsordnung. Geſchäftsräume, die Teile einer
Wohnung bilden oder wegen ihres räumlichen oder wirtſchaft=

lichen Zuſammenhangs mit Wohnräumen zugleich vermietet ſind.
fallen nicht unter die Befreiung. Auf die unter IIII bezeich=
neten
Räume finden die Vorſchriften der 88 136 des Mieter=
ſchutzgeſetzes
keine Anwendung. C. Auf dem Gebiete des
Reichsmietengeſetzes: I. Alle Wohnungen mit einer
Jahresfriedensmiete von über 1500, 1000, 600 und 400 RM. in
den Orten, der Ortsklaſſe A, B. C und D. der Reichsbeſoldungs=
ordnung
, ſoweit nicht bereits eine Befreiung auf Grund des §.1
Abſ. 1 Satz 4 des Reichsmietengeſetzes eintritt. II. Untermietver=
hältniſſe
, ſoweit es ſich nicht ausſchließlich um Wohnräume han=
delt
, in denen der Untermieter eine eigene Wirtſchaft oder Haus=
haltung
führt III. Geſchäftsräume jeglicher Art, ſoweit ſie nicht
Teile einer Wohnung bilden oder wegen ihres räumlichen oder
wirtſchaftlichen Zuſammenhanges mit Wohnräumen zugleich mit
dieſen vermietet ſind. Artikel 2. Die Vorſchriften des Ak=
tikel
I B Ziff. I und III ſowie C Ziff. l und III beziehen ſich, ſoweit
nicht durch § 1. Abſ. 1 Satz 4 des Reichsmietengeſetzes etwas
anderes beſtimmt iſt, nur auf ſolche Räume, die nach dem 31. Jan.
1931 frei geworden ſind oder frei werden. Räume, werden im
Sinne des Abſ. 1 nur dann frei, wenn dies durch Tod des Ju=
habers
, Aufgabe der Wohnung oder auf ähnliche Weiſe geſchieht,
oder wenn das Mietverhältnis auf dem Wege der Beſtimmungen
des Mieterſchutzgeſetzes gelöſt wird, nicht aber im Falle des
Tauſches, wenn die Mieter, in die beiderſeitigen Mietverträge
eintreten. Artikel 3. Einer Klage, mit der die Herausgabe
eines nach Artikel 1 B von den Vorſchriften der 88 136 des
Mieterſchutzgeſetzes befreiten Raumes verlangt wird, hat ein
Schiedsverfahren vor dem Mieteinigungsamt nach der Verord=
nung
des Miniſters für Arbeit und Wirtſchaft vom 28. Mai 1929
Reg.=Bl. S. 77 vorauszugehen. Artikel 4. Dieſe Ver=
ordnung
tritt mit Wirkung vom 1. Februar 1931 ab in Kraft.

Das Nolzufkommandg des Polizeiamks.
350 Alarmierungen im Jahre 1930. Stets hilfsbereit.
Von allen Neuerungen und organiſatoriſchen Verbeſſerungen der
Polizei während des letzten Jahrzehnts hat die Schaffung von Not=
rufkommandos
(auch Ueberfallkommandos genannt) zweifellos den
beſten Reſonanzboden beim Publikum gefunden. Anfänglich mit
nur mangelhaften techniſchen Hilfsmitteln arbeitend, wurde die
Ausrüſtung des Kommandos immer mehr vervollkommnet. Heute
dient ein beſonders zu dieſem Zweck gebauter Kraftwagen als
Beförderungsmittel des Kommandos. Der Wagen iſt mit den
erforderlichen Geräten und Verbandsſtoffen für erſte Hilfe=
leiſtungen
bei Unglücksfällen und mit ausreichenden polizeitech=
niſchen
Hilfsmitteln zur Verbrechensbekämpfung ausgerüſtet. Von
der ſegensreichen Einrichtung des Notrufkommandos wurde im
Jahre 1929 232mal und in 1930 358mal Gebrauch gemacht.
Neben einer größeren Zahl ſchwerer Verbrechensfälle wurde
hauptſächlich zur Hilfeleiſtung bei Bränden und größeren Ver=
kehrsunfällen
alarmiert. Im Jahre 1930 kommt faſt auf jeden
Tag ein Anruf. Für die Größe Darmſtadts iſt dieſe Zahl ver=
hältnismäßig
hoch. Unbegründete Alarmierungen ſind nur ver=
einzelt
vorgekommen. Schnelles Eintreffen am Tatort iſt die erſte
Vorausſetzung für erfolgreiches Arbeiten des Notrufkommandos.
Wenn die Alarmglocke ertönt, ſtürzen die Beamten auf den immer
bereitſtehenden Wagen und fahren in einer knappen Minute ab.
Leider wird ſeitens des Darmſtädter Publikums ſehr oft dem Not=
rufwagen
nicht rechtzeitig und genügend Platz gemacht. Dadurch
wird das Eintreffen am Tatort perzögert. Wenn in den Straßen
die Signalglocke des Notrufwagens ertönt, ſollte jedermann wiſſen,
daß Gefahr im Verzuge iſt und die Fahrbahn freigemacht werden
muß.

Darmſtädter Fahrplanbuch
Neu erſchiegen:
Berichtigungs= und Ergänzungsblatt
Enthält den Fahrplan der Darmſiädter Straßen= und
Vorortbahnen vom 1. Januar 1931, ſowie ſämtliche von
der Reichsbahn und der Reichspoſi ſeit dem 6. Oktober
1930 bls zum 15. Januar 1931 getroffenen Fahrplan=
änderungen
. Umfang 9 Seiten.
(1416a
Preis 10 Rpfg.
Neubezieher des Darmſtädter Fahrplanbuches (Ausgabe
5. Okiober 1930) erhalten das Ergänzungsblait unentgeltlich

Die Bekämpfung der Geſchlechtskrankheiten in Heſſen. Die
Zuſammenarbeit der mediziniſchen Amtsſtellen mit den öffent=
lichen
Fürſorgeſtellen zur Bekämpfung der Geſchlechtskrankheiten
iſt in Heſſen jetzt im großen und ganzen erreicht. Der Kreisarzt
hat das Recht, jederzeit zu ſeiner perſönlichen Unterrichtung Ein=
blick
in den Betrieb der Geſundheitsbehörden und Beratungs=
ſtellen
zu nehmen. Er hat grundſätzlich bei der Durchführung der
geſundheitlichen Aufgaben des Reichsgeſetzes mitzuwirken. Auch
dort, wo er etwa auf Antrag der Bezirksfürſorgeſtelle von der
Mitwirkung befreit iſt, weil die geſundheitsfürſorgeriſchen Auf=
gaben
des Bezirksfürſorgeverbandes einem Stadtarzt oder Kreis=
kommunglarzt
übertragen ſind, verbleibt ihm das Recht der Mit=
wirkung
. Die Kreisgeſundheitsämter ſollen in dieſe Arbeit ein=
geſchaltet
werden, um einerſeits durch ihre ärztlichen Erfahrun=
gen
die Tätigkeit der Geſundheitsbehörde und der Beratungs=
ſtellen
zu befruchten, andererſeits aber auch durch eigene Erfah=
rung
Kenntnis über die Ausbreitung der Geſchlechtskrankheiten
im Amtsbezirk zu erhalten. Während aber die Beratungsſtellen
die Aufgaben einer gütlichen Einwirkung und vertraulichen Be=
ratung
haben und dem Charakter einer Beratungsſtelle ent=
ſprechend
ganz individuell arbeiten, haben die Geſundheits=
behörden
ſozialhygieniſche und geſundheitspolizeiliche Aufgaben.
Von der Geſundheitsbehörde geht der Zwang aus, wenn die auf=
klärende
Einwirkung der Beratungsſtelle nicht mehr ausreicht.
Demgemäß ſind dort, wo keine im Benehmen und mit Hilfe der
Landesverſicherungsanſtalt ausgebauten beſonderen Beratungs=
ſtellen
vorhanden ſind, die Kreisgeſundheitsämter zwar zu Be=
ratungsſtellen
, aber nicht gleichzeitig zu Geſundheitsbehörden er=
klärt
worden.
Schwerer Verkehrsunfall. Am 28. Januar gegen 16 30 Uhr
ereignete ſich in der Heidelbergerſtraße in der Nähe der Kerami=
ſchen
Fabrik ein ſchwerer Verkehrsunfall. Das Auto eines Milch=
händlers
aus Eberſtadt fuhr in Richtung Eberſtadt. Hinter dieſem
Auto fuhren zwei Perſonenautos, die mit der Familie eines The=
aterdirektors
aus Hannover beſetzt waren. Der vordere Wagen
wurde von der Tochter und der hintere von dem Chauffeur der
Familie geſteuert. Die Führerin des vorderen Wagens wollte den
Lieferwagen des Milchhändlers aus Eberſtadt überholen, obwohl
in entgegengeſetzter Richtung ein Pfungſtädter Autobeſitzer mit
ſeinem Wagen gefahren kam. Bei dem Verſuch des Ueberholens
waren die drei Fahrzeuge in gleicher Höhe angekommen, und die
Führerin des Autos aus Hannover ſtreifte mit ihrem Wagen den
des Autobeſitzers aus Pfungſtadt. Letzteres kam ins Schleudern
und flog quer über die Fahrbahn gegen einen Baum, wo es zer=
trümmert
liegen blieb. Als das Auto quer über die Fahrbahn
fuhr, wurde ein 19 Jahre alter Bäckerburſche aus Eberſtadt, der zu=
fällig
auf dem Rad in Richtung Eberſtadt fuhr, von dem Auto er=
faßt
und gegen den Baum gedrückt. Hierbei wurde er ſchwer ver=
letzt
, ſo daß er in bewußtloſem Zuſtand in das Stadtkrankenhaus
eingeliefert werden mußte. Die Verletzungen ſind ſehr ernſter
Natur. Der Autobeſitzer aus Pfungſtadt wurde gleichfalls verletzt
und in das Stadtkrankenhaus eingeliefert. Die Ermittlungen über
die Schuldfrage ſind noch nicht abgeſchloſſen.

(Die Verwendung des Gaſes im Haushalt. Es wird auf
den heute abend im Bürgerhof, Eliſabethenſtraße 2 ſtattfinden=
den
Vortrag nochmals aufmerkſam gemacht. Die Veranſtaltung
wird durch ein Preisraten ergänzt. Die beſten Löſungen
erhalten Gasgutſcheine. Eintrittskarten unentgeltlich im Aus=
ſtellungsraum
, Grafenſtraße 30, erhältlich.
Heſſ. Spielgemeinſchaft. Die bei der Erſtaufführung mit
unbeſtrittenem Erfolge aufgenommene Lokalpoſſe Liebesluſt
oder die weißen Schuhe von Heinr. Rüthlein kommt am
Samsta 31. 1. 31 , 20 Uhr, im Kleinen Hauſe erſt=
mals
zur Wiederholung. Die glänzend beobachteten und köſtlich
wiedergegebenen Leiden und Freuden des Darmſtädter Klein=
bürgertums
ſpiegeln ſich in dem bald behaglich ſchmunzelnden,
bald ſtürmiſch auflachenden Publikum. Da der Faſtnachtszeit
wegen vorerſt nur dieſe eine Wiederholung möglich iſt, empfiehlt
ſich rechtzeitige Kartenbeſchaffung. Der Vorverkauf hat begonnen
(0,50 bis 3,00 Mk.).
7. Akademie=Konzert. Das Programm des Donnerstag, den
29. d. M., 17 und 20 Uhr, im Großen Saale des Städt. Saalbaus
ſtattfindenden 7. Akademie=Konzerts enthält aus Anlaß des 175.
Geburtstages von W. A. Mozart zwei Werke dieſes Meiſters das
hier ſelten geſpielte C=Moll=Konzert Köch. Verz. Nr. 491 und die
8 deutſchen Tänze für Orcheſter, die immer, wenn ſie zu Gehör ge=
bracht
werden, einen großen Erfolg zu verzeichnen haben. D
Soliſtin des Abends. Helene Zimmermann aus Köln wird
außer dem Mozart=Konzert noch zwei Stücke von Schubert, Rondo
D=Dur und Impromptu B=Moll, vortragen. Der Künſtlerin geht
gerade als Mozartſpielerin ein guter Ruf voraus. Als Einleitung
des Abends kommt die Ouvertüre zur Oper, Medea von Cheru=
bini
zum Vortrag. Karten im Sekretariat der Städt. Akademie
für Tonkunſt, Eliſabethenſtr. 36, Fernſpr. 3500 (Stadtverwaltung).
Schnurrbuſch=Quartett. Zu dem am Montag den 2. Fe=
bruar
, im Kleinen Haus ſtattfindenden Kammermuſikabend wird
Siegfried Kuhns Streichquartett A=Moll zum Vortrag gebracht.
Siegfried Kuhn, auf den polniſchen Schlachtfeldern 1915 gefallen,
hat auf den Univerſitäten München und Heidelberg, dann auf der
Akad. Hochſchule für Muſik in Berlin ſtudiert und war Schüler
von Rinkens, Sandberger, Wolfrum. Humperdinck und Robert
Kahn. Trotz nur kurzer Schaffenszeit hat der junge Komponiſt
etwa 20 Sololieder: 20 Chorwerke, aller Art. 10 Inſtrumental=
werke
hinterlaſſen, die ein erſtaunliches Können, frühreife
Meiſterſchaft (Prof. Achtslik in Ztſchr. f. Muſik) aufzeigen.
Außerdem wird noch eine Sonate von Reger zu Gehör gebracht
und das berühmte Septett von Beethoven.

Heſſiſches Landeskheaker.

Großes Haus Kleines Haus Donnerstag,
29. Januar 19.30, Ende nach 22 Uhr
Gaſtſpiel Hans Grahl
K10 Tiefland
Preiſe 10 Mk.
Wahlgutſcheine beſchränkt giltig Keine Vorſtellung Freitag,
30. Januar Keine Vorſtellung
2032 Uhr
Lucia von Lammermoor
Zuſ.=Miete 1V 8, T. Gr.
Preiſe 1.206 Mk. Samstag,
31. Januar 19.30, Ende gegen 22.30 Uhr
Uraufführung
Die Portugaleſiſche Schlacht
E15 Preiſe 110 Mt
Wahlgutſcheine beſchränkt giltig 2022.15 Uhr
Liebesluſt oder die weißen Schuhe
Preiſe 0.503 Mk. Sonntag,
1. Februar 18.30 22.15 Uhr
Gaſtſpiel Hans Grahl
B 13 Tannhäuſer
Preiſe 1.2012 Mk.
Wahlgutſcheine beſchränkt giltig 2022.15 Uhr
Außer Miete
Im weißen Rößl
Preiſe 13 Mk. Montag
2. Februar 2022.30 Uhr
Zum 25. Male:
Meine Schweſter und ich
Preiſe 14 Mk.
Außer Miete 20 bis gegen 22 Uhr
Zweiter Kammermuſik=Abend
des Schnurrbuſch=Quartetts
Preiſe 1, 2, 3 Mk.

Heſſiſches Landestheater. Tiefland mit Hans
Grahl. Heute, Donnerstag, gelangt im Großen Haus Eugen
d’Alberts volkstümliches Opernwerk Tiefland mit Hans
Grahl vom Opernhaus in Hamburg in der Partie des Pedro
unter muſikaliſcher Leitung von Fritz Bohne zur Aufführung. Die
übrigen Hauptrollen ſind mit Mitrovic, Harre, Lohmann, Herr=
mann
, Overlack, Jacobs, Liebel, Kienzl beſetzt. Lucia von
Lammermoor wird in der Neuinſzenierung von Arthur
Maria Rabenalt und Wilhelm Reinking nach längerer Unter=
brechung
morgen, Freitag, im Kleinen Haus unter muſikaliſcher
Leitung von Karl Maria Zwißler zur Aufführung kommen. Die
Titelpartie ſingt Käthe Walter; die übrigen Hauptrollen ſind mit
Sattler, Stralendorf, Bertholdt, Overlack, Spira und Heyer
beſetzt.
Uraufführung Die Portugaleſiſche Schlacht. Ernſt Pen=
zoldt
deſſen Vorleſung aus eigenen Werken in der Freien Lite=
rariſch
=Künſtleriſchen Geſellſchaft ein lebhaft intereſſiertes Publi=
kum
gefunden hat wird Samstag, den 31. Januar zum erſten
Male mit einem Bühnenwerk vor die Oeffentlichkeit treten, und
zwar gelangt ſeine Komödie der Unſterblichkeit Die Portu=
galeſiſche
Schlacht gleichzeitig am Heſſiſchen Landestheater
in Darmſtadt, am Bayeriſchen Staatstheater in München und am
Oldenburger Landestheater zur Uraufführung. Die Inſzenierung
der Darmſtädter Aufführung wird von Carl Ebert beſorgt
(Bühnenbild: Wilhelm Reinking). Für die Rolle des jungen
Königs Sebaſtian von Portugal wurde Bernhard Minetti
vom Preußiſchen Staatstheater in Berlin als Gaſt verpflichtet.
Zum 25. Male Meine Schweſter und ich‟. Das ſeltene
Ereignis der 25. Aufführung wird Montag, den 2. Februar,
das ungewöhnlich erfolgreiche muſikaliſche Luſtſpiel Meine
Schweſter und ich mit der bekannten Beſetzung im Großen
Haus begehen können. Die Vorſtellung findet bei kleinen Preiſen
(1,00 bis 4,00 Mark) außer Miete ſtatt.

[ ][  ][ ]

Seite 6

Donnerstag, den 29. Januar 1931

Nummer 29

Unſere Straßenbahn.

Die Beſprechungen am 7. 1. 31 in der Sitzung des Ver=
kehrsvereins
haben Veranlaſſung gegeben, einigen Wünſchen
nachzukommen, und es iſt heute feſtzuſtellen, daß die Heag bemüht
bleibt, den Anregungen Rechnung zu tragen. So ſind beiſpiels=
weiſe
jetzt alle
Halteſtellenſchilder
in der Stadt abgenommen und eine Neuaufſtellung der Fahrpläne
und Richtungen über die jeweils an der Halteſtelle verkehrenden
Wagen vorgeſehen. Die Schilder werden in der allernächſten
Zeit mit dem entſprechenden neuen Aufdruck wieder an ihre Plätze
verbracht. Die Angaben gelten für den Winterfahrplan der
Straßenbahn, der ſich für die Sommermonate, vorausſichtlich mit
dem 1. Mai wieder ändern wird. Auch ſind auf den Hauptlinien
1. 2 und 3 eine entſprechend größere Anzahl von Anhängewagen
während der Stoßzeiten eingeſetzt, ſodaß die Fahrgäſte nunmehr
Gelegenheit haben, im nicht mehr überfüllten Wagen Platz zu
nehmen. Es laufen auf der Linie 1 und 2 4 Anhängewagen,
auf Linie 3 5 Anhängewagen, und zwar von 6.309 Uhr vormit=
tags
und 11.303.30 Uhr nachmittags und 1620.30 Uhr abends.
Die Linien 5, 6 und 7, bei welchen ein Anhängewagenbetrieb ſehr
umſtändlich iſt, werden in den Zeiten des Stoßverkehrs mit Re=
ſervewagen
bedient. Ob dieſe Einrichtungen genügen, wird noch
beobachtet werden, da die Zeit vom 1. 1. bis 21. 1. 31 noch zu kurz
iſt, um den Verkehr genau überblicken zu können. Ebenſo iſt
zu den Zügen nachmittags, von Frankfurt kommend, um 14 Uhr
eine beſondere Verkehrsmöglichkeit vorgeſehen und zwar läuft
um 12.58 Uhr ſchon ein Reſervewagen vom Hauptbahnhof nach
der Stadt.
Was die Nummern der neuen Straßenbahnwagen betrifft, ſo
iſt die Heag bereits damit beſchäftigt, einen Probewagen umzu=
bauen
, an welchem größere Zahlen in den Lichtkäſten auf dem
Wagendach angebracht werden. Der Wagen wird in kurzer Zeit
in Betrieb genommen und ebenfalls beobachtet werden, um feſt=
zuſtellen
, ob dieſe Maßnahmen genügend ſind.
Im beſonderen iſt das Augenmerk auf
die Anſchlüſſe
geworfen und folgendermaßen geregelt:
Es treffen am Schloß ein: Linie 1 und 2 nach dem Haupt=
bahnhof
03, Linie 3 nach Landskronſtraße 03, Linie 5 nach Oſt=
bahnhof
03, Linie 6 und 7 nach Heidelbergerſtraße 03 uſw. alle
10 Minuten. Linie 1 und 2 nach Steinberg bzw. Böllenfalltor
08. Linie 3 nach Hauptbahnhof 08, Linie 6 und 7 nach Ringſtraße
bzw. Oberwaldhaus 08, Linie 5 nach Heinheimerſtraße 06 uſw.
alle 10 Minuten.

Am Luiſenplatz hat die Linie 5 mit Linie 6 nach beiden Rich=
tungen
Anſchluß. An der Neckarſtraße hat Linie 1 und 2, vom
Hauptbahnhof kommend, mit Linie 6 und 7 nach Landskronſtraße
Anſchluß, während Linie 3, vom Hauptbahnhof kommend, an der
Neckarſtraße an die Linie 8 nach Eberſtadt Anſchluß hat. An der
Wendelſtadtſtraße iſt der Anſchluß der Linie 1 und 2 mit Linie 5
und an der Otto=WolfskehlſtraßeDornheimerweg der Anſchluß
von Linie 1 und 2 mit Linie 3 und umgekehrt gewahrt.
Alle weiteren Verkehrszeiten gehen aus den Fahrplänen in
der Stadt ſowohl, wie aus den zum Verkauf aufgeſtellten Fahr=
plänen
hervor.
Dem Wunſche, eine
Omnibuslinie durch die Wilhelminenſtraße
zu führen, kann leider nicht entſprochen werden. Das fragliche
Gebiet wird von der Linie 6 7 und 8 auf der einen Seite und auf
der anderen Seite von der Linie 3 beſtrichen. Bei einem Radius
von 250 Metern bleibt nur ein ganz geringer Teil, und zwar das
Villenviertel in der Wilhelminenſtraße von einer Verkehrslinie
unberührt. Die neue Omnibuslinie wird alſo nur Abbruch tun
in erſter Linie der Linie 3, nicht aber in der Lage, ſein, neue
Fahrgäſte auf dieſer Strecke zu erwerben. Da, wie bekannt, die
Omnibuslinien einen Zuſchußbetrieb darſtellen, ſo wird ohne
weiteres hier ein Defizit entſtehen, das nicht zu verantworten iſt.
Auch ein teilweiſer Betrieb am Tage führt zu keinem Erfolg, da
unnötige Perſonalkoſten entſtehen, die in der heutigen Zeit ge=
ſpart
werden müſſen. Aus all dieſen Gründen heraus muß von
der Einrichtung dieſer Linie vorläufig Abſtand genommen
werden.
Was den
Bahnhofsbetrieb
anbetrifft, ſo iſt einwandfrei durch Zählungen während einer
längeren Zeit feſtgeſtellt worden, daß mit den Spätzügen im
Durchſchnitt nur 68 Perſonen vom Hauptbahnhof nach der
Stadt zu fahren wünſchen. Für dieſe wenigen Fahrgäſte einen
Wagen nach 1 Uhr nachts noch zum Hauptbahnhof zu entſenden,
iſt vollkommen unrentabel und widerſpricht auch den notwendigen
Sparmaßnahmen, die im Straßenbahnbetrieb bezüglich der Wirt=
ſchaftlichkeit
durchgeführt werden müſſen, zumal die Staatsbahn=
züge
immer nicht geringe Verſpätungen aufweiſen. Im Sommer=
ſemeſter
ſoll evtl. der Straßenbahnverkehr bis 0.56 Uhr für die
Züge von Heidelberg und Frankfurt ausgedehnt werden. Es iſt
zu erwarten, daß, wenn alle hier vorerwähnten Maßnahmen zur
Durchführung gelangt ſind, den Wünſchen der Allgemeinheit
ſoweit als möglich Rechnung getragen worden iſt.

Die Freiwillige Feuerwehr Darmſtadt hielt ihre Haupt=
verſammlung
ab. Der 1. Kommandant Hofmann begrüßte die
zahlreich erſchienenen Feuerwehrkameraden auf das herzlichſte, ins=
beſondere
Stadtrat Hübner, das Ehrenmitglied der Wehr. Schrift=
führer
Weingärtner gab das Protokoll der letzten Hauptverſamm=
lung
bekannt, das einſtimmig Genehmigung fand. Kaſſierer
Schmidt 1. erſtattete den Kaſſenbericht. Die Rechnungsprüfer be=
antragten
Entlaſtung, die erteilt wurde. Kommandant Hofmann
erſtattete hierauf den Jahresbericht. Die Freiwillige Feuerwehr
iſt in vier Züge eingeteilt. Die Führung hat der 1. Kommandant
Hofmann, in ſeiner Stellvertretung der 2. Kommandant North.
Brandmeiſter des 1. Zuges iſt Jung, des 2. Zuges Wehn, des
3. Zuges Matthes des 4. Zuges Eckert. Die Fahrzeuge der Wehr
ſind für Pferdebeſpannung und zum Anhängen an Laſtwagen der
Schupo eingerichtet. Den Transport übernimmt in Brandfällen
die Schupo mit Laſtwagen. Außerdem ſteht die Kreisautoſpritze
in Brandfällen der Wehr zur Verfügung. Sie iſt dem Kreis=
feuerwehrinſpektor
Karpfinger unterſtellt. Die Ausxüſtung der
Wehr darf durchweg als gut bezeichnet werden. Als Schmerzens=
kind
wurde erwähnt, daß der 4. Zug immer noch nicht geeignet
untergebracht iſt. An Sicherheitswachen wurden geſtellt: im
Theater (Großes und Kleines Haus) 3460 Mann. Orpheum 675,
bei ſonſtigen Veranſtaltungen (Feſthalle, Saalbau uſw.) 334
Mann). Die Sicherheitswachen wurden zum Teil vergütet. Die
Wehr beteiligte ſich an dem Landesfeuerwehrtag in Dieburg mit
Spielleuten und Fahnen, ſowie an den Feuerwehrfeſten in Traiſa
und Roßdorf. Ausgezeichnet wurden im Laufe des Jahres mit
dem ſtaatlichen Ehrenzeichen ein Kamerad für 40jährige und ein
Kamerad für 25jährige ununterbrochene Zugehörigkeit zur Frei=
willigen
Feuerwehr. Außerdem wurden vom Korps ein Kamerad
für 20jährige, zwei für 15jährige und drei für 10jährige Dienſt=
zeit
ausgezeichnet. Ebenſo wurden durch den Kreisfeuerwehr=
inſpektor
Karpfinger 5 Kameraden mit dem Heſſiſchen Feuerwehr=
Ehrenzeichen bedacht. Im ganzen wurden 10 Uebungen abgehal=
ten
. Im abgelaufenen Jahre beteiligte ſich die Wehr an den
Löſchmaßnahmen bei 3 Großfeuern. Ein Teil der Mannſchaft
hat ſich als Beſatzung der Kreisautoſpritze an einer Reihe von
Bränden im Kreis beteiligt. Die Geſchäfte der Wehr wurden
in einer Hauptverſammlung, 2 Mitgliederverſammlungen, 20
Vorſtandsſitzungen und 2 Kommandoſitzungen erledigt. An Mit=
gliedern
traten neu bei 11 Kameraden, ausgetreten ſind 2. aus=
geſchloſſen
wurden 3, durch den Tod abgegangen ſind 4 Kamera=
den
, ſo daß der Mitgliederſtand am 31. Dezember 1930 120 Mann
betrug. Zum Schluß ſprach der Kommandant ſeinen Dank an alle
Mitglieder und Führer aus und hofft auch für das neue Geſchäfts=
jahr
auf harmoniſches kameradſchaftliches Zuſammenarbeiten. Für
die ausgeſchiedenen Führer wurden gewählt: 1. Zug: Lang 1. Füh=
rer
, Schreder 2. Führer, Huber, Hydrantenmannſchaftsführer,
3. Zug: Seppich 1. Führer, Trabold Hydrantenmannſchaftsführer.
Bei Punkt Verſchiedenes wurde erneut die Ringleitung bemän=
gelt
, die ſehr viel zu wünſchen übrig läßt. Gerade bei dem letz=
ten
Brand habe ſich gezeigt, daß die Alarmierung ſehr ſchlecht
funktionierte. Zum Schluß wies Komndant Hofmann darauf
hin, daß die Vorträge pünktlich und regelmäßig beſucht werden
müßten, da dies als Dienſt betrachtet werden müſſe. Mit einem
Gut Wehr wurde die fruchtbar verlaufene Tagung geſchloſſen.
Zur Bekämpfung anſteckender Krankheiten. Ein Sonderfall
gab Veranlaſſung, die Polizeiverordnung zur Bekämpfung an=
ſteckender
Krankheiten wie folgt zu ergänzen: In Kranken=
häuſern
iſt das Küchenperſonal bei ſeinem Eintritt auf Typhus
und Paratyphus, das Kinderpflegeperſonal auf Diphtherie bakterio=
logiſch
zu unterſuchen. Die Unterſuchungen ſind nach Jahresfriſt
zu wiederholen. Es ſind darüber fortlaufend Liſten zu führen, die
dem Kreisgeſundheitsamt auf Verlangen vorzulegen ſind. Dieſe
Anordnung tritt ſofort in Kraft.
Aus den Lichtſpieltheatern. Im Union=Theater ge=
langt
ab heute das luſtige Tonfilm=Vaudeville, Komm zumir
zum Rendezvous zur Vorführung. Der bekannte und
erfolgreiche Schriftſteller Walter Haſenclever ſchrieb die
Dialoge für dieſen Film der unter der Regie von Carl Boeſe die
bekannteſten deutſchen Bühnenkünſtler vereinigt.
Anthropoſophiſche Geſellſchaft Darmſtadt. Es ſei nochmals
hingewieſen auf den heute abend in der Aula des Ludwig=Georgs=
Gymnaſiums ſtattfindenden Vortrag von Dr. med. W. Kaelin über
Die Frühdiagnoſe des Krebſes auf Grund geiſteswiſſenſchaft=
licher
Menſchenkunde‟.

Ein Winterfeſt von Niveau wird am Samstag, 31. Jan.,
in der Vereinigten Geſellſchaft vom Starkenburger Auto=
mobil
=Club. (ADAC.), Sitz Darmſtadt, veranſtaltet. Der
vorjährige Erfolg dürfte genügend Sicherheit für Qualität des
kommenden Feſtes bieten. Die beſten Kräfte des Landestheaters
ſowie auch bekannte auswärtige Künſtler wirken mit. Mitten
im Winter wird den Feſtteilnehmern Ein Sommernachtstraum
gezeigt werden, der natürlich im Zeichen des Automobils ſteht.
Muſik, Geſang, Tanz, Farbe und Licht werden einen Traum ge=
ſtalten
, der den Gäſten unvergeßlich bleiben wird. Karten für
Mitglieder und eingeführte Gäſte ſind für je 2 RM. im Sport=
haus
Adelmann, Rheinſtraße, und Photohaus, Brzoska. Eliſa=
bethenſtraße
, und an der Abendkaſſe zu haben. Wegen der großen
Nachfrage empfiehlt ſich Benutzung des Vorverkaufs.
Heim für ältere Ehepaare und alleinſtehende Damen. Wie
wir erfahren, wird das neue Heim Moosbergſtraße 2 am 1. April
eröffnet und von Frau Prof. Kellner ſelbſt geleitet werden. Ver=
ſchiedene
Zimmer ſind ſchon feſt vergeben. Da die Nachfrage ſehr
rege iſt, wird Intereſſenten empfohlen, ſich baldigſt mit obiger
Adreſſe in Verbindung zu ſetzen. Vorherige Anmeldung erwünſcht.
(Siehe heutige Anzeige.)

M. 90, frei überalihin
Rudolf Mosse, Berlin SMV B
Postscheckkonto 26517

Lokale Beranſtalkungen.
Die bierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten
in keinem Falle ſegendwie als Beſprechung oder Kritik.
Der heſſiſche Penſionsverein Ortsgruppe
Darmſtadt, hat durch Inſerat in unſerer Dienstagnummer zur
Jahresverſammlung auf Donnerstag in den Fürſtenſaal einge=
laden
, worauf beſonders hingewieſen werden ſoll. Die Beteiligung
aller Mitglieder und Hinterbliebenen an dieſer Tagung kann nicht
genug empfohlen werden, zumal es ſich in der Hauptſache um Er=
haltung
wohlerworbener, in der Reichsverfaſſung verankerter
Rechte jedes einzelnen Mitgliedes handelt, deren Kürzung als eine
der ſchwerſten Härten bezeichnet werden muß, da ſie die Kaufkraft
der unteren und mittleren Gruppen am empfindlichſten trifft wo=
durch
der Geſchäftswelt naturgemäß auch die Umſätze geſchmälert
werden. Um durch Maſſenvorſtellungen dieſe wirtſchaftliche Not
abſchwächen zu können, möge an dieſer Verſammlung kein Pen=
ſionär
und Hinterbliebener achtlos vorübergehen.

Tageskalender für Donnerstag, den 29. Januar 1931.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, 19,30 Uhr K10: Tief=
land
Kleines Haus: Keine Vorſtellung. Konzerte:
Schloßkeller, Café Oper, Café Ernſt=Ludwig. Spaniſche Bodega,
Reſtaurant Bender, Rheingauer Weinſtube. Kinovor=
ſtellungen
: Union= Helia= und Palaſt=Lichtſpiele
Fürſtenſaal, 20 Uhr: Waſchvorführung. Mathil=
denhöhſaal
, 20 Uhr: Maggi=Film.
Ldw.=Gg.=
Gymnaſium, 20,15 Uhr, Anthropoſ. Geſ; Vortrag Dr.
Kaelin. Saalbau, 17 und 20 Uhr: 7. Akademiekonzert.

* Aus dem Gerichtsſaal.
Aw. Das Bezirksſchöffengericht hatte ſich am Mon=
tag
wieder einmal mit Betrügereien eines Proviſionsrei=
ſenden
zu beſchäftigen. Der Angeklagte, ein 38jähriger
früherer Werkmeiſter aus Dorf Erbach, der durch
den Niedergang der Kamminduſtrie ſeine Stellung verlor, wird
beſchuldigt, Gelder, die er bei Kunden einzog, unterſchlagen zu
haben. Ebenſo ſoll er ein Motorrad, das er auf Ratenzahlung
kaufte, vor voller Abzahlung des Kaufpreiſes wieder verkauft haben.
Und als Letztes ſoll er Geld einkaſſiert haben, nachdem ihm die
Vollmacht entzogen war. Die Verhandlung dauerte an ſechs
Stunden, da der Angeklagte ſein Möglichſtes tut, alles zu ver=
wirren
und in Unordnung zu bringen. Er behauptet, ſein Ar=
beitgeber
habe zahlreiche techniſche Rechenfehler, wie er es
nenne, gemacht, und ihm Beträge zur Laſt geſchrieben, die noch
gar nicht bezahlt oder von einem anderen vereinnahmt waren.
Er habe gearbeitet und beſcheiden gelebt, und die anderen ſeien
die Betrüger. Es ſtellt ſich aber bei der verſuchsweiſen Entwir=
rung
der Kartotheken und Bücher ſeines Arbeitgebers, die ein
wahres Kreuzworträtſel bilden, heraus, daß er trotz etlicher
Rechenfehler zu ſeinen Gunſten keineswegs ſo ganz unſchuldig iſt.
Nur bei dem Motorradverkauf kann er guten Glauben nachweiſen,
denn die Zahlungen wurden ohne ſein perſönliches Mitwirken
geregelt, und das Motorrad tat nicht mehr ſeine Dienſte, es blieb
oftmals mitten auf der Landſtraße ſtehen, ſo daß er es manchmal
ſtundenweit drücken mußte. In dieſem Fall gelangt das Gericht
zu einem Freiſpruch und verurteilt, ihn wegen fortgeſetzten
Betrugs und Unterſchlagung zu acht Monaten
Gefängnis.
Am Dienstag hatte ſich die Große Strafkammer, mit
einer Anklage gegen den Bürgermeiſter von Seligen=
ſtadt
wegen Vergehens im Amt zu beſchäftigen. Viele
Leute lehnen jede politiſche Tätigkeit ab, weil ſie behaupten, die
Politik verderbe den Charakter, und wenn man immer wieder
derartige Gerichtsverhandlungen erleben muß, die politiſchen Be=
weggründen
entſpringen und die ſo viel menſchliche Kleinlichkeit
und Böswilligkeit aufzeigen, dann muß man allmählich derſelben
Meinung werden. Der Bürgermeiſter, der parteilich dem Zentrum
naheſteht, wird ſchon jahrelang von den Kommuniſten in Seligen=
ſtadt
auf jede Art und Weiſe angegriffen. Es wurden des öfteren
Flugblätter verteilt, die den Gemeinderat und insbeſondere den
Bürgermeiſter angriffen, und es wurde keine Gelegenheit unbe=
nutzt
gelaſſen, um dem Bürgermeiſter zu ſchaden. So trat z. B.
ein Seligenſtädter Bürger gegen ihn auf, dem er aus Gefälligkeit
eine Unterſchrift anerkannte, ohne daß der Mann perſönlich an=
weſend
war, deſſen Unterſchrift er aber genau kannte. Es wird
ihm zum Vorwurf gemacht, daß er aus der von ihm eingenomme=
nen
Vergnügungsſteuer Gelder unterſchlagen habe. Er ſoll weiter
ſich Privatferngeſpräche duuch die Gemeinde haben bezahlen laſſen,
und in der Eigenſchaft als Ortsgerichtsvorſtand Unterſchriften be=
glaubigt
haben, die nicht in ſeiner Gegenwart vollzogen wurden.
Der Bürgermeiſter wurde in erſter Inſtanz vor dem Of=
fenbacher
Bezirksſchöffengericht wegen Unter=
ſchlagung
im Amt Betrugs und falſcher Beur=
kundung
zu insgeſamt fünf Monaten Gefängnis
und 100 Mark Geldſtrafe verurteilt. Der Bürgermeiſter
legte dagegen Berufung ein mit der Begründung, daß er niemals
irgendwelche unredliche Abſichten hatte. Er behauptet, daß er
ſich befugt gehalten habe, die Vergnügungsſteuer einzu=
kaſſieren
. Er habe oft darum gebeten, ihm dieſe ganze
Sache abzunehmen, doch habe das der Gemeinderat ſtets abgelehnt.
Er bekundet weiter, daß er an Durchreiſende und Arme aus
dieſer Vergnügungsſteuer Unterſtützungen gab, die durchſchnittlich
mindeſtens 30 Mark monatlich betrugen und über die er natürlich
keine Bücher führte. Auch über die Vergnügungsſteuer führte er
keine Bücher, und das wird ihm von dem Anklagevertreter trotz
Freiſpruch in erſter Inſtanz auch heute noch zum Vorwurf ge=
macht
als Verſchleierungsverſuch der Unterſchlagungen. Der An=
geklagte
bekundet, daß er ſich dazu nicht verpflichtet glaubte. Bei
den Telephongeſprächen gibt er zu, daß ein oder das andere Tele=
phongeſpräch
privater Natur geweſen ſei, doch ſeien ihm niemals
die einzelnen Belege der Poſt vorgelegt worden und er habe es
dann vergeſſen, denn er ſei mit Arbeit überhäuft und die Summe
ſei ja geringfügig geweſen. Eine Betrugsabſicht habe e; nie ge=
habt
. Es ſtellt ſich heraus, daß zwei Angeſtellte der Stadtkaſſe
damals Verdacht ſchöpften, es jedoch nicht für nötig hielten, den
Bürgermeiſter einmal danach zu befragen, ſich vielmehr die ein=
zelnen
Quittungen perſönlich aufbewahrten, um ſtets eine Hand=
habe
gegen ihn zu haben. Bei den Unterſchriftsbeglaubigungen
ſei er lediglich den Leuten entgegengekommen, die oftmals nicht
in der Lage waren, tagsüber zu ihm zu kommen und deren Unter=
ſchriften
er auch oftmals kannte. Man mache ſich ja keinen Be=
griff
, welchen Schwierigkeiten man da oft gegenüberſtehe. Wäh=
rend
der langdauernden Zeugenvernehmung wird plötzlich ge=
meldet
, daß aus dem Zuſchauerraum photographiert wird, und es
entpuppt ſich als Photograph der Hauptgegner des Bürger=
meiſters
, der die Anzeige gegen ihn gemacht hat, und der be=
hauptet
, das Bild als Erinnerung für ſich gemacht zu haben! Es
wird ihm weiteres Photographieren von dem Vorſitzenden unter=
ſagt
. Der Verteidiger, Dr. Neuſchäffer, iſt der Anſicht,
daß ſich in der heutigen Verhandlung das Defizit der Vergnü=
gungsſteuer
voll aufgeklärt habe. Auch bei der Nichtbezahlung
der Telephongeſpräche könne von einer Betrugsabſicht keine Rede
ſein, und es müſſe ſomit auch hierin Freiſpruch erfolgen. Lediglich
im Falle der Beglaubigungen könne eine eventuelle Beſttafung
wegen Untreue erfolgen, bei der aber eine geringe Geldſtrafe den
Strafzweck vollkommen erfülle. Staatsanwalt Dr. Mäuſe=
zahl
, der ſchon in erſter Inſtanz die Anklage vertreten hat iſt
der Meinung, daß der Angeklagte ſeine Unſchuld in dieſer Ver=
handlung
keinesfalls bewieſen habe. Zu Beginn ſeines Plädoyers
mißbilligt er auf das ſchärfſte das Vorgehen der Gegner des Bür=
germeiſters
, die ſich ſogar nicht ſcheuten, hier Aufnahmen der Ver=
handlung
zu machen, und dann noch nicht mal den Mut auf=
brächten
, den wahren Zweck zuzugeſtehen, denn daß dieſes Bild
nicht als perſönliche Erinnerung dienen ſolle, ſei wohl jedem
klar, der die Verhandlung mitgemacht habe. Aber daß das Ver=
halten
des Bürgermeiſters geſetzwidrig ſei, laſſe ſich nicht aus der
Welt ſchaffen. Der Angeklagte ſei ſchuldig und müſſe beſtraft wer=
den
, und er beantragt die von ihm in erſter Inſtanz aufgeſtellte
Geſamtſtrafe von neun Monaten Gefängnis.
Das Gericht verwirft die Berufung der Staats=
anwaltſchaft
, hebt das Urteil erſter Inſtanz auf und ver=
urteilt
den Angeklagten um 9 Uhr abends wegen falſcher
Beurkundung anſtelle von 1 Monat Gefängnis
zu einer Geldſtrafe von 100 Mark. Im übrigen er=
folgt
Freiſpruch. Mit wundervollem menſchlichen Verſtänd=
nis
führt der Voxſitzende Landgerichtsdirektor
Meyer, aus, daß man hier unbedingt ſich den Menſchen be=
trachten
müſſe, den man vor ſich habe, der ſeit 25 Jahren hochge=
achtet
als Bürgermeiſter amtiere und dieſe Hochachtung auch un=
weigerlich
verdiene. Sein Verſchulden ſei, daß er ſich ohne Frage
überſchätzt und vielleicht aus Ehrgeiz zu viel zugemutet habe, ſo
daß er der Arbeit ſchließlich nicht mehr gewachſen war. Dazu
kamen dann dieſe fortwährenden Angriffe ſeiner politiſchen Geg=
ner
, unter denen er zweifelsohne ſeeliſch ſehr gelitten habe, und
bei denen jedem anſtändigen Menſchen ein Ekel überkommen
müſſe. Es habe ſich in der heutigen Verhandlung weſentlich Neues,
Entlaſtendes für den Angeklagten ergeben, doch der Verdacht, der
immerhin noch beſtehen bleibe, reiche zu einer Verurteilung wegen
Unterſchlagung und Betrugs nicht aus.

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[ ][  ][ ]

Nummer 29

Donnerstag, den 29. Januar 1931

Seite 7

Aus Heſſen.
Skarkenburg.

Rheinheſſen.
Aus Mainz.

* Vorkragsabend des Heſſiſchen Jagdklubs, e. V.
*t. Im Heſſiſchen Jagdklub, E. V., Darmſtadt, ſprach
am Mittwoch abend im großen Saal der Krone Herr Bankdirektor
H. H. Hauck=Frankfurt über Die kulturhiſtoriſche Ent=
wicklung
der Jagd in Heſſen Unter den zahlreich Erſchie=
nenen
bemerkte man auch die Vertreter der Behörden unter anderem
für die Miniſterial=Forſtabteilung Miniſterialrat Dr. Weber, für das
M. d. J. Oberregierungsrat Bornſcheuer. Nach kurzer herzlicher Be=
grüßung
durch Herrn Geh. Forſtrat Ebel machte der Redner des
Abends etwa folgende Ausführungen, die von der ſehr zahlreichen Zu=
hörerſchaft
mit lebhafter Aufmerkſamkeit und herzlichem Dank aufgenom=
men
wurden:
Sie müſſen auf dem Gebiete des Jagd= und Naturſchutzes aus der
Vergangenheit lernen, um für die Zukunft Nutzen ziehen zu können.
Die Völker= und Staatsgeſchichte iſt viel zu labil, um darauf bei den
Ausführungen meines Vortrags aufbauen zu können; ich muß daher
von den Verhältniſſen im Rhein=Main=Dreieck und den angrenzenden
Wäldern ausgehen, und will ſchildern, wie zuerſt die Jagd die Kultur
beeinflußte und dann, als die Jagd nicht mehr reinen Erwerbszwecken
diente, ſie die Kultur des Einzelweſens berührte.
Die erſten Waffen waren nur bearbeitete Steine, die als Spitzen
in Speeren uſw. nur für die Nahwirkung in Frage kamen. Erſt ſpä=
12=, bei den Germanen wohl in den Anfängen der Eiſenzeit, kamen Pfeil
und Bogen auf, die für Fernwirkung geeignet waren. Aber die Weiter=
entwicklung
der Waffen ging, wenigſtens mit heutigen Augen geſehen,
ſehr langſam vorwärts. Machen wir nur einen Sprung bis zu der
Zeit, in der die Germanen mit den Römern zuſammenſtießen. Die
Germanen gehörten zu den Völkern, die ſich am längſten gegen Seß=
haftigkeit
ſträubten. Bei ihnen war die Ausübung der Jagd eine Vor=
übung
zum Kriegshandwerk. Der von den Römern errichtete Limes
bedeutete ein kulturell unüberſchreitbares Hindernis, auf deſſen einen
Seite, im römiſch beherrſchten Gebiet, die Germanen zur Seßhaftigkeit
gezwungen wurden, während jenſeits des Limes ein dauerndes Hin und
Her zu verzeichnen war. In der Zeit der Merowinger finden wir erſt=
malig
die Bezeichnung Heſſen. Allmählich wurde die Ausübung der
freien Jagd unmöglich; überall wo Kaiſer=Pfalzen und =Burgen er=
ſtanden
, wurden Reichsbann=Forſten angeleat, in denen der Jagdſchutz
ausgeübt wurde. Von einem Forſtſchutz konnte damals noch keine Rede
ſein. Es bildete ſich allmählich ein Zuſtand heraus, daß das Jagdrecht
am Grund und Boden haftete. So konnten die Jagd ausüben nur die
Fürſten, die Ritter mit eigenem Feudalbeſitz und auch die freien Städte.
An dieſen Verhältniſſen hat ſich im großen und ganzen bis zum Jahre
1848 nichts geändert. Die Entwicklung der Waffen führte bei den Ger=
menen
vom Würfſpeer und Schwert über für nur kurze Zeit Pfeil
und Bogen zu der Armbruſt, deren Erfindung ihrer Bedeutung nach
mit der Einführung des Schießpulvers zu vergleichen iſt. Damals er=
ſtand
auch der Unterſchied zwiſchen höher Jagd, die ſich im allgemeinen
der Grundherr vorbehielt, und der niederen Jagd, die den Jagdhütern
blieb. Es dauerte über hundert Jahre bis das Pulvergewehr ſich für
die Jagd einbürgerte. Im Jahre 1556 wurden zum erſtenmal Schrot=
gewehre
erwähnt; 1807 wurde das Perkuſſionsſchloß eingeführt, erſt 1820
die Zündkapſel.
Die weitgehende Anarchie, die der Dreißigjährige Krieg mit ſich
brachte, ließ in unſerer Gegend außer dem Raub= auch das Edelwild
verſchwinden. Da iſt es das Verdienſt der Fürſtenhöfe, daß ſie die Wie=
derauffüllung
ihrer Wildbeſtände energifch betrieben. Die erſten Nach=
richten
über die Jagdluſt der heſſiſchen Fürſten reichen nicht über das
15. Jahrhundert hinaus. Philipp der Großmütige ging in ſeinem In=
tereſſe
für die Erhaltung des Wildes ſo weit, daß z. B. nicht einmal
feine Söhne ohne ſeine Erlaubnis auf die Jagd gehen durften. Georg I.
führte 1571 Wild ein, ſo das wilde Kaninchen, das bei Beſſungen in
Darmſtadt eingeſetzt wurde. Damals wurde auch im Kranichſteiner
Park ein Wildpark eingerichtet, und im Anfang des 17. Jahrhunderts
zählte man im Kranichſteiner Park einen ſehr ſtarken Damwildbeſtand.
Ernſt Ludwig, der 1700 regierte, wandte hohe Summen für die Jagd
auf, ſo daß faſt das ganze Land in einen Wildpark verwandelt wurde.
Bei ihm und bei ſeinen Nachfolgern kam auch die Parforce=Jagd zu
hohen Ehren. Aus England wurden Hunde für die heſſiſche Meute be=
zogen
. Bald nach 1700 begannen auch die erſten Jagd=Klaſſiker zu wir=
ken
, und an verſchiedenen Fürſtenhöfen, ſo auch an dem heſſiſchen Hof,
ſetzte man ſich in Gegenſatz zu den Ausartungen der franzöſiſchen Jagd=
methoden
. Damals waren leider nicht alle Fürſten richtige Jäger
Nach den napoleoniſchen Wirren begann man, eine richtige Wald=
wirtſchaft
einzuführen, und die Waldpflege wurde von Berufsjägern
übernommen. Die fortſchreitende Kultur und die beſſeren Transport=
möglichkeiten
zwangen zu ſtärkerer Ausnutzung des Waldbeſtandes. Eine
grundlegende Aenderung brachte das Jahr 1848, das leider in der Ab=
grenzung
der Jagd, z. B. der Gemeindebezirke, recht unglückliche Gren=
zen
ziehen ließ, deren Nachteile wir zum Teil heute noch ſpüren. Die
Geſundheitspolizei, das Raubwild, ſchwand dahin. Die Jagd wurde und
iſt auch heute noch zum großen Teil eine reine Geldfrage. Dieſer Ent=
wicklung
können wir uns nicht entgegenſtemmen. Wir haben jetzt ſechs=
mal
ſo viel Jagdpäſſe wie vor dem Weltkrieg, trotzdem haben wir die
Folgen des Weltkrieges überwinden können. 1833 wurde in Heſſen der
letzte Lux geſchoſſen, 1841 der letzte Wolf; 1698 wurde der letzte Bär,
ine Bärin, in Heſſen erlegt. Infolge des Eiſenbahn= und Landſtraßen=
verkehrs
hat ſich das Rotwild vom Tag= zum Nachtwild entwickelt. Der
Abſchuß iſt ſtark geworden; der Hirſch kann nicht mehr alt werden. Hin=
gegen
finden Faſanen und Haſen im neuen deutſchen Walde beſſere
Lebensbedingungen wie früher. Menſchen und Natur haben ſich im
Laufe der Jahrhunderte ſehr geändert; wir können uns z. B. nicht vor=
ſtellen
, wie Rheinheſſens Fluren ausſehen würden, wenn jahrelang keine
Haſen geſchoſſen würden. Der Menſch muß hier eingreifen. Große Ziele,
die nicht ernſt genug genommen werden können, hat ſich die Naturſchutz=
bewegung
, hat ſich die Jägerſchaft geſtellt. Auch volkswirtſchaftlich hat
die Jagd ihre große Bedeutung. Nicht hoch genug kann aber die ideelle
Wirkung des Weidwerks geachtet werden. Es ſtand bei uns in Deutſch=
land
immer in beſonderer Güte, was die Wildbahn und den Geiſt an=
belangt
, und dieſen Geiſt wollen wir uns erhalten. Hie gut deutſch
Weidwerk allewege.
Herr Profeſſor Zimmer, faßte den lebhaften Dank der Anweſen=
den
in Worte herzlicher Würdigung des ausgezeichneten Vortrages zu=
ſammen
.

Dg. Arheilgen, 28. Jan. Abgabe der Steuererklärun=
gen
für die Frühjahrsveranlagung 1931. Die Steuer=
erklärungen
für die Einkommenſteuer, Körperſchaftsſteuer, ſind in der
Zeit vom 1. bis 16. Februar 1931 unter Anwendung der vorgeſchriebe=
nen
Vordrucke abzugeben. Allen zur Abgabe der Erklärung Verpflich=
teten
wird vom Finanzamt ein Vordruck zugeſandt. Die Verpflichtung
zur Abgabe der Erklärung beſteht auch, wenn kein Formular zugeſandt
wird; in dieſem Falle iſt das erforderliche Formular beim Finanzamt
anzufordern. Rentenzahlung. Die Auszahlung der Militär=
Verſorgungsgebührniſſe erfolgt am Donnerstag, den 29. Januar, vor=
mittags
, die der Invaliden= und Unfallrenten am Samstag, den 31.
Januar, vor= und nachmittags, beim hieſigen Poſtamt. Hohes
Alter. Dieſer Tage konnte Frau Emma Lotz Witwe, Darmſtädter
Straße, in voller Rüſtigkeit ihren 80. Geburtstag begehen. Pferde=
Verſicherugsverein. Die Generalverſammlung wurde auf
Sonntag, den 1. Februar, nachmittags, im Gaſthaus Zur Sonne‟
(Peter Hahn) feſtgelegt. Am Montag, den 2. Februar, nachmittags,
findet an der Dreſchhalle die Taxierung ſämtlicher Pferde ſtatt.
Dd. Arheilgen, B8. Jan. Lausbubenſtreiche. Dieſer Tage
wurde in das Sommerhäuschen eines Darmſtädter Malers auf der
Neuwieſe eingebrochen und ſämtliches Mobiliar zertrümmert. Ebenſo
wurde in einer Waldhütte an den Toten Bergen das Inventar zerſtört.
Es iſt doch unglaublich, daß es Leute gibt, die aus lauter Freude am
Zerſtören derartige Verwüſtungen anrichten. Anmeldung zur
Schule. Nicht hier geborene, an Oſtern d. J. ſchulpflichtige Kinder
ſind am Montag, den 2. Februar, vorm. 11 Uhr, unter Vorlage des
Geburtsſcheines auf den Zimmern des Herrn Rektors anzumelden.
E. Bixhauſen, 28. Jan. Evangeliſationswoche. Von
Sonntag, den 25. Januar, bis einſchließlich Sonntag, den 1. Februar,
finden jeden Abend in der hieſigen Kirche Vorträge ſtatt. Mit größtem
Intereſſe folgen die Zuhörer den überzeugenden, packenden Worten des
Predigers Neuber aus Eberſtadt. Allabendlich ſind die Stühle und
Bänke der Kirche bis auf den letzten Platz beſetzt. Der außerordentliche
Zuſpruch zu dieſen Abenden, die durch Geſangsvorträge verſchönert
werden, iſt ein Zeichen dafür, daß derartige Veranſtaltungen in der
hieſigen evangeliſchen Kirchengemeinde vermißt werden. Am Diens=
tag
mittag hatte der hieſige evangeliſche Frauenverein alte Frauen, die
über 65 Jahre alt ſind, zu einem Kaffeeſtündchen eingeladen. Viele
Mütterchen verlebten ſo im kleinen Saal des Gaſthauſes Zur Krone‟
einen gemütlichen Mittag.
4a. Eberſtadt, 28. Jan. Die Volksküche im Hauſe Neue Darm=
ſtädterſtraße
8 iſt eröffnet und erfreut ſich bereits einer guten Inan=
ſpruchnahme
. Bei der Eröffnung zu Beginn der Woche begrüßte
namens des Ortsausſchuſſes für Arbeiterwohlfahrt Lehrer Kirſch=
ner
die Erſchienenen aufs herzlichſte und erläuterte den Zweck und das
Ziel der neuen Einrichtung. Gleichzeitig dankte er allen Privatperſonen
und Korporationen, nicht zuletzt der Gemeinde Eberſtadt, für die Unter=
ſtützung
der Beſtrebungen. Bürgermeiſter Dr. Uecker dankte namens
der Gemeinde der Arbeiterwohlfahrt für die gemeinnützige Einrichtung
einer derartigen Volksküche. Mit der Volksküche iſt ein Tagesaufent=
halts
= und Leſe=Raum verbunden, der von vormittags 10 Uhr bis nach=
mittags
6 Uhr geöffnet iſt. Nähnachmittage des Frauen=
vereins
. Der Evangeliſche Frauenverein hat beſchloſſen, in Zukunft
einen beſonderen Nähnachmittag einzurichten, der jeden Donnerstag=
nachmittag
von 2 bis 5 Uhr im Evangeliſchen Gemeindehaus, neben der
Kirche, ſtattfinden ſoll. Dort ſollen alte Kleider verarbeitet werden,
um damit hilfsbedürftige Perſonen bzw. Familien der Gemeinde zu
unterſtützen. Gaben werden dankbar entgegengenommen.
Groß=Zimmern, 27. Januar. Bei dem letzten Wintergewit=
ter
ſtürzte unter anderem eine im vorigen Jahre erſt neuerbaute
Trocken= und Lagerhalle auf dem Grundſtück der Odenwälder Ziegel=
werke
Dr. Anton u. Co. in Groß=Zimmern, anſcheinend von einem
Wirbel erfaßt, um. Der Materialſchaden iſt beträchtlich.
Cl. Ober=Finkenbach, 28. Jan. Bürgermeiſterwahl. Bei
der Bürgermeiſterwahl wurde Herr Adam Bartmann zum Bürger=
meiſter
gewählt. In Ober= und Unter=Finkenbach und Hinterbach er=
hielt
von den 290 Stimmberechtigten: Bartmann 125, Ihrig 133 und
der Beigeordnete Siefert, der auch kandidierte 11 Stimmen. Die Ge=
meinde
Raubach wählte allein. Von 52 Stimmberechtigten erhielt
Bartmann 42, Ihrig 3 und Siefert 1 Stimme. Somit iſt Bartmann mit
167 Stimmen zum Bürgermeiſter der drei Gemeinden gewählt.
W. Heppenheim a. b. B., B8. Jan. Politiſcher Ueberfall?
Als der hieſige Kreisleiter der N. S.A.Partei dieſer Tage mit dem
Nachtzug, der um 0.30 Uhr hier ankommt, von einer kleinen Reiſe zu=
rückkehrte
, verſetzte man ihm, als er das Gartentor zu ſeiner Wohnung
aufſchloß, von hinten unvermittelt einen ſchweren Schlag über den Kopf.
Der Verletzte brach ſofort zuſammen, nach etwa einer halben Stunde
konnte er ſich unter Aufbietung aller Kräfte in das Lokal Zum golde=
nen
Stern ſchleppen. Der ſofort herbeigerufene Arzt ſtellte Gehirn=
erſchütterung
ſowie mehrere Verletzungen an der Stirn feſt. Außer=
dem
hat man dem Ueberfallenen einen Stich in den linken Oberarm bei=
gebracht
ſowie mehrere Fußtritte verſetzt. Da der Koffer des Kreis=
leiters
unberührt am Tatort zurückblieb, glaubt man, daß es ſich um
einen politiſchen Ueberfall handelt. Man iſt eifrig auf der Suche nach
den Tätern, jedoch fehlt bis jetzt jegliche Spur. Kirchenchor St.
Petrus. Der Familienabend des katholiſchen Kirchenchors St. Petrus
war ſehr gut beſucht. Nach begrüßenden Worten durch den Präſidenten
des Kirchenchores konnte einem Mitglied, wie es ſeit dem 25jährigen
Stiftungsfeſt Sitte iſt, ein Gedenkblatt für 25jährige Mitgliedſchaft
überreicht werden. Männerchöre, Sololieder=Vorträge ſowie Muſikſtücke
der Kapelle Luber umrahmten die verſchiedenen gehaltenen Reden und
ein Theaterſtück mit Geſang In Krähwinkel anno dazumal.
Gernsheim, B8. Jan. Waſſerſtand des Rheins am
27. Januar: 1,99 Meter; am 28. Januar: 2,06 Meter.

* Kein Roſenmontagszug in Mainz. Oberbürgermeiſter Dr. Külb
hatte am Dienstag eine Beſprechung mit dem Präſidenten des Mainzer
Carneval=Vereins. Erörtert wurde die Frage, ob der Roſenmontagszug
dem Ernſt der Zeit entſprechend nicht fallen gelaſſen werden ſoll. Die
Bedenken waren ſo ſchwer, daß man beſchloß, von der Abhaltung eines
Roſenmontagszugs in dieſem Jahre abzüſehen. Die Vertreter des
Mainzer Carneval=Vereins wollen übereinkommen, was wohl im Inter=
eſſe
des Mainzer Karnevals, der Mainzer Wirtſchaft und des Fremden=
verkehrs
in dieſem Jahre als Erſatz für den ausgefallenen Zug geſchehen
könne.
* Schwurgericht. Zu unſerem geſtrigen Vorbericht über die Ver=
handlung
gegen den 55jährigen Landwirt und Witwer Jak. Baum=
garten
1. aus Nieder=Ingelheim wegen Totſchlags an ſeinem ver=
heirateten
Sohn, dem 29jährigen Landwirt Johann Baumgarten, iſt
noch folgendes zu berichten: Der Augenzeuge der Tat, der Schwiegerſohn
Bornheimer, verweigerte die Ausſage gegen ſeinen angeklagten Schwie=
gervater
. Die Beweisaufnahme ergab, daß zwiſchen Vater und Söh=
nen
, wie wir es in unſerem Vorbericht ſchon geſchildert haben, ein ſehr
ſchlechtes Verhältnis beſtand, weil der Vater noch einmal heiraten
wollte, und die Söhne dadurch ihr Erbe verlorengehen ſahen. Es
konnte dem Angeklagten nicht nachgewieſen werden, daß ſeine Behauy=
tung
, er habe in Notwehr gehandelt, nicht richtig war. Die ärztlichen
Gutachten ergaben, daß der Getötete durch eine Verletzung der großen
Schlagader an innerlicher Verblutung geſtorben iſt. Staatsanwalt
Dr. Jacob ſah ſich auf Grund der Beweisaufnahme genötigt, den
Antrag auf Freiſprechung des Angeklagten zu ſtellen. Nach kurzer
Beratung ſprach das Gericht den Angeklagten wegen Notwehr
frei.
Wafferſtandsnachrichten vom 28. Januar. Rhein: Hüningen
1,30; Kehl 2,96; Maxau 5.G; Mannheim 4 75; Mainz 2,47: Bingen
3,41; Caub 4,10; Köln 5,29 Meter. Main: Schweinfurt 2,62;
Würzburg 3,00; Lohr 3,32; Groß=Steinheim 3,18; Hanau 3,29; Koſt=
heim
Staatspegel 2,24, desgl. Waſſertiefe 4,30, desgl. Fahrtiefe 2.30
Meter.

Ah. Alzey, 28. Jan. Sängerauto verunglückt. Noch
gut abgegangen. Mitglieder des Alzeyer Gemiſchten Chors Lie=
dertafel
harten mit ihrem Chorleiter Herm. Hüther aus Mainz eine
Veranſtaltung in Wendelsheim beſucht. Als am Abend bei ſtarkem
Schneegeſtöber die Heimfahrt angetreten wurde, geriet das Auto zwiſchen
Erbes=Büdesheim und Alzey von der Fahrbahn ab und in den Straßen=
graben
, wobei es umſtürzte. Die Inſaſſen, etwa 35 junge Sänger, be=
freiten
ſich durch Einſchlagen der Fenſterſcheiben aus ihrer unerquick=
lichen
. Lage. Es gab bei mehreren Inſaſſen leichtere Verletzungen und
Hautabſchürfungen. Per pedes apoſtolorum mußte man den reſtlichen
Heimweg machen.

Aus den Parkeien.
Zum Landesparteitag der Deutſchen Volkspartei in Bad=Nauheim.
Anſchließend an die Sitzung des Landes=Frauenausſchuſſes fand im
Kaffee König eine öffentliche Frauenverſammlung ſtatt,
die aus allen Teilen Heſſens außerordentlich ſtark beſucht war. Nachdem
Frau Gabriel=Bau=Nauheim die Erſchienenen begrüßt hatte, ergriff
Frau Kloos=Darmſtadt, die Vorſitzende des Landes=Frauenausſchuſſes,
das Wort zu ihrem Referat: Politik und Alltag‟. Dieſe beiden Be=
griffe
ließen ſich heute nicht trennen. Greift, doch die Politik in das
Leben jedes einzelnen unter uns entſcheidend ein. Den Frauen iſt durch
das Wahlrecht und durch die ganze heutige Lebensführung eine Macht
in die Hand gegeben, die ſie zum Segen des Volkes ausüben müſſen.
Es gibt in der Geſchichte Perioden der Auflöſung und Perioden des
Glaubens. Wenn die heutige Zeit der Verwirrung und der Auflöſung
noch einmal umgewandelt werden kann, dann nur unter Mitarbeit der
Frauen, im Kampf gegen Schmutz und Schund, gegen Verrohung und
Würdeloſigkeit; als Helferin der Jugend und als Käuferin deutſcher
Waren. Ob wir ſchneller oder langſamer zum Ziele kommen, die Lei=
ſtung
wird das Entſcheidende ſein. Die Frauen ſind ebenſogut Deut=
ſche
wie deren Väter und Söhne. Dieſe Einheit trägt in ſich die Ver=
pflichtung
, gemeinſam zu arbeiten am Aufbau des Vaterlandes mit aller
Redlichkeit in zäher Arbeit und gläubigem Hoffen. Als zweite Red=
nerin
ſprach Frau M. Birnbaum, M.d.L., über die Stärkung des
Staatsgedankens. Sie gab einen kurzen geſchichtlichen Rückblick und
kam dann auf das Bismarckſche Reich, das wohl die Einheit gebracht
hatte, aber noch keine innere Einigkeit. Wir alle ſind der Staat, wir
alle müſſen uns zuſammenſchließen und alle Kräfte anſpannen, um die=
ſen
heutigen Staat wieder in die Höhe zu bringen. Der Wille zum
Staat muß jedem Einzelnen eingeimpft werden, um dieſes Ziel zu er=
reichen
. Die Deutſche Volkspartei hat die Syntheſe zwiſchen dem alten
und dem neuen Staat gefunden und fordert Glauben, Vertrauen, Hoffen
und Liebe von uns allen. Ich kenne nur ein Vaterland, und das heißt
Deutſchland. Die beiden Vorträge, die von tiefem Verſtändnis
und hoher vaterländiſcher Verantwortung getragen waren, wurden von
den Zuhörerinnen begeiſtert aufgenommen. Die große Beteiligung der
Frauen an dieſer Veranſtaltung wie an dem Parteitag überhaupt zeugte
von dem großen Intereſſe und Verſtändnis, die ſie den Gedankengängen
und Forderungen der Deutſchen Volkspartei entgegenbringen, und für
das Vertrauen, das ſie ihren Führern ſchenken.
Die Demokratiſche Vereinigung in Heſſen, hielt
am Dienstag ihre dritte, ſtark beſuchte Mitgliederverſammlung ab, in
der Landtagsabgeordneter Reiber eingehend über den heſſiſchen Staats=
voranſchlag
für 1931 berichtete. An das Referat ſchloß ſich eine lebhafte
Ausſprache, in der die Steuerprobleme vom Geſichtspunkte des Mittel=
ſtandes
erörtert wurden. In der nächſten Mitgliederverſammlung ſoll
das Erwerbsloſenproblem beſprochen werden.

Volkstümlicher Vortrag
MIF LICHTBILDERN UBER
Müide
schmerzende Füife
uumd ihr Einfluß
auf das
Allgemeinbefinden
URSACHEE / VORBEUGUNG /ABFHFE
Cehalten von Schwester Herta von der Supinstor-
Schule FrankhritM.
Montag, 2. Februnr
pünktlich abends 8 Uhr in der Aula des Real-
gymnastums
, Kirchstr. 22
EINTRITT FREII

Hein für ältere Ehepaare
und alleinſtehende Damen und Herren ge
bildeter Stände
Moosbergſtraße
Eröffnung nach Umbau am 1. April 1931.
Einzel= u. Doppelzimmer mit voller Pen=
ſion
in verſchiedenen Preislagen. Anmel=
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an Frau Prof. E. Kellner, Nieber=

zallweg 24. Telephon 4106.

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Leberwurst.
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1. Dose

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junge, 1 Dose.

und Bückvergütung

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Land in Ober=
heſſ
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v. 2000. gegen
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[ ][  ][ ]

Seite 8

Donnerstag, den 29. Januar 1931

Nummer 29

Nach der Kakaſtrophe.

Erſtes Bild von dem ſchweren Zugzuſammenſtoß bei Weſt=Philadelphia (U. S.A.).
Der verſpätete New YorkWaſhington=Expreß ſtieß mit einer rangierenden Lokomotive in voller
Wucht zuſammen. Die Maſchine ſtürzte aus den Geleiſen, mehrere Menſchen wurden verletzt.

Die herrlich eingerichtete Lurusjacht Mayflower,
die früher für Präſident Hoover beſtimmt war, brannte im Hafen von Philadelphia nieder und ſank.

Aus der Tierwelt des deutſchen Jägers.
Oben: Verkämpfte Rehböcke. Unten: Eber im Kampf. Rechts: Ein Rieſenelch,
das ſeltene Wild des deutſchen Oſtens.
Vom 31. Januar bis 8. Februar findet in Berlin die große Grüne Woche ſtatt, die einen Ueberblick
über alle Gebiete der Landwirtſchaft, der Jagd und der Viehzucht bietet.

Heic Altd Aubland.
Fernbeben.
Frankfurt a. M. Die Inſtrumente der
von Reinachſchen Erdbebenwarte auf dem Klei=
nen
Feldberg verzeichneten am 27. d. M. ein
Fernbeben. Der erſte Einſatz erfolgte um 21 Uhr
20 Minuten 30 Sekunden, der zweite Einſatz um
21 Uhr 29 Minuten 31 Sekunden. Das Maximum
war um 12,50 Uhr, das Ende gegen 1 Uhr des
28. Januar. Die Herdentfernung betrug 7500
Kilometer. Außerdem wurde ein nahes Beben
am 28. d. M. verzeichnet, deſſen erſter Einſatz
um 7 Uhr 0 Minuten 59 Sekunden erfolgte und
deſſen Herdentfernung 600 Kilometer betrug.
Detonation im Werk Höchſt der J. G.
Frankfurt a. M. Am Dienstag nach=
mittag
gegen drei Uhr hat ſich im Werk Höchſt
der J. G. Farben eine Exploſion ereignet, deren
heftiger Knall auch außerhalb des Werkes ge=
hört
wurde. Wie verlautet, war der Deckel eines
Transportgefäßes einer chemiſchen Flüſſigkeit
durch Ueberdruck aus noch unerklärlichen Grün=
den
etwa 300 Meter emporgeſchleudert worden.
In der Nähe des Exploſionsherdes fiel der
ſchwere Deckel nieder und durchſchlug das Dach
eines Schuppens. Perſonen ſind durch das Vor=
kommnis
nicht in Mitleidenſchaft gezogen wor=
den
. Bei der Exploſion hatten ſich Dämpfe ent=
wickelt
, die ſich teilweiſe in dichten Wolken nebel=
artig
über das jenſeitige Mainufer verbreiteten.
Stücke des Welfenſchatzes für 2 Millionen Mark
verkauft.
Frankfurt a. M. Der bekanntlich von
drei Frankfurter Kunſthändlern erworbene Wel=
fenſchatz
, der zunächſt in Frankfurt und dann in
Berlin zur Ausſtellung gelangte, iſt jetzt nach
Amerika übergeſiedelt, um in New York ausge=
ſtellt
zu werden. Ein Teil des berühmten Kunſt=
werks
hat dort bereits einen Käufer gefunden,
denn wie aus New York gemeldet wird, hat das
Städtiſche Kunſtmuſeum in Cleveland den Ger=
trudis
=Goldaltar und zwei weitere Stücke zum
Preiſe von einer halben Million Dollar gekauft.
Selbſttötung oder Mord?
Mannheim. Nachts wurde auf der Fahr=
lachſtraße
ein 23 Jahre alter Spengler von hier
beobachtet, wie er unter großer Anſtrengung ein
Mädchen auf den Armen fortzutragen verſuchte.
Zeugen gegenüber erklärte der junge Mann, daß
ſich ſeine Geliebte, ein 19jähriges Mädchen aus
der Fahrlachſtraße hier, nach vorausgegangenem
Streit mit einer ihm gehörigen Selbſtladepiſtole
einen Schuß in den Kopf beigebracht habe. Der
herbeigerufene Arzt konnte nur noch den Tod
des Mädchens feſtſtellen. Berechtigt Zweifel
über den Hergang der Tat gaben Velanlaſſung,
den jungen Mann vorläufig feſtzunehmen und in
das Bezirksgefängnis einzuliefern.
Beginn des Mordprozeſſes Ullbrich.
Berlin. Mittwoch vormittag begann im
Kriminalgericht unter Vorſitz des Landgerichts=
direktors
Schmitz die Schwurgerichtsverhandlung
gegen den 22jährigen Richard Stolpe, den 21jähr.
Erich Benziger und die 16jähr. Luiſe Neumann,
die ſich wegen gemeinſchaftlichen Mordes an dem
Urmacher Ullbrich und wegen gemeinſchaftlichen
Diebſtahls zu verantworten haben.
Nobiles Reiter ködlich abgeftürzt.

Hauptmann Einar Lundborg.

Auf der Hochzeitsreiſe vom Tode ereilt.
Ba. Wiesbaden. Als das Ehepaar Zils,
das in Wiesbaden=Sonnenberg zu Beſuch weilte,
nicht zum Frühſtück aus ſeinem Zimmer kam,
wurden die Verwandten beunruhigt. Man ließ
die Tür aufbrechen und fand den 32 Jahre alten
Bäckermeiſter Nikolaus Zils aus Trier in der
Badewanne liegend tot auf. Seine 35jährige
Frau Eliſe lag bewußtlos auf dem Boden des
Badezimmers. Das Ehepaar befand ſich auf der
Hochzeitsreiſe. Nachdem Frau Zils im Kranken=
haus
aus ihrer tiefen Ohnmacht erwacht war,
gab ſie an, daß ihrem Mann, der an einem Herz=
fehler
gelitten habe, plötzlich beim Baden ſchlecht
geworden ſei. Bis Frau Zils, die kurz vor ihrer
Entbindung ſteht, ihrem Mann zu Hilfe eilen
wollte, glitt ſie auf den Flieſen des Raums aus
und ſtürzte ſo unglücklich, daß ſie das Bewußtſein
verlor. Herr Zils ſank ins Waſſer zurück und
fand ſo ſeinen Tod.
Elly Beinhorn in Dakar.
Berlin. Am Dienstag ſetzte Elly Beinhorn
ihren Weiterflug über St. Louis nach Dakar
fort. Sie durchflog die etwa 600 Kilometer lange
Strecke in knapp 4 Stunden, obwohl ſie unter=
wegs
wiederum einem Sandſturm ausweichen
mußte.
15 000 Mark in einer halben Stunde.
Berlin. Nur eine halbe Stunde ſtand Ein=
brechern
zur Verfügung, die am Dienstag abend
gegen 7 Uhr in eine unbewachte Wohnung in der
Kulmbacherſtraße im Weſten Berlins eindrangen.
Die Hausangeſtellte war gerade fortgegangen,
um noch vor Geſchäftsſchluß einige Beſorgungen
zu machen. Als ſie zurückkehrte, fand ſie die Tür
mit einem Nachſchlüſſel geöffnet und alles durch=
ſucht
. Hauptſächlich wurde Schmuck geſtohlen,
darunter eine Platinkette mit einem Anhänger,
den ein Amethyſt von 81 Karat ziert, ferner
mehrere Ringe mit großen Brillanten und Aehn=
liches
, alles zuſammen für 15 000 Mark.
Frecher Poſtraub bei Oppeln.
Oppeln. Dienstag abend wurde zwiſchen
Slawitz und Halbendorf ein auf der Rückfahrt
nach Oppeln befindliches Poſtauto von drei be=
waffneten
Räubern überfallen. Die Räuber
zwangen den Führer, das Auto in ein abgelege=
nes
Wäldchen zu fahren. Darauf feſſelten ſie
den Führer und zwei Fahrgäſte und beraubten
alle Poſtſäcke. Die Räuber ſind entkommen.

Schweres Lawinenunglück.
13 italieniſche Alpenjäger
verſchüttet.
Paris. Von einem ſchweren Verluſt wurde
eine Kompagnie italieniſcher Alpenjäger betrof=
fen
, die zu einer militäriſchen Uebung von Bar=
donecchia
im Norden der cottiſchen Alpen un=
weit
des Monte Tabor, etwa 80 Kilometer weſt=
lich
von Turin, aus in die Alpen aufgeſtiegen
waren, als die zurückgebliebenen Truppen ohne
Nachricht über den Verbleib ihrer Kameraden
waren, ſchickten ſie eine Hilfskolonne von zwölf
Mann unter Führung eines Hauptmauns aus.
In einer Höhe von über 2000 Meter wurden
die Hilfstruppen, von einer ſchweren Lawine
überraſcht und verſchüttet. Neue Hilfstruppen er=
reichten
die Unglücksſtelle und es gelang ihnen,
den Hauptmann und zwei Soldaten als Leichen
zu bergen. Bis zu den übrigen zehn unter den
Schneemaſſen begrabenen Soldaten vorzudringen,
war noch nicht möglich. Die Kompagnie Alpen=
jäger
iſt am Dienstag vollkommen ermattet wie=
der
in Bardonecchia eingetroffen. Der Kompag=
nieführer
erklärte, daß ihnen ungeheure Schnee=
maſſen
den Rückzug verſperrt hätten, und daß
ſie, ohne es zu wiſſen, auf franzöſiſches Gebiet
übergetreten ſeien, wo ſie das Ende der Schnee=
ſtürme
abgewartet hätten, um alsdann die Rück=
kehr
anzutreten. Franzöſiſcherſeits wurde eben=
falls
eine Hilfskolonne ausgeſandt, die jedoch
nicht mehr einzugreifen brauchte.
Nach den letzten Meldungen ſind bei dem
Lawinenunglück an der franzöſiſch=italieniſchen
Grenze 21 Mann, Angehörige des 3. Alpini=
regiments
nämlich 3 Offiziere, 2 Unteroffiziere
und 16 Mann, verſchüttet worden. Das Unglück,
von dem die italieniſchen Gebirgstruppen betrof=
fen
wurden, macht im ganzen Lande tiefen Ein=
druck
. Die zahlreichen Lawinen der letzten
Tage wurden durch Tauwetter verurſacht.
Ausbreitung der Grippe in Griechenland.
Schulen und Theater werden
geſchloſſen.
Athen. Die Grippeepidemie in Griechen=
land
dehnt ſich weiter aus und nimmt einen be=
unruhigenden
Charakter an. Die Regierung hat
angeordnet, daß alle Schulen, Theater und Kinos
auf zehn Tage geſchloſſen bleiben. In der glei=
chen
Zeit ſind auch alle öffentlichen Verſamm=
lungen
verboten. Vier Miniſter liegen krank
darnieder, darunter auch der Miniſterpräſident
Veniſelos, deſſen Zuſtand jedoch nicht beſorgnis=
erregend
iſt.

Der Münchener Goldmacherprozeß.
München. Im Prozeß gegen Tauſend wurde
geſtern der Kaufmann Franz v. Rebay vernom=
men
. Er war durch Rienhardt bei Ludendorff
eingeführt worden, der ihm Gold zeigte und ihm
Schweigepflicht auferlegte, wobei er bemerkte,
daß es ſich um eine wichtige Sache handele; er
wiſſe noch nicht, was daran ſei, die Erfindung
müſſe erſt ausgearbeitet werden, er wolle aber
keine Verantwortung auf ſich nehmen. Luden=
dorff
beauftragte dann den Zeugen mit der Prü=
fung
der Erfindung, worauf v. Rebay einige
Zeit in Gilching arbeitete. Eigene Verſuche, die
er hier veranſtaltete, waren negativ verlaufen.
Er habe damals noch nicht die notwendige
Uebung gehabt. Er habe der Sache zunächſt ſkep=
tiſch
gegenübergeſtanden, da Ludendorff ihm ge=
ſagt
habe, er ſolle Augen und Ohren offenhalten.
Die Verhältniſſe bei Tauſends chemiſcher Stu=
diengeſellſchaft
ſeien wenig erbaulich geweſen.
Die Buchführung war mangelhaft, und unter den
Mitarbeitern herrſchte gegenſeitige Eiferſucht, ſo
daß man in der Arbeit nicht vorwärts kam.
Im weiteren Verlauf des Prozeſſes wurden
zwei ſachverſtändige Zeugen vernommen, nämlich
Geheimrat Profeſſor Dr. Förſter von der Tech=
niſchen
Hochſchule Dresden und Geh. Rat Prof.
Hofmann, Vorſtand des Chemiſchen Laborato=
riums
Charlottenburg=Berlin. Förſter bekundete,
daß Tauſend bei einem Verſuch, zu dem er ſich.
in Dresden gedrängt habe, nichts als törichtes
Zeug vorgebracht habe. Er ſei empört geweſen,
daß Tauſend glaubte, daß er als Wiſſenſchaftler
für ſolches törichtes Zeug ſeine Zeit verſchwenden
könne. Profeſſor Hofmann ſagte aus, auf Grund
der ihm gegebenen Beſchreibung der Verſuche
durch Tauſend habe er zunächſt an eine gewiſſe
Möglichkeit gedacht, daß durch die angewandte
Vorbehandlung eine gewiſſe Ausbringung des im
Blei ſtets vorhandenen Goldes begünſtigt wer=
den
könnte. Die dann vorgenommenen Verſuche
ergaben aber ein völlig negatives Reſultat. Die
Neugewinnung von Gold ſei nach dem von Tau=
ſend
angewandten Verfahren durchaus unmög=
lich
. Es wäre ſogar die Ausbringung des im
Blei vorhandenen Goldes gegenüber den anderen
Verfahren nicht nur nicht gebeſſert, ſondern im
Gegenteil durch teilweiſe Neuzugabe von Gold
die Ausbringung ſogar noch vermindert.
Entgegen ſeiner ſonſtigen Uebung ſtellte Tau=
ſend
nach dieſen Sachverſtändigenausſagen keine
Fragen an die Zeugen.
Der Leichnam Anna Pawlowas nach London
übergeführt.
London. Die Leiche der ruſſiſchen Tänze=
rin
Anna Pawlowa wurde geſtern nach London
übergeführt. Sie iſt in einer ruſſiſch=orthodoxen
Kirche im weſtlichen London öffentlich aufge=
bahrt
worden. Die Beiſetzung erfolgt heute
nachmittag in Golders Green, wo die Tänzerin
ſeit Jahren ihren Wohnſitz hatte.
Porkugieſiſcher Admiral als Teilnehmer
des 90.1-Südamerikafluges.

Admiral Gago Coutinho,
der 1922 die erſte Luftüberquerung des Süd=
atlantik
mitmachte, iſt jetzt von den Dornier=
werken
eingeladen worden, am LiſſabonRio
de Janeiro=Flug des Do. K teilzunehmen. Ad=
miral
Coutinho, der als hervorragender Flug=
fachmann
gilt, hat ſeine Teilnahme zugeſagt.

[ ][  ][ ]

Nummer 29

Donnerstag, den 29. Januar 1931

Seite 9

8O8I 8O81 So8.

Sicherheik auf Ozeandampfern.
Von Fritz Löwe.
Bei einem modernen Ozeandampfer kommt es nicht nur auf
komfortable Ausgeſtaltung der Kabinen und Geſellſchaftsräume,
auf Schnelligkeit, ſondern in hohem Grade auf unbedingte
Sicherheit an.
Vor kurzem wurde in den Kinos des Kontinents ein großer
Seefahrtsfilm gezeigt, der in raffiniert ſchrecklichen Einzelheiten
den Untergang eines Ozeandampfers ſchilderte. Fraglos iſt hier=
durch
eine gewiſſe Beunruhigung in die Oeffentlichkeit getragen
worden. Nicht jedoch in England, wo dieſer Film als völlig
veraltet abgelehnt wurde. Und das mit Recht. Derartige Käta=
ſtrophen
waren wohl noch vor 20 Jahren, zurzeit der Titanic
denkbar, ſind aber heutzutage bei den großen Fortſchritten der
Technik des Schiffsbaues nach dem Urteil Sachverſtändiger un=
denkbar
. Selbſt bei dem Untergang eines Schiffes ſind Menſchen=
verluſte
, wenigſtens in derartigem Ausmaße, wie dies in
früherer Zeit der Fall war, unmöglich. Um ein Beiſpiel zu
nennen: Als der Paſſagierdampfer Monte Cervante im vori=
gen
Jahre an einſamer Küſte ſcheiterte, ging von den an Bord
befindlichen 100 Menſchenleben auch nicht ein einziges ver=
loren
.
Im Zeitalter der Technik hat ſelbſt der drahtloſe Hilferuf
S-O=S viel von ſeinen früheren Schrecken verloren. Gerade
dieſem Rufe iſt es zu danken, wenn die moderne Seeſchiffahrt
immer weniger von Menſchenleben fordernden Unfällen betrof=
fen
und der Gewalt der Elemente ein Halt geboten wird.
Die Sicherheitseinrichtungen auf den deutſchen Seeſchiffen
ſind durch ihren Bau, den techniſchen Hochſtand ihrer nadigatori=
ſchen
Hilfsmittel und der eiſernen Diſziplin ihrer Beſatzungen
derart vollendet, daß ſie den größtmöglichſten Schutz gegen alle
Gefahren kieten. Iſt doch in den modernen großen Schiffen, die
den Ozean befahren, alles vereint, was die Kunſt des Schiffs=
bauers
in einem Jahrhundert an Erfahrungen geſammelt bat.
Mit Sicherheitsmaßnahmen zum Schutze des menſchlichen
Lebens auf See beſchäftigen ſich während gemeinſamer Tagungen
internationalen Charakters von Zeit zu Zeit Schiffsbauer, In=
genieure
und Techniker, Reeder und Seeleute aus aller Herren
Länder. Durch dieſe Konferenzen wird ſchon rein äußerlich be=
tont
, daß die Sicherheitsfrage und im Zuſammenhang mit ihr
die Beſtrebungen, beſtimmte Einrichtungen eines Ueberſee=
ſchiffes
ſtändig zu verbeſſern, niemals aus dem Mittelpunkt der
internationalen Erörterungen über den Schiffsbau und Schiffs=
betrieb
verſchwindet. Alle Seeſchiffe werden unter behördlicher
Aufſicht nach ganz beſtimmten Vorſchriften erbaut, um ſo den
Sicherheitsbedingungen in vollem Umfange zu entſprechen. Für
den deutſchen Schiffsbau wird die Ueberwachung in erſter Linie
durch die Seeberufsgenoſſenſchaft und den Germaniſchen Lloyd
für Paſſagierdampfer, außerdem durch den Reichskommiſſar
ausgeübt. Deutſchlands größte Schiffe, die Schnelldampfer des
Norddeutſchen Lloyd und der Hamburg=Amerika=Linie, haben
Sicherheitseinrichtungen aufzuweiſen, die weit über das Maß
deſſen hinausgehen, was durch die internationälen Vereinbarun=
gen
als mindeſtens erreichbar feſtgeſetzt worden iſt.
Der geſamte Schiffskörper iſt in ſeiner Längsrichtung durch
eine Anzahl von Schotten in viele waſſerdichte Abteilungen zer=
legt
worden. Hierdurch wird bezweckt, im Falle der Verletzung
der Außenhaut des Schiffes und dadurch hervorgerufenes Ein=
dringen
von Waſſer, in das Innere des Schiffskörpers, die
Schwimmfähigkeit des Dampfers zu erhalten. Alle Schottenab=
teilungen
können, nachdem zuvor durch eine Alarmvorrichtung

Warnungsſignale abgegeben worden ſind, innerhalb von 3540
Sekunden durch einen einfachen Hebelzug von der Brücke aus
hydrauliſch geſchloſſen werden. Die Schwimmfähigkeit iſt danach
berechnet, daß ſelbſt im Falle des Vollaufens von zwei benach=
barten
waſſerdichten Abteilungen das Schiff nicht untergehen
kann.
Dieſe Anordnung hat neben gewiſſen Einrichtungsgrund=
lagen
den großen Vorteil, daß ſelbſt im Falle einer ſchweren
Kolliſion im mittleren Teil des Schiffes die eine der beiden
Keſſelhauptgruppen ſtets intakt bleiben wird, d. h. alſo, daß das
Schiff in einem ſolchen Fall ſeine Fahrt mit eigenem Dampf
ſelbſtändig und ſogar noch mit einer ziemlich erheblichen Ge=
ſchwindigkeit
fortſetzen kann. Trotz dieſer ſich ſchon aus der Auf=
teilung
des Schiffskörpers ergebenden Sicherheitsfaktoren ſtehen
noch leiſtungsfähige Pumpen zur Verfügung, die in der Lage
ſind, in kurzer Zeit ungeheure Quanten Waſſer aus den gefähr=
deten
Räumen zu pumpen.
Auch die Rettungseinrichtungen ſind auf das modernſte
durchgeführt. Für jeden Paſſagier und jeden Mann der Be=
ſatzung
iſt ein Platz in einem Rettungsboot vorgeſehen. Die
Rettungsboote ſind durch eingebaute Luftkäſten unſinkbar gemacht
und enthalten Dauerproviant und Trinkwaſſer. Zur vorgeſchrie=
benen
Ausrüſtung gehören außer Rudergabeln, Riemen, Steuer=
und Bootshaken noch Kompaß, Treibanker, Oel, Signalfeuer
ſowie Maſt und Segel. Auf den großen Paſſagierdampfern be=
finden
ſich außer der großen Zahl der Rettungsboote noch eine
Anzahl von Motorbooten, die die übrigen im Notfall zu ſchleppen
haben. Dieſe Motorboote ſind, den Anforderungen der Neuzeit
entſprechend, mit drahtloſer Telegraphie und Scheinwerfern aus=
gerüſtet
. Sie können alſo auch im äußerſten Notfall in funken=
telegraphiſcher
Verbindung mit zu Hilfe eilenden Schiffen blei=
ben
. Die eingebauten Zeiß=Scheinwerfer können beſonders in
der Nacht durch Abgabe von Lichtſignalen gute Dienſte leiſten.
Eine weitere Vervollkommnung bedeutet die überſichtliche An=
ordnung
der Rettungsboote und ihre Aufſtellung unter Welin=
Maclachman=Davits ſowie deren Bedienung. Sie bietet die Ge=
währ
dafür, daß die Boote, ſobald ſie beſetzt ſind, innerhalb einer
Minute zu Waſſer gelaſſen werden können. Außenbords ange=
brachte
Gleitkufen ermöglichen zudem ſtets das Abgleiten der
Boote in waagrechter Lage, ſelbſt dann, wenn der Dampfer
Schlagſeite haben ſollte.
In entſprechender Zahl und leicht auffindbar ſind Schwimm=
weſten
vorhanden. Jeder Paſſagier empfängt beim Anbordgehen
die Information, wo er ſie findet. Die Schiffsmannſchaft wird im
Hafen und auf See regelmäßig in der Bedienung der Boote und
ihrer Ausſetzvorrichtungen geübt. Gute Beleuchtung während der
Nacht ſorgt für reibungsloſes Ausſetzen.
Wie zum Kampf gegen den Waſſereinbruch ſind die modernen
Ozeandampfer auch zur Bekämpfung von Feuersgefahr durch vor=
bildliche
Einrichtungen gerüſtet.
Um ein im Schiff ausgebrochenes Feuer räumlich begrenzen
zu können, iſt der Dampfer oberhalb des Schottendecks durch von
Bordwand zu Bordwand durchgehende Feuerſchotten unterteilt
worden.
Das wichtigſte unter den an Bord befindlichen Feuerlöſch=
mitteln
iſt die überaus wirkſame Kohlenſäure=Feuerlöſchanlage.
Durch ein weitverzweigtes Röhrennetz ſtrömt die Kohlenſäure in
die gefährdeten Räume.
Eine Löſchleitung mit Hunderten von Hydranten= Schlauch=
kapſeln
, Schläuchen und Stahlrohren durchzieht alle Teile des
Schiffes, ſo daß ſie an jedem Ort in Tätigkeit treten kann. Auch
ſind eine große Anzahl chemiſcher Feuerlöſcher anerkannter Syſteme
in den verſchiedenen Räumen zum ſofortigen Gebrauch bereit.

Zur Sicherung des Schiffsbetriebes iſt der Ausbildung des
Steuerapparates die größte Aufmerkſamkeit geſchenkt. Eine Re=
ſerveſteuereinrichtung
iſt vorgeſehen. Auch kann mit Hilfe von
Spillen und Winden geſteuert werden, falls Ruder= und Reſerve=
rudermaſchinen
verſagen ſollten. Bei der geſamten Maſchinenanlage
iſt darauf Bedacht genommen, durch Schaffung von Reſerven den
Maſchinenbetrieb auf alle Fälle ſicherzuſtellen.
Der Schiffsführung ſteht eine Fülle von Hilfsmitteln zur Ver=
fügung
. Der Kapitän iſt nicht mehr auf den Magnetkompaß an=
gewieſen
. Wiſſenſchaft und Technik ſchufen den Kreiſelkompaß, der
mit großer Präziſion die geringſte Kursſchwankung anzeigt. Iſt
infolge unſichtigen Wetters die Orientierung unſicher, ſo gibt der
Unterwaſſerhörapparat einen guten Erſatz für die fehlende Sicht.
Der Funkpeilapparat dient zur Feſtſtellung des Schiffsortes und
zur Auffindung eines in Not befindlichen Schiffes, das den inter=
nationalen
Notruf S=O=S meldet.
Eine der wichtigſten Stellen für die Sicherheit des Schiffes
und der Paſſagiere iſt der Raum der drahtloſen Telegraphie. Von
hier führen die Drähte hinauf zu den zwiſchen den Maſten aufge=
ſpannten
Antennen, von wo aus die elektriſchen Funken die Ver=
bindung
mit der Welt aufrechterhalten.
Dieſe Station iſt mit Berückſichtigung aller in Betracht kom=
menden
Fortſchritte, mit den neueſten Erzeugniſſen der Elektro=
technik
, den modernſten Apparaten für drahtloſe Nachrichtenüber=
mittlung
ausgerüſtet. Der Sender des großen Ozeandampfers iſt
eine ſeiner wichtigſten Einrichtungen geworden. Die Bordfunk=
ſtation
iſt Tag und Nacht in Betrieb. Erprobte Funkoffiziere, der
ſchweren Verantwortung, die auf ihnen ruht, voll und ganz be=
wußt
, löſen ſich in dem anſtrengenden Dienſt ab. Laufen doch fort=
geſetzt
von den einzelnen Küſtenfunkſtellen und den Bordſtationen
vorbeifahrender Schiffe Wetterberichte, Sturmwarnungen, Mel=
dungen
über geſichtete Wracks, Eisberge, über plötzliche Verände=
rungen
im Fahrwaſſer ein, deren genaue Kenntnis für eine ſichere
Navigierung des Schiffes unbedingt erforderlich iſt. Die Bord=
Funktelegraphie hat bereits unendlichen Segen geſtiftet. Unge=
zählte
Menſchenleben und Werte an Schiffen und Gütern ſind
durch drahtlos herbeigerufene Hilfe gerettet worden. Durch die
Funktelegraphie iſt es möglich, andere Schiffe drahtlos um Ret=
tung
angerufen oder Hilfe zu bringen. In tiefer Nacht, wenn die
Paſſagiere in den weichen Betten ihrer Kabinen ruhen, ſitzt der
Funkbeamte vor den Apparaten. Keinen Augenblick darf er ſeine
Aufmerkſamkeit ablenken laſſen. Kann er doch nie wiſſen, ob
nicht plötzlich das verhängnisvolle Signal S=O=S, der Hilferuf
eines in Gefahr befindlichen Schiffes, an ſein Ohr dringt.
Die Funkortung, das iſt die Möglichkeit, auf hoher See durch
funktelegraphiſche Richtungsbeſtimmung (Peilung) ſeinen Schiffs=
ort
feſtlegen zu können, iſt für die Sicherheit des Schiffes und
ſeiner Paſſagiere von höchſter Bedeutung. Wenn es bei ſtarkem
Nebel der Schiffsführung unmöglich iſt, ſich auf See nach Geſtirns=
höhen
, in Sicht von Land nach Peilungen von Leuchtfeuern zu
orientieren, ſo ſetzt helfend und rettend die Funkpeilung ein. So
triumphiert die hochentwickelte moderne Elektrotechnik über die
übermächtigen Naturgewalten. Mit hochragenden Antennen hat
ſie ihren Siegeszug angetreten. Funkwellen durchbrauſen den
Aether. Zwiſchen weitentfernten Räumen bauen ſich klingende
Brücken.
Der Eindruck der Welt von Maſchinen, Keſſeln und Motoren,
dieſer Sicherheitsmaßnahmen, zu der ſich alle Fortſchritte moder=
ner
Technik vereint haben, der Schar von pflichtgetreuen Männern
war einer der ſtärkſten, den ich von meiner Fahrt mit heimnahm.
Dieſes Bild emſigen Fleißes, treueſter Pflichterfüllung hatte ich
vor Augen, als ich, auf ſonnigem Deck ſtehend, der Männer ge=
dachte
, die auf der Brücke und in der Tiefe des Schiffes für uns
wachen.
Kennen Sie, wie alle an Bord, doch nur ein gemeinſames
Ziel, das Wohl des ihnen anvertrauten Schiffes, die Sicherheit
der Paſſagiere und das Hochhalten des Anſehens der Flagge ihrer
Linie.

Statt Karten
Clara Levi
Heinrich Grünebaum
Verlobte
Vilbel
Griesheim b. D.
Januar 1931.

Für die vielen Glückwünſche,
Geſchenke u. Blumenſpenden zu
meinem 70. Geburtstage danfe
ich recht herzlich, ebenfalls dem
Geſangverein Sängerluſt und
ſeinem Dirigenten.
9 Conrad
Roßdorf b. D.

252o Rabatt
auf einen Poſfen
Kinderw gen
Ueber 200Stückam
Lager nur bei
B. Orig
Karlsſtraße 14/16.
(25½a)

Lodes=Anzeige.
Verwandten Freunden und Bekannten die
traurige Nachricht, daß heute Nacht plötzlich und
unerwartet mein innigſtgeliebter Mann, der tieu=
ſorgende
Vater ſeiner Kinder, unſer guter Sohn,
Bruder, Schwager und Onkel
Herr
Ludwig Schnebeſe
Friſeurmeiſter
nach langem, ſchweren Leiden ſanft entſchlafen iſt.
In tiefem Schmerz:
Frau Auguſie Schnebele
und Kinder.
Darmſtadt, den 28. Januar 1931.
Die Beerdigung findet Freitag, den 30. Januar,
nachmittags /,3 Uhr, von der Kapelle des alten
Friedhofes an der Nieder=Namſtädterſtraße aus ſtatt.

Todes=Anzeige.
Wir geſtatten uns, unſere Mitglieder von dem Ab=
leben
des Kollegen
Heinrich Schnebele
geziemend in Kenntnis zu ſetzen.
Die Beerdigung findet am Freitag, den 30. Januar
1931, nachmittags ½3 Uhr, vom Portale des alten
Friedhofs (Nieder=Ramſtädterſtraße) aus ſtatt.
Wir erſuchen um zahlreiche Teilnahme. (1809
Der Borſtand der
Friſeur. u. Berückenmacher=Zwangs Innung

Todes=Anzeige.
Hiermit die traurige Mitteilung, daß meine innigſt=
geliebte
Frau, unſere liebe Mutter und Großmutter
Hau einfabeig eit
geb. Hotz
heute Nacht nach längerem Leiden ganz in dem
Herrn entſchlafen iſt.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Philipp Götz, Bäckermeiſter
Friedrich Schneider nebſt Frau
und Kinder.
Handbach i. O., den 28, Januar 1931. (1762
Die Beerdigung findet Freitag, den 30. Januar,
nachmittags 2 Uhr ſtatt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Anteil=
nahme
beim Ableben unſerer lieben EEnt=
ſchlafenen
ſagt innigſten Dank
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Seite 10

Donnerstag, den 29. Januar 1931

Nummer 29

Spotf Splet
Am die Süddeutſche Handball=
Meiſterſchaft.
5.B. Darmſtadt 1898 5. J. Mannheim=Waldhof.
Die Fortſetzung der Endſpiele um die Süddeutſche Meiſterſchaft
bringt am kommenden Sonntag die Begegnung unſerer einheimiſchen
Meiſterelf mit dem Meiſter der Gruppe Rhein. Dem Auftreten der
Waldhöfer auf dem Stadion ſieht man mit großem Intereſſe entgegen.
Genau ſo wie der Saarmeiſter iſt auch der diesjährige Rheinmeiſter in
dieſem Jahre zum erſten Male zu Meiſterehren gekommen. Dabei dürf=
ten
es die Waldhöfer noch viel ſchwerer als Weſtmark Trier gehabt
haben, ſich in den Gruppenſpielen durchzuſetzen. Die Spielſtärke eines
V.f.R. Mannheim, Pfalz Ludwigshafen und Mannheim 08 weiß man
in Darmſtadt richtig einzuſchätzen. Daß es trotzdem der jungen Wald=
hof
=Elf gelang, die Tabellenſpitze ſich zu ſichern, ſtellt ihr das beſte
Zeugnis aus. Welches Können in der Mannſchaft ſteckt, beweiſt wohl
am beſten das Reſultat des Rückſpieles gegen V.f.R. Mannheim, das
mit 11:4 zugunſten der Waldhöfer ausfiel, alſo einen Sieg in einem
Ausmaße zeitigte, wie ihn die 98er in den letzten Jahren nie gegen den
gleichen Gegner erzielen konnten. Es war hiernach auch keine Ueber=
raſchung
, daß die Waldhöfer bei ihrem erſten Eingreifen in die Süd=
deutſchen
=Endſpiele am letzten Sonntag im Spiel gegen den Polizei=
ſportverein
Darmſtadt auf deſſen Platz nur eine ganz knappe
Niederlage (2:3) hinnehmen mußten.
Gerade nach dieſem ehrenvollen Beſtehen gegen den großen Lokal=
ribalen
der 98er wird es von Intereſſe ſein, zu ſehen, wie der Rhein=
meiſter
gegen die Sportvereinler abſchneidet. Dieſe ſind ja durch das
Reſultat des vorigen Sonntags gewarnt und werden demgemäß die
Schwere des bevorſtehenden Treffens richtig einzuſchätzen wiſſen. Den
Darmſtädtern wird dabei zugute kommen, daß Werner und Henne=
mann
wieder mit von der Partie ſind, ſo daß zuſammen mit Feick,
Freund und Fiedler wieder ein durchſchlagkräftiges Angriffs=
quintett
zur Verfügung ſteht. Die Läuferreihe muß allerdings auf die
Mitwirkung von Jäger verzichten, deſſen im Spiel gegen Trier erlit=
tene
Verletzung ſo ſchwerer Natur iſt, daß die 98er für die nächſten
Monate auf die Dienſte dieſes bewährten Außenläufers, der voraus=
ſichtlich
durch Dittmar erſetzt ſein wird, verzichten müſſen.
der Spielbeginn iſt auf halb 3 Uhr feſtgeſetzt.
Polizeiſporkverein Darmſtadt.
Kommenden Sonntag wartet der Polizei=Sportverein hier mit zwei
intereſſanten Spielen auf. Um 2 Uhr treffen ſich im Spiel um die Be=
zirksmeiſterſchaft
die Damenhandballmannſchaften des Polizei=
Sportvereins und der Wormatia Worms. Das Vorſpiel in
Worms konnten die Polizeidamen, zu ihren Gunſten entſcheiden und
werden auch hoffentlich in dieſem Spiel den Sieg davontragen.
Anſchließend kämpfen die Fußballmannſchaften
Polizei Darmſtadt FC. 03 Egelsbach
um die beiden wertvollen Punkte, die deshalb ſo wertvoll ſind, da die
hierdurch ihren zweiten Tabellenplatz ſichern kann.
Handball=Liga fährt nach Trier zum dritten Vor=
nſpiel
um die Weſtgruppenmeiſterſchaft. Die Weſtmarkmannſchaft
wird alles verſuchen, auf eigenem Platze die Handballhochburg
armſtadt zu ſchlagen. Aber die Polizei wird in ihrer jetzigen Ver=
ing
wohl kaum zu einer Niederlage zu zwingen ſein.
Die 2. Handballmannſchaft ſpielt in Lampertheim gegen den To
Lampertheim. Abfahrt 11,54 Uhr. Die zweite Jugend hat in Arheil=
gen
gegen die erſte Jugend Arheilgen zu beſtehen.
Waſſerball.
Rotweiß Darmſtadt Delphin Frankfurt 10:2.
Uebung macht den Meiſter! Rotweiß ſcheint nach und nach auch im
Waſſerballſpiel aufzutauen. Bei dem geſtrigen Spiel gegen Delphin
Frankfurt zeigten die Darurſtädter ganz annehmbare Leiſtungen, die zu
Hoffnungen berechtigen. Die Tore fielen ſo zwangsläufig, ohne ſchein=
bare
Anſtrengung, daß man ohne Zweifel von einem Fortſchritt ſpre=
chen
darf. Delphin iſt zwar eine A=Klaſſenmannſchaft, aber durch ihre
Härte und ihren Eifer zwingen ſie doch den beſſeren Gegner, Farbe zu
hekennen und das Beſte herauszugeben. Rotweiß hätte durch größere
Uneigennützigkeit des Sturmes und durch genaueres Zufpiel der Ver=
teidigung
noch höher gewinnen können. Schiedsrichter Leherzapf konnte
heute weit beſſer gefallen.

und" Tarnen.

Fußball.
SpBg. 04 Arheilgen Haſſia Dieburg.
Mit obigem Spiel ſteigt das erſte Treffen zwiſchen beiden Vereinen.
Das Vorſpiel mußte wegen der Platzverhältniſſe in Dieburg ausfallen.
Man darf geſpannt ſein, wie ſich die Mannſchaften ſchlagen. Ohne
Zweifel iſt dieſes Spiel am Arheilger Mühlchen von den noch aus=
ſtehenden
das intereſſanteſte. Mit gleicher Punktzahl und gleichem Tor=
verhältnis
rangieren die Vereine in der Tabelle. Die Mannſchaften
ſcheinen ſich gleich ſtark zu ſein, die Mittelläufer beider Teams bilden
ſvohl das Rückgrat, vielleicht, daß der Sturm von Haſſia etwas ſchuß=
freudiger
iſt, im ſonſtigen ſind die Mannſchaften ziemlich ausgeglichen.
Bei dem fairen Spiel beider Mannſchaften wird wohl ein ſchnelles
ſchönes Fußballſpiel gezeigt werden, das um 14.30 Uhr am Arheilger
Mühlchen zum Austrag kommt. Vorher ſpielen die Ligareſerben bei=
der
Vereinc.
Sparta Prag in Nöten.
Abſtecher ſeiner Vorſtandsmitglieder in die Politik haben den be=
kannten
AC. Sparta in eine ſchwierige Lage gebracht. Eine Gruppe,
der auch der langjährige Geſchäftsführer Scheinoſt und der frühere
Vorſitzende Stridny angehören, die trotz ihrer Ehenmitgliedſchaft aus=
geſchloſſen
wurden, veröffentlichen in einem Prager Abendblatt ſenſa=
tionelle
Enthüllungen. Danach ſollen bei der Sparka Eintrittskarten
gefälſcht und namhafte Beträge der Steuer entzogen worden ſein. Die
gewonnenen Gelder ſollen in die Taſche von Funktionären gefloſſen ſein,
Die jetzige Leitung der Sparta erklärt zwar, daß dieſe Vorgänge ſchon
fünf Jahre zurückliegen und längſt bereinigt ſind, doch hat ſie nicht ver=
hindern
können, daß ihr Mäzen, der bekannte Filmſchauſpieler Burian
ſeine Ehrenmitgliedſchaft niederlegte und damit auch dem Club. ſeine
wertvolle finanzielle Unterſtützung entzog.
Wo bleibt der Ordnungsdienft?
Wer die amtlichen Nachrichten des Süddeutſchen Fußball= und Leicht=
athletik
=Verbandes aufmerkſam verfolgt, der muß feſtſtellen, daß die Be=
ſtrafungen
von unbotmäßigen Spielern und Zuſchauern zugenommen
haben. Das hängt wohl damit zuſammen, daß die Spiele in den unteren
Klaſſen nun in ein entſcheidendes Stadium getreten ſind; aber das iſt
alles andere als eine Entſchuldigung, denn ſchließlich muß ein Zuſchauer
oder ein Spfeler ſich auch anſtändig betragen können, wenn es, wie man
ſo ſagt, um die Wurſt geht.
Die Einwirkung auf die Spieler ſelbſt obliegt dem Verband einmal
durch Androhung und Verhängung von Strafen, zum anderen durch er=
zieheriſche
Werbearbeit, die Einwirkung auf die Zuſchauer hat der
Verein vorzunehmen. Das iſt eine ſehr ſchwere Aufgabe, der leider nicht
jeder Verein gerecht wird. Moraliſche Einwirkung hat nur problemati=
ſchen
Wert. Sie kann nur erfolgen in Mitgliederverſammlungen oder
durch Artikel in der Vereinszeitung. Die größten Schreier und Fana=
tiker
aber laſſen ſich in Mitgliederverſammlungen nur ſehr ſelten ſehen,
und zu den eifrigen Leſern des Vereinsblättchens kann man ſie meiſt
auch nicht zählen, ja, oft genug ſind ſie überhaupt keine Mitglieder, ſon=
dern
nur Nachläufer irgend eines Vereins.
Da hilft nur eins, ein ſtraff organiſierter Ordnungsdienſt, ein Ord=
nungsdienſt
, der nicht nur ſeine Binde um den Arm ſpazierenträgt und
den Funktionär markiert, indem er ruhelos am Rande des Spielfeldes
herumſteigt und nicht ſieht, was hinter ſeinem Rücken vorgeht, ſondern
ein Ordnungsdienſt, der auch wirklich Ordnung ſchafft. Und da ſei ein=
mal
geſagt, daß Ordnungſchaffen nicht nur darin beſteht, Anhänger des
Gegners beim geringſten Ausruf vom Platze zu ſchaffen, ſondern daß
es auch möglich iſt, gegen die Anhänger des eigenen Vereins vorzu=
gehen
, wenn ſie ſich ungebührlich benehmen. Gewiß, die Aufgabe iſt
nicht leicht, aber ſie muß erfüllt werden, ſoll das Anſehen des Sportes
nicht ſchweren Schaden erleiden.
Vor allen Dingen müßte der Ordnungsdienſt in jedem Verein feſt
organiſiert ſein. Es genügt nicht, daß man am Sonntag nachmittag ir=
gend
einem Vereinsmitglied die Binde um den Arm hängt und ihn nun
an das Spielfeld ſchckt. Der Ordnungsdienſt muß aus ausgewählten
Leuten beſtehen, die feſt verpflichtet und der Behörde namhaft gemacht
werden. Dadurch wird ihr Verantwortungsgefühl geſteigert, und es wird
nicht mehr vorkommen, daß Ordnungsleute wie es in diefer Saiſon
ein paarmal vorgekommen iſt die Rölle der Rufer im Streite ſpielen.
Auf jeden Fall iſt es weit erträglicher, zu ſehen, wie ein gutgeleiteter
und verantwortungsbewußter Ordnungsdienſt auch unter Anwendung
von ſcharfen Mitteln Ordnung ſchafft, als daß Polizeibeamte vom Ueber=
fallkommando
mit dem Gummiknüppel die Ruhe wiederherſtellen. Das
iſt zu vermeiden durch einen tadellos funktionierenden Ordnungsdienſt.
Der Verband ſelbſt ſollte es als ſeine dringende Aufgabe betrachten, den
Vereinen genaueſte Vorſchriften hierüber zu machen, wie er ja auch zur=
zeit
eine weitgehende Ueberwachung der Spiele durch Vertrauensper=
ſonen
eingerichtet hat.

Da Jungdeutſchland (ohne Berges) gegen Delphin Frankfurt mit
dem gleichen Ergebnis (9:1) ſiegte, gewinnt der heute abend 8,45 Uhr
ſtattfindende Lokalkampf zwiſchen Rotweiß Jungdeutſchland erhöhtes
Intereſſe.
Rotweiß D.S.C. Jungdeutſchland.
heute abend 8,45 Uhr in der großen Halle des Städt. Schwimmbades
Das Verbandsſpiel der beiden Darmſtädter Lokalgegner wird auch dies=
mal
ſeine Anziehungskraft nicht verfehlen. Wenn man auch nach den
bisherigen Spielen in Jungdeutſchland den vorausſichtlichen Sieger
ſieht, ſo darf andererſeits der Ehrgeiz der Rotweiß=Mannſchaft nicht
unterſchätzt werden.

Auszeichnung erfolgreicher Reiter.
Das neugeſchaffene Goldene Reiterabzeichen des Reichsverbandes
für Zucht und Prüfung deutſchen Warmblutes wurde jetzt ehrenhalber
an den Olympiaſieger Frhr. von Langen, Graf W. Hohenau und den
erfolgreichſten Springreiter des Vorjahres, den Münchener Stallmeiſter
Lange ſowie Rittmeiſter Gerhard, den Leiter des Schulſtalles der
Kavallerieſchule Hannover, verliehen.
Seinen ordentlichen Verbandstag hält der Weſtdeutſche Spiel= Ver=
band
am 5. Juli in Münſter ab.
Verlegt auf den 8. Februar wurde die am vergangenen Sonntag
ausgefallene Deutſche Rodelmeiſterſchaft in Wiesbaden.

Neuorienkierung im Schwimmſpork.
Innerhalb der Fédération Internationale de Natation Amateur
(FJNA.), dem Weltverband der Schwimmer, bereiten ſich allerlei Dinge
vor, die teilweiſe eine völlige Neuorientierung zum Ziele haben. So
ſollen die Waſſerballregeln auf Antrag Deutſchlands einer völ=
ligen
Neuordnung unterzogen werden. Einer der beſten Kenner der
Materie, der Kanadier Hodgſon, hat es auf ſich genommen, einen neuen
Entwurf auszuarbeiten. Auch im Springen ſoll verſchiedenes änders
werden. Die entſprechenden Anträge der Vereinigten Staaten werden
wwahrſcheinlich ſchon am 22. Auguſt in Paris beraten werden. Die neue
Wertungsmethode im Springen wird übrigens zum erſten Male bei den
Europa=Meiſterſchaften in Paris in Kraft treten. Ferner ſoll die Welt=
rekordliſte
durch Einführung offizieller Staffelbeſtleiſtungen
erweitert werden. Weiter ſind in letzter Zeit einige Stimmen laut ge=
worden
, die das Bruſtſchwimmen vom olympiſchen Programm abgeſetzt
wiſſen wollen. Zu allen dieſen Fragen, einſchließlich des für Los Angeles
vorgeſehenen Olympiſchen Schwimm=Programms, wwird auf der vom 3.
bis 5. Oktober in Brüſſel ſtattfindenden Vorſtandsſitzung der FJNA.
eingehend Stellung genommen werden.

In Montreal fertigte im Endſpiel um die Kanadiſche Hallentennis=
meiſterſchaft
Lott van Ryn mit 6:2 5:7 7:5 1:6 6:3 ab.

Baldlaufmeiſterſchaften
der Techniſchen Hochſchule Darmftadt.
Am Mittwoch nachmittag fanden die Internen Waldlaufweiſter=
ſchaften
der Techniſchen Hochſchule ſtatt. Die Beteiligung war mäßig,
das Wetter war ſchlecht. Die Anfänger liefen über eine zirka 3 Kilo=
meter
lange Strecke auf dem Flugplatz. Um die Meiſterſchaft ging es
über die große Dachsberg=Strecke (zirka 5,5 Km.). Die Zeit der Sieger
iſt in Anbetracht des ſtarken Schneetreibens ſehr gut. Ergeb=
niſſe
: Anfänger: 1. Becker=A. S.C., 2. Brand=Alemannia, 3.
Hofmann=Alemannia, 4. Will=A.S.C 5. Armbruſter=P.J. Mainz.
Meiſterſchaftslauf: 1. Schilgen=A.S.C. (16:20 Min.),
2. Luleh A. S. C. (17:10); 3. Hauck=A. S. C. (17:35); 4. Kürſchner= Tuis=
konia
; 5. v. Loehr=A. S.C

Geſchäftliches.

Ueber müde und ſchmerzende Füße und ihr Einfluß auf das
Allgemeinbefinden ſpricht am Montag, den 2. Februar 1931, in
der Aula vom Realgymnaſium Darmſtadt, Kirchſtraße 22. pünktlich
abends 8 Uhr eine geprüfte Schweſter der Supinatorſchule Frank=
furt
a. M. Bei der augenblicklichen Bedeutung dieſes Themas
iſt dieſer Vortrag jedem ſehr zu empfehlen. Näheres in der heu=
tigen
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Rundfunk-Brogramme.
Frankfurt a. M.
Donnerstag, 29. Januar.
7.15: Frühkonzert des Rundfunkquintetts.
13.05: Köln: Mittagskonzert des Orch. des Weſtd. Rundfunks.
15.20: Stuttgart: Stunde der Jugend. Ausf.: Elſa Pfeiffer, Karl
Köſtlin.
16.30: Stuttgart: Nachmittagskonzert des Rundfunkorcheſters. So=
liſten
Eugen Grimm (Bariton), Robert Waldmann (Violine),
Artur Haagen (Flügel).
18.10: Zeitfragen.
18.35: Dr. Franz Wallner: Eine Viertelſtunde Deutſch.
18.50: Prof. Dr. Deſſauer: Was geben wir aus? Vergleichszahlen
des Staatshaushaltes.
19.20: Franzöſiſcher Sprachunterricht.
19.45: Mannheim: Jazz auf zwei Flügeln. Ausf.: Rolf Schickle
und Guſtav Semmelbeck.
20.30: Stuttgart: Wer nicht liebt Wein, Weib und Geſang .. .!
Heitere Schallplattenplauderei.
21.30: Stuttgart: Symphoniekonzert des Philharm. Orch. Stuttgart.
Soliſtin: Eliſabeth Biſchoff (Violine).
23.15: Stuttgart: Tanzmuſik auf Schallplatten.

Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Donnerstag, 29. Januar.
10.10: Schulfunk. Der Herr des Urwaldes. Elefantengeſchichten.
15.00: Kinderſtunde. Kunterbunt: Bei uns zu Haus.
15.45: Frauenſtunde. Der Tag der Arbeiterfrau. Zwiegeſpräch.
16.00: Pädagog. Funt. Schulrat Fr. Lempfert: Iſt die ländliche
Fortbildungſchule Erziehungs= oder Fachſchule?
16.30: Berlin: Nachmittagskonzert.
17.30: Prof. Dr. Hans Hersmann: Hausmuſik.
18.00; Kammergerichtsrat Dr. Stienen: Waffen und Strafgeſetz.
18.30: Hochſchulfunk. Geheimrat Prof. Dr. W. Sombart: Der
moderne Kapitalismus
19.00; Oberpoſtdir. Melcher: Der Menſch des 20. Jahrhunderts und
der Fernſprecher.
19.30: Stunde des Landwirts. Prof Dr. Brandt: Marktforſchung
und Abſatzlehrer. Die Forderung der Zeit.
20.00: Flugkapitän Max Limbach: Der Flugzeugführer.
20.30: Breslau: Heimat in Schleſien. Land auf Land ab!
Schleſiſche Volkslieder in Wort und Weiſe. Ausf.: Gerda Specht
(Alt), Th. Martin (Bariton), H. Brunar (Rezitation), Herm.
Zanke (Flöte), Reinh. Birke (Engl. Horn), E. Prade (Violine), Fr.
Binnowsky (Gambe), Friedr. Wirth (Laute).
1.20: Berlin: Konzert. Sinfonie Nr. 9, D=moll, von Anton Bruckner,
Berliner Funk=Orcheſter.
Ca. 22.20: Tanzmuſik. Kapelle Daios Bela.

Schneebericht.
Waldemar=Peterſen=Haus der Techniſchen Hochſchule Darmſtadt,
Hirſchegg, Kl. Walſertal: Schneehöhe: 100 Ztm. Altſchnee,
40 Ztm. Neuſchnee (Pulver). Temperatur: 5 Grad minus.
Wetter: Schneefall.

Wekkerbericht.
Das neue Tiefdruckgebiet im Nordweſten hat ſich bereits ſo weit
fortbewegt, daß ſein Kern in den heutigen Morgenſtunden über der
Nordſee lag. Dabei hat die Warmluft im weſtlichen Deutſchland zu
Temperaturanſtieg ſowie Eintrübung und Niederſchlägen geführt. Durch
den Einfluß der Störung wird vorerſt mehr ozeaniſche Luft nach dem
Feſtland gelangen, ſo daß im Bereich der Weſtſtrömung für die Jahres=
zeit
mildes und wechſelhaftes Wetter vorherrſcht. Anzeichen auf Ueber=
gang
zu beſtändigem Wetter ſind zurzeit nicht vorhanden.
Ausſichten für Donnerstag, den 29. Januar: Meiſt wolkiges Wetter
und zeitweiſe Niederſchlag, mild, dann wieder etwas auffriſchend.
Ausſichten für Freitag, den 30. Januar: Noch kein beſtändiges Wetter.

Hauptſchriftleitung. Rudolf Maupe
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Maupe; für Feutlleion, Reich um
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Böhmann;
ſür den Handeſ: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer; für
Die Gegenwari Tagesſpiegel in Bild und Wort Dr. Herbert Nette;
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteilungen• Willv Kuble=
Druck und Verlag. L. C. Wiitich ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendnna nicht übernommen.

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Nemmer 29

DarmftadterCagblatte

Donnerstag, den 29. Januar

Zuſammenarbeit der Leipziger Meſſe mit der
Königsberger Oſtmeſſe.
Eine Ausſprache über Meſſe=Fragen.
Das Leipziger Meſſeamt und die Deutſche Oſtmeſſe in Königsberg
hatten die deutſchen und internationalen Preſſevertreter zu einer Aus=
ſprache
Berliſt eingeladen. Der Vorſitzende des Direktoriums des Leip=
ziger
Meſſeamtes, Dr. Reimund Köhler, erklärte, es kommt wohl zum
erſten Male in Deutſchland vor, daß zwei Meſſeorganiſationen gemein=
ſam
etwas veranſtalten. Das Zuſammengehen der Deutſchen und inter=
nationalen
Leipziger Meſſe mit der Deutſchen Oſtmeſſe ſolle ein Stück
Rationaliſierung darſtellen. Königsberg und Leipzig ſeien niemals
Konkurrenten geweſen. Direktor Karl Lange, Geſchäftsführendes Vor=
ſtandsmitglied
des Vereins Deutſcher Maſchinenbauanſtalten, betonte, die
nationale Bedeutung der Ausfuhr werde viel zu wenig gewürdigt. Faſt
50 Prozeut der induſtriellen Beſchäftigung beruhe heute auf der Aus=
fuhr
und damit indirekt auf große Teile der landwirtſchaftlichen Kauf=
kraft
. In richtiger Erkenntnis, daß für die deutſche Induſtrie nur eine
internationale große Muſſermeſſe und nur eine Techniſche Meſſe wirt=
ſchaftlich
tragbar ſeien, habe die Induſtrie die Anerkennung
Leipzigs als Zentralmarkt durchgeſetzt. Die umfaſſende
Ausfuhrpropaganda der Leipziger Meſſe führte immer ſtark zu einem
Zuſammenwirken mit der Induſtrie. Der Erfolg dieſer Zuſammen=
arbeit
ſei nicht ausgeblieben. Nachdem die allgemeine Muſtermeſſe in
Leitzig ſeit Jahrzehnten Weltgeltung hat, könnte auch die große Tech=

Fkankfurker und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 28. Januar.
Die heutige Börſe ſtand von Anfang an im Zeichen einer allge=
meinen
Zurückhaltung. Es fehlte wieder an Aufträgen von außen=
ſtehender
Seite, und die berufsmäßige Spekulation ſchritt trotz der glat=
ten
Ueberwvindung des Ultimos vorwiegend zu Realiſationen. Auch
kamen einige Verkaufsaufträge an den Markt, und es war eine über=
wiegend
ſchwächere Tendenz zu beobachten. Dem Markte fehlte es
außerdem an Anregungen, denn die geſtrigen Auslandsbörſen zeigten
überwiegend ſchwächere Tendenz. Auch der bevorſtehende Reichstags=
beginn
drückte etwas auf die Stimmung, ebenſo machte der Verluſtab=
ſchluß
bei Friedrich Krupp einen ungünſtigen Eindruck. Das Geſchäft
bewegte ſich in ſehr engen Grenzen. Teilweiſe ergaben ſich ſtarke Kurs=
rückgänge
. So bei Salzdetfurth, die 7 Prozent einbüßten. Weſteregeln
verloven 1,5 Prozeut. Am Chemiemarkt lagen J. G. Farben bei klei=
em
Geſchäft 12½ Prozent ſchwächer. Von Elektroaktien gaben AEG.
und Siemens je 1,5 Prozent nach. Sehr ſchwach eröffneten wiederum
Ilſe Bergbau, die 5 Prozent verloren. Auch der übrige Montanmarkt
hatte Kursverluſte bis zu 2 Prozeut. Stärker gedrückt lagen ferner
Aku mit minus 3 Prozent und Conti Gummi mit minus 4,5 Prozent.
Von Schiffahrtsaktien lagen Hapag im Angebot und 2 Prozent niedri=
ger
. Am Bankenmarkt fielen Danatbauk mit einem Verluſt von 2 Pro=
zent
auf. Im übrigen blieben dieſe Werte knapp behauptet. Von
variablen Werten ſetzten Verein für chem. Induſtrie 1,5 Prozent ſchwä=
cher
ein. Die übrigen Märkte lagen völlig umſatzlos. Deutſche An=
leihen
uneinheitlich. Während Altbeſitz 0,30 Proz, höher lagen eröffe=
niſche
Meſſe und die Baumeſſe in Leivzig in ſchnelſtem Maße entwickelt ten Neubeſitz 0.35 Prozent niedriger. Auslandsrenten geſchäftslos.

Retallnokierungen.

werden.
Der ſtellvertretende Vorſitzende des Reichsverbandes der Deutſchen
Schwerdunkt des deutſch=ruſſiſchen Handels von Deutſchland nach Mos= Am Deviſenmarkt lag die Mark, Schweit und Holland recht ſchwach.
zung der Leipziger und der Königsberger Meſſen 25.108/, Holland 12,0890,
fei vom Standpunkt der deutſchen Wirtſchaft zu be=
Oſtens in Deutſchland den Führer auf dem Gebiete der Wirtſchaft und men verſtimmend wirkten die ſchwachen Auslandsbörſen. Stark be=
der
Wiſſenſchaft erblickten.

Pfandbriefe unverändert.
Im Verlaufe konnten ſich die Kurſe auf Interventionen leicht er=
Induſtrie. Direktor Hans Kraemer, ſprach als Vorſitzender des Deut= holen: Mehr gefragt waren am Elektromarkt AGG. und Siemens auf
ſchen Ausſtellungs= und Meſſeamtes. Er führte aus, die wichtigſte Frage, die bevorſtehenden Bilanzſitzungen. Die Beſſerungen gingen bis zu 1.5
die uns heute beſchäftigen müßte, ſei die Ausfuhr=Finanzierung. Er Prozent. Der Schluß der Börſe war trotz der Erhöhung des Privat=
deutete
an, daß in dieſer Beziehung der Oeffentlichkeit ein Plan unter= diskontes auf weitere Interventionen und Deckungen feſt. Die Er=
breitete
werde, der die Finanzierung der Ausfuhr auf eine ganz neue holungen betrugen im allgemeinen 12 Prozent. Bei Salzdetfurth aber
Grundlage ſtelle. Weiter beſchäftigte ſich der Redner mit den Oſtfragen, 5 Prozent. Schwächer lagen dagegen Danatbank. Am Geldmarkt war
wobei er ſein Bedauern darüber ausſprach, daß man verſuche, den Tagesgeld ſtark angeboten; der Satz wurde auf 3,5 Prozent ermäßigt.
kau zu verlegen. Dadurch müſſe das deutſche Intereſſe an dieſem Gan= Man nannte Mark gegen Dollar 4,2087, gegen Pfunde 20,4380, London
del Abbruch leiden. Die Zuſammenarbeit oder Verſchmel= Kabel 4,8563. Paris 123,89, Mailand 92,75, Madrid 47,12. Schweit
Bei ſehr ſtillem Geſchäft zeigte die Abendbörſe zu Beginn
quüßen, weil es ſich letzten Endes darum handele, daß die Völker des knapp behauptete Kurſe. Irgendwelche Anregungen fehlten vollkom=
achtet
wurde die Dividendenfeſtſetzung bei ACG. auf 7 (8) Prozent. Im
Verlaufe war die Haltung aber eher nachgebend.
Berlin, 28. Januar.
Der heutige Börſenbeginn hatte allgemein ſchwächere Tendenz. Vor=
Rentenbankſcheine als Zahlungsmittel. Zur Behebung von Zweifeln
wird von der Deutſchen Nentenbank mitgeteilt, daß noch rd. 446 Mil= börslich ging zwar noch von der Meldung eines Mittagsblattes, daß
lionen Reutenbankſcheine als Zahlungsmittel im Umlauf ſind. Alle Ren= man in der heutigen A. E.G.=Bilanzſitzung wahrſcheinlich doch mit einem
tenbankſcheine zu fünf, zehn und fünfzig Rentenmark mit Kopfbild ſo= ſprozentigen Dividendenvorſchlag werde rechnen können, eine beachtliche
wvie die höheren Abſchnitte zu 100, 500 und 1000 Rentenmark ohue Kopf= Widerſtandsfähigkeit aus; es überwogen dann aber doch die vorliegen=
bild
ſind vollgültige Zahlungsmittel, für die an allen öffentlichen Kaſſen den ungünſtigen Momente. Die Möglichkeit einer Diskonterhöhung in
(Poſt, Eiſenbahn, Finanzämter, Reichsbank uſw.) Annahmezwang beſteht. London wurde als ſtörend empfunden, außerdem gebot der bevorſtehende
Die Tilgung und Rückzahlung der umlaufenden Rentenbankſcheine er= Zahltag Zurückhaltung, da man noch nicht voll überſehen kann, ob teil=
folgt
ganz allmählich aus hierfür bereitgeſtellten Mitteln, Vorausſicht= weiſe alle recht erheblichen Differenzen eingehen werden. Es kam zu
lich werden die letzten Rentenbankſcheine erſt 1942 aus dem Zahlungs= den erſten Kurſen ziemlich erheblich Material vom In= und Auslande
heraus, das nur zögernd Aufnahme fand, zumal die mangelnde Limit=
mittelumlauf
verſchwunden ſein.
Lohnkonflikt bei Heinrich Lanz. Mannweim. Bei Wiederaufnahme Erneuerung heute erſchwerend ins Gewicht fiel. Ohne Berückſichtigung
des erweiterten Betriebes hat die Firma Heinrich Lanz A.G der Arbei= des auf den Kurſen liegenden Reports per Ultimo Februar ging ein
terſchaft Mitteilung gemacht von der Abſicht, die übertariflichen Akkord= großer Teil der Papiere bis zu 2 Prozent zurück. Auch im Verlaufe
löhne in Anpaſſung an die geſenkten Preiſe der Endprodukte abzubauen. gaben der Kurſe zunächſt noch weiter nach, wobei die gemeldete Zah=
Hiergegen evhoben Arbeiterrat und Gewerkſchaften Einſpruch. Die mit lungseinſtellung eines ſüddeutſchen Bankhauſes. A. Rees u. Söhne in
dem Arbeiterrat geführten Verhandlungen kamen bis jetzt zu keinem Er= Augsburg=München, Verſtimmung auslöſte. Gegen 1 Uhr trat jedoch
gehnis. Von 7800 wieder in Beſchäftigung ſtehenden Leuten haben auf Interventionen eine kräftige Erholung ein, die teilweiſe auch die An=
geſtern
nur etwa 80 im Stundenlohn Stehende gearbeitet. Die übrige fangsverluſte ausglich. Bevorzugt lagen Elektrowerte auf die bevor=
Belegſchaft war zwar größtenteils in den Betrieben anweſend, weigerte ſtehenden Bilanzſitzungen. Anleihen unregelmäßig.

Wiriſchaftliche Rundſchau.

ſch aber, zu den neuen Sätzen, die, wie die Firma verſichert, nicht unter
Tarif ſind die Arbeit aufzunehmen.
Gründung eines Baſalt=Lavaverbandes. Die Zuſammenſchlußver=
handlungen
der Mayener Baſalt=Lava=Werke haben nunmehr ein end=
gültiges
Ergebnis gebracht. Nund 180 Betriebe ſind in dem neuen Ver=
hand
unter der Firma Baſalt=Lava=Bord= und Pflaſterſtein=Verband
G.mb. H. vereinigt. Das Stammkapital der Gm.b.H. richtet ſich nach
den Beſchäftigungsziffern der angeſchloſſenen Werke, wobei vorgeſehen
it, bei je 10 Arbeitern 100 Mk.=Anteile und 1 Stimme zuzubilligen. Im
Geſellſchaftsvertrag iſt feſtgelegt, daß der Verband die Regularien des
Abſatzes und zur Bereinigung der Verhältniſſe in der Preispolitik die
Preisvegulierung übernimmt.
. Deutſcher Ring Verſicherungen. Von den zum Deutſchen Ring ge=
hörenden
Verſicherungsgeſellſchaften liegen bereits einige Abſchlußzahlen
vor. Danach hat ſich der Beſtand in der Lebensverſicherung trotz der
Rirtſchaftlichen Schwierigkeiten des vergangenen Jahres auf über 347
Millionen Reichsmark erhöht. Der Krankenverſicherungsverein hat ſeine
gute Entwicklung fortgeſetzt. Der verſicherte Perſonenbeſtand erhöhte ſich
zm über 31 000 Perſonen, ſo daß am Jahresende über 171 000 Perſonen
verſichert waren. Die Sachverſicherungs=Geſellſchaften (Feuer und E.D.,
Transport, Unfall, Haftpflicht, Auto=Kasko) haben ihre Prämieneinnah=
men
ganz bedeutend erhöhen können. Mit Rückſicht darauf, daß in allen
Sparten, ganz beſonders in der Transportverſicherung, eine ſehr vor=
ſichtige
Auswahl der zu verſichernden Riſiken getroffen wurde, kann mit
günſtigen Abſchlüſſen aller Geſellſchaften gerechnet werden.
Wieder 12 Prozent Dividende des Gerling=Konzerns. Das Geſchäfts=
jahr
1930 ſchließt mit höheren Gewinnzahlen ab. In der Sachverſiche=
rung
(Feuer=, Unfall=, Haftpflicht=, Transport= uſwv.=Verſicherung) be=
trägt
der Gewinn für 1930 über 6 Millionen RM. (i. V. 5,11 Mill.).
In der Lebensverſicherungsgruppe (Gerling=Lebensverſicherung A.G.,
Friedrich=Wilhelm=Lebensverſicherung A.G. und Magdeburger Lebens=
Verſicherungs=Geſellſchaft) beträgt der Reinzuwachs nach Abgang der
Verſicherungen, die durch Tod, Rückkauf oder fonſt erloſchen ſind, 138
Millionen RM. Der Geſamtverſicherungsbeſtand Ende 1930 ſteigt da=
mit
auf 1,4 (1,36) Milliarde RM. Aus dem Gewinn werden die gleich
hohen Dividenden an die Verſicherungsnehmer und an die Aktionäre wie
im Vorjahre ausgeſchüttet. Die Aktionäre erhalten alſo wieder zwölf
Prozent Dividende.
Federhalterfabrik Kaweco, Heidelberg. Wie aus dem Schlußtermin
in dem Konkursverfahren verlautet, konnten Maſſeſchulden und Vor=
rechtsforderungen
ſoll befriedigt werden; degegen gingen die nichtbevor=
rechtigten
und ungeſicherten Gläubiger leer aus. Die Firmenmarke
Kawecv iſt bekanntlich vor einiger Zeit an eine Wieslocher Federhal=
terfabrik
verkauft worden.
Konkurs der Chemietruſt A.=G., Schaffhauſen. Der bekannte Ver=
gleich
der Gebr. Gutbrod G. m. b. H. mit der Südweſtbank A.=G.,
Frankfurt a. M., ſollte eine Generalbereinigung, alſo auch eine Bei=
legung
jeglicher Anſprüche mit der Chemietruſt A.=G. bringen. Dem
Vergleiche hatte auch der Vertreter der Eidgenöſſiſchen Bank in Zürich
im Gläubiger=Ausſchuß der Südweſtbank zugeſtimmt. Trotzdem hat die
Eidgenöſſiſche Bank, die an die Chemietruſt A.=G. urſprünglich eine
Forderung von 3 Mill. Franken hatte, wovon 2,2 Mill. zurückgezahlt
wurden, auf Grund ihreu reſtlichen Forderungsanſprüche das Konkurs=
berfahren
über die Chemietruſt A.=G. betrieben, dem nun vor einigen
Tagen auch ſtattgegeben wurde. Die Eidgenöſſiſche Bank verfolgte
den Zweck, durch das Konkursverfahren der Chemietruſt A.=G. auf das
Vermögen der Gebr. Gutbrod G. m. b. H., das ihr aus dem Vergleiche
mit der Südweſtbank wieder zufiel, Rückgriff zu nehmen. Inzwiſchen
werden Auseinanderſetzungen zwiſchen der Favag=Südweſtbank, mit der
Eidgenöſſiſchen Bank erfolgen, andererſeits hat Gutbrod Schadenserſatz=
klage
gegen die Eidgenöſſiſche Bank angedroht.
Amnerikaniſche Kabelnachrichken
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 28. Jan.:
Getreide. Weizen: März 7938, Mai 825, Juli 65,25; Mais:
März 62,50, Mai 64,75. Juli 65. September 64½; Hafer: Mai
32,25. Juli 31,50; Roggen: März 38, Mai 39,25, Juli 39 75.
Schmalz: Januar 8,30. März 8,37½, Mai 8,52½, Juli 8,70.
Speck, loco 11.00.
Schweine: Leichte 8,008 10, ſchwere 6,97,20; Schweinezu=
fuhren
in Chicago 28 000, im Weſten 126 000.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 28. Jan.:
Schmalz: Prima Weſtern 9,05; Talg, extra loſe 4.
Getreide. Weizen: Rotwinter 918; Mais: loco New York
76½ Mehl: ſpring wheat clears 4.,304,50: Getreidefracht nach
England 1,62,3 sh, nach dem Kontinent 8 C.
Kakao: Tendenz ſtetig. Umſätze 74, loco 5½; Februar 5,65,
März 5,69, Mai 5,87, Juli 6,03, September 6,22, Oktober 6,27,
Dezember 6,33,

Produkkenberichte.

Frankfurter Produktenbericht vom 28. Januar. Die Tendenz an der
heutigen Getreidebörſe war für Brotgetreide feſter, ſonſt ſtetig. Es
notierten: Weizen (74 Kilo) 282,50285, Roggen (7071 Kilo) 182185,
Sommergerſte 210215, Hafer inländ. 160165, Weizenmehl ſüddeut=
ſches
4243, desgl. niederrhein. 41,7542,75, Roggenmehl 26,5027,50,
Weizenkleie 9,75, Roggenkleie 9,25.

Die Metallnotierungen in Berlin am 28. Januar ſtellten ſich
für je 100 Kg. Elektrolytkupfer, prompt eif Hamburg. Bremen
oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die Dt. Elektro=
lytkupfernotiz
) auf 96,25 RM. Die Notierungen der Kom=
miſſion
des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe verſtehen
ſich ab Lager in Deutſchland für prompte Lieferung und Be=
zahlung
) ſtellten ſich für Original Hüttenaluminium. 9899 Pro=
zent
in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren 170 RM., desgleichen in
Walz= oder Drahtbarren. 99 Prozent, 174 RM., Reinnickel. 98 bis
99 Prozent, 350 RM., Antimon Regulus 57,5058,50 RM., Fein=
ſilber
(1 Kg. fein) 41,5043,50 RM.
Die Berliner Metalltermine vom 28. Januar ſtellten ſich für
Kupfer;: Januar 82,50 (84), Februar 83 (83,75), März 83,50
(84 50), April 84,25 (85,25) Mai 84,50 (85,50). Juni 85,25 (85,25),
Juli 86.25 (86,50), Auguſt 86,25 (86,75), September, Oktober
86,75 (87). November, Dezember 87 (87,25) Tendenz ſtetig. Für
Blei: Januar 25,50 (27), Februar 25,50 (26.50), März. April
25,,75 (26,50) Mai. Juni, Juli 26 (26,50), Auguſt 26 (26.75),
September Oktober 26 (26,50), November, Dezember 26,25 (26,50).
Tendenz: ſtetig. Für Zink; Januar 24,50 (25,50), Februar
24,75 (25.25), März 25,25 (25,50), April 25,50 (25.75) Mai 25,75
(26,25), Juni 26 (26,75) Juli 26,25 (27). Auguſt 26,50 (27), Sep=
tember
26,75 (27,25), Oktober 26,75 (27.50), November. Dezember
27,25 (27,50). Tendenz; ruhig. Die erſten Zahlen bedeuten Geld,
die in Klammern Brief.
Kleine Wirkſchaftsnachrichken.
Angeſichts der zunehmenden Abgabenneigung zum Januar=Ultimo
wurde der Privatdiskontfatz an der Berliner Mittagsbörſe für die bei=
den
Sichten von der regulierenden Stelle um 4/s v. H. auf 4ſs v. H.
erhöht.
Die Geſamtproduktion der Länder der Rohſtahlgemeinſchaft betrug
im November 1930 laut. Wirtſchaft und Statiſtik 1 974 000 To. ( Okto=
ber
2 109 000 To.) Roheiſen und 1970 000 (2 243 000) To. Rohſtahl.
Wie wir hören, dürften in der Vorlage an den Volkswirtſchaft=
lichen
Ausſchuß des Reichstages, die am Freitag zur Debatte ſteht, fol=
gende
Vermahlungsſätze für die kommenden Monate vorgeſchlagen wer=
den
: FebruarMärz 75 Proz. (bisher 80 Proz.), AprilMai 60 Proz.
und JuniJuli 50 Proz=
Der Inhaber der Herdfabrik Max Albers A.G., Gevelsberg, Max
Albers, hat durch betrügeriſche Machenſchaften ſeine Firma dem Kon=
kurs
zugeführt und bei einer Bank auf Grund nicht vorhandener Konten
einen Kredit von 200 000 Mark aufgenommen.
Nachdem die Zulaſſungsſtelle der Frankfurter Börſe die Zulaſſung
zurückgenommen hat, wird die Notiz für die Aktien der Frankfurter
Rückverſicherungsgeſellſchaft mit Wirkung vom 2. Februar 1931 ab an
der hieſigen Börſe eingeſtellt.
Der Referent für Wirtſchaftsfragen bei der Deutſchen Geſandtſchaft
in Budapeſt, Herr Geſandtſchaftsrat Benzler, hält am Montag den 16.
Februar, bei der Außenhandelsſtelle für das Rhein=Main=Gebiet in
Frankfurt a.MM. Sprechſtunden über den Handelsverkehr mit Ungarn ab.
Die am Dienstag vor dem Schlichter des Bezirks geführten Ver=
handlungen
brachten einen Schiedsſpruch, der eine 7prozentige Lohn=
ſenkungen
ab 1. Februar 1931 für das Lahn=Dill=Gebiet und Oberheſſen
vorſieht.
Goldbarren im Werte von 407 427 Pfund Sterling oder 50,52 Mill.
Franken wurden nach einer Londoner Meldung der Ag. Radio geſtern
für franzöſiſche Rechnung bei der Bank von England gekauft. Die Hälfte
dieſes Goldes, 1550 Kilogramm, im Werte von über 26 Millionen Fran=
ken
, traf im Verlauf des Nachmittags an Bord von zwei Flugzeugen in
Le Bourget ein.
Der Arbeitgeberverband hat gegen den letzten Schiedsſpruch im oſt=
oberſchleſiſchen
Bergbau, nach welchem das bisherige Lohnabkommen bis
Januar 1932 Gültigkeit haben ſoll, Einſpruch erhoben.
Die Zahl der Arbeitsloſen in den Vereinigten Staaten Anfangs
Januar wird von dem Präſidenten des Amerikaniſchen Gewerkſchafts=
bundes
William Green auf 5 700 000 geſchätzt. In dieſer Zahl ſind die
arbeitsloſen Land= und die Büroarbeiter noch nicht enthalten.
Times meldet aus Angora: Vor ſeiner Abreiſe nach Smyrna hielt
Muſtapha Kemal Paſcha einen Kabinettsrat ab, in dem beſchloſſen wor=
den
iſt, das Budget für das am 1. Januar beginnende Finanzjahr gegen=
über
dem Budget des Vorjahres um 37 Millionen türkiſche Pfund auf
185 Millionen türkiſche Pfund herabzuſetzen.

Berliner Kursbericht
vom 28. Januar 1931

Deviſenmarkt
vom 28. Januar 1931

D
Danatbank
eſ
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Ban!
Hapag
Hanſa Dampfich.
Nordd. Llohzd
A. E. G.
Bayr. Moturenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gumm!.
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdöl

115.
135.50
107.
108.
56.125
57.50
88.371
53.25
44.50
88.50
29.
98.
98.
53.125

Me e
J. 6. Farben.

Gelſ. Bergw.
Geſ.f.elektr. Untern.
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Köln=Neuefſ. Bgw.
Maunesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Untn.
Nordd. Wolle
Oberſchleſ. Koksw.
Orenſtein & Koppell

g6.5
116.375
70.
80.75
65.25
55.25
118.50
49.75
59.
55.
26.75
36.25
60.875
38.75

Mae Mise
Rütgerswerke
40.
Salzdetfurth Kalt 178.25
Leonh. Tietz
92.50
Verein. Glanzſtoff 70.375
Verein, Stahlwerkel 52.25
Weſteregeln Akali 127.
Agsb.=Nrnb. Maſch., 46.

Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Aupfer
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch. (I
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke

20.
42.75
41.
135.50
39.75
28.625

Wien
Prag
Bubapeſt
Sofia
Holland
Lslo
London.
Buenos=Aires 1 Pap. Peſol
New Yort. 1 Dollar
100 Belg
Belgien
Italien
100 Lire
100 Francs
Paris

Währung /
Heiſingfors 100 finn.Mk.
100 Schillingl:
100 Tſch. Kr.
100 Pengo
100 Leva.
100 Gulden
100 Kronen
Kopenhagen. 100 Kronen
Stockholm. 100 Kronen
1S.Sta.

GelbBrief
10.578 10.5og
59,0951 59.215
12.494 12.464
73.375 73.515
3.048 3.054
169,03/ 169.37
12.37/712 59

112.40
112.50
20.416
1.279
4.3045
ss.60
2.01s
18.475

112.62
112.7
20 456
1.293
4.3125
59.72
22,05s
16.5151

Schweiz
Spanien

Danzig
I1
Japan

Rio de Janeiro
Jugoſlawien
Portuga).
Athen
Iſtantbut
Kairo.
Kanada


uruguan
Ssland.

D
100 Franken
100 Peſetas
100 Gulden
1 Yen
11 Milreis
100 Dinar
100 Escubos
100 Drachm.
1türk. 2
1ägypt. 4
1 canad. Doll.
1 Goldpeſo
100 eſtl. Kr.

Tallinn (Eſtl.)100 eſtl. Kr.
100 Lats
Riga

GeldBrief
81.345/ C1.505
43.33 43,41
81.88 181.79
2.079/ 2.083
0.355 (.257
7.422/ 7.436
18.82 18.86
5.445/ 5.455
20.93 20.97
4. 198 4.206
2712/ 2.718
91.98/ 92.15
11.72 111.84
e0.37 k1.03

4

Frankfurter Kursbericht vom 28. Januar 1931.

Wee
5½%Inter.,
6% Baden ....
88 Bahern ....
69
88 Heſſen b. 28
b. 29
720 Preuß. Staat
825 Sachſen...
..."
72 Thüringen

Dtſche. Anl. Auslo=
ſungsſch
. /= Ab=
löſungsanl
.
Dtſche. Anl. Ablö=
ſungsſch
. (Neub.)

Deutſche Schutzge=
bietsanleihe

826 Baden=Baden.
630 Berlin
889 Darmſtadtv. 20
v.
790 Dresden ....
88 Frankfurt a. M.
v.26
83.
v. 20
825 Mainz :.....!
89 Mannheim v.26
v.27
88 München: ..
835 Nürnberg ....
82% Wiesbaden...
8% Heſſ. Landesbl.
33
Goldobligl 94.25
4½% Heſſ. Lds.=
Stp.=Bk.=Ligutd.
Ll.% Kom.=Obl.
8%a Preuß. Lbs..=Knſt. G. Pf.
72
Selboblig

Re
85
71.5
74.25
99.75
81.9
85.5
89
92.5
991,
74.5
78.5

51.4
4.75

1.7

80
80
74.5
94.5
80"
68.5
80.1
86.5
70.5
821,

99.5
91.5
R
77.5
100.25
R.

P. Mu
Bk.Girozentr. für
Heſſen; Goldobl.
89Kaſſeler Land. Goldpfbr.,
8%0 Naſ.Lonbesbl.
4½% Liqu. Obl.
Dt. Komm. Sam=
mel
=Ablöſ. Anl.
*Ausl. Ser.
Ser. II
Dt. Komm. Samm.=
Abl. Neubeſitz)
% Berl. Hyp.=Bk.
%Liqu.=Pfbr.
8% Frkf. Hyp.=Bl..
Lig. Pfbr
Pfbr.=Bk.
Liau.
82 Mein,Hhp.=Bk.
4½%p Lig.Pfbr.
30 Pfälz. Hyp.=Bk.)
4½% Lia. Pfbr.
8% Preuß. Boden=
ered
.=Bank ..!
4½% Lig. Pfbr..
8% Preuß. Centrl.=
Bobener.=Bank.
4½% Lig.Pfbr.
82 Rhein. Hyw. Bk.),
4½% n Lig. Pfbr.
8% Rhein.=Weſtf.=
.=Credit .....!"
80 Südd. Bod.=
Ered.=Ban....!
Lia. Pfb.
8% Württ. Hyp.=B.)
6% Deimnler=Denz

97.75
98.5
88
99.75
83.5
86

48.5
68

12

98.75
98
1or
96.75
86
101
96.5
88.45
96.75
88.25
400
90.5
101
21.
100
88
100.5
94.5
87
4o0
100.25
93.75
99.5
62.5

EHaas
8½ Klöckner=Werke
8 Mainkrw.v. 26.
2 Mitteld. Stahl.
82 Salzunannu. Co.
79 Ver. Stahlwerkel
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L.Inbeſt.
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5 %vereinh. Rumän
4½%
48 Türk. Admin.
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48 Zollanl.
296 Ungarn 1913
1914
4½
Goldr.
1910
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ſcheibe
=Anſtalt 4

92.75
84.5
90"
77.25
83
77.5

87.5

20
20
36.5
8.75
3.275
6.8

*

21.9
17.25

60

88:1
72

65

152
26.5

82

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116.5
45.25
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41.5
15
69.5

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111
58.5
67.5

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163.5
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70

41
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180
165
162
81
98,5

148.25
77.5
110

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27
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Baher. Hyp. u. W.
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Frankf. Bant.
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Nordd. Llotzd.
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Mrd
133
94.25
100
126
114
215
1797.5
135
107
24.5
107.5
e1
137
137
1437
m.4
124
231
131
132
9.5
134
43
107
83
56
57.75
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Verein,Berſ.
FrankonaRäck= u.9
Mannh. Verſie

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[ ][  ][ ]

Seite 12

Donnerstag, den 29. Januar 1931

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Landestheater
Donnerstag
29. Januar 1931

Nur noch 3 Tage

Heute leizter Taz

Ab heute

Der gewaltigste Hochgebirgstilm, der
je gedreht wurde.
Das gigantische neue Tonfilm-Werk
Stürme über dem
Montblang
Mannskript und Regie: Dr. Arnold Fanck.
Mitwirkende: Lenl Riefenstahl, Sepp
Rist, Ernst Udet und die bekanntesten
Schweizer und Tiroler Alpinisten u. Skifahrer.
Gewaltig war der Piz-Palü-Film
grandioser, erschütternder
Stürme über dem Montblanc!
Der höchste Berg Europas
Der größte Tonfilm unserer Tage
Dazu das gute Beiprogramm.

Jugendliche zugelassen. (V.1709
Beginn 3.30 5.45, 8.10 Uhr

Das große Doppelprogramm:
Der sensationelle Cowboy-Film
Die
Präriefalle
mit dem unerreichten
Cowboy=Star Fred Humes
Ein Film aus dem Wilden
Westen mit prachtvollen atem-
raubenden
Verfolgungen und
Kämpfen.
Im II. Teil:
Camilla Horn und
Gustav Diessl
in dem großen Sittenfilm
Moral um
Mitternacht
Regie: Mark Sorkin
Dazu das gute Beiprogramm.
Beginn 3.30, 5.45. 810 Uhr

Das lustige Tonfilm-Vaude ville
Komm zu mir
zum Rendez-Vous
Regie: Carl Boese. Dialoge Walter Hasenclever
In den Hauptrollen:
R. A. Roberts, Alexa Engström, Walter Rilla,
Szöke Szakall, Lucie Englisch, Paul Morgan,
Fritz Schulz und Trude Lieske an der Spitze
der Tillergirls.

Der bewährte Regisseur, die beliebten und
populären Darsteller, die zündende Schlager-
musik
, die ausgezeichneten Mitarbeiter,
Autoren, technischen Helfer und nicht zu-
letzt
der überaus witzige Stoff sichern
diesem lustigen Film das größte Interesse.

Dazu das gute Beiprogramm.

Beginn 3.30, 5.45, 8.10 Uhr (V.1761

19.3022 Uhr
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Rheinstraße 12, gegenüber der Hauptpost
Täglich abends ½9 Uhr Konzert der Kapelle Geiss
Jeden Mittwoch und Samstag desellschafts-Abend
Mittwochs und Sonntags bis 3 Uhr, Samstags bls 5 Uhr geöffnet 2:

Brauerel,Zum goldenen Anker
Große Ochsengasse 26
Freitag, den 30. Januar 1931

MHetzelsupne

Kolpinsshaus
*
Rheinstraße 48
Hoate Bertdenkesl
Jüd. Frauenbund
Montag, den 2. Februar, 4 Uhr
Stadt Frankfurt

Mitglieder-Versammlung
Diskussion
Um rege Beteiligung bittet
Der Vorstane. Mſpaniſch.Sprach=
1778

(in Frankr.
Dame geb. ulange
dort gelebt) erteilt
Franzöſiſch.
Konverſation.
Wilh.=Gläſſingſtr. 40
part. Daſelbſt junge
Mädchen für franz.
Zirkel geſucht. (*gid

Gründl. Nachh.
in Lat. u. Mathem.
wird ert. Anfr. u.
T. 120 a. d. Geſch.*

Wer erteilt
unterricht? Off. u.
T. 134 Geſch. (176(

Nummer 29
T. Alademie-Konzert
(3. Orchester-Konzert)
Donnerstag, 29. Januar 1931,
um 17u. 20Uhr im großen Saale
d. Städt Saalbaus, Saalbaustr.
Leitung: Professor Wilhelm Schmitt,
Städt. Musikdirektor.
Solistin: Helene Zimmermann, Köln
(Klavieri.
Orchester Der Instrumental-Verein
(Orchester der Städt. Akademie
für Tonkunst).
Werke von Cherubini, Mozert und
Schubert.
Der Konzerttlügel Steinway & Sons ist
aus dem Magazin der Firma Karl
Arnold & Sohn, Ecke Erbacherstraße.
Karten von 150 bis 6. Mk. im
Sekretariat der Städt. Akademie für
Tonkunst, Elisabethenstraße 36, Fern-
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3500 (Stadtverwaltung), so-
wie
an der Abendkasse, St 1794
8portplatz-Restaurant u. Café
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Tage

schloßkeller

Freitag, den 30. Januar 1931
Abschieds-Abend
der Kapelle Carl Glitz
Ab Samstag, den 31. Januar 1931
das bekannte und beliebte
Attraktions-Dragoner-Orchester
ung Willi Walter

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30. Januar, nachm. 4. Uhr
Eintritt frei! w.773/ Eintritt frei!

[ ][  ][ ]

Nummer 29

ullie sohiefsieh
URHEBER-RECHTSSCHUIZ DURCH VERLAS ASKAR MEISTER, WEROA0

(Nachdruck verboten.)
30)
Eine Rieſenwelle der Aufregung, eine gewaltige Senſation
beherrſchte die Gemüter.
Nicht nur England, ſondern die Staaten allgemein bewegte
dieſer große und ſeltſame Prozeß.
Lord Durham klagte auf Herausgabe des geſamten Erbes.
Berichterſtatter aus allen Ländern der Welt fuhren nach Lon=
don
und verſuchten Iris zu interviewen, aber Berndt war ein ge=
treuer
Hüter des Hauſes. Keiner wurde vorgelaſſen.
Das heißt, einer doch, aber dieſer eine war Lord Wynsdal,
der Iris einſt geliebt hatte.
Er hatte ſeinen Augen nicht trauen wollen, als er die unfaß=
bare
Tatſache las. Iris, die er einſt geliebt hatte . . . ſie lebte!
Drei Tage wußte er nicht, was er tun ſollte, dann faßte er
einen Entſchluß und ließ ſich bei Lady Iris melden.
Seine Anmeldung wurde auch angenommen, und er ſtand nun
Iris gegenüber. Sie war ſchöner denn je, etwas Rührendes, Er=
greifendes
ging von ihr aus.
Ernſt ſahen ſich die beiden Menſchen an.
So ſehen wir uns wieder, Lord Wynsdal! ſagte Iris leiſe
Iris ... wie konnten Sie mir das antun?
Es war eine Pflicht, Lord Wynsdal, eine heilige Pflicht, der
Schweſter geſchworen. Hat es Sie denn damals ſo ſchwer
getroffen?
Er nickte ſtumm und es würgte ihm am Halſe.
Und doch . . . ein Vierteljahr wohl hat es gedauert . . . da
heirateten Sie eine reiche, eine ſehr reiche Erbin.
Er ſah ſchamvoll zu Boden.
Ich ... grolle Ihnen nicht, Wynsdal, aber wiſſen Sie, daß
wir alle nicht zu leben wünſchten, wenn wir wüßten . wie raſch
man uns vergißt? Es iſt ſo bitter!
Wynsdal ſuchte nach Worten, es würgte ihn ſtärker.
Ich ... ich habe Sie nie . . . nie vergeſſen, Iris!
Sie wehrte ab. Laſſen wir das alles, Wynsdal. Reden iſt
unfruchtbar. Laſſen Sie uns von anderen Dingen plaudern. Wie
geht es Ihnen?
Wie es mir geht, jetzt nachdem ich Sie wiederſehe in
ſtrahlender Schönheit? Unglücklich, bedrängt! Oh, Iris . . . in
mir iſt die Hölle! Frei machen möchte ich mich und es wagen,
nach Ihrer Hand zu faſſen!
Sie ſchüttelte traurig den Kopf.

Donnerstag, den 29. Januar 1931
Nicht, Wynsdal, bleiben Sie jetzt an der Seite der Frau, die
Sie erwählten, das iſt Ihre Pflicht und . . . ich liebe Sie nicht
mehr."
Er erblaßte bei ihren Worten.
Sie . lieben ... mich nicht mehr?
Nein, Wynsdal ... ich bin damals nicht darüber hinweg=
gekommen
aber ich habe es Ihnen nicht nachgetragen. Laſſen
Sie uns gute, ehrliche Freunde ſein. Bewahren Sie mir immer
eine gute Meinung. Darum bitte ich Sie und ſtehen Sie ein wenig
zu mir. Ich habe es nicht ganz leicht, denn ich kämpfe gegen den
Teufel.
Und damit war eine Jugendliebe begraben.

Der Prozeß kam.
Juſtizrat Giſh vertrat Iris, die gefaßt, wenn auch bleich,
vor Gericht erſchien, begleitet von Berndt.
Aller Augen ruhten auf den beiden Menſchen.
Wieder hatte Lady Iris alle Herzen auf ihrer Seite, ebenſo
Berndt, wenn auch als Ausländer nicht in vollem Maße.

hidzen sich


Kr
Boreionz

Die denkwürdige Gerichtsverhandlung begann.
Der Oberrichter verlas nach Erfüllung der Formalitäten die
Anklageſchrift und eröffnete dann die Verhandlung.
Lady Iris trat vor den Richter.
Mylady, geben Sie zu, Lady Iris Beuthlen zu ſein, Tochter
Seiner Ehren des Lord Jakob Eddy Benthlen und ſeiner Ehe=
frau
Agnete geborene Lady Sylveſter?
Ich gebe es zu!
Sie geſtehen alſo ein, die Rolle Ihrer verſtorbenen Schwe=
ſter
Lady Viola Durham geſpielt zu haben, ſo daß Lord Durham
und alle um Sie des feſten Glaubens waren, daß Sie Lady
Viola ſeien?
Ich gebe es zu!
Lady Durham, wollen Sie den Gerichtshof über Ihre
Gründe und Motive orientieren?
Die Gründe und Motive, Ew. Ehren ſind ſo ausführlich
von mir bereits zu den Akten gegeben worden und die Preſſe
hat ſie ſo ausführlich gebracht und kommentiert, daß ich den
hohen Gerichtshof bitte, mir jetzt eine Wiederholung zu er=
ſparen
.
Lady Benthlen Lord Durham hat die Klage auf
Herausgabe des Erbes ſeiner verſtorbenen Frau, das Sie ſich
durch Ihre Handlungsweiſe angeeignet haben, gegen Sie ange=
ſtrengt
. Ich frage Sie hiermit, ob Sie bereit ſind, das Erbe

Seite 13.

den Geſetzesbeſtimmungen entſprechend herauszugeben und
Lord Durham zu übereignen.
Nein! kam es feſt von ihren Lippen.
Welche Gründe führen Sie für Ihre Weigerung ins Feld?
fragte der Oberrichter.
Die Spannung im Saale wuchs.
Den ganz einfachen Grund: Weil ich die Univerſalerbin des
Vermögens meiner verſtorbenen Schweſter Viola bin. Die Ein=
ſetzung
in dieſes Recht geſchah zehn Tage vor ihrem Tode. Das
Teſtament wurde notariell aufgenommen von Sir Emmet, der
das Teſtament bis zu ſeinem plötzlichen Tode im Beſitz hatte.
Können Sie das Teſtament vorlegen, Lady Benthlen?
Nein, wie ſollte ich es? Sir Emmet begab ſich mit dem
Teſtament im Flugzeug nach Berlin. Sie werden geleſen haben,
Ew. Ehren, daß das Flugzeug über der Nordſee verunglückte
und daß alle Inſaſſen tot ſind. Die Leiche Sir Emmets iſt
vor einigen Wochen an Land geſpült worden, ſie war verbrannt,
und von dem Teſtament hat ſich nichts mehr gefunden. Es iſt
ſcheinbar mit verbrannt.
Das Publikum wartete geſpannt auf die weiteren Worte
des Richters.
Lady Benthlen, begann der Oberrichter wieder, es iſt
feſtgeſtellt worden, daß Sir Emmet die Depeſche erhielt, ſofert
mnit dem Teſtament nach Berlin zu kommen. Anzunehmen iſt
auch, daß es ſich um ein Teſtament neueren Datums Ihrer ver=
ſtorbenen
Schweſter Viola handelte. Aber hier handelt es ſich
darum, den Nachweis zu erbringen, daß Lady Viola Durham
Sie tatſächlich im vollen Umfange als Univerſalerbin einſetzte.
Können Sie diefen Nachweis jetzt, nachdem das vollgültige Teſta=
ment
vernichtet iſt, durch irgendwelche andere Weiſe erbringen?
Der Hauptzeuge, Sir Emmet, mein väterlicher Freund,
fuhr anſchließend Lady Iris fort, iſt tot. Er hätte unter ſeinem
Eid bezeugen können, daß meine Schweſter durch das Teſtament
nur mich als Haupterbin einſetzte, ſo wie ich es beeiden kann,
nur mit dem Unterſchiede, daß mein Eid als Beklagte hier nicht
zählt. Lord Durham beſitzt ein Teſtament meiner Schweſter,
das er ihr vier Jahre vor ihrem Tode abgetrotzt hat . . . uiner
Todesdrohungen.
Wie ein Aufſchrei ging es durch den Saal. Das Publikum
wurde unruhig, die Herzen ſchlugen heftiger.
Meine Herren Richter! fuhr die Frau fort. Ich ſtehe
hier vor Ihnen als Angeklagte, als Betrügerin, als . . . Erb=
ſchleicherin
. Mir ging es wahrlich nicht um das Vermögen
meiner Schweſter. Ich befaß ein kleines Kapital, und Geld
hat mich nie gereizt. Als meine Schweſter auf den Tod krank
darniederlag, beichtete ſie mir die Geſchichte ihres Lebens, die
Geſchichte einer Hölle in einer Ehe mit einem . . . Teufel!
Lady Benthlen! verwarnte der Richter.
Fortſetzung folgt.

Verſteigerung von Nutz=
und Brennholz Nr. 5.
Dienstag, 3. Febr. 1931, 10 Uhr,
zu Burg Frankenſtein Nutzholz aus
verſchied. Abt. des Forſtorts Franken=
ſtein
, Brennholz aus Abt. 18 Schloßberg
Nutzholz (Langholz): Eiche Kl. 1
(unter 20 cm) 8 St. 1,39 fm, Kl. 2 (20
bis 29 cm) 11 St. 4,27 fm, Kl. 3 (30
bis 39 cm) 4 St. 4,26 fm, Kl. 5 (50 bis
59 dm) 2 St. 2,00 fm, Hainbuche Kl. 2,
1 St. 0,27 fm, Akazie Kl. 2, 2 St. 0,77
fm, Ahorn Kl. 4, 2 St. 1,84 fm. Kirſch=
baum
Kl. 2, 5 St. 1,28 fm, Linde Kl. 2,
1 St. 0.37 fm, Kl. 6, 1 St. 1,06 fin,
Schwvarzkiefer Kl. 1b, 1 St. 0,27 fm.
Kiefer Kl. 2b, 4 St. 1,87 fm, Kl. 3a, 2
St. 1,60 fm, Kl. 4a, 1 St. 0.88 fm, Lärche
Kl. 1a, 10 St. 4,91 fm, Kl. 1b. 5 St.
1.10 fm, Kl. 2a, 2 St. 0,25 fm, Fichte
Kl. 1a, 2 St. 0,32 fm.
Reisſtangen: Kiefer 4. Kl. 45 St.
5. Kl. 50 St., 7. Kl. /200 St.; Nutz=
ſcheiter
, rm: Buche 1. Kl. (geſpalten 2
Ahorn (rund) 1. Kl. 2,8, Hainbuche (rd.
2. Kl. 2, Kirſchbaum (rund) 2 Klaſſe
Linde (rund) 2. Kl. 3,8 rm.
Brennholz: Scheiter, rm: Buch
1. Kl. 47, 2. Kl. 5, Ahorn (rund) 4, Eich
7. Edelkaſtanie 2, Maßhelder 5, Linde 9
Knüppel, rm: Buche 11, Ahorn 1, Eich
4, Kirſchbaum 5, Linde 4; Reiſerholz
rm: 1. Kl. (Knüppelreiſig) Hainbuche
Ahorn 4, Linde 9, 3. Kl. (Wellen) Buch
345; Stockholz, rm: Linde 1.
Auskunft bei Herrn Förſter Pfä
der zu Forſthaus Sommersgrund b
Eberſtadt, Telephon 252.
(17
Eberſtadt, den 25. Jan. 1931.
Heſſiſches Forſtamt Eberſtadt.

Holzverſteigerung Nr. 7
Montag, den 2. Februar 1931, vor
mittags 9½ Uhr, werden im Gaſthau
Zum Löwen in Ober=Ramſtadt au
den Staatswalddiſtrikten Spieß 8a und
9e und Gebrannter Schlag 10 der För
ſterei Eiſernhand verſteigert:
Nutzholz. Langholz: Lärche 1b 3 St
0,74 Fm. Derbſtangen: Fichte 1. Kl
7 Stück. 3. Kl. 80 Stück.
Brennholz. Scheiter, Rm.: 123 Buche
23 Eiche, 61 Kiefer. Knüppel, Rm.:
91 Buche, 11 Eiche, 42 Kiefer, 5 Fichte
4 Schwarzkiefer.
(1807
Unterſtrichene Nummern kommen nicht
zum Ausgebot. Nähere Auskunft durch
unterzeichnetes Amt und Herrn Förſter
Hoffmann zu Forſthaus Eiſernhand.
Ober=Ramſtadt, den 28. Januar 1931.
Heſſiſches Forſtamt Ober=Ramſtadt.
Verſkeigerungsanzeige.
Am Freitag, den 30. Januar 1931
nachm. 3 Uhr, verſteigere ich in meinem
Verſteigerungslokale, hier, Hügelſtr. 27,
verſchiedene Gegenſtände öffentlich,
zwangsweiſe, gegen Barzahlung.
Vorausſichtlich beſtimmt verſteigert
wird: 1 Küchenbüfett. 1 Klavier
Franke‟ 1 Schreibtiſch (Diplomat),
1 elektr. Ständerlampe, 1 Standuhr
1 Nähmaſchine (Pfaff), 1 Vertikow,
poliert, 1 Nähmaſchine (Singer),
2. große Oelgemälde. 1 Trumeaux=
ſpiegel
mit Aufſatz, 1 Büroſchreib=
tiſch
mit Aufſatz, 1 Harmonium Hof=
berg
1 Kappel=Schreibmaſchine,
1 Schriftenſchrankchen.
Darmſtadt, den 29. Januar 1931.
Böhm.
(1795
Stellv. des Gerichtsvollziehers Portner,
Darmſtadt, Heinrichſtr. 93, I.

Unerhört billig verkaufen!

Winter=Ulſter

Winter=Paletots

Winter=Joppen.

für Damen
und Herren

Jeder Rechnende benützt dieſen Sonder=
Verkauf zu ſeinem eigenen Vorteil!
Dauer: 29. Januar bis 5. Februar 1931

Daaſllten
Tartiealt
Es gibt eine ganze Reihe von Waren beiſpiels-
weige
Textilien, von denen ich ſchon jetzt-
erPlären
Fann: es ist nicht wahrſcheinlich,
daß eine weitrre Prrisſenkung antreten kann

Das Aifennin Hans Ar gueliagin Istisssesang

Aufforderung.
Die Inhaber der ſtädtiſchen Bau=
kaſſenſcheine
, ſoweit ſie den Holz=
bezug
für 1931 wünſchen und hierzu be=
rechtigt
ſind, d. h. ſolche, die im Beſitze
von mindeſtens 10 Scheinen ſind, werden
hiermit aufgefordert, ſpäteſtens bis 15.
Februar 1931 ihre Rechte unter Vorlage
der Baukaſſenſcheine im Stadthaus. Zim=
mer
47, geltend zu machen. Die übrigen
Inhaber von Baukaſſenſcheinen, die Aus=
zahlung
der Verzinſungs= und Tilgungs=
beträge
wünſchen, und ſolche, die nicht
im Beſitze von mindeſtens 10 Scheinen
ſind, wollen ihre Rechte auf Herauszah=
lung
der Verzinſungs= und Lilgungsrate
für 1931 bis zum gleichen Zeitpunkt,
ebenfalls unter Vorlage der Baukaſſen=
ſcheine
, bei der Stadtkaſſe geltend machen.
Darmſtadt, den 26. Januar 1931.
Der Oberbürgermeiſter.
(St. 1806)
Kiefern=Skammholz=
Verſteigerung.
Montag, den 2. Februar 1931, vor=
mittags
9½ Uhr anfangend, werden im
Gemeindewald, Diſtrikt Täubcheshöhle,
an Ort und Stelle verſteigert:

Klaſſe 2a 11 Stück 4.17 Fm. 2b 69
38,84 Za 47
37,43 3b 17
17,67 4a 7.26 4b 2,96 5 1,72

Zuſammenkunft am Merck’ſchen Waſ=
ſerwerk
der Straße Darmſtadt Gräfen=
hauſen
.
(1804
Wir machen auf die gute Qualität,
beſonders geeignet für Glaſer und
Schreiner, aufmerkſam. Nähere Aus=
kunft
erteilt Förſter Hirſch, Weiterſtadt,

Friedrichſtraße 11.
Weiterſtadt, den 27. Januar 1931.

Am Freitag, den 30. Jan. 1931,
vormittags 10 Uhr, ſollen in meinem
Verſteigerungslokale Luiſenſtraße 32/34
folgende Pfänder zwangsweiſe gegen
Barzahlung verſteigert werden, ins=
beſondere
:
(1811
1 Radio mit Lautſprecher und Akku,
2. Warenſchränk, 1 Theke, 5 Muſik=
automate
, 2 Regale, 2 Schreib=
inaſchinen
, 1 Schreibtiſch, 1 Rollſchrank,
1 Perſonenautv, 1 Laſtauto, 1 Boſton=
preſſe
, 3 Oelgemälde, 1 Schlafzimmer=
bild
, 1 Büfett, 1 Flurgarderobe, ein
Schreibtiſch, 1 Sofa, 1. Kommode,
Möbel aller Art u. and. mehr.
Ferner hieran im Anſchluß um 10¾
Uhr an Ort und Stelle, Schulſtraße 9:
1 Regiſtrierkaſſe (Krupp), 1 Schnell=
waage
(Taka).
Ferner hieran im Anſchluß um 1177,
Uhr an Ort und Stelle, Bleichſtr. 9:
2 Warenſchränke, 1 Ladentheke, ein
Stehpult.
Ferner hieran im Anſchluß 12 Uhr
an Ort und Stelle (Zuſammenkunft Ecke
Schwanenſtr. und Rhönring):
1 Motorrad (Huby), 1 Büfett, 1 Wand=
uhr
, 1 Vertiko, 1 Kaffeemaſchine, ein
Schreibtiſch, 1 Propeller mit Uhr.
Ferner hieran im Anſchluß um 1 Uhr
an Ort und Stelle, Einſiedel:
1 Schreibtiſch, 1 Sofa mit Umbau,
1 Bücherſchrank, 1 weißer Schrank.
Darmſtadt, den 28. Jan. 1931.
Jungermann
Gerichtsvollzieher in Darmſtadt.

[ ][  ]

Donnerstag, den 29. Januar 1931

Nummer 29

hnen gebührt der erste Platz in der
Reihe alljährlicher Verkaufsver
anstaltungen. Keine Ware wird
mit solchem Glanz und in solch
ungeheurer Menge dem Käufer
angeboten wie gerade die Edel-
erzeugnisse
der Leinen- und Baum-
wollindustrie
. Hier wird das Wort
Höchst-Leistung eine handgreif-
liche
Tatsache im Bunde mit den
diesjährigen Minimum-Preisen.
Qualität und Preis sichern Ihnen
unvergleichliche Vorteile. Unsere
Fenster reden eine deutliche
Sprache und rufen Ihnen zu:
Kaufen! Kaufen! Kaufen!
Beginn Freitag vormittag 8½½ Uhr!

Darmstadt Markt u. Ernst-Ludwigsplatz

*

eitinger
ſchmidt
Inhaber: Jakob Lautenſchläger
Eliſabethenſtraße 19 Telephon 543
Erſtklafſiges Fiſchivezialgeſchäft
Friſche Zufuhren:
Bratſchellf. 0 25 u 0 35 Schellſiſch o. K.
(Grüne Heringe 0.25 Cabliau o. K. 0.34
1. 3 Pfund 0.70 Goldbarſch o K. 0.45
Ia Stockfiſch, blütenweiß Pfund 0.50
la Fiſchfilet ohne Kopf u. Gräten 0.65
Küchenfertige Ausſchnittſiſche
Isländ, Schellfiſch . . . . . Pfund
0.50
Isländ. Kabliau .
0.40
Nordſee=Seelachs
Ia Nordſee=Kabliau, hochprima 0.70
Holl. Angelſchellfiſch, Heehecht, Heilbutt,
Steinbutt, Heezungen, Rotzungen u. a. m.
Lebende Karpfen, Schleien, Aale,
Tafelzander Pfd. 0.90 Rheinbachſiſch 0.45
Rheinbreſem Rheinhecht
Friſche Seemuſcheln Pfd. 0.20 5 Pfd. 0.90
1a Halm im Ausſchnitt Pfund 2.20 an
Räucherwaren in allergrößter Auswahl
Sprotten ¼Pfd. 0.20, Kiſtchen nur 0.60
Literdoſen Marinaden . . . . . 0.90
½ Liter . . . . . . 0.50
Friedfiſhbäckerei täglich im Betrieb.
Bekanntlich wird nur das Beſte gebacken.
NB.! Prompter Stadt= u. Fernverſand

Brenntannäpfel
zu Mk. 1.00 p. hl
von 5 hl an Mk. 0.90 p. hl
lietert trei Haus (1776a
Fernspr.
Conrad Appel 91

Dienstag, den 3. Februar 1931,
nachmittags 2 Uhr, wird auf dem
Rathauſe dahier die Gemeindejagd
300 ha Wald und 475 ha Feld au
weitere 6 Jahre öffentlich verpachtet.
Altheim, den 26. Januar 1931,
Heſſ. Bürgermeiſterei Altheim.
Snnc.
U4

Markt 4 Tel. 641 Karlsſtr. 47
Aus tägl. friſchen Zufuhren empfehle:
la Fiſchfilet, tafelfertig. Pfund 0.70
Ia Schellfiſch im Schnitt . . Pfund 0.70
Cabliau . . 0.60 Seelachs . . 0.40
Golbbarſch 0.40 Seehecht . . 0.65
Zander . . 1.10 Rotzungen . 1.00
2½3pfündige Heilbutt. Pfund 0.95

Pfund 0.45
a Rheinbackfiſche

23 pfärdige Schellſiſche
Pfund
34 pfündige Cablian
1389
la Backſiſche
Pfund 0.35
1 Pfund . 0.25
Grüne Heringe /3 Pfund 0.70

71Pfd.=Kiſte 0.60
Kieler Sprotten// Pfund 0.20
Pfund 0.50
la Süßbücklinge.
Geräucherter Spickaal ½ Pfund 1.00
Friſche Seemuſcheln Pfd. 0.18 5 Pfd. 0.35

la Fiider Sauerkraut . . . Pfund 0.20
½Pfund 0.85
Taſelbutter ...
Cocosfett . . . . . . . Pfund 0.40

Uet

Auf dem Markt
(gegenüber Rothſchild)
Donnerstag u. Freitag eintreffend
billige blutfriſche Seefſiſche

Schellfiſch o. K.
Kablian o. K./ d2
Bratſchellſiſch 35.9

Grüne Heringe 25
3 pfd. 70 5
Goldbarſch . 45 D

Küchenfertige Ausſchnittſiſche

Jsld. Kablian
Isld. 5
ſiſch

lachs
Fiſch=Filet

3e
Seemuſ

Friſcher Kabliau ganz ohne Kopf, jede
Größe, Pfund 25 5, friſcher Schellfiſch
ganz v. K., jede Größe, Pfd. 35 H, blu= grüne Heringe, große, Pfd. 25 Z,
3 Pfd. 70 H. Nordſee=Goldbarſch ohne
Kopf, große, Pfd 45 H. Feinſte Brat=
ſchellfiſche
Pfd. 40 H. Feinſte Not=
zungen
Pfd. 60 J Feinſtes Edel=Filet
aus Schellf, und Goldb. Pfd. 70 H.
Lebendfriſcher Nordſee=Seelachs, ge=
putzt
, im Schnitt Pfd. 45 J, allerfeinſt
Kabliau, geputzt, im Schnitt Pfd. 50H,
allerfeinſter Schellfiſch, geputzt, i. Schn.
Pfd. 60 H. Feinſter friſcher Salm im
Schnitt ganz beſonders billig. Feinſte
Fluß=Zander Pfd. nur 85 J. 1807

Feden Abend und Freitag Mittag friſch
gebackene Fiſchkoteletts heiß aus dei
Pfanne Pfund 50 Z.

Feinſte ſüße und ſcharfe Bücklinge, ger.
Schellfiſche, Fleck eringe und Sprotten
die 1 Pfund =Kiſte 60 J, Rheinaal,
Scheibenlachs

Große, neue, ſchneeweiße Rieſen= Roll=
mops
u. Bismarckheringe Stück 15 D,
die 1 Ltr.=Doſe Bismarckheringe nur 75 3

Am Samstag, den 7. Februar 1931
wird auf dem Rathaus zu Dornheim die
Jagd der dortigen Gemeinde auf einen
Zeitabſchnitt von 9 Jahren öffentlich
verpachtet.
Die Jagd hat einen Flächeninhalt von
1140 Hettar oder 4560 Heſſiſchen Morgen
und wird in 4 Bogen verpachtet.
Es iſt unſer Ort Bahnſtation und
grenzen drei Bogen an das Dorf und der
vierte Bogen iſt mit Pflaſter vom Dorf
aus verbunden und jederzeit mit der
Auto zu erreichen.
Dornheim, am 27. Januar 1931.
Heſſiſche Bürgermeiſterei Dornheim
Atger.
(E

Kabliau ohne Kopf
im ganzen Pfund U.VX
im Ausſchnitt Pfd. 0.26

Kabliau=Filet
küchenfertig, Pfund

Fſt. Güß=Bücklinge
Pfund 0.04
Schdde 4 Fangrae
Filialen in allen Stadtteilen

Korſett=Spezialiſtin
empfiehlt zur heut. Mode nach dem Körper
gearbeitete Korſetts und Büſtenhalter.
Muſtergitilg in Form und Arbeit (278,
Wilhelminen=
Konſtantine Schwab, platz Nr. 2

Vergebung
von Fuhrleiſtungen, Aufbruch= und
Chauſſierungsarbeiten, Beton= und
Pflaſterarbeiten.
Für die Verbreiterung der Provinzial=
ſtraße
BürſtadtWorms km 36,717 bis
39,100 mit Kleinpflaſter ſollen die Fuhr=
leiſtungen
, Aufbruch= und Chauſſierungs=
arbeiten
ſowie die Beton= und Pflaſter=
arbeiten
vergeben werden. Die Bedin=
gungen
liegen in den Dienſträumen der
Provinzialſtraßenbauverwaltung Darm=
ſtadt
, Neckarſtraße 3, Zimmer 34, offen,
woſelbſt auch die Angebotsformulare
um Selbſtkoſtenpreis erhältlich ſind.
Die Angebote ſind verſchloſſen, porto=
frei
und mit entſprechender Aufſchrift
verſehen bis zum Montag, den 16. Fe
bruar 1931, vorm. 10 Uhr, hierher
einzuſenden.
(1777
Darmſtadt, den 26. Jan. 1931.
Provinzialdirektion Starkenburg
Kieſban).

Eliſabethenſtr. 42 Telephon 367
Das führende Fiſch=Spezialgeſchäf
Billige Seefische!

Schellfiſch o. K.
Kabliau o. K. 0.34
Bratſchellfiſch 0 35

Grüne Herince 0.2
3 Pfd. 0 70
Goldbarſt o. K. 0.45

Küchenfertige Ausſchnittfiſche:
Isl. Kab.iau
a Seelachs . 040
Bsl. Scheufiſch 0.90 Fiſchfilet 095
Stoafiſch Muſcheln
ff. Nordſee=Kablian, Schellfiſch im
Schn., Rotzungen, Seezungen, Heil=
butt
, Salm, Makrelen.
Beſonders preiswert:
0.90
Tafel=Zander
Nordſee=Kabeljau i. Schn., Pfd. 0.70
1.30
Rhein=Hecht
Aus meiner Rheinfiſcherei:
Leb. Karpfen, Schleien. Hechte,
Breſem, Rheinbackfiſche
Räucherwaren:
Ger. Schellfiſch,Lachshering, Makrelen,
Seelachs, Kieler Sprotten
Pfd. 0.50
Fett=Bücklinge
Räucher=Aal, Räucherlachs.
Matjesheringe, Neue Marinaden, Konſerven
Doſe 0.95
21 Liter Marinaden
Gefl. Aufträge für Freitag, nach
Möglichkeit Donnerstag erbeten. (1797

Ställe,
Geräte,
Bruteier,
Küchen.
Beſte Legeraſſen. Katalog
u. Anleit. frei. Geflügel=
hof
in Mergentheim K 4,
1V 1328

1 pelzgef. brauner
Handſchuh
um Sonntag abend
verloren. Abz. geg.
Belohnung:
Rheinſtraße 75.

Berſteigerungsanzeige.
Am Freitag, den 30. Januar 1931,
nachmittags 3 Uhr, verſteigere ich in
meinem Verſteigerungslokal, Ludwigs=
platz
8, verſchiedene Gegen=
ſtände
zwangsweiſe meiſtbietend geg.
Barzahlung.
(1798
Darmſtadt, den 28. Januar 1931.
Noſtadt.
Gerichtsvollzieher Kr. A.,
Bismarckſtraße 42, pt.