Darmstädter Tagblatt 1931


21. Januar 1931

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Einzelnummer 10 Pfennige

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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 21
Mittwoch, den 21. Januar 1931.
194. Jahrgang

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Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Strelk uſw., erliſcht
ſede Verpſlſchtung auf Erfüllung der Anzeigen=
aufträge
und Teiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerſchtiſcher Beſtrelbung fällt ſeder
Rabatt weg. Bankkonto Deutſche Banl und Darm=
ſädter
und Nationalbank.

Die Abrüſtungsfrage vor dem Völkerbundsrat.
Ein wichkiges Geſtändnis: Henderſon beftätigt die Abrüſtungsverpflichkung der Allierken. Deukſchland
fordert Sicherheit für Alle durch Abrüſtung. Franzöſiſcher Verſuch, Henderſons Geſtändnis abzuſchwächen.

Ein farbloſer Abrüftungsbericht
das Ergebnis der fünfjährigen Arbeiten.
* Genf, 20. Januar. (Priv.=Tel.)
Der Völkerbundsrat trat am Dienstag vormittag mit einer
Tagesordnung zuſammen, die aus einem einzigen Punkt be=
ſtand
: Abrüſtungsfragen. Mit dem Bericht über die
Tätigkeit und die Ergebniſſe der Vorbereitenden Abrüſtungs=
kommiſſion
, den der ſpaniſche Ratsvertreter Quinones de Leon
vorlegte, ſchnitt der Rat einen der politiſch wichtigſten Punkte
ſeiner Januartagung an.
Um 10,30 Uhr eröffnete Henderſon unter geſpannter
Erwartung des zahlreich anweſenden Publikums die Sitzung.
Quinones de Leon legte einen kurzen Bericht über den Ab=
kommensentwurf
vor, den die Abrüſtungskommiſſion in ihrer
Novemberſitzung aufgeſtellt hatte. Der Abrüſtungsbericht
des Rates iſt unter den vielen Aenderungen, die er er=
fahren
hat, ſichtlich farblos geworden. Er enthielt in ſeinen
früheren Faſſungen eine Verherrlichung der Abrüſtungsarbeiten,
iſt aber jetzt ſehr viel beſcheidener geworden. Der Bericht ſtellt
feſt, daß ſich der Abrüſtungsvorausſchuß für die Budgetbe=
ſchränkungen
und die Veröffentlichung der Be=
ſchränkung
der Wehrausgaben entſchloſſen habe,
daß die von ihm ausgearbeitete Konvention aber noch durch
techniſche Einzelheiten über die Budgetbe=
ſchränkung
und die Berechnung der Motorenſtärke
für Flugzeuge und Luftſchiffe ergänzt werden
müſſe. Der Abkommensentwurf, ſo heißt es, der das Ergeb=
nisder
fünfjährigen Arbeiten darſtelle, iſt indeſſen
nur ein Rahmen, der durch die Zahlen ausgefüllt werden muß,
welche von der Allgemeinen Abrüſtungskonferenz angenommen
werden. Der Bericht erwähnt den Antrag der deutſchen Ver=
tretung
auf Feſtlegung eines beſtimmten Kon=
ferenzdatums
und behandelt auch den deutſch=italieniſchen
Antrag auf Offenlegung der jetzigen Rüſtung, um
der Konferenz eine materielle Arbeitsgrundlage zu geben. Er
ſpricht ſich jedoch zu den beiden Anträgen nicht näher aus, ſon=
dern
überläßt die Entſcheidung dem Völkerbundsrat. Der Völ=
kerbundsrat
ging über den Bericht ſchnell hinweg zur allgemeinen
Ausſprache über, in der als erſter
der engliſche Außenminiſter Henderſon
zu einer Rede das Wort ergriff, die an ſeine ſenſationelle Ab=
rüſtungsrede
vom September 1930 erinnerte, in ihrer Form jedoch
weſentlich zurückhaltender war als jene. Man ſtehe vor der
erſten Weltabrüſtungskonferenz, führte Henderſon aus, die es
überhaupt je gegeben habe. Die Verantwortung ruhe
weder auf der Abrüſtungsvorkommiſſion noch auf dem Rat, ſon=
dern
auf den Regierungen der Welt. Alle Mit=
glieder
des Völkerbundes ſeien durch feierliche
Verpflichtung an eine gemeinſame Abrüſtung
gebunden. Dabei handle es ſich ſowohl um inter=
nationale
Rechtsverpfichtungen als auch um
Verpflichtungen der nationalen Ehre. Der Ar=
tikel
8 der Völkerbundsſatzung, die Präambel zum Teil 5 des
Verſailler Vertrages, das Schlußprotokoll der Konferenz von
Locarno und alle die Reſolutionen, die die Völkerbundsvoll=
verſammlung
ſeit dem Jahre 1920 angenommen habe, legten
allen Mitgliedern des Völkerbundes in der Abrüſtungsfrage
die gleiche ungeteilte Verantwortung auf. Wenn man dieſe
Verpflichtungen nicht erfülle, müßten ſich an
den friedlichen Abſichten, am Einfluß und an
der Autorität des Völkerbundes Zweifel er=
geben
. Wenn die Mächte die allgemeine Schiedsgerichts=
barkeit
und die ganze rechtliche Friedensorgani=
ſation
annehmen, dann müßten ſie der Welt auch zeigen, daß
ihr Verzicht auf Krieg tatſächlich ernſt ſei, und das könne nur
durch Begrenzung und Herabſetzung der militäriſchen Mittel
geſchehen. Nicht nur die internationale, ſondern auch die natio=
nale
Ueberlegung müſſe die Völkerbundsmitglieder im eigenen
Intereſſe zur Abrüſtung treiben.
Armut, Arbeitsloſigkeit, Zerſtörung, politiſche Unruhen
überall, alle Regierungen in Schwierigkeiten, alle Völker
im Leid: das ſeien Gründe genug zur Abrüſtung.
Alle dieſe Notſtände ſeien zum größten Teil Ueberbleibſel
des letzten Krieges. Man müſſe danach trachten, die Völker
vor dem Krieg zu ſichern, und zwar alle, ob Mitglieder oder
Nichtmitglieder des Völkerbundes. Man ſage, daß inmitten
all dieſer Unruhe ſchlechte Zeit für die Abrüſtung ſei. Aber
ſei denn die Unruhe, die heute beſtehe, nicht einfach das Ergeb=
nis
der Rüſtungen und der Ausfluß der Ungewißheit, ob man die
Welt vor einem Krieg bewahren könne? Es ſei wohl weniger
die unmittelbare Gefahr eines Krieges als die Angſt. Viele
Völker behaupteten heute, man kehre wieder zu dem alten
Allianz= und Bündnisſyſtem für Kriegsfälle zurück. Für ſeine
Regierung könne er erklären, ſie kenne weder Bünd=
niſſe
noch Bindungen, ausgenommen diejeni=
gen
durch den Völkerbundsvertrag, dieſer großen
Allianz gegen Rüſtungen und Kriege.
Reichsaußenminiſter Dr. Curkius fordert Gleich=
berechligung
auch für Deutſchlands Sicherheik.
Dann ergriff Reichsminiſter Curtius das Wort zu einer
kurzen, aber ſehr energiſchen und eindrucksvollen Erklärung. Er
führte aus: Wie wir in Deutſchland den Konventionsentwurf
ſelbſt beurteilen, wiſſen Sie. Aber ſeit dem Zuſammentritt des
Vorbereitenden Abrüſtungsausſchuſſes mußten wir mit jedem

Jahr immer mehr erkennen, daß der Weg, den die Kommiſſion
einſchlug, ſich ſtändig weiter von dem eigentlichen Ziel entfernte.
Trotz allen unſeren Einwänden wurde der Kon=
ventionsentwurf
hinſichtlich der Landabrü=
ſtung
Stück um Stück derjenigen weſentlichen
Elemente beraubt, die zu einer wirklichen Ab=
rüſtung
gehören. Das Rüſtungsſchema, das ſo entſtand,
ſtandes hinaus; zum Teil würde es ſogar noch eine Erhöhung
dieſes Rüſtungsſtandes erlauben. Daher hat ſich ſchon im Früh=
jahr
1929 der deutſche Vertreter auf Weiſung der deutſchen Re=
gierung
klar von dem Programm der Mehrheit der Kommiſſion
loslöſen müſſen. Man iſt ſchließlich ſo weit gegangen, dieſen in
ſich völlig ungenügenden Entwuf auch noch von vornherein zu ver=
binden
mit einer erneuten Feſtlegung des uns vertragsmäßig
auferlegten Entwaffnungsſtandes. So war es ſelbſtver=
ſtändlich
, daß wir das Ergebnis der Arbeiten
der Vorbereitenden Abrüſtungskommiſſion ab=
lehnten
.
Die kommende Konferenz wird nur dann annehm=
bare
Ergebniſſe zeitigen können, wenn ſie zunächſt, ehe ſie an die
Einſetzung von Ziffern geht, die jetzt vorgeſchlagene Methode
durchgreifend revidiert. Sie wird ſich ferner den erſten Grund=
ſatz
des Völkerbundes, nämlich die Gleichberechtigung
ſeiner Mitglieder, zu eigen machen müſſen, und
nicht Sicherheit gegen Unſicherheit ſtellen dürfen.
Das hat ſchon mein Amtsvorgänger ausgeſprochen. Reichskanzler
Hermann Müller hat 1928 in Genf ähnliches geſagt. Immer
wieder hat die deutſche Regierung dieſen Grundſatz zu dem ihrigen
gemacht, ſo noch im Sommer vorigen Jahres in ihrem Memo=
randum
zur Paneuropa=Frage. Graf Bernſtorff hat noch vor
ſechs-Wochen in dieſem Saal für Deutſchland paritätiſche
Sicherheit verlangt. Ich billige und unterſtreiche ſeine Aus=
führungen
ganz. Würde der Völkerbund dieſen Grundſatz preis=
geben
, würde er an ſeiner Aufgabe verſagen, die darin beſteht,
durch Abrüſtung allen ſeinen Mitgliedern
Sicherheit zuverſchaffen, ſo würde er ſeine Friedens=
aufgabe
verfehlen, ſein eigenes Daſein erſchüttern und ſeine
Exiſtenzberechtigung verlieren. Erfüllt er aber ſeine Abrüſtungs=
verpflichtung
, ſo werden wir die erſten ſein, das anzuerkennen.
Niemand kann mehr an einer wirklichen Abrüſtung gelegen ſein,
als dem deutſchen Volke.
Jialien beſteht auf Einborufung der Abrüſtungs=
konſerenz
.
Der italieniſche Außenminiſter Grandi erklärte, er wolle
nicht in eine Kritik des Abkommensentwurfes eintreten. Die
Haltung Italiens zu den Arbeiten des Abrüſtungsvorausſchuſſes
ſei genügend bekannt. Grandi beſtand hauptſächlich darauf, daß
der Völkerbundsrat endgültig den Zeitpunkt für die Abrüſtungs=
konferenz
feſtlege. Die Völker würden es nicht verſtehen, wenn
der Rat die Abrüſtungskonferenz nicht einberufe, während Mil=
liarden
von Schulden und außerordentlichen Steuern für die
Kriegsſchäden und Reparationen auf ihren Budgets laſteten und
während Millionen von Arbeitsloſen jeden Tag durch die Wirt=
ſchaftskriſe
aufs Pflaſter geworfen würden.
Briands Auffaſſung von der Abrüſtung.
Danach ergriff Briand zu einer betont optimiſtiſchen Rede
das Wort, in der er hauptſächlich über zukünftige Dinge ſprach,
ohne auf die Arbeiten des Abrüſtungsvorausſchuſſes näher ein=
zugehen
. Er wies darauf hin, daß alle Staaten durch das
Verſprechen des Artikels 8 der Völkerbundsſatzung gebunden
ſeien, die Abrüſtung durchzuführen. Aber es ſei
ideologiſch wie man es getan habe, eine voll=
ſtändige
Abrüſtung aller Staaten zu gleicher
Zeit zu verlangen. Es ſei Aufgabe der Konferenz, nicht
nur eine Beſchränkung der Rüſtungen herbeizuführen, ſondern
durch ihre Arbeit auch die Sicherheit der Völker zu erhöhen. Die
Vorbedingungen für die Konferenz ſeien nicht ungünſtig. In
denjenigen Ländern, in denen das Volk ſeine Regierung kon=
geſetzt
und ſeine Armee auf die Hälfte verringert; man müſſe auf
dieſem Wege fortſchreiten. Die Völker hätten wenig Stimmung
dafür, die Verſchwendung des Geldes als Rüſtungsausgaben fort=
zuſetzen
. Er glaube, daß die moraliſche Atmoſphäre für die Kon=
ferenz
günſtig ſei. Wenn die Konferenz übertriebene Erwar= anlaßt haben.
tungen noch nicht erfüllen werde, ſo werde es doch ein erſter
Schritt zur Zuſammenarbeit der Regierungen in der Abrüſtung
ſein. Dazu müſſe ſie jedoch gründlich vorbereitet werden.
Annahme des Berichts.
Der polniſche Außenminiſter Zaleſki erklärte ſich mit dem
Anſicht, daß die Abrüſtung progreſſiv fortſchreiten müſſe
Der iriſche Vertreter Gilligan bezeichnete das Arbeits=
ergebnis
des Abrüſtungsvorausſchuſſes als nicht befriedigend.
Der Vorſitzende Henderſon dankte zum Schluß dem pol=
niſchen
Außenminiſter Zaleſki für die Mitteilung, daß die pol= unter verſchiedenen Schlagwörtern verſucht wurde. Man be=
niſche
Regierung entſchloſſen ſei, die Fakultativklauſel für die
Haager Schiedsgerichtsbarkeit zu unterzeichnen, erklärte den Be= Hinblick auf die internationalen Beziehungen fertige Zuſtände
richt für angenommen und wies darauf hin, daß bei der Vor=
lage
der Abſchlußentſchließung in einer ſpäteren Sitzung des Rats
die verſchiedenen Ratsvertreter etwaige Bemerkungen noch vor=
bringen
könnten.
Die allgemeine Ausſprache über die Abrüſtung ſchloß damit
kurz vor 1 Uhr. Die nächſte Ratsſitzung iſt für Mittwoch, 10.30
Uhr, angeſetzt.

*
Paneuropa und Mikkeleuropa.
Von
Dr. Guſtav Erenyi.
Budapeſt, im Januar 1931.
Die beiden Hauptprobleme, die den Völkerbund diesmal
beſchäftigen, die Beſchwerden der deutſchen Minderheiten in
Polen und die Paneuropafrage, ſcheinen zunächſt im oberfläch=
lichen
Urteil für die Donauländer von keiner oder nur von
geringer unmittelbarer Bedeutung. In Wirklichkeit berühren
beide Angelegenheiten, wenngleich nur auf Umwegen, die
weſentlichſten Intereſſen der Südoſtſtaaten. Wenn das Mi=
noritätenproblem
ſelbſt in den entfernteſten Regionen
zu einem neuen Konflikt führt, der internationale Schlich=
tungsmaßnahmen
erheiſcht, ſo horcht man gerade in dieſen Brei=
läuft
höchſtens auf die Stabiliſierung des heutigen Rüſtungs= ten mit beſonderer Erregung auf. Befindet ſich doch in dem
Raum zwiſchen Karpathen und Hellespontums der eigentliche
Herd der nationalen Verquickungen, die immer ſchon vor=
handen
durch die Neuordnung nach dem Kriege zu neuer
Intenſität erwachten, iſt es doch annähernd die Hälfte der Ge=
ſamtbevölkerung
auf dieſem Gebiete, die entweder als nationale
Minderheit unter fremdem Staatjoch ein unzufriedenes Daſein
führt oder ſich infolge der Friedensverträge um ihre ſtaatliche
und nationale Einheit betrogen fühlt. Auf Hunderte belaufen
ſich bloß die Petitionen, die von Seiten Ungarns und Bul=
gariens
dem Völkerbunde in Minderheitenaffären von der einen
Seſſion zur anderen unterbreitet werden. Diesmal war für
Ungarn die Volkszählung ein Anlaß, um gegen die Tſchecho=
ſlowakei
und Rumänien, die angeblich durch allerhand Gewalt=
methoden
ein falſches ſtatiſtiſches Bild zu ungunſten der in ihren
Staaten lebenden ungariſchen Minoritäten entworfen hatten,
eine ganze Reihe von Beſchuldigungen zu erheben.
Aber auch die Debatte um Briands Plan eines
europäiſchen Zuſammenſchluſſes erweckt hier ein
bei weitem ſtärkeres Echo, als man ſich ſelbſt zugeſtehen will.
Man glaubt ſich in dieſen Ländern allerdings des Umſtandes
bewußt zu ſein, daß das von franzöſiſcher Seite verkündete
neuropäiſche Problem bloß eine verhüllende Formel darſtellt,
um politiſche Teilziele in univerſeller Etiket=
tierung
durchzufechten. Daraus hat Briand von allem An=
fang
an kein Hehl gemacht, unter der paneuropäiſchen Deviſe
vor allem die deutſch=franzöſiſchen Beziehungen in einer ihm
bequemen Weiſe regeln zu wollen. Ueber den die Südoſt=
ſtaaten
angehenden Teil des Problems ſchwieg er ſich vorerſt
aus. Daß aber dieſer ſtets im Vordergrunde der Erwägungen
ſtand, das beweiſt der beſondere pſychiſche und wirtſchaftliche
Druck, der durch die amtliche franzöſiſche Politik gerade im
Bereiche der mittleren und ſüdlichen Donau im Intereſſe des
Gelingens der Föderationsprojekte entfaltet worden iſt. Die
Reiſen Loucheurs, Flandins und Le Trocquers
nach den Hauptſtädten des Südoſtens und die Anſtrengungen,
die dieſe Staatsmänner in erſter Reihe in Budapeſt anſtellten,
um dieſes widerſpenſtige Land der Idee eines Zuſammen=
ſchluſſes
zu gewinnen, verfolgen ebenſo einen ſolchen Zweck, wie
der jüngſtens von Paris aus verkündete Grundſatz, dem all=
gemeinen
Kreditbedürfnis im Donaubecken nur unter der Be=
dingung
einer gegenſeitgen Verſtändigung und namentlich nur
um den Preis eines Verzichtes der unterlegenen Staaten auf ihre
Reviſionsanſprüche genügen zu wollen.
Nun kann keiner, der die Entwicklung der Dinge in den
Nachfolgeſtaaten der einſtigen Habsburgmonarchie mit aufmerk=
ſamen
Augen betrachtet, den immer ſtärker werdenden Hang
nach einer rettenden wirtſchaftlichen Kooperation
überſehen. Selbſt in Ungarn, wo man Jahr ein, Jahr aus
eine Außenpolitik mit Umgehung der Nachbarſtaaten betrieb, iſt
man durch die aktuelle Notlage unbeſchadet der nach wie vor
lebendigen rohaliſtiſchen, irredentiſtiſchen und reviſioniſtiſchen
Sondernote für eine Politik des ökonomiſchen Zuſammen=
gehens
mit den umgrenzenden Ländern, oder doch zumindeſt
mit einem Teil derſelben reif geworden. Die Loſung, in der
ſolche Beſtrebungen gipfeln, heißt gemeinſame Agrar=
front‟
. Der Notſchrei danach iſt von Budapeſt aus nicht
minder durchdringend als von Bukareſt oder Belgrad aus, wenn
er hier auch noch von verſchiedenen politiſchen Gegenloſungen
übertönt wird. Die ungariſche Wirtſchaft iſt infolge der ver=
fehlten
Beſtrebungen, von denen ſich die Regierung bisher im
Intereſſe einer Wirtſchaftsautarkie leiten ließ und die in hohen
Schutzzöllen für ungariſche Induſtrieartikel gipfelten, beſonders
übel daran. Die Antipolarität zwiſchen ungariſchem Induſtrie=
und tſchechiſchem Agrarſchutz war es vor allem, die den akuten
ungariſch=tſchechiſchen Zollkonflikt heraufbeſchwor.
Er verſchärfte ſich ſo weit, daß ſich eine Erneuerung des Han=
trolliere
, hätten keine Erhöhungen der Rüſtungen ſtattgefunden, delsvertrages zwiſchen den beiden Staaten auf Grund der von
Frankreich habe ſeine Militärdienſtzeit um zwei Drittel herab= den Tſchechen bedungenen Kautelen landwirtſchaftlicher Art
nicht bewerkſtelligen ließ und daß derzeit zwiſchen Prag und
Budapeſt ein vertragsloſer Zuſtand herrſcht. Die Vorahnungen
einer ſolchen unerfreulichen Entwicklung waren es nicht zuletzt,
die den Grafen Bethlen zu ſeiner Berliner Reiſe ver=
Man empfindet heute den Zuſtand einer durch die allge=
meine
Agrarkriſe verſchärften Wirtſchaftsiſolation in Ungarn
außerordentlich ſchwer, und man würde ſich zweifellos auch vor
gewiſſen Konzeſſionen politiſcher Art nicht weiter verſchließen,
um eine Einreihung in das mitteleuropäiſche Wirtſchaftsgefüge
zu erleichtern. Eine Nachgiebigkeit in dieſer Hinſicht geht jedoch
keineswegs ſo weit, um dem Paneuropa=Projekt bedingungslos
Bericht einverſtanden. Polen fühle ſich infolge ſeiner geographi= zuſtimmen zu können. Man empfindet hier die von Frankreich
ſchen Lage der Friedensſache aufs engſte verbunden und ſei der ausgehenden Anregungen zu einer europäiſchen Konföderation
beſonders ſcharf als ein Verſchleierungsmanöver, durch das in
den Donauländern auf Umwegen jene Einheit konſtruiert werden
ſoll, die zuvorderſt den Staaten der Kleinen Entente genehm
iſt und deren Zuſtandebringen von der Prager Regierung bereits
gegnet alſo hier dem Plan eines geeinigten Europa, das in
ſchaffen möchte, ohne erſt die durch die Friedensverträge und
die in ihrer Folge gegebenen zahlreichen Unfertigkeiten zu be=
ſeitigen
, mit dem größten Mißtrauen. Man befürchtet, in die
Paneuropaſpange einfach eingefangen zu werden, um dann in=
mitten
der neuen europäiſchen Ordnung ſelbſt des Rechtes, deſſen
man ſich heute noch in bezug auf die Anfechtung der auf der
Friedenskonferenz ſanktionierten territorialen und ethnographi=

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Mittwoch, den 21. Januar 1931

Nummer 21

ſchen Ungerechtigkeiten ſicher wähnt, beraubt zu werden. Der
Spieß wird hier gewiſſermaßen umgekehrt, und es wird ge=
fragt
, welche Zugeſtändniſſe man auf nationalem Gebiete er=
hoffen
darf, bevor man ſich auf eine ſolche definitive Löſung
einläßt. Es ſteht hier die Erwägung an vorderſter Stell2, in=
wieweit
ein Junctim geſchaffen werden könnte zwiſchen Pan=
europa
auf der einen und zwiſchen den Anſprüchen hinſicht=
lich
der Friedensreviſion und einer Dauerregelung der
Minderheitenfrage auf der anderen Seite.
Auch in dieſem Belange zeigt ſich alſo die frontale Spal=
tung
, die bei allen großen kontinentalpolitiſchen Diskuſſionen
im Südoſten in Erſcheinung tritt. Die Kleine Entente pflichtet
natürlich dem Briandſchen Gedankengang enthuſiaſtiſch bei, als
wenn er direkt für die beſonderen Anſprüche dieſer Staaten=
gruppen
gemünzt wäre. Ungarn verweigert zwar aus inter=
nationalen
Höflichkeitsgründen ſeine formelle Zuſtimmigkeit nicht,
aber die Zuſtimmung iſt mit Vorbehalten vollgeſpickt. Und auch
in Hinblick auf dieſe Frage heben ſich die Gegenſätze zwiſchen
den führenden europäiſchen Mächten gerade in ihrer Einſtel=
lung
auf die nationalen Widerſprüche in Südoſteuropa ſcharf
ab. Auch in ſeinem problematiſchen Verhalten gegenüber dem
paneuropäiſchen Fragenkomplex ſtützt ſich Ungarn in erſter Linie
auf das fasciſtiſche Italien, das auch ſeinerſeits von dieſem Pro=
jekt
nicht viel hält, und deſſen Auffaſſung aus eigenen
imperialiſtiſchen Erwägungen heraus übrigens auch England
teilt, wogegen im Zeichen Paneuroßas auf der anderen Seite
wieder nur das alte Einvernehmen zwiſchen Frankreich und
ſeinen Trabanten beſtätigt ſcheint, ſo daß man ſich im Gegen=
lager
nur zu leicht verſucht fühlt, Paneuropa mit Frank=
reich
zu identifizieren.
Von ſolchen organiſchen Störungen und Widerwärtigkeiten
abgeſehen, entbehrt aber die Paneuropa=Debatte juſt im Donau=
gelände
nicht einer erzieheriſchen Bedeutung, weil ſie durch ihre
großen utopiſtiſchen Zielſteckungen den Donauſtaaten überaus
einprägſam ins Gedächtnis ruft, was ihnen im Kleinen und
in der Wirklichkeit nottut. Sie mahnt daran, daß der Föde=
rationsgedanke
eben hier, auf dieſem Schauplatz der ärgſten
nationalen Fehde, durch die gewichtigſten wirtſchaftlichen und
kulturellen Argumente geſtützt wird. Das Paneuropa=Projekt
verliert ſich in geographiſcher Hinſicht in den Weiten des aus=
einanderfließenden
Raumes. Neben England und Nuß=
land
haben auch die Nordſtaaten, Italien, Spanien
und die Türkei aus dem geſamteuropäiſchen Rahmen zum
Teil ſtark hinausſtrebende Intereſſen. Wie ſteht es indes um
regionale Zuſammenſchlüſſe, deren Berechtigung und Notwendig=
keit
eine gleichläufige hiſtoriſche Entwicklung zu begründen
ſcheint?
In ſolchem Zuſammenhänge taucht das alte Mittel=
europa
=Problem unabweislich wieder auf. Es wird
in allen Donauſtaaten, ſo vor allem auch in Ungarn ſeit einiger
Zeit wieder recht lebhaft erörtert. Das auffälligſte Merkmal des
einſchlägigen Meinungsaustauſches beſteht jedoch darin, daß
Deutſchland hierbei entſchieden zu kurz kommt. Der unbe=
fangene
Beobachter gewinnt bei dieſen Diskuſſionen den Ein=
druck
, als wenn die Idee Friedrich Naumanns nun irgendwie
in Rumpfformat, mit Ausſchluß des Staates zu neuem Leben
erwachen wollte. Immerhin ſind es aber bei ſolchen Ausein=
anderſetzungen
, die eine beſondere, in ſich abgeſchloſſene ſüd=
öſtliche
Wirtſchaftsfront für möglich halten, die Stimmen der
ernſteſten Wirtſchaftspolitiker, die auf den unzertrenn=
lichen
Zuſammenhang mit der deutſchen Wirt=
ſchaft
hinweiſen. Läßt ſich ein Mitteleuropa in der Tat
vernünftigerweiſe ohne Deutſchland vorſtellen? Der Widerſinn
der neuen Zuſtände erſchöpft ſich am deutlichſten in der Zer=
reißung
und Verwiſchung dieſes natürlichen Zuſammenhanges.
Die reiſenden Exminiſter und Volksökonomen aus Frankreich
bemühten ſich eben um die Errichtung eines ſolchen für ſich be=
ſtehenden
Südoſteuropas, für das die paneuropäiſche Fiktion
in bemänteltem Sinne herhalten ſollte. Unter ſolchen Um=
ſtänden
ſieht ſich Deutſchland nach dieſer Himmelsrichtung hin
zwingend vor neue außenpolitiſche Aufgaben geſtellt. Es wird
in Zukunft ſein Augenmerk mit geſteigerter Kraft nach dem
Südoſten leuken müſſen, das immer ſein natürlichſtes wirt=
ſchaftliches
Anſchluß= und Abſatzgebiet war und an dem ſein
Intereſſe nach dem Zerfall der alten Donaumonarchie unter
dem Zwang der Verhältniſſe nur vorübergehend erlahmen, aber
nicht für längere Dauer ſchwinden konnte.

Eine nakiongliozigliſtiſche demonſtrakion.
* Berlin, 20. Jan. (Priv.=Tel.)
Der Strafrechtsausſchuß hat am Dienstag ſeine Beratungen
wieder aufgenommen, nachdem durch einen Urantrag die tech=
niſche
Möglichkeit gegeben war, den Faden weiterzuſpinnen, der
durch die Auflöſung des alten Reichstags abgeriſſen war. Da=
bei
ergab ſich als Ueberraſchung, daß die nationalſozialiſtiſchen
Ausſchußmitglieder nicht erſchienen waren, ſich auch nicht entſchul=
digt
hatten, ſondern erſt nachträglich eine Erklärung veröffent=

Willem de Haan.
Wer dreieinhalb Jahrzehnte lang an leitender Stelle das
Muſikleben einer Stadt beherrſcht, durch ſeine Perſönlichkeit be=
einflußt
und auf anerkannter Höhe gehalten hat, wer in herr=
licher
Weiſe hohe Geiſtigkeit, edles, feines Menſchentum und
bedeutſame, Künſtlerſchaft in ſich vereint hat, wie Willem
de Haan, der lebt nicht nur in Gedanken Tauſender, auf die er
eingewirkt hat, fort, ſondern ſein Name iſt mit der Geſchichte der
Kunſt dieſer Stadt unlöslich verbunden. Er ſtand am Höhepunkt
ſeiner Kraft und Künſtlerſchaft, als ich als Knabe zum erſten
Mal in eine Hauptprobe des Muſikvereins am Sonntagvormit=
tag
im Saalbau mitgenommen wurde. Es waren die Jahres=
zeiten
1898, und von da ab verdanke ich ihm die wertvollſten
künſtleriſchen Eindrücke meiner Jugend. Dadurch, daß de Haan
ſeine Dirigentenlaufbahn nicht am Theater, ſondern beim Binger
Cäcilien=Verein und bald darauf in Darmſtadt beim Mozart=
verein
begonnen hatte, blieb er zeitlebens ein ausgezeichneter
Chörerzieher und Konzertdirigent. Daß er ſämtliche Proben
perſönlich leitete, verſtand ſich in früherer Zeit von ſelbſt, und
man ſtellte im Mozartverein und ſpäter im Muſik=Verein gerade
an die Perſönlichkeit des Dirigenten beſonders hohe Anfor=
derungen
, nachdem ein Feuerkopf wie Carl Amand Mangold
in den Vereinen gewirkt hatte,
Zugleich hatte ſich aber de Haan als Hofkapellmeiſter in
kurzer Zeit auch auf dieſem Gebiet eine ſolche Beherrſchung
ſeiner Aufgaben erworben, daß eine überaus erfreuliche Ergän=
zung
beider Wirkungskreiſe ſich künſtleriſch in ihm vollzog. Er
war es ferner, der die ſtändigen Sinfoniekonzerte einführte und
der zeitweiſe regelmäßig mit den erſten Künſtlern des Orcheſters
Kammermuſik zu Gehör brachte, wo er als feinfühliger Pianiſt
zur Geltung kam. Seine Jugend empfing künſtleriſche Richtung
aus der Hochromantik, ſeine damals in ſchwärmeriſchem En=
thuſiasmus
erkorenen Lieblingswerke wie Tannhäuſer, Lohen=
arin
, wie Schumanns Paradies und Veri oder die Chorwerke
von Brahms blieben ihm neben den Werken der Klaſſiker ſtets
die höchſten Werte. Dieſer blühenden, ſonnigen Dichtung und
Muſik war ſein eigenes Weſen derart verwandt, daß es ihm in
den letzten Jahrzehnten nicht leicht fiel, mit der moderneren
Kunſt, die nach ſo vielen verſchiedenen Richtungen auseinander=
ſtrebte
, völlig Fühlung zu behalten. Wo ſie aus romantiſchem
Geiſte ſchöpfte, da war de Haan jugendlich begeiſtert, wie beim
Einſtudieren der achten Sinfonie von Guſtav Mahler, bei der
ich als Student mitſingen durfte. Wie ſtrömte da ſein Inter=
eſſe
für das Werk, das er herrlich aus der Orcheſterpartitur auf
dem Klavier ſpielte, auf die Singenden aus. Wie feinſinnig
waren ſeine Erläuterungen, die er freigebig einfließen ließ, und
die den Mitſingenden zum künſtleriſch Mitgeſtaltenden zu machen

Vom Tage.
Der bayeriſche Miniſterrat beſchloß am Dienstag einſtimmig, die
Klage wegen des Steuervereinheitlichungsgeſetzes beim Staatsgerichts=
hof
für das Deutſche Reich zu erheben. Die Klage wird ſamt der Be=
gründung
in kürzeſter Friſt abgehen.
Der Haushaltsausſchuß des Reichstages ſetzte am Dienstag
die Ausſprache über den Haushalt des Reichswirt=
ſchaftsminiſteriums
fort.
In den Räumen des Auswärtigen Amtes in Berlin wurde geſtern
die alljährlich in Berlin, ſtattfindende internationale Flug=
plankonferenz
eröffnet.
Präſident Böttcher und Landesdirektor Pod=
ſchus
vom Direktorium des Memelgebietes trafen in
Kowno ein und machten zuſammen mit dem bereits ſeit einigen Tagen
hier weilenden Gouverneur des Memelgebietes, Merkys, dem Miniſter=
präſidenten
Tubelis ihre Aufwartung. Die Delegation wurde dann vom
Staatspräſidenten Smetona empfangen.
Der Präſident des Danziger Senats, Dr. Ziehm, hat die beab=
ſichtigte
Reiſe nach Genf zur Teilnahme an den dortigen Verhandlungen
mit Zuſtimmung des Senats aufgeben müſſen. Die parlamentariſche
Lage macht ſeine Anweſenheit in Danzig dringend notwendig. Am Don=
nerstag
ſoll im Danziger Volkstage die Entſcheidung über die Finanz=
vorlagen
fallen.
Ein bekannter Politiker der Nachkriegszeit, der geweſene un=
gariſche
Innenminiſter Edmund Beniczky, hat ſich
geſtern früh am Ofener Donauquai durch einen Revolverſchuß in die
rechte Schläfe getötet.
Am Dienstag vormittag fand im Großen Sitzungsſaal des Haager
Friedenspalaſtes die erſte Sitzung des Ständigen Inter=
nationalen
Gerichtshofes in ſeiner neuen im Dezem=
ber
vorigen Jahres in Genf vom Völkerbund beſchloſſenen Zuſam=
menſetzung
ſtatt.
Eine gewaltige Proteſtkundgebung gegen den Anti=
ſemitismus
und den Krieg, für die Annäherung der
Völker und den Weltfrieden wurde geſtern abend von der
franzöſiſchen Sektion der internationalen Liga gegen den Antiſemitis=
mus
im Wagramſaale in Paris veranſtaltet und Maßnahmen
des Völkerbundes gegen den Antiſemitismus ge=
fordert
.
Dasengliſche Unterhaustrat geſtern nachmittag zum
erſten Mal wieder ſeit den Weihnachtsferien zuſammen,
Das Inſtitut für internationale Finanzen ſtellt in ſeinem Bericht
über Deutſchland feſt, daß die Nichtanerkennung der vom Reich im Aus=
land
eingegangenen privaten Schuldenverpflichtungen zu keiner Zeit zu
befürchten ſei.
Der Bericht des von dem Präſidenten Hoover eingeſetzten Unter=
ſuchungsausſchuſſes
über mögliche Aenderungen des Prohibitionsgeſetzes
iſt jetzt in ſeinem Wortlaut veröffentlicht worden. Die Kommiſſion er=
klärt
ſich kategoriſch gegen die Aufhebung des Prohibitionsgeſetzes. Die
von der Kommifſien gegebenen Anregungen zielen im großen und gan=
zen
auf eine noch weitere Verſchärfung des Prohibitionsgeſetzes hin.

lichten, wonach dieſes Fernbleiben nicht eine grundſätzliche Ab=
lehnung
jeglicher Zuſammenarbeit im Ausſchuß bedeuten ſolle.
Sie wollten damit lediglich einem Proteſt gegen die Strafjuſtiz
der deutſchen Republik Ausdruck geben, die nach ihrer Auffaſſung
eine ausgeſprochene Tendenz zur wohlwollenden Begünſtigung
großkapitaliſtiſcher Schieber erkennen laſſe. In Wirklichkeit han=
delt
es ſich natürlich um einen kleinen Racheakt gegen den Aus=
ſchußvorſitzenden
, Geheimrat Prof. Kahl, der kürzlich in klarem
Deutſch die parlamentariſchen Gebräuche der Nationalſozialiſten
kritiſierte und erklärte, daß nach ſeiner Meinung ein gutes Straf=
geſetzbuch
nur zuſtande kommen könnte, wenn die Nationalſozia=
liſten
und die Kommuniſten ſich an den Ausſchußſitzungen nicht
beteiligen würden. Jedenfalls ſtellte der in ſpäter Stunde erſchie=
nene
Abgeordnete Stöhr für die nationalſozialiſtiſche Fraktion
feſt, daß ſie bei den nächſten Sitzungen wieder regelmäßig mit=
arbeiten
werde.
Neue Kommuniſten-Amkriebe.
Die lettiſche Polizei hat mehrere Ruſſen verhaftet, die im
Begriffe waren, ſich nach den Vereinigten Staaten zu begeben.
In ihrem Beſitze fand man Anweiſungen für den 25. Februar,
den die Kommuniſten in allen Staaten zu einem Tag der Ar=
beitsloſen
ſtempeln wollen. Die Verhafteten ſollen zu einer
Gruppe von mehreren hundert Perſonen gehören, die in alle Län=
der
geſchickt wurden, um für die Entfachung neuer kommuniſti=
ſcher
Unruhen zu ſorgen. Es wurde bereits aus Moskau gemel=
det
, daß Herr Sinowjew als Oberſter Inſpirator für dieſe
Emiſſäre amtiert. Auch an der deutſchen Grenze erfolgt eine
ſtrenge Kontrolle aller aus Rußland kommenden Perſonen. Die
Ruſſen ſtecken aber meiſt dieſe geriſſenen Hetzer in die Perſon
von Mitgliedern ihrer Handelsgeſellſchaften oder von Kaufleuten,
denen man den Weg freigeben muß, wenn auch die Kriminalpoli=
zei
ein Auge auf die Herren haben kann. Dank der Unterſtützung
durch ihre deutſchen Genoſſen wird ihre Ueberwachung aber ſehr
erſchwert oder oft unmöglich gemacht. Da die Erinnerung an
den blutigen 1. Mai 1929 nicht mehr zieht, iſt es ganz verſtänd=
lich
, wenn man aufs neue zu blutigen Zuſammenſtößen hinar=
beitet
, mit denen man dann neue Sympathien zu ernten hofft.

bezweckten. Bei den großen Werken Max Regers, den Hiller=
Variationen, dem 100. Pſalm, den Nonnen erarbeitete er ſich
mit ſtaunenswerter Energie die Einfühlung, aber ſo manche
der Eigenwilligkeiten des genialen Meiſters veranlaßten
de Haan doch immer wieder zu leichtem Kopfſchütteln. Wenn
ihn dann aber im Konzert die Begeiſterung fortriß, dann emp=
fand
ich die Seligkeit im Chor mitſingen zu dürfen mehr als
je unter einem anderen Dirigenten; wie baten ſeine Augen, daß
eine wichtige Stelle ſo geriet, wie ſie ſtudiert war, wie dankte
er mit freundlichem Nicken für gutes Gelingen. Von beſon=
derer
Feinheit war ſeine Wiedergabe der Matthäus=Paſſion,
nicht eigentlich Bachiſch herb, ſondern von einer Innigkeit
des Mitempfindens, von einer Feinfühligkeit der Proportio=
nierung
, daß es mir jahrelang ſchwer fiel, mich in Berlin an die
derbere, weit mehr nach der äußeren Wirkung trachtenden Art
von Georg Schumann oder Siegfried Ochs zu gewöhnen, ja
des letzteren Auffaſſung gerade dieſes Werkes ſtieß mich eigent=
lich
ſtets ab.
Nicht nur in der überaus ſorgfältigen Einſtudierung zeigte
ſich de Haans vorbildliche Gewiſſenhaftigkeit, ſondern auch in
der peinlich genauen Vorbereitung der Orcheſterſtimmen jedes
Werkes, das er aufführte. Ueberall ſind Zeichen, Verbeſſerungen
von Fehlern, Ergänzungen von ſeiner Hand mit der wundervoll
klaren, äſthetiſch ſchönen Schrift zu finden. Unvergeßlich wird
es auch Vielen ſein, mit welcher Begeiſterung er 1913 zum
100. Geburtstag ſeines Vorgängers Mangold deſſen Fritjof ein=
ſtudierte
.
Als Komponiſt iſt Willem de Haan ſtets den Idealen ſeiner
Jugend treu geblieben, ſein Stil iſt der, dem Klaſſik und Ro=
mantik
feſten Boden verlieh, trotzdem wirkt ſich aber die Eigen=
art
des Menſchen de Haan ſo in allen Kompoſitionen aus, daß
ſie in ihrem Gepräge unverkennbar ſind. Oft hat er ſich ſeine
Dichtungen ſelbſt geſchaffen, wie in dem poeſievollen Konzert=
werk
Das Märchen und das Leben das eines ſeiner feinſten
künſtleriſchen Bekenntniſſe darſtellt. Auch in ſeinen Opern Die
Kaiſerstochter 1885 und Die Inkaſöhne 1895 treibt die Ro=
mantik
herrliche Blüten. Für den Mozartverein ſchuf er ſeinen
Königsſohn und die wirkungsvolle Vertonung der Ballade
Das Grab im Buſento, für den Muſikverein außer zahlreichen
a-Cappolla=Chören und dem ſchon genannten Märchen ſeine
Harpa und das Lied vom Werden und Vergehen, zu dem ihm
die Chöre von Brahms, beſonders Nänie Anregung gaben.
Sehr ſtolz war ich, als de Haan meiner Madrigal=Vereinigung
einige Chöre zur Aufführung übergab, darunter den poetiſchen
Fichtenbaum von Heine, und als er uns ſogar Die heiligen
drei Könige von Heine eigens ſchuf. Wer den feinen Kom=
poniſten
in der Hausmuſik kennen lernen will, der greife zu
den drei bedeutenden Klavierſtücken, die bei Breitkopf erſchienen
ſind, den beiden Idhllen in ihrer reizvollen Zartheit, und dem
herben, hochbedeutenden Intermezzo, einem geiſtvollen Varia=

Die geheimnisvolle Oſthilfe.
Vorläufig noch keine Entſcheidung.
* Berlin, 20. Januar. (Priv.=Tel.)
Die Preſſepolitik der Reichsregierung iſt verfehlt. Von allen
Seiten kommen unkontrollierbare Meldungen über die Oſthilfe,
die doch nicht nur eine national=wirtſchaftliche, ſondern auch
eine politiſche Seite hat. Die einzelnen beteiligten Miniſterien
geben ganz verſchiedene Auskünfte. Als Tatbeſtand kann man
feſtſtellen, daß vorläufig keine Entſcheidung gefallen
iſt und im Kabinett über die ſachliche Ausgeſtaltung noch
ſehr weitgehende Meinungsverſchiedenheiten
beſtehen. Auch die zur Mitwirkung unentbehrlichen Zentral=
geldinſtitute
haben verſchiedene Vorſtellungen über die Zweck=
mäßigkeit
einzelner Maßnahmen. Es iſt daher wenig wahr=
ſcheinlich
, daß bereits am Mittwoch im Kabinett eine Einigung
zuſtandekommen wird. Vor allem wird ſich der Widerſtand
dagegen richten, die Oſthilfe mit einem großen amtlichen Apparat
zu beſchweren, worauf einzelne Miniſterien anſcheinend nicht
glauben verzichten zu können. Aber das Beiſpiel der Renten=
bank
, die in den beiden oſtſächſiſchen Kreishauptmannſchaften
Dresden und Bautzen, ihre Vorſchläge praktiſch durchprobiert,
hat gezeigt, daß es ohne großen Apparat und ohne inſtanzen=
reiche
Prüfungsausſchüſſe geht. Die Rentenbank hat erſt im
Dezember mit ihren Arbeiten begonnen und hat bereits die erſten
Gelder ausgezahlt. Kein Wunder, wenn neben der Renten=
bank
auch die Reichsbank ſich gegen die Fortſetzung des bis=
herigen
Syſtems wendet und keine Gelder in ein Faß ohne
Boden werfen will. Es gilt hier ganz beſonders das Wort,
wer ſchnell gibt, gibt doppelt".
Wenn zwei dasſelbe kun.
* Berlin, 20. Januar. (Priv.=Tel.)
Die im Reichsetat vorgeſehene Auflöſung des Reichswaſſer=
ſchutzes
und der Uebergang auf die Länder ſtößt auf mancher=
lei
Schwierigkeiten. Herr Severing, der preußiſche Polizei=
miniſter
, hat keine große Neigung, die Offiziere in den preußi=
ſchen
Polizeidienſt zu übernehmen. Darüber iſt der Reichs=
verkehrsminiſter
v. Guérard ſehr verſtimmt. Herr Severing
läßt durchblicken, daß ihm die 75 Offiziere republikaniſch nicht
zuverläſſig genug wären.
Deutſch geſagt, bedeutet das, daß ihm nur diejenigen Offi=
ziere
willkommen ſind, die ſich zur Sozialdemokratie bekennen.
Das ſcheint bei einigen nicht der Fall zu ſein. Der Reichsver=
kehrsminiſter
drückt aber darauf, daß alle Offiziere übernommen
werden. Das hat nun wieder die ſozialdemokratiſche Polizei=
gewerkſchaft
auf den Plan gerufen, die die Namen einer Reihe
von Offizieren veröffentlicht und nachzuweiſen verſucht, daß
dieſe der Republik feindlich gegenüberſtehen. Das iſt natürlich
barer Unſinn. Schließlich haben die Angehörigen des Reichs=
waſſerſchutzes
dem Staat mehr als 10 Jahre genau ſo gut und
treu gedient wie die nach der Revolution in die Verwaltung
gekommenen Perſonen, die bei jeder Gelegenheit mit ihrem
Republikanertum hauſieren gehen. Daß die Polizeigewerkſ haft
einen ſo ſcharfen Kleinkrieg gegen den Reichswaſſerſchutz führt,
hat noch ſeinen beſonderen Grund. Dieſe Organiſation will
ihre Mitglieder in die vom Reichswaſſerſchutz freizumachenden
Poſten hineinſchieben. Man darf wohl in dieſem Zuſammenhang
daran erinnern, daß dem thüringiſchen Innenminiſter Frick
wegen der Einreihung von Nationalſozialiſten in die thüringi=
ſche
Polizei ſchwere Vorwürfe gemacht wurden, von Leuten, die
von der gleichen parteilichen Einſtellung beherrſcht ſind. Denn
in Preußen iſt es doch nicht anders. Hier wachen die ſozial=
demokratiſchen
Machthaber ängſtlich darüber, daß die preußiſch=
Polizei ihren Nachwuchs nur aus dem ſozialdemokratiſchen
Lager holt, was doch ebenfalls darauf hinausläuft, die ſtaat=
liche
Polizei mit ihren Machtmitteln in eine parteipolitiſche
Körperſchaft umzuwandeln.
Das Zenkrum demenkiert ſich.
Das Preußiſche Zentrum hat ſich wieder einmal einen Genie=
Streich geleiſtet. Vor einigen Wochen hatte der Zentrumsführer
Dr. Heß den Deutſchnationalen, als ſie ſich wieder einmal über
die Bevorzugung parteipolitiſch eingeſtellter Beamter beklagten,
den Rat gegeben, doch einmal einen Antrag auf Vorlage ſtati=
ſtiſchen
Materials einzubringen, den er warm befürworten werde.
Die Deutſchnationalen haben das ſelbſtverſtändlich getan. Heute
ſtand der Antrag im Ausſchuß zur Beratung, und dabei hat ſich
dann das ſelbſtverſtändliche Schauſpiel ergeben, daß derſelbe Herr
Heß vom Zentrum im Einverſtändnis mit ſeinen Freunden von
der Weimarer Koalition den Antrag niederſtimmte, offenbar,
weil das Ergebnis einer ſolchen ſtatiſtiſchen Feſtſtellung ein
außerordentlich peinliches geweſen wäre.

tionenwerk. Der muſiziere ferner immer wieder die herrlichen
Geſänge nach Gedichten von Tagore, die Frau Heſſe aus der
Taufe hob, und die bei Chriſtian Arnold erſchienen. Dies ſind
Denkmäler, die aus dem Zeitſtil heraus geboren ihren bleibenden
Wert behalten durch die Reinheit und Tiefe der Empfindung.
Aber auch des feinen Geſellſchafters, des geiſtvollen Red=
ners
, des feinſinnigen Schriftſtellers wollen wir gedenken. Er
war keiner von denen, die durch temperamentvolle Führerſchaft
den Mittelpunkt der Geſelligkeit bilden, aber ſeine Anweſenheit
adelte die alljährlichen Familienausflüge und Herrenpartien
des Muſikvereins, ſeine Gelegenheitsreden ich denke an das
letzte Jubiläum des Mozartvereins, an ſeinen Abſchied vom
Muſikverein waren getragen von Geiſt und Herzenswärme,
und die vielen ausführlichen Einführungen in Meiſterwerke der
Tonkunſt, die im Lauf der Jahre in den Spalten des Tagblatts,
ſtanden, drangen tief in den Geiſt der Werke ein und waren
vorbildlich in Form und Stil. So ſchied ein Edler und Reicher
aus dem Gebiete des Geiſtes und der Kunſt von uns, und wir
wollen uns ehrerbietig zu ſeinem Gedenken zufammenfinden
bei der Feier, die das Landestheater mit ſeinen beiden Chor=
vereinen
am kommenden Sonntag veranſtaltet. Die Groß=
herzogin
Alice ſoll geſagt haben: Für mich iſt Brahms der
größte unter den lebenden Muſikern, de Haan der liebens=
Friedrich Noack.
würdigſte.
* Berliner Premieren.
abk. Amphitrhon, ſagenhafter König von Tyrins war ſiehe
Mhthologie der Gemahl der Alkmene. Zeus Omnipotens nahm Am=
phitryons
Geſtalt an, und alſo wurde Frau Alkmene zur Mutter von
Herakles. In den Luſtſpielen von Plautus, Moliére und Kleiſt wird
nun der arme Amphitryon ſiehe Literaturgeſchichte als Schulbei=
ſdiel
für betrogene Ehemänner dargeſtellt. Jetzt meldet ſich der fran=
zöſiſche
Dramatiker Jean Giraudoux mit ſeiner Komödie Am=
phitryon
38 und verſucht neue Farbtöne zur geiſtreichen Wieder=
belebung
der antiken Legende zu miſchen. Das Experiment gelingt,
denn der Franzoſe hat Witz und verſteht das Bühnenhandwerk. Auf
Tiefgründigkeit kam es ihm nicht an; er begnügte ſich mit einer char=
manten
Offenbachiade, zu der ein auserleſenes Künſtlerenſemble die
Muſik liefern muß. Dies beſorgt Bernowſky in ſeinem Theater
in der Streſemannſtraße mit ausgezeichnetem Gelingen. Im
Mittelpunkt der erfolgreichen Aufführung ſtehr die ahnungslos= klein=
bürgerliche
Alkmene der Bergner. Das Publikum lacht viel und herz=
lich
, verzeiht einige Längen des ſonſt gut gezimmerten Stückes und ver=
zichtet
auf Vergleiche mit den ſozuſagen klaſſiſchen Vorläufern dieſes
Amphitryon Nr. 38.
Im Wallner=Theater erwachte die Junge Volksbühne mit
einem Schauſpiel von Friedrich Wolf: TaiYang erwacht‟. Die
theatrcliſche Kampfgemeinſchaft unter Leitung von Piscator hätte
getroſt weiter ſchlafen können; ihr Erwachen beſchränkte ſich auf poli=
tiſche
Gemeinplätze. Mit der ſogenannten Kunſt hat die Angelegenheitz
nichts zu tun, auch mit der Theaterkunſt nicht.

[ ][  ][ ]

Nummer 21

Mittwoch, den 21. Januar 1931

Seite 3

Prüfung des Präferenz= und Konvenkionsſyſkems

In der öffentlichen Nachmittagsſitzung des Europäiſchen Aus=
ſchuſſes
ergriff in Fortſetzung der Ausſprache über den Bericht
Coliins Reichsaußenminiſter Curtiusdas Wort, um den Stand=
punkt
der deutſchen Regierung zu den aufgeworfenen Fragen dar=
zulegen
und beſonders zu der Rede des ſüdſlawiſchen Außenmini=
ſters
Marinkowitſch Stellung zu nehmen. Die Tatſache, ſo er=
klärte
er, daß nach der Berichterſtattung Coliins der ſüdſlawiſche
Außenminiſter in vielen Punkten die Urſachen der gegenwärtigen
Wirtſchaftspolitik anders als Coliin dargeſtellt hat, beweiſt, daß
es heute keine einheitliche Löſung für die beſtehenden Schwierig=
keiten
gibt. Für Deutſchland iſt feſtzuſtellen, daß
die Empfehlungen der Weltwirtſchaftskonfe=
renz
bezüglich des notwendigen Abbaues der
Zollſätze auf induſtrielle Erzeugniſſe ſowohl
auf dem Wege gegenſeitiger Verhandlungen,
z. B. im deutſch=franzöſiſchen Handelsvertrag,
wie auch auf autonomem Wege durchaus zur Gel=
tung
gebracht ſind. Anders liegt es auf dem Gebiete der
landwirtſchaftlichen Zölle. Die deutſche wie manche andere Re=
gierung
iſt hier durch den radikalen Umſchwung der Marktver=
hältniſſe
zu Zollmaßnahmen gezwungen worden, um überhaupt
die nackte Exiſtenz der eigenen Landwirtſchaft zu erhalten. Es
kommt hinzu daß Deutſchland mit einſeitigen
Zahlungen belaſtet iſt, die den normalen Ab=
lauf
der wirtſchaftlichen und finanziellen Vor=
gänge
zu ſtören geeignet ſind. Wenn Deutſch=
land
ſeine Zahlungen erfüllen will, muß es die Aus=
fuhr
ſteigern und die Einfuhr verringern. Es gibt
für eine planmäßige Verringerung der Einfuhr kein anderes Mit=
tel
als die Entwicklung der einheimiſchen, in erſter Linie der
landwirtſchaftlichen Erzeugung und die möglichſte Fernhaltung
entbehrlicher Güter. Dem Wunſche des Herrn Coliin, daß die vor
kurzem abgeſchloſſene internationale Zuckerkonvention als Vorbild
auch für andere landwirtſchaftliche Produktionsgebiete, dienen
möge, kann ich mich trotz der in den anders gearteten Verhält=
niſſen
liegenden Schwierigkeiten nur anſchließen. Ich hoffe, daß
die für den Monat März 1931 in Rom geplante Welt=
getreidekonferenz
in verſtändnisvoller Mitarbeit der
daran intereſſierten außereuropäiſchen Länder zu einem erfolgrei=
chen
Ausgang führen möge. Ich verweiſe indes darauf, daß es
gegenüber dieſem auf lange Sicht geſtellten Ziel Aufgabe des
Eurpäiſchen Ausſchuſſes iſt, inzwiſchen die be=
ſonderen
europäiſchen Probleme in Angriff zu
nehmen. Hierfür liegt der bekannte Präferenzvorſchlag
für ſüdoſteuropäiſches Getreide vor. Aus dem Nah=
men
der im großen Umfange bereits international anerkannten
Präferenzen fällt er nicht heraus, wenn man europäiſchen Ueber=
ſchuß
= und Zuſchußgebieten ein ähnliches Recht gewähren würde.
Curtius wies hierbei darauf hin, daß die Zollunion als lücken=
loſe
Präferenz unbeſtritten bereits zum Gegenſtand des Handels=
vertragsrechts
geworden ſei. Um wieviel näher liegt es daher,
die vorgeſchlagene Vorzugsbehandlung als berechtiges Mittel zur
Behebung der innereuropäiſchen wirtſchaftlichen Schwierigkeiten
zu bezeichnen. Es iſt Aufgabe des Europäiſchen Ausſchuſſes, den
Präferenzplan auf der Grundlage von inzwiſchen abzuſchließenden
zweiſeitigen Vereinbarungen zu beſprechen und die Zuſtimmung
der meiſtbegünſtigten Länder einzuholen, um ſodann an die inter=
eſſierten
außereuropäiſchen Staaten mit dem gleichen Anliegen
heranzutreten. Ein ſolches Verfahren legt es nahe, die in dem
Ausſchuß noch nicht vertretenen, an der Präferenzidee intereſſier=
ten
europäiſchen Staaten zum Studienausſchuß hinzuzuziehen.
Wenn auf Grund einer vielleicht von ſüdſlawiſcher Seite einzu=
bringenden
Entſchließung der Europaausſchuß zu einer Stellung=
nahme
zur Präferenzidee berufen iſt, muß man auch den von
Herrn Coliin erwähnten Zuſammenhang zwiſchen der
Handelskonvention als der ſicheren Grundlage
für die wirtſchaftlichen Beziehungen und der
Präferenzidee in den Kreis der Beratungs=
gegenſtände
einſchließen. Was die übrigen zur Erör=
terung
gehörigen Fragen angeht, ſo iſt Deutſchland als Staat,
deſſen Landwirtſchaft unter der Kurzfriſtigkeit und der Zinſen=
laſt
der gegebenen Kredite leide, an der Organiſierung
des Landwirtſchaftskredits in ſtärkſtem Maße inter=
eſſiert
, wie es überhaupt Aufgabe des Europäiſchen Ausſchuſſes
iſt, ſich mit dem Problem des Kredits und des Kapitalmarktes im
allgemeinen zu befaſſen. Endlich iſt Deutſchland zu den von Eng=
land
und Holland vorgeſchlagenen Verhandlungen bereit.

Der Europäiſche Ausſchuß hat dann ohne Ausſprache den
Vorſchlag des Sechsmächte=Ausſchuſſes zur Einladung Sowjet=
rußlands
, der Türkei und Island zu den Verhandlungen des
Europäiſchen Ausſchuſſes angenommen. Belgien, Spanien,
Holland, Dänemark, Schweden, Norwegen und Südſlawien mel=
deten
gegen dieſe Entſchließung einen Vorbehalt an. Als Wort=
führer
dieſer Staatengruppe erklärte der norwegiſche Außenmini=
ſter
, erſt wenn die Zuſammenarbeit der europäiſchen Staaten auf
feſter Grundlage im Europäiſchen Ausſchuß aufgebaut wäre,
hätte die Einladung erfolgen müſſen.

Bekanntlich hat die Freie Stadt Danzig Polen
erſucht, auf der Europakonferenz den Antrag
zu ſtellen, daß auch Danzig zu den künftigen Ar=
beiten
des europäiſchen Studienkomitees ein=
geladen
werde. Der polniſche Außenminiſter
Zaleſki hat jedoch dem Wunſch Danzigs nicht
entſprochen, was wiederum kennzeichnend dafür iſt, wie
Polen, das bekanntlich die Aufgabe hat, die Freie Stadt Danzig
diplomatiſch zu vertreten, dieſes Mandat ausführt. Dieſes Ver=
halten
Polens iſt hier um ſo mehr aufgefallen, als die däniſche
Regierung einem ähnlichen Wunſche Islands, das gleichfalls an
den Arbeiten der Europakonferenz teilnehmen will, ohne wei=
teres
entſprochen und einen entſprechenden Antrag beim Vor=
ſitzenden
der Konferenz, Briand, geſtellt hat, mit dem Erfolg, daß
nunmehr Island, ebenſo wie Sowjetrußland und die Türkei,
eingeladen wird. Es ſei noch bemerkt, daß Island, das jetzt zu
der Konferenz hinzugezogen wird, 100 000 Einwohner hat, und
Luxemburg, das aus Grund ſeiner Mitgliedſchaft im Völkerbund
bereits der Konferenz angehört, nur 200 000 Einwohner zählt,
während Danzig, das durch das Verhalten Polens von der Kon=
ferenzarbeit
ausgeſchloſſen wird, eine Bevölkeung von 406 000
Seelen hat.
Dieſe und andere Gründe veranlaßten den deutſchen Reichs=
außenminiſter
Dr. Curtius, nochmals die Hinzuziehung Danzigs
zu den Arbeiten des europäiſchen Studienkomitees, die er bereits
in der öffentlichen Sitzung am Samstag gefordert hatte, anzu=
ſchneiden
. Der Vorſitzende Briand teilte mit, daß er inzwiſchen
auch durch den polniſchen Außenminiſter Zaleſki mit der Angele=
genheit
befaßt worden ſei. Es handele ſich hier um eine beſon=
dere
Frage, die noch geprüft werden müſſe. Aber auf eine Be=
merkung
des polniſchen Außenminiſters Zaleſki, daß es ſich hier
nicht um eine politiſche, ſondern um eine juriſtiſche Frage han=
dele
, die auch bereits den Haager Gerichtshof beſchäftigt habe, er=
widerte
Dr. Curtius, die juriſtiſche Frage ſei nur in einem ganz
beſonderen Falle, nämlich bei der Frage des Beitritts Danzigs
zur internationalen Arbeitsorganiſation, aufgeworfen und behan=
delt
worden. Er ſei aber bereit, ſich mit dem polniſchen Außen=
miniſter
Zaleſki in Verbindung zu ſetzen und hoffe, daß bis zur
Maitagung der europäiſchen Konferenz die Frage ſoweit geklärt
ſei, daß dann eine Einladung an Danzig erfolgen könne.
Paris und Genſ.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
* Paris, 20. Januar.
Die Nachrichten aus Genf lauten nicht ſehr günſtig, an=
ſcheinend
fand die franzöſiſche Delegation dort ein weniger
günſtiges Terrain vor, als man erwartete. Vor allem wird
die intranſigente Haltung Deutſchlands beklagt. Die Beſpre=
chungen
zwiſchen Curtius und Briand offiziell verlautet
eigentlich nichts Weſentliches über ſie ſollen angeblich nicht
ſehr reich an Ergebniſſen ſein.
Die polniſche Frage drückt auf die Gemüter. Man
möchte ſie gerne loswerden; in einigen franzöſiſchen Blättern
wurde deshalb auch die Vermutung lanciert, daß ſie diesmal
in Genf nicht erledigt wird. Es iſt augenſcheinlich, daß die Po=
ſition
Polens ungünſtig iſt. Gerüchtweiſe verlautet hier, daß
Zaleſki in Anbetracht der Genfer Schwierigkeiten ſich vom
Außenminiſterium zurückziehen und den Londoner Botſchafter=
poſten
übernehmen würde.
Die Haltung Henderſons war nicht ganz derart wie man es
hier und noch mehr im Ausland vorausſagte. Es erweiſt ſich,
daß die Kombinationen über ein engliſch=franzöſiſches Zuſam=
mengehen
, welches in der Finanzpolitik der beiden Mächte
wurzeln ſollte, übereilt ſind.

Die franzöſiſche Preſſe beklagt, daß die Umriſſe eines
deutſch=italieniſch=ruſſiſchen Zuſammen=
gehens
immer ſichtbarer werden, man vergißt es aber, hin=
zuzufügen
, daß, wenn der Anſchein eines ſolchen Zuſammen=
wirkens
immer wieder entſtehen muß, daran nur die einſeitige
Haltung der franzöſiſchen Außenpolitik Schuld trägt.
Paneuropa brachte bis jetzt ſeinem Schöpfer ſehr wenig
Befriedigung. Dieſem Projekt fehlt es ganz entſchieden an
Volkstümlichkeit. Von all ſeinen anderen Fehlern abgeſehen,
vermochte es keinen Augenblick die Welt wirklich zu begeiſtern,
dem war es nicht kühn genug abgefaßt. Nur auf Grund eis=
kalter
diplomatiſchen Erwägungen befaßt man ſich mit dieſer An=
gelegenheit
, und ſelbſt dieſe nüchternen Ueberlegungen ſchlagen
faſt immer zu ungunſten Briands aus. Ganz auffallend iſt zum
Beiſpiel, mit welcher Heftigkeit die fasciſtiſche Preſſe die Pan=
uropabeſtrebungen
kritiſiert.
Ueber die Abrüſtungsfrage ſpricht man jetzt ziemlich
theoretiſch, angeblich kann man aber mit einiger Sicherheit
darauf rechnen, daß die große Abrüſtungskonferenz in Wien
ſtattfinden wird.

Nach den nunmehr vorliegenden vorläufigen Ergebniſſen
der Volkszählung in der Tſchechoſlowakiſchen Republik im
Jahre 1930 betrug zu dieſem Zeitpunkt die Zahl der Einwohner
14 723 234 gegenüber 13 607375 im Jahre 1921. Er ergibt ſich
demnach eine Zunahme der Bevölkerungsziffer von 1 115 859
oder 8,20 Prozent. Die Volkszählung in Groß=Oſtrau ſoll er=
geben
haben, daß dort die Deutſchen, die für die Zweiſprachig=
keit
notwendigen 20 b. H. nicht erreicht haben. Nur 18,56 v. H.
der Einwohner haben ſich zur deutſchen Nationalität bekannt.
Sollte ſich dieſe Nachricht bewahrheiten, ſo würde die deutſche
Sprache aus dem ehemals überwiegend deutſchen Mähriſch=
Oſtrau als Amtsſprache verſchwinden. Auch der Olmützer Ge=
richtsbezirk
iſt nunmehr einſprachig tſchechiſch geworden. Das
bedeutet, daß die Olmützer Deutſchen das Minderheitsſprach=
recht
, mit den tſchechiſchen Behörden in deutſcher Sprache ver=
kehren
zu dürfen, verloren haben. Die Bevölkerung des Ol=
mützer
Gerichtsbezirks beträgt 124 400, davon ſind 98000 Tſche=
chen
und 23000 Deutſche, d. h. 78,8 v. H. Tſchechen und 18,8
v. H. Deutſche, die ſomit die notwendigen 20 Prozent nicht
erreichten. Im Jahre 1921 betrug die deutſche Bevölkerung
21,53 b. H.
* Dieſe Volkszählung hat viel böſes Blut gemacht. Wie
das Ergebnis zeigt, ſind rein deutſche Sprachgebiete nunmehr
einſprachiſch tſchechiſch geworden. Wir haben bereits im Dezem=
ber
vorigen Jahres, zu Beginn der Volkszählung in der Tſche=
choſlowakei
darauf hingewieſen, mit welchen Mitteln von der
tſchechiſchen Regierung die Volkszählung betrieben wurde. Will=
kürlich
hat man die Deutſchen durch die politiſchen Behörden
zurückgeſetzt, um ſie zu zwingen, ihr Deutſchtum zu verleugnen.
An Einſchüchterungs= und Ueberumpelungsverſuchen hat es nicht
gefehlt. Aehnlich iſt es auch der ungariſchen Minderheit er=
gangen
, deren Schickſal der Gegenſtand einer Interpellation im
ungariſchen Abgeordnetenhaus wurde. Der demokratiſche Abg.
Pakots hat ſich darüber empört, daß man die ungariſche Min=
derheit
nicht gezählt und gezwungen habe, ihr Ungartum zu
verleugnen. Der Abgeordnete richtete unter dem ſtürmiſchen
Beifall des Hauſes an den Miniſterpräſidenten, Graf Bethlen,
die dringende Aufforderung, die Beſchwerde der ungariſchen
Minderheit vor den Völkerbund zu bringen. Die ungariſche
Regierung hat von einem ſolchen Schritt Abſtand genommen,
da ſich die ungariſche Minderheit ſchon ſelbſt an den Völkerbund
gewandt hatte. Neben Deutſchland, das ja bekanntlich mit den
minderheitenfeindlichen Staaten, vor allem mit Polen, im Völ=
kerbundsrat
die Klinge kreuzen wird, hofft nun auch Ungarn,
daß ſich der Völkerbund dazu entſchließen wird, das Syſtem
der minderheitenfeindlichen Staaten zu verurteilen. Enttäuſht
der Völkerbund, wie ſchon ſo oft, auch in dieſem Fall, dann
gibt er ſelbſt ſeine Stellung als Beſchützer der Minderheiten
preis, ganz zu ſchweigen von dem Verluſt des letzten Reſtes
von Vertrauen, das er vielleicht noch beſitzt. Auch das Vor=
gehen
gegen die Deutſchen in der Tſchechoſlowakei verdient, vor
aller Welt gebrandmarkt zu werden, da die tſchechiſche Volks=
zählung
die gleiche Tendenz aufweiſt, wie ſie in Polen anläß=
lich
der letzten Wahlen in Erſcheinung getreten iſt: das Deutſch=
tum
in ſeiner Bedeutung, in ſeiner Stärke zu ſchwächen. Er=
neut
hat die Tſchechoſlowakei mit dem Prinzip der Gleichberech=
tigung
gebrochen, das neben dem Prinzip des Selbſtbeſtimmungs=
rechtes
eines der Grundſätze des Völkerbundes ſein ſoll. Billigt
der Völkerbund den Bruch dieſer Grundſätze, dann muß unter
ſolchen Vorausſetzungen nicht nur der nationale Frieden, ſon=
dern
auch der europäiſche leiden.
b=r.

Faſt all die periodiſchen Veröffentlichungen, beſonders der Nach=
kriegszeit
, die auf Kulturgebier Beziehung und Austauſch zwiſchen uns
und beſtimmten anderen Ländern pflegen wollten, Zeitſchriften wie
Jahrbüicher, haben ſich nicht halten wollen. Waren ſie ſelbſt richtig be=
rechnet
und geldlich geſichert, ſo fehlte anſcheinend auf die Dauer ihrem
Leitgedanken eine umfaſſende und ausdauernde Werbekraft. In der Be=
trachtung
und Pflege der deutſch=nordiſchen Beziehungen muß doch eine
tiefere und ſachlichere Berechtigung liegen: das von Walter Ge=
orgi
begründete und herausgegebene Deutſch=
Nordiſche Jahrbuch (im Verlage von Eugen Diederichs, Jena)
behauptet ſich allein ſchon durch die Tatſache, daß es vor kurzem ſeinen
elften Band vorlegen konnte. Den erſten von 1914 hätte der Krieg leichſt
mit vielem anderen für immer in den Abgrund reißen können; daß er
1921 und ſeitdem alljährlich lückenlos Nachfolger fand, iſt der ſelbſter=
ſtrittenen
Ueberzeugung wie dem moraliſchen Verantwor=
tungsgefühl
des Herausgebers nicht genug zu
danken.
Was in den Jahrzehnten vor dem Kriege ein deutſches Publikum
an den ſkandinaviſchen Ländern reizen und feſſeln konnte, war im weſent=
lichen
Literatur, Kunſt, Touriſtik, allenfalls gemeinſchaftliche geſchichtliche
Erinnerungen. Die literariſche Wiedergeburt des Nordens ſeit den 1870er
Jahren half die realiſtiſchen und ſozialkritiſchen Neutöner bei uns er=
wecken
und fördern. Und wie hier ſchärfſte Abkehr von dem abgelebten
Klaſſizismus und der entſeelten Romantik die Loſung war, ſo wandten
ſich auch Landſchaftsverehrung und Wandertrieb von dem langgepfleg=
ten
Ideal des Südens, als weichlich und ſüßlich, ab und fanden in dem
jugendfriſcheren Norden eine bald idhlliſche und gemütvollere, bald
herbere und großzügige Gegenſtimmung. Aber hierauf allein zu rea=
gieren
, ließen ſich die Jahrbücher von Anfang an nicht genügen. Be=
reits
in dem Vodkriegsbande leſen wir von der Induſtrialiſierung Skan=
dinaviens
, von norwegiſcher Landwirtſchaft im Gudbrandstal, von däni=
ſcher
Porzellanfabrikation, von ſchwediſchem Winterſport. Hier waren
ſchon bewußte Anſätze, den Notwendigkeiten und Gewohnheiten der
materieller gefärbten Nachkriegszeit entgegenzukommen und das Stoff=
gebiet
auf ſämtliche Felder des geiſtigen und des tätigen Lebens im
Norden auszudehnen. Ueber den urſprünglichen Plan. nur Kulturaus=
tauſch
und Volkskunde zu vermitteln, hinaus behandeln die Jahr=
büicher
mit gleichem Gewicht nun auch Politik und Wirtſchaft, Verkehrs=
weſen
und Sport.
In dieſem Sinne bildet die Reihe der Jahrbücher ein rechtes
Kompendium des ganzen Nordens, des modernen wie des gewordenen.
Die Flügelweite dieſer Bände ſpannt weit genug, von Reykjavik bis
an den Ladogaſee, vom Nordkad bis an die Südgrenze deutſchen Sprach=
gebietes
. Es gilt nicht nur, Nordlandskunde einfeitig uns zu bringen,
Wechſelwirkungen, Einendes und Trennendes wollen ſichtbar gemacht
werden, unſer eigenes Gehaben, uns ſelbſt gegenwärtig verworren ge=
nug
, findet bielfach im nordiſchen Spiegel Klarheit, ja Befreiung. Denn
dort oben iſt man ja von der trüben Flut der letzten anderthalb Jahr=
Zehnte nicht annähernd ſo berührt worden, wie hier; die kulturelle Nach=
barſchaft
und Verwandtſchaft gibt auf viele Fragen eine leichter ver=
ſtändliche
Anfrage, als aus anderen Regionen.

Ihrer Anlage nach halten die Jahrbücher die Mitte zwiſchen
Journaliſtik und Buchwiſſen. Und die journaliſtiſch geratenen Beiträge
ſcheinen beinahe ihrem Zwecke beſſer zu dienen, als die wiſſenſchaftlich
angelegten. Mehr als durch einmalige umfaſſende Syſtematik gilt es,
Vollſtändigkeit durch jeweilige Aktualität zu erreichen. Das begründet
die alljährlichen Gedenkartikel. Diesmal gibt der Tod Fridtiof
Nanſens einen ſolchen Anlaß. In ſeinem Geſamtwerk wird hier
der Politik der gebührende Platz angewieſen, und in ſeiner Politik wie=
derum
die großen humanitären und diplomatiſchen Verdienſte um
Deutſchlands Wiederaufſtieg gewertet. Auch ein ehrwürdiger Julibar, wie
das blühende, 1000jährige isländiſche Allthing, wird dop=
pelt
gefeiert, einmal mehr philologiſch, das ander mehr feuilletoniſtiſch,aber
eben in dieſer Doppeltheit erſt erſchöpfend. Der 70jährige Karl
Larſen, der geborene Rendsburger, Sohn des gefallenen däniſchen
Düppelkämpfers, der Urkopenhagener, der wie kein anderer Publiziſt
ſich vor allem mit einer (auch gefühlsmäßigen) Unerbittlichkeit als
Mittler zwiſchen deutſchem und däniſchem Weſen
ſein Lebelang eingeſetzt hat, iſt als Gefeierter ein ebenſo unerläßlicher
Prototyp des Jahrbuchs, wie er es ſo oft als Mitwirkender geweſen
iſt. Diesmal ſteuert er einen in ſeiner geſchichtspſychologiſchen Entwir=
rungsmethode
vorbildlichen Beitrag über den Nordſchleswiger im Kriege
bei den er in ſeinem Zwieſpalt als Waffenträger und als Geſinnungs=
ſtreiter
ohne Augendienſt nach hüben oder drüben verlebendigt.
Dänemark ſteht diesmal überhaupt unwillkürlich im Vordergrunde=
die
Parität der einzelnen ſkandinaviſchen Länder kann nicht in jedem
einzelnen Bande zur Geltung kommen. Auch ein Gedenktag, zweiſeitig
zu bewerten, iſt mit der Anlaß: die 10jährige Zugehörigkeit
Nordſchleswigs zu Dänemark. Dänemark, von uns aus
geſehen, die räumliche Brücke zum Norden, wirkt gerade in dieſer Frage
wie eine Sperre. Die neue Grenze in Schleswig, die Verſailles voraus=
beſtimmt
, wenn auch nicht gezogen hat, gilt dem ganzen Norden als
nationalpolitiſches Bollwerk gegen Süden. Im diesjährigen Jahrbuch
wird ſehr nüchtern, wenn auch ſehr verſöhnlich und achtungsvoll eine
Abrechnung von beiden Seiten aufgemacht, von dem Haderslebener Re=
dakteur
A. Svenſſon auf däniſcher, vom Abgeordneten Schmidt=
Wodder auf deutſcher Seite, wobei Ernſt Schröder=Flensburg
gewiſſermaßen als Reviſor fungiert. Gerade er weiſt verſtändnisvoll
darauf hin, wie im umſtrittenen Grenzgebiet immer mehr Ruhe und
anſtändiger Wettbewerb eingekehrt iſt und die beiden Volksteile über
das Gegenſätzliche hinweg in dem großen Gemeinſamen geeint ſind: der
Heimat.
Eine Abrundung, wenn auch eine mittelbare, erhält die Frage durch
Ove Rodes Darlegungen über die däniſchen Abrüſtungspläne, den
erſten freiwilligen Verſuch eines Kulturlandes in dieſer Beziehung. Ohne
daß die Verwirklichung in eine nahe Zukunft gerückt iſt, verbürgt ſeine
Grundſtimmung denſelben Gedanken, den der deutſche Geſandte in
Kopenhagen, von Haſſell. bei ſeinem Scheiden in die Worte gefaßt
hat, daß eine Auseinanderſetzung zwiſchen Deutſchland und Dänemark
mit gewaltſamen Mitteln nicht mehr in Betracht gezogen werden kann
Von unbeſtritten vorbildlicher Seite zeigt ſich Dänemark in einer
Betrachtung von Joh. V. Jenſen, der den Krieg und die durch ihn
geſchaffenen Umwälzungen unter dem Bild einer Naturkataſtrophe emp=
findet
und auslegt; er konſtatiert, aber beiammert nicht das Unwider=
bringliche
der Vorkriegszeit. Auch die Muſterprovinz däniſchen Erwerbs=
und Kulturlebens, die Landwirtſchaft mit ihrem Genoſſenſchaftsweſen

und ihrer Volkshochſchule, findet in Erich Bollert einen offenen
verſtändnisvollen Fürſprecher: ein Beweis übrigens, daß höhere deutiche
Miniſterialbeamte nicht nur über ihr Reſſort hinaus unbefangen blicken,
ſondern auch gut ſchreiben können.

Norm und Form bei Geſchäftsdruckſachen.
herausgegeben unter Mitarbeit des Deutſchen Normenausſchuſſes vom
Verlag des Bildungsverbandes der Deutſchen Buchdrucker G. m. b. H.,
Berlin: Beuth=Verlag G. m. b. H., Berlin S 14.
Wie in vielen Branchen, ſo iſt auch in der modernen Typographie
heute das Beſtreben vorhanden, Druckſachen, vor allem wohl die Ge=
ſchäftsdruckſachen
, für die Zukunft nach beſtimmten Geſetzen anzuordnen.
Um zu zeigen, daß trotz der Gebundenheit an gegebene Geſetze es
abſolut möglich iſt, die Geſchäftsdruckſachen recht geſchmackvoll auszu=
ſtatten
, und ihnen mit unbedingt klarer Ueberſicht Zweckmäßigkeit zu
verleihen, veranſtaltete der Bildungsverband der Deutſchen Buchdrucker
G. m. b. H., Berlin, einen Wettbewerb unter ſeinen Mitgliedern. Von
den eingegangenen Arbeiten zeigt uns das vorliegende Heft unter dem
Titel Norm und Form bei Geſchäftsdruckſachen 100 Muſterbeiſpiele
von Briefbogen, Rechnungen, Poſtkarten und Fenſterkuverts in ein= und
zweifarbiger Ausführung. Wenn man bedenkt, daß für die Geſchäfts=
poſtkarte
12 und für die Geſchäftskarte 6 feſtliegende Leitſätze gegeben
ſind, und vergleicht dann die hier gezeigte Ausleſe von Arbeiten, ſo
kommt man zu dem Reſultat, daß ſich hierin ein neuer Formwille ſicher
und mit vollem Erfolg durchgeſetzt hat. Zweckmäßig und ſchön war
der Nichtgedanke für die Teilnehmer an dem Wettbewerb, von deren
Arbeiten hier eine kleine Auswahl vorliegt. Je weiter man das Heft
durchblättert, um ſo größer wird das Intereſſe für jedes kommende
Beiſpiel. Zu bedauern iſt nur, daß ausſchließlich Antiqua=Schriften
Verwendung finden, während unſere ſchönen Fraktur=Schriften unbe=
rückſichtigt
bleiben. Um dieſe wirklich gute Idee durchſetzen zu helfen,
ſpäre es zu wünſchen, daß jede Druckerei, jeder tätige Jünger der ſchwar=
zen
Kunſt ſich voll und ganz mit der Materie vertraut macht. Die
zweite, vielleicht ſchwerere Aufgabe, wäre, die Beſtellerwelt für die Vor=
teile
und die Schönheit der Druchſache im neuen Sinne zu gewin=
nen
. Dem Deutſchen Normenausſchuß als Herausgeber des Heftes,
dem Bildungsverband der Deutſchen Buchdrucker G. m. b. H., Berlin,
als Veranſtalter für den Wettbewerb, ſowie den Teilnehmern an dem=
K. B. 8.
ſelben iſt zu dieſem guten Erfolg zu gratulieren.

Leipzig: Das bisher für die Zulaſſung zu den Doktorpromotionen
in der philoſophiſchen Fakultät der Univerſitär geforderte Studinm von
ſechs Semeſtern für den Dr. phil. wird am 1. April 1932 ab auf ein
ordnungsgemäß durchgeführtes Studium von acht Semeſtern erweitert.
Tübingen: Dem Aſſiſtenzarzt an der Mediziniſchen Klinik, Dr. Lu=
dolph
Fiſcher, iſt die Lehrberechtigung für das Fach der inneren The=
rapie
und der phyſikaliſchen Therapie in der mediziniſchen Fakultät der
vorden.
dortigen Un

[ ][  ][ ]

Seite 4

Mittwoch, den 21. Januar 1931

Nummer 21

Die Zührerkriſe bei der Darmfkädter
Auug.
Stadkrat Abt erneuk beſtäkigt.
* Der Streit um die Führerſchaft innerhalb der Darmſtädter
NSDAP. hat zu einer gewiſſen Klärung geführt. Bekannt=
lich
war der ſeitherige Ortsgruppen= und Kreisleiter Stadtrat
Abt zuſammen mit den übrigen Funktionären ſeiner Aemter
enthoben worden. Mit der Führung hatte man den damaligen
Gauleiter Reichstagsabg. Ringshauſen betraut, der jedoch nur
5 Tage dieſen ehrenvollen Poſten innehatte, als er von dem
Blitzſtrahl Adolf Hitlers getroffen und zur Dispoſition geſtellt
wurde. An ſeine Stelle kommandierte Herr Hitler den Frank=
furter
Reichstagsabg. Gemeinder. Dieſer teilt jetzt mit, daß
Stadtcat Abt wieder in ſeine Aemter eingeſetzt wurde. Zur
Abwechſelung iſt jetzt M. d. R. Ringshauſen in Ungnade ge=
fallen
. Wer wird der nächſte ſein?
Einer Mitteilung der Preſſeſtelle des Gaues Heſſen der N. S. D.A.P.
entnehmen wir: In den letzten Tagen gingen verſchiedene Gerüchte durch
die Preſſe, die in keiner Weiſe der Wahrheit entſprechen. Man ſprach
davon, daß in der Gauleitung der N. S. D.A.P. eine Palaſtrevolution
ausgebrochen ſei und der Gauleiter Ringshauſen wegen Un=
fähigkeit
, ſeines Amtes enthoben und die Führung der Ortsgruppe
Därmſtadt wegen unlauteren Machenſchaften abgeſetzt worden ſei. Dazu
iſt feſtzuſtellen: In Anbetracht der Verdienſte, die ſich der bisherige
Gauleiter Ningshauſen um die Entwicklung der Bewegung in Heſſen
erworben hat, wurde er mit Wirkung vom 9. Januar 1931 in die
Reichsleitung der N. S.D.A.P. verſetzt, um ſich hier der Löſung ſpe=

zieller Aufgaben widmen zu können. An ſeiner Stelle wurde der
bekannte Frankfurter Führer Gemeinder, M. d. R., mit der Wahr=
nehmung
der Geſchäfte eines Gauleiters betraut. Mährend nun zuerſt
geplant wurde, die Ortsgruppe Darmſtadt der N. S.D.A.P. mit dem
Gan zuſammenzulegen und aus dieſem Grunde die Führung ihrer
Funktionen enthoben wurde, ſah man ſpäter aus Gründen der inner=
organiſatoriſchen
Zweckmäßigkeit davon ab. Wie aus alledem
jedem erſichtlich wird, handelt es ſich alſo lediglich
um innerparteiliche Bewegungen und Maßnahmen
die nichts mit der Qualität oder gar Unfähigkeit
einzelner Perſonen zu tun haben.
Kundgebung gegen die Kriegsſchuldlüge in Mainz.
* Mainz, 20. Jan. (Priv.=Tel.)
In einer vaterländiſchen Kundgebung des Deutſchen
Offiziersbundes und des Nationalverbands deutſcher Offiziere ſprach
am Montag abend in der Maizner Liedertafel vor etwa 600 Mainzern
aller Bevölkerungsſchichten Oberſt a. D. und Privatdozent für Kriegs=
geſchichte
an der Univerſität Bott, Kirch, über das Thema Die
Widerlegung der Kriegsſchuldanklage‟. Die Reviſions=
bewegung
bezüiglich des Verſailler Verrrages hat durch die Wahlen vom
14. September einen vermehrten Auftrieb erfahren. Das A und O des
Kampfes gegen den Verſailler Vertrag iſt die Widerlegung der Kriegs=
ſchuldlüge
, die im Artikel B1 des Verſailler Vertrages und der zuge=
hörigen
Mantelnote ausgeſprochen iſt. An Hand eines reichen Quellen=
materials
und eingehender hiſtoriſcher Unterſuchungen konnte der Vor=
tragende
nachweiſen, daß der Behauptung von der Kriegsſchuld Deutſch=
lands
jegliche Grundlage fehlt. Redner empfahl eine Maſſenaktion zur
Bildung einer deutſchen Einheitsfront gegen den Artikel 231 des Ver=
ſailler
Vertrages einzuleiten und dieſen Artikel im Wege des Volks=
entſcheides
zu widerrufen. Ein internationaler Unterſuchungsausſchuß
müſſe dann die wiſſenſchaftliche Klärung bringen. Die Ausführungen
des Referenten fanden ihren Niederſchlag in nachſtehender Entſchließung:
Der leidenſchaftliche Kampf gegen die Schuldlüge als der verlogenen
und betrügeriſchen Grundlage des Verſailler Diktates iſt mehr denn je

das dringendſte Gebot der Stunde. Dieſer Kampf muß geführt werden
um der Ehre des deutfchen Volkes willen, weil das erpreßte Bekenntnis
her Schuld am Weltkriege die einzige Grundlage bildet für das unge=
heuerliche
und unerträgliche Tributſyſtem, unter deſſen Auswirkungen
das deutſche Volk zu erliegen droht. Der Kampf muß bis zum endlichen
Siege durchfochten werden, weil wir kein Volk von Sklaven bleiben,
ſondern wieder ein wahrhaft freies, deutſches Volk werden wollen. Die
Verſammlung gibt der beſtimmten Erwartung Ausdruck, daß unter dem
Druck der unabläſſigen Aufklärungsarbeit es dahin kommen muß, daß
endlich die Kriegsſchuldfrage tatkräftig von den maßgeblichen Stellen
aufgerollt wird und nicht eher zur Ruhe kommen darf, bis endgültig
die ſchamloſeſte aller Lügen vor aller Welt beſeitigt iſt. Mit dem Ab=
ſingen
der 1. und 4. Strophe des Deutſchlandliedes fand die machtvolle
Kundgebung für deutſche Freiheit und Ehre, die unter Leitung von
Oberſtleutnant a. D. Raith, Geſchäftsführer der D.V.P., ſtand, ihren
Abſchluß.
Slahlhelm-Berbok in den heſſiſchen Schalen bleibt.
Der Abg. Dr. Wolf=Mainz bat im Landtag beantragt,
das Verbot des Stahlhelms, Bund der Frontſoldaten, in den
heſſiſchen Schulen aufzuheben.
Kultusminiſter Dr. Adelung gibt auf dieſen Antrag
folgende Antwort: Der Stahlhelm iſt im Jahre 1926 für Schü=
ler
verboten worden, weil der von dieſem Verband auf die
Jugend ausgeübte Einfluß im Widerſpruch ſteht zu der
Erziehungsrichtung, die die Reichsverfaſſung, das Heſſiſche
Volksſchulgeſetz und die Heſſiſche Verordnung vom 26. Auguſt
1922 vorſchreiben. 1928 hat eine Nachprüfung ſtattgefunden.
Aus dem vom Stahlhelm ſelbſt eingeſandten Material ergab
ſich, daß der Widerſpruch derſelbe geblieben iſt. Auch die Hal=
tung
des Stahlhelms nachher, zeigt keine Annäherung an die
republikaniſchen Erziehungstendenzen.

Dankfagung.
Für die erwieſene Teilnahme
und die Blumenſpenden bei dem
Heimgang unſeres lieben Ent=
ſchlafenen

Eenſt Gilbert
danken wir herzlichſt.
Die trauernden
Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Groß=Zimmern,
im Januar 1931.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger
Teilnahme beim Heimgang unſeres
lieben Entſchlafenen
Philipp Küchler
Eiſenbahnoberſchaffner
ſprechen wir Allen unſeren innigſten
Dankaus. Beſonders danken wir Herrn
Piarrer Goethe für die troſtreichen
Worte am Grabe, ſowie der Dienſt=
ſtelle
des Hauptbahnhofes und dem
Fahrbeamtenverein" für die Kranz=
niederlegung
.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmtadt, den 19. Januar 1931.

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Aus den Amtsverkündigungen
des Kreisamts Darmſtadt und den
Bekanntmachungen des Polizeiamts
Darmſtadt.
Gefunden: 2 Baſttaſchen mit Inhalt,
1 Portemonnaie mit Inhalt. 1 gold.
Armband 1 Autobrille, 1 Ruckſack, ein
ſchwarzſeidener Damenſchirm, 1 goldener
Damenring, 1 Autoreifen, 4 Rollen
Kloſett= und 3 Rollen Butterbrot=
popier
, 1 Damenhandtaſche ohne In=
halt
, 1 Fenſterladen, 1 weißer Pelz=
kragen
, 1 Herrenhut, 1 Doublé= Glieder=
armband
, 2 Damenſchirme, 1 Doublé=
Kettenarmband, 2 einzelne Handſchuhe,
1 Schlüſſel.
Wir machen wiederholt darauf auf=
merkſam
, daß auch noch Fundgegen=
ſtände
vorhanden ſind, die in früheren
Bekanntmachungen verzeichnet ſind. In=
tereſſenten
können die Fundgegenſtände
während der Büroſtunden auf Zimmer
Nr. 11 beſichtigen.
Wir geben gleichzeitig bekannt, da
am 26. 1. 1931. vorm. 10 Uhr. Hügel
ſtraße Nr. 31/33, im Hofe die Ver=
ſteigerung
der in dem letzten Halb
jahr 1929 von dem Eigentümer nicht ab=
geholten
Fundgegenſtände ſtattfindet.
Zur Verſteigerung gelangen goldene
Ringe, Regenſchirme. Damenhand=
taſchen
uſw.

Deffentliche Aufforderung zu
Abgabe von Steuerklärungen
fur die Fruhjahrsverantagung

Die Steuererklärungen für die Ein=
kommenſteuer
, Körperſchaftsſteuer und
Umſatzſteuer ſind in der Zeit vom 1. bis
16. Februar 1931 unter Benutzung der
vorgeſchriebenen Vordrucke abzugeben.
Steuerpflichtige, die zur Abgabe einer
Erklärung verpflichtet ſind, erhalten vom
Finanzamt einen Vordruck zugefandt.
Die durch das Einkommenſteuergeſetz,
Körperſchaftsſteuergeſetz und Umſatzſteuer=
geſetz
begründete Verpflichtung, eine
Steuererklärung abzugeben, auch wenn
ein Vordruck nicht überſandt iſt, bleibt
unberührt; erforderlichenfalls haben die
Pflichtigen Vordrucke vom Finanzamt
(1377
anzufordern.
Darmſtadt, den 20. Jan. 1931.
Die Finanzämter:
Darmſtadt=Stadt, Darmſtadt=Land,
Langen und Reinheim.

Einträge in unſer Handelsregiſter,
lbteilung 4: Am 12. Januar 1931 hin=
ſichtlich
der Firm: Reiner & Chriſt=
mann
, Darmſtadt: Die Firma iſt er=
loſchen
. Am 15. Januar 1931 hin=
ſichtlich
der Firma: Kaffeehaus Zur
Oper Leonhard Jöſt, Darmſtadt:
Die Prokura der Leonhard Jöſt Ehefrau
iſt erloſchen. Die Firma iſt erloſchen.
Am 16. Januar 1931 hinſichtlich der
Firma: Darmſtädter Kunſtmöbel=
fabrik
, Inh. Carl Ziegler, Darm=
ſtadt
: Die Firma iſt erloſchen. Neu=
eintrag
am 19. Januar 1931: Firma
Darmſtädter Saatenhandlung Hol=
zer
& Co. Offene Handelsgeſellſchaft.
Sitz: Darmſtadt. Geſellſchafter: Kauf=
mann
Ernſt Holzer in Frankfurt a. M.
und Kaufmann Ernſt Hermes in Darm=
ſtadt
. Zur Vertretung der Geſellſchaft
ſind beide Geſellſchafter nur gemeinſam
handelnd berechtigt. Die Geſellſchaft hat
am 2. Januar 1931 begonnen. (138

Darmſtadt, den 20. Jan. 1931.

Amtsgericht I.

9. Land

erfahren
Haush., ſucht bald.
Stellung. Offert. u
S. 95 a. d. Geſch.

Am Donnerstag, den 22. Januar
1931, vormittags 10 Uhr, verſteigere
ſch Kekulé traße 4 zwangsweiſe meiſt=
bietend
gegen Barzahlung:
1 Venezianiſcher Lüſter, 1 Store, eine
Portiere, 1 Diwan. 2 Rolltiſche, ein
Gasheizofen mit Rohr, 1 Bank, 1 Rauch=
tiſch
. 1 Trumeauſpiegel 1 runder
Mahagonitiſch, 1 Gartenbank, 2 Stühle
1 Rohrbank, 2 Rohrſtühle, 1 Roll=
ſchreibtiſch
, 1 Badewanne.
(1402
Darmſtadt, den 21. Jan. 1931.
Jung
Stellvertr. des Gerichtsvollz. Weinheimer.

Am Donnerstag, den 22. Jan.
1931, nachmittags 3 Uhr, verſteigere
ich in meinem Verſteigerungslokal Lu=
iſenſtraße
32 zwangsweiſe meiſtbietend
(1403
gegen Barzahlung:
1 Iſolationsmeſſer, 1 Schreibmaſchine,
1 Bild, 1 Glasſchrank. 1 Opelwagen,
1 Drogenſchrank, 1 Koffergrammophon,
1 Ladentheke, 2 Warengeſtelle, 1 Käſe=
ſchneidmaſchine
, 1 Nationalregiſtrier=
kaſſe
, verſchiedene Flaſchen Wein ſo=
wie
Möbel aller Art.
Darmſtadt, den 21. Jan. 1931.
Jung
Stellvertr. des Gerichtsvollz. Weinheimer
in Darmſtadt.

Junges Mädcher
ſucht Arbeit für
3 Tage in der Woche,
iſt im Haush., flicken
u. nähen bewandert
Ang. u. 8 100 Gſch. (

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ſucht Kunden
in u. auß. Haus, geht
auch auswärts.
Hoffmannſtraße 15, II.

19 jahriges Mädchen
das Kurſus i. Ondu=
lieren
genoinm, hat,
ſucht Stellung als
VOLONTARIN
Ang.u. S97 Gſchſt. *

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Haushälterinnen, ält.
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[ ][  ][ ]

Nummer 21

Seite 5

Aus der Landeshaupiſtädt.
Darmſtadt, den 21. Januar 1931.
Willem=de=Haan=Gedenkfeier. Das Heſſiſche Landestheater,
der Muſikverein und der Mozartverein veranſtalten am Sonntag,
dem 25. Januar, um 11.30 Uhr, im Großen Haus des Heſſiſchen
Landestheaters eine Gedenkfeier für Willem de Haan, dem lang=
jährigen
muſikaliſchen Leiter des Landestheaters, des Muſikver=
eins
und des Mozartvereins. Zwei Werke des Verewigten ge=
langen
zur Aufführung, die ſeinen Namen als ſchaffenden Künſt=
ler
weit über die Grenze unſeres Landes und ſeiner holländiſchen
Heimat bekannt gemacht haben: Das Lied von Werden
und Vergehen für gemiſchten Chor und Orcheſter und den
Männerchor mit Orcheſter Das Grab im Buſento Um=
rahmt
werden die beiden Kompoſitionen de Haans von zwei Wer=
ken
, die der Heimgegangene beſonders geliebt hat. Der zweite
Satz der 7. Sinfonie Beethovens, dieſes eigenartige
Allegretto mit ſeinem ſeltſam elegiſchen, ſtockenden Marſchthema
und der unſagbar ausdrucksvollen Gegenmelodie, eine der ſchön=
ſten
Schöpfungen des großen Sinfonikers wird unter der Leitung
von Generalmuſikdirektor Dr. Karl Böhm vom Landestheater=
Orcheſter zu Gehör gebracht werden. Als weihevollen Abſchluß
der Gedenkfeier ſingen die beiden Chöre mit Orcheſterbegleitung
unter Leitung Friedrich Rehbocks den letzten Teil des Deut=
ſchen
Requiems von Brahms Selig ſind die Toten".
Goldene Hochzeit im Städtiſchen Altersheim. Emilſtr. 1.
Am Donnerstag, dem 22. d. M., begehen die im Städtiſchen
Altersheim. Emilſtraße 1, wohnhaften Inſaſſen Ludwig Witz und
Frau Berta, geb. Hainz, in ſeltener körperlicher und geiſtiger
Friſche das Feſt der Goldenen Hochzeit.
Acht Darmſtädter Zeichner. Ausſtellung im Heſſiſchen Lan=
desmuſeum
. Fragen, welche von verſchiedenen Seiten eingelaufen
ſind, geben Anlaß zu der Mitteilung, daß die Ausſtellung Acht
Darmſtädter Zeichner nicht nur an Sonntagen, ſondern täglich
(mit Ausnahme des Montags) von 10 bis 13 Uhr, ferner
an Mittwochen von 14 bis 16 Uhr und immer bei
freiem Eintritt geöffnet iſt. Für denjenigen, welcher ſich
in aller Ruhe umſehen will, iſt wegen des an Sonntagen herr=
ſchenden
Gedränges (am letzten Sonntag war die Ausſtellung von
über 1000 Menſchen beſucht) der Werktagsbeſuch entſchieden an=
zuraten
.
Mozart=Sonatenabend. Dienstag, den 27. Januar, findet
im Kleinen Haus ein Mozart=Sonatenabend der Herren Drumm
und Beck ſtatt.
Darmſtädter Künſtler auswärts. Theo Herrmann
ſang am Sonntag, den 11. ds. Mts., am Frankfurter Opernhaus
in der Premiere von Tannhäuſer die Partie des Landgrafen
mit durchſchlagendem Erfolg bei Publikum und Preſſe. Die Zei=
tungen
urteilen einſtimmig: General=Anzeiger. . . . Th. H. ein
intelligenter, kultivierter Sänger.
Frankfurter Zeitung.
Th. H. ein gepflegter Baß, mit erfreulich ſpannkräftiger Er=
ſcheinung
. Frankfurter Nachrichten. . . . Th. H aushilfs=
weiſe
als wertvolle Kraft . Frankfurter Volksblatt.
dagegen entſprach Th. H. ganz den Wagner’ſchen Forderungen
vom ſingenden Schauſpieler,
Frankfurter Poſt. . . . einen
ausgezeichneten Eindruck machte Theo Herrmann . . . Montag,
den 12. ds. Mts. ſang Theo Herrmann abermals am Frankfurter
Opernhaus den Baſilio in Barbier von Sevilla".
Zum Beſten der Wohlfahrtseinrichtungen des Landestheaters
kommt am Donnerstag zur Aufführung die Darmſtädter
Revue Was ſagſt Du jetzt? von Arno Egelaſa, ein luſti=
ges
Spiel, das in launiger Weiſe das Jubiläumsjahr der Stadt
Darmſtadt wieder erſtehen läßt. Ergänzt aus Orcheſter und Tanz=
gruppe
des Landestheaters, ſpielt das Revue=Enſemble des
Mozartvereins mit ſeinen bekannten Heiner=Darſtellern und der
in Darmſtadt ſo beliebten Marga Peter.
Drei Gaſtſpiele der Max=und=Moritz=Bühne. Sechs luſtige
Bubenſtreiche nach Wilhelm Buſch wird die Max=und=Moritz=
Bühne, die bereits an 600 Orten des In= und Auslandes mit ſen=
ſationellem
Erfolg gaſtieren konnte, vom 23. bis 25. Januar als
Nachmittagsvorſtellung im Heſſiſchen Landestheater zur Auffüh=
rung
bringen. Die beiden erſten Vorſtellungen am 23. und 24.
Januar finden im Kleinen Haus, die Sonntagsvorſtellung am 25.
Januar im Großen Haus ſtatt. Die Preiſe zu ſämtlichen. Gaſt=
ſpielen
der Max=undMoritz=Bühne ſind ſo niedrig angeſetzt, daß
alle Publikumskreiſe ſich an dieſem vergnüglichen Ereignis er=
freuen
können.
Heſſiſches Landestheafer.

Großes Haus Kleines Haus Mittwoch,
21. Januar 19.30, Ende nach 22.45 Uhr
Biktoria und ihr Huſar
B12 Preiſe 110 Mk Keine Vorſtellung Donnerstag,
28. Januar 2022.15 Uhr
C13. Die 25. Frau
Preiſe 110 Mk. 20 Uhr
Was ſagſt du jetzt?
Darmſtädt Revuev Arno Egelaſa
Preiſ 0.503 Mk. Freitag;
23. Januar 19.30 22.45 Uhr
Biktoria und ihr Huſar
D14
Preiſe 110 Mk. 1617 45 Uhr
Gaſtſpiel der Max=und=Moritz=
Bühne 6 luſtige Bubenſtreiche
Preiſe 0. 02.00 Mk.
2022.15 Uhr
Der Kaiſer von Amerika
H8 Bühnenvolksbund
ohne Wechſelmiete
Preiſe 1 206 Mk. Samstag
24, Januar 14.3018 Uhr
Sarmen
Heſſenlandmiete I,4 u. III,6
Preiſe 110 Mk. 151 6.45 Uhr
Gaſtſpiel der Max und=Moritz=
Bühne 6 luſtige Bubenſtreiche
Preiſe 0.402.00 Mr.
2022 30 Uhr
Meine Schweſter und ich
Außer Miete
Preiſe 15 Mk.
Sonntag
25, Januar
11½ Uhr
Willem de Haan=Gedächtnisfeier
Unkoſtenbeitrag 50 Z
1516.45 Uhr
Gaſtſpiel der Max=und=Moritz=
Bühne 6 luſtige Bubenſtreiche
Preiſe 0 402.00 Mk.
18.4522 Uhr
Biktoria und ihr Huſar
Heſſenlandmiete 1V 7
Preiſe 1.2012 Mk
Wahlgutſcheine beſchränkt, giltig 2022 15 Uhr
Der Kaiſer von Amerika
Bühnenvolksbund, Wechſelmiete
Preiſe 1.206 Mk.

Heſſiſches Landestheater. Im Großen Haus findet heute
Mittwoch die erſte Wiederholung der Schlager=Operette Vik=
toria
und ihr Huſar, von Paul Abraham unter muſika=
liſcher
Leitung von Fritz Bohne mit Walter, Bunſel, Stralen=
dorf
, Harre, Hinz, Knott, Gallinger, Maletzki in den Hauptrollen
ſtatt. Die nächſte Aufführung des erfolgreichen Werkes iſt für
Freitag, den 23. Januar, angeſetzt. Der Kaiſer von
Amerika,Bernard Shaws vielgeſpielte politiſche Komödie die
neben der Anderen Seite von Sheriff den zugkräftigſten Schau=
ſpielerfolg
des Kleinen Hauſes in der vorjährigen Spielzeit bil=
dete
, wird Freitag, den 23. Januar, und Sonntag, den 25. Ja=
nuar
, im Kleinen Haus in der Inſzenierung von Günter Haenel
und Wilhelm Reinking zur Wiederaufführung kommen. Bern=
hard
Minetti, der zu den Proben der Portugaleſiſchen
Schlacht in Darmſtadt eingetroffen iſt, beginnt in Kaiſer von
Amerika als Protheus ſeine Gaſtſpieltätigkeit. Die übrigen
Hauptrollen ſind mit Nürnberger, Hoffart, Keim, Schmitz, Gothe,
Conradi, Baumeiſter, Kutſchera, Keßler, Pfaudler, Maletzgi, Sag=
gau
. Jürgas und Schindler beſetzt.

Mittwoch, den 21. Januar 1931

Hauptverſammlung der Turngemeinde 1846. 200 Mitglie=
der
der Turngemeinde 1846 waren der Einladung zur 85. Haupt=
verſammlung
gefolgt. Entſprechend der Tagesordnung wurde an
dieſem Tage wiederum wertvolle Arbeit zum Wohle des Vereins=
weſens
und der Deutſchen Turnerſchaft geleiſtet. Den Vorſitz
führte Sprecher Maurer, der es verſtand, jedem Antragſteller oder
Berichterſtatter gerecht zu werden und die Verſammlung in würde=
voller
Art und Weiſe zu leiten. Ehrende Worte der Anerkennung
widmete er dem Andenken an die verſtorbenen Mitglieder K.
Becker, K. Duthel. L. Endner, L. Klier, L. Krickſer, F. W. Müller,
L. Ohnacker, J. L. Stein und H. Zimmermann. Eine weitere
Feierſtunde galt der Ehrung verdienſtvoller Turner. Aus die=
ſem
Anlaß wurde den Turnern L. Graf und W. Wolff, die über
drei Jahrzehnte dem Vorſtand angehören, Blumen überreicht,
P. Langsdorf und O. Wettlaufer gehören der Turngemeinde 50
Jahre als Ausübende an, und die Turner Ad. Schneider, W.
Fuchs, H. Karn. E. Mansfeld, W. Reinhard, W. Reinhold, Adolf
Schieferdecker und Hans Weißmann zum Teil über 25 Jahre.
Ihnen wurde ebenfalls eine entſprechende Ehrung zuteil. Der
9. Kreis Mittelrhein verlieh außerdem den Turnern O. Wett=
laufer
, Auguſt Kaiſer und Adolf Bauſcher den Kreisehrenbrief,
und der Main=Rhein=Gau dem Turner Senger den Gauehren=
brief
. Auch die Wahlen verliefen würdig und ſchön. An Stelle
des ſeitherigen, leider ſo früh verſtorbenen 1. Sprechers, Profeſſor
Karl Becker, wurde Bürgermeiſter Buxbaum der Hauptverſamm=
lung
vorgeſchlagen und einſtimmig gewählt. Neugewählt wurde
außerdem Turner Dr. Konrad als 2 Schriftführer ſowie Turner
Schinnerl zum Zeitſchriftleiter. Die übrigen Vorſtandsämter blie=
ben
in ihrer ſeitherigen Beſetzung. In dem weiteren Verlauf
der Sitzung wurde die Satzung der Turngemeinde durchberaten
und vereinsrechtlich feſtgelegt. Dem Vorſtand und dem Sprecher
wurde ſodann für ihre Tätigkeit im abgelaufenen Jahre im Namen
der Mitglieder durch Turner Heß herzlicher Dank abgeſtattet.

Volkshochſchule. Faßt man den Beſtand an Erfahrungen
und Kenntniſſen unſerer Tage zuſammen, ſo kommt man zur Dar=
ſtellung
greifbarer und ſichtbarer Dinge, die eine beſtimmte Be=
ſchaffenheit
aufweiſen und nach beſtimmten Geſetzen ſich vollziehen.
Dieſes Weltbild hat bis heute mancherlei Wandlungen erfahren,
die ſich beſonders in der Neugeſtaltung des Begriffes von Raum,
Zeit und Bewegung geltend machen. Wie Kopernikus die Erde
aus ihrer Herrſcherſtellung zur Trabantenſtellung brachte, daß ſie
ihre Bahn nach den Einflüſſen eines mächtigeren Körpers voll=
zieht
, ſo hat die neuere Phyſik durch die Weiterentwicklung des
ſchon von Leibniz behaupteten Relativitätsprinzips uns die Er=
kenntnis
gebracht, daß unſere Verhältniſſe, Maſſe u. a. nur für
unſere Sinnenwelt Gültigkeit beſitzen, während ſie für das Große
und Kleine gänzlich umgeſtaltet werden müſſen. Wer das Nähere
über dieſe Fortſchritte hören will, iſt eingeladen, in der Darm=
ſtädter
Volkshochſchule die Vorträge von Herrn Hanns Wentzel
zu beſuchen, die am 22. Januar, abends 20 Uhr, im Saal 267 der
Techniſchen Hochſchule beginnen und einen Ueberblick über die
Wandlungen unſerer Anſchauungen über das Weltgeſchehen geben
wollen. Der Vortragende will, einen Einblick in phyſikaliſches
Denken vermitteln und verſuchen, die heute aktuellen Theorien
zu einem Bild zu vereinigen. Die Vorträge ſind einſtündig und
werden ſieben Abende umfaſſen. Anmeldungen hierzu werden
noch auf der Geſchäftsſtelle der Volkshochſchule, Mathildenplatz,
entgegengenommen.

Luftpoſtmarkenheftchen. Die neuen Markenheftchen mit 10
Luftpoſtmarken zu 10 Rpf. und 5 zu 20 Rpf. zum Preiſe von 2 RM.
werden bei den größeren Poſtämtern zum Verkauf bereit gehalten.
Alle übrigen Poſtanſtalten nehmen Beſtellungen auf dieſe Heftchen
an und vermitteln die Lieferung ohne Aufſchlag.
Das Rodeln im Kreis Darmſtadt. Wir ſehen uns veran=
laßt
, auf die Vorſchriften der Polizeiverordnung, das Rodeln
im Kreis Darmſtadt betreffend, insbeſondere des § 3, eindring=
lichſt
aufmerkſam zu machen. Gemäß § 1 der genannten Verord=
nung
dürfen auf Rodelbahnen im Kreis Darmſtadt nur Rodel=
ſchlitten
, die mit höchſtens zwei Perſonen beſetzt ſind, benutzt wer=
den
. Bobſleighs ſind unbedingt ausgeſchloſſen. Das Aneinander=
hängen
mehrerer und die Benutzung ſchadhafter Rodelſchlitten iſt
verboten. § 2 verbietet das Rodeln auf ſämtlichen Kreisſtraßen
des Kreiſes ſowie das Kreuzen chauſſierter Fahrbahnen mit
Rodelſchlitten. Nach § 3 iſt das Rodeln innerhalb der Stadt
Darmſtadt und der Ortſchaften des Kreiſes auf öffentlichen
Wegen, Straßen und Plätzen, insbeſondere auf deren Fußſteigen,
gänzlich verboten, ſoweit es ſich nicht um beſonders dafür ange=
legte
Rodelbahnen handelt. Zuwiderhandlungen gegen dieſe Vor=
ſchriften
werden gemäß § 4 der Verordnung, ſofern nicht nach an=
deren
Strafbeſtimmungen eine höhere Strafe verwirkt iſt, mit
Geldſtrafe bis zu 150 RM. beſtraft. Desgleichen werden Eltern,
Vormünder oder andere Perſonen, deren Aufſicht Kinder unter
14 Jahren anvertraut ſind, auf Grund des Art. 44 des Heſſ. Poli=
zeiſtrafgeſetzes
wegen Zuwiderhandlung ihrer Pflegebefohlenen
zur Verantwortung gezogen, falls ſie es an der erforderlichen
Auſſicht haben fehlen laſſen.

Der Darmſtädter Journaliſten= und Schriftſtellerverein war
diesmal nicht in der Lage, ſeine Winterveranſtaltungen rechtzeitig
zu beginnen, weil zwei noch vor Weihnachten angeſetzte Vortrags=
abende
infolge unerwartet eingetretener Behinderungen leider
verſchoben werden mußten. Für den 13. literariſchen Abend, der
nunmehr Freitag, den 23. Januar, 8.15 Uhr abends, im Kaſino=
ſaal
des Herrn Chriſt (Grafenſtraße) ſtattfinden wird, wurde ein
einheimiſcher Schriftſteller gewonnen, der, als Kunſtkritiker ſeit
Jahren unter uns hochgeſchätzt, auch für ſein dichteriſches Schaffen
Anſpruch auf ernſtliche Beachtung erheben darf: Herr Paul
Berglar=Schröer. Außer zahlreichen, in Zeitangen ver=
öffentlichten
Kurzerzählungen hat er eine Reihe von Novellen
verfaßt, unter denen namentlich La Madonna Curioſa", Der
Naſenflügel der Proſerpina, Die Reiſe nach Weſel und Der
Tod am hohen Licht ſich einen großen Leſerkreis erworben haben,
dann vier Romane (Um den Heimathof, Der Tote, der ſein
Recht forderte‟ Der törichte Rauſch und Bergbauern), endlich
auch ein im Manuſkript noch nicht abgeſchloſſenes Drama. Ihn
ſelbſt ausgewählte Stücke ſeines Schaffens vortragen zu horen, eine
Erzählung Der Fährmann und eine größere Probe aus ſeinem
demnächſt erſcheinenden Roman Bergbauern wird gewiß vielen
Literaturfreunden ein willkommener Anlaß ſein, die Veranſtal=
tung
am 23. Januar, bei der Gäſte, wie immer, gerne geſehen ſind,
zu beſuchen.
Tagesordnung zur Sitzung des Provinzialausſchuſſes am
24. Januar 1931, vormittags 9 Uhr: 1. Klage der Paula Schwarz
Ehefrau, geb. Teufel, zu Lorſch gegen die Entſcheidung des Kreis=
amts
Bensheim vom 10. Oktober 1930 wegen Entziehung der Er=
laubnis
zum Betriebe einer Schankwirtſchaft mit Branntwein=
ausſchank
im Hauſe Wormſer Straße 74 zu Lorſch. 2. Klage des
Karl Walter zu Offenbach a. M., Friedensſtraße 1, Wohnwagen,
gegen den Beſcheid des Kreisamts Offenbach vom 20. Oktober
1930 wegen Nichterteilung eines Wandergewerbeſcheins. 3. Beru=
fung
des Vorſitzenden des Kreisausſchuſſes Offenbach und des
Kreisamts Offenbach gegen das Urteil des Kreisausſchuſſes Offen=
bach
vom 12. November 1930 wegen Ausdehnung des dem Adolf
Kahn zu Offenbach a. M. erteilten Kraftfahrzeugführerſcheins auf
Klaſſe 3b. 4 Berufung des Vorſitzenden des Kreisausſchuſſes
Offenbach und des Kreisamts Offenbach gegen das Urteil des
Kreisausſchuſſes Offenbach vom 12. November 1930 wegen Ertei=
lung
des Kraftfahrzeugführerſcheins an den Fuhrunternehmer
Max Köhler zu Offenbach a. M. 5 Antrag des Oberbürger=
meiſters
der Stadt Offenbach auf Eröffnung des Diſziplinarver=
fahrens
gegen den Verwaltungsinſpektor bei der Städtiſchen
Sparkaſſe Offenbach Adolf Koch.

Akademie=Chor. Die Proben des Akademie=Chors finden
n jetzt aber wieder regelmäßig Mittwochs, 20.15 Uhr, im Saale
Städtiſchen Akademie für Tonkunſt, Eliſabethenſtraße 36, ſtatt.
r unentgeltliche Einführungskurſus in Notenkunde uſw be=
int
am gleichen Tage um 19.30 Uhr Anmeldungen im Sekre=
riat
der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt, Eliſabethenſtr. 36,
r abends in der Probe.

Alk=Darmſtadk
Verein für Ortsgeſchichte und Heimakkunde.
321. Veranſtaltung.
Mit einer geſchäftlichen Verſammlung begann Alt= Darm=
ſtadt
ſein neues Arbeitsjahr. Zu Eingang der Verſammlung
gedachte Herr Philipp Weber zweier Begebenheiten, an denen
Alt=Darmſtadt lebhaften Anteil nahm: 1. des 50jährigen Ge=
ſchäftsjubiläums
der bekannten Buchdruckerei H. Hoh=
mann
, der er ein weiteres Aufwärtsſtreben und dem Senior=
chef
nebſt ſeinen Mitarbeitern die alte Arbeitsfreudigkeit
wünſchte, 2. des Geburtstags des allverehrten Herrn Prälaten
D. Dr. Diehl, den er als den Bahnbrecher und Führer auf dem
Gebiete der Heimatgeſchichte feierte, der vielen die Heimat wieder
lebendig gemacht hat und dem er weiter eine frohe und geſegnete
Wegfahrt wünſchte.
Aus dem Bericht des Vorſitzenden klang es heraus, daß das
abgelaufene Vereinsjahr wieder ein reiches Arbeitsjahr geweſen
iſt und daß Alt=Darmſtadt unter der Loſung für Volkstum
und Heimat wieder ſeinen Samen ausgeſtreut hat.
30 Veranſtaltungen konnten im abgelaufenen Jahre ver=
bucht
werden, die ein Stück Heimatdienſt bedeuten. Dieſe zer=
gliedern
ſich wie folgt: 8 ortsgeſchichtliche Vorträge; es ſprachen:
Herr Prälat D. Dr. Diehl über Die Darmſtädter Proſeliten=
anſtalten
und das Proſelitenhaus in der Luiſenſtraße‟. Herr
Wilh. Müller, Schriftleiter von Volk und Scholle, über
Die älteſten Darmſtädter Kirchenbücher Herr Dr. Hans
Kraft über Flur=, Platz=, Schneiſen= und Straßennamen im
alten Beſſungen‟. Herr Rudolf Anton über Darmſtädter
Gärten. Herr Ph. Weber über Heitere Epiſoden aus dem
alten Darmſtadt, derſelbe, aus Anlaß des Stadtjubiläums mit
einem Lichtbildervortrag über Darmſtadts Vergangenheit. Fer=
ner
wurde ein Fragebeantwortungsabend über Allerlei Stadt=
geſchichtliches
veranſtaltet. Außerdem beteiligte ſich Alt= Darm=
ſtadt
an dem Vortrag von Herrn Profeſſor, Wohler über
Darmſtadt und die Chemie‟. Zwei Vorträge über die vorgeſchicht=
liche
Zeit hielten die Herren Lehrer Eidmann über Was uns
der Heimatboden aus der Vorzeit erzählt‟, Dr. K. Weitzel über
Auf den Spuren des Eiszeitjägers unſerer Heimat (mit Licht=
bildern
). 3 Vorträge über Kunſtgeſchichtliches und Gewerbliches:
Herr Profeſſor Adolf Beyer über Auf den Spuren Anſelm
Feuerbachs; derſelbe über Zweihundert Jahre Kunſt in Darm=
ſtadt
: Herr Profeſſor Dr. Haupt über Aus der Vergangen=
heit
des Heſſiſchen Gewerbemuſeums, Volkskundliche Vortrage 2:
Herr Profeſſor Miſchlich über Volkskunde und Volkspoeſie der
Afrikaner, Herr Ph. Weber über Volksgebräuche im März,
April und zu Oſtern, 2 Sprachwiſſenſchaftliche Vorträge: Frau
Dr. Düſterbehn=Renting über Die Verwilderung der Mundart=
dichtung
, Herr Oberſtudienrat Pickert über Die Sammlungen
des Wortſchatzes der heſſiſchen Mundarten . 2 Vorträge über Per=
ſönlichkeiten
: Herr Profeſſor Dr. Eſſelborn über Den heſſi=
ſchen
Geſchichtsforſcher Gg. Ludw. Kriegk und über Gottfried Ger=
vinus
. Herr Hugo Stieſi der Aeltere über Landgraf Lud=
wig
IIII., den großen Jäger‟. Ein familiengeſchichtliches Thema:
Herr Profeſſor Otfried Praetorius über Alte Darm=
ſtädter
Familien, 3 Literariſche Veranſtaltungen. Herr Schau=
ſpieler
Eduard Göbel über Viktor von Scheffel und A.
Feuerbach in Toblino‟. Derſelbe über Heitere Theatererinne=
rungen
aus der Zeit des Hoftheaters
Einen Walter Schweter=Abend, wobei der Dichter
Altes und Neues aus ſeinen Dichtungen brachte. 2 Heimat=
geſchichtliche
Vorträge von Herrn Ing. E. Barth über Das
alte Mainz und Ueber Mainz und ſeine Entwicklung zu Groß=
Mainz, (Beide mit Lichtbildern.)
Führungen und geſellige Veranſtaltungen 6. An Himmelfahrt
der übliche Waldrundgang unter Herrn W. Kaminſkys und
Herrn Förſter Herm. Klipſteins Führung, der zugleich eine
botaniſche Exkurſion mit Erläuterungen durch Herrn Lehrer Eid=
mann
war. Eine Beſichtigungsfahrt nach Alt=Mainz, unter
Führung von Herrn Profeſſor Neeb und Herrn Ing. E. Barth.
Je eine Führung von Herrn Profeſſor. Ad. Beyer durch die
Ausſtellungen 200 Jahre Darmſtädter Kunſt auf der Mathilden=
höhe
und durch die Ausſtellung in der Kunſthalle am Rheintor.
Ein Zuſammentreffen mit dem Verein für Heimatgeſchichte Alt=
Mainz und eine. Führung von Herrn Dr. Buſch durch das
Landesmuſeum und eine Beſichtigung von Kranichſtein . Ein=
geſelliger
Heimat= und Mundartabend. Mit der üblichen Alt=
Darmſtädter=Weihnachtsfeier fand das Berichtsjahr ſeinen
Abſchluß.
Als Jubiläumsgabe aus Anlaß des Stadtiubiläums betei=
ligte
ſich Alt=Darmſtadt außer einer Spende zum Nie=
bergalldenkmal
, in Verbindung mit der Familiengeſchicht=
lichen
Vereinigung an der Herausgabe des Buches Alte
Darmſtädter Familien, das von beiden Vereinen der Stadt als
Geburtstagsgabe überreicht wurde und den Mitgliedern von
Alt=Darmſtadt als Vereinsgabe zum Geburtstag unſerer
Vaterſtadt
Der Schriftführer, Herr Hugo Stieſi, der Aeltere, gab
einen ausführlichen Bericht über die Entwicklung des Vereins,
der ein Bild von geſundem Wachstum gab, und davon zeugte, wie
Alt=Darmſtadt ein Programm bedeutet.
Der Rechner, Herr Rudolf Anton, konnte in ſeinem
Kaſſenbericht, trotz der Zeitnöte über einen guten Abſchluß berich=
ten
. Es war ein Bild guter, gewiſſenhafter Rechnungsführung.
Anſchließend berichtete Herr Gg. Röder über die Bücherei und
die Sammeltätigkeit des Vereins mit der Bitte, nichts achtlos
beiſeite zu legen, ſondern alles, was im Zuſammenhang mit Hei=
matgeſchichte
ſteht, dem Archiv zu treuen Händen einzuverleiben.
Im Anſchluß warb er nochmals für die Zeitſchrift Volk und
Scholle‟
Aus der Verſammlung heraus dankte der Senior des Vereins,
Herr Buchhändler Saeng, mit warmen Worten dem Vorſtand
für ſeine unermüdliche Arbeit.
Die Verſammlung klang aus mit der Mahnung, im neuen
Jahr in alter Treue fur die Heimt und unſere Vaterſtadt.
An den Geſchäftsbericht, ſchloß ſich noch eine lebhafte Aus=
ſprache
über ortsgeſchichtliche und heimatliche Fragen, an der ſich
die Herren Dr. Dyrie, Geh. San.=Rat Hofmann Oberſchul=
rat
Ritſert Frl. Wagner, Ober=Poſtinſpektor Grönin=
ger
und Herr Buchhändler Saeng beteiligten.
Nächſte Veranſtaltung am 29 Januar; Herr Schauſpieler
Eduard Göbel bringt Altes und Neues aus unſerer Heimat=
dichtung
.
Hausfrauenbund. Heute nachmittag findet in unſeren Räu=
men
, Heidelbergerſtraße 47 (Eingang Wilhelmſtraße) ein Vor=
trag
über neuzeitliches geſundes Kochen ſtatt, mit praktiſcher Vor=
führung
der ſeit 70 Jahren in über einer halben Million Stück
hergeſtellten, neuerdings verbeſſerten Frank=Umbach = Dampf=
töpfe
, zu dem wir unſere Mitglieder freundlichſt einladen. Dieſer
Vortrag iſt jedermann zugänglich. Es werden Koſtproben ver=
teilt
, der Eintritt iſt frei. (Siehe auch heutige Anzeige.)
Mozart=Verein. Die nächſte Chorprobe für die Willem=de=
Haan=Feier findet im Mozarthaus am 23. Januar ſtatt. Haupt=
probe
am Samstag, abends 20 Uhr, im Großen Haus. Nach der
Revue Zuſammenſein mit Damen im Mozarthaus. (Siehe An=
zeige
.)
Orpheum. Nur noch heute Mittwoch und morgen Don=
nerstag
ſehen und hören Sie die muſikaliſche Senſation
Europas Bobby Hind und ſeine phänomenale Schau Jazz
für alle eine faſzinierende Darbietung, die ein paar Stun=
den
reinſter Freude vermittelt. Kleine Preiſe von 13 RM.
(Siehe Anzeige.).
Chriſtlicher Verein junger Männer Darmſtadt e. V., Alexan=
derſtraße
22 (Inf.=Kaſerne). Wir laden zu unſerer Bibelſtunde
am Mittwoch, den 21. Januar, abends 8.30 Uhr, freundlichſt ein.
Das Heim iſt von 7 Uhr an geöffnet. Wir erwarten nicht nur
unſere Mitglieder und Freunde, jeder junge Mann über 17 Jahre
iſt herzlich willkommen.
Rentnerbund. Wir machen nochmals an dieſer Stelle auf
den Vortrag heute nachmittag im Fürſtenſaal aufmerkſam.

V17159

[ ][  ][ ]

Seite 6

Mittwoch, den 21. Januar 1931

Nummer 21

Borſichk! Die Grippe geht um!
Von Dr. med. Curt Kayſer=Berlin=Wilmersdorf.
In Berlin und in vielen Orten des Reiches iſt in den letzten Wochen
eine ſtärkere Häufung fieberhafter Erkältungskrankheiten aufgetreten,
die man gemeinhin mit dem Namen, Grippe zu bezeichnen pflegt. Ob
alle dieſe Erkrankungen im ſtreng=wiſſenſchaftlichen Sinne den Namen
Grippe verdienen, muß dahingeſtellt bleiben. Sie ſind aber ſämtlich
gekennzeichnet durch das plötzliche Einſetzen von Schnupfen, Huſten,
mehr oder minder hohem Fieber, Gliederſchmerzen uſw. Wenn auch die
große Mehrzahl, der bisherigen Erkrankungen anſcheinend leichterer
Natur iſt, ſo läßt ſich doch von einer ſolchen grippeartigen Erkrankung
nur in den ſeltenſten Fällen vorausſehen, welchen Verlauf ſie nehmen
wird. Gerade die Grippe iſt ausgezeichnet durch die Neigung zu Rück=
fällen
, die oft ſchwerer ſind als die Erſterkrankung. Ferner ſchließen ſich
an die Grippe nicht ſelten verſchiedene Nachkrankheiten an. Hierher ge=
hören
Stirnhöhlenkatarrhe, Mittelohrentzündung, Herzerkrankungen
und Nierenleiden. Von ganz beſonderer Bedeutung iſt die Tatſache,
daß ruhende oder bisher nicht in die Erſcheinung getretene tuberkulöſe
Lungenſpitzenerkrankungen nicht ſelten durch die Grippe von neuem
entfacht werden oder erſtmals in Erſcheinung treten. Daher iſt es not=
wendig
, jeder, insbeſondere mit Temperaturerhöhung einhergehenden
grippeartigen Erkrankung die notwendige Beachtung zu ſchenken und
vor allem ſo raſch wie möglich einen Arzt zu Rate zu ziehen. Dieſe
Mahnung ſei mit beſonderem Nachdruck ausgeſprochen; denn es iſt
falſche Sparſamkeit, etwa wegen der Gebühr für Krankenſchein und
Apotheke eine Grippeerkrankung zu verſchleppen und womöglich dann
wochenlange Krankheit und Arbeitsloſigkeit in Kauf nehmen zu müſſen.
Die Behandlung des Kranken wird naturgemäß ausſchließlich der
Arzt zu leiten haben, gegen die Weiterverbreitung der Krankheit aber
kann der Einzelne ſich und ſeine Umgbung wirkſam ſchützen durch Be=
achtung
der wichtigſten Grundregeln der vorbeugenden Geſundheits=
pflege
: Vor allem vermeide man allzu nahe Berührung mit dem Kran=
ken
und halte auf Armeslänge Abſtand von ihm. Ferner ſorge man
defür, daß der Kranke beim Huſten und Nieſen das Geſicht abwendet
oder ein Taſchentuch vor den Mund hält. Ganz beſonders wichtig iſt
dieſe Maßnahme überall da, wo eine größere Anzahl von ſcheinbar
geſunden oder leichtkranken Menſchen ſich zuſammenfindet, z. B. in den
öffentlichen Verkehrsmitteln: Straßenbahn, Stadtbahn, Untergrund=
bahn
, Omnibuſſen uſw. ferner in Theatern, Kinos uſw.
Häufiges Händewaſchen, zumal nach irgendwelcher Berührung mit
dem Kranken oder den von ihm benutzten Gegenſtänden wird ſonſt noch
geeignet ſein, der Weiterverbreitung der Krankheit wirkſam zu be=
gegnen
.

Zwiſchenfall im Wohlfahrtsamt. Im Städtiſchen Wohl=
fahrtsamt
erſchien geſtern früh der Wohlfahrtserwerbsloſe Karl
Landzettel mit ſeiner Frau und forderte die Erweiterung ſeiner
Wohlfahrtsunterſtützung. Als ihm dies abgelehnt wurde, unter=
hielt
er ſich laut im Vorraum, ſo daß ein Beamter Ruhe bot.
Landzettel fing gleich an zu ſkandalieren, worauf der Beamte in
ſein Zimmer ging, einen Stock holte und erneut Ruhe forderte.
Landzettel ging gegen den Beamten tätlich vor, nahm ihm den
Stock ab und verſetzte ihm einen Schlag auf den Kopf, ſo daß der
Beamte eine klaffende Wunde davontrug. Mehrere Wohlfahrts=
empfänger
ergriffen für Landzettel Partei und drangen unter
Demolierung einer Türe in ein Büro ein. Einem zweiten Be=
amten
warfen ſie einen Stuhl nach. Inzwiſchen waren das Ueber=
fallkommando
und eine Polizeiabteilung eingetroffen, die die
Ruhe wieder herſtellte. Landzettel wurde vorläufig feſtgenommen.

Wanderklub Falke 1916 Darmſtadt, Ein ſtrahlender Win=
termorgen
zog im Oſten herauf, als uns die elektriſche Straßen=
bahn
nach Eberſtadt, dem Ausgangspunkte unſerer 1. diesjährigen
Wanderung, führte. Auf winterharten, ſchneeberieſelten Pfaden
gings von hier aus über Haus Burgwald die Höhe hinan nach
Frankenhauſen. Vor lauter Schauen winterlicher Märchenpracht
unterwegs, waren Kälte und Höhenanſtieg bald völlig vergeſſen.
Am Neutſcher Rondell vorüber, folgten wir einer kurzen Strecke
Diebspfad, dann gings über Ernſthofen, Steinern=Firſt, Klein=
bieberauer
Mühle, Hottenbacher Hof, Kernbachhütte über Billings
bis Nonrod. Der Glanzpunkt auf letzterer Strecke waren wunder=
bare
Ausblicke auf Schloß Lichtenberg, bei ſtrahlendem Mittags=
Winterſonnenſchein. Zur Mittagsraſt nahm uns Klubfreund
Friedhof liebenswürdig auf. und unſer 1. Vorſitzender dankte den
beiden Führern Karl Ballweg und Heinrich Appel mit beredten
Worten und dreifachem Friſch auf. Durch herrlichen Winter=
wald
führte ſodann der Heimweg im Abendſonnenſchein die Non=
roder
Höhe entlang bergab, zur Bahnſtation Groß=Bieberau.
Der Geſangverein Männerquartett=Harmoniekranz ver=
anſtaltete
ſein Winterfeſt. Nach der Begrüßung durch den 1. Vor=
ſitzenden
, Herrn H. Stier, eröffnete der Chor mit zwei Liedern
2) Die Sternennacht von Schulken, b) Einſiedler an die Nacht
von A. Fr. Kern die Veranſtaltung. Der Chor zeigte hier eine
gut geſchulte Durchbildung. Mit Stolz und tiefem, freudigem
Dank konnte der Dirigent, Herr Ehrenchormeiſter L. Indorf, den
hierauf von dem 1. Vorſitzenden in ehrender Anſprache überreich=
ten
Blumenkorb entgegennehmen. Die lebenden Darſtellungen der
ſchönen Volkslieder: 1. Die drei Röſelein, 2. Oberſchwäbiſches Tanz=
liedchen
, 3. In der Ferne, 4. Der Lindenbaum, 5. Untreue und
6. Loreley von Silcher kamen zu guter Wirkung. Auch hier war
der Chor, der in einem Nebenraum die ſämtlichen Volkslieder
zum Vortrag brachte, wieder auf der Höhe. Die Malereien über=
nahmen
in ſelbſtloſer Weiſe die Herren Jakob Göbel und Gg.
Schuhmann, die ihre Aufgabe in glänzender Weiſe löſten. Das Ca=
baret
mit ſieben Nummern war nicht Dilettantismus ſondern
hatte berufsmäßigen Einſchlag. Das Theaterſtück Toiletten=
geheimniſſe
oder Du biſt blaß, Luiſe (ein luſtiger Einakter)
hatte zündenden Erfolg.

Orthſcher Männerchor hielt ſeine Hauptverſamm=
lung
ab. Der verſtorbenen Mitglieder wurde in der üblichen
ehrenden Weiſe gedacht. Nach Verleſung des Protokolls der letz=
ten
Hauptverſammlung erſtattete der 1. Vorſitzende. Herr Fried=
rich
Wagner, den Jahresbericht, aus dem zu entnehmen war,
daß wiederum ein ſehr arbeitsreiches und für den Verein in jeder
Beziehung förderndes Jahr zurückliegt. Erfolgreich beſonders
durch die Tätigkeit des Chorleiters, Herrn Karl Diether und
durch den äußerſt rührigen Vergnügungsausſchuß. Der Kaſſen=
bericht
des Rechners ergab ein den allgemeinen wirtſchaftlichen
Verhältniſſen entſprechend zufriedenſtellendes Ergebnis. Bei der
nun folgenden Vorſtandswahl wurde der ſeitherige Vorſtand mit
wenigen Abänderungen reſtlos wiedergewählt, was man als be=
ſonders
gutes Zeichen für das Einverſtändnis mit der ſeitherigen
Tätigkeit des Vorſtandes anſah. Bei Ehrungen und Auszeichnun=
gen
der Sänger für verſäumnisloſen Singſtundenbeſuch konnten
wiederum 26 Sänger mit der Verdienſtnadel des Vereins ausge=
zeichnet
werden, darunter 14 mit mehr als dreijährigem reſtloſem
Beſuch. Unter Punkt Verſchiedenes wurde noch beſonders auf das
am Samstag, dem 14. Februar, gemeinſam mit der Turngemeinde
Beſſungen ſtattfindende Koſtümfeſt hingewieſen.

Aus den Parkeien.
Deutſche Staatspartei. Von der Staatspartei wird
uns geſchrieben: In einer aus allen Teilen des Landes beſuchten Lan=
desvorſtandsſitzung
der Deutſchen Staatspartei in Heſſen wurden am
vergangenen Sonntag in Darmſtadt in Anweſenheit von zwei Mitglie=
dern
des Reichsparteivorſtandes, Frau Dr. Lüders und Landtagsabg.
Nuſchke, politiſche und organiſatoriſche Fragen behandelt. Die anregend
verlaufenen mehrſtündigen Verhandlungen waren von dem einmütigen
Willen zu tatkräftiger Zuſammenarbeit getragen. Im Zuſammenhang
mit der klärenden Beſprechung über das Verhältnis der Staatspartei
zur Demokratiſchen Vereinigung teilte der heſſiſche Parteiführer, Land=
tagsabgeordneter
Schreiber, mit, daß er nur unter ganz beſtimmten
Vorausſetzungen ſich zur Mitarbeit in der demokratiſch=ſtaatsparteilichen
Arbeitsgemeinſchaft bereit erklärt habe. Der Reichsparteileitung wur=
den
genau formulierte Anregungen und Wünſche unterbreitet, die ſich
auf die Aufgaben und die Arbeit der nächſten Zukunft beziehen.

Briefkaſten.
J. H. 2.. Der Erſatzanſpruch kann von dem unterſtützenden Für=
ſorgeverband
gegenüber den Erben des Hilfsbedürftigen geltend ge=
macht
werden; er gilt als einfache Nachlaßſchuld, für die der Erbe
haftet. Erſatzanſprüche die ein Fürſorgeverband auf Grund der Reichs=
verordnung
vom 13. Februar 1924 erheben kann, verjähren in zwei
Jahren vom Ablauf des Jahres ab, in dem der Anſpruch entſtanden iſt.

Tageskalender für Mittwoch, den 21. Januar 1931.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, B 12. 19.30 Uhr:
Viktoria und ihr Huſar. Kleines Haus: Keine Vorſtellung.
Orpheum, 20.15 Uhr: Jazz=Revue. Konzerte:
Schloßkeller, Café Oper, Café Ernſt=Ludwig, Datterich, Span.
Bodega, Reſt. Bender, Rheingauer Weinſtube. Kinovor=
ſtellungen
: Union=, Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.
Hausfrauenbund. Heidelberger Straße 47, 15 Uhr: Vor=
trag
. 6. Akademie=Konzert, 20 Uhr, im Saalbau.

Bericht über die erſte Vollverſammlung der Heſſiſchen
Induſtrie= und Handelskammer Darmſtadt
am 13. Januar 1931.

Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorſitzende des
ſchweren Verluſtes, den die Kammer durch das ſo unerwartete Ableben
ihres ſtellvertretenden Vorſitzenden. Direktor Karl Kahlert, erlitten
hat. In bewegten Worten ſchilderte der Vorſitzende die hervorragenden
Verdienſte des Verblichenen; insbeſondere hob er hervor, wie der Heim=
gegangene
in gleicher Weiſe durch reiches Wiſſen auf den verſchiedenſten
Gebieten, durch unermüdliche Arbeitskraft, durch ſeine umfangreichen
Erfahrungen und durch ſein ſtets wohlabgewogenes Urteil die Kam=
merarbeit
in wertvollſter Weiſe gefördert habe; ganz beſonders hob
der Vorſitzende noch die hervorragenden menſchlichen Eigenſchaften des
Verſtorbenen hervor, die dem Heimgegangenen die unauslöſchliche Dank=
barkeit
der Kammer ſichere, in deren Geſchichte der Name Kahlert ſtets
weiterleben werde. In ehrendem Gedenken an den Dahingeſchiedenen
hatte ſich die Verſammlung von ihren Sitzen erhoben.
Weiterhin wurde zur alljährlich ſtartfindenden Neuwahl des Vor=
ſtandes
geſchritten, die die Wiederwahl des Vorſitzenden Dr.=Ing. e. h.
Schenck und des ſtellvertretenden Vorſitzenden Wilhelm Kalbfuß ergab.
Die Neuwahl eines weiteren ſtellvertretenden Vorſitzenden beſchloß die
Verſammlung zurückzuſtellen. Die Kommiſſionen der Kammer verblei=
ben
in der bisherigen Zuſammenſetzung mit Ausnahme von einigen Zu=
wahlen
.
Anſchließend nahm der Vorſitzende Gelegenheit, von der Wiederwahl
nachſtehender Kammermitglieder Kenntnis zu geben: Siegfried Haas=
Bensheim, Kommerzienrat Ludwig Joſeph=Darmſtadt, Wilhelm Kalb=
fuß
=Darmſtadt. Direktor Friedrich May=Darmſtadt, Fabrikant Louis
Merck=Darmſtadt, Geh Kommerzienrat Dr. Wilhelm von Opel= Rüſſels=
heim
, Dr.=Ing. e. h. E. Schenck=Darmſtadt.
Der Uebung entſprechend, nahm der Vorſitzende Veranlaſſung,
einen gedrängten Ueberblick über die Wirtſchaftslage zum Jahreswechſel
zu erſtatten, deſſen Veröffentlichung bereits erfolgte.
Nach Erſtattung des Geſchäftsführungsberichtes für die Zeit ſeit der
letzten Sitzung wurde in die Beratungen des Berichts über das Wirt=
ſchaftsjahr
1930 eingetreten. Aus Erſparnisgründen wird nach dem
Beſchluß der Vollverſammlung der Bericht in dieſem Jahre in verein=
fachter
Form erſtattet. Der Bericht, der naturgemäß nicht erſchöpfend
ſein kann, wird ſich darauf beſchränken, die weſentlichſten Punkte der
Tätigkeit der Kammer zur Darſtellung zu bringen. Die Hauptteile des
Berichts ſeien nachſtehend wiedergegeben.
Wenngleich von einem umfangreichen Geſchäftsbericht aus Erſpar=
nisgründen
in dieſem Jahre Abſtand genommen werden ſoll, erſcheint
es doch geboten, in gedrängter Kürze über die beſondere Tätigkeit der
Kammer zu berichten.
Wie in den vergangenen Jahren, ſo hatte in dem wirtzſchaftlich ſo
beſonders ſchwierigen Jahre 1930 die Kammer Veranlaſſung, die ihr
anvertrauten vielfältigen Intereſſen der Induſtrie und des Handels bei
den in Frage kommenden Stellen mit beſonderem Nachdruck zu vertreten.
Hierbei handelte es ſich in gleicher Weiſe um die Beeinfluſſung der
Geſetzgebung wie der praktiſchen Verwaltungstätigkeit aller Zweige,
ſoweit von ihr Handel und Induſtrie unmittelbar betroffen werden.
Verwaltungs= und Verfaffungsreform.
So war die Kammer genötigt, ſich eingehend mit den gerade auch
für Heſſen beſonders vordringlichen Fragen der Verwaltungs= und Ver=
faſſungsreform
zu beſchäftigen, wobei das umfangreiche und aufſchluß=
reiche
Gutachten des Reichsſparkommiſſars beſonders eingehend zu wür=
digen
war. Dieſe Arbeit ſtellte ſich als eine überaus wertvolle Er=
kenntnisquelle
dar, die auf der einen Seite einen klaren Ueberblick über
den derzeitigen Aufbau der öffentlichen Verwaltung in unſerem Lande
ermöglicht, auf der anderen Seite aber beſonders wertvolle Fingerzeige
gibt, auf welchen Wegen im Intereſſe einer Geſundung der Wirtſchaft
unbedingt erforderliche Einſparungen erzielt werden können. Hierbei
erſcheint es, um nur einen großen Geſichtspunkt hervorzuheben, in erſter
Reihe geboten, die in der heſſiſchen Verwaltung immer wieder bemerk=
bare
Tendenz einer allzu weitgehenden Zentraliſation im Sinne einer
Uebertragung minder wichtiger Aufgaben und Entſcheidungen an nach=
geordnete
Stellen aufzulockern mit dem Ergebnis, daß in einer Unzahl
einzelner verwaltungsmäßiger Akte der Erfolg mit einem Bruchteil des
derzeitigen Arbeitsaufwandes erreicht werden kann. Die die Oeffentlich=
keit
ſtark beſchäftigende Frage der Aufhebung örtlicher Verwaltungs=
ſtellen
ſollte gerade unter dieſem Geſichtspunkt eine eingehende Prüfung
erfahren.
In gewiſſem Zuſammenhang mit der vorerörterten Frage ſteht das
Problem grundlegender politiſcher Veränderungen im Rhein=Main= Ge=
biet
, welche Frage in enger Zuſammenarbeit mit den heſſennaſſauiſchen
Handelskammern auch im Berichtsjahre weiterbehandelt wurde. Die
Arbeiten an der gemeinſamen Denkſchrift der heſſiſchen und heſſen=
naſſauiſchen
Induſtrie= und Handelskammern konnten zwar gefördert
werden, im höchſten Grade bleibt es aber zu bedauern, daß der Herr
Reichsfinanzminiſter trotz mehrfacher nachdrücklicher Vorſtellungen auch
der heſſiſchen Landesregierung ſich nicht bereit gefunden hat, die bei
den Finanzämtern vorhandenen erforderlichen Unterlagen zur Ver=
fügung
zu ſtellen. Die Folge hiervon wird ſein, daß die beabſichtigte
völlige Aufhellung der wirtſchaftlichen Zuſammenhänge und Verflech=
tungen
im Rhein=Main=Gebiet nicht durchführbar ſein wird; insbeſon=
dere
wird es nicht möglich ſein, die tatſächliche Wirtſchaftskraft der
heſſiſchen und heſſen=naſſauiſchen Gebietsanteile im Rhein=Main=Gebiet
zahlenmäßig klar zum Ausdruck zu bringen, was die Hauptaufgabe der
vorgeſehenen Denkſchrift ſein ſollte, da bei etwaigen politiſchen Ver=
änderungen
die Neugeſtaltung den Wirtſchaftskräften, der einzelnen,
bisher politiſch getrennten Gebietsteile gerechterweiſe anzupaſſen wäre.
Es wäre dringend zu wünſchen, daß die bisherigen, von außerheſſiſcher
Seite herrührenden Hemmungen, die eine reſtloſe Aufklärung des Tat=
beſtandes
werhindern, noch rechtzeitig beſeitigt werden können.
Reichstagswahl.
Die beſondere Bedeutung, die der Reichstagswahl vom 14. Septem=
ber
dieſes Jahres zukam, gab der Kammer Veranlaſſung, in ihrer
der Wahl vorausgehenden Vollverſammlung vom 2. September eine
alsbald der Oeffentlichkeit übergebene Entſchließung zu faſſen, in der
die in der Wirtſchaft Tätigen aufgefordert wurden, durch Abgabe ihrer
Stimme am Wahltag ihr Wahlrecht ſo auszuüben, wie ſie es unter
Berückſichtigung der volkswirtſchaftlichen Notwendigkeiten nach pflicht=
gemäßem
Ermeſſen aus dem Gefühl der Verbundenheit mit dem Volks=
ganzen
heraus zu verantworten vermöchten.
Feier des Verfafſungstages.
Als beſonders mißlich hat es ſich erwieſen, daß hinſichtlich der Feier
der Weimarer Verfaſſung in Heſſen eine Sonderregelung eingetreten iſt.
Im Gegenſatz zu den benachbarten Bundesſtaaten, nicht zuletzt zu
Preußen, iſt der Verfaſſungstag in Heſſen zum geſetzlichen Feiertag er=

klärt worden mit allen ſich hieraus für Induſtrie und Handel, nament=
lich
auch für den Einzelhandel ergebenden nachteiligen Folgen, die
unſere heſſiſche Wirtſchaft im Wettbewerb mit den benachbarten Ge=
bietsteilen
anderer Länder ungünſtig beeinfluſſen müſſen.
Räumung des Rheinlandes.
Der Abzug der Beſatzung aus dem zum Kammerbezirk gehörenden
rechtsrheiniſchen Brückenkopf von Mainz bedeutete die Beendigung eines
über ein Jahrzehnt beſtehenden Ausnahmezuſtandes, der nicht allein für
die numittelbar beſetzten Gebietsteile ſondern auch für die angrenzenden
Ausſtrahlungsgebiete, vornehmlich für die Stadt Darmſtadt und ihr
Umland, ſchwere Nachteile gerade auch in wirtſchaftlicher Beziehung mit
ſich brachte.
*
Preisſenkungsaktion.
Im Vordergrund der Erörterungen ſtand in den letzten Monaten
des Berichtsjahres das Problem der Senkung der Geſtehungskoſten und
der Preiſe. Die Kammer hat dieſer ſo überaus wichtigen Frage ihr be=
ſonderes
Augenmerk zugewandt und in mehrfachen Verhandlungen mit
den beteiligten Gruppen die ſich aus der geſamten Lage ergebenden
Möglichkeiten behandelt. Zu bedauern bleibt, daß dieſe wirtſchaftliche
Frage hie und da auf den Abweg einer von politiſchen Erwägungen
diktierten Betrachtungsweiſe geführt worden iſt. Alle Kreiſe unſeres
Volkes müſſen dazu gelangen, dieſes ökonomiſche, lediglich den Eigen=
geſetzen
der Volkswirtſchaft unterworfene Problem rein ſachlich und frei
von gefühlsmäßiger Einſtellung zu betrachten in der Erkenntnis, daß
mit Zwangsmaßnahmen und Schlagworten, die leicht zu einem Zuſtand
der Pſychoſe führen können, wie die Erfahrungen aus der Zeit der
Zwangswirtſchaft handgreiflich gezeigt haben, nichts auszurichten iſt.
Das gemeinſame, von allen Beteiligten, nicht zuletzt auch von den Ver=
brauchern
zu verfolgende Endziel muß vielmehr ſein, durch die in erſter
Reihe notwendige Senkung der Geſtehungskoſten und die dadurch be=
dingte
weitere Beeinfluſſung des Preisſpiegels eine Grundlage zu einer
Geſundung unſerer Wirtſchaftsverhältniſſe zu ſchaffen, die es ermöglicht,
die zurzeit leider brachliegenden zahlreichen Arbeitskräfte wieder in den
Produktionsprozeß nutzbringend einzuſchalten. In dieſem Zuſammen=
hang
muß immer wieder feſtgeſtellt werden, daß die Preiſe, namentlich
für Lebensmittel, Textilwaren uſw., ſchon ſeit geraumer Zeit ſtark ge=
ſenkt
worden ſind gegenüber den Preiſen in der Zeit, zu der die letzten
Lohnfeſtſetzungen ſtattgefunden haben. Dieſe Entwicklung wird durch
die ſinkende Tendenz der Zahlen für den Lebenshaltungsindes beſtätigt.
Steuergeſetzgebung.
Im Berichtsjahre war die immer wieder geforderte Erleichterung
des Steuerdrucks weder von ſeiten des Reichs noch der Länder, noch der
Gemeinden und ſonſtiger Steuergläubiger feſtzuſtellen, wiewohl die
Steuerlaſt weniger denn je in einem erträglichen Verhältnis zu den
weſentlich geſchmälerten Lebensbedingungen der deutſchen Wirtſchaft,
insbeſondere auch im Hinblick auf die Aenderung der Kaufkraft des Gol=
des
ſteht. Im Gegenteil, die zum Ausgleich des Etats des Reichs, der
Länder und der Gemeinden erlaſſenen Notverordnungen brachten zu=
nächſt
eine Steigerung der Steueranforderungen und ſtellten erſt für
die fernere Zukunft eine beſcheidene Senkung der Realſteuern in Aus=
ſicht
. Dieſes Zukunftsverſprechen hat aber ſogleich Maßnahmen des
Landes und der Gemeinden zur Folge gehabt, die eine etwaige Senkung
der Realſteuern in der Zukunft durch Vornahme einer Erhöhung der
Realſteuerausſchlagſätze gegenſtandslos machen ſollten. Zu ſchwerwie=
genden
Bedenken muß die hierbei eingeſchlagene Methode Anlaß geben:
Die Geſetzentwürfe wurden in aller Stille und ohne vorherige Unter=
richtung
der Oeffentlichkeit ſelbſt die geſetzlichen Berufsvertretungen
wurden nicht, wie dies nach den beſtehenden Beſtimmungen hätte er=
wartet
werden dürfen, angehört vorbereitet und überraſchend dem
Landtag vorgelegt und dort von den Regierungsparteien kurzerhand an=
genommen
.
Im einzelnen ſei hier von einſchneidenden Neubelaſtungen nur er=
wähnt
die für das Rechnungsjahr 1931 vorgeſehene Verdreifachung der
Ausſchlagſätze der heſſiſchen Grundſteuer, die eine erhöhte Belaſtung mit
ſich bringende Neuregelung der Sondergebäudeſteuer, ſowie das gegen
Ende des Berichtsjahres vom Landtag verabſchiedete, den Herrn Innen=
miniſter
ermächtigende Geſetz, die Gemeinden von einer endgültigen Ver=
anlagung
der Realſteuern des Rechnungsjahres 1930 zu befreien, mit
dem Ziele, die Vorauszahlungen, die auf weit zurückliegenden, weſent=
lich
günſtigeren Kapital= und Ertragsgrundlagen beruhen, für endgültig
zu erklären. Hiergegen wandte ſich die Kammer gemeinſam mit den
übrigen heſſiſchen Schweſterkammern mit allem Nachdruck.
Die Kammer war im Laufe des Berichtsjahres wiederholt gezwun=
gen
, ſich mit den Gemeindeſteuern zu beſchäftigen. So beſtand Anlaß,
gegen die Steuerpolitik der Stadt Darmſtadt Einſpruch zu erheben, die
bereits bei Vorlage des Etats auf eine außerordentlich weitgehende
Realſteuererhöhung, die durch die entſchiedene Stellungnahme der wirt=
ſchaftlichen
Organiſationen zum größeren Teil abgewandt werden konnte,
abzielte und erſt ſpäter den Weg zur Abdeckung des größeren Teils des
Fehlbetrags der Stadt durch die Einführung der Bürgerſteuer und
Vornahme an ſich allerdings noch nicht ausreichender Erſparnismaß=
nahmen
fand. Auf dem Gebiete der Landesſteuern kann lediglich als
erfreulicher Fortſchritt eine Anweiſung des heſſiſchen Herrn Finanz=
miniſters
angeſehen werden, die die Auswirkung der reichsrechtlichen
Beſtimmungen über den Verluſtvortrag bei der Einkommenſteuer, wie
ſie durch eine Entſcheidung des Reichsfinanzhofs klargelegt wurden, für
die heſſiſche Gewerbeſteuerveranlagung unter gewiſſen Vorausſetzun=
gen
ſogar auf dem Wege der Billigkeit rückwirkend ſicherſtellt. Im
allgemeinen dürfen die gefetzlichen Berufsverkretungen der Erwartung
Ausdruck geben, daß von dem ihnen geſetzlich zuſtehenden Anhörungs=
recht
ſeitens der zuſtändigen Stellen für die Folge in jedem Einzelfalle
Gebrauch gemacht werden wird.
Vergleichsverfahren.
Die Frage der Neuordnung des gerichtlichen Vergleichsverfahrens,
wie ſie anfangs des Berichtsjahres im Hinblick auf die teilweiſe ungün=
ſtigen
Auswirkungen der gegenwärtigen Regelung auftauchte, wurde
von der Kammer ſowohl in der zuſtändigen Kommiſſion, als auch wie=
derholt
in Vollverſammlungen behandelt. Eine Reihe von Abänderungs=
vorſchlägen
, die eine mißbräuchliche Benutzung der Möglichkeiten der
Vergleichsordnung unterbinden ſollen, u. a. auch die Erhöhung der
Mindeſtquote von bisher 30 auf 50 Prozent, wurde den zuſtändigen
Stellen zugeleitet. Die gutachtliche Inanſpruchnahme der Kammer war
den Niedergangserſcheinungen unſerer geſamten Wirtſchaft entſprechend
auch im einzelnen rege; insgeſamt hatte die Kammer zu 32 Vergleichs=
verfahren
im Berichtsjahre gutachtlich Stellung zu nehmen.

* Aus den Darmſtädter Lichkſpieltheakern.
Union=Theater
bringt ein köſtliches Luſtſpiel im Tonfilm Eine Freundin
ſo goldig wie Du .. . Ein Luſtſpiel, wie es gleich harm=
los
und fröhlich, dabei gleich originell und reich an luſtigen Ein=
fällen
und Eleganz der Aufführung, Schönheit der Menſchen und
Bilder überhaupt noch nicht da war. In erſter Linie gebührt
natürlich der Preis der Schönheit und des ſonnigen Humors
Anny Ondra als Anny und Trägerin der Haupt= und Titel=
rolle
. Ob die Idee des luſtigen Spiels mehr dem Verfaſſer des
Drehbuches als der Regie Karl Lamacs zuzuſchreiben iſt, entzieht
ſich unſerer Kenntnis. Jedenfalls iſt die köſtliche Idee von
dem bildhübſchen kleinen Mädchen (Anny Ondra), die in einem
wundervollen Autoklapperkaſten das Komiſchſte, was je gebo=
ren
wurde durch die Welt rattert und nach vielen komiſchen
Mißverſtändniſſen und mehr oder weniger heiklen Situationen in
Berlin in ihr Glück hineinfährt. In ihres und damit gleichzeitig
in das des feſchen Zahnarztes Dr. Jack Braun. Wir wollen aus
dem Inhalt nicht mehr erzählen, um die Wirkung der Pointe
nicht zu ſchmälern. Aber es ſei noch verraten, daß neben Anny
Ondras von ſonnigem Humor durchſtrahlter Schönheit und ihrem
köſtlichen Spiel noch Siegfried Arno als einzigartiger Detektiv,
Adele Sandrock als Tante Frieda, Felix Breſſart, der
trockene Berliner, und Andr. Pilot als Dr. Braun neben vie=
len
anderen mitwirken. Wer herzlich lachen will, ſchaue und höre
ſich dieſen Film an, der auch tonlich durchaus zu ertragen iſt.
Der Beifilm, eine amerikaniſche Humoreske, gibt diesmal
Rätſel auf, techniſcher Art. Als ſolcher iſt er intereſſant. *.*

Lokale Beranſtallungen.
Maskenball des Männerquarterts Ein=
tracht
findet auch in dieſem Jahre, und zwar am Samstag, den
31. Januar, im Hanauer Hof, ſtatt. Allen Freunden und Gönnern
des Quartetts iſt Gelegenheit geboten, für einige Stunden die
Alltagsſorgen zu vergeſſen. (Näheres erfolgt noch durch Anzeige
im Tagblatt.)
Sportplatz=Reſtaurant und Café, Böllen=
falltor
. Heute der beliebte Kaffee= und Kuchentag, verbun=
den
mit einem Kinderfeſt, unter Mitwirkung des Märchen=Onkels.
Abends mit verſtärkter Tanzkapelle großer Tanz=Abend bei freiem
Eintritt. (Siehe Anzeige.)
Der Geſangverein Frohſinn 1884 hält am
31. Januar ſeinen Maskenball im Mathildenhöhſaal ab. Gerade
in der jetzigen Zeit wird ſich jeder danach ſehnen, für einige Stun=
den
die ſchweren Sorgen mit Humor beim Frohſinn vertauſchen
zu dürfen. (Näheres ſiehe demnächſtige Anzeige.)
Frauenverein der Paulusgemeinde. Am
Donnerstag, den 22. Januar, findet abends im Gemeindeſaal ein
Teeabend ſtatt, wobei Herr Studienrat Dr. Krämer uns einen
Vortrag halten wird über: Das Chriſtentum im Kampf mit den
Weltreligionen. Wir laden alle Mitglieder und Freunde un=
ſeres
Vereins herzlich dazu ein. Fräulein Hilde Groß wird mit
einigen Liedern den Abend verſchönern helfen.

Skimmen aus dem Leſerkreiſe.
In Preußen geht man nun an die Auflöſung der Mier=
einigungsämter
heran, die an die Amtsgerichte ange=
gliedert
werden. Nicht unerhebliche Verwaltungskoſten werden
dadurch für die Städte erſpart. Wie ſtellt ſich die Stadtverwal=
tung
in Darmſtadt zu der Frage.
Z

[ ][  ][ ]

Nummer 21

Mittwoch, den 21. Januar 1931

Seite 7

Aus Heſſen.

Dg. Arheilgen, 20. Jan. Gemeinderatsſitzung. Am Mitt=
woch
, den 21. Januar, abends, findet im Rathausſaal eine öffentliche
Gemeinderatsſitzung ſtatt. Die Rechnung der Gemeinde
Arheilgen für das Rechnungsjahr 1929 nebſt dem Rechenſchaftsbericht
des Bürgermeiſters liegt vom Donnerstag, den 22. Januar, ab auf die
Dauer von einer Woche auf der Bürgermeiſterei zur Einſicht aller
Intereſſenten während den Dienſtſtunden offen. Lichtbilder=
Vortrag. Am Freitag, den 23. Januar, abends, hält im Bildungs=
beim
(Kirchenſchulhaus) Schweſter Marg. Schmid von der Wander= Aus=
ſtellung
für Volksgeſundheit und ſoziale Fürſorge einen Lichtbilder=
Vortrag über das Thema: Mutter und Kind‟. Die General=
verſammlung
des Odenwald=Vereins findet am Sonntag, den
25. Januar, ſtatt.
Wixhauſen, 19. Jan. Geſangswettſtreit. Der Geſang=
verein
Liederkranz Wixhauſen wird in den Tagen vom 4.6. Juli ſein
60jähriges Beſtehen, verbunden mit einem nationalen Geſangswettſtreit,
begehen. Bedeutende Geldpreiſe, wertvolle Ehren= ſowie Dirigenten=
preiſe
, ſind vorgeſehen, und iſt den Vereinen die Möglichkeit geboten,
4 Preiſe zu erringen. Auf Grund geſammelter Erfahrungen durch Teil=
nahme
an großen Wettſtreiten, kann genannter Verein volle Gewähr für
eine ſtreng reell und unparteiſche Durchführung des Wettſtreites bieten.
Die günſtige Lage unſeres Orts mit ſeinem lebhaften Zugverkehr. und
die hier herrſchende Gaſtfreundſchaft berechtigen zu der Hoffnung auf
eine recht rege Beteiligung. Der Delegiertentag iſt am Sonntag, den
8. Februar, nachmittags, im Traubenſaal.
Cp. Pfungſtadt, 19. Jan. Frühjahrsgeſellenprüfung.
Wie der Prüfungsausſchuß für die Geſellenprüfung mitteilt, haben An=
meldungen
zur Frühjahrsprüfung bis zum 24. Januar beim Vorſitzenden
Haſſenzahl zu erfolgen. 80. Geburtstag. Am Sonntag konnte
die Witwe F. Spengler, geb. Nungeſſer, in der Kirchſtraße wohnhaft,
ihren 80. Geburtstag begehen. Beſtandene Prüfung. Die hie=
ſigen
Hufſchmiede Chriſtoph Neber und Edmund Crößmann haben
an der Badiſchen Hufbeſchlagſchule in Mannheim ihre Staatsprüfung
mit ſehr gut beſtanden und ſind zur ſelbſtändigen Ausübung des Huf=
beſchlaggewerbes
berechtigt.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 2. Jan. Freiwillige Feuerwehr.
Aus Anlaß des Jubiläumsfeſtes, das am 6. und 7. Juni I. J. abgehal=
ten
werden ſoll, iſt die Bildung eines Ehrenausſchuſſes in Ausſicht ge=
nommen
. Die Einladungen ſind dieſer Tage ergangen. Im Hinblick
darauf, daß die Freiwillige Feuerwehr ein in jeder Hinſicht gemein=
nütziges
Inſtitut iſt, dürfte anzunehmen ſein, daß die Sache größt=
möglichſte
Unterſtützung findet. Der Vorſitzende des Ehrenausſchuſſes,
Herr Bürgermeiſter Jährling. hat bereits zu einer Sitzung auf
Sonntag, den 8. Februar I. J., nachmittags 3.30 Uhr, in das Gaſthaus
Zur Linde (Hieronymus) eingeladen. Holzdiebſtähle. Neuer=
dings
werden größere Holzdiebſtähle in den benachbarten Waldungen
(Staats= und Privatwald) bekannt. Die in Frage kommenden Frevler
ſind bereits ermittelt und zur Anzeige gebracht.
G. Ober=Ramſtadt, 20. Jan. Nachdem die Holzhauerei im Ge=
meindewald
jetzt beendet, findet in den erſten Tagen eine Brennholz=
verſteigerung
ſtatt, bei welcher hauptſächlich Dürrholz verkauft wird.
Daran anſchließend kommen mehrere 100 Raummeter Buchen=Scheitholz
uſw. zur Verſteigerung. Außerdem kommt alsbald zur Verſteigerung
Buchen=, Eichen= und Kiefern=Stammholz ſowie Fichten= und Lärchen=
Derbſtangen aller Klaſſen.
Reinheim, 20. Jan. Am 20. dieſes Monats feierte Herr Steuer=
inſpektor
Holler beim hieſigen Finanzamt ſein 40jähriges Dienſtjubi=
läum
. Im Beiſein des geſamten Perſonals überreichte der Amtsleiter,
Herr Regierungsrat Klingelhöffer, dem Jubilar das Dank= und Aner=
kennungsſchreiben
des Herrn Reichspräſidenten v. Hindenburg und ver=
band
hierbei gleichzeitig ſeine und die Glückwünſche des Herrn Reichs=
miniſters
der Finanzen und des Herrn Präſidenten des Landesfinanz=
amts
Darmſtadt. Anſchließend hielt Herr Steuerſekretär Hock namens
des geſamten Perſonals eine Anſprache. Als Zeichen äußerer Anerken=
nung
und Verbundenheit überreichte das Perſonal am Schluſſe der
kurzen, aber würdigen Feier Herrn Holler ein kleines Geſchenk. Hierauf
ſchloß ſich die Ortsgruppe Reinheim im Bunde Deutſcher Reichsſteuer=
beamten
, deren treues Mitglied Herr Holler bis jetzt war, der Gratu=
lation
an.
* Reinheim, 20. Jan. Die hieſige Ortsgruppe des Odenwald=
klubs
begeht am 24. Januar im Saale des Gaſthauſes Zum Schwa=
nen
ihr Wanderer=Auszeichnungsfeſt. Das vorgeſehene Programm wird,
durch die in Ausſicht geſtellte Mitwirkung Fränkiſch=Crumbacher Klub=
mitglieder
bereichert.
In. Harpertshauſen, 20. Jan. Generalverſammlung des
Männergeſangveveins Eintracht‟ Die diesjährige
Hauptverſammlung des Männergefangvereins Eintracht fand in der
Gaſtwirtſchaft des Herrn Ludwig Däſch ſtatt. In Verhinderung des
erſten Vorſitzenden eröffnete der zweite Vorſitzende Georg Gaubatz mit
herzlichen Begrüßungsworten die Verſammlung. Bevor man zu der
Tagesordnung überging, gedachte man durch Erheben von den Plätzen
des ſo plötzlich dahingerafften Ehrenmitgliedes Adam Phil. Jäger, der
45 Jahre aktiv im Verein tärig war. Alsdann verlas Schriftführer
Noth den Tätigkeitsbericht des verfloſſenen Jahres. Nach Prüfung der
Nechnung wurde dem Rechner Heinr. Lautenſchläger Dank und Ent=
laſtung
ausgeſprochen. Durch einſtimmigen Beſchluß wurde der Geſamt=
vorſtand
wieder gewählt. Der Monatsbeitrag wurde von 70 auf 60
Pfg. herabgeſetzt. Ferner ſollen im künftigen Jahre die Geſangsſtunden
während der arbeitsreichen Sommermonate ausfallen. Auch ſoll im
Laufe des Jahres als Gegenleiſtung für den uns vom Rimhorner Ge=
ſangverein
erſtatteten Beſuch ein ſolcher nach dorten unternommen wer=
den
. Aus finanziellen Gründen ſoll im Monat Februar noch ein Unter=
haltungsabend
veranſtaltet werden. Nachdem am Schluſſe der 2. Vor=
ſitzende
alle Anweſenden an die Pflichten eines echten aktiven Sängers
erinnerte, wurde der Abend mit dem Geſang eines Heimatliedes be=
ſchloſſen
. Für die hieſige Gemeinde wurde Heinrich Aug. Funck 2.
als Wiegemeiſter verpflichtet.
r. Babenhauſen, 19. Jan. Der Geſangverein Sängerbund
gegr. 1840, hielt als älteſter Geſangverein am Platze am Samstag abend
im feſtlich geſchmückten Saale des Gaſthauſes Zum Löwen ſein Ball=
feſt
ab. Die unter der ſachkundigen und feinſinnigen Leitung des Chor=
meiſters
A. Ebert=Groß Auheim vorgetragenen Kunſt= und Volkslieder
zeugten alle von vorzüglicher Schulung des Stimmaterials und fanden
lebhaften Beifall. Nach dem Konzertteil, den die Kapelle in anerkannt
bewährter Art ausgeführt hatte, folgte der Tanz. Die Sangesfreunde
und Gäſte waren ſich einig darüber, einige recht gemütliche Stunden beim
Sängerbund zugebracht zu haben.
r. Babenhauſen, 20. Jan. Der Werbe= und Unterhaltungs=
abend
, den der Eiſenbahnverein Babenhauſen und Um=
gegend
am letzten Sonntag im Saalbau Deutſcher Hof veranſtaltete,
hatte eine große Anziehungskraft ausgeübt. Der große Saal war über=
füllt
. Die Vortragsfolge war ſehr reichhaltig, und beſonders der erſte
Teil ſtand auf einer damkenswerten, beachtlichen Höhe. Er brachte nach
herzlichen Begrüßungsworten des 1. Vorſitzenden, des Herrn Oberbahn=
meiſters
Eigelsheimer einen mit Beifall aufgenommenen Vor=
trag
des Herrn San.=Rats Dr. Michel über zeitgemäße mediziniſche
Fragen, über die wichtigſten Krankheitserreger, ihre Uebertragung und
Verhütung. In recht anſchaulicher, volkstümlicher Form der Rede er=
läuterte
ſein Sohn, Herr Dr. Wilh. Michel, die große Zahl der Licht=
bilder
, die gar vielen Zuhörern ſicher über manche, leider oft nur zu
leicht genommene Krankheiten und ſchlechte Gewohnheiten wertvolle
Aufklärung gaben. Möge der Wunſch des Arztes, aus dem Gehörten
und Geſchauten recht viele praktiſche Nutzanwendungen für das tägliche
Leben zu ziehen, in reichem Maße in Erfüllung gehen. Die Ehrung

der 25 Jahre im Dienſte der Reichsbahn befindlichen Bedienſteten
es war eine ſtattliche Anzahl von hier und der Umgebung geſtaltete
ich nach einem ſehr hübſch dargebotenen Vorſpruch von Frl. Mariechen
Blümler recht wirkungsvoll. Die Glückwünſche der Eiſenbahndirektion
übermittelte der Vorſitzende in kurzen herzlichen Worten. Tanz= und
Gymnaſtikvorführungen von acht Turnerinnen des Reichsbahn=Turn=
und Sportvereins Darmſtadt bildeten den Uebergang zu dem von der
zahlreich vertretenen Jugend heißerſehnten Tanz.
Sch. Seckmauern, 20. Jan. Der Geſangverein Eintracht
Seckmauern hatte am 11. und 18. d. M. einen Theaterabend. Aufgeführt
wurden als Vorſpiel ein heiteres modernes Stück: Um den Bubikopf
und als Hauptſtück: Polizeidiener Strubbes und die Beſemgräit‟. Die
Stücke fanden rege Begeiſterung und Aufnahme, da es die Spieler ver=
ſtanden
, ſich voll und ganz in die Rollen einzuleben. Wie aus Hain=
grund
gemeldet wird, hat der dortige Radfahrerverein jedem aus=
geſteuerten
Mitglied von dem Ueberſchuß der Vereinskaſſe eine kleine
Geldgabe ausbezahlt.
b. Erbach, 20. Jan. Auszeichnung. Gelegentlich der Haupt=
verſammlung
des Vereins der Jäger im Odenwald wurden Seine Er=
laucht
der Graf Konrad zu Erbach=Erbach, Se. Erlaucht der Erbgraf
Alexander zu Erbach=Erbach und Se. Erlaucht der Graf Joſeph zu Er=
bach
=Fürſtenau durch Ueberreichung des Prinz Alfons Erinnerungszei=
chen
am Hubertusband für weidgerechte Jagdausübung, Hege und
Pflege ausgezeichnet. Hier ſei bemerkt, daß ſich die genannten Herren
um die Hege und um die Hebung des Wildſtandes, der im Odenwald
nach dem Kriege nahe an den Ausſterbeetat gelangt war, außerordent=
liche
Verdienſte erworben haben.
Cd. Michelſtadt, 19. Jan. Begräbniskaſſe. Jahreshauptver=
ſammlung
der Begräbniskaſſe für Michelſtadt und Umgegend. Der
2. Vorſitzende, J. Mohr, eröffnete die gut beſuchte Verſammlung und
gedachte vor allem der im abgelaufenen Geſchäftsjahre verſtorbenen Mit=
glieder
; es waren dies insgeſamt 19 Mitglieder und 2 Kinder. Unter
den Dahingeſchiedenen befand ſich leider auch der 1. Vorſitzende der Be=
gräbniskaſſe
, Herr Wilh. Köbel, der unermüdlich war, wenn es galt, für
die Begräbniskaſſe zu arbeiten, und der ſich um den Ausbau dieſes In=
ſtituts
große Verdienſte erworben hat, was auch von der Verſammlung
gebührend anerkannt wurde. Die Verſtorbenen wurden ſodann in der
üblichen Weiſe von der Verſammlung durch Erheben von den Sitzen ge=
ehrt
. Die Begräbniskaſſe zählt heute 1021 Mitglieder, gegen 1023 am
1. Januar 1930. Das Vermögensverzeichnis ſchließt mit einem Betrag
von 4621,52 RM. ab. gegenüber 4020,73 RM. am 1. Januar 1930. Nach
Verleſung und Prüfung der Jahresrechnung wurde ſodann dem Vor=
ſtand
einſchließlich Rechner Entlaſtung erteilt. Die Vergütung des Vor=
ſtandes
erfuhr gegen das vorhergehende Jahr eine kleine Aenderung.
An Stelle des verſtorbenen 1. Vorſitzenden Köbel wurde Herr Wilh.
Pfaff, Gaſtwirt, Karl=Ulrichſtraße, einſtimmig zum 1. Vorſitzenden ge=

schmerzlindernd
und belebend bei Rheuma,Oschias,
Kopf=, Nerven= und Erkältungs=
ANd
ſchmerzen, Ermüdung u. Strapazen
7Meliſſ.=3Musk.-1Nelk.-6Zitr., 5 Zimt=u
Lab.=Ol, 18,14Menth.,400Wafſ.,600 Spir. In Apotheken und Drogerien

wählt. Aus dem übrigen Vorſtand wurden die ſtatutengemäß ausſchei=
denden
Vorſtandsmitglieder Jak. Gehrhardt und Wilh. Vetter einſtim=
mig
durch Zuruf wiedergewählt. Als Erſatz für Wilh. Pfaff, der ſeit=
her
ſchon als Beiſitzer dem Vorſtand angehörte, wurde in geheimer Wahl
Herr Joh. Geiſt. Gemeinderatsmitglied mit 75 Stimmen gewählt. Sein
Gegenkandidat Hch. Haußner=Steinbach erhielt 44 Stimmen. Nach der
Wahl der Prüfungskommiſſion für das Jahr 1931 ging man zum Punkt
Verſchiedenes über. Hier wurde von ſeiten des Vorſtandes zum wieder=
holten
Male an die Anmeldung der Kinder der Mitglieder erinnert,
die ohne Beitrag ebenfalls einen entſprechenden Verſicherungsſchutz ge=
nießen
. Von Herrn Hch. Pfaff wurde ſodann eine Staffelung des Bei=
trages
angeregt, um die Sache für die in füngeren Jahren Eintretenden
etwas ſchmackhafter zu geſtalten. Der Vorſtand verſprach, dieſe An=
regung
im Auge zu behalten, und war damit die Verſammlung zu
Ende. Unglücksfall. Ein hieſiger älterer Arbeiter, R. Geher,
ſtürzte am vergangenen Donnerstag abend beim Heimkommen von ſeiner
Arbeitsſtelle von ſeiner Wohnung die ſteile Stockwerkstreppe hinab und
zog ſich hierbei ſchwere Verletzungen am Kopfe zu. Durch die Freiwil=
lige
Sanitätskolonne wurde er am nächſten Morgen nach dem Städtiſchen
Krankenhaus verbracht, wo er am Samstag ſeinen Verletzungen erlag.
Ein böſer Streich des Druckfehlerteufels. Ein Druck=
fehler
auf den Anforderungszetteln für die Bürgerſteuer, die dieſer
Tage ausgetragen wurden, hat den Grund zu verſchiedenen Scherzen ge=
geben
. Es heißt nämlich bei den Zahlſtunden ſtatt vormittags nach=
mittags
von 812 Uhr. In dieſer Zeit iſt jedoch die Stadtkaſſe ſtets
geſchloſſen
m. Beerfelden 19. Jan. Aus den Vereinen. Die hieſige
Ortsgruppe des Odenwaldklubs hat den Wanderplan für das angefan=
gene
Jahr feſtgelegt und ſtatt 13 Wanderungen deren 10 eingeſetzt.
Dieſe Maßnahme wurde getroffen, um den ſchwierigen Verhältniſſen der
Gegenwart Rechnung zu tragen. Die Wanderungen haben zum Teil
als Halbtageswanderungen zum Ziel ſchöne Punkte der näheren Hei=
mit
, doch geſtatten es die Klub=Verkehrsmittel auch, einige entferntere
Anziehungspunkte zu beſuchen. An Vereinsveranſtaltungen wird noch
im laufenden Monat ein Lichtbildervortrag die Beſucher im Geiſt in
die Schönheiten des Speſſart einführen. Das Wanderer=Ehrungsfeſt
wird ſich wie voriges Jahr an eine kleine Wanderung anſchließen und
recht gemütliche und vergnügte Stunden bringen. Der Turnverein
hält ſeine Jahres=Hauptverſammlung ab, in der die Wahl des Vor=
ſtandes
für die nächſten 3 Jahre vorgenommen wird. Der derzeitige
Vorſtand macht auf die Wichtigkeit der Tagesordnung aufmerkſam und
mahnt zu zahlreichem Beſuch ſeitens der Mitglieder. Die Geſang=
vereine
arbeiteten in den letzten Wochen mit Hochdruck. Der Sänger=
kranz
hat ſein übliches Jahreskonzert ſchon erledigt, die Sängerriege
wird dasſelbe demnächſt darbieten,
Hirſchhorn, 20. Jan. Waſſerſtand des Neckars am
19. Januar 1,63 Meter, am 20. Januar 1,60 Meter.
W. Heppenheim a. d. B., 19. Jan. Handwerkskammer=
ſprechtag
. Der nächſte Sprechtag der Handwerkskammer, Neben=
ſtelle
Darmſtadt in Heppenheim. findet am kommenden Mittwoch, den 21.
Januar, nachmittags 1.45 Uhr beginnend, im Kreisamt, Zimmer Nr. 16,
ſtatt. Ausbeſſerung der Poſtſtraße. Die Poſtſtraße ſtellt,
da jeglicher Auto= und Fuhrwerksverkehr durch den ſüdlichen Teil der
Stadt Heppenheim, des ſog. Villenviertels, geſperrt iſt, die Hauptver=
kehrsſtraße
dieſer Gegend dar. Als Verbindungsſtraße zu den über der
Bahnlinie liegenden Langen Aeckern und dem Wieſengelände ſowie
als Durchfahrtsſtraße für den täglichen Autobusverkehr war die Straße
der ſtärkſten Abnutzung unterworfen, ſo daß eine Ausbeſſerung mehr als
notwendig erſchien. Die Ausbeſſerungsarbeiten, die zurzeit von Ausge=
ſteuerten
und Arbeitsloſen ausgeführt werden, erſtrecken ſich auf eine
Verbreiterung der Straße um einige Meter, ſowie auf eine gleichzeitige
Höherlegung derſelben. Eine Verbreiterung mußte teilweiſe auf Koſten
des Bürgerſteigs durchgeführt werden. Jedoch blieb der Charakter der
Kurſtadt Heppenheim durch Anbringung von Anlagen auf der einen
Seite des Stadtbach in der Straße gewahrt. Den ſozial=hygieniſchen For=
derungen
der Bewohner dortiger Gegend wurde durch beſſere Kanaliſie=
rung
des Stadtbach und Beſeitigung der Hecken und Sträucher, die eine
unliebſame Niſtſtätte der Schnaken darſtellten, Rechnung getragen und
damit der Grundſtock für die Anlagen gelegt. Abbrennen von
Hecken. Im Intereſſe des Vogelſchutzes iſt in der Zeit vom 1. Februar
bis 1. Oktober auf Grund der Polizeiverordnung vom 17. Februar 1911
im Kreiſe Heppenheim das Abbrennen von Grasflächen, Rainen und
Hecken verboten.

Bb. Bensheim, 19. Jan. Die vorgeſtern hier eröffnete, von der
Segelfliegergruppe Bensheim veranſtaltete Segelflugzeug= Aus=
ſtellung
wurde auch am geſtrigen Sonntag ſtark beſucht, wodurch
der Beweis erbracht wurde, daß man den Beſtrebungen der jungen, erſt
am 1. Dezember 1929 gegründeten Segelfliegergruppe großes Intereſſe
entgegenbringt Bei der Eröffnung begrüßte Herr Studienreferendar
Kayſer die Erſchienenen, insbeſondere die Vertreter des Kreisamtes,
der Stadtverwaltung und der Preſſe. Zahlreiche, meiſtens von hieſigen
Segelfliegerſchülern ausgeführte Flugzeug=Modelle, ſowie zwei Original=
Segelflugzeuge waren aufgeſtellt, und gab Herr Schmidt=Auerbach, ein
Segelflieger, der die A=Prüfung bereits beſtanden hat, erläuternde Er=
klärungen
über das Weſen des Segelfluges und die verſchiedenen Typs
der Maſchinen. Am Abend unterſtützte ein im hieſigen Lichtſpielhaus
von Herrn Ganter (Mannheim) gehaltener Lichtbildervortrag,
der gut beſucht war, die Beſtrebungen der Fliegergruppe. Die ganze
Veranſtaltung kann als wohlgelungen bezeichnet werden.
Bt. Auerbach, 20. Jan. Reichsgründungsfeier. Was die
Regierung durch Beflaggung der öffentlichen Gebäude der Bevölkerung
kundtun wollte, das haben hieſige Organiſationen in eindringlichee
Weiſe durch eine würdige Feier, die Sonntag abend im großen Saale
des Hotel Weigold ſtattfand, ergänzt. Es hatten ſich zu dieſer Reichs=
gründungsfeier
Angehörige aller Schichten der hieſigen Bevölkerung
und auch aus Nachbarorten eingefunden; ſchon vor Beginn der Feier
war der Saal überfüllt. Die Feier wurde durch den Feſtmarſch zum
18. Jcnuar 1931 eröffnet. In dieſem Marſch hatte Herr Obermuſik=
meiſter
Urbach einen temperamentvollen Auftakt gegeben. Nach dem
Gebet fürs Vaterland erfolgte der Einzug der Fahnen, die die Teil=
nehmer
ſtehend begrüßten. Ein Prolog, von Frl. Inga Ungerer ge=
ſprochen
, war ein Lobſpruch auf die ehemalige glorreiche deutſche Armee.
Auf die Ouvertüre Friedrich der Einzige von Machis folgte die Feſt=
rede
des Herrn Studienrats Dr. Ruppel aus Friedberg. Er gab darin
eine eindringliche Mahnung, einmütig für Volk und Vaterland einzu=
ſtehen
. In den großen nationalen Zielen müſſen die Parteien ſich
finden, wenn wir nicht zugrunde gehen wollen. Es darf für den Deut=
ſihen
keine andere Auffaſſung geben als das Dienen im Volk und im
Staat. Mit einem Hoch auf das deutſche Vaterland ſchloß der Redner
ſeine Ausführungen, denen großer Beifall gezollt wurde. Anſchließend
wuurde das Deutſchlandlied angeſtimmt. Im weiteren Verlauf der
Feier brachte der Bläſerchor Konzertſtücke verſchiedenſter Art zum Vor=
trag
. Dieſer rührige Chor junger Männer verdient die vollſte Aner=
kennung
für ihre Leiſtungen. Ihrer Mitwirkung iſt es mit in erſter
Linie zu verdanken, daß der Abend in ſolch feſtlicher Stimmung ver=
leufen
iſt. Es bedeutete dieſe Feier eine eindrucksvolle Kundgebung
dafür, daß unſer Volk, entgegen allem Trennenden im Parteileben, ſich
in der Wahrung und Erhaltung unſeres Reiches zuſammenfindet.
Gernsheim, 20. Jan. Waſſerſtand des Rheins am
19. Januar 0,46 Meter, am 20. Januar 0,44 Meter.
Groß=Gerau, 20. Jan. Am Donnerstag, den 22. Januar, abends,
ſpricht der Referent für Volksbildung und Jugendpflege im Heſſ. Kul=
tusminiſterium
. Schulrat Haſſinger, in der Aula der Realſchule zu
Groß=Gerau über 1. Die Burg der Jugend, 2. Staatsbürgerliches
und nationales Volkstum im Volksſtaat.
P. Kelſterbach, 20. Jan. Einbruch. Hier drangen nachts Ein=
brecher
in das Wohngebiet eines Arbeiters ein und entwendeten mehrere
Hühner, die ſie auf der Stelle abſchlachteten.
a. Offenbach, 19. Jan. Reichsgründungsfeier. Die hie=
ſigen
Krieger= und Regimentsvereine, denen ſich die Deutſche Volkspar=
tei
angeſchloſſen hatte, begingen geſtern den 60. Geburtstag des Reiches.
Die Feier war ſehr gut beſucht. Der Saal des Stadtgartens war mit
den alten Reichsfarben geſchmückt, die Bühne, worauf ſich die Büſte des
erſten Kaiſers und die Bilder ſeiner Getreuen, Bismarck, Roon und
Moltke, und das Bildnis Hindenburgs befanden, zeigte auch die neuen
Farben des Reiches. Von den Spitzen der Behörden waren der Kreis=
und der Polizeidirektor anweſend. Die Muſik, faſt ausſchließlich Militär=
märſche
, darunter die Parademärſche aller ehemaligen Regimenter Heſ=
ſens
, ſtellten einſtige 168er, den geſanglichen Teil beſtritt der Sonntags=
verein
. Sehr eindrucksvoll geſtaltete ſich der Einzug der Fahnen und
Standarten der Vereine, acht an der Zahl. Ein Vorſpruch, eigens für
den Abend verfaßt, leitete zu der Feſtrede über, die Studienrat Dr.
Simaon übernommen hatte. Er hob, eingangs hervor, daß der Ge=
burtstag
des Reiches in Berlin zum erſtenmal amtlich gefeiert werde,
und rollte dann den Dornenweg auf, den unſer Volk von 1648 bis 1871
gehen mußte. Ein hoffnungsfreudiger Ausblick in eine beſſere Zukunft
ſchloß die Ausſprache. Als der Redner der Volksgenoſſen, die für
Deutſchlands Einigung oder Erhaltung 1870 oder im Weltkriege ſtar=
ben
, gedachte, ſetzte die Muſik mit dem guten Kameraden ein, und am
Schluſſe der Rede ſang die Menge das Lied der Deutſchen. An den
Reichspräſidenten wurde unter fubelnder Zuſtimmung der Feſtteilnehmer
ein Drahtgruß geſandt. Die Feiernden, in der großen Mehrzahl ehe=
malige
Soldaten, fühlten ſich aus der trüben Gegenwart bald in die
glücklichen und glanzvollen Zeiten des Reiches verſetzt. Die öffent=
lichen
Gebäude der Stadt hatten zur Feier des Tages ausnahmslos
Fahnenſchmuck angelegt.
Rheinheſſen.
Aus Mainz.
* Selbſtmord durch Sprung in den Rhein. Ein Mann, der von
Guſtabsburg über die Eiſenbahnbrücke nach Mainz ging, beobachtete,
wie ſich ein junger Mann, der aus Richtung Mainz kam, auf das Ge=
länder
des ſüdlichen Brückenſteiges ſchwang und in den Rhein ſprang.
Es handelt ſich um einen etwa 15 Jahre alten Menſchen, der eine graue
Jacke und eine Baskenmütze trug. Der Lebensmüde tauchte noch einmal
auf und verſchwand dann im Strom.
*
* Flonheim, 20. Jan. Tödlicher Motorradunfall eines
Arztes. Samstag abend fuhr der prakt. Arzt Leonhard Bach von hier
mit ſeinem Motorrad von Alzey nach Hauſe. Bei Albig an der ſoge=
nannten
roten Brücke kam an einer S=Kurve infolge des Regenwetters
das Motorrad ins Schleudern. Nachdem ſich der Arzt, der geſtürzt war,
vom Schrecken erholt hatte, konnte er ſelb ſtnach Hauſe fahren und ging
zu Bett. Nach am ſelben Abend ſtellten ſich, wahrſcheinlich infolge inne=
rer
Verletzungen, Herzbeſchwerden ein, an denen er in der Nacht auf
Montag ſtarb.
Ah. Bingen a. Rh., 20. Jan. Lebensmüde. Eine junge Frau
aus Bingen legte ſich in der Nähe der Druſusbrücke in ſelbſtmörderiſcher
Abſicht auf die Eiſenbahnſchienen. Der Zug konnte jedoch noch recht=
zeitig
zum Halten gebracht werden. Die Lebensmüde wurde in Schutz=
haft
genommen.
Ah. Pfeddersheim bei Worms, 20. Jan. Einbruch ins Amts=
gericht
. Nachts drangen Diebe ins Amtsgericht und erbrachen ver=
ſchiedene
Fächer. Außerdem ſtatteten ſie den Kellern der Beamten einen
Beſuch ab und entwendeten Lebensmittel. Von den Tätern fehlt jede
Spur.

Oberheſſen.

h. Gießen, 20. Jan. Eine Landbund=Verſammlung wurde
am Samstag im Beiſein des Kreistagsabgeordneten Philipp Klein ab=
gehalten
. Rechtsanwalt Zimmer ſprach über die gegenwärtige politiſche
Lage in Deutſchland, über den Young=Plan, deſſen Reviſion er dringend
forderte, über die Oſthilfe der Landwirtſchaft und den ungünſtigen
Handelsvertrag mit Finnland.
h. Hungen 20. Jan. Ein ſchweres Schadenfeuer ver=
nichtete
im nahen Inheiden Scheune, Stallungen und Schuppen
des Landwirts Karl Raab. Große Heu= und Strohvorräte, ſowie meh=
rere
wertvolle landwirtſchaftliche Maſchinen wurden zerſtört.

Schutz

und Pfleg

das wichtigste für die Haut in rauher
Jahreszeit. PFeilring-Lanolin-Creme
wird seit 40 Jahren von Spezialisten und Sachver-
ständigen
als wirksamstes Hautpflegemittel bezeichnet.
Das darin enthaltene Cholesterin verhütet Rauheit und
Rötung, macht trockene und spröde Haut geschmeidis.

In Dosen und Tuben
von RM. 0.20 bis 1.-

Alling Lansein=
Teig.
O

(TN9,6

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Seite 8

Mittwoch, den 21. Januar 1931

Nummer 21

2

Der neue Genfer Hauptbahnhof,
an dem ſeit vielen Jahren gebaut worden iſt, wurde jetzt zum Beginn der neuen Tagungen dem
Verkehr übergeben. Das moderne Gebäude, das an die Stelle einer Halle getreten iſt, die längſt
nicht mehr dem internationalen Verkehr Genfs genügte, gibt der Stadt ein ganz neues Gepräge.
Das Großfeuer bei den Berliner Siemens=Werken.

Die ausgebrannten Reſte des Lagerſchuppens der Siemens Plania=Werke in Berlin=Lichtenberg.
Nur mit großer Mühe konnte die Feuerwehr eine weitere Ausbreitung des gefährlichen Brandes
verhüten.

Reich und Ausland.
Schwere Folgen des Glakkeiſes.
Ein Laſtzug zertrümmert die Front des Neuhöfer
Gemeindehauſes. Eine Frau und ein Kind
unter den Mauertrümmern begraben.
Fulda. Geſtern nacht rannte in einer ſteil
abfallenden Kurve im Dorfe Neuhof bei Fulda
ein aus Köln kommender ſchwerer Laſtzug mit
Anhänger infolge Glatteiſes gegen das Neuhöfer
Gemeindehaus. Die Eckfront des Hauſes ſtürzte
infolge der Wucht des Anpralles vollſtändig ein
und begrub eine direkt hinter der Wand ſchla=
fende
Frau und ein Kind unter ihren Trüm=
mern
. Beide konnten alsbald gerettet werden,
doch lag die Frau lange bewußtlos darnieder.
Die Fahrer kamen mit leichten Verletzungen da=
von
. Wagen und Anhänger, die auf ihrer Fahrt
auch einen Telegraphenmaſt zerſplittert hatten,
ſind ſchwer beſchädigt.

Auf der Jagd nach dem Mörder des Metzger=
meiſters
Kappes.
Frankfurt a. M. Hier wurde bekannt=
lich
der Metzgermeiſter Kappes ermordet aufge=
funden
. Die Kriminalpolizei arbeitet mit Hoch=
druck
, um den Mord aufzuklären. Bisher iſt
noch kein ſichtbarer Erfolg zu verzeichnen. Die
Ermittlungen ſind deshalb einigermaßen kom=
pliziert
, weil das Motiv der Tat noch nicht ein=
wandfrei
geklärt iſt. Man neigt heute zu der
Anſicht, daß ein Raubmord kaum in Frage
kommt. Das Fehlen des Portemonnaies in den
Taſchen des Toten iſt noch lange kein ſchlüſſiger
Beweis für Raubmord. Kappes war, wie von
verſchiedenen Zeugen behauptet wird, ein leicht
erregbarer Mann, der ſich leicht zum Jähzorn
hinreißen ließ. Ein früherer Mieter des Kap=
pes
, der kurze Zeit verdächtig ſchien, hat ſein
Alibi einwandfrei nachgewieſen. Die Tat kann
wohl eine Affekthandlung oder auch ein vorbe=
dachter
Mord ſein, und zwar ein Racheakt.
Nach Mitteilungen aus dem Publikum iſt
zur Tatzeit ein Mann mit einem Ruckſack ge=
ſehen
worden, der in der Nähe des Tatortes
über ein freies Feld lief. Außerdem will eine
Frau auf dem Wagenplatz zwei Geſtalten be=
obachtet
haben, als die Hunde laut bellten. Da
es ſehr dunkel war, konnte ſie nähere Angaben
über die Perſonen nicht machen. Ferner iſt zur
Tatzeit auf dem Strahlenberger Weg ein etwa
1.80 Meter großer Mann geſehen worden.
Der neue Mordprozeß Märkle.
Karlsruhe. Das Schwurgericht Karls=
ruhe
verhandelte geſtern in der Reviſion gegen
die Ehefrau Luiſe Märkle aus Weisweil wegen
Mordes, verübt gemeinſam mit dem ſeinerzeit
zum Tode verurteilten und zu lebenslänglicher
Zuchthausſtrafe begnadigten Kriminalbeamten
Karl Werner. Das erſte Schwurgerichtsurteil
kautete gegen Frau Märkle auf Freiſprechung;
es war vom Reichsgericht auf die vom Staats=
anwalt
eingelegte Reviſion aufgehoben und die
Sache zur erneuten Verhandlung an das Schwur=
gericht
zurückverwieſen worden.
Prozeß gegen den Goldmacher Tauſend.
München. Im Prozeß gegen den Gold=
macher
Tauſend wurde geſtern die Gründung der
Studiengeſellſchaft Tauſends erörtert. Der Vor=
ſitzende
ſtellte aus den Akten feſt, daß die Summe
der für die Studiengeſellſchaft eingezahlten Be=
träge
zuletzt etwa 820000 Mark betragen habe,
was Tauſend zugibt. Er gibt weiter zu, auf
Grund der Satzungen einen Betrag von 25 Pro=
zent
der Mitgliederbeiträge erhalten zu haben.
Er habe zunächſt 150 000 Mark und ſpäter noch
einmal 100 000 Mark bekommen, zuſammen alſo
eine Viertelmillion. Der Verein wurde im
Januar 1927 gegründet, der Sitz war urſprüng=
lich
Frankfurt a. M., wurde aber ſpäter nach
Freiberg in Sachſen verlegt.
Drei Skifahrer von Lawinen getötet=
München. Die ſtarken Schneefälle im Hoch=
gebirge
haben zu zahlreichen Lawinenſtürzen ge=
führt
. Wie aus Innsbruck gemldet wird, ſind ſeit
Sonntag abend zwei holländiſche Skifahrer,
Rinck und Polack, beide aus dem Haag, von
einer Skitour im Arlberggebiet nicht mehr zu=
rückgekehrt
. Man hat verſchiedene Gruppen von
Suchmannſchaften nach ihnen ausgeſandt, die die
Strecke von einer großen Lawine verſchüttet vor=
fanden
. Es iſt anzunehmen, daß die Beiden
unter der Lawine den Tod gefunden haben.
Wie aus Garmiſch berichtet wird, iſt am
Kreuzeck der Starnberger Skifahrer Baur unter
eine Lawine geraten und dort erſtickt.
Zum 60. Geburkskag des Komponiſten
Leon Jeſſel.

Leon Jeſſel,
der muſikaliſche Autor der erfolgreichen Ope=
retten
Schwarzwaldmädel und Schwalben=
hochzeit
, feiert am 22. Januar ſeinen 60. Ge=
burtstag
. Jeſſels Parade der Zinnſoldaten,
Der Roſe Hochzeitszug und andere gehören zu
den meiſtgeſpielten neueren Unterhaltungs=
Konzertſtücken,

Wechſelſchiebungen.
Berlin. Vor etwa vier Wochen beſchlag=
nahmte
die Berliner Kriminalpolizei zwei ge=
fälſchte
Wechſel. Wie die Unterſuchung ergab,
hatte eine Geſellſchaft von Wechſelſchwindlern un=
gefähr
90 gefälſchte Wechſel, die auf den Namen
großer weſtdeutſcher und rheiniſcher Firmen aus=
geſtellt
waren, in den Verkehr gebracht. Dieſe
Wechſel waren auf insgeſamt ungefähr 1½ Mil=
lionen
Mark ausgeſtellt. Die beiden beſchlag=
nahmten
Wechſel hatten Mitglieder der Fälſcher=
geſellſchaft
bei zwei kleinen Bankgeſchäften un=
tergebracht
. Alle gefälſchten Wechſel ſcheinen in
Cafés in Umlauf gebracht worden zu ſein. Eine
Bekanntgabe, dieſer betrügeriſchen Handlungen
war bisher nicht erfolgt, weil die Behörden
fürchteten, daß dadurch die Ergreifung der Be=
trüger
verhindert werden könnte. Nachdem jedoch
die Angelegenheit nunmehr in die Oeffentlichkeit
gelangt iſt, hat die Polizei die wichtigſten An=
gaben
zur Verbreitung freigegeben. Die Unter=
ſuchung
geht weiter.
Amy Johnſon nach Köln geſtartet.
Berlin. Die Fliegerin Amy Johnſon iſt
auf ihrem Rückflug nach London kurz nach 10
Uhr auf dem Flugplatz Tempelhof nach Köln
geſtartet.
Elly Johnſon in Hannover.
Hannover. Die Fliegerin Elly Johnſon
iſt geſtern mittag, kurz vor 12.30 Uhr, auf dem
hieſigen Flugplatz glatt gelandet. Der Weiter=
flug
nach London erfolgt heute früh.
Flugzeugunglück in München.
München. Geſtern, um 13.20 Uhr, ſtürzte
kurz vor der Landung auf dem Flugplatz Ober=
wieſenfeld
ein Flugzeug des Bayeriſchen Leicht=
flugzeugklubs
aus geringer Höhe ab. Die In=
ſaſſen
des Flugzeugs, der Pilot Godejohannes
und der Paſſagier Fritz Kramer, waren auf der
Stelle tot. Die Urſache des Abſturzes iſt noch
unbekannt.
Notlandung eines Flugzeuges mit Goldladung.
London. Ein franzöſiſches Flugzeug mit
einer Goldladung im Werte von 1 600 000 RM.,
das von London nach Paris unterwegs war,
mußte vorgeſtern bei Smarden (Kent) eine Not=
landung
vornehmen und wurde dabei ſchwer be=
ſchädigt
. Einer der Piloten, der bewaffnet war,
hielt bei dem Flugzeug Wache, bis das Gold in
Sicherheit gebracht war.
Reviſion gegen das Todesurteil im Mordprozeß
Trobitz.
Düſſeldorf. Die Verteidiger des wegen
Ermordung ſeines Schwagers zum Tode verur=
teilten
Kaufmanns Trobitz haben gegen das Ur=
teil
des Düſſeldorfer Schwurgerichts Reviſion
eingelegt,

Ein Pionier der deutſchen Aukomobil=
induſtrie
geſtorben.

Kommerzienrat Karl Reichſtein,
der Begründer der Brennaborwerke in Branden=
burg
, ſtarb im Alter von 83 Jahren.

Das Eiſenbahnunglück bei Gdingen.
Danzig. Das Eiſenbahnunglück bei
Gdingen hat nach den letzten Feſtſtellungen
insgeſamt ſechs Todesopfer gefordert. Die Zahl
der Schwerverletzten iſt auf 15 geſtiegen, die
Zahl der Leichtverletzten auf 25. Die Ermitt=
lungen
durch die Unterſuchungskommiſſion der
Staatsbahndirektion, die noch nicht abgeſchloſſen
ſind, haben bisher ergeben, daß der Lokomotiv=
führer
Zielinſki ohne Erlaubnis mit der Ma=
ſchine
rangierte. Ihn dürfte daher auch die volle
Verantwortung für das verhängnisvolle Unglück
treffen. Wie der Lokomotivführer bei ſeiner Ver=
nehmung
erklärte, habe er den aus Richtung
Neuſtadt kommenden Perſonenzug infolge des in
der Nähe der Unfallſtelle ſtehenden Wärterhau=
ſes
nicht ſehen können. Als er den Perſonenzug
erblickte, ſei es bereits zu ſpät geweſen und er
habe keine Möglichkeit gehabt, die Maſchine
rückwärts laufen zu laſſen. Der Eiſenbahnver=
kehr
im polniſchen Seeküſtengebiet war während
des ganzen Vormittags unterbrochen. Am Nach=
mittag
konnten die Züge durch Umleitung, aller=
ding
nur mit erheblichen Verſpätungen, ver=
kehren
.
Schweres Zugunglück in Argentinien.
Buenos Aires. Bei einem Zuſammen=
ſtoß
zwiſchen zwei elektriſchen Zügen bei der
Station Martinez (Argentinien) wurden ſechzig
Perſonen verletzt,

Die Zugſpiß=Bahn vollendet.
Eröffnung des letzten Teiles der bayeriſchen
Zugſpitzbahn und des Hotels Schneeferner.
Garmiſch. In Anweſenheit zahlreicher
Ehrengäſte, unter ihnen der Verkehrsreferent
der bayeriſchen Staatsregierung, Miniſterialrat
Hellmann, und anderer Vertreter der Behörden
und der Preſſe, wurde geſtern der letzte Teil der
bayeriſchen Zugſpitzbahn, die Seilbahn von
dem 2650 Meter hoch gelegenen Schneeferner=
haus
zu der zwiſchen dem Oſt= und dem Weſt=
gipfel
der Zugſpitze in faſt 3000 Meter Höhe ge=
legenen
Bergſtation eröffnet. Mit der Inbetrieb=
nahme
der Seilbahn, die einen Höhenunterſchied
von faſt 300 Metern bei einer Streckenlänge von
725 Metern in vier bis fünf Minuten Fahrzeit
überwindet, wurde gleichzeitig auch das neuer=
baute
Hotel Schneefernerhaus eröffnet, das 80
Gäſte aufnehmen kann, während das alte
Schneefernerhaus, das als Touriſtenhaus in den
nächſten Wochen eröffnet werden wird, Raum
für 115 Gäſte bieten wird. Die Gäſte des Er=
öffnungsaktes
hatten als erſte Gelegenheit, die
Fahrt zum Gipfel mit der Seilbahn anzutreten.

Schweres Exploſionsunglück auf einer Kopen=
hagener
Werft.
Kopenhagen. Am Montag abend explo=
dierte
auf der Werft von Burmeiſter u. Wain
ein rieſiger 10=Zylinder=Dieſelmotor. In weni=
gen
Augenblicken war der ganze Motor in
Flammen gehüllt. Die Sprengſtücke wurden
überall umhergeſchleudert. Auf der Laufbrücke
des Motors, in 15 Meter Höhe, ſtanden im
Augenblick der Exploſion zehn Arbeiter, die von
dem Luftdruck zu Boden geworfen wurden und
deren Kleider in Brand gerieten. Alle Arbeiter
erlitten mehr oder weniger ſchwere Verlet=
zungen
. Die Feuerwehr konnte den Brand in
kurzer Zeit löſchen.
Eine Serie furchtbarer Verbrechen in Frankreich
Paris. Eine Reihe von Verbrechen wurde
am Montag begangen. In einem kleinen
Städtchen in den Pyrenäen wurde ein 76 jäh=
riger
Greis ermordet; es liegt Raubmord vor.
Eine Kaſſette mit 8000 Franken Bargeld die
Erſparniſſe des Alten iſt verſchwunden.
In der Nähe von Grenoble entdeckte man unter
dem Schnee liegend die Leiche eines Algeriers;
die Taſchen des Ermordeten waren völlig leer.
Auch hier ſcheint Raub das Motiv der Tat ge=
weſen
zu ſein. In Lille überfiel ein 46 jäh=
riger
Mann ſeine ehemalige Geliebte in deren
Wohnung und feuerte ſechs Revolverſchüſſe auf
ſie ab. Als das Opfer um Hilfe ſchrie, warf er
die Frau zum Fenſter hinaus; ſie blieb mit zer=
ſchmetterten
Gliedmaßen auf der Straße liegen.
Darauf erhängte ſich der Mörder. Bei Nantes
wurde ein von einem Beſuch bei ſeiner Verlob=
ten
nach Hauſe zurückkehrender junger Mann
überfallen, an ſein Rad gebunden und in dieſem
Zuſtand in einen mit Waſſer gefüllten Stein=
bruch
hinabgeworfen. Der Unglückliche ertrank.
Es ſcheint ſich um einen Racheakt zu handeln,
denn das Opfer hatte bereits mehrere Droh=
briefe
wegen ſeiner bevorſtehenden Heirat er=
halten
.
Schweres Unglück in einer Grube bei Metz.
Paris. Ein ſchwerer Unglücksfall ereignete
ſich in der Grube Rener bei Metz. Ein Stollen=
zug
, in dem 80 Grubenarbeiter Platz genommen
hatten, ſtieß mit einem in entgegengeſetzter Rich=
tung
kommenden Zug zuſammen. Dabei wurden
drei Grubenarbeiter zermalmt, während eine
Reihe anderer mehr oder weniger ſchwere Ver=
letzungen
davontrug. Das Unglück iſt auf falſche
Weichenſtellung zurückzuführen.
Lawinenunglück an der Benedikten=Wand.
Benediktbeuern. Geſtern nachmittag,
kurz nach 15 Uhr, ereignete ſich an der Oſtſeite
der Benedikten=Wand ein furchtbares Lawinen=
unglück
. Ein Skikurs der bayeriſchen Landes=
polizei
wurde von einer Lawine überraſcht und
neun Mann wurden in die Tiefe geriſſen. Durch
die ſofort einſetzenden Bergungsarbeiten konnte
bis jetzt nur ein Mann bemußtlos geborgen wer=
den
. Die übrigen acht ſind noch verſchüttet, und
es kann kaum noch mit ihrer Rettung gerechnet
werden. Auf ſofortigen Alarm gingen von Bene=
diktbeurn
und Bad Tölz Mannſchaften des Al=
pinen
Rettungsdienſtes zur Hilfeleiſtung ab.
Auch aus München iſt eine Rettungsexpedition,
beſtehend aus zwei Offizieren, einem Arzt und
30 Mann, in Kraftwagen an die Unfallſtelle ab=
gefahren
.
Zum 400. Todeskag des Malers
Andrea del Sarko.

Andrea del Sarto,
der toscaniſche Meiſter der Farbenkunſt, ſtarb
vor 400 Jahren, am 22. Januar 1531, im Alter
von 45 Jahren in ſeiner Heimatſtadt Florenz.
Fresken von bedeutender Kompoſition und lich=
ter
Tönung, darunter die berühmte Madonna
del Sacco (1525), die Madonna di San Fran=
cesco
und Chriſti Abendmahl zeugen von der
Unvergänglichkeit des Genies Andrea del Sartos=

[ ][  ][ ]

Nummer 21

Mittwoch, den 21. Januar 1931

Seite 9

Aus dem deutſchen Oſten.

Der deutſche dder=Skrom.
Dicnok iſt Alldeutſchlandsnok!
Kampf und Not dieſe beiden Worte ſchweben als Leit=
ſtern
über dem deutſchen Oſten, der aus tauſend Wunden blutet.
Am Schleſiſchen Bahnhof in Berlin beginnt Aſien. Wenn
dieſer Ausſpruch wohl auch nur die Aeußerung eines Spaß=
vogels
ſein kann, ſo muß der deutſche Oſten ſich ſolche Scherze
verbitten. Ein Kernland Preußens ſind die weiten, fruchtbaren
Länderſtrecken öftlich der deutſchen Reichshauptſtadt Berlin, die
von der Oder, der Weichſel und dem Pregel durchfloſſen werden.
So weit die deutſche Geſchichte reicht, haben die Gebiete des
deutſchen Oſtens zu allen Zeiten durch Opfer an Gut und Blut
ſich große Verdienſte um die Entwicklung des preußiſchen Staates
und des deutſchen Reiches erworben, deshalb erhebt der deutſche
Oſten auch mit Recht Anſpruch darauf, als Front behandelt zu
werden.
Der Pole hat den hohen Wert des deutſchen Oſtens richtig
erkannt, ſeitdem er in die dort von den Germanen verlaſſenen
Gebiete nach der Völkerwanderung eingedrungen war. Mehr als
je raſſelt er zurzeit mit dem Säbel und erklärt einen Krieg zwi=
ſchen
Deutſchland und Polen für unvermeidbar: offen verkündet
der Pole: Unſer Ideal iſt, Polen im Weſten mit der Oder und
der Neiße abzuſchließen und ganz Oſtpreußen Polen einzuver=
leiben
.
Dieſe Anſprüche auf die dem deutſchen Reiche noch verblie=
benen
Oſtgebiete gründet Polen auf eine Landkarte um das Jahr
1000 n. Chr., auf der die Weſtgrenze des polniſchen Reiches an
der Neiße und an der Oder eingezeichnet iſt. Dieſe Karte kann
aber nur als eine Momentaufnahme herausgeſchnitten aus
dem vieltauſendjährigen Buche der Geſchichte, gewertet werden.
Denn ſehr bald begann die Rückeroberung des deutſchen Oſtens
und damit das Zurückdrängen des Polen= bzw. Slawentums
aus den alten deutſchen Gebieten der Oder und der Weichſel.
Die Wiedergermaniſierung der deutſchen Oſtſeeküſte durch den
Oſtſeeküſtenhandel der Deutſchen Hanſa beſchränkte ſich nicht
lediglich auf die eigentliche Oſtſeeküfte, auch im Binnenlande tra=
ten
viele Städte dem Hanſabunde bei, von denen an der Oder
außer Stettin noch Frankfurt und Breslau genannt ſeien.
Der deutſche Kaiſer Lothar III. aus dem Geſchlechte der
Grafen von Supplinburg war es, der in den Grafen von Aska=
uien
Albrecht der Bär , von Wettin und von Schauenburg
und beſonders auch in ſeinem Enkel Heinrich dem Löwen Män=
ner
fand, die gemeinſam mit dem deutſchen Adel eine Koloni=
ſationsarbeit
großen Stiles leiſteten, zunächſt zwiſchen Elbe und
Oder. Zahlreiche märkiſche Städte entſtanden in dem Zeitraum
von der Mitte des zwölften bis zur erſten Häffte des dreizehn=
ten
Jahrhunderts. Herzog Boleſlaw III. von Polen mußte dem
deutſchen Kaiſer Lothar im Jahre 1135 auf dem Reichstag zu
Merſeburg in Ausübung lange unterlaſſener Lehenspflicht das
Schwert vortragen.
Im Flußgebiet der Oder wurde im dreizehn=
ten
Jahrhundert das Schickſal Deutſchlands ent=
ſchieden
: Nahezu 1½ Jahrhundert hatte die Mongolennot
Rußlands und Polens Kräfte gefeſſelt; die Staatengebilde des
Iflam brachen 600 Jahre, nach ſeines Gründers Mohammed
Tode zuſammen, auch Rußland verfiel den im Jahre 1237 wieder
eindringenden Mongolen, den Tataren. Nunmehr gedachten die
Mongolen auch das übrige Europa ihrer Herrſchaft zu unter=
werfen
. Sagenhaft ſind die Berichte über die Mongolenſchlacht
bei Wählſtatt in der Ebene von Liegnitz weſtlich der Oder aus=
geſchmückt
. Zwar behaupteten die Mongolen als Sieger das
Schlachtfeld, aber dennoch gaben ſie nicht nur ihren weiteren Vor=
marſch
nach Weſten auf, ſondern traten den Rückzug bis zur
Wolga an: ſie hatten deutſche Hiebe geſpürt, der Anmarſch
des Heeres des Herzogs Wenzel von Böhmen war gemeldet,
und die Nachricht vom Tode des Groß=Chans Ogotai traf ein.
Die Mongolenſchlacht bei Liegnitz am 9. April
1241 war von weltgeſchichtlicher Bedeutung!
Hatten weder der Iſlam noch das byzantiniſche
Rußland es vermocht, das Vordringen der Mon=
golen
aufzuhalten, an dem römiſchen Chriſten=
tum
und an der abendländiſchen, europäiſchen
Kultur zerſchellte die Mongolenflut!
1

Dieſe Mongolenſchlacht auf den Höhen des linken Oder=Ufers
bildet den Auftakt für die deutſche Rückeroberung der alten ger=
maniſchen
Gebiete öſtlich der Oder: die Widerſtände der Slawen
gegen die Vortragung des germaniſchen Einfluſſes fielen infolge
des Mongoleneinfalles fort, und ſo kam das germaniſchen Volks=
element
zwiſchen Oder und Weichſel zur gefeſtigten Herrſchaft,
die ſich auch auf das Pruzzenland auswirkte.
Die Verſchmelzung der Städte Berlin und Kölln durch die
Markgrafen von Brandenburg im Jahre 1244 geſchah mit Rück=
ſicht
auf den Anſchluß an den Hanſahandel; hierdurch war die
noch offene Lücke zwiſchen Havel. Spree und Oder dem Deutſch=
tum
erſchloſſen: ein mächtiger einheitlicher Block deutſcher Städte
von der Elbe über die Oder und über die Weichſel hinaus bis
Dorpat war dem Deutſchtum gewonnen.
Wenn der deutſche Oſten in der Hauptſache als Agrar=
land
angeſehen wird, ſo iſt dies für das Stromgebiet der Oder
nur bedingt zutreffend. Die weiten Landſtrecken zu beiden Sei=
ten
des Oderſtromes ſind vorwiegend ſehr fruchtbar: ganz beſon=
ders
gilt dies für Schleſien es iſt daher ſehr wohl zu ver=
ſtehen
, daß Friedrich der Große ſo zäh um ſeine ſchleſiſchen Erb=
herzogtümer
gekämpft hat und für den Oderbruch, der in einer
Länge von 56 Km. und einer Breite von 12 bis 13 Km. fluß=
abwärts
von Küſtrin liegt und im oberen und mittleren Teile
vorwiegend Ackerland, im unteren Teile dagegen größtenteils
vortreffliche Wieſen umſchließt.
Im Stromgebiet der Oder hat aber ſeit alten Zeiten neben
der Landwirtſchaft der Handel eine große Rolle geſpielt: ſo
führte die Bernſteinſtraße ſchon im graueſten Altertum von der
Gegend von Breslau ab im Oder=Tal bis zur Quelle der Oder
aufwärts, von da ab dann nach dem altrömiſchen Carmuntum
öſtlich Wien. Auf dieſe Bernſteinſtraße ſtieß bei Breslau die
Odertalſtraße der Deutſchen Hanſa. Von der Hanſaſtadt Stettin,
die im elften Jahrhundert gegründet, aber erſt im 12. Jahr=
hundert
ſeit der Zerſtörung von Jumme durch die Dänen der
erſte Handelsplatz an der Oder wurde, und im Jahre 1360 dem
Hanſabunde beitrat, fuhren die Handelsſchiffe der Deutſchen
Hanſa die Oder aufwärts.
Die Waſſerſtraße des Oderſtromes gewann als Handelsſtraße
erhöhte Bedeutung durch den Bau von Kanälen, der durch die
brandenburgiſchen Kurfürſten und die preußiſchen Könige ſehr
gefördert wurde; dieſe Kanäle dienten nicht nur zur Regulierung
der Flußläufe des Oder=Stromgebietes wie z. B. der in den Jah=
ren
174753 angelegte Oder=Kanal, auch Neue Oder genannt,
der die größte Krümmung der Oder im nördlichſten Teile des
Oderbruches beſeitigte, und der Maſſow=Kanal im Warthebruch,
ſondern in der Hauptlache zur Verbindung der Oder= Waſſer=
ſtraße
mit der Waſſerſtraße der Elbe und der Waſſerſtraße der
Weichſel.
Der vom Großen Kurfürſten in den Jahren 166268 ange=
legte
Müllroſer= oder Friedrich=Wilhelms=Kanal, der die Oder
oberhalb Frankfurts mit der Spree und damit mit der Elbe
verbindet, hat an Bedeutung verloren, leitdem in den Jahren
188791 der große 100 Km. lange Oder=Spree=Kanal erbaut iſt,
der unter teilweiſer Benutzung des Friedrich=Wilhelms=Kanals
angelegt worden iſt.
Der 70 Km. lange Finow=Kanal, der die Oder mit dem Ober=
lauf
der Havel und damit mit der Elbe verbindet, wurde,
nachdem der frühere Bau vom Jahre 1603 verſchüttet worden
war, von Friedrich dem Großen in den Jahren 174446 gebaut.
Den Bromberger Kanal ließ Friedrich der Große alsbald
nach dem Erwerb Weſtpreußens in den Jahren 177371 anlegen.
Er hat eine Länge von 27 Km., beginnt bei Nakel an der Netze,
einem Nebenfluß der in die Oder fließenden Warthe, und führt
in öſtlicher Richtung in die Brahe, einem Nebenfluß der Weichſel,
verbindet alſo den Oder=Strom mit dem Weichſel=Strom.
Nicht unerwähnt darf bleiben, daß die alte Wirtſchaftsſtraße
von Brandenburg über die Oder nach dem fernen Preußen
und ſeiner Hauptſtadt Königsberg führte.
Der ſeit altersher beſtehende Handel im Stromgebiet der
Oder bewirkte ein Aufblühen vieler Städte, in denen eine wohl=
habende
, ja reiche Kaufmannſchaft erſtand: Breslau, Frankfurt
a. d. Oder und Stettin haben ſich zu den bei weitem bedeutend=
ſten
Städten an der Oder entwickelt. Es erſcheint auffallend,
Frankfurt a. d. Oder in einem Satz mit den beiden Großſtädten
Breslau und Stettin zu nennen, und doch ſtand Frankfurt a. d.
Oder Stettin und Breslau einſt nicht nach. Vor dem Welt=
kriege
war Frankfurt a. d. Oder im Gegenſatz zu ihrer größeren

Namensſchweſter am Main nur eine ſtille Mittelſtadt, in der nicht
einmal alle Schnellzüge hielten. Es iſt aber vergeſſen, daß der alte
Furt= und Brückenort an der Oder lange Zeit die Doppelſtadt
Berlin=Kölln an Ausdehnung und Reichtum übertroffen hat, daß die
Haupt= und Handelsſtadt an der Oder der bedeutendſte oſtdeutſche
und internationale Meßplatz geweſen iſt, und daß die erſte
brandenburgiſche Univerſität, die in Frankfurt a. d. Oder drei=
hundert
Jahre lang beheimatet war, ihre Pforten hatte ſchließen
müſſen, und im Jahre 1811 nach Breslau verlegt worden iſt; aber
im Wettkampf mit Berlin um die Größe und mit Leipzig um die
Handelsbedeutung war Frankfurt a. d. Oder unterlegen. Das un=
glückliche
Ende des Weltkrieges hat Frankfurt a. d. Oder eine
neue Aufgabe geſtellt, der die wieder aufblühende Stadt ſich mit
Stolz und großem Eifer unterzieht. Nur 80 Km. von der pol=
niſchen
Grenze entfernt, entwickelt ſich die altehrwürdige Haupt=
und Handelsſtadt Frankfurt a. d. Oder zu einem Bollwerk
deutſcher Kultur im deutſchen Oſten! Und während
Königsberg den Norden und Breslau den Süden der oſtdeutſchen
Grenzlande beherrſcht, ſo wurde Frankfurt a. d. Oder die Haupt=
ſtadt
der mittleren Oſtmark. Breslau hat infolge des Verluſtes
großer Landſtrecken an Volen Abfatzgebiete verloren, und auch
die Bedeutung Stettins hat abgenommen, da der polniſche Staat
durch den Bau des polniſchen Hafens Gdingen, nach dem er auch die
Kohlenfrachten der geraubten oberſchleſiſchen Bergwerke auf der
neuen Eiſenbahn=Kohlenſtrecke von Kattowitz in Oberſchleſien be=
fürdert
, von der das noch fehlende Bindeglied die mittlere
Strecke HohenſalzaZdunſka Wola im Jahre 1931 fertigge=
ſtellt
werden ſoll, die Oder=Schiffahrt faſt zur Bedeutungsloſig=
keit
herabdrückt; dahingegen blüht das alte Frankfurt a. d. Oder
von neuem auf.
Im Stromgebiet der Oder gibt es neben der Landwirtſchaft,
dem Handel und der Kaufmannſchaft auch noch Induſtrie: die
oberſchleſiſchen Bergwerke ſind reich an Kohlen und Erzen, des=
halb
hat auch der Pole ſeine Hand danach ausgeſtreckt. Die bei
der ehemaligen Feſtung Koſel rühmlichſt bekannt durch ihre
ſtandhafte Verteidigung im Jahre 1807 in die Oder einmün=
dende
Klodnitz iſt in einer Länge von 75 Km. von Gleiwitz ab
durch den Klodnitz=Kanal ſchiffbar gemacht worden.
Der Oder=Strom iſt auch in den letzten Jahrhunderten mit
der preußiſchen und damit mit der deutſchen Geſchichte beſonders
eng verbunden. An den Ufern der Oder in Breslau er=
ging
der Aufruf an mein Volk: ſo wirkte ſich Yorcks Tat in
Tauroggen an der Oder zum Signal zur Abwerfung der
Fremdherrſchaft aus! Ein halbes Jahrhundert vorher haben
ſich des Großen Königs Kämpfe um den Beſitz Schleſiens vor=
wiegend
im Stromgebiet der Oder abgeſpielt, öfters unmittel=
bar
an ihren Ufern, ſo in den Schlachten bei Breslau am 22. No=
vember
1757, bei Zorndorf am 25. Auguſt 1758 und bei Kuners=
dorf
am 12. Auguſt 1759. Damals, nach dieſer letzten unglück=
lichen
Schlacht war Preußens Lage im höchſten Maße kritiſch:
Der Marſch nach Berlin ſtand den Slawen den Ruſſen
offen. Iſt heute die ſlawiſche die polniſche Gefahr
geringer? Auch heute droht der Slawe die weiten urdeutſchen
Gebiete öſtlich der Oder und auch weſtlich des Stromes ſich an=
zueignen
. Es gilt auszuharren, nicht zu verzagen, aber der Ge=
fahr
ins Auge zu ſehen. Erſt wenn die polniſche Gefahr ge=
bannt
und der geſamte deutſche Oſten wieder deutſch ſein wird,
kann der Oder=Strom, als der erſehnte Großſchiffahrtsweg des
deutſchen Oſtens ausgebaut, zur vollen Geltung kommen!
An der Oder in der Feſtungshaft von Küſtrin ent=
keimte
der jugendliche Kronprinz Friedrich aus dem Blute ſeines
Freundes Katte zum König der Pflicht, der des Staates erſter
Diener war.
Auf dem rechten Oder=Ufer auf der Höhe von Kunersdorf
ſteht König Friedrich allein, ſeine Truppen waren ſchon im
vollen Rückzuge. Dieſes hiſtoriſche Bild nur nach
verzweifeltem Kampf mit der attackierenden ruſſiſchen Kavallerie
konnte ſeine Huſarenbedeckung unter dem Rittmeiſter von Pritt=
witz
den König in Sicherheit bringen zeigt des Großen Fried=
rich
eiſernen Willen zum endgültigen Siege, der ihm nach Be=
endigung
des Siebenjährigen Krieges auch beſchieden wurde,
oder kämpfend zum Untergang in Ehren.
Der Oder=Strom verlangt in der Gegenwart und Zukunft
von allen Deutſchen den gleichen unbeugſamen Willen gegen die
Slawengefahr, er hat des Großen Königs Worte nach der
Schlacht bei Kunersdorf gehört und ruft uns zu:
Kehrt das Glück mir ſeinen Rücken,
Will ich dennoch aufrecht ſteh’n;
Anſtatt feige mich zu bücken,
Groß und glänzend untergeh’n!
EI.

Me solefsien
WRHEBER-RECHTSScHUTZ DURCH VERLAK OSRAR MEISTER, WERDAU
2
(Nachdruck verboten.)
Am Abend traf er wieder mit Daniela zuſammen.
Ihre Augen waren ernſt, als er ſie anfah.
Du haſt geweint, Liebſte? jagte er weich.
Sie nickte, und Tränen kamen wieder in ihre Augen.
Glaubſt du an mich, Dana?"
Ich glaube an dich, entgegnete ſie leiſe, aber das ſchö
Haupt war geſenkt.
Sieh ... heute habe ich das Bitterſte in meinem Lebe
durchgekoſtet . . . das Unrecht, die Gemeinheit ſah ich triumphi
ren. Das größte Unrecht tat man einer reinen, edlen Frau a
und mir. An der Ehre zweier Menſchen rüttelte man. D
Spruch des Gerichts tat Unrecht, bitteres Unrecht.
Sie ſchritten ſchweigend nebeneinander die Budgpeſter Stra=
entlang
, dem Tiergarten zu.
Im Park fragte Daniela plötzlich: Was wirſt du tur
Berndt?"

Was ſoll ich tun, Liebſte?
Sie ſah ihn flehend an und begann ſtockend: Berndt . ..
ich .. . lieb dich . . . und . . . und wenn du mich liebſt, ſo
innig wie ich dich ... dann erfülle mir eine Bitte!
Was ſoll ich tun, Dana?
Geh von dieſer Frau . .. gib dieſe Stellung auf! Ich
will ... ich werde mit Herrn Forſt ſprechen, es iſt ihm ein
leichtes, dich unterzubringen. Baue dann dein Leben weiter,
daß wir bald vereint ſind. Was tut es, wenn ich die erſte:t Jahre
noch weiterſchaffe? Ich bitte dich von Herzen . , geh von dieſer
Frau!
Er blieb ſtehen und ſah ſie ernſt an, als er ihre Hände nahm.
Dana . .. das kann ich nicht!
Du .. . kannſt es nicht?
Ich kann und will es jetzt nicht! Vielleicht bald . . . ganz
bald, aber jetzt kann ich nicht fahnenflüchtig werden. Du, dieſe
Frau iſt rein und ſauber, wie ich es auch bin. Sie hat ſo bitter,
ſo maßlos gelitten unter dem brutalen Gatten und nun hat ſie
alles hinter ſich abgebrochen, ſie ſpürt, daß es ein neues Leben
gibt. Sie will ſich in das neue Leben finden, will neu aufbauen,
und ich . . . ich ſoll ihr helfen. Sie hat mich darum gebeten als
ihren ehrlichen Freund und Ritter. Soll ich ſie jetzt in ihrem
Leid, in ihrem Schmerz allein laſſen? Sag, müßte ich mich
nicht ein Leben lang ſchämen?
Leidenſchaftlich ſtieß ſie hervor: Du biſt mein, ſei mein ...
bleibe bei mir! Habe ich nicht auch ein Recht darauf? Immer
denkſt du an die andere. Immer ſie . . . alles für ſie!
Dana!
Sie iſt viel ſchöner als ich ich habe ſie geſehen und

bin mir klein und nichtig vorgekommen, als ich ſie ſah! Sie
wird doch gewinnen! Ich glaube, daß ſie dich begehrt.
Nein, Dana, nein und abermals nein! Und ich bin ich!
Sie erſchrak, als ſie ſein finſteres Geſicht ſah.
Berndt begann ſie bittend wieder. Aber ich bitte dich,
ſprich mit ihr und bitte ſie, daß ſie dich aus ihrem Dienſt ent=
läßt
, ich bitte dich!"
Das kann ich nicht! Ein Vierteljahr, Dana! Drei Monate,
dann will ich zu dir kommen, ſo ehrlich, wie ich jetzt von dir
gehe‟
Was ſagſt du, Berndt?
Lady Durham . . . will reiſen!
Und . . . du? fragte ſie bebend.
Ich werde ſie begleiten.
Nein, nein! bat ſie leidenſchaftlich. Du darfſt es nicht!
Ich fühle, daß ich dich verliere in dieſer Zeit!
Dana! ſagte er hart.
Sie weinte heftig auf. Der Mann ſchwieg und ſartete, bis
das Weinen leiſer wurde.
Dann faßte er nach ihren beiden Händen und begann wieder
zu ſprechen. In ernſten, ergreifenden Worten ſchilderte er ihr
ſeine rein menſchliche Aufgabe.
Sie ſprach nichts mehr und kam ſcheinbar ganz zur Nuhe.
Und ſie gingen ſchweigend wieder zurück.
Berndt brachte ſie nach Hauſe. Aber ſie ſprachen kein Wort
mehr.
Dem Manne war ſo weh ums Herz. Maßloſe Qual brachte
ihm die Erkenntnis, daß Dana voll Angſt und Zweifel war. Das
war ſo bitter!
Als ſie vor dem Hauſe Abſchied nahmen, ſagte er: Lebe
wohl, Dana! Habe noch ein weni Geduld mit mir. In einem
Vierteljahr hol ich dich heim . . . ich bin ja nur dein. Immer und
ewig.
Aber ſie antwortete nicht, erwiderte den Kuß kaum und trat
dann ins Haus.
Berndt war zumute, als ſei ſeine große Liebe zerbrochen.
Um was? fragte er ſich bitter.
*

Dana weinte lange in ihrem Bett, bis ſie unter Tränen
einſchlief.
So ſehr ſie ſich auch am Morgen Mühe gab, die Tränen=
ſpuren
aus ihrem Geſicht und die Traurigkeit aus ihren Augen
zu bannen, der alte Forſt hatte gute, klare Augen.
Als ſie ihm wieder zum Diktat gegenüberſaß, ſah er ſie ernſt
an und ſagte herzlich: Fräulein Thuille . . . Sie haben dieſe
Nacht viel geweint! Es hat ſie bitter getroffen . . . das Ge=
richtsurteil
."
Sie ſchüttelte müde den Kopf.
Das nicht, Herr Forſt, da da war keinen Augenblick
Zweifel in meiner Seele. Aber jetzt ich weiß nicht mehr,
was ich tun ſoll.
Was iſt denn geſchehen?
Daniela erzählte alles genau: daß Berndt mit der Lady auf
Reiſen gehen wolle, daß er ſich als Menſch verpflichtet fühle, jetzt
nicht fahnenflüchtig zu werden.

Der alte Forſt horchte aufmerkſam zu, dann ſeufzte er auf.
Was ſoll man dazu ſagen, Fräulein Thuille? Ich habe ſo
viele Menſchen kennen gelernt, gute und ſchlechte, ſehr gute und
auch ſehr ſchlechte, aber ein Mann wie Herr Groth, mit dieſem
etwas überſpitzen Ehr= und Menſchlichkeitsempfinden . . . das iſt
mir doch noch nicht vorgekommen.
Iſt das recht, daß er dieſer Frau weiter beiſteht? Hat er ihr
nicht ſchon alles getan, hat er nicht ſeine Mannesehre für ſie aufs
Spiel geſetzt? Iſt das alles noch nicht genug?"
Forſt zuckte die Achſeln.
Es iſt ſo ſchwer, etwas zu ſagen. Ich möchte ihnen ſo gern
zureden können, Sie beruhigen helfen . . . aber ich muß immer
daran denken: Er war Eintänzer . . . ſein Beruf brachte es ſo
manchmal mit ſich, daß er mit dem Feuer ſpielte ſpielen mußte.
Und jetzt, da er mit dieſer ſchönſten Frau, die ich jemals ſah, zu=
ſammen
iſt, auf Reiſen, monatelang, wochenlang . . . ich weiß
nicht, ob ein Mann auf die Dauer widerſtehen kann.
Er ſah, wie das Mädchen zuſammenzuckte, als ob ſie fröſtele.
Um abzubiegen, ſprach er weiter: Es kommt ja vor . . . ge=
wiß
. . . es gibt Menſchen, die ſind ſo beſtändig, ſo treu, denen iſt
das die zweite Natur, die können alle Verführung überwinden,
weil ſie fern jeder Eitelkeit, fern jeder Illuſion ſtehen. Aber die
Gefahr iſt immer beim Manne groß . . . ich möchte ſagen: Die
Hälfte der Ehen kommen . . . aus Mitleid zuſtande. Wie mancher
verlobt ſich mit einem Mädchen, ſie kennen ſich, und nach geraumer
Zeit ſteht es feſt, daß es nicht die große Liebe iſt, die ſie zuſammen=
gebracht
hat. Manchmal iſt nur noch ein Reſt Kameradſchaft da,
manchmal kaum das noch, und trotzdem . . . bleibt der Mann bei
dem Weibe, ohne Liebe, ohne kameradſchaftliche Zuneigung . . .
aus Mitleid.
Er wußte nicht, wie unendlich weh ſeine Worte dem Mädchen
taten. Er ſprach es aus dem Bedürfnis, zu helfen, und zerſtörte
doch den Glauben.
An demſelben Tage geriet Lady Durham in die größte Auf=
regung
.
Eine Depeſche ihres Notars und väterlichen Freundes Henry
Emmet kam aus London. Sie lautete:
Lady Durham. Berlin=Wannſee. Lord Umberton hat
auf Ihr geſamtes Vermögen Beſchlag gelegt. Alle Konten
ſind geſperrt. Unerklärlich alles. Drahtet Aufklärung.
Emmet.
Als Lady Durham die Depeſche las, wurde ſie totenbleich und
wankte, ſo daß Berndt ſie ſtützen mußte.
Sie reichte ihm ſtumm die Depeſche, und er las ſie mit großer
Beſtürzung.
Was hat das zu bedeuten? fragte er erregt.
Ich ... weiß es! Ich ahne, was geſchehen iſt!
Wer iſt dieſer Umberton?
Der oberſte Richter von England. Ich vermute, daß die
allerhöchſte Stelle dahinterſteckt.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Seite 10

Mittwoch, den 21. Januar 1931

Nnmmer 21

Sport, Spiel und Turnen.

Gebl Skeuerfreiheit
für die Turn- und Sporkvereine.
Reich und Staat geht es ſchlecht. Darunter leiden alle Bürger,
beſonders aber die Jugend. Dieſe Jugend iſt nun die nächſte Gene=
ration
, das dürfen wir trotz aller Not nicht vergeſſen. Ihr müſſen wir
helfen, ſoweit es in unſerer Kraft ſteht. Seit nahezu 100 Jahren haben
die deutſchen Turn= und Sportvereine Einrichtungen für die heran=
wachſende
Jugend geſchaffen Aus freiwilligen Spenden und Beiträ=
gen
ihrer Mitglieder haben ſie einen Rahmen für die Jugenderziehung
gebaut, um den uns noch während des Olympiſchen Kongreſſes in Ber=
lin
die Vertreter aller Länder, allen voran Amerika, beneidet haben.
Der Staat und das Reich können nichts an deren Stelle ſetzen, wenn
dieſe Einrichtungen einmal zugrunde gegangen ſind. Und die Jugend,
der dann die Möglichkeit, ſich zu tummeln, genommen iſt, ſie wird
anklagen.
Noch iſt es nicht ſoweit, daß wir die Tore unſerer Sportplätze
ſchließen müſſen. Der Idealismus, der dieſe Einrichtungen geſchaffen
hat er wird ſie auch durch die ſchweren Zeiten der Gegenwart und der
nächſten Zukunft zu halten verſuchen. Ohne ſtaatliche Hilfe, wie er ſie
auch ohne ſolche Hilfe geſchaffen hat.
Eins aber iſt not,
wenn die Führer der Turn= und Sportvereine Erfolg haben ſollen:
nämlich, daß der Steuerfiskus die Sportvereine leben läßt. Wir ver=
langen
nicht, daß er ſie von der Vergnügungsſteuer verſchont, wenn ſie
etwa ein Tanzfeſt veranſtalten. Wir verſtehen auch, daß er von ihnen
vielleicht Steuer erhebt, wenn bei einem großen Sportkampf, an dem
Zehntauſende von Zuſchauern teilnehmen, auch große Einnahmen zu
verzeichnen ſind. Wir billigen, daß er da zugreift, wo ein verkappter
Berufsſport die Grenzen und Ziele der deutſchen Turn= und Sport=
vereine
verwiſcht.
Aber wir haben kein Verſtändnis dafür, daß der Steuerfiskus die
Mitglieder dieſer Vereine, die ſchon ſo große Opfer für Unterhaltung
des Beſtehenden bringen, als Einzelperſon noch einmal beſtenert, nach=
dem
er ſchon bei den allgemeinen Steuern ihr Einkommen und ihr Ver=
mögen
erfaßt hat. Vielleicht iſt es jetzt nicht die Zeit, ein Geſetz zu
ſchaffen, das die Turn= und Sportvereine ganz allgemein von Steuern
befreit, ſoweit ſie ſich gemeinnützig betätigen. Aber die erlaſſenen
Steuergeſetze ermöglichen auch jetzt ſchon die Befreiung von allen
drückenden Steuern für die Vereine. Es iſt ſtaatspolitiſch weitſichtig,
dieſe Geſetze ſo anzuwenden, wie es Geſetzgeber und Verwaltungs=
gerichte
ausgeſprochen haben. Oberverwaltungsgericht und Reichs=
finanzhof
, die neue Notverordnung des Reichspräſidenten, ſie alle ſpre=
chen
die Befreiung den Turn= und Sportvereinen grundſätzlich zu. Es
kommt alſo im weſentlichen nur darauf an, wie ſich die Steuerbehörde im
einzelnen Falle einſtellt. Die Turn= und Sportvereine können es natur=
gemäß
nicht als ihre weſentliche Aufgabe anſehen, ſich mit Steuerfragen
zu beſchäftigen. Ihre Aufgabe heißt:
Jugenderziehung und nicht Verwaltung!
Deshalb werden ſie in der formalen Behandlung der Steuerfragen
oft verſagen. Um ſo mehr ſollten die Steuerbehörden ſich vor einer zu
engen Auslegung der Steuergeſetze hüten. Davon, daß ſie es tun,
hängt in der nächſten Zeit für das deutſche Turnen und den deutſchen
Sport mehr ab, als viele es nur vermuten. Alle Stellen, die dieſen
Steuerbehörden vorſtehen, müſſen deshalb bei ihren Amtshandlungen
mehr als bisher die gemeinnützigen Turn= und Sportvereine immer
dann von den Steuern freiſtellen, wenn es die Geſetze oder Rechtsſpre=
chung
geſtatten und wenn es ſich um gemeinnützig betriebene Leibes=
übung
handelt. Auf keinen Fall aber ſollten die Steuerbehörden dem
einzelnen Turner und Sportler noch eine beſondere Steuer auferlegen
dafür, daß er als Mitglied eines Turn= und Sportvereins an Aufgaben
mitarbeitet, die von höchſter Bedeutung für das Volk und für den Staat
ſind und die vom Staat zurzeit gar nicht übernommen werden können!

Fußball.
SV. 1910 Weiterſtadt Germania Eſchollbrücken 1:1 (0:1).
Am Sonntag weilte die 1. Mannſchaft in Eſchollbrücken, um das
fällige Rückſpiel (außer Konkurrenz) gegen den B=Klaſſenvertreter aus=
zutragen
. Vorweg ſei erwähnt, daß Weiterſtadt nicht mit ſeiner kom=
pletten
Elf antreten konnte, was ſich beſonders in der ſtark geſchwächten
Stürmerreihe bemerkbar machte. Das Spiel an ſich wurde höchſt fair
durchgeführt. Eſchollbrücken konnte durch ein Verſehen der Hintermann=
ſchaft
in der erſten Hälfte die Führung erzielen und dieſe auch behaup=
ten
. Nach Seitenwechſel fanden ſich die Erſatzleute etwas beffer zufam=
men
, und nun hatten die Platzherren nichts mehr zu beſtellen. Sie ver=
ſtanden
es jedoch, ihr Tor vor Erfolgen der Weiterſtädter zu bewahren.
Nach dem erzielten Ausgleich würde die Ueberlegenheit der Gäſte noch
deutlicher, doch totſichere Torgelegenheiten blieben ungenutzt. Schieds=
richter
konnte gefallen.
Die 1.Handballelf, gelangte leicht zu den Punkten gegen Ar=
heilgen
, da Arheilgen infolge Krankheit verſchiedener Spieler verzich=
tete
. In letzter Minute wurde ein Sbiel gegen den DT.=Verein TV.
Büttelborn zum Abſchluß gebracht. Büttelborn ſtelte eine junge, flinke
und wendige Mannſchaft. Durch die Abſage Arheilgens hatte Weiter=
ſtadt
nur 10 Spieler zur Stelle, und unterlag nach ſchönem, wechſel=
vollem
Spiel. 4:0.
Die 1. Damenelf verlor gegen SV. Groß=Gerau 0:1. Obwohl
die Einheimiſchen durch Krankheit nur mit 8 Spielerinnen antreten
konnten, wäre ein Unentſchieden dem Spielverlauf entſprechend gerecht
geweſen.
Am kommenden Sonntag, den 25. d. M., ſind ſämtliche
Mannſchaften in Fuß= und Handball, außer der Jugend, die mit den
Verbandsſpielen beginnt, ſpielfrei. Am Samstag abend 8 Uhr
findet bei Mitglied Hamm die Jahreshauptverſammlung ſtatt.
Union Wixhauſen 1. Dreieichenhain 02 9:2 (4:2).
Bei recht gutem Beſuch konnte der Meiſter ſein letztes Verbands=
ſpiel
gegen Dreieichenhain mit einem 9:2=Sieg beenden. Nachdem der
Meiſter durch Ueberreichung eines Blumengebindes von dem Gaſtverein
beglückwünſcht wurde, lieferten ſich beide Mannſchaften ein in jeder Be=
ziehung
faires Treffen. Das Spiel, das anfangs gut verteilt war, be=
gann
mit gefährlichen Angriffen beiderſeits. Der Platzbeſitzer, der bald

eine deutliche Ueberlegenheit nicht verkennen ließ, konnte in der B8. und
31. Minute durch Joe zweimal erfolgreich ſein. Dreieichenhain verſtand
einige ſchwache Minuten der Union=Hintermannſchaft auszunützen und
ſtellte ſchon nach 5 Minuten den Ausgleich her. Bis Halbzeit ſtellten
die Platzbeſitzer das Reſultat auf 4:2. Nach Wechſel ſchieden bedauer=
licherweiſe
2 Spieler von Dreieichenhain, durch ungeſchicktes Hinfallen
verletzt, aus, ſo daß trotz tapferer Gegenwehr das hohe Endreſultat zu=
ſtande
kam. Beiden Mannſchaften für ihren vorbildlichen Eifer ein Ge=
ſamtlob
.
Nachdem die Unionmannſchaft durch unermüdlichen Eifer die Mei=
ſterſchaft
ungeſchlagen errungen hat, iſt ihr der Weg zum Aufſtieg in
die Kreisliga geöffnet. Der Mannſchaft wäre zu raten, nachdem ſie die
Vorprobe beſtanden, auch fernerhin den Anweiſungen ihres Spielaus=
ſchuſſes
Folge zu leiſten, damit auch die Hauptprobe, die Aufſtiegſpiele,
glücklich überſtanden wird. Union 2. Dreieichenhain 2. 9:0; 1. Ju=
gend
Eberſtadt 0:1; 2. Jugend Polizei Darmſtadt 1:3.
* Kreisliga Südheſſen.
A=Klafſe, Gau Ried.
Das an und für ſich kleine Programm des letzten Sonntags wurde
noch dadurch geſchmälert, daß ein Spiel vorweg abgeſetzt wurde und
eine weitere Begegnung wegen unbeſpielbarem Platz abgebrochen werden
mußte. In Hofheim gab es wieder einmal ein bombiſches Reſultat.
Die Reſultate lauten:
Hofheim Zwingenberg 13:2: Kleinhauſen Biebesbeim 1:1
abgebr.; Groß=Rohrheim Bürſtadt ausgef.
Es iſt leicht erklärlich, daß bei dieſen moraſtigen Spielplätzen die
unnatürlichſten Reſultate erſcheinen. Schon aus dieſem Grunde brau=
chen
die Zwingenberger dieſe Niederlage nicht zu tragiſch zu nehmen.
Es ſpricht im übrigen für ihren Eifer, daß ſie zwei Gegentore erzielten.
Hofheim iſt zurzeit ſehr gut in Form und hat momentan immer noch
die beſten Ausſichten auf die Meiſterſchaft. In Kleinhauſen ſchoß man
je ein Tor, um darauf genug von einem Schlammbad zu haben, das
keine vernünftige Spielweiſe zuließ. Die Begegnung in Groß=Rohrheim
hat man vernünftigerweiſe frühzeitig abgeblaſen. In der Tabelle hat
es keine beſondere Veränderung gegeben, weshalb ſich für heute eine
Nennung der Reihenfolge erübrigt.
Waſſerball.
Rot=Weiß 1. Frankfurter SC.
Am Donnerstag abend 8. 45 Uhr ſtehen ſich in der gro=
ßen
Halle des Hallenſchwimmbades die Liga=Mannſchaften der beiden
Vereine zum erſten Verbandsſpiel der Winter=Waſſerballrunde gegen=
über
, die diesmal eine Beteiligung von ſechs Vereinen gefunden hat und
von einem erfreulichen Aufſchwung des Waſſerballſpiels im Gau Frank=
furt
=Darmſtadt zeugt.
Der E.F. S.C. beſitzt eine alte Waſſerball=Tradition, gelang es ihm
doch im Jahre 1920 den Titel Deutſcher Waſſerballmeiſter zu erringen.
Wenn auch von der alten Meiſtermannſchaft niemand mehr ſpielt, ſo
hat es doch der E.F.S.C. verſtanden, ſich wieder eine Mannſchaft zu
ſchaffen, die durch ihre Schnelligkeit und Härte einen nicht zu unter=
ſchätzenden
Gegner abgibt. Da auch die Rot=Weiß=Mannſchaft durch Ein=
ſtellung
ſchneller, junger Leute gewonnen hat, ſo wird gerade die Schnel=
ligkeit
dem Spiel die Note geben, die die Anhänger des Waſſerballſpiels
zu ſchätzen wiſſen. Ein Beſuch des Spiels dürfte ſich lohnen.
Tgeſ. 1875 Reichsbahn Darmſtadt 7:5 (3:3).
Das 2. Zuſammentreffen obiger Vereine brachte faſt das gleiche Er=
gebnis
wie das erſte. Es war ein harter Kampf, der in den Grenzen
des Erlaubten blieb und von der Turngeſellſchaft 75 verdient gewonnen
wurde. Würde dieſe über einen wenigſtens mittelmäßigen Torwächter
verfügen, ſo hätte es der Reichsbahn wohl kaum zu mehr als 2 Tor=
erfolgen
gereicht. H. Volk, Tgde. 1846, leitete das Spiel zu beiderſei=
tiger
Zufriedenheit. Eine vor dem Spiel zwiſchen beiden Vereinen
ausgetragene Freiſtilſtaffel brachte folgendes Ergebnis: 1. Tgſ. 75 A=
Mannſchaft, 2. Tgſ. 75 B=Mannſchaft, 3. Reichsbahn T. u. Sp.V., 4. Tgſ.
75 C=Mannſchaft.
ksch-
Pferdeſporl.
Am vergangenen Sonntag veranſtaltet die Hippodrom A.=G. in
Frankfurt am Main in ihrer kleinen Reitbahn ein Turnier, bei dem
auch ein Abteilungswettkampf für ſtudentiſche Reiter ausgetragen wurde.
Vertreten waren die Univerſitäten Frankfurt, Heidelberg und die Tech=
niſche
Hochſchule Darmſtadt. Die nunmehr im vierten Semeſter be=
ſtehende
Reitabteilung an der hieſigen Techniſchen Hochſchule, die bereits
bei dem Darmſtädter Jubiläums=Reit= und Fahrturnier am 30. und 31.
Auguſt 1930 im Abteilungswettkampf den erſten Preis errungen hatte,
bewies aufs neue, daß ihr ſportliches Können trotz mancher äußerer
Schwierigkeiten in ſtetem Wachstum begriffen iſt. Sie war vertreten
durch die Herren Bruns, Buchmann, Homberg, Korndörfer und Rah=
mann
, und wurde von Herrn Univerſitätsreitlehrer Weſtphal, deſſen un=
ermüdlicher
Tätigkeit die Abteilung zum großen Teil ihre Erfolge ver=
dankt
, vorgeſtellt. Durch Abteilungsdiſziplin, genaue Einhaltung der
Abſtände und gute Einwirkung aufs Pferd errang ſie ſchnell die Sym=
pathien
des Publikums, und durfte nach allgemeiner Anſicht der Fach=
leute
auf den erſten Preis rechnen, der jedoch Frankfurt zugeſprochen
wurde.
Am 14. Februar 1931 veranſtaltet die Reitabteilung der Darm=
ſtädter
Studentenſchaft ihr 2. Internes Turnier, zu dem die
Univerſitäten Frankfurt und Heidelberg ihre Mitwirkung zu=
geſagt
haben.

Mit 5:0 Punkten gewann Stockholm den Hallentenniskampf in
Stockholm gegen Helſingfors.
Infolge Differenzen iſt die bekannte Schwimmerin Frl. Saſſerath
aus dem Rheydter SV., ebenſo die Leichtathletin Inge Braumüller aus
dem DFC. Berlin, ausgetreten.
Bei den amerikaniſchen Skimeiſterſchaften konnte Böck=Neſſelwang
nur den 8. Platz belegen. Sieger wurde Caſper Oimen=Canton.
Riedl errang die öſterreichiſche Schnellauf=Meiſterſchaft vor dem
Titelverteidiger Jungbluth.
Von der J.B.U. wurde die Begegnung am 5. Februar in Berlin
zwiſchen Piſtulla und dem Spanier Martinez als Kampf um die
(Europameiſterſchaft im Halbſchwergewicht genehmigt.

V9RB.-Jahresverſammlung in Skuktgark.
Rund um die Einigung. Neue 100 Km.=Straßenmeiſterſchaft.
Das Präſidium der Vereinigung Deutſcher Radſportverbände, wel=
ches
aus den Führern der elf angeſchloſſenen Verbände beſteht, tagte am
Sonntag in Stuttgart. Die Sitzung nahm, obgleich zum Teil ſehr diffi=
zile
Fragen zu behandeln waren, einen ſehr harmoniſchen Verlauf. Die
erwartete große Diskuſſion über das Scheitern der Einigungs=
verhandlungen
im deutſchen Radſport blieb aus. Der geſchäfts=
führende
Vorſtand erhob lediglich in ſeinem Bericht ſcharfe Vorwürfe
gegen den BDR., an deſſen Egoismus die Einigung geſcheitert ſei. Auf
die Einzelheiten des Wieſo und Warum ging der Bericht jedoch nicht
ein. Gemeinſchaftliche Veranſtaltungen mit dem BDR. hätten bewieſen,
daß die Durchführung einer Einheitsfront möglich ſei und zu einer
denkbar günſtigſten Entwicklung führen müßte. Aber der Egoismus des
BDR. ſtelle ſich hemmend in den Weg und läßt ſich lieber Lügen ſtrafen
durch die Behauptung, es wären noch Gegenſätze vorhanden. In bezug
auf die Einigungsverhandlungen erklärte der Redner, daß vom Sport=
ausſchußvorſitzenden
des BDR. der Standpunkt vertreten wurde, daß
man es nicht immer mit einem ehrlichen Makler zu tun gehabt habe.
Der Redner ſtellte die Frage, ob der Verband Deutſcher Fahrrad= In=
duſtrieller
dieſen ungeheuren und weittragenden Vorwurf ſich gefallen
laſſe, da doch dieſer Verband die Vermittlerrolle übernommen hatte. In
dieſem Zufammenhang ſtellte der Redner auch die Frage, ob nicht die
Frage geprüft werden müſſe, daß die Betreuung des deutſchen Radſports
gegenüber dem Auslande weiterhin in der Hand des BDR.
gut aufgehoben ſei. In der Verſammlung kam noch zum Ausdruck,
daß die VDRV. an dem Ziel der Einigung feſthalten, nun
aber von der anderen Seite hierzu die Initiative abwarten wolle. In
der Mitgliederbewegung der Dachorganiſation ſteht einem
Mehr von 643 Mitgliedern im Vorjahre ein Minus von 313 im abge=
laufenen
Geſchäftsjahre gegenüber. Der Geſamtmitgliederbeſtand be=
trägt
89 950. Dem Geſamtvorſtand wurde einſtimmig Entlaſtung er=
teilt
. Bei den Anträgen gelangte überraſchend mit 6:5 Stimmen ein
ſolcher zur Annahme, der eine Erhöhung der Sportumlage
von 50 Mk. pro Veranſtaltung auf 75 Mk. vorſieht, nachdem zuvor ein
Antrag abgelehnt wurde, der den gänzlichen Fortfall dieſer Umlage ver=
langte
. Neu eingeführt wird eine Straßen= Mannſchafts=
meiſterſchaft
über 100 Km. Das Deutſche Radſportab=
zeichen
ſoll zukünftig auch in Silber ausgegeben werden. Die
Vorausſetzungen dafür ſind u. a. Zeitfahren von 150 Km. in 7 Stunden
oder Wanderfahren über 1500 Km. im Jahre. Die Straßenmei=
ſterſchaft
der VDRV. am 6. September wurde der DRU. in Ver=
lin
übertragen, die Bahnmeiſterſchaften am 30. Auguſt der
Concordia in Bamberg. Die neugeſchaffene Mannſchaftsmeiſterſchaft auf
der Straße wird von dem Sächſiſchen Radfahrer=Bund an einem noch
zu beſtimmenden Orte und Zeitpunkte durchgeführt. Die geſamte Vor=
ſtandſchaft
wurde einſtimmig wiedergewählt.

Buſchenhagen/Richli gaben im Pariſer 100=Kilometer= Mannſchafts=
fahren
bald nach Beginn auf. Der Sieg fiel an Letourneur/Marcillac.
Im Breslauer 100=Kilometer=Mannſchaftsfahren kamen Preuß/Reſi=
ger
nach Punkten auf den erſten Platz vor Schön/Pifnenburg.

Rundfunk=Programme.

Frankfurt a. M.
Mittwoch, 21. Januar
7.15: Frühkonzert auf der Kino=Orgel.
10.20: Schulfunk. Liſa Tetzner: Welche Märchen ſollen die Kinder
leſen?
13.05: Köln: Mittagskonzert des weſtdeutſchen Rundfunkorcheſters.
Soliſtin: Elſe Suhrmann (Sopran).
15.20: Stunde der Jugend. Harry Kahn: Wie entſteht ein Film=
manuſkript
? Oeſterreichiſche Sagen.
16.30: Nachmittagskonzert des Rundfunkorcheſters.
18.15: Margit Varro: Muſikaliſche Begabung.
18.45: Stuttgart: Eſperanto=Unterricht.
19.15: Stuttgart: Dr. Ilſe Reicke: Die Lebensgeſtaltung des jungen
Mädchens.
19.45: Unterhaltungskonzert des Rundfunkorcheſters.
20.45: Peter Scher: Wie ich in Tirol auf Gemſen jagte.
21.15: Freiburg: Eine elſäſſiſche Stunde. Geſang. Rezitationen.
E Diplomat, Luſtſpiel in einem Akt. Mitw.: Marthe Hengel,
Charlotte Günther=Bode, Hermann Guth, Paul Potaß,
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Mittwoch, 21. Januar.
14.00: Wilh. Händler: Ein Gang durch die größten Schlachthäuſer
der Welt.
14.30: Jugendfunk.
16.00: Nachmittagskonzert.
17.30: Die neuzeitliche Jugendbewegung. Ein Zwiegeſpräch,
17.45: Drei Jahre praktiſches Arbeitsrecht. Zwiegeſpräch.
18.30: Prof. Dr. Korff: Der Geiſt der Klaſſik.
19.00: Prof. Dr. Menſing: Tim Kröger. Aus dem Leben und
Schafſen des Dichters.
19.25: Ein Jahr unter Chineſen. Als Ingenieur in Kirin am Rand
der Wüſte Gobi. Unterhaltung zwiſchen M. Kloſe und W. Brauns.
20.00: Leipzig: Das Erwachen des Löwen Singſpiel in einem
Akt. Muſik von Johann Brandl. Leipziger Funkorcheſter,
21.10: Oſſip Kalenter lieſt eigene Kurzgeſchichten.
21.30: Tänze von geſtern. Leipziger Soliſten=Enſemble.
Anſchl.: Königsberg: Tanzmuſik.

Weikerbericht.
Ausſichten für Mittwoch, den 21. Januar: Neblig=wolkig, dabei auch
aufklarend, wieder kälter mit Nachtfroſt, meiſt trocken.
Ausſichten für Donnerstag, den 22. Januar: Zunahme des Froſtes und
mehr aufklarendes Wetter in Ausſicht.

Veranwortich für polit und Wirtſchaſt: Rudolf Maupe: ſür Feulleton, Reich
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streefe; für Sport: Karl Böhman
für den Handei: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdienſt: Andreas Bauer;
Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort; Dr. Herbert Nette:
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteilungen: Willh Kuble;
Druck und Verlag: L. C. Wittſch ſämtlich in Darmſtadt
Fär unverlangte Manuſkripte wird Garantſe der Rückſendung nicht übernommen.

Die heutige Nummer hat 12 Seiten.

Der Mann
er am Montag vorm. am
Bonument das Hand=
arbeitskörbchen
mit
2Haferl=Söchch. u. Ramen
verſ. an ſich genommen
hat, wird dringend erſucht
dies umgeh. Fundbüiro,
Hügelſtr., abzugeben.

A

Schwarzer
Rieſenſchnauzer
wird ſeit Montag
vermißt. Vor An=
kauf
wird gewarnt
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[ ][  ][ ]

Nummer 23

ſi=

Bautf

Mittwoch, den 21. Januar
Neuefte Nachrichte

ch md
ann;

Die Bilanz ses Jahres 1930.
Die Weltwirtſchaftskriſe. Arbeitsloſigkeit und Wirtſchafts=
depreſſion
in allen Kulturländern.
Von Dr. C. H. Quetſch.

Wenn wir unſerer diesjährigen Jahresbetrachtung zum erſten
Male den Börſenverlauf nicht an die Spitze geſtellt haben, ſo aus
dem Grunde, weil wir die Börſe im vergangenen Jahre nicht
als Zeiger der Weltwirtſchaftslage anſprechen können, wie
früher. Bei einer Bilanzziehung des Jahres 1930 iſt vor allem
auf die Urſachen der Wirtſchaftsdepreſſion infolge der Weltwirt=
ſchaftsverflechtung
und auf die Möglichkeiten einer Beſſerung
der Wirtſchaftslage in Deutſchland einzugehen. Dieſe Möglich=
keiten
wurden von Wirtſchaftlern ſchon ſeit Jahren erwogen, und
die Regierung Brüning hat mit ihrer Notſtandsaktion am Ende
des vorigen Jahres einen tatkräftigen Vorſtoß zur endgültigen
Beſſerung unternommen. Mehr als in früheren Jahren werden
Zahlen herangezogen werden, da dieſe augenſcheinlich die unge=
heuren
Ausmaße der Rückgänge in der Wirtſchaft (Induſtrie und
Handel) am deutlichſten zeigen.
Als Haupturſache der Kriſe iſt zweifellos die internationale
Kapitalverflechtung, d. h. deutlicher geſagt, die falſche Anwendung
der Kapitalien zu nennen, denn es hat unbedingt eine ganz all=
gemeine
Verkennung des Weſens und des Zweckes der Kapital=
funktion
Platz gegriffen. Einige Länder waren in den letzten
Jahren darauf angewieſen, im Ausland ungeheure Summen von
Kapital zu inveſtieren, alle ſind aber an der Geſunderhaltung der
Wirtſchaft der übrigen Länder mitintereſſiert. Das gilt im be=
ſonderen
Maße für Deutſchland, das ungeheure Geldſummen, z. B.
von Amerika, geliehen hat. Amerika war, wie auch andere Län=
der
, infolge ſeiner Goldinflation gezwungen, auf große deutſche
Werke finanziellen Einfluß zu nehmen (Autoinduſtrie uſw.) Es
beſteht alſo alle Urſache, Deutſchland nicht finanziell zugrunde zu
richten und durch geeignete Maßnahmen die Fehlleitung des
Kapitals wie ſich Direktor Dr. Kleemann kürzlich in einem be=
achtenswerten
Vortrag ausdrückte, zu beſeitigen Dieſe Fehllei=
tung
kann aber nur durch eine Reviſion des Youngplanes ge=
ſchehen
; die amerikaniſchen Finanziers beginnen das auch bereits
einzuſehen, und mit der Verſtärkung der Weltkriſe wird die Durch=
ſetzung
dieſer Einſicht nähergerückt. In dieſem Falle arbeitet die
Zeit für uns.
Mit dieſer kurzen Betrachtung iſt die Haupturſache der Kriſe
angedeutet, dazu kommen noch beſondere Faktoren in den ein=
zelnen
Ländern, denn in allen Kulturländern hat der wirtſchaft=
liche
Konjunkturrückſchlag eine Ausdehnung und Intenſität ange=
nommen
, wie in keinem Jahr zuvor. Daraus reſultiert zum größ=
ten
Teil. wenn natürlich auch nicht allein, der rapide wirtſchaft=
liche
Rückgang in Deutſchland. Bei der Bilanz des Jahres 1930
muß alſo ein kurzer Blick auf die wirtſchaftliche Entwicklung aller
Länder geworfen werden, die unſere Lage beeinfluſſen oder be=
einfluſſen
könnten.
Unſer weſtlicher Nachbar ſpürte Anfang 1930 noch relativ am
wenigſten von der Wirtſchaftskriſe. Erſt in den allerletzten Mo=
naten
, als man merkte daß gewiſſe Finanzleute in der Vor=
ahnung
kommender Kriſen ſich durch dunkle Manipulationen zu
ſanieren verſuchten, als mehrere Bankfalliſements und die
Ouſtric=Affäre die wirkliche Lage in Frankreich grell beleuch=
teten
, ſcheint man etwas aufgerüttelt zu werden. Zwar kann noch
nicht von einer wirklichen Arbeitsloſigkeit (im Vergleich zu uns)
in Frankreich geſprochen werden, zu bedenken iſt aber, daß die
Bevölkerungszahl in Frankreich im Verhältnis zu anderen Län=
dern
bedeutend geringer iſt, daß bei Vollproduktion und Vollbe=
ſchäftigung
fremde Arbeitskräfte (aus Polen uſw.) herangezogen
werden, die bei Arbeitsminderung zuerſt entlaſſen und als Er=
werbsloſe
nicht gezählt werden, daß ferner das Militär Hundert=
tauſende
beſchäftigt, und daß am Jahresende 1930 trotzdem 4900
arbeitsloſe Vollfranzoſen gezählt wurden. Aus unſeren regel=
mäßig
erſcheinenden franzöſiſchen Wirtſchaftsbriefen, die wir an
dieſer Stelle veröffentlichen, geht hervor, daß eine langſam, aber
ſicher ſchleichende Kriſe auch in Frankreich, wenn nicht ſchon vor=
handen
, ſo doch im Anmarſch iſt. Die Agrarkriſe die De=
preſſion
am Rohſtoff=, Eiſen= und Stahlmarkt und in der Textil=
induſtrie
z. B. zeigen deutlich eine abſteigende Linie in der Kon=
junkturentwicklung
. Auch in Frankreich wird es ſich in dieſem
Jahre zeigen, daß es mit der Goldtheſaurierung (der Goldbeſtand
der Bank von Frankreich iſt von 11 auf über 52 Milliarden Pa=
vier
=Franken geſtiegen etwa 10 Milliarden Goldmark) und den
Reparationsleiſtungen aus dem Joungplan allein nicht getan iſt.
Im Oſten Rußland! Dort wird der großangelegte Fünf=
jahresplan
durchgeführt. Um gerecht zu ſein, muß man die Aus=
wirkung
dieſes Fünfjahresplanes abwarten, vier Jahre ſind erſt
um. Allerdings ſprechen exakte wirtſchaftswiſſenſchaftliche For=
ſchungen
von einer ungeheuren Lebenshaltungskoſtenſteigerung in
USSR., und Schlaglichter, die aus Rußland dann und wann in
die Welt dringen, laſſen doch das Gefühl aufkommen, daß dort
nach außen potemkinſche Dörfer gezeigt werden, die einem ernſten
Anſturm auf die Dauer nicht ſtandhalten. Als Exportland für
uns kommt Rußland überhaupt zurzeit nicht in Frage.
Das ſtraff geleitete Italien zählte kürzlich eine halbe Mil=
lion
Arbeitsloſe. Die Weltwirtſchaftskriſe verſchont auch das
Land des Diktators nicht, und der Erfolg der neueſten Pferde=
kuren
Senkung der Arbeitslöhne generell um 25 Prozent und der
Beamtengehälter um 12 Prozent, das ſtrikte, ſehr nachahmenswerte
Verbot der Beſchäftigung fremder Arbeitskräfte in Italien und
die verfügte großzügige Preisſenkungsaktion muß abgewartet
werden.
Auch England leidet unter einer Arbeitsloſigkeit, die die
2½=Millionengrenze überſteigt, es leidet ferner unter einem ſteti=
gen
Rückgang des Außenhandels und unter einer ſtetigen Produk=
tionsverminderung
. Auch in England iſt ein nie dageweſener
Konjunkturtiefſtand erreicht, trotzdem es zu den Siegerländern ge=
hört
und an den Segnungen der Youngzahlungen teilnimmt!
Die an Deutſchland grenzenden Länder leiden bekanntlich
an derſelben Kriſenkrankheit, im einzelnen braucht nicht auf deren
Schmerzen eingegangen zu werden. Es ſei nur an die Schwierig=
keiten
Polens erinnert, deſſen Wirtſchaft vollſtändig in Unord=
nung
geraten iſt, die Tſchechoſlowakei kämpft mit allen
Mitteln gegen die Kriſe an, Holland bemüht ſich um ſtarken
Abſatz, ebenſo die nordiſchen Länder. Faſt kein europäiſches Land
blieb von der Arbeitsloſigkeit verſchont. Im einzelnen zählte man
in Oeſterreich 262 911, Belgien 100 000. Dänemark 44 000. Dan=
zig
20 272 Eſtland 3200, Finnland 9700, Ungarn 23 000, Irland
20 000, Norwegen 8000, Niederlande 46 000, Rumänien 36 000,
Schweden 43000 Schweiz 18 000 Tſchechoſlowakei 61 000, Jugo=
ſlawien
4700. Stark erhöht hat ſich die Arbeitsloſigkeit im Saar=
gebiet
, wo ſie um hundert Prozent auf 12 000 geſtiegen iſt, und
in Italien, wo ſie von 330 000 auf 534 000 hinaufging. Auch die
außereuropäiſche Arbeitsloſigkeit hat zugenommen. In Japan
gab es zum Jahresende 336 000 Arbeitsloſe anſtatt 268 000 Ende
1929. In Auſtralien erhöhten ſich die Ziffern von 52000 auf
90 000, in Kanada von 12 000 auf 21000 und in Paläſtina von
2000 auf 5400.
Und ſchließlich Amerika. Die in dem letzten Vierteljahr
erfolgten Falliſſements von Hunderten von Banken haben auch
in Amerika gezeigt, wieviel die Uhr geſchlagen hat. Schwarze
Tage an der Börſe waren keine Seltenheit mehr und Milliarden=
werte
wurden verloren. Die Arbeitsloſigkeit hat über 7 Mil=
lionen
Menſchen erfaßt, die Induſtriezweige Amerikas ſind bei
weitem nicht mehr voll beſchäftigt, die Beſchäftigung iſt zum Teil
(wie beiſpielsweiſe bei der Automobilinduſtrie) um über 50 Pro=
zent
geſunken. Die Begleiterſcheinungen, höhere Steuern und
ſinkende Löhne, blieben auch dem Amerikaner nicht erſpart. Ame=
rika
iſt heute auf dem beſten Wege, in die gleiche Wirtſchafts=
depreſſion
zu verſinken, wie die europäiſchen Länder.
Es war notwendig, in großen Zügen die wirtſchaftliche Lage
der für Deutſchland in der Hauptſache im Handelsverkehr in Be=
tracht
kommenden Länder zu zeichnen, denn daß heute ein hoch=
entwickeltes
Induſtrieland von der Bedeutung Deutſchlands nicht
einfach aus dem Wirtſchaftskreis ausgeſchloſſen werden oder gar
indirekt boykottiert werden kann ohne ſchwerſte Rückerſchütterun=
gen
für die anderen, liegt auf der Hand. Schon die fortſchrei=
tende
Technik hat eine Ueberproduktion in den Ländern geſchaffen,
die zur Kataſtrophe führen kann. Große Exportgebiete, wie zum

Beiſpiel Rußland und China, fallen für den Abſatz der überprod
zierten Güter aus. 15 Millionen Arbeitsloſe in der ganzen Welt
tragen dazu bei, daß der Produktion durch entſprechenden Kon=
ſum
nicht Schritt gehalten werden kann.
Die geſchwundene Konſumtionskraft in allen Ländern iſt er=
ſchreckend
und äußert ſich letztlich wiederum in einer immer zu=
nehmenden
Arbeitsloſigkeit. Für alle Länder wird es ein Ein=
ſehen
geben müſſen, das dahin geht, daß Deutſchland wieder
gleichberechtigt in wirtſchaftlicher Beziehung mit den Sieger=
ſtaaten
wird, daß man ihm alſo vor allem durch Reviſion, der
Kriegsſchuldlaſten wieder die Möglichkeit geben muß, eigenes Ka=
pital
zu bilden, damit es ſich wirtſchaftlich kräftigen und frei ent=
falten
kann. Allerding haben die politiſchen Vorgänge des Jah=
res
1930 wiederum eine Vertrauenskriſe hervorgerufen, die ſach=
lich
zweifellos unberechtigt, in ihren wirtſchaftlichen Auswirkun=
gen
jedoch nicht unerfreulich war.
Am 26. Januar wird ſich das Internationale Arbeitsamts auf
einer Tagung mit dem Arbeitsloſenproblem beſchäftigen. In einer
Reihe von Vorſtudien werden als Gründe der Arbeitsloſigkeit mit
kurzen Schlagworten genannt: Zollkriege zwiſchen den Staaten,
mangelhafte Verbreitung der internationalen Kapitalien und
Rohſtoffe ſowie des Nationaleinkommens auf die verſchiedenen
Volksklaſſen, Schwierigkeiten in der Produktionsangleichung an
Bedarf und Verbrauch, Entwicklung neugegründeter Induſtrien
und tiefgehende Aenderungen der Produktionsverfahren.
Frankfurker und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 20. Januar.
Nachdem der matte Verlauf der geſtrigen New Yorker Börſe ſchon
an der Abendbörſe zu weiteren Kursabbröckelungen geführt hatte, lag
der heutige freie Vormittagsverkehr wieder luſtlos und abwartend. Die
Stimmung war dabei eher etwas leichter. Die offizielle Börſe eröfſ
nete dann bei ſtärkſter Zurückhaltung mit gut behaupteten Kurſen. Es
befriedigte vor allem, daß die Verkäufe bei weitem nicht mehr das Aus=
maß
der letzten Tage erreichten. Das Geſchäft bewegte ſich jedoch in
den denkbar engſten Grenzen, da ſich der Ordermangel ſtark fühlbar
machte, und auch aus der Wirtſchaft Anregungen irgendwelcher Art
fehlten. Auch in der politiſchen Situation hat ſich vorläufig nichts ge=
ändert
. Man erwartet jedoch mit großem Intereſſe die morgige Sitzung
des Völkerbundes, auf deren Tagung die Polenverhandlungen ſtehen.
Die erſten Kurſe zeigten keine einheitliche Entwicklung und Abſchwä=
chungen
bis zu 1 Prozent überwogen. Nach den erſten Kurſen konnte
ſich das Niveau jedoch bedeutend heben. Am Anleihemarkt eröffneten
Deutſche Anleihen bis ¼ Prozent gebeſſert. Von fremden Werten
lagen Ruſſen weiter ſchwach. Der Pfandbriefmarkt lag ruhig. Gold=
pfandbriefe
weiter knapp angeboten, doch ohne weſentliche Verände=
rungen
. Im Verlaufe konnten ſich die Kurſe weiter ziemlich befeſtigen.
An der Abendbörſe konnte ſich die Erholung fortſetzen, zumal auch
die erſten New Yorker Kurſe feſter lauteten. Die Kuliſſe nahm weitere
Deckungen vor unter Hinweis auf die vorwöchigen großen Baiſſepoſi=
tionen
. Farben eröffneten gut behauptet. Am Elektromarkt Siemens
bevorzugt und 1½ Prozent befeſtigt. Kaliwerte gut behauptet, des=
gleichen
Deutſche Linoleum. Bankaktien leicht erholt. Am Rentenmarkt
vor allem Neubeſitz um 0,35 Prozent gebeſſert. Im Verlaufe blieb die
Börſenſtimmung freundlich. Farben ſchloſſen 114¾ Prozent. Von ſon=
ſtigen
Kurſen ſind zu nennen: Deutſche 107½, Danat 139¾, Dresdner
1073 Mannesmann 54 Rheinſtahl 58, Stahlverein 51¾, Siemens
142½, A. E. G. 86, Nordlloyd 55¾, Hapag 55. Aku 46¾.
Berlin, 2. Januar.
Für die heutige Börſe fehlte es faſt völlig an Momenten wirtſchaft=
licher
oder politiſcher Natur. Einen gewiſſen Eindruck machte aller=
dings
ſchon vormittags das matte New York von geſtern und die an=
haltende
Schwäche der Reichsmark, von der leicht eine Verſteifung des
Geldmarktes ausgehen könnte. Auch der Bericht der Deutſchen Maſchi=
nenbau
=Induſtrie für Dezember 1930 war nicht dazu angetan, die Speku=
lation
aus ihrer Reſerve herauszulocken. Der offizielle Beginn war
daher bei ſehr ruhigem Geſchäft ziemlich luſtlos und überwiegend etwas
ſchwächer. Da ſich die Platzſpekulation zu Deckungen veranlaßt ſah,
wurde das Geſchäft verſchiedentlich etwas lebhafter, und eine Reihe von
Werten erzielten gegen den Anfang Gewinne bis zu 2 Prozent. Dar=
über
hinaus waren Spezialwerte wie Siemens, Schuckert, Julius Ber=
ger
, Reichsbank. Hamburg=Süd, Deutſche Linoleum, J. G. Farben,
Rheinſtahl und Salzdetfurth bis zu 5 Prozent gebeſſert. Anleihen lagen
behauptet.

Zmerikaniſche Kabelnachrichten
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 20. Jan.:
Getreide. Weizen: März 80¾½, Mai 82½, Juli 65.50; Mais:
März 67, Mai 69, Juli 70.25, Sept. 70.25; Hafer: März 33½8,
Mai 33½, Juli 323; Roggen: März 40.25, Mai 41.25, Juli
41.75.
Schmalz: Januar 8.50, März 8.62½, Mai 8.86, Juli 8.92½.
Speck, loko 11.62½.
Schweine, leichte 8.10 bis 8.35, ſchwere 7.10 bis 7.50; Schwei=
nezufuhren
: Chicago 40 000, im Weſten 135 000.
Baumwolle: Januar 11.10, März 10.35.
Es notierten nach Meldungen ausNewYork am 20. Jan.:
Schmalz: Prima Weſtern 9.25; Talg, extra, loſe 4.25.
Getreide. Weizen: Rotwinter 95½: Mais, loko New York
81.50; Mehl, ſpring wheat clears 4.154.40; Getreidefracht:
nach England 1,62,3 Schilling, nach dem Kontinent 78 Cts.

* Mainzer Viehhofmarktbericht vom 20. Januar Auftrieb: Tat=
ſächlich
auf dem Markte zum Verkauf: 27 Ochſen, 22 Bullen, 383 Kühe
oder Färſen, 200 Kälber, 980 Schweine. Marktverlauf: Ruhiges Ge=
ſchäft
, langſam geräumt. Preis pro 50 Kilo Lebendgewicht in RM.
Ochſen a) 5054, b) 4045 Bullen c) 4045, Kühe a) 4044, b) 3238,
c) 2430, d) 1823, Färfen a) 4855, Kälber c) 5865, d) 4554,
Schweine c) 5759, d) 5963.
Biebmärkie.
Gießener Rindermarkt dom 20. Januar. Der heutige Gießener Rin=
dermarkt
hatte einen Auftrieb von 1089 Stück Großvieh und 185 Kälbern
zu verzeichnen. Bei ſchleppendem Marktverlauf war das Geſchäft man=
gelhaft
, insbeſondere war Schlachtvieh ſchwer verkäuflich. Der Markt
hinterließ Ueberſtand. Man bezahlte für Milchkühe 1. Qualität 525 bis
575 RM 2. Qualität 400450 RM., 3. Qualität 250350 RM.,
Schlachtkühe 125200 RM., ½ bis jährige Rinder 150270 RM.,
3 bis 2jährige Rinder 300500 RM., Kälber 4555 Pfg. pro Pfund
Lebendgewicht. Für beſſere Tiere wurde über dieſe Noviz bezahlt.
Kleine Wirkſchaftsnachrichken.
Zwiſchen dem Arbeitgeberverband der Kaliinduſtrie und den Ge=
werkſchaften
iſt eine Vereinbarung getroffen worden, wonach das Mehr=
arbeitsabkommen
vom 22. Januar 1929, der allgemeine Tarifvertrag
vom 1. Juni 1922 und der Lohntarif vom 1. Februar 1929 bis auf wei=
teres
verlängert werden.
In der Generalverſammlung der Lokomotivfabrik Kraus u. Comp.
A.=G. wurde der Zuſammenſchluß mit der J. A. Maffei A.=G., der von
letzterer Tags zuvor in einer Vollverſammlung beſchloſſen worden war,
einſtimmig genehmigt.
Die Stadtverordneten=Verſammlung Frankfurts iſt auf Donnerstag
einberufen worden, um zu einer Magiſtratsvorlage Stellung zu nehmen,
die verlangt, daß zur Bereitſtellung der Deckungsmittel für die am 1.
April 1931 fällig werdenden 20 Millionen RM. Hprozentige Schatzan=
weiſungen
aus dem Jahre 1928 eine Anleihe bis zum Betrage von 20
Millionen RM. aufgenommen wird.
Der Deutſche Bauhilfe=Verein e. G. m. b. H., Sitz Kaiſerslautern,
deſſen Hauptverwaltung ſich in Neuſtadt a. d. H. befindet, hat ſich ge=
zwungen
geſehen, ſeine Zahlungen einzuſtellen und beim Amtsgericht
Neuſtadt a d. H. Antrag auf Eröffnung des Vergleichsverfahrens über
das Vermögen der Genoſſenſchaft zu ſtellen.
Die Arbeitsloſigkeit in England iſt wiederum im Anſteigen begriffen.
Gegenüber der Vorwoche iſt die Zahl der Arbeitsloſen um 18 398 ge=
ſtiegen
. Die Geſamtzahl der Arbeitsloſen beträgt nunmehr 2636 168,
das iſt 1159 907 mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres.
Im Jahre 1930 ſind in den Vereinigten Staaten 1326 Banken zah=
lungsunfähig
geworden. Die Einlagen der Kunden dieſer Kredit=
inſtitute
beliefen ſich auf 900 Millionen Döllar.
Zur Rettung der Landwirtſchaft und Stabiliſierung der Preiſe hat
die Regierung von Queensland (Auſtralien) alle Mehlvorräte angekauft.
Die Maßnahme erfolgte, nach den auch bei Kriegszeiten geltenden Not=
geſetzen
und hatte eine ſofortige Erhöhung der Brotpreiſe zur Folge.

Berliner Kursbericht
vom 20. Januar 1931

Oeviſenmarkt
vom 20. Januar 1931

Berl. Handels=Ge).
Danatbank
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ. 1
Dresdner Bank
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bahr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdöl

114.75
138.50
106.50
106.50
53.625
98.
54.25
86.125
50.
44.
95.
26.50
99.50
91.75
53.75

Elektr. Lieferung
J. G. Farben
Gelſ. Bergwv.
Geſ. f.elektr. Untern
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Köln=Neueſſ. Bgw.
Mannesm. Nöhr.
Maſch.=Bau=Untn.
Nordd. Wolle
Oberſchleſ. Koksw.
Orenſtein & Koppe

90.50
14.125
69.75
87.
GI.25
51.25
66.75
117.
47.50
55.50
53.125
26.50
38.25
57.875
38.25

Polyphonwerke
Rütgerswerke
Salzdetfurth Kali
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtoff
Verein. Stahlwerk
Weſteregeln Alkal
Agsb.=Nrnb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke

132.50
40.625
179.
90.
61.50
51.75
125.
19.50
42.50
36.
131.75
35.

Helſingfors
Wien
Prag
Budapeft
Sofia
Holland
Oslo
Kopenhagen
Stodholm
London
Buenos=Aires
New Yort
Belgien
Italien

Paris

Währung
100 finn. Mk.
100 Schillingl
00 Tſch. Kr.
100 Pengo
100 Leva
100 Gulden
100 Kronen
100 Kronen
100 Kronen
1E=Stg.
1 Pap. Pe
Dollar.
100 Belga
100 Lire
100 Francs

Geld
0.586
9.125
12.451
3.43
3.049
169.27
112.37
112.37
112.62
20.416
1.274
4.207
58.60
22.02
16.475

Brie
10.60
59.245
12.471
73.57
3.05
169.61
112 59
112.59
112.84
20.45e
1.282
4.215
58. 72
22.06
16.5151

Schweiz

Spanien

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Rio de Janeiro
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Frankfurter Kursbericht vom 20. Januar 1931.

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1 %Intern.
60 Baden.......
80 Bahern ....."
....
80 Heſſer v. 28
v. 29
5% Preuß. Staat
8% Sachſen... . ..
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72a Thüringen ..

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ſungsſch
. +*/=Ab
löſungsanl. . .
Dtſche. Anl. Ablö=
ungsſch
. (Neub.

Deutſche Schutzge=
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.. .

26 Baden=Baden.
60 Berlin ....."
8% Darmſtadtv. 2
v. 21
* Dresden ...
Frankfurt a. M.
v. 26
v. 26
60
826 Mainz......"
8% Mannheim v. 26
v. 27
88 München. ..
8% Nürnberg ....
82 Wiesbaden..

26 Heſi. Landesbk
Goldoblig
4½% Heſſ. Lds.=
Hyp.=Bk.=Liquid
P/.% Kom.=Obl.
820 Preuß. Lds.
pfbr.=Anſt. G. Pf.
80
2 Golboblig

99.4
85
71.5
99
82
84.5
88.5
943
99
74

1.52

81.5

81

88
Bo
82

99.25
91.75

Ar6

80. Landeskomm.
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Heſſen Goldobl.
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82 Naſſ. Lundesbl.
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80 Berl. Hyp.=B1
4½% Ligu.=Pfbr.
8% Frkf. Hyp.=Bk..
4½% Lig. Pfbr
Pfbr.=Bk
Liqu.
80 Mein,Hyp.=Bk.
Lig. Pfbr.
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Lig. Pfbr
6 Preuß. Boden=
cred
.=Bank....
Lig. Pfbr. / 89.5
Preuß. Centrl.
Bodencr.=Bank
4½% Lia. Pfbr.
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% Rhein.=Weſtf.
Bd.=Credit .. . . .
8% Südd. Bod.
Cred.=Bank
4½% Lia. Pfbr
8% Württ. Hyp.=B.
6% Daimler=Benz

9i.5
98.5
85
100
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86‟Ig

13

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881),
89.25
1 00.25
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86.1
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87
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99
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88,
99
62.5

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1914
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Goldr
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84.5
91.5
76.25
74.75
93

85

8.75
13.05
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23

189
35
107

18
68.5
30
155
110
74
135
G7.2
108
79

157.5
87
25.25
99
117
70
58.5
97
47.5
94.75
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127

64

68

40.25
112
179
175
158
7
83
94.75

142.5
17

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138.9
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94.5
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