Einzelnummer 15 Pfennige
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwarte, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * verſebenen Original-Auflätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 356 Donnerstag, den 25. Dezember 1930.
193. Jahrgang
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A mm breite Zelie im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspfg.
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breit)2 Reichsmark. Anzelgen von auswärte 40 Reſchspfg
FinanzAnzeigen 60 Reſchepſia. 92 mm breite
Relame=
zelle 3.00 Reichemarl. Alle Preiſe in Reichsmart
(4 Doſſar — 4.20 Markl. — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſcht
ſede Verpflſchtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
aufträge und Leiſiung von Schadenerſatz. Bei
Konlurs oder gerichtlicher Beitreibung fäll ſeder
Rabait weg. Bankkonto Deutſche Bank und
Darm=
ſtädter und Nationalbank.
Seite
Donnerstag, den 25. Dezember 1930
Nummer 356
ſenſakionelle Enkwicklungen in Genſ.
London, 24. Dezember.
Der diplomatiſche Korreſpondent des „Daily Telegraph”
be=
richtet, auf der nächſten Völkerbundsratsſitzung könne man
ſenſa=
tionelle Entwicklungen erwarten. Dr. Curtius, der eigentlich den
Vorſitz auf der Ratstagung führen müßte, beabſichtigte, von
dieſem Recht keinen Gebrauch zu machen, ſondern wolle dem
eng=
liſchen Außenminiſter Henderſon an ſeiner Stelle den Vorſitz
an=
bieten, während er wieder den Vorſitz in der darauffolgenden
Sitzung annehmen wolle. Der Hauptgrund für dieſe Entſcheidung
des Reichsaußenminiſters ſei darin zu ſuchen, daß Deutſchland der
hauptſächlichſte und in der Tat ſehr ernſthafte Beſchwerdeführer
auf der Januar=Tagung hinſichtlich der Mißhandlungen der
deut=
ſchen Minderheiten in Polen ſein werde. Man könne ferner mit
der Möglichkeit rechnen, daß ſich die Ausſprache über die
Minder=
heiten auch auf die Forderungen Deutſchlands nach einer Reviſion
der polniſch=deutſchen Grenze erſtrecken werde. Dies würde
natür=
lich zu ſehr delikaten Verhandlungen führen, deren Umfang und
Ergebnis niemand vorausſehen könne. Die europäiſche Diplomatie
zittere zurzeit vor einer ſolchen Möglichkeit.
Der diplomatiſche Korreſpondent des „Daily Telegraph”
dürfte den Ereigniſſen vorgreifen, wenn er jetzt ſchon eine
allge=
meine Erörterung der Frage der deutſch=polniſchen Grenze für
möglich hält. England wird natürlich im Hinblick auf die
gegen=
wärtigen Beziehungen zu Frankreich und im Hinblick auch auf
ſein ſtarkes Intereſſe, das Flottenabkommen unter Dach und Fach
zu bringen, auch nicht das geringſte Intereſſe daran haben, ſich
für eine deutſch=polniſche Grenzreviſion einzuſetzen. Jedoch wird
im Foreign Office ganz offen zugegeben, daß die Dinge ſich
„außerhalb der Kontrolle der Menſchenhand” befinden, wie es
von Henderſon vor einigen Tagen in ſeinem Rundfunkvortrag
geſagt wurde.
Fiasko Drummonds in Braſilien.
TU. London, 24. Dezember.
Der „Times”=Korreſpondent in Braſilien bringt ſeine
Ueber=
raſchung darüber zum Ausdruck, daß der Beſuch des
General=
ſekretärs des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, in
Rio de Janeiro und anderen braſilianiſchen Städten ſo gut
wie gar kein Intereſſe erregt hat. Die einzige Zeitung, die zu
ſeinem Beſuch Stellung nimmt, iſt der „Diario da Noite”, der
ſchreibt, die braſilianiſche Regierung müſſe hinſichtlich der Frage
eines Beitritts zum Völkerbund die öffentliche Meinung in
Be=
tracht ziehen. Wenn ſie dies täte, ſo würde ſie auf keinen Fall
nach Genf zurückkehren. Die Erfahrung habe gezeigt, daß der
Völkerbund eine vollkommen wertloſe und
teuere Organiſation ſei, die von den
europä=
iſchen Nationen, insbeſondere von
Großbritan=
nien und Frankreich beherrſcht werde. Die
ameri=
kaniſchen Mitglieder, die zunächſt einige wichtige Poſten
inne=
gehabt hätten, ſeien nicht in der Lage geweſen, irgendwelche
poſitiven Erfolge zu erzielen. Wo immer auch das Eingreifen
des Völkerbundes notwendig geweſen wäre, ſei die ganze
Völ=
kerbundsmaſchine zuſammengebrochen. Alle internationalen
Fragen von größter Bedeutung, die ſeit der Gründung des
Völ=
kerbundes aufgeworfen worden ſeien, ſeien ſtets außerhalb des
Völkerbundes geregelt worden. Der Korreſpondent erwähnt
hierbei, daß Sir Eric Drummond vom
Präſiden=
ten Vargas die Verſicherung erhalten habe,
daß er der Arbeit des Völkerbundes mit großer
Begeiſterung zuſehe.
Maniu für mitkeleuropäiſchen Wirtſchaftsbund.
TU. Wien, 24. Dezember.
Der frühere rumäniſche Miniſterpräſident Dr. Julius Maniu,
der ſich zurzeit in Wien aufhält, äußert ſich in einem Artikel in
der „Neuen Freien Preſſe” über die politiſche und wirtſchaftliche
Lage Rumäniens. Er geht dabei auch auf die Möglichkeiten eines
Schutzes gegen die drohende allgemeine Wirtſchaftskataſtrophe ein
und gibt der Auffaſſung Ausdruck, daß das einzige Mittel hierzu
die raſche Verwirklichung eines mitteleuropäiſchen.
Wirtſchafts=
bundes als Teilverwirklichung des Briand=Vorſchlages ſei. Die
neue Staatenverbindung müßte aus Polen, der
Tſchecho=
ſlowakei Oeſterreich, Ungarn, Bulgarien,
Griechenland und Rumänien beſtehen. Ihr Zweck wäre
die allmähliche Schaffung eines Wirtſchaftsbündniſſes zur
Rege=
lung des Warenaustauſches. Dieſer mitteleuropäiſche
Wirtſchafts=
bund könnte dann an der Bildung eines allgemeinen
europäiſchen Bundes mitarbeiten oder die anderen
euro=
päiſchen Staaten könnten ſich ihm anſchließen.
Weihnachten feiert heute das deutſche Volk, die ganze
chriſt=
liche Welt. Das Feſt der Geburt des Erlöſers durch die Liebe.
Trotz aller Sorgen und Nöte, die in unendlich vielen deutſchen
Häuſern heute vielleicht richtige Feſtesfreude kaum aufkommen
laſſen, ſollten wir die Feſttage benutzen, um über den tiefen Sinn
dieſes ſchönſten aller Feſte nachzudenken. Wir beginnen längſt
vieder zu erkennen, daß das Leben des Menſchen nicht nur ein
naterielles Rechenexempel iſt, auch wenn Viele den glücklichen feſt
umriſſenen Glauben früherer Generationen im Zeitalter des
Materialismus verloren hatten. Gerade in der Zeit höchſter
materieller Bedrängnis und Beengtheit ringen wir ſtärker um
ſeeliſche Freiheit, innere Erlöſung. Klarer werden uns dann
ber auch wieder die Pflichten, die wir nicht nur gegenüber
uns ſelbſt, ſondern auch unſeren Mitmenſchen gegenüber haben.
Wenig, viel zu wenig, merkt man das noch im täglichen Leben.
Anfänge, aber immerhin doch Anfänge. Wir ſollten uns
viel=
mehr deſſen bewußt ſein, daß das politiſche und wirtſchaftliche
Leben nur einen Teil des menſchlichen Lebens darſtellt.
Dann werden die unausbleiblichen Kämpfe auf dieſen Gebieten
indere Formen annehmen, Intereſſengegenſätze nicht zu
perſön=
licher Feindſchaft führen. In ſchwerer wirtſchaftlicher
Bedräng=
nis feiern wir das Weihnachtsfeſt 1930. Gemeinſames Fühlen,
gemeinſames Handeln ſoll uns die Ueberwindung der Kriſis
eimöglichen und erleichtern. Schon unſere Vorfahren feierten im
Julfeſt den Sieg des Lichtes über die Finſternis. Wir feiern
die Geburt des Erlöſers, das Feſt der Liebe und der Hoffnung.
M.
Neue Zuſammenſehung des Berwalkungsrals
der Reichsbahn.
Berlin, 24. Dezember.
Von den am 31. Dezember 1930 aus dem Verwaltungsrat
der Deutſchen Reichsbahngeſellſchaft ausſcheidenden Mitgliedern
hat die Reichsregierung die Herren Geheimer Kommerzienrat Dr.
Klöckner, Reichsbahndirektionspräſident a. D. Dr. Vitus von
Hertel, Staatsſekretär a. D. Dr. Carl Stieler und Herm.
R. M. Münchmeyer wieder ernannt. Ferner ſind Landrat
a. D. Freiherr v. Wilmowſky, Marienthal bei Eckartsberga, und
Miniſterialdirektor Geheimer Rat Dr. Erich Klien, Dresden, neu
ernannt worden. v. Hertel iſt von der bayeriſchen Regierung, Dr.
Stieler von der württembergiſchen Regierung und Dr. Klien von
der ſächſiſchen Regierung benannt worden.
Die Staatskanzlei teilt mit: Aus Anlaß des Weihnachtsfeſtes
ſind vom Juſtizminiſterium 125 Begnadigungen verfügt worden,
wodurch größtenteils Gefangene in Freiheit geſetzt, im
übrigen Strafen gemildert (umgewandelt oder herabgeſetzt) oder
erlaſſen oder Bewährungsfriſten bewilligt wurden;
Havas berichtet aus Addis Abeba, daß es an der Grenze
von Erythrea zu einem ſernſtlichen Zuſammenſtoß
zwi=
ſchen italieniſchen Askaris und eingeborenen
Plünderern gekommen ſei. Die Eingeborenen ſeien
zurück=
geſchlagen worden und hätten etwa 100 Tote und Verwundete auf
dem Kampfplatz zurückgelaſſen. Unter den Toten befindet ſich auch
der Führer Mohammed Yaſin.
Die türkiſche Regierung will um eine
Herab=
ſetzung um die Hälfte ihrer im Pariſer
Schulden=
vertrag feſtgeſetzten und anerkannten Schuld
nachſuchen.
Der türkiſche Miniſter für nationale Verteidigung, Abdul
Halik Bey, iſt zum Finanzminiſter ernannt worden.
Sein bisheriges Amt wird er einſtweilen beibehalten.
Nach Meldungen aus Iſtanbul wird dort ernſtlich mit
neuen Kurdenaufſtänden an der türkiſch=perſiſchen Grenze
gerechnet. Der türkiſche Vertreter in Teheran iſt
be=
auftragt worden, mit der perſiſchen Regierung über geeignete
Gegenmaßnahmen zu verhandeln.
Im Tharawaddy=Bezirk kam es nach Meldungen, aus
Ran=
goon zu ſchweren Ausſchreitungen. Etwa 300 Perſonen
griffen zwei Dörfer an, enthaupteten die Bürgermeiſter, erſchoſſen
mehrere Perſonen und ſtahlen fünf Kanonen. Es wurde ſofort
indiſche wie engliſche Polizei aus Rangoon entſandt. Weitere
Einzelheiten über die Urſachen der Unruhen fehlen noch.
für die Alsdorfer Opfer.
Berlin, 24. Dezembee,
Amtlich wird mitgeteilt: Für die Hinterbliebenen der
dem Grubenunglück auf Grube „Anna II” in Alsdorf
Aachen ums Leben gekommenen Bergleute und für die We
letzten ſind jetzt einſchließlich der bisher vom Reich, vom vru
ßiſchen Staat und vom Eſchweiler Bergwerksverein
bereii=
ſtellten Beträge annähernd 1 600 000 RM. verfügbar. In dies=
Betrage ſind viele Tauſend Einzelſpenden enthalten, die teilss de
Aachen, teils auf den Sammelkonten der Reichsgeſchäftsſteslen
der Deutſchen Nothilfe in Berlin eingegangen ſind. Alle Krrin Zyichlei.
der deutſchen Bevölkerung haben ſich trotz der ungünſtigen AE, ich veg”
ſchaftslage opferwillig mit Geld= und Sachſpenden an dem Hinf. im Mitt
werk beteiligt. Auch aus dem Ausland ſind zahlreiche Spemnie i dem
eingegangen. Allen Spendern wird namens der bedauernswe-nreiten, M
Familien, die durch das Grubenunglück betroffen wurden, nuc tionat
mals herzlichſt gedankt, ebenſo den Zeitungen und VereirreMiefran
die das Hilfswerk durch Einleitung von Sammlungen erf i4 bis zum
reich gefördert haben. Die zweckentſprechende Verwendung zMauten
geſpendeten Beträge im Sinne der Spender iſt durch einEhiß unrdem
liche Zuſammenfaſſung aller verfügbaren Geldbeträge gewöchllverſön!
leiſtet. Für die Verteilung des Fonds iſt ein Ausſchuß urncaſeit de
Vorſitz des Regierungspräſidenten in Aachen eingeſetzt worktſur anzu
in dem die beteiligten Behörden, die Bergwerksleitungen, din daß Mul
Belegſchaft, die Gewerkſchaften und die Organiſationen ſch-Craie
freien Wohlfahrtspflege vertreten ſind.
Ergebl
FMſion
Berliner Millionenkredik abgeſchlofſen.
UNB. Berlin, 24. Dezembe=.
Geſtern ſind die Verhandlungen über den reſtlichen Zu/,chs Nel
ſchenkredit Berlins in Höhe von 25 Milliomeſürſchreibt
um Abſchluß gekommen, nachdem ein Bankkonſortium umſſeſen Lon
Führung der Preußiſchen Seehandlung der Stadt ebenf:chun) die d
25 Millionen zur Verfügung geſtellt hat. Gegeben worden muſiſche 9
die zweiten 25 Millionen von der Continentalen Elektrizit-äMl), mit d
Union=A.=G. in Baſel, einer Tochtergeſellſchaft der Preag (Prupuſchen Fl.
ßiſche Elektriztäts=A.=G.), an der auch verſchiedene Schweizer „ſe Craigle,
amerikaniſche Banken beteiligt ſind. Für dieſen Kredit ſollen cu gefahre
Preag die im Beſitz der Stadt befindlichen Aktien der deutſsceſin daraus
Geſellſchaft im Betrage von rund 45 Millionen verpfändet rrinc werden
den ſein. Dieſer Kredit wurde vorläufig nur bis Mitte MAſwortlich,
1931 bewilligt. Bis dahin ſoll ſich die Stadt entſcheiden, ob Feunaueſten
den Kredit verlängert haben oder ob ſie das Aktienpaket —. ßſcht dabon
inden We
äußern will.
ſuier zu verle
Schiffsfe
Ein ſchlechker Scherz.
ſgumms kei
* Berlin, 24. Dezember. (Priv.=Tel.
Der ſozialdemokratiſche „Vorwärts” behauptet, daß emn, da da
ſächſiſche Geſandte bei der Reichsregierung einen Proteſt ge-eiu würde.
die Aufführung des neuen Fridericus=Films „Das Flötjnemichtepalt
onzert von Sansſouci” eingelegt habe, weil die Handlung e—Min Erwät
Verhöhnung des ſächſiſchen Volksteiles und eine Beleidigru
der ſächſiſchen Armee darſtelle. Der Geſandte ſoll angeblich aſſenkſich
mens ſeiner Regierung den ſofortigen Abbruch der Aufführrug
verlangt haben, weil ſonſt eine Gefährdung der bundesſtat
ichen Beziehungen Sachſens die Folge ſein müſſe.
Demgegenüber behauptet die ſächſiſche Regierung, daß km
erne
Grenzen des groben Unfugs weit überſchreitet. Weil die Sozi ſtwen. Eit
demokraten das Verbot des amerikaniſchen Hetzfilms „uMuſt
Weſten nichts Neues” nicht verſchmerzen können und mit allyusgeſc
Mitteln darauf aus ſind, ein Austauſchverbot zu erhalten, weſeſſüng der
den ſolche Methoden angewandt. Schließlich iſt es doch aufcern nich
etwas anderes, ob in einem Film das deutſche Anſehen hera/s)e Mehr
geſetzt oder die Verhältniſſe des Sächſiſchen Hofes vor meſiln zurückl
Kon
als 100 Jahren vielleicht karikiert werden.
Kommaniſtiſche Ausſchreikangen in einer Bräſſes! Nes
Iwes a
Warenhaus.
1Mzu
EP. Brüſſel, 24. Dezember.
Zu einer kommuniſtiſchen Arbeitsloſendemonſtration kam
in einem hieſigen großen Warenhaus. Etwa 200 Arbeitsloſe ht
ten ſich unbemerkt unter die Kundſchaft gemiſcht und ſtürzten / M i0
auf ein gegebenes Zeichen hin auf ungefähr 30. Anſtreicher,
in einem Flügel des Hauſes beſchäftigt waren. Mehrere 5N
Maler wurden ſchwer verletzt. Im Warenhaus entſtand e*n
Eit
Panik; die ſofort herbeigerufene Polizei nahm zahlreiche Verh=” ſrenz über
tungen vor.
Zu ſeinem 75. Geburtstage.
Von Profeſſor Dr. Eugen Köſer.
Orgel und Glocke, die ihr weihnachtlich Jubellied in den
Wintertag ſenden, ſollten in feierlichen Klängen wetteifern, um
dem großen Kirchenmuſikmeiſter des Heſſenlandes in weihevollen
Tönen ihre Huldigung darzubringen. Arnold Mendelsſohn
be=
geht am 26. Dezember ſeinen 75. Geburtstag, und nach dem ſtillen,
beſcheidenen Heim der Goetheſtraße eilen die Glückwünſche aller,
die jemals durch die Gaben ſeines reichen Künſtlertums beglückt
worden ſind. Die ganze muſikaliſche Welt, die keine Landesgrenzen
kennt, nimmt Anteil an dieſem Ereignis, das den Namen
Darm=
ſtadts wieder einmal auf viele Zungen legt, und huldigt dem
Mann, den Univerſitäten, Akademien und Vereine mit
Dok=
torhut und Ehrenmitgliedſchaft geſchmückt und zum Träger
ehrender Preiſe erkoren haben. Wir preiſen die Gnade,
die uns nichts von den Schatten des Alterns merken läßt, uns
nicht zu einem wegmüden Wanderer führt, der matt und
weh=
mütig über Erfolg und Enttäuſchung Rückſchau hält. Es ſteht vor
uns eine reckenhafte Geſtalt, über deren mächtige Schultern die
Jahrzehnte machtlos hingefahren ſind, es blitzt uns ein treues
Auge an, das zukunftsfroh an den Aufſtieg der Menſchheit glaubt,
und der geiſtvolle Kopf kündet ſieghaft an, daß er noch nicht mit
ſeiner Arbeit Feierabend zu machen gedenkt. Deſſen wollen wir
herzlich froh ſein, und wir wollen uns freuen, daß ehrliches
Rin=
gen eines reinen Künſtlerherzens den aufrichtigen Beifall der
Zeitgenoſſen gefunden hat, daß unſer Arnold Mendelsſohn nicht
von dem Los ſo vieler Muſiker betroffen wird, denen erſt eine
einſichtigere Nachwelt den Lorbeer gepflückt hat.
In Schleſien, das ſeit Jahrhunderten in den deutſchen
Kultur=
ſtrom wuchtige Wogen gewälzt hat, hat des Künſtlers Wiege
ge=
ſtanden. Aus der Heimat Ratibor führte der Lebensweg in
das Danziger Gymnaſium. Schon in dem Knaben pulſte die
lei=
denſchaftliche Liebe zur Muſik. Lebte in dem Gymnaſiiaſten etwas
von ſeinem ruhmreichen Ahnen, dem liederreichen Felix
Mendels=
ſohn=Bartholdy? Die Schulzeit brachte die bekannten Konflikte
zwiſchen dem Zwang, ungeliebte Stoffe zu erarbeiten, und der
Liebe zu den Taſten und den Ausflügen einer ſprühenden
Phan=
taſie. Nüchterne Erwägungen drängten vom Gymnaſium zum
juriſtiſchen Studium. Aber der Muſiker brach durch. Dem
Be=
glückten gab der Orgelpädagoge Haupt in Berlin den ſicheren
Untergrund ſeiner muſikaliſchen Ausbildung, und Männer wie
Grell, Fr. Kiel, Taubert offenbarten ihm die
Geheim=
niſſe der Kompoſitionslehre und des Kontrapunktes. Dieſe Unter=
weiſung iſt richtunggebend geblieben für den vielbewunderten
Tonſetzer Mendelsſohn. Ehe er zu uns nach Heſſen kam, wirkte
er drei Jahre als Organiſt und Univerſitätsmuſiklehrer in Bonn
zwei Jahre als Muſikdirektor in Bielefeld und fünf Jahre als
Lehrer an dem Konſervatorium in Köln. Als Nachfolger von
Carl Amond Mangold begann er, an Arbeit und Erfahrung reich,
1890 in Darmſtadt ſeine Tätigkeit als Gymnaſialmuſiklehrer und
Kirchenmuſikmeiſter, und die 40 Darmſtädter Jahre haben ihn zu
der Höhe und Vielſeitigkeit ſeines Schaffens geführt, das ſich
heute allgemeiner Anerkennung erfreut.
Aber bei allem Reichtum ſchöpferiſcher Gedanken, die in faſt
alle Gebiete der Tonkunſt hineinleuchteten, blieb ſeine
Do=
mäne die Kirchenmuſik. Hier ſind die ſtarken Wurzeln
ſeiner Kraft. Den proteſtantiſchen Kirchengeſang hat er erueuert,
geläutert, vertieft, veredelt, und der Direktor der Staatlichen
Akademie für Kirchen= und Schulmuſik in Berlin, Dr. Moſer,
übertreibt nicht, wenn er ſchreibt: „A. Mendelsſohn genießt heute
— das kann ich aus der räumlichen Entfernung ganz beſonders
deutlich erkennen — den Ruhm, der größte deutſche
Kirchenkom=
poniſt unſerer Zeit zu ſein.” Wertvollſtes Gut in meiſterlichem
Chorſatz umſchließen ſeine „Chorhefte für Kirchengeſangvereine‟,
ſeine größeren kirchenmuſikaliſchen Werke, ſeine
Choralparaphra=
ſen, ſeine Kantaten und Motetten ſind Künder ſeines reichen
Innenlebens und ſeiner ſtarken Perſönlichkeit. Seines Geiſtes hat
einen Hauch verſpürt, wer jüngſt ſeine „Deutſche Meſſe” acapelia
in der vollendeten Wiedergabe durch den Ludwigshafener
Beet=
hovenchor in unſerer Stadtkirche genießen konnte. Auch die
Männerchöre und Frauenchöre weltlichen Charakters
ſind neben ſeinen Madrigalen von unvergänglichem Wert. MSN
nergeſangvereine ernſten Strebens preiſen Mendelsſohn als En‟
Führer in muſikaliſches Neuland. Das zweite Heſſiſche Säng”
feſt in Darmſtadt war im vorigen Jahr eine einmütige Huldigu-2
der Tauſende für den Mann, der dem volkstümlichen Geſang eſ”
edlere Prägung gab, alle heſſiſchen Männergeſangvereine trägſ
an ihrer Fahne die Mendelsſohnplakette, das Bildnis des Meiſte?
ſoll die ſangesfrohen Männer mahnen, ernſten, hohen Zielen Seicher S
zuſtreben.
W gern u.
Die in dem Bannkreis der Romantik erſtandenen Opexuuaſcht
„Elſi, die ſeltſame Magd” und „Der Bärenhäuter” haben ſich Eeen Enke
Bühne nicht erobern können. Umſo größeren Erfolg hatten leit,
Konzertſaal ſeine großen Werke für gemiſchten Chor, Soli u. 0Ahe hä
Orcheſter, z. B. „Abendkantate‟ „Der Hageſtolz” und „Pari— /1 die
Pandora für Männerchor, Soli und Orcheſter iſt das Lie) Mord
ingswerk des hieſigen Mozartvereins, der es wiederholt und=ßge
Rehbocks feinſinniger Leitung aufführte.
Verhältnismäßig ſpät iſt Mendelsſohn auch in das Gebiet Oi
reinen Inſtrumentalmuſik hinübergeſchritten. Sonate=
Sinfonien, Konzerte für Violine und Flöte und andere Wemeſſ
enthüllen ſeine Meiſterſchaft auch in dieſer ihm ferner liegend=hiſt
Provinz.
„Bruchſtücke einer großen Konfeſſion” könnte man die zal.”
loſen Lieder nennen, in denen der Meiſter ſein innerſtes E‟
leben ausgeſprochen hat. Hier ſprudelt ein Born echter Menſe””
lichkeit, hier ſprechen Güte und Verſtehen, Klarheit des Urtex?
und Feſtigkeit des Charakters führen hier die Töne, WahrheEM
und Schlichtheit reden aus jedem Takt, der vorherrſchende Erk"
iſt dem echten Humor nicht feindlich. Wer gar das Glück hal
zu hören, wie der Komponiſt ſeine Lieder auf dem Flügel mee
gleitet, dem wird dies Erlebnis unvergeßlich ſein. Manche ſein.
Lieder werden Volkslieder im beſten Sinne des Wortes werde”e
Mendelsſohn hat zahlreiche Schüler herangebildet, aber kein
„Schule” gezüchtet. Unbekümmert um modiſches Geſchrei und de‟
gängliche Torheiten, iſt er ſelbſtſicher ſeines Weges gegangen, "
Diener einer unbeſtechlichen, grundehrlichen Kunſt. Dabei iſt
nicht alt geworden. Der jüngſten Generation ſchlägt ſein woc
wollendes Herz. Sein untrügliches Auge unterſcheidet aber wie
liche Begabung und Ausbruch eines wahren Kunſtwillens von
al=
geblähtem Wichtigtun, das Stümperei als neue Richtung (
l-
poſaunen möchte. Von dem reifen Könner wird der Nachwuſe
unſerer Muſiklehrer mit Verſtändnis und Güte betreut, und aus
Kunſtjüngern, die glühenden Herzens in den Kampf des Lade
ziehen, iſt der Aufrechte und Feſte ein väterlicher Freund u"
Berater. Wer ihm naht, erkennt in dem großen Künſtler Le‟
ſtillen, beſcheidenen, wahrhaft großen Menſchen. Er
moe=
uns noch lange erhalten bleiben, ein Mehrer der Ehre Darmſtadl.”
Die Aoiiennoraftang.
häſche Bermitklung im ikalieniſch=franzöſiſchen
EP. Paris, 24. Dezember.
er Funktionär des Foreign Office, Craigie, der dieſer Tage
em italieniſchen Außenminiſter Grandi Beſprechungen über
bſöglichkeit einer Beilegung der italieniſch=franzöſiſchen
zbuſätze wegen der Flottenſtärken beider Länder gehabt hat, iſt
„ſginer Mitteilung des „Echo de Paris” hier eingetroffen und
it dem franzöſiſchen Generalſekretär für
Völkerbundsange=
meiten, Maſſigli, eine Beſprechung gehabt. Der engliſche
ſttionär wünſche vor allem, ſo ſchreibt das Blatt,
iie franzöſiſch=italieniſchen
Vereinbarun=
ſabis zum 31. Dezember 1930 keinerlei
Schiffs=
ſinauten anzufangen, verlängert werden. Er
d berußerdem erklärt, daß der italieniſche
Außenmini=
ſiiverſönlich bereit wäre, eine gewiſſe
Ueber=
un heit der franzöſiſchen Flotte über die
Ita=
füleer anzuerkennen. Das „Echo de Paris”, zweifelt
ien daß Muſſolini die Anſicht ſeiner Außenminiſters billigen
— Craigie wird die verantwortlichen franzöſiſchen Stellen
Aerlie Ergebniſſe ſeiner Beſprechungen unterrichten.
UnMiſſion Craigies in Paris und Rom erfolglos.
EP. London, 24. Dezember.
ſichts Neues im italieniſch=franzöſiſchen Flottenkonflikt”
ſo üerſchreibt das „Oeutre” ſeinen heutigen Leitartikel, und
ufſieſen Ton iſt auch der Inhalt der übrigen Artikel ab=
eſtimt, die die Morgenpreſſe dieſem Thema widmet. Der
huſiſche Generalſekretär für Völkerbundsangelegenheiten
Mſzli, mit dem der um die Herbeiführung einer
franzöſiſch=
niſchen Flotteneinigung beauftragte Beamte des Foreign
ſti, Craigie, eine Beſprechung hatte, iſt geſtern abend noch in
Lab gefahren, der über 14 Tage dauern wird. Die Blätter
chien daraus, daß zur Zeit nicht entfernt an eine Einigung
hekut werden könne und machen dafür allgemein Muſſolini
harwortlich, der eine ſolche Einigung überhaupt nicht wolle.
enaueſten Angaben macht der „Petit Pariſien”, der erklärt,
daß icht davon die Rede ſein könne, den am 31. Dezember 1930
bbzuenden Waffenſtillſtand in den Schiffsneubauten der beiden
äkur zu verlängern. Bisher hätten dieſe „franzöſiſch=
italieni=
ſchhn Schiffsferien” die Ausführung des franzöſiſchen
Schiffsbau=
rtomms keineswegs verzögert. Einer weiteren Verlängerung
Schiffsferien” könne jedoch der Marineminiſter nicht
zu=
ſiutmen, da dadurch die bisher vermiedene Verzögerung
ein=
breke würde. Auch der Beitritt Frankreichs zum Londoner
gs ſOrbnächtepakt ſei von franzöſiſcher Seite gegenwärtig ebenfalls
wihin Erwägung gezogen worden.
Inbin zurückkehren will, beſteht große Gefahr für einen Erfolg
ſdert ſonferenz. In dieſem Zuſammenhang iſt die Verſchiebung
der ſeiſe des Premierminiſters MacDonald nach Loſſimouth
„ledenungsvoll, da MeDonald ſich dieſer Gefahr voll bewußt iſt
unn illes verſuchen wird, um einen Mißerfolg zu verhüten.
ſVehn es auch verfrüht wäre, von einem Mißerfolg der
Kon=
ſſeran zu ſprechen, ſo ſteht es andererſeits feſt, daß die
Verhand=
lunger auf der Konferenz nicht ſo reibungslos vor ſich gehen,
ſwiſt’” aus den offiziellen Kommuniqués hervorgeht.
Bdenkliche Enkwicklung auf der Round Table=
Konferenz.
EP. London, 24. Dezember.
lie erneuten Verhandlungen zwiſchen Mohammedanern und
ſhitzhs auf der Round Table=Konferenz über die Vertretung
den Linderheiten ſind dem News Chroniele zufolge
zuſammen=
gekuchen. Ein erfolgreicher Abſchluß der Indienkonferenz bei
Nnuſtandekommen einer Einigung in dieſer wichtigen Frage
iſtitasgeſchloſſen. Da es während der ſechs Wochen, die ſeit
Grkſſtung der Konferenz verfloſſen ſind, Hindus und
Moham=
medaern nicht gelungen iſt, zu einer Verſtändigung zu kommen
ſuns he Mehrzahl der Delegierten ſpäteſtens Mitte Januar nach
die indiſchen Frauen fordern Erweikerung
ihres Wahlrechts.
le Eintönigkeit der Verhandlungen der engliſch=indiſchen
MKonſrenz über die Raſſenfragen, Minderheiten=Probleme uſw.
erfuhr eine Unterbrechung durch die Vernehmung der beiden
weiblichen Abgeordneten vor dem Ausſchuß für Wahlrecht. Mit
Anmut trugen ſie die Wünſche der indiſchen Frauen nach einer
tätigeren Anteilnahme am politiſchen Leben vor. Zwar hätten
die Frauen in vielen Fällen ſchon ein theoretiſches
Wahl=
recht, aber praktiſch ſei ihnen die Ausübung durch allerhand
Beſtimmungen unmöglich gemacht, wie zum Beiſpiel durch die
Forderung des Nachweiſes eines gewiſſen
Be=
ſitzes. Zur Zeit ſeien etwa ſieben Millionen Wähler, das
heißt nurdrei v. H. der Geſamtbevölkerung,
wahl=
berechtigt. Der Simon=Bericht habe vorgeſchlagen, die Zahl
auf 10 v. H. zu erhöhen. Die beiden Frauen aber forderten
25 v. H.
Lord Irwin über die Lage in Indien.
EP. Kalkutta, 24. Dezember.
Der Vizekönig von Indien, Lord Irwin, hielt vor der
hieſi=
gen europäiſchen Geſellſchaft eine wichtige Rede, in der er ſich
über die gegenwärtige politiſche Lage in Indien äußerte und ſich
gegen die Gegner ſeiner Politik verteidigte. Lord Irwin lehnte
mit Entſchiedenheit die Anwendung von Gewaltmaßnahmen zur
Bekämpfung des indiſchen Nationalismus ab, wie ſie von den
Kritikern der Regierungspolitik in Indien empfohlen werden.
Die Hauptaufgabe Englands, nämlich Indien zur
Selbſtverwal=
tung heranzuziehen und es als gleichberechtiges Mitglied in die
Familie der engliſchen Dominions aufzunehmen, würde bei
Ver=
folg einer ſolchen Politik nicht nur erſchwert, ſondern
wahrſchein=
lich ausſichtslos gemacht werden. Wie ſehr man auch die
Unge=
horſamsbewegung in Indien verurteile und welche Mittel man
zu ihrer Bekämpfung anwenden möge, es wäre völlig falſch, wenn
man den tatſächlichen und mächtigen Einfluß des Nationalismus
in Indien unterſchätzen würde. Mit einer Politik der ſtarken Hand
ſei eine ſolche Bewegung nicht zu unterdrücken. Nach Anſicht
Lord Irwins ſei es bei gegenſeitigem Verſtändigungswillen
durch=
aus möglich, mit dem politiſchen Indien zu einem befriedigenden
Abkommen zu gelangen, weshalb er die Verhandlungen auf der
Round Table=Konferenz begrüße. Statt kalter
Vernunftserwä=
gungen ſollte aber England bei Behandlung des indiſchen
Pro=
blems ſeinen Blick darauf richten, daß Indien eines Tages ſeinen
vollen Anteil an der Verantwortung und den Vorrechten als
gleichberechtigtes Mitglied im engliſchen Reichsverband, fordern
wird.
Das nene griechiſche Kabinekt von Benizelos gebildel
Athen, 24. Dezember.
Das neue griechiſche Kabinett iſt von Venizelos mit großer
Schnelligkeit gebildet worden. Venizelos iſt Miniſterpräſident
ohne Portefeuille. Die Außen=, Finanz=, Kultus= und Wirt=
Der griechiſche Miniſterpräſident Venizelos,
ſchaftsminiſter verbleiben auf ihren Poſten. Anſtelle von vier
Miniſtern, die nicht mehr zurückkehren, ſind ſechs neue in das
Kabinett aufgenommen worden. Es handelt ſich bei der
Um=
bildung um innere Parteiangelegenheiten, die in der öffentlichen
Meinung wenig Beifall finden. Das neue Miniſterium wird
ſelbſt in den Kreiſen der eigenen Partei ungünſtig aufgenommen,
ſo daß es vorausſichtlich von kurzer Dauer ſein dürfte.
Von unſerem ſtändigen Berichterſtatter.
r. Gss. Madrid, 21. Dezember 1930.
Der erſte großangelegte Stoß gegen die Monarchie in
Spa=
nien iſt geſcheitert. Er war weder getragen von hohen Idealen,
noch ſtellte er ein Naturereignis dar. Nicht eine unterdrückte
Volksmaſſe war es, die ſich gegen den Tyrannen auflehnte, keine
Praetorianerunternehmung, keine ſoziale Bewegung. Es war
der Geiſt des Unfriedens, der in jahrelanger Wühlarbeit geſät
wurde, der Eingang fand in arme Gehirne unwiſſender
Analpha=
beten und in die Köpfe unreifer Jugend, verbunden mit der
nack=
ten Intereſſenpolitik feiger und gewiſſenloſſer Opportuniſten.
Daß ein Umſturzverſuch kommen würde, das war jedem klar,
der nicht mit verbundenen Augen durch Spanien lief. Was man
allerdings nicht für möglich gehalten hat, war dieſe naive
In=
ſzenierung, die der Regierung alle Möglichkeiten in die
Hand gab, der Lage Herr zu werden. Der urſprüngliche Plan
war ohne Zweifel gut ausgearbeitet, er erinnerte hinſichtlich
ſei=
ner militäriſchen Seite ſtark an die Taktik der Karliſtenaufſtände
des vorigen Jahrhunderts. Damals wie heute fingen
die Aufſtände an den Pyrenäen an, ein breites
Band ſollte Spanien von dem übrigen Europa
trennen, angefangen von der Biscaya, bis herunter nach
Bar=
celona zum Mittelmeer. Von dieſer Linie aus ſollten die
nordi=
ſchen Provinzen, Aragon und ganz Katalonien in den Beſitz der
Aufſtändiſchen gebracht und die Republik ausgerufen werden.
Ein=
mal ſoweit, wäre es nicht mehr allzu ſchwer geweſen, den Reſt
Spaniens zum Anſchluß zu bringen. Diesmal plante man,
gleich=
zeitig mit der Erhebung von Jaca und der der benachbarten
Gar=
niſonen den Generalſtreik an allen wichtigeren Plätzen Spaniens
zu erklären, unter gleichzeitiger Gehorſamsverweigerung der
Sol=
daten. Dort aber, wo man in der Armee mit keiner
Anhänger=
ſchaft rechnete, glaute man, auf eine völlige
Neutra=
lität der Truppen zählen zu können.
Dieſe Annahme war der erſte Fehler, man hatte vergeſſen,
daß der alte Groll der Artillerie erſt vor wenigen Wochen
beſei=
tigt wurde durch die Wiedereinſetzung dieſer Waffe in ihre alten
Rechte. Der zweite Fehler war das Losſchlagen zu einer Zeit, in
der Univerſitätsferien waren, wodurch die Studentenſchaft als
Hilfstruppe ausfiel. Der dritte und entſcheidende Fehler aber
war das diſiziplinwidrige, zwei Tage zu früh erfolgte Losſchlagen
der Garniſon von Jaca, wodurch der ganze Plan zum Scheitern
gebracht wurde. Die Generalſtreikserklärungen hinkten
hinter=
her, wurden durch den inzwiſchen erklärten Kriegszuſtand im
ganzen Lande außerordentlich erſchwert, und den übrigen
Garni=
ſonen war die Luſt zum Aufſtand vergangen, als ſie ſahen, daß
die Regierungstruppen Ernſt machten und auf die Soldaten der
Aufſtändiſchen ſchoſſen, eine Tatſache, mit der natürlich niemand
gerechnet hatte. Der drei Tage nach dem Putſch von Jaca
er=
folgte Fliegeraufſtand in Madrid konnte ſelbſtredend, die Lage
nicht mehr ändern. Abgeſehen von dem völligen Fehlen der
pri=
mitivſten Begriffe von Organiſation und Diſziplin auf ſeiten der
Rebellen, kam der Regierung die Feigheit der
ſoge=
nannten geiſtigen Führer der „
Intellektuel=
len”, zu Hilfe, die auch diesmal wieder die Vorſicht für den
beſſeren Teil der Tapferkeit gehalten haben und es vorzogen, in
ihrem ſtillen Kämmerlein oder im prunkvollen Palaſt
abzuwar=
en, bis ſich die anderen für ſie totſchießen ließen.
Trotz allem aber, und das iſt das Beachtenswerte, war die
Lage für die Regierung ganz außerordentlich ernſt. Es
beſteht kein Zweifel, daß die Errichtung der Republik geglückt
wäre, wenn die oben erwähnten Fehler nicht gemacht worden,
d. h. wenn die Bewegung im ganzen Lande gleichzeitig
losgegan=
gen wäre. Die Nervoſität der Regierung erhellt am beſten
daraus, daß man das Land zwei Tage völlig vom Ausland
ab=
ſchnitt, eine Maßnahme, die natürlich nur dazu beitrug, den
Ge=
rüchten freien Lauf zu laſſen. Das gleiche gilt von dem Verbot,
innerhalb Spaniens zu telephonieren. Auch heute iſt die Lage
noch bei weitem nicht normal, hätte man ſonſt die Fremdenlegion
aus Marokko nach Valencia und Alicante geholt? Der
Kriegs=
zuſtand herrſcht noch immer in ganz Spanien, die
Weihnachts=
urlaube der Armee ſind annulliert worden, und die Arbeit ruht
noch an vielen Plätzen, wenn die Gewaltakte auch faſt ganz
auf=
gehört haben. Noch wird es Wochen dauern, bis der
letzte Funke gelöſcht ſein wird. Die Feinde der
Mon=
archie werden in den nächſten Monaten verſuchen, die dem Lande
ſo überaus nötige Ruhe durch ſtändige Teilunternehmungen zu
ſtören. Das wird ſolange dauern, bis man die Zeit zur Führung
des endgültigen Schlages gegen die Krone für gekommen hält.
Das Scheitern der Revolution iſt, wie aus obigen
Ausfüh=
rungen erhellt, viel weniger auf die poſitiven Maßnahmen der
Regierung zurückzuführen, als vielmehr auf die Unfähigkeit der
Aufſtändiſchen und ihrer Drahtzieher. Dieſe Tatſache iſt aber das
Gefährliche bei der ganzen Unternehmung, und ſie wird es ſein,
die den umſtürzleriſchen Elementen neuen Mut einflößen wird.
Die Tragik dieſes Revolutionsverſuches liegt
in den armen Menſchen, die, in der Uniform des ſpaniſchen Sol=
Zuſammengeſtellt von Dr. Erich Jeniſch.
Frau Rat Goethe an ihren Sohn.
23. Dezember 1806.
Leber Sohn! Alles was ich Dir zu Gefallen tun kann,
ge=
chin) gern und macht mir ſelbſt Freude — aber eine ſolche infame
Mormaſchine zu kaufen — (eine kleine Guillotine als Spielzeug
ſürn dm Enkel Auguſt) das tue ich um keinen Preis — wäre ich
lObligeit, die Verfertiger hätten an Halseiſen gemußt — und die
Mglichne hätte ich durch den Schinder öffentlich verbrennen laſſen
— vs! die Jugend mit ſo etwas Abſcheuliches ſpielen zu laſſen —
hner Mord und Blutvergießen als einen Zeitvertreib in die
5ä5) geben — nein, da wird nichts draus!
Aus von Hovens Autobiographie.
Weihnachten 1793.
Gwöhnlich war Schiller ernſt, und ſo betraf auch unſere Un=
Verlsalung meiſtens ernſte Gegenſtände. Aber er konnte auch,
be=
ſſoncesz wenn er ſich ganz wohl befand, heiter, luſtig, ja ſelbſt
Undiſ ſein. Er war ſchon im Herbſt in Ludwigsburg
angekom=
ſher, ind ſeine Frau hatte noch lange bis zu ihrer Entbindung.
Abörr freute ſich auf Weihnachten, als ob er ſchon ein Kind
Mthe welchem er den heiligen Chriſt beſcheren laſſen könne. Am
Vezchachtsabend kam ich zu ihm, und was ſah ich da? Einen
Nächig großen, von einiger Menge kleiner Wachskerzen
beleuch=
ſeieh und mit vergoldeten Nüſſen, Pfefferküchlein und allerlei
lenun Zuckerwerk aufgeputzten Weihnachtsbaum. Vor ihm ſaß
/echahr ganz allein, den Baum mit heiterlächelnder Miene
an=
ggund und von ſeinen Früchten herunternaſchend. Verwundert
Waß ſen unerwarteten Anblick, fragte ich ihn, was er da mache?
wa/ rinnere mich meiner Kindheit,” erwiderte er, „und freue
Ma), ſie Freude meines künftigen Sohnes zu antipizieren. Der
Aeaſ iſt nur einmal in ſeinem Leben Kind, und er muß es blei=
PmIs er ſeine Kindheit auf ein anderes fortgeerbt hat.
Jean Paul an Karoline Mayer.
Weihnachten 1800.
c ſchwimme ja in deinen Gaben, wahrlich, du übertäubſt
M64 ſurch deine Ströme. Ich kann dir nicht ſagen, wie mich
Leiüteſichteriſch=blühende Weſte — da ich allein dieſes
RIheidermittelſtück an mir liebe — bezaubert hat. Die
Veuu Ober=Weſte ziehe ich heute, aber als einen Ornat an, der
2au/huhe verlangt — auch die neue Unterweſte; die alte ge=
hört ſo nicht in deine Hände. Habe tauſend Dank, du
Ueber=
fließende! Ich gab dir noch ſo wenig, oft hält der Mann das
For=
dern für Geben. Adio carrissima! Du Arbeitſame, zu ſehr
Fleißige für deinen
Paul.
Caroline Schlegel an Pauline Gotter.
Weihnachten 1801.
Nach langer Ueberlegung habe ich garnichts koſtbareres und
paſſenderes zum Weihnachtsgeſchenk für meine werte Pauline
er=
ſinnen können als einliegende zarte Blättchen, an denen ſie die
Flüchtigkeit ihres Temperaments täglich abmeſſen kann. Man
zweifelt nicht, dieſe Fiſchgen werden jedesmal auf ihrer Hand zu
Vögelchen werden.
Chriſtiane an Goethe.
21. Dezember 1803.
„Ich ſchreibe dir nur mit ein paar Worten, daß ich ſehr
be=
ſchäftigt bin wegen Feſt und backen; und wegen deiner Ankunft
habe heute ſehr viel eingekauft und erwarte dich Sonnabend bei
Zeiten mit großem Vergnügen und Freude. Und ich hoffe, du
ſollſt alles finden, wie du wünſcheſt. Itzo lebe wohl. Viele
herz=
liche Grüße von der kleinen Brand, die den ganzen Morgen lier
C. V.
ſitzt und näht. Lebe recht wohl und gedenke mein.
Karl von Schiller über ſeinen Vater.
Weihnachten 1804.
Lebhaft erinnere ich mich des Chriſtabends. Mein ſeliger
Vater war gerade etwas wohler und trennte ſich vor Freude von
der Beſcherung, namentlich hatte er eine große Freude an meiner
kleinen Schweſter Emilie, die ein halbes Jahr alt war und, als
mein Vater ſie auf den Arm nehmend um den mit vielen Lichtern
brennenden Chriſtbaum herum trug, durch ihre ausgeſtreikten
Aermchen und Jauchzen ihre Freude darüber ausdrückte. Wer
hätte damals daran gedacht, daß dies des Vaters letzter
Chriſt=
tag wäre.
Marie Friſch an Gottfried Keller.
Wien, 17. Dezember 1875.
Liebſter Herr Stadtſchreiber! Sie haben ſchon einmal die
Be=
merkung gemacht, daß unſere gegenſeitigen Weihnachtsgeſchenke
immer kleiner und bläſſer werden; aber das hat weiter nichts zu
bedeuten — nicht wahr? Ich wünſche mir heuer zum Chriſtkindel
von Ihnen einen Brief, das können und werden Sie leiſten, bei
meinem Zorn! Beiliegendes Bildchen ſoll Ihnen zeigen, wie ich
meine Zeit gut angewendet habe, wie wohl es kaum einen
Be=
ariff davon gibt, was für ein allerliebſtes Kerlchen der Kleine iſt.
Er ſieht hier aus wie ein Mops, dem man den Knochen genommen
hat, in Wahrheit aber gleicht er dem Jeſuskindlein, wie es
ge=
wiß geſehen ſein muß an Liebreiz, Güte und Weisheit. „So was
ſagt jede von dem ihren” denken Sie ſich...
Keller an Marie Friſch.
Zürich, 20. Dezember 1875.
Höchſt verehrungswürdige Frau Profeſſorin und Mama! Ich
beglückwünſche Sie nachträglich noch eifrig wegen Ihres
Söhn=
leins in der Hoffnung, es ſtehe noch alles gut mit demſelben, die
Geſundheit vortrefflich, die Schönheit unvergleichlich, die
Geſcheit=
heit über jeden Vergleich erhaben. Um aber auf dem Pfade der
Tugend eine rechtzeitige Einwirkung zu erzielen und das junge
Männlein zu einem männlich tüchtigen Kumpan heranbilden zu
helfen, überſende ich Ihnen hiermit ein erſtes Trinkgeſchirrchen;
er wird es freilich noch nicht regieren können. Bis dahin aber
müſſen wir einen Notbehelf erfinden. Dazu dienen die Baſler
Leckerli.
Sie in altem Rotwein einweichen, ein Lutſchbeutel (
ſchwei=
zeriſch Nüggi) packen und auf dieſe Weiſe dem Sprößling ins
Mäulchen ſtecken müſſen, damit er ſich an den Wein gewöhnt.
Hiermit wünſche ich Euch insgeſamt fröhliche Weihnacht..
Storm an Keller.
Hademarſchen=Hanerau, 22. Dezember 1882.
Da bin ich, lieber Freund, um Ihnen, ſo gut es durch ſo viel
Ferne geſchehen kann, zu dem mir ewig jungen Kindheitsfeſte
die Hand zu ſchütteln. Unten ſpielt meine Jüngſte allerlei ſüße
Melodien, und im ganzen Hauſe weihnachtet es ſehr. Zwei Tage
lang nichts als Kiſten gepackt und Pakete gemacht und
Weihnachts=
briefe an Alt und Jung in alle Welt geſendet; ich habe diesmal
nur meine zwei Jüngſten, die Gertrud und Dodo, zu Hauſe, und
morgen kommt aus Varel noch mein Muſikus, das heißt
Muſik=
lehrer. Aber die breitäſtige zwölf Fuß hohe Tanne ſteht ſchon
m großen Zimmer, an den letzten Abenden iſt fleißige
Haus=
arbeit gehalten: der goldene Märchenzweig, dito die
Trauben=
büſchel des Erlenſamens und große Fichtenzapfen, an denen
dies=
mal lebensgroße Kreuzſchnäbel von Papiermaché ſich anklammern
werden, während zwei desgleichen Rotkehlchen neben ihrem Neſt
mit Eiern im Tannengrün ſitzen, feine, weiße Netze, deren
In=
halt ſorgſam in Gold und andere nach Lichtfarben gewählte
Pa=
piere gewickelt iſt, alles liegt parat, und morgen helfe ich den
Baum ſchmücken. Wenn dann aber am Weihnachtsabend die
Lichter brennen und die Kinder ihr Weihnachtslied anſtimmen,
dann überfällts mich doch: Wo ſind ſie alle, die ſich einſt mit mir
gefreut? Antwort: wo auch ich bald ſein werde. Und das
Ge=
chick deiner Lieben? — Ein ewiges Dunkel für dich.
Seite 4
Donnerstag, den 25. Dezember 1930
Nummer 3565
daten ſteckend, weiter nichts taten, als den Befehlen ihrer
Vor=
geſetzten zu folgen, die ihnen erklärt hatten, die Republik ſei in
ganz Spanien ausgerufen. Uebereinſtimmend lauten ſo die
Aus=
ſagen der Gefangenen, die erſt dann merkten, um was es ging,
als die erſten Granaten in ihre Reihen ſchlugen und die
Maſchi=
nengewehre der Regierungstruppen zu tacken begannen. Auch
die Unterführer wußten nicht, welches das Endziel ſein werde.
Die Leute von Jaca aber, die ſich im klaren waren über die
Trag=
weite ihrer Handlungen, beſonders alſo die aufrühreriſchen
Offi=
ziere, ſtarben im Glauben an eine beſſere Zukunft ihres
Vater=
landes und glaubten nicht, daß auch ſie bloß Mittel waren zum
Zweck der Errichtung einer verächtlichen Oligarchie einiger
Stre=
ber und Feiglinge. Ueber zweihundert Menſchen mußten
blu=
ten, über zwanzig ihr Leben laſſen für kranke Gehirne, die
Mi=
niſterſeſſel und Macht als das einzig Erſtrebenswerte im Leben
betrachten und von denen keines eingetreten iſt für die Opfer
ihrer Intriguen.
Hätte nun der Ausbruch dieſer Bewegung
verhindert werden können? Ohne Zweifel, ja,
wenn die Regierung Berenguer die während der Diktatur Primo
de Riveras geſchloſſenen Ventile nicht allzu ſchnell gezogen hätte.
Dieſer Drang, dem Volke zeigen zu wollen, daß man freiheitlich
denke und ein grimmiger Feind jeder Diktatur ſei, hat im Volke
Leidenſchaften groß werden laſſen, die ſpäter nicht mehr zu
däm=
men waren. Die republikaniſche Propaganda konnte in einer
Weiſe betrieben werden, wie wohl kaum in einer anderen
Mon=
archie Europas. Nicht einmal die Perſon des Königs wurde von
der Kritik verſchont. Man ließ die „Intellektuellen” und die
be=
leidigten Exminiſter große Reden halten, Meetings veranſtalten
und Zeitungsartikel ſchreiben, wie man das einfach nicht für
mög=
lich halten ſollte. Wenn man in Deutſchland nur ein Zehntel
deſſen für die Monarchie leiſten wollte, was man ſich hier für die
Republik erlaubt hat, ſäßen ſämtliche Führer im Gefängnis. Die
Regierung war zu ſchwach und ohne Ideen. Die von ihr verfolgte
Linie bedeutete weiter nichts als das bewußte Zurückgleiten in
die unmöglichen vordiktatorialen Zuſtände, von denen weder
rechts noch links jemand etwas wiſſen will.
Ein gründlicher Kabinettswechſel wird die nächſte Folge der
geſcheiterten Revolution ſein.
In Berlin=Zehlendorf verſtarb geſtern Dr. Eduard David,
der langjährige Führer der heſſiſchen Sozialdemokratie. Dr. David
war am 11. Juni 1863 in Ediger an der Moſel geboren. Als
evangeliſcher Gymnaſiallehrer wirkte er 1891—1894 in Gießen.
Seit 1893 trat er als ſozialdemokratiſcher Schriftleiter hervor und
gehörte 1896—1908 der heſſiſchen Ständekammer an. Bereits 1903
war er in den Reichstag eingezogen, dem er bis heute
ununterbrochen angehörte. Vom 3. Oktober bis 9. November 1918
amtierte er als Unterſtaatsſekretär im Auswärtigen Amt. Am
22. Juni 1919 übernahm er das ſchwierige Amt des
Reichsinnen=
miniſters, bis er am 27. März 1920 ausſchied. Lange Jahre
ver=
trat er die Intereſſen des Reiches in Heſſen. — Dr. David, der
auch als Schriftſteller ſozialiſtiſcher Darſtellungen („Die
Sozial=
demokratie im Weltkrieg” „Sozialismus und Landwirtſchaft”)
bekannt wurde, genoß als Menſch und Politiker auch in
gegne=
einen ausgezeichneten Ruf.
Staatspräſident Dr. Adelung hat an die Witwe des
Ver=
ſtorbenen folgendes Beileidstelegramm gerichtet: „Tief
erſchüttert von dem plötzlichen Hinſcheiden Ihres verehrten Herrn
Gemahls, ſpreche ich Ihnen und den Ihren auch im Namen der
heſſiſchen Regierung mein herzlichſtes Beileid aus. Dr. David
war mir ſeit Jahrzehnten ein lieber Freund und dem heſſiſchen
Volk ein treuer Anwalt und Führer; ſein Wirken wird im
Heſſen=
land ſtets in dankbarer Erinnerung bleiben.”
Die Dresdener Skudenkenſchaft an Hugenberg.
Dresden, 24. Dezember.
Der Vorſtand der Dresdener Studentenſchaft hat an
Ge=
heimrat Hugenberg, Berlin, einen offenen Brief geſandt, in dem
auf die Vorfälle anläßlich der Dresdener Erſtaufführung des
11fa=Filmes „Ein Burſchenlied aus Heidelberg”
hingewieſen und geſagt wird, „Bitter wird durch ſolche Filme
das Ehrgefühl des deutſchen Studenten verletzt, ſchwer das
An=
ſehen des deutſchen Akademikers überhaupt geſchädigt. Noch be=
Von Alfred M. Balte.
H. John White, Sohn wohlhabender Gutsbeſitzer irgendwo
in Südengland, war von je das Sorgenkind ſeiner Eltern
ge=
weſen; von zartem Körperbau und einer anfälligen Lunge,
wurde gehätſchelt und gepflegt, alle Augenblick ins Bett geſteckt,
und ſo, mutlos und lebensſchwach, mit der Zeit achtzehn Jahre
alt. Bis er eines Tages von Beſorgnis zugedeckt und mit dem
Fieberthermometer im Bett liegend, aufſprang, die Decke von ſich
warf, in den Stall lief, ein Pferd ſattelte, und — es war um die
Mittagszeit — bis zum Abend verſchwand. Gegen Nacht kam
er zurück, auf ſchweißflockigem Pferde, ſelbſt naß wie aus dem
Waſſer gezogen, nach einem vielſtündigen ſcharfen Ritt durch
Wälder und über Hügel, ſtieg ab, rieß ſein Pferd trocken, zog
ſich um, begehrte zu eſſen, verſchlang eine unglaubliche Portion
Eier mit Speck, und tar von Stund an ein richtiger geſunder
Mannskerl.
Ein Vierteljahr ſpäter nahm er Paſſage nach Amerika, ritt
auf dem Lande bei New York Pferde zu, verkaufte dann in der
Stadt in einer Drogſtore Eiscream und Kaugummi, quälte ſich
ſah endlich ſein Ziel; die Unraſt fiel von ihm ab, er ging hin,
lernte und ſtudierte mit verbiſſenem Fleiße und ſuroe Pfarrer.
Pfarrer in Omaha. Mitten zwiſchen dem Atlantic und dem
Pacifie, im Herzen Nordamerikas, liegt der Indianerſtaat
Nebraska. Sein Hauptſtadt iſt Omaha Damals noch eine
kleine Siedlung von Holzhäuſern, dicht am Miſſouri, der oft
genug über die Ufer trat und die ganzen Bretterbuden
fort=
zuſchwemmen drohte. Dort verſah Pfarrer John White ſein
Seeiſorgeramt, in einer ärmlichen Gemeinde, unter Pelzjägern,
Abenteurern, Schiffern und Indianermiſchlingen. Dort heiratete
er, verlor ſeine Frau, heiratete wieder; dort bekam er fünfzehn
Kinder, von denen er zehn im Laufe einer Woche ſelbſt begraben
mußte, als eine Epidemie ſich auf den Ort warf und ſogar den
Totengräber nicht ſcheute, — dort wurde ſein langer Bart,
wur=
den ſeine wallenden Locken ſchneeweiß: — aber nichts vermochte
die Zuverſicht und die Geſtalt dieſes Mannes zu beugen. Er
wpar ein Kämpfer in ſeinem Amte; er blieb Omaha treu, trotz
Aufeindungen roher Geſellen, trotz Krankheit und Sterben rings
um ihn; er ſtand da, mit beiden Füßen feſt auf dem Boren und
kämpfte wild und ungebärdig für Gott und die Scelen der
Meuſchen.
Mit ſiebzig Jahren mußte er endlich ſeinen Platz einem
Jüngeren abtreten. Er tat es murrend. Er fühlte ſich noch
lange nicht alt. Noch immer war er der wilde Reite: wie
du=
mals, als er ſich geſund ritt, und wenn der ſchneeweiße Greis
mit ſeinem Wagen durch die winkligen Straßen der Stadt raſte,
dauerlicher iſt jedoch, daß man gerade Filme dieſer Art in
beſon=
derem Ausmaße im Ausland laufen läßt, und uns gegenüber
gerade beſonders kritiſch eingeſtellten Völkern eine Vorſtellung
über Deutſchlands Gegenwart gibt, die ſchwerlich dem Anſehen
unſeres Volkes von Vorteil iſt.” Hugenberg wird gebeten, ſeinen
ganzen Einfluß dahingehend geltend zu machen, daß von ſeiner
Filmgeſellſchaft derartige Filme nicht mehr herausgebracht
wer=
den. Demgegenüber würde der Vorſtand der Deutſchen
Studen=
tenſchaft es jedoch begrüßen, wenn im Gegenſatz zu ſolchen in
der Darſtellung falſchen und nach allgemeinem Urteil
künſt=
leriſch wertloſen Filmen die Gelegenheit
er=
griffen würde, den heutigen Studenten in ſeinem
ſchweren geiſtigen und materiellen Ringen darzuſtellen.
Offiziersverſchwörungen in Jugoflawien.
EP. Wien, 24. Dezember.
Mehrere hieſige Blätter melden aus Belgrad die Aufdeckung
einer Offiziersverſchwörung in Jugoſlawien. Nach dieſen
Be=
richten ſeien auf dem Gebiete des Königreichs Jugoſlawien 17
Offiziere verhaftet worden, die, wie die polizeiliche Unterſuchung
ergab, Mitglieder einer „Geheimliga für Gerechtigkeit und
Frei=
heit” waren. Unter den Offizieren befänden ſich mehrere, hohen
Ranges. Sie würden, wie verlautet, vom Miniſterpräſidenten,
General Zivkowitſch, perſönlich vernommen werden. Die Blätter
melden, daß die Liga einen Aufruf verbreitet habe, der ſich gegen
das Regime und gegen König Alexander richte,
Schwere Anruhen in Burma.
EP. Rangovn, 21. Dezember.
Schwere Unruhen haben ſich nach hier vorliegenden
Mel=
dungen in dem Ort Tharrawaddy in Burma ereignet, ſvo von
einer etwa 300köpfigen Menſchenmenge drei eingeborene Beamte
getötet wurden; ferner wurde eine Anzahl Waffen geſtohlen.
Ueber den Grund der Unruhen ſteht noch nichts feſt. Polizci
und Soldaten ſind in aller Eile nach dem Unruhegebiet geſandt
worden.
Wie aus Allahabad berichtet wird, hat die Regierung die
Freilaſſung Pundid Malavias, des früheren Präſidenten des
Allindiſchen Kongreſſes, angeordnet. Malavia lag ſeit einiger
Zeit in einem Krankenhaus des Gefängniſſes, in das er nach
ſeiner Verurteilung zu einer mehrmonatigen Gefängnisſtrafe
gebracht worden war, krank darnieder.
Die Preſſeordannanz des Vizekönigs vom Sommer dieſes
Jahres iſt mit gewiſſen Abänderungen am Dienstag auf Grund
einer neuen Ordonnanz, die gleichzeitig mehrere andere
außer=
ordentliche Verfügungen betrifft, verlängert worden.
Nach Moskau zurückberufen!
Die Opfer von Breſt=Likowſt
fordern Genugkuung.
Warſchau, 24. Dezembe=:
Großes Aufſehen erregte am Dienstag abend die Nachrne
daß die Verteidiger der Gefangenen von Breſt=Litowſk an
Staatsanwalt des Appellationsgerichts in Warſchau einen
trag gerichtet haben, daß der für Breſt=Litowſk zuſtändige Untte‟
ſuchungsrichter desſelben Appellationsgerichts. Demcn
zur gerichtlichen Verantwortung gezogen we:d
ſoll, da Demant ſich den geſetzwidrigen Anforderungen
höheren Behörden bezüglich der Gefangenen gefügt hätte und
ſeiner Haltung zu der unmenſchlichen und jedem Recht und E5
hohnſprechenden Behandlung der Gefangenen beigetragen Eu
Außerdem wiſſen die Oppoſitionsblätter von einer geplanten
ſammenkunft der ſich bereits auf freiem Fuß befindlichen
fangenen von Breſt=Litowſk zu berichten, in der das Mate=i
über die Behandlung der Gefangenen in Breſt=Litowſk geſam-nd
werden ſoll. Ferner meldet der nationaldemokratiſche „Wie=z
Warczawſki”, daß die Sozialiſtiſche Partei ſchon in einer der rri
tribunal zu ziehen iſt.
Frau Alexandra Kollontay,
die Sowjetgeſandtin in Schweden, wurde nach Moskau
zurück=
berufen. Frau Kollontay ſoll mit ihrer Propaganda nicht die
er=
warteten Erfolge erzielt haben, auch iſt man in Moskau mit
ihrer „bürgerlichen” Lebensweiſe unzufrieden.
daß die Eckſteine Funken gaben, liefen die Bewohner nicht erſt
zum Fenſter, ſondern ſagten nur: der Pfarrer fährt aus. —
Omaha war ein kleiner Ort damals. Mühſam hatten ſie ſich
eine Kirche gebaut, mit einem Glockenturm ſogar, alles aus
Holz, verſteht ſich, aber ſie waren doch ſtolz darauf. Zu einer
Glocke hatte es lange nicht gereicht, aber ſchließlich war auch
das geſchafft, und an den Sonntagen klang ihr Gebimmel denn
über die Fluten des Miſſouri.
Dann läutete die Glocke zum letzten Mal am
dreiund=
zwanzigſten Dezember, einen Tag vor Heiligabend. Da brach
in Ohama ein Brand aus, der Weſtſturm trug die Lohe von
Haus zu Haus, ſie fraß zwanzig der Bretterbuden, leckte am
Kirchturm hinauf, fand Geſchmack daran, biß kräftig zu, der
Turm ſtürzte ein, die Glocke bimmelte ſchmerzlich und Omaha
hatte keine Kirche mehr. John White und ſein Nachfolger, der
junge Pfarrer, kämpften rauchgeſchwärzt mitten in den Flammen
um ihre Kirche. Vergebens. Den jungen Pfarrer traf ein
brennender Balken an den Kopf, daß man ihn zwiſchen Leben
und Tod davontragen mußte, und John White ſtand, ſtraff wie
einſt, mit ſeinem rauchgeſchärzten Haar und Bart faſt
jugend=
lich anzuſchauen, vor den kohlenden Trümmern und dachte nach,
wie er den Leuten trotz allem ihre Weihnachtsandacht ſchaffen
könnte.
Es war nicht viel zu überlegen. In Omaha gab es nur
einen Raum, der in Betracht kam: dicht am Miſſouri, in ub=lſter
Gegend ſtand eine Schenke von Sam Bill, ein kleines,
ver=
räuchertes, ſchmutziges. Ding, wo ſich Schmuggler, Pelzleute,
Seeleute, Diebe und Verbrecher zu treffen pflegten; dieſer
Schenke war ein Tanzſaal angebaut, drei Bretterwände, ein
Bretterdach. Hier wurde getanzt, geſoffen, gelärmt, geprügelt
und gemordet; nicht umſonſt hatte White von der Kanzel gegen
dieſen Stall alles Böſen gewettert. — Nun müßte er ſelbſt
dahin. Es blieb nicht anderes übrig. Er ging alſo. Und ſo
ſehr ſich der Schankwirt, ein einäugiger ſchuftiger Hallunke, aus
Angſt vor ſeiner Kundſchaft ſträubte — John White blieb der
Stärkere und bekam den Tanzſaal für ſeine Weihnachtsfeier.
Dann fuhr er ſelbſt in den Wald, holte eine Tanne und ſtellte
ſie als Weihnachtsbaum in den Saal. Er baute ſich einen
kleinen Altar, zimmerte Bänke zuſammen, und am Heiligabend
ſah es ſauber darin aus, roch gut und feierlich nach brennenden
Wachskerzen, und die Leute aus Omaha, die mit ihren vom
Brand erweichten Herzen zahlreich zur Weihnachtsfeier
erſchie=
nen, ſahen ſich erſtaunt um.
Pfarrer White war glücklich wie ſeit langem nicht. Er ſang
mit ſeiner Gemeinde ein frohes Weihnachtslied, dann begann
er ſeine Predigt, und ſprach ſo gütig, zart und behutſam, daß
den harten Menſchen dort vor ihm ganz ſeltſam zu Mute wurde,
denn ſo hatten ſie ihren ſtreitbaren Pfarrer noch nie gehört.
Von nebenan, aus Sam Bills Schenke, brandete Gekreiſch und
Gejohle mit ſchmutzigen Wellenſpritzern in die
Weihnachts=
predigt. Dort feierten die wüſten Brüder auf ihre Art, mit
Whisky und Gin, bis ſie ſich ſelbſt langweilig wurden, bis einer
auf den glänzenden Gedanken kam, einmal zur Weihnachtsfeier
ſten Sitzungen die Abſicht habe, einen Antrag einzubringen,
die frühere Regierung als unmittelbar für den Be
Litowſker Skandal verantwortlich vor das höchſte Staa=
Sympathiekundgebungen für die Mißhandelken
Odu T.
WTB. Warſchau, 24. Dezembe.
dasz iſt
Die Proteſtbewegung gegen die Vorgänge im Milfichu; denn
gefängnis von Breſt=Litowſk nimmt in ganz Polen imrncſehlich, ſt
größeren Umfang an. Zahlreiche Profeſſoren der Alchim Feſte
ſchauer Univerſität und der Warſchauer Techniſchen Hochſchule A Weihna
öffentlichen heute Aufrufe, in denen ſie ſich dem Verlangen dru und ehr
Krakauer Hochſchullehrer nach Aufklärung und Sühne 0 der Wert
Rechtswidrigkeiten und Grauſamkeiten gegen duur Weil
oppoſitionellen Parlamentarier anſchließen. Aehnliche Erklärng iein In
gen veröffentlichen eine Gruppe von Profeſſoren aus Poſemſ Vie ei
wie mehrere andere akademiſche Organiſationen. Für einz=(fſter.
Opfer der Vorgänge von Breſt=Litowſk, wie den Abgeordneie Es wird
Liebermann, erſcheinen in der Preſſe Sympathieerklärungen. Aud ſo viel ü
bekannte Geiſtliche und Schriftſteller, die teilweiſe bisher als H heins ze
gierungsanhänger galten, treten mit ſolchen Erklärungen her vm mn.
Verſchiedene Regierungsblätter entziehen ſich dem Abdruck diüe Pfingf
Erklärungen nicht mehr. Der ſozialiſtiſche „Robotnik” ſtellt Sſligfeſt de
feſt, daß die Regierung ſelbſt nach wie vor Schweigen bewahrt. zmen willſt.
Es iſt ein
Es hält di
Major Franco und die Reichswehr.
m, damit dr
im Drum=f
* Berlin, 24. Dez. (Priv.=Tel.
Hüxkeit und
Der ſpaniſche Fliegeroffizier und Revolutionär. Mcromrſte Sou
Franco, der es vorgezogen hat, in Portugal Gaſtfreundſchhi Ich habe
in Anſpruch zu nehmen, während einige ſeiner nicht mehr re—tchnswinke
zeitig geflohenen Freunde hingerichtet wurden, erzählt jetzt al Luld doch wa
lei Geſchichten über einen geplanten Königsmord, zmmelsw
dem er das Signal geben ſollte. Nurdie ſpielenden Käſtucht, wie i
der des Königspaares hätten ihn davon abg minader.
halten den Palaſt in die Luft zu ſprengen. Fra—x) Höhe d
hat allerlei Anlaß, ſich als Held herauszuſtreichen und menih Weihn
liches Mitgefühl herauszukehren, weil er nicht ganz zu Unrgyms Le
fühlt, daß er durch ſeine Flucht bei ſeinen Freunden weſentäkns du aus
an Anſehen verloren hat. Aber das iſt ſeine Sache, die uns nichs Es gibt
weiter angeht. Er hat aber nun der wißbegierigen franzöſiſciſd Benle
Preſſe erklärt, daß er ſich mit ſeinen Freunden nach Belgien 1u9. Der
Deutſchland begeben würde, um hier vorübergehe in umg
Heeresdienſt zu nehmen. In entſprechender Aufmachus Es gib
erſcheint dieſe Meldung. Die Rückſchlüſſe aus der nun für ſie eſtuße
reits feſtſtehenden Tatſache, daß ein Spanier in der Reichswauhenkt,
Dienſt nimmt, bleiben nicht aus. Dazu iſt aber doch zu bemerk an ſtube
daß ſich in Deutſchland ſchon alljährlich Tauſende von jungen Mun Muiſtbauf
ſchen melden, um die Offizierslaufbahn einzuſchlagen, aber wegu, Zum
Ueberfüllung abgewieſen werden müſſen. Infolgedeſſen liegt 50 Wo
Unſinn auf der Hand, daß wir ausgerechnet für Herrn Frau ucg nich,
eine Offiziersſtelle frei machen. Bei Spanien würden wir darm 9as
gerade keine Sympathien ernten. Im übrigen aber iſt in d zll Si
Reichswehr für Ausländer kein Platz.
ſeißer
Nur
hinüberzugehen und ſich einen Spaß zu machen . . . Der Pnl= Weiſhar.
ſchlag war recht, ſie ſprangen auf und drängten zur Tür, u—h7 Sehe
eine Minute ſpäter füllte eine Horde wüſter Geſellen den Tam=en bleib
ſaal. Pfarrer White predigte ruhig weiter, als ſähe und heieſſche rin
er nichts. Aber der Lärm wurde immer größer, gemeine Wor-, duk ſo
häßliche Zweideutigkeiten erſchollen aus dem Hintergunde, u b.
ganz beſonders tat ſich in Unflätigkeiten der „Rote Jim”, El dum
berüchtigter Verbrecher, hervor.
Da hielt der Pfarrer inne. Langſam zog er ſeinen Tall )ahr 5a
aus und legte ihn neben ſich auf den Stuhl. Langſam krempe-Eſur
er ſich die Aermel ſeines Hemdes auf. Sein Körper reckte /19
ſtraff. „Halt” donnerte er durch den Saal. Und als ſekundc-en
lang Stille eintrat, fuhr er mit faſt leiſer und ſcheinbar garzſ im
leidenſchaftsloſer Stimme fort: „Ich ſpreche hier für Gott. „lſei
da hinten ſprecht für Euch. Beide zugleich können wir nien"
reden. Wir wollen alſo fair play machen. Ich denke Ihr ſe,
immerhin Gentlemen. Schickt mir alſo einen von Euch hee
wir wollen die Sache ausboren. Sicge ich, ſo hahr Ihr
Aſcha
ſchweigen, ſiegt Ihr, ſo halte ich den Mund!‟ Der Pfarrer / 9Kre
ſich um: „Nun?” — Im Raum war es ſtill, daß man drSſte Vo
Kniſtern der Weihnachtskerzen hörte. — „Nun?” — Und neNache,
einmal wiederholte er ſeine Aafford=rung Die Stille blie-20
Schweigend ſtreifte er ſeine Aermel zurück, zog ſeinen Tal=EFeig
wieder über und ſetzte ſeine Predigt genau dort fort, wo ſe deter
aufgehört hatte. Aber aus ſeiner Stimme klang es nun Ewir
Muſik, und die Worte, die er ſprach, waren ſo voll Zärtlichte=vieer
Kraft und Zuverſicht, daß hier und dort und immer mehr, baiſe‟.n
den Menſchen, die vor ihm ſaßen, Schluchzen aufſtieg.
Dann war die Predigt zu Ende, der Pfaire: ſegnete Lie C-‟
meinde und entfernte ſich ſchnell. Er wollte jetzt allein ſek-eſt
allein mit ſich und ſeinem Gott, der ihm heute einen Sieg em
ſchenkt hatte. Nachdenklich ging er am Miſſouri entlang, dur- en
üble Straßen, in nächtlicher Finſternis. Da hörte e: miteit=?i
Schritte hinter ſich. Blieb ſtehen. Nun verſtummten auch D"
Schritte. Er ging weiter, die Schritte folgten von neuem. —
wandte ſich der Pfarrer, ging ſchnell auf den Verfolger z
ſtand ganz nah vor dem Fluchtbereiten; es war der „Rote Jina:
Der Pfarrer ſah ihn lange an, dann ſagte er: „Was willſt 2
von mir?”
Und der „Rote Jim” der Schrecken von Miſſouri, ſtotter.
wie ein kleiner Junge: „Dachte mir — is ne üble Gegend hiel—
verdammt nochmal — paſſiert allerlei hier in der Nacht — dach—
könnte dem Pfarrer auch was paſſieren — iſt ſchon beſſe
dachte ich, gehſt ihm ein bißchen nach.”
Da ſtreckte der Pfarrer dem „Roten Jim” die Hand hich
in die jener ſchüchtern ſeine legte: „Iſt gut, Jim, ich danke d."
Geh nur nach Hauſe, ich habe meinen Schutz. Geh mit Go— Junge.‟ Dann ging Pfarrer White weiter, allein, nar
Hauſe. In ihm jubelte es vor Seligkeit, in ſeinem Herze
brannten tauſend Weihnachtskerzen der Liebe, er war 10 E*
füllt von Freude und Dankbarkeit, daß er mit lauter Stimin
ein gutes Lied anhub und ſingend durch die Nacht ſchritt.
Aus der Landeshaupkftadk.
Darmſtadt, den 25. Dezember.
Zum Himmel ward der Stall.
Von Reinhold Braun.
Zum Himmel ward der Stall ...
Kommt das nicht daher wie ein weihnachtlicher Vollsſied=
Fa, zart und wunderſam innig, läutend wie ein Harfenwind
ſiru der Tiefe des deutſchen Gemüts?
Iſt das nicht wie ein Dürer= oder Hans Thoma=Bild mit
ſſachtenden, ſelig bewegten Engelswolken überm zerbrochenen
Fille 2
Zum Himmel ward der Stall ...
O du Troſt, du Lichtklang, ewiger Weisheit voll!
Das iſt ein Stück vom ſakramentalen Urgrund der
Weih=
ſut; denn in keinem Feſt wird der göttliche Wandlungsgedanke
oieblich, ſo aller Seelenheimeligkeit voll ausgedrückt, wie zu
ſiem Feſte und der ihm voraufgehenden Zeit.
Weihnacht ſpendet allen, die guten Willens ſind,
Himels=
on und =brot, überreich an ewigen Verwandlungskräften. —
Der Wert eines Menſchen offenbart ſich darin, ob er noch zu
ſoher Weihnachts=Grundhaftigkeit vorſtoßen kann,
ſein Inneres wurzelreich ſolche Tiefenſchichten noch erreicht.
Wie eindeutſcher Menſch zur Weihnacht ſteht,
luiſt er.
Es wird a keinem Feſte ſo viel mit Stimmngen”
zuge=
ſet, ſo viel überſeichtelt wie an dieſem Feſte.
Keins zeigt ſo unerbittlich deines Innern Reichtum oder Ar=
Im an.
Pfingſten i Siegfeſt des Geiſtes, Weihnacht
Gegfeſt der Seele oder des Herzens, wie du es
luemen willft.
Es iſt ein Unabhängigkeitsfeſt ganz beſonderer Art.
Es hält dir im Kern ſeiner holden Armütigkeit den Spiegel
ſwy damit du erkennſt, inwieweit du noch vom Aeußeren, von
em Drum=Herum des Lebens abhängig biſt. Deine
Freude=
ſägkeit und dein Sinn für die tiefe, reine Freude tun deine
werſte Souveränität kund, den Adelſtand deiner Weſenheit.
Ich habe wertvolle Menſchen in ihrem recht beſcheidenen
ſeenswinckel kennen gelernt, war Gaſt in mancher Armmtsſtube:
ſw doch war ringsum ein heimlicher Glanz, eine wunderbare
ſöirmelsweite, wie in Muſik waren Menſchen und Raum
ge=
ſuht, wie in einer frühlingsfrohen Landſchaft wanderte man
nteinander.
Höhe des geewigten Standpunktes war die Bewegung. —
Weihnachten will uns zu der Erkenntnis hinleiten: Der Ort
ſmes Lebens, deine Umgebung, deine vier Wände, ſind das,
AW du aus ihnen kraft deiner Seele machſt.
Es gibt heimliche Könige in einem ſtallhaften Lebensrahmen
imd Bettler und Sklaven in mancherlei Haus= und Kleid=Prunk.
Der Wert=Menſch adelt das Unſichtbare und Sichtbare, was
ſh umgibt. —
Es gibt Menſchen, denen eim Tannenreis, das ſte auf der
ſtaße aufheben, ein Weihnachtsgefühl von beglückender Tiefe
chnkt, andere wieder bleiben gänzlich weihnachtskos, obwohl
u ſtubenhoher, flittervoller, mit vielen Kerzen ſtrahlender
ekiſtbaum vor ihnen ſteht. —
Zum Himmel ward der Stall
Wo aber Liebe nicht das Erſte iſt, wird eine ſolche
Wand=
ug nicht geſchehen.
Das Innere bleibt alleweil in eiwem Leben
ull Sinn und hoher Art das Erſte und das
hußere das Zweite.
Nur ſo wird Sieg, und den allerlei Gnaden und manchem
herwarteten ſtehen die Herzens=Türen ſtets offen, nur ſo wird
M Lebens oft tragik=reiche Nüchternheit bezwungen und das
men bleibt ein lieber, lichthoher Himmel, obgleich Häuſer=
Aichte ringsum ſtarren oder Armutswände düſtern.
Nur ſo fließt immer wieder in die graue Daſeins=Proſa ein
zuickend Teil herzſtarke Poeſie ein.
Zum Himmel ward der Stall ..."
— 95 Jahre Gartenbauverein Darmſtadt. Die Feier des
führigen Beſtehens des G.V.D. iſt überaus, würdig verlaufen.
iu ein Umſtand war zu beklagen, daß nämlich das Vereinslokal
üdieſe Veranſtaltung nicht geräumig genug war. Sie ſollte, der
uitſchaftlichen Verhältniſſe entſprechend, ohne großen Aufwand,
im Rahmen einer Monatsverſammlung ſtattfinden; allein
m einem ſolchen Maſſenandrang war leider nicht gerechnet
wor=
ſ” und eine Verlegung in ein größeres Lokal war bei der Kürze
Zeit und wegen der bereits getroffenen Vorbereitung nicht
er möglich. — Das Programm bot eine reiche Abwechſlung.
m Reigen eröffnete die „Mandolinen Konzert=Ge=
Alſchaft 1906” unter Leitung von Herrn Kammermuſiker
MKreß mit einem flottgeſpielten Marſche. Sodann hielt der
uſe Vorſitzende, Herr Brohm eine kurzgefaßte, kernige
An=
uche, worauf Herr Willy Hönig mit ſeiner ſympathiſchen
wohlgeſchulten Tenorſtimme drei Lieder ernſteren Charakters
Felig ſind, die Verfolgung leiden” aus Evangelimann, „Drei
Anderer” von Hans Hermann und „Ich hatte einſt ein ſchönes
ſterland” von Laſſon) folgen ließ. — In einer Stärke von 20
Mwirkenden ſetzte hierauf die „Mandolinen=Konzert=Geſellſchaft”
bſder ein mit drei Tonſtücken („Mignonette‟, „Spaniſche
Rhap=
ſe” und „Dornröschens Brautfahrt”), die äußerſt exakt und mit
eiem muſikaliſchen Empfinden vorgetragen wurden. Es folgte
umehr ein kleiner feierlicher Akt: „Die Mitglieder, welche in
ſiem Jahre auf eine 25jährige Zugehörigkeit zum Verein
zurück=
en können, wurden mit der höchſten äußeren Auszeichnung des
ſutenbauvereins, mit der goldenen Ehrennadel, bedacht — Nach
der Pauſe wurde ſodann ein ganz, köſtliches Liederſviel, betitelt
Engvögelchen” aufgeführt. Die Mitwirkenden, Frl. Kläre
bia un, ſowie die Herren Willy Hönig. Ernſt Brohm
u Hermann Schulz, führten ihre Rollen ausgezeichnet
ſuch und trugen durch ihr flottes Spiel weſentlich dazu bei, daß
Amuſikaliſch reich bedachte Einakter bei den Zuhörern rauſchen=
Beifall auslöſte. Die Klavierbegleitung lag bei Herrn
Ru=
uf Brohm in bewährten ſicheren Händen. Sämtlichen
Mit=
bickenden wurden Blumenſpenden überreicht, insbeſondere erhielt
der Oberrechnungsrat H. Enders, der die Spielleitung
über=
immen hatte und den ganzen Abend mit unverſiegbarem Humor
Anſager” fungierte, einen prachtvollen Lorbeerkranz mit
ent=
wchender Widmung — Der „Ort der Handlung aber, ein
über=
ſh ausgeſtatteter Blumenladen, wurde durch Verloſung unter
*eMitglieder ſehr ſchnell ſeines wertvollen Inhaltes beraubt. —
In hatte die Feier ihr Ende gefunden. Ein größerer Teil der
ſucher blieb noch einige Stunden zu einem gemütlichen Trunk
ſiammen, wobei noch zahlreiche heitere Vorträge zum Beſten
ſieben wurden.
— Bühnenvolksbund. Am nächſten Sonntag, um 11.30 Uhr,
ſim Helia unſere Jahreswendfeier. Vom Landestheater wir=
Maria Kienzl. Kurt Weſtermann und Erwin Palm mit. Die
Oel ſpielt der Organiſt der Helia. Kein Mitglied fehle, Freunde
willkommen. Karten zu 1 Mk. bei Chriſtian Arnold am
Aißen Turm.
Landesbibliothek.
Neue Erwerbungen (Auswabl,
vom 22. Dezember 1930 an auf 14 Tage im Leſeſaal zur Anſicht
auf=
geſtellt.
Peter Alvor: Die Shakeſpeare=Frage und das Ben=Jonſon=
Pro=
blem. Würzburg 1930: C. E. Callwell: Die Tagebücher des
Feld=
marſchalls Sir Henry Wilſon. Stuttgart 1930; Max Dauthendy;
Mich ruft dein Bild. Briefe an ſeine Frau. München 1930; Will
Durant: Die großen Denker, Zürich 1930; Burton Scott Eaſton:
Chriſt in the Gospels. New York 1930; Paul Elbogen: Geliebter
Sohn. Elternbriefe an berühmte Deutſche. Berlin 1930; William
Foſter: Welt und Wunder der Chemie. München 1931: Edouard
Herriot: Vereinigte Staaten von Europa. Leipzig 1930; Anton
Henſeler: Jakob Offenbach. Berlin=Schöneberg 1930; Alfred
Freiballon=Expedition des Schweden Salomon Auguſt Andrée. Von
Adrian Mohr (u. a.). Leipzig 1930: Hans Kern: Ernſt Moritz
Arndt. Jena 1930; Hellmuth von Maltzahn: Carl Auguſt von
Weimar. Jena 1930; Paul Morand: New York. Wien 1930;
Henri Nathanſen: Jude oder Europäer. Porträt von Georg
Brandes. Frankfurt a. M. 1931: Die Pfalz unter
franzö=
ſiſcher Beſatzung von 1918 bis 1930. München 1930;
Wal=
ther Rathenau: Briefe. Neue Folge. Dresden 1930; Gmil Reicke:
Willibild Pirckheimer. Leben, Familie und Perſönlichkeit. Jena 1930;
Adolf Sarter und Theodor Kittel: Die Deutſche Reichsbahn=
Ge=
ſellſchaft. Ihr Aufbau und ihr Wirlen. 3. Auflage. Berlin 1931;
Gerhard Schultze=Pfaelzer: Hindenburg. Drei Zeitalter
deut=
ſcher Nation. Leipzig 1930; Carlo Sforza: Geſtalten und Geſtalter
des heutigen Europa. Deutſch von Hans Reiſiger. Berlin 1931;
L. Urwick: Das Weſen der Rationaliſierung. Stuttgart 1930:
Theo=
dort Wundt: Zermatt und ſeine Berge. Zürich 1930; Walther
Zilz: Auguſt Tholuck, Leben und Selbſtzeugniſſe. Gotha 1930.
Außerdem die neueſten gebundenen Zeitſchriftenbände.
Vom 5. Januar 1931 an verleihbar. Vorbeſtellungen werden
im Leſeſaal entgegengenommen.
Unsere nächste Auggabe.
die Samstags:Nummer, erſcheint mit der
Sonntags=Ausgabe vereinigt am
27. Dezember Nachmittags
und gelangt ab 3 Uhr in der Stadt durch die
Trägerinnen zur Verteilung. — Anzeigen für dieſe
Ausgabe können am Samstag nur bis 10 Uhr
vormittags aufgegeben werden. Bei ſpäterer
Be=
ſtellung iſt Veröffentlichung erſt in der Montags=
Nummer (29. Dezember) möglich. Inſerate für
die letztgenannte Ausgabe werden am Samstag
(27. Dezember) bis 4 Uhr nachmittags am Schalter
angenommen —Ab 4 Uhr iſt die Geſchäftsſielle
geschlossen.
Der Verlag.
— Stadtkirche. Im Hauptgottesdienſt des erſten
Weihnachts=
feiertags, vormittags 10 Uhr, wird die Kantate: „Jauchzet,
froh=
locket” von J. S. Bach zur Aufführung gebracht — Die drei
erſten Kantaten aus J. S. Bachs
Weihnachtsora=
torium gelangen am zweiten Weihnachtsfeiertag, 5.15 Uhr, in
der Stadtkirche durch den Kirchengeſangverein zur
Auf=
führung. Es wirken dabei mit Erika Hahn (Sopran), Marta
Kuhn=Liebel (Alt) Heinrich Landzettel (Tenor) und
Johannes Biſchoff (Baß). Der Eintritt iſt frei. Den
Mitgliedern des Vereins werden Plätze auf der Südempore bis
um 5 Uhr freigehalten.
— Kirchengeſangverein der Stadtkirche. Die Familien=
Weihnachtsfeier der aktiven und inaktiven Mitglieder
ſo=
wie deren Angehörigen wird am Abend des 28. Dezember im
Gemeindehaus, Kiesſtraße 17, ſtattfinden. Für ein reiches
Pro=
gramm iſt Sorge getragen. Es kommt ein feines Krippenſpiel
durch Mädchen des Jugendbundes der Markus= und Lukas=
Gemeinde zur Aufführung. Solo=Geſänge und gemeinſame Lieder
werden abwechſeln, ſo daß ſchöne Stunden bevorſtehen, die dem
perſönlichen Zuſammenhalt des Vereins dienen ſollen. Ein
zahl=
reicher Beſuch darf erwartet werden.
— Aelterenkreis der Johannesgemeinde. Wir haben uns nun
doch noch entſchloſſen, am Sonntag nach Weihnachten (28.
Dezem=
ber) in unſer Landheim zu fahren. Gemeinſame Abfahrt, am
Sonntag früh ab Hauptbahnhof 5.58 oder ab Oſt 6.13. Wer ſchon
Samstags fahren will muß ſich bis Samstag Mittag beim
Land=
heimwart anmelden (Zettel mit Zugangabe in Briefkaſten). Alle
unſere Mitglieder laden wir zu unſerem Treffen nochmals
herz=
lichſt ein, insbeſondere aber auch unſere auswärtigen Freunde.
— Aus den Lichtſpieltheatern. Das große
Weihnachtsfeſt=
programm: Im Union=Theater gelangt der Tonfilm „Zwei
Menſchen” nach dem bekannten, und vielgeleſenen Roman von
Richard Voß, mit Guſtav Fröhlich und Charlotte Suſa in den
Hauptrollen, gleichzeitig mit Berlin zur Uraufführung. —
Die Helia=Lichtſpiele bringen einen entzückenden Tonfilm
„Eine Stunde Glück” mit den beliebten Darſtellern Wilhelm
Die=
terle und Evelyn Holt. Muſik von Jean Gilbert. Ein feſtliches
Beiprogramm, u. a. „Micky als Jazzkönig”, vervollſtändigt das
Weihnachtsprogramm. — In den Palaſt=Lichtſpielen
läuft am 1. Feiertag das Senſationsdoppelprogramm „Räuber der
Unterwelt” und „Wochenendehen” zum letztenmal. Ab 2. Feiertag
neues Programm, und zwar wird der Film aus dem Leben der
Cowboys „Der fliegende Pfeil” mit Ken Maynard, dem
verwege=
nen Präriereiter, gezeigt. Dazu ein reichhaltiges Beiprogramm.
—Filmmorgenfeier im Union=Theater. Am zweiten
Feiertag, vormittags 11.15 Uhr, findet eine einmalige
Sondervor=
führung des erſten Kulturtonfilms „Menſchen im Buſch” ſtatt.
Dieſer Afrika=Tonfilm iſt ein Erlebnis der zauberhaften
weſtafri=
kaniſchen Landſchaft. Es wird darauf hingewieſen, daß eine
Wie=
derholung nicht ſtattfinden kann.
Briefkaſtenleerung am 1. Weihnachtstag. Am 1.
Weih=
nachtstag (25. Dezember) werden die Briefkaſten abweichend von
der am Sonntag gültigen Regel ausnahmsweiſe ſchon in der Zeit
von 5.30 bis 7 Uhr geleert, damit die abends und in der Nacht
ein=
gelegten Ortsbriefe noch mit der Briefzuſtellung am 1. Feiertag
abgetragen werden können. Die Leerung der Briefkaſten am
Nachmittag des 25. Dezember findet wie an Sonntagen, alſo
zwiſchen 17 und 18.30 Uhr ſtatt.
—” Ortskrankenkaſſe Beitragszahlung 1931. Die
Ortskrankenkaſſe gibt bekannt, daß das Erheben der Beiträge zur
Ortskrankenkaſſe mit Rückſicht auf die dadurch verbundenen
Un=
koſten in Wegfall kommt, und daß die Beiträge als Bringſchulden
von den Arbeitgebern zur Kaſſe einzuzahlen ſind. (Siehe Anz.)
Weihnachten in den ſtädkiſchen Wohlfahrtsanſtalten.
E Am 21. Dezember 1930 fand in Anweſenheit des Herrn
Direk=
tors Schrautb vom Städt. Wohlfahrtsamt, Mitgliedern der
Wohlfahrts=
deputation und den zuſtändigen Beamten die Weihnachtsfeier im
Ver=
ſorgungsheim der Stadt Darmſtadt, „Ohlyſtift” zu Gräfenhauſen, ſtatt.
Der Männergeſangverein „Einigkeit” Gräfenhauſen, unter Stabführung
ſeines Chormeiſters Herrn Carl, half durch den vollendeten Vortrag
von deutſchen Weihnachts= und Volksliedern die Feier verſchönen. Herr
Oberinſpektor Joſt hatte in gewohnter Weiſe die Vorbereitungen
ge=
troffen. Es galt, 50 Perſonen zu betreuen und zu erfreuen. Daß es
gelang, bezeugten die Rührung der Alten und die freudigen Geſichter
der Kleinen.
Am 22. d. M. fand die Weihnachtsfeier im Städt. Altersheim in
Hettner: Der Gang der Kultur über die Erde. 2. Auflage. Leip= weiterer Anweſenheit des Herrn Bürgermeiſters Delp ſtatt. In
künſt=
zig 1929; 33 Jahre verſchollen im Packeis. Die arktiſche leriſcher Form verſchönten die Herren Koch (Violine), Römer (Cello)
und Krauskopf (Klavier), der Sologeſang des Herrn Lang, die
Vor=
träge der Chorſchule, unter Leitung der Frau Kaſigkeit, die Feier. Die
Geſangsabteilung des Vogelberger Höhenklubs hatte es ſich nicht
neh=
men laſſen, durch ihre Kunſt die lieben Alten zu erfreuen. Es ſei an
dieſer Stelle den freundlichen Helfern gedankt, die es ermöglichten, auch
in dieſem Jahr eine ſo ſchöne Weihnachtsfeier zu halten.
Als letzte ſtädtiſche Anſtalt folgte am 23. Dezember das Kinderheim
„Waldeck” bei Traiſa, zu dem ſich in erfreulicher Weiſe zahlreiche
Mit=
glieder der Wohlfahrts= und Jugend=Wohlfahrtsdeputation eingefunden
hatten. Auch hier hatten die Herren Koch, Römer und Krauskopf ihre
Kunſt in den Dienſt der Wohlfahrtspflege geſtellt und dadurch die von
den Kindern dargebrachten Weihnachtsſpiele und =geſänge zur ſchönſten
Wirkung bringen helfen. Herr Bürgermeiſter Delp ſprach den Damen
und Herren der Deputationen, den Beamten des Wohlfahrts= und
Ju=
gendamtes, dem Lehrer und Erziehungsberater des Heims, den
Schwe=
ſtern und dem Perſonal mit freundlichen Worten den Dank der
Stadt=
verwaltung aus. Die Freude der Kinder über den ſchönhergerichteten
Gabentiſch, zu dem auch in dieſem Jahre wieder freundliche Geber
bei=
geſtenert hatten, war groß.
— Weihnachten in der Volksküche. Im behaglich warmen, mit
Tannengrün geſchmückten Speiſeſaal ſtrahlte den Gäſten ſchon in
der Frühe des 24. Dezember der Weihnachtsbaum entgegen.
Be=
ſonders bewirtet mit Kaffee und Kuchen, ſchloſſen ſie ſich heute
ſtimmungsgemäß enger zuſammen, um Erinnerungen
auszutau=
ſchen. Darunter einige alt und müde gewordenen oder durch
Schickſal gebeugten Männer, denen man, ob ihres Ernſtes, ihrer
Geradheit und Offenheit gerne die Hand drückt. Die aufmerkſame
Bewirtung, die dankbaren Blicke und der gemeinſame Geſang
ſprechen für das gute Verhältnis zwiſchen der Leitung des
Betrie=
bes und den Gäſten; insbeſondere dankbar diejenigen, die mit
wollener Unterwäſche Strümpfen, Hoſen, Hemden, Kragen und
Schlips beſchenkt worden ſind. Möge es dem Verein Volksküche
auch weiterhin gelingen, die bewährte private
Wohltätigkeits=
anſtalt — die im abgelaufenen Jahre ihr 40jähriges Beſtehen
feiern konnte — aufrechtzuerhalten. Innigen Dank auch an dieſer
Stelle allen Freunden und Förderern dieſer guten Sache.
Der Invaliden=Bund der Stadt „Darmſtadt” feierte ſein
Weihnachtsfeſt. Nachdem der Vorſitzende, Herr Koch, die ſehr
zahl=
reich Erſchienenen herzlichſt begrüßt hatte, ſprach Frl. Weißmantel
einen der Feier entſprechenden Prolog. Das Männer=Quartett
„Arion” erfreute die Zuhörer mit einigen unter Leitung des
Herrn Direktors Zeh ſehr gut zu Gehör gebrachten Chören. Ganz
vorzüglich kamen verſchiedene Kinderſpiele, eingelernt von Frau
Haas, zur Aufführung. Es folgten dann verſchiedene Couplets,
von Gönnern und Gönnerinnen des Bundes zum Vortrag
ge=
bracht, und der ſehr flott geſpielte Schwank. Das verhängnisvolle
Hochzeitsgeſchenk” und „Eine unverhoffte Weihnachtsfreude”, ein
Weihnachtsſpiel. Unter den Mitlpielenden, die alle ihr
Möglich=
ſtes taten, iſt Frau Haas zu nennen, die mit ihrem
unverwüſt=
lichem Humor alle mitriß. Der Zitherverein, unter Leitung des
Herrn Heinrich Vonderſchmidt leiſtete Vorzügliches. Am
Kla=
vier wirkte Frau Lagrange. An den Geſichtern der Empfänger
konnte man ableſen, daß das übliche Weihnachtsgeſchenk an die
Mitglieder zur Zufriedenheit ausgefallen war.
Heſſiſches Landeskheater.
Großes Haus Kleines Haus Donnerstag,25. Dezember 18 30, Ende gegen 22 Uhr
B12. Carmen
Preiſe 1.20—12 Mk. 20—23 Uhr
Der Mann, den ſein Gewiſſen trieb
Zuſatzmiete 111 2
Preiſe 1.50——7. 50 Mk.
Freitag,
26. Dezember 14.30, Ende gegen 17 Uhr
Die Pantoffeln des Glücke
und das Wunderbuch der Technih
Preiſe 0.50—2.50
19.30—22.30 Uhr
412 Königskinder
Preiſe 1—10 Mk. 20—22.30 Uhr
Wie werde ich reich und glücklich?
Zuſatzmiete 116
Preiſe 1 50—7.50 Mk.
Samstag,
27. Dezember 15, Ende gegen 17.30 Uhr
Die Pantoffeln des Glücks
und das Wunderbuch der Technik
Preiſe 0.50—2.50
19.30—22 Uhr
Das Glöcſchen des Eremiten
K7 Büynenvolksbund
Preiſe 1— 10 Mk. 20—22.30 Uhr
Wie werde ich reich und glüchlich
Zuf.=Miete Vl8, T, Gr 2u.3
Preiſe 1.50—7,50 Mk. Sonntag,
28. D. zember 19—22 Uhr
Eliſabeth von England
Heſſenlandmiete 105
Preiſe 1—10 Mr. 14.30 Ende gegen 17 Uhr
Meine Schweſter und ich
Außer Miete.
Preiſe 1—4 Mk.
20—21 45 Uhr
Fatme
Zuſ.=M. IV 6, T Gruppe 1
Preiſe 1.20—6 Mk. Montag
29. Dezember Keine Vorſtellung Keine Vorſtellung
— Heſſiſches Landestheater. Weihnachtsſpielplan des
Heſſiſchen Landestheaters. Heute Donnerstag, den 25.
Dezember, gelangt im Großen Haus in neuer Einſtudierung und
Inſzenierung die Oper Carmen” von Bizet zur Darſtellung.
Inſzenierung: Carl Ebert. Bühnenbild: Wilhelm Reinking,
muſi=
kaliſche Leitung: Dr. Karl Böhm. In den Hauptrollen ſind
Mi=
trovic, Schocke v. Stoſch, Herrmann, Liebel, Kienzl. Neu, Vogt
und Heyer beſchäftigt. Im Kleinen Haus geht das Schauſpiel
von Maurice Roſtand „Der Mann, den ſein Gewiſſen
trieb”, das zurzeit an den meiſten deutſchen Bühnen mit großem
Erfolg aufgeführt wird, in Szene. Inſzenierung: Günter Haenel,
Bühnenbild: Elli Büttner. In den Hauptrollen; Keim
Bau=
meiſter, Gothe, Conradi, Jürgas, Weſtermann, Richter. Wiener,
Karzau.
Das Weihnachtmärchen „Die Pantoffeln des Glücks
und das Wunderbuch der Technik” gelangt am zweiten
Feiertag, nachmittags 14.30 Uhr, im Großen Haus zur
Darſtel=
lung. Am Abend des zweiten Feiertages wird im Großen Haus
Humperdincks Oper „Königskinder” unter muſikaliſcher
Lei=
tung von Fritz Bohne gegeben. Im Kleinen Haus findet die erſte
Wiederholung der mit außerordentlichem Beifall aufgenommenen
Revue „Wie werde ich reich und glücklich” ſtatt.
Die letzte Aufführung des Bruckner=Schauſpiels „
Eliſa=
beth von England” mit Hermine Körner in der Titelrolle
m 28. Dezember, im Großen Haus ſtatt.
findet am Son=
Donnerstag, den 25. Dezember 1930
Nummer 353
Prokeſtkundgebung gegen die Verlegung des Darm=
ſädker Pädagogiſchen Inſtikuks.
Die geplante Zuſammenlegung der beiden Pädagogiſchen Inſtitute,
die in Heſſen der Ausbildung der Volksſchullehrer dienen, rief auch den
Kreis=Lehrerverein Dieburg auſ den Plan, um gegen die Verlegung des
Darmſtädter Inſtituts, das der Techniſchen Hochſchule angegliedert iſt,
ſeine Stimme zu erheben. Der Kreisvorſitzende, Herr Lehrer
Stein=
bach zu Werſau, konnte trotz des ungünſtig gelegenen
Verſammlungs=
tages eine große Zahl von Kolleginnen und Kollegen begrüßen, die zum
Teil weite Wege zurückzulegen und erhebliche perſönliche Opfer zu
brin=
gen hatten, um zu dem Verſammlungsort zu kommen. In ſeinen
Aus=
führungen rückte er mit entſchiedener Klarheit die Gründe in den
Vor=
dergrund, die die Urheber des Verlegungsplanes leiten, und legte
ein=
gehend die verhängnisvollen Folgen dieſer geplanten Iſolierung der
Lehrerbildung dar. Die wirtſchaftlichen Schwkerigkeiten der Stadt Mainz
ſind gewiß nicht zu verkennen, aber auch die Stadt Darmſtadt iſt infolge
ihrer Grenzlage an dem früher beſetzt geweſenen Gebiet nicht minder
ſchwer betroffen. Wenn ſchon Erſparnisgründe ausſchlaggebend ſein
ſollen — der finanzielle Effekt dieſer Erſparnis iſt jedoch verſchwindend
gering gegenüber den mannigfachen ſchweren Nachteilen — ſo kann nur
eine Zuſammenlegung in Darmſtadt am Sitze der Hochſchule in Frage
kommen. Die Ausführungen, die auch auf die erfreuliche Stellungnahme
anderer Körperſchaften in dieſer Angelegenheit hinwieſen, wurden mit
lebhaftem Beifall aufgenommen. Auch die rege Ausſprache zeigte, daß
die Verſammlung einmütig den Standpunkt des Referenten billigte.
Folgende Entſchließung fand daher einſtimmige Annahme:
1. Eine Verlegung des Pädagogiſchen Inſtituts von Darmſtadt nach
Mainz iſoliert die Lehrerbildung und leitet den Rückſchritt auf
dieſem Gebiet ein. Sie ſteht damit in ſchärfſtem Widerſpruch zum
Willen der übergroßen Mehrheit der heſſiſchen Lehrerſchaft.
2. Durch eine Verlegung wird es der vorwiegend evangeliſchen
Elternſchaft Starkenburgs und Oberheſſens weſentlich erſchwert,
wenn nicht gar unmöglich gemacht, ihre Söhne und Töchter der
Lehrerbildung zuzuführen.
3. Sie bedeutet durch vollſtändige Bindung an Mainz eine ſtarke
Betonung des Weltanſchaulich=Konfeſſionellen, bedroht damit in
erhöhtem Maße den religiöſen Frieden und zielt letzten Endes ab
auf die Zertrümmerung der ſo ſehr bewährten heſſiſchen
Simul=
tanſchule, wie ſie die überwältigende Mehrheit des heſſiſchen
Vol=
kes will
Deshalb lehnt die Verſamml eng des Kreis=Lehrervereins Dieburg
im Verein mit vielen Gleichdenkenden des Odenwaldes die
Verlegungs=
beſtrebungen ab.
Sie bittet die Regierung, das Pädagogiſche Inſtitut in Darmſtadt
beſtehen zu laſſen.
Neue Reiufsbamnsien.
Der Entſchluß der
Reichs=
bank, die jetzt im Umlauf
be=
findlichen Noten durch neue
No=
ten zu erſetzen, bei deren
Her=
ſtellung alle techniſchen
Neuerun=
gen der letzten Jahre zur
An=
wendung gelangen, liegt ſchon
mehrere Jahre zurück. Nach
län=
geren Vorarbeiten wurde der
Bildhauer Profeſſor Langer in
Düſſeldorf mit der Anfertigung
eines Reliefs für die Rückſeite
und dann des ganzen Entwurfs
beauftragt. Sein im
Zuſammen=
wirken mit dem Reichskunſtwart
und den notentechniſchen
Sach=
verſtändigen hergeſtellter
Ent=
wurf bildete die Grundlage für
die Arbeiten der Reichsdruckerei,
die bei der techniſchen
Ausfüh=
rung der Noten ganz neue Wege
beſchritt.
Das bei den jetzt im Umlauf
befindlichen Noten angewandte
Buchdruckverfahren in ſeiner
be=
ſonderen Ausgeſtaltung hat ſich
als Sicherungsmittel gegen
Fäl=
ſchungen durchaus bewährt. Da
ſich jedoch durch Hinzunahme des
edleren, aber auch koſtſpieligeren
Stahldruckverfahrens ſowohl der
Ree
äußere Eindruck der Note wie
Staatspartei gegen Aufhebung des Darmſtädter Pädagog.
Inſtituts. Die am 19. Dezember im großen Saal „zur Krone‟
veranſtaltete, gut beſuchte Verſammlung der Ortsgruppe
Darm=
ſtadt der Deutſchen Staatspartei faßte nach einem Referat des
Abg. Reiber über die gegenwärtige politiſche Lage in Heſſen
nach=
folgende Entſchließung: „Die Ortsgruppe Darmſtadt der Deutſchen
Staatspartei wendet ſich mit Entſchiedenheit gegen die geplante
Aufhebung des Darmſtädter Pädagogiſchen Inſtituts und ſeine
Verlegung nach Mainz. Sie iſt — bei allem Verſtändnis für die
Lage und Wünſche der Stadt Mainz — der Auffaſſung, daß die
Stadt Darmſtadt einen beſonderen Anſpruch auf dieſes
Pädago=
giſche Inſtitut hat, weil ſie ſeit Jahrzehnten drei
Lehrerbildungs=
anſtalten beſaß. Sie erkennt die Forderung der Lehrerſchaft auf
Ausbildung der zukünftigen Volksſchullehrer an einer Univerſität
oder ausgebauten Hochſchule als berechtigt an. Wenn durchaus
aus Erſparnisgründen eine Zuſammenlegung des Inſtitute
erfol=
gen müßte, ſo könnte das nur am Sitze der Hochſchule geſchehen.
Sie macht mit allem Ernſt darauf aufmerkſam, daß mit den
Plä=
nen der Verlegung nach Mainz dem konfeſſionellen Frieden nicht
gedient iſt, weil ein großer Teil des heſſiſchen Volkes ſich dadurch
in ſeiner kulturpolitiſchen, weltanſchaulichen Ueberzeugung
ge=
troffen fühlen würde.”
4a. Landesverſammlung des Heſſiſchen Landbundes. Eine
Landesverſammlung des Heſſiſchen Landbundes findet am
Mitt=
woch, den 7. Januar, in Darmſtadt ſtatt. Als Redner iſt der
Landtagsabgeordnete Höfer, der Vorſitzende der Chriſtlich=
Nationalen Bauern= und Landvolkpartei und des Thüringer
Landbundes, vorgeſehen.
Reichsbahn=Omnibuslinie Darmſtadt—Roßdorf-Habitzheim
und Darmſtadt—Meſſel. Die Reichsbahn teilt mit: Nach den von
uns gemachten Erfahrungen iſt der Verkehr auf der Reichsbahn=
Omnibuslinie Darmſtadt—Roßdorf-Habitzheim an den
Weih=
nachtsfeiertagen, ganz beſonders am 1. Feiertag, außerordentlich
ſchwach. Wie im vergangenen Jahre werden wir auch in dieſem
Jahre die Linie am 1. Feiertag nicht bedienen. Am 2. Feiertag
verkehrt der Omnibus wie an Sonntagen. Die Linie Darmſtadt—
Meſſel ruht an beiden Feiertagen. Außerdem wird die Linie am
27. d. M. infolge des ſehr ſchwachen Berufsverkehrs nicht bedient.
Heag=Verloſung. Trotz der wirtſchaftlich ungünſtigen Zeit
hat die Heag auch in dieſem Jahre wieder eine Weihnachts=
Gra=
tis=Verloſung veranſtaltet, einesteils, um ihren Stromabnehmern
eine Freude zu machen, dann aber auch, um das
Weihnachts=
geſchäft etwas zu beleben. Die Beteiligung war wiederum ſehr
rege, ein Beweis dafür, daß dieſer Verloſung recht viele
Sym=
pathien entgegengebracht werden. Wie aus der heutigen Anzeige
hervorgeht, waren 2658 Loſe eingegangen und entſprechend 265
Gegenſtände, darunter recht wertvolle Stücke, wie
Heißwaſſerſpei=
cher, Herde uſw., ausgeloſt worden.
Freigabe des deutſchen Eigentums in Amerika. Der
In=
duſtrie= und Handelskammer Darmſtadt liegt eine nach Angaben
des amerikaniſchen Treuhänders für das beſchlagnahmte Eigentum
aufgeſtellte Liſte vor, die in alphabetiſcher Reihenfolge die Namen
derjenigen Intereſſen enthält, die noch keinen Freigabeantrag
ge=
ſtellt haben. Auch die Höhe der Guthaben und der
Guthaben=
nummern ſind in der Liſte angegeben. Die Liſte kann auf dem
Büro der Induſtrie= und Handelskammer, Wilhelminenſtraße 32,
während der Geſchäftsſtunden (8—13 und 14—18 Uhr) eingeſehen
werden. Die Friſt zur Anmeldung von Freigabeanträgen läuft
am 10. März 1931 endgültig ab. Wer bis dahin die Freigabe
ſei=
nes beſchlagnahmten Eigentums nicht beantragt hat, geht nach der
amerikaniſchen Geſetzgebung aller ſeiner Rechte verluſtig. Da es
ſich insgeſamt um Millionenbeträge handelt, die im Falle der
Nichtanmeldung für die deutſche Volkswirtſchaft verloren gehen,
iſt es ſchon im Hinblick hierauf Pflicht eines jeden, der
Forde=
rung aus Geſchäftsverkehr, aus Erbſchaftsangelegenheiten uſw.
aus der Zeit vor dem Abſchluß des Weltkriegs beſitzt, die Liſte
ein=
gehend durchzuſehen und ewaige Anſprüche unbedingt zur
Anmel=
dung zu bringen.
Beſchränkung der Dauer von Telephongeſprächen. Am
Weih=
nachtsheiligabend und am Sylveſterabend herrſcht
erfahrungs=
gemäß ein außergewöhnlich ſtarker Fernſprechverkehr von Ort zu
Ort. Obwohl zur Bewältigung des ſtoßweiſe einſetzenden
Ver=
kehrs in jedem Falle alles verfügbare Perſonal und der
erforder=
liche Leitungspark bereitgeſtellt werden, ſtaut ſich um dieſe Zeit
der Verkehr zeitweiſe oft in erheblicher Weiſe und verſtopft die
Leitungswege. Dadurch wird die Geſprächsabwicklung
ungewöhn=
lich verzögert und viele Teilnehmer müſſen auf ihre
Geſprächs=
anmeldungen verzichten. Die Urſache der Schwierigkeiten beſteht
darin, daß die einzelnen Geſpräche in überwiegender Mehrzahl
bis zur Höchſtdauer, von 12 Minuten ausgedehnt werden. Um
nach Möglichkeit allen Teilnehmern uſw. zu dieſen ihnen
beſon=
ders wertvollen Zeiten den Austauſch von Nachrichten mit ihren
Angehörigen, Freunden uſw. zu ermöglichen, ſind die
Betriebs=
leiter der Fernſprechvermittlungsſtellen gemäß 8 17, II der
Fern=
ſprechordnung ermächtigt worden, am Heiligabend und an
Syl=
veſter die Höchſtdauer der gewöhnlichen Privatgeſpräche
vorüber=
gehend von 12 auf 6 Minuten herabzuſetzen, ſoweit die
Verkehrs=
lage dies erfordert. Wenn eine Beſchränkung der Geſprächsdauer
notwendig geworden iſt, werden die Teilnehmer bei
Geſprächs=
beginn darauf hingewieſen.
Schwimmbad. Wie uns mitgeteilt wird, iſt das
Hallen=
ſchwimmbad am Samstag, dem 27. Dezember, und am
Sonn=
tag. dem 28. Dezember, wie üblich geöffnet. Ebenſo findet der
Koksverkauf am Samstag, dem 27. Dezember, im Gaswerk
auch ihre Sicherung gegen
Fäl=
ſchungen noch weſentlich
verbeſ=
ſern ließ, wurden bei den neuen
Noten die beiden Druckarten
der=
art vereinigt, daß ein
geſchloſ=
ſenes Bild entſtand. Dabei blieb
alles Schrift= und Bildwerk
grundſätzlich der Hauptplatte
vorbehalten, wurde aber in ihr
ſo verarbeitet, daß weder ein
Herausnehmen noch Hinzufügen
einzelner Teile möglich iſt.
Ab=
änderungen im geſtochenen
Druckbild, wie ſie etwa eine
Ver=
änderung des Textes oder der
Unterſchriften bedingen würde.
wären gleichbedeutend, mit der
Neuherſtellung eines
Original=
ſtichs, die mit den nötigen
Nebenarbeiten auf etwa ein
Jahr zu veranſchlagen iſt.
Bei dem jetzt verwendeten
Papier wurde erſtmalig
ver=
ſucht, das geſtochene Porträt auf
den Geldſcheinen auch als
Waſ=
ſerzeichen erſcheinen zu laſſen.
Hierzu waren ſehr umfangreiche
Vorarbeiten und Einrichtungen
notwendig, die erſt nach dem
o
ſich allein ſchon ſehr großen Zeitaufwand beanſpruchten. Die Ver= Wunſche, in den Reichsbanknoten das Schaffen und Streben 14
einen in dem gut gelungenen Waſſerzeichen, zum anderen aber in Kunſt darſtellen. Die jetzt zur Ausgabe gelangende Zwanzigreickz”
ſtandsfähigkeit das Doppelte des bisherigen beträgt.
kehr übergeben wird. Die Zehnreichsmarknote folgt in wenigen Einklang ſtehen.
Oben: Die Vorderſeite des neuen Zwanzig=Mark=Scheines mit dem Bild Werner von Sieme—
Unten: Die Rückſeite der Banknote.
Vorliegen druckreifer Platten begonnen werden konnten und für / Wochen; Fünfziger Hunderter und Tauſender ſind in Arbeit.
Din=
ſuche hatten ſich nicht nur auf die Erzielung eines möglichſt voll= deutſchen Volkes zu verſinnbildlichen, wurde durch die Wahl äu
kommenen Waſſerzeichens, ſondern auch auf die Hebung der Qua= Bildniſſe entſprochen, die hervorragende Perſönlichkeiten
a=
lität des Papieres zu erſtrecken. Das Ergebnis äußert ſich zum Landwirtſchaft, Gewerbe und Induſtrie, Handel, Wiſſenſchaft u
der weſentlich erhöhten Feſtigkeit des Papiers, deſſen Wider= marknote trägt das Bildnis von Werner von Siemens, die a.u
bald folgende Note zu 10 Reichsmark wird das Bildnis von Tho
Damit iſt der Typ für die neue Banknotenreihe geſchaffen als zeigen. Der jeweiligen Vorderſeite entſpricht auch die
Rückſeä=
deren erſter Wert die Zwanzigreichsmarknote nunmehr dem Ver= deren ſchmückende Motive mit dem Bild auf der Vorderſeite 95/
Eine Nachnung fit Mnterſvorlier.
Sahrplanänderung der Skraßenbahn.
Der wirtſchaftliche Niedergang hat ſich in Deutſchland auch
auf die Verkehrsmittel ausgedehnt und trifft ſelbſtverſtändlich
auch unſere Straßenbahn in Darmſtadt. Die Verwaltung der
Straßenbahn hatte bereits vor gut 1½ Jahren die Einſtellung
des Straßenbahntarifs auf den Mindeſtſatz von 20 Pf., ähnlich
aller in der Umgebung Darmſtadts liegenden Straßenbahnen,
ins Auge gefaßt, aber gleichzeitig die probeweile Einführung
eines 7½=Minutenbetriebs unterſucht und ab 1. November 1929
eingeführt, der dem fahrenden Publikum eine ſchnellere
Beför=
derungsmöglichkeit bot. Die Tariffrage mußte durch die ſteigende
Tendenz des wirtſchaftlichen Niedergangs zurückgeſtellt werden,
da man bei der ſchlechten Konjunktur mit höheren Preiſen größere
Abwanderungen des fahrenden Publikums zu erwarten gehabt
hätte.
Die Erfahrungen mit dem 7½=Minutenbetrieb ſind in dem
nunmehr ablaufenden Jahr 1930 derart ſchlechte, daß die
Rück=
kehr zum 10=Minutenbetrieb beſchloſſen werden mußte. Der 7½=
Minutenbetrieb iſt für Städte in der Ausdehnung wie
Darm=
ſtadt, und auch bei größeren Städten, nicht geeignet, neben
Ver=
kehrsverdichtung auch die Einnahmen zu erhöhen. Dies ergibt
ſich am beſten daraus, daß die Heſſiſche Eiſenbahn A.=G. rund
500 000 Wagenkilometer bei dem 7½=Minutenbetrieb mehr
ge=
leiſtet hat; dieſe Leiſtung war verbunden mit der Einſtellung
einer größeren Zahl Wagen und einer noch größeren Zahl an
Perſonal, ohne daß auch nur die geringſte Mehreinnahme in dem
Jahr 1930 zu verzeichnen geweſen wäre. Die Mehrausgaben für
den 7½=Minutenbetrieb betragen insgeſamt 150 000 RM. und
es iſt ſelbſtverſtändlich, daß die Verwaltung darnach trachten
muß, dieſen Ausfall wieder wettzumachen, zumal berückſichtigt
werden muß, daß die Abgaben an die Stadt, die die Heag
jähr=
lich leiſtet, nicht geſchmälert werden ſollen.
Abgeſehen von einer Mindereinnahme durch die allgemeine
wirtſchaftliche Lage, hat daher die Leitung der Straßenbahn
be=
ſchloſſen, ab 1. Januar 1931 den 10=Minutenbetrieb auf allen
Linien wieder einzuführen, und zwar ſo, daß Gelegenheit
ge=
boten iſt, die Anſchlüſſe am Schloß und Neckarſtraße ſowie
Luiſen=
platz nach Möglichkeit einzuhalten.
Es möge noch erwähnt werden, daß die Leitung der
Straßen=
bahn durch Vereinbarungen mit dem Perſonal ermöglichen
konnte, die durch die Umwandlung des 7½= in 10=Minutenbetrieb
frei werdenden Mannſchaften nicht arbeitslos zu machen, ſondern
durch Aenderung der Arbeitszeit in dem Betrieb zu belaſſen, eine
Maßnahme, die mit Rückſicht auf die Zeit vor Weihnachten und
die geringe Möglichkeit anderweitig Arbeit zu finden, zu
be=
grüßen iſt.
Der in Kürze erſcheinende Fahrplan gibt näheren Aufſchluß
über den wieder einzuführenden 10=Minutenbetrieb und die
An=
ſchlüſſe der Linien untereinander.
Im vorigen Winter hatte die Deutſche Bergwacht, Abteilitg!
Rhein=Main=Gau, im Einvernehmen mit dem Taunusklub uiß. d
dem Verband Mitteldeutſcher Sti=Vereine unter Billigung Brſſhaft
ob
Forſtvereine, an den Winter=Sonntazen ſtarken Betriebes eim bneſſen der Au
ehrenamtlichen Ordnungsdienſt eingerichtet, der ſich bemühte, Muene ſtagt
zum Feldberg ſtrebenden und vom Feldberg kommenden Maſſſuſiſe Weiſe
möglichſt auf verſchiedene Wege aufzuteilen und damit Unfälungaullagen
Ehluß auf
und Forſtſchäden vorzubeugen. Die Einrichtung iſt damals n
alerding=
gemeiner Zuſtimmung begegnet, Wanderer und Sportler hakM ſch daran
ſich gern eingefügt. Es wird deshalb von der Bergwacht auch /lch gleicher
dieſem Winter verſucht werden, am Fuchstanz den Aufſtieg zum Anternehm
Feldberg und die Abfahrt nach Falkenſtein, bzw. Cronberg, di
Abſtieg vom Kleinen Feldberg zum Fuchstanz, ſoweit möglit
auch die Wege vom Sandplacken zum Feldberg, für Skiläuff;: Die Ausſick
Rodler und Fußgänger möglichſt getrennt zu halten, um eine 2
wiſſe Sicherheit und Bewegungsfreiheit für Fußwanderer u.0,
Sportler zu ſchaffen. Hierzu iſt wiederum die willige Einſicht u
Mithilfe aller Winterſportler und Taunuswanderer nötig. AT.,
nicht ganz abſeits ſteht, weiß, daß an jedem Sonntag mit gur)it
Schneeverhältniſſen in Cronberg eine wahre Völkerwanderu. 9
nach dem Fuchstanz und Feldberg einſetzt. Hier iſt es, wo H1m
die Skiläufer, Rodler und Fußgänger vielfach auf gleichem We”er Br
begegnen, ſo daß angeſichts des Maſſenverkehrs die Winnerfreimeihen.
für den Einzelnen oft zum Mißvergnügen wird. Aufteilung Luſtäſten,
Maſſen unter williger Einordnung müßte die Parole ſein. DrLeutſ
Nodler hat kein Recht, bei der Abfahrt alle Fußwege für ſich 1M Junge
von 8—16 Uhr ſtatt.
— Darmſtadt, die Kongreßſtadt. In der Pfingſtwoche des
kom=
menden Jahres wird der deutſche republikaniſche Leyrerbund auf
Einladung des Herrn Oberbürgermeiſters ſeine Verbandstagung
in Darmſtadt abhalten. Es iſt mit einer ſtarken Beteiligung zu
rechnen, da die Tagungen des Bundes ſich ſtets einer regen
Auf=
merkſamkeit erfreuen. Eine Woche früher tagt der Landesverband
der deutſchen Innungskrankenkaſſen ebenfalls in Darmſtadt.
Anſpruch zu nehmen, ebenſo wie der Skiläufer meiſt ſchon beſllEltern
ſelbſt im friſchen Schnee bleibt. Der Fußgänger hinwiedergeden F
darf nicht die Skiwege unſicher machen und nicht auf Rodelbesſeen.
nen zu Berge ſtreben wollen. Jeder ſollte guten Willens ſern
den Winterſonntagen im Taunus zu glattem und unfallfreis”
Verlauf zu verhelfen. Wo einſichtige Mahnung laut wird, ſol eFmier
man ihr nicht mit Gereiztheit und Grobheit begegnen. Und 4
man Gefahr vor Augen ſieht, darf man nicht blindlings auf E‟ Turn
Unglück zuſteuern. Es gibt nicht viel Winterſport=Unfälle, Eellsfe
nicht auf Leichtfertigkeit und übermütiges Selbſtverſchulden z0ut=W
rückzuführen wären. So ergeht an alle Winterſportler und Ta=itag
nus=Wanderer für die Hochflut des Verkehrs an kommend d. Dends
Winterſonntagen die ebenſo wohlgemeinte wie daingende Mal=gGe0, ſei
Brogram
nung, Einſicht und Selbſtzucht zu üben. Die Freuden des Winte”ne
ſports und des Winterwanderns brauchen darunter nicht zu lend
den, im Gegenteil, ſie können in ungetrübtem Genuſſe um ANeicht
ſener
höhere ſein.
— Orpheum. Heute Erſtaufführung „DerdummeAuguſ
Das ſenſationelle Operetten=Gaſtſpiel mit Opernſänger Guſtc
Bertram in der Titelpartie findet an beiden Feiertagen, heu.”
Donnerstag, 25. Dezember, und morgen Freitag, 26. Dezembe=ſe,
abends 8 Uhr, ſtatt. Die Eintrittspreiſe ſind nicht erhönrſ
(1—3 Mk.). — Am zweiten Feiertag, nachmittags 4 Uhr, wi.
der tolle Lachſchwank „Frau Staatsanwalt” bei Volkspre.”
ſen von 60 Pf. bis 1,50 Mk. wiederholt. Der Kartenverkauf Dr.
den Feiertagen iſt im Verkehrsbüro von 11—1 Uhr, Zeitung.”
kiosk am Paradeplatz von 10—6 Uhr abends, Orpheumskaſſe 2
3 Uhr ununterbrochen, telephoniſch unter 389. (Siehe Anzeige
Eeeie
Dernache et eiet
Eetete
Eene et
0"
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1V 1471
Donnerstag, den 25. Dezember 1930
Seite 7
Darmſtädter Zuriſtiſche Geſellſchaft.
m 28 Vortragsabend erſchien am Rednerpult Profeſſor
udolf Nuth von der Univerſität Halle, der ſeine Laufbahn
p heſſiſchen Juſtiz begann und längere Zeit, insbeſondere am
lunsericht Offenbach, tätig war. Er ſah ſich deshalb beſonders
liplich begrüßt. Er ſprach über „Unternehmungen der
äfſſatlichen Hand im Rechtsverkehr”
kenn man die privatwirtſchaftliche Tätigkeit der öffentlichen
auch vom rechtlichen Geſichtspunkt aus richtig beurteilen
iü müſſe man zunächſt die Grundfrage ſtellen, ob und in
wel=
ſalmfang ſolche Tätigkeit der öffentlichen Hand ſich mit den
pyſmmungen der Reichsverfaſſung vereinigen laſſe. Oeffentliche
orivate Wirtſchaft ſeien heute kein abſoluter Gegenſatz mehr.
ſeöllige Umſchichtung der wirtſchaftlichen Auffaſſungen und
nolt niſſe ſeit dem Krieg und der Staatsumwälzung habe es
ſh gebracht, daß der Staat in ganz anderer Weiſe wie früher
ſeld in die Wirtſchaft eingreife und auch eine entſprechende
ſtlung von den wirtſchaftlichen Subjekten verlangen müſſe.
ſeſtimmungen der Art. 151—156 der Reichsverfaſſung ſeien
ſuBeweis. Andererſeits entwickle ſich aber auch in der
Wirt=
ſteine Hinneigung zu einer mehr kollektiviſtiſchen Auffaſſung,
B. die Debatte über die Bedeutung des in einer
Erwerbs=
ſſchaft verkörperten Unternehmens als ſolchen bei der
Aktien=
eihn beweiſe. Viel wichtiger ſei aber noch eine andere
Erſchei=
ubgnämlich die, daß die öffentliche Hand ſelbſt als Unternehmer
ſprreten und in immer weiterem Umfang mit der
Privatwirt=
ſin Konkurrenz getreten ſei. Ueber ein Fünftel des geſamten
fi fimmens werde durch ſolche Unternehmungen aufgebracht.
Bei=
biflseiſe ſei an die Viag, Preußag, Preag, an die von der
ſituichen Hand betriebenen Unternehmungen auf dem Gebiete
ſeck Vohnungsbaues und ähnlichem zu erinnern. Gegen ſolche
jeſägung der öffentlichen Hand ergäben ſich erhebliche
Beden=
eturaus, daß der Staat nicht unter allen Umſtänden die
abiceit habe, ſolche Unternehmungen zu betreiben, daß auch die
1ahkeit naheläge, daß dieſe Unternehmungen dann von dem
ſolühen Kampf ergriffen würden. Wolle man nunmehr
feſt=
mſſtelle inwieweit dieſe Tätigkeit des Staates ſich mit der
Reichs=
berliuung vertrage, ſo ſei zunächſt feſtzuhalten, daß als
Unter=
bellnngen der öffentlichen Hand alle im Beſitz der öffentlichen
ſafubefindlichen Betriebe im weiteſten Umfange zu betrachten
Neieingleichgültig, welche Rechtsform man ihnen gegeben habe, ob
ü um Regiebetriebe, öffentliche Anſtalten
gemeinwirtſchaft=
ſicht lnternehmungen oder ſog, gemiſchtwirtſchaftliche
Unterneh=
munen handle. Aus Art. 156 der Reichsverfaſſung folge daß der
ſtta ſich die Möglichkeit der Sozialiſierung, die Möglichkeit der
Beteiigung an der Verwaltung wirtſchaftlicher Unternehmungen,
deut ſicherung ſeiner Intereſſen in anderer Weiſe und die
Mög=
ſiätte der Zwangsſyndizierung vorbehalten habe. Dieſe der
Yſtatühen Macht gegebenen Rechte müßten ihre Grenze da finden,
vof ſich nicht mehr um Betriebe handle, die
gemeinwirtſchaft=
ſichtenCharakter hätten, ſondern um ſolche, mit denen rein
privat=
ſiſtaftliche Aufgaben verfolgt würden. Inſoweit unterſcheide
ſicht de Zuläſſigkeit ſtaatlicher Wirtſchaft danach ob das jener
Ve tfgungsbeſtimmung zugrundeliegende höhere Prinzip, nämlich
diehörderung der Zwecke der Gemeinſchaft, gewahrt ſei.
Reichs=
het; Reichspoſt und ähnliches trage zweifellos
gemeinwirtſchaft=
ſichn Charakter; bei der Beteiligung an Filmunternehmungen,
der vielen von der öffentlichen Hand betriebenen. Banken
ſiän man darüber ſehr ſtreiten. In dieſem Falle ſei es ſehr
zäſſhaft, ob die Unternehmungen noch der Befriedigung von
Iterſſen der Allgemeinheit zu dienen beſtimmt ſeien. Auch daraus,
daßt ene ſtaatliche Betriebsunternehmung Ueberſchüſſe erzielen und
uin deſe Weiſe den Haushalt des Staates ſtärken, u. U. auch
Stſut auflagen überflüſſig machen könnte, ſei nicht ohne weiteres
eim ehluß auf den gemeinwirtſchaftlichen Charakter zu ziehen.
Weän allerdings ausdrückliche geſetzliche Normen beſtünden, müſſe
ngn ſch daran halten.
ſaich gleichen Grundſätzen ſei auch nunmehr das Auftreten
dieie Unternehmungen im Rechtsverkehr zu beurteilen.
* Die Ausſichten im Kaufmannsberuf. Die vielfach
verbrei=
tetſ (nſicht, daß ein Unterkommen, im Kaufmannsberuf außer=
lordenlich ſchwierig ſei, beſteht zu Unrecht. Es iſt durchaus immer
Beiaf an Kräften vorhanden, die nicht den Typ des „Kontoriſten”
miſt näßigen allgemeinen Kenntniſſen verkörpern. So werden
Sttzmaypiſten mit mindeſtens 150=Silbengeſchwindigkeit ſtändig
geſaut. Gute Ausſichten haben auch Buchhalter, die mit
neuzeit=
dlichen Buchhaltungsſyſtemen vertraut ſind, ebenſo
Korreſponden=
temand Kontoriſten mit guten Fremdſprachenkenntniſſen,
Verkäu=
ſer dler Branchen mit Fertigkeiten im Dekorieren und
Lackſchrift=
ſchuäteen. Beſtimmte Branchen leiden faſt ſtändig an tüchtigen
Faugkäften. Die hieſige Ortsvertretung der Stellenvermittlung
dess leutſchnationalen Handlungsgehilfenverbandes (Rheinſtr. 35)
gibt m Jungen, die den Kaufmannsberuf ergreifen wollen, bzw.
deren Eltern koſtenlos Auskunft über alle bei der Berufswahl
auf=
trezeden Fragen. Sie vermittelt auch, ebenfalls koſtenlos, gute
dekzellen.
Lokale Beranſtalkungen.
Dies Rrunter erſcheinenden Noiizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten,
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Krltik.
Turngeſellſchaft 1875 Darmſtadt —
Weih=
nachsfeier. Wie alljährlich, ſo findet auch in dieſem Jahr
die haupt=Weihnachtsfeier der T.Geſ.D. 1875 am zweiten
Feürtag ſtatt. Am Nachmittag wickelt ſich das Programm
ub ſud abends findet Tanz ſtatt. Um auf die Vortragsfolge näher
einsuehen, ſei geſagt, daß auch diesmal wieder ein
ausgezeich=
hetess Programm zuſammengeſtellt wurde, das ſicher wieder allen
Frxuden und Mitgliedern gefallen dürfte. Der erſte Teil
ent=
brng dem Charakter des Tages und hören wir hier verſchiedene
Nilyerchöre der Turnerſingmannſchaft unter Leitung ihres Herrn
Spaiſ, ferner Solo für Bariton, Tänze (Rheinländer) der
Tur=
nerinen und ein Kindertheater. Der zweite Teil iſt der Freude
An ſem Humor gewidmet. Die Sänger treten in zwei luſtigen
SiEy auf. Turnerinnen ſtellen ſich als Girls vor, Turner
wer=
der re Kunſt zeigen, und als Abſchluß folgt ein Luſtſpiel in
ſimen Vorſpiel und einem Akt. Auf die reichhaltige Verloſung
ſeijenfalls hingewieſen. Näheres über Beginn ſiehe Anzeige in
der Hnntags=Nummer d. Blattes.
*Vereinigung früherer Leibgardiſten,
Orts=
arküpe Darmſtadt. Es ſoll nicht verſäumt werden, nochmals
uis tſere Weihnachtsfeier am Samstag, V. Dezember, abends 8 Uhr
büätich, in der Woogsturnhalle hinzuweiſen und Mitglieder, Freunde
ung hönner herzlich dazu einzuladen. Zwei allerliebſte, weihnachtlich
geß nne reizende Theaterſtückchen, eins für Kinder und eins für Er=
Darhne, ſowie noch manch andere ernſte und heitere Programm=Nr.
bexc alsbald eine weihnachtliche Stimmung erzeugen und genußreiche
Stüuen bereiten. Ebenſo wird die tanzluſtige Jugend nach beendigter
Awſrung auf ihre Rechnung kommen. Wir hoffen auf zahlreichen
Beiy. (Siehe heutige Anzeige!)
Reſtaurant=Kaffee „Zum Datterich”, Kiesſtraße 27,
derMaltet am erſten und zweiten Feiertag, mittags und abends, Große
Foirte einer neuen erſtklaſſigen Kapelle. (Siehe Anzeige.)
Im Hotel Prinz Heinrich findet am 2.
Weihnachts=
ſeiäng Konzert ſtatt. Der Beſuch iſt beſtens zu empfehlen.
*Wiener Kronenbräukeller. Auf das Weihnachts=
Mſſeu in der geſtrigen Zeitung und der reichhaltigen Abendkarte
Dür/beſonders hingewieſen. Am zweiten Feiertag abends findet
Ein ſeſtball mit Tanz bei freiem Eintritt ſtatt.
Die öffentliche Hand habe an und für ſich die Macht, die von
ihr betriebenen Unternehmungen vor der Privatwirtſchaft durch
Unterſtellung unter öffentliche Rechtsnormen, durch ſteuerliche
Er=
leichterungen, auch durch Entbindung von gewiſſen der
Privat=
wirtſchaft auferlegten rechtlichen Verpflichtungen zu bevorzugen.
Soweit es ſich dabei um gemeinwirtſchaftliche Unternehmungen
handle, ſei dagegen nichts einzuwenden. Sofern aber der Staat
chend zu beſtimmen. Soweit es ſich um rein privatwirtſchaftliche
Tätigkeit handle, müßte z. B. hinſichtlich der Frage, ob das
ge=
ſchäftliche Auftreten des Unternehmens den im „Geſchäftsverkehr
wirkſamen guten Sitten entſpreche, ob ſeine Handlungsweiſe etwa
gegen die Vorſchriften des Geſetzes über den unlauteren
Wett=
bewerb verſtoße, ebenſo beurteilt werden, wie bei jedem
privat=
wirtſchaftlichen Unternehmen. Soweit es ſich alſo nicht um
ge=
meinwirtſchaftliche Tätigkeit handle, müßte auch etwa eine Nach=
Namen einer Gebühr erhobenen Entgelte etwa gegen die
Wucher=
beſtimmungen verſtoßen.
Die Entwicklung ginge klar dahin, daß immer mehr die
privatrechtliche Rechtsform für die wirtſchaftliche Betätigung der
öffentlichen Hand gewählt würde, daß aber im übrigen ſowohl
nach der wirtſchaftlichen wie nach der rechtlichen Seite alles noch
im Fluß und in der Bewegung ſei. Es ſtünden deshalb hier der
Rechtſprechung und Rechtswiſſenſchaft noch ſehr bedeutſame
Auf=
gaben bevor.
Der außerordentlich anregende und gedankenreiche Vortrag
des Referenten fand lebhafte Zuſtimmung und gab die
Grund=
lage für eine ſich anſchließende eingehende Diskuſſion. Dabei
be=
tonten ſämtliche Diskuſſionsredner, daß nach ihrer Auffaſſung eine
gewiſſe rückläufige Bewegung hinſichtlich der Ausbreitung der
öffentlichen Hand in den bislang mehr oder weniger der
Privat=
wirtſchaft vorbehaltenen Bezirken zu verzeichnen ſei. Profeſſor
Dr. Mußwies insbeſondere darauf hin, daß die geſamte
Entwick=
lung der Zeitverhältniſſe dieſe Betätigung der öffentlichen Hand
Umfang doch wohl günſtiger zu beurteilen ſei, als man oft
an=
nehme.
Rechtsanwalt Dr. Neuſchäffer ſkizzierte im einzelnen die
Aufgaben, die ſich für die Rechtswiſſenſchaft aus dieſen neuartigen
Gebilden ergäben, dahin, daß einmal klare Rechtsſätze, für das
Auftreten namentlich der gemiſchtwirtſchaftlichen Unternehmungen
zu entwickeln ſeien, z. B. dahingehend, daß der öffentlichen Hand
ſtrikte unterſagt ſein müſſe, die Konkurrenz mit der
Privatwirt=
ſchaft mit Mitteln der ihr zuſtehenden öffentlichen Gewalt
(Drohung mit geſetzlichen Maßnahmen, wie im Falle der Ilſeder
Hütte, Mißbrauch behördlicher Einrichtungen zu
Wettbewerbs=
zwecken uſw.) zu betreiben. Gleichzeitig ergebe ſich aber auch die
legislatoriſche Aufgabe, ſoweit erforderlich, durch Schaffung neuer
Rechtsformen der öffentlichen Hand die Beteiligung an
privat=
rechtlich aufgezogenen Unternehmungen ſicherzuſtellen.
Reichsfinanzminiſter a. D. Dr. Becker trat im weſentlichen
dafür ein, daß der öffentlichen Hand nur wirklich im Intereſſe der
Allgemeinheit liegende wirtſchaftliche Betätigung zuzubilligen, im
weniger nicht geſtattet ſein dürfe. Die von dem Referenten
an=
geführten Artikel der Verfaſſung hätten im Augenblick wohl eine
praktiſche Bedeutung als Grundlage der ganzen Entwicklung nicht nuar erfolgt ausnahmsweiſe bereits am Dienstag, den 30. Dezember,
mehr. Sie ſeien ebenſo wie vieles andere, das in dieſer Richtung
liege, aus der Einſtellung der damaligen Zeit zu erklären. Daß (5) Roßdorf, 23. Dez. Weihnachtsfeier. Der Sportverein
die Unternehmungen der öffentlichen Hand, etwa bei den
Be=
ſtrebungen nach Preisabbau mehr Initiative entwickelt hätten als
Privatwirtſchaft, könne man nicht behaupten.
Dr. H. Neuſchäffer.
DAerztlicher Sonntagsdienſt. Iſt wegen plötzlicher
Erkran=
kung ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der Hausarzt
zu rufen. Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind an den
bei=
den Feiertagen folgende Aerzte zu deſſen Vertretung bereit: Am
Feiertag: Dr. med Degen, Klappacherſtr. 1 Telephon 366;
Dr. med. Gallus, Bismarckſtr 23, Tel. 3148; Dr. med. Sachs,
Hügelſtr. 41, Tel. 726. Am 2. Feiertag; Dr. med.
An=
dres, Rheinſtr. 33, Tel. 3016: Dr. med H. Hofmann
Lau=
tenſchlägerſtr. 16. Tel. 3069; Dr. med. Gros, Heinrichsſtr. 49,
Tel. 201.
Es verſehen den Sonntagsdienſt und in der daran ſich
an=
ſchließenden Woche, vom 24.—27. Dezember, den Nachtdienſt; die
Apotheke am Juſtizpalaſt, Bismarckſtraße 9, Einhorn=
Apo=
theke, Kirchſtraße 10"/.
Aus den Parkeien.
— Heſſiſche Staatspartei. Aus der zu Beginn der
Verſammlung vorgenommenen Vorſtandswahl ſei feſtgehalten,
Vorſitzender des früheren demokratiſchen Ortsvereins war, gewählt
wurde.
Gottesdienſt der iſrgelitiſchen Neligionsgemeinde.
Hauptſynagoge (Friedrichſtraße).
Freitag, den 26. Dez.: Vorabendgottesdienſt 4 Uhr 30 Min.
Samstag, den 27. Def.: Morgengottesdienſt 8 Uhr 45 Min
— Sabbatausgang 5 Uhr. 25 Min.
Gottesdienſt an den Wochentagen.
Morgens 7 Uhr 30 Min. — Abends 6 Uhr 00 Min.
Gebetszeiten in der Synagoge der Iſrgelitiſchen Religionsgeſellſchaft.
Samstag, den 27. Dez.: Vorabend 4 Uhr 10 Min — Morgens
8 Uhr. — Nachm. 4 Uhr. — Sabbatausgang 5 Uhr 25 Min.
Wochentags: Morgens 7 Uhr 20 Min. — Abends 4 Uhr 00 Min
Dienstag, den 30. Dez: Aſſoroh Betewes, Faſtenbeginn
6 Uhr 25 Min. — Faſtenende 5 Uhr 19 Min.
Tageskalender für Donnerstag, den 25. Dezember.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, Anfang 18.30 Uhr,
Ende gegen 22 Uhr, E 12: „Carmen”. — Kleines Haus, Anf.
20 Uhr, Ende 22 Uhr, Zuſatzmiete III7: Der Mann, den ſein
Gewiſſen trieb”. — Orpheum abends 81 Uhr: „Der dumme
Auguſt”. — Konzerte: Schloßkeller, Café Oper, Zum
Dat=
terich, Rote Mühle, Maxim. Spaniſche Bodega Sportplatz=Reſt.
am Böllenfalltor, Hotel zur Poſt. Ludwigshöhe. —
Kino=
vorſtellungen: Union=Theater, Helia= und Palaſt=
Licht=
ſpiele.
Tageskalender für Freitag, den 26. Dezember.
Heſſ. Landestheater. Großes Haus, Anf. 14.30 Uhr, Ende
gegen 17 Uhr: „Die Pantoffeln des Glücks”. — Abends 19.30
Uhr, Ende 22.30 Uhr, A 12: Königskinder”. — Kleines Haus,
Anfang 20 Uhr. Ende 22.30 Uhr, Zuſatzmiete II6: „Wie werde
ich reich und glücklich”. — Orpheum, nachm. 4 Uhr: „Frau
Staatsanwalt”; abends 81 Uhr: „Der dumme Auguſt”
Konzerte: Schloßkeller, Café Oper, Zum Datterich, Rote
Mühle, Maxim. Spaniſche Bodega, Sportplatz=Reſt. am
Böllen=
falltor, Hotel zur Poſt. Ludwigshöhe. —
Kinovorſtel=
lungen: Union=Theater, Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.
Aus Heſſen.
F. Eberſtadt, 24. Dez. Theaterabend des
Geſangver=
eins „Frohſinn” (1842). Am Neujahrstage veranſtaltet der
Ge=
ſangverein „Frohſinn” (1842) im Saale „Zum Bergſträßer Hof” (Peter)
einen Theaterabend an dem der Verein das Niebergallſche
Luſt=
ſpiel „Des Burſchen Heimkehr” oder „Der tolle Hund” zur Aufführung
gelangen läßt.
Cp. Pfungſtadt, 24. Dez. Winterbeihilfe. Der Gemeinderat
hielt noch kurz vor Weihnachten eine Sitzung ab, in der er ſich vor allen
reine Privatwirtſchaft betreibe, ſei eine derartige Vorzugsſtellung / Dingen mit der Winterbeihilfe beſchäftigte. Im Prinzip war man ſich
abſolut abzulehnen. Deshalb ſei es für den Richter außerordent= über die Bereitſtellung einer Beihilfe ſofort im klaren, über die Höhe
lich wichtig, den Charakter eines ſolchen Unternehmens entſpre= der einzelnen Sätze und über die Aufbringung der erforderlichen Mittel
ſetzte jedoch eine längere Ausſprache ein. Von dem
Bezirksfürſorgever=
band ſind für Pfungſtadt 660 Hauptunterſtützungsempfänger anerkannt
worden. Die Winterbeihilfeempfänger müſſen entweder Arbeitsloſen=,
Kriſen= oder Wohlfahrtsunterſtützung beziehen oder durch eine längere
Arbeitsloſigkeit beſonders hilfsbedürftig ſein. Sozial= und
Kleinrent=
ner ſowie Kriegsbeſchädigte und Kriegerhinterbliebene haben keinen
Anſpruch auf Winterbeihilfe. — In der Sitzung wurde das neue
Ge=
meinderatsmitglied Georg Schulz 6., das an Stelle von Ludwig
Cle=
prüfung zuläſſig ſein, ob die von dem Unternehmen unter dem menz eingetreten iſt, vom Bürgermeiſter durch Handſchlag verpflichtet.
— Der Ortsbürgernutzen bleibt erhalten. Die Riolarbeiten,
mit denen ungefähr 86 Arbeiter je eine Woche lang Beſchäftigung
fin=
den, ſollen demnächſt beginnen.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 23. Dez. Holzverſteigerung. Bei der
im hieſigen Gemeindewald abgehaltenen Holzverſteigerung wurden
Preiſe erzielt, wie ſie überhaupt noch nicht da waren und auch
erheb=
lich unter denjenigen der Vorkriegszeit liegen. In den weitaus meiſten
Fällen wurden die Tarifſätze nicht erreicht. Der Gemeinde entſtehen
hierdurch ganz nennenswerte Ausfälle, die auf andere Weiſe (
Steuer=
erhöhung) gedeckt werden müſſen. Wenn die Nachfrage nach Brennholz
ſo gering iſt, dürfte für viele Wal beſitzer die Frage auftauchen, ob ſie
nicht geringere Mengen fällen ſollten.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 23. Dez. Geſangverein Eintracht=
Frankfurt‟. Der am 1. Weihnachtsfeiertag ſtattfindenden
Weihnachts=
veranſtaltung liegt ein reichhaltiges Programm zugrunde. —
Hunde=
ſteuer. Die vom Gemeinderat beſchloſſene Gemeindehundeſteuer von
6 Mark für den erſten und je 6 Mark mehr für den weiteren Hund iſt
durch die Aufſichtsbehörde genehmigt. Irgend welche An= und
Abmel=
erheblich gefördert habe, daß auch dieſe Tätigkeit in erheblichem dungen im Hunderegiſter ſind bis ſpäteſtens 31. Dezember d. J. bei der
Bürgermeiſterei zu veranlaſſen, andernfalls ſie für die
Steuerheran=
ziehung unberückſichtigt bleiben.
G. Ober=Ramſtadt, 22. Dez. Turnverein 1877 (D.T.). Im
Saalbau „Eliſenbad” hielt der Turnverein ſeine Weihnachtsfeier ab, die
einen guten Beſuch aufwies. Mit einem flotten Marſch und einem
Lie=
dervortrag der Turnerſingmannſchaft, unter bewährter Leitung ihres
Dirigenten Lehrer Adelberger, wurde der Abend eingeleitet, und der
1. Vorſitzende, Bürgermeiſter Rückert, begrüßte die Anweſenden herzlich
und wünſchte der Veranſtaltung einen gemütlichen Verlauf. Als
Weih=
nachtsfeier galt dieſe Veranſtaltung in erſter Linie, den Kleinen und
Kleinſten, und deshalb lag auch die Unterhaltung der Anweſenden bei
ihnen. Dies geſchah aber in der Tat auch in einem Ausmaße und in
einem glückſtrahlenden Zuſammenwirken der Einzelnen, daß man ihnen,
vor allem aber auch Turnwart Moter und Turnerin Lueie Fink.
Aner=
kennung und Dank ſagen muß. — Elektriſches Geläute. Am
geſtrigen 4. Advent erfolgte die gottesdienſtliche Inbetriebnahme der
neuen elektriſchen Läuteanlage in unſerer Kirche, die nun viele
Unan=
nehmlichkeiten des Handläutens auch für die Kirchenbeſucher beſeitigt. —
Rentenzahlung. Die Militärrenten für Januar 1931 werden am
übrigen über die Konkurrenz mit der Privatwirtſchaft mehr oder Montag, den 39. Dezember, von 8—19 Uhr vormittags, am Poſtſchalter
ausgezahlt. Die Auszahlung der Invaliden= und Unfallrenten für
Ja=
vormittags von 8—12 Uhr, daſelbſt.
1922 Roßdorf e. V. hielt ſeine Weihnachtsfeier, verbunden mit einem
Theaterabend ab. Die Veranſtaltung war für den Verein, der mit
ſei=
ner Laienſpielergruppe zum erſtenmal auf dem Plan erſchien, ein voller
Erfolg. Alle Mitwirkenden erledigten ſich ihrer Aufgaben zur vollſten
Zufriedenheit. Es war eine Freude, zu ſehen, wei ſie alle einander
an=
eiferten, das Beſte zu geben, was möglich war. Reicher, aber auch
ver=
dienter Beifall wurde den Mitwirkenden gezollt. Der muſikaliſche Teil,
der von den Mitgliedern der bewährten Kapelle Kreifel übernommen
war, ſowie gut angepaßte Geſangsvorträge des Geſangvereins „
Concor=
dia” unter Leitung ſeines rührigen Dirigenten, Herrn Hackemer, und
Sologeſang des Herrn Heinrich Koop, halfen die Veranſtaltung
weſent=
lich verſchönern. — Weihnachtsfeier bei der Mutter= und
Säuglingsfürſorge. Wie alljährlich, ſo fand auch in dieſem
Jahre wieder im Saale der Kleinkinderſchule die übliche Weihnachtsfeier
ſtatt. Die Feier war gut beſucht. Kreisfürſorgerin Schweſter Emma
Wecker aus Darmſtadt hatte dafür geſorgt, daß die Veranſtaltung echt
weihnachtlichen Charakter bot. Allen Müttern wurden entſprechende
Geſchenke überreicht.
Au. Groß=Gerau, 23. Dez. Die Bürgerſteuer im Kreiſe
Groß=Gerau. An 15, Gemeinden des Kreiſes Groß=Gerau haben
mit Etatsſchwierigkeiten zu kämpfen, die nun auf dem Wege von
Nach=
tragsetats erledigt werden müſſen. Heftig umkämpft wird dabei die
Frage der Einführung der Bürgerſteuer, die faſt überall abgelehnt
wird. In Groß=Gerau entſchloß man ſich, wie ſchon gemeldet
wurde, zur Erhebung eines ſiebenten Zieles der Grund= und
Gewerbe=
ſteuer, während die Bürgerſteuer vom Gemeinderat mit
Stimmengleich=
heit abgelehnt wurde, und nun auf dem Verordnungswege eingeführt
daß zum 1. Vorſitzenden Herr Stadtdirektor Schrauth, der auch werden wird, weil das vorhandene Defizit nicht voll gedeckt werden kann.
Im Mörfelden hat der Gemeinderat die Entſcheidung auf
kommu=
niſtiſchen Antrag hin vertagt und die Frage, ob Erhöhung der Grund=
und Gewerbeſteuer oder Bürgerſteuer offengelaſſen. In Walldorf
wurde hingegen die Erhebung eines ſiebenten Zieles der Grund= und
Gewerbeſteuer vom Gemeinderat abgelehnt und die Bürgerſteuer für
gerechter gehalten und eingeführt. Daneben beſchloß man in Walldorf
auch die Einführung der Bierſteuer. In Kelſterbach wurden vom
Gemeinderat ſämtliche Steuererhöhungen abgelehnt. Das gleiche tat
auch der Gemeinderat von Büttelborn, der ſich auf den
Stand=
punkt ſtellt, daß die Steuerzahler nicht in der Lage wären, die Steuern
aufzubringen. Dafür wird in Büttelborn die Abholzung eines
Wald=
ſtreifens verlangt, der Verkauf des Holzes und die Verpachtung des
Ge=
ländes als Ackerland ſoll dann die nötigen Mittel zur Deckung des
Defizits bringen. In zahlreichen anderen Gemeinden ſteht die große
Finanznot ebenfalls zur Debatte; man zögert überall mit der
Entſchei=
dung und hofft noch auf eine plötzliche Beſſerung, die indeſſen kaum zu
erwarten iſt.
Cm. Wallerſtädten, 22. Dez. Beigeordnetenwahl. Heinrich
Gerhardt 4. wurde geſtern mit 345 Stimmen zum Beigeordneten unſerer
Gemeinde gewählt. Jakob Tag, der Vertreter der Arbeiterſchaft, erhielt
210 Stimmen. — Weihnachtsfeier des
Waiſenſchutzver=
eins. Der Waiſenſchutzverein veranſtaltete geſtern im Saale „Zum
Löwen” ſeine diesjährige Weihnachtsfeier. Lange vor Beginn der Spiele,
die die Schulkinder unter Leitung der Lehrer vorführten, war der Saal
überfüllt, ſo daß viele umkehren mußten. Geboten wurde das
Schatten=
ſpiel „Der Schneider in der Hölle” und das Theaterſtück „Der böſe
Michel im Weihnachtswald”. Beide Spiele fanden recht großen Beifall.
Anſchließend fand die Beſcherung der 11 Waiſenkinder der
Ge=
meinde ſtatt.
— Gernsheim, 24. Dez. Waſſerſtand des Rheins am
23. Dezember 0,32 Meter, am 24. Dezember 0,25 Meter, morgens 5.30.
Db. Urberach, 22. Dez. Stillegung der Hutſtoffwerke.
Freitag, den 19. Dezember, ſchloſſen auch die hieſigen Hutſtoffwerke
Bloch u. Hirſch, vereinigt mit den Werken C. F. Donner, Frankfurt am
Main, ihre Pforten. Die Fabrik beſchäftigte noch in den letzten Tagen
ungefähr 250 Arbeiter und Arbeiterinnen, während bei Vollbeſchäftigung
faſt die doppelte Zahl erreicht wurde. Die Inneneinrichtung der Werke,
Maſchinen uſw., werden abmontiert und kommen ins Ausland, und
zwar nach Belgien. Der hieſigen Gemeinde dürfte durch den
Weg=
gang großer Schaden entſtehen. Den Hauptanteil der Beſchäftigten
ſtellte vor allem Urberach, ferner Oberroden und Münſter.
ſonnerstag, den 25. Dezember 1930
IgDie Verlobung meiner Tochter J
Erna Hufnagel Erna Willy Mag mit Herrn Willh Mag, gebe ich bekannt. Verlobte Hermann Hufnagel Darmſiadt
Hof Sauerberg Darmſiadt Eliſabetbenſtraße 42
bel Caub am Rbeiſn
7 3. H0f Jſbach Ellſabeihenſtraße 12 bei Reinhelm (Odenwald) Weihnachten 1930 (18773
Nummer 350
Innn IHHHHHrſe
Siati Karten
Elſe Wörner
Georg Ohl
Verlobie
Weihnachten 1930
Groß=Umſiadi
Zur Brücke‟
DIE VERLOBUNG IHRER TOCHTER
REGINA
MIT HERRN
HANS BLUM
STUDIENREFERENDAR
ZEIGEN WIR AN
LORENZ PFEIFER u. FRAU
HELENE GEB. KÜHLING
MEINE VERLOBUNG MIT FRAULEIN
REGINA PFEIFER
GEBE ICH BEKANNT
HANS BLUM
STUDIENREFERENDAR
DARMSTADT
BESSUNGERSTR. 38
DARMSTADT
GUNDHEIM
WEIHNACHTEN 1930
e ee
unseres Sohnes au
Edelgard Reimpell
geb. Freiin von Preuschen
Georg Reimpell
Lübeck, 22 Dezember 1930.
(Hbe 18817
Rocckstr. 54
OLARE WEERKAMM
BRUNO SOLOMER
WERLOBTE
Welhnachten 1930
N.-Ramstädterstr. 33
Aganangn 2
Ihre Verlobung geben
bekannt:
Lina Filſinger
Jakob Metz
Rudolf Baher geben bekannt.
Reichsbahnbauinſpektor
Wilh. Schwinn und Frau
Eliſabeth, geb. Scherff
Darmſtadt, Mornewegplatz 3, II.
Weihna Riegerplatz 8
Rhöming 1u
chien 1930. hten 1930
(19779
berstadt
Darmſtadt
Rheinſtr. 47
Weſher I. Odw.
Adele Hachenburger
Karl J. Kumpf
Verlobte
Bismarckftraße 72
Darmſtadt
3u Hauſe: 2., Feiertag,
Käte Ruths
GeorgHeldmann
Verlobte
Darmstadt, Weihnachten 1930
Elisabethenstr. 40, () Mauerstr. 25
Eliſabeth Diez
Heinrich Zimmermann
Verlobte
Statt Karien.
Hildegard Klein
Gottfried Kunkelmann
Tapezlermeiſter
Verlobte
Weihnachten 1930.
Darmſtadt
Wenckſtr. 16, 1.
Darmſtadt
Liebfrauenſtr. 79.
Weihnachten 1930
Darkhausſtrtaße 62‟ Darmſtadt Heinrichſiraße 62
Else Sulzmann
Hans Kleber
Verlobte
A
Darmstadt, Wethaachten 1930
Arheilgerstr, 35, Liebfrauenstr. 107
Anne Huhn
Fritz Hoffmann
Verlobte
Blumenthalſtraße 23
Ludwigshöhſtraße 21
Weihnachten 1930
Elly Löb
Fritz Lorenz
Verlobte
Darmstadt, Weihnachten 1330
Statt Karten.
Leny Neuzeit
Hans Gehbauer
Verlobte
Ihre Verlobung geben bekannt
Oitilie Greb
Rickard Bagrer
Weihnachten 1930
Schuknechtſtr. 48 Darmſtadt Frankfurterſtir. 100
Mariechen Rummel
Willi Fath
grüßen als Verlobte
Darmstadt
Schützenstr. 20
Sophie Kaufmann
Karl Rau
Verlobte
Zeutern 1. B.
Darmſtadt
Weihnachten 1930
Wethaachtea 1930
Verlobte
Ela Ranft
Adam Bernhard
Pol.-Oberwachtmeister
Statt Karten.
Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen
Elisabeth Bodenstein
Hans Walther
Darmstadt, Weihnachten 1930
Soderstr. 77
Wienerstr. 69
Ststt Karten.
Uhre Verlobung geben bekannt
Elfriede Hohlfeld
Herbert Schönheiter
Weihnachten 1930
Darmstadt
Düsseldorf
Gaststätte Döring
Anni Schmidt
Ernst Ruppel
Verlobte
Wethaachten 1930
Waldangelloch
Baden
Darmstadt
Orangesteste.
Uhre Verlobung beehren sich anzuzeigen:
Aenne Knopf
Willy Schüßler
Darmstadt
Darmſtadt
Lſebfrauenſtr. 66
Phia Schüßler
Philipp Müller
Verlobte
Weihnachten 1930.
Aenne Reützenſtein
Joſef Freeſe
grüßen als Verlobte
Hanau (Main
Nürnbergerſtr. 19.
Darmſtadt
Stiftffr. 11.
Weihnachten 1930.
Statt Karten
Käthe Schäfer
Willi Rubröder
Verlobte
Ellen Roll
Philipp Hartmann
Verlobte
Darmſtadt
Berlin
Heinheimerſtr. 15
Weihnachten 1930.
[ ← ][ ][ → ] Uhre Verlobung geben bekannt
Friedel Ruhl
Helmut Siebel
Dipl.-Ing.
Jarmstadt
lebfrauenstr. 99
reudenberg
Kr. Siegen
(Es grüßen als Verlobte
Marga Röhm
Karl Korb
Am heiligen Abend 1930
Darmſtadt
Schloßgartenſtraße 51
Liebrauenſtraße 66
Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen
Käthe Hill
Georg Held
Weihnachten 1930
berstadt
Groß-Zimmern
Es grüßen als Verlobte
Käthe Bangert
Karl Döll.
Saalbaustr. 37
Waldstr. 33
Weihnachten 1930
Philipp Jagme
Margareta Jagme
geb. Stephan
Vermählte
Darmſiadt
Rohrbach
Gervinusſtraße 30
Kirchl. Trauung: 2.Weihnachtsfeiertag,
nachm. 2½ Uhr, in der Stadtkapelle.
Statt Karten.
Olelia Fichter
Ludwig Hauck
Verlobte
Bolzano
Bordiphera (talien)
(18819
Darmstadt
Weihnachten 1930
Ludwig David
Gerda David
geb. Goldſchmidt
Vermählie
Alsbach a. d. B.
Trauung: 25. Dezember 1930 Penſion
Koppel, Jugenheim (Bergſtraße).
Allen Lieben, welche mich an meinem
81. Geburtstage mit Blumen, Geſchenken
und Gratulationen bedacht haben, ſage ich
aufdieſem Wege meinen herzlichſten Dank.
FrauAnng SchneiderWw.
geb. Chriſtian
Darmſtadt, Heinheimerſiraße 96, 3. Sick.
Frauergarderoben
werdenin einigen Stunden ſchwarz gefärbt
Reingold
Kranichſteinerſtr. 28
Cliſabethenſtr. 4
(Huthaus Titze)
Telephon 736
Telephon 736
Marktpaſſage
17524a
Bitte genau auf Firma und Straße zu achten
Ihre Verlobung beehren ſich anzuzeigen
Gretel Ittmann
Jakob Stauch
ebfrauenſtr. 89
Blumenthalſtr. 25
Weihnachten 1930.
Käte Zulauf
Heino Beckerle
Verlobte
Weihnachten 1930
Hanni Düss
Ernst Ludw. Göbel
Verlobte
Düsseldorf
München
Weihnachten 1930
Darmstadt
Eiſa Lautenſchläger
Adam Hof
Verlobte
Weihnachten 1930
Jahnſtr. 62
Moosbergſtr. 60
Eiſe Schilling
Hans Klippel
Verlobie
Albert Soeder
Ellen Soeder
geb. Hopp
Vermählte
Cannstatt-Stuttgart
Darmstadt
Kirchl. Trauung, i1. Feiertag, nachm. /.4Uhr, Stadtkapelle
Dr Herbert Ouermann
Marie Mathilde Ouermann
geb. Fre)
zeigen ihre Vermählung an
Darmstadt Weihnachten 1930 Berlin
Nieder-Ramstädterstr. 53
Baureutherstr. 30
Statt beſonderer Anzeige.
Am 20. Dezember entſchlief ſanft nach kurzem
Leiden mein lieber Mann, unſer guter Vater,
Schwiegervater und Großvater
Diheim Aing
Eiſenbahn=Oberingenieur i. B.
im 80. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hiyterbliebenen:
Margarete Wintz, geb. Wagner.
Darmſiadt, den 23. Dezember 1930. (18802
Die Einäſcherung fand auf Wunſch des Entſchlafenen
in aller Stille ſtatt.
Todes=Anzeige.
In zuverſichtlichem Glauben an ihren Erlöſer
entſchlief heute ruhig und gottergeben nach lange
ertragenem Leiden meine liebevölle,herzensgute
Gattin
geb. Wilhelm.
In tiefem Schmerz:
Jacob Gölz.
Darmſiadt, den 23. Dezember 1930.
Rhönring 17, II.
Die Beerdigung erfolgt Samstag, 27. Dez,
nachm. 3 Uhr, vom Portale des Waldfriedhofs.
Heute verſchied nach ſchwerem Teiden meine
liebe Frau. unſere liebe, treuſorgende Mutter,
Schweſter, Schwiegertochter. Schwägerin und
Tante
Drau Iind drin
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Geim.
Darmſtadt, den 24. Dezember 1930.
Landwehrſtraße 13.
Die Beerdigung findet Samstag, 27. Dez.,
vormittags 1130 Uhr, auf dem Friedhof an
der Nieder=Ramſtädterſtraße ſiatt.
Am 23. Dezemder 1930, abds. 21/ Uhr, verſchied
nach ſchwerem Leiden mein lieber guter Mann und
treu=
ſorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager
und Onkel
Herr Karl Schmidt
Schloſſer
im Alter von 57 Jahren.
In tiefer Trauer:
Philippine Schmidt, geb. Deibel
Ludwig Willmann und Frau
Louiſe, geb Schmidt
und 1 Enkelkind.
Die Beerdigung findet am Samstag, den 27.
De=
zember, vorm. 11½ Uhr, auf dem Waldfriedhof ſtatt.
Allen Verlobten die besten Wünsche
und eine hübsche Aussteuer
von
Wäsche-Posner
(17240a)
Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Heute Vormittag 2 Uhr entſchlief ſanft infolge eines
Schlaganfalls unſer lieber Vater, Schwiegervater
und Onkel
David Herrmann
Privatier.
In tiefer Trauer:
Dipl.=Ing. Karl Herrmann und Frau
Lieſel, geb. Rothermel. (18814
Darmſtadt, Ernſt=Ludwigſtr. 21, den 24. Dez. 1930.
Die Beerdigung findet Samstag, 27. Dez, nachm.
3 Uhr auf dem Friedhof Nieder=Ramſtädterſtr. ſtatt.
Wir bitten von Beileidsbeſuchen abſehen zu tvollen.
ſardiſienſir.
Weihnachten 1930
Darmſiadt
Forſtmeiſterſir. 10
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ſchr. erb. u. N. 244
a. d. Gſchſt. (T T 18768
Wo finde ich
ein einfaches, nett.
Mädel im Alter v.
17—21 Jahren, das
mir eine treue
Le=
bensgefährtin ſein
will? Gefl. Zuſchr.
erbitte unter O. 7
a. d. Geſchäftsſt.
Welhnachtswunſch
Einſ., 25jähr. Mädel
(Beamtin w. einen
lieb. Kameraden (
Be=
amten od. Ak.) jenn.
zu lern zw. gemeinſ.
Gedankenaustauſch
und bei Zuneig. zw.
ſp. Heirat. Fr undl.
Zuſchr. erb u. N 237
an die Geſchſt. 18736
Ohne Vorschuß
arbeitet.„Der Bund‟.
Ueberzeugen Sie eich
selbst! 150 000
Vor-
notierungen aus
ge-
bildeten Kreisen,
da-
bei vieleEinheiraten!
Keine Vermittlung.
— Auskunft und
Be-
ratung kostenl. geg.
30 Pfg. Rückp. —
Nähere Angaben
er-
beten gegen
Dis-
kretion. TV.11360
„Der TZund‟‟
Mannheim A. 15
HIeinr.-Lanzstr. 15
Seite 10
Donnerstag, den 25. Dezember 1930
Nummer 356
Der Sportbetrieb war an den Adventsſonntagen nicht allzu ſtark.
Nur die Raſenſports ſvickelten ihr übliches Programm ab, aber auch ſie
hatten über einen Mangel an Jntereſſe zu klagen. Ein Mangel, der
die Veranſtalter der Hallenſport=Wettbewerbe durchweg ſogar zu einer
hölligen Ruhepauſe veranlaßte. Mit der Nähe der Feſttage wächſt auch
wieder die Unternehmungsluſt, und ſo bringen uns die Feſttage trotz
der wirtſchaftlichen Depreſſion ein ſtattliches Sportdrogramm. Faſt in
allen Sports, deren Pflege zu dieſer Jahreszeit möglich iſt, gibt es für
die Anhänger reichliche „Beſcherungen‟ Lediglich im Hockey und Rugby
hält man ſich an die traditionelle Weihnachtsruhe. Das umfangreichſte
Programm bietet der
Fußball
auf. Zwar ſtehen nur einige wenige Meiſterſchaftsſpiele auf der
Tages=
ordnung, um ſo zahlreicher und bedeutungsvoller ſind dafür die
Privat=
ſpiele. Namhafte Mannſchaften des In= und Auslandes unternehmen
„Deutſchlandfahrten”, gute deutſche Mannſchaften nehmen den Weg über
die Landesgrenzen, um gegen ausländiſche Clubs zu ſpielen. Auch in
Süddeutſchland iſt der Spielbetrieb rege. In Württemberg wird
das erſte Entſcheidungsſpiel um den zweiten bzw. dritten Tabellenplatz
ausgetragen und auch in Baden iſt das Treffen zwiſchen Phönix
Karls=
ruhe und FV. Raſtatt noch wichtig für die Beſetzung des zweiten bzw.
dritten Platzes. Intereſſanter ſind die Freundſchaftsſpiele. Vienna Wien
ſpielt gegen FV. Saarbrücken (25.) und Mannheim kombiniert (26.), der
FK. Teplitz gegen Wormatia Worms (25.) und FSV. 05 Mainz, WAC.
Wien gegen Wacker München (25.) und Schwaben Augsburg, Hungaria
Budapeſt gegen den 1. FC. Nürnberg (25.), Werder Bremen gegen
Hanau 93 und Kickers Offenbach, Sparta Prag gegen München 1869
(26.). Von den weiteren Privatſpielen erwähnen wir: FV.
Sprend=
lingen — FC. Langen, Germania Schwanheim — Viktoria Urberach,
Saar 05 Saarbrücken — Wormatia Worms, VfB. Stuttgart — 1. FC.
Nürnberg. Hagenau — Schramberg. Lahr — Kirchheim. — In anderen
Landesverbänden bzw. im Ausland tragen ſüddeutſche Mannſchaften
die folgenden Treffen aus: Olympique Marſeille — Karlsruher FV.,
Juventus Turin — Sp.Vg. Fürth (25.), FC. Milano — Sp.Vg. Fürth.
Sport Kaſſel — Neu=Iſenburg (25.), Boruſſia Fulda — Neu=Iſenburg
Hüſten 09 — VfR. Fürth. — Von den Spielen im Reich ſeien noch
erſvähnt: Städteſpiel Kaſſel — Halle, Dresdener SC. — Hungaria
Budapeſt (26.) und Hertha=BSC. — Altona 93.
Das erſte Spiel des Wieuer
Hockey.
Die übliche Weihnachtsruhe im Hockey wird diesmal durch die
Deutſchlandreiſe der indiſchen Studenten=Hockeyelf
unter=
brochen. Die Jnder, die zuletzt in Hamburg zweimal knapp beſiegt
wur=
den, ſpielen in Berlin am 1. Feſttag gegen den BSV. 92 und am Tage
darauf gegen den BSC.
Handball.
Die Meiſterſchaftskämöfe ruhen. Auch unter den Pribatſpielen
fin=
den ſich nur ſenige nennenswerte. Stärkeres Intereſſe wird aber das
Gaſtſpiel des Wiener AC. in Darmſtadt beim SV. 98 (26. und 28.)
finden.
Tennis.
Auch im Tennisſport iſt man an den Feſttagen nicht allzu aktiv.
Es gibt einige kleine Klubkämpfe. Größere Anteilnahme findet nur das
traditionelle Pariſer Weihnachtsturnier mit ſeiner
erſt=
klaſſigen Beſetzung.
Boxſport.
In Deutſchland kommt der Boxſport an den Feſttagen nur in einer
mittleren Veranſtaltung der Berufsboxer in Bochum. Der
Schwer=
gewichtler Neuſel trifft hier auf den Franzoſen Delleau;
Weltergewichts=
meiſter G. Eder iſt mit Wieſer II=Bochum gepaart. Dazu gibt es nock
einige Rahmen: npfe.
Radſport.
Sehr umfangreich iſt das radſportliche Programm der Feſttage.
Breslau veranſtaltet ein 25=Stundenrennen, Mannſchafts= und
Flie=
gerkämpfe gibt es am 2. Feſttag auf den Winterbahnen in
Frank=
furt a M., Dortmund und Stuttgart. In Frankfurt beſtreiten
Stüb=
becke, Louet, Degraeve und Tonani einen Flieger=Vierländerkampf, an
einem Zweiſtunden=Mannſchaftsfahren nehmen u. a. die Mannſchaften
Schön/Kroſchel, Chriſtmann/Tonani, Mouton/Louet, Stübbecke/Göbek,
Dorn/Degrgeve, Krüger/Funda, Manthey/Maczinsky und
Kilian/Pütz=
feld teil. — Am Tage nach Weihnachten nimmt das Brüffeler
Sechs=
tagerennen, an dem auch das deutſche Paar Rauſch/Hürtgen teilnimmt,
ſeinen Anfang.
Winterſport.
Der Winterſport iſt in dieſer Saiſon erſt mit einigen ſvenigen
Ver=
anſtaltungen auf künſtlichen Eisbahnen und den erſten Verſuchen in
gün=
ſtigeren Gebirgslagen zu ſeinem Recht gekommen. Die Feſttage bringen
nun den eigentlichen Saifonbeginn. Sowohl auf den künſtlichen, wie
auch auf den natürlichen Kampfbahnen geht es munter zu bzw. es ſoll
munter zugehen, ſoweit nicht das Wetter bei den Wettbewerben unter
freiem Himmel einen Strich durch die Rechnung macht.
Eishockey=
kämpfe gibt es im Berliner Sportpalaſt mit ſchwediſcher Beteiligung,
auf dem Rießerſee mit einer Wiener Mannſchaft und in Davos mit
deutſcher Beteiligung. In Schierke ſollen Bob=” und
Rodel=
rennen ausgetragen werden. Der Skiſport endlich hat u. a. die
folgenden Veranſtaltungen vorgefehen: Jubiläumslauf „Rund um den
Andreasberg” im Harz. Internationale Pokalſpringen auf der Sehdel=
Schanze bei Aſchberg, Verbandsoffene Skiſpringen des Skiklubs
Par=
tenkirchen und Sprungkonkurrenzen auf der Olympiaſchanze bei St.
Moritz.
Sitzung des Waſſerball=Spielausſchuſſes.
2. Weihnachtsfeiertag, nachmittags 3 Uhr, Stadion.
Eine Kreisſpielausſchuß=Sitzung beſchäftigte ſich in Mannheim
mit den Waſſerball=Angelegnheiten des Kreiſes Süddeutſchland
und insbeſondere mit der Abſchaffung des bisherigen Syſtems der
Deutſchen Waſſerball=Meiſterſchaft, das ſich als unzulänglich
er=
wieſen hat.
Die Vertreter der 5 Gaue Heſſen, Baden, Württemberg, Nord=
und Südbayern traten beſonders für einen vom Kreisſpielwart
Dr. Nußbaum vorgelegten Vorſchlag ein, der die Austragung der
Deutſchen Meiſterſchaft auf der Grundlage der Gau=, Bezirks= und
Kreisſpiele vorſieht, mit der Wahl der freien Meldung alſo
auf=
raumt und das Pokalſyſtem abſchafft. Danach ſollen in Zukunft
nur die Kreismeiſter und Kreiszweiten, ſowie der deutſche Meiſter
zu den Endſpielen zugelaſſen werden. Im ganzen rechnet man mit
15 Mannſchaften, die in 5 Gruppen geteilt werden ſollen. Die
Ermittlung der Gruppenſieger erfolgt durch Vor= und Rückſpiele.
Die Gruppenſieger ſpielen alsdann wieder eine Runde (ebenfalls
mit Vor= und Rückſpiel auf gleichem Platz) aus. Die
Verlieren=
den ſcheiden aus. Die Sieger kommen ins Vorſchluß= bzw. ins
Schlußſpiel. Da auch gleichzeitig Finanzierungsvorſchläge
ge=
macht werden, beſteht Ausſicht auf die Einführung des neuen
Spielſyſtems im Verbandsgebiet.
Der Kreisſpiel=Ausſchuß hat dann gleichzeitig die dadurch
be=
dingte Aenderung des ſüddeutſchen Spielſyſtems
für das Jahr 1931 beſchloſſen. Als ſpielberechtigt für die
Ver=
bandsrunde 1931 gelten München 99 und Bayern 07 Nürnberg.
Das bisherige ſüddeutſche Spielſyſtem bleibt in ſeinen
Grund=
zügen beſtehen. Lediglich die Entſcheidungsſpiele werden nicht
mehr im Pokal= ſondern im Punktſyſtem mit Vor= und Rückſpiel
ausgetragen. Die Gauſieger müſſen bis zum 30. Juni 1931, die
Bezirksſieger bis zum 15. Juli 1931 und die Gruppenſieger bis
zum 4. Auguſt 1931 ermittelt ſein.
Die bisherige Bezirkseinteilung wurde wie folgt
ab=
geändert: Gaue 1 und 2 bilden Bezirk I (Heſſen=Baden), Gau 3
den Bezirk II (Württemberg), Gau 4 und 6 den Bezirk III. Bei
den Gruppenſpielen wird die Gruppe A von den Bezirksſiegern I
und II, die Gruppe B von den Bezirksſiegern B gebildet.
Von den ſonſtigen Beſchlüſſen iſt noch die Durchführung eines
Auswahlkurſes ſüddeutſcher Waſſerballſpieler am 1. Februar in
München von beſonderer Bedeutung, da er die Grundlage zu einer
Aufſtellung einer Kreismannſchaft bilden ſoll, die im Jahre 1931
gegen Sachſen und vorausſichtlich auch gegen Oeſterreich und
Ita=
lien ſpielen ſoll.
Der Wiener Athletik=Sportklub tritt am 2. Weihnachtsfeiertag zum
erſten Spiel in Darmſtadt an, um dann am darauffolgenden Tag (27
Dezember) ſich am Hallenturnier zu beteiligen und am 28. Dezember
das Rückſpiel, für das erſte Treffen zu abſolvieren. Das Spiel des
2. Weihnachtsfeiertages gegen den Sportverein Darmſtadt 1898
ver=
ſpricht ganz beſonders intereſſant zu werden, da die Gäſte beſtrebt ſind,
gerade zu dieſem Spiel ihre ſtärkſte Mannſchaftsaufſtellung
herauszu=
bringen. Sie haben dem Veranſtalter auf Grund der in den letzten
Spielen gezeigten Leiſtungen ihrer Spieler folgende Elf für das 1.
Feld=
ſpiel nominiert:
Schnabel
Wurmböck
Chriſtian
Dreßler
Schmid
Veleba
Fialla
Hummel Woitek.
Verwein
Meiſel
In dieſer Mannſchaft befinden ſich vier Spieler, die ſchon in der
Nationalmannſchaft Verwendung fanden, nämlich Schnabel, Wurmböck,
Perwein und Dreßler; die drei Erſtgenanntem wirkten bekanntlich in
der Oeſterreichiſchen Ländermannſchaft, die im September in Darmſtadt
gegen Deutſchland ſpielten, mit. Weitere drei Spieler — Chriſtian,
Fialla und Meiſel — waren ſchon mehrfach in der Wiener
Städteman=
ſchaft berückſichtigt. Man ſieht, daß W.A.C. mit einer äußerſt
ſpielſtar=
ken Elf in Darmſtadt antritt. Wenn man ſich des letztſonntäglichen
Spiels erinnert, dann ſind alle Anſtrengungen notwendig,
da=
mit die Mannſchaft der 98er den Ruf des Darmſtädter
Handballs und ihre ſüddeutſche Meiſterehre wahrt.
Die große Darmſtädter Handballgemeinde wird — ſo hoffen wir —
auch zu dieſem Spiel einen würdigen Rahmen ſtellen. Nach den
zahl=
reichen Verbandsſpielen der letzten Monate iſt gerade das bevorſtehende
Spiel dazu berufen, die Schönheit des Handballſpiels wieder einmal in
unverfälſchter Reinheit zu dokumentieren.
Vor dem Fauſtſpiel, das um 3 Uhr beginnt, tritt um 9 Uhr die
ſpielſtarke Ligareſerve der 98er gegen die ſpieltüchtige Reſerve des
Sport=
vereins Wiesbaden an.
Zu dem Hallenturnier des 27. Dezember (Beginn 8 Uhr) hat der
Wiener Atbletik=Sportklub jetzt endgültig folgende Mannſchaft
bekannt=
gegeben:
Schnabel
Wurmböck
Chriſtian
Dreßler
Meiſel
Schmid.
Perwein
Auswechſelſpieler: Fialla, Hummel.
Der Wiener Athletik=Sportklub trifft heute nachmittag 4.04 Uhr
unter Leitung des Sektionsfunktionärs Zelinka in Darmſtadt ein.
Wir heißen die Gäſte in Darmſtadt herzlich willkommen.
Olympia Biebesheim — Wormatia Worms 3. 4:0 (2:0).
Die Handballmannſchaft empfing am Sonntag die 3 Mannſchaft
der Wormatia Worms zum fälligen Verbandsſpiel. Von Olympia war
man bisher beſſeres Spiel gewöhnt. Weder Kombination noch
Spiel=
aufbau klappten; man merkte, daß für die Seele der Mannſchaft Erſatz
geſtellt werden mußte. Wenn das Spiel trotzdem 4:0 für Olympia
endete, ſo deshalb, weil der Gegner nur mit 9 Mann ſpielte. — Die
erſte Fußball=Elf war ſpielfrei.
Schwaches Spielprogramm an den Weihnachtsfeiertagen.
Ueber Weihnachten ruhen die Punktkämpfe im Kreis auf der
ganzen Linie; und das ſchließlich auch mit Recht. Angeſichts der
Witterungs= und auch Wirtſchaftsverhältniſſe haben es, gegenüber
den Vorjahren, nur wenige Vereine unternommen, ſich Gegner für
Privatſpiele zu verpflichten, zumal ja auch bereits am kommenden
Sonntag wieder Spielmöglichkeit beſteht. Aus der Reihe der uns
gemeldeten Weihnachtsbegegnungen greifen wir nur die heraus,
wo tatſächlich 1. Mannſchaften beteiligt ſind. Es ſpielen:
1. Weihnachtsfeiertag.
F.=V. Sprendlingen — 1. F.=C. Langen.
Union Wixhauſen — Germania 03 Pfungſtadt.
FSV. Groß=Zimmern — Alemannia Jügesheim.
Spvg. Arheilgen, Reſerve — Chattia Wolfskehlen.
Konkordia Gernsheim — Spvg. Sandhofen, Reſerve.
2. Weihnachtsfeiertag.
Germania Schwanheim — Viktoria Urberach
FSV. Groß=Zimmern — Phönix Mannheim, Sondermſchft.
Reichsbahn Darmſtadt — V. f. R. Groß=Oſtheim.
Viktoria Schaafheim — Spvg. Arheilgen, Sondermannſchaft.
Das iſt alles, was bisher gemeldet wurde. Von den Spielen
iſt vor allem das in Sprendlingen zu beachten, aber auch in
Wix=
hauſen und Schwanheim dürfte ein vollwertiger Sport geboten
werden. Zu beachten iſt die Unternehmungsluſt der Groß=
Zimmerer.
Vom Sonntag iſt das einzige Spiel der A=Klaſſe Bergſtraße=
Ried zwiſchen Reichsbahn Darmſtadt — Eintracht Darmſtadt (2:1)
bereits am Montag gemeldet worden. Intereſſieren dürfte, daß der
FSV. Seeheim von den Verbandsſpielen zurückgetreten iſt. — Aus
der B=Klaſſe meldet Viktoria Schaafheim einen 3:0=(1:0=)Sieg
über Vorwärts Klein=Zimmern.
A=Klafſe, Gan Ried.
Zum Profi erklärt wurde vom amerikaniſchen Schwvimmverband der
Olympiaſieger im Kunſt= und Turmſpringen, Desjardin, der ſich an
einen „wvilden” Veranſtaltung ohne die Genehmigung des Verbandes
bereiligt hatte.
Cilly Auffem wird im kommenden Jahre ihre ſeit langem geblante
Reiſe nach Amerika verwirklichen und dabei u. a. an den amerikaniſchen
Damen=Meiſterſchaften in Foreſt Hills teilnehmen.
Am letzten Sonntag fanden nur zwei Spiele ſtatt, die beide einen
überraſchenden Ausgang nahmen. Bensheim ſiegte gegen die nur mit
8 Mann erſchienenen Groß=Rohrheimer 8:0. Das Spiel wurde ſehr
maſſiv durchgeführt. In Auerbach konnte der Tabellenerſte, Hofheim,
erſt im Endſpurt die wichtigen Punkte erringen, nachdem in der
Halb=
zeit der ſpannende Kampf noch 0:0 ſtand. Das Schlußreſultat lautete
0:3; damit bleibt Hofheim weiterhin mit Vorſprung an der Spitze. H.
Reichsbahn Darmſtadt — V.f. R. Groß=Oftheim.
Am 2. Weihnachtsfeiertag, 14 Uhr, empfängr die Reichsbahn Gäſte
aus dem Gau Aſchaffenburg. Der V.f.R. Groß=Oſtheim wird auf dem
Sportplatz am Dornheimerweg antreten und zeigen, welche Spielſtärke
die dortige A=Klaſſe repräſentiert. Die Reichsbahn wird dieſes Spiel
vorausſichtlich mit folgender Mannſchaft beſtreiten müſſen: Frieß II.
Heß, Daniel; Bernhard, Bär I., Mahr; Burck, Spamer, Frieß I.,
Weiß=
mantel. Peter.
Freie Turngemeinde Darmſtadt e. V.
Auch die Weihnachtsfeiertage ſehen nur die unteren Mannſchaften
der Fußballabteilung der Freien Turngemeinde beſchäftigt. Die erſte
Mannſchaft hat immer noch unter zahlreichen Spielerausfällen als Folge
von Verletzungen und Krankheit zu leiden, ſo daß auch die für die
Feiertage in die Wege geleiteten Freundſchaftsſpiele rückgängig gemacht
werden mußten. Von den Spielen der unteren Mannſchaften intereſſiert
in erſter Linie die Weihnachtsreiſe der durch zwei Spieler aus der
erſten Mannſchaft verſtärkten Erſatzmannſchaft, die in Beuern und
Grünberg antritt. Auch die dritte Mannſchaft fährt nach auswärts.
Als einziges Spiel auf eigenem Platze findet am 2. Feiertag, 2 Uhr
nachmittags, ein Jugendſpiel Darmſtadt 1. — Wiesbaden 1. ſtatt, das
wir Jugendfreunden beſonders empfehlen.
Statiſtik des deutſchen Reitſports 1930.
Von Staatsſekretär a. D. Dr. Th. Lewald.
Die Statiſtik beweiſt das Blühen und Gedeihen des Turnierſports
trotz aller drückenden wirtſchaftlichen Sorgen, von der ſelbſtverftändlich
Pferdezucht und Reitſport in keiner Weiſe verſchont bleiben. Während
im Rennſport bedeutende Preisabſtriche erfolgen mußten, konnte die
Summe der im Turnierſport 1930 gegebenen Geldpreiſe ziemlich genau
wie im Jahre 1929 gehalten werden. An Turnier=Preisbewerbungen
ſind 1929 zuſammen 553 319 Mark gegeben worden, während auf 1930
530 000 Mark entfallen. Hierzu geſellen ſich die Reiſeentſchändigungen,
deren geſamter Umfang nicht genau bekannt iſt, die ſich aber auf 200 000
Mark ſtellen dürften. Die Zahl der Veranſtaltungen und der
Turnier=
tage hat ſogar zugenommen. Sie belief ſich für 1930 auf insgeſamt 391
Veranſtaltungen mit 599 Tagen gegenüber 384 Veranſtaltungen mit 561
Tagen im Jahre 1929.
Wer im Mittelpunkt der Turn= und Sportverwaltung ſteht, bl.
ſorgenvoll in die Zukunft. In Deutſchland gibt es zurzeit 400 000 2
gendliche zwiſchen 17 und 21 Jahren, die erwerbslos ſind; das
bedeun=
mindeſtens 200 000 erwerbsloſe Aktive unſerer Verbände. Dazu komun,
noch die Erwerbsloſen aus den anderen Jahresklaſſen und ſomit e
gewaltiger Ausfall an Mitteln zur Aufrechterhaltung des Turn= ur)
Sportbetriebs. Denn ſelbſtverſtändlich werden dieſe Erwerbsloſen nFin
deswegen, weil ſie keinen Beitrag zahlen können, aus dem
Vereirt=
betrieb geſtoßen. Vielmehr entfaltet die Turn= und Sportbewegung ha.
ihre ſchönſte, aber auch laſtendſte Ehrenpflicht. Während die Einnahnnn
abſinken, erhöhen ſich die Steuern und Abgaben. Auch die neuen
Steun=
geſetze der Notverordnung bringen nicht die von uns erhoffte Erlef;
terung.
Und doch, trotz aller dieſer Schwierigkeiten lebt der deutſche Spre
und er wird weiter leben. Er wird auch das Tal überwinden, in H.
er jetzt widerſtrebend hinabgleitet und wird wieder zur Höhe anklüt
men. Die beiſpielsloſe Unternehmungsluſt und innere Kraft der de ut
ſchen Turn= und Sportbewegung, die die Bewunderung des
Auslanät=
immer wieder neu hervorruft, iſt die beſte Gewähr dafür. Dieſe
Kr=
gründet ſich auf den deutſchen Idealismus. Darum iſt es für den Spro
geradezu eine Exiſtenzfrage, dieſen Idealismus rein zu erhalten. ALuſe
ſich gegen den Amateurparagraphen verſündigt, indem er auch nur eirmſ
Pfennig mehr erſtattet, als er erſtatten darf, legt die Axt an die
Wur=
der Geſundheit des deutſchen Sports. Er nimmt uns den Grund, cuf
dem wir ſtehen und dem Sportsmann, dem er zu helfen vermeint, O.
Schönſte, was ihm der Sport bieten kann: Das Gefühl, ohne Eigea
nutz mit Opfern einer hohen Sache zu dienen.
Ich bin ſicher, daß der Reinigungsprozeß, der im vergangenen Jcrf2ich mit *
eingeleitet wurde, bis zum letzten durchgeführt wird. Dann werSyſ,d Ma
Turnen und Sport freundſchaftlich geeint ihre ſozial=ſittliche Geme hat fü
ſchaft erfüllen und auch ihren nationalen Aufgaben nach innen urd
außen gerecht werden. Eine ſo von Idealen getragene und von almnſi.
politiſchen Wirrniſſen ſich fernhaltende Turn= und Sportbewegung wiid
auch in der Nor dieſer Zeit die Mittel aufbringen, um eine kleine, abku wört z1
erleſene Mannſchaft zu den Internationalen Olympiſchen Spielen ESſen Ku
Jahres 1932 nach Los Angeles zu entſenden.
Wer, wie ich die Not unſerer Sache tief verſpürt, aber auch donſ
Mut und den Schwung kennt, mit dem man ſie zu überwinden tracht-,/00 Hie
kann den Optimismus für die Entwicklung unſerer Sache nicht v=6 hat er
lieren. Sursum corda!
Velten
Biel Lärm um eine Welkmeiſterſchaft.
ine
Ein halbes Jahr war Ruhe um Max Schmeling und die Schwe== ben.
jewichts=Weltmeiſterſchaft. Lediglich in Deutſchland rührte ſich zuweil lr ſralleler
noch eine Feder oder hörte man Pfiffe, die einem Weltmeiſter galtez. Mdulein
Max Schmeling reiſte inzwiſchen in der ſchönen alten Welt herum. ßen ſo u
Amerika, das ja auch der Schauplatz der nächſten Weltmeiſterſchaft ſeei
wird, ließ man indeſſen das Kapitel Schmeling und die Weltmeiſter= Boher es
ſchaft völlig ruhen. Die Leute, die drüben den Boxſport und ſeine grr=yhilben in
ßen Ereigniſſe machen, wiſſen genau, daß man nicht alle Tage Erbſe—=m= unb
ſuppe eſſen kann. Man darf auch die Maſſe nicht ermüden, ein Trom=)vorüberr
melfeuer der Reklame iſt wirkſamer. Nun rückt aber der Termin ein1
neuen Weltmeiſterſchaftskampfes näher, er wird wohl in die erſte
Sommermonate fallen. Und da wird es Zeit, allmählich die evſten M zu
Vorbereitungen zur großen Schlacht zu treffen. Man hört bereits L. Mt hier m
erſten Trommelfener, erlebt die erſten Vorgefechte. Bald wird auch d- und ſie do
ſchwere Artilleriefeuer der Reklame einſetzen. Zu dieſem Zeitpunkt g5 zlein wi
es, dem deutſchen Leſer einen kleinen Rat zu geben: er ſoll nicht all ” mmfaßt
gar zu ernſt nehmen, was ihm demnächſt an Nachrichten über Schmelitn.
und die Weltmeiſterſchaft vorgeſetzt wird. Man kennt doch allmähliü Ven
die amerikaniſchen Reklamemanöver. Die Munition iſt nicht immer gi, ſeiknitter
es ſind manche Blindgänger darunter, und oft wird auch nur mit Pla—” ſüappe
patronen geſchoſſen. Der deutſche Leſer mag ſich an eins halten: Mcr Bie
Schmeling wird im Frühſommer mit Jack Sharkey und keinem anderss gern un
in der Nähe von New York gegen eine anſtändige Börſe um die Wel.!
meiſterſchaft kämpfen, und wenn nicht alles trügt, wird der Deutſche d:
Meiſterſchaft mit Erfolg verteidigen. Was uns über dieſen Kern de
Dinge hinaus vorgeſetzt wird, mag man als das nehmen, was es iſ; he
Reklame, Reklame. Die amerikaniſchen Veranſtalter müſſen hunder
tauſend Menſchen bei geſalzenen Eintrittspreiſen auf die Beine bringen
ſie müſſen Reklame machen. Sollen ſie. Wir wollen uns indeſſen
nich=
weiter erregen laſſen. Auch dann nicht, wenn uns die widerſprechen”,
ſten Meldungen aufgetiſcht werden. Dann erſt recht nicht.
U
Geſchäftliches.
Qualität und Markt. Durch die derzeitige allgemein mißliche Wir.
ſchaftslage, die ſich in der Landwirtſchaft durch die herrſchende Abſa—/ ob
kriſe beſonders ſtark auswirkt, werden die Landwirte vielfach entmutich Liebe
Kunſtdünger anzuwenden. Wird aber die künſtliche Düngung unte fröh
laſſen, ſo ſind Ertragsrückgang und ſchlechte Ernteprodukte die Folge—
welche ſchnell zum Ruin führen können. Eine Volldüngung iſt heu!
billiger als vor dem Kriege, und durch ihre Anwendung wird nicht nur Wſ
eine erhebliche Ertragsſteigerung erzielt, ſondern die Erzeugniſſe g.
winnen auch an Qualität und Marktfähigkeit. Gerade der Nährſto
Kali iſt Qualitätsverbeſſerer und beugt Ernteſchädigungen durch Lage
frucht, ſowie durch ſonſtige Krankheiten vor. Qualitätsprodukte könner Gl
aber heute immer noch zu lohnenden Preiſen abgeſetzt werden.. Deshal.!
verabſäume kein Landwirt, insbeſondere durch ergiebige Kalidüngun
marktfähige Ware zu erzielen.
Hygiene im Schlafzimmer.
Für einen dauernd geſunden und hygieniſchen Schlaf iſt es drim
gend erforderlich, daß von Zeit zu Zeit außer dem täglichen Lüften un
Säubern der Schlafräume auch die Matratzen= und Bettfedern=Reim
gung nicht vergeſſen wird. Mindeſtens ein Drittel ſeines Lebens
be=
brint der Menſch im Bett, und deshalb muß dasſelbe auch genüger
beachtet werden. Kein Sonnen der Betten kann hier gründliche Abhi!
ſchaffen, ſondern nur der Fach=nann mit der modernen Bettfedern=Nein!
gungs=Maſchine iſt in der Lage, im Beiſein der Kundſchaft Ihre Feder
gründlich zu reinigen und den Staub, hauptſächlich aber die abgebrr
chenen Kiele, von den Federn zu entfernen. Hierdurch werden die Be
ten nicht allein wieder leicht, ſondern die Lebensdauer der Federn wirn
hierdurch auch verlängert. (Mitgeteilt durch Firma Karl RotQ
Bettfedern=Reinigung, Magdalenenſtraße 11.)
Es wird unſere Leſer intereſſieren, daß die bekannte amerikaniſatz
Schiffahrtslinie United States Lines (Vereinigten Staaten Linien) ſecck
auch in unſerer Stadt durch Herrn Knud Felgner i. Fa. Hark=
Luiſenplatz, vertreten wird. Die United States Lines iſt die
groß-
amerikaniſche Schiffahrtsgeſellſchaft, deren Schiffe regelmäßig zwiſche
Hamburg und New York verkehren. Einige davon gehören überhaum
zu den größten Schiffen, die den Dienſt Hamburg—New York verſehe=
und fahren Kabinen= Touriſten= und Dritte Klaſſe. Näheres durch di
Vertretung, deren Adreſſe aus der Anzeige an anderer Stelle dieſe
Blattes erſichtlich iſt.
von d.— Heſſiſchen Oeffentlichen Wetterdienſtſtelle am Landwirn
ſchaftlichen Inſtitut der Univerſität Gießen am 24. Dezember 193——
Taunus. Kleiner Feldberg: Bewölkt, — 8 Grad. 8 cm. Schnee
verharrſcht. Nur Rodel mäßig.
Sauerland. Winterberg: Klar, — 4 Grad, geringe Schneedeſe
verharrſcht. Ski und Rodel nur ſtellenweiſe möglich.
Rhön. Waſſerkuppe: Klar, — 9 Grad, 25 cm. Schnee, verharrſche
Ski und Rodel gut.
Schwarzwag. Feldberg: Nebel, — 8 Grad, 20 cm. Pulverſchnes
Ski und Rodel ſehr gut. Hornisgrinde: Bewölkt, — 7 Gral-
20 cm. Schnee, verharrſcht. Ski und Rodel gut.
Alpen. Garmiſch=Partenkirchen: Bewölkt, — 4 Grad, 13 Em
Pulverſchnee. Ski und Rodel gut.
Vogelsberg. Hoherodskopf: Klar, — 8 Grad 8—10 cm. Schnee
verharrſcht. Ski und Rodel nur ſtellenweiſe möglich.
Ausſichten für Donnerstag, den 25. Dezember: Abſchwächung Ve*
Froſtes, nebliges und bewölktes Wetter mit vereinzelte‟
leichten Schneefällen.
Ausſichten für Freitag, den 26. Dezember: Nur leichterer Nacht
froſt, nach vorübergehendem Aufklaren wieder leicht bewolt.
Niederſchlagsneigung.
mmmer 356
Donnerstag, den 25. Dezember 1930
Seite 11
jadulein oder ein Weihnachtswunſch
Von
Maria v. Diepold.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
das und wie iſt Madulein? . . . Zahlreich ſind die
Vor=
elſuegen, die dieſes Wort auslöſt, deſſen Sprache man wie ein
hues Getränk ſchlürft, deſſen Klangfarbe einem
melancho=
ſtißen Hawaiiſong entſtammen könnte. Madulein könnte
ah guch der Name eines Kindes ſein, das durch Gottes
Vor=
feltw durch Räuberhand ging, ohne daß ihm etwas geſchah .."
es könnte .."
ſoch nicht davon ſei hier die Rede, ſondern von dem, was
Lenn man von Chur, in der Schweiz, mit der Albulabahn
ſber=Engadin fährt, ſchnauft der Zug zahlloſe Wendungen
nüderſtrebend ſich windenden Weg hinauf, bis er endlich in
Mus, auf 1700 Meter etwa den höchſten Punkt erreicht hat
ſie Ebene des Engadiner Sonnenbeckens weithingebreitet
ſtus liegt. Hier in Bevers teilt die Bahn ſich in alle vier
ürrichtungen: nach St. Moritz, Samaden und Pontreſina,
vöſchand, die nördliche Linie über Zuoz Schuls ins
Unter=
ſſaein führt. Zwiſchen Bevers und Zuoz nun, genau auf der
uſt hält die Bahn ein einziges Mal nur — in Madulein.
hunweiß nicht recht warum, denn kein Menſch ſteigt aus und
h ein; kaum daß der geruhſam vordringende Zug
ange=
hat, läutet das Bahnhofglöcklein wieder zur Abfahrt.
ſiu dzing . . . läutet es — das klingt ſchriftlich ausgeſprochen
„ſtütich abſcheulich! muſikaliſch iſt es ein heller, trauscendenter
on, der in dieſer weiten lautloſen Schneeeinſamkeit etwas
lnkliches bekommt; wie herüberklingend aus fernem
Geiſter=
ſt . . Ein winziges ſchweizer Holzhäuschen iſt der Bahnhof,
lach mit Steinen beſchwert, ähnlich den Sennhüitten.
und Madulein ſelbſt?
* hat fünf Häuſer, zwei Kuhſtälle, ein Gaſthaus und ein
gein . ?.
zawohl, ein Kirchlein! Nur Madulein hat ein Kirchlein.
ghört zu den Häuſern ſo ſelbſtverſtändlich, wie die Häuſer
Im Kuhſtällen und wie dieſe wiederum zu den weiten,
un=
mhelichen Weiden.
und wieviel Seelen zählt Madulein?
’ hat eine Seele, — die Seele einer gegen alles
ge=
ihWeltenferne . .
genn Madulein iſt einzig durch zwei ſtählerne, parallele
Zirenſtränge mit der Welt verbunden, die kohlſchwarz durch
eif teißen Schnee laufen.
Aarallelen ſchneiden ſich in der Unendlichkeit
4aduleins Parallelen ſchneiden ſich dort, wo die Welt iſt,
vafsben ſo unvorſtellbar weit fort liegt wie die Unendlichkeit!
hoher es wohl kommen mag, daß nicht nur hier, ſondern
all Amalben in der Welt, es Orte gibt, die vom Strom des
Leulas unberührt blieben, auch wenn er in ihrer allernächſten
MNihp vorüberrauſcht? Es ſind nur wenige Kilometer bis zu
ſderſ chrecklichen Getue von St. Moritz, und auch Zuoz wird
„ſootz fahr zu Jahr mondäner. Zwar ſind es dieſelben Berge,
fdieh mn hier wie in St. Moritz, Zuoz oder Celerina ſieht; aber
wätund ſie dort in die Landſchaft hineinwachſen, umſtehen ſie
MRdlein wie eine Kuliſſe, die nicht mehr als ein Rahmen iſt,
den mfaßt und begrenzt.
Lenn Du durch die Dorfſtraße wanderſt, begegnet Dir wohl
eim erknittertes braunes Männergeſicht, mit einer ſchwärzen
Zichfekappe. Es ſieht Dich nicht an — was ſchert ihn die Welt?!
„Zielleicht kommt auch gerade ein Bub auf ſeinen kleinen
Brkeurn um die Kuhſtallecke gefegt: er hält und lacht Dich hell
au = welche Jugend wäre auch ſonſt ganz Lachen und Glück,
zu nicht dieſe? . . . Etwas von dem vegetativen
Daſeins=
der Blume liegt hier in der Luft, die lebt und doch nicht
lach Madulein kam unlängſt Einer, der für das Leben
ver=
oren war; die Aerzte hatten ihn unheilbar krank erklärt: es
ſöäy noch Monate dauern, vielleicht ſogar ein Jahr noch, aber
daty . . . Der Arme, dem das Leben zur Qual geworden,
benhoß, ſich wenigſtens einen heiteren Tod zu bereiten: täglich
nacn er von einem Stückchen Leben Abſchied, prüfte ſein Herz
täcli, ob es noch an dieſem oder jenem hänge und riß dann
dimfe Liebe ſtückweis aus ſeinem Herzen — ſo würde er
der=
eiutzſi fröhlichen Muts in den Tod gehen.
Einen ganzen Sommer hindurch ging das gut, auch noch den
becR, ſo lang er von weingoldener Sonnigkeit war — als aber
der Novemberwind, das letzte Leben aus der Erde zu ſangen
ſchien und eine Atmoſphäre von Niedergang und Tod ſchuf,
ſchrie ſein Herz auf in verzweifeltem Lebensdurſt. In
ungeahn=
ter Süße empfaud er des Daſeins Freuden und mit einer
In=
tenſität, wie ſie nur den ergreift, der Abſchied nehmen muß . ."
Er beſchloß, ſofort auf „Lebens=Raub” auszugehen! Die erſte
Nacht, die er in Aroſa verbrachte, weckte ihn ein hohler Huſten
nebenan, der ihm wie ein Geſpenſt des Todes durch die Stille
der Nacht zu hinken ſchien .. . er floh entſetzt. In St. Moritz
ver=
liebte er ſich ſinnlos in eine Frau; als ſie ihn verſchmähte, kehrte
ſein hektiſcher Haß ſich gegen alles, was ihn umgab, und er floh
abermals und wiederum — doch nirgends ward ihm Erfüllung
für ſeine lebensgierigen Halluzinationen; ſo landete er auf
un=
erklärliche Weiſe in Madulein. Er tappte durch den tiefen Schnee,
ſah die großen Berge, aber gewahrte ſie nicht; in Strömen drang
gellendes Licht auf ihn ein, aber er empfand es nicht. Alles war
von ihm abgefallen. Er war nicht froh und nicht unglücklich,
nicht ſehnſüchtig noch geſtillt, weder bang noch zuverſichtlich —
er war überhaupt nicht. Das Sein des Nichtſeins in ſeiner
All=
macht hatte ihn verſchlungen.
Und in dieſem Ausſetzen des Lebens erholte ſein
Organis=
mus ſich; als er nach geraumer Zeit, von einem ebenſo
tiefbe=
gründeten Zufall getrieben, abreiſte, wie er gekommen war,
war er ein neuer, geſundeter Menſch.
Gegenwärtig, da die Zeit aus den Fugen ſcheint,
Wider=
ſprüche uns verzehren, Verantwortung uns belaſtet und verfolgt
bis in den Schlaf, daß wir allmorgendlich wie unter einem Alp
erwachen, heute wünſchen wir uns nicht ein leichteres Daſein,
noch rauſchende Lebensfülle des Glücks, — denn vielleicht iſt
unſere Zeit gehaltvoller denn irgendeine. Heute wünſchen wir
uns nur — Madulein: ein Madulein der Seele. Ein Schlafen
ohne Traum. Einen Augenblick des Zurückſinkens in Nichts.
Oder mindeſtens, allermindeſtens von Weihnachten bis
Neu=
jahr: Sonne. Und Berge und Schnee — in Madulein.
Vielleicht, daß autch wir etwas Wiedergeburt witbrächten,
wie Jener?
Haupiſchriftleitung: Rudolf Maupe
Veranwwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Maupe: für Feuiſſeton, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Böhmann;
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch; für den Schlußdſenſt: Andreas Bauer; für
„Die Gegenwari”, Tagesſpiegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Nette;
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteilungen: Willy Kuhle:
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt
Für unverlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht öbernommen.
Die heutige Nummer hat 24 Geiten
Rundfunk-Programme.
Frankfurt a. M.
Donnerstag, 25. Dezember.
7.00: Hamburg: Glocken vom Großen Michel. — Hafen=Konzert.
8.15: Aus der Friedenskirche, Frankfurt: Orgel=Konzert. Werke von
Dietrich Buxtehude.
10.00: Aus der Lutherkirche Frankfurt: Weihnachtsgottesdienſt,
ver=
anſtaltet von der Evangel. Landeskirche. Predigk: Konſiſtorialrat
Trommershauſen. Mitw.: Wally Kirſamer (Sopran), W. Heuſer
(Bariton), F. Beyer (Orgel), Kirchenchor der Luthergemeinde,
Orcheſtergruppe der Zentralſtelle für Kirchenmuſik.
12.00: Freiburg: Alte Weihnachtsmuſik. Mitw.: Edgar Lucas, Ernſt
Duis, Ernſt Kaller.
13.00: Stuttgart: Kleines Kapitel der Zeit.
13.10: Schallplatten.
14.00: Stuttgart: Das tapfere Schneiderlein. Weihnachtliches Funk=
Märchen von Curt Elwenſpoek.
15.00: Stuttgart: Chorkonzert des Singchors des Württemberg.
Landestheaters.
15.45: Nachmiktagskonzert des Rundfunkorcheſters.
18.00: Stuttgart: Guſt. H. Graber lieſt ſeine Erzählung „Des
jungen Jgnaz Läuterung
18.30: Stutwart: Chriſti Geburt. Aus dem Weihnachtsoratorium
nach Schriftworten und deutſchen Dichtungen für Soli,
Streich=
quintett und zwei Flöten von Heinrich Rücklos. Ausf.: Die
Soliſten der Stuttgarter Kammeroper.
19.15: Stuttgart: Elſäſſiſche Weihnachtsſtunde. Ausf.:
Madrigal=
vereinigung, Lucie Weinmann (Gitarre). Rundfunkorcheſter.
20.00: Stuttgart: Volkstümliche Muſik deutſcher Meiſter. Ausf.:
Philharmoniſches Orcheſter, Stuttgart.
21.30: Stuttgart: Drei heitere Einakter. „Das Lotterie=Los‟. Eine
Szene nach Anton Tſchechow. — „Hinüber—Herüber” Poſſe von
Joh. Neſtroy. — „Die Notleine‟. Eine Szene von Rud. Greinz
und Karl Köſtlin.
22.25: Stuttgart: Blasmuſik des Philharmoniſchen Bläſer=Orcheſters.
23.15: Stuttgart: Unterhaltungskonzert auf Schallplatten.
Freitag, 26. Dezember.
7.45: Glockengeläute vom Frankfurter Dom.
8.00: Weihnachtschoräle. Ausf.: Mitglieder des Frankfurter
Rund=
funk=Orcheſters.
8.16: Offenbach: Katholiſche Morgenfeier. Ausf.: Caritasdirektox
Dr. Richter, Kirchenchor „Cäcilia”, Offenbach a. M.
9.30: Militär=Konzert des Muſiikorps des Ausb.= (Heſſiſches) Batl.
15. Inf.=Reg., Marburg=Lahn.
10.30: Paul Laven: Ein rheiniſcher Weberjunge erzählt.
11.00: Stunde der Kammermuſik. Sonaten für Violine und
Kla=
vier. A. Rebner (Violine), Dr. L. Rottenberg (Klavier).
12.00: Leipzig: Tänze der Nationen. Konzert des Leipziger
Sin=
fonteorcheſters.
14.00: Stunde der Jugend. Märchen=Oper für Kinder.
15.00: Schallplattenkonzert. Die Comedian Harmoniſts ſingen!
16.00: Kurhaus Wiesbaden: Konzert des Kurorcheſters.
18.00: Ein deutſches Weihnachtsſpiel von Otto Falkenberg.
19.00: Chorheder zur Weihnachtszeit. Ausf.: Frankfurter g=capella=
Chor für geiſtliche Muſik.
20.00: Meine Schweſter und ich. Muſikaliſches Spiel von Berr und
Verneuil. Muſik von Ralph Benatzky.
22.20: Unterhaltungskonzert des Rundfunkorcheſters.
Samstag, 27. Dezember.
13.50: Störungsſchallplatte mit Erklärung.
14.30: Stuttgart: Stunde der Jugend.
16.00: Stuttgart: Konzert des Rundfunkorcheſters. Soliſtin:
Gen=
trude Hepp (Mezzoſopran)
18.05: Univ.=Prof. Dr. Meſſer: Vom Sinn des Lebens.
18.35: Stunde der Arbeit.
19.05: Spaniſcher Sprachunterricht.
19.30: Konzert des Poppeſchen Lautenchors. Mitw.: Kurt Lechla
(Lieder zur Laute), Lotte Pommer (Sopran).
20.30: „Wer die Wahl hat . . . !‟ Eine bunte Stunde um die
Schallplatte.
21.20: Konzert des Rundfunkorcheſters.
22.40: Von Berlin: Tanzmuſik.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Donnerstag, 25. Dezember.
7.00: Hamburger Hafen=Konzert. — Glocken vom Großen Michel.
8.50: Morgenfeier. Uebertragung des Stundenglockenſpiels der
Potsdamer Garniſonkirche.
Anſchl.: Uebertragung des Glockengeläuts des Berliner Doms.
10.05: Wetter.
11.00: Aus dem Bach=Saal: Orgelkonzert. Maria Toll (Sopram.
12.00: Mittagskonzert. Berliner Sinfonie=Orcheſter,
14.00: Programm der Aituellen Abteilung.
14.30: Jugendſtunde: „Nußknacker und Mauſekönig”. Von E. Th.
A. Hoffmann.
13.05: Heiteres.
18.30: Weihnachtswünſche (Schallplatten).
20.00: Aus Stuttgart: Orcheſterkonzert. Deutſche Meiſter.
Phil=
harmoniſches Orcheſter, Stuttgart.
21.05: Aus dem Nationaltheater, München: 3. Akt aus „Die
Meiſterſinger von Nürnberg” von Richard Wagner.
23.0): Unterhaltungsmuſik. Hansheinrich Dremann mit dem Tita=
Ma=srcheſter: Deutſche Welle. Freitag, 26. Dezember.
7.00: Königsberg: Frühkonzert.
8.50: Morgenfeier. Glockenſpiel der Potsdamer Garniſonkirche.
Anſprache: Pater Theo Hoffmann S. J. Mitw.: Philippine
Landshof (Sopran), St. Antonius=Kirchenchor.
Anſchl.: Glockenge=äut des Berliner Doms.
10.05: Wetter
11.00: Blasmuſik. Poſaunenchor der Berliner Poſauniſtenverbindung.
11.30: Berühmte Sänger. Schallplatten.
12.00: Leipzig: Tänze der Nationen. Leipz. Sinfonie=Orcheſter.
14.00: Jugendſtunde. Märchen für die Kleinſten.
14.30: „Geliebter Sohn”, Elternbriefe berühmter Deutſcher.
15.0): Von der Trabrennbahn Märiendorf: Der gr. Weihnachtspreis
15.35: Kurzgeſchichten überall.
16.00: Unterhaltungsmuſik. Kapelle Ferdy Kauffmann.
18.00: „Jeder einmal in Schilda!” Zeitbericht von Robert Schiftan.
Muſik von Werner Michel.
19.00: Cellovorträge. Enrico Mainardi.
19.30: Programm der Aktuellen Abteilung.
20.00: Orcheſterkonzert. Berliner Funk=Orcheſter.
Ca, 22.15: Tanzmuſik. Kapelle Daios Bela.
Deutſche Welle. Sonnabend, 27. Dezember.
15.00: Kinderbaſtelſtunde: Weihnachten in Afrika.
15.45: Ida von Hauff: Die Schwiegermutter von geſtern, heute
und morgen.
16.00: Schule und Wirtſchaft: Der jugendliche Induſtriearbeiter.
16.30: Hamburg: Nachmittagskonzert.
17.30: Erna Arnhold: Wie lebt der Amerikaner, wenn er nicht
Millionär iſt?
18.00: Franzöſiſch für Fortgeſchrittene.
18.30: Prof. Dr. Deegener: Ehe, Familie und Staat im Tierreich.
19.00: Dr. Franz Röhr: Der Kulturmenſch in der Wirtſchaft,
19.30: Stille Stunde: Winterliches Naturglück.
20.00: Hamburg: Blasorcheſter=Konzert.
21.00: Kabarett.
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sind 265 elektrische Gebrauchs-Gegenstände
darunter wiederum eine Anzahl elektrischer
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worden im Gesamtwerte von rund 4500.- Rmk.,
sodaß sowohl der Anzahl wie auch dem Werte
nach 10% an Gewinnen verteilt werden.
Die Gewinner haben bereits schriftliche Mitteilung erhalten. Die
genaue Ziehungsliste wird in der Februar-Ausgabe unserer Heag-
Mitteilungen veröffentlicht.
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Seite 12
Donnerstag, den 25. Dezember 1930
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hinſichtlich der Firma: Plaut & Sohn,
Darmſtadt: Die Prokura des Guſtav
Plaut iſt erloſchen. Die Firma iſt
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ſichtlich der Firma Carl Weitzel,
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ſtadt: Die Prolura des Hans Weitzel iſt
erloſchen. Die Firma iſt erloſchen. —
Abteilung B: Am 18. Dezember 1930
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Vertretungsbe=
fugnis des Liquidators iſt beendet. Die
Liquidation iſt beendet und die Firma
erloſchen. — Am 22. Dezember 1930
hin=
ſichtlich der Firma: Heuß & Simon,
Aktiengeſellſchaft, Darmſtadt: Die
Vertretungsbefugnis der Liquidatoren iſt
beendet und die Firma erloſchen. (188 2
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der Rheinpfalz.
ſrankfurt a. M. Im Pache=Prozeß ver=
Aſpte das Gericht folgendes Urteil: Es
wer=
verurteilt: Robert Pache wegen
fortgeſetz=
imſergehens gegen das Opiumgeſetz und
fort=
ſicer Kuppelei zu 1 Jahr 4 Monaten
Gefäng=
ſer Dentiſt Werner Häßler zu 7 Mona=
Gerängnis, der Proviſor Schmidt zu 7Mo=
Gefängnis, die Krankenpflegerin Elſe
ter zu 120 Mark Geldſtrafe, alle drei
fortgeſetzten Vergehens gegen das Opium=
Die Angeklagte Gerhardt wird
frei=
bochen. Das beſchlagnahmte Kokain wird
„ülpzogen. Pache werden 2 Monate, Häßler
nate 2 Wochen und Schmidt 3 Wochen der
ultſuchungshaft angerechnet. Der Haftbefehl
tu die Gerhardt und gegen Häßler wird
auf=
ſten. Die Anträge auf bedingte
Strafaus=
s wurden zurzeit abgelehnt.
r Vorſitzende gab eine längere
Begrün=
tu in der u. a. geſagt wird: Es iſt nicht
ge=
u ſren, volles Licht in die Angelegenheit zu
blſien. Die Kriminalpolizeit hat mit großer
uhßſt den Fall bearbeitet und ſich bemüht, die
ſeen, aus denen das Kokain floß,
feſtzuſtel=
an Die Angeklagte Gerhardt hat ſich in vielen
Mfür Kokain verſchafft und es weitergegeben.
Am3. September 1929 iſt ſie in Köln wegen
Aeihens gegen das Opiumgeſetz verurteilt
wor=
mn Aus dem Inhalt der Akten ergibt ſich, daß
eſerurteilung wegen fortgeſetzten Vergehens
ssſprochen wurde. Nach dem Rechtsgrundſatz,
eder, der wegen einer Straftat einmal
be=
hut iſt, nicht noch einmal wegen desſelben
Tat=
ſudes beſtraft werden kann, iſt es nicht
mög=
hdie Angeklagte noch einmal zu beſtrafen.
WuRechtsgründen konnte alſo die Angeklagte
ümehr zur Verantwortung gezogen werden.
Iſrzug auf das Kokain, das ſie nach dem 13.
umber 1929 bezogen hat, kommt die
Unzu=
hungsfähigkeit, die von zwei
Sachverſtändi=
znſokumentiert wurde, in Frage. Von der
Anlagten Auchter ſteht feſt, daß ſie in drei
F fiühr geringe Quantitäten Kokain an Perſonen
ſallgeben hat. Wo ſie das Kokain her hat, iſt
(ni yaufgeklärt. Sie ſagt, ſie hätte es, als ſie in
deſ ſock=Apotheke tätig war, genommen und das
Gſhin die Kaſſe gelegt. Dieſe Angabe iſt nicht
zürderlegen. Der Angeklagte Schmidt gibt zu,
art fißler etwa 31 Gramm Kokain in
verſchiede=
neſtfällen gegeben zu haben. Späterhin hat er
ſc½s 70 Gramm an die Gerhardt und einige
ſum an eine Zeugin verabfolgt. Er handelte
Uem Motiv heraus, gewiſſe Vorteile zu
er=
labgn. Er hat in gewiſſenloſer Weiſe gegen
ſeirBerufspflichten verſtoßen. Bei Bekämofung
dek kokainſucht muß das Uebel an der Quelle
ta werden. Es muß ein ungetreuer
Apo=
thär, der gefälſchte Rezepte entgegennimmt, als
eitevichtige Quelle angeſehen werden, die das
Gyſd verſtopfen will. Der Angeklagte Häßler
ſacht n verhältnismäßig umfangreicher Weiſe
Klun an ſich gebracht und an die
verſchieden=
ſFerſonen abgegeben. Er hat es bei den
be=
finden Perſonen aus den unlauterſten
Moti=
bſtingewandt, und zwar mit beſtimmter
Ab=
ſioht Der Angeklagte Pache hat ſich
zweifel=
loch m ſchwerſten ſchuldig gemacht. Er hat in
ſchhrer Weiſe gegen die ihm obliegenden Pflich=
)tetz erſtoßen. Es waren ihm junge Leute zur
Fſpchnichen Erziehung anvertraut. Er hat in
mührren Fällen junge Leute moraliſch und
ſptuich perdorben. Er hat ſich auch in mehreren
Filn der Kuppelei ſchuldig gemacht. Es ſteht
feſt, aß er Gelegenheit gewährt hat zur
Kuppe=
leſndurch, daß er ſeine Wohnung zur Verfü=
Taizſtellte. Die Vorgänge, die ſich dort
abſpiel=
lietz waren Unzucht. Es liegt
Gewohnheits=
maſtkeit vor, und zwar liegt ſie vor, wenn die
KAyelei begangen wird auf Grund eines
„Hüyes, der ſich auf Grund wiederholter Be=
„X9chugen entwickelt hat. Er hat aber auch in
TeihnReihe von Fällen aus Eigennutz gehandelt,
1nchnich da, wo er, wie der Sachverſtändige ſagte,
alls Voyeur” handelte. Dem Angeklagten wurde
ſchmre Kuppelei zur Laſt gelegt, da er mittels
hichrliſtiger Kunſtgriffe der Unzucht Vorſchub
geheitet haben ſollte. In Frage kam hier als
hichtliſtiger Kunſtgriff die Verwendung des
KAuns. Die Entſcheidung des Gerichts
zugun=
ſteh es Angeklagten war nicht ſehr leicht.
Man=
gegsZeweiſes konnte nicht feſtgeſtellt werden, daß
Tdet atbeſtand der ſchweren Kuppelei vorliegt.
zm Schluß betonte der Vorſitzende, daß die
Tictſkeit des Gerichts bezüglich der Angeklagten
Gürrdt hiermit zu Ende ſei. Nach den
heuti=
gect beſetzen ſteht dem Gericht kein Mittel zur
Bängung, etwas gegen ſie zu veranlaſſen. Dies
Pſein Eiche anderer Behörden. Das Gericht gab
beih lntrag auf Bewilligung der Koſten für den
Sccherſtändigen Prof. Dr. Maier=Zürich nicht
ſtatt Das Gericht iſt der Meinung, daß die drei
gerdnen Frankfurter Sachverſtändigen
voll=
io yen genügten. Das Gericht iſt aber der
Arhſſung, daß damit abſolut nichts gegen die
wicſeſchaftliche Bedeutung des Profeſſors Maier
getag ſei.
Där Aegyptologe Profeſſor Dr. Spiegelberg †.
Nünchen. Geheimrat Profeſſor Dr. W.
Orielberg, Ordinarius der Aegyptologie an
de* (niverſität München, iſt, nach den „M. N.
nnach kurzem Krankenlager geſtorben. Prof.
SEiſelberg ſtand im 60. Lebensjahr.
Die verbrannten Weihnachtsaufträge.
ſrankfurt a. M. Am Heiligen Abend,
Nunens 5.30 Uhr, entſtand in der Werkſtatt
is Polſterers in einem Hinterhaus in der
9Kiſikreuzgaſſe ein Feuer. Man, nimmt an,
T a Bus dem Werkſtattofen glühende Kohlen her=
AuSyfallen ſind, die das leicht brennbare Ma=
Eexu wie Kapok, Seegras uſw. in Brand ſetz=
ReR Beim Eintreffen der Feuerwehr ſtand die
9eM Werkſtatt in Flammen, die weit über das
Lddes vierſtöckigen Hauſes emporloderten. Die
Geilewehr löſchte in zweiſtündiger Arbeit mit
dru Rohren den Brand. Für den Polſterer
T Du cſ der Schaden um ſo empfindlicher ſein, als
ſat der Werkſtatteinrichtung auch ſämtliche
Alehachtsaufträge, die der Handwerker bis in
Du ſäte Nacht angefertigt hatte, mitverbrannt
ſirzcd
Ein merkwürdiger Zuſammenſtoß auf dem New Yorker Flugplatz.
Das eine Flugzeug war im Landen begriffen, das andere ſtartete gerade. Die beiden Flugzeuge
auſten mit ſolcher Wucht zuſammen, daß ſie wie in wütendem Kampf ineinander verkrallt ſtehen
blieben.
Die preußiſche
Akade=
mie der Künſte
ver=
leiht ihre höchſten
Auszeichnungen.
Maler Hans Feibuſch=
Frankfurt a. M. (links)
und Bildhauer Hermann
Blumenthal=Berlin
(rechts) erhielten den
Gro=
ßen Staatspreis der Preuß.
Akademie der Künſte.
Eine ſeltſame Naturerſcheinung
konnte in der Nähe von Borneo, zwiſchen Sandakan und der Inſel Sitankai aufgenommen werden.
Wie man ſieht, laufen ſechs Wolkenzapfen bis zur Erde nieder, wo ſie ſich als Wolkenbrüche
entladen.
25jähr. Deulſcher als Profeſſor an die
Univerſität von Waſhingkon berufen.
Dr. Otto Springer,
Aſſiſtent am Stuttgarter Landesamt für
Denk=
malspflege, hat einen Ruf als Profeſſor der
deutſchen Literatur an die Howard=Univerſität
von Waſhington erhalten, dem der erſt,
Fünf=
undzwanzigjährige Folge leiſtete.
Zuchthaus für drei ſchwere Jungens.
Bad Kreuznach. Drei ſchwere Jungens
aus Frankfurt a. M., die am 25. Novemder in
Bad Kreuznach einen ſchweren
Einbruchsdieb=
ſtahl verübt hatten und nach einer Schießerei mit
der Polizei entkamen, in Frankfurt aber dingfeſt
gemacht werden konnten, wurden zu Strafen von
4 bzw. 3 Jahren Zuchthaus, bei fünfjährigem
Ehrverluſt, und von zwei Monaten Gefängnis
verurteilt.
Achtet auf eure Kinder!
Oebisfelde. Durch fahrläſſiges Spielen
mit Karbid iſt vorgeſtern ein Knabe auf dem
hieſigen Bahnhof ums Leben gekommen. Drei
Kinder füllten eine Flaſche mit Kaxbidreſten und
goſſen Waſſer darauf. Dabei explodierte die
Flaſche, und durch die Glasſcherben wurde dem
Jungen die Halsſchlagader aufgeriſſen, ſo daß
er auf der Stelle verblutete. Auch die beiden
an=
deren Kinder erlitten erhebliche Verletzungen.
Raubüberfall durch Motorradfahrer.
Hamburg. Im Stadtteil Uhlenhorſt wurde
geſtern vormittag ein 18jähriger Bote, der für
ſeinen Arbeitgeber 8800 RM. zur Bank bringen
ſollte, von einem Mann angefallen, der ihm eine
Handvoll Pfeffer ins Geſicht ſchleuderte. Der
Räuber, entriß dem Boten das Geldpaket und
ſchwang ſich auf den Soziusſitz eines wartenden
Motorrades, das mit ihm und ſeinem
Helfers=
helfer davonjagte. Für die Wiederherbeiſcha
fung der geraubten Summe ſind 10 Prozent
Be=
lohnung ausgeſetzt.
Das Titelblatt der „Illuſtrazione Vaticana”,
die vom Vatikan zum erſten Male zu
Weih=
nachten herausgegeben wurde. Die Redaktion
dieſes offiziöſen illuſtrierten Blattes der
vati=
kaniſchen Stadt liegt in den Händen des
Prä=
fekten des vatikaniſchen Geheimarchivs
Monſig=
nore Mercati.
Ueberſchwemmungen in Rumänien.
Bukareſt. Infolge der außerordentlich
heftigen Regengüſſe iſt der Dnjeſtr aus den
Ufern getreten. In der Stadt Chetatea Alba
ſind infolge der Ueberſchwemmungen 40 Häuſer
eingeſtürzt; die Stadt mußte völlig geräumt
wer=
den. Zwiſchen dieſer Stadt und der benachbarten
Stadt Uretki iſt der Bahndamm mehrfach völlig
unterwaſchen worden.
Kein Todesopfer des neuen Nebels im Magstal.
Brüſſel. Die Meldung der „Libre
Bel=
gique”, wonach der geheimnisvolle Nebel, der am
Dienstag vormittag in der Umgegend von
Lüt=
tich wieder aufgetreten iſt, in Tilleur ein
Todes=
opfer gefordert habe, wird von dem Blatt
„Soir” dahin richtiggeſtellt, daß in Tilleur ein
Arbeiter eine tödliche Gasvergiftung erlitten
habe, die durch aus einem ſchadhaften Rohr
aus=
ſtrömendes Gas hervorgerufen worden ſei.
Im=
merhin hätten die Mitglieder des
Unterſuchungs=
ausſchuſſes angeſichts des in der Gegend
herr=
ſchenden außerordentlich dichten Nebels es für
ihre Pflicht gehalten, auch an anderen Orten
Unterſuchungen anzuſtellen.
Der Ausbruch des Merapi.
Amſterdam. Wie aus Batavia gemeldet
wird, ſind durch einen neuen Ausbruch des
Vul=
kans Merapi 40 Ortſchaften durch die glühenden
Lavamaſſen und den Aſchenregen zerſtört
wor=
den. Der größte Teil der Ernte iſt vernichtet.
Die Zahl der umgekommenen Tiere geht in die
Tauſende.
Der italieniſche Braſilienflug.
Nur noch 12 Teilnehmer.
Tanger. Zwölf Flugzeuge des italieniſchen
Braſiliengeſchwaders landeten wohlbehalten
vor=
geſtern abend in Villa Cisneros (Rio del Oro),
der dritten Etappe ihres Fluges. Ein Flugzeug
konnte trotz mehrfacher Verſuche in Kenitra nicht
aufſteigen, ein zweites mußte nach Kenitra
zu=
rückkehren.
Ueberfall eines wilden Indianerſtammes.
Rio de Janeiro. Einer Meldung aus
Belem zufolge hat ein wilder Indianerſtamm die
Einwohner von mehreren Dörfern am
Tochtam=
tinfluß angegriffen. Die Indianer haben zwanzig
Perſonen getötet und zahlreiche Kinder geraubt.
5o ſiehk London im Rebel aus.
Pechfackeln an der Straßenecke.
Der berüchtigte Londoner Nebel iſt in dieſen
Tagen wieder ſo ſtark, daß der Verkehr völlig
eingeſtellt werden mußte. Die meiſten Betriebe
ſind geſchloſſen, da ſelbſt in den Häuſern der
Nebel undurchdringlich iſt.
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*Hier Vatikan!
die neue Telephonanlage im Vatikan iſt mit 300
Selbſt=
grapparaten kürzlich in Betrieb genommen worden. Neben
dinhiſtoriſch bedeutſamen Umſtand, daß mit dem
Friedensver=
uwzwiſchen dem Königreich Italien und dem Papſte neben
ulgen Neuerungen techniſchen Verkehres auch eine ganz
nlgene Telephonanlage in der vatikaniſchen Stadt eingezogen
ü beiſt die neue Anlage auch einige techniſche
Eigentümlich=
ah auf. Der Apparat des Papſtes, der aus purem Gold
her=
uſt iſt und mit der geſamten Anlage von einer amerikaniſchen
Fim koſtenlos geliefert wurde, kann nicht von allen 300
Sprech=
til, ſondern nur von einigen wenigen erreicht werden. Da
ei uie Selbſtwähleranlage iſt, wäre es ja ſonſt möglich, daß
uBeſucher der Vatikanſtadt ſich durch Wählen der inzwiſchen
ioſeunt gewordenen Geheimnummer des Papſtes (Nr. 101) ohne
mtires mit dem heiligen Vater verbinden wurde. Die
Ein=
ſuſting iſt ſo getroffen, daß bei Wählen dieſer Nummer von
ihfa nicht bevorzugten Apparat aus an eine andere Stelle
ver=
ſautain wird, die den Anrufer abfertigt.
IIs es bekannt wurde, daß der Vatikan mit Telephon
ver=
liche werden ſoll, begann ein großer Wettbewerb aller
bedeu=
ſiede Firmen, die alle die Anlage koſtenlos herſtellen wollten.
oie merikaniſche Firma, die ſchließlich den Sieg davontrug, hat
Aig mit etwa 1 Mill. Mark bezahlen müſſen. Bei dem
be=
ſahrukten Umfang von 300 Apparaten iſt die hohe Bauſumme
nülgtzuffallend, wenn man bedenkt, daß ſie durch große
Schwie=
nulien veranlaßt wurde, die ſich beim Legen der Leitungen
han. Die Drähte mußten nämlich durch Wände geführt
bſteon, die teils mit koſtbaren Moſaiken, teils mit unerſetzlichen
Ghulden bedeckt waren. Die erſte Auflage des
Telephon=
ſckzichniſſes wurde faſt reſtlos von Bücherfreunden als
beſon=
deh Seltenheit erworben, ſoweit dieſe Verzeichniſſe überhaupt
nlzr Verkehr kamen. Der Papſt kann ſich felbſt nicht nur mit
ak,Telephonteilnehmern in Rom verbinden, er kann ſich auch
nſückr; Leitungen mit dem Fernamt in Rom verbinden und
da=
ſnt wa 34 Millionen Fernſprechteilnehmer in der ganzen Welt
ufeem perſönlichen Geſpräch erreichen.
*Wotan.
Ein neuer Riesenlautsprecher.
Von
Dr. Altred Gradenwit z, Berlin.
der kürzlich zum erſten Male einem kleinen Kreiſe geladener
ſockevorgeführte Rieſenlautſprecher von Siemens u. Halske hat
zuturecht anſehnliche, mit Rückſicht auf ſeine unerreichte
Laut=
ſätteaber keineswegs übermäßige Dimenſionen. Seine Stimme
Iſt ſaf eine Entfernung von mehr als 20 Kilometer deutlich
höcher; noch ſtaunenswerter als dieſe Reichweite iſt aber die
lahgiche Schönheit, die große Treue, mit der hohe ſowohl wie
ſiete Töne wiedergegeben werden. Ganz verblüffend wirkten
19 die tiefſten Baßtöne, die in unerreichter Neinheit und
füberklangen. Eigentümlich war es, wenn man von dem
Auf=
zugsort des Lautſprechers aus das Gelände durchquerte und
inln (twa ½ Kilometer entfernten Ort zuſtrebte: Dann wurde
ſädlch die Stimme des Rieſen keineswvegs leiſer; ſie ſchwoll
niet nhr periodiſch an, um vorübergehend abzuklingen und dann
büdr zuzunehmen, und man hatte vollkommen den Eindruck,
eur zus der freien Luft kommende Stimme zu hören.
Det ese.
lie gewaltige Leiſtung des Lautſprechers konnte natürlich
har urch eine außerordentliche Feldſtärke des Magnetſyſtems
eräfe werden, und zwar wurden nach einem von Dr. Hans
Nezunann in Berlin=Siemensſtadt angegebenen Verfahren die
Stun zur Erzeugung des Magnetfeldes ſo um die Luſtſpalten
ſelsz in denen die von den Sprechſtrömen durchfloſſenen Leiter
ſhwigen, daß ſie hier ihre ganze magnetiſche Kraft
zuſammen=
halte. Ein ſtarker Eiſenrahmen hält dabei die Kraftlinien
uſſeumen.
ler 240 Kilogramm wiegende dynamiſche Lautſprecher
nirzn volle 6—800 Watt Energie auf, die ihm von einem
Ver=
ſäutz beſonderer Konſtruktion zugeleitet woird, und ſtrahlt
da=
don twva 200 Watt als Schallenergie wieder ab. Bedenkt man,
df de Schalleiſtung eines gewöhnlichen Lautſprechers nur etwa
Bild 3. Schnitt durch das Magnetystem des Wotan.
Da5 Vatt an abgeſtrahlter Energie beträgt, ſo erkennt man, daß
des ,otan” durch 4000 ſolcher Lautſprecher erſetzt werden müßte,
un je gleiche Schallwirkung zu erzielen, wobei aber die
Ver=
teilug auf größeren Raum wahrſcheinlich ſtörend wirken würde.
Dei rößere Wirkungsgrad des neuen Lautſprechers äußert ſich
bes frregung mit kleineren Energien beſonders augenfällig:
Be iner Verſtärkerleiſtung von 200 Watt übertrifft er z. B.
Bild 1. Der Riesenlautsprecher Wotan:
auch den bekannten Rieſenblatthaller um das etwa 4—5fache an
Lautſtärke, und er ſoll daher auch in Zukunft an deſſen Stelle
Verwendung finden.
Der „Wotan” beſitzt eine vierteilige Membran, die innerhalb
von vier gewaltigen Magnetſpulen in Gummi gelagert iſt und
aus gewelltem ſtarken Aluminiumblech beſteht; an der Rückſeite
trägt ſie die in die Luftſpalte des Magnetſyſtems eintauchenden
Leiter. Die Zuführungen für die Sprechſtröme mußten, was
keine kleine Aufgabe war, derart durchgebildet werden, daß die
Querſchnitte Stromſtärken von durchſchnittlich 120 Ampere mit
Spitzen bis 200 Ampere aushalten; da ferner die Schwingungen
der Membran, die Ausſchläge bis 20 Millimeter ausführen muß,
keine Dämpfungen und Verzerrungen erleiden durfte, konnten auf
ſie auch keine Bremswirkungen ausgeübt werden. — Der Schall
ſtrahlt in einem Winkel von etwa 60 Grad ab, was eine ſehr
be=
trächtliche Richtwirkung bedeutet.
Der „Wotan” ſoll keineswegs eine bloße techniſche Kurioſität
ſein; er iſt vielmehr zur Erfüllung ſehr wichtiger Aufgaben
be=
ſtimmt, — Kommandoabgaben über See, Uebermittelung der
Stimme des Redners bei Rieſenverſammlungen und großen
Sportereigniſſen, uſw. So wurden beiſpielsweiſe die Teilnehmer
der diesjährigen Weltkraftkonferenz aus 500 Meter Entfernung
namens der Firma durch eine Anſprache begrüßt. Freilich
emp=
fiehlt es ſich nicht, dem mit voller Energie erregten Lautſprecher
näher zu kommen als etwa 200—300 Meter; in noch größerer
Nähe empfindet man nämlich die Vibrationen der Membran
ge=
radezu körperlich.
Ferner iſt ſehr wohl eine Verwendung für Reklamezwecke
denkbar; man könnte z. B. den Lautſprecher auf einen
Feſſel=
ballon ſetzen und ihn in größere Höhe befördern. Dann könnte
er ganze Stadtbiertel mit ſeiner Rieſenſtimme beſtreichen.
*Mittelmeer-Senkung.
Einen Plan von gigantiſchem Ausmaß hat Hermann
Soergel ausgearbeitet und zur öffentlichen Meinungsäußerung
bekannt gegeben. Der Plan ſieht vor, den Waſſerſpiegel des
Mittelmeeres um 200 Meter abzuſenken und damit 660 000
Quadratkilometer Neuland zu ſchaffen. Durch die
auftauchen=
den Landflächen wird die Adria faſt vollſtändig verſchwinden,
Sizilien, Sardinien und Corſika werden keine Inſeln mehr ſein
und rings um das Mittelländiſche Meer wird ſich die Küſte
kilometerweit in das Meer hinausſchieben.
Der Plan ſoll ſo verwirklicht werden, daß an der
Meer=
enge von Gibraltar ein 29 Kilometer langer Damm von Tarifa
nach Tangar gebaut wird. Nicht auf der kürzeſten Linie ſoll er
entſtehen, da hier Meerestiefen bis zu 500 Meter vorhanden
ſind, ſondern auf einer ſeichten Stelle im Atlantiſchen Ozean,
wo nur Meerestiefen bis zu 320 Meter vorhanden ſind. Bei
dieſer Höhe und einer unteren Breite von bis zu 550 Meter
werden 10 Milliarden Kubikmeter Boden gleich dem Inhalt
von 35 525 Cheopspyramiden erforderlich ſein, um dieſen Damm
zu erbauen. Neben dieſem ſchwierigſten und intereſſanteſten
Bauwerk, ſind Schleuſentreppen vorgeſehen und außerdem zu
beiden Seiten Speiſekanäle für Waſſerkraftwerke, die den
Waſſer=
ſpiegelunterſchied von 200 Meter ausnutzen.
Im Mittelmeer verdunſtet infolge der großen Wärme, die
dort herrſcht, jährlich eine Waſſerhöhe von 1,65 Meter. Das
Mittelmeer erhält zwar von vielen Flüſſen insbeſondere auch
aus dem Schwarzen Meer erhebliche Zuläufe, die aber doch nicht
ausreichen würden, es vor der Austrocknung zu ſchützen, wenn
nicht durch die Straße von Gibraltar ſtändig 90 000 Kubikmeter
ſekundlich zufließen würden. Würde man dieſen Zulauf durch
den geplanten Damm abſchneiden, dann würde nach einem
Jahr=
hundert der Waſſerſpiegel um 200 Meter geſunken ſein.
Es iſt weiter geplant, auch in Gallipoli ein Kraftwerk zu
errichten und die aus dem Schwarzen Meer zuſtrömenden
Waſſer=
mengen dort in einem weiteren Waſſerkraftwerk auszunützen.
Daß auch der Suezkanal durch eine Schleuſentreppe ergänzt
werden müßte, um den Weltverkehr durch das Mittelländiſche
Mere aufrecht erhalten zu können, iſt klar.
Um einmal die Abſenkung des mittelländiſchen Meeres zu
beſchleunigen, dann aber auch weitere Gebiete der Beſiedlung
zu erſchließen, ſchlägt Soergel vor, tief gelegene Flächen der
Sahara durch Zuleitung von Waſſer aus dem Mittelmeer zu
bewäſſern. Er will dort 6 Millionen Quadratkilometer Wüſte
in fruchtbares Ackerland verwandeln. Ueberraſchend an dem
Vorſchlag Soegels iſt die Großzügigkeit der Planung, die auf
den erſten Blick beſtrickend wirkt. Daß ſich erhebliche
wirtſchaft=
liche Schwierigkeiten ergeben müſſen, wenn die ſeitherigen
Hafen=
ſtädte zu Binnenſtädten werden, kann vielleicht dadurch auf= Fanſen=Berlin. Sein eiſenhahntechniſcher Mitarbeiter war Profeſſor
geheure wirtſchaftliche Möglichkeiten bieten. Das gewonnene
Neuland würde etwa der Größe von Deutſchland, Oeſterreich,
Ungarn, dem Saargeliet und Danzig zuſammengenommen
ent=
ſprechen. Dagegen ſoll die Ausführung die runde Summe von
8 Milliarden Dollar koſten. Von den politiſchen Schwierigkeiten,
die ſich dem Plan entgegenſtellen werden, ſoll hier weiter nicht
geſprochen werden, es kann ein Anlaß zu künftigen Kriegen
ſein, es kann aber auch ein Anlaß ſein, die „Vereinigten Staaten
von Europa” feſter zuſammenzuſchweißen.
Die Fachkritik hat ſich bereits mit dem Entwurf beſchäftigt
und Einwendungen gebracht, die vielleicht überwunden werden
können, die aber doch zu einer ſtarken Zurückhaltung zwingen.
Vor allem muß bedacht werden, daß es ſicherlich kein
angeneh=
mes Gefühl iſt, in dem Schutze eines einzigen, wenn auch noch
ſo ſtarken Dammes zu wohnen, dem zwar eine Sturmflut nichts
anhaben wird, dem aber ein Erdbeben erheblichen Schaden
zufügen könnte. Das Gebiet des Mittelmeeres iſt aber häufig
Erdbeben ausgeſetzt. Auch feindlicher Einwirkung im Falle
eines Krieges wird der Damm keinen unüberwindlichen
Wider=
ſtand entgegenſetzen können. Soergel legt großes Gewicht auf
die allmähliche Austrocknung durch die Verdunſtung, ein
Ge=
danke, der auch zunächſt beſtrickend wirkt. Wenn dieſe
Trocken=
legung aber im Verlauf von über 100 Jahren eintritt, dann
wird die Wirtſchaftlichkeit des ganzen Unternehmens in Frage
geſtellt, da das nutzbringende Neuland auch erſt im Verlauf
dieſer Zeit allmählich zur Beſiedlung reif wird. Die Kraftwerke
können auch erſt dann voll zur Wirkſamkeit kommen, wenn die
Abſenkung erreicht iſt. Dann, aber auch erſt dann, kann man
auch, wie Soergel annimmt, mit der gewonnenen Kraft große
Waſſermengen nach der Sahara hochpumpen und dort große
Ländereien bewäſſern. Allerdings reicht die zur Verfügung
ſtehende Waſſermenge dann auch nur dazu aus, 1 Million
Quadratkilometer zu bewäſſern. Wenn man zwiſchendurch dem
Mittelmeer mehr Waſſer entnimmt, um den Waſſeripiegel
ab=
zuſenken, dann wird man aber wenn der Beharrungszuſtand
erreicht iſt, wieder große Kulturflächen im Sonnenbrand der
Wüſte veröden laſſen müſſen.
Weiter iſt zu bedenken, daß der hohe Salzgehalt von 3,9 %
Salz im Meerwaſſer auf den bewäſſerten Flächen dazu führen
wird, daß jährlich eine Salzdecke von wenigſtens 10 Zentimeter
Mächtigkeit entſteht. Aus der Sandwüſte wird dann eine Salzwüſte
werden, wenn man nicht die geſamte Salzgewinnung der Erde
auf dieſe Gebiete konzentrieren will. Auch der trockengelegte
Meeresboden am Rande der Continente wird von einer hohen
Salzdecke überlagert ſein, die auf lange Zeit jede Kultur
un=
möglich machen wird, man denke nur an die Unfruchtbarkeit der
Gebiete um das Tote Meer.
Schon dieſe wenigen Einwendungen müſſen dazu führen,
daß das ganze Unternehmen dazu verurteilt iſt, eine Utopie zu
bleiben. Aber auch wenn dies der Fall iſt, ſo iſt doch immerhin
ſehr beachtlich, daß die moderne Technik zu Entwürfen ſchreitet,
die alles bisher bekannte Maß weit überſteigen und die, wenn
auch nicht hier, ſo doch an anderem Orte zu einer Technik
füh=
ren wird, die von dem engen Rahmen der Privat= oder
Volks=
wirtſchaft zu einer internationalen Technik hinanwächſt. Soergel
iſt nicht der einzige, auch an anderen Stellen ſind ſchon ähnlich
großzügige Anlagen geplant worden. Die Zukunft muß lehren,
ob es möglich ſein wird, alle Schwierigkeiten zu überwinden
und von der Planung zu einer Ausführung fortzuſchreiten.
KURZE MITTEILUNGEH
* Neue Straßenbauten, werden in faſt allen Kulturſtaaten geplant.
Die Vereinigten Stacten haben im Jahre 1929 über eine Million
Kilo=
meter Landſtraße neu gebaut, wodurch die geſamte Länge der
Land=
ſtraßen auf etwa 4,8 Millionen Kilometer geſtiegen iſt. Chile will in
den nächſten Jahren 22,5 Millionen Pfund für den Bau von Straßen
aufbringen. Auch auf dem alten Kontinent werden große
Straßen=
bauten geplant. Dänemark will in den nächſten fünf Jahren 35
Mil=
lionen Kronen für Straßenbauten aufvenden. Rußland hat in ſeinem
Fünfjahresplan vorgeſehen. 1,66 Millionen Kilometer Landſtraße neu
zu erbauen: Finnland will — gleichfalls in den nächſten fünf Jahren —
über 3000 Kilometer Landſtraße umbauen und etwa 350 Kilometer neu
herſtellen.
* Ein elektriſcher Oberleitungsomnibus verkehrt ſeit wenigen
Wochen im Ruhrgebiet zwiſchen Mettmann und Gruiden. Geleisloſe
Bahnen wurden zwar ſchon vor dem Krieg in Deutſchland in Betrieb
genommen, ſie konnten ſich aber nicht halten, da die
Straßenverhält=
niſſe im allgemeinen zu ſchlecht waren und wohl auch die Ausbildung
der Wagen noch nicht genügend vervollkommnet war. Der neue
Om=
nibus ſtellt einen dreiachſigen, 9,34 Meter langen, 235 Meter breiten
Wagen dar, der ohne Führer 47 Perſonen befördern kann. Er hat
zwei Oberleitungsſtromabnehmer, die mit Rollen auf dem
Oberleitungs=
draht fahren. Wenn die gehegten Erwartungen ſich erfüllen, ſo kann
angenommen werden, daß den Oberleitungsomnibuſſen, nachdem die
erſten Schwierigkeiten überwunden ſind, eine weitgehende Verbreitung
vorausgeſagt werden kann.
NEUE BüCHER UND ZEITSCHRIFTEN
* Herrſcher im Reiche der Technik. Acht Lebens= und Charakterbilder für
junge Menſchen dargeſtellt von Hermann von Müller. Mit
22 Abbildungen und 17 Tafeln. 8‟ Ganzleinen 5.— RM. Verlag
von B. G. Teubner, Leipzig=Berlin, 1931.
Zwar wendet ſich der Verfaſſer in erſter Linie an die Jugend, um
ihr Lebensbilder zu zeigen, die zu Vorbildern des Lebens werden ſollen.
Beiſpiele, die zur Nachfolge begeiſtern. Jedoch wird kaum einer, der
Sinn für Perſönlichkeit und Technik hat, das Buch ohne Befriedigung
aus der Hand legen. An Hand der Lebensbeſchreibungen von Krupp,
Siemens, Nobel, Zeppelin, Rathenau. Abbe, Ediſon. Ford läßt uns der
Verfaſſer durch ihre markanteſten Vertreter ein Stück Geſchichte der
Technik, die der letzten 100 Jahre, erleben. Es iſt kein kritiſch=
hiſtori=
ſches Buch, aber eine Schilderung, die zu geſchichtlichen Betrachtungen
anregt. Die Männer der Tat, von denen das Buch handelt, ſind ſo reich
an Willen und Tatkraft, Ausdauer und Streben, daß es ungemein
an=
regend iſt, ihre Lebenswege zu verfolgen; Lebenswege, die reich an
Arbeit und Entbehrungen waren, die aber doch durch den endgültigen
Sieg gekrönt wurden.
* Deutſcher Reichsbahnkalender 1931 herausgegeben von Dr.=Ing. Dr.
rer, vol. Hans Baumann, Konkordig=Verlag, Leipzig, Goetheſtr. 6.
Preis 400 RM.
Zum fünften Male legt die Reichsbahn ihren, von dem Leiter des
Preſſedienſtes bearbeiteten Kalender vor der die Bindung zwiſchen
Bahn und Publikum feſter geſtalten ſoll. Als leitender Gedanke iſt
diesmal die Verbindung behandelt, die die Reichsbahn zum Ausland
her=
ſtellt. Beſonders, zahlreich ſind deswegen die Abbildungen von den
Grenz= und Uebergangsbahnhöfen. Auch die Technik findet wieder
reich=
haltige Berückſichtigung, teils durch beſondere Blätter, weiter aber auch
durch die vielfachen Abbildungen, die techniſche Einzelheiten eines
Unter=
nehmens darſtellen, das ein Glied der Technik iſt und von dieſer nicht
getrennt werden kann.
PERBONLICHES AU8 DER TECHNIK
Dr. Wilhelm Exner, Präſident des Techniſchen Verſuchsamts
Wien, wurde von der Eidgenöſſiſchen Materialprüfungsanſtalt zum
Dr.=Ing. e. h. ernannt.
Den erſten Preis beim internationalen Wettbewerb für den
General=
bebauungsplan von Madrid erhielt Profeſſor Dr.=Ing. e. h. Hermann
gewogen werden, daß Flächen der Kultur erſchloſſen, die un=Dr. Blum=Hannover.
Nummer 336
Donnerstag, den 25.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 23. Dezember.
Die Depreſſion in den franzöſiſchen Wirtſchaftskreiſen dauert
fort. Die alten Probleme, die ſchon ſo viele Schwierigkeiten
ver=
urſacht haben, wie die Goldaufhäufung, Teuerung, Stagnieren
des Handels ſowie des Effektenverkehrs beſtehen weiter. Die Börſe
iſt geſchäftslos und die im Vorjahr in rieſigen Mengen
heraus=
gegebenen Obligationen unverkäuflich. Auch die Entwicklung der
amerikaniſchen Kriſe, deren Wirkung beſonders auf die Börſe jetzt
allgemein anerkannt wird, wird ſehr peſſimiſtiſch beurteilt.
Die Vorräte von Rohſtoffen wachſen beſtändig, und
Abſatzmöglichkeiten zu finden, ſcheint ſchier unmöglich. Der
Han=
del wird jeden Tag lauer, und trotzdem beſteht ein unlogiſcher
Gegenſatz in der Entwicklung der Groß= und Detailpreiſe,
wäh=
rend erſtere zurückgehen, ſteigen die letzteren und erſchweren
da=
durch einen Aufſchwung des Abſatzes.
Die Lage des Kohlenmarktes, iſt ungünſtig. Die
franzöſiſchen Zechen konnten ſich nur ſehr ſpät zu
Preisermäßigun=
gen entſchließen; auch waren dieſe Preisermäßigungen
unbedeu=
tend. Dementſprechend hatte die ausländiſche Konkurrenz viel
Erfolg. Die Vorräte ſind ſehr groß, da infolge der ſchwierigen
Lage vieler Induſtriezweige — neuerlich auch der Schwerinduſtrie
— der Verbrauch viel geringer als früher iſt. Man befürchtet
Lohnkämpfe, da infolge der wachſenden Teuerung die Arbeiter
Lohnerhöhungen fordern Die Produktion ging trotz alledem
noch nicht zurück, ſie zeigt eine gewiſſe Stabilität.
Die Lage der Schwerinduſtrie hat ſich in der letzten
Zeit erheblich verſchlechtert. Mehrere Hochöfen wurden
ausge=
löſcht. Die Käufer rechnen auf Preisſenkungen und decken ſich
daher für den täglichen Bedarf ein.
Die Lage des Kupfermarktes iſt ſehr kritiſch. Die
Beſtrebungen des amerikaniſchen Kartells, die Preiſe zu
ſtabili=
ſieren, führten zu einem Fiasko — wie wir es bereits
voraus=
geſagt haben — und die Preiſe fielen ſtürmiſch. In noch weit
höherem Maße ging der Abſatz zurück, und zwar innerhalb einer
Woche um beinahe 75 Prozent. Es beſteht jetzt ein offener
„Krieg, zwiſchen dem Kartell und den europäiſchen Käufern. Es
iſt zweifellos, daß das Kartell eine Niederlage erleiden wird.
Die Vorräte erhöhen ſich täglich, trotz der immer intenſiveren
Produktionseigſchränkung. Viele Minen waren gezwungen, den
Betrieb zu ſchließen, andere, beſonders die ſüdafrikaniſchen,
ver=
ſuchen, ſich durch Fuſionen zu retten.
Der Zinnmarkt lag ſchwach. Die Baiſſe der Preiſe dauert
an. Eine der wichtigſten Gruppen, die Anglo=Oriental, verſucht,
die kataſtrophale Entwertung künſtlich aufzuhalten. Da aber die
Regierung von Niederländiſch=Indien dreitauſend Tonnen Zinn
unerwartet verkaufen ließ, mußte die Preisſtützungsaktion der
Anglo=Oriental aufgegeben werden. Die Stagnierung am
Zinn=
markte rührt in erſter Linie von der amerikaniſchen Kriſe her, und
darum iſt auf eine Beſſerung in der nahen Zukunft nicht zu
rechnen.
Die Bleipreiſe erfuhren wieder eine Baiſſe. Die Preiſe
nähern ſich dem Rekordtiefſtand. Von den Bleiminen haben noch
nicht ſo viele wie von den Zink= und Zinnminen den Betrieb
ein=
geſtellt, da ſie mit niedrigen Herſtellungskoſten arbeiten und daher
den Betrieb ſelbſt bei niedrigen Preiſen aufrechterhalten können.
Auf dem Zinkmarkt gab es wieder heftige Preisſtürze.
Der aktuelle Preis iſt ſchon ſo niedrig, daß er geradezu einen
Re=
kord darſtellt. Die ganze Zinkinduſtrie befindet ſich in einer
kata=
ſtrophalen Lage. Nachdem viele Minen den Betrieb eingeſtellt
haben, ſchließen jetzt auch die Zinkbearbeitungsfabriken. Die
Kon=
ferenz der Zinkproduzenten — die zehnte ſeit zwei Jahren
endete mit einem Mißerfolg, und es beſteht keine Hoffnung, daß
in abſehbarer Zukunft wieder ein Zinkkartel gebildet werden
kann.
Die Lage der Kaliinduſtrie iſt ſehr ſchwierig. Infolge
der Agrarkriſe werden Kunſtdünger in viel geringeren
Quanti=
täten gekauft als früher. Die elſäſſiſchen Kaliſalzminen können
ihre Vorrate nicht exportieren. Die Kalivorräte, die bisher nur
in ganz unbedeutenden Quantitäten vorhanden waren, häuften
ſich mit einer erſchreckenden Schnelligkeit, ſo daß allein in
Ant=
werpen 160 000 Tonnen Kali aufgehäuft ſind. In einigen
Kali=
ſalzminen gibt es ſchon Kurzarbeit, andere haben proviſoriſch
ge=
ſchloſſen.
Die Nitrateninduſtrie leidet ebenfalls unter den
Ab=
ſatzſchwierigkeiten. Da aber die Preiſe ſehr mäßig ſind, ſo rechnet
man auf keine Preisherabſetzungen.
Die Produktionseinſchränkung in der amerikaniſchen
Petro=
leuminduſtrie wird ſyſtematiſch fortgeſetzt. Auch gelang es
den amerikaniſchen Truſts, mit der Royal Dutch
zuſammenzuar=
beiten, die ihrerſeits die venezuelaniſche Produktion reduzierte,
doch ging der Abſatz an raffiniertem Petroleum in weit ſtärkerem
Maße zurück, als die Produktion, an Rohöl. So iſt das
Grund=
problem des Petroleummarktes die Steigerung des Abſatzes
ge=
worden. Dieſe könnte aber nur durch Preisſenkungen erzielt
werden. Bisher ſind noch keine genügende Preisſenkungen
er=
folgt, insbeſondere in Detailpreiſen. Ueber die finanzielle
Reor=
ganiſierung der polniſchen Petroleuminduſtrie weiß man noch
nichts Gewiſſes.
50 Jahre Lorenz. Die C. Lorenz Aktiengeſellſchaft, Berlin=
Tempel=
hof, konnte im Laufe des Jahres 1930 auf ihr 50jähriges Beſtehen
zu=
rückblicken Telephonie, Telegraphie, Feuermelde= und Signalweſen,
drahtloſe Telegraphie und Telephonie, Elektro=Maſchinenbau und
Rund=
funk gehören zu ihren Spezialgebieten. Im Jahre 1880 als offene
Han=
delsgeſellſchaft von Carl Lorenz in Berlin gegründet, wurde die Firma
nach ſeinem Tode durch die Erben fortgeführt, ſpäter von Robert Held
übernommen und im Jahre 1893 durch Angliederung der bereits 1800
als mechaniſche Werkſtatt gegründeten Firma C. F. Leivert Berlin,
be=
deutend erſeitert. Mit dieſem Zeitpunkt begannen die Lieferungen für
die Deutſche Reichspoſt. Nach dem Tode Helds übernahm die
Firmen=
leitung Georg Wolf, deſſen Ernennung zum Generaldirektor 1924
er=
folgte. Durch zielbewußte und ſichere Führung wurde die Firma zu
einem Unternehmen geſtaltet, das in der ganzen Welt bekannt iſt. Die
C. Lorenz Aktienigeſellſchaft verfügt über großen Grund= und
Haus=
beſitz. Das Hauptwerk in Tempelhof beſchäftigt zurzeit 2700 Arbeiter
und Angeſtellte.
Brauhaus Würzburg A.=G. (Würzburger Hofbräu). Die in
Würz=
verſammlung genehmigte einſtimmig den Jah=
sent) feſt, die ſofort zahlbar iſt.
Berliner Produktenbericht vom 24. Dezember. Das Geſchäft hatte
heute naturgemäß nur ſehr geringen Umſatz, bei kleinem Umſatz von
beiden Brotgetreidearten konnte ſich Weizen im Effektiv= als auch im
Lieferungsgeſchäft um 1—1.50 Mark befeſtigen, weil die Mühlen mit
weiter ſtärkerer Nachfrage am Markte ſind. Roggen lag demgegenüber
etwas ſchwächer, anſcheinend iſt dieſe Bewegung lediglich als techniſche
Realiſation auf die geſtrige ſcharfe Befeſtigung anzuſehen. Das
Mehl=
geſchäft iſt faſt gänzlich ins Stocken geraten bei unveränderten Preiſen.
Hafer und Gerſte lag nur geſchäftslos
Frankfurter und Berliner Effektenbörſe.
Frankfurt a. M., 24. Dezember.
Die letzte Börſe vor der Unterbrechung durch die
Weihnachtsfeier=
tage eröffnete in etwas feſterer Haltung. Die Ermäßigung der New
Yorker Diskontrate von 2½ auf 2 Prozent kam für die Börſe
vollkom=
men überraſchend und wirkte anregend. Da keine nennenswerten
Ver=
kaufs= oder Kaufaufträge vorlagen, bewegte ſich das Geſchäft in engſtem
Nahmen. Im allgemeinen traten Kursbeſſerungen von 1—3 Prozent
ein. Deckungsneigung beſtand nur an wenigen Märkten. Geld war
etwas entſpannt, Tagesgeld 4½—6½ Monatsgeld 7—8½. Von Deviſen
war der Dollar auf die Diskontermäßigung mit 4,1955 zu hören. Pfunde
gegen Mark 20,38½.
Berlin, 24. Dezember.
Der letzte Börſentag vor dem Weihnachtsfeſt brachte 1 bis 2
Pro=
zent freundlichere Kurſe. Schon im Vormittagsverkehr hatte die
über=
raſchende Herabſetzung der Nem Yorker Rediskont=Rate von 2½ auf
* Prozent eine Beſſerung der Stimmung ausgelöſt. Obwohl man
an=
nimmt, daß dieſe Maßnahme in erſter Linie zur Beruhigung der Kriſen=
Stimmung in der amerikaniſchen Bankwelt dienen ſoll, ſo befriedigte
dieſe Feiertags=Gabe doch außerordentlich, zumal man hoffen zu können
glaubt, die anderen großen Noten=Banken werden ſich dem Einfluß
dieſer Senkung nicht entziehen können. Die Schließung der Chelſea
Bank and Truſt Company, die auf den feſten Schluß der geſtrigen New
Yorker Börſe nicht einzuwirken vermochte, blieb auch hier ziemlich
unbe=
achtet. Am Montanmarkt regte eine Londoner Meldung an, nach der
durch den ergebnisloſen Abbruch der Schlichtungsverhandlungen zwiſchen
Grubenbeſitzern und Gewerkſchaftsführern in Süd=Wales wieder
Streik=
gefahr entſtanden ſei. Die Tarif=Kündigungen in der Eiſen= und Stahl=
Induſtrie, die Minder=Einnahmen des Reiches in den Monaten April
bis November um 1 Milliarde RM. ſowie die auf faſt vier Millionen
angewachſene Arbeitsloſenziffer überraſchten uicht und blieben ohne
Wirkung auf die Kursentwicklung. Das Geſchäft war recht klein,
an=
geblich ſollen geringe Auslandskäufe getätigt worden ſein, und nur an
den unter Stückmangel leidenden Märkten ging es etwas lanter zu.
Hier wurden die Kurſe um 2½ bis 5 Prozeut heraufgeſetzt, ohne daß
die Umſätze ſehr groß waren. Im Verlaufe blieb die Tendenz ruhig,
aber freundlich, und die Kurſe erfuhren weitere kleinere Steigerungen.
Bis zu 2 Prozent höher lagen Deutſche Linoleum, Karſtadt, Siemens,
Polyphon und Deſſauer Gas. Anleihen behauptet.
Diskonkſenkung in New York.
Ebenſo wie das Ausland, iſt auch Deutſchland von der Dis
ſenkung New Yorks von 2½ auf 2 Prozent überraſcht worden. 2
nimmt allgemein an, daß durch die Ermäßigung eine gewiſſe Bemu
gung herbeigeführt werden ſoll. Auffallend iſt jedenfalls, daß die Hexo
ſetzung erfolgt, obwohl in letzter Zeit ſogar Zeichen von Anſpanrnu
ſich auf dem Geldmarkt bemerkar machen. Für Deutſchland rechnet
im Augenblick nicht mit irgendwel hen Auswirkungen. Erſt nach
nach kann der deutſche Geldmarkt eine Erleichterung erfahren,
übrigen vergrößert ſich durch die Ermäßigung der New Yorker Ratgr?
Zinsſpanne, daß ſich die Kapitalanlage der Amerikaner in Deutſche,
lohnender geſtaltet und mit nenen Anlagen zu rechnen ſein dürfte.
Die Ermäßigung der Newv Yorker Diskontrate von 2½ auf 2 +
ſoll nach Anſicht führender New Yorker Finanzkreife hauptſächlich Nu
dienen, das durch die Ereigniſſe der letzten Woche erſchütterte Vertrem
wieder herzuſtellen. Es ſoll den Banken die Möglichkeit gegeben
den, durch eine großzügigere Kreditpolitik zur Ankurbelung der 2
ſchaft und Belebung der Effektenmärkte beizutragen. Auch in Waſl
toner Regierungskreiſen befürwortet man lebhaft die liberalere
tung der Großbanken. Ein Goldabfluß nach Europa wird
kaum=
wartet, da die Bank von Frankreich nach der in New York
vorherrſoc=
den Meinung zweifellos nicht ohne Wirkung auf die engliſche
deutſche Diskontrate bleiben würde.
Starkes Anſchwellen der amerikaniſchen Arbeits
Die amerikaniſche Arbeitsloſenziffer hat ſich einer Aufſtellung
American Federation of Labou= zufolge vom 3). November bis
15. Dezember um 300 000 erhöht. Die Geſamtzahl der gegenwärtig
beſchäftigten wird von der Gewerkſchaft mit 5,300 Mill. angegeben.
durch die Erwerbsloſigkeit hervorgerufene Not iſt einer Erklärung
Federation zufolge bereits recht groß.
Um einer weiteren Ausbreitung der Arbeitsloſigkeit entgegenzunr
ten, beabſichtigt die amerikaniſche Bundesregierung, hohe Beträge
die Ausführung von großen öffentlichen Bauten bereitzuſtellen. Zu
Präſident Hoover am Dienstag ankündigte, ſollen etwa 724 Millio=l
Dollar für dieſen Zweck im kommenden Jahr zur Verfügung
geſ=
werden.
Der vom Statiſtiſchen Reichsamt errechnete Aktienin
(1924/26 — 100) ſtellt ſich für die Woche vom 15.—20. Dez. 17
auf 85,8 gegenüber 88,3 in der Vorwoche.
Im Vergleichstermin der Mannheimer Gummi=, Gutta=Peroca
und Aſbeſtfabrik AG. Mannheim, wurde der Vergleichsvorſchnr
mit überwiegender Mehrheit, von den Gläubigern angenomnn=
Für die Badiſche Holzinduſtrie wurde geſtern abend ein Schie
ſpruch gefällt, der einen Lohnabbau in der Spitzengruppe (1,14 RS.
von 6 Pfg. auf 1,08 RM. vorſieht. Der Lohnabbau ſoll am 1. Jan-
1931 in Kraft treten.
Nach einem Bericht des Federal Reſerbe=Amtes ſind in der Zeit
Januar bis November ds. Js. nicht weniger als 91 amerikaniſche B
ken zuſammengebrochen. Allein im November wurden 236 Bam
zahlungsunfähig. Der Depoſikenbeſtand ſämtlicher zuſammengebrochen
Banken betrug zuſammen etwa 2 Milliarden Dollar.
Ein ſchwerer Börſenſkandal iſt in Brüſſel ausgebrochen. Elf W=)
ſelagenten und ehemalige Mitglieder der Börſenkommiſſion haben
Jahre 1928 für die Einführung von Aktien der franzöſiſchen Automoh.!“
fabrik Cituoen Prämien von 84) Franken pro Aktie erhalten, währe‟
die Notierung an der Pariſer Börſe nur 1700 Franken betrug. Sie ſ7
angetlagt, dadurch die Einführung der Papiere an der hieſigen Bär?
auf ungeſetzliche Art erleichtert und die Kurſe geſtützt zu haben. Te
Gewinne, welche die Wechſelagenten erzielten, ſchwanken zwiſchen 50.
und 250 000 Franken.
In der Angelegenheit des Konkurſes der Süddeutſchen Bank wums
Anzeige an die Staatsanwaltſchaft erſtattet.
Berliner Kursbericht
vom 24. Dezember 1930
Deviſenmarkt
vom 24. Oezember 192
Auszahlung im Konkurs Nauheim u. Co. Die
Abwicklungs=
arbeiten des Konkurſes ſind ſoweit fortgeſchritten, daß eine weitere
Quote in Höhe von 10 Prozent, und zwar ſowohl an die
Bar=
als auch an die Wertpapier=Gläubiger zur Ausſchüttung
gelangen kann. Es kommen dieſes Mal einſchließlich einiger
rückſtandiger bevorrechtigter Forderungen im Ganzen 135 711,89
Reichsmark zur Verteilung. Der Teilungsplan iſt bei dem
hieſi=
gen Amtsgericht eingereicht und wird nach Ablauf der eſetzlichen
Friſt von 2 Wochen die Auszahlung durch Poſtſcheck an ſämtliche
Konkursgläubiger erfolgen.
Lackfabrik Ludwig Marx A.=G., Mainz. Die auf den 15. Januar
1231 einberufene außerordentliche Generalverſammlung der Geſellſchaft
ſoll den Verkauf des unter der Firma Lackfabrik Ludwig Marx A.=G.,
Mainz, ſeither betriebenen Fabrikations= und Handelsgeſchäft mit
Fir=
menfortführungsrecht, mit Ausnahme des Fabrikgrundſtücks und der
Fabrikeinrichtung, genehmigen und über die Aenderung der Firma in
„Terraingeſellſchaft an der Solitude A.=G.” und den Gegenſtand des
Unternehmens in „Verwaltung und Verwertung des Grundbeſitzes der
Geſellſchaft nebſt der vorhandenen Fabrikeinrichtung” Beſchluß faſſen.
Zum Zuſammenbruch der Heidelberger Wohnungsbaugeſellſchaft.
Die Kongregation der Armen=Schulſchweſtern in Speher hat den
Hand=
werksgläubigern einen Generalbereinigungsplan vorgelegt, dem man
einmütig zuſtimmte. Danach werden aus der durch erweiterte
Kapital=
anleihe flüſſig geſvordenen 1 Million RM. auf die Hauptſumme der
An=
forderung jedes einzeluen (gemäß KG. nicht bevorrechtigten) Gläubigers
50 Prozent ausbezahlt, und zwan durch unmittelbare Banküberweiſung.
Für den Geſamtbetrag der Reſthauptſummen der Anforderung der
Gläu=
biger ſoll hinter der Anleihe=Vorbelaſtung (nebſt Reſtkaufſchillingen in
Höhe von 100 624 RM. der Stadt Ludwigshafen) mit zuſammen
5 200 624 RM. Geſamtſicherungshypothek mit Löſchungsvermerk
hin=
ſichtlich der Amortifationen an den Vorhypotheken auf dem Grundbeſitz
des Inſtituts zur Sicherung des Moratoriums eingetragen werden, und
zwar auf den Namen eines Treuhänders.
Die neuen Lokomotivquoten. Mit dem Inkrafttreten des
Lokomotiv=
vertrages zwiſchen der Reichsbahn und den beteiligten Lokomotiofabriken
hat auch das Kräfteverhältnis zwiſchen den einzelnen Firmen gewiſſe
Verſchiebungen erfahren. Für die beteiligten Unternehmungen ſind
fol=
gende Quoten feſtgeſetzt worden: Henſchel 24,60 Prozent, Borſig=A. E. G.
19.43 Prozent, Krupp 18,79 Prozent. Hanomag 14,61 Prozent,
Schwartz=
kopf 13.17 Prozent, Schichau 9,41 Prozent. Bemerkenswert iſt hierbei
die Zunahme der vereinigten Quote der Gruppe A. E. G.=Borſig, die mit
19,42 Prozent jetzt hinter Henſchel an die zweite Stelle gerückt iſt, die
bisher Krupp erfahren. Etwas geſunken iſt auch die Quote bei Schichau.
Miag verkauft Habermann= und Guckes Aktien. Gelegentlich der
Vorgänge Mitte dieſes Jahres war von der Verwaltung angekündigt
worden, daß man ſich dahin entſe oſſen habe, Beteiligungen, die nicht
in den Rahmen des Unternehmens hineinvaßten, abzuſtoßen. Ein
ſol=
cher Verkauf iſt in den letzten Tagen abgeſchloſſen worden. Es handelt
ſich dabei um die im Beſitz der Miag befindlichen Habermann= und
Guckes=Liebold=Aktien. Die Miag beſaß von dem 2.40 Mill.
betragen=
den A.X. dieſer Geſellſchaft 137 Mill. RM., die nunmehr derkauft
ſvorden ſind, und zwar zu einem den Buchſvert ſpefentlich überſteiger
den Preiſe.
Me
Danatbank
Deutſche Bank u.
Disconto=Geſ.
Dresdner Bank
Hapag
Hanfa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bayr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdöl
119.—
149.—
107.50
107.50
61.50
20.50
63-75
93.—
54.75
47.50
113.25
29.50
112.50
100.—
59.—
Elektr. Lieferu
J. G. Farben
Gelſ. Bergiv.
Geſ. f.elektr. Untern
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Köln=Neueſſ. Bgi
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Untn.
Nordd. Wolle
Oberſchleſ. Koksw.
Orenſtein & Koppe
123.75
1.
89.375
74.75
62.25
68.50
136.—
54.50
67.25
62.—
29.75
46.25
65.50
42.25
Volyphonwerke 143.50
Rütgerswerke
Salzdetfurth Ka 211.—
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtof
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln, Alkali/1a1.—
Agsb.=Nrnb. Maſch. S6.—
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer
Hobenlohe=Werke
Lindes Eismaſch. 134.—
VogelTelegr. Drah
Wanderer=Werke
42.75
104.25
57.25
42.50
40.—
50.375
34.75
GeldBrief
Talln CEftl.)ſt00 eſtl. Kr.
1100 Lats
Riga
Frankfurter Kursbericht vom 24. Dezember 1930.
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Schutzge=
bietsanleihe .. .
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80 Darmſtadtv. 26
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80 München. . . .
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93.75
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80.42
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96.5
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93.25
4½% Heſi. Lds.
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Heſſen . Goldobl
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Bergm. El.=Werke.) —
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Sement Heidelberg/ 59
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J. G. Chemie, Baſelly sc:
Chem. Werke Alber:/ 24
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Eichbaum=Werger.
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EßlingenMaſchinen
EttlingenSpinnerei
Faber & Schleicher
J. G. Farbeninduſtr.
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Frankfurter Gas.
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Gelſenk. Bergwerk
Geſ. f.elektr Untern.
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger
Dafenmühle Frrft.
Hammerſen (Osn.
Hanauer Hofbrauh
Harpener Bergbau
Henninger Kempf.
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Hindrichs=Aufferm.
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Hochtief Eſſen
Holzmann, Phil.
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Junghans.
Kali Chemte..
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Kammgarnſpinn.
Karſtadt, R.. . . . . .
Klein, Schanzlin ..
Klöcknerwerke ..
Lahmener & Co. .
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Lech. Augsnurg
Löwenbr. Münch.
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36.5
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Miag. Mühlenbau.
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Motoren Darmſtadt
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Phöntx Bergbau
Reiniger. Gebber,
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Roeder Gebr. . . .
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Zachtleben A. G.
Salzdetfurth Kalt.
Salzw. Heilbronn.
Schöfferhof=Bind.
Schramm Lackfabr
Schriftg. Stempel.
Schuckert Elektr. . .
Schwarz=Storchen.
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halske
Südd. Immobilien
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Tellus Bergbau.
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piegel In Bild ind Wort
25. Dezember 1930
Alluſtrierte Wochenbeilage
Nummer 31
Don frühen deutſchen Weihnachtsbildern.
Derbheit. — Innigkeit. — Humor.
Von Walther Appelt.
Die älteſten deutſchen Darſtellungen der Chriſtusgeburt
ſind von einer oftmals rührenden Prmmitivität. Aber
viel=
leicht iſt gerade das die Vorausſetzung für die herzlich
friſche und geſunde Naivität,
mit der Vorgänge und
Wie=
dergabe erfaßt und angefaßt
ſind. Und ſo abhängig ſie
im allermeiſten,
erklärlicher=
weiſe, von italieniſchen
Vor=
bildern ſind, hauptſächlich
von den frühgotiſchen Reliefs
— ſo „deutſch” ſind ſie doch,
was ungekünſtelte, bisweilen
draſtiſche Derbheit des
Aus=
druchks anbelangt. Dabei ſoll
hier nicht einmal von den
Minjaturen und
Einblatt=
holzſchnitten die Nede ſein,
die ebenſo reich ſind an
köſt=
lichen Kidlichkeiten wie
humorigen Nuancen, die auch
auf Frömmere als wir es
ſind, nicht profen wirken
kömen, weil ſie im Nahmen
des Ganzen einfach
ſelbſtver-
ſtändlich ſind.
Auch auf den Gemälden,
die teilweiſe ſtark beſchädigt
und vielleicht deshalb kaum
allgemei bekamnt ſind, führt
das im Alltag wurzelnde
ge=
dankliche Nacherleben m
Einzelheiten, die von den
Vorbildern abweichen — und
doch eigentlich das Nichtige
treffen. Erwähnt ſei z. B.
die als liegend oder doch
ruhend angedeutete Stellung
der Mutter, die viel
logi=
ſcher iſt als jede andere:
Meiſter Bertram (Anfang
des 14. Jahrhunderts),
Rhei=
niſche Meiſter. Ein Ciroler
Bild, Brixener Schule, gibt
ſogar imitten allen Kronen=
und ſonſtigen Sierats ein
hübſch bumtkariertes
Kopf=
kiſſen. Daß Maria das Kind
i eine Krippe legte, paßte
den deutſchen Malern jener
Seit offenbar nicht imn das
Bild, das ſie ſich von der
Szene machten. Allenfalls
laſſen ſie das Kind in einem
Korbe liegen, während die
Krippe den Cieren als
Futter=Behälter überlaſſen
bleibt. (Luſtig ein rheiniſcher Meiſter von 1320: Die
Krippe, ſchön rechteckig gemauert — aber
perſpekti=
viſch falſch gemalt! — hängt aus Naummangel ſo hoch an
der Wand, daß Ochs und Eſel auf keine natürliche
Weiſe zum Hinaufreichen gebracht werden könnten. Der
Künſtler weiß ſich zu helfen, indem er, ſeltſam aus der
Wand herauswachſend, einfach nur die Köpfe der beiden,
dennoch mit ſichtlichem Behagen freſſenden Ciere hinmalt.)
Am Claren=Altar im Kölner Dom liegt das Kind wohl in
der Krippe, und zwar in einer phantaſtiſch vornehmen
Krippe, die auf edlen Säulen ruht, und ſomit wiederum nichts
mit der Krippe der Evangelien zu tun hat — aber die Ciere
laſſen ſich dadurch nicht aus der gewohnten Ordnung bringen.
Die räumliche Umgebung des Geſchehens, die alſo zwiſchen
einem tempelhaft idealiſierten und dem früh=italieniſchen
„Stall” ſchwankt, der eigentlich nur ein windgeſchütteltes
Wetterdach iſt, weiſt im übrigen wenig hervorſtechend
Eigenes auf. Hierin ſind die Vordilder doch mehr oder
weniger kopiert — man ging im Wiedergeben des Naumes
noch nicht den forſchen Schritt, den man in der
Kennzeich-
mung der Perſonen ſo unbekümmert und vermünftig längſt
gegangen war: geradezu Menſchen aus dem Leben zu
malen, und zar aus dem deutſchen Leben, das den Maler
Der ſinke Fſügel des Ortenderger Altars im Landes-Muſemm
wie den Bildbetrachter umgab und davon ſie ſelber Ceile
waren. Das muß bedeutend dazu beigetragen haben, den
breiten Maſſen das Evangelium nahezubringen und ihnen
ſein Verſtehen wenigſtens einigermaßen zu ermöglichen.
Dieſe innige Maria, die mit runden Wangen und
großen Augen mehr fragend als wiſſend (dies auch auf das
Neligiöſe bezogen), mehr flehend als verheißend auf das
Wunder ihres Kindes, ins Leben oder auch aus dem Bilde
herausſchaut, iſt ganz der ſanfte Cup der deutſch=
mittel=
alterlichen, ſentimentalen und noch ſehr lebensfremden
Jungfrau. Auf Bildern, da Engel, zuweilen noch dazu
Heilige auftreten (die meiſten bei Bartholomäus Bruyn —
Ende des 15. Jahrhunderts —, der ſchon viel umfaſſender
als die Vorgänger von italieniſchem Einfluſſe beherrſcht
iſt), ſcheint ſie über dieſe, in ihrem Sweck und Sinn ihr
unerklärlichen Gäſte noch viel erſtaunter als über alles
andere. Ein Kapitel für ſich iſt, wie allerdings auch auf den
Chriſtgeburt=Bildern anderer, bei den frühen Deutſchen
Joſef. Schon oft iſt zutreffend die nicht ſehr glückliche
Nolle erörtert worden, die dieſer Vater und auch nicht
Vater auf den Weihnachtsbildern ſpielt und ſpielen muß.
Aber die deutſchen Künſtler des 14. und 15. Jahrhunderts,
von denen hier die Nede iſt, erfüllen das gewiſſe
Unbetei-
tigtſei Joſefs an den
Vor=
gängen der Chriſtnacht mit
geſundem Humor. Schon m
der Charakteriſtik treiden ſie
den — „urkundlich” kaum m
rechtfertigenden — großen
Altersuterſchied zwiſchender
kindhaften Maria und dem
durchaus großväterlichen
Jo=
ſef ſo weit, daß ſie ihn nicht
mr vollbärtig, ſondern noch
dazu glatzköpfig, ergraut und
offenſichtlich dtersmüde
ma-
len. Einige laſſen ihn die
Vor=
gänge ſo wenig angehen, daß
er die Mutter allei ſich um
ihr Neugeborenes bemühen
läßt und dies durch einen feſten
Schlaf noch beſonders
ſicht=
bar macht. (Hans Multſcher.
Altar m Sterzig —
Streck=
mitzfahrer-Altar im Lübecker
Dom). Auf dem ſchon
er=
wähnten Bild des Meiſters
Bertram (imn der Kunſthalle
Hamburg)tut er mit Behagen
einen guten Schluck aus der
nieſigen Pülgerflaſche:
merk-
würdiger und luſtiger
Ge=
genſatz z den Engeln, die
auf dem Dach des „Stalles”,
ſitzen oder durch Luken
ſeiner Holzwand langen und
andächtig —
Weihrauch=
fäſſer ſchwingen. Und noch,
wo Joſef ſozuſagen für voll
genommen wird, wo er
neben oder — hinter Maria
das Kid betrachten darf,
bekommt er meiſt eine
mitz-
liche und notwendige
Funk-
tion im improviſierten
Haus=
halt übertragen: entweder
muß er zur Aufhellung des
Naumes eine Kerze halten
(Michel Wohlgemth in der
Swickauer Marienkirche,
Meiſter der Verherrlichung
Mariae) oder, mit und ohne
Blaſebalg, das Feuer
ſchü-
ren: Wildunger Altar des
Conrad von Soeſt 1404,
Lüneburger Goldene Cafel
um 1410. Auf vielen
Bil-
dern, ſo dem Ortenberger Altar, Anfang 15.
Jahr=
hundert, jetzt im Muſeum Darmſtadt, ſtützt er
ſorgen=
voll den Kopf in die Hand — offenbar mit der ſchwierigen
Frage beſchäftigt, was eigentlich los iſt. —
Schon im Laufe des 15. Jahrhunderts, und erſt recht
an der Wende des 15. Jahrhunderts zm 16.
Jahr=
hundert, fand das alles mit Altdorfer, Dürer, Grünewald
mehr oder weniger ein Ende.
Die Darſtellungen der Chriſtgeburt werden
kulti=
vierter, wenn man will: „künſtleriſcher”.
Aber die primitive Kunſt, die Anfänge
bildne-
riſchen Geſtaltens eines Volkes, werden immer die
Quellen und Wurzeln bleiben, die irgendwie noch alles
ſpäter Keimende und Reifende befruchten — oder
über=
haupt erſt ermöglichen.
nannnnnannnnn
unnrgangenngnnnnnnnnvrnnvnvennnnnnnngnnganngnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnan
[ ← ][ ][ → ]Anton Bruckners Weihnachts=
gabe.
Erzählung von Nobert Hohlbaum.
Als Anton Bruckner das Fräulem Mizz Gaſteigerer zum
erſten Male geſehen hatte, war die Luft von Fliederduft erfüllt
geweſen, des Abends hatten trunkene Schmetterlinge ſeine
Arbeitslampe umtaumelt, und bald war das ganze Land
ähren=
blond und blütenblau geworden, wie des Fräulein Gaſteigerer
Haar und Augen. Und das war eben die Seit geweſen, da er am
Scherzo ſeiner neuen Sinfonie ſchuf. Im Vorfrühling hatte er
begonnen. Aber da wollte es nicht vorwärts. Oft war wohl
mit dem rätſelhaften Wind ein Motiv von ihm aufgeklungen,
aber es war mit jenem ungebannt verflattert. Em unbeſtimmtes,
ſchwankendes Sehnen hatte von Bruckners Herzen Beſitz ergrif=
fen, das ihm unhemlich wurde, davor er Furcht empfand, als
ſtamme es vom Ceufel. Und öfter als ſonſt hatte er in dieſen
wonkelmütigen Cagen nach dem Gebetbuch gegriffen. Das war
aus ſchönem ſchwarzem Samt, die Ecken waren mit Silber
beſchlagen und in der Mitte des Einbandes funkelte gar ein
goldenes Kreuz. Aber das ſchönſte daran war doch: es ſtammte
von der Mutter. Manchmal, wenn er über den weichen Samt
ſtrich, war ihm, als rühre ihn eine gute Frauenhand. Das ſchien
ihm dann oft wie ein Märchen. Denn ſeit die Mutter tot war,
hatte niemand mehr die arbeitsharten Kanten ſeiner Stirn zu
glätten verſucht.
In dem Cage aber, da er das Fräulei Mizzi Gaſteigerer
geſehen, war das alles anders gewörden. Sein Herz pochte
zwar laut und ſtark, aber es ſchwankte nicht mehr, das
un=
beſtimmte Sehnen, das den Bauernſproſſen krank gemacht, wich
einem recht beſtimmten, wem auch fürs erſte ihm unbewußten
Verlangen, und, was das Wichtigſte war, davor alles andere
verſtummen mußte, die Motive des Scherzos, die ihn einen
ganzen Vorfrühling genarrt hatten, kamen wieder, duckten ſich
demütig vor ihm wie Hunde, daß er ſie faſſen konnte nach ſeinem
Willen.
Und damn hüllt ihn die Arbeit ein, wie ein Aehrenrauſchen
und Sommerwind. Wollte ſie ſtocken, dann ſaß er eine halbe
Stunde neben der Mizzi Gaſteigerer, ſprach luſtige Dinge oder
ſchwieg und atmete ihre Nähe wie Wieſenduft. Und war dann
wieder voll Schaffensglück, daß alsbald die Notenköpfe unter
ſeinen Fingern hervorwimmelten wie Blumen aus des Herrgotts
Hand.
Es kam ihm gar nicht zu Sinn, daß er noch nie ſo wenig an
den Herrgott gedacht hatte, wie in dieſen Cagen. Als er ſein
letztes, größtes Werk mit ihm begomnen, war hin und wieder,
wenn er ſich dem Ewigen m tiefer Demut nahe fühlte, der
ſchwindelnd kühne Gedanke in ihm erwacht, Gott dieſes Werk
zu widmen, als ſein getreueſtes Kind. Daran dachte er jetzt
kaum mehr. Ja, in Nuhepauſen, die wie Augenblicke zitternder
Wieſenſtille in dem bewegten Windesatmen ſeines beglückten
Schaffens ruhten, fiel es ihm manchmal ein, daß es recht ſchön
und eigentlich nur eine Pflicht der Dankbarkeit wäre, dieſes
Werk dem Fräulein Mizzi Gaſteigerer zu Füßen zu legen.
Sem klingender Sommerwind hielt dem Herbſtfall, dem
erſten Sturm und Schneefall ſtand, und an einem ſtillen Abende
konnte er die letzte Note des Scherzos ſchreiben. Er war am
nächſten Morgen ſchon zu dem Fräulein Gaſteigerer gelaufen, ihr
dieſe Freudenbotſchaft mitzuteilen; ſie hatte dafür ihr ſtetes
Lachen gehabt, das er als Seugnis ihrer Mitfreude
entgegen=
nahm. Weil er ſo ſchön im Zuge war, wollte er allſogleich mit
der Arbeit am Adagio beginnen. Er nahm ſeine alten Entwürfe
vor, ſie waren ihm fremd. Kein Widerklang in ſeinem Herzen,
aber auch nichts Neues blühte daraus. Leer und ſtill war es
in ihm. Nun kehrte er wieder zu Gott zurück und betete. Aber
er wuchs nicht i der Swieſprache, er wurde klem, und Gott
wich immer ferner zurück in den Sternenhimmel. Denn auch der
war ihm ferne und fremd geworden. Früher oftmals hatten
ſeine Klänge ihn aufwärts getragen, und Klang und Glanz
waren eins geworden, er wußte nicht mehr, umwogte ihn die
Fülle ſeiner Akkorde oder das Sternenmeer. Heute haftete er
an der Erde wie all die Cauſende um ihn. Es kam eine
ſelt=
ſame Surcht über ihn.
Wild prallte ihr Lachen gegen Bruckners Stfrn, ſieß
vor Bruſt und Herz, daß er langſam zurückwich, und dann.
Finger um das arme Buch gekrallt, als ſei es ſein letzter 65
die Creppe niederkroch, ins Sreie taumelte, in den leitzt
Cageslärm.
Anton Bruckner war lange durch die Gaſſen geirrt, es in
ſchon dunkel, als er heimkam. Die Haushälterin zündete geu
die Kerzen an dem kleinen Bäumchen an, das ſie ihm auf
Ciſch geſtellt hatte. Sie wartete, er ſprach kein Wort.
ging ſie kopfſchüttelnd und grollend in ihre Kammer zurück.
Er blickte in das Lichterſpiel. Es gaukelte vor ſeih=
Blicken, verwirrte und ängſtigte ihn. Aus den Lichtgarz,o
ſchnellten die Motive ſeines Scherzos, verſchlangen ſich und zav /
tanzten ihn, verloren Nhythmus und Klang und gellten imn eime 100
Lachen aus. Das der Mizzi Gaſteigerer war’s. Und die Lickhe
waren ihre höhniſchen Augen. Anton Bruckner verlöſchte nu
Kerzen. Dunkel und Schweigen. . .
Eiskalt kroch es aufwärts zu Bruckners Herzen;
högt=
höher, ſchnürte ſeine Kehle, wolke ſein Auge umſchatten. Qur va
letzter Kraft trat er ans Fenſter. Ungeheuer türmte ſich eM Ofl
Sternenhimmel. Wie oft hatte er aus ihm Kraft geholt 7M
ſein höchſtes Wollen, mit ihm Swieſprache gehalten, mit itmswit i0.
dem Mittler, der Gott zunächſt war. Seine reichſte Offenbarruv”
Ant erſo
Am Weihnachtsmorgen betrachtete er lange das koſtbare
Gebetbuch, ſeine Hand ruhte auf dem weichen Samt und
ver=
ſuchte, ſich ein Mutterſtreicheln vorzutäuſchen. Es verging in
neuem Drängen ſeines Weſens. Dann ſtand er vor dem Spiegel,
die knotigen Hände verſuchten, einen kunſtvollen Schlips zu
bin=
den, mit wildem Eifer bürſtete er Hut und Mantel, dann ſchlug
er das Buch in zartes Seidenpapier und trug es durch die
heim=
lich geſchäftigen Gaſſen. Sein Herz pochte, ſeme Lippen
bebten. ..
Das ſtete leiſe Lachen, das dem Fräulein Gaſteigerer eigen
war, verwirrte ihn heute ſo, daß er kemen klaren Satz formen
konnte. Er ſtammelte etwas vom heutigen Seſt, vom Alleinſein,
von der Mutter, die eine gar ſo gute Frau geweſen ſei, und daß
ſie gar dem Fräulein Mizzi ein biſſerl ähnlich geſchaut habe, ſie
hätte nämlich ebenſo lieb gelacht, und daß ſie immer aus dem
ſchönen Gebetbuch gebetet hätte, das er von ihr geerbt hätte,
und daß er’s deswegen i keinen beſſeren Händen wüßt, wie in
denen von Fräulein Mizzi und daß er, und daß er —. Mit
zitternden Fingern enthüllte er das Päckchen, die Seide rauſchte
zu Boden, wortlos hielt er das Buch dem Mädchen entgegen.
Die Mizzi Gaſteigerer ſtand einen Augenblick ſprachlos, mit
großen Augen und leicht geöffnetem Munde, dann aber brach’s
plötzlich hemmungslos aus ihr: „A Betbüchel ſchenkt er mir!
Hat man ſchon ſo was ghörtl A Betbüchel, Jeſſas nal A
Bet=
üchel!”
für die Erdgebannten. Heute ſchwieg Gott, kalt glänzten
Sterne, ohne Halt und Maß der unendliche Naum. Warn/ An heul9
warum? Ungeſtümer wuchs die Frage des Einſamen, rüttatAichesN
an den Coren des Himels, umfing Gottes Knie mit hei ſei zbenteue!
Sehnſucht. Und nun klang die Antwort aus eiſiger Ferne: WZiſch gb, Olll
du mich verraten haſt, weil du dem Himmliſches der Erde vreß prach 90.
kaufen wollteſt!
Bruckners Houpt ſank vieder in tiefſter Erſchütteru mucte went
Wie lange hatte er Gottes Stimme nicht gehört! Gottes Stimmet ur bi8
die ihn gerufen hatte zu ihrem Dienſt, der ſein Glück und Halvſerſtandsg
geweſen im Wirrſal fremden Lebens. Dieſen Dienſt hatte eſte nich m.
verlaſſen. Wollte er beides? Gottes Segen und der Eryſim ſtracks
Glück? Ciefer ſank das ſchuldige Haupt, in bitterer Neue ſchLumeud ſo
das Herz. Da tönte abermals die Stimme über ihm. Schüchtszinnuf gab.
hob er das Haupt. Lauter ſprach die Stimme. Aber ſie wnn wer e8 9
ſanft. Und nun klang ein Widerhall in ſeinem Herzen. Klärmmen, ſchon
waren’s, ſo machtvoll und groß, wie er ſie nie gehört...
wündung
wuir war.
As es en
Ein großer Weihnachtsbaum war der Sternenhimmel, Ze0 für des
ſamtweiche Hand der Nacht ſtrich über Bruckners Strn urdoen mir di
Herz. Und unter ihm verſank die kleine Erde, die nichts meer Ene klene
war, als ein verwehendes Lachen im unendlichen Naum. —„nearm, hat
ſich herein.
ſmter 50
uweiche.
anel; eine
nite ih m
Iug vo
zunel auf
1,Es iſt
19
W
ges C.
einer Lit
Begegnung unter dem
Weihnachtsbäum.
Von Oſlip Kalenter.
Epiſode.
Es war im ſpäten Nachmittag, der Heilige Abend bereits
angebrochen und das Himmelreich ſchon nahe herabgekommen,
als durch das geſchäftige Creiben, die tauſend fröhlichen,
auf=
geregten und vom Feſteifer (oder vom ſcharfen Nordwind . . .)
geröteten Geſichter über dickem Mantelkragen, Schals und
Pelzen — als durch die Menge ſich eine nicht eben elegante,
doch hübſche junge Frau ſo energiſch ſie konnte einen Weg
bahnte. Ihre Augen leuchteten ſanft, ihr Atem flog und ihre
haſtigen kleinen Schritte ſchienen den Weg gar nicht ſchnell genug
hinter ſich bringen zu kömen. In der Cat hatte ſie allen Grund,
ſich zu beeilen, denn im nicht ſehr geräumigen dritten Stockwerk
eimes öden Vorſtadthauſes, grau und ſtillos in eine Seile mit
anderen öden Vorſtadthäuſern geſetzt, ſtanden klopfenden
Herzens zwei Kinder am Fenſter und warteten.
Die junge Frau trat in ein Warenhaus, und vom Neſte
eies alles andere denn üppigen Gehaltes, das ſie als Angeſtellte
in einem Fabrikbüro bezog, machte ſie Einkäufe, liebevolle,
längſt bedachte. Und ſie war überglücklich, als ſie das
Spiel=
zeugpaket, eine Puppe mit ſüßem Lächeln obenan, im Arme
hielt. Eilends ſchlängelte ſie ſich, wie ſie gekommen, durch
die drängenden, treibenden Menſchen fort und wäre zur
Halte=
ſtelle der Crambahn gelangt, hätte nicht im unpaſſenden
Augen=
blick ein hober, in einen reſpekteinflößenden Pelz gehüllter Herr,
aus einem Suweliergeſchäft tretend und auf ſein Automobil
zueilend, ihren Weg derart gekreuzt, daß er mit ihr
zuſammen=
prallte und ihr Paket anſtieß. Mit einem Geräuſch, das ihr
das Herz zerſchnitt, klirrte es zu Boden. Sie bückte ſich raſch,
vermochte jedoch vor Erregung nicht weiterzugehen und war
den Cränen nahe, törichten, hilfloſen, lächerlichen Cränen. Nie
hätte ſie die Puppe erſetzen können. ..
Der Herr im Pelz hatte ſchon den Suß aufs Crittbrett
des Autos geſetzt, da gewahrte er ſein Unrecht. Zu Heiligabend
dürfte ſelbſt der hartgeſottenſte Seit=iſt=Geld=Menſch für
Ge=
fühle empfänglich ſein. Das Gefühl, das den Herrn im Pelz
ankam, der übrigens gar nicht zu den hartgeſottenen gehörte
und auch zu anderen Seiten im Jahre ſich Gefühle erlaubte,
glich ziemlich dem eines ertappten Schuljungen. Er trat zu der
jungen Frau, lüftete den Hut und fragte in jener kurz
ange-
bundenen Manier, die Kaufherren eigen iſt:
„Stwas entzwei?‟
„O, nichts... (Die junge Frau ſagte es kaum hörbar.)
„Es klirrte etwas merkwürdig.”
„Vielleicht.”
„Am beſten, Sie ſehen einmal nach.”
Er faßte, ein Mann der Cat, die junge Frau zu ihrem nicht
geringen Schrecken leicht am Ellbogen und führte ſie in eine
ſchützende Niſche. Sie öffnete das Paket und fand, wie ver=
mutet, das feine Köpfchen der Puppe zertrümmert, das ſüße
Lächeln in Scherben geſchlagen.
Der Fremde ſchien ehrlich bekümmert.
„Wird erſetzt, kleine Frau, wird erſetzt”, ſagte er haſtig.
Und am Ellbogen, wie er ſie in die Niſche geführt, führte
er ſie an ſein Auto, nannte dem Chauffeur raſch und
unver=
ſtändlich das Siel, und wohlgefedert rollte man von dannen.
„Ihr Cöchterchen ſoll durch mein Ungeſchick nicht um ihr
Weihnachten kommen. . . . Wie alt iſt ſie denn?”
Jge
„Das einzige Kind?” (Und er begam eine jener nicht
immer delikaten Ausfragereien, die ſo leicht verletzen können.)
„Nein. Ich habe noch einen Jungen von ſieben Jahren”,
erwiderte die Frau, der ſeine Fragen, da ſie Wärme und
An=
teilnahme verrieten, nicht läſtig waren.
Der Fromde wurde nicht müde, die junge Srau auszufragen,
und als man an einem Spielwarenladen hielt, wußte er, daß ſie
Maria Orell, ihre Kinder Ulrich und Brigitte hießen, daß ſie
frühzeitig verwitwet, ihr Mam, Schweizer von Geburt und
als Privatdozent in den Norden Deutſchlands verſchlagen, bei
einem Experiment verunglückt, ihr beſcheidenes Vermögen dank
ihrer rührenden Unwiſſenheit in der Inflationszeit zerronnen
war, daß ſie weder Verwandtſchaft noch Hilfsquellen
irgend=
welcher Art beſaß, nichts als ihre Jugend, ihren Mut und ihre
Arbeitskraft, die durch die doppelten Anforderungen, die an
ſie als Mutter und als Berufstätige geſtellt wurden, halb ſchon
gebrochen war. Dieſe Offenherzigkeit gleichſam quittierend,
warf der Fremde flüchtig den eigenen Namen hin: Brake, und
fügte einige Worte über das Was und Wie ſeiner Exiſtenz
hinzu. Die junge Frau, die im Grunde ihres Herzens ſchon
befürchtete, ſich auf ein Abenteuer eingelaſſen zu haben,
de=
ruhigte das einfache Bekenntnis ſeiner Bürgerlichkeit.
Der Mann, der ſich Brake nannte, erſetzte nicht nur die
Puppe durch eine ebenſo ſchöne, ebenſo lächelnde, ſondern erwarb
für Brigitte Puppenſtube und Puppenküche mit allem
erdenk=
lichen Krimskrams, für Ulrich, von deſſen Intereſſe für Cechnik
er gehört, eine koſtſpielige Eiſenbahnanlage mit Bahnhof.
D=Sugwagen, mehreren Lokomotiven. Die junge Frau, die ſich
erſt ernſtlich geſträubt hatte, nahm das Nieſenpaket ſchließlich
um ihrer Kinder willen an.
Die ſanfte, zauberiſche Limouſine trug Frau Orell an der
Seite des nunmehr behaglich geſprächigen Herrn Brake bis zu
einer Straßenkreuzung unweit ihrer Wohnung. Hier ſtieg ſie
aus, ließ ſich die Pakete reichen und nahm mit den zaghaft
ungewandſten Worten, verwirrt und überſelig, Abſchied. Herr
Brake, ſeinerſeits nicht weniger verlegen, wehrte eifrig ab.
Der Schlag flog zu. Das Automobil fuhr an. Die Epiſode war
beendet.
Bilanz.
Im Weiterfahren — aus dem triſten Kleinbürgerviertel
brachte ihn ſein Wagen durch die innere Stadt nach dem
vor=
nehmen, lichten Weſten — machte Brake eie melancholiſche
Bilanz, an deren Ende die junge Frau als Sumbol eines
erheblichen Defizits ſtand.
Sum Geſchäftsmann beſtimmt von Geburt, als Kind ſcha
Was bl.
eingeweiht in die Geheimniſſe des Handels, Erbe eines große
deimen
Hauſes, aufgebraucht im Getriebe des Alltags, war er fünfzül
Jahre alt geworden, ohne vom Leben im Grunde mehr vern
dur
ſpürt zu haben als einen Abglanz. Da er mit dreißig nicht d- ſhuen 9
Frau bekam, die er haben wollte, war er unverheiratet g22 18 geſch
blieben. Aus Creue. Aus Crotz. Lo war nicht mehr als eik-Lnortat
ſeiner Serſtreuungen, denen er die Seit widmete, die ihm dE
Geſchäfte ließen. Sein Herz war bei alledem leer. Und nie- dn
mals leerer als im Advent. Weihnachten fürchtete er, wie alll
M
Eiſamen. Gewöhnlich reiſte er um dieſe Seit. Mauchmal m
recht
Lo. Manchmal allein. Nach dem Engadin, in ein
Winter-
ſporthotel. Nach Venedig, zu elegiſchen Fahrten auf den dezem
Mu
berlich ſtillen, verlaſſenen Kanälen. Hätten nicht geſchäftlich Ho
Verpflichtungen ihn bis zur letzten Stunde zurückgehalten, den 8
wäre er auch diesmal geflohen — und hätte nicht die Bekannt:
ſchaft der Srau Orell gemacht.
ſche,
Die Begegnung mit der jungen Frau und die Erzählun
Aber
von ihren Kindern hatten in dem einſam alternden Manne Ge
werd
danken und Gefühle aufgeriſſen, die wr wenig verſchüttet warer
Brahe hatte nie zuvor die Unſinnigkeit ſeiner Lebensführun./ iche
tiefer eingeſehen, nie die verlorenen Jahre inniger zurückeſ *
gewünſcht.
Immer und immer wieder kehrte er m ſeiner Cräumere
zu dem beſcheidenen Glück der jungen Frau zurück Immer um
immer wieder vertiefte er ſich in Phantaſien um ſie und di=
Ihren. „Damn werden ſie dies tm, dann jenes” bedachte e
pedantiſch. „Dann werden ſie ſich zu Ciſch ſetzen.” Und da— dra
bei fiel ihm ein: ob ſie wohl anſtändig zu eſſen haben würden”ſ.
Sicherlich nicht. . . .
Er ſignaliſierte dem Chauffeur und fuhr zurück zur Stadä /Weffn
In einem Delikateßgeſchäft kaufte er praktiſche, ſolide
Ding-
ein: Schinken, Würſte, Gänſebruſt, Sardinen i Oel; und
Bre=
zeln, Schokolade und Pfefferkuchen dazu; und Süßwein und
Sekt. Er ließ ſich ein Adreßbuch geben. Er hatte Glück. Auße—
der Inhaberin einer Fremdenpenſion gab es keine andere Sran
Orell als die geſuchte: Orell, Maria, Privatdozentenwitwe...
Pakete.
Frau Orell hatte inzwiſchen in ihrem Wohnzimmer der
Weihnachtstiſch beſtellt, mit Mühe und Sorgfalt die
Eiſenbahn-
anlage rekonſtruiert, mit Liebe und Geſchick die Puppenwoy
mung aufgebaut. Die Kerzen brannten feierlich. Die Lun
ward geöffnet, Ulrich und Brigitte tappten Hand in Hand ins
Simmer. Und das „Stille Nacht, heilige Nacht” war kaum
bſolviert, als ſie mit begeiſterten kleinen Schreien auf die
Gaben losſprangen. Unnennbar die Freude.
„Ich bin diesmal dem Weihnachtsmann in eigener
Perſox=
vegegnet”, ſagte Frau Orell, die Pracht der Geſchenke gleichla
entſchuldigend.
Die Kerzen waren noch nicht zur Hälfte abgebraunt, da
prachte ein Bote das Paket aus dem Delikateßgeſchäft.
„Noch ein Paket vom Weihnachtsmann!” riefen Ulric=
und Brigitte begeiſtert.
Warum Herr Spengler eingeladen war, begriff ich nicht
M Vater, Mutter, Onkel Suſtav, meine beiden Schweſtern
ich — das wäre eigentlich genug für den Heiligen Abend
ſoſen. Doch hatte ich keine Seit, über Spengler nachzudenken,
nahoffnungsvoller Aufregung, denn ich hatte mir eine
Dampf=
ſieahn gewünſcht mit ſchüchtern vermerktem „Subehör”, was
übieſem Salle ein ziemlich dehnbarer und für die kühnſten
Afyartungen Naum laſſender Begriff iſt. Fünf oder ſechs Jahre
vier, als ich eben ſchreiben gelernt hatte, war ich ſchon ein=
Ahuvon dem gleichen Wunſche beſeelt geweſen und hatte auf
nuen Wunſchzettel erfolglos vermerkt: Eiſenbahn und Schbiri=
A00 Jetzt war ich aber bereits federgewandt und hatte
auf=
getrieben: Ene klene Lokomotive mit Spritus — im Eifer
oe ich in jedem Wort einen Buchſtaben vergeſſen. Mein
Aber war ziemlich entrüſtet, weniger über den Wunſch, als
üb den Settelz er werde ſich hüten, ſagte er, ſo leichtfertige
Abtmotivführer ſeien eine Gefahr für Leib und Leben. Crotz=
Aawar ich beſter Hoffnung; verraten hatte mir war niemand
glus, aber was iſt ein Hühnerhund, verglichen mit einer
vor=
gſuhachtlichen Spürnaſe?
Am heiligen Abend, nach Ciſch, als es zu dämmern begann,
bifü ich es nicht mehr aus, rannte aus dem Haus, ſchweifte mit
Awabenteuerlich vermummten Laternenanſtecker, den es damals
n51 gab, durch die ſchneebedeckten Straßen unſeres Neviers
uc ſprach von meinem vermutlichen Glück. Er war, wie das
i)0 Amt erforderte, ein techniſch gebildeter Mann und
be=
nſterte, wenn an der Lokomotive ein Waſſerſtandsglas ſei, dürfte
el ur bis zum roten Strich gefüllt werden. Dies mögliche
Iagerſtandsglas, an das ich noch gar nicht gedacht hatte,
ver=
fltzt mich imn einen ſolchen Caumel, daß ich den kenntmisreichen
lan ſtracks verließ und wieder nach Hauſe rannte, wo ich vor
Unduld ſo zappelte, daß mir meine Schweſter Helene eine
sofnuß gab. Sie durfte das, da ſie acht Jahre älter war als
haber es genierte mich doch, weil Herr Spengler, fein
an=
sligen, ſchon da war; ich gab daher die Kopfnuß ohne weitere
Seründung an meine Schweſter Elſe weiter, die zwei Jahre
yer war.
Als es endlich klingelte, zitterte ich ſo, daß ich kaum durch
eſe Tür des Beſcherzimmers zu bringen war — und dann
2kyſten mir die Knie zu verſagen.
Ene klene Lokomotive? O Sott, ſie war ſo lang wie mein
Umrarm, hatte feſtſtehende Sulinder, Schieberſteuerung und
Hlruzkopfführung — eine Sturmflut übererfüllter Wünſche
tſc herein. War ich denn ſo vortrefflich geweſen? Ein
ge=
tſinter Haufen Schienen, gerade, gebogene, Nechtsweiche,
Ousweiche, Kreuzung, Drehſcheibe, Signale und ein giftgrüner
Gſuel; eine Neihe beladener Güterwagen waren da, einer mit
Sſtmmholz, einer mit Brettern, ein Weinwagen mit Fäſſern,
dſe nan füllen und abzapfen konnte, ein Keſſelwagen, einer mit
Sſenentſäcken für Cunnelreparaturen. Perſonenwagen waren
leie dabei; die ſeien langweilig, belehrte mich mein Vater,
udder Güterverkehr ſei volkswirtſchaftlich viel wichtiger. Ich
gſwte ihm aufs Wort, wie das auch klügere Leute taten, und
gwte ih maufs Wort, wie das auch klügere Leute taten, und
ſizig vor, im Intereſſe der Volkswirtſchaft mit der
Betriebs=
elöfmung nicht zu zögern.
Gmel aufgeſtellt; den gift=grünen Berg ihnauf führte ein
„Es iſt kein Spiritus im Haus”, ſagte meine Mutter, und
o9 ganz glücklich- aus.
Was für ein Orrtum! Ich hatte ſchon ſeit drei Wochen mein
wes Caſchengeld in Brennſtoff angelegt und erſchien alsbald
mieiner Literflaſche auf dem Plan. Die Simmermitte wurde
füeiemacht, der Ceppich beiſeitegeſchlagen, eine kunſtvoll
ver=
ſezungene Schienenfigur auf dem Boden ausgebreitet und der
Was blieb der armen jungen Frau anderes übrig, als an=
Fuhmen? Eine wahre Mutter iſt allezeit die Sklavi ihrer
Kſiner. .."
Sur ſelben Stunde ſaß Brake im wohlgeheizten Salon von
Grälein Lo. Er hatte allerlei Koſtbares, Sinniges, Aufmerk=
Ums geſchenkt: den Pelz, den ſie gewünſcht, den Ning, den ſie
eurtet hatte, einen Smaragdring. Wie vertan, wie unnütz
eurſeien ihm das alles! Wie fremd und deplaciert fühlte er ſich
in ſem koketten Salon von Fräulein Lo. ..."
Man begab ſich zu Ciſch, feierlich, feſtlich. Aber es kam
ki rechte Stimmung auf an dieſem Abend. Brake war
ſihneigſam. Lo beredt, aber ſpitz.
„Du biſt unaufmerkſam. Woran denkſt du?” fragte ſie
wie=
dßrolt, und immer begründete Brake ſeine Unaufmerkſamkeit
miiden Geſchäften, die ihn über die Maßen in Anſpruch nähmen.
„Ich glaube, du wirſt alt”, ſagte Lo, damit er ihr wider=
Iulriche.
Aber friedfertig wie ein Bußprediger entgegnete Brake:
„werde es nicht, ich bin es.”
Solche und ähnliche Geſpräche vertrieben die Seit. Gegen
z6h Uhr plötzlich klingelte es. Ein Weihnachtspaket. Auch
9aa Brake ward etwas unbehaglich zumute.
„Was iſt das?"
„Ich weiß nicht. Es wird nichts weiter ſei.”
„Von wem kommt es denn?”
„Von meinen Verwandten vermutlich.”
Brake hatte nie etwas von Los Verwandten gehört. Die
Eirn kamen nicht in Frage. Sie pflegten micht, ihrer Cochter
Geſenke zu machen.
„Oeffne es doch!”
„Morgen. Es intereſſiert mich nicht.”
Brake öffnete es ſelber. Das Paket enthielt ein Miniatur=
Enbäumchen aus Draht und Papier, mit winzigen Kerzen,
munigen Sternen, Silberhaar und gemaltem Schnee. An den
Bcſen hing Suckerwerk und — mit dem Blick des
Miß=
kkciſchen entdeckte Brake es zuerſt — ein Ning. Und das
Sükſal wollte, daß es ebenfalls ein Smaragdring war.
Lo fand es „furchtbar komiſch”, plötzlich zwei Smaragd=
Eryg zu beſitzen, nachdem ſie vorerſt gar keinen beſaß.
Brake nahm wortlos ſeinen Pelz und ging.
Nachf.
Es gibt nichts Deprimierenderes, als in der Heiligen Nacht
Ma und planlos eine Großſtadt zu durchirren. Brake koſtete
OeA unvergleichliche Niedergeſchlagenheit weidlich aus. An
Wſideten Bars, vereinſamten Läden, geſchloſſen hinter dichten
CAuſien liegend, trieb er vorbei, durch eine kalte, leere Bahn=
Wſchalle, über Plätze, die troſtlos der Winterwind kahl fegte:
EAs anders als die traurigen Geſtalten, denen er begegnete.
Gegen Mitternacht langte er an dem Hauſe an, das er ſo
intkältig im Adreßbuch des Delikateßwarenhändlers ausfindig
geicht hatte. Er prüfte die Fenſter der dritten Etage und
fhu in einem noch Licht. Die Vorhänge waren dicht geſchloſſen.
H7 Schatten, nichts als der gleichmäßige gelbe Lichtſchein war
Mehen. Sein Herz, ſo ſtellte er feſt, ſchlug ſchneller, und er
Cumel aufgeſtellt; den gift=grünen Berg hinauf führte ein
kleiner, gelber Weg, zu oberſt ſtand ein Häuschen, ein Baum und
eine Bank, und auf der Bank ſaßen ein Herrlein und ein
Fräu=
lein und betrachteten die ganze Anlage mit Wohlgefallen.
Die Lokomotive wurde gefüllt, nach Vorſchrift des
Laternenanſteckers bis zum roten Strich in vorhandenem
Waſſer=
ſtandsglas, geölt und ſchließlich geheizt. Imponierend ſtand ſie
auf den Schienen, vorläufig noch ohne Anhängſel, um ſie nicht
gleich zu überanſtrengen. An der Linksweiche war Elſe, an der
anderen ich poſtiert. Die Lokomotive erhob allgemach ein leiſes
Summen, das bald in ein ſcharſes Siſchen überging. Dabei ſtand
ſie aber wie eingemauuert. „Man muß ſie vielleicht anſtoßen”.
meinte Onkel Guſtav und verſetzte ihr einen kleinen Puff.
Stracks wütete das entfeſſelte Element los. In
beängſtigen=
der Jahrt ging es durch die Kurven, knatternd über die Weichen,
mit heroiſch=dumpfem Gepolter durch den Cunnel, daß ich mich
vor Wonne platt niederwarf, um dem Wunder näher zu ſein.
„Weiche umlegen” ſchrie ich Elſe zu.
Na ja, eine Frau und eine Weiche ſtellen!
Elſe zog den Hebel, als die Lokomotive mitten drauf war.
Schlupp! ſprang ſie aus den Schienen und jagte quer durch das
Simmer, auf Herrn Spengler zu. Der ſprang gut ellenhoch, aber
etwas zu früh, denn als er wieder herunterkam, war die
Loko=
motive gerade vor ſeinen Füßen angelangt und fuhr ihm auf
die feinen Lackſtiefel hinauf, auf die ſich ſogleich ein großer
Klecks brennender Spiritus ergoß. Herr Spengler verlor den
Kopf und ſchleuderte die Höllenmaſchine mit einem kräftigen
Suſtßoſt von ſich. In Dampf und Flammen gehüllt, flog ſie wie
ein Komet im Bogen durch die Luft und traf meine Schweſter
Helene vor die Bruſt. Im Nu ſtand ihr leichtes, weißes Kleid
in Flammen. Im ſelben Augenblick hatte auch ſchon mein Vater
den ſchweren Ceppich emporgeriſſen, warf ihn über die
Bren=
nende, und als er ſie aus ſeinen zitternden Armen ließ, ſank ſie
bleich und leblos an ihm nieder.
nannte ſich im ſtillen einen alten Narren. Gleichwohl ging er
nicht weiter. Gleichwohl harrte er aus, bis das Licht verloſch.
Frau Orell hatte, als die Kinder zu Bett waren, einen Brief
zu ſchreiben begonnen: an Brake. Nicht einen, viele. Sie
zer=
riß ſie immer wieder und begann ſie immer wieder von neuem.
Schließlich gab ſie es auf. „Morgen”, ſagte ſie ſich. Sie löſchte
das Licht und ging zur Nuhe.
Brake war nicht jung genug, um ſich romantiſchen
Vermu=
tungen hinzugeben und zu erwägen, was hinter dem erleuchteten
Fenſter vorgegangen und zu welchem Ende das Licht erloſchen
war. Ihm genügte die Möglichkeit, daß es ihr Fenſter wäre.
Ulrich und Brigitte.
Andern Cages, Punkt elf Uhr, fuhr an Frau Orells
ſchüchternem Vorſtadthaus Brakes Automobil vor. Brake
ſelber ſtieg (ein wenig bange war ihm doch . . . ) langſam,
wohl=
bedacht die Creppen zur dritten Etage hinan. Frau Orell, die
kein. Dienſtmädchen hatte, öffnete ſelber. Und erſchrak.
Verzeihen Sie den Ueberfall... (In die ſonntägliche
Stille des erſten Weihnachtstages fielen ſeine trockenen,
kärg=
lichen, konventionellen Worte laut und ſtörend.)
Frau Orell hieß Brake eintreten. Ihre Verlegenheit
ſtimmte ihn kaum mutiger. Aber die Kinder, die ihn nach wenigen
Worten wie einen alten Bekannten behandelten, ihm ſtolz ihr
neues Spielzeug vorführten, in eifrig befragten, mit ihm ſcherzten
und lachten und ſchließlich bedenkenlos herumtollten, dieſe
Kin=
der, denen männlicher Beſuch etwas Neues war, und die
in=
ſtinktiv das väterliche Element in ihm ſpürten, überbrückten die
Kluft. Brake beſchäftigte ſich ausſchließlich mit den Kindern,
denn er fand Frau Orell entzückend. Am Ende war man, Frau
Orell ausgenommen, dermaßen itim geworden, daß Brahe aus
heiterem Himmel mit der gütigen Beſtimmtheit deſſen, der nie
auf Widerſpruch zu ſtoßen gewohnt iſt, für den zweiten Feiertag
eine Autotour anſagte. „Steht beizeiten auf! Gegen acht bin ich
da” verkündete er programmatiſch. Und die Kinder
applau=
dierten.
Als er gegangen war, fragten die Kinder Frau Orell nach
dieſem amüſanten alten Herrn aus, von deſſen Exiſtenz ſie bis nun
nicht die leiſeſte Ahnung hatten.
„Ich glaube, es iſt der Weihnachtsmann”, meinte Ulrich.
„Der?”, ſagte Brigitte verächtlich, „der hat ja nicht
ein=
mal einen Bart!”
Weit verächtlicher noch äußerten ſich Pietſchs, Mückes und
Kickelhains, die neben, unter und über Frau Orell wohnten.
„Haben Sie geſehen: die Orell? Nun hat ſie einen
auf=
gegabelt. Mit dem Auto iſt er dageweſen. . . .
„Die armen Kinder! Es iſt ein Skandall”
„Die können einem leid tun. Die kommen nun ganz ins
Hintertreffen.”
Doch das Orakel ging nicht in Erfüllung. Niemand
domi=
nierte bei der Autotour mehr als Ulrich und Brigitte. Durch
den roſig dämmernden Wintermorgen fuhr man ins nahe Gebirge.
Wälder im Glaſt des Nauhreifs glitzerten auf, Berge, kriſtallen,
weiß. Su Mittag ward ein luftiges Berghotel erreicht, wo man
aß, ruhte, ſpazierenging, eine Schneeballſchlacht ſchlug. . .!
„Helene!” — ein Nuf, em Schrei. Herr Spengler war es.
Er warf ſich neben ihr zu Boden; Elſe und ich ſtarrten betäubt
auf das unerhörte Schauſpiel. Meine Mutter faßte uns und
ſchob uns zur Cür hinaus.
Als wir nach einer Stunde wieder hineindurften, ſahen wir,
daß Helene nichts geſchehen war, nur ſah ſie ſonderbar fremd
aus, entſtellt durch die weggeſengten Augenbrauen und
Stirn=
haare und zugleich verſchönt durch etwas, was wir uns nicht
erklären konnten. Mein Vater hielt eie Weinflaſche zwiſchen
den Knien, eine von den gelbgeſiegelten, Hochheimer Hölle, von
denen nur ſechs im Keller waren, und zog mit Anſtrengung am
Korken. Dabei ſah er auf die geſchwärzten Neſte meiner ſtolzen
Lokomotive nieder und ſagte mit tiefer Befriedigung: „Die hat
ihren Sweck erfüllt!” — und mein Groll gegen Herrn Spengler,
der ſich bisher aus Angſt um Helene nicht hervorgetraut hatte,
ſchwoll ins Uferloſe. Was half es, daß mich Onkel Guſtav
nach Kräften tröſtete, es ſei zwar Weihnachts=, aber doch nicht
aller Cage Abend, und morgen ſei erſter Feiertag.
Feiertag! Sah er denn nicht die Crümmer meiner Seligkeit?
Wollte er mich verhöhnen?
Am nächſten Morgen aber, in allen Simmern war geheizt
und dampften Näucherkerzen, kam Herr Spengler und konnte
kaum durch die Cür, einen ſolchen Blumenſtrauß hatte er in der
einen Hand und einen ſolchen Karton unter dem andern Arm.
Für wen die Blumen ſeien, fragte ich nicht. Blumen brachten alle
Beſucher mit; der Karton aber war für mich. Aus ihm erſtand
— Herr Spengler mußte einen Händler aus ſeiner Seiertagsruhe
aufgeſcheucht haben — die Nachfolgerin der Verunglückten,
gleißend wie ſie, groß wie ſie, ausgeſtattet mit allen techniſchen
Neuerungen und überdies mit zwei Scheinwerfern verſehen, die
man richtig anzünden konnte.
Als beim Mittageſſen der Nachtiſch gar kein Ende nehmen
wollte, ſtahl ich mich fort ins Beſcherzimmer, ſtellte die
Loko=
motive auf die Schienen, hängte ihr alle Wagen an und
ent=
zündete die Scheinwerfer; in hellem Schneelicht der Fenſter
war=
fen ſie einen ſchwachen Schimmer auf die blanken Gleiſe, einen
leiſen und beglückenden Glanz. Ich lagerte mich daneben auf den
Boden und verſank in Schauen, wie ſie daſtand mit ihren
Seuer=
augen, treu bereit zu nächtlicher Fahrt im die Ferne mit der
ſchweren Laſt zum Nutzen dieſer merkwürdigen Sache, die
Volks=
wirtſchaft hieß und ſo wichtig war.
Da erſcholl aus dem Eßzimmer ein Hoch und Gläſerklingen.
Gleich darauf kam Herr Spengler mit dem Weinglas zu mir
herein, ſtreckte mir die Hand hinunter und ſagte: „Auf gute
Freundſchaft, Herr Schwager!” — und ſiehe, da ging auch mir
ein Scheinwerfer auf.
Eine Weihnachtsgeſchichte.
Von Kaſimir Edſchmid.
Ein junger Dichter, der das Glück hatte, aus einer
wohl=
habenden Jamilie zu ſtammen, deren Cradition und Neigung es
ihm ſehr leicht gemacht hatte, die Kultur ſeimer Seit und die der
vergangenen Epochen in ſich aufzunehmen, erhob ſich von ſeinem
Ciſch. Der junge Mann nahm den Hörer und beſtellte ſich ein
Eiſenbahmbillett. Sein Geſicht, das weder müde noch friſch war,
trug jenen Sug, den junge Leute haben, die nach außen eine
Ab=
wehr zur Schau tragen, die man vor dem Kriege Blaſiertheit
und nach dem Kriege Snobismus nannte. Dieſen Leuten iſt es
im Lebensanfang zu leicht gemacht, und ihre noble Umgebung
macht ſie zu Schauſpielern einer Gleichgültigkeit gegen das Leben,
die ſie gar nicht beſitzen. Crotzdem ſcheinen ſie, ſelbſt, wenn ſie
ein reiches Gefühlsleben haben, immer darauf bedacht zu ſein, es
zu unterſchlagen. In der Cat, die Deutſchen, welche am innigſten
veranlagt ſind, zeigen ſich immer als Feinde jener Sentimentalität,
die einer der ſchönſten deutſchen Süge iſt. Der junge Dichter
Klaus N., welcher den Namen eines alten Kaufmannsgeſchlechts
Frau Orell atmete tief. Gierig, ausgehungert faſt, ſog ſie
den Ruch der reinen Luft ein. Welch klägliches Surrogat waren
die Gartenanlagen zwiſchen Aſphalt und Mietkaſernen, im
Sommer ein wenig ſpärliches Grün, im Winter ein wenig
ſchlam=
miger Naſen und kahles Geäſt.. ..
Gegen Abend erſt fuhr man zurück, dicht in die dunkle
Limouſine gedrückt. Im Fond ſaßen Brake und Frau Orell, vor
ihnen auf den Klappſitzen die Kinder.
„Immer ſo fahren können .. ." , dachte Frau Orell, „ohne
Ende ... ohne Ende.”
Die Nähe des Mannes beruhigte ſie. Hier fand ſie, die
unter ihren Sorgen zuſammenzubrechen drohte, Halt. Hier fand
ſie, die tauſend Fährniſſen ausgeſetzt war, Schutz.
Es ging auf elf, als man nach Hauſe kam.
Pietſchs, Mückes und Kickelhains waren ampört.
Silveſter.
Frau Orell war zu lkeptiſch, um in Phantaſien zu ſchwelgen.
Die letzten Cages des Jahres gingen in vorſichtigen kleinen
Träumereien hin. Einen Menſchen zu wiſſen, der Anteil an ihrem
und ihrer Kinder Geſchick nahm, gewährte ihr allein ſchon allen
Croſt.
Su Silveſter lud Brake die kleine Familie zu ſich ein. Alles
war Freude und Glück und ſtille Harmonie. Die Seit rückte vor.
Die Kinder ermüdeten. Sie legten ſich auf den Diwan und
ſchliefen ein.
Als die Glocken läuketen, traten Brake und Frau Orell auf
den Balkon. Frau Orell, mit dem feinen Inſtinkt der Frauen
Brakes Gedanken ahnend, krampfte die Hände in das ſchmale
eiſerne Geländer. Er, der hinter ihr ſtand, nahm ihren Kopf
zwiſchen ſeine Hände und küßte ſie langſam, als beſiegle er ein
Gelöbnis, auf den Mund.
Frau Orell war nicht fähig geweſen, ſeinen Kuß zu erwidern.
Als ſie ins Simmer zurücktrat, weinte ſie. Sie hätte nicht ſagen
können, warum. Sie flüchtete zu ihren Kindern und küßte
ſtür=
miſch deren kleine, im Schlaf hilfloſe Hände.
Brake war an der Balkontür ſtehengeblieben.
„Ich will Ihnen ja nichts von dem nehmen, was geweſen iſt”,
ſagte er leiſe. „Der größere, beſſere Ceil Ihres Herzens ſoll
ſeinem Andenken gehören. Nur. . . bleiben Sie bei mirl
Ver=
zeihen Sie meinen Egoismus: ich komme gegen meine Einſamkeit
nicht mehr auf.”
Sollte Frau Orell ſeinem Drängen willfahren? Alles ſprach
dafür. Nichts als ihre übergroße Scheu war dagegen.
„Wir ſind uns noch fremd. . . . Wir haben ja Zeit.. . . Wir
werden uns näherkommen”, ſagte dio Stimme vom Balkon her.
Frau Orell ſchwieg. Aber Brigitte war ſetzt erwacht. Sie
ſah die Cränen in Frau Orells Augen, und alle Sorgen, von
denen die Mutter zuweilen ſprach, fielen ihr ein.
„Ach, Mutti,” fragte ſie ſanft, beſorgt, „was iſt denn?
Warum weinſt du denn?” Und mit einem Blick auf Brake,
Herrn Brake — „Onkel” hatte es für Ulrich und Brigitte nie
gegeben —: „Kann uns Herr Brake nicht helfen?”
„Ja, Kind.. . . Vielleicht. . .", ſagte Srau Orell leiſe. „Doch.
jetzt ſchlaf noch ein wenig. ..=
trug entfernte ſich von ſeiner Familie und ſeiner Stadt, da er mit
höchſtem Unwillen jene Verbrüderungsſtimmung ſeiner
Ver=
wandtſchaft und ſeiner Kreiſe floh, welche Mitte Dezember die
Welt zu ergreifen ſcheint.
Er fuhr nach München und ins Gebirge. Einer jener
ſel=
tenen Winter, die den Dezember manchmal wie ein Wolfrudel
überfallen, hatte die baueriſchen Alpen in einen weißen Bann
gelegt, der tief in die Cäler reichte. Achthundert Meter iſt noch
keine Höhe für Schnee, aber das hier ſeltene Weiß ſchien ewig
liegen zu bleiben. Von Tegernſee bis Partenkirchen war die
Welt von einer Märchenſtimmung erfaßt, welche der gefrorene
pulvrige Schnee erzeugt und welchen die Bäume und Wälder
unterſtützen, die im Nauhreif wie Glas ausſehen. Dieſe glühend
weißen Gebirge und die verzauberten Bäume im Brand einer
unaufhörlich rot über den faſt italieniſch blauen Himmel
wan=
dernden Sonne machen jedes Herz voll Glücksgefühl. Klaus R.
nahm die Natur mit jener Wolluſt hin, die ein Sportsmann
hinter der Freude verbirgt, die eine vollkommene Beherrſchung
der Bobſleighs und Skier erzeugt. Es fehlte ihm völlig die
Natürlichkeit, ſein Gefühl zu äußern, obwohl er, braun gebrannt
und ſich als großer Skiſpringer erweiſend, hätte ſagen können,
was er gewollt hätte, und man hätte ihn bewundert. Auf den
Couren verliebte er ſich in eine baltiſche Baroneß, Clara v. B.
Der Neiz dieſes Mädchens beſtand in einer Natürlichkeit, die
beiſpiellos war. Dieſe Freiheit der Manieren ſetzte eine
unend=
lich gute Erziehung voraus. Das Mädchen wirkte in einem
Maße verblüffend, wie ſie ſchön und reich war. Sie war ein
Stück Natur und beantwortete jede Bewerbung des Dichters
mit einer Oronie, welche faſt hochmütig ſchien. Das Mädchen
ſtellte jenen ausgezeichneten Naſſetup dar, der ſich über alles luſtig
zu machen bereit iſt, aber ein Herz beſitzt, das demütig und
innig iſt.
Vor Weihnachten machen die Hotels große Bemühungen,
Weihnachten zu feiern. Chriſtbäume und elektriſche Lichter
ge=
nügen dazu nicht. Klaus N., deſſen Bücher einen kühnen und
pathetiſchen, aber auch ſcharfen Geiſt verrieten, floh auf das
Kreuzeck, wo ein kleines Hotel, das eigentlich eine Hütte iſt,
das wahre Eldorado der Sportsleute in der Nähe des allzu
ver=
lnobten Garmiſch darſtellt. Die Baroneß ſollte mit Schweſter
und Schwager ebenfalls kommen. Am Tage, ehe Klaus N. auf
das vierzehnhundert Meter hohe Kreuzeck ſtieg, hatte er die
Baroneß nach München begleitet, die einen kleinen ſelbſt
abge-
ſchnittenen Cannenboum im Münchener Bahnhof einer Freundm
in das Gepäcknetz legte, die nach Nizza fuhr. „Aber es gibt”,
ſagte Klaus, „auch an der Niviera Cannenbäume!” „
Cannen=
bäume”, ſagte das ſchlanke Mädchen, die ihn anſah. mit
höchſtem Erſtaunen. „Es gibt tauſend Nadelbäume,” ſagte ſie
langſam, „aber es gibt dort keinen Cannenbaum”. Sie ſtrich
über den kleinen, unſcheinbaren Baum, deſſen Nadeln weder
glänzten, noch breit und üppig waren. In der Bewegung ſtak
der Neiz einer Natur, die eigenwillig genug iſt, alles zu lieben,
was ihr gefällt, auch das armſeligſte. Der junge Mam kam in
die Verlegenhert, einer Szene beizuwohnen, die er ſeither
entſetz-
lich gefunden hatte, vor der er aber jetzt voll Bewunderung und
Erſtaunen ſtand. Es gibt Momente, die Kleinigkeiten ſind, aber
ein Leben zu ändern vermögen. Als am Cage vor
Weihnachts=
abend der Schneeſturm einſetzte, ließ er ſich gegen Abend am
Celephon das Garmiſcher Hotel geben. Er war von einer
ſelt=
ſamen Unruhe erfüllt. Die Baroneß war mit ihren Leuten wicht
gekommen. Er hörte eine Nachricht, die ihn zittern ließ, Baroneß
Clara v. B. hatte eine Cour nach Cirol unternommen und von
Leermoos aus, der wie ein Baum in die Höhe wachſenden
Sug=
ſpitze gegenüber, einen Aufſtieg gemacht. Beim Abfahren war
ſie über einen flachen Stein gefahren und hatte ſich das Knie
verletzt. Sie lag in Baerwank in einem Bauernhaus, in einem
Simmer, das nicht einmal einen Ofen beſaß.
Dieſe alltägliche Geſchichte veranlaßte Klaus N., die Nacht
wie im Fieber zu liegen. Er öffnete jede Stnde das Fenſter und
hörte den Schneeſturm ein Geheul ausſtoßen, das ihn mit
Hoff=
mungsloſigkeit erfüllte. Am Morgen machte er ſich fertig, nach
Garmiſch himmterzufahren, was wahnſinig war. Nur die
Phan=
taſie eines Skiläufers, der die Cerrains kennt und weiß, wie
arrſinig ſchwierig es iſt, bei normalen Verhältmſſen auf dieſer
Strecke durch Wälder und Abhänge die Nichtung zu behalten,
vermag zu beurteilen, daß er die Leiſtung eines Athleten
voll=
brachte. Mittags kam er unten an, vor Erſchöpfung zitternd.
Er fuhr mit der Bahn nach Leermoos. Dort kaufte er etwas,
was ihn erröten machte. Catſächlich bedeutete dieſer Kauf für
ihn etwas, was ſein Leben fortan beſtimmte. Der Gedanke dazu
war ihm auf eine Weiſe gekommen, die ihn gleichzeitig erglühen
und ironiſch lächeln ließ. Bem Aufſtieg nach Baerwank kam
er in die Dunkelheit. Keine Verzweiflung der Welt iſt
furcht=
barer als diejenige eines Mannes, der im Schnee ermüdet und
leine Kräfte verliert. Im Schneeſturm nachts ſich verirren, grenzt
an das Hölliſchſte, was ein Mann erleiden kann. Ei
Schnee=
ſturm mit Nebel gehört zu den Nauſchgiften, die einen Mann
zu eier Memme verwandem. Um acht Uhr ſah der junge Mam
Lichter. Er kam bei den paar Hütten von Baerwank an als ein faſt
Beſinnungsloſer. Das zweite Haus, das er traf, war das
Bauernhaus, in dem die Baroneß lag, die nur eine Schweſter bei
ſich hatte. Klasu N. trat bei der Baroneß ein wie ein großes,
herrliches Geſpenſt, von Eis und Schnee zugewachſen, wie ein
Baum, die Haare zu Eiszapfen verwandelt, mit Augen, die ſchon
in Ohnmacht waren. Er ſank ſofort auf den Boden und verlor
die Beſinnung. Swei Stunden ſpäter ſaß er, mit allen Muskeln
noch zitternd, am Bett der Baroneß, deren miſerable Laune einer
großen Helligkeit gewichen war, die ihr Geſicht erfüllte. Was
der junge Mann vollbracht hatte, war eine Heldentat, rein
ſport=
lich faſt Wahnſinn. Die Frauen ſind ſeit den Curmieren des
Mit=
telalters die einzige Anerkennung der wahren Heldentat
ge=
blieben. Es begeiſterte ſie. „Aber,” fragte ſie, „warum haben
Sie den Aufſtieg von Leermoos noch in der Dunkelheit heute
gemacht, wo es Ihr Leben bedeuten konnte? Wenn Sie” ſagte
ſie ſeltſam lächelnd, „morgen früh aufgeſtiegen wären, ſo hätte es
mich ebenſo gefreut und hätte mir nachträglich keine Sorgen
machen müſſen.” „Cun Sie das?” fragte der junge Mann mit
einer ernſten Betonung, „aber,” fuhr er fort, indem er ſich
um=
ſah, „dann hätte ich Ihnen keinen Cannenbaum heute bringen
können, obwohl ich einſehe, daß ich beſſer einen Ofen
herauf=
gebracht hätte.‟ Er zog aus dem Nuckſack einen Baum, der ſo
hoch war wie drei Fäuſte, aber doch zwei oder drei Kerzen zu
tragen vermochte. Die Bewegung, mit welcher der junge Mann
ſein Geſchenk herauszog, war von einer jungenhaften
Beſchei=
denheit. Als ſpäter durch den Sturm eine ſchwach vernehmbare
Weihnachtsglocke wimmerte, freuten ſich drei Menſchen wie die
Kinder darüber, von denen einer nie mehr im Leben geglaubt
hätte, daß er anderes als Mißbehagen dabei empfinden würde.
Er hörte die Glocken jetzt mit einer Freude an, die zeigte, daß
er ſene innere Freiheit gefunden hatte, die ihm erlaubte, groß zu
empfinden, was er voll der falſchen Eitelkeit der Welt von ſich
ferngehalten hatte. „Sie haben wegen eines Cannenbaums Ihr
Leben aufs Spiel geſetzt”, ſagte die Baroneß mit tiefen Augen.
„Ich bin beſtimmt jetzt ſehr glücklich darüber,” ſagte der junge
Mann, der die Hand, die ihm gereicht war, nicht wieder los ließ,
„keinen Ofen heraufgebracht zu haben.” Auf ſeinem Geſicht
war der letzte Ausdruck des Spottes verſchwunden, er hatte die
überlegene Heiterkeit, die auch Parzival zu einem Helden und
einem Kid zugleich machte, was die vollkommenſte Miſchumg iſt,
die em deutſcher Menſch erreichen kann. „Es iſt kalt,” ſagte die
Baroneß, „aber die Lichter ſind herrlich‟. Das Mädchen hatte
den Schein der Kerzen in den Augen, die ſo ſtark waren wie drei
Streichhölzer, aber alles Licht der Welt zu tragen ſchienen, das
in zwei Menſchenherzen Platz haben kamn.
Unvergeßliche
Weihnachtsgeſchenke.
Von Hans Siemſen
Wechnachten? — Geſchenkel
Es gwbt Leute, die ſchimpfen darauf. „Ach” ſagen ſie,
„Geſchenke! Nochmal wieder Briefpapier und verſchiedenfar=
diger Siegellack ud Bücher, die man ſich nicht gewünſch-
und Bilder, die man nicht ausſtehen kann. Gehen Sie mir
Weihnachten!”
Was mich betrifft, ich finde Geſchenke eine herrliche Gr
dung! Und ich weiß noch heute nicht, was ſchöner iſt:
Schan=
oder beſchenkt zu werden. — Geld? Das ſpielt zwar leider:
große Nolle. Aber nicht die größte. — Als Kinder machte-
„Sidibuſſe” für Vater. Brauchen konnte er ſie gewiß
denn mit Fidibuſſen zündet man die Pfeife an, und Vater
gar keme Pfeife. Aber wenn er ſich micht darüber grfl
hätte, wo wir uns doch ſo ſchrecklich darüber freuten, ihm
ſchenken zu können, da wäre er ja wohl ſchön dumm ud grü
grämig geweſen!
So leicht wie damals haben wir es min nicht mehr mit
Schenken. Wir müſſen’s uns nun ſchon ein bißchen überlin
können der Dame unſeres Hauſes oder Herzens nicht gut
buſſe ſchenken. Deswegen braucht es aber nicht gleich
Perlenkette zu ſein. Perlenketten ſind was Wunderbares. Su
lich, wer ſie ſchenken oder ſich ſchenken laſſen kann! Aber
die Dame, von der wir eben ſprachen, für gar nichts anue
Sim hat als für Perlenketten, ſich über „weniger” nicht f5
kann, dann laſſen Sie ſie laufen! Das muß eine langweilige:
ſon ſein! Anſpruchsvoll, verwöhnt, ein bißchen eitel — des
alles gar nicht ſchlimm. Aber langweilig und phantaſieloss”
Das iſt tödlich!
Wieviel Weihnachten haben wir mitgemacht? Was Eu
wir nicht alles geſchenkt bekommen! Aber wenn ich mich erimu
vill, damn merke ich, ich habe faſt alles vergeſſen. Und was
Eindruck gemacht hat, das waren keine Derlenketten, war
nicht ſehr „wertvoll”, wertvoll — nur für mich.
Am herrlichſten waren natürlich die Geſchenke der Kind
zeit. Eine Gurke aus Marzipan! Nicht ſo eine kleine, narg
machte Miniaturgurke. Nein, ſo groß wie eine richtige, Sit
Gurke. Und auch ſo grün und krumm und höckerig. Sie war
ſchön, um gegeſſen zu werden. Oſtern lag ſie noch im Sch-n
Pfingſten waren die Mäuſe dabei geweſen. Und nun war M
hart wie Stein. Unvergeßliche, nie vergeſſene, herrlich
Marzipangurke!
Im Sommer war Manöver geweſen. Da hatte ich die eif
lebendigen Soldaten geſehen: Note Huſaren! Vorneweg
Kapelle, zu Pferde, mit ſilberblanken Hörnern und Cromp-t
„Mein Herz, das iſt ein Bienenhaus”, blioſen ſie die Chau)
entlang. Und z Weihnachten bekam ich eine Huſarenunifim
Nicht ſo ein falſches, kleines Vorhemd aus Pappe mit aug
malten Knöpfen und Litzen, nein, eine richtige Uniform, aus mi
Wolle, mit weißen Schnüren und blanke, kleine ſchwarze Stäſf
— Sie war ſo ſchön, die Uniform — man konnte ſie n
brauchen. Bisher war ich der Näuberhauptmam bei den Junel
i Dorf geweſen. Nun konnte ich bloß daſtehen und mich /
gucken laſſen. Eine Kluft tat ſich zwiſchen uns auf. Ich war mu gich
elegant. Und erſt nachdem ſie jeder angehabt hatte, war: z un der
bißchen Kameradſchaft wieder hergeſtellt. — Die Uniform Eil Wb un
dann im Schrank, ſie war eben zu ſchön. Nicht z drauseumt
Nch„a
Aber uergeßlich.
Später war ich ſelbſt Soldat, ader kei roter Huſar, Mtic
einer von „unſeren feldgrauen Helden”. Da war auch Weihn=cMl:
ten. Ein Spatenſtiel war der Weihnachtsbaum. Ginſtergeſtrry ma: „Die
drum herumgebunden. Poſt? Ach Gott, wo war die Poſt! Laut „Die ver
gab es und Flöhe. Die Natten huſchten im Unterſtand umie ma:
Waſſer zum Waſchen hatten wir ſchon lange nicht mehr g0t Glt
ſehen. Und die Hände waren aufgeriſſen vom Froſt. — Und)
kam doch noch ein Paket? Ein kleines, einzelnes, ans richtige 219,4
verirrtes Päckchen. In Watte gepackt — was war, darin ”. ht, die
kleines Fläſchchen Parfüm.
Bro
Parfün für den Soldaten in der ſpeckigen Felduniforzt goße
Parfüm im kalten Unterſtand zwiſchen Natten, Läuſen ℳ holle
Flöhen? Ein bißchen deplaciert, meinen Sie? Deplaciert
ert
mag ſein. Aber Sie können ſich gar nicht vorſtellen: was für (;
Genuß! Ein bißchen auf die Hand geträufelt und die Augen , hanr
gemacht! Da wurde ja alles lebendig, genau alles das, Was=Eüe werrn, ih
fehlte: ein bißchen Komfort, em bißchen Luxus, em bißchen Se)verza
ganz, ein bißchen Freude. Alles das, was unſerem ſchmutziginterich” nir
verlauſten, verfrorenen, hugrigen Schützengrabenleben fekſto un
Alles das, wonach wir uns, viel mehr als jemals, als wirs hauell it ſeine
oder haben konnten, ſehnten. Parfüm? Das war gerade ſMenfee” en
Nichtigel. Wenn ich die Augen zumachte, war ich ganz 00 — ia in
anders, nicht mehr im Unterſtand, nicht mehr Soldat. Das ro0 de
ja beinahe wie ein warmes Bad! Und als ich einſchlief, lag X de Frene
faſt in einem warmen, weichen luxuriöſen Hotelbett erſter KlchleGgienheid, ufſ
Dies bißchen Parfüm im kalten Unterſtand, dies ſchein-t ... s geh
ſo deplacierte Weihnachtsgeſchenk, war das genialſte Geſche=’e Lanntien
das ich je erlebt habe. — Sehen Sie, wie leicht (und wie ſchret—
es iſt, zu ſchenken? Und was für eine geringe Nolle das El.
dabei ſpielte?
der
Nummer 394.
Mit nachſtehenden Aufgaben veranſtalten wir auch in dieſem
Jahre ein
Weihnachts=Löſungs=Preisausſchreiben.
Wie im vergangenen Jahre handelt es ſich wieder um eine
Auf=
gabe ohne beſondere Bedingungen und eine aus dem Gebiete des
Märchenſchachs.
Für die freundliche Ueberlaſſung der beiden Originale ſagen wir
den Verfaſſern auch auf dieſem Wege unſeren beſten Dank.
Aufgabe 567.
Dr. Ado Kraemer in Detmold=Schanze.
Urdruck.
b d
Weiß zieht und ſetzt in vier Zügen matt.
Prüfſtellung: Weiß: Ka4 Db2 Sc7 d5 Ba3 b5 c4 e2 14 (0);
Schwarz: Kd6 Th8 Le8 g7 Ba5 b6 b7 c5 d7 15 16 f7 d2); 4-.
Aufgabe 568.
T. R. Dawſon in London.
Urdruck.
Schachbieten=Zickzack: Weiß ſchlägt nie, gibt auch nie
Schach (Schachmatt ausgenommen); Schwarz muß ſtets Schach bieten,
zieht aber nur, wenn es Schach geben kann.
Weiß zieht und ſetzt in fünf Zügen matt.
Prüfſtellung: Beiß: Kh6 Td6 Lb6 8o2 c5 Ba2 G:
Schwarz: Kb5 Tbs b4 Lel 11 8h7 B15 g5 G); 53.
Löſungs=Preisausſchreiben.
Für die richtige und vollſtändige Löſung obiger Aufgaben ſetzen
wir ſieben Buchpreiſe aus:
1. Kongreßbuch Karlsbad 1929;
2. Nimzowitſch: Die Praris meines Syſtems;
3.—7. Ranneforths Schachkalender 1931.
Druck. Verlag u. Kliſchees: L. C. Wittich ſche Hofbuchdruckerei. Rbeinſtr. 23. — Verantwortl., für die Redaktion: Dr. 5 Nette. Darmſtadt.
Die Einſendungen ſind mit der Aufſchrift Schach=Löſungsmn
bewerb” an die Schriftleitung des „Darmſtädter Tagblatt; zu richtn
ſie müſſen ſpäteſtens am 20. Januar 1931 eingegangen oder doch -Nkeit
19. 1. (Datum des Poſtſtempels!) abgeſchickt ſein. Die Entſcheidrechmn
wird am 8. Februar bekanntgegeben.
Rätſel
Zwei ſymboliſche Bäume.
E
2—
L
Die Eiche iſt Deutſchlands Symbol; aus den Teilen der vorſteh
den Eiche ſoll ein anderer Baum entſtehen, der auch ein Symbol 4
Carl Deubel,
Wie heißt er?
Verwandlungs=Rätſel.
Durch Veränderung eines Buchſtabens und Umſtellung der Bw2n
ſtaben verwandle man man Ferſe in eine Hülſenfrucht, Rätſel
ein Kleidungsſtück, Niſch in ein großes Reich, Leben in einen des”
ſchen Dichter, Hering in ein Gewürz, Fahne in ein Muſikinſtaue
ment, Bruſt in eine Rätſelart, Igel in eine Farbe, Nadel in e71
ſchwediſche Inſel, Tenor in eine Süßigkeit, Inſekt in einen Schr”
zer Kanton, Zunge in einen Männernamen, Krater in einer Feu 0l
verkskörper, Wagen in eine Stadt in Italien, Linſe in ein Mets.
Lerche in ein Geldſtück, Los in eine Stdt in Schleſien, Kart”
ein Nagetier, Berta in ein Geldſtück, Schade
in ein ſagenhaf” Un
Tier Lupe in einen Vogel, Verne in eine Naturerſcheinun=
Orkan in ein Geldſtück, Pedal in ein Gebirge, Grauen in eul )
europäiſches Reich, Schaf in ein Raubtier, Diamant in eine Ste!”
in Italien, Yacht in einen Halbedelſtein, Schein in eine Verwanc=ſt
und Geier in eine Menſchenraſſe.
Die Anfangsbuchſtaben der neuen Börter nennen ein Zitat 14)
Carl Deubel.
Schiller.
Anflöſung der Rätſel anz Runner 504
Ein Weihnachtswunſchzettel.
Die Zahlen deuten an, der wievielte Buchſtabe des betreſie 7
Wunſches zu nehmen iſt; man erfährt: „Ein Fahrrad”.
fernſpr. 1, 2389—2302. — Alle Rechte vorbehalten. Nachdr. verddtet
A
to alſo — nu is es doch widdermol Weihnachte worrn.
ſigreeßte Kriſcher därfe mol uff ihre Lohrbeern ruhe, was
hinſeraam ſchun allaans e Weihnachtsgeſchenk is, wo ſich
ſitzt hott. Dann ich will doch net a’nemme, daß ſe
aus=
ſichent aach noch die Feierdäg mit Beſchlag belege, um
ärchend=
ſiein ärchendwo ihrn Krobbſch auszuleern, un ihrn bollidiſche
ſtk vun ſich zu gäwe — —
Ilſo indem jetzt das Kriſtkindche doch noch zu uns kumme
bgleichs wärklich net aus ſieht wie: „Friede auf Erden,
undden Menſchen ein Wohlgefallen” — ſundern ganz
konndro=
eim Gäjedahl; alſo, indem ’s drotzdem doch noch kumme is,
ſiſtkindche un do wolle aach mir emol alles was uns ärchert
logt un Angſt un Sorje macht, in Gemiedsruh uff die
ſſti leje, un wolle e bische verſchnaufe. Un wann’s wo aus
en Kinnermailcher ſingt, un die alde ſcheene Lieder erklinge
üte „Odu ſeeliche, o du freeliche” odder: „Stille Nacht, heiliche
lut”— dann wolle mer mit ei ſtimme, un wolle debei an unſer eiche
und zurück denke un tvolle ſälbſt widder e Kind wärrn,
aach bloß uff e paar Stund, odder uff en Aageblick; odder
huu wenichſtens mit de Kinner fiehle. — Un däß is
wid=
hmi ſchun e recht a fählich Weihnachtsgeſchenk
ich ja: „O ſeelich, o ſeelich ein Kind noch zu ſein".
üſrvann ich mir aach uff Weihnachte nix leiſte kann, awwer in
Veihnachtsmärcher geh ich, un ich hett eichentlich diß Johr
uſeifuffzigjährich Biehne= oder vielmehr
Theaterjuwi=
hi feiern kenne; dann diß Johr, an Weihnachte, warn’s
Ufzich Johr, daß ich es erſtemol es Theater bedräde hab.
ur de feierlichſte Aageblick in meim Läwe, un ich ſäh mich
hiitnoch vor dem Vorhang ſitze, wo däß färchterlich große
Meisbild druff gemolt war, mit dem Rieſefillhorn, wo unne
ihu Kebb eraus geſchiewelt ſin, un wo der aane devo
ge=
heit un der anner gelacht bott.
Lo un ſeid däre Zeit hab ich kaa Weihnachtsmärche mehr
bſrſumt; mit Ausnahm vun dene vier Kriegsjohrn, dann do
hiſbich annern Umſtende” hallwer druff verzichte miſſe . . .
in ſo war ich aach diß Johr widder drinn, wo ſe däß
Stilche gäwwe hawwe mit dem verzwickte un verzwäjjelte
Iſdel: „Die täſchniſchen Pandoffel un des verwunnerde Glick”,
4un: „Die glickliche Täſchnick un die Wunnerpandoffel” —
fute „Die verwunnerliche Täſchnick un die glickliche Pandoffel”
ua: „Die verwunnerte Pandoffel” — na: „Das
vertäſch=
intſte Glick” — naa: „Das Wu ...” —, ach was waaß ich
we haaßt; dann, offe geſtanne, ſchun wie ich den Diddel
ge=
lihehab, do hott mer nix Gudes geſchwant. No, un bei Licht
bluucht, s ſwar dann aach e recht verzwickt un verzwäjjelt
Ge=
chit, die wo ſich do in dem „Märche” begibt. Gewiß, ſie hawwe
3roſchbäckte net geſpart, un net an Maſchine, ſie hawwe
roße un es klaane Himmelslicht gebraucht, un die Stärn
mttvolle Hend verſchwend, un aach an Waſſer, Feier,
Felſen=
wen, un Diern un Vögel hott’s net gefehlt — awwer ’s is
um verblatze kaa „Märche” draus worrn, ſundern es war
nihſoe Art ſprachloſer Tonfilm; dann ich hatt ſo de Eidruck,
alswann die Schauſpieler ſällwert als emol „ſprachlos” ge=
Dann „Sparn” haaßt doch heit die Barohle. Net nor weil
mer miſſe ſundern weil mer mehr odder wenicher nix
druff hawwe. In däre Beziehung hawwe mer all a:
Krank=
heit, nemlich die babbierene Goldmackſchwindſucht; e Krankheit,
die wo bekanntlich ebbidemiſch uffdräde dhut, un gäfe die kaa
Dockter und kaa Abbedheker helfe kann, un do hilft weder em
Zeileis in Gallesbach ſei Zauwerſtaab, noch’m Weißenborn in
Berlien ſein Schmierkees, ſundern do gibt’s nor a Middel, un
däß haaßt: Eidaale.
No, was mich bedrifft, do brauch ich mer kaa Vorwerf zu
mache, ich hat die Kriſtkindcher wo ich zu verſchenke hatt ſauwer
ei gedaalt; s hott jedes was krickt. Freilich, wann ich ſoviel
Geld hett, wie mei ſtille Verehrerin, nemlich unſer
Stadtverwal=
dung, brauche kennt, dann wer ich noch ganz annerſter in’s
Zeick gange. Awwer drotzdem ich hab gedho was ich konnt. Unſerm
Staatsbräſendend hab ich e gradezu „fürſtlich” Geſchenk gemacht,
dem hab ich mei Bild gäwwe mit eichehendicher Unnerſchrift;
unſerm Herr Miniſter for’s Innerliche hab ich mit e paar
Sammthandſchuh beglickt, dem Herr Kernbircher, der wo’s
be=
kanntlich mit de Finanze hott, dem hab ich mit=eme alde
Scheck=
buch bedacht, ’s ſtammt noch aus de Zeit, wo mer all
mehr=
fache Millioneer warn un e Scheckbuch hatte; ’s hott nadierlich
heit kaan Wert mehr; awwer wann ich ſo will: was hott dann
heit noch en Wert; ’s is als beſſer wie gornix. Unſerm Herr
Miniſter for Arweid un Wärtſchaft hab ich e Brachtſtick gäwwe
aus meine Odewäller Borzzelanſammlung, nemlich den ärdene
wiſwerrn, iwwer däß kinniſche, witz= un gemiedloſe Zeick, wo
ſcſd verzabbe mußte; do hott aach am Ed. Göwel ſei „Waſſer=
Tyrich” nix dro geennert —
No un ſchließlich un endlich: wann der „Kommboniſt”, der
Moin ſeine Verlächenheit beim kommboniern emol in die
„„wpenfee” eneigerode is, alſo wann dem ſchun nix beſſeres
enſet — ja in drei Deiwels Name, warum gibt mer dann do
nut mol die „Puppefee”; ich wett: e paar Sallwehndabbe gäfe
en hannomack, awwer do hett Groß un Klaa dra ſein Spaß,
jurdie Irene Scheinfluch hett do wenigſtens emol e richdich
Geljenheid, uff ihre große Fußzeh en aldfrenkiſche Walzer zu
dſne . . . s gebt volle Haiſer, ohne Läbbkuche un Luftballoh! —
Undie Tanntjeme dehte aach noch geſpart wärrn
Deller mit dem ächte Sprung drinn, un dem ſcheene Vers druff:
„Sei luſtig du Schode, was leid’ſte dann Not, du lebſt doch
ſo korz und ſo lang biſte dod‟. — Unſerm Herr Owwerowwer
hab ich en Hausſäje geſtickt, for um iwwer ſei Bett zu henke:
s ſteht druff: „Menſch ärchere dich nicht!“ — Un meine Speezel
uffm Rodhaus, dene hab ich jedem e Briefche „Engliſch Pflaſter”
geſchenkt, meintswäje kenne ſe’s druffbabbe, wo ſe wolle, awwer
ich denk, ſie wärrn’s brauche kenne —
Aach mei Freundin, die Endebörzzelſen hab ich bedacht;
däre hab ich e Dutzend Eierbrigädds mit Goldbrongs lackiert
un hawwe=re e paar vun meine verbrennte
Maggarienebudder=
gebackenes dezu gelegt, hab die Sach in e ald Stiwwelſchachtel
gepackt, mit=eme Dannezweig owwedruff, un uff die Schachtel
hatt ich geſchriwwe: „Meiner liewen Freundin zum Kriſtkindche
1930” un hab=ſer hiegeſchickt, geſtern.
No un was dhut däß ſcheiheiliche Weibsbild? — 8s is kaa
halb Stund vergange, do is ſe geſtiwwelt kumme, un hott ſich
hoch un heilich for däß ſcheene Kriſtkindche bedankt, däß wo ihr
ſo aſch viel Freid gemächt hett, beſunners die goldene
Mazze=
baan=Eier un däß vorziechliche Buddergebackenes. Un dann hott
ſe aus ihre Schnorrdaſch äwenfalls e Päckche eraus geholt,
ſchmal un lang, awwer klaa, un ſeecht, ſie weer aach ſo frei un
dhet mir e Kriſtkindche bringe; ’s weer zwar wenich, awwer 1s
kem vun Härze. Ich hett nadierlich gor gärn geguckt, was
drinn war, dann de Schachdel nooch konnts nor e Schmuckſtick
ſei, e Bluſenodel, odder e Perlekedd, odder e Fläſchje Oddeer.
Awwer ich hab mei Neigierde bezwunge, damit ſe mer net
widder geläjendlich vorſchmeiße dhut, ich weer e u gebild
Frauen=
zimmer un ich wißt net was ſich geheern dhet. Ich hab alſo
däß Päckche vorſichdich unner mein Kriſtbaum gelegt, un hab
ſe aſtandshallwer zum Kaffee ei gelade. Im ſtille hab ich mer jo
recht Gewiſſensbiſſe gemacht, dann ich hat mer gedenkt, wann
die in ihre Habgier die Eierbriggäds for Mazzebaa hellt, dann
kann ich ihr hinnenooch aach noch ’s Gebiß räbbariern loſſe.
No, ſie is mer net vun de Standard gange, hott a Daß Kaffee
nooch de annern enunner geſchwenkt, un hott en ganz Körbche
voll vun meim Weihnachtsgebäck eneigemammſcht. Schließlich
hott ſe gemaant, ob ich ihr net mit=eme Schnabbs aushälfe
kennt, ſie hett’s die ganz Zeit ſchun e bische im Leib un ſo. —
Ich hab alſo in meine Guthärzichkeid aach noch mein eiſerne
Beſtand an Kärſchewaſſer geobfert, un wie ſe nix mehr uff’m
Diſch geſähe hott, is ſe mit ſo=eme katzefreundliche Blick
uff=
geſtieje un hott ſich verabſchied.
Ich hab unnerdäſſe wie uff Nodele geſäſſe, un wie ſe de
Dier draus war, bin ich wie e Drach uff däß Schächdelche los,
hab die Schnur un de Siejellack abgeriſſe un hab’s uffgemacht.
s hott druff geſtanne: „Brauchs geſund!” — un wie ich enei
guck, was war drinn — — e paar alde verhuzzelte
Schenopoſan=
kabbſele —
Alfo ich hab im erſte Moment gedenkt, ich ſink in die Erd,
awwer ich bin zum Glick bloß in mein Säſſel enei geſunke. Un
jetzt frog ich bloß, is däß aach ſchun emol dogewäſe. Bedankt
ſich die Perſon for mei Geſchenk, un kimmt wie en Wolf im
Schafsklaad, ſetzt ſich hie, drinkt mein Kaffee, mei Kärſchewaſſer
un mammſcht en Korb voll Gebäck in ſich enei, un bringt mir
e paar alde verhuzzelte Schenopoſankabbſele zum Kriſtkindche. —
Mecht mer do net an de Menſchheit verzwazzele.
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: ’s wärd vermudlich in dieſe Dage
aach diel vun de „Lieb” geredd. Un meechlicherweis aach vun
de ſogenannte „Nechſtelieb” — Awwer ich hab ſo des Gefiehl,
als wann do allerhand Leit aſch im Rickſtand weern.
Beiſpiels=
meßiſch aach unſer adelungiſch Reſchierung. Wann ich mer die
ſo aguck, do macht mir’s de Eidruck, als kennt ſe ſich äwe
ſäl=
wert net leide. Un drum is es aach kaa Wunner, daß ſe for ihrn
liewe Nechſte, nemlich for unſer Stadtverwaldung un was ſo
drum un dra henkt, net grad vun Nechſtelieb driefe dhut,
ſundern ganz im konndroleere Gäjedaal. — Wie’s dohärngäje der
Beherrſcher aller Meenzer, mit un ohne Kabb un Stärn, mit de
„Lieb” halte dhut, däß is mir net bekannt, awwer jedenfalls
hött=
er ſei Nechſtelieb in de Richdung uff Darmſtadt kaldlächelnd
außer Bedrieb geſetzt, un macht allerhand Menggenges, indem
daß er ſich als Fafforid ſor Verlegenheits=Verlegunge
uffſpielt, nemlich in Bezugnahme vun unſere „Päddagogiſche
Aggademie‟
Ich muß ſage, es is e wohr Wunner, un unner de
gäjewär=
diche Umſtend is mir’s aach zimmlich ſchleierees, warum mer net
gleich die ganz Täſchniſch Hochſchul nooch Meenz verlege dhut.
Dann hett doch die Sach wenichſtens en Sinn un en Zweck, un
dhet einichermaße in’s Sparprogramm vun unſere heſſiſche
Re=
ſchierung eneibaſſe. Awwer däß liggt ſcheints doch an de
Meen=
zer ihre a geborene Beſcheidenheit. Un an ihrm gude Härz; un
an ihrm Humor, der wo jo beriehmt is in de ganze Wäld, un
ſogar noch e Stick driwwer naus. Wenichſtens hott mer däß
noch uff jeder „Fremdeſitzung” geheert; do wiſſe ſe als gornet,
was ſe all ihre Nachbarſtädt for=e „Lob” ſpendiern ſolle. Ganz
beſunners kimmt do immer Darmſtadt gud debei eweck, däß war
ſchun ſeit alders ſo. Un däßhalb is mer’s aach ſo komiſch, daß
ſe uff aamol bloß des Päddagogiſche Inſtidud nooch Meenz
verlegt hawwe wolle ..
No, valleicht iwwerlegt mer ſich’s aach noch emol, un wann
unſer Adelung ſor ſei Meenz unner alle ſiwweunzwanzich
Um=
ſtend was dhu will, dann kann er in ſo des Briffeleg far=e
„Närriſch=päddagogiſche Aggademie” erdeile. Däß ſpeer
wenig=
ſtens e zeitgemeß Eirichdung, un domit dhet eme diefgefiehlte
Bedirfnis abgeholfe wärrn. Däß dhet aach e bische in’s Meenzer
„Milljee” baſſe.
*
For de Verſcheenerungsverein: Zehe Mack Mitgliedsbeitrag
vun=eme gude Darmſtädter aus Paries. Beſten Dank. Weidere
Zuwendungen wärrn mit Dank quiddiert.
Der zeitgemäße Haushalt.
Vergraute Wäſche und wie man ſie verhütet.
GSſt keine Seltenheit, daß Hausfrauen und namentlich
Anfän=
gumnen in der ſchweren Kunſt des Haushaltens über einen grauen
Sümnmer ihrer Wäſche klagen, der nach jeder Reinigung ſtärker
wiſ. Befragt man ſie nach ihrem Waſchverfahren und =mitteln,
dan hört man, daß beide völlig einwandfrei ſind und ſachgemäß
cozwendet werden, ſo daß man keinerlei Erklärung für das
Ver=
guuen der Wäſche findet.
In ſolchem Falle iſt aber meiſt zu haſtiges, oberflächliches und
umſchgemäßes Spülen der ſauber gereinigten Wäſche die Urſache
namzelnder Weiße. Durch das Waſchen und Kochen der Wäſche
luſſ ſich Schmutz= und Hautteilchen, Speiſeflecke und andere
Spu=
tEndes Gebrauchs unter der Einwirkung des Waſchmittels auf
unn teilen ſich dem Seifenwaſſer und der Kochbrühe in feinſten
Paikelchen mit. Selbſtredend bleiben ſie auch trotz ſorgſamen
Fusvindens an den einzelnen Wäſcheſtücken haften, weshalb dieſe
ſich uch in klarem Waſſer geſpült werden müſſen. Sie werden
miaber durch das klare Waſſerbad nicht entfernt, wenn dieſes
klalt zur Verwendung kommt, alſo die aus Seife und Fett
ge=
miſten feinen Niederſchläge auf dem Gewebe nicht aufzulöſen
Mnag. Dann nützt alſo auch das gründlichſte Ausſchleudern und
Ti und Herſchwenken in reichlich kaltem Waſſer nicht, um ſie
BEidlich zu entfernen, ſondern fettig, wie ſie mehr oder weniger
unh haften ſie am Gewebe feſt und verleihen dieſem nach dem
Tinen jenen Schimmer, der der Hausfrau alle Freude an ihrem
VGheſchatz raubt.
Wenn irgend möglich, ſollte deshalb die Hausfrau zum erſten
Wezum zweiten Spülen ihrer Wäſche heißes Waſſer
verwen=
deiund dann erſt zum Schluß kaltes Waſſer) folgen laſſen, um
hu die letzten Spuren des Seifenwaſſers daraus zu entfernen.
—Ndie Wäſche ſchon einmal vergraut, dann ſollte ſie die Mühe
nig ſcheuen, dieſe nochmals in reinem heißem Waſſer bis zum
Iiſen kommen zu laſſen, aus dem Keſſel triefend naß
herauszu=
enen, um ſie auf Körben oder Stangen ablaufen zu laſſen, um
Sſann nochmals mit friſchem, erhitzten Waſſer ein zweites Mal
Tſhzuſpülen, ehe ſie die einzelnen Wäſcheſtücke recht breit in kal=
D2Waſſer einlegt. Dieſes Verfahren, mehrmals wiederholt, ver=
Deſ der Wäſche wieder den gewünſchten, reinweißen Ton, und
ſtletztes Spülen mit Zuſatz einer Miſchung gleicher Teile Spi=
und gereinigtem Terpentinöl, etwa ein Taſſenkopf auf drei
eſer Spülwaſſer gerechnet, verleiht der an der reinen Luft
ge=
cneten Wäſche jenen ſchneeigen Schimmer, der das Entzücken
jeder Hausfrau bildet und ihr jenen ſchönen friſchen Duft ver=
G. E.
leiht, wie er tadellos gereinigter Wäſche eigen iſt.
Seiden=Cachenez” und ſchals auf einfache
Weiſe zu appretieren. Da die öfters gewaſchenen
ſeide=
nen Cachenez und =ſchals mit der Zeit ihre Appretur einbüßen, ſo
ſollte man ſie wie folgt behandeln: Nach dem Waſchen in
hand=
warmem Seifenwaſſer ſpüle man ſie einmal in ebenfalls warmem
Waſſer, um ſie dann in ein Merzeriſinſpülbad zu geben, in dem
man ſie 5 Minuten liegen läßt. Unausgewunden triefend naß
fadengerade aufgehängt oder in ein dickes Tuch gewickelt, bügle
L.
man ſie noch halbfeucht mit nicht zu heißem Eiſen.
Schadhafte Wild= und Glacelederhandſchuhe
zu verwerten. Wenn ſie das Ausbeſſern nicht mehr lohnen,
ſo ſollte man den oberen Manſchettenteil wegſchneiden und mit
der Schere an den Rändern ausgezackt als Putzläppchen für
Brillen und Gläſer verwenden, da es beſonders gut reinigt. Die
einzelnen Finger ſchneide man derart ab, daß immer noch ein
Stückchen vom Handſchuh daran bleibt. Man hat dann gute
Fingerlinge für verletzte Finger vorrätig, die man am beſten in
einem Leinenbeutelchen im Arzneiſchrank aufbewahrt. H.
Wenig bekannte Zubereitungsarten des Silveſter=Karpfens.
Ungariſcher Karpfen. Der friſchgeſchlachtete Karpfen
wird in Portionsſtücke geſchnitten, nachdem man das Blut
auf=
gefangen hat. Nun gebe man in eine Schüſſel ½ Pfund ſcheibig
geſchnittene Zwiebeln, ½ Pfund ebenſolche Tomaten oder =püree,
das Karpfenblut, 1 geſtrichenen Teelöffel Paprika, ½ Teelöffel
Salz und dazu die Fiſchſtücke und laſſe das Ganze zugedeckt
1 Stunde marinieren. Dann 10—15 Minuten langſam ziehen
gelaſſen, gebe man die Fiſchſtücke auf eine heißgeſtellte Schüſſel,
rühre das übrige durch ein Sieb und verdicke es mit
Kartoffel=
mehl.
Karpfen in Muſcheln gebacken. Hierzu kann man
auch Reſte verwenden, die man mit einer hellen Einbrenne,
1 Taſſe ſaurer Sahne, Pfeffer, Salz, Zitronenſaft, Kapern und
etwas Sardellen verrührt und abgeſchmeckt in kleine. Muſcheln
füllt, mit geriebener Semmel und ebenſolchem Parmeſankäſe
be=
ſtreut und mit Butterflöckchen belegt, 10—15 Minuten überbäckt.
Karpfen in Gelee. Auf entgrätete Karpfenreſte, mit
gefällig geſchnittenen Gurken= und Möhrenſcheiben, kleinen
Perl=
zwiebeln und Kapern in einer Form geordnet, gieße man heißes,
mit Gelatine verrührtes Eſſigwaſſer (auf ½ Liter 6—8 Blatt),
mit Salz, wenig Pfeffer und 1 Meſſerſpitze Zucker abgeſchmeckt, laſſe
man dieſe erſtarren. Mit oder ohne Mayonnaiſe iſt dieſes Gelee
zu geröſteten Weißbrotſchnitten oder Bratkartoffeln eine
vorzüg=
liche Feſtſchüſſel.
l
Humor I1
Achtung, Kurve!
„Was macht ihr denn da?‟
„Mein Bruder will Speiſewagen=Kellner werden, und da übt
er ſchon!“
Proſa. „Aber Marie, wo iſt denn Ihr Bräutigam, der
Schornſteinfeger, geblieben, der ſo oft hierher kam?
„Ich habe mit ihm gebrochen! Er ſah ſo abſtoßend aus, wenn er
ſich gewaſchen hatte.”
(Kaſper.)
Unterhaltung. „. . . Zuerſt bekam ich Angina, dann Arterien=
Skleroſe, nachdem das überſtanden war, wurde ich mit Malaria
geplagt, danach kam Zuckerkrankheit und Luftröhrenkatarrh
„Ja, um Gottes willen, wie konnten Sie denn die Krankheiten
alle überſtehen?‟
„Krankheiten? Ich erzähle doch von meiner mediziniſchen
Prüfung!”
(Tit=Bits.)
Der Lumpenſammler. „Haben Sie leere Flaſchen zu
ver=
kaufen?
„Nein”, ſagte der Portier, „aber vielleicht gehen Sie mal
drei Treppen rauf zu Hanſen, deſſen Frau kommt morgen von der
Sommerreiſe zurück!
(Karikaturen.)
Das Urteil. „Sie können alſo wählen, 30 Tage Gefängnis
oder 200 Mark!”
„Ja, wenn es dem Herrn Richter egal iſt, nehme ich lieber
das Geld!”
(Berlingske Tidende.)
Eine Btufe, zwwei Btufen, drei Btufen — oder: der
Es gibt heuer bekanntlich zwei
Modelinien, die miteinander in einen
ſcharfen Wettkampf getreten ſind und
um die Vorherrſchaft ringen.
Das eine iſt eine hochtaillierte, dem
napoleoniſchen Stil nachempfundene
Silhouette, das „Neu=Empire”, die
andere, der ſogenannte „Pagodenſtil”,
ein Schlagwort, das erſt jetzt in die
Mode Eingang fand und das durch
ſeinen Hinweis auf die oſtaſiatiſche
Architektur nichts anderes bezeichnen
ſoll als eine ſtiliſierte, hart
kontu=
rierte, ganz eigenartige Abſtufung.
Für beide Moden gilt der
Grund=
ſatz der Schlankheit der Trägerin. Die
Nachricht von einem Stärker=
werden=
dürfen der Frauen iſt ſomit nichts
an=
deres als ein übler Scherz oder der
Wunſchtraum aller jener die der
jahrelangen, unentwegten Djät müde
wurden
Es müßte alſo gar nicht betont
wer=
den, daß die Nachricht, der zufolge die
Probierdamen der großen
Mode=
häuſer wieder unter den etwas
korpu=
lenteren Frauen geſucht würden, irrig
ſei. Nach wie vor bleibt nämlich die
ſchlanke Figur ſiegreich und allein
richtunggebend, ſo daß der Sport und
die Diätlebensweiſe noch weiterhin
Kapitel ſind, die die kultivierte Frau
eingehend beſchäftigen ſollten.
Abgeſehen von der Schlankheit iſt
der „Neu=Empirelinie” und dem „
Pa=
godenſtil” noch ein zweiter Faktor
ge=
meinſam, und zwar die eigenartige
Proportion, die darin beſteht,
daß die Taille möglichſt verkürzt wird,
die Rockpartie aber ſtark verlängert
erſcheint, ſo daß die Geſtalten
außer=
ordentlich groß und ſchlank wirken.
Es iſt dies auch ſehr begreiflich, da
bei der „Neu=Empirelinie” die Weite
der Röcke auch eine beſondere Länge
bedingt, um den notwendigen
ge=
ſchmeidigen Fall zu erreichen (ein
kurzer und ein weiter Rock iſt
näm=
lich erfahrungsgemäß immer plump
und unſchick), wie auch bei der „
Pa=
goden=Stufen=Silhouette”, die lange
Rockpartie außerordentlich wichtig
er=
ſcheint, da ſonſt die Stufenteilung
un=
ſchick und „gezwungen” wäre, wodurch
eine derartige Mode im vorhinein unmöglich gemacht würde.
Die Stufenteilung iſt alſo ein Kapitel, das die großen
Mode=
ſalons heuer ſehr eingehend beſchäftigt und ſich nicht nur bei den
verſchiedenen Kleidern, ſondern auch bei Mänteln und Koſtümen
auszuwirken ſcheint. Die Art dieſer Abſtufung iſt natürlich
kei=
nen beſtimmten Richtlinien unterworfen, ſondern durchaus Sache
des Modekünſtlers, da manche es vorziehen, die Stufen nur
an=
zudeuten, und ſich mit einer Unterbrechung begnügen, während
andere wieder eine mehrfache Abſtufung für wirkungsvoller
und richtiger halten und auf dieſe Weiſe der neuen Mode noch
beſſer gerecht zu werden glauben.
Jede dieſer Auffaſſungen hat ſicherlich ihre künſtleriſche Be=
Pagodenſtil”.
Wir zeigen als erſtes Bild
Trotteurkleid, deſſen Schößel=Form .
primären Ausdruck der in den letzu
Wochen ſo viel erörterten „Pagodon
form” darſtellt.
Auch der leicht glockige Volant hen d
Jacke des danebenſtehenden Koſtü= vn nur
(aus Shetlandſtoff mit abſchattierucſ” zm
Perſianer verbrämt) iſt auf die glefinb, Jetzt
Idee zurückzuführen.
Ueberaus intereſſant iſt der Stufinl eunen
effekt des Mantels (Bild 3), der drugpfze die te
nichts anderes vorgetäuſcht wird. lbu Neche
durch eine langhaarige Fellgarnieru g ücſtimm
die — anſtatt als Randung verwem/g fralte
zu werden — etwa in Handbreite oEn En
halb der Mantelkante angebracht
und damit eine intereſſante Abſtuft uß
ſichert.
Zwei Stufen: Ein Beſuchsklliſ,
neueſter Linie, deſſen glockige Stu ſ
von einem geraden Grundkleide a—is
rechtigung, und die Tatſache, daß die „Pagoden=Formen” in faſt
alle großen Salons Eingang gefunden haben, läßt untrüglich
darauf ſchließen, daß dieſe Linie binnen kurzer Zeit große
Ver=
breitung erlangt haben wird.
Um die verſchiedenen Leiſtungen auf dieſem Gebiete
entſpre=
chend würdigen zu können, haben wir die markanteſten Typen in
unſerer Skizze feſtgehalten und wollen auf die einzelnen
Mög=
lichkeiten gründlich einzugehen verſuchen.
Eine Stufe gibt die einfachſte Löſung dieſer neuen
Mode=
frage und möglicherweiſe zugleich auch die beliebteſte, denn dieſe
dieſe Modelle ſehen wohl am „ſelbſtverſtändlichſten” aus und ſind
überdies außerordentlich kleidſam.
gehen, iſt als erſte Figur der Mitull/z
gruppe zu ſehen (hier wäre übrigen
auch der eigenartig erweiterte Aerrn
als markante Neuheit der Saiſon „
beachten).
Zwei Stufen bringt auch das E.ſ0
nebenſtehende Samtkoſtüm, deſſen Jaue
einerſeits ein Cape, andererſeits anml
Schößel hat, wobei die „Pagöden=S//0
houette” durch die helle Fellranduugm den
ſtark betont wird.
Auch bei dem ſchicken Mantel Es 10
folgenden Bildes (gerade Grundfo=mied
mit glockigem Anſatz!) iſt durch ſchr.
geülde=
geführte Fellbahnen die doppelte Sc=” ein
6
fenteilung bewirkt.
Drei Stufen: Dieſe Linie eit hn die
net ſich ganz hervorragend für jeseſl. .. un
Modelle, die phantaſiereich und dekom=Elbur S
tiv ausſehen ſollen, ſo daß es nieckn nach der
wundernehmen wird, wenn man ſoloelnen Ange
Effekte in der Hauptſache für Si Vilbur wa
Abendmode (gelegentlich: allerdinad=Flugzeugk
auch für die elegante nachmittäglickt Schweſter
Garderobe) heranzuziehen trachtet. Aruder da
Unſere letzte Gruppe bringt dru—
ganz ausgezeichnete Typen:
Das erſte dieſer Modelle iſt en
Abendkleid aus paſtellfarbenem Gas=
Chiffon, deſſen drei Stufen mit R3
ſchen aus Taft beſetzt ſind.
Im nächſten Bilde (einem elegante=
Nachmittags=Complet aus Samt) 7
die Dreiteilung derart bewirkt, daß in Form zweier übereinande‟
fallender, gezackter Capes zwei Stufen entſtehen, während ſich df
dritte aus dem glockigen (ebenfalls gezackten) Anſatze des Rock
ergibt. Wundervoll ſehen die verſchiedenen Samt=Abendumhülle”
im neuen „Pagodenſtil” aus, die natürlich mit Roßhaar entſpr.
chend verſteift werden müſſen, um die charakteriſtiſche Note zu
e=
halten. Da es ſich bei dieſer Art von Abendumhängen vielfa
um Cape=Paletots handelt, pflegt die oberſte und erſte der dr.
Stufen durch die Kante des Capes markiert zu werden (wodur.
ſich gleichzeitig die Wirkung eines halblangen Aermels vortä
ſchen läßt, der — wie man weiß — als allerletzte Modeneuheit d.
führenden Salons gilt).
Willy Ungar.
Ein Fellſchal an Stelle eines Kragens
gehört zu den modernſten und beliebteſten Garnierungen der
neuen Mäntel, und man muß ſagen, daß dieſer Effekt —
abge=
ſehen davon, daß er endlich einmal wieder etwas ganz Neuartiges
in den Vordergrund rückt — auch ſehr kleidſam iſt, ſo daß das
raſche Durchgreifen dieſer Mode niemand in Erſtaunen verſetzen
wird.
Solche Kragenpartien haben ja auch noch den Vorteil,
außer=
ordentlich warm zu halten und offen oder geſchloſſen getragen
wer=
den zu können, ſo daß ſie geradezu die ideale Löſung der
Verbrä=
mungsfrage darſtellen. Auch iſt ein Fellſchal dieſer Art ſo
deko=
rativ, daß jede andere Verbrämung durchaus erläßlich wird, da
ſelbſt der ſchlichteſte Mantel durch eine ſolche Garnierung eine
ab=
ſolut elegante Note erhält,
Vielfach holt man bei den kurzen „Stola”=Formen den Effekt
aus der Verarbeitung der Felle in verſchiedener Richtung (Bild 1),
wobei hauptſächlich an Murmel, Biſam oder Reh zu denken wäre.
Sehr reizvoll ſind auch die ſchwarzen Schals aus dünnem
Fohlen, Perſianerklauen oder Breitſchwanzplüſch, der nicht teuer
und ungemein beliebt iſt (Mittelbild).
Entzückend wirken die in „Fiſchgrätenornamentik”
zuſammen=
geſetzten Hermelinfelle; allerdings iſt ein ähnlicher Effekt auch
durch Verarbeitung von weißem, kurzhaarigem (ſogenanntem „
ra=
ſiertem‟) Haſenfell zu erreichen, das in Streifenform geſchnitten
und entſprechend zuſamengeſetzt wird und in dieſer Technik von
echtem Hermelin kaum zu unterſcheiden iſt (letzte Skizze). W. U.
Das Winter=Sportkoſtüm mit Pelzbeſatz. Außerordentlich
feſch und ſchick präſentieren ſich die neueſten Sportkoſtüme,
nament=
lich für den Eislauf beſtimmt, im Schmucke ihres reichen
Pelz=
beſatzes daran. Gleichviel ob Flauſchſtoff, Lindener Rippenſamt,
dieſe waſchbare, äußerſt praktiſche Qualität, oder für das
elegan=
tere Modell ſchmiegſamer Seidenſamt verarbeitet wird. Mit mäßig
weit fallendem Glockenrock und ebenſolchem, flotten Schößchen an
der meiſt anliegend und ſeitlich geſchweift gearbeiteten Jacke, ſind
die Ränder dieſer Glocken, wie der hochgeſchloſſene, nach hinten
ſtuartartig abſtehende Kragen daran mit dicken, kurzhaarigen
Pelzrollen geſchmückt, während die Aermel mit einem inneren
Schutzärmel von Seide mit Zugſaum am Rande, entweder breiten
Pelzaufſchlag oder drei bis fünf Pelzrollen nebeneinander, als
Garnitur aufweiſen. Auch am Sport=Jackett, das halb= oder
drei=
viertellang über dem Ski= oder Rodelanzug getragen wird, iſt
neuerdings Pelzbeſatz zu finden, und zwar handelt es ſich hier
entweder um den ſo widerſtandsfähigen Perſianer, oder deſſen
naturgetreue Imitation: den Krimmer vom hellſten Silbergrau
bis zur dunkelſten Tönung und bis zum Schwarz. Dieſer letztere
iſt auch an den hochmodernen, geſtreiften Winterkoſtümen zu
fin=
den, die, in der Verarbeitung ſportähnlich gehalten, bald ſchräge,
bald quer, bald wieder ſenkrechte Streifenanordnungen zeigen und
als Krönung dieſer ganzen Verarbeitung hohe Manſchetten und
ebenſolche Stehumlegkragen und rückwärts hochſtehende
Schal=
kragen aufweiſen. Die Beſitzerinnen von echten oder imitierten
Füchſen, unter denen dieſen Winter namentlich der Blaufuchs
dominiert, werden es beſonders begrüßen, daß dieſer auf dem
Winterkoſtüm getragen und durch die bekannten Klammern rechts
an ihm befeſtigt, durch gleichartige Manſchetten oder nur auf dem
Oberarm ſchräg angebrachte Pelzſtreifen ergänzt wird, und ſo
einen einheitlichen Schmuck am wieder hochmodernen Koſtüm
bildet. Mit raſchem Griff gelöſt, kann dann der gleiche Fuchs
über einer zum Koſtüm getragenen, mehr oder weniger eleganten
Bluſe im Café, Theater oder Vortrag nicht nur Schutz, ſondern
auch Schmuck für ſie ſein, ſo daß das läſtige Mitführen desſelben
neben einem pelzbeſetzten ſchützenden Mantel, für ſie wegfällt.
8. v. St.
Pailletten=Hüte
für den Abend ſcheinen der Beginn einer ganz neuen Moderichtum
zu ſein, da man ja bisher zum kleinen Abendkleide jedem
Kopfpus=
ängſtlich aus dem Wege ging und ihn ſelbſt für größere
Gelege-
heiten zu tragen vermied. Darum ſei vorweggenommen, daß die
mal die intereſſanten Pailletten=Hüte, von denen heute die Res‟
ſein ſoll, in erſter Linie für kleine Gelegenheiten, alſo fü-
Theater, gebräuchlich ſind, um ſo mehr, als ſie die Friſur zuſam.
menhalten und dadurch den Kopf ſehr klein erſcheinen laſſen,
daß eine ſolche Kopfbedeckung — wenn ſie im Parkett getrage)
wird — die Ausſicht auf die Bühne nicht im mindeſten behinder)
was ja bei jedem anderen Hute unbedingt der Fall wäre.
Die Wirkung dieſer Pailletten=Käppchen hängt ganz von de ch
Art der Beſtickung ab, da man oft auch mehrere Farben komb.!
niert, hauptſächlich aber Schwarz mit Silber oder mit Gold, vie 1.904
fach auch mit Türkis. Letzten Endes aber trachtet man imne
wieder, die Farben des betreffenden Abendkleides am Pailletten!
hute zu wiederholen, wodurch ſich ein außerordentlich mondäns
W. U.
Geſamteffekt ergibt (Skizzen),
ſu führte der Weg zur Freiheit nur über ihre Leiche.
Ver=
ſütwvielte mit dem Gedanken. Aber er ſcheute dieſe Tat.
Parradinbssant
Roman von Friedrich Lange.
Cobyright by Martin Feuchtwanger, Halle a. d. S.
(Nachdruck verboten.)
* war zwecklos, gegen dieſes Weib anzukämpfen. Die
„ ihrer Liebe widerlegte jeden Einwand. Ohne fremde
1s der Unglückliche gegen Abend vom Strande, wo er
„m Maſchine erneut mit den primitivſten Mitteln flott zu
w lun verſuchte, ins Schloß zurückkehrte, fand er Beſuch vor..
fſa machte ihn mit der Dame bekannt, der ſie ſoeben kurz
„loderen Ankunft eine Promenade vorichlug.
is war Alice Freifrau von Wernegg=Rothenſtein.
ſiß Spencer nannte ihren Geliebten nur „Miſter Arnulf”.
oſ ſah ſie ihn mit einem Lächeln an, das ihm ins Herz ſchnitt.
Abſig wagte kaum zu atmen. Eine deurſche Dichterin als
6mzuf Sun=Fsland! Sein erſter Gedanke: der rettende Engel!
ir ſchloß ſich nicht an. Die Bewegung verſchlug ihm die
Slime. Er hätte laut aufſchreien mögen vor Freude.
m Sekunden bewältigte er die abenteuerlichſten Pläne, und
hofarf ſie alle, wenn er an den Blick Lilians dachte! Sie
pity, dieſer unerwartete, verſpätete Beſuch würde für ſie und
ſhife liebe zum Prüfſtein . . . Würd: Arnulf auf der Jacht der
Bützmin fliehen?
Alian blutete das Herz. Lächelnd gab ſie ſich im
Weiter=
diren der Konverſation mit der Dichterin hin. Aber ihr
büſſtzwar nur bei dem Geliebten. Und die große Frage wurde
ue zum lohenden Fanal: Arnulf Berlign, bleibſt du mir
nyu. Jetzt biſt du am S heideweg angelangr. Folg= der
ſinne deines Herzens. Nur ihr.
einnend, ganz dem Gedanken der Stunde ergeben, ſtieg der
ſuthe die teppichbelegren Marmorſtufen zum erſten Stockwerk
he. Mechaniſch bog er nach reiies in den Horridor ein, wo
ſeiſte Baſtzimmer lagen.
a prallte er zurück.
in Engel? Eine Lichtgeſtalt? Eine Viſion?
ſein! Ein Menſch von Fleiſh und Blut, ein liebes, junges
ᛋ1: Jutta Förſter! Es gibt eine Freude, die den Herzſchlag
üteekundenbruchteile zerreißt, die ſelbſt die Zunge lähmt. Es
hne geraume Weile, ehe Jutta und Arnulf die Sprache fanden.
eie lagen ſich in den Armen und vergaßen Zeit und Ort.
Liebſte — Herzenskönigin —
Arnulf!”
tönnen Menſchen, die man in Gedanken ſchon eingeſargt
lötzlich Leben und Geſtalt annehmen?
futta Förſters Hände glitten, noch immer zweifelnd an der
m Wirklichkeit dieſer Stunde, über den Geliebten hin.
Du lebſt. Gott im Himmel ſei Dank!” Tränen füllten die
ſum des Mädchens. Und jetzt erſt ſah Berling, wie ſchmal
daß eſichtchen geworden war. Wie blaß! Und dieſer leidende
zim den jungen Mund!
Er zog Jutta in ſein Zimmer. Und hier erzählte ſie ihm
Sorgefallene leiſe und ſchonend. Die nackte Wirklichkeit
ſwatz jederſchmetternd. Aber die Freude, das geliebte Mädchen
„hieſn der Fremde wiedergefunden zu haben, bildete ein Aequi=
Yraſten, ein Gleichgewicht. Nun wurde alles klar und hell und
ſutchichtig wie ein Kriſtall. Jetzt wußte Arnulf Berling, an
ſwett ihn die Augen Miſter Wentleys erinnerten . . . An
u/Lilfa . .. Und die Freundſchaft zwiſchen Jacobi und Wentley!
Tilbur Spencer hatte die Zeichnungen photographiert, um
Ndany nach der Tat ſeines Komplizen, den Sender nach den
ge=
ſotleen Angaben neu zu erbauen. Ferner: Niemand anders
fiſulst Filbur war von Berling angeſchoſſen worden. Der Sohn
dec flugzeugkönigs hatte ganze Arbeit geleiſtet. Und Lilian,
ſitzeSchweſter, war mitſchuldig! Sie ſtahl ihm die Pläne, um
M Zruder damit zu dienen.
Arnulf umarmte Jutta. Sie ſahen ſich in die Augen. Aber
nichts von Troſtloſigkeit war in ihnen. Der Wille zur befreienden
Tat war mächtig. Lilian, nun biſt du ſchachmatt geſetzt! Das
Spiel iſt aus!
„Du wirſt mir helfen, Jutta. Niemand ſoll darum wiſſen.
Ich muß fort. Heute noch!”
„Arnulf — es iſt Nacht . .." wandte ſie ſchüchtern ein.
Er lachte unbekümmert.
„Um ſo beſſer, Kind!” Und nun entwarfen Sie einen Plan,
der zwar kühn, aber keineswegs phantaſtiſch war. In zwei
Stunden, wenn Lilian mit ihrem Gaſt bei der Tafel ſaß, wollte
der Pilot aufbrechen.
„Schnell, Liebſte, noch einen Kuß! Heißen Dank. Und auf
Wiederſehen in der Heimat!‟ Der Abſchied war kurz. Es gab
jetzt keine Zeit, ſich Gefühlsregungen hinzugeben. Jutta eilte
hinauf zum Schloß. Sie fürchtete ſich nicht. Die Nacht war
mondhell.
Eine halbe Stunde ſpäter ſtartete der „Paradiesvogel”,
Das Unmögliche war möglich geworden durch die tatkräftige
Hilfe Juttas. Sie hatte von Bord der „Erato” elektrotechniſches
Material, etwas Proviant und — eine Flaſche Weinbrand
geholt.
Jones, der wie von ungefähr zu dem einſamen Nachtwandler
trat, konnte der Einladung nicht widerſtehen. Er trank den
ſchweren, goldhellen Kognak wie Waſſer. Nun lag er drüben am
Strande und ſchlief wie ein Murmeltier. Dieſe Löſung war für
beide Teile die beſte. Berling hätte den Sicherheitschef
nieder=
geſchlagen, wenn er ihm Schwierigkeiten auf dem Wege zur
Flucht bereitet hätte.
Nun ſang der Motor wieder ſein leiſes, vertrautes Lied.
Es wurde für den Piloten zur Freiheitshymne.
Der Empfänger war proviſoriſch repariert. Er würde
durchhalten.
Die Nacht verſchlang die Umriſſe von Sun=Island. Uind
Berling lachte: „Lilian, nun bin ich dir noch zu Dank verpflichtet,
daß du mir die Zeichnungen ſtahlſt und deinem Bruder ſandteſt;
denn nur der inſtandgeſetzte Sender ermöglicht mir die Flucht.”
Und leiſe Trauer überkam ihn. Was auch vorgefallen war
in der Erinnerung würden die Märchenſtunden von Sun=
Island nicht verblaſſen. Die elementare Liebe Lilians
ent=
ſchuldigte ihre Handlungsweiſe. Wie würde ſie ſeine Flucht
aufnehmen und ertragen?
Arme Lilian!
33. Kapitel.
Schon am anderen Tage ſtach die „Erato” wieder in See.
Es war eine regelrechte Flucht. Alice von Wernegg=Rothenſtein
konnte ſich das Verhalten der Gaſtgeberin nicht erklären. Lilian
ließ ſich weder ſehen noch entſchuldigen. Und ſo zog man die
Konſequenzen. In der Erinnerung der Baronin würde die
Dollarprinzeſſin keine gute Rolle ſpielen. Erſt ſpäter, als Jutta
Förſter der Dichterin reſtlos Aufklärung gab, verzieh ſie Lilian
Spencer.
Verſtört betrat der Funker das Zimmer ſeiner Herrin.
„Mplady, ich kann mich nicht mit Sir Wilbur in
Verbin=
dung ſetzen. Die Antriebsmaſchine zündet nicht. Wir müſſen
den Defekt erſt ſuchen.”
Lilian wandte ſich um. Der Mann ging.
„Arnulf, du haſt dich gerächt! Nun ſtürzt alles zuſammen.
Wilbur, nun kommſt du an die Reihe. Und ich kann dich nicht
warnen."
Nun ſaß die ſchöne Lilian Spencer in den Mauern ihres
Palaſtes und ſann und ſann. Weshalb durfte die ſelige Zeit
ihrer Liebe für ſie nur ein Traum ſein? Was nun? Mit
Arnulf Berling verlor ſie alles: Lebensfreude, Jugend und
Schönheit. Sie würde dahinwelken wie eine gebrochene Blume.
Der Geliebte, dem ſie anhing mit Leib und Seele, war fort
und kehrte niemals wieder. Und ſie, die reichſte Frau der Welt,
war nun arm wie eine Sklavin.
In dieſen Stunden zog Lilian Spencer den ſelbſt zu
wäh=
lenden Tod ernſtlich in Erwägung. Nicht in ekſtatiſcher Hingabe
an den Schmerz des Augenblicks, ſfein, mit jener kühnen
Ueber=
legung, die klar bis ans Ende ſieht.
In Schönheit ſterben . . . Inmitten eines Meeres der
ge=
liebten Blumen . . . Dieſer Gedanke hatte etwas Beſtechendes..
Aber man mußte tapfer ſein, wenn man das haarſcharfe Meſſer
an die Pulsadern —
Lilian ſchrie auf in Angſt und Grauen vor der eigenen
Phantaſie. Ach, ſie war nicht tapfer.
Auf Wilburs Wunſch wurde die Hochzeit im kleinſten Kreiſe
gefeiert. Eva und ihre Eltern waren einverſtanden. Die Zei:
war ernſt und ſchwer.
Noch in der Nacht reiſte das junge Paar nach Hamburg ab.
Und ſchon am nächſten Tage trat es die Ueberfahrt nach Neiv
York an. Die junge Frau ſah traumverloren nach der in
vio=
letten Tinten verſchwindenden Küſte hinüber. Und Wilbur legte
zärtlich den Arm um ſie, ſagte reſtlos glücklich:
„Nun kann ich das Angenehme mit dem Nützlichen
verbin=
den. Eva, meine ſüße, kleine Felſentaube. Die Eltern
wer=
den ſich freuen, uns zu ſehen. Und während Vater alles
Er=
forderliche zum Bau der Elektroplane einleitet, werden wir in
der Sierra Nevada die Flitterwochen verleben.”
In Evas Augen erloſch die Vergangenheit. Was vorbei war,
lag da hinten, verſank mit der Heimatküſte im Dämmer der
Ferne. Vorn am Bug des Schnelldampfers ziſchten die Waſſer.
Es ging vorwärts. Mit Volldampf hinein in die unbekannte
Zukunft.
Theodor Freſe war einem Schlaganfall nahe. Er griff
mit beiden Händen ins Leere, wich wie vor dem Geiſte eines
Abgeſchiedenen bis zum Schreibtiſch zurück.
Arnulf Berling reichte ihm lachend die Hand.
„Guten Tag, Herr Kommerzienrat!”
Und dann ordnete ſich die grenzenloſe Ueberraſchung
lang=
ſam dem Alltag unter. Nun miſchte ſich reichlich Wermut in die
Wiederſehensfreude. Freſe erſtattete Bericht, wo, wie er die
Neuordnung der Dinge ſeit dem Start Berlings kannte. Erſt
dann, als ihn der Erfinder einen Blick hinter die Kuliſſen des
von Wilbur Spencer inſzenierten perfiden Stückes tun ließ, barg
der alte Herr das Antlitz aufſtöhnend in den Händen.
„Mein Schwiegerſohn ein ſkrupelloſer Abenteurer und
Be=
trüger — und ich wollte nur das Beſte! Glauben Sie mir,
mein lieber Berling: Ich habe meine Einwilligung zu dieſer
Verbindung nicht leichten Herzens gegeben!“
Und nun bat er inſtändig, von einer gerichtlichen
Aus=
einanderſetzung abzuſehen.
„Ich würde den Skandal nicht überleben. Das Glück meiner
Tochter wäre vernichtet und die Freſewerke blamiert. Außerdem
könnten wir ohne finanzielle Hilfe der Amerikaner das
groß=
zügige Programm nicht durchführen. Dagegen werde ich mich
ſofort mit New York in Verbindung ſetzen und ich garantiere,
daß Ihnen Spencer unter dem ungeheuren Druck Ihrer
An=
klage weitgehendſte Entſchädigung bieten wird.”
Berling ließ ſich den zwiſchen Freſe und Spencer
abge=
ſchloſſenen Vertrag vorlegen. Die Vorteile, die Deutſchland
ein=
geräumt wurden, waren ſo augenfällig, daß der Erfinder nachgab.
„Von Spencer wird es abhängen, ob ich die Angelegenheit
vor das Forum der Oeffentlichkeit bringe. Und wenn ich mich
üge, dann nur um Ihretwillen, Herr Kommerzienrat.”
Die Dinge nahmen den erwarteten Verlauf. Während ſich
die Preſſe in Senſationsartikeln mit dem Wiederauftauchen des
Erfinders beſchäftigte, wurde Berling auf Veranlaſſung der
bei=
den Spencer zum Generaldirektor der neuerrichteten Elektroplan=
Abteilung ernannt. Und der Prozentſatz ſeiner
Gewinnbetei=
ligung war ſo hoch bemeſſen, daß ſich der Erfinder entſchloß,
den Schleier des Vergeſſens über die Vergangenheit zu breiten.
Am Tage der Vertragsunterzeichnung kam Jutta Förſter
auf Urlaub. Man verlebte den Abend in der Villa Freſe. In
den Römern funkelte edler Wein. Man hob die Gläſer.
„Auf die Zukunft und das Glück!” toaſtete der
Kommerzien=
rat.
Arnulf ſah Jutta über den Rand des Rubinglaſes hinweg
tief in die Augen und lagte leiſe:
„Und auf unſere Liebe!”
Ende!
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