Einzelnummer 1.5 Pfennige
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Nummer 240
Sonntag, den 31. Auguſt 1930.
193. Jahrgang
A mm bite Zelle im Kreiſe Darmſtadt 25 Reichspis
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Kädter und Nationalbant.
Miielt i Pahkainp
Die Miniſter im Wahlkampf. — Reichsaußenminiſter Dr. Curkius erleidet in Baden=Baden einen
Schwächeanfall. — Miniſter Treviranus ſtellk einen Rede=Rekord auf.
Große Redeſchlachken
in den nächſten 14 Tagen.
Baden=Baden, 30. Auguſt,
Reichsaußenminiſter Dr. Curtius iſt, während
er in einer überfüllten Verſammlung in Baden=Baden ſprach,
infolge von Ueberanſtrengung in den letzten Tagen unpäßlich
geworden und konnte die Rede nicht zu Ende führen. Der
Miniſter unterbrach ſeinen Aufenthalt in Baden
und kehrte nach Berlin zurück.
* Der Schwächeanfall, den der Reichsaußenminiſter Dr.
Curtius bei ſeiner Rede in Baden=Baden erlitten hat, ſtellt ſich
zum Glück als nicht ſehr bedenklich heraus, wie es zunächſt den
Anſchein hatte. Dr. Curtius iſt am Samstag abend wieder in
Berlin eingetroffen und die Aerzte hoffen, ihn nach einigen
Tagen der Ruhe wieder vollkommen hergeſtellt zu ſehen. Der
Fall weiſt aber auf die ſtarken könperlichen Anſtrengungen hin,
denen die Miniſter in den beiden Wochen vor dem Wahlkampf
ausgeſetzt ſind. Uns liegt eine Rednerliſte vor, die auf
Voll=
ſtändlichkeit vermutlich keinen Anſpruch erhebt, aus ihr ergibt ſich
aber immerhin, daß in den letzten 14 Tagen vor der Wahl Herr
Dr. Bredt und der Finanzminiſter Dr. Dietrich mit nur je neun
Reden verhältnismäßig wenig ſprechen. Der Reichskanzler hat
nicht weniger als 13 Reden vor ſich, der
Reichsernährungs=
miniſter Schiele bringt es ſogar auf 15 und Herr Treviranus
auf insgeſamt 24. Dieſen Rekord ſchafft er nur dädurch, daß er
an einzelnen Tagen dreimal ſpricht in verſchiedenen Städten,
und zwar morgens, nachmittags und abends.
Reichskanzler 2r. Brüning in Frankfurk A. M.
Frankfurt a. M., 30. Auguſt.
Reichskanzler Dr. Brüning iſt von München nach.
Frankfurt a. M. abgereiſt, wo er am Samstag abend
ein=
traf und in einer Wählerverſammlung der Deutſchen
Zentrums=
partei, Ortsgruppe Frankfurt a. M., das Referat hielt. Der
Kanz=
ler, der von der Verſammlung mit ſtürmiſchem Beifall begrüßt
wurde, wies im Verlauf ſeiner Ausführungen beſonders darauf
hin, daß die Reichsregierung ihre Reformarbeit auch während der
Wahlvorbereitungen fortgeſetzt hätte. Dieſe Reformarbeiten, die
im einzelnen nach den Richtlinien des Kabinetts jetzt von den
Reſſorts durchgeführt werden, wären die Feſtlegung und die
Fort=
ſetzung des Programms, das die Reichsregierung ſich bereits im
April vorigen Jahres vorgenommen habe. Es gelte, unter allen
Umſtänden dafür zu ſorgen, daß eine klare
Verantwort=
lichkeit in der Finanzpolitik in Reich, Ländern
und Gemeinden geſchaffen würde im Zuſammenhang mit der
Notwendigkeit, in gemeinſamer Arbeit mit den
Län=
dern erhebliche Erſparniſſe durch
Verwaltungs=
reformen durchzuführen. Die Politik der vergangenen Jahre
habe darunter gelitten, daß namentlich in Finanzfragen eine
ziel=
ſichere Linie wegen dauernd wechſelnder Koalitionen nicht habe
durchgehalten werden können und weil das Syſtem des
Finanz=
ausgleichs der Wählerſchaft ſelbſt keine Klarheit darüber hätte zu
ſchaffen vermögen, von welchen Körperſchaften Fehler gemacht
würden. Finanzpolitik ohne Berückſichtigung der geſamten
Wirt=
ſchafts= und Sozialpolitik ſei unmöglich. Das Ziel der
Reichs=
regierung ſei es, auf lange Sicht eine Politik auf all
dieſen Gebieten nach einem einheitlichen Plan feſtzulegen und ihre
Durchführung auf eine Reihe Jahre verteilt geſetzlich zu ſichern.
Nur ſo ſei es möglich, der ſeit langem im Stillen ſich
vorbereiten=
den und allmählich auch in der Oeffentlichkeit immer ſtärker
her=
vortretenden Kriſe des Vertrauens zum parlamentariſchen Syſtem
zu begegnen. Das Volk müſſe das Vertrauen haben,
daß trotz aller parteipolitiſchen Berſchiebungen eine Kontinuität
in der Geſamtpolitik, auch in der Außenpolitik, gewahrt bleibe.
Sonſt würde man von einem Experiment zum andern gleiten; die
Autorität nicht nur der jeweiligen Regierung, ſondern des
Syſtems würde erſchüttert werden. Dieſes zu verhindern, ſei das
Ziel der Reichsregierung von Anfang geweſen, und ſie werde bei
dieſem Ziel verharren. Es wiederhole ſich leider in Deutſchland
immer wieder, daß die Erkenntnis der Notwendigkeit einer ſolchen
Politik erſt dann eintrete, wenn die Not am größten ſei und wenn
die wirtſchaftlichen Zeitumſtände an ſich für die Durchführung
dieſer Politik nicht günſtig ſeien. Die Schwierigkeiten der
wirt=
ſchaftlichen Lage dürften aber für jede Reichsregierung, nachdem
viel zu viel in den vergangenen Jahren
aufge=
ſchoben ſei, kein Grund ſein, an die Löſung der brennendſten
Fragen dilatoriſch heranzugehen. Die wahre Entſcheidung
ginge darum, ob das deutſche Volk Verſtändnis
und Verantwortlichkeitsgefühl genügend
auf=
bringen könne für eine Politik, die, frei von
je=
der Illuſion, auch auf dem Gebiete der
Außen=
politik, nichts anderes wolle, als eine
dauer=
hafte und unerſchütterliche Grundlage für einen
wirklichen Wiederaufſtieg des deutſchen Volkes
zu ſchaffen.
Bisher 24 Beichswahlvorſchläge eingereichl.
Berlin, 30. Auguſt.
Die Friſt zur Einreichung der Kreiswahlvorſchläge iſt am
28. Auguſt abgelaufen. Die Friſt für die Reichswahlvorſchläge
läuft am 31. Auguſt ab. Bisher liegen beim Reichswahlleiter
24 Reichswahlvorſchläge vor, und zwar neun von Parteien, die
im letzten Reichstag vertreten waren, und 15 von kleinen, im
letzten Reichstag nicht vertreten geweſenen Parteien und Grup=
pen. Es iſt damit zu rechnen, daß noch fünf Reichswahlvorſchläge
von den größeren Parteien eingehen. Ob die 15 von kleineren
Gruppen eingereichten Reichswahlvorſchläge ſämtlich zugelaſſen
werden können, iſt fräglich.
Eine Denkſchrift über die Vorſchläge zur Wahlreform.
In der Begründung, die dem von der Reichsregierung
vor=
gelegten Entwurf eines Reichswahlgeſetzes beigefügt iſt, wird
nicht nur das von ihr erſtrebte Ziel behandelt; dort iſt
viel=
mehr auch auf die Kritik eingegangen, die ſeitens der
Oeffent=
lichkeit in den letzten Jahren in ſteigendem Maße am
gegenwär=
tigen Wahlſyſtem geübt worden iſt. Zumeiſt hat ſich die Kritik
darauf beſchränkt, auf die Mängel hinzuweiſen; poſitive
Beſſe=
rungsvorſchläge für eine andere Geſtaltung der Verhältniswahl
ſind nur verhältnismäßig wenige gemacht worden. Soweit
ſolchen Reformvorſchlägen näher ausgearbeitete, von einander
abweichende Syſteme zugrunde liegen, ſind ſie im
Reichsmini=
ſterium des Innern praktiſch durchgeſpielt worden. Nur ſo kann
ein Bild von den mannigfachen Möglichkeiten einer Wahlreform
gegeben werden, und nur auf Grund praktiſcher Durcharbeit iſt
ein Urteil über die Verwertbarkeit bon Reformvorſchlägen
mög=
lich. Der Reichsminiſter des Innern hat dieſe Vorſchläge in einer
Denkſchrift zuſammengefaßt, die in den nächſten Tagen
ver=
öffentlicht werden wird. Der erſte Teil der Denkſchrift gibt ſechs
der wichtigſten Wahlreformvorſchläge der letzten Jahre wieder
und nimmt zu ihnen kritiſch Stellung. Im zweiten Teile der
Denkſchrift ſind die eingehenden Berechnungen und Gutachten
zu dieſen Vorſchlägen enthalten.
2as Tragen von parkeipolikiſchen Abzeichen durch
Miiglieder von Abftimmungsvorfkänden verboken.
Bei den letzten Wahlen ſind in einigen Wahlſtellen von
Dres=
den Unzuträglichkeiten dadurch entſtanden, daß Mitglieder des
Wahlvorſtandes während der Ausübung ihres Dienſtes politiſche
Abzeichen trugen. Auf Anfrage der ſächſiſchen Regierung hat ſich
der Reichsminiſter des Innern wie folgt geäußert:
Der Abſtimmungsvorſtand iſt ein ſtaatliches Organ zur
Vor=
nahme der Wahl. Seine Mitglieder bekleiden ein ſtaatliches
Ehrenamt. Sie werden durch Handſchlag verpflichtet. Ungeachtet des
Umſtandes, daß bei Berufung der Beiſitzer die verſchiedenen
Par=
teien zu berückſichtigen ſind, ſind die Mitglieder des
Abſtimmungs=
vorſtandes zu ſtrengſter Unparteilichkeit verpflichtet.
Die Mitglieder des Abſtimmungsvorſtandes
haben, gleichviel welcher politiſchen Partei ſie angehören, bei ihrer
Amtsführung diejenigen Rückſichten zu nehmen, die durch ihre
Stel=
lung als Mitglieder eines ſtaatlichen Organs bedingt ſind. Sie
haben beſonders parteiliche Kundgebungen zu
ver=
meiden, die, wie z. B. das ſichtbare Tragen
ge=
wiſſer Abzeichen, geeignet ſind, bei Andersdenkenden
be=
rechtigten Anſtoß zu erregen. Der Abſtimmungsvorſteher wird zur
Vermeidung von Unzuträglichkeiten den Mitgliedern des
Ab=
ſtimmungsvorſtandes, die mit parteipolitiſchen Abzeichen
erſchei=
nen, nahezulegen haben, das Abzeichen während der Ausübung
ihrer Tätigkeit als Mitglied des Abſtimmungsvorſtandes
abzu=
legen. Wird dieſem Erſuchen nicht entſprochen, ſo hätte der
Ab=
ſtimmungsvorſitzende den Beiſitzer im Intereſſe der
Aufrechterhal=
tung der Ruhe und Ordnung während der Abſtimmungshandlung
durch einen anderen Wähler zu erſetzen.
Die Koſten der Reichskagswahl.
Die durch die Reichstagwahlen bei den Reichs= Landes=
und Gemeindebehörden entſtehenden Koſten (wahren Auslagen)
werden in der Hauptſache vom Reich getragen. Das Reich
er=
ſtattet den Ländern die bei ihren Behörden entſtandenen Koſten
voll und vergütet den Gemeinden vier Fünftel ihrer
Aufwen=
dungen, während ein Fünftel von den Gemeinden ſelbſt
getra=
gen wird.
Bei den Maiwahlen 1928 betrugen die Aufwendungen des
Reichs 1 582 000 RM.; davon wurden den Gemeinden erſtattet
1 136 000 RM., die Koſten der Landesbehörden betrugen 372000
RM. die der Reichsbehörden 74 000 RM. Außerdem wurden
284 000 Reichsmark von den Gemeinden ſelbſt getragen. Mithin
betrug die Geſamtausgabe der öffentlichen Hand 1 866 000 RM.
Mit der Reichstagswahl 1928 waren in verſchiedenen Ländern,
z. B. Preußen, Bayern, Wüttemberg Landeswahlen oder Wahlen
zu kommunalen Körperſchaften verbunden. Hierdurch haben ſich
die Ausgaben des Reiches auf einen der Zahl der verbundenen
Wahlen entſprechenden Bruchteil verringert.
Mit der Reichstagwahl im September 1930 werden nur die
Landeswahlen in Braunſchweig verbunden. Dementſprechend
werden die Aufwendung des Reiches für dieſe Wahl höher
ſein. Sie werden auf 2 350 000 RM. und die
Geſamtaufwen=
dungen der öffentlichen Hand auf 2 800 000 RM. geſchätzt.
Bombenanſchlag auf das Reichsgerichk?
Leipzig, 30. Auguſt.
Am Reichsgericht, Eingang Wächterſtraße, wurde heute ein
brauner Pappkarton gefunden, in dem ſich eine Weckeruhr, eine
Eierhandgranate, verbunden mit einer Taſchenlampenbatterie, und
eine Flaſche, die Steinſchutt enthielt, befanden. Die ſofort
ver=
ſtändigte Polizei brachte den Apparat in Sicherheit. Die
Eier=
handgranate war, wie die Unterſuchung ergab, mit Pikrinſäure
gefüllt. An der Seite des Pappkartons waren mit Bleiſtift
Ham=
mer und Sichel gezeichnet. Selbſt wenn die Eierhandgranate zur
Exploſion gebracht worden wäre, würde nur eine unbedeutende
Wirkung eingetreten ſein. Die polizeilichen Ermittlungen ſind
ſo=
fort aufgenommen worden.
Die Woche.
Daß die parteipolitiſche Zerſplitterung für das ganze deutſche
Volk verhängnisvolle Folgen hat, iſt bereits zur Genüge erörtert
und wird auch überall ohne weiteres zugegeben. Die Maſſen
rufen nach Einigung, nach Zuſammenſchluß der Parteien, und die
Tatſache, daß bei jeder Wahl die Partei der Nichtwähler ſich als
die ſtärkſte erweiſt, wird gern damit erklärt, daß die
Nichtbefol=
gung des Sammlungsrufes jede Neigung ertöte, ſich am
politi=
ſchen Leben zu beteiligen. Eine derartige Beweisführung
ent=
hält unſtreitig vieles Richtige. Um ſo ſonderbarer iſt es, daß
viele, welche die Sammlung mit Nachdruck fordern, ihre
Ein=
ſtellung praktiſch mit Vorliebe durch Gründung neuer
Split=
tergruppen betätigen. Wir werden dieſes Mal bei der
Reichs=
tagswahl, wenn ſich die Zahl in letzter Stunde nicht noch erhöht,
mit nicht ganz 30 Parteien zu rechnen haben. Das iſt in der
Tat ein „Fortſchritt” gegenüber der letzten Wahl vom Jahre
1928, wo der Wähler die Auswahl unter 33 Wahlvorſchlägen
hatte. Aber dieſer Fortſchritt iſt wahrlich klein genug, und es
wäre an der Zeit, daß das deutſche Volk, das am 14. September
über die eigene Zukunft entſcheiden ſoll, noch vor der Wahl
ernſthaft darüber nachdachte, was dieſe Zerſplitterung praktiſch
bedeutet, damit möglichſt wenig Unheil angerichtet wird. Bei
der Reichstagswahl 1928 ſind u. a. verloren gegangen:
51 465 Stimmen Evgl. Volksgemeinſchaſt,
36 658 Volksblock der Inflationsgeſchädigten,
35 550 Stimmen Deutſcher Haus= und Grundbeſitz,
70 752 Nationale Minderheiten,
7 473 Aufwertungs= und Aufbaupartei,
110 466 Chriſtlichſoziale Reichspartei,
4 676 Evangeliſcher Volksdienſt,
264 565 Völkiſch=Nationaler Block.
Durch dieſe und noch eine Reihe weiterer Splittergruppen ſind
insgeſamt rund 800 000 Stimmen verloren gegangen, zu denen
noch 361000 Stimmen hinzukommen, die für die
Volksrecht=
partei abgegeben waren, die insgeſamt 481000 Stimmen
erhal=
ten hatte, aber nur im ſächſiſchen Wahlkreisverband einen
Ab=
geordneten durchzubringen vermochte. Da aber nach dem
gelten=
den Wahlrecht auf der Reichsliſte nicht mehr Abgeordnete
ge=
wählt werden können, als in den einzelnen Wahlkreiſen
zuſam=
men, ſo konnte die Volksrechtpartei auf die 421 000 Stimmen
ihrer Reichsliſte nur noch einen Abgeordneten bekommen. Da
ja nun auch bei den ſogenannten größeren Parteien immer ein
Stimmreſt übrigbleibt, ſo ergibt das einfache Rechenexempel das
traurige Ergebnis, daß bei der letzten Reichstagwahl rund
1 250 000 nichtſozialiſtiſche Stimmen, d. h. 20
Abgeordnetenman=
date durch die unheilvolle Zerſplitterung verloren gegangen
ſind. Ueber 10 Millionen Wahlberechtigte ſind der Abſtimmung
ferngeblieben. Sie hätten, falls ſie ſich nicht ihres Wahlrechts
begeben hätten, 166 Abgeordnete ins Parlament entſenden
kön=
nen. Ueber 180. Abgeordnete hätten alſo bei den großen
Ent=
ſcheidungen der letzten 2 Jahre ihre Stimme in die Wagſchale
trerfen können. Wagt jemand zu bezweifeln, daß unſere ganze
Politik dadurch entſcheidend hätte beeinflußt werden können, daß
unſer Parlament dadurch ein ganz anderes Geſicht bekommen
hätte? Aus den Vorgängen der Geſchichte ſoll man lernen. Darf
man hoffen, daß das deutſche Volk, daß der deutſche Wähler aus
der Vergangenheit gelernt hat, darf man hoffen, daß er ſich am
14. September abwendet von den kleinen Splittergruppen, daß er
einſieht, daß ſelbſt 1 oder 2 Abgeordnete, die im beſten Fall auf
eine ſolche Liſte entfallen, das politiſche Geſchehen in keiner Weiſe
beeinfluſſen können? Wenn man verfolgt, mit welcher
rühren=
den Intereſſeloſigkeit weite Kreiſe des deutſchen Volkes den
poli=
tiſchen Problemen der Gegenwart gegenüberſtehen, wenn man
hört, welche Eiſenbartkuren von ſonſt ganz vernünftigen
Men=
ſchen mit Nachdruck empfohlen werden, wird man allerdings
nicht allzu große Hoffnungen auf eine plötzliche Wendung zum
Beſſeren hegen können. Wir haben unſere Parteien und unſer
Parteiweſen überhaupt an dieſer Stelle ſchon oft genug einer
ſcharfen Kritik unterzogen. Aber es muß doch immer wieder
betont werden, daß die Schuld an dem Verſagen nicht nur bei
ihnen, ſondern ebenſo auch bei den Wählern ſelbſt liegt.
Daß die notwendige Parteireform nicht noch vor den jetzigen
Wahlen durchgeführt werden konnte, haben wir außerordentlich
bedauert, und die Ereigniſſe während des jetzigen Wahlkampfes
beweiſen tagtäglich, daß unſere Befürchtungen nicht unberechtigt
waren, daß nämlich die Wahlauseinanderſetzungen die
Par=
teien von neuem wieder auseinanderführen würden. Es liegt
nun einmal in der Natur des Wahlkampfes, daß eine
wirkungs=
volle Agitation immer mehr das Trennende betonen muß als
das, was die verſchiedenen Parteien verbindet. Insbeſondere
wenn man der richtigen Auffaſſung iſt, daß Parlamentswahlen
die Grundlage bilden ſollen nur für eine in Gegenwart
und abſehbarer Zukunft notwendige Politik, ergibt ſich
das immerhin nicht unintereſſante Bild, daß eigentlich alle
Par=
teien, welche die gegenwärtige Regierung ſtützen, das gleiche
Ziel verfolgen. Und dieſe Uebereinſtimmung in der Zielſetzung
iſt umſo bedeutſamer, als die Einſtellung zu dem großen
inner=
politiſchen Reformwerk ſchlechthin entſcheidend iſt. Die Aufgabe
iſt ſo gewaltig, daß Erörterungen über die Frage, was nach
ſeiner Erledigung geſchehen ſoll, für den Augenblick ziemlich
überflüſſig ſind. Was bedeutet unter dieſen Umſtänden der
künſtlich herausgearbeitete Gegenſatz, der zwiſchen Deutſcher
Volkspartei und Staatspartei angeblich beſtehen ſollte,
hinſicht=
lich der Einſtellung gegenüber der Sozialdemokratie? Daß für
die Deutſche Volkspartei eine Zuſammenarbeit mit der
Sozial=
demokratie ſchon ſeit langem keine grundſätzliche Frage mehr
iſt, iſt nicht nur von Streſemann, ſondern auch von dem
der=
zeitigen Führer der Deutſchen Volkspartei oft genug feſtgeſtellt
worden. Auf der anderen Seite dürfte auch für die
Staats=
partei und insbeſondere Herrn Dietrich ohne weiteres feſtſtehen,
daß eine Reform in der auch von ihr vertretenen Richtung in
Zuſammenarbeit mit der Sozialdemokratie
praktiſch unmöglich iſt. „Auf der anderen Seite mutet es auch
ſeltſam an, wenn in Wahlzeitungen Gegenſätze etwas
krampf=
haft herausgearbeitet werden, die angeblich zwiſchen
Konſerva=
tiven und Volkspartei beſtehen ſollen, Gegenſätze, die bei näherem
Hinſehen ohne weiteres in ſich zuſammenfallen. Wichtiger als
alles das würde es uns ſcheinen, wenn man ſich in allen dieſen
Parteilagern bei jeder Gelegenheit bemühen würde, das große
gemeinſame Ziel mit nachdrücklichſter Klarheit herauszuarbeiten,
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Sonntag, den 31. Auguſt 1930
Nummer 240
ſchon weil man dadurch die Maſſe der Wähler vielmehr
mit=
reißen könnte. Das Entſcheidende iſt ja nicht, ob die eine oder
die andere Partei ein paar Tauſend Stimmen mehr oder weniger
bekommt, ſondern vielmehr, ob der kommende Reichstag in ſeiner
Zuſammenſetzung eine Verwirklichung des großen Reformwerks
ermöglicht. Die Konzentration ganzer Parteigruppen auf ein
großes Ziel, eigentlich eine Selbſtverſtändlichkeit, bedeutet für
unſer politiſches Leben leider etwas neues. Sie würde praktiſch
eine Vorſtufe ſein zu der notwendigen Parteireform, und wir
ſind ſo optimiſtiſch zu glauben, daß die Maſſen der deutſchen
Wählerſchaft durchaus bereit wären, einer ſolchen einheitlichen
Parole auch wirklich zu folgen.
M.
Wie geſpart werden ſoll.
* Die Reichsregierung hat nähere Mitteilungen über die
Einzelheiten ihres Reformprogramms noch nicht gemacht,
ſon=
dern auf die entſprechenden Vorlagen, die demnächſt dem
Reichs=
rat zugehen ſollen, verwieſen. Es war aber von vornherein
an=
zunehmen, daß die Miniſter in ihren Wahlreden einzelne
Er=
gänzungen geben würden. Das hat Dr. Dietrich bereits getan.
Er hat angekündigt, daß die Regierung im neuen Etat
wie=
der 135 Millionen einſparen will. An eine Abſchaffung
der Hauszinsſteuer denke er nicht. Er wolle aber davon einige
100 Millionen einſparen und dieſen Betrag zur Senkung der
Realſteuern ausnutzen. Darüber hinaus hat Dr. Dietrich
ein weiteres Anziehen der Tabakſteuer
angekün=
digt, eine Erhöhung der Bierſteuer dagegen abgelehnt. Der
Finanzminiſter ſcheint ſich alſo die praktiſche Löſung ſo
vorzu=
ſtellen, daß er die Hauszinsſteuer, die künftighin den Namen
„Gebäudeentſchuldungsſteuer” tragen ſoll, den Gemeinden
über=
läßt, gegen die Verpflichtung einer entſprechenden Senkung der
Realſteuern, während die Mittel zur Fortſetzung des
Klein=
wohnungsbaues durch ausländiſche Anleihen aufzubringen
wären. Im Zuſammenhang damit wird auch der Gedanke
er=
wogen, die Bierſteuer als Reichsſteuer aufzugeben und den
Ge=
meinden oder den Ländern zu überlaſſen unter gleichzeitiger
Er=
höhung des Anteils, den das Reich aus der Einkommenſteuer
bezieht.
Deutſche Not in Südweſtafrika.
DKK. In der Nähe von Windhuk iſt ein in wirtſchaftliche
Bedrängnis geratener Deutſcher freiwillig in den Tod gegangen.
Die „Allgemeine Zeitung” in Windhuk nimmt dieſes Vorkommnis
zum Anlaß, die Zuſtände in Südweſtafrika unter der
Mandats=
herrſchaft zu beleuchten. Sie ſchreibt:
„Iſt es denkbar, daß zur deutſchen Zeit ein Landesbürger aus
Not hätte in den Tod gehen müſſen? Damals galt mit Recht als
unumſtößliche Wahrheit das Wort: In Südweſt iſt noch niemand
verhungert! Wenn wirklich jemand in wirtſchaftliche
Bedräng=
nis geriet, immer fand ſich rechtzeitig Hilfe und niemand brauchte
zu verzweifeln. Und heute? Ohne ihr Verſchulden leben
Hun=
derte in bitterer Not, ohne Ausſicht auf Arbeitsgelegenheit und
auskömmlichen Verdienſt. Die Entlaſſungen auf den
Diamant=
feldern ſind nicht zuletzt eine Folge der früheren
Diamanten=
verwertungspraxis der Mandatar=Regierung, und die moraliſche
Pflicht der Unionsregierung war es deshalb die Not der
entlaſſe=
nen Felderleute zu lindern. Der Adminiſtrator hat zwar
ver=
ſprochen, den arbeitslos gewordenen Leuten Arbeit zu verſchaffen.
Was iſt aber aus dieſem Verſprechen geworden? Es iſt bei den
Worten geblieben. Heute ſind die entlaſſenen Felderleute noch
genau ſo beſchäftigungslos wie am Tage ihrer Entlaſſung, von
den vereinzelten Ausnahmefällen abgeſehen, in denen es der
Privatinduſtrie noch möglich war, dieſen oder jenen
unterzubrin=
gen. Ob man die Leute wohl ebenſo ihrem Schickſal überlaſſen
hätte, wenn ſie, wie die Angolaburen, aus dem bekannten „
edel=
ſten Blute” ſtammten? Der Völkerbund und die
Mandatskommiſ=
ſion werden nicht umhin können, davon Kenntnis zu nehmen, daß
die Südweſter=Bevölkerung nicht nur politiſch, ſondern auch
wirt=
ſchaftlich mit zweierlei Maß gemeſſen wird. Hoffentlich wird man
in Genf auch die gebotenen Konſequenzen aus dieſer Erkenntnis
ziehen. Selbſtverſtändliche Pflicht des neuen Vertreters
Deutſch=
lands in der Mandatskommiſſion wird es ſein, darauf
nachdrück=
lich hinzuwirken.”
Deutſch=ikalieniſche Vergleichskommiſſion.
Berlin, 30. Auguſt.
Die in Artikel 4 des deutſch=italieniſchen Vergleichs= und
Schiedsgerichtsvertrages vorgeſehene ſtändige
Vergleichskom=
miſſion, iſt nunmehr endgültig gebildet worden. Vorſitzender
iſt der niederländiſche Miniſter der Auswärtigen
Angelegen=
heiten, Belaerts van Blokland, ſein Stellvertreter iſt der
Spa=
nier Gabriel Maura Graf de la Trenortera. Als nationale
Mit=
glieder ſind ernannt deutſcherſeits der frühere Staatsſekretär
im Auswärtigen Amt, Dr. von Simſon (als ſein Stellvertreter
Univerſitätsprofeſſor Geheimrat Dr. Rabel in Berlin), und
italieniſcherſeits der Senator Hommaſſo Tittoni (als ſein
Stell=
vertreter der Marcheſa Don Alberto Theodoli). Die gemeinſam
geſtellten neutralen Mitglieder ſind der frühere ſchwediſche
Juſtizminiſter Profeſſor Weſtmann (ſein Stellvertreter, der
ſchweizeriſche Bundesrichter Dr. Joſéf Piller), und der frühere
däniſche Geſandte in Berlin Graf Karl Moltke (ſein
Stellver=
treter, der Univerſitätsprofeſſor Dr. Rütgers=Amſterdam).
Vom Tage.
Die diesjährige Leipziger Herbſtmeſſe beginnt
am Sonntag, den 3 1. Auguſt, und dauert bis zum 4.
Septem=
ber, mit Ausnahme der Textilmeſſe, deren letzter Tag der 3. September
iſt. Beſonders ſtark vertreten ſind in dieſem Jahre Oeſterreich und die
Tſchechſlowakei, dann aber auch Frankreich, die Schweiz, England,
Un=
garn, Holland und Italien.
Eine am Freitag abend in der Stadthalle zu Kaſſel abgehaltene
nationalſozialiſtiſche Wahlverſammlung, in der
der Reichstagsabgeordnete Feder=München ſprach, wurde wegen
Verſtößen des Redners gegen das Republikſchutzgeſetz polizeilich
aufgelöſt. Dabei kam es zu Tumulten, ſo daß die Polizei den Saal
räumte. Feder wurde von Kriminalbeamten
feſtgenom=
men und ins Polizeipräſidium gebracht.
Der Botſchafter der Sowjetunion in Berlin,
Kreſtinski, wird ſich am 6. September von Moskau nach Berlin
zurückbegeben, um dem Reichspräſidenten ſein
Abberufungs=
ſchreiben zu übergeben. Daraus ergibt ſich, daß Kreſtinski nicht,
wie es urſprünglich beabſichtigt war, in Berlin ſeinen Poſten
beibehal=
ten wird, ſondern nach Moskau überſiedelt.
Von den polniſchen Behörden ſind unter Leitung des
Unterſtaatsſekretärs im Innenminiſterium umfaſſende Maßnahmen
gegen die angebliche umſtürzleriſche Bewegung der nationalukrainiſchen
Verbände eingeleitet worden. In der Wojewodſchaft
Lem=
berg, und anderen Bezirken ſind bereits
Maſſenverhaftun=
gen vorgenommen worden. Weitere Verhaftungen ſollen folgen.
Der ehemalige Bureguchef im belgiſchen
Kriegs=
miniſterium Leutnant Joris der vor 14 Monaten
ver=
haftet wurde, weil er deutſchen Organiſationen Mitteilungen über die
Landesverteidigung gemacht und Unterſchlagungen zum Nachteil des
belgiſchen Staates begangen haben ſoll, iſt nach mehrwöchiger, an
Zwi=
ſchenfällen reichen Verhandlung vom Kriegsgericht zu zehn
Jahren Gefängnis, Degradierung, Entziehung der bürgerlichen
Ehrenrechte auf zehn Jahre und zur Zahlung einer Entſchädigung an
den Staat verurteilt worden.
In einem unter der Ueberſchrift „Im Oſten nichts Neues”
erſchie=
nenen Aufſatz ſpricht ſich Poincaré ſcharf gegen eine
Revi=
ſion im Oſten aus.
Die Vermittlungsaktion, die der franzöſiſche
Ar=
beitsminiſter Laval neuerdings zwiſchen dem
Textil=
konſortium von Ro ibaix=Tourcoing und dem Arbeiter=
Syn=
dikat eingeleitet hat, führte vorläufig zu keinem Ergebnis.
Der engliſche Außenminiſter Henderſon empfing
im Foreign Office den ſüdafrikaniſchen Premierminiſter
General Hertzog, mit dem er eine lange Unterredung hatte. —
General Hertzog wird die ſüdafrikaniſche Union auf der kommenden
Ratstagung des Völkerbundes in Genf vertreten.
Wie aus zuverläſſiger Quelle verlautet, ſteht eine Umbildung
des ägyptiſchen Kabinettes unmittelbar bevor. Abdul
Ra=
cek, der einflußreiche Führer der Liberalen, ſoll das Finanzminiſterium
übernehmen, während der frühere Unterſtaatsſekretär Mahfus zum
Innenminiſter ernannt werden wird. Nahas Paſcha wird in nächſter
Zeit eine ausgedehnte Europareiſe unternehmen. Die Ausſichten und
die politiſche Tätigkeit der Wafdpartei ſind im Augenblick ſtark
zurück=
gegangen.
Die amerikaniſchen Republiken Argentinien, Peru,
Bra=
ſilien und Cuba befinden ſich im Augenblick in einem Zuſtande
politiſcher Hochſpannung. Die Stimmung wird durch die
wirtſchaftlichen Verhältniſſe teilweiſe verſchärft.
Der frühere peruaniſche Expräſident Leguia wurde
vom Kreuzer „Almirante Grau” nach dem Gefängnis auf der
San Lorenzo=Inſel übergeführt, im gleichen Gefängnis,
das er wegen ſeiner elfjährigen Regierung für politiſche Gefangene
ver=
wendete. Leguias Sohn Juan wurde gleichfalls verhaftet.
Auch auf Kuba macht ſich eine revolutionäre Bewegung
bemerkbar. In der Stadt Las Cruces ſind die Behörden einer groß
angelegten Verſchwörung gegen die Regierung auf die Spur gekommen.
Auch in der Stadt Mimo Gomez ſind Unruhen politiſcher Art
ausge=
brochen, und über die Stadt iſt der Belagerungszuſtand verhängt
worden.
Der braſilianiſche Außenminiſter Mangabeira dementiert entſchieben
das Gerücht, daß im Staate Rio Grande do Sul ein Aufſtand
ausgebrochen ſei.
Die Friedensbemühungen in Indien.
Nach den letzten Meldungen aus Bombay ſind die beiden
Friedensunterhändler Sapru und Jayakar, die ſich um eine
Bei=
legung des Konfliktes zwiſchen dem allindiſchen Kongreß und den
indiſchen Behörden bemühen, in Allahabad eingetroffen. Sie
be=
abſichtigen, die beiden Nehrus und Gandhi, die Führer der
Boy=
ſottbewegung, nochmals im Gefängnis zu beſuchen. In Allahabad
verfolgt man die Bemühungen der Friedensunterhändler mit
größ=
ter Aufmerkſamkeit und hofft, daß die Beſtrebungen zur Beilegung
der Schwierigkeiten in Indien in längſtens zwei Wochen zu einem
günſtigen Ergebnis führen werden.
Inzwiſchen hat die Regierung von Bombay die hervorragende
Kongreßführerin Frau Hanſa Mehda verhaften laſſen. Frau
Mehda war Mitglied des Arbeitsausſchuſſes und Präſidentin des
Bombayer Kriegsrates des Allindiſchen Kongreſſes.
Das Befinden des am Freitag bei einem Revolverattentat in
Dacca ſchwer verletzten Polizei=Generalinſpektors Lowan gibt zu
großer Beſorgnis Anlaß. Der Polizeichef von Dacca, Hodſon, der
ebenfalls verletzt wurde, befindet ſich außer Lebensgefahr.
Pilſudſki regierk.
Auflöſung der polniſchen Seims und Senals.
Warſchau, 30. Auguſt.
Durch Verordnung des polniſchen
Staats=
präſidenten Moſcicki wurden heute Seim und
Senat aufgelöſt. In dem Schreiben heißt es: Nach
reif=
licher Erwägung habe ich feſtgeſtellt, daß die wichtigſte Aufgabe
für die Arbeit ſämtlicher Bürger die Verbeſſerung der
grund=
legenden Rechte iſt, durch die der Staat regiert wird, da
die=
ſelben die Grundlage ſämtlicher im Staate beſtehenden Geſetze
bilden. Die Verbeſſerung iſt notwendig, da ſich das gegenwärtig
herrſchende Chaos bisher leider nicht beſeitigen ließ. Nachdem
ich zu der Ueberzeugung gelangt bin, daß ich dies trotz meiner
Bemühungen durch den gegenwärtigen Seim nicht erreichen
ann, habe ich beſchloſſen, auf Grund des Artikels 26 der
Verfaſſung laut Beſchluß des Miniſterrats, Seimund Senat
mit dem 30. Auguſt aufzulöſen und beſtimme als
Wahltermin den 16. November für den Seim und
den 23. November 1930 für den Senat.
Die Parlamentsauflöſung iſt auf dem geſtern unter Vorſitz
des Marſchalls Pilſudſki abgehaltenen Kabinettsrat beſchloſſen
worden. Nach der Sitzung begab ſich Pilſudſki in Begleitung
des Vizeminiſterpräſidenten Beck in das Schloß, wo der
Staats=
präſident das Dekret über die Parlamentsauflöſung
unterzeich=
nete. Die Nachricht von der Auflöſung des Parlaments hat in
Warſchau einen ſtarken Eindruck hervorgerufen. Die
Abge=
ordneten, die heute hier eingetroffen ſind, um ihre
Diä=
ten in Empfang zu nehmen, haben dieſelben in der Seimkanzlei
nicht mehr erhalten.
Die auf den 14. September angeſagten
Maſſendemonſtratio=
nen der Oppoſitionsparteien, des Zentrums und der Linken, die
in 20 polniſchen Städten gegen die Diktatur Pilſudſkis
pro=
teſtieren wollten, werden wahrſcheinlich abgeſagt werden, da die
politiſchen Parteien ſofort zur Wahlpropaganda ſchreiten müſſen,
die ſie auf eigne Fauſt unternehmen werden.
Polniſche Akkion gegen ukrainiſche Organiſakionen.
Warſchau, 30. Auguſt.
Nach hier eingetroffenen Meldungen haben die
polni=
chen Behörden geſtern zu einem großen Schlage
gegen den geheimen ukrainiſchen
Militärver=
band und andere ukrainiſche Organiſationen
ausgeholt. Die Aktion wurde vom Innenminiſter Oberſt
Pieracki geleitet, der vor einigen Tagen, von einem großen
Be=
amtenſtab begleitet, in Lemberg eintraf. Dieſer Schlag gegen die
ukrainiſchen Organiſationen war von langer Hand vorbereitet
und wurde gleichzeitig in ſämtlichen Städten und Städtchen
Oſt=
galiziens nach einem einheitlichen Plan durchgeführt. Man
glaubt, daß die Aktion in wenigen Tagen beendet werden wird.
Den polniſchen Behörden werden angeblich ſchon jetzt große
Men=
gen kompromittierender Papiere, ferner Waffen, Munition und
leicht entzündbares Material für Brandſtiftungen in die Hände
gefallen ſein. Zahlreiche Perſonen ſind verhaftet worden.
In Lemberg ſind heute Extrablätter erſchienen, die den
Ver=
lauf der behördlichen Aktion ſchildern.
Dieſe energiſche Aktion der Polen ſteht im Zuſammenhang
nit der in letzter Zeit in Oſtgalizien ſich mehrenden
Sabotage=
akten gegen polniſche Beſitzer. Gerade in den letzten Tagen wußte
die polniſche Preſſe von zahlreichen Brandſtiftungen, denen
pol=
niſche Gutshöfe und Getreideſpeicher zum Opfer gefallen waren,
zu melden.
Die Aufhebung des Saar=Bahnſchukes vor dem
Völkerbundsrak.
Genf, 30. Auguſt.
Die Zurückziehung des Reſtes der im Saargebiet verbliebenen
franzöſiſchen Saar=Bahnſchutz=Truppen und die geſamte Aufhebung
der Organiſation des Saar=Bahnſchutzes wird im September
Gegen=
ſtand der Beratungen des Völkerbundsrates ſein. Die
Regierungs=
kommiſſion des Saargebietes hat dem Völkerbundsſekretariat
mit=
geteilt, daß ſie die Saar=Bahnſchutz=Truppen im Hinblick auf die
durch die Räumung geſchaffene Lage auf 250 Mann und die Stärke
der franzöſiſchen Linien=Kommandantur im Saargebiet auf 42
Mann herabgeſetzt habe. Da ſie jedoch nach dem Ratsbeſchluß vom
12. März 1927, der den Saar=Bahnſchutz einrichtete, nur das Recht
beſitze, die Truppen auf eine gewiſſe Stärke herabzuſetzen, ihre
Organiſation jedoch nicht vollkommen aufheben könne, beantragt
die Regierungskommiſſion, den Völkerbundsrat über die
Aufrecht=
erhaltung oder Abſchaffung des Saar=Bahnſchutzes entſcheiden zu
laſſen. Der Generalſekretär des Völkerbundes hat dementſprechend
dieſe Frage auf die Tagesordnung des Völkerbundsrates für
Sep=
tember geſetzt.
„Mayant pas pu mourir”
(Zur ſechzigſten Wiederkehr des Sedan=Tages am 1. September.)
Waxant pas pu mourir” — beginnt der denkwürdige Brief,
den Napoleon III. am Nachmittage des 1. September 1870 aus
Sedan an den König Wilhelm richtete.
Am frühen Nachmittage hatte König Wilhelm, nachdem
in=
folge der Beſchießung an mehreren Stellen in Sedan Feuer
aus=
gebrochen war, den Oberſtleutnant von Bronſart mit dem
Haupt=
mann von Winterfeld als Parlamentär unter weißer Fahne
ab=
geſandt, um die eingeſchloſſene franzöſiſche Armee und die Feſtung
Sedan zur Uebergabe aufzufordern.
Kronprinz Friedrich Wilhelm erzählt, daß von Napoleons
An=
weſenheit in Sedan zunächſt im Hauptquartier nichts bekannt
ge=
weſen ſei. Gerüchtweiſe verlautete, daß er bei der Armee ſei, aber
dieſe Kunde fand keinen Glauben. Immerhin wollte das Gerücht
nicht verſtummen. König Wilhelm regte, aber faſt nur im
un=
gläubigen Scherze mit Bismarck, Roon und dem Kronprinzen, die
Frage an, „was denn, geſetzt, daß wir den Kaiſer Napoleon
wirk=
lich in unſere Hand bekämen, mit einem ſolchen Gefangenen
anzu=
fangen ſei”.
„Als es zu dämmern begann, erſchien Oberſtleutnant von
Bron=
ſart wieder. Er hatte in Sedan den Kaiſer Napoleon ſelbſt
ge=
ſprochen, der ſeine Bereitwilligkeit zu unterhandeln, in einem an
den König gerichteten Brief, den ſogleich ſein Adjutant General
Graf Reille überbringen werde, ausſprechen wollte.
Was beim Anhören dieſer Meldung in eines jeden Bruſt
vorging, iſt leicht erklärlich. Das Erſchütternde und Gewaltige
eines ſolchen Erlebniſſes liegt auf der Hand. Nichts bezeichnet die
Stimmung der Anweſenden vielleicht beſſer, als daß, nachdem
Oberſtleutnant von Bronſart ſeine Meldung erſtattet hatte, jemand
hinter mir laut ſagte; „nun muß alles Hurra rufen” dieſer
Auf=
forderung aber ſo ſchwach Folge gegeben wurde, daß der Ruf
mißlang. Die Urſache dieſes mißglückten „Hurras” ſuche ich darin,
daß jeder unwillkürlich fühlte, die Größe des Ereigniſſes fände in
einem ſolchen Ausrufe nicht den entſprechenden Ausdruck, und daß
es eben deutſche Art iſt, ſich bei großen Begebenheiten nicht zu
lauten Kundgebungen hinreißen zu laſſen. Jedenfalls war uns
allen zumut, als träumten wir.” (Kaiſer Friedrich:
Kriegstage=
buch Seite 93.)
Nun erſchien der Graf Reille, vom Hauptmann von
Winter=
feld und einem preußiſchen Ulanen=Trompeter begleitet. Er ſtieg
vom Pferde und ging, ſein Generals=Käppi in der Hand, zwar
ge=
ſenkten Blickes, aber in keiner Weiſe etwa würdelos, auf den
König zu und überreichte ihm mit wenigen Worten den Brief
ſeines kaiſerlichen Herrn. Graf Reille war ſeit dem Jahre 186;
Preußiſcher Generalfeldmarſchall Helmuth Graf v. Moltke,
Heerführer der Schlacht bei Sedan.
dem König und dem Kronprinzen perſönlich bekannt; er war bei
dem Beſuche in Paris im genannten Jahre zum Kronprinzen als
Zegleiter kommandiert geweſen und „hatte ſich als ein
liebens=
würdiger, vornehmer Mann im beſten Sinne des Wortes
er=
wieſen”
Jener hiſtoriſche Brief lautete: „Mein Herr Bruder! Da ich
nicht ſterben konnte in der Mitte meiner Truppen, bleibt mir
nichts übrig, als meinen Degen in die Hände Ew. Majeſtät zu
übergeben. Ich bin Ew. Majeſtät guter Bruder Napoleon.”
Geſchrieben iſt dieſer Brief in dem Gebäude der Mairie zu
Sedan, dem Quartier Napoleons. Am Nachmittage des 31. Auguſt
war Napoleon in Sedan angekommen und hatte in der Präfektur
Wohnung genommen. In ſeiner unmittelbaren Umgebung
be=
fanden ſich ſeine General=Adjutanten Graf Reille, der Prinz von
der Moskwa, Generak Caſtelnau und General Vaubert, ſeine Leib=
ärzte Dr. Conneau und Dr. Nélaton. Der Kaiſer war ſchwer
lei=
dend und vermochte die Strapazen des Feldzugs nur mit Mühe zu
ertragen; bekanntlich iſt er drei Jahre ſpäter, am 9. Januar 1873,
einer Steinoperation erlegen. Trübe Stunden lagen hinter ihm.
Von ſeinem Sohne, dem am 16. März 1856 geborenen Prinzen
Louis (Lulu) hatte er ſchon bei Beginn des Marſches von Chalons
nach Sedan Abſchied genommen und ihn mit ſeinem Gouverneur
nach Meziéres geſandt, um von dort nötigenfalls nach Belgien
gehen zu können.
Schweigend hatte er ſeinen Sohn umarmt, der immer wieder
bat, bei ſeinem Vater bleiben zu dürfen. Endlich hatte ſich der
Kaiſer losgeriſſen und war in tiefer Mekancholie von dannen
ge=
fahren. In der Mairie wurde er von dem Maire und einigen
Gemeindevertretern von Sedan begrüßt, die die Hoffnung
aus=
drückten, daß das Kriegsglück ſich wenden und der Sieg wieder die
kaiſerlichen Adler umſchweben möge. Napoleon hatte dieſe Worte
ungeduldig, beinahe gleichgültig angehört. Noch einmal redete
Mac Mahon ihm zu, über Meziéres nach Paris abzureiſen,
Na=
poleon aber beharrte darauf, bei der Armee zu bleiben. Nach einer
unruhigen Nacht erhob ſich der Kaiſer am 1. September früh, um
aufs Schlachtfeld zu reiten. Er legte die Generals=Uniform an mit
dem großen ſilbernen Stern der Ehren=Legion; als Ordensſchmuck
trug er nur noch die Medaille für den italieniſchen Feldzug und
den Schwediſchen Schwert=Orden. Durch die „Porte de Balau”
verließ er mit ſeinem Gefolge die Feſtung. Da erſchien plötzlich
an einer Biegung des Weges eine Abteilung Küraſſiere,
lang=
ſamen Schrittes in der Richtung nach Sedan dem Kaiſer
entgegen=
reitend. Es war die Stabswache des Marſchalls Mac Mahon, die
den verwundeten Feldherrn nach Sedan geleitete. Napoleon reichte
tief erſchüttert ſeinem verwundeten General die Hand; auf ihn
hatte er alle Hoffnung geſetzt trotz der Niederlagen von
Weißen=
burg und Wörth! Hatte dieſer tapfere Soldat ihm doch einſt die
Siege von Magenta und Solferino erfochten, die er ihm mit dem
Herzogstitel gedankt hatte. Tragik der Feldherren! Benedek,
Oeſterreichs tapferſter und erfolgreichſter Heerführer, erlag bei
Königgrätz, Mac Mahon verlor Weißenburg und Wörth und ſank
verwundet bei Sedan! Später iſt der kaiſerliche Marſchall der
Prä=
ſident der franzöſiſchen Republik geworden, die ihm ihre
Wieder=
erſtarkung verdankt!
Mac Mahons Verwundung rief Streit um den Oberbefehl
her=
vor. Der Kaiſer hatte alle Gewalt der Kaiſerin=Regentin in
Paris übertragen. General Ducrot als Rangälteſter verlangte
das Oberkommando, General Wimpffen begehrte es für ſich, auf
die Vollmachten des Kriegsminiſteriums in Paris pochend.
Auf dem Schlachtfeld heroiſcher Kampf der tapferen deutſchen
Truppen, nicht minder tapfer kämpfen die Franzoſen. Bei
Ba=
zailles, bei Daigny, bei Gironne, bei Illy, bei Floing werden alle
Nummer 240
Sonntag, den 31. Auguft 1930
Seite 3
Die Haager Enkſcheidung.
Das Gukachken gegen Danzig.
Danzig, 30. Auguſt.
Der Hauptausſchuß des Danziger Volkstages trat am
Sams=
tag vormittag zuſammen, um nähere bisher noch nicht bekannte
Mitteilungen über den Inhalt des Haager Gutachtens über den
Beitritt Danzigs zum Internationalen Arbeitsamt
entgegenzu=
nehmen. Danach iſt die Haager Entſcheidung gunſtiger, als man
zuerſt vermutet hatte. Der Gerichtshof iſt mit 6:4 Stimmen zu
dem Ergebnis gekommen, daß zwar nicht die Mitgliedſchaft
Danzigs in der internationalen Arbeitsorganiſation, wohl aber
einzelne Obliegenheiten der Tätigkeit dieſer Organiſation in den
Bereich auswärtger Angelegenheiten zu rechnen ſind. Nur für
dieſen Fall fordert das Gutachten Vorſorge, daß die Pflichten
des Artikels 104 des Verſailler Vertrages und der Pariſer
Kon=
vention erfüllt werden, wonach ſicherzuſtellen iſt, daß durch die
Handlungen, die ſich aus der Mitgliedſchaft Danzigs in der
internationalen Arbeitsorganiſation ergeben, volniſche Rechte
nicht beeinträchtigt werden. Dagegen iſt die Führung der
auswärti=
gen Angelegenheiten Danzigs durch Polen an ſich kein
Hinderungs=
grund, daß Danzig Mitglied der internationalen
Arbeitsorgani=
ſation werden kann. Die Rechte Polens in der Führung der
aus=
wärtigen Angelegenheiten Danzigs ſind keineswegs abſolut,
ſon=
dern durch eine Entſcheidung des Danziger
Völkerbundskom=
miſſars dahin begrenzt, daß Danzig keine auswärtige Handlung
durch Polen aufgezwungen werden kann, die ſeinen Intereſſen
zum Schaden gereicht. Dies fordert demzufolge auch eine
Rege=
lung dahingehend, daß Danzig durch Handlungen innerhalb der
internationalen Arbeitsorganiſation, nicht die Rechte Polens
ſchädigt. Da die beſtehenden Abkommen nach Anſicht der Haager
Richter für dieſen Fall nicht ausreichen, ſchlägt das Gutachten
vor, in einem Abkommen dieſe gegenſeitige Regelung unter
Mitwirkung des Völkerbundsrates vorzunehmen. Das Haager
Gutachten iſt inzwiſchen dem Völkerbundsrat zugeleitet worden
und es iſt anzunehmen, daß es in der Ratstagung am 8.
Sep=
tember bereits verhandelt werden wird.
Der Internationale Gerichtshof im Haag hat in dem
bekann=
ten Danzig=polniſchen Streit züber den Anſpruch Danzigs auf
Zulaſſung zur Mitgliedſchaft des Internationalen Arbeitsamtes
ein Gutachten abgegeben, das ſich gegen Danzig ausſpricht. Das
Stimmenverhältnis mit 6 gegen 4 zeigt, daß dieſer Entſcheid
kein einheitlicher geweſen iſt und daß es ſich dabei um eine
äußerſt komplizierte Rechtsfrage, alſo nicht bloß um eine einfache
Feſtſtellung deſſen gehandelt hat, was dem Gerichtshof etwa als
recht und billig erſchienen wäre. Nachdem nunmehr der
Wort=
laut der Entſcheidung bekannt geworden iſt, läßt ſich der
Sach=
verhalt noch beſſer überſehen.
Zu der Minorität gehören die bekannten Rechtsgelehrten
Profeſſor Huber=Schweiz, Loder=Holland und Anzilotti=Italien;
der Name des vierten iſt unbekannt. Von dieſen hat Anzilotti
ein ausführliches Gutachten geliefert, Loder auf die ſchriftliche
Darlegung von Einzelheiten verzichtet, Huber dagegen die
Ein=
zelheiten ſehr ausführlich herausgearbeitet. Bei der
Beurtei=
lung ſowohl des Mehrheits= wie der Minderheits=Gutachten iſt
zunächſt hervorzuheben, daß die Frage nach der Zuläſſigkeit der
Mitgliedſchaft beim Internationalen Arbeitsamt für ein
Nicht=
mitglied des Völkerbundes — alſo die für den Laien zunächſt
augenfälligſte Rechtsfrage des vorliegenden Konflikts — garnicht
zur Erörterung geſtellt worden iſt. Wäre dieſe Frage geſtellt
worden, ſo wäre dabei feſtzuſtellen geweſen, daß es auf die
Organiſation des Bewerbeſtaates in dieſem Zuſammenhang
nicht ankommt. Die geſtellte Frage geht vielmehr zunächſt dahin,
ob die beſonderen Beziehungen Danzigs zum Völkerbund auf
Grund des Verſailler Vertrages einen Hinderungsgrund für
ſei=
nen Beitritt zur Arbeitsorganiſation ſein könnten und ob etwa
die Beſtimmung des Vertrages, die Polen die Führung der
aus=
wärtigen Angelegenheiten Danzigs gewährleiſtet, deſſen Beitritt
zum J. A. A. entgegenſteht.
In dieſem letzteren Punkt wird von der Mehrheit die
Frage bejaht, d. h. alſo in dem zuſammenfaſſenden Gutachten
feſtgeſtellt, daß auch die Zugehörigkeit zur Internationalen
Arbeitsorganiſation eine auswärtige Angelegenheit ſei; es iſt
aber aus der Faſſung des Gutachtens zu entnehmen, daß die
mittelbare Aenderung des Statuts, die ſomit nach Anſicht der
Gutachter durch eine Zulaſſung Danzigs zum J. A. A.
voll=
zogen würde vorwiegend eine Frage der Modalitäten iſt, über
die ſich die Parteien verſtändigen könnten. Andererſeits kommt
auch in dem Mehrheitsgutachten zum Ausdruck, daß die Tatſache
der Unterſtellung Danzigs unter die Auſpizien des Völkerbunds
kein Hindernis für deſſen Mitgliedſchaft bei der
Arbeitsorgani=
ſation bilden würde. In den Separatvoten kommt im
weſent=
lichen zum Ausdruck, daß im Prinzip auch unter dem
Geſichts=
winkel der Führung der auswärtigen Angelegenheiten Danzigs
durch Polen einer ſolchen Beteiligung am J. A. A. nichts im
Wege ſtünde, daß alſo die Frage im zweiten Teil, wie oben
formuliert, ebenfalls zu verneinen ſei. Es ſeien nur Verhand=
lungen über die Einzelheiten zwiſchen Polen und Danzig
not=
wendig. Der Unterſchied der beiden Gruppen gipfelt alſo im
weſentlichen darin, daß die Mehrheit eine vorherige
Verſtändi=
gung der beiden Parteien als notwendig anſieht, weil Polen
ein beſtimmtes Mitwirkungsrecht bei der Regelung dieſer
Ange=
legenheit als einer auswärtigen Macht nicht abgeſprochen
wer=
den könnte, während die Minderheit prinzipiell die
Zuläſſig=
keit des Beitritts von vornherein bejaht und ein an ſich auch
dann noch notwendiges Abkommen als eine nachfolgende
Ange=
legenheit angeſehen wiſſen wollte.
In dem Gutachten befindet ſich weder in dem Einheitsvotum
der Mehrheit, noch in den Separatvoten irgendeine Andeutung
nach der Richtung, daß die Souvernität Danzigs beſtritten oder
angezweifelt würde; die Feſtſtellungen beſchränken ſich durchaus
auf die konkrete Rechtsfrage, wie ſie ſich aus dem beſtehenden,
beſonderen Vertragsverhältnis der Parteien ergibt. Es ſtand
alſo neben der Frage, ob der Beitritt zum J. A. A. eine
aus=
wärtige Angelegenheit ſei, diejenige des Statuts der Freiſtadt
Danzig in ihrem Verhältnis zum Völkerbund zur Erörterung
und auch das Gutachten der Mehrheit geht davon aus, daß
Ver=
handlungen zwiſchen Danzig und Polen nützlich wären, daß die
Mitwirkung des Völkerbundes notwendig wäre, wenn aus
ſol=
chen Verhandlungen eine Abänderung des Statuts der Freien
Stadt hervorginge, und es iſt deshalb der Schluß zu ziehen, daß
alles auf eine Löſung praktiſcher Art hinſtrebt, wie auch immer
die Gutachten in der Theorie zu beurteilen wären. Da Polen
mehrfach erklärt hat, daß es an ſich nichts gegen die Beteiligung
Danzigs an der Internationalen Arbeitsorganiſation habe, ſo
wird man die Hoffnung ausſprechen dürfen, daß eine ſolche
prak=
tiſche Löſung, nicht trotz, ſondern gerade infolge des vorliegenden
Gutachtens des höchſten Gerichtshofes gefunden wird.
Blukige polikiſche Zuſammenſtöße in Buenos Aikes.
Blutige Zuſammenſtöße ereigneten ſich geſtern abend zwiſchen
Anhängern und Gegnern des Präſidenten Irigoyen. Als etwa 500
Anhänger des Präſidenten einen Umzug durch die Straßen
veran=
ſtalteten, eröffneten fünf Perſonen aus einem Automobil heraus
ein Revolverfeuer auf die Demonſtranten, von denen einer ſchwer
verletzt wurde. Die Angreifer entkamen, nachdem ſie etwa 20
Re=
volverſchüſſe abgegeben hatten. Bei einem anderen Zwiſchenfall
wurde ein Polizeioffizier verwundet.
Abſchluß der Warſchauer Agrarkonferenz.
Baltiſch=balkaniſche landwirkſchaftliche Zuſammenarbeil. — Einſehung eines ökonomiſchen Skudienkomikees.
Organiſierung des agrariſchen Exporks.
Acht Enkſchließungen
zur Behebung der Agrarkriſe.
EP. Warſchau, 30. Aug. (Priv.=Tel.)
Heute nachmittag hielt die Warſchauer Agrar=Konferenz ihre
Schlußſitzung ab. Der Vorſitzende der Konferenz, Polſchynſki,
ſtellte feſt, daß die Konferenz einſtimmige Beſchlüſſe gefaßt habe,
die ein geſchloſſenes Arbeitsprogramm darſtellen. Die
Be=
ſchlüſſe über die Organiſierung des agrariſchen
Exports ſeien ein erſter Schritt zur Löſung des
Agrarpro=
blems. Das durch die Konferenz ins Leben gerufene ökonomiſche
Studienkomitee werde bereits in kurzer Zeit ſeine Arbeiten
auf=
nehmen. Der Redner betonte nochmals den vollſtändigen
un=
politiſchen Charakter der Konferenz. Polen wolle weder
wirt=
ſchaftlich noch politiſch eine Hegemonie in Anſpruch nehmen.
Durch die Konferenz ſei eine baltiſch=balkaniſche
landwirtſchaftliche Zuſammenarbeit ins Leben
gerufen worden, die eine günſtige Entwicklung zu nehmen
ver=
ſpreche. Die Landwirte vom baltiſchen Meer bis zum
Schwar=
zen Meer und der Adria mögen ihre müden Glieder vom Pflug
aufrichten und frei aufatmen in dem Bewußtſein, daß der Schutz
der landwirtſchaftlichen Intereſſen die Hauptaufgabe ihrer
Re=
gierungen ſein werde. Daraufhin wurden 8
Entſchließun=
gen von der Konferenz einſtimmig angenommen, die
die Behebung der Agrarkriſe in den auf der Konferenz
vertretenen Ländern zum Ziele haben.
Eine Noke des oſtpreußiſchen Agrarblocks an den
Völkerbund zur Bekämpfung der Weltwirkſchaftskriſe.
Genf, 30. Auguſt.
Die Vertreter Ungarns, Rumäniens und Südflawiens beim
Völkerbund haben dem Generalſekretär des Völkerbundes eine
Antwort auf den Frägebogen überreicht, welcher von der im
März dieſes Jahres abgehaltenen Weltwirtſchaftskonferenz an
die Regierungen gerichtet wurde. In dieſem Fragebogen ſind
die Regierungen bekanntlich erſucht worden, gewiſſe Angaben
über ihre Anſprüche und Vorſchläge über die Bekämpfung der
Weltwirtſchaftskriſe zu machen. Die drei genannten Regierungen,
die im Juli in Bukareſt eine gemeinſame Konferenz abgehalten
haben, hatten ſich auf derſelben auf Vorſchläge geeinigt, welche
in ihren Antworten enthalten ſind. Sie ſchreiben darin u. a.:
Die beſten Mittel zur Sicherung des Abſatzes aller
landwirt=
ſchaftlichen Erzeugniſſe wären:
1. die Schaffung eines Verzollungstarifs, in welchem die
Einfuhrländer den europäiſchen landwirtſchaftlichen
Produk=
tionsländern beſtimmte Bevorzugungen einräumen;
2. die Feſtſetzung eines vernünftigen Preisniveaus, das den
europäiſchen Produktionsländern einen Anſporn ermöglicht, der
ihnen eine Steigerung ihrer Kaufkraft erlaubt, die wiederum
eine Steigerung des induſtriellen Abſatzes zur Folge habe;
3. völlige Freiheit des Getreidehandels auf den europäiſchen
Märkten und Aufhebung aller Hinderniſſe, welche dem
Getreide=
handel und der Einfuhr der anderen landwirtſchaftlichen
Er=
zeugniſſe im Wege ſtehen.
Schließlich betonen die drei Regierungen, daß es nötig wäre,
daß die von verſchiedenen großen europäiſchen
Hafenverwaltun=
gen für landwirtſchaftliche Erzeugniſſe aus überſeeiſchen
Län=
dern gewährten Bevorzugungen zur künſtlichen Steigerung des
Verkehrs in ihren Häfen verſchwinden.
Die kommende Balkan=Konſerenz.
EP. Athen, 30. Auguſt.
Die Vorarbeiten für die kommende Balkan=Konferenz, die am
6. Oktober in Athen eröffnet werden ſoll, nehmen feſtere Formen
an. Die Konferenz wird aus ſechs Ausſchüſſen beſtehen; eine von
ihnen ſoll die Grundlagen der künftigen Balkan=Union beraten.
Andere Ausſchüſſe ſollen der politiſchen und wirtſchaftlichen
An=
näherung dienen, während zwei weitere Ausſchüſſe Fragen der
Wirtſchaft und des Verkehrs beraten werden. Die ſechſte
Kom=
miſſion ſoll ſich mit dem Perſonal=Statut der Angehörigen der
Bal=
kanvölker beſchäftigen.
Frankreich und die Reviſion der Verkräge.
EP. Paris, 30. Aug.
In der beginnenden Diskuſſion über die Briand’ſchen Pan=
Europapläne, die mit dem bevorſtehenden Zuſammentritt der
Genfer Völkerbundstagung an Intenſität zunehmen wird, iſt ein
Aufſatz des Senators und ehemaligen franzöſiſchen Botſchafters
in Waſhington, Henry Bérenger, von Intereſſe. Bérenger ſetzt
ſich nachhaltig für das Projekt Briands ein, wofür er um ſo mehr
Berechtigung zu haben glaubt, als, wie er ſagt, die Leitgedanken
Briands im letzten Miniſterrat einſtimmig gebilligt worden ſeien.
Einer der Haupteinwände, denen das Paneuropaprojekt in
Frank=
reich begegnet, iſt der, daß durch die europäiſche Föderation ein
Forum für die Erörterung der Wünſche Deutſchlands, Italiens
und Ungarns hinſichtlich einer Reviſion der Friedensverträge
ge=
ſchaffen werde. Die Diskuſſion über den Anſchluß, der Danziger
Korridor, die Donaufrage und Italiens Wünſche in der Adria
könnten im Sinne dieſer Einwände auf dem Boden des neuen
Pan=Europa eine unerwünſchte Form annehmen. Es iſt
bezeich=
nend, daß Bérenger und mit ihm wenigſtens Briand und die ihm
naheſtehenden Kreiſe einer ſolchen Möglichkeit keine
beunruhi=
gende Bedeutung beimeſſen, und zwar mit folgender
Begrün=
dung: Die Reviſionswünſche der genannten Länder
be=
ſtehen nicht erſt ſeit heute und ſind nicht durch die Pan=Europa=
Diskuſſion hervorgerufen, ſondern ſie beſtehen in ganzer Schärfe ſeit
1920 bzw., ſoweit Italien in Betracht kommt, ſeit 1923. Es ſei
aber klar, daß die Kriegsdrohungen, unter denen Europa leide,
durch die paneuropäiſchen Geſpräche abgeſchwächt würden,
wäh=
rend ſie durch ihr Weiterſchwelen im Verborgenen eher an
Schärfe gewinnen würden. Frankreichs Intereſſe und Würde
er=
fordert dagegen, ſeine Politik der internationalen Verſtändigung
fortzuſetzen. Eine ſolche Politik ſei höchſtens dann Einwänden
ausgeſetzt, wenn die Rüſtungen Frankreichs nicht allen
Anforde=
rungen entſprächen. Dem ſei aber nicht ſo. Frankreichs Armee
und ſeine wirtſchaftliche und induſtrielle Mobilmachungs=Kadres
ſeien allen Eventualitäten gewachſen, ſodaß es mit der Ruhe des
Starken ſich für die Aufrechterhaltung des europäiſchen Friedens
einſetzen könne.
Mittel der Verteidigung angehäuft. Aus den Straßengräben
ſteigt unabläſſig der Dampf der Chaſſepot=Salven dort
eingebud=
delter Schützen, zwiſchen den hohen Pappeln der Anhöhen raſſeln
die Mitrailleuſen, auf den Berghängen feuert fieberhaft die
Artillerie.
Am Kirchhof von Balan hinter Bazailles hält der Kaiſer.
Dann bricht die franzöſiſche Kavallerie los:
Huſaren, grau mit Silberſchnüren, die berühmten Lanciers,
Chaſſeurs, Dragoner und Küraſſiere. General Margueritte, der
berühmteſte Reiterführer des kaiſerlichen Frankreichs, führte ſie.
Tödlich getroffen ſtürzt er; General Galliffet jagt an der Spitze
ſeiner Reiter=Diviſion in die vordringenden deutſchen Stürmer.
Schleſier, Weſtpreußen, Heſſen, Thüringer überbieten ſich mit
Bayern und Sachſen an Tapferkeit.
„Die größte Anerkennung” — ſchreibt Kronprinz Friedrich
Wilhelm — „verdient unſere Infanterie für ihre beſonnene, ruhige
Haltung und Ausdauer; am genaueſten konnte ich, dies bei den
thüringiſchen Regimentern und bei der 19. Infanterie=Brigade,
die leider faſt alle Offiziere verlor, beobachten und bewundern.”
Noch immer hatte Napoleon III. bei Balan das wütende
Rin=
gen beobachtet, der Verzweiflung nahe.
Einzelne Granaten begannen bereits an der Stelle, wo der
Kaiſer hielt, einzuſchlagen. Zahlreicher wurden die Flüchtigen,
welche auf dem Wege von Balan nach Sedan zu eilten. Da ging,
hart gedrängt von den ſtürmenden Bayern, ein franzöſiſches
Regi=
ment geordnet langſam aus Balan zurück. Der Prinz von der
Moskwa ritt an den Kaiſer heran, um ihn auf das Gefährliche
ſeiner Lage aufmerkſam zu machen.
Nach zeitgenöſſiſchen Darſtellungen ließ der dritte Napoleon
ſich in ſeiner Haltung nicht beirren, ſondern zog ſeinen Degen und
ſchloß ſich einer gegen Balan vordringenden neuen Sturm=Kolonne
an. Der Prinz von der Moskwa wurde in ſeiner unmittelbaren
Nähe durch einen Streifſchuß am Fuße verwundet. Der Angriff
ſcheiterte; noch immer wollte Napoleon bleiben, da ergriff General
Reille das Pferd des Kaiſers am Zügel und wandte es rückwärts
Napoleon ließ es willenlos geſchehen und folgte im Schritt den ſich
immer mehr auflöſenden und immer ſchneller auf der Straße nach
Sedan hineilenden Truppen.
Die „Hundertgarden” und die Generale der Umgebung
ſchloſſen ſich enger um den Kaiſer, und in die Menge
hinein=
ſprengend, öffneten ſie ihm einen Weg durch das Tor der Feſtung,
gebrochen kehrte er in die Mairie zurück, die er am frühen
Mor=
gen verlaſſen hatte.” So die Darſtellung eines zeitgenöſſiſchen
Schriftſtellers.
In der Mairie empfing er kurz darauf den deutſchen
Parla=
mentär, den Oberſtleutnant Bronſart von Schellendorf. Dost
ſchrieb er den hiſtoriſchen Brief: „Naxant pas pu mourir‟. Das
zweite Napoleoniſche Kaiſer=Reich endete wie das erſte durch
Patrice Maurice de Mac Mahon, Marſchall von Frankreich,
Heerführer der Schlacht bei Sedan.
deutſche Waffen. Die Rolle des „Schiedsrichters Europas” war
ausgeſpielt! Wie für den erſten Napoleon am Abend von Waterloo,
ſo hieß auch hier, für den dritten Napoleon, das Schlußwort der
Tragödie:
„G: est fini”.
Dr. Ludwig Roth.
In acht Jahren um die Well.
In 8 Jahren? — werden manche erſtaunt fragen. Das iſt
doch heute im Zeitalter des Rekords nichts Beſonderes. Ein
Zep=
pelin macht das in 21 Tagen. Aber wenn eine junge Frau, die
auszieht mit dem Drang in die Ferne, mit der Sehnſucht des
Entdeckers, ohne nennenswerte Geldmittel, nur geſtützt auf ihre
eminenten Sprachkenntniſſe, ihre Energie und ihr
Anpaſſungsver=
mögen, acht Jahre lang um die Welt reiſt, nicht auf der Straße
der Vielen, abſeits der Turiſtenplätze, im Zwiſchendeck unter
Schwarzen, Gelben und Miſchlingen, ihren Lebensunterhalt
erar=
beitend, und bei allen Leiden und Entbehrungen, oft enttäuſcht,
krank und elend, immer mit offenen Augen, immer bereit, zu
ler=
nen. aufzunehmen und zu ſchauen — ſo iſt das doch etwas
Be=
ſonderes, ein Rekord ſozuſagen. Wenn man das neue,
ſpannungs=
reiche Buch von Alma M. Karlin „Im Banne der Südſee.
Die Tragödie einer Frau” (384 Seiten Text, in Ganzleinen geb.
6,50 RM. Wilhelm Köhler Verlag, Minden i. W.) lieſt, ſo muß ſich
die Bewunderung ihrer erſtaunlichen Leiſtung, die ſchon ihr erſtes
Werk „Einſame Weltreiſe” erweckte, noch ſteigern; denn wo iſt der
Forſcher, der Aehnliches leiſtete? Die Südſee, ſonſt die Domäne
von Männern — Jack London und Stevenſon erzählen von ihren
Geheimniſſen und ihrem Zauber — in ihr hat Alma M. Karlin
2 Jahre gelebt, unter Menſchenfreſſern, auf einſamen,
weltentlege=
nen Inſeln, bei Pflanzern, die kaum je einen anderen Weißen
ſehen; im Eingeborenen=Kanu, allein unter einem Dutzend nackter
Wilder, fährt ſie von Inſel zu Inſel. Wilde verfolgen ſie, ſie iſt
todkrank, oft bereit, zu ſterben „, aber ſie kommt durch, und wenn
es auch Geſundheit und Illuſionen koſtet. Ueber den Malaiiſchen
Archipel, Niederländiſch=Indien, Birma gelangt ſie nach Indien,
dem Wunderland. Inmitten der fremden Völker lebend, begabt
mit großem Einfühlungsvermögen, erſchließt ſich Alma M. Karlin
die Seele der Völker. Anders als in anderen Reiſebeſchreibungen
iſt hier die Atmoſphäre der Landſchaft und der fremden Völker
eingefangen. Und was das Reizvollſte iſt an dem ganzen,
dick=
leibigen Buch, es ſpricht aus ihm ein Menſch, eine ungewöhnliche
Perſönlichkeit, ſo daß das Wie ihrer Erzählung beinahe noch
feſ=
ſelnder iſt als das was ſie berichtet. Das Grundproblem des
Lebens, der Gegenſatz zwiſchen Menſch und Welt, es ſpiegelt ſich
wieder in dieſem Reiſewerk, das ein Abbild des Lebens ſelbſt iſt,
und deſſen beide Teile „Einſame Weltreiſe” und „Im Banne der
Südſee” mit Recht den gemeinſamen Titel führen „Welterleben
und Welterleiden”, (720 Seiten Text. 2 Ganzleinenbände 11 RM.)
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der Leſerwelt ein Werk geſpendet, das den höchſten Anſprüchen an
einen in chriſtlichem Sinne gehaltenen unterhaltenden und
beleh=
renden Leſeſtoff gerecht wird. Neben den alten bewährten
Mit=
arbeitern und Künſtlern wurden neue Kräfte herangezogen, und
ſachkundige Auswahl der Beiträge bürgt dafür, daß auch in
die=
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Nummer 240
Sonntag, den 31. Anguſt 1930
Seite 5
Aus der Landeshaupkſtadk.
Darmſtadt, den 31. Auguſt.
Jubiläums=Blumen= und Pflanzen=Ausſtellung.
Zum Ausſcheiden
des Direkkors bei der Reichsbahn Horn.
Am 1. September d. J. tritt das langjährige Mitglied der
Reichsbahndirektion Mainz. Herr Direktor bei der Reichsbahn
Horn, nach 38jähriger Dienſtzeit in den wohlverdienten
Ruhe=
ſtand. Geboren am 31. Mai 1865 zu Friedberg in Heſſen, war er
nach beendetem Studium auf der Techniſchen Hochſchule in
Darm=
ſtadt zunächſt einige Jahre im heſſiſchen Staatsdienſt beſchäftigt
und trat alsdann zur Eiſenbahnverwaltung über. Hier war es
ihm vergönnt, mit nur kurzen Unterbrechungen, faſt ſeine geſamte
Amtszeit dem Dienſte ſeiner engeren Heimat, Heſſen, zu widmen.
Schon als Regierungsbauführer und Baumeiſter war er an den
Vorarbeiten für die Bahnen Gau=Algesheim—Bad Münſter a. St.
und Mombach-Koſtheim—Biſchofsheim beteiligt und wirkte
ſpä=
ter als Streckenbaumeiſter auch bei dem Bau der letztgenannten
Strecke und der Kaiſerbrücke mit. Vom 1. Juli 1905 bis 31.
Dezem=
ber 1910 leitete er als Vorſtand die damalige Betriebsinſpektion
Mainz, wurde hierauf als Direktionsmitglied nach Eſſen verſetzt
und dort zum Regierungs= und Baurat ernannt. Bereits im Jahre
1911 kehrte Herr Horn nach Mainz zurück und war ſeitdem ſtändig
als Mitglied bei der Reichsbahndirektion Mainz tätig. Während
des Krieges verſah er die Stelle des Betriebschefs bei der
Linien=
kommandantur Mainz. Nach mehrjähriger ſpäterer Tätigkeit als
Betriebsleiter der Reichsbahndirektion wurde ihm im Dezember
1924 unter Ernennung zum Direktor bei der Reichsbahn, die
Stelle eines Abteilungsleiters, das Dezernat für das
Oberbau=
weſen für den ganzen Direktionsbezirk und das bautechniſche
De=
zernat für den Betriebsamtsbezirk Mainz übertragen. Gleichzeitig
wurde er als zweiter Vertreter des
Reichsbahndirektionspräſi=
denten beſtellt.
In allen dieſen verſchiedenen Stellen hat ſich Herr Direktor
Horn durch umfaſſendes Wiſſen, reiche Sachkenntnis und
Erfah=
rung, vereint mit unermüdlicher Pflichttreue und Dienſteifer,
her=
vorragend bewährt, die auch durch eine Reihe von Auszeichnungen
anerkannt worden ſind. Dabei erfreute er ſich wegen ſeiner
vor=
nehmen Geſinnung, der Lauterkeit ſeines Charakters, ſeines
offenen, ungezwungenen Weſens im Verkehr mit Mitarbeitern,
Untergebenen und Privaten großer perſönlicher Beliebtheit und
Wertſchätzung, ſo daß ſein Weggang, der durch die Erreichung der
Altersgrenze bedingt iſt, allerſeits auf das lebhafteſte bedauert
wird. Hoffentlich iſt dem verdienten Beamten nach ſeiner
arbeits=
reichen Tätigkeit ein geſegneter Lebensabend bei beſter
Geſund=
heit beſchieden. Er wird ihn in Mainz verbringen, der Stadt,
mit der ſein langjähriges Wirken ſo eng verknüpft war.
Heſſiſches Dragoner=Denkmal.
Wenn heute nach Beendigung des Turniers, das Feuer des
Denkmals der beiden Großherzoglich Heſſiſchen Dragoner=
Regi=
menter Nr. 23 und 24 in der Landgraf=Philipp=Anlage zum
Him=
mel emporlodert, ſo ſoll dies ein Gedenken ſein für manchen
jungen Reiter, der heute in Darmſtadt weilt, deſſen Vater,
Groß=
vater oder Bruder einſt in dieſen beiden ſtolzen Regimentern
ge=
ſtanden hat. Still ſoll er hier ſtehen, gedenken, daß er ſelbſt jetzt
Träger des Reitergeiſtes iſt der in dieſen beiden
Regimen=
tern geherrſcht hat. Gedenken ſoll er der Toten, die in dieſem
Geiſte gefallen — ſich vornehmen, ebenſo zu werden, wie ſie —
vornehm, brav und ehrlich, treu dem Volk, treu ſeinem Pferd,
treu dem Reitergeiſt — treu ſich ſelbſt.
T.N.
Sommerkagung der heſſiſchen Garkenbaubekriebe
am Sonnkag, den 31. Auguſt.
Am heutigen Sonntag hat die Stadt Darmſtadt die
Garten=
bauer aller Gaue Heſſens in ihren Mauern zu Gaſt. Der
Landes=
verband Heſſen=Darmſtadt im Reichsverband des deutſchen
Garten=
baues hält an dieſem Tage ſeine diesjährige Sommertagung
im Saale der Vereinigten Geſellſchaft, Rheinſtraße 36, ab.
Vor=
mittags ſind geſchloſſene Vorſtands= und Ausſchußſitzungen,
wäh=
rend am Nachmittag 2,30 Uhr die öffentliche Hauptverſammlung
ſtattfindet. Zwei bedeutſame Referate über techniſche Fragen im
Blumen= und Pflanzenbau und die Wirtſchaftskriſe in ihrer
Aus=
wirkung auf den deutſchen Gartenbau werden hierbei erſtattet
von dem Leiter der gärtneriſchen Verſuchsanſtalt in Friesdorf
bei Bonn, Herrn Max Löbner, und Herrn Syndikus Siegmund=
Berlin. Die ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden und
Verwal=
tungen haben zum großen Teil ihr Erſcheinen zugeſagt. Neben
den Mitgliedern des Landesverbandes ſind auch intereſſierte
Gäſte zu dieſer Verſammlung eingeladen. Der Abend iſt
geſelli=
gem Beiſammenſein im gleichen Lokal gewidmet.
Am Montag, dem 1. September, finden dann
Beſichtigungs=
fahrten in gärtneriſch intereſſante Anlagen Darmſtadts und
ſei=
ner Umgebung ſtatt. Ihren Abſchluß finden die
Beſichtigungs=
fahrten nach einem Gang durch den ſchönen Darmſtädter
Bota=
niſchen Garten, in dem Beſuch der Staudengroßgärtnerei von
Kayſer u. Seibert in Roßdorf bei Darmſtadt.
Den Rahmen für dieſe Veranſtaltung, die zahlreiche Gäſte aus
Heſſen und den Nachbarſtaaten nach Darmſtadt führen wird, gibt
die Blumen= und Pflanzenausſtellung der Darmſtädter
Garten=
baubetriebe.
Der geſamten Veranſtaltung der heſſiſchen Gärtnerſchaft iſt
ein voller Erfolg zu wünſchen.
* Auszeichnung. Am 30. September d. J. fand im
Verwal=
tungsgebäude der Heag die Ueberreichung der von dem Heſſiſchen
Automobilklub, e. V., Darmſtadt, für einwandfreie und tadelloſe
Führung als Chauffeur verliehenen ſilbernen Armſchnalle nebſt
Diplom an den Meiſter der Autowerkſtätte für die Abteilung
Elektrizitätswerk und Ueberlandzentrale der Heag, Herrn Adam
Ranzow, der auf eine achtzehnjährige Tätigkeit bei der Heag
zurückblicken kann, ſtatt. Herr Direktor Brandis übergab Herrn
Ranzow dieſe Auszeichnung mit den Worten der Anerkennung und
des Dankes für die ſtets treu geleiſteten Dienſte und ſprach die
Hoffnung aus, daß es Herrn Ranzow vergönnt ſein möge, noch
viele Jahre ſein verantwortungsvolles Amt zur Zufriedenheit
ſei=
ner Verwaltung und zum Vorbild ſeiner Untergebenen
auszu=
führen. Auch der Vertreter der Angeſtelltenſchaft gab ſeine
Freude für die Auszeichnung in anerkennenden Worten kund.
* Hohes Alter. Am 28. Auguſt 1930 feierte Frl. Katharina
Kuhn, Emilſtraße 1, in geiſtiger Friſche ihren 81. Geburtstag.
Neun Sinfoniekonzerte im Heſſiſchen Landestheater. Das
Geſamtprogramm der unter Leitung von Generalmuſikdirektor
Dr. Karl Böhm ſtehenden Sinfoniekonzerte ſieht auch einige
be=
deutende Erſtaufführungen vor. Zum 70. Geburtstage
Nic von Reznicek’s, des in Darmſtadt aufs beſte
bekann=
ten Komponiſten, kommt deſſen neueſtes Werk, eine Tanz=Suite,
die bei ihrer Uraufführung bedeutenden Erfolg hatte, im 2.
Kon=
zert zur Aufführung. Ernſt Toch, deſſen kompoſitoriſches
Schaf=
fen immer mehr Anerkennung findet, iſt mit einer ſeiner, Bunten
Suiten”. Arnold Schönberg mit einem ſeiner berühmteſten
Werke, „Pelleas und Meliſande” vertreten. Ein in den letzten
Jahren viel geſpieltes Werk, die „Tripelfuge für großes Orcheſter”
von Kurt von Wolfurt, die E=Moll=Sinfonie des erſt 23jähr.
ruſſiſchen Komponiſten Szoſtekowicz und die Händel=
Variati=
onen des als Leiter der Berliner Singakademie hochgeſchätzten
Komponiſten Georg Schumann ergänzen die Vortragsfolgen
der einzelnen Konzerte. Von dem zur Zeit in Berlin lebenden
Tonſetzer G. Ettinger kommt deſſen neueſtes Orcheſterwerk
„Traumbilder” zur Uraufführung. Die niedrigen
Miet=
preiſe ermöglichen es jedem Konzertfreund, das wertvolle
Pro=
gramm der diesjährigen Sinfoniekonzerte anzuhören. Die
Mietabteilung des Heſſiſchen Landestheaters unterrichtet
unverbindlich über die noch verfügbaren Plätze. (Anruf 3782.)
Bücherſtube Alfred Bodenheimer. Die Ausſtellung Carl
Hofer bleibt bis zum 15. September geöffnet. — Ihre
Vortrags=
reihe eröffnet die Bücherſtuhe mit einem Vortrag von Julius
Bab, dem bekannten Berliner Literaturkritiker und
ausgezeich=
neten Redner. Bab ſprach 1926 auf Einladung der Bücherſtube
über „Bernard Sham” ein Vortrag, der bei der hieſigen Preſſe
eine glänzende Kritik fand. Es dürfte von allgemeinem Intereſſe
ſein, was Bab über ſein Thema, Film und Kunſt” am 30.
September zu ſagen haben wird. (Näheres durch Anzeige.)
Die Eröffnung der Ausſtellung.
** Die Bezirksgruppe Darmſtadt des Landesverbandes Heſſen und
Reichsverbandes des Deutſchen Gartenbaues veranſtaltet in der
Ver=
einigten Geſellſchaft in Verbindung mit den Darmſtädter
Gartenbau=
betrieben eine Jubiläums=Blumen= und Pflanzen=Ausſtellung, die ſich in
jeder Beziehung ſehen laſſen kann. In dem Garten der Vereinigten
Ge=
ſellſchaft ſind über Nacht Blumenbeete, grüne Raſen und
Pflanzen=
anlagen hervorgezaubert worden, die ſo farbenprächtig und ſchön ſind,
daß man wirklich bedauert, wenn ſie in einigen Tagen wieder
verſchwin=
den ſollen. Die Arbeit und Mühe, die hier aufgewandt wurde, erſieht
man daran, daß die Pflanzen, die Grasanlagen uſw., mit dem Erdreich
ausgeſtochen und friſch nebeneinander geſetzt werden mußten. Das Werk
iſt herrlich gelungen. In den Räumen der Vereinigten Geſellſchaft ſind
Schnittblumen und ganze Arrangements ausgeſtellt, die ſehenswert ſind.
Eine ſchlichte Eröffnungsfeier fand geſtern morgen vor
einem kleinen Kreis geladener Gäſte, unter denen man Vertreter des
Staates und der Stadt, ferner den Präſidenten der Heſſiſchen
Landwirt=
ſchaftskammer Henſel, Oberregierungsrat Haberkorn für das Kreisamt.
Geh. Rat von Hahn uſw. bemerkte. Der erſte Vorſitzende des
Handels=
gärtnerverbandes Schäfer begrüßte die Verſammlung herzlich und
wies auf die Bedeutung Darmſtadts als Blumen= und Gartenſtadt hin.
In beſter Erinnerung ſeien die großen Gartenbauausſtellungen 1901,
1905 und 1925. Dann erläuterte er den Sinn dieſer Ausſtellung. Blumen
und Pflanzen ſollen in ihrer mannigfaltigen Verwendbarkeit als Schmuck
und Dekoration gezeigt werden, und ſo ſoll der Beſchauer in dieſer großen Parterres. An der Kegelbahn iſt noch zu nennen die Ausſtellung
Ausſtellung auf die Schönheit der Blumen erneut aufmerkſam gemacht
werden und Anregungen empfangen. Das Wort ergriff danach der
Präſi=
dent der Landwirtſchaftskammer, Präſident Henſel, der die Anerkennung
und den Dank der Landwirtſchaftskammer ausſprach. Die Kammer ſei
aufs engſte mit dem Gartenbau verbunden; ſie ſehe die durch die
Wirt=
ſchaftslage erſchwerten Abſatzbedingungen, hoffe aber auch, daß ſich dieſe
im Intereſſe des Gartenbaues ändern würden. Miniſterialrat Heil
ſprach für das Arbeits= und Wirtſchaftsminiſterium, deſſen Grüße und
Dank er übermittelte. Der Herr Miniſter werde in den nächſten Tagen
perſönlich die Ausſtellung beſichtigen.
Nunmehr erklärte Herr Schäfer namens der
Gartenbauvereini=
gung die Ausſtellung für eröffnet.
Im Freien.
Betritt man den Garten der Vereinigten Geſellſchaft von der
Rheinſtraße her, ſo iſt man beim erſten Anblick gebannt von dem
Farbenmeere, das ſich hier märchenhaft auftut. Der ſchattige Garten
iſt über Nacht verwandelt in einen herrlichen Blumengarten, in dem es
in allen Farben leuchtet und zum Näherkommen lockt. Durch drei breite
Wege iſt das große Blumenparterre — wie man das Ganze wohl
be=
zeichnen darf — aufgeſchloſſen. In wirkungsvoller Weiſe haben die
Darmſtädter Gartenbaubetriebe ihre Freilandgewächſe ausgeſtellt,
wo=
bei trotz der Vielheit ein harmoniſches Geſamtbild entſtanden iſt. An
Hand eines kurzen Rundganges ſeien die einzelnen Ausſtellungsbeete
bzw. Anlagen etwas näher beſprochen.
Am Toreingang beginnend, fällt zunächſt ins Auge eine kleine
Gartenanlage des Gartenbaubetriebes Roſenhöhe
(Leiter Gartenbauinſpektor Göbel). Unter geſchickter Verwendung des
vorhandenen Brunnens iſt mit den bekannten weinrot blühenden
Pri=
meln (Primula obconica) ein beherrſchendes Mittelſtück geſchaffen,
flan=
kiert von zwei breiten Beeten rotblühender Zwergdahlien. Eine
herr=
liche große Porzellanvaſe unterbricht wirkungsvoll einen ſchmalen
Strei=
fen gelbblühender Knollenbegonien, der die Anlage nach der Rückſeite
gewiſſermaßen begrenzt. Ein tadelloſer Raſen trennt die einzelnen
Beete. Das Ganze ein herrliches Schmuckſtück, das man ſich ſeinem
Garten wünſcht. Geht man den Hauvtweg rechts des Eingangs weiter,
ſo bleibt man gebannt vor der Farbenpracht eines herrlichen großen
Blumenbeetes der Firma Karl Horſt ſtehen. Rote und fleiſchfarbige
Geranien ſind eingefaßt von blauen Fuchſien in einer Reichblütigkeit, wie
wir ſie nur ſelten finden. Trotz der beetartigen Anordnung, ſieht man
die hervorragende Qualität der Einzelpflanzen, kurz eine Leiſtung
aller=
erſten Ranges. Schräg gegenüber hat die Firma A. Kuhn einen
blühenden Gartenteil hingezaubert, in dem eine hübſche Gartenbank zum
Verweilen und ſtillen Betrachten einläd, Mit herrlichen Knollenbegonien
in Verbindung mit verſchiedenen anderen ſchön blühenden Gewächſen
iſt hier in geſchickter Anordnung ein Farbenbeet geſchaffen, das den
Be=
ſchauer gefangen hält. Bei näherem Zuſchauen findet man, daß die
grünen Wände, die die räumliche Wirkung dieſes Ausſtellungsſtückes fo
vorteilhaft zum Ausdruck bringen, aus Lorbeerbäumen, Palmen,
Edel=
tannen und anderen wertvollen immergrünen Gewächſen geſchaffen ſind.
ſo daß wir uns eigentlich in einem Garten des Südens zu ſein wähnen.
— Gehen wir weiter, kommen wir an einer kleinen aber feinen Anlage
der Firma Schuck vorbei. Beherrſchend iſt hier das herrliche rote
Geranienbeet.
Anſchließend zeigt Oncken immergrüne Gehölze, wie Burus im
Formen, Taxus, Fichten und andere, davor ein buntes Blumenparterre,
das durch intereſſante Linienführung und beſte Farbwirkung auffällt.
Hier zeigt ſich der Friedhofsgärtner ſowohl in der Gehölzanordnung.
als auch in dem zwar großen aber ſehr gut wirkenden Beet.
Biegen wir links ab, dann fallen einige hübſche, künſtleriſche
Tier=
figuren in friſchem Waldgrün ins Auge. Die Firma Kayſer und
Seibert, Roßdorf, hat hier eine lange Rabatte immergrüner
Laub= und Nadelhölzer ausgeſtellt, die ſowohl als Geſamtpflanzen, wie
auch als intereſſante Einzelpflanzen, ihre Wirkung auf den Gartenfreund
nicht verfehlen wird.
In der dem Eingang gegemüberliegenden Ecke lockt ein
Strohhäus=
chen, in dem Herr Reinhardt, Pfungſtadt, Quartier bezogen
hat. Geſchickt ſind hier die verſchiedenſten Blumen und Pflanzen zu
einem Gärtchen kleinſter Art vereinigt, was viel Sinn und Liebe für
unſere Pflanzen verrät. Daneben hat C. Arheilger blühende und
immergrüne Gewächſe wirkungsvoll in einer Geſamtgruppe dargeſtellt.
Das große Mittelſtück, das wir ſo umgangen haben, enthält nun die
weiteren Ausſtellungsgruppen, und zwar ſind hier in großen Quadraten
in einer Größe von etwa 7X7 Meter in dekorativer Anordnung die
verſchiedenſten Blütenpflanzen, meiſt in Beetform, ausgepflanzt. Hier
finden wir in froher Farbenbuntheit Geranien, Knollenbegonien,
Som=
mer=Aſtern, Tagetes, Ageratum und andere Blütengewächſe, neben
immergrünen Pflanzen. Derartige Quadrate ſind geſchaffen von den
Firmen Rühl u. Schneider, Hermann Schulz, Weicker,
Loos und Jeſche. Sie unterſcheiden ſich zum Teil durch die Farben
und Liniengebung und bilden in ihrer Geſamtheit das Mittelſtück des
von Felſen= und Polſterſtauden in natürlicher Anordnung zwiſchen
Fel=
ſen und Steinen einer Böſchung. Dieſe ſehr ſchöne Anlage ſtammt von
E. Bauer. Zuletzt ſei erwähnt die Ausſtellung von
Ton=
töpfen oder Blumentöpfen der Freiherr v.
Riedeſel=
ſchen Töpferei in Lauterbach (Vertreter Hch. Schneider,
Darm=
ſtadt), die in recht dekorativer Weiſe zur Schau geſtellt ſind. — Und nun
zu den
Schnitkblumen in den Räymen der Vereinigken
Geſellſchaft.
Im Gartenſaal hat die Firma Kayſer und Seibert Stauden in
ſolcher Fülle und überſchwenglicher Farbenpracht in ſchönen Vaſen zur
Schau geſtellt, daß die Worte verſagen, dieſe Pracht zu beſchreiben.
Hin=
gehen und dieſe Schönheit mitgenießen ſind hier die allein treffenden
Worte. Kakteen und blühende Topfpflanzen ſind hier noch von Jeſche
und Hermann Schulz gezeigt.
In den oberen Räumen beherrſcht die Königin unter den Blumen.
die Roſe, das Feld. Ein Eßzimmer von dem Gartenbaubetrieb
Roſen=
höhe (Gartenbauinſpektor Göbel) mit Blumen geſchmückt, iſt beſtechend
in ſeiner Schönheit in Farbe und Duft. Die Tafel mit gelben und roten
Roſen zwiſchen herrlichem Porzellan iſt ein Genuß für ſich. Herrliche
Gladiolen und vornehme Orchideen, ſowie zahlreiche Sommerblumen
ſchmücken Möbel und Fenſterbänke. Roſen in zahlloſen Sorten und in
allen Farben zeigen die Firmen Heinrich Schneider. Fritz
Hufeld und Ernſt Bauer. Es iſt erſtaunlich, welche
Reichhaltig=
keit in Farbe und Duft die Roſe zu bieten vermag. Auch Dahlien, die
zurzeit in unſeren Gärten in Blüte ſtehen, fehlen natürlich nicht. Neben
den guten älteren Sorten finden wir beſtechende Neuheiten, die in Farbe,
wie in Geſtalt der Blüte hervorragend ſind. Die ausſtellenden Firmen
Hermann Schulz,. Hufeld und E. Bauer, bieten hierin
Her=
vorragendes. In den weiteren Sälen iſt Binderei und Blumen als
Schmuck des Raumes ausgeſtellt. Herrliche Gladiolen in großen Vaſen
wirken in ihrer Maſſe überwältigend. Aber wer wollte ſagen, jener Korb
mit Zinnien iſt ſchöner als dieſer mit gemiſchten Blumen, oder jener
mit Gladiolen, oder ein anderer mit Roſen. Blumen in ſolcher Pracht
werden ihre Wirkung nie verfehlen, wie ſie auch dargeboten werden.
Kränze und andere Blumengewinde für Trauerfälle ſind in ſeltener
Schönheit ausgeſtellt. Reicher, wie einfach ſchöner Schmuck der Tafel iſt
gezeigt mit den verſchiedenſten Blumen. An der Ausſtellung der Blumen
in ihrer Verwendung in Vaſe oder gebunden ſind die folgenden Firmen
beteiligt: Hch. Schäfer, L. Kuhn, W. Kühn, Weicker, Schuck,
Jeſche, Loos, Pfeiffer.
Mit Worten läßt ſich die Pracht und Fülle des Gebotenen nicht
er=
ſchöpfend beſchreiben. Dieſe Farben, dieſen Duft, dieſe Schönheit in
Form und Geſtalt der Blüten muß man mit den eigenen Sinnen
wahr=
genommen haben, um ſie recht zu würdigen.
Nicht nur der Blumen= und Gartenfreund, ſondern jeder, dem die
Pflanze mehr iſt als Gegenſtand, und der die Natur liebt, ſollte ſich dieſe
Blumen= und Pflanzenausſtellung anſehen, die leider nur wenige Tage
dauern wird. Man kann dieſen Bericht nicht ſchließen, obne die
erfreu=
liche Feſtſtellung zu machen, daß unſere Darmſtädter Gau enbaubetriebe
auf der Höhe ſind, ſowohl in der Erzeugung von Pflanzen und Blumen
in hervorragender Güte, als auch in der Verarbeitung dieſer Erzeugniſſe
zu Sträußen, Kränzen, Vaſenſchmuck uſw.
Die Stadt Darmſtadt hat Anlaß, ſtolz zu ſein auf dieſe Ausſtellung
als wichtiger Teil im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten anläßlich der
600=Jahrfeier Darmſtadts.
Mil dem Ausflugſonderzug der Reichsbahndirekkion
Mainz nach Bad Dürkheim und Neuſtadt a. d. H.
am 7. Hepkember 1930.
Sonntag, den 7. September d. J. fährt die
Reichsbahndirek=
tion Mainz einen Ausflugsſonderzug nach dem am Fuße des
ſon=
nigen Hardtgebirges gelegenen Bad=Dürkheim und nach Neuſtadt
a. d. H. der „Perle der Pfalz”, Geſellſchaftskraftwagen der
Deut=
ſchen Reichspoſt bringen die Ausflügler, in die Umgebung des
an=
mutigen Badeorts Bad=Dürkheim, nach der ſtimmungsvollen
Kloſterruine Limburg und nach der Ruine Hartenberg, einem
architektoniſch höchſt intereſſanten Bauwerk, ſtummen Zeugen einer
bewegten Vergangenheit. Bad=Dürkheim iſt ein Hauptſitz des
pfäl=
ziſchen Weinbaues und ganz von Weinbergen umgeben. Von
Neu=
ſtadt a. d. H. aus, das als Verkehrszentrale der Pfalz gilt, können
kleinere und größere Wanderungen dem Hardtgebirge entlang, in
die tauſendfältig anziehende Umgebung gemacht oder lohnende
Geſellſchaftsfahrten in Geſellſchaftskraftwagen nach den
benachbar=
ten berühmten Weinorten Deidesheim, Forſt, Ruppertsberg,
Wachenheim uſw. ausgeführt werden. Beſonders beſuchenswert iſt
Maikammer, St. Martin mit der herrlichen Kropsburg. Näheres
über die Fahrt iſt aus den auf den Bahnhöfen und bei den
Mittel=
europäiſchen Reiſebüros uſw. angeſchlagenen Aushängen zu
er=
ſehen. Auch werden während der Fahrt Handzettel ausgegeben,
die über alles erſchöpfende Auskunft geben.
Faue Haure nichtffärben!
Katrupal, ges. gech-, das seit Jahren berähute biote- 7
giuche Huurtärkungmmnuer führt den srchwichte 7
Huarmurrelo die verbruuchten Riswente Farbstofte) m. u
sodaß gruue Hlnare und Nachmuchs unf natürliche 7
Welse die chemalige Farbe wiedererhalten, daher Fchl. 7
furdon uusgeschlouen. Kopfuchuppen vervohrinde 7
nuch kurzem Gebrunch. Auwenduns eintach. Germntiest 7
unschidlich. Oniginsl-Flasche M. 4,80. Prospokt kostenba 5
iet
Löwen- Apolheke
Narmsladt
Ballopplatz 11
Muſikverein. Die glänzend verlaufene Aufführung der
Meſſe von Peterſen hat erwieſen, daß auch ein mittelſtarker Chor
Ausgezeichnetes leiſten kann, wenn der Einſtudierung die nötige
Zeit und der Durchführung die Schwungkraft zugewendet wird,
wie es die befeuernde Leitung Generalmuſikdirektor Dr. Böhms
vermag. Nichtsdeſtoweniger läßt gerade der große Raum des
Landestheaters es erwünſcht erſcheinen, namentlich dem
Herren=
chor neue Kräfte zuzuführen. Es ſeien daher ſtimmbegabte und
für ernſte Kunſt begeiſterte Damen und Herren aufgefordert, ſich
durch ihre Mitwirkung an den idealen Zielen des Vereins zu
be=
teiligen. Anmeldungen nimmt Frau Ella Arnold, Aeußere
Ring=
ſtraße 118 (Tel. 3316), entgegen Die Proben beginnen am
Montag, den 8. September, im Vereinshaus, W. Gläſſingſtr. 24,
mit der Peterſen=Meſſe. Weitere ſchöne Aufgaben werden in
die=
ſem Winter den Mitwirkenden geſtellt durch die Aufführungen
von Händels „Joſua” und Bachs Matthäuspaſſion. — Das erſte
Jahr iſt beitragsfrei. (Siehe Anzeige.)
— Alt=Darmſtadt, Verein für Ortsgeſchichte und Heimatkunde.
Nächſte Veranſtaltung: Donuerstag, abends 8½ Uhr
Eintracht=
ſaal, Eliſabethenſtraße 12. Zwangloſes gemütliches
Beiſammen=
ſein. (Geſchloſſener Kreis, nur für Mitglieder und geladene
Gäſte.)
Die Opel=Unruhen vor Gericht.
Zu unſerem Bericht über die Verhandlung in der
Freitags=
nummer erſucht uns die Staatsanwaltſchaft um folgende
Mit=
teilung: „Der Staatsanwalt hat pflichtgemäß die Art der
Frage=
ſtellung des Verteidigers beanſtandet und der Vorſitzende hat ſich
im Laufe der Verhandlung wiederholt dieſen Beanſtandungen
an=
geſchloſſen. Der Vorſitzende hat Verhandlungsſtörungen” in dem
Verhalten der Staatsanwaltſchaft nicht erblickt und dieſes nicht
als ſolche behandelt.”
Die Werbeſchrift des Heſſiſchen Landestheaters für die
Spiel=
zeit 1930/31 iſt erſchienen und wird allen Mietern koſtenlos durch
die Poſt zugeſtellt. Der nach einem Entwurf von Wilhelm
Rein=
king ausgeführte Proſpekt enthält u. a. den für die neue
Spiel=
zeit in Ausſicht genommenen Spielplan, das Verzeichnis der
diesjährigen Solomitglieder der Oper und des Schauſpiels,
das Programm der Sinfoniekonzerte mit den genauen
Aufführungsdaten, die Mieteinteilung und Mietpreiſe,
einige auswärtige Urteile über die künſtleriſchen
Leiſtun=
gen des Heſſiſchen Landestheaters, vier Szenenbilder ſowie eine
Aufnahme von einer Bühnenprobe zum „Simone Boccanegra”,
mit dem die neue Spielzeit am 7. September eröffnet wird. Der
Proſpekt wird, jedem Intereſſenten koſtenlos von der
Miet=
abteilung des Heſſiſchen Landestheaters werktäglich zwiſchen 9 und
13.30 Uhr ausgehändigt.
Reichsbahn=Omnibuslinie Darmſtadt—Habitzheim. Wegen
ungenügender Benutzung verkehren ab 1. September zwiſchen
Roß=
dorf und Habitzheim die Fahrten 1 und 2 nur Montags.
Diens=
tags, Donnerstags und Freitags, die Fahrten 13 und 14 nur
Dienstags, Mittwochs, Freitags und Samstags, während die
Fahrten 5 und 6 an ſämtlichen Werktagen verkehren.
Evangeliſche Markusgemeinde. Unbeſchadet der lebhaften
Verſammlungstätigkeit in dieſen Tagen, für die bevorſtehende
Reichstagswahl wird die Arbeit in unſeren Gemeindevereinen
zum kommenden Winter am Montag, den 8. September,
abends 8 Uhr im Gemeindehaus. Kiesſtraße 17, von Herrn
Stadt=
pfarrer Vogel mit einem Gemeindeabend eingeleitet werden, zu
dem alle Gemeindemitglieder, ihre Angehörigen und Freunde
ein=
geladen und erwartet werden. Zur Beſprechung kommt an Hand
eines kürzlich erſchienenen Flugblattes das ſehr zeitgemäße
Thema „Was hat das Volk von der Kirche?” worüber
auch eine Ausſprache in der Verſammlung ſtattfinden ſoll. Nach
der längeren Sommerpauſe wird um rege Beteiligung gebeten.
Kurzſchrift und Maſchinenſchreiben gehören heute unbedingt
zum Rüſtzeug eines jeden Angeſtellten, Kaufmanns und
Gewerbe=
treibenden. Deshalb wird auf die angekündigten Lehrgänge des
Gabelsberger Stenographenvereins Ballonſchule hingewieſen.
Jahrzehntelange Erfahrung und nur erſtklaſſige Lehrkräfte
bür=
gen für einen erfolgreichen Unterricht.
(Aerztlicher Sonntagsdienſt: Iſt wegen plötzlicher
Er=
krankung ärztliche Hilfe erforderlich, ſo iſt ſtets zunächſt der
Hausarz” zu rufen. Wenn dieſer nicht erreichbar iſt, dann ſind
am Sonntag, den 31. Auguſt 1930 folgende Aerzte zu deſſen
Vertretung bereit: Dr. med. Grode, Roßdörferſtraße 22,
(Tel. 1419); Dr. med. Leydhecker, Heinrichſtraße 23,
(Tel. 1975).
Seite 6
Sonntag, den 31. Auguſt 1930
Nummer 240
Das große Zubiläums=Reit= u. Fahrturnier in Darmſtadt
Erſter Tag.
Der geſtrige erſte Turniertag war in jeder Hinſicht ein ſchöner
Er=
folg. Der Platz war ausgezeichnet hergerichtet und war in ſeiner
An=
lage von allen Seiten aus gut zu überſehen. Der Himmel hatte ſich zu
der Veranſtaltung mit ſchönſtem Blau geſchmückt und den ganzen Tag
war herrlicher Sonnenſchein. Jedoch ſorgte ein leichter Wind dafür.
daß es nicht allzu heiß wurde. — So waren alle Vorausfetzungen
ge=
geben, und die große Nennungsziffer mit über 400 Nennungen aus ganz
Deutſchland bewieſen, welches Intereſſe man dem Darmſtädter Turnier
entgegenbringt. Bedauerlich war nur das Fehlen der Polizei, deren
reiteriſche Qualität ja allgemein bekannt iſt. Das hervorragende
Pferde=
material und die glänzenden Leiſtungen in den einzelnen Konkurrenzen
machten den Samstag zu einem ſchönen Erlebnis für alle Freunde des
Pferdeſportes. Und daß es deren genug gibt in Darmſtadt, zeigte der
gute Beſuch und das große Intereſſe, mit dem die Wettbewerbe und
nicht zuletzt auch die prächtigen Schaunummern verfolgt wurden, die das
beſſiſche Landesgeſtüt und die Jugend=Reitabteilung beſtritten.
Der Samstagvormittag.
Zunächſt wurde die Vorprüfung des Preiſes von Mainz, eine
Dreſſurprüfung Klaſſe 4, vorgenommen. Außerdem eine
Eignungs=
prüfung für Reitpferde, die inſofern für den Laien beſonders
intereſ=
ſant wirkte, als die Pferde hier auf ihre Tauglichkeit für das Reiten
„auf Herz und Nieren” geprüft wurden. Nach gründlichem Vorreiten
mußten die Pferde mehrere Hinderniſſe ſpringen; ſie mußten weiter von
ihren Reitern bzw. Reiterinnen ohne jede fremde Hilfe abgeſattelt,
auf=
geſattelt und beſtiegen werden, ein Automobil wurde auf den Platz
ge=
fahren und mit allen Pferden in ſehr enge Berührung gebracht, um die
Scheufreiheit im Straßenverkehr zu prüfen.
Um 11 Uhr fand ein Hundert=Meter=Lauf für die
Vielſeitigkeits=
prüfung der Mitglieder der heſſiſchen Reitervereine ſtatt. Die Jungreiter
mußten im Reitanzug mit Stiefeln laufen, gewiß eine recht erhebliche
Anſtrengung. Die Zeit von 13,05 für die ſchnellſten Läufer iſt unter
die=
ſen Verhältniſſen außerordentlich gut zu nennen. Ferner wurde die
Vorprüfung des Preiſes von Heidelberg vorgenommen, wo zwei
ſtuden=
tiſche Reitabteilungen ſich den Richtern ſtellten.
Als Preisrichter hatten ſich der mühevollen Arbeit bei der
Vor=
prüfung am Samstag vormittag prominente Richter aus ganz
Deutſch=
land zur Verfügung geſtellt, u. a. der erſte Protektor des deutſchen
Reitervereinsweſens, Herr Guſtav Rau=Berlin, Chefredakteur von der
bekannten Pferdeſportzeitung St. Georg, ferner Herr
Landesökonomie=
rat Meher aus dem bekannten Pferdezuchtland Oldenburg. Herr
Land=
ſtallmeiſter Wachs=Dillenburg von dem heſſen=naſſauiſchen Landesgeſtüt,
Herr Rittmeiſter a. D. von Fabricius, Herr Rittmeiſter a. D. von
Wil=
lich=Düſſeldorf, Herr Philipp Pfeiffer=Finthen, Freiherr von Diersburg=
Londorf. A. Dettweiler=Wintersheim. Major Nette=Frankfurt. Paul
Heil=Frankfurt, A. Erbgraf zu Erbach=Erbach, von Neufville=Darmſtadt
und Dr. Röhmer=Erbesbüdesheim.
Der Samstagnachmittag.
Pünktlich um halb 2 Uhr wurde mit dem Nachmittagsprogramm
be=
gonnen. Die Reſultate der verſchiedenen Prüfungen wurden durch
Lautſprecher, der von der Firma Rühl u. Lang geſtellt war, bekannt
gegeben und konnten, den Beſuchern alle Ereigniſſe und Reſultate
je=
weils bekannt gegeben werden. Am Lautſprecher Dr. Dencker von der
techniſchen Leitung.
Der Beſuch des Nachmittags fiel in Anbetracht des Samstags recht
annehmbar aus und war beſonders die Tribünenſeite faſt vollkommen
beſetzt. Auf der reſtlos ausverkauften Tribüne ſah man Vertreter der
Negierung, des Miniſteriums und der Stadt und ſonſtiger Behörden.
Bei dem prächtigen Wetter bot ſich auf dem Turnierplatze ein bunt
be=
wegtes Bild. Das Programm nahm eine flotte Abwicklung und kamen
die Zuſchauer reſtlos auf ihre Koſten. Den Schulen waren verbilligte
Karten zur Verfügung geſtellt worden, und man merkte beſonders auch
der Jugend an, daß ſie große Freude am Pferdeſport hatte.
Die einzelnen Wettbewerbe.
Im „Preis von Lindenfels”, ein Jagdſpringen der Klaſſe A,
ſtar=
teten 44 Reiter. Im allgemeinen ritten die Mitglieder der heſſiſchen
Reitervereine verſtändig und gut, beſonders auffallend war der gute
Pflegezuſtand des Pferdematerials, das doch in den Händen unſerer
heſſiſchen Landwirtſchaft in der Woche ſchwere Arbeiten mit zu
verrich=
ten hat. 7 Reiter blieben fehlerfrei, und zu einem überlegenen Sieg kam
Jakob Gehringer vom Reiterverein Mettenheim (Rheinheſſen), der einen
ausgezeichneten Ritt zeigte. In der Dreſſurprüfung „Preis von Mainz”
kamen ebenfalls gute reiterliche Leiſtungen zuſtande. G. Schmunk=
Darm=
ſtadt, erhielt mit „Pepita” von Frl. Gottſchalk=Frankfurt, den 1. Preis.
Die Scheckſtute ging ausgezeichnet in Haltung und in allen Bewegungen
gut. Herr Hengſt=Offenbach, war mit dem 9jährigen Hannoveraner
„Schelm” ſehr guter Zweiter, Dritter Frl. Roſer=Frankfurt mit dem
Schimmelhengſt „Soldat”.
Im „Preis vom Landespferdezuchtverein” fand ſich die große
Teil=
nehmerzahl von 16 Einſpännern zuſammen. Das Material war ſehr
gut. Es iſt gewiß ein Kompliment für die heſſiſche Pferdezucht, wenn
hier zwei bodenſtändige, in Heſſen gezogene Oldenburger, den erſten und
zweiten Preis an ſich brachten, denn die mit dem erſten Preis
ausge=
zeichnete und auch die erſt Zjährige Roſa gingen hervorragend, ſehr gut
auch die mit dem dritten Preis ausgezeichnete Lieſel von Schickert=
Un=
denheim, ſowie Erika von Kredel=Elsbach.
Den Sieg in der Dreſſurprüfung „Preis vom Rhein” holte Rolf
Müller=Georgenhauſen, den zweiten Karl Müller=Lengfeld. Die fünf
prämiierten Reiter (vgl. Reſultate) zeigten recht hochſtehendes reiterliches
Können.
Im Odenwald=Jagdſpringen ging der Kurs über 12 Hinderniſſe, die
nicht leicht waren, denn es blieb nur einer fehlerlos, und zwar Frl.
Roſers „Elektrik” unter E. Reinhard: 2. H. Schotts=Darmſtadt
Phan=
tom” (Reiter: H. Logel); 3. Frl. Creutzers=Schloß Saaleck „Sthlva”
(Reiter: A. J. Steinruck).
Im St. Georgs=Preis, einer Eignungsprüfung für Reitpferde,
wurden nur die Sieger in der leichten Abteilung vorgeſtellt. Es kam
der entzückende Araber. Dorjer” des Frl. Gottſchalk=Frankfurt unter G.
Schauder zum Sieg, 2. Dr. Wienandts „Fliv”, ein ſehr ſchöner
Dunkel=
brauner.
Sehr wirkungsvoll war die Parade der ländlichen Reiterabteilungen
aus Starkenburg. Bei den vorgeſchrittenen Abteilungen war die
Ab=
teilung „vorderer Odenwald” Sieger, und bei den Anfängern fiel der
erſte Preis an Brandau=Ernſthofen.
Im Amazonen=Jagdſpringen, Kl. M. wurde Frl. Vierling Sieger auf
„Parabel”, die mit drei Fehlern ausgezeichnet über den Parrours
ge=
ritten wurde. Auf die hoch intereſſanten Schaunummern kommen wir
morgen zurück.
Reſultake des erſten Tages.
Preis von Lindenfels.
(Jagdſpringen für Anfänger als Teilprüfung für die
Vielſeitigkeits=
prüfung der heſſiſchen Reitervereine) — 43 Teilnehmer:
1. Preis 50 RM und Ehrenpreis gegeben von Herrn
Miniſterial=
direktor Profeſſor Dr. Rößler (Programm=Nr. 73): Jar. Göhringer=
Mettenheim (0 Fehler, 35 Sekunden), mit Paſcha, 5jähr. br. W.
2. Preis: M. Enders=Hechtsheim mit „Mina” (0 F., 38 Sek.).
3. Preis: Jak. Schuck=Selztal (Rheinh.) mit „Detta” (0 F., 40 Sek.).
4 Preis: M. Stenner=Hechtsheim mit „Hans” (0 Fehler, 44 Sek.)
5. Preis: Fritz Weber=Brandau=Ernſthofen mit „Roſa” (0 F. 53 Sek.).
6. Preis: Jakob Klein=Hechtsheim mit „Lotte‟ (0 F., 55 Sek.).
7. Preis: Gg. Weber=Brandau=Ernſthofen mit Olga‟ (0 F. 763 S.).
8. Preis: M. Lemb=Hechtsheim mit „Hans” (3 F., 463 Sek.).
9. Preis: K. Wohmann=Selztal mit „Ella” (3 F., 53 Sek.).
4. Preis: Tatterſall H. Schott=Darmſtadt mit „Grana” (Reiter: Frl.
Adelheid Keim).
5. Preis: Ernſt Keller=Offenbach mit „Kilonda” (Reiter: Ernſt Keller).
6. Preis: Frl. Santa Gottſchalk=Frankfurt mit „Flieger” (Reiter: C.
Schnabel).
7. Preis: O. Bonwit=Frankfurt mit „Sonnenſtmahl” (Reiter: G.
Bon=
wit jr.).
8. Preis: Reitſtall F. Ankerſmit=Darmſtadt mit „Fellow” (Reiter: Frl.
Giſela Carnier).
Preis vom Landespferdezuchtverein.
(Eignungsprüfung für Einſpänner) 16 Teilnehmer:
1. Preis 50 RM. und Ehrenpreis des Herrn Generaldirektors Dr.
Hamann: Georg Heil=Habitzheim mit „Halina” (Prämienſtute, gez.
in Heſſen); Fahrer: Heinz Heil.
2. Preis: Philipp Becht=Hähnlein mit „Roſa” (Prämienſtute, gez. in
Heſſen); Fahrer: Beſitzer.
3. Preis: Georg Schickert=Undenheim mit „Lieſel”; Fahrer: Willy
Schickert.
4. Preis: Gg. Kredel=Elsbach mit „Erika”; Fahrer: K. Müller=Lengfeld.
5. Preis: J. Schuck=Budenheim mit „Detta”; Fahrer: Jak. Schuck jr.
6. Preis: Chriſt. Lutz=Groß=Gerau mit „Hans”; Fahrer: Karl Lutz.
Preis vom Rhein.
(Dreſſurprüfung als Teilprüfung für den Vielſeitigbeitswettbewerb der
heſſiſchen Reitervereine):
1. Preis: R. Müller=Georgenhauſen mit „Tell”: 2. Preis: Karl
Müller=Lengfeld mit „Ilſe”: 3. Preis: Karl Michel=Habitzheim mit
„Prinz”; 4. Preis: Fritz Rapp=Habitzheim, 5. Preis: Georg Appel=
Arheilgen.
Odenwald=Jagdſpringen, Klaſſe A.
1. Preis: Frl. H. Roſer=Frankfurt mit „Electric”: Reiter: E. Reinhard.
2. Preis: Tatterſall H. Schott=Darmſtadt mit „Phantom”; Reiter: H.
Ph. Logel.
3. Preis: Frl. Erika Creutzer=Schloß Saaleck mit „Sylva”; Reiter: A.
J. Steinruck.
4. Preis: Tatterſall H. Schott=Darmſtadt mit „Grane”; R.: L. Noack.
5. Preis: Paul Heil=Frankfurt mit „Karara”; Reiter: E. Reinhard.
6. Preis: Frl. E. Creutzer=Schloß Saaleck mit „Sagle”; Reiter: A.
J. Steinruck.
St. Georg=Preis.
Eignungsprüfung für Reitpferde o. M. (leichte Pferde):
1. Preis: Frl. Santa Gottſchalk=Frankfurt mit „Dorier”; Reiter: G.
Schauer.
2. Preis: Dr. A. Wienandt=Sprendlingen mit „Flip”; Reiter: Fräulein
Maja Wienandt.
3. Preis: Oberleutnant a. D. Rettig=Darmſtadt mit „Alwine”; Reiter:
Beſitzer.
4. Preis: Dr. A. Wienandt=Sprendlingen mit „Cherry”; Reiter: H.
Wienandt.
Preis von Starkenburg.
Abteilungswettkampf für ländliche Reitabteilungen aus der Provinz
Starkenburg.
A. Fortgeſchrittene Abteilungen, 4 Teilnehmergruppen:
1. Preis: Reitabteilung Vorderer Odenwald;
2. Preis: Reitabteilung Arheilgen.
3. Preis: Reitabteilung Büttelborn.
B. Anfänger=Abteilungen, 2 Teilnehmergruppen:
1. Preis: Reitabteilung Brandau=Ernſthofen.
2. Preis: Neitabteilung Groß=Umſtadt—Richen.
Amazonen=Jagdſpringen, Klaſſe M.
Abteilung A, im Herrenſattel — 3 Teilnehmerinnen:
1. Preis: Hauptmann Kraus=Berlin mit „Parabel”; Reiterin: Fräulein
Vierling.
Preis von Mainz.
(Dreſſurprüfung Klaſſe A.)
1. Preis und Siegerehrenpreis vom Darmſtädter Reiterverein: Frl.
Santa Gottſchalk=Frankfurt mit „Pepita” (Reiter: Gg. Schmunk).
2. Preis: Frau Direktor Hengſt=Offenbach mit „Schelm” (Reiter: Fritz
Hengſt).
3. Preis: Frl. Santa Gottſchalk=Frankfurt mit „Soldat” (Reiter: Frl.
Hedwig Roſer).
Das heutige Sonntagsprogramm wird noch um
eini=
ges intereſſanter werden; ſtehen doch ſo intereffante und
ſchwere Wettbewerbe auf der Karte wie das
Amazonenjagd=
ſpringen Klaſſe I. im Herrenſattel und das Amazonenjagdſpringen M,
welches im Damenſattel geritten werden muß. Ferner kommen der
„Große Preis von Darmſtadt”, ein ſchweres Jagdſpringen,
zum Austrag; der Hindenburg=Preis, die
Hauptdreſſurprü=
fung, und vor allem auch der Preis vom Heſſiſchen Staatsminiſterium,
die Vielſeitigkeitsprüfung der heſſiſchen Reitervereine.
Bereits in der Frühe um 6 Uhr nimmt der Geländeritt der achtzig
heſſiſchen Reiter ſeinen Anfang, und werden anſchließend verſchiedene
Vorprüfungen zur Durchführung gelangen.
Der Sonntag=Nachmittag.
Als erſtes findet der „Preis vom Frankenſtein” ſtatt, ein
Jagdſpringen mit etwa 30 Teilnehmern. Nach dem erſten Teil der
Hengſtſchaunummer folgt das Amazonenjagdſpringen, und zwar
zu=
nächſt das Springen der Klaſſe I, und anſchließend das
Amazonenſprin=
gen im Damenſattel.
Im „Preis von St. Georg” einer Eignungsprüfung für
Reitpferde, Abteilung ſchwere Pferde kommt eine Kollektion
wirklich erleſenen Materials in die Bahn, während die Entſcheidung
für die Abteilung „Leichte Pferde” bereits geſtern gefällt wurde (ſiehe
Reſultate). Alsdann folgen wieder mehrere der höchſtintereſſanten
Schaunummern, und anſchließend dann der „Preis von
Oldenburg”, wo zehn großartige Zweigeſpanne ſich dem
Richter=
kollegium ſtellen werden.
Um 5 Uhr wird dann das ſchwerſte Springen des Turniers, der
„Große Preis von Darmſtadt” zur Abwicklung gelangen;
ein ſchwerer Hindernisparkours von 14 Sprüngen. Unter anderem iſt
der vier Meter breite Waſſergraben zu ſpringen, außerdem die beiden
mit Steinmauern eingekleideten großen Erdwälle auf dem Turnierplatz.
Allerdings wird eine Reihe wirklich erſtklaſſiger Pferde ſich um den
Ehrenpreis des Herrn Oberbürgermeiſters der Stadt Darmſtadt und um
die 600 Mark Geld=Preiſe bewerben. Als beſonders ausſichtsreich
dürf=
ten die Berliner Pferde angeſehen werden, u. a. Balmung, Deſrhed,
Parabel, die allerdings am letzten Sonntag auf dem Turnier in Verden
(Hannover) ſchwer geſtürzt war, und Alraune. Die Pferde werden
ge=
ritten von der bekannten Sportſtudentin Frl. Vierling bzw. Herrn
Hauptmann Hartmann. Einige gute Pferde werden weiter geritten von
Herrn Nette=Frankfurt, von Herrn Wienandt=Sprendlingen und von
Herrn Rapp=Mainz. Frau von Opel hat ausgezeichnete Springpferde,
wie den Schimmel Nanuk und den wunderſchönen Trakehner Hobel
dabei. Ferner ſind vertreten Frl. Creutzer. „Herr Dr. Bartram=
Mann=
heim, und als Darmſtädter Reiter Herr Dr. Dencker.
Erſte Siegeschancen:
Orpheum. Abſchieds=Vorſtellung Marga Peter=
Guſtav Bertram. Heute Sonntag abend 8.15 Uhr
verabſchie=
den ſich Marga Peter und Guſtav Bertram vom hieſigen
Publi=
kum in dem unverwüſtlichen Schwank „Charleys Tante‟. Zugleich
wird darauf aufmerkſam gemacht, daß die heutige Vorſtellung
„Charleys Tante” unwiderruflich die letzte iſt. Ab Montag bis
auf weiteres finden keine Vorſtellungen ſtatt. Der
Sonntags=
karten=Verkauf findet ſtatt: Verkehrs=Büro 11 bis 1 Uhr.
Orpheums=Kaſſe ab 3 Uhr. Telephoniſche Beſtellungen unter 389.
(Vgl. heutige Anzeige.)
— Stenographie und Maſchinenſchreiben. Unter Hinweis auf
die heutige Anzeige macht die Stenographen=Vereinigung
Ga=
belsberger”, Handwerkerſchule, Ecke Karls= und Nieder=
Ram=
ſtädterſtraße, darauf aufmerkſam, daß am Dienstag, den 2. und
Freitag, den 5. September, abends 7 und 8 Uhr neue Kurſe
in Reichskurzſchrift ſowie Redeſchriftkurſe unter fachmänniſcher
Leitung ſtaatl. geprüfter Lehrer der Stenographie beginnen.
Der Maſchinenſchreib=Unterricht, Karlsſtr. 23, Erdgeſchoß, findet
täglich von 4—9 Uhr ſtatt.
Wahlverſammlung der Deutſchen
Volksparkei.
t. Die erſte öffentliche Wählerverſammlung der Deutſchen
Volks=
partei in Darmſtadt fand am Samstag im Städtiſchen Saalbau ſtatt.
Als Redner war der langjährige Reichstagsabgeordnete der D. V.P.
Herr Morath=Verlin gewonnen, der auch jetzt wieder auf der
Reichs=
liſte der Partei kandidiert und den der Verſammlungsleiter, Herr
Welkow, mit einführenden Worten begrüßte. Die Verſammlung
war gut beſucht.
„Staatsvolk oder Intereſſenhaufen”, mit dieſem Ausſpruch des
Reichsfinanzminiſters Dietrich beginnend, kennzeichnete Herr Morath
den Kampf gegen die Intereſſenwirtſchaft beſſer als einen Kampf um
den Intereſſenausgleich, und ſchilderte die politiſche Lage, die ſich ſeit
dem 18. Juli 1930 ergab. Sinn des parlamentariſchen Syſtems iſt es,
daß die Mehrheit die Verantwortung übernimmt; aber die Mehrheit,
die damals die Regierungsvorlage abgelehnt hat, wäre nie arbeitsfähig
geweſen. Nun gelte es, am 14. September einen arbeitsfähigen
Reichs=
tag zu wählen. Wer jetzt eine Kataſtrophen=Politik betreiben will, der
macht alles zunichte, was das deutſche Volk in den letzten 12 Jahren
ſich mühſam erarbeitet hat. Der neue Reichstag darf kein Tummelplatz
werden für die radikale Rechte oder Linke, ſondern muß eine beſonnene
und arbeitsfähige Mitte enthalten. Es hat ſich in den letzten Jahren
gezeigt, daß die kleine Fraktion der Deutſchen Volkspartei wohl in der
Lage war, die Arbeit der viel ſtärkeren ſozialdemokratiſchen Fraktion
erfolgreich zu bekämpfen. Das Primat der Innenpolitik muß nun in
den Vordergrund treten, nachdem das Primat der Außenpolitik in
müh=
ſeliger Arbeit unter Streſemanns Führung zur Befreiung der
Rhein=
lande von fremden Truppen geführt hat. Streſemann hat einmal mit
Recht der Etappe der Oppoſition die Arbeit im Schüitzengraben der
Ver=
antwortung gegenübergeſtellt. Wir erkennen an, daß bei der Politik,
die zur Befreiung der Rheinlande führte die Sozialdemokratie
mit=
gearbeitet hat; aber vollkommen verſagt haben die Sozialdemokraten
auf dem Gebiete der Finanzpolitik. So iſt es dahin gekommen, daß
von 7178 Millionen Ausgaben im öffentlichen Haushalt des Reichs,
der Länder und Gemeinden im Jahre 1913 wir im Jahre 1927 nach
den Etatszahlen auf eine Geſamtausgabe in den gleichen Körperſchaften
von 18 760 Millionen Reichsmark geſtiegen ſind. So iſt es dahin
ge=
kommen, daß die Deutſche Volkspartei auf die ſchärfſte Sparſamkeit
überall drängen mußte, und bei dieſem Beſtreben zunächſt allein ſtand.
So ging z. B. der Antrag der Deutſchen Volkspartei nicht durch, dem
Reichsſparkommiſſar ein Veto=Recht gegenüber dem Reichsfinanzminiſter
zuzugeſtehen. Niemand von uns wird daran denken, die Arbeitsloſen=
Verſicherung wieder zu beſeitigen; gingen wir doch vor dem Krieg nicht
im entfernten Maße durch ſolche Wirtſchaftskriſen wie heute. Aber
nie=
mand, der es gut meint mit unſerer deutſchen Sozialgeſetzgebung, wird
beſtreiten, daß es auch viele unechte Arbeitsloſe gibt und daß es gerade
dem deutſchen Arbeiter nicht zuſtehen dürfte, von ſeinem Gelde ſolche
aſozialen Elemente zu unterſtützen. Nachdem Hilferding verſagt hatte,
kam Moldenhauer, der nach guten Anfangserfolgen auch ſcheiterte. Er
ſtand vor einem Defizit, das er nicht verſchuldet hatte; er ſtand vor
einer Steuerdürre. Moldenhauer vermochte daher auch nicht, Ordnung
in die Reichsfinanzen zu bringen, wohl aber gebührt ihm das Verdienſt,
Ordnung in das Reichskaſſen=Syſtem zu bringen. So drang der
Ge=
danke durch, angeregt von Stegerwald, nicht durch neue Steuern,
ſon=
dern durch Herabſetzung der Beamtengehälter, weſentliche Erſparniſſe
zu erzielen. Leider iſt Stegerwald in ſeiner ſtarken Einſtellung gegen
die Beamtenſchaft mehr als befangen. Das deutſche Volk kann ſeine
ſchwere Wiederaufbau=Arbeit nicht leiſten ohne die Mithilfe des
deut=
ſchen Berufsbeamtentums. An dem immer wachſenden Defizit waren
in ſteigendem Maße die Arbeitsloſen= und die Kriſenverſicherung
be=
teiligt. Als Moldenhauer dann den Gedanken des Stegerwaldſchen
Notopfers, ohne ſich mit unſerer Fraktion, die dagegen war, vorher in
Verbindung zu ſetzen, aufnahm, brachten wir das Opfer und ließen
unſern Miniſter gehen. Wir haben volles Verſtändnis dafür, daß die
Beam=
tenſchaft, wenn es ſein muß, auch ihr Teil an dem Opfer beizutragen
bereit iſt; daß ſie es aber ablehnt, allein zu finanziellen Opfern
heran=
gezogen zu werden. Die Einführung der Bürgerſteuer, für die wir
eintraten, iſt vollkommen berechtigt. Denn bisher bewilligten oft in
den Gemeinden diefenigen die Steuern und die Steuererhöhungen, die
ſie nicht zu zahlen brauchten. Im übrigen bedeutet die Bürgerſteuer ja
nur ein ganz geringe Ausgabe. Was die Deutſche Volkspartei in den
letzten. Jahren bewegte, was ihr als unverrückbares Ziel vorſchwebt,
waren Senkung der Ausgaben und Sparſamkeit auf allen Gebieten des
öffentlichen Lebens. Unter dieſen Umſtänden war es nur natürlich,
daß die Deutſche Volkspartei durch ihre Führung den undankbaren
Ruf zur Sammlung ergehen ließ. Darauf kommt es nun an, die paar,
die zehn Mandate, für die bürgerlichen Regierungsparteien zu erringen,
die dieſen zur Mehrheit noch fehlen. Wir haben nichts gegen die
Deut=
ſche Staatspartei; aber nicht ſchön war es, wie ſo manche. Führer der
Deutſchen Staatspartei offen eingeſtanden haben, daß ſie durch ihre
Gründung eine Spaltung der Deutſchen Volkspartei herbeizuführen
ſuchten. Eine Sammlung kann nur von der Mitte ausgehen, nicht von
einer Flügelpartei. Wir glauben, offen vertreten zu können, was wir
in den letzten Jahren geleiſtet haben, wenn unſere Arbeit auch
manch=
mal unpopulär geweſen ſein mag. Ueber allen Intereſſen Einzelner
hat uns immer das Vaterland geſtanden.
Dem Redner dankte ſehr lebhafter Beifall. Durch Zwiſchenrufe
hatten ſich während ſeiner Ausführungen die Nationalſozialiſten
be=
merkbar gemacht. Nach einer kurzen Pauſe begann die Ausſprache, in
der ein Vertreter der Nationalſozialiſten, wie Herr Morath in ſeinem
Schlußwort betonte, ſich in ſachlicher Weiſe bemühte, ſeine Angriffe
gegen die Deutſche Volkspartei vorzutragen. Dagegen verſuchten die
Nationalſozialiſten, das Schlußwort des Redners zu ſtören. — Herr
Morath forderte in ſeinen Schlußausführungen die Nationalſozialiſten
vor allem auf unſerem Reichspräſidenten gegenüber wenigſtens den
gebührenden Anſtand zu bewahren, und betonte die Verbeſſerungen und
Erleichterungen, die unleugbar der Young=Plan gegenüber dem Dawes=
Plan gebracht habe. Auch dem Schlußwort des Referenten folgte
leb=
hafter Beifall.
Aus den Darmſtädter Lichkſpielkheakern.
alaſt=Lichtſpiele,
Defkhed. Nanuk und Ja.
Der Preis vom Heſſiſchen Staatsminiſterium.
Den beiden Siegermannnſchaften im Preis vom Heſſiſchen
Staats=
miniſterium wirken die großen Silbernen Wanderpokale, die vom Herrn
Staatspräſidenten geſtiftet wurden. Außerdem werden 800 Mart in
Geld vergeben.
Die Schaunummer Jung=Darmſtadt” wird beſonders viel
Beifall finden, denn die jungen Reiterinnen und Reiter machen ihre
Aufgabe ſehr nett.
Im „Hindenburg=Preis”, einer ſchweren Dreſſurprüfung,
wird dem Publikum ganz wundervolles Pferdematerial in vollkommener
Dreſſur dargeboten. Dieſe Dreſſurprüfung iſt von Damen und Herren,
die im Beſitz des deutſchen Herrenreiterausweiſes ſind, zu reiten. Dem
ſiegenden Reiter winkt der Ehrenpreis des Herrn Reichspräſidenten von
Hindenburg.
Das glänzende Programm wird mit dem Preis von
Heidel=
berg” ſein Ende nehmen, und wird hoffentlich durch die Sonntags=
Ereigniſſe unſer Jubiläums=Turnier mit vollem Erfolg zu Ende geführt
werden, und zwar mit einem Erfolg nicht nur allein in ſportlicher
Hin=
ſicht, ſondern auch in finanzieller Hinſicht, damit Darmſtadt auch
ferner=
hin derartige große Turniere erhalten bleiben können.
die einige Tage wegen Umbau der Vorführungskabine geſchloſſen
waren, eröffneten geſtern mit einem ſchönen Film von der noch
ſchöneren Jenny Jugo wieder ihre Pforten. „Die
Schmugg=
lerbraut” von Mallorca, iſt in dieſem alſo benamſten
Film Jenny Jugo. Und es ſcheint, als ſei er eigens für die
ſtrahl=
äugige Schönheit der reizenden Jenni geſchrieben, bzw. gedreht.
In hundert Großaufnahmen kann man den rührend naiv=
kind=
lichen und ſchwärmeriſchen und liebeſtrahlenden, aber auch
haß=
funkelnden Aufſchlag der großen, reich bewimperten, ſtrahlenden
Sammetaugen bewundern. Dazu das ſchelmiſche Lächeln des
klei=
nen, zuckenden Grübchenmundes mit dem zarten raſſigen Flaum
der Oberlippe. Man kann Jenny Jugo tanzen und kratzen, lieben
und küſſen und wie eine Katze um ihre Tugend kämpfen ſehen,
bis die Schmugglerbraut ihren ſchönen und treuen Fiſcherknaben
— vorerſt waren es deren zwo, aber der eine mußte ſein junges
Leben laſſen, heimführen darf — happr end! — Eigentlich iſt ſie
nicht einmal eine Schmugglerbraut denn ihr Bräutigam
ſchmug=
gelt gar nicht, und der Schmugglerkönig kriegt ſie nicht. Aber das
macht ſich beſſer im Titel. Jedenfalls aber bringt der Film eine
Kette ſchöner felſiger Landſchaftsbilder und gute Milieuzeichnung.
Er bringt bewegte Maſſen= und Kampfſzenen und iſt gut, weil er
nicht mehr ſein will, als eben Film!—
Das Beiprogramm bringt neben einer tollen Groteske einen
recht guten Film aus der großen buddhiſtiſchen
Religions=
bewegung.
Briefkaſten.
Jeder Anfrage iſt die letzte Bezugsquittung beizufüger. Anonyme Arft
nicht beantwortet. Die Beantwortung erfolgt ohne Rechteverblndichtett.
„Zimmer”. Da das Zimmer nicht zu Wohnzwecken, ſondern
zum Unterſtellen von Möbeln weitervermietet werden ſoll, kommt
es darauf an, ob der Vermieter Ihnen erlaubt hat, den Gebrauch
der Mietſache einem Dritten zu überlaſſen. Hat der Vermieter
die Zulaſſung der Untermiete ohne wichtigen Grund aus der
Per=
ſon des Dritten (Untermieters) verweigert, ſo ſteht dem Mieter
lediglich ein Kündigungsrecht zu. Ein im Klageweg zu
erzwin=
gender Anſpruch auf Erteilung der Erlaubnis ſteht Ihnen
nicht zu.
R. 100. 1. Ja: aber die nach Geſetz zu Erben berufenen
Kin=
der können, das Pflichtteilsrecht beim Tode des längſtlebenden
Ehegatten verlangen. Hiermit erledigt ſich auch die Frage 2.
Stuhlverſtopfung. Nach den an den Kliniken für innere
Krank=
heiten geſammelten Erfahrungen iſt das natürliche „Franz=Joſef”=
Bitterwaſſer ein äußerſt wohltuendes Abführmittel. (DF. 10123
den
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dung
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Neckar=
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Nummer 240
Sonntag, den 31. Auguſt 1930
Seite 7
Breike Einheitsfronk im Abwehrkampf
Gegen die verkehrsſchädigenden Abſichten der Reichsbahn
haben nunmehr in Darmſtadt neben der Induſtrie= und
Handelskammer, dem Heſſiſchen
Verkehrsver=
band, dem Verkehrsverein ſowie dem Odenwald=
Verkehrsbund auch der Oberbürgermeiſter der
Lan=
deshauptſtadt ſowie die Heſſiſche Regierung nachdrücklichſt
Verwah=
rung eingelegt. Die nur zu begreifliche Erregung, die im
Odenwald und im Neckartal, nicht zuletzt in
Heil=
bronn, insbeſondere gegen den Wegfall der Odenwald=Neckar=
Eilzüge herrſcht, iſt ganz beſonders groß, der beſte Beweis dafür,
daß an einen Ausfall dieſer ſo wichtigen einzigen
Schnellverbin=
dung für die in Frage kommenden Gegenden praktiſch nicht wird
gedacht werden können, wenn die Reichsbahn nicht eine
ſchwere Einbuße an Anſehen erleiden will, die ſich
folge=
richtig auch in materieller Beziehung auswirken müßte. Es bleibt
dringend zu hoffen, daß die zweifellos noch ſtattfindenden
Ver=
handlungen zwiſchen den berufenen Vertretungen der
Verkehrs=
intereſſen und der Reichsbahn die maßgebenden Stellen, dieſes
führenden Verkehrsunternehmens davon überzeugen werden,
daß mit ſo rauhen Eingriffen in das feinmaſchige Netz
des Verkehrslebens, wie ſie der Plan des Wegfalls der Odenwald=
Neckar=Eilzüge und der einzigen ſchnellen Durchgangsverbindung
von Darmſtadt über Aſchaffenburg nach Bayern darſtellt, eine
poſitive Verkehrspolitik nicht betrieben
wer=
den kann.
Der Odenwaldklub gegen die Pläne der Reichsbahn.
Zu unſerer Ueberraſchung haben wir aus den
Tages=
zeitungen erſehen, daß die Reichsbahn mit der Abſicht umgeht,
die überaus bedeutungsvollen Odenwald — Neckar=
Eil=
züge in ihrer Verkehrszeit einzuſchränken, aber auch
den durchgehenden Verkehr von Heſſen und
ſpeziell Darmſtadt mit Bayern völlig
abzu=
ſchneiden, indem das einzige Schnellzugspaar,
das Darmſtadt mit Aſchaffenburg und darüber
hinaus mit Bayern und Oeſterreich verbindet,
ausfallen ſoll. Wir halten es für unſere Pflicht, auch von
uns aus als berufene Vertretung des ſo ausgedehnten
Wander=
verkehrs im Odenwald, Bergſtraße und Neckartal, — wir
zäh=
len in 118 Ortsgruppenüber 14500 Mitglieder!
— darauf hinzuweiſen, eine wie unglückliche Maßnahme
der Plan einer Beſchränkung der Verkehrszeit der genannten,
den Odenwald berührenden ſchnellfahrenden Züge darſtellt. Der
mittlere und der öſtliche Odenwald würden, wenn
die Abſicht durchgeführt würde, von jeder ſchnellfahrenden
Ver=
bindung entblößt werden, was nicht allein unmittelbare
Folgen für die durch den Ausfall der Züge Betroffenen haben
würde, vielmehr die Bedeutung des Odenwaldes als
beachtenswertes Verkehrs= und Wandergebiet
im ganzen auf’s unangenehmſte beeinfluſſen
müßte.
Wir haben bisher in Verkehrsfragen auf ein
Verſtänd=
nis bei der Reichsbahnverwaltung rechnen dürfen und geben
uns der beſtimmten Hoffnung hin, daß auch im vorliegenden
Falle rechtzeitig die Erkenntnis die Oberhand
ge=
winnt, daß durch Maßnahmen, wie die geplanten, die
Ent=
wicklung des Verkehrs auf der Reichsbahn auf’s ſchwerſte
beeinträchtigt werden würde.
Wir bitten daher dringend, von oben dargelegten,
verkehrs=
ſchädigenden Betriebsänderungen abzuſehen.
Der Hauptausſchuß des Odenwaldklubs
J. A.
Daub, Bürgermeiſter.
Wochenmarkt=Kleinhandelspreiſe vom 30. Auguſt 1930 (in
Pfund bzw. Stück in Pfg.) 1. Gemüſe: Kohlrabi 4—7.
Ka=
rotten 4—5, gelbe Rüben 6—12, rote Rüben 8—12, weiße Rüben
8—12, Spinat 12—15, Römiſchkohl 8—15, Rotkraut 10—15,
Weiß=
kraut 5—10, Wirſing 8—15 Stangenbohnen 25—30, Buſchbohnen
10—15, Wachsbohnen 20. Erbſen 50, Zwiebeln 8—12, Knoblauch
80, Tomaten 12—20, Endivienſalat 10—15, Kopfſalat 10—15,
Salatgurken 10—50, Einmachgurken 1—4 Blumenkohl 20—80,
Rettich 5—10, Meerrettich 60—100. 2. Kartoffeln;
Früh=
kartoffeln 4—6, Spätkartoffeln 4—6. 3. Obſt: Pfirſiche 35—50,
Brombeeren 30—40, Preißelbeeren 45—50, Reineclauden 15—18,
Tafeläpfel 25—30, Wirtſchaftsäpfel 12—20, Falläpfel 8—12,
Tafel=
birnen 25—35, Wirtſchaftsbirnen 10—15, Zwetſchen 12—15, Trau=
Hühner 120—140 Tauben 60—90. 6. Fleiſch und
Wurſt=
waren: Rindfleiſch, friſch, 90—100, Kalbfleiſch 120.
Hammel=
fleiſch 100. Schweinefleiſch 130—150, Dörrfleiſch 180, Wurſt 80 bis
160, Wurſtfett 60, Schmalz 120.
Lokale Beranſtaltungen.
— Vortrag. Am kommenden Montag, 1. Sept., abends
½9 Uhr, findet im Kaiſerſaal (weißer Saal) ein Vortrag über
Hochfrequenz und Violettſtrahlen im Dienſt der Volksgeſundung
ſtatt. Der Redner ſpricht außerdem über Gallſpacher
Heilmetho=
den. (Siehe Anzeige.)
— Herrngarten=Café. Sonntag nachm. 4 Uhr
Kon=
zert, abends 8 Uhr Operettenabend. (Vgl. Anzeige.)
Im Hotel Prinz Heinrich findet heute, Sonntag
abend, Gartenkonzert mit Tanz ſtatt.
In Schuls Felſenkeller gaſtiert allabendlich ab
6 Uhr Betty Stein, Deutſchlands beſte Trompetenſoliſtin, unter
ſchattigen Kaſtanien.
Aus den Parkeien.
— Deutſche Volkspartei, Ortsgruppe
Darm=
ſtadt. Wie aus der heutigen Anzeige hervorgeht, findet am
Donnerstag, den 4. September, die 2. Wahlverſammlung der
Darmſt. Dtſch. Volkspartei ſtatt. Sie iſt als gemeinſame
Veranſtal=
tung der Reichsgemeinſchaft junger Volksparteiler, der Partei=
Jugendgruppe und des Geſamtvereins der D.V.P. gedacht. Es
ſpricht der Spitzenkandidat der Deutſchen Volkspartei im
Wahl=
kreis Köln=Aachen, Generalſekretär Dr. Regh. Dr. Regh iſt
da=
durch beſtens bekannt geworden, daß auf ſeine Veranlaſſung vor
zwei Jahren die Februar=Klubs am Rhein gegründet wurden.
Dieſe Februar=Klubs ſtehen in ihrer großen Mehrzahl noch heute
auf dem Boden der Deutſchen Volkspartei. Herr Dr. Regh kommt
alſo als Vertreter der jungen Generation zu Wort. Der Beſuch
der Veranſtaltung wird für junge und ältere Wähler gleich
an=
regend ſein.
— Nat.=Soz. Deutſche Arbeiterpartei. Morgen
Montag Maſſenverſammlung in der Woogsturnhalle. (Siehe
heutige Anzeige.)
Tageskalender für Sonntag, den 31. Auguſt 1930.
Orpheum, abends 8,15 Uhr: „Charleys Tante‟. —
Kon=
zerte: Schloßkeller, Café Oper, Hotel Schmitz, Zum
Datte=
rich, Sportplatzreſtaurant, Wiener Kronenbräukeller, Span.
Bodega, Schuls Felſenkeller, „Haferkaſten. Theater=
Reſtau=
rant, Reſt. Bürgerhof, Oberwaldhaus, Herrngarten=Café,
Lud=
ngarten,
öportplatz, nachm. 2 Uhr: Jub.=Reit= und Fahrturnier.
Aus Hefſen.
An. Arbeilgen, 30. Aug. Gemeinderatsbericht. Das
Baugeſuch des Paul Iſrael wurde wiederum an die Baukommiſſion
verwieſen. — Die Polizeiverordnung betreffend Entwäſſerung der
Grundſtücke mit den techniſchen Aenderungen, fand Genehmigung. —
Zur Herſtellung von Ortsſtraßen wurde beſchloſſen, zunächſt mit der
Werner= und Waldſtraße zu beginnen. Mit den etwa erübrigten
Mit=
teln ſoll die Felsbergſtraße mit Fußſteigen verſehen werden. Die
Lieferung von Randſteinen ſoll der Odenwälder Hartſtein=Induſtrie
über=
tragen werden. — Die Erweiterung der Haftpflichtverſicherung fand
bedingungsweiſe Annahme. — Die Uebernahme einer Bürgſchaft wurde
gutgeheißen. — Die Uebernalme der Zinsgarantie in der verlängerten
Felsbergſtraße für Gras= und Wäſſerverſorgung wurde genehmigt. —
Das Geſuch der Bewohner des Nordends um Anbringung einer
La=
terne fand Genehmigung. — Für das Streſemann=Ehrenmal wurden
20 Mark ausgeworfen. — Die Umbenennung der Hundsgaſſe wurde
abgelehnt. — Anſchließend fand geheime Sitzung ſtatt. — Aus den
Vereinen. Der Geſangverein Liederzweig wird am 28. September
im Gaſthofe „Zum weißen Schwanen” die Operette „Waldvögelein”
von Mielke zur Aufführung bringen, und für den 12 Oktober plant
der Geſangverein „Treue” im Gaſthaus „Zum Löwen” eine
Auffüh=
rung des dramatiſchen Schauſpiels „Mag auch die Liebe weinen”. —
Beratungsſtunde. Dienstag, den 2. September, findet
nach=
mittags 3 Uhr auf dem Rathauſe eine Beratungsſtunde der Mütter=
und Sänglingsfürſorge ſtatt.
Aa. Eberſtadt, 30. Auguſt. Der Landesjugendſonntag
wird hier nicht am morgigen Sonntag, ſondern mit Rückſicht auf ein
Kreisjugendtreffen evſt am Sonntag, den 7. September, gefeiert.
An=
läßlich dieſes Kreistreffens findet am Sonntag, den 7. September, im
Schwanenſaal ein Lichtbildervortrag über eine „Fahrt in die Südmark”
ſtatt. — Der Evgl. Frauenverein unternimmt am Sonntag
(31. Auguſt) einen Ausflug nach Traiſa. Der Ausflug ſoll einem Be
ſuch des Ortspfarrers Paul gelten. — Die nächſte Beratungsſtunde für
Mutter= und Säuglingspflege findet am Montag
nachmit=
tag (1. Sepetember) in der Gutenbergſchule ſtatt. —
Motorrad=
unfall. In der Neuen Darmſtädterſtraße fuhr ein Motorradfahrer,
dem duch einen Heuwagen die Ausſicht verſperrt war, auf einen
Rad=
fahrer auf. Der Radfahrer kam mit leichten Verletzungen davon. — Im
Verlauf eines Ringkampfes unter zwei jungen Burſchen, die in
gewöhn=
lichem Straßenanzug miteinander rangen, ging einem von ihnen durch
einen unglücklichen Zufall ein Meſſer in den Leib. Der Verletzte
kam ſofort ins Darmſtädter Krankenhaus.
Cp. Pfungſtadt. 30. Auguſt. Der Marktausſchuß des
Zuchtviehmarktes teilt mit, daß die letzten Loſe vom
Zuchtvieh=
markt noch bis zum Sonntag mittag 12 Uhr verkauft werden. Die
Ziehung für die ungekürzte Zuchtviehmarktlotterie findet beſtimmt am
Sonntag nachmittag um 3 Uhr im Saale von Karl Bethke (Union) ſtatt.
— Der Volkschor unternimmt am Sonntag nachmittag einen
Ausflug nach Eberſtadt. — Die Stimmliſten für die
Reichstags=
wahl liegen noch bis zum Sonntag mittag 1 Uhr auf dem Büro der
Bürgermeiſterei zur Einſichtnahme aller Wähler auf.
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— Nieder=Ramſtadt, 30. Aug. In dem Bericht in Nr. 238 des
„Darmſtädter Tagblatt” über die in der Anſtalt für Epileptiſche auf
Veranlaſſung des Kreiswohlfahrtsamtes ſtattgehabte Solbadekur
für Schulkinder iſt nicht erwähnt, daß auch in dieſem Jahre
wieder die Einzelorganiſation der Kur vom hieſigen evangeliſchen
Frauenverein und die Arbeit beim Baden der Knder von
Mit=
gliedern dieſes Vereins übernommen worden war. Es wäre unrecht
wenn nun am Schluſſe der Kur nicht auch der mit viel Treue und
Selbſtloſigkeit getanen Arbeit der Frauen mit herzlichem Dank gedacht
würde.
Bz. Reinheim, 30. Aug. Aus dem Gemeinderat. Die
Fiſchereipacht an der Gerſprenz wird im Einvernehmen mit der
Ge=
meinde Ueberau an die derzeitigen Pächter mit 25 Prozent Aufſchlag
auf weitere neun Jahre verpachtet. — Für die Freiwillige Feuerwehr
werden fünf Uniformen mit Ausrüſtungsſtücken bewilligt. — Der Hafer
für das Faſelvieh wird mit 9 Mark pro Zentner angekauft. — In den
Wahlvorſtand für die Reichstagswahl am 14. September 1930 werden
gewählt: Als Wahlvorſteher Beigeordneter Kopp, Stellvertreter
Ge=
meinderat Schuchmann, Schriftführer Sekretär Vollrath und als
Bei=
ſitzer die Herren Schmidt 1., Walter, Stühlinger, Lutz, Liſt und
Gott=
wald. — Das Konzeſſionsgeſuch der Marie Margarethe Stahl, geborene
Kopp, zum Weiterbetrieb der Gaſtwirtſchaft „Zur alten Poſt” wird
ge=
nehmigt. — Die Schweinezwiſchenzählung am 1. September 1930 ſoll
durch Faſelwärter Bernius und Nachtſchutzmann Büdinger
vorgenom=
men werden. — Hierauf fand eine nichtöffentliche Sitzung ſtatt, in der
verſchiedene Fürſorgegeſuche erledgit wurden.
— Haſſenroth, 30. Aug. Folgenſchwerer Streit.
Vor=
geſtern fuhr ein Schäfer mit ſeiner Herde hier durch. Die Schafe
lie=
fen etwas abſeits auf Wieſen und auch auf den Fahrweg. Landwirt
und Gemeinderat Lutz kam des Weges mit ſeinem Fuhrwerk. Da die
Schafe nicht ſchnell genug die Straße räumten, kamen die beiden in
Wortwechſel, in deſſen Verlauf Lutz zu ſeiner Miſtgabel griff und auf
den Schäfer losſchlug. Dieſer mußte erheblich verletzt ins Krankenhaus
verbracht werden.
Cd. Michelſtadt, 30. Aug. Aus demGemeindeparlament.
Bei der geſtrigen Gemeinderatsſitzung im Saale der „3 Haſen” fehlten
Beigeordneter Nord ſowie die Gemeinderäte Marquardt, Heinz und
Kopp. Bürgermeiſter Neff eröffnete die öffentliche Sitzung kurz nach
6 Uhr und gab unter Punkt 1, Mitteilungen, folgendes bekannt: Um
den außerordentlich hohen Pacht, der für das Stadiongelände an die
Gräfl. Erbach=Fürſtenauiſche Rentkammer zu zahlen iſt, zu beſeitigen,
hatte die Stadtverwaltung der Rentkammer einen Tauſch mit
gleichwer=
tigem Gelände vorgeſchlagen. Dies fand jedoch nicht die Billigung der
Rentkammerverwaltung, da dieſe die Gleichwertigkeit des Geländes
be=
zweifelte, und wurde der Gegenvorſchlag gemacht, Waldgelände im
glei=
chen Werte dafür einzutauſchen. Da nach dem von der Rentkammer
angeſetzten Preis von 2 RM. pro Quadratmeter Stadiongelände zirka
30 Morgen Wald in Frage kämen, wurde dieſes Angebot als viel zu
hoch und deshalb undiskutabel abgelehnt. Weiter gab Bürgermeiſter
Neff unter Bezugnahme auf ein zurzeit in unſerm Städtchen
kurſieren=
den Gerücht betreffs des Gaswerksverkaufes, bekannt, daß mit der
Reſt=
forderung von 160 000 RM., die bekanntlich an die
Landeskommunal=
bank abgetreten wurde, verſchiedene Schulden der Stadt, die er einzeln
anführte, z. B. Tilgungsraten für Auslandsanleihen uſw., im gleichen
Betrage abgedeckt wurden. — Punkt 2 der Tagesordnung betraf
Er=
weiterungsbau des Krankenhauſes, wozu als Dezernent des
Kranken=
hauſes Beigeordneter Künzel nähere Erläuterungen gab. Um der
un=
haltbaren Raumnot des Krankenhauſes zu ſteuern, ſollen nun durch den
geplanten Erweiterungsbau zuſammen ſechs Zimmer mehr zur
Ver=
fügung ſtehen, wozu nach dem Voranſchlag der ſtädtiſchen
Bauverwal=
tung zirka 14 000 RM. erforderlich werden. Zur teilweiſen Deckung
dieſes Betrages ſteht eine Stiftung eines früheren Michelſtädters in
Amerika im Betrage von 2000 Dollar zur Verfügung, der Reſt muß aus
einer Anleihe gedeckt werden. Verſchiedene Gemeinderäte, ſowohl von
der linken als auch der rechten Seite des Hauſes, ſetzen ſich warm für die
Genehmigung des Erweiterungsbaues ein, der einſtimmig genehmigt
wurde. — Punkt 3, Verkauf eines Bauplatzes in der Peſtalozziſtraße.
Es handelt ſich hier um den Platz oberhalb des Hauſes Kreutz. Dieſer
wird auf Beſchluß des Gemeinderates an den Reflektanten zu 3 RM.
pro Quadratmeter unter der Bedingung abgegeben, daß die Bebauung
innerhalb drei Jahren erfolgen muß und Spekulationen ausgeſchloſſen
ſind. — Der nächſte Punkt betraf die Ablöſung der Markanleihen (
Neu=
beſitz). Es handelt ſich hier um während der Inflation aufgenommene
Darlehen, die in Goldmark umgerechnet zirka 54 000 ergeben. Bei
einem Aufwertungsſatz von 12,5 Prozent ergibt dies einen Betrag von
6847 RM., wozu der Gemeinderat ſeine Genehmigung gab. — Die
Be=
ratung des nächſten Punktes: Genehmigung des Voranſchlages der
Ober=
realſchule für das Rechnungsjahr 1931, nahm längere Zeit in Anſpruch.
Faſt alle Gemeinderäte beteiligten ſich an der Ausſprache, auch der
Leiter der Schule, Oberſtudiendirektor Dr. Roloff, äußerte auf Erſuchen
des Bürgermeiſters ſeine Meinung hierzu. Der Gemeinderat war
ein=
mütig der Auffaſſung, daß es doch auch eine moraliſche Pflicht derienigen
Gemeinden ſei, von denen auch Kinder nach hier in die Schule
kom=
men, an den Laſten der Schule tragen zu helfen und dies nicht
Michel=
ſtadt allein zuzumuten. Scharfe Kritik wurde an dem Beſchluß des
Kreistages geübt, nachdem der Kreis zu den Koſten der Oberrealſchule
Michelſtadt nur 1000 RM. beiſteuert, trotzdem von den zirka 240
Schü=
lern der Anſtalt nur 68 aus Michelſtadt ſelbſt ſind und die übrigen
aus den anderen Orten des Kreiſes kommen. Nach langem Hin und Her
wurde dieſer Punkt von der Tagesordnung abgeſetzt und der
Bürger=
meiſter beauftragt, nochmals mit den in Frage kommenden Stellen in
Verhandlungen einzutreten. — Unter Verſchiedenes kamen dann noch die
zurzeit ſchwebenden Streitigkeiten anläßlich des kürzlich erfolgten
Pferde=
tauſches zur Beratung, und ſoll durch einen Vergleichsvorſchlag
an den Pferdehändler die Sache aus der Welt geſchafft werden.
Bericht über die wirkſchaftliche Lage des Handwerks
im Monak Auguſt.
RH. Vom Reichsverband des deutſchen Handwerks wird uns
ge=
ſchrieben: Ein Nückblick auf die Wirtſchaftslage des Handwerks im
Monat Auguſt zeigt, daß gegenüber dem Vormonat ein weiterer
Rück=
gang in der Geſchäftslage eingetreten iſt. Selbſt die Handwerkszweige,
die für den täglichen Bedarf arbeiten, haben unter der geſchwächten
Kaufkraft des Publikums, namentlich unter den Auswirkungen der
ungewöhnlich hohen Arbeitsloſigkeit zu leiden. Auch in den
Handwerks=
berufen, denen durch die Erntezeit für gewöhnlich vermehrte Aufträge
erteilt werden, war die Beſchäftigung durchaus ungenügend. Es wird
allgemein betont, daß die Landwirtſchaft ſich infolge der zum Teil nicht
günſtigen Ernten große Zurückhaltung in der Auftragserteilung
auf=
erlegt. Beſonders kennzeichnend und für die Wirtſchaftslage des
Hand=
werks ausſchlaggebend war während des Berichtsmonats die nahezu
völlige Stille auf dem Baumarkt. Sowohl die ſchlechte Witterung der
letzten Wochen als vor allem auch die Wirtſchaftskriſe trugen dazu bei.
daß Aufträge ſo gut wir gar nicht mehr eingingen. Selbſt für die
Bau=Nebengewerbe lagen, da die im Frühjahr begonnenen Arbeiten
fertig ſind und auch Reparaturarbeiten wenig verlangt werden, nur
wenig Aufträge vor. Man erhofft eine nachhaltigere Beſſerung von
dem Arbeits= und Wohnungsbeſchaffungsprogramm der
Reichsregie=
rung. Wie weit ſich dieſe Aktion jedoch bereits in der nächſten Zeit
auswirken wird, bleibt jedoch abzuwarten. — Eine Belebung
erhof=
fen von den nächſten Wochen auch die Bekleidungshandwerke,
nament=
lich das Herren= und Damenſchneidereihandwerk, das zurzeit infolge
der Reiſezeit und der zu Anfang des Monats ſtattgefundenen
Inventur=
ausverkäufe beinahe völlig darniederliegt.
Die Klagen über die Schwarzarbeit Arbeitsloſer ſowie über die
Schmutzkonkurrenz nahmen ſtändig zu. Dieſe Konkurrenz iſt um ſo
ſchwerer für das Handwerk zu ertragen, als durch ſie jede Möglichkeit,
angemeſſene Preiſe für Arbeiten und Lieferungen zu erzielen,
unter=
bunden wird, da die gedrückten Preiſe der Schwarzarbeiter häufig von
der Kundſchaft dem Handwerk gegenüber ausgeſpielt werden. Im
Zahlungsverkehr der Kundſchaft iſt leider eher eine Verſchlechterung
als Verbeſſerung eingetreten. — Die Zahl der erwerbsloſen Gehilfen
hat weiter zugenommen. Beſonders in den Baugewerben ſowie in den
metallverarbeitenden Handwerken mußten Geſellenentlaſſungen
vorge=
nommen werden. Die Bekleidungshandwerke arbeiten ebenfalls mit
ſtark reduziertem Arbeiterbeſtand. Das Lohnniveau iſt im allgemeinen
unverändert. — Schwierigkeiten in der Beſchaffung von Roh= und
Hilfs=
ſtoffen werden nicht gemeldet. Auswirkungen der Preisabbauaktion
ſind noch nicht zu ſpüren. Preisrückgänge werden für Oele, Kupfer,
Schlachtſchweine und Rinder gemeldet.
b. Erbach, 29. Aug. Verkehrsverein. Der
Verkehrs=
verein beſchäftigte ſich in einer Vorſtandsſitzung mit dem neuen
Entwurf für den Winterfahrplan 1930/31, der wiederum eine
Verſchlechterung der Verbindung durch den Odenwald bringen
ſoll. Die Reichsbahn trägt ſich mit dem Gedanken, das
Eilzugs=
paar Darmſtadt bzw. Frankfurt nach Stuttgart wegfallen zu
laſſen. Es iſt dies eine Schädigung des Wirtſchaftslebens des
Odenwaldes, wie man ſich eine ſolche nicht größer vorſtellen kann.
Die Eilzüge ſind für das an und für ſich ſchon um ſeine Exiſtenz
ringende Gebiet eine Lebensnotwendigkeit geworden. Deshalb
ſoll mit allen zu Gebote ſtehenden Mitteln und von allen Seiten
gegen dieſe Droſſelung des Verkehrs Stellung genommen werden.
Der Verkehrsverein wird auch von ſich aus die entſprechenden
Schritte unternehmen. Bei den Beratungen kam auch die Frage
der Schaffung eines zweiten Eilzugspaares, die eine Reiſe
Frank=
furt bezw. Darmſtadt —Stuttgart in einem Tage ermöglichen
würde, zur Diskuſſion. Dieſe Verkehrsverbeſſerung ſoll im Laufe
der Zeit unter allen Umſtänden angeſtrebt werden. Die
finan=
zielle Lage des Vereins iſt zufriedenſtellend. Leider
beantwor=
teten eine Anzahl von Intereſſenten die Bitte des Vereins um
einen Beitrag zur Beſchaffung der neuen Faltproſpekte mit dem
Austritt. Die Proſpekte haben überall großen Anklang gefunden.
— Motorradunfall. Heute vormittag ereignete ſich am
„Römer” bei der Küchlerſchen Metzgerei ein Motorradunfall
da=
durch, daß die Bremſen verſagten und das Rad mit Beiwagen an
die Mauer rannte. Der Fahrer und ſeine Begleiterin kamen
glücklicherweiſe mit leichteren Knie= bzw. Fußverletzungen davon.
Sie konnten ſpäter ihre Fahrt wieder fortſetzen. — Zirkus. Am
Montag und Dienstag der kommenden Woche gibt hier der
Zir=
kus Holzmüller ein Gaſtſpiel. Die Zelte uſw ſind auf dem
Ge=
lände im Städtiſchen Sport= und Erholungspark aufgeſtellt. Das
Programm iſt ſehr reichhaltig, die Eintrittspreiſe niedrig
ange=
ſetzt, ſo daß die Beſucher ſicher auf ihre Rechnung kommen
wer=
den. — Wahlkampf. Im Wahlkampf wurden bis jetzt
Flug=
blätter der S.P.D., der Deutſchen Volkspartei und der
National=
ſozialiſten verteilt. Insbeſondere letztere entfalten eine lebhafte
Propaganda. Die erſte Verſammlung fand geſtern in Form
eines Sprechabends im „Hirſch” mit dem Darmſtädter Stadtrat
Schneider ſtatt. Am Samstag ſpricht in Stockheim im Deutſchen
Haus der Spitzenkandidat der heſſiſchen Liſte. Pfarrer a. D.
Münchmeyer.
Cl. Hetzbach, 30. Aug. Schwerer Autounfall. Hier
wurde an der Kurve unterhalb des Kriegergedenkſteins die Witwe
Breunig von einem Perſonenkraftwagen aus Frankfurt
an=
gefahren und ſo ſchwer verletzt, daß ſie bald nach der Verbringung
in ihre Wohnung verſtarb. Die ſofort benachrichtigte
Gendar=
merie nahm die Ermittelung auf, während Dr. Kaiſer die erſte
ärztliche Hilfe leiſtete. Nach dem Ergebnis der Ermittelungen
trifft den Fahrer anſcheinend keine Schuld, da er vorſchriftsmäßig
Signal gab und dort ſo weit nach rechts ausholte, daß der Wagen
mit dem linken Vorderrad über der Böſchung ſtand. Die Frau
hatte einen Bruch des Schulterblatts und weitere innere
Ver=
letzungen davongetragen, ſodaß der Tod alsbald eintrat.
i. Von der Bergſtraße, 30. Aug. Mit dem
Motorfahr=
rade tödlich verunglückt. Der Zimmermeiſter Adam
Schollmeier — wohnhaft in Heddesheim — fuhr nachts gegen
11 Uhr mit ſeinem Motorrade in Weinheim beim Nehmen einer
Kurve beim „Grünen Laub” in ſcharfem Tempo gegen den
Geh=
wegrandſtein. Dabei ſtürzte er vornüber mit ſolcher Wucht gegen
die ſcharfe Sandſteinkante des Hauſes Hauptſtraße 140, daß ihm
der Kopf zerſchmettert wurde und augenblicklich der Tod eintrat.
Der Verblichene war 39 Jahre alt und hinterläßt eine Witwe
mit drei Kindern. Als vor zwei Jahren der Zimmermeiſter
Wilhelm Knell in Weinheim, Friedrichſtraße 4, durch Abſturz
tödlich verunglückt war, nahm Schollmeier das Knellſche
Bau=
geſchäft von der Witwe in Pacht und errichtete in den
verfloſſe=
nen zwei Jahren dort eine Anzahl Wohnhausbauten, darunter
auch mehrere für die Gemeinnützige Baugenoſſenſchaft Weinheim.
Dabei erwies er ſich als tüchtiger und ſehr ſolider
Handwerks=
meiſter. Vorher war er bei der Weinheimer Baufirma Hopp als
Zimmerpolier tätig und beſtand in dieſer Zeit ſeine
Meiſterprü=
fung mit dem Prädikat „gut”. Sein erſchütterndes Schickſal iſt
um ſo tragiſcher, als er einen Tag vor der Ueberſiedlung von
Heddesheim nach Weinheim ſtand. Seine Leiche wurde in das
Leichenhaus verbracht.
D. Biblis, 30. Auguſt. Bei der geſtern abend vom Stellvertreter
des Bürgermeiſters anberaumten erneuten Gemeinderatsſitzung ſtanden
15 Punkte auf der Tagesordnung. Da jedoch nur ſieben Mitglieder
des Ortsvorſtandes, und zwar die Gemeinderäte Kappel, Reis, Arnold,
Dörr, Müller, Seib und Lehrer Sahm anweſend waren, konnte kein
Beſchluß gefaßt werden. Der derzeitige Leiter der Gemeindegeſchäfte
ſah ſich in Anbetracht der Verhältniſſe veranlaßt, die Sitzung mit
der=
ſelben Tagesordnung auf Montag, den 1. September, feſtzulegen. Unter
Grundlegung des § 104 der Landgemeindeordnung kann alsdann die
Sitzung unter allen Umſtänden durchgeführt werden. — Beim Holzleſen
im hieſigen Gemeindewald wurde der Arbeiter Valt. Hertling durch
einen fallenden Aſt ſchwer verletzt.
— Stockſtadt a. Rh., 30. Aug. Ein größeres Schadenfeuer
entſtand Freitag, vorm. 10,30 Uhr, in der mit Frucht gefüllten Scheune
des Landwirts und Fuhrunternehmers Wilhelm Wenner. Innerhalb
weniger Minuten ſtand die Scheune in Flammen. Die ſofort alarmierte
Feuerwehr war ſehr raſch zur Stelle. Nur dem umſichtigen Zugreifen
derſelben, ſowie der hilfsbereiten Einwohnerſchaft iſt es zu verdanken,
daß größeres Umſichgreifen des Feuers verhütet wurde, zumal das
Kaufhaus Graulich mit einem 20 Meter langen Anweſen direkt an die
Scheune angrenzt und in höchſter Gefahr ſtand, auch von dem Feuer
befallen zu werden. Entſtehungsurſache iſt noch unbekannt. — Bei dem
ſeit einigen Tagen herrſchenden warmem Wetter erfreut ſich nunmehr
auch das Rheinbad wieder eines ſehr guten Beſuches. — Um
fal=
ſchen Gerüchten betr. Verlegung der Kirchweihe
entgegenzu=
treten, ſei darauf hingewieſen, daß dieſe doch am 14. und 15.
Septem=
ber ſtattfindet. — Die Obſternte in den Gemeindeanlagen, ſowie
auf der Inſel Guntershauſen, verſpricht gegenüber anderen Gegenden
eine gute zu werden.
— Gernsheim, 30. Aug. Waſſerſtand des Rheins am
29. Auguſt: 1,54 Meter; am 30. Auguſt: 1.42 Meter. (Morg. 5.30 Uhr.)
— Hirſchhorn, 30. Aug. Waſſerſtand des Neckars am
29. Anguſt: 0,92 Meter; am 30. Auguſt: 0.90 Meter. (Morg, 5.30 Uhr)
Unſer Bub iſi
ange=
kommen
Daniel Spaar und Frau
Mariechen, geb. Volk
Illigweg 21, z. Zt. Wöchnerinnenheim
Alicehoſpital.
Es beehren ſich ihre Verlobung anzuzeigen
Gretel Scharf
Philipp Reining
13065)
Seeheim
Ober=Modau
Für die anläßlich unſerer Silbernen
Hochzeit dargebrachten Glückwünſche und
Geſchenke ſprechen wir hiermil unſeren
herzlichen Dank aus.
Ludwig Orth und Frau.
Für die uns anläßlich unſerer
Vermählung erwieſenen
Auf=
merkſamkeiten danken herzlichſit.
Friedrich Mattheß u. Frau
Margarete, geb. Boell.
Dienstag, den 2. September 1930
begehen die Eheleute Karl Apfel II.
und Frau Ehriſtine, geb. Keller
das Feſt der Silbernen Hochzeit.
Roßdorf, Müllerſtraße 54.
Tilly Wenzelberg
geb. Huege
Vermählte
August 1930
Magdeburg
Halberstädterstr. 34
KARL BECKER
ELLIBECKER
geb. Liebel
Vermählte
Darmstadt, 31. 8. 1930
Jacobistr. 30
Kirchliche Trauung: 3 Uhr nachmittags in der
Johannes-
klrche.
Uhre Vermählung beehren sich anzuzeigen
Adolf Weißrnüller
Wilme Weißmuller
geb. Kalkhof
Darmstadt, 30. August 1930
Ane
Saalbaustr. 11
Für die vielen Beweiſe inniger Teilnahme anläßlich des
Ablebens meiner lieben Frau, unſerer guten Mutter,
ſagen wir auf dieſem Wege Allen herzlichen Dank.
Ganz beſonders danken wir Herrn Pfarrer Danz für
die troſtreichen Worte am Grabe, ſowie der
aufopfern=
den Hilfe der Schweſter Conſolatris der St: Fidelis=
Gemeinde. Weiter danken wir dem Kunſtverein für
Heſſen, den Aufnahme=Erhebern der ſtädtiſchen Betriebe
und den Beamten der Stadtkaſſe für die
Kranznieder=
legung am Grabe. Ferner danken wir allen Freunden
und Bekannten, die meiner lieben Frau und Mutter
das letzte Geleite gaben, ebenſo danken wir für die
überaus zahlreichen Kranzſpenden.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Herm. Hachenberger
und Söhne.
Dampfwäſcherei Edelweiß
Waldſtraße 30
Fernrnf 138
Erſtklaſſige Arbeit, billig. (8445a
Todes=Anzeige.
„Chriſtus iſt mein Leben,
Sterben mein Gewinn."
Dem Herrn über Leben und Tod hat es gefallen,
unſeren lieben, guten, treubeſorgten Vater,
Schwie=
gervater und Bruder, Herrn
Sohannes Abam I.
nach längerem, mit großer Geduld ertragenem
Leiden im 61. Lebensjahre zu ſich in die Ewigkeit
abzuruſen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Söhne, Töchter, Schwiegertöchter, Brüder u. Schweſtern
In deren Namen: Peter Adam.
Klein=Bieberan, Frankenhauſen, Hembach, Ellenbach,
den 30. Auguſt 1930.
Die Beerdigung findet Montag, den 1. September,
nachmittags 2 Uhr, ſtatt. (13075
Nach Gottes unerforſchlichem Ratſchluß wurde mir
mein heißgeliebter, unvergeßlicher, treuer Gatte,
unſer lieber Vater und Bruder
Ernſt Adfengein
nach kurzem Leiden durch den Tod entriſſen.
In tiefſtem Schmerz:
Gaby Roſenheim
Darmſtadt, Neckharſtr: 21, und Kinder.
Auf Wunſch des Verſtorbenen hat die Beiſetzung
in der Stille ſtattgefunden.
Von Beileidsbeſuchen bitten wir abzuſehen.
Nachruf.
Am 29. Auguſi verſchied nach längerem Leiden der
Oberpoſidirektor a. D. (Präſident)
Herr Wirkl. Geheimer Oberpoſtrat
Uuftde Keren
im 87. Lebensjahr.
Der Entſchlafene hat ſich als Leiter des
Oberpoſidirektions=
bezirks Darmſiadt in den Jahren 1902 bis 1910 große
Verdienſte erworben und ſich der höchſien Wertſchätzung
des geſamten Perſonals erfreut.
Sein Andenken wird unvergeſſen bleiben.
Darmſtadt, 30. Auguſt 1930.
Namens des beurlanbten Präſidenten und der Beamten
der Oberpoſidirektion.
Jahn, Oberpoſtrat.
(13128
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme, für die
zahlreichen Kranz= und Blumenſpenden bei dem
Heim=
gang unſeres lieben Entſchlafenen
Herrn Peter ODingeldein
ſagen wir Allen tiefgefühlten Dank insbeſondere
Herrn Pfarrer Irle für die troſtreichen Worte am
Grabe, für die Kranzniederlegung der Beamten und
Arbeiter der Güterabfertigung, dem Einheitsverband
der Eiſenbahner, allen denen, deren liebevolle Pflege
bei ſeinem Krankenlager ihm zuteil wurde und Allen,
die ihm das letzte Geleit gaben.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Barbara Dingeldein, geb. Bechtel A
und Kinder.
Darmſtadt, den 30. Auguſt 1930.
Skatt Karken.
Allen Lieben, die beim Heimgange unſeres teueren
Entſchlafenen in ſo wohlwollender und aufrichtiger
Weiſe unſeren Schmerz linderten, ſei auf dieſem
Wege von ganzem Herzen gedankt. Insbeſondere
danken wir Herrn Pfarrer Marx für die ſo
troſt=
reichen Worte am Grabe, ſowie dem Reichsverband
Deutſcher Poſt= und Telegraphenbeamten, Ortsgruppe
Darmſtadt, für die Kranzniederlegung und die
ehren=
den Worte am Grabe. Vielen Dank auch für die
reichen Blumenſpenden.
Darmſtadt, den 30. Auguſt 1930.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Margarethe Schükkler u. Töchker.
Dutua.
Dr. Noellner
(12944b)
Von der Reiſe
zuruck!
Zahnarzt
Dr. Thümmel
Wendelſtadtſtr. 3.
(13135)
Wendelſtadtſtraße 38
(vordem Saalbauſtraße 8)
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Seminar — Kindergarten
Bildungsanſtalt für Fröbel’ſche Erzieherinner
und Kindergärtnerinnen
Dienstag, den 14. Oktober, beginnt ein neuer Kurſu3.
An=
meldungen werden Montags und Donnerstags von 2—1 Uhr
Bismarckſtraße 18 entgegengenommen, woſelbſt auch Proſpekt
erhältlich.
13029b
Proſpekte jeden Vormittag
Die Vorſteherin
in der Anſtalt
Wendelſtadtſtr 28 zu erhalten.
Th. Schultz=Gora.
Dankſagung.
Statt Karten.
Für die vielen Beweiſe inniger Anteilnahme beim
Tode meines lieben Mannes, Herrn
Peter Müller
Zugführer i. R.
ſpreche ſch allen meinen herzlichſten Dank aus.
Be=
ſonderen Dank dem Fahrbeamtenverein Darmſtadt—
Kranichſtein für ſeinen Nachruf am Grabe, allen
Freunden und Bekannten des Entſchlafenen für die
tröſtenden Worte und Kranzſpenden, und vor allem
den ehrwürdigen Franziskanerbrüdern im Herz=Jeſu=
Hoſpital für ihre aufopfernde Pflege.
In tiefer Trauer, im Namen aller Angehörigen:
Frau Eliſabeth Müller, geb. Kiefer. Bwe.
Darmſtadt, den 30. Auguſt 1930.
(13068
Forſtmeiſterplatz 3.
schias — Gicht
Rheumakismas
heilt
unter Garantie
Ch. Schießlinger
Heilpraxis
Nieder=Ramſtädter=
Straße 34. (*git
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Dam. u. Herr. w.
gerein. u. n. neueſt.
Mod. umgepr., jetzt
2 Mk. Frankf.
Hut=
lager, Ecke
Grafen=
t. Bismarckſtraße. (*
Dankſagung
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger Teilnahme
bei dem Heimgange meiner lieben Frau
Ling Zager
geb. Gäbele
ſage ich allen herzlichen Dank. Beſonders
danke ich den Herren Aerzten, ſowie den
Schweſiern des Städt. Krankenhauſes. für ihre
aufopfernde Pflege, terner Herrn Pfarrer
Kleberger, dem Würtiemberger=Verein, ſowie
Allen, welcher meiner teuren Entſchlafenen die
letzte (hre erwieſen haben
In tiefem Schmerze:
Fritz Jäger
Darmſtadt, den 31. Auguſt 1930.
Arheilgerſtraße 14.
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Privat=Handelsſchuleſtraße?
Rhein=
Gegr. 1899 Oskar Dierker Telefon 3249
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Sonntag, den 31. Anguft 4930
Nummer 2
Sport, Spiel und Turnen.
Main-Rhein=Gau der Deukſchen Turnerſchaft.
Jugend=Turntreffen im Oſtbezirk.
Sonntag, den 31. Auguſt, iſt für einen Teil der jüngſten
Turnerjugend ein Freudentag. Kommt doch in Darmſtadt
auf dem Reichs=Eiſenbahn=Turn= und Sportplatz die Schuljugend
des Oſtbezirks zum erſten Kinder=Turntreffen zuſammen.
Wochen=
ja monatelang hat ſich die Turnerjugend darauf gefreut und mit
ſehnendem Herzen den Wettkampftag, der ſie aus der
Vereins=
enge herausführen ſoll in einen erweiterten Kreis,
herbeige=
wünſcht. Um die Grenzen der Entfernungen vom Ort der
Kin=
dertreffen innerhalb der D.T. aus erzieheriſchen Gründen nicht
allzuweit zu ſtecken, ſo begnügte man ſich damit, nur aus den
nähergelegenen Vereinsorten die ſchulpflichtige Jugend zum
Kindertreffen zu führen. Nun ſoll das erſehnte Treffen am
Sonn=
tag zur Wirklichkeit werden. Die Jugend iſt kampfbegeiſtert und
will wetteifern im Geräteturnen, will ſich tummeln im Spiel,
will gemeinſam ſingen und tanzen. Dem allen Rechnung tragend,
hat die Gaufachleitung für das Kindertreffen in Darmſtadt am
Sonntag, den 31. Auguſt, nachfolgende Turnfolge aufgeſtellt:
Vor=
mittags 8 Uhr: Sitzung des Kampfgerichts, anſchließend
Morgen=
feier der Jugend auf dem Turnplatze und hierauf antreten zum
Wetturnen der beiden älteren Jahrgänge. Hierzu haben aus 14
Vereinen über 400 Jugendliche ihre Meldungen abgegeben.
Er=
freulich iſt es, daß gerade ein kleiner Verein, wie Arheilgen, es
fertig brachte, die größte Jugendabteilung, 62 Teilnehmer, zu
melden. Die Reichsbahn unterhält ebenfalls einen ausgedehnten
Turnbetrieb für Jugendliche und ſteht ebenfalls mit 60
Teil=
nehmern an der Spitze der abgegebenen Meldungen. Es folgen
ſodann die Turngemeinde und Turngeſellſchaft Darmſtadt mit
58 bzw. 39 Jugendlichen. In jeder der vier Jahrgangsklaſſen
wird ein Siebenkampf, beſtehend aus drei Geräte=, einer Boden=
und drei volkstümlichen Uebungen (Lauf, Wurf und Sprung)
gefordert. Um 13 Uhr verſammelt ſich die Jugend zum Geſang
und Tanz. Die übrige Zeit nachmittags wird durch Spiele wie
Grenzball, Ball über die Schnur, Völker=, Jäger=, Schlag= und
Handballſpiele ausgefüllt. Anreiz für die Jugend dürfte die
aus=
geſchriebene Pendelſtafette bieten, in der je 5 Schüler bzw.
Schü=
lerinnen eine Strecke von insgeſamt 300 Meter zu durchlaufen
haben. Nach all den Wettkämpfen erfolgt die Bekanntgabe der
Beſten und Ausgabe kleiner Erinnerungsgaben in Geſtalt von
Büchern, Leiſtungsurkunden uſw. Der Tag in Darmſtadt wird
für die Jugend ein friſch=fröhliches Austollen geben, das ſie in
unmittelbares und lebendes Naheſein zur Natur bringt, und
mit ihr ſollen ſich die Alten freuen. Die Jugendturnen ſollen aber
auch die unermüdliche Arbeit der Leiter und Leiterinnen von
Jugendabteilungen vor der Oeffentlichkeit widerſpiegeln und all
die Mühen, denen ſich Männer und Frauen unterziehen, zeigen,
und zwar nicht um der Ehre wegen, ſondern der Erziehung zu
einem ſtarken und geſunden Geſchlecht willen. Ein Beſuch der am
Sonntag auf dem Reichs=Eiſenbahn=Turn= und Sportplatz am
Dornheimerweg ſtattfindenden Veranſtaltung wird durch das
Ge=
botene reich belohnt ſein.
Handball.
Sportv. Darmſtadt 1898 e. V.
11 Uhr:
Darmſtädter Sporikalender.
Sonntag, den 31. Auguſt.
Fußball.
Pol.=Spv.=Platz: Polizei Spv. Darmſtadt
verein Sprendlingen.
15 Uhr: Müllersteich: Fr. Tgde. Darmſtadt 1
Fußball=
Ober=Ramſt. 1.
15,30 Uhr: Arh. Mülchen: Spvgg. 04 Arh. — Union Darmſtadt
Handball.
10 Uhr: Pol. Spv.=Platz: Pol. Spv. Darmſtadt (Damen) — Spv.
Weiterſtadt (Damen).
15 Uhr: Stadion: Spv. 98 Darmſtadt (Ligaerſatz) — Pol. Spo.
Darmſtadt (Ligaerſatz).
17 Uhr: Rheinallee: Rot=Weiß Darmſtadt Eintracht Frankf.
17 Uhr: Müllersteich; Fr. Tgde. Darmſtadt (Kreiskl.) — Fr.
Turnerſch. Speyer (Kreiskl.).
Leichtathletik.
14,30 Uhr: Rheinallee: Klubkampf Rot=Weiß V.f.R. Darmſt.
Eintracht Frankfurt.
Turnen.
9 Uhr: Dornheimerweg: Kinderturnen des Main=Rhein=Gaues
der D.T.. Fortſetzung nachm. 13 Uhr.
Schießſport.
Austragung der Meiſterſchaft von Darmſtadt im
Kleinkaliber=
ſchießen auf den Ständen des Schießſportklubs „Windmühle‟
2. Europa-Waſſerball=Turnier.
Vor der Enkſcheidung. — Guke Leiſtungen auch in den
Schwimmkämpfen.
Selten hat eine über den Zeitraum von acht Tagen gehende
Sportveranſtaltung ein ſolches Wetterglück gehabt, wie das
Nürn=
berger Waſſerballturnier um den Pokal des ungariſchen
Kultus=
miniſters. Auch am Samstag herrſchte wieder das ſchönſte
Som=
merwetter. Ebenſo wenig wie das Wetter ließ auch der Beſuch zu
wünſchen übrig. Es kamen wieder 5000 Perſonen, die an den
Kämpfen einen lebhaften Anteil nahmen. Vor den
Waſſerball=
ſpielen gab es am Samstag den Auftakt der
internatio=
nalen Schwimmkämpfe. Die Ergebniſſe waren:
200=Meter=Bruſtſchwimmen. 1. Sietas=Hamburg 2.56,7 Min. 2.
Wittenberg=Berlin 2.57 Min. 3. Künniger=Leipzig 2.57,4, Min.
4. Koppen=Leipzig 2.58 Min. — 100=Meter=Freiſtil. 1. Wannie II=
Ingarn 1.01,4 Min. 2. Schubert=Breslau 1.02 Min. 3. Maus=
Offenbach 1.05,4 Min. 4. Gruß=Hellas Magdeburg 1.06 Min. —
200=Meter=Freiſtil, Klaſſe Lb. 1. Wolff=Jungdeutſchland
Darm=
ſtadt 2.32,2 Min. 3. Schwarz=Darmſtadt 2.34,4 Min.
Das Strafgerichk über Schalke 04.
14 Mitglieder ausgeſchloſſen.
Die Spruchkammer des Weſtdeutſchen Spielverbandes fällte
in ihrer Sitzung in Duisburg in der Angelegenheit des
Weſtdeut=
ſchen Meiſters Schalke 04, dem man Verſtöße gegen die Amateur=
Schutzbeſtimmungen zum Vorwurf machte, die letzte Entſcheidung.
Nach dieſer wurde der Ausſchluß von 14 Mitgliedern des FC.
Schalke 04 aus dem Verband beſchloſſen. Der Verein ſelbſt bleibt
weiter Mitglied des weſtdeutſchen Verbandes.
Die „Affäre Schalke 04” hat zu einem tragiſchen
Zwiſchen=
ſpiel geführt. Der Finanzobmann des Vereins, Wilhelm Nier,
von dem im Urteil des Weſtdeutſchen Spielverbandes ausdrücklich
geſagt worden iſt, daß er ſich in ſeiner Tätigkeit für Schalke 04
keinerlei perſönliche Vorteile verſchafft habe, erlitt einen
Nerven=
zuſammenbruch und ſuchte im Rhein=Herne=Kanal den Tod. —
Schalke 04 hat inzwiſchen bereits in neuer Beſetzung den
vereinbarten Freundſchaftskampf gegen den BV. Gelſenkirchen
ausgetragen und 3:1 (2:0) gewonnen. Die Elf ſetzte ſich mit
Aus=
nahme des Torhüters Melage und des Stürmers Kellner
durch=
weg aus neuen Talenten zuſammen, von denen beſonders der
Mittelſtürmer Dröß zu gefallen wußte.
Der Fall des weſtdeutſchen Meiſters Schalke 04 wächſt ſich zu
einer Tragödie aus. Zu einer Tragödie von der man annehmen
mußte, daß ſie endlich die verantwortlichen Stellen im Deutſchen
Fußball=Bund zum Handeln zwingen würde. Der Deutſche
Fuß=
ball=Bund will ein Amateur=Verband ſein. Er beſitzt ſogar einen
Amateur=Paragraphen, der die Vereine zur ſtrengen
Innehal=
tung der Amateur=Beſtimmungen zwingen will. Und doch weiß
man, daß die moderne Entwicklung des Fußball=Betriebes ſchon
lange zu einem Zuſtand geführt hat, der dem wahren
Amateur=
gedanken Hohn ſpricht. Die Spieler, faſt aller großen deutſchen
Fußballvereine werden zwar offiziell als Amateure geführt,
er=
halten aber doch für ihre ſportliche Tätigkeit Zuwendungen
ver=
ſchiedenſter Art. Wir haben einen verkappten
Halbprofeſſionalis=
mus. Das iſt nicht zu leugnen. Zuweilen hat man einmal einen
der Schuldigen erwiſcht und ihn beſtraft. Der allgemeine Zuſtand
wurde dadurch aber nicht geändert. Er verlangt aber dringend
noch einer Aenderung.
Die einfachſte Löſung wäre die Einführung des
Berufs=
ſpielertums für die großen Fußball=Vereine. Aber die deutſchen
Verhältniſſe ſind doch aus dieſen und jenen Gründen zur Zeit für
das Berufsſpielertum noch nicht reif. Immerhin iſt eine
Rück=
kehr zum unbedingten Amateurismus bei unſeren heutigen
ſozia=
len Verhältniſſen nicht ganz unbedenklich.
Es würde vielleicht genügen, eine Beſtimmung zu ſchaffen, die
es geſtattet, den Spielern der erſten Mannſchaft einen Erſatz ihrer
Auslagen und ihres Lohnausfalles an den Spieltagen zu
gewäh=
ren. Die Maximalhöhe müßte allerdings feſtgelegt werden. Trotz
dieſer Speſen wären die Spieler noch lange keine Profeſſionals,
von dieſen Beträgen könnten ſie nicht leben und deshalb auch das
Fußballſpiel nicht zum Beruf machen. Nur müßte dann die
Ueberſchreitung dieſer Speſenſätze ſtrengſtens geahndet werden.
Wer gegen dieſe Beſtimmung verſtößt, mag dann, Verein oder
Spieler, beſtraft werden.
Dieſe „Amateure” werden allerdings keine Amateure im
Sinne der olympiſchen Beſtimmungen ſein. Aber das wäre in
Kauf zu nehmen, wenn man dafür die Ehrlichkeit und Reinheit
des deutſchen Fußballbetriebes eintauſcht.
Die Ligamannſchaft, die zu der in letzter Minute abgeſagten
Begegnung Deutſchland—Schweiz in Freiburg die Spieler Delp,
Wer=
ner, Freund und Feick ſtellen ſollte, hat leider kein Spiel am kommenden
Sonntag, da dieſer verbandsſpielfrei war und jetzt kein Gegner mehr
zu bekommen iſt. — Dagegen wird am Sonntag nachmittag um 3 Uhr
auf dem Hauptfeld des Stadions die ſehr intereſſante Begegnung der
Handball=Liga=Erſatzmannſchaften des Sportvereins
Darmſtadt 1898 und des Polizeiſportvereins ſtattfinden. Die beiden
un=
teren Verbandsmannſchaften des Sportvereins, die Ligaerſatz und
die Junioren, verfügen dieſes Jahr über eine ſehr beachtliche
Spiel=
ſtärke. Die Flüſſigkeit ihrer Kombination ſtellt für jeden
Handball=
freund eine Freude dar, ſo daß ſich wohl auch wieder zu dieſem Spiel
eine recht ſtattliche Zahl von Zuſchauern einſtellen wird, um ſo mehr
als auch am Nachmittag vor dem Handballſpiel ein Treffen der erſten
Fußballiugend des Spv. gegen die gleiche Elf des
Fußball=
ſportvereins Frankfurt ſtattfindet, nachdem das Vorſpiel in
Frankfurt 2:2 endigte. Die beiden Spiele werden auf die Darmſtädter
Sportwelt ihre Anziehungskraft nicht verfehlen. — Die
Handball=
junioren (3. Mannſch.) treten am Sonntag, vormittag 11 Uhr, zu
dem Verbandsſpiel gegen Rotweiß (2. Mannſchaft) an. Wenn ſie
eben=
ſo ſchön wie am Vorſonntag gegen die erſte Mannſchaft von Arheilgen
ſpielen (6:3 gew.), wird auch dieſe Begegnung ihre Spielſtärke unter
Beweis ſtellen.
Handballjugend des Sp.V. 98.
1. Jugend — S. S.V. Ulm: 4 Uhr Stadion; 2. Jugend — Sp.
V. Arheilgen: dort 9 Uhr; 3. Jugend — Tg. Weiterſtadt: dort
10 Uhr. — Das Spiel der 1. Jugend findet anſchließend an das
Verbandsſpiel Sp.V. 98 — Polizei, Ligaerſatzmannſchaft ſtatt.
Die Ulmer Jugend hatte an Pfingſten die Sportvereins=Jugend
gaſtfreundlich aufgenommen und erwidert nunmehr dieſen Beſuch.
In ihrem Bezirk gehört ſie zu den ſtärkſten Jugendmannſchaften,
ſo daß der Ausgang dieſer Begegnung durchaus offen iſt. Das
Vorſpiel konnten die Darmſtädter nur knapp in der letzten Minute
gewinnen. Da beide Mannſchaften ſich einer ſehr fairen
Spiel=
weiſe befleißigen werden, iſt den Anhängern des Handballſportes
der Beſuch ſehr zu empfehlen.
Fr. Turngde. Darmſtadt — Speyer.
Es wird auf das heute nachmittag auf dem Sportplatz am
„Müllersteich”, ſtattfindende Handball=Propagandaſpiel obiger
Mannſchaften hingewieſen. Das Spiel, das intereſſanten Sport
zeigen dürfte, wird ſicher viele Freunde anziehen. Der
Spiel=
beginn iſt auf 5 Uhr, nicht um 1,45 Uhr, feſtgeſetzt. Vor dem
Handballſpiel findet ein Serienſpiel der 1. Mannſchaft der
Fuß=
haller gegen Ober=Ramſtadt ſtatt.
Leichkathletik.
Leichtathletik=Klubkampf, verbunden mit Handballſpiel
Rot=Weiß V.f.R. Darmſtadt — Eintracht Frankfurt.
Wir verweiſen nochmals auf den heute nachmittag 2.30 Ul
ſtattfindenden L.=A.=Klubkampf mit Handball=Verbandsſpiel au
dem Rot=Weißplatz in der Rheinallee.
Turngeſellſchaft 1875 Darmſtadt.
Am Sonntag, den 31. Auguſt, entſendet die Leichtathleten=Abteilun
obigen Vereins eine größere Anzahl Leichtathleten nach Kirn und Rüf
ſelsheim. In Kirn a. d. Nahe ſtarten in der Oberſtufe, Mehrkampf
Peter Dorn und Jean Deißroth. In der Unterſtufe, Mehrkampf: K
Neutzſch. L. Spahn. W. Vierheller, K. Klein und Ph. Schneider. Jr
der Jugendklaſſe: Hch. Euler. In der Altersklaſſe: Fr. Huthman=
Im 5000=Meter=Lauf: Hch. Haag. Um den Kyrburg=Wanderpreis iſ
eine 5mal 100 Meter=Staffel zuſammengeſtellt. — In Rüſſelsheim wir
letztmalig die 3mal 1000 Meter=Staffel (Wanderpreis) ausgetragen, de
ſich die Turngeſellſchaft 1875 ſchon zweimal erringen konnte. In de
Aufſtellung: Spalt, Fornoff und Aßmuth dürfte derſelbe endgültig
deren Beſitz gelangen. Außerdem läuft Fink in 1000 Meter, Unterſtufe
Fußball.
Sp.Vgg. 04 Arheilgen — F.C. Union Darmſtadt.
Der Sonntag bringt zu mzweiten Verbandstreffen den F.
Union nach dem Arheilger Mühlchen. Die Union=Mannſchaft wird
wenn man die von ihr in Privatſpielen erzielten Reſultate a
Stärkeverhältnis anſieht, für Arheilgen einen ſehr ſtarken Gegne
abgeben. Die erſte Elf der Sportvereinigung hat erſt am letzter
Sonntag gegen Mörfelden gezeigt, daß ſie ſehr ſchwach iſt. Woh
mag es an der gänzlich verfehlten Aufſtellung und nicht zuletzt
a=
alten Verletzungen verſchiedener Spieler gelegen haben. Arheilge
wird wohl aus dieſem Spiel die Lehre gezogen haben und eine an
gebrachte Umſtellung der Mannſchaft vornehmen. Der Sieg i
nicht, wie viele Peſſimiſten ſchon wiſſen wollen, für Union ſicher
ſondern vollſtändig offen. Spielbeginn 3,30 Uhr.
Fr. Tgde. Darmſtadt 1. — Ober=Ramſtadt 1.
In Fortſetzung der Serienſpiele empfängt am Sonntag Darn
ſtadts Erſte die gleich von Ober=Ramſtadt. Es iſt das erſte
Ma=
daß beide Mannſchaften ſich gegenüberſtehen und man darf auf der
Ausgang des Spieles geſpannt ſein, zumal Darmſtadt in ver
änderter Aufſtellung antreten wird. Spielbeginn 3 Uhr auf de
Sportplatz am Müllersteich. — Vormittags 10 Uhr ſtehen ſich di
beiden Jugendmannſchaften Darmſtadt — Egelsbach gegenüber.
Die Waſſerball=Kämpfe.
Frankreich — Schweden 2:0 (1:0).
Auch das Spiel konnte ſehr gut gefallen, es war ſchnell und
fair. Die Franzoſen zeigten ſich ſchwimmeriſch überlegen und kamen
auch ſchon bald zu ihrem Führungstor. Die Schweden ſpielten
un=
genau zu, als auch noch ein Mann von ihnen herausgeſtellt wurde,
gewannen die Franzoſen immer mehr Oberhand. Nach der Pauſe
wurde auch ein Franzoſe herausgeſtellt, ſo daß beide Mannſchaften
nur noch mit ſechs Mann ſpielten. Die Schweden blieben ſyſtemlos
und konnten es nicht verhindern, daß die Franzoſen auf 2:0
er=
höhten.
Ungarn — Belgien 6:1 (5:1).
Die Belgier zeigten einen überraſchend guten Start und
konn=
ten auch das Führungstor erzielen. Die Ungarn verſchärften das
Tempo und kamen zum Ausgleich. Dieſer Treffer machte die
Bel=
gier ſehr nervös. Die Ungarn waren taktiſch klar überlegen und
ſtellten das Ergebnis bis Halbzeit auf 5:1. Nach der Pauſe
zeig=
ten die Belgier ſchwimmeriſch beſſere Leiſtungen, im
Zuſammen=
ſpiel blieben ſie aber nervös und ungenau. Dazu ſpielten ſie auch
noch ſehr hart. Der Schiedsrichter Blank=Mannheim zerpfiff das
Spiel vollkommen. Die Ungarn konnten nur noch einen Treffer
erzielen.
Deutſchlands vierter Sieg.
England mit 5:1 (2:1) Treffern geſchlagen.
Die Mannſchaften: Deutſchland: Rademacher I; Gunſt,
Cordes; Bennecke: Joachim Rademacher, Amann, Schulze.
Eng=
land: Ablet: Beaumar, Brown; Temme, Neame, Sutton. —
Schiedsrichter Comjady=Ungarn diesmal etwas unſicher. — Die
deutſche Sieben fand ſich wieder einmal ſehr ſchlecht zuſammen.
England kam durch einen überraſchenden Durchbruch zum
Füh=
rungstor. Erſt nach einigen Spielminuten ſchoß Amann auf
Vor=
lage von Schulze den Ausgleich. Kurz vor der Pauſe brachte
Schulze Deutſchland mit 2:1 in Front. Nach der Pauſe wurde die
deutſche Mannſchaft beſſer, ſie wurde jetzt aber auch von den
Eng=
ländern ſehr hart abgedeckt. Ablet im Tor der Engländer hielt
eine Serie von Schüſſen ſehr gut. Schulze und Temme wurden
herausgeſtellt, die Engländer verteidigten weiter ſehr hart und
verurſachten zahlloſe Freiwürfe. Schließlich konnte aber doch der
von Bennecke glänzend bediente Amann auf 3:1 erhöhen. Ein
Durchbruch der Engländer endete mit einem Lattenſchuß. Amann
erzielte dann in einem Alleingang unter großem Beifall der Maſſen
ein viertes Tor und im Anſchluß daran ſchoß Bennecke ſofort noch
einen fünften Treffer.
Die Tabelle:
Die Entſcheidung
fällt am Sontag mit dem Spiel Deutſchland — Ungarn. Dieſes
Treffen, das der Höhepunkt des Turniers ſein wird, iſt in ſeinem
Ausgang vollkommen offen. Weiter fielen noch am letzten Tag:
Shweden gegen England und Frankreich gegen Belgien.
Pferdeſpork.
Rennen zu Grunewald.
Fenelon=Jagdrennen. Herrenreiten, 3000 M. 3600 Meter: 1.
Wilkes Brabant (v. Blottnitz). 2. Vimont. 3. Feuermal. Toto;
14. 4—6 Lg.
Seul II.=Hürdenrennen. Ausgelich II, 3500 M., 3000 Meter:
. Mörſchels Perſea (Hauſer). 2. Rohrpoſt. 3. Lefels. Toto: 33.
Platz: 14, 12. 2—1 Lg. Ferner: Spala.
Heyden=Linden=Jagdrennen. Ausgleich I. Herrenreiten,
Ehrenpreis und 5600 M., 5000 Meter: 1. Perskes Pimoulouche
(Oehme). 2. Phyllis. 3. Ilſe XIII. Toto: 80. Platz: 24. 18, 21.
1½—W. Ferner: Brandmeiſter, Oberjäger, Rößling, Fähnrich.
Eiger=Jagdrennen. 3000 M., 3200 Meter: 1. Brunſchwigs
Ka=
rodame (Wurſt). 2. Szin Arany. 3. Holdrio. Toto: 150 Platz:
30, 17, 15. 2—2½ Lg. Ferner: Forno, Irrwiſch, Ernani, Luſt und
Leid, Mineſtra, Perlaudabilis, Lodi.
Nurmi ſchneller als Virtanen.
Höhepunkt des zweitägigen internationalen Sportfeſtes in
Hel=
ſingfors war am Mittwoch ein Rennen über drei engliſche
Mei=
len, das Paavo Nurmi in 14:20,7 vor ſeinem jungen Landsmann
Vir=
tanen (14:21,5) und dem polniſchen Meiſter Petkiewicz gewann.
Vir=
tanen führte bis 100 Meter vor dem Ziel, dann ging jedoch Nurmi
unwiderſtehlich vorbei und ſiegte noch ſicher. — Sieger der 100 Meter
wurde Kopanen in 10,9, im 110 Meter Hürdenlaufen triumphierte
Sjö=
ſtedt in 15,2 vor Wilen und das Diskuswerfen wurde mit 47,10 Meter
eine Beute Kivis. Eine 10mal 100=Meter=Staffel gewann die
Mann=
ſchaft von Kiſaveikot in der neuen finniſchen Rekordzeit von 1:48,7.
Bei den D.T.=Fechtmeiſterſchaften in Nürnberg holte ſich Kolbingen
(Mtv. München) die Meiſterſchaft im Degenfechten.
Amerika ſiegte im Leichtathletik=Länderkampf zu Chikago über
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Gleichbleibendes Werktags=Programm. 6 u. 6.30: Wetter, Zeit,
Gymnaſtik. O 12: Zeit, Wetter Wirtſchaftsm., Waſſerſt. O 12.20:
Schallplattenkonzert. O 12.55: Nauener Zeit. O 12: Schallplatten.
O 14.50 15.50: Zeit, Wirtſchaftsm.O 16.10: Ind., Handelsk. (Di.
1. Fr.). 17 45: Wetter Wirtſchaftsm., währ. d. Nachm.=Konzexts:
Vereinsnachrichten. O 18.05, 19.15 oder 19.30: Wirtſchaftsmeld.
Sonntag, 31. Auguſt.
7.0C: Hamburg: Die Glocken vom Großen Michel. — Hafenkonzert,
8.30: Adventskirche zu Kaſſel: Morgenfeier. Anſpr.: Pfarrer Reiß.
11.00: Miltenberg a. M.: Konzert anl. der Michaelmeſſe.
Muſik=
korps 1, 21. Infanterie=Regiment Würzburg.
13.00: Zehmminutendienſt der Landwirtſchaftskammer Wiesbaden.
13.10: Mandolinenkonzert. Verein für Volksmuſik 1924, Braubach.
4.00: Stuttgart: Jugendſtunde: Eine luſtige Baſtelſtunde, in der
ein kleiner Hund entſteht.
15.00: Die Zehnjahrfeier des Kinderdorfes Wegſcheide.
15.45: Stunde des Landes.
16.30: Stuttgart: Nachmittagskonzert des Rundfunkorcheſter.
17.00: Nürnberg: Europa=Waſſerball=Turnier. Länderſpiel
Deutſch=
land—Ungarn.
17.35: Stuttgart: Fortſetzung des Konzerts.
18.30: Rektor Bartſcher: Altfrankfurter Sprichwörter und
Redens=
arten auf Friedrich Stoltzes Nachlaß.
19.30: Operetten=Konzert (Schallplatten).
20.00: Otto Reutter mit heiteren Vorträgen.
21.00: Oſtende: Großes Konzert.
23.00: Unterhaltungskonzert.
Königswuſterhauſen.
Deutſche Welle. Gleichbleibendes Werktags=Programm. 5.50:
Wetter für den Landwirt. o 6.30: Morgengymnaſtik. O 6.55:
Wetter für den Landwirt. o Ca. 7: Konzert. o 10.30, 13.30:
Neueſte Nachrichten. o 12.25: Wetter für den Landwirt. So.
12.50). O 12 bzw. 12.30: Schallplatten (außer So.). O 12.55:
Nauener Zeit. O 14: Berlin: Schallplatten. O 15.30: Wetter, Börſe.
O 19.55: Wetter für den Landwirt.
Deutſche Welle. Sonntag, 31. Auguſt.
7.00: Hamburg: Die Glocken vom Großen Michel. — Hafen=Konzert
8.00: Mitteilungen und praktiſche Winke für den Landwirt.
8.15: Wochenrückblick auf die Marktlage.
8.25: Dipl.=Ing. Otto Schnellbach: Verbeſſerungen an
landwirt=
ſchaftlichen Maſchinen.
8.50: Morgenfeier. Glockenſpiel der Potsdamer Garniſonkirche.
Anſchl.: Glockengeläut der Berliner Doms.
11.00: Bach=Kantate: „Herr Jeſu Chriſt, du höchſtes Gut”, Kantate
Nr. 113 für Sopran, Alt, Tenor, Baß und gemiſchten Chor.
11.30: Elternſtunde. Dr. med. Heinz Franzmeyer: Ueberarbeitung der
Kinder.
12.00: Mittagskonzert. Berliner Funkorcheſter.
14.00: Was gibt’s denn Neues?
14.30: Lauten=Vorträge: Dr. Heinz Biſchoff.
15.00: Jugendſtunde. „Baron von Hüpfenſtich”. Von Cl. Brentano.
15.30: Unterhaltungsmuſik. Als Einlagen: Hannover: Leichtathletiſche
Kämpfe. Deutſchland — Frankreich. — Nürnberg: Waſſerball
Deutſchland—Ungarn.
17.00: Von der Funk=Ausſtellung: Garten=Konzert. Berliner Konzert=
Verein 1930.
18.00: Dr. Heinrich Michaelis: Nicolaus Lenau zum 100. Geburtstage
18.30: Prof. Dr. Dietrich: Johann Georg Hamann „Der Magus
des Nordens” (zum 200. Geburtstage).
18.55: Staatsminiſter a. D. Dr. Boelitz: Theater und Publikum.
19.25: Peter Flamm lieſt aus eigenen Werken.
20.00: Hamburg: „Nanon”. Komiſche Oper in drei Akten. Muſik
von Richard Genée.
Danach: Tanzmuſik. Fred Bird=Tanz=Orcheſter.
Welierbericht.
Das Hochdruckgebiet, mit ſeinem Kern über der Oſtſee,
be=
herrſcht weiter die Wetterlage, ſo daß noch keine Aenderung
ein=
tritt. Jedoch dringt über den britiſchen Inſeln kühlere und
feuchte Luft ſüdwärts, welche dort vielfach zu Gewitterſtörungen
führt. Es iſt nicht ausgeſchloſſen, daß auch ſie langſam auf das
Feſtland vordringt und durch die hier herrſchende Wärme dabei
in den nächſten Tagen Gewitterſtörungen verurſacht.
Ausſichten für Sonntag, den 31. Auguſt 1930: Fortdauer der
herrſchenden Wetterlage, jedoch aufkommende
Gewitter=
neigung.
Ausſichten für Montag, den 1. September 1930: Wenig Aenderung
der Wetterlage.
Nummer 240
Oar sarmittn
Mislienar.
Roman von Hearnden Balfour.
11)
Nachdruck verboten.
„Ich glaube, ich will’s wagen. Hör' alſo zu! Als Fairleigh
den Beſitz übernahm, war er ſchwer mit Hypotheken belaſtet.
Sein Vorgänger, Stephen, war ein leichtſinniger alter Kerl und
hatte faſt das geſamte Familienvermögen durchgebracht. John
Fairleigh beſaß kein Geld, und alles, was er einnahm, wurde
aus dem Gute entnommen. Er lebte ſehr zurückgezogen, gab ſich
große Mühe, die engliſchen Gebräuche kennen zu lernen und ſich
eine gewiſſe Bildung anzuſchaffen, heiratete die Tochter des
Paſtors von Coombe und wurde in fünf Jahren ein angeſehener
typiſcher engliſcher Grundbeſitzer. Im Jahre 1910 machte ein
großer Juwelendiebſtahl viel von ſich reden. Du wirſt dich der
Sache nicht erinnern. Lady Blakeburys Perlen wurden geſtohlen,
während ſie das Haus voller Gäſte hatte. Unter dieſen befand
ſich auch Fairleigh. Schließlich wurde der Dieb gefaßt, aber die
Perlen waren und blieben verſchwunden. Sechs Monate ſpäter
wurden die Hypotheken auf Coombe abbezahlt. 1913 verbrachte
Fairleigh ſechs Monate in Deutſchland. Während des Krieges
wurde Devonſhire ein wahres Eldorado für Spione. Jedesmal,
wenn wir drauf und dran waren, einen Agenten einzukreiſen,
entfloh er nach Devonſhire, und wenn er da war, gelang es uns
nie, ihn zu faſſen. Er war dann ganz einfach verſchwunden. Wie
das zuging, haben wir nie entdeckt, aber — am Ende des
Krie=
ges war Fairleigh ein reicher Mann. Erinnerſt du dich, daß
wir damals, kurz vor deiner Abreiſe nach der Schweiz, auf einem
Diner bei Fairleighs über den Harpingtonſchen Juwelenraub
ſprachen. Nun, die Diebe wurden verfolgt, bis ihre Spur in
Porlock verlorenging. Und beſinnſt du dich auf den Mordfall
Macawbie? Der Mörder wurde nicht gefaßt, aber wir
verfolg=
ten ihn bis nach Devonſhire. Fairleigh beſitzt jetzt natürlich eine
Menge von Aktien und gehört zum Aufſichtsrat mehrerer
her=
vorragender Aktiengeſellſchaften, aber die Einnahmen aus
alle=
dem reichen nicht hin, um ſeinen ſtetig zunehmenden Reichtum
zu erklären. Ich wage nicht zu ſagen, wieviel er heute wohl
wert iſt, und ich bezweifle, daß irgend jemand außer ihm ſelbſt
es weiß.”
„Aber — großer Gott! — wenn das alles wahr iſt, warum
habt ihr ihn dann nicht ſchon längſt verhaftet?"
„Weil niemals auch nur ein Schatten von Beweis
vorhan=
den war. Der Mann iſt ein wahres Genie; aber jetzt werden
wir ja ſehen, ob er ſich nicht endlich eine Blöße gegeben hat,
in=
dem er ſich an Bill vergriff.”
Es wurde ganz ſtill im Zimmer. Jim ſtarte auf den
Tep=
pich nieder. Schließlich ſagte er: „Es iſt ziemlich grauenhaft
für Judy.”
„Du darfſt ſie nichts ahnen laſſen, Jim. Ich habe dir dies
alles nur erzählt, damit du deinen Gegner nicht unterſchätzt. Bei
dieſem Fall kann der Sieg nur durch Liſt errungen werden. Ich
wollte zu Gott, Bill hätte irgendwelche Papiere hinterlaſſen.
Die würden vielleicht etwas Licht auf die Sache werfen.”
„Wenn du recht haben ſollteſt, was ich bezweifle —”
be=
gann Jim —
„Nun? raus mit der Sprache!” ermutigte Jack ihn lächelnd.
„Na, wenn dies ein Fall von Schlacht, Mord und jähem
Tod iſt, und der alte Bill ſtarken Sprengſtoff in Geſtalt von
Dokumenten mit ſich jrumſchleppt — würde er die dann
mit=
genommen haben?"
„Nicht in Feindesland. Höchſtens könnte er ſie Jonas
an=
vertraut haben. Jonas befand ſich ja auf der Jacht, als der
Einbruch ſtattfand."
„Dabei fällt mir ein — woher weißt du, daß die Einbrecher
ſie nicht gekriegt haben?"
„Ich weiß es ja gar nicht,” erwiderte Jack, „aber es würde
ſich verlohnen, Jonas zu fragen, ob er irgend etwas von
wichti=
gen Papieren weiß, die Bill gehören. Laß uns doch mal mit
ihm ſprechen und verſuchen, das herauszubekommen.”
Jim ſtand auf und ſchellte: „Wenn er dir eine ebenſo lange
und weitläufige Geſchichte erzählt, wie mir, ſo gnade dir Gott!”
ſagte er.
„Es kommt ganz darauf an, wie man die Fragen ſtellt,”
meinte Jack gleichmütig.
Jim öffnete den Mund zu einer vernichtenden Erwiderung,
wurde aber durch Jonas: Eintreten unterbrochen.
„Hören Sie mal, Jonas,” begann er, „wiſſen Sie, ob Bill
irgendwo wichtige Papiere aufbewahrte?"
„Nein, Sir, wenigſtens weiß ich nichts davon.”
Seite H
„Haben die Einbrecher alle Schubladen im Schreibtiſch und
alle Fächer im Geldſchrank aufgebrochen?” fragte Jack.
„Ja, Sir.”
„Das Schränkchen da, ſieht nicht aus, als ob ſie daran
her=
umgearbeitet hätten,” ſagte Jack und deutete auf ein japaniſches
Lackmöbel, das ne en dem Fenſter ſtand.
„Nein, Sir. Aber das kam mit mir nach dem Schiff.
Maſ=r Bill hielt große Stücke drauf. Er ſagte, ich ſollte gut
drauf aufpaſſen und es nicht aus den Augen laſſen.”
„Wirklich? Dann gehört es alſo nicht hier zum Haus?”
„Nein,” ſagte Jim, der wieder anfing, gereizt zu werden.
„Bill kaufte es erſt vor zwei Monaten.”
„Weshalb haſt du mir das nicht gleich geſagt?”
„Warum zum Kuckuck hätte ich das ſollen? Er kaufte an
dem Tage auch einige Kragenknöpfe und zwei Paar Pyjamas
— falls dir das auf die Sprünge hilft.”
Jack antwortete nicht, ſondern trat auf das kleine
Schränk=
chen zu und betrachtete es eingehend. Es war verſchloſſen. Er
rieb ſich nachdenklich die Stirn und wandte ſich wieder an Jonas.
„Sagen Sie mir doch! haben Sie Bill an dem Tag, an dem
er nach Devonſhire fuhr, auf die Bahn gebracht, fragte er.
„Jawohl, Sir,” ſagte Jonas, der jetzt offenbar anfing. Jack
als einen Freund ſeines Herrn zu betrachten. „Ich hab’ ſeinen
Koffer an den Zug getragen.”
„Erinnern Sie ſich vielleicht, ob er eine einfache oder eine
Rückfahrkarte genommen hatte?"
„ne einfache.”
„Erſter oder dritter Klaſſe?”
„Dritter.”
„Sonderbare Sparſamkeit für einen Mann, der es
erſchwin=
gen konnte, eine Jacht zu chartern”, bemerkte Jack.
„Bill fuhr ein für allemal Dritter”, warf Jim ein. „Er
fand es amüſanter.”
„Hat er Ihnen geſagt, weshalb er England ſo plötzlich
ver=
laſſen wollte?"
„Nein, Sir. Ich fragte danach, da lachte er bloß und ſagter
„Jonas, du alter Nigger, kümmer’ dich um deinen eigenen
Kram!”
„Danke, Jonas, länger will ich Sie nicht bemühen. Sie
haben mir ſehr geholfen. Tröſten Sie ſich, wir werden Bill
ſchon finden."
(Fortſetzung folgt.)
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an Arzneien uſw.” (Vgl. unſere
Bekannt=
machung vom 12. Aug. 1930) treten ab
1. Sept. 1930 in Kraft. Nach dieſer
Verordnung ſind wir gezwungen, für
die Löſung eines Krankenſcheines eine
Gebühr von 50 Reichspfennigen zu
er=
heben. Die Gebühr iſt auf der Kaſſe bei
Löſung des Scheines zu entrichten.
Zu beachten iſt hierbei, daß nach der
Verordnung für jeden
Verſicherungs=
fall ein neuer Ausweis zu löſen und die
Gebühr zu entrichten iſt.
Im Intereſſe reibungsloſer
Abwich=
lung bitten wir die Vorſchriften genan
zu beachten und machen hierbei darauf
aufmerkſam, daß ohne Behandlungsſchein
der Arzt, Zahnarzt oder Zahntechniker
nicht in Anſpruch genommen werden darf.
Bei der Abnahme von Arznei=, Heil=
und Stärkungsmitteln muß der
Ver=
ſicherte von den Koſten jedes
Verord=
nungsblattes 50 Reichspfennige an die
abgebende Stelle (Apotheker, Drogiſt,
Optiker, Badeanſtalten, Selbſtabgabe der
Kaſſe uſw.) zahlen. Betragen die Koſten
der verordneten Mittel weniger als 50
Reichspfennige, ſo braucht nur der
ge=
ringere Betrag gezahlt zu werden.
Wir wiſſen, daß die Notverordnung
den Verſicherten ſchwere Opfer auferlegt.
Wir bitten, davon überzeugt zu ſein, daß
es nicht der Wunſch der Kaſſe iſt, die
Verſicherten zu ſchädigen, ſondern, daß
die Kaſſe nur die geſetzlichen
Verpflich=
tungen erfüllt.
(12881b
Darmſtadt, den 26. Auguſt 1930.
Der Vorſtand.
Stork, Vorſitzender.
am Weißen Turm
[ ← ][ ][ → ]Seite 12
Sonntag, den 31. Auguſt 1930
Nummer 240
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Nummer 240
Sonntag, den 31. Auguſt 1930
eite 13
in
Sl. Egidien.
Chemnitz, 30. Auguſt.
Am Samstag nachmittag ereignete ſich auf
dem Bahnhof St. Egidien ein ſchweres
Eiſen=
bahnunglück. Von dem Perſonenzug 1019
ent=
gleiſten aus bisher unbekannter Urſache mehrere
Perſonenwagen und wurden zum Teil
zertrüm=
mert. Bisher ſind drei Tote und eine Anzahl
mehr oder minder ſchwer Verletzter geborgen
worden. Weitere Einzelheiten ſind noch nicht
bekannt.
Bei dem Eiſenbahnunglück bei St.
Egidien auf der Strecke Werdau—Dresden ſind,
wie nachträglich feſtgeſtellt wird, durch den
Um=
ſturz von drei Wagen drei Perſonen ums
Leben gekommen. Drei weitere Reiſende
ſind ſchwer verletzt und gegen 15 leicht verletzt
worden. Die 15 Leichtverletzten konnten nach
Anlegung von Notverbänden ihre Reiſe
fort=
ſetzen. Aerztliche Hilfe war ſofort zur Stelle.
Wie weiter feſtgeſtellt wurde, liegt ein
Perſonal=
verſchulden nicht vor.
Zwei Straßenbahnen zermalmen ein Auto.
Sieben Schwerverletzte.
Berlin. Ein furchtbarer Verkehrsunfall,
bei dem zwei Perſonen lebensgefährlich, fünf
andere erheblich verletzt wurden, ereignete ſich
am Samstag vormittag gegen 9.30 Uhr in
Char=
lottenburg. Ein Privatauto, das in raſcher
Fahrt aus der Guerickeſtraße herauskam, wurde
zwiſchen zwei Straßenbahnwagen eingeklemmt
und vollſtändig zermalmt. Die beiden
Auto=
inſaſſen, der 22jährige Monteur Behrendt und
der 19jährige Lehrling Löffel, wurden in
hoff=
nungsloſem Zuſtande ins Krankenhaus Moabit
geſchafft. Fünf Straßenhabninſaſſen wurden
erheblich verletzt.
Schweres Unglück auf einem Feſt
in Portugal.
Zwölf Kinder verletzt.
Berlin. Wie aus Liſſabon gemeldet wird,
hat ſich bei einem großen Feſt, deſſen
Mittel=
punkt ein Feuerwerk auf dem Cavadofluß ſein
ſollte, ein ſchweres Unglück ereignet. Dem
Feuerwerk ging eine Rundfahrt geſchmückter
Motorboote voraus, auf denen ſich ein Teil der
Zuſchauer, beſonders Kinder, befanden. In einem
dieſer Boote waren die Feuerwerkskörper
un=
tergebracht. Beim Ausprobieren eines
Feuer=
werkskörpers geriet durch die umherfliegenden
Funken die geſamte Ladung in Brand. Unter
großem Getöſe entzündeten ſich nach und nach
ſämtliche Feuerwerkskörper, und bald ſtand das
ganze Boot in Flammen. Der Inſaſſen
bemäch=
tigte ſich eine Panik. Es waren über 40 Kinder
an Bord, die unter lautem Geſchrei zum Teil
mit brennenden Kleidern wild
durcheinander=
liefen. Die meiſten folgten dem Beiſpiel der
Er=
wachſenen und ſprangen über Bord. Inzwiſchen
waren die anderen Boote an der Unglückſtelle
eingetroffen und halfen an der Rettungsarbeit
mit. Wie durch ein Wunder iſt keines der
Kin=
der ertrunken, jedoch haben zwölf von ihnen
Brandwunden erlitten und mußten ins Hoſpital
überführt werden. Das Unglücksboot iſt
unter=
gegangen.
Bergſteiger tot aufgefunden.
Innsbruck. Am Freitag nachmittag iſt es
der Bergführergruppe, die ſeit mehreren Tagen
in den Zillertaler Bergen nach den vier
ver=
mißten Bergſteigern ſucht, gelungen, die Leiche
des Prokuriſten Otto Holzbauer aus Graz auf
einem Gletſcher aufzufinden. Holzbauer war noch
angeſeilt. Das Ende des Seiles war aber
ab=
geriſſen. Man vermutet, daß die drei anderen
Teilnehmer, zwei Söhne des Direktors der
Lo=
komotivfabrik Hoffmann und der Werkführer
Bendl in eine Gletſcherſpalte geſtürzt ſind und
dabei das Seil abgeriſſen haben.
Sie ftarben beide denſelben Tod.
Das Offiziersehepaar Amlinger, das unter
tragiſchen Umſtänden den Tod fand.
Aus dem Verkehrsflugzeug Frankfurt-Berlin
ſtürzte ſich die Gattin des Oberleutnants
Am=
linger, als ſie erfahren hatte, daß ihr Gatte, den
ſie erſt wenige Monate vorher geheiratet hatte,
in Rußland durch einen Flugzeugabſturz ums
Leben gekommen war. Sie wollte denſelben Tod
ſterben wie ihr Mann. Unſer Bild zeigt das
Ehepaar an ſeinem Hochzeitstage vor wenigen
Monaten.
Die letzte Kataſtrophe bei Chartres: Sechs Tote.
Die franzöſiſchen Militärflieger werden ſeit dem letzten Monat von einer Unglücksſerie verfolgt.
Allein beim 22. Fliegerregiment, das in der Gegend von Chartres nächtliche Uebungen abhielt,
kamen 20 Mann durch Flugzeugabſtürze ums Leben. Es beſteht der Verdacht, daß an den Maſchinen
Sabotageakte verübt worden ſind.
Das norwegiſche Expeditionsſchiff „Terningen”,
das auf der „Weißen Inſel” beim Franz=Joſephs=Land im Polareis die Leiche des vor 33 Jahren
verſchollenen ſchwediſchen Polarforſchers Andree fand, der als Erſter verſucht hatte, den Pol im
Freiballon zu überfliegen.
Juwelendiebſtahl.
Frankfurt a. M. Am Freitag nachmittag
gegen 13½ Uhr erſchien in dem Laden eines
Juweliers ein Mann, der einen Siegelring
ver=
langte. Der Juwelier, der allein im Laden war,
legte ihm verſchiedene Siegelringe vor. Darauf
verlangte der Betreffende einen im Schaufenſter
liegenden Siegelring. Da dieſe Ringe im
vor=
deren Teil des Schaufenſters lagen, mußte ſich
der Juwelier bücken, um die Ringe
herauszu=
holen. Währenddeſſen war ein zweiter Mann
in dem Laden erſchienen, der ein Streichholzetui
verlangte. Als der Juwelier der erſten
Per=
ſon die Siegelringe vorlegte, erklärte dieſe, ſie
werde nach einigen Minuten wiederkommen,
und verließ den Laden. Die zweite Perſon folgte
nach kurzer Zeit der erſten mit dem Bemerken,
daß die Streichholzetuis ihr zu teuer ſeien.
Nach ſeinem Fortgang bemerkte der Juwelier
nach einigen Minuten, daß ihm fünf wertvolle
Brillantringe und ein Kollier geſtohlen waren.
Der Täter muß während der Zeit, als der
Juwelier die Ringe aus dem Schaufenſter nahm,
den Diebſtahl begangen haben. Es wird
ver=
mutet, daß die beiden Perſonen unter einer
Decke ſteckten. Man nimmt an, daß es ſich um
Ausländer handelt, da ſie nur gebrochen deutſch
ſprachen.
Feierliche Eröffnung des Baues der Groß=
Glockner=Alpenſtraße.
Zell am See. In Ferleiter fand am
Sams=
tag die feierliche Eröffnung des Baubeginnes
der Groß=Glockner=Alpenſtraße ſtatt.
Landes=
hauptmnan Rehrl wies in ſeiner Anſprache
darauf hin, daß es dem verſtändnisvollen
Ent=
gegenkommen der Berliner AEG. zu danken ſei.
daß bereits Ende März das notwendige Kapital
als ſichergeſtellt bezeichnet werden konnte.
Fi=
nanzminiſter Juch überbrachte die allerbeſten
Wünſche des verhinderten Bundeskanzlers
Schober zur möglichſt raſchen Vollendung der
Groß=Glockner=Straße und hielt eine kurze
An=
ſprache. Darauf wurde der erſte Sprengſchuß
ge=
löſt. Oberbürgermeiſter Hipp aus Regensburg
begrüßte die Feſtverſammlung in ſeiner
Eigen=
ſchaft als Vorſitzender des Bayeriſchen
Städte=
bundes und als Vorſtandsmitglied des Deutſchen
Städtetages.
Drei Opfer einer alten Unſitte
Kandel (Pfalz). Drei junge franzöſiſche
Studenten, auf einer Radtour befindlich,
häng=
ten ſich auf der Bienwaldſtraße an einen
Laſt=
zug an. In einer Kurve kam der 21 Jahre alte
René Marius aus Saarlouis (Lothringen) zu
Fall und wurde überfahren. Er war ſofort tot.
Seine beiden Begleiter ſtürzten gleichfalls. Sie
erlitten ſchwere Knochenbrüche,
Andauernde Hike.
39 Grad Celſius in Paris.
Schwere Gewitter über Schottland.
Paris. Die ſtarke Hitzewelle, die ſeit
eini=
gen Tagen über Weſteuropa lagert, wird von
Tag zu Tag unerträglicher. Bereits ’in den
frühen Morgenſtunden des Freitags waren in
Paris im Schatten nicht weniger als 25 Grad
Celſius zu verzeichnen. In den
Nachmittags=
ſtunden betrug die Temperatur 39 Grad im
Schatten. Zahlreiche Fälle von Hitzſchlag waren
die Folge dieſer ſeit ſieben Jahren in Frankreich
um dieſe Jahreszeit nicht mehr beobachtete Hitze.
— Am Freitag nachmittag wurde in London im
Schatten 34 Grad gemeldet. Im Laufe des
Tages ſind neun weitere Perſonen an den
Fol=
gen der Hitze geſtorben. Eine zehnte Perſon iſt
ertrunken. Das Luftfahrtminiſterium ſagt
vor=
aus, daß die Hitze noch Wochen andauern kann.
Verſchiedene Teile Schottlands wurden am
Frei=
tag von ſchweren Gewittern heimgeſucht. In der
Stadt Cowdenbeath wurde das Geſchäftsleben
lahmgelegt und die Elektrizitätsverſorgung
wurde unterbunden und die Kohlengruben
muß=
ten ihre Arbeit einſtellen. In der Hauptſtraße
der Stadt wurde eine große Anzahl von
Ge=
ſchäften durch einen wolkenbruchartigen Regen
über einen halben Meter unter Waſſer geſetzt.
46 Todesopfer der Hitzewelle in England.
London. Die gegenwärtige Hitzewelle in
England hat bereits 46 Todesopfer gefordert.
In der vergangenen Nacht ging ein ſchweres
Ge=
witter mit ſtarken Regengüſſen über London
nieder, das eine leichte Abkühlung zur Folge
hatte. — Miniſterpräſident Macdonald, der ſich
am Freitag mit dem Flugzeug nach ſeinem
Sommerſitz Loſſiemouth zurückbegeben wollte,
geriet über Yorkſhire in einen ſchweren Sturm.
Der Pilot des Flugzeuges mußte ſich zu einer
Landung auf dem Flugplatz von Catteric
ent=
ſchließen, von wo aus der Premierminiſter ſeine
Reiſe mit der Bahn fortſetzte.
Ein ſechsjähriger Knabe erſchießt einen
Arbeiter.
Paris. Ein Knabe von ſechs Jahren hat
auf einem Gutshof bei Poitiers einen
Landar=
beiter mit einem an der Wand hängenden
ge=
ladenen alten deutſchen Gewehr erſchoſſen, als
der Arbeiter, ohne auf den Spott des Kindes,
das ihn hänſeln wollte, einzugehen, ruhig ſeine
Flaſche. Wein weitertrank. Erſt nach einem
langen Verhör geſtand der Knabe die
Wayr=
heit. Er hatte zunächſt behauptet, der Arbeiter
habe Selbſtmord verübt.
Die Cokinenkal=Gummifabrik gefährdet
Hannover, 30. Auguſt.
Am Samstag nachmittag geriet der
Weſt=
ſchuppen des hieſigen Güterbahnhofs Nord in
Brand. Das Feuer entſtand in einem
Oel=
waggon etwa in der Mitte des 300 Meter
lan=
gen Schuppens. Da man den brennenden Wagen
nicht ſchnell genug aus dem Schuppen bringen
konnte, ſtand in wenigen Minuten der ganze
maſſive Schuppenbau in Flammen. Bei dem
ſtarken Wind griff das Feuer auf die
anliegen=
den Häuſer über. Nordweſtlich von dem
Schup=
pen liegt die Continental=Gummifabrik. Sie iſt
von dem Brandherd nur durch Schienenſtränge
getrennt und daher ebenfalls gefährdet. Inmitten
des rieſigen Flammenmeeres fliegen ſtändig
Benzin= und Oelbehälter in die Luft. Das
Feuer wütet um 18.30 Uhr fort und gewinnt
immer noch an Ausdehnung. In dem Schuppen
befinden ſich außer Oel und Benzin auch
Stück=
güter, die dem Feuer ebenfalls reiche Nahrung
geben.
Zu dem großen Brandunglück erfahren
wir noch, daß, als der Brand ausbrach, 230
Waggons auf der fünfgleiſigen Anlage ſtanden.
Es gelang, davon ungefähr 30 Waggons zu
ret=
ten, ſo daß noch 200 Wagen dem Feuer zum
Opfer fielen. Den Anſtrengungen der
Feuer=
wehr iſt es gelungen, den großen Brand im
Güterſchuppen zu löſchen. Die Brandſtelle iſt, da
ſämtliche Lichtleitungen verbrannt ſind, in
un=
durchdringliches Dunkel gehüllt. Beſonders
ge=
fährdet waren die Häuſer der Heinhölzerſtraße,
auf die unausgeſetzt ein Funken= und Aſchenregen
niederging. Große brennende Holzſtücke flogen
umher, und nur dank der tatkräftigen Hilfe der
Einwohner, die ſich der Feuerwehr zur
Ver=
fügung geſtellt hatten, gelang es, entſtehende
Brände ſofort einzudämmen. Die Feuerwehr
weilt noch an der Brandſtelle, doch wird ein
Auf=
flackern des Brandes in großem Ausmaße nicht
mehr befürchtet. Trotz eifrigen Suchens iſt es
noch nicht gelungen, einen vermißten Arbeiter
oder ſeine Leiche aufzufinden. Der Schaden
läßt ſich noch nicht beziffern, geht jedoch
be=
ſtimmt in die Millionen.
Ein Rieſenbrand gefährdet die Waſſerverſorgung
von Belgrad.
Belgrad. Die Belgrader Waſſerleitung
iſt in der Nacht zum Freitag mit knapper Not
der Zerſtörung entgangen. In einem großen
Sägewerk bei Belgrad war ein Feuer
ausge=
brochen, das das geſamte rieſige Holzlager und
die Fabrikeinrichtung vernichtete. Unmittelbar
neben dem Sägewerk befindet ſich die Zentrale
der Belgrader Waſſerleitung. Den Bemühungen
der Feuerwehr, die von Freitag früh 4 Uhr bis
nachmittag andauerten, gelang es ſchließlich, den
Brand zu lokaliſieren und die Waſſerleitung zu
retten. Die Schäden, die nur geringfügig ſind,
können bis Samstag wieder behoben werden.
Inzwiſchen wird der Waſſerbedarf der Stadt
aus den Erſatzreſervoiren gedeckt. Der durch
den Brand angerichtete Schaden beläuft ſich auf
ſechs Millionen Dinar.
Der Italien=Rundflug.
Luſſer andritter Stelle.
Turin. In der bisherigen
Geſamtklaſſifi=
kation des Italien=Rundfluges iſt von den
deut=
ſchen Teilnehmern der Klemm=Flieger Luſſer an
dritter Stelle mit 19 Stunden 1 Minute und 18
Sekunden. Notz auf Klemm iſt achtzehnter mit
einer Zeit von 21 Stunden 34 Minuten und 45
Sekunden. Stein auf Albatros nimmt den 22.
Platz mit einer Zeit von 23 Stunden 23
Minu=
ten und 39 Sekunden ein. — Miß Spooner liegt
an fünfter Stelle.
Die Militärflugzeug=Unfälle häufen ſich.
Paris. Die Militärflugzeug=Unfälle in
Frankreich häufen ſich in erſchreckender Weiſe.
Am Freitag ereignete ſich ein neues Unglück bei
Chalons=ſur=Marne. Ein Militärflugzeug des
dort ſtationierten Regiments ſtürzte brennend
ab. Der Pilot verbrannte in den Trümmern
des Apparats. Sein Begleiter erlitt ſo ſchwere
Verletzungen, daß keine Hoffnung beſteht, ihn
am Leben zu erhalten. — Gleichzeitig wird aus
Breſt der Abſturz eines Waſſerflugzeuges ins
Meer gemeldet. Die Beſatzung konnte durch
Boote gerettet werden.
Zürich. Ein ſchwerer Flugzeugunfall
for=
derte am Samstag auf dem Flugplatz
Düben=
dorf zwei Todesopfer. Samstag vormittag
ſtie=
ßen zwei Flugzeuge bei der Auflöſung einer
Staffel in etwa 400 Meter Höhe zuſammen.
Sie ſchachtelten ſich ineinander, ſtürzten
gemein=
ſam ab und zerſchellten. Die Flugzeuge
wur=
den von zwei neunzehnjährigen Flugſchülern,
die kurz vor der Erlangung ihres Flugpatentes
ſtanden, geführt. Die beiden jungen Flieger
waren ſofort tot.
Der kommende Amerikaflug von „Do. K”.
Waſhington. Die hieſige Zollbehörde hat
die Zollbehörde in New York ermächtigt, die
Landung des Großflugzeuges „Do. K” in New
York zu genehmigen.
Eine Hühnefeld=Ehrung in Chicago.
Chicago. Zu Ehren des Gedächtniſſes
Hünefelds warf eine Gruppe von Fliegern,
dar=
unter die Deutſche Antonie Straßmann,
Blu=
mengewinde am neuen Bremen=Leuchtturm des
hieſigen Flugplatzes ab.
Kanalſchwimmer Dr. Brewſter gibt auf.
London. Der Engländer Dr. Brewſter,
der am Freitag früh von Dover aus den
Ver=
ſuch unternahm, den Kanal zu durchſchwimmen,
hat aufgegeben. Brewſter wurde von der
See=
krankheit befallen und hat 7½ Stunden nach
ſeinem Start das Unternehmen aufgeben müſſen.
Auch er will den Verſuch demnächſt wiederholen.
Seite 14
Nummer 240
Sonntag, den 31. Auguſt 1930
Deſterreich bauf die Großglockner=Hochalpenſtraße.
Dr. Franz Rehrl,
Von
Landeshauptmann von Salzburg.
Die Idee einer Großglockner=Hochalpenſtraße iſt in
Oeſter=
reich in den erſten Nachkriegsjahren unter den wirtſchaftlichen
Auswirkungen der Friedensverträge entſtanden. Durch die
Friedensverträge, die den Brennerpaß zu einem Grenzübergang
ins Ausland gemacht hatten, waren Oſttirol und Weſtkärnten
des unmittelbaren Zuſammenhanges mit Nordtirol beraubt.
Erſt weit im Oſten, 156 Kilometer vom Brennerpaß entfernt,
bot ſich für den Verkehr zwiſchen Süd und Nord ein fahrbarer
Uebergang, die Straße über die Katſchberghöhe und der
Rad=
ſtädter Tauernpaß. Was aber ein ſo langes Stück
Hochgebirgs=
kette ohne fahrbaren Uebergang im wirtſchaftlichen Leben
be=
deutet, ſieht man an dem Beiſpiel der Schweiz. Dort ſind die
großen Päſſe des Alpenhauptkammes, Bernina und St.
Gott=
hard, 118 Kilometer voneinander entfernt; aber auf dieſer
Strecke gibt es nicht weniger als vier mit Kraftwagen
befahr=
bare Uebergänge.
Das Bedürfnis nach der Schaffung einer den heutigen
An=
forderungen entſprechenden Straßenüberquerung der Hohen
Tauern zwiſchen Brennerpaß und Radſtädter Tauernpaß wurde
gleich zu Beginn der Nachkriegszeit als dringend erkannt. In
mehrjähriger Arbeit wurden die geeignetſten Plätze für die
Er=
richtung einer ſolchen Nord—Süd=Verbindung am Oſtrande der
Großglocknergruppe gefunden, und zwar dort, wo bereits
vor=
handene Straßen die Länge des Neubaues verkürzten. Man
einigte ſich darauf, durch die neue Straße den ſalzburgiſchen
Straßenendpunkt Ferleiten mit der Glocknerhauptſtraße bei
Heiligenblut in Kärnten zu verbinden. Für die
verkehrswirt=
ſchaftliche Bedeutung dieſes Uebergangs ſpricht auch die
Tat=
ſache, daß ſchon die Römer eine gut fahrbare Straße über das
Tauernhochgebirge von Heiligenblut nach Ferleiten erbaut
hat=
ten. Von jener Römerſtraße ſind noch heute ſtattliche Reſte
vor=
handen. Nun wird ſie nach zweitauſendjähriger Pauſe zu neuem
Leben auferſtehen.
Gleichwie den Alpenüberquerungsſtraßen in der Schweiz,
in Frankreich, in Italien, kommt auch der Großglockner=
Hoch=
alpenſtraße eine zweifache Aufgabe zu. Sie dient dem
öſterreichi=
ſchen Binnenverkehr und dem Weltverkehr, indem ſie die
nörd=
lich der Oſtalpenkette gelegene Hälfte Europas mit der ſüdlich
der Alpenkette gelegenen, an einer in geographiſcher
Hin=
ſicht als Ideal bezeichneten Stelle miteinander in Verbindung
ſetzt. Die neue Straße wird aber auch den Charakter einer
Schau= und Zugſtraße für den Fremdenverkehr tragen.
Oeſter=
reich hat bald nach dem Kriege herausgefunden, daß es in
Hin=
kunft im Fremdenverkehr eine zuverläſſige wirtſchaftliche Stütze
haben würde. Den Forderungen des Fremdenverkehrs
ent=
ſpricht die Großglockner=Hochalpenſtraße in unübertreffbarem
Maße. Fachmänner haben feſtgeſtellt, daß keine zweite
Hoch=
gebirgsſtraße ſie an landſchaftlicher Schönheit erreichen wird.
Während alle übrigen Hochgebirgsſtraßen Europas, die am
höch=
ſten aufſteigende Stilfſerjochſtraße mit inbegriffen, entweder
gar nicht in die eigentliche Gletſcherwelt gelangen oder doch nur
unterhalb der Gletſcherabbrüche vorbeiführen, dringt die
Groß=
glockner=Hochalpenſtraße bis in das Herz des Großglocknermaſ=
ſivs vor. Ueber einen der größten Gletſcher der Alpen, die
Paſt=
erze, wird ſie den Anblick eiſiger Gipfelrieſen gewähren, und ſo
den Vergleich mit den berühmten Ausſichten vom Gornergrat
oder vom Jungfraujoch nicht zu ſcheuen brauchen. Sieht man
von einigen untergeordneten Straßenzügen ab, ſo wird die neue
Straße mit ihrer Scheitelhöhe von 2506 Metern die zweithöchſte
Alpenſtraße Europas ſein. Nur die Stilfſerjochſtraße, gleichfalls
eine öſterreichiſche Schöpfung, wird ſie an Meereshöhe
über=
treffen.
Zwiſchen den Fremdenverkehrszentren Salzburg und
Vene=
dig ſtellt die Straße über die Hohen Tauern künftig den kürzeſten
Fahrweg dar. München iſt dabei ebenſo wie Salzburg als
nördlicher Endpunkt des neuen Straßenzuges anzuſehen.
Be=
trachtet man die Straße im Zuſammenhang mit ihren nördlichen
und ſüdlichen Zufahrtswegen, ſo zeigt ſie ſich als eine
Verkehrs=
ſchnittlinie durch die ganze Alpenbreite vom Nordfuß der
nörd=
lichen bis zum Südfuß der ſüdlichen Kalkalpen. Die Zufahrten
von München und Salzburg bis Ferleiten und von Venedig
durch die Dolomiten oder das Juliſche Venetien bis
Heiligen=
blut und zum Glocknerhaus ſind bereits ſeit Jahrzehnten
um=
worbene Ausflugs= und Reiſeziele der internationalen Tduriſtik.
Iſt der Zuſammenſchluß zwiſchen Nord und Süd durch den
Ausbau der Großglocknerhochalpenſtraße vollzogen, ſo wird dem
Reiſeverkehr eine Straße von Norden nach dem Süden Europas
zur Verfügung ſtehen, in der ſich das Schönſte und
Eindrucks=
vollſte aneinanderreiht, was die Alpenlandſchaft zu bieten
vermag.
Unzweifelhaft iſt, daß alle Vorbedingungen für eine
Fre=
quenz von höchſter Wettbewerbsfähigkeit gegeben ſind. Den
Durchzugsreiſenden wird die Kürze der Verbindung zwiſchen
Nord und Süd bei verhältnismäßig geringer Steigung (höchſtens
10 Prozent) und mit bequemen Kurven anziehen, den Touriſten,
vom Fußgänger bis zum Inſaſſen des Touriſtenwagens, wird
der Großglockner, dieſer gewaltigſte und ſchönſte Gipfel der
Oſt=
alpen, unwiderſtehlich anlocken.
Geſchäftliches.
Ein kurzer Ueberblick über das Monatsprogramm der Harko.
Außer den regelmäßigen Nachmittagsfahrten, die jeden
Mitt=
woch ſtattfinden, bietet das Monatsprogramm für September
eine reiche Auswahl von Geſellſchaftsfahrten. Eine herrliche
Al=
penfahrt führt die Teilnehmer durch den Schwarzwald an den
Bodenſee, von dort durch das Allgäu an die Königsſchlöſſer. Ein
Traum. fünf Tage lang die Reize der Bayeriſchen Alpenwelt mit
ihren Seen zu genießen. Es iſt für jeden Geſchmack geſorgt, für
die alten Frontkämpfer von der Somme findet eine viertägige
Reiſe in das Kampfgebiet ſtatt. Anſchließend eine Reiſe nach
Paris die als Studienreiſe dienen ſoll. Jeder Leſer findet etwas
für ſeinen Geſchmack, und Auskunft erteilt das Reiſebüro Harko,
Luiſenplatz 4/1, Tel. 356, jederzeit koſtenlos. Alle Fahrtteilnehmer
ſind hoch verſichert.
Abgetragenen Glanz entfernen Sie aus Ihren
Kleidungs=
ſtücken durch einfaches Durchbürſten mit Necetin=Pulver. Dieſes
patentierte Präparat iſt in allen Drogerien uſw. erhältlich.
Ne=
cetin=Pulver entglänzt nicht nur die Stoffe, ſondern es reinigt
gleichzeitig auch vorzüglich, friſcht die Farben auf und verſieht
die Stoffe außerdem mit neuer Appretur. Man ſagt: Necetin
macht alte Kleider neu. Zur Auffriſchung von farbigem
Schuh=
werk uſw. ſei Necetin=Fleckwaſſer empfohlen, welches ebenfalls in
Drogerien für wenig Geld zu haben iſt. Necetin=Fleckwaſſer
ent=
fernt alle ſtarken Beſchmutzungen im Nu, macht alſo farbiges
Leder wie neu, und eignet ſich auch ausgezeichnet zur Entfernung
einzelner Flecken aus Stoffen, da es keine Ränder hinterläßt.
Auswinterungsſchäden an den Winterſaaten pflegt faſt jeder
Winter in mehr oder weniger großem Ausmaße im Gefolge zu
haben. Sie bedeuten für den Landwirt in jedem Falle einen
Ver=
luſt, vor dem er ſich ſchützen kann. Die rechtzeitige Zufuhr
aus=
reichender Nährſtoffmengen, vor allem aber die Herbſtdüngung
mit Kaliſalzen (zu Wintergetreide auf ſchweren und mittleren
Böden 1—1½ Zentner 40er Kalidüngeſalz und auf leichten Böden
3—4 Zentner Kainit je Morgen) mildert ganz weſentlich die
Ein=
wirkungen des Froſtes auf Pflanze und Boden und läßt die
Herbſtſaaten meiſt unbeſchadet durch den Winter kommen. Bei
ausreichender Kalidüngung erwachſen ferner ſtarke Halme, die
einer Lagergefahr wirkſam widerſtehen können. Darüber hinaus
ſind gut ausgebildete Aehren mit ſchweren vollen Körnern von
hohem Hektolitergewicht die Nutzwirkung jeder Kalidüngung.
Bad Tölz.
Für Gäſte, die nach dem 1. September in Bad Tölz zur Kur
eintreffen, iſt die Badetaxe um 25 Prozent, für ſolche, die nach
dem 15. September eintreffen, um 50 Prozent ermäßigt.
Bekannt=
lich iſt im windgeſchützten Jſarwinkel in der Regel mit einem
milden, warmen Herbſt zu rechnen, deſſen unvergleichlich ſchöne
Farbenpracht einen ſtarken Anreiz zu einem Erholungs= und
Kur=
aufenthalt bietet. Aber ſelbſt bei unfreundlicher Witterung
er=
möglicht die neue heizbare Trink= und Wandelhalle, eine der
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242 848, 269 317, 322 769, 376 126: 52 Gewinne zu je 1000 RM.
auf Nr. 301 66 443, 84 007, 91 325, 124947, 143 722, 149 802,
169 949, 182 637, 234 031, 237 287, 248 997, 253 556, 260 690,
264 883, 293 023, 307 174, 309 822, 317 711, 319 641, 323 777,
347 051, 360 908, 374 485, 394 842, 398 196; ferner wurden
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zogen 92 Gewinne zu je 500 RM. und 252 Gewinne zu je 300 RM.
— In der Nachmittags=Ziehung fielen: 2 Gewinne zu je
5000 RM. auf Nr. 47 014: 12 Gewinne zu je 3000 RM. auf Nr.
74828, 92 240 268 400, 292 236, 304 537 336 900: 18 Gewinne
zu je 2000 RM. auf Nr. 12 118, 76 939, 121 805. 227 843, 262 623,
277 188, 290 944, 330 410, 339 486; 28 Gewinne zu je 1000 RM.
auf Nr. 5680, 128 972, 141 144, 149857, 153 036, 173 953, 176 101,
187012, 210 539, 215 840, 230 247, 264 598, 318 516, 362 524;
ferner wurden gezogen: 76 Gewinne zu je 500 RM. und 202
Ge=
winne zu je 300 RM. — Im Gewinnrad verblieben:
2 Prämien zu je 500 000 RM., 2 Gewinne zu je 50 000 RM.,
8 Gewinne zu je 25 000 RM., 38 Gewinne zu je 10000 RM.,
56 Gewinne zu je 5000 RM., 144 Gewinne zu je 3000 RM.,
304 Gewinne zu je 2000 RM. 712 Gewinne zu je 1000 RM.,
1748 Gewinne zu je 500 RM., 4428 Gewinne zu je 300 RM.
(Ohne Gewähr.)
Hauptſchriftleitung: Rudolf Maupe
Verantwortlich für Polltik und Wirtſchaft: Rudolf Maupe: für Feullſeton, Reich und
Ausland und Heſche Nachrichten: Max Streeſei für Sport: Karl Böhmann;
für den Handel: Dr. C. H. Queiſch: für den Schlußdlenff: Andreas Bauer;; für
„Die Gegenwart”, Tagesſplegel in Bild und Wort: Dr. Herbert Neite;
für den Inſeratenteit und geſchäftlſche Mittellungen: Willv Kuhle:
Druck und Verlag: C. C. Wittſch — ſämtich im Darmſtadt.
Für unverlangte Manuſtripte wird Garantie der Rückſendung nicht übernemmen.
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Nummer 35
Geſchichte und Bedeutung der Aeipziger Meſſe.
Von Dr. Leo Koſzella.
Selbſt die ſtändigen Beſucher der
Leip=
ziger Meſſe dürften ſich meiſt nicht ganz im
klaren ſein über ein wie hohes Alter, eine
wie bunte Geſchichte und feſtverankerte
Cra=
dition gerade die weltberühmte Leipziger
Meſſe verfügt. Um ſo weniger, als lich die
heutige Meſſe in durchaus modernen Bahnen
bewegt und wenig von ihrem
Craditions=
reichtum verrät; aber auch nicht zuletzt
des-
wegen, weil ſich die Umwandlung von der
urſprünglichen, romantiſchen Warenmeſſe in
die heutige, zwar noch bunte, aber
diſzipli=
niertere und im Grunde genommen
nüch=
ternere Muſtermeſſe erſt am Ende des
19. Jahrhunderts unter kriſenhaften
Be=
gleitumſtänden vollzog, und dieſem
Seit=
punkt einige Jahrzehnte des Vegetierens
und vergeblichen Ankämpfens gegen den
anderer Orte ſowie der infolgedeſſen ſtetig
wachſenden Bedeutung der Märkte
ver=
dankte, machte es möglich, die einmal
er=
rungene Stellung im Handel ſtaatsrechtlich
zu ſichern. Schon 1469 ließ ſich Leipzig von
Kaiſer Friedrich III. für die Neujahrsmeſſe
und nach neuen Streitigkeiten mit
Magde=
burg ſogar für alle drei Meſſen ein
kaiſer=
liches Privileg ausſtellen. So hielt lich
Leipzig die nicht ungefährliche Konkurrenz
von Magdeburg, Hälberſtadt, Merſeburg,
Naumburg und Erfurt vom Leibe und
er=
reichte, daß ſeine Meſſen ſchon zu einer Seit,
als man noch immer nur von „Märkten”
ſprach, Neichsmeſſen wie die von
Frank=
furt a. M. wurden. 1507 ließ ſich Leipzig
die Bannmeile ſogar auf 15 Meilen
aus=
dehnen, ſo daß infolge dieſer Bevorrechtung
Die Petersſtraße während der Meſſe.
Wandel der Seit vorausgingen, was nach
dem bekannten Geſetz vom
Beharrungsver=
mögen ſo alter Einrichtungen durchaus
ver=
ſtändlich war.
Denn die Leipziger Meſſe wurde bereits
1160 von Markgraf Otto, der wegen des
Neichtums der Freiberger Silbergruben den
Beinamen des Neichen bekam, ausdrücklich
als Marktſtadt gegründet und ſchon
damals die Beſtimumng erlaſſen, daß in
einem Umkreis von einer Meile kein Leipzig
ſchädlicher Markt abgehalten werden dürfe.
Die geſunde finanzielle Grundlage, die
Leiz=
zig den Silbergruben, Silberhütten und
Hammerwerken Freibergs, Schneebergs und
die Streitigkeiten zum Dauerzuſtand
wur=
den. Selbſt vom Papſt Leo X. ließ ſich der
Nat ein Meſſeprivileg erteilen.
Wo ſo hohe Unkoſten nicht geſcheut
wurden, konnten ſteigender Warenumſatz,
und damit ſteigende Bedeutung Leipzigs als
Stapelplatz nicht ausbleiben, zumal ſich ſein
Großhandel bereits im 16. Jahrhundert bis
Antwerpen und Moskau erſtreckte und der
Warenaustauſch zwiſchen Weſten, Oſten und
Süden über Leipzig erfolgte. 1750 wurde
feſtgeſtellt, daß zwei Drittel aller aus
Eng=
land oder Frankreich kommenden und für
den Oſten beſtimmten Waren über Leipzig
gingen. Einen ſo bedeutenden Binnenhan=
Die Meſſewagenburg auf dem
delsplatz konnten jelbſt Krieg und Peſt nicht
dauernd ſchädigen, und auch andere
Han=
delsplätze vermochten Leipzigs Bedeutung
nicht zu ſchmälern.
Anders war es dagegen, als Eiſenbahn,
Cechnik und Induſtrie die Leipziger
Waren=
meſſe zunächſt zu unvorſtellbarer Blüte und
beld darauf zu unaufhaltſamem Verfall
trieben, bis ſich endlich in dem zähen,
be=
harrlichen, konſervativen Organismus der
Kaufmannſchaft der Lebenswille äußerte und
durch Umſtellung von der Waren= zur
Muſtermeſſe neues Leben in die vom
Peſ=
ſimismus weiter Kreiſe bereits arg
unter=
wühlten Mauern trug. Daher kommt es,
daß es dem heutigen Beſucher ſo ſcheint,
als hätte ſich gar nichts gewandelt, als
wäre es ſtets ſo und nicht anders geweſen.
Heut iſt trotz verſchiedener angeſtrengter
Verſuche im Ausland, die internationale
Bedeutung Leipzigs zu erſchüttern, die
Welt=
geltung dieſes Platzes ſo groß, daß die rund
fünfzig modernen Meſſeplätze, die im
Hen=
trum der Stadt konzentriert ſind,
zu=
ſammen mit dem neuen Meſſeviertel auf
dem Gelände des Völkerſchlachtdenkmals,
wo beſonders Cechniſche Meſſe und
Baumelfe untergebracht ſind, einerſeits
das Barometer der Wirtſchaftskräfte
Meßbeſucher aus dem
Sleiſcherplatz vor 100 Jahren.
Deutſchlands bilden, andererſeits auch die
Urſache ſind, wenn ſich Leipzig der damit
verbundenen kulturellen Miſſion bewußt iſt
und ſeine Aufgabe erfüllt. Dafür legen die
zahlreichen Kunſtinſtitute der Stadt, das
weltberühmte Gewandhaus=Orcheſter, die
Städtiſchen Cheater, die Deutſche Bücherei
und die ſtattlichen Bauten beredtes
Seug=
nis ab. Die Mehrzahl der Beſucher kommt
wohl lediglich um der Meſſe willen, ohne
lich aber dem Ethos der Leiſtung als ſolchem
und dem Einfluß deutſcher Kultur entziehen
zu können.
Das bunte, maleriſche Bild, das ſonſt die
Ankunft ausländiſcher Kaufleute und die
Fremdheit der von ihnen mitgeführten
Waren bildeten, iſt heute nicht mehr
vor=
handen, obwohl die internationale Note der
heutigen Leipziger Meſſe nicht gerade an
letzter Stelle ſteht. Heute ſteht nicht ſo ſehr
der Menſch im Vordergrund, ſondern die
Ware und die Veklame. Sie beherrſcht das
Feld und ſchafft eine neue Buntheit. In ihr
äußert ſich eine neue Geſchmacksrichtung,
und oft nicht zuletzt der Kulturwille der
Nation. Heute iſt Leipzig nicht mehr ein
kommunales, mit anderen konkurrierendes
Einzelweſen, ſondern wirtſchaftlicher und
kultureller Exponent des Neiches.
Balkan vor 100 Jahren.
nnnnanannnnnnnnnnnnnnngnnnnnt
Aann.
nnnnnnnnni
Südfranzöſiſche Kneipe.
Von Hansjörg Dammert.
Franzöſiſch=Katalanien, im Herbſt.
Das iſt ein viereckiger, nicht zu großer Naum mit niedriger
Decke, in dem Ciſch, Stühle, ein Büfett ſtehen, und hinter dem
Büfett ein hohes Negal. An den Wänden hängen ein oder
zwei angeräucherte Bilder: Fregatten mit vollen Segeln auf
einem blauen, wohlfriſierten Meer oder eine Dame im
Reit=
koſtüm, flankiert von zwei ſtrammen, braven, anatomiſch
unmög=
lichen Hunden. Dieſe zwei Vertreter der Kunſt werden von
allen Seiten umzingelt von blauen, roten, grünen Plakaten, die
der Welt verkünden, „Byrrh” ſei das angemeſſene Getränk
der guten Geſellſchaft, und deswegen allen Familien warm
emp=
fohlen, der Elixier „Suze” dagegen ſei aus den und den
erſprieß=
lichen, appetitanregenden Ingredenzien zuſammengeſetzt.
Ja, hier werden Getränke ausgeſchenkt. Alles deutet
dar=
auf hin: Flaſchen, Plakate, Ciſche, Stühle. In der Ecke ſteht
ſogar ein kleiner, runder Spucknapf aus blauer Emaille.
Säge=
mehl liegt auf dem Fußboden, klebt ſich an den Sußſohlen feſt.
Fünf Kleiderhaken ſind in die Wandtäfelung eingeſchlagen. Für
allen Komfort, für alle Anſprüche der Gäſte iſt geſorgt. Nichts
aber verrät auf den erſten Blick die geheimnisvolle Eigenſchaft
dieſer kleinen Kneipe: ihre wunderbare Vielſeitigkeit.
Auch von außen zeigt der Laden dieſe Beſonderheit in
nichts an. „Buvette” ſteht auf dem alten, rötlich geroſteten
Schild (das heißt ſoviel wie „Cränke”) — allenfalls ſteht
dar=
unter „Cabacs”. Auch einen Citel hat man gelegentlich
hinzu=
gefügt: „Buvette du port” — „buvette du midi”, nichts
Sum-
boliſches alſo, keine kabbaliſtiſche Bezugnahme auf blaue Anker,
grüne Bäume, ſchwarze Ferkel. Einfach, „ſachlich” (wie man
ſich heute ſo ſchon ausdrückt) wird das geſagt, was alle Welt
ohnehin ſchon weiß oder auf den erſten Blick ſieht: daß
näm=
lich das Lokal am Hafen oder im Süden des Landes liegt.
Allerdings ſcheint eine zweite Cür noch dazu zu gehören.
Vielmehr ein leerer Cürrahmen, in dem ein vielſträhniges
Ge=
baumel von Glasperlen auf hübſche, luftige Weiſe Vorhang
oder Cür erſetzt. Blickt man hindurch, ſo ſieht man Becken aus
imitiertem Marmor, bequeme, mörderiſche Stühle, auf deren
oberſten Nackenpolſter Geſichter gebettet ſind, mit in die Luft
ſtechenden Naſen. Weißer Schaum liegt auf ihren Backen, kurze
ſchwarze oder braune Wolle unanſehnlich auf dem Sußboden.
Scheren klappern virtuos, häßliche Geräuſche von Naſiermeſſern
ſchaben dazwiſchen — unzweifelhaft ein Friſeurladen. Aber,
was tut der dort neben der Kneipe? In Hotels, großſtädtiſchen
Neſtaurants kennt man das ja, daß ein unentbehrlicher
Haar=
künſtler ſich in irgendeine Nitze des Gebäudes einklemmt,
ein=
niſtet. Aber hier? Es hat etwas Feiertägliches, faſt
Nühren=
des, der ſtumme, äſthetiſche Mahnruf dieſer kleinen
Friſeur=
bude. Es iſt Abend, der Abend gehört dir, nicht deiner Arbeit
— mach’ dich fein für dieſe dir gehörige Stunde. Ganz ſicher
ſchmeckt er dir beſſer, dein Abſinth, wenn du raſiert,
wohl=
gekämmt daſitzt, einen blanken, geſtutzten, ſchicken kleinen
Schnurrbart unter der ſich allmählich rötenden Naſe.
Das ſieht man alſo oft, daß ſtrahlende, duftende
Siſcher=
geſichter, mit einer Schicht weißlichem Puder über den dunklen=
Naſierſchatten aus dem „Salon” in die „Buvette” treten, nun
Das Ohr des Dionyſius.
Von Adolf Siegler.
wenigen Minuten die Anker zur Ausfahrt gelichtet würden. Die
raum und in meiner Kabine verſtaut. Ich ſteige hinunter in den
den iſt, vorüber ſind. Ich habe vier freie Cage vor mir! Eine
wundervolle Nuhepauſe, in der ich endlich die kaleidoſkopiſchen
Eindrücke der letzten ſieben Monate ſichten und verarbeiten kann,
indem ich der Heimat zuſteuere, aus dem gewaltigen Neich der
Pyramiden, der Königsgräber und der Maſtabas unter dem
gol=
denen Staub der endloſen, lichtüberfluteten Sandwüſten, nach
Norden, in Odins noch winterlich=dämmerndes Waldrevier.
Wenn wir für eine längere Fahrt in einen Eiſenbahnzug
einge-
ſtiegen ſind, dann gibt es jedesmal einen leiſen Nuck, mit dem die
oft faſt unbewußte Sorge erwacht, um einen guten Sitzplatz, das
Handgepäck, angenehme oder unangenehme Neiſegefährten, die
Stationen, den Speiſewagen und manches andere. Wie viel
ein=
facher iſt alles auf einem ſchönen Schiff. Wir betreten es und
ſind plötzlich in einer für uns feſtbegrenzten Welt, in der wir uns
ſofort heimiſch fühlen. Überall peinlichſte Sauberkeit. Alles iſt
vortrefflich, zweckmäßig und gut. Unſer Daſein verläuft von
nun an nach einer muſterhaften Ordnung, die unſichtbare Hände
ſo wohltuend für unſere Bequemlichkeit walten laſſen.
Vor zwei Cagen war ich noch in Kairo, durch die
bunt=
belebte Muski gegangen, an üppigen Agyptern vorbei, an bis
an die Augen verſchleierten Frauen, mit ihren Kleinſten
ritt=
lings auf einer Schulter, Berberinern, großartig ſpuckenden
Laſtträgern, Suckerrohrhändlern, dicken Negerweibern, wie
Märchenprinzen bekleideten Oragomanen, Straßenkehrern, Fen=
ganz ſie ſelbſt, wie neugeboren, feierlich vorbereitet auf den
Abend, ihren Abend. Sie ſtehen noch an der Cür, da ſehen ſie
ſchon Freunde, Kameraden, begrüßen ſich, ſetzen ſich zu
einan=
der, trinken, lachen laut, debattieren, trinken noch einen Abſinth,
Ihre Geſichter röten ſich, ſie ſingen. Ihre Lieder ſind lang, ſie
haben ſelten unter 30 Strophen, ſchildern ausführlich
Geſchich=
ten von Näubern, Liebespaaren, Helden. Die am Nebentiſch
ſitzen dabei, horchen mit aufgeſtützten Köpfen, bis eine Strophe
auch ſie mitreißt, bis auch ſie einſtimmen. Bald ſingt die ganze
Kneipe.
An der Cheke ſtehen die Wirtsleute. Ein alter Mann, der
genau ſo iſt, wie die inbrünſtig ſingenden Männer vor ihm. Eine
ältliche Frau mit freundlichme Nunzelgeſicht. Ein blaſſer,
dick-
licher Junge mit einer Korrektivbrille gegen das Schielen. Mann
und Frau ſtehen oft zwiſchen ihren Gäſten, ſcherzen, ermuntern,
diskutieren, ſchlichten Streit. Der Mann trinkt öfter ein Glas
mit ihnen. Seine Frau, im weißen Häubchen, wird mit „Mutter”
angeredet. Der Junge bleibt an der Cheke ſtehen, lieſt in einem
bunten Heftchen, räkelt ſich, paßt auf, wenn neue Kunden oder
Käufer kommen.
Denn es wird allerlei verkauft, hier in der Buvette. Und
es iſt noch mehr zu verkaufen. Es iſt geradezu erſtaunlich, was
hier alles verkauft wird. Zigaretten der franzöſiſchen Regie,
gelbe, blaue Päckchen, für Gewohnheitsraucher ohne Anſprüche,
ein ſchwefliges, grobes, nach Hanf und Lattich ſchmeckendes
Gift. Im Schaukäſtchen liegen aber auch andere, vornehmere,
ausländiſche; dieſe ſcharfen, parfümierten engliſchen Sigaretten;
amerikaniſche aus Virginia=Cabak, Sigarren; daneben kleine,
geſchichtete Berge von Streichholzſchachteln. In einer anderen
Ecke ſchichten ſich Seitungen, ein nicht ſo internationales
Sor=
timent, wie das der Sigaretten, aber zwei, drei im nächſten
Provinzſtädtchen hergeſtellte Blätter, hin und wieder ſogar
Marſeiller Boulevardblätter.
Briefmarken gefällig? Auch ſie ſind hier zu haben, in
dieſem vielſeitigen, kleinen Naum. Man kann, wenn man will,
hier nur hineingehen, um eine Briefmarke zu kaufen, der Handel
mit Briefmarken gehört zu den Obliegenheiten der „bureaux
de tabac‟ Es gibt auch Poſtkarten. Die ſtehen, bunt und
einfarbig, durcheinander, auf einem ſchmucken, drehbaren
Stän=
der. Es ſind faſt immer dieſelben Anſichten vom Hafen, vom
Denkmal, vom Strand.
Aber das wichtigſte ſind natürlich die Apéritifs. Es iſt
nichts weiter als gerecht, daß ſie zwei Drittel des geſamten
ver=
fügbaren Platzes auf dem Negal einnehmen. Soviel Flaſchen!
Mehr als 100, mit dem verſchiedenfarbigſten Inhalt, von
gift=
grün über chrom= und bernſteingelb zu allen Schattierungen von
braun und rot bis zum ſchwärzlichen Purpur. Hundert
Fla=
ſchen und mehr, denkt man und wundert ſich. Kaum dreißig
Menſchen faßt dieſe Stube. Aber man darf nicht vergeſſen, daß
dieſe dreißig Menſchen eine von Sonne, Salz, Wind und
ſchwerer Arbeit aſphaltierte Kehle haben, daß jeder von ihnen
trinken kann für drei. Im Laufe eines Abends, nach zwei, drei
ihrer Lieder, kann man faſt beobachten, wie der Spiegel der
Flüſſigkeit in den Flaſchen ſinkt, mit der erhöhten Inbrunſt ihres
Geſanges, der Schlagkräftigkeit ihrer Bewegungen, der rauhen
Stärke ihrer Stimmen, ihres Lachens.
Es iſt Abend, faſt elf Uhr. Man iſt unter ſich. Alles
Männer mit Bluſen aus blauem Seug, mit dicken, roten
Bauch=
binden, ſchlotternden Samthoſen. Sind es Fiſcher oder
Wein=
bauern? Eine andere Berufsmöglichkeit gibt es hier für den
Durchſchnittsmenſchen nicht. Die Handwerker kommen nicht in
ſterputzern, Waſſerverkäufern, Cagedieben, Surern, Juden und
kommen waren. Ich war noch ein letztes Mal auf der Sitadelle ausgereiſt wird, ſchon wegen der häufigen Winterſtürme auf dem
geweſen, wohin im März 1811 Mohammed Aly die 480 Mame=
Die Sirene der Neptunia hatte ſchon zweimal über den luken=Beis zu einem Feſteſſen geladen hatte, und wo er ſie, bis
Hafen von Alexandrien geheult und damit verkündet, daß in auf einen, der entkam, durch ſeine getreuen Albaneſen in der
engen Mauergaſſe hinter der Bäb el=Azab niedermetzeln ließ.
läſtige Sollabfertigung iſt erledigt. Meine Koffer ſind im Schiffs- Der einſtige Waiſenknabe aus Mazedonien hatte unheimliches
Format. Sich 480 tapferer Waffengefährten, mit deren Hilfe zugezogen, da es dort im Vergleich zu Indien geradezu kalt ge=
Speiſeſaal zum erſten 5-Uhr=Cee mit dem wohlbehaglichen Ge= er ein paar Jahre früher die Engländer aus Agupten geworfen
fühl, daß nun alle Plackereien, mit denen jede Abreiſe verbun= hatte, mit einem Schlage, durch ein furchtbares Blutbad zu
ent=
ledigen, weil er ihre Macht zu fürchten hatte, ſtellt ſich dar, wie
der unerhörte Streich eines ſtaatspolitiſchen Genies höchſten
Nanges. Dieſe Cat unternahm Mohammed. Alu aber nicht auf
eigene Fauſt . . ., als Sühne und Dank für den Beiſtand hat er
Allah die herrliche Alabaſter=Moſchee erbaut, mit dem unver= Kapitän um eine andere Kabine zu bitten, wegen der Gefahr der
ſchimmernde Wüſte, über die jener Vize=König mit dem fabel= erfaßte und ſie mühſam und ſchwer auf den Ciſchrand legte. Der
haften Stern ſeine Herrſchaft errichtet hatte wie ein Bonaparte
des Nils. Hiergegen hat der menſchenfreundliche Sokrates im
allerübelſten Viertel von Kairo in der „Bar Sokrates” ein
un=
würdiges Denkmal erhalten. Vielleicht gloſſiert ſein
philoſophi=
ſcher Schatten, wenn er nächtlich dort wandeln ſollte, Dirnen aus ein Stück des Oberarmknochens herausgenommen habe. Der
Aſien und Afrika und johlende Soldaten aus allen Provinzen des
„United Kingdom”. Im Umgang mit den Fiſchweibern von
Athen hat ſich ſein feines Ohr ja mit derben Neden vertraut
ge=
macht. In jener berüchtigten Straße, in der Shari” Wagh el=
Birket ſtanden vorgeſtern am hellen Nachmittag drei blut= nicht mehr daran, die Kabine zu wechſeln, und wollte lieber eine
Höhe. . . . Auf einem Balkon lehnte eine junge Nubierin, ſie
kämmte ihr kurzgelocktes ſchwarzes Haar und lächelte hinunter wäre aber in jedem Falle peinlich geweſen. Wir waren übrigens.
zu den verſteinert ſtierenden drei jungen „highlanders” mit den
verblüfften Stulpnaſen in den rotbäckigen Kindergeſichtern..
In meiner Kabine hatte ich außer meinem Gepäck noch
zwei Koffer bemerkt mit der Anſchrift: Colonel Hawkins,
dieſe Bwvette, ſondern ſich ab, bilden eine kleine Ariſtokrakfe
mit den Kaufleuten und Weingroßhändlern. Nein, dieſe
fröh=
lichen, rauchenden, trinkenden, ſingenden Männer werden
Wein=
bauern oder Siſcher ſein, die ſich ohne Unterſchied und
Cren=
nungslinie miteinander vergnügen, die Frau des Wirtes „
Mut=
ter” rufen, mit dem Wirt ſelbſt Meinungen, Witzworte,
Ge=
tränke austauſchen, zwiſchen zwei ihrer Lieder.
Nacht. Abſchied der Männer. In der Cür ſteht der Wirt,
teilt Händedrücke aus, lacht, ſelbſt auch ſchon ein wenig heiſer=
Vor der Cür ſteht der blaſſe, ſchielende Junge und gähnt.
Ein paar ſeiner Gäſte ſind betrunken, wollen nicht gleich
fort=
gehen. Da knipſt er, kurz entſchloſſen, die Lampe über ſeiner
Cür aus. Der Mond ſcheit, die Nacht iſt nun heller, als der
verwirrte Naum der Schenke. In zwei Minuten iſt ſie leer.
Vor der Cür ſteht der blaſſe, ſchielende Junge, räkelt ſich,
ſtülpt die Stühle aufeinander, dann auf die Ciſche, gähnt, wobei
ihm ſeine Korrektivbrille beinahe in den Mund hineinfällt.
Ein Luftſchiff landet auf einem
Ozeandampfer.
Von Kapitän Siegenbein,
Führer des Schnelldampfers „Bremen”.
Während der Neiſe nach New York fragte der als
Paſſagier an Bord des Dampfers „Bremen” befindliche
Prä=
ſident der Goodyear Companu, Herr Litchfield beim
Kom=
mando an, ob es bereit wäre, die Landung des Kleinluftſchiffs
„Mauflower” auf dem Achterdeck des Dampfers „Bremen” zu
geſtatten, und im bejahenden Falle auch zu unterſtützen.
Schiffs-
ſeitig wurde dem Präſidenten die Erlaubnis zur Landung des
Luftſchiffes auf der „Bremen” erteilt. Celegraphiſch wurde
als=
dann, durch Vermittlung der Heverglagentur, Nen Aork des
Das Luftſchiff ſetzt zur Landung an.
London. Sie kamen über Kairo aus Bombay. Im Ceeraum
Beduinen, die mit ihren Kamelen von Palaſtina herunterge= waren etwa 15 Mitreiſende. Es war im Februar, wo wenig
Mittelmeer. Mir gegenüber ſetzte ſich ein Engländer an den
Ciſch. Er ſtellte ſich als Colonel Hawkins vor und erzählte ſeiner
Nachbarin, einer amerikaniſchen Arztin, daß er aus Indien
komme, um ſeinen Urlaub in Europa zu verbringen. Er hatte
in Kairo einige Cage Naſt gemacht, ſich aber eine leichte Grippe
weſen war. Hawkins wollte zwei Wochen in Sizilien und acht
Cage in Lugano bleiben, ehe er nach England zu fahren gedachte.
Sein Blut war während ſeines vierjährigen Aufenthaltes in den
Cropen ſo dünn geworden, daß es ſelbſt für das unteräguptiſche
Klima nicht mehr genügte, und er ſich erſt wieder zonenweiſe in
Europa akklimatiſieren mußte. Ich dachte ſchon daran, den
gleichlichen Ausblick auf Kairo, die Pyramiden und die licht= Grippeanſteckung, als Hawkins mit ſeiner linken Hand die rechte
rechte Arm war ohne jede Eigenbewegungsfähigkeit. Auf die
teilnehmende Frage der Amerikanerin erzählte Colonel
Haw=
kins, daß er auf Gallipoli gegen die Cürken gekämpft habe, daß
ihm ein Geſchoß den Oberarm zerſchmettert und daß man ihm
noch junge Oberſt mußte bei den mehrfachen Operationen viel
gelitten haben. Er ſagte, daß er es Coué verdanke, wenn er noch
am Leben ſei, denn ohne Coué würde er ſich während ſeiner
lan=
gen Leidenszeit aus Verzweiflung getötet haben. Ich dachte jetzt
junge Schottländer wie verſteinert und ſtarrten hinauf in die Grippe riskieren, als dieſen ſumpathiſchen Menſchen verletzen.
Er hätte meinen Umzug falſch deuten kömen. Eine Erklärung
bald gute Kabinengenoſſen. Ich rieb dem fröſtelnden Engländer.
am Abend den Nücken mit rektifiziertem Cerpentinöl ein.
Hawkins war höherer engliſcher Sollbeamter in Indien. Er
war eine poſitive Natur, kamte die Welt mit ihren praktiſchon
Norddeutſchen Lloyd, auch die Genehmigung der zuſtändigen
amerikaniſchen Behörde für dieſe Landung erwirkt. Als dieſe
Suſtimmung eingetroffen war, wurden an Bord des Dampfers
„Bremen” alle techniſchen Vorbereitungen für die Landung des
Luftſchiffes getroffen. Der Flaggenſtock, die Ventilatoren und
die Ladebäume des Achterſchiffes wurden beſeitigt, um dadurch
ein möglichſt klares Deck zu ſchaffen. Alle nicht entfernbaren
Gegenſtände wurden durch Polſterungen geſchützt.
Nach dem Seſtmachen des Dampfers an der New Yorker
Quarantäneſtation paſſierte Herr Litchfield zunächſt die
Quaran=
täne und Paßbehörde und erwartete alsdann zuſammen mit den
inzwiſchen an Bord gekommenen Landungsmannſchaften das
Herrannahen des Luftſchiffes, das durch Wimpelſignale
verſtän=
digt wurde, daß an Bord alles klar ſei.
Als das Luftſchiff, das eine Länge von 126 Suß hat, um
13.10 Uhr mit der Gondel über dem B.=Deck der Couriſtenklaſſe
ſchwebte, warf es eine Leine ab, durch die es parallel zur
Längs=
ſchiffsrichtung geholt wurde, während faſt gleichzeitig die achtere
Landungsmannſchaft die Gondel ergriff und das Luftſchiff zum
Stehen brachte. Aus der nunmehr geöffneten Gondeltür wurde
alsdann eine kleine Klapptreppe herausgegeben, auf der Herr
Litchfield das Luftſchiff, das von dem Piloten Carl Sickers
und ſeinem Aſſiſtenten Nobert Wilſon geführt wurde, beſtieg.
Das Luftſchiff wird nach der Landung auf dem B=Deck
von Matroſen feſtgehalten.
Nachdem dann noch von den Vertretern der amerikaniſchen
Preſſe zahlreiche photographiſche und Silmaufnahmen gemacht
wurden, führte die Haltemannſchaft das Luftſchiff nach der
Backbord=Lee=Seite, von wo es um 15.25 Uhr, alſo nach
ein=
ziertelſtündiger Dauer, ohne Swiſchenfall den Dampfer
Bre=
men” wieder verließ, um ſich nach dem Holmes=Flughafen.
Jackſon Heights, zu begeben.
Durch dieſes Ereignis dürfte der Beweis für die
Möglich=
keit einer praktiſchen Zuſammenarbeit von Kleinluftſchiff und
Seeſchiff des „Bremen”=Cyps erbracht worden ſein. Ein
Seit=
verluſt iſt nicht zu befürchten, da das Löſchen der Poſt an der
Quarantäneſtation viel länger dauert, als der Umſtieg vom
Schiff in das Flugzeug an Seit in Anſpruch nimmt.
Sch mochte mich beſchweren..
Eine Stunde in der „Neklamations=Abteilung” eines Kaufhauſes.
Von L. Gernerth.
Gang in die Unterwelt eines bekannten Kaufhauſes.
Unge=
ſtörter Gang, den kein Serberus bewacht. Vielleicht deshalb
nicht, weil er dem Anſturm der vielen Damen, die ſich hier hinab
begeben, wohl doch nicht gewachſen wäre. Denn welche
Kun=
din — um dieſe Majeſtät handelt es ſich —, die eine Beſchwerde
anbringen oder einen Umtauſch vornehmen will, würde ſich
hin=
dern laſſen, den Weg in das Souterrain zu gehen — dorthin,
wo ſich in dieſem großen Hauſe die „Neklamationsabteilung”
befindet — jene Stelle, die endgültig alle Fragen regelt, die mit
dieſem ſchwierigſten Problem der Kundenbefriedigung
zuſam=
menhängen?
Swei kleine Simmer, in denen einige Damen — unter
ihnen eine Akademikerin — ihres ſchwierigen Amtes walten.
Mit der freundlichen Beſtimmtheit, die ihr Beruf und ihre nich
geringe Menſchenkenntnis ihnen anerzogen, beherrſchen ſie auch
ſolche Situationen, die in eine kleine Nevolution auszuarten
drohen . . . eine Nevolution im Souterrain.
Nicht immer iſt es leicht, dieſe ruhige Beherrſchtheit zu
wahren. Denn nicht wenige der Kunden halten die Sügel ihres
Und ich verlange ein neues Kleid von Ihnen, und wenn ich bis
zur höchſten Inſtanz gehen ſoll.”
Temperaments recht locker in den Händen: alle, ſie mögen mit
noch ſo merkwürdigen Anliegen in die „Neklamationsabteilung”
kommen, ſind ja von ihrem Necht überzeugt, verfechten dieſes
— oft nur vermeintliche Necht mit mehr oder weniger —
meiſtens mit mehr — Energie.
Nevolution im Souterrain. Ich habe einige Zeit den
Zu=
ſchauer geſpielt bei den mitunter recht ſtürmiſchen Gefechten,
die ſich hier abwickeln. Und ich bin Seuge geweſen, daß dem
Grundſatz der Geſchäftsleitung: jedem Kunden nach Möglichkeit
gerecht zu werden, von den Damen der Neklamationsabteilung
entſprochen wurde.
Die Dame mit dem Fußbodenlack.
Jedes Ding hat bekanntlich ſeine zwei Seiten: eine
ange=
nehme und eine unangenehme. Auch der Sußbodenlack z. B.
kann, ſeinem eigentlichen Sweck zugeführt, höchſt nützlich wirken.
Aber er kann auch — die Garderobe emer Kundin zerſtören
oder zumindeſt ſtark beſchädigen, wenn man ihm Gelegenheit
gibt, ſeine metallene Behauſung, will ſagen: die Blechbüchſe,
vorzeitig und wider Willen zu verlaſſen. Frau M., die aufgeregt
in die Reklamationsabteilung kommt, widerfuhr ſolches
Miß=
geſchick. Und es widerfuhr ihr — wie feſtgeſtellt wurde —
weil durch ihre eigene Unvorſichtigkeit die Büchſe einen ſo
ſcharfen Stoß erhielt, daß ſie ſich zuſammenkrümmte, ein Loch
bekam, durch das der Inhalt ausſtrömte. In langſamen Cropfen
ſickerte der Lack aus dem Paket, und Mantel und Kleid der
unglücklichen Kundin wurden von oben bis unten „bodenlackiert”.
Frau M. gibt zwar zu, daß die Büchſe einen heftigen Stoß
erhalten habe, aber: „Es is Ihre Ware, der Bodenlack, und
von einem Stoß darf ſo’ne Büchſe nicht aufgehen. Und ich
ver=
lange einen neuen Mantel und ein neues Kleid von Ihnen, und
wenn ich bis zur höchſten Inſtanz gehen ſoll. Und — alſo ſo
etwas, is ja unerhört — is ja das —‟ Man tut das
Ver=
nünftigſte, was man tun kann: man läßt die Kundin zunächſt
ruhig zu Ende ſchimpfen. Alsdann beginnt man, ſie zu beruhigen
durch die Verſicherung, daß man ihr entgegenkommen wolle.
Und erreicht ſchließlich, daß ſie zufriedengeſtellt iſt, nachdem man
ihr zugeſtanden hat, daß die Reinigung der Kleider auf Koſten
der Sirma erfolgen werde.
Krach im Parfümlager.
„Bin ick nu hier endlich richtich?” betritt eie einfache
Frau die Neklamationsabteilung. Wenn Sie eine Beſchwerde
haben oder etwas umtauſchen wollen — gewiß!” — lautet die
Antwort. „Na, denn is’s ja jut. Alſo, ichk beſchwere mir
da-
rieba, det ick ma jeſtern in de Abteilung, wo de feinen
Jerüche
„Meinen Sie die Parfümerie,Abteilung?”
„Cjawoll, die jerade, die meine ick. Alſo, da bin ick
aus=
gerutſcht, un habe ma blutich valetzt, det ick nich nach Hauſe
ſöglichkeiten und verhielt ſich danach, mit jenem nüchternen
nd ſicheren, durch die Jahrhunderte hindurch geſchulten
Cat=
ſichen=Inſtinkt, der vielen gebildeten Engländern eigen iſt. Mit
lzer Beſcheidenheit ſchätzte er ſich auch ſelbſt ein: „Mein Land
at drei Garnituren von Beamten. Die erſte Garnitur umfaßt
je beſten Köpfe, die begabteſten und fähigſten Männer. Sie
ten die Regierungsgeſchäfte in und von der Heimat aus. Sie
twerfen und machen die entſcheidende Politik. Der zweiten
arnitur, zu der ich die Ehre habe, zu gehören, obliegt die
Ver=
altung der Kolonien, während die dritte Garnitur in den
unte=
en Poſten Verwendung findet.‟ Hawkins huldigte dem
Wahl=
ruch: „Right or wrong, my eountry!” mit dem raſſenſtarken
allen des Blutes, dem England die Erhaltung ſeiner
Macht=
ellung bisher verdankt. Selbſtverſtändlich wollte er eine
eng=
che Frau, war ſich aber nur im Sweifel, ob es ihm gelingen
ürde, eine Engländerin zur Heirat und Mitfahrt nach Indien
gewinnen.
Unter den Fahrgäſten waren zwei junge Engländerinnen, die
Vitwe eines im Flugzeug verunglückten Marinearztes, die aus
m Sudan kam, wo ſie im Auftrage des Völkerbundes in den
ingeborenendörfern die Verheerungen der Ophthalmie ſtudiert
itte, ſowie die Cochter eines bedeutenden Petroleummannes in
airo, deren Familie zum Ceil in England wohnte. Hawkins
achte beiden den Hof, vornehmlich aber der eleganten und ſehr
übſchen Miß Cunningham, während ich bei Mrs. Mary
lackenzie eine aufrichtige Sumpathie für den Colonel
wahrzu=
hmen glaubte.
In Syrakus verabſchiedete ſich Hawkins von uns und fuhr
ach ſeinem Hotel. Wir hatten 5 Stunden Aufenthalt und
be=
utzten die Seit zu einem Ausflug auf die Inſel. Wir begaben
s, ſieben Perſonen, nach dem griechiſchen Cheater und den
ten Steinbrüchen. In der Latomia del Paradiſo ſchlugen wir
n eiſernen Cürklopfer an, worauf uns das Echo wie ein
anonenſchuß aus dem Gewölbe der Höhle, aus dem Ohr des
Lionyſius zurückdonnerte. Der Cyrann Dionyſius ſoll in dieſer
ſeltſamen Grotte ſeine Gefangenen eingekerkert haben, um ihre
Geſpräche und Geheimniſſe in ſeinem Hauſe, das über der Höhle
lag, zu belauſchen. In der Cat läßt ſich leiſes Geflüſter im
Innern der Kaverne am Eingang derſelben laut und deutlich
ver=
nehmen.
Die Damen unterhielten ſich von Colonel Hawkins und
neck=
ten die mondäne Miß Cunningham mit der „season” in London
und dem eintönigen Leben in den Kolonien, das ſie als Mrs.
Hawkins zu führen genötigt ſein würde. Miß Cunnmgham lachte
und meinte, daß ſie es auch nach ihrer Heirgt halten werde, wie
ſeither, indem ſie jedes Jahr mindeſtens ſieben Monate in
Eng=
land verbringen wolle. Mrs. Mackenzie ſagte einfach: „Ich
könnte ſehr wohl einem Menſchen wie Hawkins auch in den
Kolonien dauernd Geſellſchaft leiſten, zumal, da dieſer Mann
mehr noch einer Frau bedarf, als ein anderer.” Wir trieben
noch eine Weile allerhand Kurzweil in der weiten Felſenhöhle
und wandten uns endlich zum Ausgang zurück, wo wir zu unſerer
Überraſchung den Colonel trafen, der uns gerade nach gekommen
war, um ſich nochmals von ſeiner ſo raſch geworbenen Braut zu
verabſchieden. Er war entzückt von der Inſel und viel heiterer
und aufgeräumter, als wir ihn bis dahin geſehen hatten. Wir
trennten uns von ihm, fuhren zur Neptunia zurück, und bald löſte
ſich die Neiſegeſellſchaft in Neapel und Genua ganz auf. Jeder
eilte auf anderen Wegen neuen Erlebniſſen und Pflichten
ent=
gegen.
Etwa elf Monate nach dieſem Spaziergang durch die
duf=
tenden Sitronen= und Orangengärten von Syrakus erhielt ich
eines Cages eine Karte aus Singapore:
Colonel Chomas Hawkins
Mary Hawkins,
Witwe des Marinearztes William Mackenzie,
Vermählte
mit dem ſchriftlichen Suſatz von Hawkins Hand: „Ich rufe mit
Archmedes von Syrakus „Heurekal Heureka!”, denn ich fand
loofen konnte, u dadafor mußte ick ma ne Auckelpinne nehmn
— alſo, nu will ick wenichſtens det Droſchkenfahrield
wieda=
hab’n vaſtehnſe!”
Es wird feſtgeſtellt, daß die Kundin kurz vor Geſchäftsſchluß
das Kaufhaus betrat, Einkäufe machen wollte, in übergroßer
Eile durch verſchiedene Abteilungen ſtürmte, dabei ins
Par=
fümerielager geriet, eine ganze Menge Flaſchen und Slakons
umwarf, ſo daß ſie zerbrachen und der Inhalt auf den Boden
floß. Allerdings hat es mit der Verletzung der Kundin, die zu
Fall kam, ſeine Nichtigkeit gehabt. Immerhin: die Frau hat die
ganze Sache ſelbſt verſchuldet. Jedoch: ſie erhält die verlangten
paar Mark und braucht auch nicht für den verurſachten Schaden
aufzukommen.
Gardinen, die nichts koſten.
Eine Kundin erſcheint und trägt folgendes vor: Sie habe
beim Einkauf von Gardinen den Verkäufer ausdrücklich
ge=
fragt, wieviel ſie für zwei Fenſter gebrauche und bezahlen müſſe.
Su Hauſe hätte ſie dann feſtgeſtellt, daß die Gardinen für die
beiden Fenſter (deren Maß ſie dem Verkäufer genannt habe)
nicht ausreichten: „Ich bitte mir das, was noch fehlt, koſtenlos
nachzuliefern. Ich habe für zwei Fenſter Gardinen gekauft und
bezahlt, und es iſt nicht meine Schuld, wem.. ."
Die Kundin erhält anſtandslos, was ſie wünſcht, obwohl es
ſich um gute Ware handelt.
Kleine Urſachen — große Wünſche.
Einer der ſeltenen Fälle, daß ein Herr — hauptſächlich
kaufen ja Frauen ein — die Neklamationsabteilung betritt:
„Mein Name iſt Müller. Ich habe Ihnen doch vor einigen Cagen
einen Brief geſchrieben. Bekomme ich denn nun den Anzug
er=
ſetzt oder die 275 Mark, die er gekoſtet hat? Es war ein neuer
Anzug, Fräulein.” — „Wir haben die Angelegenheit genau
geprüft. Es iſt uns leider nicht möglich, Ihrem Wunſche zu
entſprechen. Der Nagel, an dem Sie ſich, wie Sie ſagten,
ge=
riſſen haben, hat an dem Aermel Ihres Jacketts nur einen
kleinen Jaden gelockert. Sonſt iſt, wie wir feſtſtellen konnten,
an Ihrem Anzug doch nichts paſſiert.” Wegen eines gelockerten
Fadens Erſatzanſpruch auf einen ganzen Anzug? Wäre ich nicht
dabei geweſen, ich hätte das kaum für möglich gehalten. Doch
ſind die Fälle, in denen Kunden aus kleinen Urſachen große
Wünſche herleiten und deren Erfüllung durchzuſetzen verſuchen,
wie mir verſichert wurde, durchaus nicht ſo ſelten. Aber: wie
abſonderlich und ausgefallen auch die Beſchwerde eines Kunden
ſein mag, immer wird verſucht, die Sachlage auch von ſeinem
Standpunkt aus zu beurteilen. Und wenn, wie in dem
geſchil=
derten Falle, wirklich einmal die Beſchwerde eines Käufers
das Glück, als ich, ohne Abſicht, durch eine wunderbare Fügung
meines Schickſals das Ohr des Dionyſius belauſchte.”
Negentage.
Nichts wirkt ernüchternder und niederdrückender auf das
Menſchengemüt, als eine endloſe Neihe grauer Negentage. —
Und dies gerade im Sommer, der Jahreszeit, die jeder erſehnt —
an die ſich tauſend bunte Wünſche und Pläne knüpfen! —
Anders iſt es im Herbſt und Winter! Dazu gehören traditionell
ſtürmiſche Regentage — iſt es doch dann um ſo traulicher im
ge=
mütlich=warmen Simmer, bei einem feſſelnden Buche, einer
feinen Handarbeit oder unterhaltenden Geſellſchaftsſpielen. Aber
dem Sommer, der kurz genug regiert, ſein volles Necht! — Jeder
Einzelne empfindet es faſt als perſönliche Surückſetzung, wenn
nach einer Seit voll ſtrenger, raſtloſer Arbeit ſeine wenigen
Ferientage verregnet ſind. — Und gehört nicht auch zu einem
vollen geiſtigen Ausruhen, zur wahren Erholung von Seele und
Körper ein lachender blauer Himmel und Sonne — alles
vergol=
dende Sonne — nach der auch das verkümmertſte Menſchenherz
noch eine Sehnſucht hat! — Haben wir nicht alle im Leben ein
heiliges Necht auf einen Platz an der Sonne — ſei er auch noch
ſo klein und beſcheiden? Wir müſſen ihn nur zu finden und zu
behaupten wiſſen! — Dann können uns auch dunkle
Lebens=
ſtunden, die grauen Negentagen" gleichen, im Innerſten nichts
anhaben. Wohl laſten alle Alltagsſorgen, große und kleine
menſchliche Nöte doppelt ſchwer auf uns, wenn draußen alles
grau in grau verſchwimmt — wenn endloſer Negen die Natur zu
einer öden, troſtlos erſcheinenden Landſchaft werden läßt. —
Unwiderſtehlich lockt hingegen ein ſtrahlend heller,
lebens=
heißer Sommertag, — hinauszueilen in all” ſein ſchwellendes
Wachſen und Werden, — einmal alles hinwegzuwerfen, was uns
bedrückt, — in dem Genuſſe reiner, wirklich unverfälſchter
E. Sch.
Daſemsfrendel — —
abgelehnt werden muß — ſo wird das unter genauerer
Be=
gründung und in der höflichſten Weiſe getan.
Dieſe kleine Ausleſe von Kundenwünſchen gibt ein Bild
von den knifflichen Aufgaben, die die Neklamationsabteilung
zu erfüllen hat. Und es iſt eine erhebliche Portion
Menſchen-
kenntnis nötig, um hier aller Schwierigkeiten Herr zu werden.
Der Nagel und der Bleiſtift.
Von Wilhelm Carl.
Ein Bleiſtift und ein Nagel gingen miteinander ſpazieren.
Sie begegneten unterwegs allerlei Leuten, unter anderem auch
einem Meſſer. Als der Bleiſtift das Meſſer gewahrte, wurde
er ängſtlich und ſprach: „Lieber Nagel, dort kommt der Herr
Meſſer. Er iſt mir feindlich geſinnt, und ich möchte ihm
des-
halb nicht gerne begegnen. Komm” wir wollen uns in dieſem
Kornfeld verſtecken.”
„Aber, weshalb denn,” fragte der Nagel, „das Meſſer tut
uns doch nichts?”
Dir gewiß nicht, Freund Nagel, denn du biſt aus Eiſen.
Erblickt das Meſſer jedoch mich, den ſchwachen Bleiſtift, ſo
ſtürzt es ſich ſofort auf mich und ſpitzt ſolange an mir herum,
bis nichts mehr von mir übrig bleibt. Das Meſſer macht Späne
aus meinem Körper, legt mir die Seele bloß und verkürzt meine
Lebenszeit. Siehſt du nun ein, daß ich mich verbergen muß?”
Der Nagel lachte und ſprach: „Na, ſo lauf” nur, du
Angſt=
haſe, ich werde hier auf dich warten.”
Mit dieſen Worten ſetzte ſich der Nagel in den
Straßen=
graben, und der Bleiſtift verſteckte ſich im Kornfeld.
Gleich darauf kam das Meſſer vorbei und zog vor dem
Nagel den Hut. Der Nagel dankte und ſprach: Wohin des
Weges, Herr Nachbar?”
„Ich bin arbeitslos und will ſtempeln gehen,” erwiderte das
Meſſer, „wiſſen Sie keine Beſchäftigung für mich?"
„O ja, ich weiß ſchon eine Arbeit für Sie. — Gehen Sie
doch mal in das Kornfeld, dort ſitzt mein Freund Bleiſtift und
wartet darauf, von Ihnen angeſpitzt zu werden.”
„Sehr gut, den Burſchen werde ich mir gleich angeln!” Mit
dieſen Worten ſtelzte das Meſſer in das Kornfeld hinein, und
gleich darauf erſcholl das Webegeſchrei des Bleiſtifts zum
Him=
mel. — Der Nagel freute ſich darüber, daß es ſeinem Freund
ſo ſchlecht erging und hielt ſich die Seiten vor Lachen. Dabei
merkte er nicht, daß noch jemand auf der Bildfläche erſchien:
es war der Herr Hammer, der größte Feind des Nagels. Der
erwiſchte den Nagel im Genick, hielt ihn mit den Füßen gegen
einen Gartenzaun und ſchlug ihm ſolange auf den Kopf, bis er
ganz im Holz verſchwunden war und die Füße auf der anderen
Seite herausſchauten. Da ſaß er nun, der böſe Nagel, und
konnte ſich weder rühren noch regen. —
Kurze Seit ſpäter kam der Bleiſtift zurück, etwas kürzer
zwar, doch ſonſt wohl und munter. Er mußte lange ſuchen, bis
er ſeinen Freund Nagel im Holz gewahrte. Der ſtöhnte gar
ſchrecklich und weinte gar ſehr.
„Armer Nagel,” ſagte der Bleiſtift, „nur zu ſchnell biſt du
beſtraft worden für deinen Verrat — kann ich noch etwas für
dich tu, bevor ich weiter wandere?”
„Ach ja, lieber Bleiſtift, du könnteſt mir einen großen
Ge=
fallen tun: laufe doch ſchnell m’s Dorf zu meiner Cante, der
Frau Sange, und ſage ihr, ſie möchte ſchnell herkommen und
mich herausziehen.”
„Gern! Ich eile, und bin gleich wieder da!‟
Es dauerte auch nicht lange, und der Bleiſtift kam mit
der Frau Hange zurück. Das war eine ſehr ſtarke und
rückſichts-
loſe Perſon! Sie fragte nicht lange, packte ihren Neffen mit
eiſernem Griff unterhalb des Kopfes und zog mit aller Kraft.
„Au, Cante! Du reißt mir ja den Kopf abl Hör” auf, du
tuſt mir weh!” ſchrie der Nagel.
Doch Frau Hange kümmerte ſich nicht um ſein Geſchrei.
Sie zerrte weiter, griff nach und zog wieder und ruhte nicht
eher, bis ſie den Nagel herausgezogen hatte. Heraus war er
nun, doch wie ſah der arme Cropf ausl. Er war ganz krumm
und ſchief geworden, und unterhalb des Kopfes hatte er zwei
tiefe Wunden. Um ihn gerade zu machen, nahm ihn die Frau
Hange nochmals vor, ſchlug ihm tüchtig ins Kreuz, doch half das
auch nicht viel. Er blieb krumm und verbogen und war ein
Krüppel ſein Leben lang. Er liegt jetzt in deines Vaters
Nagel=
kiſte, mein Kind, und hat bereits Noſt angeſetzt. Geh’ hin, ſuche
ihn heraus und wirf ihn in den Müllkaſten, denn mehr verdient
er nicht, der garſtige Geſelle.
Eine Karuſſellorgel ſpielt im
Odenwald.
Von Otto Waſſem.
Was hatte ich ſo lange keine Karuſſellorgel mehr gehört!
In der Stadt machen ſich die Kinder ja nichts mehr aus dem
Karuſſell, das iſt ein Vergnügen aus der Seit, da der Großvater
die Großmutter nahm. Sie kennen dort jetzt andere
Vergnü=
gungen, Senſationen, bei denen man ein bißchen mit dem Leben
ſpielt, allerlei atemberaubendes Gefahre und Geſchiebe auf
ge=
fährlichen Nollwägelchen und verwegenen Achterbahnen. Es lebe
Amerikal
Das Karuſſell iſt im Ausſterben begriffen, es rentiert nicht
mehr. Es iſt lächerlich, ſich in ein drehbares Windhäuschen zu
ſetzen, auf ein Holzpferd oder in ein komiſches Schiff, das träge
auf und ab ſchaukelt, und in Wirklichkeit doch ſtehen bleibt.
Komiſches Vergnügen für anſpruchsloſe Kinderlein.
Aber da kam ich an einem Septemberſonntag auf der
Wan=
derung durch ein Odenwalddorf und hörte zum erſten Male
wieder nach vielen Jahren eine Karuſſellorgel. War es möglich?.
Schon von weitem — ich war aus den Bezirken des
Noden=
ſteiners herabgekommen! — hörte ich das ſchwache Stimmchen
des Orgelchens. Es dudelte immer das gleiche Lied, einen weh=.
mütigen Walzer, nach dem heute niemand mehr tanzt, den kaum
noch jemand kennt. Und endlich ſtand ich vor dem kleinen
luf=
tigen Bau, den ein ſchlecht genährtes Pferd in Drehung verſetzte.
Es war alles noch ſo wie zu meiner Kindheit. Die Glasperlen
glitzerten, die Holzpferde griffen feurig aus und ſtaken ſchmerz=.
los auf den eiſernen Geſtellen, die ihnen in den Bauch ſtießen.
Das hatte ich als Kind nie begreifen können, und ich hatte
Mit=
leid mit den armen Cieren. Das Karuſſell war zweiſtöckig. Man
ſtieg zwei Creppen hinauf, die zu den Schiffen und den
drehen-
den Kreiſeln führten, die mehr die älteren anzogen. Und da
war auch das Bremsbrett, auf das ſich der Noſſelenker ſtellte,
wenn der ganze hurtige Bau zum Stehen gebracht werden ſollte.
Aber das ſchönſte waren doch oben am Geſims die
Blech=
bilder mit ihren humoriſtiſchen Inſchriften und unmöglichen
Bil=
dern: die Jäger, die nach einem Nehbock ſchoſſen, das
unter=
gehende Schiff, das meine Phantaſie mächtig erregte, der Bauer
mit dem Schwein, die zechenden Müllerburſchen, die ſchöne
Spa=
nierin, der Lindenbaum und die Loreley, die ſich ihr ſtrohgelbes
Haar mit einem viel zu großen Kamm bearbeitete.
Die Glocke ertönt, der Bau beginnt ſich zu drehen. Mütter
ſtehen bei ihren kleinen Kindern und halten ſie. Die Buben
ſtehen auf den Steigbügeln der Pferdchen und greifen nach dem
Ring, der an einer Holzbirne außen aufgehängt iſt, die von
einem Burſchen hin= und hergeſchlenkert wird. Wer den Ning
faßt, hat eine Freifahrt. Und da ſtehe ich vor der blinkenden
Herrlichkeit meiner Kindheit, gucke, und die Orgel ſpielt einen
wehmütigen Walzer. Wie kannte ich ihn ſeinerzeit gut, und nun
hatte ich ihn ſo lange nicht mehr gehört. Mir wurde traurig
zumute bei aller dieſer Herrlichkeit. Wie glühten die Augen der
Kinder!
So hatten auch die Augen des Fritz Köbel, meines
Klaſſen=
kameraden, geglüht, damals, als er nach dem Ring griff und den
Seigefinger nicht mehr rechtzeitig löſen konnte, ſo daß er im
Weiterfahren des Karuſſels einfach abgeſäbelt wurde und das
Blut ſeine weiße Hoſe nur ſo ſprenkelte. Und ſo war es auch,
als der böſe Louis Blum mit dem Burſchen am Ning gegen
eine kleine Beſtechungsſumme ausgemacht hatte, daß er ihn
immer gewinnen laſſen müßte. Bis wir endlich den Crick
erfuhren.
Auf einmal ſah ich von allem, was da vor mir ſich glitzernd
drehte, nichts mehr; ich hörte das Orgelchen wie aus weiter
Ferne, denn ich wandelte mitten im Garten meiner Kindheit.
Es hatte einer Streife durch die herbſtlichen Dörfer des
Odenwaldes bedurft, damit ich wieder meine Kindheit traf und
ihr begegnete. Und ſchmerzlich ſtellte ich feſt, daß man in immer
entferntere Cäler flüchten muß, will man ſeiner Kindheit und
ihrer Freuden noch einmal begegnen. Und ich blieb in dem
Dorf zu Nacht, weil ich den abendlichen Lichterglanz ſehen wollte,
der — ach — ſo beſcheiden war, und weil ich das Orgelchen
hören wollte, während ich im Bett lag und auf den Schlaf
wartete.
Nummer 378.
Endſpielſtudie 42.
Alexis Troitzky.
(Eſkilſtung Kuriren, 1917.)
d e
Prüfſtellung: Weiß: Ka3 8b7 e3 Bb2b5dSe2g3 (8);
Schwarz: Ke5 Df7 Ba5 c5 d6 (5); W. gew.
Löſung der Endſpielſtudie 41.
41. H. Rinck. Deutſche Schachzeitung, 1905. (Kb8 Tb6 Sh6: Ka2 8g7 Bh2:
Weiß zieht und macht unentſchieden.) 1. Tb6—a6+ Kb2 2. Tb6+ Ke21 3. Tacx
Kd21 4. TdCFKeA 5. Td1 K:41 6. 8g4 h1b 7. 812F 8. 8:h1; remis.
Anfragen, Beiträge, Löſungen uſw. nur an die Schriftleitung des
Darmſtädter Tagblatts mit der Aufſchrift „Schach”.
Schachnachrichten. Der Schlußſtand im Klubmeiſterturnier
des Darmſtädter Schachklubs 1875 iſt: Flander 5½ Punkte (Klubmeiſter),
Punga, 5, Orth 4, Svenſſon 3, Schomerus 2, Peter 1½, Sixt 0 (
zurück=
getreten). Die Preisverteilung für das Klubmeiſterturnier und für das
Uebungsturnier 1929/30 findet am Mittwoch, den 3. September, 20 Uhr,
im Klublokal („Kaiſerſaal”, Grafenſtraße 18) ſtatt. Hieran ſchließt ſich
ein Tombolaturnier an, zu welchem jedes teilnehmende Mitglied ein
kleines Geſchenk beiſteuert.
Spielgelegenheit iſt außer Mittwochs abends täglich von 18 bis
20 Uhr. Gäſte ſind jederzeit willkommen.
Anflöſung der Rätſel ans Nr. 34.
Wabenrätſel.
1 Hummer, 2 Gerſte, 3 Mutate, 4 Meſſer, 5 Seidel, 6 Paſtor,
7 Salbei.
Kätſel
Wo erſcheint ein
S
Silbenrätſel.
1 Weſterwald, 2 Aprikoſe, 3 Seſam, 4 Untersberg, 5 Nelke,
6 Abſinth, 7 Uſedom, 8 Sepia, 9 Wallenſtein, 10 Eidechſe, 11
Inqui=
ſition, 12 Cheviot, 13 Hering, 14 Libelle, 15 Ingeborg, 16 Cicerone,
7 Hamſun.
Der Spruch lautet: Was unausweichlich, dem geb man entgegen.
Für Radfahrer.
1. Hinterrad, 2. Getriebe, 3. Vorderrad.
Carl Deubel.
Was ſie mit ihrem Geld machen.
Indiskretionen aus Hollywood.
Von Otto Behrens.
Die vielfach verbreitete Anſicht, bedeutende und
vielbeſchäf=
kigte Silmkünſtler gingen in ihrem anſtrengenden und
nerven=
aufreibenden Beruf vollſtändig auf, ſo daß ſie für nichts anderes
mehr Intereſſe hätten, iſt abſolut nicht richtig. Selbſt in
Holly=
wood, wo die Jagd nach dem Gelde viel ſtärker und
rückſichts=
loſer in Erſcheinung tritt, als bei uns, hat faſt jeder Darſteller
irgendein Steckenpferdchen, das er reitet, wenn ſich die Core des
Silmateliers nach den Mühen des Cages hinter ihm ſchließen.
Allerdings ſind dieſe Liebhabereien mitunter recht materieller
Art und entſprechen nicht gerade dem, was man ſich im
eigent=
lichen Sinne unter der Bedeutung des Wortes vorzuſtellen pflegt.
So iſt es denn zum Beiſpiel die Lieblingsbeſchäftigung vieler,
ein Glücksſpiel in Spekulationen zu treiben, in der
Erwartung, daß das Bankkonto auf dieſe Weiſe auch noch
reichliche Sunahmen erfährt. Es genügt ihnen nicht, aus ihrer
Filmtätigkeit Nieſenſummen zu ziehen, ſie machen ſich ein
Ver=
gnügen daraus, ihr Kapital arbeiten zu laſſen, und zwar meiſtens
dort, wo die Höhe der Gewinnmöglichkeiten ein gleich großes
Riſiko einſchließt. Iſt ihnen das Glück bei dieſem Hazardſpiel
hold, dann hoffen ſie, eines Cages ſo viel zu beſitzen, daß ſie
ent=
weder eine eigene Filmgeſellſchaft gründen oder ſich vom Silm
ganz zurückziehen können. Großer Beliebtheit erfreuen ſich
Spe=
kulationen in Erdöl, das ja bekanntlich den hauptſächlichſten
Reichtum in Kalifornien darſtellt. Viele Künſtler ſind Beſitzer
anſehnlicher Aktienpakete der großen Unternehmen, deren
Bohr=
türme zu Hunderten bei Los Angeles aufgeſtellt ſind.
Aber nicht alle Künſtler und Künſtlerinnen ſind ſo proſaiſch
veranlagt, daß ſie ihr Vergnügen nur darin finden, auf alle
mög=
liche Weiſe Geld zuſammenzuraffen. Das Ideal vieler namhafter
Darſteller und Darſtellerinnen iſt ein gemütliches Heim und ein
ſchöner Garten. Auf geſchmackvolle Einrichtung ihrer
Wohn=
räume und auf die Pflege der Blumen verwenden ſie einen
großen Ceil ihrer arbeitsfreien Seit, um auf dieſe Weiſe
Behag=
lichkeit und Entſpannung zu finden, wenn ſie der Scheinwelt des
Filmateliers auf ein paar Stunden entronnen ſind. Nicht ſelten
ſpielt das Süchten edler Obſtſorten und das Pflanzen von
Ge=
müſen eine große Nolle.
Im Zuſammenhang mit der Ausſtattung der Wohnräume
gibt es manche Liebhaberei, wie z. B. das Sammeln wertvoller,
Dorzellane, koſtbarer Antiquitäten, alter ſeltener Uhren, edler
Steine und Kriſtalle uſw. Auch Sammlungen origineller Puppen
und Stofftiere bilden das Entzücken und den Stolz mancher
Künſtlerin, die keinen Gefallen an lebenden Cieren findet. Fannie
Brice iſt eine paſſionierte Bücherſammlerin, die die größte
Bibliothek in Hollywood beſitzen ſoll. Und tatſächlich ſtehen in
den Schränken und Geſtellen Bücher, und nicht etwa Atrappen
und Nücken, die geheime Fächer mit geſchmuggelten
Alkohol=
beſtänden verbergen. Aileen Pringle ſammelt chineſiſche
Anti=
quitäten, von deren Echtheit ſie voll und ganz überzeugt iſt, zumal
ſie ſie aus dem Lande der aufgehenden Sonne direkt bezieht.
Lilian Giſh hat ſich darauf verlegt, ſeltene Stickereien zu
ſam=
meln, während Nenée Adorée in ihrem Landhauſe eine Menagerie
dere wieder haben lebendige Vierbeiner auf ihren Beſitzungen,
mit denen ſie ſich mit Vorliebe beſchäftigen, Hunde, Katzen,
Affen, Ponnies und dergleichen mehr, aber auch „Glücks”-
Schweinchen, Schildkröten, Cruthühner, kleine Bären und
Leo=
parden werden gehalten, ja ſelbſt Strauße, auf denen man reitet,
oder die man in die Gabel leichter Nennwagen ſpannt. — Zwei
bis drei Autos zu beſitzen, ſtellt nichts Außergewöhnliches dar;
Harald Lloyd hat ſich allerdings eine Sammlung zugelegt, die
Der zeitgemäße Haushalt.
Kann man beim Einkochen Zucker ſparen?
Wenn man einkochen will, ſo muß man ſich darüber klar ſein,
daß dazu Zucker gebraucht wird, und alle Ratſchläge, die hier
das Sparen propagieren, ſind mit Mißtrauen zu betrachten.
Der Zucker und nur er macht die konſervierten Früchte haltbar,
erhöht ihren Nährwert und verbeſſert den Geſchmack.
Er kann auf keinen Fall, wie man öfter empfehlen hört,
ganz oder teilweiſe durch Saccharin erſetzt werden. Dieſes ſüßt
zwar auch und viel ſtärker als Zucker, aber es konſerviert nicht.
Verwendet man es, ſo muß die durch den geringen Zuckerzuſatz
fraglich gewordene Haltbarkeit der Früchte durch Beigabe von
Salizylſäure oder benzoeſaurem Natron geſichert werden. Es
muß alſo neben dem für die Ernährung ganz wertloſen
Chemi=
kalium Saccharin ein zweites Chemikalium als
Konſervierungs=
mittel zugeſetzt werden. Dabei wird mit der Saccharinſüßung
noch nicht einmal etwas geſpart. Bekanntlich müſſen faſt alle
Fruchtkonſerven mit ungefähr ebenſoviel Zucker, wie das
Ge=
wicht der Früchte beträgt, verſetzt werden. Wenn alſo das
Pfund Früchte 0,50 RM. und das Pfund beſter Marmelade
36 Pf. koſtet, ſo erhält man, abgeſehen von dem immer gleichen
Gewichtsverluſt durch das Kochen, 2 Pfund Fruchtkonſerven zu
0,86 RM. oder das Pfund zu 0,43 RM. Erſetzt man die
Hälfte des Zuckers durch Saccharin, ſo koſten die Früchte, wie
oben, 0,50 RM., einhalb Pfund Raffinade 0,18 RM. und das
Saccharin nebſt dem Konſervierungsmittel ungefähr 0,03 RM.
Man erhält alſo 1,5 Pfund Marmelade zu RM. 0,71 oder
1 Pfund zu 0,47 RM.
Obſtflecke an den Händen beim Einmachen
zum Verſchwinden zu bringen. Wenn man Obſt,
namentlich Aepfel, Birnen, Tomaten, Pflaumen, ſowie die
ver=
ſchiedenen Gemüſe zugeputzt hat, ſo erhält man an den Händen
die ſchwarzgrauen Flecke, die beim einfachen Waſchen mit Seife
unterhält, die aus Bären, Gorillas, Nilpferden, Löwen,
Leo=
parden und anderen Cieren der Wildnis beſteht, ein ebenſo
ſon=
derbares wie koſtſpieliges Vergnügen, wenn dieſe Ciere nicht—
Miniaturnachbildungen wären und aus Porezllan beſtünden. An=
Sammlungen origineller Puppen ſind ſehr beliebt.
mit ihren mehr als 30 Wagen ſämtliche modernen Autotypen
umfaßt. Eine recht ſonderbare Lieblingsbeſchäftigung —
wenig=
ſtens für einen Mann — hat Lon Chaney, der Meiſter der
Maskenkunſt. Er beſchäftigt ſich nämlich mit Vorliebe in der
Küche, und man ſagt in Hollywood, daß keiner beſſer Geflügel
zu braten verſtehe, als er. Gaſt bei Lon Chaney zum Diner zu
ſein, iſt für Feinſchmecker ein beſonderer Hochgenuß, doch leider
dürfen ſich ſeine weiblichen Kollegen dieſem Vergnügen nicht
hin=
geben, weil ſie vertraglich an ſtrenge Körpergewichtsvorſchriften
gebunden ſind, und alſo jeder Schlemmerei ſorgſam aus dem Wege
gehen müſſen.
Jeder Künſtler möchte dem anderen durch irgendeine
Be=
ſonderheit imponieren, und dieſes Beſtreben führt zu den
kurio=
ſeſten Einfällen, die meiſtens zugleich eine Neklame ſein ſollen.
Man wünſcht, durch eine Extravaganz aufzufallen und von ſich
reden zu machen. Wie intereſſant kommt ſich eine Diva vor, die
die erſte Puderdoſe mit Muſik oder einen Lippenſtift mit
Nadio=
empfang beſitzt! Die ausgefallenſten Dinge kann man in
Holly=
wood zu ſehen bekommen. Bebe Daniels ſammelt Kartenſpiele.
Jedes Spiel, aus dem ſie ſich die Sukunft hat prophezeien laſſen,
wird ſorgſam aufgehoben und mit einer Aufzeichnung des
Ne=
ſultats verſehen. Da für ein jedesmaliges Befragen eine neue
Kartenſerie genommen wird, hat dieſe Sammlung bereits
be=
trächtlichen Umfang angenommen. Bei dem ſtark verbreiteten
Aberglauben ſpielen auch Kriſtallkugeln, die einen Blick in die
Sukunft” geſtatten, eine große Nolle, ebenſo Calismane und
Maskottchen, ſowie ähnliche närriſche Gegenſtände.
So hat denn faſt jeder Künſtler irgendeine Paſſion, durch die
er aufallen will, denn — „Publicity firſt”, Neklame iſt die
Haupt=
ache, um bekannt zu werden. In einer Scheinwelt wie
Holly=
wood, wo der Beruf oft die extravaganteſten und
unwahrſchein=
lichſten Dinge von den Darſtellern verlangt, iſt eben auch in der
Wirklichkeit nichts unmöglich!
Zleintgkeiten.
Fanni Brice beſitzt die größte Bibliothek in Hollywood.
Gutwillige Steuerzahler.
Kaiſer, Könige und Nepubliken brauchten zu allen Seiten
Geld. Als Maximilians I. Staatsſäckel einmal leer war,
ver=
ſuchte er, ihn auf eine höchſt „anſtändige” Weiſe zu füllen. Er
ordnete an, daß die Reichsſtände von jeder Perſonen ſo viel
„als ihr guter Wille ſei” einziehen ſollten. Der Erfolg
je=
doch war vernichtend.
Es ſchien ſo, als ob alle ſo gedacht hatten, wie der
Pfalz=
graf, der geantwortet haben ſoll, der gute Wille gehe über
ſeinen Verſtand.
Als der Mißerfolg der kaiſerlichen Finanzmaßnahme am
Hofe bekannt wurde, ſetzte der Hofnarr ſeine traurigſte Miene
auf und ſagte zu Maximilian: „Wo es ans Sahlen geht, ſoll
man ſich nie auf den guten Willen verlaſſen, ſondern immer
mit dem Böſen rechnen.”
Womit er zweifellos das Nechte getroffen hatte.
Der Craum von den 100 Schillingen.
Der Berliner Bankdirektor Fürſtenberg wohnte, wenn
er ſich in Wien aufhielt, ſtets in ein und demſelben Hotel. Der
Portier erhielt regelmäßig ſein Crinkgeld, das ihm jedoch im
Vergleich zu dem Vermögen des Gebers gering erſchien. Eines
Cages faßte er ſich ein Herz und ſagte zu dem Finanzgewaltigen:
„Ew. Gnaden, heut” nacht habe ich geträumt, Sie hätten
mir hundert Schilling geſchenkt.”
„Hundert Schilling,” erwiderte Fürſtenberg gut gelaunt,
„das wäre ja reichlich viel Gelſd, aber wenn ich es Ihnen
ein=
mal gegeben habe — behalten Sie es ruhig.
Damit faßte er an ſeinen Hut und verſchwand — während
ihm der Portier mit langem Geſicht nachblickte.
Der reingefallene Ratgeber.
Su dem Finanzier Strousberg kam eines Cages ein
Ver=
wandter und bat um eine Anſtellung. Strousberg war, wie
immer, ſehr beſchäftigt und wollte den Bittſteller kurz
abfer=
tigen, der jedoch ziemlich hartnäckig auf ſeinem Platz verharrte
und unentwegt weiterredete.
Schließlich drehte ſich der Finanzmann um und ſagte: „Ich
weiß ja gar nicht, was ich mit Ihnen anfangen ſoll, hätte
höchſtens einen kleinen Poſten auf meinen Eiſenbahnen in
Numänien frei. Wollen Sie den annehmen?
„Numänien liegt mir in jeder Beziehung etwas fern, Herr
Strousberg, ich möchte am liebſten hier in Ihrem Geſchäft
ein=
treten”, erwiderte der Verwandte.
„Und wie dachten Sie ſich das?‟
„Nun ſehen Sie, Sie haben ſich doch mit ſo vielerlei Sachen
zu beſchäftigen und brauchen doch ſicher hin und wieder einen
guten Rat — und dafür wäre ich der geeignete Mann.”
Strousberg warf einen wütenden Blick auf den ſo wenig
Beſcheidenen und ſagte dann: „Einverſtanden! Geben Sie mir
gleich ein Probe Ihres Könnens und raten Sie mir, wie ich
Sie los werde!”
Der Vornehmheit — zwei Stühle.
Bei dem Finanzkönig Nothſchild ließ ſich einmal der
Ab=
geſandte eines Fürſtenhauſes in ſeiner Darlehnsangelegenheit
melden.
Nothſchild empfing ihn in ſeinem Arbeitszimmer. Da er
gerade einige eilige Schriftſtücke zu erledigen hatte, ſagte er zu
dem Eintretenden kurzweg: „Bitte, nehmen Sie einen Stuhl!”
Dem hohen Herrn aber paßte dieſer Empfang wenig. Er
räuſperte ſich darum und ſchnarrte: „Pardon — ich bin der
Graf —
Der beſchäftigte Finanzmann fiel ihm, ohne ſich im
ge=
ringſten ſtören zu laſſen, ins Wort: „Dann nehmen Sie bitte
noch einen Stuhl!”
Das Schwein und der Rubelkurs.
Es war noch vor dem Krieg. Der Nubel ſtand wieder
ein=
mal ſehr ſchlecht, und der ruſſiſche Finanzminiſter
Wyſchne=
gradſku ſuchte vergeblich nach einem Ausweg zur Hebung des
Rubelkurſes.
Su dieſer Seit trat der bekannte Clown Duros im Sirkus
Ciniſelli in Petersburg als Schweinedreſſeur auf.
Eines Abends, nachdem die Seitungen von den Plänen
Wyſchnegradſkus recht voll geweſen waren, warf er einem
ſeiner abgerichteten Schweine einen Fünfrubelſchein vor und
efahl ihm, das Geld aufzuheben.
Das Schwein weigerte ſich jedoch hartnäckig.
Da ſagte der Spaßmacher: „Na ja, wenn ſogar der Herr
Miniſter den Nubel nicht heben kann, dann darf man es von
dir, armes Schwein, ſchließlich auch nicht verlangen!”
nicht zu tilgen ſind. In dieſem Falle füge man dem
Waſch=
waſſer 1 Teelöffel Salzſäure bei. Es iſt ratſam, hinterher die
Hände mit gutem Hautereme einzureiben, damit die Hände
wieder geſchmeidig werden.
L.
Woran die Hausfrau beim Kaufen altes
Rindfleiſcherkennen kann. Nicht ſelten kommt es vor,
daß ein Rinderbraten trotz eingehaltener Schmorzeit zäh bleibt.
Es handelt ſich in dieſem Falle dann meiſt um ein zu altes
Tier. Zeigt z. B. das Fleiſch eine glänzendrote Farbe und
hell=
gelbes Fett, ſo war das Tier jung, je älter es war, um ſo
dunkler iſt das Fleiſch und das Fett zeigt auch ein kräftigeres
Gelb. Derartiges Fleiſch eignet ſich am beſten zum Kochen,
da es eine überaus kräftige Fleiſchbrühe ergibt. Will man es
aber dämpfen, ſo lege man es in eine Beize von Milch, in der
H.
es 3—4 Tage verbleiben muß.
Kleine Winke für praktiſche Hausfrauen.
1. Eine Zitrone ergibt mehr Saft, wenn man ſie vor dem
Auspreſſen in heißer Ofenröhre erhitzen läßt.
2. Schneidebretter und rohe weiße Holzplatten werden ſchön
weiß, wenn man ſie mit Chlorkalk ſcheuert, dann mit Waſſer
nach=
wäſcht, dem unterſchwefligſaures Natron zugeſetzt wurde und
ſchließlich mit viel klarem Waſſer nachſpült.
3. Weiße und blaue Fließen werden wieder klar und rein,
wenn man ſie riit Scheuerbaſt und einer Miſchung von gleichen
Teilen kalten Waſſers und Salzſäure ſcheuert.
5. Lichtflecken ſind völlig von Polſtermöbeln und Teppichen
zu entfernen, wenn man ſie über aufgelegtem Löſchblatt mit
heißem Eiſen plättet.
Speiſe=Zettel.
Sonntag: Tomatenſuppe, Schweinslendchen mit
Wir=
ſinggemüſe, geſchm. Pflaumen. — Montag: Gefüllte
Toma=
ten im Reisrand. — Dienstag: Pichelſteiner. —
Mitt=
woch: Hefenklöße m. geſchm. Pflaumen. — Donnerstag:
Pilzreis. — Freitag: Geſp. Schellfiſch mit Senfbutter.
Samstag: Fleiſcheierkuchen.
II Mit eigenen Worten.
„Wie gefällt Ihnen mein neueſtes Gedicht „Der Derwirſch”?‟
„Der Wiſch iſt unverwendbar
Statiſtik. „Haben Sie geleſen, in unſerer Stadt werden
prozen=
tual die meiſten Briefe geſchrieben.”
„Kunſtſtück! Wenn Sie wüßten, was ich allein an Mahnbriefen
be=
komme!“
(Götz.)
Peinlich. Dichter: „Nun, Frau Heider, haben Sie meinen
Gedicht=
band geleſen?”
„Aber gewiß, immer und immer wieder, ich war ganz hingeriſſen.
Wo legte ich denn eigentlich das Buch hin?”
Die kleine Tochter: „Dort, Mama, unter das Tiſchbein des
Eß=
tiſches, der immer ſo wackelte.”
(Buen Humor.)
Nach dem Vortrag. „Herr Profeſſor, ſagten Sie nicht, daß durch
jefes Atmen die Bakterien getötet werden?”
„Ja, gewiß!“
„Können Sie mir dann vielleicht auch ſagen, wie man es den Bak=
(Tit=Bits.)
terien beibringt, recht tief zu armen?”
Die bierteilige Reiſe=, Weekend= und Sport=Dreß
iſt die allerletzte Neuheit der
Saiſon und nach dem großen
Bei=
fall zu ſchließen, den dieſe
Schaf=
fungen in den führenden
Mode=
ſalons fanden, handelt es ſich hier
um einen Bekleidungsſtil, der
binnen kurzem große Popularität
erlangen dürfte.
Dies iſt auch inſofern ſehr
ver=
ſtändlich, als ja jeder einzelne Teil
der neuen vierteiligen Dreß
gut verwendbar iſt und ſich
ge=
legentlich mit anderen Stücken der
Garderobe vorzüglich kombinieren
läßt.
Die Idee der Vierteiligkeit
wird ſchon ziemlich lange von den
maßgebenden Werkſtätten variiert,
noch niemals aber drang ſie in dem
Maße durch, wie dies eben jetzt
der Fall iſt.
Neben der Promenadekleidung,
die dieſe neue Möglichkeit
natür=
lich in erſter Linie aufgriff, kommt
die Vierteiligkeit hauptſächlich für
die Reiſeaufmachung in Frage
und die Kombination von Rock,
Bluſe, Jacke und Mantel konnte ſich
innerhalb der allerkürzeſten Zeit
zahlloſe Anhängerinnen erwerben.
Es wird hier — um die
Ab=
ſicht zu unterſtreichen — auf
Ein=
heitlichkeit des Materiales geſehen,
wiewohl man bekanntlich ſonſt an
dieſer Tendenz keineswegs feſthält,
ſondern die Kombination
verſchie=
denartiger Gewebe ſehr gerne ſieht.
Hier aber müſſen Rock, Jacke
und Mantel aus ein= und
demſel=
ben Materiale hergeſtellt ſein,
wäh=
rend die Bluſe ſelbſtverſtändlich
immer aus dünneren und
leicht=
waſchbaren. Geweben verfertigt
wird.
Für die Reiſe=Dreß wünſcht
man ein Material, das nicht allzu
ſtark und undurchläſſig iſt, ſucht
alfo nach jenen poröſen Stoffen,
die das Modebild beherrſchen und
immer gut ausſehen.
Die verſchiedenen Tweeds
ſte=
hen nach wie vor im Vordergrunde
und präſentieren ſich in zahlloſen
Varianten.
Was die Muſterung dieſer
Stoffe anbetrifft, ſo hält man nicht
mehr ſo unbedingt wie früher an
den indifferenten Farben feſt,
ſon=
dern wählt für die Reiſedreß gelegentlich recht gerne auch eine
ausgeſprochenere Schattierung und lebhaftere Muſterungen, die
von vornherein jede Monotonie, unter der die Reiſekleidung
oft leidet, ausſchalten.
Die Formen der einzelnen Stücke ſind immer ganz
an=
ſpruchlos, da man ſich in modekundigen Kreiſen vollkommen
darüber im Klaren iſt, daß überhaupt nur eine ſchlichte
Reiſe=
dreß elegant ſein könne und daß jedes Zuviel hier durchaus
fehlangebracht wäre.
Darum ſieht man auch gefliſſentlich von jedem Aufputz ab,
indem man die Effekte einer vierteiligen Zuſammenſtellung nur
aus einfachſter Eleganz und aus der originellen Art der Ver=
Für die großen Gartenfeſte
die ja bekanntlich immer erſt zu Ende der Hochſommerſaiſon
ſtattfinden, ſucht man ſelbſtverſtändlich nach etwas Eigenartig=
Neuem, das einerſeits im Stil, andererſeits im Materiale liegt.
Man iſt ſich nämlich ſozuſagen ſtillſch.” gend darüber einig
geworden, daß man für einen ſolchen Zweck keine bunten
Gaze=
gewebe mehr wünſcht, weil man ſpäter für ſolche Gewebe keine
Verwendung mehr haben dürfte, auch ſieht man — weun
mög=
lich — von einem allzu hellen Georgette= oder Gazekleide ab,
weil für ſolche Modelle faſt genau dasſelbe gilt, wie für die
bunten Chiffons.
Abgeſehen davon darf ein ſolches Kleid — das man jetzt
wohl kaum mehr als einmal tragen kann und vielleicht nochmals
im nächſten Jahre (mit einigen Aenderungen) zu verwenden
vermag, nicht zu große materielle Opfer erheiſchen, weshalb man
unter allen Umſtänden ein Material wählt, das nicht koſtſpielig
und dennoch ſehr dekorativ iſt.
arbeitung des Stoffes holt und ihn gelegentlich auch in
mehre=
ren Faden=Richtungen zuſammenſtellt, ſo daß ſich innerhalb der
Deſſinierung gute Wirkungen erzielen laſſen.
Neben Stoffkleidern ſetzen ſich auch Strick=Sachen in
ganz beſonderem Maße durch und finden ihrer praktiſchen und
doch eleganten Note wegen reiche Anerkennung, um ſo mehr,
als die führenden Strick=Werkſtätten heute ſchon in der Lage
ſind, Modelle zu bringen, deren Bindung ſich von koſtbarſten
Stoffen nicht im geringſten unterſcheidet. Die Strickſachen ſind
ſogar inſofern noch bedeutend praktiſcher, als ſie niemals
zer=
knüllt ſein können und ſelbſt nach längerer Bahnfahrt ihre
ur=
ſprüngliche Faſſon ausgezeichnet beibehalten.
Die führenden internationalen Modeſalons haben für dieſen
Zweck Organdy als Allerneueſtes auserſehen, und man muß
geſtehen, daß dieſes durch ſeine Steifheit ungemein pikant
wir=
kende Gewebe ſicherlich auch außerordentlich maleriſch iſt, ſo daß
es die elegante Frau gelegentlich gerne aufgreifen wird, um ſo
mehr, als ſie ja für Organdy immer viel übrig hatte und dieſes
Material ſchon recht lange entbehren mußte.
Die Organdy=Schaffungen haben angeſichts des ſeltſamen
ſteifpompöſen Charakters dieſes Materiales immer eine gewiſſe
ſtiliſierte Note.
In unſerem Bilde zeigen wir ein ganz entzückendes Kleid,
das keineswegs ſchwer herzuſtellen iſt, da ſeine mit einem
klei=
nen Flügelcape garnierte obere Partie ganz gerade und mit
einem Samtgürtel mit lang=flatternden Bändern abgeſchloſſen
iſt, während der Rock aus mehreren Teilen zuſammengeſtellt
erſcheint, die ſich nach unten zu verbreitern. Man verfertigt ein
ſolches Kleid gerne aus einem markant=gefärbten Organdy, etwa
in ſtarkem Roſa, in ſcharfem Gelb oder aber in einem ſchönen,
leuchtenden Grün, da die verſchiedenen Zwiſchentöne, die bei
Tag unſtreitig ſehr reizvoll ſind, im feſtlichen Abendlichte
er=
fahrungsgemäß vollkommen „verblaſſen” und überhaupt bei
künſtlicher Beleuchtung niemals empfehlenswert ſind.
Die elegante Frau wählt für Sommerfeſte unbedingt eine
Kopfbedeckung, meiſt in Form eines breitrandigen, maleriſchen
Hutes (Skizze).
Mitunter gibt man den Organdy=Kleidern, wie dies unſer
Bild zeigt, ſehr aparte Effekte in Form von Applikationen in
abſtechender oder abſchattierter Farbe, doch iſt dies keineswegs
unerläßlich, da ein Organdymodell ſelbſt wenn es ganz
un=
garniert wäre, doch immer wunderſchön wirkt.
F. II.
Für Urlaubsfahrten im Herbſt
gibt es eine vielbeachtete Neuheit in Geſtalt des „Reiſe=
Porte=
feuilles”, das allerdings einem wirklichen dringenden
Bedürf=
nis entſprang, denn immer wieder erwies es ſich, daß man eine
Möglichkeit für die Unterbringung der verſchiedenen Banknoten
braucht (beſonders wenn man ins Ausland reiſt und mit
mehre=
ren Währungen zu rechnen hat), ferner den Paß immer bei der
Hand zu haben wünſcht, außerdem immer ein paar wichtiger
Dokumente, Adreſſen uſw. greifbar wiſſen will, die Fahrkarte
jederzeit finden muß und gerne auch ein oder das andere Pro=
Wir bringen ein ganz
vor=
zügliches vierteiliges
Strick=
enſemble für die Reiſe in unſerem
eiſten Bilde. Der Rahmen im
Hin=
tergrunde zeigt dieſe Ausrüſtung
(die auch für Wochenend=Fahrten
im Herbſt und für die Promenade
in der Stadt vorzügliche Dienſte
leiſtet) in ihren einzelnen Teilen.
Die dünn=geſtrickte Bluſe mit
mar=
kiertem Sattel und ſchlichtem
Bu=
benkragen iſt ſicherlich
außerordent=
lich ſchick, der geſtrickte,
kariert=
deſſinierte Faltenrock ſehr
prak=
tiſch und für die Reiſe unbedingt
empfehlenswert. Die wollene
ge=
rade Jacke in gleicher Ornamentik
ergänzt beides zu einem
ausge=
zeichneten Koſtüm und wird mit
einem ſchmalen Gürtel in
ſport=
licher Art zuſammengehalten. Zu
einem derartigen Modell trägt man
nun den geſtrickten Paletot in
der=
ſelben Muſterung und ſchafft
da=
mit das ideale, vierteilige Reiſe=
Enſemble, das allgemeine
Begei=
ſterung erweckt und durch einen
ungarnierten Filzhut am beſten
er=
gänzt wird (1).
Natürlich muß die große
Um=
hülle, die man außer dem
Jäk=
chen beſitzt, nicht immer die eben
beſprochene Paletotform haben,
ſon=
dern kann gelegentlich auch eine
vollkommen verſchiedene Faſſon
bringen, etwa eines der in letzter
Zeit jehr belieht gewordenen
Capes als Vorbild nehmen. Dieſe
Zuſammenſtellung führen wir in
unſerer zweiten Skizze vor Augen.
Auch in dieſem Falle wählt
man gerne eine der geſtrickten,
leichten Bluſen; dazu einen
Tweed=
rock mit entſprechender Jacke, das
Cape natürlich aus dem gleichen
Materiale.
In letzter Zeit hat ſich ſogar
die Sitte eingebürgert, „
Fla=
mingo”=Material für die
Reiſe=
dreß heranzuziehen, weil ein
ſol=
ches Complet immer ſehr elegant
wirkt und gelegentlich auch als
Promenadeaufmachung gute Dienſte
zu leiſten vermag. Hier iſt
aller=
dings — angeſichts des an ſich
ſchon wirkungsvollen Materiales
— nur an eine ganz
unausgeſpro=
chene Farbe zu denken, die jenen
Neutralton hat, der immer gut ausſieht. Die gekreuzte und mit
einem Knopfe verſchloſſene Bolerobluſe nimmt ſich in Shantung
gut aus, der Rock hat die übliche Faltenfaſſon, die Jacke iſt
gerade, hat einen einfachen Schalkragen und wäre offen zu
tragen. Der Mantel bringt die beliebte, geteilte Cape=Form
und zeigt eine oben feſtgeſteppte Falte in der Mitte der
ange=
ſetzten unteren Partie.
Zu dieſer Art von vierteiligen Complets trägt man
ge=
legentlich ſelbſt für die Reiſe einen halbbreiten Hut, der
durch=
aus einfach und (der ſportlichen Note wegen) unter allen
Um=
ſtänden ungarniert und aus Filz gearbeitet ſein muß (Bild 3).
Willy Ungar,
ſpekt, die Land= oder Tourenkarte und den Fahrplan vornimmt.
Da bringen nun die verſchiedenen einſchlägigen Ateliers ſehr
überſichtliche und hinlänglich geräumige „Sammel=Portefeuilles”,
die für alles vorſorgen und Raum bieten und doch keineswegs
plump ſind, weil eben die Einteilung von vornherein eine
außer=
ordentlich praktiſche und zweckentſprechende iſt (Bild). W.U.
*
„Sind Sie verliebt?‟ Dieſe intereſſante Frage wirft die
ſo=
eben erſchienene Ausgabe der Frauenzeitſchrift „Das Heft” auf
und gibt gleichzeitig eine amüſante Anweiſung dazu, ſeine
dies=
bezüglichen Gefühle ſelbſt zu analyſieren. — Wir finden
außer=
dem in dem reichbebilderten Heft Aufſätze über „Kinderſtuben im
Zoo”, über das: „Schaffen einer Künſtlerin”, einen
unterhalten=
den und zugleich belehrenden Aufſatz über „Kleopatra” und wie
immer eine Reihe ausgezeichneter Bilder, Kurzgeſchichten,
Skizzen. Wie man an heißen Sommertagen erfriſchende
Ge=
tränke bereitet, lehrt ein Aufſatz „Eiskalte Limonaden u.:d
Drinks” mit einer Reihe von ausgezeichneten Rezepten auch aus
fremden Zonen. — Der Modenteil plaudert von „Luxus=Wäſche‟
und „Koſtümen für Bade= und Kurorte.”
Nummer 240
Sonntag, den 31 Auguſt
Ser Küterverkehr in Solttscklonds unchtigsten Binnenkäfen 1929
Westliche Wasserstreßen
Dusdurg-Auhrort. Mi93t
Hamborn. . ..... 6320t
Mannheim-Luchgshh. 563tt.
Dortmund.....:. 4341t
Gelsenkrchen-Buer 4024t
Emden ?.....3900t
Essen..rttste, 3659t
Wasum...
275t
Frankfurta. M... 2661t
Rheinhausen. ... 2M1tABerin...
Wesseling asese 245t Hamburg-Altonau.
Köln...
Karlsruhe zas 433141Stettin2...
Ostliche Wasserstraßen /Koselt....
2320t
Det iuerncetun g eate iMt.
Breslau.
88t
501t
2366t WHardurg Wihelnst
Königsberg ?.- 706t
„.2770t1Oresden. kgss. 83t
Onur Binnenhafen
Lahlen in Tausendt
Der Gükerverkehr der
wichkigſten deukſchen
Binnenhäfen 1929.
Unſere Statiſtik zeigt die
über=
ragende Stellung, die ſich
Duis=
burg=Ruhrort, der größte
Bin=
nenhafen der Welt, errungen
hat. Sein Güterumſchlag blieb
1929 nur um etwa 10 Prozent
gegenüber dem Güterumſchlag
des Hamburger
Großſchiffahrts=
hafens zurück. Mannheim, das
in der Vorkriegszeit der größte
deutſche Binnenhafen war, folgt
hinter Berlin, dem Hamburger
Binnenhafen und Hamborn erſt
an fünfter Stelle. Sein
Zurück=
ſinken erklärt ſich aus dem
Weg=
fall des elſaß=lothringiſchen
Hinterlandes.
Bom ſüddeukichen Produkkenmarkk.
Auch an den internationalen Märkten iſt die Unternehmungsluſt
ge=
ring. Die amerikaniſche Sommerweizenernte iſt in vollem Gange, und
die kanadiſche Ernte wird ebenfalls einſetzen. Ueber das Ergebnis
lie=
gen ungünſtige Berichte vor. Die Verſchiffungen aus beiden Ländern
ſind ſehr umfangreich und da das europäiſche Geſchäft ſchon in den
letz=
ten Wochen ziemlich groß war, kann man mit einer weiteren Zunahme
rechnen. In Liverpool iſt der Report für Weizen am Terminmarkt faſt
ganz verſchwunden. Zu beachten ſind auch die Beſtrebungen in
Auſtra=
lien und Argentinien zur Bildung von Weizenpools. — Die hieſigen
Getreidemärkte zeigen noch immer keine ſonderliche Belebung des
Ge=
ſchäftes. Am Weizenmarkte ſind die Preiſe zum Teil im Einklang mit
den Auslandsmärkten meiſt niedriger geworden. Erſt gegen Ende der
Woche hat ſich die Haltung befeſtigt. Man verweiſt auf Beſtrebungen,
den Vermahlungszwang für Inlandsweizen zu erhöhen. Das Angebot
hält ſich infolgedeſſen zurück, während die Nachfrage, vor allem von
ſeiten der Mühlen, ſich vermehrt. Beſonders ſpätere Lieferungen waren
befeſtigt. Roggen lag am hieſigen Markte feſter. Zwar iſt immer noch
für Stützungsmaßnahmen reichliches Angebot vorhanden. Anregend
wirkte zunächſt das ungünſtige Ergebnis der amtlichen Schätzung.
Da=
neben wurde der vor dem Abſchluſſe ſtehende 60=Millionen=Kredit für
Getreideſtützung viel beachtet. Der Kredit ſoll von Banken, die der
Ge=
treide=Induſtrie= und Kommiſſions=A.=G. naheſtehen, der Deutſchen
Ge=
treidehandels=Geſellſchaft zu Getreideſtützungszwecken gewährt werden.
Dieſe Mittel werden der Roggenſtützung einen kräftigen Halt geben.
Ferner verhandelt man noch über eine Neuordnung der
Stützungs=
grundlagen. Am Mehlmarkt iſt das Geſchäft weiter klein. Im Laufe
der Berichtswoche hat die Süddeutſche Mühlenkonvention den Preis für
Weizenmehllzweimal um 50 Pfg. ermäßigt, ohne daß eine
nennens=
werte Geſchäftsbelebung eingetreten iſt. Feſt lag Roggenmehl, vor allem
unter dem Einfluß der Roggenſtützungskäufe. Hafer zeigte im Verlaufe
der Woche nach anfänglicher Befeſtigung eine ſtarke Abſchwächung. Der
Preisverluſt für Hafer alter Ernte betrug gegen die Mitte der Woche
8,5 RM. pro Tonne. Erſt gegen Ende der Woche konn,e ſich der Preis
etwas erholen. Die mehrtägige Flaute dürfte an dieſem Markt wieder
etwas Unternehmungsluſt hervorgebracht haben, während die Angebote
zurückgingen. Gerſte liegt ſehr ruhig. Für Futtergerſte ſind die
Ge=
bote zurückgeſetzt. Futtermittel liegen ruhig bei eher ſinkenden Preiſen.
Oelhaltige Futtermittel ſind eher etwas geſucht, während Kleie,
Futter=
mehl und Biertreber gedrückt waren. — Der Kartoffelmarkt zeigte eine
Verſchlechterung der geſamten Marktlage. Die Außenhandelsbilanz für
Kartoffel ſtellt ein trübes Bild dar, weil neben der Steigerung der
Ein=
fuhr gleickzeitig in dieſem Jahre ein ſtarker Rückgang der Ausfuhr zu
verzeichnen iſt, ſo daß eine doppelte Belaſtung des deutſchen
Kartoffel=
marktes eintreten mußte.
Von füddeutſchen Eiſenmarkt.
In der vergangenen Woche bot der ſüddeutſche Eiſenmarkt das gleiche
unerfreuliche Bild, wie bisher. Von den erhofften Bedarfsſteigerungen
der eiſenverarbeitenden Induſtrie iſt nichts zu bemerken. Im Gegenteil
ging der Bedarf durchweg zurück. Zwar hatten die größeren Händler
und Verbraucher Gelegenheit zu günſtigen Notierungen, die bis auf die
Höhe der Verbandspreiſe zurückgingen einzukaufen. Man machte aber
nur in mäßigem Umfange von dieſer Möglichkeit Gebrauch, da die
wirt=
ſchaftlichen Verhältniſſe eine vorſichtige Dispoſition geboten erſcheinen
laſſen. Die Abrufe auf beſtehende Abſchlüſſe erfolgen nur vereinzelt.
Es hat den Anſchein, als ob die Händler erwarten wollten, in welcher
Weiſe ſich die Verhältniſſe am ſüddeutſchen Eiſenmarkt entwickeln
wer=
den, nachdem die alte Großhändlervereinigung gefallen iſt und die
Süd=
deutſche Eiſenzentrale wohl auf die Dauer allein ohne
Großhändler=
verband nicht aufrecht erhalten werden kann. Dazu die Tatſache der
Ueberſetzung des Einzelhandels, die die allgemeine ſchlechte
Baukonjunk=
tur in beſonders drückender Weiſe ſich auswirken läßt. Die
Preisgeſtal=
tung für Form= und Stabeiſen iſt durchaus unüberſichtlich. Lediglich für
Lagerlieferungen unter 15 Z. beſtehen feſte Notierungen (S. E.Z.=Preiſe),
während Werkslieferungen und Ladungen ab Lager im Preiſe frei ſind,
d. h., es darf nicht unter den Preiſen des Stahlwerksverbandes
ver=
kauft werden. Die Verhandlungen zur Wiedererrichtung der
Groß=
händlervereinigung ſind angebahnt, haben aber bis jetzt noch keinerlei
Ergebnis gezeitigt.
Der Geldmarkt in der Ullimowoche.
Erwartungsgemäß hat ſich der Ultimo am Geldmarkt nicht ſtärker
bemerkbar gemacht. Nur für Tagesgeld trat eine ſtärkere Anſpannung
ein, während die Lage am Terminmarkt ſich nur unweſentlich veränderte.
Die Nachfrage von Börſenſeite blieb unverändert gering, und der Bedarf
der Induſtrie hat eher noch weiter abgenommen, ein Zeichen für die
Verſchärfung der wirtſchaftlichen Depreſſion. Am Berliner
Privatdis=
kontmarkt blieb fortgeſetzt kleine Nachfrage beſtehen, ohne daß eine
Ver=
änderung des Satzes von 3½½ Prozent vorgenommen wurde. Die
Nach=
frage wurde befriedigt durch den Verkauf einer neuen Serie von
Reichs=
ſchatzanweiſungen mit Verfall am 15. September 1931 zu 5.25 Prozent,
nachdem die Serie mit Laufzeit bis 15. Auguſt 1931 ausverkauft worden
iſt. — An den ausländiſchen Geldmärkten hielt die Flüſſigkeit ebenfalls
an. Auch in London herrſchte außerordentliche Leichtigkeit; infolge der
Erholung des Pfundkurſes ſind neue Goldabgaben der Bank von
Eng=
land nicht zu befürchten. Man hatte deshalb vielfach erwartet, daß das
engliſche Notenbankinſtitut am Donnerstag eine Herabſetzung des
Dis=
kontſatzes vornehmen werde, welchem Vorgehen man dann in Paris und
New York hätte folgen können, ſo daß auch einer Herabſetzung der
Reichsbankrate kaum etwas im Wege geſtanden hätte. Dieſe
Erwartun=
gen haben ſich bis jetzt nicht erfüllt. Die Frage, ob gegenwärtig neue
Diskontſenkungen zweckmäßig ſind, kann natürlich verſchieden
beantwor=
tet werden. Jedenfalls iſt die Situation an den Geldmärkten ſo, daß
man auch von den Herbſtanſprüchen keine beſonders ſtarke Verſteifung
erwarten zu müſſen glaubt. Etwaigen Diskontſenkungen in London,
Paris und New York müßte die Reichsbank wohl ziemlich zwangsläufig
folgen, denn die Fühlung mit dem offenen Markt hat ſie bereits jetzt
faſt völlig verloren, wie die geringe Inanſpruchnahme ihres
Wechſel=
kredits nach dem füngſten Ausweis beweiſt. — In der Woche vom 25.
bis 30. Auguſt 1930 nahmen die Geldſätze am Frankfurter Platz folgende
Entwicklung: Tagesgeld 3,5—4—4,5—5 Prozent. Monatsgeld erſte
Adreſſen 4:/——4,25 Prozent, Monatsgeld zweite Adreſſen 5,25—5,5
Pro=
gent. Warenwechſel 3‟/, Prozent.
Die Lage der deutſchen Banmwollſpinnerei im Juli.
Nach dem Bericht des Arbeitsausſchuſſes der Deutſchen
Baumwoll=
ſpinnerverbände hat ſich in keinem Zweige der Baumwollſpinnerei die
Geſchäftslage im Juli gebeſſert. Die ſchwankenden, dauernd nach unten
gerichteten Baumwollmarkte mit der Ungewißheit über die Entwicklung
der politiſchen und allgemeinen wirtſchaftlichen Verhältniſſe,
veranlaß=
ten die Abnehmerſchaft zu größter Zurückhaltung. Infolgedeſſen ſind
die Auftragseingänge, die bereits in den Vormonaten völlig
unzuläng=
lich waren, vielfach noch weiter zurückgegangen, ſo daß ſich der ab
Schluß des Monats vorhandene Auftragsbeſtand ſtellenweiſe erheblich
vermindert bat. Auch der Abruf auf laufende Kontrakte war ſehr
ſchleppend. Die vollkommene Stagnation auf dem Baumwollmarkt iſt
auch nicht ohne Einfluß auf die Preiſe geblieben, die in ſtärkerem Maße
zurückgegangen ſind, als es dem Sinken der Baumwollpreiſe
entſpro=
chen hätte. Hierbei wirkte ſich der nach wie vor anhaltende Druck der
ausländiſchen Konkurrenz, die durch niedrigſte Angebote die wenigen
Aufträge an ſich zu reißen verſuchte, ſehr ungünſtig aus. Im
Berichts=
monat ſind weitere Betriebseinſchränkungen vorgenommen worden, und
es wird befürchtet, daß eine Reihe von Betrieben demnächſt zu noch
größeren Einſchränkungen und völligen Stillegungen ſchreiten muß,
falls nicht eine baldige und weſentliche Beſſerung der Geſchäftslage
ein=
tritt.
Wirtſchafkliche Rundſchan.
Der Effektenverkehr am Samstag. Am heutigen Samstag, der der
letzte börſenfreie Samstag dieſes Jahres iſt, waren in den Bank= und
Börſenbüros keine Effektenkurſe zu hören. Der Satz für Tagesgeld zog
angeſichts des Ultimo auf 5—7 Prozent an. Monatsgeld war mit 4,25
bis 5,5 und Warenwechſel mit 38/ zirka zu hören. Die ſpaniſche Valuta
war heute mit 44,5 gegen London erholt. Im übrigen hörte man Kabel
gegen Mark 4,1874. Pfunde—Kabel 4,86‟/, Pfunde—Mark 20,38,8.
p. Ueberlafſung ausländiſcher Wertpapiere an das Reich. Soweit
auf Grund der bisher geltenden Beſtimmungen Wertpapiere in das
Eigentum des Reiches übergegangen ſind, und ein Uebernahmepreis noch
nicht bezahlt iſt, kann das Reich den bei der Verwertung erzielten Crlös
nach den bisherigen Beſtimmungen an die Berechtigten zur Ausſchüttung
bringen oder den Berechtigten für die abgelieferten Papiere einen
entſprechenden Betrag gleicher Art von Wertpapieren mit laufenden
Zin=
ſen zurückzugeben. Anſprüche dieſer Art können aber nur noch bis 1.
Okto=
br 1933 beim Reichsminiſter der Finanzen geltend gemacht werden.
Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskoſten im Auguſt
1930. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskoſten (
Er=
nährung. Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und
„ſonſtiger Bedarf”) beläuft ſich nach den Feſtſtellungen des
Stati=
ſtiſchen Reichsamtes für den Durchſchnitt des Monats Auguſt auf
148,8 gegenüber 149,3 im Vormonat. Sie iſt ſomit um 0.3 v. H.
zurückgegangen. Innerhalb der Bedarfsgruppe „Ernährung”
haben vor allem die Preiſe für Gemüſe nachgegeben. Die Preiſe
für Bekleidungsgegenſtände haben ihren Rückgang verſtärkt
fort=
geſetzt. Die Indexziffern, für die einzelnen Gruppen betragen
(1913/14 — 100) für Ernährung 145,3 für Wohnung 130,2, für
Heizung und Beleuchtung 150,4, für Bekleidung 163,2, für den
„ſonſtigen Bedarf” einſchließlich Verkehr 193,3.
Inderziffer der Großhandelspreiſe vom 27. Auguſt 1930. Die
auf den Stichtag des 27. Auguſt berechnete Großhandelsindexziffer
des Statiſtiſchen Reichsamts iſt gegenüber der Vorwoche um 0,8
v. H. auf 124,0 zurückgegangen. Von den Hauptgruppen iſt die
Indexziffer für Agrarſtoffe um 2.0 v. H. auf 115,4 geſunken. Die
Indexziffer für induſtrielle Rohſtoffe und Halbwaren hat um 0.3
v.H. auf 117,1 und diejenige für induſtrielle Fertigwaren um 0,1
v. H. auf 149,1 nachgegeben.
Konkursnachrichten aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmſtadt.
Neue Verfahren: Oppenheim: Firma W. Schwarz, Geſ. m. b.
H., in Nierſtein. Anmeldefriſt 10. 9., Prüfungstermin 19. 9. —
Seligen=
ſtadt: Kaufm. Hieronymus Mohrhardt in Babenhauſen. Anmeldefriſt
24. 9., Gläubigerverſammlung und Prüfungstermin 1. 10. — Neue
Vergleichsverfahren: Bad Nauheim: Firma Carl Merk, Inh.
Kaufmann Carl Merk. Vergleichstermin 10. 9. — Offenbach: Firma
Weipert u. Seidel, Fabrik feiner Lederwaren. Inh. Philipp Weipert.
Vergleichstermin 4. 9.
Helvetia Konſervenfabrik Graß=Gerau A. G., Groß=Gerau. Die
Ge=
ſellſchaft legt für das Zwiſchengeſchäftsjahr vom 1. Januar bis 30. April
1930 einen Abſchluß vor, der einen Verluſt von 69 387 RM. ausweiſt.
Nach Heranziehung des Gewinnvortrags aus 1929 verbleibt ein
Reſt=
verluſt von 48 334 RM., der vorgetragen wird. Unkoſten, Steuern und
Zinſen erforderten 341 626 (1929: 1,12 Mill.) RM., Abſchreibungen
69 387 (126 053) RM. Nach dem Bericht habe der Abſatz in den erſten
Monaten 1930 nicht befriedigt. Da die Vorbereitungsarbeiten für die
Ende Mai begonnene Kampagne aufgenommen wurden, ruhte die
eigentliche Fabrikation faſt ganz. Die Betriebsunkoſten ſeien dadurch
verhältnismäßig höher als in einem vollen Geſchäftsjahr. Die
Aus=
gaben für Steuern und Zinſen hätten nicht verringert werden können.
Im neuen Jahre ſei der Abſatz wieder zurückgegangen die Ausſichten
ſeien jetzt nicht günſtig. In der Bilanz erſcheinen Verbindlichkeiten
mit 2,50 (2,59), Akzepte mit 1,55 (2,00) Mill. RM. Andererſeits ſind
Schuldner und Bankguthaben mit 1,04 (1,29), Vorräte mit 3,37 (3,74)
und Effekten mit 0,25 (0,30) Mill. RM. ausgewieſen.
Philipp Holzmann A.=G., Frankfurt a. M. Die Hellerhof A.=G.,
Frankfurt a. M., wird nächſtens zur Verminderung der Arbeitsloſigkeit
mit der Errichtung von weiteren 400 Wohnungen beginnen, die zum
Wohnungsbauprogramm 1931 zählen. Der Bauauftrag, der ſich auf
etwa 3,1 Mill. RM. beläuft, iſt laut „Frankf. Ztg.” wie in früheren
Fällen der Philipp Holzmann A.=G. erteilt worden, die ihrerſeits dem
Auftraggeber das Gelände zur Verfügung ſtellt und die
Zwiſchenfinan=
zierung beſorgt. Gleichzeitig iſt der bisher noch im Beſitze von
Holz=
mann befindliche kleine Teil (etwa 3—4 Prozent von 1,8 Mill. RM.)
Aktien der Tornowſchen A.=G. in den Intereſſenkreis der Stadt
Frank=
furt a. M. übergegangen.
Weſtdeutſche Bleifarbenwerke Dr. Kalkow A. G., Frankfurt a. M.
Wie erſt jetzt bekannt wird, beſchloß eine kürzlich abgehaltene G.=V. der
der Tellus A.=G. naheſtehenden Geſellſchaft eine Erhöhung des
Aktien=
kapitals von 500 000 auf 700 000 RM. Die neuen Aktien ſind von der
Tellus A.=G. üibernommen worden. Zweck der Kapitalerhöhung iſt ein
weiterer Ausbau des Arbeitsgebietes und die Uebernahme der
Fabrika=
tion der Gailitzer Bleifarbenwerke G. m. b. H., Klagenfurt
20prozentiger Abfatzrückgang in der rheiniſch=weſtfäliſchen
Brau=
induſtrie. Der rheiniſch=weſtfäliſchen Brauinduſtrie brachte der Monat
Auguſt ein ebenſo unbefriedigendes Ergebnis der Abſatzziffern wie der
Monat Juli. Ein Geſamtüberblick über die Entwicklung des Abfatzes
nach Inkrafttreten der Reichsbierſteuererhöhung zeigt einen
durchſchnitt=
lichen Abſatzrückgang von etwa 20 Prozent, der in der Hauptſache auf
die allgemeine wirtſchaftliche Notlage, daneben auch auf die
Bierſteuer=
erhöhung zurückgeführt werden muß. Wird die in der Notverordnung
vom 26. Juli vorgeſehene Erhöhung der Gemeindebierſteuer eingeführt,
ſo wird an den meiſten Plätzen eine weſentliche Ausſchank=
Preisſteige=
rung unvermeidbar.
Weitere Preisſenkungsverhandlungen mit dem Eiſen= und
Stahlwerksverband. Wie das Reichsverkehrsminiſterium
mit=
teilt, iſt die von der Deutſchen Reichsbahngeſellſchaft in den
Vor=
verhandlungen mit dem Stahlwerksverband erzielte Senkung der
Preiſe für Schienen und eiſerne Schwellen nunmehr endgültig
feſtgelegt. Im Anſchluß hieran finden in den nächſten Tagen
Verhandlungen wegen Senkung der Preiſe für die übrigen
Sor=
ten Walzeiſen im Reichswirtſchaftsminiſterium ſtatt. Das
Er=
gebnis dieſer Verhandlungen wird auch für die Vergebung der
Fahrzeuge der Reichsbahn, bei denen die Eiſenpreiſe einen
erheb=
lichen Teil der Beſchaffungskoſten ausmachen, von Bedeutung
ſein.
Einfuhrziffer für ausländiſchen Wein. Im Halbjahr 1930
wurden 415 036 Doppelzentner Wein im Werte von 18,3 Mill.
RM. in das Reichsgebiet eingeführt. Dieſe Einfuhrziffer wurde
erreicht trotz des wirtſchaftlichen Druckes und trotzdem der deutſche
Wein ohne Rückſicht auf ſeinen Preisrückgang um mehr als 50
Pro=
zent unverkäuflich im Keller des Winzers liegt. Es iſt
infolge=
deſſen begreiflich, daß man in Winzerkreiſen, in denen man die
Hilfe, die das Weingeſetz dem deutſchen Weinbau bringt, durchaus
anerkennt in Ergänzung dieſes Geſetzes eine Heraufſetzung der
Zollſätze für ausländiſchen Wein wünſcht.
Brodukkenberichte.
* Mainzer Produktenbericht. Großhandelseinſtandspreiſe per 100
Kilo loko Mainz, am Freitag, den 29. Auguſt 1930: Weizen 26,5,
Roggen 16,5, Hafer 16,75, Braugerſte 21—22, Induſtriegerſte 18—19,5:
Futtergerſte 17.,5—18, Malzkeime 10,5—11,5: Südd. Weizenmehl Spez.
Null 42,90; Rogenmehl 60proz. 27,5—28, Weizenkleie fein 8,10; grob
8,60, Roggenkleie 8—7,5, Weizenfuttermehl 10,5, Plata Mais 25,5,
Bier=
treber 10,25—11,75. Erdnußkuchen 15—15,75. Cocoskuchen 15—19,5.
Palm=
kuchen 10,5—11, Rapskuchen 10,25—11. Kleeheu loſe 5. geb. 5,40,
Wieſen=
heu loſe 5,50—5,80, geb. 6. Maſchinenſtrob 3. Drahtpreßſtroh 3,50,
Weiße Bohnen 39. Tendenz: Zurückhaltend.
Von der Frankfurter Produktenbörſe. Auf Grund eines Erlaſſes
des Herrn Miniſters für Handel und Gewerbe vom 23. Januar 1930
wird die Frankfurter Börſe, Abteilung Getreide, ab 1. September 1930
für die Ernte 1930/31 vorerſt notieren: Weizen (Heſſen und Provinz
Heſſen=Naſſau): Hektolitergewicht von 75 Kilo, gut, geſund und trocken.
Die Feſtſtellung des zu notierenden Hektolitergewichts für Roggen ſoll
innerhalb der nächſten vier Wochen vorgenommen werden. Inzwiſchen
wird Roggen (Heſſen, Provinz Heſſen=Naſſau und Unterfranken)
Durchſchnittsqualität, geſund und trocken, notiert. Die Preiſe verſtehen
ſich je Tonne Frachtverrechnung (Parität) Frankfurt a. M. für
alsbal=
dige Lieferung.
Frankfurer Eiergroßhandelspreiſe. Marktlage: Tendenz ſtetig,
Verkauf ſehr ſchleppend. Das Angebot hat ſich namentlich für deutſche
Eier ſtark verringert. Die Forderungen für Auslandseier lauteten
zu=
meiſt ſehr feſt, doch blieben die Preiſe am hieſigen Markt ziemlich
un=
verändert. Es notierten in Pfg. pro Stück: Bulgaren 8,40—8,50;
Jugo=
ſlaven 8—8,25; Rumänen 8—8,25; Polen 6,25—6,50; Holländer 9,50—
12,00; Dänen 10—12; Belgier 10,00—10,80: Schleſier 8,50—9; Bahern
9—9,50; Norddeutſche 9—10; Italiener Ruſſen, Chineſen, Franzoſen
nicht am Markt. Auslandseier unverzollt ab Grenzſtation, Inlandseier
ab Station.
Frankfurter Buttergroßhandelspreiſe. Tendenz: ſehr ruhig. Preiſe
für Auslandsbutter unverändert, für deutſche Butter niedriger. Es
koſtete das Pfund im Großhandelsverkehr: Auslandsbutter (holländ.)
1 Faß (50 Kilo) 1,62; ein halbes Faß 1,64; in Halbpfundſtücken 1,65;
deutſche Molkereibutter 1,50 Mark.
Berliner Produktenbericht vom 30. Auguſt. Während in den
Vor=
mittagsſtunden die Tendenz des Produktenmarktes als ſchwächer zu
be=
zeichnen war, zeigte die Eröffnung der Wochenſchlußbörſe einen
ſteti=
geren Grundton. Das Geſchäft war jedoch knapp, abgeſehen von den
Stützungskäufen im Prompt= und Lieferungsgeſchäft, ziemlich
belang=
los. Weizen notierte bis 1,50 Mark höher. Für promptes
Waggon=
material lauteten die Forderungen unverändert. Stützungskäufe
er=
folgten bis zu 2 Mk. höheren Preifen. Roggen blieb am
Lieferungs=
markt auf Grund von Interventionen unverändert; das Angebot von
Waggonware für Stützungspreiſe war reichlich, fand jedoch nur zum
Teil Unterkunft, wobei dem Vernehmen nach wieder 2 Mk. höhere
Preiſe bezahlt werden ſollen. Am Mehlmarkt iſt keine Veränderung
zu verzeichnen. Hafer liegt bei ausreichendem Angebot ſtetig. Gerſte
ruhig.
Biehmärkte.
Auf dem Schweinemarkt in Weinheim a. d. Bergſtr. am Samstaa.
den 30. Auguſt, wurden 445 Tiere zugeführt. Verkauft wurden 308 Stück,
und zwar Milchſchweine das Stück von 15 bis 25 Mark, Läufer das
Stück von 30 bis 55 Mark. Marktverlauf; mäßig.
Kleine Wirtſchaftsnachrichten.
Das Kupferbergwerk der Gewerkſchaft Aufglück 2 in den
Gemarkun=
gen Griebelſchied, Bergen und Kirnſulzbach ſo wie das
Steinkohlen=
bergwerk der Saarkohlengruppe „Fürſtentum” in den Gemarkungen
Berſchweiler und Bergen werden demnächſt zwangsverſteigert.
Mit einer Feſtſitzung wurde geſtern nachmittag die Leipziger
Baumeſſe aus Anlaß der diesjährigen Herbſtmeſſe eröffnet. Die
Baumeſſe findet nun bereits zum 25. Male ſtatt.
Die Weſtdeutſche Bleifarbenwerke Dr. Kalkow A.=G., Frankfurt a.
M., hat die durch die Univerſalverſammlung beſchloſſene
Kapitalerhöh=
ung von 500 000 RM. auf 700 000 RM. durchgeführt. Sie diente
haupt=
ſächlich der Uebernahme der Fabrikation der Tochtergeſellſchaft Gailitzer
Bleifarbenwerke G. m. b. H. in Klagenfurth.
Bei den Mannesmann=Röhrenwerken, Düſſeldorf, iſt im erſten
Se=
meſter 1930 gegenüber dem erſten Semeſter 1929 der Umſatz der
Kohlen=
zechen und derjenige der Röhrenwerke um 16 bzw. 18 Prozent
zurück=
gegangen, dagegen hat der Verſand an Blechen und Halbzeug eine
Stei=
gerung von 20 Prozent erfahren. Der Auftragsbeſtand betrug in
Röh=
renfabrikaten am 1. Juli 1930 65 Prozent des vom 1. Juli 1929, in
Blechen und Halbzeug 73 Prozent.
Von der Aeißeries Réunies de Burbach=Eich=Dudelange (Arbed),
Luxemburg, wird in kategoriſcher Form die Meldung von einer
angeb=
lichen Veräußerung des Maforitätsbeſitzes beider Felten und
Guille=
aume A.=G., Köln, dementiert.
Der Termin für die Ulmer Wollauktion wurde vom
Auktionsaus=
ſchuß für Ende September feſtgelegt.
Der Vorſitzende des franzöſiſchen Wirtſchaftsverbandes für
Export=
förderung hat an den ſpaniſchen Handelsminiſter ein Schreiben
gerich=
tet, in dem verlangt wird, Frankreich ſolle eine die ſpaniſche
Geldent=
wertung ausgleichende Steuer einführen, um die Unterbietungen durch
ſpaniſche Waren und ſomit den Rückgang der franzöſiſchen Produktion
zu verhindern.
Die Bank Lazard Freres hat an Bord der „Eurova” für 3,5
Mil=
lionen Dollar Gold nach Frankreich verfrachtet. Damit ſteigen die
ame=
rikaniſchen Goldſendungen nach Frankreich ſeit dem 16. Juli auf
64 810 000 Dollar.
Die von ruſſiſchen Unternehmungen eingeleiteten Verhandlungen
über die Unterbringung von Beſtellungen für den Bau von
Handels=
ſchiffen in Newcaſtle und Liverpool ſind unterbrochen worden. Die
eng=
liſchen Firmen, die die Lieferung übernehmen ſollten, erklärten, daß ſie
nicht imſtande ſeien, die Forderung fünf bis ſechsjähriger Kredite zu
gewähren.
Nach den amtlichen Statiſtiken iſt die Diamantengewinnung in der
Südafrikaniſchen Union in der erſten Hälfte dieſes Jahres gegenüber
der gleichen Zeit des Vorjahres um rund 1,5 Mill. Lſtrl.
zurückgeblie=
ben. Der Wert der Produktion der erſten ſechs Monate 1930 wird auf
4,15 Mill. Lſtrl. veranſchlagt.
Seite 22
Sonntag, den 31. Auguſt 1930
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In ſchickſalsſchwerer Stunde des Deutſchen Volkes hat der Reichstag verſagt. Dieſ;
alten Parteien haben ſich den harten Forderungen deutſcher Not entzogen. Kraftvolle Führer
aus verſchiedenen Lagern haben freiheitlich, fortſchrittlich und ſozial geſinnte Männer und
Frauen, die verantwortungsfreudig die Pflichten gegenüber der Volksgemeinſchaft und dem
Staat anerkennen um ſich geſchart und eine neue Gemeinſchaft,
Die Deutſce Stautspartel
gegründet. Die Deutſche Staatspartei erſtrebt den Ausbau des Staates im Geiſte der
Volksgemeinſchaft, die Fortentwicklung der Republick zum wahren deutſchen Volksſtaat.
Die Deutſche Staatspartei will dem Anſturm verhetzter radikaler Gruppen entſchloſſen
entgegentreten.
Die Deutſche Staatspartei iſt die neue und junge Front aller erneuerungswilligen
und verantwortungsbewußten Staatsbürger.
Die Deutſche Staatspartei will den Schlußſtrich ziehen unter die Intereſſenwirtſchaft
der Parteien, um eine wirkliche Geſundung unſerer unhaltbar gewordenen politiſchen und angewdt, d.akad. geb.
wirtſchaftlichen Zuſtände herbeizuführen.
Unſere Spitzenkandidaten:
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Landwirt Jehner, Schwalheim (Oberheſſen)
Univerſitätsprofeſſor Dr. Huntemüller, Gießen
neue Männer, aus verſchiedenen politiſchen Lagern zur Deutſchen Staatspartei ſtoßend —
bürgen dafür, daß unſere Grundſätze im öffentlichen Leben ſich Geltung verſchaffen.
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polizeihauptmann Ahl, Darmſiadt; Oberamtsrichter Dr. Andrae, Ortenberg (Oberheſſen), Obertelegraphenſekretär
Apel, Mainz=Caſiel; Hausfrau Erneſtiine Balſer, Neu=Iſenburg; Hilfsarbeiter Peter Balß, Rüſſelsheim;
Landwirt und Bürgermeiſier Carl Wilh. Bauer, Ober=Ingelheim; Profeſſor an der Techn. Hochſchule Dr.
rer, pol., Dr. ing h. c. Berndt, Darmſiadt; Schmiedemeiſter Beyer, Gedern; Schriftſteller Dr. h. c. Rudolph
Binding, Buchſchlag; Notar Dr. Bing, Mainz; Agent Blümler, Mainz; Studienrat Braunewell, Nidda;/
Fabrikant Dr. Büchner, Darmſiadt; Regierungsrat Dr. Bücking, Mainz; Rechtsanwalt und Notar Carnier,
Darmſiadt; Kaufmann Chriſi, Mainz; Oberſtudiendirektor Dr. Deggau, Worms; Hausfrau A. Dillmann,
Mainz; Rechtsanwalt Dr. Carl Dingeldeh, Darmſiadt; Miniſterialreviſor Dörr, Darmſtadt; Bürgermeiſter
und M. d. L. Eberle, Wolfsheim; Geſchäftsinhaber Egli, Mainz; Bürgermeiſter Dr. Ehrhard, Mainz;
Steinmetz Philipp Eichhorn III., Gadernheim; Univerſitätsbürodirektor Erle, Gießen; Chemiker Dr. Faehr,
Darmſiadt; Dr. phil. Fernkorn, Worms; Schulrat Fiſcher, Gießen; Redakteur und Verleger Franz, Erbach;
Hausfrau Liſelotte Gebhardt, Gießen; Bauunternehmer Gemünden, Ober=Ingelheim; Baurat und Direktor
Dr. Geyl, Gonſenheim; Gewerbelehrer Gleber, Offenbach; Amtmann Goſenheimer, Darmſtadt; Hausfrau
Clara Grein, Offenbach; Rechtsanwalt Dr. Marie Groſch, Mainz; Kaufmann und Stadtverodneter
Guthmann, Worms; Pfarrer Guyoi, Darmſtadt; Fabrikdirektor Hammer, Darmſtadt; Profeſſor an der
Techn. Hochſchule Dr. Heidebroek, Darmſtadt; Fabrikant Heil, Butzbach; Geſchäftsführer Himmler, Mainz;
Verſandleiter Hofmann, Darmſiadt; Feinmech.=Meiſter Holler, Klein=Linden; Lehrer Horn, Darmſiadt;
Steuerinſpektor Hundert, Worms; Univerſitätsprofeſſor, Dr. Huntemüller, Gießen; Bauinſpektor Jänſch,
Guſtavsburg; Landwirt Jehner, Schwalheim (Oberh.); Kaufmann Jerz, Bodenheim; Kommerzienrat und
Mitgl. der Handelskammer Joſeph, Darmſtadt; Fabrikant Kappus, Offenbach; Eiſenbahn=Oberingenieur
und Geſchäftsführer der Siedlungsgeſellſchaft Karnatz, Darmſtadt; Reg.=Rat Amalie Keller, Darmſiadt;
Studienrat Dr. Klenk, Mainz; Bauinſpektor und Stadtv, Klober, Mainz; Med =Rat Dr. Koch, Worms,
Rechn.=Direktor Koch, Darmſiadt; Hausfrau Roſe Kranz, Butzbach; Kommerzienrat u. Bankier Kronenberger,
Mainz; Bezirksvertreter Kullmann, Berſiadt; Landwirt Langsdorf, Teihgeſiern; Dr. med. Lauter, Bingen;
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Oberſiaatsanwalt Dr. May, Darmſtadt; Gewerkſchaftsſekretär Meſchkat, Worms; Miniſterialrat Dr. Metz,
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Müller, Darmſtadt; Müllereiarbeiter Navotne, Worms; Genoſſenſchaftsdirektor Paech, Darmſtadt;
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ſiadtz Juſtizrat Dr. Reh, Darmſitadt; Kaufmann Reichert, Offenbach ; Kaufmann Richter,Gießen „Tandwirt Robert
Saalwächter, Nieder=Ingelheim; Ingenieur Sachs, Mainz; Univerſitätsprofeſſor Dr. Schaum, Gießen; Kauf=
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Steinmann, Gießen; Amtsgerichtsrat Thomas, Waldmichelbach; Schreinermeiſier Veiter, Gießen;
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Unzählige Deutsche sind heute politisch heimatlos, weil die Parteien es nicht verstanden haben, das Wohl des
Ganzen über die Partei zu stellen, weil es ihnen nicht gelungen ist, der Zwietracht des deutschen Volkes
zu steuern, eine starke, zielbewußte Führung zu schaffen! Jetzt heißt es, ehe es zu spät ist, zur Errichtung
des einen Zieles, der Freiheit des deutschen Volkes, alle die zu sammeln, die auf dem Boden des hentigen
Staates an dem Weiterbau unseres Reiches mitznarbeiten gewillt sind!
Wir rußen daher auf:
zur Sammlung aller konservativen, d. h. bodenständigen, aufbaubereiten, staats- und
volksbejahen-
den Staatsbürger.
Wir kämpfen:
Für ein Freies Volk im Freien Reich!
Ein Ziel, das nur durch Schaffung von Arbeit, Brot und Lebensraum für alle Deutschen unter Erhaltung
des sozialen Schutzes, Erhaltung christlicher Kultur und nationalen Erbgutes, vom Parteigeist unabhängige
Staatsführung, erreicht werden kann.
Wir stehen:
zu Hindenburg und zu allen, die zur Zusammenarbeit im Staat für den Staat bereit sind!
Darum: Wer mit uns ist, wähle Liste 16.
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Für den Wahlkreis Hessen-Darmstadt:
Hans Balz, Regierungsassesor; Jean Belzer, Kaufmannsgehilfe; Wilh. Brack, Geschäftsführer: Dr. Ernst Bredan, Ober-
Regierungsrat; Wilh, Cratz, beeid. Bücherrerisor; Dr. Hanz Peter Danielolk, Rechtsanwalt; Kurt Gegenwart,
Geschäfts-
führer; Georg Grund, Buchhalter; Oskar Herold, Prokurist; Karl Hever, Oherpostmeister; Dr. Otto Hoetzsoh,
Universi-
tätsprofessor; Waldemar Jannot, stud agr.; Dr. Otto Jung, Kommerzienrat: Dr. Erieh Jung, Rechtsanwalt; Fritz
Kapz, Kaufmann; Gerhard Kristen, Verkaufsleiter; Erioh Kruschke, Kaufmann; Gustav Lanz, Oberregierungsrat; Dr. Hanz
Reen, Rechtsanwalt; Dr. Wilhelm Regendanz, Bankier; Hans Schmidt, Kaufmann; Dr. Josef Karl Scholz, Verleger;
Ernzt Tiller, Abteilungspräsident; Dr. Weber, Studienrat; Otto Zeiger, Kaufmann.
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Heinrich Ostertag
Seite 24
Sonntag, den 31. Auguſt 1930
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Ein Erfolg der Kammerspielkunst.
Der große 100% ſge Ton-, Sprech-
und Gesangsfilm mit
Carola Neher i
Zärtlichkeit
Ein Kammerspiel nach Motiven von
Henry Bataille
Regie: Rlchard Loewenbein
Die Darsteller:
Marthe Ellmer Schauspielerin Carola Neher
Panl Ellmer, ihr Mann, Bühnenscbriftsteller
Panl Otto
Kerten . . . . . . . . . Karl Ludwig Diehl
Feld, Schlagerkomponist Georg Alexander
Frl. Lorrmann, Haushälterin • Hermine Sterler
.. . Edithl d Awara
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Dazu ein neuer Micky-Film:
Ein Schifk streicht durch dle Wellen
Anfangszeiten: 200, 4.05. 6. 10, 820 Uhr
Heute und folgende Tage!
Der große Kriminal- und Abentener-
Film mit der reizenden Jenny Jugo
Die
Schmaunſerbrau
10N Mändrea
Die Liebesabanteuer im
Tch.m ag 1e rne2t.,7um
schwarzen Tkorplon.”
Leidenschaft, Liebe, Eifersucht und
Verbrecherjagden das sind die
auf-
regenden Handlungsmomente
des Films.
Besium 8 Uhr
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Die Wahrheit über den U. Boot-Krieg.
Orlalnal-Aufnahmen aus deutschen
u. englischendrchlvenstammend,dle
Bisher noch Heinem Luge zugänaig
vi mar
Blockade
Dieser Film entschleiert die Geheimnisse
des Unterseekrieges durch Schilderung
des heldenmütigen Kampfes der dentschen
U-Boote gegen die englisch-amerikanische
Flotte.
Es waren Taten der deutschen U-Boote, die
die ganze Welt in Krstaunen getzten
Beginn: 400, 405, 610, 820 Uhr (F.13083
Jugendliche haben Zutritt
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Gegenübder der Vesthalle. — Teleph. 3519.
Reit- und Fahr-Turniere.
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Deutſchlands beſtes Damen=Orcheſter.
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Heute nachmittag 4 Uhr
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Leitung: Konzertmeiſter Reitz.
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nachmittags 4 Uhr
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vom 30, August bis 1. September 1930
im Garten und sämtlichen Räumen der Vereinigten Gesellschaft, Darmstadt, Rheinstraße 36.
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Eintrittspreis 50 Pfg./ Tombola / Kinder 25 Pfg.