Ginzehummer 10 Pfennige
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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit * perſebenen Originol=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 257
Mittwoch, den 17. September 1930. 193. Jahrgang
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zeile 300 Reſcheman. Ane Preiſe in Reſcheman
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Gewalt, wie Krieg, Aufrubr, Sſrell vſw. erliſcht
ſede Vewſiſchtung auf Erfüllung der
Anzelgen=
aufträge und Leiſung von Schadenerſatz. Bei
Konlurs oder gerſchticher Beſtreibung fäll ſeder
Nabatt weg. Banfkonto Deutſche Bank und Darme
ſädter und Nationalbank.
Herbe deutſche Kritik in Genf.
Reichsaußenminiſter Curkius forderk ſchnellſie und gerechte Abrüſtung. — Minderheikenfragen ſind wichkige
Elemenke des Briedens. — Deutſchland zu wirkſchaftlicher Kooperakion poſitiv eingeſtellt. — Repatgkionen Ueberſchaut man die Liſte von Verordnungen, Maßnahmen
und Welkwirkſchaftskriſe bedrohen unſere Wirlſchaff. — Ein Europa=Skudienkomikee nokwendig.
Höhepunkk der Genſer Ausſprache.
* Genf, 16. Sept. (Eig. Bericht.)
Ein wichtiger Tag der großen allgemeinen Ausſprache vor der
Völkerbunds=Vollverſammlung und ein Tag voller Reden und
Ar=
beiten begann am Dienstag vormittag. Vierzehn Redner hatten
ſich vormerken laſſen und man wollte, koſte es, was es wolle, die
allgemeine Ausſprache an dieſem Tage abſchließen. So wußte man
ſchon am Vormittag, daß drei Sitzungen bevorſtehen, darunter eine
um ½10 Uhr abends als Nachtſitzung. Bei Eröffnung der
Ver=
ſammlung waren die Ränge wie am Eröffnungstage dicht gefüllt.
Der Reigen der Redner wurde von
Scialoja=Italien
eröffnet, der zuerſt in warmen Worten Streſemanns und
Nan=
ſens gedachte. Scialoja trat für einen Ausbau des
Schieds=
gerichtsweſens ein und ſtellte ſich in der
Abrüſtungs=
frage faſt wörtlich auf den gleichen Standpunkt wie
Hender=
ſon. Die größte Gefahr für den Frieden ſeien die
Rieſenrüſtun=
gen, ihre Beſeitigung aber eine Verpflichtung für alle
Unterzeich=
ner der Friedensverträge und des Völkerbundspaktes, ohne daß
die Schaffung der Sicherheit für die tatſächliche Abrüſtung als
Vorbedingung gelten könne. Sehr energiſch verlangte Scialoja
die Einſetzung einer gemeinſchaftlich verantwortlichen Leitung des
Völkerbunds=Sekretariats und eine durchgreifende
Re=
form der Verwaltungsbehörde des
Völkerbun=
des. Was die europäiſche Frage angehe, ſo dürfe man nicht
ver=
geſſen, daß die großen Einigungen des letzten Jahrhunderts in
der Schweiz, in Italien und Deutſchland auf den feſten und
un=
erſchütterlichen politiſchen Willen ihrer Völker zurückzuführen
ſeien. Das gelte aber nicht für ganz Europa, wo heute noch zu viel
Gegenſätze und Spannungen beſtänden. Der Studien=Ausſchuß
müſſe überhaupt erſt einmal den Begriff „Europa” ermitteln. Das
ſei viel ſchwieriger, als man glaube, und das beſtimme auch, was
nun eigentlich rein europäiſche Probleme ſeien. Eine
Verwechſe=
lung zwiſchen europäiſchen und allgemeinen Weltproblemen ſei
gefährlich.
Nach Scialoja betrat, von ſtarkem Beifall empfangen, der
deutſche
Reichsaußenminiſter Dr. Curkius
die Tribüne und begann in deutſcher Sprache unter lautloſer
Auf=
merkſamkeit des Hauſes ſeine programmatiſchen Darlegungen.
Dr. Curtius leitete ſeine Rede mit einem Dank an den
Prä=
ſidenten und die anderen Mitglieder der Vollverſammlung ein, die
in der Ausſprache ſeines Amtsorgängers und Freundes, des
ver=
ſtorbenen Außenminiſters Dr. Streſemann, gedacht haben. Alle
Worte der Anerkennung für den Mann, der die deutſche
Außen=
politik in den vergangenen Jahren geleitet habe, hätten ihn tief
bewegt. Sie ſeien über die Feier der Perſönlichkeit hinaus ein
Zeugnis dafür, daß die Grundſätzeder deutſchen
Außen=
politik auch außerhalb Deutſchlands
Verſtänd=
nis und Achtung gefunden hätten.
„Ich ſage ganz offen”, fuhr Curtius fort, „daß für uns die
geſamte internationale Entwicklung ſeitdem manche
Ent=
täuſchungen gebracht
hat. Aber ich kann trotzdem feſtſtellen, daß die grundſätzliche
Haltung Deutſchlands gegenüber, dem
Völker=
bund heutewie damals eine durchauspoſitive iſt.
Der Völkerbund ſteht noch im erſten Stadium ſeiner Entwicklung,
und in ſeiner Betätigung darf keinesfalls eine Stagnation
ein=
treten. Er iſt kein bloßer Verſuch, an dem ſich die Mitglieder im
Falle von Enttäuſchungen oder Rückſchlägen desintereſſieren
dür=
en. Seine Satzung iſt vielmehr ein Syſtem von
Verpflich=
tungen und Verſprechungen, die zum großen Teil
noch einzulöſen ſind. Eine Reihe von großen, ſchwierigen
und dringenden Aufgaben, die vor uns liegen, ſind ſchon klar
ge=
kennzeichnet worden. Das erſte Erfordernis aller internationalen
Bemühungen iſt, auch unbequeme Fragen feſt anzufaſſen. Wenn
dabei hier die Möglichkeit angedeutet worden iſt, daß die heutigen
Zuſtände in ihrer weiteren Entwicklung ſogar zum Aeußerſten,
um Kriege, führen könnten, ſo halte ich es für unbedingt
geboten, auch den bloßen Gedanken an eine ſolche Möglichkeit
von vornherein auszuſchalten. Der feſte Entſchluß,
jeden Krieg zu verbannen, bedingt auf der anderen Seite, daß an
Stelle des Krieges andere Mittel gefunden und
an=
gewandt werden müſſen, um den vorhandenen oder neu
auftreten=
den Problemen gerecht zu werden. Die Erhaltung des
Friedens darf nicht zu einer Jgnorierung der
Fragen führen, die einer Löſung bedürfen.”
Nie=
mals darf der Völkerbund, ſo ſagte der Vertreter Frankreichs, Herr
Briand, vor einigen Tagen mit vollem Recht, ſich einer
Strö=
mung, einer Idee verſchließen, möge ſie zuerſt noch ſo beunruhigend
rſcheinen.
Aus dieſen Ueberlegungen habe, wie Dr. Curtius erinnerte,
die deutſche Regierung den Vorſchlag gemacht, ein Abkommen über
die vorbeugende Verhinderung des Krieges zu ſchließen, weil es
darauf ankomme, die Konfliktsurſachen zu beſeitigen, und es
mit dem bloßen Verbot des Krieges nicht getan ſei.
In dieſem Sinne erſchienen auch die Beratungsergebniſſe des
Sicherheitskomitees und die Anpaſſung von Kelloggpakt und
Völ=
kerbundsſatzung Grundlagen für einen wertvollen Ausbau des
Syſtems der Friedensgarantie. Auf die Darlegungen, die die
deutſche Delegation
ſeit vier Jahren über die Abrüſtung gemacht hat, ſind
keine entſcheidenden Taten gefolgt.
Der Vertreter Großbritanniens hat den Stand der Dinge treffend
gekennzeichnet. Es iſt in der Tat ſo, daß die Regierungen mit der
Erfüllung ihrer rechtlichen und moraliſchen Verpflichtungen zur
Abrüſtung ſeit Jahren zur größten Enttäuſchung Deutſchlands im
Rückſtand ſind. Wir müſſen uns über die völlige
Unhalt=
barkeit dieſer Lage einig, ſein und es als eine
Selbſt=
verſtändlichkeit betrachten, daß die Abrüſtungskonferenz nun endlich zend durchgeführt werden, ſo ſtrafen die Ernteergebniſſe ihn jetzt
im Laufe des nächſten Jahres zuſammentritt. Die Grundſätze, mit
wie folgt dargelegt:
„Wir erwarten eine gerechte, der Sicherheit aller, Staaten
Rüſtungsfaktoren, fühlbare Verminderungen der Rüſtungen auf
der erſten Abrüſtungskonferenz und anſchließend weitere Schritte
zur Abrüſtung in kurzen Etappen.”
Auch den
Minderheiten
meſſe die deutſche Regierung große Bedeutung ſei. Der deutſche
Standpunkt ſei in Madrid und in der letzten Völkerbunds=
Vollver=
ſammlung dargelegt worden. Wenn die Erfahrungen des
ver=
floſſenen Jahres noch keine, vielleicht noch keine endgültige
Ant=
wort auf die Madrider Verbeſſerung des Minderheitenverfahrens
ermöglichten, ſo dürfe doch die Bundesverſammlung nicht einfach
die weitere Entwicklung abwarten. Nur ſo ſei es möglich, die
jetzige Regelung durch weitere Verbeſſerung rechtzeitig zu
er=
gänzen. Aus dieſem Grunde habe er die Ueberweiſung der
Min=
derheitenfrage an die Sechſte Kommiſſion beantragt. Dort könne
insbeſondere zur Behandlung der eingelaufenen Petitionen
Stel=
lung genommen werden. Es handele ſich dabei nicht um die
Ver=
tretung irgendwelcher Sonderintereſſen einzelner Staaten, ſondern
um ein wichtiges Element für die Sicherung des
Friedens.
Dr. Curtius wandte ſich dann der
zu. Er dankte Briand, dem es gelungen ſei, dieſe Idee aus der
privaten Propaganda in den Pflichtenkreis der verantwortlichen
Regierungen zu überführen. Schon das ſei ein Verdienſt ſeiner
Anregungen, das ſie dazu zwingen, alle Europa bedrängenden
Einzelprobleme im Zuſammenhang von dieſem neuen Geſichtspunkt
aus zu prüfen.
Kein Land fühlt ſtärker als Deutſchland die Gefahren der
gegenwärtigen Situation Europas.
Kein Land hat lebhafteres Intereſſe an einem Ausgleich der
Spannungen als das in der „Mitte des Kontinents gelegene
Deutſchland. Kein Land kann dringender weiteſtgehende
Koope=
ration aller Länder Europas wünſchen. Nach vielen Jahren einer
unter ſchweren Opfern durchgeführten Politik der Verſtändigung
ſieht ſich Deutſchland gleichwohl auch heute noch in einer Lage, die
ſeiner Regierung Anlaß zu ernſter Sorge gibt. Das wäre nicht
möglich, wenn es früher ſchon zu einer internationalen
Koopera=
tion im wahren Sinne des Wortes gekommen wäre. Mit Recht
haben alle europäiſchen Regierungen den Plan der
Bundesver=
ſammlung zur Beratung vorgelegt. Es dürfte der allgemeinen
Auffaſſung entſprechen, das Problem vor weiteren
Entſchließun=
gen in ſeiner Geſamtheit einem Studienkomitee zu
über=
weiſen, zu dem nach ſeiner Anſicht alle diejenigen Staaten
heran=
zuziehen wären, deren Beteiligung für die ſachliche Förderung des
Problems erforderlich iſt. „Ich halte es dabei für ausſchlaggebend,
das ganze Problem von vornherein ſo großzügig als möglich
an=
zufaſſen und keine ſeiner verſchiedenen Seiten auszuſchließen oder
auch nur zurückzudrängen. Nur ſo kann es gelingen, einander
widerſtrebende Tendenzen und naturgemäß vorhandene
Spannun=
gen zum Ausgleich zu bringen im Geſamtintereſſe aller
beteilig=
ten Staaten, deren Politik von dem Grundſatz der Gerechtigkeit
und Gleichheit ſowie von der Notwendigkeit, Raum für alle
Ent=
wicklungsmöglichkeiten zu gewähren, beherrſcht ſein muß.”
Zur Wellwirtſchaftskriſe
äußerte Curtius: „Keine Regierung hat das Recht, die Dinge ſich
ſelbſt zu überlaſſen. Die Not iſt ſo groß, daß die letzten
Kräfte zu ihrer Ueberwindung eingeſetzt
wer=
den müſſen, in jedem Lande für ſich und durch
gemeinſchaft=
liche Anſtrengungen. Deutſchland iſt von der Kriſe ſtärker
betrof=
fen als alle anderen Länder. Das ergibt ſich ſchon aus der
ein=
fachen Tatſache, daß ſeine Wirtſchaft und mit ihr die
Land=
wirtſchaft durch Reparationszahlungen auf das
ſchwerſte vorbelaſtet ſind. Das kann man bei allen
die=
ſen Betrachtungen niemals außer Acht laſſen. Es war
ſelbſtver=
ſtändliche Pflicht der deutſchen Regierung, einen Schutz gegen
Ueberſchwemmungen mit landwirtſchaftlichen Produkten aus allen
Ländern zu errichten, die den Ruin der deutſchen Landwirtſchaft
nach ſich ziehen mußten. Keine Regierung kann bei der nun heute
einmal beſtehenden Wirtſchaftsordnung es untätig anſehen, wenn
z. B. die Getreidepreiſe im Laufe von eineinhalb Jahren um 40
bis 50 Prozent ſinken. Jede Regierung wird, ſolange ſie allein
ſteht, dagegen autonome Notmaßnahmen ergreifen. Von
Deutſchland, das ſeine landwirtſchaftlichen Zölle nicht zuerſt und
nicht am meiſten erhöht hat, kann ich verſichern, daß es das
ein=
zige Ziel ſeiner Maßnahmen war, der eigenen Landwirtſchaft die
Preiſe zu ſichern, die ihr — von einer Rentabilität gar nicht zu
reden — wenigſtens eine notdürftige Exiſtenz zu ermöglichen.
Solange die gegenwärtige mangelhafte Wirtſchaftsordnung,
oder, beſſer geſagt, die gegenwärtige
Wirtſchafts=
unordnung in Europa noch beſteht, ſei es nicht zu
vermei=
den, daß ein Land allein Notmaßnahmen ergreife. Das ſei auf
(Fortſetzung auf Seite 2, Spalte 2.)
* Leibeigene des Fünf=Jahres=Plans.
Bauernſtreik. — Neue Völkerwanderung. — Wiederherſtellung
der Leibeigenſchaft. — Streit um Gold,
Von unſerem Berichterſtatter.
N. Moskau, September 1930
und Befehlen, die allein im Laufe eines einzigen Tages von den
verſchiedenen zuſtändigen Inſtanzen der Sowjetunion
ausge=
geben werden, die neben=, mit=, aber auch gegeneinander arbeiten,
ſo erhält man den Eindruck eines unorganiſchen Durcheinanders,
einer wilden Ueberhetztheit, eines vergeblichen Verſuchs, die
Fülle der täglichen neuen Aufgaben zu meiſtern.
Die Verhältniſſe auf dem Dorf haben eine weitere
Wendung zum Schlechteren genommen. Konnte nach den
Anga=
ben Stalins auf dem Parteikongreß die Frühjahrsausſaat
gläu=
t in einem Maße Lügen, daß die Frage, wie im kommenden
Win=
denen die deutſche Regierung vor die Konferenz treten wird, ſind ter die Ernährung der Städte geſichert werden ſoll, wie
ein Geſpenſt immer wieder auftaucht und ſich durch keine
opti=
miſtiſchen Zahlenberechnungen mehr wegzaubern läßt. Die
Fehlerträge treten aber durch die Ablieferungsunluſt des Bauern
Rechnung tragende Löſung, volle Publizität und Erfaſſung aller noch beſonders ſtark in Erſcheinung. Im Staat der Räte iſt
be=
kanntlich alles „geplant”. So ſind auch die Ernteerträgniſſe von
vornherein ganz genau bis auf Zentner und Pfund
vorausbe=
rechnet. Es hat ſich nun herausgeſtellt, daß der Auguſtplan
vom Dorf nur bis auf etwas über 60, der Plan
für die erſten 10 Septembertage nur bis zu 20,6
v. H. durchgeführt wurde. Das bedeutet, den gleichen
Gang der „Broterfaſſungs=Kampagne” vorausgeſetzt, (und nichts
berechtigt zu der Annahme, daß dieſe Zahlen in den nächſten
Monaten ſich weſentlich zugunſten der Sowjets verändern), daß
das Ernteſoll mit 40 v. H. unter der Schätzung bleiben wird.
Das bedeutet aber auch bei dem Ausfuhrzwang zur
Valuta=
beſchaffung, daß das Land mit mindeſtens 50 v. H. ſeinen
Be=
darf an Brotgetreide, an Futtermitteln, an Gemüſe, Obſt, an
Viehprodukten uſw. nicht wird decken können ...
Man rechne aber vorläufig nicht weiter und begnüge ſich
mit dem Aufzeigen der Gefahren. Daß dieſe Gefahren ſchon
heute in einem bedeutenden Maße in Erſcheinung treten,
be=
weiſen die Vorgänge, die ſich in den letzten Wochen auf dem
ureigenen Gebiet des Fünfjahresplans, in der Induſtrie,
abge=
ſpielt haben. Vor nicht langer Zeit iſt hier ein neuer Plan des
„Produktionsmilitarismus” bekanntgegeben worden, der den
Zweck verfolgte, jeden Arbeiter zu einem „wehrhaften Kämpfer
des Fünfjahresplanes” zu machen. Die offizielle Terminologie
beleuchtet trefflich den Sinn. Es werden „Arbeiter=
Stoß=
brigaden” und „Diviſionen” gebildet. Die Arbeiter werden
„mobiliſiert”, und zu „Kaders” zuſammengeſchloſſen. Jede
Fabrik und jedes Werk, jede Behörde und jedes Amt iſt ein
„Kriegsſchauplatz‟. Die Arbeiter ſind „Kriegsteilnehmer”, auch
„Produktionsſoldaten” genannt. — Die Arbeiter, und
zwar voran die eingeſchriebenen Mitglieder der Partei,
witter=
ten Gefahren. In dem Donezbecken begann es. Man wollte
nicht mehr mitmachen, man ſtellte Forderungen. Man wollte
Garantien, daß man ſich werde ſatt eſſen können. Und als auf
dieſe Forderung hin die GPll. in Funktion trat, als die erſten
Hinrichtungen erfolgt waren, ſetzte eine elementare Flucht der
Arbeiter aus den Betrieben ein. Nach der maſſenweiſen
Aus=
wanderung der Bauern in den Monaten der Höchſtkollektivierung
im vergangenen Jahr hatte man nicht wieder eine ſolche
Völker=
wanderung geſehen. Der Strom der Arbeiter wälzte ſich wie
eine Lawine aufs flache Land, in der Hoffnung, dort das zu
er=
reichen, was man in den Induſtriebezirken nicht bekommen
konnte — das Brot. Ueber 50 000 Arbeiter
wander=
ten aus, die Förderung ſank rapide, alle Zweige der
Pro=
duktion wurden in Mitleidenſchaft gezogen. Im Kreml ſiand
man der Bewegung zunächſt ratlos gegenüber. Dann beſann
man ſich aber auf die erſten Jahre des Kriegskommunismus.
Dort gab es die ſchärfſten Maßnahmen, ſowohl „vorbeugenter
wie ſtrafrechtlicher Natur”. Man will dieſe wieder einführen.
Ja, man geht noch einen Schritt weiter, und der neue
Arbeits=
kommiſſar Zichon iſt beauftragt, eine Verordnung auszuarbeiten,
die uichts mehr und nichts weniger als die
Wiedereinfüh=
rung der Leibeigenſchaft für alle ſtaatlichen Arbeiter
und Angeſtellten — und in Rußland ſind ja alle Arbeitenden
Staatsarbeiter — vorſieht. Man will damit der
zunehmen=
den „Verflüſſigung der Arbeitskräfte” vorbeugen. Die „
fliegen=
den Arbeiter”, Zerſtörer” und „Deſerteure der Arbeit” ſollen ſich
zunächſt freiwillig „befeſtigen” laſſen, ſich zu Leibeigenen
des 5=Jahresplans” zu erklären. Neue Entwürfe der
„Kontraktion” werden hergeſtellt, worin ſich die Arbeiter
ver=
pflichten, „keine äußere Gewalt außer der des 5=Jahresplans”
an=
zuerkennen. — Eine neue Entwicklung, der mau in Moskau
ent=
ſcheidende Bedeutung beilegt. Nach dem Bauer hat auch die
erſte Stütze des Regimes, der Induſtriearbeiter, ſeine Mitarbeit
von Vorausſetzungen und Bedingungen abhängig gemacht.
und es iſt ein Kampf zwiſchen den Vätern des
5=Jahresplans und ſeinen Opfern
ausge=
brochen, hinter dem ſogar das Ernteintereſſe zurückgetreten
iſt. Wie wird er auslaufen? Bleiben GPll und Armee treu,
dann beſteht kein Zweifel, wo der Sieger zu ſuchen ſein wird,
und die Leibeigenſchaft, im 19. Jahrhundert in Rußland
abge=
ſchafft, wird im 20. wieder eingeführt. Diktatur des Proletariats?
Oder Diktatur über das Proletariat?
Die Sorgen der Sowjets ſind vielfältig, wie eine
tauſend=
armige Hydra halten ſie das blaſſe, hohlwangige,
gramdurch=
furchte Land in ihren Fangarmen. Immer wieder hört man
aber: „Wenn Millionen draufgehen, — wir haben genug davon
— aber der Plan muß beſtehen!‟ Dieſem Plan wird alles
ge=
opfert, die eigenen Untertanen und die Beziehungen zum
Aus=
land. Denn er ſieht nicht die Einordnung der ruſſiſchen
Wirt=
ſchaft in den Organismus der Weltwirtſchaft, ſondern die
Schaf=
fung eines ſelbſtändigen, iſolierten Wirtſchaftskörpers vor,
Nußland braucht die Welt nur inſoweit, wie es eben die
wert=
volle Valuta braucht. Und dieſes Bedürfnis glaubt man in
Moskau jederzeit nach Belieben regeln zu können. Zumal man
ſich zurzeit noch übertriebenen Hoffnungen auf die
Ausbeu=
tungsmöglichkeiten der Lena=Goldgruben in Sibirien
hingibt. Es beſteht nirgends in Moskau ein Zweifel, daß man
der engliſchen Geſellſchaft weder die Gruben zurückgeben, noch
die vom Londoner Schiedsgericht feſtgelegten Entſchädigungen
zahlen wird. Wo ſollen die Sowjets in ihrer heutigen Lage, bei zu=
Seite 2
Mittwoch, den 17. September 1930
Nummer 257
Abſchluß der General=Ausſprache.
nehmenden Inflationsanzeichen und ſtärkſter Finanznot, bei
ſin=
kendem Tſcherwonetzwert und den allerorts hervortretenden
Zer=
fallerſcheinungen auch die enorme Summe von 130 Millionen
Goldrubel hernehmen? Litwinow hat im vergangenen Jahre
dem Leiter der Goldgruben, Major Gwinn, offen erklärt, daß
„unter den gegenwärtigen Verhältniſſen an ein Weiterarbeiten
der Engländer nicht zu denken ſei. Denn im Zeitalter des
5=Jahresplans habe die Sowjetregierung mit der NEP=Politik
endgültig gebrochen‟. Das war ehrlich. Die Goldgruben
ſtellen eben ein ſoverlockendes Objekt dar, daß
MoskauſichmitleichtemHerzenüber den 5 Jahre
früher abgeſchloſſenen Vertrag hinwegſetzt.
Auchdie deutſchen Intereſſenten dürfen ſich hierüber
keinen Illuſionen hingeben, wenn die Geſellſchaft auch allein im
vergangenen Jahr rund 70 Millionen Mark inveſtiert hat.
Wa=
rum die Sowjets nicht nach London zur Tagung des
Schieds=
gerichts gegangen ſind? Weil ſie wußten, daß ſie verurteilt
würden, und weil ſie dieſen Spruch niemals anerkennen wollten,
auch wenn er für ſie günſtiger ausgefallen wäre. — Man wird
draußen in der Welt eines Tages nicht umhin können, das
Pro=
blem der Beziehungen zu den Sowjets grundſätzlich in ſeiner
ganzen Breite neu aufzurollen. Frankreich, Amerika, England
und — etwas zögernd — auch Deutſchland ſtehen Moskau
Gewehr bei Fuß gegenüber. Dieſe Zurückhaltung iſt auch voll
gerechtfertigt. Denn ohnehin bleibt der Wert des
Ruſſengeſchäf=
tes zweifelhaft. Solange der ſchlechte Wille der Sowjets
noto=
riſch iſt und ſolange die bolſchewiſtiſche Hydra nicht nur die
letzten Säfte und Kräfte des eigenen Landes ausſaugt, ſondern
ihre Fangarme auch immer mehr nach fremdem Gut ausſtreckt.
Die Hungersgefahr in Howjekrußland.
TU. Kowno, 16. September.
Wie aus Moskau gemeldet wird, veröffentlicht das
Zentral=
komitee der Kommuniſtiſchen Partei einen neuen Appell an
die örtlichen Behörden und die Bauernſchaft, in dem für den Fall
einer Fortſetzung des bisherigen Ausſaattempos die ſchwerſten
Folgen für die geſamte Ernährungslage der
Sow=
jetunion vorausgeſagt werden. In dem Appell heißt es, die bis
zum 10. September vorliegenden Ergebniſſe zeigten, daß
unge=
achtet der bereits zu Ende gehenden Abſchlußzeiten für die
Herbſtausſaat im Durchſchnitt nur 60 v. H. des
Planes durchgeführt ſeien. Beſonders unzuläſſig ſei das
Zurück=
bleiben der Kollektivwirtſchaften, die insgeſamt nur
35 v. H. des Planes durchgeführt hätten. Dieſe beſchämenden
Ergebniſſe ſeien auf die mangelnde Organiſation der Arbeiten in
den Kollektivwirtſchaften, auf die völlig ungenügenden Leiſtungen
der Führer, auf die ſtellenweiſe ſogar vorgenommene
Abände=
rung der amtlichen Pläne aus eigener Machtvollkommenheit uſw.
zurückzuführen.
Keine dentſchen Kriegsgefangenen mehr in Sibirien.
CNB. Berlin, 16. September,
Gegenüber den in der Preſſe wiederkehrenden
Behauptun=
gen, daß ſich noch deutſche Kriegsgefangene in Sibirien befinden,
erfahren wir von unterrichteter Seite, daß ſich tatſächlich keine
Kriegsgefangenen mehr in Rußland befinden, ſondern daß es
ſich vielmehr nur um Leute handeln kann, die freiwillig dort
zurückgeblieben ſind. Diejenigen, die heute noch zurückkehren
wollen, können übrigens immer noch auf Reichskoſten den
Rück=
weg antreten.
Bom Tage.
Der Reichspräſident hat ſich geſtern zur Teilnahme an den
Reichs=
wehrmanövern in Franken nach Königshofen im Grabfeld begeben und
wird bis Freitag, den 19. September, im Manövergelände verweilen.
Der deutſche Geſandte in Buenos Aires iſt beauftragt
wor=
den, der neuen argentiniſchen Regierung mitzuteilen, daß
ſie von der Reichsregierung anerkannt wird.
Agence Economiguc et Financiere meldet, daß eine Zuſammenkunft
zwiſchen der B.J.3. und dem ſchwediſchen Zündholztruſt
be=
ſchloſſen worden ſei. Kreuger ſei bereit, ſich an mehreren Anleihen zur
wirtſchaftlichen und finanziellen Stabiliſierung verſchiedener Länder,
vornehmlich Spaniens, Bulgariens und Rumäniens, zu beteiligen unter
der Bedingung, daß die B. J.3. die Anleihen verwalte.
Die engliſche Arbeitsloſenziffer hat in der letzten Woche abermals
eine außerordentlich ſtarke Zunahme erfahren. Sie beträgt nach
offi=
zieller Mitteilung jetzt 2 139 571 und iſt um 79 127 höher als in der
Vorwoche und um 989 879 höher als in der gleichen Zeit des Vorjahres.
Bei der Unabhängigkeitsfeier in Mexiko
explo=
dierte auf dem großen öffentlichen Platz inmitten einer
vieltauſend=
köpfigen Menge eine Bombe. Viele Perſonen mußten, zum Teil
ſchwer verletzt, ins Krankenhaus gebracht werden.
In Haiderabad ſind, elf Fälle von Peſt feſtgeſtellt
worden.
(Fortſetzung von Seite 1, Spalte 2.)
die Dauer aber kein erträglicher Zuſtand. Daher komme der
Vor=
ſchlag einer europäiſchen Kooperation, insbeſondere auf
wirtſchaft=
lichem Gebiet, zur rechten Zeit.
„Die deutſche Regierung iſt zu einer wirtſchaftlichen
Koopera=
tion poſitiv eingeſtellt. Fragen wie Zollunion, Vorzugszölle
und Kontingente werden dabei eine große Rolle ſpielen.
Auch der däniſche Antrag auf neue Prüfung der Auslegung und
Anwendung der Meiſtbegünſtigungsklauſel wird damit in
Zuſam=
menhang ſtehen. Keinem anderen Lande kann mehr an einer
kla=
ren und einwandfreien Auslegung und Handhabung der
Meiſt=
begünſtigungsklauſel gelegen ſein als Deutſchland, das für ſich in
Anſpruch nehmen darf, in beſonders hohem Maße dazu
beigetra=
gen zu haben, die Meiſtbegünſtigung zur Grundlage des
internatio=
nalen Warenaustauſches zu machen. Wir ſind insbeſondere
da=
mit einverſtanden, daß die Meiſtbegünſtigung in ihrem Verhältnis
zum Syſtem der Zollkontingente geprüft wird.
Die deutſche Abordnung behalte ſich vor, neben anderen auch
die Frage des Kapitalverkehrs aufzuwerfen. Geld und
Kapital ſollten in ganz anderer Weiſe als bis jetzt zweckmäßig
verteilt werden, da dies überall die Gütererzeugung und =
Vertei=
lung befruchte. „Es iſt”, rief Curtius aus, „ein
unwirt=
ſchaftlicher Zuſtand, wenn in einigen Ländern Ueberfluß
an Geld und Kapital beſteht, die kaum nützliche Verwendung
fin=
den können, während in anderen Ländern ungeheuer hohe Zinſen
gezahlt werden müſſen. Wenn man von wirtſchaftlicher Einigung
Europas ſpricht, und dies in weiteſtem Sinne verſteht, ſo heißt es
nichts anderes, als europäiſche Wirtſchafts= und
Zoll=
union. Wer von uns will zögern, den Wunſch auszuſprechen,
daß ſich Wege ſinden laſſen, dieſen kühnen Gedanken zu
verwirk=
lichen!“
Jeder aber wiſſe, wie groß die Schwierigkeiten zur
Verwirk=
lichung ſolcher Pläne ſeien. Deshalb könne niemand vorausſehen,
wie ſchnell und auf welchem Wege ein ſolcher Plan verwirklicht
werden könnte. Der öſterreichiſche Bundeskanzler Schober habe
auf regionale Verſtändigung hingewieſen und
einen Zuſammenſchluß zwiſchen denjenigen europäiſchen Staaten
empfohlen, bei denen die Schwierigkeiten weniger groß, als bei
der Geſamtheit der europäiſchen Staaten ſeien. Die deutſche
De=
legation habe dieſe Anregung lebhaft begrüßt und
werde ſich an der Verfolgung dieſes Gedankens intenſiv beteiligen.
— Der engliſche Handelsminiſter Graham mache den Vorſchlag,
eine ſchrittweiſe Verſtändigung auf einzelnen
Produktionsgebieten herbeizuführen. Auch dieſen Weg
könne man von neuem verſuchen. — In der gleichen Richtung
lägen die Beſchlüſſe der Konferenzen von Sinaia und Warſchau,
doch knüpfe ſich an dieſes Problem der Vorzugszölle eine Reihe
ſchwieriger anderer Fragen. Die eigentlichen Schwierigkeiten
würden erſt beginnen, wenn man daran gehe, das „Wie” zu
fin=
den. Es könne ſich bei dieſer großen Aufgabe nicht darum
han=
deln, um Zollpoſitionen zu feilſchen, oder ſich kleine Vorteile für
einige Jahre zu ſichern. Es handele ſich um den Abſchluß des
Kampfes aller gegen alle und um die Beſeitigung der
gegenſei=
tigen Abriegelung. Nur in dieſem Geiſte könne man die
Schwie=
rigkeiten überwinden und die praktiſchen Ergebniſſe herbeiführen,
die die Völker erwarteten.
Die Aufnahme der Curkius=Rede.
Dr. Curtius ſprach ruhig und mit ſparſamen Geſten. Bei
ſeinem Appell gegen das Spiel mit dem Kriegsgedanken erhob ſich
ſtarker Beifall. Beſonders auf der franzöſiſchen Bank verfolgte
man die Rede mit geſpanntem Intereſſe. Sogar Briand hatte den
Telephonverſtärker während der ganzen Dauer der Ausführungen
Curtius am Ohr und nickte einigemale beifällig. Man konnte
bemerken, daß ein großer Teil der Verſammlung der deutſchen
Rede ſehr gut folgen konnte. Bei der tſchechiſchen, polniſchen und
holländiſchen Delegation verlor man kein Wort der wirtſchaftlichen
Darlegungen des Reichsaußenminiſters. Zum Schluß der Rede
erhob ſich rauſchender Beifall, in den auch das Publikum mit
ein=
ſtimmte. Der erſte Eindruck der Curtiusrede auf die
Verſamm=
lung iſt, wie man in den Wandelgängen feſtſtellen konnte, gut.
Man nennt die Rede energiſch, ruhig und diplomatiſch, und nimmt
ſie als Beweis, daß auch nach dem Wahlergebnis die deutſche
Außenpolitik die gleiche bleiben wird.
In der weikeren Ausſprache
wies der indiſche Maharadſcha de Bikaner in klaſſiſchem
Engliſch und unter großem Beifall der Verſammlung darauf
hin, daß er als Angehöriger einer alten Soldatenfamilie die
Schrecken des Krieges aus eigener Erfahrung kenne und gerade
aus dieſem Grunde für eine wirkliche, allgemeine und tatſächliche
Beſchränkung der Rüſtungen eintrete. Indien ſei bereit, an
allen Abrüſtungsarbeiten mit ganzem Nachdruck teilzunehmen.
Die Briandſche Europaidee ſei groß, aber auch Kritik ſei ihr
zuträglich. Man dürfe nicht nur an die Regelung der
Verhält=
niſſe des europäiſchen Kontinents denken, ſondern man müſſe
dieſen Gedanken weltweit faſſen. Agrar= und Induſtriekriſen,
die organiſch zuſammenhingen, verlangten eine internationale
Zuſammenarbeit und könnten durch regionale oder kontinentale
Zuſammenſchlüſſe nicht geheilt, ſondern nur durch
weltumfaſ=
ſende Maßnahmen geregelt werden.
Der chineſiſche Vertreter Tſchau Tſchu=wuwidmete dem
verſtorbenen Reichsaußenminiſter Dr. Streſemann Worte des
Gedenkens. Die Klagen über das Sekretariat des
Völkerbundes müßten eingehend geprüft und allen Mächten die
Teilnahme an der Verwaltung zugeſichert werden. Er ſehe
keinen Widerſpruch zwiſchen den Europabeſtrebungen und den
Zielen des Völkerbundes.
Am Nachmittag kamen eine Reihe von Vertretern kleinerer
Staaten zu Wort. Mehrere von ihnen ſprachen ſich für den
jugo=
ſlawiſchen Vorſchlag aus, die Völkerbundsverſammlung ſolle in
einer Entſchließung ein Komitee aus Vertretern der europäiſchen
Staaten zur weiteren Prüfung des Föderationsplanes einſetzen.
Der polniſche Außenminiſter griff aus der Rede
Henderſons die Ausführungen über die Verbundenheit von
Sicher=
heit und Abrüſtung heraus, um zu erklären, daß beide Elemente
praktiſch nicht voneinander zu trennen ſeien. Polen halte mit
un=
wandelbarer Treue an dem Genfer Protokoll feſt, deſſen große
Idee eines Tages doch den weſentlichen Beſtandteil eines
allge=
meinen Abkommens bilden müſſe, das ſowohl die Sicherheit als
auch die Abrüſtung gewährleiſte. Auch dem Abkommen über die
kriegsverhütenden Maßnahmen lege die polniſche Regierung große
Bedeutung bei.
Als letzter Redner ſprach der bulgariſche Außenminiſter
Burow, der ſich ſehr entſchieden für eine ſtärkere Beachtung der
Minderheitenfragen einſetzte. Darauf wurde die allgemeine
Ausſprache von Titulescu für geſchloſſen erklärt.
Die Kommiſſionen nehmen am Mittwoch ihre Beratungen auf.
Gleichzeitig finden am Mittwoch die Wahlen zum Rat und zum
Internationalen Gerichtshof ſtatt.
Die europäiſche Entſchließung, mit deren Annahme die
euro=
päiſche Ausſprache für die gegenwärtige
Völkerbundsvollverſamm=
lung abgeſchloſſen werden ſoll, wurde am Dienstag abend durch
die franzöſiſche Delegation im Namen von 45
Völkerbundsmitglie=
dern vor der Vollverſammlung eingebracht.
Der Wortlaut der Entſchließung lautet:
„Die Völkerbundsverſammlung, nachdem ſie mit lebhafter
Genugtuung von der Entſchließung der europäiſchen
Völkerbunds=
mitglieder vom 8. September 1930 Kenntnis genommen hat,
iſt überzeugt, daß die enge Zuſammenarbeit der
europäiſchen Regierungen auf allen Gebieten der
inter=
nationalen Tätigkeit für die Aufrechterhaltung des Friedens von
größter Bedeutung iſt;
teilt ihre einſtimmige Auffaſſung über die Notwendigkeit, daß
eine derartige Zuſammenarbeit, in welcher Form ſie auch erfolgen
möge, ſich im Rahmen des Völkerbundes und in voller
Uebereinſtimmung mit ihm und im Geiſt der Völkerbundsſatzung
vollziehen ſoll;
fordert die Regierungen der europäiſchen Staaten, ſoweit ſie
Mitglieder des Völkerbundes ſind, auf, im Zuſammenwirken mit
dem Sekretariat als Ausſchuß des Völkerbundes, die bereits
auf=
genommene Unterſuchung fortzuſetzen, deren erſte
Grundlage durch die franzöſiſche Denkſchrift vom 17. Mai 1930 und
die darauf erfolgten Antworten gebildet wird;
erinnert daran, daß es in dem Maße, wie eine derartige
Zu=
ſammenarbeit für den Fortſchritt der Unterſuchungen nützlich
er=
ſcheint, den europäiſchen Mächten die Möglichkeit gegeben werde,
die Unterſuchungen in Verbindung mit den
nichteuro=
päiſchen Völkerbundsmitgliedern ebenſo wie mit den
europäiſchen Regierungen, die nicht
Völkerbundsmit=
glieder ſind, fortzuſetzen, und
verlangt, daß die erſten Ergebniſſe dieſer Unterſuchung
ſobald wie möglich in der Form endgültiger Vorſchläge in einem
Bericht zuſammengefaßt werden, der zu geeigneter Zeit
aufgeſtellt werden ſoll, um der nächſten
Völkerbundsvoll=
verſammlung vorgelegt zu werden.”
Heimakkunde.
Von Dr. Robert Schäfer, Heppenheim.
Es möge erlaubt ſein, einmal in weiterer Oeffentlichkeit
über den Fragenkreis zu ſprechen, der mit dem noch ſehr
um=
ſtrittenen Wort „Heimatkunde” ſich verbindet. Denn es iſt ſehr
weſentlich, die mit ihr gekennzeichnete Forſcherarbeit auf die
brei=
teſte Grundlage der Teilnahme auch der Laien zu ſtellen.
Völker= und Länderkunde, Volks= und Landeskunde ſind der
Heimatkunde voraufgegangen und haben ihr ſozuſagen den Weg
bereitet. Sie iſt als Zuſammenſchau von Natur= und
Kultur=
kunde zuletzt in den Geſichtskreis der Forſchung getreten. Man
könnte dafür einen pſychologiſchen Grund finden: der Heimat
tritt man als letztem aller Kulturräume der Erde mit der Frage
nach Sinn und Wert gegenüber, man wird ſich ihrer am
ſpä=
teſten in kultureller Hinſicht bewußt. Hinter dieſem
pſychologi=
ſchen liegt aber ein tieferer, ein biologiſcher Grund. Denn wie
ein lebendiger Leib ſich nur eines kranken Gliedes, nicht des
ge=
ſunden bewußt wird, ſo auch hier. Das Wertgefühl, das den
Menſchen mit ſeinem Heimatboden eigentlich ſelbſtverſtändlich
verbindet, iſt heute bei uns auffallend beunruhigt. Sei es durch
einen unerträglich werdenden Druck politiſcher Mächte, ſei es
durch unſere tragiſche Veranlagung zur Fremdheitsliebe, ſei es
durch die naturnotwendige Zertrümmerung des Bodenſtändigen
durch die techniſche Bewältigung des Raumes und durch die
Verſtädterung: die Störung iſt nicht abzuleugnen.
Daraus den Spenglerſchen Schluß auf den Niedergang zu
ziehen, wäre falſch. Denn die Heimat iſt unverlierbar, und das
in ihr verankerte Wertgefühl kann ſeine Stetigkeit wieder
zurück=
gewinnen, wie Dänemark und Frankreich beweiſen. Freilich,
es iſt ein Gefühl, um das es ſich hier eigentlich handelt. Und
doch iſt es keine Sentimentalität, darum Sorge zu tragen. Ja,
es iſt eine törichte Blaſiertheit, die „Heimat” als unmodern,
reaktionär beiſeite zu ſtellen. Denn in ihr liegt das Grundgefühl
für alle Werte, die den Menſchen von einer „Sache” unterſcheiden.
Eine deutſche Maffey=Lokomotive z. B. verliert auf franzöſiſchen
Geleiſen nichts von dem Wert ihrer Leiſtung. Aber kein Menſch
gewinnt, wenn er in fremdländiſchen Geleiſen zuhauſe ſein
will. Man hat zwar dieſe unvermeidbare Folgerung aus dem
Verzicht auf die angeſtammte Kultur mit dem Poſtulat einer
Weltkultur, deren Weſen Duldſamkeit auf allgemein menſchlicher
Grundlage iſt, zu umgehen gemeint. Aber Duldſamkeit iſt ein
Lebensgrundſatz und keine ſchöpferiſche Kraft, und wenn man
nicht wie die Franzoſen die eigene Kultur für die Weltkultur
erklärt, hängt man ſich an eine rationale Utopie, die aus dem
Zug zur Weite geboren iſt, die aber ins ungeſtaltbare
Inter=
nationale ſich verliert. Ihr gegenüber leitet die wiſſenſchaftliche
Forſchung aus dem weiten Kreiſe der Länder und Völker zur
engen Heimat und der ſchöpferiſchen Verbundenheit des
Einzel=
nen mit ihr.
Es wäre nun Unrecht, wollte man nicht zugeben, daß es
gerade für den Deutſchen ein ſchickſalhafter Zug iſt, der ihn zu
jener geiſtigen Utopie einer Weltkultur hinneigen läßt. Es iſt,
um ein Bild aus Frobenius „Unbekanntem Afrika” zu
gebrau=
chen, der „Sproßpol” der Kultur. Um ſo eindringlicher muß
darauf hingewieſen werden, daß ihr „Wurzelpol”, die Heimat,
bedroht iſt. Andererſeits aber wäre es ebenſo Unrecht, daraus,
daß ſich wiſſenſchaftliche Forſchung der Heimat zuwendet, auf das
Abſterben dieſer Wurzel zu erkennen, wie der oberflächliche
Ana=
logieſchluß aus dem hiſtoriſchen Wiſſenſchaftsgebiet gerne lautet.
Und eine noch gröbere Verkennung bedeutete es, wollte man
Partikularismus und Lokalpatriotismus darin erblicken, daß
der Heimatkundler mit erkennbarer Wärme und ſchöpferiſcher
Teilnahme an Forſchung und Darſtellung herangeht, wo doch
die bewußte Objektivität auch hier ſicherer ginge. Aber der
Hei=
matkundler ſucht mehr als der geographiſch und hiſtoriſch
ein=
geſtellte Landeskundler, ſtellt mehr dar als das, was war und
iſt, er fühlt tiefer, in das Reich der Werte, die den
Gegen=
ſtänden der Landeskunde die menſchliche Bedeutung
ver=
leiht. Er ſucht das unvergängliche Irrationale, den heute ſo
wie einſt und für alle Zukunft räumlich feſtgelegten,
unwieder=
holbaren Kräftekern der Kultur, ſoweit bodenſtändige Menſchen
überhaupt noch leben. Die Geſchichte der menſchlichen Kultur
bietet für die ausſchlaggebende Bedeutung dieſes Heimatwertes
warnende Beiſpiele genug von brutaler Zerſtörung
bodenſtän=
diger Menſchen und Kultur mit nachfolgender dauernder Oede,
wie in Griechenland, wie in Amerika oder wie bei dem
erbitter=
ten Kampf gegen die techniſchen und ſozialen Utopien ruſſiſcher
Prägung in unſeren Tagen.
Allerdings kann ſolchen weltgeſchichtlichen Abläufen eine
wiſſenſchaftliche Heimatforſchung nicht entgegentreten. Das
müßte ſie verhängnisvoll ins Polemiſche verzerren. Sie ſichert
nur den lebensnotwendigen Kräfteſpeicher, der ſonſt bei der
doch unaufhaltbaren Oekonomieſierung des Geſamtlebensraumes
der Menſchheit verſchüttet würde. Soviel ſei von der biologiſchen
Begründung der Heimatkunde geſagt. Zugleich iſt ihre
Ab=
grenzung von der Landeskunde ſchon angedeutet. Das die
beiden Forſchungsgebiete Unterſcheidende, iſt eben der ganz
weſentliche Zug zu den Gefühlswerten, der die Heimatkunde
zu einer die geographiſche, die ſprach=, kunſt=, landesgeſchichtliche
Sonderbetrachtung der Landes= und Volkskunde überhaupt erſt
mit Lebenswert erfüllenden Wiſſenſchaft macht.
Damit erhebt die Heimatkunde Anſpruch auf einen Titel,
der ihr nicht ſo ohne weiteres zugeſtanden werden wird.
Zu=
nächſt ſpottet man ſehr obenhin über romantiſche Schwäche, die
alte Formen wieder in Uebung bringen will, weil ſie gut waren.
Aber der Lebenswert, der im Geſtalteten liegt, iſt mit der Form
ebenſo wenig identiſch, wie Religion mit irgendeiner Form
religiöſer Uebung. Der Sinn für die echte Form iſt es, der von
dem Beiſpiel der alten Handwerks=, Sprech=, Denk= und
Ge=
fühlsform, mit einem Wort von der alten Gemeinſchaftsform her
ſeiner ſelbſt wieder ſicher werden ſoll. Tiefer könnte der andere
Vorwurf ſchon dringen, der Heimatforſcher trete mit der
ent=
ſcheidenden Frageſtellung an das gefürchtete Irrationale
un=
mittelbar heran, vor dem der eigentliche Wiſſenſchaftler nur
not=
gedrungen vom Geſetzbegriff zur vorſichtigeren „Regel”
zurück=
gewichen ſei. Aber „Heimat” iſt neben allen klimatiſchen,
hiſto=
riſchen und anthropologiſchen Gegegebenheiten eines
Siedler=
landes beſtimmt durch ſeeliſche und geiſtige Abgeſtimmtheiten
geopſychiſcher Art und ſpontanen Kulturdranges des Siedlers.
Sie erſt machen das Stück Erde zum Lebensraum. Sie ſind
der irrationale Grund, in dem die Wertgruppe „Heimat” ihren
Urſprung hat. Die Landes= und die Volkskunde erfaſſen und
beſchreiben Erſcheinungsformen, die Heimatkunde will jener
Abgeſtimmtheit von Natur und Kultur nahekommen, die allem
zu Grunde liegt.
Unter dem Eindruck dieſer zweifellos ſtark gefühlsbetonten
Aufgabe hat ein landeskundlicher Lehrgang in Marburg im
Jahre 1928 in der Schlußausſprache die Heimatkunde als einen
Bildungsgrundſatz anerkannt, als den pädagogiſchen Zielpunkt
für die Behandlung eines engen Ausſchnitts landeskundlicher
Tatſachen. Dahinter verbirgt ſich aber eine gewiſſe Unſicherheit,
die beſſer als alles andere auf die für die Heimatkunde als
Wertwiſſenſchaft wichtigſte Forderung hinweiſt: auf die des
Berufenſeins zu ihr. Nicht jeder philologiſch oder hiſtoriſch
Be=
gabte kann Heimatkunde treiben, denn ſie iſt nicht mit
Methode zu erſchöpfen, wie die wiſſenſchaftliche Landeskunde.
Nur wer ſelbſt die Heimat — ſei es der Geburt, ſei es der Wahl
— ſo liebt, daß ſie ihm ſeeliſch und geiſtig beſtimmt, wie es
Goethe in ſeinen „Wahlverwandtſchaften” in den Geſprächen
über die Parkanlage dargeſtellt hat, nur der kann das Gefühl für
ihre Werte zum klaren Bewußtſein erheben. Die Heimatkunde
fordert, ihrem irrationalen auf Werte gegründeten Weſen
ge=
mäß Verſtehen und Einfühlung, ja man möchte ſagen
künſt=
leriſche Begabung, wie die Pädagogik, die echte Pſychologie, wie
überhaupt jede Wiſſenſchaft, die auf Bildung ausgeht. Damit
ſteht die Heimatkunde vor der Aufgabe, über die geographiſthe
und hiſtoriſche Darſtellung des Siedlungsraumes hinaus, auch
über die Ziele der Kulturgeſchichte hinaus in den eigentlich
metaphyſiſchen Lebensraum zu geleiten.
Zum Schluß ſei noch vor einer argen Verkennung gewarnt.
Dem von außen und intellektuell an das Gebiet Herantretenden
erſcheint ein gewiſſer fragmentariſcher Charakter der
Forſchungs=
ergebniſſe als ein Zeichen der Schwäche und ein Kriterium der
Unwiſſenſchaftlichkeit. Nur überſieht er dabei die
ausſchlag=
gebende Rolle, die das Gefühl für Werte hier ſpielt. Dies
Ge=
fühl allein iſt es, das gerade im Fragment, in der
Einzelunter=
ſuchung bis zu dem Kern vordringt, aus dem es ſein Urteil
ableitet: zur Heimaterkenntnis.
Nummer 257
Mittwoch, den T7. September 1930
Seite 3
Dur savment hant unt feinenn Krogrannnnt feft
Heichskagszuſammenkrikt am 13. Okkober. — Kombinalionen über neue Mehrheiken. — Entſcheidung
bei der Oppoſition.
Abwarken!
* Berlin, 16. Sept. (Priv.=Tel.)
Die Einberufung des Reichstages iſt jetzt endgültig auf den
13. Oktober feſtgelegt worden in einer Beſprechung zwiſchen
dem Reichstagspräſidenten Loebe und dem Reichskanzler. Das
bedeutet eine Hinauszögerung der politiſchen Entſcheidung um
4 Wochen. Unter dieſen Umſtänden iſt es durchaus logiſch,
wenn das Reichskabinett ſich dahin entſchloſſen hat,
zu=
nächſt Folgerungen aus der Wahlniederlage nicht zu ziehen,
ſondern ruhig weiterzuarbeiten, und die Entſcheidung
im Reichstag herbeizuführen.
Rein parlamentariſch gedacht, ließe ſich dagegen vielleicht
etwas einwenden, aber für einen formellen Parlamentarismus
ſind die Zeiten doch kaum angetan. Zudem liegen die Dinge auch
ſachlich ſo, daß wir eine koglitionsmäßig gebundene
Regierung nicht haben, daß vielmehr das Kabinett
un=
abhängig von den Parteien gebildet iſt zur Erfüllung einer
be=
ſtimmten Aufgabe. Dieſe Aufgabe iſt noch nicht gelöſt und die
ganze Wahl würde ihren politiſchen Sinn verlieren, wenn das
Kabinett jetzt in müder Reſignation einfach verzichtete, ohne den
Kampf fortzuſetzen.
Die weitere Entwicklung iſt alſo — nach dem
Ergeb=
nis einer kurzen Miniſterbeſprechung am Dienstag — wohl ſo
anzuſehen, daß in den nächſten 14 Tagen das zunächſt nur in den
Grundlinien feſtgelegte Reformprogramm des Kabinetts
völlig ausgearbeitet und dem Reichstag zugeleitet
werden ſoll. Der Kanzler wird auf dieſes Programm hin dann
mit den Parteien verhandeln. Er wird zunächſt Fühlung
nehmen mit den Führern derjenigen Parteien, die im
Wahl=
kampf hinter der Regierung ſtanden. Das ſoll ſchon in den
nächſten Tagen geſchehen, iſt offenbar ſogar ſchon eingeleitet. Es
wird ſich dabei zunächſt darum handeln, die Stimmung der
einzelnen Fraktionen zu ſondieren und den Führern Kenntnis
von den Abſichten der Regierung zu geben. Liegen dann die
Entwürfe vor, ſo wird der Kanzler auch mit der bisherigen
Oppoſition verhandeln, um zu ſehen, ob es eine Möglichkeit
gibt, ſeinem Kabinett, das ja jetzt eine ausgeſprochene
Minder=
heitsregierung iſt, die erforderliche Unterſtützung zu ſichern.
Dafür blieben die beiden Wege nach rechts und links.
Graf Weſtarp, der für die Konſervativen ſpricht, entwickelt
deren Auffaſſung in der „Kreuzzeitung” dahin, daß für die
Große Koalition in dieſem Reichstag kein Raum ſei, weil
ſie weder eine Mehrheitsregierung bilden noch als
Minderheits=
regierung auf Duldung rechnen könne. Dagegen verſpricht ſich
Graf Weſtarp etwas davon, wenn das Zentrum an den
Natio=
nalſozialiſten erzieheriſche Arbeit verſuchte und ſich
da=
rum bemühte, ſie zur Verantwortung zu ziehen, damit ſie den
Nachweis erbringen, ob ſie gewillt und imſtande ſind, an der
Leitung der inneren und äußeren Politik mitzuarbeiten. Wie
die Dinge liegen, wird es ſich dabei vielleicht nur um eine
For=
malität handeln, weil das Zentrum einer Zuſammenarbeit mit
den Nationalſozialiſten unüberwindliche Schwierigkeiten in den
Weg legt. Es bliebe dann noch der Weg nach links zu den
Sozialdemokraten, der ebenſowenig erfolgreich ſein
dürfte. Deshalb kann eine Erweiterung des Kabinetts
Brüning zu einer Koalitionsregierung kaum in Frage
kommen. Es kann ſich höchſtens darum handeln, daß die
Parteien der Oppoſition ſich bereiterklären, das Programm des
gegenwärtigen Kabinettes zu unterſtützen. Auch das ſollte nach
dem Ausgang des Wahlkampfes eigentlich ausſichtslos ſein. Aus
allem aber, was man bisher von den Sozialdemokraten hört,
ſcheint bei ihnen eine gewiſſe Geneigtheit zu beſtehen, das
Kabi=
nett Brüning als das geringere Uebel zu tolerieren und bis auf
weiteres zu unterſtützen, ohne dafür irgendwelche Zugeſtändniſſe
in der Umbildung des Kabinettes zu fordern. Auch das wäre
für die Sozialdemokraten ſchon eine harte Sache. Sie müßten
ſich ſehr ſtark desavouieren, und ob die Führer ſich mit ihrer
Auffaſſung in der Fraktion ſpäter durchſetzen können, iſt noch
nicht abzuſehen.
Das ſcheint im Augenblick der Kurs zu ſein, den der
Kanz=
ler Dr. Brüning anſteuert, daß er für ſein ſachliches
Pro=
gramm um Unterſtützung wirbt und hofft, dieſe
Unter=
ſtützung auch von den Sozialdemokraten zu bekommen. Niemand
wird im Augenblick ſagen können, inwieweit dieſe Rechnung
rich=
tig iſt. Das wird zum Teil mindeſtens auch bedingt durch die
wirtſchaftliche Entwicklung der nächſten Wochen und durch den
Inhalt der neuen Vorlagen. Aber gerade da drängen ſich
wie=
der die Bedenken auf, wie die Sozialdemokraten, wenn ſie ſchon
die Aufhebung der Notverordnung ablehnen und dem Kabinett
durch die Ablehnung von Mißtrauensvoten den Start auch im
neuen Reichstag ermöglichen ſollten, das finanzielle und ſoziale
Neſormprogramm der Regierung unterſtützen können.
Zahlenſpielereien.
Rechenkünſtler haben ſich der Zahlen der Reichstagswahlen
bemächtigt und Rückwirkungen ausgerechnet, die daraus für die
Länder und Gemeinden entſtehen könnten, wenn auch dort
Neu=
wahlen vorgenommen worden wären. So ergibt ſich für
Thü=
ringen, daß trotz ſtarker Zunahme der Nationalſozialiſten das
jetzt von den Nationalſozialiſten geſtützte Kabinett keine Mehrheit
mehr hinter ſich hat, wenn es ſich auch nur um einen ganz kleinen
Zahlenausſchlag handelt. — In Preußen wären die
Verſchie=
bungen ganz grundlegender Art ſchon aus der Erhöhung der
Mandatsziffer von 450 auf 540. Die Sozialdemokraten würden
ſich etwa gehalten haben, das Zentrum hätte gewonnen, die
Staatspartei verloren, ebenſo Volkspartei und Wirtſchaftspartei.
Die Kommuniſten hätten mehr als zwei Dutzend Sitze gewonnen,
die Nationalſozialiſten ſogar rund 100. Die Weimarer Koalition
hätte ihren Beſtand von 230 Mandaten behauptet. Da aber die
Mehrheit dann nicht mehr 226, ſondern 271 beträgt, würde die
Regierung Braun völlig in der Luft hängen. Auch die Große
Koalition könnte infolge der Verluſte der Volkspartei nicht mehr
aushelfen. Nur durch die Zuziehung der Wirtſchaftspartei wäre
eine knappe Mehrheit herzuſtellen — eine Kombination, die bei
den ſcharfen Gegenſätzen zwiſchen Wirtſchaftspartei und
Sozial=
demokraten in Preußen vollkommen ausgeſchloſſen iſt. Bei
Neu=
wahlen wären alſo die Schwierigkeiten der Regierungsbildung
genau ſo groß wie im Reich. Grund genug für die
Sozialdemo=
kraten und den Miniſterpräſidenten Braun, eine Auflöſung des
Landtags zu vereiteln und auf beſſere Zeiten zu warten. Dies
wird ſolange dauern können, als das Zentrum in Preußen an
ſeiner Koalition mit den Sozialdemokraten feſthält.
* Frankreich und die deutſchen Wahlen.
Von unſerem A=Korreſpondenten.
Paris, 16. September.
Die öffentliche Meinung Frankreichs konnte bis jetzt zu den
Ereigniſſen in Deutſchland nicht einheitlich Stellung nehmen,
trotz=
dem ſie an ihnen ſeit der Ausſchreibung der Wahlen aufs
inten=
ſivſte Anteil nahm. Das iſt bei dem völligen Mißverſtehen der
Verhältniſſe in Deutſchland an und für ſich nichts
Ueberraſchen=
des. Im allgemeinen haben die Wahlergebniſſe eine
großeEnt=
täuſchung gebracht. Die extreme Rechte, inſofern ſie
ausge=
ſprochen annäherungsfeindlich eingeſtellt iſt, triumphiert. Die
an=
deren Parteien ſind aufrichtig verſtimmt, zeigen aber keine
Nei=
gung, die Schlußfolgerungen der extremen Nationaliſten ernſt zu
nehmen. Im Gegenteil, ſie glauben an keine entſchiedene
Aen=
derung der Politik in Deutſchland, und vor allem nicht an eine
Aenderung der Außenpolitik. Die poſitive politiſche Auswirkung
des Anwachſens der äußerſten Rechten in Deutſchland wird nicht
zu hoch eingeſchätzt. Das bedeutet aber nicht, daß es in Frankreich
an Alarmrufen fehlt. Man kann aber auch intereſſante
Einzel=
meinungen wahrnehmen. „Dü ra VAllemagne?", „Wohin geht
Deutſchland? Es gibt nur einen einzigen Mann im Reich, der
fähig iſt, darauf eine beruhigende Antwort zu geben: Marſchall
Hindenburg .. ." ſchreibt „Le Journal‟. Der „Temps” iſt
peſſi=
miſtiſcher; er ſchreibt wörtlich, daß „Deutſchland keine Fehler mehr
zu begehen hat, aber Europa auch nicht‟. Darin iſt vielleicht das
unbewußte Bekenntnis enthalten, daß auch für die franzöſiſche
Außenpolitik nicht mehr viel Fehler zu begehen übrig bleiben.
Man ſoll es nicht vergeſſen, daß die Nachrichten von den deutſchen
Wahlergebniſſen in einem Augenblick kamen, in der die
Unzufrie=
denheit mit der außenpolitiſchen Lage beſonders groß iſt. Genf
hat wieder einen Beweis dafür gebracht, daß die franzöſiſche
Außenpolitik iſoliert daſteht. Man hat von dem England
Hen=
derſons und Macdonalds nichts zu erwarten, nicht einmal mehr
eine Enttäuſchung. Aehnlich ſteht es mit Italien; die kleinen
Verbündeten, oder, beſſer geſagt, Vaſallen Frankreichs ſorgen da=
für, daß die franzöſiſche Außenpolitik gewiſſe Gegenſätze nicht
all=
zuleicht überwindet. Die Verſöhnung mit Italien ſcheiterte
zu=
letzt an Jugoſlawien, und die polniſche Propaganda in Paris wird
es nicht unterlaſſen, die Bedeutung der extremen Rechten in
Deutſchland der franzöſiſchen Oeffentlichkeit jeden Tag neu
auf=
zutiſchen.
Moskau zum Wahlergebnis.
T.U. Kowno, 16. September.
Wie aus Moskau gemeldet wird, unterſtreicht man in
ruſſi=
ſchen Kreiſen den Erfolg der K. P.D.. Die Führung durch
Neu=
mann=Thälmann habe ſich bewährt, die Richtlinien, die die
Komintern unter Führung Stalins gegeben habe, hätten ſich
als richtig erwieſen. Die K.P.D. habe der deutſchen
Sozial=
demokratie einen mächtigen Schlag zugefügt. In Moskauer
politiſchen Kreiſen iſt man ſehr peſſimiſtiſch über die
Lebens=
dauer des neuen Reichstages. Aufgabe der K.P.D. ſei es, die
Sympathien in der Arbeiterſchaft zu erweitern, um bei den neuen
Wahlen eine noch ſtärkere Stellung einnehmen und die Ideen
der Sowjets in Deutſchland verwirklichen zu können.
Pilſudſki verhafket weiker.
Warſchau, 16. September.
Die Oppoſitionspreſſe, die eine eigene Darſtellung über die
geſtrigen Zuſammenſtöße brachte, wurde beſchlagnahmt, ſo daß
nur die Darſtellung der Regierungspreſſe vorlag. Eine
rechts=
oppoſitionelle Zeitung berichtet, daß am Sonntag zwei Perſonen
getötet und etwa 100 verwundet wurden. Im ganzen ſeien nahezu
1000 Perſonen verhaftet worden, von denen ſich der größte Teil
noch in Haft befindet.
Die Regierungspreſſe beziffert die Verhafteten in Warſchau
allein auf 250, davon ſind 68 entlaſſen worden, ſo daß ſich noch
182 in Haft befinden. Dem größten Teil wird wegen verbotenen
Tragens von Waffen und Beteiligung an bewaffnetem Aufſtand
gegen die Regierungsgewalt der Prozeß gemacht werden. Das
Verhör der Verhafteten hat die ganze Nacht angedauert und wird
heute fortgeſetzt. Auch weitere Abgeordnete ſind heute verhaftet
worden. So wurde in Lublin der Abgeordnete Koſmoka (
Wyz=
wolenie=Partei), in Thorn der Abgeordnete Pawlak (Liberale
Arbeiterpartei) und in Warſchau der Abgeordnete Noſek (
Wyz=
wolenie=Partei) verhaftet. In der Nacht ſind der
Oppoſitions=
preſſe zufolge, in Warſchau weiter eine große Anzahl von
Mit=
gliedern der Sozialiſtiſchen Partei verhaftet worden. Der
Abge=
ordnete Gralinſki (Wyzwolenie=Partei) wird ſeit der geſtrigen
Schießerei vermißt. Sein Name befindet ſich nicht auf der Liſte
der Verhafteten.
In Warſchau wurde heute ein eintägiger Streik zum Zeichen
des Proteſtes gegen die Abgeordnetenverhaftungen veranſtaltet.
Der Streik gelang nur teilweiſe. Gas= und Elektrizitätswerke,
die unter dem Einfluß der Regierungsſozialiſten ſtehen, auch die
Straßenbahner ſchloſſen ſich dem Streik nicht an. In einigen
Induſtrieunternehmungen ſtreikte die ganze Belegſchaft, in
an=
deren nur ein Teil.
Ausrokkungsakkion gegen die Kurden.
EP. Konſtantinopel, 16. September.
Die militäriſchen Operationen der türkiſchen Truppen
gegen die aufſtändiſchen Kurden im Ararat=Gebirge ſind
einem offiziellen Kommuniqué zufolge von vollem Erfolg
begleitet geweſen und beendet worden. Die Rebellen ſollen
ausgerottet worden ſein. In manchen Kreiſen neigt
man jedoch zu der Anſicht, daß zahlreiche der aufſtändiſchen
Kurden ſich auf perſiſches Gebiet geflüchtet haben.
Wegen Veröffentlichung aufhetzender Artikel iſt der
Heraus=
geber der Zeitung „Anodolu” in Smyrna verhaftet worden. Die
kürzlichen Unruhen in Smyrna follen hauptſächlich auf die durch
dieſe Zeitung betriebene Agitation zurückzuführen ſein.
Dauernde Unruhen in Franzöſiſch=Indoching.
Paris, 16. September.
Die Unruhen in Franzöſiſch=Indochina, die in den letzten
Tagen mehrere Tote und Verwundete forderten,
konn=
ten trotz energiſchen Einſchreitens der Behörden nicht beigelegt
werden. Während es am 9. September nach einer Mitteilung
des franzöſiſchen Kolonialminiſteriums in der Provinz Hatinh
zu Zuſammenſtößen mit der Polizei kam, wobei fünf
Einge=
borene getötet und ſünf ſchwer verletzt wurden, ereigneten ſich
jetzt in der Nachbarprovinz neue ſchwere Zuſammenſtöße.
Mehrere hundert Aufſtändiſche griffen eine Polizeiabteilung an,
die von der Schußwaffe Gebrauch machte. Dabei wurden zehn
Perſonen getötet. Die franzöſiſche Regierung hat ſofort eine
Abteilung Fremdenlegionäre an den Unruheherd
ent=
ſandt.
Zweierlei Wallace.
Von Eugen Schmitz.
An verregneten Ferientagen iſt man zum Unmöglichſten
fähig. Darum habe ich an einem ſolchen auch einen
Detektiv=
roman von Wallace geleſen. Und ich bereue es nicht, denn ich
habe Wallace dabei in intereſſanter Form „entdeckt”. Für mich
zunächſt, aber vielleicht kennen auch andere ihn nicht ſo. Und ſo
wäre es gut, wenn alle ihn ſo kennen lernten, die gutes
deut=
ſches Geld für ſeine Detektivſchmöker ausgeben. Vielleicht
be=
ſännen ſie ſich dann anders.
Das Buch, das ich las, hieß „Den gröna ſkräken” zu
deutſch: „Der grüne Schrecken‟. Da ich mich in einer
ſchwe=
diſchen Sommerfriſche befand, las ich den Roman zunächſt in
ſchwediſcher Ueberſetzung. Ich war aber davon ſo erſchüttert,
daß ich mir auch gleich das engliſche Original kommen ließ.
Und zuguterletzt las ich die Geſchichte dann noch zum dritten
Male in der deutſchen Ueberſetzung. Alles dieſes mit gutem
Grund, wie ſogleich verſtändlich werden wird.
Der „Held” des Romanes iſt ein ſchurkiſcher Arzt. Dieſer
hat ein chemiſches Präparat erfunden, das er „den grünen
Schrecken” (oder auch „den grünen Roſt) nennt, und dieſes
Prä=
parat ermöglicht es, die ganze Weizenernte Englands, ſeiner
Kolonien und Amerikas auf ein Jahrzehnt hinaus zu vergiften
und unbrauchbar zu machen. So daß andere Getreide=Länder
durch Kornwucher dann enorme Summen verdienen können.
Um die durch tauſend Abenteuer durchgeſteuerte Vorbereitung
dieſes feinen Planes dreht ſich nun die Handlung des Romans.
An der Wachſamkeit der engliſchen Polizei und eines
ameri=
kaniſchen Detektivs ſcheitert die Durchführung im letzten
Augen=
blick, und der Schurke fällt durch eine Revolverkugel. Dieſer
Schurke aber iſt — und nun kommt der Pferdefuß! — ein
Deutſcher, der im Einvernehmen mit der deutſchen
Re=
gierung handelt! Dieſe hat bereits die alten Zeppelinhallen
als Speicher für den Kornwucher herrichten laſſen, und hofft
auf dieſe Art Revanche für den verlorenen Weltkrieg zu
neh=
men. Auch alle Helfershelfer des Schurken ſind Deutſche; wenn
irgendeine Schurkerei ausgeixt werden ſoll, wird deutſch
ge=
ſprochen: denn das iſt die Gaunerſprache dieſer Erzählung. Und
es ſind niedliche Dinge, die da gedreht werden. Mit einem
Mord geht es gleich los, dann folgen alle möglichen gemeinen
Intrigen: die gewaltſame Entführung und Gefangenhaltung
eines Mädchens, ihre Mißhandlung, Zwang zur Ehe mit dem
Schurken und ſo weiter. Der engelhafte amerikaniſche Detektiv
hat alle Hände voll zu tun, um alle dieſe Schurkereien der
deut=
ſchen Teufel zu entſchleiern und zum Guten zu wenden. Und
ſo die anglo=amerikaniſche Welt vor dem „gefährlichſten
An=
ſchlag auf die Ziviliſation” zu bewahren, der je verſucht wurde.
Das edle engliſche Mädchen aber, das beinahe dem deutſchen
Schurken zum Opfer gefallen wäre, erklärt gelegentlich, die
Deutſchen hätten ja ohnedies nie etwas anderes getan, als
Kul=
turgüter zerſtört. Sie ſeien nun eben mal die Hunnen. Wenn
das in Parantheſe auch ſchüchtern als kleine Uebertreibung
hin=
geſtellt wird, ſo ſcheinen die Tatſachen der Romanhandlung doch
deutlich dafür zu ſprechen. Der deutſche Schurke aber ſetzt dem
zyniſch als freche Blasphemie ein „An deutſchem Weſen ſoll
die Welt geneſen” entgegen.
Alſo iſt auf ſchwediſch über den „Grünen Schrecken” zu
leſen. Auf engliſch iſt’s womöglich noch ſchlimmer. Da ſind
die deutſchfeindlichen Ausdrücke noch ſchärfer, die antideutſchen
Epiſoden noch „liebevoller” ausgearbeitet. Aber nun im
deut=
ſchen: — da iſt Herr Wallace auf einmal der Haſe, der von
nichts weiß. Zwar die Schurkerei iſt die gleiche geblieben, aber
die Aktion geht nun nicht von Deutſchland, ſondern — von
Südamerika aus! Alle deutſchfeindlichen Epiſoden und Worte
aber ſind ſorgfältig geſtrichen, ſelbſt auf die Gefahr hin, daß
dadurch die Erzählung ſtreckenweiſe nüchtern wird. Geſchäft iſt
Geſchäft, und wenn auch die hunniſchen Deutſchen ſelbſt
an=
rüchig ſind, ſo doch nicht ihr Geld! Und daß das wörtlich
über=
ſetzte Original in Deutſchland widerſpruchsloſe Käufer finden
würde, das war trotz aller Großzügigkeit, die in ſolchen
Din=
gen den guten Deutſchen eigen zu ſein pflegt, ja doch wohl nicht
zu erwarten.
Sachlich iſt zu dem Fall nicht viel zu ſagen; er ſpricht für
ſich ſelbſt. Nur ein Punkt ſei noch unterſtrichen: Wenn ſolcher
deutſchfeindlicher phantaſtiſcher Unſinn in England geleſen wird,
ſo iſt das zwar, reichlich zehn Jahre nach Friedensſchluß und im
Zeitalter der „Verſtändigung”, auch fatal; aber vom ehemals
deutſchfeindlichen Auslande ſind wir ſolche Dinge ja gewöhnt.
Abſcheulich iſt es aber, wenn ſolches verleumderiſche literariſche
Gift ins freundliche Ausland kommt. Und deshalb wirkt die
Ueberſetzung ins Schwediſche beſonders empörend. Die
Schwe=
den ſind während des Krieges die deutſchfreundlichſten
Neu=
tralen geweſen. Auch heute noch hat man dort viel für
Deutſch=
land und deutſches Weſen übrig, obwohl ſich engliſche und
franzöſiſche Elemente bereits ſehr breit machen. Und
ausgerech=
net in dieſer Situation wird nun dem ſchwediſchen
Roman=
leſer ſo ein Buch unterbreitet, das ihm deutſches Weſen in
ſchlimmſten Farben malt. Das muß ja naive Gemüter
irre=
führen und dieſe ſind in jedem Volk doch die Mehrzahl, die
letzten Endes den Ton angibt. Gewiß iſt die moraliſche
Wir=
kung ausgerechnet eines phantaſtiſchen Dutzenddramas nicht zu
überſchätzen. Aber ein Giftpfeil bleibt es doch, und wir wollen
es uns merken, wer ihn abgeſchoſſen hat.
An dieſer Stelle ſei darauf hingewieſen, daß der deutſche
Fichte=Bund in Hamburg (Colonnaden 47) ſeit zehn Jahren der
geiſtigen Vergiftung durch millionenweiſe Verbreitung ſeiner
deutſchen und fremdſprachigen Flugblätter entgegenwirkt. Dieſe
werden an Leſer unſeres Blattes unentgeltlich abgegeben. Es
ſind rund dreißig Flugblätter in deutſcher und über hundert
in den wichtigſten Weltſprachen vorhanden. Wer Freunde oder
Bekannte im Auslande hat, ſollte ſtets ein Flugblatt ſeinen
Briefen beilegen.
Heſſiſches Landestheaker.
Großes Haus. — Dienstag, 16. September.
Simone Boccanegra
Oper von G. Verdi.
Albert Lohmann nimmt die Figur des Simone, die er
heute zum erſtenmale ſang, von einer völlig anderen Seite, als
ſein Vorgänger, der Eſſener Gaſt. Seiner Begabung, ſeiner
ur=
wüchſigen Natur gemäß, von der dramatiſchen Seite. Nun hat
die Titelrolle zweifellos auch heldiſche Züge. Aber Lyrik, und
damit weicher, warmer Belcanto iſt ihr Grundzug. Und das liegt
Lohmann nicht gut. Sein mächtig ausladender Baßbariton
hat ſicherlich eine ſeltene Größe und Tragkraft. Aber er
ent=
behrt der Modulationsfähigkeit, iſt unbiegſam, hat keine
Nüan=
cen. Er klingt leicht derb und unkultiviert, es fehlt der Stimme
der ſinnliche Reiz. Alles Erforderniſſe für die italieniſche Oper.
In hochdramatiſchen Aufgaben treten dieſe Mängel kaum hervor.
Auch heute gab es Momente, in denen die Vorzüge ſeiner
Per=
ſönlichkeit: ſcharfe Charakteriſierungskunſt, großzügige
Geſtal=
tung, vorbildliche Ausſprache, zur Geltung kamen. Aber ſie
konnten nicht erwärmen und hatten nicht die Kraft, die Rolle
zum erwünſchten Erfolg zu führen, obgleich die Sterbeſzene
Niveau hielt. Das eigentliche Wirkungsfeld des Künſtlers ſcheint
auf anderem Gebiet zu liegen.
Ich hole nach, den Chören Anerkennung zu zollen. Sie
haben eine wichtige Stellung im Drama und ſind faſt durchweg
rein muſikdramatiſch verwendet. Nur im dritten Bild, in dem
herrlichen Quintett=Enſemble, gibt ihnen Verdi auch eine
melo=
diſche Aufgabe, die ſchön gelöſt wurde.
F.H.
Kunftl. Wiſſenſchaft und Leben.
— Der Violoncelliſt Hermann Buſch iſt in das
Buſchquartett eingetreten. Das Quartett wurde unter anderem
von den Konzertgeſellſchaften in Baſel, Zürich, Turin und
Mai=
land aufgefordert, im kommenden Winter ſämtliche Quartette
von Beethoven zu ſpielen. In den beiden letzteren Städten
ſchon zum zweiten Male.
Eberswalde. Die wiſſenſchaftliche Aſſiſtentin Dr. Johannes
Lieſe und Dr. Manfred Köhn wurden zu. nicht beamteten
außerordentlichen Profeſſoren an der Forſtlichen Hochſchule
er=
nannt. Dr. Friedrich Schucht in Berlin, ordentlicher Profeſſor
an der Univerſität Berlin, wurde zum Honorarprofeſſor an der
Forſtlichen Hochſchule Eberswalde ernannt.
Seite 4
Mittwoch, den 17. September 1930
Nummer 257
O
OM
Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Mein lieber Gatte, unſer lieber Schwiegervater und
Großvater
Mert Jaftas Seber
iſt heute früh ½8 Uhr plötzlich und unerwartet
im Alter von 72 Jahren ſanft entſchlafen.
Eliſabeth Weber, geb. Becker
Eduard und Walter Röhler.
Darmſtadt, den 16. September 1930.
Grüner Weg 7, I.
(13797
Die Feuerbeſtattung erfolgt am Donnerstag, den
18. September, nachmittags 4 Uhr, auf dem
Wald=
friedhof.
Von Beileidsbeſuchen bittet man abzuſehen.
Statt jeder beſonderen Anzeige.
Heute entſchlief ſanft unſer lieber, guter Vater,
Schwieger=
vater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel
Beintich Tranofſtaner.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Hans Brandſtätter.
Darmſtadt, den 16. September 1930.
Erbacherſtr. 1.
Die Beerdigung findet Freitag, den 19. September, 11½ Uhr vormittags,
auf dem alten Friedhof ſtatt.
Von der Reise zurück:
Dr. H. Rausch,
Facharzt f. Haut-u. Geschlechtsleiden
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für Hautkrank heiten.
Obere Rheinstr. 6 13672b
Todes=Anzeige.
Allen ſeinen Verwandten, Freunden und
Be=
kannten die traurige Mitteilung, daß unſer
lieber Bruder und Vetter
eerr eeineia Samsole
Kupferſchmiedemeiſter
nach kurzer, ſchwerer Krankheit aus dieſem
Teben abgerufen wurde.
Eliſabeth Kraefft, geb. Wambold
Margarethe Braun, geb. Wambold.
Die Beerdigung findet Mittwoch vormittag 11 Uhr auf
dem Waldtriedhof ſiatt.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine
innigſt=
geliebte Gattin, unſere liebe Tochter,
Schwieger=
tochter, Schweſter, Schwägerin und Nichte
Minna Schließmann
geb. Oeſtreich
nach kurzem ſchweren Leiden heute unerwartet im
Alter von 32 Jahren zu ſich in die Ewvigkeit abzurufen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Emil Schließmann
Schwanenſtr. 2.
Darmſtadt, den 15. September 1930.
Die Beerdigung findet Donnerstag nachmittag 2 Uhr
auf dem alten Friedhofe ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
beim Heimgang unſeres lieben Vaters ſagen wir
Allen hiermit vielen Dank, beſonders danlen wir
Herrn Pfarrer Waitz für die troſtreichen Worte am
Grabe, ſowie Herrn Dr. Erb und den Schweſtern des
Städtiſchen Krankenhauſes für ihre liebevolle Pflege.
Darmſtadt, den 16. September 1930.
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Nummer 257
Mittwoch, den 17. September 1930
Seite 5
Aus der Landeshaupkſtadk.
Darmſtadt, den 17. September.
Das diesjährige Programm des Muſikvereins.
Der Muſikverein Darmſtadt verſendet in dieſen Tagen ſeinen
dies=
jährigen Konzertplan, der zugleich als Werbeſchrift für den Muſikverein
ausgeſtaltet iſt. Das von der Firma Roether geſchmackvoll ausgeſtattete
Heſtchen verdient auch inhaltlich allgemeine Beachtung. Mit
Befriedi=
gung wird darin feſtgeſtellt, daß die bisherigen mannigfachen
Bemühun=
gen der Vereinsleitung, das Verſtändnis, für die kulturelle Bedeutung
des Muſikvereins in Darmſtadt und für ſeine ſchwierige Lage gerade
in der jetzigen Zeit in weitere Kreiſe der Bürgerſchaft zu tragen, trotz
der ungünſtigen wirtſchaftlichen Verhältniſſe Erfolg gehabt haben, und
daß im letzten Jahre eine bemerkenswerte Zunahme der Mitgliederzahl
zu verzeichnen geweſen iſt. Zugleich wird aber auch der Hoffnung
Aus=
druck gegeben, daß auch künftighin jeder einzelne ſich der Notwendigkeit
bewußt bleiben möge, gerade in den wirtſchaftlich ſchweren Zeiten altes
Kulturgut erhalten zu helfen. Mit ſeinen vier großen Konzerten hat
der Verein im abgelaufenen Konzertjahre ſeine künſtleriſche
Leiſtungs=
fähigkeit und Daſeinsberechtigung, ebenſo aber auch ſeine Notwendigkeit
für das muſikaliſche und kulturelle Leben unſerer Stadt wieder voll
bewieſen. Als die wohlgeſchulte große Chorvereinigung bietet er nicht
nur nach alter, demnächſt 100jähriger Ueberlieferung unſerer
Bevölke=
rung die klaſſiſchen Oratorien= und ſonſtigen Chorwerke dar, ſondern
vermittelt auch in fortſchrittlicher Weiſe die Kenntnis neuerer
muſikali=
ſcher Schöpfungen. Insbeſondere bei der wohlgelungenen Uraufführung
der Meſſe von Wilhelm Peterſen wurde dies kürzlich wieder rückhaltlos
anerkannt. Die künſtleriſche Leiſtungsfähigkeit läßt ſich aber nur
auf=
rechterhalten und weiter ſteigern, wenn nicht nur alle bisherigen
Mit=
glieder dem Verein die Treue halten, ſondern wenn möglichſt alle
muſik=
liebenden Bürger Darmſtadts, ſoweit ſie ſich nicht ſelbſt ausübend im
aktiven Chore des Vereins betätigen können, ihm inaktiv beitreten und
ihm dadurch die materiellen Mittel an die Hand geben, die großen
Konzerte mit ihren enorm geſtiegenen Koſten auch weiterhin
durchzufüh=
ven, und wenn möglichſt viele ſangeskundige Damen und Herren den
aktiven Chor verſtärken helfen. Die weitgehende Abſtufung ſowie auf
Wunſch ratenweiſe Zahlung der Mitgliederbeiträge bietet die
Möglich=
keit, auch mit geringer wirtſchaftlicher Belaſtung die Mitgliedſchaft zu
erwerben. Auskunft und Anmeldung bei der Platzordnerin des
Muſik=
vereins, Frau Ella Arnold, Aeußere Ningſtraße 118. Fernſprecher 3316,
und bei Konzert=Arnold, Eliſabethenſtv. 28. Damen und Herren, welche
dem aktiven Chore beizutreten wünſchen, werden gebeten, ſich einfach
zu einer der Montags und Freitags, abends 8 Uhr, ſtattfindenden
Pro=
ben im Vereinshaus (Wilhelm=Gläſſing=Straße 24) einzufinden. (Nächſte
Probe für Damen Montag. 22., für Herren Freitag, B. September.)
Neu eintretende aktive Mitglieder ſind im erſten Jahre von der
Bei=
tragsleiſtung befreit.
Der Konzertplan für 19830/31 weiſt wie ſeit Jahren mit vier großen
ordentlichen Konzerten ein hochſtehendes künſtleriſches Programm auf.
und zwar, da ſich die wirtſchaftlich notwendige Umſtellung eines der
vier Konzerte im vorigen Jahre auch künſtleriſch bewährt hat, drei
Konzerte des Vereinschores mit ausgewählten Soliſten unter Leitung
von Generalmuſikdirektor Dr. Böhm und eine Veranſtaltung des
be=
rühmten Salzburger Domchores unter Leitung ſeines bekannten
Diri=
genten, des Domkapellmeiſters Joſeph Meßner. Dieſes letztere (zweite)
Konzert wird mit Werken alter Salzburger Meiſter (Michael Haydn.
Leopold Mozart, W. A. Mozart) einen für Darmſtadt ganz beſonders
ſeltenen und auserleſenen künſtleriſchen Genuß bieten. Als erſtes
Kon=
zert iſt im Großen Hauſe des Landestheaters eine Wiederholung der im
vorigen Jahre in glänzender Uraufführung gebrachten „Großen Meſſe‟
unſeres einheimiſchen Komponiſten Wilhelm Peterſen vorgeſehen, da die
Vereinsleitung ſich dem von ſo vielen Seiten geäußerten Wunſche nach
einer ſolchen Wiederholung nicht verſchließen zu dürfen glaubte. Sie
wird auch von ſolchen, denen an ſich die kurze Aufeinanderfolge von
Aufführungen des gleichen Werkes nicht erwünſcht ſcheinen mag,
ſicher=
lich begrüßt werden. Handelt es ſich doch um ein ſo prachtvolles,
allge=
mein als hochbedeutend anerkanntes Kunſtwerk, daß jeder Muſikliebende
gern durch wiederholtes Anhönen tiefer in ſeine Schönheiten eindringen
wird. Das dritte Konzert bringt den in Darmſtadt lange nicht
aufge=
führten „Joſua” von Händel und das vierte die „Matthäus=Paſſion”
von J. S. Bach, beide ebenſo wie das zweite Konzert in der Stadtkirche.
Die inaktive Mitgliedſchaft berechtigt zum Beſuche dieſer vier
Kon=
zerte und der öffentlichen Hauptproben, die ihnen ſämtlich vorausgehen.
Als Sonderkonzert iſt am 2. Februar 1931 im Kleinen Haus ein
Lieder=
abend von Thea Böhm=Linhard und Generalmuſikdirektor Dr. Böhm
vorgeſehen, zu dem den Mitgliedern ermäßigte Eintrittspreiſe gewährt
werden.
— Bibliſches Alter. Am kommenden Donnerstag, dem 18.
d. M., vollendet Frau Katharina Lich Witwe, geb. Kauf
wohn=
haft hier, Neugaſſe 7, in ſeltener geiſtiger Friſche ihr 93.
Lebens=
jahr.
— Hohes Alter. Schloſſermeiſter Georg Auguſt Fink.
Rhön=
ring 53, feiert am 18. September in körperlicher und geiſtiger
Friſche ſeinen 80 Geburtstag. Seine Ehefrau Chriſtine Fink
wurde vorige Woche 82 Jahre alt.
Vorſicht, Hotelbetrüger! Vor einigen Tagen iſt in einem
hieſigen Hotel ein reiſender Betrüger aufgetreten. Er trug ſich
als Diplom=Ingenieur in das Fremdenbuch ein. Am zweiten
Tage brachte er noch eine Dame mit, der er vorſpiegelte, ihr eine
Stellung bei der „Ufa=Filmgeſellſchaft” mit einem Monatsgehalt
von 600 RM. zu beſorgen. Am nächſten Tage hatte der Betrüger
das Hotel verlaſſen unter Hinterlaſſung einer Zech= und
Logier=
ſchuld in Höhe von 12 RM. Die Filmdiva hatte er für den
näch=
ſten Tag in ein Café beſtellt, woſelbſt ſie mit enttäuſchtem Geſicht
vergebens wartete. Nachdem der Betrüger von Darmſtadt
abge=
reiſt war, hat er in Heidelberg unter den gleichen Umſtänden ſeine
Betrügereien fortgeſetzt. Er nannte ſich „Bruno Stenzel”, oder
„Henkel” aus Kaſſel. Die erforderlichen kriminalpolizeilichen
Maßnahmen zu ſeiner Ergreifung ſind in die Wege geleitet.
Zeugen geſucht. Am 21 Auguſt 1930, gegen 21 Uhr, wurde
ein Milchhändler aus Traiſa im Heinrich=Wingertsweg von zwei
unbekannten Männern angehalten und zu Boden geſchlagen. Auch
durde ein Fahrrad, das dieſer bei ſich führte, zertrümmert. Um die
leiche Zeit ſoll eine Frauensperſon an den Streitenden
vorüber=
gegangen ſeien. Alle Perſonen, insbeſondere die vorgenannte
rauensperſon, die über dieſes Vorkommnis Angaben machen
kön=
en, werden gebeten, bei dem Polizeiamt. Hügelſtraße 31—33,
Zimmer 29, vorzuſprechen. Gemachte Wahrnehmungen können
uns auch in ſolchen Fällen ohne Angabe des Namens durch
Fern=
ſprecher, Tel. 3356—59, mitgeteilt werden.
Rohe Tierquälerei mit erheblichem Sachſchaden. Am
Sams=
ag. dem 13. September 1930, wurde im Hofe der Wirtſchaft Geiß,
cke Frankfurter= und Blumentalſtraße, ein Pferd des Landwirts
L. Feldmann aus Weiterſtadt, das am Wagen angeſpannt im Hofe
der genannten Wirtſchaft ſtand und gefüttert wurde, von einem
Rohling mit einem Meſſer in den Bauch geſtochen. Der
hinzu=
gezogene Tierarzt hat feſtgeſtellt, daß das Pferd erheblich verletzt
wurde und die Gefahr beſteht, daß das Tier eingeht. Die
polizei=
ichen Ermittelungen ſind noch nicht abgeſchloſſen. Die Perſon des
läters iſt aber bereits feſtgeſtellt.
Die Handball=Elf Oeſterreichs in Darmftadk.
Am kommenden Sonntag findet in Darmſtadt das erſte
Länderſpiel zwiſchen den repräſentativen Handballmannſchaften
der beiden Brudervölker ſtatt. Angeſichts der Bedeutung dieſes
Treffens verweiſen wir auch hier auf die entſprechenden
Mit=
teilungen im Sportteil unſerer Ausgaben.
Hängerbeſuch in Darmſtadt.
In Erkennung des Bedürfniſſes, daß ſich die Pfleger des
deut=
ſchen Liedes, die Männergeſangvereine heute mehr denn je
zu=
ſammenfinden müſſen, um dieſes ideale Mittel gegen geiſtige
Ver=
flachung ins Volk zu tragen, hatte der Männergeſangverein „
Lie=
derkranz‟ Darmſtadt Mühe und Arbeit nicht geſcheut,
Bruder=
vereine aus Mainz, Worms und Neu=Iſenburg gaſtlich bei, ſich
aufzunehmen. Der lobenswerten Abſicht war voller Erfolg
be=
ſchieden, und ſicher hat jeder der beteiligten Vereine auch
Anregun=
gen mitgenommen, die auf die Vereinsarbeit befruchtend wirken.
Während der Wormſer „Liederkranz” bereits in den frühen
Morgenſtunden begrüßt werden konnte und unter Führung von
Mitgliedern ſeines hieſigen Namensvetters die
Sehenswürdigkei=
ten unſerer Stadt beſichtigte trafen der „Männergeſangverein”
Mainz und „Frohſinn” Neu=Iſenburg nachmittags ein. Um 16 Uhr
verſammelten ſich 350 Sänger auf dem Marktplatz und boten unter
der vortrefflichen Stabführung von Kapellmeiſter Friedel Fiſcher
einer zahlreichen Zuhörerſchaft nach dem deutſchen Sängergruß
zwei Chöre in prachtvoller Leiſtung und als eindrucksvolle
Kund=
gebung dar.
Im Vereinslokal des „Liederkranzes”, Brauerei „Zur Krone‟,
fand anſchließend der große Sängerkommers ſtatt. Der Vorſitzende
das gaſtgebenden Vexeins, Herr E. Sulzmann, begrüßte in
warmen Worten alle Teilnehmer und gab der Hoffnung Ausdruck,
daß ſich dieſe Sängertreffen recht oft wiederholen möchten. Er
betonte insbeſondere, daß gerade die großen, einflußreichen
Ver=
eine durch ſolche ſangesbrüderlichen Verbindungen weſentlich zur
Förderung und Verbreitung des Männergeſangs beitragen
könn=
ten. Der Vorſitzende des „Liederkranz” Worms, Herr O. Neu,
welcher die eigentliche Initiative zu dieſer Zuſammenkunft
gege=
ben hatte, dankte für die gaſtfreundliche Aufnahme in herzlichen,
beredten Worten und wußte in eindrucksvoller Weiſe, von dem
Wert des deutſchen Liedes und der Notwendigkeit des
Zuſammen=
arbeitens der Männergeſangvereine zu überzeugen. Es folgten
herzlich gehaltene Anſprachen des Vertreters des „Frohſinns”
Neu=Iſenburg, Herrn Bechtold, ſowie vom „Mainzer
Männer=
geſangverein”, Herrn Ohlmann, deſſen Lob ſpeziell den
Sän=
gerfrauen galt. Im Auftrage des Heſſiſchen Sängerbundes
rich=
tete Bundesſchatzmeiſter Wilhelm Bitter, im Namen des Gaues
Darmſtadt Gauvorſitzender Ludwig Roth warme Worte der
Be=
grüßung an die Gäſte. — In eindringlicher, zündender
Schluß=
rede hob Gauvorſtandsmitglied Adam Hildebrand den hohen
Idealismus des Sängers hervor und betonte die bedeutungsvolle
Miſſion der Männergeſangvereine, einen wichtigen Beitrag zur
Herſtellung der Volksgemeinſchaft zu leiſten. Umrahmt wurde
die=
ſer offizielle Teil von Chorvorträgen (Liederkranz Darmſtadt:
Geiſterruf” von Baumann, Liederkranz Worms: „Heimat” von
Wiesner, Männergeſangverein Mainz: „Deutſcher, Rhein”, von
Hanſen, Frohſinn Neu=Iſenburg: „Volk” von Heinrichs), deren
Auswahl und Wiedergabe durchweg dem Streben der
Männer=
geſangvereine nach edler, reiner Sangeskunſt Ausdruck gaben.
Und nun wurden echter Sängerfröhlichkeit die Pforten
ge=
öffnet. In zwangloſer Folge reihte ſich Vortrag an Vortrag. Aus
der Fülle des Dargebotenen ſeien beſonders erwähnt das
humor=
volle Protokoll des Wormſer, Karnevalsredners Sangesbruder
Wunder, die prachtvollen Tenorſolis von Sangesbruder Winkler=
Mainz (am Klavier Kapellmeiſter König) und der an Humor kaum
zu übertreffende Sangesbruder Eilert=Neu=Iſenburg, ſowie das
Doppelquartett Neu=Iſenburg (Leitung: Sangesbruder Hölzer).
Das Stadtorcheſter ſorgte für Ausfüllung der kurzen Pauſen.
Montag, den 22. September 1930, 20 Uhr
im Kleinen Haus des Landestheaters
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Vorverkauf für Mieter morgen Donnerstag 930-1330 Uhr
an der Tageskasse des Grossen Hauses zu
Preisen von 1.— bis 6.— Mark.
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— Dem Darmſtädter Schachklub 1875 iſt es gelungen, den
deut=
ſchen Schachmeiſter Sämiſch zu einem Simultanſpiel
an 20 Brettern zu verpflichten, das am Samstag, dem 20.
Sep=
tember, abends 8 Uhr, im Reſtaurant Chriſt Grafenſtraße 18,
„Weißer Saal”, ausgetragen wird. Wir empfehlen jedem
Schach=
freund, die ſeltene Veranſtaltung zu beſuchen. Anmeldungen zur
Teilnahme an dem Simultanſpiel können bis kurz vor Beginn
des=
ſelben an den Vorſtand des obengenannten Schachklubs abgegeben
werden. Der Eintritt iſt frei. (Siehe Anzeige.)
Bücherstube Alfred Bodenheimer
1. Abend 1930/31
Julius Bab, Berlin über: Film und Kunst
Am Dienstag, den 30. September im kleinen Saalbau
Karten zu Mk. 2.— und 1.50 ab Donnerstag, den 18.
— Im Orpheum finden bis auf weiteres keine
Vorſtellun=
gen ſtatt.
Feſtnahme. Ein aus Holland zugereiſter Maler wurde auf
Grund eines Ausſchreibens vom Amtsanwalt Ludwigshafen wegen
ſchweren Diebſtahls feſtgenommen und dem zuſtändigen Richter
zu=
geführt. Er kam in Unterſuchungshaft.
Nff
Prassel-Kaffee riseh geröstet Schulstr. 10
Selbſtmordverſuch. Ein aus Dieburg ſtammendes junges
Mädchen wollte ſich am 14. September 1930 im Steinbrückerteich
ertränken. Das Mädchen wurde jedoch im letzten Moment von
einem Polizeibeamten an ſeinem Vorhaben gehindert und ſpäter
den Eltern wieder zugeführt.
* Aus den Darmſtädker Lichtſpieltheakern.
u. T.
bringt den erſten und — das ſei vorweg geſagt — wirklich guten
engliſch=deutſchen Film der Eichberg=Produktion „Der
Grei=
fer” mit Hans Albers in der Titel= und Hauptrolle. Dieſer
Kriminal=Ton= und Sprechfilm, unter Mitwirkung der
Polizei=
zentrale Scotland Yard, iſt die ganz ausgezeichnete
Verleben=
digung eines guten Kriminalromans. Ein Film, der faſt alles
erfüllt, was zu ſeinen Aufgaben gehört. Starke
Spannungs=
momente und dynamiſch gefüllte Szenen wechſeln mit angenehm
entſpannender Unterhaltung in Londoner Groß=Varietés und
Nachtlokalen, die im weſentlichen den Rahmen der
Kriminal=
handlung bilden, von der im übrigen im Intereſſe der Beſucher
nichts verraten werden ſoll.
Die Bühnen= und Szenenbilder, die ausgezeichnet bewegte
Filmtechnik und vor allem eine gute Darſtellung, die ſich bei aller
Realiſtik von Uebertreibungen fernhält, erheben den Film weit
über den gewohnten Durchſchnitt. Beſonders ſympathiſch ſtellt
Hans Albers den Polizeiſergeanten Croß, Scotland Yards
beſte Kraft, dar. Auch Margot Walter, Charlotte Suſa,
Karl Ludwig Diehl, Hugo Fiſcher=Köppe u. v. a. ſind
gute Typen im regielich ſehr geſchickt geführten Enſemble. **
Palaſt=Lichtſpiele.
Ein recht gutes Doppelprogramm. Zuerſt läuft der
Ruſſen=
film „Menſchenarſenal”, der im Rahmen einer
ſpannen=
den Handlung gute Szenen und Bilder aus amerikaniſchen
Petroleumgebieten und Zuchthäuſern bringt. Wir haben den
Film bereits bei ſeinem erſtmaligen Laufen in Darmſtadt
ein=
gehend gewürdigt.
Anſchließend ſieht man Carlo Aldini als Bankdefraudauten
in „Wer hat Bobby geſehen‟. Eine gefällig
aneinander=
gereihte Kette von Senſationen, die der humoriſtiſchen Note nicht
entbehren. Carlo hilft bei einer Filmaufnahme im Gebirge,
ſtürzt ab, wird von Gaunern gerettet, ſoll für dieſe eine Kiſte
aus Amerika in Hamburg an Land bringen, reißt aus, bringt
ſie der Polizei, wird feſtgenommen, reißt wieder aus, und alles
geht mit einem Happy end im Hauſe des Polizeichefs aus, wo
der ſehnſüchtig aber vergeblich geſuchte Bobby (Carlo Aldini)
ſich in den Armen der treuen Braut wiederfindet. Im
Zuſchauer=
raum wird viel gelacht und man iſt zufrieden.
— 1. Akademie=Konzert. Kammervirtuoſin Frieda Kwaſt=
Hodapp beginnt Montag, den 29. September, 20 Uhr, im
Städtiſchen Saalbau die Reihe der für den kommenden Winter in
Ausſicht genommenen 10 Akademie=Konzerte. Es erübrigt ſich, in
Darmſtadt die Qualitäten dieſer hervorragenden Künſtlerin, noch
beſonders hervorzuheben. Ihre blendende Technik, vor allem aber
ihre geiſtige Durchdringung der verſchiedenſten Werke, ihre
ſou=
veräne Beherrſchung der Materie und die tiefergreifende
Geſtal=
tung des klagenden Adagios ſind hier von jeher bekannt. Eine
wahre Senſation bedeutet aber das Programm, das ſich die
Künſt=
lerin für dieſen Abend geſtellt hat. Vier Konzerte mit Orcheſter,
die einen Querſchnitt durch das klaſſiſche Klavierkonzert darſtellen,
in einem Programm vereinigt, bedeuten eine ungewöhnliche
Lei=
ſtung; ein derartiges Programm wird dem kunſtſinnigen
Publi=
kum unſerer Stadt erſtmalig geboten. — Der Kartenverkauf hat
im Sekretariat der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt.
Eliſa=
bethenſtraße 36, Fernſprecher 3500 (Stadtverwaltung) begonnen;
auch werden noch Anmeldungen von Mieten für die 10 Akademie=
Konzerte, die eine Erſparnis von 80—100 Prozent ermöglichen,
entgegengenommen.
— Gemeinnützige Beratungsſtelle für Hausfrauen,
Heidelber=
ger Straße 47 (Eingang Wilhelmſtraße) Die Sprechſtunde für
Heizungsfragen iſt heute Mittwoch nachmittag in der geſtern
an=
gegebenen Zeit und für jedermann zugänglich.
Heſſiſches Landestheater.
Ke Kleines Haus Mittwoch,17. Sept. 20—22 Uhr
B2. Der Falſchſpieler
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20—22 Uhr
Fröffnungsfeſer der Darmſtädter
Volksbühne unter Wirkung von
Mitgliedern des Landesthegters Donnerstag
18. Sept. 19.30—22 15 Uhr
Ein Sommernachtstraum
Preiſe 1—10 Mk.
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19. Sept. 19.30—22.15 Uhr
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20. Sept. 20—22.45 Uhr Kein Kartenokf!
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D21. Sept. 17 30—22.30 Uhr
Die Meiſterſinger von
Nürnberg 20—22 Uhr
Zuſ=M. III,1. Miſſifſippi Montag,
22. Sept. 20—22 Uhr
E 3. Der Falſchſpieler
Preiſe 1—10 Mk. Geſchloſſen
— Heſſiſches Landestheater. Heute Mittwoch wird die
Komö=
die von Schkwarkin „Der Falſchſpieler” deutſch, von
Alexandra Ramm, in der Inſzenierung von Günter Haenel und
Wilhelm Reinking zum erſten Male wiederholt. — Morgen
Don=
nerstag, dem 18. September, findet eine Wiederholung der mit
großem Erfolg aufgenommenen Neuinſzenierung von Shakeſpeares
„Sommernachtstraum” ſtatt. — Werbevorſtellung
„Die Meiſterſinger von Nürnberg”. Am Sonntag, dem
31. September 17.30 Uhr, geht im Großen Haus Richard Wagners
Oper. Die Meiſterſinger von Nürnberg” in Szene.
Muſikaliſche Leitung: Dr. Karl Böhm, Regie: Renato Mordo,
Bühnenbild: Lothar Schenck von Trapp. In den Hauptrollen:
Loh=
mann, Zohſel a. G., v. Stoſch, Herrmann, Kuhn, Stralendorf. Vogt,
Jacobs. Preiſe 1—6 RM. Der für eine Karte gezahlte Betrag
wird, wenn der Beſucher dieſer Werbevorſtellung Mieter wird,
auf die erſte Teilzahlung des Mietpreiſes gutgeſchrieben, die
Vor=
ſtellung gilt als erſte Vorſtellung der von ihm gewählten Miete.
Vorverkauf heute Nachmitztag 17—19.30 Uhr an der
Tages=
kaſſe des Großen Hauſes; ab morgen auch bei Verkehrsbüro,
Harko und C. L. Külp. — Heute beginnt der Vorverkauf zur
Ur=
aufführung von Kaiſers Schauſpiel „Miſſiſſippi” mit der am
Sonntag das Kleine Haus ſeine Spielzeit eröffnet, und zwar an
der Tageskaſſe des Großen Hauſes. Die Kaſſe des Kleinen
Hau=
ſes iſt für die Folge nur abends vor der Vorſtellung geöffnet.
39
ie einnige Seite, die ich empichle,
sagt ALBERT LEBLANC in Wixza
194 Falmolzve.
Palm- und Olivenöle — seit Jahrtausenden als wirksamste Schönheitsmittel bekannt —
sind in der Palmolive- Seife enthalten. Besonders heute — wo die kosmetische Wissenschaft
s0 fortgeschritten ist — wird der Wert dieser natürlichen PHanzenöle geschätzt. Führende
Schönheitsspezialisten empfehlen darum Palmolive zur Reinigung und Pfege der Haut.
„Ich kenne keine andere Seife, die allen Anforderungen der Teint-
A. GLeG
Bestehen Sie daraut, die ech- pflege so vollkommen entspricht wie Palmolive. Vor allem reinigt
te Palmolive zu bekommen sie die Haut gründlich — ohne sie im geringsten anzugreifen.‟
Nizza
—nur in grünem Papier mit
schwarzem Band.
R
At
M
Fachmanns. Er berät Damer der
nationalen
agen de
Seite 6
Mittwoch, den 17. September 1930
Nummer 257
* Aus dem Gerichtsſaal.
Aw. Daß junge Leute ſich verprügeln und auf dieſe Art und Weiſe
ihre überſchüſſigen Kräfte austoben, oder daß ſie meinethalben auch mal
andere Unbeteiligte verprügeln, nimmt man im allgemeinen nicht weiter
tragiſch. Aber auf eine recht merkwürdige Art hat ſich im Auguſt ein
31jähriger Reiſender betätigt, von dem man doch eigentlich annehmen
müßte, daß er bereits über die Flegeljahre hinaus iſt. Er hat nämlich
ein Liebespärchen verfolgt, ein ganzes Stück weit, und als ſie ſich am
alten Friedhof auf eine Bank ſetzten, verſteckte er ſich hinter ihnen im
Gebüſch. Die jungen Leute merkten jedoch etwas, ſie hatten ihn ſchon
die ganze Zeit vorher beobachtet, und wollten fortgehen, da ſtürzte er
ſich auf den jungen Mann und hat ihn mit einem Schlagring oder
ſonft irgend einem ſcharfen Gegenſtand ganz übel zugerichtet. Der
An=
geklagte, der beim hieſigen Amtsgericht eine recht bekannte Perſönlichkkeit
iſt, ſtellt alles ganz anders dar; der junge Mann hat auf ihn zuerſt
losgeſchlagen, und da habe er ſich natürlich auch gehörig zur Wehr
ge=
ſetzt. Der junge Mann entkräftet ſeine Angaben auf eine recht
dra=
matiſche Art. Der Angeklagte ſcheint überhaupt recht aggreſſiver Natur
zu ſein, denn er hat dem Richter vor einigen Tagen angedroht, er ſolle
ſich nur in acht nehmen, ſonſt werde er ihn auch kräftig verprügeln.
Herr Amtsgerichtsrat Lutz, der damit gemeint war, verwarnte ihn
des=
halb, hat es aber im übrigen mit dem nötigen Humor aufgenommen.
Er verurteilte ihn gemäß dem Antrag des Staatsanwalts zu drei
Mo=
naten Gefängnis und zur Zahlung einer Buße an den Verletzten von
41 Mark. Er betonte, daß die Strafe außerordentlich milde ſei, und
verwarnte ihn, ja keine Berufung einzulegen, da er da wohl nicht ſo
billig wegkomme.
Etwas harmloſer geſtaltete ſich die Prügelei zwiſchen einem 22
jäh=
rigen und einem 18jährigen Burſchen aus der Altſtadt. Der jüngere
hatte die Prügelei angefangen, bei der er am Kopf eine Verletzung
er=
hielt, und von der er behauptete, der ältere habe ihn da mit einem
Meſſer geſtochen, was jedoch nach dem ärztlichen Gutachten ſehr
unwahr=
ſcheinlich erſcheint. Auch die Zeugen haben nichts von einem Meſſer
geſehen. Er iſt wohl vielmehr während des Kampfes gegen ein
Eiſen=
gitter mit nach oben ſtehenden Spitzen gefallen und hat ſich ſo die
Ver=
letzung zugezogen. Auch das Gericht kommt zu dieſer Auffaſſung und
ſpricht den Angeklagten frei.
Zwei andere Altſtädter waren wegen Widerſtandes gegen die
Staats=
gewalt, wegen Beamtenbeleidigung und der eine noch wegen verſuchter
Gefangenenbefreiung angeklagt. Es waren zwei Brüder. Der eine war
„voll”, wie man ſo hübſch zu ſagen pflegt. Er will überhaupt nichts
mehr von der ganzen Angelegenheit wiſſen und markiert heute etwas
den ſchuldlos ins Unglück Gekommenen. Als er damals in ſeiner
Trun=
kenheit ein biſſel anfangen wollte zu raufen, beförderte ihn ſein Bruder
wohl nicht allzu ſanft zur Wirtſchaft hinaus. Draußen ſcheint er ſich
ziemlich laut benommen zu haben, ſo daß die Polizei alarmiert wurde,
die ihn zum Ausſchlafen fortbringen wollte. Da jedoch erkannte der
andere ſein brüderliches Herz. Er ermahnte den Betrunkenen, mit ihm
zu gehen und nicht mit der Polizei, was dieſer anſcheinend als
Kampf=
ruf auffaßte, und ſich ohne weiteres auf den Beamten ſtürzte. Er wurde
aber ſchließlich doch mit Hilfe zweier anderer Beamten aufs Revier
ge=
bracht, wo er ſich aber derartig benahm, daß man ihn ins
Kranken=
haus beförderte, wo er ſeinen Rauſch dann ausſchlief. Der Bruder hatte
es aber nicht unterlaſſen, den Beamten Koſenamen nachzurufen, und
latte auch verſucht, ſeinen Bruder den Händen der Poliziſten zu
ent=
reißen. Er erhält darum wegen Beamtenbeleidigung und verſuchter
Gefangenenbefreiung eine Geldſtrafe von 75 Mark, hilfsweiſe 25 Tage
Gefängnis. Der andere aber wird wegen Widerſtandes gegen die
Staatsgewalt und Beamtenbeleidigung in Anbetracht ſeiner ziemlich
erheblichen Vorſtrafen zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Laut
ſchimpfend verläßt er das Gerichtsgebäude.
Es werden dann noch unter anderem zwei Unfälle verhandelt; ein
Motorradler hatte einen alten Mann umgefahren und ein anderes
Motorrad war mit einem Perſonenauto zuſammengeſtoßen, die beide
mit Geldſtrafen belegt werden. Der erſte erhält 75 Mark Geldſtrafe,
hilfsweiſe 15 Tage Gefängnis, da durch Zeugen bewieſen wurde, daß
er unvorſichtig gefahren war. Außerdem muß er an den alten Mann
eine Buße von 150 Mark bezahlen. Bei dem zweiten Unfall erhielt der
Motorradler, da er zu ſchnell gefahren war, eine Geldſtrafe von 15
Mark und der Chauffeur des Autos 25 Mark, da er das Vorfahrtrecht
des anderen nicht beachtet hatte.
Chriſtlicher Verein junger Männer e. V., Darmſtadt. Ob der
beſtehende Klaſſenkampf noch ſchärfere Formen annimmt oder
überwunden wird, wird letzten Endes davon abhängen, ob die
chriſtlichen Grundwahrheiten tiefer in unſer Volksleben eindringen.
Hierzu wollen die Männerbibelſtunden im Chriſtlichen Verein
junger Männer an ihrem Teil mithelfen, indem ſie chriſtliche
Be=
kenntniſſe vermitteln und Gelegenheit zur Ausſprache über Zweck
und Ziel des Lebens geben. Die Bibelſtunden finden jeden
Mitt=
woch, abends 8½ Uhr, im Heim des Chriſtlichen Vereins junger
Männer Alexanderſtraße 22 (Infanterie=Kaſerne) ſtatt. Gaſte
ſind willkommen.
Fahrraddiebſtähle. Geſtohlen wurden: Am 6. September
1930 aus dem Hausflur des Hauſes Poſtſtr. 5 ein Herrenrad, Marke
Adler; am gleichen Tage vor dem Hauptpoſtamt in der Rheinſtraße
ein Herrenrad, Marke Viktoria Moment. Nr 812 188: am
9. September 1930 aus dem Hausflur des Hauſes Wilhelm=Jäger=
Straße Nr. 1 ein Herrenfahrrad, Marke Panzer, Nr. 822 403; am
10. September 1930 vor dem Hauſe Karlsſtraße 17 ein Damenrad,
Marke Monument, Nr. B 8768; am gleichen Tage vor dem Hauſe
Wienerſtraße Nr. 9 ein Herrenrad, Marke Schwalbe. Aufgefunden
wurden ein Herrenrad, Marke Windſor, Nr. 400 238, und ein
Her=
renrad, Marke Tiger, K. L. M. Nr. 254 144. Ein Herrenrad, das
am 1. September geſtohlen wurde, wurde aufgefunden und konnte
dem Beſitzer wieder zugeſtellt werden.
— Dampferexpeditionen des Norddeutſchen Lloyd, Bremen.
(Aenderungen ohne vorherige Anzeige vorbehalten.) Nach New
York ab Bremen=Bremerhaven: D. Yorck 20. 9. D. Stuttgart
25. 9. D. Europa 25. 9. D. Columbus 29. 9. D. Berlin 2. 10. D.
Bremen 3. 10. D. Dresden 9 10. D. Karlsruhe 14. 10. D. Europa
16. 10. D. Stuttgart 23. 10. C. Columbus 25. 10. D. Berlin 30. 10.
D. Bremen 5. 11. D. Dresden 6. 11. D. Columbus 15. 11. D.
Karls=
ruhe 15. 11. D. Stuttgart 20. 11. D. Bremen 26. 11. D. Berlin
27. 11. D Dresden 4. 12. Nach NewYorkvia Halifax ab
Bremen=Bremerhaven: D. Yorck 20 9. Nach Canada (
Mon=
treal): D. Holger 24. 9. Nach Boſton ab Bremerhaven: D.
Karlsruhe 14. 10. Nach Boſton bzw. New York-
Phila=
delphia-Baltimore-Norfolk (Frachtdampfer): D.
Weſtfalen ab Bremen 24. 9., ab Hamburg 27 9. (nicht nach
Bo=
ſton) D. Hannover ab Hamburg 4. 10., ab Bremen 8. 10. (nicht
nach New York). D. Ilmar ab Hamburg 15. 10., ab Bremen 18. 10.
Nach Nordamerika (Weſtküſte): M.S. Seattle ab
Ham=
burg 24. 9., ab Bremen 27. 9. D. Schwaben ab Hamburg 4. 10., ab
Bremen 7. 10. Nach Havana—Galveſton ab Bremen=
Bre=
merhaven: D. Seydlitz 30. 9. D. Lützow 4. 11. Nach Cuba—
New Orleans: D. Roland ab Bremen 1. 10., ab Hamburg
4. 10. Nach Mittelbraſilien und dem La Plata
(Paſſagierdampfer) ab Bremerhaven: D. Sierra Cordoba 22. 9.
D. Madrid 29. 9. D. Sierra Ventana 13. 10. D. Werra 20. 10.
Nach Mittelbraſilien (Frachtdampfer): D. Alda ab
Bre=
men 11. 10., ab Hamburg 14. 10. D. Abana ab Bremen 11 10.
Nach dem La Plata (Frachtdampfer) ab Bremen: D. Holſtein
27. 9. Nach Nordbraſilien ab Bremen: D. Anatolia 15. 10.
Nach Südamerika (Weſtküſte) durch den „Panamakanal:
D. Emil Kirdorf ab Hamburg 17. 9., ab. Bremen 20. 9. M. S.
Königsberg ab Hamburg 24. 9., ab Bremen 27. 9., durch die
Ma=
gellan=Straße: M.S. Rhein ab Hamburg 20. 9. D. Chemnitz ab
Bremen 30. 9. ab Hamburg 4. 10. Nach Weſtküſte
Zen=
tral= und Mittelamerika und Mexiko: D. Adalia ab
Hamburg 11. 10., ab Bremen 12. 10. Fruchtfahrt Canar.
Inſeln ab Bremen: D. Orotava 27 9. D. Arucas 11. 10. D.
Oro=
tava 25. 10. D. Arucas 8. 11. Nach Oſtaſien: D. Alſter ab
Hamburg 17. 9. D. Franken ab Hamburg 20. 9. M.S. Burgenland
ab Bremen 20. 9., ab Hamburg 24. 9. M.S. Rheinland ab Bremen
23. 9., ab Hamburg 27. 9. M.S. Fulda ab Bremen 27. 9., ab
Ham=
burg 1. 10. D. Moſel ab Bremen 30. 9., ab Hamburg 4. 10. Nach
Auſtralien: D. Neckar ab Hamburg 25. 9., ab Bremen 27. 9.
D. Dortmund ab Hamburg 9. 10., ab Bremen 11. 10. D. Oder ab
Hamburg 25. 10. ab Bremen 27. 10. Nach der Levante, ab
Bremen: ca. 8 Abfahrten im Monat. Nach Finnland ab
Bre=
men: 8täg. Dienſt nach allen Haupthäfen. Nach Reval ab
Bre=
men: Abfahrten alle 8—10 Tage. Nach Leningrad ab
Bre=
men: je nach Bedarf. Nach England ab Bremen-London:
3—4 Abfahrten in der Woche. Bremen-Hull: 2 Abfahrten in
der Woche Bremen-Middlesborough-Newcaſtle
10tägig. Bremen-Hamburg—Frankreich: Abfahrten:
Montags von Bremen, Freitags von Hamburg. Afrika=
Linien: Oeſtliche Rundfahrt um Afrika: D. Watuſſi ab
Ham=
burg 27. 9. Weſtliche Rundfahrt um Afrika: D. Njaſſa ab
Ham=
burg 23. 9. Weſtküſten=Hauptlinie: D. Wadai ab Hamburg 3. 10.
Kongo=Linie: D. Gerrat ab Bremen 24. 9. Lagos=Erpreß und
Ka=
merun=Linie: D. Atto ab Hamburg 18 9. Mitgeteilt von Anton
Fiſcher, Vertreter des Norddeutſchen Lloyd ſeit 1873. Darmſtadt.
Frankfurter Straße 12—14, Telephon 186.
Arnvemiter Innation.
„Akademiber (Dipl.=Kaufmann und Diplom=Volkswirt), 2 Jahre,
4 Jahre Praxis uſw., ſucht
„Vollkaufmann, Dr. jur, (1. Statseramen), 24 Jahre alt uſw.,
ſucht.
„Diplom=Volkswirt, Architekt, vorausſichtlich bis Mitte November
1930 Dr. rer. vol. — ſucht — uſw.‟
So zu leſen unter den in einer großen führenden Tageszeitung
ver=
öffentlichten Stellengeſuchen. Natürlich ſuchen alle nur leitende, zum
min=
deſten aber von vorneherein gehobene Stellungen auf Grund der
akade=
wiſchen Grade, die ſie bereits erreicht haben oder in abſehbaver Zeit noch
zu erreichen ſuchen!
Zeichen der Zeit! Die Häuſer, in denen die Menſchen wohnen ſollen,
die Möbel, die ihre Wohnräume wohnlich geſtalten ſollen, ſucht man
jedes unnötigen Zierates zu entkleiden. Jede unnötige Verſchnörkelung
verſchwindet. Geltung hat nur noch die Zweckform. Und die Menſchen,
die in dieſen bis zur grauſamen Oede verzweckformten Häuſern wohnen.
können ſich nicht genug daran tun, ſich mit Titelchen zu behängen, die
ſo wie ſo erworben und vor allem aber dann von ihnen genutzt werden
können, für ſehr Viele nicht viel mehr als ein wenig lohnendes Ornament
bedeuten.
Akademiker iſt heute Trumpf, wie früher einmal der Reſerveoffizier.
Man könnte in dieſem Sinne ein gutes Wort wandeln, das Max Dreyer
in ſeinem Drama „Der Probekandidat” dem feudalen, verkrachten
Ritter=
gutsbeſitzer Malte Heitmann in den Mund gelegt hat: „Sind Sie
über=
haupt Akademiker? Wa? Na, dann gehn Sie nach Hauſe!”
Hugo Stinnes, Kaufmann, ſtand ſchlicht und einfach auf der
Be=
ſuchskarte eines Mannes, dem niemand abſprechen wird, daß er in
ſei=
nem Reich ein Großer war. Ich lernte einſt in Chicago einen wirklich
Geheimen Legationsrat kennen, der den Rang eines Miniſterreſidenten
hatte. Zudem war er Dr. jur. Als er ſpäter auf Grund ſeiner
wirt=
ſchaftlichen Fähigkeiten zur Leitung einer großen Geſellſchaft berufen
worden war, da ſtand ſchlicht auf ſeiner Beſuchskarte ſein Name und das
Artribut: Kaufmann. Er hielt es nicht einmal für nötig, den
akademi=
ſchen Grad Dr. jur. beizufügen. Hatte das bei ſeiner Bedeutung auch
nicht nötig. Das war vor dem Weltkriege.
Als zu Zeiten des Umſturzes die politiſchen Meinungen
aufeinander=
prallten wie die Schlägel einer Karfveitagsklapper, hatte ich einmal in
Hamburg eine Auseinanderſetzung mit einem enragierten Demokraten.
Der ſich nicht genug tun konnte, mir auseinanderzuſetzen, daß nun alles
anders kommen ſollte, daß das akademiſche Studium nicht mehr das
Vor=
recht privilegierter Stände, ſondern zum allgemeinen Volksgut werden
müſſe. Zwar konnte ich ihm auf Grund meiner eigenen früheren
aka=
demiſchen Lehrtätigkeit verſichern, daß auch vor dem Weltkriege der
Zu=
gang zum akademiſchen Studium auch unbemittelten begabten Söhnen
aus Arbeiterkreiſen keineswegs verſchloſſen war, und daß zu dieſem
Zwecke Stipendien in gröckerer Zahl vorhanden waren als dann aus
dieſen Kreiſen genutzt wurden, da wollte er dies nicht wahrhaben. Nun
ſein Wunſch iſt erfüllt worden.
Um ſeinen Sohn auf die Akademie zu ſchicken, genügten ſchließlich
auch die Spargroſchen des einfachen Mannes. Und ſo haben wir heute
im vollſten Sinne des Wortes ein beſchäftigungsloſes
Akademikerpro=
letariat geſchaffen, das zwar reich an akademiſchen Graden, aber ſehr
arm an Möglichkeiten iſt, ſich zu ernähren. So mancher, der ſich heute
ſtolz Dr. jur., Dr. rer. vol. und Volkswirt nennen darf, ſteht vor
bitte=
ren Nahrungsſorgen, während ihm die Uebernahme des
Handwerks=
betriebs ſeines Vaters ein auskömmliches Leben geſichert haben würde.
Akademiker=Inflation!
Für das in ſolchen Maſſen geſchaffene Papiergeld der akademiſchen
Bildung iſt eben keine Deckung mehr da. Doktor=Ingenieure ſitzen
heute mit einigen hundert Mark im Monat auf Stellen, zu deren
Aus=
füllung ein halbwegs intelligenter Meiſter genügen würde. Und ſind
froh, daß ſie dieſe errungen haben. Hat man Gelegenheit, in der Praxis
durch ſtatiſtiſche Erhebungen in bezug auf den tatſächlichen Bedarf an
akademiſchen Kräften das Facit zu ziehen, ſo kommt man zu recht
trau=
rigen Ergebniſſen. Dem relativ geringen Bedarf ſteht ein mehr und
mehr wachſendes Angebot an akademiſchen Kräften gegenüber, von dem
nur ein Bruchteil Verwendung finden kann. Und der überwiegende
Reſt2 Kriecht ſchließlich beſten Falles in Stellungen unter, die er mit
einem Bruchteil des Aufwandes an Zeit und Geld auch durch eine
ein=
fache Lehre hätte erreichen können.
Wird das Brot beſſer, wenn der Bäckerlehrling Gelegenbeit gehabt
hat, ſich etwa auf dem Gymnaſium in Ciceros Oratorik zu üben? Ich
glaube kaum.
Wie ſprach einſt der Obermeiſter der ehrbaren Zunft beim
Frei=
ſpruch vor der geöffneten Lade? „So möget Ihr Euer ehrſames
Hand=
werk treiben zur Ehre der ehrſamen Zunft, zu Nutz und Frommen
die=
ſer Stadt." Zu meiner Jugendzeit freilich, da war es nicht ſelten, daß
man in höheren Beamtenkreiſen einen erzürnten Vater zu dem Sohne,
der ein ſchlechtes Zeugnis aus dem Gymnaſium mitbrachte, ſagen hörte:
„Wenn du nichts lernen willſt, kannſt du Handwerker werden!” Wenn
der Umſturz dazu beigetragen hätte, dieſen bedauerlichen Bildungsdünkel
zu vernichten und das Maß der Wertung eines Menſchen auf die
Tüch=
tigkeit abzuſtellen, die er in ſeinem Beruf entfaltet, dann hätte das
einen brauchbaren Sinn gehabt.
Keinen brauchbaren Sinn aber hat es, wenn Leute, die ihrem Sohn
ein Geſchäft hinterlaſſen können, das ihn ernähren kann, den Sohn nur
deshalb auf die Akademie ſchicken, damit er etwas „Beſſeres” wird.
„Gott ſegne das ehrbare Handwerk!” hieß es einſt. Das will er auch
heute tun, denn an guten Handwerkern fehlt es ellenthalben. Und die
Akademiker — ſehen in den Mond!
Was hier allein helfen kann, iſt Deflation. Deflation des
akademi=
ſchen Papiergeldes. —
A. v. L.
Salonwachs
Saaudas altbekannte
* Skeuer= und Wirkſchaftskalender.
für die Zeit vom 16. bis 30. September 1930.
lusſchneiden!
Aufbeben!
15. Sept.: Letzter Tag für die Abgabe der
Steuererklärun=
gen für die Herbſtveranlagung 1930. Näheres im
Steuer=
kalender für die erſte Septemberhälfte.
20. Sept.: Abführung der Lohnſteuer für die in der Zeit vom
1. bis 15. September 1930 erfolgten Lohnzahlungen im
Markenverfahren und im Ueberweiſungsverfahren; im
letz=
teren jedoch nur dann, wenn die in der evſten Hälfte des
Kalendermonats einbehaltenen Lohnſteuerbeträge für
ſämt=
liche in einem Betriebe beſchäftigten Arbeitnehmer den
Be=
trag von 20.— RM. überſtiegen haben. Keine Schonfriſt
(Die neuen Beſtimmungen über die Ledigenſteuer und
die Reichshilfe ab 1. September 1930 hierbei beachten )
25. Sept.: Drittes (gemeindliches) Ziel der Gemeinde=, Kreis=
und Provinzialumlagen, für das Rechnungsjahr
1930/31. Grüner Steuerzettel. Schonfriſt bis 5. (6.) Okt. 1930.
25. Sept.: Zahlung der Müllabfuhr=, Straßenreinigungs=
und Kanalbenutzungsgebühr in der Stadt
Darm=
ſtadt laut blauem Gebührenbeſcheid, drittes Ziel für das
Rechnungsjahr 1930/31. Schonfriſt bis 5. (6.) Oktober 1930.
25. Sept.: Zahlung der Filialſteuer in Darmſtadt. Drittes Ziel
für das Rechnungsjahr 1930/31. Weißer Beſcheid.
Schon=
friſt bis 5. (6.) Oktober 1930.
30. Sept.: Entrichtung des Beitrages (laut weißem
Anforderungs=
zettel) zur Handwerkskammer, zweites Ziel für das
Rechnungsjahr 1930/31 an die Stadtkaſſe in Darmſtadt.
Keine Schonfriſt.
H. W. Wohmann.
Lokale Beranſtalkungen.
Oſe Hierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritik.
— Das Sportplatz=Reſtaurant und Café a
Böllenfalltor hat heute ſowie jeden Mittwoch und Samste
ſeinen Kaffee= und Kuchentag und ſpielt daſelbſt die belieb
Hauskapelle Charlie Fornoff, des Nächmittags zu Konzert un
abends zu Tanz. (Siehe heutige Anzeige.)
Tageskalender für Mittwoch, den 17. September 1930.
Heſſ. Landestheater. Großes Haus, 20 Uhr, B 2: „D
Falſchſpieler”, — Kleines Haus, 20 Uhr: Eröffnungsfeier
Darmſtädter Volksbühne. — Konzerte: Schloßkeller, Ca
Oper, Hotel Schmitz, Zum Datterich, Café Renſchler; Luwis
höhe, nachm. 4 Uhr. — Kinovorſtellungen: Uni=
Helia= und Palaſt=Lichtſpiele.
Aus Heſſen.
Großfeuer in Roßdorſ.
f. Roßdorf, 16. Sept. Heute mittag 12.30 Uhr wurde die
Einwoh=
nerſchaft durch Sturmläuten in große Aufregung verſetzt. Die gefüllten
Scheunen der Landwirte Philipp Grünewald, Löwengaſſe, und Georg
Spalt 6., Ober=Ramſtädter Straße, die aneinander grenzen, ſtanden in
hellen Flammen. Das Feuer griff auch auf die angrenzenden
Stall=
gebäude der beiden Hofreiten ſowie auf das Nachbargebäude des
Jo=
hannes Reinheimer über. Die hieſige Feuerwehr erhielt alsbald
Ver=
ſtärkung durch die Kreismotorſpritze, unter Leitung des
Kreisfeuerwehr=
inſpektors Karpfinger, ſowie durch die Freiwillige Feuerwehr Ober=
Ram=
ſtadt und die freiwillig herbeigeeilte Feuerwehr der Röhr=Werke in
Ober=Ramſtadt, unter Leitung ihres Führers Wiederſchein. Nach
nabe=
zu einſtündigen energiſchen Bemühungen gelang es den Wehren, das
Feuer auf ſeinen Herd zu beſchränken. Die Hofreite Reinheimer wurde
glücklicherweiſe nur leicht beſchädigt. Der entſtandene Schaden iſt
be=
trächtlich und nur teilweiſe durch Verſicherung gedeckt. Die Scheunen
ſind vollſtändig ausgebrannt. Ueber die Entſtehungsurſache des
Bran=
des iſt noch nichts Beſtimmtes bekannt. Anſcheinend iſt das Feuer auf
Kurzſchluß zurückzuführen. Weſentlich erleichtert wurde die Arbeit der
Feuerwehr durch ein Kommando der Darmſtädter Polizei, das die
Ab=
ſperrungen an der Brandſtätte vornahm.
G. Ober=Ramſtadt, 16. Sept. Gemeinderatsſitzung. Am
Donnerstag, den 18. d. M., abends 8 Uhr, findet eine
Gemeinderats=
ſitzung ſtatt.
Cp. Pfungſtadt, 15. Sept. Verſteigerung des
Gemeinde=
obſtes. Bei der dieſer Tage ſtattgehabten Verſteigerung des
Ge=
meindeobſtes wurden gegen 3200 RM., im Vorjahre nur 2460 RM.,
ge=
löſt. Für Aepfel und Birnen wurden 1110 RM. und für Zwetſchen
1350 RM. eingenommen.
Cs. Ueberau, 16. Sept. Für das am letzten Freitag verſteigerte
Gemeindeobſt wurden zuſammen 108 RM. gelöſt, was entgegen dem
Durchſchnittsvoranſchlagswert von 1000 RM. ein minus von faſt 900
RM. bedeutet. Ein Plus in dieſer Höhe wäre jedenfalls beſonders in
der jetzigen Notlage der Gemeinde ſehr wünſchenswert geweſen.
T. Brensbach, 16. Sept. Die Wiederherſtellungsarbeiten der
Ver=
kehrsſtraße von hier bis Reichelsheim ſind nun, was die Einwalzung
von Steinſchotter betrifft, ſoweit beendigt. Mit der Teerung wird erſt
im nächſten Frühjahr begonnen. Mit dieſer Fertigſtellung iſt nun auch
die ſeither zum Teil geſperrte Straße wieder ganz für den
Fahrzeug=
verkehr frei geworden.
m. Beerfelden, 16. Sept. Kirchliches. Kommenden Sonntag
wird Herr Dekan Bernbeck von Hirſchhorn, im Auftrag des Herrn
Superintendenten eine ordentliche Kirchenviſitation im hieſigen
Kirch=
ſpiel vornehmen. Dem vormittägigen Hauptgottesdienſt ſchließt ſich eine
Beſprechung an mit dem Kirchenvorſtand und den Gemeindevertretern.
Nachmittags 1.30 Uhr iſt ein Jugendgottesdienſt mit den oberen
Jahr=
gängen der Schulen und der chriſtenlehrpflichtigen Jugend beiderlei
Ge=
ſchleehts des ganzen Kirchſpiels; demſelben folgt eine Beſprechung mit
den Organiſten und dem Kantor. Dies wird für Herrn Dekan Bernbeck
eine der letzten Amtshandlungen in unſerem Kirchſpiel ſein, denn nicht
mehr lang wird es dauern, bis derſelbe, zum großen Bedauern aller.
die mit ihm dienſtlich und außerdienſtlich zu tun hatten, in den
wohl=
verdienten Ruheſtand tritt.
m. Airlenbach i. O., 16. Sept. Unſere Landwirte ſind weithin
be=
kannt als Pferde= und Rindviehzüchter, und die viel beſuchten
Ausſtel=
lungen und Märkte brachten ſtets den erwünſchten Erfolg in
anſehn=
lichen Prämien oder günſtigen und lohnenden Verkaufsgelegenheiten. So
fand unlängſt eine Rotviehauktion in Wetzlar ſtatt, die der bieſige
Zuchtverein mit zwei etwa 13 Monate alten Bullen des Odenwälder
Rotviehſchlages beſchickt hatte. Im ganzen waren etwa 75 Bullen
aus=
geſtellt, und unter denſelben erzielten die zwei genannten Stücke einen
Preis von nahezu zweitauſend Mark. Ueber dieſe Summe
hinaus=
gehend fanden keine Verkäufe ſtatt, ein Beweis dafür, daß ſich die
bieſi=
gen Züchter in ihren Erfolgen mit denienigen anderer Gegenden kecklich
meſſen dürfen.
— Bensheim, 16. Sept. In den Tagen vom 20. bis 23. September
begeht Bensheim wieder ſein Winzerfeſt. Mit dieſem Feſt, deſſen
Ausgeſtaltung dem Verkehrsverein Bensheim zu danken iſt, und die
dieſem obliegt, iſt der Typ eines allgemeinen Volksfeſtes geſchaffen, wie
er eigenartiger, wirkungsvoller, charakteriſtiſcher und großzügiger nicht
gedacht und durchgeführt werden kann. Man denke ſich: es entſteht
in=
mitten der Stadt wiederum, ein in ſich abgeſchloſſenes Winzerdorf, es
entſtehen aller Orten, auf den Plätzen der Stadt, in den Straßen
typiſche Winzerſtätten, in denen Original=Bergſträßer Weine in
garan=
tiert naturreiner Qualität zum Ausſchank gelangen, überall ſind
ge=
mütliche Lauben, Zelte und Buchten geſchaffen. Und wie heimiſch ſind
alle dieſe Stätten der Fröhlichkeit ausgeſtaltet! Muſik, Tanz und
Kurz=
weil allenthalben. Das große Winzerdorf füllt den ganzen, geräumigen
Marktplatz aus, bildet mit ſeinen zahlreichen Buchten, Zelten und
ſei=
nem rieſigen Tanzplan, auf dem Heimat= und Charaktertänze,
Auffüh=
rungen aller Art, Konzerte und dergleichen zur Darſtellung gelangen
und auf dem dem Tanz gehuldigt wird, eine ſelbſt allergrößtem
An=
drange genügende Stätte des Frohſinns, der Feſtesfreude und der
Unterhaltung. Neben dem vortrefflich mundenden Trunk dient überall
reiche Speiſenauswahl zur weiteren Stärkung. Bergſträßer Spiele,
Tänze und Geſänge, Vorführungen aller Art und ein äußerſt reich
be=
ſchickter großer Juxplatz bieten mannigfaltigſte Unterhaltung. Vier Tage
ſind all dieſer Fröhlichkeit gewidmet, den Haupttag bildet dabei der
Sonntag, den 21. September, an dem ein rieſiger, zahlreiche Gruppen
aufweiſender Feſtzug ſich durch die Straßen der Stadt bewegen wird.
Wer ſich noch des vorjährigen, ſo prächtig verlaufenen Winzerfeſtes
er=
innert, wird wiſſen, daß es damals ſchwer war, während der Feſttage
einen Platz zu bekommen, und noch nie hat Bensheim ſo koloſſale
Menſchenmaſſen in ſeinen Mauern aufgenommen, als damals am
Sonn=
tag, an dem ebenfalls ein höchſt origineller Feſtzug durch die Straßen
der Stadt zog. In dieſem Jahre wird ſich das Feſt noch ſehr viel
groß=
artiger entwickeln als ſein Vorgänger, denn die Grenzen ſeiner
Aus=
geſtaltung ſind weit umfaſſender gezogen als im Vorjahre, ſind ihnen
doch alle weinbautreibenden Ortſchaften der Bergſtraße angegliedert.
Mit dem Winzerfeſte verbunden wird die acht Tage währende große
Ausſtellung in der Gewerbeſchule. Sie umfaßt alle gewerblichen,
in=
duſtriellen und handwerksmäßigen Berufe männlicher und weiblicher
Betätigung. Es bedeutet dieſe Ausſtellung eine Werbung für die
Er=
forderniſſe der Wirtſchaft, auch ſoll ſie durch den Beſuch ſeitens der
Be=
rufsſchulen und der oberen Volksſchulklaſſen bei der Jugend Intereſſe
und Verſtändnis für die Belange der werktätigen Wirtſchaft erwecken.
Die Ausſtellung wird auch Lehrlingsarbeiten, Geſellen= und Meiſterſtücke
umfaſſen, ſowie auch durch ſchönes Ausſtellungsmaterial des hieſigen
Geflügelzüchtervereins Zeugnis davon ablegen, daß an der Bergſtraße
die Geflügelzucht in hoher Blüte ſteht.
Bb. Bensheim, 16. Sept. Autounfall. Geſtern abend gegen
7 Uhr überholte unweit des Eulerſchen Anweſens auf der Heidelberger
Straße ein von Bensheim kommender Mercedes=Benz=Perſonenwagen
einen in gleicher Nichtung fahrenden anderen Perſonenwagen. Wieder
auf der rechten Fahrbahnſeite angelangt, geriet der Wagen jedoch von
dem Kleinpflaſter herunter und kam infolge des durch den Regen
auf=
geweichten Bodens ins Schleudern und flog mit voller Gewalt gegen
einen der dort ſtehenden Lindenbäume. Während der Lenker des Wagens
mit dem Schrecken davonkam, erlitten die beiden Inſaſſinnen erhebliche
Verletzungen, die ihre Verbringung in das hieſige Hoſpital notwendig
machten. Der Wagen wurde ſtark beſchädigt.
D. Biblis, 15. Sept. Bei der geſtrigen Reichstagswahl haben von
2100 Stimmberechtigten nur 1350 vom Wahlrecht Gebrauch gemacht. Die
Stimmen entfielen auf: Sozialdemokratiſche Partei Deutſchlands 189;
Deutſchnationale Volkspartei 5: Deutſche Zentrumspartei 529;
Kommu=
niſtiſche Partei 133; Deutſche Volkspartei 9; Deutſche Staatspartei 68:
Wirtſchaftspartei 16: Nationalſozialiſtiſche Deutſche Arbeiterbartei 157;
Heſſ. Landvolk 161. Außerdem noch vereinzelte Stimmen auf kleinere
Parteien.
— Gernsheim, 16. Sept. Waſſerſtand des Rheins am
15. September 0.40 Meter, am 16. September 0,36 Meter.
— Hirſchhorn, 16. Sept. Waſſerſtand des Neckars am
15. September 0,82 Meter, am 16. September 0,80 Meter.
— Bad Wimpfen am Neckar, 16. Sept. Das aufs modernſte
einge=
richtete Bad gegen Katarrhe, Bronchitis, Aſthma und gegen Rheuma,
Neuralgien, Jschias und Gicht führt für die Zeit vom 15. Oktober bis
15. April beſonders preiswerte Pauſchal=Winterkuren durch.
Nur 65 RM. die Woche oder 250 RM. für 4 Wochen koſtet eine Kur,
einſchließlich aller Koſten für Penſion, Kurmittel, ärztliche Behandlung.
Kurtaxe und Trinkgeldablöſung, bei einwandfreier Unterkunft in
Zim=
mern mit Zentralheizung und fließendem kaltem und warmem Waſſer
und gur geheizten Aufenthaltsräumen. Vier Mahlzeiten einſchließlich
Mittagskaffee ſind hierbei vorgeſehen. Die Kurmittel beſtehen aus:
Pneumatiſche und allergenfreie Kammern, Inhalationen im Raum und
an Apparaten, vneumatiſche Inhalationen. Sol=, Moor=,
Kohlenſäure=
bädern, Luftverl= und Schaumbädern, Lichtbehandlung und Packungen.
Man verlange Auskunft und Proſpekte durch die Kurverwaltung Bad
Wimpfen am Aedkar. Telephon Al1.
Nummer 257
Mittwoch, den 17. September 1930
Weltkongreß der Kriminaliſten.
Ergebniſſe der Berakungen auf dem inkerngkionalen
Kriminologen-Kongreß in Prag.
Von unſerem Prager Mitarbeiter erhalten wir fol=
Sende gedrängte Ueberſicht über den 10. Internationalen
Krimi=
miologen=Kongreß:
Die Bänke und Logen des geräumigen Sitzungsſaales des
SPrager Abgeordnetenhauſes, der oft nicht nur von den Rede=
Fchlachten der wackeren Parlamentarier widerhallt, ſind, wie man
zuſagen pflegt, bis aufs letzte Plätzchen beſetzt. Es geht feierlicher,
ſa, man möchte, ohne den Herren Volksvertretern nahetreten zu
vollen, behaupten: ernſter zu wie ſonſt in dieſem Raum, in
bvelchem die Geſetze gemacht werden und leidenſchaftliche
retho=
miſche Kämpfe zu toben pflegen, in dem oft nationale und
ſozi=
ale Gegenſätze heftig aufeinanderzuprallen pflegen und nicht
fſelten die aus herkuliſch gebauten Männern beſtehende Par=
Hamentswache in Aktion treten muß. Nun, eine Art Geſetzgebung
ſſieht auch diesmal das Programm der hier an den
Beratungs=
magen verſammelten Kriminaliſten vor, auch diesmal feſſeln die
AAusführungen der Redner viele Hunderte von intereſſierten
Zu=
wörern — und ganz im Hintergrunde ahnt der Beſucher dieſes
Kongreſſes die mehr öffentliche Inſtitution jener Leute, die im
Abgeordnetenhaus unter dem Sammelnamen „
Parlaments=
pvache” bekannt ſind: die uniformierte Polizei, die ſich aus dem
Milieu eines Kriminaliſtenkongreſſes nicht gut wegdenken läßt.
Dieſer Tagung geben markaute Köpfe, intereſſante Köpfe,
charfgeſchnittene Geſichter mit hohen Stirnen, gibt eindring=
Ticher Tonfall der Stimmen, geſpannteſte Aufmerkſamkeit in den
Bänken, auf der Tribüne und in den Logen das Stigma. Der
tiefe ſittliche Ernſt dieſes Kongreſſes, zu dem Teilnehmer aus
allen Teilen der Welt ſich eingefunden haben, ſchwingt in den
Ausführungen der Referenten und erfüllt die Atmoſphäre mit
einer Ruhe, die an dieſer Stelle nur ſelten anzutreffen iſt.
Prof. Dr. Miricka, der (tſchechiſche) Vorſitzende der
Inter=
nationalen Kommiſſion für Strafrecht und Gefängnisweſen,
Der neben zahlreichen Gäſten, Parlamentsvertretern, Delegier=
Iten von Zentralbehörden — auch Außenminiſter Dr. Beneſch
fehlt nicht — vor den Bänken der Abgeordneten Platz genommen
chat, eröffnet die Tagung am Montag.
Die Begrüßungsrede.
Juſtizminiſter Dr. Meißner, dem Parlamentsbeſucher eine
wertraute Perſönlichkeit mit ruhigen, klugen Augen hinter
run=
den Brillengläſern, ein in vielen Redeſchlachten erprobter Par=
Jamentarier, ergreift das Wort in franzöſiſcher Sprache. Ganz
Furz ſeiner Rede Sinn:
Die Kriminalogie legt den Staaten beſondere Pflichten auf.
Der Strafrichter braucht, weil er ſich heute nicht
nur auf das Geſetz beſchränken kann,
krimina=
liſtiſche Spezialkenntniſſe, ſoll er nicht
mitſchul=
dig werden an Juſtizirrtümern.
Dem Richter müſſen die Hilfswiſſenſchaften der Kriminologie
Ddurch Vorbereitungskurſe näher gebracht werden. Im
Straf=
wellzug iſt ſtatt der Schabloniſierung die Individualiſierung an=
Buſtreben. Vorausſetzung hierfür iſt allerdings eine höhere
=Qualität nicht nur der leitenden Beamten, ſondern auch der
WGefängniswärter, die Lehrer und Erzieher zugleich ſein ſollen,
weshalb ſich die Inſtitution obligatoriſcher Lehrkurſe für Ge=
Ffängnisperſonal als unbedingt notwendig erweiſt. Das Problem
ider kriminellen Jugend iſt eines der brennendſten; bei der
„ugend ſoll die Strafe ein Ultima ratio ſein. Durch
Erziehungs=
mnaßnahmen ſoll die kriminelle Jugend auf den richtigen Weg
gebracht werden. Von Nutzen kann der Strafvollzug nur dann
Fein, wenn er mit Entlaſſungsfürſorge verbunden wird.
Ueber die vorangegangenen Kongreſſe ſpricht der
Tagungs=
präſident Dr. Miricka. Der erſte Kriminologenkongreß fand
1872 in London ſtatt. Das urſprüngliche Programm hat ſich
inſofern gewaltig erweitert, als es, nachdem es ſich anfangs
ausſchließlich auf das Gebiet des Gefängnisweſens bezogen hat,
munmehr das geſamte Gebiet des Strafrechtes einſchließt. Als
einen Rückſchritt in mittelalterliches Dunkel bezeichnet der
Red=
mer die Todesſtrafe, eine Anſicht, der im ſpäteren Verlauf des
Kongreſſes der tſchechiſche Außenminiſter Dr. Beneſch in ſeiner
Eigenſchaft als Profeſſor der Soziologie entſchieden
entgegen=
tritt.
Nach der Wahl der Funktionäre des Kongreſſes wartet der
Photograph auf der Rampe des Abgeordnetenhauſes. Aber er
hat Mühe, die Geſichter der Kongreßteilnehmer auf die Platte
zu bringen, denn zu gleicher Zeit, da ſie ſich dem Apparat ſtellen,
ſchwimmt im herrlichſten Blau des Himmels das Luftſchiff
„Graf Zeppelin” über Prag, über das Parlament hin ..."
Am gleichen Nachmittag beginnt der Kongreß in ſeinen vier
Sektionen mit den praktiſchen Arbeiten. In der erſten Sektion
(Vorſitzender Dr. Bumke, Präſident des Reichsgericht in
Leip=
zig) wird über Geſetzgebung beraten. Zur Diskuſſion ſteht ein
Referat des Dr. Cornil=Brüſſel, welche Sicherheitsmaßnahmen
am geeignetſten wären und wie man ſie günſtigſt ſyſtemiſieren
und einteilen müſſe im Hinblick darauf, daß immer mehr
Sicher=
heitsvorkehrungen angewendet werden. In der zweiten Sektion
wird über das Thema Verwaltung beraten, wobei Dr.
Weißen=
rieder (Deutſchland) ein ausgezeichnetes Referat über die Frage
erſtattet: Wie könnte im Rahmen der geltenden Geſetze der
Strafvollzug reglementiert werden, wenn man als anerkannte
Grundlage die Hebung der Verurteilten und ihre Rückgabe an
die Geſellſchaft annimmt. Könnte dieſer Zweck nicht erreicht
werden a) durch Mitarbeit von Privaten am Strafvollzug,
b) durch Arbeitsauswahl und Entlohnung der Strafarbeit,
c) durch Unterhaltungsmittel, die dem Charakter der Strafe
nicht widerſprechen. In der Debatte wird darauf hingewieſen, im Adda=Tal zur Adamello=Gruppe, Ponte di Legno), 2652 M.
daß der
Strafvollzug
auf pädagogiſche Geſichtspunkte Rückſicht nehmen
muß, die körperlichen Fähigkeiten des Sträflings berückſichtigen Grenze), 2505 M., Gr. San Bernhard (von Martiany=Ville im
ſoll, um ihm nur mögliche Arbeiten aufzubürden und vor allem
die Individualiſierung der Zwangsarbeit wird durchführen 2427 M., Furka=Paß (von Gletſch nach Andermatt) 2431 M.,
müſſen. Die Sektion iſt ſich in folgenden drei Punkten einig:
Mitarbeit einzelner ausſchließlich nach ihren perſönlichen
Geiſtes= und Gefühlsqualitäten beſtimmter Perſonen am Straf= Tirano, dicht vorbei am Piz Palü=Gletſcher), 2330 M., Albula=Paß
vollzug; eine Zwangsarbeit, welche den Fähigkeiten des Sträf= (im Engadin, zwiſchen Inn=Tal und Filiſur=Bergün) 2315 M.,
lings entſprechen ſoll und ihm nach der Entlaſſung eine
Rück=
kehr zur normalen Arbeit ermöglicht; Mittel zu phyſiſcher und
intellektueller Wiederaufrichtung des Sträflings müſſen in die
Geſetzgebung der einzelnen Länder Eingang finden.
Die dritte Sektion behandelt die Prävention. Nach einem
Referat über die Frage, wie es möglich ſei, die Forderungen
des Gerichtsweſens und der Geſellſchaft nach Kenntnis des
Vorlebens einer beſtimmten Perſon zu vereinigen mit dem Ge= 2114 M., Jaufen=Paß (zwiſchen Sterzing im Etſchtal und Meran)
danken der Rehabilitierung und dem Beſtreben, den entlaſſenen
Sträflingen ein ehrliches Leben zu erleichtern, einigt ſich die
Sektion auf folgende Reſolutionen: 1. daß es das ideale Streben
des Kongreſſes ſein müſſe, den Entlaſſenen wieder zum
Mit=
gliede der menſchlichen Geſellſchaft zu machen; 2. daß zu dieſem
Zwecke die öffentliche Meinung für die Beſſerung der Entlaſſenen
intereſſiert werden müſſe, daß zwiſchen Beſſerungsfähigen und
Nichtbeſſerungsfähigen unterſchieden werden müſſe, und daß
nach dem Charakter des Deliktes und der ſozialen Stellung des
Entlaſſenen die Wahl ſeiner Beſchäftigung individualiſiert
wer=
den müſſe; 3. daß es der Geſetzgebung der einzelnen Staaten
überlaſſen bleibe, die Rehabilitierung zu reglementieren. In
der vierten Sektion hält Dr. Kallab=Brünn ein großangelegtes
Referat über Jugendgerichte und Jugendhilfsorganiſationen.
Die hierauf von dieſer Sektion angenommene Entſchließung
beſagt: Die Gewalt, welche dazu berufen erſcheint, die
Rechts=
verletzungen durch Kinder feſtzuſtellen und zu beurteilen, ſoll in
jedem Falle — zum Unterſchied von der, welche Erwachſene
aburteilt — einerlei ob ſie von Gerichtsorganen ausgeübt wird,
Perſonen anvertraut werden, die durch Kenntnis des Kindes
qualifiziert ſind, und ſich für die Idee des Kinderſchutzes
erklären.
In ausführlicher Weiſe verbreitet ſich am folgenden Tag
der Außenminiſter Dr. Beneſch als Profeſſor der Soziologie
über die Todesſtrafe, für deren Beibehaltung er ſich ausſpricht.
Aus ſeiner Rede geht hervor, daß einzelne Kreiſe der
tſchecho=
ſlowakiſchen Regierung einer Strafrechtsreform noch ablehnend
gegenüberſtehen.
Der nächſte Tag führte die Kongreßteilnehmer nach Pilſen,
wo ſie die Skodawerke, ſowie die Strafanſtalt Bory beſuchen.
In der Generaldebatte über die von der erſten Sektion
vorgelegte Reſolution bezüglich der Unifizierung der
ſtrafrecht=
lichen Grundſätze hält Prof. Gleispach (Wien) ein aufſehen=
FArdrt Todr Heiet
Die höchſten und die ſchwerften
Von
Siegfried Dverſchlag.
Weit iſt die Welt, und ſie iſt ſchön, hoch ſind die Bergpäſſe,
und je höher ſie ſind, um ſo ſchöneren Blick bieten ſie herab ins
tiefe Tal und auf Schneegipfel und ewiges Eis. Im Deutſchen
iſt der Wandertrieb. Er will hinaus aus ſeinen vier Wänden,
aus ſeiner Stadt, for: von ſeiner Scholle, will Länder ſehen und
Meere. Das Schweizer und das Tiroler Gaſtwirtsgewerbe leben
gutenteils vom deutſchen Fremdenverkehr, und ſeit der
Motori=
ſierung Deutſchlands gibts kaum einen Alpenpaß, auf dem man
nicht deutſche Kraftfahrer trifft. Für Sportfahrer, die ihre Wogen
und ihre Fahrkunſt prüfen wollen, für Kraftfahrzeuginduſtrielle,
die aus Schwerſtſtrecken techniſche Lehren gewinnen wollen, für
all: die ſind die Alpenpäſſe gerade richtiges Gelände, für Motor,
Körper, Geiſt.
Es mag hier Ueberhlie” gegeben werden über die höchſten,
di: ſchönſten und die ſteilſten Alpenpäſſe. König der Alpenpäſſe
iſt das Stilfſer Joch, mit 2757 Meter ü. M. höchſte
euro=
päiſche Alpenſtraße. Das Stilfſer Joch aber iſt auch mit die
ſchönſte und eindrucksvollſte der europäiſchen Alpenſtraßen. Die
Auffahrt von Meran durch die vielen, vielen Spitzkehren (die
ſtitzeften ſind ſoeben erweitert worden), Blick auf den Ortler=
Gletſcher, auf das Hochalpenmaſſiv der Ortlergruppe und wieder
und immer wieder die Blicke ins tiefe, tiefe Tal ſind unvergeßlich
ſchön. Nach dem Stilfſer Joch nenne ich den Lowcen=Paß ab
Bucht von Cattaro hinauf ins Steinbergland von Montenegro
(Cetinje) ſchönſte der europäiſchen Alpenſtraßen. Und dann die
Furka=Straße! Da iſts der Rhoue=Gletſcher, der ihr die Majeſtät
verleiht.
Ueber Geſchmack läßt ſich ſtreiten. Schön ſind die
Dolomiten=
ſtraßen, ſchön iſt der Klauſen (durch ſein Rennen bekannteſter
aller Alpenpäſſe), ſchwierig der Loibl, unerhört ſchwierig die
Turracher Höhe und der ſteyermärkiſche Niederalpl, majeſtätiſch
die Fahrt über den St. Bernhard von Aoſta nach Savoyen.
Ent=
täuſchung iſt die Auffahrt zum kahlen Gotthard, die nur Steine
SHRLL
AufoohIg
SHELLAUTOOELE aus dem SHELL KABIMET.
Zuvertässig ,preisvert „wirtschadtlich!
bietet, dem Sportsmann macht der Zirler Berg ob ſeiner
Steil=
ſtrecken Freude, impoſant ſind die Dolomitenpäſſe, großartig die
Auffahrt zum Monte Maggiore bei Abbazia, gleich ob man ſie
an der Küſte oder im innern Karſt beginnt. Die ſteilſte
Berg=
ſtraße Europas iſt die Turracher Höhe. Nun — ich bin ſie mit
ihren 30prozentigen Steigungen in vielgequältem deutſchen
Wa=
gen in gutem Tempo heraufgefahren, ohne daß es Anſtände gab.
Wer freilich Motor und Reifen (beſonders letztere, weil ſehr
ſchlechter, hartſteiniger Unterbau) ſchonen will: Hände weg!
Ameri=
kaner werden leicht kochen.
Die höchſten Alpen=Paßſtraßen ſind:
Stilfſer Joch, 2757 M. Gavia Paß (Verbindung von Bormio
Col de Galibier (Verbindung zwiſchen St. Michael und Brides
les Bains in Savoyen) 2556 M. Umbrail=Paß von Bormio am
Südhang des Stilſſer Jochs nach St. Maria (Schweizer
Engadin=
ſchweizer Rhöne=Tal nach Aoſta im ital. Dora Baltea=Tal)
Fluela=Paß (Verbindung zwiſchen Davos und Inntal) 2385 M.,
Bernina=Paß (im Engadin zwiſchen Pontreſſina und dem ital.
Sella=Paß (höchſter der Dolomitenpäſſe) 2248 M., Pordoi=Joch
(Dolomiten) 2242 M., Kl. St. Bernhard (zwiſchen Aoſta und
Savoyen) 2188 M., Grimſel=Paß (zwiſchen Aartal und Gletſch
am Rhönegletſcher) 2164 M., Falzrego=Paß (Dolomiten, von
Cor=
tina d’Ampezzo zum Pordoi=Joch) 2127 M., Splügen=Paß (von
Chiavenna zum Rheinwaldtal) 2118 M., St. Gotthard (
Haupt=
verbindung der Schweiz mit Italien, Straße Zürich—Mailand)
2100 M., Oberalp=Paß (zwiſchen Diſentis und Andermatt 2068
M., St. Bernhardin=Paß (zwiſchen Hinterrhein am Rheinwald=
Gletſcher und italieniſchem Mosſa=Tal) 2063 M., Simplon=Paß
(zwiſchen Brig im Rhöne=Tal und Lago Maggiore) 2008 M.
Die höchſten Paßſtraßen ſind keineswegs die ſteilſten. Die
Schweizer als Meiſter des Straßenbaus haben ſich auf
Höchſt=
ſteigungen bis zu 12 Prozent beſchränkt, weil ja auf den
Poſt=
autobusverkehr und auf die Anforderungen eines
Fremdenver=
kehrs beſondere Rückſicht genommen war. Die Oeſterreicher
da=
gegen laſſen ihre Paßſtraßen großenteils ſteil, ja, oft ſchnurgerade
heraufgehen. Straßen wie Katſchbera, Turracher Höhe,
Tauern=
paß haben heute noch Ruf als Schwerſtprüfungsſtraßen für
Kraft=
fahrzeugwetthewerbe. An ſich iſt ſolch, Steilſtraßenbau Irrſinn,
Seite 7
erregendes Referat, in dem er darauf hinwies, daß die Unifizierung
des Strafrechtes zu einem Weltſtrafrecht notwendig ſei, daß aber
auf die kulturellen, hiſtoriſchen und nationalen Entwicklungen
der einzelnen Völker Rückſicht genommen werden müſſe.
Hierauf wurde die Reſolution der zweiten Sektion
bezüg=
lich des Strafvollzuges zur Beratung herangezogen. Intereſſant
iſt, daß die amerikaniſchen Delegierten für die Gemeinſchaftshaft
eingetreten ſind. In der ſodann angenommenen Entſchließung iſt
das Syſtem der Einzelhaft durchgedrungen. Es ſoll den
Direk=
toren der Strafanſtalten nach Anhörung mediziniſcher und
pſychiatriſcher Sachverſtändiger anheim geſtellt werden, einzelne
Gefangene über ihren Wunſch dauernd zu iſolieren. Bei längeren
Strafen muß man als allgemeine Regel ein progreſſives Syſtem
beibehalten, das allmählich zur Gemeinſchaftshaft führt.
Zu einem Zwiſchenfall, der wieder einmal bewieſen hat,
daß man ſich in Prag alte Fehler nicht abgewöhnen kann,
kemmt es, als der Vorſitzende Prof, Miricke die Ueberſetzung
einer Reſolution in die deutſche Sprache zu verhindern ſucht,
eine Abſicht, die allgemeines Mißfallen erregt, da bisher
gleicher=
weiſe franzöſiſch, engliſch und deutſch verhandelt worden iſt.
Die Situation rettet der Schweizer Profeſſor Delaquis, der die
in Betracht kommende Reſolution trotz des Proteſtes über den
Kopf des Vorſitzenden hinweg in deutſcher Sprache verlieſt.
Ganz ohne Ausfälle gegen die Deutſchen geht es nun einmal
nicht in Prag ..."
und über 20 Prozent.
und Kleinwagen haben auch heute noch Schwierigkeiten, ſolche
Steilſtrecken heraufzukommen. Noch im Vorjahre blieben die
kleinen Fiat am Katſchberg hängen und mußten heraufgeſchoben
werden. Die Amerikaner kochten und rauchten — deutſche Wogen
ſchwächerer Typen fuhren lange Kilometer im erſten Gang. Außer
den öſterreichiſchen Alpenſtraßen aber finden wir überall gemäßigte
Steigungen, die jeder Wagen und jedes Motorrad von heute glatt
heraufkommen können muß. Die Dolomitenpäſſe, landſchaftlich
mit die ſchönſten und eindrucksvollſten Paßſtraßen, ſteigen nicht
über 12 Prozent. Das Stilfſer Joch hat keine Strecke über 10
Prozent Steigung. Der Thurnpaß hat als ſtärkſten Niveau=
Unterſchied 8 Prozent, der Oberalp=Paß 10 Prozent, der
Semme=
ring 8 Prozent, der Gr. St. Bernhard 10 Prozent. Der Brenner,
von deutſchen Kraftfahrern beſonders viel benutzt, erreicht an
ſei=
nen ſteilſten Strecken (auf italieniſcher Seite) 13 Prozent, der
Arlberg nur 12 Prozent, der berühmte Klauſenpaß nur 10
Pro=
zent, und die auch nur auf der Stvecke zwiſchen Urner Boden und
Klauſenpaß=Höhe. Wie gewaltig immer der Furka=Paß wirken
mag, — keine Erhebung iſt über 10 Prozent, beim
gegenüber=
liegenden Grimſel=Paß keine Strecke über 9 Prozent. Selbſt der
St. Gotthard erreicht nur auf der Südſeite (Airolo bis
Gott=
hard=Hoſpiz) 10prozentige Höchſtſteigung.
Führen die öſterreichiſchen Bergſtraßen großenteils
ſchnur=
gerade nach oben, ſo weiſt der ſchweizer nud auch der italieniſche
und franzöſiſche Alpenſtraßenbau viele Kurven auf, um durch
Kehren Steilſtrecken zu vermeiden. Für moderne Wagen mit
gutem Steuerungseinſchlag iſt Rückwärts=Setzen heute nur noch
auf wenigen Alpenſtraßen erforderlich. Die ſchweizer
Poſtauto=
buſſe z. B. bewältigen infolge vorbildlichen Steuereinſchlags alle
Alpenſtraßen ohne Rückwärts=Setzen, ſeit dieſem Frühjahr ſogar.
die erweiterten Spitzkehren der Furka. Von den Steipäſſen ſind
einige landſchaftlich, alſo in ihrer Umwelt, als Reiſeziele oder
Reiſe=Zwiſchenſtücke nicht lohnend. Die Turracher Höhe bietet
lediglich ſportlich=techniſchen Reiz, der Katſchberg iſt langweilig,
das Pötſchenjoch oberhalb Iſchl nicht beſonders ſehenswert. Im
folgenden aber mögen die ſteilſten Päſſe, ihrem Steigungsgrad
nach, aufgezählt ſein:
Turracher Höhe, 30 Prozent, Scheitel 1763 Meter ü. M.;
Hoher Tauern=Paß, 26 Prozent, Scheitel 1265 Meter; Niederalp=
Paß, 26 Prozent, Scheitel 1220 Meter; Zirler Berg (Tirol) 24
Prozent, Scheitel 1180 Meter; Präbichl=Paß (Steiermark), 24
Prozent, 1227 Meter; Katſchberg (Oeſterreich), 24 Prozent, 1641
Meter; Loibl=Paß (jugoſlaw=kärtner Grenze), 22 Prozent, 1288
Meter; Pötſchen= Joch (Salzkammergut) 21 Prozent, 988 Meter;
Stubalpe (Steiermark), 21 Prozent, 1550 Meter; Achenpaß (
Ober=
bayern=Tirol), 21 Prozent, 940 Meter; Tauernpaß (Bez.
Salz=
burg), 20 Prozent, 1740 Meter; Phyrn=Paß (Ober=Oeſterreich),
20 Prozent, 945 Meter; Gſchütt=Paß (Salzburg), 20 Prozent,
971 Meter (nur ſehr geübten Fahrern geraten); Aflenzer Seeberg
(Steiermark), 20 Prozent, 1255 Meter.
Zu gutem, leiſtungsfähigem Motor gehören gute Bremſen
gute Reifen, tadelloſe Getriebe. Und ein Fahrer, der ſich auf
ſeinen Wagen, ſein Motorrad verſteht. Tankſtellen ſind ſelbſt an
den entlegenſten Paßſtraßen geſchaffen. Venzolgemiſche ſind in
der Schkoeiz, Oeſtereich und auch in Frankreich erhältlich. In
Oeſterreich und der Schweiz konnte der Benzolverband
Tank=
ſtellen errichten, und in öſterreichiſchen Ortſchaften iſt infolge der
deutſchen Betriebsſtoffſteuer wo erhältlich, Aral billiger zu
haben, als in Deutſchlond. Das alles aber ſind Fragen zweiter
Ordnung. Bis gegen Ende Oktober iſt die Mehrzahl der
Alpen=
ſtraßen ſchneefrei. Wer alſo guten Wagen, leiſtungsfähiges
Motorrad, Zeit und — Geld, ja, genügend Geld hat, der ſäume
nicht, das Alpenland, das ſchöne, das wundervolle, das erhabene,
kennen zu lernen. Allen, die daheim bleiben wollen im
Vater=
land, ſei verroten: der Schwarzwald bietet genußreichen,
befrie=
digenden Vorgeſchmack!
Rundfunk=Programme.
Frankfurt a. M
Mittwoch, 17. September.
8.00: Bad Salzſchlirf: Konzert des Kurorcheſters.
.20: Schulfunk: Freies Amerika.
12.20: Stuttgart: Promenadenkonzert.
15.00: Stuttgart: Jugendſtunde. Eine Kinderſtunde der Schüler der
Deutſchen Schule in „Bethlehem”.
16.00: Stuttgart: Nachmittagskonzert des Freiburger
Konzertorche=
ſters. Mitw.: Hildegard Völker (Alt).
18.05: Herr v. Artus: Der Menſch und die Tiere.
18.35: Stuttgart: Dr. Wilsmann: Drei große Menſchenkenner:
3. Nietzſche.
19.05: Stuttgart: Joſ. F. Jäger: Von Wampum, Friedenspfeife,
Totem und anderen völkerkundlichen Dingen.
19.30: Homburg: Sinfoniekonzert.
21.00: Brüſſel: Belgiſcher Abend des Orch, der Radio Belgique.
22.15: Briefkaſten.
22.45: Schachmeiſter Mieſes: Ueber den Verlauf des Schachturniers.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Mittwoch, 17. September.
9.00: Schulfunk für Volks= und Berufsſchulen. Mit dem Mikrophon
in dem Großkraftwerk Klingenberg.
10.35: Mitteilungen des Reichsſtädtebundes.
14.45: Kinderſtunde. Kindertheater: Ein Spiel um Peter.
15.45: Brigitte Weiße: Wie verkauft die Landfrau ihr Obſt am
beſten?
16.00: Prof. Dr. Paul Hildebrandt: Das Recht zu ſtrafen.
16.30: Hamburg: Nachmittagskonzert.
17.30: Frhr. von Gudenberg: Werke für Kammerorcheſter.
18.00: Prof. Dr. Julius Hirſch: Was ſind Markenartikel.
18.30: Walter Bloem: Friedrich Wilhelm von Steuben, der Schöpſer
der amerikaniſchen Armee.
19.00: Spaniſch für Anfänger.
19.30: Stunde des Beamten. Prof. Lohmann: Im Unterrichtswagen
der deutſchen Reichsbahn.
20.00: Breslau: „Das Duell in Groß=Gautſch‟. Ein heiteres
Hör=
ſpiel nach Dickensſchen Motiven von H. Aufriſcht=Ruda.
21.20: Breslau: „Neues Leben”, Hörbericht au; Wahlſtatt.
Danach: Tanzmuſik. Kapelle Georges Nettelmann.
Nummer 257
Mittwoch, den 17. September 1930
Seite 8
Die berühmke Feſtung Glak zur
Erſte Originalbilder vom Untergang der „Tahiti” im Stillen Ozean,
an Bord des amerikaniſchen Dampfers „Ventura” aufgenommen, der Paſſagiere und Beſatzung
rettete. Unten: Das Rettungsboot mit den Schiffbrüchigen im Kampf mit den Wellen. Links oben:
Die „Tahiti” wenige Minuten vor dem Sinken.
Das Bandenunweſen
in den Vereinigken Skagken.
Blick auf Glatz, im Hintergrund die Befeſtigungswerke.
Die berühmte hiſtoriſche Feſtung der niederſchleſiſchen Kreisſtadt Glatz, oft im Laufe der deutſchen
Geſchichte ein Mittelpunkt heißer Kämpfe, iſt jetzt gänzlich für Beſichtigungen freigegeben worden.
Bisher war nur der Donjon, der Beobachtungsturm, der großenteils in den Fels geſprengten alten
Feſtung, für die Beſucher geöffnet. Die Beſichtigungsfreigabe der Feſtung, die zu ihrer heutigen
Geſtalt unter Friedrich dem Großen ausgebaut wurde, hatte bereits einen regen Touriſtenverkehr
zur Folge.
Unglück infolge nicht geſchloſſener Schranke.
Frankfurt a. M. Am Dienstag morgen,
kurz nach 9 Uhr, wurde auf einem nicht
geſchloſ=
ſenen Bahnübergang auf der Strecke Siershahn
—Altenkirchen ein Lieferauto von einem Zuge
überfahren. Hierbei wurde ein ſiebenjähriger
Junge getötet. Der Kraftwagenführer und eine
mitfahrende Frau wurden verletzt.
Inkereſſankes von der Inkernalionalen Poſtwerkzeichen=Ausſtellung in Berlin.
Im Gebirge verſchollen.
Frankfurt a. M. Die Suche nach dem in
den Alpen verſchollenen Dr. Willecke vom
Frankfurter Polizeipräſidium hat nunmehr
er=
geben, daß Dr. Willecker ſich am 27. Auguſt in
das Hüttenbuch der im Groß=Glockner=Gebiet
ge=
legenen Mainzer Hütte eingetragen hatte und
am 28. Auguſt früh in Richtung auf die
Ober=
walder Hütte weitergewandert iſt. Man
ver=
ſucht, auf Grund dieſer Feſtſtellungen nunmehr
nach dem Verſchwundenen auf dieſer Spur
wei=
terzuforſchen.
Zwei Berliner bei Salzburg abgeſtürzt.
Berlin. In den Salzburger Bergen
er=
eignete ſich, wie dem „B. L.=A.” aus Wien
ge=
meldet wird, ein ſchweres Unglück, deſſen Opfer
zwei Berliner ſind. Auf dem Hohen Brett bei
Salzburg ſtürzte beim Edelweißpflücken eine
Frau Luiſe Maria Glatz, die Gattin eines
Ber=
liner Beamten, an einer Felſenwand ab und
fand den Tod. Der Begleiter der Frau Glatz
verſuchte, über die Felswand herabzuklettern, um
der Verunglückten Hilfe zu bringen, verlor
da=
bei aber den Halt und ſtürzte gleichfalls ab.
Eine Rettungsexpedition konnte nach
ſtunden=
langer ſchwieriger Arbeit die Leiche der Frau
und den ſchwer verletzten Touriſten bergen.
Selbſtmord des Bürgermeiſters von Wetzlar.
Wetzlar. Der Bürgermeiſter der Stadt
Wetzlar, Dr. Kühn, hat ſich Dienstag
nach=
mittag ½1 Uhr auf dem Bergfriedhof am Grabe
ſeines Kindes erſchoſſen. Gegen den
Bürger=
meiſter war auf Grund einer Anzeige ein
Diſzip=
linarverfahren, wegen Verfehlungen im Amte
durch den Regierungspräſidenten in Koblenz
ein=
geleitet und die ſofortige Enthebung vom Amte
angeordnet worden. Das
Unterſuchungsverfah=
ren durch die Staatsanwaltſchaft war noch nicht
abgeſchloſſen. Bürgermeiſter Kühn ſtand in den
40er Jahren.
Nachlaßverſteigerung Maria Orska.
Am Mittwoch findet in Wien eine
intereſ=
ſante Verſteigerung ſtatt. Es handelt ſich um den
Nachlaß der verſtorbenen bekannten
Schauſpie=
lerin Maria Orska, der zugunſten des
neunjäh=
rigen Töchterchens der Schweſter der
verſtor=
benen Künſtlerin, Gräfin Serra, die, wie
erin=
nerlich, vor einigen Jahren gleichfalls auf
tra=
giſche Weiſe aus dem Leben ſchied, verſteigert
wird. Die von Maria Orska hinterlaſſene
Woh=
nungseinrichtung in ihrer Fünfzimmerwohnung
beſteht aus ganz erleſenen Möbelſtücken, bei
denen Rokoko und Louis XI. das Ganze
be=
herrſchen. Beſonders hervorgehoben zu werden
verdienen die prachtvolle Petit=Point=
Salongar=
nitur (Rokoko), das rieſige Louis=XVI.=Bett in
Weiß=Gold, die zahlreichen wertvollen
Kommo=
den, die prunkvolle Einrichtung des chineſiſchen
Salons, der eine große Zahl ausgeſucht koſtbare
exotiſche Stücke enthält, eine prächtige Louis=
XV.=Standuhr, ein Portät der Künſtlerin von
Rudolf Schuſter=Woldan, das die Orska als
Manon Lescaut darſtellt, und vieles andere
mehr.
Einbruch bei einem Völkerbundsmitglied
in Genf.
Genf. Bei dem Mitglied der engliſchen
Ab=
ordnung in Genf, Banker, wurde Montag nacht
ein Einbruchsverſuch verübt. Banker wachte
jedoch vom Geräuſch des Einbrechers auf und
vertrieb ihn mit vorgehaltener Piſtole. Es
ge=
lang dem Einbrecher, eine Broſche von Frau
Banker zu entwenden und unerkannt zu
ent=
kommen.
Heftige Gewitter über Mittel= und Südſardinien
Rom. Heftige Gewitter haben in Mittel=
und Südſardinien große Verheerungen
ange=
richtet und die Ernte ernſtlich geſchädigt. In
einigen Gebieten wurden ganze Landſtrecken
un=
ter Waſſer geſetzt. Auch die Dörfer wurden von
den Ueberſchwemmungen ſtark mitgenommen.
Zwei Kinder wurden vom Blitz erſchlagen.
Drei Poſtillone in der Thurn= und Taxis=Uniform
bewachen die ausgeſtellten koſtbarſten Marken der Welt, die in zwei Treſors ausgeſtellt ſind.
Die neueſte ruſſiſche Briefmarke,
die zum Beſuche des „Graf Zeppelin” in Rußland herausgegeben wurde.
De
Skrakoſphäre.
New York. Das rätſelhafte Verſchwinden
eines hohen Gerichtsbeamten erregt ſeit Wochen
in den Vereinigten Staaten großes Aufſehen.
Der Richter am Oberſten Gerichtshof, Joſef F.
Crater, iſt ſeit über einem Monat ſpurlos
ver=
ſchwunden. Alle polizeilichen Nachforſchungen
ſind ergebnislos geblieben. Man vermutet, daß
Crater das Opfer von Banditen geworden iſt,
um ſo mehr, als ſeine Gattin einen Brief
er=
hielt, worin ſie aufgefordert wird, 20 000 Dollar
zu bezahlen, wenn ſie ihren Gatten lebend
wie=
derſehen wolle. Falls die Zahlung nicht erfolge,
drohen die Erpreſſer damit, den Richter als eine
„menſchliche Ruine” zurückzuführen. — Der Brief
wurde der Polizei übergeben, die ſich fieberhaft
bemüht, die myſteriöſe Affäre aufzuklären.
Eine weitere ſenſationelle Erpreſſer=Affäre
hat ſich in Chicago abgeſpielt. Ihr Opfer was
der Neger=Abgeordnete de Prieſt, dem in einer
Zuſchrift mitgeteilt worden war, er werde von
ſeinen politiſchen Gegnern ermordet werden,
wenn er nicht unverzüglich 10 000 Dollar bezahle.
De Prieſt übergab den Drohbrief der Polizei,
und es gelang, die beiden Erpreſſer, einen
Chi=
cagoer Banditen und einen anrüchigen Lokal,
politiker, feſtzunehmen.
Polarforſcher Franklins Ueberreſte in Norwegen
eingetroffen.
Stockholm. Das Expeditionsſchiff „
Js=
björn” iſt mit den Ueberreſten des Polarforſchers
Franklin an Bord an der norwegiſchen Küſte
eingetroffen. Es lief jedoch nicht den Tromſöer
Hafen an, ſondern ankerte an einem abgelegenen
kleinen Hafen Skogwik. Hierher kam
nachmit=
tags ein Flugzeug, um die Photos in Empfang
zu nehmen. Am Dienstag vormittag um 10 Uhr
lief die „Isbjörn” in Tromſö ein. Der Kreuzer
„Svenſkſund” und die Michael Sars” gaben bei
der Einfahrt das Ehrengeleit. Bei der
Ueber=
führung der Leiche von Franklin nach der
Trom=
ſöer Domkirche bildeten die Matroſen Spalier.
In der Stockholmer
Stadtverordnetenverſamm=
lung wurde der Antrag geſtellt, im Stockholmer
Rathaus ein Andrée=Denkmal zu errichten. Die
norwegiſche Zeitung „Aftonpoſten” hat aus den
Ueberſchüſſen von dem Verkauf von Dr. Horns
Bericht an die ausländiſche Preſſe 10 000 Kronen
für einen Andrée=Fonds zur Verfügung geſtellt.
Auch die Spitzbergen=Forſchungsgeſellſchaft
er=
hielt 10 000 Kronen.
Wenige Minuten vor dem Start:
Prof. Piccard nimmt Proviant in ſeiner Gondel auf.
Alles bereit!
Aber der Ballon wollte nicht in die Luft.
Flugzeugunglück in Stockholm.
Stockholm. Ein ſchweres Flugzeugunglück
ereignete ſich im Stockholmer Flughafen. Eine
Maſchine ſtürzte ab, wobei beide Inſaſſen ſich ſo
ſchwere Verletzungen zuzogen, daß ſie bald nach
der Einlieferung ins Krankenhaus ſtarben. Der
Führer der Maſchine, eines Sportflugzeuges, war
der bekannte Spitzbergenflieger Nilſſon, der ſich
bei der Rettung der Nobile=Expedition
ausge=
zeichnet hat.
Coſtes und Bellonte in Boſton.
New York. Die franzöſiſchen Ozeanflieger
Coſtes und Bellonte ſind auf ihrem Rundflug
durch die Vereinigten Staaten geſtern in Boſton
eingetroffen. Eine vieltauſendköpfige Menge
be=
reitete den Fliegern einen begeiſterten Empfang.
Etappenflug Croydon—Auſtralien.
London. Am Dienstag morgen iſt der
Flieger Matthews von Croydon aus zu einem
Etappenflug nach Auſtralien geſtartet. Sein
erſtes Ziel iſt Sofia.
Senator Joyce ſoll von ſeinen Angehörigen
vergiftet worden ſein.
New York. Eine Aufſehen erregende
Wen=
dung hat die Unterſuchung, über die Vergiftung
des Senators Joyce in Chicago genommen.
Während man bisher vermutet hatte, daß Joyce
von ſeinen politiſchen Gegnern umgebracht
wor=
den ſei, ſchritt der Staatsanwalt vorgeſtern zur
Verhaftung der Gattin und der Stieftochter des
Senators. Nach den Mitteilungen, die an die
Oeffentlichkeit gedrungen ſind, ſcheint Anlaß zu
der Vermutung zu beſtehen, daß Joyce
Be=
ziehungen zu ſeiner Stieftochter unterhalten hat
und ſein plötzlicher Tod damit in Zuſammenhang
ſteht. Die beiden verhafteten Frauen beſtreiten
dies jedoch energiſch, und die Gattin des
Sena=
tors führt in Erklärungen an die Preſſe ihre
Verhaftung auf Manöver der Feinde ihres
Mannes zurück.
50
[ ← ][ ][ → ]Nummer 257
Ooln Spier und Tatnen.
Seebeim — Reichsbahn T. u. Sp.V.
Handball=Länderſpiel Deutſchland gegen
Kommenden Sonntag, um 12.41 Uhr, begibt ſich die erſte
Hand=
ballelf der Reichsbahn zum 2. Verbandsſpiel nach Seeheim. Die
Mann=
ſchaft tritt mit Erſatz an und muß ſich unter dieſen Umſtänden auf ein
ſchweres Spiel gefaßt machen. Bringen die Darmſtädter jedoch nur
Zeſterten.
Die öſterreichiſche Mannſchafl.
Der Oeſterreichiſche Verband für Handballſport hat, wie wir ſchon
mritteilten, für das am kommenden Sonntag, nachmittags 3.30 Uhr, auf
dem Platze am Böllenfalltor ſtattfindenden Länderſpiel folgende
Mann=
ishaft mit ſeiner Vertretung beauftragt:
Wurmböck
(WAC.)
Schnabel
(WAC.)
annähernd die Leiſtung des Vorſonntags auf, ſo dürfte es trotz allem
gelingen, mit einem Siege die Heimreiſe anzutreten. — Die 1.
Jugend=
mannſchaft ſpielt auf eigenem Platze um 15 Uhr gegen Birkenau.
Tgeſ. Ober=Ramſtadt — T. V. Seeheim 14:3.
Im erſten Meiſterſchaftsſpiel der A.=Klaſſe trafen ſich die 1.
Mann=
ſchaften obengenannter Vereine, und mit obigem Ergebnis konnte ſich die
Turngeſellſchaft die Punkte ſichern. Letztere war ihrem Gegner in
allen Beziehungen überlegen. Die Erfolge der Gäſte waren zwei
Straf=
ſtöße und ein 13=Meter=Ball, die der Halblinke ſicher verwandelte.
Nagl
(Polizei)
(FAC.)
Kryſta
(Sportklub)
Herndl
(Sportklub)
Battlehner
(Sportklub)
(W.HC.)
Fußball.
Perwein
(WAC.)
Tauſcher Bohrunek Meißl Knöpflmacher
(Polizei)
Dieſe Mannſchaft wurde endgültig aufgeſtellt, nachdem ſie als
Wie=
mer Städtemannſchaft in einem Städteſpiel gegen Graz ihre hohe Klaſſe
anter Beweis geſtellt hatte. Weniger der Umſtand, daß in dieſem Spiel
ein äußerſt hoher Sieg (16:1) erfochten wurde, als die Tatſache, daß
vieſe Elf ſich in jeder Hinſicht als eine geſchloſſene Einheit bewährte,
war für den Spielausſchuß des Oeſterreichiſchen Verbandes beſtimmend,
an der Mannſchaft keine Aenderungen mehr vorzunehmen. So beſteht
Henn die Elf ausſchließlich aus Wiener Spielern, von denen mehrere
wem Darmſtädter Publikum aus den vom Wiener Sportklub und Floris=
Horfer Athletikklub hier ausgetragenen Spielen bekannt ſind. Im
ein=
elnen iſt über die normierten Spieler folgendes zu ſagen:
Schnabel, der Tormann, iſt in der Auswahlmannſchaft noch ſehr
ung. Seine erſten repräſentativen Sporen verdiente ſich Schmabel im
Städteſpiel Wien —Breslau des vorigen Jahres, in dem er ſich derart
ausgezeichnet bewährte, daß er von da ab immer in der
Repräſentativ=
alf Verwendung fand. Sein Klubkamerad Wurmböck — der rechte
Verteidiger — iſt ſeit vielen Jahren eine Säule der
Verbandsmann=
ſchaft und gilt als weitaus beſter Verteidiger ſeines Landesverbandes.
Da der zweite ſtändige Verteidiger Pinkardt verletzt iſt, wurde
Serndl aufgeſtellt. Das ſcheint allerdings in gewiſſem Sinne eine
Verlegenheitslöſung zu ſein, da Herndl in ſeiner Vereinsmannſchaft als
echter Verteidiger tätig iſt. Von Kryſta, dem Mittelläufer, gilt
das=
elbe wie von Wurmböck: Auch er ſpielt ſchon ſeit Jahren in der
Natio=
falmannſchaft und iſt immer noch trotz ſeines Alters Oeſterreichs beſter
Mittelläufer. Battlehner und Nagl ſind jüngere Kräfte in der
Däuferreihe, deren Berückſichtigung in der Nationalmannſchaft darau
Furückzuführen iſt, daß ſie äußerſt flink ſind und ſich durch
großes Spielverſtändnis auszeichnen. Ganz große Könner finden wir
nsbeſondere auch noch im Sturm. Der rechte Flügel iſt ja hier in
Darmſtadt auf das beſte bekannt: Dieſer der Mannſchaft des vielfachen
Sſterreichiſchen Meiſters Florisdorfer AC. entnommene Flügel beſitzt in
Bohrunek das größte Stürmertalent das man wohl bisher in
Darm=
tadt neben Kaudynia geſehen hat. Von dieſem ſchußgewaltigen
Rechtsverteidiger genügt es zu ſagen, daß er im Spiel des Vorjahres
gegen Deutſchland von den 7 durch Oeſterreich erzielten Toren allein
5 Treffer warf. Tauſcher, als Rechtsaußen, hat man auch um
des=
rvillen gewählt, weil er ſich mit ſeinem Klubkameraden auf das beſte
Serſteht. Meißl im Zentrum ſoll ein ganz idealer Sturmführer ſein.
Her zurzeit in beſonders guter Form iſt. Als Linksverbinder iſt ein
anz neuer Mann berückſichtigt, der einem zweitklaſſigen Verein —
Wie=
rier Handballklub — entnommene Knöpflmacher. Seine große
Schnelligkeit, ſeine beſonders ausgeprägte Durchſchlagskraft, wie auch
Sie Gefährlichkeit ſeines Wurfes haben ihm fetzt zum erſtenmal
inter=
iationale Ehren eingebracht. Neben ihm ſteht der WAC.=Mann
Per=
wein, der ſtändige Linksaußen der Nationalmannſchaft.
Als Erſatzmann" fährt der Polizeiſtürmer Gößner mit. Die
Mannſchaft wird begleitet von dem Verbandskapitän Moßböck. Die
Demnach 13 Mann ſtarke Expedition wird ſchon am Freitag in Darm=
Ftadt eintreffen, damit die Elf zum Spiel völlig ausgeruht antreten
kann.
Wir weiſen wiederholt auf den beim Zeitungsverkauf Skurnik und
im Zigarrenhaus Becher eingerichteten Vorverkauf hin und empfehlen
Benutzung des Vorverkaufs, um eine glatte Abwicklung am kommen=
Den Sonntag zu erreichen.
Sp.V. 1922 Roßdorf — Germania Diebura 1:1 (1:0).
Zum 1. Verbandsſpiel in Roßdorf hatte ſich eine überaus große
Zuſchauermenge eingefunden, die Zeuge eines von Anfang bis zum
Schluß ſpannenden Kampfes wurde. Germania Dieburg repräſentierte
ſich als eine überraſchend ſtarke Mannſchaft, die in den Spielen um die
Meiſterſchaft ſicher ein ernſtes Wort mitreden wird. — Das Spiel
be=
gann vielverheißend für Roßdorf; ſchon in der 5. Minute konnte der
Halblinke auf Flanke von rechts zum vielbejubelten 1. Tor einſenden.
Auch weiterhin bleibt Roßdorf im Angriff; ſein Sturm zeigt ſich ſehr
ſchußfreudig; beſonders der Linksaußen Ph. Schumann, der überraſcht.
Allmählig wird das Spiel offener und kommt nun auch Dieburg
häu=
figer vor das Tor der Einheimiſchen, deren Verteidigung ſich aber als
ſicher erweiſt 1:0 bleibt der Spielſtand bis 8 Minuten vor Schluß. Da
ſpielt Roßdorfs Rechtsaußen wieder einmal den Ball rückwärts, anſtatt
vorwärts; ein Gegner erwiſcht den Ball, und ehe Roßdorfs Verteidigung
darauf gefaßt iſt, hat Dieburg ausgeglichen. Vergebens ſtrengen ſich
die Einheimiſchen an, um die verlorenen gegangene Führung
zurückzu=
winnen: Dieburg verteidigt ſicher, und mit dem Schlußpfiff iſt ein
wert=
voller Punkt für Roßdorf verloren. — Zu erwähnen iſt noch, daß der
ungenügende Schiedsrichter ein in der zweiten Halbzeit aus einem
Eck=
ball erzieltes Tor für Roßdorf aus falſcher Abſeitsentſcheidung nicht
gab. — Am kommenden Sonntag tritt Roßdorf zum Verbandsſpiel in
Erbach an. Es iſt dort noch die reichlich hohe Niederlage aus den
vorjährigen Verbandsſpielen wettzumachen, woran die Mannſchaft
noch=
mals nachdrücklichſt erinnert ſei.
Sp.V. 1919 Lenafeld — S.C. Ober=Ramſtabt 2:1 (1:0).
Lengfeld wurde in dieſem Jahre als ſehr ſchwacher Gegner
ange=
ſehen. Am Sonntag konnte die Mannſchaft ſeit langer Zeit endlich
wieder einmal ſehr gut gefallen. L. ſpielte zuerſt gegen den Wind und
die Sonne. Trotzdem gelang es der Mannſchaft, nach ſchöner
Kom=
bination ein Tor zu erzielen. Der ausgezeichnete Torhüter Lengfelds
ließ Ober=Ramſtadt nicht zum Ausgleich kommen. Nach dem Wechſel
wurde das Torverhältnis auf 2:0 verbeſſert. Ober=Ramſtadt wäre zum
Ausgleich gekommen, ſchoß aber einen der beiden Elfmeter dem
Tor=
wart in die Hände. Bei Ober=Ramſtadt gefielen beſonders Torwart
und Verteidigung; Lengfeld bot eine gute Geſamtleiſtung, denn die
jungen Spieler verſtanden ſich ausgezeichnet. Das Spiel war zwar hart,
aber nicht unfair. Der Schiedsrichter war ſehr gut. Hoffentlich zeigt
die junge Lengfelder Mannſchaft am kommenden Sonntag gegen
Michelſtadt erneut ihre Formverbeſſerung.
Tennis.
Turnierſchluß auf Bühlerhöhe.
Das gut geleitete und ſportlich intereſſante Tennisturnier auf
Büh=
lerhöhe konnte am Montag zu Ende geführt werden. Im Damen=
Einzel fiel der Sieg an Frl. Weihe, die nach ſchönem Spiel Frl. Horn=
Wiesbaden 6:0, 3:6, 6:2 ſchlug. Beim Herren=Doppel ſiegten im Finale
Weihe/Heidenreich über Hildebrandt/Reinhardt 6:0, 6:8, 6:1. Im
Ge=
miſchten Doppel gab, es einen weiteren Erfolg der Geſchwiſter Weihe,
die im Endſpiel über Horn/Reinhard 6:4, 6:1 ſiegten, nachdem Frl.
Horn/Reinhardt in der Vorſchlußrunde das Paar Frau
Halpaus/Hei=
denreich 6:4, 11:13, 6:4 abgefertigt hatten. Beim Herren=Einzel ſiegte
in der Vorſchlußrunde Heidenreich=Berlin über Claß=Darmſtadt 6:2, 6:0.
auf der anderen Seite war Weihe=Freiburg über Hildebrandt=
Mann=
heim 6:0, 8:6 erfolgreich. Das Finale brachte dann dem Freiburger
einen ſchönen Erfolg, indem er Heidenreich nach hartem Kampf 6:1,
4:6, 6:2 ſchlagen konnte.
Kunſtkurner im Heſſiſchen Landestheaker.
Erſtmals wird ſich Sonntag, den 28. September, nachmittags 2 Uhr,
die Ausleſe der Kunſtturner aus den drei heſſiſchen Gauen Heſſen,
Rheinheſſen und Main=Rheinturngau im Landestheater zu einem
Mann=
ſchaftskampfe im Kunſtturnen treffen. Daß einzelnen Gauen daran
ge=
legen ſein wird, den Sieg davon zu tragen, geht ſchon aus der Auswahl.
der Wettkämpfer, welche durch Ausſcheidungsturnen beſtimmt wurden.
hervor. So hat jetzt der Gau Heſſen (Provinz Oberheſſen einſchließlich
Marburg) ſeine Vertreter ermittelt und ſchickt nachfolgende 8 Turner
n den Kampf: Reuter und Schick (Tv. 1846 Gießen), Sinnwell
(Bad=Nauheim), Seht (Tv. Großen=Linden), Fink und Goetſch
(T. Spv. 1860 Marburg), Ahrens und Ebersbächer (Tade.
Mar=
burg), während Walter Fink (Z. Spv. 1860 Marburg) als Erſatzmann
vorgeſehen iſt. Unter ihnen ragen als bekannte Kunſtturner beſonders
er erſte Sieger vom deutſchen Turnfeſt in Köln, Reuter=Gießen,
die weiteren deutſchen Turnfeſtſieger Sinnwell. Fink und Seht
hervor. Mit Ausnahme von Reuter, der erſter Sieger auf dem
Kreis=
turnfeſt in Darmſtadt 1927 geweſen, ſind die übrigen drei
Kreisturnfeſt=
ſieger von 1930 in Hanau. Hier waren es Sinnwell und Fink, die unter
den erſten Siegern genannt wurden. Goetſch und Ahrens waren
eben=
falls Kreisfeſtſieger 1930. Ebersbächer und Schick ſind bisher weniger
bekannt geworden, aber dennoch ſcheinen ihre Leiſtungen anſprechend
zu ſein und gehören ſie auf alle Fälle zum jugendlichen Nachwuchs, der
ſich allmählich in den Vordergrund ſchieben möchte. Das
Durchſchnitts=
alter der Mannſchaft beträgt etwa 23 bis 24 Jahre, alſo eine Zahl, wie
ſie im allgemeinen heute bei Kunſtturnwettkämpfen feſtzuſtellen iſt.
Leichkathlekik.
Darmſtädter Leichtatbleten in Krefeld erfolgreich.
Der Sportverein Darmſtadt 1898 war am Sonntag auch auf dem
7. Internationalen Leichtathletikfeſt der Krefelder „Preußen” durch
Habich und Krauth vertreten. Ueber 3000 Meter wurde Habich im
Kampf mit dem franzöſiſchen Meiſter Cuignet=Paris und dem deutſchen
Rekordmann Kilp=Düſſeldorf Dritter. Der Franzoſe lief ein überragend
gutes Rennen und gewann in 8 Min. 58,6 Sek. ſicher vor Kilp, der in
9 Min. 03,8 Sek. vor Habich — 9 Min. 07,8 Sek. — Zweiter wurde. —
Im 1500=Meter=Lauf (Klaſſe 2) lief Krauth ein taktiſch gutes Rennen
und ging nach ſchönem Endkampf vor Mieſen=Düſſeldorf in 4,22
Mi=
nuten als Sieger durch das Ziel. — Im übrigen iſt noch zu ſagen, daß
dieſes 7. Nationale der „Preußen” vom Wetter nicht gerade begiinſtigt
war, und daß demzufolge „nur” etwa 5000 Zuſchauer den gut beſetzten
Kämpfen beiwohnten. Die neugebaute, ſchwere Bahn ließ nicht in allen
Wettbewerben gute Leiſtungen zu. Viel gefeiert wurde übrigens der
Sieg von Dr. Peltzer, der über 800 Meter in allerdings mäßiger Zeit
den Franzoſen Keller und den deutſchen Meiſter Fredy Müller nach
heftigem Endſpurt ſchlug.
Holland gewam in Houtet den Tennis=Länderkampf gegen Belgien
mit 14:8 Punkten und 54:25 Sätzen.
Frankreichs Waſſerball=Meiſterſchaft fiel mit einem 10:2=Sieg über
Cercle des Nageurs an die Enfants de Neptune Tourcoing.
Wetterbericht
Obwohl mit der kühlen Luft der hohe Druck ſich bis über Mittel=
und Süddeutſchland ausgebreitet hat und heute dadurch etwas
freund=
licheres Wetter herrſcht, ſo wird ſein Einfluß wieder ſehr raſch zur
Neige gehen. Neue Störungen nähern ſich dem Kontinent, von denen
eine heute morgen wieder über Irland lag und ihr Negengebiet bis
nach England und dem nördlichen Küſtengebiet von Frankreich erſtreckte.
Auch die Winde haben dort auf Süden bzw. Südweſten umgedreht und
Temperaturanſtieg gebracht. Bei uns dürfte, nachdem der hobe Druck
vorerſt noch etwas zur Geltung kommt, bereits im Laufe des morgigen
Tages wieder eine Wetterverſchlechterung ſich einſtellen.
Ausſichten für Mittwoch, den 17. September: Anfänglich neblig=wolkig
mit Aufheiterung, dann erneuter Uebergang zu ſtärkerer Bewölkung
mit Niederſchlägen, wärmer.
Ausſichten für Donerstag, den 18. September: Wechſelnde Bewölkung,
auch aufheiternd, weiterhin zeitweiſe Niederſchläge, Temperaturen
mehr ſchwankend.
Hauptſchriftlenung: Rudolf Maupe
Verantwortlich für Polttik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve; für Feuillevon, Reich und
Ausland und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe; für Sport: Karl Böhmann; für
den Handel: Dr. C. H. Queiſch; für den Schlußdienſt: T V. Karl Bohmann;
für „Die Gegenwart”, Tagesſplegel in Bild und Wort: Dr. Herberi Nette.
für, den Inſeratenteil und geſchäftliche Mitteilungen: Wills Kuble
Druck und Verlag: L. C. Wittſch — ſämtlich in Darmſtadt
Für unerlangte Manuſkripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernommen.
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Nummer 257
Vom Holzmarkt
ſchreibt uns unſer Mikarbeiter: Die Möbelhändler verſuchen ſeit kurzem
mit Erfolg die Tiſchlereien, mit denen ſie in Verbindung ſtehen, weiter
bei der Verabredung der neuen Verkaufspreiſe für Möbel aller Arten
im Hinblick auf den „Preisabbau” um weitere 5—10 v. H.
herabzu=
drücken. Die an und für ſich ruinöſen Preiſe werden dadurch noch mehr
heruntergewirtſchaftet, kein Tiſchler kann, wenn er leben und atmen
will, bei dieſen Preiſen beſtehen. So kommt es, daß täglich neue
Inſol=
venzen eintreten. Schließlich können nur noch diefenigen Betriebe
be=
ſtehen, in denen der Meiſter mit ſeinen Lehrlingen arbeitet, wenn der
Entwertsprozeß für Möbel ſich weiter fortſetzen ſollte. Die
bedauer=
liche Folge dieſer Tatſachen iſt die in der Tiſchlereiinduſtrie beſonders
ſchwere Arbeitsloſigkeit. So ſind z. B. in Groß=Berlin von etwa 24 000
organiſierten Holzfacharbeitern etwa 19 000 ohne Arbeit. Daß unter
dieſen Umſtänden das Geſchäft in Tiſchlermöbelhölzern vollkommen
ſtockt, iſt ganz ſelbſtverſtändlich. Am ſchlimmſten iſt, daß die
Platzholz=
händler unter der Konfunkturentwertung der Lagerbeſtände leiden. Sie
verlieren alſo nicht allein an den Inſolvenzen, ſondern auch an ihrer
zu teuer eingekauften Ware. Dagegen hat ſich der Preisſtand für
Bau=
hölzer wieder etwas gehoben. So z. B. ſind Balken nach Liſte unter
60 Mark frei Waggon Berlin (im Großhandel) nicht zu haben. Das
Angebot kann ſogar als knapp bezeichnet werden. Aus den Lägern der
verſchiedenen inſolvent gewordenen Firmen des Holzgewerbes werden
jetzt recht beträchtliche Beſtände in Laubhölzern, weniger in Kiefern,
angeboten. Die beteiligten Banken ſind bereit, die Waren zu den
Lom=
bardwerten fortzugeben. Der Holzmarkt gewinnt dadurch nicht an
Feſtigkeit. Aſtreine Seitenbretter wurden zu 75—78 Mark je
Kubik=
meter frei Grenze bei Bentſchen, deutſcherſeits unverzollt, in Partien
von 50—100 Kubikmetern gehandelt.
Aktienindex. Der vom Statiſtiſchen Reichsamt errechnete
Aktien=
index (1924—1926 — 100) ſtellt ſich für die Woche vom 8. bis 13.
Sep=
tember 1930 auf 105,0 gegenüber 104,5 in der Vorwoche, und zwar in
der Gruppe Bergbau und Schwerinduſtrie auf 101,7 (101,2), Gruppe
verarbeitende Induſtrie auf 93,4 (93,0) und Gruppe Handel und
Ver=
kehr 127.8 (127,2).
J. G. Farbeninduſtrie. Hinſichtlich der Lizenzabgabe für die
Aktien=
inhaber der von der Standard Oil Co. of New Jerſey und der J. G.
Farbeninduſtrie A.=G. gegründeten Hydro Patents Co. wird außer
einer allgemeinen Abgabe von 5 Cts. pro Barrel ein
Produktionszu=
ſchlag von 38 Cts. pro Barrel für Schweröle und von 5 Cts. für
Gaſo=
lin mit einem weiteren Zuſchlag für Antiknock=Gaſolin erhoben. Die
Standard Oil Co. of New Jerſey gab die Ergebniſſe ihrer am 7. Auguſt
in Payway (New Jerſey) eröffneten Fabrikanlage bekannt. Bei der
Hydrierung von Petroleum ſeien die Erwartungen noch übertroffen
wor=
den. Obwohl das Werk zunächſt nur auf Keroſin eingeſtellt geweſen ſei,
könne die Umſtellung auf andere Petroleumprodukte im Falle einer
Aenderung des Bedarfes jederzeit erfolgen.
Frankfurter Gas=Geſellſchaft, Frankfurt a. M. Die
Generalver=
ſammlung genehmigte ohne Ausſprache den Abſchluß 1929 mit einem
vorzutragenden Verluſte von 1,126 Mill. RM. Infolge Liquidation der
Geſellſchaft, die wegen der bevorſtehenden Umorganiſation und
Zuſam=
menfaſſung der Gasintereſſen im Frankfurter Stadtgebiet beabſichtigt
iſt, wird für Ende Oktober eine außerordentliche Generalverſammlung
angeſetzt werden, die die früher erwähnten diesbezüglichen Beſchlüſſe zu
faſſen hat. Vertreten waren 24,904 Mill. RM. von insgeſamt 25 Mill.
RM. Aktienkapital, wovon die Stadt Frankfurt a. M. 19,85 Mill. RM.,
die Stadt Offenbach 5,0 Mill. RM. anmeldeten. Die Option auf das
RWE=Paket von 10 Mill. RM. iſt nunmehr endgültig ausgeübt.
Die Kohlenproduktion in Hefſen. Die monatliche Statiſtik der
Koh=
lenproduktion des Volksſtaates Heſſen weiſt für den Monat Auguſt
1930 folgende Zahlen nach: An Rohbraunkohlen wurden gefördert
67 160 Tonnen, davon wurden verkauft 44 903 Tonnen; der größte Teil
der Rohkohlen wurde weiter verarbeitet, und zwar 50 717 Tonnen zu
Schwelereiprodukten. Aus den verſchwelten Kohlen wurden gewonnen:
3520,37 Tonnen Rohteer, 372,48 Tonnen Leichtöl, aus Schwelgaſen,
6944 Tonnen Koks, ohne die Schwelrückſtände des Meſſeler
Kohlen=
ſchiefers.
7 Mill. Doppelzentner Rußlandweizen nach England. Die ruſſiſche
Regierung beabſichtigt einem Bericht der „Daily Mail” zufolge, ca.
7 Mill. Doppelzentner Weizen im Laufe der diesjährigen Saiſon nach
England zu exportieren. Die ruſſiſche Regierung habe bereits Verträge
für die Charterung britiſcher Schiffe abgeſchloſſen, die bis zum 31. Juli
nächſten Jahres laufen.
Die Berliner Metalltermine vom 16. September ſtellten ſich
für Kupfer: Sept. 92.25 (92.50) Okt. 91.75 (92.25), Nov.
91.50 (92.25), Dez., Jan. und Febr. 91.50 (92), März bis Auguſt
91.50 (91.75). Tendenz: ſchwächer. Für Blei: Sept. 35.25
(35.75), Okt. 35 (35.75) Nov. und Dez. 35.50 (35.75), Jan. 35.25
(35.75), Febr., März, April und Mai 35.25 (35.50), Juni, Juli
und Auguſt 35.25 (35.75) Tendenz: ſtill. — Für Zink: Sept.
31 (32), Okt. 31 (32.50) Nov. und Dez. 31.50 (33) Jan. 32 (33)
Febr. 32.50 (33.25), März 32.75 (33.50), April 33 (33.75) Mai
33.25 (33.75) Juni 33.50 (34), Juli und Auguſt 33.75 (34.25).
Tendenz: luſtlos. — Die erſten Zahlen bedeuten Geld, die in
Klammern Brief.
Frankfurter Häuteauktion. Der Beſuch der geſtrigen Frankfurter
Häuteauktion war gut, der Verkauf flott. Es erzielten: Ochſenhäute
2—29 Pfd. 76½ Pfg., 30—49 Pfd. 66½—69, 50—59 Pfd. 62½—77,
60—79 Pfd. 69—79½, 80—99 Pfd. 69—77½, 100 u. m. 70—75½;
Rinder=
häute 20—29 Pfd. 78½, 30—39 Pfd. 78—843, 50—59 Pfd. 78½—89½
60—79 Pfd. 79½—88¾, 80—99 Pfd. 85; Ochſen= und Rinderhäute
er=
zielten gegen die letzte Notierung kleinere Aufſchläge. Kalbfelle o. K.
bis 9 Pfd. 1,37—1,52, ſchwarz 1,06—1,13, 9,1—15 Pfd. rot 1,20—1.29½,
ſchwarz 0,96—1,00½. Aufſchlag von 5—6 Prozent. Schaffelle o. K.
vollwollig 52½, Blößen, Lammfelle, Schuß unverkauft.
Berliner Produktenbericht vom 16. September. Am
Produkten=
markte iſt die Situation allgemein jetzt derartig angeſpannt, daß eine
Klärung hinſichtlich der künftigen Politik unbedingt notwendig erſcheint,
wenn das reguläre Geſchäft nicht gänzlich zum Erliegen kommen ſoll.
Für Weizen iſt eine gewiſſe Entſpannung jetzt ſchon dadurch eingetreten,
daß man geſtern mit den Stützungskäufen aufgehört hat, die amtliche
Notiz für prompt verladbaren märkiſchen Roggen wurde daraufhin
geſtern ausgeſetzt, am Lieferungsmarkt für Weizen blieben heute auch
Interventionskäufe aus, das Preisniveau erfuhr infolgedeſſen eine
Sen=
kung um 12 bis 13 Mark unter der zuletzt feſtgeſetzten Notiz, die noch
durch die Stützungsaktion beeinflußt war. Für Roggen wird die
Stützungsaktion noch aufrecht erhalten, geſtern wurde aber nur ein ſo
geringer Prozentſatz des Angebotes von Effektivware aufgenommen,
daß heute auch 4 bis 5 Mark unter Stützungspreiſen recht dringliches
umfangreiches Angebot vorliegt. Die Mühlen ſind dabei mit Roggen
nur ſehr knapp verſorgt, verſchiedentlich hört man auch ſchon von
Be=
triebskündigung mangels einer geeigneten Kalkulationsbaſis. Am
Liefe=
rungsmarkt wurden bei der erſten Notiz ungefähr 22 bis 23000 Tonnen
Roggen von der Stützungsſtelle aufgenommen, insbeſondere ſpätere
Sichten. Die Preiſe konnten aufrecht erhalten werden. Weizenmehl
trotz erheblicher Preisabſchläge faſt geſchäftslos, ebenſo ſtagniert das
Geſchäft in Roggenmehl nahezu gänzlich. Hafer und Gerſte wenig
ver=
ändert.
Mainzer Viehhofmarktbericht vom 16. September. Auftrieb: 27
Ochſen, 15 Bullen, 511 Kühe oder Färſen, 270 Kälber, 21 Ziegen, 1000
Schweine. Marktverlauf: Anfangs lebhaft, ſpäter abflauend, langſam
geräumt. Es wurden pro 50 Kilo Lebendgewicht folgende Preiſe in
NM. bezahlt: Ochſen 58—61, 45—50, Bullen 40—50, Kühe 45—50, 34—43.
25—33, 20—25, Färſen 51—61, Kälber 63—75, 56—62, Schweine 61—65,
66—68.
Rindermarkt in Gießen vom 16. September. Der heutige Gießene
Rindermarkt hatte einen Auftrieb von 1543 Stück Großvieh und 21 Käl
bern zu verzeichnen. Das Handelsgeſchäft verlief ſchleppend. Man be
zahlte für Kühe erſter Qualität 600—650 RM., zweiter Qualität 30
bis 500 RM., dritter Qualität 200—350 RM., Schlachtkühe 150—50
RM., halb= bis dreivierteljährige Rinder 100—250 RM., dreiviertel=
und zweijährige Rinder 20—400 RM., tragende Rinder 350—550 RM.
Kälber 55—65 Pfg. je Pfund Lebendgewicht. Für beſſere Tiere wurden
Preiſe über dieſer Notiz bezahlt.
Frankfurker und Berliner Effekkenbörſe.
Frankfurt a. M., 16. Sept.
An der heutigen Börſe konnte ſich eine ruhigere Betrachtung der
durch das Wahlergebnis geſchaffenen Lage durchſetzen. Zwar wurde im
Hinblick auf die Unklarheit über die innerpolitiſche Weiterentwicklung
weiterhin ſtärkſte Zurückhaltung geübt, doch befriedigte andererſeits, daß
von ſeiten des Auslandes bis jetzt größere Verkäufe in deutſchen Aktien
nicht vorgenommen worden ſein dürften und auch die ausländiſchen
Kreditgeber eine abwartende Haltung einnehmen. Trotzdem blieben
die ſchwachen Auslandsbörſen und namentlich die Kursrückgänge der
deutſchen Werte in New York und Amſterdam nicht ohne Einfluß. Die
erſten Kurſe lagen nicht einheitlich. Die geſtern beſonders ſtark
gedrück=
ten Werte waren überwiegend auf Deckungen etwas erholt. Erheblich
gebeſſert waren vor allem Kaliaktien. Weſteregeln lagen 7 Prozent,
Aſchersleben 6½ Prozent höher. J. G. Farben eröffneten 1½½ Prozent
erholt. Am Elektromarkt konnten Siemens 2 Prozent anziehen,
Schuckert plus 1½/s Prozent. Montanwerte lagen ſtill und überwiegend
behauptet, Rheinſtahl im Verlaufe 1 Prozent anziehend Bankaktien
eröffneten wenig verändert, nur Bayr. Hypothekenbank 1 Prozent höher,
aber Reichsbank 1½ Prozent abgeſchwächt. Am Markte der
Bauunter=
nehmungen waren Holzmann gehalten, Wayß u. Freytag dagegen 1½
Prozent niedriger. Schwächer lagen noch Zellſtoff Aſchaffenburg
(— 2 Prozent), Metallgeſellſchaft (— 1 Prozent), Süddeutſche Zucker
— 1 Prozent) und Deutſche Linoleum (— 2 Prozent). Auf Londoner
Angebot waren Spenska ſtark offeriert; der Kurs wurde 8 RM.
niedri=
ger taxiert. Deutſche Anleihen waren knapp behauptet. Von
Aus=
landsrenten Mexikaner etwas ſchwächer.
Nach den erſten Kurſen ſetzten ſich die Kurserholungen auf den
meiſten Märkten fort. J. G. Farben lagen erneut 1½ Prozent höher.
Später ging die Umſatztätigkeit auf ein Minimum zurück.
Interven=
tionen und weitere kleine Deckungskäufe bewirkten neue
Kursbeſſe=
rungen. Die Lage am Geldmarkt war kaum verändert. Tagesgeld
3 Prozent. Am Deviſenmarkt war der Markkurs etwas gebeſſert,
Madrid lag ſchwach. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1975, gegen
Pfunde 20,40. London=Kabel 4,8600, Paris 123,74, Mailand 92,80,
Madrid 45,40, Schweiz 25,05½, Holland 12,06¾.
Die Abendbörſe verlief bei etwas Geſchäft freundlich. Anregend
wirkten die Meldungen über die Pariſer Stickſtoffſitzung, wonach man
eine völlige Uebereinſtimmung ſowie eine normale Ausführung der
Vereinbarungen feſtgeſtellt habe. Die Kuliſſe ſchritt zu weiteren
Deckungen. Daneben beobachtete man einige Käufe von Großbankſeite.
Farben 1½ Prozent höher, desgleichen auch Siemens 1 Prozent,
Schuckert ¼ Prozent freundlicher. Am Montanmarkt Gelſenkirchen
etwas geſucht und auch die übrigen Montanwerte freundlich. Kaliwerte
ſtärker erhöht, Salzdetfurth 5 Prozent, Aſchersleben 3 Prozent
ge=
beſſert. Am Kunſtſeidenmarkt Aku 1 Prozent höher. Deutſche Renten
freundlich, ausländiſche Renten ſtiller. Im Verlaufe der Börſe blieb
die Stimmung durchaus freundlich. An der Nachbörſe nannte man
Farben 149.
Berlin, 16. Sept.
Der heutige Vormittagsverkehr zeigte zunächſt ein recht unſicheres
Ausſehen, da es für die Tendenz der Börſe von großer Wichtigkeit war,
wie der Ausgang der deutſchen Reichstagswahlen im Auslande beurteilt
wird und ob welche Dispoſitionsänderungen der deutſchen Wirtſchaft
gegenüber beabſichtigt werden. Geſtern konnten ſich ſolche Einflüſſe noch
nicht bemerkbar machen, da ſich erſt im Laufe des Tages ein Geſamtbild
ergab und man wohl auch die Preſſekommentare der in= und
auslän=
diſchen Zeitungen abwarten wollte. Heute ließ ſich bereits überſehen,
daß die befürchteten Kreditkündigungen im allgemeinen nicht erfolgt
ſind (im Gegenteil, es wurden aus der Schweiz und aus Amerika ſogar
billige Geldofferten akzeptiert), und daß die innerpolitiſche
Weiterent=
wicklung im Auslande beſonnener beurteilt wird als in Deutſchland.
Das zu den erſten Kurſen noch herauskommende nicht mehr
umfang=
reiche Material rührte denn auch zumeiſt aus Inlandskreiſen her, doch
traten zu den erſten Notierungen die vorbörslich vielfach befürchteten
kleinen Verluſte nicht ein, da bei den Banken etwas
Interventionsnei=
gung zu beſtehen ſchien. Es ergab ſich anfangs kein ganz einheitliches
Bild, doch überwogen 1—2prozentige Beſſerungen. Im Verlaufe wurde
es allgemein lebhafter und feſter. Unter Deckungen der Spekulation,
die als Folge des Eingreifens der Großbanken vorgenommen wurden,
ſetzten ſich Befeſtigungen um 1 bis 2 Prozent durch. Farben=, Elektro=
und Schiffahrtswerte ſowie einige Banken lagen in Führung.
Sonder=
bewegungen hatten Kaliwerte und Deutſch=Atlanten. Anleihen
unver=
ändert.
Amerikaniſche Kabelnachrichten.
Es notierten nach Meldungen aus Chicago am 16. Sept.:
Getreide. Weizen: Sept. 82.50, Dez. 87.25, März 90½, Mai
93½; Mais: Sept. 91½, Dez. 87½, März 88, Mai 89.25; Hafer:
Sept. 37½, Dez. 40¾, März 42½, Mai 44.25; Roggen: Sept. 59.50,
Dez. 59½, März 64, Mai 66.
Schmalz: Sept. 10.57½, Okt. 11.50, Dez. 11.20, Jan. 11.07½.
Speck, loko 14.50.
Schweine: leichte 10.25—10.90, ſchwere 10.15—11.00;
Schwei=
nezufuhren: Chicago 22 000, im Weſten 83 000.
Baumwolle: Okt. 11.10, Dez. 11.24.
Es notierten nach Meldungen aus NewYork am 16. Sept.;
Schmalz: Prima Weſtern 12.30; Talg, extra, loſe 5.25.
Getreide. Weizen: Rotwinter, neue Ernte 101.50, Hartwinter,
neue Ernte 92; Mais, loko New York 104½; Mehl, ſpring wheat
clears 4.60—4.90; Fracht: nach England 1,6—2,3 Schilling, nach
dem Kontinent 8—9 Cents.
Kakao. Tendenz: ſtetig; Umſätze: 71; Loko: 6.25; Sept. 5.90,
Okt. 5.99, Dez. 6.20, Jan. 6.32, März 6.52, Mai 6.76, Juni 6.92.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Die Generalverſammlungen der Oſtwerke A.=G. und der
Schult=
heiß=Patzenhofer A.=G. in Berlin beſchloſſen die Fuſion beider
Geſell=
ſchaften und die Kapitalerhöhung der Schultheiß=Patzenhofer A.=G. auf
90 Mill. RM.
Die Generalverſammlung der Hamburgiſchen Südſee A.=G.,
Ham=
burg, genehmigte den Abſchluß mit 2,57 Mill. RM. Verluſt und
be=
ſchloß Liquidation.
Wie der Arbeitgeberverband der oberſchleſiſchen Montaninduſtrie
mitteilt, ſind die Lohntarife im Kohlenbergbau und Erzbergbau für
den 31. Oktober gekündigt worden.
Der Magiſtrat der Stadt Frankfurt beſchloß, der Erhöhung des
Aktienkapitals der Helerhof A.=G., an der die Stadt Frankfurt und
die Philipp Holzmann A.=G. maßgebend beteiligt ſind, von 540 000 RM.
auf 800 000 RM. zuzuſtimmen und die Hälfte der neuen Aktien zu pari
zu übernehmen. Die Helerhof A.=G. beginnt jetzt mit der Errichtung
von 396 Kleinwohnungen unter Vorwegnahme des
Wohnungsbaupro=
gramms für 1931.
Die Rheinmühlenwerke Mannheim ſchließt mit einem
Fabrikations=
überſchuß von 1,77 (1,8) Mill. RM. Nach Abzug von 1,45 (1,50) Mill.
RM. Unkoſten ſowie 0,158 (0,153) Mill. RM. Abſchreibungen
verbleibt=
einſchließlich Vortrag ein Reingewinn von 0,193 (0,185) RM., woraus
wieder 6 Prozent Dividende zur Verteilung vorgeſchlagen werden.
Der Aufſichtsrat der Großkraftwerk Mannheim A.=G. beſchloß, der
Generalverſammlung die Verteilung einer Dividende von wieder 7
Pro=
zent auf 6 Mill. RM. Aktienkapital vorzuſchlagen.
Kommerzienrat Beit von Speher begeht am 22. September das
Feſt ſeines 70. Geburtstages. Er iſt in Hamburg als Sohn des
Grün=
ders der Norddeutſchen Affinerie geboren und trat 1892 in das
Bank=
haus Lazard=Speyer=Elliſſen ein, wo er am 1. Januar 1893 Prokura
erhielt und deſſen Teilhaber er am 1. 7. 1896 wurde. Bei der
Um=
wandlung der Firma in eine Kommandit=Geſellſchaft auf Aktien im
Jahre 1928 wurde er Vorſitzender des Aufſichtsrates.
Die Süddeutſche Mühlenkonvention hat den Preis für Weizenmehl
Spezial 0 mit Wirkung ab heute um 50 Pfg. ermäßigt, ſo daß er ſich
jetzt auf 40.50 RM. ſtellt.
Durch freundſchaftliches Uebereinkommen der Brauerei Jakob Schott
in Rheinzabern und der Silbernagel=Brauerei A.=G. in Bellheim
wurde die Verſchmelzung der beiden Brauereibetriebe durchgeführt. Nach
erfolgter Fuſion wird wahrſcheinlich der Rheinzaberner Betrieb
ſtill=
gelegt werden.
Die Haueiſen u. Cie. A.=G. (Mercedes=Schuhe) in Cannſtatt=
Stutt=
gart hat durch die Ungunſt der wirtſchaftlichen Verhältniſſe Verluſte.
erlitten, die zu einer Zuſammenlegung des Aktienkapitals von 5,5 Mill.
RM. zwingen. Um das alte hochangeſehene Unternehmen für die
Zukunft zu ſichern, tritt die Salamander A.=G. in Haueiſen u. Cie.
A.=G. Jedoch bleiben Herſtellung und Vertrieb der Marken
Salaman=
der und Mercedes auch künftighin getrennt.
Auf der Herbſt=Wollauktion in Ulm am 30. September werden ca.
4000 Zentner Wolle (Rückenwäſche und Schweißwolle) ausgeboten.
Berliner Kursbericht
vom16. September 1930
Deviſenmarkt
vom 16. September 1930
Me He
Danatbank
Deutſche Bant u. 1
Disconto=Geſ.
Dresdner Bank 121.50
Hapag
Hanſa Dampfſch.
Nordd. Lloyd
A. E. G.
Bahr. Motorenw.
J. P. Bemberg
Bergmann Elektr.
Berl. Maſch.=Bau
Conti=Gummi
Deutſche Cont. Gas 128.75
Deutſche Erdöl
140.—
176.50
120.50
88.875
128.125
88.125
134.—
55.125
7.75
163.—
N—
139.75
0.75
Elektr. Lieferung
J. G. Farben
Gelſ. Bergw.
Geſ. f.elektr. Untern.
Harpener Bergbau
Hoeſch Eiſen
Phil. Holzmann
Kali Aſchersleben
Klöcknerwerke
Köln=Neueſſ. Bgw
Mannesm. Röhr.
Maſch.=Bau=Untn
Nordd. Wolle
Oberſchleſ. Koksw.
Orenſtein & Koppel
Mee
146.50
106.875
137.875
97.25
84.50
79.75
199.—
80.125
85.—
81.25
39.50
63.375
82.50
56.—
Polyphonwerke
Rütgerswerke
Salzdetfurth Kali
Leonh. Tietz
Verein. Glanzſtof
Verein. Stahlwerke
Weſteregeln Alkali
Agsb.=Nrnb. Maſch
Baſalt Linz
Berl. Karlsr. Ind.
Hirſch Kupfer
Hohenlohe=Werte
Lindes Eismaſch.
Herm. Poege
VogelTelegr. Draht
Wanderer=Werke
17.
54.75
312.50
130.50
119.50
75.875
201.50
69.25
32.75
56.—
60.—
152.—
14.25
73.75
38.—
Helſingfors
Wien
Prag
Budapeſt
Sofia
Holland
Oslo
Kopenhagen
Stockholm
London
Buenos=Aires
New Yort
Belgien
Italien
Paris
Mie
00 finn. Mk
00 Schillin
00 Tſch. Kr.
00 Pengo
00 Leva
100 Gulden
100 Kronen
100 Kronen
100 Kronen
1 2=Stg.
1 Pap. Pe
1 Dollar
100 Belga
100 Lire
100 Francs
Geld
59.225
2.443
73.41
3.037
168.85/169.1
112.17
112.231112.4
12.6:
20.38
1.523
4.1930
58.445
21.965
16.465/ 16.505
Rie
10.552/ 10.572
59.345
12.463
73.55
3.042
112.3
112.85
20.42
1.52
4.201
58.56
22.00
Schweiz
Spanien
Danzig
Japan
Rio de Janeiro
Jugoſlawien /100 Dina
Portugal
Athen
Iſtambul 1 türk. 2
Kairo
Kanada
Uruguatz 1 Goldpeſo
Jsland
Tallinn (Eſtl.)/100 eſtl. Kr.
Riga
iomalbant, Koutmänongefeerchaft
Frankfurter Kursbericht vom 16. Sepiember 1930.
78 Dtſchſeichsan!
6%
6% Baden......"
8% Bayern.....
6%
..."
8% Heſſen v. 2‟
v. 29
88 Preuß. Staat
8½ Sachſen ...
6% Sachſen...
7½ Thüringen".
Diſche. Anl. Auslo‟
ſungsſch. +4/=
Ab=
löſungsanl. . . . .
Dtſche. Anl.
Abſö=
ungsſch. (Neub.
Dtſche.
Schutzge=
bietsanleihe ..
8% Baden=Baden.
6% Berlin ......"
8% Darmſtadt v. 26
89
v. 28
70 Dresden ....
8% Frankfurt a. M.
Schätze. . .v. 29
7% Frankfurt v. 26
6
v. 24
8% Mainz......"
8% Mannheim v. 26
v. 27
8% München
8% Nürnbera
8% Wiesbaden
8% beſſ. Landesbk.
Goldpfbr.. . . .
Goldpfbr.
8% Goldoblig.
4½% Heſſ. Lds.,
Hhp.=Bk.=Licid.
4:/.% „Kom.=Obl.
8% Preuß. Lbs.
pfbr.=Anſt. G. P
Goldoblig.
Mst
87.75
80
85.25
88.5
94
100
100.5
82.25
85.75
61
7.5
0
89
84
98.25
78.75
93.5
96.5
92
100
96
96
87
76.5
102
98
% Landeskomm.=
Bk. Girozentr. für
Heſſen .Goldobl
8%Kaſſeler Land.
fredit Goldpfbr.
825 Naſſ. Landesbk.
4½% Liqu. Obl.
Dt. Komm.
Sam=
mel=Ablöſ.=Anl.
FAusl. Ser.
FAusl. Ser. II
Dt. Komm. Samm.=
Abl. (Neubeſitz).
8% Berl. Hyp.=B1
% „Liqu.=Pfbr
8% Frkf. Hyp.=Bk.
4½%0 Lig. Pfbr.
Pfbr.=Bk
% „Lig. Pfrb..
6 Mein. Hyp.=B
4½% „Lig. Pfbr.
8% Pfälz.Hyp.=Bk
41
„ Lig. Pfbr.
8% Preuß.
Boden=
cred.=Bank ....
4½%„Lig. Pfbr.
%⁄₈ Preuß. Centrl.=
Bodencr.=Bank
4½% „ Lig. Pfbr.
o Rhein. Hyp.Bk.
4½% „Lig. Pfbr..
% Rhein.=Weſtf.=
Bd.=Credit .. . .
8% Südd. Bod.=
Cred.=Ban1 ....
4½% n Lig. Pfbr
3% Württ. Hyp.=B.
6% Daimler=Benz
Dt. Linol. Werke
98.5 8% Klöckner=Werke
7% Mainkrw. v. 26.
99.8
7%6 Mitteld. Stahl.
85 8% Salzmann u. Co.
7% Ver. Stahlwerte
85.75 8% VoigtckHäffne
J. 6. FarbenBond=
60.1
74.5
99
97.25
87.25
102
96.5
86‟
102
94PI=
88.25
101.5
97.25
88.25
102
90
101.75
89
1oz
101.5
96
89.25
100
100
96.25
88
70.5
5% Bosn. L. E.B.
L. Inveſt.
4½% Oſt. Schätze
49 Oſt. Goldrente
5%vereinh. Rumän
4½%
46
4% Türk. Admin.
1. Bagdad
Zollanl.
4½%0 Ungarn 1913
41
1914
4
Goldr.
1910
Aktien
Mig. Kunſtziide Unie
A. E. G........."
AndregeNoris Zahn
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158
164.5
27.8
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154.5
140
10-.
139
67.25
130.5
88
105
181
182
Nummer 257
Dnr sarmiste
Misliensr.
Roman von Hearnden Balfour.
P6)
Nachdruck verboten.
„Was denkt denn unſer Freund Strickland darüber?”
Oh, er bildet ſich ein, daß Bill ſich mit irgendjemand in
Amerika verfeindet hätte, daß jener Kerl ihn nach Europa ver=
Folgt habe und Bill vor dem Rächer entflöhe. Eine ganz wilde
Idee! Ich glaube nicht, daß Bill auf der ganzen Welt
irgend=
einen Feind hat. Dieſe Leute in Scotland Yard ſind rein
ver=
rückt mit ihren „ſenſationellen Enthüllungen”. Warum in aller
Welt können ſie Bill nicht nach Belieben allein verreiſen laſſen,
whne ein ſolches Geſchrei zu machen? Nun, was mich betrifft,
5o werde ich mich damit begnügen, ſeine Geſchäfte zu führen, bis
er wiederkommt.”
„Und was ſagt Strickland zu dieſer ungemein verſtändigen
AAuffaſſung?”
„Er meint, die wenigen Beweiſe, die ſie bis jetzt hätten,
nrügen nicht zur Beſtätigung meiner Theorie bei. Was für
Be=
wveiſe das ſind, hab’ ich nicht erfahren können.”
„Dieſe Polizeibeamten ſchwelgen in Rätſeln”, ſagte Fair=
Heigh, indem er aufſtand.
Als ſie den Saal verließen, blieb Jim plötzlich ſtehen.
„Fehlt hier nicht ein Bild?” fragte er und deutete auf eine
Teere Stelle zwiſchen der Tür und dem Fenſter.
„Jawohl, ein Porträt meines verſtorbenen Onkels von
Millais. Ich habe es zum Reinigen wegſchicken müſſen.”
„Dürfte ich mir vielleicht mal die alte Burg anſehen?”
fſagte Jim, als ſie durch die Halle gingen. „Ich bin ſeit meiner
Kindheit nicht wieder dageweſen und fand ſie damals ſo
in=
tereſſant.”
„Aber gewiß!” erwiderte Fairleigh bereitwillig. „Wenn
es Ihnen recht iſt, komme ich ſelbſt mit. Oder möchten Sie dort
Tieber allein auf Entdeckungen ausgehen?"
Jim ſagte ſich ſofort, daß er nicht antworten konnte, er
mnöchte lieber allein hingehen, und ſo machten ſie ſich auf den
Weg. Fairleigh erwies ſich als höchſt liebenswürdiger und
fintereſſanter Führer, und die alte Burg erregte Jims ehrliche
BBewunderung. Nach der Landſeite zu war ſie durch einen jetzt
trocken gelegten Graben begrenzt, und an Stelle der
Zug=
brücke überſpannte ihn ein Steindeich. Der große Wartturm
war noch erhalten, und als ſie durchs Tor gingen, gewahrte
-Jim oben die Spitzen des ſchweren Fallgatters.
„Das funktioniert wohl nicht mehr?” fragte er.
„Oh, doch, es macht mir ein kindliches Vergnügen, es in
sOrdnung zu halten”, lachte Fairleigh. „Ich habe eine
Vor=
lliebe für ſolche alte Bauten. Zu beiden Seiten liegen
Wach=
fſtuben — das einzige außer den Burgverlieſen, das noch
er=
ſhalten iſt.
Hinter dem Wartturm lag ein großer Hof, der auf drei
Seiten von maſſiven, ſehr hohen und etwa vier Fuß dicken
MMauern umgeben und an der vierten Seite durch die ununter=
Wbrochene Felſenwand geſchützt war. Jim trat an den Rand
Theran und blickte hinab. Der Felſen fiel wohl vierzig Meter
tſteil wie eine Hauswand ab, und an ſeinem Fuß brachen ſich
Ddie Méerenwellen. Die Mauern reichten auf beiden Seiten bis
an ſeinen äußerſten Rand heran, ſo daß man nur durch den
Wartturm in den Hof hineingelangen konnte. Und Fairleigh
Thatte das Fallgatter inſtandſetzen laſſen!
Mitten im Hof befand ſich ein Brunnen, der von einer
Mauer eingefaßt war. Als Jim herantrat und in die Tiefe
(hinabblickte, vernahm er ein ſchwaches Plätſchern und
Schwappen.
„Iſt das die See?” fragte er.
Mittwoch, den 17. September 1930
Fatrleigh nickte.
„Die See hat die ganze Küſte ausgehöhlt, bis ſie zu einer
wahren Honigwabe geworden iſt”, ſagte er. „Die Höhlen ſind
ſtellenweiſe bis zu vierzig Meter tief. Der Boden dieſes
Brun=
nens iſt z. B. vollkommen geſprengt. Bei ſtarkem Sturm
ſpritzt das Waſſer hier oben heraus, obwohl Sie’s kaum
glau=
ben würden, wenn Sie einen Stein hineinfallen ließen.”
„Schade”, verſetzte Jim. „Ich wollte, es wäre noch ein
Brunnen.”
Fairleigh lächelte. „Sie werden vielleicht die Treppe
hin=
aufſteigen und auf der Mauer herumgehen wollen”, ſagte er.
„Ich bin über die Jahre hinaus, in denen ſo etwas Spaß
macht, und werde hier auf Sie warten.”
Jim befolgte den Vorſchlag und wanderte von einem
Klip=
penende zum anderen. Nirgends eine Möglichkeit, die Mauer
von außen her zu erſteigen! Nachdenklich ſtieg er wieder nach
dem Hof hinunter, worauf Fairleigh ihn geduldig fragte, ob
es ihm auch Freude machen würde, die Burgverlieſe zu ſehen,
woran junge Leute oft Vergnügen fänden.
„Darin mache ich keine Ausnahme”, lachte Jim.
Fairleigh holte mit beluſtigter Miene eine elektriſche
Taſchenlampe hervor, bei deren Schein ſie die ſchmalen Treppen
hinabſtiegen. Unten waren drei Kerker. Der erſte und größte
empfing ſein Licht nur durch einen Schlitz in der Mauer, aus
dem man nicht hinausſehen konnte, aber man hörte das
Klat=
ſchen der Wellen und begriff, daß die eine Wand aus dem
ab=
ſtürzenden Felſen beſtand.
„Hier gab’s nicht viel Ausſicht, entfliehen zu können”
be=
merkte Fairleigh. „Zumal wenn man an dieſen Ningen
an=
gekettet war."
Jim betrachtete die ſchweren eiſernen Ringe. „Hier iſt
Walter Doone gewiß angekettet geweſen”, ſagte er.
„Mag ſein, aber nicht lange. Er wurde ja aufgehängt”,
erwiderte Fairleigh.
Das zweite Verlies war kleiner und beſtand aus zwei
in=
einander übergehenden Räumen, von denen einer ein ſteinernes
Lager aufwies. „Hier wurden perſönliche Feinde des
Schloß=
herrn und politiſche Gefangene untergebracht”, erläuterte
Fair=
leigh. „Und jene Stufen am Ende des Ganges führen zu dem
dritten und letzten. Nehmen Sie die Lampe mit und ſehen Sie
ſich vor, wenn Sie hinuntergehen wollen.”
Vorſichtig ſtieg Jim hinab, indem er die Lampe vor ſich
her trug. Er ſah mit leiſem Schaudern, daß dieſe Treppe mit
einer ſchweren Eichenholztür verſehen war. Wenn Fairleigh
ſie nun zuſchlüge? Eine Sekunde zauderte er, bevor er
weiter=
ging. Unten hob er die Taſchenlampe empor und ließ Lichtkegel
rundum ſpielen. Jetzt ſah er, weshalb Fairleigh ihn gewarnt
hatte. Mitten in dem kreisrunden Raum gähnte ein großes
rundes Loch, das beim Hineinſehen bodenlos zu ſein ſchien.
Ein kleiner Stein, den er hineinwarf, rikoſchettierte an den
Wänden, und dann klatſchte es unten nach einer ganzen Weile
dumpf auf.
Voller Grauen kehrte Jim nach oben zurück. „Das
Mittel=
alter muß eine unbehagliche Zeit geweſen ſein”, ſagte er zu
Fairleigh. „Laſſen Sie uns raſch ins Freie zurückkehren!“
Fairleigh lachte leiſe, und Jims gereizten Nerven kam es
vor, wie ein teufliſches Kichern. Er begrüßte den hellen
Sonnen=
ſchein mit einem Seufzer der Erleichterung.
Draußen verlor ſich ſein Unbehagen raſch. Fairleigh war
gelaſſen und liebenswürdig wie immer, und Jim ſchalt ſich
einen Narren. Deſſenungeachtet gab ihm die ſchwere
Bohlen=
tür und das wiederhergeſtellte Gatter immer noch zu denken.
Als ſie nach Hauſe kamen und Jim ſich verabſchieden wollte,
überraſchte ihn Fairleigh, indem er ihn bat, noch einen
Augen=
blick mit in ſein Studierzimmer zu kommen, da er ihm gern
noch etwas ſagen möchte.
Jim folgte ihm verwundert, und ſobald Fairleigh die Tür
geſchloſſen hatte, fragte er ohne weiteres „Jim, lieben Sie meine
Tochter?”
Seite 11
Das kam fo plötzlich, daß Jim voller Zorn fühlte, wie ihm
das Blut ins Geſicht ſchoß.
„Jawohl, Sir”, erwiderte er, nachdem er ſeine Faſſung
zurückgewonnen hatte. „Aber ich begreife nicht, wie Sie das
erraten haben."
„Haben Sie ſchon etwas zu Judy geſagt?”
„errr — allerdings. Ich dachte —
„Und ſie hat natürlich ja geſagt. Solche athletiſche, etwas
hohlköpfige junge Männer ſagen den modernen jungen
Mäd=
chen ja nun einmal zu. Warum ließen Sie mich in Unkenntnis?”
„Weil ich Ihre Einwilligung erſt erbitten wollte, wenn ich
mir eine feſte Stellung mit hinreichendem Gehalt erworben
hatte.”
„Hm! Ein lobenswerter Grund. Es fiel Ihnen wohl nicht
ein, daß ich Ihnen dazu behilflich ſein könnte?"
Jim blickte ihn groß an.
„Nehmen Sie Platz und laſſen Sie uns vernünftig
ſpre=
chen”, ſagte Fairleigh. „Wie Sie wiſſen, iſt Judy mein
ein=
ziges Kind und deshalb meine Univerſalerbin. Darum iſt Geld
das einzige, was ihr zukünftiger Gatte nicht zu beſitzen braucht.
Es genügt, wenn er aus gutem Hauſe und geſund an Leib
und Seele iſt und verſteht, ſie glücklich zu machen. Dieſe
Be=
dingungen erfüllen Sie meines Erachtens. Aber mein
Schwie=
gerſohn muß noch eine Fähigkeit beſitzen: nämlich Luſt und
Fähigkeit zu angeſtrengter Arbeit. Sie werden es mir
hoffent=
lich nicht verübeln, wenn ich ſage, daß Sie bis jetzt noch keine
Beweiſe für dieſe Fähigkeit geliefert haben. Aber ich bin
be=
reit, Sie zu erproben. Mein Sekretär hat mich verlaſſen. Ich
biete Ihnen ſeine Stellung an. Es iſt erforderlich, daß Judys
Gatte über die Adminiſtration von Coombe Beſcheid weiß.
Wenn Sie auf den Vorſchlag eingehen und ſich nach ſechs
Mo=
naten als tüchtig und arbeitſam erwieſen haben, werde ich Ihrer
Heirat nicht entgegenſtehen.”
Jim war ſprachlos. Was zum Teufel bedeutete dies? Was
bezweckte Fairleigh damit?
„Nun?” fragte ſein Wirt in etwas ſcharfem Ton, als Jim
zögerte.
„Es iſt furchtbar freundlich von Ihnen, Lord Fairleigh,”
ſtammelte Jim. „Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken ſoll.”
„Sie gehen alſo auf meinen Vorſchlag ein?”
„Ich müßte ja ein Narr ſein, wenn ich’s nicht täte!”
„Da haben Sie recht. Ich werde Ihnen alſo wie Ihrem
Vorgänger fünfhundert Pfund Jahresgehalt zahlen. Aber unter
der Bedingung, daß Sie die Stellung gleich antreten.”
Jim zauderte. „Ich habe verſprochen, das Weihnachtsfeſt
bei meinen Verwandten zu verleben”, ſagte er, „und gerade jetzt
— ich muß mich doch um Jonas und Bills Haus kümmern.”
„Ich gebe Ihnen Zeit bis nach dem Feſt”, entgegnete
Fair=
leigh, „und bis auf weiteres können Sie den Neger hierher
mitbringen. Das Haus können Sie einfach zuſchließen. Wenn
Sie auf mein Angebot eingehen, müſſen Sie die Stellung am
27. antreten. Ich bin ſchon ſeit vierzehn Tagen ohne Sekretär,
und das geht ſo nicht länger. Die Entſcheidung liegt bei Ihnen,
aber ich werde mein Angebot nicht wiederholen, merken Sie ſich
das. Und nun leben Sie einſtweilen wohl!”
„Adieu, Sir, und tauſend Dank”, ſagte Jim mechaniſch.
Er war noch wie betäubt, als er das Haus verließ, aber
eins war ihm klar: er mußte irgendeinen Schnitzer gemacht
haben, der Fairleighs Verdacht erregt hatte, denn natürlich
wollte dieſer ihn nur unter Augen haben und ſeine
Unter=
nehmungen behindern. Seine — und die des braven alten
Jonas! Mein Gott, war er eigentlich im Begriff,
gerades=
wegs in eine Falle hineinzuſpazieren und Jonas
mitzu=
nehmen?
Wenn er im Schloß wohnte, würde es ſicherlich nicht leicht
ſein, mit Jack in Verbindung zu bleiben. Andererſeits würde
er Molly zur Seite haben. Das war ein tröſtlicher Gedanke. Eins
ſtand feſt, entweder war Fairleigh ein unerhört kühner Spieler,
oder er hatte Bill ſo ſicher verſteckt, daß er nichts fürchtete.
(Fortſetzung folgt.)
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Seite 12
Mittwoch, den 17. September 1930
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des Kreisamts Darmſtadt und den
Bekanntmachungen des Polizeiamts
Darmſtadt.
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Chriſtl. Ehen beider/1 ſilbernes Kettenarmband, 1 rote
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mann. Anmeld, daſ. Wir machen wiederholt darauf
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Fundgegen=
ſtände vorhanden ſind, die in früheren
Bekanntmachungen verzeichnet ſind.
In=
tereſſenten können die Fundgegenſtände
Schuldl. geſch. Frau, während der Büroſtunden auf Zimmer
Nr. 36 beſichtigen.
Milchlieferung für die
Kinderſpeiſung 1930.
Die Lieferung der Milch für die
Kin=
derſpeiſung ſoll für die Zeit vom 13. Ok=
Franlein, 29 J.ſtober 1930 bis zu den Oſterferien 1931
ſucht Bekanntſch. m. auf dem Wege der Verdingung vergeben
werden. Es können Angebote auf un=
Witwer nicht aus= gekochte, loſe zu lieſernde Milch und auf
unter V. 50 an die tiefgekühlte Milch in Flaſchen zu //. Lit.
Geſchäftsſtelle. (* gemacht werden. Die in dem Angebot
anzuerkennenden Lieferungsbedingungen
liegen am Donnerstag, Freitag u. Sams=
Eberſtadt=V., Alte tag, den 18., 19. und 20. Septemb. 1930,
auf Zimmer 73 des Amtsgebäudes,
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graf=Philipp=Anlage 13, vorm. zwiſchen
Woog, 15. Sept. 1930,18 und 12 Uhr, auf. Dort ſind auch die
Waſſerhöhe 3,70 m Angebote alsbald in verſchloſſenem Um=
Waſſerwärme vor ſchlag mit entſprechender Aufſchrift
ab=
mittags 7 Uhr 170 4. zugeben. Nach dem 25. Oktober 1930,
Woogs=Polizei=Wache vormittags 12 Uhr, einlaufende
An=
gebote können nicht mehr berückſichtigt
werden. Die Auswahl unter den
An=
bietenden und die Vergebung bleibt dem
Grdl. Klavierunterr. Herrn Oberbürgermeiſter vorbehalten.
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1930, nachmittags 2:/= Uhr, verſteigere
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iſenſtraße 32 zwangsweiſe meiſtbietend
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gegen Barzahlung:
1 Meſſingbeittſtelle, 3 Kinderbettſtellen,
3 eiſerne Bettſtellen mit Rahmen, eine
Partie Steppdecken, Bettücher,
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bezüge, Kinderbettwäſche, Bettkoltern,
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Verſteigerung beſtimmt.
Anſchließend: 2 Klaviere, 1
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Regulator, 7. Spazierſtöcke, 7 Bände
Meyers Lexikon, 15 Perlenketten, ein
Bild ſowie Möbel aller Art.
Darmſtadt, den 16. Sept. 1930.
Weinheimer,
Gerichtsvollzieher.