Gingelmmmmer 10 Pfennige
E
*
A
N
Bezugspreis:
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Anzeigenpreis:
Bei wöchentich 2maligem Erſcheinen vom 1. Januar
bis 31. Januar 2.18 Reichsmark und 22 Prennig
Abtragegebüht abgeholl 2.25 Reichsmari, durch die
Agenturen 2.46 Reichsmart frei Haus. Poſibezugspreis.
im Jan, ohne Beſſellgeld monatlich 2.15 Reichsmart.
Verantwortichkelt für Aufnahme von Anzeigen an
beſſimmten Tagen wird nicht übernommen.
Nichte=
erſcheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt
berechtigt den Bezieher nſcht zur Kürzung des
Bezugspreſes. Beſtellungen und Abbeſtellungen durch
Fermrut ohne Verbindlichkeit für uns. Poſiſcheckonto
Franffurt a. M. 1301.
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 13
Dienstag, den 13. Januar 1931.
194. Jahrgang
27 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspfg.
FinanzAnzeigen 40 Reichspfg. Reklamezeile (92 mm
breit/2 Reichsmark. Anzeigen von auswärts 40 Reichspfg.
Finanz=Anzeigen 60 Reichspfg. 92 mm breite
Reflame=
zeile 3.00 Reſchsmark. Alle Preiſe in Reſchsmart
(4 Dollar — 420 Markl — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streit uſw erliſcht
ſede Verpfliſchtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
aufträge und Leiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtiſcher Beitreibung fäll ſeder
Rabatt weg. Banſkonto Deutſche Bank und Darm=
Kädter und Nationalbank.
Am Dienstag große Kabinettsſitzung
Vorarbeiken für Genf. — Beſprechungen über die Ofthilfe. — Der Reichsfinanzminiſter
fößl bei ſeinen Parkeifreunden auf Ablehnung.
Richklinien für Genſ.
Im Vordergrund Minderheikenbeſchwerden.
Memel=
beſchwerde und Abrüſtung.
* Berlin 12. Januar. (Priv.=Tel.)
Das Reichskabinett wird am Dienstag zu einer bedeutſamen
Sitzung zuſammentreten. Auf der Tagesordnung ſteht die Genfer
Ratstagung.
Vom Auswärtigen Amt ſind die Vorbereitungen für dieſe
Tagung abgeſchloſſen. Auch die Zuſammenſetzung unſerer
Dele=
gation iſt beſtimmt. Man wird dem Außenminiſter, wie in der
Vergangenheit, nur Richtlinien mit auf den Weg geben, das
heißt, er ſoll alles verſuchen, um unſerer Sache zum Erfolg zu
verhelfen. Von Bedeutung ſind für uns im weſentlichen drei
Punkte auf der Tagesordnung. Die oberſchleſiſchen
Minderheiten=
beſchwerden, die Memelbeſchwerde und die Abrüſtungsfrage. In
allen dieſen Fragen gibt es in Deutſchland nur eine Meinung.
Trotzdem dürfen wir uns nicht verhehlen, daß die
Mächtegruppie=
rung innerhalb des Völkerbundsrates uns wenig günſtig iſt, und
daß wir unter Umſtänden für unſere oberſchleſiſche Minderheit
und für die Memelländer nicht alles erreichen, was wir anſtreben.
Immerhin iſt doch zu hoffen, daß der polniſchen Regierung ein
ſcharfer Verweis erteilt und ſie aufgefordert wird, ſich in
Zu=
kunft ſtrikte an die Beſtimmungen der Oberſchleſien=Konvention
zu halten.
Wegen der Abrüſtungskonferenz ſollten wir ins
eigentlich keine großen Sorgen machen. Die Gegenſeite unter der
Führung Frankreichs läßt ja ſchon jetzt deutlich durchblicken, daß
ſie den Termin für die Abrüſtungskonferenz möglichſt weit
hin=
ausſchieben will. Uns kann es an ſich gleichgültig ſein, wann die
endgültige Konferenz ſteigt, weil wir ſchon jetzt wiſſen, daß
wirk=
lich Brauchbares, in der Abrüſtung nicht zuſtande
kommen wird.
Das Kabinett wird ſich weiter mit der Frage der
Arbeits=
loſigkeit und dem Oſthilfeprogramm befaſſen. Der
Kanzler hat am Montag bereits eine Sitzung des
Fraktionsvor=
ſtandes des Zentrums benutzt, um ſich im Kreiſe ſeiner
Partei=
freunde über verſchiedene aktuelle Fragen zu äußern. Er hat auch
einen Bericht über die Eindrücke ſeiner Oſtreiſe gegeben. Im
Oſtkommiſſariat hat unter dem Vorſitz des Oſtkommiſſirs
Miniſter Treviranus heute bereits eine eingehende
Be=
ſprechung über das neue Oſthilfegeſetz ſtattgefunden.
Auch Vertreter der preußiſchen Regierung waren beteiligt.
So=
weit wir unterrichtet ſind, iſt in dieſem neuen Oſthilfegeſetz der
bekannte Silberbergſche Plan, wonach das Vermögen der
In=
duſtrieobligationsbank zur finanziellen Stützung der Oſthilfe
her=
angezogen werden ſoll, nicht berückſichtigt worden. Das Reich will
alſo die Einkünfte aus den Induſtrieobligationen weiter für ſich
behalten. Daraus geht aber hervor, daß der Reichsfinanzminiſter
nicht allzu optimiſtiſch in die Zukunft blickt.
Dr. Dietrich hat im übrigen am Montag mit ſeinen
Partei=
freunden Fühlung genommen, er wohnte einer Fraktionsſitzung
der Deutſchen Staatspartei bei, der auch Vertreter der
Landtags=
fraktion beiwohnten. Die Sitzung befaßte ſich in der Hauptſache
mit der Stuttgarter Rede des Miniſters. Dr. Dietrich hat die
Gelegenheit benutzt, für ſeinen Gedanken zu werben. Er iſt
da=
bei auf eine ziemlich geſchloſſene Ablehnung geſtoßen. Der
ſtaats=
parteiliche Abg. Stolper hat ja eben erſt öffentlich erklärt, daß
der Dietrichſche Subventionsplan undurchführbar wäre.
Beſchwerde des Zeutſchen Volksbundes beim
Völkerbundsrak.
Kattowitz, 12. Januar.
Die Petitionen des Deutſchen Volksbundes, die weiteres
Material über die Unterdrückung der deutſchen Minderheit in
Polniſch=Oberſchleſien enthält, iſt beim Generalſekretär des
Völkerbundes eingegangen. Es unterliegt der Entſcheidung des
Generalſekretärs, ob die Petition, wie es der Deutſche
Volks=
bund beantragt, für dringlich erklärt und noch auf die
Tages=
ordnung der bevorſtehenden Ratstagung geſetzt wird.
Die Beſchwerde weiſt über 100 Terrorakte gegen die deutſche
Minderheit auf, die beſonders in den Monaten Oktober und
November verübt worden ſind, und die durch ausführliche
Pro=
tokolle, die allein 50 Quartſeiten umfaſſen, belegt werden. An
den Ausſchreitungen haben ſich nach der Beſchwerdeſchrift nicht
nur die Aufſtändiſchen beteiligt, ſondern auch zahlreiche Beamte.
Die Terrorakte ſetzten nach der bekannten Wahlrede des
Mini=
ſters Treviranus, gegen die in ganz Polen eine Reihe von
Pro=
teſtkundgebungen veranſtaltet worden waren, ein und ſteigerten
ſich in Oſtoberſchleſien ganz beſonders nach der „Antideutſchen
Woche” die vom Aufſtändiſchenverband veranſtaltet wurde.
Nachdem die Vertreter der deutſchen Minderheit beim Wojwoden
vergeblich wegen des Schutzes der deutſchen
Minderheitsange=
hörigen vorſtellig geworden waren, wandten ſie ſich am 1.
Novem=
ber telegraphiſch an den Innenminiſter, und als dieſer Schritt
ebenfalls erfolglos blieb, an den Präſidenten der gemiſchten
Kommiſſion für Oberſchleſien, Calonder.
In einem beſonderen Abſchnitt der Beſchwerdeſchrift wird
der Wahlverlauf und die Wahl, gegen die in allen drei
ſchle=
ſiſchen Wahlkreiſen von der deutſchen Wahlgemeinſchaft
Ein=
ſpruch erhoben wurde, behandelt. Das Ergebnis der
Unter=
ſuchung ſämtlicher Terrorakte hat Calonder der polniſchen
Re=
gierung zur Stellungnahme überreicht, die darauf hin die
Zu=
ſicherung gegeben hat, daß die ſchuldigen Beamten diſziplinariſch
beſtraft und gegen die Täter ein Strafverfahren eingeleitet
werden wird. Bisher ſind nach der Erklärung der Regierung
gegen 17 Beamte Diſziplinarverfahren eingeleitet und gegen
Zivilperſonen Strafverfahren eröffnet worden. Da ſich die
Re=
gierung nicht entſchließen konnte, die Verletzung der Genfer
Konvention anzuerkennen, hat ſich der Deutſche Volksbund
ver=
anlaßt geſehen, eine Beſchwerde an den Völkerbundsrat mit dem
Erſuchen zu richten, feſtzuſtellen, daß die Artikel 75 und 83 der
Genfer Konvention verletzt worden ſind und ferner zu
beſchlie=
ßen, daß die polniſche Regierung geeignete Maßnahmen treffen
möge, um der deutſchen Bevölkerung zu zeigen, daß die
Wieder=
holung derartiger Vorkommniſſe ausgeſchloſſen iſt. Ebenſo ſoll
geprüft werden, ob die dem Aufſtändiſchenverband eingeräumte
Sonderſtellung weiter aufrecht erhalten werden kann.
Die Arbeitsdienſtpflicht
von Arbeiigebern und Gewerkſchaffen abgelehnk.
Berlin, 12. Januar.
Das Reichsarbeitsminiſterium hatte auf heute die
Spitzen=
verbände und einzelne Perſönlichkeiten zu einer Ausſprache über
die Frage der Arbeitsdienſtpflicht eingeladen. Staatsſekretär Dr.
Geib, der die Ausſprache leitete, wies in ſeiner
Eröffnungsan=
ſprache darauf hin, daß man ſich bei dieſer Ausſprache nur mit
der ſpeziellen Frage der Arbeitsdienſtpflicht befaſſen
wolle, nicht aber, wie ein Teil der Preſſe vermutet hat, auch mit
den bekannten Anregungen des Finanzminiſters Dietrich über
eine produktivere Geſtaltung der
Arbeitsloſen=
fürſorge. Bei der Behandlung der Frage der
Arbeitsdienſt=
pflicht würden ſtets zwei Geſichtspunkte in den Vordergrund
ge=
ſtellt, der ſozialpolitiſche und der wirtſchaftspolitiſche. Die Frage
der Arbeitsdienſtpflicht müſſe aber auch von der
ſozialpädagogi=
ſchen und von der finanzpolitiſchen Seite geſehen werden.
Miniſterialrat Dr. Lehfeldt wies darauf hin, daß in der
Arbeitsloſenverſicherung zur Zeit je Kopf und Monat
einſchließ=
lich der Verwaltungskoſten rund 80 RM. gezahlt würden. Die
Arbeitsdienſtpflicht würde erheblich mehr koſten. Würden in der
Arbeitsdienſtpflicht auch nur 50 RPf. Lohn gezahlt, ſo ſtelle ſich
der Aufwand auf rund 1580 RM. jährlich. Werde Tariflohn
ge=
zahlt, ſo ergäbe ſich eine weitere Erhöhung um 1350 RM. im
Jahre. Beſonders wichtig ſei die Frage der Materialkoſten. Die
Koſten eines Dienſtpflichtigen würden ſich bei günſtigſter
Berech=
nung auf kaum weniger als. 10 RM. je Arbeitstig ſtellen, alſo
auf 3000 RM. im Jahre. Mithin koſteten 100 900 jugendliche
Dienſtpflichtige mindeſtens 300 Millionen RM. im Jahr
gegen=
über etwa 72 bis 80 Millionen Unterſtützungsaufwand. Ein
Jahrgang jugendlicher männlicher Dienſtpflichtiger, der abzüglich
der zu Befreienden etwa 450 000 Dienſtpflichtige umfaſſen würde,
würde daher mindeſtens 1,35 Milliarden RM. koſten.
In einer eingehenden mehrſtündigen Ausſprache lehnten die
Vertreter der Wirtſchaftsverbände der Arbeitgeber und der
Ar=
beitnehmer die Einführung der Arbeitsdienſtpflicht, insbeſondere
aus wirtſchaftlichen und finanziellen Gründen ab. Die
Ableh=
nung erfolgte aber auch aus dem Grunde, weil min ſich
erfah=
rungsgemäß von einer erzwungenen Arbeit keine befriedigenden
Ergebniſſe verſprechen könne. Außerdem bezweifelte man, ob
überhaupt genügend Arbeitsgelegenheiten beſchafft we den
könn=
ten, ganz abgeſehen von den ſchon erwähnten Schwierrgkeiten der
Kapitalbeſchaffung. Allgemein wurde gefordert, daß das
Ma=
terial über die Frage veröffentlicht werde.
Im Anſchluß an die Frage der Arbeitsdienſtpflicht wurde die
Frage erörtert, inwieweit die Beſtrebungen auf Einführung eines
freiwilligen Arbeitsdienſtes, insbeſondere für jugendliche
Ar=
beitsloſe gefördert werden könnten. Die meiſten Vertreter Zatten
auch gegen dieſe Art des Arbeitsdienſtes ähnliche Bedenken wie
gegen die Arbeitsdienſtpflicht. Die Verſammlung gab ſchließlich
dem Wunſche Ausdruck, daß das Reichsarbeitsminiſterium auch
weiterhin den jugendlichen Arbeitsloſen ſeine beſondere Fürſorge
angedeihen laſſe.
* Die heutigen Verhandlungen im Reichsarbeitsminiſterium
über das Thema Arbeitsdienſtpflicht haben den Verlauf
genom=
men, der vorauszuſehen war. Alle beteiligten Wirtſchaftskreiſe,
Arbeitgeber und Gewerkſchaften ſind von dem Gedanken, die
Ar=
beitsloſigkeit durch das Syſtem der Arbeitsdienſtpflicht zu
mil=
dern, abgekommen. Im Hinblick auf die Abſatzkriſe und angeſichts
der kritiſchen Finanzlage des Reiches waren alle Beteiligten der
Ueberzeugung, daß ſich der Gedanke der Arbeitsdienſtpflicht nicht
verwirklichen laſſe. Die Beſprechung im Arbeitsminiſterium hat
alſo einen rein negativen Verlauf genommen, wobei zu beachten
bleibt, daß ſowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer einer Meinung
waren.
Der Ruhrſchiedsſpruch für verbindlich erklärk.
Berlin, 12. Januar.
In der Lohnſtreitigkeit im Ruhrkohlenbergbau hat der
Reichsarbeitsminiſter den Schiedsſpruch vom 10. Januar 1931
im öffentlichen Intereſſe für verbindlich erklärt.
Der Skreik im Ruhrbergbau endgüiltig beigelegt.
Eſſen, 12. Januar.
Auch zur Mittagsſchicht ſind die Belegſchaften im
Ruhr=
bergbau vollzählig eingefahren. Da ausreichender polizeilicher
Schutz auf den Schachtanlagen vorhanden war, konnten einzelne
Verſuche, die Belegſchaft von der Arbeit abzuhalten, verhindert
werden. Im Stadtteil Neumühl wurden hierbei drei
Perſo=
nen feſtgenommen. Allgemein wird der Verſuch, einen neuen
Streik anzufachen, nunmehr endgültig als geſcheitert angeſehen.
* Die Wirkſchaft und der Diekrich’ſche
Vorſchlag.
Von
Dr. Paul Ruprecht, Dresden.
Der Reichsfinanzminiſter Dr. Dietrich hat dieſer Tage in
Stuttgart eine Rede gehalten, die großes Aufſehen durch die
darin gemachte Mitteilung erregt hat, daß die Regierung einen
neuen Weg beſchreiten wolle, um die Arbeitsloſigkeit zu
be=
kämpfen und die Schäden des heutigen Fürſorgeſyſtems zu
be=
ſeitigen. „Für Millionen von Arbeitsloſen” ſo fuhr der
Mini=
ſter fort, über drei Milliarden auszugeben, ohne einen
Gegen=
wert zu bekommen, iſt ſo ungeheuerlich, daß trotz aller
theore=
tiſchen Bedenken das Betreten neuer Wege gewagt werden muß.
Wenn wir zurzeit in einem Monat eine Viertelmilliarde für die
Arbeitsloſen verbrauchen, ſo wäre es vielleicht doch nicht
ver=
meſſen, wenn man verſuchte, mit dieſem Betrag entweder die
entſcheidende Rohſtoffproduktion oder aber eine verarbeitende
Induſtrie, die beſonders viel lebenswichtige Rohprodukte
ver=
braucht, anzukurbeln. Ich ſehe darin keine Subvention, wenn
man das, was die Arbeitsloſen koſten, zur Verbilligung und
Vermehrung der Produktion verwendet, in dem man für jeden
arbeitsloſen Angeſtellten oder Arbeiter eine entſprechende
Summe zuzahlt.”
Mit der Aeußerung, daß er darin keine Subvention ſähe,
hat der Redner gleich ſelbſt zu ſeinen Aeußerungen kritiſch
Stel=
lung genommen, und zwar in dem Sinne des franzöſiſchen
Sprichwortes: „aui sexeuse, guf saceuse!“
Man kann die Ausführungen doch nur ſo verſtehen, daß die
Betriebe den von ihnen neu einzuſtellenden Arbeitsloſen einen
untertariflichen Lohn, der aus den Mitteln der
Arbeitslofen=
verſicherung auf Tariferhöhe ergänzt wird, zahlen ſollen. Mit
Hilfe dieſes Zuſchuſſes ſoll dann der Preis verbilligt werden,
um den Abſatz zu heben. Wenn der Miniſter dies auch nach den
vorliegenden Zeitungsmeldungen nicht ausdrücklich erklärt hat,
ſo hat dieſe Schlußfolgerung doch die größte Wahrſcheinlichkeit
für ſich. Ob ſie ſich aber als richtig erweiſen wird, iſt
keines=
wegs ſicher; denn das iſt ja gerade das Gefährliche bei
ſtaat=
lichen Subventionen, daß man nie weiß, wie ſie ſich auswirken
werden. Ein deutlicher Beweis für dieſe Behauptung iſt der
Fall der Schichauwerft in Elbing. Wenn auch eine Stützung
des Oſtens aus öffentlichen Mitteln durchaus erforderlich
ge=
weſen iſt und noch iſt, ſo iſt doch die Art, wie ſie hier verwendet
worden ſind, höchſt bedenklich. Sie ſind dort nämlich nicht dazu
benutzt worden, um lebens= und in ſich tragfähige Betriebe auf
wirtſchaftlicher Grundlage zu erhalten, ſondern dazu, um andere
deutſche Werke im In= und Ausland in der rückſichtsloſeſten
Weiſe zu unterbieten.
Dieſe Möglichkeit liegt zwar bei dem in Rede ſtehenden
Vor=
ſchlag kaum vor, denn hier ſoll ja nicht eine Subventionierung
einzelner Unternehmen eintreten, ſondern es ſoll die geſamte
deutſche Wirtſchaft gleichmäßig unterſtützt werden. Die Frage
iſt deshalb hier, ob dies durchführbar iſt.
Die Einſtellung von Arbeitsloſen wird nicht jedem Betrieb
möglich ſein, weil ihm dazu entweder die Mittel oder die Kredite
oder die Abſatzmöglichkeiten fehlen. Es iſt durchaus denkbar,
daß hier der große Betrieb mit Hunderten oder Tauſenden von
Arbeitnehmern den Kleinen mit 10, 20 oder mehr Leuten
über=
legen iſt. Wenn es aber zutrifft, dann ſind auch die
Preis=
ſenkungsmöglichkeiten für die einzelnen Unternehmen
verſchie=
den. Die geplante Aktion kann alſo dahin führen, daß ſie den
Wettbewerb innerhalb der deutſchen Wirtſchaft auf eine
unge=
ſunde Grundlage ſtellt und eine Betriebsausleſe herbeiführt,
die nicht nach wirtſchaftlichen Geſichtspunkten erfolgt, ſondern
danach, wer am ſkrupelloſeſten iſt. Denn auch darüber muß
man ſich klar ſein, daß eine Subventionierung, wie ſie hier
ſcheinbar gedacht iſt, ſogenannten Schiebungen Tür und Tor
öffnet. Um dies zu erkennen, braucht man ſich nur zu
ver=
gegenwärtigen, daß hierbei der Unternehmer am beſten
abſchnei=
det, der ausſchließlich aus öffentlichen Mitteln unterſtützte
Ar=
beitnehmer beſchäftigt. Dahin durch fingierte Entlaſſungen
und dgl. zu kommen, wird alſo zunächſt das Ziel der
Unter=
nehmer mit einem weiten Gewiſſen ſein. Wenn die
gewiſſen=
haften Gewerbetreibenden aber von ihnen nicht ruiniert werden
wollen, ſo müſſen ſie dieſen Weg auch gehen.
Während man alſo auf der einen Seite der mit dem
dauernden Empfang von Unterſtützungen ohne Gegenleiſtung
verbundenen Beeinträchtigung der Moral entgegenarbeiten will,
tut man auf der anderen Seite das Gegenteil davon. Es mag
dahingeſtellt bleiben, welches Verfahren das kleinere Uebel iſt;
in jedem Falle iſt ſicher, daß der vom Miniſter in Ausſicht
ge=
ſtellte Zuſtand ebenſowenig unbedenklich iſt wie die
Beibehal=
tung des jetzigen.
Eine weitere Frage iſt die, wie für die von den
neueinzu=
tretenden Arbeitern hergeſtellte Mehrerzeugung Abſatz
geſchaf=
fen werden ſoll. Herr Dr. Dietrich iſt darauf nicht weiter
ein=
gegangen als daß er, wie oben zitiert, erklärt hat, daß man
verſuchen müſſe, „entweder die entſcheidende Rohſtoffproduktion
oder aber einer verarbeitende Induſtrie, die beſonders viel
lebenswichtige Rohprodukte verbraucht, anzukurbeln.‟ Die
ſozialiſtiſche Preſſe benützt dies, um der Vermutung Raum zu
geben, daß die Regierung hier aus Furcht vor der „mächtigen
Eiſeninduſtrie” lediglich dieſer ermöglichen wolle, ihre Preiſe
auf Koſten der geſamten Wirtſchaft zu ermäßigen. Daß davon
keine Rede ſein kann, erſieht man allein daraus, daß der nicht
minder mächtige Ruhrbergbau dieſer Tage bei ſeinen
Lohnver=
handlungen von derſelben Regierung im Stiche gelaſſen worden
iſt. Die Regierung iſt hier alſo durchaus unabhängig.
Außer=
dem iſt es ganz ſelbſtverſtändlich, daß eine Ankurbelung der
Wirtſchaft nur von der Urproduktion oder der die meiſten
ein=
heimiſchen Rohſtoffe verarbeitenden Induſtrie ausgehen kann.
Das letztere aber iſt der Baumarkt. Ob es jedoch richtig iſt,
hier wieder nach den Erfahrungen der letzten Jahre eine
künſt=
liche Konjunktur zu ſchaffen, iſt mehr als zweifelhaft, zumal
die Wohnungsnot zum größten Teil behoben iſt, und in
grö=
ßeren Wohnungen ſogar bereits ein Ueberangebot beſteht.
Auf die Frage, woher das für dieſe Pläne erforderliche
Kapital kommen ſoll, iſt der Miniſter überhaupi nicht
eingegan=
gen, obwohl dies von großer Wichtigkeit iſt, und zwar inſofern
als umſere ungeheuere Arbeitsloſigkeit zu einem großen Teil
Seite 2
auf Kapitalmangel zurückzuführen iſt. Die Subbentionierung
der Wirtſchaft aus öffentlichen Mitteln aber iſt keine
Kapital=
ſchöpfung, ſondern nur eine Kapitalverſchiebung. Es müßten
alſo vermutlich Anleihen zur Verwirklichung der Dietrichſchen
Pläne aufgenommen werden. Soll man das aber angeſichts
der Ungewißheit ihres Ausgangs und unſerer großen
Aus=
landsverſchuldung tun?
Auf alle dieſe Fragen heute ſchon kritiſch näher einzugehen,
iſt leider nicht möglich, weil Herr Dr. Dietrich ſich bisher mit
allgemeinen Andeutungen begnügt hat, ohne im einzelnen
dar=
zulegen, wie er ſich die Durchführung ſeiner Vorſchläge denkt.
Nur ſoviel iſt davon klar, daß er der geſamten Wirtſchaft durch
eine Lohnſubvention — ob man dieſen Ausdruck gebrauchen ſoll
oder nicht, iſt ein Spiel mit Worten — aus den Mitteln der
Arbeitsloſenverſicherung zu billigeren Preiſen, damit aber zu
vermehrtem Abſatz und dadurch wieder zu erhöhter
Beſchäf=
tigung verhelfen will. Dagegen muß aber die Wirtſchaft
Be=
denken haben, weil jede Subvention an ſich ein Uebel iſt und
als ſolches von ihr angeſehen wird. Sie kann jedoch den
Dietrichſchen Vorſchlag nicht ohne Kenntnis der Einzelheiten
ablehnen, denn ſchließlich iſt der heutige Zuſtand auch ein Uebel.
Es kommt hier alſo darauf an, zu entſcheiden, welches das
grö=
ßere von beiden Uebeln iſt. Das aber kann erſt geſchehen, wenn
Herr Dr. Dietrich einen ausgearbeiteten, ins einzelne gehenden
Vorſchlag bekanntgegeben hat, was, wie der Miniſter in einer
neuen Rede betonte, erſt nach der Beratung des Plans durch
das Kabinett möglich ſei. Und ſelbſt dann wird man vielleicht
bei dem Mangel an praktiſchen Erfahrungen noch kein
abſchlie=
ßendes Urteil fällen können, fondern ſich nach dem Vorſchlage
des Herrn Dr. Dietrich mit einem befriſteten Verſuch
einver=
ſtanden erklären müſſen. Denn ſchließlich iſt es auch nicht ohne
Wert, wenn die Arbeitsloſen ſehen, daß man nicht nur ihrer
materiellen, ſondern auch ihrer ſeeliſchen Not abhelfen will.
Sutrocterac dei dei Heichsbahn.
48-Stunden=Woche für Werkſtäktenarbeiter.
Berlin 12. Januar.
In dem ſchon ſeit längerer Zeit ſchwebenden
Arbeitszeitkon=
flikt bei der Reichsbahn iſt von der Schlichterkammer unter
vor=
ſitz von Dr. Völcker=Bremen ein Schiedsſpruch gefällt worden.
Er beſtimmt auf Grund des neuen Reichsbahngeſetzes für die in
den größeren Güterböden und Werkſtättenbetrieben beſchäftigte
Arbeitergruppe ſowie für weitere kleinere Gruppen von
Ar=
beitern (insgeſamt etwa 220000 Mann) grundſätzlich die
48=Stundenwoche anſtelle einer Arbeitszeit, die bisher bis zu
56 Stunden ging. In dringenden Fällen kann die
Reichsbahnver=
waltung eine Mehrarbeitszeit bis zu 130 Stunden im Jahr
ver=
langen, ebenſo können die im Sonntagsdienſt beſchäftigten
Ar=
beiter bis zu 56 Stunden herangezogen werden. Für die andere
Gruppe, die im Betriebs= und Verkehrsdienſt tätig iſt, etwa
180 000 Arbeiter, bleibt die Arbeitszeit wie bisher.
Wie wir erfahren, wird die Deutſche Reichsbahngeſellſchaft
dieſen Schiedsſpruch annehmen und vorſorglich die
Verbindlich=
keitserklärung beantragen, um den Eintritt eines tarifloſen
Zu=
ſtandes zu vermeiden. Neben dieſer grundſätzlichen Regelung der
Arbeitszeit bei der Reichsbahn läuft ſchon ſeit längerer Zeit die
Frage der vorübergehenden Einführung von Feierſchichten. Die
gedrückte Wirtſchaftslage bringt der Reichsbahn einen
außer=
ordentlichen Ausfall von Arbeit. Die vorhandene Arbeit muß
deshalb geſtreckt werden, wenn nicht im großen Umfange Arbeiter
entlaſſen werden ſollen. Die Reichsbahn hat daher den
Gewerk=
ſchaften die Einführung von Feierſchichten in den
Ausbeſſerungs=
werken und in der Bahnunterhaltung vorgeſchlagen. In jeder
Woche ſoll eine Feierſchicht eingelegt werden. Die Gewerkſchaften
haben demgegenüber gefordert, die Feierſchichten auf die
Be=
triebs= und Verkehrsarbeiter auszudehnen mit dem Ziele,
da=
durch jeden Arbeiter der Reichsbahn mit der gleichen Zahl von
Feierſchichten zu belaſten. Eine ſolche Regelung iſt jedoch der
Reichsbahn nicht möglich. Sie kann ſolchen Anregungen für den
größten Teil des Betriebs= und Verkehrsdienſtes nicht
nach=
kommen.
In der Frage der Einführung von Feierſchichten iſt die
Ver=
waltung mit den Gewerkſchaften nicht zu einer Einigung gelangt.
Sie war deshalb genötigt, durch Vereinbarung mit den einzelnen
Arbeitern Feierſchichten einzulegen. Zu dieſem Vorgehen iſt die
Reichsbahn berechtigt. Im allgemeinen hat es hierbei lei te
Rei=
bungen gegeben. Nur an einigen Stellen, ſo z. B. hauptſächlich
im ſächſiſchen Bezirk, ſind Schwierigkeiten entſtanden. Dieſe
Schwierigkeiten ſind darauf zurückzuführen, daß die Arbeiter in
einem etwaigen ſpäteren Prozeß Rechtsnachteile befürchten, wenn
ſie vorbehaltlos die Feierſchichten machen. Dieſe Befürchtung iſt
grundlos. Es iſt zu erwarten, daß nach Aufklärung dieſes
Punk=
tes überall die Einführung der von der Reichsbahn geplanten
Feierſchichten ſich reibungslos vollziehen wird und dadurch eine
Entlaſſung von Arbeitern vermieden werden kann.
Dienstag, den 13. Januar 1931
Nummer 13
Die Deutſche Volkspartei Anhalt beſchloß auf einem
außer=
ordentlichen Landesparteitag, die baldmöglichſte Auflöſung des
anhaltiſchen Landtages durch Volksbegehren und Volksentſcheid
anzuſtreben.
Die vom Reichsbanner für Montag abend im
Stadt=
hausſaal von Weimar anberaumte Kundgebung, auf der
der frühere bayeriſche Generalſtabsmajor Mayr gegen die
Hitlerbewegung ſprechen ſollte, iſt von der
Polizeidirek=
tion verboten worden mit der Begründung, daß die
öffent=
liche Ruhe und Ordnung dadurch gefährdet werde. Von
natio=
nalſozialiſtiſcher Seite war zu einer Gegenkundgebung vor dem
Stadthaus auf dem Marktplatz aufgerufen worden. Auch dieſe
Demonſtration iſt verboten worden.
Im Direktorium des Memelgebietes erfolgte am Montag
mittag die Uebergabe der Geſchäfte an das neue Direktorium
Böttcher. Dabei hielten der Gouverneur Merkys, der bisherige
Präſident Reisgys und der neue Präſident Böttcher kurze
An=
ſprachen.
Am Samstag abend fand in Innsbruck eine
Führer=
tagung der Tiroler Heimwehren ſtatt, in der die ſeit
einigen Monaten beſtehende Kriſe endgültig beigelegt wurde.
Steidle wurde einſtimmig zum Landesführer
wiedergewählt.
Der Goldausſchuß des Finanzausſchuſſes des
Völkerbundes iſt am Montag unter dem Vorſitz des
Präſi=
denten Janſen (Belgien) zuſammengetreten. Die deutſche
Regierung iſt in dem Ausſchuß durch Profeſſor Bonn vertreten.
Die Botſchafterkonferenz hat wieder einmal unter
dem Vorſitz von Jules Cambon eine Sitzung abgehalten, in der
die laufenden Geſchäfte hinſichtlich der Ausführung des
Verſailler Vertrages erledigt wurden.
Die Baumwollwebereien von Burnley (England) haben am
Montag die Ausſperrung voll durchgeführt. Von der Ausſperrung
werden nahezu 20 000 Arbeiter betroffen.
Der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes hat für die
Europäiſche Konferenz eine Denkſchrift verfaßt,
in der eine Reihe von ſozialen Fragen aufgeführt werden, die ſich
nach der Anſicht des Internationalen Arbeitsamtes für eine
euro=
päiſche Regelung eignen. Thomas rechnet dazu an erſter Stelle
die Kohlenfrage.
Infolge der Hinrichtung von vier Perſonen wegen ihrer
Be=
teiligung an der Ermordung von Polizeibeamten bei den Unruhen
in Scholapur vom Mai 1930, kam es in Poona und Bombay zu
Volksaufläufen, Proteſtkundgebungen und Zwiſchenfällen mit der
Polizei, wobei über 150 Perſonen verletzt wurden.
Im Anſchluß an die Ueberreichung des Berichtes der
Unter=
ſuchungskommiſſion des Völkerbundes über die Sklaverei
und die Zwangsarbeit in Liberia, in dem eine
voll=
ſtändige Reorganiſation der Verwaltung gefordert wird, ſind der
Präſident der Republik Liberia, King, und der
Vizepräſident Pancy zurückgetreten.
Senſalionelle Feſtſtellungen im Golaſſowiher Prozeß.
Rybnik, 12. Januar.
Die heutige Verhandlung vor der hieſigen Strafkammer gegen
die acht Bauern von Golaſſowitz, die der Tötung des
Polizei=
kommandanten Sznapka beſchuldigt ſind, endete mit einer
uner=
warteten Senſation. Auf Verlangen der Verteidiger befragte das
Gericht die Angeklagten nach ihrer Nationalität. Unter
all=
gemeiner Bewegung im Zuhörerraum bekannten ſich drei der acht
Angeklagten, darunter auch der Hauptbeſchuldigte Kubla, zur
polniſchen Nationalität. Damit iſt alſo der polniſche Verſuch, den
bedauerlichen Golaſſowitzer Raufhandel politiſch gegen die deutſche
Minderheit auszuſchlachten, vollkommen zuſammengebrochen. In
der Anklageſchrift wird ausdrücklich geſagt, daß die Beweggründe
des Ueberfalles auf Sznapka nur in der politiſchen Agitation,
in dem Gegenſatz der Nationalitäten und in dem Haß der
Mit=
glieder der nationalen Minderheit gegen den polniſchen Staat zu
ſuchen ſeien. Dieſe Beſchuldigung, die in der polniſchen Preſſe
noch in bedeutend verſtärktem Maße wiederholt wurde, hat ſich
nun als völlig haltlos erwieſen.
In ſeinem Plädoyer ging der Staatsanwalt im einzelnen
auf die Beteiligung der verſchiedenen Angeklagten an dem
Rauf=
handel in Golaſſowitz ein.
Zur allgemeinen Ueberraſchung ſtellte er am Schluß ſeines
Plaidoyers keine beſtimmten Strafanträge, ſondern empfahl dem
Gericht, unter Berückſichtigung aller erſchwerenden und
mildern=
den Umſtände die Strafe nach eigenem Ermeſſen feſtzuſetzen und
der Gerechtigkeit Genüge zu tun. Auffallend iſt, daß der
Staats=
anwalt nicht mit einem einzigen Worte die
poli=
tiſchen Momente des Prozeſſes, die er in der
Anklageſchrift hervorgehoben hatte, erwähnte.
Offenbar übte der Staatsanwalt dieſe Zurückhaltung im Hinblick
auf die heutige überraſchende Feſtſtellung, daß ein Teil der
An=
geklagten gar nicht zur deutſchen Minderheit gehört, ſondern
pol=
niſcher Nationalität iſt.
Sodann begannen die Plädoyers der Verteidiger.
Eine Rede Dingeldens.
Dresden, 12. Januar.
Auf dem Landesvertretertag der Deutſchen Volkspartei
Sach=
ſens hielt nach einer kurzen Begrüßungsanſprache des 2.
Vor=
ſitzenden des Landesverbandes, Admiral a. D. Retzmann, der
neue Reichsführer der Deutſchen Volkspartei, Rechtsanwalt Dr.
Dingeldey, eine Rede, in der er zunächſt die Befürchtung
aus=
drückte, daß Deutſchland bei den bevorſtehenden Genfer
Verhand=
lungen kaum auf nennenswerte Erfolge werde hoffen können.
Die Aufgabe der deutſchen Außenpolitik im Jahre
1931 iſt, fuhr der Redner fort, die Welt ganz klar vor die
Entſcheidung zu ſtellen: Entweder Deutſhland
Freiheit und Raum zur Entwicklung zu geben, oder
aber es zu gewaltſamen Ausbrüchen zu treiben,
un=
ter denen der Schrecken des Bolſchewismus ſteht.
Ueber das Verhältnis der Deutſchen
Volks=
partei zu den Nationalſozialiſten erklärte der
Red=
ner, daß zwiſchen beiden Parteien manche gefühlsmäße
Verbindungen beſtänden. Solange die Nationalſozialiſten
nicht den Weg in die Verwaltung fänden, hätten ſie ihre
Exiſtenzberechtigung nicht erwieſen. Man müſſe von
ihnen eine klare Stellungnahme zu dem heutigen
Grundproblem verlangen. Eine Diktatur der
Na=
tionalſozialiſten ſei auf die Dauer in
Deutſch=
land nicht möglich. Es ſei bedauerlich, daß insbeſondere die
preußiſche Regierung durch kleinliche Polizeichikanen die
natio=
nalſozialiſtiſche Bewegung noch dauernd weiter in revolutionäre
Bahnen dränge. Dadurch entſtehe die Gefahr, daß der große
nationale Impuls nutzlos vertan werde, anſtatt die nationalen
Kräfte für den Staat und das deutſche Volk einzufangen.
Zur Wirtſchaftspolitik erklärte Abgeordneter Dingeldey, daß
die Deutſche Volkspartei eine Rückentwicklung
zur ſtaatlichen Diktatur nicht mitmachen würde.
Die Notverordnung ſei für die Deutſche Volkspartei tragbar, weil
ſie auf ein halbes Jahr befriſtet ſei und ihre Anwendung einen
Beſchluß der Geſamtregierung zur Vorausſetzung habe. Die
Rede des Reichsminiſters Dr. Dietrich zur
Be=
hebung der Arbeitsloſigkeit ſei außerordentl:ch
bedauerlich, da ſie eine ſchwere Beunruhigung zur
Folge hätte haben müſſen. Schon jetzt ſtehe feſt, daß ſowohl
Ar=
beitgeber wie Arbeitnehmer die Vorſchläge Dietrichs als
un=
durchführbar und gefährlich ablehnten. Der Reichskanzler ſei
bisher unbeirrt und zielbewußt ſeinen als notwendig anerkannten
Weg gegangen. Es ſei zu hoffen, daß er ſich nicht dem Einfluß
Preußens und der Sozialdemokratie beugen werde. Zu den
wichtigſten gegenwärtigen Aufgaben gehöre in
erſter Linie die Reichsreform, die unter anderem den
Dualismus zwiſchen Reich und Ländern werde beſeitigen müſſen.
Außerdem gelte es, die Stellung des
Reichspräſiden=
ten und der Reichsregierung gegenüber dem Parläment
zu ſtärken. Neben dieſes Parlament habe eine erſte Kammer
zu treten. Der 300=Millionen=Antrag ſei für die Deutſche
Volks=
partei eine Frage von grundſätzlicher Bedeutung. Die Deutſche
Volkspartei mache von ſeiner Berückſichtigung ihre Stellungnahme
zur Reichsregierung abhängig. Es gelte, unter allen Umſtänden
den Reichshaushalt in Ordnung zu bringen. Dabei müßten die
Steuerſchätzungen infolge des Niederganges der Konjunktur mit
äußerſter Vorſicht erfolgen.
Das Urkeil im Prozeß Nikolaiken.
Marienburg, 12. Januar.
Vor dem Erweiterten Schöffengericht ſteht dieſer Tage der
Prozeß wegen der bekannten Vorfälle, die ſich in der Nacht vom
30. zum 31. Oktober v. J. in Nikolaiken, Kreis Stuhm,
abſpiel=
ten und bei denen u. a. die polniſche Minderheitenſchule
beſchä=
digt wurde, zur Verhandlung. Angeklagt waren der
Rechtsbei=
ſtand Paczinſki=Nikolaiken, der Kaufmann Cholevius=
Königs=
berg, der Arbeiter Gottſchewſki=Nikolaiken und der
Straßenwär=
ter Guſowſki wegen Beleidigung, Mißhandlung,
Sachbeſchädi=
gung und dergleichen. Als Nebenkläger war der Verband
pol=
niſcher Schulvereine Deutſchland e. V. zugelaſſen.
Am Montag wurde folgendes Urteil gefällt: Der Angeklagte
Gottſchewſki wird wegen Körperverletzung, Sachbeſchädigung,
tätlicher und ſonſtiger Beleidigung zu vier Monaten einer Woche
Gefängnis, der Angeklagte Cholevius aus denſelben Gründen zu
einem Monat Gefängnis und 20 Mark Geldſtrafe und der
Auge=
klagte Paczinſki zu 20 Mark Geldſtrafe wegen Beleidigung
ver=
urteilt. Der Angeklagte Guſowſki wird freigeſprochen.
Perſiſches.
Von Claude Anet.
Eine Anekdote, die mir in Teheran erzählt wurde:
Als der Emir Timur Leng zu Ende des vierzehnten
Jahr=
hunderts Perſien eroberte, lebte der Dichter Hafis noch in
Schiras. Seine Verſe waren im ganzen muſelmaniſchen Orient
bekannt. Beſonders ein Diſtichon war berühmt geworden, in
dem er von dem Mädchen, das er liebte, ſang:
„Für dieſes türkiſche Kind aus Schiras,
Mit dem ſo bezaubernden Muttermal
Wollte ich Samarkand und Buchara freudigen
Herzeus verſchenken ..
Als der Emir nach Schiras kam, ließ er Hafis ſuchen. Man
fand ihn halb berauſcht in einer Schenke beim Wein. Seine
Kleidung beſtand aus alten Lumpen. Man führte ihn vor den
Emir, den ſeine Offiziere und ſein glänzendes Gefolge
um=
gaben. Timur Leng betrachtete den Dichter und ſein ärmliches
Ausſehen und ſprach vorwurfsvoll zu ihm: Du alſo biſt es,
in dieſem Aufzug, der ſich erlaubt, meine Städte Buchara und
Samarkand als Geſchenke zu verteilen?”
„Herr” erwiderte Hafis, ſich verbeugend, „als Folge ſolcher
Großmut ſiehſt du mich in dieſem Zuſtand vor dir.”
Die Maurer in Iſpahan.
In der Tſchahar=Bagh (den Champs Elyſées von Iſpahan)
mit dem Haus der acht Paradieſe, der berühmten Medreſſeh,
in der die Mollahs ausgebildet wurden, und noch anderen
Prunkgebäuden, errichtet man eben das Schulyaus der
fran=
zöſiſchen Miſſion. Während ich eines morgens durch dieſe
ſchöne Straße ſchreite, beobachte ich die Arbeit der Maurer.
Auf der Mauer, die gerade im Werden iſt und die drei Fuß
ſtark iſt, ſind ungefähr zehn Maurer beſchäftigt. Ein Teil von
ihnen ſtreicht den Mörtel auf, andere legen die Ziegel darauf
nieder. Von unten her wirft etwa ein Dutzend Arbeiter einen
Ziegel nach dem anderen den Maurern zu, die oben von der
Mauer, das heißt aus ſieben oder acht Meter Höhe, danach
rufen. Von der geſchmeidigen Art, in der die Ziegel geworfen
und aufgefangen werden, vermag man ſich kaum einen Begriff
zu machen. Die Maurer oben pflücken ſie aus der Luft, als wären
ſie Blumen. Die geſchickteſten Jongleure können ihren Trick
mit keiner gefälligeren Geſte ausführen; dieſe Maurer ſpielen,
um unſere Augen zu erfreuen. Und um den Takt ihres Spiels
zu regeln, ſingen ſie bei der Arbeit. Der Maurer verlangt aus
ſeiner Höhe di= Ziegel, die er nö ig hat, in kindlichen Reimen.
Claude Anet
(mit bürgerlichem Namen Jean Schopfer), der bekannte franzöſiſche
Roman= und Reiſeſchriftſteller, iſt 53jährig geſtorben.
Viele dieſer Arbeiter haben einen großen Ruf als Sänger, und
wir haben heute Gelegenheit, den berühmteſten von Iſpahan
zu hören.
So iſt der Bau eines Hauſes in Iſpahan wie ein ſingender
Bienenſtock. Die Arbeit vollzieht ſich mit unglaublicher
Ge=
ſchwindigkeit. Ein Dutzend Arbeiter bewältigt in einem Tage
bis zu dreitauſend Ziegel, und ein ganzer Palaſt mit drei Fuß
dicken Mauern wächſt wie ein Wunder in einem Monat aus
(Autoriſierte Ueberſetzung von G. Schwarz.)
dem Boden.
Kleines Hau 8. — Montag, den 12. Januar 1931.
Mit ungeminderter Stimmkraft und vollendeter
Vortrags=
kunſt bot Johennes Biſchoff einer zahlreichen Zuhörerſchaft 12
Geſchige von ichard Strauß. Der Künſtler hatte außer einigen
der vielgeſungenen Lieder eine Anzahl ſelten gehörter
Kompo=
ſitionen gewählt, deren Wiedergabe ihm beſonders gedankt ſei, da
ſie die Bedeutung von Strauß treffender beleuchten als die ſonſt
faſt immer geſungenen Liederſchlager. Ganz hervorragend lagen
dem Künſtler die herben dramatiſchen Lieder wie „Das Lied des
Steinklopfers”, „Der Arbeitsmann” das „Lied an meinen Sohn”
und das humorvolle „Ach weh, mir unglückhaftem Mann”.
Klang=
lich prachtvoll ſang Biſchoff „Pilgers Morgenlied” und mit
blühend warmem Klang das „Kling! Meine Seele gibt reinen
Ton” das als Zugabe wiederholt wurde und als geſangliche
Leiſtung den Höhepunkt des Abends bildete. Im Pianiſſimo
klang das Organ manchmal etwas ſpröde, trotzdem war aber die
Innigkeit des Vortrags in den piano Liedern ſo hervorragend,
daß ſie als künſtleriſche Leiſtung obenan ſtanden, beſonders das
herrlich geſtaltete „Ruhe, meine Seele‟. Das Baßlied. Das
Tal”, das Strauß für Paul Knüpfer komponierte, lag Biſchoff
trotz der Tiefe ſehr gut.
Vor allem danken wir aber dem verdienſtvollen Künſtler für
die tief vergeiſtigte Wiedergabe des Notturno, — Dichtung von
R. Dehmel, eines kantatenhaften Werkes mit obligater Violine.
Dieſes Inſtrumentalſolo ſpielte meiſterlich und geiſterhaft Erika
Biſchoff, die hochbegabte Tochter des Sängers, die wir im
Darm=
ſtädter Konzertſaal herzlich begrüßen. Ihr Spiel hat, ſeit wir ſie
zuletzt hörten, noch an Sicherheit der Technik, Schönheit des
Tones und Ueberlegenheit im Ton gewonnen, und ſie bot im
Vortrag der ſchönen, zuweilen etwas weichen, bald an
Schu=
mann, bald an Brahms erinnernden Sonate von Céſar Franck
eine Probe ihres bedeutenden Könnens. In der Sonate, wie in
den anſpruchsvollen Straußſchen Begleitungen erwies ſich Herr
Kapellmeiſter Karl Hauf als vorzüglicher Klavierſpieler und
ſtark geſtaltender Künſtler. Der lebhafte Beifall bewies den
Konzertgebenden, daß man ſowohl ihre ausgezeichneten
Dar=
bietungen als auch die wertvolle Vortragsfolge dankbar
aner=
kannte.
F.N.
Maſſenfluchk aus der Dichker=Akademie.
Wie dem amtlichen Preußiſchen Preſſedienſt mitgeteilt wird,
haben zum Bedauern der Sektion für Dichtkunſt die Mitglieder
Dr. Erwin Guido Kolbenheyer, Dr. h. c. Wilhelm Schäfer und
Dr. h. c. Emil Strauß ihren Austritt erklärt, weil ſie die
Auf=
hebung einer von der Hauptverſammlung im Oktober v. J.
an=
genommenen Geſchäftsordnung nicht billigten. Dieſe
Geſchäfts=
ordnung hatte ſich nach Anſicht der Sektion für Dichtkunſt als
undurchführbar und ſatzungswidrig erwieſen, da ſie nur die
Durch=
führung der einmal jährlich ſtattfindenden H.V.=Beſchlüſſe
ge=
ſtattete und ſo während der gangen übrigen Zeit die
Arbeits=
fähigkeit der Sektion unterbaud.
Nummer 13
Dienstag, den 13. Januar 1931
Seite 3
Genf wirft ſeine Schatten.
* Das franzöſiſch=polniſche Verhältnis.
Nicht immer ungekrübk. — Polen nimmt nicht viel
Rückſichk auf die franzöſiſchen Wünſche.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 12. Januar.
Die polniſche Luftakrobatie über Oppeln ſcheint ziemlich
weitgehende außenpolitiſche Wirkungen zu verurſachen. Am
Qugi d’Orſay iſt man diesmal ernſtlich verſtimmt, und von
zozialiſtiſcher Seite wird das Verhalten Polens mit einer
fchonungsloſen Offenheit attackiert. Der Zwiſchenfall kam vor
der Tagung in Genf für die franzöſiſche Außenpolitik höchſt
unwillkommen. Ueberhaupt, das franzöſiſch=polniſche
Verhältnis, ſo intim es auch in gewiſſen Punkten ſein mag,
iſt keineswegs reibungslos. Der Sturz der Regierung Tardieu
hat dieſe Reibungen noch vermehrt. Für Polen iſt ein Ruck
nach links in Frankreich, und mag er noch ſo unbedeutend ſein,
nicht angenehm.
Schon längſt ſind die Sympathien für Polen nicht
mehr das Gebiet der Linken, ſondern der
Rech=
ten. Vor einigen Jahren war es noch anders. Damals waren
auch die Sozialiſten Polenfreunde. Jetzt hat Polen,
geſell=
ſchaftlich und ſentimental, in erſter Linie zu äußerſtrechts
Be=
ziehungen.
Das innenpolitiſche Regime in Polen und das Verhalten
Pilſudſkis haben die Linke verſtimmt. Höchſt praktiſche
Ueber=
legungen über die außenpolitiſchen Schwierigkeiten und über
die Erſchwerung der deutſch=franzöſiſchen Verſtändigung durch
Polen ſpielen da mit.
Die franzöſiſch=polniſche Freundſchaft hat aber auch eine
ſehr ſtarke wirtſchaftliche Grundlage. Franzöſiſches
Kapital iſt in Polen in ſehr höhem Maße intereſſiert.
Zu=
letzt waren die Erfahrungen, die das franzöſiſche Kapital in
Polen machte, allerdings höchſt unerfreulich. Die
Weltwirt=
ſchaftskriſe iſt wohl daran zum Teil ſchuld, aber nur zum Teil.
Tatſache iſt, daß in die polniſche Wirtſchaft immer wieder
fran=
zöſiſches Kabital gepumpt werden muß, um Kataſtrophen zu
vermeiden. Das verhindert aber die polniſchen Papiere an der
Pariſer Börſe nicht, in der Baiſſebewegung führend zu ſein.
Bei allem ſchlägt Warſchau eine außenpolitiſche
Richtung ein, die auf die Vünſche des Quai
d Orſay nicht immer viel Rückſicht nimmt. Die
Gründe für Polens Verhalten ſind in Gerüchten zu ſuchen, die
von einer bevorſtehenden politiſchen Aenderung in England und
von einer Rückkehr Baldwins, der eine mehr polnophile
Rich=
tung in der Außenpolitik vertreten ſoll, wiſſen wollen. Doch
das ſind vielleicht nur Kombinationen. Tatſache iſt aber
jeden=
falls, daß Briands Lage in Genf durch das Verhalten Polens
nicht erleichtert wird.
Beſprechungen Zalefkis mit Briand.
EP. Paris, 12. Januar.
Der polniſche Außenminiſter Zalefki iſt am Montag morgen
hier eingetroffen. Da der polniſche Außenminiſter vor jeder
Ratstagung mit ſeinem franzöſiſchen Kollegen Briand eine
Unterredung zu haben pflegt, in der das Programm der
jeiveili=
gen Ratsſitzung beſprochen wird, ſo wird man nicht fehlgehen,
wenn man animmt, daß Zaleſki auch diesmal von ſeiner
Gewohn=
heit nicht abgehen wird.
Die diesmalige Beſprechung erhält eine um ſo größere
Be=
deutung, alls auf dem Programm der kommenden Ratsta jung
die deutſchen Beſchwerden über den Wahlterror in Polniſch=
Ober=
ſchleſien einen bedeutenden Platz einnehmen werden. Darum
wird auch bei dieſer Unterredung mit Briand Zaleſki die
deutſch=
polniſchen Beziehungen beſonders erwähnen. Es beſteht kein
Zweifel, daß die franzöſiſche Regierung, und insbeſondere
Briand, ſich den Polen gegenüber ſtark gebunden fühlt und daß
dieſe Bindungen ſich in Genf in einer für uns ſehr unerfreulichen
Weiſe bemerkbar machen werden, trotzdem unſer Recht
ſonnen=
klar iſt. Aber nicht das Recht entſcheidet, ſondern die tatſächlichen
machtpolitiſchen Verhältniſſe.
Polens Ankwork auf die deutſchen Beſchwerden.
Warſchau, 12. Januar.
Die Note, die von der polniſchen Regierung als Aniwort
gegen die drei deutſchen Proteſtnoten wegen der Wahlzwiſchen=
fälle in Oberſchleſien im Völkerbundsſekretariat eingegangen iſt,
zerfällt in vier Teile. Im erſten Teil erklärt die polniſche
Re=
gierung, daß der letzte deutſche Proteſtſchritt über die Grenze
eines unmittelbaren Schutzes der nationalen Minderheiten
hin=
ausgegangen ſei, und den Charakter einer allgemeinen politiſchen
Aktion gehabt hätte. Im zweiten Teil wird zum deutſchen
Vor=
wurf über die polniſchen Terrorakte im einzelnen Stellung
ge=
nommen und dieſe an Hand von Tatſachen und Zwiſchenfällen
zu widerlegen verſucht. Es wird hierbei erklärt, daß die
tieſe=
ren Beweggründe für die Vorfälle in Oberſchleſien in der
Reak=
tion der Bevölkerung auf antipolniſche Akte Deutſchlands und auf
die von deutſchen Politikern gegen die Unverſehrtheit der
pol=
niſchen Grenzen gerichteten Publikationen zu ſuchen ſeien. Im
dritten Teil wird erklärt, daß die Vorfälle in Oberſchleſien über
den normalen Rahmen von Wahlzwiſchenfällen nicht
hinausge=
gangen ſeien. Im vierten Teil werden ſämtliche Anordnungen
und Maßnahmen der lokalen Behörden angeführt, die im
Zu=
ſammenhang mit den ſtattgefundenen Zwiſchenfällen und zur
Ver=
hütung neuer Vorfälle getroffen worden ſeien.
* Die Entſtellung der Tatfachen durch Polen war nach dem
bisherigen Verhalten Polens in dieſer Angelegenheit nicht anders
zu erwarten. Die Note deckt ſich mit den Ausführungen Zaleikis
vor der Außenkommiſſion des Seim am letzten Samstag, wo er
ſich ſchon um den Nachweis einmal bemühte, daß die deutſche
Aktion politiſche Nebenziele verfolge und daß die
Minderheiten=
frage nur ein Vorwand für Deutſchlands Wünſche nach
Korrek=
tur ſeiner Oſtgrenzen darſtelle, trotzdem unſere
Reviſionsforde=
rungen nichts mit den polniſchen Terrorakten gegenüber den
deut=
ſchen Minderheiten zu tun haben.
* England und die Minderheiten in Polen.
Von unſerem (C=Korreſpondenten.
London, 12. Januar.
Die ſchwere Lage der Minderheiten in Polen nimmt, ſeit den
unerfreulichen Vorgängen während der letzten Seimwahlen, das
Intereſſe der engliſchen öffentlichen Meinung unvergleichlich mehr
in Anſpruch, als dieſes bisher bei ähnlichen Ereigniſſen der Fall
zu ſein pflegte. Der „Mancheſter Guardian” iſt allerdings all die
Jahre nie müde geworden, die Aufmerkſamkeit ſeiner Leſer auf
dieſe Vorfälle hinzulenken. Doch der „Mancheſter Guardian” hat
in England leider nur einen beſchränkten Leſerkreis. Und für die
Sache der Minderheiten iſt es daher von größerer Bedeutung,
daß nun auch die übrigen engliſchen Preſſeorgane auf dieſe
im weiteſten Maße europäiſche Frage aufmerkſam zu werden
be=
ginnen.
Das weitverbreitete und angeſehene engliſche Wochenblatt,
der „New Statesman”, zum Beiſpiel widmet jetzt der
bevorſtehen=
den Behandlung der deutſchen Minderheiten=Beſchwerde vor dem
Völkerbundsrate einen eingehenden Artikel. Der Aufſatz zeigt
deutlich, in welch weitgehendem Maße die Bedeutung dieſes
Problems von einem Teil der engliſchen öffentlichen Meinung
bereits verſtanden wird. Und die Ausführungen des „New
Statesman” ſeien daher hier etwas ausführlicher wiedergegeben.
Das erwähnte Blatt ſchreibt: „Die Auftufe und Proteſte
gegen die barbariſche Behandlung der Minderheiten ſeitens der
polniſchen Regierung werden mit jedem Tage immer zahlreicher
und zahlreicher. Sie zeugen von überaus ernſten, ja unerhörten
Dingen. Die üblichen offiziellen polniſchen Dementis vermögen
uns dieſesmal herzlich wenig zu beeindrucken. Das uns von
ab=
ſolut einwandfreier engliſcher Quelle zugehende Beweismaterial
iſt zu niederſchmetternd. In hunderten von Dörfern in Polniſch=
Oberſchleſien und in Oſt=Galizien hat ohne Zweifel während der
letzten Wahlen ein ausgeſprochener Terror beſtanden. Gegen die
nichtpolniſche Bevölkerung ſind ſelbſt reguläre Truppen
losge=
laſſen worden und Auspeitſchungen und ähnliche Brutalitäten
ſind erwieſenermaßen in großer Zahl vorgekommen. Die
Einzel=
heiten, die uns hierüber vorliegen, ſind zu abſtoßend, um
wieder=
gegeben zu werden. Keinerlei Revolten von ſeiten der
Minder=
heiten haben ſtattgefunden, um von den Polen als Entſchuldigung
vorgebracht zu werden. Auch iſt nicht zu erkennen, wodurch die
Verhaftungen und Mißhandlungen einer ganzen Reihe von
Min=
derheiten=Parlamentariern gerechtfertigt werden könnten. Indem
wir gegen all dieſe Barbareien proteſtieren, wenden wir uns
keineswegs gegen die polniſche Nation als ſolche. Wir nehmen
an, daß die große Maſſe des polniſchen Volkes all dieſe
uner=
hörten Ausſchreitungen der Regierungsorgane keineswegs billigt
und ſich ihrer wahrſcheinlich ſchämt. Ob hingegen Marſchall
Pil=
ſudſki und ſeine Kreaturen die Entrüſtung der Weltmeinung
be=
achten werden, wird noch abzuwarten ſein. Doch die Regierungen
der Weſtmächte und diejenige Englands mitinbegriffen, die ſämt=
lich die Minderheitenverträge mitunterzeichnet haben, ſollten jetzt
alles tun, was in ihren Kräften liegt, um dieſem verbre heriſchen
Wüten der polniſchen Regierung ein für allemal Einhalt zu
ge=
bieten. Bleibt man aber in dieſer Sache noch weiterhin tatenlos,
ſo wird einſt ohne Zweifel der Tag kommen, da Polen hierfür
ſchwer zu büßen haben wird. Leider Gottes dann aber
wahrſchein=
lich auch ganz Europa mit ihm. . ."
Solche und ähnliche Aeußerungen ſind jetzt erfreulicher Weiſe
in der engliſchen Preſſe, wie geſagt, keineswegs mehr als
verein=
zelte Stimmen anzutreffen. Sie können in den Blättern aller
Schattierungen gefunden werden. Es dürfte daher kaum
über=
trieben ſein zu ſagen, daß die engliſche öffentliche Meinung den
kommenden Genfer Erörterungen der deutſchen Beſchwerde mit
größter Spannung entgegenſieht.
Das Urkeil im Neuhöfener Spionage-
Prozeß.
10 Jahre Zuchkhaus für Gefährdung der
Sicherheit Oſtprenßens.
Leipzig, 12. Januar.
Der vierte Strafſenat des Reichsgerichts verkündete am
Montag mittag in dem Spionageprozeß gegen den polniſchen
Grenzwachtkommiſſar Adam Biedrzynſki aus Czerſk im
Weich=
ſelkerridor im Zuſammenhang mit dem Grenzzwiſchenfall in
Neuhöfen vom 4. Mai vorigen Jahres folgendes Urteil: Der
Angeklagte, wird wegen fortgeſetzter verſuchter Ausſpähung
militäriſcher Geheimniſſe nach § 3 des Spionagegeſetzes und
§ 43 des Strafgeſetzbuches, verſuchter Tötung im Sinne des
§ 214 StGB., und wegen Paß= und Waffenvergehens zu einer
Geſamtzuchthausſtrafe von 10 Jahren verurteilt. Dem
Ange=
klagten werden ſieben Monate der erlittenen Unterſuchungshaft
angerechnet. Die beſchlagnahmten Waffen und Munition werden
eingezogen.
Die Begründung des Arkeils.
Zur Begründung des Urteils im Neuhöfener
Spionage=
prozeß führte der Vorſitzende Reichsgerichtsrat Schmitz aus:
Soweit es ſich um Vergehen gegen das Schußwaffengeſetz und
die Paßvorſchriften handelt, iſt der Angeklagte in vollem
Um=
fange geſtändig. Hinſichtlich der beiden hauptſächlichſten
Be=
ſchuldigungen, nämlich des fortgeſetzten Verſuches der
Aus=
ſpähung militäriſcher Geheimniſſe und des Verſuchs des
Tot=
ſchlags, hat der Senat den Schuldbeweis für vollſtändig geführt
erachtet. Der Angeklagte hat fortgeſetzt monatelang den
Ver=
ſuch gemacht, ſich militäriſche Geheimniſſe, teils Gegenſtände,
teils Nachrichten, zu verſchaffen, die im Intereſſe der
militäri=
ſchen Sicherheit des Reiches geheimzuhalten waren, und zwar
mit dem Vorſatz, die Sicherheit des Reichs zu gefährden. Er
iſt dabei auf deutſchem Boden zu einer Betätigung gekommen,
und zwar jedenfalls am 24. Mai 1930, als der Angeklagte den
Verſuch machte, einige im militäriſchen Intereſſe
geheimzuhal=
tende Gasmasken ſich zu verſchaffen und den Polen zu bringen.
Zu der Frage des verſuchten Verbrechens des Totſchlags
iſt der Senat in allen weſentlichen Punkten der Darſtellung des
Zeugen Sender gefolgt. Danach iſt feſtgeſtellt, daß der
Ange=
klagte mehrfach auf Sender geſchoſſen hat. Der Senat hält es
für ausgeſchloſſen, daß andere Möglichkeiten vorliegen, auf die
die Verletzungen des Zeugen Sender zurückgeführt werden
können. Erwiefen iſt auch, daß der Angeklagte auf den Zeugen
Sender geſchoſſen hat mit dem Vorſatz, ihn zu töten. In bezug
auf das Strafmaß hat der Senat dem Angeklägten keine
mil=
dernden Umſtände zubilligen können. Eine ehrloſe Geſinnung
iſt allerdings nicht feſtzuſtellen. Damit werden aber noch keine
mildernden Umſtände feſtgeſtellt, die allein die Verhängung einer
Gefängnisſtrafe rechtfertigen würden. Im Gegenteil liegen ſehr
erhebliche Erſchwerungsgründe vor: Die Tatſache, daß der
An=
geklagte ſeine Tätigkeit mehrere Monate hindurch ausgeübt hat,
ferner die gute Organiſation, die er zur Verfügung hatte und
ſchließlich der Umſtand, daß leine Tätigkeit ſich gegen
die Sicherheit der beſonders gefährdeten
Pro=
vinz Oſtpreußen richtete.
Polen bedauert die überfliegung deutſchen Gebiels.
Berlin, 12. Januar.
Die polniſche Regierung hat durch ihre Berliner
Geſandt=
ſchaft wegen Ueberfliegung deutſchen Gebiets durch polniſche
Militärflieger der Reichsregierung ihr Bedauern ausgeſprochen.
Der Mormonen Moſes.
(Anläßlich der Uraufführung von Joſef Sells Komödie „Die
fünfundzwanzigſte Frau” am Heſſiſchen Landestheater.)
Von Renato Mordo.
William H. Seward, der Staatsſekretär Abraham Lincolns,
deſſen nörgelnder Peſſimismus in den ſeltenſten Fällen poſitive
Superlative zuließ, bezeichnete Brigham Young, den
Führer der Mormonen, als den größten Staatsmann Amerikas.
Brigham Young (1801—1877), ein Glaſer= und
Anſtreicher=
meiſter, wurde Apoſtel des „Propheten” Joſef Smith jun., der
Scharlatanerie und Religionspſychoſe mit Klugheit und
dialek=
tiſcher und politiſcher Begabung verband.
Smith ſchuf das Buch Mormon, eine Bibel, von der er
vorgab, der Engel Moroni hätte ſie ihm in ſeltſamen
Schrift=
zeichen überreicht und die Zauberſteine Urim und Thummim
er=
möglichten die Entzifferung. In allen Zeiten wirtſchaftlicher
Kriſe fanden religiöſe und politiſche Wunderapoſtel reiche
Gefolg=
ſchaft (man denke an unſere deutſchen Zeitgenoſſen Häußer und
Weißenberg), und ſo hatten Smiths Miſſionare in der ganzen
Welt leichte Arbeit.
Und doch wäre der Mormonismus bald zuſammengebrochen,
wenn er nicht in Brigham Young einen genialen Führer
gefun=
den hätte. Young unternahm 1846 mit ſeinen Getreuen unter
den unſäglichſten Anſtrengungen und Entbehrungen den Zug
nach dem Weſten, und begründete in unfruchtbarer, ungaſtlicher
Einöde in troſtloſer Prärie an den Ufern des Salzſees im
Staate Utah eine Anſiedlung, die nach harten Kämpfen gegen
bungersnot, Indianer, Heuſchrecken und Ungeziefer in kurzer
Zeit zum blühenden Eldorado, zu einer beglückenden Stätte des
Wohlſtandes und der Arbeit wurde.
Young war ein Führer, er war Politiker und Diplomat, er
war Reformator und Prieſter, er war Agrarier, Pädagoge,
Kauf=
mann, und die Größe ſeines Erfolges ermöglichte ihm ſein
wei=
ſer und edler Pazifismus.
Die allgemeinſte Popularität und die ſchwierigſten Kämpfe
verdankte Young aber der Polygamie, die über ein halbes
Jahr=
hundert lang den Mormonen zum Gebot gemacht wurde.
Smith meinte die Forderung der Vielweiberei aus der Bibel
zu entziffern, und Young erhob ſie aus ſozialpolitiſchen lokalen
Notwendigkeiten zum Geſetz.
Amerika und Europa wetteiferten in der Bemühung, Youngs
Staat als ſexualdemokratiſches Aſyl moraliſcher Verworfenheit
zu befehden und erkannten mit wachſender Beſorgnis die
ſtei=
gende geſunde Macht des „Mormonentums.
Young aber wurde mit ſeinen 27 Frauen und mehr als
fünfzig ehelichen Kindern eine Legenden= und Anekdotenfigur,
und mit überlegender Fronie wehrte er alle Angriffe über die
„pflichtgemäße, puritariſche Polygamie” ab, um auf ſeine
natio=
nalökonomiſchen Forderungen hinzuweiſen und ſein Lebensziel,
kriegsloſer Sieger zu ſein, mit allen Energien zu predigen.
Dieſe bedeutende Geſtalt hat Joſef Sell unter
Anwen=
dung offizieller Dokumente des Mormonentempels und
zeit=
genöſſiſcher Anekdoten zum Helden einer hiſtoriſchen Komödie
gemacht, die das Heſſiſche Landestheater nunmehr erſtmalig zur
Diskuſſion ſtellt.
Perſiens Kunſtſchähe in London.
Von unſerem Korreſpondenten.
G. P. London, 9. Januar.
„Alladins Märchenſchätze in Piccadilly”, ſo preiſen die
Eng=
länder die Reize jener „Internationalen Ausſtellung Perſiſcher
Kunſt” an, die hier in den Räumen der Königlichen Akademie vor
zwei Tagen eröffnet wurde. Es iſt eine Schau, die nach dem
Muſter der hier 1929 und 1930 ſtattgehabten Flämiſchen und
Ita=
lieniſchen Kunſtausſtellungen veranſtaltet worden iſt. Bloß, daß
es ſich dieſes Mal nicht nur um Gemälde, ſondern überhaupt um
Kunſtgegenſtände jeglicher Art und aller Epochen perſiſcher
Kul=
tur handelt.
Der perſiſche Monarch, S. M. Riza Schah Pahlavi, iſt (neben
dem König von England, Mr. Ramſay Macdonald und ſämtlichen
in London akkreditierten Botſchaftern und Geſandten)
Ehren=
patron der Ausſtellung, und auf ſeinen Befehl iſt die Ausſtellung
aufs freigiebigſte beſchickt worden. Außerdem haben zur
Ausſtel=
lung beigetragen: der Louvre, das Budapeſter Muſeum, das
Kai=
ſer=Friedrich=Muſeum, die Muſeen von Dresden, München,
Düſſel=
dorf und Hamburg, das Haager Gemeente Muſeum, das Wiener
Muſeum, die ägyptiſche Regierung, zahlreiche Privatſammler aus
Europa und Amerika und ſchließlich ſogar die an fremden Schätzen
ſo reiche Regierung der Union der Sowjetrepubliken.
Das Hauptintereſſe des Londoner Publikums konzentriert ſich
natürlich auf die Stücke aus dem perſiſchen Kronſchatz, auf die
er=
wähnten „Märchenſchätze Alladins”. Um dieſe ſind ganze
Legen=
den gewoben worden: Es hieß, als in Perſien ihre Entſendung
nach London bekannt wurde, alarmierte dieſe Nachricht ſämtliche
Räuberbanden Kurdiſtans und Isfabans; deshalb erwies es ſich
als ratſam, „Alladins Schätze” in Flugzeugen von Teheran nach
dem Perſiſchen Golf zu bringen; hier, im Hafen von Abadan,
wurden ſie als „Feigen= und Dattelladungen” auf britiſche
Damp=
fer verfrachtet; der geſamte Transport ſoll für 50 Millionen
Schweizer Franken verſichert worden ſein; und erſt als alles
glück=
lich unter ſtarker Polizeieskorte am Piccadilly anlangte,
atme=
ten die Veranſtalter der Ausſtellung für eine Weile erleichtert
auf.
Von den Stücken dieſes Märchenſchatzes werden einige
ein=
zeln genannt: ein Staatsſchild, deſſen Mitte ein Smaragd von
der Größe einer Männerhand ziert; ein goldener Globus, der
völlig mit Edelſteinen bedeckt iſt, ſolcherart, daß die Ozeane und
Meere aus lauter Smaragden, die britiſchen Beſitzungen aus
lau=
ter Rubinen, die Pole aus lauter Perlen uſw. beſtehen; ein
auf nicht weniger als 12 Millionen Schweizer Franken
verſicher=
ter Seidenteppich vom Grabe des Schahs Abbas II.; eine
Ori=
ginalausgabe der Werke des Dichters Saadi mit Miniaturen des
größten perſiſchen Malers Bihzad; die Korane von Imam Riza
und von Ardabil, ſtammend aus dem 7. und 8. Jahrhundert, und
hunderte und tauſende anderer Herrlichkeiten mehr.
Von Kennern perſiſcher Kunſt werden dagegen ganz andere,
äußerlich weniger anſehnliche Stücke der Ausſtellung weit höher
eingeſchätzt, als die ſogenannten perſiſchen Kronjuwelen. Dieſe
letzteren wären in früheren Jahren, wie es dem Verfaſſer ein
ehemaliger zariſcher Botſchafter erzählte, nicht ſelten, der
Sicher=
heit halber, in der ruſſiſchen Botſchaft in Teheran abgeſtellt
ge=
weſen und hätten ſich bei näherem Hinſehen als ein recht bunter
und lange nicht „unermeßlich koſtbarer” Krimskrams entpuppt. .
Was indeſſen an den zur Zeit in London zur Schau geſtellten
Dingen wirklich von großem künſtleriſchen und materiellen Wert
iſt, das ſind die von den zahlreichen europäiſchen Muſeen und
amerikaniſchen Privatſammlungen hergegebenen perſiſchen
Tep=
piche, Seidengewebe, Silberwaren, Bronzen, Waffen, Keramiken,
Miniaturen, Manuſkripte uſw., deren manche über 3000 und mehr
Jahre alt ſind, die in beſter Weiſe jenen weitreichenden Einfluß
bezeugen, den die perſiſche Kunſt im Laufe der Jahrtauſende auf
faſt alle Kunſtrichtungen der Welt ausgeübt hat, und die, wegen
ihrer einzigartigen Schönheit und ihrer künſtleriſchen Vollendung,
in der Tat wert ſind, wahre Märchenſchätze orientaliſcher Kunſt
genannt zu werden.
Kunſt. Wiſſenſchaft und Leben.
— Martin Sochaczewſki †. Einer der älteſten Berliner
Journa=
liſten, der Seniorchef der B. S.=Korreſpondenz Martin Sochaczewſki,
iſt am Sonntag vormittag im Alter von 76 Jahren einem
Herz=
ſchlag erlegen.
Seite 4
WElBLICH
Perf. Buchhalterin
u. Korreſpondentin
m. eigen. Schreibm.
übernimmt ſchriftl.
Arbeiten jeder Art
(Bilanzen etc.)
ſo=
wie Nachtragen v.
Büchern in u. auß.
d. Hauſe. — Näh. i.
der Geſchäftsſt. (*
Mädchen
geht Putz. u. Näh.
Näh. Geſchäftsſt. (*
Jg. ehrl. Frau ſucht
f. morg. Laufſtelle.
Kiesſtr. 1. Hts. I *
Junge Frau ſucht f.
nachm. Beſchäft. (*
Ang. u. R. 78 Gech.
Fräulein, 26 Jahre,
bisher i. Haushalt
tät., ſucht Stelle zu
Kindern. Angeb. u.
R. 72 a. d. Geſch. (
Gedieg., tücht, ält.
Frl., 45J., ſucht St.
als Haushälterin b.
einz. Hrn. o. Dame.
Off. u. R. 68 Geſch.”
Fräul., 24 J., ſucht
Stellg. zu ſofort als
Haustochter
oder Stütze. Angeb.
unt. R. 83 Geſchſt.*
19j. jung. Mädchen
v. Lande aus guter
Fam. möchte i. beſſ.
Haush. das Kochen
erl. gegen kl. Taſch.
Off. u. R. 61 Gſch.*
Für m. ſ. bewährte,
ord. Stundenfrau
ſuche ich ſof. o. ſpät.
Stelle. Frau Sieſel
Kranichſt. Str. 47,
part. Tel. 3273. (*
Dienstag, den 13. Januar 1931
Skellen ſuchen:
Haushälterin,
Stüt=
zen. Herrſchaftsköch.,
Reſtaur.=Köchinnen,
ältere und jüngere
Alleinmädchen,
Kin=
derfräuleins, Haus=
und Küchenmädchen,
Büfett= und
Ser=
vierfräulein, f. hier
und auswärts
Minna Dingeldein,
gewerbsm.
Stellen=
büro, Eliſabethenſtr.
Nr. 5. Telefon 3365.
int auten Zeuchiſe
ſen und
Umgangs=
formen ſucht Stellg.
in beſſ. Café für
ſofort oder ſpäter.
Angebote unt. R. 85
an die Geſchäftsſt.
Frau näht Buben=
Anzüge. Angeb. u.
R. 77 a. d. Geſch.”
Moatſchweſter
übernimmt Pflegen, auch Nachtwachen,
ebenſo Sprechſtundenhilfe. Beſte
Refe=
renzen vorhanden. — Angebote unter
P 104 an die Geſchäftsſt. d. Bl. (695a
M
Vertretungen
gleich welcher Art ü ernimmt Reiſender
mit eigenem Fahrzeug. Tüchtige Kraft
und arbeitswillig. Angeb. unter R 76 an
die Geſchäftsſtelke ds. Blattes. (999b
MEißr18t
Schneiderin außer
Haus, die ſchick u. z.
zeitgemäßem Preis
arbeitet, geſ. Ang.
u. R. 56 Geſchſt. (
Tüchl. Mädchen
für Haushalt
tags=
über geſucht. Weber,
Gr. Ochſengaſſe 37.*
Ehrliches u. fleißig.
Mädchen
das ſchon f. Haush.
tät. war auf ſofort
geſucht. Beſchäftigg.
bis nach d. Spülen.
Ang. u. R. 86 Gſch.
im)
Tüchtiges, fleitziges
Mädchen
welch, ſchon in Haus
halt tä in war, geſ.
Weinſube Taunusburg
Dieburgerſtr. 72. 1024
Braves
Alleinmädchen
welch. Wert a. gute
Behandlung und
Dauerſtellung legt,
z. 1. 2. 31 geſucht.
Offert m.
Gehalts=
ford. u. R. 73 Gſch.*
Kf
ier
mell
Fleißiges Mädchen
kann ſof. eintreten.
Näh. Geſchäftsſt. (
MANNLIcR
Gute Eriſtenz.
Für hieſig. Platz
wird Auslief.=Lager
der
Lebensmittel=
artikelbranche b.
fe=
ſtem Zuſchuß vergeb.
Es wollen ſich nur
Bewerber meld., die
über eine Intereſſ.=
Einlage von 500 ℳ
als Lagerſicherheit
verfügen. Offert. u.
L. 5575 an
Annon=
cenfrenz. Wiesbaden
(17995)
Hamburger Kaffee, WV.333
Importfirma vergibt Platzvertretung.
sm Verk. m Privatkundschaft erf. Per-
Iönlichk. wollen, schreiben an Ernst G1
Mever, Hamburg 11, Welserhaus
Ungenehme Selbſtändigkeit.
Für Darmſtadt, ſowie jür jeden Ort der
Umgebung ſuchen wir je einen ehrlichen
Herrn (evil. Dameſ, der ſich durch vor
neh ne Tätigkeit lohnende Dauer=Exiſtenz
ſichern will 100 Mk. bar erforderl.
Aus=
üfhrl. Bewerbungen an Economa A.=G.
TV.1004
Frantfutt a M
Alte, angeſehene
Krankenverſi herungs=A.=G.
mit anerkannt günſtigen Prämien
und Schadenleiſtungen wünſcht für
Darmſtadt eine Bez.=
Geſchäfts=
ſtelle mit auskömmlichen Bezügen
zu errichten.
Bewerbungen, beſonders von
jüngeren, nachweislich erfolgreichen
Fachleuten, die eine
entwicklungs=
fähige Poſition ſuchen, belieben
Angebote mit Zeugn, u.
Erfolgs=
nachweiſen einzureichen unter
K, 4029 durch Rudolf Mosse,
I,BIn 88
Köln.
DieErhebung der erhötzten
Bier=
ſteuer in der etadt Darmſtadt.
In den für den Aushang ſtädtiſcher
Veröffentlichungen beſtimmten Kaſten
ge=
langte eine Bekanntmachung in obigem
Betreff zum Anſchlag, auf die ich hier=
(st1021
mit beſonders hinweiſe.
Darmſtadt, den 10. Jan. 1931.
Der Oberbürgermeiſter.
gerung M. 4.
Sutze
Montag, den 19. Januar 1931,
von vorm. 9 Uhr ab, werden in der
Turnhalle am Woogsplatz hier
aus der ſtädt. Förſterei Heiligkreuz,
Abtrieb Woogsberg 39, Los 704—12
verſteigert:
Scheiter, rm: 807 Buche, 37 Eiche;
Knüppel, rm: 212 Buche 7 Eiche;
Reiſig=Knüppel, rm: 194 Buche.
Darmſtadt, den 11. Jan 1931. (st1010
Städt. Güterverwaltung.
2N.
10
M
Jotzt
He e
Sparen Sie
enorm viel deldt
Die Preise in den einzelnen Ahteilungen sind teilweise bis zu einem Bruchteil des Hertes herabgesetzt
Foulard-Seide
nur Muster aus letzter Saison. ca. 95 cm
breit, nur erstklassige Qualitäten, reg
Verkautswert bis 6.90, ohne Rücksicht
aut den Wert...
.. Meter 2.95
Hleigertweed
nur moderne Ausmusterung,
wunder-
bare Qualität, auch reinwollene Schotten,
regularer Wert bis 295, zum
Aus=
suchen
Meter 0.95
3 Serien a. Extra- Tischenm
regulärer Verkautswert
Herr, Strickwesten
Dam.-Strickuesten
u. Pullover, darunter
allert. Oual, regul. Wert !
bis 13.50 zum Aussuch. 1400, 4.00, A0
bis 19,50 zum Aussuch. 9410, 0.00, Gd0
Rein
Bettuchrßibe
Vaco-Pamaste
ganz hervorragende
in nur allert. Aussteuer-
Oualität., außergewöhn-
Oualitäten, Hochglanz-
. . Meter A:Bd, 1.00, N0
lich billig .... lleter 1.00, 1.00,dide
ware.
auch für extra starke Herren
Ueber 4000 Stüch
wollgemischte 410uen usjacken audel
Kohntten aiinfg!
Extra-
Ihr erster Hel
1O Rabatt
auf alle nicht
redu-
ziertenArtikel,mit
Ausnahme einiger
Marken-undNetto-
Artikel.
AOMII Oie
Darmstadt
Ludwigstr. 15
Nummer 13
Sbülung des Baſſerohrnehes.
In der Zeit vom Samstag, 17. J. n.
bis Montag, 2. Febr. 1931, wird das
ſtädtiſche Waſſerrohrnetz geſpült. Dabei
läßt ſich eine Trübung des
Leitungs=
waſſers nicht vermeiden; auch muß die
Waſſerlieferung von 22 Uhr bis 5 Uhr
unterbrochen werden. Den
Waſſerab=
nehmern wird deshalb empfohlen, ſich
rechtzeitig mit Waſſer zu verſorgen.
Bei den Druckrohrſpülungen wird die
Waſſerlieferung nur verringeit.
Straßenverzeichniſſe mit der
Bezeich=
nung der einzelnen Spülabteilungen
können an den bekannten Aushangſtellen
des Herrn Oberbürgermeiſters eingeſehen
werden. Außerdem erteilt die ſtädtiſche
Fernſprechzentrale (Fernruf 3500) ſowie
die Feuetwache (Fernruf 600) Auskunft.
Spülplan:
Hochdruckſtrang I Samstag, 17. Jan.
Abteilung A Montag, 19.
B Mittwoch, 21.
b Freitag, 23.
C Samstag, 24.
Montag, 26.
D Mittwoch, 28.
d Freitag, 30.
E Samstag, 31.
von 22 Uhr ab
Hochdruckſtrang II Montag, 2. Februar
von 16 Uhr ab.
(st1002
Direktion der ſtädt. Betriebe.
Einträge in unſer Handelsregiſter,
Abteilung 4: Am 29. Dezember 1930
hinſichtlich der Firmen: 1. Heinrich
A. Schaefer & Co., Darmſtadt: Die
Firma iſt eiloſchen. — 2. Gebr. Moll,
Darmſtadt: Die Firma iſt erloſchen.
Am 2. Jan. 1931 hinſichtlich der Firma:
Adolf Seeber, Darmſtadr: Die
Pro=
kura des Georg Riebel iſt erloſchen. —
Abteilung B: Am 8. Januar 1931
hin=
ſichtlich der Firmen: 1. Heſſiſche
ge=
meinnützige Aktiengeſellſchaft für
kleine Wohnungen, Darmſtadt:
Re=
gierungsbaumeiſter a. D. Jakob Malſy
iſt als Vorſtandsmitglied ausgeſchieden,
an ſeiner Stelle iſt Weißbindermeiſter
Philipp Klein in Darn ſtadt zum
ſtell=
vertretenden Vorſtandsmitglied beſtellt.
2. Heſſiſche Lichtſpiel=Theater=
Aktiengeſellſchaft, Darmſtadt: Duich
Beſchluß tes Aufſichts ates vom 30.
De=
zember 1930 iſt der Geſellſchaftsveitrag
geändert. Die von der
Generalverſamm=
lung vom 14. November 1929 beſchloſſene
verabſetzung des Grundkapitals auf
650 000.— Reichsmak iſt durchgefühit.
Das Grundkapital beträgt jetzt: 650000
Reichsmark. Als nicht eingeiragen wird
veröffentlicht: Das Grundkapital iſt ein=.
geteilt in 500 Siammaktien 4 1000 RM.
und 150 Vorzugsaktien 4 1000 RM. Die
Aktien lauten ſämtlich auf den Inhaber.
Die Vorzugsaktien erhalten aus dem
Jahresgewinn vorweg eine Dividende
von 82o und, falls auf die Stammaltien
für ein Geſchäftsjahr eine höhere
Divi=
dende als 6¾, ausgeſchüttet wird, eine
Zuſatzdividende für das betreffende
Ge=
ſchäftsjahr von ½ für jedes volle
Pro=
zent, das über 6¾ hinaus auf die
Stammaktien entfällt.
(1001
Darmſtadt, den 10. Jan. 1931.
Amtsgericht I.
Dotzberfeigerang M. 0.
Samstag, den 17. Januar 1931,
vorm. 10 Uhr, zu Burg
Franken=
ſtein aus, den Forſtorten Rödern, Abt,
25, Kohlwald, Abt. 25 und 28.
Scheiter, rm: Buche I. Kl. 178, II.
Kl. 20; Knüppel: Buche 111,
Kirſch=
baum 2; Reiſig IIi. Kl.: Buche 21I0
Wellen; Stöcke: Buche 6. Auskunft
vei Herin Föiſter Pfänder zu
Forſt=
aus Sommelsgrund bei Eberſtadt.
Blau unterſtrichenes Holz wird nicht
verſteigert.
(1003
Eberſtadt, den 10. Jan. 1931.
Heſſiſches Forſtamt Eberſtadt.
Seit Jahren nicht sobillig!
Alle Winter-Mäntel für Herren
und Knaben müssen unbedingt
geräumt werden. Die Preise sind
daher so gewaltig herabgesetzt.
daß Sie Gelegenheit haben, gute
und beste Waren enorm billig
zu kaufen.
DARMSTADT
Zwangsverſteigerung.
Termin: 27. Januar 1931, nachmittags 1,4 Uhr, im
Sitzungsſaal Zimmer 219 des Neuen Gericht sgebäudes in
Darmſtadt.
Grundſtücke: Gemarkung Darmſtdt, Bezirk 2, Blatt 282:
Flur 2. Nr. 70 Hofreite Nr. 11, Prinz=Chriſtianweg, 478 qw,
Schätzung 60 000 RM.,
Flur 2, Nr. 71, Grasgarten mit Gartenhaus daſ., 1143 am,
Schätzung 15 000 RM.
Eigentümer: Eheleute Fabrikant Max Walbinger und
Marie, geb. Uebelachker in Darmſtadt, zu je einhalb.
Darmſtadt, den 26. Auguſt 1930.
Heſſiſches Amtsgericht I.
(264a
Zwangsverſteigerung.
Termin: 20. Januar 1931, nachmittags ½/4 Uhr, im
Sitzungsſaal Zimmer 219 des Neuen Gerichtsgebäudes in
Darmſtadt.
Brundſtück: Gemarkung Darmſtadt, Bezirk 1. Blatt 162.
Flur I. Nr. 455, Hofreite Nr. 22, Holzſtraße, 118 am,
Schätzung: 10 000 RM.
Eigentümer: Ehefrau Kaufmann Johannes Kappes,
Mathilde, geb. Trumpfheller in Darmſtadt.
Darmſtadt, den 18. Auguſt 1-30.
Heſſiſches Amtsgericht 1.
(258a
Zwangsverſteigerung.
Termin: 9. April 1931, nachm. ½4 Uhr, im
Sitzungs=
ſaal Zimmer 219 des Neuen Gerichtsgebäudes
in Darmſtadt,
Grundſtück: Gemarkung Darmſtadt, Bezirk 1. Blatt 1065:
Flur 1 Nr. 918. Hofreite Nr. 27 Soderſtraße,
168 qm. Schätzung: 10 000.— RM.
Eigentümer: Eheleute Kaufmann Heinrich Wälther und
Marie geb. Germann in Darmſtadt zu je ½.
Darmſtadt, den 4. November 1930.
(308a
Heſſiſches Amtsgericht I.
Nummer 13.
Dienstag, den 13. Januar 1931
Seite 5
Aus der Landeshaupkftadt.
Darmſtadt, den 13. Januar 1931.
Jeder iſt erkältel.
Von Dr. Robert Fließ.
(Erkältung, auch eine Infektion? — Der Erreger der Erkältung, ein
„Commenſale‟. — Ein ultraviſibles Lebeweſen. — Wieſo Epidemien
auflohen und verſchwinden.)
„Sie iſt wieder da, die Grippe oder Influenza, oder Erkältung, wie
man dieſe geheimnisvolle Krankheit nennen mag, die augenblicklich in
Deutſchland graſſiert und von der ein großer Teil der Bevölkerung
be=
fallen iſt, ohne daß erfreulicherweiſe dieſe große Erkältungswelle ſich als
gefährlich erweiſt. Alſe Welt hat darunter zu leiden, und man wüßte
gern warum, denn obwohl die Wiſſenſchaft ſich ſeit Jahren aufs eifrigſte
bemüht, die Urſache dieſer „Erkältung” — eine Grippe oder Influenza
iſt es im eigentlichen Sinne des Wortes nicht, denn ſie geht meiſt nur
mit Heiſerkeit und Schnupfen einher — zu erforſchen, iſt es bisher noch
nicht gelungen. Mit einer heiſeren Stimme fragt jeder, ob es nicht von
der Witterung komme, ob die Forſchung noch immer nicht den Bazillus
gefaßt habe, und vor allem, ob es anſtatt der zahlloſen Mittel nicht
endlich ein einziges gebe — das hilft. Leider muß man das Jahr um
Jahr immer wieder verneinen. Und das große Referat Profeſſor
Rim=
paus in der Münchener Mediziniſchen Wochenſchrift „Ueber das
Pro=
blem der Entſtehung der Erkältungskrankheiten”, läßt die einzelnen
Fragen, die es erörtert, faſt alle noch offen. Wahrſcheinlich iſt nur dies:
die Erkältung iſt eine Infektion. Der Erreger iſt kein Paraſit, ſondern
ein „Commenſale”, d. h. ein (in dieſem Falle einzelliges) Lebeweſen,
welches wir immer beherbergen, ohne daß es uns zunäckſt krank macht.
Die Erkrankung iſt vielmehr die Folge einer geſtörten Beziehung
zwi=
ſchen uns als dem Wirt und dem Keim, als dem Gaſte. Fraglich bleibt
nur, wer von beiden den Frieden zuerſt zu ſtören pflegt, und warum.
Man hat vielerlei Ueberlegungen darüber angeſtellt, man hat
Unter=
ſuchungen vorgenommen und Beobachtungen ſehr ausführlich erörtert.
Bisher ohne Erfolg. Den Erreger ſelbſt kennt man nicht, er iſt
an=
ſcheinend „ultrabiſibel”, alſo unſichtbar ſelbſt für das Mikrofkop. Man
kann ihn weder züchten noch überhaupt ſein Vorhandenſein kontrollieren.
Kühlt man femanden — oder auch ein Verſuckstier — künſtlich ab, ohne
daß dieſes Verſuchstier davon krank wird, ſo weiß man nachher nicht
einmal, ob es nicht mangels eines Erregers geſund blieb. Und ſo geht
es weiter. Wir verzichten deshalb darauf, noch mehr ſolcher „
Ergeb=
niſſe” hier anzuführen. Einzelne Abhängigkeiten laſſen ſich aus dem
biologiſchen Gefüge, um deſſen Natur es hier geht, offenbar überhaupt
nicht herauslöſen. Und das ganze iſt für uns vorläufig zu kompliziert.
Rimpau zitiert hier ein Wort Robert Kochs. „Mit dem Auflodern”
ſagt der einmal, „nit dem plötzlicken Erſcheinen und Verſchwinden von
ſolchen Epidemien geht es ganz ähnlich, wie mit manchen
Vegetations=
prozeſſen. Es kann z. B. ein Jahr ein gutes Kornjahr, zugleich aber
ein ſchlechtes Obſtjahr, ein anderes wieder ein gutes Weinjahr ſein.
Wir können aber nicht behaupten, daß das ſtets entweder allein vom
Regen abhängig ſein ſoll oder von der Sonne, oder von der
Tempera=
tur”. Es muß vielmehr, ſo manches zuſammenkommen, damit ein gutes
Weinjahr entſteht — und ein Scmupfen. Man erkennt daraus, daß ſich
die Natur der ſeltſamſten Wege bedient, auch um die Menſchen krank zu
machen Erfreulicherweiſe aber kann man wenigſtens Maßnahmen
tref=
fen, um die Krankheit einzudämmen, bzw. nicht übermächtig werden zu
laſſen. Vorſichtsmaßnahmen ſind die beſte Abwehr. Hat uns aber die
Grankheit doch ergriffen, d. h. ſind alle diejenigen unaugenehmen
Um=
ſtände zuſammengetroffen, die den Ausbruch der Krankheit begünſtigen,
dann tut man gut daran, ſie nicht zu mißachten, denn es handelt ſich
angeblich nur um eine leichte Erkältung, ſondern man muß ſich ſchonen
und durch allerlei Gegenmaßnahmen, die der Arzt am beſten verordnet,
dafür ſorgen, daß ſie möglichſt ſchnell wieder verſchwindet. Sie kann
nämlich fonſt zu unangenehmen Komplikationen führen. Das iſt nämlich
ein weiteres Rätſel dieſer Krankheit, daß man nicht weiß, wie ſie ſich
noch auswirken kann. Sie tritt in verſchiedenſter Art auf. Bei dem
einen äußert ſie ſich wirklich nur als Heiſerkeit und Scknupfeu und
vergeht nach einigen Tagen, ohne irgendeinen bösartigen Charakter zu
zeigen. Bei dem anderen aber iſt ſie zähe und widerſtandsfähig und
erzeugt ausgedehnte Katarrhe, die u. U. recht unangenehm werden
kön=
nen. Dieſem unbekannten Feind darf man alſo nicht zu
ver=
trauensvoll begegnen. Im Gegenteil, Mißtrauen iſt hier geradezu eine
Tugend.
Hefſiſches Landeskheafer.
Alte Menſchen gehen falſch.
Der Schuh als Quelle der meiſten
Fußerkrankungen.
(Die falſche Unterſcheidung des „rechten” und „linken” Fußes. —
Stän=
diger Kampf zwiſchen Fuß und Schuh. — Plattfüßigkeit, die
Volkskrank=
heit. — Wie man richtig gehen muß.)
In der „Berliner Mediziniſchen Geſellſchaft” ſprach jüngſt der
ehe=
malige Oberarzt des Krankenhauſes Magdeburg=Sudenburg Dr. Auguſt
Weinert über eine Angelegenheit, die alle Menſchen angeht, nämlich über
den menſchlichen Gang, der in der bisherigen Form falſch iſt und zu
Fußerkrankungen aller Art, insbeſondere zu der neueſten Volkskrankheit,
der Plattfüßigkeit, führt. Dr. Weinert holte in ſeinem Vortrag „Die
dreidimenſionale Bewegung als Schöpferin von Form und Leben” weit
aus und teilte dabei neue gefundene Geſetzmäßigkeiten mit, die zwiſchen
Form und Funktion beſtehen, und denen er bei ſeinen Unterſuchungen
über die eigenartige Form des modernen Schuhes auf die Spur kam.
Für die große Oeffentlichkeit haben ſeine Feſtſtellungen von der
Unzweck=
mäßigkeit unſerer heutigen Schuhform erhebliche Bedeutung, zumal es
auf dieſe Weiſe vielleicht möglich werden wird, die Menſchen wieder an
einen natürlichen Gang zu gewöhnen und auf dieſe Weiſe die zahlreichen
Fußerkrankungen zu vermeiden. Von vornherein ſei bemerkt, daß es
höchſt ſeltſam anmutet, wie unſere heutige, geſundheitlich geſchulte
Menſchheit noch immer ein Schuhwerk trägt, das in vielen Fällen den
Anforderungen der Geſundheitslehre nicht entſpricht. Die Einengung
der Zehen, die geringe Anpaſſung des Schuhes an den Bau des Fußes
und zahlreiche andere Einzelheiten bewirken, daß ſehr viele Menſchen
ſchon in der Jugend irgendwie verkrüppelte Füße haben. In der letzten
Zeit haben die Schuhfabrikanten allerdings den Anforderungen der
Fuß=
chirurgie in erhöhtem Maße Rechnung getragen und Schuhformen
her=
geſtellt, die in vernünftiger Weiſe die Geſetze der Form und des Ganges
berückſichtigen. Dr. Weinert geht nun auf Grund zahlreicher Studien,
die er an Negern. Indern, Polyneſiern, alſo an Menſchen, die nie einen
Schuh getragen haben, machte, über die Anforderungen der heutigen
13. Januar We
uraufführung
414. Die 25, Frau
Preiſe 12—12 Mk.
Wahlgutſcheine.
nur beſchränkt gültig 20—21.30 Uhr
Vierter Beethoven=Abend
des Drumm=Quartetti
Preiſe 1, 2, 3 Mk. Mittwoch,
14. Januar 19.30— 2. 30 Uhr
Königskinder
W3 Dalmſt. Volksb. Gr. I-I0
Preiſe 1—10 Mk. 20, Ende gegen 22 Uhr
*9 3
Zuſ.=M. 1I7
Preiſe 1.20—6 Mk. Donnerstag,
13. Januar 19 30, Ende nach 21.30 Uhr
Schwanda, der Dudelſachpfeifer
H7. Bühnenvolksbund
Preiſe 1—10 Mk. 20—22.15 Uhr
Im weißen Rößl
2. geſchl. Vorſt. f Erwerbsl
Kein Kartenverkauf. Freitag,
16. Januar *0—22 Uhr
D13. Die 25. Frau
Preiſe — 10 Mr. Keine Vorſtellung Samstag,
17. Januar
5 19.30—22.30 Uhr
Zum erſten Male
Viktoria und ihr Huſar
E14 Preiſe 1.20—1= Mk.
W.hi=, Tauſch=u Rund unk=
gut cheine nicht gültg. 20—22 Uhr
der Mann, den ſein Gewiſſen trieb
Zuſatzmiete V19
Preiſe 1.20—6 Mk. Sonntag,
18:Janiar 17—22 Uhr
Die Meiſterſinger von Nürnberg
K9, Bü nenvolksbund
Preiſe 1.20—12 Mk
Wahlgutſche neu Gutſcheine
von getauſch en Sonntags=
opern beſchränkt gü tig, ſs 1730 bis gegen 13 Uhr
Vorführung der Schule für Kör=
pererziehung und Bewegungs=
lehre. Aenne Reiß.
Preiſe 0.75—2 Mk.
20—22 Uhr
Zum erſten Male:
Liebesluſt oder die weißen Schuhe
Preiſe 0.50—3 Mk.
Aus dem Hefſiſchen Sängerbund.
Sängerehrungen.
Der Heſſiſche Sängerbund hat für 50jährige aktive
Sanges=
tätigkeit mit der goldenen Ehrennadel und der Deutſche
Sänger=
bund mit dem Ehrenbrief des Deutſchen Sängerbundes
ausge=
zeichnet: Heinrich Huber 8 (GV. Frohſinn), Steinfurth. Für
40jährige aktive Sangestätigkeit, wurden mit der „Silbernen
Ehrennadel ausgezeichnet: Joh. Krämer MGV.), Wies=
Oppen=
heim. Jakob. Gerhardt 2. (GV. Sängerluſt 1863), Auerbach Ferd.
Hermann, Joh. Michler und Fritz Beck (Melomannia)
Aſchaffen=
burg, Gg. Müller und Franz Schmitt (Eintracht), Aſchaffenburg,
Konrad Becker (Eintracht), Hungen. Guſt. Kreuder (Liederkranz)
Gießen. Adam Daum (MGV 1859) Seeheim. Auguſt Weyell
(MGV.), Schwabenheim, Joſ. Aul (Männerquartett), Büdingen,
Adam Hörr 4. und Jak. Hörr (Eintracht), Hebſtahl. Das
Ehren=
zeichen für Verdienſte wurde verliehen an: Joh Krämer (MGV.),
Wies=Oppenheim, Jak. Gerhardt 2., Aug. Schön, Hch.
Ströſſin=
ger 3. (GV. Sängerluſt 1863), Auerbach, Joh. Büdinger (
Sän=
gerkranz), Zwingenberg, Joſ. Koch (Einigkeit), Weiſenau, Hch.
Huber 8. (GV. Frohſinn) Steinfurth. Hch. Hamm (MGV.),
Schwabenheim, Wilhelm „Biſchoff „(GV. Dilaria=L. Andreſcher
Männexchor), Offenbach, Joſ. Aul (Männerquartett), Büdingen,
Jakob Petry (Frohſinn), Nackenheim.
Zum Ehrenchormeiſter wurde ernannt unter Verleihung der
Ehrennadel: Obermuſiklehrer Schwarzer (GV. Melomania),
Aſchaffenburg.
Bundesmaſſenchöre des HSB. für die Sonderkundgebung auf dem
Deutſchen Sängerbundesfeſt in Frankfurt a. M. 1932.
Der Muſikausſchuß des Heſſiſchen Sängerbundes hat in ſeiner
letzten Sitzung folgende drei Chöre als Bundesmaſſenchöre
be=
ſtimmt: „Mein Deutſchland” von Mangold, herausgegeben von
Profeſſor Dr. Noack. „Das Mägdlein und der Reuter” von Willms,
und „Michel horch, der Seewind pfeift” von Arnold
Mendels=
ſohn. Die beiden erſten Chöre ſollen bei den diesjährigen
Wer=
tungsſingen bereits zum Vortrag gebracht werden. Die Chöre
gehen den Vereinen nach Fertigſtellung etwa Mitte Februar durch
die Gaue als Sammelſendung zu.
Geſchenk der Stadt Darmſtadk an die Darmſtädter Sängerſchaft.
Die Stadt Darmſtadt hat als kleines Zeichen dankbaren
Gedenkens der Stadtverwaltung für die öftere Unterſtützung des
Gaues Darmſtadt des HSB. bei den verſchiedenſten
Veranſtal=
tungen und Feiern der Stadt” einen Chor: „Darmſtadt zum
Gruß” der Darmſtädter Sängerſchaft geſtiftet.
— Heſſiſches Landestheater, Uraufführung Die
fünfundzwanzigſte Frau”. Im Großen Haus gelangt
heute Dienstag die Mormonen=Komödie „Die
fünfund=
zwanzigſte Frau” von Joſef Sell in der Inſzenierung von
Renato Mordo (Bühnenbilder: Lothar Schenck v. Trapp) zur
Uraufführung. Die Titelrolle ſpielt Beſſie Hoffart; ihren
Gegen=
ſpieler, den berühmten Mormonen=Präſidenten Brigham Young,
wird Joſef Keim darſtellen. Anläßlich der Uraufführung der
„Fünfundzwanzigſten Frau” wird der Regiſſeur des Werkes,
Re=
nato Mordo, heute Dienstag, um 17.55 Uhr, im Südweſtdeutſchen
Rundfunk über das Werk und ſeine geſchichtlichen Grundlagen
ſprechen. — Erſtaufführung „Viktoria und ihr
Hu=
ſar”. Für die Samstag, den 17. Januar, im Großen Haus zum
erſten Male in Szene gehende Schlageroperette, Viktoria
and ihr Huſar” beſorgt Hans Macke die Einſtudierung der
Tänze. Muſikaliſche Leitung; Fritz Bohne. — „Die
Meiſter=
ſinger von Nürnberg” kommen Sonntag, den 18. Januar,
im Großen Haus unter muſikaliſcher Leitung von Dr. Karl Böhm
zur Wiederaufführung. Den Walter Stolzing ſingt erſtmalig
Johannes Schocke.
Kaſſenſtunden der Städt. Sparkaſſe Darmſtadt
Unſere Kaſſenſchalter für den Spareinlagenverkehr bei
der Hauptſtelle Rheinſtr. 34 ſind bis auf
weiteres an allen Werktagen wie folgt geöffnet:
von 8 Uhr vormittags ununterbrochen bis 6 Uhr
nachmittags. Samstags von 8—12½/ Uhr vorm
Bei den Zweigſtellen Hügelſtr 22 und
Beſſunger=
ſire48 bleiben die Schalter zunächſt wie ſeither geöffnet:
von 8—1 Uhr vormittags und von 3—4½½ Uhr
nachmittags. Samstags von 8—12½/, Uhr vorm.
Darmſtadt, den 12. Januar 1931.
Städtiſche Sparkaſſe Darmſtadt
Kräckmann.
Alte heſſiſche Münzen in Venedig gefunden. Deutſche und
ungariſche Münzen wurden in Venedig bei Erdarbeiten in dem
Hof des Palaſtes, der zurzeit der Republik die ſpaniſche Botſchaft
beherbergte, gefunden. Arbeiter ſtießen dort auf eine Kaſſette,
die 234 meiſt verſchiedene und recht gut erhaltene Münzen aus
den Jahren 1750 bis 1784 enthielt. Zum größten Teil ſtammen
ſie aus Bayern und dem Großherzogtum Heſſen.
Fußgeſundheitslehre hinaus. Er erklärt, daß die merkwürdige
Unter=
ſcheidung zwiſchen einem „rechten” und einem „linken‟ Fuß die Urſache
der heutigen Volkskrankheit der Plattfüße iſt. Dieſe Unterſcheidung
be=
ſteht erſt ſeit ungefähr 50 Jahren. Früher waren beide Schuhe eines
Paares ſymmetriſch geſchnitten, wie man es heute noch bei Pantoffeln
findet. Auch die auf dem Lande und von den Arbeitern getragenen
Lederpantoffeln mit Holzſohlen und Abſätzen, kennen nicht die
Unter=
ſcheidung zwiſchen rechten und linken Füßen. Der menſchliche Fuß wird
erſt durch den ſogenannten „linken” und „rechten” Schuh in eine
un=
natürliche Lage gezwungen, und das Wohlbehagen, das man empfindet,
wenn man am Abend ſeine Filzoantoffeln anzieht, rührt nach Dr.
Wei=
nert in erſter Reihe daher, daß bei dieſen die falſche Unterſcheidung
zwiſchen rechts und links wegfällt. Der Umriß der Sohle des
menſch=
lichen Fußes war offenbar für dieſe merkwürdige Unterſcheidung
maß=
gebend. In Wirklichkeit aber wurde dadurch nur für den Fuß ein Zwang
geſchaffen. Durch die doppelſeitige Bauart der Schuhe haben ſie eine
Neigung nach innen, wovon ſich jeder überzeugen kann, der ein Paar
Schuhe ſo betrachtet, daß zwiſchen Auge und Schuhſohle eine gerade
Linie beſteht. Der Menſch iſt alſo durch dieſe Neigung dazu gezwungen,
nach innen aufzutreten. Das iſt aber das Falſcheſte, was es gibt, denn
die Innenſeiten der beiden Füße weiſen Höhlungen auf, durch die die
Elaſtizität des Ganges und die Leichtigkeit bewirkt werden ſoll. Es iſt
aber ſelbſtverſtändlich, daß Höhlungen, die gerade das Gegenteil von
Stützen ſind, nicht als Stützen beim Gang gebraucht werden dürfen.
Wenn ſie trotzdem durch die Form des Schuhes dazu benutzt werden
müſſen, dann werden ſie zwangsweiſe zu Stützen umgeformt, d. h. die
Höhlung verſchwindet und der Plattfuß erſcheint. Der Kampf zwiſchen
Schuh und Fuß endet meiſt mit dem Siege des Schuhes, d. h. mit der
Verkrüppelung der Füße. Nur beſonders kräftige Perſonen formen den
Schuh nach ihrem Fuß und erleiden keinen Schaden. Der „ideale Schuh”
der den Fuß nicht behindert und von ihm nicht behindert wird, wird es
dem Menſchen möglich machen, ſo zu gehen, daß er mit dem Hacken
hin=
ten auftritt, alſo nicht mit der Innenſeite, dann über die Außenkante
des Fußes zur kleinen Zehe und zum Ballen der großen Zehe gelangt,
um ſich ſchließlich von hier aus abzuſtoßen und ſeinen Gang fortzuſetzen.
Das iſt der richtige Gang. So ſchreiten die Wilden, die nie Schuhe
ge=
tragen haben, ſo laufen Nurmi und die anderen Langſtreckenläufer. Der
ideale Schuh muß ſo gebaut ſein, daß er dieſen Gang begünſtigt.
Nf
Prassel-Kafee risch geröstet Schulstr. 10
Die Auszahlung der laufenden Zuſatzrenten für nicht im
Erwerbsleben ſtehende Schwerkriegsbeſchädigte
Kriegshinterblie=
bene, Altrentner und Altrentnerinnen erfolgt am Donnerstag,
den 15. d. M., vormittags von 8—12 Uhr durch die Stadtkaſſe.
* Aus dem Gerichlsfgal.
Aw. Das Schwurgericht verhandelte in
eineinhalbſtün=
diger Sitzung gegen ein 22 jähriges Dienſtmädchen und
einen 19jährigen Schloſſer aus Pfirſchhach wegen
Meineid. Das Mädchen bekam im November 1927 ein
unehe=
liches Kind und ſtrengte gegen einen Reinheimer Metzger, den ſie
als Vater angab, eine Unterhaltsklage an. Dem Metzger ſchien
das jedoch nicht recht gelegen zu ſein, und er behauptete, das
Mäd=
chen ſei in der Empfängniszeit auch mit anderen Männern
zu=
ſammengekommen. Das Mädchen verſicherte jedoch einmal an
Eidesſtatt und einmal eidlich, erſt nach der Geburt des Kindes
mit dem jungen Schloſſer, der heute neben ihr auf der
Anklage=
bank ſitzt, Geſchlechtsverkehr gehabt zu haben. Auch der Schloſſer,
der damals erſt ſiebzehn Jahre alt war, bekräftigte die Ausſagen
des Mädchens, und der Metzger wurde daraufhin verurteilt. Der
Metzger legte Berufung dagegen ein, und in der Vorunterſuchung
zu dem nun gegen die beiden erhobenen Meineidsverfahren gaben
ſie zu, auch ſchon vor der Geburt des Kindes, allerdings erſt im
September, alſo erſt zwei Monate vorher, zuſammengeweſen zu
ſein, der junge Mann hat ſchon vorher geſtanden, daß er die
Un=
wahrheit geſagt hatte. Das Gericht erkennt gemäß dem Antrag
des Staatsanwalts gegen das Mädchen auf eine Strafe von
ſechs Monaten Zuchthaus, die aber in neun Monate
Ge=
fängnis umgewandelt wird. Mildernde Umſtände werden ihr
zuerkannt, da ſie zugunſten des Kindes ihre Ausſagen machte. Der
junge Schloſſer erhält, da er zurzeit der Eidesleiſtung noch
jugendlich war, eine Gefängnisſtrafe von vier Monaten, die
auf die Dauer von fünf Jahren ausgeſetzt wird, damit er ſich durch
gute Führung Straferlaß verdienen kann.
Das Bezirksſchöffengericht verhandelte gegen einen
Aachener Schauſpieler, der im Herbſt letzten Jahres bei
einer Revueaufführung im Orpheum durch ſein Auftreten
öf=
fentliches Aergernis erregt haben ſoll. Pfarrer Heß hatte
im Auftrage der Arbeitsgemeinſchaft für Kampf gegen Schmutz
und Schund, der er angehört, die Anzeige erſtattet und erſcheint
heute mit ſeinem Sohn und einem Bekannten als Zeuge.
Aerger=
niserregend ſoll eine an ſich etwas harmlos erſcheinende Szene
ge=
weſen ſein, die wohl lediglich durch die Art der Wiedergabe
der=
art gewirkt haben kann. Das Gericht iſt der Anſicht, daß die Szene
als ſolche wohl nicht ganz einwandfrei war, daß man aber aus
rein ſubjektiven Gründen den Schauſpieler nicht dafür
verant=
wortlich machen könne, der dieſelbe Szene in vielen Städten ſchon
unzählige Male unbeanſtandet geſpielt, und ſich wohl nichts
be=
ſonderes dabei gedacht haben wird. Es ſpricht den
Ange=
klagten deshalbfrei.
Es wird dann der Einbruch bei Stegmüller im November
vorigen Jahres, bei dem Kleider im Werte von etwa 100 Mark
geſtohlen wurden verhandelt. Angeklagt iſt ein wegen Diesſtahls
ſchon ſchwer vorbeſtrafter 23jähriger Schuhmacher der
auch den erſten Einbruch bei Stegmüller beging. Der junge Mann
behauptet er ſollte aus ſeiner Lehrſtelle entlaſſen werden, und da
ſei er lieber von ſelber vorher gegangen. Auf dem Arbeitsamt.
habe man ihm aber geſagt. Unterſtützung bekomme er nicht da er
erſt vier Monate in Stellung war, und da habe er ſich halt, ſo
forthelfen wollen, Geld habe er geſucht aber keins gefunden.
Der junge Mann iſt recht wortkarg, ſpricht nur das allernötigſte.
Das Gericht ſieht ſich nicht in der Lage, dem Angeklagten noch
einmal mildernde Umſtände zuzuerkennen und verurteilt ihn
wegen ſchweren Diebſtahls im Rückfall zu der
Mindeſt=
ſtrafe von zwei Jahren Zuchthaus, abzüglich einem
Mo=
nat Unterſuchungshaft.
Es kommt dann wieder die Politik aufs Trapet. Ein
hie=
ſiger Kommuniſt, der in der Wahlzeit im letzten Jahr als Redner
agitierte, ſoll in drei kommuniſtiſchen Parteiverſammlungen
Aus=
drücke gebraucht haben, die dazu angetan ſind, die Republik und
deren Vertreter zu beſchimpfen und verächtlich zu machen. Dieſe
politiſchen Verhandlungen verlaufen meiſt recht beweglich, weil
die Angeklagten es anſcheinend nicht verſtehen können, daß ſie im
Gerichtsſaal keine Parteireden halten können. Es hilft da auch
kein gutes Zureden und kein energiſches Eingreifen von ſeiten
des Vorſitzenden, ſie ſcheinen dieſe Ausführungen zu ihrer
Ver=
teidigung unumgänglich notwendig zu halten. Da die beiden
Poli=
zeizeugen bei ihren Ausſagen bleiben und das Gericht die
bean=
tragten Zeugen des Angeklagten als unerheblich ablehnt, wird er
wegen Vergehens gegen das Republikſchutzgeſetz
zu der Mindeſtſtrafe von drei Monaten Gefängnis
verurteilt, da man, da die Worte des Angeklagten eine
außeror=
dentlich grobe Beſchimpfung der Republik und ihrer Vertreter
darſtellten, keine mildernden Umſtände zuerkennen könne. Der
Angeklagte will Berufung einlegen.
Vorläufig keine Einſtellungen in die Bereitſchaftspolizei mehr.
Das Innenminiſterium, teilt mit, daß die Bewerberliſte für den
Eintritt in die Bereitſchaftspolizei bis auf weiteres geſchloſſen
worden iſt weil auf Grund, der vorliegenden Bewerbungen
be=
reits bis Ende 1932 alle Einſtellungsmöglichkeiten erſchöpft ſind.
Bewerbungsgeſuche können deshalb vorläufig keine
Berückſichti=
gung mehr finden.
Schweinepeſt. Unter dem Schweinebeſtand des
Fuhrunter=
nehmers Heinrich Preuſch. Darmſtadt, Pankratiusſtr. 44, iſt die
Schweinepeſt ausgebrochen.
MARKE
Trotz Preissenkung unveränderte
Ab-
gabe der Porzellan-Prämien gegen
Ein-
sendung leerer Teekanne-Umhüllungen
Man vorlange beim Einkauf Prospekt
Ermäßigte Preise
Für die Sorten Gelb, Braun, Grün, Schwarz, Blau, Rot, Gold Friesensilber . . . . . . 50-g-Paket 70 Pf.
billiger!
Neu eingeführt
SO Pfennige pro Pfund Teespitzen . . . . . . . 50-g-Paket 55 Pf.
Hiermit-erreicht unser Preisabbau die Grenze des Möglichen / Teekanne G. m. b. H. 4Dresden-A. 24
Seite 6
Dienstag, den 13. Januar 1931
Nummer 13
* Aus den Darmſtädker Lichkſpieliheakern.
Film=Morgenfeier im Union=Theater.
Die letzte Film=Morgenfeier im U. T. am Sonntag vormittag,
die wiederum ausnehmend, ſtark beſucht war, brachte den
hoch=
intereſſanten Film, der auf der Weltkraftkonferenz 1930 zum
erſten Mal gezeigt wurde. „Das Hohe Lied, der Kraft”.
Dieſer Großfilm ſingt in Wahrheit ein hohes Lied der Kraft,
wenn auch nur eine der modernſten Kraft, die die Technik
her=
vorgebracht und ſich dienſtbar gemacht hat, die Elektrizität. Wir
ſind heute gewohnt, in Wohn= und Arbeitsräumen durch einfaches
Schalterdrehen Tageshelligkeit zu erzeugen. Wir ſind gewohnt,
elektriſche Bahn zu fahren, und ſind gewohnt, mit oder ohne Draht
zu telephonieren. Wir nehmen auch die letzte Errungenſchaft der
Technik, Radio oder Rundfunk zu hören, als etwas ganz
Selbſt=
verſtändliches hin, ohne viel daran zu denken, daß es Jahrtauſende
der Menſchheitsgeſchichte bedurfte, um dieſe Ziele zu erreichen.
Wir denken kaum darüber nach, daß die Menſchen, die es
verſtan=
den oder erfanden, den elektriſchen Funken zu erzeugen und ihn
zu ungeheurer Kraftentfaltung zu verſtärken, noch unter uns leben
oder doch erſt vor wenigen Jahren von uns gingen. Dieſer Film
beginnt mit der erſten Erfindung des Zeittelegraphen durch den
Kgl. preußiſchen Leutnant Werner Siemens, der ſpäter im
Verein mit Halske, Schuckert, Ediſon u v. a. die
Elek=
trizität zu dem zu geſtalten wußte, was ſie heute iſt, zu dem
Kraft=
faktor, der aus der heutigen Wirtſchaft, aus der heutigen Technik,
dem Verkehr überhaupt nicht mehr wegzudenken iſt. Von den
Ur=
anfängen der elektriſchen Glühlampe bis zu den modernſten
Rie=
ſenkraftwerken, angeſchloſſen an rieſige Waſſerfälle u. dgl., zeigt
der Film den Werdegang dieſer weltumwälzenden Erfindung bis
zu ihrer heutigen, vielſeitigen Verwendung.
Die Sektion Starkenburg des Deutſchen und
Oeſterreichi=
ſchen Alpenvereins hielt im Weißen Saale des „Fürſtenſaals”
ihre Hauptverſammlung ab. Nach Begrüßung durch den
Vorſitzen=
den, Herrn Miniſterialrat Guntrum, verlas der Schriftführer,
Herr Knöß, das Protokoll der Hauptverſammlung 1930 und
er=
ſtattete alsdann den Jahresbericht für 1930. Der im letzten Jahr
verſtorbenen Mitglieder wurde in einem Nachruf gedacht. An
den monatlichen Wanderungen wurde ſich rege beteiligt, und die
wöchentlichen Zuſammenkünfte im Vereinslokal waren gut
be=
ſucht. Herr Bücherwart Jochim erſtattete Bericht über die von
ihm angelegte Kartei, aus der die Anzahl der Mitglieder, die
Berggipfel beſtiegen haben, zu erſehen iſt, und auch die Anzahl
der beſtiegenen Berggipfel nach Höhen geordnet. Ferner berichtet
Herr Jochim über die letzte Hauptverſammlung des Geſamtvereins
in Freiburg und erwähnte beſonders noch den Beitritt des
Oeſterreichiſchen Touriſtenklubs mit 35 000 Mitgliedern und
64 Hütten und des Oeſterreichiſchen Gebirgsvereins mit 30 000
Mitgliedern und 24 Hütten zum Deutſchen und Oeſterreichiſchen
Alpenverein. Der Geſamtalvenverein zählt nunmehr 250 000
Mitglieder und 500 Hütten. Der von dem Rechner, Herrn
Rei=
ſchel, erſtattete Kaſſenbericht ergab einen günſtigen Abſchluß.
Auf Antrag der Rechnungsprüfer, der Herren Fr. Engel und
L. Rhumbler, wurde dem Rechner Entlaſtung erteilt. Ueber
die Starkenburger Hütte im Stubei (Tirol) berichtete der
Hüt=
tenwart, Herr Emmel. Die Hütte, die ſich in gutem Zuſtand
befindet, hatte im verfloſſenen Jahre eine Beſucherzahl von 6700.
Der neu geplante Weg zur Franz=Sennhütte iſt faſt fertiggeſtellt
und ſoll in dieſem Jahre nur noch an einer Stelle verbeſſert
werden. Ferner ſollen die Wege zur Froneben, von Neuſtift zur
Hütte und der Weg auf den „Hohen Burgſtall” verbeſſert, bzw.
neu angelegt werden. Das Sektionszimmer im Turm der
Burg=
ruine Starkenburg bei Heppenheim wird vorausſichtlich bis Mitte
Februar, dank der Stiftungen vieler Mitglieder fertig
einge=
richtet ſein. — Die Neuwahl des Vorſtandes ergab: 1.
Vorſitzen=
der: C. Guntrum, 2. Vorſitzender: O. Titze, Rechner: K. Reiſchel,
Schriftführer: O. Engel, Hüttenwart: W. Emmel, Bücherwart:
L. Jochim und Beiſitzer: Dr. H. Lautz. Mit Worten des Dankes
an die Mitglieder ſchloß der Vorſitzende die anregend und würdig
verlaufene Verſammlung.
Freunde der Darmſtädter Realanſtalten. Die Vereinigung
hatte ihre Mitglieder zur 5. Hauptverſammlung eingeladen.
Zu=
nächſt erſtattete der 1. Vorſitzende nach Begrüßung und
Toten=
ehrung den ausführlichen Jahresbericht, der von regem Leben in
unſerem Kreiſe meldete. Hierauf legte der 1. Kaſſenwart die
Jahresrechnung vor, die mit einem erfreulichen Ueberſchuß
ab=
ſchließt. Die beiden Rechnungsprüfer fanden die Führung der
Kaſſe in Ordnung und beantragten für den 1. Kaſſenwart
Ent=
laſtung, die unter Anerkennung der gewiſſenhaften Arbeit der
beiden Kaſſenwarte einſtimmig ausgeſprochen wurde. Die Wahl
des Vorſtandes kam raſch zuſtande. Wiedergewählt wurden die
Herren Appel. Berger, Bonarius, Doerr, Guntrum, Hufnagel,
Klein, Kraft, Schulz und Stichel. Ferner gehören dem Vorſtand
an die Herren Eiſenbahnoberingenieur Otto Engel, Rechtsanwalt
Wilhelm Klein, Diplomvolkswirt Karl Merlau, Fabrikdirektor
Dr. Fritz Müller und Fabrikant Theodor Schmank. Die beiden
Oberealſchulen entſenden die Herren Studienrat Dr. Grimm und
Muſikoberlehrer Lambert in den Vorſtand. Im Juni
vergange=
nen Jahres iſt Profeſſor Dr. König als Geſchäftsleiter des
Ver=
handes zurückgetreten. Es iſt dem Verband gelungen in Herrn
Oskar Rennert=Leipzig einen tüchtigen neuen Geſchäftsführer zu
finden. Ueber den Ausbau unſerer Veranſtaltungen wurde
ein=
gehend beraten. Am kommenden Donnerstag gibt die Liebigs=
Oberealſchule in ihre Turnhalle ein Konzert. Im Februar hält
Herr Dr. Grimm einen Lichtbildervortrag über Aegypten. Im
März beſichtigen wir die Herdfabrik in der Landwehrſtraße. Wir
bitten unſere Mitglieder, ſich rege an Konzert, Vortrag und
Füh=
rung beteiligen zu wollen. Nähere Mitteilung erfolgt zu
gege=
bener Zeit in der Zeitung.
— Arthur Maria Rabenalt, der in Gemeinſchaft mit Wilhelm
Reinking und Cläre Eckſtein das Berliner Opernſtudio im Theater
am Schiffbauerdamm gegründet und dort Donizettis „
Regi=
mentstochter” inſzeniert hat, wird auf Einladung des
Intendanten Maiſch am Nationaltheater in Mannheim die
In=
ſzenierung der Oper „Fremde Erde” von Karol Rathaus
be=
ſorgen, die damit zum erſtenmale außerhalb Berlins zur
Auffüh=
rung gelangt. Am Heſſiſchen Landestheater leitet Arthur Maria
Rabenalt gegenwärtig die Inſzenierung der Operette „
Vik=
toria und ihr Huſar” von Abraham.
— Der bunte Ball der Frauenortsgruppe des V.D.A. wird
eben mit aller Tatkraft vorbereitet, damit er in ſeinem Programm
den hochgeſpannten Erwartungen, mit dem man ihm allgemein
entgegenſieht, entſpricht. Einzelheiten können noch nicht verraten
werden. Eine begrüßenswerte Neuerung beſteht darin, daß am
7 Februar zum erſten Male in beſchränktem Maße numerierte
Plätze ausgegeben werden. Den Anfang mit dem Vorverkauf
machen die Studenten der Akademiſchen Ortsgruppe, die vom
15. bis 20. Januar Karten in der Hochſchule zu Vorzugspreiſen
erhalten.
Kommers. Am Samstag, dem 17. d. M., findet ein
Bier=
abend der Altherrenverbände des A. D.W. in der „Krone” ſtatt,
zur Erinnerung an die vor 60 Jahren erfolgte Reichsgründung.
Der Not der Zeit entſprechend, wird die Veranſtaltung in
ein=
fachſtem Rahmen abgehalten. Auf zahlreiche Beteiligung wird
gerechnet.
Hausfrauenbund. Wir machen unſere Mitglieder und auch
die Mitglieder des Stadtverbands Darmſtädter Frauenvereine
auf den Vortrag aufmerkſam, welchen Frau Dr. Lüders (
lang=
jähriges Mitglied des Reichstags) am Samstag, abend hier in
Darmſtadt hält. Frau Dr. Lüders ſpricht über das in der heutigen
Zeit beſonders wichtige Thema: „Weibliche Leiſtung und ihre
Be=
wertung.” Alle Frauen, beſonders auch ſolche, die im Beruf ſtehen,
ſind zu dem Vortrag herzlich eingeladen. Frau Dr. Lüders ſteht
ſeit langen Jahren an führender Stellung in der Frauenbewegung
und iſt als kenntnisreiche, temperamentvolle Rednerin in
weite=
ſten Kreiſen bekannt, ſodaß den Beſuchern des Vortrags ein
wert=
voller, anregender Abend in Ausſicht ſteht. Alles Nähere beſagt
das Inſerat in der heutigen Zeitung.
*Entſchädigung und Ainterſtützung im Tabakgewerbe.
Auseinanderzuhalten ſind: 1 Entſchädigung von Tabakverarbeitern
und 2. Unterſtützung von Angeſtellten und Arbeitern des Tabakgewerbes.
Zu 1.: Anſpruch auf Entſchädigung haben nur Tabakverarbeiter,
die nicht ausſchließlich Zigaretten herſtellen, ſofern ſie die Herſtellung von
Tabakerzeugniſſen in den letzten 12 Monaten vor 1. Dez. 1930 mindeſtens
6 Monate, hiervon mindeſtens 3 Monate unmittelbar vor 1. Dezember
1930 betrieben haben. Der Anſpruch iſt erloſchen, wenn bezüglicher
An=
trag nicht bis 31. März 1931 einſchließlich beim Hauptzollamt eingereicht
iſt. Er ſetzt voraus, daß die Herſtellung in der Zeit vom 1. Dezember
1930 bis 31. März 1931 gänzlich aufgegeben wurde und dieſe Aufgabe
nachweislich als unmittelbare Folge der Reichsverordnung vom 1. Dez.
1930 eingetreten iſt. Als ſolche Aufgabe wird es angeſehen, wenn der
Betriebsinhaber für eigene oder fremde Rechnung Tabakerzeugniſſe nicht
mehr herſtellt oder herſtellen läßt. Eine Aufarbeitung vorhandenen
Materials zur Auflöſung des Betriebes kann vom Hauptzollamt
zuge=
laſſen werden. Die Auszahlung der Entſchädigung erfolgt ab 1. Januar
1931 in vierteljährlichen Teilbeträgen nach Anweiſung des
Hauptzoll=
amts. Die Entſchädigung wird jährlich in Höhe von 8 v. H. des
Ge=
ſamtkleinverkaufswertes der Erzeugniſſe gewährt, die der Antragſteller
im Rechnungsjahre 1928 oder 1929 nach den Betriebsbüchern höchſtens
hergeſtellt hat, jedoch nicht über den Betrag von jährlich 8000 Mark
hinaus.
Die Entſchädigung wird längſtens bis 31. Dezember 1932 gewährt,
bei Wiederaufnahme des Betriebes innerhalb dieſes Zeitraumes
läng=
ſtens bis zum Ende des der Wiederaufnahme vorangehenden
Viertel=
jahres. Erfolgt Wiederaufnahme im Laufe des Jahres 1931, ſo hat der
Verarbeiter die ausgezahlten Entſchädigungsbeträge vom Erſten des der
Wiederaufnahme folgenden Monats an in gleichen monatlichen Raten
innerhalb eines Zeitraums zurückzuzahlen, der dem entſpricht, für den
die Entſchädigung gewährt wurde.
Die Entſchädigung iſt bei dem Hauptzollamt ſchriftlich zu
beantra=
gen und dabei zu erklären, welches Rechnungsjahr als Grundlage für
die Berechnung der Entſchädigung angenommen werde. Die zur
Be=
gründung des Antrags erforderlichen Unterlagen ſind beizufügen. Gegen
den Beſcheid des Hauptzollamtes iſt innerhalb eines Monats nach
deſ=
ſen Zuſtellung Beſchwerde an den Präſidenten des Landesfinanzamts
gewährt, der endgültig entſcheidet.
Zu 2.: Angeſtellte und Arbeiter, die bis 30. November 1930 in den
Betrieben mit kaufmänniſchen Arbeiten oder Herſtellung der Erzeugniſſe
(auch als Hilfsarbeiter) beſchäftigt waren, erhalten Unterſtützung, ſofern
ſie nachweislich infolge der Reichsverordnung arbeitslos oder durch
Kurzarbeit geſchädigt werden. Wer auf eigene Rechnung Erzeugniſſe
herſtellt, daneben aber auch für fremde Rechnung in dieſer Richtung
tätig iſt, erhält Unterſtützung nur, ſoweit Beſchäftigung für fremde
Nechnung in Frage kommt (8 6).
Der Verdienſtausfall muß nachweislich als unmittelbare Folge der
Neichsverordnung eingetreten ſein.
Arbeit slos iſt, wer berufsmäßig oder überwiegend als
Arbeit=
nehmer im Tabakgewerbe tätig zu ſein pflegt, aber vorübergehend nicht
in einem Beſchäftigungsverhältnis ſteht und auch nicht den erforderlichen
Lebensunterhalt durch ſelbſtändige Arbeit (Landwirt,
Gewerbetreiben=
der) erwirbt oder durch Fortführung eines vorhandenen Betriebs
er=
werben kann oder im Betrieb des Ehegatten, der Eltern oder Voreltern
oder von Abkömmlingen den gemeinſamen Lebensunterhalt miterwirbt
oder miterwerben kann, falls dies den Beteiligten nach Lage der
Ver=
hältniſſe billigerweiſe zugemutet werden kann; das iſt anzunehmen,
wenn die Beteiligten in häuslicher Gemeinſchaft leben.
Inhaber von Wandergewerbeſcheinen werden nicht als arbeitslos
angeſehen.
Kurzarbeiter ſind ſolche, die in einer Kalenderwoche infolge
Arbeitsmangels die in ihrer Arbeitsſtätte übliche Zahl von
Arbeits=
ſtunden nicht erreichen. (8 8.)
Die Unterſtützung wird auf Grund der 88 6—8 vom Tage des
Ein=
tritts des Verdienſtausfalls an nur gewährt, wenn:
1. der Verdienſtausfall innerhalb der Zeit vom 1. Dezember 1930 bis
31. März 1932 eintritt, und
2. der Verdienſtgeſchädigte in den letzten 12 Monaten vor Eintritt
der erſten Verdienſtſchädigung mindeſtens drei Monate
im Tabakgewerbe in zur Unterſtützung berechtigender Beſchäftigung
(8 6) geſtanden hat, und
3. es ihm nicht möglich iſt, anderweit angemeſſene Arbeit zu erhalten,
was ſich nach 8 90 des Geſetzes über Arbeitsvermittelung und
Ar=
beitsloſenverſicherung bemißt.
In die Friſt von 12 Monaten (Nr. 2.) wird die Zeit nicht
ein=
gerechnet, während der der Verdienſtgeſchädigte durch Krankheit,
Schwangerſchaft oder Wochenbett zeitweiſe arbeitsunfähig und
nachweis=
lich verhindert war, ſeine zur Unterſtützung berechtigende Beſchäftigung
fortzuſetzen.
Wird ein Unterſtützungsberechtigter nach Aufnahme von Arbeit
er=
neut arbeitslos, oder durch Kurzarbeit geſchädigt,
ſo behälter ſeinen Unterſtützungsanſpruch. Dies gilt
für den Fall der Wiederaufnahme der Arbeit an der bisherigen
Arbeits=
ſtelle nur inſoweit, als die Vorausſetzungen des 8 7 vorliegen.
Die Unterſtützung wird unbeſchadet der Leiſtungen der
Arbeitsloſen=
verſicherung, der Kriſenfürſorge und der Kurzarbeiterunterſtützung für
jeden durch Arbeitsloſigkeit oder Kurzarbeit ausgefallenen Abeitstag in
der Höhe gewährt, daß die Geſamtunterſtützung 75 v.H. des
entgangenen durchſchnittlichen Arbeitsverdienſtes aus den letzten ſechs
Monaten der Arbeitnehmertätigkeit (zu berechnen nach 8 105. Abſ. 2
Satz 1 und 2 des Geſetzes über Arbeitsvermittlung und
Arbeitsloſen=
verſicherung) nicht überſteigt. Sie darf für den Tag nicht
mehr als 10 Mark betragen.
Die Unterſtützung wird längſtens für 312 Arbeitstage, jedoch nicht
über den 31. März 1933 hinaus, gewährt.
Bei Kurzarbeit beginnt die Dauer derſelben mit dem erſtmaligen
Eintritt des Verdienſtausfalles und endet als ununterbrochener
Zeit=
raum mit Ablauf von 312 Arbeitstagen von dieſem Zeitpunkte an, ohne
Rückſicht darauf, ob während dieſer Zeit ununterbrochen Kurzarbeit
geleiſtet oder zeitweiſe voll gearbeitet wurde. Wird jedoch die
Kurz=
arbeit durch Vollarbeit in mindeſtens zwei zuſammenhängenden Wochen
unterbrochen, ſo wird die Dauer dieſer Vollarbeit nicht in die
Unter=
ſtützungsdauer eingerechnet. Ein Arbeitsſchichtwechſel derart, daß im
regelmäßigen Wechſel gewiſſer Zeitabſchnitte gearbeitet und gefeiert
wird, iſt als ununterbrochene Kurzarbeit anzuſehen.
Der um Unterſtützung Nachſuchende hat ſich durch einen beim
Zoll=
amt (oder Hauptzollamt) zu beantragenden Vorbeſcheid darüber
auszu=
weiſen, daß er zu den unterſtützungsberechtigten Perſonen gehört und
daß und ſeit wann er unmittelbar infolge der Reichsverordnung
arbeits=
los oder durch Kurzarbeit geſchädigt iſt. Gegen den Vorbeſcheid iſt
innerhalb Monatsfriſt ſeit Zuſtellung Beſchwerde an den endgültig
entſcheidenden Präſidenten des Landesfinanzamtes zuläſſig. In der
Beſchwerde kann ein Arbeitnehmerverband bezeichnet werden, dem der
Präſident, falls er die Beſchwerde für unbegründet hält, Gelegenheit
zur Aeußerung vor der Entſcheidung geben muß.
Bis zum 15. Februar 1931 iſt für Arbeitnehmer die die
Unterſtützung beanſpruchen und bei denen nach Art der Tätigkeit
offen=
ſichtlich keinerlei Zweifel darüber beſtehen, daß ſie im Tabakgewerbe
tätig geweſen ſind, der urſächliche Zuſammenhang nach
8 7 anzunehmen, ohne daß es eines Vorbeſcheides
bedarf. In allen anderen Fällen, z. B. für kaufmänniſche
Angeſtellte, Herſteller von Zigarrenformen, Zigarrenkiſtchen oder
ſonſtigen Umſchließungen von Fabrikaten oder deren Ausſtattungen,
oder ſoweit das Arbeitsamt die Erteilung eines
Vorbeſcheides im Einzelfall für notwendig hält,
iſt der Vorbeſcheid auch in der Zeit bis zum 15. Febr.
1931 erforderlich.
Für Dezember 1930 wird die Unterſtützung, ſoweit
deren Vorausſetzungen beſtanden haben oder beſtehen, nachgezahlt.
Kaſſenſtunden der Städtiſchen Sparkaſſe Darmſtadt. Die
Städtiſche Sparkaſſe Darmſtadt, die ſich eines dauernd
zunehmen=
den Zuwachſes aus allen Kreiſen der hieſigen Bevölkerung erfreut,
hat beſchloſſen, einem wiederholt aus den Kreiſen der
Sparein=
leger geäußerten Wunſche zu entſprechen und ihre
Kaſſenſtun=
den für den Spareinlagenverkehr zunächſt bei der
Hauptſtelle Rheinſtraße 34 zu verlängern. Wie aus der
Anzeige in der heutigen Nummer erſichtlich, ſind die
Einlagen=
ſchalter bei der Hauptſtelle bis auf weiteres von vorm. 8 Uhr
bis nachm. 6 Uhr ununterbrochen geöffnet. Hiermit ſoll insbeſondere
den alleinſtehenden Berufstätigen, ſowie den zahlreichen
Angeſtell=
ten uſw., die an beſtimmte Dienſtſtunden gebunden ſind,
Gelegen=
heit geboten werden, die Einrichtungen der Städtiſchen Sparkaſſe
in bequemer Weiſe benutzen zu können. Bei den Zweigſtellen
Hügelſtraße 22 und Beſſungerſtraße 48, bleibt es zunächſt bei den
ſeitherigen Kaſſenſtunden von 8—1 Uhr vormittegs
und 3—4.30 Uhr nachmittags. Samstags iſt bei allen Stellen
ge=
öffnet von 8—12.30 Uhr vormittags.
Das amtliche Fernſprechbuch für den
Oberpoſtdirektions=
bezirk Darmſtadt wird demnächſt neu aufgelegt. Die Vorarbeiten
hierzu werden am 1. März ds. Js. abgeſchloſſen. Bis dahin ſind
Aenderungen der Eintragungen bei der zuſtändigen Fernſprech=
Vermittlungsſtelle anzumelden. Der Tag des Abſchluſſes der
Vorarbeiten iſt für die Fälligkeit der Gebühren für die
koſten=
pflichtigen Eintragungen in das Fernſprechbuch maßgebend. Sollen
gebührenpflichtige Eintragungen der jetzigen Auflage nicht in
das neue Buch übergehen, ſo iſt ihr Wegfall oder ihre Aenderung
ſpäteſtens zum 1. März zu beantragen. Andernfalls werden
ſie in die neue Auflage gegen Erhebung der beſtimmungsmäßigen
Gebühr übernommen (vgl. 8 14 der Fernſprechordnung vom 15.
Februar 1927). Bei der Ausgabe neuer Fernſprechbücher iſt für
jedes neue Buch ein Buch der unmittelbar vorhergegangenen
Auf=
lage zurückzuliefern. Bücher früherer Auflagen werden nicht
an=
genommen. Für die Reihenfolge der Eintragungen im
Fernſprech=
buche ſind die vom Ausſchuß für wirtſchaftliche Verwaltung
herausgegebenen Einheits=ABC=Regeln maßgebend. Die
Nach=
ſchlags=Regeln ſind in den Vorbemerkungen zum neuen Buche
ab=
gedruckt.
— Heſſ. Spielgemeinſchaft. Nach ſorgfältiger Vorbereitung
gelangt, das neue Dalektſtück in 6 Bildern von Heinrich
Rüthlein „Liebesluſt oder die weißen Schuhe” am
kommenden Sonntag — 18 1 31 — 20 Uhr durch die Heſſ.
Spielgemeinſchaft zur Erſtaufführung. Bei einer durch einen
hieſigen Verein veranſtalteten Aufführung im Vorjahre in der
Beſſunger Turnhalle fand das Werk, das bei dem
Preisausſchrei=
ben der Heſſ. Spielgemeinſchaft mit einem zweiten Preiſe
aus=
gezeichnet wurde, einen durchſchlagenden Erfolg und iſt zu
erwar=
ten, daß auch die Darſtellung durch die Spielgemeinſchaft,
unter=
ſtützt durch Elli Büttners Bühnenbilder, dem Bühnenwerke
Rüthleins zu vollem Erfolge verhelfen wird. Vorverkauf an der
Kaſſe im Großen Hauſe ab Donnerstag zu kleinen Preiſen
— Bobbie Hind kommt wieder! Mit neuem, erleſenem
Programm wurde der engliſche Jazz=König Bobbie Hind mit
ſeiner ausgezeichneten Muſikal=Revue: „Jazz für
alle!”, der berühmten Schau des Coliſeum in London, ab
Freitag, 16. Januar, für ein kurzes Sonder=
Gaſt=
ſpiel ins Orpheum verpflichtet. Dieſe „muſikaliſche
Sen=
ſation Europas” wie ſie ſoeben in Brüſſel und Antwerpen
bezeich=
net wurde (wo Bobbie Hind gegenwärtig große Triumphe feiert),
iſt durch die Londoner Radio=Uebertragungen des Davenport=
Senders in der ganzen Welt bekannt geworden. Bei ihrem erſten
Darmſtädter Gaſtſpiel löſten die ausgezeichneten Darbietungen der
15 Soliſten ſtarken London Sonora Band berechtigte
Bewunderung und ſtärkſte Begeiſterung aus. Bobbie Hinds Jazz=
Revue zeichnet ſich im 22=gleich mit den Darbietungen der
Orcheſter eines B. Etté oder Jack Hilton durch außerordentliche
Vielſeitigkeit und Abwechſlung aus. Weitere
Mit=
teilungen folgen. Die Eintrittspreiſe ſind mäßig gehalten (von
1.00 Mk. an), der Kartenverkauf beginnt heute in den bekannten
Vorverkaufsſtellen. (Siehe Anzeige im Inſeratenteil.)
Wichtige Lohnſteuerbeſtimmungen. 1. Bei Abführung der
Lohnſteuer in bar oder durch Ueberweiſung: 2) Arbeitgeber,
die im Kalenderjahr 1930 die Lohnſteuer ihrer Arbeitnehmer in
bar oder durch Ueberweiſung abgeführt haben, müſſen für jeden
am 31. Dezember 1930 in ihrem Dienſt ſtehenden Arbeitnehmer
dem Finanzamt die Steuerkarte 1930 mit der vollzogenen
Lohn=
ſteuer=Beſcheinigung auf der Rückſeite derſelben überſenden. Die
Ueberſendung hat bis zum 20. Januar 1931 an das Finanzamt
zu erfolgen, in deſſen Bezirk der Arbeitnehmer am 10. Oktober
1930 ſeinen Wohnſitz gehabt hat. Die Steuerkarten dürfen alſo
dieſen Arbeitnehmern nicht ausgehändigt werden. b) Für die
übrigen im Jahre 1930 bei ihnen beſchäftigt geweſenen, aber vor
dem 31. Dezember 1930 ausgeſchiedenen Arbeitnehmer müſſen
die Arbeitgeber bis zum gleichen Zeitpunkt den Finanzämtern, in
deren Bezirk die Steuerkarte 1930 ausgeſchrieben worden iſt,
Lohn=
ſteuer=Ueberweiſungsblätter überſenden. Vordrucke zu den
Lohn=
ſteuer=Ueberweiſungsblättern werden von den Finanzämtern
un=
entgeltlich ausgegeben. 2 Bei Verwendung von Steuermarken:
Arbeitnehmer, für die im Kalenderjahr 1930 Steuermarken
verwendet worden ſind, ſind verpflichtet, die in ihrem Beſitz
be=
findlichen Steuerkarten für 1930 mit den mit Marken beklebten
Einlagebogen bis zum 20. Januar 1931 bei dem Finanzamt
abzu=
liefern, in deſſen Bezirk ſie am 10. Oktober 1930 gewohnt haben.
Nähere Auskunft erteilen die Finanzämter.
Die ſtädtiſche Berufsfeuerwehr wurde im Monat Dezember
1930 30 mal alarmiert, und zwar zu 3 Mittelfeuern, 7 Kleinfeuern,
6 Schornſteinbränden, 4 Autounfällen, 4 Rohrbrüchen, einmal zum
Heben eines Großtieres und zu 5 ſonſtigen Fällen. Der
Sanitäts=
dienſt erſtreckte ſich auf 93 Transporte, die hierbei zurückgelegte
Fahrtſtrecke betrug 740 Km. Auf der Wache, Kirchſtraße 13 (
Fern=
ſprecher 600 und 3500) wurde in 12 Fällen erſte Hilfe geleiſtet.
Die Palaſt=Lichtſpiele, Grafenſtraße 18 bringen ab heute
Dienstag, den 13. Januar, den Film „Weiße Schatten” der auf
den Marqueſas=Inſeln der Tahitigruppe unter Mitwirkung der
eingeborenen Südſeeinſulaner aufgenommen wurde. Die
Unter=
waſſer=Aufnahmen wurden mit ganz neuen Vorrichtungen
durch=
geführt.
— Eine Wildkatze im Frankfurter Zoo. Bei Gelegenheit der
deutſchen Edelkatzen=Ausſtellung in Frankfurt a. M. ſei
darauf hingewieſen, daß der hieſige Zoo außer einer ſchönen
Sammlung von Großkatzen und kleineren ausländiſchen
Katzen=
arten neuerdings ein prächtiges Paar echter
euro=
päiſcher Wildkatzen beherbergt, das aus Siebenbürgen
ſtammt und einen geräumigen Freiluftkäfig nahe bei den Wölfen
bewohnt. Wildkatzen kommen heutzutage in Deutſchland nur noch
vereinzelt, hauptſächlich in Gebirgswaldungen, vor; ſie gehören zu
denjenigen Tierarten, die in unſerem Vaterland der Ausrottung
entgegengehen. Die Hauskatze ſtammt übrigens nicht von der
europäiſchen Wildkatze ab; als ihre Stammform iſt vielmehr eine
verwandte afrikaniſche Art anzuſehen, die nubiſche
Falb=
katze, die von den alten Aegyptern gezähmt und heilig gehalten
wurde.
Aus den Parkeien.
Deutſche Staatspartei, Ortsgruppe
Darm=
ſtadt. Am Mittwoch, den 14. ds. Mts., ſpricht Frau Dr. Lüders=
Berlin, Mitglied des Reichsvorſtandes der Deutſchen
Staatspar=
tei, in einer Mitgliederverſammlung im Reſtaurant „Zur Krone‟,
Schuſtergaſſe 18 (großer Saal, 1. St.) über die politiſche Lage im
Reich und die Ziele und Aufgaben der Deutſchen Staatspartei.
Gäſte können eingeführt werden.
Tageskalender für Dienstag, den 13. Januar 1931.
Heſſ. Landestheater Großes Haus, 4 14, 20 Uhr: „Die
25. Frau” — Kleines Haus, 20 Uhr: Beethoven=Abend.
Konzerte: Schloßkeller, Café Oper, Cafs Ernſt=Ludwig,
Alte Poſt, Spaniſche Bodega, Reſt. Bender —
Kinovor=
ſtellungen: Union= Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.
Biochem. Verein, 20 Uhr, im Fürſtenſaal: Vortrag.
muß vor allem darauf gerichtet sein, die empfindliche Haut
vor Kälteschäden zu bewahren.
Beachten Sie deshalb ganz besonders: Vor jedem Ausgang
auf Gesicht und Hände Creme Mouson auftragen. Nichts darf
Sie davon abhalten.
Sie schützen dadurch Ihre Haut vor Rauh- und Rissigwerden. Die
glanzlosen Fette ziehen sofort in die Haut ein und geben ihr
Schutz gegen die schädigenden Witterungseinflüsse.
Sollte die Haut schon spröde und aufgesprungen sein: Crerle
Mouson heilt sie schnell und sicher!
Nummer 13
Dienstag, den 13. Januar 1931
Seite 7
Dg. Arheilgen, 12. Jan. Oeffentliche Verſammlung. Im
Saale des Gaſthauſes „Zur Sonne” ſprach Frau Weilmünſter aus
Offenbach im Auftrage der Ortsgruppe Arheilgen des Reichsbundes der
Kriegsbeſchädigten und Kriegerhinterbliebenen. Nachdem der Vorſitzende
der Ortsgruppe Arheilgen, Herr Emil Stork, die Verſammlung eröffnet.
und die Erſchienenen begrüßt hatte, erteilte er Frau Weilmünſter zu
ihrem Referat „Rückblick auf die Verſorgung der Kriegsopfer im Jahre
1930” das Wort. Die Rednerin teilte mit, daß der Reichsbund 500 000
Mitglieder beſitzt und berichtete über den Gautag und den Bundestag
1930 ſowie über die internationale Tagung in Paris. Ergreifend war
die Schilderung der Eindrücke der bei dieſer Gelegenheit unternommenen
Beſichtigung der Kriegerfriedhöfe an der Marne. Auf das
Verſorgungs=
weſen eingehend, erklärte die Neferentin, daß das Jahr 1930 nichts
weſentliches an Verbeſſerungen gebracht habe. Für die Zukunft ſei auch
in Anbetracht der außerordentlich ſchlechten Finanzverhältniſſe des
Rei=
ches nicht mit Aufbeſſerungen zu rechnen. Vielmehr gelte es, einen
Ab=
wehrkampf zu führen, um das zu erhalten, was bis jetzt erreicht iſt.
Aber ſolange noch in einem Staate ſo hohe Gehälter und Penſionen
gezahlt würden, ſolange könnten auch die Kriegsopfer Aufbeſſerung ihrer
knappen Bezüge verlangen; denn die Kriegsopfer hätten auch
wohl=
erworbene Rechte, ſogar mit Blut erkaufte Rechte. Sodann forderte
die Referentin auf, die Bundespreſſe eifrig zu leſen, um über die
Ver=
ſorgungsfragen informiert zu ſein. Wir können nur etwas erreichen,
wenn wir geſchloſſen hinter dem Reichsbund ſtehen. — Reicher Beifall
belohnte die Nednerin für ihre vortrefflichen Ausführungen.
Dd. Arheilgen, 12. Jan. Sportrevue. Unter dieſem Titel
ver=
anſtaltete die Sportvereinigung 04 einen ſehr gelungenen und gut
be=
ſuchten Unterhaltungs= und Sportabend. Die Vorführungen waren in
jeder Beziehung ausgezeichnet, allerdings vermißte man eine ſtärkere
Beteiligung des einladenden Vereins. Aus dem Gebotenen ſind
beſon=
ders hervorzuheben die ſchwerathletiſchen Uebungen der
Kraftſportver=
eine von Arheilgen und Dieburg und die Boxvorführungen der
Box=
abteilung von Rot=Weiß Darmſtadt. Beim Stemmen bot Herr
Koh=
fink vom Kraftſportklub Arheilgen eine glänzende Leiſtung, indem er
155 Pfund einarmig zur Hochſtrecke riß. Dieſe Leiſtung ſoll ſogar höher
ſein als der derzeitige deutſche Rekord für Leichtgewicht. Für
Unter=
haltung ſorgten einige ſehr nette Tänze, aufgeführt von Frl. Petry und
Herrn Phil. Pfeiffer, und ein dem Abend angepaßtes Theaterſtück,
be=
titelt „Der verhängnisvolle Fußball”. Nicht zu vergeſſen ſind die
Lei=
ſtungen des Symphonia=Jazz=Orcheſters, das die Muſik und die
Beglei=
tung der Tänze übernommen hatte. Zuſammenfaſſend kann geſagt
wer=
den, daß der Abend ſeinen Zweck, für eine gute und zweckmäßige
Kör=
verausbildung zu werben, voll und ganz erfüllte. —
Generalver=
ſammlung. Am Sonntag nachmittag hielt der Geſangverein „
Lie=
derzweig” ſeine diesjährige Generalverſammlung, im Gaſthaus zum
Schwanen ab. Nach Erledigung der geſchäftlichen Punkte der
Tages=
ordnung kam man zur Ausſprache über die Feier des 70jährigen
Jubi=
läums, das der Verein in dieſem Jahr begeht. Sie ſoll im Auguſt
ſtatt=
finden. Genauer Termin und Ausgeſtaltung ſind noch nicht feſtgelegt
wordent.
* Weiterſtadt 12. Jan. Gemeinderatsbericht. In der
letz=
ten Gemeinderatsſitzung wurden folgende Gegenſtände beraten: 1.
Lö=
ſchungsbewilligung Joſeph Kühne; der Gemeinderat bewilligte dieſe
Löſchung der für Joſeph Kühne bei der Heſſiſchen Landesbank
eingetra=
genen Sicherungshypothek. 2. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom
Roten Kreuz erſucht um Erlaß der Billettſteuer anläßlich eines
Theater=
abends; ein endgültiger Beſchluß wird zurückgeſtellt. 3. Als Beitrag zu
der Landwirtſchaftlichen Winterſchule werden 10 Mk. bewilligt. — In
geheimer Sitzung wurden dann noch Wohlfahrtsſachen behandelt.
F. Eberſtabt, 12. Jan. 11. Liedertag. Am kommenden
Sonn=
tag, den 18. Januar, findet im Saale des Gaſthauſes „Zum Schwanen”
(Schmitt) der 11. Liedertag der Eberſtädter Geſangvereine ſtatt. Die
Vorarbeiten, ſoweit ſie den geſchäftlichen Teil und die Aufſtellung des
Programms betrafen, lagen dieſes Mal in den Händen des im Vorjahre
gebildeten ſtändigen Ausſchuſſes zur Durchführung der örtlichen
Lieder=
tage. Der Ausſchuß, der aus den Präſidenten ſämtlicher örtlichen
Ge=
ſangvereine, einem Vorſitzenden (Rektor Becker), einem ſtellvertretenden
Vorſitzenden (Rektor Storck), einem Schriftführer und einem Nechner
beſteht, iſt das Fundament, auf dem fortan der Liedertag ruht und das
ihm deu feſten Halt gibt. Es iſt die Abſicht des Ausſchuſſes, den
Lieder=
tag ſpäter ſeiner ihm zukommenden beſonderen Bedeutung entſprechend
auszugeſtalten und ihm den im Kranze anderer Veranſtaltungen
gebüh=
genden Platz zuzuweiſen.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 12. Jan.: Geſangverein „
Ein=
tracht=Freundſchaft”. Die Jahresverſammlung war
ver=
hältnismäßig gut beſucht. Der Vorſitzende gedachte in einem
Rück=
blick insbeſondere auch der verſtorbenen Vereinsmitglieder, deren
Zahl im abgelaufenen Jahre überaus reichlich war. Nicht weniger
als 4 Mitglieder, darunter drei im beſten Mannesalter, wurden
dem Verein durch den Tod entriſſen. Einem Bild des leider allzu
früh verſtorbenen Ehrenmitglieds L. Roßmann wurde der
Ehrenplatz im Vereinslokal eingeräumt. Aus dem Geſchäftsbericht
war zu entnehmen, daß das ſchwere Jahr 1930 für den Verein
auch materielle Einbußen brachte. Dieſe waren hauptſächlich
da=
durch bedingt, daß in Anbetracht der ſchlechten Zeiten einige
beab=
ſichtigte Vereinsveranſtaltungen ausfallen mußten. Die
Mitglie=
derhewegung hielt ſich in normalen Grenzen. Die geringen
Ab=
gänge wurden durch Neuzugang wieder ausgeglichen. Geſchäfts=
und Rechenſchaftsbericht, ſowie der Voranſchlag für 1931 fanden
die einſtimmige Genehtaigung der Jahresverſammlung. Bei Punkt
Veranſtaltungen wurde beſchloſſen, zunächſt die Abhaltung des
üblichen Vereinsballes am 7. Februar I. Js. im Vereinslokal, die
Verſchmelzungsfeier aus Anlaß des Zuſammenſchluſſes der
Geſang=
vereine „Eintracht” und „Freundſchaft” am 8. März I. Js. Weiter
beteiligt ſich der Verein noch an dem Jubiläumsfeſte der
freiwilli=
gen Feuerwehr hier und an dem Gauwertungsſingen in
Gries=
heim. Der Beſuch weiterer auswärtiger Veranſtaltungen wurde
im Hinblick auf die ſchlechte Zeit abgelehnt. Der Vorſtand wurde
in ſeiner bisherigen Zuſammenſetzung einſtimmig wiedergewählt.
Für den wegen Wegzug frei gewordenen Poſten eines 2.
Schrift=
führers wurde Heinrich Dieter und für den freiwillig
zurück=
getretenen Beiſitzer Bernhardt Müller der Werkmeiſter Franz
Brand neu gewählt. Als Beiſitzer aus den Kreiſen der früheren
„Freundſchaft” wurden neu hinzugewählt 1. Luckhaupt Frd.
Wilh., 2. Hanſtein Leonh., 3. Gruß Phil.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 12. Jan. Heſſiſcher Sängerbund
— Gau Darmſtadt=Land. Der Gaumuſikausſchuß tagte am
letz=
ten Saustag nachmittag, um über die Auswahl des für das
Gau=
wertungsſingen in Griesheim zu beſtimmenden Pflichtchores die
Ent=
fcheidung zu treffen. Im Hinblick darauf, daß der Muſikausſchuß des
Heſſiſchen Sängerebundes bereits drei Chöre als Bundesmaſſenchöre für
1931 beſtimmt hat, die von den Vereinen bereits bei den diesjährigen
Wertungsſingen geſungen werden müſſen, wählte der Gaumuſikausſchuß
im Einvernehmen mit dem Gauvorſitzenden einen dieſer Chöre aus, und
zwar: „Das Mägdlein und der Reuter” von Willms. Dieſer, ſowie der
weiter vom Bund ausgewählte Chor „Mein Deutſchland” von Mangold
geht den Vereinen direkt durch die Gauleitung zu. Es ſind daher dem
Gauvorſitzenden umgehend die Anzahl der benötigten Stimmen zu
mel=
den. Ueber die Auswahl des ſelbſtgewählten Chores läßt der Gau den
Vereinen freie Hand.
Die Lage der Landwirtſchaft im Monat Oezember 1930
Zum Jahresſchluß muß die deutſche Landwirtſchaft mit Enttäuſchung
feſtſtellen, daß ihre Hoffnungen, die ſie an die Auswirkung der
tat=
kräftigeren Agrarpolitik im vergangenen Jahre knüpfte, zum großen
Teil noch nicht erfüllt worden ſind. Beſonders der Oſten hatte weiter
ſchuer unter der Krife zu leiden. Die Klagen ind daher von dort
be=
ſonders ſtark. Solange nicht erkannt wird, daß es ſich bei der Kriſe im
Oſten nicht um einzelne landwirtſchaftliche Betriebe handelt, ſondern
um die geſamte Landwirtſchaft, ebenſo auch um Handel, Induſtrie und
Gewerbe, und die daraus nötigen Schlüſſe nicht mit Nachdruck gezogen
werden, dürfte eine Aenderung der Wirtſchaftslage des Oſtens nicht
ein=
treten. Mit ſchweren Sorgen ſieht die geſamte deutſche Landwirtſchaft
in die Zukunft. Die Preisentwicklung der landwirtſchaftlichen
Erzeugniſſe war auch im Monat Dezember noch immer völlig
unzurei=
chend und bringt den Landwirten nach wie vor keine angemeſſene oder
gar keine Rente. Während im Berichtsmonat die landwirtſchaftlichen
Erzeugniſſe zum Teil weiter im Preis ſanken, haben, mit Ausnahme
von Kraftfutter, die Betriebsmittelpreiſe keine Senkung erfahren. Wie
die Umſtellung im Wintergetreidebau zeigt, verſucht der Landwirt ſelbſt
alles, um zu Preiſen zu kommen, die eine Rente verſprechen. Aber eine
Erleichterung der Lage wird nur eintreten, wenn das neue Jahr
end=
lich eine Auswirkung der verſchiedenen von der Regierung ergriffenen
Maßnahmen bringen wird.
Die ſteuerliche Belaſtung hat ſich infolge der von vielen
Gemeinden nachträglich beſchloſſenen Erhöhung der Zuſchläge zur
Grund=
vermögensſteuer für das laufende Rechnungsjahr noch ſtärker fühlbar
gemacht als bisher. Vielfach war daher die Einziehung der Steuern
und Abgaben mit großen Schwierigkeiten verbunden. Zahlreiche
Stun=
dungsanträge wurden eingereicht. Ebenfalls geſpannt ſind infolge der
Unmöglichkeit einer preiswürdigen Verwertung der landwirtſchaftlichen
Erzeugniſſe die Kreditverhältniſſe. Beſonders beachtenswert
iſt die ſteigende Nachfrage nach langfriſtigen Krediten. Der freie
Grundſtücksverkehr ſtockt faſt vollſtändig, dagegen nehmen die
Zwangsverſteigerungen in ſtarkem Maße zu. In einer Provinz des
Reiches wurden in der Zeit vom 1. 10. bis 25. 12. 1930 50
Zwangs=
verſteigerungen durchgeführt.
Die landwirtſchaftlichen Arbeiten, die unter dem
Ein=
fluß der ungünſtigen Witterung der Vormonate ſtark in Rückſtand
ge=
kommen waren, konnten im Berichtsmonat beſchleunigt durchgeführt
werden. Nur auf ſchweren Böden machte die Beſtellung wegen der
Näſſe ſtellenweiſe Schwierigkeiten. Die Einbringung der reſtlichen
Zucker=
rübenernte wurde bis Mitte des Monats erledigt. Der Stand der
Saa=
ten iſt im allgemeinen mit befriedigend bis gut zu bezeichnen; jedoch
wird von erheblichen Schäden durch Mäuſe und Schnecken an der
Win=
terſaat und auf Kleefeldern berichtet. Der Stand der Wieſen und
Weiden iſt ein recht befriedigender. Erfreulicherweiſe wird nicht nur
der Pflege des Grünlandes, ſondern auch der Futterkonſervierung, ins=
beſondere dem Einſäuern und Dämpfen der Kartoffeln größere
Be=
achtung geſchenkt. Uebereinſtimmend wird die ſchlechte Haltbarkeit der
Kartoffeln hervorgehoben.
Die Pferdezucht leidet nach wie vor unter den
unbefriedigen=
den Preiſen, die die Erzeugungskoſten nicht decken. Die Ernährung des
Viehes iſt infolge allgemein genügend, vorhandener wirtſchaftseigener
Futtermittel ſichergeſtellt, ſo daß von einer Ausdehnung der
Rinder=
maſt und der Kälber= und Jungviehaufzucht berichtet wird.
Infolge der Notwendigkeit, Roggen und Kartoffeln durch Verfütterung
verwerten zu müſſen, iſt in der Schweinehaltung und
Schweinemaſt eine weitere Zunahme zu verzeichnen. In der
Schafzucht, die verſchiedentlich eine Belebung erfahren hat, rückt
die Fleiſcherzeugung immer mehr in den Vordergrund. Die bäuerliche
Geflügelhaltung erfuhr eine weitere Ausdehnung und
Ver=
beſſerung.
Die Lage der Forſtwirtſchaft hat ſich weiter verſchlechtert.
Die Abſatzkriſe am Rundholzmarkt nimmt immer ſchärfere Formen an.
Die ſehr zögernden Gebote der Abnehmer liegen weit unter
Vorkriegs=
preiſen. Windbruchhölzer brachten in vielen Fällen nicht einmal die
Werbungs= und Anfuhrkoſten. Trotzdem ſind viele Waldbeſitzer
gezwun=
gen, ihren Einſchlag noch zu erhöhen, um den hohen an ſie geſtellten
Ausgabenforderungen gerecht werden zu können. Für die
Kulturvor=
arbeiten war das Wetter günſtig.
Die Lage des Feldgemüſe= und Gartenbaues hat ſich
nicht weſentlich gebeſſert. Die Abſatzverhältniſſe ſind nur für einzelne
Produkte günſtiger geworden. Viele Landwirte beabſichtigen den
feld=
mäßigen Gemüſebau infolge der ungenügenden Preiſe wieder
auf=
zugeben. Viele Gemüſebauern haben Wintergemüſe in der Hoffnung auf
beſſere Preiſe in Mieten und Scheunen eingelagert, ſo daß dadurch das
Angebot auf den Märkten bereits geringer wurde. Stellenweiſe wurde
italieniſcher Blumenkohl in großen Mengen angeliefert. Der Abſatz=der
Tabakernte ſcheint in einzelnen Teilen reibungslos vonſtatten gegangen
zu ſein. Die ſchlechten Verwertungsmöglichkeiten für Hopfen dürften
im kommenden Jahr zu weſentlichen Einſchränkungen der
Hopfenanbau=
flächen in Süddeutſchland führen. Die Obſtläger ſind bei
verhält=
nismäßig guten Preiſen faſt ganz geräumt. Auslandsware der
verſchie=
denſten Herkunft war auf allen Märkten ſtark angeboten. Die
Winter=
arbeiten in den Weinbergen nehmen einen guten Fortgang. Die
Ergebniſſe der Teichwirtſchaft ſind größtenteils zufriedenſtellend.
Auf dem Arbeitsmarkt war der Bedarf an Arbeitern der
Jahreszeit entſprechend gering. Durch die Beendigung der
Zuckerrüben=
ernte und teilweiſen Erledigung der Rübenabfuhr wurden weitere
Ar=
beitskräfte frei. Bedingt durch die hohen Beiträge zur
Sozialverſiche=
rung gehen immer mehr Betriebe dazu über, die Zahl der ſtändigen
Arbeitskräfte nach Möglichkeit einzuſchränken und den Betrieb auf
Frei=
arbeiter umzuſtellen.
— Ober=Ramſtadt, 12. Jan. Ab heute Montag iſt täglich von
12 Uhr bis zum Eintritt der Dunkelheit die Eisbahn auf dem
hie=
ſigen Schwimmbad geöffnet.
f. Roßdorf, 12. Jan. Arbeitsloſenzunahme. Nachdem die
Holzhauerei bereits ihr Ende erreicht hat, hat ſich die Bahl der
Arbeits=
loſen beträchtlich erhöht. Außerdem hat die Gemeinde die
hilfsbedürfti=
gen Ausgeſteuerten, die ebenfalls in der Holzhauerei beſchäftigt waren,
zu unterſtützen. Dies bedeutet für die gemeindlichen Finanzen eine
er=
hebliche Belaſtung. — Waſſerleitung und Waſſermeſſer.
Das eingetretene Froſtwetter ſollte die Hausbeſitzer veranlaſſen, die
Waſſerleitungen und Waſſermeſſer gegen ein Einfrieren hinreichend zu
ſchützen, um ſich vor Schaden zu bewahren. —
Gemeinderech=
nung. Die Gemeinderechnung für das Rechnungsjahr 1929 liegt zur
Zeit auf der Bürgermeiſterei zur Einſicht offen und können
Einwendun=
gen vorgebracht werden.
Da. Brandau i. Odw., 10. Jan. Die Schulſparkafſe zeigt
eine erfrenliche Aufwärtsbewegung. Seit Beſtehen der Nentenmark
wurden von den Volksſchülern eingezahlt bis zum Jahresende 1928 etwa
3375 RM., bis Ende 1929 waren es 5125 RM. und Ende 1930 die runde
Summe von 7000 RM. Alle Oſtern erfolgen auf Wunſch der Eltern die
Auszahlungen an die zur Entlaſſung kommenden Schüler und
Schüle=
rinnen. — Das Standesamt Brandau gibt uns folgende intereſſante
Zahlen: Geburten 1928: 14. 1929: 25, 1930: 17. Eheſchließungen 1928:
9. 1929: 7. 1930: 5. Todesfälle 1928: 10, 1929: 9, 1930: 9. Die Zahl der
Schulnenlinge iſt wieder im Wachſen begriffen. Es kommen Oſtern 1931
15 Schüiler zur Aufnahme, gegen 8 im Vorjahre und 11 im Jahre 1929.
W. Heppenheim a. d. B., 12. Jan. Motorradunglück. Bei
einbrechender Dunkelheit fuhr ein Motorradfahrer in ſehr raſchem
Tempo durch das Erbachertal nach Heppenheim. Der Fahrer, dem die
Strecke unbekannt war und der ohne Beleuchtung fuhr, konnte am
Ein=
gang der Stadt die ſtarke Kurve nicht ſchnell genug nehmen und fuhr
gegen die Friedhofsmauer. Der Fahrer wurde zur Seite geſchlendert
und kam mit leichten Hautabſchürfungen, davon, während das Motorrad
vollſtändig demoliert wurde. — Standesamt. Im Jahre 1930
wur=
den beim hieſigen Standesamt 166 Geburten, gegenüber 1929 ein
Rück=
gang von ſieben, Eheſchließungen 72 (im Vorjahr 70) und 100
Sterbe=
fälle (1929: 107) beurkundet. — Nutzholzverſteigerung. Am
kommenden Donnerstag (15. Januar) werden aus den Drei= und
Vier=
dorfwaldungen ſowie aus dem Gemeindewald Kirſchhauſen. bei Adam
Schäfer in Kirſchhauſen an Nutzholz Lärchen= Fichten=, Buchen=, Eichen=,
Eſchen=, Erlen=, Ahorn=, Weißtanne= und Kiefernſtämme, ſowie
Derb=
ſtangen und Reisſtangen verſteigert.
— Hirſchhorn, 12. Jan. Waſſerſtand des Neckars am
11. Januar: 1,54 Meter; am 12. Januar: 1,45 Meter.
— Gernsheim. 12. Jan. Waſſerſtand des Rheins am
11. Januar: 1.05 Meter; am 12. Januar: 0,79 Meter.
— Wafferſtandsnachrichten vom 12. Januar. R hein: Hüningen
0,90; Kehl 2,45; Maxau 4,31: Mannheim 3,47; Mainz 1,50; Bingen
248; Caub 2,86; Köln 3,60 Meter. — Main: Schweinfurt 1,60;
Würzburg 1,65; Lohr 2,22; Steinheim 2,51; Hanau 2,51; Koſtheim 122,
do. Waſſertiefe 3.30 Meter.
Die Stuhlverſtopfung.
Von Dr. med. Kanellis, Berlin.
Bei Stuhlverſtopfung und Hartleibigkeit wird der Leib durch
Anhäufung unverdauter Nahrungsreſte im Darm geſpannt und
aufgeblähr. Man fühlt ſich unbehaglich und leidet unter dem
Ge=
fühl der Völle und an Appetitloſigkeit. Blutandrang,
Ein=
genommenſein des Kopfes und leichte Schwindelgefühle machen
ſich bemerkbar. Hier ſchafft man am zweckmäßigſten dadurch
Ab=
hilfe, daß man gleich bei den erſten Stuhlbeſchwerden ein
pflanz=
liches Abführmittel anwendet, wie es die mild und zuverläſſig ab=
führenden Apotheker Richard Brandt’s Schweizerpillen ſind, die man
in allen Apotheken erhält. Am beſten nimmt man die Pillen abends
vor dem Schlafengehen ein. Die Wirkung erfolgt dann am nächſten
Morgen, ohne daß die Nachtruhe geſtört wird.
(I.20
Bar einer Oberbürgermeiſterwahl in Mainz.
—. Die Städtiſche Prefſeſtelle Mainz teilt uns mit:
Herr Oberbürgermeiſter Dr. Külb hat am 7. Januar 1931 folgendes
Schreiben an die ſtädtiſche Verwaltung und den Stadtrat gerichtet:
Meine Amtszeit als Oberbürgermeiſter der Stadt Mainz geht am
30 Juni 1931 zu Ende. Es kann keinesfalls den Intereſſen der Stadt
dienlich ſein, wenn nicht rechtzeitig vor Ablauf dieſes Termins eine
Ent=
ſcheidung über die Beſetzung der Stelle getroffen wird.
„Ich erlaube mir deshalb jetzt ſchon, die Verwaltung und den
Stadt=
rat davon in Kenntnis zu ſetzen, daß ich aus geſundheitlichen Gründen
nicht mehr in der Lage bin, das Amt des Oberbürgermeiſters weiter
zu führen. Mein behandelnder Arzt, der mich ſeit einigen Jahren
ärzt=
lich gencu kennt, erklärte mir, daß ich ohne Gefährdung und
Verſchlech=
terung meiner Geſundheit nicht weiter amtieren dürfe.
Ich ſtehe im 61. Lebensjahre und bin ſeit dem Jahre 1912 in der
ſtädtiſchen Verwaltung an verantwortlicher Stelle tätig. Zwei Jahre
nach meiner Wahl zum Beigeordneten brachen die ſchweren Kriegsjahre
herein, die an mich, den verantwortlichen Dezernenten und Leiter der
Kriegswirtſchaft außerordentlich große Anforderungen ſtellten. Das
Jahr 1919 brachte unter nicht minder ſchwierigen Verhältniſſen meine
Wahl zum Oberbürgermeiſter, nachdem es meinem Herrn
Amtsvorgän=
ger durch die Beſatzungsbehörde unmöglich gemacht worden war ſeines
Amtes weiter zu walten. Die Ereigniſſe während meiner faſt 12jährigen
Amtszeit als Oberbürgermeiſter ſind noch ſo friſch in Erinnerung, daß
ſich ein Eingehen hierauf wohl erübrigen dürfte. Auch ſie ſtellte in
be=
zug auf Arbeitskraft, Arbeitszeit und Verantwortung Anforderungen
an die Perſon des Oberbürgermeiſters, die weit über das normale Maß
hinausgehen. Es iſt ohne weiteres klar, daß eine ſolche ſtändige ſtarke
Inanſpruchnahme ihren ſchädigenden Einfluß auf die Geſundheit des
Menſchen ausüben muß.
Ich habe mich deshalb entſchloſſen, dem dringenden Rat meines
Arz=
tes zu folgen, und bitte hiermit, mich unter Gewährung des mir nach
den Beſtimmungen der Städteordnung zuſtehenden Ruhegehalts in den
Nuheſtand zu verſetzen.”
Ad. Nackenheim, 10. Jan Durch den Gemeinderat wurde u.
a. mit Mehrheit von einer Stimme die Einführung der Bürgerſteuer
beſchloſſen, die für den Haushaltungsvorſtand 6 RM. und für jeden zur
Haushaltung zählenden weiteren Wahlberechtigten 3 RM. beträgt. Nach
mehrmonatigen Verhandlungen wird der Vertrag mit der Gemeinde
Bodenheim betr. Entwäſſerung des Unterfeldes genehmigt.
Worms a. Rh., 10. Jan. Der tödliche Revolverſchuß
in der Wirtſchaft. Der Kriminalpolizei iſt es gelungen, den
Teilnehmer der kommuniſtiſchen Verſammlung zu ermitteln, der den
Revolver in dem Augenblick in der Hand hatte, als ſich der Schuß löſte
und den holländiſchen Schiffer De Haas tötete. Es handelt ſich um
einen 2ljährigen Kraftwagenführer aus Worms. Er wurde in Haft
genommen.
Aberheſſen.
— Ortenberg, 12. Jan. Der Ortenberger Mörder g
ſtändig. Nach umfang=eichen Ermittelungen iſt es gelungen, die
Unterſuchung über den Mord in Ortenberg zu Ende zu führen und den
ſeit Dienstag in Haft befindlichen 2ljährigen Landwirt Wilhelm
Lehr aus Altenſtadt zu einem Geſtändnis zu bewegen. Er
ver=
übte die Tat in der Erwartung, daß eine Aufklärung nicht erfolgen
werde, in der Annahme, daß von der Schwangerſchaft niemand etwas
wiſſe. Der Mörder wurde in das Landgerichtsgefängnis nach Gießen
gebracht.
WSN. Maar, 12. Jan. Großfeuer in Oberheſſen.
Sams=
tag abend gegen 9,30 Uhr brach in der Scheune des Landwirts Heinrich
Günther, Lehmkaute, ein Brand aus, der in kurzer Zeit die erſt vor
einigen Jahren erbauten Teile des Wohnhauſes, Ställe und Scheune
völlig vernichtete. Ein ſtehengebliebener Reſt des alten Wohnhauſes iſt
nicht mehr benutzbar. Die Löſcharbeiten geſtalteten ſich wegen des
Fro=
ſtes und wegen Waſſermangels ſehr ſchwierig, jedoch konnte das=geſamte
lebende und tote Inventar bis auf einige Hühner und die Heu= und
Strohvorräte gerettet werden. Die Frage der Entſtehung des Brandes
iſt noch nicht geklärt.
Die hygienisch vei
Tons Halndälstt
Nr. 10 n 1a Onalitzt „G0.
bekommen Sie RUF in der 182a
Parfümerie FRANK
Elisabethenstraße 2 (Alleinverkant)
Ihre Wäſche wird tadellos in der
Haushaltungswäscberei, Relorm”
Nied.=Ramſtädterſtr. 5 Fernruf 138
2410
Grammophon (neu)
evtl. mit Platten.
zu verkaufen.
R. Krüger,
Barkhausſtraße 49
Einen faſt neuen.
ſchwarzen Anzug f.
35 ℳ zu verk (18b.
20 J.). J. Schroth.
Rheinſtr. 41, Vdh.*
Tadl. hoheD.=Stiefe
m. Schlittſch Gr. 40,
bill., mehr. teure D=
Schuhe neu) 4 4—5
Mk., Gr. 37/38
Herdweg 95, Gartenh
Wintermantel und
Windjacke f. 14jäh.,
2fl. Gasherd,
Spar=
herd bill. zu verk.*
Lucasweg 7, III. (.
(ſchwarz)
Piano
wie neu.
nur 480 ℳ z.
Fiſcher Pignohdlg.
Rhönring
Eine faſt neue
Füllmaſchine für
Metzger, 30 Pfund
faſſ. u. Schleifſtein
m. Eiſengeſt.,
Fuß=
betrieb. abzugeben.
Alexanderſtraße 25.
Oerterer.
Rüdt- usß
O Melag
der Kaufmannschaft vertritt der Anzeigenteil des
werbestarken Darmstädter Tagblatt; auch
derpriva-
ten Ankündigung, der kleinen Anzeige, stellt sich der
propagandistische Teil unseres Blattes zur Verfügung.
Alle, die einen Versuch gemacht haben, wissen es!
Kleine Anzeige, großer Erfolg! Besonders bewährthat
sich die kleine Anzeige im „Darmstädter Tagblatt‟
bei Stellenangeboten, Stellengesuchen, An- und Ver.
käufen, Tausch. Mietgesuchen. Vermietungen usw.
1 Konditorei=
Backofen, faſt
neu, billig zu verk.
Näh. Geſchäftsſt. (
1 2tür. Kleiderſchr.,
1 ov. u. 1 rd. Tiſch
bill. z. verkaufen.
Schuchardſtr. 4, pt.
2 Klubſeſſ., echtSaff.
m. Daun. u. Roßh.=
Polſt., umſt. abzug.
Ang. u. R. 29 Gſch.*
Seite 8
Nummer 13
Dienstag, den 13. Januar 1931
Leßke Vorbereikungen für den Luftdienſt Deutſchland-Ching.
Die Deutſche Lufthanſa entſendet in den nächſten Tagen eine etwa zehnköpfige Fliegermannſchaft
nach China, um die letzten Vorbereitungen zur Einrichtung des Luftdienſtes Berlin—Schanghai
zu treffen. — Unſer Bild zeigt oben die Wahrzeichen der beiden Hauptſtädte, die nun durch
regel=
mäßigen Flugverkehr verbunden werden: links das Brandenburger Tor, rechts das uralte Haupttor
von Peking, Hataman Gate. Unten: Die rund 9500 Kilometer lange Flugſtrecke Berlin—Schanghai.
Der Kampf gegen den Schnee.
Schneepflug vor einem Eiſenbahnzug auf einer Hochalpenſtrecke.
In den Hochalpen haben die letzten Tage ſo heftige Schneefälle eingeſetzt, daß die Eiſenbahnzüge
nur mit Hilfe von Schneepflügen die Strecken befahren konnten. Der Pflug ſchleudert die
Schnee=
maſſen in hohem Bogen beiſeite und macht ſo die Geleiſe frei.
Reich und Ausland.
Skreſemann-Feier im Reichskag.
Der Ausſchuß für das Streſemann=Ehrenmal
in Mainz teilt uns mit: Am Sonntag, den
1. Februar, 16.30 Uhr, findet im Reichstag eine
große Kundgebung zu Ehren Streſemanns ſtatt,
bei der erſte Künſtler Deutſchlands, wie z. B.
Frau Jvogün, Richard Tauber, Franz Lehär,
Werner Kraus u. a., mitwirken. Der Reinertrag
wird als Beitrag für die Errichtung des
Streſe=
mann=Ehrenmals in Mainz verwandt. Karten
ſind durch das Sekretariat des Bühnenklubs
Ber=
lin, Joachimthaler Straße 9, zum Preiſe von
6 RM. zu beziehen.
Selbſtmord eines Berliner Bankiers.
Berlin. Wie die Blätter melden, wurde
der Bankier Erich Goldſchmidt, der frühere
Mit=
inhaber des Berliner Bankinſtitutes Joſeph
Goldſchmidt u. Co., in ſeiner Villa im
Grune=
wald am Sonntag tot aufgefunden. Er hatte ſich
in ſeinem Schlafzimmer durch einen Schuß in
die Schläfe getötet. Das Bankgeſchäft, das er
nach dem Tode ſeines Vaters zuſammen mit
ſeinem Bruder, Dr. Kurt Goldſchmidt,
übernom=
men hatte, hat, nachdem es vor dem Kriege ein
bedeutendes Privatbankhaus war, in der letzten
Zeit an Bedeutung verloren. Im letzten Jahre
war es zwiſchen den beiden Firmeninhabern zu
Differenzen gekommen, die zur Folge hatte, daß
ſich Erich Goldſchmidt mit dem 1. Januar von
ſeinem Bruder trennte und aus der Firma
aus=
ſchied.
Mord und Selbſtmord eines Amtsgerichtsrats.
Reichenbach (Vogtland).
Amtsgerichts=
rat Schubert wurde heute in ſeiner Wohnung
erhängt aufgefunden. Seine Ehefrau lag mit
eingeſchlagenem Schädel tot im Bett. Wie die
polizeilichen und gerichtlichen Ermittlungen
er=
geben haben liegt zweifellos Mord und
Selbſt=
mord vor. Durch das Bellen eines Hundes, das
aus der Schubertſchen Wohnung drang, waren
Hausbewohner alarmiert worden und hatten
daraufhin die Polizei benachrichtigt.
Nathan Straus f.
New York. Der Finanzmann und
Philan=
trop Nathan Straus iſt am Sonntag geſtorben.
Das Silberne Sporkfliegerabzeichen
Erika Naumann,
die bekannte Leipziger Sportfliegerin, erhielt in
Anerkennung ihrer hohen flugſportlichen
Lei=
ſtungen das- Silberne Sportfliegerabzeichen.
Erika Naumann ſtellte einen Rekord auf, indem
ſie in 13½ſtündigem Nonſtop=Flug von
Böblin=
gen nach Mieſchkance bei Wilna in Polen flog.
Die Strecke iſt 1305,5 Kilometer lang.
Wird er den Welkrekord brechen?
Der neue Geſchwindigkeits=Teufel „Blue Bird” (Blauer Vogel) des Kapitäns Campbell (am Steuer).
In den nächſten Tagen ſchifft ſich der engliſche Rennfahrer Campbell nach Amerika ein, um mit
dieſem gewaltigen neuen Ueber=Auto, das 1450 PS. entwickelt, auf der Rennſtrecke von Daytona
Beach den Weltrekord Segraves zu brechen.
Sturmſzenen im Stettiner Wohlfahrtsamt.
Stettin. Beim Stettiner Wohlfahrtsamt
kam es Montag vormittag zu Ausſchreitungen,
die die Einſetzung von ſtarken Polizeitrupps
er=
forderlich machten. Ein auf das Wohlfahrtsamt
beſtellter Erwerbsloſer benahm ſich einem
Be=
amten gegenüber derart, daß man ihn
gewalt=
ſam entfernte. Der Arbeitsloſe tobte auf dem
Flur weiter und ſchlug die Tür zur Amtsſtube
ein. Auf den Lärm hin eilten ſämtliche gerade
im Gebäude ſich befindenden
Wohlfahrtsemp=
fänger hinzu und verſuchten, die Dienſtſtuben zu
ſtürmen. Den Beamten gelang es jedoch, die
Türen zu verſchließen und polizeiliche Hilfe zu
rufen. Die Schutzpolizei rückte mit 150 Mann
an, und es gelang ihr unter Anwendung des
Gummiknüppels, das Gebäude zu räumen. Auf
der Straße kam es zu weiteren Krawallen, doch
gelang es auch hier, bald Ruhe und Ordnung
wie=
derherzuſtellen. Das Gebäude wurde abgeſperrt
und kann nur mit Ausweiſen betreten werden.
Exploſion in den Norddeutſchen Azetylen=
und Sauerſtoffwerken.
Harburg=Wilhelmsburg. In den
Norddeutſchen Azetylen= und Sauerſtoffwerken
im Stadtteil Wilhelmsburg erfolgte in dem
Ge=
bäude, in dem ſich der Gasentwickler befindet,
infolge Entzündung von Azetylengaſen eine
hef=
tige Exploſion, durch die drei Seitenmauern und
das Dach des Gebäudes auseinandergeriſſen
wur=
den. Der Luftdruck war ſo ſtark, daß zahlreiche
Fenſterſcheiben eingedrückt wurden. Der Schaden
iſt verhältnismäßig gering. Der Betrieb erleidet
keine Störung. Menſchen ſind nicht verletzt
wor=
den. Die Gaſe ſollen durch einen Motor
ent=
zündet worden ſein.
Großfeuer in München.
München. In einem etwa 50 Meter langen
Holzſchuppen der Gummiwarenfabrik Metzeler
u. Co. brach am Montag früh ein Feuer aus,
das ſchnell ſich entwickelte und bald großen
Um=
fang annahm. Der Schuppen diente als Lager für
neue Autoreifen. Die Feuerwehr bekänpſt den
Brand mit 15 Schlauchleitungen, zunächſt jedoch
ohne ſichtbaren Erfolg. Der entſtandene Schaden
dürfte ſehr groß ſein. Da Windſtille herrſcht,
ſind die übrigen Fabrikgebäude nicht gefährdet.
— Der Schaden wird auf etwa eine halbe
Mil=
lion geſchätzt. Der Betrieb erleidet keine
Unt=
brechung. Die Brandurſache iſt noch nicht gengu
geklärt.
Neuer Ausbruch des Merapi.
Amſterdam. Meldungen aus Batavia
zu=
folge ereignete ſich am Sonntag ein Ausbruch
des mitteljavaniſchen Vulkans Merapi. Der
Vulkan warf neue Lavamaſſen aus, die ſich mit
einer Geſchwindigkeit von 30 Stundenmeilen
bergabwärts ergoſſen. Der Lavaſtrom nimmt
dieſelbe Richtung wie bei, dem letzten großen
Ausbruch. Durch dieſen neuen Ausbruch iſt
un=
ter der Bevölkerung der umliegenden Ortſchaften
erneut ſtarke Beunruhigung entſtanden. — Die
Behörden beabſichtigen, eine in unmittelbarer
Nähe der gefährdeten Zone liegende Ortſchaft,
deren Bewohner unter dem Einfluß eines
ſo=
genannten „heiligen Mannes” ſtehen und ihre
Wohnſtätten nicht verlaſſen wollen, gewaltſam
räumen zu laſſen.
Sprengſtoffanſchlag auf eine Gaſtwirtſchaft.
Velpke (Kr. Helmſtedt). Auf die hieſige
Gaſtwirtſchaft „Zur Poſt” wurde ein
Spreng=
ſtoffanſchlag verübt. Eine größere Ladung
Sprengſtoff, die vermutlich aus einem der
Stein=
bruchbetriebe geſtohlen worden iſt, wurde auf
einem Fenſter außerhalb der Gaſtſtube zur
Ent=
zündung gebracht. Sämtliche Fenſterſcheiben des
Hauſes und der gegenüberliegenden Gebäude
wurden zertrümmert. Zum Teil wurden auch
die Fenſterkreuze und Fenſterläden
herausge=
riſſen. In der Gaſtſtube wurden einige Gäſte
leicht verletzt. Man vermutet, daß ein Racheakt
von Erwerbsloſen vorliegt.
Die Ozeanflieger Beryl Hart und Mac Laren
bleiben verſchollen.
Paris. Ueber das Schickſal des „
Trade=
wind” iſt, wie aus Horta auf den Azoren
ge=
meldet wird, bis geſtern morgen 6.30 Uhr noch
nichts bekannt geworden. Von den zwiſchen den
Bermudasinſeln und den Azoren kreuzenden
Schiffen hat keines eine drahtloſe Nachricht von
den Fliegern aufgefangen, noch das Flugzeug
geſichtet. Die Ausſichten, die Fliegerin Hart
und Kapitän Mac Laren lebend aufzufinden,
ſind daher ſehr gering geworden.
Chineſiſcher Dampfer gekentert.
Peking. Nach einem Telegramm aus
Tſchifu iſt dort in der Nacht zum Samstag ein
chineſiſcher Verkehrsdampfer mit 27 Paſſagieren
m Sturm untergegangen. Zwei Matroſen
wur=
den von einem japguiſcher Dampfer gerettet und
Kälkekakaſtrophe in China.
Schanghai. Ueber faſt ganz China iſt ein
derartig ſtrenger Winter hereingebrochen, wie er
ſeit Menſchegedenken nicht zu verzeichnen war,
und der unter der ärmeren Bevölkerung bereits
hunderte von Toten gefordert hat. In Charbin
ſank das Thermometer auf 48 Grad unter den
Gefrierpunkt. Sämtliche Flüſſe der Mandſchurei
ſind eingefroren und viele Perſonen der
grim=
migen Kälte zum Opfer gefallen. Auch aus
Kal=
gan und anderen Städten im Nordweſt=Schanſi
werden zählreiche Tote infolge der Kälte
ge=
meldet. Seit Freitag ſind über 100 Perſonen der
ärmeren Bevölkerung erfroren. Peking wurde
von einem überaus heftigen Schneeſturm
heim=
geſucht. In Tientſin verzeichnet man bis jetzt
mehr als 30 Todesopfer. Der Peiho=Fluß iſt
binnen einer Nacht zugefroren und hat den
Ha=
fenverkehr von Tientſin völlig lahmgelegt, wo
über 20 Küſtendampfer im Eiſe eingeſchloſſen
liegen. In Nanking, wo das Thermometer
minus 25 Grad Celſius zeigt, iſt die Zahl der
Todesopfer geringer. Auch Mittelchina wurde
von einem Schneeſturm heimgeſucht, der ſo gut
wie ſämtliche Verkehrsverbindungen unterbrach.
Zwei Zugentgleiſungen bei Dijon.
Darunter SchnellzugNizza—Paris.
Paris. In der Nähe von Dijon ereigneten
ſich am Sonntag zwei Zugentgleiſungen. Zuerſt
entgleiſte ein Güterzug, und unmittelbar darauf
der durchfahrende Schnellzug Nizza—Paris. Die
Lokomotive des Schnellzuges fuhr auf die
ent=
gleiſte des Güterzuges auf und entgleiſte ſelbſt.
Zwei Beamte wurden leicht verletzt. Der
Ma=
terialſchaden dagegen ſoll außerordentlich hoch
ſein.
Eiſenbahnunglück in Japan.
Tokio. Bei Hiroſhima in der Provinz Kochi
ereignete ſich am Montag früh ein
Eiſenbhn=
unglück, bei dem fünf Perſonen den Tod fanden
und 70 bis 80 verletzt wurden. Das Unglück iſt
dadurch entſtanden, daß aus noch unaufgeklärter
Urſache die Lokomotive und drei Wagen eines
nach Tokio fahrenden Perſonenzuges beim
Paſ=
ſieren einer Brücke entgleiſten und in den Fluß
ſtürzten.
Rieſenfeuer in Baltimore (1.5.A.).
Das Gebäude der „Baltimore Poſt” in Flammen.
Infolge einer Exploſion im photographiſchen
Laboratorium brach im Gebäude der Zeitung
„Baltimore Poſt” in Baltimore (U. S.A.) ein
Brand aus, der Millionenſchaden anrichtete.
Die Flammen erleuchteten in ſchauriger Weiſe
die ganze Stadt.
Nummer 13
Dienstag, den 13. Januar 1931
Seite 9
Friedhöfe und Katakomben in Paris.
Von Adolf Ziegler.
Kommt man aus Deutſchland nach Paris, dann hat man
zu=
erſt immer wieder den Eindruck von „Geſtern” und „Geweſen”,
der über den Dingen, den Menſchen und ihren Gewohnheiten
Hiegt. Ein begabter Pariſer Maler ſagte mir jüngſt: „Nous ne sommes
plus des novateurs, ce sont les Strangers, les peuples plus jeunes aue
nous gui asSument ce röle; nous nous bornons 4 mettre leurs inventions
zu voint.” (Wir haben aufgehört „Neuerer” zu ſein: dieſe Rolle
haben jetzt die ſchöpferiſchen Vertreter jüngerer Völker als wir
übernommen. Wir begnügen uns damit, ihren Initiativen und
Erfindungen die endgültige Faſſung zu geben.) Ich glaube nicht,
daß es ſchwer ſein würde, die Richtigkeit dieſer ſcheinbar einfachen
aber ſehr treffenden Feſtſtellung an Hand vieler Beiſpiele zu
beweiſen.
Dieſes „Geſtern” und „Geweſen” wird aber großartige
Wirk=
lichkeit, wenn wir die Friedhöfe aufſuchen, die teilweiſe, wie der
„Cimetigre Montmartre” mitten im Großſtadtgewühl liegen. Die
Züge der Hochbahn brauſen daran vorbei, und an ihren Mauern
verhallt der ſchrille Lärm der Hetzjagd modernen Lebens. Sobald
uns die langen ſtillen Alleen aufgenommen haben, wird zwiſchen
dieſen endloſen Gräberreihen eine ungemein intereſſante und
tumultiöſe Welt lebendig: Der geiſtreiche Offenbach, der
gemüt=
volle Thomas, der dramatiſche Hector Berlioz, der bezaubernde
Léo Delibes muſizieren. Vielgeliebte Frauen grüßen ſchemenhaft.
Allen voran die ſchöne Madame Röcamier, Brennpunkt und
Sym=
bol des geiſtigen Lebens in Paris nach der Reſtauration;
Mar=
querite Pleſſis, die „Kameliendame‟ Dumas, über die
Genera=
tionen von weichherzigen Midinetten ſo viel mitleidige Tränen
vergoſſen haben. Henri Mürger läßt ſeine verklungene „Vie de
Bohsme” erſtehen. Thsophile Gautier, Alfred de Vigny, Henry,
BBeyle (Stendhal), Renan, Dumas fils und viele andere erzählen
ihr leidenſchaftliches, leidvolles Leben. Von Heinrich Heines
ſchmerzlichen Lippen fließt ſein ſchönes Lied:
Wo wird einſt des Wandermüden letzte Ruheſtätte ſein?
Unter Palmen fern im Süden, unter Linden an dem Rhein?
Oder ruh ich an der Küſte eines Meeres in dem Sand?
Immerhin, mich wird umgeben Gottes Himmel, dort wie hier, keit werden laſſen, den Goethes Theaterdirektor dem Dichter gibt:
Und als Totenlampen ſchweben nachts die Sterne über mir.
Unter den in den Marmor gehauenen Verſen liegt ein ganz
friſcher Strauß roter Nelken. War es eine braune, ſportgeübte,
ſehnige Hand, welche die Blumen hinlegte, oder eine romantiſche,
ſchmale bleiche, die ab und zu im „Buch der Lieder” blättert?
Viele Dichter ſind in den Hintergrund gerückt, aber das Grab des
deutſchen Dichters in franzöſiſcher Erde wird fort und fort mit
duftenden Blumenſträußen geſchmückt. Heinrich Heine iſt jung
geblieben. In franzöſiſcher Gefangenſchaft lernte ich einen
geiſt=
reichen deutſchen Jeſuitenpater kennen, der lange Jahre bei der
römiſchen Kurie war, und der nun Heines Proſa ſtudierte, um
an ihr ſeinen kirchlich=juriſtiſchen Stil zu bereichern. Dort ſteht
Emile Zolas etwas ungeſchlachte Büſte. Es iſt kein Toter, der ſo
leidenſchaftlich die Wahrheit heiſcht. Der heftige Rufer, der
den Zeit wie einige andere ſeiner berühmten Grabgenoſſen, von
denen immer wieder dieſer oder jener bei irgend einer
Gelegen=
heit auferſteht und zu Worte kommt. Doch noch gewaltiger als
hier, zu Fresken gigantiſcher Ausmaße geſtalten ſich die
aufſteigen=
den Erinnerungen auf dem Friedhof des „Pere Lachaiſe”. Muſſet
flüſtert unter einer ſchönen Trauerweide, die ihm ſeine Freunde
gepflanzt haben, ſeinen innigen Wunſch:
Mes chers amis, auand je mourrai,
Plantex un saule au cimetiere,
Faime son feuillage Splars:
La palenr mien est douce et chere,
Et son ombre sera lesere
4 la terre od je dormirai.
Bartholomes. Monument aur Morts” erhebt uns über die
Erde wie die rauſchenden Klänge der ſiebenten Symphonie von
Beethoven. Kunſt. Literatur, Wiſſenſchaft, Religion, Aufklärung,
Aufruhr, Krieg, Revolution, Geiſt, Geld, Macht... alles hat hier
ſeine illuſtren Vertreter! Klingende Namen rollen
welterſchüt=
ternde Ereigniſſe auf. Menſchheitshoffnung, Luſt. Schmerz, mete= darnach ein Piſtolenſchuß die Kinnlade zerſchmetterte und auch er
orgleicher Aufſtieg und jäher Sturz, Leid und Freude löſen ſich
einander ab, im wechſelvollen Spiel der Geſchichte. Hier liegt
Roſſini, dort in dem originellen iſraelitiſchen Friedhof die große
der der Paleontologie, Champollion, der Aegyptologe, der das
Schauſpieler ſeiner Epoche, unter deſſen genialiſch=theatraliſcher
Leitung Napoleon I. die Herrſcherpoſen vorher genau einſtudierte,
die er bei beſonders wichtigen öffentlichen Feierlichkeiten zu heißgeliebten Gattin und verſchlang ihn in ihrem wilden Wirbel.
nehmen gedachte, denn bei dieſem Mathematiker war der Eindruck
auf die Maſſen ein Faktor, den er ernſthaft in Rechnung ſtellte.
Hier liegt auch der in Kairo ermordete Elſäſſer Kellermann, der
der allererſten Affiche „Mutter der Mann mit dem Koks iſt da!”, 10. Auguſt 1792, von den Straßenkämpfen uſw. Hierher brachte
die heute noch das tut, was jede Affiche ſollte, dem Beſchauer das
ſagen, der „duftige” Corot, Moliere, De la Fontaine, Alphonſe
Daudet, Boerne, der deutſche Dichter, der General Ney, der
Tapferſte der Tapferen” der Ludwig dem XVIII. verſprochen rien ne ge arée.” Sollte Lavoiſier nicht recht haben? In
Deutſch=
hatte, ihm den von Elba zurückgekehrten Napoleon in einem land der unſelige Dreißigjährige Krieg, der ſeine Menſchen bis
Käfig auszuliefern, der aber, anſtatt ihn gefangen zu ſetzen, zu ihm auf drei Millionen, in der Mehrzahl Sieche, ausgerottet hatte.
iberging, deswegen zum Tode verurteilt und erſchoſſen wurde, der In Frankreich die Religionskriege mit den Hugenottenverfol=
Litan Honoré de Balzac, Sarah Bernhardt mit der „goldenen gungen und der Bartholomäusnacht, die große Revolution, die
Stimme”, der kleine Thiers, mit dem der große Bismarck die napoleoniſchen Kriege, dann der mörderiſche Weltkrieg. . . Aber
Friedensverhandlungen 1871 geführt hat, Michelet, der über die
moderne Frau baß erſtaunt ſein würde, ſah er in der Frau in
ſeiner überſchwänglichen, gerührten Zärtlichkeit doch nur die
„eternelle malace” (die ewige Kranke), David, der
geſinnungstüch=
tige, klaſſiſche Maler des napoleoniſchen Imperiums, Bizet, der
Schöpfer der Oper „Carmen”, über die ſich die ſtolzen Spanier
heute noch nicht beruhigt haben, verletzen doch der Stierfechter
Escamillo, die baskiſchen Schmuggler, Carmen die Zigeunerin,
Don Joſé der Deſerteur ihr nationales Ehrgefühl aufs
empfind=
lichſte. Im Pere Lachaiſe ruht auch Oscar Wilde, der von ſeinem
Dämon durchs Leben gepeitſchte Dichter jenes ſeltſamen
pſycho=
analytiſchen Werkes „Das Bildnis des Dorian Grey”, Racine,
Georges Rodenbach, der poetiſche Sänger von „Bruges la Morte”,
Dr. Gall, der Begründer der Phrenologie, Mademoiſelle George,
die Freundin von Napoleon I, der der leidenſchaftliche Korſe
ein Hand voll Banknoten in den Buſen ſteckte, wenn er ſie wieder
einmal barſch behandelt oder brutaliſiert hatte, wie es ſeine
trieb=
hafte Art war, Prudhon, der Maler des herrlichen „Portrait de
lImpsratrice” (Joſephine), das im Loupre hängt, der große
Maler der Romantik Eugene Delacroix, Guſtave Dors, der
Il=
luſtrator der Bibel, Comteſſe d’Agoult, die Freundin von Liſzt
und Mutter von Coſima Wagner, „wer wollte alle aufzählen?
Die Friedhöfe ſind das geweſene Frankreich, das ſich in Paris
zentraliſiert hat. Dort iſt auch noch der „Mur des Fédérés”, wo
die letzten Verteidiger der Kommune am 28. Mai 1871, nach
wilder Verfolgung über die Gräber, hinter denen ſie ſich
ver=
ſchanzt hatten, erſchoſſen worden ſind.
In jenen grandioſen Friedhöfen iſt noch etwas von der
pul=
ſierenden Leidenſchaft, von der bewegten Vielgeſtaltigkeit, von der
ſchimmernden Pracht des Lebens ſelbſt. Die Nachwelt hat in
Denkmälern und Anlagen bedeutende Augenblicke aus dem
Erden=
wallen der großen Abgeſchiedenen feſtgehalten und zu neuem
Aus=
druck gebracht. In dieſer ſchier unerſchöpflichen, ſo
verſchieden=
artigen Fülle einer gewaltigen Vergangenheit mag auch die
Er=
klärung liegen für die geheimnisvolle Anziehungskraft, die Paris
Werd’ ich wo in einer Wiſte eingeſcharrt von fremder Hand? auf die Menſchen aller Erdteile immer noch ausübt. Paris hat
im Laufe ſeiner ſo wechſelreichen Entwicklung den Rat Wirklich=
„Beſonders aber laßt genug geſchehen... wer vieles bringt, wird
manchem etwas bringen. .." Selbſt auf einem ſeiner großen
Friedhöfe wird in Paris ein Stück europäiſchen Schickſals in unſer
Schauen gerückt, wie kaum wo anders in der Welt.
Von den Friedhöfen gehen wir zu den Toten ſelbſt. Nachdem
wir von der „Place Denfer Rocherau” die 92 Stufen einer
ſchma=
len Wendeltreppe hinabgeſtiegen ſind, gelangen wir durch einen
langen, engen Gang in die „Katakomben von Paris”. Zuerſt
überkommt uns ein maßloſes Gefühl von Stille und
Verlaſſen=
heit. Wir ſind in der größten unterirdiſchen Gebeinſtadt der Welt,
deren feuchte und dunſtige Finſternis im Schein unſerer Kerze ſich beths, der heiligen Landgräfin von Thüringen, die den Armen
etwas aufhellt. Auf einer Fläche von 600 000 Quadratmeter und Kranken eine edle Helferin war. Unſer Bild ſtellt die Legende
ziehen ſich die Galerien, ehemalige Steinbrüche hin, aus denen
jahrhundertelang, ſeit gallo=romaniſcher Zeit, Kalkſteine für den
mutige Streiter iſt nicht geſtorben, er lebt noch in unſerer beben= Häuſerbau von Paris gebrochen wurden. Als ſich an der
Erd=
oberfläche Einſturzgefahren kund taten, führte man in den
ge=
fährdeten Galerien und Stollen Stützmauern und Pfeiler auf.
Kurz vor der großen Revolution hob man aus Gründen der
öffentlichen Geſundheitspflege die Friedhöfe in Paris und um die
Kirchen der Stadt auf, verbrachte die Reſte der Toten in dieſe
alten Steinbrüche und gab letzteren, in Erinnerung an Rom, den
Namen „Katakomben von Paris”. Ueber vier Millionen Shädel
ſind hier ſyſtematiſch aufgeſchichtet, inmitten von Gebeinen.
Wür=
den uns nicht Tauſende von Schädeln entgegenſtarren, man könnte
fen halten. Die erſten Gebeine kamen aus dem Friedhof
„Des Innoncents”, Saint=Laurent u. a. folgten. Aus dam
Fried=
hof „Des Errancis” brachte man mit vielen anderen
wahrſchein=
lich auch die Ueberreſte von Madame Eliſabeth hierher, der
an=
hänglichen Schweſter von Ludwig KIl., die 1794, kaum 30 Jahre
alt, auf dem Schafott endete. Dantons mächtiger Schädel mag
hier irgendwo liegen, vielleicht nicht allzu weit von dem
Robes=
vierres, der den beneideten Volkstribunen dem Scharfrichter
aus=
geliefert hat, aber es doch nicht verhindern konnte, daß ihm bald
reich mit Opfern verſorgt hatte. Wer weiß, vielleicht liegt Dan=
Tragödin Rachel, die Rothſchilds, hier Cuvier, der geniale Grün= tons Schädel auch neben dem des Freundes Camille Desmoulins, rühmten Verſen von Gilbert:
der im Garten des Palais Royl nach einer zündenden Rede ein
Alphabet der Hieroglyphenſchrift fand. Chovin, Talma, der größte grünes Blatt von einem Baume brach und mit dieſem Symbol,
der „grünen Kokarde” die Baſtille ſtürmen ließ. Bald riß die von
ihm entfachte Revolution den zärtlichen Desmoulins von der
Hier liegen die Gebeine durcheinander von all den Opfern der
September=Maſſaker 1792, von den Kämpfen auf dem Place de blendende Tageslicht empor. Die helle, ſchreiende Großſtadt
er=
la Greve, über den vom Schafott herab ſo unſäglich viel Blut
kühne Rivale Bonapartes, der kühle Ingres, Daumier, der Maler gefloſſen iſt, von dem Blutbad im Schloß der Tuilerien am
man die Ueberreſte des großen Chemikers Lavoiſier, der ſo viel
Weſentlichſte in eindringlichſter, knappſter und klarſter Weiſe zu geniale Gedanken gedacht hat. Von ihm ſtammt der berühmte
Satz: „Rien ne se perd, rien ne ge erée.‟ Sein geiſtreicher Kopf
fiel 1794 unter dem Fallbeil des Henkers. „Nien ne ge perd,
Bor 700 Jahren ftarb die Heilige Eliſabeih.
Landgräfin von Thüringen.
Das Roſenwunder.
(Eliſabeth=Fresko von Moritz von Schwind in der Wartburg.)
In dieſem Jahre jährt ſich zum 700. Male der Todestag
Eliſa=
vom Roſenwunder dar: Brot und Fleiſch im Körbchen der
Land=
gräfin verwandelte ſich in Roſen, als der ſtrenge Landgraf ihr
auf ihrem Weg zu den Armen begegnete.
die Länder leben, erneuern ſich, bringen bedeutende Menſchen
hervor. Die Summe Geiſt und Seele iſt da, und tut ſich kund in
ſtets gewandelten Verbindungen und Erſcheinungen. Vielleicht
geht nichts verloren, vielleicht erſteht alles wieder in anderer
Form aus vorhandenem Urſtoff?
In drei Reihen grinſen Schädel aus den endloſen, düſteren
Gebeinmauern, über die im flackernden Kerzenſchimmer lange
die hohen Knochenſtöße im Halbdunkel für unermeßliche Holzhau= Schatten huſchen. Ein Teil von einem Schurken liegt bei der
Hälfte eines Gerechten, ein Stück von einem elenden Pfuſcher
neben dem Fragment eines genialen Künſtlers. Der Schädel
eines Dummkopfs liegt bei den Knochen eines großen Gelehrten
oder eines geiſtigen Führers der Revolution. Auf den Friedhöfen
waren die Menſchen noch nach Macht und Geld und geiſtigem
Rang geſtuft, hier in der wirklichen Totenſtadt ſind alle
Unter=
ſchiede aufgehoben, hier ſind alle gleich geworden. Hier
ver=
modert unter dem von Lebensgier zitternden Paris eine
Nekro=
polis, deren Bewohner mit ihrer Größe oder ihrer Scheußlichkeit
die Welt einſt mit einem leidenſchaftlicheren Tumult erfüllten,
die Guillotine beſteigen mußte, die ſeine Schreckensherrſchaft ſo als die haſtenden, aber ſchon etwas müden Pariſer von 1930.
Inmitten der Totenſtadt ſteht ein Steinaltar mit den be=
Au banguet de la vie, infortung convive.
Vapparus un jour et je meurs:
Je meurs, et sur la tombe, oü lentement Varrive,
Nul ne viendra verser des pleurs. . ..
Auf einer anderen Wendeltreppe ſteigen wir wieder in das
ſcheint uns wie etwas Wahwitziges, Unſinniges, Fremdes,
Geſpen=
ſterhaftes, ſo ſehr ſind wir noch unter dem Eindruck von Größe
und Verfall, den dieſe monſtruöſe Schädelſtätte in uns hinterläßt.
Hauptſchriftlenung Rudoll Mauve
Veranwortlich für Poltik und Wirtſchaft. Rudelt Maupe für Feutlleton, Reich und
Ausland und Heſche Nachrichten. Mar Streeſe: für Sport. Kar! Bshmann:
für den Handel: 1r. C. 6. Que iſch, für den Schlußdienſt Andceas Bauer; für
„Die Gegenwart” Tagesſpiegel in Bild und Wort. Dr. Herbert Neite:
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteilungen Willy Kuble
Oruck und Verlag. C.C. Wittich — ämtlich in Darmſtadt.
Für unverlanatr Manuſrivte wird Garante der Rückſendung nich übernommen.
Die heutige Nummer hat 14 Geiten
Satr, Druikausssrsiten!
Vielfachen Wünſchen aus unſerem Leſerkreiſe Rechnung tragend, veröffentlichen wir nachſiehend Muſter=Eintragungen, woraus jeder Teilnehmer am
Preis=
ausſchreiben eiſieht, in welcher Form die getundenen Löjungen angegeben werden ſollen:
1 E. Müller Machf., Waldstrasse 291
2 W. Ziegler, Bessungerstrasse 481
8 Wilhelm Adelberger, Rheinstrasse 206
4. Otto Bernius &. Co., Ringstrasse 308
Jacob Hill, Anastrasse 444
Malter:
Name und Adreſſe der Firmen
41 Ernst Thiem, Ernst-Ludwigstrasse 400.
42 Albert Horn & Sohn, Marktplatz 108
43 I. S. Bder, Ludwigstrasse 198
44 Paul Schmidt G. m. b. H., Aiexanderstrasse 405
45 Gebr. Blösser, Georgenstrasse 200
S1. Modehaus Emil Appel, Kiesstrasse 109
B2 Bergs-Zigaretten
83 Philipp Holschuh, Schustergasse 208
84 „Geschäftshaus Karl Brücher, Hügelstrasse 302
85 Ernst Arnold, Kirchstrasse 202
Die Löſungen müſſen, wie bereits bekanntgegeben, ſpäteſtens am 28 Januar 1931 in unſeren Händen ſein. Wir bitten jedoch diejenigen Bezieher, die
die Liſte bereits vollzählig ausgefüllt haben, zur Erleichterung der Prütung, die Abſendung jofort vorzunehmen
Der Verlag.
[ ← ][ ][ → ]Seite 10
Dienstag, den 13. Januar 1931
Nummer 13.
Statt Karten.
Meine liebe Frau, unſere treuſorgende
Mutter und Großmutter
Eliſe Jüngling
geb. Baillt
iſt heute früh um ½8 Uhr im 67.
Lebens=
jahr ſanft entſchlafen.
In tiefer Trauer:
Wilhelm Jüngling
Willi Jüngling und Frau
Anna, geb. Engel
Heinrich Grimm und Frau
Frieda, geb. Jüngling
und ein Enkelkind.
Arheilgen, den 12. Januar 1931.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 14. Januar,
nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhaus, Darmſtädterſtr. 97
aus ſiatt.
Todes=Anzeige.
Geſtern mittag verſchied plötzlich nach langem ſchweren,
mit großer Geduld ertragenen Leiden meine
innigſi=
geliebte Gattin, unſere treutorgende Mutter
Margarethe Golling
geb. Böcher
im Alter von 34 Jahren.
Im Namen der rrauernden Hinterbliebenen:
Max Golling
Lina Golling
Adolf Lortz.
Darmſtadt, den 12. Januar 1931.
Schwanenſtr. 38.
Die Beerdigung ſindet Mittwoch vormittag 11 Uhr vom
Poriale des alten Friedhofes an der Nied.=
Ramſtädter=
ſtraße aus ſitatt.
Todes=Anzeige.
Unſer lieber guter Vater, Großvater, Schwiegervater, Schwager
und Onkel
Skonomierat
Heinrich Hammann
iſt heute Abend nach längerem Leiden im 82. Lebensjahre ſanft entſchlafen.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
Bab. Bechkenbach, geb. Hammann
1007)
Toni Cellarius, geb Hammann
Karl Cellarius, Oberbaurat
und Enkelkinder.
Biebesheim, Darmſtadt, Gießen,
den 11. Januar 1931.
Die Beerdigung ſindet Mittwoch, den 14. 1. 31, 2 Uhr, in Biebesheim ſtatt.
Nachruf.
Am 10. Januar verſchied nach ſchwerem Leiden
unſer treuer Mitarbeiter, der Buchhalter.
Sein vorbildlicher Fleiß und ſeine große
Pflicht=
treue, die ihn bis zum letzten Atemzuge in ſeinem
Berufe aushalten ließ, ſichern ihm ein ehrendes
Andenken über das Grab hinaus.
Der Inhaber, die Angeſtellten und die
Arbeiterſchaft der Firma
Hofdekorations=
maler Robert Klump. Baudekorationsgeſchäft.
012
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger Teilnahme und Kranzſpenden bei dem Heimgang unſeres
lieben, treuſorgenden Gatten und Vaters, ſagen wir Allen vielen herzlichen Dank.
Ins=
beſondere danken wir Heirn Dr. Müller, Herrn Pfarrer Weigel für ſeine zu Herzen gehenden
Worte, der Evang. Gemeinſchaft, dem Männer= und Jünglingsverein, dem Poſaunenchor,
der Kriegerkameradſchaft Haſſia, ſowie all denen, die ihn zu ſeiner letzten Ruheſtätte
be=
gleiteten.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Walburga Schneider, geb. Bleher und Kinder.
Nieder=Ramſtadt, den 10. Januar 1931.
Dankſagung.
Für die innige Teilnahme beim Hinſcheiden
unſerer lieben Entſchlatenen
Frau Elifabeih Haub Pwe.
geb. Glöckner
ſagen wir Allen herzlichen Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Heinrich Mattheß.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Heimgange unſerer lieben Entſchlafenen
heizlichſten Dank. Dank jagen wir auch Herrn
Pfarrer Kleberger für ſeine troſtreichen Worte
und den Schweſtern des Stadt=Krankenhauſes
für ihre liebevolle Pflege.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Philigp Quick
Familie Wilhelm Quick
Familie Friedrich Adolf, geb. Quick.
für Berut und Hausbedarf. Schnitte nach Maß
Proſpekt und Auskuntt koſtenlos.
Privat=Zuſchneide=
Marg. Becker
Fachſchule (292=
Eligabethenstrasse 34, I. Teſefon 3546.
1
n Reinigung
im Beisein der Kundschaft
1 Deckbett Mark 3.50
1 Kissen.. Mark 1.50
Barchente, Daunen, Federn
(ein- und umtüllen gratis)
zusg
K. Rotk
Magdalenenstr. 11, Tel. 1084
Lager in Polster-Möbeln und Matratzen
Trauergarderoben
werdenin einigen Stunden ſchwarz gefärbt
EIA
NA
Kranichſteinerſtr. 28
Eliſabethenſtr
(Huthaus Titze)
Telephon 736
Telephon 736
Marktpaſſage
Beie
Bitte genau auf Firma und Straße zu achten
A
uckerkranke
Kein Hungern mehr nötig. Größte Erfolge
Koſtenl. Auskunft u. Tatſachenberichte durch
Ph. Hergert, Wiesbaden, Rückertstr. 264.
16
Dankſagung.
Allen die an unſerem Schmerze
Anteil nahmen, bei dem Heimgang
unſ rer lieben Entſchlafenen, ſagen
wir herzlichen Dank. Beſonders den
Aerzten und Schweſtern des Städt.
Krankenhauſes, ſowie Herin Pfarrer
Wagner fär die troſtreichen Worte
Grabe. Auch für die Kranz= und
Blumenſpenden herzlichen Dank.
Im Tamen
1030)
der trauernsen Hinterbliebenen:
Familte Heinrich Zalman,
Familie Fritz Nahrgang.
Darmſtadt, den 13. Januar 1931.
Wer dort?
iier V. Scha
Komme ſof. u. kaufe
jetragene. Herren=
Kleider,Federbetten
Schuhe, Wäſche uſw
H. Schotg
Darmſtadt. (2038
Tel. 1924 Schloßa 2‟
1 Sitz= u. 1
Bade=
wanne, gebr. z. kf.
geſucht. Gefl Off.
u. R. 75 Geſchſt. (1
Klein. gebr.
Sport=
wagen geſucht. Ang.
unt. R. 81 Geſchſt.*
BrauchenSieGeld?!
Kaufe
reparaturbe=
dürftige Fahrräder.
Ihre Adreſſe unter
R. 84 a. d. Gſchſt.
Miel=Pianos
frei.
Piano=Berg
Heidelbergerſtr. 88.
Telef. 126. (828b
Mod. wß.
Kinder=
wag, z. kf. geſ. A.m.
Pr. u. R. 66 Gſch.*
See-pesreestsrrde T
Pribat=Schneider=Anterricht
Gründ iche Ausbildung
an eigener Garderobe
Zuſchneiden, Kleider=, Mäntel=, Wäſchenähen
Seoeesereeserseesenoree
Meiſterin, Eliſabethen=
Lont Hanau ſtraße 70, 1. Tele
1242
Müte
u. Mützen
auch sämtliche
Reparaturen
außerst billig
Angeli
Schulstraße 11
(3150
Haarausfall
wird d. die Ottve=
Methode ſicher
be=
ſeitigt. Wirkung
überraſchend. Preis
1.90 ℳ. — Friſeur
Karl Steinmetz,
Ludwigſtraße 8.
(249a)
Reparaturen jd. Art,
Stimmungen ſofort.
Piano-Berg
Klavierfachmann,
Heidelbergerſtr. 88,
Telefon 126. (*sid
Todes=Anzeige.
Heute verſchied nach ganz kurzem
Leilen mein innigſtgeliebter
Mann, Vater, Sohn u. Onkel,
der
Zimmermeiſter und Gaſtwirt
Philipp Spörl
Reinheim, den 12. Januar 1931
Im Aamen der tieftrauernden
Hinterbliebenen:
Eliſabe he Spörl
geb. Ihrig (1029
Die Beerdigung find, donnerstag
15 Januar, nachm. 1 Uhr ſtatt.
Kriegerverein
Darmſtadt
1874
Am Freitag verſchied unſer lieber
Kamerad und langjähriges; treues
Mitglied
Herr
Heinrich Kirchner
Polizei=Bachtmeiſter i. R.
Die Beerdigung findet am
Diens=
tag den 13. d. Mts., nachmittags
2 Uhr, auf dem Friedhof an der
Nieder=Ramſtädterſtraße ſtatt.
Wir bitten um zahlreiche
Be=
teiligung,
Der Vorſtand.
1016)
Das dededtel dieſes Siid,
Ein Luxus=Schönheitspäckchen gratis
eder Frau, die die richtige Antwort findet. Tauſende zerbrechen ſich. Tag und
Nacht den Kopf, um die richktige Löſung zu finden. Wer wird die eiſte ſein?
Biocel, die lebenswirkſame Subſtanz der Hautzellen.
Ein ſiaunenswertes Produkt, aus jungen Tieren gewonnen, das von Wiener
Profeſſoren der Medizin entdeckt wurde. Außerlich angewend=t, verleiht es
dem Geſicht neue Jugend. Frauen von 50 können nun wie Dreißigjährige
ausſehen. Keine Falten mehr.
Biocel iſt ein echter embryonaler Ex=) Machen Sie folgenden Verſuch: Tra= nahrung, auf dem zweiten 280 Gramm
trakt mit serum hemopoietique. Es iſt das gen Sie dieſe neue Tokalon Biocel= und auf dem dritten 180 Gramm. Dieſe
wirkſame Lebensprinzip der Hautzellen. Hautnahrung nachts auf die rechte Ge= Hautnahrung iſt in Töpfen von dreier=
Schon eine einmalige Anwendung dieſer ſichtshälfte und gleichzeitig ein anderes lei Größe, klein, mittel und groß,
ent=
ſtark konzentrierten, kräftigen Subſtanz kosmetiſches Präparat auf die linke auf. halten. Stellen Sie die Töpfe ſo, daß
wirkt auf die winzigen, geſchrumpften Wenn dann am anderen Morgen Ihr auf jedes Tablett genau das gleiche Ge=
Blutgefäße des Geſichts. Neues und vor Gatte oder Ihre Familie nicht feſtſtellt, wicht kommt. Ein Luxus=
Schönheits=
allem mehr Blut ſtrömt zur Haut und
päckchen, etwas, das jede Frau braucht,
führt beſſere Farbe und Nahrung zu. daß die Haut auf der rechten Geſichts= wird gratis jeder Frau zugeſchickt die
Dieſe geheimnisvolle Maſſe iſt tauſend= hälfte entſchieden geſchmeidiger, glatter, eine richtige Löſung bis zum 17. Febr.
mal kräftiger als das Biocel in der roſiger und ſammetgleicher iſt, wird 1931 einſendet,
menſchlichen Haut. Sein dauernder Ge= Ihnen Ihr Geld zurückerſtattet.
brauch ſchafft neues Biocel=Gewebe und
damit neues Leben der Haut.
So verſchwinden Falten, und die Haut
wird friſch, feſt und roſig. Ob 19 ob 50,
fortan wird es nicht mehr möglich ſein,
das Alter einer Frau zu ſchätzen. (
Aus=
führlicher Bericht in der Wiener mediz.
D
Zeitſchrift.)
Benutzen Sie die roſafarbige Tokalon
Senden Sie 25 Pfennig in Marken
zur Deckung des Portos, der Verpackung
Biocel=Hautnahrung für die Nacht und und anderer Speſen an C. F. Aſche &
maſſieren Sie ſie gut in die Haut ein. Co., Hamburg, Pinneberger Weg 3 W.
Benutzen Sie Tokalon Creme weiß,
Bei unrichtiger Löſung ſenden wir
fettfrei, am Morgen.
Ihnen einen Troſtpreis, ſo daß jede
Auf dem erſten Tablett des obigen Frau, ob richtige oder falſche Löſung,
Bildes liegen 260 Gramm Tokalon Haut= einen Preis erhält.
CIBln5/ /
Creme Tokalon (Biocel), die bedeutendſte Hautnahrung;
die jemals bereitet wurde. Verſuchen Sie dieſen neuen bequemen Weg, um jung auszuſehen.
Nummer 13
Dienstag, den 13. Januar 1931
Seite 13.
Sport. Spiel und Zurnen.
Kreisliga Südheſſen.
Vier Spiele — drei Ueberraſchungen! Neben der zweiten
Nieder=
lage des Tabellenführers in Hochheim fällt die hohe Niederlage der
Bür=
ſtädter Raſenſpieler in Gernsheim auf. Die Mannſchaft des Neulings
iſt in letzter Zeit ſehr gut „in Form” gekommen. Am „Galgen” mußten
ſich die Bibliſer nach torloſer Halbzeit letzten Endes noch hoch geſchlagen
geben. Bei allem Wirrwarr iſt Lorſch nach wie vor ausſichtsreichſter
Bewerber um den Meiſtertitel. Einmal, weil Bürſtadt auch verlor, und
dann, weil Pfiffligheim die beiden Punkte gegen Horchheim abgeſprochen
wurden. Im Mittelfeld der Tabelle hat es eine Verdichtung gegeben;
Gernsheim kann ſich evtl. noch vor dem Abſtieg retten. Die Reſultate:
Concordia Gernsheim — VfR. Bürſtadt
6:1.
Starkenburgia Heppenheim — FV. Biblis
5:0.
Spv. Hochheim — Olympia Lorſch
2:0.
Olympia Lampertheim — Spv. Horchheim . .
2:1.
Die Gernsheimer legen einen mächtigen Endſpurt ein; vielleicht
hal=
fen ſie durch und ſichern ſich noch kurz vor Ladenſchluß den Verbleib in
der Kreisliga. Bei recht gutem Spiel holten ſie ſich diesmal die beiden
Punkte. Die Bürſtädter waren wohl mit Erſatz angetreten, doch kann
dies nicht vollauf die eindeutige Niederlage entſchuldigen. Starkenburgia
Heppenheim hatte Mühe, die Riedleute über die erſte Spielhälfte zu
hal=
ten. Danach legten ſie alle Kraft in den Sturm und erzielten ſo Tor
auf Tor. Die Niederlage der Lorſcher iſt ziemlich tragiſch. Zwei ihrer
beſten Leute wurden bei dieſem Spiele verletzt; nachdem der Tormann
und die Hauptſtütze der Lorſcher. Mittelläufer Lorbacher 1., verletzt
waren, war die Niederlage nicht mehr abzuwenden. Hochheim zeigte im
übrigen eine recht angängige Leiſtung. In Lampertheim hätte
Horch=
heim mit etwas Glück ein Unentſchieden erzielen können., Olympia
Lam=
vertbeim iſt nun ſo ziemlich aus dem Bereich des Abſtiegs
herausge=
rutſcht. Für Horchheim war die Zuteilung der beiden Punkte aus dem
Spiel gegen Pfiffligheim ſehr wertvoll. — Die Tabelle:
: 13 6 5 14 Spv. Horchheim . . . . . 14 5 4 5 14 Okympia Lampertheim . . r.. 16 * 8 13 V. f. L. Lampertheim . 16
10 11 Concordia Gernsheim . 15 11 Viktoria Neuhauſen 16 3 12
Polizei Darmſtadt — ASC. Darmſtadt.
Am Mittwoch, nachm. 2 Uhr, empfängt die Ligareſerve des
Polizeiſportvereins die Mannſchaft des Akademiſchen Sportklubs auf
dem Polizeiplatze. Da beide Mannſchaften ſeit ihrer ſpieleriſchen
Tätig=
keit recht gute Erfolge erzielen konnten, dürfte mit dieſem Spiel ein
intereſſanter Kampf zu erwarten ſein. Eintritt frei.
* Fußball in der Kreisliga Rhein=Main.
Olympia Weiſenau — Haſſia Bingen 1:1: Kaſtel — Weiſenau 3:1;
Mombach — Raunheim 3:1; Rüſſelsheim — Biebrich 6:0; Flörsheim —
Geiſenheim 1:0. — Durch den Punktverluſt der führenden Binger in
Weiſenau und die gleichtzeitigen glatten Siege von Kaſtel und
Rüſſels=
heim hat ſich die Spitzengruppe wieder enger zuſammengeſchoben. Es
führt zurzeit Bingen mit 20 vor Kaſtel und Rüſſelsheim mit je 18
Punk=
ten. Zwiſchen dieſen drei Mannſchaften dürfte die Meiſterſchaft liegen.
Eventuell könnte auch noch Mombach ein Wörtchen mitzureden haben,
das Raunheim 3:1 beſiegte. Geiſenheim verlor überraſchend in
Flörs=
heim 0:1. Raunheim ſteht mit drei Punkten am Schluß der Tabelle.
Sein Abſtieg dürfte jetzt ſchon entſchieden ſein.
Schwimmen.
Techn. Hochſchule Darmſtadt — Rotweiß Darmſtadt.
Am Donnerstag, den 15. Januar, abends 20 Uhr,
fin=
det im Städt. Hallenbad ein Zweikampf im Schwimmen und Waſſerball
zwiſchen der Techn. Hochſchule und Rotweiß ſtatt. Es wurden folgende
vier Wettkämpfe vereinbart: 4mal 200 Meter Freiſtilſtaffel. 2mal 50
Meter Freiſtilſtaffel, Waſſerball der 1. und 2. Mannſchaften. — Durch
das ſtarke Aufkommen der Rotweiß=Schwimmer dürfte gerade die erſte
Staffel das meiſte Intereſſe erregen, zumal es der ſportlich wertvollſte
Schwimmwettkampf iſt. Auch die Techniſche Hochſchule kann zu dieſer
Staffel hervorragende Kräfte ſtellen. Ebenſo intereſſant dürfte die große
Staffel 20mal 50 Meter werden. Dieſe Art Wettkämpfe haben rein
ſport=
lich betrachtet, keine beſondere Bedeutung, aber ſie geben die Möglichkeit,
ine große Anzahl ſonſt brachliegender Kräfte zu betätigen und laſſen
an=
dererſeits den Laien ahnen, welche monatelange Vorbereitung
notwen=
dig iſt, eine Kampfmannſchaft in dieſer Größe auf die
Mindeſtdurch=
ſchnittszeit zu bringen. Bereits vor einem Jahr trafen ſich die obigen
Gegner in dieſem Wettkampfe. Damals wechſelte ſtetig die Führung.
Die Hochſchule gewann ſchließlich durch ihre guten Schlußleute
Orle=
mann, Cordes uſw. ſicher. Inzwiſchen hat ſich jedoch Rotweiß zuſehends
gebeſſert, ſo daß der Ausgang ungewiß iſt.
Schwimmerkagung in Berlin.
Neuregelung der deutſchen Wafſerballmeiſterſchaft.
Der Verbands=Schwimmausſchuß hielt am Sonntag in Berlin eine
Tagung ab, auf der als wichtigſter Punkt die neuen Vorſchläge zur
Waſſerballmeiſterſchaft behandelt wurden. Das Endſpiel ſoll in Zukunft
nicht mehr in Verbindung mit den deutſchen Meiſterſchaften, ſondern im
Dezember in der Halle ausgetragen werden. Während der Sitzung
kün=
digte der Waſſerballreferent Dr. Nußbaum=München ſeinen Rücktritt
wegen beruflicher Ueberlaſtung an. Dem Proteſt der Waſſerfreunde 09
gegen die Entſcheidung im Schwimmen quer durch Berlin wurde
ſtatt=
gegeben, ſo daß die Waſſerfreunde Sieger dieſes Langſtreckenſchwimmens
bleiben.
wig an der Bremſe. Huth fuhr mit dem gleichen Schneid, wie man es
von ihm im Motorradrennen gewöhnt iſt und holte mit 2:12.1 für zwei
Fahrten einen neuen Rekord heraus. Den zweiten Platz beſetzten Wieſe=
Hoppe (Hannover) auf Bob „Pulchen” mit 2:16.3 vor dem Schlittſchuh=
Clubbob „Framchen” mit 2:16.7. Sigeer der Vierer=Meiſterſchaft wurde
Bob „Wiſpo” (Steuer: Wieſe, Bremſe: Hoppe) in 1:59,2 vor Bob
„Bram 4” vom Berliner Schlittſchuh=Club mit 2:02.4.
Im Dortmunder Sechstagerennen" führen nach 66 Stunden noch
immer Schön/Piinenburg mit zwei Runden von Göbel/Dinale, 130 P.
Es folgen drei Runden zurück: 3. Linari/Guerra, 114 P., 4 Runden
zu=
rück: 4. Rauſch/Hürtgen, 47 P., 5 Runden zurück: 5. Krüger /Funda,
77 P.; 6. van Kempen/Stübbecke, 56 P.; 7 Runden zurück: 7. Manthey=
Maczinsky, 70 P.; 8 Runden zurück: 8. Tonani/Schenk, 48 Punkte;
9. Preuß/Reſiger, 63 P.; 10. Broccardo/Marcillac, 41 P.; 10 Runden
zurück: 11. Ehmer/Tietz, 40 P.; 12 Runden zurück: 12. Krüger /Funda,
35 P.; 16 Runden zurück: 13. Bremer/Damerow, 30 P.
Zwei neue ungariſche Schwimmrekorde ſtellte Ilonka Toth in
Buda=
peſt über 100 Meter Freiſtil in 1:14,8 und über 400 Meter Freiſtil in
6:18 Minuten auf.
Dr. Nußbaum=München, der verdienſtvolle Waſſerballreferent des
D. S. V., hat infolge beruflicher Ueberlaſtung demiſſioniert.
Der erſte Olympia=Kurſus der Deutſchen Sportbehörde wird im
Mai 1931 im ſüddeutſchen Verbandsheim Ettlingen ſtattfinden.
Rundfunk-Programme.
Handball.
Reichsbahn Darmſtadt — Reichsbahn Mainz 7:1 (6:1).
Am Sonntag ſtanden ſich auf dem Sportplatz am Dornheimer Weg
die beiden obigen Vereine im Freundſchaftsſpiel gegenüber. Darmſtadt
konnte bereits nach 4 Min. zum Führungstreffer gelangen. Infolge der
Kälte entwickelte ſich ein ſehr flottes Spiel, wobei es der Platzelf gelang,
noch fünfmal das Leder in das Mainzer Heiligtum zu ſenden. Die Gäſte
erzielten durch Strafſtoß ihr Ehrentor. Bei dem Stande von 6:1 ging
es in die Halbzeit. Mainz erhöhte dann ſeine Verteidigung auf vier
Mann, um einer höheren Niederlage zu entgehen. Trotzdem gelang ein
prächtiger Durchbruch des Mittelſtürmers. Bei dem Stande 7:1 blieb es
bis zum Schluß. Das jederzeit einwandfreie, faire Spiel leitete Wiemer=
Bickenbach gut wie immer.
Winkerſpork.
Shi=Wettkämpfe auf dem Vogelsberg.
Der Skigau Vogelsberg konnte am Sonntag von ſeinen drei
aus=
geſchriebenen Läufen infolge der geringen Schneelage nur den Langlauf
zum Austrog bringen. In der Herrenklaſſe, in der eine Strecke
von 14 Klm. zurückzulegen war, blieb Werner=Frankfurt in 1:22:50 Std.
Sieger vor Chriſt=Frankfurt in 1:30:20 Std. Den Jungmannen=
Lauf über 7 Klm. gewann Neuenhage (Blauweiß Schotten) in 44:55
Min. vor Bruchhäuſer=Gießen in 48:45 Min. Im Damenlauf
be=
legte Frl. Heid=Gießen in 26:22 Min. den erſten Platz vor Frl. Hantrick=
Gießen. In dieſer Klaſſe führte die Strecke über 3 Klm.
Die neuen Junioren=Bobmeiſter.
Auf der in guter Verfaſſung befindlichen 1000 Meter langen
Bob=
bahn in Hahnenklee wurden am Sonntag die Deutſchen Junior=
Meiſterſchaften im Zweier= und Viererbob ausgetragen. Die Zweier=
Meiſterſchaft ſicherte ſich der Bob „Bleibtreu” des Berliner Schlittſchuh=
Clubs mit dem bekannten Motorradfahrer Huth am Steuer und Lade=
Frankfurt a. M.
Dienstag, 13. Januar.
15.20: Hausfrauennachmittag: Was man aus Nudeln machen kann.
— Welche Schule ſoll mein Kind beſuchen?
16.30: Konzert des Rundfunforcheſters.
18.15: Stadtrat Dr. Michel: Kulturaufgabe in der Wirtſchaftskriſe.
18.45: Aus Stuttgart: M. Grieſebach: Weltwanderungsfragen im
Jahre 1930.
19.15: Aus Stuttgart: Dr. Albert Haag: Die drei großen Zweifel
der Philoſophie und ihre Heilung.
19.45: Von Köln: Unterhaltungskonzert. Opernmuſik. Orcheſter des
Weſtdeutſchen Rundfunks.
20.30: Leben wider Willen. Hörſpiel von Fritz Peter Buch. In
der Hauptrolle: Paul Verhoeven.
21.30: Klavierkompoſitionen von Chopin und Liſzt.
0.30: Stuttgart: Nachtkonzert.
Swuſterhauſen.
Deutſche Welle. Dienstag, 13. Januar.
10.10: Schulfunk: 25 Minuten Muſiktheorie. Der luſtige Dur=Drei=
klang,
11.30: Tierzucht und Tierhaltung. Ob.=Landw.=Rat Pfannenſtiel:
Ausnutzung und Pflege der Dauerweiden.
12.00: Schulfunk: Franzöſiſch für Schüler.
15.45: Kinderſtunde: Märchen und Geſchichten: Traum einer alten
Eiche.
16.00; Frauenſtunde. Urſula Scherz und William Wauer: Neue
Netzarbeiten, eine Tiſchdecke.
16.30: Aus Leipzig: Nachmittagskonzert.
17.30: Prof. Dr. Mersmann: Einführung in die neue Muſik.
18.00: Dr. Günther Dehn: Typen der werktätigen Jugend.
18.30: Prof. Dr. Paul Günther: Leuchtende Atome.
19.00: Franzöſiſch für Anfänger.
19.30: Or. Alexander Rüſtow: Wie kommen die Preiſe zuſtande?
In der Fertiginduſtrie.
20.00: Aus Breslau: „Heimat in Schleſien”. Mitw.: Käte Nick=
Jaenicke, Hans Hielſcher, Herbert Heidrich, Ernſt Schenke, Funkchor
Schleſiſche Philharmonie.
21.10: Aus Hamburg: Kleines Konzert. Norag=Orcheſter.
22.15: Berlin: Dr. Räuſcher: Politiſche Zeitungsſchau.
22.50: Aus Hannover: Unterhaltungstonzert und Tanzfunk.
Hanno=
verſches Norag=Orcheſter.
Wekterbericht.
Ausſichten für Dienstag, den 13. Januar: Fortſchreitende Milderung,
vielfach bewölkt, vereinzelte Niederſchläge.
Ausſichten für Mittwoch, den 14. Januar: Unbeſtändiges, teils wolkiges,
teils aufklarendes Wetter mit vereinzelten Niederſchlägen.
Erklärung.
Die vielen Ausſagen, die ich gegen
Frau Georg Rhein II. und Herrn
Gärtner Bauer gemacht habe, nehme
ich mit großem Bedauern als unwah
zurück.
(994
Joh. Philipp Ehret.
Haumdsenlnen
äußerst billig!
Reparaturen
fachm. u sehr preiswert
Haas & Bernhardä
Rheinstraße 19
welcher über erſtkl.
Schnitt verfügt ſucht
Verbindg. m. Tuch=
vertrerter u. Stoff=
handlg. zwecks An=
fertigung v. Herren=
bekleidung all. Art.
Prs p. Anzug 32 ℳ.
Ang. u. R. 80 Gſch.* Sonnige
5-6-3i.-Wohn.
v. ruh. Miet. f. bald
geſ. Mietb.=Schein.
Angeb. m. Preis u.
R. 65 a. d. Geſch. (
Von Akademiker
2—3=Zim.=Wohng.
bis 60 ℳ Miete, z.
1. Februar geſucht.
Angeb. m. Preis u.
R. 54 a. d. Geſch. (* Kleines
Einfamil.-Haus
ca. 5 Zim., Manſ.,
Baderaum, etwas
Gart., Oſt= o. Süd=
oſtviertel, i. Pr. b.
zu 25 000 RM. zu
kafen geſucht. Ang.
u. R. 63 Geſchſt. ( Einfamil.-Haus!”
im ſüdl. Stadtteil
(Höhenlage), 8 Zim= e mer, Bad. Küche u.)
Nebenräume, Vor=),
und Rückgarten, in
gutem Zuſtande, be=
ziehbar nach Ver=
einbarung, für Mk.
23 000. verkäuflich.
Kaufintereſſenten wollen ſich u. R. 79
an die Geſchäftsſt.
2. Bl. wenden. (*id
Gutgehende
Schuhmacherei
i. d. Nähe Darmſt.
ſof. zu verk. Ang. u
R. 67 a. d. Geſch. (*
Kleiner Laden
ſaub. Geſch. geſ.*
Off. u. R. 69 Geſch. z. 1. März zu mie= dung. Bedingungen
2 leere od. teilweiſe
möblierte Zimmer
ten geſucht. Ang. u.
R. 88 a. d. Gſchſt. *
Wo kann
junge Dame 24 J),
im Nähen ſehr
talen=
tiert, das
Nähen erlernen?
Berufsmäß.
Ausbil=
nach Ueb reinkunft.
Ang. unt R 82 an
die Geſchäftsſt.
Unsere Matratzen
sind Werkstätten-Verarbeitung
daher so gut und so billig!
Woll-Matratzen
Zteilig und Seegras-Keil, gestreiſt-
Drellbezug
S
Woll-Matratzen
3teilig und Seegras-Keil, modern
gemusteiter Jaguard-Drell
Aaue
Woll-Matratzen
Zteilig und Seegraskeil, bes. gut
ausgearb., modern. Jacquard-Drell
Salss
Kapok-Matratzen
Zteilig und Seegraskeil. gestreifter
Drellbezug
35.50
Ia Jara-Kapok-Matratzen
Zteilig und Seegraskeil,
nenzeit-
liche Jacguard-Drellbezüge
Sslod
Ia Jara-Kapok-Hatratzen
besonders gut ausgearbeitet, prima
Jacguarddrell, Zteil. u. Seegraskeil
69.00
1005
ALOHLOTAAHAO
DARMSTADT — MARKT U. ERNST-LUDWIGSBLATZ
An unſere verehrte Kundſchaft !
Wir waren gezwungen, unſere dortige Verteilerſtelle,
Griesheim, Hofmannſtr. 101, die bisher von
Herrn Wilhelm Haun geleitet wurde, aus beſonderen
Gründen in die Hände von
Frau Margarethe Baſel
Griesheim
Pfungſtädterſtraße 32
zu legen.
Wir bitten Si” falls Sie von Frau Baſel noch ncht
beſucht o er ungetroffen wurden, Frau Baſ I du ch eine
unftank rte Poſikarte den Tag auf ugeben an dem
Si beſſcht zu werden wünſchen. Wir uarnen ganz
beſonders davor, unſere Radattkurten durch irgendeinen
Konkurienzvertreter eintauſchen zu laſſen. Zum Ein
tauſch iſt nicht mehr Herr Haun, ſondern nur Frau
Baſel berechtigt, die ſich ausweiſen wird, und die auch
die vollgekl bten Rabuttkarten ausbezallt
Wir hoffen, daß Sie w iterhin Bezieher unſerer
vor=
züglichen Erzeugniſſe:
Margarine Holſtenſtolz
Holländer Käſe „De Duif”
Tilſiter Käſe „Marke Taube‟
Claſen=Schokolade
Claſen=Kaffee
Claſen=Kakao und
Claſen=Tee
bleiben werden.
Johann TheodorClaſen G.m. b. H.
Hamburg 13. (1IHbg.996
Prakt. engl. Unterr.
in W. u. Schr. nach
leichtfaßl. Methode,
Std. 505. 24 Jahre
im Ausland. Ang.
u. R. 58 Geſchſt. (
Zither=
Gitarre= u. Mand.=
Stund. bei Gerbig,
Neckarſtr. 24.Hts. I.Ik.
Inſtrumente billig.
(279a)
zurefanseete
R
Nummer 13
Dienstag, den 13. Januar
Zie Warengansamfage
von Januar bis November 1930.
In den elf Monaten dürften bei dem Preisabbau die Umſatzmengen
im ganzen kaum niedriger geweſen ſein, als im Jahre zuvor. Bei
Nah=
rungs= und Genußmittlen zeigen ſelbſt die Umſatzwerte eine Steigerung
von mehr als 2 Prozent, ſo daß hier wohl eine Zunahme der
Umſatz=
menge eingetreten iſt, die nicht weit von 10 Prozent entfernt ſein dürfte.
Bei Bekleidung insgeſamt waren die Umſatzwerte in den erſten 11
Mona=
ten um etwas mehr als 7 Prozent geringer als in der gleichen
Vor=
kriegszeit. Da mit Sicherheit anzunehmen iſt, daß die Preiſe in der
gleichen Zeit ſtärker oder mindeſtens im gleichen Grade geſunken ſind,
dürften ſich hier die Umſatzmengen etwa behauptet haben. Der Umſatz
in Hausrat und Möbeln liegt im ganzen Jahresabſchnitt um etwas
mehr als 4 Prozent unter Vorjahreshöhe. Auch hier iſt anzunehmen,
daß die Umſatzmengen die Höhe des Vorjahres erreichen. Im ganzen
dürften ſich ſomit bei einem Rückgang der wertmäßigen Umſätze in den
Warenhäuſern die Umſatzmengen in den erſten elf Monaten des Jahres
1930 mindeſtens behauptet haben.
Immer noch anhalkende wirkſchaftsftagnakion.
Die letzten Wochen des alten Jahres haben, wie die Dresdner Bank
in ihrem neueſten Monatsbericht ausführt, eine weſentliche Aenderung
in der allgemeinen Wirtſchaftslage in Deutſchland nicht gebracht. Die
geringfügigen Veränderungen der allgemeinen Wirtſchaftslage dürften
auch in den kommenden Wochen im weſentlichen auf ſaiſonmäßigen oder
außerwirtſchaftlichen Einflüſſen beruhen. Zu beachten iſt, daß die
Ein=
ſchränkung der Produktion nach und nach einen derartigen Grad
er=
reicht hat, daß das Auftreten eines ſtärkeren Bedarfs an irgendeiner
Stelle zu einer raſchen Wiederausdehnung der Produktion führen könnte,
zumal auch die Lagervorräte eine erhebliche Einſchränkung erfahren
haben. Auch die weltwirtſchaftliche Lage bietet zurzeit noch keine
gün=
ſtigen Aſpekte. Der Weltkapitalmarkt iſt immer noch ſehr eingeengt.
Ebenſo ſind begründete Ausſichten für eine baldige Wiederbelebung der
Rohſtoffmärkte noch immer nicht feſtzuſtellen. Alles dies wirkt
natur=
gemäß auch auf das deutſche Außenhandelsgeſchäft zurück. Der Geld=
und Kapitalmarkt ſtand im Dezember unter dem Einfluß zweier
ein=
ander widerſtrebender Faktoren. Die Beruhigung der politiſchen
Ver=
hältniſſe führte auch zu einem Nachlaſſen der Spannungen auf dem
Ge=
biete der Kreditverſorgung der Wirtſchaft. Andererſeits ſtand der
Geld=
markt völlig im Zeichen des herannahenden Jahresultimos mit ſeinem
gegenüber dem Normalſtand ſtark erhöhten Kredit= und Barbedarf. Die
Entwicklung, die in den letzten Wochen die Börſe genommen hat, kann
nur als Ergebnis des überaus ſcharfen Abgabendrucks aus dem
Aus=
lande verſtanden werden, der eine durchſchnittliche Abſenkung des
Aktien=
kursniveaus um nicht weniger als 15 Prozent zur Folge hatte. Der
gegenwärtige Kursſtand der Aktien kann jedoch wohl unter keinen
Um=
ſtänden als in der wirtſchaftlichen Lage begründet angeſehen werden.
Ergibt ſich doch ſelbſt unter Berückſichtigung der vorausſichtlichen
Divi=
dendenrequlierung für die Aktienwerte eine Durchſchnittsrendite, die das
Zinserträgnis der feſtverzinslichen Papiere zum mindeſten erreicht,
wvenn nicht überſchreitet.
Wirkſchaftliche Rundſchau.
Der Eiſenmarkt im Lahn=Dillgebiet und Oberheſſen im Dezember.
Die Ungewißheit über das Ausmaß des Erzabrufes im neuen Jahre
laſtet auf den Grubenbetrieben. Ein weiterer Rückgang des Abrufes
würde die Möglichkeit unterbinden, die noch in Betrieb befindlichen
Gruben weiter durchzuhalten. Zwecks Lohnherabſetzung wurde das
Lohnabkommen, ſeitens des Berg= und hüttenmänniſchen Vereins zu
Wetzlar zum 31. Januar 1931 gekündigt. Die Bergarbeiterverbände
haben daraufhin ihrerſeits das Mehrarbeitsabkommen zum 1. März 1931
gekündigt. Verhandlungen über beide Abkommen finden im Monat
Januar ſtatt, deren Erfolg für die Weiterexiſtenz der Grubenbetriebe
von grundlegender Bedeutung ſein wird. Die Vorverhandlungen ſind
ergebnislos verlaufen. Obgleich Förderung und Abſatz im Dezember
etwas angezogen haben, ſo darf hierbei nicht überſehen werden, daß
dieſe Bewegung hervorgerufen wurde durch das Beſtreben, eine gewiſſe
Kontingentsgrenze nach dem A.=T. 7i zu erreichen. Allein dadurch iſt
die erhöhte Förder= und Abſatzmenge zu erklären. Normalerweiſe wären
beide um zirka 7000 Tonnen geringer geweſen. Vorausſichtlich wird ſich
auch im Januar dieſer erhöhte Mehrverſand auswirken.
Schiebsſpruch in der Frankfurter Metallinduſtrie. Im Lohnſtreit
der Frankfurter Metallinduſtrie wurde am Samstag folgender
Schieds=
ſpruch verkündet: Ab 12. Januar 1931 gelten folgende Sätze: Der
Spit=
zenſtundenlohn der gelernten Arbeiter beträgt 0,84 (bisher (0,89) Mk.,
und vom 7. April 1931 ab 0,83 Mk. Die Löhne der übrigen
Berufs=
gruppen und Altersklaſſen berechnen ſich nach dem bisherigen Schlüſſel.
Die Akkordbaſis beträgt in der Spitzengruppe 0,76 (0,80) Mk., vom 7. 4.
d. Js. ab 0,75 Mk. Die Lehrlingsvergütungsſätze bleiben zunächſt
un=
verändert, ändern ſich jedoch ab 7. April wie folgt: im erſten Lehrjahr
0,09 Mk. im zweiten Lehrjahre 0,11 Mk., im dritten 0,15 Mk., im
vier=
ten Lehrjahre 0,25 Mk. Vom 7. April 1931 ab betragen die
Vergütungs=
fätze für die Lehrlinge in der Gießerei im erſten Lehrjahre 0.18 Mk.,
am zweiten 0,22 Mk., im dritten Lehrjahre 0,30 Mk. Die übrigen
Be=
ſtimmungen des Lonhtarifvertrages bleiben unverändert beſtehen. Der
neue Lohntarif gilt bis zum 26. September 1931 und kann mit 4
wöchi=
ger Friſt erſtmals zu dieſem Termin gekündigt werden. Die Parteien
haben ſich über Annahme oder Ablehnung dieſes Schiedsſpruches bis
Donnerstag, den 15. Januar 1931, mittags 12 Uhr, zu erklären.
Schiedsſpruch in der mittelbadiſchen Metallinduſtrie. In dem
Lohn=
ſtreit in der mittelbadiſchen Metallinduſtrie wurde heute vom
Landes=
ſchlichter ein Schiedsſpruch gefällt, der folgendes vorſieht: Der Ecklohn
wird um 6 Prozent herabgeſetzt; die Löhne der übrigen Gruppen und
Altersſtufen errechnen ſich nach dem bisherigen Tarifſchlüſſel. Die
Akkordgrundlöhne ermäßigen ſich ebenfalls um 6 Prozent. Dieſe
Rege=
lung tritt mit der am12. Januar beginnenden Lohnwoche in Kraft und
läuft bis 30. Dezember 1931. Sie kann mit vierwöchiger Friſt erſtmals
zu dieſem Zeitpunkt gekündigt werden, andernfalls läuft ſie mit gleicher
Kündigungsfriſt jeweils einen Monat weiter. Erklärungsfriſt iſt der
16. Januar, mittags 12 Uhr.
Eichbaum=Werger=Brauerei A.G Worms. Die
Generalverſamm=
lung genehmigte den bekannten Abſchluß mit wieder 12 Proz.
Divi=
dende. Die turnusmäßig ausſcheidenden Aufſichtsratsmitglieder wurden
wiedergewählt. Das Stimmrecht der Vorzugsaktien wurde vom 30fachen
auf das Tfache herabgeſetzt, eine Maßnahme, die man mit der
Börſen=
einführung von 500 000 RM. neuen Stammaktien in Zuſammenhang
bringt.
Mekallnokierungen.
Die Metallnotierungen in Berlin am 12. Januar ſtellten ſich
für je 100 Kg. für Elektrolytkupfer, prompt eif Hamburg,
Bre=
men oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung f. d. Dt.
Elek=
trolytkupfernotiz) auf 96,25 RM. — Die Notierungen der
Kom=
miſſion des Berliner Metallbörſenvorſtandes (die Preiſe verſtehen
ſich ab Lager in Deutſchland für prompte Lieferung und
Bezah=
lung) ſtellten ſich für Original Hüttenaluminium, 98—99 Prozent,
in Blöcken, Walz= oder Drahtbarren 170 RM, desgleichen in
Walz= oder Drahtbarren, 99 Prozent, 174 RM., Reinnickel, 98
bis 99 Prozent. 350 RM., Antimon Regulus 56—58 RM.,
Fein=
ſilber (1 Kg. fein) 41,25—43,25 RM.,
Viebmärkke.
Frankfurter Großviehmarkt vom 12. Januar. Zugeführt waren:
1700 Rinder, darunter 60 ſeit dem letzten Markt, ſowie 443 Ochſen, 131
Bullen, 586 Kühe und 480 Färſen. Ferner 547 Kälber, 140 Schafe und
6346 Schweine, darunter 427 Litauer. Bezahlt wurden pro Zentner
Lebendgewicht: Ochſen: al) 48—51, a2) 43—47, b) 40—42. Bullen: a) 47
bis 50; b) 43—46; Kühe: a) 40—42: b) 36—39: c) 32—35: d) 25—31;
Färſen: a) 48—52: b) 43—47, c) 40—42, Kälber: b) 68—71, c) 62—67,
d) 55—61, Schafe: al) 48—50, b) 40—47. Schweine: b) 54—58, c) 54—59,
d) 54—59. e) 54—57. Marktverlauf: Großvieh und Schweine ſehr
ge=
drückt, großer Ueberſtand, Kälber ruhig, Schafe rege, ausverkauft. —
Fleiſchgroßhandelspreiſe: Ochſenfleiſch 1. 80—87, dito 2. 70—80.
Bullen=
fleiſch 80—84. Kuhfleiſch 2. 60—70, dito 3. 54—55. Kalbfleiſch 2. 100 bis
110, Hammelfleiſch 90—100, Schweinefleiſch 1. 75—80, Litauer 60—70.
Geſchäftsgang ruhig. Eingebracht waren: 683 Viertel Rinder, 282 ganze
Kälber, 15 Hämmel und 92 halbe Schweine.
Produkkenberichte.
Frankfurter Produktennotierungen vom 12. Januar. Es notierten
Weizen (Hektolitergewicht von 74 Kilo) 274—276, Roggen (
Hektoliter=
gewicht von 70—71 Kilo) 177,50, Sommergerſte 215, Hafer 157,50—160,
Weizenmehl ſüddeutſches Spezial Null 41,5—42,50, do. niederrheiniſches
41,25—42,25, Roggenmehl 26,50—27,50, Weizenkleie 9—9,15, Roggenkleie
8,85—9 Erbſen 25—31, Linſen 25—60, Heu 6—6,50, Weizen= und
Rog=
genſtroh drahtgepreßt 3—3,25, desgl. gebündelt 2,75—3, Treber 10,50.
Tendenz: ſtetig.
Frankfurker und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 12. Januar.
Auch zu Beginn der neuen Woche verkehrte die Börſe in luſtloſer
und wieder ſchwächerer Haltung. Der feſte Schluß der New Yorker
Börſe vom Samstag bot keine Anregung, da andererſeits überwiegend
ungünſtige Momente vorlagen. So verſtimmten der Freitod eines
Ber=
liner Bankiers, das plötzliche Ableben eines Direktors der
Reichskredit=
geſellſchaft, die Gründung eines kommuniſtiſchen Bergarbeiterverbandes.
die Unſicherheit über einzelne Dividenden bei Großunternehmungen und
vor allem die vollkommene Orderloſigkeit. Daneben ſollen auch einige
Auslandsabgaben vorgenommen worden ſein, ſo daß gegen die
Schluß=
kurſe vom Samstag ſchon bei geringſtem Angebot Kursverluſte von 2—4
Prozent zu verzeichnen waren. Die bald beginnenden Genfer
Verhand=
lungen wirkten auch weiterhin geſchäftshemmend. Am Chemiemarkt
er=
öffneten J.G. Farben 2/s Prozent niedriger. Der veröffentlichte
Vier=
teljahresbericht bereitete trotz mit ſeiner durchaus befriedigenden Lage
eine Enttäuſchung, da man nach wie vor eine ziffernmäßige Angabe
vermißt. Beſonders ſtark abgeſchwächt lagen Scheideanſtalt mit minus
4,5 Prozent. Rütgerswerke verloren 1,5 Prozent. Am Elektromarkt
er=
gaben ſich durchweg Rückgänge von 1,75 zu bis 4 Prozent. Siemens
wurden dabei etwas ſtärker in Mitleidenſchaft gezogen. Von
Kunſtſeide=
aktien ſetzten Aku 2,75 Proz. niedriger ein, während Bemberg relativ
behauptet blieben. Kaliwerte hatten entſprechend ihrem höheren
Kurs=
ſtand mehrprozentige Verluſte. Salzdetfurth haben 4 Prozent,
Weſter=
egeln 3 Prozent nachgegeben. Montanwerte hatten nur vereinzelt
Ge=
ſchäft. Mannesmann und Rheinſtahl kamen mit minus 1,25 bzw. 1,75
Proz. zur Erſtnotiz. Banken lagen im Einklang mit der
Allgemein=
tendenz 1—1,5 Prozent ſchwächer. Von Bauunternehmungen lagen
Holzmann 1,25 Proz. niedriger. Gut behauptet eröffneten Zellſtoff
Wald=
hof. Im übrigen herrſchte allgemein große Stagnation. Am
Anlage=
markt blieben Neubeſitznaleihe knapp gehalten. Auslandsrenten ohne
Geſchäft. Pfandbriefe ſehr ſtill und ziemlich unverändert.
Reichsſchuld=
buchforderungen lagen ſchwach. Im Verlaufe konnte ſich das
Kurs=
niveau leicht heben, da die Kuliſſe, die ſtärker abgegeben hatde, vereinzelt
kleine Rückdeckungen vornahm. Das Geſchäft erfuhr jedoch keine
Be=
lebung. Am Geldmarkt war Tagesgeld, im Zuſammenhange mit dem
Steuertermin (Einkommenſteuer) mit 4,5 Proz. geſucht. Monatsgeld
blieb unverändert. Am Deviſenmarkt lag die Nachfrage nach Deviſen
an. Beſonders ſchwach lag Schweiz, auch Madrid rückgängig. Man
nannte Mark gegen Dollar 4.2052, —Pfunde 2,415/s. London-Kabel
4.8550, —Paris 123.75, —Mailand 92.74, —Madrid 46.55, —Schweiz
25.06¾. —Holland 12.06½/8.
Die Abendbörſe verlief bei wieder äußerſt kleinem Geſchäft
luſtlos. Das Kursniveau war durch kleine Deckungskäufe behauptet.
Irgendwelche Anregungen lagen nicht vor. Auch der Verlauf erbrachte
keine Aenderung. Farben ſchloſſen 122,12.
Berlin, 12. Januar.
Es war nicht verwunderlich, daß der heute vom Auslande ſtärker
herauskommenden Ware ſo gut wie keine Aufnahmeneigung
gegenüber=
ſtand, da die Börſe durch den Tod zweier ihrer engeren Berufskollegen,
der das Hauptgeſprächsthema bildete, einer ziemlich deprimierten
Stim=
mung ausgeſetzt war. Der feſte Schluß der New Yorker Samstagsbörſe
blieb völlig eindruckslos, zumal man an einigen Märkten auch von
Exe=
kutionen ſprach. Das Angebot betrug in den Hauptwerten 60 bis 100
Mille nominal und führte verſchiedentlich zu Kursrückgängen bis zu
4 Prozent. Am Anleihemarkt zeigten beſonders Neubeſitzanleihen
mie=
der rückgängige Tendenz, von Ausländern erſchienen 5prozentige
Mexi=
kaner und Liſſaboner Stadtankeihe mit Minus=Minus=Zeichen, letztere
verloren 0,75 Prozent. Pfandbriefe uneinheitlich, aber eher ſchwächer,
Reichsſchuldbuchforderungen angeboten und bis zu 0,5 Prozent gedrückt.
Deviſen blieben gefragt, nur Schweiz und Spanien lagen international
ſchwächer. Tagesgeld zog auf 3,25 bis 5,25 Prozent an, die übrigen
Sätze wwaren unverändert.
Rückgang des Geſamkvolumens des engliſchen
Außenhandels.
Das engliſche Handelsminiſterium veröffentlicht ſeinen Bericht über
die Entwicklung des engliſchen Außenhandels im Jahre 1930. Wie nicht
anders zu erwarten war, iſt das Bild, das ſich bietet, ſehr trübe; in
den veröffentlichten Ziffern kommen ſowohl der allgemeine
Preisrück=
gang auf dem Rohſtoffmarkt und bei den Fertigfabrikaten wie auch die
Depreſſion der geſamten Weltwirtſchaft deutlich zum Ausdruck. Die
ge=
ſamte Einfuhr des letzten Jahres iſt um nicht weniger als 175 925 106
Pfund (über 3,5 Milliarden Mark) gegenüber dem Jahre 1929
zurück=
gegangen. Bei der Ausfuhr beträgt der Rückgang insgeſamt 158 796 376
Pfund (etwa 3,2 Milliarden Mark), und bei dem Reexport 23 Millionen
Pfund (460 Millionen Mk.). Von den einzelnen Induſtriezweigen iſt
die Textilinduſtrie am ſchwerſten von der Weltwirtſchaftskriſe betroffen
worden. Ihre Ausfuhr iſt im Laufe des Jahres 1930 um rund 48
Mil=
lionen Pfund geſunken. An zweiter Stelle folgt Eiſen und Stahl mit
einem Rückgang von 16,7 Millionen Pfund, dann Wolle mit 15,9 und
Seide und andere Textilien mit 7,9 Millionen Pfund Ausfuhrrückgang.
Mit Ausnahme des Poſtens „Fahrzeuge” haben alle anderen
Induſtrie=
zweige erhebliche Ausfuhrrückgänge zu verzeichnen.
Amerikaniſche Kabelngchrichken
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 12. Jan.:
Getreide. Weizen: März 81,50, Mai 83,50. Juli 66½; Mais:
März 70,25. Mai 71,75, Juli 72½; Hafer: März 35½, Mai
36½, Juli 33,50; Roggen: März 42, Mai 43,25, Juli 43,75.
Schmalz: Jan. 8,45, März 8,57½, Mai 8,70, Juli 8,82½.
Speck, loco 11,62½.
Schweine: Leichte 8,00—8,25, ſchwere 7,15—7,45;
Schweinezu=
fuhren in Chicago 75 000, im Weſten 177 000.
Baumwolle: Jan. 9,95—10,05, März 10,22.
Es notierten nach Meldungen aus New York am 12. Jan.:
Schmalz: Prima Weſtern 9,20: Talg, extra loſe 4½.
Getreide. Weizen: Rotwinter 96½; Mais; loco New York
84,25; Mehl: ſpring wheat clears 4,15—4,40; Getreidefracht nach
England 1,6—2,3 sh, nach dem Kontinent 7—8 C.
Kakao: Tendenz billig, Umſätze 51 loco 6: Januar 5,80,
Fe=
bruar 5,88, März 5,87. Mai 6,00, Juli 6,13, September 6,27,
Ok=
tober 6,31. Dezember 6.38.
Kleine Wirtſchaftsnachrichken.
Die Warenhausfirma Julius Wertheimer in Landau hat ihre
Zah=
lungen eingeſtellt. Die Paſſiven ſollen ſich auf 150 000 RM. belaufen.
Es wird ein gerichtlicher Vergleich angeſtrebt.
Seit einigen Tagen iſt an den Ludwigshafener Eiſenbahnwerkſtätten
die Kurzarbeit eingeführt. Die 48ſtündige Arbeitszeit iſt auf eine 40 herabgeſetzt worden. Der Samstag wurde als Feierſchicht
be=
ſtimmt.
Die Waggonfabrik A.=G., Raſtatt, iſt nach der der
Aufſichtsrats=
ſitzung vorgelegten Bilanz für das Geſchäftsjahr 1929/30 in der Lage,
den mit 288 456 RM. vorgetragenen Verluſtſaldo durch den im
Berichts=
jahre nach den üblichen Abſchreibungen und Rücklagen verbleibenden
Reingewinn von 212 230 RM. auf 76 226 RM. zu ermäßigen.
Ueber die Wirtſchaft in der Oberpfalz berichtet die Induſtrie= und
Handelskammer Regensburg, daß auch im letzten Vierteljahr 1930 die
allgemeine Lage äußerſt ungünſtig war. Es laſſe ſich auch gegenwärtig
keine Wendung zu einer fühlbaren Beſſerung erkennen.
In einer Verſammlung der deutſchen Zuckerfabriken, die nahezu
vollzählig vertreten waren, wurde das internationale Abkommen, das
am 8. Januar mit den Vertretern verſchiedener Rohr= und
Rübenzucker=
induſtrien in Berlin geſchloſſen worden iſt, gegen eine kleine Minderheit
angenommen.
Das Deutſche Kaliſyndikat hat beſchloſſen, ſeinen Abnehmern ſchon
ab 12. Januar die vom 1. Februar ab von der Reichsbahn beabſichtigte
Frachtermäßigung aus eigenen Mitteln zukommen zu laſſen. Praktiſch
tritt damit die Frachtverbilligung durch Herabſetzung der
Düngemittel=
frachten bereits mit dem genannten Tage in Kraft.
Berliner Kursbericht
vom 12. Januar 1931
Oeviſenmarkt
vom 12. Januar 1931
41.50 Deutſche Bant u.
Disconto=Geſ. 108.25 Dresdner Bank 108.— Hapag 57.50 Hanſa Dampfſch. 101.25 Nordd. Lloyd 57.75 A. E. G. 89.— Bahr. Motorenw. 51.— J. P. Bemberg 46.— Bergmann Elektr. 00.— Berl. Maſch.=Bau 29.25 Conti=Gummi 108.50 Deutſche Cont. Gas 99.75 Deutſche Erdöl 57.50 Elektr. Lieferung 90.25 Polyphonwerke 136.— J. G. Farben 122.— Rütgerswerke 42.— Gelſ. Bergw. 76.— Salzdetfurth Kali 191.— Geſ. f.elektr. Untern. 89.125 Leonh. Tietz g9.— Harpener Bergbau 72.875 Verein. Glanzſtol 82.— Hoeſch Eiſen 61.25 Verein. Stahlwerke 56.25 Phil. Holzmann. 68.50 Weſteregeln Alkali 133.— Kali Aſchersleben 125.— Agsb.=Nrnb. Maſch. 58.75 Klöcknerwerke 53.— Baſalt Linz 22.- Köln=Neueſſ. Bgw./ 66.25 Berl. Karlsr. Ind 42.50 Mannesm. Röhr. 59.75 Hirſch Kupfer 116.— Maſch.=Bau=Untn. 29.50 Hobenlohe=Werke / 41.25 Nordd. Wolle 39.25 Lindes Eismaſch. 124.50 Oberſchleſ. Koksw. 64.625 VogelTelegr. Draht 39.25 Orenſtein & Koppt 40.125 Wanderer=Werke 31.75 Währung (Geld Brief, Helſingfo!= 100 finn. Mk. 10.57 10.59
Wien 100 Schillin 59.065 59.185 Prag 100 Tſch. Kr. 12.443 12.463 Budape 100 Pengo 73.377 73.5 15 Sofia. 100 Leva 3.041 3.047 Holland 100 Gulden 169.06 169.40 Lslo 100 Kronen 112.26/ 112 48 Kopenhage: 100 Kronen /112.26 112.47 Stockholm 100 Kronen 112.44 112.66 London 12=Stg. 20.397 20.437 Bucnos=Aires 1 Pap. Pe 1.296/ 1.30 New York 1 Dollar 4.201 4. 209 I.
Belgien 100 Belga 58.56 58.68 Italien 100 Lire 121.995 22.03
Paris 100 Francs 16 47 16.515 Schweiz Währung
100 Franken Geid
81.38 Brief
71.54 Spanie: 100 Peſetas 43.81 43.89 Danzig 100 Gulden 81.48 8 I.64 Japan 11 Yen 2.081 2.(65 Rio de Janeiroll Milre / 0.391 (.:93 Jugoſlawien 1100 Dinar 7.429 .943 Portugal 100 Escudos 18.825 (.7(5 Athen 100 Drachm. 5.44 5.45 Iſtambu 1 türt. 2 — Kairo 11ägypt. * 20.91! 20.255 Kanada — 1canad. Doll. /4. 189 4. 197 Uruguay
1 Goldpeſo 2 91 2.923 Jsland 100 eſtl. Kr. 91.8 92.05 Tallinn (Eſtl.)/100 eſtl. Kr. 111.67 1.89 Riga 100 Lats 80.8: eC.29
Frankfurter Kursbericht vom 12. Januar 1931.
O Dtſch. Reichsanl
9Intern.,
Baden ..
835 Bahern..
..
26 Heſſer v. 28
v. 29
Preuß. Staat
Sachſen. . . . .
D.
72 Thüringen
Dtſche. Anl.
Auslo=
ſungsſch. X‟/=
Ab=
löſungsanl. . . . . .
Dtſche. Anl.
Ablö=
ſungsſch. (Neub.)
Deutſche
Schutzge=
bietsanleihe ..
8% Baden=Baden.
6% Berlin .......
88 Darmſtadtv. 26
v. 28
/ Dresden".
20 Frankfurt a. M.
v. 26
v. 2
8% Mainz.
8% Mannheim v. 26
68
v. 27
8% München..
8% Nürnberg ...."
% Wiesbaden..
296 Heſſ. Landesbk.
Goldobli
4½% Heſſ. Lds.=
Hhp.=Bk.=Liquid
P/.% „Kom.=Obl.
8% Preuß.- Lds..=Anſt. G. Pf.
82 „Golboblig
100.6
85
73
75
99.25
82
87
89.5
94‟/,
99
7a.5
81.5
52
4.55
Al.
A.
68
8
76.5
957,
80
69.5
80.25
88
71
92.75
99.5
91.75
94
86
79.5
100
97
0 Landeskomm.=
Bk. Girozentr. für
Heſſen.Goldob
8%Kaſſeler Land. Goldpfbr.
8% Naſſ. Landesbl
4½% „Liqu. Ob.
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
+Ausl. Ser.
Ser, II
Dt. Komm. Samm.
Abl. (Neubeſitz)
8%0 Berl. Hyp.=Bk.,
4½% „Liqu.=Pfbr
8% Frkf. Hyp.=Bk.
4½% „Lig. Pfbr
„ Pfbr.=Bk.
„ Liqu
80 Mein. Hyp.=Bk.
4½%n Lig. Pfbr.
8% Pfälz. Hyp.=Bk.
4½% Lig. Pfbr.
8% Preuß.
Boden=
cred.=Bank ...
4½% „Lig. Pfbr.
3% Preuß. Centrl.=
Bodencr.=Bank
4½% „ Lig. Pfbr.
8% Rhein.Hyp.Bk.
4½% „ Lig. Pfbr
2 Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Credit ... ..
8% Südd. Bod.=
Cred.=Ban1
2% „ Lig. Pfbr
8% Württ. Hyp.=B
6% Daimler=Benz! 66.5
97.75
98.5
95
100
84.75
87.25
50.5
67
13
99
96
88
101
96.75
87.5
96.5
90
96.75
88‟.
89.75
101
88.75
100.75
86.75
R
88I,
100
99.25
94
88.5
99.5
8½ Dt. Linol. Werke
9 glöchner=Werke
7% Mainkrw. v. 26.
7%0 Mitteld. Stahl.
8½ Salzmann u. Co.
7% Ver. Stahlwerke
8% VoigtckHäffner
J. G. Farben Bonds
5% Bosn. L.E.B.
„ L.Inveſt.
½% Oſt. Schätze
42 Oſt. Goldrente
5 %vereinh. Rumän
4½%
480 Türk. Admin.
4%0 „ 1. Bagdad
4% „ Bollanl.
4½0 Ungarn 1913
1914
½%e
Goldr.
1910
42
Aktien
Alg. Kunſtziide Unn
A. E. G..........
AndregeNoris Zahn
Aſchaffbg. Brauerei
Zellſtoff
Bemberg, J. P. ..
Bergm. El.=Werke.
BrownBoverickCie.
Buderus Eiſen. ..
Cemen: Heidelber
Karlſtadt
J. G. Chemie. Baſel
Chem. Werke Albert
Chade . ... . ...."
Contin. Gummiw
Linoleum
Daimler=Benz.
Dt. Atl. Telegr.
Erdöl.
Gold= u.
Silber=
ſcheide=Anſtalt
92.5
79.5
77.5
781,
86
20.25
20.25
39
13.2
6.85
18
22
21.75
17.5
49.5
88.5
68-25
45
4.as
68
105
1597/,
110
101:
S5.75
124
Dt. Linoleumwerke
„Eiſenhandel. . .
Dyckerhoffu. Widm
Eichbaum=Werger.
Elektr. Lieferg=Geſ
Licht u. Kraft
Eſchw. Bergwert..
EßlingenMaſchinen
Ettlingen Spinnerei
Faber & Schleicher
J. G. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Jetter
Felt. & Guilleaumel
Frankfurter Gas.
Hor
Geiling E Cie. ..
Gelſenk. Bergwerk
Geſ. f.elektr Untern.
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner Maſchiner
Grün & Bilfinger
Hafenmühle Frrft..
Hammerſen (Osn
Hanauer Hofbrauh.
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf.
HilpertArmaturfbr.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kupfer.
Hochtief Eſſen".
Holzmann. Phil.
Flie Bergb. Stamm
Genüſſe
Junghans.
Kalt Chemte.
Aſchersleben..
Kammgarnſpinn.
Karſtadt R... . .
Klein, Schanzlin ..
Klöcknerwerke
Lahmeyer & Co.
Laurahutte .. ..
Lech. Augsburg ..
Löwenbr. Münch.
Lüdenſcheid Metal
Lutz Gebr. Darmſt.
12
35
195
30
110
94
121‟.
48
18
10
89
33.6
30.5
165
110
80
152.5
71.75
80.5
55
114
62.5
68.25
31
1C6.75
125
79.5
65
103
52.25
73
45.5
12.75
Mainkr.=W. Höchſt
Mainz. Akt.=Br.
Mannesm. =Röhren
Mansfeld Bergb.
Metallgeſ. Frankf.
Miag, Mühlenbau.
MontecatiniMaild.
Motoren Darmſtadt
Deutz
Oberurſel
Oberbedari
Phönix Bergbau.
Reiniger. Gebber.
Rh. Braunkohlen".
„ Eleftr. Stamm.
Metallwaren".
„Stahlwerte . . . .
Riebeck Montan. .
Roeder Gebr.
Rütgerswerte
Sachtleben A. G. ..!
Salzdetfurth Kali.
Salzw. Heilbronn
Schöfferhof=Bind.
Schramm Lackfabr.
Schriftg. Stempel
Schuckert Eleftr. .
Schwarz=Storchen
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halske
Südd. Immobilien
Zucker=A. G.
Svensko Tändſticks
Tellus Bergbau.
Thür. Liefer.=Geſ.
Tietz Leonhard..
Tucher=Brauere..
Unter ranken
Beithwerke
Ver. f. Chem. Ind.
Stahlwerke ..
Strohſtoffabr.
„ Ultramarin .
Vogtländ. Maſchin.
Voigt & Haefſner.
65
59.75
31.5
40.75
38
47
55
70
112.25
64.5
83.5
42
125
189
193
184.75
61
84.5
104.5
107
141
uu6
60
63.75
102
90
20
63
56
120
Mit*e
Wegelin Rußfabrik
Weſteregeln Kali".
Zellſtoff=Verein.
Waldhof. . . .
Memel.
Allg. Dt. Creduanf
Badiſche Ban:..
Bk. f. Brauinduſtr.
BarmerBantverein
Bayer. Hyp. u. W.
Berl. Handelsgeſ..
Eypothekbl. /220
Comm. u. Privatb.
Darmſt. u. Nat.=B1
Dt. Bant und Disc
Dt. Eff. u. Wechſell 95.25
Dresdner Ban...
Frankf. Bant..
Hyp.=Ban:
Pfdbr.=Bl. . . . . 1146
Mein. Hyp. Ban!
Oſt. Creditanſtalu
Pfälz. Hyp. Ban: /126.5
Reichsbank=Ant . . 235
Rhein. Hyp.=Ban1.
Südd. Bod.=Cr. Bk. /139
Wiener Bantverein
Württb. Notenbant
A.-G. i. Vertehrsw
Allg. Lokalb. Kraftw
7% Dt. Reichsb. Vzg
Hapag
Nordb. Llohzd.
Südd Eiſenb.=Gei.
Alltanz. u. Stuttg.
Verſicherung .. .
„ „ Verein. Verſ.
FrankonaRück= u. M
Mannh. Verſich
Otam Minen
Schantung Handels
394
59.5
131
40
90
74
9.75
135
96
100
12n
1C8.5
141.5
108
108
92
146
149
27.4
134
9l.
135
46.5
111
85‟
56.75
57
85.5
148
161
105
25
*5
[ ← ][ ][ → ]Nummer 13
Dienstag, den 13. Januar 1931
Seite 13.
Ailie sotlersien
WRHEBER-REchTSSCHUTZ OURCH VERLAS OSRAR MEISTER, WERDAu
(Nachdruck verboten.)
14)
Der alte John übertrug ſeine Zuneigung auch auf Berndt.
Er ſah, wie die Herrin ihn achtete, und es war ſür ihn dann
ſelbſtverſtändlich, daß er es ihr nachtat und willig allen
Anord=
nungen Berndts folgte.
Auch den Chauffeur hatte Berndt vollkommen auf ſeiner
Seite, James war von tiefer Dankbarkeit beſeelt, weil Berndt
nicht nur das Unheil von Lady Durham abgewendet, ſondern
weil er ſich auch um ihn gekümmert hatte.
Wohl eine Stunde arbeitete Berndt im Vorzimmer der
Lady, bis ihn plötzlich ein Klingelton aufſchreckte.
Er eilte raſch in das Zimmer und erſchrak.
Lady Durham lehnte mit zerzauſtem Haar an ihrem
Schreib=
tiſch. Sie war aufs ſtärkſte erregt, und ihre Augen ſprühten vor
Zorn.
Der Prinz ſtand mit finſterem Geſicht zur Seite.
„Dieſer Herr,” ſagte Lady Durham, die vor Aufregung und
Einpörung kazm ſprechen konnte, „wünſcht zu gehen, und ich
wünſche dieſen Herrn nie mehr in meinem Hauſe zu ſehen!“
Berndt ahnte, was vorgegangen war. Finſter blickte er auf
den Perſer und ſagte: „Darf ich bitten, mein Herr!”
Eine Weile war Schweigen. Ueber des Prinzen Züge ging
dann ein Lächeln voll Spott und Wut. Er verbeugte ſich ſtumm
und ſagte: „Ich habe die Ehre, Mylady!”
Stumm verließ er, gefolgt von Berndt, das Zimmer.
Im Vorzimer hing ſeine Garderobe.
Der Prinz blickte Berndt an. Er wartete darauf, daß Berndt
ihn bediene.
Aber Berndt machte keine Anſtalten. Er klingelte, und der
junge Diener Henry trat ein.
Berndt winkte ihm mit den Augen. Henry half dem
Prin=
zen in den Paletot.
„Geleiten Sie den Herrn hinaus, Henry!” ſagte Berndt kalt.
„Und prägen Sie ſich ein, daß Lady Durham nie mehr für ihn
zu ſprechen iſt.”
„Sehr wohl, Herr Groth!” ſagte Henry devot.
Prinz Huſſein warf ihm einen Blick des Haſſes zu.
Dann ging er ſtumm.
Berndt trat in das Zimmer Lady Violas.
Er fand ſie gefaßt, aber immer noch in ſtärkſter Aufregung.
„Mylady . .. beruhigen Sie ſich!” bat er.
„Oh . . . ich .. . ich bin ganz ruhig! Ah der Schuft
der Lump mit Gewalt verſucht mich zu büſſen .. . ein
Glück, daß ich die Klingel erreichte!”
Finſter entgegnete Berndt: „Mylady, ich bedauere nur, daß
ſich dieſen Halunken nicht wit der Reitpeitſche aus dem Hauſe
jagen konnte. Ich werde mir ein ſolches Inſtrument zulegen.”
„Es iſt ſchon gut . . . ja, es iſt ſchon gut, lieber Groth! Ich
danke Ihnen! Sie ſehen wieder, wie ſehr ich Sie brauche. Er
kam . . . das Perſiengeſchäft . . . das wollte er mit wir tätigen.
Ich lehnte ab, er, der Schändliche, bot es mir um eine halbe
Mil=
lion Pfund niedriger an, wenn . . . ich . . . ich mich als Preis
zugäbe.”
„Das wagte er?”
„Nicht nur das! Er faßte mich! Mit Gewalt wollte er mich
zwingen. Er . . . er iſt faſt aus dem gleichen Holze geſchnitzt wie
.. der Teufel .. . mein Gatte, Lord Durhom!”
Daniela Thuille ſaß an ihrem Platz im Bankhauſe Forſt
u. Salis und überlas immer wieder den herzlichen, innigen Brief
des Geliebten.
Und doch wollte keine rechte Zufriedenheit in ihrem Herzen
aufkommen. Sie mußte an den Tagen denken, da ſie unweit des
Hoteleingangs vom „Adlon” geſtanden hatte, als ſie die ſchöne
Lady Durham an Berndts Seite geſehen hatte.
Sie war ſchön, wie eines der wundervollen Bilder von
Gainsborough, und es dünkte ihr, als verſänke all ihre eigene
Schönheit vor dieſem herrlichen Frauenbilde.
Sie wollte nicht an dem Geliebten zweifeln, aber es wuchs
doch eine Angſt in ihr empor, ein Bangen erfüllte ſie, daß ſie
ihn, den ſie liebte über alle Maßen, an dieſe Frau verlieren
könnte. Immer war er um ſie, nicht nur als Sekretär, ſondern,
wie ihr Berndt offen erzählt hatte, als Kamerad.
Ein Klingelzeichen erlöſte ſie aus ihrem unfruchtbaren
Grübeln.
Sie betrat das Büro ihres Chefs, des alten Herrn Forſt.
„Ich habe ein paar Briefe, wollen Sie ſo freundlich ſein!“
ſagte Forſt und bat ſie mit einer Handbewegung, Platz zu
nehmen."
Er behandelte Daniela immer wie eine Dame. Er ſchätzte
ſie außerordentlich und machte in geſellſchoftlicher Hinſicht keinen
Unterſchied.
Daniela nahm die Briefe auf.
Mitten im Diktat erſchien der andere Inhaber, Herr Salis.
„Entſchuldigen Sie, lieber Forſt, daß ich jetzt ſtöre, aber ich
muß mal dazwiſchen ſchneien. Eine wichtige Sache!”
Forſt nickte. „Das perſiſche Geſchäft, lieber Salis?”
„Ja! Lord Durham iſt bei mir und drängt.”
Es ſiel keinem der beiden Inhaber ein, Daniela zu bitten,
das Zimmer zu verlaſſen. Beide ſchätzten ſie als zuverläſſige
Vertraute.
Forſt ſah vor ſich hin und trommelte mit den Knöcheln auf
der Schreibtiſchplatte.
„Ja ... wir müſſen uns nun entſcheiden, lieber Salis, ob
wir die große Transaktion wachen wollen oder nicht. Es ſind
zwei Millionen Pfund, die wir zur Verfügung ſtellen müſſen.
Wenn es uns auch möglich iſt, dieſe Summe ſelbſt aufzubringen,
ſo iſt es doch eine gaz gewaltige Kapitalbelaſtung.”
„Das iſt es, aber reichlich ſechzig Prozent kann ich ſofort in
Form von Beteiligungen unterbringen.”
„Hm! Blieben noch ſechzehn Millionen für uns. Die Chance
iſt groß. Haben Sie etwas über die Kapitaleinbringung Lord
Durhoms geſprochen?”
„Ja, ſie ſoll in zwei Monaten erfolgen. Es handelt ſich
zu=
nächſt un die Kap alpauſchale, die zu zahlen iſt, damit das
Ge=
ſchaft nicht von anderer Seite weggeſchnappt wird.”
„Lord Durham ſelbſt iſt nicht ſehr vermögend!” ſagte Forſt
nachdenklich. „Wenn ich nicht genaue Informationen hätte, daß
ſeine Frau über zehn Millionen Pfund gebietet, ich würde das
Geſchäft nicht machen.”
Er wandte ſich plötzlich an Daniela und ſogte: „Was meinen
Sie denn, Fräulein Thuille?”
Daniela wurde rot vor Ueberraſchung, dann ſagte ſie feſt:
„Ich würde es mir ſehr überlegen, Herr Forſt, denn Lady
Dur=
ham beſitzt zwar das immenſe Vermögen, aber . . . ſie lebt
ge=
trennt von ihrem Mann, und er hat keinerlei
Verfügungsberech=
tigung über ihr Vermögen. Sie würde ihrem Gatten niemals
auch nur den zehnten Teil ihres Vermögens zur Verfügung
ſtellen.”
Erſtaunt ſahen die beiden Inhaber ſie an.
„Woher wiſſen Sie das?” fragte Forſt erregt.
Daniela hatte Mühe, ihre Verlegenheit zu verbergen.
„Ich weiß es von dem Vermögensverwalter und Sekretär
Lady Durhams, mit dem ich . . . befreundet bin. Ich ſage es
Ihnen vertraulich.”
„Gewiß, gewiß, Fräulein Thuille!” warf Salis erregt ein
und wandte ſich dann ſeinem Teilhaber zu.
„Ein Glück, daß wir das noch erfahren. Jetzt müſſen wir die
Angelegenheit doch von einer anderen Seite betrachten. Wenn es
an dem iſt, dann . . . ja, dann müſſen wir abwarten. Ich muß
Lord Durham noch vertröſten. Aber ſagen Sie, Fräulein Thuille,
wäre es nicht möglich, daß wir dieſen Herrn einmal ſprechen
könnten?"
„Ich weiß es nicht, aber ich will es ihm ſagen!“
„Sie würden uns ſehr verpflichten, Fräulein Thuille!”
Aufgeregt verließ Salis das Büro.
Forſt ſaß nachdenklich an ſeinem Schreibtiſch und ſchüttelte
den Kopf, dann reichte er Daniela ſtumm die Hand.
Sie arbeiteten weiter.
Als ſie zu Ende waren, ſagte er zu Daniela: „Sie haben uns
einen Dienſt auf jeden Fall geleiſtet. Ich danke Ihnen! Ich
er=
höhe Ihr Gehalt um hundert Mark im Monat.”
Daniela ſtotterte verwirrt: „Aber ich habe doch nichts weiter
getan . . . habe nur geſagt, was ich zufällig wußte.”
„Schon gut, Fräulein Thuille! Ich ſchätze Sie, und ich weiß
auch warum. Hoffentlich bleiben Sie noch recht lange unſere
Mit=
arbeiterin!“
„Jg, ja, Herr Forſt!” ſagte ſie verwirrt.
Lord Durham kam gegen Abend ſehr aufgeregt zu dem
Prin=
zen Huſſein.
Der Perſer ſpürte die Erregung, ſo ſehr ſich der Lord auch
zu beherrſchen ſuchte.
Das Geſpräch kam ohne Umſchweife auf das Geſchäft.
„Wie iſt es, lieber Durham, mein Aufenthalt in Berlin iſt
nur noch knapp bemeſſen. Werden Sie zugreifen oder nicht?”
„Ich will, natürlich will ich! Ich bin dauernd ſtark bemüht,
die Gelder zu beſchaffen. Es iſt ja nicht nur um die zwei
Millionen Pfund, das ganze Kapital muß da ſein.”
(Fortſetzung folgt.)
Entlaufen
grau=weißer Kater.
Bringer Belohnung
Waldſtr. 50, pt. (
5=Zim.=Wohn., Bad,
Ztr.=Heiz., g. Lage.
get. geg. 2—3 Z.=W.
Off. u. R. 60 Geſch.*
Wer tauſcht ſeine
2—4=Z.=Wohng., ev.
mit kl. Lagerraum,
gegen meine ſchöne
2=Z.=Wohn.? Miete
betr. 28 ℳ monatl.
Ang. u. R. 89 Gſch.
Erdgeſch. od. 1. St.
6—7 Zimmer mit
Zubehör z. 15. Jan.
od. 1. Febr. z. vm.
Näh. Geſchäftsſt. (*
Eliſabethenſtr. 29, I.
3—5 Zimmer
zu vermieten. (2520
Eine ſchöne neue
3=Zimm.=Wohnung,
Bad u. all. Zubeh.
in Griesheim ſof. z.
vermieten. Ang. u.
R. 71 a. d. Geſch. (*
Schöne 3=Zimmer=
Wohng., modern, da
plötzl. freigeworden,
ſof. zu verm. Ang.
unt. R. 87 Geſchſt.*
In gut. H. 2 große,
leerg, eleg. 3.,Park.,
el. L., m. Kü. u. 3.
p. 1. 2. Anz. 9—11
und 2—4 Uhr.
Hoffmannſtr. 38, pt.
5=Zimm.=Wohnung
oder 2X2=Z.=Wohn.
im 3. Stock zu
ver=
mieten. Zu erfrag.
Hochſtraße 8, I. (
Gr. 2=3.=W. mit o.
oh. K., teilw. m., z.
35—45 ℳ nur a. kl.
Fam. z. v. Off. u.
R. 62 a. d. Geſch. (*
Tintenviertel! 1 o.
2 Zim. i. ruh. H p.
1. 2. z. v. Näh. Gſch.*
5=Zim.=Wohng. mit
Laden ſof. z. verm.
Laden evtl. ſpäter.
Eberſtadt. Neue
Schwanenſtr. 2. *id
V
Grafenſtr. 31
2 Räume für Büro,
Magazin o.
Werk=
ſtätte geeignet, zu
vermieten. Zu erfr.
bei Baßmann.
(344a)
Beckſtraße 52, I.
möbl. Zim. z. v. (*id
HAA
AaalOUA
DalGabsae!
Damen-Unterkleider
1.45
aus gestr. Kunstseiden-Trikot mit Spitze ..
Damen-Unterkleider
aus glattem Kunstseiden-Trikot, oben u. unten mit Spitze 1.34
Damen-Unterkleider
Charmeuse mit feinem Gallon . ..
3.25
Cornplets aus gestr. Kunsteide mit Gallon
3.90
Damen-Unterkleider agerauft, gute Gualtst . 1.95
Damen-Unterkleider Wolle mit Seice ... .m 3.95m
Damen-Rutter-Schlupfhosen
0.48
Damen-Rutter-Schlupfhosen
0.98
solide Qualität, in vielen Farben . .
Damen-Rutter-Schlupfhosen
mit kräftiger Baumwolldecke.
1.35
Damen-Rutter-Schlupfhosen
mit Kunstseidendecke.
1.65
Damen-Schlupfhosen gestr. Kunskeide
0.95
R
aOTALeie TäA
R
und 3.30
mAbsätze
Ag0 50 Pfg. mehr
Sohlen-Wagner
Alexanderstraße 10 (3034
Elegante Anzüge nach Maß
fertigt Schneidermeiſter, für tadell. Sitz
garant, mit 2 Anpr., zum Preiſe v. 35 ℳ,
Paletots von 30 ℳ an Komplette Anzüge
on 80 ℳ an. Wenden und Umändern,
ſowie Reparaturen billig. Angebote unter
J203 an die Geſchäftsſtelle ds. Bl. 10373a
Mod. Leihbibliothek. Neue Bücher
2 Tage 10 Z. 1 Woche 20 Z.
1008
Val. Niebes, Riegerplatz 8. Teleph. 1171.
Aliceſtr. 33 (Riebel)
möbl. Zimm. wöch
2. ℳ zu vermiet. (*
Grafenſtr. 8, II.
gut möbl. Zimmer
u vermieten.
Schuknechtſtr. 63, I.
(rechts) einf. möbl.
Zimmer zu verm.*
Eliſab. Str. 50, pt.
(Eing. Saalbauſtr.)
1 gut möbl. Zimm.
in ſol. Hrn. z. vm.*
Soderſt. 4, II. Kap.=
Platz, ſchön möb. Z.,
el. L., Schreibt. z.v.
W.=Gläſſingſtr. 26
möbl. Zim. ſof. z. v.
*im)
Riedeſelſtr. 70, II.
m. 3. m. Schr. ſof.*
Liebigſtr. 8, I., ſchön
möb. Zim. z. v. (*id
Grüner Weg 7, pt.
möbl. Zim. z. vm.
Kiesſtr. 13, möbl.
*
Zimmer zu verm.
Löffelgaſſe 23, pt. I.
einf. möbl. Zimmer
zu vermieten.
Mühlſtr. 37, 2 ſep.,
einf. Zim. z. verm..
auch einzeln.
Häfdt.
Wohn=u. Schlafz.
1. Stock,
Wittmann=
ſtraße zu verm. Zu
erfc. Geſchſt. (1020
Neckarſtr. 4, Vdh.lk.
St., ſchon möbl.
Zimmer zu verm.*
Wenckſtr. 4, I., möb.
3., el. L., z. v. (*si
Schulſtr. 2 (
Weiß=
mantel) möb. Zim
ſof. zu vermieten.
Mehrere
Lieferwag
ſehr preiswert auch
auf Abzahlung ab=
(708b
zugeben.
Donges & Wieſt
4/16
Opel 2-Siher
Opel 4-Hiher
Limonſine
Opel 4-Siher
(offen)
wie neu hergericht.,
ſpottbillig, auch auf
Abzahlung, zu
ver=
kaufen.
(712b
Donges & Wieſt
Heinrichſtraße 52
1½ To.=Chevroleth,
gut erh.,
umſtände=
halber ſehr bill.
ab=
zug. N.,
Riedlinger=
ſtraße 41, part.
Notverkauf!
NSU.=Pony, wenig
gefahren, elekt.
Be=
leuchtung, neu
be=
reift, z Spottpreis
v. 180 Mk. A. Glatz.
Neckarſtraße 24.
Seeddameinhchd
Rn
Sh
Enf-Enntgenn ihendt
Af
Seite 14
Dienstag, den 13. Januar 1931
Nummer 13
Achtung
Radio-Hörer
Welche v. d. vielen
Anodenbatterien
Nur „Vita‟
Warum ?
1 Qual., d. teuerſt.
Batt. ebenbürtig
100 Volt:
RM. 6.50
Fabel aft billig:
fabrikneue,
moderne
Radio-Höhren
faſt aller Typen
W12 1n1wl- 2.30
Lautſpr.=Röhre:
3.50
221a
Alleinverkauf für
d Prov Starkenburg
nur inDarmſtadt:
Wilhelm Schnell,
Gr Bachgaſſe 23, Lad
(Inſel) Am
Nieber=
galbrunn.
Beiladung
nach Mainz,
Wies=
baden, Worms und
zurück, wöchentlich
nach Frankfurt.
Umzüge nehmen an
Behringer &.
Wey=
rauch, Spedition,
Karlsſtraße 110.
Telef. 4527. (1000
Beiladung
nach Heilbronn und
Stuttgart kann vor
unſerem
Schnellaſt=
zug in den nächſten
Tagen aufgenomm.
werden.
Transport=
Genoſſenſchaft
Pallaswieſenſtr. 160
Telefon 2452.
Nur noch 3 Tage
er Liebling des Publikums
MADVCHRISTIANS
Ab heute
Ein Welterfolg!
Ein Film der Wunder!
aus dem Wunderland der Südsee
Nach dem Buch von Frederick O Brien=
Leutnant warst Dn einst
bei den Husaren
Eine reizende musikalische Komödie
nach dem Schlagerlied von Rob. Stolz
und Fritz Rotter. — Die
Liebes-
abenteuer einer entthronten
Hönigin aus dem Zusammentreffen
von Liebe und Politik.
In den Hauptrollen:
Gust. Diessl — Georg Alexander
Gretl Theimer — Hermann Picha
Max Adalbert u. a.
Regie: Manfred Noa
Dazu das reichhaltige
Beiprogramm.
Alice macht das Rennen
Beginn 3.30, 5.45, 8.10 Uhr
Nie erlebte, phantastisch schöne, völlig überraschende
höchstes Erstaunen erweckende
Untersee-Aufnahmen
die das Leben auf dem Meeresgrunde vollkommen
naturgetreu wiedergeben.
Unter Mitwirkung einer der ältesten
Eingeborenen-Stämme. — Ein Spielfifm.
der eine ungeahnte Zauberwelt erschließt.
In den Hauptrollen:
Monte Blue und Raguell Torres
Dazu das reichhaltige Beiprogramm.
Jugendliche haben Zutritt.
Beginn 3 30, 5.45, 8.10 Uhr V.1009
Wer bei seinen Gawalttaten der
„lachende Dritte” sein will, der
darf nicht mehr lange überlegen,
denn am
Samstag
nachmittags um 7 Uhr
1St Gchtäb!
Nur noch wenige Tage
Des ganz großen Erfolges
wegen und weil lachen gesund ist.
verlängern wir den unerreicht Instigen
Tonfilmschwank aus der Vorkriegszeit
Jeder, der Soldat war, hat beim Militär
ähnliche freiwillig oder unfreiwillig
komische Situationen erlebt, deren
Wiedererweckung im Bild ihm ungetrübte
Erinnerungsfrende bereitet. — Jede
Szene hat zündende Wirkung von
bei-
spielloser Treffsicherheit.
Man lacht einfach Tränen!
Den Wettstreit in der Attacke auf die
Lachmuskeln bestreiten: Fritz Schulz,
Lucie Englisch Peul Hörbiger
Felix Bressart u. a.
Dazu das reichhaltige
Beiprogramm.
Fußball mit P. 5.
Beginn 3.45, 6.00, 8.25 Uhr
Hausfrauen=Bund
Gamstag. den 17. Januar,
8 Uhr abends, im Saale des
Muſikoereins, Wilhelm=
Gläfſingſiraße 24
Seffentacer Suttrag
von Frau Dr. M. E. Lüders
„Weibliche Leiſtung
und ihre Bewertung”
Unkoſtenbeitrag 30 Pfennig. (*
Taunusbürg-Aasino
Teleton 266 (1025a) Dieburgerstraße 72
Wieder verlängerte Polizeisturde!
Jüd. Frauenbund 9. 6. Darmſtadt
Unſere Mitglieder ſind zu folgenden
Vorträgen eingeladen:
Intern. Frauenliga 15 1 Frau Kirchhoff
Verb Darmſt Frauenver 17.1. Dr M. Eliſ. Lüders
D Staatsbürg=V rband,
(A.0 7.)%1.
Näheres Tageszeitungen.
(1017
Der Vorſtand.
Günſtiges Angebot!
Eine Anzahl zurückgeſetzt r
Beleuchtungs=
körper, wie Nachttiſch=, Klavier= u
Tiſch=
lampen, ferner Kronen und Radioteile,
ſolange Vorrat, billig abzugeben. (900b
allwey &. Oo., Grafenſtraße 26.
ELIZABETH ARDEN
mnil. , Kon Ke Fmonen-
Manndiiee Aiutan.
3 a-
Kaszeu Ker biele ie dur
PARFüHERiE FRANK
Hadernärminir beraten
(216a
Großes Haus 20—22 Uhr Die 25. Frau HessischesLandestheater A14 Komödie in 6 Szenen von J. Sell
Preise 1.20—12 Mk. Dienstag
13. Januar 1931 Vierter Beethoven-Abend
des Drumm-Quartetts
Preise 1, 2, 3 Mk. Kleines Haus 20—21.30 Uhr
Vol
anzeige
Sonder-
Gastspiel im Orpheum
Ab Fre tag, den 16. Januar, abends 8½ Uhr (Nur elnige Tage!)
Englands Meister-
OOBPIe AINA lazz-Symphoniker
präsentiert seine
ausgezeichnete HAZArRellé
ausgeführt durch die berühmte
(1015
London-SonorauBand
Die phänomenale Sc Jau des Goliseum in London O 15 Solisten.
Kleine Gastspielpreise von Mk. 1.— an.
Karten Verk.-Büro u. de Waal, Rheinst. 14
Zu ein. Liebhaber=
Trio geübte Violine
geſ. Klav. u. Cello
vorhanden. Off. u.
R. 57 a. d. Geſch. (*
Welches größere
Lebensmittelunter=
nehmen würde für
ſeit 12 Jahren
be=
ſteh. großes
Laden=
geſchäft in ſehr gut.
Lage Nähe
Darm=
ſtadt Waren aller
Art auf Kommiſſion
abgeben? Angeb. u.
P. 243 a. d. Geſch
(893b)
Reparakuren
anElfenbeinſchmuck,
Haarſpangen,
Handtaſchen,
Armbändern,
Broſchen.
Photo=Appar.etc.
werden billigſt
aus=
geführt von (15446a
Adam Dietz,
Elfenbeinſchnitzerei.
Kaſinoſtraße 17.
Speiſekarkoffeln
Ia gelbfleiſchige.
per Zentner 2.60
liefert frei Keller
„Ph. Rebſcher,
Eberſtadt.
Heidelbergerſtr. 72.
Celefon 370. (*idg
Maſtputen,7-14 Pfd.
ſchw., 3 Pfd. 90-95.3.
jg. Hahnen Pfd.85.J,
Suppenh. Pfd. 90.5,
la Gänſe u. Enten
Pfd. 955. Haferm.
Nachn. H. Kropat,
Mäſt., gegr. 1884,
Pokraken (Oſtpr.).*
Einige
Zuchthähne
Weiße Legho n
(Wil elmina)
2..
Geflügelhof Hepr
Eberſtadt. Tel. 302
Bund der Frontſoldaten
Stahlhelm ortsgruppe Mainz
Samstag, 17. Jan. 1931, 20 Uhr, i. groß Saale d. Stadthalle
60. Reichsgründungsfeier
umrahmt von künſtleriſchen u. muſikaliſchen Darbietungen.
Alle Nationa en Verbände und die nationalgeſinnte
Be=
völkerung von Groß=Mainz herzlichſt eingeladen.
Eintrittskarten zum Vorverkaufspreiſe von RMk. 0.80 bei:
Annoncen Expedition Frenz, Ludwigſtr. 4; Chriſtian Becker,
Schillerplatz 22: Blumenhaus Blome, Klaraſtr. 7
Geſchäfts=
ſtellen der Mainzer Tageszeitung, Gutenbergplatz 47/0; und
des Stahlhelms, Leibnizſtr 21.
1V 1019
ERi
Heute, Dienstag, findet abends
8—10 Uhr eine interessante
Waschvorführung
mit unserer „Miele‟‟-Elektra-
Waschmaschine statt, zu
der wir Sie höflichst einladen, zur
Vorführung gelangt auch der
interessante Eilm
„Wenn later waschen müßte‟
Hielewerke Aktiengesellschaft
Darmstadt, am Hauptbahnhof
50—70 000 Mark
1. Hypothek auf Ia
Objekt i.
Stadtzen=
trum zu vergeben.
Vermittl. verbeten.
Ausf. Offerten unt.
R. 2 a. d. Gſch. (*gi
Beachten Eie mein Angebot
in beſtem Sohlenleder!
Brima Eichenlohleder, beſte Eerbung.
(215a
Damenſohlen von 65
Herrenſohlen 95 S ſowie
Arbeiterſtiefel ſtaunend billig.
(r 40—47 von Mk. 5 75 an.
— Alle Schuhmacherzutaten zu billigen Preiſen.
Nar bei J. Rutin. Kirhſtraße 10
(gegenüber d. Stadtkirche) Samstag geſchloſſen,