Darmstädter Tagblatt 1930


19. Oktober 1930

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znöchentich 7mallgem Erſchelnen vom 1. Oktober
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Franiſurt a. M. 1304.

Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 289
Sonntag, den 19. Oktober 1930. 193. Jahrgang

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ſede Vewſſchtung auf Crhlung der Anzelgen=
auſträge
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Konhr oder gerſchhſcher Beſtrelbung fänl jieder
Rabaltl weg. Banſſonto Deuiſche Danl und Darm=
ſädter
und Nationalbanf.

Rederagegipttagemgmmttägeſſnt Tagesdronang
Mehrheit der Regierung. Die Nolverordnung bleibt. Der Ueberbrückungskredit bewilligl.
Das Amneftiegeſeh verabſchiedel. Der Beichskag bis Anfang dezember verkagk.

Brünings Sieg.
Mit 318 gegen 236 Skimmen.

Rit der überraſchenden Mehrheit von 318:236
z m men bei einer Enthaltung hat der Reichstag das Ueber=
aan
zur Tagesordnung über die beinahe in einem Dutzend
uif genden Mißtrauensanträge abgelehnt, nachdem vorher
hn der Ueberbrückungskredit bewilligt war. Ein ſtarker tal=
tiſtet
Sieg des Kanzlers alſo, deſſen Bedeutung innen= wie
a uapolitiſch nicht unterſchätzt werden darf. Die zähe Energie,
Aünich die kleinſte Schwäche auszunutzen weiß und der Zwang
f9AArbeit hat ſich durchgeſetzt. Schon unmittelbar nach der
2Zel wurde das Paradox aufgeſtellt, daß die Regierung, ob=
M etz hoc ſie ſich nur auf wenig mehr als ein Drittel der Abgeord=
Mu/an ſtützen könnte, im neuen Neichstag ſtärker ſei als im
aün. Die Entwicklung hat dieſer Einſchätzung Recht gegeben,
uwohl noch vor einer Woche, als nach dem Abmarſch des Land=
oeß auch das Ausbrechen der Wirtſchaſtspartei und der
Feſu AMspartei unmittelbar bevorzuſtehen ſchien, die Lebensfähig=
kaü
der Regierung Brüning nicht mehr allzuhoch eingeſchätzt
eeezu tüude. Inzwiſchen hat aber die Oppoſition Fehler genug ge=
anfot
. Die Nationalſozialiſten haben durch ihre Haltung und
aay ihre Anträge den Beweis erbracht, daß eine praktiſche
GER/ 24uk mit ihnen nicht möglich iſt.

Die Deutſchnationalen haben durch ihre Stellungnahme bei
a4, Präſidentenwahl dem Gedanken einer bürgerlichen Einheits=
f
ot eine empfindliche Wunde geſchlagen. Die Sozialdemo=
klan
auf der Gegenſeite haben wieder eingeſehen, wie töricht
0u Politik geweſen iſt, die zur Auflöſung des Reichstages
fhnz. Sie hat inzwiſchen ſehr viel zugelernt und ſich dazu
ethtthloſſen, die Regierung zu ſtützen, ohne irgendwelche Zuge=
ſtöniſſe
des Kanzlers, und in der vollen Erkentnis, daß tat=
ſaich
der Kurs dieſer Regierung antiſozialiſtiſch eingeſtellt
i9. Fraglich allerdings, wie lange die Sozialdemokraten dieſe
130 Putik noch fortſetzen. Die Notverordnungen ſind an einen
Auſchuß gegangen, wo die Sozialdemokraten um Zugeſtänd=
um
ringen werden, die ihnen der Kanzler nicht bewilligen
EAu. Wenn alſo der Reichstag im Dezember wiederkommt.
ſützt er im Grunde vor der gleichen Entſcheidung, die heute nur
ptüſoriſch umgangen wurde. Aber die Regierung hat Zeit ge=
monen
und wenn ſie dieſe Friſt von 6 Wochen gut zu nützen
MeMK mel wird dann nicht nur ihre taktiſche, ſondern auch ihre ſach=
1i9 Stellung noch erheblich günſtiger ſein als heute.
felel4
Das politiſche Intereſſe an der Ausſprache war eigentlich
ſällz am Samstag morgen erloſchen, in dem Augenblick, als es
einlültig feſtſtand, daß die Wirtſchaftspartei und der Chriſt=
liBeziale
Volksdienſt nicht für die Mißtrauensanträge ſtim=
nich
würden, und damit der Sieg des Kabinetts Brüning ge=
AM ſißt war. Trotzdem hat man noch Stunde um Stunde geredet
utu das Haus endete ſchließlich in einer Ferienſtimmung, die
auſts von jeder Würde den Reichstag zu einem beſſeren Vor=
onteater
machte. Die üblichen Tumulte blieben nicht aus.
Das Sachliche iſt um ſo ſchneller aufgezählt. Namens des
Wiehuſſes beantragte der Abg. Moldenhauer, der mit einiger
Süoenfreude jetzt feſtſtellen konnte, wie die Entwicklung ihn
9echtfertigt hat, die Annahme des Ueberbrückungs=
kRits
. Der frühere Arbeitsminiſter Brauns, der an der
Glelrrung unſerer Sozialpolitik ſein gerüttelt Maß von Schuld
tuc wandte ſich gegen die Anträge, die eine Verbindlichkeits=
etlrung
des Berliner Metallſchiedsſpruchs von Reichstags
Mehu verhindern wollten. Endlich noch ein kurzer, aber bezeich=
nrer
Zwiſchenfall zwiſchen den Deutſchnationalen und dem
Fe Maiskanzler. Herr Dr. Brüning hatte ſich aus ſeiner Reſerve
n14 herauslocken laſſen. Er hatte alle Anzapfungen, die ihn
ußs reiteren Erklärungen zwingen wollten, überhört, hatte auch
ſeüin Miniſterkollegen nahegelegt, auf jede Rede zu verzichten,
wac er den parlamentariſchen Erfolg ſichergeſtellt ſah und nicht
00 dru unvorſichtige Worte das Ergebnis gefährden wollte. Er
Maße aber zuletzt ſeinem eigenen Vorſchlag untreu werden, weil
deideutſchnationale Abg. Schmidt die Verfaſ=
zchz
ein fragliches Gebilde genannt hatte, auf
dea die Reichswehroffiziere den Fahneneid
lunen müßten, und weil unmittelbar darauf der Deutſch=
94 nllionale von Oldenburg=Januſchau einen
Kil zwiſchen den Reichstagspräſidenten und
dee Reichswehrminiſter treiben wollte. Das
Wier auftreten des Herrn von Oldenburg, der ja nun inzwi=
ſa
M75 Jahre alt geworden iſt, war überhaupt ſo etwas wie eine
kl2, Sonderſenſation. Er hat von ſeinem leidenſchaftlichen Tempe=
ramt
nicht das geringſte eingebüßt, er verſtand es ſogar, ſich
ſeickraſch Ruhe bei den Sozialdemokraten und den Kommuniſten
üc erſchaffen. Seiner alten Deviſe aber, daß eine Rede kurz
aun geriſſen ſein müſſe, iſt er untreu geworden. Er ſprach lange,
190brachte ſich dadurch um die Wirkung, zumal als nun Dr.
Büinrg geſchickt einhakte und den Deutſchnationalen vorwarf,
desſe, durch derartige Aeußerungen die Diſziplin untergraben
hesh. Niemand hätte dem ſonſt ſo unerſchütterlich ruhigen
Kälr eine ſolche Leidenſchaft zugetraut, wie er ſie jetzt plötzlich
2Mickelte. Er ſicherte ſich damit auch einen Beifall über die
Blerungsparteien bis nach links hinaus, zeigte zum erſten
EN daß Energien in ihm ſtecken, die bisher unbekannt blieben.
Aie Abſtimmung zog ſich durch eine Reihe von Stunden hin.
9A namentliche Abſtimmung jagte die andere. Zum Schluß
DN4 die Oppoſition noch verſuchen, das Amneſtiegeſetz=
Au im vorigen Reichstag ſchon angenommen
I9 aber dann an dem Einſpruch Preußens
irerte, noch in dritter Leſung durchzu=

drücken. Nach ſehr hitziger Ausſprache gelang dieſer Verſuch tat=
ſächlich
. Mit einer Mehrheit von 80 Stimmen beſchloß das Haus,
fünf Minuten nach Mitternacht noch eine kurze Sitzung abzu=
halten
, in der das Amneſtiegeſetz verabſchiedet werden ſoll,
worauf dann die Vertagung bis Anfang Dezember
eintreten ſoll.
Die weitere Ausſprache
über die Regierungserklärung.
Aufmarſch der Oppoſikion.
Berlin, 18. Oktober.
In der Samstagsſitzung des Reichstags wurde zunächſt nach
kurzer Ausſprache die Schlußabſtimmung über die Ergänzung
zum Handelsabkommen mit Finnland zurückgeſtellt.
Bei der anſchließenden dritten Beratung des Schuldentil=
gungsgeſetzes
, worüber die Abſtimmung gleichfalls zurückgeſtellt
wurde, warf der deutſchnationale Abgeordnete Dr. Quaatz dem
Reichsfinanzminiſter vor, daß er ſeine Berechnungen zu optimi=
ſtiſch
aufgeſtellt habe.
Abg. Feder (N. S.) ſchloß ſich der Kritik des Vorredners an
der deutſchen Wirtſchafts= und Finanzpolitik an.
In der fortgeſetzten Ausſprache über die Regierungserklä=
rung
wies Abg. Dr. Frick (Nat,Soz.) darauf hin, daß ſeine
Fraktion weitere Mißtrauensanträge eingebracht, habe
gegen den Außenminiſter wegen ſeiner Haltung in Genf.
gegen den Reichswehrminiſter, wegen wehrfeindlicher
Einſtellung und gegen den Innenminiſter als Schritt=
macher
marxiſtiſcher Parteipolitik.
Auch der Deutſchnationale Gottheiner legte
neue Mißtrauensanträge gegen die Miniſter
Dr. Curtius, Dr. Wirth und Treviranus vor,
Für die Landvolkpartei forderte der Abg. Döbrich Revi=
ſion
des Youngplanes und Beſeitigung des Verſailler Vertrags,
Die Landvolkpartei werde dem Mißtrauensantrag gegen das
Kabinett zuſtimmen. Sie erwarte aber, daß das Wehrmini=
ſterium
aus dem Streit der Parteien herausgenommen werde
und Schiele als Fachminiſter erhalten bliebe. Seine Partei habe
außerdem einen Mißtrauensantrag gegen den Außenminiſter
eingebracht und hege auch das größte Mißtrauen gegen Dr.
Wirth.
Der kommuniſtiſche Abg. Torgler brachte zum
Ausdruck, daß ſeine Partei den mit einer Motivierung nicht ver=
ſehenen
deutſchnationalen Mißtrauensanträgen zuſtimmen und
einen beſonderen Mißtrauensantrag gegen den
Reichswehrminiſter einbringen werde.
Dann nahm für die Chriſtlich=Nationalen der Abg.
Simpfendörfer das Wort. Er erklärte nach einer längeren
Definierung der chriſtlich=ſozialen Bewegung, der Chriſtlich=
Soziale Volksdienſt könne einer Aufhebung der Notverordnung
nicht zuſtimmen, wünſche aber zahlreiche Verbeſſerungen.
Der volknationale Abg. Abel wandte ſich zunächſt gegen die
Nationalſozialiſten, denen er Demagogie vorwarf. Seine Partei
mache es nicht mit, einem Mißtrauensantrag gegen den Außen=
miniſter
zuzuſtimmen, um auf dieſe Weiſe das ganze Kabinett zu
ſtürzen.
Für die Konſervativen ſetzte ſich Abg. v. Lindei=
ner
=Wildau für einen rückſichtsloſen Abbau des Verwal=
tungsapparates
ein. Er verlangte mit Rückſicht auf die uner=
träglichen
Reparationslaſten die Einleitung von Reviſionsver=
handlungen

Tumuliſzenen. Sfürniſche Auseinanderſehungen
zwichen Seiceneltilien und Ralianalſefaifen.
Der ſozialdemokratiſche Redner Abgeordnetr Dr.
Hoegner ſetzte ſich eingehend mit den geſtrigen Ausführungen
des Abgeordneten Straſſer auseinander, wobei er erklärte, daß
durch die Medikamente aus nationalſozialiſtiſchen Parteiapotheken
das Elend der breiten Maſſen nicht gemildert werde. Er be=
tonte
weiter, die Sozialdemokratie ſei mit den Nationalſoziali=
ſten
einig in der ſchärfſten Verurteilung des Verſailler Vertrages,
ſie habe auch immer die Lüge von der Alleinſchuld Deutſchlands
in ſchärfſter Weiſe verurteilt. Als der Redner ſich dann gegen
den deutſchnationalen Abgeordneten Oberfohren wandte und
Helfferichs Reichstagsreden aus der Kriegszeit zitierte, riefen
mehrere Nationalſozialiſten: Er ſpricht als Anwalt Frankreichs!
Als ſich dieſe Rufe wiederholten, rief Vizepräſident Eſſer einen
Nationalſozialiſten zur Ordnung, desgleichen zwei ſozialdemokra=
tiſche
Abgeordnete, die Schuft zugerufen hatten. Die Ausein=
anderſetzung
zwiſchen Sozialdemokraten und Nationalſozialiſten
nahm noch ſtürmeriſche Formen an, als der Redner erklärte, es
ſei nicht national, wenn Hitler an dem Tage des Ruhreinbruchs
in München geſagt habe: Nicht nieder mit den Franzoſen, ſon=
dern
nieder mit den Novemberverbrechern! (Minutenlanges Bei=
fallsklatſchen
der Nationalſozialiſten.) National ſei es auch nicht,
wenn die Nationalſozialiſten ein Militärbündnis mit Italien an=
ſtreben
und dafür die Deutſchen Südtirols der nationalen Unter=
drückung
preisgeben. Nach dieſen Worten entwickelten ſich bei den
Nationalſozialiſten ſtürmiſche Lärmſzenen. Die weiteren Ausfüh=
rungen
des Redners gingen in den Tumulten der Nationalſozia=
liſten
unter. Auf einige nationalſozialiſtiſche Zurufe hin fragten
die Sozialdemokraten den Vizepräſidenten Eſſer, ob er denn nicht
gehört hab=, daß der Redner ſoeben mit Mord bedroht worden
ſei. Der Abg. Severing (Soz.) begab ſich zum Präſideuten, der
darauf den nationalſozialiſtiſchen Abg. Heines wegen Bedrohung

des Redners aus dem Saale wies. Unmittelbar darauf verließ
auch Abg. Severing auf der rechten Seite des Hauſes den Saal.
Faſt die ganze nationalſozialiſtiſche Fraktion folgte ihm. In den
Wandelgängen kam es zu ſtürmiſchen Auseinanderſetzungen zwi=
ſchen
den beiden Parteien, in deren Verlauf von den National=
ſozialiſten
den Sozialdemokraten zugerufen wurde: Aufgehängt
werdet Ihr ja doch alle! Die Auseinanderſetzungen in den Wan=
delgängen
wurden ſchließlich durch das Dazwiſchentreten des Prä=
ſidenten
beigelegt. Im weiteren Verlauf der Rede des Abgeord=
neten
Hoegener kam es erneut zu ſtürmiſchen Zwiſchenfällen, als
der Redner erklärte, der Abgeordnete Mutſchmann finanziere die
Nationalſozialiſtiſche Partei. Es ertönten von den Bänken, der
Nationalſozialiſten laute Entrüſtungsrufe. Der Abg. Mutſch=
mann
(Nat.=Soz.) rief dem Redner zu: Ich klage Sie öffentlich der
Lüge an! Die kommuniſtiſchen Abgeordneten Pieck und Florin
riefen dem Abg. Mutſchmann zu: Ausbeuter der Textilarbeiterin=
nen
! Sie wurden deswegen zur Ordnung gerufen. Nur nach
wiederholten Bemühungen des Präſidenten konnte der Redner
immer noch unter größter Unruhe des ganzen Hauſes, ſeine Rede
fortführen. Sodann ſuchte Vizepräſident Eſſer feſtzuſtellen, wer
den Sozialdemokraten den Vorwurf des Landesverrats gemacht
habe, ein Verſuch, den die Nationalſozialſtien nur mit lauten
Rufen gegen links beantworten.
Abg. Torgler (Komm) teilte dann mit, daß ſoeben die
Abgeordnete Frau Mildenberg als Streikpoſten verhaftet worden
ſei. Er beantragte, ſofort die Freilaſſung der Frau Mildenberg
zu beſchließen. Der Freilaſſungsantrag wurde mit den Stimmen
der Kommuniſten, Sozialdemokraten, Chriſtlich=Sozialen und Na=
tionalſozialiſten
angenommen.
Darauf beantragte Abg. Dr. Frick (Nat=Soz.) Unterbre=
chung
der Sitzung, damit der Aelteſtenrat die Aufhebung der
Ausweiſung des Abg. Heines beſchließen könne. Vizepräſident
Eſſer erwiderte, der Aelteſtenrat ſei nicht dazu befugt.
Deutſchnakionaler Borſtoß gegen den Reichswehr=
miniſter
.
Für die Deutſchnationalen ſprach ſodann der Abg.
Schmidt=Hannover, der ſich einleitend gegen die Ausführun=
gen
des Abg. Hoegener (Soz.) wandte. Er erklärte, daß die An=
griffe
gegen Helfferich und Hitler der nationalen Oppoſition nicht
an die Stiefelſpitzen reichten. Zur Wehrfrage erklärte er, der
Leipziger Prozeß ſei die Widerlegung der Politik der gleitenden
Mitte. Die inneren Spannungen im Heer könnten nur durch einen
Wechſel in der Leitung behoben werden. Die beſte Wehr= und
Sanierungspolitik der Regierung ſei der Rücktritt und die Auf=
löſung
der Preußenkoalition.
Die Reinerhaltung des Wehrprinzips und der Wehrethik iſt
um ſo nötiger, als der Fahneneid heute auf ein ſo fragwürdiges
Gebilde wie die Verfaſſung geleiſtet wird. Die Beſeitigung der
durch das Reichswehrminiſterium geſchaffenen inneren Span=
uungen
iſt nur durch Perſonalwechſel in der Leitung möglich.
Die politiſchen Fehlgriffe des Herru von Schleicher dürften nur
durch die Reden von Treviranus übertroffen werden. Die Ver=
haftung
der Ulmer Offiziere angeſichts der Truppe, ihre Fort=
führung
in Geſangenenwagen paßt zu den Methoden, die ſeiner=
zeit
gegen verdiente U=Bootsoffiziere vor dem Reichsgericht an=
gewandt
wurden. Auf dem Magdeburger Parteitag erklärte ein
prominenter Sozialdemokrat, daß die Republikaniſierung der
Reichswehr unter Groener erfreuliche Fortſchritte mache. Wer
ſich in der Revolution zu der Anſicht bekannte: Fahneneid und
Treue ſind nur eine Idee, wer rote Soldatenräte als Behörden
anerkannte, wird ſich kaum zu der Auffaſſung durchringen kön=
nen
, daß wirkliche Wehrpolitik nicht ohne und gegen die Rechte
getrieben werden kann.
Graf Revenklow wird zweimal zur Ordnung gerufen.
Für die Nationalſozialiſten ſprach denn der Abg.
Graf Reventlow, der mit dem Hinweis begann, es ſei durch
die Zeugenausſagen des Pazifiſten Dr. Hiller feſtgeſtellt, daß die
Friedensgeſellſchaft und die Liga für Menſchenrechte für ihre
Tätigkeit vom Auslande bezahlt würden. Das ſtehe ganz im
Einklang mit der Politik der Sozialdemokraten. (Lebhafter
Widerſpruch bei den Sozialdemokraten und Rufe: Das geht
uns gar nichts an!) Wenn die Sozialdemokraten es einmal
wagen ſollten, die Aufhebung des Verſailler Vertrags zu ver=
langen
, dann würde man wohl noch ganz andere Dinge über die
deutſchen Sozialdemokraten erfahren.
Bei dieſen Worten riefen die Abgeordneten David, Keil und
andere Sozialdemokraten erregt: Das iſt eine Infamie, eine
unerhörte Verleumdung!
Vizepräſident Eſſer frug den Redner, ob er bei ſeiner Be=
merkung
Mitglieder des Hauſes gemeint habe.
Graf Reventlow (N.=S.): Das kann ich im Augenblick
nicht kontrollieren. (Stürmiſche Heiterkeit und lang anhalten=
des
Beifallklatſchen bei den Nationalſozialiſten.)
Vizepräſident Eſſer rief den Abg. Graf Reventlow zur
Ordnung. Als dieſer in ſeinen Ausführungen fortfahren will,
rufen die Sozialdemokraten: Schluß! Ein Sozialdemokrat
rief: Reventlow, dieſer Feigling, hat den Krieg in Berlin ver=
lebt
, dieſer Drückeberger! Der Zwiſchenrufer wird zur Ord=
nung
gerufen.
Abg. Graf Reventlow (Nat.=Soz.) erwiderte: Ich habe
wenigſtens keinen Munitionsſtreik angezettelt. Ich habe mich im
Kriege nicht gedrückt; ich habe bloß keine Luſt gehabt, in der
Kaſerne zu ſtehen. Ich bin mit meiner damaligen Tätigkeit ſeh
zufrieden. (Rufe: Das glauben wir Ihnen!) Reveutlow er
en den Kampf
klärre weiter, die bisherigen

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gegen das Verſailler Diktat und die Kriegsſchuldlüge niemals
ernſt aufgenommen. (Wegen einer in dieſem Zuſammenhang
gegen Erzberger gerichteten Bemerkung rief Vizepräſident Eſſer
den Redner zum zweiten Male zur Ordnung und machte ihn auf
die Folgen eines dritten Ordnungsrufes aufmerkſam.) Der
Kursrückgang nach der letzten Reichstagswahl iſt nur von den
Juden an der Börſe abſichtlich herbeigeführt worden. Nach einem
Börſenwitz gab es damals nur zwei Parteien, die Hitlerpartei
und die Laubhüttler=Partei. (Stürmiſche Heiterkeit bei den
Nationalſozialiſten. Am Schluß ſeiner Rede bedauerte Revent=
low
, daß der Biſchof von Mainz Nationalſozialiſten aus der
Kirche ausſchließe. Die Jugend werde aus der Kirche marſchieren.
(Beifall bei den Nationalſozialiſten.)
Dann ſprach die kommuniſtiſche Abg. Frau Reeſe, die die
Notverordnungen als eine ungeheure Verhöhnung der Arbeiter=
ſchaft
ablehnte.
Der Zentrumsredner, Abg. Dr. Brauns, wies die Kritik
des Abg., Graf Reventlow an dem Erlaß des Mainzer Biſchofs
zurück und wandte ſich weiter gegen die kommuniſtiſchen und
ſozialdemokratiſchen Anträge, die ſich gegen die Verbindlichkeits=
erklärung
des Schiedsſpruchs in der Berliner Metallinduſtrie
wenden. Man politiſiere damit das Schlichtungsweſen.
Unerhört ſcharfe Angriffe des Deutſchnakionalen
v. Oldenburg=Januſchau gegen Hindenburg
und das Reichswehrminiſterium.
Unter großer Spannung betrat dann der deutſchnationale Ab=
geordnete
v. Oldenburg=Januſchau, der ſich mit der
Entwicklung der Verhältniſſe in der Reichswehr und dem Prozeß
gegen die Reichswehroffiziere beſchäftigte, das Rednerpult. Er
führte u. a. aus: Ich habe mich zu dem Leipziger Prozeß zum
Wort gemeldet, weil ich der älteſte Soldat und Offizier bin, der
dem Reichstag angehört. Ich habe im alten Reichstag jahrelang
beim Wehretat gegen den alten Bebel gefochten. Wir haben das
getan als ehrliche Gegner in anſtändiger Form. Heute bin ich
in der Lage, in umgekehrter Front kämpfen zu müſſen. General=
oberſt
v. Seeckt hat ſich das Verdienſt erworben, unter Miniſter
Dr. Geßler, der ihm freie Hand ließ, die Reichswehr aufzubauen
in der Tradition der Kameradſchaft, der Ehre und des Wehr=
willens
. (Zurufe links: Ewiges Dörrgemüſe für die Soldaten!)
Als die Spartakiſten die Reichskanzlei beſchoſſen, telephonierte der
Reichspräſident an das Wehrminiſterium: Schicken Sie mir ein
Bataillon, aber von der alten Garde! Dieſer Tradition iſt nicht
mehr entſprochen worden durch die letzten Erlaſſe des General=
oberſten
v. Heye, den ich menſchlich ſchätze, wenn ich ſein militäri=
ſches
Vorgehen auch nicht begreife. Ganz unbegreiflich iſt der
Uhrenerlaß des Reichswehrminiſteriums. Früher hatte der Offi=
zier
den Begriff der Treu zu ſeinem König. Jetzt ſoll das allein
erſetzt werden durch den Gehorſam. Man mutet ihnen zu, Kame=
raden
zu denunzieren und dafür Uhren anzunehmen. Ich, der ich
die Ehre hatte, den Rock S. M. des Königs von Preußen zu tra=
gen
, ich hätte die Uhr den Betreffenden vor die Füße geworfen.
Ganz unerhört iſt es, daß Offiziere im Beiſein des Kommandeurs
vor der Mannſchaft von der Polizei verhaftet wurden. Ich hätte
als Kommandeur die Poliziſten davongejagt. Nun heißt es, hin=
ter
dieſen Maßnahmen ſtände der Wehrminiſter und der Herr
Reichspräſident. Der Wehrminiſter mag ſtehen, wohinter er will.
(Beifall und Heiterkeit rechts.) Aber dagegen wehre ich mich als
einer von den Millionen, die im Krieg hinter dem Feldmarſchall
ſtanden, daß ſein Name in Zuſammenhang gebracht wird mit die=
ſer
jammervollen Handlung. (Stürmiſcher Beifall bei den Deutſch=
nationalen
und Nationalſozialiſten. Ein Nationalſozialiſt
ruft nach links: Dieſer alte Herr hat mehr Courage als Ihr
alle zuſammen! Zwei Kommuniſten werden vom Präſidenten
Loebe zur Ordnung gerufen.)
Wenn die Offiziere in ihrer Verzweiflung ſich beſprachen, ſo
durfte man deswegen nicht den Leipziger Prozeß machen, der dem
ganzen Lande geſchadet hat. Die Leitung der Reichswehr hat
nicht die richtige Erkenntnis. Graf Schlieffen würde ſich im Grabe
umdrehen, wenn er von ſolchen Erlaſſen hörte!
Die Deutſchnationalen und Nationalſozialiſten klatſchten dem
Abg. v. Oldenburg am Schluß ſeiner Rede ſtürmiſchen Beifall.
Abg. Hugenberg (Dntl.) beglückwünſcht den Redner. Die Natio=
nalſozialiſten
rufen: Nieder mit den Landesverrätern! Die
Kommuniſten rufen: Nieder mit den Arbeiterverrätern, nieder,
nieder, nieder!

Mannhaftes Einkreien des Reichskanzlets, für den
abweſenden Reichswehrminiſter.
Nach der Rede des deutſchnationalen Abg. v. Oldenburg=
Januſchau nahm der Reichskanzler Dr. Brüning das Wort und
erklärte: Die Reichsregierung hat nicht die Abſicht, in den Ver=
lauf
der Debatte noch einzugreifen; ich halte mich aber für ver=
pflichtet
, einzugehen auf die Ausführungen des verehrten Kolle=

Sonntag, den 19. Oktober 1930

gen v. Oldenburg, weil er die Perſönlichkeit des Herrn Reichs=
präſidenten
in die Debatte gezogen hat, was ein in dieſem Hauſe
ungewöhnlicher Vorgang iſt. Herr v. Oldenburg hat bewußt oder
unbewußt ſich bemüht, eine Differenzierung zwiſchen dem Herrn
m Herrn Reichswehrminiſter Groener

vorzunehmen.
Das muß ich zurückweiſen. Der Herr Reichswehrminiſter hat
das Vertrauen des Herrn Reichspräſidenten in vollſtem Umfange.
Er iſt zurzeit aus dienſtlichen Gründen nicht anweſend und kann
daher erſt ſpäter auf die Frage des Abg. v. Oldenburg antwor=
ten
. Er wird dazu die erſte Gelegenheit benutzen, die ſich ihm
bietet. Als ſich Herr v. Oldenburg zum Wort meldete, hatte ich
eigentlich etwas anderes erwartet. Ich durfte erwarten, daß er
die Worte des Abg. Schmidt=Hannover aufs ſchärfſte zurückweiſen
würde. (Unruhe rechts.) Herr v. Oldenburg, Sie ſind nicht der
einzige, der als Soldat unter dem jetzigen Reichspräſidenten im
Felde geſtanden hat. (Lebhafter Beifall.)
Ich kann mich nicht entſinnen, von ſeiten eines ſozialdemokra=
tiſchen
Abgeordneten eine ſolche Verhöhnung des Fahneneides ge=
hört
zu haben, wie ſie der Herr Abg. Schmidt ſich heute geleiſtet
hat. (Lebhafte Zuſtimmung in der Mitte und links. Abg.
Schmidt=Hannover (Dntl.) ſchlägt erregt mit der Fauſt auf den
Tiſch.) In den Fällen der Heilighaltung des Fahneneides muß ich
auf das entſchiedenſte gegen dieſe Verhöhnung Stellung nehmen.
(Erneuter ſtürmiſcher Beifall.) Dagegen hätten Sie auch Stel=
lung
nehmen müſſen, wenn Sie die ſtolze Tradition des preußi=
ſchen
Heeres hier hätten zur Geltung bringen wollen. (Beifall bei
der Mehrheit. Unruhe rechts. Der Abg. Levi (Nat.=Soz.)
wird wegen eines Zwiſchenrufes zur Ordnung gerufen.)
Die Regierung hat in ihrer Erklärung ganz klar und deut=
lich
ausgeſprochen, daß ſie alles tun wird, was in ihrer Macht
ſteht, um die Wehrfähigkeit des deutſchen Volkes zu ſtärken, und
wenn irgend jemand etwas getan hat in Fortſetzung des Werkes
des Herrn Generals v. Seeckt, dann iſt es der jetzige Herr Reichs=
wehrminiſter
. (Erneuter Beifall in der Mitte.) Wenn Herr
v. Oldenburg und damit will ich ſchließen das Zeugnis des
verſtorbenen großen Generalfeldmarſchalls v. Schlieffen in einer
für mich unverſtändlichen Weiſe gegen den jetzigen Reichswehr=
miniſter
hier aufgerufen hat, ſo muß ich Ihnen, Herr v. Olden=
burg
, zu meinem größten menſchlichen und politiſchen Bedauern
ſagen, daß Sie wie ich annehme, wider Willen , aber in der
Tat der alten Tradition des preußiſchen Heeres, die auf Diſziplin
und Gehorſam aufgebaut iſt, hier den ſtärkſten Abbruch getan
haben.
Die Kanlzerrede wurde von der Mehrheit mit ſtürmiſchem
Beifall aufgenommen. Miniſter Dietrich drückte dem Reichskanz=
ler
gratulierend die Hand. Bei den Deutſchnationalen und Na=
tionalſozialiſten
herrſchte große Unruhe. Die Bewegung im Saale
hielt lange an. Der nächſte Redner, Abg. Bauſch (Chr.=Soz.),
wurde kaum angehört, und Präſident Loebe mußte die Sitzung auf
fünf Minuten unterbrechen, bis wieder eine gewiſſe Beruhigung
im Saale eingetreten war.

Als der Präſident ankündigte, daß nunmehr die Abſtim=
mungen
beginnen ſollen, beantragte Abg. Torgler (Kom.) Unter=
brechung
der Sitzung und Vertagung der Abſtimmungen, bis
die kommuniſtiſche Abg. Frau Mildenberg aus der Haft ent=
laſſen
ſei. Dieſer Antrag wurde gegen die Antragſteller, die
Nationalſozialiſten und Deutſchnationalen abgelehnt, was erneut
große Lärmſzenen auslöſte. Nunmehr begannen

Zunächſt entſchied das Haus über die Zuſammenſetzung der
Ausſchüſſe. Darauf wurde die vom Aelteſtenrat vorgeſchlagene
Diätenkürzung der Abgeordneten ab 1. November ein=
ſtimmig
genehmigt. Das Zuſatzabkommen mit Finn=
land
wurde in der Schlußabſtimmung gegen Sozialdemokraten
und Kommuniſten angenommen., Abg. Torgler (Kom.)
beantragte hierzu ſofortige Abſtimmung über den Miß=
trauensantrag
gegen den Miniſter Schiele. Abg.
Eſſer (Zentr.) wies darauf hin, daß dieſer Antrag mit dem
Finnenvertrag nichts zu tun habe und daß die Abſtimmung im
Rahmen der anderen Mißtrauenanträge erfolgen müſſe. Die
ſofortige Vornahme dieſer Abſtimmung wurde gegen National=
ſozialiſten
und Kommuniſten und einen Teil der Deutſchnatio=
nalen
abgelehnt. Als darauf die inzwiſchen freigelaſſene
Frau Mildenberg im Saale erſchien, wurde ſie von den Kom=
muniſten
mit ſtürmiſchen Rotfront=Rufen empfangen. Es
folgte die Schlußabſtimmung über das Schulden=
tilgungsgeſetz
. Das Geſetz wurde mit 325: 237 Stim=
men
der Deutſchnationalen, Nat.=Soz., des Landvolkes und
der Kommuniſten angenommen.
Es entſpinnt ſich dann eine Geſchäftsordnungsausſprache über
die von Abg. Eſſer (Zentr.) beantragte Ausſchußüber=
weiſung
der Notverordnungen des Reichsprä=
ſidenten
, einſchließlich der dazu geſtellten Aufhebungsanträge.
Von den Deutſchnationalen, den Nationalſozialiſten und Kom=
muniſten
wurde heftig gegen die Ueberweiſung proteſtiert. Ueber

*
Europa-Amerika in 48 Stunden.
Mit dem Dornier Wal über Grönlands Eiswüſte. Kombinierter
Flugzeug= Propellerſchlittendienſt über Grönland. Einrichtung
des Verkehrs könnte ſofort begonnen werden. 1932 regelmäßige
Amerikafahrten?
Von Wolfgang v. Gronau.
Aka. Bei den Erörterungen, die bereits ſeit einigen Jahren
darüber geführt werden, welches der günſtigſte Flugweg von
der alten zur neuen Welt und umgekehrt iſt, ſpielt die ſogen.
nördliche Flugroute d. h. der Weg über Island, der von
der Hauptſtadt Reykjawik entweder nach Labrador oder gar
Neufundland direkt nach Amerika führt oder über Grönland
nach Canada gelegt werden kann eine erhebliche Rolle. Ich
hatte mich ſchon früher viel mit dieſem Weg beſchäftigt und auf
kleineren Flügen bis zu den Farör=Inſeln und Island ſeine
Gangbarkeit erkundet. Es erſchien mir deshalb wichtig, nun=
mehr
endgültig feſtzuſtellen, wie die Verhältniſſe hier für einen
regulären Luftverkehr liegen.
Grönland iſt für dieſe Route der wichtigſte Faktor. Das
ganze innere der Rieſeninſel iſt von einem ungeheuren Gletſcher,
dem ſogen. Inlandeis bedeckt. Dieſes Inlandeis iſt ziemlich
eben und nach den Küſten leicht abfallend. Erſt in der Nähe
der Küſte ragen einzelne Felſen empor, während die Küſte ſelber
eine ſteile Felſenküſte iſt, ähnlich der des nördlichen Norwegens.
Eine breite Eisdrift zieht ſich an der ganzen Oſtküſte nach =
den
, geht um das Cap Farewell herum und von dort an
der Weſtküſte nach Norden herauf. Je weiter nördlich das Eis
kommt, deſto mehr ſchmilzt es ab und deſto eisfreier werden
die Häfen. Während die ganze Oſtküſte vereiſt iſt, befinden ſich
daher an der Weſtküſte eine Anzahl für Seeflugzeuge recht ge=
eignete
Plätze. Wir hatten für unſeren Flug den am weiteſten
ſüdlich gelegenen eisfreien Hafen Ivigtut gewählt, da wir
Rückſicht auf den geringen Aktionsradius unſeres bereits
5 Jahre alten Dornierwals nehmen mußten.
Unſer Weg ging alſo von Island über Ivig=
tut
nach Labrador. Von Reykjavik auf Island aus,
das über eine ſehr tätige und kundige Wetterſtation verfügt, iſt
es nicht ganz leicht, die Wetterlage über Grönland und der
Grönlandſtraße zu beurteilen. Einmal liegen alle Wetterſtationen
Grönlands tief in den Fjords und jeder weiß, daß dort die
Wetterlage oft, lokal begrenzt iſt und keinesfalls mit der drau=
ßen
auf See übereinſtimmt. Dann kommt noch dazu, daß
auch die Funkübermittlung unzureichend iſt. Ferner liegen
überhaupt keine Wettermeldungen von der Grönland= und
Labradorſtraße und der Gegend ſüdlich Cap Farewells vor

Unſer Abflug von Reykjavik fand am 19. September mor=
gens
ſtatt. Zunächſt war das Wetter, wie ich es erwartet, über
Grönland lagerte hoher Druck und über Island zog ein ſtarkes
Tief nach Weſten. Die Hoffnung jedoch, daß dieſes in wenigen
Stunden durchflogen ſein würde, erfüllte ſich nicht, ſondern es
herrſchte bis zur grönländiſchen Küſte Sturm mit viel Regen
niedrigen Wolken und geringer Sicht. Erſt bei Annäherung an
die Küſte klärte es ſich auf und der Wind ließ nach. Da aber die
Wolken noch auf den Bergen der Oſtküſte auflagen, konnten wir
das Inland nicht überfliegen, ſondern mußten, Cap Fare=
well
anſteuern.
Der Treibeisgürtel hatte ungefähr eine Breite von 38 Kilo=
meter
und war nicht ſo geſchloſſen, daß nicht eine Notlandung
möglich geweſen wäre. Je weiter wir nach Süden bzw. nach
Paſſieren von Cap Farewell nach Weſten kamen, deſto
beſſer wurde das Wetter. An der ganzen Weſtküſte herrſchte
ſtrahlend blauer Himmel und ſehr gute Sicht. Draußen auf
See trieben auf dem Eis ſchwache Nebelwinde. An der Weſt=
küſte
ſehen wir ſchon eine ganze Reihe von Buchten, die im
Notfalle eine geſchützte Landungsgelegenheit biesen konnten.
Der erſte wirkliche brauchbare Ort hierfür, ſchien, ſoweit man
aus der Luft feſtſtellen konnte, jedoch Julianehaab zu ſein.
Von Julianehaab bis Ivigtut ſind es rund 150 Kilo=
meter
, alſo 1 Stunde Flugzeit. Der Arſuk=Fjord, an dem Jvigtut
liegt, war bei unſerer Ankunft vollkommen eisfrei.
Obwohl wir den Funkverkehr nicht hatten organiſieren
können, hatten wir doch während des ganzen Fluges Verbin=
dung
. Mit Reykjavik verkehrten wir halbſtündlich und
konnten bis kurz vor Cap Farewell Verſtändigung mit
dieſer Station erzielen.
Das iſt eine Reichweite von über 1000 Kilometer, eine in
Anbetracht der ungünſtigen Anlage der Funkſtation auf unſerem
alten Flugzeug eine außerordentlich gute Leiſtung. Wir hatten
ferner des öfteren mit Dampfern Verkehr, die weit ſüdlich Grön=
lands
auf dem Wege von Canada nach Europa waren. Als die
Verbindung mit Reykjavik abriß, trat der Däniſche Regierungs=
dampfer
Disko, der auf dem Wege nach Jvigtut war, dafür
ein. Auf dem Weiterflug nach Labrador war die Verſtändigung
mit Jvigtut ſehr gut, da dieſes über die einzige moderne Funk=
anlage
in Südgrönland verfügt. Obgleich
beim Abflug der luftgetriebene Generator
explodierte,
ſo daß mit einem Notaggregat gearbeitet werden mußte, war
die Verſtändigung bis Labrador einwandfrei.
Unſer erſter Eindruck bei der Annäherung an Grönland war
außerordentlich ſtark. Die gewaltigen Felſen, die allmählich
aus dem Dunſt hervorkamen, da or als erſte Gegenſtände, die
wir auf dem Waſſer ſeit dem Abfluge son Island ſahen, einige

Nummer 289

die Ausſchußüberweiſung wurde durch namentliche Abſtimmung
entſchieden. Die Soizaldemokraten, die dabei weiße Ja=Karten
abgaben, wurden von den Nationalſozialiſten und Kommuniſten
mit entrüſteten Zurufen bedacht, ſo mit den Reden im Sprechchor:
Wer hat euch verraten, die Sozialdemokraten‟. Darauf ſangenn
ſchließlich die Kommuniſten die Internationle. Mit 339;22og
Stimmen wurde die Ausſchußüberweiſung be.
ſchloſſen. Die von verſchiedenen Parteien eingebrachtenn
Anträge auf Einſtellung der Youngzahlungen, Reviſion des=
Youngplanes, Aufhebung des Verſailler Vertrages uſw. wurdem
auf Antrag des Zentrums mit 329:236 Stimmen dem
Auswärtigen Ausſchuß überwieſen, desgleichen auch die Anträge.
die ſich auf Kapitalflucht und Steuerhinterziehung beziehen, wur= der Ausſchußberatung überwieſen. Bei denm
Amneſtieanträgen beantragte. Abg. Landsberg (Soz)
Ueberweiſung an den Rechtsausſchuß. Von anderer Seite=
wurde
dem widerſprochen, und ſchließlich wurde die Ueberwei=
ſung
gegen Sozialdemokraten, Zentrum und Bayeriſche Volks=
partei
abgelehnt. Der Amneſtieantrag der Regie=
rungsparteien
, wonach Straffreiheit auch für politiſche
Tötungsdelikte gewährt werden ſoll, wurde in zweiter Beratung=
gegen
Sozialdemokraten und Kommuniſten angenommena Fa
Abgelehnt wurde die von den Kommuniſten beantragten dru
Aufhebung des Verbots des Rot=Front=Kämp==tz
ferbundes.
Zahlreiche Anträge ſozialpolitiſcher Natur wurden gleichzeitig) , aus
der Ausſchußberatung überwieſen, aber auch der Kommuniſtenn Ao
Antrag, den Erwerbsloſen eine Winterbeihilfe zu gewährem
wurde mit 380:179 Stimmen dem Ausſchuß überwieſen. Es folgr
ten dann die Anträge, die ſich mit dem Schiedsſpruch inde
Metallinduſtrie beſchäftigen. Der kommuniſtiſche Antrau
auf Aufhebung des Schiedsſpruches wurde abgelehnt. Mit dezu
Stimmen der Kommuniſten, der Nationalſozialiſten und der Soo /
zialdemokraten wurde der Antrag angenommen, wonacht!"
der Schiedsſpruch nicht für verbindlich erklärg,
werden ſoll. Die Anträge über die Oſthilfe, den Voun mis
ſtreckungsſchutz und die Kündigung der öffentlichen. Angeſtelltern a. V0
gingen an den Ausſchuß. Angenommen wurden Anträge, die dau Xſazu
Vorlegen eines Rentnerverſorgungsgeſetze Areiche
fordern. Nunmehr folgten die Abſtimmungen über di=geizu
Mißtrauensanträge. Als Präſident Loebe auf den Anurechnil
trag verweiſt, über die Mißtrauensanträge zun en?
Tagesordnung überzugehen, wurde von rechts Schieem an de
bung gerufen. Abg. Gotheiner wies darauf hin, daß durch dieſes wir
Antrag der Oppoſition die verfaſſungsmäßige Möglichkeit genomr m Naturg
men werde, der Reichsregierung das Mißtrauen auszuſprechem un, wei
Der Antrag der Regierungsparteien ſei doch keineswegs eine Ver, /ſchimp

heue

trauenskundgebung, durch die allein die Mißtrauensanträge en,= Fun
ledigt werden könnten. Es handele ſich hier wieder um eim mr 2
Maßnahme, durch die der Sinn der Reichsverfaſſung in ihr Gegery / kreiſe,
teil verkehrt werde. (Lebhafte Zurufe rechts.)
Präſident Loebe erklärte dann, daß der Reichstag im Julu uns de
1925 auf Antrag des Grafen Weſtarp und Genoſſen in gleicher Wüellen
Weiſe über Mißtrauensanträge zur Tagesordnung übergegange=
ſei
. (Heiterkeit links und in der Mitte.)
Abg. Torgler (Komm.) erklärte, der politiſche Sinn dieſe
Drehs ſei, der Sozialdemokratie die Möglichkeit zu geben, ſiel
um eine ihr unbequeme Abſtimmung zu drücken. Es ſei das Gor
bot der Stunde, auszuſprechen, daß die Sozialdemokratie tatſäckt
lich der Reichsregierung mit ihrer arbeiterfeindlichen Notverors)!
nung das Vertrauen ausſpreche.
Auf Antrag der Nationalſozialiſten wurde dann dure
namentliche Abſtimmung zunächſt über die Zuu
läſſigkeit des Antrages auf Uebergang zu
Tagesordnung entſchieden. Dieſe Zuläſſigkeit wurde mit
310:235 Stimmen bejaht. Der Antrag auf Uebergang zu=
Tagesordnung ſelbſt wurde dann mit 318:236 Stimy
men der Nat.=Soz.,Deutſchnationalen und Komy eM
muniſten, des Landvolkes bei einer Stimmn
enthaltung angenommen. (Pfui=Rufe rechts und linlst MN
Beifall und Händeklatſchen in der Mitte.) Die Mißtrauens=
anträge
ſind damit erledigt. In der
Nachkſihung
deren erſter Teil ſich in vollkommener Ruhe abwickelte, wursd
run
die Amneſtie für die ſogenannten Fememörde
angenommen. Von 543 abgegebenen Karten waren nu
147. Nein=Stimmen und 395 Ja=Stimmen. Die verfaſſungs)
mäßige ½⁄ Mehrheit iſt alſo erreicht worden. Damit ſind abe ieh
noch nicht alle Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt. Schog en
einmal hat der Reichsrat durch die Amneſtie einen Strich ge/ M
macht. Es bleibt abzuwarten, ob es zu einem neuen Reichst Men u
ratseinſpruch kommt oder ob der Beſchluß des Reichstages Gi! W
ſetzeskraft erlangt. Im Anſchluß an die Abſtimmung über din
Amneſtieanträge fand eine kleine Ausſprache über die Ve=7
ſchiebung der Tagesordnung auf Montag ſtatt. Da aber 9i0
Antragſteller in der Minderheit blieben, vertagte ſich des
Reichstag nach Mitternacht auf den 3. Dezembe

Eisberge und dazwiſchen die große Treibeisdrift. Wenngleich en
Eisberg kein ſonderlich einladender Platz iſt, ſo waren w‟
doch froh, wenigſtens einmal wieder einen feſten Punkt *
ſehen, nachdem wir während des ganzen Fluges nur die ſi.d
miſche See unter uns gehabt hatten. Als dann die Sicht 92
Gröland ſich aufhellte und wir einen Einblick in

die vereiſten Fjorde, die in ihrer majeſtä=

war

tiſchen Größe und Einſamkeit wie ein Mär=

chen oder eine alte Nordlandſage ſtanden,
da durchzog uns das ſchöne Gefühl, daß wir unter wenigs)n
Menſchen auf der Erde den Vorzug hatten, dieſe noch 8ar m
jungfräulichen faſt nie betretenen Gebiete aus der Luſt 8
ſchauen. Als wir dann Cap Farewell rundeten, dieſe
Punkt, den ich ſo oft auf der Karte betrachtet und deſſen El
fernung von Reykjavik ich ſo oft abgemeſſen hatte, da empſche

ich eine frohe Genugtuung und hatte das Gefühl, als ob eigen"
lich unſer Flug ſchon gelungen ſei.
Der Weiterflug nach Norden brachte dann bei dem Ei=
ſetzen
des guten Wetters immer mehr Schönheiten, bis M2
ſchließlich an den Inlandgletſcher herankamen, und ihn in ſei?
gewaltigen Größe bewundern konnten. In Jvigtut wvar R. *
Empfang über alle Maßen herzlich, und da ſich dort eine Creolls
mine befindet, waren auch techniſche Hilfsmittel für das Fſch *
zeug vorhanden. Das Wetter war im Fjord felber ſchön, ſe z.
lender Sonnenſchein, leichter Wind und gute Sicht.
Von draußen wurde durch den Dampfer Disko dichſe
Nebel gemeldet. Nebel darf aber auf der Strecke heutzlle.
kein Hinderungsgrund für die Durchführung eines Fluges"
den und
ſo flogen wir ab nach Labrador.
Ich muß hier kurz auf die Inſtrumente eingehen, mit vere
unſer Flugzeug ausgerüſtet war. Vor allem hatten wir meyl
Kompaſſe an Bord, einen großen Askanie=Kompaß, an dem .*
die Ablenkung der kleineren Steuerkompaſſe, deren vor ſe.
Führerſitz einer angebracht war, durch Vergleich feſtſtellen Coſ.
Dann war ein Pionier=Erdinductor=Kompaß vorhandeh. *
nicht auf magnetiſchem Prinzip beruht, ſondern deſſen .
durch das Kraftlinienfeld der Erde bewirkt wird. Zum e

fliegen braucht man außerdem, da der Flieger im Nebet
Zefühl für die Lage des Flugzeuges hat, noch undere ſle
mente die möglichſt unabhängig von Beſchleunigung und Deſ

fugalkräften ſind. Man hat hier nur Kreiſel zur Verſte‟
Wir beſaßen einen Kreiſelwendezeizer, der die Drehun.
Flugzeuges anzeigt. Einen Längsneigungsmeſſer, D
Längslage veranſchaulicht, und einen Kreiſelhorizont. *
ein Inſtrument, welches das Bild des Flugzeuges über Re

[ ][  ][ ]

Sonntag, den 19. Oktober 1930

Seite 3

20 Groß= und Ueberſeehangel ſiehk in dem Wirkſchafis= und Finanzprogramm der Reichsregigrung
einen Anfgeg auf dem Wege zur Geſundung der öffenklichen und Feivaken Birkſchaft.

Das Gebok der Skunde.
Nrch Arbeit, Rifiko und Züihigkeit zu Erfolg
und Gewinn.
Berlin, 18. Oktober.
ie Tagung des Reichsverbandes des Deutſchen Groß=

ſen um deberſeehandels wurde heute fortgeſetzt. In der Mit=
gkiſehrverſammlung
referierte Rudolph Peterſen, Hamburg,
zwweit ſtellvertretender Präſident des Reichsverbandes, über
Aitz Withandel und Staatsmaßnahmen, wobei er
unm u. 4ausführte: Gewiß muß die Regierung in Zeiten elemen=
aw
targe Not helfen mit allen Mitteln, die irgend Erfolg verſpre=
6i chen Aber Vorausſetzungen jeder erfolgreichen Wirtſchaft und
uqu de=hlb auch des Außenhandels, ſeien Leiſtungsfähigkeit der
ſche 5 Prtotkltion in bezug auf Qualität und Preis und Unterneh=
M mutnsluſt der Wirtſchaftler, um durch Arbeit, Riſiko
und) umZähigkeit Erfolg und Gewinn zu erzielen.
N,00 Seſtzn wir Wirtſchaftler uns dafür mit allen unſeren Kräften
ein ſaß alle unſere Regierungsmaßnahmen wieder dieſer Er=
M kerumnis Rechnung tragen. Bekämpfen wir alles, was dazu
e diei Wagemut durch Verſorgungsſtreberei zu erſetzen, alles,
ſe waes da zu führt, dem Sparſamen und Fleißigen und deshalb
Grnoreichen ſeinen verdienten Erfolg durch übermäßige
Stiüturn zu nehmen! Die Weltkriſe äußert ſich darin, daß trotz
allurtechniſchen Fortſchritte der Produktien und des Verkehrs
dem ine Teil der Menſchheit aus Mangel an Kaufkraft not=
ſeos
leiſte an den Dingen, die anderwo nutzlos zugrunde gehen.
duig! Wewir erleben, iſt Verkennung des elementarſten menſch=
Eig lichte Naturgeſetzes, daß jede Leiſtung entſprechenden Gewinn
MuSüh fomet, wenn die Arbeitsenergien nicht erlahmen ſollen. Des=
9 el halabſchimpfe man nicht auf den Handel, ſondern laſſe ihn
Sam ſeizne Funktion erfüllen, Mangel und lieberfluß
m inler Welt auszugleichen im Wege der Geſtaltung
ſn itt der Freiſe, wie ſie bedingt werden durch das Ausmaß der
Prſktions= und der Konfummöglichkeit. Die ſteigende Er=
ßiag
u kemmnis des Auslandes, daß die Reviſion der politiſchen und
nu finnziellen Beſtimmungen des Verſailler Friedens überreif iſt,
ſüberzu unn der Zuſammenbruch der kommnniſtiſchen Wirtſchafts=
meihden
in Rußland ſollten uns, ſo ſ.hloß der Redner mit
Sin eingen Appell zur Sparſamkeit, die Kraft geben, durchzuhal=
gu
temt is der Tag kommt, an dem wieder privater Unterneh=
ſeiy
mutntsluſt der verdiente Erfolg winkt zum Segen des Einzel=
un
uei und damit des ganzen Volkes. Das nächſte und letzte
No Neuent An der Schickſalswende der deutſchen
Wülſchaft erſtattete dann das geſchäftsführende Präſidial=
miügled
des Reichsverbandes des Deutſchen Groß= und Ueber=
di
ſeegt dels, Reichstagsabgeordneter Otto Keinath. Der Redner
fübint u. a. aus: Es iſt kein Zweifel, daß ſich Staat und Wirt=
wut
ſchäf in einer gefährlichen Kurve befinden. Das Gebot der
5 zude iſt
Aſtkehr zu geſunden Grundlagen, Breimachung
mu ſozigliſtiſchen Gedankengängen und Rückkehe
zu klater Privalwirkſchaft.
die folgreicher als jede andere Wirtſchaftsform Proſperität
unv Vohlfahrt aller ſchaffen kann. Selbſtverantwort=
li
hleit des Einzelnen muß wieder in den Vor=
ſtell
derſrund treten, Strebſamkeit, Leiſtungen und
mell hexinderer Fleiß müſſen wieder ihren Lohn
v fᛋhen. Das Vertrauen in die Sicherheit der Geſetze muß
hene wiädtkehren und ein ſicherer Genuß des redlich Erworbenen
ſichbjeſtellt werden. Sparſamkeit der öffentlichen Hand und
Spüfmkeit jedes Einzelnen müſſen den Wiederaufſtieg vor=
ber
ſtin und das unentbehrliche Eigenkapital des Volkes wie=
dem
llden, der politiſche Lohn und der angeblich gerechte
Lolon muß wieder dem wirtſchaftlich möglichen Lohn
Plolzmachen. Wenn dieſe geſunden Grundſätze wieder unſere
Ponitt beherrſchen, dann kann man das Vertrauen haben, daß

das eutſche Volk, das zu allen Zeiten bei klar ſichtbarer Ge=
fahr
Nut, Entſchloſſenheit und Opferwilligkeit gezeigt hat, ſich
wiein erfolgreich durchſetzen wird.


M
A


K

künhiſchen Horizont wiedergibt, wodurch man die Lage des
Fllüguges jeweils ſehen kann. Die Ausrüſtung erſcheint etwas
reiohſich, war aber notwendig, um erſtens im Falle des Ver=
ſagen
eines Inſtrumentes eine Reſerve zu haben und um ein
ſo ſtveres Flugzeug unter allen Umſtänden bei jeder Lage
Baufzeſt und ſicher in der Hand zu haben.
Ih bin nun oft gefragt worden, welche Ausſichten dieſer
Noudßeg für den künftigen Luftvertehr hebe und ob ich über=
hauntiglaube
, daß der von mir beſchrittene Weg für einen regel=
mäſiſen
Verkehr benutzbar ſei. Uinter allem Vorbehalt kann ich
dau das Folgende erwidern: Beim heutigen Stand der
Tecrzül glaube ich, daß
iſ Weg über Island=Grönland nach Nord=
iſerika
zunächſt der einzig mögliche iſt.
Ein gelmäßiger Luftverkehr, ich ſpreche hier überhaupt nur
bomk ſoſtbeförderung, die Paſſagiere wird man bis auf weiteres
noch em Luftfchiff überlaſſen müſſen, wird ſich über dieſen
970 Seeſtrecken nur in einem ſeefähigen Flugzeus
abfülen können. Das Seeflugzeug hat nun zwar gegenüber
dens ſandflugzeug den Vorteil, daß 5 überall auf dem Waſſer
nieleſgehen und auch wieder ſtarten kaun, dafür aber den Nach=
teill
es durch die Schwimmkörper ſchwerer wird und uicht
ſo gutze Nutzlaſt abheben kann, wie ſenes. Will man alſo eine
gennande Menge Brennſtoff mitführen, um auch bei ſtarken
Gegwwinden nicht in Verlegenheit zu kommen, und will man
ferni Nutzlaſt befördern, ſo muß man die Strecke in kleinere
Abſſhitte unterteilen. Dieſes iſt bei der Amerikaroute nur
auff din Nordwege möglich.
U man die Strecke über Südgrönland via Ivigtut
legty der ob man über Mittelgröuland via Amaug=
a
10=Goodhaab nach der Hudſon=Bay geht, hängt von
deufbrſchiedenſten Umſtänden ab. Die Gangbarkeit des erſten
Wech iſt durch unſeren Flug erwvieſen. Aber auch die Strecke
Ubexlittelgrönland hat gewiſſe Vorteile. Der Flug führt von
Reh=hoik nur über eine kürzere Strecke offene See, etwa 5 bis
9 Suden. Der Flug über das Inlandeis bietet für ein Sce=
Lügſeg oder ein ſpeziell für Eislandungen mit Kufen ver=
lehehue
, keine Schwierigkeiten im Falle der Notlandung, da der
Jullogketſcher eine große ebene Fläche darſtellt, auf der die
Leiug Flugzeugkategorien gut und ſicher landen können.
S0rpſab iſt wie ſchon von der Däniſchen Marineflugwaffe feſt=
BeſtNA worden iſt, für Seeflugzeuge außerordentlich geeignet.
Auchn Amangſalik wird ſich eine Anlage eines geeigneten
Larahlatzes ſicher ermöglichen laſſen. Es beſteht natürlich die
Der½ Daß durch Vereiſung der Flugzeuge, ſowie durch ſtarkes
Sacſtteiben über Grönland auf dieſer Strecke eine Behin=
deriA
eintritt. Für dieſen Fall könnte man aber

Forderungen des deukſchen Großhandels.
Die Reparalionslaſten völlig unkragbar.
Schließlich endete die Tagung des Deutſchen Groß= und
Ueberſeehandels mit der Annahme einer Entſchließung, in der
zunächſt das Wirtſchafts= und Finanzprogramm
der Reichsregierung als Anfang auf dem Wege
zur Geſundung der öffentlichen und privaten
Wirtſchaft bezeichnet, aber eine Ergänzung durch Sanierung
der Arbeitsloſenverſicherung, Senkung der Geſamtſteuern, ins=
beſondere
Abbau der Einkommenſteuer, Sicherſtellung einer
raſchen Senkung der Hauszinsſteuer, klares Bekenntnis zur
Reform der Verwaltung in Reich, Ländern und Gemeinden,
Vorſchläge zur Beſteuerung und Abbau der Reichsbetriebe
und zur Einſchränkung der wirtſchaftlichen Tätigkeit der öffent=
lichen
Hand gefordert werden. Der Großhandel hält ſich weiter
für verpflichtet, bei aller Anerkennung des notwendigen Schutzes
für die deutſche Landwirtſchaft klar zu bekennen, daß für ihn
eine Unterbrechung des Syſtems der deutſchen
Handelspolitik nicht in Frage kommen kann. Da=
nach
wird darauf hingewieſen, daß die Reparations=
laſten
angeſichts der eingetretenen Entwickelung völlig
untragbar geworden ſeien, zumal infolge der internatio=
nalen
Preisbildung und der Goldwertverſchiebung die Repara=
tionslaſten
in der letzten Zeit offenſichtlich eine weitere Verſchär=
fung
erfahren haben. Der Groß= und Ueberſeehandel iſt ſich,
ſo heißt es zum Schluß, bewußt, daß ſeine Lage nicht allein
durch die Laſtenſenkung behoben werden kann, auch er iſt
durchaus bereit und gewillt, durch geſteigerte Leiſtun=
gen
der deutſchen Volkswirtſchaft ſeine Unentbehrlichkeit zu
beweiſen.
Die Polizeikeftenzuſchüſſe an Thüringen
Wirkhs Anklageſchriff. Die Ankwort Thüringens.
CNB. Weimar, 18. Oktober.
In der Streitſache wegen der Polizeizuſchüſſe hat der Reichs=
miniſter
des Innern am 23. September an den Berichterſtatter
des Staatsgerichtshofes für das Deutſche Reich eine neue An=
klageſchrift
gegen das Land Thüringen gerichtet. Er hält dabei
die alten Vorwürfe aufrecht, daß Miniſter Dr. Frick unmittelbar
nach ſeinem Amtsantritt Schritte getan habe, um die thüringiſche
Polizei durch planmäßiges Einſchieben nationalſozialiſtiſcher
Kräfte zu zerſetzen.
Die Gegenſchrift, die Miniſter Baum für das Thüringiſche
Staatsminiſterium an den Berichterſtatter des Staatsgerichts=
hofes
erſtattet hat, erklärt u. a.: Der Reichsinnenminiſter ſei
offenbar das Opfer eines umfangreichen Spitzel= und Denunzian=
tentums
gröbſter Art geworden. Wohl der größte Teil der ge=
nannten
vielfach unrichtig wiedergegebenen Einzelfälle habe ſich
bereits Jahre vor der Uebernahme des Thüringiſchen Miniſte=
riums
des Innern durch Dr. Frick abgeſpielt. Die Landespolizei
Thüringen ſei bis zum Februar 1924 unter den Linksregie=
rungen
bewußt einſeitig links aufgezogen worden. Mit der
Uebernahme der Regierung durch bürgerliche Parteien im
Februar 1924 ſei durch Neubeſetzung der Referentenſtellen im
Miniſterium und Neueinſtellung einer großen Zahl geeigneter
Polizeioffiziere ein ſcharfer Wechſel eingetreten. Die Schutz=
polizei
ſei bewußt zu einem fachlich einwandfrei arbeitenden,
tadellos ausgebildeten und vor allem unpolitiſchen Polizeikörper
erzogen worden. Das Staatsminiſterium glaubt im übrigen, daß
nach den eidlichen Ausſagen des erſten Führers der N.S. D.A.P.,
Adolf Hitlers, im Verfahren gegen die Reichswehroffiziere vor
dem Reichsgericht die Unrichtigkeit der Behauptungen des Reichs=
innenminiſteriums
über die Abſichten der N.S.D.A.P. erwieſen
ſei, und daß das Verfahren in der Angelegenheit der Polizei=

zuſchüſſe daher ohne weiteres zur Entſcheidung reif ſei.
mit Propellerſchlitten den Verkehr auf=
recht
erhalten.
Jch ſtelle es mir ſo vor, daß das von Island kommende Flug=
zeug
an der Oſtküſte auf einem beſonders hergerichteten Platze
des Inlandeiſes landet, die Poſt an den Schlitten übergeben
wird, auf der anderen Seite mittels einer Seilbahn herabgelaſ=
ſen
und dann mit Seeflugzeugen weiter nach der Hudſon=
Bay befördert wird. Solche Schlitten ſind in dieſem Sommer
zum erſtenmal von der Deutſchen Grönlandexpedition auf dem
Julandeis ausprobiert worden. Der Erfolg war überraſchend.
Die Schlitten erreichten ſchwer belaſtet eine Geſchwindigkeit
von 80 Stundenkilometern, können alſo in wenigen Stunden
Grönland durchqueren.
Die Entfernung von Liſt nach New York beträgt 6700 Kilo=
meter
, während der Schiffahrtsweg HamburgNew York 6000
Kilometer lang iſt. Man ſieht alſo, daß der Weg über Grön=
land
kein weſentlicher Umweg gegenüber dem Schiffahrtsweg
iſt. D 1422 hat die Strecke in einer reinen Flugzeit von 44
Stunden und 15 Minuten zurückgelegt. Wenn man alſo auf
jeder Etappe ein Flugzeug liegen hat, das lediglich die Poſt
von dem gelandeten Flugzeug übernimmt, ſo kann man ſehr
wohl mit einer
Durchſchnittszeit von 45 Stunden
auskommen. Ein weſentlicher Fortſchritt gegen=
über
der ſchnellſten Schiffsverbindung.
Wirkungsvoll könnte ſich dieſes natürlich nur auswirken, wenn
mindeſtens jeden 2. Tag ein Abflug erfolgt. Da es während
eines großen Teils des Sommerhalbjahrs auf der nördlichen
Route ſtets hell iſt, liegen die Verhältniſſe auch in dieſer Be=
ziehung
ungemein günſtig.
Vorbedingung für einen regelmäßigen Verkehr und ſeine
Sicherung iſt natürlich eine umfangreiche Boden=Organiſation.
Die Einrichtung von meteorologiſchen und Funkſtationen iſt not=
wendig
. Beſonders kleine Reparaturanlagen müßten geſchaffen
werden. Ferner wäre wohl im Intereſſe der Sicherheit der Be=
ſatzungen
beim augenblicklichen Stand unſeres Motorweſens
die Stationierung von je einem Sicherheitsfahrzeug in der
Dänemarkſtraße und in der Davisſtraße erforderlich.
Für die meteorologiſche Beurteilung der Verhältniſſe in
Grönland werden die Reſultate der von der Notgemeinſchaft
Deutſcher Wiſſenſchaft ausgerüſteten Deutſchen Grönland=
expedition
von ausſchlaggebender Bedeutung ſein. Da eine
Ueberwinterung dieſer Expedition vorgeſehen iſt, werden ſich
die Ergebniſſe ihrer Beobachtungen über das ganze Jahr er=
ſtrecken
und daher über noch ausſtehende Fragen ausgiebige und
erſchöpfende Aufklärung bringen. Damit iſt hoffentlich der j

Wahlen mit blanken Baionekken
Um die Konſolidierung Bolens. Pilſuefkis lehte
Karke.
Von unſerem ſtändigen Berichterſtatter.
A. Warſchau, 10. Oktober.
Einundzwanzig Staatsliſten für die Seim= und zwölf Liſten
für die Senatswahlen ſind beim Hauptwahlkommiſſar in War=
ſchau
niedergelegt worden. Beinahe 50 führende Perſönlichkeiten
der Oppoſition ſitzen hinter Schloß und Riegel, die Preſſezenſur
iſt verſchärft und mit zweierlei Maß gehandhabt, die Kampf=
organiſationen
der Sozialiſten wurden entwaffnet, ungeheurer
Terror wird gegen Ukrainer und Weißruſſen eingeſetzt, die jüdi=
ſchen
Maſſen ſind eingeſchüchtert, das Seimgeſetz zur Be=
kämpfung
der Wahlmißbräuche iſt abgeändert. Repreſſivmaß=
nahmen
gegen gewiſſe Blätter der Oppoſition, erhöhte Tätigkeit
des geheimen und offenen Polizeiapparates, an den Haaren her=
beigezogene
und mit Liſt und Gewalt arrangierte Spaltungen
innerhalb, der mehr oder weniger geſchloſſenen Oppoſitions=
parteien
, Drohungen und Verlockungen, Aechtung und Ver=
ſprechung
das alles ſind Kampfmittel gegen jede Oppoſition
von rechts oder links, des polniſchen oder des Minderheiten=
lagers
. Das ſind die Tatſachen der augenblicklichen Situation
und Ausblicke auf die bevorſtehenden Wochen und Tage eines
ſchweren Wahlkampfes, den die Regierung nach Vorausfage der
Preſſe und führender Männer umjeden Preis gewinnen
will und offenbar gewinnen wird. Dies erheiſcht
die Perſon des Marſchalls Pilſudſki als Spitzenkandidat des
Regierungsblocks und das verbürgt er als Regierungschef mit
dem ihm zur Verfügung ſtehenden Staatsapparat.
Nach all dieſen Vorzeichen zu ſchließen, ſcheint Pilſudſki
die letzte legale Karte auf die kommenden Wahlen zum Seim
und Senat geſetzt zu haben, wobei er, wie er ſelbſt ſagte, an der
beſtehenden Wahlordnung nichts zu ändern beabſichtige. Ein
Wahlſieg iſt in Polen auch mit anderen Mitteln zu erringen
die papierne Wahlordnung iſt hierbei Nebenſache. Jeden=
falls
hat die Regierungspreſſe bereits deutlich zu verſtehen ge=
geben
, man rechne in maßgebenden Kreiſen beſtimmt mit 300
Mandaten, was auf die Geſamtzahl von 444 Seimſitzen zweifel=
los
eine überwiegende Mehrheit bedeuten würde. Allerdings
beantwortet die Oppoſitionspreſſe dieſe auffallend ſiegesbewußte
Vorausſage mit der ſkeptiſch=ironiſchen Frage: mit welchen
Zaubermitteln gedenkt Pilſudſki dieſen enor=
men
Wahlſieg zu erringen?! In dieſem Zuſammen=
hang
iſt die zufällige Bemerkung eines hohen Verwaltungs=
beamten
in den polniſchen Oſtgebieten ſehr bezeichnend, der in
bezug auf den Wahlausgang erklärte, daß, wenn es ſein
müſſe, die Wahlen auch mit blanken Bajonetten
durchgeführt werden würden. Und mit dem ſo zu
erringenden entſcheidenden Wahlſieg ſoll, ſo glaubt die Re=
gierung
, nun auch der ſeit vier Jahren tobende Kampf zwiſchen
Pilſudfki und dem Seim entſchieden werden; mit einem Schlage
ſoll die Frage der ſogenannten Seimokratie aus der Welt
geſchafft, oder mit anderen Worten, die Konſolidierung des
Staates unter Führung Marſchall Pilſudſkis und ſeines Lagers
durchgeführt werden.
Nach dem großen Krakauer Kongreß der im ſogenannten
Zentrolew vereinigten ſechs polniſchen Oppoſitionsparteien, iſt
es allmählich klar geworden, daß die gewaltige Zuſpitzung der
innerpolitiſchen Kampflage in Polen auf eine endgültige Ent=
ſcheidung
hinſteuert. Schon der Krakauer Kongreß mit all
ſeinen revolutionär anmutenden Proteſtkundgebungen warf ein
helles Licht auf die innerpolitiſch völlig verfahrene Lage. Die
Unmöglichkeit einer weiteren Zuſammenarbeit zwiſchen Pilſudſki
und dem Seim wurde bei der zur Entſcheidung drängenden
Situation ſchon im Hinblick auf die Frage des kommenden
Budgets immer eindeutiger. Auf Grund der letzten Erfahrungen,
die der Seim mit der Finanzgebarung der Pilſudſkiregierungen
gemacht hat, und die vor allen Dingen in der ungeheuren
Ueberſchreitung des Budgets bis jetzt ſind es
ungefähr 700 Millionen Zloty zum Ausdruck kam, beſtand
kein Zweifel mehr darüber, daß weder der Seim in Erfüllung
ſeiner verfaſſungsmäßigen Rechte in der Lage ſein dürfte, dieſe
Finanzgebarung auch weiterhin zu dulden, noch Pilſudſki ſich
dazu verſtehen würde, dem Seim in dieſem Punkte nachzugeben
oder ihm die geforderte Rechenſchaft abzulegen. Die Haltung
Pilſudſkis in dieſer Frage iſt u. a. auch in ſeiner Rede im be=
kannten
Prozeß gegen ſeinen früheren Finanzminiſter Czechowicz
vor dem Höchſten Staatstribunal unumwunden zum Ausdruck
gekommen.
Der plötzliche Rücktritt des Miniſterpräſidenten Slawek am
23. Auguſt war gewiſſermaßen das Zeichen zum Aufbruch. Zwei
Tage darauf übernahm Marſchall Pilſudſki an der Spitze des
unveränderten Kabinetts die Regierungsgeſchäfte. Dieſe plötz=
liche
Verſchiebung innerhalb der Regierung war das erſte An=
erſte
Schritt zum Ausbau einer Bodenorganiſation für den
kommenden Luftverkehr auf der Nordroute getan.

Berliner Filmpremieren.

Der große Farbentonfilm Der Jazzkönig vermittelte die
Bekanntſchaft mit dem Weſtern Electrie Shſtem. Man mußte zu ſeinem
Bedauern feſtſtellen, daß es techniſch vollkommener ſei, als die einhei=
miſche
Tonwiedergabe. Insbeſondere die Nüancierung der verſchieden=
ſten
Klangfarben kommt unvergleichlich klarer und charakteriſtiſcher zur
Geltung als bei dem gewiß entwicklungsfähigen, aber noch bei weitem
nicht einwandfreien und nebengeräuſchloſen deutſchen Verfahren. Im
Jazzkönig hat man ſeine helle Freude am Klang aller nur denkbaren
Inſtrumente und an mannigfachen Abſchattungen der menſchlichen
Stimme. Die klangliche Plaſtik wird nicht unweſentlich erhöht durch
die verblüffend klare Photographie mit dem Technicolor=Verfahren.
Auch auf dieſem Gebiete ſind die Fortſchritte überraſchend groß; nach
dieſem Amerikafilm glaubt man an eine vielverſprechende Zukunft des
plaſtiſchen Farbtonfilmes! Das Werk ſelbſt, ein bunt=
bewegtes
Paul Whiteman=Bilderbuch, kann als großaufgezogene
Nevue bejaht werden. Allerdings ſteckt hinter der pompöſen äußeren
Aufmachung eine gähnende geiſtige Leere; noch gähnender, als bei unſe=
ren
einheimiſchen Bühnenrevuen ähnlicher Art. Es kommt aber zu=
gegebenerweiſe
gar nicht darauf an, bei dieſem Prunkfilm den Geiſt
zu ſpeiſen; Auge und Ohr werden vorbildlich befriedigt. Der Streifen
ſtellt einen hundertprozentigen techniſchen Sieg dar!
Auch die deutſche Produktion konnte zwei ehrliche Erfolge buchen:
Liebling der Götter, die Sprechkomödie von Hans Müller
und Nobert Liebmann, bietet Jannings Gelegenheit, ſich nach nicht
immer reſtlos eindringlichen tragiſchen Rollen als ausgelaſſener, lebens=
bejahender
Luſtikus ins Herz der Zuſchauer zu ſpielen. Diesmal ge=
lingt
die Menſchengeſtaltung ſowohl in ſeinen ernſten als auch in den
luſtigen Momenten ganz ausgezeichnet. Aber nicht nur für Jannings
bedeutet der Film einen neuen Erfolg, ſondern auch für die übrigen
Mitſpieler, und vor allem für den Spielleiter Hanns Schwarz. Die
wirkſame Geſchichte vom Künſtler, der ohne Kunſt nicht leben kann, und
ſeine Frau zu dieſer Erkenntnis bringt, dürfte einen internationalen
Erfolg erzielen. Auch das neue Werk des virtuoſen Regiſſeurs Karl
Froelich: Brand in der Oper wird zweifelsfrei ſeinen Weg
machen. Das Schickſal vernichtet die große Chance einer kleinen Frau.
Dicſe an ſich nicht überwältigende Idee (nach einer Novelle von Reiſch)
iſt vom Verfaſſer ſelbſt in Gemeinſchaftsarbeit mit Walter Supper
ſehr geſchickt zum Tondrehbuch geſtaltet und mit dem Brand des Wiener
Ningtheaters verknüpft worden. Der Streifen bringt eine ganze Reihe
bild= und tontechniſch faſzinierender Szenen; techniſch grandios der
Brand ſelbſt. Sympathiſch die Darſtellung; alles in allem ein Plus für
den deutſchen Tonfil=
Wogegen die tonfilmiſche Bearbeitung des Georg Kaiſer=Stückes
Zwei Krawatten als Minus regiſtriert werden muß. Wenig
umſichtige Regie, unverantwortliche Deplacierung des ausgezeichneten
Sängers Michael Bohnen und völlig verſagendes Tonverfahren (Tobis)
tragen dazu bei, daß aus dem unbedeutenden, aber immerhin luſtigen
Bühnenwverk ein Tonfilm wurde, der noch nicht einmal als mittelmäßig
bezeichnet werden kann.
André von Kün.

[ ][  ][ ]

Seite 4

Sonntag, den 19. Oktober 1930

Nummer 289

zeichen dafür, daß die Regierung nun doch gewillt zu ſein ſcheint,
der in letzter Zeit rapid anwachſenden Oppoſitionsbewegung
Einhalt zu gebieten. Es folgte die Auflöſung des Seim und
Senats, die einige Tage nach ſeinem Regierungsantritt auf
Grund eines entſprechenden Erlaſſes des Staatspräſidenten
vor ſich ging. In dieſem Erlaß wurde u. a. auch als Grund
für die Auflöſung des Parlaments die Unmöglichkeit einer wei=
teren
Zuſammenarbeit zwiſchen Regierung und Seim angeführt
wobei in einer ſehr geſchickten Wendung hervorgehoben wurde,
daß die Seimauflöſung nur ein Weg bedeute, um
eine Beſſerung der grundſätzlichen Rechte der
in der Republik Negierenden herbeizuführen,
zumal dieſe grundſätzlichen Rechte das Fundament für alle im
Staate beſtehenden Rechte bilden‟. Was die Regierung, viel=
mehr
Marſchall Pilſudſki, unter dem ſehr dehnbaren Ausdruck
grundſätzlichen Rechte verſtanden hat, iſt aus dem Erlaß in
keiner Weiſe klar hervorgegangen. Erſt einige Zeit ſpäter kam
Pilſudfki auf dieſe Frage indirekt zu ſprechen. In ſeinem
letzten Interview über die Verhaftungen der Oppoſitionsführer
hat der Marſchall auf eine entſprechende Frage ſich zum erſten
Mal zu der Frage des Parlamentarismus als ſolchen in kon=
kreter
Weiſe geäußert. In praktiſcher Auslegung bedeuteten
ſeine Worte, daß er zunächſt noch nicht gewillt ſei, die Beſſerung
der grundſätzlichen Rechte mit Mitteln der Gewalt und eines
Staatsſtreiches herbeizuführen. Er will alſo noch einmal ver=
fuchen
, die Heilung des kranken Parlamentarismus auf dem
Wege der Neuwahlen (d. h. Neuwahlen mit blanken Bajonet=
ten
. D. Red.) zu ermöglichen. Wobei auf Grund der bisherigen
uslaſſungen Pilſudſkis unterſtrichen werden muß, daß der
Marſchall unter der Heilung des kranken Parlamentarismus
wohl in erſter Linie einen ihm in allen wichtigen ſtaatspoli=
tiſchen
, wirtſchaftlichen und namentlich finanziellen Dingen ge=
fitgigen
Seim zu verſtehen ſcheint.
Dieſe in den letzten Wochen eingetretene Wendung der
Dinge wurde von der geſamten Regierungspreſſe aufs leb=
hafteſte
begrüßt, zumal das vierjährige Blindekuhſpiel der Re=
gierung
mit dem Seim allmählich auch in den Reihen der Re=
gierungsanhänger
Unwillen hervorzurufen begann. So er=
klärte
beiſpielsweiſe hierzu der konſervative Czas u. a. folgen=
des
: Die vierjährige Zurückhaltung der Regierung der Seimo=
kratie
gegenüber hat in der polniſchen Oeffentlichheit nicht allein
Verwunderung, ſondern auch Unzufriedenheit ausgelöſt. Man
konnte ſich dies nicht anders deuten, als durch die Annahme,
die Regierung des Marſchall Pilſudſki warte, bis das Uebel
größer wird und erſt, wenn ein ſolcher Augenblick kommt, zu ent=
ſcheidenden
Mitteln greifen werde. Nun die entſcheidenden
Mittel ſind, wie allenthalben bekannt iſt, ergriffen worden und
vielleicht war es auch höchſte Zeit, daß der immer drohender an=
ſteigenden
Flut von Empörung und Rebellion ein Damm des
ſtarken Willens zur Tat vorgelegt wurde: Die Konſolidierung
des Staates, die Feſtigung ſeiner Grundlagen, die Entfaltung
ſeiner Macht nach innen und außen iſt nur durch eine ſtarke, un=
gebundene
Regierung gewährleiſtet‟ Dem neuen, aus der
jetzigen, im wahrſten Sinne des Wortes blutigen Wahl=
ſchlacht
hervorgegangenen Seim wird daher zunächſt folgende
Häuptaufgabe geſtellt werden: Beſſerung der grundſätzlichen
Rechte der in der Republik Regierenden, oder mit anderen
Worten, die entſprechende Aenderung der polniſchen Staats=
verfaſſung
und im Zuſammenhang damit auch die gewünſchte
Reform der Wahlordnung . . . Für den Fall aber, daß es
auch mit den radikalſten Mitteln nicht gelingen ſollte, ſich im
neuen Seim eine gefügige und brauchbare Mehrheit zu ſichern,
bliebe nach Meinung eines vorausſchauenden Regierungs=
blattes
nur die einzige Möglichkeit, ſich auch weiterhin an der
Macht zu behaupten und das Uebel für ſo groß und ſo
hoffnungslos zuhalten daßman zu einem radi=
kalen
Mittel unter Ausſchluß des Seim wird
Zuflucht nehmen müſſen

Kommuniſkiſche Wühlereien

Die Berliner Polizei in ſtändiger Alarmbereitſchaft.

* Berlin, 18. Oktober. (Priv.=Tel.)

Die revolutionäre Gewerkſchaftsoppoſition, die von den Kom=
muniſten
aufgezogen worden iſt, iſt in Berlin an der Arbeit, um
den Metallarbeiterſtreik auch auf andere Berufsgruppen aus=
zudehnen
. Nachdem ihr Vorſtoß gegen das Kraftwerk Klinken=
berg
mißlungen iſt, haben ſie ſich mit verdoppelter Wucht auf
eine große Berliner Milchbelieferungsanſtalt geworfen, deren
Wagen auch in der letzten Nacht wieder angehalten und zerſtört
wurden; außerdem wurden die Arbeitswilligen mißhandelt, ſo
daß die Polizei einſchreiten mußte. Die Gewerkſchaftsoppoſition
hat weiter verſucht, die Verkehrsbetriebe zu erfaſſen. Sie hat
aber zunächſt nur bei einigen hundert Kraftdroſchkenführern
Gegenliebe gefunden, die in den Streik getreten ſind. Wie ge=
fährlich
das Treiben der Kommuniſten iſt, geht aber aus fol=
gendem
Vorfall hervor. Es iſt ihnen gelungen, bei der Glüh=
lampenfabrik
Osram eine Lohnbewegung zu inſzenieren. Es
wurde der Direktion kurzerhand ein einſtündig befriſtetes Ulti=
matum
geſteilt und, nachdem die Friſt abgelaufen war, wurden
die Gasſchmelzöfen ſtillgelegt. Die Folge dieſer Handlungsweiſe
beſteht nun darin, daß für die nächſten ſechs bis acht Wochen
daran gearbeitet werden muß, die Schmelzöfen wieder in Be=
trieb
zu bringen. Für dieſe Zeit muß die geſamte Belegſchaft
bis auf einige Notſtandsarbeiter feiern. Abgeſehen davon, haben
es die Kommuniſten noch immer nicht aufgegeben, die Arbeits=
loſen
aufzuputſchen. Infolge der ſtändigen Alarmbereitſchaft der
Polizei iſt es bisher aber ſtets gelungen, Anſätze zu Demonſtra=
tionen
und Ausſchreitungen ſofort im Keime zu erſticken.

Arbeitsloſigkeit ein internalionales Problem.

Der Regierungspräſident von Köln hat wegen Mißbrauch der
Verſammlungsfreiheit und Gefährdung der öffentlichen Sicher=
heit
auf Grund des Artikels 123 der Reichsverfaſſung alle Ver=
ſammlungen
und Umzüge unter freiem Himmel für das Kölner
Stadtgebiet und die Landkreiſe Köln und Mülheim bis auf wei=
teres
verboten.

Die Nationalſozialiſten beantragten in der Potsdamer
Stadtverordnetenverſammlung, die ſofortige
Auflöſung der Stadtverordnetenverſammlung in die Wege
zu leiten, da die jetzige Verſammlung in ihrer Zuſammenſetzung
nicht mehr dem Willen der Wählerſchaft entſpreche. Die Stadt=
verordnetenverſammlung
nahm die Vorlage mit 20 gegen 18
Stimmen an.

Das Schweizer Bundesgericht hat dem Geſuch des
Preußiſchen Juſtizminiſteriums um Auslieferung des in Lugano
verhafteten Alfred Kapphengſt zugeſtimmt.

Die Arbeitsloſigkeit iſt zweifellos die härteſte Folge der
Weltwirtſchaftskriſe. Sie hat ſich zur Schickſalsfrage insbeſon=
dere
der großen Induſtrievölker entwickelt. Aber auch die Län=
der
mit vorwiegender Agrarwirtſchaft ſind z. T. von ſteigender
Arbeitsnot ſtark bedrängt. Kanada und Argentinien z. B., die
Hauptausfuhrländer für Weizen, zeigen eine überdurchſchnitt=
liche
Höhe der Arbeitsloſenziffern im weſentlichen eine Folge
der Weizenabſatzkriſis in der Welt. Im ganzen geſehen, hat die
internationale Arbeitsloſigkeit ſomit einen kaum jemals erreich=
ten
Umfang angenommen. Bereits Mitte dieſes Jahres konnte
man bei überſchläglicher Berechnung mit rund 11 Millionen
Arbeitsloſen in der Welt rechnen, im Vergleich zu rund 5 Mil=
lionen
um die Mitte des Jahres 1929.
Unter den Ländern Europas ſteht Deutſchland mit ſeiner
Zahl der Arbeitsloſen an der Spitze. Mitte September dieſes
Jahres ſuchten bereits über 3 Millionen vergeblich Arbeit im
Vergleich zu 1,4 Millionen zur entſprechenden Zeit des Vor=
jahres
. Dabei iſt alle Anzeichen ſprechen dafür der Höhe=
punkt
vorausſichtlich noch nicht erreicht: die Flut der Arbeits=
loſigkeit
droht noch weiter zu ſteigen, und zwar nicht allein in=
folge
der Kriſe, ſondern auch im Zuſammenhang mit dem
ſaiſonmäßigen Nachlaſſen des Bedarfs an Arbeitskräften in den
Herbſt= und Wintermonaten. Und was neben den erſchreckend
hohen Arbeitsloſenziffern noch beſonders ins Gewicht fällt, das
iſt die überdurchſchnittlich lange Dauer der Stellungsloſigkeit
bei der Mehrzahl der Arbeitſuchenden.
Nicht viel anders ſieht es in England aus, das unter der
Arbeitsloſigkeit bereits ſeit vielen Jahren gleichſam als einem
traditionellen Uebel beſonders zu leiden hatte. Auch hier hat
ſich die Zahl der Arbeitsloſen im letzten Jahr ebenfalls gewaltig
vermehrt. Ende September 1929 belief ſie ſich äuf rund 1,2 Mil=
lionen
, am 22. September 1930 wurden hingegen nicht weniger
als 2,2 Millionen Erwerbsloſe gezählt. Auch Belgien hat bis=
her
ſteigende Arbeitsloſenziffern gemeldet. Und in den Ver=
einigten
Staaten ſchätzt man die Zahl der Arbeitsloſen gegen=
wärtig
auf etwa 56 Millionen.
Eine gewiſſe Anzahl von Induſtriezweigen hat in allen
Ländern nahezu gleichmäßig zu leiden, und zwar ſind es regel=
mäßig
die Zweige, die am ſtärkſten international verflochten
ſind. So weiſt z. B. die Textilinduſtrie ſowohl in England als
auch in Deutſchland, in Polen und anderen Ländern eine ſtarke
Arbeitsloſigkeit auf. Ebenſo können die metallverarbeitende und
die Maſchineninduſtrie nirgends mit voller Produktionskapazität
arbeiten. Und ſchließlich wird auch das Transportgewerbe,
namentlich die Schiffahrt, von der Weltwirtſchaftskriſe überall
in Mitleidenſchaft gezogen.

De Juyrung der Boitspättei.

Die Neuwahl des Vorſtandes.

Dingelden, erfter Skellverkreier des Vorſikenden.

* Berlin, 18. Oktober. (Priv.=Tel.)
Der volksparteiliche Fraktionsvorſitzende Scholz hat ſich am
Samstag von ſeiner Fraktion verabſchiedet, um zur Erholung
ſeiner Nerven einen längeren Urlaub anzutreten. Die Fraktion
hat zur Löſung des Vertretungsproblems mehrere Tage zu Be=
ratungen
gebraucht und ſchließlich eine Löſung gefunden, die
einigermaßen verblüfft. Sie hat in der ordnungsmäßigen
Neuwahl des Vorſtandes den Abgeordneten
Dingeldey zum erſten Stellvertreter des Vor= u
ſitzenden und den Abgeordneten Hugo zum zweiten; ſe

Stellvertreter gewählt, gleichzeitig aber den Abge= ſcr
ordneten Dauch mit der Vertretung des Frak,, betraut. Das erweckt den Eindruck, als! hunugste
ob die Vertretung des Vorſitzenden in dem erſten Fall, wo ſie==Zual
aktiv werden könnte, ausgeſchaltet werden ſolle. Das ſcheint aber: T,,
nicht die Abſicht zu ſein. Der Ausweg wurde vielmehr wohl des=; muindu
halb eingeſchlagen, um deutlich zu betonen, daß Herrn Scholzz And
ſein Platz als Fraktionsvorſitzender offengehalten werden ſonl; hunde
gri
und um den erſten Stellvertreter, den Abg. Dingeldey, zur oe
entlaſten, der gleichzeitig ja auch, weil Herr Scholz Parteiführer; au Sche
iſt, praktiſch die Vertretung des Parteiführerssm
Nnſt.
übernehmen muß. Wenn alſo auch formell der Abg. Dauch dies ſind
parlamentariſchen Verhandlungen der Fraktion führt, ſo wirdd gen
doch ſicherlich die politiſche Leitung der Partei beif
dem Abg. Dingeldey liegen, der am Freitag ſchon ſeines =Nen
Viſitenkarte in einer ausgezeichneten Fraktionsrede vor dem=
Plenum abgab. Es iſt zu begrüßen, daß die volksparteiliches e
Fraktion zu ihrer Führung einen Vertreter der jüngeren Gene- /Will

ration berufen hat, der in der kurzen Zeit ſeiner Zugehörigkeitt azuife.
nihen,
zum Reichstag bereits den Beweis erbracht hat, daß er die per=

eu in Le
ſönlichen und parlamentariſchen Qualitäten zur Löſung dieſera ſit als

ſchweren. Aufgabe mitbringt.

ſeisſto
wig. M
Giedene
unders d
da

* Berlin, 18. Okt. (Priv.=Tel.) in Notw
Vor der Vertagung des Reichstages ſind Verſuche eingeleiter, inen ver
worden, zwiſchen der Volkspartei und den übrigen Reſten, der ze An=
Staatspartei eine techniſche Fraktionsgemeinſchaft zu bilden. Die= And in
ſer Begriff iſt ſo zu verſtehen, daß eine Fraktionsſtärke von 175 ſin zungl
Mann die Vorausſetzung für die Vertretung in den Kommiſſio=
nen
iſt. Da die Staatspartei nur über 14 Abgeordnete verfügt: unſch da
würde ſie für alle Ausſchußberatungen ausfallen, ſchließt ſie ſich da / uührun=
gegen
wie das ja bereits zwiſchen den Volkskonſervativen und Aſes 4
den Chriſtlich=Sozialen geſchehen iſt einer größeren Fraktiom
an, dann gewinnt ſie die Möglichkeit, innerhalb dieſer techniſcher nwortn
Fraktionsgemeinſchaft ihre Vertreter in die Ausſchüſſe zu entſen beiden
den. Leider ſind die erſten Verſuche zu einer ſolchen Annäherungt mag, 26
am Samstag geſcheitert. Herr Scholz, der ſich die Führung dieſe=iin
Verhandlungen vorbehalten hat, hat ein derartiges Zuſammen=u S.
gehen abgelehnt und der Staatspartei anheimgegeben, ob ſich dies den e
einzelnen Mitglieder der Staatspartei nicht der Volkspartei an=/ ber, He
ſchließen wollen. Wir können uns nicht vorſtellen, daß das letzté/ /ihſera
Wort damit geſprochen iſt, nehmen vielmehr an, daß während dem Drun
ileiner
Pauſe die Verhandlungen fortgeſetzt werden, zumal, da offenbar ſaitet
bei den Jungdeutſchen die Neigung zu einer ähnlichen Annähes Eleon
rung beſteht. Es würde dadurch wenigſtens eine parlamentariſche 9 Mittw
Arbeitsgemeinſchaft geſchaffen, die dann ſpäter zu einer engererſt.
Zuſammenarbeit führen und doch noch die Grundlagen für einal /Alumer
Smal unt
Sammlung der Mitte bilden könnte.
iben von
Uelminer

utgarte
fige Stut

Die Parkeien zum Schiedsſpruch in der Berlinet

dis kleit
us das
der Po
fine

Berlin, 18. Oktober. Werlenne
Im Lohnſtreit in der Berliner Metallinduſtrie liegen nun=/ Ag erre
mehr die Erklärungen der Parteien zu dem Schiedsſpruch des
Sonderſchlichters vom 10. Oktober 1930 vor. Die Arbeitnehmer=
ſeite
hat den Schiedsſpruch abgelehnt, die Arbeitgeberſeite ha=
ihn
angenommen und ſeine Verbindlichkeitserklärung beantragt!

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Netzgerät marschiert mit an
der Spitze der Rundfunk-
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Nummer 289
Aus der Landeshauptftadk.
Darmſtadt, den 19. Oktober.
das Walfahrksbild von Dieburg im Heſſiſchen
Landesmnſeum.
Zur Zeit wird die Wallfahrtskapelle von Dieburg innen und
gun wiederhergeſtellt. Wegen des dabei entſtehenden Staubes
um Schmutzes mußte das berühmte Gnadenbild ſeinen Platz im
Hwaltar zeitweilig verlaſſen. Dieſe Entfernung wurde benutzt,
umdie ſchon lange geplante Reſtaurierung der Figurengruppe
iſgen Werkſtätten des Landesmuſeums durchzuführen. Bei der
mären Unterſuchung ſtellte ſich nun heraus, daß die Annahme
diieHerrn Muſeumsdirektors Prof. Dr. Feigel, wonach das
Yserbild aus Leder beſtehe, richtig iſt. Man griff wohl zu die=
ſelmMaterial
, um das Gewicht der Figuren, die man bei Pro=
zueſſnen
oder ſonſtigen feierlichen Umzügen herumtragen wollte,
mnölichſt niedrig zu halten. Das Dieburger Veſperbild iſt un=
geeſhr
um 1410 entſtanden, entſtammt alſo einer Zeit der Hoch=
bſſü
der mittelrheiniſchen Kunſt. Es iſt ein ſo reifes und
füteis Werk, daß auch ein geſchulter Kenner in bezug auf Ent=
ſtſehngszeit
und Urſprungsland in die Irre gehen kann. In
dorZuſammenballung der beiden Körper und doch wieder in ihrer
Tifrenzierung ſteht die Gruppe im mittelalterlichen Kunſtſchaf=
cin
inzigartig da. Die Tiefe des Ausdrucks und die Größe der
Eimfindung rechtfertigt es, daß dies Kunſtwerk zu einem berühm=
tein
Andachts= und Wallfahrtsbild geworden iſt, das bei ſeiner
jcähnundertlangen Verehrung ſchon viel Bedrückte getröſtet und
auſetichtet hat.
Die Reſtaurierungsarbeiten wurden von Herrn Reſtaurator
In Scheerer vom Landesmuſeum, deſſen kunſtfertigen Händen
ſchio manches alte Werk ſeine Erhaltung und Wiedererſtehung
vmrnkt. ausgeführt. Es iſt von Sonntag ab nur für ganz kurze
Z6l in der Kapelle des Landesmuſeums der Beſichtigung frei=
geoven
.
= Verein Freie Schule Darmſtadt (E. V.). Man ſchreibt uns:
Ulur den vielen Verſuchsſchulen verſchiedenſter Richtung zieht die
Fſie Waldorfſchule (mit Kindergarten) in Stuttgart durch ihre
üüleraſchenden Reſultate immer wachſende Aufmerkſamkeit auf
ſioſh Will man verſuchen, die dort geübte, von Rudolf Steiner
irmzurierte Erziehungskunſt in ihrer Beſonderheit kurz zu um=
ſchinben
, ſo wäre zu ſagen: ſie ſetzt kein abſtraktes pädagogiſches
FDel in Lehrpraktik um, ſie dient keiner Weltanſchauung, ſondern
ſieu t als Ziel die harmoniſche Ausbildung des ge=
ſainten
menſchlichen Weſens nach Leib. Seele
um Geiſt. Es wird nicht lediglich auf die Aneignung von
Aliſſnsſtoff und Fertigkeiten hingearbeitet, ſondern auf Weſens=
ü
ding. Menſchengeſtaltung. Niemals wird ein Lehrſtoff anders
üllemittelt, als aus dem lebendigen Erfaſſen der Kindesnatur,
deme Notwendigkeiten auf den verſchiedenen Altersſtufen eine
veheſiedene innere Einſtellung des Erziehers zu den Erziehungs=
fcttren
verlangt. Die Waldorfſchule hat die Gründung einer
gcyn Anzahl entſprechender Anſtalten in Deutſchland wie im
(llsand im Gefolge gehabt. Der hieſige Verein beabſichtigt zu
Nien zunächſt einen Kindergarten ins Leben zu rufen, da
beſoders die Behandlung des kleinen Kindes von Bedeu=
tunn
für das ſpätere Leben iſt. Die unterſte Schulſtufe kann
uiſch daraus hervorgehen und zur Schule aufwachſen. Zur
Einüihrung intereſſierter Kreiſe in dieſe Pädagogik wird wäh=
udes
Winterſemeſters eine Vortragsreihe von Lehrkräften der
5Sutgarter Waldorfſchule ſtattfinden. Dazwiſchen ſind regel=
inßze
Studienabende vorgeſehen mit freier Ausſprache, Fragen=
mwortung
und Ausbau des in den Vorträgen Angeregten.
geſeiden erſten Vorträge werden am Samstag, 25. Oktober, und
Intag, 26. Oktober, vormittags, in der Loge, Sandſtraße, ſtatt=
udn
. Samstag abend: Dr. Caroline von Heydebrand,
Hekindliche Entwickelung im erſten Jahrſie=
unt
. Sonntag vormittag: Herr Hans Rutz, Das Kind
ſen erſten Schuljahren. Anfragen ſind an Frau Dr.
Wüher, Hobrechtſtr. 5, II., Telephon 2054, zu richten. (Näheres
ſiein Inſerat.)
Drumm=Quartett. Am Mittwoch, dem 22. Oktober, findet
mtleinen Haus der erſte Beethovenabend des Drumm=
Qurterts ſtatt.
Eleonorenſchule. Das Luſtſpiel Ein Sommernachtstraum
wan Mittwoch, den 22. d. M., nochmals wiederholt. (Siehe An=
ze
9g)
Blumen und Kunſt Kleine Geiſter, Menſchenblüten ſind
nsnal unter den anderen Blumen hinter den großen Spiegel=
leilen
von Blumen und Kunſt, Inhaber Erich Schulenburg,
Wilelminenſtraße 33, eingezogen. Was hätte ſich auch beſſer
für ſie kleinen Darſteller und für die lebendige Bewegung geeig=
neitz
ils das duftige Paſtell? Die in ſich geſchloſſene, feinſinnige
Altder Porträts, läßt deutlich die überzeugende Charakteriſie=
run
erkennen, die allen Porträts von Bialla eigentümlich
iſt Eine beſondere Leiſtung hat aber Bialla in der Differen=
öiſtung
erreicht, indem er, dem Weſen jedes Kindes entſprechend,
boſh weicher und lockerer, bald (z. B. beider Buben) beſtimmter
unddfeſter die maleriſchen Mittel auswertet. Es iſt ein Genuß,
düe Zilder, die nur acht Tage im Fenſter bleiben, zu betrachten.
* Wohltätigkeitskonzert zugunſten der Heidenreich von Siebold=
ſanen
Stiftung. Der Lieder= und Sonatenabend am Donnerstag,
de 23. Oktober, begegnet großem Intereſſe. Schon allein Frau
Eh, ihre hervorragende Kunſt in ſo uneigennütziger Weiſe
den Dienſt helfender Nächſtenliebe ſtellt, wieder einmal im
REmertſaal zu hören, bedeutet einen ganz beſonderen Genuß. Die
Wieergabe der Lieder von Richard Trunk iſt um ſo dankens=
wanr
, als ſie hier nur ſelten gehört wurden. Frl Becker, die
bookante Darmſtädter Pianiſtin, hat außer der Wiedergabe der
Sntenwerke mit Frau Dingeldey freundlicherweiſe auch die Be=
gleeiung
von Frau Böhm übernommen. (Alles Nähere ſiehe
Amige.)
Stadt=Orcheſter im Herz=Jeſu=Hoſpital. Am Freitag, den 17.
Cyher, nachmittags von 34.30 Uhr, ſtellte ſich in liebenswürdiger
Weie wiederum das hieſige Stadt=Orcheſter ein, um den Kranken des
Etſttals mit ihrem Beſuche und Darbietungen herrlicher Muſikvor=
tr
.) zu erfreuen. Dabei wurden 6 Muſikſtücke künſtleriſch unter der
ſi en Stableitung des Herrn Stadtkapellmeiſters W. Schlupp vor=
gengen
. Sichtlich ſah man die wohltuende Abwechſlung der Muſik
bei en Kranken, dazu trug zur Stimmung nicht wenig der ſonnige
Eyertnachmittag bei. Vornehmlich danken die Kranken und die Ver=
huuſung
des Hoſpitals Herrn Stadtkapellmeiſter Schlupp und den Her=
runſes
Orcheſters für den lieben Beſuch, für die genußreiche Stunde,
u=hwinſchen ſtill ein Wiederſehen.
Ein deutſcher Kriegsgefangener im ſibiriſchen Urwald!
Dde Verſorgungsvertretung des Zentralverbandes deutſcher
Rerigsbeſchädigter und Kriegerhinterbliebener E. V., Darmſtadt,
Mhenſtraße 47, iſt es wieder durch das Auswärtige Amt und den
deguchen Konſul in Nowoſibirſk gelungen, den Kriegsgefangenen
Frrnz Schaub aus Dieburg in der nächſten Zeit ſeiner Heimat
zücühren. Schaub iſt in dem Ort Podkamenoje, Biriluſki
Mon. Der Ort liegt tief im ſibiriſchen Urwald, 190 Kilometer
dihnder Eiſenbahn entfernt. Der Briefverkehr mit Schaub wegen
Ahr Heimſchaffung geſtaltet ſich daher äußerſt langwierig, ſo daß
dHeimſchaffung 45 Monate dauern kann. Paß und Heimat=
ch
aus Deutſchland iſt abgeſandt, und das deutſche Konſulat in
Aaoſtbirſk wird Schaub mit allen ihm zu Gebote ſtehenden Mit=
kElbei
ſeiner Heimſchaffung und den hierbei entſtehenden Schwie=
ri
=Aiten behilflich ſein.
Aerztlicher Sonntagsdienſt: Iſt wegen plötzlicher Er=
rickung
ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der
Eusarzt zu rufen. Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind
a Sonntag, den 19. Oktober, folgende Aerzte zu deſſen Ver=
IIang bereit: Dr. med. Andres, Rheinſtraße 33, Tel. 3016;
2Amed. Hammer, Karlsſtraße 95, Tel. 632; Dr med. Vidal,
eſtsſtraße 25, Tel. 1110.

Sonnkag, den 19.=Mktober 1930

Scite.5

Technik im Heim.

Hausarbeik muß vorher überlegt werden.
Wir haben erkannt, daß die Arbeit im Hauſe eine wertvolle
Arbeit iſt, die Geld koſtet, gleichgültig, ob ſie von einem bezahlten
Dienſtmädchen, dem aushelfenden Mann oder von der unbezahl=
ten
Hausfrau verrichtet wird. Daher die Anforderung des Tages,
mit der Zeit der Hausfrau ſo ſparſam zu wirtſchaften wie irgend
möglich. Wenn wir dieſe Forderung auch bei der Küchenarbeit
erheben, ſo geſchieht das vor allem im Hinblick auf die Organiſa=
tion
der Arbeit. Die Kocharbeiten einſchließlich der Vorbereitung
und des Wegräumens nach der Arbeit müſſen nach ganz beſtimm=
ten
Grundſätzen geſchehen. Die wichtigſten dieſer Grundſätze ſind:
Ueberlege dir vor Beginn der Arbeit, was du alles für das
herzuſtellende Eſſen brauchſt und trage alles zuſammen, z. B
Vorräte und Vorbereitungsgerät zum Arbeitstiſch, der deshalb
groß zu wählen iſt, mit Boden zum Abſtellen von Schüſſeln und
Töpfen und möglichſt auch mit Arbeitsplatte.
Ueberlege dir genau die Reihenfolge der Arbeiten, damit alles
zur rechten Zeit fertig wird und doch nichts länger kocht als un=
bedingt
nötig. Die Art der Feuerung, die Benutzung von Koch=
kiſte
und Backofen müſſen berückſichtigt werden.
Zur Erhaltung der Kochtemperatur iſt geringere Hitze nötig
als zum Ankochen; benutze deshalb fleißig die Sparflamme bei
Gas und Regulierhahn bei Elektrizität. Stärkeres Sprudeln
beim Kochen beſchleunigt den Kochprozeß nicht, ſondern verdampft
unnötig viel Waſſer. Bei Verwendung von ſchwimmendem Fett
dagegen werden leicht höhere Temperaturen erreicht, als es für
die Herſtellung der Speiſen zweckdienlich iſt, weil hier der Siede=
punkt
, der auch gewöhnlich nicht überſchritten werden kann, ſo
hoch liegt, daß den Speiſen das Waſſer allzu ſchnell entzogen wird
und ſie verkohlen. Wer Kohlen Gas und Elektrizität ſparen will,
vermeide übermäßiges Wallen der kochenden Speiſen.
Schenke dem einzelnen Arbeitsgang volle Beachtung! Arbeite
bequem, am beſten ſitzend, vermeide Uebergreifen der Hände bei
hemüſeputzen und Spülen und lange Wege durch richtige Anord=
nung
der Geräte und richtige Stellung der Möbel. Die quadra=
tiſche
Küche, gut belichtet, in der vom Arbeitsplatz aus ſowohl der
Herd als auch das Waſſer ohne Aufſtehen erreicht werden kann,
hat ſich als günſtig erwieſen, da Waſſer oft gebraucht wird und
chlecht in Reichweite bereitgeſtellt werden kann, wie z. B. Vor=
räte
oder Schüſſeln, und die Einſtellung der Hitze beſonders bei
Gas und Elektrizität, aber auch bei Kohle öfteres Bedienen des
Herdes oder Verſtellen der Töpfe nötig macht.

Verwende arbeitsſparende Geräte und Maſchinen, wenn es
ſich für deinen Haushalt lohnt. Ausſchlaggebend iſt vor allem
die Häufigkeit der Verwendung, die Größe der Familie und der
Wert der Arbeitszeit der betreffenden Hausfrau.
Bringe die Art der Zubereitung der Speiſen in Einklang mit
der Geſamtarbeitszeit, die dir zur Verfügung ſteht. Vernach=
läſſige
auch nicht die Arbeit, die mit der Säuberung des benötig=
ten
Geſchirres, einſchließlich Tiſchgeſchirr, verknüpft iſt. Nur wer
viel Zeit oder viel Geld hat, oder wer beſondere Effekte erzielen
will, darf komplizierte, arbeitsbeſchwerte Gerichte wählen, bei
deren Durchführung aber trotzdem größtmöglichſte Rationaliſie=
rung
erſtrebt werden muß.
Die Kühlhaltung beſonders empfindlicher Nahrungsmittel
überläßt man in ganz kleinen Verhältniſſen am beſten dem
Händler, von dem man ſolche Ware täglich bezieht. Will man
größere Vorräte haben oder den Weg zum Keller ſparen ſo
braucht man eine Kühlvorrichtung. Die Zweckmäßigkeit ihrer
Anſchaffung iſt eine Rechenfrage, die leicht zu löſen iſt, wenn man
die Koſten der Kühlhaltung mit den erzielten Vorteilen ver=
gleicht
. Für kleinſte Verhältniſſe genügt oft ein feucht zu hal=
tender
unglaſierter Tontopf, deſſen Verdunſtung genügt die Luft
kühl zu halten. Dann folgt die Eiskiſte, der kleine und größere
Eisſchrank und der ſelbſtſtändige Kühlſchrank mit Motorantrieb,
deſſen Wirtſchaftlichkeit an den in der Lehrſchau Technik im
Heim gezeigten Beiſpielen vorher errechnet werden kann. Iſt
kein Roheis oder Speiſeeis zu erhalten, ſo kann die Anſchaffung
aus einer Frage der Wirtſchaftlichkeit zu einer Frage der Be=
darfsdeckung
werden.
Aehnlich liegen die Verhältniſſe beim Konſervieren von
Lebensmitteln. Wo es ſich um unumgänglich nötige Bedarfs=
deckung
handelt, iſt die Frage der Wirtſchaftlichkeit erſt an zweiter
Stelle zu erörtern. Wo Gartenerzeugniſſe und Schlachtprodukte
anfallen, kann die Frage nach der abſoluten Wirtſchaftlichkeit ge=
ſtellt
werden; fällt die Antwort ungünſtig aus, ſo muß nunmehr
die Frage nach der relativen Wirtſchaftlichkeit erfolgen, die feſt=
ſtellen
will, nicht ob das Konſervieren an ſich wirtſchaftlich iſt,
ob ich alſo die Konſerven eventuell zum gleichen Preiſe kaufen
kann, ſondern ob das Konſervieren nicht ein notwendiges Uebel
iſt, um den Gartenbau oder die Tierhaltung wirtſchaftlich zu ge=
ſtalten
.
Auf alle dieſe Fragen gibt die Lehrausſtellung Technik im
Heim vollkommen neutrale Auskunft. Sie iſt nur noch bis 19.
dieſes Monats in der Feſthalle zu ſehen. Deshalb benutze die
Gelegenheit!

Geſangsfeſt in der Stadtkirche. Am Sonntag, den 19. Okt.,
findet nachmittags in der hieſigen Stadtkirche ein Geſangsfeſt des
Evangeliſchen Sängerbundes, Kreis Darmſtadt, ſtatt. Es werden
zum Vortrag gelangen: Männer=, Frauen= und gemiſchte Chöre,
ſowie Sologeſänge nach einem auserleſenen und gediegenen Pro=
gramm
. Um jedermann den Zutritt zu ermöglichen, iſt der Ein=
ritt
zu dieſer Veranſtaltung frei.

Der
pelzbeſetzte
Mantel
wird von der Mode ganz besonders bevor-
zugt
. Aus diesem Grunde unterhalten wir
in dieser Saison ein besonders reichhaltiges
Lager in
Mänteln mit Edelpelz-Besätzen
wie austral. Opossum, Bisamrücken, Persianer-
klaue
, Skunks-Opossum und andere Pelz-
arten
in guter Qualität und Preiswürdigkeit
49.- 69.- 79.- 89.- 98.- 115.- 129..
Unser Reklame-Angebot:
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III mit grossem,echtem austral. Opossumkragen
Car!
Haus für feine
Damenmoden Schürmann & u0.
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Orpheum. Heute zwei Vorſtellungen. Die
heutige 1. Fremden= und Volksvorſtellung bei
halben Eintrittspreiſen beginnt pünktlich um 4 Uhr: Ende nach
6 Uhr. Die Abendvorſtellung beginnt um 8 Uhr und endet vor
11 Uhr. Der Kartenverkauf für beide Vorſtellungen iſt von 10
bis 12 Uhr im Verkehrsbüro, Ernſt=Ludwigsplatz, und ab 3 Uhr
ununterbrochen an der Orpheumskaſſe. Daſelbſt werden auch Be=
ſtellungen
telephoniſch (Rufnummer 389) angenommen. (Siehe
heutige Anzeige.)

Beachten Sie unser

15332b

Frobenias-ßensten
Buchhändler Ludwig Saeng, Kirchstraße 20

Der Biochemiſche Verein Darmſtadt hat zu ſeinem zweiten
Vortrag in dieſem Winterhalbjahr am Dienstag, dem 21. Okto=
ber
, im Fürſtenſaal das Gebiet der Nervenkrankheiten gewählt.
Hierzu ſind alle Anhänger einer giftfreien Heil= und Lebensweiſe
herzlich eingeladen. (Näheres im heutigen Anzeigeteil.

Das
Darmstädter Fahrplanbuch
(Winter-Ausgabe) ist
in allen bekannten Verkaufsstellen zum Preise von
80 Pfemnig
erhältlich.

Wanderklub Falke, Darmſtadt. Am Dienstag, dem 21.
ds. Mts., findet im Phyſikſaal des Realgymnaſiums ein Vor=
tragsabend
mit Lichtbildern ſtatt. Polizei=Oberleutnant Ehr=
hardt
ſpricht über Wetterkunde. Das außerordentlich
aktuelle Thema, deſſen Unterlagen aus der Wetterprüfſtelle von
Profeſſor Georgii ſtammen, dürfte beſonders jeden Wanderfreund
intereſſieren.

Peter Johſts Himmelfahrt, ſo heißt das alte Lands=
knechtsſpiel
, das im Gemeindehaus, Kahlertſtraße 26, mit gutem
Erfolg aufgeführt wurde. Es zeigt, daß die Landsknechte in ihrer
Blütezeit die hauptſächlichſten Träger der alten deutſchen Tugen=
den
der Treue, Standhaftigkeit, Tapferheit und Frömmigkeit
waren. Tugenden, die heute noch jeden echten Jungen begeiſtern
und auch im Bund Deutſcher Jugendvereine, dem die Jugend=
bünde
der Johannesgemeinde angeſchloſſen ſind, ihren Niederſchlag
gefunden haben in ſeinen Leitworten fromm, deutſch und welt=
offen
. Darum kann auch das Spiel Ausdruck des Geiſtes des
B.D. J. ſein, der Art, der Haltung und Spiegelung des inneren
Weſens. Gleichzeitig tragen Tänze und Lieder, Neugeſtaltungen
der deutſchen Jugend, altes deutſches Volksgut etwas zu dem
Leben und der Arbeit des B.D.J. bei. Sie helfen, das Bild des
Bundes zu vervollſtändigen, damit es ein richtiger Bundeswerbetag
wird. Alle Freunde der Jugend werden hierdurch nochmals herz=
lichſt
zum Beſuche eingeladen.
Die Volkshochſchule nimmt zurzeit die Anmeldungen zu den
Lehrgängen entgegen. Da wird immer wieder die Frage geſtellt,
ob die Hörgebühr ſofort zu entrichten iſt. Die Hörgebühr kann
auf Antrag geſtundet werden, muß aber im Laufe des Lehrgangs,
vor ſeiner Beendigung, bezahlt ſein. Aus dieſem Grunde vollziehe
eder ſeine Anmeldung möglichſt vor Beginn der Lehrgänge in der
Geſchäftsſtelle der Volkshochſchule.

Heſſiſches Landestheater.

Großes Haus Kleines Haus Sonntag,
19. Oktober 19.3022 Uhr
Heſſenland=Miete IV1.
Ein Sommernachtstraum
Preiſe 110 Mk.

7 14.3017 Uhr
Meine Schweſter und ich
P 1 Darmſt. Volksbühne
Preiſe 1.206 Mk.
2022.30 Uhr
Volksvorſtellung:
Außer Miete. Der Waffen=
ſchmied
. Preiſe 14 Mk Montag,
20. Oktober Keine Vorſtellung Keine Vorſtellung Dienstag,
21. Oktober 19.3022.30 Uhr
G3 Die Zauberflöte
Darmſt. Volksbühne, Gr. IIV
Preiſe 110 Mk. 2022,30 Uhr
Meine Schweſter und ich
Zuſatzmiete I, 2
Preiſe 1.206.00 Mk. Mittwoch,
22. Oktober 19 3022 Uhr
Ein Sommernachtstranm
K 3 Bühnen Volksbund
Preiſe 110 Mk 2021.30 Uhr
Erſter Beethoven=Abend
des Drumm=Quartetts
Preiſe 1, 2, 3 Mk. Donnerstag,
23. Oktober 19 3022 Uhr
Kabale und Liebe
Miete unbeſtimmt
Preiſe 110 Mk. 2022.30 Uhr
Meine Schweſter und ich
Zuſatz=Miete III 2
Preiſe 1.206 Mk Freitag,
24. Oktober Keine Vorſtellung 2022 Uhr
In neuer Einſtud. u. Jußzenierg.
Lucia von Lammermoor
Zſ.=M. IV 3. Pr. 1.507.50 Samstag,
25. Oktober 19.3022 Uhr
Ein Sommernachtstraum
H3 Bühnen=Volksbund
Preiſe 110 Mk. 2022 Uhr
Der Glasſchrank
Heſſiſche Spielgemeinſchaft
Preiſe 0 502.50 Mk. Sonntag
26, Orkber 1517.30 Uhr
Schwanda, der Dudelſachpfeifer
Heſſenlandgem. II1, III2
Preiſe 0.408 Mk.
2022.45 Uhr
D6. Die Herzogin von Chieago
Preiſe 110 Mr. 2022 Uhr
Magdalena
Gaſtſpiel der Ludwig=Thoma=
Bühne (Egern)
Preiſe 1.206 Mk.

Heſſiſches Landestheater. Meine Schweſter und
ich das ungewöhnlich zugkräftige muſikaliſche Luſtſpiel von Berr
und Verneuil (deutſche Bearbeitung von Robert Blum), mit
Muſik und Geſangstexten von Ralph Benatzky, wird heute Sonn=
tag
in der Inſzenierung von Renato Mordo (Bühnenbild: Elli
Büttner) unter muſikaliſcher Leitung von Fritz Bohne einmal als
Nachmittagsvorſtellung im Kleinen Haus zur Auffüh=
rung
kommen. Eine Volksvorſtellung der komiſchen
Oper Der Waffenſchmied von Lortzing findet außer
Miete heute Sonntag im Kleinen Haus unter muſikaliſcher Lei=
tung
von Carl Maria Zwißler ſtatt.
Gaſtſpiele der Ludwig=Thoma=Bühne im
Kleinen Haus. Die Ludwig=Thoma=Bühne wurde auf Grund
ihrer außerordentlichen Erfolge im Berliner Deutſchen. Theater
von der Generaldirektion des Heſſiſchen Landestheaters für zwei
Gaſtſpiele im Kleinen Haus am 26. und 27. Oktober verpflichtet.
Die Thoma=Bühne bringt an beiden Tagen das Volksſtück
Magdalena zur Aufführung. Vorverkauf für Mieter am
Dienstag und Mittwoch. Preiſe 1,20 bis 6/Mark.

[ ][  ][ ]

Seite 6

Sonntag, den 19. Oktober 1930

Heſſiſcher Landesverband für werktätige Erziehung.

Im Rahmen ſeiner Tagung zur Förderung des Werkunter=
richts
veranſtaltete der Heſſiſche Landesverband für werktätige
Erziehung geſtern zwei Vorträge. Das Intereſſe an der Veran=
ſtaltung
hatte eine ſolche Menge Hörer zuſammengeführt, daß
eine Parallelveranſtaltung notwendig wurde.
Die Grüße des Miniſteriums für Kunſt und Wiſſenſchaft über=
brachte
Miniſterialdirektor Urſtadt. Er verſicherte, daß das
Miniſterium den Beſtrebungen des Verbandes wohlwollend und
hilfsbereit zur Seite ſtehe.
Prof. Dr. Vogel ergriff ſodann das Wort zu einem inter=
eſſanten
Vortrag über die

Entwicklung des praktiſch=techniſchen Denkens beim Kinde‟.

Von dem Gedanken ausgehend, daß die individuelle Entwicklung
die gleichen Züge aufweiſt wie die generelle, ſtellte er immer
wieder anſchauliche Parallelen her. Die Entwicklung des Kindes
teilt Profeſſor Dr. Vogel nach Charlotte Bühler in verſchiedene
Phaſen, ohne allerdings ſchematiſieren zu wollen. Im allgemei=
nen
aber verläuft die Entwicklung des Kindes etwa ſo: Zuerſt
nur inſtinktiv auf äußere Eindrücke reagierend und innere Span=
nungen
durch aktive Bewegungen ausdrückend, hat das Kind noch
nicht die Fähigkeit, ſeine Sinne kombinierend zu gebrauchen,
Später tritt die Zuſammenarbeit von Auge und Ohr und noch
ſpäter die der Gliedmaßen ein. Als bedeutendſtes Ereignis aber
iſt die Entdeckung des Kindes zu bezeichnen, daß jedes Ding einen
Namen hat, d. h., daß das Kind ſprechen lernt. Es iſt die Sprache,
die dem Menſchen den Weg zur Welt der Dinge öffnet. Anfangs
betrachtet das Kind alles ſubjektiv, es ſtellt nur Beziehung zwi=
ſchen
ſich und dem Ding her; zwiſchen den Objekten ſelbſt einen
Zuſammenhang feſtzuſtellen, dazu bedarf es einer langen Entwick=
lung
. Es tritt dann weiterhin der Fortſchritt vom Werkzeugden=
ken
zum Werkdenken ein, mit anderen Worten, das Kind benutzt
nicht mehr einen Gegenſtand, um einen anderen zu behandeln,
ſondern es will ſelbſt Gegenſtände ſchaffen (z. B. Bauen,
Baſteln uſw.). Dieſer Wille zum produktiven Schaffen ſteigert ſich
immer mehr. Das Kind kommt von den Funktionsſpielen (wie
Seilhüpfen, Ballſpielen) zu Konſtruktionsſpielen. Dieſe Entwick=
lung
hält auch an, wenn das Kind in die Schule kommt und dort
die erſten Bindungen erfährt, ja, ſie wächſt ſich bis zum zehnten
Lebensjahr zu einer allgemeinen Lernbegierde aus. Von da ab

ſetzt allerdings eine Spezialiſierung der Intereſſen ein, die aber
nicht für die Dauer anhält. Das Erwachen des Sexuallebens ruft
plötzliche Schwankungen und Umſtellungen hervor. Der junge
Menſch ſucht in dieſer Entwicklungsſtufe den tiefſten Dingen auf
den Grund zu gehen, und er befindet ſich in einem Widerſtreit
zwiſchen Triebwelt und Pflichtwelt, in dem er ſich im allgemeinen
durch ideale Anſchauung zur Welt der Pflicht bekennt und damit
auf der Entwicklungsſtufe der Erwachſenen angekommen iſt.
Der Weg iſt weit, den der Menſch von den Träumen der
Kindheit bis zur Welt der realen Wirklichkeit gehen muß. Es iſt
die Hauptaufgabe des Unterrichts, das Kind vom ſubjektiven Leben,
dem Anthrovomorphismus, hinzuführen zur Welt der Erwachſe=
nen
, dem ſachlichen Denken. Und hierzu, ſo führte Profeſſor
Vogel aus. iſt der Werkunterricht ein ausgezeichnetes Mittel, weil
er zum erſten Male dem Willen des Kindes einen Willen, des
Gegenſtandes entgegenſetzt. Doch dürfe der Gedanke des Werk=
unterrichts
nicht zu rein praktiſcher Arbeit ausarten, denn die beſte
Grundlage der Praxis, ſo ſchloß der Referent, bleibe doch eine
gute Theorie.
Die wiſſenſchaftlich hochſtehenden und von vollem Verſtändnis
für die Kinderſeele zeugenden Ausführungen Prof. Dr. Vogels
wurden mit großem Beifall aufgenommen.
Ein zweites Referat hielt Herr Lehrer Muſſel=Worms
über
Der Werkunterricht in der Hand des Klaſſenlehrers

Aus Heſſen.

An. Arheilgen, 17. Okt. Ausſchluß. Einem hieſigen Metzger=
meiſter
, der wiederholt gegen die Beſtimmungen der Metzgerinnung=
Darmſtadt=Land verſtieß, wurde die Mitteilung, daß er aus dern

Neben beachtenswerten Vorſchlägen zur Durchführung des
Werkunterrichts, der durch viele Umſtände beute er=
ſchwert
wird, gab der Vortragende für den Fachmann viel inter=
eſſante
Winke und Anregungen über Lehrplan, Materialverwen=
dung
und Arbeitseinteilung. Der Klaſſenlehrer ſoll immer ent=
weder
den Werkunterricht ſelbſt leiten oder doch auf ihn einwirken,
da der Werkunterricht an Hand eines Stoffes gegeben werden ſoll,
der im theoretiſchen Unterricht ſich als brauchbar zu weiterer Be=
fruchtung
und Geſtaltung erwieſen hat. Die gerade für den Fach=
mann
beſtimmten und zur Werhung für die Idee des Werkunter=
richts
bei der Lehrerſchaft gedachten Worte Herrn Lehrer Muſſels
wurden von allen Hörern ſehr beifällig aufgenommen.
Eine Fülle intereſſanten Stoffes wurde in den zwei Vorträgen
geboten, die dem Werkunterricht ſicher manchen neuen Freund ge=
kaw
.
bracht haben.

Neue Mitgliedsbeiträge der Heſſiſchen Beamken=
krankenkaſſe
.

Am 17. Oktober 1930 fand eine Ausſchußſitzung der
Heſſiſchen Beamtenkrankenkaſſe ſtatt, in der die Mitgliedsbeiträge
neu geregelt wurden. Der Leitgedanke dabei war, die Beiträge
die nach der Höhe des Einkommens der Mitglieder abgeſtuft
waren, mit den Leiſtungen der Kaſſe wieder in Einklang zu brin=
gen
und das verſicherungstechniſche Moment dadurch mehr als
bisher in den Vordergrund zu rücken. Das wurde erreicht, indem
der Grundbetrag erhöht und der prozentual nach dem Ein=
kommen
bemeſſene Zuſchlag weſentlich herab=
geſetzt
wurde.
Damit iſt nach langem Ringen ein Werk zuſtande gekommen,
von dem man hoffen darf, daß es die Grundlagen der Beamten=
krankenkaſſe
zu feſtigen und zu ſichern geeignet iſt.
Die Beiträge ſind vom 1. Dezember 1930 ab wie folgt feſt=
geſetzt
: Der Grundbeitrag beträgt monatlich je Mitglied 10,50
Reichsmark. Dazu kommt ein prozentualer Zuſchlag für allein=
ſtehende
Perſonen von 1 Prozent des Bruttoeinkommens, für Ver=
heiratete
ohne Kinder von 1½ Prozent, für Verheiratete mit
Kindern ohne Rückſicht auf die Zahl von 1½ Prozent. Für ſon=
ſtige
Angehörige iſt ein feſter Monatsbeitrag von 6 RM. zu ent=
richten
. Um größere Härten zu vermeiden, iſt als Uebergangs=
vorſchrift
vorgeſehen, daß Mitglieder mit einem Einkommen bis
zu 200 RM., wenn ſie alleinſtehend ſind, monatlich 7 RM., ohne
prozentualen Zuſchlag; wenn ſie verheiratet ſind, ohne Rückſicht
auf Kinderzahl monatlich 10 RM. feſten Beitrag zu leiſten haben.
Daß in den unteren Einkommensſtufen eine kleine Erhöhung des
Beitrages eintritt, läßt ſich nicht vermeiden. Der Mitgliedsbei=
trag
bleibt aber in dieſen Einkommensſtufen immer noch hinter
den Leiſtungen der Krankenkaſſe zurück, ſo daß das ſoziale Mo=
ment
auch hier in keiner Weiſe außer acht gelaſſen iſt.

Steuer= und Wirkſchaftskglender

Skiklub Darmſtadt=Odenwald. Anläßlich der gut beſuchten
Hauptverſammlung des Klubs am 16. Oktober 1930, wurde nach=
folgender
Arbeitsplan für die kommende Winterſportzeit vorge=
ſehen
: Durch das dankenswerte Entgegenkommen des Sportver=
eins
98 iſt den Mitgliedern Gelegenheit geboten, ſich durch leicht=
athletiſche
Laufübungen, Gymnaſtik uſw. körperlich für den Ski=
lauf
vorzubereiten. Die feſtgeſetzten Uebungsſtunden, jeden Diens=
tag
und Freitag auf dem Sportplatz des Sportvereins 98, werden
ſeit einigen Wochen recht zahlreich beſucht. Weitere Teil=
nahme
erwünſcht. Die diesjährigen Trocken=Skikurſe
beginnen in der letzten Oktoberwoche. Anmel=
dungen
ſind möglichſt ſofort an das Sporthaus, Adelmann zu
richten. Für die Jugend ſind wieder Skikurſe in den Weihnachts=
ferien
vorgeſehen, vorausgeſetzt, daß die Schneeverhältniſſe die
Durchführung ermöglichen. Geplant ſind Jugend=Skikurſe auf der
Darmſtädter Hütte in Steig=Breitnau bei Hintergarten, und
Menzenſchwanderhütte auf dem Feldberg im Schwarzwald. Der
Haupt=Skikurs wird unter Berückſichtigung der augenblicklichen
ſchwierigen wirtſchaftlichen Lage wieder wie im Vorjahre in Riez=
lern
bei Oberſtdorf im Allgäu durchgeführt, wo dem Klub in der
Zeit vom 1 bis 14. Februar 1931 das vorzüglich eingerichtete und
landſchaftlich ſehr ſchön gelegene Waldemar=Peterſen=Heim der
Darmſtädter Techniſchen Hochſchule zur Verfügung ſteht. Zur Er=
leichterung
des ſonntäglichen Skilaufs in der näheren Umgebung
Darmſtadts werden vom Sporthaus Adelmann verbilligte Auto=
fahrten
bei günſtigen Schneeverhältniſſen durchgeführt. Der
Klub wird hierzu Skilehrer ſtellen, welche die Ausbildung der
Teilnehmer übernehmen.
Evangeliſche Martinsgemeinde. Wir weiſen nochmals hin
auf den am Montag, den 20. d. M., abends, im Gemeindehaus,
Liebfrauenſtraße, ſtattfindenden Vortrag von Profeſſor Dr.
Cahn, Frankfurt a. M., über Chriſtentum und
Wirtſchaftsordnung‟. Es iſt eine beſondere Gelegenheit,
einen der beſten Kenner, ſozialer Probleme, hören zu können.
Welchen Beitrag das Chriſtentum zu den ſo ungehe 4 ſchweren
Wirtſchaftsfragen geben kann und geben muß, ſich nichb’von einem

Theologen, ſondern einem Soziologen ſagen zu laſſen, iſt beſon=
ders
wertvoll. Daß hier Aufgaben liegen, einmal im Blick auf
die eigne weltanſchauliche Klärung, als auch der Aufklärungs=

arbeit der Gemeinde wird immer klarer. Wir hoffen, daß dieſer
Vortrag das nötige Echo findet. Der Eintritt iſt frei.
Kirchlich=poſitive Vereinigung. Die bieſige Ortsaruppe
lädt ihre Mitglieder zur Wiederaufnahme ihrer Arbeit auf Diens=
tag
, 21. Oktober, in den Feierabend (Stiftsſtraße 51) ein. U. a.
wird Pfarrer Beringer aus Schaafheim über ſeine Eindrücke von
der Auguſtana=Feier der Allgem. Lutheriſchen Conferenz zu
Augsburg berichten. Auch Gäſte ſind willkommen.
Die ſtädtiſche Berufsfeuerwehr wurde im Monat Septem=
ber
19 Mal alarmiert, und zwar zu 4 Mittelfeuer, 1 Kleinfeuer,
1 Kaminbrand, 5 Autounfällen, 3 Verkehrsſtörungen und 5 ſon=
ſtigen
Fällen. Der Sanitätsdienſt erſtreckte ſich auf 95 Kranken=
und Unfalltransporte. Die zurückgelegte Fahrtſtrecke betrug 1195
Kilometer. Auf der Wache, Kirchſtraße 13 (Fernſprecher 600 und
3500), wurde in 8 Fällen erſte Hilfe geleiſtet.

für die Zeit vom 16. bis 31. Oktober.
Ausſchneiden!
Aufbewahren!
20. Okt.: Abführung der Lohnſteuer für die in der Zeit vom 1. bis 15.
Oktober 1930 erfolgten Lohnzahlungen im Markenverfahren
und im Ueberweiſungsverfahren; im letzteren jedoch nur dann,
wenn die in der erſten Hälfte des Kalendermonats einbehal=
tenen
Lohnſteuerbeträge für ſämtliche in einem Betriebe be=
ſchäftigten
Arbeitnehmer den Betrag von 200 RM. überſtiegen
haben. (Keine Schonfriſt.) Ferner Abführung der in dem
Steuerabzugsverfahren einbehaltenen Reichshilfe der Perſonen
des öffentlichen Dienſtes und der Ledigenſteuer.
25. Okt.: Vierte Vorauszahlung (ſtaatliches Ziel) laut Steuerbeſcheid
über ſtaatliche Grundſteuer, Sondergebäudeſteuer und Gewerbe=
ſteuer
für das Rechnungsjahr 1930/31. (Schonfriſt bis 5. Nov.)
Beiträge zur Landwirtſchaftskammer.
Wie bereits im letzten Steuerkalender mitgeteilt, ſind die Umlage=
zettel
Ende September herausgegangen. Die Entrichtung der Beträge
zur Landwirtſchaftskammer hat jeweils binnen vier Wochen nach Zu=
H. W. Wohmann.
ſtellung der Umlagezettel zu erfolgen.

Wo befindet ſich das Auto mit Chauffeur und Begleiter? Am
17. 10. 1930 wurden der Chauffeur Ludwig Nold und der Verkäufer
Philipp Adam Schäfer aus Darmſtadt mit dem Lieferwagen der Süd=
früchtehandlung
Albert Storper in Darmſtadt nach Dienheim in Rhein=
heſſen
geſchickt, um Trauben zu holen und nach Darmſtadt zu bringen.
In Dienheim wurden Trauben geladen und bezahlt. Nach den ange=
ſtellten
Ermittelungen ſollen Nold und Schäfer gegen 18 Uhr Dienheim
mit dem Auto verlaſſen haben. Später ſoll das Auto durch Nierſtein
und Nackenheim gefahren ſein. Bis jetzt ſind beide Perſonen mit dem
Auto in Darmſtadt nicht eingetroffen. Die Südfrüchtehandlung Storper
wurde am 17. 10. 30 durch Schäfer gegen 16 Uhr telephoniſch angerufen,
daß das Auto in einen Straßengraben gefahren ſei. In der Nacht
gegen 1 Uhr teilte Schäfer wiederum telephoniſch mit, daß ſie in Darm=
ſtadt
angekommen wären. Der Lieferwagen iſt ein Cheprolet mit dem
polizeilichen Kennzeichen VS 9643 und hat einen gelben, geſchloſſenen
Kaſtenaufbau. Zu beiden Seiten trägt das Auto die Aufſchrift Süd=
früchte
=Import Albert Storper, Darmſtadt, Tel. 1369 Ob ein Un=
glücksfall
oder eine ſtrafbare Handlung vorliegt, ſteht noch nicht feſt.
Mitteilung über den Verbleib des Nold und Schäfer ſowie des Kraft=
wagens
ſind an die Krim.=Polizei Darmſtadt, Tel. 3358, zu richten.
Vom Wochenmarkt. Wochenmarkt=Kleinhandelspreiſe vom
18. Oktober 1939 für ein Pfund bzw. Stück in Reichspfennigen:
1 Gemüſe: Kohlrabi 48, gelbe Rüben 48, rote Rüben 8
bis 12, weiße Rüben 812. Schwarzwurzeln 3045, Spinat 10
bis 20. Rotkraut 812, Weißkraut 48 Wirſing 48. Roſen=
kohl
3040, Stangenbohnen 50, Buſchbohnen 35. Wachsbohnen
50, Erbſen 5060, Zwiebeln 510, Knoblauch 80, Tomaten 30
bis 40, Kaſtanien 2025, Feldſalat 5080, Endivienſalat 510.
Kopfſalat 810, Salatgurken 1030, Blumenkohl 2080, Rettich
510. Meerrettich 70100 2. Kartoffeln; Spätkartoffeln
2,503,50 3. Obſt: Tafeläpfel 2540, Wirtſchaftsäpfel 15
bis 25, Falläpfel 1015, Tafelbirnen 2535, Wirtſchaftsbirnen
1525, Quitten 30, Trauben 3045, Nüſſe 4050, Apfelſinen 10
bis 20, Zitronen 410, Bananen 55 4. Eßwaren: Süß=
rahmbutter
180200, Landbutter 170180. Weichkäſe 3035,
Handkäſe 510. Eier, friſche 1517. 5. Wild und Ge=
flügel
: Gänſe 140. Hühner 100130 Enten 140. Tauben 70
bis 80. Haſen 100130, Ziegenlämmer 80150 6 Fleiſch=
und Wurſtwaren; Rindfleiſch, friſch 90100 Kalbfleiſch 120,
Hammelfleiſch 100 Schweinefleiſch 130150. Dörrfleiſch 180,
Wurſt 80160, Wurſtfett 60, Schmalz, ausgelaſſen 120.

Schlachtviehverſicherung ausgeſchloſſen ſei. Trotzdem geben drei wei=
tere
Metzgermeiſter einen Preisabbau für Fleiſch= und Wurſtwaren be=
kannt
. Park. In dem zum größten Teil in hieſiger Gemarkung=
gelegenen
Kranichſteiner Wildpark werden zurzeit die etwas in Berfaln 95
geratenen Jagdgebäude, wie Alexanderburg und Dianaburg, einem In9
gründlichen Neuherrichtung unterzogen. Wie man weiter hört, ſollem
dieſelben dem Publikum zugänglich gemacht und mit letztenm eim
Reſtaurant mit alkoholfreien Getränken verbunden werden.
J. Griesheim, 18. Okt. Baulandumlegung. Nachdem die
Vorarbeiten für die Baulandumlegung in der Poſch offengelegern
haben, wird nunmehr am Dienstag, den 2. Oktober d. J., nachmittags; m
4 Uhr, im hieſigen Rathaus über die vorgebrachten Wünſche und Eing
wendungen verhandelt. In der Tagfahrt wird auch die Wahl der vorn KCg
den Grundeigentümern zu wählenden Mitglieder des Umlegungsauss /tzu
ſchuſſes ein Vertreter der beteiligten Grundeigentümer und ein Sacht mu
verſtändiger für die Bewertung der Grundſtücke und deren Stellll Ei1
vertreter vorgenommen. Die Wahl erfolgt mit Stimmenmehrheit de
anweſenden Grundeigentümer und bei Stimmengleichheit durch da=u
Los. Wenn in der Tagfahrt Grundeigentümer der Umlegung widern
ſprechen, ſo hat dem Umlegungsausſchuß außerdem ein von dieſem
Grundeigentümern zu wählender Vertreter anzugehören. Die der Un
legung zuſtimmenden und widerſprechenden Grundeigentümer wähler=
ihre
Vertreter und deren Erſatzmänner dann in getrennten Wahu
gängen. Arbeitsvergebung. Folgende Arbeiten ſollen
öffentlich vergeben werden: Los 1: Ausführung der Erd=, Maurer=
Rohrverlegungs=, Pflaſterarbeiten uſw. für den Hochbau des Pumnt 40,
werks und an den beiden Ausmündungsbauwerken am Küchlersgraber 37
und Landgraben. Los 2: Ausführung der Erd= Maurer=, Beton=M 2
Rohrverlegungs=, Pflaſterarbeiten uſw. zur Herſtellung einer Feldweg, zum
brücke, verſchiedene Fußgängerſtege und eines Rohrdurchlaſſes. Angesz /te
botsformulare ſind beim Heſſiſchen Kulturbauamt in Darmſtadt geges
UN
Bareinſendung von 1 Mk. für jedes Los zu beziehen, woſelbſt augd
Pläne und Bedingungen offenliegen. Die Angebote ſind verſchloſſes undd
und mit entſprechender Aufſchrift bis Mittwoch, den 22. Oktober d. 77 behen
vormittags 10.30 Uhr, beim Heſſiſchen Kultubauamt in Darmſtada
Bleichſtraße 1, einzureichen, woſelbſt ſie in Gegenwart etwa erſcheinen H
der Anbieter geöffnet werden. Die Ziehungsliſte der Ausloſungst
rechte der Reichsanleihen vom 6. Oktober d. J. liegt auf der Geſchäfts=
ſtelle
der hieſigen Volksbank zu jedermanns Einſicht offen.
4a. Eberſtadt, 17. Okt. Erweiterter Feldſchutz. Jalo
Joſt, Ludwig Harniſchfeger 1., Wilhelm Rückert und Heinrich Neuſel:
wurden dieſer Tage auf den Feldſchutz der Gemeinde Eberſtadt eidkieu Allel
verpflichtet. Todesfall. Die Oberin, der hieſigen katholiſcher ſice
Schweſternſtation, Schweſter Cherubina, iſt nach kurzer ſchwerer 49
Krankheit im Darmſtädter Marienhofpital im Alter von 47 Jahren g9
ſtorben. Sie war erſt acht Wochen in Eberſtadt tätig. Vorher war fi5 ü
eine geborene Pfälzerin, neun Jahre Oberin in Oppenheim geweſer 9. 1
Vor dieſer Zeit wirkte ſie in Mannheim. Sie wird im Niederbronna= Geſch.
Mutterhaus in Bühl beigeſetzt werden.
Ak. Nieder=Ramſtadt, 17. Okt. Gemeinderatsbericht. D.t Au
zur Sitzung hinzugezogene Gemeinderechner erſtattet an Hand vorg
legter Handbuchsauszüge Bericht über die Finanzlage der Gemeinds bre
Obſchon auch die hieſige Gemeinde durch die Fürſorge für die ausgs 1u W0l
ſteuerten Erwerbsloſen und in Anbetracht der allgemeinen ſchlechts 20
Wirtſchaftslage ungewöhnlich hohe Aufwendungen zu machen hat, 7. Nelle

die Finanzlage der Gemeinde zurzeit noch nicht als bedrohlich anzrt

lich

ſehen. Allerdings kann die Beſchäftigung der Ausgeſteuerten für do
Dauer auf Koſten des Betriebs nicht fortgeſetzt werden, eine Kapitan
aufnahme zu dieſem Zweck läßt ſich nicht umgehen, was ja auch vorarn
ſchlagsmäßig richtig iſt, da außergewöhnliche Ausgaben auch durs
außergewöhnliche Mittel gedeckt werden müſſen und die ſpätere Genv
ration ebenfalls an den Aufwendungen der ſchlechten Zeiten mitzutrm
gen hat. Aus Mitteln einer bereits genehmigten Kapitalaufnahm,
bei der Bezirksſparkaſſe Reinheim ſollen zum Ausgleich der Waſſe=
werksrechnung
für 1929 25 000 Mark übernommen werden. Vau
Einführung der Gemeindebier= Getränke= und Bürgerſteuer ſoll vom
erſt abgeſehen werden. Ob ſich der ablehnende Standpunkt des
meinderats auch fernerhin, namentlich bei der Aufſtellung des 13310
Voranſchlags vertreten läßt, iſt eine andere Frage. Die Erweiterur
und Inſtandſetzung des Batterieraums im Gemeinde=Elektrizitätswen
wird auf dem Submiſſionswege vergeben. Aus Anlaß des Hochne
ſers im Verlaufe der vorigen Woche ſind berſchiedene Schäden an Hän

Lokale Veranſkalkungen.

Die bierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten.
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kriti.
Ludwigshöhe. Sonntag nachmittag findet Konzert ſtatt.
(Siehe Anzeige.)

Tageskalender für Sonntag, den 19. Oktober 1930.
Heſſ. Landestheater, Großes Haus, IV I. 19.30 Uhr: Ein
Sommernachtstraum. Kleines Haus, P 1 14.30 Uhr: Meine
Schweſter und ich 20 Uhr: Der Waffenſchmied
Orpheum, 8½ Uhr: Braſilianiſches Kaleidoſkop Kon=
zerte
: Schloßkeller, Café Oper. Zum Datterich, Reſt. Bender,
Maxim Sportplatz=Reſtaurant Böllenfalltor, Rheingauer Wein=
ſtube
, Reſt. Boßler. Zum Haferkaſten, Stolzenfels Hotel Prinz
Heinrich; Ludwigshöhe, 4 Uhr: Rummelbräu Wiener Kronen=
bräukeller
, Span. Bodega, Reichshof, Hotel Poſt. Zur Goldenen
Krone, Deutſcher Hof, Reichskrone. Feſthalle; Lehraus=
ſtellung
: Technik im Heim, von 1019 Uhr. Kinovor=
ſtellungen
: Union=, Helia= und Palaſt=Lichtſpiele
Bäckergehilfenverein, abends 8 Uhr, im Rummelbräu:
Herbſtball. Ueberreichung der Geſellenbriefe,
vormittags 934 Uhr, im Städt. Saalbau.

ſern, namentlich aber auch an den Bachufern und Ueberbrückungen em
ſtanden. Der Gemeinderat beſchließt eine eingehende Beſichtigung a=
Ort und Stelle und behält ſich bis dahin ſeine Beſchlußfaſſung vor. 2
Auswirkungen des Hochwaſſers laſſen die Errichtung des ſchon läng
beabſichtigten Grundſchutzes im Modaubachbett in unmittelbare )/
rücken. Die Notwendigkeit liegt vor, ſo daß die Errichtung wohl od4
übel in abſehbarer Zeit vorgenommen werden muß. Schneidermeiſt4
Weißkopf, der im letzten Jahre eines von der Gemeinde errichtert
neuen Häuſer käuflich erwarb, hat ſeinen Wohnſitz von hier verlegt uu
will ſein Anweſen an die Gemeinde zurückverkaufen. Der Gemeinder=
beſchließt
die ſofortige anderweitige Verwertung des Anweſens, wöc
lichſt wieder käufliche Abtretung an einen anderen Liebhaber. D
Behandlung der gemeindlichen Obſtbäume ſoll, wie in früheren Jahres


Metr.
ſte
ten.
1.
17393b

wieder an einen ſachverſtändigen Unternehmer vergeben werden. 94
Reduzierung des Vorgartengeländes zum Projekt über die Durchfü=

rung der Stiftſtraße zur Bahnhofſtraße von 5 auf 4 Meter Breite mit
zugeſtimmt.
G. Ober=Ramſtadt, 17. Okt. Gemeinderatsfitzung. A.0 M.
träge der Arbeitsloſen und Ausgeſteuerten. Dieſe wurden nochmals i5 ne
Wortlaut bekanntgegeben, ebenſo ein Dringlichkeitsantrag der Nan3
nalſozialiſtiſchen Deutſchen Arbeiterpartei (Ortsgruppe Ober=Namſtad:
der ebenfalls die Bereitſtellung von Arbeit für die Ausgeſteuerten uſ.?
fordert. Nach allgemeiner Ausſprache über die Anträge der Arbeit Welſel
loſen und Ausgeſteuerten wurde beſchloſſen, daß am 20. d. M. mit de
9. 1
Ausheben von Gräben, in den Sperkelbach= Reifelbach= und Bruus ſiche
wieſen begonnen werden ſoll, wobei etwa 20 Ausgeſteuerte Beſch0 qiet
tigung finden werden. Auch der Weg in der Asbach ſoll hergerichtn
werden. Weiter ſollen die Vorarbeiten für Kanaliſation in der Adlo‟
aſſe und in ſonſtigen Straßen getroffen und raſchmöglichſt durchgr Mit. 2
führt werden. Durch Ausführung dieſer Arbeiten ſollen möglichſt ſänr 290.
lich gegenwärtig ausgeſteuerte Arbeitsloſe der Krankenverſicherung wr m.
der zugeführt werden, damit jeder Einzelne alsdann Gelegenheit hot 0.A
ſich in dieſer freiwillig weiterzuverſichern. Die Arbeitszeit für ſämtlio, V
Notſtandsarbeiter ſoll 40 Stunden in der Woche betragen. Die w
terem Punkte des Antrages der Ausgeſteuerten ſowie die Anträge
N. S.D.A.P. werden zur weiteren Vorberatung zurückgeſtellt. Mit )e
Forſtamt ſollen wegen Einſtellung von Holzhauern und Freigabe 42 Ndem
Domanialwaldungen zur Leſeholznutzung Verhandlungen, gebſloas ih. n
werden. Ein Antrag, bei künftigen Sitzungen, in denen Wohlfahrtr.
ſachen von Ausgeſteuerten uſw. verhandelt werden, zwei Ausgeſteuertes
Vertreter mit beratender Stimme zuzuziehen, wird bei ſchriftlicher M.
ſtimmung mit 10 gegen 3 Stimmen bei 2 unbeſchrieben abgegebened
Stimmzetteln und einem Einſpruch gegen dieſe Abſtimmung aug UI.
nommen.
4a. Langen, 18. Okt. Todesfall. Lehrer i. R. Michr=

Steinmann iſt im Alter von 69 Jahren infolge eines Herzſchlags. 7
geſtorben. Lehrer Steinmann hatte einſt das Lehrerſeminar in Bem.!".

heim beſucht, das er im Jahre 1882 berließ. Zum Hausmeiſter 2 A
der Kirchſchule und der Schule in der Frankfurterſtraße wurde 629 4
Franz Werner vom Gemeinderat gewählt. Autounfall. Inde
hieſige Kankenhaus wurde ein Handwerksburſche eingeliefert, der
Egelsbach durch einen Unfall ſchwer verletzt worden war. Der Hon
werksburſche wollte dort auf ein fahrendes Laſtauto aufſpringen und dC
wahrte nicht, daß in entgegengeſetzter Richtung ein Perſonenauto ſa=
Er wurde von dem letzteren erfaßt und an Bruſt und Beinen ſo ſchm

verletzt, daß an ſeinem Aufkommen gezweifelt wird.

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[ ][  ][ ]

Seite 8

Das Gruppenwaſſerwerk Gerauer Land
Die Uebergabe der fertiggeſtellten Geſamkanlagen. Der Feſtakk an dem Hindenburg=Turm

Sonntag, den 19. Oktober 1930

Geſtern fand in Groß=Gerau die Uebergabe der Geſamtanlagen des
Gruppenwaſſerwerksverbandes Gerauer Land durch das Heſſiſche Kul=
urbauamt
Darmſtadt an den Gemeindeverband ſtatt, an die ſich eine
Beſichtigung der Geſamtanlagen, des Hindenburgturmes ( Hochbehäl=
er
) und des Pumpwerkes mit Enteiſungs= und Reinigungsanlage an=
ſchloß
. Am 19. Oktober wurde der erſte Spatenſtich an der Stelle
vorgenommen, an der heute der gewaltige Hindenburg=Turm nicht
nur das neue Wahrzeichen Groß=Geraus, ſondern auch ein Wahrzeichen
ines großen ſozialen Kulturwerkes im Gerauer Land in ſchwerer Zeit
ſteht. Denn mit ſeiner Vollendung und der nunmehr erfolgten
Uebergabe der Geſamtanlagen des Gruppenwaſſerwerkes Gerauer
Land wird nunmehr Groß=Gerau mit ſeinen 7 Gemeinden, mit
Waſſer verſorgt. Durch die Initiative und raſtloſe Mühe des Bürger=
meiſters
Dr. Lüdecke iſt der dringende Wunſch der Bewohner Groß= Ge=
raus
und der Einwohner der Ortſchaften Berkach, Büttelborn, Dorn=
berg
Klein=Gerau, Nauheim, Wallerſtädten und Worfelden nach einem
Waſſerwerk nunmehr in Erfüllung gegangen. Ein eindrucksvoller
offizieller Weiheakt fand vor dem Portcl des Hindenburg=
turmes
ſtatt, der mit friſchem Grün geſchmückt war und vor dem das
gerahmte Bild des Reichspräſidenten mit eigenhändiger Unterſchrift auf=
geſtellt
war. Da aus Anlaß der Befreiung des ehemals beſetzten Ge=
rauer
Landes der Herr Reichspräſident die Benennung Hindenburg=
turm
als den erſten in Deutſchland genehmigt hat, kam der Feier noch
eine beſondere Bedeutung zu.
Bürgermeiſter Dr. Lüdecke=Groß=Gerau hieß die Teilnehmer an
dieſem feierlichen Akte herzlich willkommen, beſonders den Vertreter des
Miniſteriums für Arbeit und Wirtſchaft, Miniſterialdirektor Prof. Dr.,
Rößler, den Kreisdirektor Dr. Werner, Bürgermeiſter Alexander= Gon=
ſenheim
(als Vertreter des Heſſiſchen Landgemeindetages), die Vertreter
des Handwerks, die Gemeindevertreter uſw.
Dann hielt der Vertreter des Kulturbauamts Darmſtadt, Regie=
rungsbaumeiſter
Bruſius, eine Anſprache, in der er über die Waſſer=
verſorgung
im Gerauer Land folgendes ausführte:
Im Frühjahr des Jahres 1927 erſuchte die Bürgermeiſterei Groß=
Gerau das Kulturbauamt Darmſtadt um Aufſtellung eines Projekts für
eine Waſſerverſorgung ihrer Stadt. Dank der Tatkraft des Herrn Bür=
germeiſters
Dr. Lüdecke=Groß=Gerau entwickelte ſich mit Unterſtützung
des Herrn Kreisdirektors Dr. Merck aus dem Projekt der Einzelwaſſer=
verſorgung
der Stadt Groß=Gerau das einer Gruppenwaſſerverſorgung
für die Orte Berkach, Büttelborn, Dornberg, Groß=Gerau, Klein=Gerau,
Nauheim Wallerſtädten und Worfelden.
Im Dezember 1927 war das Projekt fertiggeſtellt und fand die Zu=
ſtimmung
des Herrn Miniſters für Arbeit und Wirtſchaft und des
Herrn Miniſters des Innern.
Mittlerweile war der Zuſammenſchluß der 8 Gemeinden zu dem
Gemeindeverband Gruppenwaſſerwerk Gerauerland vollzogen worden.
Gleichzeitig ſetzten ſowohl von der Stadt Darmſtadt als auch von
der Stadt Mainz die ſtärkſten Bemühungen ein, ſich den Waſſerwerks=
verband
Gerauerland als Waſſerabnehmer zu ſichern.
Manche Schwierigkeiten mußten während dieſer Verhandlungen
üiberwunden werden, um den Verband in ſeinem Beſtand zu ſichern.
Und daß dieſe Schwierigkeiten überwunden wurden und der Verband in
ſeiner Geſchloſſenheit beſtehen blieb, iſt in erſter Linie der Zähigkeit
des Herrn Bürgermeiſters Dr. Lüdecke zu verdanken, mit der er den
einmal beſchrittenen Weg weiter verfolgte, unterſtützt durch die ver=
ſtändnisvolle
und weitſichtige Mitarbeit der Mitglieder des Verbands=
ausſchuſſes
und der verſchiedenen Gemeinderäte.
Nachdem ſämtliche Vorarbeiten und Vorverhandlungen zu einem
Abſchluß gebracht waren und der Herr Miniſter des Innern den Ge=
meindeverband
durch Verfügung vom 3. Mai 1938 genehmigt hatte,
konnte die Ausſchreibung der Arbeiten für den 1. Bauabſchnitt Juni
1928 erfolgen. In ſteter Reihenfolge erfolgten alsdann die Ausſchrei=
bungen
der weiteren Bauabſchnitte. Sämtliche Arbeiten wurden mit
Hilfe der wertſchaffenden Arbeitsloſenfürſorge durchgeführt.
Am 16. März 1929 fand die feierliche Grundſteinlegung zum Waſſer=
turm
in Anweſenheit zahlreicher Vertreter von Behörden und des Ver=
bandsausſchuſſes
ſtatt.
Die Arbeiten gingen rüſtig voran, im Mai 1929 konnte die Stadt
Groß=Gerau durch Einrichten einer proviſoriſchen Pumpſtation mit
Waſſer verſorgt werden. Nach Fertigſtellung des Waſſerturms, der
Fernleitungen und der Ortsnetze konnten auch die einzelnen Verbands=
gemeinden
durch die proviſoriſche Pumpſtation Anfang September 1929
mit Waſſer beliefert werden.
Das neu errichtete Pumpwerk wurde am 94. März 1930 in Betrieb
genommen, ſo daß die geſamten Anlagen ſich nunmehr ſeit etwa 7 Mo=
naten
im Betrieb befinden.
Aus der während der jetzigen Betriebszeit gewonnenen Erfahrung
kann geſagt werden, daß die geſamten Anlagen zur vollſten Zufrieden=
heit
arbeiten und den an ſie geſtellten Anforderungen in jeder Beziehung
gewachſen ſind.
Und nun, meine ſehr geehrten Herren, geſtatten Sie mir Ihnen
noch einen kurzen Ueberblick über die techniſchen Anlagen zu geben.
Die Gemeinden des Waſſerwerksverbandes Gerauerland mit zuſam=
men
14 000 Einwohnern waren auf Grund der ſehr günſtigen hieſigen
Waſſerverhältniſſe techniſch leicht zu einer Gruppe zu vereinigen, da in
der Gegend von Groß=Gerau mächtige und brauchbare Grundwaſſer=
träger
vorhanden ſind. Der Nachteil des hieſigen Grundwaſſers iſt der,
daß es Eiſen und Mangan in größerer Menge enthält, ſo daß es ſich
ohne entſprechende Vorbehandlung zu Trink= und Gebrauchszwecken nicht
verwenden läßt.
Das Waſſer wird durch 4 Filterrohrbrunnen von rund 60 Meter
Tiefe dem Grundwaſſerträger entnommen und durch die ſogen. Vor=
pumpen
in die Enteiſenungsanlage gepumpt. Hier wird das Rohwaſſer
erſt zerſtäubt und dann durch zwei Kiesfilter in den ſogen. Reinwaſſer=
behälter
geleitet. Von dort fördern die Hauptpumpen das gereinigte
Waſſer mit einem Druck von etwa 4050 Meter in die Rohrleitungen
bzw. in den Waſſerturm.
Von dem Waſſerturm gehen ſtrahlenförmig die Fernleitungen nach
den einzelnen Orten und leiten dieſen das Waſſer zu.
Der Waſſerturm mit einem Waſſerbehälter von 500 Kubikmeter In=
halt
dient dazu, die Druck= und Verbrauchsſchwankungen auszugleichen.
Er hat eine Höhe von 43 Metern über Gelände, einen äußeren Durch=
meſſer
von rund 15 Metern. Der eigentliche Behälter liegt auf +30
Meter über Gelände und hat eine Waſſerhöhe von max. 5 Meter.
Ueber dem Behälter befindet ſich noch eine Ausſichtsbühne. Die Trag=
konſtruktionen
des Waſſerturms ſind in Eiſenbeton ausgeführt, die Aus=
mauerung
in Bachſteinen.
Bei der Herſtellung des Waſſerturms wurden insgeſamt 65 To.
Eiſen. 6000 Sack Zement und 1000 Kubikmeter Kies und Schotter ver=

wandt. Sämtliche Materialien, mit einem Geſamtgewicht von rund
2000 To., in Eiſenbahnwagen verladen, ergeben eine Zuglänge von rund
2 Kilometer. Die geſamten im Verbandsgebiet verlegten Rohrleitungen
haben eine Länge von rund 80 Kilometer, etwa der Entfernung von
Frankfurt nach Heidelberg entſprechend.
Wie Sie aus meinen Ausführungen entnehmen konnten, wurden
die Hauptarbeiten in verhältnismäßig kurzer Zeit durchgeführt. Dies
war nur dadurch möglich, daß einmal die Mitglieder des Verbands=
ausſchuſſes
jederzeit regen Anteil an den Verhandlungen nahmen und
in großzügiger Weiſe den techniſchen Fragen das nötige Intereſſe und
Verſtändnis entgegen brachten, und zum anderen dadurch, daß ſämtliche
ausführenden Firmen alles daran ſetzten, die ihnen geſtellten Termine
pünktlichſt einzuhalten.
Dies heute an dieſer Stelle ſagen zu können und hierfür ſämtlichen
Beteiligten den perſönlichen Dank der Bauleitung abſtatten zu dürfen,
iſt mir eine ganz beſondere Freude.

Nach dieſen Ausführungen fand
die feierliche Schlüſſelübergabe
an Bürgermeiſter Dr. Lüdecke ſtatt, der mit herzlichen Dankesworten
an alle Stellen, die zu dem Gelingen des Werkes beigetragen hatten,
den Turm öffnete.
Der Vertreter des Miniſteriums für Arbeit und Wirtſchaft, Mini=
ſterialdirektor
Prof. Dr. Rößler, führte dann folgendes aus:
Der Herr Miniſter für Arbeit und Wirtſchaft, der leider zu ſeinem
großen Bedauern verhindert iſt, heute hier zu erſcheinen, hat mich be=
auftragt
, Ihnen für die freundliche Einladung zur feierlichen Ueber=
gabe
der Geſamtanlage des Gruppenwaſſerwerkverbandes Gerauer Land
durch das Heſſiſche Kulturbauamt Darmſtadt an den Gemeindeverband
beſtens zu danken und Ihnen ſeine Glückwünſche zur Vollendung des
Werkes zu überbringen. Pexſönlich danke ich dem Herrn Bürgermeiſter
Lüdecke für die mir gewidmeten Worte der Begrüßung.
In ſchwerer Zeit iſt ein großes Werk entſtanden. Der Mut, mit
dem ſich die dem Waſſerwerksverband angeſchloſſenen Gemeinden an
die Durchführung dieſes großen Werkes heranwagten, iſt zu bewundern.
Energiſch und zielbewußt iſt man, nachdem man einmal den Nutzen
einer derartigen Anlage richtig erkannt hatte, an die Ausführung her=
angetreten
, und in der kurzen Zeit von zwei Jahren wurde ſie zu Ende
geführt. Im Namen der heſſiſchen Regierung habe ich allen Stellen
der Verwaltung, der Bauleitung, allen Meiſtern. Geſellen und Arbei=
tern
, kurz, allen, die mit Kopf und Hand an der Vorbereitung oder
Durchführung des Werkes beteiligt waren, herzlichſt zu danken.
Der ſtattliche Turm, der ein Wahrzeichen der Gegend iſt, der den
Namen unſeres hochverehrten Reichspräſidenten Hindenburg trägt, zu
dem in dieſer ſchweren Zeit das deutſche Volk in ſeiner Mehrzahl mit
Vertrauen emporblickt, macht ſeinem Namen alle Ehre. In der Zeit,
in der er errichtet wurde, haben die Werkleute wohl oft marſchierende
oder ererzierende franzöſiſche Soldaten von der Höhe aus geſehen. Nun
iſt das Land frei von der feindlichen Beſatzung, und möge ein gütiges
Geſchick verhüten, daß dieſer trutzige Turm, der für die Dauer von
Jahrhunderten beſtimmt iſt, noch einmal Zeuge einer feindlichen Be=
ſatzung
werde. Den nachkommenden Geſchlechtern aber wird er beredtes
Zeugnis davon ablegen, daß die Generation, die den Krieg und die
ſchwere Nachkriegszeit mit allen Beſatzungsnöten und ſchwierigen wirt=
ſchaftlichen
Kriſen erlebt hat, doch noch den Mut aufbrachte, an die Aus=
führung
eines derartigen Werkes heranzutreten
Wir aber wollen hoffen und wünſchen, daß die peſſimiſtiſche Welle,
die augenblicklich in unſerem Vaterland in allen Schichten der Bevöl=
kerung
mehr und mehr um ſich greift, bald zum Stillſtand kommt und
zurückebbt, damit es wieder aufwärts geht. Möge der kommende Lenz,
der dieſem Lande wieder Frühlingsſchmuck verleiht, eine entſchiedene
Beſſerung unſerer wirtſchaftlichen Lage bringen und in unſerm Vater=
land
ein einig Volk von Brüdern vorfinden.
Kreisdirektor Dr. Merck=Groß=Gerau wies insbeſondere auf die
große wirtſchaftliche Bedeutung des Gruppenwaſſerwerkes hin. Heute
ſei damit ein Fünftel der Bevölkerung des Gerauer Landes mit Waſſer
verſorgt. Eine Waſſerverſorgung in modernem Sinne ſei notwendig
geweſen und nun dank der Initiative der Stadtverwaltung Groß=Gerau
auch erreicht. Mit Genugtuung könne man auf das Werk zurückblicken.

Mit ihm ſei ein enger Gemeindezuſammenſchluß in dem Kreiſe Grs
Geran erfolgt, der anderen Kreiſen zum Vorbild dienen könne.
Bürgermeiſter Alexander ſprach namens des Landgemeinds=
tages
, der die Arbeiten mit großem Intereſſe verfolgt habe, dem Werm)
ſeine Anerkennung aus. Sein beſonderer Dank galt ſeinem Amtskolle=
gen
, dem Bürgermeiſter von Groß=Gerau. Er ſchloß mit dem Wunſchn
der Turm möge ſpäteren Generationen kundtun von einem kulturelles
Werk in ſchwerer Zeit.
Als Vertreter des Handwerks wünſchte Syndikus Dr. Kollbacy
daß das Werk, das ſich als Wahrzeichen wertſchaffender Arbeit erhecb
und in ſchwerer Zeit erbaut ſei, in dem nunmehr befreiten Deutſchlan
ein gutes Omen bedeuten möge. Man begehe heute einen Tag von kuy
tureller Bedeutung, an dem auch die hohe Leiſtungsfähigkeit des deun
ſchen Handwerks erneut bewieſen worden ſei.
Nach einem herzlichen Schlußwort des Bürgermeiſters von Grolt
Gerau fand eine Beſichtigung des Turmes ſtatt, an die ſich eine BA
ſichtigung der Geſamtanlagen und des Pumpwerkes anſchloß. An dieſ
Beſichtigung nahmen alle Ehrengäſte, u. a. auch der Präſident des Lan=
desarbeitsamtes
, Dr. h. c. Engler, teil. Regierungsbaumeiſter Bruſiy 1i5
erläuterte die innere Anlage des Pumpwerkes, das aus 4 Brunnen xu
je 60 Meter Tiefe in 3 Leitungen das Waſſer zu den Vorpumpen zun
Enteiſung und Filtrierung und von da zum Hochbehälter bringt. 99
Sommertagen werden ca. 2000 Kubikmeter Waſſer in Groß=Gerau ve=
braucht
.
Im Anſchluß an dieſe Beſichtigung nahm bei einem zwangloſer
Zuſammenſein Bürgermeiſter Dr. Lüdecke Gelegenheit, als Voo
ſitzender des Gruppenwaſſerwerksverbandes, allen nochmals ſeinen arn
richtigen Dank auszuſprechen.
Folgendes Telegramm wurde an den Herrn Reichspräſidenten vu=
Hindenburg abgeſandt: Von dem ſoeben ſtattgefundenen Feſtakt anlat
lich der Einweihung des neuen Waſſerturmes, unſeres Hindenbur
Befreiungsturmes, ſenden wir unſerem allverehrten Herr=
Reichspräſidenten ehrfurchtsvolle Grüße und herzlichſten Dank für =
Ueberſendung des Bildes, gez.: Der Gruppenwaſſerwerksverbar=
Gerauer Land.
Kreisdirektor Dr. Merck ſprach ſeine hohe Anerkennung für de
vollendete Werk aus, das vielen Arbeitsloſen Beſchäftigung verſchar
habe.
Dipl.=Ing. Ernſt Nohl von der Firma Nohl, Darmſtadt, ſprou ſteſioß
im Namen der Unternehmer, die das große Werk mit aufführen halfs,
herzliche Glückwünſche aus und dankte allen Helfern und den Auftra
gebern herzlich.
Der Architekt des Hindenburgturmes, Regierungsbaurat :
ther, legte die Gedanken des Architekten dar, der wünſche, daß zu=
Unterſtreichung der prägnanten Größe des Turmes Häuſer, Straßs=
und ein angelegter Platz um den Turm geſchaffen werden mögen, er
Gedankengang, dem von dem Bürgermeiſter und den anweſenden S.
meinderäten lebhaft zugeſtimmt wurde.
Man blieb in geſelligem Kreiſe noch kurze Stunden zuſammen
*
Alle zollten dem vollendeten Werke vollſte Anerkennung.

Deutſcher Ehrenfriedhof de Ruyter in Belgien.
Nahe Roulers, in Flandern, liegt eine Ehrenſtätte mit den Gräben
von 2820 gefallenen deutſchen Soldaten, der Friedhof De Ruyter, .
der Volksbund Deutſche Kriegsgräberfürſorge zu einer würdigen Ehr=
ſtätte
ausgebaut hat.
Der Friedhof liegt zwiſchen Ackerfeldern in baumloſem Gelände
einer von Roulers über den Flecken De Nuyter nach Oſtnieuwkerke u!
Moorslede führenden chauſſierten Straße. Er iſt jetzt an der Straß
L5mit
ſeite mit einer etwa 80 Zentimeter breiten und ebenſo hohen Mauer arl
Granitſteinen, an den anderen drei Seiten mit Maſchendrahtzaun .d 0009eh
einer Hecke eingefriedigt. Etwa in der Mitte der Mauer führt zwiſch
zwei wuchtigen Pfeilern ein eiſernes Eingangstor mit dem Volksbu-
zeichen
in den Friedhof. Innerhalb des Friedhofes zieht ſich rin
herum eine doppelte, gut angewachſene Pappelreihe. Die Wildroſenh.
zwiſchen dieſer Baumreihe und der Umwehrung ſtand ſchon in dieſt
Jahre in voller Blüte. Der Friedhof iſt zum Teil mit Efeu, zum M
mit blumigem Kleeraſen überzogen. Vom Tor führt ein mit Gran/
platten belegter breiter Fußſteig bis zu einem mit Pappeln hainas
geſtalteten Platz. Später ſoll hier das Allgemeindenkmal errichtet mi
den; denn das von der 5. Bayeriſchen Diviſion 1917 aus grünem Eichr
holz errichtete Hochkreuz iſt ſchon ſehr verwittert. Als Grabzeichen
die amtliche deutſche Kriegsgräberfürſorge gedrungene niedrige Kre
aus feſtem Kiefernholz, ſogenannte Stummelkreuze, geſetzt. Für 5N
7650 Quadratmeter großen Friedhof hat der Volksbund bisher ru
12000 RM. aufgewendet.
Dieſes iſt nur ein Beiſpiel aus der Tätigkeit des Volksbuns
Noch zahlloſe Kriegsgräberſtätten harren der würdigen Ausgeſtaltund
Es ſollten ſich daher immer weitere Kreiſe an dieſer Arbeit, die
genze deutſche Volk angeht, beteiligen. Die Möglichkeit hierzu iſt gegell
für Einzelperſonen durch Erwerbung der Mitgliedſchaft für Firm
durch Uebernahme von Patronaten und für Vereine, Körperſchaft.,
Schulen und vor allem auch die Länder, Provinzen und Städte du
Uebernahme eines Patenfriedhofes.

Wekterbericht.
Die Warmluft, die langſam von Weſten her vorgedrungen iſt,
ſich erneut durch ſtarke Nebel= und Dunſtbildung bemerkbar gema
Dadurch wurde die nächtliche Ausſtrahlung behindert und die Minim
temperaturen lagen in der letzten Nacht nicht mehr ſo tief wie vorl)
Auch hat das Hochdruckgebiet dabei an Stärke etwas verloren. Drt
die an der Südſeite des ausgeprägten Nordmeertiefs vordringenu4
ozeaniſchen Luftmaſſen wird ſich das Wetter dieſig und wolkig geſtal
wobei das Auftreten leichten Nebelregens nicht ausgeſchloſſen iſt.
Ausſichten für Sonntag, den 19. Oktober: Nebliges und wolkiges 2
ter, Temperaturen zwiſchen Tag und Nacht ſich noch mehr ausc.
chend, vorübergehend auch Niederſchlagsneigung.
Ausſichten für Montaa, den 20. Oktober: Fortdauer des vielfach dieſi)
Wetters.

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[ ][  ][ ]

zunmer 28

Sonntag, den 19. Oktober 1930

Seite. 9

LIIHHH

ge und Hannelore Ritſert
ſſen ein Schweſtierchen bekommen.

Dr. Walter Ritſert und Frau.
züheilgen, den 18. Oktober 1930.

Ihre Verlobung zeigen an
Marianne Zeh
Karl Dörr

Ainſraße 16

Darmſiadt, Oktober 1930.
Roßdörferſtraße 64

Stat Korten.

Dre Vermählung beehren ſich anzuzeigen

Karl Zimmer
Gretel Zimmer, geb. Born

A0emſtadt

Fränk. Crumbach

ſichliche Trauung: Sonntag, den 19. Oktober 1930 zu
Fränf.=Crumbach.

Leſbetrübt die traurige Nächricht, daß am Mittwoch
ſchmittag 6½ Uhr mein lieber, guter Mann, unſer

nu orgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder,
Ehwager und Onkel
Herr Michael Steinmann
Lehrer i. R.
unz unerwartet nach kurzem Leiden im 70. Lebensjahre
uſchieden iſt.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Marie Steinmann Wwe., geb. Müller.

Für die anläßlich unſerer Vermählung
rwieſenen Aufmerkſamkeiten danken
herzlichſt
Billi Schäfer und Frau.

Arbeilgen, den 19. Oktober 1930.

Für die uns anläßlich unſerer
Silbernen Hochzeit erwiejenen Auf
merkſamkeiten danken herzlichſt

Hermann Koch und Frau
Mollerſtr. 44.

Für die mir anläßlich meines

2jähr. Geschäftsfabiläums

in so überaus reichem Maße
erwiesenenAufmerksamkeiten
sage auf diesem Wege herz-
lichen
Dank
Lina Hardt-

Rheinstr. 14.

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Mu wir unſeren herzlichſten Dank.
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[ ][  ][ ]

mer 289

Sonntag, den 19. Qtober 1930

Seite 11

hie sorraiste
Mislienar.
Roman von Hearnden Balfour.
Nachdruck verboten.
,5 ſagt, daß der bloße Gedanke, hier zu leben, ſie krank
nacht./ ind ich verdenks ihr nicht.
96e, aber das Gefühl wird ſich mit der Zeit geben. Ver=
heiſe
auein paar Jahre mit ihr, Jim! Dann wird’s ſchon gehen.
Nich jmde es glatt verdreht machen, ein Gut wie dieſes zu be=
itzen
, ger Junge. Ich paß hier nicht her und weiß nicht mit
ieſten AAſchen umzugehen. Aber Judy und du! Ihr ſeid hier
eborem Es liegt auf der Hand, daß ihr hier leben müßt.
Tinſchwieg.
Südoch vernünftig, Jim! fuhr Bill fort. Es wird ſchon
eben, enn du Judy nur Zeit läßt. Weißt du was? Nimm
zeine 19cht ſie wartet noch immer in Briſtol auf mich und
ihr’; ſich jetzt mit ihr nach dem Mittelländiſchen Meer oder
Sgendtuh’n. Soll ich hingehen und Judy fragen, was ſie dazu
ſeint?
Awäre vielleicht ganz gut. murmelte Jim. Jedenfalls
uird fſich freuen, dich zu ſehen.
Fſſe) dann alſo los! Sie kehrten zuſamen ins Haus
grück hud betraten es durchs Studierzimmer.
WFat hier auf mich, ſagte Bill, und Jim zog einen Seſſel
Fſius heran und ließ ſich nieder. Eigentlich mußte er Bill
cht guebn. Judys heiße Heimatsliebe würde ihr Grauen mit
r Zextiberwinden und dann
Diſe kür ging auf. Hallo, Jack, ſchon auf?
Muf Lieber Junge, ſchon ſeit halb fünf!
Heuerott! Warum denn?
Agte mich nochmals in Bills Gefängnis umſehen. Hallo,
olly,, men Sie rein!
ehNorgen, alle beide. Was reden Sie von Gefängnis,

Ich erzählte eben, daß ich dort unten war und mir den
Stahlſchrank angeſehen Labe. Sogar aufgekriegt hab’ ich ihn
und allerlei Intereſſantes gefunden: Briefe, Aktien und Papiere,
die Verbrechen aufklären, über die ich mir ſeit Jahren den Kopf
zerbrochen habe. Beſinnſt du dich noch auf den Einbruch bei
Harpingtons, Jim? Na, all die Juwelen fand ich dort vor.
Wirklich? Weshalb hat er die denn nicht längſt verkauft?
fragte Molly.
Man braucht Zeit, um ſolche geſtohlene Sachen loszu=
werden
, und er hatte wohl keine Zeit, ſie mitgehen zu heißen
wollte vielleicht eines Tages wiederkommen und ſie holen. An
die Möglichkeit, daß Sie oder Bill in der Lage ſein würden, ihn
zu verraten, dachte er natürlich nicht.
Oder auch Jill? Jack, es war fürchterlich tapfer von Jill,
das zu wagen! Wie geht es ihr?
Sehr gut. Sie iſt bei Judy. Ich war auch da, aber als
Bill erſchien, hielt ich’s für beſſer, mich zu drücken.
Sehr geſcheit von dir. Er will mit ihr über Coombe reden.
Na, mich geht das nichts an. Wo iſt denn Binks?
In der Bibliothek. Arbeitet ſeinen kataſtrophalen Fiſch=
zug
aus.
Jim fuhr empor. Donnerwetter! Daß Bill Fairleigh iſt,
darf er nicht verraten, ſonſt ſchlägt Bill ihn tot!
Beruhige dich. Davon hat er keine Ahnung.
Jim ſank aufſeufzend in ſeinen Seſſel zurück.
Aber er legt ſich mächtig in Zeug lachte Molly Polizei=
zeibarkaſſe
unſeres Vertreters und all ſo etwas.
Forſcher Kerl, das muß man ihm laſſen, bemerkte Jim.
Wer? fragte Bill, der eben herein kam.
Binks, erwiderte Jim. Na, iſt es geglückt?
Alles iſt herrlich auf Erden, ſagte Bill. Judy iſt ein
wahrer Engel und ihre Tante wird hier in Coombe bis auf
weiteres die Regierung übernehmen. Judy telephonierte ſie an,
und
Ein betäubendes, donnerndes Getöſe unterbrach ihn und
erſchütterte das Schloß bis in ſeine Grundfeſten. Alle ſprangen
auf.
Was in aller Welt begann Jack. Aber Molly packte
ihn am Arm und deutete mit zitterndem Finger auf die gegen=
überliegende
Wand. Sie ſtanden wie erſtarrt. Die geheime Tür
öffnete ſich langſam.

Bills Hand fuhr in ſeine Taſche, kam jedoch leer wieder
heraus. Alle hielten den Atem an. Ganz langſam ſchwangen
die Bücherregale beiſeite, und Jonas Hünengeſtalt erſchien. Er
trat ins Zimmer, ſchob die Tür wieder zu und blieb horchend
ſtehen.
Was zum Donnerwetter machſt du denn? fragte Bill.
Jonas legte einen Finger auf die Lippen. Hab’ nen
Deubel gefunden! flüſterte er heiſer,
Es klang wie die ganze Hölle, ſagte Bill. Komm von
der Tür weg, du verdeubelter alter Dummkopf! Was zum
Kuckuck haſt du angefangen?
Ging den Gang runter nur um zu ſehen, Maſir Bill.
Fand ine kleine Tür und guckte rein. Da war ne Maſchine
drin mit Griffen, ganz wie ne Bierpumpe. Ich zog an einem,
und da war der Deubel los.
Er hat die ganze Landſpitze in die Luft geſprengt, ſagte
Jack.
Jill wird ſich über den Lärm wundern. Ich muß ihr er=
D
klären
Einen Augenblick ſtarrten alle ihm wortlos nach.
Dann iſt die Burg alſo noch eine bloße Erinnerung, ſagte
Bill ſchließlich. Gott ſei Dank!
Jim nickte ſtumm.
Jetzt kam jemand durch den Flur gelaufen und Binks ftürzte
herein.
Großer Gott, Jungens, die ganze Burg iſt in Rauch auf=
gegangen
! ſchrie er.
Ja, ich hab’s auch gehört, fagte Bill ruhig.
Gehört?, Herrgott, ich ſah es. Wie in aller Welt
Der hat’s getan ganz allein hat er’s geſchafft Bill
deutete auf Jonas. Er iſt da unten herumgebummelt, bis er
etwas fand, was er für einen Bierſchrank=Apparat hielt, und
da er von Natur Optimiſt iſt, zog er an dem Griff. Drei Vivats
und ein Gebrüll auf Jonas: Wohl!
Binks machte ein ernſtes Geſicht. Sie ſcheinen die Größe
dieſes Unglücks nicht zu ermeſſen, ſagte er in nachdrücklichem
Ton. Eine Berührung dieſer Vandalenhand hat die Burg
vernichtet. Die Romantik iſt dahin!
Ueber Bills Geſicht huſchte ein Lächeln.
Iſt das ſo? fragte er gedehnt.
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Darmſtadt, den 18. Okt. 1930.
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[ ][  ][ ]

Sonntag, den 19. Oktober 1930

Te0=Jahr=3
Stadt
land).

Seite 18

Wird es bei uns auch einmal ſo werden?

Das alte Rathaus (15. Jahrhundert).
Itober feiert die rheiniſche Stadt Kalkar ihr 700jähriges Beſtehen der Stadt. Kalkar
230 die Stadtrechte, verlor ſie aber ſpäter wieder und w
e nun anläßlich des Jubi=
läums
zurückerhalten.

New Yorks Verkehr um die Mittagszeit.
155 Autos, 5 Verkehrspoliziſten an einer einzigen Straßenecke, das iſt der Verkehr im Zentrum
New Yorks um die Mittagszeit. Dieſe Augenblicksaufnahme aus dem Fenſter eines Wolkenkratzers
zeigt vielleicht gleichzeitig das Zukunftsbild, unſerer deutſchen Großſtädte.

swarzfahrt in einer Verſandkiſte.
umkfurt a. M. In der Mannheimer
terlngle fanden dieſer Tage Bahnangeſtellte
ge gude Verſandkiſte, die die Aufſchrift trug:
Jorſiſſcht nicht ſtürzen! Pflanzen!, geöffnet vor.
bülie fiſteſtellt werden konnte, diente die große
iſte ee Menſchen zum Aufenthalt. Die
Pflamz/=Sendung wurde in Frankfurt a. M.
ſa fgeghn. Es handelt ſich ohne Zweifel um
ten Fienbahnräuber, der aber vermutlich bei
üſiner AAbeit geſtört worden iſt und dann das
eite gucht hat. Bisher konnte der Ausreißer
cht geſßzt werden.
Miſllinen Mark Verluſt bei der Heidelberger
Wohnungsbaugeſellſchaft.

ohelberg. Geſtern vormittag fand im
äuyedes Amtsgerichts die erſte Gläubiger=
imnung
der Wohnungsbau=Geſellſchaft m.
ſta. Der Konkursverwalter, Rechtsanwalt
Rauſär, u.ß zu Beginn auf die Undurchſichtigkeit
m.d Wrhleierung der Buchführung hin. Bis=
erwinrt
ein buchmäßiger Verluſt von 1 181000
MM. f ſteſtellt. Da aber faſt ſämtliche Aktiven
n ungähr 1½ Mill. RM. ausfallen werden,
uard ſſqder Geſamtverluſt der Wohnungsbau=
uns
m. bH. auf mindeſtens 2,6 Mill. RM. be=
mſtl
ufen Von den Aktiven dürften höchſtens
MM 000 0MM. hereinkommen. Der Verluſt der
peyenelSchweſternkongregation beläuft ſich auf
2 Mſ0RM., die doppelt zu zahlenden Hand=
erkernc
lden auf 800 000 RM., zuſammen alſo
Milſl 7M. Die Gläubigerverſammlung hat
ſchlogie, den bis Ende 1928 tätigen Aufſichts=
thcänlichtig
zu machen, weil ſchon damals
ne Uvrbilanz von 150 000 RM. beſtanden
bes2% Einzelheiten wird bekannt, daß einer
Hllänm iſen Schwindelfirma allein 654 000 RM.
verwgeſn wurden, die reſtlos verloren ſind.
GeFursheim kann ſeinen Bürgermeiſter
nicht mehr bezahlen.

Güiersheim. Unter den pfälziſchen
tädtem und Gemeinden hat wohl keine ſo

wer juter den Kriegs= und Nachkriegsfolgen
leidie wie die ehemalige Garniſonſtadt Ger=
ſershei
! Die troſtloſe Finanzlage der Stadt
gehe zeichnet durch ein Defizit von 88000
(ark. Yürgermeiſter Schmidt hat daher an den
tadtr.udas Erſuchen gerichtet, ſeine Stellung
1S Bekusbürgermeiſter nach Ablauf ſeines der=
itigem
Dienſtvertrages zum 1. Februar 1931
Däubc ya. Es darf damit gerechnet werden, daß
ſe Biclhermeiſterſtelle künftig nur noch ehren=
mtlich
bſetzt wird.

2MBruchhäuſer Mühle abgebrannt.

Olſeenhof. Die im Gelbbachtal gelegene
ſruchheder Mühle, die vor einiger Zeit wegen
Ft bchſanten Schwarzbrennerei=Angelegenheit
n Mſitlpunkt des Intereſſes ſtand, iſt in der
ſacht zn Freitag mit ſämtlichen Nebengebäu=
en
nnſrgebrannt. Das Feuer entſtand aus
S jetz= och nicht geklärter Urſache gegen 11 Uhr
7 Dcmtock des Wohnhauſes und verbreitete
ch ſchrne über die benachbarte, reich mit Vor=
aten
füllte Scheune und die Stallgebäude.
Nangel einer telephoniſchen Nachtverbindung
Dar da /verbeirufung der nächſten Feuerwehren
eit giiſn Zeitverluſten verbunden. Das Vieh
onntel lücklicherweiſe gerettet werden. Der
chadeniſt ziemlich hoch, da faſt der geſamte
nterſiag ein Raub der Flammen wurde.
Hiu Funkkonzert vom Tode ereilt.
Bkeiin. Während des geſtrigen Nachtkon=
erts
/ Berliner Funkſtunde, das von der
kapellg G nödshofer ausgeführt wurde, ereig=
ſiete
ſügn bedauerlicher Vorfall. Der Diri=
ſent
iuss Einödshofer, der gerade zum Be=
ginn
eſes neuen Muſikſtücks das Podium be=
Reigerrſollte, brach plötzlich bewußtlos zuſam=
en
. ſſeger und Muſiker brachten ihn ſofort
In einlcNebenraum, wo jedoch von dem herbei=
gerufdku
Arzt nur noch der Tod infolge Herö=
ſchlagys
’ſtseſtellt werden konnte. Das Konzert
wurdeefort abgebrochen. Einödshofer, der im
nahre ſtand, hatn mit ſeiner Kapelle
ſchon Iᛋufteren im Rundfunk gaſtiert und er=
reute
h dank ſeiner geſtrafften rhythmiſchen
ſnter iikionen der größten Beliebthei.

Hannover. Auf der unvollendeten Bahn=
ſtrecke
Hannover=Celle, die ſchon wiederholt zu
Verſuchszwecken für Schellverkehrsmittel gedient
hat und auf der ſeinerzeit auch Fritz v. Opels
Raketenwagen ſtartete, wurde am Samstag vor=
mittag
ein neuer Propeller=Triebwagen vorge=
führt
. Sein Erfinder und Erbauer iſt Franz
Kruckenberg, der Geſchäftsführer der Geſell=
ſchaft
für Verkehrstechnik und der mit ihr ver=
bundenen
Flugbahngeſellſchaft, deren Hauptziel
die Schaffung eines ſehr ſchnellen Landverkehrs=
mittels
für die öffentliche Perſonen= und Poſt=
beförderung
über größere Entfernungen iſt. Als
Mittel hierzu kommen zur Anwendung: An den
Fahrzeugen Stromlinienformgebung und leicht
auf alle Teile, auch des Antriebs bei den Glei=
ſen
zu übertragende vollkommene Kontinuierlich=
keit
und Glätte, und bei den Betriebseinrich=
tungen
die Ermöglichung leichter Transport=
folge
. Der Propellerwagen, mit deſſen Herſtel=
lung
ein weſentlicher Schritt auf dieſem Wege
getan iſt, bewährte ſich bei der Probefahrt in
hervorragendſtem Maße. Nachdem mit ihm bei
früheren Verſuchen bereits eine Geſchwindigkeit
von 182 Kilometern in der Stunde erzielt wurde,
beließ man es heute unter Teilnahme von zwölf
Perſonen, die in dem bequem eingerichteten
Wagen Platz nahmen, bei einer Schnelligkeit
von 150 Kilometern. Der Wagen gewährt das
Bild der oberen Hälfte eines Luftſchiffes. Er
ſtellt äußerlich einen glatten und ſtromlinienför=
migen
Körper dar, der ſich ſo weit wie irgend
möglich auf die Schienen duckt. Die Räderwerke
dringen tief in den Wagenkaſten ein. Hinten
befinden ſich in dem Raum über dem Laufwerk
der Hauptantriebsmotor, der den hintenſitzenden
Propeller antreibt. In dem Raum unter der
Schraubenwelle iſt die aus einem Ventilator und
einem Kühler beſtehende Motorkühlung unter=
gebracht
. Die Achſen es iſt nur eine Vorder=
und eine Hinterachſe vorhanden ſind mit dem

ees neien Propener

etwa 24 Meter langen Wagenkörper ſo nachgie=
big
verbunden, daß bei ſchneller Fahrt auf ge=
rader
Strecke und in großen Strecken ein denk=
bar
ruhiger Lauf erzielt wird, der z. B. bequem
zu ſchreiben ermöglicht. Der Nutzraum iſt 16
Meter lang und beſteht von vorn nach hinten
aus dem Gepäckraum, einem Nichtraucher= Fahr=
gaſtraum
mit 12 Seſſeln, dem Eingangsraum
mit Anrichte, einem Raucherfahrgaſtraum mit
12 Seſſeln und dem Toilettenraum. In Wagen=
längsrichtung
ſtehen jeder Perſon 1,05 Meter zur
Verfügung. Beiderſeits laufen ſproſſenloſe Dop=
peltreppen
durch. Der Wagenkörper hat ein
Biegeſkelett, das ein in ſich geſchloſſenes räum=
liches
Fachwerk darſtellt. In der Hauptſache iſt
Stahl verwendet, vornehmlich in Rohrform. Der
Wagen ſoll die Grundlage bilden für die kon=
ſtruktive
Entwicklung von Schnelltriebwagen, die
im heutigen Eiſenbahnbetrieb Verwendung fin=
den
und von Fahrzeugen für Schnellbahnen, die
bereits von der Geſellſchaft für Verkehrstechnik
verwendet wurden.
Nachdem die Gäſte den Wagen beſtiegen hat=
ten
und noch kleine Verrichtungen am Motor
vorgenommen worden waren, ſetzte er ſich glatt
in Bewegung bei einer Anfangsbeſchleunigung
von 0,63 Metern in der Sekunde. Nach 66 Sek.
und Zurücklegung von 985 Metern war bereits
eine Geſchwindigkeit von 100 Kilometer erreicht,
die ſich nach wenigen Stunden auf 150 Kilometer
ſteigerte. Man hatte den Eindruck eines außer=
ordentlich
gut und ſicher funktionierenden Ver=
kehrsmittels
, deſſen Weiterentwicklung man zwei=
fellos
mit großen Erwartungen entgegenſehen
darf. Das Gewicht des leeren Wagens beträgt
18 580 Kilogramm. Erbaut wurde dieſer erſte
Probewagen in der eigenenen Werkſtätte der
Geſellſchaft für Verkehrstechnik, die in den Werk=
ſtätten
der Reichsbahn in Hannover eingerichtet
wurde.

Anfang November Amerika=Flug des Do. K‟.
Berlin. Nachdem das Flugboot Do. K‟
Probe= und Abnahmeflüge durchgeführt hat, iſt
nach einer Meldung Berliner Blätter der
Aufſtieg des Flugbootes zu der geplanten Ueber=
querung
des Atlantik für den 3. November an=
geſetzt
worden. Wie bei den Amerikafahrten des
Graf, Zeppelin werden auch im Do. K‟
Briefe und Poſtkarten befördert werden. Der
Ozeanflug des Do. K ſoll in Liſſabon be=
ginnen
.
Ein Laſtkraftwagen von der Brücke abgeſtürzt.
Hagen. Auf der Ruhrbrücke, im benach=
barten
Herdecke, ereignete ſich am Freitag ein
ſchweres Kraftwagenunglück. Ein mit Möbeln
beladener Laſtkraftwagen durchbrach das Brücken=
geländer
und ſtürzte acht Meter in die Tiefe, wo
er hart am Uferrand liegen blieb. Drei Per=
ſonen
wurden unter dem Wagen begraben und
ſchwer verletzt. Eine Perſon kam mit leichten
Verletzungen davon. Erſt nach mühſamen Ber=
gungsarbeiten
konnten die Schwerverletzten ins
Krankenhaus geſchafft werden.
Exploſion in einem Warenhaus von Los Angeles.
New York. Eine ſchwere Exploſion ereig=
nete
ſich in einem der größten Warenhäuſer von
Los Angeles. Ein großer Teil des Gebäudes
wurde zerſtört. Vierzig Perſonen erlitten zum
Teil ſchwere Verletzungen. Nach der Exploſion
brach ein Brand aus, der jedoch bald gelöſcht
werden konnte. Die Exploſion, die um 6 Uhr
abends, als der größte Andrang herrſchte, er=
folgte
, wurde durch einen Angeſtellten des Hau=
ſes
verurſacht, der eine Zigarette in der Nähe
eines Gasrohres anzündete, aus dem infolge
Bruches Gas ausſtrömte. Der Sachſchaden be=
läuft
ſich auf über eine Million Dollar. Bisher
ſind 50 Verletzte feſtgeſtellt worden. Die Polizei
vermutete einen Anſchlag, da ſich in dieſem Ge=
bäude
auch das Büro des Arbeitgeberverbandes
befand. Die Feuerwehrleute führen die Exploſion
aber auf undichte Gasleitungen zurück.

Heftiges Erdbeben in Chile.
Santiagode Chile. Ein heftiges Erd=
beben
, deſſen Stöße mehrere Minuten dauerten,
hat vorgeſtern früh beträchtlichen Schaden an=
gerichtet
. Die Einwohner der Hauptſtadt wurden
von einer Panik ergriffen und flüchteten aus den
Häuſern in die öffentlichen Parks. Auch die Be=
völkerung
im Innern Chiles wurde von LaSerena
bis nach Valdivia in große Aufregung verſetzt.
Eine Perſon wurde getötet und 16 verletzt. Viele
Gebäude wurden beſchädigt. Die Mauern weiſen
Riſſe auf.
Drei Tote, 200 Verletzte.
Nach den letzten Meldungen hat das Erd=
beben
an der chileniſchen Küſte größeren Scha=
den
angerichtet, als zuerſt angenommen wurde.
Am ſchwerſten wurde die Ortſchaft Laillai heim=
geſucht
, in der kaum ein Haus verſchont blieb.
Das Poſtamt wurde völlig zerſtört. Die Haupt=
ſtraße
des Ortes iſt durch Trümmer völlig ver=
ſperrt
. In Callao ſtürzten mehrere Häuſer ein.
Die Bahnlinie Santiago-Valparaiſo iſt unter=
brochen
. Ueber das Ausmaß der Naturkata=
ſtrophe
in den Landesteilen ſüdlich Concepcion
liegen Einzelheiten noch nicht vor. Die Zahl der
Opfer wird bisher mit 3 Toten und 200 Verletz=
ten
angegeben.
Weitere Entzifferung von Andrées zweitem
Tagebuch.
Stockholm. Der mit der Bearbeitung
von Andrées zweitem Tagebuch betraute Profeſ=
ſor
Spedberg teilte dem Redaktionsausſchuß des
Großen Andréebuches mit, daß es ihm gelungen
ſei, durch ultraviolette Strahlen den größten Teil
der bisher unlesbaren Schrift zu photographieren
und zu entziffern. Ein Drittel der Schrift ſei
dadurch lesbar geworden. Der Redaktionsaus=
ſchuß
teilt hierzu mit, daß dieſe Aufzeichnungen
die erſten Tage auf der Weißen Inſel und die
Vorbereitungen zum Winterlager behandelten.
Das Komitee betrachtet die Aufzeichnungen als
ſehr wertvoll.

Die England-Auſtralien=Flieger kurz
vor dem Ziel vom Pech verfolgk.
London. Der auſtraliſche Pilot Leutnant
Hill iſt auf dem letzten Teil ſeines England
Auſtralien=Fluges vom Unglück verfolgt. Er
hatte auf der Inſel Timor in der Nähe der
Stadt Atambua eine Notlandung vornehmen
müſſen, und als er weiterfliegen wollte, über=
ſchlug
ſich ſeine Maſchine und wurde beſchädigt.
Hill ſelbſt kam unverletzt davon. Der Pilot
hofft, in wenigen Stunden die notwendigen
Reparaturen an ſeinem Flugzeug durchzuführen
und heute noch nach Port Darwin, dem Ziel
ſeines Fluges, aufſteigen zu können.
Der andere England Auſtralien=Flieger
Kingsford Smith hat auf der letzten Etappe ſei=
nes
Fluges ebenfalls mit Schwierigkeiten zu
kämpfen. Er hatte die Stadt Surabaja geſtern
früh verlaſſen und beabſichtigte, einen Non=
Stop=Flug nach Port Darwin durchzuführen.
Nachdem er bereits Atambua auf Timor über=
flogen
hatte, kehrte er plötzlich dorthin zurück
und landete auf dem Flugplatz. Wie es heißt,
ſollen ſtarke Gegenwinde den Piloten zur Lan=
dung
veranlaßt haben.
Der mehrmals vom Unglück verfolgte Eng=
land
Auſtralien=Flieger Mathews hat geſtern
nach 33tägigem Flug ſein Ziel Port Darwin er=
reicht
. Da er den von Bert Hinkler gehaltenen
Rekord auf dem Hinflug nach Auſtralien nicht
brechen konnte, beabſichtigt er ihn auf dem Rück=
flug
nach England, den er Montag antritt, an=
zugreifen
.
Schwere Unfälle in engliſchen Bergwerken.
London. Bei der Anlage eines Schachts
in einem Bergwerk in Sheffield ſtürzten infolge
Zuſammenbruchs eines Gerüſtes zahlreiche Ar=
beiter
14 Meter in die Tiefe. Ein Mann wurde
getötet, ſechs ſchwer, die übrigen leicht verletzt.
In einem Bergwerk in Schottland wurden zwei
Arbeiter beim Einſturz eines Daches ſchwer ver=
letzt
.
Eine Junkers=Luftverkehrslinie in Südweſt=
Afrika.
Windhuk. Die Verwaltung von Südweſt=
afrika
hat den Vorſchlag der Firma Junkers in
Johannesburg für Einrichtung einer Luftver=
kehrslinie
für einen kombinierten Poſt=, Paſſa=
gier
= und Frachtdienſt zwiſchen Windhuk und
Kimberley angenommen. Die Flugverkehrslinie
ſoll am 1. April 1931 eröffnet werden. Die
Firma Junkers verpflichtet ſich, ſofort eine neue
Geſellſchaft zu bilden, die den Namen Südweſt=
afrikaniſche
Luftverkehrsgeſellſchaft führen und
für die Dauer von fünf Jahren eine jährliche
Subvention von 7000 Pfund Sterling erhalten
wird.
Hohe Auszeichnung eines deutſchen
Chemikers.

Prof. Dr. Carl Neuberg,
der Direktor des Kaiſer=Wilhelm=Inſtituts für
Biochemie in Berliu=Dahlem, erhielt für ſeine
Verdienſte um die Erforſchung der Gärungs=
erſcher
ungen die große goldene Delbrück=
Wedaille verlieben.

[ ][  ][ ]

Seite 14

Sonntag, den 19. Oktoher 1930

Nummer 289

Abſeits oder nicht abſeits?

Sporkkalender.

Sonntag, den 19. Oktober 1930.

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags. Dieck u. Co.,
Stuttgart, entnehmen wir der Neuausgabe (21. Auflage) des
Schiedsrichter von S. Roſenberg und A. Hofſchneider (4 RM.
durch die Buchhandlung) den Abſchnitt Ein Spieler rettet ſich
vor dem Abſeits in den Nebenraum, weil wir annehmen, daß
gerade die Erläuterung dieſes Falles herausgegriffen aus dem
reichen Material das Intereſſe unſerer Leſer finden wird. Der
Schiedsrichter bringt den neuen Original=Regeltext, die Aus=
führungsbeſtimmungen
und =anleitungen, dazu wertvolle Erläute=
rungen
zweier Fachleute, deren Meinung für Tauſende maß=
gebend
iſt. Viele Bilder, beſonders zu den Kapiteln Erlaubtes
und Unerlaubtes und Abſeits) unterſtützen den Text.
Stürmer 4 hat den Ball, kann aber nicht ſchießen, weil Verteidi=
ger
D ihn daran hindert. B ebenfalls ein Stürmer läuft
mit, um mit 4 zu kombinieren. Torwart C ſteht einige Meter vor
ſeiner Torlinie

Stürmer 4 macht ſich von D frei. Das ſieht Torwart C und wirft
ſich ihm in den Weg. Da 4 ſehr geſchickt iſt, kann er es verhin=
dern
, daß C den Ball bekommt. Er tut das, indem er den Ball

an D vorbei nach rechts ſchiebt, in der Erwartung, daß B ihn be=
kommen
und ſchießen wird. Um nun nicht abſeits zu werden
denn wenn B den Ball übernimmt, ohne daß ſich an der Stellung
der anderen Spieler etwas geändert hat, iſt A näher der Tor=
linie
zu, hat nur mehr einen Gegner vor ſich, und der eigene
Mitſpieler ſpielt den Ball, außerdem ſtört er auch den Gegner, in
dieſem Falle den Torwart; alle Vorausſetzungen für Abſeits ſind
alſo gegeben , ſpringt er über den auf dem Boden liegenden
Torwart C und läuft ins Tor.

A hat ſich in den Netzraum geflüchtet und ſtellt ſich ganz hinten
auf, indem er die Hände hoch an das Netz legt, dem Spielfelde
den Rücken zukehrt. Seine Taktik hat Erfolg gehabt: B bekommt
den Ball und ſchießt ohne jede Behinderung ein. Das iſt Tor
4 durfte das Spielfeld verlaſſen, ſie alſo auch in den Netz=
raum
ſtellen, um ſich der drohenden Abſeitsſtellung zu entziehen.
Er verhält ſich dort vollkommen ruhig und ſtört keinen Gegner.
Hier abzupfeifen und das Tor nicht gelten zu laſſen, ware ein gro=
ßer
Fehler!
II.

Die gleiche Vorausſetzung wie bei I:
Stürmfer 4 hat den Ball, kann aber nicht ſchießen, weil Verteidi=
ger
D ihn daran hindert, B ebenfalls ein Stürmer läuft mit,
um mit 4 zu kombinieren. Torwart C ſteht einige Meter vor ſei=
ner
Torlinie.

Boxen

Handball.
11 Uhr: Stadion: SV. 98 (Ligaerſatz) Sportabteilung Merck.
15 Uhr: Stadion: Süddeutſche Elf Bezirks=Elf.
Fußball.

11 Uhr: Exerzierplatz: Eintracht Rot=Weiß Darmſtadt.
15 Uhr: Dornheimer Weg: Reichsbahn Chattia Wolfskehlen.
15 Uhr: Rennbahn: Union Polizei Darmſtadt.
15 Uhr: Mühlchen: Arheilgen 04 Viktoria Walldorf.

Turnen.
15 Uhr: Mathildenhöhſaal: Vom Mädchen zur Frau. Tgſ. 18721
Kraftſport.

A macht ſich wieder vom Verteidiger frei. Jetzt aber wirft
Torwart ihm nicht entgegen, ſondern verſucht, A den Ball
rechter Stellung zu nehmen. Das gelingt ihm aber nicht:
zwar nicht ſchießen, kann aber den Ball an B zurückgeben.

ſich der
n auf=
A kann

O)

Jetzt iſts aber höchſte Zeit. Am Torwächter vorbei läuft er in den
Netzraum als letzte Rettung vor dem unbedingt kommenden Ab=
ſeitspfiff
, wenn er nicht ſchon über der Torlinie iſt, noch ehe B
den Ball übernimmt. Es gelingt: B ſchießt ins Tor, vergeblich
wirft ſich der Torwart nach dem Ball. Das iſt Tor!
Hier kann keine andere Entſcheidung getroffen werden als
Tor!
III.

Wieder müſſen wir uns das Bild I, 1 vor Augen halten.
A will ſchießen, wird aber von D daran gehindert. Er macht ſich
von D frei, da wirft ſich ihm im letzten Augenblick Torwart C
in den Weg (Bild I 2). 4 ſchiebt den Ball nach rechts zu B ſpringt
über den auf dem Boden liegenden Tortwart und ſtellt ſich in den
Netzraum, indem er ſich ganz hinten am Netz aufſtellt.

(A.

B hat endlich den Ball. Er ſchießt aber nicht ſofort, ſondern drib=
belt
erſt noch ein wenig, ſo daß D Zeit findet, ihn anzugreifen. Da

wird 4 hinten am Netz nervös und ruft ſeinem Kameraden B zu:
So ſchieß doch endlich einmal!

B befolgt dieſe Aufforderung, ſchießt und befördert den Ball ins
Tor. Dieſes Tor iſt ungültig!
A muß ſich in ſeiner Stellung im Netzraum unbedingt ruhig

verhalten und darf in keiner Weiſe ins Spiel eingreifen, ſolange
ein Spieler ſeiner Partei den Ball ſpielt, bzw. wenn ein Spieler
ſeiner Partei den Ball zuletzt geſpielt hat. Tut er das nicht, ver=
ſucht
er, irgendwie ſich am Spiel zu beteiligen ſei es durch
eigenes Handeln oder durch Zurufe , muß der Schiedsrichter
eine Störung annehmen und das Verhalten des 4 durch einen
Freiſtoß ahnden.

Fußball.
Fr. Tade. Darmſtadt.
In Fortführung der Serienſpiele begibt ſich Darmſtadts erſte und
zweite Mannſchaft nach Traiſa, um im friedlichen Kampf das fällige
Rückſpiel zu abſolvieren. Spielbeginn der erſten Mannſchaft 10,30, der
zweiten um 9 Uhr.
Alle Fußballintereſſenten werden gebeten, die Mannſchaften auf
ihrem Gang zu begleiten. Treffpunkt und Abfahrt der Radfahrer am
Tierbrunnen um 9.30 Uhr.
Handball.
Sportabt. Merck, Darmſtadt.
Der heutige Sonntag führt beide Handballmannſchaften der
Sportabt. Merck auf das Stadion am Böllenfalltor, und zwar treten
ſie beide um 11 Uhr an. Es ſpielen die erſte Elf gegen die Junioren=
mannſchaft
des Sp.V. 98 und die zweite Garnitur gegen die Liga= Erſatz=
mannen
der 98er. Beide Mannſchaften werden der beſſeren Technik und
großen Routine der Lilienträger ungebeuren Eifer entgegenſetzen
müfſſen, um einigermaßen beſtehen zu können.

Tennis.

Borotra ſchlägt Auſtin.
Londoner Hallen=Tennismeiſterſchaften beendet.

Im Queens=Club zu London wurden am Samstag die Hallen=
Tennismeiſterſchaften von London abgeſchloſſen. Im Finale des Herren=
Einzels nahm der Franzoſe Borotra an dem jungen Engländer Auſtin
Revanche für die Niederlage, die er beim Länderkampf England Frank=
reich
durch Auſtin erlitten hatte. Diesmal ſiegte der Franzoſe nach
hartem, Fünfſatzkampf 6:1, 0:6, 2:6, 6:4. Bei den Damen gewann
Frl. Ridley das Endſpiel gegen Joan Fry mit 6:2, 6:2.

Pſerdeſpork.

Rennen zu Karlshorſt.

Piſtulla ſchlägt Buffi k. o.
Im (bau Saagebiel zu Hamburg wurden am Freitagabend
vor 4000 Zuſchauern Berufs=Boxkämpfe ausgetragen, bei denen auch
zwei Deutſche Meiſterſchaften zur Entſcheidung kamen. Das einleitende
Treffen im Mittelgewicht zwiſchen Skibinſki=Bochum und dem nach
langer Krankheit zum erſtenmale wieder boxenden Cunow=Hamburg war
ein ſchwacher Auftakt. Nach beiderſeits mäßigen Leiſtungen endete das
Treffen unentſchieden. Ein irreguläres Ende nahm die Mittel=
gewichtsmeiſterſchaft
zwiſchen dem Titelverteidiger Tobeck=
Breslau (143) und dem Koblenzer Hein Heeſer (144). Heeſer war dem
Meiſter überraſchenderweiſe vollkommen gewachſen und lieferte bis zur
achten Runde einen ausgeglichenen Kampf. In der neunten Nunde
brachte aber Heeſer einen Genickſchlag an, der Tobeck bis über die Zeit
hinaus zu Boden ſtreckte. Heeſer mußte disqualifiziert werden und
Tobeck behielt damit den Titel. Im Kampf um die Leichtgewichts=
meiſterſchaft
verteidigte Hainiſch=Mühlhauſen ſeinen Titel gegen
Paul Czirſon=Berlin durch ein Unentſchieden. Trotz ſeines Alters war
Czirſon der beſſere Boxer, der ſich auch in harten Schlagwechſeln er=
folgreich
durchſetzen konnte. Nach Abſchluß der zwölf Runden war aber
ſein Punktvorſprung zu gering, um zu einem Siege zu reichen. Im
internationalen Schlußkampf des Abends feierte der Deutſche Halb=
ſchwergewichtsmeiſter
Ernſt Piſtulla (160) einen ſchönen Erfolg, er
ſalug den um 15 Pfund ſchwereren Italiener Luigi Buffi nach über=
legener
Kampfesführung in der fünften Runde durch einen Kinnhaken
k. o. Der Sieger und ſein Betreuer, Hans Breitenſträter, wurden leb=
haft
gefeiert.

11 Uhr: Turnhalle Soderſtraße: K. S.V. 10 Mainz 88.

Geſchäftliches.

Stahlfkelett=Wohnbauten am Groß=Gerauer Weg und am Hopfern
garten. An dieſen Stellen ſind verſchiedene Wohnhausbauten m
modernen Stahlſkelettſyſtem im Rohbau zu ſehen. Es ſind das ij
Darmſtadt die erſten Wohnbauten dieſer Art, wie man ſie in Amerikl
ſeit Jahrzehnten mit beſtem Erfolg errichtet hat. Intereſſenten werdes
hierauf aufmerkſam gemacht. (Siehe Anzeige Eigenheim in Darm
ſtadt.)

H

1. Viper=Jagdrennen: Für Halbblutpferde, Ehrenpreis und 200 Mark,
3700 Meter: 1. v. Mitzlaffs Walküre VI (Peters), 2. Pelzmaus,
3. Chriſtine II. Toto: 94. Platz 29, 37, 24. 54 Lg. Ferner:
Erle, Eſchtruth. Kinderfreund, I zum Donner, Felſenaar, Tanja,
Ataraxia, Mineſtra, Milon.
2. Cineinnatus=Jagdrennen: Verkaufsrennen, 3000 Mark, 3700 Meter:
1. Wittigs Le (Scharff), 2. Martonius, 3. Fasciſt. Toto: 20. Platz:
10, 11, 11. 32 Lg. Ferner: Kätherl III, Automedon. Sternkunde,
Baladin, Egmont.
3. Mortimer=Jagdrennen: 3000 Mark, 3400 Meter: 1. Löwenthals
Madonna d’Arezzo (W. Schmidt), 2. Weltwanderer, 3. Ceaſarion.
Toto: 45. Platz: 21, 24, 18. 81 Lg. Ferner: Comet, Fairy,
Parſifal, Die Saar, Franzia, Edu, Oruk. Fer aut Feri, Delifee.
4 Werra=Hürdennrennen: Für Dreijährige, 3500 Mark, 3000 Meter:
1. S. A. v. Oppenheims Amalfi (Müſchen), 2. Wintermärchen,
3. Immerzu. Toto: 19. Platz: 15, 17. 3½W. Ferner: Lareine,
Fortiſſima.
5. Schmidt=Pauli=Jagdrennen: Herrenreiten, Ehrenpreis und 8500 Mark,
4000 Meter: 1. Stahls Teutobod (Rupprecht), 2. Vigor, 3. Mer=
kur
II. Toto: 19. Platz: 15. 19. 18. H.½. Ferner: Kili, Tor=
nado
, Kermak, Creme de Menthe.
6. Preis von Charlottenthal: Ausgleich II, 4200 Mark, 3000 Meter:
1. Daubs Honeska (Schuller), 2. St. Robert, 3. Perſea. Toto: 85.
Platz: 21, 16. 16. 1½H. Ferner: Helgoländer, Martonius,
Saalburg.
7. Paleſtro=Flachrennen: 3500 Mark, 1200 Meter: 1. Hönwalts Pracht
(Grabſch), 2. Blankenſtein 3. Agricola. Toto: 18. Platz: 11. 12.
H.K. Ferner: Rialto, Vatikan, Wanda.
8. Kingsdene=Jagdrennen: Für Dreijährige, 3000 Mark, 3400 Meter:
1. Ungers Gradiva (Müſchen), 2. Servus, 3. Fenelon. Toto: 27.
Platz: 12. 14. 18. 24 Lg. Ferner: Rheinart, Mola, Pflichtrreue,
Tongola, Grasgräfin, Frauengunſt.

Preisfenkung bei gleich guter Qualität und gleicher Menge.
Die Herſteller von Ozonil haben ſich den jetzigen Verhältniſſe,
angepaßt und den Preis für das Paket auf 40 Pfg. für das Doppe=
Paket auf 75 Pfg. herabgeſetzt. Selbſtverſtändlich bleiben Qualität un

Menge die gleichen wie vorher. Und daß Ozonil das vorzügliche, ſelb/n
tätige, ſparſame Waſchmittel iſt, weiß jede erfahrene Hausfrau. Für
alle Weißwäſche gibt es nichts Schonenderes und Billigeres. Ozonn
wäſcht Wäſche wunderbar. Die jetzt eingetretene, noch weitere Verbill.
gung dieſes Qualitäts=Waſchmittels wird auch für die Hausfrauen Ves
anlaſſung ſein, es zu erproben, die bisher noch anderen Produkten der
Vorzug gegeben haben.

Die
erdentlid
urden

Wden
mBeträt
*1 irer
rah and

Rundfunk=Programme

Frankfurt a. M
Gleichbleibendes Werktags=Programm. 6 u. 6.30: Wetter, Zeit,
Gymnaſtik. O Ca. 7: Konzert. O 11.45: Werbekonzert. O 12: Zeit,
Wetter, Wirtſchaftsm Waſſerſt. 12.10, 12.15: Wetter. o 12.20-
Schallplatten. O 12.55: Nauener Zeit. O 13: Schallplatten. 14-
Werbekonzert. O 14.50, 15.50: Zeit, Wirtſchaftsm. 16.10: Ind.,, phuen
Handelsk. (Dt. u. Fr.). O 17.45: Wetter, Wirtſchaftsm währena n us
des Nachm.=Konzerts: Vereinsnachrichten. 18.05, 19.15 oder 19.30; ei gen A
Wirtſchaftsmeldungen. O 22.15: Nachrichten, Sport, Wetter.
Sonntag, 19. Oktober.
7.00: Hamburg: Hafenkonzert. Glocken vom Großen Michel.
8.15: Morgenfeier von der Evangeliſchen Landeskirche. Miſſionam
Lauf (Anſprache).
10.00: Orgelkonzert. Konzertante Orgelmuſik von Vorläufern Joh./
Seb. Bachs.
11.00: Urberach: Stunde des Chorgeſangs.
12.00: Schumanntheater: Kunſtturnwettbewerb. München, Bochw m
Frankfurt (Endkampf).
12.20: Mittags=Unterhaltungskonzert.
13.00: Einiges über die Behandlung landwirtſchaftlicher Maſchinen.!

Die Gärung. Herbſtarbeiten am Obſtbaum.
13.10: Unterhaltungskonzert (Fortſetzung).
14.00: Stuttgart: Stunde der Jugend. Uebertragung aus dem

Jungfliegerhorſt. Böblingen.

15.0: Dipl.=Landwirt Völling: Die volkswirtſchaftliche Bedeutung,
des Gartenbaues für Volk und Vaterland.
15.30: H. Junggeburth: Geſundheitspflege im täglichen Leben
16.00: Wien: Konzert des öſterreichiſchen Inf.=Regts. Nr. 4.
16.45: Bacharach: Weinleſefeſt ein Winzerzug.
17.15: Mandolinen=Konzert. Mandolinen=Orcheſter des Touriſta=
Clubs Bornheim.
18.00): Prof. Dr. Zaunert: Die deutſche Volkskunde und die Krilesl m
der deutſchen Bildung.
18.25: Henr: Guilbeaux: Die neuen Tendenzen in der zeitgenöſſiſcher Wkihe
franzöſiſchen Literatur.
19.30: Arien= und Liederabend. Margarete Kloſe (Alt), Stephanicn
Pelliſſier (Flügel).
20.00: Eliſabethenkirche Stuttgart: Abendkonzert.
21.00: Stuttgart: Die beſcheidene Frau. Eine eheliche Szene zwi
ſchen Braten und Deſſert von Wilhelm Lichtenberg.
21.15: Stuttgart: Kompoſitionen von Ketélbey.
22.30: Stuttgart: Der Brief. Ein eheliches Trauerſpiel in zwec
Szenen von Wilhelm Lichtenberg.
23.00: Stuttgart: Tanzmuſik auf Schallplatten.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle (1635).

Deutſche Welle. Gleichbleibendes Werktags=Programm. 5.655 Nr
Wetter für den Landwirt. 6.30: Gymnaſtik. O 6.55: Wetter fu4,
den Landwirt. Ca. 7: Konzert. O 10.30, 13.30: Nachrichtem Vo
12.25: Wetter für den Landwirt. (So. 12.50). O 12 bzw. 12.300
Schallplatten (außer So.). O 12.55: Naueſer Zeit. O 14: Berlim
Schallpl. O 15.30: Wetter. Börſe. O 19.55: Wetter für Landwite‟
Deutſche Welle. Sonntag, 19. Oktober.
7.00: Hamburger Hafen=Konzert. Glocken vom Großen Miche.
8.00: Mitteilungen und praktiſche Winke für den Landwirt.

8.15: Wochenrückblick auf die Marktlage.
8.20: Kammerdir. Dr. Franz Mendelſon: Organiſation und Aud z7
gaben der Preußiſchen Landwirtſchaftskammern.
8.50: Morgenfeier. Stundenglockenſpiel der Potsdamer Garnt

ſonkirche.
Anſchl.: Glockengeläut des Berliner Doms.
11.00: Elternſtunde: Bücher und das Kind.
11.30: Aus dem Reichstag: Kundgebung anläßlich des 200. Gel NBer
burtstages von General Steuben. Feſtrede: Reichsaußenminiſte .
Curtius.
Anſchl.: Aus der Volksbühne: Konzert. Sol.: Margot Hinnenheim /Cle
Lefébre. Ida Harth zur Nieden, Joſe Riavez.
14.00: Jugendſtunde: Der Dummkopf von Cypern.
14:30: Chorgeſänge. Kinder= und Jugendchor des Volkschores Frank!
furt a. d. O.
15.00: Mandolinenorcheſter=Konzert. Mandolinen=Orcheſter Nd
Brio 1904. Als Einlage gegen 15.15: Von der Grunewoie
Rennbahn: Großer Preis der Republik.
16.10: Wilhelm von Scholz lieſt aus eigenen Werken.
16.35: Unterhaltungsmuſik. Ernſt Römer und ſein Orcheſter.
18.00: Prof. Dr. Günter Dyhrenfurth: Meine Himalgia=Exvel?
tion.
18.30: Heinz Karl Heiland: Jagderlebniſſe in Kaſchmir.

19.00: Wilhelm von Scholz lieſt zwei unveröffentlichte Noyellens "
u *

Das Examen.
20.00: Stuttgart: Aus der Eliſabethkirche: Abendkonzert.
21.05: Breslau: Militär=Sinfonie. Schleſiſche Philharmonie.
Danach: Tanzmuſik. Fred. Bird=Tanz=Orcheſter.

Hauptſchriftlettung: Rudelf Maupe,
Veranwortlich für Poltik und Wirtſchaft: Rudelf Maupe: für Feuilleien, Ve
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Mar Streeſe; für Sportz Karl 215
für den Handel: Dr. C. H. Quetſch: für den Schlußdlenſt: Andrea‟ 2au‟
Die Gegenwart, Tagesſplegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Reille
für den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteilungen: Wills Kuble
Druck und Verlag: L. C. Wittich jämttich in Darmſtadt
Für unverlangt Manuſſripte wird Garantie der Rücfendung viO1 Uremente.

Die heutige Nummer hat 24 Seiten

[ ][  ][ ]

Rur Unkoſten.

Zu den neuerdings aufgetauchten Gerüchten, daß ſich die
zuſtüchigen Regierungsſtellen, und andere maßgeblichen Kreiſe
m ᛋmitu dm Plan trügen, die Poſtſcheckguthaben verzinslich zu
üun magch, hören wir von unterrichteter Seite, daß es ſich hierbei
klediſgly um unbegründete Kombinationen handelt. Eine der=
barti
=g Abſicht beſteht auf jeden Fall bei der Poſtverwaltung
nicht Die praktiſche Auswirkung einer ſolchen Verzinſung wird
im züligen ſehr gering eingeſchätzt, wobei noch hinzukommt, daß
außüendentlich große Unkoſten entſtehen müßten. Bei einem
Zinisſs von 1,5 Prozent, ein höherer wird kaum in Frage kom=
men
ürden von rund 880 000 Poſtſcheckkunden nur 80 000, alſo
etwmin Zehntel, im Jahre mehr als 1215 Mark Zinſen bekom=
hnen
ei den übrigen 800 000 würde es ſich um verſchwindend
kleimBeträge handeln, da entweder die Guthaben klein ſind
odew rhrer Beſtandshöhe ſchnell wechſeln. Die Poſt müßte ſich
abem uch andererſeits überlegen, woher ſie die notwendigen Mit=
el
die große Zahl der Guthaben und ihrem Veränderungs=
Swtatuns en tſtehenden beträchtlichen Verwaltungsausgaben nehmen
ſhvürſy Die Deckung dieſer Mehrausausgaben würde nach Anſicht
der Pt nur möglich durch eine Erhöhung der Poſtſcheckgebühren,
Sie ihete als Aequivalent für die Unverzinsbarkeit der Poſt=
checherhaben
außerordentlich gering ſind.
Mn hat die angebliche Notwendigkeit, die Poſtſcheckguthaben
u veinſen, neuerdings auch mit der Kapitalflucht ins Ausland
n Tſeindung gebracht. So wird behauptet, daß einige Länder,
Y ie Schweiz, ihre Poſtſcheckguthaben verzinſe und dadurch
heutgs Geld an ſich ziehe. Nach Anſicht von Fachkreiſen kommt
tien uibeyr ene Kapitalflucht auf dem Wege über ausländiſche Poſt=
1410 ſcheärghaben praktiſch nicht in Frage, da auch die Schweiz nur
yſteinenr insſatz von etwa 2 Prozent hat, der natürlich einen viel
d Au gerißen Anreiz ausübt. Zudem iſt den deutſchen Steuerbehör=
ſen
ei Verzeichnis der ausländiſchen Poſtſcheckguthaben zugäng=
ich
, iſedaß die Kapitalflucht auf dieſe Weiſe ſich vor den Augen
ſer 1Oifentlichkeit abſpielen müßte. Die Frage der Verzinſung
er Ptſcheckguthaben iſt im übrigen in Deutſchland ſchon früher
ſehaſnlt worden. So ſah der erſte Geſetzentwurf für das Poſt=
ſchechweni
vom Jahre 1899 eine Verzinſung von 1,25 Prozent
ſor, 7d aber vom Reichstag abgelehnt wurde, ſo daß im ſpäteren
Heſeßz on 1908 die Konten unverzinslich blieben. Auch heute
ürüem Reichstag wohl kaum eine Mehrheit für die Verzinſung
ein,negen die die öffentlich=rechtlichen Sparkaſſen uſw. natur=
wemmßaufs
ſchärfſte ankämpfen würden, da die Verzinſungsein=
ührmn
eine Art Poſtſparkaſſe bedeutet.

ndr vergangenen Woche geſtaltete ſich das Geſchäft am ſüddeut=
hen
Eenmarkt wieder unverändert flau und luſtlos. Mit Ausnahme

er Gruänduſtrie, die vereinzelt größere Abrufe in Monierrunde’ſen
mntr rägern erteilen konnten, beſchränkte ſich die eiſenverbrauchende
indidſte darauf, nur das Nötigſte zu kaufen bzw. Spezifikationen auf.
Beſtelzee Abſchlüſſe zu geben. Dagegen wurden Neuabſchlüſſe nur in
leinſa Umfange getätigt, da man der wirtſchaftlichen Entwicklung
d Rabwerend gegenüberſteht und darüber hinaus eine Ermäßigung des
Stalm weksverbandspreiſes unter den heutigen Verhältniſſen keineswegs
ür uifeſchloſſen hält. Bemerkenswert war wiederum die geradezu
ingſthie Zurückhaltung des Provinzhandels, der noch auf größeren
genüräten ſitzt und eingängige Profile, faſt durchweg von den Groß=
ſänd
lerigern. Ueberhaupt beſteht angeſichts der ſchlechten Abſatzver=
ſaltmſſ
und der außerordentlich ſchleppenden Zahlungsweiſe aller Ab=
ſehuneneiſe
das Beſtreben, ſich in ſeinen Mitteln nicht allzu ſehr feſt=
ulegen
Was über das ſchlechte Stab= und Formeiſengeſchäft berichtet
mrd.ſgt in noch größerem Maße, für Bleche aller Stärken und für
bankuin. Die Annahme, daß durch die angeſagten Reichsbahnauf=
ragen½
Eiſenmarkt einen beſonderen Impuls erfahren würde, hat ſich
ſicht brätigt. Die für den Waggonbau uſw. benötigten Eifenmengen
ind ſiſ ſo umfangreich, als daß ſie den ſeit Monaten darniederliegen=
ſen
Akit durchgreifend beleben könnten. Dazu bedürfte es eines allgemei=
ſen
Zſhvunges auf allen Gebieten der eiſenverbrauchenden Kreiſe, ins=
beſonchee
aber einer umfangreichen Wiederaufnahme der Bautätigkeit.
0zutnerdings in abſehbarer Zeit die zur Finanzierung derartiger
biehi iotwendigen Gelder nicht aufgebracht werden können.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
2RGroßhandelsindexziffer. Die auf den Stichtag des 15. Oktober
erech me Großhandelsindexziffer des Statiſtiſchen Reichsamtes hat mit
WW0 Fenüber der Vorwoche (120,4) um 0,3 v. H. nachgegeben. Von
den 4mptgruppen lag die Indexziffer für Agrarſtoffe auf 109,0 ( Vor=
boches
19,3). Die Indexziffer der induſtriellen Rohſtoffe und Halb=
barem
: um 0,5 v. H. auf 114,1 (114,7) und diejenige der induſtriellen
gertichren um 0,4 v. H. auf 146,7 (147,3) zurückgegangen.

Mekallnokierungen.
Berliner Metallnotierungen vom 18. Oktober ſtellten ſich
2)0 Kilogramm für Elektrolytkupfer, prompt eif Hamburg,
Emt oder Rotterdam (Notierung der Vereinigung für die
beutſihElektrolytkupfernotiz) auf 96.25 RM.

Die Wallſtreei kann nicht zur Ruhe kommen.
Die Wallſtreet hatte geſtern einen neuen ſchweren Tag zu über=
ſtehen
. 2,6 Millionen Aktien ſind an der geſtrigen Börſe, die eine der
ſtürmiſchſten des Jahres war, verkauft worden. Sämtliche Induſtrie=
papiere
ohne Ausnahme erlitten Kursſtürze von teilweiſe 15 bis 20
Punkten. Der mittlere Verluſt der Aktien betrug 8,16 Prozent. Sogar
die Eiſenbahnwerte, die bisher der Kriſe am beſten Widerſtand leiſteten
wurden von der allgemeinen Baiſſe mitgezogen und verloren mehrere
Punkte. Die Verluſte der Wertpapiere, die geſtern gehandelt worden
ſind, betragen für die General Motors 85 Millionen Dollar. Die Radio
Corporation verlor 13 Millionen, während die Standard Oil 57 und
die U. S. Steel Corporation 40 Millionen Dollar Verluſte hatten.
Beſondere Gründe für dieſe neue außerordentliche Baiſſe ſind nicht zu
entdecken, da die europäiſchen Plätze in den letzten beiden Tagen ziemlich
feſt waren. Es ſcheint ſich außer um ſaiſonmäßige Liquidationen ins=
beſondere
um die Operationen berufsmäßiger Baiſſiers zu handeln.
Frankfurker und Berliner Effekkenbörſe.
Frankfurt a. M., 18. Oktober.
Die Wochenſchlußbörſe ſtand wieder unter dem Druck einer ſtär=
keren
Zurückhaltung, die vor allem durch die ſchwvache geſtrige New
Yorker Börſe und den zu erwartenden Abſtimmungsergebniſſen bei der
heutigen Reichstagsſitzung verurſacht wurde. Aber auch der Orderein=
gang
war im Vergleich zu den letzten Tagen ziemlich beſcheiden, ſo daß
ſich auch das Geſchäft in engſtem Rahmen bewegte. Eine Ausnahme
jedoch machte der Elektromarkt, an dem die Schweiz weiter einiges In=
tereſſe
gezeigt haben ſollte. Die Umſatztätigkeit war aber auch hier im
allgemeinen nicht ſehr groß. Schuckert. Gesfürel, Felten und Licht und
Kraft gewannen bis zu 1½ Prozent, A. E. G. lagen nur behauptet. J.
G. Farben wieſen kaum eine Veränderung auf. Rütgerswerke minus
1 Prozent. Am Montanmaukt war die Kursgeſtaltung nicht einheitlich.
Von Kaliaktien gaben Aſchersleben 1½ Prozent nach, Weſteregeln be=
hauptet
. Kunſtſeidepapiere bis zu 1½ Prozent gedrückt. Am Banken=
markt
beſtand nach Reichsbankanteilen mit plus 1½ Prozent weiteres
Intereſſe. Am Rentenmarkt war die Nachfrage nach deutſchen Anleihen
etwas reger. Auch Ausländer zogen zumeiſt leicht an. Am Pfand=
briefmarkt
war das Geſchäft heute ſtill. Reichsſchuldbuchforderungen
lagen etwas niedriger.
Im Verlaufe wurde die Stimmung freundlicher. Auf Deckungen
der Kuliſſe war eine Geſchäftsbelebung in Spezialaktien feſtzuſtellen.
Gegen Anfang ergaben ſich Kursbeſſerungen bis zu 2½ Prozent. Auch
bis gegen Schluß der Vörſe machte die Feſtigkeit weitere Fortſchritte,
und die Kurſe zogen erneut an. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit
4½ Prozent wieder etwas leichter. Am Deviſenmarkt konnte ſich die
Reichsmark und Madrid weiter befeſtigen. Mark gegen Dollar 4,2035,
gegen Pfunde 20,43. London=Kabel 4,86, Paris 123,88. Mailand
92,81. Madrid 48,55, Schweiz 25,02. Holland 12.06½
Ludwig Ganz A.=G., Mainz. Liquidation beſchloſſen. In der
ao. G.=V. wurden Ergänzungswahlen zum Aufſichtsrat vorgenommen.
Neu gewählt wurden Dr. Stern von der Treuhandgeſellſchaft und Nor=
bert
Napp=Wiesbaden. Nach kurzer Debatte wurde ſodann einſtimmig
die Liquidation der Geſellſchaft beſchloſſen. Zu Liquidatoren wurden
der bisherige Vorſtand und die Vertrauensperſon des Vergleichsver=
fahrens
, Dr. Kramer, beſtellt.
Berlin, 18. Okt.
Die Börſe zeigte zum Wochenſchluß ein recht ruhiges Ausſehen.
Bei minimalen Umſätzen kam es infolge der Unſicherheit hinſichtlich der
Abſtimmungen im Reichstag überwiegend zu kleinen Rückgängen. Die
niedrigeren Frankfurter Abendkurſe wurden nur unweſentlich unter=
ſchritten
, gegenüber den geſtrigen Mittagsſchlußnotierungen ergaben ſich
Verluſte von ca. 1½2 Prozent. Anregungen fehlten, die ſchwachen
Auslandsbörſen mahnten eher zur Zurückhaltung, und die Kaufaufträge
außenſtehender Kreiſe, beſonders am Kaſſamarkt, boten der Tendenz
zwar eine gewiſſe Greuze, wurden aber teilweiſe durch die Realiſations=
neigung
der Spekulation ausgeglichen. Gelſenkirchen, Salzdetfurth,
Körting, B.M.W., Schleſiſche Zement und Aku lagen bis zu 3½ Pro=
zent
ſchwächer. Andererſeits waren Werte wie Klöckner, Felten, Reichs=
bank
, Allg. Lokal u. Kraft, Bayriſche Hypothekenbank, Hackethal, Schu=
bert
u. Salzer und Hirſch Kupfer bis zu 2 Prozent, Berger ſogar 5½
Prozent gebeſſert. Nach den erſten Kurſen war die Tendenz zunächſt
nicht ganz einheitlich, dann traten bei ſchleppendem Geſchäft Ab=
bröckelungen
bis zu 2 Prozent ein. Nur Schiffahrtswerte waren auf
Käufe der Hamburger Arbitrage freundlicher. Gegen 12 Uhr wurden
die Verluſte größtenteils wieder aufgeholt, darüber hinaus ergaben ſich
vielfach kleine Gewinne.

Der Geldmarkk in der vergangenen Woche.
Umſchwung.
Die Diskonterhöhung der Reichsbank ſchien am Geld= und nament=
lich
am Deviſenmarkt zunächſt ohne jede weitere Wirkung zu bleiben.
Die Kapitalfluchtbewegung kam nicht zum Stillſtand, und die Deviſen=
nachfrage
hielt unverändert an. Die Stimmung wurde ſehr nervös,
und vielfach glaubte man, bereits mit einer neuen Heraufſetzung des
Reichsbankdiskontes rechnen zu müſſen. Die Reichsbank mußte wiederum
Gold an die Bank von Frankreich abgeben. Insgeſamt iſt damit Gold
im Betrage von 455 Mill. RM. nach Paris gegangen, die beiden letzten
Sendungen von zuſammen 70 Mill. RM. ſind jedoch zunächſt nicht an
die Bank von Frankreich verkauft, ſondern dort lediglich deponiert wor=
den
für etwaigen ſpäteren Bedarf. Auch nach Holland ging eine neue
Goldſendung in Höhe von 17½ Mill. RM. Die Deviſenkäufe wurden
in der Hauptſache mit der Einreichung neuer Wechſel finanziert, weshalb
die Entlaſtung der Reichsbank zum Stillſtand kam und die Wechſel= und
Lombardbeſtände laut Ausweis vom 15. Oktober wieder etwas zunah=
men
. Bald trat jedoch ein Umſchwung ein, der die Befürchtungen hin=
ſichtlich
einer neuen Diskonterhöhung hinfällig werden ließ. Am Devi=
ſenmarkt
ließen die Anforderungen weſentlich nach, um ſpäter faſt ganz
aufzuhören. Die Reichsbank brauchte ſchließlich keine Deviſen mehr ab=
zugeben
, und der Kurs des Dollars und des franzöſiſchen Franken ging
zurück. Dieſer Umſchwung hatte ſeine Urſache einmal in einer ruhigeren
Betrachtung der innerpolitiſchen Lage, außerdem wirkte die durch die
anhaltende Deviſennachfrage eingetretene Geldknappheit weiteren Devi=
ſenanſprüchen
entgegen. Am Geldmaukt beſtand für Tagesgeld zum
Medio größeres Intereſſe. Monatsgeld blieb ſehr knapp und zu er=
höhten
Sätzen geſucht. Am Berliner Privatdiskontmarkt herrſchte zu
Beginn der Woche weiter ſtarkes Angebot, das ſpäter erheblich geringer
wurde. Zum Wochenſchluß waren Angebot und Nachfrage ausgeglichen,
ſo daß eine Veränderung des Satzes von 5 Prozent nicht vorgenommen
wurde. Am Frankfurter Platz nahmen die Geldſätze in der Woche
vom 13. bis 18. Oktober 1930 folgende Entwicklung: Tagesgeld 54½
3½4½54½ Prozent, Monatsgeld 1. Adreſſen 5½55/g534 Pro=
zent
, 2. Adreſſen 6½6¾ Prozent, Warenwechſel (bankgiriert) 5½
Prozent.

Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 18. Okt.:
Getreide. Weizen: Dez. 77.50, März 81.50, Mai 83½, Juli
84.75: Mais: Dez. 77.25, März 78.50, Mai 81.25, Juli 82½;
Hafer: Dez. 36.50, März 38½, Mai 39.50; Roggen: Dez 48,
März 52.25, Mai 53.75.
Schmalz: Okt. 11.20, Nov. 10.85, Dez. 10.42½, Jan. 10.42½.
Speck, loko 14.50.
Schweine: leichte 9.6010.00, ſchwere 9.6510.15. Schweine=
zufuhren
: Chicago 18 000, im Weſten 30 000.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 18. Okt.:
Schmalz: Prima Weſtern, 11.95; Talg, extra, loſe 4.75.
Getreide. Weizen: Rotwinter, neue Ernte 95½, Hartwinter,
neue Ernte 88½; Mais, loko New York 97½; Mehl, ſpring
wheat clears 4.404.65. Fracht: nach England 1,6 bis 2,3 Schill.,
nach dem Kontinent 7 bis 8 Cents.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die Abſatzmöglichkeiten in der Rheiniſchen Toninduſtrie ſind weiter
unbefriedigend. Die Preiſe ſind nach wie vor gedrückt. Die Zahl der
Beſchäftigten iſt zum Teil wieder zurückgegangen.
Die Zinn=Bergwerksproduktion der Welt ſtellte ſich nach den Berech=
nungen
der Metallgeſellſchaft A.=G., Frankfurt a. M., im September
1930 auf 13 671 Tonnen gegen 12 164 Tonnen im Auguſt ds. Js.
Vom 20. Oktober ab wird die Notierung der 4prozentigen Bayeri=
ſchen
Grundrenten=Ablöſungsſchuld an der Frankfurter Börſe eingeſtellt.
In der Sitzung des Aufſichtsrates der Chemiſche Werke Brockhues
A.=G., Niederwalluf, wurde, wie mitgeteilt wird, berichtet, daß das Ge=
ſchäft
in den neun Monaten des laufenden Jahres 1930 auch angeſichts
der allgemeinen wirtſchaftlichen Depreſſion noch relativ als befriedigend
zu bezeichnen war. Weitere Angaben werden nicht macht.
Wie aus Madrid gemeldet wird, hat die Finanzkommiſſion, die mit
den führenden europäiſchen Banken das ſpaniſche Währungsproblem
beſprechen will, unter Führung des Gouverneurs der Bank von Spanien
Madrid verlaſſen, um ſich über Paris nach Baſel zu begeben.

Berliner Kursbericht
vom 18. Ofiober 1930

Oeviſenmarkt
vom 18. Oktober 1930

Berl. Handels=Geſ. 1132.50
Danatbank
Deutſche Bant u. 1
Disconto=Geſ.
Dresdner Bant
Hapag
Hanſa Dampfich.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bayr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas
Deutſche Erdöl

160.25
115.50
114.50
80.75
80.50
120.50
57.50
69.875
138.50
Z6. 62E
130.75
119.75
67.50

Elektr. Lieferung
J. G. Farben
Gelſ. Bergw.
Geſ. f.elektr. Untern
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Köln=Neueſſ. Bgw.
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Untn.
Nordd. Wolle
Oberſchleſ. Kofsw.
Orenſtein & Koppel

.8
51.625

Polhyphonwerie
Rütgerswerke
Salzdetfurth Kali
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtof
Verein. Stahlwerle
Weſteregeln Alkalil
Agsb.=Nrnb. Maſch.
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfei
Hohenlohe=Werke
Lindes Eismaſch.
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werte

Vie
52.25
RGk4
117.
95.
E4.625
199.50
67.75
47.50
114.50
64.50
143.50
67.-5
35.50

Währung GeldBrieſ Währung Geld Brief Helſingfors 100 finn. Ml 1o.s66l 10.5e6 Schweiz 100 Franken 81.56 4: 74 Wien
Prag 100 Schilling 59.225 59.34: Spanier 00 Peſetas 42.16 42.24 100 Tſch. Kr. 12.461 12.48 Danzig 100 Gulden 81.58 81.74 Budapeſt 100 Pengo /73.52 3.66 Japan 1 Yen 2.07 2.C81 Soſig.
Holland 1100 Leva 3.044 3.050 Rio de Janeirc 1 Milreis 100 Gulden 189.07 169.41 Jugoſlawvien 100 Dinar 7.448 7.462 Sslo 100 Kronen 112.34 112.56 Portuga 100 Escudos 18.83 18.87 Kopenhagen 100 Kroner 112.3 112.55 Athen 100 Drachm. 5.44 7.5! Stockholm 100 Kronen 12.77 112.99 Iſtambu. 1 türt. 2 London a=Stg. 20.407 20.441 Kairo ägypt. 4 20.93 20.97 Buenos=Aires 1 Pap. Peſ 1.442 1. 444 Kanada canad. Doll. 4. 20: 4.211 New Yor)
Belgien 1 Dolla: 4.19c5 4.207 Uruguay Goldpeſo 3.247 3. 253 Italien 100 Belgo 58.54 58.66 fsland 100 eſtl. Kr. 92.33 92.51 Paris 100 Lire 21.99 22.03 Tallinn Cſtl.) 00 eſtl. Kr. 111.84 112.06 100 France 16.467 16.507
Riga 00 Lats 60.8 81.02

Frankfurter Kursbericht vom 18. Oktober 1930.

lainzer Produktenbericht. Großhandelseinſtandspreiſe per 100
Euo 0 Mainz am Freitag, den 17. Oktober 1930: Weizen
D234 bei 75 Kilo Hektolitergewicht, Roggen 15,7516, Braugerſte
225 induſtriegerſte 1717,50, Futtergerſte 1616,50, Malzkeime 10
NS M9 Südd. Weizenmehl Spezial 0 40,40, Roggenmehl 60prozentig
2W250, Weizenkleie fein 6,75, Weizenkleie grob 7,50, Roggenkleie 7,
SelzcEufttermehl 8,75, Biertreber 1010,50, Erdnußkuchen 12,2512,50,
otoschen 13,2516,75, Palmkuchen 8,759,25, Rapskuchen 8,759,50,
Reehralpfe 5, Kleeheu geb. 5,40, Wieſenheu loſe 5,506, Wieſenheu
FL4AMaſchinenſtroh 3, Drahtpreßſtroh 3,50, Weiße Bohnen 3132.
Eendcku Geſchäftslos.
Fmffarter Eiergroßhandelspreiſe vom 18. Oktober. Marktlage:
m 3 Amrnenhang mit der ſtark zurückgegangenen Produktion konnten
2 9Aßteiſe am hieſigen Markt zum Wochenſchluß wieder teilweiſe
VertlEhefeſtigen. Das Geſchäft bewegte ſich jedoch in ſehr engen Gren=
Ru Aber Konſum nach wie vor ſehr kaufſchwach iſt. Auch wird ſchon
e9r 75 rnehr Kühlhausware aus dem Markt genommen, die natur=
Emans lativ billiger iſt als friſche Ware. Es notierten in Pfg. per
Slick Mlgariſche 11,2511,50, jugoſlawiſche 11,2511,50, rumäniſche
D-l50, polniſche 9,259,75, chineſiſche 1012, holländiſche 1415,
Mniie F13.5015,25, belgiſch=flandriſche 1415, baheriſche 1212,50,
edGheche 1314. Kühlhauseier notierten zwiſchen 11,50 und 13 Pfg.
in Mfarter Buttergroßhandelspreiſe. Die Tendenz iſt weiterhin
Nc Aich iſt die Marktlage ziemlich ſtabil. Das Geſchäft läßt aller=
BSha zu wünſchen übrig. Es koſtete das Pfund im Großhandels=
StEe59 Auislandsbutter 1 Faß (50 Kilo) 1,62, einhalb Faß 1,64, in
Dalbianöſ ücken 1.65; deutſche Molkereibutter 1,50 Mark.
Sner Produktenpreiſe. Weizen märk. (7576 Kilo) 224226.
VeBbie1i42150, Gerſte 184210, Futtergerſte 166180, Hafer märk.
i A Weizenmehl 735, Roggenmehl 2427. Weizenkleie 7,58,
eBDiEDte 7257,50, Viktoriaerbſen 2832, Futtererbſen 1921,
EEM 1920, Ackerbohnen 1718, Wicken 18,520,5, Napskuchen
P inkuchen 15,115,2, Trockenſchnitzel 5,25,6, Sojaſchrot 12,6
bis 12.
Biehmärkke.
Nem Schweinemarkt in Weinheim a. b. B. am 18. Oktober
214 Tiere zugeführt. Verkauft wurden 342 Stück, und zwar
.
Weid Arine das Stück von 1116 Mark, Läufer das Stück zuy
Miarrtt Ir Marktzerkuf war mäßig.

726 DtſchReichsan!
690
6% Baden.
8% Bayern..
..
6%
8% Heſſen v. 28
v. 29
89
6% Preuß. Staat.
8% Sachſen ......
6% Sachſen ....
72 Thüringen
Diidie. Anl. Auslo=
ſungsſch
. X‟/- Ab=
löſungsanl
. . . .
Dtſche. Anl. Ablö=
ungsſch
. (Neub.)
Dtiche. Schutzge=
bietsanleihe
..
8% Baden=Baden.
6% Berlin .......
8% Darmſtadt v. 26
v. 28
8%
70 Dresden
8% Frankfurt a. M.
Schätze. . . v. 20
79 Frankfurtv. 26
v. 26
88 Mainz unsua.
8% Mannheim v. 26
v. 27
80 München ...
8% Nürberg ...
8% Aiesbaden
S Heif. Landesbt.
Goldpibr.. . ..
Goldpfbr
Goldoblig.
428 beſt. 2ds.,
Hhp.=Bk.=Liquid.
Pl.% Kom.=Obl.
8% Preuß. Ld8..=Anſt. G. Pf.
s2. Golboblig.

Mis
R.
99
83.
85.5
87
98.5
79

54.75
6.65
2.7
85.5
84.25
84.25

97.5
82.5
71.5
85
90.25

95.5
91.75
93.5

99
96.5
26.5

W Weu
Bk. Girozentr. für
Heſſen .Goldobl.
8½Kaſſeler Land.,
redit Goldpfbr..
88 Naſ. Landesbl.

4½%

Liqu. Obl

Dt. Komm. Sam=
mel
=Ablöſ.=Anl.
+Ausl. Ser.
+Ausl. Ser. II
Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Neubeſitz).
8% Berl. Hyp.=Bf.
%a Ligu.=Pfbr.
8% Frkf. Hhp.=Bk..
Lig. Pfbr
Pfbr.=Bk.
Lig. Pfrb..
82 Mein. Shp.=Bt
Lia. Pfbr..
8% Pfälz. Hyp.=Bk.
4½% Lig. Pfbr.
8% Preuß. Boden=
cred
.=Bant ....
4½%Lig. Pfbr.,
120 Preuß. Centrl.
Bodencr.=Bank
4½%0 Lig. Pfbr.
8% Rhein. Hyp. B!
Lia. Pfbr..
*a Rhein.=Weſtſi.=
Bd.=Credit .. . ..
8% Südd. Bod.=
Cred.=Ban)..
Lig. Pfbr.
8% Württ. Hyp.=2

00
84
8411,

R.
66

12.5

84
96
93.5
84
95.5
91.25
86.25
96.25
91.5
86.25
96

97

ga.75
84.5
96.5
88l.
97

RS

Ma He
89 Klöckner=Werke
% Mainkrw. v. 26.
7% Mitteld. Stahl.
8% Salzinann u. Co.
7% Ver. Stahlwerle
8% VoigtckHäffner
J. G. Farben Bonds
5% Bosn. L.E.B.
5%
L. Inveſt.
4½% Oſt. Schätze
4% Oſt. Goldrente
5%vereinh. Rumänl
4½½
49
4% Türk. Admin.
4% 1. Bagdad
48 Bollanl.
4½% Ungarn 1913
4½2
1914
49
Goldr.
1910
42
Artien
Rig. Kunſtziide Unie
A. E. G..........
AndregeNoris Zahn
Aſchaffbg. Brauerei
Bellſtof)
Bemberg J. P...
Bergm. El.=Werie
BromnBoverickCie,
Buderus Eiſen...
Eemen Heidelberg
Karlſtadt
J. G. Chemie, Baſel
Chem. Werſe Albert
Chade . .... .. ...
Contin Gummiw.
Linoleum
Daimler=Benz AG.
Dt. Atl. Telegr.
Erdöl.
Gold=u. Silber=
ſcheibe
=Anſtalt .

90.5
n9.75
80
AJ
9411.
19.25
19.25
39.25

Ni.

24

120,

88.5
E8
86
89
171.5
29.5
24.9
98.5
67

Dt. Linoleumwerk
Eiſenhandel. . .
Dyckerhoff u. Widm.
Eichbaum=Werger
Elektr. Lieſerg.=Geſ.
Licht u. Kraft
Eſchw. Berowert.
EßlingenMaſchiner
EttlingenSpinnerer
Faber & Schleicher
J. G. Farbeninduſtr.
Feinmech. (Jetter)
Felt, & Guilleaume
Frkft. Gas".
Hof.
Geiling & Cte.
Gelſenk. Berowerk
Geſ. f.elektr. Untern.
Goldſchmidt Th. ..
Gritzner Maſchinen
Grün & Bilfinger.
Hafenmühle Frift.
Hammerſen (Osn.)
Hanauer Hofbrauh.
Harpener Bergbau
Henninger, Kempf.
HilpertArmaturfbr.
Hindrichs=Aufferm.
Hirſch Kupfer... ..
Hochtief Eſſen ..
Holzmann. Phrl
Ilie Bergb. Stamm
Genüſſe
Junghans.
Kali Chemte.
Aſchersleben .
Kammgarnſpinn.
Karſtadt, R. . . . . . .
Klein, Schanz lin.
Klöcknerwerhe ...
Lahmeher & Co.
Laurahütte
Lech, Augsburg ..
Löwenbr. Münch.
Lüdenſcheid Metall
Lutz Gebr. Darmſt.

159

138
Jane
218
29
98.5
142.25
64.5
97.5
127
46
96
127.5
42.5
30
154
122
160
95.5
140

113
61.5
79
221
114.5
28.2!
125
196.5
92

Mite che
Mainzer Aft.=Br. . .
Mannesm.=Röhren
Mansfeld Bergb.
Metallgef. Franrf..
Miag, Mühlenbau
MontecatiniMaild.
Motoren Darmſtadt
Deutz
Oberurſel /
Oberbedari
Phönix Berabau ..
Reiniger. Gebbert
Rh. Braunkohlen".
Eleitr. Stamm.
Metailwaren
Stahlwerie ..
Riebeck Montan.
Roeder Gb. Darmſt
Rütgerswerie
Sachtleben A. G...
Salzdetfurth Kali.
Salzw. Heilbronn.
Schöfferhof=Bind..
Schramm. Lackfabr.
Schriftg. Stempel.
Schuckert Eleftr. ..
Schwarz=Storchen.
Siem. Glasinduſtr.
Siemens & Halete
Südd. Immobilien
Zucker=A. G.
Svenslo Tändſticks
Teilus Bergbau.
Thür. Liefer.=Gef.
Tietz Leonhard
Tucher=Brauerei.
Unterfranten
Beithwert
Ver. f. Chem

148
74

W

50

93
127
79.5
81.5
93
52
135
10
195.5
64.5
138.5
124

30
139.5

31

Mi
Wegelin, Rußfabril
Weſteregeln Kali..
Zellſtoff=Verein.
Waldhof......
Memel

Allg. Dt. Creduar
Badiſche Ban1 ...!
Bk. f. Brauinduſtr..
BarmerBanlverein
Bayer. Hyp. u. W.
Berl. Handelsgeſ.
Cypothekb:
Comm. u. Privatb.,
Darmſt. u. Nt.=Bf..
Dt. Ban1 und Dis
Dt. Eff. u. Wechſel
Dresdener Bant..
Fran:f. Bant."
Shp.=Bant...
Pfdbr.=B1.
Mein. Hyp. Bank..
Oſt. Creditan ſtolt
Pfälz. Hyp. Bank
Reichsbank=Ant. . .
Rhein. Hyp.=Bank
Südd. Bob.-Cr. Bf.
Wiener Banlverei
Württh Notenbant

M.-0. Lictezr iemsw
Allg. LoLb. Kraft
7% D1. Reichsb. Vze
Hapag.
Nordd. Lloyd.
Südd. Eiſenb.=Geſ

Allianz. u. Srung.
Berſicherung .. .!
Verein. Verſ.
FrankonaRück=u. M
Mannh. Ber ſich.

D
199
5.

99.5
129
112.5
107.5
122
210
121.75
160.25
115
99.5
114.5
93
151
51
152.5
277.75
28
220.25
135
129
10.25
137.5

60
86I.

80.75
96.5

[ ][  ][ ]

Seite 16

Sonntag, den 19. Oktober 1930

Nummer 287

Nun macht es keine Mühe mehr, schmutzigste Hände
schnell wieder blank zu kriegen. Ata Henkels Putz=
und Scheuerpulver erledigt viel einfacher diese oft
schwierige Reinigungsarbeit. Seife extra zu nehmen,
ist überflüssig; Ata enthält in ausreichendem Maße
allerbeste Seife für jeden Reinigungszweck. Versuchen.
Sie Ata einmal zur Händereinigung! Sie werden sehen,
wie prächtig es schäumt und wie gründlich und scho-
nend
es selbst den stärksten Schmutz fortnimmt. Es.
bleibt nicht ein Schmutzteilchen zurück. Auch die ver=
borgensten
Stellen der Hand, sind vollkommen sauber.
und tadellos rein.

Kennen Sie schon das jüngste Erzeugnis der Versilwerke: ( Henkels-Autwasch-, Spül- und Reinigungsmittel9
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besondere Aufmerksamkeit finden.

Ja Mann, angen.
Erſcheing. mit etw.
Verm, ſucht nettes
Mädel v. Lande i.
Alt. v. 23-25 J. m.ſn
etw. Erſp. zw. Heir
Ag. u. E. 88 Gſch.* Bahnbeamker
in penſ.=berecht Le=
bensſt
. ſucht Brief=
wechſel
mit jünge=
rem
Frl. zw. Ehe.
300 Monatsgeh.
hübſche 4=3.=Wohn.
u. 3600 an Ver=
mögen
vorh. Nicht=
anonyme
. Zuſchrift.
unt. E. 102 an die
Geſchſt. (F.15295 Ih
Herr,
56 J. alt, m. groß, y
eig. Haus. ſucht Be=
kanntſch
. ein. Dame.
ev Witwe o. Dienſt=
mädchen
vom Lande (
(30-50 J.), kinderl.
zw. Heirat. Ang. u.
D. 224 a. d. Geſch.* Blondine.
30 Jahre, vornehme
Erſchein. ev. häus=
lich
erzog., muſikal.,
mit eleganter Aus=
ſteuer
, wünſcht mit
beſſer. Herrn, nicht
unter 40 Jahr., m.
wahrer Herzensbil=
dung
zwecks Heirat
bekannt zu werden.
Witwer mit Kind
angenehm Anonym
zwecklos. Zuſchriften erbeten unter E. 72
a. d. Geſchäftsſt. (
Gebildekedame
eign. Poſition, mit
Vermög,, ang. Au=
ßere
, w. m. gutſit.
edeldenkend. Herrn,
nicht unt 35 Jahr.
in geſ. Verb. z. tre=
ten
. Spät. Heirat
nicht ausgeſchl. Zu=
ſchriften
unter E. 99
an die Geſchäftsſt.
Reelle Heiraten u. Einheir, ſtets durch
das beſtempf. Bür=
Fran G Schuchmann
Darmſt., Stiftſtr 40
1a Ref. ſtr. Diskr.*
30 Pis. verschlossen undohna4ufarusk (1V 14360

Einheiraten-

aus eidlen Gesendent Stels gomaliest für roh. Dome
U.Horren christl. Kreive- Anbahnung auf gornehme
dirfrae Ari. Keine Vermittlung- kein Vorschug
Bin-U. Austrit jodereit. Bundaschrift 4 15 ges.
Der Bund‟, Zentrale Kiel
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19. Oktober 1930

Illuſtrierte Wochenbeilage

Nummer 42

Jugend am Start.

Wie ſich Jugend von heute mit einer harten Seit ausein=
itderſetzt
. Luſtig iſt das Studenkenleben? Selbſtver=
trauen
und Glauben an die Sukunft.
Die Heilige Johanna als Abwaſchmädchen.
Die Adreſſe der jungen Schauſpielſchülerin bekam ich
ian Arbeitsamt, Abteilung für künſtleriſche Berufe. Sie
ſt Dienſtwohnung, aber nicht in der Schauſpielſchule,
ondern in dem Hauſe, in dem ſich die Arbeitsſtätte ihres
Rebenberufes, ein großes Neſtaurant, befindet. Die Dienſt=
pohnung
, ein winziges Manſardenſtübchen, iſt ſo ändern
ich die Seiten der Stolz der jungen Künſtlerin. Sie iſt
tämlich das einzige Abwaſchmädchen im Hauſe mit eigenem
Simmer, ihre vier Kolleginnen ſind je zwei und zwei
utergebracht.
Da ſteht ſie nun vor mir, die künftige Cheatergröße,
ur ſchönes ſchlankes Mädchen, und erzählt mit wohltuender
S imme, der man die künſtleriſche Schulung anmerkt. Drei
Irhre, ſeit ihrem ſechzehnten Lebensjahre, hat ſie darum
kämpft, ſich als Schauſpielerin ausbilden zu laſſen. Ihre
Etern ſie kommt aus einer Provinzſtadt waren zu=
uſt
entſetzt, aber durch ſtändiges Bohren und Bitten hat
74 ihren Lebenswunſch durchgeſetzt.
Da hatte ich es alſo endlich geſchafft, aber hätten
neine Eltern gewußt, was die Schauſpielſchule und das
eiben hier koſtet, hätten ſie mich nie nach Berlin gelaſſen.
Sch ſelbſt wußte ja von vornherein, daß ich mich hier allein
urchs Leben ſchlagen müßte!: Und da habe ich =ſofort zu=
ugriffen
, als ich die Stellung als Abwaſchmädchen ange=
daten
erhielt. Nein, ſchön iſt die Cätigkeit gewiß nicht,
1chauen Sie nur meine Hände an, trotz aller Pflege kann ich
i nicht ladulike erhalten. Na, ſpäter werde ich ſie ſchon
;eder in Ordnung bekommen, ich habe hier Wohnung und
ute Verpflegung, was glauben Sie, wie manche Kolleginnen
Kun der Schule hungern müſſen. Und fürs Hungern bin ich
ün ganz und gar nicht. Bereut? Die ſchönen Augen
Llichten in begeiſtertem Glanz auf Nein, noch nicht eine
Minute!! Sch weiß, daß ich Calent habe, die Lehrer halten
del von mir, und in unſerer öffentlichen Schülervorſtellung
mbe ich kürzlich als Heilige Johanna einen ausgeſproche=
un
Erfolg gehabt. Sogar die Preſſe hat mich lobend er=
vähnt
. Nie im Leben werde ich von der Kunſt laſſen, und
venn ich noch ſo viele Jahre Celler waſchen muß.
Armes Kind, das muß doch körperlich ſehr anſtrengend
an?
) Nicht zu knapp, kann ich Ihnen ſagen. Es ginge ja
ganz gut, aber das ſtändige Stehen! Schon in der
Sthule, bei allen Proben, müſſen wir meiſtens ſtehen, und
un hier auch noch. Und ein großes Uebel: der Dienſt hier
Rauert bis zwölf, ein Uhr nachts und ich gehe ſo gern
ſnih ſchlafen. Oft könnte ich mit den Cellern in der Hand
zinſchlafen.
Manchmal wird mir ja recht ſchwer ums Herz, einein=
Mlb Jahre ſoll das noch dauern, wenn mein Vater wüßte,
vie ich hier arbeite, er würde, ich weiß nicht was, angeben.
Aa, das iſt ja alles Nebenſache, Hauptſache, man ſchaffts
und ich werde es ſchaffen!!

Caxichauffeur und Medizinſtudent.
Dieſen Fall ließ mich der Sufall finden. Ich trete nichts=
mnend
an eine Autotaxe, um mich befördern zu laſſen. Da
ewbachte ich zufällig, daß ich den Chauffeur in einer inter=
laanten
Lektüre geſtört habe. Ein unwillkürlicher Blick in
s aufgeſchlagene Buch ja, was iſt denn das? Dieſe
Zrichnungen und bunten Cafeln mit menſchlichen Körper=
urchſchnitten
ſind mir doch aus der Studienzeit befreun=
ſöecter
Mediziner bekannt. Der Herr Chauffeur lieſt in einem
an atomiſchen Lehrbuch.
Mein Intereſſe iſt erwacht. Iſt das nun ein chauffieren=
derr
Mediziner oder ein Medizin ſtudierender Chauffeur?
SVerkſtudent?, frage ich. So ähnlich, erwidert der
ige Menſch, Werkſtudent kann man eigentlich nicht
sen, ich beſuche nämlich faſt gar keine Vorleſungen.
And was bezwecken Sie mit ſolchen Privatſtudien? Wollen
2e vielleicht bei einem Verkehrsunfall Ihren Fahrgäſten
P rlönlich die Knochen zuſammenflicken?

BEHEIHHAnaaEnnannagnnr

Der Chauffeur hat jetzt zu langen Erklärungen keine
Seit, aber nach ſeiner Ablöſung treffen wir uns. Und nun
erzählt er mir:
Die Luſt zur Medizin habe ich wohl geerbt. Mein Vater
war ja Arzt. Ein anderer Beruf kam für mich nie in Be=
tracht
. Leider iſt Vater vor zwei Jahren geſtorben, ich
hatte gerade das erſte Semeſter hinter mir. Was tun? Von
der Nente meiner Mutter konnte ich das Studium nicht be=
ſtreiten
, die iſt zu knapp. Da habe ich eben einen Neben=
beruf
geſucht. Chauffieren konnte ich ſchon mit ſechzehn
Jahren. Vater hatte für ſeine vielen Krankenbeſuche einen
kleinen Wagen, für den ich mich immer brennend inter-
eſſierte
. Ich legte alſo die Sahrprüfung ab und ſuchte Stel=
lung
als Chauffeur.
Und laſſen ſich die beiden Berufe miteinander verein=
baren
? Bleibt Ihnen denn genug Seit für das Studium?
Schlecht, ſehr ſchlecht. Mit Hängen und Würgen!
Wäre ich nicht ſozuſagen in der mediziniſchen Atmoſphäre
aufgewachſen, hätte ich nicht praktiſche Vorkenntniſſe, dann
ließe es ſich gar nicht machen. Zuerſt habe ich mich geradezu
zerriſſen, zwei Stunden als Chauffeur, dann zur Vorleſung
gejagt, wieder zur Caxe, dann in die Anatomie, es war ein
ewiges Gehetze den ganzen Cag, und abends war ich ſo
kaputt, daß ich keinen einzigen Satz mehr ins Gehirn be=
kam
. Nach kurzer Seit war mir klar, ſo geht es nicht
weiter, Caxe oder Vorleſung, eines mußte weichen. Und
da ich die Caxe nicht entbehren kann, habe ich die Vorleſung
geopfert.
Ja, aber wie kann man denn die Univerſität zum Stu=
dium
enbehren?
Man kann ſchon, wenn man muß. Dann heißt es eben,
ſich deſto mehr an die Lehrbücher halten, doppelt büffeln.
Nun liegt es bei mir noch beſonders günſtig durch meine
mediziniſche Vorbildung von zu Hauſe. Na, und zur ge=
gebenen
Seit werde ich es auch ſo ſchaffen, daß ich Univer=
ſität
und Anatomie nachholen kann.
Darf man fragen, was Sie in Ihrem Nebenberuf als
Chauffeur ſo verdienen?
Das iſt natürlich ſehr verſchieden. Manchmal ſteht man
viele Stunden ohne Fahrt, kommt kaum auf drei Mark An=
teil
den ganzen Cag. Manchmal hat man Glück und zieht
gar mit zehn oder zwölf Mark Verdienſt ab. Leicht iſt die
Sache beſtimmt nicht, denn Sie dürfen nicht vergeſſen, das
Chauffieren durch den Berliner Verkehr iſt keine Kleinjg=
keit
, das koſtet ſchon allerhand Nerven. Es iſt halt doch
eine ſchwierige Sache, zwei Herren zugleich zu dienen. Aber
was ſoll man machen? Es muß eben gehen!

(79

Merknvenslige Zeiten
Fräulein ſtud. jur. als Gigolo.
An der Univerſität mache ich dieſen zeitgemäßeſten aller
Nebenberufe ausfindig und erfahre auch die Adreſſe. Abends
begebe ich mich in das elegante Canzlokal im Weſten und
laſſe mir Fräulein Lolo, die Eintänzerin, alias Marianne,
Studentin der Jurisprudenz, zeigen. Eine fabelhafte Canz=
erſcheinung
, ſchlank, blond, hoch gewachſen, das jugendfriſche
Geſicht und die Arme ſonnengebräunt, keine Schminke, ge-
radezu
verblüffend in einem Canzlokal im Weſten. Das
Interview führe ich herbei, indem ich den Gigolo zum
Canz engagiere, nicht zu ihrer Freude, denn ich bin ein
miſerabler Cänzer.
Lolo Marianne iſt ganz vergnügt. Ja, anfangs war
os mir gräßlich, als Gigolo aufzutreten, ich ſchämte mich
ſchauderhaft, aber der Menſch iſt ein Gewohnheitstier,
Erleichtert wird mir die Arbeit dadurch, daß ich leiden=
ſchaftlich
gern tanze ein etwas ſpöttiſcher Blick trifft
mich mit guten Cänzern natürlich. Ob ich Unannehm=
lichkeiten
habe? Wie? Sudringlichkeiten? Ach nee, faſt
gar nicht. Erſtens iſt viel Stammpublikum da, die kennen
mich natürlich ſchon, amüſieren ſich über die eigenartige
Werkſtudentin. Und im übrigen verſtehe ich es ſchon, mir
zu eifrige Kavaliere vom Leibe zu halten, mit Humor iſt

alles zu machen: Seien Sie vorſichtig, mein Herr, ich bin
gefährlich, in bin Juriſtin, angehender weiblicher Staats=
anwalt
. Etwas mehr Diſtanz, mein Herr, Sie erregen ſonſt
öffentliches Aergernis, darauf gibt es keine Bewährungs=
friſt
!, Allzu zimperlich darf man natürlich nicht ſein. So
eine gute Poſition findet man nicht alle Cage, das iſt ein
ausgeſprochener Glücksfall. Fünf Mark pro Abend und
ein erſtklaſſiges Abendbrot, das iſt allerhand. Da braucht
man tagsüber nur ein paar Stullen und iſt doch tipstop
ernährt.
Und die Geſundheit, Frau Juſtitia?
Ach was, ich bin doch jung und kräftig! Glauben Sie,
Hungern iſt geſünder? Das erſte Kolleg morgens ſchenke ich
mir, damit ich ausſchlafen kann, das ſchreibe ich von einer
Kollegin ab. Schlimmſtenfalls muß ich ein oder zwei Se=
meſter
zulegen, wenn mich der Doppelbetrieb zu ſehr auf=
hält
. Was ſoll ich denn ſonſt machen? Das Studium auf=
geben
? Nein, Verehrteſter, das kommt nicht in Frage!
Ich bin ja ſchon ganz ſtill, gnädiges Fräulein, Sie ſind
ein tapferes Mädel, wirklich, Sie imponieren mir mit Ihrem
Lebensmut!
Uebertreiben Sie nur nicht gleich! Peinlich iſt mir die
Sache auch heute noch, ich laſſe mir wr nichts anmerken.
Kürzlich treibt der Sufall ausgerechnet emen meiner Pro=
feſſoren
, der mich kennt, ins Lokal. Ich kann Ihnen ſagen,
Augen hat der gemacht, und ich, ich hätte allerhand für ein
paſſendes Mauſeloch gegeben. Am nächſten Cag habe ich
ihm den Sachverhalt erklärt. Er hat ſeinen Gelehrkenkopf
geſchüttelt und meskwürdige Seiten! gemurmelt.
Ein eleganter monokelbewaffneter Herr beendet mein
Interview, indem er Fräulein Gigolo zum Canz engagiert.
Leichtfüßig entſchwebt ſie an ſeiner Seite und folgt ſeiner
Führung nach den Klängen des ſchönen Schlagers: Es
ſprach der weiſe Marabu. Ihr Geſichtsausdruck verrät,
daß der trockene Ernſt der Paragraphen ihr Weſen noch
nicht ganz durchdrungen hat.

Der zukünftige Generalmnſikdirektor im Vorſtadtkino.
Er iſt nicht ſchwer aufzufinden, der Konſervatoriums=
Schüler, der als Kino=Kapelle ſeinen Lebensunterhalt ver=
dient
. Jung, ſehr jung, ſchmächtig, blaß, ſitzt er an dem ver=
ſtimmten
Klimperkaſten des Kinos unweit vom Alexander=
platz
, das ich kurz vor Schluß der letzten Vorſtellung be=
treten
habe, und begleitet Die Liebe des Seepiraten mit
Motiven aus dem Fliegenden Holländer, um beim Ende
der Vorſtellung er kennt ſein Publikum das See=
mannslos
zu intonieren.
Bereitwillig gibt er Auskunft. Ja, es iſt ſehr bitter für
ihn, gerade auf dieſem Wege ſein Geld verdienen zu müſſen.
Viel lieber würde er die einfachſte mechaniſche Arbeit ver=
richten
, als ſeine geliebte Kunſt zu entweihen. Aber
was ſoll man machen, andere Arbeit iſt nicht aufzutreiben,
ich muß froh ſein, den Poſten zu haben. Der Nebenverdienſt
iſt ganz nett, dazu gebe ich noch einige Stunden, meiſt an
Kinder, finanziell bin ich ganz zufrieden, es reicht gerade zum
Studium und zum Leben. Eine Maſtkur kann ich mir aller=
dings
nicht leiſten, das Eſſen muß ich eben nachholen, wenn
ich erſt durch bin.
Daß er durch kommt, daß er es zu etwas bringen
wird als Muſiker, davon iſt er felſenfeſt überzeugt. Meinen
Hinweis auf die große Arbeitsloſigkeit im Muſikergewerbe,
auf die Konkurrenz des Confilms, tut er mit einem Achſel=
zucken
ab. Ich will Ihnen etwas ſagen, es iſt ein Glück,
daß wir Jungen noch Suverſicht und Optimismus haben.
In allen Berufen wird wegen Ueberfüllung gewarnt. Wer
darauf hören wollte, tut am beſten, ſich gleich aufzuhängen.
Gerade wegen der Ueberfüllung hat man meiner Anſicht
nach nur in dem Fach Ausſicht weiterzukommen, für das man
beſonders talentiert iſt. Nein, nein, bange machen gilt
nicht! Verſchaffen Sie mir lieber noch ein paar Schüler!
Und ich verlaſſe dieſen hoffnungsfreudigen jungen Mann
mit der angenehmen Erkenntnis, daß dieſe Jugend ihrer
Seit gewachſen iſt..

[ ][  ][ ]

Raſende Hotels.

Von fliegenden, rollenden, ſchwimmenden Saſthäuſern.
Am Bodenſee ſind die Dornier=Werke mit
Eifer dabei, das Flugboot Do. X. ſtartbereit
zu machen. Kurze Seit noch, dann wird der
Nieſenvogel verſuchen, den Ozean in oſtweſt=
licher
Nichtung zu überqueren.
Das Luftfahrzeug Do. X gleicht, was leine
Einrichtung betrifft, den erſten Hotels der Welt.
Wir haben die Gelegenheit benutzt, uns
auch über andere Gaſthäuſer der Unbeſtändig=
keit
Bericht geben zu laſſen.

Do. X, ein Luxushotel der Luft.
Bon Wilhelm Conradi.

Es wird ein reines Vergnügen ſein, wenn man erſt fahrplan=
mäßig
mit dem Nieſenvogel Do. X den Ozean von Oſt nach Weſt
und in umgekehrter Nichtung überqueren kann! Die Vorberei=
tungen
, es dem Fluggaſt ſo bequem wie möglich zu machen, ſind
ſchon längſt getroffen. Wer die Möglichkeit hatte, einen Späzier=
gang
durch das Hotel der Luft zu machen, konnte mancherlei ent-
decken
, was auch dem anſpruchsvollen Neiſenden Behagen und
Vergnügen bereiten wird.
Eine veritable Bar wird den Freunden ſpirituöſer Genüſſe
den Kampf mit den möglicherweiſe auftretenden widrigen Win=
den
erleichtern. Was im Seppelin verboten iſt: das Rauchen von
Pfeifchen, Sigarre und Sigaretten wird im Nauchſalon des
Do. X großzügig geſtattet. Elektriſche Feueranzünder ſollen die
Brandgefahr ausſchalten. Und Ventilatoren aller Art werden
bemüht ſein, den undurchdringlichen Hecht zu vertreiben. Frei=
lich
trennt eine Schiebetür die Stätten des Alkohols und des
Qualms von den übrigen Näumen.
Im großen Salon der Paſſagiere wird ein Stutzflügel m
Miniaturformat Platz finden. Verehrer der Conkunſt können
alſo gleich der Lerche zu jeder Stunde in der Luft jubilieren.
Siebenzig Paſſagiere werden mit Bequemlichkeit Unterkunft
finden. Die Schlafftätten, die wir ausprobierten, ſtehen den Bet=
ten
der Pullman=Wagen durchaus nicht nach, ja ſie können
ſogar mit den beſten Betten der erſten Hotels wetteifern, was
Bequemlichkeit und Weichheit anlangt.
Der Küchenraum mit ſeinen blitzſauberen Geſchirren, mit Cel=
lern
, Caſſen und Kochgeräten macht einen ſo eiladenden Ein=

druck, daß wir dedauerten, den Küchenmeiſter nicht bei der Ar=
beit
anzutreffen.

Der Kuß.

Von E. v. Medem.

Die kleie Nuſſin Nadja hatte in Kopenhagen ihren Mann,
eine zweite Heimat, ihre hübſche Wohnung kurz ihr Slück
gefunden.
Doch nicht lange nach ihrer Hochzeit lag eines Morgens
auf dem Frühſtückstiſch unter anderen Poſtſachen jenes Paket
und ſpiegelte ſich verheißungsvoll im Samowar.
Ihre roſigen Finger knüpften es auf, Seidenpapier und Holz=
wolle
bauſchte ſich, und dann wickelte Nadja erſtaunt und glück=
lich
ein Porzellanhündchen heraus.
Alſol! rief ſie, das iſt tatſächlich ein hübſches Geſchenk
von meinem Freunde Aljoſcha.
Freund? frug Fredik und hob mißtrauiſch die Augen=
brauen
.
Aber Nadja fuhr unbeirrt fort: Du mußt wiſſen, es iſt ein
großes Opfer von Aljoſcha, daß er mir Barabanka ſchickt. Und
weil Fredik einigermaßen verſtändnislos ausſieht, hält ſie ihm
zu näherer Betrachtung das Hündchen hin. Dies iſt Bara=
banka
, ſtellt ſie ſtrahlend vor. Alſoſcha, Barabanka und ich
gehörten nämlich in meiner Kinderzeit zuſammen. Wir haben
immer miteinander geſpielt. Höre, was Aljoſcha jetzt ſchreibt
Ich überſetze es.
Liebe Nadjal
Ich ſchicke Ihnen Barabanka, den ich auf der Flucht von
Petersburg für Sie gerettet habe. In meiner Manſarde wäre
er äußerſt deplaciert, und ſo ſoll er Ihnen gehören. Ich habe ihn
für mich photographieren laſſen, weil er mich an viel erinnert.
Sein Bild hängt nun über dem Ciſch, an welchem ich arbeite,
eſſe und zuweilen von früher träume.
Aljoſcha.

Nadſa war ſetzt roſig geworden wie ihr geblümtes Morgen-
kleid
. Ach!! rief ſie, hier hat er noch etwas an den Nand
geſchrieben, wenn auch reichlich undeutlich! und Nadja las auch
dies vor:
Erblate ſoeben von meiner Bank einen Auftrag, nach
Kopenhagen zu reiſen. Sie ſchrieben einmal, ich ſollte in ſolchem
Jalle bei Ihnen wohnen. Ich komme alſo am Mittwoch. Bara=
banka
ſchicke ich, weil bereits eingepackt, voraus, er ſoll Sie an
mich erinnern.
Nadia war ſehr erregt. Fredik! ruft ſie, ich habe mich
ſelten ſo ſehr über etwas gefreut! Er wird im blauen Simmer
wohnen dort ſtehen meine Möbel aus Petersburg!
Fredik ein Brötchen. Wirſt du deinen Cee nich
trihen, Hadya?*

Sauberkeit und Suverläſſigkeit, das ſind die Eigenſchaften
des Hotels der Lüfte.
Sicherheit und Sweckmäßigkeit, das ſind die Eigenſchaften,
ſboots von ſeinem Bogel verlangt.
die d

Und wenn ſich in Kürze der Do. X erhebt, um auch ſeinerſeits
den Verſuch der Ozean=Ueberquerung zu machen, dann ſollen ihn
unſere guten Wünſche begleiten: Glück auf und ab!

Klnbleben über den Wolken.
Reiſe im Seppelin.

Von Dr. Graf Albrecht Montgelas.
Das zweite, was einen die Menſchen fragen, nachdem man
ihnen verſichert und geſchworen hat, daß man im Seppelin nicht
ſeekrank bzw. luftkrank wird, iſt: Wie lebt man da eigentlich
den ganzen Cag? Nun, es lebt ſich natürlich weniger gut als
auf einem Ozeandampfer und beſſer als im Flugzeug.
Im Geſellſchaftsraum, der gleichzeitig =Simmer iſt, ſpielt
ſich für die Paſſagiere das Leben ab. Ein Vorteil vor dem
Flugzeug: kem Propellerlärm ſtört die Unterhaltung. Die Maße
des Naumes dürften höchſtens 6 zu 5 Meter ſein, eher kleiner.
Nunde Ciſche und bequeme Strohſeſſel das Mobiliar. Die Seſſel
reichen nicht immer aus, aber die breiten Fenſterſimſe bieten ja
auch Sitzgelegenheiten. Außerdem kommt es kaum vor, daß ſich
alle Paſſagiere gleichzeitig im Salon aufhalten. Wie an Bord
eines Schiffes ſo iſt auch auf dem Seppelin die liegende Stellung
die, in der ſich langweilige Stunden am beſten ertragen laſſen.
Die Schlafkabinen, die rechts und links von dem ſchmalen Gang
liegen, der vom Salon nach den Eingeweiden des Aluminium=
Ungetüms führt, werden nicht nur bei Nacht aufgeſucht.
Am beſten läßt ſich das Leben an Bord des Seppelins mit
dem Leben in einem Klub vergleichen. Die ungeſchriebene Negel

O nein ich muß jetzt ſofort mit Wera telephonieren,
ſie kennt Aljoſcha auch und wird ihn ſehen wollen.
Nadja ſtreift eilig an Fredrik vorbei. Er aber hält ihren
geblümten Aermel feſt:
Nadſa..
Nun?
Wirſt du dich nicht ei wenig beruhigen?
Sie aber lacht: Gott, ich freue mich ſo!!
Fredik dreht eine Raupe aus dem geblümten Aermel.
Nadja warum haſt du ni tchAljoſcha geheiratet?
Da lacht ſie noch mehr und tippt auf den Porzellankopf
Barabankas. Sieh, ruft ſie beluſtigt, ich freue mich in
gleichem Maße über dieſen hier, und dennoch fragſt du nicht:
Nadja, warum haſt du nicht Barabanka geheiratet?
Und Nadja läuft mit Barabanka ans Celephon.
Vier Cage ſpäter ſchreibt Nadja einen Brief an ihre Freun=
din
Wera:
Liebe Weral

Es iſt eine ſchreckliche Sache paſſiert! Hilf mir bittel
Geſtern abend iſt Alſoſcha fortgefahren, und daraus iſt das
ganze Mißgeſchick entſtanden. Irgend etwas Schlechtes muß doch
immer geſchehen, wenn man einen Ausländer geheiratet hat, und
Fredrik iſt doch ſchon beinah ein Kosmopolit. Aber was tut
er? Stelle dir vor, er iſt eiferſüchtig!
Es iſt zwar eine Schande, derlei überhaupt zu erzählen. Aber
Du und Dein Mann ſeid die einzigen in Kopenhagen, die mir
helfen können. Darum werde ich Dir die ganze Lächerlichkeit
berichten.
Alſo geſtern abend ging Aljoſchas Sug. Er verabſchiedete
ſich von mir. Fredrik, der ihn an die Bahn begleiten wollte,
war bereits draußen beim Chauffeur. Ich war allein mit Aljoſcha.
Ich war ſehr traurig wegen ſeiner Abreiſe, denn ich liebe doch
Aljoſcha ſo ſehr, und er hat es ſetzt ſo miſerabel m Berlin und
iſt doch einer von den Unſern. Und ich weinte. Und zum Ab=
ſchied
küßte ich ihn auf die Stirn, indem ich ihn ſegnete. Aber
gerade in dem Augenblick kam Fredrik, weil es Seit zum Fahren
war. Und als er Aljoſcha und mich zuſammen ſah, ſtutzte er in
der Cür und jah mich merkwürdig an und ſagte: Entſchuldige!
Denke dir, Wira, Entſchuldige hat er geſagt! und iſt
dann mit Aljoſcha gefahren.
Und nun kommt es! Fredik ſah noch immer ſo aus wie
entſchuldige, aber durchaus nicht aus Beſcheidenheit oder der=
gleichen
nein, nur aus Hochmut! Und es war auch aus Hoch=
mut
, daß er dann anfing, mir die unglaublichſten Sachen zu ſagen.
S. B. daß es ſehr peinlich für mich ſei, ſo etwas zu erleben, aber
daß man nun alles arrangieren müſſe und bedenken, wie es für
Aljoſcha und mich in Sukunft zu regeln ſei! Ich verſtand
natürlich nichts von alledem, ich kann Dir ſagen nichts!

daß man m emem Klubzimmer zwar nebeneinader ſitzen, ader vi
unbedingt miteinander reden muß, wird in dem engen Xan 7
zur Wohltat. Man findet Partner zur Konverſation, zum Scham;
für eine Patience und vielleicht ſogar für ein Bridge, ader 221 +1
lehnung gilt nicht als Unhöflichkeit, und das Wiederaufſchlear /=
eines
Buches bedeutet ohne Verletzung, daß man wieder ale
ſein will.
Unangenehm empfindet man nur den Mangel an Beweg/I.

Dabei regt die Höhenluft den Appetit an, und genau wie aa
einem Dampfer teilt ſich der Cag in die Seit vom erſten Fraü gut

ſtück bis zum Gabelfrühſtück, vom Gabelfrühſtück bis zum Mif, 4a:
tageſſen, vom Mittageſſen bis zum Nachmittagskaffee ud vo .
Nachmittagskaffee bis zum Abendeſſen. Daß die elektriſch ½
diente Miniaturküche, die in dem engen Naum zwiſchen Saa.
und Navigationsgondel liegt, das allerbeſte liefert, erhöht zrxtz
die Wirkung, die man als Gegenteil von der einer Marienbel4
Kur bezeichnen kann.
Die beſchwingenden, unvergeßlichen Augenblicke, wenn de 4
Rieſenſchiff ſich hebt und die Erde unter einem ſchnell verſinck:
wenn man zum erſten Male die Scheide von Seſtland und O=eus 7 +=
überführt
, vom Land hinaus oder vom Meer landein, all das, purn=
in
ähnlicher Weiſe der Slugzeugpaſſagier ja auch erlebt, wir 77:
durch das Gefühl abſoluter Sicherheit, durch die größere Bi,
wegungsmöglichkeit, durch die Gemütlichkeit der Schiffsſalor 7 1
Atmoſphäre bei Neiſen mit dem Seppelin geſteigert. Und dies n
Neiſen ſtehen erſt an ihrem Anfang. Schon wird im neuen C:.
ein Nauchſalon die Unannehmlichkeit plötzlicher Nikotiabſtis
unnötig machen. Und vielleicht gelingt den Konſtrukteuren aur .
noch ein Promenadendeck. Dann wird die Seppelin=Reiſe 1
ſein.

Das Schlafzimmer auf Schienen.
Eine Neportage von J. V. Seorge.

Der Dienſt des Schlafwagenſchaffners nmmt lange, bevor 4
Reiſende ans Kofferpacken denkt, ſeinen Anfang. Seine Ardur
beginnt draußen auf dem Außenbahnhof, fünfhundert Meter rr.
mehr entfernt von der eigentlichen Station.
Da ſind Liſten auszufüllen, Beſtände aufzunehmen; da mi
kontrolliert werden, ob die Putzer ihre Pflicht erfüllt und 8.
Schlaf= und Speiſewagen blitzblank geſäubert haben.
Es wurde uns ermöglicht, als überzähliger Schlafwage=
ſchaffner
eine Reiſe durch Deutſchland zu machen und zuglern
die Arbeiten zu verrichten, die einer ungeübten Hand nur ſchne

Zefnele- -Kvche

gelingen. Die Beſtellungen auf Selterswaſſer, Keks oder Sis=
retten
ſind verhältnismäßig leicht zu bewältigen. Schwieriger

Und deshalb habe ich Fredrik gebeten, ſich deutlicher auszudrücka"
Das hat er denn auch getan, und da habe ich begriffenl! 1T,
weißt Du, Wera, was ich begriffen habe? Ich habe begrifiel
daß Fredrik ſo feierlich war, weil ich Aljoſcha auf die Sii
geküßt habe! Ach, warum iſt nur Fredrik kein Zul
ſondern ein Ausländer! Es verſteht ſich ja von ſelbſt, daß 1",
zuerſt nur über ſeinen Irrtum gelacht habe, doch da wurde
noch ſchlimmer mit Fredrik, ſo daß ich zu erklären begann ne.
ihm erzählte, daß man bei uns immer alle Bekannten dei A
Begrüßung und beim Abſchied auf die Stirn küßt, ebenſo w
man die Hand gibt, und daß alle es tun, auch Mama, als ſie u
lebte, und Deine Mutter und Cante Lieſa und Großmama Er
Warwara Worotkina, und daß wir alle wiſſen, daß ſolches n
uns nur eine Höflichkeitsform iſt. Aber, denke dir nur, Sram T

glaubt mir nicht. Heute morgen ebenſowenig wie geſtern. 27.
iſt höflich, aber er wartet auf etwas. Und ſo kann man M17
nicht leben! Wenn Du kanſt, ſo hilf mirt
Nadja.
Am Nachmittag kommt Wera ſchnell und friſch durch *
Kopenhagener Nebel, rennt mit naſſen Stiefeln auf Nah/?
Ceppich, küßt Nadja durch den naſſen Schleier. Dann dim
ſie an:
Laß Fredrik kommen!
Fredrik erſcheint und beugt ſich über Weras Finger.
Da geſchieht es aber, daß Wera ihm mit unverhohlenen
gnügen auf die Stirn einen, zwei, drei, vier herzhafte NM 1*
appliziert.
Ich bin heute ſehr eilig, ruft ſie, Ihr müßt ſchon entichtt.
digen, auf Wiederſehen! und fort iſt ſie bereits.
Nadfa aber erfaßt den Moment.
Fredrik, ſagt ſie und macht ihr Geſicht betrübt. *
müſſen wir überlegen, wie ſich dein zukünftiges Leben mit Pr"
geſtalten ſoll, denn ... ihr habt euch ſoeben geküßt.."
Fredrik ſteht ratlos da, wiſcht ſich mit dem Handrüchel"

Feuchtigkeit von Weras Schleier aus dem Geſicht ſieht ?"

an, wird plötzlich rot, begreift endlich die Komödie um **
lacht er herzlich, unbekümmert und laut.
Und auch Nadja lacht ſo ſehr, daß ſie wieder gani roſa Pi. 1
Nur Paxabanka auf dem Kamin ſitzt regungslos und die
Ja, dies iſt eben bei uns nur eine Höflichkeitsform.

Der Schweigſame.

Von Alfred M. Balte.
Auf einer mehrtägigen Bahnfahrt kam ich eines Vue
müde und durchnäßt in ein kleines Dörfchen. Die Dunke
brach ſchon an, während ich ermattet zwiſchen den Ve

[ ][  ][ ]

ſt, wenn es heißt: Betten machen! Hierzu iſt nicht nur
Taſ=e ſondern vor allem Muskelkraft vonnöten. Man ſpürt
den eps, wenn man hintereinander, raſch, raſch, raſch, etwa
zwant Polſter hochgeklappt, aus verſenkbaren Fächern Wäſche=
zeneu
tivorgeholt und die Schlafſtätien bezogen hat. Wir er=
rechever
: Ein Abteil herzurichten dauert bei geſchwinder Cätig=
½ keitiot Minuten. Swölf Abteile hat jeder Wagen: das macht
qrunt,) rein 96 Minuten, um die Cagabteile in Gefilde der Nacht
ſin zur Aichen Seit plärren, wenn faſt alle Gäſte gleichzeitig bedient
p zu gehen Seit plärren, wenn faſt alle Gäſte gleichzeitig bedient
werine wollen, das können nur Engel der Geduld ermeſſen.
ſyiger wird es erſt, wenn die Nacht weiter vorgeſchritten iſt.
Alleu (ir on ſind geſchloſſen. Die rüſtigſten Aufbleiber ſind ver=
ſchwnue
:. Je dunkler es draußen wird, je tiefer wir in die
Naclth’neinraſen, deſto ſchneller vollzieht ſich ein eigenartiger
Vermd lungsprozeß. Aus dem ſchlichten Schlafwagenſchaffner
wäckrſtein deus ex machina empor; er wird zum Arzt, zum
Beigſchtster, zum Schiedsrichter.
Sikann paſſieren, daß ſchreckensbleich auf dem Korridor
utein Achtgeſpenſt erſcheint, über Bauchgrimmen wimmert und
die 2Nhremſe zu ziehen befiehlt. Gütige Behandlung und Ver=
rirabre
ſich 1g eines Schlafmittels oder Präparats gegen Duſenterie
zudringne den Patienten zumeiſt zur Vernunft.
Oiskann paſſieren, daß ſich zwei Fremde in ihrem Schlaf=
abteinl u raufen beginnen, weil der eine oben und der andere
licht uten ſchlafen will. Auch hier hilft häufig Güte und Höf=
ichk/t! Die Beruhigung durch Kaltwaſſer wird relativ ſelten
unge ſedt.
u Liebesleid dringt manchmal an die weltweiſen Ohren des
Schloljtagenſchaffners. Entflohene Bräute, die, von Neue ge=
ſackt
vieder in die Arme des Geliebten zurückzureiſen beſtrebt
ind, dr vom rollenden Wagen immer weiter, immer weiter von
er Yenatlichen Scholle entfernt werden, ſuchen Nat beim uni=
gormngen
Schutzengel.
Sjehts, bis der Morgen graut.
die einen nach Kaffee rufen und die anderen grollen,
ſaß na ſie aus dem Schlummer riß.
Unwenn das Siel erreicht iſt, winken ein paar Ruheſtunden.
m. Aend gehts nach der Heimatſtation zurück. Ein dienſtfreier
ag, zdr dem Schlaf dient, folgt. Und damn beginnt aufs neue
ere, verantwortungsvolle Arbeit.

Puks um Rhein und Main.

TV. Bruchſal.

Von Johann Georg Gerlach.
ThieEiſenbahn, mit der man von Darmſtadt herkommt, durch=
chne
an den einſtigen Schloßpark von Bruchſal. Freilich iſt in
ſie Sone hinaus nicht mehr viel von den früheren Anlagen er=
ſalter
. Eine breite Kaſtanienallee ſetzt nur die Achſe des Parks
ſoch af den Rhein hin fort. Die alten Bäume haben ſchon
ängſil ire breiten Kronen über ihr zuſammengeſchloſſen und die
iefeguter ihnen in Kühle geborgen. Nur hie und da fällt ein
ichtſthcht herunter und läßt breite Blatthände grün aufglühen.
wiſohe den Kaſtanien wildert unten Eibengebüſch. Es läßt
hnen jaß es auch einmal ſo gereiht und wohlgeformt war, wie
ie Sihn beim Schloß drüben. Aber jetzt zerfällt hier wieder
Lepfſigheit alter Kultur ins Regelloſe. Keine Hand hilft mehr
Sen 9brächſen im Kampf ums Licht. Keine Hand lenkt mehr
ör Wchstum zu geſchloſſener Nundung. Was in zuviel Schatten
jomnrhverdorrt, bleibt in ſtarrem ſchwarzen Cod ſtehen; keine
ochewe ſt, die es abnimmt. Hier kriecht ein Stock ſchwer am
Sodgnhin zwiſchen Staub und weggeworfenen Papieren und
inden hine Kraft zur Höhe. Dort wieder ſtehen ein paar ſparrige
Stengelauf und ſind ohnmächtig, reicheres Aſtwerk zu breiten.
Ind aſot hängen Sweige zerfetzt und zerrupft nieder.
Aldrs die Stadtſeite des Parks!. Vom Sug her ſieht man
m Wreihuſchen ſchon ſowas wie ein weißes Cor, goldig gelbe
Hautzey mit tiefen Manſardendächern, die es flankieren, eine
Ilee, teiße Plaſtiken aus dem Grün, dahinter leuchtend und
eherrſtend ein Schloß
Aia blicke erſt einmal von der Mitte der Gartenfront des
öchlo94 auf den Park, der ſich von hier aus langſam nieder=

äuſan umherſchlich, um nach einem Gaſthof auszuſpähen. Ein
daſthöffand ſich endlich. Allein er hatte nur ein einziges von
ſenen Iumern, die man harmlos Fremdenzimmer nennt (wei
ſich nntich ein Eingeborener bedanken würde, in einem ſolchen
aum u hauſen), und bei meinem Pech war natürlich dieſes
Zimmm ſchon von einem anderen Wanderer, der früher ge=
Kommr) war, mit Beſchlag belegt. Ich ſtöhnte auf wie ein
Mebundas Cier, als ich das erfuhr, und weckte damit das Mit=
eid
dhs Wirtes, der mir den Vorſchlag machte, in die Gaſt=
ſübe
, / gehen und mich mit dem dort ſitzenden Beſitzer des
Dimmen auszuſprechen. Vielleicht ließe er mich ebenfalls in dem
Himmpiſchlafen. Swei Betten ſtanden ja überdies drinn.
Au bricht Eiſen, und wer müde und durchnäßt von einer
WSergvor kommt, iſt imſtande, für ein gutes Bett ſeinen liebſten
Freunr) u ermorden. Ich ging alſo in die Gaſtſtube, ſetzte ein
Aplomraiſches Geſicht auf, ſtellte mich einem älteren Herrn, der
inſam iinter einem Glaſe Bier am Ciſch ſaß, höflich vor und
eilte iih mein Anliegen mit. Auch der Wirt trat hinzu und
Anterfüüte meine Bitte. Herr Huber ich will meinen Sim=
Vergesen ſo nennen war ſehr entgegenkommend. Ich
wüitte 5, ſagte er, Sie können herzlich gern das Simmer
nit mi teilen. Nur will ich Ihnen gleich ſagen, daß ich ein
ußerkk nintereſſanter Geſellſchafter bin. Sehen Sie, ich bin
in äller Mann, habe viel im Leben durchgemacht da wird
Nan/ ihählich ſchweigſam und findet keine Luſt mehr am
edem Gewiß, Herr Huber. Auch ich bin kein Freund
en luuen Unterhaltungen und viel Geſchwätz. Alſo, paſſen
dir ſa gt zuſammen. Und dann beſtellte ich mir auch ein Maß.
Laßwir ſpäter in unſerem Simmer anlangten, ſagte Herr
Duberx vährend er ſeine Hoſe ſorgſam über eine Stuhllehne
gte: Siſſen Sie, es gibt ja auch Menſchen, die das Schweigen
unfach ucht vertragen; und deshalb ſagte ich Ihnen gleich von
ornhigun, daß ich kein Schwätzer bin. Ich erinnere mich ge=
rade
ouunen Vorfall in meiner Jugend. Ich ſchlief mit einem
efreuuten Studenten im ſelben Simmer. Ich ſchwieg wie
mmern Es verging ein Cag, ein zweiter Cag. Anfangs machte
9 me Sreund über mein Schweigen luſtig. Später wurde
* Gben nervös und begann zu ſchimpfen. Du haſt wohl das
Beluben des Schweigens abgelegt? ſchrie er mich an, weshalb
Aweis Mdur denn wie ein Coter? Ich ſchwieg trotzdem weiter.

Bleden urgingen ein paar Cage. Plötzlich ergriff er eines
Bendh ine Slaſche und ſagte: Ich würde mit Vergnügen dieſe
Neſchern deinem Schädel entzweiſchlagen, um wenigſtens ein=
Ner Oen Stimme zu hören! Ich ſchwieg. Wieder vergingen
Ein Dey Tage. Da brüllte er am Abend, als wir zu Bett
Bigens Verflucht ſollſt du ſein mit deinem ewigen Schweigen.
1Aja tein Menich ans. Ich reiſe morgen ab. Was

ſenkt. Vor einem zittert das algengrüne Waſſer eines ge=
ſchweiften
Baſſins. Den Himmel ſpiegelt das Waſſer in einem
blauen Streifen, der auf den Weg der Mittelallee weiſt. Nechts
und links ſitzt dieſen Weg entlang eine Kolonne von Eiben, über
mannshoch, jede zum Kegel geſchnitten. Der Abſtand von Buſch
zu Buſch erſcheint von hier aus nur ſo groß, daß die Reihe Ge=
ſchloſſenheit
hütet; eine grüne Welle wölbt ſich vor die andere.
Dann jederſeits ei ſchmaler Zwiſchenraum bis zu den hohen.

ſagen Sie zu ſo einem überſpannten Menſchen? wandte ſich
mein Nachbar an mich.
Nun, gewiß war der Herr ſehr nervös und neuraſthe=
niſch
murmelte ich müde und kroch mit Behagen ins Bett.
Was ſagen Sie: nervös? fuhr mein Nachbar fort.
Dann müſſen alle Menſchen nervös ſein. Sehen Sie, ich hatte
eine Braut, ein Mädchen von zwanzig Jahren, geſund wie ein
Siſch im Waſſer, keine Spur von Nerven. Anfangs, als ich
mich mit ihr verlobte, ſagte ſie immer: Du gefällſt mir, weil du
ein ſo ernſter Menſch biſt, und nicht ſo ein Schwätzer wie all
die anderen Männer. Aber nach einiger Seit wurde das anders.
Sowie ich zu ihr kam, rief ſie mich an: Nun, was ſchweigſt du
denn wieder? Haſt du mir denn garnichts zu erzählen? Deine
Schweigſamkeit wird einem ja direkt unheimlich! Nede doch
wenigſtens einen Con! Wovon ſoll ich denn reden? ſagte ich
und ſchwieg. Nun, erzähle mir doch, was du tagsüber erlebt
haſt, wo du geweſen biſt, man hat doch ſeiner Braut immer
etwas zu erzählen! Sch ſchwieg. Da warf ſie die Cür zu und
ging fort. Su Hauſe fand ich einen Brief von ihr, daß ſie die
Verlobung auflöſe. Was ſagen Sie nn dazu, lieber Herr?
Ich lachte ſchlaftrunken auf: Cja, eine ſehr merkwürdige
Geſchichte. Na, nun gute Nacht.
Gute Nacht und angenehme Cräume erwiderte mein
Nachbar höflich. Wiſſen Sie, die Männer haben doch wenig=
ſtens
noch Logik im Leibe. Aber bei den Frauen kann man die
Logik mit der Laterne ſuchen. Neulich hatte ich ich geſteh es
ganz offen einen kleinen Slirt mit einer verheirateten Frau.
Und weshalb hatte ſie mich liebgewonnen? Es iſt lächerlich, zu
ſagen, aber es iſt wirklich wahr: Weil du ſo ſchweigſam biſt,
und ich deshalb nicht zu fürchten brauche, daß du etwas über
unſere Beziehungen weitererzählſt, ſagte ſie zu mir. Aber kaum
drei Cage hielt ſie es mit mir aus. Dann begann ſie zu ſtöhnen:
Ach, du lieber Gott, ſagte ſie, wärſt du doch lieber ein
Schwätzer, ein Sungenverdreher oder ſonſt was, nur nicht ein
ſo ſchweigſames Mauſoleum. Noch nie habe ich ſo einen
ſtummen Liebhaber gehabt. Geh, ſagte ſie, ich will dich niemals
wiederſehen, niemalsl Und was glauben Sie? Sie ging wirk=
lich
hin und beichtete ihrem Gatten unſere Beziehungen. Hab‟
ſich nicht Necht, wenn ich behaupte, daß die Weiber ſchwatzhafte
Naturen ſind? Natürlich gab daraufhin einen großen Skandal.
So, ſo, grunzte ich und hob mühſam die ſchlaftrunkenen
Augen. Was ſie ſagen! Sehr intereſſant! Doch nun nochmals
gute Nacht. Es iſt ſchon bald ein Uhr.
Ja, ja, es iſt Seit zum ſchlafen, ſtimmte mein Nachbar
bei und zog ſeinen zweiten Stiefel aus. Wiſſen Sie, das muß
ich Ihnen ſchnell noch erzählen, wie einmal ein ganz fremder
Herr auf mich wütend wurde wegen meiner Schweigſamkeit. Die

überhängenden Bäumen von Alleen und Wäldchen. Dieſen Swi=
ſchenraum
ſchließt hier vor dem Schloß jederſeits die Plaſtik
eines Landsknechts mit Hellebarde ab. Die kühne Profilſtellung
jeder Sigur iſt hoch überwölbt vom Aſt einer Ulme. In deren
grünem Spiegeln im Baſſin ſpiegelt ſich das Weiß der Figuren.
Geht man nun die Mittelallee hinab, ſo iſt man umgeben
von dem ruhevollen, dem vornehmen Dunkelgrün, das hier
herrſcht. In Dunkelgrün ſtehen die Reihen von Caxus=Kegeln
rechts und links. Ins Dunkelgrüne ſchaut man hinter ihnen.
Denn nur ein ſchmaler Naſenſtreifen trennt ihre Kolonnen vom
Ciefſchatten der Baumalleen. Und durch dieſe blickt man hin=
durch
in durchbuſchte Wäldchen. So höhlt ſich das Dämmern
der Allee vielfältig ein in ihr dämmerndes Grün.
Und dieſes Dunkel kommt den Noſen zgut, die ſich von
einer Eibe zur andern hinziehen. Wie glüht jetzt dies Not aus
ſolchem Dunkel hervor. Wie ſteigert ſich dies unberührte Weiß
ins Neinere. Wie wird hier ein wächſernes Noſa bleicher und
ſtarrer. Und wie formt ſich ſetzt das Plaſtiſche der Blumen ins
Deutlichere. Wie greifen die Schatten tiefer in die Blüten. Und
wie holen ſich die vorgebauſchten Noſenblätter leuchtender ins
Hellere herauf.
Man hat die Plaſtiken dieſes Gartens viel gerühmt. Sie ſtehen
alle auf dem Naſenſtreifen zwiſchen den Eiben und den Baum=
alleen
. Den Landsknechten vor dem Schloß entſprechen zwei
andere am unteren Ende des Gartens. Swei Querwege werden
umſchloſſen von Siguren der vier Jahreszeiten und der vier
Elemente. Gegenüber dem ruhigen und eingeſchränkten Leben
der Caxus=Kegel ſind ſie das bewegte und ausladende Leben.
Der innere Gegenſatz iſt beſonders überraſchend bei dem Mäd=
chen
, das den Sommer darſtellt. Sie hat das Vornehme der
Allee. Aber ſie iſt wie ein Mädchen aus edler Naſſe, das in
Entfeſſelung geraten iſt und in dieſer Entfeſſelung das Edle ſeines
Baues und ſeiner Ueberlieferung nicht ablegen kann. Sie iſt
beinahe frech mit ihrem Sommerhut ſchief im Nacken, und doch
iſt ſie abweiſend aufgerichtet. Sie hat Kühle, aber eine ſolche,
die ſinnlich reizt. Sie trägt Stolz zur Schau, aber einen ſolchen,
der erotiſch herausfordert.
Einer ſeeliſchen Gegenbewegung gegen die dunkle Würde der
Caxus=Allee magſt du dich auch in den Wäldchen hingeben, die
rechts und links die Mittelpartie begleiten. Ich denke an die
ſeltſam geſchwungenen und geſchnörkelten Wege, die hier Baum=
werk
und Buſchwerk durchſpielen. Du hörſt etwa ganz nah
ein Waſſer rieſeln. Du gehſt drauf zu. Aber der Pfad führt dich
neckend immer dran vorbei, bis er dich in einer plötzlichen Kurve
vor das Niederplätſchern eines Waſſer=Champignons ſtellt
und vor ein Liebespaar, das überraſcht auseinanderſtürzt das
Mädchen natürlich viel erſchrockener, als es Grund hätte. Oder
du läßt dich wohlig hinnehmen von dem ſchmiegſamen Schwingen

Sache war ſo: Wir ſaßen in der Eiſenbahn m einem Waggon
zuſammen; ich ſchwieg natürlich dabei wie immer. Ich ſchloß
die Augen, tat ſo, als ob ich ſchliefe und begann ein künſtliches
Schnarchen. Allein er ließ ſich nicht beirren. Alſo, wir ſaßen
uns gegenüber, und der fremde Herr fragte nach einer Weile:
Wie weit fahren Sie, mein Herr? Ich antwortete nicht. Der
fremde Herr fing darauf hin wieder an.
Chrrrrrrr pfffffffff! ſchnarchte ich.
Was, Sie ſind ſchon eingeſchlafen? Ja, ja, die Jugend!
Mein Freund von damals, der Student, ſchlief auch immer ſo
ſchnell ein. Aber ich muß Ihnen doch die Geſchichte in der
Eiſenbahn zu Ende erzählen.
Ich unterbrach mein künſtliches Schnarchen, erhob mich auf
die Ellbogen und ſagte giftig: Mein lieber Herr, Sie erklärten
mir doch vorhin, daß Sie eine wenig mitteilſame Natur ſeien.
Augenblicklich ſcheint mir das aber nicht der Fall zu ſein.
Er ſah mich erſtaunt an: Wieſo meinen Sie das
Weil Sie hier ohne Unterbrechung alle möglichen Sachen
erzählen und mich nicht ſchlafen laſſen!
Aber ich führe Ihnen doch nur Beiſpiele an! entſchul=
digte
er ſich. Sehen Sie, ſolch einen Fall wie mit Ihnen habe
ich kürzlich auch mal erlebt.
Hören Sie mal, rief ich und warf mich energiſch im Bett
herum, Sie können mir von Ihrer Schweigſamkeit noch ſo viel
erzählen ich glaube ſie Ihnen doch nicht!
Warum denn? fragte mein Nachbar und knöpfte ſich die
Weſte auf. Ich habe Ihnen doch wahrhaftig noch keinen
Grund gegeben, an meinen Worten zu zweifeln. Erſt kürzlich
hatte ich ſogar im Büro Aerger wegen meiner Schweigſamkeit.
Da kam nämlich eines Cages der Direktor zu mir und. fragte:
Nun, Herr Huber, was gibt es Neues? Nichts, ſagte ich.
Wieſo nichts? ſagte er. Nun ſo, nichtsl ſagte ich. Da
wurde er ſehr böſe. Wie wagen Sie es, Ihrem Vorgeſetzten
gegenüber ſo kurz angebunden zu ſein, brauſte er auf.
Ich ſchlafe! Ich ſchlaaaafe! brüllte ich verzweifelt.
Gute Nacht, angenehme Nuhe. Wie wagen Sie es, ſagte
er alſo, ſo kurz angebunden zu ſein? Das iſt eine Unhöflichkeit!
Ich ſagte: Nein! Darauf ſagte er.
Langſam verſank ich in einen tiefen Schlaf und träumte von
einer prachtvoll dahinrieſelnden Quelle. Dann kam plötzlich
Moltke auf mich zu, drückte mir mit mitleidigem Geſicht die
Hand und legte den Finger an den Mund. Und dann kam nichts
mehr.
Eins aber weiß ich beſtimmt: wenn ich wieder einmal eine
Bergtour nach entlegenen Gegenden mache, nehme ich mir
einen Browning und ein Grammophon mit. Sum Schutz gegen
ſchweigſame Menſchen.

[ ][  ][ ]

eies Wegs. Da haſt du auf einmal auf der einen Seite einen
kleinen Schwanenweiher. Auf der anderen laſſen zwei übermooſte
hohe Felsbauten Waſſer über lich tropfen. Bögel, die trinkend
dran hängen, fliegen aufgeſcheucht weg.
Aber dann wendet man ſich doch wieder zum weſentlichſten
Ceil, zur Mittelpartie, und geht auf das Schloß zu hinauf. Einſt
ſchob der herrſchaftliche Bau den freien Naum prunkvoller Par=
terres
vor ſich gegen den übrigen Park. So wahrte er Abſtand,
um ſeinen repräſentativen Stolz auszubreiten und aufzuſteigern.
Das iſt heute anders geworden. Kommt man den Mittelweg
zwiſchen den Eiben herauf gegen das Schloß, ſo greifen von
beiden Seiten zwei mächtige Umen mit großen, lockeren Aeſten
vor die Gartenfalſade, verdecken ſie, laſſen ihr Weiß, Vot und
Gold durchſchimmern. So entſteht jene Vornehmheit, wie ſie
manche ländliche Herrenſitze haben, jene Vornehmheit, die einſt
in der Kraft ſtand, frei, ſtolz und feſtlich war, ſich heute aber
zurückgezogen hat und ſich in Verhängtheit und Verwachſenheit
wahrt.
Vier Namen.
Von Walter Kern.
Als junger Mann beſuchte ich eines Abends einen väterlichen
Sreund, an deſſen ſchriftſtelleriſchen Arbeiten ich regen Anteil
nahm.
Womit beſchäftigen Sie ſich eben? fragte ich beſcheiden.
Mit einer Sache, der auch Sie, wie ich weiß, ſehr geneigt
ſind, den deutſchen Samiliennamen. Das iſt ſehr hübſch, aber ge=

fährlich. Wenn ſich da einer einbildet, ſelbſt ganz einfache Namen
nur ſo, wie man zu ſagen pflegt, aus dem Handgelenk zu deuten,
kann er manchmal ganz bedenklich daneben hauen.
An dieſe Worte wurde ich kürzlich wieder erinnert, als in
einer Geſellſchaft die Sprache auf dieſen Gegenſtand kam.
Das iſt doch lehr einfach, meinte einer der Gäſte, die
Namen der zunächſt ſitzenden Herren zu erklären; zum Beiſpiel:
Mein Name Maier kommt von major domus, Herrn
Bächers Vorfahre verſorgte wohl leine Nachbarſchaft mit
köſtlichem Brot, der erſte Schröter war ein Mann, der die
Fäſſer auf den Leiterbäumen vom Laſtwagen ſchrotete, das heißt
herunterrollte, und Sie, Herr Geiger, ſtammen von einem
luſtigen Spielmann, der das junge Volk mit ſeiner Geige zum
Canze unter der Dorflinde rief.
Da ich ein ungläubiges Geſicht machte, wandte er ſich an
mich mit der Frage:
Nun, habe ich nicht recht?
Ja und nein. Sie haben inſofern recht, als dieſe Deutungen
zulälſig ſind; aber es gibt noch andere, nicht minder richtige.
Wenn man die Herkunft eines Familiennamens ergründen will,
iſt es nämlich in den meiſten Fällen nötig, zu erforſchen, aus
welcher Gegend die Vorfahren der Cräger dieſer Namen
ſtammen.
Bei Meier in ſeinen vielen Schreibarten kann man ſagen,
daß dieſer Sammelname faſt immer von maſor villge oder
rillieus herſtammt, einem Manne, der zunächſt Aufſeher oder
Verwalter eines Landgutes war. Villa hatte noch nicht die

heutige Bedeutung von Luſthaus; der ganze bebaute Boden mit
allem Subehör an Wald, Weide uſw. hieß bei den Franken
lateiniſch villa, (fränkiſch marka). Aus dieſen Verwaltern
wurden mit der Seit Hofbeſitzer auf Erbpacht. Und da, wo die
Serſtückelung des Haupthofes gegen Pacht am meiſten üblich
war, wie in Weſtfalen, Hannover, Bauern, Württemberg, gab
es die meiſten Meier, die man dann durch Vorſetzen von alt=
deutſchen
Perſonennamen (Ottomeier) oder kirchlichen ( Peter=
meier
) zu unterſcheiden ſuchte. Außerdem ſpielte der Beruf des
Betreffenden eine Nolle (Jägermeier) oder ſeine Eigenſchaften
Biedermeier), kurz alles mögliche wurde angezogen, ſo daß man
tatſächlich über dieſen Namen ein ganzes Buch ſchreiben könnte.
Und ſehen Sie, trotzdem gibt es zwei Meier, die mit dem
Major villae oder major domus nichts zu tun haben. Das iſt
der jüdiſche Vor= und Familienname, der vom hebräiſchen
Me-ir, erleuchtend, kommt. Schon Flavius Joſephus erwähnt
einen Méiros im Jahr 70 n. Chr., und ſpäter trugen Gelehrte
des Mittelalters dieſen Namen, wie z. B. im 12. Jahrhundert
der Bibelerklärer Hamuel ben Meir.
Und dann gibt es noch einen Meier, der nachweislich von
Mäher, Schnitter abſtammt. Die Form Meiert ſteht abſeits.
Dann der Bächer. Ja, die meiſten, beſonders die ober=
deutſchen
Bäcker, Becker, Beck kommen vom Brotzmacher,
aber es gibt auch niederdeutſche Becker, die ſich von Bach
(Becker, von der Becke, die am Bach Wohnenden) ableiten.
Die Schröter hängen auch nur zum Ceil mit dem Faß=
ſchroten
zuſammen; viele bedeuten weiter nichts wie Schnei-
der
. Althochdeutſch iſt nämlich ſerotan, mittelhochdeutſch
ſchroten, ſoviel wie mit dem Schwerte hauen, verwunden, das
Haar abſchneiden und Stoffe zu Kleidern zuſchneiden. Der Stoff=
zuſchneider
iſt alſo der Schröter oder Schröder oder Schrader.
Und nun der letzte von den vieren, der Geiger. Gewiß
hängt er mit Geige, Fiedel zuſammen. Aber es gibt eine Aus=
nahme
. Das ſind die Geiger, die aus dem Allgäu ſtammen.
Darüber wurde ich einmal von einem Augsburger Forſcher fol=
gendermaßen
aufgeklärt.
In früheren Seiten, als die Kindermehle noch nicht bekannt
waren, bekamen die Wickelkinder (deſſen erinnere ich mich noch)
den ſogenannten Schnuller als Beruhigungsmittel ins Mäulchen
geſteckt. Das waren Leinwandläppchen, gefüllt mit angefeuch=
tetem
Geigenmehl und zugebunden. Dieſe Geigen aber waren
Bretzel aus ungeläuertem Weizenmehlteig und hatten die Form
der Geige, des mittelalterlichen Subehörs zum Pranger. Letztere
beſtand aus Hölzern, die um die Hälſe von zwei Perſonen ſo
gelegt werden, daß ſie ſich nicht rühren konnten und ſich dabei
immer anſehen mußten (meiſt bei zänkiſchen Weibern angewendet).
Da nun dieſe Geigenbretzeln ſtets friſch ſein mußten, und bei
dem verhältnismäßig kleinen Umſatz das nicht durchzuführen war,
wenn alle Bäcker der Stadt ſie buken, wurde beſtimmt, daß mur
einer ſie herſtellen durfte, und der hieß dann der Geiger.
So, meine Herren, nun habe ich meine ganze Weisheit er=
ſchöpft
. Jür Berichtungen und Suſätze wäre ich Ihnen dankbar.
Die Kaufmoral
der gebildeten Frau.
Von Ewald Dunker.
Die Frauen, die Hausfrauen im beſonderen, ſind die Ver=
walterinnen
des größten Ceiles des Volksvermögens. Und da ſie
das Geld haben, beſitzen ſie auch die Macht. Selbſt diejenige
Hausfrau, die nur über ein kleines Wirtſchaftshudget verfügt,

ka ſich einfach durch die Catfache, daß ſie Kmdin R..
mächtig auswirken. Auch ihr iſt es gegeben, die Kaumoras
beeinfluſſen. Wie peinlich wirkt es, wenn die kaufende Fram
alem, was ihr vorgelegt wird, zu tadeln, zu kritiſieren hat. B.
ihr auch die eine oder die andere Ware nicht gefallen, ſie
aber kein Necht, ihre Mißbilligung ſo laut zu äußern, daß
die Umſtehenden darauf aufmerkſam werden. Dadurch kamr=
den
Kaufmann empfindlicher ſchädigen, als durch das Unv
laſſen des Kaufes. Wie hat am Sonntag die Gans geſchmnt 40=

gnädige Frau? erkundigt ſich die Verkäuferin, am Montag;4
die Hausfrau ihren Einkauf tätigt. Na, es ging ſo, iſt die2
liebenswürdige Antwort. Und doch war die Gans eine al
kateſſe, die der ganzen Familie Freude bereitet hat. Abemt
Frau will es nicht zugeben, in der Furcht, ſie könne die Bhfa4 i
käufer verwöhnen. Was iſt die Folge? Mau kann esite2Ateit
nicht recht machen, meint der Kaufmann in Verbitterung. A/(uf
unſoziale Einſtellung vieler kaufender Frauen zeitigt eine M144
ſchwerung der kaufmänniſchen Berufe. Das lange und umſt:u fi4
liche Wählen, die Unentſchloſſenheit vieler Käuferinnen,
das Perſonal zur Verzweiflung. Durch die Saumſeligkeſt:!t
einen Kundin müſſen andere lange Seit warten, verlieren die
oder lie gehen in ein anderes Geſchäft, weil ſie ſich hier verncec
läſſigt glauben. Der Kaufmann hat wieder einen Kunden
gebüßt. Glücklicherweiſe ſind in den meiſten Geſchäften Mit
Preiſe eingeführt, ſo daß ein umſtändliches Handeln und sibl.
ſchen kaum noch im die Gegenwart gehört. Aber eine arguit hi0
Unſitte hat ſich eingeſchlichen: Das Verlangen, für eine u ½.
hältnismäßig niedrige Summe einen quantitativ guten Kauuf
machen. Das Qualitative wird dabei unberückſichtigt gele

0 F

Man kennt ſtets Quellen, die einen ewig ſprudelnden Sik
zbilliger Waren haben. Es ſind nicht lelten Handelsleute
an die Cüren kommen und die keine Verantwortung für den
kauf beſitzen, ihn einfach nicht aufweiſen können, weil ihr 2k.
und die Art ihres Gewerbes für den Kaufenden anonum blum
Oft kommt der Hauſierer ſogar gelegen, weil man den Eim/
wichtiger Lebensmittel bis zur lotzten Minute aufgeſchoben 1
und nun zufrieden iſt, daß man nicht mehr in das Geſchäft In
mußte. Wirklich, die Unſitte, kurz vor Ladenſchluß alles 4
wendige einzuholen, bedeutet eine Rückſichtsloſigkeit gegen
lonal und Geſchäftsinhaber. Dazu kommt, daß im letzten Aus
blicke die Waren nicht mehr zur Zeit geliefert werden können4
daß die Hausfrau dieſe Catſache als eine Rückſichtsloſigkeit 24
ihre Perſon empfindet. Sie hat nämlich noch anderes zch
ſorgen und hoffte, die Waren kurz nach der Beſtellung im 81
haben zu können. Führen Sie franzöſiſche Seife? fragter t
elegante Dame in einem ganz kleinen Geſchäft der Mittell=ſt
und ſie rümpfte die Naſe. Die deutſche Seife iſt auch ſehr
otgegnete die Verkäuferin freundlich, worauf lſie einen 14
Blick der eleganten Dame einheimſt und das kurze Wort:
lein, aber ich verzichte. Franzöſiſche Seife, amerikaniſche Auft
Brüſſeler Hühner, engliſches Lavendelwaſſer ... endlos i 4
Hahl der Käuferſünden. Hier könnte eine Moral einſetzer:
allen den Kaufenden und den Verkaufenden das Lebe:
leichtert. Die Erziehung durch die Frau, durch die Hausfra.
großen, würde ſicherlich in kurzer Seit die beſten Früchte:4
tigen. Der Konſument ſpielt im Wirtſchaftsleben die 9:
Volle. Die Hausfrau als Hauptkonſumentin hat hier eine
gabe zu erfüllen.

Ei emer u
EnR
Keir ni
Erd de

Nummer 385.
Aufgabe 551.
J. Speida.
(1. Preis, Neues Illuſtr. Blatt, 1877.)
b

Rätſel

Kreuzworträtſel.

Weiß zieht und ſetzt in drei Bügen mat.
Prüfſtellung: Weiß: K11 Des T16 Ld6 gs Bg5 h4 (5);
warz: Ket Ib8 Sbs Bat b5 44 47 as 15 ct (10); 94
Aufgabe 552.
F. Schrüfer.
(1. Preis, Nuova Riviſta, 1877.)
Weiß: Kel Db7 Tg8 h3 Lh8 8a5 g2 B15 h4 (9).
Schwan: Ket Ses Bd5 46 14 h5h6 (5).
Matt in zwei Zügen.

Anfragen, Beiträge, Löſungen uſw. nur an die Schriftleitung des
rmſtädter Tagblatts mit der Aufſchrift. Schach

Die Wörter bedeuten von links nach rechts; landwirtſchaftl.
Beſitzung, 3 engl. Anrede, 4 Bildungsanſtalt, 7 Naturerſcheinung,
9 ſpaniſcher Fluß, 10 Stadt in Preußen.
Von oben nach unten: 1 Gericht aus geſchrotetem Getreide,
2 Getränk. 3 Gegenſatz von leicht, 4 Gewäſſer, 5 Richtblei, 6 Papſt=
name
, 7 portugieſiſche Beſitzung an der vorderindiſchen Küſte,
8 Hirſch
Streichholz=Rätſel.

I
Durch Umlegung von 4 Hölzchen entſteht ein Gewebe.

Kreuzworträtſel.
Baagerecht: 1 wichtiges Zeitwort, 4 bewachſene Fläche,
8 Haustier, 9 Männername, 12 Göttin der Zwietracht, 13 R.4
Deutſchland, 14 Luftgeiſt, 15 Männername, 17 Farbe, 20 Frauenute
23 Naturerſcheinung, 24 Frauenname, 25 Bühnenwerk, 9 Hokl
Senkrecht: 1 deutſcher Dichter 2 Männername, 3 Muſtzo 7.!
4 Blume, 5 Baum, 6 Menſchenraſſe 9 religiöſes Gedicht 10 Sfc 4
der Rheinproyinz. 11 Verpackungsart, 15 Haurier, 16 franzöſiſcher
komponiſt, 18 Hülſenfrucht, 19 Vogel, 21 Frauenname, 22 Berg in ?

TT. K 1 I5TTST 30 21 3

Druck. Verlag u. Kliſches: L. C. Wittichſche Hofbuchdruckerei, Rheinſtr. 23. Verantwortl. für die Redaktion: Dr. 5. Nette. Darmſtadt, Fernſpr. 1, 23892392. Alle Rechte vorbchalten Nachdr.vc.

Auflöſung der Rätſel ans Nummer 4!:
Beſuchskarten=Rätſel.
Flugtechniker.
Silbenrätſel.
1 Obſtbaum, 2 Tochter, 3 Achat, 4 Egoismus, 5 Liebeg.
Eintagsfliege, 7 Rieſelfeld 8 Warſchau, 9 Engelsburg. 1%
6 Eintragsfliege, 7 Rieſelfeld. 8 Warſchau, Engelsburg. 10D
haus, 11 Taunus, 12 Oleander 13 Hantel, 14 Oberamme
15 Ehrenwort, 16 Hawaii, 17 Etamin, 18 Nelke, 19 Ordol
Das Lied lautet: O Täler weit o Höhen, o ſchöner we
Wald.
Zwei Homonyme.
1. Der Hut: 2. Deubel.

[ ][  ][ ]

mbobo, vun wäje dem Erdbäwe. Alſo bekanntlich läwe
in=ere ſogenannte gemäßichte Zohn, un däßhalb freecht
Rümit Recht, was unſere gude, liewe, alde Mudder Erd do
eiligſtn die Kron gefahrn is, wie ſe ſich bletzlich emol hott
ziddtelmiſſe. Wann däß drunne in de ſiedliche Wälddaale vor=
mmc
ann find mer däß jo ſchließlich verſtendlich, do liggt’s
zliesisll cm Temberamend. Awwer bei uns, in unſerm abge=
eerte
teitegrad un aach noch dißſeits vun de Maa’grenz, wo
ſch iſthn, ſeit alders die Gemiedlichkeid Drumb is, do is mer
ſch zſſchermaße erſtaunt, un freecht mit Recht nooch em Grund.
7iich, wann mer die gelehrte Härrn ſo heert, die wo ſich
ennermich gutächtlich dezu aißern, zu däre Schiddlerei, ſo wiſſe
de gwbofor widder ärchend e Urſach, un mache’s aam um=
undllüübkauſiewel
, un ſage, es kemt vun dem un ſällem. Awwer
liſſenr Strohſack, was aam die gelehrte Haiſer do ſage, däß
rſteuhdre wenichſte, un ſo muß mer ſen halt glaawe, ob ſe nu
ſagz odder ſo, Glaawe awwer haaßt: nix wiſſe. Un däßhalb
ſb ichſ des Gefiehl, als weern ſich die Gelehrte iwwer däß
ſaxummidder mol net ganz im Klare.
Uno frog ich mich im Stille ſälwert: Warum hott’s neilich
iſerrede ſo geſchiddelt? Kimmt däß valleicht vum Lache,
ngefieh ſo, wie mir als de Bauch waggelt, wann ich iwwer
chendwas emol ſo recht härzhaft lache muß; odder kimmt’s
mm ſßel her, ungefehr ſo, wie’s aam oft ſchiddelt, wann aam
besn ict iwwel uffſtoße dhut? Wie geſagt: däß is die
jage- Nemlich, hott unſer alde Erd iwwer äbbes gelacht,
derpſt’s ihr an äbbes geekelt..

Unvenn ſo gelacht hott, de Erd, warum hott ſe noochher
lacht. Wo’s doch heidichendags ſo wenich zum Lache gibt, un
d maſich kaum zu lache gedraut, aus Angſt, es ſieht’s aaner
Im ſhanzamt, un drift dodenooch ſei Maßnahme
Umwann’s ihr geekelt hott, unſere Erd, warum hott’s ihr
genftt? Is es ihr valleicht iwwel worrn, iwwer all däß
Seiheſühe Geſchwätz, däß wo drunne in Gemf widder verzabbt
Sworr, un wo die Herrn Völkersſchaftsverdräder vun Edelmud
Fſienslieb nor ſo driefe, während ſe de Dolch im Gewand
wwut in bloß den Moment abbaſſe, wo ſe ſich an die Gorjel
irnnkine, un kenne enanner abmorxe. Alſo hott ſe ſich bei=
els
nich valleicht en Ekel geholt an dene verlogene Liejener
nCnſenner un Franzoſe, die wo uns nooch un naach des Fäll
wemn Kobb zuſammeziehe, un de Wäld gäjeniwwer ſo dhun,
wswnei mir diejeniche welche. Ja, offe geſtanne, in dem Fall
utt’s )Erd doch net bei uns zu ſchiddele brauche, ſundern do
tt ſſhch vun rechtswäje weider owwe uff de Landkadd, links,
angy inne, un hett ſich ſchiddele kenne, meintswäje bis erunner
dich litrenäe
Wülſdäß kann’s net ſei, ſundern ich glaab, mir miſſe de
uniſ hun bei uns ſällwert ſuche, wann mer dehinner kumme
ölle,4 artum ſich unſer Erd ſo geſchiddelt hott.
Unpann mer ehrlich ſei wolle, ſo hott ſe valleicht bei uns
ſchaln Grund, ſich zu ſchiddele, die Erd. Bloß ob’s vum Lache
nmi dder vum Ekel, das die Frage.
Hinnts nemlich vum Lache, dann mecht ich offe geſtanne

ſſe, us ſe gelächert hott. Meines Wiſſens is in de letzte Zeit
z uusmx ſo lachhaftes baſſiert, daß ſich die Erd däßwäje hett
ſchtole brauche. Gewiß, es fehlt in unſerm liewe Vaderland
e am ſeläjenheide, wo ſich der un jener de Lächerlichkeid breis
bt. Awer en Grund zum Lache is däß net; eher im Gäjedaal.
icſſ inn mir beim beſte Wille net vorſtelle, daß die Erd ſo
adeſw ſei kennt, un for däß mißt ich ſe unbedingt halte,
annnſiwwer die horrente Dummheide aach noch lache wollt, die
o ſiihn Deitſchland geleiſt wärrn, un die wo uns hinnernooch
lemalo deier zu ſteh kumme
Odr hott ſe’s noochdräglich noch gelächert iwwer den märk=
tärdiſc
Ausgang vun de Reichsdagswahle, wo ſe ſich abwex=
ingSsihes
vereinicht und widder veruneinicht hawwe, un wo ſe
oße brich geklobbt hawwe, un jetzt wo mer genaa hieguckt,
eht, ,us halt hinner dene fadenſcheiniche Redensarde zuguder=
ttEmallemol
widder des perſeenlich Indräſſe eraus blin=

Der zeitgemäße Haushalt.

Giſfache, praktiſche Mauſefalle. Man fülle
mnent ſhwandigen Topf zur Hälfte mit Waſſer, lege dann einige
undes dergamentpapierſcheiben als ſchwimmenden Deckel darauf,
ſachden man zuvor einen tiefen Kreuzſchnitt hineingeſchnitten
gr. R darauf gelegte Köder: gebranntes Mehl, Brot, Wurſt=
halein
ſw., zieht die Mäuſe an. Man gebe ihnen durch ein an
hen Ic gelegtes Hölzchen oder Brettchen Gelegenheit zum Er=
ſuimmen
desſelben, und ſie fallen dann beim Naſchen in das
V.
Laſſe un dem ſie ohne Quälerei ſofort ertrinken.
Albelaufene Filzſohlen ſelbſt zu ergänzen.
lindiciusſchuhe und Morgenpantoffeln ſind im Oberteil meiſt
dc. hellos erhalten und müſſen nur der Sohlen wegen ergänzt
ſerden Man ſollte aber ſparſamerweiſe neue Sohlen dazu
aufe und dieſe folgendermaßen behandeln, damit ſich der Näh=
Ademhhr wieder durchläuft: Man ſpalte die Sohlen mit ſchar=
Em 2 Mer in der Mitte etwa 1 Zentimeter tief und nähe ſie dann
H.
ſr omoberen Rande derſelben auf.
Zbe halte ich mein Eſſen ohne Weiterkochen
Ei4R In Familien, in denen die einzelnen Berufstätigen
erſchanene Tiſchzeiten haben, bereitet der Hausfrau das Heißhal=
En 0/SMittagbrotes viel Schwierigkeiten. Wo die Tiſchzeit noch
enrurs bemeſſen iſt, da iſt das Wiederaufwärmen mit Zeit=
erlunſerbunden
. Alſo iſt es beſſer, wenn die Mahlzeit gleich
T diles lußtragſchüſſel gefüllt, in die ſog. Backröhre des Gas= und
daah=nes bei ganz kleingeſtellter Flamme geſtellt wird. Das
Sſenl ſeiot auf dieſe Weiſe dauernd heiß, ohne weiterzukochen,
De ſtiiner Kochkiſte. Wo dieſe beiden Helfer fehlen, da hilft
N2 Aſſetzen der Schüſſeln oder des Kochtopfes ſelbſt auf heiße
A... V.
Waſſüswie.
er das Selbſtbacken von Zwiebäcken.
SOyN de Hausfrau hat ſchon bei reiflicher Ueberlegung feſt=
Zenl drß das zum Nachmittagskaffee notwendige Zubrot
Nr k üblichen Aufſtrich, beſtehend aus Butter, Fett, Mar=
Mrimn Konig oder Marmelade uſw. immer weſentlich teurer
kdyis wenn ſie irgendwelches, ſelbſtbereitetes Gebäck da=
,d0

Hnüiſſen nun nicht immer komplizierte Gebäcke: wie Tor=
eie
Ums oder Formkuchen uſw. ſein, auch einfache Arten
SrS Senſo gern auf dem Familientiſch geſehen. Und zu
Deleinegören die Zwiebäcke, zu denen als Grundteig ein
Licerut Hefe verwendet wird. und zwar rechnet man auf
Mehl 35 Gr. Hefe. Als weitere Zutaten kommen dazu
Dr. Butter oder Margarine, 12 Eier, 7 Liter Milch,
1 Salz und zur Erſparnis an Zucker, 34 Eßlöffel

zelt. Ich kann mer do net hälfe, awwer mir geht’s ſo, un mit
meim ſimble Verſtand als a faches Weibsbild kann ich’s net be=
greife
, wie mer ſich immer uff’s hoche Roß nuffſetze kann, un kann
Redde feilbiete, un vum Indräſſe vun de Geſamtheit ſchwätze,
wann mer’s abſolud net färdich bringt, im Indräſſe vun de Ge=
ſamtheit
aach emol e bische zurickzudräde, un noochzugäwwe, un
ſich zu beſcheide, un ſich zu vergleiche, indem mer en a’ſtendiche
Kommbromiß macht, un ſich net mit u’aſtendiche Kuhhännel eileßt
No, mich geht’s jo gottlob nix a, un ich verſteh aach nix devo.
beſunners net, wann’s a geht mit Redensarde, die wo per Schach=
zug
un per Stradeſchie un ſo, aam äbbes begreiflich mache
wolle, was mer jo ſo wie ſo net bedabbelt..
Awwer ſoviel is gewiß, daß ſich unſer Mudder Erd iwwer
den bollidiſche Kuddelmuddel aach net ammiſiert hott, ſundern
ich glaab ehnder, daß die Schiddlerei doch vum Ekel herkimmt. Un
wann ſe ſich bei all dem noch net hott bräche miſſe, unſer Erd,
odder wie die gelehrte Herrn ſage: wann ſe uns noch net full=
ganiſch
kumme is, ſo is däß des pure Wunner. Jedenfalls
brauch’s uns awwer net zu erſtaune, wann’s ihr ſchließlich doch
emol eines Dags zum Bräche hebt un dann ſchleegt’s dreizeb . . .
Dreizeh! Do denk ich bei däre Zahl gleich an noch etwas.
Ich muß awwer vorausſchicke, daß ich dorchaus net zu dene geheer,
die wo awerglaiwich ſin, dann ich bin uffgekleert, un zwar net
dorch en Uffkleerungsfilm, indem daß ich noch kaan geſähe hob.
ſundern ich bin’s äwe infolche meiner Büldung; jawohl. Un
grad däßwäje dhet ich mich vor mer ſällwer, ſcheeme, wann ich
awerglaiwich weer. Ebbes annerſter is es, wann mer, wie ich,
en gewiſſe Awer gäje äbbes hott, dann nemlich en Awer
därf mer hawwe, däß is noch lang kaan Awerglauwe.
Un ich hab alſo en Awer gäje die Zahl Dreizeh. Un däß
waaß jeder halbwähks uffgekleerte Menſch, daß die Zahl e
ausgeſproche Unglickszahl is. Däß loß ich mir net ausredde, un
wann ich wo eijelade bin, un es ſitze unglickſeelicherweis dreizeh
Kaffeedande am Diſch, dann zehl ich mich vorſichtshallwer dobbelt,
un äß un drink for zwaa, um damit, daß jo kaa Unglick baſſiert.
Manchmol geht däß Mannewer gut aus, awwer manchmal wärd
mer’s aach iwwel hinnenooch, un däß liggt dann fraglos an däre
Unglickszahl.
Alſo, wie geſagt, awerglaiwich bin ich net, awwer en gewiſſe
Awer hab ich nu emol gäje die Ooſezahl Dreizeh. Un däß hatt
elbſt ſo e großer Mann, wie unſer Altreichskanzler Bismarck.
Unſer Reichskanzler Brüning, dem geht däß ab, der hott kaan
Awer gäje die Zahl Dreizeh. Noja, ’s is aach kaa Bißmarck
ſunſt hätt er ſich jedenfalls mit Hend un Fieß degäje geſtraibt, daß
mer ausgerächent die Reichsdagsereffnung uff de Dreizehnte
ſelegt hott. Er hott ſich alſo kaldlächelnd driwwer wäck geſetzt; no

Awwer ſo ſin die vum neie Reſchiem, ſie nemme nix a', un
ſoſſe ſich nix ſage, un ſchlage alle alde gude Reechele in de Wind
Hett mer net grad ſo gut den Reichsdag am Zwölfte odder am
Värrzehnte ereffne kenne? Naa, ausgerächent am Dreizehnte
muß es ſei! Daß däß kaa gud Ohmen is, däß is emol for mich
ſo klar wie Kleesbrieh. Un wann ich aach nix iwwer däß arm=
ſeeliche
Therjader, ſage will, däß wo ſe im Reichsdag bei däre
feierliche Eröffnung uffgefiehrt hawwe (däß wolle Volksverdrä=
der
ſei!), ſo hab ich doch des Gefiehl, als dhet mit dem dreizehnte
Oktower neunzeh’hunnerddreißich e nei Leidenszeit for unſer arm
Vaderland beginne; un mer legt ſich im Stille die bang Frog vor
wärd’s aach die geſund un munder iwwerſteh? wärds aach
aus dieſes Tahles Grinde de Auswähk finne . . . . . .!
Wie geſagt, zu wunnern brauchs aan net, wann’s unſere gude,
alde Mudder Erd hin un widder mol iwwel wärd, ſie hott allen
Grund dazu; un iwwer des Warum braiche ſich die gelehrte
Herrn de Kobb mir zulieb net weiter zu verbräche . . . .
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm: Während ſe alſo in Berlien
drowwe uff e ganz märkwärdich Art ſich gäje die Nod

Süßſtofflöſung. Von einem Teil des Mehles, der Milch und
der Hefe ein Vorteig bereitet, läßt man dieſen zugedeckt an
warmer Stelle ½ Stunde gehen. Miſche ihn dann mit den
übrigen Zutaten und bearbeite ihn ſolange, bis er ſich von der
Schüſſel löſt. Forme dann handbreite lange Rollen, die man
auf gefettetem und bemehlten Blech nochmals gehen läßt, um
ſie dann bei Mittelhitze ½1 Stunde backen zu laſſen. Erkal=
tet
in Scheiben geſchnitten, röſte man dieſe auf dem Blech
nochmals von beiden Seiten braun und knuſprig. Nach Be=
lieben
kann man die Zwiebäcke noch mit einer weißen Punſch=
glaſur
(von Rum oder Arrak, Himbeer= oder Schokoladen=
glaſur
) überziehen, oder aber als ſog. Makronenzwiebäcke mit
Makronenmaſſe, von Mandeln, oder noch billiger, von Kokos=
.. A.
flocken bereitete, überziehen.
Birnenſuppe. ½ Pfd. geviertelte, geſchälte Kochbirnen
ſetze man mit 1 Stückchen Zimt und Zitronenſchale zum Kochen
auf. Ganz weich, ſtreiche man ſie durch ein Haarſieb. Dann noch=
mals
zum Kochen gebracht, mit etwas Kartoffelmehl ſämig ge=
macht
, ſchmecke man die Suppe mit Zucker, wenig Salz, friſcher
Butter und evtl. 1 Eßlöffel Wein ab. Man ſerviere ſie mit in
Butter geröſteten Semmelbröckchen.
Weinbeerſuppe. ½ Pfd. reifen Wein ſetze man ab=
gebeert
mit Waſſer, Zimt und Zitronenſchale zum Kochen auf.
Wenn ſie zerplatzt ſind, ſtreiche man ſie durch ein Haarſieb und
bringe die Suppe nochmals zum Kochen, um ſie mit Kartoffelmehl
ſämig zu machen. Mit Zucker nach Bedarf geſüßt ſowie mit einer
Meſſerſpitze Salz und 1 Eßlöffel Butter abgeſchmeckt, brocke man
nach dem Auftragen friſchgeröſteten Zwieback, Kekſe, Makronen
in die Suppe.
Rote Apfelſuppe. 1 Pfd. ſäuerliche Musäpfel ſetze man
ungeſchält mit Waſſer bedeckt ſowie Zimt und Zitronenſchale aufs
Feuer. Durch ein Sieb geſtrichen, mache man die evtl. noch mit
etwas Waſſer verdünnte Suppe mit wenig Kartoffelmehl ſämig
und ſchmecke ſie mit 1 Meſſerſpitze Salz. 1 Eßlöffel friſcher Butter
ſowie 2 Eßlöffel Himbeer= oder Kirſchſaft ab. In dieſem Falle
kann der Zucker wegbleiben. Sie wird mit in Butter geröſteten
Semmelbröckchen ſerviert.
Speiſe=Zettel.
Sonntag: Rote Apfelſuppe. Schweinslendchen mit Rotkraut.
Zitronencreme.
Montag: Fleiſchgefüllte Kohlrabi.
Dienstag: Kalbsgekröſe mit Roſinenſoße und Abſtech= Sem=
melklößchen
.
Mittwoch: Schwarzwurzelgemüſe mit gebratener Leber.
Donnerstag: Möhren mit weißen Bohnen und gekochtes
Schwarzfleiſch.
Freitag: Kartoffelſalat mit gebratenem Goldbarſch.
Samstag: Birnenkartoffeln mit Brühwürſtcher

wehrn un embern, indem ſe im Reichsdag ſich benemme
wie die richdiche Buwe; während die richdiche Buwe uff
de Stroß die Glaſer in Nahrung ſetze, was nooch meiner
Aſicht s Verkehrtſte is, wo mer dhu kann, dann wie ſoll’s
dovo beſſer wärrn? frog ich. Alſo während ſe in Berlien de
Gaul am Schwanz uffſchärrn, verbricht mer ſich annerwärts de
Kobb, wie mer widder dorch den Winder kimmt. Ich glaab, die
Wohlfahrtsemder krieje allerhand zu dhu, un wärrn die aanziche
ſei, die net iwwer Uffdräg zu klage brauche. Un ſo hott aach unſer
ſtädtiſches Wohlfahrtsamt dieſer Dog ſich widder an die Bärjer=
ſchaft
gewend mit der Frog Wer hilft?! un hott ge=
maant
, es kennt jedes hälfe, wo nor wollt, indem’s emol dehaam
in Schrenk un Käſte färchterliche Muſterung abhalte dhet, mit
dem Zweck un Ziel, all däß, was noch trag= un verwendbar is,
erauszuricke, un em Wohlfahrtsamt zu ſchicke, aanerlaa, was es is,
Klaader, Weſch, Strimb un Schuh. Bluſe, Röck, Bettziche un Hand=
dicher
. Dann die Not is groß! ſchreibts Wohlfahrtsamt, was
mer’m uff’s Wort glaawe kann. No, die Darmſtädter Bärjer=
ſchaft
hott noch immer gedha, was in ihre Kräfte ſtand, mer muß
es ihr nor meechlichſt bequem mache. Freilich, s Wohlfahrtsamt
will’s jo abhole loſſe, wann merm ſchreibt. Awwer valleicht
ſchenierts die Leit, wann eines Dags ſo zwaa, drei Menner
agerickt kumme, un ſchlebbe allerhand Sacher fort, do haaßt’s am
End, mer weer gepennd worrn. Geht mer annerſeits her, un
bind valleicht ſo e Stickers zwaa odder drei Azüg, Mendel un
Weſch un ſo in e Leinduch, um’s ſälbſt uff’s Wohlfahrtsamt zu

drage, dann gibt däß aach widder e dumm Geredd, un die Leit
ſage am End, mer dhet ſei Sach ins Pandhaus drage, weil mer
Gäld braicht for’s nechſte Vereinsvergnieche (mer waaß jo, wie
die Leit ſin heidichendags) . . . . Däßhalb kumm ich noch emol
mit meim alde Vorſchlag vun vor zwaa Johr, un ſag: wie weer’s,
wan mer emol e Wohldädichkeidswoch mache dhet, un
dhet die Schubbo mobil mache, un die mißte acht Dag lang mit
Mann un Roß un Wage dorch Darmſtadt ziehe, un alles an ſich
nemme, was die Leit hergäwwe wollte. Däß weer emol e fried=
lich
Rekwirierung un Kondributzion, un do kemt was zſamme,
indem doch niemand vor ſeine Nachbersleit zurickſteh wollt, un
jedes dhet was bringe, wann die Schubbo vorm Haus ſtind, un
dhet zum Sammle blooſe. Do kemte net bloß die reiche un
nowele Leit, die wo valleicht mehr Hemder hawwe, als wie ſe in
aam Johr dräckich mache kenne, ſundern do dhete aach mir annern
unſer Sache zuſamme ſuche, wo noch einichermaße verwendbar ſin
dann wie geſagt, es wärd alles mit Dank a genumme, vum Ulſter
odder Belzmandel bis zu de Kinnerwinnel".
Ja, un do fellt mer grad ei, daß mer hier aach e Heiden=
reich
=Siebold=Stiftung hawwe, die wo die arme Wöch=
nerinne
bedreie dhut. s is mit a' vun de menſchefreundlichſte
Eirichdunge; dann mer waaß doch, daß der Klabberſtorch märk=
wärdicherweis
zu dene am liebſte kimmt, die wo’s am wenichſte
brauche kenne. Däß wärd ſchun ärchendwie ſein Grund
hawwe . Mer waaß awwer aach, wie’s dene Stiftunge‟
gange is vun de Stiftung is nix mehr do, awwer die Not is
greeßer, wie je. Alſo haaßt’s aach do, uff Middel un Wähk ſinne,
um helfe zu kenne. Awwer aach däß wärd uns ſo leicht un
agenehm gemacht wie meglich, indem mer weider nix zu dhu
brauche, als wie beiſpielsmeßich am Dunnersdag, awend in de
Muſickvereinsſaal zu geh, wo uns vun de Fraa Thea Böhm
(em Dockter Böhm ſei Fraa) un vun de Fraa Dingeldey=
Merk, un vun de Frailein Lina Becker en ganz auserleſene
Kunſtgenuß gebodde wärd. Ich gäb’s zu, es is jo an Kunnzärte
in Darmſtadt kaan Mangel, un es ſin faſt ſtets dieſelwe Leit, wo
mer do ſieht. Awwer ich maan doch, wenn mer gor zu ſo=eme
ſcheene un gude Zweck ſich e Kadd kaaft, do hott mer e dobbelt
Befriedichung. Un ſo will ich mit Beſtimmtheit a nemme, daß am
Dunnersdag awend de Muſickvereinsſaal zu klaa is, um all. die
faſſe zu kenne, die wo uffm agenehme Umwähk vun=ere ſcheene
Stund ihr Schärflein beidrage wolle, zum Beſte vun unſere arme
Wöchnerinne mit ihre Wärmercher; ſie ſin jo ſo dankbar
Die Kadde gibt’s beim Arnold in de Eliſſabeddeſtroß

Herr Struwelpeter als Zuſchauer.

Hut ab, da vorne, wollen auch was ſehen!

Bittſchön, wenn’s ſo beſſer iſt.
Wohl überlegt. Nun, Geliebter, haſt du alles für die Ent=
führung
vorbereitet? Natürlich, mein Schatz! Wir heiraten
in Helgoland, von Hamburg teilen wir’s deinen Eltern mit, von
Köln aus bitten wir um Verzeihung, und aus Paris telegra=
phieren
wir um Geld, damit wir zurückkommen können!

[ ][  ][ ]

Einen breiten Raum in der kommenden Mode nehmen die
geſtickten Kaſaks ein, was auch ſehr verſtändlich iſt, da keine
andere Silhouette die Stickerei in ſo hohem Maße gerechtfertigt er=
ſcheinen
läßt, wie die Kaſak, die durch ſolche Arbeiten die ent=
ſprechende
Schwere erhält und vielfach gerade aus Stickereien die
beſten Wirkungen holt. Als Beiſpiel zeigen wir im letzten Bilde
der oberen Reihe ein originelles Kaſak=Kleid, deſſen durch Blen=
den
unterbrochener Oberteil vollkommen mit Perlen in ſtiliſierter
Art beſtickt wird. Ein ſolches Modell iſt inſoferne gut zu variieren,
ils man zu ein und derſelben (ärmelloſen) Kaſak zwei Rock=

der ſchwierigſten Schritte aus dieſen neueſten Modetänzen ergänzt.
Das Tanzkleid in all ſeinen Abarten, das Abendkleid für große
und kleine Gelegenheiten, komplettiert durch den paſſenden Pelz.
erſcheint in all ſeinen Variationen in vorbildlichen Aufnahmen und

Stickereien, nichts als
Stickereten!

Tempora mutantur. Die Zeiten ändern ſich und
die Mode bleibt nie ſtellſtehen . . . . . noch vor ganz
wenigen Wochen war jede Stickerei geradezu ver=
pönt
, die elegante Frau lehnte ſie rundweg ab, und
auch die führenden Modeateliers ſchienen in dieſer
Art garnierten Stücken keineswegs ſympathiſch
gegenüberzuſtehen.
Darum brachte man ſowohl für den Nachmittag
als auch für den Abend Kleider ohne jeden Aufputz,
Modelle, an denen ausſchließlich die Linie wirken
ſollte, während jede Art von Stickerei ſyſtematiſch,
faſt könnte man ſagen: ängſtlich vermieden wurde.
Die Folge davon war, daß die verſchiedenen
Modeſalons ſo viele Effekte als nur irgend möglich
aus der Linie zu holen verſuchten, daß aber das
Reſultat doch eine gewiſſe Monotonie war, die eben
dem gänzlichen Fehlen jedes Aufputzes zugeſchrieben
werden mußte.
Nichts aber iſt für eine Mode nachteiliger als
Mangel an Abwechſlung, und ſo kam es, daß es
ſchließlich wieder die elegante Frau ſelbſt war, die
den Modekünſtlern die Anregung gab, neuerlich auf
garnierte Nachmittags= und Abendſchaffungen zu=
rückzukommen
.
Vorerſt ſetzte dieſe Wandlung ganz langſam ein,
denn man war ſich klar darüber, daß eine Uebereilt=
heilt
nur nachteilig ſein könnte; ſo kam es, daß auf
den Beſuchskleidern in erſter Linie nur kleine, perl=
geſtickte
Garnituren erſchienen, dann der Ausſchnitt
durch Perlarbeiten aller Art eine markante Note er=
hielt
; ſpäterhin ſchenkte man auch den Aermeln er=
höhte
Aufmerkſamkeit und verſuchte, da oder dort
ein wenig Stickerei anzubringen. Es kam im Laufe
der letzten Wochen ſchließlich ſo weit, daß man nach
und nach Stickereien immer häufiger und lieber
anwandte, ſodaß heute die Wirkung eines eleganten
Kleides vielfach auf dieſem Effekte beruht und es
kaum eine ſchicke Schaffung gibt, die nicht effekt=
volle
Stickereien oder Perlarbeiten brächte.
Damit iſt aber für die neue Mode eine durchaus
geänderte Note gegeben, ein Phantaſiereichtum, der
unbedingt feſſeln muß, eine Variationsfähigkeit, die
die elegante Frau immer richtig einzuſchätzen weiß. Die neuen
Stickereien, ſind übrigens ſo eigenartig und kultiviert, daß ſie

ſelbſt auf die Dauer nicht ermüden werden, ſondern dem Kleide
jenen Akzent geben, deſſen es bedarf, um reſtlos wirkungsvoll
zu ſein.
Ab und zu bemerkt man ſehr ſchicke Perlarbeiten, die nicht in
das Material eingeſtickt, ſondern gelegentlich abnehmbar ſind,
was natürlich inſofern ſehr wertvoll iſt, als man ein Modell je
nach Laune und Verwendungszweck zu modifizieren vermag,
indem man es mit oder ohne Stickerei trägt.

partien vorſehen kann, und zwar eine, die auf
glattes Grundkleid angearbeitet iſt, das überi
auch lange, enge Aermel hat, ſodaß die Geſamt
kung die eines eleganten Nachmittagskleides
während man zum Beiſpiel zu der ärmelloſen K1
auch einen glockigen Rock aus Velourſchiffon trog
kann und auf dieſe Weiſe eine ſchicke und elegon
Abendaufmachung gewinnt, die immer vortreffli,
Dienſte leiſten wird.
Großer Beliebtheit erfreuen ſich die vielen 1
ſtickten Sattelpartien des neuen Kleides, und zn
ſieht man hier ſowohl überſtickte Spitzen als n
eigenartig durchbrochene und originell eingearbei.
Perlmotive, die in ihrem feinen Schimmer ſehrrn
kunsvoll ſind (obere Reihe: Mitte).
Wie ſchon früher erwähnt wurde, ſchenken
führenden Modeſalons heuer dem Aermel
Beſuchskleides große Aufmerkſamkeit, da einerſ:
durch überdimenſionierte Formen aparte Variche
nen entſtehen, andererſeits manche Aermel auch r!
der durch ſchöne Stickereien hervorragend gut y
Geltung kommen. Wir bringen in unſerer enn
Skizze einen auf Tüll geſtickten Perlenärmel,
jedem dunklen Kleide zu vollem Erfolge verhes
wird. (Bild 1, obere Reihe.)
atg: De
Pailletten=Kleider (auf Tüll geſtickt), ſpielernn üibrde K
der abendlichen Mode wieder eine ſehr große RA/Mu zug
und noch niemals ſah Eva ſo ſchlangenhaft glitzon
aus wie diesmal im Tanzſaale und bei gra=
offiziellen
Gelegenheiten. (Mittelbild.)
In allerletzter Zeit hat ſich die Sitte eingers h!
gert, neben den geraden Kaſaks auch manche glo=
Typen in den Vordergrund zu ſtellen, die aber
einem geraden, engen Unterkleide in Verbind
gebracht werden, das man mitunter mit ſchwa
Stickerei verſieht, die dem Falle ſehr förderlich
von außerordentlich ſchicker Wirkung iſt. (Bil.
untere Reihe.)
Ungemein anziehend ſehen die verſchiede
Steppſtickereien aus, die beſonders durch Farba
traſte wirken. So zum Beiſpiel führen wir
Mittelbilde der unteren Reihe ein dunkles Ee
kleid vor Augen, deſſen breites, helles Re=mend lae
w. Hom
dunkel geſteppt wird.
Auch in Verbindung mit den verſchiedenen Sak- atf. 9
materialien nehmen ſich Steppſtiche ſehr eigena-dm Mgel (
aus und ergeben oft Muſter von ganz beſon zmtie zehn

neuartigem Effekt, der in der Hauptſache für Abendmäntel 2
wendung findet.
Wir bringen als letztes Bild ein kurzes Abendjäckchen
Seidenſamt, das an ſeinem unteren Rande mit Metallfadenr
ſteppt wird, der die Wirkung des derart entſtandenen Steppo=
mentes
unſtreitig weſentlich erhöht.

M
dr

u m
10.

(Sämtliche Skizzen nach Original=Entwürfen von Willy UngrM. Gperzie

Der beginnenden Tanzſaiſon Rechnung tragend, beſchäftigt
ſich ein Artikel in der ſoeben erſchienenen neueſten Nummer der
Eleganten Welt mit den Tänzen des kommenden Winters. Die
ausführlichen Darlegungen werden durch künſtleriſche Aufnahmen

Willy Unga,
Just
nurekstra
inſtruktiven Zeichnungen. Ein beſonderes Kapitel iſt dem nu
Hutſtil gewidmet, der den Typ der Frau ſo von Grund auf
fo

ändert. Erwähnenswert iſt noch der neue Roman, deſſen
Fortſetzung im vorliegenden Heft erſcheint.

Die Maſche

ſpielt in der neuen Mode eine ſehr bedeutende Rolle,
und faſt ſcheint es, als ob hier ein Detail entſtan=
den
ſei, das keineswegs der Originalität einiger
Modekünſtler zu verdanken iſt, ſondern ſich ſozu=
ſagen
folgerichtig aus der allgemeinen Tendenz
der Mode ergab. Wie man weiß, hielt man ja noch
vor kurzer Zeit bei einer ganz ſportiven Note, die
ſich allerdings ganz überraſchend, ſchnell wandelte
und einem durchaus fimininen Stil wich, der heute
ganz entſchieden dominiert.
Natürlich kamen mit dieſer Umſtellung in der
Mode auch gar manche Details wieder, die noch vor
kurzer Zeit ganz undenkbar geweſen wären. Damit
ſind in erſter Linie die zahlreichen Garnierungen
gemeint, die ſich in Form von Spitzen, Stickereien,
Bändern, Blüten u. dgl. mehr präſentieren; ferner
iſt die neue Tendenz auch noch in verſchiedenen
Eigenheiten der Linie zu ſuchen, zu denen eben vor
allen Dingen das häufige und ſehr auffällige Er=
ſcheinen
von Maſchen= und Knotenwirkungen zählt.
Die modebefliſſene Frau zeigte ſich mit dieſer
Anregung einiger maßgebender Modeſalons von
Anbeginn an durchaus einverſtanden, denn es wurde
ihr ſofort, klar, daß es ſich um ſehr jugendliche
Effekte handle, ein Faktor, der ja in der Mode
immer entſcheidend iſt. Darum errangen die Ma=
ſchen
in ihren verſchiedenen Verwendungsmöglich=
keiten
innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit, d. h.
im Verlaufe der allerletzten Wochen, faſt etwas wie
eine internationale Popularität und werden auf
allen Gebieten gerne verwertet. Man bringt der=
artige
Effekte nicht nur aus dem Materiale des be=
treffenden
Kleides zur Geltung, ſondern ſchafft
ſchicke Maſchenwirkungen auch aus Fell oder Band,
aber auch in Form von ſchönen Inkruſtationen
u. dal. mehr.
Abgeſehen davon, verwerten die verſchiedenen
Modekünſtler dieſe Idee auf allen Gebieten,
ſodaß man ſolchen Effekten ebenſogut in der Trotteur=
mode
wie in der Aufmachung für den Nachmittag
und beſonders oft bei der Abendkleidung begegnen
kann. Um über die zahlreichen Varianten dieſer
modiſchen Anregung ein erſchöpfendes Bild zu geben,
zeigen wir einige ſehr intereſſante Skizzen in unſerer
Gruppe.
Wie ſchick ſelbſt ein ſchlichtes Trotteurmodell mit ſeinen
Maſchenwirkungen ausſieht, zeigt unſere zweite Skizze. Es han=
delt
ſich bier um ein eigenartiges, neues Strick=Kleid, das aus
modernem Jerſey verfertigt iſt, der ſich für derartige Verabeitun=
gen
ausgezeichnet eignet und heuer beſonders beliebt iſt. Er wird
nicht nur, einfärbig oft zu ſehen ſein, ſonder erſcheint auch i

dezenter Muſterung, und zwar in Streifenornamenten und in der
ſehr aktuellen Technik des Strick=Homeſpuns, der im Augenblicke
als modiſches Tagesgeſpräch gilt, ebenſo wie die verſchiedenen
Knötchen=Ornamente der neuen Strickſachen, bei denen die feine
Neutralfarbe durch vielfarbige homeſpunähnliche Knoten in ſym=
pathiſcher
Weiſe belebt wird. Unſer Bild bringt ein ſchickes

Trotteurkleid (Fig. 2), bei dem flache Maſoſt
motive aus ſchräglaufend aufgeſteppten Blenden
ſtehen, die übrigens die Linie in ganz ausgezé‟
neter Weiſe teilen. Gerade Kleider mit leichtalp
gem Akzent der Rockpartie ſind nämlich als aueM Sſe )
neueſte Note aufzufaſſen und verſprechen in Whet hor
Strickmode ungemein erfolgreich zu werden.
Aber nicht nur das Trotteurkleid, ſondern Rie und
das nachmittägliche Modell bedient ſich ſche
Maſchenwirkungen, allerdings in weſentlich veriſſe vSMſiſt
dener Wiedergabe. Bild 3 führt beiſpielsweiſe2ßen Oo
ſehr vornehmes, mantelartiges Beſuchskleid
Augen, das an der Schulter und in der Taille
zu Maſchen verknoteten Schleifenenden zuſamſ.
gehalten iſt. Das ganze Kleid hat überdies die
artige Note der Kaſakform, da unter der glog!
Rockpartie noch ein ſchmaler, gerader Streifen Eli0N
Unterkleides zu ſehen iſt. Modelle dieſer Ark /Groeh
natürlich für ſtärkere Geſtalten als geradezu I
zu bezeichnen. Man, verfertigt ſie am beſten N 30h
Marokko=Krepp oder Mongol in einer ſch0n
Modefarbe (Braun, Grün oder Weinrot) oder
in Schwarz, das gewiß am beliebteſten weitt
häufigſten verwendbar iſt. Das Abendklei/,
natürlich die intereſſanten Maſchenwirkunge‟.
ſchier nicht endenwollenden Varianten auſbet
men. Als eigenartige Type führen wir in unle
vorletzten Skizze ein elegantes Satinkleid vor 30hk
das in der Rückenbahn eine aufgeſetzte Maſche.
langen Schleifenenden bringt, die andersfarone
gefüttert ſind, woraus ſich ein ſchicker und ie
wegs alltäglicher Effekt ergibt. Reizend ſiſe
Maſcheneffekte auch in Verbindung mit dem
teurkoſtüm. Ein origineller Vorläufer der V0
den Mode iſt in unſerem letzten Bilde feſtgenſ,
es handelt ſich hier um eines der ſchicken,
ten Trotteurjackenkleider in leichtgeſchweiſter
das in ſeiner kleinkarierten Pepita=Muſte.
ungemein apart ausſieht und dank der unß.
intereſſanten, den Original=Tweed an Sc"
weitaus übertreffenden Strickart viele Anhaſſ.
nen finden wird. Unterhalb des aufgeſtellten
chenkragens (der hier durch einen Fuchs P.
wird) kann eine loſe Maſche aus dem gleichen""
tweed vorgeſehen ſein, die ſehr elegant ausſie.
Vielerlei Maſchenwirkungen ſind natur.
in Fell wiederzugeben, und beſonders die
abendlichen Umhänge bedienen ſich dieſes S
oft und gerne, da beiſpielsweiſe ein dunkler Mantel mi.
ter) Hermelingarnierung in Maſchenform vortrefflich
(Bild 1.) Angeſichts dieſer ſchier unerſchöpflichen Moß
der Maſchenwirkungen iſt es wohl außer Zweifel, daß M.
flotten Detail oft begeenen wird und ihm darum ſchon.
ſteigerte Anfmerhſemkeit ſchenken darf. Will*

[ ][  ][ ]

Sonntag, den 19. Oktober 1930

Seite 23

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Seite 24

Sonntag, den 19. Oktober 1930

Nummer 280

Wohläigleis- Komert

anläßlich des 70jährigen Bestebens der
Heidenreich v. Siebold’schen Stiftung
zu Gunsten armer Wöchnerinnen
am Donnerstag, den 23. Oktober 1930
abends 8 Uhr im Musikvereinssaal
Wilh. Glässingstr. 24. (*dgi
Mitwirk.: Frau Thea Bühm-Linhard (Gesang)
Frau Hildenard Dingeider (Violine)
Frl. Lind Becker (Klavier)

Karten zu 5, 3 und 1 RMark bei Klavier-
Arnold, Elisabethenstr. 28. Tel 2457
Das Konzert mußte um einen Tag ver-
schoben
werden, die für Mittwoch ge-
lösten
Karten behalten ihre Gültigkeit.

Im Café
Künsller-Honzert
Jöst

Sonntags ab 4 Uhr nachm
esea
Hm Hanpibahnhoſ

Gasthaus z. Schwanen

Georgenſtr.

Deſ. Ad. Diers

Tel.4565

1),

Kſche

Bahriſch. Bier
13368a) Fremdenzimmer

2

Hente letzter Tag!

Der große 100 ,ige Sprech- und Ton-
film
mit dem bekanntesten Sänger
Amerikas und dem kleinen Darid
Lee (Sonny boy) in

Sag es

mit Liedern

(Das hohe LiedderLiebe)

Nur noeb 2 Tage!

Nur noch 2 Tage!

Der glanzvolle Aufmarsch 36
prominenter Filmkünstler.
Allen voran Camilla Horn
mit Theodor Loos und Harry Frank

Das reizende und charmante Geschöpf
VILMA BANRV

Kirchenmusikel
Abendfeie

in der Pauluskirche
Sonntag, 19. O4lober, abends 8 U0

Die gaosse

Mein

Behenzsaickt

Himmelreich

Gudran Steuer (Sopra.
Herbert Haas (Orgel)

Regie: ALFRED SANTELL.

Eiatrittskarten (Programm) !
Arnold, am weissen Turm, und
Hess, Elisabethenstrasse. (m

Dieses Mal ist es das Lied vom
Little Pal, das uns ganz
besonders zu Herzen geht.
Al Jolsons Schluchzen und
das süße Stimmchen Sonny
boys schlägt alle wieder
in Bann und Rührung.

Regie: Stefan Szekely
Eine 100%ige Tonfilmrerue von
Liebe, Glück und Ruhm. Verstohlene
Blicke hinter die Wände des
Tonflmateliers.

Im Beiprogramm:
Edde Peabody
in Beniomania
Musikal. Darbietungen auf
dem Banjo.

Einige Kritikenauszüge.
Lichtbildbühne: Auch zum
Schlusse natürlich stürmischer Bei=
fall
, der immer und immer wieder
die Beteiligten vor den Vorhang rlef.
Filmkurier: Der Fllm hatte auf
Offener Szene und zum Schluß
starken Beikafl.

Das brodelnde Leben New-Torks mit
seinen tosenden Straßen und über-
füllten
Untergrundbahnen, dort spielt
die schöne Emigrantengeschichte
einer ungatischen Bäuerin, die mit
sieben Röcken bekleidet, in Amerika
einwandert. In der kostbarsten Seiden-
robe
der Millionärin sehen wir Sie
in den letzten Bildern.

Reſtauration zum Dattel
Kiesſtraße 27
Friedrich 6
Heute Stimmungs=Kon

Dazu das
gute Beiprogramm.

des Erka=Band
von nachm. 4 Uhr ab
Reichhalt. Mittags= u. Abendxy

Beginn 2 Uhr (F 15351

Jugendliche haben Zutritt.
Beginn 2, 4.05, 6.10, 8.20 Uhr

Beginn 2 Uhr

Die akkiven Miiglieder d.4
Heſſiſchen Fröbel=Berein
werden erſucht, ihren Mitgliedsbotz
jedes Jahr im Oktober an Herrn 2/
ſekr. Wolf, Arheilgerſtr. 90, abzuläiſt
Th. Schultz=Gora, Vorſitzende i.
(15376)

1N

AEerNtt Nen!

TECMK
M

13878a

AOM NOo HAOTA0

Restaurant Rummelbräu
Tel. 2519, 2 Min. vom Bahnhof, gegenüber der Festhaule

Heute nachmittag und Abend
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Im Festsaal Herbstball
des Bäckergehllken-Vereln e. V.
Anfang 7 Uhr
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und Abendessen zu 1., 1.30 u. 1.80. Bestgepflegtes Spezlalbier.

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Spanischer Garten, Kirchstraße 19.
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Nachmittags 4 Uhr: Volks- und Frenden-Vorstellung
ungekürzte Darbietung bel halben Eintrittspreisen

Brasilianisches Kaleidostope

Bbends 5 Uhr brär.

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Kasse Orpheum ab 3 Uhr

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Heute Sonntag, ab 8 Uhr abends
Konzert
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Eintritt frei!
(15396

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Eintritt frei. (1.

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heute

Schlachtfest

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Ubungsſtunden:
Gymnaſtik und Geräteturnen
Dienstag und Freitag im
Turnſaale der Eleonorenſchule
(Wendelſtadtſtr.), Leit.: Frl. D. Weber
Kinder: 1.5½6, Jugend: ½67,
Damen: 78 Uhr.
Beitrag: 2 , 3. 4. Mk. ¼jährlich.
Neuanmeldungen während der Turnſtunden.

Vereins-Theaterstücke (Ein- und Mehrakter)
Weihnachts- und Jugend-Bühne
Prologe, Melodramen

Größie Auswahl am Platze
Langjährlge Erfahrung
daher fachmännische Berstung
Kataloge

umsonst und
portofrei

Kaag4
Aaaraanen"

Duette, Terzette
Humor. Gesamtspiele
Tänze und Reigen
Reden u. Deklamationen
für Damen und Herren
Vorträge zur Verlobung, Hochzeit
und sonstigen Festlichkeiten (Hochzeits-Zeitungen)
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Hortras
von Herrn A. Hess, am Moniék
20. Oktober 1930, abends 8 2
Hess,EisenbahnA.-G.,Darmstt